„ —— B w*—— 5————————— 5.4— S UB GESSEN M 466 505 Nur zur Benutzung im Teſeſaa ————————————————— —— — —— Grundſatze rationellen Landwirthſchaft. Von Erer Band. Begruͤndung der Lehre und des Gewerbes. Hekonomie oder die Lehre von den landwirthſchaftlichen Verhaͤltniſſen. —.—————— Seri 39. In der Realſchulbuchhandlung. —z——— 3 d De naͤchſte Zweck dieſes Werks in der Geſtalt, worin es jetzt erſcheint, iſt, einen Leitfaden und eine Baſis zu haben, um meinen muͤndlichen Vor⸗ trag darnach zu ordnen und darauf zu begruͤnden. Es iſt deshalb aller⸗ dings gedraͤngter geſchrieben, als es bei alleiniger Ruͤckſicht auf mein leſendes Publikum haͤtte geſchehen ſollen. Indeſſen hoffe ich durch Be⸗ ſtimmtheit, Vollſtaͤndigkeit und Ordnung des Vortrages dies ſo erſetzt zu haben, daß demjenigen Leſer, welcher mit Aufmerkſamkeit und Ord⸗ nung— nicht zerſtreut, fragmentariſch und fluͤchtig— lieſet, alles klar genug ſeyn werde. Bei einigen abſtrakten Materien, z. B. in dieſem Bande bei der Begruͤndung der Wiſſenſchaft, habe ich mich vielleicht zu kurz gefaßt; aber ich haͤtte, um dieſe Materie einem Theile meiner Leſer vollſtaͤndig zu entwickeln, durch Weitlaͤuftigkeit einem andern Theile langweilig werden muͤſſen. Wo es zur Aufklaͤrung einer wichtigen Ma⸗ terie nothwendig war, habe ich ſo ausfuͤhrlich geredet, daß es ſelbſt fur meine Zuhoͤrer kaum einer weitern Eroͤrterung bedarf. Es verſteht ſich uͤbrigens, daß manche Gegenſtaͤnde, welche in dieſem Bande in der Lehre von der Oekonomie, nur des allgemeinen Ueberblicks wegen, dargeſtellt werden mußten, an ihrem Orte werden genauer behandelt werden. We⸗ gen dieſes mehr oder minder gedraͤngten Vortrages wird man die Ver⸗ ſchiedenheit des Styls verzeihen. Auch in der Ordnung des Vortrages habe ich mich gewiſſermaßen nach der Abtheilung des Moͤgelinſchen Unterrichtskurſus fuͤr das Win⸗ ter⸗ und Sommerſemeſter und nach dem Gange der Vorleſungen der damit 0 2 W r verbundenen Wiſſenſchaften gerichtet. Der erſte und ein Theil des zwei⸗ ten Bandes enthalten das, was in der Lehre von der Landwirthſchafts⸗ kunde mehr abſtrakt und reiner wiſſenſchaftlich iſt, weniger einer ſinn⸗ lichen Darſtellung bedarf, und mehr Nachdenken als Beobachtung erfor⸗ dert; zu deſſen Vortrage und Studium alſo die Winterzeit mehr geeignet iſt. Der Inhalt des erſten Bandes liegt vor Augen. Der zweite ent⸗ haͤlt 1) die Agronomie, oder die Lehre von der Kenntniß und Wuͤrdi⸗ gung des Bodens nach ſeinen chemiſchen und phyſiſchen Eigenſchaften, ruckſichtlich auf deſſen zweckmaͤßigſte Benutzung und Werthſchaͤtzung. 2) die Agrikultur, oder die Lehre von der Verbeſſerung und Vorbe⸗ reitung des Bodens, welches Hauptſtuͤck ſich wieder in zwei Abſchnitte theilt: a) die Lehre von derchemiſchen Verbeſſerung und Befruchtung des Bodens durch Auffuͤhrung und Vermengung relativ verbeſſernder und abſolut duͤngender Subſtanzen; b) die Lehre von der mechaniſchen Verbeſſerung und Vorbereitung des Bodens, welche ſowohl die Opera⸗ tionen der eigentlichen Beackerung als die der Urbarmachung, der Abwaͤſ⸗ ſerung, der Bewaͤſſerung u. ſ. w. in ſich begreift. Der Vortrag der Agronomie und des chemiſchen Theils der Agrikultur faͤllt in den Zeit⸗ raum, wo ich bei meinen Zuhoͤrern ſchon die noͤthigen chemiſch⸗phyſiſchen Kenntniſſe vorausſetzen kann; der der mechaniſchen Agrikultur eroͤffnet die Sommervorleſungen zu einer Zeit, wo dieſe Operationen am beſten ſinnlich dargeſtellt werden koͤnnen. Der dritte Band enthaͤlt die Lehre von den vegetabiliſchen Produktionen in ihrem ganzen Umfange, und fußt nun auf die ſchon vorgetragene allgemeine und ſpezielle Pflanzenlehre, die hier in beſonderer Fuckſicht auf den Pflanzenbau in naͤheren Betracht und Anwendung kommt. Der vierte Band wird die Lehre von den thieriſchen Produk⸗ tionen enthalten, die eine Einleitung uͤber dieſen thieriſchen Organis⸗ mus im geſunden Zuſtande, und uber die erankhaften Abweichungen deſſei⸗ ben um ſo mehr erfordert, da das Eigenthumliche der letzteren in ihren haͤu⸗ Pede. v figſten Formen bei jeder Thierart beſonders angegeben wird; damit der rationelle Landwirth ſich wenigſtens von den gewoͤhnlichen Kurſchmieden, Hirten und Quackſalbern unabhaͤngig erhalten, den wahren Arzt aber wuͤrdigen koͤnne. Die Lehre von der mit der Landwirthſchaft— in Hinſicht der Be⸗ nutzung der Produkte ſowohl als der Viehzucht— in naͤherer und zweckmaͤßiger Verbindung ſtehenden techniſchen Gewerbe, wird das Werk in einem beſonderen Supplementbande ſchließen. Ohne jene Hinſicht auf den Kurſus des Moͤgelinſchen Unterrichts haͤtte ich vielleicht eine andere Ordnung gewaͤhlt, und die abſtraktere Lehre von der Oekonomie zuletzt behandelt. Ich zweifle indeſſen, ob dies dem Beduͤrfniſſe derer, welche nach dieſem Werke die Landwirthſchaft rationell ſtudieren wollen, angemeſſener geweſen waͤre; dielmehr hat mich nunmehr die Erfahrung bei dem groͤßten Theile meiner Zuhoͤrer gelehrt, daß in jener Ordnung die klarſte und deutlichſte Inſicht entſtehe. So lange man das Ganze nicht uͤberſieht, ſind einſeitige und ſchwer wieder zu verloͤſchende Eindruͤcke beinahe unvermeidlich, und dieſe haben der Theorie und der Praxis der Landwirthſchaft vielen Nachtheil gebracht. Haͤtte ich eine andere Ordnung gewoͤhlt, ſo wuͤrde ich das Werk auf einmal herausgegeben haben, welches ſich unter den jetzigen Zeitumſtaͤnden noch lange haͤtte verzoͤgern muͤſſen. Ich fuhlte aber eine Verpflichtung, dieſes Werk entweder in dieſer konzentrirten Form oder in einer ausfuͤhrlichen bald herauszugeben. Meine engliſche Landwirthſchaft und einige andere Schriften hatten einen bis dahin beiſpielloſen Eifer fuͤr die Landwirthſchaft, das Gefuͤhl und die Ueberzeugung von der Moͤglichkeit eines hoͤheren Betriebes und die Sehnſucht nach der moͤglichſten Vollkommenheit allgemein erregt. Aber der einſeitigen Anſicht wegen, die manche nach jenem Werke gefaßt hatten, verfielen die, welche am raſcheſten zum Ziele hinſtrebten, auf Ab⸗ wege, wodurch ſie es verfehlten, aber doch ſpaͤter und mit groͤßerem Auf— wande, als noͤthig war, erreichten. Andere ſchwankten von einem v1 Borrede. Wege zum andern hinuͤber, und kamen wenig vorwaͤrts, noch andere blieben ſtehen, zweifelnd, welchen Weg ſie einſchlagen ſollten. Manche kehrten ſchnell zuruͤck, wenn ihnen ein Verirrter in den Weg ſprang und zurief:„Hier iſt's nicht Recht, experto crede ruperto!“ Manche woll⸗ ten ſich einen neuen Weg bahnen, den ihre Kraͤfte nicht zu erklimmen ver⸗ mochten. Andere, die es verſtanden, die Mittel zu berechnen, die erfor⸗ derlich waren, um den Zweck fruͤher oder ſpaͤter zu erreichen, ſtehen jedoch auf der Hoͤhe und rufen andern zu:„Hier bin ich, kommt mir nach!