—— — — X— 6* UB GESSEN M 13 00 29 Unr Inr Vent m Leſejaa F 13 U5 4 ———— ———————.— 8 Grundſaͤtze rationellen Landwirthſchaft. Von Zweiter Band. In der RNealſchulbuchhandlung. — V o ede Dieſr Band enthaͤlt, außer dem Schluſſe des Hauptſtuͤcks von der Dekonomie, den Theil der Wiſſenſchaft, welcher nothwendig auf die Chemie begruͤndet und zuruͤckgefuͤhrt werden muß, wenn wir zu ſicheren Beſtimmungen und neuen fruchtbaren Folgerungen gelangen wollen. Deshalb muß die Theorie, oder das Chemiſche dieſer Lehre, in ſofern ſie auf die Praris Bezug hat, nicht nur vorgetragen, ſondern mit letzterer mehr in Verbindung geſetzt werden, als es bisher auch von den neueſten und vorzuͤglichſten Schriftſtellern uͤber Agrikultur⸗Chemie, ſelbſt von un⸗ ſerm Hermbſtaͤdt geſchehen war. Ich durfte hier nicht zu kurz ſeyn, ohne dem groͤßeren Theile meines Publikums unverſtaͤndlich zu werden, Mißverſtaͤndniſſe zu erregen und Lucken in denjenigen Kenntniſſen zu laſſen, die zu einer rationellen Beurtheilung und Unterſuchung des Bodens unum⸗ gaͤnglich noͤthig ſind. Dadurch iſt das dritte Hauptſtuck weitlaͤuftiger geworden, als ich glaubte; und was dieſer Band vom zweiten Abſchnitt des vierten Hauptſtuͤcks noch haͤtte faſſen koͤnnen, war zu unbedeutend, um es von dem uͤbrigen zu trennen. Wenn ich Alles ſo ausfuͤhrlich, wie jenes, behandeln wollte, ſo wuͤrde das Werk freilich uber die beſtimmten Graͤnzen hinausgehen. Ich werde aber, wenn ich auf das allgemein Bekannte komme, kuͤrzer ſeyn koͤnnen, ohne der Genauigkeit und Vollſtaͤndigkeit etwas zu vergeben; mich auch oft auf das Vorgeſagte beziehen koͤnnen. So werde ich insbe⸗ ſondere die Lehre von den einzelnen vege etabiliſchen Produktionen mehr aphoriſtiſch und gewiſſermaßen tabellariſch vortragen, da bei ſelbiger Miß⸗ wꝙ Vorede. verſtaͤndniſſe weniger zu beſorgen ſind, und ſie nur zu oft und zu weitlaͤuf⸗ tig von andern behandelt iſt. Ich hoffe gerade dadurch das Weſentlichſte uud Wiſſenswuͤrdigſte hervorzuheben, was unter dem Wortſchwall bis⸗ her dem Auge entruͤckt war. Auch werde ich mich in Anſehung der Lehre von der Vegetation im Allgemeinen kuͤrzer faſſen konnen, wie ich glaubte; da mein Schwiegerſohn Crome dieſem Beduͤrfniſſe der rationellen Ak⸗ kerbaulehre gleichzeitig durch ſein Handbuch der Naturgeſchichte fuͤr Landwirthe abhelfen wird. Und ſo werden vier Baͤnde von der beſtimmten Bogenzahl im Ganzen das Werk dennoch faſſen. Um mein Geiſtes⸗Eigenthum— denn nur die Benutzung deſſelben üͤberlaͤßt der Verfaſſer den Kaͤufern ſeines Werks— um ſo foͤrmlicher zu dokumentiren, habe ich jedes Exemplar mit meiner eigenhaͤndigen Unter⸗ ſchrift verſehen, und jedes andere fuͤr geſtohlenes Gut erklaͤrt. Dem un⸗ geachtet erfrecht ſich ein Nachdrucker ſeine Diebeswaare oͤffentlich auszu⸗ bieten. Man ſagt, daß ihn der Buchſtabe der Geſetze ſeines Staates ſchuͤtze, und daß im gerichtlichen Wege nichts gegen ihn auszurichten ſey. Mag es— ich habe zu der Rechtlichkeit desjenigen Publikums, dem die⸗ ſes Werk gewidmet iſt, das Zutrauen, daß niemand ein falſches Exem⸗ plar, wodurch der Verfaſſer offenbar beſtohlen worden, ohne Widerwil⸗ len anſehen, viel weniger bei ſich dulden werde. Wie kann jemand, der Belehrung in dieſem Werke ſucht, ſich unablaͤſſig ſagen wollen: der Nann, der ſie dir hier giebt, iſt durch das Buch, welches du in Haͤnden haſt, um ſeinen rechtmaͤßigen Erwerb betrogen worden! Auch wuͤrde man noch andere Folgen eines ſolchen Nachdrucks empfinden, da bei kuͤnftigen Anfuͤhrungen die Baͤnde⸗ und Seitenzahl nie paſſen koͤnnen. Der Verfaſſer. Inhalts⸗ Inhaltsverzeichniß des zweiten Bandes. Wihtiger Nachtrag zum zweiten Hauptſtuͤck. Xur— XXyrn (Nach Vollendung des zweiten Hauptſtuͤcks zu leſen.) Verhaͤltniſſe der Wirthſchaftsſyſteme gegen einander. In einem Beiſpiele dargeſtellt. Seite 2. Erklaͤrung der Tabellen. g. Bemerkungen uͤber die tabellariſch dargeſtellten Wirthſchaftsarten. 9. Tabelle r. Einfache reine Dreifelderwirthſchaft. 12. —. Felderwirthſchaft mit Erbſen, Klee und Stallfutterung. r4. Mecklenburgiſche Koppelwirthſchaft in 7 Schlaͤgen. 16. Mecklenburgiſche Koppelwirthſchaft in 10 Schlaͤgen. 18. Mecklenburgiſche Wirthſchaft in 12 Schlaͤgen 20. Koppelwirthſchaft nach neuerer Hollſteiniſcher Art. 22. Achſchlägise Wirthſchaft nach der Regel des Fruchtwechſels mit eide 29. . Qchtſchlaͤgige Wirthſchaft nach der Regel des Fruchtwechſels mit Stall⸗ futterung des Rindviehes. 26.. 9. Zehnſchlägige Wirthſchaft nach der Regel des Fruchtwechſels mit Stall⸗ futterung des Rindviehes und Schafweide. 28. — 0. Verhaͤltniſſe dieſer Wirthſchaften gegen einander. 30. (Dieſe Tabellen erfordern einige im Nachtrage zu dieſem Hauptſtuͤcke ange⸗ gebenen Correkturen.) — — Uebergang in eine neue Wirthſchaftsart. Zr. Rothwendige Bedingung; Vermehrung des Betriebskapitals. 3r. Uebergang aus der Felderwirthſchaft in die Koppelwirthſchaft. 32. Uebergang aus der Felderwirthſchaft in die neunfeldrige Fruchtwechſelwirthſchaft. 33. (Verglichen Tabelle A.) Uebergang zu einer ſechsfeldrigen Fruchtwechſelwirthſchaft. 36. (Verglichen Tabelle B.) Uebergang aus einer Mecklenburgiſchen Koppelwirthſchaft zum Fruchtwechſel mit Stall⸗ futterung. 37.(Verglichen Tabelle C.) uebergang aus einer eilfſchlaͤgigen Wirthſchaft zur Fruchtwechſelwirthſchaft. 38. (Verglichen Tabelle D) Uebergang zu einer Weidewirthſchaft nach der Regel des Fruchtwechſels. 39. (Verglichen Tabelle E.. Zweiter Theil. b vr Drittes Hauptſtuck. Agronomie, oder die Lehre von den Beſtandtheilen des Bodens. Wichtigkeit, dieſe Lehre wiſſenſchaftlich zu behandeln. 43. Beſtandtheile des Erdbodens. 44. Unterſchied zwiſchen eigentlicher Erde und Humus. 5. Entſtehung der Erdlagen. 45. Chemiſche Betrachtung der Erden. 47. Verhalten der einfachen Erden gegen das Feuer und gegen das Oxygen. 5o. Gegen das Waſſer. 5o. Gegen die flchtigen Stoffe. Fr. Gegen die Saͤuren. 52. Verhalten der einfachen Erden gegen einander. 52.. Die Kieſelerde. In ihrem reinen Zuſtande. 33. Verhalten gegen das Waſſer. 54. gegen die Saͤuren. 54. gegen die Alkalien. 55. Das Glas. 55. Koͤrper, welche die Kieſelerde vorzuͤglich enthalten. 56. Der Sand und deſſen Arten. 57. Die Thonerde. Im reinen Zuſtande.§8. Unterſcheidung derſelben vom Thon. 50. Reine Thonerde kommt nie in der Natur vor, verbindet ſich nicht mit Kohlenſaͤure. Ihre phyſiſchen Eigenſchaften. 60. Verhalten gegen das Waſſer. 61. im Feuer. 62. Wahlverwandtſchaft mit andern Erden. 62. Verhalten gegen die Saͤuren. 63. gegen die Alkalien. 63. Der Thon. 6. Darin enthaltenes Eiſenoxyd. 68. Verbindung der Beſtandtheile des Thons. 66. Farben des Thons. 67. Geruch des Thons. 68. Verhalten des Thons gegen das Waſſer. 68. im Froſte. 70. in der Hitze. 70. im Gluͤhefeuer. 71. gegen die Luft. 71. gegen die Saͤuren. 72. Verbindung des Thons mit andern Subſtanzen. 73. Merkwuͤrdigſte Arten des Thons. 75. Die Kalkerde. 78. Verbindung mit Saͤuren. 78. Kohlenſaure Kalkerde oder roher Kalk. 79. — 60. Inhalt. Verhalten gegen das Waſſer. 79. im Feuer. So. Gebrannter Kalk. 81. Geloͤſchter Kalk. 8x. Loͤſchung an der Luft. 82. Das Kalkwaſſer. 82. Schwefelkalk. 83. Phosphorkalk. 89. Verbindung mit den fluͤchtigen Stoffen. 84. Zerſtoͤrende Wirkung auf organiſche Materien. 84. Der Moͤrtel. 85. Verbindung mit den Saͤuren. 86. Aufbrauſen des kohlenſauren Kalks mit ſolchen. 87. Kalkige Mittelalze. 87. Mineralien. 88. Der Gyps. 9o. Gypsmineralien. 93. Der Mergel. 94. arben deſſelben. 97. extur des Mergels. 98. Verhalten gegen Saͤuren und im Feuer. 100. Beimiſchung anderer Subſtanzen. 100. Aeußere Geſtalten des Mergels. 107. Die Bitter⸗ oder Talkerde. Bittererdige Mineralien. 103. Das Eiſen im Boden. 105. Der Humus. Begriff des Worts. 107. Eigenſchaften des Humus. 107. Deſſen Beſtandtheile. 108. Berſchiedenheit und Veraͤnderlichkeit deſſelben. 109. Extraktivſtoff des Humus. 109. Wirkung der Alkalien auf den Humus. 110. Auflösbarkeit und Vergaͤnglichkeit deſſelben. 10. Verbindung mit dem Thon. III. Verhalten gegen den Sand. 112. 102. Beränderung, welche er durch Entziehung der Luft erleidet. 112. Entſtehung der Säure im Humus. 114. Eigenſchaften des ſauren Humus. 115. Adſtringirender Humus. 115. Verſchiedenheit des durch Faͤulniß oder durch Verwitterung entſtandenen. 116. Thieriſcher und vegetabiliſcher Humus. 116. Der Torf. Entſtehung des Torfs. 117. Wie ſich der Torf vom Humus unterſcheidet. 118. Die Braun⸗ oder Erdkohle. 119. b 2 VII vm Inhalt⸗ Die Bodenarten, in ſofern ſie aus den Siensbrhie niſſen ihrer Beſtandtheile hervorgehen. Dieſes Verhaͤltniß macht die Bodenarten aus. 120. Verhalten des Humus im Boden. 121. Verhäͤltniß des Humus zum Thon. 122. zum Sande. 125. Merkmale und Beſtimmung des Humusgehaltes. 126. Gute Eigenſchaften des Thons im Boden. 128. Deſſen nachtheilige Eigenſchaften. 128. Verhaͤltniß des Thons zum Sande. 129. Der Sandboden. 129. Verhaͤltniſſe, worin Sand und Thon im Boden ſtehen. 130. Der Thon⸗ oder Weizenboden. 131. Der Lehmboden. 132. Wie der Sand im Uebermaaße nachtheilig werde. 133. Sandiger Lehmboden. 134. Sandboden. 134. Schlechter Sandboden. 135. Vortheile und Nachtheile des Kalks im Boden nach ſeinem Verhaͤltniſſe. 136. Einige Beimiſchung des Humus iſt nothwendige Bedingung der Fruchtbarkeit jedes Bodens. 138. Wie der Werth des Bodens ſich nach dem Verhaͤltniſſe dieſer Beimiſchung aͤndere. 139. Beimiſchung des ſauren Humus. 140. Haidhumus. 140. Werthsbeſtimmung des Podens in den Tabellen A. und B. 141. In die Sinne fallende Kennzeichen der Bodenarten. 142. Lonſiſtenz des Bodens. 142. Tiefe des Bodens. 144. Der Untergrund. 146. Feuchtigkeit des Bodens. 149. Temperatur des Bodens. 150. Ebene oder unebene Oberflaͤche. 132. Hohe oder niedere Lage. 154. „Abhang nach der Himmelsgegend. 155. oder Licht. 156. Windausſetzung. Atmoſphaͤre, die den Boden umgiebt. 157. Reinheit des Bodens von Samenunkraut. 160. Reinheit von Wurzelunkraut. 166. Reinheit von Steinen. 167. Methode der agronomiſchen Unterſuchung. 169. Viertes Hauptſtuͤck. Agrikultur. Abtheilung in chemiſche und mechaniſche Agrikultur. 173. Erſter Abſchnitt. Die Lehre von der Duͤngung⸗ Naͤhrender zerſetzender Duͤnger. 173. Vegerablliſcher und animaliſcher Moder. 174. Todte aber vom Organismus ruͤckſtaͤndige Materie. 175. Inhalt. Bedingungen ihrer Zerſetzung. 173. Thieriſche Faͤulniß. 176. Der Miſt. 177. Die Excremente der Thiere. 177. Der Urin. 178. Der Stallmiſt. 178. Der Pferdemiſt. 179. Der Rindviehmiſt. 180. Der Schafmiſt. 181. Der Schweinemiſt. 182. Der Federviehmiſt. 182. Menſchliche Excremente. 183. Behandlung des Stallmiſtes. 184. Aufbewahrung des Miſtes im Stalle. 185. Aufbewahrung auf der Miſtſtelle. Ihre Einrichtung. 187. Wann die verſchiedenen Miſtarten vermengt oder abgeſondert zu halten. 188. Abhaltung der Luft waͤhrend der Gaäͤhrung. 190. Schweizerſche Behandlung des Miſtes. 1072. Gerechter Zuſtand des Miſtes zur Ausfuhr. 192. Wann die Luftausſetzung des Miſies unſchädlich ſey. 194. Zeit zur Ausfuhr des Miſtes. 197. Beſiimmung, in welcher Art der Miſt auf die Felder zu vertheilen. 199. Maaß und Gewicht des Miſtes. 201. Staͤrke der Auffuhr. 202. Manipulation der Miſtausfuhr. 203. Ausſtreuung und Brechung. 204. Mengeduͤnger oder Kompoſt. 205. Einſtreuungsſurrogate. 208. Streuloſer Miſt und Guͤlle. 213. Behandlung des fluͤſſigen Miſtes oder der Guͤlle. 215. Die Pferchduͤngung. 216. Benutzung des Pferches. 220. Duͤngung mit thieriſchen Abfaͤllen. 221. mit Aeſern, Knochen. 221. mit Fiſchen. 222. mit Hoͤrnern und Klauen in Spaͤhnen. 222. mit Schlaͤchter- und Lohgerber⸗Abfällen. 223. mit Haaren und Wolle, altem Leder, Fettgreven, Zuckererde. Vegetabiliſche Duͤngungsmittel. 225. Unterpfluͤgen gruͤner Saaten. 227. Vegetabiliſche Abfaͤlle. 229. Der Modder. 230. Ausfahrung des Modders. 232. Vermengung des Modders. 232. Quantität deſſelben. 233. Duͤngung mit Torf. 234. Mineraliſche Duͤngungsmittel. 235. 229. IX Verbeſſerung der phyſiſchen Eigenſchaft des Bodens durch Auffuͤhrung von Grund⸗ erden. 235. x Inhalt. Auffahrung der Sandes. 237. Kalkduͤngung, wie ſie wirke. 238. Manipulation der Kalkduͤngung. 240. Behandlung des ausgeſtreuten Kalks. 242. Quantitaͤt der Kalkduͤngung. 243. Widerſpruͤche uͤber Kalkduͤngung. 243. Koſten der Kalkduͤngung. 249. Wirkung des Kalks auf Wieſen. 245. Ungebrannter Kalk. 245. Der Mergel. 246. Meinungen uͤber denſelben. 246. Auffuhr des Mergels an beguͤnſtigten Orten. 248. Einrichtung der Mergelgrube. 249. Laden und Ausfuhr des Mergels. 250. Koſten und Bezahlung der Arbeit. 25r. Ungleichheit des Mergels in einer Grube. 252. Bearbeitung der Grube. 232. Quantitaͤt des Mergels. 233. Wiederholung des Mergelns. 254. Dauer ſeiner Wirkung. 25. Zeit der Ausfuhr. 255. Ausſtreuung und Ueberpfluͤgung. 256. Koſten der Mergelung. 256. Erfolg derſelben. 258. Duͤngererde beſonderer Art. 299. Gypsduͤngung. Geſchichte derſelben. 260. Wirkung derſelben. 261. Gebrauch des Gypſes. 262. Bereitung deſſelben. 262. Ausſtreuung deſſelben. 263. Sicherer Erfolg. 263. Duͤngende Kraft der Salze. 269. Metalliſche Salze, insbeſondere Eiſenvitriol. 26. Säaͤuren. 267. Die Aſche. 267. Seifenſiederaſche. 268. Eſcherey der Pottaſchenſiedereyen. 269. Die Torfaſche. 269. Verbrennung der Stoppel und des Strohes auf dem Acker. 270. Salinen⸗Abfall. 271. Duͤngerſalze. 271. Wechſelung der Duͤngungsmittel. 271. —— F o P fe tz un9 der Rpn mranten Liſte⸗ Bei dem Herausgeber eingegangene: Herr Boͤniſch, zu Soppau„„ Säf v. Geher Graf Stolberg⸗Wernigerode, auf Peterswalde„ v. Gaffron, auf Kunern. Prediger Klinkhardt, zu Schoͤn⸗ ſes Wegner, zu Riskow Major v. Stieglitz, auf Muͤn⸗ nichswalde. Buͤrgermeiſter Ferber, in ʒwickau Reinhold 3 General⸗ tandichaſesrath v. plöß, auf Kleinweckow v. Gersdorf, auf Meffersdorf. Oberſt v. Maſſenbach Prediger Schlee, in Colberg Dehme, zu Radomirz. Oberamtmann Bwann Egeln. Ober⸗Commiſſaͤr i zu Silhauſen Sn Serrurier. Kulenkamp, zu Witenhauſen Joſeph, Landgraf zu Fuͤrſtenberg. zu Exempl. —,— 1 1 —„„„„ ₰ Herr Geh. Regierungsrath v. Unruh, zu Liegnitz 8 Graf Hohverden, des Phlauſchen Kreiſes. — Bar. v. Richthofen, auf Bartsdorf Prediger Brettſchneider, zu Ro⸗ ſenhain Adler, Oberbaudirektor Prinz v. Lichnowsky. Graf von der Schulenburg, auf Srampe. v. Bonin, zu Mölendoef Graf von der Schulenburg, auf Burgſcheidungen.. Hausmayn v Derzen v. Arnim Menke— Graf v. Lehndorf. Prinz Carolath. Herr Baron v. Brochdorf Baron v. Stenglin Walter Pockrandt. — Graf v. Saliſch„„„„ Exempl⸗ „*„„*— ————— B xir Praäͤnumeranten. Bei der Verlagshandlung eingegangene: Hetre — v. Phul, auf Schulzendorf.. — Fuͤrſt Alfred, v. Schönburg. — Geheimer Staatsrath v. Boſe. — Hauptmann v. Bernard„ Die Churmaͤrkiſche Regierung in Potsdam Her e — Eitatsrath Ritter v. Freſe. — Kriegsrath Hagemann. — Oberamtmann Herr — Kriegs⸗ und Domainen⸗Rath Frei⸗ herr Baron v. d. Reck. — Forſt⸗Inſpektor Joſt — Buchdrucker Spener — Buchhaͤndler Nicolai — Ba — Staatsminiſter Graf v. Reden. — Inſpektor Grapengießer, zu Brbnitow — Paſtor Rades, zu xroſelen — v. Huͤllersheim, zu Lauban v 3 — Freiherr v. Syterz, zu Baſen. — Hof⸗Kammerrath Schmidt, zu Freüdenchat — v. Zerboni de Spoſetti, Erb⸗ herr auf Wieruszow. — Kandidat F. A. Piſchon.. — v. Bageviß, zu Drigge. — Bollmann, zu Satel„ — v. Doͤhn, zu Voigdhagen.. — General v. Dyke, zu Loſentitz. — Regierungsrath v. zu Cew — v. Nimptſch, zu Peagenhof — Hauptmann v. Platen, zu Zitzow — Scheven, zu Steinhagen... Exempl. —,— 1 * „— — — „ 8 8— — 8* 6 Exemr. Herr Ober⸗Jaͤgermeiſter v. Sodenſtern, z 1 — Kammerherr und Ritter v. Ueſedom, zu Udars.. Die Waiſenhaus Buchhandlung. 3 Herr Buchhaͤndler Nauk„„ 3 — Verwalter Michelſen, zu Schoͤn⸗ heh 1 — W. Dennius, auf Rengersdorf Herr Graf v. Bellegarde, K. K. Feld⸗ märſchall 1 Herr Karl Wildau v. Lindenwieſen, Kammerdirektor zu Bielitz S3 — Buͤrgermeiſter F. Pratobevern, zu Biala 1 — K. K. Hofrath Baum von Ap⸗ pelſchoven... 1 — Ober⸗Landes⸗Gerichtsrath praf v. Beuſt, in Brieg 1 — Ober⸗Landes⸗Gerichts⸗Aſſeſſor 5 Muhtes 1 — Bau⸗Inſpektor Peterſon. 2 — Bau⸗Inſpektor Adler„ 1 — Joſeph Ernſt Fritſcher, Wirth⸗ ſchaftsdirektor zu Boskowitz 1 — Hauptmann v. Konitz, in Wolfitz 1 — Major Tiedemann... 2 — Freiherr v. Hoͤvel, zu Herbock bei Högen 1 — Dunker et Humblot 1 — Hofrath Nau, in Aſchaffenburg 1 — Hauptmann v. Viereck. 3 — Gutsbeſitzer Wegener, zu Risnow 1 — D. Wolf) in Warſchau. 1 — v. Erdmannsdorf, zu Sorau in der Niederlauſitz. 1 — Rixen, zu Knoop bei Kiel.. 4 Nachtrag Nachtrag zum zweiten Hauptſtuͤck. Zwwörderſ muß ich bemerken, daß wegen einer vorgenommenen Abaͤnderung im Manuſeript der Tabellen, S. 12 bis 30, und der darin gemachten Korrekturen verſchiedene Druckfehler entſtanden ſind, die bei der Korrektur des Drucks uber⸗ ſehen worden. Ich bitte alſo folgende gleich abzuaͤndern. Seite 15 Kolumne 1. ſtatt§ lies 50 — 18— k. ſtatt 3 lies 1,4 — 22— k. ſtatt 1 lies o,* — 26— kK. ſtatt ,2 lies 4 — 26— k. gegen Wicken uͤber ſtatt 3 — 28— b ſtatt 300 lies 240 — 28— k. ſtatt 3 lies 6 — 28— k ſtatt o, r lies 1 — 29— 1 ſtatt 1500 üies 1200 — 29— m. dritte Abtheilung ſtatt 360 leſe 30o. Dann muß in der Wirthſchaft No. 7, 8, 9, wo die Koſten eines Pferdes nur zu 40 angeſeßt ſind, 60 Centner Heu ſtatt 50 Centner fuͤr jedes Pferd in Hinſicht der gruͤnen Stallfutterung berechnet werden. Das beträgt auf 12 Pferde 120 Cnt. mehr, und da das Heu in der Benutzung fuͤr das Nutzvieh zu 4 Scheffel Rocken berechnet worden, ſo iſt der Ertrag deſſelben 30 Scheffel weniger. Zweiter Theil. 4 XV Bemerkungen. Noch bemerke ich, daß in den Tabellen der gewoͤhnliche Tagelohn zu 1 Schef⸗ fel Rocken berechnet iſt, als der Wahrheit im Durchſchnitt näher kommend. Ich ward im erſten Bande durch die ſeit 10 Jahren beſtandenen Preiſe verleitet ihn nur zu ð anzunehmen, da er in der That in unſern Gegenden nur v betrug. ʒ wird aber wohl das bleibende Verhaͤltniß in regularen Zeiten ſeyn. Bemerkungen uͤber das Verhaͤltniß in welchem die Kraft des Bodens, der Ertrag der Ernten und die Erſchoͤpfung gegen einander ſtehen. Daß ein Verhältniß wiſchen dem Koͤrnerertrage und der Kraft des Bodens und wiederum ein Verhaͤltniß zwiſchen den abgenommenen Ernten und der Aus⸗ ſaugung des Bodens epiſtire, iſt allgemein anerkannt, und durch alte Erfahrungen beſtaͤtigt. Einzelne Sätze daruͤber hatte man auch läͤngſt als begrundet angenom⸗ men. Ein allgemeines Verhältniß war aber noch nie ausgeſprochen. Ich habe es im erſten Bande dieſes Werks S. 240. u f. zuerſt verſucht, und gleichzeitig mit mir hat es der verdienſtvolle J. F. Meyer in ſeinem Werke uͤber Pachtan⸗ ſchlaͤe, S. 56. u. f., aber auf eine ganz andere Weiſe gethan. Da jene von mir angegebene Formel, wodurch ich eigentlich nur die Erſcho⸗ pfung des Ackers andeuten wollte, eine große Aufmerkſamkeit, zugleich aber auch manche Mißdeutungen, wie ich bereits erfahren habe, erregt hat; ſo will ich mich hier näher daruͤber erklaͤren, und ſie, ſo viel es jetzt ſchon moͤglich iſt, ge⸗ nauer zu beſtimmen ſuchen. Eine vollſtaͤndige Berichtigung wird ſie erſt erhalten koͤnnen, wenn ſie an kuͤnftige aufierkſam beobachtete Erfahrungen und Verſuche gehalten wird; und ſie kann danm fruchtbarer an Sierimen werden⸗ 66 ich⸗ bei ihrer erſten Entwerfung, ſelbſt erwartete⸗ u Fu ⁰ Ein offenbares Mißverſtändniß wäre es, die natuͤrliche oder zuruckbleibende Kraft des Bodens in allen Fällen gleich, zu 40 Grad, anzunehmen. Dieſe habe ich als das Minimum angeſetzt, als den Grad, welchen ein ſo weit erſchoͤpfter Mittelboden behaͤlt, wenn ſeine Beſtellung, ſogar in Rückſicht auf die nächſte Bemerkungen. xv Ernte, kaum mehr vortheilhaft bleiben wuͤrde, falls man ihm keinen neuen Nah⸗ rungsſtoff gabe— als die außerſte Erſchoͤpfung, wohin man einen Ackerboden kommen laſſen ſollte. Ein guter Gerſtboden, der nicht uͤber 50 bis 60 Prozent Sand, vielleicht etwas Kalk und 2 Prozent Humus hat, wird ohne muthwillige Erſchöpfung nicht ſo tief herunterſinken, und wir werden ihn bei einer ſechs⸗ jährigen Duͤngung und abgenommenen 4 Getreidefruͤchten immer noch eine Kraft von 60 Graden beimeſſen, und wenn wir ihn weiter erſchoͤpfen wollten, noch Ernten in dieſem Verhaͤltniſſe von ihm erwarten können. Bei andern Feldſyſte⸗ men und natuͤrlich reicheren Boden wird er noch höhere Grade von Kraft beſitzen, wenn maſt ihm dennoch neuen Duͤnger zufuͤhrt. Je mehr Thon ein Boden ent⸗ hält, um deſto ſpaͤter wird er in den Zuſtand kommen, den wir eigentlich mit jenen 40 Graden bezeichnen, weil er ſeine Nahrungstheile feſter anhaͤlt, und zwar be⸗ friedigende Ernten verſagt, dem ungeachtet aber doch noch Kraft in ſich hat; wie wir daraus erkennen, daß wir ihm noch Ernten abzwingen koͤnnen, durch ſolche Mittel, welche die in ihm verſchloſſenen Nahrungsſtoffe nur aufſchließen. Es ge⸗ hoͤrt viele Kunſt dazu, um ihn ganz auszuſaugen; dann aber freilich ein deſto grö⸗ ßerer Aufwand, um ihn wieder in die erforderliche Kraft zu ſetzen. Jene Bodenkraft, die wir nur deshalb die natuͤrliche nennen, weil ſie zuruͤckbleibt, wenn wir ihr eine Erfriſchung geben, und insbeſondere dann, wenn wir eine neue Rotation mit der Hauptduͤngung anfangen, ſteigt und faͤllt auf dem⸗ ſelben Acker, nach dem Verhaltniß der gegebenen Duͤngung zu den abgenommenen Ernten am Ende jeder Rotation, und tritt in einem hoöheren oder geringeren Grade zur folgenden uͤber. Ich habe durch den§. 258. Veranlaſſung gegeben, die Ausſaugung aller Fruͤchte gleich, und zwar zu 30 Prozent, der jedesmal im Acker befindlichen Kraft anzunehmen, und mich in der zweiten Anmerkung nicht deutlich genug erklaͤrt uber das Verhaͤltniß, in welchem die ſtaͤrker anziehende Fruͤchte ſich davon mehr zu⸗ eigneten, und dann auch in demſelben Verhaͤltniſſe ſtärkere Ernten gaͤben. Es kam mir damals nmur auf das Reſultat bei ganzen Rotationen an. Dieſe Verſchie⸗ denheit findet aber nach allen Erfahrungen ſtatt. Weizen, welcher auf einem ihm G2 xV Bemerkungen. angemeſſenen Boden mehrentheils gleichen Scheffelertrag mit dem Rocken giebt, ſaugt den Boden bekanntlich ſtaͤrker, wie dieſer aus, und ſehr wahrſcheinlich nach dem Verhaͤltniſſe, worin er den Rocken in Anſehung ſeiner Schwere und ſeiner nahrhaften Theile uͤberwiegt. Auf Boden alſo, und auf einer Stelle wo Weizen uͤberhaupt paßt, werden wir ſeine Anziehung= 4% Prozent an⸗ nehmen, und darnach ſeinen Ertrag beſtimmen können. Er ſtehet nämlich in dem Verhaͤltniſſe ſeines Nahrungsſtoffes gegen den Rocken wie 13: 10, ſeine An⸗ ziehung barnach wie 39: 30. Und da ſie noch etwas kraͤftiger ſcheint, ſo nehmen wir 40. Die Soͤmmerung dagegen ziehet ſchwaͤcher an, wie auch ſchon nach der kuͤrzeren Zeit ihrer Vegetation zu vermuthen iſt. Wir koͤnnen fuͤr ſelbige nur 25 Prozent, als der Wahrheit nahe kommend, annehmen. Ob Gerſte oder Ha⸗ fer ſtärker ausſauge, daruber ſind die Meinungen ſeit jeher getheilt geweſen, und es koͤmmt dabei wohl auf den Zuſtand des Bodens an. Erſtere wird ſtarker aus⸗ ſaugen, wenn der Boden die Lockerung und Vorbereitung erhalten hat, welche dieſe Frucht erfordert, indem ſie nur unter dieſer Bedingung vollſtändige Ernten giebt. Der Hafer hingegen hat an ſich eine ſtäͤrkere Anziehungskraft, und auf einem zäͤheren und minder bearbeiten Boden wird er mehr ausſangen, als Gerſte, aber auch in dem Verhaͤltniſſe eine ſo viel ſtärkere Ernte geben. Deshalb nehmen wir ſie im Durchſchnitt als gleich an. Wollen wir nach der im Boden vorhandenen Kraft den Ernteertrag jeder einzelnen Frucht beſtimmen, ſo muͤſſen wir uͤberhaupt auf mehrere Nebenum⸗ ſtaͤnde Ruͤckſicht nehmen. Eine Frucht wird auf Boden von gleicher Ratur und gleicher Kraft einen hoͤheren Ertrag geben, wenn jene Nebenumſtaͤnde ſie beguͤn⸗ ſtigen. Dahin gehoͤrt denn beſonders— außer der Witterung, die wir weder in unſerer Gewalt haben, noch vorherſehen koͤnnen— eine ihr gerade angemeſſene Besckerung oder Vorfrucht, und Zerſtoͤrung desjenigen Unkrauts, was dieſer Frucht beſonders zuwider iſt. Dieſe muͤſſen wir alſo im Auge behalten, wenn wir einen Voranſchlag des zu erwartenden Ertrages nach der Kraft des Bodens und der Anziehungskraft des Getreides machen wollen; denn dieſe Anziehungskraft äußert nur ihre volle Wirkung, wenn ihr nichts entgegen ſtehr. ———— Bemerkungen. xyn Wenn wir die mittlere anziehende Kraft des Rockens zu 30 Prozent von der im Acker befindlichen Kraft und hiervon 6 Scheffel Ertrag uͤber die Ausſaat ange⸗ nommen haben, folglich auf jeden Scheffel 5 Grad kommen, ſo werden wir nach dem Verhaltniſſe ihrer naͤhrenden Theile(F. 254 des erſten Bandes) fuͤr Weizen 6 ½ Grad Kraft Wfür die Gerſte 3—— fuͤr den Hafer 2 ½—— per Scheffel anzunehmen haben, und hiernach den Ertrag jeder Getreideart per Scheffel, ſo wie die von einer jeden Ernte ausgeſogene Kraft am beſten berechnen koͤnnen. Wir muͤſſen naͤmlich die anziehende Kraft einer Getreideart von der Kraft des Bodens unterſcheiden, die ein Scheffel dieſer Getreideart zu ſeiner Ausbildung gebraucht; denn beides ſcheint nicht in voͤllig gleichem Verhaltniſſe zu ſtehen. Die Kraft aber, welche ein Scheffel jedes Getreides zu ſeiner Aus⸗ bildung gebraucht, iſt gleich der Kraft, die durch dieſes Maaß dem Acker ent⸗ zogen wird. um dieſes durch ein Beiſpiel zu erlaͤutern, nehmen wir einen Boden an, der in 140 Grad Kraft ſtehe.. Weizen ziehet an 40 Prozent: 105 1 10 56. 1Scheffel Weizen erfordert 6 ½ Grad Kraft: 6, 1= 56 12 giebt 8, o Sccheffel, welche aus dieſen 140 Grad Kraft entſtehen koͤnnen. Rocken ziehet an 30 Prozent: 10o: 30= 140 1= 42. 1 Scheffel Rocken erfordert 5§ Grad Kraft: §5 1 1= 42: 4 giebt 8,„ Scheffel⸗ Gerſte ziehet an 25 Prozent: 100: 25= 140 14= 35. 1 Scheffel Gerſte erfordert 3 ½ Grad Kraft: 3,5 11= 35 1 4 giebt 10 Scheffel⸗ Ayu Bemerkungen. Hafer ziehet an 25 Prozent: 100: 25= nh 1 Scnn Hafer erfordert 2 ½ Grad Kraft: ,= 35giebt 1 Scheffel (Dies iſt ſaͤmmtlich uͤber die Ausſaat anzunehmen). Oder wenn wir den Ertrag als bekannt annehmen, und die ausgeſogene Kraft finden wollen, ſo verfahren wir umgekehrt.. Wir nehmens Scheffel Weizen uber die Ausſaat an. 1 Scheffel erfordert 6 ½ Grad, folglich ſind ausgeſogen 52 Grad, und es bleiben von den oben ange⸗ nommenen 1 0 Graden 88. Nebmen wir 8 Scheffel Rocken à 5 Grad, ſo ziehen dieſe aus 30 Grad, und es bleiben 100. Nehmen wir 11 Scheffel Gerſte à 3½ Grad, ſo ziehen dieſe aus 33,s, und es bleiben 101,8. Nehmen wir 14 Scheffel Hafer à 2 ½ Grad, ſo ziehen dieſe aus 35 Grad, und es bleiben 109 Grad. Ob jene nach der Kraſt des Bodens und der Anziehung der Frucht ausgemit⸗ telte Scheffelzahl wirklich erfolge oder auch noch ſtaͤrker ſey, hängt von Nebenum⸗ ſtaͤnden ab, die theils in unſerer Gewalt ſtehen, theils nicht. Die Ausſaugung des Bodens aber läßt ſich nach der wirklich gewonnenen Scheffelzahl jeder Getrei⸗ deart ausmitteln; es ſey denn eine ſo beträchtliche Menge Unkraut auf dem Acker zur Reife gekommen, daß ſich dieſes einen erheblichen Antheil der Bodenkraft an⸗ geeignet und dem Getreide entzogen habe. S. 258 des erſten Bandes habe ich aus den angefuͤhrten Gruͤnden angenom⸗ men, daß gut ſtehende und nicht oft wiederkommende Huͤlſenfruͤchte, beſonders Erbſen dem Boden ſo viel wiedergäben, als ſie ihm entzoͤgen, und daß ſie nur negative der Brache, welche die Kraft des Bodens um 10 Grad vermehrt, nach⸗ ſtänden. Nach der Summe der Erfahrungen aber in der Dreifelderwirthſchaft nehmen die meiſten doch an, daß die Winterung und die darauf folgende Soͤmme⸗ rung nach Erbſen, bei gleicher Duͤngung und gleicher Furchenzahl, gegen die reine Bemerkungen. xIMx Brache um 1 Scheffel per Morgen zuruͤckſchlůge. 10 Grad weniger Kraft be⸗ gruͤndet dieſen Ruͤckſchlag noch nicht, wohl aber 20 Grad. Denn von 20 Grad ziehet der Rocken 5 Grad an, und giebt daraus 1 Scheffel; folglich von 20 Grad weniger Kraft auch 1 Scheffel Ertrag weniger: in demſelben Verhaͤltniſſe die Soͤmmerung von den uͤbrig bleibenden 1% Grad. Daher ſetze ich ihre poſitive Er⸗ ſchoͤpfung auf 10 Grad, und zwar im allgemeinen, und ohne Ruͤckſicht auf ihren ſtarkeren oder ſchwaͤcheren Ertrag, weil die Erfahrung lehrt, daß ſie den Icker um ſo weniger verſchlechtern, je beſſer ſie ſtehen. Einige aufmerkſame Beobachter haben die Bemerkung gemacht, daß wenn die Winterung nach den Erbſen gut ſtehe, und dem Brachrocken nichts nachgebe, die darauf folgende Soͤmmerung um ſo mehr zuruͤckſchlage; weshalb ſie auf den Fall nicht Gerſte, ſondern Hafer einſäen. In Anſehung der Kraftzunahme, welche der Boden durch die Dreeſchweide erhaͤlt, koͤnnen ebenfalls genauere Beſtimmungen ſtatt finden, indem nach der Kraft, worin der Bodem niedergelegt wird, der Graswuchs oder die Reichhaltig⸗ keit der Weide verſchieden ſeyn, mithin aus der Stärke des Raſens und des Wei⸗ deduͤngers ein hoͤherer oder geringerer Kraftzuſatz erfolgen muß. Man koͤnnte dieſes beſtimmen: a) nach dem umgekehrten Verhältniſſe des Flächeninhalts, der zu einer vol⸗ ten Kuhweide erfordert wird⸗ Wenn 3½ Morgen auf eine Kuhweide kommen= 10 Grad. — 3—————= 11— Dagegen: Wenn 32 Mergen auf eine Kuhweide kommen= 8 Grad⸗ 65 xx Bemerkungen. p) oder nach der Kraft, in welcher der Boden zu Graſe niedergelegt wird. Wuͤrde der Boden mit 40 Grad Kraft niedergelegt, ſo gewinnt er jährlich 10 Grad. ———— 50—————— ———— 60—————— 12— ———— 70—————— 13— ———— 80—————— 14— ———— 99—————— 15— Dagegen: Wuͤrde der Boden mit 30 Grad Kraft niedergelegt, aber nur 8 Grad. ———— 20————— 6— ———— 10————— 4— Wie ſich der Werth der Weiden nach den Graden der Bodenkraft Aaſſe, wird in der Lehre von denſelben naͤher eroͤrtert werden. So wird auch der Kraftzuſatz beim Klee verſchieden ſeyn, je n er dicht und ſtark ſteht, und je nachdem er wieder hervorgewachſen war, wie man ihn um⸗ pfluͤgte. Das letztere macht einen erheblichen Unterſchied, und es iſt fuͤhlbar, welche vegetabiliſche Duͤngung ein dichter acht bis zehn Zoll herangewachſener Klee dem Acker geben muß. Je dichter aber der Klee ſteht, um deſto eher findet dieſes Heranwachſen ſtatt, weil er alsdann nur einer Furche bedarf. Man kann ſicher annehmen, daß Klee, welcher auf 60 Grad Kraft geſaͤet worden, den Ak⸗ ker um 10 Grad, auf 70 Grad Kraft um 12 Grad, auf 80 Grad Kraft um 14 Grad, auf 90 Grad Kraft um 16, u. ſ. f. bereichere.. Daſſelbe ließe ſich von der Stoppel gruͤn gemaͤheter Wicken annehmen, wenn man ſie ebenfalls vor dem Unterpfluͤgen etwas austreiben laſſen koͤnnte, was aber nur geſchehen darf, wenn ſie dicht und in ſtarker Kraftſtehen, und bei eben auf⸗ gebrochener Bluͤthe gemaͤhet werden. Sonſt muß man mit dem Umbruche eilen, und deshalb kann ſelten mehr als 10 Grad Verbeſſerung durch ſie She werden, wenn ſie auch uͤber 60 Grad Kraft hatten. Auch der Brache iſt eine ſtarkere Wirkung beizumeſſen, wenn ſie dem Boden in ſeiner hoͤheren Kraft gegeben wird. In ſofern ſie den Boden pulvert, und die Bemerkungen. NMx die darin befindlichen Nahrungscheile aufſchließt, wird ſie immer eine ſtaͤrkere Ernte geben, je fleißiger ſie bearbeitet wird. Hierdurch wird ſie dann freilich aber auch eine ſtarkere Ausſabgung bewirken. Außerdem aber nimmt die Brache ohne Zweifel eine atmoſphuͤriſche Duͤngung an, und dieſe wird uimn ſo kräftiger ſeyn, je mehr Kraft ſich im Boden befindet; auch wird bei großerer Kraft ein ſtaͤrkeres Austreiben des Unkrauts erfolgen, und hierdurch der Acker mehr bereichert werden. Wenn wir alſo einer Brache bei 40 Grad Bodenkraft 10 Grad Kraftzuwachs bei⸗ meſſen, ſo können wir bei 50 Grad 11, bei 60 Grad 12 u. ſ. f. annehmen.“ Was die Aus ſaugung der behackten Fruͤchte anbetrifft, ſo läßt ſich daruͤber, bei den widerſprechenden Erfahrungen mit Zuverläſſigkeit noch nichts beſtimmen, da einige ſie fur ſtark ausſaugend, andere fur ſehr ſchonend erklaͤren. Nach meinen Beobachtungen kann ich ihnen keine ſtarke ausſaugende Kraft beimeſſen, und wenn ich den Kartoffeln zwei Fuder Duͤnger per Morgen mehr gegeben habe, als der reinen Brache, ſo habe ich wenigſtens keinen Ruͤckſchlag der zwei darauf folgen⸗ den Getreideernten, der Gerſte naͤmlich und des Rockens zuſammengenommen, bemerkt. Ich bitte Andere darauf zu achten, da der Fall nicht ſelten vorkommt, daß man den ganzen Brachſchlag wegen Mangels an Duͤnger im Fruͤhjahre noch nicht ganz mit Hackfruchten beſtellen kann. Ich glaube indeſſen daß es einen Un⸗ terſchied mache, ob man, beſonders die Kartoffeln, dicht oder weitlaͤuftig pflanze, und in jenem Falle wirklich einen etwas höheren Ertrag davon habe; den ich aber nicht will, weil er die Bearbeitung erſchwert, und die Verbeſſerung des Ackers zuruͤckhält, und deshalb auch nur 80 Scheffel, aber die ſchwache Einſaat von „Scheffeln berechne. Aus dieſen Gruͤnden ſetze ich ihre Aus ſaugung auf 30, rechne ihnen aber den Vortheil der Bearbeitung gleich der Brache mit 10 wieder zu gut. An alle mir bekannten Erfahrungen gehalten, ſinde ich dieſe Saͤtze paſſend. Ich bin aber uͤberzeugt daß ſie noch mehr berichtigt werden koͤnnen. Insbeſondere mochte auf verſchiedenem Boden ein verſchiedenes Verhaͤltniß in einem oder dem anderen Stuͤcke eintreten. Außerordentlicher Boden darf gar nicht in Betracht kommen, deſſen Kraft man zuweilen faſt zu vermindern nicht zu vermehren trachtet. Daß eine gewiſſe Ordnung in der Natur hier ſtatt finde, wodurch ſich der Er⸗ Zweiter Theil. d — Bemerkungen. crag der Ernten beſtimmt, wird wohl kein aufmerkſamer Beobachter leugnen. Daher die Gleichmaͤßigkeit der Ernten im Durchſchnitt einer Reihe von Jahren, die man ſeit Jahrtauſenden beobachtet hat. Daher nach einer ſehr reichen Win⸗ terungsernte hoͤchſtens eine mittelmaͤßige der Soͤmmerung, und nach einer unge⸗ woͤhnlichen Soͤmmerung zwei Jahre darauf ſelten eine vorzuͤgliche Winterung bei der Dreifelderwirthſchaft. So entſteht der Wechſel uͤberreicher und kaͤrglicher Ernten, indem jene, durch die Jahreswitterung beguͤnſtigt, aus dem Boden uͤber die Gebuͤhr ausziehen; dieſe dagegen„von der Witterung zuruͤckgehalten, dem Boden mehr hinterlaſſen, als ſie ihrer Ratur nach thun ſollten. Eine aufmerk⸗ ſame Beobachtung dieſes Naturgeſetzes koͤnnte uns zu Maaßregeln leiten, die uns gerade in den Jahren eine gute Ernte ſichern, wo der gewoͤhnliche Wirthſchafts⸗ gang eine ſchlechte erzielt, indem wir auf dieſes die volle Kraft aufſparen, welche ſelbſt den unguͤnſtigen Einfluß der Witterung uͤberwindet. So kann dann wirk⸗ lich ein ſchlechtes Jahr fuͤr einen ausgezeichneten Landwirth hoͤchſt vortheilhaft werden, und ſo ſagt es auch dem allgemeinen Beſten in dieſer Hinſicht zu, daß ein gleiches Feldſyſtem ferner nicht allgemein herrſche. Da die Verſtaͤrkung der Bodenkraft dnrch zweierlei Mittel erreicht werden kann 1) durch ſtärkere Duͤngung, 2) durch Verſchonung mit reifenden Fruͤchten; ſo muß es jeder nach ſeiner individuellen Lage berechnen, welches von beiden, oder in welchem Verhaͤltniſſe er beide Mittel anwenden koͤnne. Wenn man erſt dahin gelangt iſt, daß man das Material zur ſtaͤrkeren Duͤngung ſelbſt produzirt, ſo giebt erſteres ohne Zweifel den hoͤheren Ertrag; bevor man jenes aber thun kann, wird man letzteres mit groͤßerem Erfolge, als erzwungene Huͤlfsmittel, die in der Regel nicht nachhaltend ſeyn koͤnnen, anwenden. Da dieſe Lehre nun wichtig genug ſcheint um eine klare Anſicht davon zu ge⸗ ben, und alle Mißverſtaͤndniſſe zu vermeiden, ſo will ich als Exempel noch eine Berechnung des Kraſtgewinns und Verluſtes der S. 12. u. f. tabellariſch dar⸗ geſtellten Wirthſchaften beifuͤgen. Fuͤr die Einſaat will ich nur 1 Scheffel per Morgen annehmen, und von dem dort angegebenen Totalertrage abziehen, um nach den Koͤrnern die ausgezogene Kraft zu berechnen. Bemerkungen. xm No. I. Reine Dreifelderwirthſchaft. Kraftvermehrung. Kraftverminderung. — N ———— 10 Grad— Grad 6 Fuder Duͤnger.. 60„ ⸗ b) Rocken, 6 Scheffel—„ 30 ⸗ o) Gerſte, 6 Scheffel 21„ d) Brache.... 10—. e) Rocken, 3 ½ Scheffel—„ †) Hafer, 4 Scheffel ⸗ g) Brache ſchwach gepfercht 6 2* ⸗ Nechn Scheſfe— 20 ⸗ ¹) Gerſte, 3 Scheffel.—* 10, 5 ⸗ 108 Grad 109 Grad. Verliert 1 Grad in 9 Jahren. No. II. Vervolkommnete Dreifelderwirthſchaft. Kraftvermehrung. Kraftverminderung. , — a) 6 Fuder Duͤnger„ 60 Grad— Grad — ⸗ b) Rocken, 5 Scheffel„— 25 ⸗ 0) Gerſte,§ Scheffel 1 d) Bräche„ 10— ⸗ 8 Fuder Duͤnger incl. des Pferchs 80„— e) Jocken, 7 Scheffel— 35 ⸗ 1) Gerſte, 7 Scheffel— 2, 6 g) Klee— ⸗ 30 ⸗ — 162 Grad 159, Grad. Vermehrt die Kraft mit 2½ Grad in 9 Jahren. xxV Bemerkungen. No. III. Siebenſchlaͤgige Koppelwirthſchaft. Kraftvermehrung. Kraftverminderung. 8 2— a) Brache Grad Grad 5,s Fuder Duͤnger 53 b) Rocken, 7½ Scheffe— 37 6 ²) Gerſte, 7 ½ Scheffel 26,25 d) Hafer, 7 Scheffel 17,6 e) Mahehe S 6 ) Wi— 3 100 Grad 814 Grad⸗ Vermehrt ihre Kraft in 7 Jahren um 182 Grad. No. IV. Zehnſchlaͤgige Koppelwirthſchaft. Kraftvermehrung. Kraftverminderung. 2) Brache„————5. 10 Grad— Grad 1,„ Fnder Duͤnger 5 5 1„ nf15 b) Rocken, 7 Scheffel—„ 35 ⸗ e) Hafer, 9 Scheffel—„ 22,5„ Brcht 10„— 6„ 5 Füder Duͤnger„ 50„„ . e) Bocken, 7 Schefel..— 3 8 4) Gerſte, 7 Scheffel.— 24, 5„ g) Maͤheklee„ 10„— ⸗ h) i) k) Weide. 35. 124 Grad 117 Grad. Vermehrt ihre Kraft in 10 Jahren um 7 Grad. Bamertuns&h. xxy No. V. zuifſlsi Koppelwirthſchaft. Kraftverminberng, „ 4) Lrrh⸗ S Grad 6— Grad 3, Fuder Duͤnger. S b) Rotkri, 6 ½ Scheffel—* 32 c) Gerſte, 6 ½ Scheffel— c 1„ 6 Fubetr Miſt„ 60„— ⸗ k) Focken, 7 Scheffel— 2) Gerſte, 6 Scheffel 21 h) Hafer, 5 Scheffe„— 12,6„ ) Mhkle n—„ k) 1) m) Weide 30 2— ⸗ 152 Grad 136 ½ Grad. Vermehrt ihre Kraft in 12 Jahren um 15½ o.. Holſteiniſche zehnſch laͤgige wirihſchaft. Kraftvermehrung. Kraftverminderung. W a) Dreeſchhafer, 11 Scheffel.„— Grad 27,6 Grad 12„— ⸗ 8 Fuder Duͤnger„ 80„— ⸗ c) Rocken, 9 Scheffel—„ 45 3 d) Gerſte, 9 Scheffel 3655 e) Rocken, 5 Scheffel„—„ 25„ heee⸗ g) h) i) 5) Weide— 5 142 Grad 129 Grad. 3 Vermehrt ihre Kraft in 10 Jahren um 13 Grad⸗ xxvr Bemerkungen. Achtſchloige Fruchtwechſelwirthſchaft mit Weide. emnehrung. Kraftverminderung. 5 9 Fuber B— Grad Fartoffeln 30 ⸗ b) Gerſte, 9 Scheffel 31,* 10 ⸗ 5 Fier Dg—* e 40 ⸗ 13— k) g) Weide 5 20„— 3* h) Dreeſchhafer, 11 ec 27 162 Grad 139 Grad. Vermehrt ihre Kruft in 8 Jahren um 21 Grad. No. VIII. Achtſchlaͤgige Fruchtwechſelwirthſchaft mit Stallfuͤtterung. Kraftvermehrung. Kraftverminderung. .„, a) 9 Fuder Duͤnger„ 90 Grad— Grad Kartoffeln, 80 Scheffel 3 10„ 30 b.) Gerſte, 9 Scheffel—„— S 6 iee— d) Hafer, 13 Scheffel—„ 395„ e) Fuder Dnger 8 Srſ—„ 10 45 ) Rocken, 9 Scheffel— 43 ⸗ ) Gruͤne Wicken 10„— ⸗ 3 Fuder Dünger 36 3— ⸗ h) Rocken, 8 Scheffel—„ 3 13 195 Grad 189 Grad. Vermehrt ihre Kraft um 6 Grad in 8 Jahren. Bemerkungen. NVM „ m. Fruchtwechſel⸗ Virthſchaft mit 0 Stallfütterung des Rindviehes und zwei Weide⸗ nene ſchlägen ki die Schafe. Kraftvermehrung. Kraftverminderung. . a) Dreeſchhafer, 13 Scheffel.— Grad 32,6 Grad b) Wickenbrachen o„— 5 Pferchung von 1800 Schafen per — ⸗ 6) Rock 9 Scheſel———— 45 ⸗ — 10 ⸗ 6 ber Dänger„ 60— ⸗ e) Rocken, 8 Scheffel— 40 ⸗ 10„ 30 ⸗ 10 Fuder Dnger 1 0— ⸗ ſ— h) Klee.***.*. 15*. i) k) Weide 35 265 Grad 196 Grad Vermehrt ihre Kraft in 10 Jahren um 69 Grad. etztere iſt daher eine hoͤchſt bereichernde Wirthſchaft, die zu ſtärkeren Fruͤch⸗ ten, Weizen und Raps uͤbergehen muß, dabei aber den Ertrag ihrer Schaͤferei, die naturlich veredelt ſeyn wird, ungleich hoͤher, wie es berechnet worden, brin⸗ gen wird. Allein es iſt bei dieſen Berechnungen nirgends Ruͤckſicht auf die In⸗ duſtrie beim Viehſtapel genommen. So wie denn uͤberhaupt dieſe Berechnungen nicht als Ertragsberechnungen anzuſehen ſind, ſondern nur die Verhaͤltniſſe der Wirthſchaftsmethoden auf einer Ackerflaͤche von der beſchriebenen Art vergleichend darſtellen ſollen. — Bemerkungel Der Körnerertrag war in jenen Berechnungen, S. 12 bis 29., nach der Er⸗ fahrung angenommen, und nicht nach den hier angegebenen Regeln. Man wird aber finden, daß er mehrentheils und im Ganzen ſtimme, wenn man ihn nach die⸗ ſen berechnet, wobei aber anzunehmen iſt, daß jeder Schlag eine Rotation ſchon durchgegangen ſey, und in der Kraft ſich befinde, wohin er durch eine ſchonende Behandlung gelangt. Es ſoll dieſes in verſchiedenen genauern Lrbeenſhr nungen in den Annalen deutlicher gezeigt werden. 4 Zweites ck Fortſetzung. Verhaͤltniſſe der Wirthſchaftsſyſteme gegen einander, in einem Beiſpiele dargeſtellt. Zwelter Theil. A Verhältniſſe der Wirthſchaftsſyſteme gegen einander. §. 395· U⸗ die Verhäͤltniſſe der jetzt am meiſten in Frage begriffenen Wirthſchaften In einem Bei⸗ gegen einander darzuſtellen, dienen folgende tabellariſche Berechnungen von neun 2 Wirthſchaftsarten auf einem und demſelben Areal. Dieſe Berechnungen ſind ſehr mannigfaltig angeſtellt worden mit allerlei Modifikationen in Anſehung der Ein⸗ theilung der Schläge, der Fruchte, des Viehes und der Arbeit. Ich theile hier nur das gewohnlichſte mit, und uͤberlaſſe es jedem meiner Leſer jede Idee, die er ſich uͤber die Bewirthſchaftung eines gegebenen Areals macht, auf aͤhnliche Weiſe ſich darzuſtellen. Das hier angenommene Areal hat 1450 Magdeburgiſche Morgen, wovon 150 Morgen Wieſen ſind. Bei der Dreifelderwirthſchaft liegen 300 Morgen raumer Weideanger, oder ſo viel Holzweide, als dieſen gleich kommt, zu beſtän⸗ diger Weide, und muͤſſen bei dieſer Wirthſchaftsart beibehalten werden. Bei den Wechſelwirthſchaften aber konnten 200 Morgen davon zu den Schlaͤgen gezo⸗ gen und umgebrochen, folglich zu Ackerland gemacht werden. Daher vermehrt ſich dieſes hier bis auf 1200 Morgen. Der Boden iſt als guter Gerſtboden, oder als ein milder, vielleicht etwas kalkhaltiger, mit Sand zu 50 bis 60 Prozent gemengter Lehmboden angenommen. Es iſt ferner vorausgeſetzt, daß der Acker bei den mehrſchlaͤgigen Wirth⸗ ſchaften ſchon eine Rotation durchgegangen ſey, und wenigſtens ſchon einmal die volle hier angegebene Duͤngung erhalten habe; auch daß bei der Beackerung, Be⸗ ſtellung und Ernte alles mit gehoͤriger Sorgfalt, Wahrnehmung des gerechten Zeitpunktes und Fleiße ausgefuͤhrt werde, und jede Frucht die ihr gebuͤhrende Be⸗ handlung erhalte.. A 2 Erklaͤrung der Tabellen. 4 Verhaͤltniſſe der Wirthſchaftsſyſteme gegen einander. §. 3096. In Anſehung der Columnen iſt folgendes zu merken: a. enthält unter der Beſtimmung der Wirthſchaftsart die Folge der Fruͤchte oder die Rotation der Schlaͤge. In Anſehung der Fruͤchte iſt zu bemerken, daß nur die gewohnlichen hier an⸗ genommen ſind, die jede Wirthſchaftsart bauen kann und in der Regel bauen wird. Die in ſtarkem Duͤngerſtande befindlichen wuͤrden edlere Fruchtarten und Handelsgewaͤchſe mit noch groͤßerem Vortheile bauen koͤnnen, wie Weizen, Raps, Mais, Taback u. ſ w., und ſie ſind haͤufig von uns darauf berechnet wor⸗ den. Sie bleiben dann aber in gar keinem Verhaͤltniſſe mit den uͤbrigen, und deshalb iſt ſolcher Fruͤchte hier nicht erwaͤhnt. Bei dem hohen Duͤngerſtande der Wirthſchaft No. 7., 8. und 9. wird ſchon ein jeder von ſelbſt darauf verfallen. In dem Schlage der behackten Fruchte ſind durchaus nur Kartoffeln angenommen, ungeachtet andere Futtergewaͤchſe einen hoͤheren Ertrag geben, oder beim Ueber⸗ fluſſe des Futters auch behackte Bohnen, Mais oder Handelsgewaͤchſe in einem Theile dieſes Schlages vortheilhafter gebauet werden könnten. b. giebt die Morgenzahl der Schlaͤge an. c. die Einſaat, ſo wie ſie bei einer guten Vertheilung der Saat, wenn ſie mit der Hand und ohne beſondere Inſtrumente zum Unterbringen geſchiehet, der allgemeinen Erfahrung nach erforderlich iſt, ohne Ruͤckſicht auf die Prin⸗ zipien, die man bei Veranſchlagungen in gewiſſen Gegenden angenommen hat. d. der Ertrag per Magdeburger Morgen nach Berliner Scheffeln,— wohl zu merken— nicht das wie vielſte Korn oder die Vermehrung der Ausſaat. Dieſe Beſtimmung des Ertrages iſt, wie man bei genauerer Erwaͤgung leicht be⸗ merken wird, keinesweges willkuͤhrlich, ſondern theils nach den§. 250. u. f. an⸗ gegebenen Grundſaͤtzen und Verhaͤltniſſen, theils nach allgemeinen Erfahrungen angenommen; jedoch iſt dieſer Ertrag, beſonders wo er hoͤher hinangeht, immer etwas heruntergefetzt, um dem Zufalle das Gehoͤrige zu zollen. Wem er uͤber das Gewoͤhnliche der gewoͤhnlichen Wirthſchaften hinauszugehen ſcheint, den bitte ich das Ungewohnliche der Verbindungen, woraus er hervorgeht, zu beachten. Uebrigens iſt eine untadelhafte Beſtellung und moͤglichſte Schonung bei der Ernte vorausgeſetzt. Der Ertrag des Klees und der Kartoffeln haͤtte insbeſondere bzi Verhaͤltniſſe der Wirthſchaftsſyſteme gegen einander. 5 der ſtarken Duͤngung und bei der Stelle, die ſie einnehmen, höher berechnet wer⸗ den muͤſſen. Ich habe aber wegen des moͤglichen Mißrathens des erſtern ſo viel zuruͤckgeſchlagen, und von letzterer das Wenigſte angenommen, was man er⸗ warten kann. e. giebt den ganzen Ertrag des Schlages, und. den reinen Ertrag, nach Abzug der Einſaat, an. Die Wicken geben keinen reinen Koͤrnerertrag, weil in der Regel nur ſo viele reif werden, als man zur Ausſaat gebraucht. Von dieſen wenigen wird das Stroh wie Heu berechnet, dem es nicht viel nachſteht. g. Der Strohertrag iſt nach den§. 280. und 231. angegebenen Saͤtzen aus⸗ gemittelt. Das Stroh von1 Morgen Kartoffeln iſt zu 5 Centner gewiß nicht zu hoch angenommen, in der Vorausſetzung, daß ſolches in keiner Wirthſchaft, die den Werth des Duͤngers ganz zu ſchatzen weiß, verzettelt werden wird. Das im Jahr 1809 zum erſten Male gewogene Kartoffelſtroh betrug nach voͤlli⸗ ger Austrocknung von einer dem Anſehen nach feinkrautigern Kartoffelart per Mor⸗ gen 907 Pfund, von einer grobkrautigern nur 605 Pfund. Wir hatten das Gegen⸗ theil dem Anſehen nach erwartet. Wegen des vielen Eiweißſcoffes iſt es im Duͤnger weit ſchätzbarer, wie anderes Stroh. h. Die Kartoffeln ſind hier zu ihrem halben Gewichte auf Heu reduzirt. Bei dem Wieſenertrage iſt nur eine Mehrheit von 3 Centner per Morgen angenom⸗ men, wenn die Wirthſchaftsverhaltniſſe die Duͤngung derſelben zuließen, unge⸗ achtet ſich der Unterſchied wohl auf 6 Centner belaufen wird. Der Klee⸗Ertrag iſt nur um 4 Centner hoͤher angenommen, wenn er mit der erſten Frucht nach der geduͤngten Brachfrucht ausgeſäet ward, ungeachtet die Erfahrung lehrt, daß er dann oft um die Haͤlfte groͤßer ſey. Ein einzelner Kleeſchnitt iſt zu 14 Centner an⸗ genommen.(Unter Centner werden 100 Pfund verſtanden.) i giebt die Duͤngermaſſe dem Gewichte nach an, welche von dem verfutter⸗ ten Stroh, Heu und Kartoffeln erfolgt. Wegen der hier angenommenen Sätze muß ich mich ausfuͤhrlich erklären. Ich hatte bisher angenommen, daß man die Duͤngermaſſe einer Wirthſchaft erfahre, wenn man das verfutterte und mit der Futterung verhaͤltnißmäßig einge⸗ ſtreuete Stroh und das Heu mit 2, multiplizire; theils weil ich dieſes in ganzen Wirthſchaften, wo man den Stroh⸗ und Heugewinn und den ausgefahrnen Miſt 6 Verhaͤltniſſe der Wirthſchaftsſyſteme gegen einander. ziemlich genau berechnen konnte, durchgehends zutreffend fand, theils weil viele im Kleinen angeſtellte Verſuche es beſtätigten. Warum ich von der Meyer⸗ ſchen Annahme abgewichen, habe ich anderswo erklaͤrt. Nun aber habe ich die Nachrichten von vielen im Winter 1808 mit aufgeſtallten Maſtochſen genau ange⸗ ſtellten Verſuchen erhalten, deren Reſultate zwar ſehr verſchieden zu ſeyn ſcheinen, aber ſich bei genauerer Erwaͤgung doch ſehr gut in Harmonie bringen laſſen, wenn man auf gewiſſe Nebenumſtaͤnde Ruͤckſicht nimmt. Ich werde mich daruber erſt ausfuͤhrlich erklaͤren koͤnnen, wenn ich auch die Reſultate der im Winter 1801 von verſchiedenen thaͤtigen Befoͤrderern unſerer Wiſſenſchaft anzuſtellenden Ver⸗ ſuche erhalte. Einige jener Verſuche beſtätigen zwar das vorhin angenommene Verhaͤltniß des Miſtes zum Futter genau; andere aber, denen ich vorerſt eine gleiche Genauigkeit zutraue, und die weder zu ſehr im Kleinen noch zu ſehr im Großen angeſtellt worden, auch die Pluralität fur ſich haben, ergeben, daß ſich Stroh und Heu im Miſte bei ziemlich ſtarker Einſtreuung nur ums dop⸗ pelte vermehre, und daß man nur die Vermehrung um 2, 3 da annehmen koͤnne, wo nach Verhaͤltniß des Futters ſpaͤrlich eingeſtreuet wird.— Mach den meiſten mir zugekommenen Beobachtungen, wo Kartoffeln in betraͤchtlicher Menge und als Hauptfutter gegeben waren, koͤnnen dieſe nur zu ihres Gewichts beim Miſte berechnet werden, wenn man anders dem daneben conſumirten Stroh obige Gewichtsvermehrung zuſchreibt. Es geſchiehet hierbei den Kartoffeln gewiſſer⸗ maßen Unrecht. Denn im Grunde ruͤhrt der groͤßte Theil jener Gewichtsvermeh⸗ rung des Strohes von ihnen her, und man wuͤrde ohne die Kartoffeln bei weitem weniger Vieh halten, und weniger Stroh durch Jauche zu Miſt machen koͤnnen. Es kommt hier aber bloß auf die Maſſe im Ganzen an, und damit ich denen Wirthſchaften, die Kartoffeln bauen, keine Vorzuͤge gebe, die irgend zweifelhaft ſcheinen koͤnnten, da ſie ſchon ſo große unabſprechliche haben; ſo will ich den Miſt aus Kartoffeln nur zur Haͤlfte ihres Gewichts in dieſen Tabellen anſchlagen. k. die Fuderzahl, welche per Morgen zu der Frucht, gegen welche ſie uͤber⸗ ſteht, aufgefahren wird, das Fuder zu 2000 Pfund oder 20 Centner angenom⸗ men.(Unter Centner werden auch hier immer 100 Pfund verſtanden.) 1. das Vieh, nehmlich zuerſt das Zugvieh, welches gehalten werden muß, und dann das Nutzvieh, welches gehalten werden kann. Die Beſtimmung des Verhaͤltniſſe der Wirthſchaftsſyſteme gegen einander.. erſteren gruͤndet ſich auf die Arbeitsberechnungen, die nach den§. 100. angehäng⸗ ten Schematen uͤber jede Wirthſchaftsart mehrere Male gemacht ſind. Indeſſen iſt die Zahl immer etwas ſtarker angenommen, als ſich daraus ergab, da manche Zufalligkeiten die Arbeit aufhalten koͤnnen. Das Nutzvieh aber iſt nach der Quantitaͤt des vorhandenen Futters und Strohes und der Weide, wo ſie in Be⸗ tracht kommt, beſtimmt. Jedoch kann die Kopfzahl groͤßer oder geringer ange⸗ nommen werden, je nachdem man es vortheilhafter findet, per Kopf ſchwach oder ſtark zu futtern. In der Art des Nutzpreiſes hat man ebenfalls freye Wahl, und kann z. B. Maſtvieh ſtatt Milchvieh nehmen. Denn es iſt hier nicht der Ort, auszumitteln, in welchem Falle eins oder das andere vortheilhaft ſeyn koͤnnte. m. enthaͤlt das Stroh, Heu und Weide, welche dem Vieh gegeben werden koͤnnen, erſtere nach Centnern, letztere nach Morgen. In Klammern ſteht, wie viel auf den Kopf komme, und darunter, wie viel auf den ganzen Stapel. Die per Kopf angenommenen Saͤtze ſind wohl zu beachten, indem ſie nach dem Ver⸗ moͤgen der Wirthſchaft, und je nachdem das Vieh bloß auf dem Stalle gefuttert wird, oder auf die Weide geht, ſehr verſchieden ſind. Es verſteht ſich, daß gruͤnes Futter und Kartoffeln auf Heu reduzirt ſind. n. der anzunehmende Ertrag des Viehes. Es iſt eine längſt anerkannte Wahrheit, daß dieſer nicht nach der Kopfzahl, ſondern nach der gegebenen Fut⸗ terung und Weide berechnet werden koͤnne, vorausgeſetzt, daß man weder zu karglich, noch zu verſchwenderiſch mit dem Futter und Weide verfaͤhrt, und einen der Quantitat der Futterung angemeſſenen Viehſchlag halte. Hier iſt nun die Dreeſchweide per Morgen= 1 ½ Scheffel Rocken, oder(wenn man will) = 1 ½ Rthlr. angenommen, und von der uͤbrigen Auſſenweide ſind 100 Morgen = 60 Morgen Dreeſchweide—(in der Felderwirthſchaft dieſe Weide per Morgen zu 1 Scheffel Rocken, oder= 1 Rthlr.)— gerechnet. Bei der Fut⸗ terung aber iſt das Heu oder das darauf reduzirte Futter in 100 Pfund, oder der Centner zu 4 Scheffel Rocken oder zu 6 Gr. angenommen, das Stroh aber gar nicht berechnet, und hiernach iſt dann der Ertrag des Viehes ausgemittelt, ſo daß es dabei auf die Art und die Kopfzahl des Viehes gar nicht ankommt, und ſich daſſelbe Reſultat ergeben muß, man waͤhle welches Vieh man wolle, und 8 Verhaͤltniſſe der Wirkhſchaftsſyſteme gegen einander. halte deſſen mehr oder weniger, je nachdem man es ſchwaͤcher oder ſtärker futtern will. Die Wartung des Viehes iſt unter den Koſten der Wirthſchaft mit begrif⸗ fen. Auch iſt auf Geltevieh nicht Ruͤckſicht genommen, indem auch dieſes ſein angemeſſenes Futter— zumahl da auf Stroh und Spreu gar nichts gerechnet wird— durch Zuwachs bezahlen muß, und in den meiſten Wirthſchaften neben dem andern Vieh wird gehalten werden koͤnnen. Es wird vielleicht manchen der Ertrag des Viehes bei der angenommenen Futterung viel zu gering angeſchlagen ſcheinen; und er iſt es wirklich. Ich nahm ihn aber ſo geringe an, damit nie⸗ mand den Vortheil der futterreichen Wirthſchaften zu hoch berechnet finde. Uebrigens iſt eigentlich gar nicht auf die Art und Zahl des Viehes bei der Be⸗ rechnung Ruͤckſicht genommen, ſondern nur auf den Werth der Futterung, wenn dieſe durch zweckmaͤßiges Vieh benutzt wird. o. der reine Ertrag des Getreides auf Rocken reduzirt, ſo daß 1 Scheffel großer Gerſte— denn dieſe wird hier nur angenommen— 4 Scheffel Rocken und 1 Scheffel Hafer zu ½ Scheffel Rocken gerechnet iſt; Erbſen aber dem Rocken gleich, obwohl ſie einen hoͤhern inneren Werth haben. p. die Koſten der Wirthſchaft. Bei den Pferden findet hier ein merklicher Unterſchied ſtatt, weil neben anderen Koſten(auch des Geſchirrs) nur ihr Kor⸗ nerfutter berechnet worden. Wo es alſo die Wirthſchaftsverhaͤltniſſe erlauben, daß die Pferde im Sommer gruͤnes Futter, auch vielleicht im Winter Kartoffeln bekommen, da kommt ihre Erhaltung eigentlich in einem groͤßern Verhaͤltniſſe geringer zu ſtehen, als hier in dieſem Falle angenommen worden. Wenn man mit den Koſten die Heu⸗Rationen, die ihnen zugeſchrieben worden, vergleicht, ſo ſtehen ſie ungefaͤhr im umgekehrten Verhaͤltniſſe. Denn je mehr Heu, deſto weniger Korn erhalten ſie. Die Ochſen ſind nur um 4 geringer berechnet, wo ſie ſtarke Heufutterung haben, und folglich uberall kein Kornfutter gebrauchen. Die Zahl des Geſindes und der Arbeiter gruͤndet ſich auf Berechnungen. Der männ⸗ liche Tagelohn iſt zu 2 Scheffel Rocken berechnet, der weibliche zu 12 Scheffel, weil der nach§. 147. angenommene Preis zu Scheffel nur als der geringſte und im Durchſchnitte zu niedrig angeſetzt wäre. Die Kartoffelnarbeit mit der Hand iſt beſonders berechnet, per Morgen zu 14 Scheffel Rocken, wofuͤr ſie bei dem gehoͤrigen Gebrauche zweckmäßiger Inſtrumente ſehr gut verrichtet werden kann, einſchließlich Verhaͤltniſſe der Wirthſchaftsſyſteme gegen einander. 9 einſchließlich des Aufnehmens. Die Satze der angefuͤhrten Koſten ſind ſo be⸗ rechnet, daß man bei mäßigen Kornpreiſen, den Scheffel Rocken à 1 ½ Rthlr., auch in Anſehung der baaren Geldausgabe ſicher reichet. Indeſſen gebe ich zu, daß noch einige beſtimmte Ausgaben, z. B. fuͤr den Wirthſchafts⸗Aufſeher und Auf⸗ ſeherinn, dann gewöhnlich einige Nebenausgaben hinzukommen, worauf es aber hier bei der Vergleichung der Verhaltniſſe nicht ankommt. Auch ſteht ein höheres Kapital im Inventarium, beſonders des Viehes, welches ſich aber durch deſſen Nutzung gewiß obendrein verzineſt. q. zeigt dann den reinen Ertrag der Wirthſchaft an, nach dem Werthe von 1 Scheffel Rocken. Wie dieſes zu Gelde zu berechnen ſey, muß jedem uͤber⸗ laſſen werden, da es von der Lokalitat und von den Konjuncturen der Zeit ab⸗ haͤngt. Als Minimum kann man 1 Rchlr. annehmen. Kleine Bruͤche ſind bei der Berechnung mehrentheils weggelaſſen oder com⸗ penſirt worden, da es hier allein auf die Hauptreſultate ankommt, und der ueberblick durch jene nur erſchwert wird; es auch ſcheinen wuͤrde, als ob man hier eine Genauigkeit affectiren wollte, die der Ratur der Sache nach nicht ſtatt findet. 5. 397. Wegen der Wirthſchaftsarten, die hier angenommen ſind, iſt noch folgendes Erkläruns der zu bemerken: No. 1. zeigt, daß eine einfache Dreifelderwirthſchaft mit ſo wenigen Wieſen an allem Mangel leide, einen ſchlechten Ertrag gewaͤhre, und pro⸗ greſſiv herabſinke. Da das Heu in einem ſo geringen Verhaͤltniſſe mit dem Stroh ſtehet, dieſes faſt nur mit waͤſſerigen Theilen angefuͤllt iſt, und damit faulen kann, ſo bleibt es zweifelhaft, ob wirklich ſo viel Duͤnger daraus erfolgt. Auf allen Fall iſt er aber ſtrohigt und mager, folglich von weit geringerer Wirkung, und in der Hinſicht iſt der Koͤrnerertrag vielleicht zu hoch angenommen. No. 2. ſtellt ein jetzt ſehr gewoͤhnliches Wirthſchaftsſyſtem dar. Man findet es in dem groͤßten Theile des jetzigen, von der Natur ſo ſehr beguͤnſtigten Koͤnig⸗ reichs Weſtphalen, und man koͤnnte es daher das Neu⸗Weſtphaͤliſche nennen. Auf dem fruchtbaren, merglichten, zum Theil humusreichen Boden Zweiter Theil. B 10 Verhaͤltniſſe der Wirthſchaftsſyſteme gegen einander. dieſer Provinzen, wo die Brache beſtellt werden darf, aber die Anger⸗ und Holz⸗ weiden nicht aufgebrochen und zu Ackerland gemacht werden koͤnnen, paßt es ſich ſehr gut, und kann örtlicher Verhaͤltniſſe wegen nicht gegen ein beſſeres vertauſcht werden. Auf dem minder fruchtbaren, zaͤheren, Quecken und Unkraut erzeugen⸗ den Boden aber, hat es ſich auf die Dauer nicht ausfuͤhrbar gezeigt, und eine oͤftere Brache iſt dabei nöthig befunden. Der Viehſtand bleibt immer zu geringe, wenn er gleich den nothduͤrftigen Duͤnger reicht. Es liegt uͤbrigens auch bei die⸗ ſem Syſteme die Regel des Fruchtwechſels in ſo fern zum Grunde, als man uber⸗ zeugt iſt, daß ohne Brache nach zwei Halmfruͤchten durchaus eine andere Frucht eintreten muß. No. 3. 4. 5. ſind Mecklenburgiſche Koppell⸗ Wirthſchaften verſchiedener Art. Im Körnerertrage kommen ſie ſich ziemlich gleich; im Viehertrage uͤber⸗ wiegt die mit einer Brache betraͤchtlich. Die Arbeiten und Koſten dieſer Wirth⸗ ſchaften ſind die geringſten, und das iſt es, was ſie vorzuglich empfiehlt, wo es an Menſchen und an Betriebskapital mangelt. Durch Futterbau in Nebenkop⸗ peln erhalten ſie oft ein anderes Verhaͤltniß, worauf aber hier nicht Ruckſicht ge⸗ nommen werden kann. No. 6. iſt eine Hollſteiniſche Wirthſchaft, wie ſie jeßt häufig betrieben wird, wo naͤmlich Brache auf den vortheilhaften Dreeſchhafer folgt. Die laͤngere Ruhe und die ſtärkere Duͤngung gewaͤhrt einen ſtärkeren Koͤrnerertrag, wenn ge⸗ hoͤrige Bearbeitung des Bodens hinzukommt, woran es vormals, wie man in Hollſtein gar keine Brache hielt, fehlte. Damals war der Viehertrag dem Koͤr⸗ nerertrag in den meiſten Wirthſchaften gleich, oder uberwog ihn gar; der ganze Ertrag war aber doch geringer wie jetzt. No. 7. iſt eine Fruchtwechſelwirthſchaft mit Weide, wobei aber das Vieh des Nachts auf den Stall genommen, und des Morgens beſonders gefuttert wird. Der hoͤhere Koͤrnerertrag geht aus der ſtarken Duͤngung, die jedesmal nur eine Getreidefrucht abtragt, verbunden mit der Ruhe des Bodens, hervor, und ſt eher zu geringe als zu hoch angenommen. Den Viehertrag ergiebt die Menge des Futters in Verbindung mit der. Weide. No. 8. eine Fruchtwechſelwirthſchaft zur Stallfutterung des Rindviehes an⸗ gelegt, und darauf berechnet. Der große Duͤngergewinn berechtigt wenig⸗ Verhaͤltniſſe der Wirthſchaftsſyſteme gegen einander. 11 ſtens zu dieſer Annahme des Körnerertrages. Die Arbeiten und Koſten belaufen ſich bier am hoͤchſten, aber dennoch bleibt der reine Ertrag am ſtaͤrkſten. Dieſe Wirthſchaft wird in der Folge wegen ihres großen Duͤngergewinns und der zuneh⸗ menden Kraft ihres Bodens zu edlern und einträglicheren Fruͤchten uͤberzugehen genöthigt ſeyn, und ihren reinen Ertrag noch betraͤchtlich erhoͤhen. No. 9. verbindet die Schafhaltung mit der Stallfutterung der Kuͤhe. Daß bei der fuͤr die Schafe ausgeſebten Kleeweide, wozu noch die reichliche Stoppel⸗ weide kommt, und bei der angegebenen Winterfutterung(wo die Haͤlfte des Strohes Erbſenſtroh ſeyn kann) hier nur auf edle Schafe gerechnet iſt, ver⸗ ſteht ſich von ſelbſt. Bei der angenommenen ſtarken Futterung behält ſie Heu uͤbrig, deſſen Benutzung die Umſtaͤnde ergeben werden. Sie muß noth⸗ wendig in eine gewaltige Kraft kommen. In welchem Verhältniſſe jede Wirthſchaft den Morgen ihres Areals be⸗ nutzt, wird ſich jeder leicht berechnen koͤnnen. Man bemerke, daß der Duͤngerſtand nach dem Minimum, und weit unter dem, was andere Verſuche ergeben, angenommen ſey. 12 Verhaͤltniſſe der Wirthſchaftsſyſteme gegen einander. =.— . b. e.. i. k. Einſaat Ertrag Zei Reiner Sttoh⸗ Miſt i Wi zahl. Per Per Ertrag Ertrag ſ ertrag. ſund Futter aus ommt huch& Wirthſch aftsart Mor⸗ Mor⸗ des nach. auf Heu Stroh, per und gen. gen. Schlages. Abzug reduzirt. Heu und Morgen, der Futter. Fuder Rotation. Einſaat. ꝛ0 Centn. — Slick MWorgen.) Schfl. Schfl. Scheffel. Scheffel. Eentner. Eentner. Eentner Fäder. No. 1. Einfache reine ſjed Dreifelderwirthſchaft. Fihe — Aus Stroh 70 Aus Heu. 3600 1) Brache, geduͤngt. 1193——————— 6,* 2 2) Rocken 119½ 1½ 7 777½ 652 ½ 1697———†— 3) Gerſe 119½ 1½ 7 7773 652½ 881———— 4) Brach——— 2.— 5) Rocen 119 ½ ½ 500 475 1075 †———— 60 Haſer 129 ½ 1½ 5 5555 402 ½ 481——— 4 7) Brache mit halben Porden 119 ½——————— †— 8) Rocke 119½ I½ 5 5556 430 1193——— 5 2N Gere—— Wieſen 150————— 1800—— E Weids 300———————— — 1450——— 5571 1800 7 S —— Verhaͤltniſſe der Wirthſchaftsſyſteme gegen einander. 13 — k. 1. m. n. o. P.· Mſt Vie Futter auf den Kopf und für Ertrag Koſten der Wirthſchaft Reiner kom nach Sehtzeht. jede Art im Ganzen. ⸗—— nach dem Werthe Ertrag per—— des Viehes des eines Scheffels Rocken. nach Abzug Motge nach Getreides der Koſten, hude Stroh.] Heu. Weide. dem Werth reduzirt nach Schefſel 4 eines Schef⸗ auf Scheffel Rocken. o Cenh ſfels Rocken. Rocken. Fuder Stuͤck. Fentner. Eentner. Morgen. Scheffel. Scheffel. Schfl. Scheffel. Pferde.(50) 30) 16 Pferde à 54 Schfl. 864 16 800 480 6 männliche Geſinde xühe. c2) c30) c3) 50 Schfl. 300 20 600 600 60 270 Schaäfer 70 13556 5 1 8 2 e Schafe. 65 8 700 3500 700 240 415 2 Dreſcherlohn.. 153 e Maͤnnliches Tagelohn] 162 brig brig Weibliches„„ 98 671 20 „ 5———— — ₰ 652½ . S S S— 4893 4————— 445 3—— ₰ 201 3— 6 430 5————— 2393 — — ———— 625 24574 —„ 6 30825 3 —— 14 Verhaͤltniſſe der Wirthſchaftsſyſteme gegen einander. — a. b. c. d. e. g. h. i. Kk. Einſaat Ertrag Reiner Stroh⸗ Heu Miſt Miſt ꝙ zahl. per per rtrag Ertrag ertrag. undFutter aus kommt Wirt hſch afts art Mor⸗ Mor⸗ des nach auf Heuſ Stroh, per und gen. gen. Schlages.] Abzug reduzirt. Heu und Morgen, der utter. Fuder Rotation. Einſaat. 20 Centn. Morgen. Schfl.ſ Schfl. Scheffel. Scheffel. Eentner. Eentner. Eentner. ſ Fuder. No. 2. Felderwirthſchaft mit Erbſen und Klee, und Stallfuͤtterung. Aus Stroh 19096 Aus Heu 8040 1) Erbſen, geduͤngt.. 119½ 1½ 5 5554 450 ½ 2220 3 6 2) Rocken. 119½ 1½ 6 666½ 5918 1432 8 3) Gerſte 1 ½ 6 6665 54 1% 666——— 4) Brache, geduͤngt und Porden—— 2 6 5) Ren 119 ½ 1½ 8 888½ 7633 1909 ₰ 6) Gerſte 119½ 1 8 8883 7635 888 7 119 ½ 1————— 2220. 8) Rocken„ 179½ N* 777½ 652½ r670—— 9) Hafer 1195 1 8 8883 2735 763—— Wieſen 150————— 1800— Weide 300———————— 1450 9548 4020 27136— nach So Nerde 18 Kihe ufde 5 Scha 80 Verhaͤltniſſe der Wirthſchaftsſyſteme gegen einander. 15 . m. n. o. P. Bieh, Futter auf den Kopf und fuͤr Ertrag Koſten der Wirthſchaft Reiner nach Kopfzahl. jede Art im Ganzen.—— nach dem Werthe Ertrag — des Viehes des eines Scheffels Rocken. nach Abzug nach Getreides der Koſten, Stroh. Heu. Weide. dem Werth reduzirt nach Scheffel eines Schef⸗ſauf Scheffel Rocken. fels Rocken.] Rocken. Stuͤck. Centner. Centner. Morgen. Scheffel. Scheffel. Schfl. Scheffel. Pferde.(50)(30) 18 900 540 18 Pferde à 54 Schfl. 972 Kuͤhe auf den Stall.](70)(55) 7 Geſinde 5 2500 2750 687 chfl.* 350 4 weibliches Geſinde S 66* 60 3 40 Schfl. 160 6 Schäfer„ 80 Dreſcherlohn.. 234 Bleibt Fehlt 2 üorig Feh Mäͤnnliches Lohn. 225 1343 70 Weibliches Loehn 1163 2300 —*——— 4303 — S 5415 ————— 4063 ————— 7633 S S 572 ½ —— 6523 S——— 3 1187 ½ ₰ 21373 49372 Verhaͤltniſſe der Wirthſchaftsſyſteme gegen einander. a. b. 6. d. e. g. h. k. Einſaat Ertrag Stroh⸗ Heu Miſt diſt c; zahl. per per Ertrag Ertrag ertrag. ſund Futter aus kommt Wirt h ſch afts art Mor⸗ Mor⸗ des nach auf Hen Stroh, per und gen. gen. Schlages. Abzug reduzirt.] Heu und Morgen, der Futter. Fuder Rotation. Einſaat.. ꝛ0 Centn. Morgen. Schfi.ſ Schfl. Scheffel. Scheffel. Centner. Centner. Centner. Fuder. No. 3. Mecklenburgiſche Koppelwirſchaft in ſie⸗ ben Schlaͤgen. Aus Stroh 11332 . Aus Heu 8388 1) Brache, geduͤngt. 171 ½———& 2 5,5 2) Rocken„ 171½ 1½ 8 ½ 1456 ½ 1263 3131—— B 3) Gerſte„ 171½ 1 ½ 8 ½ 1456½ 1263 1456 S5— S 4) Pafer. 6 5) Klee, ein Schnitt.—— 14 Ctn.]—— 2394— dann 515 3— 2. 8— 6 u. 7) Weide Wieſe 150— ſr2Ctn.——— 1800— Außenweide. 100= 60 Dreeſchweide.—— 8— S 19920 Sih nooh Kop — Slck. Pferde 8 gugochſ 16 Hüh 12 Verhaͤltniſſe der Wirthſchaftsſyſteme gegen einander. 17 — 1. m. n. o. p. Vih, Futter auf den Kopf und fuͤr Ertrag Koſten der Wirtbſchaft, Reiner mmt nach Kopfzahl. jede Art im Ganzen.—— nach dem Werthe Ertrag ſ———des Viehes, des eines Scheffels Rocken. nach Abzug Muhn, nach Getreides der Koſten, uder Stroh. Heu. Weide. dem Werth reduzirt nachScheffel 2 eines Schef⸗ ſauf Scheffel Rocken. Cint. fels Rocken.] Rocken. Fider Stuͤck. Eentner. Feniner. Morgen. Scheffel. Scheffel. Schfl. Scheffel. pferde. 60) 30 8 Pferde à 54 Schfl. 432 8 400 240 16 Ochſen à 7 Schfl. 128 Zugochſen.(33)(40)(3½) 5 maͤnnliches Geſinde 16 608 640 à 50 Schfl.. 250 . 6 weibliches Geſinde Kuͤhe. 63) 67) 63*) chi ſ O—— 122 4636 3294 460 15134 4 Dreſcherlohn.. 180 2838 Maͤnnliches Tagelohnf 147 Weibliches Tagelohn 76 5, 7„ ———— 1263 8——— 9475 2————— 568 —* ——— 1513½ 27788, 1433 5 4291 — Zweiter Theil. C 18 Verhaltniſſe der Wirthſchaftsſyſteme gegen einander. — a. b. O. d. e. f. g. h. 3 k.. Einſaat Ertrag Reiner Stroh⸗ eu Miſt Miſt Wirthſchaßsart Fen, und gen. gen. Schlages. Abzug reduzirt. Heu und Morgen, der Futter. Fuder Rotation. Einſaat. 20 Centn. Morgen. Schfl. Schfl. Scheffel. Scheffel. Centner. Centner. Centner. Fuder. E No. 4. Mecklenburgiſche yir. Koppelwirthſchaft in 6 10 Schlagen mit 2 Oihen Brachen. gih Aus Stroh 10 12240 Aus Heu 6960 1) Ruhebrache, ſchwach ed 120——————— 3 3— 25 120 I 8 960 825 2069——— ½— 3) Hafer 120 1 10 1200 1033 1032———— 4) Muͤrbe Brache, geduͤngt] 120——————— 5— 5) Rochen 120 1 8 960 825 2064———— 6 Ger 120 13 8 960 8²5 960———— 7) Maͤheklee, 1 Schnitt 120— ſ1 Ctn.]——— 1680——— dann Weide 8) 9) 10) Weide 3 3 W 150————— 1800 Außenweide 100= 60 Dreeſchweide.————— 6 — ——— 6120 3480 19200— Verhaͤltniſſe der Wirthſchaftsſyſteme gegen einander. 19 n k. 6 m. n. o. p. Miſt Vieh, Futter auf ben Kopf und fuͤr Ertrag Koſten der Wirthſchaft Reiner komm nach Kopfzahl. jede Art im Ganzen..— nach dem Werthe Ertrag per—— des Viehes des eines Scheſſels Rocken. nach Abzug Mrg nach Getreides der Koſien, Fuder Stroh. Heu. Weide. dem Werth reduzirt nach Scheffel eines Schef⸗ ſauf Scheffel Rocken. † o Cehh fels Rocken.] Rocken. Fuder Stuͤck. Centner.] Centner.] Morgen. Schefel. Scheffel. Schfl. Scheffel. de. 0) ſ cz5 6 8 Pferde à54 Schfl. 432 22 Ochſen à 7 Schfl. 154 Ochſen. 655 630) 6¹ 6 maͤnnliches Geſinde 22 836 5. 77 450 Schfl.. 300 Kuͤhe. 65)(250 60 5 weibliches Geſinde 2564 re 2 4800 2500 400 1372 à 40 Schfl.. 200 Dreſcherlohn.. 174 Maͤnnliches Tagelohn 151 Weibliches— 72 3—— 6— 825 8 56 .— S ——— 8²5 3 F— S 6184 — S — 1— ——— 1543 4107 — C 2 20 Verhaͤltniſſe der Wirthſchaftsſyſteme gegen einander. a. b. 2 d. e. g. h.. k. Morgen⸗ Einſaatſ Ertrag Total⸗ Reiner Stroh⸗ Heu Wiſt Miſt und gen. gen. Schlages. Abzug reduzirt. Heu undſ Morgen, der Futter. Fuder Rotation. Einſaat. 4 10 Centn. Morgen. Schfl. Schfl. Scheffel. Scheffel. Centner.ſ Centner. Centner. Fuder. No. s. Mecklenburgiſche Wirthſchaft in zwoͤlf Schlägen mit zwei Brachen. Aus Stroh 202b Aus Heu 6400 1) Brache, halb geduͤngt 100—————— 3,2 2 Recke 100 1½ 7½ 750 637½ 175124½ S— S 3) Gerſte„„ 100 1½ 7 ½ 750 6372 850 8— 20 100 1 6 oo 462 ½ 852——— 5) Brache, geduͤngt. 100————— 6 6 Rocket 100 1½ 8 800 6872 1720——— 7 Gerße 100— 7 700 587½ 793 ½——— 3 Hſe 100 1 6 600 46 2 ½ 520. W 9) Maͤheklee, 1 Schnitt, 100— ſ14 Ctn..——— 1400— dann Weide 3 3 1c) 10) 12) Veide Wieſt 150————— 1800—— Außenweide 100= 60 Dreeſchweide.————— 6013½ 3200 18426— Piih uach Kop Stück Pſerde guhochſ M Kuͤh Verhaͤltniſſe der Wirthſchaftsſyſteme gegen einander⸗ 21 l..— n. o. p. Niſ Vich, Futter auf den Kopf und fuͤr Ertrag Koſten der Wirthſchaft Reiner komt ſuach Kopfzahl. jede Art im Ganzen.— nach dem Werthe Ertrag per—— des Viehes des eines Scheffels Rocken. nach Abzug Nurge nach Getreides 3 der Koſten, Fder Stroh. Heu. Weide. dem Werth reduzirt nach Scheffelt 4 eines Schef⸗ auf Scheffel Rocken. o Centh fels Rocken. Rocken. Fider Stuͤck. Eentner. Eentner.] Morgen. Scheffel. Scheffel. Schfl. Scheffel. 8 Pferde 2 54 Schfl.] 432 240 ² 20 Ochſen à 7 Schfl. 140 Zugochſen. 6⁸) 640) bmaͤnnliches Geſinde 20 760 800 32* a 50 Schfl. 3c0 Kühe.(5335(24) 5 weibliches Geſinde 2318 90 4853 2160 335 1043 à 40 Schfl.. 200 Maͤnnliches Tagelohn] 149 Weibliches— 78 S Dreſcherlohn„„ 171 ½ — 3— 637½ —— 477½ —— P— 231½ 6———————— —— 8— 8 6874 ——— 480 ½ —————— 231 ½. — K ½. 1470 —— 1033 27454, 47 S 3 3788 22 Verhaͤltniſſe der Wirthſchaftsſyſteme gegen einander. —„— a. b. 6 d. e. g. j. k. 1 Einſaat Ertrag* Stroh⸗ Heu und iſt Miſt— zahl. per er rtrag Ertrag ertrag. Futter aus kommt hach Ko Wirthſchaftsart Mor⸗ Mor⸗ des nach auf Heuſ Stroh, per und gen. gen. Schlages. Abzug reduzirt. Heu undſ Morgen, der Futter. Fuder Rotation. Einſaat.* 20 Centn. Morgen. Schfl. Schfl. Scheffel. Scheffel. Centner. Centner. Centner. Fuder. No. 6. Koppelwirthſchaft nn nach neueſter Hollſtei⸗ niſcher Art zu zehn gigoch Schlaͤgen. 1 Aus Stroh Kil 12036 1. Aus Hen 9300 1) Dreeſchhafer„ 120 1½ n 1440 1260 1248 S ₰ 5 2) Brache, geduͤngt. 120—— 3 5 3) Rycke„ 120 1 10 1200 1065 2580——— 4 4) Gerſte 120 1½ 10 1200 1065 1200——— 3 5) Rocken 120 1½ 5 600 465 1250——— 8 6) Maͤheklee 120— 20 Ctn.——— 2400—— 3 7) 8) 90) Wride„ 480———————— Wieſen, geduͤngt. 150 15 Ctn.]——— 2250— 1 2 Außenweide 100= 60 Dreeſchweide.————— 3 6318 4650 21336 L A Verhaͤltniſſe der Wirthſchafts ſyſteme gegen einander. 23 . . m. n. o. p. Pit Vich, Futter auf den Kopf und fuͤr Ertrag Koſten der Wirthſchaft Reiner k mnt nach Kopfzahl. jede Art im Ganzen..—— nach dem Werthe Ertrag We——— des Viehes des eines Scheffels Rocken. nach Abzug Ari nach Getreides der Koſten, ſuder Stroh. Hen. Weide. dem Werth; reduzirt nach Scheffel 3 eines Schef⸗ auf Scheffel Rocken. oEenn fels Rocken.] Rocken. Fuder. W Stuͤck. Fentner. ſ Eentner.] Morgen. Scheffel. Scheffel. Schfl.] Scheffel. . S. 8 Pferde à 40 Schfl.] 320 Wegen der 16 Ochſen 1 6 Schfl. 96 Weide. Zugochſen.(33)(40)(40 S maͤnnliches Gefinde 16 608 640 63 15o Schſ. 25 Kuͤhe.(47) c30) 63¹) 7 weibliches Geſinde 125 5170 3750 444 15992 4 40 Schfl. 280 3205 Dreſcherlohn„ 1893 Maͤnnliches Tagelohn 145 Weibliches— 7 S 8—— 630 8—————— 5. 6— 1065 — 8 7063 3„. 8 465 I—————— ———— 1500 20584, 1353 4585 24 Verhaͤltniſſe der Wirthſchaftsſyſteme gegen einander. 4 e.. g. h. 3 Einſaat Ertrag— Reiner Stroh⸗ Heu Miſt Miſt Pich, zahl. er per rtrag Ertrag ertrag. ſund Futter aus kommt nach Koy Wirth ſch aftsart Mor⸗ Mor⸗ des ſ nach auf Heu Stroh, per und gen. gen. Schlages. Abzug rebuzirt. Heu und Morgen, der Futter. Fuder Rotation. Einſaat. à 20 Centn. Morgen. Schfl. Schfl. Scheffel. Scheffel. Centner. Centner. Centner. Fuder. No. 5. Achtſchlägige ſinde 10 Wirthſchaft nach der ſels mit Weide. xus Stroh 6 19400 Kihe, mit wben der? Aus Heu 2) 10800 oder Kil Aus Kar⸗ 120 toffeln 156 1) Dreeſchhafer„„ 150 14 12 1800 1575 1548——— S 2) Kartoffeln„„„ 150 7 87 70350 IOo 750 6000— 9 3) Gerſte„ 150 1½ 0 1500 1399 1500———— 4) Erbſen 150 I½ 1 6 90 764 3000—— 3. 5) Rocn 150 9 1350* 1244 2902———— 6) Maͤheklee 150— 24 Ctn.]—— 3600——. 7) 8) Weide„ 300—— 8== Wieſen„ ſ„ 150— 12 Ctn.—.— 1800—— 9700 11400 36200— ½ 3 — — Verhaͤltniſſe der Wirthſchaftsſyſteme gegen einander. 25 5 k. 1. m. M⸗ o. Pp. Vieh, Futter auf den Koyf und für Ertrag Koſten der Wirthſchaft Reiner onnt nach Kopßzahl. jede Art im Ganzen.— nach dem Werthe Ertrag S.—— des Viehes des elnes Scheffels Rocken. nach Abzug Ngen nach Getreides der Koſteti, ſdr Stroh. Heu. Weide. ſdem Werthe rreduzirt nach Scheffel eines Se ef⸗ſauf Scheffel Rocken. o En fels Rocken.] Rocken. Fuder. Sück Eentner. Eentner.[ Morgen. Scheffel. Scheffel. Schſi. Scheffel. plerde. Go)(50) 10 Pferde à 40 Schfl. 400 10 500 500„ 16 Ochſen à 6 Schfl. 96 ochſen auf dem 6 männliches Geſinde Stalle.(50)(65) à 50 Schfl. 300 en0 1940 1I weibliches Geſinde Kühe, mit Futter à 40 Schfl.. 40 uber der Weide.(38)(630—. 6 (bei den Kuͤhen) 219 8400 9855 340 2973 2 Dreſcherlohn.. 240 S oder Fäbe⸗ 65 Maäͤnnliches Tagelohn 145 120 4800 3600 360 Weibliches— 75 Maſtochſen. c23) 40) Kartoffeln- Arbeit 156 3600 6240. 1 Morgen à 14½ Scheffel 262 Bei der Maſt⸗ —————— 77½ ſochſen⸗ Hal⸗ 9 S tung iſt nichtt —— ₰——— 10452 nur der Er⸗ 764. trag hoͤher, 25— 4— 1244 ſondern auch = 2 die Koſten 2——— geringer. ——„ . 2973 3841 E 6814 — Zweiter Theil. D ———————— 26 Verhaltniſſe der Wirthſchaftsſyſteme gegen einander. a. b. c. d. e.. g. R. j. Kk. 7. täcn Einſaat Ertrag 6e Pinel Stroh⸗ Miſt Miſt Pich ; zahl. per per Ertrag Ertrag Ertrag. ſundFutter; aus kommt Kor Wirthſchaftsart Mor⸗ Mor⸗ des nach 8 auf Heu Stroh, per und gen. gen. Schlages. Abzug reduzirt. Heu undſ Morgen, der Futter. Fuder Rolation. Einſaat. 4 0 Centn. Morgen. Schfl. Schfl. Scheffel. Scheffel. Centner. Centner. Centner⸗ Fuder.—Sn No. 3. Achtſchlägige Mrde Wirthſchaft nach der ¹ Zugoch Regel des Fruchtwech⸗ 20 els mit Stallfutterung 8 Aus Strohj bine es Rindviehes. 27474 oder Aus Heu 1 und Maſt Aus Kar⸗ 16 toffeln 6000 n Weide u. 1) Kartoffel„ 150 7 87 13050 12000 750 6oc0— 9* 2) Gerſte 150 1½ 12 1800 1631½ 2090——— 150— 124 Ctn.——— 3600—— 150 13 14 2100 18933 1820——— 6 5 Erbſen 150 1½ 6 900 7314 3000 4, 6 5 Pocken 150 16 10 1500 1331 4 32235 †. 1 Wicen„ 150 2— rI23 †++ 3000—„ 3 8 Röen„ 150 1½ 9 †7 †—— Wieſen, geduͤngt. 150— n—— 2250—— Außenweide 100 3 62— 4. 4—— — 13737 14850[51174— Verhaͤltniſſe der Wirthſchoftsſyſteme gegen einander. 27 —. x 1. Ffl. m. n. o. p. V Vieh Futter auf den Kopf und fuͤr Ertrag Koſten der Wirthſchaft Reiner fum ch Kopfzahl jede Art im Ganzen.——— nach dem Werthe Ertrag des Viehes des eines Scheffels Rocken. nach Abzug Murge 23 nach Getreides der Koſten, zude Stroh. Heu. Weide. dem Werth; reduzirt nach Scheffel eines Schef⸗ſauf Scheffel Rocken. oCeh fels Rockens.. Rocken. Fuder Stüc Eentner. Centner. Morgen. Scheffel. Scheffel. Schfl. Schefe. Prerde.(50) 650) 12 Pferde à 40 Schfl. 480 12 600 600 16 Ochſen à 6 Schfl. 96 Zugochſen. 650)(650 8maͤnnliches Geſinde 20 600 1200 350 Schfl. 400 Kuͤhe allein..(40) 650 12 weibliches Geſinde 237 9500 1 13050 3262 ½ à 40 Schfl.. 480 oder Kuͤhe(40) 650 Dreſcherlehn.. 307 120 4800 Maͤnnliches Tagelohn 210 and Maſtochſen 19) 4) Weibliches 90 6450. 167 4650 35 Kartoffeln- Arbeit 585 und k Hammel auf der 1 Morgen à 12 Weide u. Stoppel!(32) 63. Scheffel.. 262 5 100 100 300 2657 12233 5——— 1223½ — 5 9464 47——— 731½ 3————=— 1331½ S———— 1181 ½ —— 0 22 ——— 3 3362½ 40132, 2325 8176 — 28 Verhaͤltniſſe der Wirthſchaftsſyſteme gegen einander. „„— a. †. g. h. ß.. Wegem Einſaat Ertrag See Site Sub Heu Miſt iſt ahl. er per Ertrag rtrag rtrag. ſund Futter aus ommt hac) K Wirthſchaftsart Wer, nach auf Heuſ Stroh, per und gen. gen. Schlages.] Abzug reduzirt. Heu und Morgen der Futter. Fuder Rotation. Einſaat. 3 20 Centn. Morgen.ſ Schfl. Schft. Scheſfel. Scheffel. Scheffel. Centner. Centner. Fuder. 3 8 erde Zehnſchlägige Aus Stroh 0 Wirthſchaft nach der 21946 zi Regel des Fruchtwech⸗ Aus Heu* ſels mit Stallfutterung 14800 situ Sta des Rindviehes und u Sa Schaſweide. toffein. 2 f 4800 6ch 150 1) Dreeſchhafer. 120 1½ 14 7680 1500 1440——— 2 2) Brache mit Horden be⸗ legt, vor oder nach ſel⸗— bigen Wicken zum Heu 120 4 2— 2400— 4* 5 120 1½ 10 1200 1065 2580—— 2 3 Erbſet 120 I½ 6 720 675 2400—— 3 5) Rocken„ 120 15 1080 945 2321,— 6) Kartoffeln 120 7 87 10440 9600 600 4800— 10 3 7) Gerſte 120 1½ 12 1446 1335 1632 2880—— 2 120— ſ24 Ctn.]————— 9) 10) Kleeweide fuͤr die Schafe 36——————— 3 Anßenweide 5 100= 60 Dreeſchweide.————— 3 Wieſen, geduͤngt.—— ſ15 Ctn.]——— 2250— 0, 1— 10973 12330 41546— Verhaͤltniſſe der Wirthſchaftsſyſteme gegen einander. 29 — k.* n. o. p. Miſt Vieh Futter auf den Kopf und fuͤr Ertrag. Koſten der Wirthſchaft Reiner konnt nach Kopftzahl. jede Art im Ganzen.. 3 nach dem Werthe Ertrag per——— des Viehes des eines Scheffels Rocken. nach Abzug Morgen nach Getreides der Koſten, Fuder Stroh.] Heu. Weide. ſdem Werthſ reduzirt nach Scheffel 4 eines Schef⸗ auf Scheffel Rocken. Cenn ſels Rocken. Rocken. Fuder Stück. Eentner. Eentner. Rorgen. Scheffet. Scheffel. Schfl. Scheffel. Pferde. 60) 60) 10 Pferde à q0 Schfl.] 400 10 500 500 16 Ochſen à 6 Schfl. 96 Ochſen. 670)(650 bmännliches Geſinde 16 600 1040 à 50 Schfl.. 300 8 wetbliches Gefnde 121 4853 6655 16634 à 40 Schfl. 320 Schafe. Dreſcherlohn.. 277 1500 50c0 3000 360 1290 Dem Schaͤfer außer 4.— zbrig— 750 ſeiner ſchon abge⸗ 5711 1135 2881 rechneten Quote 80 4₰ fuͤr Maſt⸗ Maͤnnliches Tagelohn 194 E 93 8 Weibliches Tagelohn 90 2—— 2 1065 Kartoffeln⸗Arbeit per 2 31— 22 673 Morgen 1 Schfl. 210 „— 6+ 945 10 5 SF F ˙———— 10014 . — 8* o,1 35 G ———— 3242 4436 1967 833² ———— 30 Verhaͤltniſſe der Wirthſchaftsſyſteme gegen einander. Die Verhaͤltniſſe dieſer Wirthſchaften kommen alſo folgendermaßen zu ſteben: Stroh⸗ Futter⸗ Macht Koſten Ertrag Ertrag Reiner gewinn. gewinn Duͤnger. der aus aus Ertrag. No· nach Heu. Wirthſchaft dem Vieh. dem Korn. 6 Centner. Centner. Centner. Scheffel. Scheffel. Scheffel. Scheffel. 1 5571 1800 14742 1727 625 2457 1355 2 9548 4020 27136 2137 1185 3760 2800 3 35766 4194 19920 1453 1513 277 2838 4 6120 3480 19200 1543 1312 2785 256 4 5 6013 3200 18426 1470 1043 2745 2318 6 6318 4650 21336) 1353 1599 2958 3205 9700 11400 36200 1961 2973 3841 4855 8 1337 14850 51174 2325 3362 4913 5351 9 10973 12330 41546 1967 3242 4436 5711 Uebergang in eine neue Wirthſchaftsart. 31 Der Uebergang in eine neue Wirthſchaftsart. §. 398. Rur nach einer richtigen Ueberlegung aller Verhaͤltniſſe kann der rationelle Landwirth ſich erſt zum Uebergang zu einer intenſiveren Wirthſchaft beſtimmen. Wir wollen das, was ſich, ohne ein gegebenes Lokal vor Augen zu haben, hier⸗ uͤber im Allgemeinen ſagen läßt, anfuͤhren. Zufoͤrderſt muß man wohl erwaͤgen, daß ſich ein ſolcher Uebergang nie ohne Notbwendig⸗ Anlage eines groͤßern Betriebskapitals machen laſſe. Die Stärke deſſelben kann ne ſehr verſchieden ſeyn, und man kann mit einem groͤßern oder kleinern ſeinen Zweck, kapitals. aber— unter Vorausſetzung gleicher Geſchicklichkeit— mit jenem ſchneller, als mit dieſem erreichen. Der ſtarkere Futtergewinn, worauf zufoͤrderſt alles an⸗ kommt, erfordert immer einige Aufopferung an verkaͤuflichen Fruͤchten: entweder in der Ausſaat, welche zu Anfange durch reicheren Ertrag noch nicht erſetzt werden kann; oder im Ertrage ſelbſt, indem man ihnen zum ſicheren Futterbau einen Theil des Duͤngers, den des kraͤftigeren Feldes, entzieht. Dazu kommt denn die nach und nach zu beſchaffende Vermehrung des Inventariums, des Arbeits⸗ und Geſinde⸗ lohns. Man nennt dies mit Unrecht Aufopferungen, die man im Ertrage des Guts machen muͤſſe. Aufopferung iſt es nicht, es iſt nur vermehrte Kapitalsan⸗ lage zum kräͤftigern Betriebe des Gewerbes. Denn richtige Zinſen nnd Wiederer⸗ ſtattung des Kapitals koͤnnen ohne ungewoͤhnliche Unglucks fälle nie fehlen. Allein in Händen haben muß man dieſes Kapital, wenn die Sache nicht ſtocken oder ruͤck⸗ gaͤngig werden ſoll. Die Staͤrke deſſelben iſt, wie geſagt, verſchieden. Wenn man aber mit mitt⸗ lerer Schnelligkeit und gehoͤriger Ueberlegung vorſchreiten will, ſo muß es we— nigſtens doppelt ſo ſtark ſeyn, als der bisherige jährliche reine Ertrag eines Gutes war, in ſofern er aus der Wirchſchaft hervorging. Hiermit darf man dennoch in der Vermehrung des Viehinventariums ſich nicht ubereilen. Auch ſind hierin 5 ſie 5 keine neue Bauten oder erhebliche Veraͤnderungen in den Gebaͤuden mit einbe⸗ griffen ⸗ „ Aus der Fel⸗ derwirthſchaft in die Koppel⸗ wirthſchaft. 32 Uebergang in eine neue Wirthſchaftsart. Verbeſſernde Umwandlungen einer Wirthſchaft ohne Kapitalsanlage ſind gra⸗ dezu unmoͤglich. Wo ſie ohne ſoiches bewirkt zu ſeyn ſcheinen, da iſt das Kapital unmerklich durch Erſparungen in andern Stuͤcken, oder durch angeſtrengte eigene Arbeit hervorgebracht. Der Mangel des Kapitals, es ſey, daß man es nicht an⸗ legen konnte, oder nicht wollte, iſt der Grund der meiſten fehlgeſchlagenen Unter⸗ nehmungen dieſer Art. Daher muß man den manche verleitenden JIrrthum, als ſey es ohne ſolches moͤglich, nicht beſtaͤrken, ſondern ausrotten. Daß ferner der Grund und Boden privatives Eigenthum ſey, worauf keine, der Sache entgegenſtehende Servitute ruhen, verſteht ſich von ſelbſt. Vor allem muͤſſen dieſe, wenn ſie ſtatt finden, abgefunden werden. §. 