“ Dies Werk, hoffe ich, ſoll dergleichen Verirrungen, wozu ich durch jenes Werk allerdings einige Veranlaſſung mag gegeben haben, verhuͤten. Allein es iſt kein hoͤlzerner Wegweiſer, den man nur anſprechen kann, wenn man ihn eben braucht. Es iſt ein Grundriß, den man ſtudieren und ganz vor Augen haben muß, wenn man ſich auf jedem Punkte dieſes Gebiets orientiren und nirgends verirren will. Ich fuͤhle lebhaft, daß dieſes Werk nicht frei von Maͤngeln ſey. Die Drangſale— wenn gleich nicht die Zerſtoͤrungen— des Krieges, denen ich mit wenigen Unterbrechungen ſeit ſieben Jahren ausgeſetzt war, manche Sorgen und haͤusliche Leiden laͤhmten die ſreie Thaͤtigkeit des Geiſtes, die ein ſolches ſyſtematiſches, nicht fragmentariſches Werk in einem Fache, welches noch nicht wiſſenſchaftlich behandelt war, er⸗ forderte. Man erwarte alſo nichts vollkommenes, ſondern nur das beſte, was ich unter dieſen Umſtaͤnden zu geben vermag. Ich wuͤnſche Kritik dieſes Werks im Ganzen und im Einzelnen. Ueber diejenige, welche gegruͤndet ſcheint, werde ich mich in meinen Anna⸗ len beſcheiden erklaͤren, und wenn man will, ſie gern darin aufnehmen. Wenn ich aber bemerkte, daß nur jemand an mir zum Ritter werden wollte, ſo wuͤrde ich ihm eben ſo wenig, wie einem Ruͤckert oder Leupert antworten. Insbeſondere wuͤnſche ich Unvollſtaͤndigkeit und Ueberſe⸗ hung gewiſſer nicht unerheblicher Faͤlle und Umſtaͤnde gerugt, und ſolche Ruͤgen wuͤrde ich mit Dank zur Verbeſſernng nutzen, weil dadurch die Wiſſenſchaft gefoͤrdert wird. Porred e. vn Einige haben, wie ich vernehme, gewuͤnſcht und erwartet, hier eine beſonders vollſtaͤndige Litteratur und Anfuͤhrung der Schriften, welche uͤber jede Materie geſchrieben ſind, zu finden. Ich habe aber zu dieſer Erwartung niemand berechtigt, indem ich die Handarbeit, Buͤchertitel abzuſchreiben, nicht liebe. Haͤtte ich mich aber auf die Kritik der Schrif— ten einlaſſen wollen, ſo wuͤrden dazu allein 12 Baͤnde nicht gereicht haben. Wir haben auch uͤber die landwirthſchaftliche Litteratur ein ſyſtemati⸗ ſches, nach Materien geordnetes ſehr vollſtaͤndiges, verdienſtvolles Werk: „F. B. Weber's Handbuch der oͤkonomiſchen Litteratur oder ſyſtema⸗ „tiſche Anleitung zur Kenntniß der deutſchen ökonomiſchen Schriften, „die ſowohl die geſammte Land⸗ und Hauswirthſchaft, als die mit denſel⸗ „ben verbundenen Huͤlfs⸗ und Nebenwiſſenſchaften angehen, mit Angabe „ihres Ladenpreiſes und Bemerkung ihres Werths(«) in 2 Baͤnden, „Berlin 1803*. Ferner eine ſehr genaue und trefflich geordnete ſyſtema⸗ tiſche Darſtellung alles deſſen, was ſich uber landwirthſchaftliche Gegen⸗ ſtaͤnde in den Verhandlungen der gelehrten und landwirthſchaftlichen Ge⸗ ſellſchaften aller Nationen findet an:„Reufs repertorium commen- tationum a societatibus literariis editarum, P. VI. Oeconomiĩa, Gõt- tingae 1806“.(Es waͤre zu wuͤnſchen, daß jemand eine auf gleiche Weiſe geordnete Nachweiſung der in andern von Einzelnen herausgegebe⸗ nen Sammlungen enthaltenen Schriften ausarbeitete. Denn in der That findet man in einer bisher nur fragmentariſch behandelten Wiſſen⸗ ſchaft das beſte und originellſte in fragmentariſchen Schriften.) Uebri⸗ gens findet man auch die Litteratur in Beckmann's Lehrbuche, in We⸗ ber's Handbuche der Felderwirthſchaft, Frankfurt 1807; in Nau's Anleitung zur Landwirthſchaft, Frankfurt am Mayn 1804, und meh— reren anderen Lehrbuͤchern, vollſtaͤndig genug angefuͤhrt. Die Mei— nungen verſchiedener ausgezeichneter aͤlterer Schriftſteller uͤber ge⸗ wiſſe Gegenſtaͤnde von Wichtigkeit findet man auch in Germershau⸗ ſens Hausvater und Hausmutter mehr oder minder richtig und tref⸗ fend dargeſtellt. vII Vorrede. Die idealiſche Muͤnze, welche ich in der Lehre von der Hekonomie angenommen habe, nemlich 1= dem Werthe eines 3 Berliner Scheffel Rockens, oder = dem Preiſe einer gewoͤhnlichen unangeſtrengten Tagesarbeit wird manchem anfangs anſtoͤßig ſeyn. Bei genauerer Erwaͤgung wird man aber finden, wie ſehr dieſe idealiſche Muͤnze die Ausmittelung allge⸗ meiner Verhaͤltniſſe und Reſultate und demnaͤchſt ihre Anwendung auf ſpezielle Faͤlle erleichtere. Die Zeitumſtaͤnde und die daher ruͤhrende Verlegenheit der angeſe⸗ henſten Buchhandlungen machen es nothwendig, daß dies Werk auf Praͤ⸗ numeration herauskomme. Ich wuͤrde ohnedies dieſen— urſpruͤng⸗ lich nur fuͤr genialiſches Fuhrwerk beſtimmten, aber von litterariſchen Lohnkaͤrnern uſurpirten und verdorbenen— Weg nicht eingeſchlagen ſeyn. Ich verdanke es dem Vorſpann meiner verehrungswuͤrbigen Goͤn⸗ ner und Freunde, daß ich ſelbſt zu dieſer Zeit ſo gut darauf gefahren bin. Dies macht mir doppelte Frende. Denn ich konnte keine beſſere Gelegen⸗ heit haben, mich von ihrem wahrhaften Wohlwollen zu uͤberzeugen. Ich bin ſtolz darauf, ihre Namen oͤffentlich nennen zu duͤrfen. Es ge⸗ ſchieht ohne irgend eine andere Ordnung, als daß die Namen derjenigen, welche die Annahme der Praͤnumeration zu beſorgen die Guͤte hatten, vorſtehen, und die durch ſie eingegangene jedesmal folgen. An erſtere dieſer Herren oder ihre Commiſſionaire werden die Exemplare durch Buchhaͤndlerfracht von der Verlagshandlung geſandt, und dieſelben wer⸗ den die Gewogenheit haben, die Praͤnumeration auf den zweiten Band anzunehmen, und mir zu uͤberſenden. Sollte bei der Verſendung irgend eine Unrichtigkeit vorgegangen ſeyn, ſo erſuche ich, mir ſolches anzuzeigen. Moͤgelin, den 3ten Junius 1809. Der Verfaſſer. Inbalt. Inhaltsverzeichniß des erſten Bandes. e Begruͤndung. Begriff der rationellen Landwirthſchaft. Ihr Zweck. Seite 3. Die Lehre der Landwirthſchaft: die handwerksmaͤßige, die kunſtmaͤßige und die wiſſen⸗ ſchaftliche. 5. Begruͤndung der wiſſenſchaftlichen Lehre. Auf Erfahrung. 7. Was Erfahrung ſey. 7. Verſuche. 9. Beobachtungen. 1I. Beihuͤlfe der Naturwiſſenſchaft. 12. der Pflanzenkunde. 12. der Thierkunde. 13. der Mathematik. 13. Begruͤndung des Gewerbes. Das Subjekt. rz. Eigenſchaften deſſelben. 14. Temperament und Neigungen. 14. Erwerbung der Kenntniſſe. 16. Erziehung zur Landwirthſchaft. 16. Huͤlfswiſſenſchaften. 77. Lehrſtuͤhle der Landwirthſchaft auf Univerſitaͤten. 18. Reiſen. 19. Beſondere Inſtitute zum landwirthſchaftlichen Unterricht. 20. Das Kapital. 23. Das Grundkapital. 25. Das ſtehende Kapital. 25. Das Betriebskapital. 23. Renten dieſer Kapitale. 26. Verhaͤltniſſe derſelben gegen einander. 27. Wie dem Gewerbe das Betriebskapital am beſten erhalten werde. 30. b x Inhalt. Das Landgut und deſſen Beſitznehmung. Zr. Auswahl eines Landguts. 32. Preis der Landguͤter. 34. Werthſchätzung eines Landguts. 35. Flaäͤcheninhalt. 35. Maaß nach der Ausſaat. 36. Beurtheilung der Guͤte des Bodens. 37. Gewoͤhnliche Klaſſifikation des Bodens. 39. Die ſchlechte Qualitaͤt des Bodens wird ſchwer durch die Quantitat erſetzt. Schaͤtzung der Wieſen. 43. der Weiden. 45. des Holzes. 48. In wiefern auf eingezogene Erkundigungen zu bauen. 49. Guͤteranſchlaͤge. 50. Beſtimmung der Ausſaat. 51. der Koͤrnervermehrung. 52. Abzug des Konſumtionskorns. 34. des Korns zur Deckung der Wirthſchaftskoſten. 34. Arendekorn. 55. Hauskoppeln. 59. Gaͤrten. 39. Veranſchlagung der Viehnutzung. 60. der Nebengewerbe. 61. der Gefaͤlle. 61. des Zehntens. 62. der Frohnden. 63. Uebrige Ruͤckſichten. o5. Lage der Grundſtuͤcke. 67. des Hofes. 68. Beſchaffenheit und Richtung der Feldwege. 69. Einrichtung und Zuſtand der Gebäude. 69. Waſſer. 69. Gleichheit oder Verſchiedenheit des Ackers. 69. Merkantiliſche Verhaͤltniſſe. 70. Reichthum des Staats und der Provinz. 70. Staatsverfaſſung und Maximen der Regierung. 72. Militairiſche Verfaſſung. 73. Bevölkerung. 79. Groͤßere oder geringere Sicherheit gegen Kriegsgefahren. 75. Sitten. 76. Rechtsverhaͤltniſſe. 77. Beſondere Gerechtſame. 78. Wie der Werth dieſer Umſtaͤnde und Verhaͤltniſſe im Allgemeinen zu beſtimmen. Die Pachtung. 8o. Verſchi dene Gewerbsgrundſaͤtze des Eigenthuͤmers und Paͤchters. So. Schwierigkei: der Pachtkontrakte. S1. Guͤldenes Pächter AB C. 82. Ausnahmen von der Regel. 85. 80. Inhalt. X Die Erbpacht. 87. Erbſtandsgeld. 88. Fehlerhaftes Verfahren machte die Sache verhaßt. 88. Beſtimmung des Canon nach dem Durchſchnittspreiſe des Getreides. 89. Vortheile der Erbpacht. 90. Ob große oder kleine Erbvachtungen zu errichten? 9r. Vortheile der Privatgrundbeſitzer. 93. Vortheile bei den Domainen. 9g. 8 weites Haupt ſt uͤ ck. Oekonomie, oder die Lehre von den Verhaͤltniſſen, von der Einrichtung und Direktion der Wirthſchaft. 93. Bedeutung des Worts Dekonomie. 97. Die Arbeit im Allgemeinen 99. Arbeit, die Quelle aller Guͤter. 99. In wiefern jedoch der Grund und Boden Antheil daran habe. 99. Erſt durch die Arbeit erhé“ der Boden einen Werth. rc0. Verhaͤltniß zwiſchen dem Preiſe der Arbeit, des Bodens und der Produkte. 102. Hierauf gruͤndet ſich der Vorzug des extenſiven und intenſiven Betriebes.. 100. der Verhaͤltniſſe, wo der eine oder der andere zu wäͤhlen O. Ob der Arbeitslohn geſtiegen ſey. 102. Wodurch der Arbeitslohn ſteige und falle. I03. Erſte Urſach: Veraͤnderung des Geldwerths. 103. einer idealiſchen Muͤnze oder eines andern Maaßſtabes des Werths der Dinge 10. Zweite Urſach: Vermehrung oder Verminderung der Gewerbe. ro5. Dritts Urſach: Durch Kalamitäten entſtandener Mangel an Arbeitern. Ic6. Preis des Lohns und Preis der Arbeit ſind zu unterſcheiden. 107. Erſparung der Arbeit durch richtige Anwendung derſelben. 107. Dieſe iſt in der Landwirthſchaft ſchwieriger, als bei anderen Gewerben. 107. Regeln bei Theilung der Arbeit im Allgemeinen. 108. In Theilung der Arbeit auch in der Landwirthſchaft vortheilhaft anzuwen⸗ en Landwirthſchaftskalender. 112. Arbeitsvoranſchlag. 112. Arbeit des Geſpanns. r13, . Pferde und Ochſen. Streit üͤber den Vorzug der Pferde und der Ochſen. 113. Vortheile der Pferde. 113. der Ochſen. 114. xn Jnhatt Wodurch der Vorzug der einen vor den andern in verſchiedenen Wirthſchaften be⸗ dingt werde. 115. Wechſelochſengeſpann. I16. Winterarbeit der Ochſen. 117. Auswahl und Anſchaffung der Pferde. I17. Eigenſchaften eines guten Ackerpferdes. 118. Vorzug der ſelbſt aufgezogenen Pferde. 119. Ruͤckſicht bei der Aufzucht fuͤr den Landwirth. 119. Ankauf von Füllen 120. Eigenſchaften eines guten Zugochſen. 120. Aufzucht der Ochſen. 121. Koſten der Pferde. 122. der Ochſen. 124. der Werkzeuge zur Geſpannarbeit. 126.. Werden auf die Kopfzahl des Viehes vertheilt. 127. Menſchen, die mit dem Geſpanne arbeiten: Knechte. 128. Wie ſtark ein Geſpann einzurichten. 129. Vergleich der Koſten zwiſchen Ochſen und Pferden. 130. Geſpannarbeiten. 131. Pfluͤgen. 131. Eggen. 134. Walzen. 139. Arbeiten des verfeinerten Feldbaues. 134. Duͤngerausfuhr. 135. Erntefuhren. 136. Verfahren der Produkte. 136. Brennmaterialfuhren. 137. Baufuhren. 137. Nebenfuhren. 17. Nebenbetriebsfuhren. 137. Meliorationsarbeiten. 138. Berechnung des noͤthigen Geſpanns. 138. Nach den Jahreszeiten. 138. Allgemeiner Ueberſchlag. 140. Die Handarbeiter. S. 141. Geſinde und Loͤhner. 14r. Welche ſind vortheilhafter. 147. Perſonal des Geſindes. 142. Speiſung auf dem Hofe oder Deputat. 143. Speiſung des Geſindes. 144. Koſten deſſelben. 145. Tage⸗, Stuͤck⸗ oder Quotenlohn anderer Arbeiten. 145. Anſetzung arbeitender Familien. 147. Handarbeiter. 147. Frohnden. 151. Arbeitsberechnungen. 152. ——̃᷑G,—Z ů Inhalt. vu Direktion der Wirthſchaft. 181. Der Wirthſchaftsdirektor ſey unbeſchraͤnkt. 181. Beſchtaͤnkte Lage deſſelben iſt fehlerhaft. 182. Eigenſchaften eines Wirthſchaftsdirektors. 185. Salarirung deſſelben. 185. Uebrige Wirthſchaftsbeamte. 186. Vorwerks- und Unterverwalter. 188. Lehrlinge: Bildung derſelben. 190. Unterauſſeher. 192. Die Wirthſchafterinn. 193. Verhaͤltniſſe des Perſonals in einer groͤßern Wirthſchaft. 193. Allgemeine Aufſicht des Direktors. 194. Hauspolizei. 195. Sparſamkeit. 198. Sorge fuͤr den noͤthigen Bedarf. 197. Verkauf der Produkte. 197. Preiſe: Wahrſcheinlichkeit ihres Steigens und Fallens. 199. därkte. 200. Wahlzwiſchen mehreren Maͤrkten. 202 Zuſammenkuͤnfte der Landwirthe in Ruͤckſicht auf das Gewerbe. 203. Handelsſpekulationen. 203. Landwirthſchaftliche Buchhaltung. 209. Wichtigkeit der Buchhaltung. 204. Stehende Buchhaltung oder Grundbuch. 20. Karten. Vermeſſungs⸗Bonitirungs⸗Nutzungskarte. 205. Regiſter. 206. Werthſchaͤtzung der einzelnen Theile eines Landguts. 207. Inhalt des Grundbuchs. 208. Grundkapitalsrechnung. 208. Chronik des Gutes. 271. Jahrliche oder Wirthſchafts-Betriebsrechnung. 21r. Mannigfaltige Formen. 212. Die gewoͤhnlichſte oder die ſogenannte Regiſterform. 213. Beſteht aus 1) der Geidrechnung. 213. 2) der Naturalienrechnung. 216. 3) der Viehrechnung. 218. Von der Arbeitsberechnung. 221. Zu welcher Jahreszeit die Rechnung abzuſchließen ſey. 227. Tabellariſche Form. 222. Ausſaatstabelle. 223. Erntetabelle 223. Duͤngertabelle. 223. Arbeitstabelle. 224. Doppelte Buchhaltungsform. 227. Anfangliche Schwierigkeit bei dieſer Buchhaltungsform. 231. xmw ₰ nhalt. Verhältniß der Duͤngung, der Futterung und des Vieh⸗ ſtandes. 233. In wiefern ſich Arbeit und Daͤngung einander erſetzen. 233. Die Nahrung der Pflanzen im Boden. 235. Sie wird durch das Wachsthum der Pflanzen erſchoͤpft. 235. In welchem Verhaͤltniſſe dieſe Erſchoͤpfung geſchehe. 236. Erſchoͤpfende Kraft der eigentlichen Getreidearten. 237. anderer Fruͤchte. 238. Wodurch der Boden Erſatz fuͤr die Erſchöpfung erhalte. 239. Natuͤrliche Kraft des Bodens. 240. Verhaͤltniſſe, worin Ertrag und Erſchoͤpfang ſtehen. 240. Bei der reinen Dreifelderwirthſchaft. 24. Bei Erbſen- und Kartoffelbau in der Brache. 232. Bei einer ſiebenſchlaͤgigen Koppelwirthſchaft. 244. Bei einer neunſchlaͤgigen Koppelwirthſchaft. 244. Bei einer eilfſchlaͤgigen Koppelwirthſchaft. 245. Bei einer Fruchtwechſelwirthſchaft. 246. Vergleichung der Zu⸗ und Abnahme in der Kraft des Bodens bei werſchiedenen Wirthſchaften. 247. Erzeugung des Duͤngers und Werth deſſelben. 249. Maaß und Gewicht des Miſtes. 251. Verhaͤltniß des Duͤnger erzeugenden Viehes gegen den Ackerbau. 252. Verſchiedene Angaben darüber. 252. Das Verhaͤltniß läͤßt ſich nicht nach der Kopfzahl des Viehes 257. Verhaͤltniß des Miſtes gegen die Futterung. 257. Verſuch, dieſes Verhaͤltniß zu beſtimmen. 258. Beſtimmung dieſes Verhaͤltniſſes beim Heu und Stroh. 260. Beſſuh dieſes ne bei anderen Gewaͤchſen in Ruͤckſicht auf ihre Nahr⸗ haftigkeit. 267 Ertrag der Futergewächſe und Nahrhaftigkeit derſelben. 263. Verhaͤltniß, worin die Nahrhaftigkeit und die Miſterzeugung ſtehen. 265. Ertrag des Strohes. 267. Wie S nach dem Korne an Stroh und wieviel aus dieſem an Miſt zu erwarten ey. 276. Der Weidemiſt. 272. In wiefern die Art des Viehes bei Berechnung des Miſtgewinnes in Betracht zu ziehen ſey? 273. Vergleichung mit andern Annahmen. 274. Vertheilung des Futters auf das Vieh 277. Verſchiedenheit der Angaben des Futterbedarſs auf ein Stuͤck Vieh. 277. Verhaͤltniß der Weide. 280. Duͤnger aus dem Abfalle der Brandtweinbrennerei. 283. Vortheilhafteſte Erzeugung des Dungers durch richtige Verbindung der thieriſchen und vegetabiliſchen Produktion. 283 Wie dieſe bewirkt werde. 283. Die Ackerbauſyſteme. 285. Worauf ſich die Ackerbauſyſteme gruͤnden. 285. Allgemeine Eintheilung derſelben in Felder- und in Wechſelwirthſchaft. 286. „ Iinhalt. xv Das Felderſyſtem. 287. Verſchiedene Laͤnge des Umlaufs. 287. Das Dreifelderſyſtem. 288. Duͤngerbedarf deſſelben. 289. Weidebedarf. 290. Die Brache. 297. Beſommerte Brache. 292. Der Klee an der Stelle der Brache. 293. Streit uͤber die Entbehrlichkeit der reinen Brache. 295. Was unter Brache zu verſtehen ſey? 295. Nutzen der Brachbearbeitung. 206. Wie Brache nur entbehrlich werden konne 298. Zuſammengeſetztes Dreifelderſyſtem. 299. Vertheidigung des Dreifelderſyſtems. 30I. Widerlegung der zur Vertheidigung ſeiner Allgemeinheit zorſihtien Gruͤnde: Alterthum und ſeine Allgemeinheit ſelbſt. 302. Uebergewicht ſeines Kornbaues. 303. Mindere Arbeit. 309. Einfachheit ſeiner Handgriffe. 308. Eingefuͤhrte und geſetzliche Einrichtungen. 305. Zerſtuͤckelung des Landeigenthums. 306. Huͤlfsmittel dabei. 307. Die vierfeldrige Wirthſchaft. 309. Die fuͤnffeldrige Wirthſchaft. 310. Das Wechſelſyſtem. 317. Die Schlag⸗, Koppel⸗, Hollſteiniſche und sie Wirthſchaft. Geſchichte der Koppelwirthſchaft. 377I. Unterſchied zwiſchen der Hollſteiniſchen und Mecklenburgiſchen. 316. Die Hollſeiniſche. 316. Die Mecklenburgiſche. 318. Verſchiedene Schlagabtheilungen. 319. Roulirung der Schlaͤge. 320. Verbindung der Koppeln nach ihrer Nummer. 327. Gleichheit der Koppeln. 321.. Lage der Koppeln. 323. Figur der Koppeln. 323. Gleichmaͤßige Entfernung vom Hofe. 32. PNothwendige Abweichungen von der Regel. 324. Graͤben und Wege. 325. Schwierigkeiten, welche das Bauerfeld oft macht. 