399. Von dem Uebergange einer Felderwirthſchaft in die Koppelwirthſchaft, ſie ſey von der gewoͤhnlichen Art, oder nach der Regel des Fruchtwechſels eingerichtet, läßt ſich, ohne ein gegebnes Lokal vor Augen zu haben, nichts genaueres angeben, als was uͤberhaupt von der Einrichtung einer Koppelwirthſchaft in den F. 276 bis 295 geſagt worden. In den meiſten Faͤllen, wo man ein bisher in drei Fel⸗ dern zuſammenhaͤngend gelegenes Gut in Koppelwirthſchaftsſchlaͤge legt, wird na⸗ tuͤrlich alte Weide aufzubrechen ſeyn, weil dieſe nun entbehrlich wird. Kann ſie mit in die Rotation des Ganzen gebracht werden, ſo muß man es ſo einrichten, daß ſie allmählig vorbereitet werde, und in dem Verhaͤltniß zum Fruchttragen komme, worin ein Theil des bisherigen Ackerlandes zur Weide niedergelegt wird. Wie jenes geſchehe, gehoͤrt in die Lehre von der Urbarmachung, und ich bemerke hier nur, daß ein ſolches neues Land nicht zu ſtark angegriffen werden duͤrfe, ſon⸗ dern nach hoͤchſtens zwei Fruͤchten eine Duͤngung erhalten, dann wieder zu Graſe niedergelegt, oder nach der Regel des Fruchtwechſels behandelt werden muͤſſe. So muß man auch dahin ſehen, daß das zur Weide niederzulegende bisherige Acker⸗ land noch in Kraft ſey, und nach der Duͤngung nicht mehr, als hoͤchſtens vier Fruͤchte abgetragen habe, damit ſogleich eine gehoͤrige Weide darauf entſte⸗ hen koͤnne.. Kann das alte aufzubrechende Weideland ſeiner Lage und Beſchaffenheit wegen nicht in dieſelbe Rotation kommen, ſondern muß es eine eigne erhalten, ſo muß man dennoch, um die Wirthſchaftsverhältniſſe zwiſchen Weide und Koͤrner⸗ ſammt Stroh⸗ — ——— Uebergang in eine neue Wirthſchaftsart. 33 Strohertrag nicht zu ſtoͤren, eben ſo verfahren, und in dem Maße ſich neue Weide auf dem Ackerlande verſchaffen, wie man die alte zum Fruchtbau umbricht. Wenn nach vollfuͤhrter Theilung und Zuſammenlegung einer zerſtuͤckelten Feldmark, Acker, nicht bloß von verſchiedener natuͤrlicher Guͤte, ſondern auch is ſehr verſchiedenem Duͤngerzuſtande zuſammenkommt, und in kuͤnftige bleibende Schläge getheilt werden ſoll; ſo erfordert es eine genaue Spezialunterſuchung und einen wohl uͤberlegten Plan, wie man die verſchiedenen nun zuſammengelegten Feldſtucke in eine gleichmaͤßige Kraft fuͤr die Folge ſetze. Die dabei zu beobach⸗ tenden Maßregeln laſſen ſich nur in beſondern Beiſpielen entwickeln. §. 400. Der Uebergang aus einer auf ſchon ſeparirtem Lande beſtehenden Felderwirth⸗ ſchaft zum Fruchtwechſel mit Stallfuͤtterung iſt in dem Falle nicht ſchwierig, wo der in die Frucht ganze Acker in durchgehender Duͤngung geſtanden hat. Wo aber nur ein Theil der wechſelwirts⸗ Feldmark Miſtland war, ein andrer Theil aber garkeinen oder nur ſelten und ſpaͤrlich S Duͤnger erhielt, iſt es ebenfalls ſchwierig, und man darf nicht erwarten, ohne große äußere Huͤlfen, ſobald zum Ziele zu kommen. Da indeſſen hierbei der oͤrtliche Zuſam⸗ menhang, und die Grenzung der Schlaͤge nach ihren Nummern nicht ſo nothwendig iſt, wie bei der Koppelwirthſchaft, ſo koͤmmt man doch allmaͤhlig leichter in Ord⸗ nung. Liegt das außer Wuͤrden gekommene Land, wie gewoͤhnlich, entfernter und neben einander, ſo wird man ſich mehrentheils bewogen ſehen, zwei oder gar mehrere Rotationen zu machen, oder den Acker in Binnen⸗ und Außenſchlaäge zu theilen; erſtere dann zufoͤrderſt in Kraft zu ſetzen, leßtere aber ſo lange hin zu hal⸗ ten, bis ihnen durch die Kraft und den Ueberfluß der Binnenſchlaͤge aufgeholfen werden kann. Sooll dies aber geſchehen, ſo werden die Hauptſchlaͤge um ſo ſpäter zu einem Ueberfluß von Dungkraft kommen, und man muß dann um ſo laͤnger auf den Bau der Handelsgewaͤchſe Verzicht leiſten. Wenn aber die Lage und Figur der ganzen Feldmark und der verſchiedenartigen Theile derſelben es rathſamer macht, ſo kann man die Einrichtung treffen, daß jeder Schlag von beſſerm Hauptbeſtande ein Supplement von ſchlechterem und ma⸗ gerem Lande bekomme, welches nicht nothwendig mit deinſelben voͤllig zuſammen⸗ haͤngend zu ſeyn braucht. Dieſes zugegebene Supplement wird dann nach und nach, oder immer weiter und weiter mit dem uͤbrigen in gleiche Kraft geſett, bis dahis Zweiter Thell. E 34 Uebergang in eine neue Wirthſchaftsart. aber ſo behandelt, daß es ſich durch Ruhe verbeſſern, und nur etwa eine oder die andere Frucht mit dem Haupttheile des Schlages zugleich trage. Bei dieſem Uebergange aus der Felderwirthſchaft zum Fruchtwechſel muß das Hauptbeſtreben das ſeyn, ſo ſchnell als moͤglich Futterung und aus dieſer Duͤnger zu gewinnen. Ohne alle Aufopferung der Getreideeinſaat geht dieſes nicht an. Nur gebe man ſowohl um des hoͤhern Ertrages, als hauptſächlich um des Strohes willen, keine Winterung auf, und entkraͤfte eben ſo wenig das dazu be⸗ ſtimmte Land. Die Tabelle A. zeigt einen ſolchen Uebergang auf einer Feldmark, die im neunjaͤhrigen Duͤnger ſtand, zu einer neunjährigen Fruchtwechſelwirthſchaft mit Stallfutterung. Wenn im erſten Uebergangsjahre noch kein Klee vorhanden iſt, ſo ſange man dennoch die ganze, oder wo dies nicht moͤglich iſt, die halbe Sommerſtallfutterung mit gruͤnen Wicken an, welche in den in dieſem Jahre zur Duͤngung kommenden Brachſchlag in gehoͤrigen Zwiſchenraͤumen geſäet werden, nachdem der ſämmtliche Winterduͤnger entweder aufgefahren und untergepfluͤgt iſt, oder derſelbe uͤber die ausgeſaeten Wicken verbreitet wird. Es können ſogar in demſelben Sommer mit dem aus den erſten Wicken gemachten Duͤnger noch die ſpaͤteſten Wicken wieder geduͤngt werden. Man muß es nur moͤglich zu machen uchen, daß das Vieh bis zur Mitte des Junius, wo die Wicken genugſam heran⸗ 9. 5 5 8 gewachſen ſind, hingehalten werde, welches durch ausgeſäeten Futterrocken in der Soͤmmerungsſtoppel, der nach der Mitte des Maies maͤhbar wird, in Ermange⸗ lung anderer Huͤlſsquellen geſchehen kann. Ferner kommt es darauf an, ſich zu dieſer Sommerſtallfutterung ſchon die noͤthige Einſtreuung zu erſparen oder herbei⸗ zuſchaffen. Wo Strohankauf nicht moͤglich iſt, wird man ſich durch Baumlaub, Schilf, Moos, torfartige ſchwammige Subſtanzen, altem Dachſtroh, wenn man fruͤh genug Anſtalten dazu getroffen hat, mehrentheils helfen koͤnnen. Sonſt aber muß der Stall ſo eingerichtet werden, daß wenig oder gar keine Einſtreuung noͤthig ſey, ſondern daß der Miſt in fluͤſſiger oder breiartiger Geſtalt aus dem Stalle ge⸗ ſchafft und mit Eede, loſem Torfe oder Raſen, die von den Feldrainen abgeſtochen worden, vermiſcht werde. Dieſe Schwierigkeit mit der Einſtreuung findet nur in den beiden erſten Jahren ſtatt; in der Folge wird Stroh genug gewonnen. Schafft man hier äußere Surrogate der Einſtreuung herbei, ſo gewinnet man — M.* ſnn einer dreifeldrigen Wirthſchaft, die in neunjaͤhrigem Duͤnger ſtand,„in eine neunſchlaͤgige Fne wirthſchaft mit Stalfutterung des Rindviehes, wobei die Außen⸗, auch Brach⸗ und Stoppelweide ganz den Schafen gewidmet ſeyn kann. B ra che Winterung Soͤmmerung ——. 4.——„— Es wird in d. Rocken in die Stoppel ſtatt Gerſte † Alter Zuſtand. geduͤngt. vor S ſe vor ke en in erſter Tracht in dritter Tracht. in fin Tracht. in zweiter Tracht,ſ in vierter Tracht. ſ in ſechster Tracht. geſaet. . a. 8 h.. In g. etwas Rocken zum Grůͤnfutter im Fruͤhjahr Brache. Die Sommerſtallfutterung wird mit den Wicken Erſtes Jahr des Winterung mit! Winterung. Winterung Stoppelrocken.] Soͤmmerung. Soͤmmerung. Brache. Wicken. in i ſ Uebertrags. Klee. mit dem gemach⸗ XN ten Wickenmiſt. Bleibt an vpr. Brache, 3 5 WVicke und Klee, zum Theil im Sommer ver⸗ liegen. miſit. 3 2 Hackfruͤchte.. Stallfutterung in voller Kraft und reichlicher Heu⸗ 5 Klee. Wicken. Winterung. Winterung. Winterung mit Soͤmmerung. Soͤmmerung. Klee. Drittes Jahr.* 2 Brache. Klee. Erbſen. 1 8 Viertes Jahr. Winterung. Vinterung. Gerſte mit Kler. Erbſen. Fie. Hackfruchte. Winterung. Klee. 6 Großer Futter⸗ und Miſtgewinn. Vir Wint V 6 V Fuͤnftes Jahr. 2 Erbſen Klee 1 Schitt. iſte mtt Klee Scfiichte A Der weijihrige Klee wird nach dem erſten Schnitte um⸗ ge brochen und mit Winterraps beſaet. Klee dacftlch Rappſaatbau beginnet. . Winterung. Winterung.] Erbſen. ackfruͤchte. Rappaat. Klee. Gerſie mit Klee. Wicken. 2 6 Sechstes Jahr 8 3 1Schnit. tapp rſte mit Klee. Erbſen und Klee. Siebentes Jahr. Wicken. Hackfruͤchte. Rappſaat. Winterung. Gerſte mit Klee. Weizen. Klee. Winterung. X RN 1 Schnitt. 3 5. 3 3 2 Winterung Klee. Erhſe und Jahr. interung. erſte mit Klee. eizen. ackfruͤchte. ee. und Rappſaat.* icken. Achtes 3 6 X Soͤmmerung. 6 1 Schnitt.* S und Vi Sern Klee. ntth 8. 2 icken. Klee. un erſte mit Klee.* ackfruͤchte. Weizen. Kappſaat. interung. Neuntes Jahr* Sömmerung. 1Schnitt. ²* 2 8 3 F 2. 6 5 9 Die Schlaͤge und Fruͤchte folgen nun ferner nach vorſtehenden Nummern. Uebergang in eine neue Wirthſchaftsart. 35 durch dieſe Verfutterung der gruͤnen Wicken eben ſo viel Duͤnger wieder, als man darauf verwandt hatte, und hat nun, da der zu den Wicken untergebrachte Duͤn⸗ ger unverloren iſt, doppelt ſo viel geduͤngtes Land zur Winterung, als man ohne ſelbige gehabt haben wuͤrde, wodurch dann der Strohmangel ſchon im 3ten Jahre gehoben iſt. Auch iſt es in der Hinſicht rathſam, einen Theil des Sommerfeldes mit Rocken zu beſtellen, weil dieſer mehr Stroh liefert. Viele, welche zu dieſer Wirthſchaft uͤbertreten wollten, haben den Anfang damit gemacht, Kartoffeln in der Brache zu bauen, und dieſen allen Duͤnger zu widmen, oder die noch uͤbrige Duͤngkraft des Ackers dazu zu verwenden. Da ſie nun nach ſelbigen keine Winterung oder doch nur mit ſchlechtem Erfolge beſtellen konnten, ſo verloren ſie in dieſem einträglichſten Getreide, und litten dann im folgenden Jahre großen Mangel an Stroh. Deshalb betreibe man bieſen Bau ohne aͤußere Huͤlfsmittel durchaus nicht im erſten Jahre in irgend be⸗ traͤchtlicher Ausdehnung. Man ſuche nur ſo viel Wicken oder Wickengemenge, wie moglich, im erſten Sommer zu bauen, um zureichende Sommerfutterung, und wenn es ſeyn kann, noch ein uͤberfluͤſſiges zum Heu davon zu haben. Denn dieſe Wicken ſind im Gegenſaße von den Kartoffeln eine vortreffliche Vorfrucht fuͤr die Winterung. In die gedungte Winterung wird nun im Fruͤhjahre Klee geſäek, von dem man einige Beihuͤlfe ſchon in dieſem Nachſommer hoffen kann. Ferner wird es ſehr rathſam ſeyn, in die Stoppel der vorjaͤhrigen fetten Winlerung, ſtatt der Soͤmmerung, wieder Rocken in die Stoppel zu ſäen. Sollte man auch im Werthe des Ertrages gegen die Gerſte ſogar verlieren, wie doch nicht wahrſcheinlich iſt, ſo gewinnt man um ſoviel mehr Stroh, und man iſt nun deſſentwegen voͤllig außer Sorge. Im zweiten Uebergangsjahre bauet man Wicken auf eben die Weiſe, und man wird ſchon im Stande ſeyn, einen Theil eines andern Brachſchlages zu Hackfruͤch⸗ ten, ſollten es auch groͤßtentheils nur Ruͤben ſeyn, zu duͤngen. Da nun auch ſchon ein Kleeſchlag vorhanden iſt, ſo wird man, wenn maͤßige Einſtrenung her⸗ beigeſchaft werden kann, durch Huͤlfe der Stallfutterung vielleicht die ganze Brache vor der Einſaat auszuduͤngen, im Stande ſeyn. Unter die geduͤngte Winterung iſt wieder Klee geſaͤet. E 2 36 Uebergang in eine neue Wirthſchaftsart. Im dritten Jahre iſt man dann im Stande. Es ſind zwei Kleeſchlaͤge, ein Wickenſchlag, ein Hackfruchtbauſchlag, ein Erbſenſchlag, deren Anbau bis dahin faſt eingeſtellt werden mußte, und vier Getreideſchlage vorhanden, woraus ſich nun reichliche Futterung fuͤr Sommer und Winter erwarten läßt, und wobei der groͤßte Theil des Strohes, welches ſich durch die geduͤngte Winterung ſehr vhn hat, bloß zur Einſtreuung dienen kann. Auf dieſen Vortrag hatte mein verſtorbener talentvoller Zuhoͤrer ſeinen ſorgfaͤltig ausgearbeiteten Uebergangsplan gegruͤndet, der im May⸗ und Junius⸗Stuͤck der Annalen 1809, und auch beſonders unter dem Titel:„der Uebergang aus einer ge⸗ woͤhnlichen Dreifelderwirthſchaft in eine nach Thaerſchen Grundſaͤtzen geordnete Fruchtwechſelwirthſchaft, von A. v. Eſſen, Berlin 1809“ abgedruckt iſt. Ich ver⸗ weiſe in Anſehung des genauern Details hierauf, zugleich aber auch auf Bemerkun⸗ gen, die ich dazu im November-Stuͤcke der Annalen 1809 gemacht habe. In dem beigefuͤgten Schema A. iſt im 6ten Jahre der Uebergang zum Rappſaat⸗ bau in der zweijaͤhrigen Kleeſtoppel angedeutet, weil die in Ueberfluß von Futter und Duͤnger kommt. 5. 51 Uebergang zu Es iſt in den meiſten Faͤllen, wenn nicht andere be Gruͤnde das Gegen⸗ theil rathen, am beſten, wenn man beim Uebergange aus der dreifeldrigen Wirth⸗ wechſel. ſchaft eine ſolche Zahl der Schläge waͤhlt, daß man die alten drei Felder gerade dar⸗ in zertheilen koͤnne, naͤmlich 6, 9 und 12. Aus einer vierfeldrigenl werden ſich beſſer 8 und 12 machen laſſen. Es macht bei jedem Uebergange und bei jeder neuen. Feldeintheilung große Schwierigkeit, und erzeugt oft unabwendliche Unordnun⸗ gen, wenn man die bisherigen Grenzen aller Felder und Schlaͤge verändern muß. Zuweilen iſt dies jedoch unvermeidlich. Den Uebergang in eine ſechsſchlagige Wirthſchaft zeigt Tabelle B. Der Futtergewinn im zweiten Jahre wird es ſchon moͤglich machen, einen halben Schlog im dritten Jahre zu Hackfruͤchten gehoͤrig auszuduͤngen, und den Erbſen und Wicken eine halbe Duͤngung zu geben. Im vierten Jahre iſt eine Durchdun⸗ gung des ganzen Hackfruchtſchlages, und eine halbe Duͤngung des Erbſenſchlages moͤglich.. Wenn die Felderwirthſchaft im ſechsjaͤhrigen Duͤnger ſtand, ſo iſt die Sache viel leichter, und man kann ſchon im dritten Jahre ganz in Ordnung ſeyn. Indeſſen 4 verſteht es ſich, daß man den vollen Ertrag einer Fruchtwechſelwirthſchaft nie er⸗ warten duͤrfe, als bis man die ganze Rotation von dem Jahre an zu rechnen, we man in Ordnung war, einmal durchgemacht hat. B. Zweiter Vand. Seite 36 gegenüber. Uebergang einer dreifeldrigen Wirthſchaft, die in neunjaͤhrigem Duͤnger ſtand, in eine ſechsſchlägige Wirthſchaft mit Stallfutterung. Alter Zuſtand. Brache — Winterung Sömmerung ⸗ geduͤngt. — 3 ungeduͤngt. ⸗. zin erſter Tracht, z in dritter Tracht, z in fuͤnfter Tracht. — — zin zweiterTracht, in vierter Tracht, z in ſechster Tracht. 3. p. c. d. e.. Erſtes Jahr des W— Wicken groͤßtentheils gruͤn auf dem Stalle zu ver⸗ mit Winterung. Soͤmmerung. Soͤmmerung. Brache. Wiee futtern, und den Bunger, ſo weit er reicht, auf den uͤbrigen Theil der Brache zu bringen. Zweites Jahr. Klee. Soͤmmerung. Brache. Wicken. Winterung. Winterung mit Man verliert einen Sömmerungs⸗Schlag. Dage⸗ * Klee. gen iſt der Futtergewinn betraͤchtlich. . Wicken und Es wird bei zureichendem Duͤnger ein Theil von b. Drietes Jahr. Winterung. ſein Theil Hack⸗ Winterung. Winterung mit Soͤmmerung. Slee. mit Hackfruͤchten beſtellt. Um reichlicher Stroh Klee. Lee hat dieſes Jahr drei Winterungs⸗ aͤge. Viertes Jahr. Soͤmmerung. in i Wicken und„ 5 Es kann ein Schlag zu Hackfruͤchten ausgedüngt P S Vit Erbſen. Seſie Winteruns. werden, und bleibt noch zu einer ſchwachen Duͤn⸗ * gung von c. uͤbrig. Fuͤnftes Jahr. et Klee. Winterung. Winterung. Gerſte. Erbſen und Die Ordnung iſt nach der neuen Nummer der Wicken. X Schläge feſtgeſtellt. 3 Zweiter Band. Seite 3 gegenüber. Uebergang einer ſiebenſchlaͤgigen Koppetwirthſchaft in eine ſiebenſchlaͤgige Fruchtwechſelwirthſchaft mit Stallfutterung. . b... d. e. 8 Alte Ordnung. Vh Winterung. Sömmerung. Sömmerung. Weide. Weide. Weide. Winterung mit Szmmerut Ssin Klee. Anfang der halben Stallfutterung und der Futterver⸗ Erſtes Jahr.„ 2 Flee. Soͤmmerung. Soͤmmerung. halb zu nähen. Weide. Weide. im Lhbe mehrung für den Winter. 3 Hackfruͤchte, Vi 6 icken. Winterung mit Palbe Stallfutterung und großerer Winterfutterbau. Zweites Jahr. Kle. Sönierung. Weſe i Klee. Es wird ein Soͤmmerungsſchlag aufgeopfert. Wicken. Hackfruͤchte. Stallfutterung mit einem noch bleibenden Weide⸗ 5 6 2 6* Drittes Jahr. Winterung⸗ Weide. 4 Gerſte mit Klee. Winterung. Klee. ſchlage. Zwei Winterungsſchläge. 3 Hackfruchte Erbſen und Ein Winterungs⸗ und zwei Sömmerungsſchläge, Viertes Jahr. Sommerung.** e Winterung. Gerſte mit Klee. Klee Wicken. Klee. wenn in a. nicht lieber Stoppelrocken neh⸗ * men will. Erbſen und Hackfruchte. Fuͤnftes Jahr. Wicken. Gerſte mit Klee. Klee. Flee. Winterung. Winterung. Neue Ordnung vollendet. 6. 2. I. 3. 4.. Ordnung der kuͤnftigen Fruchtfolge. Uebergang in eine neue Wirthſchaftsart. 37 In den meiſten Faͤllen, wo man aus einer Felderwirthſchaft in eine Wechſel⸗ wirthſchaft ubergehet, wird alte Weide, ohne welche jene doch nicht beſtehen konnte, aufzubrechen ſeyn. Es kommt auf die Lage an, ob ein beſonderer Schlag oder gar mehrere daraus gemacht werden können, wo denn die Zahl der kräftigen Schläge zu7, 10 u. ſ. w. angenommen werden kann; oder ob dieſes Land ver⸗ ſchiedenen Schlägen zuzutheilen ſey, oder ob es eine beſondere Bewirthſchaftung erhalte. Auf allen Fall kommt es dadurch beim Uebergange ſehr zu Huͤlfe, daß man den Getreidebau in keinem Jahre zu beſchraͤnken braucht, und vieles Stroh davon gewinnt. Sobald alſo genugſames Futter vorhanden iſt, um dieſe Weide entbehren zu koͤnnen, wird ſie mit Brache oder auf andere Weiſe, wovon in der Lehre von der Urbarmachung die Rede ſeyn wird, aufgebrochen und mit Winterung beſtellt. Uebrigens laſſen ſich hier ſo mannisfaltige Faͤlle annehmen, daß ſich ohne ein gegebnes Lokal gar nichts daruͤber ſagen läßt. §. 402. Bei dem Uebergange aus einer Koppelwirthſchaſt zu einer Wirthſchaft nach der Regel des Fruchtwechſels wird es ſelten rathſam ſeyn, von der Zahl der Schlaͤge, die man hatte, abzuweichen. Soll Weide dabei bleiben, ſo ſind indeſſen 6 und 7 Schläge zu wenig, und es wuͤrde leicht ſeyn, ſie in 12 und 14 zu theiten. Will man dagegen zur Stallfutterung uͤbergeben, ſo iſt dieſes nicht nothig. Bei dieſem uebergange zur Stallfutterung wird es in den meiſten Faͤllen rath⸗ ſam ſeyn, langſam zu verfahren; im erſten Sommer halbe Stallfutterung zu haben; im zweiten einen Theil des Viebes ganz auf dem Stalle zu behalten; im dricten nur noch weniges Vieh ausgehen zu laſſen, oder dem Stallvieh bei Tage einige Weide noch zu verſtatten: ſo wie man naͤmlich allmählig den Futterbau vermehrt und die Weide einſchränkt. Das nebenſtehende Schema C. eines Ueberganges einer ſiebenſchlaͤgigen Wirthſchaft zu dem Fruchtwechſel von 1) Hackfruͤchten; 2) Gerſte; 3 und 4) Klee; 5) Winterung; 6) Erbſen und Wicken; 7) Winterung; wird dieſes genug erläutern. Im erſten Jahre werden Wicken in den ohnehin aufzubrechenden Schlag g. geſäet, und mit dem Winterduͤnger befahren. Es läßt ſich annehmen, daß in dem Schlage d. Klee mit der letzten Soͤmmerung geſaet worden, auf den freilich nicht viel, aber doch ein halber Schnitt zu rechnen iſt. Hiermit wird das Vieh Mor⸗ gens und Abends gefuttert, ſo daß es die kleine Beſchraͤnkung der Weide nicht nebergang aus einer Mecklen⸗ burgiſchen Koppelwirth⸗ ſchaft zum Fruchtwechſel mit Stallfut⸗ terung. 38 Uebergang in eine neue Wirthſchaftsart. fühlt, vielmehr gewinnt, womit doch ſchon eine groͤßere Winterfutterungs⸗Ernte verbunden ſeyn wird. Im zweiten Jahre erfolgt die Aufopferung eines Soͤmmerungs⸗Schlages. Wo dies zu empfindlich waͤre, da koͤnnte in c., welcher Schlag doch zu Hackfruͤch⸗ ten noch nicht ganz ausgeduͤngt werden kann, zum Theil Dreeſchhafer genommen werden, deſſen Stoppel man dann im Herbſt nachduͤngt und ſie in dieſem Falle zu kleiner Gerſte bereitet. Im dritten Jahre wird es rathſam ſeyn, 2 Winterungsſchlage zu nehmen, doch kann immerhin auch ein Theil des einen Schlages zur Soͤmmerung bleiben. Im vierten Jahre paſſen dagegen 2 Soͤmmerungsſchlaͤge beſſer. Jedoch kann man ohne Bedenken und wenigſtens mit mehrerem Gewinn an Stroh Stoppel⸗ rocken in a. ſaͤen. Und ſo iſt im fuͤnften Jahre die neue Ordnung im Gange, die jedoch bei der jahrlich ſteigenden Duͤngkraft der Wirchſchaft bald zu ſchwelgeriſchern Fruͤchten übergehen muß. Uebergang ei⸗ ner eilfſchlägi⸗ gen Mecklen⸗ purgiſchen Wirthſchaft. §. 4oz. Bei einer eilfſchlaͤgigen Wirthſchaft und uberhaupt bei allen, die eine dop⸗ pelte Brache hielten, findet ein uebergang ohne Verminderung der Koͤrnerausſaat, vielmehr mit einer ſchnellen Vermehrung derſelben ſtatt, wie das Schema D. zeigt. Wenn man den Uebergang zur Stallfutterung nämlich allmaͤhlich machen will, ſo fangt man damit an, die am langſten geruhete Koppel umzureißen und mit Dreeſch⸗ hafer zu beſäen, ſtatt ſie zu brachen. Nach dem Hafer folgen Hackfruchte, ſo weit nämlich eine im zweiten Jahre noch ſchwache Duͤngung reicht. Die Hauptduͤn⸗ gung verbleibt naͤmlich der Fettbrachenkoppel, die aber, ſtatt reine Brache zu hal⸗ ten, mit gruͤnen Wicken beſaͤet wird, ſo daß in der Regel der aus dieſen Wicken im erſten Jahre hervorgegangene Miſt nur der Hackfruchtbeſtellung im zweiten Jahre gewidmet, aber in Hinſicht der Kraft der Raſenfaulniß auch mehr wie ſonſt ver⸗ breitet werden darf. In e. wird im erſten Jahre unter die Soͤmmerung Klee ge⸗ ſaet, von welchem im zweiten Jahre immer eine maͤßige Ernte zu erwarten iſt. g. wird, ſtatt niedergelegt zu werden, gebrachet, und es bleiben folglich nur 3 Weideſchläge, da der vierte durch die Stallfutterung der Wicken reichlich erſetzt wird. Wir gewinnen in dem erſten Jahre einen Soͤmmerungsſchlag. Das zweite Johr verliert aber an der Winterung, indem ſie in dem Schlage g. in ma⸗ gere Brache ſtatt in die Ruhebrache kommt. Das zweite Jahr liefert dem dritten ſchon ſo vielen Duͤnger, daß neben dem Zweiter Band. Seite z8 gegenuͤber. 1 Uebergang einer zwoͤlfſchlägigen Koppelwirthſchaft in eine eilfſchlaͤgige Fruchtwechſelwirthſchaft mit Stallfutterung. 3.. c. d. e. F. g. h. S k. 3 Alte Ordnung. Brache. Winterung. Sömmerung. vrun Winterung. Soͤmmerung. Soͤmmerung. Weide. Weide. Weide. Weide. Erſtes Jahr. Winterung. Ssömmerung. i Winterung. S B Soͤmmerung. Brache Weide. Weide. Weide. Hafer. z Jahr. Sömmerung. W. Winterung. Sunee mit Klee. Brache. Winterung. Weide. Weide. Hafer. Hacſeüchte Drites Jahr. Winterung. Erbſen. Klee. Klee. Winterung. Soͤmmerung. Weide. Hafer. Eee mit Klee. Viertes Jebr. Winterung. Erbſen. Winterung. Klee. Winterung. Vicen S Hafer. autſiche Gerſte. Klee. Fuͤnftes Jahr. Erbſen. Winterung. Rhuz⸗ Winterung. Ple Winterung. Hafer. e Gerſte. Slee. Klee. Sechstes Jahr. Winterung. S Puht Winterung. Erbſen. ue Gerſte. Klee. Klee. Winterung. 5 10. Ir. 6. 7. 8. E 2. 3 5. 5 .. „ 1 — S. Zweiter Band. Seite 39 gegenuͤber. Uebergang einer zehnſchlagigen Koppelwirthſchaft in eine zehnſchlaͤgige Fruchtwechſelwirthſchaft mit zwei Weideſchlaͤgen. a. b. d. e. F g. h.. 2 Alte Ordnung. Brache. Winterung. Soͤmmerung. Winterung. Sete Sit Weide. Weide. Weide. Weide. Brache mit Erſtes Jahr. Winterung. Brache. Ruhe und Weide. Winterung. Soͤmmerung. Klee. Weide. Weide. Hafer. Wicken. Brache mit Zweites Jahr. Brache. Winterung. Saue Soömmerung. Klee. Weide. Weide. Hafer. Wicken. Winterung. Brache mit Drittes Jahr. Winterung. Gerſte. Flee. Weide. Weide. Hafer. Wicken. Winterung. Erbſen. ℳ Hackfruchte. Brache mit Viertes Jahr. 5 Gerſte. Klee. Weide. Weide. Hafer. Wicken. Winterung. Erbſen. Winterung. 3 5 Brache mit SRc⸗ ertr Fuͤnftes Jahr. Gerſte. Klee. Weide. Weide. Hafer. Wicken. Winterung. Sehſen Winterung. nctt 7. 8. 9. Io.. 2 Z. 4. 5. 6. uebergang in eine neue Wirthſchaftsart. 39 Wickenſchlag der Hackfruchtſchlag groͤßtentheils ausgeduͤngt werden kann. Dieſes Jahr hat ſchon ſeine 2 Kleeſchläge, aber noch nicht an der rechten Stelle und folg⸗ lich noch nicht im vollen Ertrage. Es fängt mit dem Erbſenbau in c. an. Das vierte Jahr wird ſeinen Duͤnger uͤber drei Schläge verbreiten, aber frei⸗ lich ihn noch nicht ſtark geben, und von g. nur einen Theil zu Bohnen duͤngen koͤn⸗ nen. Der uͤbrige Theil muß reine Brache bleiben, da er ſchon zu ſehr enckräftet iſt. Es iſt jetzt, ein nach der Regel der Fruchefolge entſtandenes Kleefeld da. Das fuͤnfte Jahr wird die Schlaͤge h. e. und c. ausduͤngen koͤnnen, und durch ſeinen Futter⸗ und Strohertrag nur ſo viel Miſt liefern, daß im ſechſten Jahre die Hackfruͤchte auf einem ſtark angegriffenen Schlage eine kraͤftige, die Bohnen und Wicken aber eine zureichende Duͤngung erhalten. Run wird die Dungkraft der Wirthſchaft den Anbau der edleren Fruͤchte und der Handelsgewächſe bald rathſam machen. Im ſechſten Jahre ſind 4 Winterungsſchläge angegeben. Wenn das der Ar⸗ beit wegen ſchwierig ſcheint, ſo hängt es von jedem ab, einen, z. B. den Kleeſtop⸗ pelſchlag, zur Sömmerung zu beſtimmen. Oft iſt aber die Beſtellung der Winte⸗ rung nach angemeſſenen Vorfruͤchten nicht ſchwierig. F. 404. Wenn bei einem Uebergange aus der gewoͤhnlichen Koppelwirthſchaft zu ei⸗ Uebergang iu 8 einer Weide⸗ nem regelmaͤßigen Fruchtwechſel Weideſchlaͤge bleiben ſollen, ſo muß dahin geſe⸗ wirthſchaft hen werden, daß ſie zuſammenhaͤngend bleiben, was bei der voͤlligen Stallfutte⸗ nach der Regel rungswirthſchaft nicht nochig, auch oft nicht ʒweckmßig iſt. Wie dabei, jedoch unter des Frucht⸗ verſchiedenen Modifikationen, zu verfahren ſey, zeigt E. in dem Uebergange einer F6 zehnſchlägigen Koppelwirthſchaft zu der Fruchtfolge, die No. 9. der tabellariſch be⸗ rechneten Wirthſchaften hatte. Im erſten Johre wird der vorletzte Weideſchlag i. zu Hafer umgebrochen, der eigentliche Brachſchlag k. ebenfalls; letzterer erhält den Duͤnger und wird nach und nach mit Wicken beſaet. Gegen den Dreeſchhafer wird die Sommerung in b. aufgeopfert und dieſer Schlag als Muͤrbebrache behandelt. Dagegen bleibt c. fuͤr dieſes eine Jahr zur Weide liegen, damit es auch an Weide nicht fehlen moͤge, ungeachtet die Wicken derſelben betraͤchtlich zu Huͤlfe kommen. Im zweiten Jahre wird a. gebrachet. Die Winterung in b. wird freilich, weil ſie mager iſt, etwas zuruckſchlagen, aber durch die in k. erſetzt werden. Der Duͤnger von dem vorjaͤhrigen Klee⸗ und Wickenſchlage wird ſo weit reichen, daß ein betraͤchtlicher Theil von c. mit Hackfruchten beſtellt werden kann. Es bleiben nur . 40 Uebergang in eine neue Wirthſchaftsart. 2 Weideſchlage, und die Stallfutterung muß, jedoch noch mit keinen vermehrten Viehſtapel, betrieben, ſondern mehr auf Verimehrung des Winterfutters gedacht werden. Im dritten Jahre bleibt daſſelbe Verhaͤltniß; jedoch hat der Duͤnger zuge⸗ nommen. Im vierten Jahre haben wir ſicheren und vollkommenen Klee(auf welchen man nur dann rechnen kann, wenn er mit der erſten Frucht nach gehoͤrig bearbeite⸗ ten Hackfruͤchten gebauet wird), und die Stallfutterung kann einen betraͤchtlich hö⸗ heren Viehſtand ernähren. Die dem fuͤnften Jahre beigefuͤgten Nummern zeigen die kuͤnftige Folge der Schlaͤge. Zur Berechnung der progreſſiven Fortſchritte einer Wirthſchaft waͤhrend des Ueberganges kann man ſich ebenfalls jener Tabellenform, wonach ich vollendete Wirthſchaften berechnet habe, und der daſelbſt angegebenen Produktionsſätze nach Verhaͤltniß der erlangten Kraft des Bodens bedienen, wenn man ſie auf jedes Jahr beſonders ſtellet. Es verſteht ſich, daß der in jedem Jahre gewonnene Miſt dem folgenden erſt angerechnet, und in der Kolumme k. auf die Schläge vertheilt wer⸗ den muß. Wenn man dabei zugleich die Koſten des vermehrten Inventariums berech⸗ net, ſo wird ſich zeigen, wie groß die Aufopferung ſey, welche man in den erſten Jahren, vornaͤmlich im zweiten, zu machen habe, oder vielmehr um welche Sum⸗ men das ſtehende und Betriebskapital zum hoͤheren Betriebe des Gewer⸗ bes und zur nachhaltigen Verbeſſerung des Guts vermehrtwerden muͤſfe, und wann es ſich dann zu verzinſen und wieder zu bezahlen anfange. Eine Berechnung, die von jedem verbeſſernden Landwirthe nach ſeinem Lokal anzulegen iſt, bevor er die Sache unternimmt. Dieſe Berechnungen werden, gehorg gemacht, nur in dem Falle unzutreffend ſeyn, daß während der Uebergangsjahre ein beſonderes Ungluͤck die Wirthſchaft trifft, wie totaler Miswachs, gewaltige Kriegsbedruͤckungen, oder auch nur ſtarke Fouragelieferungen, welche gerade in dieſer Zeit eine Wirthſchaft ſehr zuruͤckſetzten, wenn ſie gleich von einer vollendeten ohne ſo auffallendem Nachtheil ertragen wer⸗ den koͤnnen. Drittes Drittes Hauptſtuͤck. n oder von den Beſtandtheilen, phyſiſchen Eigenſchaften, der Beurthei⸗ lung und Werthſchaͤtzung des Bodens. Zweiter Theil. Oue serace lorsque les citoyens éclairés, lasses des tumultes et des plaisirs fac- tices des villes, porteront dans les campagnes les lumiéres, dont ils se seront munis et appliqueront à Fagriculture les ressources s. riches des scienses physiques! FovResov. — —— ——— §. 1. We⸗ dem Manufakturgewerbe das rohe Material, das iſt dem landwirthſchaft⸗ lichen der Grund und Boden. Wie der Fabrikant jenes aufſucht, auswaͤhlt, und vorerſt im Allgemeinen ſchätzt, um es nur nicht uͤber ſeinen wahren Werth zu be⸗ zahlen, ſo auch der Landwirth. Einmal im Beſis deſſelben unterſucht er es aber genauer, ſortirt es, und beſtimmt jede Sorte fur diejenige Waare, durch welche das Material nicht nur, ſondern auch die darauf zu verwendende Arbeit, am hoͤch⸗ ſten bezahlt wird. Er wuͤrde Arbeit verſchwenden, wenn er aus haariger Wolle feines Tuch verfertigen wollte, und Material, wenn er aus feiner grobes wuͤrkte. Zu dieſer Ausſonderung iſt eine weit genauere Sachkenntniß nothig, wie zum Ankauf in Maſſe. Eben ſo kann auch dem Landwirthe das nicht genuͤgen, was uͤber die Beurthei⸗ lung des Bodens beim Ankauf F. 70. u. f. angegeben iſt, wenn er ſeinen nun in Beſitz genommenen Boden und die darauf zu verwendende Arbeit durch die zweck⸗ mäßigſten Produkte aufs hoͤchſte benutzen will. Denn die richtige Auswahl der letztern hängt hauptſachlich von der genauen Kenntniß ſeines rohen Materials oder ſeines Grundes und Bodens ab. Was dem Manufakturiſten die Formen und Muſter ſind, die die Kunſt dar⸗ ſtellte, das ſind dem Landwirthe die Samen und Keime, welche ihm die Natur darreicht. Fuͤr dieſe die Art des Bodens angemeſſen auszuwaͤhlen, und die Vor⸗ bereitung deſſelben nach ſeiner Verſchiedenheit gehörig einzurichten, ſind Haupt⸗ aufgaben für den Landwirth, die er um ſo beſſer loͤſen wird, je genauer er ſeinen Boden kennt. Eine ſichere und gruͤndliche Beurtheilung des Bodens kann ſich aber nur auf richtige phyſiſch⸗chemiſche Kenntniſſe gruͤnden. Wenn auch die em⸗ F 2 Beſtandtheile des Erdho⸗ dens. 44 Beſtandtheile des Erdbodens. piriſche, durch lange Uebung erlangte Kenntniß zur Unterſcheidung und Benrtheilung einzelner Bodenarten zureicht, ſo wird ſie doch nie mit Zuverlaßigkeit auf andere Bodenarten angewandt werden koͤnnen. Die Erfahrungen, welche man auf der einen gemacht hat, werden verleiten und truͤgen, wenn man ſie auf einer andern anwendet, deren Verſchiedenheit man nicht zu beachten und zu ergruͤnden vermaz Wir werden alſo die Bodenarten hier gruͤndlicher, geſtutzt auf die Entdek⸗ kungen der Naturlehre, die uns ſeit einer kurzen Zeit hierin unglaublich viel weiter gebracht haben, unterſuchen. Freilich iſt der Zeitraum noch zu kurz, in welchem die vereinte Aufmerkſamkeit der Naturforſcher und Agronomen auß dieſen Gegen⸗ ſtand ernſtlich verwandt worden, als daß nicht noch vieles zu unterſuchen, aufzu⸗ klären und genauer zu beſtimmen uͤbrig bliebe. Allein zu einer richtigen Anſicht der Sache genuͤgt ſchon das Vorhandene, und genauere Berichtigungen duͤrfen wir in Kurzem erwarten. Auch um lettere benutzen zu koͤnnen, muͤſſen wir uns hier in das Gebiet der Naturlehre ſelbſt begeben, und klare Begriffe uͤber die Be⸗ ſtandtheile und die davon abhangenden Eigenſchaften des Bodens zu erlangen ſu⸗ chen.— Begriffe, die denn auch bei der Lehre von der Duͤngung oder der che⸗ miſchen Verbeſſerung des Bodens uns ferner zu ſtatten kommen werden, weshalb wir in dieſem Vortrage darauf zugleich Ruckſicht nehmen. Die aus einer lockern zerkruͤmelnden Materie beſtehende Oberfläche unſers Planeten, welche wir gewoͤhnlich den Erdboden nennen, beſteht aus einer Mi⸗ ſchung und Mengung von hochſt verſchiedenartigen Stoffen. Wir nennen ſie im gewoͤhnlichen Sprachgebrauche Erde. Sie enthaͤlt aber Materien, welche die Naturlehre in dem ſtrengeren Sinne dieſes Wortes nicht mit begreift; nur der uͤberwiegende Theil dieſer Maſſe beſteht wirklich aus eigentlichen Erden. Die Hauptbeſtandtheile dieſes Gemenges ſind namlich: Kieſel⸗, Thon⸗ und Kalk⸗, zuweilen auch Bitter⸗Erde, denen mehrentheils einiges Eiſen, andere ein⸗ fache Stoffe aber nur in unbedeutender Quantität zugemengt ſind. Außer dieſen einfachen Stoffen enthält ſie aber, wenn ſie anders fruchtbar, d. h. zur Hervor⸗ bringung nuͤtlicher Gewaͤchſe tauglich ſeyn ſoll, noch eine ſehr zuſammengeſetzte Materie, die man ihrer pulverigten Form wegen zwar auch Erde, Dam merde, — Beſtandtheile des Erdbodens. 40 Gewaͤchserde, Modererde, vegetabiliſch⸗animaliſche Erde genannt hat, die von den wirklichen Erden aber ſo gaͤnzlich verſchieden iſt, daß ſie durch⸗ aus nicht damit verwechſelt werden darf; weswegen es uns noͤthig ſchien, eine be⸗ ſondere Benennung, nämlich das lateiniſche Wort humus, fuͤr dieſelbe einzu⸗ fuͤhren, und nachdem es von vielen angenommen worden, nun beizubehalten. Jene eigentlichen Erden unterſcheiden ſich von dem Humus am weſentlichſten unterſchied dadurch, daß ſie bisher unzerlegte Koͤrper ſind, und ohne die Einwirkung uns bis„ jetzt unbekannter Potenzen auch wohl nicht zerlegt werden koͤnnen. Deshalb ſind ſie beſtändig und bleibend, koͤnnen durch keine bekannten Kraͤfte der anorgiſchen Natur zerſtoͤret, oder in ihrem Weſen veraͤndert werden. Dagegen aber iſt der Humus ein ſehr zerſetzbares nur durch die Kraft des vegetabiliſchen und thieri⸗ ſchen Lebens hervorgebrachtes Gebilde, welches ſich in und durch ſich ſelbſt, noch mehr aber durch aͤußere Einwirkung veraͤndert und zerſtoͤrt, und ſich aufs neue auf der Oberflaͤche unſers Erdbodens durch organiſche Kraft wieder erzeugt, folglich auf derſelben Stelle nicht nur in verſchiedener Quantitaͤt, ſondern auch veraͤnder⸗ ter Qualität zu verſchiedenen Zeiten vorhanden iſt. Wir werden erſt von jenen beſtaͤndigen und bleibenden Erden, welche den un⸗ veraͤnderlichen Grundbeſtand des Bodens ausmachen und deshalb auch Grunderden heißen, reden, und ſie erſt im Allgemeinen, nachher jede beſonders in ihrer voll⸗ kommenen Reinheit, und endlich in ihren gewoͤhnlichen Miſchungen und Mengun⸗ gen betrachten. Nach der Lage, worin wir dieſe verſchiedentlich gemengten Erden auf der Entſtehung Oberfläche unſers Planeten antreffen, ſcheint es wahrſcheinlich, daß ſie ſich uran⸗ der Etvlagen faͤnglich nicht in dieſem pulverigten Zuſtande befanden, ſondern daß dieſe Ober⸗ flaͤche aus einer Felſenmaſſe von ungeheuren Gebirgen und von Abgruͤnden be⸗ ſtand; wahrſcheinlich von der Art, wie wir noch jetzt die Oberflaͤche des Mondes mit ſtark bewaffneten Augen erblicken. Die Felſenmaſſe verwitterte durch die Ge⸗ walt der Luft, des Feuers und Waſſers. Das auf den Höhen, von dem daſelbſt ſtarken Niederſchlage aus der Luft, groͤßtentheils in Eisgeſtalt geſammelte Waſſer ſchmolz, durchbrach entweder ploͤtzlich ſeine Schranken, oder zog ſich fortſtroͤmend 46 Beſtandtheile des Erdbodens. herab, und fuͤhrte die mehr oder minder zertruͤmmerten und gepulverten Stein⸗ maſſen mit ſich in die Abgrunde, fuͤllte dieſe aus, und ſetzte Erd⸗ und Steinlagen in wechſelnden Schichten darin ab. Denn es ſcheint unverkennbar, daß dieſe Erdlagen, ſo wie wir ſie insbeſondere in den Gegenden die mit Gebirgen in Ver⸗ bindung ſtehen, finden, durch Schwemmungen entſtanden ſeyen, und zwar haͤufig nicht durch eine ploͤtzliche, ſondern durch eine allmaͤlige und wiederholte; indem die verſchiedenen Lagen keinesweges nach der Ordnung ihrer ſpezifiſchen Schwere angetroffen werden, ſondern auf ganz verſchiedene Weiſe mit einander abwechſeln. Wir erwähnen deſſen hier inſofern, als die Kenntniß der verſchiedenen La⸗ gen des Erdbodens, auch in groͤßerer Tiefe, die Aufmerkſamkeit des Landwirths ver⸗ dient; theils, weil ſie die Gaͤnge des unterirdiſchen Waſſers erklaͤren, und deshalb bei Abfangung der Quellen und vorzunehmenden Abwaͤſſerungen von großer Wich⸗ tigkeit ſind; theils, weil ihre Kenntniß die Auffindung von brauchbaren Erd- und Steinarten, beſonders des Mergels und Kalks, der Stein- und Braunkohle, erleich⸗ tert, worauf wir an ſeinem Orte zuruͤckkommen werden. 5 In den meiſten Ebenen finden ſich alſo die Erdlagen ſchichtweiſe in horizon⸗ taler oder gering abhaͤngender Lage, und auf die Weiſe, wie wir noch jetzt Erd⸗ ſchichten durch den Abſatz des Waſſers entſtehen ſehen. Zuweilen iſt die Folge und Stärke dieſer Schichten durch eine betraͤchtliche Flaͤche ſehr regular und gleich⸗ artig, ſo daß allgemeine Ueberſchwemmungen ſie nach einander uͤber dieſe ganze Flaͤche abgeſetzt zu haben ſcheinen. Zuweilen gehen die Lagen nur ſtrichweiſe und ſcheinen durch ſchmaͤlere Waſſerſtroͤme in verſchiedenen Epochen gebildet, oder in ſruͤheren Schluchten und Spalten abgeſetzt zu ſeyn. Manchmal findet man aber auch eine große Unordnung, indem die verſchiedenen Erdarten, mehrentheils mit Geſteinen untermengt, neſterweiſe wechſeln, ſo daß daſelbſt irgend ein Naturer⸗ eigniß ſie durch einander geriſſen zu haben ſcheint. An den Gebirgen zweiter Ordnung und in den huͤgligten Gegenden findet man aber mannigfaltige Verſchiedenheiten. Ihre Erd⸗ und Steinlagen ſtehen zu⸗ weilen wagerecht, liegen aber wechſelnd ſchraͤg und parallel mit der Oberflaͤche der Anhoͤhe, ſeltener horizontal; zuweilen werden ſchraͤg ſtehende Lagen von verti⸗ kalen unterbrochen. Dennoch findet man auch hierin eine gewiſſe Ordnung, und dieſe aufrecht und ſchrag ſtehenden Lagen ſcheinen durch innere Gewalt aus der Beſtandtheile des Erdbodens. 47 Tiefe des Erdbodens hervorgehoben zu ſeyn. Die Ordnung in der Folge der Erdſchichten, welche man hier antrifſft, macht Darwin ſehr ſinnlich durch den Erfolg, wenn man mit großer Gewalt eine ſtumpfe Pfrieme durch ein Buch Papier ſtößt. Es entſteht auf der entgegengeſetzten Seite ein Huͤgel, und die Lagen der Blaͤtter in dieſem Huͤgel korreſpondiren natuͤrlich mit der Lage der Blätter in der Ebene. Die oberſten Blaͤtter werden geplatzt ſeyn und ſich zuruͤckgezogen haben, und auf der Spitze des Hugels kommt dasjenige Blatt zum Vorſchein, was auf der Ebene noch durch mehrere andere bedeckt war. So trift man auch auf den Spitzen ſolcher Huͤgel diejenige Erdlage an, die in der Ebene noch ſehr tief liegt, und dann folgen hier die Erdlagen ferner in derſelben Ordnung, wie man ſie auf dem Gipfel des Hügels findet. Wenn man alſo auf den hervorragenden Huͤgeln oder Bergen eine Erdart oder Geſtein findet, ſo kann man erwarten, daß ſich dieſes auch nach derſelben Ordnung der Erdſchichten in der Ebene finden werde, wenn man ſo tief eingrabt. Weil aber dieſe Lagen nach Vethältniß der Hoͤhe des Verges in der Ebene ſehr tief nachgegraben werden muͤßten, ſo wuͤrde es oft unmoͤglich werden, ſie herauf zu foͤrdern, und man muß ſich deshalb mehrentheils begnuͤgen, Kalk, Mergel und Steinkohlen aus den Bergen und Huͤgeln zu brechen, obwohl man ſie in der Ebene eben ſowohl erwarten koͤnnte. Am Berge ſelbſt kommen die Erd⸗ lagen am meiſten an derjenigen Seite zu Tage, wohin ſich der Abhang neigt, und das meiſte Waſſer herabſtroͤmt, weil dieſes die oberen Lagen des loſen Bodens weggeſpult hat. Dies ſey hier im Allgemeinen genug uͤber die verſchiedenen Schichtungen des Bodens.— 6. 6. Ich ſehe mich genoͤthigt, hier, unter Vorausſetzung der allgemeinen Be⸗ Chemie der griffe, die chemiſche Lehre von den Erden in Hinſicht auf die Beurthei⸗ Erden. lung des Bodens und den Ackerbau genauer vorzutragen, als bisher geſchehen iſt. Denn ungeachtet ſie in verſchiedenen Schriften neuerlich mit Ruͤckſicht auf den Ackerbau behandelt worden, ſo verdienen doch manche Momente eine genauere Erwägung und Anwendung auf die Prozeduren des Ackerbaues, als man ihnen bisher gegeben hat; woraus manche nachtheilige Mißverſtaͤndniſſe unter den Agro⸗ nomen eneſtanden zu ſeyn ſcheinen. Die vollſtaͤndigſte Kenntniß dieſer Lehre iſt dem rationellen Ackerbauer unumgänglich nöthig, wenn er den Grund ſo vleler bei ſei⸗ 4⁸ Chemie der Erden. nem Geſchaͤfte vorkommenden Erſcheinungen einſehen und ſich eine befriedigende Erklaͤrung uͤber manche Erfolge, die ihm ſonſt widerſprechend ſcheinen muͤſſen, geben will. Auch iſt eine vollkommene Kenntniß der Erden und ihrer Eigenſchaß⸗ ten dem Landwiethe, der Alles, was ihm die Natur in ſeinem Boden gegeben hat, aufs vortheilhafteſte benutzen, und deshalb nach den Umſtaͤnden Kalkbren⸗ nerei, Glashuͤtte, Ziegelei, Topf⸗ und Porzellanfabriken anlegen will, ungemein wichtig. Insbeſondere aber kann ihn nur eine gruͤndliche Kenntniß der Erden, nach allen ihren Qualitaten, ſicher leiten, wenn er ſich des großen Mittels zur Verbeſſerung und Befruchtung des Bodens bedienen will, welches die haͤufige Gelegenheit, verbeſſernde Erdarten aus der Tiefe des Bodens hervorzuholen und auf dem Acker zu verbreiten, an die Hand giebt, weshalb dieſe Digreſſion in das Gebiet der Chemie mir unerlaßlich ſcheint. Die alteren Chemiker, faſt bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts, nah⸗ men nur eine eigene elementariſche Erde an, welche die Baſis des ganzen Erdballs ſey, die im hohen Grade unzerſtoͤrbar, in groͤßerer oder geringerer denge einen Beſtandtheil aller feſten Koͤrper ausmache. Man fing erſt ſpaͤter an, die Thon⸗ und die Kieſelerde zu unterſcheiden. Den Kalk zaͤhlte man eigentlich nicht unter die Erden, oder hielt ihn doch fuͤr einen zuſammengeſetz⸗ ten Koͤrper. So wie aber die Chemie in der Unterſuchung der mineraliſchen Kör⸗ per fortſchritt, lernte man die weſentlichen Verſchiedenheiten nicht nur der einfa⸗ chen ſchon bekannten Erden, ſondern auch immer mehrere neue Stoffe kennen, welche man in dieſe Klaſſe der unzerlegbaren Körper ſetzte. Man wich von dem vormaligen Begriff von Erde, daß es nämlich ein geſchmackloſer und im Waſſer unaufloͤsbarer Koͤrper ſey, aber ab, verließ den Glauben an eine elementariſche Erde, und ſah jede Erdart als eine eigene urſpruͤngliche Subſtanz an⸗ Vielleicht haͤtte man wohl gethan, das Wort Erde zur Bezeichnung eines be⸗ ſtimmten Begriffs ganz aus der Wiſſenſchaft zu verbannen, oder es nur fuͤr die im Waſſer fuͤr ſich unaufloͤslichen und geſchmackloſen Erden beizubehalten, weil man jetzt in der That keine genuͤgende Definition von dem geben kann, was die Chemiker Erde nennen. Kieſel⸗ Chemie der Erden. 49 Kieſel⸗ und Thon⸗Erde ſind die häufigſten und ich mochte ſagen eigentlichſten Erden. Mächſt dieſen aber kommt der Kalk am meiſtem vor, und iſt am merkwuͤr⸗ digſten, ſteht aber den Kalien ohne Zweifel näher, als jene Erden. Von dieſen hat man in der Folge die damit lange verwechſelte Bitter⸗ oder Talk⸗Erde unter⸗ — durch deren Zwiſchenkunft ſich jedoch ein Uebergang von jenen unauf⸗ slichen Erden zu dieſen kaliſchen und das Zuſammenſtellen in einer — roher Naturkoͤrper rechtfertigen laͤßt. n der Folge ſind durch die Zerlegung beſonderer mineraliſcher Producte oder ſteinigter 6en noch unzerlegbare Stoffe entdeckt worden, welche man ebenfalls in die S von Erden geſetzt hat. Einige naͤhern ſich jenen unſchmackhaften, andere! nKoͤrpern. Es ward Mode in der 3—— immer mehrere zu ice, und es ward man⸗ gegeben, welches aber in der Folge ſich nicht als ein ſce 1 Die ie c9 emiker nehinen jetzt nur neun beſondere ſogenannte Erdarten an, wovon uns aber die fuͤnf uͤbrigen nicht intereſſiren, da ſie ſih nur ſehr ſelten und faſt gar nicht auf der Oberflaͤche unſers Erdbodens in erdiger Geſtalt finden Weil es bisher noch keiner Bemuͤhung gelungen iſt, die reinen Erden zu zer⸗ legen, ſo zahlt man ſie zu den einfachen Koͤrpern oder ſfen Indeſſe chen mehrere genau beobachtete Erſcheinungen es faſt unzweifelhaft, vaß es zuſam- mengeſetzte Koͤrper ſind. Sie werden nämlich in den organiſchen Koͤrpern gebildet. Denn der verdienſtvolle Schrader in Berlin hat uberzeugend dargethan, daß Getreide⸗ nid⸗ Pflanzen, welche durchaus vor aller Beruͤhrung insbeſondere mit Kalkerde geſichert S; waren, mehr Kalk, auch Kieſelerde enthielten, als die Koͤrner, aus wel hen ſie her⸗ vorgingen. Auch Sauſſure fand in der Aſche verſchiedener Holzarten, die auf Bo⸗ den, der gar keine Kalkerde enthielt, gewachſen waren, berrächtlich vielen Kalk, und Einhof daſſelbe(Hermbſtädt's Archiv der Agrikultur⸗Chemie, 2ten Bds. 18 St. (S S. 217.). Vauquelin zeigte, daß die Exeremente und Eyer der Huͤhner weit mehr Kalkerde enthielten, als die Nahrung, welche ihnen gegeben war. Da nun alle — er Natur wenigſtens nach atomiſtiſchen Begriffen nur in Bewegung und Wechſelwirkung ſchon vorhandener Stoffe beſtehen, ſo muß zu allem, was ſich durch n Natur erzeugt, das Material ſchon da geweſen ſeyn. Mithin läͤßt ſich ein Stoff, der erſt gebildet wird, nicht fuͤr einfach annehmen, ſondern muß nothwendig zuſammen⸗ Zweiter Thell. G Verhalten der Erden gegen das Feuer und gegen des Dyygen. Gegen das Waſſer. 50 Chemie der Erden. geſetzt ſeyn. Auch ſcheint es, daß Kalkerde und Kali ſich in einander umwandle, da man in der Aſche derſelben Pflanze Kali fand, wenn ſie im gruͤnen Zuſtande, aber ſtatt deſſen Kalk, wenn ſie im trocknen eingeaͤſchert ward. 5. 8. ie Erden ſind im Feuer unzerſtoͤrbar, und man kann ſie der groͤßten Gluͤhhitze ausſetzen, ohne daß ſie ſich verfluͤchtigen. Auch ſind ſie fur ſich und jede beſon⸗ ders unſchmelzbar; ſelbſt das Feuer mit Oxygengas angefacht, kann ſie nicht zum Fluß bringen. Aber merkwuͤrdig iſt es, daß ſie dieſen Charakter verlieren, wenn ver⸗ ſchiedene untereinander gemengt werden. Kieſel⸗, Kalk⸗ und Thon⸗Erde fließen ein ⸗ zeln durchaus nicht, ſind aber leicht zu ſchmelzen, wenn ſie alle drei zuſammenge⸗ mengt werden. Zum Opygen haben die Erden nach den meiſten Erfahrungen uͤberall keine An⸗ ziehung, weswegen ſie unverbrennlich ſind. Indeſſen glaubte doch von Hum⸗ bold gefunden zu haben, daß verſchiedene Erden, insbeſondere die Thonerde, auch in voͤllig reinem Zuſtande Oxygen anzoͤge. Andere haben dies gelengnet und ge⸗ glaubt, daß dieſe Erde noch Metalloxyd oder verbrennliche Materie enthalten haben zuͤſſe. Bis jetzt hat ſich der große Mann, deſſen fernere Erklaͤrung Jeder als ent⸗ ſcheidend annehmen wuͤrde, hieruber noch nicht weiter geäͤußert. Der Punkt iſt in⸗ deſſen in der Lehre von der Befruchtung des Erdbodens ſo wichtig nicht, als manche glauben, da es keine Acker⸗Erde ohne Metalloryd oder verbrennliche Materie giebt. Die Farbe aller Erden iſt rein weiß, und diejenige, welche ſie in ihrem natuͤrli⸗ chen Zuſtande haben, ruͤhrt von andern Zumiſchungen hauptſaͤchlich vom Eiſenoryd in ſeinem mannigfaltigen Zuſtande her. Ohne dieſes wuͤrde uns die ganze Oberfläche unſers Erdballs weiß erſcheinen. §. 9. — Das Verhalten der Erden gegen das Waſſer iſt dagegen in den verſchiedenen Erden ſehr verſchieden. Wi ſchon geſagt, loͤſen ſich nur die Kalk⸗ und die neu entdeckten kaliſchen Erden im Waſſer auf. Jener erfordert indeſſen 680 Mal ſeines Gewichts an Waſſer, um voͤllig aufgeloͤſt zu werden. Thon⸗ und Kieſel⸗Erde ſind durchaus unauflöslich, und von der Bitererde kann hochſtens außerſt wenig, etwa der zehntauſendſte Theil ſich im Waſſer aufloͤſen. Chemie der Erden. 51 Jedoch haben alle Erden eine mechaniſche Anziehung zum Waſſer, und halten es, wenn ſie damit vermengt ſind, in groͤßerer oder geringerer Menge zuruͤck. Wir nen⸗ nen dies ihre waſſerhaltende Kraft. Dieſe iſt nicht nur in den verſchiedenen Erden verſchieden, ſondern ſie weicht auch nach unſeren Verſuchen bei gemengten Er— den ab, und dieſe halten das Waſſer nicht ganz nach dem Verhaͤltniſſe ihrer Mengung. So beſitzen insbeſondere die gemengte Thon⸗ und Kieſel⸗Erde, nach unſeren Verſuchen, eine beträchtlich groͤßere waſſerhaltende Kraſt, als jede fur ſich ungemengt hatte. Die Beſtimmung der waſſerhaltenden Kraft einer zuſammengeſetzten Erdmaſſe iſt fur uns von großer Wichtigkeit. Man erforſcht ſie, wenn man Erde bis zu dem Grade austrocknet, daß ſie in der Hitze des ſiedenden Waſſers am Gewichte nichts mehr verliert, dann ein beſtimmtes Gewicht derſelben mit Waſſer ſorgfältig durchkne⸗ tet, und den Brei auf ein gewogenes Haar⸗Tuch giebt. Man laͤßt das uͤberfluͤſſige Waſſer abtropfen, und wenn die Erde kein Waſſer mehr fahren laͤßt, ſo wiegt man ſie mit dem Tuche wieder, und zieht dann das Gewicht des Tuches und der trockenen Erde ab, ſo findet man in dem Reſte die Quantitat des Waſſers, welches ſie an ſich gehalten hatte. Da indeſſen mancher Erdboden viel Waſſer aufnimmt, ohne es tropfbar fahren zu laſſen, ſolches aber bei warmen trockenem Wetter durch die Ausdůnſtung mehr oder minder leicht verliert, ſo iſt auch hierauf Rückſicht zu nehmen, und man muß, um die waſſerhaltende Kraft des Bodens auch in dieſer Hinſicht zu beſtimmen, die Erde einem gleichen Wärmegrade ausſetzen, und die Zeit bemerken, in welcher die eine und die andere Erdart voͤllig austrocknet. Vollkommen verlieren die Erden, insbeſondere die Thanerde, ihr Waſſer nie, und ſie haben noch Waſſer in ſich, wenn ſie ganz trocken und duͤrre ſcheinen. Dieſes kann nur in der ſtärkſten Gluͤhhitze von ihnen ausgetrieben werden. Deshald muß man einen beſtimmten Grad der Temperatur annehmen, in welchem man die Aus⸗ doͤrrung in dieſem Verſuche beſtimmt. 5. 10. Mit dem Azot, dem Kohlenſtoff und reinen Hydrogen, laſſen ſich die Erden Begen die zwar nicht verbinden. Es iſt aber aus vielen Gruͤnden glaublich, daß ſie ſich mit einer Vereinigung jener Stoffe verbinden, und die aus ſolchen beſtehende organiſche Materie, oder den Ruͤckſtand der Verweſung aufnehmen und innig mit ſich verei⸗ G 2 52 Chemie der Erden. nigen koͤnnen. Es ſprechen dafuͤr mehrere Erſcheinungen, die ſich bei der Vegetation zeigen, und auf welche wir in der Folge zuruͤckkommen werden. Die kaliſchen Erden verbinden ſich mit dem Schwefel, indem man ſie entweder damit gluͤht, oder damit im Waſſer kocht. Dieſe Verbindungen ſtimmen im Weſent⸗ lichſten mit denen uͤberein, die aus der Verbindung des Schwefels mit Alkalien her⸗ vorgehen. Man nennt dieſe Verbindungen, einer gewiſſen Aehnlichkeit wegen, Le bern. Es iſt wahrſcheinlich, daß eine aͤhnliche Verbindung mit der ſtark— ſirten Kohle, beſonders die auch einiges Azot enthaͤlt, d. i. mit jenem Ruͤckſtande der Verweſung, vorgehe, die ſich aber bei hoͤherer Temperatur ſchnell wieder zerſetzt. 1½. Gegen die Die ſämmtlichen Erden, mit Ausnahme der Kieſelerde, haben eine große Ver⸗ Siuren. wandtſchaft zu den Saͤuren, und lboͤſen ſich darin auf. Die Saͤure wird ge⸗ ſättigt, und verliert ihre ſaure Eigenſchaft, aber auch die alkaliſchen Erden verlieren ihre Eigenſchaften und ihre Einwirkung, die ſie auf die Pflanzen und organiſche Ma⸗ terie haben. Es emſtehen dann erdige Mittelſalze daraus, die leichter oder ſchwerer oder gar nicht im Waſſer aufloͤslich ſind. Durch dieſes Verhalten mit den Säuren und die Erzeugung der Salze werden die Erden bei ihrer Zerlegung hauptſaͤchlich un⸗ terſchieden. 5. 12. Verhulten bet Die Erden haben aber auch unter ſich eine anneigende Verwandtſchaft und gehen rden gegen ejuander. eine wahre chemiſche Verbindung ein. Viele Erd⸗ und Steinarten, welche wir in der Natur finden, ſind nicht Gemenge, ſondern eigentliche Gemiſche. Die Metalloryde ſcheinen zu dieſer innigen Vereinigung mit beizutragen. Wir koͤnnen die Erden che⸗ miſch miſchen, indem wir ſie zuſammenſchmelzen. Es ſcheint aber auch auf dem naſſen Wege eine ſolche Vereinigung vorzugehen. Nach Guyton's und Ga⸗ dolin's Verſuchen ſchlagen ſich einige Erden, z. B. die Kalk⸗ und Kieſel⸗Erde, die Thon⸗ und Kieſel⸗Erde einander aus ihren Aufloͤſungen nieder, nicht indem ſie ſich mit der Saͤure und dem Alkali, worin die andere Erde aufgeloſt iſt, vereini⸗ gen und dieſe davon trennen; ſondern indem ſie ſich mit der andern Erde miſchen und in Vereinigung mit derſelben niederfallen. Dieſe innige Vereinigung der Erden kann bei der Lehre vom Boden ſehr wicheig ſeyn, wenn ſie noch genauer erforſcht wird.— Chemie der Erden. 53 Wir werden jetzt erſt die unaufloͤslichen Kieſel⸗ und Thon⸗Erden in ihrem che⸗ miſch⸗reinen Zuſtande nach ihren Eigenſchaften betrachten, dann zu den verſchiedenen Gemengen, die wir von ihnen in der Natur antreffen, uͤbergehen. Sodann werden wir von den kaliſchen Erden ebenfalls in ihrem reinen Zuſtande handeln, und darauf das zuſammengeſetztere Gemenge aus jenen und dieſen Erden betrachten, nachdem wir vorher eine genauere Unterſuchung der ſogenannten Dammerde oder des Hu⸗ mus angeſtellt haben. Alles, vorzuglich in Ruͤckſicht auf den Gebrauch, den wir in der Lehre von der Kenntniß des Bodens, vom Duͤnger und Vegetation davon machen koͤnnen, die ſich ſaͤmmtlich nur auf dieſe chemiſch⸗phyſikaliſche Lehre begruͤn⸗ den laſſen. Die Kieſelerde. 5. 13 Der Name derſelben iſt von dem Worte Kieſel entlehnt, der, ſo wie der Quarz, faſt ganzlich aus derſelben beſteht, weshalb ſie auch Quarzerde genannt wird. Weil ſie ſich mit den Kalien zu Glaſe verbindet, ward ſie auch glasartige Erde genannt, und weil fie die älteren Chemiker als die urſpruͤngliche Erde anſahen, und ſie wirklich den, den Erden beigemeſſenen Charakter im eminenten Grade an ſich traͤgt, ward ſie elementariſche Erde genannt. Sie ſindet ſich auch von allen Erdarten am haͤufigſten in der Natur. Alle harte, am Stahle Funken gebende Steine, die ungeheuren Gebirgsmaſſen von Gra⸗ nit, Porphyr, Gneus u. ſ. w., ſammt den ausgebreiteten Sandmeeren, ſind groͤßten⸗ theils aus Kieſelerde gebildet. Es giebt überhaupt wenig Stein⸗ und Erdarten in der Natur, die nicht mehr oder weniger Kieſelerde enthielten. Auch die Pflanzen ent⸗ halten dieſelbe, und laſſen ſie nach dem Verbrennen in ihrer Aſche zuruͤck. Beſonders reichhaltig ſind die grasartigen Gewaͤchſe daran, und man findet ſie in ihrer aͤußern Haut zuweilen durch die Vegetationskraft abgeſondert, und gewiſſermaßen kryſtalli⸗ ſirt. Indeſſen findet ſie ſich ſo wenig wie andere Erden voͤllig rein in der Natur, und ſelbſt der Quarz, der groͤßtentheils aus ihr beſteht, hat noch Beimiſchungen von Thonerde und Eiſenoxyd. Die Kieſelerde in ihrem rei⸗ nen Zußtande. Verhalten ge⸗ gen das Waſ⸗ ſer. Gegeh die Säuren. 54 Die Kieſelerde. S Nur durch die Kunſt konnen wir ſie chemiſch rein und von allen Beimiſchungen be⸗ freit aus den Mineralien darſtellen. Sie erſcheint dann in der Form eines weißen, ſehr feinen, dabei doch aber etwas hart anzufuͤhlenden Staubes, der ſich wenig an die Finger haͤngt, und beim Druͤcken und Reiben ein etwas ſcharfes Gefuͤhl veran⸗ laßt. Sie iſt voͤllig geſchmack⸗ und geruchlos. Im Feuer erleidet ſie durchaus keine Veraͤnderung, und wie heftig dieſes auch ſeyn mag, ſie ſchmilzt nicht und wird nicht verfluchtigt. §. 15. Sie hat keine Verwandtſchaft zum Waſſer. Denn ohne ein Zwiſchenmittel hat man nie das geringſte darin aufloͤſen koͤnnen. Vermengt man ſie damit, ſo ſenkt ſie ſich bald daraus wieder ab, und laͤßt nichts aufgeloͤſt zuruͤck. Indeſſen haben wir doch in der Natur einige Quellen, worin Kieſelerde ſich auſgeloͤſt befindet, und die nach Bergmann's und Klaproth's genauen Unterſuchungen durchaus keine andere Materie enthalten, welche eine Verbindung der Kieſelerde mit dem Waſſer hervorgebracht haben koͤnnte, ſo daß wir bis jeßzt nicht anzugeben wiſſen, wie die Na⸗ tur dieſelbe bewirkte. Die merkwuͤrdigſte iſt der Geyſer in Joland, eine ſehr heiße Quelle, die in ihrem Baſſin eine Rinde von Kieſelerde abſetzt, und Kryſtallen, Sta⸗ laktiten und Inkruſtationen bildet. Auch iſt die mechaniſche Anziehung der Kieſelerde zum Waſſer nur geringe. Sie ſaugt beim Benetzen das Waſſer nicht begierig an, wird auch nicht teigigt und zu⸗ ſammenhaͤngend dadurch. Sie halt hoͤchſtens die Hälfte ihres Gewichts davon an ſich, ohne es tropfenweiſe fahren zu laſſen; auch laͤßt ſie es ſchnell verdunſten. 6. 16½ Vorzuglich unerſcheidet ſie ſich dadurch von den meiſten Koͤrpern, daß ſie von keiner Saͤure, außer der einzigen Flußſpathſaͤure angegriffen und aufgeloſt wird. Man kann die feine Kieſelerde mit Schwefel⸗, Salz⸗ und Salpeterſäure ſieden, ohne daß das geringſte davon aufgenommen wird. Nur in der Schmelzhite vereinigt ſich die feuerbeſtändige Borar⸗ und Phosphorſäure damit. Die einzige Fluß ſpathſaure löſet ſie ſogar in Luſtgeſtalt auf, und iſt fähig, dieſen ſo feuerbeſtändigen Koͤrper mit ſich zu verfluchtigen.. Die Kieſelerde. 55 5 43 Die feuerbeſtändigen Alkalien, ſie ſeyen im aͤtenden eder im kohlenſauren Zu⸗ Gegen die A ſtande, laſſen ſich dagegen leicht mit der Kieſelerde vereinigen, und loſen ſie vollſtändig 6 auf. Wenn man Kali oder Natrum mit der Kieſelerde ſchmilzt, kommen jene in der Glühhise zuerſt in Fluß, und machen dann auch die Kieſelerde fuͤſſig, die ſich dann damit verbindet. Das Produkt, welches man aus dieſer Verbindung erhaͤlt, iſt verſchieden nach dem Verhaͤltniß, in welchem man beide zuſammengeſetzt hat. Iſt die Kieſelerde über⸗ wiegend, ſo entſteht daraus das ſo nuͤtzliche Glas. Je groͤßer das Verhaͤltniß der Kieſelerde iſt, um ſo dauerhafter der Luft und den Säuren wiederſtehend iſt das Glas. Iſt dem Glaſe aber zu viel Alkali zugeſetzt, ſo wird das Glas leicht blind an der Luft, und iſt auch nicht ganz ſicher gegen concentrirte Saͤuren. Metalloryde werden vom Glaſe beim Schmelzen aufgenommen, und daſſelbe dadurch verſchieden gefarbt. Die grüne Farbe des Glaſes ruͤhrt vom Eiſenoryd her, weil die Kieſelerde verunreinigt war. Wenn dieſes durch die Sonnenſtrahlen desoyydirt wird, ſo laͤuft es mit Regenbogenfarben an. Wenn aber das Alkali uͤberwiegend iſt, und das Gemiſch aus vier Theilen von dieſem und einem Theile Kieſelerde beſteht, ſo erhält man eine glaſige durchſichtige Materie, die an der Luft leicht feucht wird, und zu einer dicklichen Feuchtigkeit zer⸗ gehet. Sie läßt ſich im Waſſer leicht vollſtandig aufloͤſen, und heißt dann Kieſel⸗ feuchtigkeit. Pier haben wir alſo zwar eine Aufloͤſung der Kieſelerde, aber nur durch ein Ver⸗ bindungsmittel, das Alkali. Stumpft man dieſes ab, durch Säure, ſo laßt das⸗ Waſſer auch die Kieſelerde fallen, und ſie ſammelt ſich im Grunde. Nur wenn die Kieſelfeuchtigkeit mit zu vielem Waſſer verduͤnnet iſt, oder wenn man uberſchuͤſſige Säaͤure hinzugegeben hat, erfolgt der Niederſchlag nicht, bis man die Aufloͤſung ver⸗ dunſten läßt. Man hat dieſe Erſcheinung verſchieden erklärt; wahrſcheinlich bängt ſie von der in den kleinen Partikeln äußerſt geſchwächten Cohäſionskraft ab. Am ſicher⸗ ſten verfaͤhrt man deshalb, wenn man die mit einem Ueberſchuß von Saͤure geſättigte verduͤnnte Kieſelſeuchtigkeit erſt verdampfen läßt, ſodann in Waſſer wieder aufweiche und mehrere Male auswaͤſcht, um die reine Kieſelerde daraus darzuſtellen. Das Glas. Sörper, wel⸗ che die Kieſel⸗ erden vorzuͤg lich enthalten. Der Feuer⸗ ſtein⸗ 56 Die Kieſelerde. §. 1. Unter den Körpern, welche groͤßtentheils aus Kieſelerde beſtehen, und den Cha⸗ rakter dieſelben in hohem Grade an ſich tragen, bemerken wir hier folgende, deren Kenntniß dem Landwirthe zuweilen nutzlich ſeyn kann. 1) Alle ſogenannten Edelſteine, den Diamant ausgenommen: der Rubin 3 8 Saphyr, Smaragd, Chryſolith, Topas, Hyacinth, Amethyſt, Chalcedon, Kar⸗ neol, Achat und Granat. 2) Die Feuerſteine und Hornſteine. Erſterer wird als Geſchiebe auf dem flachen Lande vorzuͤglich in ſandigen K aber auch in Kreidegebirgen, umgeben von dem reinſten Kalk, gefunden. Wie er hier hingekommen oder entſtan⸗ den ſey, hat die Geologen ſeit Zeit eſchaͤftiget, und die Muthmaßung, daß ſich die Kalkerde in Kieſelerde verwandelt habe, hat wirklich vieles fuͤr ſich, indem man den Uebergang von Kalk in Feuerſtein oft deutlich bemerkt, und man zuwei⸗ len mitten in Feuerſteinen organiſche Producte antrifft, die die neuere Entſtehung derſelben beweiſen. Der Nutzen des Feuerſteins iſt ſo bekannt, als groß. Die Bearbeitung deſſel⸗ ben zu Flintenſteinen iſt von Wichtigkeit. Vormals war dieſe Kunſt nur in Spanien und Frankreich bekannt; jeht macht man die Flintenſteine auch in den Heſterreichiſchen Staaten. Man hatte ſonſt ſeltſame Meinungen uͤber die Verſertigung deſſelben, und glaubte, daß ſie in den Gebirgen rauh wären und geſchnitten wuͤrden, oder daß ſie 6 Maſchinen geſchliffen wuͤrden. Es hat aber keinen Zweifel, daß ſie mit ge⸗ wiſſen ſtählernen Inſtrumenten aus freier Fauſt geſchlagen werden, wozu aber doch geuͤbte Arbeiter gehoͤren. Aber nicht alle Feuerſteine paſſen ſich dazu: zum Theil ſind ſie zu weich, zum Theil ſpringen ſie unter dem Hammer nicht zu regelmäßigen Stuͤk⸗ ken. Friedrich Wilhelm der Erſte ſchickte einen Buͤchſenſchäfter nach St. Anges, voſelbſt er ſich in Arbeit gab und die Hondgriffe lernte. Er kam zuruͤck und verfer⸗ tigte aus den einheimiſchen Steinen wirklich Flintenſteine; ſie waren aber ſo ſprode, daß ſie ſchon beim zweiten Schuß ſprangen. Außerdem werden die Feuerſteine zur Be⸗ reitung der Smalten, des Steinguts, zum Glasſchleifen, zu Glattſteinen fuͤr Buch⸗ binder und Vergolder und zum Glaſe, beſonders zur Verfertigung des ſchonen Flint⸗ glaſes in England gebraucht. Der Die Kieſelerde. 37 Der Hornſtein hat Aehnlichkeit mit ihm; hat indeſſen ein matteres hornarti⸗ ges Anſehen und einen ſplittrigen Bruch. 3) Der Feldſpath, von blättrigem Gewebe, meiſt fleiſchrother Farbe, in rautenfoͤrmige Stucke zerſpringend. Er findet ſich als Geſchiebe und in mehreren an⸗ deren Steinarten eingeſprengt. 4) Quarz. Er beſteht aus kryſtalliniſchen, glasartigen Theilen, zerſpringt in eckige Stuͤcke, und kommt mehrentheils mit weißer Farbe und durchſichtig vor. Man findet ihn theils in derben Maſſen, theils kryſtalliſirt. Sind ſeine Kryſtallen groß, durchſichtig und ſaͤulenfoͤrmig, ſo heißt er Bergkryſtall. §) Granit, Gneus und Porphyr ſind zuſammengeſetzte Steinarten, aus verſchiedenen Steinen gebildet. Aus ihnen beſtehen groͤßtentheils die Urgebirge; ſie ſinden ſich aber auch, beſonders der Granit, in großen Bloͤcken im flachen Lande. Der Granit beſteht aus Quarz, Feldſpath und einem andern zum Thongeſchlecht ge⸗ hoͤrigen Steine, dem Glimmer. Sein Korn und ſeine Farbe ſind mahnigfaltig verſchieden. Der Gneus iſt mit dem Granit nahe verwandt, beſteht aus Feldſpath, Quarz und Glimmer. Seine Theile ſind inniger gemengt, und er hat mehrentheils ein ſchieferartiges blaͤttriges Anſeben. Der Porphyr beſteht aus Feldſpath, Quarz und verhaͤrtetem Thon oder Jaspis, zuweilen auch Glimmer. 6) Der Sand, welcher wahrſcheinlich aus dem Quarze großtentheils entſtan⸗. den iſt. Er unterſcheidet ſich in ſeinen Beſtandtheilen ven dieſem nicht. Durch große Waſſerfluthen, durch die Einwirkung der Luft, vielleicht des Feuers und an⸗ derer Potenzen, ward der Quarz zerkleinert, und die kleinen Stuͤcke durch die Be⸗ wegung, die Waſſer und Wind ihnen gab, zu rundlichen Koͤrnern abgeſchliffen. Dieſer Sand unterſcheidet ſich nach der Größe und Durchſichtigkeit ſeiner Koͤr⸗ ner und nach ſeiner Farbe hauptſäͤchlich in folgende Arten: a. Mehl⸗ oder Quellſand, der aus ſehr feinen, klaren, ungefaͤrbten Koͤr⸗ nern beſteht, und mehrentheils von Quellen und Fluͤſſen ausgeworfen wird. b. Perlſand, Grant, von großen rundlichen, halb durchſichtigen Koͤrnern. Man findet ihn mehrentheils nur unter der Oberflaͤche der Erde. Doch wird er auch von Fluſſen heraufgeſpuͤhlt. c. Flugſand. Seine Koͤrner ſind von verſchiedener Groͤße. Er iſt vermiſcht mit andern Theilen, fuhrt faſt immer Thon, zuweilen auch etwas Kalk bei ſich. Er Zweiter Theil. H Thonerde im reinen Zu⸗ tande. 58 Die Kieſelerde. iſt vom Winde leicht beweglich, woher er ſeinen Namen erhalten hat, und wird daher durch dieſen und durch Waſſer gleich einer Fluͤſſigkeit nach den niedrigſten Stellen fortgetrieben, bis er ſich vor einem Widerſtande in großer Maſſe zuſammenhaͤuft, und ſolche angehaͤufte Huͤgel werden dann, wenn ihre Oberfläche nicht durch ſolche Pflan⸗ zen, die mit Huͤlfe einiger Dammerde darauf wachſen, befeſtiget iſt, durch S und Oſtwinde fortgewaͤlzt, und uͤberſanden oft fruchtbare Fluren. In der Tiefe des Erdbodens findet man den Sand zwiſchen andern Erdlagen in fortlaufenden Adern oder Schichten. Dieſen verdanken wir unſer reinſtes Brunnen⸗ und Quell⸗Waſſer. Das Waſſer ſintert hindurch, ſetzt ſeine unreinen Theile darin ab, und erſcheint in deſto groͤßerer Reinheit, je weiter es ſich durch den Sand gezo⸗ gen hat. Die Sandkoͤrner haben außer dem uͤberwiegenden Antheil von Kieſelerde noch immer etwas Thonerde in ſich, auch Eiſenoxyd. Der Sand beſitzt eine noch gerin⸗ gere waſſerhaltende Kraft, wie die ſtaubige Kieſelerde. Daher, und weil er auch mit dem Humus wenig mechaniſche Anziehung hat, ruͤhrt ſeine Unfruchtbarkeit. Iſt der Sand durch ein Bindungemittel, Thon oder Kalk, und durch mecha⸗ niſche Zufammenpreſſung in harte Maſſen verbunden, ſo heißt er Sandſtein. In Anſehung der Feinheit und Dichtigkeit giebt es verſchiedene Sorten, welche, wenn ſie noch weicher aus dem Boden kommen, in kubiſche Bauſteine, Quaderſteine, Muͤhlſteine, Schleiſſteine, Weßzſteine u. ſ. w. verarbeitet werden. Zu dieſen gehoͤrt auch der Filtrirſtein, welcher das Waſſer wie ein feiner Schwamm durchlaufen laͤßt, und den man gebraucht, um truͤbes Waſſer zu reinigen. Er war ſonſt eine Selten⸗ heit; jetzt findet man ihn in Sachſen und an mehreren Orten haͤufig. Thon 5 F. 19. Man findet dieſe reine Erdart am meiſten in derjenigen Maſſe, die man läͤngſt Thon nannte, und hiervon hat ſie den Namen Thonerde erhalten. Sie macht aber auch einen weſentlichen Beſtandtheil eines unter dem Namen Alaun bekannten Salzes aus, und iſt daher von der neuern chemiſchen Schule Alaunerde genannt worden. Weil indeſſen der Name Thonerde unter den Deutſchen gebraͤuchlicher Thonerde im reinen Zuſtande. 59 geblieben iſt, ſo werden wir dieſen beibehalten, muͤſſen aber wohl bemerken, daß wir ſie mit dem Thone, der ein zuſammengeſetzter Koͤrper iſt, nicht verwechſeln muͤſ⸗ ſen. Unter Thonerde verſtehen wir alſo die reine elementariſche Erde; unter unterſchei⸗ Lhon aber, von welchem wir in der Folge reden werden, die Verbindung derſelben mit Kieſelerde und Eiſenoxyd. Naͤchſt der Kieſelerde finden wir unter allen Erden die Thonerde in der groͤßten Menge und am meiſten verbreitet auf unſerm Erdboden. Der Thon, in welchem die Thonerde immer einen Beſtandtheil ausmacht, iſt in groͤßerer oder geringerer Menge faſt in jeder Bodenart vorhanden, und findet ſich auch in großen Lagern unter der Oberfläche der Erde. Ueberdem macht die Thonerde einen Beſtandtheil der meiſten Steinarten aus, und iſt in einigen vorwaltend. Die organiſchen Koͤrper enthalten ſie nur in ſehr geringer Menge, und wenn wir gleich aus der Aſche der meiſten Vege⸗ tabilien einige Thonerde ausgeſchieden haben, ſo ſcheint ſie doch den Gewäͤchſen nicht weſentlich, ſondern vielmehr zufällig in ihre Subſtanz oder in ihre Aſche gekommen zu ſeyn. Die Thonerde iſt fuͤr den Landwirth von der groͤßten Wichtigkeit, indem ſie im Thone einen weſentlichen Beſtandtheil des fruchtbaren Bodens aus⸗ macht. Von ihrer Kenntniß hängt die genauere Kenntniß des letzteren ab, und von dieſer wieder die richtige Beurtheilung der Wirkungen des Thons im Acker, die Verbeſſerung und Verſchlechterung des Ackers durch ihn. Auch iſt ſie in Hinſicht auf Ziegelbrennerey und Verfertigung von Toͤpferwaare merkwuͤrdig. Deshalb werden wir erſt die Eigenſchaften der reinen Thonerde, dann die des Thons, kurz aber gruͤndlich durchnehmen. F 2n. Wenn man gleich den Thon ſeit uralten Zeiten wegen ſeiner nuͤtzlichen Eigen⸗ ſchaften kannte, und ihn zur Verſertigung irdener Waaren und Ziegel benutzte, ſo iſt doch die Thonerde noch nicht lange als ein beſonderer Naturſtoff angeſehen worden. Lange hat man ſie mit der Erde uͤberhaupt verwechſelt, dann bald dem Kalke, bald der Kieſelerde, die durch Saͤuren oder Phlogiſton einen andern Charakter angenom⸗ men haͤtten, beigezahlt. Erſt in der Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde es H 2 Sie kommti der Natur nie rein vor. 60 Thonerde im reinen Zuſtande. erwieſen, daß ſie eine eigene Erdart ausmache und mit andern Erden nicht verwech⸗ ſelt werden duͤrfe. 8 So haͤufig ſie auch vorkommt, treffen wir ſie doch in der Ratur nirgends rein an. Meiſtens iſt ſie mit andern Erden und metalliſchen Oryden, zuweilen mit Saͤu⸗ ren verbunden. Nur im Garten des Paͤdagogiums zu Halle hatte man eine weiße erdige Subſtanz, welche man eine Zeit lang fuͤr chemiſch⸗reine Thonerde bielt, ge⸗ funden; aber theils hat ſich nachher durch eine genauere chemiſche Analyſe gezeigt, daß ſie, obgleich groͤßtencheils aus Thonerde beſtehend, dennoch andere Subſtanzen, Kalkerde und Eiſenoxyd, enthielte; theils iſt es hoͤchſt wahrſcheinlich, daß ſie kein Pro⸗ duct der Natur, ſondern der alchemiſchen Sudelkoͤche ſey, die dort hauſeten. Nur die Chemie kann die Thonerde aus ihren Verbindungen rein darſtellen⸗ Am meiſten und leichteſten wird ſie aus dem Alaun abgeſchieden, in welchem ſie mit Schwefelſäure aufgeloͤſt iſt. Wenn man dieſe, nachdem der Alaun in Waſſer aufge⸗ loͤſt worden, durch Alkali neutraliſirt, ſo fallt die Thonerde nieder. Jedoch bedarf es noch einiger andern Handgriffe, um ſie von ihren fremdartigen Beimiſchungen völlig zu befreien. 5 28. Vebindet ſch Die reine Thonerde iſt nicht fäbig, ſich mit der Kohlenſaͤure zu verbinden, wenig⸗ nicht mit Kohlenſaure. Phyſiſche E genſchaften. ſtens nicht mit ihr durchdrungen zu werden, wie die Kalkerde und Bittererde, wo⸗ durch ſie ſich insbeſondere von letzterer ſehr merklich unterſcheidet. Manche haben zwar von einer Vereinigung der Thonerde mit der Kohlenſaͤure geſprochen, aber Sauſſure hat gezeigt, daß die chemiſch⸗reine Thonerde keine Verwandtſchaft zur Kohlenſaͤure beſaͤße. i⸗ Die phyſiſchen Eigenſchaften der reinen Thonerde koͤnnen einigermaßen abwei⸗ chend ſeyn, wenn die Handgriffe und die Qualität und Quantität der Reagentien welche man bei ihrer Ausſcheidung anwendet, verſchieden ſind. Auch hat man oft die Eigenſchaften des Thons auf die reine Thonerde uͤbergetragen, und daher ſcheint es zu ruͤhren, daß die phyſiſchen Eigenſchaften der letztern von verſchiedenen Chemi⸗ kern verſchieden angegeben werden. Indeſſen iſt dieſer Unterſchied nicht bedeutend, und es kann in dieſer Hinſicht nie eine Verwechſelung mit andern Erdarten vorfallen. Die reine Thonerde iſt eine weiße, ſanſt anzufuͤhlende, pulverfoͤrmige Subſtanz, welche zwar keinen eigentlichen Geſchmack beſitzt, aber doch auf die Zunge gebracht, Thonerde im reinen Zuſtande. 61 ein eigenes Gefuhl hervorbringt, welches aus der Einſaugung der Feuchtigkeit der Zunge durch die Thonerde entſteht. Ein aͤhnliches Gefuͤhl bringt ſie auch hervor, wenn ſie als ein feiner Staub in die Naſe gezogen wird. Der eigenthuͤmliche Geruch, welchen der rohe Thon, beſonders wenn er angehaucht oder angefeuchtet wird, von ſich giebt, iſt der reinen Thonerde nicht eigen, und man hat ihm ſolchen unrichtig beigemeſſen. F. 23 Gegen das Waſſer äußert die Thonerde eine weit ſtärkere Anziehung, wie alle Vechalten ge⸗ andere Erden, indem ſie davon mehr zuruͤckhält. Sie beſitzt alſo die groͤßte waſſer⸗ das Waß⸗ haltende Kraft. Dieſe iſt aber nach den verſchiedenen Bereitungsarten der Thon⸗ erde merklich verſchieden. Wenn ſie friſch niedergeſchlagen iſt, ſo haͤlt ſie, ehe ſie wieder getrocknet worden, oft das ſechsfache ihres eigenen Sewichts an Waſſer an, wogegen ſie, wenn ſie in mäßiger Waͤrme ausgetrocknet worden, nur 1½ bis zwei Mal ſo viel, als ſie ſelbſt wiegt, von demſelben aufnehmen kann, ohne es tropfen⸗ weiſe fahren zu laſſen. Wird ſie ſcharf ausgetrocknet oder gar gegluͤht, ſo kann ſie, wie wir hoͤren werden, noch weit weniger Feuchtigkeit in ſich halten. Die mit Waſſer angefeuchtete Thonerde ſtellt einen mehr oder weniger ſchlupfri⸗ gen Teig dar. Dieſer Teig aus der reinen Thonerde iſt aber nie ſo dehnbar, wie der aus gutem rohen Thon, und man kann ihn nicht ſo leicht formen, wie dieſen. Auch trocknet der aus dieſer reinen Erde bereitete Brei leichter aus. 6. 24. Die reine Thonerde laͤßt ſich in reinem Waſſer nicht auflöſen. Wird ſie unter eilhee vieles Waſſer gemengt, ſo erſcheinen ihre einzelnen Partikeln halb durchſichtig. Sie Waſſer. vertheilen ſich im Waſſer äußerſt fein, und ſeßzen ſich nur hoͤchſt langſam daraus wie⸗ der ab. Das Waſſer hält aber nichts davon wirklich aufgelöſt zuruͤck. Dagegen kann kohlenſaures Waſſer nach Sauſſure etwas Thon auflöſen, welche Ver⸗ bindung aber nur ſo ſchwach iſt, daß ſie ſich ſchon an der Luft leicht zerſetzt, wo dann die vorher klare Flüͤſſigkeit ſich truͤbt, und die Thonerde als ein gallertartiges leichtes Sediment fallen läßt. §. 25. In einer gelinden Waͤrme von etwa 18 bis 20 Grad Reaumur verliert die Thon⸗ erde das ihr nur locker anhaͤngende Waſſer. Einen andern Theil der Feuchtigkeit 62 Thonerde im reinen Zuſtande. aber, der nach Buchholz 28 Prozent, nach Sauſſure aber noch weit mehr betraͤgt, laͤßt ſie in dieſer Waͤrme nicht fahren, ſondern es iſt bierzu eine ſtarke Gluͤh⸗ hitze erforderlich. §. 26. Sn Fuͤr ſich läßt ſich die reine Thonerde in der gewoͤhnlichen Hitze nicht ſchmelzen; Feuer. allein in dem Brennpunkte großer Brennſpiegel und in einem mit Oyygengas angefach⸗ ten Feuer erleidet ſie eine Art von Schmelzung, welche aber doch keine vollige Ver⸗ glaſung hervorbringt. Aber mit Kalkerde vermengt, kann ſie voͤllig in Fluß gebracht werden. Auch iſt ſie mit Kieſelerde vereinigt eher zum Schmelzen geneigt. Durch das Gluͤhen aber erleidet die Thonerde jedesmal doch eine ſtarke Veraͤnde⸗ rung. Es erfolgt keine Schmelzung, aber doch eine Art von Zuſammenſinterung. Sie verliert dadurch ihre mechaniſche Anziehung zum Waſſer, und wird im Gefuͤhle hart. Mit Waſſer vermengt wird ſie nicht mehr zum ſchluͤpfrigen Brei, und koͤmmt uͤberhaupt in ihren phyſiſchen Eigenſchaften der Kieſelerde jetzt mehr gleich. Daher ruͤhrt es, daß der Thon nach dem Brennen nicht mehr formbar bleibe, und es laßt ſich auch daher der Nutzen zum Theil erklären, den das Brennen des thonig⸗ ten Bodens bewirkt. Man kann derſelben ihre vorigen Eigenſchaften nur dadurch wiedergeben, daß man ſie in Säauren aufloͤſt und durch Alkalien wieder nieder⸗ ſchlägt. 5 2 Sie hat keine Die Thonerde aͤußert durchaus keine alkaliſche Eigenſchaften, und verändert akaliſchen die auf Alkali reagirenden Papiere nicht. Auch kann ſie ſich mit dem Schweſel nicht Eigenſchaften. vereinigen, wie die Alkalien, Kalk⸗ und Bitter⸗Erde. Wir haben keine Erfah⸗ rung, daß ſie im reinen Zuſtande das Orygen, Hydrogen, Azote und den Kohlenſtoff anziehen koͤnne. Jedoch iſt es ſehr wahrſcheinlich„ daß ſie ſich nicht ganz gleichguͤl⸗ tig gegen dieſe Stoffe verhalte. Wenigſtens hat ſie gegen eine Vereinigung dieſer Stoffe, wie im Humus, Verwandtſchaft. Wahlver⸗ Gegen andere Erden äußert ſie aber eine wahre Verwandtſchaft, und ſie kann wandtſchaft ſich mit ihnen unter gewiſſen Umſtaͤnden wirklich chemiſch verbinden. Die Kieſelerde wird von ihr begierig angezogen, und nach Guyton kann ſie dieſelbe aus der Kie⸗ Thonerde im reinen Zuſtande. 63 ſelfeuchtigkeit niederſchlagen. Die genaue Verbindung der Kieſelerde mit der Thon⸗ erde finden wir deshalb auch ſo haͤufig in der Natur im gewohnlichen Thone. Die Kalkerde wird ebenfalls von der Thonerde begierig angezogen. Dies be⸗ weiſt ſchon die leichte Schmelzbarkeit beider Erden, wenn ſie in Vereinigung ſind. Koch mehr aber die Fähigkeit der Thonerde, das Kalkwaſſer zu zerſeten und allen Kalk abzuſcheiden. Bringt man friſch niedergeſchlagene Thonerde in Kalkwaſſer, ſo verliert dies ſeinen alkaliſchen Geſchmack, die Thonerde ſetzt ſich in demſelben ab, und mit ihr faͤllt der Kalk nieder. Dieſe Abſcheidung des Kalks kann nur durch eine chemiſche Verwandtſchaft der Thonerde zu ihm, und durch eine genaue chemiſche Verbindnng beider Erden, hervorgebracht werden. — F 2 Die Säuren löſen die reinen Thonerden auf, um ſo leichter, je weniger ſie vor⸗ Verhalten Le⸗ her ausgetrocknet war; aber langſamer und ſchwerer, wenn ſie vorher geglühet war. b Es geht dabei kein Brauſen vor, und es entwickelt ſich keine Waͤrme, Die Lhon⸗ erde iſt aber nicht fahig, den Sauren ihre ſaure Eigenſchaft ganz zu rauben, und un⸗ terſcheidet ſich dadurch von den Alkalien und alkaliſchen Erden ſehr. Dieſe Aufloͤſun⸗ gen beſitzen einen zuſammenziehenden Geſchmack, und roͤthen das Lackmuspapier noch. Es entſtehen Salze daraus, welche zum Theil kryſta lſirbar, zum Theil es nicht ſind, und die ſich meiſtens ſehr leicht im Waſſer wieder aufloͤſen laſſen. Zu der Schwefelſaͤure aͤußert die Thonerde eine vorzuͤgliche Verwandtſchaft, und giebt damit eine ſchmutzige an der Luft leicht feucht werdende Maſſe; wenn der Verbindung aber etwas Kali zugeſetzt wird, den Alaun. Die Thonerde kann aber auch einen gerin⸗ gen Theil von Schwefelſaure in ſich halten, ohne einen ſalzartigen Koͤrper damit zu bilden, und es iſt daher oft ſchwer dieſe Saure ganz von ihr zu trennen. Selbſt bei der Niederſchlagung aus der Alaunenaufloͤſung, wird von der Thonerde etwas Schwe⸗ felfaure niedergeriſſen, die durch vielfaches Abwaſchen nicht ganz aut ihr zu entfer⸗ nen iſt. Die Salz⸗, Salpeter⸗ und Phosphor⸗Säͤure geben mit der Thonerde keine kryſtalliſirbare Salze, ſondern meiſtens nur ſchmierige Maſſen. S 30. Beſonders bemerkenswerth iſt noch die Wirkung der Alkalien auf die reine Gegen die *— kalien. Thonerde, indem ſie als ein charakteriſtiſches Zeichen angeſehen werden kann, und Der Then. 64 Thonerde im reinen Zuſtande. man ſich derſelben oft zur Abſcheidung der Thonerde von anderen Erden bedient. Die Kalk⸗ und Bitter⸗Erde werden von den reinen Alkalien nicht angegriffen, die Thonerde wird aber dadurch völlig aufgeloͤſt. Auch hier geht vie Vereinigung am leichteſten vor ſich, wenn ſie friſch niedergeſchlagen und noch feucht iſt, am ſchwerſten, wenn ſie vorher gegluͤhet worden. Das Ammonium iſt zwar auch faͤhig, die Thonerde in geringer Menge in ſich auf⸗ zunehmen; leichter und in weit großerer Menge loͤſen ſie aber das atzende Kali und Natrum auf. Feuchte Thonerde in aͤtzende und erwärmte Kalilange getragen, loͤſet ſich auf, und die Fluſfigkeit wird durchſichtig. Kohlenſaure Alkalien, wenn ſie ganz mit Kohlenſaͤure geſättigt ſind, nehmen aber die Thonerde nicht auf. S 3ü Alle Alkalien, ſo wie die Kalk⸗ und Bitter⸗Erde, beſitzen eine naͤhere Ver⸗ wandtſchaft zu den Sauren, wie die Thonerde, und man kann alſo letztere von ihren Verbindungen mit den Saͤuren dadurch abſcheiden. Und ſo wird dann auch die Auf⸗ loͤſung der Thonerde in Alkalien wieder durch Säauren zerſetzt und die Thonerde nieder⸗ geſchlagen, indem ſich die Säure mit den Alkalien verbindet, und die Verwandtſchaft derſelben mit der Thonerde aufhebt. F3. Dieſer beſteht, wie ſchon oͤfters bemerkt worden, aus einer Verbindung der Thonerde mit der Kieſelerde. Dieſe Erdarten ſind nicht, wie man mehrentheils ſich die Sache vorzuſtellen pflegt, bloß vermengt, ſondern wirklich chemiſch verbunden. Vieler Thon, ſo wie wir ihn in der Erde finden, iſt noch mit Kieſelerde in feinerer oder groberer Sondgeſtalt vermengt; dieſe kann aber bloß mechaniſch durch Schwem⸗ men, weit mehr aber, wie neuere Erfahrung uns gelehrt hat, durch Sieden von ihm getrennt werden, wogegen jene innige Verbindung nur durch chemiſche Reagentien aufgelöſt werden kann. Der Thon gleicht weder der reinen Thonerde noch der reinen Kieſelerde; ſeine Eigenſchaften richten ſich aber auch nicht ganz nach dem quantita⸗ tiven Verhaͤltniſſe, worin beide Stoffe in ihm verbunden ſind. Er beſitzt beſondere Eigenſchaſten, die man nicht hervorbringt, wenn man Thonerde mit Kieſelerde mechaniſch Der Thon, 63 mechaniſch vermengt. Ja es ſcheint, als ob die Ratur jene genaue Vereinigung nicht bewerkſtelligen koͤnne, denn wir haben zwar Thonerde und Kieſelerde chemiſch miſchen gelernt, aber dieſe Miſchungen waren noch kein Thon. §. 33. Ein allgemeiner und daher vermuchlich weſentlicher Beſtandtheil des Thons iſt Eiſenoxvd. neben jenen beiden Erdarten das Eiſen in mehr oder minder oxydirtem Zuſtande. Dieſe Materie nennt man im gemeinen Leben Eiſenroſt. Sie entſteht aus der Vereinigung des Oxygens mit dem Eiſen, welche ſich mit Beihuͤlfe der Feuchtigkeit leicht bildet. Sie hat verſchiedene Farben, die in mancherley Nuancirungen aus dem Schwarzen ins Gelbe, Braune und endlich Rothe uͤbergehen, und die ſich nach den Graden der Orydarion richten, indem die ſchwarze Farbe nächſt der weißen den gering⸗ ſten, die rothe den hoͤchſten Grad anzeigt. Dieſes Eiſenoryd iſt ein geſchmack⸗ und geruchloſes, in Waſſer unaufloͤsliches Pulver. Von Säuren aber wird es aufge⸗ löſt, und giebt damit Salze, die wie Tinte ſchmecken. Dieſe Eiſenſalze laſſen ſich wieder mit Alkalien zerlegen, indem dieſe eine naͤhere Verwandtſchaft mit den Säu⸗ ren haben. Die adſtringirenden oder Gerbeſtoff enthaltenden Vegetabilien, wie Galläpfel, Eichenrinde, trennen das Eiſen von der Säure, und ſo faͤrbt das das fein zertheilte Eiſen das Gemiſch Tintenſchwarz. Zuweilen iſt das Eiſen im Boden von einer Säure ergriffen. Am haͤufigſten von der Kohlenſaͤure, womit es einen unaufloslichen, geſchmackloſen und wenigſtens der Vegetation unſchaͤdlichen, vielleicht nutzlichen Koͤrper ausmacht. Andere Säuren verjagen die Kohlenſäure mit Aufbrauſen daraus, gleich als ob Kalk darin wäre. Dies hat mich bei einem oberſlächlichen Verſuch, ob ein Lehm mergeligt ſey, ſelbſt einmal getrogen. Zuweilen iſt das Eiſenoryd an Phosphorſäure gebunden. Beſonders in Brü⸗ chern und Suͤmpfen, wo ſich die Phosphorſaure aus vermoderten organiſchen Kor⸗ pern entwickelt. Dies iſt zwar auch ein unaufloͤslicher Koͤrper, der aber die Muth⸗ maßung gegen ſich hat, daß er der Vegetation nachtheilig ſey. An Schwefelſäure gebunden, die ſich aus verwitterndem Schwefelkies im Boden erzeugt, macht das Eiſen das Mittelſalz, welches man gewohnlich Vi⸗ triol nennt. Zweiter Theil. J 66 Der Thon. In irgend beträchtlicher Quantitat mit dem Thon verbunden ſcheint es immer nachtheilig auf die Vegetation zu wirken, und wenn man Schwefelſaͤure der Vegeta⸗ tion vortheilhaft befunden hat, ſo war zs auf kalkigem Boden, wo ſie ſich mit dem Kalk und nicht mit dem Eiſen verband, und mit jenem Gyps machte. Nur mit Humus oder andern ſehr kohlenſtoffhaltigen Materien verbunden, hat der Eiſenvitriol frucht⸗ bare und duͤngende Wirkungen geaͤußert, wenn man dieſe Subſtanz in geringer Quan⸗ titat aufbraͤchte; wovon ausfuͤhrlicher in der Lehre vom Duͤnger geſprochen wird. . 