325. Die Zahl der Schläge. 326. Abtheilungen der Schlaͤge. 326. Nebenkoppeln. 326. Hauptſchlaͤge. 327. Mecklenburgiſche Schlageintheilung. 329. Fruchtfolge bei derſelben. 331. XV1 Inhalt⸗ Erfolg dieſer Wirthſchaftsart. 332. Vorzuͤge derſelben. 332. Mangel derſelben. 336. Der Fruchtwechſel. 337. Alte Erfahrungen fuͤr den Fruchtwechſel. 337. Theoretiſche Gruͤnde fuͤr und gegen den Fruchtwechſel. 338. Gruͤnde aus der Erfahrung. 340. Warum dieſer Fruchtwechſel das engliſche Syſtem genannt worden. 350. Charakteriſtiſche Eigenſchaften dieſes Syſtems. 353. Bedingungen bei der Einfuͤhrung dieſes Syſtemes. 357. Wechſſel⸗Weidewirthſchaft oder Wechſelwirthſchaft nach der Regel der Fruchtfolge. 359. Stallfutterungswirthſchaft. 364. Stallfutterungsſyſtem. 364. Vortheile der Stallfutterung. 364. Bedenklichkeiten bei der Stallfutterung. 367. Wahre Hinderniſſe derſelben. 379. Verbindung der Stallfutterung mit verſchiedenen Feldſyſtemen. 375. Da dieſer Band ſchon betraͤchtlich uͤber die beſtimmte Bogenzahl hinausge⸗ het: ſo konnte dieſes Hauptſiuͤck, wie ich wuͤnſchte, nicht ganz darin beſchloſſen werden. Die naͤhere Vergleichung der Syſteme gegen einander in tabellariſchen Verechnungen u. ſ. w. alſo im naͤchſten Bande. Praͤnumeranten⸗ Praͤnumeranten⸗Liſte. Se iſt ohne alle Ordnung geſtellet, und es ſind nur diejenigen unterſchieden, welche bei dem Herausgeber, und welche bei der Verlagshandlung eingegangen ſind— Da es nur als eine abgedruckte Subſcriptionsliſte anzuſehen iſt, ſo ſind alle Titula⸗ ren und Praͤdikate, die ſich ohnehin von ſelbſt verſtehen, weggelaſſen. Diejenigen Befoͤrderer dieſes Werks, welche aus beſonderem Wohlwollen fuͤr den Verfaſſer Sub⸗ ſcriptionen geſammlet und Praͤnumerationen angenommen haben, und ferner die Gewogenheit haben werden, es zu thun, ſind ausgezeichnet gedruckt. Bei dem Herausgeber eingegangene: Erempl. Evempi., —,— Herr v. Brevern.. Henrb Stacee 1 1 — v. Brevern, Landrath 1— v. Huͤne, auf 1 — v. Brevern, Mannrichter 1— v. Huͤne, auf 3 8 — v. Derſelden„ 1— v. Dahl, Hofrath„ 1 — v. Deſſen, Capitain„ 1— Nottbeck, Collegienrath.. 4L — v. Eſſen, Oberſtlieutenant. 1— v. Brevern, Oberſtlieutenant 1 — v. Hagemeiſter, Major 1— v. Reutern, Kreismarſchall 1 — v. Huͤlfreich, Ritterſchaftsſekretairr 1ſ— v. Wim 1 — v. Kruſenſtern, Capitain — v. Kruſenſtern, Oberſtlieutenamt 1 — v. viüziht berzog zu Pollſtein-Beck, in 1 Lindenau„ 6 ee 1Se. Koͤnigl. Hoheit der Kronprinz iſenhanſen 1 bon Freußen 1 Sieſehauſen 1 Se. Koͤnigl. Hoheit Prinz Wilhelm — v. Ungern, Oberſt„ 1 von Preußen„ 1 1 Herr Dellbruͤck, Lehrer der Koͤniglichen — v. Kaulbars, Oberſtlieutenant 1 Ppinsen 1 xvnr Praͤnumeranten. Herr Graf v. Lehndorf, Major, in — v. Matthy, Domprobſt, in Frauen⸗ — Gr. v. Schlieben, Erbamtshaupt⸗ mann, in Gerdauen„ — Gr. Henkel v. Donnersmark, Referendarius, in Koͤnigsberg — Gr. zu Dohna Wundlaken, Re⸗ gierungsrath, in Koͤnigsberg — Gr. v. Doͤnhoff, Oberſtlieutenant, in Friedrichſtein e Bibliothek der phyſikaliſch⸗oͤkonomi⸗ ſchen Geſellſchaft, in Kö⸗ nigeberg Herr Kadach, Amtsſchreiber, in Meh⸗ en — Deutſch, Cammerrath, in Gra⸗ venthin — Stoͤckel, Cand. juris, in Bubainen — v. Hagen, Profeſſor, in Koͤnigsberg — v. Salzwedel, in Drosdowen — Gr. v. Wirſowitz, in Göͤtzhoͤfen D — — Heuſel, Provinzial⸗Acciſe⸗Caſſen⸗ Aſſiſtent, in Konigsberg. — v. Podewils, Landrath, in Peucken — Schnell, in Koͤnigsberg — Ruffmann, in Kobbelbude„ — v. Mirbach, Major, in Sorgitten — Gr. v. Schulenburg, Kammer⸗ herr, in Rippen„ — Schroͤder, Muͤhlenerbpaͤchter, in — B. v. Eichler, in Aweyden. — Melhorn, Amtmann, in Lapoͤnen — v. Loͤper, Referendarius, in Kö⸗ nigsberg — v. Bandemer, zu Wellenhagen in Pommern — Klebs, Stadtrath, in Konigsberg Exempl. —,— 1 — 8 „ 8 Herr Gr. zu Dohna, Reichsburggraf, Dbermarſchall, in Schlobitten — Gr. zu Dohna, Miniſter des In⸗ nern, in Koͤnigsberg.. — Gr. zu Dohna, Geh. Legations⸗ rath in Koͤnigsberg. — Adler, Oberbaudirektor, in Brom⸗ 5 Herr Johann Heſtreich, in Braunsberg — Siegfried, Oberamtmann, in Alichem — v. Schoͤn, Oberamtmann, in Sta⸗ — Niederſtaͤdter, Oberamtmann, in Koͤnigsfelde„. — v. Sanden, Oberamtmann, in Süſſeihe — Wagner, in Dittlalken„ — W. Oeſtreich, in Plicken„ — Dreßler, Amtmann, in Schreif⸗ auen Die Litthauiſche Kammerbibliothek zu Gönibimne Herrv. Gerhardt auf Flatow„. — Oellrichs, Regierungsrath, in Marienwerder — Munke, Oberfoͤrſter, in Solkenitz — v. Hippel, Landſchaftsdirektor, in Marienwerder — v. Huͤlſen, Hauptmann, in Koͤ⸗ — niasbe Fuͤrſt Lichnowsky.. — Gr Oppersdorf — v. Marklowsky Gr. Läſſich Exempl. —,— T Pränumeranten. xm Exempl. Erempl. — Herr B. v. Bartheimb 1 — v. Ludzinsky, Inſpector.. 1 — Helvety, Inſpertor„ 1— Gr. Georg Feſtetitz„„ 2 — Gr. Schafgotſch„„ r— Kernhofer, Hofrath„ r — C. v. Badenfeld 1— v. Erben, Hofrath 1 — B G Joſ 4 — v. Ziegler, Landrath.. 1 1 — Fuͤrſt Moritz Lichtenſtein 1 — Br. Sugen Wrbna„ 2— Gr. Anton Appony Vater. 1 G 1 — vw. Wartmann 1— Jordan, Regierungsrath. 1 — Kaufmann 1— Trautmann, Profeſſor. 2 — Fuͤrſt Trautmannsdorf.. ber 1 — Gr. C. Eſterhazy ſn 1 Megen 1 1 — Gr. Ma Cavviani„— 1— Gr. Herberſtein„„. 3 — G. Pergen„— 1— Fuͤrſt Joſ. 20 — Gb. C. Zichy 1— Br. Fünfkirchen 1 — Fuͤrſt Kinsky— Gr Schönborm 1 1 Gr. C. Hgrach 1 — B. Jeh. Leykainm„ 1— Gr. Rothenhahn. 1 — Gr. Joſ. E. Dietrichſtein. 2— B. v. Hildprandt„ 1 — Gr. Joh. Rud. Chotek 1— Gr. Chr. Clamm Gallas. 1 — Fürſt Eary— Gr. Joſ. Laz nty 1 — Gr. Dugarte„ 1 — Gr. Zinzendorf 1 1 — Gr. Franz Zichy Ferrari. 1— Gr. Franz Sternberg. 1 — Gr. Ferd. Palfy„ 2— Fuͤrſt Anton Lobkowitz. 3 1 — Fuͤrſt Sinzendorf.„ 1— BGr. Franz Kollowrath Libs⸗ — Br. Zamoisky„ 1 1 — Gr. Lamborruchy.. 1— Gr. Franz Klebelsberg.. 1 — Fürſt Eſterhazy 2— Fuͤrſt Nicolaus Eſterhazy. 50 — Fürſt Dietrichſtein. 1 Herr B. v. Gervaſy, in Wien 1* — 3 Herr Max Schoͤnleitner, in Wei⸗ — g. Hardenberz 1 henſtephan.. 5 ſ 2— Frhr. v. Weix, Koͤnigl. Baierſcher — Fürſt Joſ. Lobkowitz 3 Geheimerath.. 1 2— Frhr. v. Aretin, Koͤn. Vaierſcher — Gr. Joſ. Pergen 2 Geheimerath„ 1 C 2 XX Herr Seitz, Koͤniglich Baierſcher Hof⸗ ih — Frhr. v. Rothenhahn, in Mark⸗ Trentweinsdorf„ Herr Fellenberg, in Hofwyl. Slhrecht — Gruner, in Stockach„ Herr v. Hopfgarten, Kammerherr Schmallian, Amtmann. Kruͤger, Cammerrath. Krügor Ebard, Kammerpraͤſident„ v. Weiße, Hofrath v. Riyleben, Kammerherr. v. Wertern, Rittmeiſter. Tunſchtedt, Landrath„ v. Hitzacker, Major v. WVurmb, Lieutenant„„ v. Schlottheim v. Hagen, Rittmeiſter.. Rothe Fele Walter, Amtsrath.. Klemmer, Amtmann 8 Herr v. Mellin. v. Vockenförde, genannt Schnuͤ⸗ Le Wpy nomieverwalter zu Schlitz Nordmann, Oberamtmann, Dahlheim„„ Herr Hausmann, in Moſyn Binner, Graͤfl. Goͤrtzſcher Heko⸗ in Exempl. —,— — „„„*„„„„„„„„„„ 16 Herr Seidel, Praͤnumeranten. Herr Karſten, Profeſſor, in Joſioc — v. Laffort auf Wittorf Herr Koͤler, Hofmedikus in Celle — v. Hinuͤber, Hofrath und Poſidi⸗ rektor in Hannover 2 — Meyer, Oberkommiſfaͤr, in Celle v. Schrader, Major Wedemeyer, Oberappellations⸗ th v. Zeſterfleth, Hofrath, Haühtet Ziegler, Kommiſſaͤr, in Neu⸗ Lobbecke, in Braunſchweig.. Grab B. v. Gruttſchreiber, auf Klaſen v. Fromberg, auf Holzkirch„ in Herr Gr. v. Reden, Staatsmini⸗ ſter, auf Buchwald. Gr. Reuß XLIV, auf Trebſchen Gr. Reuß XXXVII, auf Stohns⸗ Gr. Kalkrenth, auf Erdmanns⸗ dorf Gr. Schafgotſch, auf Warmbrunn Gr. Matuska, auf Arensdorf. v. Stechow, auf Schoͤnwalde v. Vogten, auf Alt⸗Schoͤnau. Menzel, auf Lomnitz. Thomann, auf Berbisdorf. B. v. Riedeſel, auf Neuenhoff Cannabaͤus, auf Landshut.. Stadt⸗Adminiſtra⸗ tionsdirektor, in Leobſchuͤtz. — Gr. v. Dyrhn, in Raſewitz. Exempt. —.— 8„ 8 8 „ Praͤnumeranten. xx Ern Exempt Herr Gebel, Medizinalrath, Herr v. Berg, in Vargatz„ 1 in Petrowitz.. 1— Cosmar, in Soltikow. 