34. Eniſtehuns Der Thon iſt wahrſcheinlich auch aus harten Steinen entſtanden. Mehrere harte Mineralien, die aus Thon⸗ und Kieſelerde mit Eiſenoxyd beſtehen, verwittern tem Stein. mit der Zeit durch die Einwirkung der Atmoſphaͤre, und verwandeln ſich in Thon. Vor allem der Thonſchiefer, welcher ſehr haͤufig vorkommt, und aus welchem ganze Gebirge beſtehen, und der Feldſpath. Dieſe Verwitterung'ſehen wir noch taglich vor unſern Augen vorgehen. Kahle entbloͤßte Thonſchieferfelſen bedecken ſich mit einer Lage von Thon, in welcher bald Vegetabilien ihren Wohnſiß nehmen. Ja man kann dieſe duͤnne Erdlage bald verſtaͤrken, wenn man Stuͤcke Thonſchiefer mit dem Pfluge abſpaltet, und ſie mit friſchem Duͤnger, der zu ihrer Verwitterung beizutragen ſcheint, verſetzt. Dieſer Thon wurde wahrſcheinlich durch Waſſerfluthen herabge⸗ 1 ſchwemmt, und nun wieder in Ebenen zu ſolchen Lagen abgeſetzt, worin wir den 1 Thon jetzt finden. Es werden dabei wahrſcheinlich aus der Atmoſphäre Stoffe, be⸗ ſonders Oxygen angezogen. §. 35. Verbindung Die drei weſentlichen Beſtandtheile des Thons, Thonerde, Kieſelerde und Eiſen⸗ der Beſtand⸗ F. oxyd, ſind in mannigfaltigem Verhaͤltniſſe darin verbunden; und man findet ſelten hous. zwei Thonarten, die darin gänzlich uͤbereinſtimmten. In den meiſten Fällen hat die Kieſelerde das Uebergewicht; dieſe kann bis 93 Prozent darin ſteigen, und dennoch behaͤlt das Gemiſch die Eigenſchaften des Thons. Seltener, jedoch zuweilen prä⸗ dominirt die Thonerde. Neuere Verſuche haben uns aber in unſerm hieſigen Laboratorium gelehrt, daß in dem abgeſchwemmten und dadurch vom Sande gereinigten Thone die Kieſelerde auf eine doppelte Weiſe vorhanden ſey. Wenn man nämlich dieſen Thon mit genug⸗ ſamem Waſſer anhaltend ſieden läͤßt, ſo ſetz ſich eine Kieſelerde ab, die man zwar Der Thon. 6 nicht Sand nennen kann, welche aber doch grobkörniger, als die aus der Kieſelſeuch⸗ tigkeit niedergeſchlagene iſt. Die Menge dieſer, bloß durch das Sieden abgetrennete Kieſelerde iſt in verſchiedenen Thonarten verſchieden. Sie iſt aber ſchwer voͤllig da⸗ von zu trennen. Indeſſen wenn dieſes auch auf das ſorgfaͤltigſte geſchehen iſt, ſo bleibt dennoch im Thone noch beträchtlich viel Kieſelerde zuruͤck, die ſich nur durch chemiſche Reagentien entſcheiden laßt. Wir ſetzen dieſe genaueren Verſuche fort, beſonders um zu entſcheiden, was uns jetzt faſt wahrſcheinlich iſt— ob alle Thon⸗ arten, nach Abſonderung dieſer minder und wohl nur mechaniſch gebundenen Kieſel⸗ erde, ſich in ihrem Gehalte an Kieſel⸗ und Thonerde, vielleicht völlig oder beinahe gleich ſeyn. Das Eiſenoryd weicht in ſeiner Menge ſehr ab, von 1 bis zu 10 und 12 Prozent. Zuweilen enthält der Thon auch Manganesoryd, welches aber nicht häufig und nur in ſehr geringer Menge vorkommt, und deshalb von uns nicht in Betracht ge⸗ zogen wird. §. 36. Man findet den Thon mit ſehr verſchiedenen Farben, weiß, grau, braun, rokh, Farbe det ſchwarz und in den mannigfaltigſten Schattirungen dieſer Farben. Zuweilen ſind n brennbare Koͤrper, Humus und erdharzige! Materie die Haupturſache dieſer Farben; und dieſe machen ihn gewoͤhnlich grau, ins Schwarze üͤbergehend, oder ganz ſchwarz. Dieſe Thonarten brennen ſich aber im Feuer ganz weiß, indem ſich der Kohlenſtoff mit Oxygen verbindet, und als Kohlenfaure entweicht. In den meiſten Faͤllen iſt aber das Eiſenoryd, zuweilen auch das Manganesotyd die Urſach ber Farbe. Nicht bloß die Quantität, in welcher dieſes dem Thone beigemiſche iſt, ſondern auch der Grad der Opydation, worin es ſich befindet, bringen die mannigfaltigen Nuancirun⸗ gen der Farbe hervor. Sie geht um ſo mehr von der hellgelben in die dunkelgelbe und rothe uͤber, je hoͤher der Orydationszuſtand des Eiſens ſteigt. Dieſe Thonar⸗ ten brennen im Feuer nicht weiß. Ihr Eiſenopyd zieht vielmehr noch mehr Oxygen an, wird damit voöllig geſättigt, und dadurch ziegelroth. Dieſe Farben erhalten da⸗ her beim Brennen alle die Thonarten, welche 4 bis 6 Prozent Eiſenoryd enthalten, und ſie faͤllt um ſo dunkler aus, je hoͤher das Verhältniß des Eiſenoxyds ſieigt. Q 2 68 3 Der Thon. Zuweilen bringen Eiſenoryd und Humus oder erdharzige Koͤrper die Farbe des Thons zugleich hervor. Solche Thonarten werden zwar im Feuer heller von Farbe, indem eine Urſach derſelben, der Humus, verfluchtigt wird. Allein ſie wer⸗ den nie ganz weiß, da die andere Urſache, das Eiſen, zuruͤckbleibt. Es koͤmmt alſo bier auf das Verhaltniß des brennbaren Stofſs und des Eiſenoxyds an; ob der Thon beim Brennen viel Farbe verliere, oder nicht. Verliert er viel von der Intenſität der Farbe, ſo ſind brennbare Theile; verliert er wenig, ſo iſt Eiſenopyd das, was vor⸗ zuglich die Farbe hervorbrachte. Man findet zuweilen auch ganz weiße Thonarten. Dieſe enthalten niemals brennbare Subſtanz; aber ſie ſind doch nicht ganz ftei von Eiſenoxyd. Es ſteht dieſes nur auf der niedrigſten Stuſe der Orydation, wo es dem Thone keine Farbe mittheilen kann. Werden dieſe Thonarten aber gegluht, ſo oxy⸗ dirt ſich das Eiſen mehr, und der Thon wird gelb, oft ziemlich hochroth gefäͤrbt. Bleiben weiße Thonarten im Feuer ungefaͤrbt, ſo iſt dies ein Beweis, daß ſie ſehr wenig Eiſen enthalten. §. 37. Seruch des Der Thon aͤußert diejenige beſondere Empfindung, welche die Thonerde auf der Zunge oder als Staub in die Naſe gezogen, hervorbringt, unter aͤhnlichen Umſtän⸗ den, faſt in einem noch hoͤhern Grade, und man kann ihn durch dieſelbe leicht von an⸗ dern Erdarten unterſcheiden. Er ſaugt begierig die Feuchtigkeit der Zunge ein, und bängt ſich an dieſelbe feſt. Außer dieſer Empfindung beſitzt der Thon aber noch einen eigenthuͤmlichen Geruch, den die reine Thonerde nicht hat, und den man einen erdigen Geruch nennt. Er ſtoͤßt ihn in vorzuglich ſtarkem Grade aus, wenn er trocken war und angefeuchtet wird; weswegen man ihn in der ganzen Atmoſphäre bemerkt, wenn nach einer Duͤrre der erſte Regen eintritt. Sauſſure ſchreibt dieſen Geruch dem Eiſenoxyd zu. Man findet ihn aber bei Thonarten, die ſehr wenig davon enthalten, eben ſo ſtark, wie bei ſolchen, die viel davon haben. Man iſt auch noch nicht einig, ob er durch wirklich von ihm ausdunſtenden Partikeln entſtehe, oder aber von einer beſondern Veraͤnderung in der ihn umgebenden Atmoſphaͤre hervorgebracht werde. 5 6 Verhalten des Unter den Eigenſchaften des Thons iſt ſein Verhalten gegen das Waſſer beſon⸗ ders merkwuͤrdig. Er zieht daſſelbe, wenn er trocken, jedoch nicht voͤllig ausgedoͤrret iſt, leicht ein, und wird, iſt Waſſer genug vorhanden, zu einer mehr oder weniger Der Thon. 69 ſchwierigen, zuſammenhaͤngenden und dehnbaren Maſſe, welche jeden Eindruck bald annimmt und behaͤlt, und ſich zu allen Geſtalten förmen läßt. Dieſe Eigen⸗ ſchaft, welche uns den Thon ſo nuͤtzlich macht, beſitzt nicht aller Thon in gleichem Fetter und Maße. Man nennt den, der ſie in großerem Verhaltniſſe hat, ſetten; den, der ſie in geringerem Verhältniſſe zeigt, mageren Thon. Die Dehnbarkeit und Formbarkeit des Thons iſt nicht bloß der Thonerde zuzuſchreiben. Denn dieſe beſitzt ſie in reinem Zuſtande minder. Sie iſt vielmehr ein Produkt der Verbindung der Thonerde mit der Kieſelerde, und auch das Eiſenoryd ſcheint Antheil daran zu haben. Mehren⸗ theils hat zwar der dehnbarere oder fettere Thon mehr Thonerde in ſich, und der ſproͤ⸗ dere oder magere weniger; aber die Dehnbarkeit ſtimmt doch nicht allgemein mit die⸗ ſem Verhaͤltniſſe uͤberein.— 6. 39.— Der mit Waſſer durchdrungene Thon läßt jetzt mehreres Waſſer nicht in ſich ein⸗ dringen. Auf einen Kuchen oder Becken, der aus Thonteich verfertigt iſt, bleibt das Waſſer voͤllig ſtehn, ohne durchzuſintern. Diefe Eigenſchaft macht das Vor⸗ handenſeyn des Thons im Erdboden, auch unter der Ackerkrume und in tiefen Schich⸗ ten, ſehr merkwuͤrdig. Das Waſſer wird dadurch verhindert, ſich tiefer in die Erde zu verſenken, und ohne ſelbige wuͤrden wir in der Erde nicht ehe Waſſer finden, bis wir auf ſeſte Felſen kämen. Dieſe Thonlagen, welche mit durchlaſſenden Erdlagen abwechſeln, ſind die gewoͤhnlichſte Urſache der Quellen, indem ſich das Waſſer darauf anhaͤuft, und nun durch ſeinen Seitendruck einen Ausweg bahnt. Sie ſind auch die Urſach der Waſſergallen oder der naſſen Stellen im Acker, weil ſich das Waſſer nicht in die Tiefe ziehen kann, ſondern darauf ſtehen bleiben muß, bis es verdunſtet, und deshalb bis zur Oberflaͤche der lockern Erde heraufſtauet: S Wenn man den Thon in vielem Waſſer vertheilt, ſo macht er daſſelbe truͤbe, und bleibt darin ſchwimmen. Das Waſſer loͤſt aber nichts von ihm auf. Es ge⸗ hoͤrt oft eine lange Zeit dazu, ehe es wieder völlig klar wird. Daher kommt es, daß das Waſſer ſolcher Fluͤſſe, deren Bette aus Thon beſteht, mehr oder weniger truͤbe iſt. Die aufgeriſſenen und im Waſſer zertheilten Thonpartikeln koͤnnen ſich bei der beſtandigen Bewegung des Waſſers nicht wieder daraus abſetzen. Deshalb finden wir, daß die durch ausgetretene Fluͤſſe angeſchwemmten Aecker groͤßtentheils thonigt 0 Der Thon. ſind. Der ſchwerere von ihnen mit fortgeriſſene Sand ſett ſich bald aus ihnen wieder ab, und wird nur ſtellenweiſe angehaͤuft. Aber der fein vertheilte Thon wird weiter nihemne„und kann ſich nur bei der Ruhe des S— Verhalten im Iſt der angefeuchtete Thon der Froſtkälte ausgeſetzt, ſo bekommt er in ſeiner Froſe⸗ Maſſe Riſſe, zerfällt auch wohl gänzlich zur Krume. Dieſes Auseinanderreißen der Thonmaſſe und deren Zerfallen entſteht von der Ausdehnung, welche das Waſſer beim Gefrieren erleidet. Die Eisktyſtallen oder Radeln treiben die Thonpartikeln ausein⸗ ander. Man läßt daher auch den Thon, wenn man ihn zur Verbeſſerung des Bo⸗ dens gebrauchen will, durch Hülſe des Froſtes zerfallen, und berejtt ihn dadurch zu einer beſſern Vereinigung mit der Wethm In der Hitze⸗ Selbſt in der Varme läßt der ngeſeuchce Thon das Veſ er ſchwer ſehnh um ſo ſchwerer, je fetter er iſt. Er haͤlt es ſtaͤrker zuruͤck, wie alle anderen Erdarten. Wenn das Waſſer aus ihm verdampft, ſo wird er mehr oder weniger hart; der fette Thon mehr, der magere minder. Sebt man den feuchten Thon einer ſtarken Hitze aus, ſo zerſpringt er oft in Stuͤcke. Die elaſtiſchen Dämpfe ſchaffen ſich nämlich ei⸗ nen Ausweg, und zerreißen daher die Maſſe. Deswegen iſt es bei der Ziegeibren⸗ nerei durchaus nothwendig, die geſtrichenen Ziegel erſt lufttrocken werden zu laſſen, und ſie dann im Ofen eine Zeitlang erſt maͤßig zu erwärmen. Bei der Austrocknung des Thons verliert er immer in ſeinem Umfange, und zieht ſich zuſammen. Dies ruhrt von der Verdampfung des Waſſers her, nach welcher ſich die Thonpartikeln mehr nähren koͤnnen. Daher entſtehen bei heißer und trockener Witterung die Riſſe in ſehr thonigtem Acker. Aus dieſer Urſach muͤſſen die Toͤpfe und Ziegel groͤßer geformt werden, wie ſie nach dem Brennen ſeyn ſollen. Vollig verliert er ſein Waſſer nur in einer ſehr ſtarken Gluhhitze, und ziehr ſich dann immer mehr zuſammen. Er erleidet eine Zuſammenſinterung, die ſeine Parti⸗ keln noch mehr an einander bringen. Man nennt das Zuſammenziehen des Thons in der Waͤrme das Schwinden. Fette Thonarten ſind ihm mehr ausgeſetzt, wie magere. Das Schwinden eines und deſſelben Thons findet aber in verſchiedenen Hitzegraden immer gleichſormig ſtatt, d. h. dieſelbe Hitze zieht denſelben Thon immer Der Thon. 71 auf gleiche Weiſe zuſammen. Daher hat man den Thon zu Pyrometern brauchbar gefunden, wodurch man die Intenſitat der hoͤheren Hitzgrado mißt. 6. 43. Im gewöhnlichen Gluhefeuer läßt ſich auch der natuͤrliche Thon nicht ſchmelzen. Im Glühe⸗ Wenn das Feuer aber durch Luft ſehr angeblaſen oder gar durch Oxygengas angeſacht wird, ſo kommt er im Fluß. Ein Zuſatz von Kalk vergroͤßert die Schmelzbarkeit des Thons ungemein, und auch durch Eiſenoryd wird ſie vermehrt. Ein ſtarker Zu⸗ ſatz von Kalk und Eiſen iſt daher bei Ziegel⸗ und Toͤpferwaaren nachtheilig, weil dieſe, wie man es nicht ſelten in den Ziegelöfen ſieht, alsdann in einer ſtarken Glut auseinanderfließen. Ein geringer Zuſatz kann aber vortheilhaft ſeyn, weil er einen Anfang von Verglaſung, eine ſtärkere Zuſammenſinterung bewirkt, und dadurch die Feſtigkeit der Maſſe vermehrt. 5. 44. Der gegluͤhete Thon iſt in ſeinen Eigenſchaften ſehr von dem ungegluͤheten ver⸗ ſchieden. Seine Stuͤcke ſind oft ſo hart, daß ſie mit dem Stahle Funken geben, und ſie laſſen ſich im Waſſer nicht erweichen. Reibt man ſie zu einem feinen Pulver und vermengt ſie mit Waſſer, ſo geben ſie keinen zuſammenhaͤngenden, ſchluͤpfrigen und formbaren Teig mehr. Das Pulver läßt das Waſſer hindurchgehen und haͤlt wenig davon zuruͤck, iſt alſo jetzt der Kieſelerde oder dem Sande gleich. Man kann den ge⸗ brannten Thon durch die Kunſt auf keine Weiſe ſeine vorige Schluͤpfrigkeit und Dehn⸗ barkeit wiedergeben. Indeſſen ſcheint doͤch die Luft, die Feucheigkeit und der thieri⸗ ſche Duͤnger, wenn ſie lange darauf wirken, ihn allmählig zu ſeiner urſpruͤnglichen Natur zuruck zu bringen. 5. 45. Die Luft ſcheint uͤberhaupt eine maͤchtige Wirkung auf den Thon, ſowohl den en die Luft⸗ gebrannten als ungebrannten auszuuͤben. Wir ſehen dies vorzuglich an der vortheil⸗* haften Wirkung, welche ſolcher Thon auf den Aeckern hervorbringt, der eine Zeitlang der Luft ausgeſeht geweſen iſt. Es iſt allgemein bekannt, daß der Lehm von alten Waͤnden und Bockoͤfen eine ſehr gute Duͤngung abgebe, und die Fruchtbarkeit des Bodens vermehre. Hochſt wahrſcheinlich zieht der Thon aus der Luft fruchtbare Stoffe an ſich⸗ Hegen die Säuren. 71 Der Thon. Man glaubte laͤngſt, daß der Thon Salpeter aus der Luft aufnehme, und man hat ſich wirklich uͤberzeugt, daß aller Lehm die Salpetererzeugung in den Salpeterplan⸗ tagen befoͤrdere. Gebildeter Salpeter iſt aber in der Luft nicht vorhanden. Allein es iſt aus mehreren Beobachtungen und Erfahrungen wahrſcheinlich, daß der Thon bei ſeiner Beruͤhrung mit der Luft Azote, Hydrogen, vielleicht auch die thieriſchen Ausduͤnſtungen aus derſelben einſauge. Wenn man Thon in großen Ballen zuſam⸗ mengeknetet an feuchten Orten lange liegen laͤßt, ſo entſtehen alle Merkmale einer Fäulniß, und es erzeugt ſich Ammonium, welches die Gegenwart des Azot be⸗ weiſt, und dieſes iſt die Baſis der Salpeterſaure. Wenn es von der reinen Thonerde noch nicht ganz ausgemacht iſt, ob ſie Oxygen aus der Luft einſauge, ſo hat es doch beim Thon ſelbſt gar keinen Zweifel. Hum⸗ bold hat dieſes nicht nur bei allen Thonarten, die er unterſuchte, ſondern auch ſelbſt bei dem harten Thonſchiefer gefunden. Durch die Einſaugung der verſchiedenen bekannten und unbekannten Stoffe aus der Atmoſphäre wird der Thon immer muͤrber, weniger zaͤhe, magerer. Dieſe That· ſache iſt durch viele Erfahrungen und chemiſche Verſuche beſtätigt. Wir haben Thon unterſucht, der an der Oberfläche lag, und andern, der tiefer heraufgeholt war. Beide hatten ein gleiches Verhältniß von Thon, Kieſelerde und Eiſenoryd. Jener war indeſſen auffallend magerer, wie dieſer. Da alſo die Luft den Thon muͤrber macht, ſo läßt ſich der Nuten einer fleißigen Bearbeitung des thonigſten Bodens auch in dieſer Hinſicht leicht begreifen, indem durch die Bearbeitung die Luft mehr Beruh⸗ rungspunkte mit der Ackerkrume erhaͤlt, tieſer eindringt, um ſo mehr von ihrer Materie abſetzen kann, mithin das Verwittern und Muͤrbewerden des Thons veranlaßt. 6. 46. Die Saͤuren greifen den kalkloſen Thon wenig an, und erregen kein Aufbrauſen, es ſey denn, daß er viel kohlenſaures Eiſenoryd enthalte. Die reine Thonerde und das Eiſenoxyd ſind zwar fůr ſich in Saͤuren ziemlich leicht aufloͤslich, ſie werden aber im Thone durch die Kieſelerde vor dem Angriff der Säure geſchuͤtzt. Die Säuren, welche man auf den Thon gießt, loͤſen von jenen Materien wohl etwas, aber nicht alles auf. Sie loͤfen um ſo mehr davon auf, je großer das Verhältniß derſelben iſt, und um ſo weniger„je geringer es gegen die Kieſelerde ſteht. Cine fette Thonan wird demnach den Sauren mehr Thonerde abgeben, wie eine magere, und von einer ſtark Der Thon. 73 ſtark eiſenhaltigen werden die Sauren mehr Eiſenoryd aufnehmen, wie von einem, der wenig Eiſen fuͤhrt. Hieraus iſt es zu erklären, wie ein ſtark eiſenhaltiger Bo⸗ den durch ſeinen Eiſengehalt minder fruchtbar ſeyn kann, wie ein anderer, der uͤbrigens dieſelbe Miſchung, nur weniger Eiſen hat. Denn das Eiſenopyd iſt an und fur ſich der Vegetation nicht nachtheiligz ſondernerſt alsdann, wenn es ſich mit gewiſſen Säuren verbindet. Da ſich aber im Boden leicht Saͤuren erzeugen, und einen ſtark eiſenhaltigen Thon mehr angreifen, wie den, der deſſen minder haͤlt, ſo werden ſie dort auch mehr von jener den i nathiigen Wir⸗ kung aͤußern⸗ §5. 47. Die meiſten Saͤuren ſind alſo unfaͤhig, Thon voͤllig zu zerlegen, Thonerde und Eiſenoryd von der Kieſelerde ganz zu trennen. Man kann Salpeter und Salz⸗ ſaͤnre uͤber Thon ſieden laſſen, ohne daß die Thonerde und das Oxyd voͤllig aufgeloͤſt werden. Nur konzentrirte Schwefelſaͤure kann eine voͤllige Aufloſung des Thons bewirken. Es gehoͤrt aber eine große Quantität derſelben dazu, und man muß ſie anh ltend uͤber dem Thon ſieden laſſen. Leichter geſchieht die Scheidung der Thonerde und des Eiſenoryds aus dem Thone, wenn man dieſen vorher mit Alkali, am beſten mit atzendem, gluͤhet. Wenn dieſes geſchehen iſt, und man dann die Maſſe mit ſo viel Saͤure uͤbergießt, daß nicht allein das Alkali geſättigt wird, ſondern noch ein beträchtlicher Ueber⸗ ſchuß bleibt, ſo loſt dieſer Ueberſchuß die Thonerde und Eiſenoryd bald und rein auf, und die Kieſelerde läßt ſich nun völlig abſcheiden. Dieſe Alkalien ſcheinen die Verbindung der Kieſelerde mit der Thonerde und dem Eiſenoryd lockerer zu machen, und den Schutz, den letzterer durch erſterer vor der Saͤure erhielt, zu ſchwuͤchen. Dies iſt alſo die ſicherſte und leichteſte Methode, den zu zerlegen. §. 48. Außer den zum Thon weſentlich gehoͤrigen Koͤrpern der Kieſelerde, Thonerde Verbisduns und Eiſenoryd, finden wir in ihm oft noch andere Materien vermengt oder vermiſcht. Subſtanzen. Mehrentheils enthaͤlt er noch feinkrnigen Sand, von welchem er ſich durch das Schwemmen nicht voͤllig trennen läßt. Auch iſt er mit gröberm Sande in Zweiter Thell. K 74 Der Thon. groͤßerer oder geringerer Menge vermengt, den man bald durch das Abwaſchen erkennen kann. Er heißt dann Lehm, und wir werden davon in der Folge mehr ſagen. Humus iſt ſehr oft in dem Thone vorhanden, und ſcheint darin mehr einge⸗ miſcht, als bloß eingemengt zu ſeyn. Aller an der Oberflaͤche oder nicht tief im Untergrunde liegender Thon iſt mehr oder weniger damit verſehen, und wir ha⸗ ben ihn ſogar im Thone, der fuͤnf Klafter tief herausgeholt war, merklich angetroffen. Kalk iſt ein haͤufiger Begleiter des Thons, und in Gegenden, die reich an Falk ſind, findet man oͤfterer Thon mit als ohne Kalk. Zuweilen iſt der Kalk in kleinen Stuͤckchen ihm beigemengt, und dann iſt er leicht durch das Anſehen zu unterſcheiden. Zuweilen iſt er ihm aber inniger beigemiſcht, und dann entdeckt man ihn nur durch chemiſche Unterſuchung. In einigen Faͤllen iſt der Kalk mit Schwefelſaͤure verbunden als Gyps gegenwaͤrtig. Wenn er auf ein gewiſſes Verhaͤltniß im Thone ſteigt, ſo heißt dieſe Verbindung Mergel, welche wir in der Folge genauer betrachten werden. §. 49. Die phyſiſchen Eigenſchaften des Thons, ſeine waſſerhaltende Kraft und Dehnbarkeit koͤnnen durch jene Beimiſchungen ſehr modifizirt werden. Dieſe ver⸗ ringern naͤmlich dieſelben um deſto mehr, je groͤßer ihre Quantitaͤt iſt. Thon mit grobkoͤrniger Kieſelerde, Sand, Humus und Kalk verſetzt, zerfaͤllt leichter in Waſſer, haͤlt davon nicht ſo viel zuruͤck, trocknet leichter aus, und wird nicht ſo hart. Feucht iſt er weniger ſchluͤpfrig und dehnbar, wie der reine Thon. Die Quantitaten, in welchen ſich dieſe Materien dem Thone beimiſchen, ſind mannigfaltig verſchieden, und daraus ergiebt ſich, daß es auch die Eigen⸗ ſchaften des Thons ſeyn muͤſſen. Dazu kommt aber, daß auch die Verhältniſſe der Grundbeſtandtheile des Thons, der Kieſelerde, Thonerde und des Eiſenoryds auf ſeine phyſiſche Beſchaffenheit Einfluß haben, und daß man folglich unzaͤhlig verſchiedene Arten ſelbſt von Thon, den man in dieſem Sinne als rein annehmen kann, antreffen muͤſſe. Eine beſtimmte Klaſſifikation und Unterſcheidung der Thonarten iſt alſo unmoͤglich, weil ſich die Grenzen der einen und der andern Art nicht beſtimmen laſſen, und der magerſte Thon durch unzaͤhlige Abſtufungen zu Der Thon. 75 dem fettſten Thon uͤbergeht. Indeſſen wollen wir doch einige der merkwuͤrdigſten Arten des Thons ausheben, und ihre hervorſtechendſter Eigenſchaften angeben, weil ſie dem Landwirthe merkwuͤrdig, und unter manchen Verhaͤltniſſen zur moͤg— lich hoͤchſten Benutzung ſeines Grundes und Bodens nutzlich ſeyn koͤnnen. §. 5o. Der Porzellanthon iſt der reinſte und feinſte von allen. Er hat ſeinen Thonarten. Namen daher erhalten, weil er zur Verfertigung des feinen Porzellans gebraucht wird. Man findet ihn in verſchiedenen Ländern, in Deutſchland bei Aue im Erzgebirge; bei Giehren, bei Strablow, Teichenau und Tarnowitz in Schleſien; bei Grunneritz im Saalkreiſe; bei Wien, Paſſau, Hoͤchſt u. ſ. w. Wahrſcheinlich iſt er durch die Verwitterung des Feldſpaths entſtanden. Er iſt weiß, graulich weiß, gelblich weiß oder rothlich; fuͤhlt ſich ſanft an, hängt ſich wenig an die Zunge, und iſt trocken zerreiblich. Er zerfaͤllt im Waſſer unmit⸗ telbar zu Pulver. Zuweilen iſt er mit Theilchen von Kalk und Glimmer verſetzt. Die Verhaͤltniſſe ſeiner Beſtandtheile weichen von einander ab. Der engliſche von Kornwallis enthaͤlt nach Wedgewood 60 Prozent Thonerde und 20 Prozent Kieſelerde; andere ungleich mehr von letzterer. Eiſen und Eiſenornd hat er nicht in bedeutender Menge. Man macht aber auch genaue Mengungen von verſchie⸗ denen Thonarten, um eine gute Porzellanmaſſe hervorzubringen. §. 51. Der Pfeifenthon dient vorzuglich zur Verfertigung von Tabackspfeifen. Er iſt naͤchſt dem Porzellanthon der reinſte von Farbe, aber ſehr verſchieden, weiß, grau, blaͤulich oder gar ſchwarz. Er enthaͤlt nämlich oft brennbare Ma⸗ terien, die ihm die dunkle Farbe geben. Im Feuer brennt er ſich weiß, bleibt jedoch zuweilen etwas roͤthlich gefaͤrbt. Im Waſſer zertheilt er ſich, und nimmt damit angeknetet keine große Zaͤhigkeit an. Man findet ihn in Anſehung der Guͤte ſehr verſchieden. Zu dem vorzuͤglichſten zählt man den bei Koͤlln, vaͤchſt dem den bei Maſtricht. Man findet ihn aber auch gut bei Bunzlau, Plauen; zu Weißen⸗ ſprunk in der Kurmark, in Heſſen, im Wuͤrtembergiſchen u. ſ. w. Der Bo lus iſt eine der fettſten Thonarten, und in den Apotheken gebräuch⸗ ſich. Man vetfertigt aus ihm kleine Kuchen, die mit einem Stempel verſehen 6 Der Thon. unter dem Ramen Siegelerde verkauft werden. Er iſt ziegelroth, braun oder ganz weiß. Eine feine Art davon iſt der Armeniſche Bolus. Dieſe Thonart iſt ſehr fett anzufuͤhlen, und giebt mit Waſſer ʒuſamenge⸗ ruhrt einen ſehr zaͤhen und ſchluͤpfrigen Teig. Er wird an der Luft und nach⸗ her im Feuer ſehr hart. Der weiße Bolus bekoͤmmt durch das Gluͤhen eine gelb⸗ liche oder roͤthliche Farbe. Der Roͤchel iſt eine Art Bolus, welcher ſehr viel Eiſenoxyd enthaͤlt. Der Bolus wird an verſchiedenen Orten gegraben. Unter den deutſchen Arten iſt der, welcher bei Striegau, Zittau und Nuͤrnberg gefunden wird, der beſte. §. 53. Der Töpfer⸗ oder Ziegelthon hat den Namen von ſeiner Anwendung zur Verfertigung der gemeinen Toͤpferwaare und der Ziegel erhalten. Er findet ſich häufig in großen Lagern im flachen Lande. Er iſt ein ſehr zäher, ſchluͤpfriger Thon, der aber oft etwas Kalk und Sand enthaͤlt. Er fuͤhlt ſich fett an und haͤngt ſich ſtark an die Zunge. Das Waſſer ſaugt er begierig ein, zerfällt nicht darin, wird aber dann ſehr zähe und dehnbar. Beim Austrocknen wird er beträchtlich hart, und bekommt leicht Riſſe. Im Feuer gegluͤht brennt er zu einet ſteinharten Maſſe, die ſich nicht zwiſchen den Fingern zerreiben und nur ſchwrr zu Pulver zer⸗ ſtoßen laͤßt. §. 54. Die Walkererde iſt eine magere Thonart, welche zum Walken oder Rei⸗ nigen des Tuchs gebraucht wird. Man glaubte ſonſt, daß ſie nur in England ge⸗ funden werde; allein man weiß, daß viele unſerer Thonarten eben ſo brauchbar ſeyen. In England war die Ausfuhr der Hamſhiriſchen Walkererde ſpgar bei Le⸗ bensſtrafe verboten. Jetzt wird ſich niemand dieſer Gefahr mehr ausſetzen. Die Walkererde iſt zerreiblich, zerfaͤllt im Waſſer leicht zu Pulver, ohne ſich ſehr zu vertheilen, und eine breiartige Maſſe zu bilden. Die engliſche iſt braun und mit gelblichen Adern durchzogen. Im Feuer gegluͤht wird ſie erſt ſchwarz, die Schwaͤrze verliert ſich aber wieder, wenn ſie läͤnger gegluht wird Derjenige Thon, welchen ich im Boden Letten nenne, kommt in der Mager⸗ keit und in ſeinen Eigenſchaften dieſer Walkererde gleich. Er hält wenig Thonerde — Der Thon. in ſeiner Miſchung, um deſto mehr feine Kieſelerde, und zuweilen etwas Kalk. Er beſiht daher wenig Zähigkeit und Bindigkeit, wird trocken zwar ziemlich haut, aber bleibt doch ſtaubig. Feucht zerfaͤllt er ſehr leicht, und fließt auseinander, ſo daß Waſſerfurchen in demſelben ſchwer ſtehen, und fich beim Regen wieder zu⸗ ſchlammen. Wenn er trocken geworden und in Klumpen zuſammengeballt iſt, zer⸗ faͤllt er bei einem maͤßigen Regen ſehr leicht. Ich unterſcheide ihn deshalb vom Lehm, weil dieſer eine Mengung von ma⸗ gerem oder fetteren Thon mit grobkörniger Kieſelerde oder Kreide iſt. §. 55. Der Ortſtein iſt eine Subſtanz, welche großtentheils aus Thon beſteht, mit einer ſtarken Beimiſchung von kohlenſaurem und phosphorſauren Eiſen, und mit derſelben zu einer harten Maſſe wird. Er iſt nicht bloß durch ſeine Haͤrte, ſon⸗ dern auch wohl durch das phosphorſaure Eiſen der Vegetation ſehr nachtheilig, wenn er ſich flach unter der Oberflaͤche des Bodens befindet, wo er ſich zum Theil auflöſt, und in genauerer Beruͤhrung mit den Pflanzenwurzeln koͤmmt. Er ver⸗ wittert mit der Zeit an der Luft, und iſt daher wohl nur zum Bauen unter der Erde zu benutzen. Wenigſtens iſt dies bei verſchiedenen Arten der Fall. Unter dem Waſſer hält er ſich auch. Er iſt braun, oder von einer Mittelfarbe zwiſchen dem dunkelſchwarzen und gelblichbraunen. Er beſitt oft Adern, deren Farbe blaͤn⸗ lichſchwarz iſt. Man hat ihn zuweilen auf Eiſen behandelt, und deshalb wird er von den Mi⸗ neralogen mehrentheils zum Eiſengeſchlechte gezählt. Wo er flach liegt, macht er den Boden zu allem durchaus unbrauchbar, und auch Fichten kommen nicht darauf fort. Das einzige Mittel, ſolchen Boden frucht⸗ bar zu machen, iſt, ihn auszugraben, welches man auf kleinen Stellen, zuweilen aber mit großen Koſten, gethan hat⸗ PVerbindung wit Saͤuren. 78 Die Kalkerde. 6.655 Die Kalkerde iſt eine am haufigſten in der Natur anzutreffenden Subſtanzen. Sie findet ſich in maͤchtigen Gebirgen zuſammengehaͤuft, und bildet mit andern Erdarten und metalliſchen Oryden verbunden eine große Menge von Mineralkoͤr⸗ pern. Wir finden ſie aber auch in großer Menge in den Thieren, und die Knochen und Schalen derſelben ſind groͤßtentheils daraus gebildet. Sie macht ebenfalls einen ſtetigen Beſtandtheil der Gewaͤchſe aus. Wir treffen ſie wenigſtens in jeder vegetabiliſchen Aſche an. Endlich findet ſie ſich in den meiſten natuͤrlichen Waſſern aufgeloͤſi. §. 57. Bis jetzt nimmt man ſie als einen einfachen Koͤrper an, obgleich wir nach meh⸗ reren Verſuchen und Beobachtungen glauben muͤſſen, daß ſie ein zuſammengeſetzter ſey, und beſonders in den organiſchen Koͤrpern taͤglich erzeugt werde. Nicht ohne Grund muthmaßt man, daß ſie hauptſaͤchlich aus Azot gebildet werde, und mit den Alkalien in ſehr naher Verwandſchaft ſtehe, ſo daß dieſe in jene und jene in dieſe umgebildet wuͤrden. Wenn dieſes aber auch gewiß waͤre, ſo wuͤrden wir doch die Subſtanz und die Art und Weiſe nicht kennen, wodurch ihre Baſis umgewan⸗ delt wird. Das haͤufige Vorkommen der Kalkerde in den thieriſchen Koͤrpern, die mannigfaltigen Abdruͤcke und Verſteinerungen, welche die Kalkgebirge enthalten, die deutliche Entſtehung dieſes Kalks aus Schalenthieren, und endlich die hochſt wahrſcheinliche Produktion der Kalkerde durch organiſche Koͤrper hat manche Na⸗ turforſcher veranlaßt, zu glauben, daß alle Kalkerde ein Produkt der organiſchen Natur ſey. Dieſe Meinung hat aber das gegen ſich, daß auch auf den Urgebirgen auf einer Hohe, wo man keine Verſteinerungen und Eindruͤcke organiſcher Koͤrper mehr findet, ſich dennoch oft Kalkſtein finde. Die Kalkerde gehört zu den alkaliſchen Erden, und ſie zeigt ſehr ähnliche Si⸗ genſchaften mit denen der Alkalien. Sie hat eine große Neigung, ſich mit den Säuren zu verbinden, und da ſie dieſe allenthalben antrifft, ſo finden wir ſie auch Die Kalkerde. 79 immer mit einer derſelben verbunden, ausgenommen in den Kratern der Vulkane, wo man zuweilen reine Kalkerde, deren Kohlenſaͤure durch das Feuer ausgetrieben war, gefunden hat. Vorzuͤglich ſind es die Kohlenſaͤure und Schwefelſaͤure, welche wir in Vereinigung mit der Kalkerde antreffen; ſeltener die Phosphor⸗ ſaͤure, Salzſaͤure, Borar⸗ und Salpeterſaͤure. §. 59. Die kohlenſaure Kalkerde, welche man rohen Kalk nennt, iſt die Kohlenſaure Grundlage des Kalkſteins, und der Kreide, und ein vorwaltender Beſtandtheil in Slerbe vielen andern Mineralien. Sie koͤmmt mit Thon verbunden im Mergel vor, und iſt mit Thon und Sand vermengt in vielen Aeckern mehr oder weniger befindlich. Man kann ſie von allen Beimiſchungen befreien, und durch die Kunſt rein darſtellen. 5. 6o. In dieſem reinen Zuſtande iſt die kohlenſaure Kalkerde ein lockeres weißes Pulver, ohne allem Geruch und Geſchmack. Sie beſteht nach den genaueſten Ver⸗ ſuchen aus 36 Prozent chemiſch reiner Kalkerde, 40 Prozent Kohlenſaͤure und 4 Prozent Waſſer. Dieſes Waſſer iſt ihr weſentlich, und gehoͤrt zu ihrer Grund⸗ miſchung. Es kann nicht durch maͤßige Hitze aus ihr verfluchtigt werden. Sie hoͤrt ehe auf, kohlenſaure Kalkerde zu ſeyn, bevor ſie ihr Waſſer fahren laßt. Die⸗ ſes Waſſer iſt nicht im feuchten, ſondern im feſten, kryſtalliſirten Zuſtande in der⸗ ſelben enthalten, und hat ſeinen Wärmeſtoff verloren, auf dieſelbe Weiſe, wie das Kryſtallwaſſer der Salzkryſtalle. S Mit dem reinen Waſſer läßt ſie ſich leicht vermengen, aber nicht davon auf⸗ Verhalten ge⸗ loͤſen, ſetzt ſich auch in der Ruhe bald wieder daraus ab. Wenn man ſie mit gen das Waſ⸗ Waſſer zu einem Brei anruͤhrt, ſo haͤlt ſie, auf ein Haartuch gebracht, die Haͤlfte ihres eigenen Gewichts davon zuruͤck, laͤßt aber dies ihr nur ſchwach anhaͤngende Waſſer leicht, noch leichter als der Sand, wieder verdunſten. Dagegen aber loſt ſie ſich im Waſſer auf, wenn dieſes mit Kohlenſäure angeſchwaͤngert iſt. Man darf ſie nur mit kohlenſaurem Waſſer zuſammenſchuͤtteln, um ihre Aufloſung zu be⸗ wirken. Die Quantität der Kalkerde, welche aufgeloͤſt wird, richtet ſich nach der Quantitat der in Waſſer befindlichen Kohlenſaͤure, und ſteigt mit dieſer. Wir 60 Die Kalkerde. nennen eine ſolche Auflöſung kohlenſaures Kalkwaſſer. Man findet dieſes häuſiz in der Natur, und unſere meiſten Brunnenwaſſer ſind als ſolche anzuſehen; noch mehr aber die Quellwaſſer, welche aus Kalkgebirgen hervorkommen. Das kohlenſaure Kalkwaſſer, es mag durch die Ratur oder Kunſt be⸗ reitet ſeyn, wird augenblicklich zerſetzt, und die kohlenſaure Kalkerde wieder ab⸗ geſchieden, wenn ſich die Kohlen ſaͤure aus dem Waſſer entfernt. Dies geſchieht ſchon, wenn daſſelbe an der freien Luft ſteht, beſonders wenn es bewegt wird (daher hat man bemerkt, daß gewiſſe Quellwaſſer groͤßere Wirkung bei der Wie⸗ ſenuͤberrieſelung haben, wenn das Waſſer ſo, wie es hervorquillt, uber ſie geleitet werden kann, als wenn es ſchon eine Zeitlang an der Luft gefloſſen Hat). Das ſonſt klare Waſſer wird truͤbe, und läßt ſeinen Kalk fallen. Wenn viel Kalkerde im Waſſer aufgeloſt iſt, ſetzt ſie ſich als eine Kruſte an die Gefaße ab, oder ſie Verhalten im Feuer. bildet, indem ſie ſich uͤbereinander haͤuft und anhaͤngt, mannigfaltige Figuren. Schneller noch wird die Kohlenſaure aus dem kohlenſauren Kalkwaſſer verjagt, wenn dieſes aufgekocht wird. Wir bemerken daher bei dem Kochen unſerer Brun⸗ nenwaſſer eine Truͤbung, und die Abſetung einer Kruſte in den Keſſeln, welche von den Einfaͤltigen Salpeter genannt wird, aber nichts weiter iſt, wie abgeſchie⸗ dene kohlenſaure Kalkerde. 52 Auch durch ſolche Koͤrper, welche die Kohlenſaͤure einſchlucken, wird der Kalk aus dem kohlenſauren Kalkwaſſer niedergeſchlagen. Die ätzenden Alkalien, Na⸗ trum, Kali und Ammonium, bewirken dies augenblicklich, indem ſie das Aufis⸗ ſungsmittel des Kalks, die Kohlenſaure, an ſich ziehen. Selbſt die Alkalien im gewöhnlichen kohlenſauren Zuſtande ſind in groͤßerer Menge dazu geſchickt, indem ſie nicht vollig mit Kohlenſaͤure geſättigt ſind. §. 63. Wenn der kohlenſaure Kalk nur mäßig erhitzt wird, ſo erleidet er weiter keine Veraͤnderung, als daß er das ihm anhängende Waſſer verliert und austrocknet. Geht aber ſeine Hitze bis zur Gluͤhhitze, ſo verliert er auch ſein Kryſtalliſations⸗ waſſer und ſeine Kohlenſäure gaͤnzlich. Er wird aͤtzend, und erhaͤlt alkaliſche Eigenſchaften. In dieſem Zuſtande nur iſt er als chemiſch reine Kalkerde anzuſehen, und man nennt ihn gebrannten oder atzenden Kalk. Dieſes iſt die uͤberaus nuͤtz⸗ liche Die Kalkerde. 81 liche Materie, die ſeit undenklichen Zeiten zu Bauten gebraucht worden. Seine Bereitung im Großen zu beſchreiben, iſt hier der Ort nicht. Wir muͤſſen aber ſeine phyſiſchen und chemiſchen Eigenſchaften betrachten, um die vielen merkwuͤr⸗ digen Erſcheinungen, die er hervorbringt, und ſeine Wirkungen als Duͤngungs⸗ mittel und als Moͤrtel erklaͤren zu können. 5 64. Der gebrannte Kalk beſitzt einen alkaliſchen, ätzenden, die Geſchmacksorgane ſehr beleidigenden Geſchmack. Er veraͤndert die Pflanzenfarben gleich dem Alkali. Werden ſeine Stuͤcke mit Waſſer beneßt, ſo ſaugen ſie daſſelbe in betrachtlicher Menge ein, und bleiben doch ganz trocken dabei. Nach und nach bemerkt man eine Erhitzung, die immer ſteigt. Endlich erhalten die Stuͤcke Riſſe und Borſten, und zerfallen in ein ſehr weißes, lockeres, milde anzufuͤhlendes und trockenes Pulver. Der Grad der ſich hier entwickelnden Hitze kann ſo hoch ſteigen, daß er den Sie⸗ depunkt des Waſſers uͤbertrifft. Auch bemerkt man im Dunkeln zuweilen ein Leuchten. Auch wenn man den vierten Theil des Gewichts des Kalks an Waſſer ange⸗ wandt hat, ſo iſt der in Pulver zerfallene Kalk dennoch nicht naß. Er hat das Waſſer gänzlich eingeſchluckt, und es als Kryſtall in ſich gebunden. Sein Ge⸗ wicht iſt aber vergroͤßert. Hieraus erklärt ſich allein die ſtarke Erhitzung, welche beim Loſchen des Kalkts ſtatt findet, und der man vormals allerlei hypothetiſche Ur⸗ ſachen unterſchob. Das Waſſer, welches vom Kalke eingeſogen wird, geht, in⸗ dem es ſich chemiſch mit der Kalkerde verbindet, aus dem flͤſſigen in dem feſten Zuſtand ber. Der Waͤrmeſtoff, welchem daſſelbe ſeinen fluͤſſigen Zuſtande ver⸗ dankte, wird frei, und entweicht nach außen. Das mit dem Kalke verbundene Waſſer laße ſich nun ohne Gl übbie auch nicht wieder davon trennen. §. 65. on Gebr anter Der einmal gelöſchte Kalk laͤßt ſich leicht mit dem Waſſer vermengen, und S es wird nun keine neue Wärme entwickelt. Wird er mit vielem Waſſer zu⸗ ſammengeruͤhrt, ſo ſtellt er einen zuſammenhaͤngenden Brei mit noch mehrerem Waſſer, eine milchartige Fluͤſſigkeit, die Kalkmilch heißt, dar. Der geloͤſchte Kalk iſt noch aͤtzend, nur nicht in dem Maße, wie der ungeloͤſchte. Er ſchmecke alkaliſch, wie dieſer, und veraͤndert das mit Pflanzenſaͤften gefaͤrbte Papier. Zweiter Theil. Löſchung an der Luft. Kalkwaſſer. 82 Die Kalkerde. §. 66. Auch an der Luft leidet der gebrannte ungeloͤſchte Kalk eine Veränderung. Seine Stuͤcke zerfallen fruͤher oder ſpaͤter, je nachdem die Luft feucht iſt, in ein Pulver. Der Kalk ſaugt dann Waſſer aus der Atmoſphäre ein, und loſcht ſich ſelbſt, wobei oft eine empfindliche Hise zu bemerken iſt. Aber er erleidet außerdem noch eine andere Veränderung. Er verliert nach und nach ſeine Aetzbarkeit, ſei⸗ nen Geſchmack und ſeine Brauchbarkeit zum Moͤrtel. Er zieht naͤmlich neben dem Waſſer auch die Kohlenſaͤure aus der Luft an, und wird dadurch endlich wieder in den Zuſtand des milden oder kohlenſauren Kalks verſetzt, und kann nun ſeine vorigen Eigenſchaften erſt durch neues Brennen wieder erhalten. Die Zeit, in welcher der gebrannte Kalk an der Luft ganz wieder zu milden Kalk umgeaͤndert wird, richtet ſich nach dein Feuchtigkeits⸗ und Kohlenſaͤure-Ge⸗ halt der Atmoſphaͤre, welche ihn umgiebt. Je mehr Feuchtigkeit und je mehr Kohlenſaͤure darin vorhanden iſt, deſto ſchneller geſchieht es. Aus der ganz trocknen Luft nimmt der gebrannte Kalk keine Kohlenſaͤure auf, wenn ſie gleich reichlich damit verſehen iſt. Die Feuchtigkeit muß der Kohlenſaͤure als Vereini⸗ gungsmittel mit dem Kalke dienen. Man kann daher gebrannten Kalk oft lange an trockenen Orten aufbewahren, ohne daß er unbrauchbar wird. Jedoch kann man ſich hierauf nicht verlaſſen, wenn man ganz reinen Kalk haben will, z. B. um ihn bei dem Aufblaͤhen des Viehes zu gebrauchen. Zu dieſem Zwecke muß man ihn friſch gebrannt in verpichten glaͤſernen Gefaͤßen aufbewahren. 5. 67. Der gebrannte Kalk iſt in reinem Waſſer ohne Zwiſchenmittel voͤllig aufloͤslich, und er verliert dieſe Aufloͤslichkeit auch nicht, wenn er vorher geloͤſcht war. Allein es bedarf einer großen Menge Waſſers, um ihn aufzuloͤſen. Ein Theil erfordert 680 Theile Waſſer. Dieſe Aufloͤſung iſt leicht zu bewerkſtelligen. Man darf nur den geloͤſchten oder ungeloͤſchten Kalk mit Waſſer zuſammenſchuͤtteln. Sie wird Kalkwaſſer genannt, iſt voͤllig klar und durchſichtig, und hat den alkaliſchen Ge⸗ ſchmack des Kalkes. Sie verhaͤlt ſich gegen Pflanzenfarben voͤllig wie die Aufloͤ⸗ ſung eines Alkali. Stellt man das Kalkwaſſer an die Luft, ſo bildet ſich auf der Oberflaͤche ein Haͤutchen, welches endlich ſo ſchwer wird, daß es zu Boden ſinkt. Man nennt Die Kalkerde. 83 es Kalkrahm. Die Erzeugung deſſelben findet immer von neuem ſtatt, bis end⸗ lich das Waſſer allen Kalk verloren hat, und geſchmacklos geworden iſt. Dieſe Erſcheinung wird durch die Kohlenſaͤure der Luft bewirkt. Dieſelbe vereinigt ſich mit dem aufgelöſten Kalk, der nun in kohlenſaurem Zuſtande nicht mehr aufgeloͤſt bleiben kann. Die Aufbewahrung des Kalkwaſſers muß desfalls in feſt ver⸗ ſchloſſenen Gefaͤßen geſcheben. 5. 58. Der im Waſſer entweder voͤllig aufgeloͤſte oder nur zu Kalkmilch zerfallene und mechaniſch mit dem Waſſer vermengte Kalk zieht die Kohlenſaͤure ſchnell an ſich, und kann bald damit geſaͤttigt werden, wenn man ihn mit kohlenſaurem Gas zuſammenſchuͤttelt. Alle Waſſer, die Kohlenſaͤure enthalten, werden durch ihn deſſelben beraubt, und er zerſetzt demnach auch das kohlenſaure Kalkwaſſer. Der Kalk iſt daher eins der beſten Mittel, die Kohlenſaͤure als Gas oder in Fluͤſſig⸗ keiten aufgelöſt zu entdecken, und ihre Quantität zu beſtimmen. Man bedient ſich alſo deſſelben oͤfterer zur Unterſuchung der Atmoſphaͤre und der Waſſer auf Kohlen ſaͤure. 5. 69. Der gebrannte Kalk vereinigt ſich leicht mit dem Schwefel, und zeigt ver⸗Schwefelkalk. ſchiedene Phanomene, je nachdem man die Verbindung bewirkt hat. Wenn man gepulverten aͤtzenden Kalk mit gepulvertem Schwefel vermengt, gluͤhet, ſo wird die Maſſe braͤunlich und backt zuſammen. Man nennt dies Schwefelkalk oder Schwefelleber. Sie beſitzt keinen Geruch, und iſt eine einfache Verbindung des Kalks und Schwefels. So wie ſie aber feucht wird, entweder durch Benetzung mit Waſſer, oder durch die Feuchtigkeit der Luft, ſo verbreitet ſich ein ſtinkender Geruch nach Hydronthionſaͤure. Ein Theil des Schwefels zerſetzt das Waſſer; das Hydrogen des letztern loͤſt einen Theil des Schwefels auf, und bildet jene Säure, die ſich wieder mit dem Kalk verbindet. Und ſo entſteht Hydronthion⸗ Schwefelkalk. Derſelbe erzengt ſich auch, wenn man Kalkmilch oder Kalkwaſſer mit Schwe⸗ fel kocht. Die Fluͤſſigkeit wird braun, und ſtoͤßt denſelben Geruch aus. Dieſe, ſo wie die auf trocknem Wege bereitete und mit Waſſer angefeuchtete Schwefel⸗ verbindung erleidet an der Luft eine Zerſetzung, indem der Schwefel Oxygen an⸗ L. 2 84 Die Kalkerde. zieht. Wenn ſie mit Saͤuren vermiſcht wird, ſo wird ſie ſchnell zerſetzt, unter Entwickelung vieler gasformigen Hydronthionſaure, und man ahmt auf die Weiſe die natuͤrlichen Schwefelbäder durch die Kunſt ſehr gut nach. Phosphorkalk. Auch mit dem Phosphor läßt ſich der Kalk in der Hitze durch Zuſammenſchmel⸗ zen vereinigen. Es entſteht eine braͤunliche Maſſe, die man Phosphorkalk nennt, und welche das Waſſer noch heftiger zerſetzt, als der Schwefelkalk. Dabei er⸗ zeugt ſich viel gephosphortes Hydrogengas, welches zum Theil entweicht, und ſich gleich entzuͤndet, zum Theil vom Kalk zuruͤckgehalten wird, und erſt durch Saure aus demſelben ausgetrieben werden kann. 5. 71. Verbindung Mit dem reinen Hydrogen, Azot und Kohlenſtoff geht, ſo weit unſere Er⸗ fahrung reicht, der Kalk keine Verbindung ein. Aber es iſt keinem Zweifel un⸗ terworfen, daß er ſich mit dieſen Stoffen vereinige, wenn ſie vermiſcht ſind, und daß er ſich mit dem hydrogeniſirten Kohlenſtoff, mit dem azothaltigen und mit dem mit Hydrogen und Azot zugleich verbundenen vereinigen koͤnne. Hieraus läͤßt es ſich erklären, wie alle organiſche Koͤrper von dem gebrannten Kalke angegriffen und zerſtoͤrt werden. Sie verlieren, wenn ſie mit Kalk zuſammengeſchuͤttelt wer⸗ den, ihren Zuſammenhang, ihre Farbe, und zerfallen in eine kruͤmliche Maſſe. Zerſörende Mit Kalk bedeckte Leichname verweſen ſchnell, ohne die uͤblen Duͤnſte auszuſtoßen, welche unter andern Umſtänden ihre Fäulniß begleiten; weshalb man Koͤrper, Materie. die an anſteckenden Seuchen ſtarben, in Kalk verſcharrt. Selbſt der lebende Organismus wird durch den gebrannten Kalk angegriffen. Kraͤnkelade Pflanzen und Samenkoͤrner, Inſekten und Inſektenlarven, werden durch ihn getoͤdtet. Dieſe Erſcheinungen, welche der Kalk, wie die Alkalien hervorbringt, beweiſen ſeine Verbindungsfaͤhigkeit mit den Urſtoffen der organiſchen Natur, dem Hydro⸗ gen, Kohlenſtoff und Azote genugſam. Denn es laßt ſich nicht denken, daß eine Subſtanz, die auf eine ſolche ausgezeichnete Art auf die organiſchen Körper wirkt, ſich gleichguͤttig gegen ihre Elemente verhalten ſollte. Wir muͤſſen viel⸗ mehr annehmen, daß der Kalk einige derſelben, in einem gewiſſen Verhältniſſe vermiſcht, anzuziehen ſtrebe, ſich mit ihnen verbinde, und ſo das Gleichgewicht der ganzen Miſchung aufhebe.— Die Kalkerde. §5. 72 Der gebrannte geloͤſchte Kalk aͤußert jene Wirkung nicht in einem ſo hohen Grade, wie der ungeloͤſchte, weil dieſelbe hier durch die entwickelte Waͤrme un⸗ terſtuͤtzt wird. Sie iſt aber immer noch ſtark genug, um eine ſchnellere Zerſtoͤrung der Thiere und Pflanzenkoͤrper zu veranlaſſen. Auf dieſe zerſtörende Kraft beruht zum Theil ſeine ſtarke Wirkung als Duͤngungsmittel. Er beſchleunigt dadurch die Zerſetzung und Auflöſung der im Boden befindlichen Duͤngertheile, und macht, daß ſich die den Pflanzen zutraͤglichen Nahrungstheile im reichlichen Maße ent⸗ wickeln. Aber eben deswegen befoͤrdert er auch das Ausſaugen des Bodens, und dieſer wird, wenn man ihm keinen neuen Duͤnger zufuͤhrt, um ſo fruͤher unfrucht⸗ bar, weswegen es bei der Kalkduͤngung ſo nothwendig iſt, die Miſtduͤngung oder eine ähnliche damit zu verbinden. Aber auch dem kohlenſauren Kalk kann man eine ähnliche Einwirkung auf die organiſchen Koͤrper nicht abſprechen, beſonders wenn Fäulniß und Verweſung ſchon ihren Anfang genommen haben. Auch er ſcheint, obwohl in einem gerin⸗ gern Grade, auf gewiſſe Verbindungen von Hydrogen, Azot und Kohlenſtoff eine Einwirkung zu haben, und von ihnen etwas aufzunehmen, wodurch ihre Grund⸗ miſchung zerſtort oder loſe gemacht wird. §. 73 Auch der ge⸗ loͤſchte Kalk behält ſie im minderen Grade. Eine der vorzuglichſten Eigenſchaften des Kalks, welche ihm beim Bauweſen Der Mörtel eine ſo große Nutzbarkeit giebt, iſtdie, daß er mit allen harten ſteinartigen Kör⸗ ſteinharte Maſſe bildet. Sand mit geloͤſchtem Kalk zu Moͤrtel vereinigt, trock⸗ net an der Luft ſchnell aus; die Maſſe haͤngt nicht allein unter ſich zuſammen, fondern legt ſich auch an andere Steine ſtark an, und dient zum Verbindungsmit⸗ pern, wenn er damit als feuchter Brei zuſammenkommt, erhaͤrtet, und eine tel der letztern. Dieſe Bindungsfähigkeit entſteht aus der großen Kohäſionsktaft, welche Kieſelerde und Kalk gegeneinander aͤußern. Der Kalkbrei bietet dem Sande und andern harten Steinarten, die groͤßtencheils aus Kieſelerde beſtehen, viele Beruhrungspunkte dar, wodurch ſeine Kohärenz mit dieſen vermehrt wird. Das Waſſer, was ihm feucht macht, verdunſtet. Dadurch wird die Kohaͤſion vermehrt. Endlich zieht der Kalk Kohlenſaure aus der Atmoſphaͤre an. Er lei⸗ unſchmelzbar⸗ keit Verbindung mit den Säu⸗ reh. 2 56 Die Kalkerde. det dadurch eine Art von Kryſtalliſation, wodurch ſein Zuſammenbang unter ſich und mit den kieſeligten Koͤrpern noch verſtärkt wird. Der Kalk iſt auch bei der heftigſten Gluͤhhite fuͤr ſich allein nicht zum Schmel⸗ zen zu bringen. Jedoch kann ein zu heftiges Feuer eine Wirkung auf ihn hervor⸗ bringen, wodurch er ſeine Aufloͤsbarkeit im Waſſer und ſeine Brauchbarkeit zum Moͤrtel verliert. Man kennt dieſen Umſtand bei der Kalkbrennerei ſehr gut, und ſucht ihn zu vermeiden. Solcher Kalk wird todter oder todt gebrannter Kalk ge⸗ nannt. Es erleidet derſelbe hier wol eine Art von Verglaſung oder Zuſammenſin⸗ terung, wodurch ſeine Kohaͤſionskraft vermehrt, und ſeine Anziehung zum Waſſer verringert wird. Mit der Kieſelerde vermengt, laͤßt ſich aber der Kalk gaͤnzlich ſchmelzen. §. 75. Zu allen Saͤuren beſitzt der Kalk eine ſtarke Verwandtſchaft, und dieſe iſt bei den meiſten Saͤuren noch ſtaͤrker, wie die der Alkalien. Der Kalk zieht die Kohlenſaͤure ſtarker an, wie das Kali, Natrum und Ammonium, und kann ſie die⸗ ſen entziehen, weswegen er als das vorzuͤglichſte Mittel gebraucht wird, kohlen⸗ ſaure Alkalien in atzende zu verwandeln. Auch zur Schwefelſaͤure, Salzſäure, Salpeterfäure und Phosphorſaͤure hat er eine ſtärkere Verwandtſchaft, wie die reinen Alkalien, und dieſe ſind daher nicht im Stande, ſeine Verbindungen mit denſelben aufzuheben. F. 6. Werden Saͤuren mit gebranntem vorher geloͤſchten Kalk zuſammengebracht, ſo geht die Vereinigung ſchnell, ohne das mindeſte Aufbrauſen, vor ſich. Giebt die angewandte Saͤure, die Salz⸗ und Salpeterſaͤure, mit dem Kalke ein auflösliches Mittelſalz, ſo wird der Kalk in die Fluͤſſigkeit aufgenommen und unſichtbar; die Aufloſung wird klar. Giebt aber die Verbindung mit der Saͤure, wie Schwefel⸗ ſaͤure und Phosphorſaͤure, ein unauflosliches oder ſchwer auflosliches Mittelſalz, ſo bleibt der Kalk in der Fluͤſſigkeit ſchwimmend, und ſondert ſich, nachdem er ſich mit der Saͤure vereinigt hat, wieder ab. Werden fluͤſſige mit Waſſer vermiſchte Saͤuren ai unelbſcheen gebrannten Kalk gegeſſen, ſo entſteht eine Erhitzung und ein Aufwallen der Fluͤſſigkeit, welche Die Kalkerde. 6, aber nicht ſowohl von der Einwirkung der Säure, als vielmehr von der Einſau⸗ gung und Kryſtalliſation des Waſſers herruͤhren. Diefes Aufwallen iſt alfo ſehr von dem verſchieden, was die Sauren mit kohlenſaurem Kalke erregen. 8 Der kohlenſaure Kalk löſt ſich naͤmlich eben ſo leicht in Säuren auf, wie der Aufbrauſen gebrannte, und indem dieſes geſchiehet, wird die Kohlenſaͤure aus ihm in Gas⸗ 6 form ausgetrieben. Das kohlenſaure Gas erhebt ſich in Blaſen, und verurſacht Säuen. ein ſtarkes Aufbrauſen der Fluͤſſigkeit. Da dieſe Erſcheinung die Aufloſung der kohlenſauren Kalkerde in Sauren jedesmal begleitet, ſo ſieht man die ſelbe als ein Kennzeichen der Gegenwart der kohlenſauren Kalkerde in einer Erdart an. Brau⸗ ſet dieſe nämlich mit Saͤuren auf, ſo haͤlt man dafuͤr, daß Kalk vorhanden ſey⸗ Indeſſen iſt dieſes kein voölliger Beweis, und bedarf einiger Einſchraͤnkungen. Man kann zwar ſicher annehmen, daß wenn bei Uebergießung einer Erde mit Säuren kein Aufbrauſen entſteht, auch kein kohlenſaurer Kalk in bedeutender Menge da ſey; aber umgekehrt iſt der Schluß nicht ſicher. Denn die kohlenſaure Bittererde und das kohlenſaure Eiſenoryd laſſen ihre Kohlenſaure mit eben der⸗ ſelben Erſcheinung fahren, wenn ſie mit andern Saͤuren uͤbergoſſen werden, und koͤnnen alſo die Urſach derſelben bei dem Probieren der Erde ſeyn. 5 56 Der gebrannte Kalk verliert, wenn er ſich mit Saͤuren vereinigt, ſeine Aetzbarkeit und ſeine alkaliſchen Eigenſchaften gänzlich, ſo wie die Saͤuren ihren eigenthuͤmlichen Charakter einbuͤßen. Es findet auch kein Unterſchied ſtatt, ob es kohlenſaurer Kalk oder gebrann⸗ ter geweſen ſey, der mit der Säure verbunden worden. Beides ſind bloße Ver⸗ bindungen der reinen Kalkerde mit der angewandten Saͤure. §. 79. Die Mittelſalze, welche die Kalkerde mit den Säuren darſtellt, ſind bei ver⸗ Kalkartige ſchiedenen Säuren verſchieden, und unterſcheiden ſich wieder von denen, welche die⸗ ſelben Säuren mit andern Erdarten geben, merklich. Nur eins dieſer Salze, der mit Schwefelſaure verbundene Kalk oder der Gyps, wird hier in naͤherem Be⸗ tracht kommen. Kalkige Mi⸗ Realien, Die Kalkerde. F. 86. Von den zum Kalkgeſchlechte gehörigen Mineralien, die großtentheils aus kohlenſaurem Kalke beſtehen, bemerken wir folgende: 1) Der Kalkſenth. Er iſt ganz aus kohlenſaurem Kalk gebildet. Man findet ihn derbe oder kryſtalliſirt im Innern der Erde, wo er oft die Gangart der Erze ausmacht. Seine Kryſtallform iſt verſchieden, ſaulenfoͤrmig, pyramidaliſch, rhomboidaliſch u. ſ. w. Der Kalkſpath beſitzt mehr oder weniger Durchſichtigkeit, iſt farblos und zerſpringt in rautenfoͤrmige Stuͤcke. Der Doppelſpath, welcher die Gegenſtände, die man durch ihn ſieht, verdoppelt, gehoͤrt zu dem Kalkſpath. 2) Der Kalkſtein. Von dieſer Steinart trifft man oft ganze Gebirge, aus welchen er zum Brennen, wozu er am geſchickteſten iſt, bergmaͤnniſch gewon⸗ nen wird. Er iſt derb und von Farbe grau, gelblich, röthlich, zuweilen auch vielfarbig. Der beſte iſt der graue. Ueberdem unterſcheidet er ſich noch in Hin⸗ ſicht ſeines Bruches. Es giebt Kalkſteine von erdigem, ſplittrigem und ſchiefrigem Bruche. Der Kalkſtein beſitzt eine großere oder geringere Härte, die indeſſen nie ſo groß iſt, daß er mit dem Stahle Funken giebt. Er hat weder Glanz noch Durchſichtigkeit, kann aber erſteren zuweilen durch Politur annehmen. Sehr haͤuſig finden ſich in ihm Eindruͤcke und Verſteinerungen von Schaalthieren. Zuweilen iſt er mit erdharzigen Subſtanzen durchdrungen, und dann ſtoͤßt er, wenn man ſeine Stuͤcke an einander reibt, einen ſtinkenden knoblauchartigen Ge⸗ rnch aus. Er heißt Schweine⸗ oder Stinkſtein⸗ Der Kalkſtein iſt gemeiniglich nicht ſo rein, ₰ der Kalkſpath. Denn oft enthaͤlt er Eiſenoxyd, Thon und Kieſelerde. Der Ruͤdersdorfer Kalkſtein beſteht nach Simon aus 33 Prezent Kalkerde, 42,60 Prozent Kohlenſäure, 1,12 Pro⸗ zent Kieſelerde, 1 Prozent Thonerde, 0,73 Prozent Eiſen, 1,63 Prozent Waſſer. Die ſchwediſchen Kalkſteine enthalten nach Simon etwas mehr Kieſel⸗ erde, Thonerde und Eiſenoryd, auch etwas Braunſteinoyyd. Eine Abart des Kalkſteins iſt der Marmor. Er unterſcheidet ſich bloß von ihm durch ſeine geringern fremdartigen Beimiſchungen, groͤßere Härte, feinern Bruch und verſchiedenen Farben, welche letztere ihm oft ein ſehr ſchoͤnes An⸗ ſehn geben. 3) Kreide. Die Kalkerde. 89 3) Kreide. Sie iſt eine feſte Kalkart von verſchiedener Häͤrte, fuͤhit ſich mager an, faͤrbt leicht ab, und laßt ſich leicht ſchaben. Sie iſt weiß oder gelblich⸗ weiß von Farbe. Den Namen Kreide hat ſie von der Inſel Kreta, jetzt Kandia, welche ſie in großer Menge und von vorzuͤglicher Guͤte liefert. Sie iſt aber auch in vielen andern Laͤndern anzutreffen, wo ſie ganze Vorgebirge bildet, z. B. in England, Daͤnemark, Frankreich u. ſ. w. Erſteres beſteht wahrſcheinlich ganz in ſeinem Kerne aus einem Kalkfelſen. Sie kann zum Kalkbrennen dienen, und iſt im gemeinen Leben bekanntlich nuͤtzlich. Es giebt noch andere Mineralien, die auch den Ramen Kreide fuͤhren, aber nicht mit der wahren Kreide verwechſelt werden duͤrfen. Die ſpaniſche Kreide iſt eine Art Speckſtein, die zu dem Bitter⸗ erdengeſchlecht gehoͤrt. Die ſchwarze Kreide gehoͤrt zum Schiefergeſchlecht. 4) Pulverförmiger Kalk. Oft findet man in Huͤgeln, Ebenen und Riederungen eine weiße, mehr oder weniger ins gelbe oder graue fallende brock⸗ liche Erdart, welche großtentheils aus kohlenſaurem Kalk beſteht. Sie iſt mager anzufühlen, backt wenig zuſammen, und giebt mit Waſſer angeruͤhrt keine bin⸗ dende Maſſe. Wir nennen ſie pulverfoͤrmigen oder erdigen Kalk. An vielen Or⸗ ten wird ſie aber Mergelkalk genannt, zuweilen auch ſchlechthin Mergel. Sie hat aber einen zu großen Antheil an Kalk, mehrentheils uͤber 90 Prozent, als daß man ſie zu den Mergelarten zaͤhlen ſollte. Sie kann, in Ziegelformen geſtrichen, zu lebendigem Kalke gebrannt werden, paßt ſich aber auch ungebrannt als Duͤn⸗ gungsmittel, indem ſie an der Luft leicht in ein feines Pulver zerfallt. Sie iſt des⸗ balb für den Landwirth von großer Wichtigkeit. Wahrſcheinlich iſt ſie mit der folgenden Art gleichen Urſprungs. 5) Blätter⸗ oder Muſchelkalk. Man findet dieſen zuweilen in Ber⸗ gen, häufiger aber in Riederungen mit einer ſtarken Lage von mooriger Dammerde bedeckt. Zu oberſt trifft man eine Lage von noch unzergangenen Muſchelſchaalen an, die etwas tiefer ſchon ganz in Blätter zerfallen ſind, unter welchen dann lockerer, ganz unten aber zuweilen beinahe ſteinigter Kalk lieget. Man kann hier die Entſtehung des Kalks aus Schaalthieren und ſeine allmaͤhlige Bildung zum Stein ſehr deutlich wahrnehmen. 6) Kalkſinter und Kalktupf. Dieſe Kalkarten ſind aus Waſſer entſtan⸗ den, welche viel kohlenſauren Kalk durch Huͤlfe der Kohlenſaͤure aufgeloͤſt hatten; Zweiter Theil. M 90 Die Kalkerde. ſo wie ſie letztere verloren, die Kalkerde aber fallen ließen, die ſich nun ſchicht⸗ weiſe ubereinander legte, oder andere Koͤrper uͤberzog. Der Kalkſinter, der auch Tropfſtein heißt, ſindet ſich in verſchiedenen wunderbaren Formen, beſonders in manchen Höhlen, z. B. der Baumanns⸗ und Bielshoͤhle am Harz, in der Hoͤhle von Antiparos u. ſ. w. Kalktupf heißt jenes Kalkkonglomerat, das ſich im Waſſer abſetzte, ohne daß dieſes durchtroͤpfelte. Man findet denſelben in Karlsbad, in Schleſien, am Harz und faſt an allen Orten, wo es viele Kalkgebirge giebt. Zuweilen kommt er in Geſtalt kleiner aneinander gebackener Kugeln vor, die inwendig hohl und gemei⸗ niglich mit einem Sandkorne verſehen ſind. Sie heißen Erbſen oder Rok⸗ kenſteine. Der Gyps. §. 18. Unter denen Verbindungen, welche der Kalk mit den verſchiedenen Säuren macht, kommt hier nur diejenige mit der Schwefelſaͤure in Betracht, die wir im gemeinen Leben Gyps, in der wiſſenſchaftlichen Sprache ſchwefelfauren Kalk nennen. Dieſer iſt ein vollig geſchmackloſer und im Waſſer ſchwer aufloͤslicher Koͤrper, der, wenn er von brennbaren Subſtanzen und metalliſchen Oxyden rein iſt, immer eine weiße Farbe beſitzt. Ein Theil deſſelben erfordert zu ſeiner Auf⸗ löͤſung nach Buchholz 461 ½ Theile Waſſer; doch ſind die Angaben daruͤber verſchieden. Nach Buchholz loſt ſich faſt gleich viel in heißem und kaltem Waſſer auf, nach andern in jenem mehr. Wegen dieſer ſchweren Aufloͤslichkeit kann man den Gyps durch die Kunſt nicht in Kryſtallen darſtellen. Wir erhalten ihn durch die Aufloͤſung nur in kleinen kryſtalliniſchen Koͤrnern. Man kann eben der urſache wegen auch die Kalkerde vermittelſt der Schwefelſaure nicht in einem fluͤſigen Zuſtande bringen, und er bleibt folglich im Filtrum immer zuruͤck. Gießt man mit Waſſer verduͤnnte Schwefelſaͤure auf Kalk, ſo geht zwar eine Verbin⸗ dung beider vor ſich, aber der daraus entſtandene Gyps bleibt als eine weiße pul⸗ vrigte Maſſe unaufgeloͤſt zurüͤck, und mur ein ſehr Theil derſelben wird von der Fluͤſſigkeit aufgenommen. Der Gyps. 91 S. P. Die Aufloͤſung des wenigen Gypſes im Waſſer iſt-dem aͤußern Anſehen nach vom reinen Waſſer gar nicht verſchieden. Sie beſitzt indeſſen etwas Geſchmack, obgleich der trockne Gyps ganz geſchmacklos iſt. Die ſer Geſchmack laͤßt ſich nicht gut beſchreiben. Man nennt ihn einen harten Geſchmack, und man bemerkt ihn an einigen Quellwaſſern, die Gyps aufgeloͤſt enthalten, weswegen man dieſe Waſſer harte Waſſer nennt. Wird die Gypsaufloſung abgeraucht, ſo ſchlägt ſich in dem Maße, wie die Feuchrigkeit verdunſtet, Gyps in ihr nieder. Denn die bleibende Fluͤſſigkeit behaͤlt nur noch ſo viel Gyps, wie ſie aufzuloͤſen vermoͤgend iſt. In Waſſer, was Kohlenſaͤure enthalt, loͤſt ſich weit mehr Gyps auf, wie in reinem Waſſer. Es laͤßt aber auch das, was es mehr aufgenommen hatte, mit ſeiner Kohlenſaͤure zugleich fahren, verliert es mithin an der Luft groͤßten⸗ cheils, und in der Siedhike gänzlich. Die mit Gyps verunreinigten oder harten Waſſer ſind zu manchem Gebrauche fehlerhaft, dagegen aber auf Wieſen geleitet ſehr duͤngend und fruchtbringend. F. 83. Der Gyps beſteht nach Buchholz Unterſuchungen, die die genaueſten zu ſeyn ſcheinen, aus 33 Prozent Kalkerde, 43 Prozent Schwefelſaͤure und 24 Pro⸗ zent Kryſtallwaſſer. Doch koͤnnen andere Gypsarten ein anderes Verhaͤltniß ha⸗ ben. Sein Kryſtallwaſſer verliert der Gyps in der Luft nicht. Die Gypskryſtalle zerfallen daher an der Luft nicht, eben ſo wenig, wie ſie Feuchtigkeit aus der Luft an ſich ziehen. Wenn aber der Gyps erhitzt wird, ſo laßt er ſein Kryſtallwaſſer völlig fahren, ohne zu kniſtern. Er verliert von ſeinem Gewichte ſo viel, als ſein Waſſer betraͤgt. Die Hitze, bei welcher dies geſchieht, braucht nicht groß zu ſeyn, bei weitem nicht ſo ſtark, wie die zum Brennen des Kalks erforderliche. Wenn der Gyps, in maͤßigen Stucken zerſchlagen, gebrannt wird, ſo wird er durch das Brennen ganz muͤrbe und leicht zerreiblich. 5. B4. Der Gyps, welcher alſo im Feuer ſein Kryſtallwaſſer verloren hat, wirb gebrannter Gyps genannt. In dieſem Zuſtande findet er ſeine Anwendung als Moͤrtel, und dann auch beſonders zu Abguſſen. Wenn der gebrannte Gyps fein gepulvert, und als feines Mehl mit Waſſer zuſammengeruͤhrt wird, ſo zieht er M 2 Der Gyps. das Waſſer begierig wieder an, und verbindet es im feſten Zuſtande als Kryſtall⸗ waſſer mit ſich. Dabei entſteht, wie beim Kalke, eine Erhitzung, jedoch keine ſo ſtarke, weil naͤmlich die Vereinigung nicht ſo ſchnell vor ſich geht. Iſt mehr Waſſer zugeſetzt, als der Gyps zu ſeiner Kryſtalliſation gebraucht, ſo bleibt die Maſſe breiartig, ſchießt aber dann zu Kryſtallen an, und macht eine harte Maſſe. Hierauf beruht ſeine Brauchbarkeit als Moͤrtel. 5 Sy⸗ Auch an der Luft zieht der Gyps nach und nach Feuchtigkeit wieder an, und nimmt ſie als Kryſtallwaſſer auf. Gebrannter Gyps, der an die Luft gelegt wird, vermehrt ſein Gewicht, und verliert dagegen die Eigenſchaft, ſich mit Waſſer zu erhitzen, und ſeine Brauchbarkeit als Moͤrtel. Nur durch neues Brennen kann er wieder in den vorigen Zuſtand verſetzt werden, und man kann ihn dann wieder zu Moͤrtel gebrauchen. 5. 85. Wenn der Gyps in einer zu ſtarken Hitze gebrannt wird, ſo erleidet er auch eine ähnliche Veraͤnderung, wie der Kalk in zu heftigem Feuer. Er wird todt ge⸗ brannt, loͤſcht ſich dann nicht mit Waſſer, giebt keinen Moͤrtel und wird auch wohl zu Duͤnger dadurch unbrauchbar. Zum eigentlichen Schmelzen kommt der Gyps nicht anders, als in einer ſehr großen und anhaltenden Hitze. Ein ſolcher zuſam⸗ mengegangener Gyps zeigt dann oft die Erſcheinung, daß er im Finſtern leuchtet. Eine Zerfetzung und Trennung der Schwefelſaͤure vom Kalk erleidet der Gyps in der Hitze nicht. Es iſt bloß ſein Waſſer, was er darin verliert. Nur wenn er mit brennbaren Subſtanzen, mit Kohlen oder vegetabiliſchen Koͤrßern in der Glüh⸗ hitze zuſammenkommt, ſo wird er zerſetzt, ſeine Schwefelſäure verliert dann ihr Oyygen, und der aus ihr ſich ausſcheidende Schwefel wird zum Theil verfluͤchtigt, zum Theil bleibt er mit der Kalkerde verbunden, und liefert damit Schwefelkalk oder Schwefelleber. Man bemerkt daher bei allen Gypsbrennereien einen ſchwef⸗ kigten Geruch. Es iſt wahrſcheinlich, daß eine äͤhnliche Zerſetzung aber weit langſamer in geringerer Temperatur vorgehe, wenn er mit modernden kohlenſtoffhaltigen Koͤr⸗ pern zuſammenkommt, und daß daher ſeine duͤngende Eigenſchaft zum Theil her⸗ ruͤhre. Gypshaltige Waſſer geben, wenn ſie verunreinigt werden, einen ſchweſe⸗ Der Gyps. 93 ligt ſtinkenden Geruch, und Fourcroy leitet daher den Geſtank in gewiſſen Gegen⸗ den von Paris ab. §. 87. Die Kalkerde iſt der Schwefelſaͤure naͤher verwandt, wie die Alkalien; mithin läßt ſich der Gyps durch dieſe nicht zerlegen. Kohlenſaure Alkalien brin⸗ gen aber eine voͤllige Zerſetzung des Gypſes leicht hervor, weiches vermittelſt einer doppelten Wahlanziehung bewerkſtelligt wird. Kocht man z. B. gepulverten Gyps in einer Aufloͤfung des kohlenſauren Kali, ſo geht das Kali mit der Schwe⸗ felſaure und die Kalkerde mit der Kohlenſaͤure zuſammen. Dieſe Kalkerde bleibt dann als kohlenſaurer Kalk unaufgeloͤſt als ein weißes Pulver zuruͤck. Das ſchwe⸗ felſaure Kali wird aber in der Fluͤſſigkeit aufgeloͤſt. Dieſe chemiſchen Eigenſchaf⸗ ten des Gypſes bemerken wir hier beſonders in Hinſicht auf die Lehre von der Gypsduͤngung, welche bisher noch dunkel, obwohl durch die angenſcheinlichſten Reſultate genug beſtaͤtigt war. F. 88. Der im Mineralreiche vorkommende Gyps bildet oft ganze Gebitge. Er Sors Rine ralien. findet ſich unter verſchiedener Geſtalt; entweder als ein pulverfoͤrmiger Koͤrper, oder in derben Maſſen, oder kryſtalliſirt. Zu den gewoͤhnlichſten Arten ge⸗ hoͤren folgende: ¹) Der Mehlgyps, gypsartige Bergmilch, Himmelsmehl. Dies iſt Gyps in pulverfoͤrmigem Zuſtande, und er findet ſich in der Nachbarſchaft von Gypsfelſen, wo er wohl vermittelſt des Waſſers abgeriſſen und in pulverfoͤrmiger Geſtalt zu Tage gebracht wird. An einigen Orten ſieht man ihn aus der Erde hervorquillen. In Zeiten der Hungersnoth glaubte man, dies ſey vom Himmel herabgeſchicktes Mehl, und vermiſchte es mit wirklichem Getreidemehle, backte Brod daraus, was freilich keine Nahrung geben konnte, indeſſen doch nicht ſo toͤdtlich war, wie manche es von dem mit Gyps vermiſchten Mehle glaubten. 2) Der gemeine dichte Gypsſtein. Man findet ihn an Floͤtzgebirgen in großen Maſſen. Er iſt nicht ſehr hart, laͤßt ſich mit den Zaͤhnen zerbeißen, wo er ein Kniſtern verurſacht, nimmt keine Politur an, und iſt ziemlich zähe, ſo daß man ihn ſchwer zu Pulver ſchaffen kann. Man findet ihn von verſchiedener Farbe, meiſtens graͤulich und weiß. Eine Abart von ihm iſt der Alabaſter, 94 Der Gyps. der vom Gypſe eben das iſt, was der Marmor vom Kalke, ein halb kryſtalliſirter Stein, der Politur annimmt, und der zu allerlei Bildhanerarbeit, Vaſen und Statuen verarbeitet wird. Er hat oft allerlei recht ſchoͤne Farben, die von metal⸗ liſchen Oryden herruͤhren, und in einem und demſelben Stucke oft ſehr mannigfal⸗ tig ſind. Er nimmt jedoch keine ſo gute Politur wie der Marmor an, wegen ſeiner geringern Haͤrte. Seine Maſſe iſt auch nicht ſo dauerhaft, und verwittert leichter an der Luft. 3) Der Gypsſpath. Dieſer kommt oft da vor, wo vorher derber Gyps⸗ ſtein liegt, und iſt mit ihm durchmengt. Er iſt mehr oder weniger durchſichtig, verſchiedenartig gefaͤrbt, und laͤßt ſich mit dem Meſſer in duͤnne Scheiben ſpalten, die weich und durchſichtig ſind. Zu ihm gehoͤrt das Frauen⸗ oder Marien⸗ glas, das aus ziemlich großen rautenfoͤrmigen Stuͤcken beſteht, und ſich leicht ſchneiden laßt. Zuweilen iſt der Gypsſpath in anſehnlichen Kryſtallen angeſchloſ⸗ ſen, die entweder tafelfoͤrmig oder pyramidalfoͤrmig ſind. Der Gypsſpath iſt uͤbri⸗ gens auch zaͤhe und ſchwer in Pulver zu verwandeln. 4) Der Gypsſinter iſt auf eben die Weiſe entſtanden wie der Kalkſinter, nämlich vom kohlenſauren Waſſer, welches ihn in großer Menge aufgeloͤſt hat, abgeſetzt. Zuweilen findet man auch Gyps und kohlenſauren Kalk mit einander gemengt. Solche kalkartigen Gypſe brauſen dann mit Saͤuren auf. Der Gyps iſt auch in vielem Waſſer enthalten. Manche Brunnenwaſſer enthalten ihn, und heißen dann harte Waſſer, die zu mancherlei Gebrauche, be⸗ ſonders zum Brandtweinbrennen, ſehr untauglich ſind. Zuweilen, jedoch nur ſel⸗ ten, trifft man ihn in der Ackerkrume an, und auch mit Mergel und Thonarten vermengt. Auch findet man ihn in der Aſche einiger Gewaͤchſe, hat aber wahr⸗ ſcheinlich in den Pflanzen nicht praepiſtirt, ſondern er iſt durch Verbrennung er⸗ zeugt worden, indem ſich die Schwefelſaͤure mit dem Kalke verbunden hatte. r Mere F. 8g. Dieſe fuͤr den Ackerbau ſo aͤußerſt wichrige Subſtanz iſt vielen Landwirthen bekannt geweſen als ein Mittel, die Fruchtbarkeit zu vermehren und den Acker Der Mergel. 95 aufzuhelfen. Und in manchen Gegenden hat man wirklich ganze Diſtrikte gefun⸗ den, die ſchon vor alten Zeiten durch den Gebrauch derſelben ſind aufgeholfen worden. Auch kannten ihn die Roͤmer. Die allgemeine Aufmerkſamkeit hat die Mergelung doch erſt ſeit kurzem auf ſich gezogen, und es giebt noch viele Land⸗ wirthe, die von dieſer Subſtanz durchaus keinen klaren Begriff haben, obgleich wenige chemiſche Kenntniſſe dazu gehoͤren, um den Mergel von allen andern Erd⸗ arten zu unterſcheiden. Aus der gänzlichen Unbekanntſchaft mit dem Mergel ruͤhrt es zum Theil her, daß man die Wirkung des Mergels ablengnet, ihn ſogar verſchreiet und nachtheiligen Erfolg von ſeiner Anwendung geſehen haben will⸗ Es war dann aber nicht Mergel, den man auf das Land fuͤhrte, ſondern vielleicht ein bindender eiſenhaltiger Thon, oder eine andere Erdart, die ſich fuͤr den Bo⸗ den gar nicht paßte. Als Duͤngungsmittel werden wir vom Mergel in der Folge reden. Hier nur von ſeiner Natur und ſeiner natuͤrlichen Gegenwart im Boden. 4 F. 90. Der Mergel iſt eine Vereinigung der kohlenſauren Kalkerde mit dem Thon. Beide Subſtanzen befinden ſich meiſtentheils auf eine innige Art vermengt, ſo daß man weder mit dem bloßen Auge, noch ſelbſt mit dem Mieroſcope die Kalk⸗ theilchen und einzelne Thontheilchen unterſcheiden kann. Wir haben es der Na⸗ tur noch nicht abgemerkt, wie ſie dieſe Erdart bereitet. Denn wenn man Vermen⸗ gungen von Kalk und Thon gemacht hat, ſo ſind dieſe von dem natuͤrlichen Mer⸗ gel doch noch ſehr verſchieden geweſen; ſie haben z. B. das Zerfallen an der Luft und das Verwittern mit dem natuͤrlichen Mergel nicht gleich gehabt. 6 n. Die Verhaͤltniſſe, in welchen Thon und Kalk im Mergel mit einander ver⸗ bunden ſind, ſind hochſt mannigfaltig verſchieden. Zuweilen iſt das Verhaͤltniß beider gleich; dann iſt der Thon mehr oder minder uͤberwiegend, dann iſt es wie⸗ der der Kalk. Die Natur hat ſich kein beſtimmtes Maß vorgeſchrieben, worin ſie beide Erdarten vermengt. Nach dieſen verſchiedenen Verhaͤltniſſen des Thons und des Kalks hat man den Mergel klaſſifizirt, und den verſchiedenen Sorten ver⸗ ſchiedene Benennungen gegeben. Die Klaſſifikation, welche Andreä in ſeinem Werke uͤber die Erdarten des hannöverſchen Landes aufgeſtellt hat, iſt in der Thar die zweckmaͤßigſte und auch in Deutſchland faſt allgemein angenommen. Rach 95 Der Mergel. Andreaà heißt Mergel ſchlechthin eine Verbindung von ungefaͤhr gleichen Theilen Thon und Kalk. Iſt der Thon uͤberwiegend, ſo daß er beträchtlich uͤber die Hälfte bis zu geht, ſo heißt die Verbindung Thonmergel. Steigt das Verhältniß des Thons noch hoͤher, ſo daß der Kalk unter 4, der Thon uͤber 4 ausmacht, ſo wird er kalkigter oder mergelichter Thon genannt. Wenn der Kalk dagegen uͤberwiegend iſt, beträchtlich uͤber die Halfte bis zu 3 ſteigt, ſo heißt er Kalkmergel, und iſt die Quantitat des Kalks noch groͤßer, uͤber 4, ſo nennt mau dies Gemenge thonig⸗ ten Falk⸗ Wir finden den Mergel und ſeine Abarten an ſebr bielen Orten. Jebt, ba man ihn mit mehr Sorgfalt aufſucht, zeigt es ſich, daß man ihn in den meiſten Gegenden antreffe, und daß er faſt allenthalben im Untergrunde des Ackers liege. Es ſind ſelten Gegenden, wo man ihn gar nicht findet, oder wo er zu tief liegt, um ihn herauszuholen. Am haͤufigſten findet man ihn in gebirgigten Gegenden in der Nachbarſchaft von Floͤtzgebirgen, wo er nicht ſelten die Beſtandtheile des Untergrundes im Boden ausmacht, und große ausgebreitete Lager bildet. Im flachen Lande muß man ihn mehr aufſuchen. Er liegt da mehr neſterweiſe und zerſtreut, flacher oder tiefer in der Erde, auf Hoͤhen und in Niederungen, in trockenen und ſumpfigten Gegenden. Mit einiger Wahrſcheinlichkeit kann man auf die Gegenwart des Mergels ſchließen, wenn man gewiſſe Pflanzen auf dem Boden findet. Die Tussilago farfara und alpina, die Salvia ghutinosa und pratensis vegetiren ſehr lebhaft auf Boden, der Mergel hält. Nicht eine einzelne Pflanze zeigt ihn an; aber wo ſie ſich ausbreiten und einen uͤppigen Wuchs zeigen, koͤnnen ſie allenfalls ale Wegweiſer zur Auffindung des Mergels dienen. Wenn die Medicaro lupulina, ohne daß der Boden im Duͤnger ſteht, haͤufig daſteht, ſo halte ich auch dies fuͤr ein Merkmal. Auch unter der wilden Brombeere wird man mehrentheils Mergel oder wenigſtens mergelichten Thon finden. Sonſt zeigt ſich ſolcher tiefe und neſterweiſe liegende Mergel zuerſt mehrentheils an Ab⸗ pängen, in Hohlwegen, wo die obere Erde abgefallen iſt, und dann zu Lage kommt. Mehrentheils pflegt ein ſolches Mergelneſt oben mit Thon bedeckt zu ſeyn; und wo man ſolchen Thon trifft, der mit Kalkkoͤrnern durchwirkt iſt, da kann man faſt mit Sicherheit ſchließen, daß tiefer unten ſich wirklicher Mergel finden ——— Der Mergel. 97 finden werde⸗ Dieſe Mergellagen ſind in ihrer ganzen Dicke he nicht von gleicher Beſchaffenheit, beſonders beim Thonmergel nicht. Oben pflegen die Schich⸗ ten weniger Kalk zu enthalten wie unten, und gemeiniglich wird der Mergel um ſe kalkreicher, je tiefer man eindringt. §. 93. An den Eigenſchaften des Mergels haben der Thon und ber Kalk znc An⸗ theil. Beide Erdarten veraͤndern in der Miſchung gegenſeitig und durch einander ihre phyſiſchen Eigenſchaften. Die Zaͤhigkeit und ſchluͤpfrige Beſchaffenheit des Thons wird durch den Kalk verringert, und das ſproͤde rauhe Weſen des Kalks wieder durch den Thon gemildert. Je hoͤher die Quantität des einen oder des andern Beſtandtheils im Mergel ſteigt, je mehr nimmt dieſer die aͤußere Beſchaffenheit dieſes oder jenes Koͤrpers an. Der eigentliche Mergel aus ungefaͤhr gleichen Theilen von Thon und Kalk ſteht weder dem Thone noch dem Kalke näher. Die Eigenſchaften beider haben ſich in gleichen Verhältniſſen amalgamirt. Der Thonmergel und der kalkigte Thon nähern ſich mehr dem Thone. Sie ſind daher angefeuchtet ſchlupfrig und dehnbarer, geben einen Thongeruch von ſich, und trocknen zu feſten doch mehr zer reiblichen Klumpen zuſammen. Mergeliger Thonboden iſt feucht oft noch ſchwerer zu bearbeiten, als mergelloſer Thon; trocken aber weit leichter. Der Kalkmergel und der thonige Kalk gleicht mehr dem Kalke. Er fuhlt ſich trocken rauher an, iſt feucht weniger zuſam⸗ menhaͤngend, und die trockenen Stucke laſſen ſich leicht zwiſchen den Fingern zerrei⸗ ben. Es kommt indeſſen hierbei ſehr auf die Beſchaffenheit des Thons an, ob dieſer nemlich fett oder mager iſt. Ein fetter Thon bedarf eines groͤßern Zuſatzes von Kalk, um ſeine Eigenſchaften zu verſtecken. Ein magerer Thon bedarf nur wenigen Kalk, um dieſelbe Wirkung hervorzubringen. Oft findet man Mergelarten, wovon die eine dem Thonmergel, die andre dem Kalkmergel in ihrem aͤußern Verhalten mehr glei⸗ chen, und die dennoch eine gleiche Quantität von Kalk und Thon enthalten. Jener patte aber einen bindenden fetten, dieſer einen magern Thon. Die Ratur des Thons hat alſo auf alle Eigenſchaften des Mergels einen betrachtlichen §. 94. Der Mergel beſiht mancherlei Farben. Er iſt weiß, gelb, gelblich, braun, Farben deſſe⸗ graͤulich, violet, rothlich, roth, grau, blaͤulich, ſchwarz u. ſ. w. Theils werden Zweiter Thell. N Konſiſtenz. 98 Der Mergel. dieſe Farben durch das im Thone befindliche Eiſen oder Manganesoryd hervorge⸗ bracht, theils ruͤhren ſie von brennbaren Materien, Erdharzen oder Humus her. Die Mergelarten, welche mit letzterm allein vermiſcht ſind, ſind gemeiniglich grau, blaͤulich oder ſchwarz, und ſie brennen ſich dann im Feuer weiß; der von Erdharzen durchdrun⸗ gene giebt, beſonders wenn man ihn erwaͤrmt, oder ſeine Stuͤcke an einander reibt, einen eigenthuͤmlichen Geruch von ſich. Aus der Farbe des Mergels kann man ſehr wenig ſchließen, etwa oberflaͤchlich auf ſeinen Gehalt an Metalloxyd oder brennbaren Stof⸗ fen. Sie kann keinesweges dazu dienen, uns uͤber die innere Beſchaſfenheit des Mergels, uͤber ſeinen Thon⸗ und Kalkgehalt Aufſchluß zu geben. Gleichgefaͤrbte Mergelarten ſind vft in ihren Verhaͤltniſſen vom Thon und Kalk ſehr verſchieden, und wiederum ſtimmen Mergelarten, die ganz abweichende Farben beſitzen, in dieſer Hin⸗ ſicht voͤllig uͤberein.— §. 05. In Anſehung des Zuſammenhangs und Gefuͤges der einzelnen Theile weicht der Mergel ſehr von einander ab. Zuweilen iſt er ſo weich und ſo zart, wie Pulver, oder doch ſo wenig zuſammenhaͤngend, daß man ihn leicht zerdruͤcken kann. Dann iſt er wieder ſteinhart. Erſteren nennt man erdigen, letzteren Steinmergel. Dieſer unter⸗ ſcheidet ſich oſt noch durch ſein Gefuͤge. Er iſt entweder von ſchieferartigem Bruche, und beſteht aus uͤber einander liegenden Scheiben, die ſich mit einem Meſſer von ein⸗ ander abloͤſen laſſen, oder es zeigt ſich keine beſtimmte Lage, und er zerſpringt beim Zerſchlagen in unregelmäßige Stuͤcke. Jenen nennt man daher Schiefermergel, die⸗ ſen ſchlechthin Steinmergel. Auch aus den Verſchiedenheiten, die der Mergel in die⸗ ſer Hinſicht zeigt, kann man nicht mit Sicherheit auf ſeine Beſtandtheile ſchließen. Zuweilen hat harter Mergel einen Ueberſchuß von Thon, zuweilen auch von Kalk, und er nähert ſich dem Kalkſteine, und bei erdigem Mergel kann man auch keines⸗ weges ſagen, daß er einen Ueberſchuß von Kalk beſaße; denn der Thon konnte mager ſeyn, ſo daß der Mergel nicht ſtark zuſammenhaͤngt. Wenn der Mergel mit Waſſer ͤbergoſſen wird, ſo dringe daſſelbe mehr oder weniger leicht in ſeine Poren ein. Es hebt dann die Kohaͤſion der einzelnen Partikeln auf, treibt ſie auseinander und verurſacht, daß die Stucke in ein feines Pulver zerfallen. Dies iſt eine weſentliche Eigenfchaft des Mergels, wodurch man ihn vorlaͤufig erkennt, und wodurch er ſeinen Nutzen auf den Boden durch die innige Vermengung mit der Ackerkrume äußert. Die Luft ene⸗ Der Mergel. 99 wickelt ſich in Blaſen, die im Waſſer in die Hoͤhe ſteigen und zuweilen ein gelindes Geraͤuſch und eine Art von Aufbrauſen veranlaſſen. Mann kann zwar nicht anneh⸗ men, daß eine Erdart, die im Waſſer zerfällt, immer Mergel ſey; denn auch ſehr magere Thonarten zerfallen darin. Man kann aber ſicher ſchließen, daß, wenn eine Erdart nicht im Waſſer zerfällt, es kein Mergel ſey. Jeder Mergel, ſelbſt der Stein⸗ mergel, wird im Waſſer murbe und pulvrig. Auch an der Luft verliert der Mergel ſeinen Zuſammenhang und zerfäͤllt hier eben ſo ſein wie unter dem Waſſer; nar ge⸗ hort eine laͤngere Zeit dazu Dies macht die Anwendung des Mergels zur Verbeſſe⸗ rung des Bodens ſo bequem. Man braucht den Mergel nicht erſt zu Pulver zu zer⸗ malmen, um ihn mit der Erdkrume zu vermengen, ſondern man kann das Verkleine⸗ rungsgeſchaͤft ganz der Luſt uͤberlaſſen. Die atmoſphäriſche Feuchtigkeit dringt in den auf dem Acker liegenden Mergel ein, und pulvert ihn. Froſt kommt der Zerkleinerung ſehr zu Statten, und er muß bei zähen Mergelarten, zuweilen beim Steinmergel, zu Huͤlfe kommen, wenn das Zerfallen zu Stande kommen ſoll, weshalb man ſoiche Mergelarten gern vor Winter aufführen läßt. Die Feuchtigkeit, welche der Mergel eingeſogen hat, dehnt ſich beim Gefrieren aus, und treibt die Partikeln auseinander ſo wie wir dies beim Thone bemerkt haben. Das Zerfallen des Mergels an der Luft und im Waſſer haͤngt in Hinſicht der dazu erforderlichen Zeit theils von dem Verhaͤltniſſe des Thons und von der Beſchaf⸗ fenheit deſſelben, theils von dem mehr oder weniger feſten Zuſtande ab, den der Mer⸗ gel durch die Verbindung ſeiner Theile hat. Reiner feſter Kalk zerfaͤllt gar nicht, eben ſo wenig wie reiner feſter Thon. Iſt der K Kalk alſo ſehr hervorſtechend im Mer⸗ ſo verhindert dies ſein Zerfallen; iſt der Thon uͤberwiegend, ſo geſchieht es ebenfalls, wenigſtens langſam. Zum leichten Zerfallen gehoͤrt ein gewiſſes Verhalt⸗ niß von beiden, und dies gerechte Verhältniß wird durch die mehrere oder mindere Fettigkeit des Thons mit beſtimmt. 6 Bei Mergelarten, die den Thon von gleich her Qualitat n, die aber ver⸗ ſchiedene Verhältniſſe deſſelben mit dem Kalk enthalten, wird der eigentliche Mergel am leichteſten, der Kalk⸗ und Thonmergel aber ſchwerer— Dann kommt es auch auf die beſondere Verbindung der Theile unter ſich an. Haben ſie ſich im Stein⸗ 2 † — 100 Der Mergel. mergel wie Stein verhaͤrtet, ſo erfordert dieſer die läͤngſte Zeit, und unter dem Stein⸗ mergel zerfaͤllt der ſchieſrigte leichter, als der, welcher keinen ſchiefrigten Bruch hat. §. 97. Die flͤſſigen Säuren bringen aus bekannten Urſachen ein ſtarkes Aufbrauſen zen. hervor. Werden ſie auf den Mergel gegoſſen, ſo verbinden ſie ſich mit dem Kalk; die Thonerde aber bleibt unangegriffen von den Saͤuren, ſo langs dieſe noch Kalk⸗ erde aufzunehmen haben. Erſt wenn die Kalkerde genug von der Säure aufgenom⸗ men iſt, und dann noch ein Ueberſchuß von Saͤure bleibt, ſo kann auch etwas Thon⸗ erde und Eiſenoryd aufgeloͤſt werden. 5. 98. Im Feuer⸗ Wir wiſſen, daß der kohlenſaure Kalk zwar fuͤr ſich nicht zum Schmelzen zu bringen iſt, und daß der Thon ſich im heftigſten Feuer ſehr ſchwer verglaſet. Wenn aber beide Subſtanzen miteinander verbunden ſind, ſo kommen ſie leicht im Fluß. Der Mergel iſt alſo eine ſchmelzbare verglasbare Subſtanz. Es bedarf keiner ſehr großen Hitze, um ihn in Fluß zu bringen. Deshalb bedient man ſich auch des Mergels beim Scheiden der Metalle, um die Erze leicht zum Schmelzen zu bringen. Häufig geſchieht dies bei der Gewinnung des Eiſens. Beimiſchung§. 99. ßanzen. Sehr haͤufig iſt der Mergel noch mit andern Theilen vermengt, die eigentlich nicht zu ſeiner Miſchung gehören. Die gewoͤhnlichſten ſind Bittererde, Sand und Gyps. Die Bittererde findet man haͤufig im Mergel, und zwar in dem, von wel⸗ chem man recht gute Wirkung ſieht. Sie iſt auch im kohlenſauren Zuſtande darin, wo ſie mit Säuren ein Aufbrauſen erregt, ſich in ſolchen auflöſt, und folglich bei der oberflaͤchlichen Unterſuchung des Mergels mit dem Kalke verwechſelt wird. Da man aber uͤber ihre Wirkung ungewiß iſt, ſo wird es darauf ankommen, ſie genauer zu unterſcheiden. Mergel mit Bittererde verbunden heißt birtererdhaltiger Mergel, und je nachdem der Thon oder der Kalk darin vorwaltend iſt, bittererdiger Thon oder Kalkmergel. Einiger Sand iſt dem Mergel immer beigemiſcht. Iſt ſeine Zu⸗ miſchung beträchtlich, ſo nennen wir ihn ſandigen Thon⸗ oder Kalkmergel. Steigt das Verhältniß des Sandes auf 60, 70 bis 80 Prozent mergeligen Sand. Eini⸗ ger Sand im Mergel iſt ſehr gut; er bewirkt, daß der Mergel um ſo ſchneller ver⸗ wittert und zerfaͤlt. Auch Gyps iſt im Mergel, und zeigt ſich zuweilen in kleinen ———————— ———— ————————— Der Mergel. 101 glaͤnzenden keyſtalliniſchen Adern zwiſchen dem Mergel. Man bemerkt ihn, wenn man den Mergel zwiſchen Kohlen legt und gluͤht. Er ſtoßt alsdann einen ſchwefli⸗ chen Geruch aus. Wahrſcheinlich verbeſſert er den Mergel und macht ihn muͤrber. Hieruͤber fehlen uns noch genugſame Beobachtungen. Iſt er in bedeutender Menge darin, ſo heißt er gypſiger Thon⸗ und Kalkmergel. §. 100. Die aͤußere Geſat, worin ſich der Mergel befindet, iſt alſo ſehr Ge Folgendes ſind die Hauptarten, nicht dem Gehalt ſondern der Geſtalt nach: a) Steinig und dann mehrentheils ſchiefrig. In der Erde iſt er mehrencheils noch ziemlich muͤrbe; wenn er aber zuerſt an die Luft kömmt, wird er haͤrter und verandert ſeine Farbe, und zerfaͤllt dann oft erſt nach 2 oder 3 Jahren voͤllig. Dieſer Mergel iſt manchmal ſehr kalkreich, und nähert ſich dem Kalkſtein, ſo daß er auch zuweilen zu Kalk gebrannt und zugleich roh zum Mergeln gebraucht wird. Natuͤrlich iſt aber der daraus gewonnene Kalk unrein und ſchlecht. Manchmal iſt er von der⸗ ſelben Haͤrte und Geſtalt; aber Thon⸗ und Kieſelerde uͤberwiegt dennoch den Kalk darin. b) Thonig oder lehmig, wo man ihn denn doch aber durch die obenangege⸗ benen Zeichen ſehr leicht vom Thon und Lehm unterſcheiden kann⸗ o) In blättriger Geſtalt, den man Papiermergel zu nennen pflegt. Man fin⸗ det ſelbigen nur in duͤnnen Lagen. d) Muſchelmergel, in welchem man haͤufig noch die Ueberbleibſel von Schnek⸗ kenhaͤuſer, beſonders auf der obern Fläche antrifft. Tiefer unten ſieht er wie ſchmu⸗ zige Kreide aus, und ganz unten iſt er manchmal halb kryſtalliſirt und ſteinartig⸗ Dieſer Mergel findet ſich mehrentheils nur in Gruͤnden unter Torf und ſchwarzer Moorerde, wo vormals Waſſer geſtanden hat. Er beſteht groͤßtentheils aus Kalk, wird deshalb Mergelkalk genannt, und oſt als Kalk gebrannt undg⸗ aucht. Er zerfallt aber an der Luft und im Waſſer, und wird mit letzterem, im gehoͤrigen Ver⸗ haltniß vermengt, ungebrannt, zum Uebertünchen gebraucht. Dieſer Mergel wirkt, auf den Acker gebracht, wenigſtens nicht ſo ſchnell, als man erwarten ſollte, und enthaͤlt wahrſcheinlich oft Phosphorſaͤure: Die erſte Art findet man faſt nur in bergigten Gegenden; die zweite mehrentheils in Hügeln, die gewoͤhnlich mit einent braunen Lehm bedeckt zu ſeyn pflegen, auf wel⸗ 102 Der Mergel. chem ſich der Brombeerenſtrauch eingewurzelt hat. Dieſe Huͤgel ſelbſt ſind oft nichts weniger als fruchtbar, obgleich der Lehm der Oberflaͤche ſchon einige Kalktheile enthält. Der Mergel ſcheint hier den Humus ſchnell conſumirt zu haben, oder dieſer iſt, durch jenen aufloͤslicher gemacht, herabgeſpuͤlt worden. Durch ſtarkere Duͤngung wer⸗ den ſolche Huͤgel aber fruchtbar. Ich fuͤhre dies an, damit man ſich durch die ſchein⸗ bare Unfruchtbarkeit dieſer Huͤgel nicht abſchrecken laſſe, hier nach Mergel zu graben. Die beiden letztern Arten finden ſich nur in Gruͤnden. Die Bitter⸗oder Talkerde. §. 101. Wir finden dieſe Erde nicht ſo verbreitet in der Natur, wie die vorhergehenden, auch nie rein, ſondern mit andern Erden gemiſcht und mit Säuren verbunden⸗ Manche Mineralien enthalten ſie, und ſie iſt im Meerwaſſer und in den Salzſohlen, hauptſaͤchlich mit Salz und Schwefelſaͤure verbunden, haͤuſig vorhanden, ſo wie ſie auch in den thieriſchen Koͤrpern, mehrentheils mit Phospborſäure vereinigt, oft vorkommt. Auch die Aſchen der meiſten Gewächſe enthalten ſie in groͤßerer oder geringerer Menge; znweilen macht ſie einen ganz beträchtlichen Beſtandtheil der Ak⸗ kererde und auch des zur Duͤngung brauchbaren Mergels aus. Dieſe Erde, welche uberhaupt erſt kurzlich entdeckt und unterſchieden worden, hat in den neuſten Zeiten in Hinſicht des Ackerbaus wieder mehrere Aufmerkſamkeit erregt. Sergmann und andere erklarten ſie fuͤr eine ſehr fruchtbare Erde. Ein Engländer Tennant aber hatte die Beobachtung gemacht, daß ein zur Duͤngung ge⸗ brauchter, gebrannter Kalk eine ſehr nachtheilige Wirkung that, und fand bei der Unterſuchr« deſſelben, daß er viele Bittererde enthielte. Er ſchloß daraus auf eine allgemein ſchaͤdliche Wirkung der Bittererde. Hochſtens beweiſt dieſer Fall aber nur, daß ſie in ihrem kohlenſaurefreien Zuſtande nachtheilig wirken könne, in welchem ſie ſich von Natur nie befindet. In ihrem naturlichen Zuſtande koͤmmt ſie dem kohlenſau⸗ iel 3 in allen Stuͤcken gleich. Lampadius hat ſie der Vegetation zuträglich gefunden, und Einhoff hat einen ſehr fruchtbaren Mer⸗ , der o 6 rozent Bittererde ent„t. ——————FT Die Bittererde. 103 5 14* Die kohlenſaure Bittererde iſt voͤllig geſchmack⸗ und geruchlos. Wenn ſie mit Waſſer benetzt und zuſammengeruͤhrt wird, ſo giebt ſie mit demſelben eine wenig zu⸗ ſammenhaͤngende Maſſe, die bald wieder austrocknet. In Hinſicht ihrer waſſerhal⸗ tenden Kraſt iſt ſie der kohlenſauren Kalkerde gleich zu ſetzen. Ueberhaupt verhält ſie ſich auch gegen das Waſſer eben ſo wie dieſe; in reinem Waſſer iſt ſie unaufloͤstich, und nur, wenn es mit kohlenſaurem Gas angeſchwaͤngert iſt, kann es kohlenſaure Bittererde aufloͤſen. 5. 103. Die reine kohlenſaͤurefreie Bittererde unterſcheidet ſich aber ſehr merklich vom Kalk. Sie iſt nicht ätzend, nicht alkaliſch wie dieſer; es entſteht keine Erhitzung, wenn man ſie mit Waſſer übergießt; der Brey, der daraus entſteht, wird bei ſeiner Austrocknung nicht hart und zuſammenhangend, und liefert auch mit Sand vermengt keinen Mörtel. Sie ſcheint das Waſſer zwar einzuſchlucken und mit ſich zu vereini⸗ gen, aber nicht es zu verdichten oder in Kryſtalle zu verwandeln. Sie veraͤndert die blaue Farbe der Pflanzenſaͤfte nur hoͤchſt wenig. S. 104. Zu den Mineralien, welche Bittererde fuͤhren, und die ſich durch ein fettes ſei⸗ fenartiges Gefuͤhl auszeichnen, gehören folgende: 1) Der Serpentinſtein, ein harter Stein von dichtem Korn, ſchwarzgruͤn oder ſchwarzgrau von Farbe, und zuweilen mit ſchoͤnen rothen Flecken verſehen. Er bricht in Schichten, welche oft ganze Gebirge ausmachen. In Deutſchland iſt der beſte Serpentinſteinbruch zu Zopplitz in Sachſen, woſelbſt man den Serpentinſtein in erſtaunlicher Menge verarbeitet. Er wird auf der Drehbank zu allerlei Gefaͤßen, Doſen, Buchſen, Vaſen, Leuchter, Reibemoͤrſer u. ſ. w. geformt, welche nachher mit einem feinen Sandſteine polirt werden. Seine Beſtandtheile ſind Bittererde, Kie⸗ ſelerde und Eiſenoryd. 2) Der Talk hat ein blaͤttriges Gewebe und iſt ſebr fett im Anfuhlen. Man findet ihn theils erdig, cheils als Stein. Jener beſteht aus ſchluͤpfrigen, etwas ſchimmernden Theilen, und iſt meiſtens von ziemlich weißer Farbe. Dieſer iſt hart, läßt ſich in Scheiben zertheilen und hat oft einen Silber oder Goldglanz, weshalb er Silber⸗ oder Goldtalk genannt wird. 104 Die Bittererde. Er wird als ein vorzuͤgliches Mittel, das Reiben der Maſchienen zu vermindern, gebraucht, wozu er beſſer ſeyn ſoll, als Hehl und Seife, indem das Holz dabei nicht aufſchwillt, und auch das Metall vor dem Abnutzen bewahrt wird. Von ihm hat die Bittererde den Namen Talkerde enthalten; denn er emhaͤlt 44 Prozent derſelben. Das uͤbrige iſt Kieſel⸗ und Thonerde. Eine Abart des Talks iſt der Topfſtein. Er hat eine graͤulich graue oder dun⸗ kelgrüne Farbe, und laßt ſich ſehr gut drehen und zu Gefäßen verarbeiten. Er bricht in großen Maſſen und wird vorzuͤglich in der Schweiz viel gefunden. 3) Der Seifenſtein. Er iſt eine glatte, wie Seife, ſchluͤpfrige Steinart, welche ſich mit dem Nagel ſchaben laͤßt, abfaͤrbt und undurchſichtig iſt. Man hat verſchiedene Arten davon: erdigen oder weichen und feſten; dieſer heißt auch wohl ſpaniſche Kreide, weil man ihn ehemals aus Spanien zu uns brachte; er wird beſon⸗ ders zum Zeichnen bei Stickereien gebraucht. Er ſchreibt auf Glas, und die abge⸗ wiſchten Zuͤge kommen bei feuchter Witterung wieder zum Vorſchein. Man findet ihn in mehreren Orten Deutſchlands, z. B. im Bayreuthiſchen. 4) Asbeſt. Dieſe Steinart beſteht aus einem Gewebe von Faſern, pie em⸗ weder parallel neben einander liegen, oder ſich durchkreuzen. Im erſtern Falle und wenn ſeine Faſern biegſam ſind, heißt er auch wohl Amianth. Seine Farbe iſt meh⸗ rentheils gruͤnlich weiß oder gruͤnlich grau. Man findet noch mehrere Arten von ihm, welche man Federweiß, Bergfleiſch, Bergleder, Bergkork u. ſ. w. ſeiner aͤh⸗ nelnden Geſtalt wegen nennt. Man findet ihn haͤufi in Sachſen, Schleſien, Böh⸗ men, Ungarn, Schweden u. ſ. w. Aus dem Amianth bereitet man die unverbrennliche Leinwand, das unverbrenn⸗ liche Papier und die unverbrennlichen Dochte, welche ſonſt dem Aberglauben viel Nahrung gaben. Zur Leinwand werden die eingeweichten und ausgekämmten Faſern uͤber einen Flachsfaden geſponnen, dann gewebt und die Leinwand gegluͤhet; zum Papier werden die Faſern geſtampft und der weiche Brei wie Papiermaſſe behandelt. 5) Meerſchaum. Von dieſem Material werden die beliebten Pfeifenkoͤpfe verfertigt. Man war ſonſt uber den Urſprung deſſelben zweifelhaft, und hielt es fuͤr ein Produkt des Meeres, woher ſein Name entſtanden iſt. Jetzt wiſſen wir mit Si⸗ cherheit, daß er in Natolien, nicht weit von der Stadt Konie(vormals Jconium), bei dem Dorfe Klitſchik gegraben wird. Er bricht daſelbſt in einer grauſchiefrigen Kalkkluft Die Bittererde. 105 Kalkluft nicht tief unter der Oberflaͤche in Adern. So wie er an die Luft kommt, iſt er ſchmierig. Man laßt ihn aber an der Luft erhärten, und ſchneidet und bohret Pfeifenkoͤpfe daraus, die nach Conſtantinopel verkauft, dort gefaͤrbt oder in Wachs und Oel geſiedet werden. Dann kommen ſie zu uns, und erleiden eine Umarbeitung. Aus dem Abfalle macht man die unächten Koͤpfe. Er beſitzt ungeachtet ſeiner Weich⸗ heit ſtarken Zuſammenhang, und iſt daher weniger zerſprengbar, wie andere Foſſilien. Außerdem ſind das ſtarke Anhaͤngen an die Zunge und ſeine fperifiſche Leichtigkeit charakteriſtiſche Kennzeichen von ihm. Rach Wiegleb beſteht er aus gleichen Theilen Bittererde und Kieſelerde. Er ſoll auch in Spanien, unweit Madrid, ferner in Un⸗ garn und Nordamerika vorkommen. Das Eiſen. §. 103. Das Eiſen iſt im Boden, wie wir ſchon beim Thon erwahnten, haͤufig und in Eiſengehalt verſchiedener Geſtalt enthalten. Es findet ſich nãmlich als ſaͤurefreies Oxyd in verſchiedenen Graden der Oxyda⸗ tion in weißer, geuͤner, ſchwarzer, rother Farbe, mit der Thonerde gemengt und inni⸗ ger damit verbunden, und iſt die Urſach der verſchiedenen Farbe alles Thons. Wir können bis jetzt noch nichts beſtimmtes daruͤber angeben, ob und welchen Einfluß es auf die Vegetation und Guͤte des Bodens habe. Der Orydationsgrad ſcheint nach allen Beobachtungen keine Verſchiedenheit zu machen, und deshalb iſt die Farbe des Bodens, in ſofern ſie von ſelbigen abhängt, gleichgultig. Ferner finden wir kohlenſaures Eiſenoxyd in manchen Lehmarten. Auch dieſes ſcheint gleichgultig, wenigſtens unſchädlich. Durch Uebergießung mit ſtaͤrkern Saͤu⸗ ren entweicht die Kohlenſaure mit Aufbrauſen, eben ſo wie die aus dem Kalke, und deshalb iſt dieſes Aufbrauſen, welches manche als ein ſicheres Zeichen des Kalk⸗ oder Mergelhalts angenommen haben, trüglich. Endlich finden wir das Eiſen mit Schwefel⸗ und Phosphorſaͤure verbunden im Beden, jedoch minder haͤufig. Mit der erſtern macht es die Subſtanz, die man gewoͤhnlich Vitriol nennt, und den Boden, worin es ſich findet, deshalb Vitriol⸗ ſchen Boden. Dieſe Materie findet ſich nur da, wo Schwefelkieſe vorhanden ſind, Zweider Theil. O Braunſtein⸗ 106 Das Eiſen. durch deren Verwitterung ſich die Säure erzeugt und mit dem Eiſen verbindet. Zu⸗ weilen kommt ſie in feuchtliegendem Thone vor, am häufigſten aber doch nur in tor⸗ figten Mooren, aus denen zuweilen der Eiſenvitriol mit Vortheil gezogen werden kann. In groͤßerer Menge iſt ſie der Vegetation nachtheilig und toödtlich; in geringe⸗ rer Menge aber hat ſie nach aͤltern und neuen Erfahrungen eine fruchtbringende Eigen⸗ ſchaft, insbeſondere wenn ſie mit kohlenſtoffhaltigen Materien, mit Erd⸗ oder Braunkohle, verbunden iſt. Vergl. Annalen des Ackerbaues 1809, Auguſt⸗ und Septemberſtuͤck, Seite 164, und Oktober⸗ und Novemberſtuͤck, Seite 455. Hier⸗ uͤber Mehreres in der Lehre von der Duͤngung. Mit der Phosphorſäure verbunden finden wir das Eiſen gewoͤhnlich in der Ma⸗ terie, die man Ur⸗, Ortſtein⸗oder Wieſenerz nennt, und deren wir ſchon unter den Thonarten erwaͤhnt haben. Sie verwittert und vermengt ſich zuweilen mit der Acker⸗ krume, wo ſie jedoch, der Luft ausgeſetzt, ihre der Vegetation toͤdtliche Eigenſchaft allmaͤhlig zu verlieren ſcheint. Ein Erdboden, wo ſich der Ortſteis flach unter der Oberflaͤche findet, gehoͤrt allemai zu den ſchlechteſten und unbrauchbarſten. F. 106. Wir erwaͤhnen noch des Manganesoryds oder Braunſteins, der oft einen, obwohl geringen Beſtandtheil der Ackerkrume ausmacht, ſich auch gewoͤhnlich in den Pflanzen und Thieren befindet. Man hat von ſelbigen noch keinen Einfluß auf die Vegetation bemerkt. 6. 107. Dies ſind die beſtändigen unveranderlichen, unerſchopflichen und unverbrennli⸗ chen Beſtandtheile des Erdbodens, welche nach ihrer quantitativen Vermengung die Verſchiedenheit des Bodens bildet, worauf wir in der Folge zuruͤckkommen werden, wenn wir nun erſt einen andern Beſtandtheil jedes fruchtbaren Bodens, wovon deſſen Fruchtbarkeit abhängt, und welcher eigentlich nur die Nahrung der Pflanzen, in ſo⸗ fern ſie aus dem Boden gezogen wird, ausmacht, werden betrachtet haben⸗ Dies iſt: 5 Beſtandtheile des Bodens. 107 Der Humus.. F. 108. Der ſonſt gewoͤhnliche Name für vieſe Subſtanz iſt Dammerde. Ausdruck iſt von vielen mißverſtanden worden, da man ſich darunter die ge Ackererde dachte, und nicht dieſen beſonderen Beſtandtheil derſelben. Dies iſt von einigen wiſſenſchaftl lichen agronomiſchen Schriftſtellern geſchehen, und die Verwirrung in dieſer Lehre noch ſtärker vermehrt worden. Ich habe desha Namen dafuͤr eingefuͤhrt, der ſehr beſtimmt den— ausdruͤckt. Ueberhaupt paß als wiſſenſchafiliche Benennung der Ausdruck Erde nicht. Er iſt eigentlich kei t Erde, ſondern bloß ſeiner pulverfoͤrmigen Subſtanz wegen ſo genannt worden. — Der Humus macht einen mehr oder minder großen des Bodens Se E des Humut. aus. Die Fruchtbarkeit des Bodens haͤngt eigentlich ganz von ihm ab außer dem Waſſer iſt er es allen, was den Pflanzen im Boden) zi Er iſt — det Ruckſtand der vegetabiliſchen und thieriſchen Faͤulniß, ein ſchwar⸗ iſt es trok⸗ ken, ſtaubiges, iſt es feucht, ſanſt und fettig anzufuhlendes Pul ver. Er iſt zwar nach Verſchiedenheit der Koͤrper, woraus er entſtand, und nach den Umſtänden, un⸗ ter welchen die Fäulniß oder Verweſung derſelben vor ſich ging, verſchieden, hat aber doch gewiſſe allgemeine Eigenſchaften, und iſt ſich im Weſentlichen gleich. Er iſt ein Gebilde der organiſchen Kraft, eine Verbindung von Kohlenſtoff, Hydrogen, Azot und Orygen, wie ſie von den unorganiſchen Naturkräͤften nicht hervorgebracht werden kann, indem jene Stoffe in der todten Natur nur paarweiſe Verbindungen eingehen. Jenen allgemein n verbreiteten Stoffen geſellen ſich im Humus noch einige andere in geringerer Menge bei, Phosphor, Schwefel, etwas wirkliche Erde, und zuweilen verſchiedene Salze. So wie der Humus eine Erzeugung des Lebens iſt, ſo iſt er auch die Bedingung des Lebens. Er giebt die Nahrung dem Organismus. Ohne ihn laͤßt ſich daher kein individuelles Leben, wenigſtens der vollkommnern Thiere und Pflanzen, auf dem Erdboden denken. Alſo war Tod und Zerſtörung zur Erhaltung und Hervorbringung neues Lebens durchaus nothwendig. Je mebr Leben da iſt, um ſo mehr erzeugt ſich Humus, und je mehr Humus ſich erzeugt hat, um deſto mehr iſt Nahrung des Le⸗ 8 Beßandtheile. 108 Beſtandtheile des Bodens, bensorgans vorhanden. Jede organiſche Natur eignet ſich während ihres Lebens im⸗ mer mehrere rohe Naturſtoffe an, und verarbeitet ſie am Ende zu Humus, ſo daß dieſe Materie ſich um ſo ſtarker vermehrt, je Menſchen⸗ und Thierreicher eine Gegend iſt, und je groͤßere Produktion man aus dem Boden zu ziehen ſucht; vorausgeſetzt, daß man ſie nicht muthwillig durch das Waſſer in den Ocean fortſuͤhren oder durch Feuer zerſtoͤren laßt. Wir koͤnnen die Geſchichte des Humus von Anbeginn der Welt ſtudieren, wenn wir nur die Fortſchritte der Vegetation auf kahlen Felſen betrachten Erſt erzeugen ſich Flechten und Mooſe, in deren Moder vollkommnere Pflanzeu Nahrung finden, die durch ihre Verweſung immer die Maſſe deſſelben vermehren, und ſomit endlich ein Lager von Humus hervorbringen, worin die ſtärkſten Baͤume wachſen koͤnnen. Die Dommerde, fagt Voigt im Anhange zu Sauſſures Unterſuchungen der Vegetation ſehr ſchoͤn, iſt das zum Theil entmiſchte, aber nicht gänzlich deſorga⸗ niſirte Vegetabil. Sie bildet eine große allgemeine Pflanze ohne Organiſation, und traͤgt die andern Pflanzen nur auf ſich, und naͤhret ſie, wie eine Knoſpe vom Stamme getragen und ernaͤhret wird, oder wie ein Kaktustrieb auf Koſten des alten Blatt⸗ aſtes. Die Dammerde beſteht aus vegetabiliſchen Subſtanzen, kann alſo auch wie⸗ der darin verwandelt werden, und wird zu dieſer Abſicht oſt ſorgfältig vorbereitet. 6. 110. Der Humus iſt in der Qualität ſeiner Beſtandtheile denen Koͤrpern gleich, aus welchen er entſtand. Allein im quantitativen Verhältniſſe erleiden ſie eine Veraͤnde⸗ rung. Die Urſtoffe treten in eine andere Verbindung, ein Theil verfluͤchtigt ſich. Der Humus hat nach Sauſſure weniger Orygen, aber mehr Kohlenſtoff und Azot, als die Gewaͤchſe, woraus er entſtand. Aber auch die Umſtaͤnde, unter wel⸗ chen ſich der Humur bildet, haben auf das quantitative Verhaͤltniß und die be ſondere Verbindungsart ſeiner elementariſchen Theile ohne Zweifel einen großen Einfluß. Er iſt deshalb verſchieden, wenn er ſich unter der freien oder unter dem verſchloſſenen Zutritt der Atmoſphaͤre bildet; verſchieden bei dem Zutritte von vielen Waſſer, oder bei geringer Feuchtigkeit. Dies iſt ausgemacht; obgleich weder die Umſtaͤnde, die auf die Bildung des Humus Einfluß haben, noch die Abweichungen, die ſich dabei finden, ſchon genugſam unterſucht ſind⸗ Beſtandtheile des Bodens. 109 §. 111. Auch wenn ſich der Humus einmal gebildet hat, ſo iſt er noch keinesweges un⸗ heit und Ver⸗ veranderlich und nicht unzerſtoͤrbar. Er ſteht beſonders in beſtaͤndiger Wechſelwirkung znderlichkei. mit der atmoſphaͤriſchen Luft. Unter einer mit Queckſilber geſperrten Glocke zieht er das Sauerſtoffgas maͤchtig an, theilt ihm Kohle mit, und verwandelt es in kohlen⸗ ſaures Gas. Iſt die Glocke mit Waſſer geſperrt, ſo entſteht ein leerer Raum, in welchem das Waſſer eintritt, indem es das kohlenſaure Gas in ſich aufnimmt. Es geht alſo mit dem Humus eine unmerkliche Verbrennung vor. Bei der vollkommnen Holzkohle bemerken wir dieſes nicht. Es muß alſo von der beſondern Verbindung des Kohlenſtoffs mit Hydrogen und Azot berruͤhren. Durch dieſe Erzengung von kohlenſaurem Gas wirkt der Humus wahrſcheinlich auf die Vegetation, auch vermit⸗ telſt des Bodens, beſonders wenn das Kraut der Pflanzen die Oberflaͤche ſtark be⸗ deckt, und dadurch die zu ſchnelle Entweichung der mit entwickeltem kohlenſauren Gas angefullten Luftſchicht hindert. Sauſſure fand, daß ſaftige halb vertrocknete Pflan⸗ zen ſich augenſcheinlich ſchneller erholten, wenn er ſie auf Humus oder auf einer mit Humus angefullten Erde legte, als wenn ſie auf einer andern magern feuchten Erde lagen. Nach den unter der Glocke angeſtellten Verſuchen kann man berechnen, wie ungeheuer groß die Menge von Kohlenſäure ſeyn muß, die ſich auf einem Morgen von einem an Humus reichen Lande entwickelt. 5 112. Zugleich aber geht in dem Humus noch eine andere Veraͤnderung vor, die uns Ertraktivſioff des Humus⸗ ebenfalls Sauſſure noch genauer kennen gelehrt hat. Es bildet ſich namlich darin eine gewiſſe im Waſſer aufloͤsliche Materie, die man Extraktivſtoff nennt. Man ſcheidet dieſen Stoff aus, wenn man einen an der Luft gelegenen Humus meh⸗ rere Male auskocht, und dann die braune Bruͤhe verdunſten laßt, wo dieſer Stoff dann als ein brauner und ſchwarzer Brei zuruͤckbleibt. Wenn durch wiederholte Ab⸗ kochung der Humus dieſes aufloͤslichen Stoffes faſt völlig beraubt ſcheint, man ihn dann aber wieder eine Zeitlang der Beruͤhrung der Atmoſphäre ausſetzt, ſo erhaͤlt man aufs neue mehreren Extraktivſtoff. Bewahrt man aber den Humus in ver⸗ ſchloſſenen Gefäßen auf, ſo erhalt man keinen weiter. Der ſeines aufloͤslichen Ex⸗ trakts ſo beraubte Humus iſt nach Sauſſure minder fruchtbar, und enthält verhaͤltniß⸗ mäßig weniger Kohle, als der nicht ausgekochte. Dieſen Eptraktivſtoff, in Waſſer 110 Beſtandtheile des Bodens. verduͤnnt, ſah Sauſſure unmittelbar in die Wurzeln der Pflanzen uͤbergehen. Es ſcheint alſo wohl diejenige Form zu ſeyn, in welcher naͤchſt der Kohlenſaure die Nah⸗ rung und insbeſondere der Kohlenſtoff den Pflanzen zugeführt wird. Ohne Ausko⸗ chung durch bloßes Preſſen erhaͤlt man wenig aus alten Humus. Aus friſch entſtan⸗ venen oder mit thieriſchen Miſte verſetzten, giebt er auch durch bloße Auspreſſung mehr. An der Luft veraͤndert ſich dieſer Extraktivſtoff. Auf ſeiner an der Luft ge⸗ ſtellten Aufloͤſung erzeugt ſich ein Haͤutchen, das, wenn die Aufloͤſung geſchuͤttelt wird, in Flocken niederfallt, worauf dann eine neue entſteht. Jener Niederſchlag iſt nun im Waſſer unaufloͤslich geworden; wird aber wieder aufloͤslich, wenn ein Alkali dazu kommt. Mancher Humus, den wir in der Natur ſinden, ſcheint zum großen Theile aus ſolchem abgeſchiedenen, aber unaufloͤslich gewordenen Extraktivſtoff zu beſtehen. F 13. Die feuerbeſtändigen Alkalien loͤſen aber den Humus faſt gänzlich auf, ſo wie den Humus. auch jenen unauflöslich gewordenen Extraktivſtoff, und es entweicht waͤhrend ihrer Einwirknng Ammonium. Dieſe Aufloͤſung wird durch Säuren zerſetzt, welche dar⸗ aus ein verbrennliches Pulver niederſchlagen, deſſen Menge im Verhaͤltniß zum Hu⸗ mus aber geringe iſt. Der Alkohol loͤſt den Humus aufz er trennt nur wenig Extraktivſtoff und Harz davon. §. 11 Auflösbarkeit Der eigentlichen Fäulniß iſt der Humus nicht empfänglch, er ſcheint vielmehr derſelben widerſtehend zu ſeyn. Denn der abgeſonderte Eptra aktivſtoff kann in fauligte Humus. Gaͤhrung kommen; thut es aber nicht, ſo lange er mit den uͤbrigen Theilen des Hu⸗ mus verbunden iſt. Aber dennoch wird der Humus, durch Erzeugung der Kohlen⸗ ſaure und des Extraktivſtoffs, wenn er der Luft ausgeſetzt iſt, noch mehr aber durch den Wachsthum der Pflanzen, wenn er dem Boden nicht durch Duͤngung wiederge⸗ geben wird, endlich vollig verzehrt. Wäre das nicht, ſo muͤßte ſich der Humus zu einer weit groͤßern Menge auf der Oberflaͤche des Erdbodens angehäuft haben, als man ihn findet.„Die Zerſtörbarkeit die ſer vegetabiliſchen Erde, ſagt Sauſſure der „Aeltere, iſt eine Thatſache, die weiter keinen Einwurf leidet, und Ackerbauer, „die durch oft wiederholtes Umpfluͤgen die Duͤngung erſetzen wollten, haben die trau⸗ „vige Erfahrung davon gemacht. Sie haben ihre Felder allmählig ärmer und durch Beſtandtheile des Bodens. 111 „die Zerſtörung der Pflanzenerde unfruchtbar werden ſehn.“ Er bezieht ſich hier wahrſcheinlich auf die Verſuche, die ſein Landsmann Chateauvieur mit der Thul⸗ liſchen Drillmethode, ohne Duͤnger, bei Genf machte, und die in du Hamels traité sur la culture des terres ausfuͤhrlich beſchrieben ſind. Solche Beiſpiele liegen uns aber täglich vor Augen. Nur indem wir einen Theil der auf dem Boden erzogenen Pflanzen ihn im Duͤnger zuruͤckgeben, verhuͤten wir die Erſchoͤpfung des Humus, indem er durch die Vegetation doch mehr erzeugt als verzehrt wird, ſo daß, wenn alles, was auf dem Erdboden wächſt, auch darauf verfaulte, die Anhaͤufung des Humus betraͤchtlich ſeyn wuͤrde; wie wir es auch in alten Waldungen und auf un⸗ bewohnten Flaͤchen, die eine der Vegetation guͤnſtige Lage haben, wirklich vorfinden⸗ 5.. Rach den Grunderden, womit ſich der Humus vermiſcht, verhält er ſich ver⸗ Verbinduns ſchieden, und äußert verſchiedene Wirkungen. Der Thon halt vermoͤge ſeiner Zaͤhig⸗ S keit die mit ihm vermiſchten und zertheilten Partikeln des Humus an, und ſichert ſie mehr gegen die Einwirkung der atmoſphaͤriſchen Luft, folglich gegen die Zerſetzung. Deshalb, und weil die Pflanzen ihre Wurzeln im Thon nicht ſo frei und nach allen Seiten hin ausdehnen koͤnnen, muß der Thon mit vielem Humus durchdrungen ſeyn, ſoll er fruchtbar ſich zeigen. Er bedarf deswegen einer ſehr reichlichen Duͤngung, wenn er erſt in Kultur gebracht werden ſoll, und von Natur wenig Humus enthielt. Iſt er aber einmal damit geſchwängert und ganz durchdrungen, ſo bleibt er um ſo länger fruchtbar, ohne einer neuen Duͤngung zu beduͤrfen. Der Thon ſcheint ſich aber auch innig und chemiſch mit dem Humus zu vereinigen, ſo daß dieſer gewiſſerma⸗ ßen ſeine Eigenſchaften, insbeſondere ſeine ſchwarze Farbe verliert. Wir haben Thon⸗ arten unterſucht, die faſt ganz weiß waren, und bei welchen man auch kein andres Merkmal von Humus antraf. Beim Gluͤhen aber wurden ſie ſchwarz, und gaben auch mehrere Merkmale des Gehalts von hydrogeniſirten Kohlenſtoff an. Beim fernern Gluͤhen verſchwand die ſchwarze Farbe, und ſie hatten ſehr merklich an Ge⸗ wicht verloren. Es iſt gar nicht ſelten, daß der angeſchwemmte Boden in den Mar⸗ ſchen und Riederungen ganz weiß ausſieht; aber ſeine hohe Fruchtbarkeit laßt doch auf einen ſtarken Gehalt von Humus oder von den Stoffen, woraus er beſteht, ſchließen. In ſolchen aufgeſchwemmten Beoden findet man den Humus faſt immer am innigſten 112 Beſtandtheile des Bodens. und frkſten mit dem Thone verbunden, weil er als Schlamm mit dem Thone ge⸗ miſcht, von dem Waſſer daſelbſt abgeſetzt wurde. §. 116. Verhalten ge⸗ Dem Sande kann man bloß eine mechaniſche Wirkung zum Humus beimeſſen. 1 5 Wegen ſeiner Lockerheit geſtattet er der atmo ſphaͤriſchen Luft freien Zutritt zu allen Partikeln des Humus, beguͤnſtigt alſo die Abſcheidung des Kohlenſtoffs als Kohlen⸗ ſaure und Eptraktivſtoff, und zerſetzt alſo den Humus ſchneller. Wenn es mit dem Sande genugſam vermiſchten Humus nicht an Feuchtigkeit fehlt, ſo iſt dieſer Boden ungemein fruchtbar. Aber ſeine Fruchtbarkeit wird auch ſchnell erſchoͤpft, weil der Humus zerſeßt wird. Man findet hier im Oderbruche ſolche Stellen, wo auf dem Sande, den die Stroͤmungen des Waſſers angehaͤuft hatten, ſich vor zehn oder zwölf Jahren noch eine ſtarke Lage von Humus befand, die ſich aber zuſehends erſchoͤpft hat, ſo daß man jetzt nur klaren weißen Flugſand darauf ſieht. Es iſt ſonderbar, daß auch dieſe ganz unfruchtharen Stellen im Fruͤhjahr mit ſchoͤnen gruͤnen Raſen ſich uͤberziehen. Dies iſt nicht anders zu erklären, als von der Menge des kohlen⸗ ſauren Gas, was ſich dort erzengt. Dagegen verbeſſert ſich daſelbſt der mit zu vielem Humus vermiſchte Boden durch längere Beackerung. Wird hier mit loſen ſchwam⸗ migen Humus, der ſich ohne Beimiſchung von Grunderden angehaͤuft hat, Sand vermengt, ſo verbeſſert ihn dies ſehr. Der Sand preßt ihn zuſammen, ſo daß er nicht ſo ſchwammig bleibt, nicht zu viele Feuchtigkeit anzieht, und auch den Pflan⸗ zenwurzeln mehr Haltung und Feſtigkeit giebt. Dies iſt der Fall, wo man mit Sand duͤngen kann, und größe Wirkung davon ſieht, großer als ſelbſt vom aufgefahrnen Miſte. Auch den ſauren Humus und den Torf zerſetzt der Sand, oder vielmehr er wird durch die Beihuͤlſe des Sandes von der ubermäßigen Naͤſſe befreit, und dann von der Atmoſphaͤre zerſetzt. 5. 117. Anders wie der an der Luft gelegene, verhält ſich derjenige Humus, welcher Humus durch der Einwirkung derſelben lange entzogen iſt, es ſey, daß er in tieſerer Lage durch ſeine obere Schicht ſelbſt, oder durch andere Erde oder durch Waſſer bedeckt wurde. Ge⸗ teldet. nugſam iſt dieſer Zuſtand noch nicht unterſucht, und wir koͤnnen uͤber das Eigen⸗ thuͤmliche der Veraͤnderungen, die mit ſolchem, der Luft entzogenen Humus, vorge⸗ hen * Beſtandtheile des Bodens. 11½ 2 nur mit Wahrſcheinlichkeit reden. Er beſitzt aber beſondere Eigenſchaften, ſelbſt dann, wenn er keine Saͤure hat. Wir finden ſolchen Humus oſft in Sinken und Niederungen, beſonders neben Waͤldern angehaͤuft. Das aus den hoͤheren Stellen hier zuſammenfließende Waſſer, nahm allerlei Vegetabilien und ſelbſt ſchon gebildeten Humus mit ſich fort, und ſetzte ihn hier ab, wo er dann oft maͤchtige Lager bildet. Er iſt allerdings faſt immer mit Grunderden vermengt, die von der Art ſind, woraus die umliegende Gegend beſteht. Solcher Humus, wenigſtens der tiefer liegende, iſt vom Zutritte der Luſt ausge⸗ ſchloſſen geweſen, hat ſich alſo auf eine ganz andere Weiſe in ſich ſelbſt zerſett, und andere Materien in ſich erzeugt. Die Erzeugung der Kohlenſaͤure und des Extraktiv⸗ ſtoffs findet hoͤchſt wahrſcheinlich ohne Zutritt der Luft nicht ſtatt. Vermuthlich geht ein Theil Hydrogen mit einem Theile Oxygen zu Waſſer zuſammen. Ein anderer Theil von Hydrogen löſt dagegen Kohlenſtoff, und entweicht damit als gekohltes Hydrogengas. Beſtimmt wird der Kohlenſtoff dieſem Humus in geringerer 2 Menge, wie die uͤbrigen Elemente, entriſſen. Es tritt alſo gerade der entgegengeſetzte Fal ein, wie bei dem, der an der ſreien Luſt lag. Je laͤnger der Humus alſo bedeckt liegt, deſto mehr muß der Kohlenſtoff in ihm an⸗ wachſen, und er alſo eine Art von langſamer Verkohlung erleiden. Die tiefer liegen⸗ den Schichten dieſes Humus, welche fruͤher entſtanden und aͤlter ſind, wie die hoͤher liegenden, haben daher ein mehr kohlenartiges Anſehn, find ſchwaͤrzer und kompak⸗ ter, und geben beim Brennen mehr Kohle, wie die hoͤher liegenden. Wenn aber die Kohle nur in ihrer Verbindung mit Hydrogen aufloͤslich bleibt, ſo iſt ein ſolcher Hnmus ſchwer zerſetzbar, und daher wenig wirkſam, bis er nach läͤngerer Luftausſe, tung ſeine Natur wieder verändert hat. Durch Vermengung mit ſriſchem, viel Am⸗ monium ausduͤnſtenden Miſt, wird er, wie die Erfahrung lehrt, ſchneller wirkſam, und oft verſpuͤrt man die ie Wickung d der Auffuͤhrung eines ſolchen Humus auf den Acker nicht eher, als bis derſelbe eine Miſtduͤngung erhält. Aber auch der Kalk befoͤrdert ſeine Zerſetz sbarkeit ſehr, und oſt iſt man im Stande, dieſe Miſchung um ſo leichter zu bewirken, wenn man unter ſolchem Moder eine Schicht von erdigen, aus Muſcheln entſtandenen Kalk antrifft; wie dies haufig der Fall iſt. Faſt eine gleiche Bewandniß hat es mit dem Humus oder Moder, Waſſer gelegen hat. Steht das Waſſer nicht hoch uber denſelben, und trocknet von Zeit zu Zweiter Theil. P der Naße⸗ 114 Beſtandtheile des Bodens. Zeit aus, ſo daß er in Beruͤhrung mit der Luft kommt, ſo iſt ein ſolcher Moder weit ſchneller wirkſam, wie der, welcher tief unter Waſſer gelegen hat. §. 118. Wenn der Humus immer feucht, jedoch nicht ganz mit Waſſer bedeckt liegt, 5o ſo eteugt ſich in demſelben eine Saͤure, die ſchon dem Geſchmacke ſehr auffallend iſt, ſich aber noch deutlicher durch das Roͤchen des Lakmuspapiers offenbart. Man hat dies lange gewußt, und daher ſolche Wieſen und Gruͤnde mi Recht ſauer ge⸗ nannt, obwohl dieſer Ausdruck haͤuſig gemißbraucht ward. Wir haben aber wohl die Sache zuerſt genauer unterſucht, und die eigenthüͤmliche Beſchaffenheit dieſer Saͤure erforſcht, die wir anfangs fuͤr eine Saͤure beſonderer Art, deren Baſis Koh⸗ lenſtoff ſei, zu halten verleitet wurden. Sie iſt aber mehrentheits Eſſig, zuweilen auch——— die ſich ſonderbar ſeſt an den Humus haͤnget, ſo daß man ſie icht abwaſchen und ſelbſt durch das Kochen nicht davon trennen kann. Die Fluͤſſig⸗ keit, womit der Humus gekocht iſt, bekommt zwar einen ſauerlichen Geſchmack, aber der groͤßte Theil der Saͤure bleibt an jenem hangen. Was das Waſſer ſonſt noch auſgelöſt hat, beſteht in einer geringen Menge von einer braunen, im trocknen Zu⸗ ſtande ſproͤden Rate die aber von dem Extraktivſtoffe des gewoͤhnlichen Humus ſehr verſchieden iſt, und nicht die Eigenſchaſten beſitzt, ſich beim Zutritt der Luft aus dem Waſſer niederz Dagegen fuͤhrt dieſer ſaure Humus eine große Menge von unaufloͤslichen Extraktivſtoff ſen, zuweilen beſteht der großte Theil ſeines Ge⸗ wichts daraus. Wenn er daher mit einer alkaliſchen Lauge digerirt wird, ſo wird die Lauge dunkelbraun, ſogar von vieler aufgeloͤſten Subſtanz dick ckfluͤſſig. Wird zu der Lauge dann eine Saͤure geſchuͤttet, ſo ſchlägt ſich der Extraktivſtoff in dunkelbraunen Flocken niet urdig iſt, wenn man nur etwas mehr Saͤure, als zur Neutraliſirung des 2 ig iſt, hinzuſetzt, die Eſſig⸗ und Phosphor⸗ ſaͤure wieder in ſch auf, ſo daß er eben ſo ſauer bleibt, wie er vorher war. Iſt aber gerade nur ſo viel Säure, als S. das. „ und nin imt, was Spr ber ſtoff iſt dann nicht mehr ſauer. Die ſer ſu ure enthält— vorher an der Saͤure gebunden durch einen ſtechenden Geruch ſehr merklich wird, wenn man die Aufloͤſung mit Alkalien behandelt. Beſtandtheile des Bodens. 115 mus. Dieſer ſaure Humus iſt unfrucht die Saͤure ſtark iſt, und den ſämm 8 Binſen, Junci, Dunggras, Priophorum u. ſ. w. Dieſe, vorzüglich die Bin⸗ ſo koͤnnen nur ſen ſind ſeine gewoͤhnliche und igenthuͤmliche Bewohner, und wo man ſie findet, kann man mit Sicherheit annehmen, daß der Boden vielen ſauren Humus enthalte. Wenn wir aber den Boden nur trocken legen, und von der ſchädlichen Feuchtig⸗ koͤnnen, ſo haben wir Mittel, ihm dieſe ſchaͤdliche Eigenſchaft zu benehmen, und ihni fruchtbaren Humus zu verwandeln. Wir finden dann in ihm einen von der Natur uns aufbewahrten Schatz von vegetabiliſchen Rahrungsſtoffen, den wir auf das Vortheilhafteſte auf der Stelle ſelbſt, oder indem wir ihn als Duͤnger auf andere Felder fuͤhren, benutzen koͤnnen. Wir wiſſen nämlich, daß er durch Alkali, Aſche, Kalk und Mergel von ſeiner Saure befreit, und ſchnell aufloslich gemacht werde. Wenn wir aber auch dieſe Magerien nicht anwenden können, ſo koͤnnen wir doch aus ihm ſelbſt ein wirk ſames wir ihn naͤmlich brennen. Es wird dadurch nicht nur Gegenmittel bereiten, indem aus ihm ſelbſt das ſo wohlthätige Kali und Kalk erzeugt, ſondern es hat auch das das Raſenbrennen am vortheilhaſteſten auf ſolchem Boden angewandt wird. F Ein ähnlicher Humus erzeugt ſich aus Gewaͤchſen, die vielen Gerbeſtoff oder doch e etwas ähnliches enthalten, beſonders aus dem Heidekraut, ſelbſt an trocknen Orten. Man findet da, wo ſich dieſe in Familien lebenden Pflanzen eingewuchert haben, oft eine ganz ſchwarze Erde, woran zuweilen freilich das Eiſen einigen Antheil hat, die aber doch aus vielem Humus, der aber ganz unaufloslich iſt, beſteht. Dieſer Humus beguͤnſtigt nur die Vegetation derjenigen Gewächſe, woraus er entſtand, und dieſe Ge⸗ waͤchſe gedeihen nur, wo ſie ihn vorfinden. Das Heidekraut iſt ſehr ſchwer fortzubrin⸗ gen, wo ſich dieſer Humus nicht erzeugt hat. Wo er iſt, laßt es wenig andere Pflanzen auſtommen. Durch Mergel, Kalk und Ammonium enthaltenden Miſt kann dieſer Humus umgewandelt werden, und ſomit wird dann auch jenes Heidekraut vertilgt. P ————— Verſchieden⸗ heit des durch Faͤulniß und durch Verwit⸗ terung ent— ſtandenen Hu⸗ mus. Thieriſcher und vegetabi⸗ liſcher Hu⸗ mus. 116 Beſtandtheile des Bodens. Auch das Brennen leiſtet einige Dienſte; nur kann das Feuer ſelten ſtark genug unterhalten werden. Ein ähnlicher Humus entſteht aus dem Laube einiger Baume, beſonders der Eichen, wenn er bei ſeiner Faulung nicht mit kraͤftigen thieriſchen Miſt oder Kalk und Alkalien verſetzt wird. Allmählig verliert dieſer Humus jedoch ſeine ſchädliche Eigen⸗ ſchaft an der Luft, und wird endlich zu milden Humus, aber ſpäter wirkſam. . 5 1. Auch ſcheint bei friſch entſtandenem Humus ein erheblicher Unterſchied obzuwal⸗ ten, zwiſchen den, der der Ruͤckſtand einer vollkommnen Faͤulniß iſt, und den, der nur vermoderte, weil ihm die Bedingungen der Faͤulniß, Waͤrme und Feuchtigkeit fehlten, wo aber ein deſto freierer Zutritt der Luft ſtatt fand. Genau iſt dieſe Ver⸗ ſchiedenheit noch nicht unterſucht. Indeſſen ſcheint jener offenbar weniger Kohle zu enthalten, und glimmt nur, wenn er entzuͤndet wird; dieſer iſt ſchwaͤrzer, hat mehr Kohle, brennet deshalb lebhafter, und macht mehr Waͤrmeſtoff ffrei. Die meiſten Verſuche, welche insbeſondere Sauſſure mit dem Humus anſtellte, ſind mit je⸗ nem vorgenommen, indem man ihn aus Weiden und andern modernden Baͤumen am bequemſten und reinſten ſammeln konnte. Man findet oft in vormaligen Bruͤchern, welche abgewaͤſſert worden, einen dem vermoderten Holze ſehr ähnlichen Humus, der den Hauptbeſtandtheil des Bodens bis zu einer Tiefe von 1 ½] bis 2 Fuß ausmacht. Ein ſolcher an Rahrungsſtoff ſo reicher Boden iſt dennoch beim Ackerbau ſehr miß⸗ lich, und insbeſondere fuͤr die Cerealien wenig geeignet. Ob dieſes allein von der zu großen Loſigkeit des Bodens, oder von einer beſonderen Qualität des Humus her⸗ ruhre, iſt mir noch zweifelhaft, und wir ſtellen gegenwärtig Verſuche daruͤber an. Seine Aehnlichkeit mit dem Moder der Weidenbaͤume beſtaͤtigt uns auf die Bemer⸗ kung, daß das Cerastium vulgatum ſolche Stellen vor zllen andern Pflanzen uͤberzieht. 6. 122. 6 Endlich unterſcheidet ſich der Humus, ins beſondere der friſchere, je nachdem er mehr aus der Faͤulniß vegetabiliſcher oder thieriſcher Koͤrper entſtanden iſt, ſehr merk⸗ lich. Der letztere hat mehr Azot, mehr Schwefel und Phosphorſtoff beigemiſcht, welches man bei dem Verbrennen aus dem Geruche, der dem verbrannter thieriſcher Koͤrper gleich kommt, ſchon ſehr deutlich bemerken kann. Beſtandtheile des Bodens. 117 Es bedarf noch genauerer pneumatiſcher Unterſuchungen des Humus, um die Verhoͤltniſſe der Beſtandtheile in den verſchiedenen Arten zu beſtimmen. 6. 12. Auch der Torf iſt eine Art von Humus. Ueber die Entſtehung des Torfs, und das was er ſey, hat man ſehr verſchiedene Meinungen gehabt. Vormals hielt man ihn fuͤr mineraliſchen oder doch halb mineraliſchen Urſprungs. Denn man glaubte, daß er eine zuſammengehaͤufte Maſſe und von erdharzigen Theilen durchdrungen ſey. Indeſſen iſt dieſe Meinung längſt aufgegeben worden. Man trifft zwar Torfarten mit Erdharzen geſchwängert an, aber man hat auch ſolchen, der keine Spur davon enthaͤlt. Und wäre auch Erdharz darin, ſo iſt es wohl erwieſen, daß ſelbſt das Erdharz vergetabiliſchen Urſorungs ſey. Der Torf alſo iſt nichts anders, als eine zuſammengehaͤufte, von mehr oder minder verweſten Pflanzentheilen entſtandene Materie. Er entſteht an niedrigen feuchten Stellen, wo gewiſſe, der Fäulniß mehr widerſtehende Graͤſer und Laubmooſe wachſen, und ſich ſo daſelbſt anhäͤufen. Dann aus andern Theilen, welche das her⸗ beifließende Waſſer an der Stelle anſchwemmt. Alles häuft ſich uͤbereinander, das Vegetabiliſche geht in Verweſung uber, verliert, je länger es liegt, ſein organiſches Gewebe immer mehr, und wird zu einer kompakten ſchwammigen Maſſe zuſammen⸗ geballt. Wenn die Verweſung ſo weit gediehen iſt, daß das organiſche Gewebe ganz zerſtoͤrt worden, ſo iſt der Torf weiter nichts als ein Humus, und zwar ein ſaurer. Denn jeder Humus, wenn er nur einigen Zuſammenhang hat, und nicht zuviel mit Grunderden vermengt iſt, läßt ſich als Torf benutzen und brennen. Die Pflanzen, woraus der Torf ſich bildet und gewiſſermaßen waͤchſt, ſind lauter ſolche, die einen feuchten Standort haben. Die Riedgräſer(Carices), die Dunggräſer (Eriophorum), der Porſch(Ledum palustre), und vorzuglich das Torfmoos (Sphagnum palustre), ſind alle in ihm verwebt. Indeſſen hat man dem Torfmooſe einen vorzüglichen Antheil an dieſer Erzeugung des Torfo bisher zugeſchrieben und es iſt wohl gewiß, daß es einen großen Theil zur Bildung des Torfs hergiebt. Van Marum, der holländiſche verdienſtvolle Naturforſcher, haͤlt indeſſen noch eine andere Pflanze, die Converva rivularis fuͤr die Hauptmutter des Torfes, ſo daß er ſogar Entſtehung des Torfes. 118 Der Torf. der Meinung iſt, man koͤnne Torf erzeugen und pſflanzen, wenn man dieſe Pflanze nur au einer feuchten Stelle einheimiſch mache. Vergl. Hermbſtaͤdts Archiv, Bd. 1. S. 420. Die Umſtaͤnde koͤnnen ſehr verſchieden ſeyn, unter welchen der Torf entſteht. Die Lage des Bodens gegen die rund umher liegenden Gegend, beſonders gegen den benachbarten Waſſerſpiegel und der hiervon abhůn igenden Feuchtigkeitszuſtand, dann auch die Beſchaffenheit der Pflanzen, woraus der T entſteht, und endlich die Be⸗ ſchaffenheit des Untergrundes cönn— en an verſchiedenen Orten ſehr von einander abwei⸗ chen, und hierdurch wird wohl die mannigfaltige Verſchiedenheit hervorgebracht, die wir am Torfe bemerken. Wir finden den Torf an dem einen Orte, wo alles der ſchnellern Verweſung guͤnſtig war, als eine— ſchwere und ſchwarze Maſſe. An anderen, wo die Verweſung nur langſam vor ſich gehen konnte, als eine loſe leichte Maſſe, in der man noch viele Faſern von unzerſtoͤrten Pflanzen findet, oder die faſt ganz aus ſolchen beſtehet. Zuwei len hat ſich auch wirklich Erdharz, durch ei⸗ nen beſonderen noch nicht bekannten Verweſungsprozeß darin erzeugt. Es giebt noch viele andere Abweichungen bei dem Torfe, die mehr oder weniger in die Augen fallend ſind, und zum Theil ſich nur bei einer genauern Analyſe zeigen. Der Torf ſelbſt iſt in einem und demſelben Lager verſchieden. Oben ſindet man ge⸗ meiniglich einen loſen faſtigen Torf, weiter unten iſt er weniger faſrig, und je tiefer man kommt, je kompakter, feſter, ſchwerer und ſchwarzer wird die Maſſe. Dies läßt ſich leicht erklaͤren. Der Torf entſteht nicht anf einmal, ſondern nach und nach bildet ſich eine Lage uber die andere. Erſt wenn eine Generation von Pflanzen nabge⸗ ſtorben iſt, wäͤchſt auf ihren Ruͤckbleibſeln eine neue, und ſo erhebt ſich allmaͤhlig das ganze Lager, die unten liegenden Schichten haben alſo ein bet eres Alter, wie die obern, und in ihnen iſt die Verweſung ſchon weiter vorgeruͤckt. Da dieſe nun, je weiter ſie gehe, die Ruͤckbleibſel der Pflanzentheile immer in einen mehr kohlenarti⸗ gen Zuſtand verſetzt, ſo werden auch die untern Schichten mehr zerſtoͤrt, ſchwaͤrzer und kohlenartiger ſeyn. Pie ſich der Der Torf kommt dem Humus um ſo mehr gleich, je ſtaͤrker die Pflanzenfaſern darin zerſetzt ſind. NMur iſt er von dem Humus, der ſich auf dem Acker, in Waͤldern ſcheidet. und an andern Stellen erzeugt, verſchieden, weil er unter andern Bedingungen ent⸗ ſteht. Der Humus, welcher durch die Verweſung vegetabiliſcher Koͤrper ſonſt ent⸗ ſteht, iſt keiner ſo anhaltenden Feuchtigkeit ausgeſetzt, wie der Torf. Auch wirken ——— Der Torf. 119 auf ihn die Grunderden des Bodens, womit er ſich vermengt, die aber beim eigent⸗ lichen Torfe nicht vorhanden ſind. In den meiſten Fallen ſtimmt der Torf mit dem ſauren Humus uͤberein, und oſt hat er die Eigenſchaften des letztern ſo ſehr, daß man ihn mit djeſem durchaus für eins halten muß. Der Torf enthalt nämlich mehrencheils, wie der ſaure Humus, Eſſigſaͤure, Phosphorſäure und auch Ammonium. Wenn er aber auch nicht ſauer iſt, ſo beſiht er doch eine große Menge vom unauflöslichen Extraktivſtoff, welcher durch Kali oder Aſche auftösbar wird. Zuweilen triſſt man im Torſe Schwefelkies an, der ohne Zweifel von außen, man kann nicht recht ausmachen wie, hineingekommen iſt. Solcher Torf giebt beim Brennen einen ſchweflichten Geruch, und er wittert auch zuweilen auf ſeiner Oberflaͤche ein tintenartig ſchmeckendes Salz aus, das aus ſchwe⸗ felſaurem Eiſen oder Vitriol beſteht. So wie der Humus aus Kohlenſtoff, Hydrogen, Azot und Oxygen zuſammen⸗ geſetzt iſt, eben ſo machen auch dieſe G Elemente die Beſtandtheile des Torfs aus. Wenn man den Torf einer trocknen Diſtillation unterwirft, ſo erhalt man eben die Subſtanzen, die der— lieſert, zwar in etwas verſchiedenen Verhaͤltniſſen, weil der Kohlenſtoff im Torfe uberwiegender iſt. Indeſſen iſt nicht aller Torf gleich reich an— Stoffe. Je aͤlter er iſt, deſto mehr beſitzt er davon, und da von der ge des Kohlenſtofſs die Guͤte des Torfs zum Brennen abhängt, ſo iſt ſolcher alte, am meiſten Kohlenſtoff enthaltender, dazu der beſte. Der Torf kann durch trok⸗ kene Lage, durch Vermengung mit Alkali oder Kalk in Verweſung geſetzt, von ſeiner ⸗ Saͤure befreit, und in einen milden fruchtbaren Humus umgewandelt werden. Hie⸗ von ein mehreres in der Lehre von der Duͤngung 5. 123. Eine andere brennbare Subſtanz, die ſich zuweilen nicht tief unter der Ober⸗Die Braun⸗ flache des Bodens zuweilen unter den Torfmooren findet, iſt die Braun⸗ und Erd⸗ kohle, oder das bituminoͤſe Holz. Es iſt dem Landwirthe nicht bloß als Brenn⸗ material, insbeſondere bei der Kalkbrennerey wichtig, ſondern es ſcheint auch einen vorzuͤglich wirkſamen Duͤnger abzugeben, beſonders wenn es mit Schweſelkies und Eiſen durchdrungen iſt, und dann durch die Verwitterung des erſtern Eiſenvitriol darin erzeugt wird, das beſonders in dieſer Verbindung in geringem Maße auf den Acker gebracht, duͤngend zu ſeyn ſcheint.— Das Verhält⸗ niß der ver⸗ 120 Die Bodenarten. Die Bodenarten, ihre Eigenſchaften, Werth und Venutzung, in ſofern ſie aus den Gemengsverhaͤltniſſen der Beſtand⸗ theile der Ackerkrume hervorgehen. §. 125. Jede einzelne der vorerwaͤhnten Subſtanzen wuͤrde fur ſich einen unfruchtbaren ſchiedenen Be⸗ oder doch zum Ackerbau untauglichen Boden ausmachen. Rur das moͤglich beſte ſtandtheile macht die Bo⸗ Verhaͤltniß ihrer Mengung giebt den moglich beſten Boden ab, und die unendliche denarten aus. Verſchiedenheit in dieſen Verhöltniſſen bewirkt die unzählige Verſchiedenheit der Bo. denarten, ſo daß ſich bei dieſen keine beſtimmte Abſchnitte oder Grenzen, ſondern nur Uebergaͤnge angeben laſſen. Man hat bisher die Bodenarten nach dem Grade ihrer Fruchtbarkeit, die man an ihnen bemerkte, und nach den mehr oder minder edleren Fruͤchten, die ſie reich⸗ lich zu tragen vermochten, empiriſch abgetheilt; aber die Beſtimmung dieſer Boden⸗ arten iſt ſo mangelhaft gegeben, wie ſie ohne Kenntniß ihrer Beſtandtheile auch nur gegeben werden kann. Wenn man dagegen eine Beſtimmung der Bodenarten nach ihren Beſtandtheilen verſuchte, ſo ward auf den Grad ihrer Fruchtbarkeit und ihr Verhalten beim Ackerbau zu wenig Ruͤckſicht genommen, und es wurden keine ge⸗ nauere Beobachtungen daruͤber angeſtellt oder wenigſtens nicht mitgetheilt. Wir haben zuerſt mehrere hundert Arten von Ackerboden chemiſch unterſucht, und zugleich uber ihr Verhalten beim Ackerbau und bei der Vegetation uns die moͤglichſt genauſten Nachrichten, von jeder beſonders, zu verſchaffen geſucht. Die bieraus ſich erge⸗ benden Reſultate haben uns zwar in den Stand geſetzt, mit mehrerer Beſtimmtheit, wie bisher geſchehen iſt, daruͤber etwas ſagen zu können; aber dennoch ſind ſie bis jetzt nicht zureichend, um die Sache ſo klar zu machen, und ſo uͤber alle Zweifel zu erheben, wie es doch moglich zu ſeyn ſcheint, und wie es wahrſcheinlich in der Folge geſchehen wird. Wenn man das Folgende alſo auch nur als einen erſten und daher immer unvollkommnen Verſuch einer genauern Beſtimmung und Kiaſſiſkation der Bodenarten anſehen kann, ſo balte ich ihn dennoch fuͤr verdienſtlich, inſoſern er die erſte Bahn bricht, auf welcher wir zu genauern Beſtimmungen gelangen werden. Bei Die Bobenarten. 121 Bei der Schaͤtzung der Bodenarten zuvoͤrderſt nach ihren Beſtandtheilen, nehme ich eine Gleichheit ihrer uͤbrigen Verhaͤltniſſe,⸗in Anſehung ihrer Lage, ihres Feuchtigkeitzuſtandes, ihrer Tiefe, ihres Untergrundes u. ſ. f. an, und ſetze voraus, daß ſie hierin einander gleich und fehlerfrey ſind. In der Folge werden wir auf jene Eigenſchaften zuroͤckkommen, und ihren verſchiedenen Einfluß auf die verſchiedenen Bodenarten wuͤrdigen. F. 126. Der Humus iſt wie oben geſagt diejenige Subſtanz, welche im Erdboden den Pflanzen die Nahrung giebt. Die Kraft oder der Reichthum des Bodens, oder was man auch zuweilen ſeine Fettigkeit(obgleich darunter auch zuwei⸗ len die Beſchaffenheit des Thons verſtanden wird) nennt, haͤngt daher ledig⸗ lich von ihm und ſeinem Verhaͤltniſſe ab. Zugleich aber hat er auch phyſiſch, und als unzerſetzter Koͤrper betrachtet, eine merkliche Einwirkung auf den Boden. Er macht den thonigten Boden poros, beguͤnſtigt die Einwirkung der Luft darauf⸗ befördert ſeine Muͤrbheit und ſein Zerfallen. Den Sand befeſtigt er, und haͤlt, durch ſeine Vermengung mit ſelbigem die Feuchtigkeit mehr an, und zwar thut er beides mehr, als er es fuͤr ſich allein thun wuͤrde, ſo daß der aus Humus und Sand in gerechtem Verhaͤltniſſe gemengte Boden mehr gebunden und Feuchtig⸗ keit haltend iſt, als wenn einer dieſer Beſtandtheile zu ſehr uͤberwoͤge. Den uͤberreichen Kalkboden kuhlt er, wie man zu ſagen pflegt, macht ihn milder und weniger reizend, befeſtigt ſeine Conſiſtenz, und halt auch in ihm die Verdunſtung der Feuchtigkeit mehr zuruͤck. Indeſſen kann dieſe fruchtbare Subſtanz auch in uͤbergroßer Menge im Bo⸗ den vorhanden ſeyn, ſo daß dieſer dadurch zu loſe und zu ſchwammig wird, und den Pflanzenwurzeln nicht die nöchige feſte Haltung giebt. Er ſaugt in dieſem Uebermaße die Feuchtigkeit wie ein Schwamm begierig ein, wird davon bei naſſer Witterung uͤberfuͤllt, und faſt moraſtig, ſo daß die Pflanzen alles Uebel erleiden, was eine uͤbermäßige Naſſe ihnen verurſacht, davon krank werden und abſterben. Bei der Duͤrre läßt er dagegen die Feuchtigkeit durch ſtarke Ansduͤnſtung leicht fahren, und wird daher an der Oberfläche ganz duͤrre und ſtaubige, ſo daß die da⸗ rin liegenden Samenkoͤrner nicht keimen koͤnnen, oder was noch ſchlimmer iſt, im Keime wieder vertrocknen. Einige Zelle tiefer, wo ihn die Atmoſphaͤre nicht Zweiter Theil. Q Berhalten des Humus im Boden. ————* —— Verhaͤltniß des Humus zum Thon im humoſen Boden. 122 Die Bodenarten. beruͤhrt, kann er dagegen noch ſo naß ſeyn, daß man aus einer Handvoll heraus⸗ gegriffener Erde das Waſſer tropfenweiſe herauspreſſen kann. Ein ſolcher mit Humus uͤberfuͤllter Boden zieht ſich ferner bei jeder erheblichen Veraͤnderung der Temperatur ſtark zuſammen, und blaͤht ſich wieder auf, wodurch die Pflanzen⸗ wurzeln loſe gemacht und in die Hoͤhe gezogen werden, ſo daß ſie oft kaum durch die Spitzen ihrer Wurzeln mit dem Boden in Verbindung bleiben, ſondern oben auf zu liegen kommen: weswegen ein ſolcher Boden ſich oft gar nicht zu Winte⸗ rungsſaaten paßt, ſondern allein zur Soͤmmerung, und manchmal auch nicht zur Gerſte, ſondern nur zu dem zaͤheren Hafer benutzt werden kann. Er beguͤnſtigt endlich manche Unkrautsarten weit mehr, wie die Cerealien, und jene nehmen daher ſo ſehr in ihm uͤberhand, daß ſie dieſe erſticken. A Der an Humus, und ſelbſt an gutem milden Humus, uͤberreiche und her⸗ vorſtechende Boden iſt alſo keinesweges der nutzbarſte, obwohl man ihn als Duͤngung zur Befruchtung eines andern Bodens gebrauchen konnte. Iſt er feucht, ſo iſt er mehr zu Wieſen geeignet, und giebt, wenn er anders nicht ſumpfig wird, mit den zweckmaͤßigſten Graͤſern, dem Alopeourus praten- sis, den groͤßeren Poa und Festuca-Arten beſtockt, den aller fruchtbarſten Wie⸗ ſengrund ab. Liegt er trocken, ſo laͤßt er ſich zuweilen durch das Auffuͤhren ir⸗ gend einer magern Erdart, oder leichter und zweckmaͤßiger durch das Brennen verbeſſern, wodurch ein Theil des uͤberfluͤſſigen Humus verzehrt und in Aſche verwandelt wird; wonach man ſich jedoch im Anfange fuͤr Lagergetreide zu huten hat. 6. 16 Unter allen Grunderden kann der Thon die ſtaͤrkſte Zumiſchung von Hu⸗ mus ertragen, indem die Eigenſchaften des letztern die Nachtheile des erſtern verbeſſern. Bis zu welchem Grade die Beimiſchung des Humus die Fruchtbar⸗ keit und den Werth des thonigen Bodens vermehre, getraue ich mich noch nicht zu beſtimmen. Der reichſte Boden, den wir unterſucht haben, und der aus dem Oderbruche genommen war, enthielt 193 Prozent Humus, mit 70 Prozent Thon, etwas feinen Sand und kaum bemerklichen Kalk. Dieſer Boden lag aber zu niedrig und zu feucht, um ſeine Fruchtbarkeit gehoͤrig ſchätzen und benußen zu köͤnnen. Winterung war jenes Fehlers wegen gar nicht darauf zu bauen, und Die Bodenarten. 123 Sommerung mißlich. Er hatte uͤbrigens hinlängliche Bindung, und eine ſehr angemeſſene waſſerhaltende Kraft. Sonſt ſind 11 ½ Prezent das Hoͤchſte geweſen, was wir in thonigten Ackerboden, ſogenanntem Klai⸗ oder Marſch⸗Boden an Humus gefunden haben. Wir haben aber auch denjenigen unerſchoͤpflichen Bo⸗ den zu unterſuchen keine Gelegenheit gehabt, der jaͤhrlich reifende Fruͤchte ohne alle Duͤngung tragen ſoll, und auf welchem man, wird er nur genugſam bearbei⸗ tet, durchaus keine Abnahme an Fruchtbarkeit zu verſpuren verſichert, auch welcher durch aufgebrachten Duͤnger ſich nur verſchlechtert. Er ſoll ſich in der Ukraine, in Ungarn an den Niederungen der Theis und an verſchiedenen andern kleinen Stellen ſelbſt in Deutſchland finden. Denn obwohl man verſchiedene von uns unterſuchte Bodenarten ehemals fuͤr unerſchoͤpflich hielt, nachdem ſie dem Meere abgewonnen oder zuerſt aus dem alten 2 Raſen auf⸗ gebrochen worden, ſo hat ſich doch in der Folge gezeigt, daß ſie nach einer Reihe von reifenden Saaten des Duͤngers beduͤrftig wurden, wenn man ſie anders nicht zu Graſe und zur Weide niederlegte, und ſie dadurch neue Kraͤfte gewinnen ließ, oder aber ſie durch unerſchoͤpfte aus dem Untergrunde hervor geholte Erde mittelſt des Rajolens, Kuhlens, Wuͤhlens oder Grabenauswurfs wieder befruchtete. Es giebt nur noch wenige Gegenden, wo man des Duͤngers ganz entbehren zu koͤnnen glaubt, und dies ſind ſolche, wo das Land mehr zu Vieh⸗ weiden als zum Kornbau benutzt wird. Der reichſte von uns unterſuchte thonige Ackerboden, und deſſen Fruchtbar⸗ keit fur das Non plus ultra gehalten ward, war vom rechten Ufer der Elbe einige Meilen von ihrem Ausfluſſe, und hielt wie geſagt 11 ½ Prozent Humus mit 4 Prozent Kalk, und uͤbrigens groͤßtentheils Thon mit etwas grober aber ziem⸗ . ch vieler feiner nur durch das Kochen abzutrennenden Kieſelerde. Er war zwar ſtark gebunden, aber bei mäßiger Feuchtigkeit nicht ſehr zaͤhe; er ward mit den ſtärkſten Fruͤchten, Raps, Weizen, Wintergerſte, Bohnen beſtellt, verlangte aber doch alle ſechs Jahre zum S eine ſtarke Miſtduͤngung und Brache. Wir haben den Humus mit Thon gemengt in ſolchen angeſchlemmten Niede⸗ rungsboden, die insbeſondere bej einem zweckmaͤßigen Fruchtwechſel von der hoͤch⸗ ſten Fruchtbarkeit waren, in verſchiedenen Gradationen gefunden. Ein Boden aus dem Budjadinger Lande, welcher in der Gegend weit und breit fur den frucht⸗ 124 Die Bodenarten. barſten gehalten wurde, hatte 82 Prozent Humus mit 3 bis ₰ Prozent Kalk, und obrigens faſt lauter Thon. Ein Boden aus dem Amte Wollup, der 6 ½ Prezent Humus hatte, war noch ein trefflicher Weizenboden, indem er naͤmlich dieſe Frucht noch in dritter Tracht ſehr uͤppig trug. Die ſchwarze Farbe des Bodens ſteht nicht immer in Verhaͤltniß mit ſeinem Humus. Er iſt zuweilen weißlich, wie ſchon erwaͤhnt, und hat dennoch mehr Humusgehalt, als ein anderer, der ſchwaͤrzlicher ausſieht. Seine ſchwarze Farbe kommt aber zum Vorſchein, wenn man ihn in einem verſchloſſenen Tiegel gluht. Dieſe reichen Thon⸗ oder Klayboden finden ſich nur in Niederungen, die eut⸗ weder notoriſch oder doch hoͤchſt wahrſcheinlich mit dem abgeſeßten Schlamm des Waſſers tiefer oder flacher bedeckt worden ſind; alſo an den Ufern der Stroͤme, deren Waſſer langſam uͤbertrat und ſich langſam wieder zuruͤckzog, oder in ſolchen Thaͤlern, die vormals, ehe ſich das Waſſer einen Ausweg bahnte, Seen waren. Man ſetzt dieſe Ackerarten in die erſte Klaſſe, und nennt ſie gewoͤhnlich ſtarken Weizenboden, weil ſie noch in dritter Tracht nach dem Duͤnger bei dem Dreifelder⸗ ſyſteme Weizen zu tragen vermoͤgen. Die in dieſe Klaſſe zu ordnenden Bodenarten haben indeſſen Gradationen in ihrer Fruchtbarkeit und ihrem Werth. Ob man dieſe nach Verhaͤltniß ihres Humusgehalts allein beſtimmen koͤnne, getraue ich mich nicht zu entſcheiden, indem die Vergleichung der Fruchtbarkeit an entfernten Orten zu ſchwierig, und wohl vom Klima mit abhaͤngig iſt. Ob der mehrere oder mindere Kalkgehalt und der ihnen wahrſcheinlich zuweilen beigemiſchte thieriſche Stoff die Fruchtbarkeit er⸗ hoͤhe, iſt ebenfalls noch nicht zu entſcheiden. Nach dem Reſultate unſerer Unterſuchungen glaube ich jedoch annehmen zu muͤſſen, daß die Ackererde mindeſtens zwiſchen 5 bis 6 Prozent Humus halten muͤſſe, um in dieſe Klaſſe geſetzt zu werden. Wir nehmen, um die Verhaͤltniſſe des Bodenwerths auszuſprechen, den Werth des uns bekannten fruchtbarſten Bodens zu 100 an, welcher propor⸗ tionale Werth dann durch den Einfluß, den ſeine Lage und andere Verhält⸗ niſſe auf ſeine Nutzbarkeit haben koͤnnen, zu erhoͤhen und zu vermindern iſt. — Die Bodenarten. 125 . 1. Iſt der Humus mit wenigerem Thon und mit mebrẽrem Sande vermengt, ſo daß derſelbe keine feſte Bindung hat, wechſel sweiſe zwar leicht durchfeuchtet wird, aber auch ſchnell wieder austrocknet, ſo gehoͤrt ein ſolcher Boden nicht zu dieſer Klaſſe. Hier kann das Uebermaaß des Humus leicht zu groß werden, und wir paben einen Boden, der 26 Prozent Humus hielt, und uͤbrigens ungefaͤhr zur Haͤlfte aus Thon und zur Hälfte aus Sande beſtand, ſchon zu loſe und dem Ge⸗ ereidebau minder zuträglich gefunden. Wie er zuerſt abgewaͤſſert und aus dem Graſe gebrochen war, trug er ſehr gute Ernten, die ſich aber bald verminderten, und wie man ihm durch reichliche Duͤngung das Verlorne wieder zu geben ſuchte, ward er immer unzuträglicher. Dagegen haben wir anderen Boden von mehr ſandiger Beſchaffenheit, wel⸗ cher etwa 10 Prozent Humus enthielt, ſehr fruchtbar gefunden, und für alle Ge⸗ treidearten, nur nicht fuͤr Weizen geeignet, insbeſondere wenn er zuweilen einige Jahre zur Weide niedergelegt ward. Dieſer Boden war indeſſen des Duͤngers ſehr beduͤrftig, und hatte den groͤßten Nutzen davon, wenn man ihn der letzten Frucht vor dem Riederlegen zu Graſe gab. Ohne Duͤngung und ohne Ruhe kann ein ſolcher Boden, wie die E Erfahrung lehrt, leicht erſchoͤpft werden. Boden dieſer Art ſteht natuͤrlich durch einen allmaͤhligen Uebergang mit dem des vorigen§. 127. in Verbindung, ſo wie ſich nämlich ſein Thongehalt vermehrt. Indeſſen fehlen uns bis jeßt noch ſichere Data darüber, wie ſtark das Thonver⸗ paͤltniß ſeyn muͤſſe, um ihn zu ſicherem und nachhaltigen Weienboden zu qua⸗ lifiziren. Wenn er etwa 20 Prozent abſchwemmbaren Thon und 10 Prozent Humus, im uͤbrigen Sand hat, ſo trgt er noch treffliche Gerſte; hat er merklich wenigern Thon, ſo traͤgt er bei einer feuchten Lage, oder in einem feuchten Jahre ſicherer Hafer, nnd immer ſehr reichen Rocken, wenn man anders durch eine gute fruͤhe Beſtellung deſſen Answinterung vorbeugt. Man kann ihn hauptſaͤchlich nach ſeiner Gebundenheit tapiren; je mehr e er dieſe Qualitaͤr beſitzt, deſto mehr naͤhert er ſich dem fur die erſte Klaſſe angenom⸗ menen Werthe von 100. Je weniger er aber Thon hat, und mehr aus Sand beſteht, deſto tiefer fällt er, ſelbſt bei 10 bis 15 Prozent Humus, zu dem Werthe „ Verhaͤltniß des Humus zum Sande. 126 Die Bodenarten. von 80 herab. Auf dieſem Punkte bleibt er, wenn er anders nicht zu flach iſt, und auf bloßem Sande ruht, bei einem ſolchen Humusgehalte wol immer ſtehen, zumal da er auch zum Graswuchſe ſo ſehr geeignet iſt. Denn man ſindet dieſen Boden in der Regel nicht anders, als in Niederun⸗ gen, denen es—n Feuchtigkeit ſelten fehlt. Er iſt hier aus dem Moder der Waſſerpflanzen entſtanden, die ſich in dem Waſſer, welches vormals dieſe Gruͤnde bedeckte, ſeit Jahrtauſenden erzeugt hatten, und bei dem Zuͤruͤcktreten deſſelben nun in eine ſchnellere oder langſamere Verweſung uͤbergingen, weswegen dieſer Humus auch mehr oder minder kohlenſtoffhaltig zu ſeyn ſcheint. §. 130. Siure vermin⸗ Bei den beiden vorgedachten Bodenarten ſetzen wir immer voraus, daß der Humus milder oder ſaͤurefrei ſey. Der ſaure Humus macht einen unfrucht⸗ baren Boden, wovon in der Folge die Rede ſeyn wird; manchmal aber hat er einen nur ſehr geringen Grad von Säure, ſo daß ſeine Fruchtbarkeit nicht viel, und nicht in Anſehung aller Pflanzen, jedoch immer etwas leidet. Er traͤgt, ſo wie die Saure merklicher wird, ſchlechtere Gerſte, obwohl noch immer Hafer. Der Rocken iſt dem Roſte und dem Befallen ausgeſett. Die Koͤrner ſind grob⸗ hulſigt und minder mehlreich. Die darauf wachſenden Gräſer ſind ſowohl ihren Arten als ihren Saͤften nach dem Viehe minder angenehm und gedeihlich, ob⸗ wohl ſie einen beträchtlichen Heuertrag geben. So wie die ſaure Beſchaffenheit des Humus alſo zunimmt, vermindert ſich der Werth dieſes Bodens, und ſinkt ſo ſtufenweiſe zu der Bodenart, die man Moorboden nennt, herab. §. 130. Merkmele und Die ſchwarze Farbe des Bodens läßt in der Regel einen großen Reichthum an Humus erwarten; ſie kann nur in einigen Fällen truͤgen, wo ſie von Eiſen⸗ Gehaltes. oder Braunſteinoryd herruͤhrt. Schon die auffallende Fruchtbarkeit des von Hu⸗ mus gefaͤrbten Boden wird dies unterſcheiden laſſen. Sonſt entdeckt es ſich bald, wenn man einen Ballen dieſer Erde in einem Tiegel beim Zutritte der Luft gluhet, wo ſich dann, wenn die ſchwarze Farbe vom Humus herruͤhrte, ſolche aͤußerlich bald verliert, und die Erde weiß wird; was aber nicht geſchieht, wenn ſie vom Eiſen herruͤhrt. Die Bodenarten. 127 Um die Quantitat des Humus zu beſtimmen, iſt das einfachſte Mittel das, ihn zu verbrennen. Man erhaͤlt etwa 10 Minuten lang in vollem Gluͤhen ein be⸗ ſtimmtes Gewicht der von Faſern und Steinen gereinigten und voͤllig ausgetrock⸗ neten Erde, ruͤhrt ſie mit einer glaͤſernen Roͤhre fleißig um, und laßt ſie ſo lange fortgluhen, bis die ſchwarze Farbe voͤllig verſchwunden iſt. Um das gänzliche Verbrennen des Humus zu befördern, und die Arbeit abzukuͤrzen, ſetzt man der Erde etwas ſalpeterſaures Ammonium zu, welches ſich völlig wieder verfluͤchtigt. Der Verluſt des Gewichts zeigt die Quantitaͤt Humus an, welche der Boden ent— hielt. Es hat freilich die Erde, insbeſondere die thonige bei dieſem Gluͤhen noch etwas Waſſer verloren, welches ihr ſo feſt anhing, daß es ihr nicht durch das Austrocknen, ſondern bloß durch das Gluͤhen entzogen werden konnte. Dies iſt indeß unbedeutend, und kann, wenn man nur die Erde vorher vollkommen aus⸗ trocknete, nicht uͤber 4 Prozent betragen. Enthielt indeſſen der Boden vielen Kalk, ſo wuͤrde die Verfluͤchtigung ſeiner Kohlenſaͤure und ſeines Kryſtalliſations⸗ waſſers von groͤßerer Erheblichkeit ſeyn, und ſo muͤßte dieſer Kalk vorher aus⸗ geſchieden werden. Die Saͤure des Humus entdeckt man dadurch, daß man einen Streifen Lack⸗ muspapier in einen aus dieſer Erde mit Waſſer gemachten Brei ſteckt; wird er roth gefarbt, ſo iſt Säure darin vorhanden. Der ſaure Humus verraͤth ſich auch ſchon durch ſeinen Geruch, wenn er gegluͤht wird, und der dann dem des bren⸗ nenden Torfs gleich iſt. Giebt der Humus beim Verbrennen einen Geruch, wie verbrannte Federn, ſo iſt dies dagegen ein Zeichen, daß er zum Theil thieriſchen urſprungs, und ſomit in der Regel kraͤftiger und zerſetzbarer ſey. Eine genauere Unterſuchung des Humus wuͤrde ohne Zweifel am zweckmaͤßig⸗ ſten durch die trockne Deſtilation im pneumatiſchen Apparate angeſtellt werden, iſt aber nicht fur den Landwirth. Arthur Young hat ſie indeſſen haͤuſig angeſtellt, und insbeſondere die Quantität des erhaltenen gekohlten Waſſerſtoffgaſes mit der Fruchtbarkeit des Bodens im Verhältniß gefunden, ſo daß er dieſes Verfahren als einen Fruchtbarkeitsmeſſer vorſchlug, worin auch Prieſtley ihm beiflichtete, und mit ſeinen Beobachtungen unterſtuͤtzte. Der Thon. Deſſen gute Eigenſchaften⸗ 128 Die Bodenarten⸗ F131. Der Thon befoͤrdert die Fruchtbarkeit: 1) durch ſeine waſſerhaltende Kraft, indem er ſich von der zur Nahrung der Pflanzen unumgaͤnglich noͤthigen Feuchtigkeit, ſelbſt bei anhaltender Duͤrre nicht trennt, und dieſe, auch bei anſcheinender großer Trockenheit, den Pflanzen doch noch nothduͤrftig uͤberläͤßt.. 2) wirkt er durch die Feſthaltung des Humus, welchen er nicht bloß phyſiſch einhuͤllt und ſchuͤtzt, ſondern auch durch die gewiſſermaßen chemiſche Verbindung, Deſſen nach⸗ theilige Si⸗ genſchaften. die er mit dieſer zuſammengeſetzten Subſtanz eingegangen iſt. 3) durch die feſtere Haltung, welche er den Pflanzenwurzeln giebt, und ſelbſt wohl durch den Widerſtand, welchen er ihrer zu großen Ausdehnung entgegen⸗ ſetzt; wodurch ſie zum Austriebe mehrerer Haarwurzelbͤſche genoͤthigt werden, durch die jede Pflanze ihre Nahrung in der Nähe ſucht, und ſie ihren Nachbarn folglich weniger raubt. 4) durch die Abhaltung der den Wurzeln immer nachtheiligen atmoſohäri⸗ ſchen Luft, und durch die ſchwachere Leitung der Waͤrme, wodurch er eine gleich⸗ maͤßige Temperatur, bei einem ſchnellen Wechſel derſelben in der Luft, dem Bo⸗ den mehr erhaͤlt. Die Wirkungen eines ſchnelen Wechſels von Wärme und Kaͤlte ſind daher den auf thonigem Boden wachſenden Fruͤchten, wenn er nicht eben zu naß iſt, winder nachtheilig, wie denen auf ſandigem Boden. §) indem er das zur Bildung der Kohlenſäure ſo nothige Orygen⸗ hoͤchſt wahrſcheinlich aber auch Azet an ſich zieht, und die Wechſelwirkung dieſer allge⸗ mein verbreiteten Stoffe befoͤrdert. §. 132. Sein Uebermaaß wird aber nachtheilig: 1) indem er die Feuchtigkeit bei naſſer Witterung zu lange anhaͤlt, ſie weder durchſintern noch leicht verdunſten läßt, ſondern damit zu einem Brey zerfließt. 2) indem er ſich bei trockener Witterung zu ſehr erhärtet, dem Eindrin⸗ gen der Pflanzenwurzeln zu ſtarken Widerſtand leiſtet, und ſich in eine faſt ziegel⸗ artige Maſſe zuſammenzieht. 3) indem er im Sommer bei ſtarker Austrocknung ſowohl, als im Winter beim Froſte Riſſe und Spalten bekommt. Hierdurch werden die Wurzeln theils zerriſſen, —— Die Bodenarten. 129 zerriſſen, theils werden ſie in eine ihnen hoͤchſt nachtheilige unmittelbare Verbin- dung mit der atmoſphäriſchen Luft gebracht, wodurch ihr Verderben bewirkt werden kann. 4) indem er die naͤhrenden Stoffe oder den Duͤnger ſtark bindet und anzieht, und nicht ſo leicht davon trennt, wie loſere Erde. Iſt er einmal damie reichlich verſehen und gewiſſermaßen geſaͤttigt, ſo bleibt er zwar um ſo laͤnger in Kraft. Iſt er aber einmal ausgezehrt und arm, ſo thun die erſten Duͤngungen weit min⸗ dere Wirkung auf die Pflanzen, und jene muͤſſen ſehr ſtark wenn die erſten Fruͤchte Nutzen von ihnen haben ſollen. §) indem er die Bearbeitung des Bodens ſchwer bei feuchtem Wet⸗ ter Pflug, Egge und Wagen kaum zulaͤßt, ſich an Pflug und Egge wie ein Teig feſt anhaͤngt, ihre Einwirkung verhindert und der Zertheilung widerſteht: dagegen bei trockener Witterung ſich zuſammenzieht und dermaaßen erhaͤrtet, daß er durch den Pflug mit ſchwerer Arbeit nur in große Schollen zerbrochen werden kann, die dann, bis ſie wieder Feuchtigkeit erlangen, auch mit der Egge und ſel bſt nicht mit der Walze gezwungen werden koͤnnen; weswegen man haͤufig das Zerſchlagen der⸗ ſelben mit Keulen zu Huͤlfe nehmen muß, und ſelbſt dadurch ſeinen Zweck nur unvollkommen erreicht. 5. 143. Die ublen Eigenſchaften des uͤberwiegenden Thons im Boden können zum Verhältniz Theil durch die Zumengung des Humus jedoch nicht vollig uͤberwunden werden, bes Thons woruber wir in F. 127. geredet haben. Auch die Zumiſchung des Kalks verbeſſert“ ſie gewiſſermaßen, woruͤber wir in der Folge reden werden⸗ Vorzuͤglich und am haͤufigſten aber werden ſie durch den Sand uͤberwunden. Einige Zumiſchung von Sande enthaͤlt die ackerbare Krume faſt immer, und ganz ohne ſelbigem wuͤrde ſie kaum urbar zu machen ſeyn. Es kommt deshalb bei der Beurtheilung der meiſten Bodenarten vorzuglich auf das Verhaͤltniß an, worin Sand und Thon ge⸗ mengt ſind. §. 134. Bevor ich dieſe Verhaͤltniſſe angebe, muß ich mich beſtimmt uͤber das erklaͤ⸗ Sam. ren, was ich Sand nenne. Ich verſtehe darunter bloß diejenige grobkoͤrnige Kie⸗ ſelerde, welche ſich bei ſorgfaͤltigem Abſchwemmen zu Boden geſetzt hat, und die Zweiter Theil. R Berhoͤltniſſe, worin die Be⸗ ſtandtheile ſte⸗ hen follen. 130 Die Bodenarten. man auf dieſe Weiſe ſammeln kann. Es ſcheidet ſich ſonſt, wie uns ſpaͤtere Ver⸗ ſuche gelehrt haben, und wie ich in Einhofs Grundriß der Chemie in einer An⸗ merkung Seite 208 bis 210 angezeigt hatte, mittelſt des Siedens des Thons im Waſſer noch eine betraͤchtliche Quantitaͤt feingekoͤrnter Kieſelerde ab, ſo daß, wenn dieſe Operation lange und ſorgfaͤltig fortgeſetzt wird, nur wenig Kieſelerde mit der reinen Thonerde vermengt bleibt. Die Quantität dieſer fein gekoͤrnten Kieſelerde ſcheint(denn als voͤllig ausgemacht wage ich es noch nicht anzugeben) den Unterſchied zwiſchen ſogenannten fetten und magern Thon auszumachen, der Thon an ſich aber immer gleich zu ſeyn, und nur mit einer gewiſſen Quantität fei⸗ ner Kieſelerde chemiſch, oder doch auf eine mechaniſch unſcheidbare Weiſe verbun⸗ den zu bleiben. Da es uns hier aber nur darauf ankommt, den Werth und die Nutzbarkeit des Bodens nach dem Verhaͤltniſſe ſeiner Beſtandtheile zu beſtimmen, und dieſes auf eine minder ſchwierige und allgemein anwendbare Weiſe auszumit⸗ teln: ſo nehmen wir auf jene feinkoͤrnige und durch bloßes Abſchwemmen nicht ab⸗ zuſondernde Kieſelerde keine Ruͤckſicht, und nehmen das, was mit Vorſicht abge⸗ ſchwemmt worden, als Thon an. In den meiſten Fällen laſſen ſich aus dem abge⸗ ſchwemmten Thon von 100 Theilen noch 15 Theile ſolcher feinen Kieſelerde durch das Sieden abſcheiden. Nur bei einigen beſonderen Bodenarten betrug ſie be⸗ traͤchtlich mehr. So hatte z. B. neu angeſchlemmter Boden von der Nogad⸗ Inſel bei Danzig eine große Menge ſolcher feinen Kieſelerde. Es gehoͤren noch längere Unterſuchungen dazu, um zu beſtimmen, in wiefern Thon, der dieſer fei⸗ nen Kieſelerde viel enchaͤlt, eines minderen Zuſatzes vom Sande bedarf, um die gerechte Lockerheit zu bekommen. §. 135. Wenn der Boden ungefaͤhr aus gleichen Theilen abſchwemmbarem Thon und zuruͤckbleibendem Sande beſteht, ſo nennen wir dieſes Lehm. Und dieſen Na⸗ men behaͤlt die Erde, wenn der Sand zwiſchen 40 und 60 Prozent ausmacht; je nachdem er mehr oder weniger Sand hat, heißt er lockerer oder zaͤherer Lehm. Enthaͤlt die Erde weniger als 40 Prozent Sand, ſo heißt ſie Thonboden. Dieſer wird immer ſtrenger, und zeigt die uͤblen Eigenſchaften ſtaͤrker, je geringer der Antheil vom Sande iſt. Hat er nur 20 und weniger Prozent Sand, ſo wird er ein ſehr zäher, ſchwer zu verarbeitender, und dem Mißwachſe leicht ausgeſetzter —— Die Bodenarten. 131 Boden, wenn anders nicht eine ſtarke Zumiſchung von Humus oder von Kalk ihn mildert. Jedoch koͤmmt hier allerdings die Beſchaffenbeie des Thons in Ruͤckſicht der ihm beigemengten Kieſelerde in Betracht, und er iſt minder fehlerhaft, wenn er bei wenigem Sande von dieſer ſehr viel beſitzt. §. 136. Dieſer Thonboden iſt gewöhnlich unter dem Namen Weizenboden zweiter Klaſſe, oder ſchwacher Weizenboden bekannt, in ſofern er nicht ſo vielen Humus beſikt, daß er Weizen ohne friſchen Dung tragen, und mithin zur erſten Klaſſe gerechnet werden kann. Jedoch darf es ihm nicht ganz am Humus mangeln. Sel⸗ ten treffen wir auf der Höhe Boden an, der bei gewoͤhnlicher Kultur mehr als 3 Prozent Humus enthielte. Er iſt dabei doch fuͤr den Weizen beſonders geeig⸗ net, und traͤgt ihn mit mehrerer Sicherheit und beſſerem Erfolge, wie Rocken. Nur muß er dazu Nahrungstheile haben; und da er dieſe nicht in ſeinem natuͤrli⸗ chen Humus genugſam beſißt, ſo kann Weizen nur in erſter oder zweiter Tracht mit Vortheil auf ihm gebaut werden. Naͤchſtdem iſt er der Gerſte guͤnſtig, wenn er 3o bis 40 Prozent Sand hat; hat er aber weniger und wird dieſes nicht durch eine ſtarke Zamiſchung von Kalk erſetzt, ſo paßt er ſich nach dem Weizen beſſer für Ha⸗ fer. Er traͤgt ferner bei hinlaͤnglicher Dungkraft Huͤlſenfruͤchte; der mit mehre⸗ rem Sande vermiſchte vorzuͤglich Erbſen, der zaͤhere aber noch ſicherer Bohnen. Sein Werth faͤllt, wenn er nicht zu den humoſen, mergligten, kalkigten Boden gerechnet werden kann, mit der Quantitaͤt des Sandes, ſo daß der, wel⸗ cher 40 Prozent Sand enthält, im Werthe am hoͤchſten, der, welcher nur 5 Pro⸗ zent Sand hat, am niedrigſten ſtehet. Zwar hat bei kraͤftiger Duͤngung, und wenn eine paſſend wechſelnde Witterung nicht nur die Bearbeitung der Brache, ſondern auch die Vegetation beguͤnſtigt, der ſtrengere thonigte Boden, beſonders im Weizen, zuweilen einen Vorzug; wenn man aber dagegen die Schwierigkeit ſeiner Bearbeitung und den Mißwachs, dem er vor dem milderen unterworfen iſt, berechnet; ſo kann man ſeinen mindern Werth nicht in Zweifel ziehen. Ich ſetze den Boden, der 40 Prozent Sand und gegen 60 Prozent abſchwemmbare Erde hat, wenn er gegen 2 Prozent natuͤrlichen Humus beſitzt, zu 70, den der nur 30 Prozent Sand hat, zu 60, den von 20 Prozent zu 5o, und den von 10 Pro⸗ zent zu 40. Wenn er nicht uͤber 1 Prozent Humus enthoͤlt, ſo faͤllt er mindeſtens R 2 Thon⸗ oder Weizenboden. Lehmboben. 132 Die Bodenarten. um 20 Prozent ſeines Werthes herab, und wohl um ſo mehr, je zaͤher er iſt; ſo daß der zaͤhe mit wenig oder gar keinem Humus— namlich milden, aufloͤsli⸗ chen— durchdrungene, dann gewoͤhnlich naßkalte ſogenannte Schluffboden auf eine der niedrigſten Stuffe der Bodenarten und im Werthe dem Sandboden gleich ſtehet. Dagegen ſteigt ſein Werth mit einem hoͤheren Humusgehalt, und wohl in einem um ſo groͤßeren Verhaͤltniſſe, je zäher er iſt, bis zu dem Boben erſter Klaſſe hinauf, wohin er freilich auch durch eine ſehr bereichernde Duͤngung und Behandlung gelangen kann. §. 137. Derjenige Boden, welcher mehr als 40 bis 60 Prozent Sand enthaͤlt, wird Lehmboden ſchlechthin genannt. Je weniger Sand er uͤber 40 Prozent ent⸗ haͤlt, deſto beſſer iſt er— immer unter Vorausſetzung eines gleichen Humusge⸗ halts.— Bis 50 Prozent bleibt er zum Weizen⸗ und Gerſtenbau gleich geeignet. Steigt aber der Sand uͤber 50 Prozent bis 60 Prozent, ſo kann er zwar Weizen bei guter Kultur noch immer vortheilhaft tragen, jedoch mit minderem Erfolge, und mit mehrerer Erſchoͤpfung, als Rocken; wird dann aber fuͤr Gerſte ganz vorzuͤglich geeignet, und kommt in die Klaſſe des ſtarken Gerſtbodens zu ſehen. Wegen der großen Sicherheit dieſes Bodens, der leichteren Bearbeitung, der gemaͤßigten Temperatur und Feuchtigkeitshaltung hat er ſo viele Vorzuͤge vor dem ſtrengern Thonboden, daß man ihn, ungeachtet ſeiner mindern Weizentrag⸗ barkeit, doch in ſeinen verſchiedenen Gradationen mit dieſem gleich ſchätzen kann. Dieſe Gradationen ſind aber entgegengeſetzter Art. 40 Prozent Sand zeigen ſich uns als das vollkommenſte Verhaͤltniß. Wie ſich dort der Werth des Bodens verminderte, wenn der Sand abnahm, ſo vermindert er ſich hier, wenn er zu⸗ nimmt. Jedoch nach unſern bisherigen Beobachtungen nicht in gleicher Propor⸗ tion. Der Werth des Bodens ſcheint bei folgenden entgegengeſetzten Verhält⸗ niſſen ungefoͤhr gleich zu ſeyn— 50 Proz. Sand= 35 Prozent oder 50 Proz. abſchwemmbarer Thon= 65; 60 Proz. Sand= 30 Prozent oder 0 Proz. abſchwemmbarer Thon= 70. So viel nämlich dem erſteren an der möglichſten Vollkommenheit wegen zu geringer Bindung mangelt, ſo viel fehlt dem letzteren wegen zu geringer Lok⸗ kerheit. Die Bodenarten. 133 Boden dieſer Art läßt ſich ſehr viel verarbeiten, ohne ſtäubig zu werden, verballet und verſchalet ſich aber auch nicht. Er leidet vicht leicht an Naͤſſe, hält aber die Feuchtigkeit genug an, um ziemlich anhaltender Duͤrre widerſtehen zu koͤnnen; ja es leiden bei dieſer die jungen Pflanzen weit weniger, als auf zahem Boden, weil ihre Wurzeln ſich mehr verbreiten und tiefer eindringen koͤnnen. Deshalb iſt beſonders die Gerſte ſo viel ſicherer darauf. Er traͤgt Weizen freilich nur, wenn er in kraftigem Duͤngerſtande iſt; aber Rocken bei einem ſchwaͤchern Duͤngerſtande beſſer, wie der ſtrengere Boden. Den Huͤlſenfruͤchten, dem Klee und andern Futtergewächſen, den Kartoffeln und Ruͤben, endlich auch den mei⸗ ſten Handelsgewächſen: Rapps, Lein, Taback u. ſ. w. iſt er ſehr guͤnſtig, und erlaubt eine beſſere Bearbeitung derſelben. Er verſchließt ſich ſeltener gegen Pflug und Egge. Deshalb iſt dieſer Boden, wenn gleich in vorzuͤglichen Jahren, nicht „ſo einträglich an Weizen, doch in den angegebenen Gradationen dem eigentlichen Weizenboden gleich zu ſchaͤtzen. F. 138. Im uUebermaaß wird nämlich der Sand nachtheilig: 1) indem er die Feuchtigkeit nicht an ſich hält, ſie ſchnell durchſeyben und verdunſten läßt, und mit derſelben fruchtbare Stoffe. 2) indem er ſich mit dem Humus nicht verbindet, kaum eine phyſiſche, viel weniger eine chemiſche Anziehung dazu hat, auch aus der Atmoſphaͤre keine frucht⸗ bare Stoffe aufnimmt. 3) indem der Sandboden eine haͤuſige Bearbeitung,— die zur Vertil⸗ gung des Unkrauts, welches bei zureichendem Humus ſehr leicht in ihm einwuchert, oft nöthig waͤre,— doch nicht ertragt, weil er dadurch alle Bindung verliert, und wie man es nennt, leicht ausge ſoort oder erkältet werden kann, indem der Humus, der nur in ſeinen Zwiſchenräumen angehauft, aber nicht mit ihm ver⸗ bunden war, durch Wind und Wetter entfuhrt wird⸗ 4) indem er die Wärme ſtark leitet, und die Einwirkung des Froſtes ſowohl als der ſtarken Hitze bei jedem ſchnellen Wechſel der atmoſphariſchen Temperatur den Pflanzen ſehr empfindlich macht. 8 Sandiger Gerſtboden. Sandboden. 134 Die Bodenarten. §. 139. Wenn der Boden mehr wie 60 Prozent bis 80 Prozent Sand hat, ſo heißt er ſandiger Lehmboden. Er nimmt nun in ſeinem Werthe mit dem ſtärkern Zu⸗ ſaze vom Sande ſtärker ab, und wenn der zu 60 Prozent Sand 60 werth war, ſo fallt der, welcher 65 Prozent hat, bis zu 50, der von 70 Prozent zu 40, der zu 75 Prozent zu 30, und der von 80 Prozent zu 20 herab. Zum Weizen⸗ bau wird er mißlich, und bei 70 Prozent Sand unter gewöhnlicher Kultur untaug⸗ lich. Gerſte kann er, beſonders wenn ihn ſeine Lage(wovon jedoch erſt in der Folge) beguͤnſtigt, vortrefflich tragen, wenn der Sommer nicht zu duͤrre iſt. Deshalb wird er unter dem Namen ſchwacher Gerſtboden begriffen. Zum Rocken iſt er der ſicherſte Boden. Er iſt immer leicht zu bearbeiten, jedoch dem Ver⸗ quecken mehr als bindender Acker ausgeſetzt. Den Duͤnger hält er nicht ſtark an, ſondern zerſetzt ihn ſchneller, und laͤßt ihn in die Fruchte uͤbergehen. Deshalb bedarf er einer oͤftern Duͤngung, die aber aus eben dem Grunde ſchwächer ſeyn kann. Bei einer reichlichen oft wiederholten Duͤngung und ſchonender Beſtel⸗ lung kann er ſich jedoch an Humus ſehr bereichern, und dann zu einer hohen Fruchtbarkeit kommen, die ſich aber bei einer erſchoͤpfenden Behandlung leicht wieder verliert. Wenn er 75 Prozent und daruͤber an Sande hat, ſo ſchaͤtzt man ihn gewoͤhn⸗ tich nur als Haferboden. Er traͤgt aber auch dann im Durchſchnitt der Jahre Gerſte noch vortheilhafter, wie Hafer, wenn er genugſam Dungkraft hat. 5. 140. Hat der Boden uͤber 80 Prozent Sand, ſo heißt er Sandboden, und in ſofern dieſer Sand nicht uͤber 9o ſteigt, lehmiger Sandboden. Bie zu 85 Prozent Sand pflegt er noch in die Kathegorie von Haferboden gebracht zu werden. Der Hafer iſt aber ſehr mißlich und von geringem Ertrage⸗ Er traͤgt von den Cerealien nur Rocken und Buchweizen mit Sicherbeit, und wenn er in gutem Duͤngungsſtande erhalten wird, ſo wird Rocken nach Rocken immer vortheilhafter, wie Hafer nach Rocken ſeyn, weil dieſem die Austrocknung, den dieſer Boden im Sommer unterworfen iſt, nicht ſo nachthei⸗ lig werden kann. Unter allen Futtergewaͤchſen ſind Kartoffeln noch das zuver⸗ laßigſte auf ſelbigem. Die Bodenarten. 135 Er wird aber durch viele Beackerung, die er denn doch, wenn er in Duͤnger gehalten wird, des Unkrauts wegen erfordert, leicht ſodoſe, daß alle Fruͤchte dar⸗ auf mißrathen. Deshalb iſt die Ruhe oder das Niederlegen zu Graſe ihm vor⸗ zuglich noͤthig und zu ſeiner vortheilhafteſten Benutzung nothwendig, da er dann, beſonders mit Schafſchwingel, Raygras, weißem Klee und Pimpinelle beſaͤet, zwar ſelten dem Rindvieh, aber immer den Schafen eine nutzbare Weide giebt, und nun wieder umgebrochen immer vorzuͤglichen Rocken trägt. Sein Werth faͤllt mit jedem Prozente, welches er an Sand mehr enthaͤlt, um 1, von 20 bis 10 herab; wenn wir auch annehmen, daß er noch 1 bis 1½ Pro⸗ zent Humus enthalte, welches aber haͤufig nicht der Fall und dann ſein Werth noch geringer iſt. Hat der Boden aber 90 Prozent Sand, fo kommt er in der niedrigſten Klaſſe des Bodens zu ſtehen, welcher nur— wenn man ihn anders nicht mit Duͤnger, der aus ihm nie erſetzt werden kann, uͤberhaͤuft— nach einer langen Ruhe eine Frucht mit Vortheil zu tragen vermag, und von dieſer bald erſchoͤpft wird. Wenn man ihn ſo ſchonend behandelt, ſo wird der, welcher bis 94 Prozent Sand hat, in ſeinen Ruhejahren noch eine leidliche Schafweide geben, und per Mor⸗ gen ein Schaf ernähren koͤnnen, indem er noch die kleinern Festuca-Arten und das Antioxantum trägt. Wenn er aber noch mehr Sand enthält, ſo tragt er nichts wie die Aira canescens oder den ſogenannten Bocksbarth, und einige andere nahrungsloſe Pflanzen, und ſinkt dann zum vollkommnen Flugſande herab, deſſen ſchwache Narbe oder Borke zu ruͤhren, wegen der dann entſtehenden Sand⸗ wehen, ſehr gefaͤhrlich iſt. Man kann annehmen, daß der Boden, mit jedem Prozente an Sande mehr, um 1 auch feruer herabſinke; ſo wie er aber zum Flugſande wird, in den meiſten Fällen einen negativen Werth habe. §5. 142. Mancher Sand beſteht nicht allein aus Kieſelerde, ſondern hat Koͤrner von kohlenſaurem Kalk beigemiſcht, wenn man anders den Kalk vor dem Abſchwemmen nicht ausgeſchieden hat. Dieſer kalkigte Sand iſt nicht unaufloͤslich, wie der Schlechter Sandboden. Verhaͤltniß des Kalks im Boden. 136 Die Bodenarten. Kieſelſand, und befoͤrdert die Fruchtbarkeit wohl mehr. Doch fehlen uns genug⸗ ſame Beobachtungen hieruͤber. in 5. 143. Die Gegenwart des Kalkes, insbeſondere wenn er mit dem Thone innig ge⸗ miſcht iſt, erhoͤhet bis zu einem gewiſſen Verhaͤltniſſe die Fruchtbarkeit des Bo⸗ dens ſehr: 1) indem er den Thon locker und muͤrbe macht, wenn er innig und gleich⸗ maͤßig mit ſelbigem gemiſcht iſt, ſo daß er nun leicht in ein feines Pulyer aus⸗ einanderfaͤllt, wenn er einer feuchten Luft ausgeſetzt wird. 2) indem er ihn leichter austrocknet und die Anhaufung des Waſſers darin verhindert. Dagegen ſcheint er dem Sande mehrere Bindung und Feuchtigkeits⸗ haltung zu geben, und ſich mit Huͤlfe des Humus genauer mit ihm zu verbinden. 