1 — Gr. v. Hochberg, in Fuͤrſtenſtein 1— v. Plos, Generallandſchaftsrath, — B. v. Richthofen, in Hertwichs⸗ in Keinwechm waldau Scieben⸗ Rittmeiſter, in — v Ditrit. Landſchaftsdirektor, S 1 in Kolpnitz 1— v⸗Btumenthal, Hauptmann, in — Gr. v. Pfeil, in Loſſow„ 1 2 — Bieder, in Schoͤnfeld. 4 1* — Gr. v. Seher⸗Thoß, in Dob⸗— v. Sydow, Landrath, in Dram⸗ 1. 3— Hollatz, Juſtizamtmann, in Dram⸗ . 4 zurs 1 Herr Gr. Wengersky, in Silchowitz 3 ſ— vr Schwanenfeld, Regierungs⸗ — B. v. Schrembensky. 3 Hert Klingsberg, Kammerrath Herr von Kleiſt, in Klein Tuͤchow 2 Die Fürſtlich Anhaltſche Rentkammer 1 Herr Gr. v. Moltke, Kammerherr, Herr v. Kerber⸗ Praͤfldent, in Bialaf 1 in Koppenhagen.. 4 Herr Fried. Schmalz, in Ponitz, im— Gr. zu Muͤnſter Meinhoͤfel. 1 Altenburgſchen„. 4 — v. Bruͤningk, in Deſſau„ Herr v. Juel, Kammerherr, auf der Inſel Thorſeng. 6 Herr Koppe, in Grafendorf 1— Dotgas, auf der Inſel Thorſeng 1 Herr Kolling, in Damsdorf„. 1— Wittrock 1. — Klar, in Schlenkendorf. 1 — Pohle, in Besdau 1 Herr Gaͤhler, Kammerrath — Horer, in Nonnendorf„ſ1 Sf — Kranz, in— Soltau, Inſpektor, in Neuenburg 1 1— Burmeſter, Kammerrath, in Ol⸗ — Zinke, in Bunkersdorf.„ 1 denburg.. 3 Horr L. A. Gr. v. d. Schulen⸗ bu in e Herr D. Freier, Oberamtmann, eg, in Jähmen„ 1 auf Amt Goldbeck in der Priegnitz. — Gr. v. Breßler, in Laucke. 1 Pe 3 Werder, Lieutenant a. Dienſtenſ in Rogaͤſen. 1 Herr v. Biernacki, in Sulislawicze 12— v. Jena, Hauptmann a. D., in — Stolk, in Linau„„ 1 1 XXII Herr Platner, Kammerrath — Stenge, Kriminalrath.. — Herroſe, in Debowick. — Vuͤckmann, in Wizin„„ — Krauſe, Amtsrath, in Ragot. Herr Gr. v. Finkenſtein, in Madlis Herr Noack, Superintendent, in Muͤn⸗ Exempl. —,— 1 1 — 8— cheberg 5 — v. Kriegesheim, Lieutenant, in Barſiomw Lindenau, Dberſtallmeiſter, in Büſſ — Jouanne, in Berlin — Gr. Herr Krauſe Herr v. Genskow Praͤnumeranten. Herr Schmidtleim— — Flechet — v ſche — Sch — Gähe 3 — v. Brand, Hauptmann a. D.. — v. Wulffen, Lieutenant v W — B. v. Sckardtſtein, in Praͤdickow — v. Schrawiſch, Lieutenant in Freienwalde — Luͤdeke, Amtmann, in Petershagen — Ringdorf, Oberamtmann, in ie — Deutſch, Kaufmann, in Frankfurth — Fhieſe — v. Schwanenfeld„— Bei der Verlagshandlung eingegangene: Herr v. d. Marwitz„ — 6 v. Bernſtorf — Geheime Finanzrath v. Prittwitz, auf Quilitz bei Muͤncheberg — Gutsbeſitzer Herrmann, zu Har⸗ lersdorf bei Beeskow.. Der Prinz von Hranien„„ Herr Oberamtmann Göden zu Rägen⸗ — Amtmann Binder, zu Tempelberg bei Muͤncheberg — Buchhaͤndler Heyer, in Gießen — Deconom Daum, zu Bagold bei Beeskow — Buchhaͤndler Mylius, in Berlin Exampl. ——,— I 1 Herr Graf Heinrich zu Stollberg⸗ Wernigerode — Inſpektor Pfeiffer zu Krzizanowitz bei Ratibor 6 Die Meyerſche Buchhandlung in P Herr Hauptmann v. Steinkeller auf Riſtow bei Schlawe — Hauptmann v. Steinkeller auf Carwitz bei Schlawe — v. Kurnatowsky — Domainen Actuar iein zu Wittſtock bei Cuͤſtrin — Legationsſecretair Spranger Die Andreaͤſche Buchhandlung in Frank⸗ furt am Main. Erempl. —,—— 1 T 2 2 1 1 1 I I 1 — „„„ Erempf. — Pränumeranten. Die Calveſche Buchhandlung in Prag Herr Oeconomie⸗Commiſſarius Boͤniſch zu Soppau bei Leobſchuͤtz. Oberamtmann Kriele zu Wittſtock Hofmarſchall v. Malzahn, zu Herzberg in Mecklenburg. Amtmann Schneidewind, zu He⸗ ringen bei Nordhauſen v. Schierſtädt, in Ziebingen. Commiſſionsrath Oldenburg, Buͤtow in Hinterpommern General⸗Landſchaftsrath v. Löper zu Stramehl bei Stargard Weſemeyer, zu Tempelberg bei Müncheherg Landrath v. Dewitz zu Woperſon in der Neumark„ Kaufmann Kuͤgler, in Stettin Kammer⸗Aſſiſtenzrath Bethe, S Graf v. Hardenberg.. Majoratsherr v. Rerxin auf Wodtke ei Danig Heyſe i Bvemen Buchhaͤndler Sauerländer, Gebruͤder Hahn, in Hannover. Stallmeiſter Strubberg.. Die Herren Mohr und Zimmer, Buch⸗ haͤndler in Heidelberg.. Herr Buchhaͤndler Feind, in Leipzig — v. ESnckevort, in Hammelſtall bei Coppenrath, Buchhaͤndler in ſ Geheime Ober⸗Forſtrath v. Eſſen Buchhaͤndler Ziegler und Sohne, Buchhaͤndler Meinshauſen, zu in — in zu —,— . 40 10 Exempl. ſſ Herr Hofmarſchall v. Maſſow — Buchhaͤndler Nicolai, in Berlin Inſtizrath Brewing, zu Schie⸗ ſetin Riren, zu Knoop bei Kiel.. Buchhaͤndler Huber, in St. Gallen Buchhaͤndler Benjam. Fleiſcher Die Buchhandlung des Waiſenhauſes in Berlin Herr Fr. Korn, Buchhaͤndler in Breslau Arnobd, in Dresden„ Oberamtmann Dr. Gericke, zu St. Lugeri Commiſſionsrath Gilbert. Cammerrath Zimmermann, zu Srollenhagen in Mecklenb.⸗Strelitz v. Dewitz Sthenraich Gr. v. Flemming, in Bayreuth Deconomie⸗Inſpektor Eben Conduktenn Licht ie Niemannſche Buchhandlung in Herr Buchhaͤndler Hammerich, in Altona Buchhaͤndler Hemmerde, in Halle — Buchhaͤndler Grau, in Hof. Dr. Gehlen in Muͤnchen.. Otto v. Schlegel, Koͤniglicher, Saͤchſiſcher Amtshauptmann auf Zanitz und Zwickau. Buchhaͤndler Schnuphaſe, in Al⸗ tenburg. Dekonom TDeichmann, zu Zedlitz v. Thuͤnen, zu Liepen bei Neu⸗ Bun Akademiſche Buchhandlung in Kicl.. Fröi Landräthin v. Borhh Herr Buchhaͤndler Campe, in Hamburg — Pächter Deiters, zu Kluͤſſendorf „„„„„„„„ 5 XXIII Erempl. —,— 10 — b N — b xxw Praͤnumeranten. Herr Craz und Gerlach, Buchhaͤndler in Freiberg Croneſche Buchhandlung, in Oöna— [ Herr Buchhaͤndler Eßlkinger, in Frank⸗ furth am Main.„ — Buchhaͤnbler Felsecker, in Närn⸗ Frne — Buchhaͤndler Gaſtl, in Brüna — Paſtor Grapengießer, zu Bei⸗ dendorf — Buchhaͤndler Hanff Die Hofbuchhandlung in Rudolſtadt. Herr Mohr, Buchhaͤndler, in Frank⸗ furt — Buchhaͤndler Perthes, in Ham— ia — Buchhaͤndler nei in Magdeburg. — Buchhaͤndler Kluͤger, in Arnſtadt — Buchhaͤndler Schulze, in Bautzen — Vuchhaͤndler Stiller, in Roſtock — Buchhaͤndler Zimmermann, in Wittenberg— — Buchhaͤndler Roͤhß, in Schleßwig — Buchhaͤndler W. Korn, in Bres⸗ — Buchhaͤndler Nicolovius, in Koͤnigsberg.. Exempl. —,— I 50 +„ 0 12 70 6 Herr Buchhaͤndler Siegert, in Liegnitz — Buchhaͤndler Geiſtinger, in Wien — Buchhändler Darnmann, in Sit ichau — Buchhaͤndler Treutler, in Hirſch⸗ be3 — Buchhaͤndler Schneider, in Göt⸗ tiuen — Buchhaͤndler Webel, in Zeitz. — Buchhändler Kruͤll, in Landshut — Buchhaͤndler Nauk, in Berlin — Buchhaͤndler Horvath, in Pots⸗ dain — Buchhaͤndler Hoffmann, in Ham⸗ bu — Buchhaͤndler Flick, in Baſel.. — Buchhaͤndler Waldeck, in Muͤnſter — Buchhaͤndler Sigmund, in Kla⸗ genfürth — Buchhaͤndler Lindauer, in Muͤn⸗ — Buchhaͤndler Dankwerts, in Goͤt— tinger — Buchhaͤndler Herold und Wahl⸗ ſab — Buchhaͤndler Koͤhler, in — Buchhaͤndler Loͤffler, in Manheim — BVuchhaͤndler Metzler, in Stutt⸗ gatd Crempl. —— 2 3 2 „ Die Pränumeration auf den zweiten Band, welcher auf Oſtern unfehlbar erſcheint, wird beim Empfange des erſten, der Anzeige gemaͤß, gefaͤlligſt entrichtet. Da vom er⸗ ſten Bande noch einige wenige auf Schreibpapier abgedruckte Exemplare vorhanden ſind, ſo koͤnnen diejenigen, welche auf den zweiten Band zugleich praͤnumeriren, ſolche noch erhalten, wenn ſie ſich an den Verfaſſer oder an die Verlagshandlung wenden. Ihre Namen werden vor dem zweiten Bande abgedruckt werden. Erſtes Erſtes Hauptſtuck. n 5 Erſter Theil. A n 5 Begriff der rationellen Landwirthſchaft. Begruͤndung der Lehre. Begruͤndung des Gewerbes. Das Subjekt. Das Kapital. Das Landgut und deſſen Beſitznehmung. Begriff der rationellen Landwirthſchaft. §. 1. De Landwirthſchaft iſt ein Gewerbe, welches zum Zweck hat, durch Production (zuweilen auch durch ſernere Bearbeitung) vegetabiliſcher und thieriſcher Subſtanzen Gewinn zu erzeugen oder Geld zu erwerben. 5.* Je hoͤher dieſer Gewinn nachhaltig iſt, deſto vollſtandiger wird dieſer Zweck erfuͤllt. Die vollkommenſte Landwirthſchaft iſt alſo die, welche den möglich hoͤch⸗ ſten, nachhaltigen Gewinn, nach Verhaͤltniß des Vermoͤgens, der Kraͤfte und der Umſtaͤnde, aus ihrem Betriebe zieht. Nicht die moͤglich hoͤchſte Production, ſondern der hoͤchſte reine Gewinn, nach Abzug der Koſten— welches beides in entgegengeſetzten Verhaͤltniſſen ſtehen kann — iſt Zweck des Landwirths, und muß es ſeyn, ſelbſt in Hinſicht auf das allge— meine Beſte; den einzigen Fall ausgenommen, wo man der Wiſſenſchaft wegen die Moͤglichkeit hoher Production, obwohl unter den beſtehenden Verhaͤltniſſen mit geringerem Vortheil, zeigen wollte. §. 