3) indem er die Zerſetzung und Wechſelwirkung der naͤhrenden Stoffe im Acker befordert, und die dem Thone zu feſt anhaͤngende organiſche Materie mehr loͤſet. Ob er ſeine Kohlenſäure dem Humus oder vielleicht den Pflanzen ſelbſt ab⸗ gebe, und dieſe dagegen aus der Luft wieder an ſich ziehe, folglich als ein unmit⸗ telbar naͤhrender Koͤrper wirke, iſt noch zweifelhaft, indeſſen aus mehreren Gruͤn⸗ den wahrſcheinlich. Wir werden hierauf zuruͤckkommen, wenn wir vom Kalke als Duͤngungsmittel reden⸗ 4) indem er die im Boden ſich ſo leicht erzeugende Saͤure nicht entſtehen laßt, und wenn ſie entſtanden iſt, bald neutraliſirt und unſchaͤdlich macht. §) indem er beſonders mehlreiche, feinhuͤlſige Fruͤchte liefert, und allen Ge⸗ waͤchſen aus der Diadelphiſten⸗Klaſſe ausgezeichnet guͤnſtig iſt, alſo Huͤlſenfruͤchte und alle Kleearten auf ihm am ſicherſten gedeihen. Im Uberfluß kann er aber auch nachtheilig werden, wie wir dies an dem kreidigen Boden bemerken: 1) indem er die Feuchtigkeit nicht anhaͤlt, und ſie insbeſondere leicht verdun⸗ ſten läßt, ſelbſt mehr wie der Sand, weswegen er bei trockener Witterung ganz ausdoͤrrt und ſtäubig wird. 2) indem er den Miſt und den Humus ſehr ſchnell zerſetzt, ihren Uebergang in die Pflanzen oft zu ſtark befoͤrdert, ſie daher uͤbermäßig treibt, ihnen dann aber in Die Bodenarten. 137 in der hoͤchſten Periode ihrer Entwickelung keinen Nächſas mehr kann, und ſie verſchmachten laͤßt. ⸗ Da ich Erdarten mit uͤberwiegendem Kalke nicht kenne, ſo fuͤhre ich das an, was Chaptal davon ſagt:„Erden, die Kalk in hervorſtechendem Verhaͤltniſſe enthalten, ſind poros, leicht, ſehr durchdringlich von Waſſer und gut zu verar⸗ beiten; ſie bilden einen Teig, der faſt keine Conſiſtenz hat, laſſen das Waſſer aber mit Leichtigkeit wieder fahren; ſie trocknen aus, ohne Spalten zu bekommen, und ohne eine betraͤchtliche Minderung in ihrer Maſſe zu erfahren. Die Luft dringt leicht durch und kann die Keime in einer gewiſ ſen Tiefe beleben. Weil das Waſſer ohne Widerſtand hineindringt, aber eben ſo ſchnell ſich daraus wieder entfernt, ſo befinden ſie ſich abwechſelnd in dem Zuſtande einer Ueberfuͤllung damit und einer Austrocknung, und die Pflanze, unfähig bei allen dieſen? Abwechſelungen zu beſte⸗ hen, ſchmachtet und geht, aus, ſobald Trockenheit und Feuchtigkeit nur einiger⸗ maßen lange währen⸗“ Rach Reiſſert und Seitz, Annalen des Ackerbaues, IM. 236, iſt der Kalkboden, der 40 Prozent Kalk und 36 Prozent Sand, uͤbrigens groͤßtentheils Thon hat, nach ſtarkem Regen und wenn er feucht iſt ſchwerer zu bearbeiten wie der Lehm; aber, wenn er ausgetrocknet iſt, weit leichter. Das vortheithafteſte Verhaͤltniß des Kalks im Boden iſt wohl das, wenn er mit dem abſchwemmbaren Thon gleich iſt. Unter allen kuͤnſtlichen Bodenmengun⸗ gen, 54 an der Zahl, auf welchen Tillet die Vegetation des Getreides ver⸗ ſuchte, zeigte ſich die am vortheilhaſteſten, welche aus 3 Töpferthon, 2 Muſchel⸗ und 3 Sand beſtand. So wie der Kalk im Boden zunimmt, bedarf es des Sandes weniger zur Verminderung der nachtheiligen Eigenſchaften des Thons. Vollig darf jedoch der Sand nicht fehlen, weil ſandloſer Mergel zu bindend und feucht zu ſchlammig wird. Jenes Tillet ſche Verhaͤltniß ſcheint auch nach der Erfahrung im Großen das vorzuͤglichſte. Wenn der Kalk aber auch nur in geringerem Verhaͤltniſſe der Ackerkrume bei⸗ gemiſcht iſt, ſo daß er auf die Conſiſtenz des Bodens wenig Einfluß zu haben ſcheint, ſo wird die Fruchtbarkeit doch dadurch erhoͤhet, vermuchlich der chemiſchen We echſerwirkung wegen, die er auf den Humus und Duͤnger hat. Eine Beimi⸗ Zweiter Theil. S 2 Be miſchung des Humus in anderen Bo⸗ denarten als nothwendige Bedingung ihrer Frucht⸗ karkeit. ¹38 Die Bodenarten. ſchung von 10 Prozent Kalk erhoͤhet allen thonigen und lehmigen Boden nach all⸗ gemeinen, jedoch noch nicht genug beſtimmten Beobachtungen von 5 bis auf 10 Prozent ſeines Werthes, und um ſo mehr, je reichhaltiger der Boden zugleich an Humus iſt. Dagegen wird der Kalk nachtheilig, wenn ſein Verhaͤltniß uͤber das des Thons hinausgeht, und um ſo mehr, wie jenes ſteigt. Mit vielem Sande ver⸗ miſcht giebt er einen zu duͤrren hitzigen Boden ab, dem auch bei ſtarkem Duͤnger nur ſolche Fruͤchte mit Vortheil abgewonnen werden koͤnnen, welche die Duͤvre gut ertragen, z. B. der Mays. Der groͤßtentheils aus Kalk beſtehende Kreide⸗ boden kommt dieſem gleich, leidet aber, ſo wie von der Duͤrre, auch von der Naͤſſe, indem er alsdann ſchlammig wird. Da ich aber von Boden, der an Kalk uͤberreich iſt, keine Erfahrung habe, ſo getraue ich mir noch nicht, uͤber deſſen Werthsverhaͤltniß etwas zu beſtimmen. §. 144. Wenn wir oben von den Bodenarten ſprachen, in welchen der Humus ein hervorſtechender und nicht leicht erſchoͤpfbarer Beſtandtheil war, ſo verſtanden wir ſolche darunter, die uͤber 5 Prozent daven enthielten, was nur bei den vom Waſ⸗ ſer abgeſetzten Niederungsboden oder ſogenanuten Marſchen der Fall iſt. Dem Höheboden, dem mehr thonigten ſowohl als dem mehr ſandigen, iſt er ſelten bis zu§ Prozent zugemiſcht, und ſie enthalten gewoͤhnlich nicht mehr als 3 Prozent von milden aufloͤslichen Humus, beſonders wenn ſie abgetragen haben, und nun eine neue Duͤngung, ſollen ſie anders vortheilhafte Ernten geben, erfordern. Seine Quantitat vermindert ſich nämlich darin nach dem Verhaͤltniß der ihm abge⸗ nommenen Fruͤchte gegen die ihm gegebene Duͤngung. Indeſſen iſt dies nicht ſo betraͤchtlich, als es ſcheint. Eine ſehr ſtarke Duͤngung von 200 Centner Miſt hinterlaßt nach ihrer Vermoderung kaum 30 Centner trockenen Humus, und dieſer wird auf1 Morgen unter 12000 Centner Erde, welche die Ackerkrume ungefähr enthaͤlt, vertheilt. 400 Centner Erde bekommen dadurch 1 Centner Humus, folglich 4 Prozent. Es iſt alſo von großer Wichtigkeit, ob und in welchem Verhaͤltniſſe der Bo⸗ den dieſe vegetabiliſche Nahrung ſchon enthalte, und es iſt um ſo ſchwerer, ſie ihm zu geben, je weniger er davon beſiht. ——— Die Bodenarten. 139 . §. 145. Rit dem Verhältniſſe ſeines Humusgehalts ſteige alſo der Werth des Bo⸗ Wie das Ver⸗ dens. 2 Prozent Humus haben wir mehrentheils in gutem lehmigen Ackerboden angetroffen, auch wenn er abgetragen hatte; oder um mich beſtimmter auszudruͤk⸗ den Werb ken, ſo viel verlor er durch das Gluͤhen, wenn er von Faſern vorher gereinigt, indere. der etwanige Kalk ausgeſchieden, und er dann in einer den Siedpunkt etwas uͤber⸗ ſteigenden Hitze vollig ausgetrocknet war. Es kann hierunter um ſo weniger Ver⸗ luſt von Waſſer mit begriffen ſeyn, da es wahrſcheinlich iſt, daß der Thon dieſes Waſſer aus der Atmoſphare ſchon wieder angezogen hatte, wenn die ausgegluhete Erde gewogen ward. 2 Prozent Humus nehmen wir alſo als Normalſatz fuͤr lehmige Ackererde an, fur die ſandig lehmige aber nur 1, und fuͤr die ſandige 1 Prozent, und ſetzen dieſe als Bedingung bei der Werthsbeſtimmung, die wir oben dem Thon⸗ und Sandboden gegeben haben, voraus. Mit jedem halben Prozent, welches der Boden an milden Humus mehr hat, ſteigt er um 5 Prozent ſeines Werths; ſo daß ein Boden, der bei 2 Prozent Humus 50 werth war, bei 2 ½ Prozent 52 ½, bei 3 Prozent 55 werth wird. Mit jedem halben Prozent, welches er darunter hat, füllt er aber um eben ſoviel im Werthe. Bei der gewoͤhnlichen Klaſſifikation des Bodens kommt der Humus eben⸗ falls in Betracht. Es iſt bekannt, daß derſelbe Grund bald als Gerſt⸗, bald als Haferboden bonitirt wird, je nachdem er ſtarker und haufiger geduͤngt und minder erſchoͤpfend behandelt worden, ſein Gehalt an Humus ſich alſo vermehrt oder durch eine entgegengeſetzte Behandlung vermindert hat. Ein lehmiger Boden, der als Haferboden von verſtändigen Bonitirern gewuͤrdigt wird, pflegt nicht mehr als Prozent Humus zu enthalten. Hat derſelbe Boden 3 Prozent und daruͤber, und iſt er ſonſt fehlerfrei, ſo kann er Weizenboden zweiter Art werden. Er kann die⸗ ſen Zuwachs an Humus durch Kultur bekommen, aber dies iſt nicht ſo leicht, wie mancher glaubt. Es wird hier durchaus vorausgeſetzt, daß der Humus milder Art frei von Säuren und adſtringirenden Stoffen, folglich aufloslich ſey. An ſauren Humus kann der Boden zuweilen ſehr reich, aber dennoch wenig fruchtbar ſeyn. Wir fanden in einem ſandigen Boden aus Pommern, auf welchem man das vierte Korn S 2 Seimiſchunsg des ſauren Humus. Haidhumns. 140 Die Bodenarten. an Rocken ſchon fur eine gute Ernte hielt, 5 Prozent Humus. Er verrieth ſeine Natur aber ſchon durch den torfigen Geruch beim Abgluͤhen, und zeigte eine merkliche Saure bei genauerer Unterſuchung. Er war aus der dort uͤblichen Duͤn⸗ gung mit Heide⸗Palten entſtanden. Fuͤr dieſen Boden ließe ſich dennoch durch das Befahren mit Mergel viel erwarten. §. 146. Der mit voͤllig ſaurem, das Lackmuspapier ſtark roͤthenden Humus ange⸗ fullte Boden(Bruch⸗ oder Moorboden, der ſich dem Torfe mehr oder weniges nähert) iſt fuͤr jedes nutzbare Gewaͤchs, im hohen Grade ſogar fuͤr Elſen, faſt un⸗ tauglich, und hat daher in dieſem Zuſtande einen ſehr geringen Werth. Aber er iſt der Verbeſſerung ſehr fahig, wenn er keine andern Fehler hat, die dieſes ver⸗ pindern. Dieſen Boden findet man naͤmlich faſt nur in Bruͤchern und Sinken, wo er mehrentheils auf einer Unterlage von zäàhem Thon oder Lehm(Schluff) ruhet. Es kommt nur darauf an, ob er abgewaͤſſert werden koͤnne. Iſt dies ge⸗ ſchehen, ſo läßt er ſich am ſchnellſten und zweckmäßigſten durch das Abbrennen verbeſſern. Durch die Wirkung des Feuers wird ſchon die Saͤure zum Theil aus⸗ getrieben, noch mehr durch das Kali der Aſche neutraliſirt, und ſomit kann ein ſol⸗ cher Boden zuweilen in einen reichen Weizenboden umgeſchaffen werden. §5. 147. Der mit Haidhumns angefuͤllte Boden, moorerdiger Boden genannt, trägt in ſeinem natuͤrlichen Zuſtande nur Haidekraut und aͤhnliche Pflanzen. Durch Ab⸗ brennen des Haidekrauts, Duͤnger, Kalk und Mergel, auch durch anhaltende Bewaͤſſerung kann er fruchtbar gemacht werden, und es kommt dann auf ſeine Grundmiſchung an, welchen Werth er habe. Zuweilen iſt dieſe ſehr gut, und es läßt ſich keine andere Urſach ſeiner Unfruchtbarkeit annehmen, als daß ſich jene nur in Familien wohnende und ſich ihre beſondere Nahrung ſelbſt bereitende Pflanze ſeiner einmal bemächtiget hat. Vertilgt man dies Haidegeſchlecht und zerſtört die, andern Pflanzen feindſelige Eigenſchaft ihres hinterlaſſenen Humus, ſo wird der Boden ſehr fruchtbar. Kalk oder Mergel, den man auch öfterer un⸗ ter dem Haidboden findet, iſt hierzu ſehr behuͤlflich. Mit Ruͤckſicht auf die leich⸗ tere oder ſchwerere Bewirkung dieſer Verbeſſerung kann dem Haidboden, deſſen naturlicher Werth nicht uber 1 anzuſetzen iſt, ein hoͤherer beizumeſſen ſeyn. Die Bodenarten. 141 In dieſem oder allen Faͤllen aber, wo eine Schaͤtzung des Bodens in Hinſicht auf das Intereſſe verſchiedener Perſonen geſchehen ſoll,⸗muß man es meines Er⸗ achtens zum Grundſatz annehmen, den Boden nur nach ſeinem gegenwaͤrtigen Zu⸗ ſtande zu tariren, indem die moͤgliche Verbeſſerung doch erſt durch Induſtrie, Kenntniß und Kapital bewirkt werden kann, und man ſich in unendliche Schwie⸗ rigkeiten verwickeln wuͤrde, wenn man die größeren und geringeren Koſten, und die Wahrſcheinlichkeit, daß es geſchehen werde, berechnen wollte. 5, 145 Eine Anleitung zur Unterſuchung der Ackererde wuͤrde hier uberfluſſig ſeyn, da unſere Methode von Einhoff im dritten Bande des Hermbſtaͤdtſchen Ar⸗ chivs beſchrieben, und dann noch genauer in ſeinem von mir herausgegebenen Grundriß der Chemie fuͤr Landwirthe, 1808, angehaͤngt iſt. Da uns bei den vielen Unterſuchungen dieſer Art immer mehrere Bemerkun⸗ gen vorkommen und zu neuen Handgriffen leiten, ſo wird der Profeſſor Crome ſolche in der Folge ausfuͤhrlicher mittheilen. Bei den Unterſuchungen des Bodens wird jetzt nicht nur auf deſſen waſſerhaltende Kraft, ſondern auch beſonders auf ſeine ſpecifiſche Schwere im feuchten und trockenen Zuſtande Ruͤckſicht genommen, weil wir uns davon manche nutzbare Reſultate verſprechen. §. 149. In ſofern ich die Fruchtbarkeit und Güte der von uns zerlegten Bodenarten aus Werthbe eigner Erfahrung oder aus zuverläſſigen Nachrichten kenne, kann ihr Werth nach En den angegebenen Grundſätzen in der That zutreffend geſchätt werden, vorausge⸗ den folgender ſetzt, daß ſie eine gleich gute Lage und eine ihrer Beſchaffenheit angemeſſene— der humusreiche loſe Boden z. B. in einer ebenen Niederung, denn anders findet er ſich wohl nicht— haben. Die folgende Tabelle A. enthaͤlt die Beſtandtheile ſolcher uns vorgekom⸗ menen Bodenmengungen, welche zur Erläuterung dieſer Saͤtze dienen koͤnnen, nebſt dem Werthsverhältniſſe, welches wir ihnen in proportionalen Zahlen von 100 bis 1 beimeſſen. Die Tabelle B. klaſſifizirt die Bodenarten nach den in den Brandenburgi⸗ ſchen Taxprinzipien angenommenen Klaſſen(vergl. 1ſten Theil§. 75.), und ſchaͤtzt ſie nach den eben daſelbſt(§. 84— 92.) durch Erfahrung bei der Dreifelderwirth⸗ 142 Die Bodenarten. ſchaft ausgemittelten Ertragsſaͤtzen— welche wenigſtens noch immer die zuver⸗ Laͤſſigſten ſind, die wir bis jetzt haben.— Nur iſt fuͤr die beſſeren Bodenarten eine Benutzung der Brache— ſchwache— ein Brachjahr ums andere berechnet, weil ſolche bei gutem Boden allgemein ſtatt finden kann, und der Kornpreis um ein Geringes gegenj jene Taxprinzipien veraͤndert. In der vorletzten Kolumne iſt der jährliche reine Ertrag, der daraus hervorgeht, in Gelde ausge⸗ mittelt, und in der letzten Kolumne danach das Verhältniß derſelben berechnet, wenn der beſte Boden zu 100 angenommen. Beide Tabellen ſind zu ver⸗ ſchiedenen Zeiten, ohne Ruͤckſicht auf einander zu und nach ganz ver⸗ ſchiedenen Prinzipien gemacht. Ich uͤberlaſſe die Vergleichung jedem Leſer. Das Wirthſchaftskorn iſt bei ſ ſo angenommen, daß die Koſten bei einer ge⸗ woͤhnlichen Wirthſchaft bei jeder Bodenart gedeckt werden koͤnnen, zumal wenn der Durchſchnittspreis des Getreides etwas hoͤher, wie der angenommene, ſtehet. §. 180. In dem Wenn man den durch eine gehoͤrige Zerlegung bekannten Gehalt eines Bo⸗ Sine jule⸗ pens haͤufig mit ſeinen aͤußern in die Sinne llenden Eigenſchaften vergleicht, ſo kann man die Uebung erlangen, jenen ziemlich richtig nach dieſen zu beſtimmen. denatten. Naͤchſt der Farbe entdeckt ſich der Humusgehalt durch die Leichtigkeit der Erde⸗ durch einen eigenthuͤmlichen ſchimmligen Geruch und durch den weißen Anflug des Lichen humosus; der Thon durch die Zähigkeit und das fettige Gefuͤhl; der Sand durch das rauhe Gefuͤhl zwiſchen den Fingern; noch beſtimmter aber, wenn man die zerkruͤmelte Erde durch ein mäßig vergroͤßerndes Glas betrachtet, wodurch man die Quantitaͤt des Sandes gegen die der uͤbrigen Erde ſehr gut beſtimmen kann, auch den ſchwarzen Humus unterſcheidet. Vom Daſeyn des Kalks ver⸗ ſichert man ſich mehrentheils nur durch das Aufbrauſen mit Säuren und von ſeiner groͤßeren und⸗geringeren Quantitaͤt durch die mehrere oder mindere Heftigkeit deſſel⸗ ben, wenn zu einer genaueren Unterſuchung nicht Zeit und Gelegenheit iſt. §. 151. Conſiſtenz des Die Conſiſtenz des Bodens ergiebt ſich aus den Eigenſchaften und dem Bodenz. guantitativen Verhältniſſe der prädominirenden Erdart. Es bedarf alſo daruͤber keiner weiteren Eroͤrterung, als in ſofern man die Grade dieſer Conſiſtenz(Bin⸗ digkeit) durch folgende Ausdruͤcke bezeichnet: —— *——— A. Bweiter Band. Seite 142 gegenuͤber. Die nachfolgenden Bodenmengungen ſtehen in folgenden Gradationen ihrem Werthe nach. No. * B 0 S 1o. 1. 12. 18. 14. 15. 16. 15. 18. 19. Gewoͤhnliche Gehalt Gehalt Gehalt Gehalt Syſtematiſche Benennung. Bonitirungs⸗Benennung. ſan Thon. an Sand. ſan Kalk. an Humus. Prozent.] Prozent. Protent. Prozent. Humoſer Thonboden. Starker Weizenboden. 74 10 Humoſer ſtrenger Boden. desgl. 81 6 4 8½ desgl. desgl. 79 10 4 6 ½ Reicher Mergelboden. desgl. 40 22 36 4 Humoſer loſer Boden. Wieſen oder Aueboden. 14 49 10 27 Humoſer Sandboden. Starker Gerſtboden. 20 67 3 10 Reicher Thonboden. Starker Weizenboden. 58 36 2 4 Mergelboden. Weizenboden. 56 30 12 2 Thonboden. desgl. 60 8 G 2 Lehmboden. desgl. 48 50 S desgl. desgl. 68 30[3,5 2 desgl. Gerſtboden erſter Art. —— S desgl. Gerſtboden zweiter Art. 33 65 S* 2 Sandiger Lehmboden. desgl. 28 50 S S desgl. Haferboden. 23 75 1 25 Lehmiger Sandboden. desgl. 18½ 80 5 2 desgl. Rockenboden. 14 85 S 6 Sandboden. desgl. 9 90 2 3 1 28 desgl. 6jahriger Rockenboden. 4 95 2 4 S— desgl. gjahriger Rockenboden. 2 9 1 Werths⸗ verhaͤlt⸗ niß. 50 40 30 20 15 10 T 9 b B. e zur 1 Zweiter Vand. Seite 142 gegenuͤber hinter Tabelle 4. Vergleichung des Werths eines Morgen Landes von den verſchiedenen Klaſſen nich den angenommenen Brandenburgiſchen Tax⸗Prinzipien. Tracht Ertrags⸗ Total⸗ VPirth⸗ Sitſt Geld⸗Ertrag Ertrag Jährlicher Morgens Bodenart. nach dem Kornart. Einſaat. korn. Ertrag. ſchaftskorn. whee⸗ eines jedes Jahrs. ſeiner Beſtellungszeit. Durchſchnitts⸗Ertrag. ſerſter Klaſſe Duͤnger. ie Scheffels. zu 100 ange⸗ nommen wird, ſo iſt der Werth Metzen. Metzen. Schfl. Mtz. Rthlr. Gr. Rthlr. Gr. Pf. Rthlr. Gr. Pf. Rthlr. Gr. Pf. I. Klaſſe. Vortracht Erbſen 20 5 165 vs Reicher Weizen⸗ eten* ² 154 das te 6 2te Große Gerſte 20 7 140 das 2te 5—— 18 5 16 zte Weizen 20 6 120 ſ das 2te 3 12 1 6 4 16 6 100 4te Große Gerſte 18 6 108 das 2te 5 6 18 2 12 9 3 II. Klaſſe. Vortracht Erbſen 20 5 10 das 2t 2 8 1— Weizenboden. iſe Weizen 6 132 ſ das 2te 4 5 4 2te Große Gerſte 20 6 120 ſ das 2te 3 12— 18 1 6 zte Rocken 20 5 100 ſdas 2te 2 1— 2— 71,5 zte Große Gerſte 18 5 90 ſ das 2te 2 1 16 6 —— 15 4 2 10 6 II. Klaſſe. Vortracht Erbſen 20 5 100 das 2te 2 8 1— Starker Gerſtboden. 22 6 120 ſ das 2te 3 12— 18— 2te Große Gerſte 20 6 120 das 2te ſ 3 12— ſ18 3te Rocken 18 5 90 ſdas 2te 2 41— 2 6— 63,6 4te Große Gerſte 16 6 80 das 2te 2—— 18 1— 12 65 2 53 IV. Klaſſe. Vortracht Erbſen 18 4 72 das 2te 1 2 1 1 3— Gerſtboden. iſte Rocken 20 6 120 ſdas 2te 3 12 1— 13 2te Kleine Gerſte 20 6 120 ſ das 2te 3 12— 16 2 12— 3te Rocken 18 4 72 das 2te 1 2 1 3 te Hafer 16. 80 das 2te 2—— 12 S i 1 14— V. Klaſſe. iſte Rocken 90 das 2te Haferboden in neun* Hafer 5 90 das 3 jähriger Düngung 3 Rocken 56 das 1½ 1—— 4te Hafer 16 3½ 56 das 1 4 1 2— 12— 18, 5te Rocken 14 3 42 ſdas iſte— 14 1—— 21— 6te ruhet oder giebt doch keiſnen reiſnen Erſtrag. 5[18—— 15 4 VI. Klaſſe. Dreijaͤhriger Rok⸗ iſte Rocken 16 3 48 das 1— 8 1—— 12— kenboden, alle neun 21e Rien 3 2 35 da 4,4 Jahre halb gedungt 3e Resen& da oder gepfercht. 8 1 8 3— 37 Die Bodenarten. 143 Hart, zaͤhe, widerſpenſtig, unbaͤndig nennt man einen Boden, der bei einiger Feuchtigkeit wie ein klebriger Teig ſich an Pflug und Egge haͤngt, nur ſchwer abfällt, beim Abfallen zuſammenhaͤngend bleibt; ſo daß er nur durch einen Stich oder Schnitt getrennt werden kann, und dann auf der Schnittſeite glatt und glanzend iſt. Bei mehrerer Trockenheit iſt er dagegen hart wie ein Ziegel, und ſeine Schollen können nur durch einen gewaltſamen Stoß in wuͤrfligte oder blaͤttrige Stuͤcke, oft gar nicht in Pulver, zertheilt werden. Dieſer Boden ver⸗ haͤrtet ſich, wenn nach Regen warmer Sonnenſchein kommt, zuweilen auf der Oberflaͤche, und bleibt darunter noch im feuchten Zuſtande. Er heißt alsdann verſtockter, verſchaalter Boden; hierher gehoͤret der uͤber 80 Prozent Thon haltende Boden. Steif, ſtrenge: wenn der Boden im trockenen Zuſtande mit geringerer Gewalt getrennt werden kann, und dann in Stuͤcke bricht, die ein mattes, kor⸗ niges Anſehen haben und abkruͤmeln, jedoch vom Pfluge und Spaten ſelten in Pulver, ſondern nur in Schollen und groͤßeren Kloͤßen abfaͤllt, die ſich erſt durch ſtarkes Eggen zertheilen laſſen; dies thut der uber 30 Prozent Thon hal⸗ tende Boden⸗ Locker, muͤrbe heißt der Boden, wenn er bei einiger Feuchtigkeit zwar Kloͤße bildet, die zuſammenhaͤngen, die ſich aber durch einen gelinden Druck oder Stoß trennen laſſen und auseinander fallen; wie es der zwiſchen 20 bis 40 Pro⸗ zent Thon haltende Boden thut. Loſe: wenn ſeine Partikeln, abgetrocknet, wenig oder gar keinen Zuſam⸗ menhang und Anziehung zu einander haben, ſondern von ſelbſt in Pulver, ohne Kloͤße zu bilden, zerfallen. Der uͤber 9o Prozent Sand haltende Boden; der Kreideboden; der humoſe mit wenigem Thone verſetzte Boden ſind von dieſer Art. Iſt er ſo loſe, daß der Wind ihn leicht in Bewegung ſetzt und fortwehet, ſo heißt er ſtaubigter, fliegender Boden. Die verſchiedenen Grade der Bindung laſſen ſich am beſten beurtheilen, wenn man den Boden 48 Stunden nach einem mäßigen Regen unterſucht. Man kann ſie bei einiger Uebung ſehr gut durch das Aufſtoßen mit dem Stocke oder ſogar durch den Fußtritt unterſcheiden⸗ Tiefe des Bodens⸗ 144 Die Bodenarken. . 152. Maͤchſt den Beſtandtheilen kommt die Tiefe des Bodens bei ſeiner Schaͤßung in Betracht. Hierunter verſteht man diejenige Tiefe der Oberflache, in welcher ſelbige mit Humus durchdrungen und uͤberhaupt von gleicher Miſchung und von gleicher Beſchaffenheit iſt. Bei gewoͤhnlichem Boden geht ſie nur um ein weni⸗ ges tiefer, als bisher gepflugt worden iſt, und man bemerkt beim perpendikularen Abſtechen der Erde die Graͤnze deutlich. Zuweilen beträgt ſie nur 3 Zoll, ge⸗ woͤhnlich 6 Zoll, manchmal 10 bis 12 Zoll. Rur bei außerordentlicher Kultur oder bei aufgeſchwemmtem vom Waſſer abgeſetzten Boden findet man ihn auf 14, 2 bis 3 Fuß mit Humus gleichartig durchdrungen. Wir nennen einen Boden ſchon tief, wenn die fruchtbare Erde durch das ge⸗ woͤhnliche Pfluͤgen nicht bis auf den Grund erreicht wird, d. h. mehrentheils, wenn ſie uͤber 6 Zoll ſtark iſt. Wir nehmen daher 6 Zoll als die mittlere Tiefe an, die der Boden haben muß, wenn er fehlerfrei ſeyn und nicht unter dem Werthe herabſinken ſoll, den wir ihm ſeinen Beſtandtheilen nach heimeſſen. Der tiefere Boden enthaͤlt eine groͤßere Quantitaͤt fruchtbarer Erde oder ve⸗ getabiliſchen Nahrungsſtoffes, der, wo nicht allen Pflanzen, doch gewiß einigen zu Nutzen kommt, wenn er auch nicht bis zu ſeiner vollen Tiefe gelockert wird. Er giebt aber einem jeden guten Ackerbauer den Vortheil, ihn von Zeit zu Zeit tiefer zu lockern, und von ſeiner untern Lage fuͤr alle Fruͤchte Nutzen zu ziehen, an die Hand, und es iſt genug, wenn dieſes auch nur alle ſechs bis ſieben Jahre einmal geſchiehet. Dann dringen die Wurzeln, ſelbſt des Getreides, ſo tief ein, bolen die Nahrung, die ſie bei einem ſeichten Boden nur durch ihre horizontalere Ver⸗ breitung an ſich ziehen können, aus der Diefe herauf, und können ſich dichter an einander ſchließen, ohne daß jede einen engern Wirkungskreis fuͤr ihre Wurzeln habe. Devtiefere Boden zeigt deshalb durchaus, bei ubrigens gleicher Beſchaß⸗ fenheit, dichtere Saaten. Die Graͤnze des Eindringens der Getreidewurzeln iſt durchaus nicht, wie einige behauptet haben, auf 6 Zol beſchränkt; ich habe ſie deutlich bis 12 Zoll auf Boden, der ihnen ſo tief zuſagte, verfolgen koͤnnen. Die Wurzeln der Hulſenfruchte, des Klees gehen ungleich tiefer, der Luzerne und der Wurzelge wächſe nicht zu gedenken; er beguͤnſtigt daher ſo vorzuͤglich den abwech⸗ ſelnden Bau dieſer Gewaͤchſe. Ferner —— Die Bodenarten. 145 Ferner hat er den unleugbaren, jedem ins Auge fallenden Vorzug, daß er von der Feuchtigkeit und von der Duͤrre weniger leidet. Die⸗niedergeſchlagene Feuchtig⸗ keit hat mehreren Raum ſich zu verſenken, ehe ſie auf den undurchlaſſenden Unter⸗ grund kommt, von wo ſie wieder heraufſtauen und die ganze Erdkrume zu einem Brey machen muͤſte. Nur der tiefere thonige Boden laßt ſich durch verdeckte Ab⸗ zuge wirkſam entwäſſern. Da aber der tiefere Boden wiederum mehr Feuchtigkeit in ſeinen Poren aufnehmen kann, ſo hält er ſie laͤnger, und giebt ſie gleichſam aus dem unterirdiſchen Magazine der Oberfläche wieder ab, ſo wie ſie ſolche gebraucht. Wir finden deshalb beides, das Widerſtehen der Feuchtigkeit und der Duͤrre, am auf⸗ fallendſten auf rajolten Boden. Auch haben alle aufmerkſame Beobachter die Be⸗ merkung gemacht, daß tieferer Boden, des dichteren Standes der Halme ungeach⸗ tet, ſelten Lagergetreide gebe, wenigſtens nie anders, als wenn Sturm und Schlag⸗ regen es niederwirft, ja daß es ſich ſelbſt dann oft wieder aufrichte. Bei dem ſeichten Boden findet durchaus das Gegentheil ſtatt. Dieſer unter⸗ ſcheidet ſich nun in ſolchen, welcher keine Vertieſung zulaßt, und in ſolchen, dem ſie durch eine Rajolarbeit oder durch allmaͤhlig tieferes Pfluͤgen— womit allerdings auch eine tiefere Durchdringung verbunden ſeyn muß— gegeben werden kann. Hiervon wird die Rede ſeyn, wenn wir auf den Untergrund kommen. Der unergruͤndliche Boden, der eine ſo maͤchtige Lage von fruchtbarer Erde hat, daß man ſie auch durch Rajolen kaum erreichen kann, macht es moͤglich, ihn durch das Heraufbringen neuer Erde aus dem Grunde, faſt ohne allen Duͤnger, in ſeiner Fruchtbarkeit zu erhalten, entweder durch das vollkommene Rajolen, oder durch das ſogenannte Kuhlen, wo die untere Erde ſtellenweiſe heraufgegraben und uber die Oberfläche verbreitet wird. Deshalb ſteht ein ſolcher Boden auch in einem faſt unglaublichen Werthe. In welchem Verhältniſſe vermehrt oder vermindert aber die groͤßere oder gerin⸗ gere Tiefe des Bodens ſeinen Werth? Wir nehmen eine Czollige Tiefe als diejenige an, welche der Boden haben ſoll. Mit jedem Zolle groͤßerer Tiefe vermehrt ſich ſein Werth, wie wir ſicher annehmen koͤnnen, um 8 Prozent, bis zu der Tiefe von 12 Zoll, ſo daß ein 12 6lliger Boden beinahe um die Haͤlfte mehr werth iſt, als ein 6zolliger. Bei noch großerer Tiefe, welche durch den Pflug nicht erreichbar iſt, ſteigt der Werth zwar nicht mehr in derſelben Progreſſion, aber doch wohl immer Zweiter Theil. T Der Uhter⸗ grund. 146 Die Bodenarten. noch um§ Prozent, da auch die unter der Sohle der pflusfurche liegende Erbe nicht ganz ohne Nutzen iſt. Dagegen fällt ſein Werth mit jeder Verminderung ſeiner Diefe unter 6 Zol in eben dem Verhältniſſe. Hat alſo ein Boden, der bei 6 Zoll Tiefe do werth war, 7 Zoll, ſo iſt ſein Werth 34, 8— 95 10———— 66, 11———— 70, ———— 6. 4— 3———— 35 Es hat keinen Zweifel, daß dem Boden dieſe Werthsvermehrung durch tiefere Bearbeitung und Durchdringung nachhaltig gegeben werden köune; zuweilen mit mehrerem, zuweilen mit minderem Aufwande, als die Werthsverinehrung beträgt. ⸗§. 1553. Was unter der fruchtbaren Ackererde liegt, heißt Untergrund. Dieſer be⸗ ſieht entweder aus derſelben Grunderde, wie die Ackerkrume, iſt nur nicht von Hu⸗ mus durchdrungen und mit der Atmoſphaͤre in keine Beruͤhrung gekommen; oder es iſt eine ihrer Natur nach verſchiedene Erdſchicht. Er hat betraͤchtlichen Einfluß auf die Guͤte des Ackers, und um ſo groͤßer, je ſeichter die Ackererde iſt. Thonigter Untergrund findet ſich gewoͤhnlich unter thonigem und lehmigem Bo⸗ den, ünterſcheidet ſich davon in der eigentlichen Grunderde wohl nicht, iſt aber voͤllig roh, zuſammengeballt und undurchlaſſend. Er findet ſich aber auch unter einer ſan⸗ digen Oberflaͤche, wo er bei einer horizontalen und gelind abhaͤngigen Lage dieſen Boden ſehr verbeſſern kann, indem er das Verſenken der Feuchtigkeit ſehr verhin⸗ dert, und dieſen Boden uͤber Erwarten feucht erhaͤlt. Zuweilen kann er durch das Pflugen oder doch durch das Graben heraufgebracht und in einem guten Verhältniſſe mit dem Sande gemengt werden, wodurch dieſer zu Anfange zwar oſt noch verſchlech⸗ tert, in der Folge aber,— wenn die gleichartige Miſchung bewirkt werden kann,— — Die Bodenarten. 14 ſehr verbeſſert wird. Liegt er moldenfoͤrmig, ſo kann er bei naſſer Witterung jedoch auch den loſen Boden zu feucht, und wie man es nennt, ſappigt machen. Zuweilen iſt dieſer Untergrund mergeligt oder kalkhaltig, ſelbſt wo man in der Ackererde kaum eine Spur von Kalk antrifft. Hier thut eine Vertiefung des Bodens durch Pflügen oder Rajolen oder durch das ſogenannte Kuhlen die auffallendſte Wir⸗ kung, macht ihn ſogleich nachhaltend fruchtbarer, indem der mergeligte Thon, ſo zähe er auch im Untergrunde war, an der Oberflaͤche zerfällt, und ſich leicht vermen⸗ gen laͤßt. Dieſer Boden iſt folglich einer großen Verbeſſerung fähig. Sandiger Untergrund findet ſich auch unter ziemlich ſtrengem Thon⸗ und gehm⸗ boden, und macht dann, wenn er weder zu tief noch zu flach, d. h. 1 bis 1 ½ Fuß unter der Oberfläͤche liegt, und wenn ſeine Lage maͤchtig genug iſt, einen hoͤchſt gluͤcklichen Boden, einen Boden, den man ſchwer aber warm nennt, aus; weil er nie an Feuchtigkeit leidet, ſondern jeden Ueberfluß derſelben verſinken laͤßt. Iſt der ſandige Untergrund nur mit einer ſeichten Schicht fruchtbarer Erde be⸗ deckt, ſo iſt ein ſolcher Boden der Ausdörrung ſehr unterworfen, wenn er gleich bei feuchter Witterung, und ſo lange er die Winterfeuchtigkeit im Fruͤhjahre noch hält, ſehr fruchtbar ſcheint. Stellen dieſer Art nennt man Schein⸗ oder Schrind⸗Stellen. Zuweilen iſt eine ſolche Schicht von Sand oder Kies aber auch nur ſehr duͤnn, und darunter liegt wieder undurchlaſſender Thon. Fehlt est dieſem Boden an Abzug, ſo haͤuft ſich das Waſſer in dieſer Sandſchicht, wie. einem Behaͤlter, an, und ſtauet zur Oberflaͤche herauf. Dadurch wird der Boden waſſergallig, kalt und hungrig, indem das ſich verſenkende Waſſer die aufgeloſten Duͤngertheile beim Abtrocknen mit ſich herabziehet, und in der tieferen Sandlage abſetzt. Dieſer Boden gehoͤrt un⸗ ter die fehlerhafteſten, wenn er nicht durch Abgrabungen verbeſſert wird, die das in der Sandſchicht ſtockende Waſſer abfuhren. Hierdurch aber wird er gruͤndlich geheilet. Je unergruͤndlicher und loſer der Sand unter Sandboden iſt, deſto duͤrrer wird dieſer. Erhält der Sand in einiger Tieſe mehrere Bindung, wodurch das Verſen⸗ ten der Feuchtigkeit gehemmt wird, ſo hat er mehrere Friſchheit. Der ſieinige Untergrund kommt mehr oder minder zu Tage, oder iſt mit der oder mehr mit kruͤmlicher Erde bedeckt. Zuweilen betroͤgt die Ackerkrume, beſon⸗ ders an Bergen, kaum einige Zoll. T 2 148 Die Bodenarten. Der Kalkſtein macht immer den beſten ſteinigen Untergrund aus. Cr iſt an der Oberflaͤche mehrentheils rauh, verwittert und ſpaltig. Er nimmt Erde gleichſam in ſich auf, in welche die Pflanzenwurzeln eindringen. Ja einige Pflanzen ſcheinen den Stein ſelbſt anzugreifen, und vielleicht Rahrung aus ſeiner Kohlenſaure zu ziehen: am ſtärkſten die Eſparſette, jedoch auch die meiſten Diadelphiſten, wie auch Baͤume und Sträucher: ſo daß ſolche Kalk⸗ und Gypsfelſen doch minder unfruchtbar und unbrauchbar ſind, wie andere Felſen. Der Thonſchiefer, flach mit Krume bedeckt, verwittert, wenn der Pflug etwas abreibt oder Stuͤckchen abſpaltet, und man verſichert, dadurch den Boden tiefer ge⸗ macht und verbeſſert zu haben. Der Granit ſchließt alle Vegetation aus, und flacher darauf ruhender Boden nimmt keine Verbeſſerung an, es ſey denn, daß man durch Aufbringen von Erde die Krume vermehre. Steingeſchiebe machen zuweilen den Untergrund aus, und es kommt darauf an, ob ſie genugſam oder nur flach mit Erdkrume bedeckt find. Im erſteren Falle ſcha⸗ den ſie nicht, ſondern koͤnnen in thonigtem Boden ſehr nuͤtzlich ſeyn, wenn ſie der überſluͤſſigen Feuchtigkeit Abzug geben. Von einzelnen Steinen, die bis zur Ober⸗ flaͤche emportreten, wird noch die Rede ſeyn. Der Ocher oder Eiſenſtein, welcher ſich nicht ſelten unter der Oberflaͤche findet, iſt der Vegetation hoͤchſt nachtheilig, vergiftet ſie gleichſam, wenn er anders nicht ſo ſtark mit Erdkrume bedeckt iſt, daß die Wurzeln ihn nicht erreichen. Ueber den⸗ ſelben pflegt ſchon eine braungefaͤrbte rauhe Erde zu liegen, die einer Natur mit dem Steine iſt; dieſe wird immer haͤrter, und geht ſo in Stein uͤber. Die Bume gehen aus, ſobald ihre Wurzeln darauf ſtoßen. In Hinſicht der Feuchtigkeit unterſcheiden wir hauptſaͤchlich den durchlaſſenden und undurchlaſſenden Untergrund. Jenes iſt der ſandige und mehrentheils der ſtei⸗ nige, indem letzterer ſelten ohne alle Spalten iſt. Dieſes der thonige und lehmige. Je weniger Sand er enthaͤlt, deſto undurchlaſſender iſt er; es kann aber auch Lehm, der vielen Sand enthalt, undurchlaſſend werden, wenn er ſich feſtgeſetzt hat. So erzengt ſich, wenn immer in gleicher Tiefe gepfluͤgt wird, unter der Sohle der Furche durch den Pferdetritt und den Druck des Pfluges eine ſolche Borke, die kein Waſſer durchläßt, und in harten Stuͤcken bricht, wenn gleich daruͤber und darunter der Bo⸗ den ziemlich locker und durchlaſſend iſt. — Die Bodenarten⸗ 149 F 153⸗ Von einem undurchlaſſenden Untergrundè ruhrt die inden meiſten Faͤllen fehler⸗ Feuchtigkeit hafte Feuchtigkeit des Bodens hauptſächlich her. Denn obgleich die Ackerkrume eine d verſchiedene waſſerhaltende Kraft hat, und an ſich der Feuchtigkeit oder Duͤrre mehr ausgeſetzt iſt, ſo ſcheint doch dieſe natürliche Feuchtigkeit der Vegetation nicht nach⸗ theilig zu werden, wenn namlich nicht mehr Waſſer im Boden iſt, als ſeine Erdar⸗ ten vermoͤge ihrer Anziehungskraft anhalten. Wenn aber das Waſſer ſich nicht ver⸗ ſenken und nicht abziehen kann, und die lockere Erde damit wie ein Brey zerfließt, ſo wird die Näſſe den meiſten unſerer kultivirten Pflanzen hoͤchſt verderblich. Wenn der undurchlaſſende Untergrund keinen Abhang nach einer Seite hat, vielmehr mol⸗ venfoͤrmig liegt, obwohl die Oberflaͤche des Bodens eben iſt, ſo wird das Waſſer wie in einem Becken eingeſchloſſen, und der Boden kann nur langſam durch die Verdunſtung abtrocknen. Auch die Quellgruͤnde hängen in der Regel von der Beſchaffenbeit des Unter⸗ grundes ab⸗ Die Räſſe kann ferner als Tagewaſſer ſich von der umliegenden hoͤheren Gegend herabziehen, ohne fernern Abzug zu haben. Es kann endlich Durchſinterungswaſſer ſeyn, welches ſich von einem höher ſtehenden Waſſerſpiegel eines benachbarten Fluſſes oder Sees durch eine durchlaſſende Erdſchicht hindurchziehet. Wir werden dieſe Urſachen der Naͤſſe genauer zu unterſuchen in der Lehre von den Abwäſſerungen Gelegenheit haben, ünd erwähnen ihrer hier nur, in ſofern die Näſſe und ihre mehr oder minder leicht zu uͤberwindende Urſach auf den Werth des Bodens Einfluß hat. 37 Die Naͤſſe macht zuweilen den Boden faſt zu aller Benutzung untauglich, zu⸗ weilen zur Wieſe, aber nicht zum Ackerbau geſchickt; manchmal erlaubt ſie die Beſtellung mit Soͤmmerung, beſonders mit Hafer, aber nicht mit Winterung. Mäan beurtheilt den Zuſtand der fehlerhaften Naͤſſe am ſicherſten im Fruͤhjahre⸗ Zur anderen Zeit entdeckt man ihre Spuren wohl an den darauf ſtehenden Pflanzen, aber doch minder deutlich. Den Grad der Feuchtigkeitshaltung beurtheilt man am beſten etliche Tage nach einem mäßigen Regen. Man nennt alsdann einen Boden es Vodens. Temperatur des Vodens. Die Bodenarten. a) duͤrre, wenn er gar kein Gefuͤhl von Feuchtigkeit, in der Hand ge, druͤckt, giebt. P) trocken, durſtig, wenn er nur beim Zerreiben und ſtarkem Drucke einige Feuchtigkeit bemerken laͤßt. o) friſch, wenn man ſeine Feuchtigkeit gleich fuͤhlet. d) feucht, wenn er bei einem gelinden Drucke die Hand naß macht. e) naß, wenn ſich tropfbares Woſſer ausdruͤcken laßt, und eine ausgeſtochene Scholle oder abgeſchnittene Pflugfurche blaͤnkert. k) waſſerſuͤchtig oder ſumpfigt, wenn Waſſer darauf ſteht, oder in den Fußtapfen gleich einquillt. Die vier erſten Grade haͤngen von der Beſchaffenheit ſeiner Erdmiſchung groͤß⸗ tentheils ab, jedoch hat auch die Lage einen Einfluß darauf; die beiden letzteren allein von ſeiner Umgebung. F. 156. Unter Temperatur, oder was man Waͤrme und Kaͤlte des Bodens nennt, verſtehen wir nicht die, durch atmoſphäriſche Waͤrme und Wirkung der Son⸗ nenſtrahlen, nach Verſchiedenheit des Klima und der Lage, ihm mitgetheilte Waͤrme, wovon in der Folge geredet werden wird; ſondern diejenige, welche von innern im Boden ſelbſt liegenden Urſachen abhaͤngt. Unſere Erdkugel ſcheint im Innern einen beſtimmten Grad von Wirne ſů zů ha⸗ ben, indem man in einer Tiefe von 10 Fuß unter der Oberflaͤche die Wärme faſt uͤberall und zu jeder Jahreszeit ſie gleich= 7 Grad Reaumur findet. Man hat lange vermuthet, daß dieſe Waͤrme von einem im Innern der Erde vorhandenen Centralfeuer, oder doch von einer großen von dem Zeitpunkte ihrer erſten Bildung noch auhaltenden und nach ihrem Mittelpunkte ſich immer vermehrenden Hitze her⸗ ruͤhre. Allein dieſe Meinung iſt ſchon dadurch widerlegt, daß man, ſo tief man im⸗ mer mit den Schachten der Bergwerke eingedrungen iſt, in der Regel keine Vermeh⸗ rung der Waͤrme verſpuͤrt hat. Auf 1200 Fuß unter der Oberflaͤche blieb ſie ſich voͤllig gleich, und nur in einigen ungariſchen Bergwerken hat man einige Vermeh⸗ rung der Waͤrme verſpuͤrt, die man aber von Lokalurſachen eben ſo ableiten muß, wie die hohe Temperatur einiger Quellen, und zuweilen ſchon der Oberflache des Die Bodenarten. 151 Erdbodens, wo dieſe hervorkommen. Die durch ſolche Lokalerhizungen im Unter⸗ grunde herruͤhrende Waͤrme des Bodens gehoͤrt zu den Seltenheiten. Man bemerkt aber haͤufig eine Verſchiedenheit in der Temperatur des Bodens, ſchon vermittelſt des fruͤhern oder ſpätern Erweichens des Eiſes und Schnees, auch des ſchnellern Gefrierens der Oberflaͤche an einer Stelle vor der andern, ohne daß die Lage des Feldes dabei in Betracht kommen konnte; welches in Anſehung des Pfluͤ⸗ gens im Spätherbſte und im Frühjahre einen ſehr merklichen Unterſchied macht. Man hat auch bereits einige genauere Beobachtungen mit dem Thermometer daruͤber angeſtellt, die aber noch nicht haͤufig genug wiederholt ſind, um beſtimmtere Reſul⸗ tate, und in Anſehung der Urſachen dieſer verſchiedenen Temperatur mehr, wie das Folgende, zu ergeben. Die Temperatur des Bodens haͤngt zuvoͤrderſt augenſcheinlich von ſeinem Feuch⸗ tigkeitszuſtande ab. Der feuchte Boden iſt im Durchſchnitt kälter, thauet ſpäter auf, gefriert leichter, und erlangt die zur Vegetation erforderliche Wärme ſchwerer. Man nennt deshalb einen ſolchen Boden naßkalt; den trocknen Boden warm, und den duͤrren hitig. Dies ruͤhrt unverkennbar daher, weil durch die Verdunſtung des Waſſers eine Menge freien Waͤrmeſtoffs conſumirt, dem Erdboden alſo entzo⸗ gen wird. Ferner finden wir aber auch bei Boden von gleicher Feuchtigkeit nicht ſelten dennoch eine Verſchiedenheit der Temperatur. Ein mit vieler Dammerde, unzergan⸗ genem Miſt und faulenden Subſtanzen angefullter Boden hat einen hoͤheren Waͤrme⸗ grad. Er thauet auf ſeiner Oberfläͤche fruͤher auf, und verzehrt ſeinen Schnes ſchnell, ſo daß der gemeine Landmann zu ſagen pflegt: dieſer Boden freſſe den Schnee. Hier ruͤhrt die Wärme ohne Zweifel von den chemiſchen Zerſetzungen her, die darin vorgehen, wobei faſt immer Waͤrmeſtoff frei wird. Und ſo iſt es auch buchſtaͤblich wahr, wenn man ſagt der Miſt erwaͤrme den Boden. Er thut dies theils mechaniſch, indem er ihn lockert, und ſomit trockner macht, theils chemiſch, indem er zerſetzt wird. Dann verſpuͤrt man, daß der kalkhaltige Boden wärmer ſey, weil er dieſe che⸗ miſchen Zerſetzungen beſchleunigt, und die ſtärkſte Wechſelwirkung auf den Riſt und den Humus àußert. 152 Die Bodenarten. Endlich leitet auch der eine Boden die Waͤrme, die er von außen her empfaͤngt, ſtärker wie ein anderer; der Sand mehr wie der Thon, wenn letzterer nicht uͤbermaͤßig feucht iſt. Eine ſchleunige Veraͤnderung der Temperatur hat deshalb auf die Pflan⸗ zen auf Sandboden mehr Einfluß, wie auf die auf Thonboden, und deshalb werden die Nachtfroͤſte, beſonders die Fruͤhreife dem erſtern leichter nachtheilig, wie dem ſetztern, wie man das haͤuſig bei ſolchen Saaten, die gegen jeden Froſt ſehr empfind⸗ lich ſind, zu bemerken Gelegenheit hat. Wahrſcheinlich leitet auch ein Untergrund die hohere Temperatur aus der Tiefe leichter wie ein anderer herauf, und bewirkt da⸗ durch, daß der Froſt minder tief eindringe, und fruͤher vergehe. — Man beſtimmt die Grade der Temperatur eines Bodens durch die Ausdrůͤck a) bitzig, b) warm, c) gemäßigt, d) kalt.. Genauere Unterſuchungen, die man mit dem Thermomeker, hauptſaͤchlich im Fruͤhjahre beim Entweichen des Froſtes anſtellen wird, werden vielleicht noch manche merkwuͤrdige Reſultate. uͤber die Verſchiedenheit des Bodens in dieſer Hinſicht geben. §. 187. Der Werth und die Eigenſchaften des Bodens hängen aber nicht allein von ſeiner innern eigenthuͤmlichen Beſchaffenheit, ſondern auch von ſeiner Lage, Ge⸗ ſtalt und Umgebungen ab, und modifiziren jene auf mannigfaltige Weiſe. Ebene ober Die Geſtalt der Oberflaͤche, ob ſie huͤgeligt oder eben, horizontal oder Ober ebhängig ſey, hat einen verſchiedenen Einfluß, je nachdem die Grundmiſchung des Bodens beſchaffen iſt. Der mehr ſandige, loſe und trockene Boden iſt um ſo fruchtbarer, je ebener er liegt und je niedriger gegen die ihn umgebende Gegend. Hier wird ihm die Feuchtigkeit, an deren Ueberfluß er ſelten leidet, länger erhalcen. Dagegen verliert dieſer Boden immer mehr an ſeinem Werthe, wenn er auf Anhoͤhen, Hügeln oder den hohern Ruͤcken der ganzen Gegend liegt, wo ſich ſeine Feuchtigkeit nicht nur ſtärker herunterzieht, ſondern ihm auch vom Winde— und mit derſelben wohl oft ſeine fruchtbarſten Theile— geraubt wird. In dieſer Lage verlohnt ein ſandiger Bo⸗ den Die Bodenarten. 153 Boden, der in der Ebene allerdings noch zu kultiviren wäre, ſeinen Anbau gar nicht; ja es wird oft gefährlich fur die ganze umliegende Gegend, ſeine Narbe mit dem Pfluge zu verwunden, indem ſo leicht die ſchaͤdlichſten Sandwehen dadurch erregt werden. Dagegen kann eine huͤgelige und abhaͤngige Lage dem thonigen Boden, und dem, der einen undurchlaſſenden Untergrund hat, haͤufig vortheilhaft ſeyn, indem die uͤberftüſſige Feuchtigkeit dadurch Abzug erhält. In den meiſten Fällen kann man bier durch Graben und Waſſerfurchen, wenn ſie gehoͤrig angelegt ſind, allen Nach⸗ theilen der Naͤſſe zuvorkommen. Es findet ſich mehrentheils ein Ausweg fuͤr das Waſſer, und wenn dies nicht der Fall iſt, doch eine niedrige Stelle, wohin man es zuſammenleiten kann. Steile Anhoͤhen ſind indeß nie erwuͤnſcht, wegen der Schwierigkeit ihrer Beſtellung. Man hat ſich lange daruber geſtritten, ob die groͤßere Oberflaͤche des huͤgeligen Bodens in Anſehung der Production Vorzuͤge vor der geringeren Oberflaͤche des ebenen Bodens habe. Die meiſten Theoretiker haben behauptet, jene habe keine Vorzuͤge, und koͤnne nicht mehrere Pflanzen tragen, wie die horizontale Flache, weil die Pflanzen immer perpendikular ſtehen, mehrere ſolglich weder an den Wur⸗ zeln noch an den Gipfeln Platz hätten. Hiervon aber haben ſich die Praktiker nie uͤberzeugen konnen, und letztere ſcheinen offenbar Recht zu haben. Schon in Hin⸗ ſicht des Platzes ſcheint es unleugbar, daß ſolcher fuͤr mehrere Pflanzen zureiche, wenn ſie ſich uͤbereinander erheben; wo der Gipfel des einen Baums, oder die Aehre der einen Pflanze ſich ausbreitet, da hat die Wurzel einer andern ihren Platz. Von Menſchen, die auf Stuffen ſtehen, koͤnnen in demſelben Raume mehrere zuſammen⸗ gedraͤngt werden, als auf der ebenen Flaͤche moͤglich waͤre. Platz iſt aber uͤberdem fuͤr die Cerealien genug vorhanden, und es kommt nur auf die Oberfläche des Bodens an, woraus ſie Nahrung ziehen, und dieſe iſt doch auf einem Huͤgel immer großer, als auf ſeiner Baſis. Der Huͤgel hat bei einer gleichen Tiefe ſeiner Ackerkrume, doch beſtimmt mehr fruchtbare Erde, als die Baſis deſſelben haben wuͤrde. Und endlich rauben ſich die an einer Anhoͤhe ſtehenden Pflanzen die Luft und das Licht weniger. Und ſonach muͤßte der Boden, wenn er ſich uͤbrigens gleich iſt, nicht allein nach der geometriſchen Flaͤche, die natuͤrlich auf den Karten nur angegeben ſeyn kann, ſon⸗ Zweiter Theil. U Hohe und niedere Lage. 154 Die Bodenarten. dern auch nach der Linie ſeiner Oberflaͤche geſchaͤtzt werden; wie denn das wirklich in der Praxis und bei der Vermeſſung einzelner Stuͤcke auch geſchiehet. *§. 133. Die hohe oder die niedere Lage des Bodens gegen die Meeresflaͤche macht einen beträchtlichen Unterſchied im Klima und und in der atmoſphaͤriſchen Temperatur. Die Wärme iſt auf Bergen in gleicher Zone immer geringer, wie in der Ebene und Niederung, und ſelbſt in den heißeſten Zonen ſind die Gipfel der Berge mit beſtändi⸗ gem Eis und Schnee bedeckt. Jedoch liegt dieſe Eisgraͤnze in den heißern Erdſtri⸗ chen hoͤher, und kommt um ſotiefer herab, je mehr wir uns dem Pole naähern. In demſelben Verhaͤltniſſe, wie die Wärme, nimmt die Vegetation ab; die Baͤume und Gewaͤchſe werden auf den groͤßern Höhen immer niedriger und verkruͤppelter. Auf groͤßern Hoͤhen wachſen nur Nadelhoͤlzer, und noch hoͤher hinauf nur beſondere Bergpflanzen. Aber ſchon bei minderen Hoͤhen verſpuͤren wir, wenn auch übrigens die Lage guͤnſtig iſt, eine ſchwächere Vegetation der Cerealien. Weizen waͤchſt indeſſen auf ange⸗ meſſenem Boden auf den Bergen noch beſſer wie Rocken, und Hafer beſſer wie Gerſte; jedoch nur relativ, und die Reifung erfolgt ſpaͤter. An Feuchtigkeit mangelt es auf Bergen ſelten, weil auf ihnen ein ſtärkerer Niederſchlag der atmoſphaͤriſchen Feuchtigkeit vorgeht. Deshalb hat ein trockener, warmerer Boden daſelbſt oft Vor⸗ zuͤge vor dem feuchten. Weil es jedoch in der Regel nicht an Abzug fehlt, ſo kann man die Feuchtigkeit daſelbſt immer durch zweckmaßige Abgrabung und Abfangung der Quellen heben. Eine große Beſchwerde, die ihren Werth ſehr vermindert, iſt aber bei bergigen Feldern die Schwierigkeit der Auffuhr des Duͤngers, die oft ohne die größte Anſtren⸗ gung nicht beſchafft werden kann, weshalb man ſich da haͤufig mit Huͤrdenlangern be⸗ helfen muß; dann iſt auch ſeine Beackerung ſehr ſchwierig und angreifend fuͤr Endlich iſt bei ſteilen Abhaͤngen die Abſpuͤlung der fruchtbaren Erde bei heftigen Regenguͤſſen und das Einreiſſen der Waſſerſtroͤme ſehr gefährlich. Wenn der Bergboden alſo auch zuweilen reiche Ervten giebt, ſo wird der ſteile Ab⸗ hang doch in der Regel wohl am vortheilhafteſten durch zweckmaͤßige Holzkul⸗ tur genutzt. —— Die Bodenarten. 155 §. 159. Bei den Abhaͤngen der Berge und Huͤgel, und ſellſt bei der ebenen ſchrägen Richtuns nach pläͤche des Bodens kommt es viel auf die Himmelsgegend an, wohin ſie ge richtet ſind. Gegen Rorden wird der Boden ſpaͤter erwarmt, dunſtet ſchwaͤcher aus, und bleibt langer feucht. Der vegetabiliſche Nahrungsſtoff kommt ſpaͤter in Gaͤhrung und wird langſamer zerſetzt. Die Vegetation dauert kuͤrzere Zeit, fängt ſpäter an, hört fruͤher auf. Die Pflanzen erhalten wegen Mangel an Wärme und Licht minder ausgebildete Saͤfte und Fruͤchte. Auch leiden die Pflanzen oͤfterer durch kalte Winde und Froͤſte. Gegen Suͤden erhaͤlt der Boden eine fruͤhe und ſtarke Durchwärmung, genießt des meiſten und vertikalſten Lichtes. Die Vegetation beginnet daher fruͤh, und die Fruchte kommen zu ihrer höchſten Vollkommenheit. Dagegen aber leidet der Boden eher an Duͤrre. Auch iſt er den mehr aus Suͤden kommenden Plazregen und Schloſ⸗ ſenſchauern ausgeſetzt. Gegen Oſten dunſtet der Boden ſtark aus, erhaͤlt weniger vom Niederſchlage der atmoſphäriſchen Feuchtigkeit, und trocknet am ſchnellſten aus. Die Vegetation wird von der Morgenſonne fruͤh geweckt, und nach der nächclichen Ruhe und einge⸗ ſogener Feuchtigkeit in Thätigkeit geſetzt. Die Fruͤchte kommen daher in dieſer Lage vorzuglich ſruͤh empor, und werden vollkommen reif, koͤnnen dagegen zwar auch durch Nachtfroͤſte leichter unterdruͤckt und zerſtort werden. Nachtfroͤſte indeſſen ſchaden hier manchmal weniger, weil die Sonne nicht zu plötzlich aufthauet, da ſie Morgens fruͤh nicht ſo ſtark iſt. Gegen Weſten erhalten die Gewächſe erſt die Wärme und das direkte Licht der Sonne, nachdem die nachtliche Feuchtigkeit verdunſtet und die nach der Ruhe ver⸗ mehrte Lebensthaͤtigkeit ſchon wieder ermattet iſt; daher die an der Weſtſeite wach⸗ ſenden Fruchte im Allgemeinen nicht ſo früͤh und in ſo hohem Grade ihre Vollkom⸗ menheit erreichen, wie die an der Oſtſeite. Uebrigens aber fuhrt der weſtliche Wind mehrere Feuchtigkeit herbei, und der Boden leidet an dieſer Seite weniger von der Duͤrre. Am beſten iſt ſie etwas gegen Suͤden gerichtet. Hier iſt der Schaden, der aus dem plötzlichen Aufthauen entſteht, am groͤßten, weil die Sonne ſie erſt trifft, wenn ſie um Mittag am ſtaͤrkſten iſt. H2 Beſchattung oder Lſcht. 156 Die Bodenarten. Die Vortheile und Nachtheile dieſer Lage werden hauptſaͤchlich beſtimmt durch die Grundmiſchung und uͤbrigen Eigenſchaften des Bodens. Der chonige, feuchte und kalte Boden wird verbeſſert, wenn er ſeinen Abhang nach der trocknern Oſt⸗ und Suͤdſeite hat, und iſt ungleich fehlerhafter, wenn er nach Weſten und Norden hängt. Uumgekehrt verhaͤlt ſichs mit dem ſandigen und kalkreichen, trocknen und warmen Boden, fuͤr den der weſtliche Abhang immer der erwuͤnſchteſte iſt, und der nach Suͤd⸗ oſten abhaͤngend immer um ſo ſtärker von der Duͤrre leidet. Der noͤrdliche Abhang, wenn er ſo ſteil iſt, daß ihn die Sonne nur ſehr ſchräg trifft, iſt in keinem Falle wohlthaͤtig. F. 160. Die Sonnenſtrahlen und das Licht werden dem Boden zuweilen durch umlie⸗ gende Gegenſtände entzogen, durch Berge, Waldungen, einzelne hohe Baäume und Gebaͤude. Ohne Ruͤckſicht auf die Wärme, welche die Sonnenſtrahlen geben, iſt das Licht an ſich zum Gedeihen der Pflanzen und vielleicht ſelbſt zur Sftweri gewiſſer Zerſetzungen im Boden unentbehrlich⸗ Wir wiſſen, daß alle Pflanzen das Licht ſuchen, und ſich immer nach der Seite hinneigen, wo ſie es finden. Man bemerkt dies im Freien, deutlicher in Zimmern und Gewachshaͤnſern, und am auffallendſten, wenn man die Gewächſe in hölzerne Kaſten ſetzt, die nur einige Ritzen haben, zu welchen ſich dann die Pflanzen mit dem äußerſten Beſtreben hindraͤngen. In dichten Pflanzungen treiben die Gewächſe mit aller ihrer Kraft in die Hoͤhe, wetteifernd, ſich den Vortheil des Lichts abzugewin⸗ nen. Sie wachſen daher um ſo ſtärker und ſchneller in die Laͤnge, je dichter ſie ſtehen, aber freilich auf Koſten der Staͤrke ihrer unteren Theile, die dann ſchwaͤcher bleiben. Alle im Dunkeln und im Schatten gewachſene Pflanzen haben ein bleiches, kränkeln⸗ des Anſehn, ein loſes, ſchlaffes, waſſerſuͤchtiges Gewebe, und lange, duͤnne, kraft⸗ loſe, leicht abbrechende Schuͤſſe; nicht den beſtimmten ihnen ſonſt eigenthüumlichen, ſondern einen faden waͤſſeigen Geſchmack, ein Zuſtand, den man im Franzoͤſiſchen mit dem beſonderen Ausdrucke ériolement benennt. Je ſtaärker dagegen das Licht iſt, welches die Pflanzen trifft, je vertikaler es auf ſie fallt, deſto ſtärker, ausgebil⸗ deter und kräftiger werden die Pflanzen in allen ihren Theilen und Subſtanzen. Die gruͤne Farbe der Blaͤtter hängt ganz von dem Lichte ab, weswegen auch alle unent⸗ wickelte Blätter bleich ſind. Dieſe beſondere Wirkung des Lichts iſt, wie genaue Die Bodenarten. 157 Verſuche erwieſen bieh unabhängig von der Waͤrme, welche die Sonnenſtrahlen zugleich geben. Denn man hat das Sonnenlicht durch ein ſtarkes kuͤnſtliches Licht bei gleicher Temperatur erſetzen können. Auf einem beſchatteten Boden keimen die Pflanzen zwar freilich— denn zur Keimung der Samen und zur Austreibung der erſten Wurzelfaſern iſt eine beſchattete Lage vortheilhaft— wachſen auch zu ziemlicher Groͤße oft empor, bilden aber keine nährende Theile aus, und bringen unvollkommene Fruͤchte. Daher auch die wenige Nahrhaftigkeit des unter dicht ſtehenden Baͤumen gewachſenen Graſes. — 5 16 Der Boden iſt entweder dem Winde frey ausgeſeßt, oder hat Schutz ge⸗ Windausſe⸗ gen ſelbigen durch vorliegende Anhohen und Berge, Holzungen, Gebaͤude oder Hecken, nach einer oder der andern Seite. Rach ſeiner verſchiedenen Beſchaffenheit kann ihm dieſes nutzlich oder ſchädlich ſeyn. Dem thonigen feuchten Boden iſt im allgemeinen ein ſtarker Luftzug beſſer, als eine gedeckte dieſen abhaltende Lage. Der Schuee geht ſpaͤter auf, und der Boden trocknet, beſonders im Fruͤhjahre, ſpäter ab, wenn ihn die Winde nicht treffen können. Dagegen wird der trockene, ſandige und warme Boden durch eine den Wind abhaltende Umgebung oft ſehr verbeſſert, und kann mehrentheils durch Hecken, womit man ihn umgiebt, oder durch Pflanzungen an den uͤbelſten Windſeiten, ſehr verbeſſert und fruchtbar gemacht werden. Einem ſolchen Boden thut nämlich der Wind vielen Schaden, indem er die Feuchtigkeit ihm ſchneller entzieht, die verbeſſerte, mit Humus vermiſchte Ackerkrume, und letztern, da er noch leichter und beweglicher als der Sand iſt, verweht, ſomit auch die Wurzeln der Gewächſe entbloßt, und an andern Stellen die Pflanzen mit rohen Sand ůberſchuͤttet. ½ Auf die Gewächſe ſelbſt hat der Wind einen verſchiedenen Einfluß. Bei einigen befordert er die Befruchtung in der Bluͤtezeit, bei andern verhindert er ſie, und letz⸗ tere kommen daher faſt nur in einer gedeckten Lage zum reichlichen Samenanſatz. F162. Endlich kommt die mit dem Boden in Verbindung ſtehende Atmoſphaͤre Atmoſphäre. und ihre Temperatur in Betracht, deren Verſchiedenheit man unter dem Namen Klima begreift. In ſofern das Klima durch die Grade der Breite beſtimmt wird, und ſich danach die mittlere Temperatur der Atmoſphaͤre richtet, nehmen wir hier „. 158 Die Bodenarten. nicht Ruͤckſicht darauf, indem ſich dieſes von ſelbſt verſteht, und aus thermometri⸗ ſchen Beobachtungen erhellet. Aber die Veraͤnderungen des atmoſphaͤriſchen Zuſtandes und der Temperatur, die wir in einigen nahe gelegenen Diſtrikten und Landſtrichen bemerken, verdienten allerdings eine groͤßere Aufmerkſamkeit, als wir bisher darauf gerichtet haben. Zur Verſchiedenheit der Wärme tragen, außer den mehr oder minder vertikal auffallenden Sonnenſtrahlen, viele andere Urſachen bey: die in der Atmoſphäre vor⸗ gehenden Zerſetzungen, die Wirkung der Ausduͤnſtung der Erdflaͤche, die Mitthei⸗ lung der Temperatur anderer Erdſtriche durch die daher kommenden Winde, die Lage des Bodens gegen gewiſſe Winde, die Gebirge und Waldungen, welche ein Land begraͤnzen und durchſchneiden, es vor Kälte ſchützen, oder durch beſchneite Gipfel erkaͤtten; die Hoͤhe des Landes, die Nachbarſchaft des Meeres oder großer Landſeen, ein ſandiges oder moraſtiges Erdreich u. ſ. f. Der Niederſchlag der Feuchtigkeit aus der Atmoſphaͤre iſt in einzelnen Diſtrikten augenſcheinlich ſtärker, wie in andern. Um die Verſchiedenheiten genauer zu be⸗ ſtimmen, fehlt es uns noch an Regenmeſſungen, die unter allen meteorologiſchen Meſſungen ſuͤr den Ackerbau ohne Zweifel die intereſſanteſten wären. Wir haben ſchon bemerkt, daß an den Gipfeln der Berge ein ſtaͤrkerer Nieder⸗ ſchlag der atmoſphäriſchen Feuchtigkeit vor ſich gehe, wie in den Ebenen. Aber auch nach dieſen zieht ſich die dunſifoͤrmige Feuchtigkeit der Atmoſphäre, hier mehr dort we⸗ niger, hin, und ſeßt ſich in Regen, Thau und Nebel ab. Die dem Meere, Seen und ſelbſt großen Stroͤmen naͤher gelegenen Diſtrikte erhalten mehr von den Aus⸗ dunſtungen des Waſſers, und ſind in der Regel feuchter, insbeſondere wenn dieſe Gewaͤſſer ihnen weſtwaͤrts liegen. Hierdurch wird oft der duͤrre Boden verbeſſert, und insbeſondere zum Graswuchſe tuͤchtiger gemacht; der ohnehin feuchte Boden aber um ſo mehr verſchlechtert. Die Ausduͤnſtungen von beträchtlichen ſtehenden Waſſer, insbeſondere von Mooren, haben zuweilen eine hoͤchſt giftige Eigenſchaft, und verderben durch die von ihnen auſſteigenden Nebel manchmal ganze Feldfluren dermaßen, daß das Getreide alljahrlich mit verſchiedenen Krankheiten befallen wird, und, der uͤppigſten Vegeta⸗ tion im Frühjahre ungeachtet, nur ſehr wenige und ſchlechte Korner giebt. Durch Die Bodenarten. 159 Abwaͤſſerung iſt dieſem Uebel einzig und allein und vollſtändig abgeholfen worden, zum Beweiſe daß es keinen andern Grund habe. Auch die Hochwaldungen von betraͤchtlichem Umfange ſcheinen die Feuchtigkeie herbeizuziehen, oder das in der Luft gasfoͤrmig aufgeloͤſte Waſſer zu zerſetzen; indem man allgemein in waldigen Gegenden einen ſtarkeren Niederſchlag von Feuchtigkeit bemerkt hat. Endli.) ziehen ſich nach gewiſſen Gegenden die Wolken, insbeſondere die Ge⸗ witter mehr wie nach andern hin. Man will bemerkt haben, daß ſie theils den Stroͤ⸗ men, theils dem hochſten Ruͤcken der Gegenden folgten, und ihnen nachzoͤgen; zu⸗ weilen aber auch von den Schluchten der Gebirge ihre Richtung erhielten. Es giebt jedoch Fälle von ſogenannten Wetterſcheiden, die ſich danach noch nicht ganz erklä⸗ ren laſſen, und die man nur aus der Erfahrung kennt. Es giebt Feldmarken, die faſt jedes Gewitter trifft, welches aus einer beſondern Himmelsgegend heraufzieht, und andere, die ſehr ſelten davon betroffen, und nur vom Rande der Wolken beruͤhrt werden. Da die Gewitterregen mehrentheils wohlthaͤtig ſind, ſo zeichnen ſich erſtere in der Fruchtbarkeit aus, ſind aber dagegen dem Hagelſchaden auch mehr un⸗ terworfen. §. 163. Außer dem Waſſer enthaͤlt die Atmoſphaͤre und beſonders die untere Schicht derſelben haͤufig Stoffe, die auf die Vegetation eine große Einwirkung haben, und zwar in verſchiedenen Verhältniſſen. Das kohlenſaure Gas und das gekohlte geſchwe⸗ felte und gephosphorte Waſſerſtoffgas iſt bekanntlich der Vegetation ſehr zutraͤglich, und auch wirklich duͤngend fuͤr den Boden. Es ſind wahrſcheinlich aber auch oft an⸗ dere zuſammengeſetztere Stoffe, insbeſondere animaliſche Ausdunſtungen, die noch nicht voͤllig zerſetzt worden, oder deren urſtoffe ſich auf eine beſondere Weiſe ver⸗ bunden haben, in der Atmoſohäre enthalten. Sehr bewohnte menſchen⸗ und viehreiche Gegenden, wo viel Feuermaterial conſumirt wird, und mannigfaltige Zerſetzungen, welche die Atmoſphaͤre anfuͤllen, vorgehen, zeichnen ſich auffallend durch größere Fruchtbarkeit aus, die nach gewiſſen Beobachtungen unabhaͤngig iſt, von dem in ſolchen Gegenden ſonſt freilich mehr erzeugten Duͤnger. In und um große Städte kann man dieſen Einfluß der Atmoſphaͤre auf die Fruchtbarkeit, ſelbſt des ſchlechtern Bodens kaum verkennen. Daß die Luſt aber auch ſchaͤdliche Stoffe Reinheit des Bodens vom Unkraut. Samenun⸗ kraut. 160 Die Bodenarten. enthalten koͤnne, beweiſt die im vorigen S. angefuͤhrte Erfahrung von den moorigten Ausduͤnſtungen; ſo wie auch die ſchadliche Wirkung, welche der Berberihenſtrauch nach unleugbaren Erfahrungen*f das Getreide äußert. § 16% Der Werth des Bodens kann betraͤchtlich veraͤndert werden, je nachdem er mehr oder minder rein— denn ein voͤllig reiner gehoͤrt unter die Seltenheiten— vom Unkraut iſt. Unkraut heißt eine jede Pflanze, die auf einem Platze ſtehet, wo ſie unſerm Wunſche und Zwecke nach nicht ſtehen ſollte. Denn eine ſolche thut allemal Scha⸗ den, indem ſie den angebauten Pflanzen Platz und Nahrung raubt, und die Aus⸗ ſaugung des Bodens befoͤrdert, ohne Nutzen zu bringen. Wir reden hier indeſſen nur von denjenigen Unkrautsarten, die mit ihren Samen und Wurzeln den Boden ſo angefullt haben, daß ſie nur mit vieler Muhe und Aufopferung zu vertilgen ſind, und einen beträchtlichen Einfluß auf den Ruckſchlag der Ernten haben. Wir unterſcheiden dieſes Unkraut in agronomiſcher Hinſicht in drei Arten; 1) in ſolches, welches ſich durch Samen allein vermehrt; 2) in ſolches, welches ſich in der Regel nur durch den Austrieb ſeiner Wurzeln vermehren kann: 3) in ſolches, welches aus beiden zugleich hervorkommt: §. 165. 1) Das Samenunkraut unterſcheidet ſich wieder in zweierlei Gattungen: naͤmlich in das einjährige, welches in einem Sommer hervorkommt, ſeinen Samen reif macht, ihn ausſtreut, und dann pergeht: und in das zweijaͤhrige, welches im erſten Jahre nur heranwaͤchſt, den Winter aushaͤlt, und dann im zwei⸗ ten Jahre ſeinen Samen reift. Beide Arten haben keine austreibende Wurzel, und vergehen mit derſelben, wenn ihr Samen gereift iſt. Der Samen der Gewaͤchſe, welche in dieſe Klaſſe gehoͤren und hier in Be⸗ tracht kommen, iſt von der Art, daß er nur zum Keimen kommt, wenn er ſehr nahe an der Oberfläche liegt, und die Atmoſphäre auf ihn einwirken kann. Liegt er tiefer, oder iſt er von einem Erdkloße eingeſchloſſen, ſo keimt er nicht; erhält ſich aber voll⸗ kommen geſund und keimungsfaͤhig, bis er in eine guͤnſtige Lage gebracht wird. Die Lange der Zeit, wo er ſich in dieſem Zuſtande erhalten kann, ſcheint unendlich zu ſeyn; Die Bodenarten. 161 ſeyn; indem bei neuem Umbruche eines Ackers, der wahrſcheinlicher Weiſe ſchon tauſende von Jahren uncultivirt gelegen hatte, und auf⸗dem ſich keine Pflanze die⸗ ſer Art zeigte, dieſes Unkraut den Acker nun uͤber und uͤber bezog. So ſiehet man hier im Oderbruche den Ackerſenf in einer gewaltigen Menge zuweilen hervor⸗ kommen, wenn man nie umgebrochenes und vormals ſumpfiges Grasland aufbricht, und im zweiten Jahre die Narbe zerſtort und die Erde gelockert hat. Dieſer Samen kann hier nur vor uralten Zeiten hergeſchwemmt und mit der Erde vom Waſſer ab⸗ geſetzt ſeyn. Auch hat man dieſe Unkrautsarten haͤufig aus der Erde hervor keimen ſehen, die man mehrere Fuß tief und ſogar auf altem Holzgrunde hervorholte. Un⸗ ter einem Gebaͤude, welches gewiß 200 Jahre geſtanden, fand man eine ſchwarze Erde, welche man nebſt dem Schutte auf einen Gartenplatz brachte, und es wuchs eine Saat von Wucherblume(Chrysanthemum segetum) hervor, die man vor⸗ ber auf dieſem Platze nie geſehen hatte. Dieſer auffallenden Erſcheinungen wegen haben ſegar manche geglaubt, daß dieſe Pflanzen ohne Samen und Keime von der Natur hervorgebracht wuͤrden. Dies iſt aber bei Pflanzen dieſer Art gegen alle Ana⸗ logie, und kein Verſtandiger wird hier eine Ausnahme von der Regel: Omne vi- vum ex ovo, annehmen. Die Menge, worin dieſer feine Samen in der Erde liegen kann, uͤbertrifft eben⸗ falls alle Vorſtellung. Wenn man den Acker fein pulvert, ſo treibt eine dichte Saat davon hervor, die man durch das Unterpfluͤgen gewiß vollkommen zerſtört; indem die zarte Pflanze dieſes nicht verträͤgt. Sogleich aber erzeugt ſich auf der neu her⸗ vorgebrachten Oberfläche eine andere eben ſo dichte Saat, und ich habe dies ſelbſt in einem Sommer ſechsmal wiederholt, ohne auch nur eine Abnahme dieſes Unkrauts zu bemerken, und ohne daß es fur das folgende Jahr vollig zerſtört ward. Mit der Wucherblume hat man. daſſelbe bis ins dritte Jahr wiederholt, ohne ihren Samen in der Ackerkrume voͤllig vertilgen zu koͤnnen. Das einjahrige Samenunkraut zeigt ſich in der Regel nur unter dem Sommer⸗ getreide, und das Wintergetreide iſt oſtmals ganz frei davon, wenn anders die Aus⸗ ſaat im Herbſte ſo fruͤh geſchehen iſt, daß der in der Ooerflaͤche liegende Sames zum Laufen kommen konnte. Es haͤlt den Winter nicht aus, und vergeht wo nicht ehe, doch gewiß im Frühjahre. Nur in dem Falle, daß die Oberfläche aufs neue geruͤhrt worden, an den Raͤndern der Beete abgekruͤmelt iſt, oder Erdkloͤße erſt im Winter Zweiter Thell. E 162 Die Bodenarten. oder Frühjahre zerfallen ſind, und hierdurch friſcher Samen an die Atmoſphaͤre ge⸗ kommen iſt, oder endlich wenn dieſer durch Wind oder Waſſer hergefuͤhrt worden, erſcheint es auch unter dem Wintergetreide, aber doch immer nur in unbedeutender Menge, oder nur wo die Saat ausgewintert iſt. Das zweijährige Unkraut zeigt ſich dagegen in ſeiner Vollendung nur unter dem Wintergetreide, obwohl es unter dem Sommergetreide laͤuft, dann aber in der Regel zerſtort wird, ehe es zur Blute und Samentragen kommt. Das haͤufigſte und allgemeinſte jaͤhrige Unkraut machen die Pflanzen aus, welche man in der landwirthſchaftlichen Sprache mit dem gemeinſchaftlichen Namen des Hedderichs zu belegen pflegt. Hierunter werden verſchiedene obwohl ſehr aͤhnliche Pflanzen verſtanden, nämlich: Der Ackerſenf(Sinapis arvensis), welcher nur in ſtarkem reichen und Feuchtigkeit haltenden Boden gedeiht, auf magern und trocknen aber nicht fortkommt, ſondern bald vergeht; weswegen man ſogar Saat, worin deſſen Samen enthalten, ungeſtraft auf letztern ausſaͤen kann. Er laͤuft hier wohl, wird aber von den an⸗ dern Pflanzen unterdruͤckt. Dagegen uͤberzieht er den reichen bumoſen Boden, wenn er im Fruͤhjahre die Oberhand uͤber die Saat bekommt, dermaßen, daß ein totales Mißrathen der letzteren daraus erfolgen kann. Er iſt indeſſen immer leichter zu ver⸗ tilgen, weil der Same nicht in einer harten Huͤlſe eingeſchloſſen iſt, und fruͤher zum Laufen koͤmmt. Auch iſt er nicht ſo ganz unnuͤtz, weil er zum Theil mit dem Som⸗ mergetreide geerntet, dann durch Siebe abgeſondert und zu Oel geſchlagen wird. Von fleißigen kleinen Ackerbauern wird das uͤppige und nahrungsreiche Kraut, bevor das Getreide ſchoſſet, ausgezogen und zu einer ſehr wohlthaͤtigen Futterung fur das Vieh verwandt. Der Ackerrettig(Raphanus raphanistrum), wächſt auf lehmig ſandigen und ſandig lehmigen, minder ſtarken Boden, und kommt ſelbſt bei unguͤnſtiger Wit⸗ terung fort. Je magerer der Boden, und je unguͤnſtiger die Witterung, um deſto ehe unterdruckt er das Getreide, wogegen dieſes auf reicheren Boden und bei guͤnſti⸗ ger Witterung ihn dennoch zuweilen uͤberwindet, wenn ſeine lebhaſte Vegetations⸗ periode vollendet iſt. Er unterſcheidet ſich am auffallendſten vom Ackerſenf durch ſeine gegliederte harte Huͤlſe. Dieſelbe verhindert, daß er nicht ſo gut wie jener zum Helſchlagen gebraucht werden kann. Auch iſt der Samen ſelbſt zu klein und zu Die Bodenarten. 163 wenig Hel gebend. Das Kraut iſt rauher und minder ſaftig, wie das vom Ackerret⸗ tig, jedoch dem Viehe angenehi und nahrhaft, weshatb man ſogar den damit an⸗ gefullten Boden als Futterfeld gebraucht hat, ohne etwas einzuſaen, indem man nur durch Pflügen und Eggen ſein Aufgehn mehrmahls in einem Sommer befoͤrberte. Verſchiedene andere Pflanzen, Abarten aus dem Geſchlechte der Brassica, des Rapſes und Ruͤbſens, koͤnnen ebenfalls im Boden einwuchern, und werden dann anch, ihrer großen Aehnlichkeit wegen, mit unter dem Namen des Hedderichs begriffen. Es ſcheinen dieſe Unkrautsarten in den Veckern des noͤrdlichen Deutſchlandes ſeit Menſchengedenken ſich ſehr vermehrt zu haben. Es iſt jett eine ſeltene Ausnahme ein Feld davon ſtei zu finden. Sie werden zum Theil durch unverſichtigkeit im Reini⸗ gen der Saat fortgepflanzt; aber auch die groͤßte Vorſicht hilft nichts, wenn ihr Same einmal viel im Acker liegt. Sie ſind nur durch fleißige Bearbeitung und Nuͤh⸗ rung der Ackererde in den Sommermonaten, dann durch Einſchraͤnkung des Som⸗ merkornbanes und vermehrten Winterungsbau zu vermindern, und endlich durch Ausziehung der einzelnen Pflanzen zu vertilgen. Ein ungleich nachtheiligeres, aber nicht ſo allgemein verbreitetes Samenun⸗ kraut iſt die gelbe Wucherblume(Chrysanthemum segetum). Es hat einen ſo uͤppigen Wuchs, iſt ſo hart, und vermehrt ſich ſo ſchnell und uͤbermäßig, daß es den Boden zu allen Sommergetreidebau ganz untanglich und werthlos machen kann. Dies Gewächs keimt ſpät, und erſt, wenn der Boden ziemlich durchwaͤrmt iſt, wachſt dann aber ſo ſchnell und ſo frech empor, daß es die vor ſeinem Keimen ſchon ziemlich herangewachſene Saat noch unterdruͤckt. Es breitet ſich mit ſeinen ſtarken ſaftigen Zweigen und Blättern uͤber das ganze Feld aus, und ſcheint alle Kraft an ſich zu ziehen. Es iſt ſo zaͤhe, daß eine Pflanze, welche nur eben ihre Bluͤ⸗ tenknospen zeigte, ausgeriſſen nicht nur aufoluht, ſondern auch reifen Samen macht. Wenn es ausgejätet und in Haufen zuſammengeworfen worden, kommt es nicht in eine zerſtörende Gährung, ſondern die obenliegenden Pflanzen treiben noch hervor, vegetiren ſort und ſetzten Samen an, ſo daß zu ſeiner Zerſtoͤrung kein anderes Mit⸗ tel iſt, als es entweder tief zu vergraben, oder zu verbrennen. Sein Samen geht auch die Leiber der Thiere durch, ohne die Keimkraft zu verlieren, und wird daher mit dem Miſte verbreitet. In Gegenden, wo man das Uebel in der Nachbarſchaft Die Bodenarten. kennt, aber noch frei davon iſt, wendet man daher die großte Sorgfalt an, um ſich dagegen zu ſchuͤtzen. Wenn Pferde oder anderes Vieh aus ſolchen Ortſchaften, wo man daran leidet, herkommen, ſo forgt man dafuͤr, daß der Miſt gleich ver⸗ brannt werde, den ſie fallen laſſen; und Stroh oder Heu aus ſolchen Orten nimnt man durchaus nicht. Um die anfangende Verbreitung zu verhuͤten, werden Feldbe⸗ ſichtigungen gehalten, und fuͤr jede Wucherblume, die man auf dem Felde muß 1 bis 2 Gr. Strafe erlegt werden. Hat es im Acker einmal Ueberhand genommen, ſo iſt deſſen Zerſtoͤrung aͤußerft ſchwierig, beſonders in gemengten Feldmarken, und immer mit betraͤchtlichen Auf⸗ opferungen verbunden; jedoch auch nicht ſo unmoͤgkich, als manche ſie gehalten ha⸗ ben. Haͤufig wiederholtes Pfluͤgen und Eggen im Sommer, wodurch immer eine neue Erdlage an die Luft gebracht wird, zerſtoͤrt eine große Menge Samen bald nach der Keimung; jedoch reicht ein Sommer nicht hin, wenn auch alle drei Wochen ge⸗ pfluͤgt wird. Es darf zwiſchen zwei Brachen keine Sommerung geſuͤet und kein Gewaͤchs gebaut werden, wozwiſchen dieſe gelbe Wucherblume aufkommen kann, ohne dieſes ſorgfältig zu jaten. Mit gehoͤriger Anſtrengung gelangt man doch dahin, wie zwei in den Annalen der Riederſachſiſchen Landwirthſthaft, Bd. III. S. 320, und Bd. IV. S. 129 beſchriebene Beiſpiele beweiſen. Nach der Schwierigkeit ihrer Vertilgung laͤßt ſich der verminderte Werth des Bodeus, worin iſt, leicht beurtheilen. Eben ſo nachtheilig, aber doch leichter zu uͤberwinden, iſt der wilde⸗, gtugö Wind⸗ oder Taubhafer(Avena fatua); eigentlich auch ein Sommergewächs, welches aber doch unter dem Wintergetreide haͤufig aufkommt. Da der Samen in der tieferen Lage nicht ſo leicht, ohne zu keimen, erhalten wird, ſondern hervortreibt, ſo kann man einen Acker in einem Jahre ziemlich davon befreien, wenn man die Saat, worunter er ſich befindet, ſobald er aufbluͤhet, abmaͤhet und verfuttert oder zu Heu macht, wozu er ſich vortrefflich ſchickt. Läßt man ihn ſtehen, ſo reift er ſehr ſchnell, und verſtreut ſeinen Samen, bevor das üͤbrige Getreide abgeerntet wird. Weil ſein Samen vom Winde ſo leicht beweglich iſt, ja ſogar von ſelbſt fortkriecht, indern nämlich ſeine ſtarke Grannen ſich bei abwechſel nder Feuchtigkeit ausdehnen und zuſammenziehen, ſo daß man ſich deſſelben ſogar als Hygrometers bedient hat, ſo faun man ihn von dem benachbarten Felde ſehr leicht erhalten, wenn man vollig frei 164 Die Bodenarten. 165 davon war; und deshalb ſind die Gegenden, wo er ſich haͤufig findet, niemals ohnt Gefahr, wenn nicht alle Nachbarn zu ſeiner Vertilgung uͤbereinkommen⸗ F. 166. Unter den durchwinternden Unkräutern, die deshalb mehr in der Winterung vor⸗ kommen, ſich jedoch auch in fruͤh geſaͤeter Soͤmmerung oft zeigen, gehoͤren die blaue Kornblume(Centaurea cyanus), die verſchiedenen Camillenarten(Matricaria chamomilla, Anthemis cotula; Amhemis arvensis; chrysanthemum len- canthemum); ferner der Hahnenkamm oder Klapperkraut(rhinanthus crista- galli), und wilde Mohn oder die Klapproſen(Papaver rhoeas), auch der Ra⸗ del(agrostemma githago), welcher, einer kuͤrzlich von mir gemachten Erfahrung nach, lange im Acker liegen kann, ungeachtet er ein ziemlich großes Korn hat. Auch von allen dieſen liegt der Samen im Acker, und es hilft oft nicht allein, wenn man auch die groͤßte Sorgfalt in Reinigung des Samens beobachtet. Sie ſind aber der Winterung ſo nachtheilig nicht, wie jene Sommerpflanzen dem Sommergetreide, indem eine ſtarke dichte Saat auf geſundem, kräftigen, nicht naſſen Boden ſie uͤber⸗ windet, und ſie ſich daher nur an den Stellen ſtark zeigen, wo die Saat ausgewintert iſt. Eine gleiche Bewandniß hat es mit der Trespe(Bromus sscalinus und ar- vensis). Häufig wird deſſen Samen zwar mit dem Getreide ausgeſäet, allein er liegt auch im Boden, und kann ſich wahrſcheinlich lange darin halten, wenn er nicht in eine ſeiner Keimung guͤnſtige Lage kömmt. Denn man weiß, daß man mehr Trespe wie Korn geerntet hat, wenn gleich reine Ausſaat genommen war, weswegen die unverſtändige Meinung, daß Rocken ſich in Trespe verwandeln koͤnne, lange Zeit hindurch Glauben fand. Die Trespe verlangt anhaltende Feuchtigkeit, die den Rocken verderblich iſt. An ſeuchten Stellen und bei feuchter Witterung erſtarket jene, und unterdruͤckt die erkrankte Rockenpflanze. Bei trockner Witterung dagegen kuͤmmert die Trespe, und wird vom Rocken unterdruͤckt, weshalb an ſolchen Stellen und in ſolchen Jahren zuweilen gar keine Trespe aufkommt, wenn man ſie gleich in Menge mit ausgeſäet hatte. Ich ubergehe andere minder ſchädliche und in unſerm Klima minder verbreitete Samenunkräuter, ſo wie alle diejenigen, die mehr durch unreine Saat erzeugt wer⸗ den, als im Boden liegen, oder-wenigſtens durch eine anhaltende Aufmerkſamkeit — Wurtelun⸗ kraut. 166 Die Bodenarten. auf Reinbeit der Saat bald erſchoͤpft werden koͤnnen; z. B. die Vogelwicke, die Hauhechel u. ſ. w. §. 169. Zu den Wurzelunkräutern, die ſich ſelten durch Samen vermehren, weil dieſe nicht zur Reife kommen, und die den Acker gewaltig üderziehen, mithin unfruchtbar machen koͤnnen, gehoͤren die Quecken und Päden(Triticum repens), und verſchiedene Agroſtisarten. Jedermann weiß, wie ſchwierig es iſt, einen ſehr verqueckten Acker, zumal wenn er, ſeiner Lage und ſeinem Untergrunde nach, zur Naͤſſe geneigt iſt, davon zu reinigen; beſonders wenn feuchte Sommer einfallen, wo ſelbſt die ſorgfaͤltigſte Bearbeitung der Brache fruchtlos werden kann. Von ihrer Vertilgung wird in der Lehre von der Beackerung die Rede ſeyn. Hier nur in ſofern ſie cfden Werth des Bodens einen Einfluß haben. Ein ſehr verqueckter Acker verſagt die ſonſt zu erwartenden Ernten, ſo lange er in dieſem Zuſtande bleibt. Indeſſen iſt er in einem nicht zu feuchten Sommer durch gehoͤrig angewandte Pflugarten immer zu reinigen, ohne daß man die von vielen an⸗ gewandte Muͤhe des Abharkens und Verbrennens derſelben anzuwenden noͤthig hatte. Ein ſolcher Acker iſt mehrentheils nicht arm, und wird durch das Verfaulen der ge⸗ toͤdteten Quecken noch mehr bereichert. Kann man ihn alſo ſogleich zur Brache neh⸗ men, oder auch zum Bau ſtark zu behackender Fruͤchte anwenden, ſo verliert der gute Ackerbauer wenig dadurch, und muß nur etwas mehrere Arbeit, wie bei einem reinen Acker anwenden. Hierauf muß jedoch allerdings bei der Schaͤtzung zuruͤckge⸗ ſchlagen werden. Beim Kaufe koͤmmt es in geringern Betracht, bei einer Pachtung aber in ſo groͤßeren, je kuͤrzer ſie iſt. Die naſſen Aecker, die mit Quecken durchzogen und ſchwer davon zu befreien, ſind ſchon ihrer Natur nach fehlerhaft. Ferner gehoͤret unter die ſchädlichſten Wurzelunkrauter die Feldwinde, welche ihrer tief eingehenden Wurzeln wegen, ſehr ſchwer zu uͤberwinden iſt, und durch die Verbreitung ſowohl ihrer Blätter als durch ihren windenden das Getreide umfaſſen⸗ den und ſolches niederziehenden Stengel hoͤchſt ſchädlich werden kann. Dann die Schachtelhalm⸗, Schaftheu⸗, oder Katzenſteertarten, wovon die meiſten auf ſolchem Boden wachſen, der ſtockende Naͤſſe im Untergrunde bat. Sie ſcheinen dem Getreidebau nicht ſehr nachtheilig, rauben hoͤchſtens den Holmen etwas Platz, entziehen aber wenig oder gar keine Nahrung, indem ſie dieſe tiefer aus dem Untergrunde heraufholen. Allein ſie ſind nachtheilig fuͤr den Futter⸗ 5 Die Bodenarten. 167 kräuterbau, und fuͤr die Weide; indem ſie den meiſten Vieharten nicht zuſagen, ſondern wirklich ſchädlich werden. Der Huflattig(Tussilago farfara und petasites), verbreitet ſich mit ſeinen großen Blättern in einem beträchtlichen Umfange, und iſt ungemein ſchwer, nur durch beſtaͤndig wiederholtes Abſtechen zu ͤberwinden. Er kommt auf thonigen und mergeligen Boden am meiſten vor. Die wilde Brombeere(Rubus caesius), verbreitet ſich oſt ſehr ſtark, und liebt, wenigſtens vorzugsweiſe, ſolche Stellen, wo Lehmmergel liegt. Sie iſt ſchwer zu vertilgen, indem ſie äußerſt tief mit ihren Wurzeln eindringt, aus ſelbigen neu hervorſchießt, und das Getreide an ganten Stellen unterdruͤckt. F. 168. Zu denen Gewächſen, die ſich durch Samen und Wurzelaustrieb zugleich ver⸗ mehren, gehoͤrt vor allen die Feldieſtel(Seratula arvensis). Sie verbreitet ſich nur auf gutem lehmigen Boden, und giebt, wo' ſie uͤppig waͤchſt, immer ein Merkmal von Fruchtbarkeit ab. Die Natur ſcheint beſonders fur die Erhaltung die⸗ ſes Gewaͤchſes geſorgt zu haben: ſie hat ihm Stacheln gegeben, welche das Vieh abhalten, ſobald es einmal erſtarket iſt. Es macht ſehr viele Anstriebe aus den Wur⸗ zeln und aus jedem Theile der Wurzel, und um ſo mehrere, je haufiger man es jung abſticht; ſo daß dieſes Abſtechen die Sache nicht zu verbeſſern ſcheint. Dabei erzeugt es eine Menge von Samen, welcher ſich durch ſein Gefieder ſehr weit verbreitet, und die Pflanze in großer Menge ausſaet. Der Acker kann damit ſo uͤberzogen wer⸗ den, daß man den darauf gelegten Fluch,„er ſoll die Dornen und Diſteln tragen“, ſehr ſtark empfindet. Auf gleiche Weiſe verbreiten ſich verſchiedene Doggenarten(Rumices), mit ihren ſtarken Wurzelblättern über den Acker, und ſind eben ſo fruchtbar durch Wur⸗ zelaustriebe wie durch Samen. Es giebt der Unkräuter, die nachtheilig werden können, ungleich mehrere. Wir begnugen uns hier nur derer zu erwäͤhnen, welche am haͤufigſten den Ackerboden verderben. Von den Wieſenunkraͤutern werden wir zu einer andern Zeit reden. 5. 169. Der Boden kann ferner unrein ſeyn von Steinen. Wir unterſcheiden in agronomiſcher Hinſicht dieſe Steine in ſolche, die der Pflug nicht aus ſeiner Lage brin⸗ gen kann, und in ſolche, die ihm weichen. Reinheit von Steinen. 158 Die Bodenarten. Jene großen Steine, die ſchon aus der Oberflaͤche hervorragen, oder noch ſchlimmer mit der Ackerkrume ſo eben bedeckt ſind, daß man ſie nur nicht ſiehet C(weswegen man ſie haͤufig blinde Steine zu nennen pflegt), geben bei der Bearbei⸗ tung des Ackers ein großes Hinderniß ab, und erſchweren insbeſondere oft das tie⸗ fere Eindringen mit dem Pfluge, und den Gebrauch anderer Werkzeuge. Sie ſind zwar oft ſo weit weggeſchafft, daß man beim flachen Pfluͤgen nicht auf ſie ſtößt, wenn man aber tiefer pfluͤgen will, haͤufig darauf trifft, ſo daß eine Vertiefung des Bo⸗ dens nicht ehe zu bewerkſtelligen iſt, als bis man ſie herausgeſchafft hat. Man findet zuweilen unerwartet große Stuͤcke, die mit ihrer hevorragenden Spite nur klein zu ſeyn ſcheinen, und deren Ausgrabung oder genugſam vertiefte Verſenkung ſehr große Arbeiten und Koſten verurſacht. Nach den Lokalverhaͤltniſſen bezahlt ſich ihre Fort⸗ ſchaffung und oftmals noͤthige Sprengung mehr oder weniger durch den Gebrauch, den man davon machen kann. Man hat dieſen Umſtand aiſo wohl zu unterſuchen, und Ruͤckſicht darauf zu nehmen, beſonders in dem Falle, wo man durch Vertiefung dem Voden eine hohere Cultur zu geben geſonnen iſt, auch wo man mehr verſeinerte Ackerwerkzeuge brauchen will. Kleine Steine, die dem Pfluge und der Egge ausweichen, ſind dennoch, wenn ſie den Boden ſtark anfuͤllen, dem Ackerbau nachtheilig. Sie geben natürlich den Pflanzen keine Nahrung, und koͤnnen der Ackerkrume, wovon ſie einen Theil aus⸗ machen, deshalb gar nicht zugerechnet werden. Beſonders aber werden ſis ſchädlich durch die ſtarke Abreibung der Werkzeuge, und indem ſie auf der Oberflaͤche liegend der Senſe in den Weg kommen, und lange Stoppein ſtehen zu laſſen noͤthigen. Bei der Einfuͤhrung einer verfeinerten Cultur ſucht man ſie daher durch Ableſen wegzu⸗ ſchaffen, welches aber oft nicht ohne betraͤchtliche Koſten geſchehen kann. Einige wollen nun bemerkt haben, daß dieſes Reinigen des Ackers von Steinen eine nachthei⸗ lige Wirkung gehabt habe. Die Gruͤnde, welche fie a priori vom Nutzen der Steine anfuͤhren, daß ſie naͤmlich den Acker bald abkuͤhlen, bald erwarmen, und die Saat ſchuͤtzen ſollen, auch die Feuchtigkeit mehr erhalten, ſind von der Art, daß ſie keine grundliche Pruͤſung aushalten. Was die angeblichen Erfahrungen betrifft, nach welchen der Beden ſich durch das Ableſen der Steine verſchlechtert haben ſoll, ſo ſte⸗ hen ihnen ſo viele genauer angeſtellte und wiederholte Beobachtungen entgegen, daß man ihnen ebenfalls keinen Glauben beimeſſen kann. Wenn es Kalkſteine waren in einem thonigen Boden, ſo kann man ihnen vielleicht nicht allen Nutzen abſprechen, indem dieſe, wenn ſie in Beruͤhrung mit Duͤngertheilen kommen, und auch ſelbſt durch die Die Bodenarten. 169 die Lebenskraſt der Pflanzenwurzeln allmählig wohl zerſetzt werden, und ſomit den Voden verbeſſern, und auch den Pflanzen einige Rahrung geben koͤnnen. Waren es aber wie gewoͤhnlich Kieſel- oder Feuerſteine, ſo muͤſſen wir ihren Nutzen, we⸗ nigſtens bis auf beſtunmtere Erfahrungen/ gänzlich bezweifeln. §. 1 70. Um eine gehörige Beſchreibung einer Feldmark in Hinſicht ihrer Bodenarket zu ⸗ machen„ die nicht bloß zur Schaͤtzung derſelben, ſondern zu einer beſtändigen Riche⸗ ſchen Unter⸗ ſchnur ihrer Beſtellung und Behandlung dienen ſoll, iſt es durchaus noͤthig ein wohl, ſuchunz. geordnetes Verfahren zu beobachten. Wenn das Feld nicht ohnehin in Beete abgetheilt iſt, die bei der Uebergehung deſſelben leiten koͤnnen, ſo muͤſſen Parallellinien, je nach⸗ dem ſich der Boden mehr oder weniger verändert, in Eutfernungen von§, 10 bis 18 Ruthen abgeſteckt werden. Man entwirft dann zugleich eine Charte von der ab⸗ zuſchätzenden Breite oder Koppel nach einem hinlaͤnglich großen Maßſtabe, welcher etwa viermal ſo groß, wie der gewoͤhnlich zu Feldmarkscharten gebrauchte ſeyn kann. Auf dieſer Charte zieht man dieſelben Parallellinien, theilt dieſe in Glieder oder Sta⸗ tionen von 5 oder 10 Ruthen, und nummerirt dieſe Stationen mit Zahlen, die von einer Linie zur andern fortlaufen. Nach dieſer Richtung wird ſodann das Feld uͤber⸗ gangen. Außer den Kettenziehern muß ein Graͤber mit dem Spaten, ein Mann, der einen Korb, um die Erdproben aufzunehmen, traͤgt oder ſchiebt, zu Huͤlfe ge⸗ nommen werden. Der Geometer führt die Charte und das Protokoll; wenn man zu letzterem nicht einen beſondern Gehuͤlfen nehmen will; der Agronom achtet auf den Boden und dirigirt das ganze Geſchäft. So wie er namlich eine Veranderung im Boden wahrnimmt, läßt er Halt machen, die Stelle auf der Charte bezeichnen, und unterſucht nun dieſe Abaͤnderung genauer; wo es nothig iſt durch Ausſtechung einiger Spatenſtiche der Erde, woven, wenn eine genauere Unterſuchung erſorderlich ſcheint, etwa ein Pfund wohl durcheinander gemengt in eine Tute oder Beutel gethan wird, wel⸗ che man mit der Nummer der Stationen oder mit Buchſtaben bezeichnet. Die Grenze dieſer Bodenwechſelung wird vom Feldmeſſer ſo genau als nothig iſt beſtimmt, und auf der Charte aufgezeichnet; auch bemerkt ob der Uebergang mehr grell oder verwaſchen ſey. Die ubrigen zu machenden Bemerkungen, die ſich namlich auf alle oben angegebene Eigenſchaften des Bodens beziehen muͤſſen, werden in das Protokoll unter der Nummer der Station eingetragen. So wird nun nach den abgeſtochenen Parallellinien die ganze Feldmark hinauf Zwelter Theil. B Die Bodenarten. und herunter uͤbergangen, und ſomit entſteht das Brouillon der agronomiſchen Charte ſchon waͤhrend des Geſchafts. Dieſe Charte kann nun auf verſchiedene Weiſe ausgearbeitet werden. Am beſten iſt es, die verſchiedenen Bodenmiſchungen durch Farbenilluminationen anzu⸗ deuten, die ſcharfen oder allmäligen Uebergänge mit Nuancirungen anzugeben; die Anboͤhen und Vertiefungen nach der gewoͤhnlichen Art durch Striche anzudeuten; den ſtärkeren Humusgehalt vielleicht durch ſchwarze Punkte, die man nach Verhaͤltniß dichter oder entfernter auſträgt, anzuzeigen, und ſofort alles Bemerkenswerthe durch beſtimmte Zeichen. Mittelſt einer ſolchen Charte wird man dann ein getreu darſtellen⸗ des Gemaͤlde von ſeiner Feldmark vor Augen haben, um in ſeder Hinſicht die zweck⸗ mäßigſten Einrichtungen treffen zu können. Eine genauere ſchriftliche Beſchreibung wird dann aus dem Protokoll mit Bezug auf die Nummern der Charte entworfen. Es iſt nicht ſchwierig auf dieſer Charte auch das Gefalle die Sinken und die Richtung des Waſſerlaufs anzudeuten. Will man dieſes indeſſen genauer wiſſen, ſo iſt natur⸗ lich eine Nivellirung nöthig, die man nach verſchiedenen Richtungen der Feldmark vornimmt, und eine Nivellementsprofil davon entwirft. Wenn ſich der Untergrund erheblich verandert, und man dieſen zu unterſuchen und zu bemerken noͤthig findet, ſo läßt ſich ſolcher auf dieſen Nivellirungsprofilen nach der Staͤrke der Schichten durch Farben ſehr gut angeben. Man muß alsdann bei der Nwellirung den Erdbohrer ſo tief und ſo häufig, als noͤthig ſcheint, gebrauchen; was ohne große Schwierigkeiten geſchehen kann. Wenn nach den aͤußern Merkmalen die Beſtandtheile des Bodens zweifelhaft bleiben, oder wenn man überhaupt geneigt iſt, ſie beſtimmter zu analyſiren, ſo wer⸗ den ſie einer mehr oder minder genauen chemiſchen Unterſuchung unterworfen. Man wird bei Gegeneinanderhaltung der mitgenommenen Erdproben in feuchtem und trock⸗ nen Zuſtande durch Geſicht und Gefuhl ſehr leicht entdecken können, welche gleichar⸗ tig und ungleichartig ſind, und braucht deshalb nicht jede mitgebrachte Probe be⸗ ſonders zu unterſuchen. Für jeden wiſſenſchaftlichen Agronomen kann wohl keine Bemuͤhung ſich nutzli⸗ cher und angenehmer belohnen, wie dieſe; indem er ſich nun von manchen Erſchei⸗ nungen, die ihm vorher rathſelhaft waren, befriedigende Erklärungen wird geben, zu⸗ gleich aber manchen Uebeln auf die zweckmaͤßigſte Art abhelfen konnen. Viertes Hauptſtuͤck. — — N ₰ r Y 2 De Agrikultur, im eigentlichſten Sinne des Worts, beſchaͤftigt ſich damit, den Boden in denjenigen Zuſtand zu ſetzen, daß er die darauf zu erzielenden Ernten in gewuͤnſchter Vollkommenheit hervorbringen koͤnne. Sie thut dies theils, indem ſie ihm ſolche Materien zufuͤhrt, welche ſeine Fruchtbarkeit befoͤrdern, d. h. ſeine naͤhrenden Stoffe vermehren oder aufſchlie⸗ ßen. Dieſes nennen wir daher die chemiſche Agrikultur, oder in gewoͤhnlicher Sprache die Duͤngung. Theils indem ſie durch Bearbeitung den Boden hierzu geſchickt macht, und in den Stand ſetzt, daß die Pflanzenwurzeln ihn genugſam durchdringen, und 8 die darin enthaltenen fruchtbaren Theile— welche hierdurch zugleich gehoͤrig ge⸗ mengt und in Beruͤhrung mit einander gebracht werden— auffinden konnen. Wir nennen dies die mechaniſche Agrikultur, oder die Bearbeitung des Ak⸗ ters. Wir werden folglich beides in zwei Ibſchnitten dieſes Haupeſtuͤcks vortragen. Chemiſche Agrikultur⸗ Erſter Abſchnitt. Die Lehre von der Duͤngung. 5. 2. Der dem Boden zugefuͤhrte Dunger wirkt auf zweierlei Weiſe. Einmal: Rohrender, indenr er dem Acker neue nahrhafte Materien fur die Pflanzen mittheilt, und zwei⸗ tens: indem er die darin ſchon erhaltenen Stoffe durch chemiſche Wechſelwirkung zerſetzt, und wiederum ſo verbindet, daß ſie dadurch zum Uebergange in die Pflan⸗ zen fähig werden; vielleicht auch indem er die Lebensthätigkeit der Pflanzen, wo⸗ durch ſie ſich dieſe Stoffe aneignen, aufregt⸗ Vegetabili⸗ ſcher und ani⸗ maliſcher Moder. 174 Duͤngung im Allgemeinen. Einige Duͤngerarten ſcheinen das eine oder das andere entweder einzig oder doch hauptſaͤchlich nur zu thun, andere hingegen beides zugleich zu bewirken. Wir ſagen im Allgemeinen: der Duͤnger mache fruchtbar; und manchem ſcheint dieſe Beſtimmung ſeiner Wirkung zu genuͤgen. Es iſt aber nicht bloß fuͤr die Theorie, ſondern auch fuͤr die Praxis von großer Wichtigkeit zu unterſcheiden, auf welche Weiſe jedes Duͤngungsmittel es thue, und unter welchen Umſtaͤnden daſſelbe Duͤngungsmittel mehr auf die eine oder die andere Art wirke. Nur bei genauer Erwaͤgung dieſes Unterſchiedes werden wir uns manche widerſprechend ſcheinende Erfahrungen erklaͤren, und die unter verſchiedenen Umſtänden zu waͤh⸗ lenden Maßregeln bei der Anwendung der Duͤngungsmittel richtig treffen koͤnnen. Nicht unſchicklich vergleichen die Englaͤnder den Duͤnger erſterer Art mit den eigentlichen Nahrungsmitteln, den zweiter Art mit Salz und Gewuͤrz oder c zenden Getraͤnken. Alle in Fäulniß oder in Verweſung uͤbergegangene organiſche Subſtanzen ent⸗ halten die Materie zur Hervorbringung und Vollendung aller und jeder angebauter Vegetabilien. Je nachdem wir die Keime der einen oder der andern Pflanze durch Samen oder Wurzeln mit ihnen in gehoͤrige Verbindung bringen, erwächſt daraus diejenige Pflanze, deren Form von der plaſtiſchen Natur in dieſelben gelegt war. Der Moder enthaͤlt die Nahrung fuͤr alle; doch iſt es immer hoͤchſt wahrſcheinlich, daß dieſe Nahrung quantitativiſch, oder in Anſehung des Verhaltniſſes der Ur⸗ ſtoffe nicht vollig gleich ſey, und daß Moder gewiſſer Art oder gewiſſer Verbin⸗ dung den Wachsthum der einen Pflanze mehr wie der andern befoördere. . Der vegetabiliſche Moder ſcheint faſt allein als Nahrungsmittel fuͤr die Pflan⸗ zen zu wirken, und nur wenig zur Aufſchließung der ſchon im Boden befindlichen, aber unaufloͤslich gewordenen, von ihm ſelbſt znruͤckgebliebenen Theile, ſo wie auch nicht viel zur Lebensthaͤtigkeit der Pflanzenwurzeln beizutragen. Der thie⸗ riſche Moder hingegen thut beides, fuͤhrt nicht allein alle zur Pflanzennahrung er⸗ forderliche Stoffe, und ſelbſt einige, die der vegetabiliſche wenig beſitzt— Azot, —— 7 Duͤngung im Allgemeinen. 175 Phosphor, Schwefel— herbei, ſondern befoͤrdert auch die Zerſetzung des unauf⸗ löslichen Humus, und reizt die Pflanzen zu großerer Lebensthaͤtigkeit auf. Der mineraliſche Duͤnger, wenn er keine organiſche Materie in ſich haͤlt, wirkt allein, oder doch groͤßtentheils durch die Zerſetzungen, die er erregt. §. 5. Die unter der Kraft des Lebens in drei⸗ vier⸗ und mehrfachen Verbindun⸗ Todte, aber gen vereinigten Urſtoffe, welche nach dem quantitativen Verhaͤltniſſe dieſer Ver⸗„ bindungen, die mannigfaltigſten organiſchen Materien darſtellen, treten zum dige Materien. Theil wieder zu den Geſetzen der anorgiſchen Natur zuruͤck, wenn die Lebensthäͤ⸗ tigkeit des organiſchen Weſens, dem ſie einverleibt waren, auf ſie zu wirken auf⸗ pört. Sie vereinigen ſich zum Theil wieder nach den Geſeßen der Wahlverwandt⸗ ſchaft zu Verbindungen der einfachſten Art, nämlich je zwei zu zwei; zum Theil aber treten ſie in zuſammengeſetztere neue Verbindungen, welche zwar nicht mehr Verbindungen des Lebens, aber doch noch Folgen deſſelben ſind, und auf keine andere Weiſe hervorgebracht werden koͤnnen. Man kann ſie alſo nicht mehr Le⸗ bensverbindungen nennen, aber ſie haben ihren Urſprung vom Leben, und machen wieder die Nahrung und die Bedingung des Lebens aus, indem ſie es hauptſäch⸗ lich ſind, durch welche ſich die Pflanzen ernaͤhren, die dann wiederum den Thie⸗ ren zur Nahrung dienen. Dieſe neu gebildeten Materien, der mehr oder minder zerſetzte Moder, und der zuruͤckbleibende Humus ſind verſchieden nach den Koͤrpern, woraus ſie entſtan⸗ den, und nach den Umſtänden, unter welchen ſie ſich daraus erzeugten. Der Prozeß ihrer Umwandlung iſt das, was wir Verweſung, Gäͤhrung und Faͤulniß nennen, deren Erklärung zwar nicht hierher gehoͤrt, von denen wir aber folgendes bemerken muͤſſen. §. 6. Die Bedingungen derſelben ſind naͤchſt der Abweſenheit des Lebens Wärme, Bedingungen — 6 c der Serſetzung. Feuchtig keit und einige Verbindung mit der Atmoſphäre. Je nachdem dieſe Umſtände ſtaͤrker oder ſchwächer hinzutreten, wird dieſer Prozeß verſchieden modifizirt, hat einen raſchern oder tragern Gang, und giebt verſchie⸗ dene Reſultate. Verweſung. ohne Füuluiß. Thieriſche Faͤulniß. 176 Duͤngung im Allgemeinen. Die vegetabiliſchen Koͤrper geben die bekannten Grade der Gaͤhrung durch, und verweilen in jedem kuͤrzere oder laͤngere Zeit, bevor ſie durch den letzten Grad derſelben, die Faͤulniß, völlig zerſetzt, d. h. in den Zuſtand des Moders gebracht werden, welchen man zwar nicht als einen bleibenden unveraͤnderlichen, aber doch als einen Beharrungszuſtand anſehen kann. Thieriſche Koͤrper hingegen uͤber⸗ ſpringen die erſteren Gaͤhrungsgrade, oder eilen wenigſtens ſo ſchnell durch ſelbige hindurch, daß man ſie kaum bemerkt, und gehen ſogleich zur Faulniß uͤber, zu welcher ſie auch die Vegetabilien mit fortreißen, wenn ſie mit ihnen in Beruͤhrung ſtehen. Dieſe Faͤulniß iſt aber ebenfalls nach der verſchiedenen Stärke jener Bedin⸗ gungen, oder der Einwirkung der Wärme, der Feuchtigkeit und der Luft verſchie⸗ den modifizirt, ſo wie das Produkt, welches daraus erfolgt. Bei einem ganz freien Zutritte der Luft und Mangel der Feuchtigkeit und der hoͤheren Waͤrme kann Gaͤhrung und Faͤulniß nicht bemerklich eintreten. Es ent⸗ ſteht aber doch eine Zerſetzung, die wir Verweſung nennen, und die einer lang⸗ ſamen Verbrennung gleich kommt, bei welcher ein verſchiedener und gewoͤhnlich geringerer Ruͤckſtand verbleibt; indem naͤmlich der groͤßte Theil des Kohlenſtof⸗ fes mit Sauerſtoff vereinigt als Kohlenſäure davon geht. 5. Die ſchnellere Zerſetzung der thieriſchen Koͤrper durch Faulniß ruͤhrt ohne Zweifel von der mannigfaltigern, vermittelſt des Durchganges durch mehrere lebende Syſteme(indem naͤmlich die Vegetabilien den Thieren ihre Nahrung erſt vorbereiten muͤſſen) erzwungenen Zuſammenſebung derſelben her. Das Product derſelben iſt verſchieden, und iſt von groͤßerer Wirkſamkeit auf die Pflanzen, in⸗ dem es ihnen nicht bloß Nahrung, ſondern auch Reißz ſie aufzunehmen zu geben ſcheint. Es wird deshalb aber auch um ſo leichter und ſchneller conſumirt und er⸗ ſchoͤpft. Darum iſt der animaliſche Duͤnger bei weitem der kraͤftigere, aber auch der am wenigſten nachhaltende und ausdauernde. Es ſcheint als wenn er auch den⸗ zenigen Grad der Zerſetzung, worin er den Pflanzen die meiſte Nahrung geben kann, zuweilen uͤberſpringe, und nur jenes Product der Verweſung F. 6. hinterlaſſe. ————— Die Miſtduͤngung. 1 F 8. Alle modernde thieriſche Korper geben einen Dunger, und zwar den aller⸗ Der Miß. kraͤftigſten ab, und ſie ſind ſämmtlich zu dieſem Zwecke anwendbar. Am häufig⸗ ſten aber bedienen wir uns derjenigen Abgange der Thiere, die ſie während ihres Labens aus dem Darmkangl und mit dem Urine auswerfen, weil wir ſie am haͤu⸗ figſten haben, und amn vortheilhafteſten und wohlfeiiſten uns verſchaffen koͤnnen. Wir verſetzen ſie ſehr zweckmaͤßig mit vegetabiliſchen Abgängen, wodurch dieſe zu einer ſchnellern Faͤulniß und mit wenigerem Verluſte hingeriſſen, dagegen die zu heftige Zerſetzung jener auimaliſchen Theile moderirt wird. Man hat dieſes na⸗ tuͤrlichen Duͤnger genannt, im Segenſatze von anderm, den man kuͤnſtlichen Duͤn⸗ ger zu nennen pflegt; keinesweges, weil jener einfacher iſt, und weniger Kunſt erfordert, ſondern weil er der gewoͤhnlichſte und von manchen ſogar der einzig ge⸗ Fannte und ausſchließlich angewandte iſt. F. g. Die chemiſche Unterſuchung dieſer thieriſchen Abgänge gehoͤrt nicht hierher, aum ſo weniger, da uns die bisher angeſtellten Unterſuchungen noch keine ſehr er⸗ heblichen Reſultate fur die Praxis des Ackerbaues geben, die wir jedoch davon in der Folge erwarten koͤnnen. Nur Folgendes, um irrige Vorſtellungen davon zu vermeiden und um Auf⸗ ſchlüſſe uber verſchiedene Erſcheinungen zu geben: Der Auswurf der Thiere durch den Darmkanal beſteht nur zu einem Theil aus den Dräbern und den unzerſetzten Faſern der Nahrungsmittel; zum andern Theile aber aus verbrauchten und in den Darmkanal abgeſetzten, folglich ganz ani⸗ maliſirten Stoffen des Koͤrpers, ſo daß dieſe Auswuͤrfe ſelbſt bei denen von Vege⸗ tabilien ſich nährenden Thieren mehr animaliſcher als vegetabiliſcher Natur ſind, und ſich in allen Stucken ſo verhalten. Jedoch macht der Futterungs⸗ und Feiſtig⸗ keitszuſtand der Thiere hierin einen merklichen Unterſchied. Wird ihnen der Ma⸗ gen nur angefuͤllt mit einer Materie, die ſehr wenige naͤhrende Theile, ſondern nur ſchwer aufloͤsliche Faſern enthaͤlt, mit bloßem Stroh ohne jungeres Kraut und Koͤrner, ſo geht dieſes faſt unzerſetzt durch den Darmkanal mit ab, und iſt, weil der abgemagerte Koͤrper wenig von ſeinen thieriſchen Theilen abſtößt und aus⸗ wirft, weniger von chieriſcher Natur. Zwar reicht ſchon dieſes wenige zu, dem Zweiter Theil.. 3 Nrin. Stalmiſt. 175 Die Miſtduͤngung. durch den thieriſchen Koͤrper durchgegangenen Stroh eine ſtarkere und ſchnellere Tendenz zur Faͤulniß zu geben. Aber ungleich kraͤftiger iſt derjenige Miſt von Thieren, welche durch nahrhaftes, Stärkemehl, Kleber⸗, Eiweis⸗, Schleim⸗ und Zuckerſtoff enthaltendes Futter in einen Feiſtigkeitszuſtand verſetzt und erhal⸗ ten werden, und die dann ungleich mehrere animaliſche Theile abſtoßen und aus⸗ werfen; indem ſie ſolche von den angezogenen nahrhaften Stoffen taͤglich wieder erſetzen. Dagegen enthalt ihr Auswurf weniger vegetabiliſche Traäber und unzer⸗ ſetzbare Faſer. Daher der auffallende Unterſchied zwiſchen dem Miſte des Maſt⸗ viehes jeder Art, und dem, der von magerm uns kuͤmmerlich durchwinternten fällt. Jenem koͤnnen in Verhaͤltniß ſeiner Quantität bei weitem mehr Einſtreu⸗ ungsmittel zugeſetzt werden, ohne den gleichmaͤßigen Uebergang in Faͤulniß zu ſehr zuruͤckzuhalten und zu verhindern. 10 Mit den chieriſchen Abgangen aus dem Darmkanal vermengt ſich in der Re⸗ gel der abgehende Urin. Dieſe Fluͤſſigkeit, welche zwar groͤßtentheils aus Waſſer beſteht, enthaͤlt jedoch ſehr viele und ungemein wirkſame Theile, einen eigenthuͤmlichen Stoff und verſchiedene phosphorſaure Salze, beſonders aber Am⸗ monium. Man hat den abgedunſteten Urin, ſo wie die aus ihm gezogenen Salze in kleinen Quantitäten, die Vegetation ungemein befoͤrdernd gefunden. Dr. Belcher in den Communications to the board of Agriculture hat aber die Bemerkung gemacht, daß die Pflanzen davon leicht uͤberreizt und getoͤdtet wuͤr⸗ den, welches letztere er aber auch einem beſondern, haͤufig darnach erzeugten klei⸗ nem gelben Inſekte beimißt. Nach der Summe der Erfahrungen ſcheinen dieſe höchſt wirkſamen Theile am meiſten zur Benutzung zu kommen, wenn ſie mit den Exkrementen der Gedaͤrme vermittelſt ſchicklicher Auffangungsmittel gemengt und vereinigt werden, da ſie dann zu einer erwuͤnſchten Zerſetzung derſelben, und Her⸗ vorbringung neuer Verbindungen vermuthlich vieles beitragen. 5. 11.— Der gewoͤhnliche Miſt beſteht alſo aus dieſen vermengten Auswuͤrfen mit vegetabiliſchen Einſtreuungsmitteln, in der Regel mit Stroh, verſetzt, und dieſe zuſammengeſetzte Maſſe verſtehen wir gewoͤhnlich unter dem Ausdruck Stallmiſt. Wir betrachten dieſe Maſſe zuerſt in dieſer Zuſammenſebung. Die Miſtduͤngung. 179 F 12 Sie unterſcheidet ſich ſehr merklich nach der Verſchiedenheit der Thiere, wo⸗ Verſchieden von die Auswürfe gefallen ſind, wenn gleich die Futterungsmittel, womit dieſe Thiere ernaͤhrt wurden, dieſelben waren. Es ſind bisher nur einige dieſer Miſtarten chemiſch zergliedert und genauer gepruͤft worden. Der Hornviehmiſt iſt nmich von Einhoff und mir einer genauern Unterſu⸗ chung unterworfen worden.(S. Hermbſtädts Archiv der Agrikulturchemie, I. 255). Es gehoͤren aber noch genanere Unterſuchungen, beſonders unter dem pneumatiſchen Apparate dazu, um eine Vergleichung der verſchiedenen Miſtarten in Anſehung ihrer Beſtandtheile anſtellen zu koͤnnen. Wir bemerken deshalb hier vorerſt nur diejenigen Erſcheinungen, welche in die Augen fallend bei ihnen vor⸗ gehen, und worin ſie von einander abweichen. Der Pferdemiſt untergeht bei zureichender Feuchtigkeit und maͤßigem Zutritte 5 der Luft eine ſehr ſchnelle Gaͤhrung, wobei ſich eine beträchtliche Hitze entwickelt, die ſo ſtark iſt, daß ſie die Feuchtigkeit und mit derſelben zugleich viele fluͤchtige Stoffe austreibt; ſo daß er ohne neue ihm mitgetheilte Feuchtigkeit nicht zu einer breiartigen Maſſe wird, ſondern, wenn er anders compact liegt, in ein trocknes Pulver zerfaͤllt, und ſo verbrennt, daß er endlich faſt nur Aſche zuruͤcklaßt. Liegt er ſehr locker, und ſo, daß die Luft ihn durchziehen kann, ſo zergeht er ungleich, verkohlt zum Theil torfartig, und ſetzt vielen Schimmel an, welcher der Erfah⸗ rung nach ſeine duͤngende Wirkung ſehr vermindert. Er beſitzt dieſe Eigenthuͤm⸗ lichkeit in einem hoͤheren Grade, wenn er von kraftvollen, mit Koͤrnern genaͤhr⸗ ten Thieren fallt, als wenn er von ſolchen, die nur Gras, Heu und Stroh er⸗ hielten, kommt; jedoch ſind ſie auch bei dieſem noch merklich. Wird dieſer Duͤn⸗ ger vor ſeiner vollendeten Zerſetzung in den Acker gebracht, ſo aͤußert er eine ſehr ſchnelle Wirkung, und treibt die Pflanzen kraͤftig empor, welches zum Theil der aufs neue entwickelten Waͤrme, wenn er ſeine Zerſetzung, unter der Erde gebracht, vollendet, beizumeſſen iſt. Auf naſſen, kalten, lehmigen Boden wirkt er hierdurch ſehr vortheilhaft, indem er deſſen nachtheilige Eigenſchaften verbeſſert, dieſer Erdboden aber ſeine Wirkung wieder moderirt. Auftrocknem, warmem, ſandigem 3 2 Der Rind⸗ viehmiſt. 180 Die Miſtduͤngung. oder kalkigem Boden wirkt er dagegen in dieſem Zuſtande oft hoͤchſt nachtheilig. Die Pflanzen werden anfangs uͤbertrieben und uͤberreize, darnach aber, wenn dieſe Wirkung aufhoͤrt, ſchwach und kränklich. Seine Wirkung iſt auch wenig nachhaltig, indem er ſich ſelbſt durch ſeine heftige Gährung ſchnell conſumirt, und einen geringen Ruͤckſtand zuruͤcklaͤßt. NRur im feuchten und gebundenen Boden iſt dieſes anders, und vorzuͤglichen Nutzen bringt er in ſolchem, der mit vielem aber unaufloͤslich gewordenen Humus angefuͤllt iſt, indem er die Zerſetzung deſſelben, beſonders durch das entwickelte Ammonium, auffallend bewirkt. Hat er ſeine hitige Gaͤhrung vollendet, ſo hinterlaͤßt er zwar einen jedem Boden hoͤchſt wohlthaͤtigen und ſehr aufloͤslichen Ruͤckſtand, der aber nur eine kleine Maſſe beträgt. Wenn man ihn allein anwenden will, ſo wird er entweder lehmigen feuch⸗ ten Boden, ſobald er nur, was ſehr fruͤh geſchieht, ſeine erſte Gährung angefan gen hat, gebracht, und untergepfluͤgt; wo er denn dieſen Boden durch ſeine fort⸗ gehende Gahrung und Erwaͤrmung ſelbſt mechaniſch verbeſſert und auflockert, und mehrmals damit durchgepfluͤgt ihn Aufnehmung jeder Saat trefflich vor⸗ bereitet. Soll er dagegen auf warmen und lockern Boden gebraucht werden, ſo iſt es ohne Zweifel am vortheilhafteſten, wenn man ihn mit ſaftigen vegetabiliſchen Subſtanzen und mit Erde, am beſten mit abgeſtochenen Raſen, vermengt oder durcheinander ſchichtet, durch ſelbige auch den zu freien Zutritt der Luft abhält, und ihn bei trockner Witterung mit genugſamer Feuchtigkeit unterſtuͤtzt. Hierdurch erhält man dann eine ſowohl kraͤftige als weit reichende und auch dem lockeren Boden angemeſſene Mengung⸗ 5. 1. Der Stallmiſt des Rindviehs tritt zwar ebenfalls ſchnell in die faulige Gäh⸗ rung, wenn er zuſammen gepreßt mit ſeiner naturlichen Feuchtigkeit liegt. Sie geht aber minder heftig und mit einer geringern Entwickelung von Waͤrmeſtoff vor ſich, weswegen die Feuchtigkeit weniger ausdunſtet, und es keinen neuen Zuſatzes derſelben in der Regel bedarf. Er zerfällt deshalb nicht zu Pulver, ſondern geht — in eine breiartige, oder wie man ſagt, ſpeckige Maſſe uͤber⸗ So lange er zuſam⸗ mengehaͤuft liegt, wird er nie zu Pulver zerfallen, ſondern, wenn er vollig aus⸗ Die Miſtduͤngung 181 trocknet, in eine torf⸗ und kohlenaͤhnliche Subſtanz uͤbergehn. Er iſt pecifiſch ſchwerer wie das Waſſer, ſowohl im friſchen Zuſtande,⸗wenn er mit Stroh nicht vermengt iſt, als in dem zergangenen Zuſtande, wenn das rohrige Stroh ſchon in Faſern aufgeloͤſt iſt. Auf den Acker äußert er ſeine Wirkung minder ſchnell, aber um deſto nach⸗ haltiger auf viele und mehrere Fruͤchte, und wenn er nicht ſehr zertheilt worden, ſo trifft man ihn in torfiger Geſtalt nach 2 bis 3 Jahren in kleinen oder groͤßern Stuͤcken in der Ackererde an. In hoͤherem oder geringeren Zerſetzungsgrade auf den Acker gebracht, ſcheint er darin keine merkliche Waͤrme zu entwickeln. Des⸗ halb paßt er ſo vorzuglich und gewiſſermaßen einzig fuͤr den warmen Acker, den er, wie man ſagt, kuͤhlt, was doch aber eigentlich nur negative zu verſtehen iſt. Auf ſehr gebundenem lehmigen Acker ſcheint er leicht unwirkſam zu werden, wenn er unter der Ackerkrume liegt, und nicht durch haͤufiges Umpfluͤgen mit der Atmo⸗ ſphäre in Beruͤhrung gebracht wird. In ſeinem friſchen Zuſtande untergepfluͤgt behalt er durch das rohrige Stroh mehr Verbindung mit der Atmoſphaͤre, und ſcheint ſich mittelſt derſelben beſſer zu zerſeten. Auch thut das rohrige Stroh eine gute mechaniſche Wirkung auf dieſem Boden. F⸗th Der Stollmiſt der Schafe zerſetzt ſich leicht, wenn er compact in ſeiner na⸗ Der Schaf⸗ turlichen Feuchtigkeit liegt, aber ſchwer und langſam, wenn er locker iſt, und ſeine Feuchtigkeit ſich verſenken kann. Im Boden aber ſcheint er immer ſchnell zu zer⸗ gehn; denn er äußert ſeine Wirkſamkeit ſehr fruͤh und kraͤftig, uͤbertreibt die erſte Saat leicht, wenn er ſtark aufgefahren wird; weswegen man durchweg die Regel beobachtet, ihn dem-Gewichte und Volum nach ſchwaͤcher aufzubringen. Seine Wirkung aber wird durch zwei Saaten mehrentheils erſchoͤpft. Er entwickelt, beſonders wohl aus dem Urin, ſehr vieles Ammonium, wo⸗ durch er vorzuglich ſolchen Aeckern nützlich wird, die unaufloͤslichen Humus in ſich denthalten. Gewoͤhnlich iſt der aus den Ställen ausgefahrne Schafmiſt von zweierlei Be⸗ ſchaffenheit. Der obere iſt ſtrohigt, trocken und unzerſetzt; der untere dagegen zergangen, feucht und gebunden. Wenn man ihn nicht durch das Umſtechen vor⸗ her zu einer mehr gleichartigen Maſſe macht, ſo iſt es hoͤchſt fehlerhaft, ihn ohne Schweine⸗ miſt. Federvieh⸗ miſt. 182 Die Miſtduͤngung. Unterſchied auf daſſelbe Feld zu fahren. Der ſtrohige Miſt wirkt nur nachtheilig auf warme trockne Hoͤhen, aber deſto vortheilhafter auf feuchte, und wie man es nicht unrichtig nennt, etwas verſaͤuerte Gruͤnde. Auf ſolche kann man dieſen ſtrohigen Miſt ſtark auffahren; der zergangene Miſt muß dagegen auf jeden Bo⸗ den nur ſehr duͤnne verbreitet werden, weil er ſonſt Lagerkorn hervorbringt. Ueber den reinen Pferchduͤnger der Schafe in der Folge. 5 26. Ueber den ſtrohigen Stallmiſt der Schweine ſind die Meinungen ſehr getheilt, indem ihn einige fuͤr einen ſehr kraͤftigen, andere fuͤr einen unwirkſamen Duͤnger erklaͤren.— Die Art der Futterung hat zwar bei dem Miſte aller Thiere einen Einfluß, aber bei keinen ſcheint ſie einen ſo großen, wie beim Miſte der Schweine zu haben, und es macht nicht nur in Anſehung der Quantität, ſondern auch der Qualität einen großen Unterſchied, ob der Miſt von magern kuͤmnerlich ernähr⸗ ten, oder von Maſtſchweinen herruͤhrt. Ferner kommt es ſehr auf die Behand⸗ lung dieſes Miſtes an, ob man naͤmlich das den Schweinen untergelegte Stroh trocken zu erhalten fucht, indem man der Feuchtigkeit einen ſchnellen Abzug durch die durchloͤcherten Bohlen giebt, und dann dieſe Jauche beſonders auffaͤngt und benutzt, oder abfließen laßt. In dieſem Falle erhaͤlt das Stroh wenig thieriſche Partikeln, und kann faſt nur die Wirkung eines faulenden Streues thun. Wird dagegen auf irgend eine Weiſe die Jauche mit dem Strohe in Verbindung geſetzt, und darin erhalten, der Miſt dann in eine der Gaͤhrung guͤnſtige Lage gebracht, ſo entſteht ein ſehr wirkſamer Duͤnger daraus, und der nach uͤberſtandener erſten Gaͤhrung durchaus von aller nachtheiligen Schärfe, die man dem Schweinemiſte ſonſt zuſchreibt, frei iſt. 5. 1. Vom Federvieh wird auf den meiſten Wirthſchaftshoͤfen zwar nur eine ge⸗ ringe Maſſe von Miſt, der aber dagegen hoͤchſt wirkſam und ſchatzbar iſt, erzeugt. Dieſer Miſt zeichnet ſich naͤmlich von den Excrementen der vierfuͤßigen Thiere auf eine beſondere Weiſe aus, und enthaͤlt einen beſondern Stoff, der groͤßtentheils Eiweisſtoff zu ſeyn ſcheint. Wir haben eine genaue chemiſche Unterſuchung daru⸗ ber von Vauquelin, der insbeſondere einen merkwuͤrdigen Unterſchied unter dem Miſte der Haͤhne und der Eier legenden Huͤhner entdeckte, der aber bei den nicht Die Miſiduͤngung. 183 Eier legenden Huͤhnern ſich wieder verliert. Dieſer Federviehmiſt äußert in einer kleinen Maſſe, aber bei einer ſorgfälcigen Vertheilung dine vorzuͤglich treibende Kraft, die aber minder bemerklich wird, wenn man dieſen Miſt klumpig unter die Oberflaͤche bringt. Es ſcheint durchaus noͤthig, um ſeine Wirkung gehoͤrig zu benutzen, daß man ihn, verkleinert und zertheilt, nur als Ueberſtreuungsmittel gebrauche. F. 18. Die menſchlichen Ercremente ſind ein anerkannt wirkſames Duͤngungsmit⸗ Renſchliche tel, und zeichnen ſich in ihrer Grundmiſchung von den Epcrementen der Haus⸗ thiere ſehr merklich aus. Sie ſind wahrſcheinlich auch unter ſich nach der mehr animaliſchen oder mehr vegetabiliſchen Nahrung der Menſchen verſchieden. Wo man ihren Gebrauch gehoͤrig kennt, und den Ekel dagegen voͤllig uͤber⸗ wunden hat, werden ſie vor jeder andern Miſtart geſchaͤtzt. Man iſt ſo weit ge⸗ gangen zu behaupten, daß die Auswuͤrfe eines jeven Menſchen zureichend ſeyn wuͤrden, ſo viele vegetabiliſche Nahrung zu erzengen, als er zu ſeinem Lebensun⸗ terhalt bedurfte. Dies iſt jedoch, wie ſich leicht berechnen läßt, ſehr ubertrieben. Daß aber eine ſehr betraͤchtliche Production aus dieſen Excrementen hervorgehen kann, wenn man ſie ſammelte und gehoͤrig behandelte, und daß dadurch in Europa eine Million Menſchen mehr ernaͤhrt werden koͤnnen, hat keinen Zweifel. Bis jetzt ſind ſie zum groͤßten Theile ungenutzt von der Natur wieder zerſetzt, oder durch das Waſſer dem Abgrunde des Meeres zugefuͤhrt worden. Dies ruͤhrt theils von dem uͤblen Geruche, den ſie anfangs verbreiten, von dem Ekel, welchen ſie erre⸗ gen, und von einem daraus herſtammenden Vorurtheile, daß ſie den darauf ge⸗ wachſenen Pflanzen einen uͤblen Geſchmack mittheilen, theils aber auch davon her, daß man ſie nicht gehoͤrig behandelte, und ſodann einen nachtheiligen, oder doch einen der Muͤhe nicht entſprechenden Erfolg davon bemerkte. Sie wirken naͤmlich ungemein ſtark und uͤberreizend, wenn ſie vor äberſtan⸗ dener Gährung in den Acker gebracht und nicht ſehr ſorgfältig vertheilet werden. Man muß ſie alſo als Mengeduͤnger bereiten, am beſten mit abgeſtochenen Raſen in Haufen bringen, und dieſen etwas gebraunten Kalk zuſetzen. Hierdurch wird ihre uͤbermaͤßige Ktaft gehoͤrig vermindert, und in einer groͤßeren Maſſe vertheilt, ohne die kraͤftigen Stoffe verlohren gehen zu laſſen. Dieſer Miſt verliert hier Bcehandlung des Stall⸗ miſtes. 184 Die Miſtduͤngung. allen widrigen Geruch, zerfaͤllt und miſcht ſich zu einer kraͤftigen Erde, und kann dann am vortheilhafteſten und wirkſamſten als Ueberſtreuungsmittel genußt werden. Es verſteht ſich„ daß er mehrere Male durchgeſtochen werden muͤſſe. Wird er, wie es gewoͤhnlich geſchieht, da wo man ihn nicht ganz umkom⸗ men laͤßt, auf den allgemeinen Miſthaufen verbreitet, ſo kommt er bei weitem we⸗ niger zu Nutze, und vertheilt ſich nicht genugſam. Aus den Städten kann man ihn mehrentheils in beträchtlichen Maſſen haben. Man erhaͤlt ihn daſelbſt an ſich mehrentheils umſonſt, aber dennoch iſt ſeine Aus⸗ bringung und ſeine Ausſuhr oft koſtſpielig. Auf dem Lande, in den Hoͤfen und Doͤrfern ſeine Verwitterung zu verhindern, und ihn durch Anlegung von Abtrit⸗ ten zu ſammeln, iſt immer eine ſehr nuͤtzliche Vorkehrung. Man kann ihn da ſo⸗ gleich mit Raſenerde auffangen, und mit Kalk vermiſchen, wodurch zugleich das Widrige ſeines Anblicks an Gebaͤnden und Zaͤunen vermieden wird. Bei Paris eriſtirt eine betraͤchtliche Fabrik, in welcher ein ſehr wirkſames und ſehr geſuchtes Duͤngerpulver unter dem Namen Poudrette daraus fabrizirt wird. Man bringt dieſen Miſt auf eine abhaͤngige, mit Steinplatten belegte Flaͤche, ſo hoch, daß er ſich erhitzen, dann noch mehr verbreitet, austrocknen kann. Man durchzieht ihn dann mit Eggen, zertheilt ihn damit, und bringt ihn darauf unter Schoppen, wo er ſich mehrentheils aufs Reue erhitzt und voͤllig aus⸗ trocknet. Dann wird er voͤllig zu Pulver gemacht, welches braunen Schnupf⸗ taback gleich ſieht, und wird nun beſonders an die Gärtner verkauft, die nothwen⸗ dig eine große Wirkung von Pulver verſpuͤren muͤſſen, indem es thener, bezahlen. Die Niederlaͤnder ſchaͤtzen dieſen Duͤnger ebenfalls ſehr hoch, holen ihn ſelbſ im fluͤſſigen breiartigen Zuſtande zur Axe und zu Schiffe, des ſchrecklichen Geſtan⸗ kes ungeachtet, weit her, und gebrauchen ihn entweder als Kompoſt oder mit vielen Waſſer verduͤnnt. So wird er auch in China und Japan ſehr hoch geſchaͤtzt; weswegen man ihn Japaneſiſchen Duͤnger genannt hat. §. 19. Wir kehren zu der Behandlung des Stallmiſtes zuruͤck, deſſen 3 und vorzuͤglichſter Theil in der Regel der vom Rindviehe herruͤhrt. Der Die Miſtduͤngung. 185 Der Rindviehmiſt wird in den meiſten Faͤllen mit Stroh aufgefangen. Wenn dieſes auch nicht der Wärme und Reinlichkeit des Viehes wegen geſchaͤhe, und nicht die bequemſte Art wäre, ſo wuͤrde man ſie dennoch bloß in Hinſicht auf den Duͤnger wahlen muſſen, weil durch dieſe Vermengung die Zerſetzung des Strohes am meiſten befördert, die Verwitterung des Miſtes aber und ſein fluchtiger Theil am beſten zuruͤckgehalten wird. Von dem rohrigen Stroh werden beſonders die fluſſigen Theile und der Urin aufgenommen, und ſetzen an ſelbiges ihre frucht⸗ barſten Theile ab. F20 Die Behandlung dieſes Miſtes iſt mannigfaltig verſchieden. Einige laſſen Aufbetwah⸗ den Miſt lange im Skalle liegen, und indem ſie den Auswurf der Thiere mit im⸗ mer neuem Stroh bedecken, wird er zu einer betrachtlichen Höhe angehaͤuft, und Stalle. das Vieh kommt folglich ſehr hoch uͤber die Futterdiele zu ſtehen, weswegen man die Krippen beweglich macht, und ſie immer weiter in die Hoͤhe bringt. Man thut dies theils bloß der Bequemlichkeit wegen, indem man nun des Aus⸗ miſtens uͤberhoben iſt, und den Miſt auf einmal ausfahren kann; wobei allerdings Arbeit erſparet wird. Aber man iſt auch überzeugt, auf dieſe Weiſe einen weit wirkſameren Duͤnger zu erhalten, indem er hier mit ſeiner natuͤrlichen Feuchtigkeit und bei einem geringen Zutritte der atmoſphäriſchen Luft ſich zu zerſetzen anfaͤngt, durch Ausduͤnſtung wenig oder gar nichts verliert, und ſelbſt die niedergeſchlage⸗ nen Ausduͤnſtungen des Viehes wieder aufnimmt. Dies hat ſeine vollkommene Richtigkeit, und die dagegen von manchen geäußerte Beſorgniß, daß die Aus⸗ duͤnſtungen deſſelben dem Viehe nachtheilig ſeyn moͤchten, ſind ungegruͤndet. Man bemerkt in ſolchen Ställen keinen widrigen Geruch, und die Luft bleibt ſehr reſpirabel, wenn der aͤußeren reinen uft nur nicht aller Zugang abgeſchnitten iſt, was wohl ſelten oder nie geſchehen kann. Der ſo gewonnene Duͤnger, beſonders der unterliegende befindet ſich in einem ſehr erwuͤnſchten Zuſtande, und hat den Zeitpunkt, wo er am meiſten durch die Ausduͤnſtung zu verlieren pflegt, uͤberſtan⸗ den. Seine fluͤchtigen Stoffe haben ſich ſchon zu feſten vereinigt. Nur iſt dieſe Methode bei einer reichlichen und ſaftigen Futterung kaum an⸗ wendbar, wenn man nicht eine erſtaunliche Menge Stroh zur Einſtreuung verwen⸗ den kann. Die Menge der Eycremente wird bei einer ſolchen Futterung ſo groß, Zweiter Theil. Va 186 Die Miſtduͤngung. daß ſich die Feuchtigkeit durch Einſtreuung nicht dämpfen läͤßt, und daß das Vieh dennoch durchtritt und im Moraſte ſtehet. Um die Vortheile dieſer langen Aufbewahrung des Miſtes im Stalle zu er⸗ reichen, und die Nachcheile deſſelben dennoch zu vermeiden, iſt ohne Zweifel die⸗ jenige Einrichtung der Ställe, welche Schwerz im zweiten Bande ſeiner Bel⸗ giſchen Landwirthſchaft beſchreibt, und mit Kupfertafeln erlaͤutert, ungemein vor⸗ theilhaft. Es iſt naͤmlich hinter dem Stande des Viehes ein anderer wenigſtens eben ſo breiter und vertiefter Raum angebracht, in welchem der Miſt gelegt wird, ſo wie man ihn unter dem Viehe wegnimmt, und in welchem ſich auch die ſämmt⸗ liche Feuchtigkeit herabzieht. Hier untergeht er ſeine Zerſetzung, und wird alsdann in der Regel ſogleich auf den Acker abgefahren. Muͤßte nicht auf die Koſtbarkeit des Raums, indem naͤmlich die Staͤlle beinahe noch einmal ſo breit ſeyn muͤſſen, als ohne dies noͤthig iſt, unter den meiſten wirthſchaftlichen Verhaͤltniſſen Ruͤckſicht genommen werden, ſo verdiente dieſe Methode einen allgemeinen und entſchiede⸗ nen Vorzug. Haben die Staͤnde nur eine ziemliche Breite, deren Raum es verſtattet, daß man den Miſt vierzehn Tage bis drei Wochen lang hinter dem Viehe aufhaͤufe, ſo iſt hierdurch ſchon vieles gewonnen, indem der Zeitpunkt, wo die ſtaͤrkſte Ver⸗ dunſtung des Miſtes vorgeht, dann ſchon uͤberſtanden wird. So lange es alſo möglich iſt, wird es beſſer ſeyn, den Miſt im Stalle zu er⸗ halten, weil er ohne allem Zweifel um ſo mehr gewinnt, je laͤnger er hier liegt. Aber immer iſt dies bedingt durch die nothwendige Reinlichkeit und trockenes Lager des Viehes. Staͤnde es im Moraſte, ſo wuͤrde man durch die ihm zugezogene Kraͤnklichkeit am Viehe doch ungleich mehr verlieren, wie man am Miſte gewoͤnne. Von einem feuchten Stande entſtehen bösartige Geſchwuͤlſte und Entzuͤndungen des Schenkels, die ſogar, wie die Erfahrung gelehrt hat, toͤdtlich werden. Auch iſt es unvermeidlich, daß bei einem ſchmutzigen Lager die Milch unrein werde. Bleibt der Miſt unter dem Viehe liegen, ſo muß dahin geſehen werden, daß er ſich hinten nicht mehr als vorne anhaͤufe, weil ſonſt die Thiere widernatuͤr⸗ lich ſtehen muſſen. Dies geſchieht ohne beſondere Aufmerkſamkeit aber leicht, in⸗ dem die Excremente dahin fallen, und die Viehwaͤrter ſolche dann mit deſto mehre⸗ rem Strohe bedecken wollen. Nur bei einer durren ſtrohigen Futterung wird es — Die Miſtduͤngung. 187 deshalb moͤglich ſeyn, den Miſt ganz unter dem Viehe zu laſſen; es ſey denn etwa, daß der Stall mit hohl liegenden Bohlen belegs ſey, durch welche ſich die Flüſſigkeit hindurchzieht; eine Methode, die man in einigen Gegenden, wo man aber das Vieh weniger um des Duͤngers willen hält, antrifft. F Haͤufiger aber wird der Stallmiſt erſt auf die Miſtſtelle gebracht, wo man ihn Auftewah⸗ laͤngere oder kuͤrzere Zeit liegen, mehr oder weniger ſich anhaͤufen läßt, bevor man ihn auf den Acker faͤhrt. Dieſe Miſtſtellen findet man auß verſchiedene Weiſe angelegt. Zuweilen ha⸗ ben ſie eine betrachtliche Vertiefung, und beſtehen aus einer wirklichen Grube: eine Einrichtung, die wohl durchaus fehlerhaft iſt, indem ſich die Feuchtigkeit darin uͤbermaͤßig anhäuft, ſo daß ſie alle Zerſetzung und Gaͤhrung des Miſtes ver⸗ hindert, und auch den Zutritt der atmoſphaͤriſchen Luft zu ſehr abſchneidet. Ueber⸗ dem erſchwert ſie das Ausbringen des Miſtes, der dann ganz naß geladen werden muß, und deſſen kraͤftigſter Theil bei dem Abfahren abtraͤufelt. Der Nachtheil dieſer ſo ſtark vertieften Rindviehmiſtſtellen iſt ſo allgemein anerkannt, daß man ſie jetzt kaum mehr antrifft, es ſey denn da, wo man keinen Raum zur Verbrei⸗ tung und Anhaͤufung des Miſtes uͤbrig hat. Andere haben im Gegentheil, uͤberzeugt von dem Nachtheile einer zu naſſen Lage, den Miſt auf einer ebenen Fläche oder gar auf einer erhobenen Stelle lie⸗ gen. Hier verliert er aber ſeine Feuchtigkeit zu ſehr, und wird ſeiner wirkſamſten Theile beraubt.— Eine geringe Vertiefung der Miſtſtelle ſcheint alſo am zweckmäßigſten. Sie muß nur nach einer Seite etwas abhängig ſeyn, und daſelbſt einen durchgeſtoche⸗ nen Abzug haben, welcher die uberfluͤſſige Feuchtigkeit ab und nach einem zweck. maͤßigen Jauchenbehaͤlter hinleitet. An ihrem ganzen Umfange herum muß ſie einen erhabenen Rand haben, um zu verhindern, daß ihr kein fremdes Waſſer zu⸗ fließe. Wird dieſes nur abgehalten, ſo wird die Feuchtigkeit in der Miſtſtelle ſel⸗ ten zu ſtark, wenn man auch die ſammtliche aus den Ställen abfließende Feuch⸗ tigkeit in die Miſtſtelle hineinleitet; es ſey denn, daß das Vieh ſehr viele waͤſſrige Nahrung, z. B. Branntweinstrank erhalte. Die natuͤrliche Feuchtigkeit, und ſelbſt das aus der Atmoſphäre unmittelbar niedergeſchlagene Waſſer zieht der Miſt Aa 2 Ob die ver⸗ ſchiedenen Miſtarten ver⸗ mengt oder sbgeſondert aufzubewah⸗ ren, 188 Die Miſtduͤngung. an ſich, und verdunſtet das Wäſſeige durch ſeine Waͤrme. Meiner Ueberzeugung nach wird man von der Jauche am meiſten Vortheil haben, wenn man ſie auf die Weiſe dem ſtrohigen Miſte einverleibt. Der Jauchenabzug wird dann unbe⸗ deutend ſeyn, außer etwa bei ſehr feuchter Witterung, wo der Behälter ſie auf⸗ nehmen muß. Beſondere Abzuͤge der Jauche auf dem Boden der M iſtſtelle anzu⸗ legen, um dieſer einen Ausweg zum Jauchenbehaͤlter hin zu bahnen, fand ich unnöthig. Iſt die Stelle nur abhaͤngig, ſo zieht ſich die Jauche durch den Miſt hindurch und ab. Man hat eine Bedachung der Miſtſtelle vorgeſchlagen, und zuweilen wirk⸗ lich ausgefuͤhrt. Sie ſoll nicht allein das Regenwaſſer, ſondern auch die Son⸗ nenſtrahlen abhalten. Allein auf einer etwas großen Miſtſtelle hat eine ſolche Bedachung viele Schwierigkeiten, und erſchwert die Abfuhr des Miſtes, wenn mit vielen Wagen zugleich gefahren wird, unvermeidlich. Man legt die Miſtſtelle auf einer oder auf beiden langen Seiten des Stalles an, in nicht größerer Entfernung, als daß ein beladener Wagen zwiſchen derſel⸗ ben und dem Stalle herfahren koͤnne. Dieſer Weg wird erhoͤht und gepflaſtert, und er muß zugleich einen Damm abgeben, der das von der Dachtraufe des Stal— les herabfallende Waſſer in die Miſtſtelle zu laufen verhindert, und dieſem Waſſer muß man einen beſondern Abzug zu geben ſuchen. Bedeckte Konäle laufen un⸗ ter dieſem Damme vom Viehſtande ab zur Miſtſtelle hindurch, um die Jauche dahin zu fuͤhren, die von der Einſtreuung im Stalle nicht aufgenommen wird. Wenn man den Miſt erſt in einem hoͤheren Grade der Zerſetzung abfahren will, ſo muß die Miſiſtelle mehrere Abtheilungen haben, die man nach der Reihe anfullt und ausleert. Man wird ſonſt immer den unzergangenen Miſt zugleich mit dem zergangenen ausfuͤhren muͤſſen, oder viele Arbeit mit der Wegraͤumung des erſtern haben. e22. Man hat entweder beſondere Miſiſtellen fuͤr den Miſt jeder Thierart, insbe⸗ ſondere der Pferde und der Schweine, oder man bringt den Miſt aller auf die⸗ ſelbe Miſtſtelle, und unter dem Rindviehmiſt. Wo eine auffallende Verſchiedenheit des Bodens ſich findet, und der Raum des Hofes es erlaubt, kann es rachſam ſeyn, dieſe Abſonderung zu erhalten, — Die Miſtduͤngung. 189 und jede Miſtart nach ihren oben angegebenen Qualitäten auf diejenigen Aecker und auch wohl zu denjenigen Fruͤchten unterzubringen, wozu ſie vorzuͤglich paſſen. Die Pferdemiſtſtelle wird alsdann tiefer angelegt, manchmal in einer engen aber betraͤchtlich vertieften Grube, damit die Feuchtigkeit mehr erhalten, durch dieſe die Hitze moderirt werde, der Miſt compact liege und von der Atmoſphaͤre minder beruͤhrt werde. So wird ſeine Gährung und Fäulniß langſamer vor ſich gehen, und eine nicht ſo pulvrigte, ſondern mehr breiartige Maſſe daraus werden, beſon⸗ ders wenn man ihn von Zeit zu Zeit mit Feuchtigkeit verſieht. Will man ſeine Gaͤhrung noch mehr moderiren, ſo iſt es ſehr zweckmaͤßig, ihn mit dem Schweine⸗ miſte zu durchſetzen, und auch die Jauche des letztern zu dieſer Miſtſtelle hinzulei⸗ ten. Hierdurch wird auch der kältere und minder zerſesbare Schweinemiſt zur Gahrung und Faͤulniß mit fortgeriſſen, und es entſteht aus dieſem Gemenge eine ſehr gute Maſſe. unter andern und weit haͤufiger eintretenden Umſtänden wird es aber rath⸗ ſamer ſeyn, die ſaͤmmtlichen Miſtarten, die auf einem Hofe gemacht werden, bis auf den Federviehmiſt, durcheinander zu bringen, und zwar ſo, daß ſie abwech⸗ ſelnd geſchichtet und gleichmaͤßig verbreitet werden, um ſie miteinander in Beruͤh⸗ rung zu ſetzen. Dies hat den großen Vortheil, daß das Mangelnde und Nach⸗ theilige der einen Miſtart, durch die andere gehoben und verbeſſert, der Pferde⸗ miſt in ſeiner uͤberſchnellen Sährung zuruͤckgehalten, die des Rindvieh⸗ und Schweinemiſtes aber verſtärkt werden, woraus dann eine gleichmäßige egal zer⸗ ſetzte und ſogenannte ſpeckartige Maſſe entſteht. Der Schafmiſt wird in der Regel abgeſondert erhalten, theils weil der Schaf⸗ ſtall nicht mit in dem Umfange des gewoͤhnlichen Wirtbſchaftshofes begriffen zu ſeyn pflegt, theils weil man ihn den ganzen Winter gern im Stalle liegen laͤßt, und ihn immer mit neuer Streu bedeckt, ſo daß er oben immer trocken genug bleibt. Auch iſt die Ausfuhr deſſelben im Winter mit manchen Schwierigkeiten verbunden, ſelbſt wenn man die Schafe bei Tage heraustreiben kann. Wenn er ſich einigerma⸗ ßen angehauft hat, und nun geruͤhrt wird, entwickelt er einen ſtechenden Dunſt des Ammoniums, der Wegraͤumung der Raufen und Horden nicht zu gedenken. In ſofern jedoch dieſe Schwierigkeiten der Lokalität nach nicht in Betracht koͤmen, wuͤrde eine Vermengung des Schafmiſtes mit dem Rindviehmiſte aller⸗ Abhaltung der Luft wäh⸗ rend der Gaͤh⸗ rung⸗ 196 Die Miſtduͤngung. dings nuͤtzlich 6 und alle diejenigen, welche es thun, verſichern davon den groͤßten Nutzen verſpuͤrt zu haben. Unſere im Hermbſtädtſchen Archiv B. I. mitgetheilten Verſuche, ſo wie die fernern auf dieſen Gegenſtand gerichteten Beobachtungen, haben mich vollkom⸗ men uͤberzeugt, daß der Miſt kraͤftiger werde, und weniger verliere, wenn man ihn den freien Zutritt der atmoſphaͤriſchen Luft, ſo viel als moͤglich— denn voll⸗ kommen kann es nicht ohne Waſſer geſcheben— abſchneidet, namlich ſo lange er ſich im ſtärkſten Grade ſeiner Gährung befindet, und bie Entwickelung fluͤch⸗ tiger Stoffe am ſtaͤrkſten vorgeht. Ich wuͤrde alſo allerdings eine Bedeckung mit Erde fuͤr vortheilhaft halten, wenn ſie nicht mit zu vieler Arbeit und Umſtanden verbunden waͤre. Da dies aber der Fall iſt, ſo genuͤget, wie ich glaube, eine ebenmäßige Verbreitung des Miſtes auf einer verhaltnißmaͤßigen Fläche. So lange der friſch ausgebrachte Miſt oben liegt, tritt er in keine merkliche Gaͤhrung, verhindert aber, daß die nun in Gaͤhrung kommende darunter liegende Schicht von der Atmoſphaͤre nicht zu ſtark beruͤhrt werde. Die ſich entwickelnden Gaſe, mit Ausnahme des ammoniſchen(welches ſich in dieſer Lage aber wenig erzeugt ſind ſchwerer wie die atmoſphäriſche Luft, halten ſich alſo unter und in der oberen Miſtlage auf, welche ſie gegen das Verwehen ſchützt, ſo daß ſie wahrſcheinlich wieder angezogen werden, und in neue Verbindungen treten. Auf einer ſo behan⸗ delten Miſtſtelle bemerkt man keinen erheblichen Geruch. Die zunaͤchſt uͤber der⸗ ſelben aufgefangene Luft truͤbt das Kalkwaſſer unmerklich, und Salpeterſaͤure erregt keinen Dampf. Rur wenn man den Miſt ruͤhrt, erfolgt beides ſehr ſtark. Ein Beweis, daß Kohlenſaͤure, Azot und Hydrogen ſich zwar ſtark entbinden, aber bei einer ruhigen und gegen die atmoſphaͤriſche Einwirkung mäßig geſchutzten Lage wenig in Gasgeſtalt entfernen, ſondern neue Verbindungen eingehen. Die Vorſicht aber, den Miſt ebenmäßig und nicht auf einer zu großen Flaͤche auszubreiten, iſt ſehr wichtig. Wird er in kleinen Huͤgeln auf die Miſtſtelle ge⸗ worfen, ſo erfolgt dieſe Bedeckung nicht, und obendrein kommt er hohl zu liegen, und in dieſen Hoͤhlungen erzengt ſich dann Schimmel, wovon man weiß, daß er die Guͤte des Miſtes herabſetze. Einige Zuſammenpreſſung dieſes uͤbereinander geſchichteten Miſtes iſt ihm offenbar vortheilhaft, und deshalb iſt es rathſam, Die Miſtduͤngung. 191 die Stelle mit einem Gelaͤnder zu umziehen, damit das aus dem Stalle gelaſſene Vieh darauf herumtrete. Ich weiß, daß einige dieſes Zuſammenpreſſen des Miſtes fuͤr nachtheilig erklärt haben. Ich habe aber gefunden, daß der Miſt an einer Stelle, wo taͤglich mehrere Wagen uͤber ihn wegfuhren, gerade von der beſten Beſchaffenheit und vollkommen zerſetzt war. Wenn ein Theil der Miſtſtelle auf die Weiſe 3 bis 6 Fuß hoch aufgeſchichtet iſt, und man nun dieſen Miſt gleichmaͤßig zergehen laſſen, mit dem neuen Miſte aber eine andere Stelle anlegen will, ſo iſt es gewiß ſehr rathſam, die erſtere mit einer Lage von Erde oder von abgeſtochenem Raſen zu bedecken. Unter dieſer Be⸗ deckung vermodert er gleichmaͤßig, und ohne durch Verdunſtung etwas Erhebliches zu verlieren. Was etwa ausdunſtet, wird von der Erde aufgenommen. Mit dem obenauf gelegten noch nicht zergangenen Raſen wird nach abgefahrenem Miſte der Grund ausgefuͤllet, und dieſe werden dadurch zu einem reichhaltigen Duͤnger. Um allen Verluſt durch die Verſenkung der Jauche in den Boden zu vermei⸗ den, hat man angerathen, die Miſtſtelle ausſchlagen oder ſie auch mit kleinen pflaſtern ſen. Kieſeln auspflaſtern, mit Steingrus zu belegen, und auch wohl gar mit Kalkmoͤr⸗ tel oder Zement ausſetzen zu laſſen, um ſo einen voͤllig waſſerdichten Grund zu haben. Wo der Boden an ſich thonigt iſt, da ſind dieſe Vorkehrungen ganz unnoöthig. Auf ſandigem Boden aber koͤnnen ſie nuͤtzlich ſeyn, wenn eine Miſtſtelle friſch an⸗ gelegt wird. Bei einer alten Miſtſtelle kann man ſich dieſer Vorrichtung jedoch ſelbſt auf Sand uͤberheben, weil dieſer, wenn er einmal mit der Miſtjauche durch⸗ drungen iſt, nichts weiter anzuziehen und durchzulaſſen ſcheint. Ich habe den Grund einer ſolchen Miſtgrube auf einen Fuß tief durchdrungen und ganz ſchwarz gefunden, darunter aber, ſcharf abgeſchnitten, den reinen weißen Sand, ſo daß ich uͤberhaupt nicht beſorge, Sand werde den Duͤnger zu tief verſenken laſſen. Wenn eine Miſtſtelle leer gefahren worden, und man eine neue Lage darauf bringen will, iſt es immer rathſam, den Grund mit allerlei ſchwer verweſenden vegetabiliſchen Abfaͤllen, Baumlanb, trocknem Kraute, Struͤnken, Holzerde oder auch mit Raſen, kurz mit allem, was Jauche aufnehmen kann, und nach ſei⸗ ner Vermoderung Duͤnger abgiebt, ausfullen zu laſſen. Behandlung des Miſtes in der Schweit· Serechter Zu⸗ ſtand des Miſtes zur Ausfuhr. 192 Die Miſtduͤngung. In der Schweiz, wo man alle kleineren Manipulationen mit großer Aufmerk⸗ ſamkeit und Sorgfalt verrichtet, wird der Strohmiſt, von dem man die Jauche ziemlich abſondert und ſolche beſonders benutzt, ſo wie er aus dem Stalle kommt, in reguläre Haufen aufgeſetzt. Man legt hier das laͤngere Stroh auswaͤrts, und bringt es mit der Gabel zuſammen, ſo daß der eigentliche Miſt nach innen und außer der freien Kommunikation mit der Luft komme. Dieſe Haufen werden wagerecht 5 bis 6 Fuß hoch und ſorgfaͤltig verpacket aufgefuͤhrt. Sie ſollen dann das Anſehen eines großen Bienenkorbes bekommen, indem man außerlich bloßes Stroh ſieht. Sie werden dann mit Jauche oder nur mit Waſſer bei duͤrrer Zeit begoſſen, um ſie immer in der zur Gährung erforderlichen Feucheigkeit zu erbalten. Der Miſt ſoll inwendig vortrefflich, gleichartig und ſpeckig werden, ungeachtet ihm ein Theil der Jauche entzogen worden. Man hat es dadurch auch in ſeiner Gewalt, den Miſt in dem Zerſetzungsgrade, worin man ihn haben will, anzuwen⸗ den, indem dieſe Haufen von einander abgeſondert ſtehen. Die Sache iſt gewiß genauerer comperativer Verſuche werth. 5. 27. Ueber den guͤnſtigſten Zeitpunkt der Ausfuhr des Miſtes auf dem Acker, der uͤber den Zuſtand deſſelben, worin er ſich befinden ſoll, wenn er dem Boden ein⸗ verleibt wird, ſind die Meinungen ſehr getheilt. Die meiſten haben zwar den Grundſatz beobachtet, daß nur vermoderter Miſt, in welchem das Stroh wenig⸗ ſtens ſeinen Zuſammenhang verloren, wenn gleich noch nicht voͤllig zerſtoͤrt ſey, deſſen ganze Maſſe ſich gleichmaͤßig abſtechen laſſe, oder der in einem butter⸗ oder ſpeckartigen Zuſtande ſey, auf den Acker gefahren werden muͤſſe. Dieſen Zuſtand erreicht der Miſt fruͤher oder ſpäter, je nachdem die Temperatur hoͤher oder niedri⸗ ger und dif Feuchtigkeit ihm in dem gerechten Maße erhalten iſt. Im Sommer kann der Miſt in 8 bis 10 Wochen dahin gelangen; im Winter erfordert es 20 Wochen und daruͤber. Der Miſt hat in dieſem Zuſtande ſeine Gaͤhrungs⸗ waͤrme voͤllig verloren, und er dunſtet nur zu Anfange, wenn er geruͤhrt wird, zuerſt mit einem ſtinkenden dumpfigen Geruche, nachher eine Zeitlang mit einem moſchusartigen aus. Er hat eine gelbliche Farbe, die aber an der Luft bald ſchwarzbraun wird. Auf den Acker geſtreut nimmt er bei der Trockniß die Geſtalt Die Miſtduͤngung. 193 Geſtalt eines kohligen Torfs an, ziehet aber Feuchtigkeit ſchnell an ſich, und zer⸗ fallt; laͤßt ſich auch dann mit der Ackerkrume gleichmäßig mengen. Andere geben dem langen unzerſetzten Miſte den Vorzug, und ſuchen es ſo einzurichten, daß ſie ihn ſogleich aus dem Stalle auf den Acker bringen. Wenn dieſer Miſt ſchon im Stalle zum Theil ſeine Hauptgährungsperiode uberſtanden hat, ſo iſt wirklich ſeine Unterlage wenigſtens ſchon in demſelben Zuſtande, als haͤtte er auf der Miſtſtelle gelegen, und gelangt im Winter bei der hoͤheren Tem⸗ peratur der Stallluſt ſchneller dahin. Zuweilen faͤhrt man aber auch den ganz friſchen und ſtrohigen Miſt auf den Acker, und pfluͤgt ihn ſo gut wie moglich unter, meint auch in einigen Fällen davon eine groͤßere Wirkung verſpuͤrt zu haben, als vom zergangenen Miſte. Auf den zaͤhen und kaltgruͤndigen Boden iſt leßteres Verfahren, wenn es die Wirthſchaftsverhältniſſe leiden, ohne allen Zweifel zu empfehlen, beſonders wenn man den Miſt ſtark auf, und dann durch ſorgfäͤltiges Einlegen in die Furche un⸗ ter die Erde bringt. In dem Falle hat er die Kraft, die Gaͤhrung hier anzufan⸗ gen, ſich zu erwaͤrmen, dem Boden ſelbſt ſeine Waͤrme mitzutheilen, ihn erſt durch dos Stroh zu luften, und dann dadurch und zugleich durch die Entwickelung ſeiner Gaſe zu lockern, und damit zu durchdringen. Durch ſein erzeugtes Ammo⸗ nium wirkt er beſonders auf den unzerſetzbaren Humus, der ſich vorzuͤglich in ſol⸗ chem Boden befindet. Er erregt mancherlei Wechſelwirkungen, und aͤußert be⸗ ſonders diejenige, vermoͤge welcher der Duͤnger die noch im Boden enthaltene nährenden Theile aufſchließt, ſtärker wie derjenige Miſt, der ſeine Gährung ſchon überſtanden hat. Dagegen aber hat man von dieſem langen Miſte wenig oder gar keinen Rutzen gehabt, oft ſogar Nachtheil verſpuͤrt, wenn er auf trocknem, lockern und ausgezehrten Boden, der wenige Nahrungstheile in ſich enthielt, und dem ſie durch dieſen Miſt erſt gegeben werden ſollten, gebracht wurde. Insbeſondere habe ich ſeine Nachtheile ſehr deutlich wahrgenommen, wenn er kurz vor der Ein⸗ ſaat eingebracht wurde, und vor der Vegetation nicht zerſetzt war. Fiel Duͤrre ein, ſo verdorrten die Pflanzen um ſo leichter; trat aber feuchte Witterung ein, ſo trieben die Pflanzen zwar ſtark darauf empor, bekamen aber ein gelblichtes und verbleichtes Anſehen, ſtarben zum Theil ab, oder blieben doch ſchwächlich, waren Zwelter Theil. Bb 194 Die Miſtdüngung. dem Honigthau unterworfen, und bekamen unvollkommene Koͤrner. Sie ſchienen durch zu vieles Hydrogen und mit zu wenigem Kohlenſtoff genahrt zu ſeyn. Wenn dieſer Miſt auf oder im Acker ausdoͤrret, ſo zerfaͤllt er in etlichen Jah⸗ ren nicht, miſcht ſich nicht mit der Erdkrume, und wird wohl erſt ſehr ſpät zu wirk⸗ lichem fruchtbaren Moder, weil er nachher in keine Gaͤhrung kommen kann, ſon⸗ dern nur verwittert. Daher wohl die Bemerkung, daß Miſt, der auf die erſte Frucht keine Wirkung thue, auch auf die folgenden keine aͤußere. Es koͤmmt daher allerdings viel darauf an, den Miſt gerade in einem der Bedenart angemeſſenen Zuſtande auf und in den Acker zu bringen. Den Miſt, der eben in ſeiner hoͤchſten und hitigen Gaͤhrung ſich befindet, zu wann ſie mu ruͤhren und zu vertheilen, ſcheint mir nicht bloß der Theorie, ſondern auch mehreren ſchdlich ſey. Beobachtungen nach hoͤchſt nachtheilig. Hier gehen wahrſcheinlich viele ſeiner wirk⸗ ſamſten Stoffe verloren, wenn er in freie Beruͤhrung mit der Luft kommt. Bevor er aber ſeine Gaͤhrung lebhaft angefangen hat, oder nachdem ſeine hitzige Gaͤhrung vollendet iſt, ſcheint er in beiden Faͤllen durch Luftausſetzung gar nichts zu ver⸗ lieren, was wenigſtens nicht auf andere Weiſe wiedergewonnen wird. Den langen friſchen Miſt im Winter uͤber den Boden auszubreiten, und ihn ſo bis zur Fruͤhjahrsbeackerung liegen zu laſſen, thut eine augenfallige und ſehr er⸗ wuͤnſchte Wirkung; vorausgeſetzt, daß abfließendes Waſſer ſeine ausgezogenen Theile nicht wegfuͤhre, ſondern ſelbige nur in den Boden hinneinziehe. Dieſe Bedeckung des Bodens uͤber Winter macht ihn ungemein locker und auffallend fruchtbar. Ich habe haͤuſig geſehen, daß man das Stroh, welches freilich zum Theil ausgewaſchen und nicht vermodert war, wieder zuſammenbrachte, und aufs Neue zur Einſtreuung brauchte, oder aber ſolches auf einer naßkalten Stelle in den Acker brachte, und dennoch hatte der Boden, worauß es lag, eine allen Anſchein nach eben ſo große Fruchtbarkeit angenommen, als waͤre der ſaͤmmtliche Miſt un⸗ tergebracht worden. Haͤufig werden Wieſen auf dieſe Weiſe beduͤngt. Langen und kurzen Miſt uͤber ausgeſäete Erbſen und Wicken verbreiten, ihn darauf liegen und dieſe hindurchwachſen laſſen, habe ich zu oft verſucht, um auf warmem, lockern Mittelboden vom vorzuglichen Effekt dieſer Methode nicht vollkommen uͤberzeugt zu ſeyn. Insbeſondere hat ſie mir bei ſpaͤterer Einſaat immer eine vorzugliche Die Miſtduͤngung. 195 Ernte dieſer Frucht geſichert. Was aber merkwuͤrdiger iſt und ſchwer erklaͤrbar zu ſeyn ſcheint— ein ſolcher Acker hat ſich auch in Anſehung der folgenden Fruͤchte gegen den ausgezeichnet, wo mehr zergangener Miſt untergepfluͤgt war. Jedoch wurde immer mit dem Umpfluͤgen der Stoppel nach Abbringung der Frucht moͤg⸗ lichſt geeilt. Im Jahre 18os ſäete ich Sommerruͤbſen auf mageres Land, und Klee darun⸗ ter, belegte es mit ganz friſchem ſtrohigen Miſt. Im Herbſte 1809 ließ ich den Klee umbrechen, und mit Rocken beſaͤen. Die Saat zeichnet ſich jetzt gegen den nebenſtehenden, welche im Sommer Duͤnger mit Brache erhalten hat, ſehr zu ihrem Vortheil aus. Daß derjenige Duͤnger, welcher ſeine hitige Gaͤhrung uͤberſtanden hat, durch freie Luftausſetzung, wenn er naͤmlich auf der Oberflaͤche des Ackers ausgeſtreuet liegt, auch in der heißeſten Jahreszeit und bei ſehr duͤrrer Witterung nicht ver⸗ liere, ſonders eher gewinne, ſcheint mir jetzt nach einer Menge von komparativen von mir und anderen angeſtellten Verſuchen faſt unzweifelhaft zu ſeyn, ſo wenig Glauben dieſe Bemerkung bei denen, die keine Verſuche daruͤber angeſtellt haben, zu finden ſcheint. Man glaubt er muͤſſe nothwendig durch Verdunſtung verlieren, und dies ſcheint a priori ſo wahrſcheinlich, daß man den Rath, mit der Unterpfluͤ⸗ gung des geſtreuten Miſtes im Sommer moͤglichſt zu eilen, bisher allgemein gegeben hat. Die Bemerkungen praktiſcher Landwirthe in Meklenburg vom Gegentheil machten mich zuerſt aufmerkſam darauſ.— Vermuthlich iſt die Verdunſtung des ausgegohrnen Miſtes nicht ſo groß, als ſie zu ſeyn ſcheint. Er giebt zwar bei ſeiner Ausfuhr und ſeiner erſten Verbreitung einen ſtarken moſchusartigen Geruch von ſich; dieſe erſte Ausduͤnſtung iſt aber auf keine Weiſe zu vermeiden, und wenn man weiß, wie äußerſt fein und erpanſibel die Ausdünſtungen, welche dieſen Geruch erregen, ſind,— indem nämlich einige Grane Moſchus Jahre lang eine große Atmoſphäre mit ihrem Geruche anfuͤllen, und ſolchen allen Körperd, welche in dieſe Atmoſphäre kommen, mittheilen koͤnnen, ohne etwas merkliches von ihrem Gewichte zu verlieren— ſo braucht man ſie in der Quantität nicht hoch anzuſchla⸗ gen. Nochher giebt ſolcher Miſt weiter keinen Geruch von ſich, und verliert nach einem gemachten Verſuche nicht an ſeiner Schwere. Es gehen zwar freilich wohl einige Zerſetzungen noch mit ihm vor, wenn er in feuchtem Zuſtande iſt, indem er Bb 2 196 Die Miſtduͤngung. naͤmlich Sauerſtoff einſaugt, und Kohlenſaͤure entwickelt. Es laͤßt ſich aber mit Wahrſcheinlichkeit annehmen, daß dieſe mit der Feuchtigkeit ſich in den Boden ziebe, und ihn befruchte. Bei der Trockniß geht aber keine Zerſetzung vor ſich. Man findet einen Brachacker, wo ſolcher Miſt einige Wochen lang gelegen hat, ſehr ſtark und lebhaft begruͤnt, ſelbſt an ſolchen Stellen, die nicht unmittelbar mit dieſem Miſte in Beruͤhrung ſtanden; ein Beweis, daß ſich ſeine befruchtende Wirkung, bevor er unter die Erde kommt, auch in ſeinem Umkreiſe verbreite, und vom Erdboden angezogen werde. Aus dieſen Gruͤnden ſcheint die Verbreitung des Miſtes nuß den Acker, wenn er auch laͤngere Zeit liegen muß, ehe er untergepfluͤgt wird, keine Bedenklichkeit zu haben; es ſey denn auf einem abhängigen Felde, wo das abfließende Regen⸗ oder Schneewaſſer ihn auswaſchen und entkraͤften kann. In leßterem Falle muß er, wenn man die Ausfuhr zu einer Zeit vollfuͤhren will, wo er nicht untergebracht werden kann, in Mieten gefahren werden. Es iſt aber zu bemerken, daß er ſich, wenn er in ſolchen Mieten ſteht, ſelbſt im Winter weit ſtaͤrker zerſetze, und weit mehr zuſammenfalle, als auf dem Hofe, welches nur von der ſtäͤrkern Beruͤhrung der Luft, und dadurch bei fortdauernder Gaͤhrung bewirkten Verdunſtung ber ruͤhren kann. Ein ſehr fehlerhaftes und nachtheiliges Verfahren iſt es, Si Miſt in den kleinen Haufen, worin er vom Wagen abgeſtoßen wird, auf dem Acker liegen zu laſſen. Hat er ſeine Gaͤhrung noch nicht uberſtanden, ſo zerſetzt er ſich in ſolchen kleinen Haufen mit dem größten Verluſte, indem ihm der Wind die ſich entwickeln⸗ den fluͤchtigen Theile entfuͤhret, und er zerſetzt ſich uberdem ungleich, in der Mitte ſtark, im Umkreiſe wenig oder gar nicht. Seine groͤßte Kraft, und ſeine am mei⸗ ſten aufgeloͤſten Theile ziehen ſich auf der Stelle wo der Haufen liegt in den Bo⸗ den, und das unkraͤftige, minder aufgeloͤſte bleibt zuruͤck, weswegen nachber auch bei der ſorgfaltigſten Ausſtreuung, die Plaͤtze wo die Haufen gelegen, ſich meh⸗ rere Jahre lang oft durch uͤbermaͤßige Geilheit der Saaten, die ſich an ſolchen Stellen wohl gar niederlegen, auszeichnen, wogegen um ſie herum die Fruͤchte nur kuͤmmerlich ſtehen. Man muß es ſich daher zu einer unverbruͤchlichen Regel machen, den Miſt ſogleich auszuſtreuen, wenn er in ſolchen Haufen abgeſtoßen worden, und dieſes kaum einen Tag verſchieben. Die Miſtduͤngung. 197 5. 251 Die Zeit, den Miſt auszufahren, iſt nach den Wirthſchaftseinrichtungen ſehr Zeit der Aus⸗ verſchieden. In der Felderwirthſchaft mit reiner Brache, ſo wie in der Koppelwirth⸗— ſchaſt, geſchieht es in der Regel allein in dem Zeitraume zwiſchen der Fruhjahrsbeſtel⸗ lung und der Ernte. Dieſer Miſt beſteht alſo hauptfaͤchlich aus demjenigen, welcher im Winter gemacht worden, wozu in ſolchen Wirthſchaften, die das Vieh des Nachts auſſtallen, noch der nächtliche Miſt vom vorigen Sommer und vom diesjaͤh⸗ rigen Fruͤhjahre kommt. Der groͤßere Theil dieſes Miſtes iſt daher ſchon ſtark zer⸗ ſetzt, und nur der oberſte noch unvermodert. Ein aufmerkſamer Landwirth wird bei⸗ des unterſcheiden, und den zergangenen Miſt auf feuchtere, kaͤltere, den unzergange⸗ nen auf trocknere und waͤrmere Stellen fuͤhren laſſen. Es hat aber allerdings Schwierigkeiten, daß dieſes gehoͤrig geſchehe. Diejenigen Wirthſchaften, welche ihren Miſt zu verſchiedenen Fruchten benuten und zu verſchiedenen Jahreszeiten ausfahren koͤnnen, haben auch darin einen Vorzug, daß ſie ihren Miſt bei einer guten Anlage der Miſiſtelle in dem Zuſtande waͤhlen und ausfahren koͤnnen, worin er dem Boden mit Ruͤckſicht auf die zu bauende Frucht am angemeſſenſten iſt. Der fruͤhere oder ſpaͤtere Wintermiſt wird hauptſächlich zu den Hackfruͤchten aufgefahren. Den Kartoffeln auf lehmigem Boden iſt der unzergangene ſtrohige Miſt beſonders vortheilhaft, weil er die Bindung des Bodens, welche den Kartoffeln bei ihrer Keimung leicht nachtheilig werden kann, lockert, und die Setzkar⸗ toffel in Verbindung mit der Luſt erhaͤlt. Es iſt daher auf ſolchem Boden ſehr rath⸗ ſam, den ſammtlichen Miſt in die Kartoffelnfurche beim Einlegen zu bringen, wie an ſeinem Orte gezeigt werden wird. Anderen Wurzelgewaͤchſen und insbeſondere dem Kohl iſt der zergangene Mſt weit angemeſſener, und auf loſem Boden iſt dieſer eine nothwendige Bedingung für ihr Gedeihen. Sodann wird der Miſt fuͤr die Erbſen und Wicken ausgefahren, entweder zum Unterpflugen oder auf die oben erwahnte Art zum Ueberſtreuen. Der ſpäter gemachte Miſt, welcher bei der hoͤheren Temperatur ſich ſchneller zerſetzt, wird den ſpätern Hackfruͤchten, beſonders aber dem Raps gewid⸗ met. Was nun nach der Mitte des Sommers gemacht wird, kann zum Theil noch zur Winterung verwandt werden, der man zwar bei dieſer Wirthſchaftsart keine Hauptduͤngung aiebt, der man aber doch zuweilen etwas nachzuhelfen rathſam findet; oder er wird ſchon auf die Stoppel derjenigen Felder gebracht, die im kuͤnftigen 198 Die Miſtduͤngung. 1 Jahre Hack oder Huͤlſenfruͤchte tragen ſollen; oder aber er wird zum Compoſt ge⸗ braucht und Mengehaufen davon angelegt. Der Miſtwagen ſteht daher in dieſen Wirthſchaften niemals ſtill, weil immer paßlicher Miſt vorhanden und bei der gleichmaͤßigen Vertheilung der Geſpannarbeit durchs ganze Jahr immer Zeit dazu uͤbrig iſt. Wird der Miſt auf die Brache gefahren, ſo ſind die Meinungen zwar nicht uͤbereinſtimmend, auf welche Furche dieſes geſchehen muͤſſe. Von den meiſten ge⸗ ſchieht es ſo, daß er mit der vorletzten Fahre untergepfluͤgt werde. Hiergegen haben einige das Bedenken, daß er alsdann mit der letzten wieder heraufgebracht und oben auf zu liegen komme, welches ſie fuͤr ſehr nachtheilig halten. So wenig ich die⸗ ſes Obenaufliegen ſcheue und den Verluſt dieſes Miſtes beſorge, ſo halte ich es doch allerdings fur beſſer, wenn er mit drei Furchen durchgepfluͤgt werden kann, und des⸗ halb wurde ich ihn, ſo weit es thunlich iſt, ſogar mit der erſten Furche, wenn dieſe erſt nach der Mitte des Sommers gegeben wird, einpfluͤgen. Aber das Unterbringen mit der letzten Furche halte ich durchaus fur fehlerhaft und fuͤr eine haͤufige Urſach des Mißrathens der Saat. Er kann bei dieſer Methode nie gehoͤrig mit dem Boden ge⸗ mengt werden, kommt klumprig zu liegen, erbitzt ſich an einigen Stellen zu ſtark und bleibt an andern unverweßt, ſo daß man ihn dann noch nach mehreren Jahren torfartig und unzerſett im Boden antrifft. Die Saat ſteht darnach ſcheckig und hor⸗ ſtig; es ziehen ſich Inſekten auch Maͤuſe ſtark danach her, und Stellen, die zu geil getrieben hatten, wintern ſodann aus. Insbeſondere iſt das Unterbringen des lan⸗ gen unzerſetzten Miſtes mit der letzten Furche zur Winterung oft von den uͤbelſten Fol⸗ gen. Der Acker wird dadurch bollig oder kann ſich nicht ſetzen. Wenn feuchte warme Witterung eintritt und die Einſaat fruͤh geſchehen iſt, der Miſt dadurch vor Winter noch in Gaͤhrung kommt, ſo entſteht leicht ein Uebertreiben der Saat, ſie wird geil, aber ſchwaͤchlich, wahrſcheinlich mit Hydrogen uͤberfuͤllt und uͤberreizt. Sie halt dänn den Winter nicht aus, ſondern fault und ſtirbt ab. Kommt dieſer lange unzertheilte Miſt vor Winter nicht in Gaͤhrung, ſo bewirkt er, wenn Wärme und Trockniß im Fruͤhjahre eintritt, durch ſeine Hitze leicht das Verſcheinen der Saa⸗ ten, indem dieſe bleich werden und abſterben. Alle dieſe Fälle habe ich beobachtet, und daß es zuweilen unter ſehr guͤnſtigen Umſtaͤnden dennoch gut gerathe, iſ eine Ausnahme von der Regel. Die Miſtduͤngung. 199 Gegen das Unterpfluͤgen des Miſtes mit einer fruͤhern alc der vorletzten Furche haben einige ein Vorurtheil und meinen, er werde hier ſeine Kraft auf den Austrieb des Unkrauts unnuͤtz und ſchaͤdlich verſchwenden. Allein der ſtärkere Austrieb des Unkrauts, den er wirklich bewirkt, weit entfernt, ſchaͤdlich zu ſeyn, iſt vielmehr hoͤchſt vortheilhaft, indem die Unkrautsſamen und Wurzeln nicht nur um ſo mehr dadurch zerſtoͤrt werden, ſondern auch das jung untergepfluͤgte Kraut die Kraft des Duͤngers und des Ackers offenbar vermehrt. Jede aufmerkſame Beobachtung wider⸗ legt dieſes Vorurtheil, welches nur von einem oder dem andern nachgeſprochen wird. 5. 2. Eine zweckmaͤßige Vertheilung des Miſtes iſt in einer Wirthſchaft von ſo gro⸗ ßer Wichtigkeit, daß ſie eine angeſtrengte Aufmerkſamkeit und vollkommene Um⸗ ſicht verlangt. Man findet haͤufig gegen zu ſtarke Duͤngung oder Ueberduͤngung gewarnt, und es iſt gewiß, daß eine ſolche insbeſondere den Getreideſaaten leicht nachtheilig werden koͤnne, indem ſie Lagerkorn giebt, und die Beiſpiele ſind nicht ſelten, wo man, um eine ausgezeichnete Saat auf einem Acker zu haben, ſehr wenig erntete. Es giebt ein Maximum der Dungkraft, beſonders der friſchen, dem man nahe kommen muß, um das moͤglich Hoͤchſte zu gewinnen, welches man aber nicht uͤberſchreiten darf, wenn man ſich nicht einem großen Verluſte ausſetzen will. Dieſer Grad aber läͤßt ſich nicht beſtimmt angeben. Wir wiſſen, daß er nach der Bodenart verſchieden iſt, und daß thoniger feuchter Acker eine ſtarkere Duͤngung verlange und ertrage, wie der ſan⸗ dige und kalkige warme Boden. Allein es koͤmmt auch auf die Zufälligkeit der Wit⸗ terung an. Wenn dieſe ausgezeichnet fruchtbar iſt, ſo kann ſchon eine Duͤngung, die bei gewoͤhnlicher Witterung voͤllig gerecht geweſen waͤre, eine zu große Geilheit des Getreides und einen Ruͤckſchlag in der Ernte bewirken. In ſolchen Jahren be⸗ merkt man daher, daß der Unterſchied des Ertrages in kraftloſen und kraftvollen Wirthſchaften minder erheblich iſt, als in gewoͤhnlichen oder unfruchtbarern Jahren. Wenn man unmittelbar zu Getreide dungt, ſo iſt es daher rathſam, an demjenigen, was man auf dieſem Boden als Maximum annehmen kann, etwas fehlen zu laſſen. Man entgeht aber in Wirthſchaften, die ſich zu einem hohen Duͤngerſtand erho⸗ ben haben,— denn in anderen iſt es nicht zu beſorgen— dieſer Gefahr der Ueber⸗ duͤngung am ſicherſten, wenn man nicht zu Getreide, ſondern zu ſolchen Fruͤchten den Vertheilung des Miſtes auf den ver⸗ ſchiedenen Feldern. 200 Die Miſtdun ung. Duͤnger unterbringt, denen ein ſehr ſtarker Trieb nie ſchaͤdlich wird. Kohl, tie mei⸗ ſten Wurzelgewaͤchſe(Kartoffeln koͤnnen doch allerdings uͤberdüngt werden) ge⸗ drillte Bohnen, Mays, Rapsſaat, gruͤn abzumaͤhende Wicken können nicht über⸗ duͤngt werden. Sie nehmen von der erſten Geilheit des Miſtes ſo viel weg, daß das darauf folgende Getreide nicht darunter leidet. Der Miſt wird wenigſtens kaͤlter oder minder aktiv, verliert das uͤberfluͤſſige Hydrogen und Azot, wenn gleich wenig von ſei⸗ nem Kohlenſtoffe. Weit haufiger aber ſind die Fälle, wo man nur fuͤr eine ſolche Vertheilung des Miſtes zu ſorgen hat, daß alle Aecker, die deſſen beduͤrſtig ſind, das Minimum oder das Nothdürftigſte erhalten. Unter dieſen Umſtaͤnden giebt man nun gemeiniglich die Regel, daß man nur dahin trachten muͤſſe, die Hauptfelder, welche die Baſis der ganzen Wirthſchaſt ausmachen, oder auf welche man ſich in Anſehung des Korn⸗ und Strohgewinnes am ſicherſten verlaſſen koͤnne, vollſtändig auszuduͤngen, wenn gleich die minder wichtigen daruͤber ungeduͤngt blieben. Die Anwendung dieſer Regel fin⸗ det freilich nur zu oft ſtatt, und ſie darf nicht zu ſehr eingeſchraͤnkt werden. Auf der andern Seite aber muß man ſie auch nicht zu weit ausdehnen, wie es haͤufig geſchieht, indem man den Hauptſeldern mehr giebt, als ſie nothwendig gebrauchen, und den ubrigen dagegen alles entziehen muß. Man wird freilich in vielen Faͤllen von einer angegebenen Quantität Miſt einen größeren unmittelbaren Gewinn haben, wenn man ihn in etwas groͤßerer Quantitaͤt auf guten Acker bringt, als wenn man ihm die⸗ ſen zum Theil entzieht und auf ſchlechteren Acker faͤhrt. Allein in der Folge wird der letztere durch Entziehung des Miſtes nun ſo ſchlecht, daß ſein Ruͤckſchlag gegen das, was er bei einiger Duͤngung wuͤrde abgetragen haben, doch im Ganzen nicht dorch den hoheren Ertrag des guten Bodens erſetzt wird. Wer alſo auf die allge⸗ meine Krafterhaltung in ſeiner Feldflur Ruͤckſicht nimmt, und weiter hinaus auf den kunftigen Zuſtand ſeines Gutes und auf kuͤnftige Ernten ſieht, wird jenen Grundſaß: nur fur die Duͤngung der beſſern Felder zu ſorgen, und die ſchlechtern zu vernachläſſi⸗ gen, nicht ſo weit ausdehnen, als der auf einen kurzen Termin ſich beſchraͤnkende Zeitpaͤchter. Wenn man ein heruntergekommenes Gut in Kraft ſetzen will, ſo wird man vielleicht genoͤthigt ſeyn, den beſſern und noch nicht erſchoͤpften Feldern vorerſt etwas von dem Duͤnger zu entziehen, den ſie ſonſt erhielten, und dieſes den Fel⸗ dern, die man wieder heben will, zukommen zu laſſen⸗ Man muß jene dann ſchonender Die Miſtduͤngung⸗ 201 ſchonender behandeln, und dies kann freilich leicht einen Ruͤckſchlag im Totalertrage der Ernten geben, worauf man ſich gefaßt machen muß. Denn die erſte Duͤngung erſchoͤpfter Felder außert oſt ſehr geringe Wirkung⸗ Hier das Mittel zu treffen, und weder auf dar einen noch der andern Seite zu weit zu gehen,. den nothwendigen Strohgewinn nicht aus den Augen zu ſetzen, wenn man auch den geringern Ettrag des Korns zu erleiden entſchloſſen wäre, erfordert eine weiſe Ueberlegung. Iſt man mit dem Duͤngungsetat aufs Reine, und im Stande dem ſammtlichen Acker ſein geboͤriges Maß zu geben, ſo iſt beim Auffuͤhren des Duͤngers doch immer guß die Beſchaffenheit eines jeden Feldes zu ſehen. Wenn man naͤmlich den thonigen zahen Boden und den lockern ſandigen und kalkigen in gleichet Duͤngungsſtande er⸗ halten will, ſo muß dennoch dem erſtern immer rine ſtärkere Duͤngung auf einmal gegeben werden, weil er dieſe ohne zu geil zu werden, ertragen kann, eine ſchwache Duͤngung aber gar keine Wirkung auf ihn äußert, ſondern in ihrer Zerſetzung zuruͤck⸗ gehalten wird, und unvermodert in ihm kiegt. Dagegen kann er nach einer doppel⸗ ten Duͤngung auch doppelt ſo viele Ernten abtragen, ohne erſchoͤpft zu werden. In einem lockern warmen Voden wird dagegen der Duͤnger ſchnell zerſetzt, und eine ſtarke Duͤngung kann ſchaͤdliche Folgen haben, indem ſie nach Verhaͤltniß der Witte⸗ rung das Lagern oder das Verſcheinen des Getreides nach ſich zieht. Der Miſt wird nun aber ſchneller conſumirt, und deshalb muß diefe ſchwache Duͤngung um ſo oͤfterer wiederholt werden Je loſer und je ſandiger der Boden iſt, deſto nutzbarer wird ihm eine öſtere und ſchwächere Bemiſtung. Im allgemeinen kann man jedoch annehmen, daß beiden entgegengeſetzten Bodenarten eine gleiche Quantitat Miſt in einer Reihe von Jahren gebuͤhre. S 6r 2ß. Die Quantität des Miſtes wird gewoͤhnlich nach Fudern geſchaͤtzt, nach vier⸗, Maas uud Se wicht des drei⸗ und zweiſpännigen oder auch nach einſpännigen Karren. Es iſt an einem an⸗ Niſtes. dern Orte geſagt worden, daß dieſelben Pferde eine groͤßere Laſt ziehen, je mehr ſie vertheilt ſind, und dies iſt dann auch bei den Miſtfudern der Fall. Ein vierſpaͤnniges Fuder wird cäteris paribus uicht dte doppelte Quantitaͤt enthalten von dem, was man auß ein zweiſpaͤnniges laden kann. Man rechnet deshalb gewöhnlich bei kräftigem Geſpann auf ein vierſpaͤnniges Fuder 2000 Pfund, und auf ein zweiſpaͤnniges 1200 bis 1400 Pfund. Es iſt aber uberhaupt etwas ſehr unbeſtimmtes, was auf ein Zuder Zweiter Theil, Ce Staͤrke der Miſtauffuhr. 202 Die Miſtduͤngung.. an Miſt geladen zu werden pflegt. Es koͤmmt dabei nicht nur auf die Kraft des Zugviehs, ſondern auch auf die Gewohnheit, die Auſſicht beim Laden, die Jahres⸗ zeit, die Wege und die Entfernung an. Das Gewicht deſſelben Miſtes iſt dann auch verſchieden, je nachdem er trocken oder naß iſt. Wenn man alſo uͤber den Miſt nach dem Gewicht etwas beſtimmen, und den ganzen Duͤngungsetat und ſeine zweckmä⸗ ßigſte Vertheilung ausmitteln will, ſo muß man eine ſolche Ladung, wie gewoͤhnlich gemacht wird, abwiegen, und dieſes von Zeit zu Zeit wiederholen, damit man die Quantität des auf⸗ und auszufahrenden Duͤngers nach dem Augenmaße ſchatzen lerne. Durch eine große Wage, womit man ganze Fuder wiegt, und die auf dem Wirth⸗ ſchaſtshofe ſo viele Vortheile hat, wird dieſes ſehr erleichtert. 2000 Pfund iſt eine maͤßige Ladung fuͤr vier Pferde, und man wird weniʒſtens der Wahrheit ſo nahe kommen, wie hier moͤglich iſt, wenn man dieſe als das Durch⸗ ſchnittsgewicht eines Fuders annimmt. Jedoch fahrt man mit ſtarken Geſpännen auf kurzen und guten Wegen und im Sommer auch oſt 3000 Pfund. Den Miſt nach dem Volumen zu ſchätzen iſt noch unſicherer, indem es da auf das mehr oder minder zergangene Stroh ankommt, und auf das Verhaͤltniß des Strohs im Duͤnger uͤber⸗ haupt. Ein Kubikfuß ſehr ſtrohiger Miſt, wiegt oft nicht uͤber 44 Pfund; ein Kubikfuß worin das Stroh ſchon zu Faſern zerfallen iſt, wiegt, ohne zuſammenge⸗ preßt zu ſeyn, 56 bis 38 Pfund. Die eigentliche Dungkraft des Miſtes ſteht daher doch immer in gihnßn Verhaͤltniſſe mit Schwere als mit ſeinem Volumen. F. 29. Von 2ooopfuͤndigen Fudern werden 5, 8 bis 10 auf 1 Magdeburger Morgen gefahren. Das erſte nennt man eine ſchwache, das zweite eine gute, das dritte eine ſtarke oder reiche Duͤngung. Bei 8 Fudern oder 10000 Pfd. fallen auf 1 Quadratruthe 553 Pfd. Bei 6 Fudern oder 12000 Pfd. fallen auf 1 Quadratruthe 66½ Pfd. Bei 7 Fudern oder 14000 Pfd. fallen auf 1 Quadratruthe 773 Pfd. Bei 8 gudern oder 16000 Pfd. fallen auf 1 Quadratruthe 833 Pfd. Bei 9 Fudern oder 18000 Pfd. fallen auf 1 Quadratruthe 100 Pfd. Bei 10 Fudern oder 20000 Pfd. fallen auf 1 Quadratruthe 1113 Pfd. Es fallen alſo bei der ſtäͤrkſten Duͤngung auf einen Quadratfuß ungefähr o,„Pfund. —— Die Miſtduͤngung. 203 §. 30. Die Ausfuhr des Miſtes iſt unter den Wirthſchaftsverrichtungen eine der wich⸗ Ausfuhr des Miſtes. tigſten, und erfordert daher eine beſondere Aufmerkſamkeit des Arbeitsaufſehers, da⸗ mit ſie nicht nur mit Fleiß, ſondern auch mit gehoͤriger Ordnung verrichtet werde. Es iſt deshalb rathſam ſo viel Geſpann wie moͤglich, und eine dieſem angemeſſene An⸗ zahl von Handarbeitern zuſammen zu nehmen. Je nachdem das Feld, wohin er ge⸗ fahren werden ſoll, näher oder entfernter iſt, muß auf drei oder zwei Geſpann ein Wechſelwagen genommen werden, damit immerfort ein Wagen zum Aufladen auf der Miſtſtelle ſtehe. Es muß uͤberhaupt das gehoͤrige Zeitmaß beobachtet und erhal⸗ ten werden, ſo daß z. B. bei drei Geſpannen ſich das eine anf dem Hinwege, das an⸗ dere zum Abladen auf dem Felde, das dritte auf dem Herwege befinde, und keins laͤn⸗ ger ſtille ſtehe, als zum Vorhängen der Pferde vor den geladenen Wagen erforder⸗ lich iſt. Es muß daher die Zeit abgemeſſen werden, welche nach dem Verhaltniß der Entfernung fur jedes Geſpann zum Hinfahren und Zuruͤckkommen erforderlich iſt, Die Anzahl der Lader muß dann ſo eingerichtet werden, daß ſie zwar in beſtändiger Beſchaͤftigung ſind, daß aber auch nie das Geſpann auf die Vollendung einer Ladung zu warten brauche. Da dieſe Arbeit nach dem Zuſtande, worin ſich der Miſt befin⸗ det, verſchieden iſt, ſo läßt ſich die Zahl der Menſchen, die dabei noͤthig ſind, nicht allgemein beſtimmen. Man rechnet gewoͤhnlich auf ein Geſpann 1½ Menſchen oder eine mannliche und eine weibliche Perſon. Geht die Arbeit ſehr ſchnell, und liegt der Miſt ſehr ſeſt, ſo reichen dieſe kaum⸗ Die Stärke der Duͤngung, die man einem Felde geben will, wird gewoͤhnlich und beſſer nach der Entfernung, worin die Haufen von einanber abgeſtoßen werden, als nach der Groöße dieſer Haufen beſtimmt, weil die Leute beſſer die Entfernung der Haufen als die Große derſelben abmeſſen koͤnnen. Gewohnlich habe ich gefunden, daß von ſolchen Fudern, die mindeſtens 2000 Pfund und wohl etwas daruͤber halten, 9 Haufen abgeſtoßen werden, ſo daß man jeden Haufen zu 222 Pfund anſchlagen tann. Nach der Stärke der Duͤngung, die man geben will, läßt ſich dann leicht die Entfernung beſtimmen, worin die Fuder in geraden Reihen und die Reihen neben⸗ einander kommen ſollen. Jene beſtimmt man am beſten nach der einfachen oder dop⸗ pelten Laͤnge des Wagens, nach der Entfernung der Vorderpferde oder der Hinter⸗ pferde vom Hintertheile des Wagens, die Entfernung der Reihen aber nach Schrit⸗ Ce 2 204 Die Miſtduͤngung. zen, welches billig von dem Arbeies auſſeher ſelbſt geſchehen muß. Es tritt auch nicht ſelten der Fall ein, daß man eine Stelle des Feldes ſtarker, die andere ſchwaͤcher zu duͤngen ſich bewogen findet. Anhoͤhen z. B. koͤnnen eine ſtaͤrkere Duͤngung vertra⸗ gen, den Niederungen aber, beſonders am Fuße jener, genuͤgt mehrentheils eine ſchwaͤchere, weil ſich die fruchtbare Materie hierher herabzieht. Man findet nicht ſelten daß unverſtaͤndige Arbeitsaufſeher gerade das Gegentheil geſchehen laſſen, weil ſie glauben, daß der Duͤnger den Anhoͤhen doch wenig zu Nutzen komme, und die Knechte ſind nicht minder geneigt, die Anhoͤhen zu uͤberſpringen. In ſolchen Fällen iſt es um ſo noͤthiger, daß ein Arbeitsaufſeher oder doch ein gehorig inſtruirter Hoſ⸗ meier auf dem Felde ſey, und die Vertheilung des Duͤngers anordne, auch zuweilen, wo es noͤthig iſt, Huͤlfe leiſte, damit die Geſpanne ihre gehoͤrige Zeit beobachten. Wenn man außer den beim Laden beſchaͤftigten Menſchen noch genugſam an⸗ dere hat, ſo iſt es am beſten das Ausſtrenen des Miſtes unmittelbar vornehmen zu laſſen, damit der Aufſeher hierauf zugleich acheen koͤnne. Der Miſt wird ſich auch um ſo leichter vertheilen laſſen, je weniger er ſich in den Haufen geſackt hat, und man wird es am ſicherſten vermeiden, daß dieſe Haufen nicht zu lange liegen, welches, wie oben geſagt, ſehr nachtheilig iſt. §. 31. Auf eine gute, gleichmaͤßige Streuung und ſogenannte Brechung des Miſtes kommt viel an. Man muß alſo dabei die Arbeiter nicht ſparen, ſondern nur darauf achten, daß es mit moͤglichſtem Fleiße geſchehe, und wohl einen verſtaͤndigen Mann anſtellen, der den Miſtſtreuern nachgeht, und liegen gebliebene Klumpen beſſer ver⸗ theilt. Von dieſem fordert man eine vollſtaͤndige Streuung, und er wird alſo die Streuer ſchon anhalten das Noͤthige zu thun. Schlecht ausgeſtreuter Miſt hat natür⸗ lich uͤble Folgen auf mehrere Ernten. Naͤchſtdem iſt dann eine moͤglichſt vollſtän⸗ dige Unterbringung des Miſtes, beſonders des ſtrohigen zu bewirken, und bei letzte⸗ rem iſt es faſt immer rathſam Leute mit Forken oder Harken hinter den Pfluͤgen her⸗ gehen zu laſſen, um ihn in die Furchen gleichmaͤßiger zu vertheilen. Daß der lange Miſt aus den Furchen zuweilen hervorſtehe, iſt zwar kein ſo großes Uebel, zumahl wenn noch mehrere Male gepfluͤgt werden ſoll. Allein daß er ſchleppt und ſich vor dem Pfluge anhäuft, dann auf einen Klumpen zuſammenkommt, und andere Stel⸗ ſen nichts erhalten, muß ſorgfaͤltig vermieden werden⸗. Die Miſtduͤngung. 205 §. 