3. Die rationelle Lehre von der Landwirthſchaft muß alſo zeigen, wie der moglich hoͤchſte reine Gewinn unter allen Verhaͤltniſſen aus dieſem Betriebe gezogen wer⸗ den koͤnne. ₰ Die Lehre des Ackerbaues kann dreierlei Art ſeyn, d. h. das Gewerbe kann auf dreierlei Weiſe gelehrt und erlernt werden: erſtlich handwerksmaͤßig, zweitens kunſtmaͤßig, drittens wiſſenſchaftlich. A 2 4 Begriff der rationellen Landwirthſchaft. §. 5. Die handwerksmaͤßige oder mechaniſche Erlernung beſteht in der nach⸗ ahmenden Uebung der Handgriffe, des Augenmaaßes, und des Taktes oder der Zeit⸗ wahru hmung. Sie iſt eine bloße Abrichtung, und der handwerksmäßige Landwirth kann bloß nachahmen, und bei ſeinen gewohnten, nach Raum und Zeit mehr oder minder modificirten Handgriffen bleiben, wovon er keinen Verſtandsbegriff hat oder zu haben braucht. 6 Kunſt iſt Darſtellung der Idee in der Wirklichkeit. Der bloß kunſtmaͤßige Landwirth nimmt die Idee oder die Regel ſeines Verfahrens von anderen auf Glau⸗ ben an. Die kunſtmaͤßige Erlernung beſteht alſo in dem Auffaſſen fremder Ideen, oder in der Eriernung von Regeln, und in der Uebung, dieſe Regeln in Aus⸗ fuͤhrung zu bringen. 5. 7. Die wiſſen ſchaftliche Lehre ſetzt keine poſitive Regeln feſt, ſondern ſie ent⸗ wickelt die Gruͤnde, nach welchen man fuͤr jeden vorkommenden ſpeciellen Fall— den ſie ſcharf unterſcheiden lehrt— das moglich beſte Verfahren ſelbſt erfindet. Die Kunſt fuͤhrt ein gegebenes und angenommenes Geſetz aus, die Wiſſenſchaft giebt ſelbſt das Geſetz. .— Nur die wiſſenſchaſtliche Lehre allein kann allgemein guͤltig und allumfaſſend ſeyn, und zur Erreichung des Hoͤchſten unter allen und jeden Verhaͤltniſſen fuͤhren. Alle poſitive Regeln und Erlernungen ſind nur auf beſtimmte Lagen anwendbar, und jede bedarf beſonderer, die nur die Wiſſenſchaft ſo geben kann, daß das moͤglich Beſte in jedem Fall erreicht werde. Der hoͤhere Ackerbau kann alſo allein rationeller Ackerbau genannt werden, und beides iſt eins. Wie der Schiffer, der mit Compaß und Charte das Weltmeer umſegelt— mit deren Huͤlfe jeden Wind und Strömung benutzt, um ſich ſeinem Ziele, wenn gleich oft durch manche Umwege und langſamen Schritts zu naͤhern, Klippen und Hinder⸗ niſſe ſicher umgeht, in jeder Lage die vortheilhafteſte Richtung waͤhlt, und immer glcklich in moͤglich kuͤrzeſter Zeit den Hafen erreicht— ſich zu dem Kuͤſtenfahrer Begriff der rationellen Landwirthſchaft. 5 verhaͤlt, der das Ufer nicht aus dem Auge verlieren darf, wenn er ſich nicht dem blinden Schickſale uͤberlaſſen will; ſo der rationelle Landwirth gegen den an⸗ gelernten. §. 9. Die handwerks⸗ und kunſtmäßige Erlernung iſt jedoch dem Landwirthe, der ſich bis zur Wiſſenſchaſt und zum deale erheben will, nicht unnuͤtz. Es iſt gut, wenn er die Handgriſſe kennen und die erforderliche Kraft gleichſam fühlen gelernt hat, um die mechaniſche Ausfuͤhrung beurtheilen zu koͤnnen. Auch gehoͤrt Uebung des Augen⸗ maaßes und Ausdauer dazu, um den vom Verſtande gebildeten Begriff in der Wirklichkeit ausfuͤhren zu koͤnnen. Aber der bloß gelernte Landwirth darf ſich nie ohne beſtimmte Anweiſung von ſeinem Leiſten entfernen, obwohl dieſer nur fuͤr eine beſondere Lage paſſend ſeyn kann. Er darf nur ſeiner einmal angenommenen Regel oder der beſtimmten Vorſchrift des Einſichtsvollern folgen, und wird, wenn er ſelbſt denken und frei handeln will, dem Soldaten gleich ſeyn, der voll perſoͤnlichen Muthes aus Reihe und Glied hervortretend Feuer giebt, und ſtatt die gute Sache zu foͤrdern nur Alles in Ver⸗ wirrung bringt. Deshalh iſt es oft ſehr richtig, wenn man ſagt, daß Wirthſchaftsverwalter, die in anderen Gegenden und unter anderen Verhaͤltniſſen der Sache gluͤcklich vorgeſtanden haͤtten, nun, anders wohin verſetzt, durchaus bei jedem Schritte ſtrauchelten und das Ganze in Verwirrung brachten. Ihre auf Glauben angenommene Regel vaßte nicht bei verſchiedenem Boden, verſchiedenem Maaße der Kraͤfte und verſchiedenen Verhaͤltniſſen. Und ſo erklaͤrte man dieſe auf ihrem Flecke kunſtgerechte Oeconomen fuͤr unwiſſende. Der wahre rationelle Landwirth dagegen wird ſich in den verſchie⸗ denartigſten Lagen orientiren, wenn er ſich die Zeit nimmt, dieſe richtig kennen zu lernen. 5 11. Wenigen Gebrauch kann deshalb der nicht wiſſenſchaftlich gebildete Landwirth vom Leſen ſelbſt der beſten Buͤcher machen. Er weiß die neuen Ideen nicht zu ord⸗ nen und in das Ganze zu verweben. Sie richten daher nur Verwirrung in und durch ihn an. Hochſtens darf er nur ſolche Buͤcher leſen, welche auf die eren Verhaͤltniſſe, worin er ſich befindet, nahen Bezug haben⸗ 6 Begriff der rationellen Landwiehſchaft. 5. 12. Die wiſſenſchaftliche Lehre der Landwirthſchaft muß, ohne ſpecielle Regeln zu geben, die Reſultate der bisher gemachten Erfahrungen und des Nachdenkens kennen und wuͤrdigen lehren, ſie bis auf ihren erforſchbaren tieſſten Grund erklären, Licht uͤber alle Operationen verbreiten, den Grund und Ungrund angenommener Meinun⸗ gen aufdecken, und in jedem individuellen Falle zur Selbſterfindung der Regel fuͤhren, die wir zu beſolgen haben, und jeden Erfolg derſelben vorauszuſehen und zu berech⸗ nen lehren. Da der wiſſenſchaftliche Landwirth dieſe ſelbſt erfundene Regel immer richtiger verſteht, wie die von einem andern mitgetheilte, und ſie ſich im Momente der Anwendung ſeinem Verſtande klarer darſtellt, ſo wird er ſie vollkommener aus⸗ fuͤhren, und jede waͤhrend der Ausfuͤhrung noͤthige Modification treffen. Nur dieſe wiſſenſchaſtliche Lehre kann die Widerſpruͤche der von einzelnen Wahrnehmungen ab⸗ gezogenen Regeln vereinigen, und die Erfahrungen ſichten und läutern. Sie erweckt das Talent uͤber alle bei der Ausfuͤhrung des Gewerbes vorkommenden Fälle, ſelbſt zu urtheilen und auf eigenes Urtheil einen Entſchluß zu gruͤnden. Auch ſetzt ſie uns allein in den Stand, uͤber das Verfahren anderer richtig zu urtheilen, und lehrt uns, voreiligen Tadel zuruͤckzuhalten, zu welchem der bloß kunſtgerechte Landwirth ſo geneigt iſt. S. ag⸗ Wiſſenſchaftlich iſt die Landwirthſchaft nur in einzelnen Theilen, nicht im ganzen Zuſammenhange und von allgemein gultigen Gruͤnden ausgehend, gelehrt worden. Die Lehre war entweder bloß empiriſch, auf beſondere Lokalitäten und individuelle Anſichten gegruͤndet, oder, wenn ſie ſyſtematiſch und allumfaſſend ſeyn ſollte, eine Compilation von Fragmenten, ein Gemenge widerſprechender Reſultate heterogener Erfahrungen. Alle Wiſſenſchaften dieſer Art haben nur Fortſchritte durch ſolche Koͤpfe gemacht, welche Theorie und eigene Praxis— Wiſſenſchaft und Ausfuͤhrung— vereinigten. Die Theorie des Ackerbaues hat bisher faſt nur ſolche Koͤpfe beſchaͤſtigt, die wenig Praxis und Gelegenheit zu Beobachtungen und Pruͤfungen hatten. Dagegen hatten die Praktiker nur ihre Wirthſchaftsart vor Augen, und zu wenig Bekanntſchaft mit den Erfahrungen anderer und den Entdeckungen der Naturforſcher. Und da es ihnen uͤberdem an mathematiſchen, logiſchen und Sprachbegriffen fehlte, ſo verirr⸗ ten ſie ſich, ſobald ſie aus ihrer engern oder weitern Sphaͤre heraustraten. Begruͤndung der Lehre. 7 Begruͤndung der Lehre. F. 1. Die Wiſſenſchaft des Ackerbaues beruht auf Erfahrung, und es koͤnnen nur die Auf Erfab⸗ an eine Erfahrungs⸗Wiſſenſchaft zu machenden Forderungen an ſie ergeben. Ihr Grundſtoff iſt empiriſch, d. h. durch ſinnliche Wahrnehmung gegeben. Wäre die Erfahrung aber auch ganz empiriſch, ſo iſt doch die Entwickelung der Reſultate und die Conſtruction der Wiſſenſchaft das Werk des Verſtandes. 5 15 Aber ſchon Erfahrung an ſich iſt nicht bloß ſinnliche Wahrnehmung, ſondern Was Erfah⸗ begreift Reflerion uͤber das Wahrgenommene in ſich. Der Begriff der Kauſalität, oder daß eine Erſcheinung die Wirkung einer andern ſey, liegt jeder Erfahrung zum Grunde, und folglich iſt jede aus ſinnlicher und aus Thätigkeit des Verſtandes zuſammengeſetzt. Es iſt auch dem roheſten Menſchen eigen, bei jeder beachteten Erſcheinung nach der Urſache zu fragen, und Etwas ohne Urſach kann ſich keiner denken. Die Urſache einer Erſcheinung muß die Wirkung einer anderen ſeyn, und dieſe muß wiederum eine andere Urſache haben. So denkt ſich jeder Menſch eine Kette von Urſachen ſo lang, als es moͤglich iſt, nimmt oft die Phantaſie zu Huͤlfe, um ſie zu verlaͤngern,— laͤßt die Welt auf einen Rieſen, den Rieſen auf einen Elephan⸗ ten, und den Elephanten auf einer Schildkroͤte ruhen— muß aber endlich auf einen Punkt kommen, wo er keine Urſach der Urſachen mehr finden kann. Die letzte Ur⸗ ſach nennen wir dann Kraft, welche wir wie von der Natur, von der Gottheit aus⸗ gehend, betrachten. Kraft iſt aber immer nur das letzte, wohin unſer Verſtand dringen kann, und Manches, was man fuͤr eine nicht weiter zu ergruͤndende Kraft anſah, iſt nachmals als Wirkung tiefer liegender Urſachen anerkannt worden.. F. 16. Zu dem Schluſſe, daß eine Erſcheinung die Wirkung einer anderen ſey, fuhrt uns das oftere Beieinanderſeyn oder Aufeinanderfolgen dieſer Erſcheinungen. Hierin liegt aber der Grund der meiſten Trugſchluſſe, indem wir zu leicht geneigt ſind, das Folgende immer als die Wirkung des Vorhergehenden anzuſehen.(Post hoc, ergo 8 Begründung der Lehre. propter hoo.) Auch fehlt es leider! an einem beſtimmten allgemeinen Merkmale, eine bloße Folge in der Zeit von einer Folge aus der Kraft zu unterſcheiden. §. 17. Das haͤufige und wiederholte Beieinanderſeyn berechtigt uns erſt, die Verbindung zweier Erſcheinungen, als uUrſach und Wirkung, nur zu vermuthen. Je öfterer es ſich wiederholt, deſto mehr ſteigt die Wahrſcheinlichkeit dieſer Verbin⸗ dung, und wird endlich zur moraliſchen Gewißheit fur uns, welche jedoch aufhoͤrt es zu ſeyn, wenn nur ein einziges Mal das eine ohne das andere erſcheint. Dann dürfen wir wenigſtens das eine nicht ſuͤr die alleinige Urſach oder Wirkung des anderen halten. S. 18. Die meiſten Erſcheinungen aber, ſo wie wir ſie in ihrem ganzen Complerus wahrnehmen, ſind nicht die Wirkung einer, ſondern oft mannigfaltig zuſammenge⸗ ſetzter und ſich vereinigender Urſachen. Wenn deren neun beiſammen ſind, und die zehnte fehlt, ſo erfolgt auch die Wirkung nicht, oft die ganz entgegengeſeßte. Um eine vollſtaͤndige Kornähre hervorzubringen, wird erfordert: 1) ein geſundes Samenkorn mit unbeſchaͤdigtem Keime; 2) Erde, die gelockert und wohl vorbereitet iſt; 3) Feuchtigkeit im gehoͤrigen Maaße, weder zu viel noch zu wenig; 4) Waͤrme im gehoͤrigen Grade. Dies wußte jeder, aber nun weiß man, daß auch erfordert werde: §) Luft, denn im luftleeren Raume entwickelt ſich kein Keim; 6) Sauerſtoff in gehoͤrigen Verhältniſſen, denn in einer Luft, wo dieſer fehlt, entwickelt ſich ebenfalls der Keim nicht; 7) Kohlenſtoff, denn ohne dieſen kommt die Pflanze nur zur Bluͤthe, nicht E zur Samenbildung; 8) Licht, denn ohne ſolches erkrankt die Pflanze, und ſtirbt ab vor der Reife. Es iſt alſo das Hinzutreten aller dieſer Stoffe und Potenzen, und vielleicht vie⸗ ler anderen noͤthig, um jene Wirkung oder Aehre, und ihr gerechtes Verhaͤltniß, um eine vollkommne hervorzubringen. Ihr Mißrathen kann an dem Mangel des einen oder des anderen liegen. §. 19. Begruͤndung der Lehre. 9 S. 19. Erfahrungen machen wir, entweder durch bloße Beobachtung, indem wir die von ſelbſt zuſammentreffenden Koͤrper und Potenzen und deren Einwirkung auf einander gehorig beachten, und das Reſultat bemerken; oder durch Verſuche, indem wir wohlbekannte Dinge in genau beſtimmten Verhält⸗ niſſen zuſammenbringen, ihre Wechſelwirkung beachten, und dabei moglichſt verhuͤ⸗ ten, daß nichts Fremdes oder Unbekanntes, was Einfluß auf den Erfolg haben kann, ſich einmiſche. Ein Verſuch iſt eine der Natur vorgelegte Frage, worauf ſie, wenn er gehoͤrig eingerichtet iſt, durchaus eine Antwort— ſey es auch nur durch Ja oder Nein— geben muß. 5. 20. Die Kunſt, Verſuche anzuſtellen, hat man faſt zuerſt im vorigen Jahrhunderte Verſuche. richtig kennen gelernt und ausgebildet. Auf dieſelbe gruͤndet ſich jedoch vorzuͤglich die Gewalt des Menſchen uͤber die materielle Welt, und er kann dieſe um ſo weiter ausdehnen, je mehr er jene Kunſt vervollkommnet und in Ausuͤbung bringt. S11. Es verdient aber keinesweges den Namen eines Verſuchs, wenn man mehrere Stoffe und Potenzen, unbeſtimmt und ungemeſſen, und ohne den Einfluß fremder abzuſchneiden, auf einander wirken läßt und den Erfolg bemerkt. Solcher ſogenann⸗ ten Proben haben wir freilich viele, und es iſt auch allerdings manches Wichtige und Nutzliche dadurch zufällig entdeckt worden, in den fruͤheren Perioden der Naturfor⸗ ſchung. Aber nie erfuhr man dadurch das, was man gerade wiſſen wollte, und worauf es ankam, und Millionen wurden fruchtlos angeſtellt, bevor man eine Ent⸗ deckung machte. Ganz vollkommen und reine Verſuche ſind faſt nur in einem iſolirten Raume, unter der Klocke des Naturforſchers und im Laboratorium des Chemikers moͤglich. Sie liegen außer dem Wirkungskreiſe des eigentlichen Landwirths, ihre Erforſchung, Erſter Theil. B 10 Begruͤndung der Lehre. Kenntniß und genauere Anſtellung, iſt jedoch, wie wir ſehen werden, von hoͤchſter Wichtigkeit fur die Lehre vom Ackerbau. 5. 23. Verſuche indeſſen, wo Zahl, Maaß und Gewicht moͤglichſt genau angewandt, und Alles, was wir dieſen nicht unterwerfen koͤnnen, doch mit moͤglichſter Genauig⸗ keit beachtet worden, koͤnnen wir allerdings auch vom Landwirthe erwarten, und ſie bleiben, ungeachtet ſie nicht in vollkommenſter Reinheit angeſtellt werden konnten, dennoch von Wichtigkeit. 5. 24. Beſonders aber giebt es eine Art von Verſuchen, welche den voͤllig reinen Ver⸗ ſuchen faſt gleich kommen, und in der Landwirthſchaft wenigſtens eben ſo genau, wie in vielen andern Erfahrungswiſſenſchaften angeſtellet werden koͤnnen. Dies ſind die komparativen Verſuche. Da nemlich unter freiem Hirnmel die einwirkenden Dinge ſelten nach unſerer Willkuͤhr herbeigeſchafft und entfernt, eben ſo wenig gemeſſen und gewogen werden koͤnnen, ſo muͤſſen wir, um die Wirkung eines in unſerer Gewalt ſtehenden Dinges zu erforſchen, nur dieſes einzige in verſchiedenen zugleich und neben einander angeſtellten Verſuchen zuſetzen und weglaſſen, quantitativiſch und qua⸗ litativiſch veraͤndern, alles uͤbrige aber moͤglichſt gleich erhalten. Der Erfolg wird uns dann uͤber den Antheil, den der einzige veraͤnderte Umſtand darauf hatte, beleh⸗ ren und uns anzeigen, ob und in wiefern dieſer zur Erreichung eines gewiſſen Zweckes nuͤtzlich oder unnuͤtz ſey. Dieſe Verſuche muͤſſen jedoch, um vollſtaͤndig zu ſeyn, un⸗ ter mannigfaltigen, nicht in unſerer Gewalt ſtehenden Umſtänden, in verſchiedenen Klimaten, bei verſchiedenem Witterungslaufe, auf verſchiedenen Bodenarten, wie⸗ derholt werden. Verſuche dieſer Art ſind freilich nicht leicht, aber dennoch jedem denkenden Land⸗ wirthe moͤglich. Und jeder der einen ſolchen, aber vollſtaͤndig, ausfuͤhrt, ſey es auch nur unter beſonderen Umſtaͤnden, und treu erzählt, macht ſich um die Wiſſen⸗ ſchaft des Gewerbes, und folglich auch um die Praxis bei Welt und Nachwelt ver⸗ dient. Sie in Menge anzuſtellen, uͤberſteigt die Kraͤfte und die Forderungen, die Begruͤndung der Lehre. 