32. Es iſt in manchen Gegenden uͤblich dieſen ſtrohigen Stallmiſt entweder mit al⸗ lerlei vegetabiliſchen Subſtanzen oder auch wohl nur mit bloßer Erde zu vermengen, ihn damit vollkommen zergehen zu laſſen, und dann dieſe inniger gemiſchte Subſtanz, welche man Mengeduͤnger oder jetzt nach dem engliſchen Namen Kompoſt Mengedünger oder Kompoſt nennt, auf den Acker zu bringen. Dieſe Methode iſt von vieken vielleicht uͤbertrieben geruͤhmt und zu allgemein anempfohlen, von andern dagegen zu unbedingt verwor⸗ fen worden. Die Methoden deren man ſich dabei bedient, ſind mannigfaltig. Einige. dergleichen Materialien, beſonders abgeſtochene Raſen, ſchon auf die Duͤngerſtelle ſelbſt, füͤllen den Grund damit an, worauf ſie den Duͤnger bringen, und legen dann wieder eine Schicht davon auf jede Miſtlage. Rachdem er ſo zergangen, wird er her⸗ aus geworfen und in hoͤhere Haufen zuſammengeſchlagen, in welchen er bis zur voll⸗ kommneren Vermoderung liegen und mehrmals umgeſtochen werden ſoll, bevor er gebraucht wird. Bei dieſem Verfahren werden die fluͤchtigen und fluͤſſigen Theile des Miſtes mehr zuſammengehalten, und koͤnnen, wenn der Zuſat aus Raſen beſteht, ſich gleich in nähere Verbindung und Wechſelwirkung mit den erdigen Theilen ſetzen, wobei, zumahl wenn auch etwas ätzender Kalk hinzukommt, mancherlei Zerſetzungen und Verbindungen der Stoffe entſtehen, die man ſonſt gar nicht oder ſpaͤt erreicht⸗ Es iſt nicht unwahrſcheinlich, daß das Waſſer ſelbſt hierbei zum Theil zerſetzt werde, und in feſte Verbindungen uͤbergehe. Andere legen dieſe Mengehaufen auf einer andern Stelle, entweder neben dem Hofe, vortheilhafter aber auf dem Acker, wo er gebraucht werden ſoll, unmittelbar an, wodurch wenigſtens die doppelte Fuhre der Zuſaßmaterialien erſpart wird⸗ Die Anlegung eines ſolchen Mengehaufens geſchieht auf zweierlei Art. a) Durch eine reguläre Schichtung der Materialien üͤbereinander. Zu unterſt bringt man eine gute ebene Lage von Erde oder Raſen, die auf allen Seiten 5 bis 6 Fuß breiter gemacht wird, als der eigentliche Haufen werden ſoll. Dann wird eine etwa einen Fuß hohe Lage von Miſt aufgefahren. Je friſcher dieſer Miſt aus dem Stalle kommt, deſto beſſer. Hierauf wieder eine Schicht von Erde oder Raſen. Sind andere moderungsfaͤhige Materialien vorhanden, ſo werden ſie auf dieſe Erd⸗ ſchicht gebracht. Dann kommt wiederum eine Lage von Miſt, und ſofort bis der 206 Die Miſtduͤngung. Haufen etwa 6 Fuß hoch ſchraͤg auflaufend aufgefuͤhrt iſt, wo er dann wieder mit einer Erdlage bedeckt wird. Haͤufig wird dieſem Duͤngerhaufen ätzender Kalk zuge⸗ miſcht, der aber nicht in unmittelbarer Beruͤhrung mit dem Miſte kommen darf, weil er ihn zu heftig und zu ſchnell zerſetzen wuͤrde, ſondern man legt ihm zwiſchen zwei Lagen von Erde, oder aber zwiſchen die Erde und andere ſchwerer verweslichen Ma⸗ terien, wie Baumlaub und dergleichen. Iſt der hervorſtehende Rand mit der Dun⸗ gerjauche, die ſich zumahl bei regnigter Witterung aus dem Haufen herabzieht, durch⸗ drungen, ſo wird er abgeſtochen und uber den Haufen verbreitet. So laͤßt man den Haufen in Gährungshiße kommen, und ſo lange ruhig ſtehen, bis dieſe voͤllig vorͤber iſt. Erſt wenn ſie vollendet iſt, und man gar keine Waͤrme inwendig mehr verſpuͤrt, wird der Haufen umgeſtochen, und zwar ſo wieder aufge⸗ ſetzt, daß das Obere zu unterſt, und das Aeußere, noch nicht vermoderte, inwendig kommne. Zu unterſt legt man dann wohl wieder eine Lage friſche Erde. Dieſe wie⸗ der auſgeſetzten Haufen macht man ſchmal, lang und dachformig, weil man uͤber⸗ zeugt iſt, daß eine ſtärkere Luftausſetzung die Qualitat des Duͤngers verbeſſere, und ſelbſt ſein Gewicht vermehre. Es geht hier ohne Zweifel eine ſtarke Salpetererzeu⸗ gung vor. Deshalb werden auch dieſe Haufen von denen, die große Auſmerkſamkeit darauf wenden, zu wiederholtenmalen umgeſetzt, damit immer eine neue Lage an die Luft komme. b) Andere bringen die Materialien, beſonders wenn ſie deren eine große Man⸗ nigfaltigkeit haben, rund um einen zur Anlegung des Haufens beſtimmten Platz herum, ein jedes fuͤr ſich. Sie machen dann die Erdlage, worauf der Haufen zu ſtehen kommen ſoll, in der Mitte, und ſtellen ſodann bei jedem Häuſchen Menſchen mit Schaufeln, die zu gleicher Zeit die Materialien aufwerfen, wodurch dieſe um ſo genauer untereinander kommen. Mergel, Moder, zerfallener Torf, Moos, Baumlaub und Nadeln, Säͤgeſpäͤne, vegetabiliſche und thieriſche Abgaͤnge u. ſ. f. werden auf die Weiſe und mehrencheils mit etwas zerfallenem Kalk, Aſche, Oſenruſt vermengt, und dann friſcher Miſt dazwiſchen gelegt, oder aber die Materialien mit Duͤngerjauche begoſſen. Der Kalk wird in dem Verhältniſſe ſtärker oder ſchwaͤcher zugeſetzt, je nachdem die Materialien ſchwerer oder leichter verweslich ſind, am meiſten wenn ſolche darunter ſind, die eine hervorſtechende Saͤure enthalten, und da⸗ durch der Zerſetzung widerſtehen. Je⸗mehr thieriſche Subſtanzen dazu kommen, um Die Miſtduͤngung. 207 deſto ſparſamer kaun man mit dem Kalk ſeyn. Auch dieſe Haufen muͤſſen bis zur überſtandenen Gahrungshite ruhig ſtehen bleiben, dann aber ein oder mehrere Male durchſtochen und wieder aufgeſetzt werden. Diejenigen, welche wenigſtens den Gebrauch des Stallmiſtes zu dieſen Menge⸗ haufen verwerfen, halten ſolche fuͤr eine unnuͤtze Vermehrung der Arbeit. Dieſer Miſt, ſagen ſie, koͤnne im Acker genugſam mit der Erde verbunden und zertheilt wer⸗ den, und dies geſchahe auf eine weit leichtere und zweckmaͤßigere Weiſe als in ſol⸗ chen Mengehaufen. Die faulende Gährung des Miſtes im Acker ſelbſt ſey dieſem ſehr wohlthätig, und ſie haben auf thonigem, kalten Acker gewiß Recht zu dieſer Behauptung. Was aber noch mehr gegen die allgemeine Anwendung dieſes Mengeduͤngers ſtreitet, und ſolche erſchwert, iſt dies, daß der Stallmiſt dann wenigſtens um ein Jahr ſpaͤter gebraucht werden, und zur Wirkſamkeit kommen kann. Und dies iſt in einer Wirthſchaft, wo man noch keinen Ueberfluß von Miſte hat, von ſehr großer Wich⸗ tigkeit. Man kann aus dem friſch gebrauchten Miſte dann ſchon neues Duͤngerma⸗ terial— unangeſehn die nutzbare Produktion— erzeugt haben, bevor jener Kom⸗ poſt dem Acker einverleibt wird. Folglich kann man nicht wohl auf die Anlegung ſolcher Kompoſthaufen denken, bevor man nicht einigen Ueberfluß uͤber den nothwendigen Duͤnger beſitzt. Dann aber werden die Anlagen ſolches Kompoſts um ſo rathſamer„ je mehr man an Ma⸗ terialien beſitzt oder herbeiſchaffen kann, die ohne ſolche Vermengung ſchwer auflos⸗ bar ſeyn wuͤrden. Man kann ſich einen großen Schatz dadurch bereiten, und ſich einen reichlichen Ertrag von ſolchen Saaten ſichern, die mißlich ſcheinen, und einer Aufhuͤlfe beduͤrfen. Man bedient ſich nämlich dieſes Kompoſts ohne allen Zweifel und nach unzäh⸗ ligen Erfahrungen am vortheilhaſteſten, wenn man ihn nicht unterpfluͤgt, ſondern auf die Oberflaͤche des Ackers bringt. Man fuͤhrt ihn entweder auf die Saatfurche, uͤberſtreuet dieſe vom Wagen ab durch Leute, die ihn mit Schaufeln auswerfen, da⸗ mit, und egget ihn dann zugleich mit der Saat ein, oder pflugt ihn mit ſolcher flach unter. Oder aber man bedient ſich deſſelben um ihn auf eine ähnliche Weiſe uͤber die gelaufene Saat, uͤber die Winterung oft erſt im Fruͤhjahr, auszuſtreuen, wenn ſie ſchon ihre Vegetationsperiode angefangen hat. Hier iſt eine ſolche Ueberduͤngung Sinſtrevungs⸗ Guͤrrogste. 208 Die Miſtduͤngung. mit Kompoſt, auch in ſehr geringer Quantitat, von einet wunderbaren Wirkung, wie nicht nur alle diejenigen bezeugen, die es einzeln verſucht haben, ſondern wie es auch ganze Gegenden, wo dieſe Methode landüblich iſt, beweiſen. In einem be⸗ traͤchtlichen Diſtrikte von England in der Graſfſchaft Hereford iſt dieſe Methode ſeit un⸗ denklichen Zeiten eingefuͤhrt, und es wird kein Miſt anders als in dieſer Geſtalt und auf dieſe Weiſe, welche die Engländer Topdressing nennen, gebraucht. Es iſt aber bekannt, daß man daſelbſt ohne eine uͤbrigens ſehr ausgezeichte Kultur vorzuͤgliche Ernten gewinne, und wie die dortigen Landwirthe verſichern, nie Mißwachs habe. Sie ſchreiben dem Kompoſt, über die vegetirenden Saaten geſtreut, eine magiſche Wirkung zu, und verſichern, daß wenn ihr Weihen im Frhjahre auch vollig ausge⸗ wintert ſcheine, oder die Gerſte nicht fort wolle und kraͤnkle, es ſey daß ſie vom Froſte, von Duͤrre oder von Räſſe gelitten habe, die Ueberſtreuung mit Kompoſt ſo⸗ gleich helfe, ſogleich ein neues Hervorgruͤnen bewirke, und alles wieder herſtelle. Dieſe große Wirkung N auf eine unzubezweifelnde Weiſe von allen Engländern be⸗ ſtätigt. Es giebt alſo eine große Aushuͤlfe und Sicherheit, wenn man in einer Wirth⸗ ſchaft erſt ſo weit gediehen iſt, daß man ſich einen ſolchen wirkſamen Duͤngervorrath auf kuͤnftige Jahre bereiten kann, ehn in dem gegenwaͤrtigen damit zu kurz zu Fommen. Man findet in verſchiedenen Schriſten eine unſaͤhlige ng von Rezepten zu ſolchem Kompoſt, worin die Quamtität jedes Materials nach Maaß oder Gewicht apothekermäßig vorgeſchrieben iſt. Dies iſt leere Pedanterie! Das allge⸗ meine Rezept iſt: Nimm Alles, was du von vegetabiliſchen, anima⸗ liſchen und angemeſſenen mineraliſchen Subſtanzen erhalten kannſt, miſche es durcheinander, ſetze etwas ätzenden Kalk zu, und Erde ſo viel, als zur Auffangung der ſich entwickelnden Stoffe nothig iſt, laß es in Gaͤhrung kommen, und ſtich es dar⸗ nach öfter um, bis es ſich zu einer gleichartigen Maſſe verei⸗ nigt hat. F. 33. Man bedient ſich insbeſonderr, wenn das Stroh mengelt, mancher andern ve⸗ getabiliſchen Einſtrenungsmittel, theils um die Erkremente des Viehes aufzufangen, und Die Miſtduͤngung. 209 und demſelben ein trocknes Lager zu geben, theils um die Maſſe des Dungers zu ver⸗ mehren, indem namlich die dazu gebrauchten Vegetabilien durch die thieriſchen Aus⸗ wuͤrfe ſchneller zur Faͤnlniß fortgeriſſen werden, und in fruchtbaren Moder uͤbergehen, wie ohne dieſe Vermengung geſchehen ſeyn wuͤrde. Die Zweckmaͤßigkeit und die Auswahl dieſer Einſtreuungsmittel hangt alſo davon ab, wie ſie dieſe Abſichten er⸗ fulen, dem Viehe ein gutes Lager geben, und ſchneller oder langſamer zerſett werden. Das gewoͤhnlichſte iſt das Baumlaub. Die Nadeln der Kiehnen und Tannen, welche ſich in den Holzungen betraͤchtlich anhaͤufen, und mehrentheils mit Moos durchwachſen ſind, kommen am haͤufigſten in Gebrauch, weil in denen Gegen⸗ den, die Strohmangel haben, ſich nur dieſes Holz zu finden pflegt. Sie gehen mit den thieriſchen Epkrementen vermiſcht und wohl zuſammengehalten ungleich ſchneller in Verweſung, wie fuͤr ſich allein, uber. Jedoch muß ſolcher Miſt immer laͤnger, wie der mit bloßem Stroh verſetzte, liegen. Iſt dieſes geſchehen ſo ſcheint ein ſol⸗ cher Miſt dem ſtrohigen in der Wirkſamkeit durchaus nicht nachzuſtehen, vielmehr Vorzuge vor letzterem zu haben, indem dieſe Nadeln ungleich mehr kraͤftige Nahrungs⸗ theile, wie das Stroh, beſitzen. Das Laub der Eichen iſt ſchwer zerſetzbar, und enthalt einen adſtringiren⸗ den Stoff, welcher der Vegetation vor der voͤlligen Zerſetzung nicht guͤnſtig iſt. Da⸗ ber muß dieſer Miſt ſehr lange liegen, wenn man eine wohlthätige Wirkung von ihm haben will. Bringt man ihn vor der Zerſetzung in den Boden, ſo erhalten ſich dieſe Blaͤtter ſehr lange, ehe ſie in Verweſung uͤbergehen, und koͤnnen dann, insbeſondere auf loſem Boden, mehr nachtheilig als vortheilhaft wirken. Das Laub der Buchen, Nußbäume, Kaſtanien ſcheint zwar im friſchen Zuſtande der Vegetation noch nachtheiliger, wie das der Eichen zu ſeyn, weil unter dieſen Baͤumen wenige Gräſer aufkommen. Im Miſte aber verliert es dieſe nach⸗ theilige Eigenſchaft bald, und zerſeßt ſich ungleich ſchneller, ſo daß ich und andere eine weit beſſere Wirkung von dieſem Laubmiſte als von dem aus Eichenblättern ver⸗ ſpuͤrt haben. Das Laub anderer Baͤume, der Elſen, Weiden, Pappeln ſcheint ebenfalls leicht verweslich, hat aber wenige Conſiſtenz, und beträgt als Einſtreuungmittel nicht viel. Zweiter Theil, Dd Haidekraut. Die Riſtduͤngung. Es giebt manche Gegenden und Wirthſchaften, welche auf dieſen Waldduͤn⸗ ger oder dieſes Streulingrechen ihren Duͤngerſtand vorzuglich begruͤnden, in⸗ dem ſie ihr ſaämmtliches Stroh zur Erhaltung ihres Viehes im Winter verfuttern. Bei ihrer jetzigen Verfaſſung wäre es in der That unmoͤglich, daß ſie ohne ſelbiges beſtehen koͤnnten. Es iſt aber anerkannt, daß dieſes Huͤlfsmittel nicht anders als auf Koſten der Forſtkultur herbeigeſchafft werden koͤnne, und daß der Nachtheil, welcher dieſer dadurch geſchieht, den Vortheil uͤberwiege, welchen der kuͤmmerliche Ackerbau davon hat. Die Befugniß zu dieſen Streulingrechen iſt daher zu einem hoͤchſt läſti⸗ gen Servitut fuͤr die Forſteigenthuͤmer geworden, deſſen Abfindung aber bei der ein⸗ geſuͤhrten Wirthſchaftsart große Schwierigkeiten hat. Der Eigesthuͤmer einer Forſt kann ſich zwar dieſes Streulingsrechens zuweilen mit Vortheil fuͤr ſein Gut im Gan⸗ zen bedienen, wenn er mit Vorſicht und Maͤßigung dabei verfaͤhrt. Dieſes thun die Berechtigten aber nicht. §. 34. Naͤchſtdem kommt in den Haidgegenden das Haidekraut als Einſtreuungs⸗ mittel am häufigſten vor. Es wird entweder abgemaͤhet, oder es wird die Haidnarbe ſelbſt mit einer eigens dazu eingerichteten Hacke duͤnn abgeſchaͤlt und angefahren. Dieſes Haidekraut verweſet allerdings ſchwer, wird jedoch in Jahresfriſt im Miſte ſo muͤrbe, und ſeiner adſtringirenden Eigenſchaft ſo beraubt, daß es im Acker dann bald zergeht. In einem Theile des Luͤneburgiſchen, des Bremiſchen und des Pommer⸗ ſchen halten manche dieſes Haidekraut fuͤr ein ſo unentbehrliches Beduͤrfniß des Acker⸗ baues, daß ſie ſich der Urbarmachung der Haide, deren Moͤglichkeit ſie ſonſt anerken⸗ nen, nur aus dem Grunde widerſetzen, weil man ohne Haidekraut keinen Duͤnger machen koͤnne; welches in der That bei der jetzigen Verfaſſung ihrer Wirthſchaft auch richtig iſt. Mittelſt einer weiten Haide⸗Hiebsberechtigung und angeſtrengten Aus⸗ uͤbung derſelben ſind manche im Stande, ihren an ſich ſchlechten Acker in auffallender Fruchtbarkelt zu erhalten. Da das Haidekraut aber langſam wieder wäͤchſt, zumahl wenn die Narbe mit weggehackt worden, ſo ſind vielleicht 100 Morgen Haidland nicht zureichend, 1 Morgen Ackerland in Kraft zu erhalten, und es findet daher dieſe Operation nur da nachhallig ſtatt, wo einzelne kleine Ackerhoͤfe mit großen Haidrevie⸗ ren umgeben liegen. Muß das Haidekraut in groͤßerer Entfernung gehauen und an⸗ gefahren werden, ſo erfordert es großen Aufwand an Arbeit, ſo daß Menſchen und Die Miſtduͤngung. 211 Geſpann den groͤßten Theil des Jahres nur damit beſchaͤftige ſind. Eas iſt gewiß meh⸗ rentheils ſchwieriger das zur Duͤngung eines Morgens noͤthige Haidekraut herbeizu⸗ ſchaffen, als dieſen Morgen mit Mergel oder Moder zu befahren. Dennoch ſcheuet dort Niemand jene Arbeit und erſchrickt für dieſe. So groß iſt die Macht der Ge⸗ wohnheit. Wenn dieſer Haidduͤnger mit wenigen thieriſchen Exkrementen vermiſcht(denn außer daß man dem Viehe das Haidekraut unterſtrent, wird nun dieſer Haidmiſt noch mit andern Haidplaggen in Mieten auf dem Acker aufgeſetzt, und bleibt darin, bis er muͤrbe geworden, ſtehen) wohl zergangen und dick aufgebracht wird, ſo bringt er oft ſehr anſehnliche Ernten von Rocken und insbe ſondere von Haidekorn hervor. Da ſehr wenig Unkraut aufkommt, ſo bedarf der Acker keiner Brache, und trägt ſechs bis ſieben Ernten ab, die ſteilich immer ſchlechter werden. Wer nicht weiß mit welchen Schwierigkeiten dieſe Duͤngergewinnung verbunden iſt, der iſt leicht geneigt dieſe Operation für etwas empfehlungswuͤrdiges zu halten, und dieſen Gegenden ihre Haid⸗ reviere zu beneiden. Unter andern ward der beruͤhmte de Luc auf ſeiner Reiſe durch dieſe Gegenden dadurch veranlaßt, ſich gegen die vorſeyende Gemeinheitstheilung zu deklariren. Es giebt allerdings Faͤlle, wo der berechnende Landwirth ſich dieſer Aushuͤlfe be⸗ dienen und insbeſondere in die Schaſſtälle Haidekraut einfahren laſſen kann, indem es durch dem Schafmiſt vorzüglich zerſetzt wird. §. 35. Mancherlei andere vegetabüſche Einſtreuungst ittel: Schilf, Binſen, Waſſer⸗Verſchiedene pflanzen, Pfriemenkraut, Moos, Farrenkraut u. ſ. w., koͤnnen behufs der Ein⸗ ſtreuung zuweilen gewonnen und mit Vortheil gebraucht werden. Einige, beſonders Sin taug das Farrenfraut, ſo wie jedes Kraut, was bei der Einaͤſcherung viel Kali giebt, ge⸗ lich. ben einen vorzuglich fruchtbaren Moder. Sie vermodern um ſo ſchneller, je ſaftiger ſie noch ſind, wenn man ſie in den Miſt bringt. Dann erreicht man aber den Zweck nicht ſo gut, dem Viehe dadurch ein trocknes Lager zu geben. Einmal völlig ausge⸗ trocknet, zergehen ſolche Pflanzen ſchwer, und man muß den Miſt lange aufbewahren. Nur wenn das Rohr eine lange Zeit auf Dachern gelegen; und durch die Luft müͤrbe geworden iſt, zergeht es ſchnell, und ſcheint einen beſonders fruchtbaren Duͤnger zu erzeugen. Dd2 Erde als Ein⸗ ſtreuungsmit⸗ tei, 212 Die Miſtduͤngung. Den Scheurenabfall darf man nur mit großer Vorſicht in den Miſt bringen, wenn man ſich des Unkrauts im Acker entledigen will. Die darin befindlichen Sa⸗ men werden ſelbſt durch die faulende Gaͤhrung nicht ſaͤmmtlich zerſtoͤret. Man ver⸗ wendet ihn am ſicherſten zum Wieſenduͤnger. §. 36. Man findet zuweilen in feuchten Sinken eine mooſige mit allerlei Waſſerpflanzen durchwachſene Subſtanz, woraus man wohl Streichtorf bereitet. Dieſer kann man ſich, wenn ſie abgetrocknet iſt, als Einſtreuung mit großem Vortheil bedienen, in⸗ dem ſie mit dem Miſte ſchnell vermodert, die Feuchtigkeiten ſtark anzieht, und dann einen vorzuͤglich wirkſamen Duͤnger abgiebt. Es verſteht ſich, wenn es an Ein⸗ ſtreuung mangeln ſollte, denn ſonſt kann ſie mit minderer Arbeit direkte auf den Acker gefahren und daſelbſt mit Strohmiſt durchſetzt werden, wo ſie ſchnell und genugſam vermodert. 2 Auch des wirklichen Torfs loſer Art bedient man ſich zu Zeiten als Einſtreuungs⸗ mittel, beſonders in den Schafſtällen. Auf ſeine duͤngende Eigenſchaft uͤberhaupt werden wir noch zuruͤckkommen. Verſchiedene haben angerathen, ſich der Erde als Einſtreuungsmittel zu bedie⸗ nen. Abgeſtochene Grasſoden von unbrauchbaren Plaͤtzen koͤnnen durch ihre Ver⸗ moderung einen trefflichen Duͤnger geben, und dieſer wird freilich durch das Einbrin⸗ gen in die Staͤlle, wo ſie die Miſtjauche einſaugen, ſehr verbeſſert. Bloße Erde kann aber nicht zu wahrem Duͤnger werden, ſondern nur den Miſt und einen Theil der Jauche aufnehmen. Es wuͤrde aber ſehr ſchwer halten dem Viehe dadurch ein trocknes Lager zu geben, und eine gewaltige An⸗ und Abfuhr, auch Ein⸗ und Aus⸗ bringungsarbeit verurſachen. Ich erinnere mich nicht die Ausfuͤhrung dieſes Vor⸗ ſchlages irgendwo geſehen zu haben; auch iſt mir kein anderes Beiſpiel dieſer Praris bekannt, als an der Seeküſte von Norfolk und Suffolk, wo ſie den von der See ausgeworfenen groͤßtentheils aus zertruͤmmerten Muſcheln und Kalk beſtehenden Sand trocken anfahren und in die Ställe bringen. Indeſſen geſchieht auch dies nur in Staͤdten. Der daraus entſtehende Duͤnger ſoll ſehr wirkſam ſeyn⸗ Etwas anderes iſt es, wenn Erde, insbeſondere mergligte auf den Hof angefah⸗ ren und in Hauſen gebracht wird, um ſie mit Jauche zu beſchwängern. Den Hauſen giebt man in der Mitte eine keſſelfoͤrmige Vertiefung, in welche die Jauche gegoſſen Die Miſtduͤngung. 213 wird, und dann befoͤrdert man ihr Durchdringen, indem man Loͤcher mit eiſernen Stangen von der keſſelformigen Vertiefung ab in den Haufen hineinbohrt. Iſt der Hauſen genugſam durchdrungen, ſo wird er auf den Acker gefahren. Auch hat man die ganze Miſtſtelle mit einem Wall von ſolcher Erde als Befriedigung ungeben, auf dem Ruͤcken dieſes Walles einen kleinen Kanal gezogen, in welchen die uberfluͤſſige Jauche gegoſſen wird. Nachdem dieſer Lehmwall ſo einige Jahre geſtanden und ohne Zweifel auch außerlich die Ausduͤnſtungen des Viehhofes an ſich gezogen, hat man die Erde mit beſonders großer Wirkung auf dem Acker gefahren. Wie bedeutend aber die Arbeit dieſer An⸗ und Abfuhr ſey, muß ſich ein jeder nach der Lokalitat be⸗ rechnen, bevor er ſich zu einer ſolchen an ſich nutzlichen Operation entſchließt. So gewoͤhnlich und zweckmaͤßig das Auffangen der thieriſchen Erkremente mi Stroh oder andern Einſtreuungsmitteln zu ſeyn ſcheint, ſo iſt es doch keinesweges Gule. allgemein. Man hält naͤmlich das Vieh— und zwar in ſolchen Gegenden und Wirthſchaften, wo man auf eine hohe Viehnutung ſeine Hauptabſicht richtet— in den Ställen, manchmal im Winter allein, aber auch zuweilen bei der Sommer Stall⸗ fuͤtterung ohne alle Einſtreuung. Die Einrichtung dazu iſt verſchieden; mehrentheils ſteht das Vieh auf ausgediehlten Ständen, die nach hinten zu ein wenig abhängig ſind. Hinter dieſen Staͤnden geht ein ausgemauerter oder mit Bohlen ausgeſetzter Kanal her, in welchen alle Exkremente, die das Vieh fallen läßt, ſogleich mit einem Beſen gefegt werden. Häufig hat man auch Waſſerleitungen oder Plumpen in den Ställen, um ſogleich nachſpuͤhlen zu koͤnnen. Damit ſich das Vieh auf keine Weiſe verunreinige, ſind ſeine Schwanze mit einem Bindfaden, der uber eine uͤber dem Stande angebrachte Triele laͤuft, und auf der andern Seite ein kleines Gewicht hat, aufge⸗ wunden. Oder aber damit das Vieh um ſo trockner liege, ſind durchloͤcherte Diehlen uber einen ausgemauerten Behälter gelegt, worauf dar Vieh ſteht, in welchem ſich die flüſſige Jauche ſammelt, und aus welchen ſie durch Kanäle in die Jauchenreſer⸗ voirs abgeleitet wird+. Der conſiſtente Miſt wird dann ebenfalls hinter das Vieh an die Wand gefegt, und der Stand jedesmahl mit Waſſer voͤllig gereinigt, ſo daß der Boden rein, wie in einem Putzzimmer iſt. Daß dieſe Einrichtung zum Wohlbeſinden des Viehes, welches dann dabei uͤberdem gebuͤrſtet und geſtriegelt wird, ſo wie zur Reinlichkeit des Molkenweſens beitrage, hat keinen Zweifel. t Streuloſer 214 Die Miſtduͤngung. Eine andere Einrichtung iſt einfacher, aber fuͤr das Vieh minder behaglich. Hier ſind die Staͤnde ſo kurz, daß das Vieh die Hinterbeine faſt widenaturl ch an⸗ ziehen muß, wenn es in gerader Richtung gegen den Futtergang ſtehen ſoll. Hin⸗ ter den Staͤnden iſt eine Vertiefung, die 1] bis 2 Fuß niedriger iſt, wie der Stand. In dieſe Vertiefung fallen dannn, wenn es anders gerade ſteht, der Miſt, und bei den weiblichen Thieren auch der Urin. Das Vieh muß aber dabei ſo gedraͤngt ſtehen, daß es beim Stehen und Liegen keine ſchräge Richtung annehmen kann, was es ſonſt gewiß thun wird. Auch muß das Vieh ſehr daran gewohnt ſeyn; ſonſt gleitet es mit den Hinterbeinen von der betraͤchtlichen Hohe in die Vertiefung herab, fallt und be⸗ ſchaͤdigt ſich an den Schienbeinen und Knien. Bei allen dieſen Einrichtungen wird nun der Miſt verſchieden behandelt. Man bringt entweder den conſiſtenten Miſt aus dem Stalle heraus, und ſchlagt ihn mit Stroh vermiſcht regulaͤr in Haufen zuſammen, und zwar ſo, daß der eigentliche Miſt groͤßtentheils nach innen kommt, und das Stroh ihn außerlich bedeckt. Dieſe Hau⸗ fen werden dann zuweilen mit der Jauche angefeuchtet.„ Oder aber man bringt auch etwas Stroh in den Stall, legt es zuweilen dem Viehe unter, plumpet zu der im Kanal befindlichen Materie noch Waſſer hinzu, zie⸗ het das Stroh mittelſt einer Forke durch dieſe fluͤſſge Maſſe einige Male durch, und bringt es dann außer dem Stalle in Haufen. Zu dem uͤbrigen plumpt man noch mehr Waſſer ·hinzu, ruͤhrt es dämit um, und laͤßt es dann durch geoͤfnete Kanäle in das Jauchenreſervoir abfließen. Auf dieſe Weiſe hält man den feſten und mit Stroh ge⸗ mengten Miſt von dem fluſſigen oder der ſogenannten Guͤlle ganz abgeſondert, und bedient ſich des einen oder des andern nach den Umſtaͤnden. Der Guͤllenbehaͤlter ſind mehrere, und die Einrichtung der Kanäle iſ ſo gemacht, daß man bald den einen bald den andern anfuͤllen kann. Es muß nämlich die Guͤlle, um am vortheilhafteſten gebraucht zu werden, erſt einen gewiſſen Gaͤhrungs⸗ oder Fäulungsgtad uberſtanden haben, bis wohin man den Zutritt der friſchen Luft von ihr abhaͤlt, und ſie nur zuweilen einmal umrührt. Auf das richtige Treffen dieſes Grades kommt, wie man verſichert, viel an. Die in ihren gerechten Zuſtand gekom⸗ menen Behaͤlter werden nach einander ausgefahren, und dann wieder friſch angefullt. Die Lobeserhebungen, welche man von dieſer Methode in Hinſicht der Wirk⸗ ſamkeit des Duͤngers macht, ſind ſehr groß, ſcheinen aber doch ubertrieben. Man — Die Miſtduͤngung. 215 ſagt, daß man mietelſt des Strohes dieſelbe Maſſe von Duͤnger gewoͤnne, die man bei der gewoͤhnlichen Einſtreuung gewinnen wuͤrde, und daß ſelbſt dieſer Duͤnger durch das ſorgfaͤltige Zuſammenſchlagen in einen fruchtbringendern Zuſtand verſetzt wuͤrde. Ueberdem aber ſey die fluͤſſige Guͤlle ihrem Effekte nach eben ſo viel, nach andern das Doppelte werth, wie der ſtrohige Miſt; ſo daß man durch dieſe Methode das Doppelte oder gar das drifache gegen die gewoͤhnliche an Dungkraft erhalte. Hie⸗ rin ſcheint ein ſo großer Widerſpruch zu liegen, daß man der Behauptung ohne uͤber⸗ zeugende comparativ angeſtellte Verſuche unmoͤglich Glauben beimeſſen kann. In⸗ deſſen leugne ich nicht die Moͤglichkeit, daß man doch mehr an Dungkraft dadurch ge⸗ winnen koͤnne, indem nämlich bei dieſer Behandlung fruchtbringendere Zerſetzungen und neue Verbindungen der Urſtoffe vor ſich gehen koͤnnen, als bei der gewöhnlichen. Es laͤßt ſich vielleicht annehmen, daß bei der Gährung und Fäulniß der Jauche, ſo wie uͤberhaupt des Miſtes, eine Zerſetung des Waſſers vor ſich gehe, und ſomit eigene Subſtanzen erzeugt werden, die wir noch nicht genugſam kennen. Daß der flſſige Duͤnger zuweilen auffallend viel bewirke, insbeſondere auf ſandigem Boden, und daß er insbeſondere die zu große Lockerheit, welche dieſer durch viele Bearbeitung und Strohduͤngung erhalten hat, ſehr verbeſſere, haben unbezweifelte Erfahrungen im Großen gelehrt. In die Guͤllenbehälter bringt man noch allerlei vegetabiliſche und animaliſche Abfaͤlle, insbeſondere geſammelten menſchlichen Urin. Wenn ich alſo der Methode an ſich nicht allen Vortheil abſprechen will, ſo fraͤgt ſichs dennoch, ob er der Arbeit und Sorgfalt werth ſey, welche ſie erfordert, wenn man naͤmlich unſere gewoͤhnliche Methode, bei welcher aber alles auch auf das ſorg⸗ faltigſte eingerichtet ſeyn muß, dagegen haͤlt. Sobald naͤmlich bei unſerer Methode der zuſammengehaltene Miſt mehrere Feuchtigkeit hat, als er in ſich aufnehmen kann, muß dieſe Jauche eben ſowohl aufgefangen und benutzt werden. Wo man ſie abflie⸗ ßen läßt— was freilich wegen des Mangels einer guten Einrichtung des Miſthofes noch baͤufig geſchieht— da wird eine wirkſame Dungkraft verſchwendet, insbeſondere bei einer ſaftigen Futterungsart. Fuͤr dieſe die Miſtſtelle durchziehende und wieder abfließende Jauche ſind Behaͤlter immer hoͤchſt noͤthig. 5. ₰8. Behandlung Die Behandlung und Ausfuͤhrung des fluͤſſigen Duͤngers iſt ſonſt auf keine Weiſe ſo weitlänftig und beſchwerlich, wie ſie manche ſich vorſtellen. Die Jauche wird der Juche Die Pferch⸗ duͤngung. 216 Die Niſtdungung. aus den ausgemauerten und mit Zement ausgeſeßten Behaͤltern mittelſt einer Plumpe oder eines Ziehbrunnens herausgebracht, und entweder in großen Tonnen oder eigends dazu beſtimmten Kaſten, die auf Karren ſtehen, ausgefahren. Dieſe haben hinten ein Zapfloch, vor welches ein Brett oder Kaſten in der Breite des Karren befeſtigt iſt, auf oder in welchem ſich die Jauche ergießt, und ſich ſo beim Fahren verbreitet. Je nachdem man ſtaͤrker oder ſchwaͤcher damit duͤngen will, wird langſe amer oder ſchnel⸗ ler gefahren. Man gebraucht dieſe Jauche hauptſaͤchlich zu ſolchen Fruͤchten, die eine ſtarke, ſchnellwirkende Dungkraft ertragen, z. B. zur Rapsſaat. Andere benußzen ſie fuͤr den Klee oder andere Futterfelder und auf Wieſen. Dem Getreide koͤnnke ſie leicht, wenn ſie anders nicht ſehr waͤſſrig und ſchwach iſt, eine zu große Geilheit zuziehen. Den groͤßten Vortheil thut ſie dem ſandigen Boden, welchen ſie feſter und feuchthal⸗ tender macht. Auf Mittelboden wechſelt man gern mit dieſer und der ſtrohigen Duͤn⸗ gung ab. Dem ſehr gebundenen Boden kann ſie aber die Strohduͤngung nicht er⸗ ſetzen. Die aufbewahrte Jauche findet uͤberdem eine ſehr nuͤtzliche Anwendung, wenn der conſiſtente ſtrohige Miſt zu duͤrre geworden iſt, und die Gaͤhrung deshalb nicht vor ſich gehen will. In dieſem Falle iſt ſie gewiß nicht vortheilhaſter zu benuhzen, ls wenn man ſie uͤber den Miſthaufen verbreitet. §. 39. Endlich kommt noch in Anſehung der Duͤngung mit thieriſchen Exkrementen der Pferch oder Hordenſchlag in Betracht. Das Vieh wird durch eine bewegliche, aus Latten oder Strauchwerk verfertigten Umzäunung des Nachts in einem engen Raume eingeſchloſſen, und ſomit werden auf demſelben ihre Auswuͤrfe, ſelbſt ihre Ausdun⸗ ſtung konzentrirt. Damit ſich dieſe dem Boden um ſo beſſer mittheilen, pflegt man dieſen Platz kurz vorher umzupfluͤgen. In der Regel wird dieſe Methode nur mit den Schafen betrieben. Inrſſ en hat man doch auch mit andern Thieren etwas Aehnliches bewerkſtelligt. Man hat z. B. Maſtrindvieh in der Nähe der Fettweiden oder Futterſchlaͤge des Nachts in eine feſt⸗ ſtehende Umzaͤunung gebracht, die mit Stroh ausgelegt war, um ſomit den naͤcht⸗ lichen Miſt, der auf die Fettweide nur nachtheilig fiel, aufzufangen. Auch hat man ſogar einen Huͤrdenſchlag fuͤr die Gaͤnſe gemacht, und will davon einen erheblichen Nutzen * Die Miſtduͤngung. 217 Nutzen verſpurt haben. Dies ſind indeſſen noch ſeltene Beiſpiele, und die gewoͤhn⸗ liche Pferchung geſchieht nur mit Schafen. Ueber die Vortheile und Nachtheile dieſer Pferchung ſind die Meinungen no immer ſehr getheilt. Daß dieſe naͤchtliche enge Einſperrung der Geſundheit der Schafe und dann auch der Qualitat der Wolle einigermaßen nachtheilig ſey, iſt wohl entſchieden. Nur die haͤrteren Schafarten konnen ſie ertragen, und in England hat man manche lang⸗ und feinwollige Schafarten, denen ſie in kurzer Zeit toͤdtlich wird, ungeachtet dieſelben Schafe bei freier Bewegung ſonſt Winter und Sommer draußen bleiben. Denn es iſt ein großer Unterſchied, ob die Thiere durch freie Bewegung dem Eindruck, wel⸗ chen ſchlechte Witterung auf ſie macht, widerſtehen koͤnnen, oder ſo eingeſperrt ſie leidend ertragen muͤſſen Wenn gleich nun unſere Landſchafe und ſelbſt die edlen ſpa⸗ niſchen es auszuhaiten vermögen, ohne davon umzukommen, ſo muß man doch zu⸗ geſtehen, daß ſie ſich beſſer befinden, wenn ſie des Nachts entweder frei herumlanfen oder unter Dach kommen; und am meiſten iſt dieſes bei den Laͤmmern bemerklich. Aber auch, ohne Hinſicht auf die Thiere, verliert man gewiß an Duͤnger nicht, ſondern gewinnt vielmehr, wenn man die Schafe des Nachts in einen geſtreuten Stall bringt, und ſomit ſtrohigen Duͤnger macht, der zwar keine ſo ſchnelle Wirkung wie der Pferch aͤußert, aber ungleich nachhaltiger iſt. Dagegen aber hat dieſe Düngungsart den großen Vortheil, daß ſie die Arbeit und Fuhren des Miſtes erſpart, und dieſer Vortheil iſt um ſo groͤßer, je entlegener die Felder und je beſchwerlicher die Wege dahin ſind; weshalb man ſie vor allen auf bergigen Aeckern anwendet. Auch wird man alsdann dazu gezwungen, wenn man kein Stroh und anderes Streuungsſurrogat uͤbrig hat. Es iſt alſo die Lokalität, welche hier, wie in den meiſten Fällen, entſcheidet. Die Englander ſind zum Theil noch in anderer Hinſicht gegen den Hürdenſchlag. Sie behaupten naͤmlich und fuhren unzubezweifelnde Erfahrungen dafüͤr an: daß eine Schaſweide ſich verſchlechtere, wenn man ihr den nächtlichen Duͤnger nehme, und ſich dagegen augenſcheinlich verbeſſere, wenn man ihr ſolchen laſſe. Im erſtern Falle könne ſie in den ſolgenden Jahren immer weniger Schafe ernahren; im zwei⸗ ten dagegen immer mehrere, und verbeſſere ſich ſomit progreſſiv. Hoͤchſt auffallend ſey ferner der Unterſchied in der Fruchtbarkeit einer aufgebrochenen Schafkoppel, wenn Zweiter Theil. Ee 218 Die Niſtduͤngung. man ihr waͤhrend der Weidejahre den naͤchtlichen Duͤnger gelaſſen oder entzogen habe. Man hat hiergegen geſagt, daß die Schafe, wenn ſie einen freien großen Weideraum Verfahren bei der Pfer⸗ chung. haͤtten, ſich des Nachts dennoch zuſammendraͤngen, und ihren naͤchtlichen Duͤnger nicht vertheilen, ſondern auf einen Fleck fallen laſſen wuͤrden, wo er durch ſeine Ueber⸗ haͤufung die Weide nur verderben moͤchte; ja daß ſie ſogar alle Nächte denſelben Platz waͤhlen wuͤrden. Ich habe dieſe Bemerkung aber ſelbſt bei denen Englaͤndern, die den Huͤrdenſchlag vertheidigen, nicht gefunden. Es ſcheint mir alſo, als ob die⸗ jenigen Schafe, welche in umzaunten Weidekoppeln frei herumgehen, und nicht durch Hirten und Hund immer zuſammengehalten werden, dieſe Gewohnheit nicht an⸗ nehmen lan . 40 Bei der Schaſpferchung iſt folgendes zu bemerken. Man macht den Huͤrden⸗ ſchlag nie groͤßer als nothwendig erforderlich iſt, weil bei einem groͤßeren Spielraume der Thiere der Duͤnger nicht gleichmäßig vertheilt werden wuͤrde, indem ſie ſich näm⸗ lich dennoch zuſammendraͤngen moͤchten. Man giebt daher in der Regel dem Schafe nur 10 bis 12 Quadratfuß Raum darin, damit es gerade ſeinen Platz in der Zeit, wo es darauf ſteht, bedungen koͤnne· Die einzelnen Hordenſtuͤcke, woraus die Umzaͤunung zuſammengeſetzt wird, ſind ro bis 12 Fuß, ſelten 14 Fuß lang, damit ſie der Schäfer unter dem Arme tragen und fortſchlagen koͤnne. Je groͤßer die Anzahl von Schafen iſt, um deſto mehrere können von derſelben Umfaſſungslänge oder Hordenzahl eingeſchloſſen werden. Wenn wir die Horden zu 10 Fuß lang annehmen, und jedes Schaf 10 Quadratfuß Raum haben ſoll, ſo ſind fuͤr 200 Schaſe 18 Stuͤck, für 300 Schafe nur 20 Stuͤck er⸗ forderlich, wenn ſie in Quadrat geſetzt werden. Ueberdem bedarf eine geringere wie eine groͤßere Anzahl von Schafen nur eines Hirten und einer Schaͤferkarre, und die⸗ Muͤhe und Koſten des Huͤrdenſchlages kommen alſo auf den Kopf um ſo geringer, je größer die Heerde iſt und umgekehrt. Deshalb bält man es auch im allgemeinen nicht fur vortheilhaft, einen Huͤrdenſchlag mit weniger als 300 Stuͤcken zu halten. Die Stärke der Duͤngung, welche man durch den Hirdenſchlag giebt und geben will, iſt verſchieden. Man ſucht ſie durch einen weitern oder engern Raum, worin man die Thiere zuſammenhaͤlt, und durch die Zeit, in welcher man ſie auf demſelben Platze ſtehen läßt, zu beſtimmen Dies iſt aber in der That nicht zureichend, indem „— Die Miſtduͤngung⸗ 213 nãmlich die Auswuͤrfe von der Nahrung abhaͤngen, welche die Schafe auf der Weide genießen. Bei riner reichen Weide kann dieſelbe Anzahl von Schafen ihren Platz in einer Nacht eben ſo ſtark beduͤngen, wie bei einer kuͤmmerlichen Weide in zwei Naͤchten. Genauer läßt ſich hierüber aber noch nichts angeben. Nur der Augen⸗ ſchein beſtůrigt einem jeden die Richtigkeit dieſer ſchon a priori einleuchtenden Thatſache. Man unterſcheidet ſonſt einen ganzen, halben und ſtarken Hordenſchlag. Wenn man eine mittelmäßige Weide vorausſetzt, ſo nennt man es einen ganzen Horden⸗ ſchlag, wenn man mit 600 Schafen in 3 Näͤchten 1 Morgen beduͤngt, oder was einerlei iſt, wenn 1800 Schafe in einer Nacht 1 Morgen beduͤngen. Einen halben oder ſchwachen Hordenſchlag nennt man es, wenn 1200 Schafe auf 1 Morgen kommen; einen ſtarken Hordenſchlag aber, wenn 2400 dazu gebraucht werden. Bei gleicher Weide macht aber ferner die Laͤnge der Nächte einen Unterſchied. In den kurzen Naͤchten bleiben ſie etwa nur 8 Stunden, in den langen Naͤchten 12 und mehrere Stunden darauf ſtehen. Hierzu kommt, daß in den gewöhnlichen Schaf⸗ wirthſchaften die Thiere mehrentheils die knappſte Weide haben, wenn die Naͤchte am kuͤrzeſten ſind, und dagegen eine weit beſſere, wenn ſie im Fruͤhjahre die Wieſen und die Brache vor ihrem Umbruche, nach der Ernte aber die Stoppel zu beweiden ha⸗ ben. Um hierin eine Gleichheit zu erhalten, ſchlägt man zuweilen die Horden in den langeren Nächten um, ſo daß zwei Flecke in einer Nacht damit belegt werden. Wo die Schaͤfer aber hieran nicht gewohnt ſind, muß man es durch Verengerung des Raums in den kurzen Rächten zu zwingen ſuchen. Es werden alſo nach Verhaͤltniß der Kuͤrze der Nächte entweder weniger Hordenſtuͤcke genommen, oder ſie werden auf verſchiedene Weiſe geſetzt. Im Quadrat umfaßt namlich eine gleiche Zahl einen groͤ⸗ ßern, im Oblongum einen geringern Raum. 20 zwoͤlffuͤßige Horden umſchließen im Quadrat 25 Quadratruthen; werden ſie aber ſo geſetzt, daß auf jeder Seite ð in die Laͤnge und 2 in die Breite kommen, ſo umfaſſen ſie nur einen Raum von 16 Qua⸗ dratruthen. um das Verhältniß dieſes Raums zu der Laͤnge der Naͤchte durch eine verſchiedene Setzung der Horden zu beſtimmen, hatte der altere Graf von Pode⸗ wils eine Tabelle angefertigt, welche ſich in deſſen Nachrichten fur die Guſowſche Wrrthſchaft in den Annalen des Ackerbaues, Bd I. S. 466, befindet, und welche die verſchiedene Starke der Dungung nach der Form, worin die Horden geſetzt wer⸗ den, ſehr klar darſtellt. Se2 Benntzung des Pferches 220 Die Miſtduͤngung. Die Schafe werden bei Sonnenuntergang in die Horden gebracht, und Mor⸗ gens nicht eher herausgelaſſen, als bis der Thau abgetrocknet iſt, weil ihnen dieſer wegen der heftigen Begierde, womit ſie freſſen, wenn ſie des Nachts gehungert und gedurſtet haben, leicht ſchaͤdlich werden ſoll. Ehe man ſie herausläßt, jagt man ſie in den Horden herum, damit ſie ſich vorher vollig ausleeren, und ihren Duͤnger nicht verſchleppen. Es wird allgemein empfohlen die Schäfer dazu anzuhalten, daß ſie dieſes thun. 5. ℳ. Der Huͤrdenſchlag iſt ein ſehr zerſetzbarer und daher ſchnell und ſtark wirkender Duͤnger. Er thut deshalb auf die erſte Frucht eine ungemein ſtarke Wirkung, auf die zweite aber nur eine geringe, und wenn er ſchwach gegeben worden iſt, gar keine. Nur der ſtarke Huͤrdenſchlag, wo naͤmlich 2400 Schafe auf 1 Morgen kommen, kann bis zur dritten Frucht nachhaltig ſeyn, insbeſondere wenn im feiſchen Dung kein Ge⸗ treide, ſondern ein anderes Gewaͤchs, gewoͤhnlich Rappſaat, gebaut wird. Ein ſo ſtarker Huͤrdenſchlag wird hierdurch nämlich nicht allein am vortheilhaſteſten benußt, ſondern man wuͤrde auch beim Getreide das Lagern beſorgen muͤſſen, welches nach der Hordenduͤngung ſehr leicht erfolgt. Gewoͤhnlich giebt man jedoch, wenn man zu einer ſolchen Frucht ſtark vdn will, den Huͤrdenſchlag nicht ſo ſtark, ſondern erſt eine Stallmiſtduͤngung, und legt, nachdem dieſe untergepfluͤgt worden, einen ſchwaͤcheren Hordenſchlag daruͤber. Das Getreide, welches auf Hordenſchlag, beſonders nach ſtarkem wächſt, hat gewiſſe uble Qualitäten, die es dem Becker, Brauer und Br unan⸗ nehmlich machen, wovon an einem andern Orte. In der Regel wird das Land, worauf man die Horden S will, kurz vorher umgepfluͤgt, und dann eilt man ſo ſehr wie moͤglich den Pferch flach unterzubringen, und mit Erde wieder zu bedecken. Dieſe ſaſt allgemein befolgte Regel iſt mir indeſſen nach den Verſuchen eines Freundes zweifelhaft geworden, der von dem laͤnger oben⸗ aufliegenden Pſerch eine ſtaͤrkere Wirkung verſpuͤrt haben wollte: eine Beobachtung, die ich aber fernern Unterſuchungen noch uͤberlaſſen muß. Gewiß iſt es, daß man manchmal einen leichten Huͤrdenſchlag uber die ſchon untergebrachte Saat mit großem Nußen gelegt hat. Von einer Behuͤrdung eines beſtellten Kartoffelfeldes habe ich ſehr große Wickung geſehen. Die Miſtdängung. 221 Auch bedient man ſich des Hürdenſchlages zuweilen zur Beduͤngung hochgelege⸗ ner Wieſen oder kuͤnſtlicher Futterfelder mit ſehr gutem Erfolge, beſonders wenn ſie zu abgelegen vom Hofe ſind, um den Duͤnger auf der Achſe hinzuſchaffen. Einige, die gegen den unmittelbaren Huͤrdenſchlag Bedenklichkeiten und Stroh zur Einſtreuung im Ueberfluß haben, dennoch aber ſehr entfernte oder an Bergen ge⸗ tegene Felder mit dem Schaſmiſte beduͤngen wollen, legen feſtſtehende Horden in der Nachbarſchaft dieſer Felder an, verſehen ſie mit hinlaͤnglicher Streu, und bringen die Schafe des Nachts, auch wohl wenn dieſe Plätze durch Bäume beſchattet find, in der heißeſten Zeit des Mittags hinein, und erhalten ſo einen reichlichern Duͤnger mit geringerer Arbeit— denn das Anfahren des Strohs iſt ſehr viel leichter— in der Rähe dieſer Felder. Man kann den Schafen in folchen feſtehenden ausgeſtreuten Horden mehreren Spielraum geben, und die Einſtreuung giebt ihnen ein geſunderes Lager, als der feuchte Erdboden. F. ½ Da jede chieriſche Subſtanz ein kräͤftiges Dungungsmittel iſt, ſo wuͤrde die. wit Fruchtbarkeit des Bodens und die Produktion ungemein gewinnen, wenn außer den gyfillen. Auswuͤrfen der Thiere auch alle abſterbende thieriſche Koͤrper und die ſonſt unzubenu⸗ tzenden Abfaͤlle des Schlachtviehes ſorgfältiger als Duͤngungsmittel gebraucht wuͤrden, und wenn man verhuͤtete, daß. davon aus dem großen Kreislaufe der Natur ver⸗ ſchleudert werde⸗ Die Meſer der ⁊hiere geben einen vorzuglich wirkſamen Duͤnger. Wenn man Aeſer⸗ ſie in Gruben oder ausgemauerten Behältern, beſonders da, wo ſie ſich bei einer Abdeckerei zuſammenhaͤufen, brächte, ſie mit ätzendem Kalk beſtreute und mit Erde bewuͤrfe, und die Maſſe, nachdem ſie ihren Geſtank verloren, was vermittelſt des Kal⸗ kes ſehr ſchnell geſchieht, durcharbeitete: ſo wurde ſchnell ein Duͤnger von gewaltiger Kraft daraus hervorgehen, und der Tod bald neues Leben und neuen Lebensgenuß hervorbringen. Wenn dagegen dieſe Aeſer an der Luft verwittern oder tief unter der Oberfläͤche verſcharrt oder ins Waſſer geworfen werden, ſo werden ſie aus jenem Zirkel herausgeſtoßen, und die Lebensmaterie vergeudet⸗ Selbſt die Knochen werden muͤrbe, wenn ſie mit ätzendem Kalk vermiſche wer⸗ ænncn den, laſſen ſich dann leicht zermalmen, und thun, ſo bereitet, eine auffallend große Wirkung. Man brennt ſie ſonſt auch zuweilen, wo ſie ſich auf Schindangern angs⸗ Fiſche. Hörner und Rlauen⸗ „ 222 Duͤngung mit thieriſchen Abfallen. haͤuft haben, zu Aſche, die freilich als Duͤngungsmittel nicht ganz unwirkſam iſt, aber doch nur aus phosphorſaurem Kalk beſteht, aus welchem der wirkſame thie⸗ riſche Leim ganz ausgetrieben iſt. §. 43. An den Seekuͤſten hat man oft Gelegenheit Fiſche als Dungungsmitel anzu⸗ wenden, und ſelbſt auch an den Muͤndungen großer Stroͤme, wie z. B. vor meh⸗ reren Jahren an der Elbe, als eine unbezwingliche Menge von Heringen ſich da⸗ ſelbſt einfand. Sie muͤſſen aber durchaus erſt mit atzenden Kalk beſtreut und dann mit Erde gemengt werden, um den vollen Rutzen davon zu erhalten. Ein ſo be⸗ reitetes Gemenge thut, wenn es uͤber die Saaten geſtreut wird, der Erfahrung nach eine ſehr große Wirkung, wogegen die unzerſetzten Fiſche auf den Acker ge⸗ ſtreut und untergepfluͤgt im erſten Jahre eine nachtheilige, in den folgenden aber eine nur geringe Wirkung gezeigt haben. Es iſt derſelbe Fall mit dem ſchlechten Heringsthran, den man aih zuweilen als Duͤnger gebraucht hat. Unzerſetzt hat man ihn, wie jedes oͤlige Weſen, der Vegetation nachtheilig gefunden. Wird er aber zuvor durch Kalk oder Alkalien zerſetzt, ſo giebt er nach vielen n Verſuchen ein ſehr kraͤftiges Duͤngungs⸗ mittel ab. . 44. Die hornartige Subſtanz der Thiere gehoͤrt unter die allerkraͤftigſten Duͤn⸗ gungsmittel, zerſetzt ſich leichter wie die Knochen und von ſelbſt. Sie beſteht groͤßtentheils aus thieriſchem Leim, und loͤſt ſich daher faſt ganz in Azot, Hydro⸗ gen, Kohlen⸗ und Sauerſtoff, Phosphor und phosphorſauren Kalk auf, die dann wahrſcheinlich in verſchiedene quantitative Verbindungen uͤbergehen, und ſehr fruchtbare Materien bilden. Man bedient ſich am meiſten der Abfaͤlle der Drechsler und Kammmacher. Die fein geraspelten Spaͤhne zerſetzen ſich am ſchnell⸗ ſten, und wirken daher am mächtigſten. Ihre Wirkung dauert dann aber auch nur ein Jahr. In dieſem Jahre kann ſie aber auch leicht fuͤr Getreidefruchte zu ſtark werden, und zu geiles, zum Lagern geneigtes Korn hervorbringen. Auch ſoll dieſes Korn wegen ihrer treibenden Fruchtbarkeit in den Halmen ſpäter zur Reife kommen und trocknen; ferner am ſtaͤrkſten mit Mehlthau befallen werden, dir Koͤrner minder mehlhaltig ſeyn, und ſich im uͤbrigen eben ſo verhalten, wie — Duͤngung mit thieriſchen Abfaͤllen. 22 die auf Schafpferch gewachſenen; vermuthlich wegen des vielen Azots, welches in beiden enthalten iſt. Man wende ſie deshalb lieber zu andern Gewaͤchſen an, die eine geile Duͤngung beſſer ertragen köͤnnen. Sind groͤbere Hornſtuͤcke darun⸗ ter, oder nimmt man zerhackte Klauen, ſo geht die Zerſetung ſpaͤter vor ſich; ſie thun ihre Wirkung minder im erſten Jahre, ſind aber nachhaltig fuͤr die folgen⸗ den. Nach den Vorſchriften der Englaͤnder bringt man§ bis 600 Pfnnd auf den Morgen, und haͤlt dies fuͤr eine ſtarke Duͤngung. Ich habe 24 Scheffel ſolcher Abfaͤlle der Hornarbeiter aufbringen laſſen, die theils aus feineren Spaͤnen, theils aus groͤberen zuruͤckgeworfenen Stuͤcken beſtanden. Je nachdem mehr oder weni⸗ ger von letzterem darunter war, wog der Scheffel 24 bis 32 Pfund. Das Quan⸗ tum nach dem Volumen zu beſtimmen, iſt hier wohl ſicherer als nach dem Gewichte⸗ Denn die feinern Spaͤne wiegen weniger, wie die groben Stuͤcke, wirken dage⸗ gen ſchneller. Die Klauen, welche die Schlaͤchter zuweilen aufbewahren, muͤſſen, um ſie auf dem Acker zu zertheilen, klein gehauen werdem, was ſehr ſchwierig iſt, wenn man ſie nicht etwa lange im Waſſer, dem etwas Kalk und Aſche zugeſetzt worden, erweicht hat. Man kann ſich ihrer aber mit großem Vortheil zur Duͤngung der Wieſen bedienen. Man ſticht naͤmlich in einer Entfernung von 1 bis 2 Fuß Loͤcher⸗ und in jedes Loch einen ſolchen ſogenannten Ochſenpantoffel, in welchem ſich das Waſſer ſammelt. Im erſten Jahre zeigt ſich nur um den Rand eines jeden Stuͤcks herum ein uͤppiger Graswuchs, im zweiten Jahre verbreitet er ſich mehr, und im dritten Jahre, wo ſich die Subſtanz voͤllig aufgeloͤſt hat, zeigt ſich die lebhafteſte Vegetation uͤber die ganze Wieſe⸗ F 45.— Aller Schlächterabfall, der in Gruben geſammelt wirdy und aus Blut, Hacrem Schlchter und andern Unreinigkeiten beſteht, iſt ebenfalls ein ſehr wirkſamer Duͤnger, der Abfal. mit Erde verſetzt in kleinerer Quantitaͤt ſchnelle und große Wirkung hervorbringt. Es iſt faſt Verſchwendung ihn wie andern Miſt aufzufahren und gleich unterzu⸗ pfluͤgen, indem man als Kompoſt weit mehr damit ausrichten kanm. So iſt auch der Abfall der Lohgerber— ich meine dem eigentlich thieriſchen, Lohadber⸗ 1 j e 25 äh— nicht die von ihnen gebrauchten Lohe— eins der aller kraͤftigſten Duͤngungsmit⸗ 68 Haare und Wolle. Altes Leder. Fettgreven⸗ Zuckererde. 224 Duͤngung mit thieriſchen Abfaͤllen. tel, welches ebenfalls mit Sparſamkeit nur als Kompoſt zur Obenaufduͤngung ge⸗ braucht werden ſollte. ⁰ Die Haare und Wolle der Thiere ſind der hornigen Subſtanz in ihren Be⸗ ſtandtheilen gleich, ſie zerſetzen ſich aber nicht ſo ſchnell, wenn ſie nicht mit etwas Kalk gemengt werden. Die wollenen Lappen und alte Huͤthe werden in England ſorgfaltig geſammelt, und als Duͤnger vortheilhaſt verkauft. Man bringt ſ. in Gruben mit etwas zwiſchen geſtreuten Kalk zuſammen, laͤßt ſie vermodern, und vermengt ſie mit Erde. Ich finde in Youngs Annalen einige Beiſpiele angefuhrt, wo man mit beſonders großer Wirkung jede Setzkartoffel in einen wollenen Lappen eingewickelt, und ſo gelegt hatte. Ein bekannter Deutſcher, immer etwas enthu⸗ fiaſtiſcher Schriftſteller gab den Rath, daß Jedermann ſeinen Huth, ſtatt ihn länger unnuͤtzer Weiſe auf dem Kopfe zu kragen, auf den Acker bringen ſolle, woraus er in der Folge eine allgemeine Fruchtbarkeit und einen Ueberfluß von Nahrungsmitteln ableitete. Gewiß iſt es, daß wenn nur alles Abgetragene zur Duͤngung gehoͤrig benutzt wuͤrde, eine betraͤchtliche Produktion darans hervor⸗ gehen koͤnnte. Schuhe und altes Leder zergehen zwar an der Luft nicht reiche, werden aber mit etwas Kalk beſtreut ebenfalls in eine fruchtbare ſchleimige Maſſe zerſetzt. Die Greven der Lichtzieher— wenn ſie nicht etwa ſchon unter die Seifen⸗ ſiederaſche komnen— geben ebenfalls eine ſehr ſchaͤtzbare Duͤngung, die aber auch nur im Kompoſt und zur Ueberſtreuung gebraucht werden muß. Endlich gehoͤrt auch der Abfall der Zuckerſiedereien oder die Zuckererde, wel⸗ che groͤßtentheils aus Blut, Schleimſtoff und Kalk beſtehet, zu den höchſt wirk⸗ ſamen thieriſchen Duͤngungsmitteln, und man hat in Wirhſchaften bei großen Städten, wo man alle dieſe Abfäͤlle haben konnte, keins in kleiner Maſſe wirk⸗ ſamer gefunden, wie dieſes. Alle dieſe Dungungsmittel haben nur die Nachbaren großer und ſebr bevoͤlkerte Gegenden voraus. Vegetabiliſche Vegetabiliſche Duͤngungsmittel, 225 Vegetabiliſche Duͤngungsmittel. * Die bloß vegetabiliſchen Duͤngungsmittel haben bei weitem nicht die Kraft und ſchnelle Wirkung der thieriſchen, ſind dagegen aber ſehr nachhaltend im Bo⸗ den. Sie ſcheinen mehr ausdauernden Humus zu erzeugen, welcher ſich minder ſchnell zerſetzt und in neue Pflanzen uͤbergeht. Das Hinzutreten der thieriſchen Subſtanzen, ſo wie der Kalk und die Alkalien, beſchleunigen ihre voͤllige Zer⸗ ſegung. Eine bloß vegetabiliſche Duͤngung von Zeit zu Zeit angebracht erhaͤlt den Acker um ſo ſicherer in Kraft, und giebt ihm verlorne Kraft nachhaltender wie⸗ der, als thieriſche Duͤngung; weswegen einem ſehr erſchoͤpften Boden durch ſoge⸗ nannte Ruhe mehr als durch Miſt geholfen wird. Wir haben ſchon derjenigen vegetabiliſchen Subſtanzen erwaͤhnt, die als Einſtreuungsmittel am nutzbarſten gebraucht werden, und in Vermengung mit den Auswuͤrfen der Thiere dann zur ſchnellen Zerſetung fortgeriſſen werden; die uͤber⸗ maͤßige Fäulniß der thieriſchen Subſtanz aber moderiren. Es kommen aber noch andere vegetabiliſche Subſtanzen in Betracht, die ohne jene Vermengung mehrentheils unmittelbar dem Acker, der ſie hervorbrachte, wieder mitgetheilt und ihm einverleibt werden. Dies geſchiehet theils zufaͤllig, theils abſichtlich. Alles Unkraut, welches auf dem Acker wächſt, und vor dem Samenanſatz wieder untergepflugt wird, vermehrt ohne Zweifel ſeine Kraft. Denn obwohl die meiſten Pflanzen des Moders im Boden beduͤrfen, um ſich auszubilden und zu wachſen, ſo nehmen ſie doch auch, wie mannichfaltige Erfahrungen und Verſuche lehren, luftfoͤrmige Stoffe und wahrſcheinlich die Urbeſtandtheile des zerſetzten Waſſers in ſich auf, und wandeln ſolche vermoͤge ihrer Lebensthaͤtigkeit in organi⸗ ſche Stoffe um; ſo daß man mit Ueberzeugung annehmen kann, eine jede wach⸗ ſende Pflanze vermehre die organiſche Materie und den Humus, wenn ſie auf der Stelle, wo ſie wuchs, vermodert. Daher iſt eine ſtarke und mehrmals ausgruͤ⸗ nende Brache, abgeſehen von den uͤbrigen Vortheilen, welche ſie dem Acker giebt, als eine ſchwache Duͤngung oder Vermehrung ſeiner Kraft anzunehmen. Je ſtär⸗ ker das Ausgruͤnen des Unkrautes iſt, je mehr es emporzutreiben zwiſchen jeder Zwyiter Theil. Ff 226 Vegetabiliſche Duͤngungsmittel. Furche Zeit hat, um deſto mehr Kraft wird es gewinnen. Der mit Hederich am meiſten angefuͤllte Acker wird am meiſten Nutzen von der Brache haben, ſelbſt ohne Hinſicht auf den Vortheil, der aus der Zerſtoͤrung dieſes Unkrauts erfolgt. Auch ſelbſt die Stoppel, welche von den meiſten Fruͤchten im Acker zuruͤck⸗ bleibt, giebt ihm wenigſtens einigen Moder zuruͤck. Je ſtärker dieſe Stoppel iſt, um deſto mehr bewirkt ſie, und daher wird der Acker bei gleicher Miſtduͤngung merklich weniger in ſolchen Gegenden ausgeſogen, wo man den Gebrauch hat, eine ſehr hohe Stoppel beim Schneiden des Getreides ſtehen zu laſſen. Es iſt dann aber von Wichtigkeit, dieſe Stoppel bald unterzupfluͤgen, weil ſie nur im Boden in eigentliche Fäulniß uͤberzugehen ſcheint; der Luft ausgeſetzt aber mehr verwittert. Die Stoppel anderer Fruͤchte, die ſtärkere Stengel und Wurzeln haben, uͤberwiegen zum Theil die Getreideſtoppel in der Maſſe deſſen, was ſie dem Boden zuruckgeben. Am auffallendſten dungen aber diejenigen Gewächſe durch ihre umgepfluͤgte Stoppel und zerſtörte Wurzeln, welche nicht durch Rei⸗ fung des Samens in duͤrres Stroh verwandelt wurden, ſondern noch ſchleimige Theile in ſich behielten. Daher die anerkannte verbeſſernde Eigenſchaft der gruͤ⸗ nen Wicken und des Klees, die in der Regel vor ihrem Unterpfluͤgen uͤberdem noch neue ſaftreiche Blaͤtter und auch bei ihrer Aberntung manche Abfälle auf dem Felde zuruͤcklaſſen Am wirkſamſten dnge der Raſen oder die Grasnarbe, die ſich nach einer ſin gern Ruhe auf dem Boden erzeugt. Das dichte Gewebe von Kraut unb Wurzeln, gemengt mit der thieriſchen Materie der abſterbenden Wuͤrmer und Inſekten, wo⸗ zu ſich noch der Ruͤckſtand des Duͤngers des weidenden Viehes geſellt, giebt dem Erdboden eine betraͤchtliche Kraft, welche mehrere Ernten ohne aufgefahrnen Duͤnger zu geben vermögend iſt. Man hat dies faͤlſchlich der Ruhe des Ackers ſelbſt zugeſchrieben, welche doch keine andere als eine negative Wirkung haben kann. Berjenige Boden, welcher in der groͤßten Kraft niedergelegt worden, und daher die reichſte Grasnarbe zu bilden vermag, wird waͤhrend ſeiner Ruhejahre, nicht durch ſeine Unthaͤtigkeit, ſondern gerade durch ſeine produzirende Kraft am meiſten an neuer Kraft gewinnen. Der irrige Begriff von Ruhe hat vielleicht mit 8 3 9 dazu Veranlaſſung gegeben, oder doch das gewoͤhnliche Verfahren erhalten, daß man nur erſchoͤpften Acker zu Graſe niederlegt, in der Hoffnung, er werde durch Vegetabiliſche Duͤngungsmittel. 227 die Ruhe Kräfte wieder erhalten. Er thut dies freilich, indem noch immer einige Produktion darauf vorgeht, aber weit langſamer und in weit geringerer Progreſ⸗ ſion, als wenn er in mehrerer Kraft niedergelegt wurde. Je fruchtbarer der nie⸗ dergelegte Boden noch iſt, um deſto mehr Blaͤtter und Wurzeln, auch deſto mehr Wuͤrmer und Inſekten werden ſich darauf erzeugen, deſto mehr Miſt wird darauf fallen; und er wird ſich um ſo ſtärker bereichern, je reicher die Quelle von Nah⸗ rungsſtoff iſt, den er in ſich haͤlt. F. 47. Eine ſchnellere und reichhaltigere vegetabiliſche Duͤngung geben wir aber dem unterpflcen Acker, wenn wir angemeſſene Pflanzen, die zu einer groͤßeren Staͤrke und Ent⸗ Sau⸗ wickelung kommen, darauf ausſaͤen, und ſie im Zeitpunkte ihrer Bluͤte entweder geradezu unterpfluͤgen oder ſie erſt durch draufgetriebenes Vieh abfreſſen und nieder⸗ treten laſſen, dann aber ſogleich unterbringen. Dieſe Methode iſt uralt und ſtand bei den Roͤmern im größten Rufe. Sie hat ſich in Jalien bis auf den heutigen Tag fortgepflanzt, und man haͤlt daſelbſt eine ſolche gruͤne Duͤngung, auch wo es an thieriſchem Miſte nicht mangelt, dennoch fuͤr hoͤchſt nuͤtzlich, um den Boden in die hoͤchſte Fruchtbarkeit zu verſetzen. Das dortige Klima beguͤnſtigt dieſe Me⸗ thode freilich mehr wie das unſtige, indem man ſolche Saaten erſt nach der fruͤ⸗ hern Aberntung ausſaͤet, wo dann noch Zeit genug zu ihrem Heranwachſen uͤbrig bleibt. Unter allen Pflanzen, die hierzu gebraucht werden, hat keine ſo viel Ruhm, wie die vfih Lupine, welche von den älteſten Zeiten an bis auf die jetzigen bloß zu dieſer Abſicht angebauet wird, indem ſie ſonſt weder als menſchli⸗ ches noch als thieriſches Nahrungsmittel im Kraut und in der Frucht, wegen ihres barſchen Geſchmacks, nützlich gebraucht werden kann. Bei einer vorlaͤufigen Un⸗ terſuchung, die wir naͤchſtens genauer anſtellen werden, hat ſich gezeigt, daß dieſe Pflanze vielen kleberartigen Stoff in ſich enthalte, woraus ſich die vorzuͤgliche duͤngende Kraft, die ihr beigemeſſen wird, erklären laͤßt. Der Samen ſelbſt wird nach Simondes Gemaͤhlde der Toskaniſchen Landwirthſchaft, S. 114, nach⸗ dem man ihm ſeine Keimkraft genommen hat, um die Hlivenbaͤume eingegraben, um ihnen Duͤngung zu geben. Ob dieſe Pflanze ſich in ihrer duͤngenden Kraft Io beſonders auszeichne, daß ſie dieſerhalb bei uns angebaut zu werden verdiene, werden uns anzuſtellende Verſuche lehren. Wir haben ſie zu dem Ende vermehrt Ff 2 228 Vegetabiliſche Duͤngungsmittel. und ſie waͤchſt bei uns, wie allen Gärtnern bekannt iſt, ſehr gut. Ob ſie nach der Rockenernte eingeſaͤet ſich noch hinlaͤnglich entwickele, um gruͤn untergepfluͤgt zu werden, kann ich jetzt auch noch nicht beſtimmen. Wir haben aber mehrere Gewaͤchſe, die ſich ebenfalls zu dieſem Zwecke paſſen. Sie muͤſſen folgende Eigenſchaften haben: a) Das zu waͤhlende muß dem Boden ſeinem Vermoͤgen, ſeinem Feuchtig⸗ keitsgrade und ſeiner Lage angemeſſen„ damit es nicht dürftig, ſondern uͤppig darauf wachſe. b) Der Samen muß wohlfeil, d. h. leicht zu gewinnen oder in geringer Quantitat zur Beſamung eines Ackers zureichend ſeyn. o) Es muß in moͤglich kuͤrzeſter Zeit zu der erforderlichen Groͤße und Ent⸗ wickelung kommen, damit es, in der Brache geſaͤet, die erforderlichen Pflugar⸗ ten zulaſſe, oder aber nach einer andern Frucht in demſelben Jahre gebauet wer⸗ den koͤnne. d) Es muß den Boden locker erhalten, und ihn mit ſeinen Wurzeln ſtark durchdringen, mit ſeinem Kraute beſchatten. e) Es muß vielen Schleim und einen der thieriſchen Natur aͤhnlichen Stoff in ſich enthalten. †) Bald in Faͤulniß uͤbergehen. Alle dieſe Eigenſchaften vereinigt kein Gewaͤchs ſo ſehr, wie der Ackerſpoͤr⸗ gel, und mit dieſem ſind daher auch bei uns am meiſten gluͤckliche Verſuche an⸗ geſtellt worden. Vergleiche Annalen der Niederſächſiſchen Landwirthſchaft, III. Jahrgang iſtes Stuͤck, St. 223. Man kann dieſen Spoͤrgel vor dem Un⸗ terpflugen erſt ſchnell mit Vieh betreiben, welches man dann aber auch des Nachts darauf laſſen muß, wenn man die volle Wirkung davon haben will. Man hat auch manche andere Pflanzen dazu gebraucht, und diejenigen, die öligen Samen tragen, vorzuglich wirkſam gefunden; nächſt dieſen hat man an⸗ dere aus der Diadelphiſtenklaſſe, Erbſen, Wicken, Bohnen dazu gebraucht, ins⸗ beſondere in England, wo man jedoch in der Regel erſt allerlei Vieh beſonders Schweine hineintreibt, die ſich darin maͤſten, ohne welche Benutzung auch die Auslage fuͤr den Samen wohl zu hoch kommen wuͤrde⸗ Vegetabiliſche Duͤngungsmittel. 229 Ferner iſt der Buchweizen oder das Haidekorn dazu gebraucht worden, wel⸗ ches in gruͤnem Zuſtande aber ebenfalls ein ſehr nahrhaftes Viehfutter giebt. Auch Waſſerruben hat man, wie ſchon Friedrich der Große erzählt, hauptſäͤchlich zu dieſem Zwecke ausgeſäet, und endlich empfiehlt mein verehrungs⸗ wuͤrdiger Freund Hermbſtädt, der verſchiedene daruͤber angeſtellte Verſuche er⸗ zählt, die Runkelruͤben, um mit verſchiedenen Zuſaͤtzen einen wirkſamen Duͤnger daraus zu bereiten. Vergl. deſſen Archiv der Agrikulturchemie, Bd. I. S. 79 u. ſ. f. Eine Methode, welche da, wo ſie bekannt war, ſich ſo ununterbrochen er⸗ halten hat, verdient keinesweges vergeſſen, ſondern mit mehrerer Aufmerkſam⸗ keit, wie bisher bei uns geſchehen iſt, verſucht zu werden. Es ſcheint beim erſten Anblicke Verſchwendung, eine gruͤne Saat, die man abmaͤhen und auf dem Stalle mit dem Viehe verfuttern koͤnnte, ſo niederwalzen oder niedertreten zu laſſen. Man glaubt der Duͤnger konne dem Acker wieder zu gut kommen, wenn man ſie erſt fuͤr das Vieh benutzt habe, und man hat Recht. Allein man kann ja immer mehr ausſäen, als man mit dem mehrentheils feſtgeſetzten Viehſtande benutzen, und mit ſeinen Arbeitern einernten kann. Und dann ſcheint es nach den Bemer⸗ kungen der Naliener einigen Bodenarten vortheilhafter, wenn ſie zu Zeiten eine bloß vegetabiliſche, und wie man es dort nicht ganz unrichtig nennt, abkuͤhlende Duͤngung erhalte. Manche haben dieſe Mechode nur fuͤr entferntere, neu aufgebrochene oder erſchöpfte Laͤndereien empfohlen. Aber auf den ganz außer Kraft gekommenen wird ſie wenig bewirken, weil die als Duͤnger ausgeſaeten Gewaͤchſe zu kuͤmmer⸗ lich daſelbſt auſkommen. Der Acker, der Dungkraft erzeugen ſoll, muß hier wie überall noch Dungkraft haben. Dieſe Duͤngungsart iſt alſo mehr zur Erhaltung der Fruchtbarkeit im Acker, als zur erſten Begruͤndung derſelben anwendbar, und daher iſt ſie wahrſcheinlich bei uns bisher ſo wenig in Gebrauch gekommen. Es täßt ſich uͤbrigens beinahe fuhlen, was ſie bewirken kann, wenn man ein dicht vekrautetes Huͤlſenfrucht⸗Feld anſiehet, und ſich denkt, daß dieſe gruͤne Maſſe nun untergepfluͤgt werde. §. 46. Jeder vgetabiliſche abfal und ſogenannte Unrath kann, wenn er zuſammen⸗ Vegetabiliſch gehalten, in Verweſung geſetzt, und zu dem Ende mit etwas thieriſchem oder mit Der Modder. gefahren werden. 230 Vegetabiliſche Duͤngungsmittel. Kalk verſetzt wird, zum Duͤnger dienen. Kuͤchenabfall, Unkraut, bermodertes Holz und Sägeſpäne, gebrauchte Gerberlohe tragen zur Vermehrung des Duͤnget⸗ vorraths bei. Man bemerkt, daß alle dieſenigen Vegetabilien, welche bei der Einaͤſcherung vieles Kali geben, beſonders duͤngend ſind, z. B. die Strünke der Tabackspflanzen und das Stroh des tuͤrkiſchen Weizens, wenn man ſie nicht vortheil⸗ hafter benutzen kann. Eine vorzuglich duͤngende Eigenſchaft hat auch das Kartoffel⸗ kraut, welches aber, wenn es ſich ſchnell aufloͤſen ſoll, in ſeinem gruͤnen Zuſtande zuſammengetreten oder aber ſogleich in den Miſt gebracht werden muß. Man Bur es auch mit Raſenerde und etwas Kalk in Mengehaufen gebracht, und von dieſein Kompoſt eine ganz vorzuͤgliche Wirkung verſpuͤrt. Es iſt keinesweges unbedeu⸗ tend, was ein Acker Kartoffeln an dieſem Dungmakeriale wiedergiebt. Bleibt es auf dem Acker liegen und wird dann untergepfluͤgt, ſo zerſetzt es ſich freilich auch allmaͤhlig, und es laͤßt ſich daraus zum Theil die geringe Erſchoͤpfung erklaͤren, die manche vom Kartoffelbau bemerkt haben. Die Zerſetzung geſchieht aber langſam, und es iſt dann der Beſtellung im Wege. 8 1m So giebt es auch manche andere nuͤtzliche Pflanzen, die ſehr hohe Stengel treiben z. B. die Sonnenblume(Helianthus annuns) und der Erd⸗Apfel oder Erd⸗Artiſchocke(Helianthus tuberosus), und außerſ ihrer eigentlichen Frucht eine große Mengr Moder geben weiches bei he Anbau allerdings Ruͤckſicht verdient. Das Kraut der ſalzigen fowohl als der ſuͤßen Seen, von jenen beſonders die Fucsarten, von dieſen der ſogenannte Poſt, Chara vulgaris, welcher immer mit einem kalkigen Schleim uͤberzogen iſt, gehoren zu den wirkſamſten Duͤngungsmit⸗ teln, die fuͤr ſich oder mit Miſte verß in Fäulniß we und 3Zu den vegetabiliſchen Einhninen etit auch der Modber, welcher ſich theils in Niederungen und Sinken, theils unter dem Waſſer in Teichen findet. Denn wenn er gleich zuweilen und zwar um ſo beſſer mit thieriſchen Theilen ver⸗ miſcht iſt, und mehrentheils auch eine ſtarke Zumiſchung von Grunderden hat, die ſich nach der Erdart der umliegenden Gegend richten, ſo hat doch die vermoderte vegetabiliſche Subſtanz wo nicht quantitativ doch virtuel das Uebergewicht darin. — Vegetabiliſche Duͤngungsmittel⸗ 230 Er koͤmmt daher in ſeiner Wirkung der vegetabiliſchen Duͤngung am meiſten gleich, d. h. er iſt minder treibend und reizend, aber nachhaltend und nahrungsreicher, wie der chieriſche Düngert Man nennt ihn deshalb einen kuͤhlenden, fruchebauexn den Duͤnger. Wir haben von der vrſchlcdenen Art und Beſi ſenpen d des Madders in dem Hauptſtuͤcke von der Agronomie geredet, und beſonders ſeinen ſaͤurefreien und ſau⸗ ren Zuſtand unterſchieden. Es iſt ein großer Vortheil, wenn man einen ſolchen von der Natur ſeit Jahr⸗ tauſenden zuſammengehaͤuften und aufgeſparten Schatz von fruchtbarer Materie auf ſeinem Grund und Boden findet. Und wie groß auch die Beſchwerlichkeiten und Koſten ſeyn moͤgen, ihn heraus und auf den Acker zu ſchaffen, ſo werden ſie ſich doch immer belohnen und boch rentiren, wenn man nur das Kapital daran zu wenden vermag. Geſtehen muß man aber, daß dieſes oft beträchtlich ſey, und ſich nicht immer in den erſten Jahren wieder bezahle Die Hauptſchwierigkeit bei dem Ausbringen des Modders iſt die, daß man ihn! erſt vom Waſſer befreie: denn es iſt ein ſeltener Fall, daß er trocken genug liegt. Zuweilen kann dies durch Abzugsgraben voͤllig erreicht werden; mehrentheils ſind aber die Sinken, worin er liegt, von Anhoͤhen ſo umgeben, daß ein hinlaͤnglich tiefer Durchſtich der letzteren zu ſchwierig wird. Hier muß man ſich mit Schoͤpfmaſchinen, Schneckenſchrauben oder Plumpen helfen, wodurch die Arbeit allerdings ſehr vermehrt wird. Man nimmt die Arbeit des Aus⸗ bringens entweder im Sommer oder auch im Winter beim Froſte vor. Im Fruͤhjahr und Herbſt iſt ſie, wenn die Arbeiter im Naſſen ſtehen muͤſſen, der Kaͤlte wegen kaum ausfuͤhrbar. Im heißen Sommer giebt beſonders derjenige Modder, der unter Waſſer geſtanden hat, und nicht ſchnell ganz trocken gelegt werden kann, eine ſehr ungeſunde Ausduͤnſtung, wovon die arbeitenden und in— der Nachbarſchaft wohnenden Menſchen leicht erkranken, beſonders Fieber be⸗ kommen. In manchen Fällen laßt ſich daher die Arbeit im Winter am beſten betreiben, wenn man das Waſſer im Spaͤtherbſt hat ablaſſen koͤnnen. Jedoch wird ſie wegen des Loshauens des gefrornen Modders und des Eiſes, welches man: mit auskarren muß, betraͤchtlich vermehrt.— Ausfahrung des Modders, Vermensung des Modders. 232 Vegetabiliſche Duͤngungsmittel. Den Modder unmittelbar aus ſeiner wlizerüng auf den Acker zu ſin. nur bei dem ganz krocknen rathſam. Den feuchten bringt man imuer Lerſt aufs Trockne, und laßt ihn hier wenigſtens ſo lange liegen, bis ſeine Feuchtigkeit völlig verdunſtet iſt, weil er ſodann ſehr zuſammenfaͤllt, und der Transport leichter wird. Das Ausbringen geſchieht mit Hand⸗ oder Pferdeſtuͤrzkarren. Letztere nimmt man gewoͤhnlich einſpaͤnnig. Welches vortheilhafter ſey, muß man ſich nach den Ortsverhaͤltniſſen berechnen. Wird er nur eine kurze Strecke fortgekarrt, ſo iſt in der Regel die Arbeit mit Menſchen, bei einer weiteren, aber die mit Pferden minder koſtſpielig. Zuweilen ſind aber auch die Pferdekarren gar nicht anwend⸗ bar, wenn naͤmlich der Grund, woruͤber gekarrt werden muß, zu ſunpfig iſt, ſo daß man Bretter uͤber den Weg herlegen muß. Man ſucht die Arbeit in Verding zu betreiben, und macht dieſen estweder nach Schachruthen oder nach Stuͤrzkarrenladungen. Ueber den Preis läßt ſich nur dies im allgemeinen ſagen, daß die Arbeiter dabei mehr, als bei gewoͤhnlichen Ar⸗ beiten verdienen muͤſſen, weil dieſe zu den beſchwerlichen und ungeſunden gehoͤrt. Eine ſtärkere Branntweinsconſumtion iſt ihnen dabei wirklich nutzlich. Iſt es voͤllig zergangener Modder, ſo bringt man ihn in kleinere Haufen, da⸗ mit er um ſo eher abtrockne, und in der groͤßten Oberfläche der atmoſphariſchen Einwirkung ausgeſetzt ſeyo. Sind aber viele unzergangene Pflanzentheile darin, Moos und andere Waſſerpflanzen, ſo bringt man ihn, nachdem er etwas abge⸗ trocknet, in große Haufen, damit er ſogleich in Gaͤhrung und Hite komme, und jene Vegetabilien verweſen. Man befoͤrdert dies ſehr, wenn man ihm ſogleich etwas friſch gebrannten Kalk, Aſche oder auch friſchen Stallmiſt von Pferden zuſetzt. Dieſe Zuſaͤtze ſind alsdann beſonders noͤthig, wenn der Modder Saͤure ent⸗ hält, und in dem Falle auch bei ſolchem, welcher ſchon voͤllig aufgeloſt iſt. Manch⸗ mal kann es rathſam ſeyn, mit dieſen Zuſaͤtzen zu warten, bis man ihn auf den Acker gefahren hat, wenn er anders daſelbſt nicht gleich verbreitet, ſondern erſt in Haufen aufgeſeßt werden ſoll, weil man ſich dadurch die doppelte Fuhre der zuzu⸗ ſetzenden Materialien erſpart. Es geſchieht jedoch nur bei ſchnell abtrocknendem Modder, den man bei dem Auskarren gar nicht in Haufen bringt, bald auf das Feld fahrt, wo er gebraucht werden ſoll. Will Vegetabiliſche Duͤngungsmittel. 233 Will man von jedem Modder eine ſchnelle Wirkung haben, ſo iſt ein Zuſatz von thieriſchen Duͤnger eder von Alkalien und alkaliſchen Erden ſehr wichtig. Denn dadurch wird er bald auftöshich, und wie man ſagt lebendig. Jedoch iſt es, wenn der Modder milde iſt, nicht immer noͤthig, ihn in den Haufen damit zu ver⸗ mengen. Man kann es auch, nachdem er auf dem Acker ausgeſtreuet worden, und dieſe Materien daruher her, durch fleißig wiederholtes flaches Pfluͤgen und Eggen thun. Die Verbindung des Mergels, beſonders des kalkreichen, des gebrannten Kalks, oder einer Miſthuͤngung mit der Modderung hat immer den auffallendſten Effekt gezeigt. Eine Miſtduͤngung braucht aber nur ſchwach, halb ſo ſtark wie eine gewoͤhnliche zu ſeyn, und man wuͤrde von einer ſtärkern, wenn man Getreide darnach einſaete, nur Lagerkorn zu beſorgen haben. Wendet man dagegen die Modderung ohne andere Dungung an, ſo hat man oft bei der erſten und ſelbſt bei der zweiten Frucht gar keine Wirkung davon, und hatte der Modder noch Säure, wohl eine nachtheilige. Indeſſen zeigt ſich die gute Wirkung doch immer in der Folge, mehrentheils vom dritten Jahre an, und dann um ſo nac chhaltiger. Die Quantität, worin der Modder aufgefahren worden und aufzufahren ſey, Quantität des wird ſehr verſchieden angegeben; hier ſehr ſtark, eine Ladung von 16 Kubikfuß Wodders. auf eine Quadratruthe, folg 66 Ladungen auf 1 Morgen; dort ſehr ſchwach, 20 ſolcher Ladungen auf 1 Morgen; dort über 1 Zoll, hier 1 bis 2 Linien hoch. Es kommt dabei vorerſt auf die Beſchaffenheit des Modders an, ob er eine ſtarke Zumiſchung von Grunderden habe, oder zum großeren Theile aus wirklichem Mod⸗ der beſtehe. Manchmal hat ganz ſchwarzer Modder doch nur 8 bis 10 Prozent Humuͤs, und beſteht uͤbrigens aus Erde. Seine Auffuͤhrung kann dennoch hoͤchſt wirkſam ſeyn, beſonders wenn die Grunderde der Bodenart entgegengeſetzt iſt, aus geſchlemmten Thon beſteht, und auf Soandboden gebracht wird. Enthaͤlt er aber großtentheils nur Kieſelerde, ſo kann man von dieſer auf ſandigem Boden gar keinen Nutzen erwarten, und es koͤmmt nur der eigentliche Humusgehalt in Betracht. Hier wird alſo eine ſehr ſtarke Auffuhr noͤthig, wenn ſie zur erheb⸗ lichen Verbeſſerung des Bodens gereichen ſoll. Nach einer chemiſchen Unterſu⸗ chung des Modders wuͤrde man die L Quantitaͤt der Auffuhr etwa ſo zu beſtimmen ha⸗ ben, daß auf jeden Quadratfuß, der bei einer ſechszolligen Tiefe, alſo zum halben Kubikfuß gerechnet, beinahe 50 Pfund wiegt, doch mindeſtens 1 Pfund reiner Zweiter Theil. 6g 234 Vegetabiliſche Duͤngungsmittel⸗ Humus kommen muͤſſe, folglich wenn der Modder nur 10 Prozent Hümus hat, 10 Pfund, welches auf 1 Morgen 259000 Pfund betruͤge, folglich die Ladungen zu 1600 Pfund angenommen, beinahe 162 auf 1 Morgen. So wie aber der Hu⸗ musgehalt des Modders ſtärker wird, ſo bedarf es deſſen weniger. Daß eine ſchwaͤ⸗ chere Bemodderung von gar keinem Nutzen ſeyn koͤnne, ſoll hierdurch nicht behaup⸗ tet werden; allein eine auffallende und nachhaltende Verbeſſerung laͤßt ſich wohl nicht erwarten, wenn man die Ackererde nicht mit 2 Prozent Humus bereichert. Das Gewicht des Modders iſt verſchieden, und er iſt um ſo leichter, je mehr er aus Humus beſteht, und vorzuͤglich wenn er noch nicht ganz verweſte Subſtan⸗ zen enthaͤlt. Man kann daher die Staͤrke der Ladungen nicht nach dem Volumen, ſondern muß ſie nach dem Gewichte beſtimmen. Eine ſehr genaue Mengung des Modders mit der Ackererde iſt ſehr wichtig, und zwar daß dieſes bald oder doch in dem Jahre der Auffuhr geſchehe. Denn wird er nicht gleich zertheilt und gemengt, ſo ballt er ſich in Kloͤßen zuſammen, die dann oft erſt nach langer Zeit, beſonders in conſiſtenterem Boden, in Pulver zer⸗ fallen und ſich gleichmaͤßig vertheilen, bis dahin aber wenig oder gar keine Wir⸗ kung thun. Es iſt daher gewiß ſehr fehlerhaft, auf die erſte Furche, womit man den Modder untergebracht hat, oder auch auf die zweite, gleich eine Saat zu brin⸗ gen. Man muß vielmehr eine ſtark bearbeitete Brache darauf halten, und durch vielfaches flaches Pfluͤgen und ſcharfes Eggen die genaueſte Miſchung zu bewirken trachten. Vorzuͤglich iſt dieſes bei erdigem Modder noͤthig; der noch nicht voͤllig zergangene mooſige kann noch eher im Acker etwas klumprig liegen bleiben, indem er ſich bei ſeiner fernern Zerſetzung mehr zertheilt. Auf gemoddertem Acker zwiſchen zwei Furchen eine ſchnell heranwachſende Duͤngerpflanze zu ſäen, beſonders Spoͤr⸗ gel, iſt von einem meiner Correſpondenten mit beſonders großem Erfolge ver⸗ ſucht worden. 6r Dünsuns mit Auch des Torfs, beſonders des loſen, und der von dem Lorfe abgefallenen 6 modrigen Erde(Torfmulme) bedient man ſich vortheilhaft zum Duͤnger. Dieſe Materie muß aber, wenn ſie Saͤure, und noch mehr, wenn ſie harzigen Stoff hat, lange aufgeſchichtet liegen, und entweder mit gebranntem Kalk, oder mit ſtrohigem Stallmiſt, oder, was oft hinreichend geweſen ſeyn ſoll, mit vielem Vegetabiliſche Duͤngungsmittel. 235 ſcharfen Sande in dem Haufen durchſetzt werden. Man muß dieſe Haufen in einer mäßigen, jedoch nicht zu ſtarken Feuchtigkeit erhalten, welches am allerwirkſam⸗ ſten durch ausgegoſſene Miſtjauche geſchieht. Auch mit kalkigem Mergel kann er ſehr vortheilhaft durchſchichtet werden. Man muß dieſe Mengehaufen oft durchſtechen. Wenn der Torfabfall lange gelegen hat, ſo wird er auch ohne andere Zu⸗ thaten ſchon zu einem nutzbaren Duͤnger, insbeſondere auf gebundenem, tho⸗ nigem Boden. Es giebt ſolche Lagen der Torfmoore neben dem Ackerlande, wo dieſe An⸗ wendung ſehr nutzbar im Verhältniß der darauf zu verwendenden Koſten ge⸗ ſchehen kann. Zu den urſprunglich vegetabiliſchen Duͤngungsmitteln gehoͤrt endlich noch die bituminoͤſe mit Eiſenvitriol geſchwaͤngerte Erdkohle, welche im Großen wohl zuerſt in der Gräflich Einſiedelſchen Herrſchaft Reibersdorf zu Oppelsdorf bei Zittau als Duͤngungsmittel mit ungemeinem Erfolge angewandt iſt. Da aber der Eiſenvi⸗ triol an dieſer Wirkung wohl den groͤßten Antheil hat, ſo werden wir darauf zu⸗ ruͤckkommen, wenn wir von den ſalzartigen Duͤngungsmitteln reden. Auch werden wir dann erſt die Aſchenduͤngung, obwohl ſie vegetabiliſchen Ur⸗ ſprungs iſt, betrachten. Mineraliſche Duͤngungsmittel. §. 52. Da ein uͤberſchießendes Verhaͤltniß einer jeden Grunderde, und ſelbſt des Verbeſſerung Humus, den Boden in ſeinen phyſiſchen Eigenſchaften ſeiner Conſiſtenz, Feuch⸗ 6 phyſiſchen . 3. 1 ch 7 tigkeitshaltung u. ſ. w. fehlerhaft machen kann, ſo iſt es moͤglich, dieſen Fehler durch den Zuſatz einer entgegengeſetzten Erdart zu verbeſſern. Man kann dies die durch Auffüh⸗ phyſiſche Verbeſſerung des Sobenn nennen, im Gegenſatze von der chemiſchen, worunter man die eigentliche Duͤngung oder die Zufuͤhrung von wirklicher ve⸗ getabiliſcher Nahrung, aber auch von ſolchen Subſtanzen begreift, welche die Nahrungstheile aufſchließen und zum Uebergange in die Pflanzen geſchickt machen. Gg2 236 Mineraliſche Duͤngungsmittel. Jene Verbeſſerung der phyſiſchen Eigenſchaft des Bodens durch die Vermen⸗ gung mit einer entgegengeſetzten Erdart iſt allerdings moͤglich, aber nur unter we⸗ nigen Umſtanden mit Vortheil ausfuͤhrbar. Thonigen und zaͤhen Lehmboden mit Sand zu verbeſſern, oder auch umge⸗ kehrt den ſandigen Boden mit fettem Lehm, iſt beinahe nur dann ausfuͤhrbar, wenn der Untergrund aus dieſer entgegengeſetzten Erdart beſteht. In einigen ob⸗ gleich ſeltenen Faͤllen kann man es ſchon durch ein tiefes Pfluͤgen bewirken, wel⸗ ches dann aber mit Vorſicht ſo eingerichtet werden muß, daß man auch kein Ueber⸗ maas der untern und noch rohen Erde heraufbringe. Hefterer kann dieſe Erde nur durch Rajolen erreicht werden, oder durch ſogenanntes Kuhlen oder Wuͤhlen, wo man Gruben graͤbt und die erforderliche Erde herauswirft. Muß die verbeſſernde Erdart von einem eutfernteren Plate hergeholt, oder aus einer betraͤchtlichen Tiefe herausgegraben werden, ſo wird die Sache ſo koſt⸗ ſpielig, daß nur beſondere Lokalitäten ſie oͤkonomiſch rechtfertigen koͤnnen. Denn um eine ſolche phyſiſche Verbeſſerung des Bodens zu bewirken, oder gleichſam einen neuen Boden zu ſchaffen, iſt eine ſo große Maſſe von Erde erforderlich, daß er in den meiſten Faͤllen zu theuer bezahlt werden wuͤrde. Man berechne, wie ſich die Beſtandtheile der aufzufahrenden Erdart gegen die Beſtandtheile des zu ver⸗ beſſernden Bodens verhalten, und wie viel demnach von jener erforderlich ſey, um in einer Krume von wenigſtens 8 Zoll Tiefe eine zweckmäßige Erdmiſchung zu be⸗ wirken. Hieraus ergiebt ſich naͤmlich das Kubikmaaß, welches man auf einer Flaͤche gebraucht, und danach laſſen ſich dann mit Ruckſicht auf die Lokalverhaͤltniſſe die Koſten des Ausgrabens, Ladens, Anfahrens und Verbreitens berechnen, oder durch eine mit Aufmerkſamkeit angeſtellte Probe ausmitteln. Dazu kommt aber noch, daß Sand mit Thon und Lehm, die nicht mergligt ſind oder keine Kalk⸗ theile enthalten, ſich ſehr ſchwer genau mit einander vermengen laſſen, weil dieſe nicht von ſelbſt zerfallen. Der Thonboden ſey mir Sand oder der Sand mit tho⸗ niger Erde befahren, ſo muß er haͤufig und zwar zuerſt ganz flach und allmählig tiefer durchgepfluͤgt, geegget, gewalzet und die Kloße mit Keulen zerſchlagen wer⸗ den. Zu dem allen muß immer derjenige Zeitpunkt gewaͤhlt werden, wo der Thon gerade den Grad von Trockenheit hat, daß ſeine Schollen durch die Werkzeuge getrennt und zermalmt werden koͤnnen. Dies findet mehrentheils nur in der Mitte Mineraliſche Duͤngungsmittel. 237 des Sommers ſtatt; ſelten aber iſt ein Sommer dazu hinreichend. Durch Ver⸗ mengung mit Miſt und mit gebranntem Kalk erleichtert man das Zerfallen, auch wohl durch das Einſäen von Pflanzen, deren Wurzeln in die Thonkloͤße eindrin⸗ gen, und dann untergepflugt werden. Bewirkt man die genaue Mengung nicht, ſo verdirbt man den Boden auf lange Zeit mehr, als daß man ihn verbeſſert, in⸗ dem die wenigſten Pflanzen es ertragen, daß ſie mit ihren Wurzeln auf ſo hetero⸗ gene Erdarten ſtoßen. Wenn ältere Schriftſteller und mündliche Sagen von ſol⸗ chen bewirkten Bodenverbeſſerungen erzahlen, ſo kann man wohl in den meiſten Fällen annehmen, daß die aufgefahrne Erdart ein mehr oder minder kalkhaltiger Mergel war. Noch vor kurzer Zeit nannte man in Hollſtein das Mergeln Erd⸗ oder Lehmfahren, und ohne von Mergel einen Begriff zu haben. Nur von ſolchem Lehm oder Thon, der eine Reihe von Jahren der Atmo⸗ ſohaͤre ausgeſetzt in Erdwaͤllen, Erdmauern oder Wellerwanden, insbeſondere in der Naͤhe der Wohnungen und der Viehhoͤfe geſtanden, und aus der Atmoſphaͤre fruchtbare Stoffe angezogen hat, kann man eine wirklich duͤngende Wirkung er⸗ warten. Ein ſolcher Lehm zerfällt auch leichter, und mengt ſich mit dem Boden. Auch hat man die lehmige und thonige Ackererde wohl gebrannt, und dadurch eine dauernde phyſiſche Verbeſſerung dieſes Bodens bewirkt. Da der Thon naͤm⸗ lich durch das Brennen ſeine waſſeranhaltende und bindende Eigenſchaft verliert, und dann, wenn er anders kruͤmlich bleibt, in Anſehung ſeiner phyſiſchen Quali⸗ täten dem Sande gleich wird, ſo iſt der Boden hierdurch lockerer geworden. Wahr⸗ ſcheinlich hat dieſes Brennen jedoch auch eine noch nicht genug erklärte chemiſche Wirkung. §. 53. Das Aufſahren des Sandes iſt wohl am haufigſten und mit dem groͤßten Vortheile auf reichhaltigen aber zu loſen und der Naͤſſe zu ſtark ausgeſetzten moddri⸗ gen Boden angewandt worden. Der aufgefahrne Sand ſenkt ſich allmählig von ſelbſt herab, und durchdringt die Moddererde, deren ſchwammige Conſiſtenz er zu⸗ gleich zuſammenpreßt. Er muß daher ſo viel moglich auf der Oberflaͤche erhalten werden, und er iſt am wirkſamſten geweſen, wenn man ihn nicht unterpfluͤgte, fondern in der Zeit, wo das Land zu Graſe lag, obenauf ſtreuete, wodurch auch zugleich der Graswuchs, wie durch einen kräftigen Duͤnger, vermehrt und ver⸗ Kalkduͤngung, wie ſie wirke. 238 Mineraliſche Duͤngungsmittel. beſſert wurde. Auf ſolchen Bodenarten thut der Sand nach vielfachen Erfahrun⸗ gen ungleich groͤßere Wirkung, wie der kräͤftigſte Duͤnger, der hier ſogar mal nachtheil ig wird. §. 54. Der Kalk im Boden hat zwar auf die phyſiſche Beſchaffenheit deſſelben, wie in der Lehre von der Agronomie geſagt worden, einen betraͤchtlichen Einfluß. Al⸗ lein bei dem Auffahren deſſelben nehmen wir wohl uur ſeine chemiſche Wirkung in Anſpruch, indem ſolche wohl nie ſo ſtark eingerichtet wird, daß er durch jenen eine erhebliche Veraͤnderung in der Conſiſtenz des Bodens bewirken koͤnne. Die chemiſche oder eigentlich duͤngende Wirkung des Kalkes ſcheint wieder von zweierlei Art zu ſeyn. Eines Theils wirkt er als ein bloß zerſetzendes Mittel auf den Humus, den er aufloͤſt, in Bewegung und in den Zuſtand ſetzt, worin er i tie Pflanzen leicht uͤbergehen kann. Deshalb iſt die Kalkduͤngung um ſo wirk⸗ ſamer, je reichhaltiger der Boden an Humus, und um fo auffallender, je unauf⸗ loslicher dieſer Humus ſeiner Natur nach war. Insbeſondere wird der ſaure Hu⸗ mus durch ihn von ſeiner Saͤure befreit, und dadurch erſt fruchtbar. Andern Theils aber iſt es hoͤchſt wahrſcheinlich, daß der Kalk auch durch ſeine Kohlenſaͤure etwas wirke, und durch ſelbige den Pflanzen wirkliche Nahrung gebe. Die Lebensrhätigkeit der Pflanzenwurzeln, beſonders gewiſſer Vegetabi⸗ lien, ſcheint die Kraft zu haben, ihm dieſe Kohlenſaͤure zu entziehen, die er dann aber in eben dem Maaße aus der Atmoſphaͤre wieder anzieht. Denn es iſt un⸗ laugbar, daß eine Kalkduͤngung auch auf ſolchem Boden, der ſehr wenig Humus enthaͤlt, und ſogar eine wiederholte Duͤngung dieſer Art immer noch einige Wir⸗ kung thue, wenn gleich bei weitem keine ſo ſtarke wie da, wo noch Humus im Bo⸗ den iſt, oder wo er ihm durch eine abwechſelnde vegetabiliſche und animaliſche Duͤngung wiedergegeben wird. Ferner wiſſen wir, daß einige Pflanzenarten vom Kalke beſonders viele Kraft erhalten, und mit ihren Pflanzenwurzeln in den rohen Kalkſtein eindringen, und ihn gewiſſermaßen zerſeßen. Dies iſt beſonders bei der Eſparcette merklich, welche 10 bis 20 Fuß tief mit ihrer Pfahlwurzel in den Kalk⸗ ſtein eindringt, Buͤſchel von Nebenwurzeln ausſchlaͤgt, die den Kalkſtein an ihrem Orte muͤrbe und kruͤmlich machten, und deren Kraut um ſo uͤppiger vegetirte, je Mineraliſche Duͤngungsmittel. 239 tiefer ſie eingedrungen war, wenn gleich der Kalkfelſen nur mit ſehr flacher und unfruchtbarer Krume bedeckt war. Der gebrannte von ſeiner Kohlenſaͤure befreite Kalk hat eine ſtärkere duͤngende Kraft, wie der ungebrannte. Er iſt in dieſem Zuſtande freilich weit mehr zerſetzend und wirk ſam auf die organiſche Materie. Allein wir muͤſſen annehmen, daß ſeine groͤßere Wirkſamkeit auch noch einen andern Grund habe. Er ziehet ſeine ver⸗ lorne Kohlenſaͤure, zumal wenn er in feinem Pulver mit der Ackererde vermengt iſt, ohne Zweifel in ſehr kurzer Zeit wieder an; aber dieſe friſch angezogene Koh⸗ lenſäure haͤngt ihm wahrſcheinlich nicht ſo feſt an, daß er ſie den Pflanzen nicht leichter wieder abgeben ſollte. Er nimmt ſolche dann ſogleich wieder auf, und ſo entſteht eine fortdauernde Wechſelung dieſer Kohlenſaure zwiſchen dem Kalke, den Wurzeln und der Atmoſphaͤre. Daraus läßt es ſich erklären, wie ſelbſt ſehr kalk⸗ haltiger Boden von einer Duͤngung mit gebranntem Kalke merkliche Fruchtbar⸗ keit ethalte, und wie man einige Wirkung von einer neuen Kalkung verſpuͤre, wenn gleich von einer vorhergehenden älteren offenbar noch Kalk genug in der Ackerkrume iſt. Auf dieſe verſchiedenen Wirkungen des Kalkes— die gegebene Erklaͤrung derſelben ſey richtig oder nicht— muͤſſen wir nothwendig Ruͤckſicht nehmen, wenn wir die verſchiedenen Wirkungen des Kalkes als Duͤngungsmittel erklären wollen. Sie iſt am ſtarkſten und auffallendſten auf Boden, der vielen ſauren Humus ent⸗ halt, welcher vorher der Vegetation nicht zu Nutze kam. Naͤchſtdem auf Boden, welcher bisher ſtäͤrkere oder ſchwaͤchere Miſtduͤngungen, aber noch nie eine Kalk⸗ oder ähnliche Duͤngung erhalten hatte. In dieſem Falle thut er oft mehr, als eine neue Miſtduͤngung, erſchoͤpft aber fur die Folge dieſen Boden, und macht es wenigſtens noͤthig, daß eine kraͤftige Duͤngung anderer Art nach einigen Jahren auf ihm folge. Da in jedem beackerten Boden, geſetzt auch, daß er ſehr mager ſcheine, noch immer einiger, wahrſcheinlich ſchwer aufloͤslicher Humus zuruͤckge⸗ blieben iſt, ſo wird eine erſte Kalkdungung auch auf magerm Boden wohl immer eine auffallende Wirkung leiſten. Die ſchwaͤchſte Wirkung, aber doch immer noch einige, thut eine in kurzer Friſt wiederholte Kalkduͤngung, und ſie wird im⸗ mer ſchwächer, je oͤfterer ſie ohne dazwiſchen gebrachte humoſe Duͤngung wie⸗ derkommt.. 240 Mineraliſche Duͤngungsmittel. Auf gewiſſe Saaten hat die Kalkdungung einen ſtärkern Einfluß, wie auf andere; nach verſchiedenen Bemerkungen auf das Wintergetreide eine geringere wie auf die Sömmerung, aber die ſtärkſte auf die Huͤlſenfruͤchte, den Klee und kleeartige Gewaͤchſe. Die wiederholten Kalkduͤngungen ertraͤgt uͤbrigens der ſehr thonhaltige Bo⸗ den beſſer, wie der mehr ſandige, wobei theils die phyſiſche Wirkung des Kalkes als eine gelockerte Erdart, theils aber auch die chemiſche, indem naͤmlich der Thon den Humus weit hartnaͤckiger anhaͤlt, in Betracht kommt. Auch der moorartige Boden, wenn er trocken gelegt worden, ertraͤgt wiederholte und ſtarke Kalkduͤn⸗ gungen, indem immer zerſetzbare Materie genug vorhanden bleibt, worauf jene wirken können. Hier wird Kalk eine lange Zeit hindurch mehr bewirken, als Miſi.“ Dagegen wird ein magerer ſandiger Boden durch wiederholte Kalkduͤngungen, ungeachtet ſie jedesmal noch eine ſchwache unmittelbare Wirkung zu leiſten ſcheinen, endlich ganz verdorben werden. Trifft der Kalk keine organiſche Materie an, auf welche er wirken kann, auch vielleicht wenig Thon, mit welchem er ſich wahrſchein⸗ lich lieber zu Mergel verbindet, ſo vereinigt er ſich mit dem Sande zu Moͤrtel, der ſchwer aufloͤslich wird. Man cckert daher auf ſelchen uͤberkalkten Boden lauter Moͤrtelſtuͤcke heraus, die ſich kaum zertheilen laſſen, und es koſtet wiederholte Miſtduͤngungen, ehe man einen ſoſchen Boden wieder zu einem lohnenden Ertrage bringen kann. Den Beweis hiervon geben manche Aecker und ganze Guͤter in Schleſien; daſſelbe hat man aber auch in England in denen Grafſchaften, wo Dreifelderwirthſchaft mit einem geringen Viehſtande betrieben wird, aber viel Kalk vorhanden iſt, auffallend bemerkt. — — §. 55. mipultion Man bedient ſich des Kalks gewöhnlich im friſch gebrannten oder kohlenſäure⸗ freien Zuſtande, theils ſeiner groͤßern obengedachten Wirkſamkeit wegen, theils aber auch, weil er nur in dieſem Zuſtande in ein feines Pulver zerfaͤllt, und ſich innig mit der Ackerkrume vermengen laͤßt. Man eilt deshalb moͤglichſt den ge⸗ brannten Kalk zum Zerfallen zu bringen, und ihn ſodann mit der Erdkrume oder aber auch mit organiſchen Duͤngungsmaterialien zu vermengen. Man Mineraliſche Duͤngungsmittel. 241 Man hat zwei Hauptmethoden ihn dem Acker beizumiſchen, bei welchen dann freilich noch mancherlei Verſchiedenheiten in der Manipulation ſtatt finden. Die eine iſt die: daß man die Kalkſtuͤcke auf einen Haufen zuſammenbringt, in der Naͤhe eines Orts, wo man genugſames Waſſer haben kann. Man uͤber⸗ gießt ihn dann mit ſo vielem Waſſer, als erforderlich iſt ihn zu loͤſchen, d. h. ihn zu einem feinen Pulver, aber nicht zum Teig zu machen. Er muß hierbei durch⸗ gearbeitet werden, und die unzerfallnen groͤßeren Stuͤcke muͤſſen herausgeholt, wie⸗ der zuſammengebracht, und aufs Neue benetzt werden, damit alles in ein feines Pulver zerfalle. Der Kalk zieht hier ſein durch das Brennen verlornes Kryſtalli⸗ ſationswaſſer wieder an, aber wenig von ſeiner Kohlenſaͤure, und bleibt folglich noch in ſeinem ätzenden Zuſtande. Er wirkt daher auf die Weiſe wohl am ſtaͤrk⸗ ſten und zerſtörendſten auf unzerſetzte organiſche Materien im Boden, auf die In⸗ ſekten, Pflanzenfaſern und ſelbſt wohl auf manche Unkrautsſamen, die er zerſtort, auflöſt, und zu fruchtbarem Moder umwandelt. Er wird ſodann gleich mit Wa⸗ gen oder Karren auf den Acker ausgefahren, und von dem Fuhrwerke ab mit Schaufeln auf den umgepfluͤgten Acker ausgeſtreuet. Da dieſer Staub ſehr be⸗ ſchwerlich iſt, ſo muß man ſich bei dem Zuge des Wagens ſorgfaͤltig nach dem Winde richten, ſo daß dieſer ihn von den ausſtreuenden Menſchen auch von den Pferden wegwehe. Man hat, wo dieſe Kalkduͤngung ſehr gebraͤuchlich iſt, auch an den dazu beſtimmten Karren mit dem Rade umlaufende Walzen angebracht, ungefaͤhr wie an den Saͤemaſchinen, welche das Kalkpulver ausſtreuen. Die zweite gebraͤuchlichere und bequemere Art iſt die: daß man die Kalk⸗ ſtuͤcke in kleine Haufen, etwa eines Scheffels ſtark, auf den Acker in gehoͤrigen Zwiſchenraàumen vertheilt, und ſolche dann mit Erde, die man ringe um den Hau⸗ fen ausſticht, und dadurch zugleich einen kleinen Abzugsgraben fuͤr das Waſſer macht, bedeckt. Wenn der Kalk mehrentheils zerfallen iſt, ſo ſticht man ihn mit der Erde durch, und ſind noch Stuͤcke darunter, ſo ſetzt man ihn noch mahl wie⸗ der auf, und bedeckt ihn mit neuer Erde. Dieſe Bedeckung mit Erde hat man zwar vermuthlich in dem falſchen Wahne, als verlöre der Kalk einen fluͤchtigen Stoff, zuerſt eingefuͤhrt; aber ſie iſt doch reell nutzlich, weil ſich ohne ſolche Be⸗ deckung bei regnigter Witterung uͤber den Kalkhaufen eine Borke erzeugt, welche Zweiter Theil. Hb Behandlung des ausge⸗ ſtreuten Kalks. 242 Mineraliſche Duͤngungsmittel. theils das weitere Eindringen der Feuchtigkeit verhindert, cheils aber ſchwerlich wieder zu Pulver zerfaͤllt, ſondern in Stuͤcken zuſammengeklebt bleibt. Eine dritte Art, den Kalk zur Vertheilung auf den Acker vorzubereiten, iſt noch die: daß man ihn mit Raſen oder Raſenerde, da, wo man ſie nahe beim Acker haben kann, z. B. an den Rainen und Abhaͤngen der Felder oder bei binſigen aus⸗ zuſtechenden Sinken in Mieten zuſammenbringt, ihn darin zerfallen und den Ra⸗ ſen zerſetzen làßt. Dieſe Mieten werden dann einige Male umgeſtochen und wie⸗ der aufgeſetzt. Hier kann ſich der Kalk mit der Erde und dem Humus ſehr wirkſam verbinden und zertheilen, und dieſer oft leicht zu bereitende Kompoſt iſt von treff⸗ licher Wirkung. So bringt man ihn auch zwiſchen mooſigen Torf und mit unzer⸗ gangenen vegetabiliſchen Subſtanzen noch ſtark verſetzten Modder. Von ſeinem Gebrauche zu andern Kompoſtarten iſt F. 32. geredet worden. 6 Eine weſentliche Bedingung, wenn man von dem Kalk die erwuͤnſchte und moͤglich hoͤchſte Wirkung haben will, iſt die, daß er auf das allergenaueſte und innigſte mit der Ackererde durchmengt werde, ſo daß jedes ſeiner feinſten Partikeln mit jedem Partikel der Erde in Beruͤhrung und Wechſelwirkung komme. Hierbei iſt alſo die groͤßte Aufmerkſamkeit noͤthig. Wenn man ihn auf den geſtuͤrzten und vorgeeggeten Acker ausgeſtreuet hat, ſo wird er bei trockenem Wetter nochmals ſtark durchgeegget, und ſodann ſo flach, wie immer moͤglich, untergepfluͤgt. Am beſten bedient man ſich hierzu des Eyſtirpators, der ihn mit der Erde durchwuͤhlt. Nun wird wieder geegget, und darauf um ein weniges tiefer gepfluͤgt. So muß er mit Einſchluß der Saatfurche wenigſtens vier Mal mit Pflug, Egge oder dem genannten Werkzeuge durchgearbeitet werden, und zwar immer bei trockenem Wetter. Die Kalkduͤngung erfordert alſo nothwendig eine reine und vollkommene Brache. Auf die Weiſe wird dann auch die geruͤhmte Wirkung des Kalks, daß er das Land vom Unkraute reinige, voͤllig erreicht. Verfaͤhrt man dagegen hierin nachläßig, ſo thut der Kalk wenige Wirkung. Von einer ſchwachen Kalkung ver⸗ ſpuͤrt man gar keine, von einer ſtarken oft eine nachtheilige, indem der Kalk zu Moͤrtelſtuͤcken wird. Wo man den groben Fehler beging, ihn mit der erſten Furche zur vollen Pflugtiefe unterzubringen, da hat ſich eine Kalkborke unter der⸗ ſelben erzeugt, welche dem Pfluge ſo in Wege iſt, daß der Boden dadurch ganz Mineraliſche Duͤngungsmittel. 243 frach geworden. Dies iſt nämlich in den Gegenden geſcheben, wo der Kalk wohl⸗ 4 feil iſt, und man alſo verſchwenderiſch damit umging. H. 57. 7 Die Quantität des aufzufuͤhrenden Kalks wird ſehr verſchieden angegeben. Quantität der Das Geringſte, was man mit Rutzen aufgebracht hat, ſind 16 Scheffel per bealvingins. gen geweſen; aber ich finde auch Angaben, beſonders bei den Engländern, von 150 Scheffeln auf den Morgen, insbeſondere bei neu urbar gemachtem Lande. Es kommt dabei 1) auf die Qualitaͤt des Kalks an, ob er naͤmlich ziemlich rein oder mit vielem Thon oder Sand vermengt ſey, auch wenn man ihm dem Volu⸗ men nach mißt, ob er compakter oder loſer ſey. Ferner auf die Art des Bodens, indem der gebundene thonige Boden und der viele unzerſetzte Pflanzentheile ent⸗ haltende, moorige, aber trocken gelegte— denn auf feuchtem Boden thut der Kalk durchaus keine gute Wirkung— eine ſehr ſtarke Kalkung mit Vortheil ertra⸗ gen kann, der mehr ſandige aber einer geringern bedarf. Endlich iſt unter der Kalkduͤngung, die nur einmal unternommen werden, und derjenigen, die regulär abwechſelnd mit der Miſtduͤngung wiederkommen ſoll, ein Unterſchied zu machen. Jene nimmt man nur vor, um dem Acker auf einmal eine radikale Verbeſſerung, welche man ſich vom Kalk unter ſchon angegebenen Bedingungen verſprechen kann, zu geben; dieſe, um ihn fortdauernd in Fruchtbarkeit zu erhalten. Jene Kalkung muß ſehr ſtark, dieſe darf nur ſchwach ſeyn, und muß mit der Miſtduͤn⸗ gung im Verhaͤltniſſe ſtehenz denn man pflegt im letzteren Falle alle drei oder ſechs Jahre mit Miſt und Kalkduͤngung abzuwechſeln. Es giebt allerdings aber auch Gegenden, wo man drei bis vier Mal nach einander alle drei Jahre die Brache kalket, bevor man eine Miſtduͤngung giebt; wobei dann— der Acker. àußerſte erſchoͤpft worden iſt. F. 58. Ueber die Vortheile und Nachtheile der Kalkduͤngung findet man die auffal⸗ Widerſprůche tendſten Widerſpruͤche, aus welchen man ohne den Leitfaden einer richtigen Theo⸗ uͤber Kalkdün⸗ rie ſich gar nicht, mit demſelben aber ſehr leicht herauswickeln kann. Der Kalk, beſonders der friſch gebrannte, giebt durch ſein Anziehen oder Wiederab Jeben der Kohlenſaure den Pflanzen allerdings wohl einige wirkliche Nahrung, allein ſie iſt k von keiner großen Bedeutung, und ſeine Hauptwirkung beſteht darin, daß er den 5 Koften der Kallduͤngung. — 244 Mineraliſche Duͤngungsmittel. Humus und die vegetabiliſchen Theile zerſeßt und zu einem geſunden Nahrungsſtoff fuͤr die Pflanzen umwandelt. Daher iſt ſeine Wirkung groß, wenn er dieſer Ma⸗ terie viel antrifft. Die Zerſtörung des Unkrauts bei guter Behandlung iſt ſchon von großem Belange. Natuͤrlich hat man daher von einer Kalkduͤngung, manch⸗ mal ſogar von einer wiederholten, ſo reiche Ernten gehabt, wie von keiner Miſt⸗ duͤngung. Unverſtändige haben daher der erſteren vor der letzteren einen Vorzug gegeben, und dieſe ganz entbehren zu können geglaubt. Aber die Erſchoͤpfung des Bodens zeigte ſich dann fruher oder ſpaͤter als abſchreckendes Beiſpiel, und nun hat man fuͤr die Gefahr einer jeden Kalkduͤngung gewarnet. Der Verſtändige aber, der einſah, daß der Kalk dieſen Miſt keinesweges entbehrlich mache, ſeine Wirkung aber verſtaͤrke, benutzte die Fruchtbarkeit, welche der Kalk den erſten Saaten gab, um deſto mehr Material zu einer ſtaͤrkern Miſtduͤngung zu gewin⸗ nen, und ſomit durch Miſt dem Acker das wieder zu erſetzen, was der Kalk in die uͤppige Vegetation uͤbergetrieben hatte. Er bedient ſich auch da des Kalks noch fortdauernd auf eine mäßige Weiſe, wo andere gaͤnzlich von deſſen Auffuhr abge⸗ ſchreckt ſind. §. 59. Die Anwendbarkeit der Kalkduͤngung haͤngt hauptſaͤchlich von den Koſten ab, wofuͤr man ſie haben kann, und dieſe ſind der Lokalität nach ſehr verſchieden. Wenn man einen Winſpe! Kalk, welcher im Durchſchnitt auf 1 Morgen urbares Ackerland gehoͤrt, fuͤr 10 bis 12 Rchlr. auf den Acker bringen kann, ſo iſt es die⸗ ſer Ausgabe werth; beſonders in dem Falle, wo der Boden in guter Dungkraft ſteht, aber mit Unkraut ſo angefullt iſt, daß die Ernten deshalb ſeiner Kraft nicht entſprecheu, und unter der Vorausſetzung, daß man doch eine reine Brache halten will und muß. Hier wird ſich dieſe Auslage in kurzer Zeit wieder bezahlen. Es verſteht ſich, daß man ſtatt des Kalkes kein anderes in ſeiner Wirkung ihm gleich⸗ kommendes Duͤngungsmittel, kalkreichen Mergel, Seifenſieder- oder gute Torf⸗ aſche mit geringeren Koſten haben koͤnne. Die Koſten einer Kalkduͤngung laſſen ſich nach der Lokalitaͤt von jedem leicht berechnen. Sie ſind da am geringſten, wo man einen Kalkſteinbruch in der Naͤhe hat, oder in Kalkſteinge ſchieben den Leſekalk in Menge findet, oder auch von dem ſoge⸗ nannten Mergelkalk leicht Kalkziegel ſtreichen kann; wenn zugleich das Feuerma⸗ ———————A Mineraliſche Duͤngungsmittel. 245 terial, Holz, Steinkohle und Torf, wohlfeil iſt, und man ihn alſo leicht an Ort und Stelle brennen kann, ohne ihn weit anfahren zu laſſen. Bei einer weiteren Anfuhr des rohen Kalkſteins muß man wohl erwägen, daß er beinahe doppelt ſo ſchwer iſt, als der gebrannte, und daß man alſo bei der Fuhre leicht ſo viel verlie⸗ ret, wie man durch das Selbſtbrennen gewinnt. Wenn gleich der reine Kalk auch zur Duͤngung immer beſſer iſt, als der unreine, ſo kann man doch auch letztern dazu gebrauchen. Wenn er nur nicht uͤber 15 Prozent Thonerde hat, ſo iſt er zum Brennen noch zu brauchen, und an Sand kann er noch mehr halten. Man⸗ cher Kalkſtein iſt mit vielen metalliſchen Oryden vermengt, die ihn wegen der ſchmutzigen Farbe zum Moͤrtel verwerflich machen; zum Duͤnger bleibt er aber dennoch gut. Nur gegen den bittererdigen Kalk hat Tennant und nach ihm mehrere Engländer gewarnt, und wollen von der kohlenſaͤurefreien Bittererde eine hoͤchſt nachtheilige Wirkung auf die Vegetation bemerkt haben. §. 6o. Ueber die Wirkung des gebrannten Kalks auf Wieſen geſtreut ſind die Mei⸗ Wirkuns des nungen ebenfalls getheilt. Ich kenne daruͤber keine genau angeſtellte und verſchie⸗ dentlich modifizirte Verſuche, aber ſo viel ſcheint mir aus den zerſtreuten Erfah⸗ rungen zu erhellen, daß man vorſichtig damit verfahren muͤſſe, und daß ein ſtarkes Aufbringen des ätenden Kalks leicht gefaͤhrlich werden koͤnne. Ein ſchwaches Ueberſtreuen ſoll dagegen auf trockenen Wieſen ſehr gute Wirkung, auf naſſen aber gar keine gethan haben, und man hat beſonders bemerkt, daß die Kleearten und Wicken ſtarker dadurch hervorgelockt ſind. Sehr kalkhaltige Gewaͤſſer thun durch Ueberſtauung und Ueberrieſelung den Wieſen vorzuͤgliche Dienſte, aber hier wird kohlenſaurer und dennoch fein zertheil⸗ ter Kalk niedergeſchlagen. §. 61. Der ungebrannte Kalk iſt allerdings auch wirkſam; aber cheils iſt ſeine Wir⸗ ungebraunter kung nicht ſo groß, wie die vom gebrannten, und er muß in groͤßerer Menge auf⸗ Kalk. gebracht werden, wenn er etwas leiſten ſoll; theils iſt es ſehr ſchwer, ihn ſo fein zu puͤlvern, als noͤthig iſt. Er kömmt deshalb faſt nur zufällig und als Abfall in Gebrauch. Der Abkehrigt von Kalkſtein⸗Chauſſeen wird mit ſehr großem Nutzen auf die anliegenden Aecker gebracht, der dann freilich auch andere duͤngende Theils Der Mergel. Meinungen uͤber den Mergel. 246 Mineraliſche Duͤngungsmittel in ſich begreiſt. Von dem Marmorſtaube aus den Werkſtäten der Steinhauer hat man ſehr gute Wirkung geſehen. Selbſt der alte Mörtel ſcheint ſich mit der Zeit aufzulöſen, wenn er in Verbin⸗ dung mit faulenden Theilen kommt. Er thut wenigſtens, auf Wieſen gebracht, eine ſehr auffallende Wirkung, aber erſt nach einigen Jahren. Der Mergel beſteht aus Thon und kohlenſaurem Kalk, wie wir wiſſen, in ſehr verſchiedenen Verhaͤltniſſen, aber innig mit einander vermiſcht, ſoll er anders den Namen Mergel verdienen. Mittelſt dieſer Beſtandtheile wirkt er als Duͤngungsmit⸗ tel auf eine doppelte Weiſe; phyſiſch durch den Thon, indem er die Konſiſtenz des loſen Bodens dadurch verbeſſert, und zwar auf eine beſtändig nachhaltende Weiſe, und chemiſch durch den Kalk oder eigentlich duͤngend, welche Wirkung ſich aber nach und nach vermindert, und endlich ganz verliert. Dieſe beide Wirkungen muͤſſen wir wohl unterſcheiden. Er thut mehr die eine oder die andere, je nachdem der Thon oder der Kalk in ihm uͤberwiegt. Um die erſtere merklich durch den thonigen Mer⸗ gel zu erreichen, muß er natürlich weit ſtärker aufgefahren werden, wie der kalkige Mergel, von dem man nur die letztere erwartet, und jene phyſiſche nachhaltende Ver⸗ beſſerung findet auch nur auf demjenigen Boden ſtatt, welcher deren bebarf; woge⸗ gen einem ohnehin zu thonigen Boden das Auffahren des Thonmergels, wenigſtens nachdem die Wirkung des Kalkes voruͤber iſt, nur nachtheilig werden koͤnnte. Durch die innige Mengung der beiden Beſtandtheile hat der Mergel den großen Vorzug vor dem bloßen Thon oder Lehm, und vor dem kohlenſauren Kalk, oder etwa vor einer kuͤnſtlichen Vermengung beider, daß er ſich von ſelbſt vollkommen zertheilt, in das feinſte Pulver zerfaͤllt, und ſich in den kleinſten Partikeln mit der Ackerkrume vermengen laͤßt. F. 63. Der Nutzen des Mergels iſt ſchon in uralten Zeiten bekannt geweſen, und er iſt hier und da, wo einige Betriebſamkeit im Ackerbau herrſcht, immer aufgefahren wor⸗ den. Daß ſich ſein Gebrauch nicht mehr verbreitete, lag wohl hauptſächlich an der unkenntniß ſeiner Natur. Man verband den Begriff des Mergels immer nur mit einem Mineral von einer gewiſſen in die Sinne fallenden Beſchaffenheit. Da nun der Mergel ſo mannigfaltige Geſtalten und Farben hat, ſo erkannte Niemand den —— Mineraliſche Duͤngungsmittel. 247 Mergel, der anders ausſah, als die ihm bekannte Art. So ließ der große Frie⸗ derich— der die geſundeſten und richtigſten Begriffe vom Ackerbau hatte, aber end⸗ lich durch den geringen Erfolg, den ſeine Anordnungen, weil man ſie mißverſtand, hatten, davon abgeſchreckt wurde— in den ſechziger Jahren viele Mergelgraͤber kommen, welche die ſaͤmmtlichen Marken durchreiſen, und nach Mergel ſuchen muß⸗ ten, erhielt aber von allen Orten her den Bericht, daß, der ſorgfaͤltigſten Unterſu⸗ chung ungeachtet, nirgends Mergel aufzufinden ſey; und dennoch liegt in den Mar⸗ ken der Mergel im groͤßten Ueberfluſſe, und zwar gerade von einer ſolchen Beſchaf⸗ ſenheit, wie ſie dem groößern Theile des Bodens am angemeſſenſten iſt. Das Vor⸗ urtheil, daß hier kein Mergel zu finden ſey, war ſo eingewurzelt, daß man mich beinahe verſpottete, wie ich anfangs vom Mergeln ſprach. Dieſe aus gebirgigten Orten hergekommenen Mergelgraͤber kannten vermuthlich nur den ſteinigen Mergel, der ſich freilich nicht anders als in gebirgigten Gegenden findet. In andern Gegen⸗ den kannte man nur den weißen Mergelkalk, welcher ſich nicht leicht anders als in Riederungen und in wenig maͤchtigen Lagern findet. Der lehmige Mergel, welcher in den Ebenen am meiſten verbreitet iſt, war faſt allgemein verkannt, und wo der Zu⸗ fall deſſen Rutzen gelehrt hatte, wie in der Pretzer Probſtey in Hollſtein(Vergleiche Thaers vermiſchte Schriſten Bd. I. S. 631., da glaubte man, ausgegrabener Lehm thue dieſe Wirkung, und nahm nun freilich zu Zeiten Lehm, der kein Mergel war, hatte alſo auch nicht die erwartete Wirkung davon. Die Chemie konnte uns zuerſt Aufſchluſſe uber die Erfahrungen geben, die im Widerſpruch mit einander zu ſtehen ſchienen. Ferner ſtand der Verbreitung des Mergelns der Mißbrauch entgegen, welchen man davon gemacht hatte. Wo man ſich namlich von ſeiner großen duͤngenden Eigenſchaft uͤberzeugt hatte, berechnete man häufig, daß er wohlfeiler als der Miſt ſey; glaubte des letztern entbehren zu koͤnnen, ſchraͤnkte den Viehſtand ein, und ver⸗ kaufte Hen und Stroh an andere, die nicht mergelten. Natuͤrlich ward alſo der Bo⸗ den, nachdem die chemiſche Wirkung des Mergels voruͤber war, unfruchtbar, und eine zweite Mergelung half bei einem humusleeren Voden ſehr wenig. Deshalb entſtand ſchon vor mehreren hundert Jahren das Sprichwort; der Mergel mache reiche Väter, aber arme Kinder; und das Wort ausmergeln; welches man, ſelbſt ohne Rückſicht auf ſeinen Urſprung, überhaupt fuͤr das Erſchoͤpfen des Bodens ge⸗ Auffuhr des Mergels an beguͤnſtigten Orten. 248 Mineraliſche Duͤngungsmittel. braucht. Bei einer guten Wirtbſchaft iſt aber jenes Sprichwort ſo wenig wahr, daß man im Gegentheil ſagen kann, der Mergel vermehre den Reichthum progreſſiv bei jeder Generation, indem durch ihn auch das Material des Miſtes ſelbſt in immer groͤ⸗ ßerer Quantitaͤt erzengt wird⸗ §. 64. Ueber die Natur, die Kenntniß, die Art und die Lage des Mergels haben wir S. 94 in den F. 89. geredet. Es bleibt alſo nur die Rede von. Anwendung und von der Manipulation uͤbrig. Da die Anfuhr das erheblichſte und koſtſpieligſte iſt, ſo muß man vor allem ihn an der naͤchſten Stelle des zu bemergelnden Feldes außzufinden ſuchen. Geſetzt auch daß er an einer ſolchen Stelle, der tiefern Lage wegen, beſchwerlicher zu gewinnen und aufzuladen wäre, ſo wird dies, der nahen Anfuhr wegen, doch immer erſetzt. Dieſe Ruͤckſicht tritt da am ſtaͤrkſten ein, wo man vom lehmigen Mergel eine ſtärkere Auf⸗ fuhr machen, und ſomit loſen Boden durch die Thontheile verbeſſern will. Gluͤckli⸗ cher Weiſe findet ſich aber dieſer thonige Mergel in Gegenden, wo er an einem Orte ſteht, auch faſt allgemein verbreitet, liegt nur flacher oder tiefer unter der Oberflaͤche; wogegen der kalkige und ſteinige Mergel ſi ch oft nur an einzelnen Stellen abgelagert hat, und oſt weit her angefahren werden muß; was aber bei der geringen Quantitaͤt, deren man bedarf, dann auch leichter geſchehen kann. Bei einer nicht merklich verſchiedenen Entfernung hat man dann die Stelle zur Mergelgrube zu waͤhlen, wo er am flachſten liegt, und wo die Grube dem mindeſten Waſſerzulauf ausgeſetzt ſeyn wird. In allen ebenen Gegenden liegt der Mergel am flachſten an der Spite der Hügel, und zwar mehrentheils ſolcher Hugel, die ſich durch eine dunkelbraune bei mäßiger Feuchtigkeit zerkruͤmelnde Lehmerde auf der Hterfiaͤche auszeichnen. Bevor man die Rietgelgwbe anlegt, muß man ſich durch den Erdbohrer, oder durch nebeneinander eingeſenkte Löcher uͤberzeugen, daß der Mergel, von gewuͤnſch⸗ ter Beſchaffenheit, ſich daſeköſt in betraͤchtlichen Lagern befinde. Es iſt jedoch ſelten, daß man ihn ganz ununterbrochen findet, und daß beſonders in den obern Schichten nicht Sandadern und Sandlagen dazwiſchen kommen. Dieſe duͤrfen daher nicht ab⸗ ſchrecken, und das unbrauchbare kann bei der Bearbeitung der Mergelgrube leicht bei Seite Nineraliche Duͤngungsmittel. 249 Seite geſchafft, und ſogar zur Ausfuͤllung der tief ausgegrabenen Stellen nutzlich an⸗ gewandt werden. Man unterſucht ſodann den Gehalt des aufgefundenen Mergels. Er iſt ſelten ganz gleich, und wechſelt von Stellen zu Stellen ab. Man muß daher mehrere Stucke unterſuchen, und den Gehalt im Durchſchnitt nehmen, indem er bei dem Ausfahren ziemlich durcheinander gemengt wird. Je ſandiger der Boden iſt, worauf man den Mergel bringen will, um deſto nutzbarer iſt der mergeligte Thon, der wenig Kalktheile hat, und er wird ſchon brauchbar, wenn er 12 bis 15 Prozent Kalk ent⸗ hält, obwohl man ihn, um die Wirkung des Kalkes zu erreichen, ſo viel ſtärker auf⸗ fahren muß. Nur der vielen Sand enthaltende Mergel iſt fur ſolchen Boden verwerf⸗ lich. Auf thonigem und lehmigen Boden hingegen wuͤrde jener Mergel nicht paſſen, und man muß da ſolchen aufzufinden trachten, der wenigſtens 40 Prozent, beſſer aber noch mehr an Kalk enthalt. Dagegen ſchadet hier der ſandige Mergel, der manchmal vielen Kalk hat, nicht; ſondern iſt im Gegentheil vorzuglich anwendbar. Der ſteinige Mergel in geburgigen Gegenden iſt fuͤr den Thonboden beſonders geeignet, indem er wenig Thonerde, ſondern groͤßtentheils Kalk und feine Kieſelerde zu enthal⸗ ten pflegt. Nur zerfaͤllt er oft erſt ſpãt. §. 68. Nachdem man ſich von der Zweckmäßigkeit der Stelle und ihres Gehalts uͤberzeugt hat, legt man durch Abraͤumung der Oberfläche die Mergelgrube an. Dieſe Abräu⸗ grube. mung muß ſo tiet geſchehen, bis man auf die eigentliche Mergellage, welche einen gehoͤrigen Gehalt hat, kommt. Der Abraum iſt manchmal zur Ausfuͤllung von Sin⸗ ken, die ſich in der Nachbarſchaft der Mergelhuͤgel zu finden pflegen, zu gebrauchen. Sonſt bringt man ihn auf den unteren Rand der Grube in genngſame Entfernung, um nicht auf die Wand derſelben zu druͤcken, aber doch auch nicht zu weit weg, weil man ſich deſſen zur Ausfuͤllung der tief ausgegrabenen Stellen in der Folge nutzlich bedienen kann. So wie man alle Arbeiten bei dieſer Operation moͤglichſt zu verdingen ſuchen muß, ſo iſt dies auch ſchon bei dem Abraume der Fall, und man macht dieſen Verding ſchachtruthenweiſe, oder nach anderen in der Gegend bekannten Maßen. Will man ſich der abgeraumten Erde nicht zu einem beſondern Zwecke an einem ent⸗ ferntern Orte bedienen, ſo laßt man ſie nicht durch Pferde, ſondern nur durch Hand⸗ karren wegſchaffen, zuweilen auch nur durch den Wurf auf den Rand hinauswerfen · Zwelter Theil. Ji Laden und Ausfuhr des Mergels. 250 Mineraliſche Duͤngungsmittel. Dieſes Wegſchaffen giebt man dann zugleich mit in Verding. Manchmal kang man ſich auch des Mollbretts, welches in der Folge beſchrieben werden wird, bedienen. Zuweilen iſt es rathſamer den Abraum von der ganzen Füche und in der vollen Breite, die man der Grube zu geben gedenkt, wegſchafſen zu laſſen; zuweilen aber erſt eine ſchmälere Breite zu nehmen, naͤmlich in dem Fall, wo man nicht ſehr tief zu gehen gedenkt, und den fernern Abraum dann wieder zur Ausfuͤllung der ausge⸗ ſtochenen Breite gebrauchen will. Man kann ſich auf die Weiſe von einer niedern Stelle eines Mergelhuͤgels immer weiter nach deſſen Gipfel zu hineinarbeiten. Will man hingegen ſtark in die Tiefe gehen, wozu man ſich oft, weil der Mergel immer gleichartiger und kalkreicher wird, veranlaßt findet, ſo muß die Mergelgrube gleich weit genug angelegt werden, damit man mehr Raum darin habe, und ſich gegen das Einſtuͤrzen der Waͤnde ſichern koͤnne. Eine Breite von 6 Ruthen und eine Laͤnge von 8 Ruthen machen eine mäßige Mergelgrube aus. Jedoch giebt es Faͤlle, wo man ſie doppelt ſo groß macht. Sodann muß man der Mergelgrube eine beſondere Einfahrt und Ausfahrt geben, damit das Fuhrwerk nicht darin zu wenden brauche. Beide muͤſſen gelinde abgedacht ſeyn, ſo daß ſie bequem in die Grube hinein und herausfuͤhren. F. 66. Bei der Arbeit der Mergelausfuhr muß man das gerechte Verhältniß zwiſcher den Arbeitern, die den Mergel loshacken und laden, und dem Fuhrwerke zu treffen ſuchen; ſo daß eins nie auf das andere zu warten braucht. Dies Verhältniß iſt nach der Entfernung verſchieden, wohin der Mergel abgefahren wird, und wiederum nach der Tiefe, aus welcher er hervorgeholt werden muß, nach ſeiner Zähigkeit, nach der Wieterung, und oft nach dem Waſſer, welches ſich in der Grube ſammelt. Es muß ſo eingerichtet werden, daß immer ein Fuhrwerk zum Laden in der Grube bereit ſtehe, aber auch nicht zu warten brauche, um voll geladen zu werden. Es duͤrfen fur die Lader wenigſtens nur ſo lange Pauſen eintreten, als noͤthig ſind den Mergel loszu⸗ hacken, oder ihn aus einer groͤßern Tiefe herauf zu werfen. Geht die Arbeit ſchnell, ſo muͤſſen beſondere Hacker und beſondere Lader da ſeyn. Wenn die Entfernung groͤßer iſt, ſo kann natuͤrlich jedes Fuhrwerk nicht ſo ſchnell wieder zuruͤckkehren, als wenn in der Raͤhe abgeſtoßen wird. Es muß ſich Mineraliſche Duͤngungsmittel. 254 alſo das Verhaͤltniß des Fuhrwerks zu den Arbeiten darnach vermehren oder vermin⸗ dern, welches ſich leicht bei Beobachtung der Lokalitaͤt beſtimmen laͤßt. Kann man bei derſelben Zahl der Handarbeiter an einem Tage mehr Geſpann geben, ſo fährt man weiter ab; kann man weniger geben, dann näher der Mergelgrube. Und ſo auch umgekehrt, wenn man mehr oder weniger Handarbeiter hat. §5. 6 Bei der Verdingung der Arbeit pflegt man manchmal das Abfahren, wozu man 3 jedoch die Pferde und das Fuhrwerk giebt, mit einzuſchließen oder nicht. Erſteres der Arbeit. geſchieht wenn man beſondere Pferde und Karren zum Mergel⸗ und Modderfahren an⸗ geſchafft hat, wozu man dann ſolche Pferde zu nehmen pflegt, an denen nicht viel zu verderben iſt. Wenn die weiteſte Entfernung nicht uͤber 70 bis 80 Ruthen iſt, ſo bezahlt man fuͤr ein Fuder, welches etwa 13 Kubikfuß haͤlt, in Hollſtein 12 Schilling oder 9 Pfennige ſchwer Geld. Hat man aber Knechte oder beſondere Fuͤhrer bey den Pferden, ſo bezahlt man fuͤr das Laden eines Fuders 6 bis 7 Pfennige. Ich gebe bier fur ein ſolches Fuder zu laden einen ſchlechten Groſchen, welches wenig mehr als einen Schilling ſchwer Geld macht. Es verſteht ſich aber, daß alsdann beim Loshauen und Laden keine beſondere Schwierigkeiten ſich finden durfen, und daß der Mergel nicht aus der Tieſe heraufgeworfen zu werden brauche, ehe er auf den Wagen geladen wird. So richtet man es ein, wenn man Ackergeſpann bei mußigen Zeiten zum Mergelfah⸗ ren nimmt, welches men den Arbeitern nicht ubergeben will, und wozu man auch Knechte hat. Ob es rathſamer ſey beſondere Pferde darauf zu halten, oder das Ackergeſpann in muͤßigen Zeiten damit zu beſchäftigen, haͤngt ganz von Lokalverhältniſſen ab. Will man die Sache bis zu einer beſtimmten Ausdehnung betreiben, ſo iſt erſteres faſt unumgaͤnglich nothig. Denn ſonſt richtet ſich der Fortſchritt der Arbeit nur nach der Muße, die die Pferde und zugleich die gewöhnlichen Arbeiter haben. Halt man beſon⸗ dere Mergel Pferde, ſo muß man auch beſondere Arbeiter zu dieſem Geſchäͤfte anſtellen. Nach den Pferden richtet ſich auch in den meiſten Faͤllen wohl das Fuhrwerk. Bei eigenen Mergel Pferden ſind einſpännige Steigkarren ohne Zweifel am rathſam⸗ ſten, und die mit dieſer Arbeit immer beſchäſtigten Pferde gewoͤhnen ſich leicht ſo, daß bei zwei oder drei Karren nur ein Treiber zu ſeyn braucht. Das Umſturzen der Kar⸗ ren thun dann die Leute, welche wit dem Ausſtreuen zugleich beſchaͤftigt ſind. Nimmt Fi2 Ungleichheit des Mergels in einer Grube. Bearbeitung der Grube. 252 Mineraliſche Duͤngungsmittel. man aber Ackerpferde, ſo iſt ein zweiſpaͤnniger Wagen vorzuziehen. Zu vierſpaͤnni⸗ gen Zuͤgen rathe ich nicht, wenn der Weg nicht ſehr weit und ſchwierig iſt. Auf kurzen Wegen ziehen zwei Pferde faſt eben ſo viel als vier. Mit dieſen habe ich hoͤch⸗ ſtens Ladungen von 25 Kubikſuß erreicht, mit jenen 18 bis 19 in der Regel fahren laſſen. Der Kubikfuß wiegt in ſeinem gewoͤhnlichen Zeuchtigkeitszuſtande 100 bis 1o3 Pfund Berliner Gewicht. §. 68. Selten bleibt ſich der Mergel, insbeſondere der thonige in einer Grube ganz gleich. Es kommen Schichten und Saͤtze, wo er betraͤchtlich mehr, andere wo er weniger Kalk hat. Wenn man noch nicht geuͤbt genug iſt, dies ziemlich ſicher nach dem Anſehen unterſcheiden zu koͤnnen, ſo muß man oͤfterer eine oberflaͤchliche Unter⸗ ſuchung anſtellen. Je tiefer man kommt, deſto gleichartiger pflegt er zu werden. Hft findet ſich eine Sandſchicht oder Sandader dazwiſchen. Dieſer Sand iſt manch⸗ mal ſehr kalkreich, und dann iſt er vortrefflich auf thonigem Boden, oder um ihn zwiſchen Modder oder Torf zu bringen. Kann man aber den Sand oder den kalkar⸗ men Lehm nicht gebrauchen, ſo muß man ihn doch aus dem Wege ſchaffen, und ſtoͤßt ihn dann in die ausgeſtochenen Tiefen, wo man nicht weiter gehen will, hinein. F. 6g. Ob man mit dem Ausſtechen des Mergels tiefer eindringen ſolle ader nicht, ent⸗ ſcheidet der Umfang der Mergellage und die Art des Mergels, der immer kalkhaltiger zu werden pflegt, je tiefer man kommt. Aber die Arbeit wird muͤhſamer und koſt⸗ ſpieliger, und auch ohne große Vorſicht gefaͤhrlicher. Es muß der Mergel dann aus der Tiefe in Abſaͤtzen heraufgeworfen werden, ehe er geladen werden kann, und dieſes koſtet oft das Doppelte. Sehr aufmerkſam muß man darauf ſeyn, daß die Leute die Waͤnde gerade erhalten, und nicht uͤber die perpendikulare Linie hineinarbeiten, weil ſonſt ſehr leicht durch das Einſtuͤrzen einer Wand ein Ungluͤck entſtehet. Bei dem tieferen Eindringen hat man dann auch mehrentheils mit dem Waſſer zu kämpfen, welches ſich theils von oben herab in die Grube zieht, theils aus den Sandadern hervordringt. Man muß es durch eine Schnecke oder Plumpe heraus⸗ ſchoͤpfen. Zuweilen wird aber der Zufluß des Waſſers aus einer Quelle ſo ſtark, daß man die Grube verlaſſen muß, es ſey denn, daß der Grund derſelben noch hoch ge⸗ nug läge, um ſich deſſen durch einen Stollen entledigen zu koͤnnen. Mineraliſche Duͤngungsmittel. 253 Selten pflegt man daher tiefer einzugehen als 10 bis 12 Fuß. Indeſſen haben es ſich einige nicht verdrießen laſſen ſehr guten Mergel 24 Fuß heraufzuholen. §. 70. Die Quantität des aufzufahrenden Mergels iſt ſehr verſchieden. Es kommt da⸗ Quantitit. bei auf die Art des Mergels, die Beſchaffenheit des Bodens und den Zweck an, welchen man damit erreichen will. Je kalkhaltiger der Mergel iſt, um deſto weniger bedarf es deſſen, weil man bei dieſem Mergel nur auf die duͤngende Kraft der Kalk⸗ theile Ruͤckſicht nimmt. Man haͤlt deshalb eine Auffuͤhrung von 20 bis 25 Ladun⸗ gen a 18 Kubikfuß per Morgen ſchon fuͤr eine gute Mergelung. Solcher Mergel hat dann aber 60 und mehrere Prozent Kalk, und wird auf lehmigem oder thonigen Boden gebraucht. Je mehr der Thon uͤberwiegt, deſto ſtärker muß aufgefahren werden, und ins⸗ beſondere auf ſandigem Boden, welcher dann aber außer der chemiſchen Beftuchtung vom Kalk eine phyſiſche und ausdauernde Verbeſſerung dadurch erhaͤlt. Mit mer⸗ geligen Lehm wird ein ſolcher Voden 1 Zoll hoch uͤber und uͤber wohl befahren, da dann 120 Ladungen erwähnter Stärke auf den Morgen gehoͤren. In den meiſten Gegenden, wo man die Mergelung erſt anfing, hat man dieſen Mergel ſo ſtark und oft noch ſtärker gebraucht, allerdings mit nachhaltigem Nutzen und zur radikalen Verbeſſerung des Bodens. Indeſſen finde ich, daß man in allen Gegenden, wo man mit der Sache bekannter geworden, und ſie mehr im Großen betrieben hat, ſparſa⸗ mer damit geworden ſey, und ſich mit 60 ſolcher Ladungen oft mit 40 begnuͤge. Man hat von dieſer ſchwächeren Mergelung dennoch die erwuͤnſchte Wirkung gehabt, nur keine ſo nachhaltige, und nur auf 10 bis 12 Jahr ausdauernde. Aber man hat dann um ſo mehr Vortheil dabei gefunden, die N lung nach 12 bis 16 Jahren zu wiederholen, was bei jener ſtarken Mergelung ſich nicht ſo vortheilhaft zeigte. Da⸗ ber läßt man die Arbeit, welche man daran wenden kann, zu Anfange lieber einer großeren Fläͤche zu gut kommen, und 60 ſolcher Fuder ſind bei Mergel, der etwa 25 Prozent Kalk enthält, das gewoͤhnlichſte, wodurch das Land 4 Zoll hoch bedeckt wird. Hat der Mergel beträchtlich weniger Kalk— in welchem Falle er ſich nur ſandigem Boden paßt— ſo muß man in dem Verhältniß mehr auffahren, wenn man eine beſriedigende Wirkung von ihm haben will. Wiederholung des Mergelns. Dauer ſeiner Wirkung. Mineraliſche Duͤngungsmittel. Aus der Verſchiedenheit der Staͤrke der Auffuhr des Mergels und des Bodens laſſen ſich die widerſprechenden Erfahrungen, die man uͤber die Wiederholung des Mergelns gemacht hat, erklaren. Einmal hat man naͤmlich vom zweiten oder drit⸗ ten Mergeln keine Wirkung verſpuͤrt, oder gar eine nachtheilige. Ein anderes Mal hat die zweite ja die dritte Mergelung mehr gewirkt als die erſte. In erſtern Falle war alles, was der Mergel geben kann, noch genug im Boden vorhanden; man hatte aber die Miſtduͤngung vernachläſſigt, und der erſchoͤpſte Humus konnte durch keinen gewoͤhnlichen Mergel erſetzt werden. War es thoniger Mergel, ſo ward ein Boden, dem es vielleicht an Thon ohnehin nicht gebrach, mit Thon uͤberfullet, und wirklich dadurch verdorben. Im zweiten Falle hatte man die Miſtduͤngung nicht ver⸗ abſaumt, und der Mergel war dem Boden in Anſehung ſeiner phyſiſchen Wirkung angemeſſener: die Konſiſtenz des Bodens verbeſſerte ſich⸗ Wo man regular mergelt aber auch genugſam miſtet, nimmt man es als ein Zeichen an, daß der Acker des Mergels mehr als des Miſtes wieder beduͤrfe, wenn Unkraut irgend einer Art uͤberhand darauf nimmt, und uͤppig darauf wäͤchſt. Dann vertilgt nicht nur der Mergel, mit dem freilich eine ſleißig bearbeitete Brache verbun⸗ den iſt, das Unkraut, ſondern giebt auch mehrere Fruchtbarkeit als der Miſt. Denn das Ueberhandnehmen und die Ueppigkeit des Unkrauts beweiſet, daß noch vegetabi⸗ liſcher Nahrungsſtoff genug im Boden, dieſer aber dem Unkraut angemeſſener, wie dem Getreide ſey. Die chemiſchen Wirkungen des Mergels aͤndern die Natur des Humus wahrſcheinlich um. Wo aber wiederholte Mergelungen gebraͤuchlich ſind, iſt man in der Regel ſpar⸗ ſamer in der Quantitàͤt. Vom thonigen Mergel fahrt man dann auf ſandigen Bo⸗ den 25 bis 30 Ladungen, vom kalkigen Mergel auf Lehmboden oft nicht mehr als 10 Ladungen auf. 5 2. Die Dauer ſeiner Wirkung wird eben ſo verſchieden angegeben, und muß es den Umſtänden nach ſeyn. Sandiger Boden wird durch eine ſtarke Auffuhr von Thon⸗ mergel auf ewig verbeſſert in ſeinen phyſiſchen Eigenſchaften, und trägt fortdauernd beſſere Ernten, wenn er zu rechter Zeit Miſiduͤngung erhält. Die chemiſche Wir⸗ kung des Mergels verſpuͤrt man, je nachdem er ſchwaͤcher oder ſtarker aufgefahren iſt, Mineraliſche Duͤngungsmittel. 235 vo bis 20 Jahr. Die Wirkung des kalkigen Mergels auf Thonboden nimmt man in⸗ der Regel auf 12 Jahre an. Dem Pachter werden in einigen Gegenden die Koſten der Mergelung in dieſem Verhältniſſe erſetzt, wenn er vor vollendeter Abnutzung ab⸗ gehet. Hat er ihn z. B. 5 Jahre benubt, ſo bekommt er v2 der Koſten, hat er ihn 9 Jahre benutzt, ½ heraus. Der Effekt des Mergels ſteigt in der Regel bis zum dritten Jahre, hält ſich daun 3 Jahre in ſeiner Hoͤhe— gerechte Miſtduͤngung vorausgeſett— und nimmt dann wieder ab. Jedoch kommt es darauf an, ob der Mergel ſchneller oder langſamer zer⸗ fallt. Er aͤußert ſeine volle Wirkung erſt dann, wenn er ſich recht innig mit der Ak⸗ kererde verbunden hat. Deshalb kommt es auch ſo ſehr auf ſeine Behandlung an⸗ nachdem er aufgefahren worden. Wenn man beſondere Pferde auf das Mergelfahren hält— wie es da geſchie⸗ t ve Aun het, wo dieſe Operation im Großen betrieben wird— ſo fährt man mit der Arbeit, 5 wenn es die Witterung und der tief eingedrungene Froſt nicht verhindert, ununter⸗ brochen durch alle Jahreszeiten fort. Gebraucht man nur aber das gewoͤhnliche Ge⸗ ſpann— oft ſelbſt die Zugochſen— dazu, ſo trift die Zeit der Muße nur im Spaͤt⸗ herbſte und Winter, nur dann nach der Fruͤhjahrsbeſtellung bis zur Ernte ein. Der vor und im Winter ausgefahrne Mergel iſt von der ſchnellſten Wirkung, weil er durch den Froſt am beſten zerfällt. Wenn der Froſt vor dem Schnee nur nicht zu tief ein⸗ gedrungen iſt, ſo verlohnt ſichs der Muͤhe dieſen, da wo man ausſtechen will, weg⸗ raàumen, und die gefrorenen Brocken durchbrechen zu laſſen, und den Mergel dann mit Schlitten auffahren zu laſſen. Oſt aber wird doch die Arbeit zu ſchwierig. Der ſpäter aufgefahrene zerfällt ſelten genug, um ſich hinlänglich mit der Ackerkrume, des⸗ mehrmaligen Pflugens ungeachtet, zu mengen, und kann dann auf die nachſte Win⸗ terung keine merkliche Wirkung haben. Die Regel der Engländer, daß der Mer⸗ gel zweier vollen Sommer Sonne und eines vollen Winters Froſt gehabt haben muͤſſe, ehe man ihn unterpfluͤge, wird ſelten befolgt. Bringt man ihn, wie es gewoͤhnlich' geſchiehet und vorgeſchrieben wird, auf die geſturzte Brache, ſo muͤſte man nach je⸗ ner Regel 2 Jahr ungenutzte Brache halten⸗ Die Englander bringen ihn aber auch auf den ungeſtuͤrzten Dreeſch: Gras und Klee ſollen kräftig herdurch wachſen, und eine reiche Weide geben, der Mergel ſich. aber nun nach dem Umbruch leicht mit der Ausſtreuung und Ueber⸗ pfluͤgung. Koſten der Mergelung. 256 Mineraliſche Duͤngungsmittel. Erde mengen. Wenn indeſſen der vor und im Winter aufgefahrene Mergel bis gegen die Mitte des Sommers liegt, ſo iſt er gewoͤhnlich zerfallen geuug, um ſich durch fleißiges Pfluͤgen, Eggen und Walzen mit der Ackererde genau mengen zu laſſen. Aber der im Fruͤhſahr gefahrene zerfaͤllt ſelten genug, um nicht vorerſt in Stuͤcken und Kloͤßen im Boden zu bleiben, wenn er untergepfluͤgt wird. Von jenem hat man daher eine ſchnellere, von dieſem eine ſpaͤtere, im erſten Jahre keine merkliche Wirkung. Einige, die aus dem aufgefahrenen Mergel ſo fruͤh wie moͤglich Nutzen ziehen wollen, ſaͤen ſchon Sömmerung ein, Gerſte und Hafer oder Buchweizen, mehren⸗ theils aber mit ſchlechtem Erfolge. Eine reine, fleißig bearbeitete Brache iſt durchaus noͤthig, wenn er bald wirken ſoll. 1 §. 74. Daß die Ausſtreuung mit Sorgfalt geſchehe, ſo daß er gleichmäßig verbreitet werde, verſteht ſich von ſelbſt. Darauf wird er bei trocknem Wetter ſcharf durcheg⸗ get, dann, wenn Kloͤße oder Stuͤcken bleiben, gewalzet, und nun, nachdem er einen Regen erhalten aber wieder abgetrocknet iſt, nochmals geegget. Alsdann wird er, und zwar ſo flach als moͤglich zum erſten Male untergepfluͤgt. Und nun erhaͤlt das Land mindeſtens noch drei Furchen mit jedesmal darauf folgendem Eggen. Die genauere Verbindung mit der Ackererde wird dann die Natur bewirken. Kommt er aber klumpigt zu liegen, ſo kann ſie das nicht, und es wird dann erſt bei den nachfol⸗ genden Beſtellungen die Mengung allmälig geſchehen. Was ſich aber nicht in feinem Pulver gemengt hat, iſt bis dahin nicht nur unwirkſam, ſondern der Vegetation po⸗ ſitiv nachtheilig. §. 75.— Die Koſten der Mergelutig werden ſehr verſchieden angegeben, und müſſen e naturlicher Weiſe ſeyn. Die Arbeit des Auswerfens und Aufladens richtet ſich haupt⸗ ſachlich nach der Tiefe, aus welcher er herausgefoͤrdert wird. Jedoch kommt auch die Zahigkeit des Mergels und das Waſſer, womit man zu kaͤmpfen hat, in Betracht. Kann der Mergel, nachdem er losgehackt worden, ſogleich aufgeladen werden, ſo iſt ziemlich allgemein die Bezahlung fuͤr eine Ladung von 18 Kubikfuß zwiſchen 6 und 3 Pfennige. In Hollſtein zahlet man dafuͤr 1 ½ Schilling oder 9 Pfennige ſchwer Geld, wobei aber die Arbeiter, denen man Pferde und Fuhrwerk, aber keine Inſtrumente Mineraliſche Duͤngungsmittel.— Inſtrumente giebt, ihn zugleich ausfahren und abſtoßen müſſen, vorausgeſetzt, daß die Entfernung nicht weit ſey, und daß 25 Ladungen in einem Tage gefahren werden koͤnnen. Hier bezahle ich fuͤr ein ſolches Fuder ohne Ausfahren, und wenn den Leu⸗ ten die Hacken dazu gegeben werden, 1 Groſchen ſchlecht Geld, welches etwa 1 Schil⸗ ling Daͤniſch betragt. Hierbei haben die Arbeiter einen gerechten Verdienſt. Das Ausfahren richtet ſich ganz nach der Entfernung. Kalkhaltiger Mergel wird auf thonigem Boden nicht ſelten eine Meile und weiter herbeigeholt, ſo daß ein Geſpann taͤglich nur 2 Fuder, oft nur 1 Fuder herſchaffen kann. Dieſe Mergelung kommt daher ſehr hoch, ungeachtet ſie nur ſparſam gebraucht wird, und uͤberwiegt dann mehrentheils die Koſten einer Kalkduͤngung. Lehmmergel kann nur benutzt werden, wenn er in der Nähe liegt, und man ſucht ihn daher auf einer jeden Feld⸗ breite ſo nahe als möglich aufzufinden, und ſpart deshalb die Koſten lieber nicht, die das Abräumen mehrerer Gruben verurſacht. Nach der Entfernung wird es ſich in jedem beſonderen Falle leicht berechnen laſſen, wie oft gefahren werden könne. Eine haͤufig zutreffende Berechnung der Koſten um einen Morgen mit Lehmmer⸗ gel zu befahren, wird folgende ſeyn. „ 6o Fuder Mergel auszuſtechen und zu laden, à 8 Pfennige 1 Rthlr. 18 6r. 2 Pferde, welche im Durchſchnitt in drei Tagen 1 Morgen befahren, das Pferd täglich mit Einſchluß des Fuhrwerks, à 8 Gr......— Das Ausſtreuen des Mergels, per Morgen 1.—„ 8„ Die Koſten des Abraumens und anderer zufaͤlliger Nebendinge, per Morgen...... 4 Der Fuͤhrer, täglich ö Gr.—„48 5 Rthlr.— Gr. Dies iſt indeſſen nach den günſtigſten Umſtaͤnden berechnet; wenn aber Schwierigkeiten eintreten, ſteigen die Koſten naturlich hoͤher. In den kuͤrzeſten Wintertagen kön⸗ nen vielleicht nur 15 Fuder gefahren werden, in langen Tagen aber auch 25. In jenen kann man die Arbeit der Pferde aber auch nicht ſo hoch berechnen, in Kehn muß ſie hoͤher angeſchlagen werden. Zwelter Theil. Kk Erfolg der Mergelung. 258 Mineraͤliſche Duͤngungsmittel. Bei einer ſcharf betriebenen Mergelung in betraͤchtlicher Entfernung vom Hofe, ſäete man Wicken auf das ſchon bemergelte Land, tuͤderte auf ſolchem die Mergel⸗ pferde, und ließ ſie Tag und Nacht an der Stelle. §. 76. Man hat von dem Mergel, beſonders vom lehmigen auf Sandboden immer eine merkliche Wirkung verſpuͤrt, wenn dieſer Boden auch ganz ausgeſogen und ſo un⸗ fruchtbar war, daß er ſelbſt nach mehrjähriger Ruhe die Beſtellung nicht bezahlte; allein dieſe Wirkung wird nur relativ, aber nicht abſolut auffallend ſeyn. Der Er⸗ trag wird ſich von 2 ½ Scheffel vom Morgen auf§ Scheffel mehrere Ernten hindurch, beſonders bei der dritten erheben, hernach aber, wenn man dem Lande nicht lange Ruhe oder Miſt giebt, wieder ſinken, Auf einem Boden aber, welcher noch Kraft und Humus in ſich hat, welcher zuweilen eine Duͤngung erhielt, und dann nicht ganz ausgeſogen zur Dreeſchweide niedergelegt wurde, ſieht man von einer Mergelung un⸗ gleich hoͤheren Effekt, und man hat haͤufig 10 Scheffel von einem Morgen geerntet, von dem man ohne Duͤngung etwa 4 Scheffel haͤtte erwarten duͤrfen. Noch groͤßer und nachhaltiger wird aber dieſe Wirkung, wenn man eine, auch nur ſchwache Miſtduͤngung damit verbindet. Iſt der Boden in geringer Kraft, ſo iſt es rathſam dieſe Miſtduͤngung zu hoͤchſtens 4 Fudern per Morgen zugleich mit dem Mergel oder im folgenden Jahre zu geben. Hätte er aber noch Kraft, ſo wäre La⸗ gerkorn davon zu beſorgen, und man kann zwei bis drei Ernten von dem bloßen Mer⸗ gel nehmen, bis eine Miſtduͤngung unbedenklich ſcheint. Sobald man dies verſpuͤrt, darf man durchaus nicht länger damit ſaͤumen, indem die Kraft des Bodens ſonſt ſtarker erſchoͤpft wird, als ohne Mergelung geſchehen waͤre, und dann ſehr ſchwer wieder herzuſtellen iſt. Auch wird mit der Mergelung ſehr zweckmäßig eine Medderung verbunden, und dieſe Verbindung thut großen und ſchleunigen Effekt, ſelbſt auf ausgeſogenem Boden. Vom Un terpfluͤgen einer gruͤner Saat von Buchweizen auf gemergelten Lande hat man in England große Wirkung geſehen. Der Spoͤrgel wurde ſich nicht minder dazu paſſen. Komparative Verſuche aber dieſe Miſchungen werden auf einem ausgeſogenen Boden im Jahre 1810 hoffentlich von mir angeſtellt werden, da es die Kriegeslaſten nicht fruͤher erlauben wollen. Mineraliſche Duͤngungsmittel. 259 §. 77. Die iſt unter allen Meliorationen diejenige, wozu ſich am häufigſten Gelegenheit findet, und die dann den nachhaltigſten und, wenige andere ausgenom⸗ men, den hoͤchſten und auffallendſten Nutzen bringt. 78. Endlich giebt es noch eine Erde, deren man ſich mit auffallender Wirkung zum Dungererde Duͤngen bedient, die einen beträchtlichen Antheil vom Kalk hat, aber zugleich ſehr reich an Humus iſt. Man findet ſie in den Niederungen an großen Stroͤmen, deren Boden vom Waſſer ohne Zweifel abgelagert worden. Sie iſt blaͤulich von Farbe, und wie ein ſehr magerer zerkruͤmelnder Lehm, aber ſanft anzufuͤhlen. Zuweilen iſt ſie mit kleinen Muſcheln vermiſcht, jedoch nicht immer. Sie liegt gewoͤhnlich nicht unter der oberen Ackererde; ſondern zwiſchen dieſer und jener duͤngenden Erde liegt ein unfruchtbarer Lehm, welcher durchſtochen und abgeraͤumt werden muß. Bei der Unterſuchung dieſer Erde aus den Oldenburgiſchen Marſchen fanden ſich folgende Beſtandtheile: ſehr feiner zur Hälſte durch Schlemmen zur Hälfte durch Sieden abgeſchiedener Sand 36; kohlenſaurer Kalk 14; Humus 8; fetter Thon 44; Gyps 1;= 100. Der Humus war offenbar thieriſcher Natur, und gab beim Verbrennen einen ſehr ſtinkenden Geruch⸗ Ich vermuthe daß man dieſe wirkſame Duͤngererde an mehreren Orten finden konne, wo man ſie noch nicht kennt. Sie iſt durch den Moder der Waſſerpflanzen, der Fiſche und Schalthiere gebildet, und mit dem feinen Sande hier abgeſetzt, nach⸗ her aber durch einen Niederſchlag des von der Hoöhe herabſtuͤrzenden Waſſers bedeckt worden. Es verlohnt ſich der Muͤhe in allen Thaͤlern, die vormals wahrſcheinlich unter Waſſer ſtanden, darnach zu ſuchen. Man verfaͤhrt bei dem Herausbringen derſelben(was man in Wiederſachſen Kuh⸗ len oder Wuͤhlen, und die Erde daher Kuhl⸗ oder Wuͤhl⸗Erde nennt) folgen⸗ dermaßen. Man macht zuerſt eine Grube von 5 bis 6 Fuß Breite und 12 Fuß Laͤnge, wirft die obere Ackererde zu einer Seite, den unfruchtbaren Thon, der 4 bis 5 Fuß tief liegt, zur andern, und bringt dann die geſuchte Erde, die bis zu einer großen Tiefe K 2 —— Sypsduͤn⸗ gung. Ge⸗ ſchichte der⸗ ßelben. 260 Mineraliſche Duͤngungsmittel. liegt, heraus, ſo tief als man ohne Gefahr kommen kann. Dann ſetzt man die Grube fort, legt die Ackererde wieder auf die Seite, ſtoͤßt nun aber den unfruchtba⸗ ren Thon in die vorige Grube, und bringt die Duͤngererde weiter heraus. So faͤhrt man fort, bis man ſo viel Duͤngererde hat, als man gebraucht. Die ganze Grube wird nun wieder zugeworfen, die Ackererde oben, die Duͤngererde aber uͤber das Feld vertheilt. Dieſe Duͤngererde iſt fuͤr ſich allein, wenigſtens im Anfange, ganz unfruchtbar, mit der Ackererde aber vermiſcht und tuͤchtig durchgearbeitet bringt ſie eine hohe Frucht⸗ barkeit, und ein ſolches gekuhltes Land zeichnet ſich lange Zeit dadurch aus. §. 79. Die Duͤngung mit Gyps oder ſchwefelſaurem Kalk iſt zwar kee neue Erſin⸗ dung, ſondern man trifft ſchon in aͤlteren Zeiten Spuren ihrer Anwendung auf einzel⸗ nen Flecken an, deren Kenntniß ſich aber nicht verbreitete. Erſt nach der Mitte des vorigen Jahrhunderts lernte der um die Landwirthſchaft ſehr verdiente Pfarrer Mayer zu Kupferzell im Hohenloheſchen den Gebrauch deſſelben aus einer Korreſpondenz mit dem Grafen von der Schulenburg auf Hehlen im Han⸗ noͤverſchen kennen, wo der Gyps in der Gegend von Riedek, unweit Goͤttingen, ſchon ſeit langer Zeit gebraucht war. Mayer verbreitete den Ruhm deſſelben in ſeinen Schriften, und er fand beſonders in der Schweiz Eingang, wo ſeine Wirkung durch entſcheidende Verſuche von Tſchiffeli und anderen angeſtellt und in den Abhand⸗ lungen der oͤkonomiſchen Geſellſchaft zu Bern bekannt gemacht wurden. In Deutſch⸗ land war es hauptſaͤchlich Schubart von Kleefeld, der ſeine großen Wirkun⸗ gen auf den Klee ins Licht ſtellte. Dagegen traten ſehr viele Gegner auf, die den⸗ ſelben nach angeblichen oder doch unvollkommenen Verſuchen fur ganz unwirkſam oder gar ſchädlich erklärten, ſo daß die Sache wirklich lange zweifelhaft blieb. Insbeſondere ſetzten ſich die Aufſeher verſchiedener Salinen dagegen, indem ſie eine Schmälekung des Abſatzes ihrer Abfaͤlle, welche in den umliegenden Gegenden gebraucht wurden, beſorgten. Dagegen fand die Gypsduͤngung in Frankreich, be⸗. ſonders in der Gegend um Paris, vielen Beifall, und ſie verbreitete ſich von da nach Amerika, wohin man anfangs, den Gyps von Montmartre in großen Ladungen hinkommen ließ. Nirgends hat ſich der Gebrauch des Gypſes ſo ſchnell verbreitet, wie in den verſchiedenen Nordamerikaniſchen Provinzen; nirgends aber fand der Mineraliſche Duͤngungsmittel. 261 Gyps weniger Beifall, als bei den engliſchen Landwirthen. Ich erklaͤrte dies, in meinem Werke uͤber engliſche Landwirthſchaft, aus den vielen Kalktheilen, womit der Boden in den meiſte Provinzen Englands von Ratur oder durch Kunſt uͤberhauft iſt. Allein ich irrte, weil der Gyps auf kalkhaltigem Boden, ja fogar in den Gegen⸗ den, wo es viele Gypsfelſen giebt, und die Erdmiſchung alſo wahrſcheinlich ſchon Gypstheile enthalt, dennoch durch ſeine Ueberſtreuung ſehr wirkſam iſt. Vielleicht verſchloß das Vorurtheil gegen Alles, was aus Frankreich, zum Theil auch aus Deutſchland koͤmmt, den Englaͤndern die Augen. Die Empfehlungen aus Amerika ſcheinen ſie ihnen neuerlich aber wieder geoffnet zu haben. S. Bo. In den Erfahrungen uͤber die duͤngende Wirkung des Gypſes ſcheint allerdings viel Widerſprechendes zu liegen, und gewiß iſt es, daß mancherlei noch nicht voͤllig Wirkung der⸗ ſelben⸗ ergruͤndete Umſtaͤnde ſolche ſehr modifiziren. Der Gyps wirkt wenigſtens mehr auf erockenem als auf feuchtem Boden, und mehr bei trockener als bei fenchter Witterung. Letztere hält ſeine Wirkung wenigſtens zuruck, und ſcheint ſie, beſonders bei gebrann⸗ tem Gyps, ganz zu vereiteln. Auf einem ausge ſogenen Boden, der wenig oder gar keinen Humus mehr enthaͤlt, wirkt er gar nichts. Auf die Vegetation mancher Pflanzen hat er nur einen ſehr unmerklichen Einfluß, dagegen auf andere einen ſehr großen. Zu letzteren gehören alle bekannteren Pflanzen mit ſchmetterlingsfoͤrmigen und Kreuzblumen. Er wirkt ohne allem Zweifel auf die Gewächſe ſelbſt, und des⸗ halb am ſtärkſten, wenn ſich ſein Staub auf den Blaͤttern anſetzt und lange darauf haftet. Ich habe dies ſehr uͤberzeugend bei einer Weißdornhecke geſehen, deren eine vom Gypsſtaube etwas beruhrte Seite nach acht Tagen auf das Lebhafteſte ausgruͤnte, wogegen die andere, welche von dem Staube nichts erhalten hatte, auffallend gegen jene zuruͤckblieb. Er wirkt doch aber nicht allein auf die Weiſe, ſondern zugleich auf den Boden, weswegen ich ſchon vor laͤngerer Zeit meine Meiung, als ſey jenes ſeine einzige Wirkung, zuruͤckgenommen hatte. Noch mehr habe ich mich von ſeiner Wir⸗ kung auf den Boden durch einen kuͤrzlich Sgeſtellten Verſuch uͤberzeugt. Wir ſtreu⸗ ten im Herbſte 1808, auf eine genau abgeſtochene Quadratruthe, Gyps uͤber Rocken⸗ ſaat. Im Fruͤhjahr 1809 ward dieſer ziemlich abgetragene Acker mit weißem Klee zur Weide beſäet. Es iſt ſonſt ſehr wenig Klee aufgekommen: auf der gegypsten Stelle aber ſteht er abgeſchnitten dicht und uͤppig⸗ Gebrauch des Gypſes. Bereitung deſſelben. 262 Nineraliſche Duͤngungsmittel. 65 Su. Wie der Gyps hier wirke, iſt§. 86. d. v. H. angedeulet worden. Wahr⸗ ſcheinlich tritt er in eine langſame Wechſelwirkung mit dem Humus, indem dieſer ſeine Saͤure zerſetzt, und Kohlenſaͤure oder einen mehr zuſammengeſetzten Stoff— den wir noch nicht kennen und vielleicht ſeiner ſchnellen Zerſeßbarkeit wegen nie werden kennen lernen— bildet. Der entſaͤuerte Schwefel geht wahrſcheinlich mit dem Kalk und einem andern Theile der hydrogeniſirten Kohle in Verbindung. Dieſe Zer⸗ ſeßung macht der auffallende Geſtank wahrſcheinlich, welchen die Zumiſchung des Gypſes zu faulenden Subſtanzen erregt. Jene Kohlenſaͤure und jene neuen Verbin⸗ dungen ſind dann wahrſcheinlich zur Nahrung gewiſſer Pflanzen ſo vorzuͤglich geeignet. Daher hat aber auch der Gyps nur unter der Bedingung eine Wirkung, daß er Hu⸗ mus vder faulende Subſtanzen noch genugſam im Boden antreffe. §. 82. Man bedient ſich des Gypſes hauptſaͤchlich zum Klee und zu kleeartigen Gewaͤch⸗ ſen, zuweilen doch auch zu Huͤlſenfruͤchten. Da er auf alle Gewäͤchſe aus dem Ge⸗ ſchlechte der Brassica auch merklich wirkt, ſo vermuthe ich, daß er für die Rapsſaat ſehr nutzlich ſeyn wurde, kenne indeſſen noch keine damit eh Verſuche. F. 83. Er wird in gebranntem und ungebranntem Zuſtande gebraucht, und ſeine Wir⸗ kung ſcheint uͤbrigens gleich zu ſeyn, wenn nur den gebrannten Gyps nicht gleich ein ſtarker Regen befaͤllt, wodurch er zuſammengeſchwemmt und wieder zur harten Maſſe wird. Es koͤmmt nur auf moͤglichſt feine Pulverung an, und um recht wirkſam zu ſeyn, muß er vollig zu Staub zermalmt werden. Dies iſt aber mit dem ungebrann⸗ ten ungleich ſchwieriger, als dem gebrannten, welcher ſch ſehr ſibe pul⸗ vern laͤßt. Die Pulverung geſchieht an einigen Orten auf die wohlſeiſſte Art durch Stampf· muͤhlen. Wo man dieſe nicht hat, bedient man ſich verſchiedener Vorrichtungen mit der Hand. Man ſtoßt ihn in Moͤrſern, in Troͤgen und mit dem Apparate, deſſen man ſich zum Hirſe⸗ auch wohl zum Helſaat Stampfen bedient, ſogenannten Tret⸗ ſtampfen. Oder man zerkleinert ihn in einem langen Troge, in welchem man einen abgenutzten Muͤhlſtein auf der hohen Kante hin und her drehet. Er wird dann, wenn er recht wirkſam ſeyn ſoll, geſiebet, und die ungepulverten Koͤrner werden noch⸗ Mineraliſche Duͤngungsmittel. mals geſtampft So bereitet muß er an einem trockenen Orte aufbewahrt werden, damit er durch angezogene Feuchtigkeit nicht wieder zuſammengehe. §5. 84. 263 Man waͤhlt dann einen windſtillen Tag, wo es betraͤchtlich gethauet hat, und Ausſreuuns. ſäet den Gyps mit der Hand des Morgens fruͤh oder Abends ſpät insbeſondere uber den Klee aus, damit er an den feuchten Blättern haͤngen bleibe. Windige und reg⸗ nigte Wirterung muß man durchaus vermeiden. Man hat ihn dann am wirkſamſten gefunden, wenn der Klee in ſeiner Vegetation ſchon ſo weit gekommen, daß er mit ſeinen Blättern den Boden ziemlich bedeckte; alſo zu Anfange des Maimonats. Je⸗ doch haben einige ihn auch mit Nutzen auf den jungen, in demſelben Jahre geſaeten Klee im Herbſte geſtreuet. Manchmal hat man ihn auch nach dem erſten Schnitte zur Befoͤrderung des zweiten geſaet, der dann oft bei ſchlechtem Anſcheine beſſer wie der erſte geworden iſt. Die Qüantität, wie man ihn aufſaͤet, iſt zwiſchen 1 und 2 Scheffel per Mor⸗ gen. Wenn er recht fein und zu Staub gepulvert war, ſo reichte erſteres ſchon zu. Sonſt muß man aber allerdings mehr nehmen. §. 85.. Von allen ſelbſt angeſtellten oder mir genauer bekannt gewordenen Verſuchen Er⸗ weiß ich nicht einen einzigen, wo ſich nicht die Wirkung des Gypſes augenſcheinlich ſ gezeigt haͤtte, vorausgeſetzt, daß ſie mit gehoͤriger Vorſicht angeſtellt waren, und nicht durch eine unerwartet einfallende unguͤnſtige Witterung vereitelt wurden. Ich trage daher kein Bedenken,den Gebrauch des Gypſes zur Verſtaͤrkung des Kleewuch⸗ ſes allenthalben unbedingt zu empfehlen, wo man den Gyps zu einem ſolchen Preiſe haben kann, daß der Morgen mit 1 ½ Scheffel feinen Gyps zu beſtreuen nicht uber 1 Rchlr. 8 Gr. koſte. Man kann ſicher erwarten, daß man auf einem gehoͤrig be⸗ ſtandenen, aber ſonſt nicht ſehr üppigen Kleefelde 6 bis 8 Centner Kleeheu mehr ge⸗ winnen werde, wie ohne Gyps; jedoch vorausgeſetzt, daß ſich ein zureichender Stamm von Pflanzen auf dem Felde befinde; denn wo dieſer nicht iſt, kann ihn der Gyps nicht hervorbringen. Wenn aber nur auf jedem Quadratfuß wenigſtens eine vollſtändige Pflanze ſteht, ſo wird durch den Gyps bewirkt werde, daß ſich der Klee in der Bluͤte uͤber das ganze Feld verbreitet. Steht dagegen der Klee ſehr dicht und hat der Boden ſo viele Kraft, daß er von ſelbſt uͤppig vegetirt, ſo wuͤrde der Gyps Düngende Kraft der Salze. 264 Mineraliſche Dungungsmittel. rine Ueberduͤngung bewirken, wodurch nur zum Anfaulen des Kiees wegen uͤbermůßi⸗ ger Starke und Dichtheit Veranlaſſung gegeben wuͤrde; weswegen man in ſolchem Falle nicht gypſen muß⸗ 5. 86. Auf das Getreide hat der Gyps nach allen damit angeſtellten Verſuchen eine un⸗ pedeutende direkte Wirkung, d. h., wenn man ihn unmittelbar auf daſſelbe ausſtreut. Aber einſtimmig iſt man daruͤber, daß eine gegypſte Kleeſtoppel weit uͤppigeres Ge⸗ treide, insbeſondere Weizen, hervorbringe, als eine ungegypſte. Dies bewirkt et wahrſcheinlich nur durch die Stärke der Kleewurzeln, Stoppeln und Abfäͤlle, die der gegypste Klee dem Boden hinterlaͤßt; indem ſich bekanntlich die Stärke des folgenden Getreides nach der Stärke des Kleeſchnittes richtet. Indirekte alſo kommt die Gyps⸗ düngung dem Getreidebau ſchon an Ort und Stelle zu ſtatten. Noch mehr aber wirkt ſie auf dieſen durch die Futter⸗ und folglich Duͤngervermehrung, welche ſie in der Wirthſchaft uͤberhaupt bervorbringt. Es iſt alſo dieſes Duͤngungsmaterial, welches man des geringeren Volumens wegen, worin man es gebraucht, ſchon aus einer weitern Entfernung herholen kann, allerdings von einer ſehr großen Wichtigkeit. Nur wiederhole ich, daß man in einem pumusleeren Acker nichts davon erwarten, und dieſen unmittelbar dadurch nicht be⸗ reichern koͤnne. 5. 87. Der Syps fuhrt uns auf die düngende Eigenſchaſt anderer Salze, die jedoch außer den Salinenabfaͤllen in der Praris wenig vorkommen, weil dieſe Salze zu koſt⸗ bar ſind.. Die damit angeſtellten Verſuche beſchraͤnken ſich daher auch nur auf kleine Flä⸗ chen. Sie haben, namentlich in Anſehung des Kuchenſalzes, fotgendes ergeben. Eine ſtarke Ueberſtreuung damit hemmt vorerſt alle Vegetation. Nachdem es aber ſortgeſpuͤlt, vielleicht zum Theil durch den Humus zerſetzt iſt, hat ſich in den folgen⸗ den Jahren eine ſehr uͤppige Vegetation darnach gezeigt. Eine ſchwache Ueberſtreuung pat auf reichem Boden eine merkliche aber nur kurz dauernde Wirkung gehabt; auf armem Boden aber gar keine. Man hat ſich alſo auch da, wo unreines Salz von den Salinen wohlfeil verkauft wurde, dieſes Duͤngungsmittels hoͤchſt ſelten bedient. Von Mineraliſche Duͤngungsmittel. Von der natuͤrlichen Duͤngung aber, welche das Seewaſſer gewiß auch vermit⸗ telſt ſeines Salzes giebt, verſpuͤrt man an dem Meerufer eine betraͤchtliche Wirkung, und die ſalzigen Marſchen werden beſonders als Viehweide vor andern geſchätzt. Das darauf gewachſene Gras wird ſowohl als Weide, wie als Heu, von allem Vieh begierig gefreſſen, und iſt ihm beſonders gedeihlich. Das Salz wird uͤbrigens, ſelbſt am Geſtade des⸗Meeres, ſchnell wieder aus dem Boden herausgewaſchen, indem man bei der Unterſuchung eines ſolchen Bodens kaum eine Spur von Salz ange⸗. troffen hat. Bei den mit Salveter angeſtellten Verſuchen hat man in ſehr kleinen Quanti⸗ cäten eine weit groͤßere Wirkung, wie vom Kuchenſalze verſpuͤrt. Dieſe Düngung iſt aber in der Praxis durchaus unanwendbar, und wir erwähnen ihrer nur hier, weil ſie die Fruchtbarkeit des von ſelbſt Kalkſalpeter erzeugenden Bodens beſtätigt. Doch muß bei dieſer Gelegenheit bemerkt werden, daß man häufig Salpeter im Acker ent⸗ halten wähne, worin keiner iſt. Manche ſehen den weißlichen Anflug, der ſich auf modderreicher Erde enſetzt, fuͤr Salpeter an. Es iſt dies aber nichts als eine Art Flechte(Lichen humosus), welche dieſer Boden ſchnell erzeugt, und die aller⸗ 8 dings ein Beweis von hoher Fruchtbarkeit iſt. Der un Boden erzeugte Salpeter wird ſchnell wieder ausgewaſchen, und man entdeckt ihn ſelten bei Zerlegungen. Mehr findet man ihn in den auf Salveter erzeugenden Boden gewachſenen Pflanzen, in welchen er jedoch nur einen zufaͤlligeu fremden, keinesweges weſentlichen Beſtandtheil, z. B. bei den Runkelruͤben, ausmacht. Andere Neutralſalze kommen wohl in gar keinen Betracht. Da man jetzt einen ſo beſtimmten Begriff von Salzen hat, und dieſe Salze nur hoͤchſt ſelten in ganz unbedeutenden Quantitaͤten und nur zufaͤllig im Boden angetrof⸗ fen werden, ſo ſollte man doch endlich von den Saljen des Bodens und des Duͤngers, ſo wie von dem Oel derſelben, welches ſich eben ſo wenig darin befindet, zu reden, und verſtandigere Begriffe dadurch zu verwirren, aufhören! §. 88 Meuerlich ſind die metalliſchen Salze, und namentlich der Vitriol oder das Metalliſche ſchweſelſaure Eiſen als Duͤngungsmittel in Ruf gekommen. Man hielt ſonſt den Vitriol der Vegelation für ſehr nachtheilig, und einen unftuchtbaren Thonboden vitrivl. nannte man— manchmal auch wohl mit Recht— einen vitrioliſchen Boden. Zweiter Thell. L1 266 Mineraliſche Duͤngungsmittel. Neuerlich erſt hat uns die Theorie ſowohl, als auch gleichzeitig die Erfahrung auf den Gebrauch des Vitriols gefuͤhrt. Wie man nämlich die Wirkung des Oxygens auf die Keimung der Samen und das erſte Hervortreiben der jungen Pfianzen bemerkte, glaubte man dieſes Orygen in Oryden, Säuren und ſauren Salzen anbringen zu koͤn⸗ nen. Aber beſtimmte Wirkung hat man hoͤchſtens nur von denen Oryden und Säu⸗ ren geſehen, die leicht zerſetzt werben, und ihr uͤbriges Orygen fahren laſſen. Bei Saͤuren und fauren Salzen ſcheint mir, nach den angeſtellten Verſuchen, die Wir⸗ kung auf Befoͤrderung des Keimens noch ſehr zweifelhaft. Die Wirkung des in Waſſer aufgeloſten Eiſenvitriols als Duͤngungsmittel zeigte ſich in den Verſuchen ebenfalls verſchieden; einige haben gar keine, andere ſchaͤdliche, noch andere vortbeil⸗ hafte Wirkungen dabei wahrgenommen. Die meiſten dieſer Verſuche, wovon ich Kenntniß erhalten habe, ſind in Anſehung der gebrauchten Quantität und des Erdbo⸗ dens, welchen man damit befeuchtete, zu unbeſtimmt. Beides aber ſind ſehr wich⸗ tige Momente, ohne welche ſich die widerſprechenden Reſultate, welche dieſe Ver⸗ ſuche geben, nicht erklaͤren laſſen. Die zufaͤlligen Erfahrungen, welche man uͤber die duͤngende Kraft verſchiedener Foſſilien, die mit Eiſenvitriol ſtark durchdrungen ſind, gemacht hat, haben dieſer Sache eine praktiſche Wichtigkeit gegeben, die ſie ohne ſolche nicht wuͤrde gehabt ha⸗ ben. In England hat man naͤmlich einen vitriolhaltigen Torf, und in Deutſchland in der graͤflichen Einſiedelſchen Herſchaft Reibersdorf eine vitriolhaltige Erd⸗ kohle gefunden, welche hoͤchſt wirkſame Duͤngungsmittel in kleinen Quantitäten abgeben. Es ſcheint aus ſelbigen zu erhellen, daß der Siſenbiriut eine große Wirkung auf die Vegetation hervorbringe, wenn er mit Kohle genau verbunden iſt. Wahrſchein⸗ lich geht hier, unter der Einwirkung des Lichts und der Luft, eine Zerſetzung der Schwefelſaͤure vor, deren Orygen ſich mit dem Kohlenſtoff verbindet, und Kohlen⸗ ſaure oder eine ähnliche, den Pflanzen freundliche Materie bildet. Der Schwefel und die Kohle gehen nicht unwahrſcheinlich vermoͤge des an letztern— Hy⸗ drogens eine ander wohlthaͤtige Verbindung ein. Auf eine gleiche Weiſe mag dann auch der reine Eiſenvitriol in Verbindung mit dem Humus treten, den er im Boden antrift, und dadurch vortheilhaft wirken, ohne ſelbigen aber nachtheilig. Genauere Verſuche muſſen dies erſt auftlären, und insbe⸗ Mineraliſche Duͤngungsmittel. 267 ſondere ob und unter welchen Verhaͤltniſſen eine Duͤngung mit Vitriol vortheilhaft ſeyn koͤnne. Der große und entſchiedene Rutzen der vitriolhaltigen Erdkohle und des vitriolhal⸗ tigen Torfes ermuntert aber zu einer ferneren Auſſuchung derſelben, und Anwendung zu dieſem Gebrauche. Jene Kohle wird gepulvert uͤber die Saatfurche oder die Saat ausgeſtreuet, aber nicht untergepflägt. In Anſehung der Quantität der Kohle wird Vorſicht angerathen. Zu ſtark wirkt ſie nachtheilig, und wo Haufen derſelben nur einige Tage oder Stunden gelegen haben, waͤchſt in mehreren Jahren nichts; weswegen man ſie nur auf wenig nutzba⸗ ren Ruinen oder Wegen abladen darf. Auf einem chonigen kalkigen Acker kann man 30 bis 36 Berliner Scheffel per Morgen bringen. Auf ſandigen und kalkigen Bo⸗ den aber nur 19 bis 18 Scheffel. Ich verweiſe auf die ſehr vollſtandige Beſchreibung ihres Gebrauchs von Herrn Blume, Annalen 1809, Oktober und November⸗Stuͤck, S. 471 u. f., und Cromes Unterſuchung derſelben, September⸗ Stuͤck, S. 164 u. f. Ob die Säuren eine befruchtende Eigenſchaſt haben, iſt eine Frage, welche nur Säuren. die Theorie intereſſirt, weil man ſie in der Praxis wenigſtens hoͤchſt ſelten gebrauchen kann. Sie muß hier jedoch beruͤhrt werden. Man hat ſie ʒuerſt nach Theorie empfohlen, weil ſie Sauerſtof enthielten, und⸗ die ſer der Vegetation gůͤnſtig ſey. Aber nahm man ihre Zerſetzbarkeit im Boden nicht zu unbedingt an? Die Verſuche, welche man damit angeſtellt hat, haben widerſprechende Reſul⸗ tate gegeben; und es iſt auffallend, daß ſelbſt beruͤhmte Naturforſcher, welche ſie anſtellten, den Beſtand des Bodens nicht angeben. Es erhellet aber aus Nebenum⸗ ſtänden, daß es immer kalkhaltiger Boden war, wo die Schwefelſäure— denn dies iſt die einzige, die man angewandt hat— gut wirkte. Hier aber machte ſie Gyps und trieb Kohlenſäure aus, woraus ſich dann ihre gute Wirkung analogiſch leicht erklären laßt. Der Boden, wo ſie uns ſehr nachtheilige Wirkung zeigte, ent⸗ hielt ſaſt gar keinen Kalk. §. 9o. Zu den wirkſamen und häufig angewandten Duͤngungsmitteln gehoͤrt endlich Die Aſche⸗ die Aſche. 91 2 268 Mineraliſche Dingunosmitte. Die ausgebrannte Aſche beſteht aus Erden und Kali, denen ſich Mearybe und verſchiedene Salze zuweilen beimiſchen. Unter den Erden iſt die Kalkerde immer yradominirend, wenn gleich die Pflanzen nicht auf kalkhaltigem Boden gewach⸗ ſen ſind. Dem Kali kann man als Zerſetzungemittel eine große duͤngende Wirtung nicht abſprechen. Aber mehrentheils kommt nur Aſche zum Gebrauch, welche ſchon aus⸗ gelauget iſt, und dieſe hat immer noch eine betraͤchtliche, wenn auch nicht ganz ſo große Wirlung als die unausgelaugte. Es muß daher in der Aſche etwas Beſonde⸗ res, noch nicht Erkanntes ſeyn, was den ungleich groͤßern Effekt der ausgelaugten Aſche, gegen den von einer gleichen Quantitaͤt derſelben Erden etwa hervorgebrachten bewirkt. Es iſt in der Aſche wahrſcheinlich noch etwas vom vegetabiliſchen Leben zuruckgebliebenes, was unſere Sinne nicht erreichen koͤnnen. Dieſer Gedanke ſcheint ſich auch dadurch zu beſtätigen, daß man faſt allgemein beobachtet hat, Aſche die bei langſamem Feuer und bei mehr verhindertem Zutritt der Luft gebrannt worden, ſey als Duͤngungsmittel weit wirkſamer, als die mit hellem Feuer gebrannte. Die unausgelaugte Aſche verſetzt man zuweilen, um ihr eine große Wirkſamkeit zu geben, mit friſch gebranntem in Pulver zerfallenen Kalk, und befeuchtet dieſe wohl durchgeruͤhrte Mengung etwas. Das Kali der Aſche wird hierdurch ätzend. Man bedient ſich dieſes Mittels zum Ueberduͤngen, beſonders des Klees in ſchwachem Maaße. So wird auch nach dem Abbrennen des Raſens gern noch etwas Kalk hinzugefuͤgt. Obwohl dieſe S Mechode des Raſens hierber zugehoren ſcheint, ſo werden wir doch erſt bei der Lehre von der Urbarmachung des Bodens darhber re⸗ den, indem ſie dabei hauptſaͤchlich ihre Anwendung findet. ö91, Seifen fieden⸗ Am haͤuſigſten kommt die ausgelaugte Holzaſche als Seifenſiederaſche(Eſcherich) b. in Gebrauch. Kali enthaͤlt ſie wenig mehr, aber ſie iſt mit Kalk vermengt, und mehrentheils mit einigen gelatinoͤſen Theilen, auch Greven und andern Abfällen, die bei der Lichtzieherei und Seifenſiederei vorkommen. Gewoͤhnlich wird von den Seifenſiedern auch aller Auskehrigt aus dem Hauſe und Hofe darunter gemengt, wo⸗ durch ſie aber nicht verbeſſert wird. Die Wirkſamkeit dieſes Duͤngungsmittels iſt nun ſo allgemein bekannt, daß ſie wohl allenchalben aufgeſucht, und weit verfahren wird, ungeachtet man ſie vor 20 Jahren an den meiſten Orten noch wegwarf, und aus den Städten als einen unnuͤtzen Schutt loszuwerden ſuchte. „ Vineraliſche Duͤngungsmittel. 269 Sie wird zum Ueberſtreuen der Wieſen vielleicht am haufigſten gebraucht, wo ſie ſtatt des Mooſes ein uͤppiges Gras und beſonders das Hervortreiben der kleeartigen Gewaͤchſe ſo ſchleunig als nachhaltend befoͤrdert. Auf dem Acker aber iſt ſie nicht minder wirkſam. Man muß ſie nur, wie alle dieſe Duͤngungemittel; mit der Ackerkrume ſorgfäͤltig zu mengen ſuchen, und deshalb zum erſten Male ſehr flach unterpfluͤgen, damit die Egge ſie noch faſſen koͤnne. Sie wird zu 18 bis 20 hochſtens 30 Scheffeln auf den Morgen gebracht, und ſorgfaͤltig ausgeſtreuet. Man bezahlt eine ſolche Duͤngung an einigen Orten gern mit fuͤnf bis acht Thalern, wogegenman ſie an anderen Orten noch ſehr woblfeil haben kann. Die⸗ ſen Werth kann ſie jedoch nur da haben, wo der Boden durch Miſtduͤngung in Kraft geſetzt iſt. Auf einem ausgezehrten Boden wuͤrde ſie der Erwartung nicht entſprechen. Deshalb iſt ſie auch nur da in großen Ruf gekommen, wo ſich der Acker in jenem Zuſtande befindet. Ihre Wirkung iſt alsdann auch nachhaltig, und man behauptet ſie auf 10 bis 12 Jahre zu verſpüren, jedoch wohl nicht, wie Benekendorf ſagt, ohne weitere Miſtduͤngung. §5. 92. Wo Holz in ſo großem Ueberfluſſe vorhanden iſt, und ſo wenig Abſatz findet, daß man es nicht vortheilhafter als zur Pottaſchenſiederei benutzen kann, bedient man ſich des Ruͤckſtandes, nachdem das Kali ausgelaugt worden, mit ſo großem Nutzen zur Duͤngung, daß man dieſe manchmal als einen zureichend belohnenden Vortheil der ganzen Anlage betrachtet. Man bringt ſie auf ältere Aecker, oder man ſetzt da⸗ durch den abgeholzten und umgebrochenen Forſigrund um ſo ſchneller in Kraft. Jede Haushaltung pflegt uͤbrigens etwas ausgelaugte Holzaſche zu haben⸗ Wäre es auch nur wenig, ſo verdient ſie doch aufbewahrt und gehörig benußt zu wer⸗ den. Wird ſie, wie haufig geſchieht, klumpweiſe auf den Miſthaufen geworfen, ſo kommt ſie wenig zu Rutzen, indem die Aſche durchans důnn vertheilt ſeyn muß, wenn ſie eine gute Wirkung thun ſoll; zuſammengehauft aber gerade den Fleck unfruchtbar macht, worauf ſie faͤllt. §. 93. Die Torfaſche iſt nicht nur von der Holzaſche ſehr verſchieden, indem man in allen mir bekannten Unterſuchungen gar kein freies Kali und nur fehr wenig neutrali⸗ ſirtes darin gefunden hat; ſondern ihre Beſtandtheile weichen auch in den verſchiedenen Torfarten auffallend von einander ab. Der. Kalk iſt ihr uͤberwiegender Beſtandtheil, vorausgeſetzt, daß der Torf nicht vielen Sand eingemengt enthielt. Der Kalk beſindet 6 Torf⸗ 8 270 Mineraliſche Duͤngungsmittel. ſich darin im freien und kohlenſauren oder in ſchwefel⸗, phosphor⸗ und eſſigſauren Zuſtande. Sie enthaͤlt mehrentheils einen betraͤchtlichen Zuſatz von Eiſenoryd und zuweilen auch von Vitriol, wenn dieſer durch heſtige Glut nicht zerſetzt iſt. Nach der Verſchiedenheit dieſer Beſtandtheile richtet ſich wahrſcheinlich die Ver⸗ ſchiedenheit ihrer duͤngenden Kraft, die man von ihrer Aufbringung auf Aecker und Wieſen hier und dort bemerkt hat. Allein wir haben noch zu wenig Analyſen der Torfaſche mit Ruͤckſicht auf dieſe duͤngende Kraft, als daß man etwas ſicheres daruͤber ſagen koͤnnte. Die leichte und lockere Aſche hat man allgemein wirkſamer wie die ſchwere gefunden; ohne Zweiſel, weil letztere zu viele Kieſelerbe hatte. Einige ge⸗ ben der weißen und grauen, andere der roͤthlichen einen Vorzug. Die letztere Farbe ruͤhrt vom Eiſenoryd her. Ich habe von einer rothbraunen, ſehr viel Eiſen aber auch viel Kieſelerde enthaltenden Aſche, faſt mehr nachtheilige als vortheilhafte Wirkun⸗ gen geſehen(vergleich Hermbſtaͤdts Archiv der Agrikulturchemie, S. 354.), wes⸗ halb ich bisjetzt nicht glauben kann, daß dem Eiſenoryd eine vortheilhafte Wirkung beizumeſſen ſey. Es verdient die Sache aber noch genauere Aufmerkſamkeit in Ge⸗ genden, wo vieler Torf gebrannt wird. Denn hier wendet man die Aſche um ſo mehr zum Duͤnger an, da ſie zu andern Behuf nicht benutzt werden kann. Verbrennuns der Stoppel In einigen Gegenden von England und Holland brennt man aber auch den Torf bloß um des Duͤngers willen zur Aſche. Betraͤchtliche Torfmoore, die keinen Abſatz ihres Torfes als Feuermaterial haben, werden dazu benutzt. Man füͤhrt Oeſen von Steinen oder Lehm auf, legt unten auf den Roſt erſt trocknen Törf, daruͤber aber friſchen naſſen Torf, ſo wie er aus dem Moore geſtochen wird. Erſterer wird ange⸗ zundet, die Glut trocknet den naſſen Torf aus, und theilt ſich ihm bald mit, ſo daß ſie hernach beſtandig erhalten werden kann, faſt ohne daß man trocknen Torf wieder zuzulegen nothig haͤtte. Man ſucht nämlich dieſe Glut gehoͤrig zu maͤßigen, weil Jedermann uͤberzeugt iſt, daß die⸗Aſche viel von ihrer duͤngenden Wirkung verliere, wenn ſie mit zu großer Heftigkeit gebrannt wuͤrde. Die Aſche wird unter dem Roſte herausgezogen, und ſo dauert der fabrikwaͤßige Betrieb immer fort, indem die bereitete Aſche weithin geholt wird. 5. 93. Man hat der Aſche, verbunden mit der Wirkung des Feuers, in England und des Stro⸗ neuerlich eine ſo große Kraft zugeſchrieben, daß man den Rath gegeben, nicht nur hes auf dem Acker. die hohe Stoppel, die man gewoͤhnlich vom Getreide ſtehen laͤßt, anzuzuͤnden, ſondern auch das ſaͤmmtliche Stroh uͤber den Acker geſtreut zu verbrennen, und Mineraliſche Duͤngungsmittel. 271 glaubt nach angeblichen Verſuchen eine groͤßere Wirkung hiervon verſpuͤrt zu ha⸗ ben, als wenn das Stroh in den Miſt gebracht worden waͤre. Wir laſſen dieſe Bemerkung vorerſt dahin geſtellt, da ſie hoͤchſtens nur unter gewiſſen Verhaͤltniſ⸗ ſen und nur auf ſehr reichem Boden anwendbar ſeyn kann. Der Gebrauch, die hohe Stoppel anzuzuͤnden, findet ſich auch in Ungarn auf einigen ſehr reichen Laͤndereien⸗ F. 95. Der Abfall der Salinen, der Pfannen⸗ und Dornſtein oder Halbötzig, oft Saliuen⸗Ab⸗ mit der Aſche vermiſcht, gehoͤrt unter die wirkſamſten Duͤngungsmittel, und wird von den umliegenden Gegenden zu ziemlich hohen Preiſen gekauft und abgefuͤhrt. Der Abſatz in den Pfannen und an den Gravierwerken beſteht groͤßtentheils aus Gyps, hat jedoch immer noch einige andere Salztheile beigemiſcht. Einige ſchã⸗ tzen ihn hoͤher als den Gyps, andere demſelben nur gleich⸗ F. 96. Mannigfaltige kuͤnſtliche Duͤngungsſalze, die in ſehr kleinen Quantitaͤten Duͤngerſalze. wunderbare Wirkungen hervorbringen ſollen, und deren Zuſammenſetzung man geheim hält, ſind Geburten der Gewinnſucht und der Charlatanerie, die aber in unſern Zeiten ihr Gluͤck hoffentlich nicht weiter machen werden⸗ Hiermit muͤſſen indeſſen diejenigen kuͤnſtlichen Zuſammenſetzungen von Gyps, Eiſenopyd, Kochſalz u. ſ. w. nicht verwechſelt werden, welche unter andern der verdienſtvolle Lampadius in Freiberg(vergleiche Leipziger oͤkonomiſchen Anzeigen, Michaelis 1805) verſucht und empfohlen hat. Denn dieſe ſollen im gehoͤrigen Maaße, und nicht wie jene Wunderſalze zu wenigen Lothen oder Pfunden auf einem Morgen angewandt werden. 86* 5. 97. Es ſcheint keinem Zweifel unterworfen, daß mam durch eine geboͤrige Ab⸗ Wechſelung wechſelung der treibenden und warmen animaliſchen, der nachhaltigen und kuͤhlen⸗ den vegetabiliſchen und der auflöſenden mineraliſchen Duͤngung, je ſelbſt durch die Abwechſelung der verſchiedenen Arten dieſer Hauptklaſſen eine weit hoͤhere Produk⸗ tion bewirken koͤnne, als wenn man ſich nur an eine Duͤngungsart halt. Es kommt aber wahrſcheinlich viel darauf an, daß man die Ordnung, das Verhaͤlt⸗ niß und die Zeit mit Ruͤckſicht auf den Boden, ſeinen jedesmaligen Zuſtand und ſeine abgetragenen Fruͤchte, gerecht treffe. In verſchiedenen Gegenden ſcheint man ſich hieruber in der That Regeln gemacht zu haben, die aber nur auf dunklen 272 Mineraliſche Duͤngungsmittel. empiriſchen Begriffen beruhen. Auf eine rationelle Weiſe läͤßt ſich bis jetzt noch nicht mehr daruͤber ſagen, als in dem Vorſtehenden gelegentlich angedeutet iſt, weil es uns noch an beſtimmten Erfahrungen und genauen Verſuchen fehlt. Indeſſen duͤrfen wir hoffen, daß bei einer mehr rationellen Anſicht und dahin gerichteter Aufmerkſamkeit ſich ſolcher rationellen Erfahrungen(tit venia verbo) bald mehrere ergeben werden, damit wir durch den Gebrauch aller in Händen habenden Mittel die Kraͤfte und Stoffe der Ratur aufs Beſte benutzen, und zu ihrem boͤchſten Zwecke — Vermehrung des Lebens und des Lebensgenuſſes— verwenden lernen. In wiefern auch beſondere Duͤngungsmittel gewiſſen Pflanzen zuſagen, und die⸗ ſen in Hinſicht der Quantität ihrer Produktion ſowohl als ihrer gewuͤnſchten Quali⸗ taͤten be ſonders zutraglich ſind, daruͤber duͤrfen wir bald mehrere Erfahrungen erwar⸗ ten, nachdem Nau, Reiſſert und Seitz, Annal. des Ackerbaues, Bd.[X., S. 210., die Bahn hierzu gebrochen haben. Was daruͤber bisher bemerkt worden, wird in der Lehre von der Produktion einzelner Fruͤchte vorgetragen werden. §. 98. Der Landwirth, dem die ungewoͤhnlicheren Duͤngungsmittel zu Gebote ſtehen, und der ſie gehoͤrig zu gebrauchen weiß, wird von manchen Regeln, die ein ande⸗ rer, der ſie nicht vortheilhaft erhalten und anwenden kann, beobachten muß, abge⸗ ben koͤnnen. Er kann mit ihrer Huͤlfe ein anderes Feldſyſtem, eine andere Frucht⸗ folge, eine ſogenannte freie Wirthſchaft betreiben, welche ſeinen uͤbrigen Verhalt⸗ niſſen angemeſſener iſt, als die, welche er ohne ſolche nicht ſelbſt producirte Duͤngungs⸗ mittel befolgen muͤßte. Reicher Modder macht einen Theil der Miſtduͤngung und dann vielleicht des Futterbaus entbehrlich,— durch Gyps wird auch bei flacher Be⸗ ackerung dem natuͤrlich reichen Boden die Kraft Klee zu produciren länger erhal⸗ ten— des ſtaͤdtiſchen Duͤngers und der von Manufakturen nicht zu ge⸗ genken. Dagegen muß man ſich aber nicht verleiten laſſen, das Verfahren derjenigen, die ſolche Duͤngungsmittel reichlich anwenden, und einen glaͤnzenden Erfolg dar⸗ ſtellen, den ſie nicht ſelten anderen Proceduren beimeſſen— zur Norm zu nehmen, wenn man ihnen im Gebrauch dieſer Duͤngungsmittel nicht nhhnſn kann. 6 1* 8—— * Farbkarte 613