11 man an den Einzelnen machen kann, und es waͤre nur Sache des Staats, dieſem Geſchaͤfte gewachſene Maͤnner in die Lage zu ſetzen, wo ſie ihre Zeit und Talente ganz der Erforſchung der Natur zum Beſten der Landwirthſchaft und des allgemeinen Wohlſtandes widmen koͤnnten. Dekonomiſche Societäten, welche zur Befoͤrderung der Wiſſenſchaft geſtiftet worden, ſollten ſich die Anſtellung ſolcher Verſuche und die Vertheilung derſelben unter ihre Mitglieder vor allem angelegen ſeyn laſſen; ſo wie es die Mecklenburgi⸗ ſche Societaͤt thun wollte. 5. 26. Da aber bis jeht die Zahl ſolcher genauen Verſuche noch zu geringe iſt, ſo muſ⸗ Bebbachtun⸗ ſen wir die, vielleicht ſchon zu große, Sammlung von bloßen Beobachtungen und von Nachrichten, uͤber mancherlei angeſtellte Proben, bei aller ihrer Unvollkommen⸗ heit zu Hulfe nehmen, und ſie zur Begruͤndung unſerer Wiſſenſchaft benutzen. Haben ſich doch Wiſſenſchaften ausgebildet, die außer der Beobachtung der Wirkung unbekannter Potenzen und einzelner ſehr unvollkommener Proben noch we⸗ niger von reinen Erfahrungsſatzen zum Grunde legen konnten, z. B. die Medicin. „5. 27. Es gehoͤrt aber viele Vorſicht und Scharfſinn dazu, um in dieſes verworrene Chaos Licht und Ordnung zu bringen. Es muͤſſen jene aufbehaltenen Beobachtungen nicht bloß geſammelt und geordnet, ſondern auch von allen Seiten betrachtet, mit einander ve glichen, zuſammengepaßt, nach bekannten Thatſachen und den vorhande⸗ nen genauern Verſuchen gepruͤft werden. So laſſen ſich aus ihnen wichtige Reſultate herausziehen, die zwar mehr oder minder evident ſind, denen man aber vernuͤnftiger Weiſe ſeinen Beifall nicht verſagen kann, und die zu einer genauern Unterſuchung leiten, woraks dann endlich ihre Beſtaͤtigung oder Widerlegung unwiderſprechlich hervorgehen muß. Es muß nur dasjenige wohl unterſchieden werden, was mit meh⸗ rerer oder minderer Zuverſicht, und was nur auf eine zweifelhafte Art, nach der bis jetzt mangelhaften Erfahrung, angenommen werden darf. Viel weiter wuͤrden wir auch hierdurch ſchon gekommen ſeyn, wenn nicht die laͤcherliche Schaam, womit die meiſten Landwirthe fehlgeſchlagene Verſuche verheimlichen, und die Uebertreibung, womit ſie gluckliche erzaͤhlen, die Fortſchritte aufgehalten hatte. B2 Beihoͤlfe der Naturwiſſen⸗ ſchaft. Pflanzen⸗ kunde. 12 Begrundung der Lehre. 5. 28. Eine große Beihuͤlſe zur Begruͤndung unſerer Wiſſenſchaft, und insbeſondere einen Faden, um uns aus dem Labyrinthe der gehaͤuften, mehrentheils einſeitigen Erfahrungen herauszuwickeln, einen Pruͤfſtein, um ihren Gehalt und ihre Aechtheit zu erforſchen, giebt uns die in den letzteren Zeiten ſo hoch vervollkommnete Natur⸗ wiſſenſchaft. Die Ratur wirkt allenthalben nach gleichen und ewigen Geſetzen, und nur durch Benutzung der Naturkraft wirkt der Landwirth. Deshalb laſſen ſich aus phyſikaliſch chenuſchen Kenntniſſen fur den Ackerbau theils direkte Regeln ableiten, theils die Richtung beſtimmen, die wir bei unſeren Unterſuchungen zu nehmen haben. Wenn nur durch jene die Gleichheit und die Ungleichheit des Bodens und ſeine Be⸗ ſtandtheile beſtimmt ausgemittelt worden, ſo iſt dies genug, um uͤber die haͤufige Un⸗ gleichheit des Erfolgs bei angeſtellten Operationen Licht zu bekommen. Seit jeher hatten jene Wiſſenſchaften Einfluß auf die Lehre vom Ackerbau gehabt, und aus ihrem unvollkommenen Zuſtande waren manche Vorurtheile und falſche Begriffe mit heruber gebracht, die wir nicht anders, als durch die Benutzung der nun berichtigten Naturkenntniſſe entfernen koͤnnen. In den neueſten Zeiten iſt vorzuͤglich die Chemie zur Bereicherung der Ackerkunde angewandt, und groß iſt der Gewinn, den ſelbſt die Praxis ſchon davon gehabt hat. Wir konnen jeßzt manche Wahrheiten, die wir nach unſeren Beobachtungen auf dem freien Felde und Wirthſchaftshofe nur ahneten, evident erweiſen, und manche angenommene Vorurtheile widerlegen. Deshalb muß ſich der wiſſenſchaſtliche Vortrag der Ackerbaulehre unerlaͤßlich auf richtige phyſikaliſche und chemiſche Begriffe gruͤnden, und wir muſſen durch ſie ſo tief wie moͤglich auf den Grund der Erſcheinungen zu kommen ſuchen, weil wir nur dann mit Gluck in unſeren Unterſuchungen arbeiten, und um ſo zahlreichere und richtigere Folgen ziehen koͤnnen, je tiefer wir zu den Gruͤnden der Naturerſcheinungen eindringen. Nur duͤrfen wir keine Stufe uͤberſpringen, ſonſt dringen wir nicht ein; wir ſtuͤrzen in den Aögrund der Muthmaßungen und dunklen Begriffe, welche zwar die Phantaſie beſchaͤftigen koͤnnen, den Verſtand aber verwirren. F. 29. Da der Landwirth ſich mit der Erzeugung, dem Wachsthum und der Vollen⸗ dung der Pflanzen hanptſaͤchlich beſchaͤftigt, ſo iſt die Kenntniß von der Organiſation Begruͤndung der Lehre. 13 und Natur der Pflanzen ſowohl(Pflanzenpbyſiologie), als die von ihren charakte⸗ riſtiſchen Unterſcheidungszeichen, ihren natuͤrlichen und kuͤnſtlichen Ordnungen und ihren Benennungen(Botanik), der Landwirthſchaftslehre unentbehrlich. F. Zo. Und da der Landwirth ferner die Produktion der Thiere und der thieriſchen Sub⸗ Thietkunde. ſtanzen zu ſeinem Geſchafte macht, ſo iſt, um das richtige Verfahren hierbei auszu⸗ mitteln, nicht minder die Kenntniß der thieriſchen Natur und ihrer Abweichung vom geſunden Zuſtande, der Lehre hoͤchſt wichtig. 58. Ohne die Grundſätze der reinen Mathematik kann keine Wiſſenſchaft ſich aus⸗Mathematik. bilden. Die Landwirthſchaft bedarf aber mehrerer Theile der angewandten Mathe⸗ matik, vorzuglich der Rechenkunſt im ausgedehnteren Sinne des Worts, des Kal⸗ kuls zur mannigfaltigen Berechnung der Verhaͤltniſſe, und der genauen Buchhaltung, um ſichere Data zu bekommen; ferner der Flächen⸗ und Hoͤhen⸗Meßkunſt, der Me⸗ chanik, der Hydraulik und Hydroſtatik, und der Baukunſt. §. 32. Zur Entwickelung der Lehre ſind endlich politiſche, ſtaatswirthſchaftliche, rechtskundige und merkantiliſche Kenntniſſe und richtige Begriffe aus allen dieſen Faͤchern nicht zu entbehren. §. 33. Und da mancherlei Bereitungen ſelbſt gewonnener Produkte den daraus zu zie⸗ henden Rutzen erhöhen, und ſolche vortheilhaft auf das Ganze der Wirthſchaft zu⸗ rückwirken, ſo ſind manche technologiſche Kenntniſſe erforderlich. Sie ſind ſelbſt in Hinſicht ſolcher Producte nuͤtzlich, die der Landwirth an den Fabrikanten verkauft, um den Werth derſelben fuͤr dieſen, und wie der Werth erhöhet werden koͤnne, zu erkennen. Die Landwirthſchaftslehre muß alſo aus allen dieſen Wiſſenſchaften Satze zur Begruͤndung der ihrigen entlehnen, und folglich dieſe Wiſſenſchaften in ihrem ganzen umfange zur Hand haben, obwohl ſie ſelbige nicht ſelbſt vortraͤgt. 14 Begruͤndung des Gewerbes. Begruͤndung des Gewerbes. 6. 3 Zum Betriebe des Gewerbes wird vor allen erfordert:; 1) ein faͤhiges Subjekt; 2) Kapital; 3) ein Landgut. Das Subjebt. §. 35. Eigenſchaften Jeder, welcher die Landwirthſchaft mit hoͤchſtmoͤglichem Erfolg— denn von etwas anderem kann hier nicht die Rede ſeyn— ausuͤben will, muß Energie und Subjekts. Thätigkeit, mit Ueberlegung, Ausdauer und mit allen erforderlichen Kenntniſſen verknuͤpfen. Zwar hat man es lange als Beruf zur Landwirthſchaft angeſehen, wenn ein junger Menſch zu anderen Gewerben zu wenig Faͤhigkeit beſaß; und es giebt auch Beiſpiele, daß einige dieſes Schlages, ungeachtet ſie auf einer ſehr niedern Stufe ſtehen blieben, dennoch bei der Landwirthſchaft ihr Gluͤck gemacht haben. Dies war aber bloß ein gluͤckliches Zuſammentreffen aͤußerer zufaͤlliger Umſtaͤnde, welches in einem gewiſſen Zeitraume nicht ſelten war, jetzt aber kaum mehr eintreten kann. Der Betrieb der Landwirthſchaft iſt aus ſo mannigfaltigen einzelnen Verrichtun⸗ gen zuſammengeſetzt, deren jede an ſich ſehr leicht ſcheint, die aber ſchwer im gerech⸗ ten Verhaͤltniſſe zu erhalten ſind, indem ſie ſich oft widerſtreben. Dieſe der Zeit und den Kraͤften nach ſo zu ordnen, daß keine verſaͤumt, ſondern jede gehoͤrig und in dem Maaße vollfuͤhrt werde, daß andere gleichnoͤthige nicht darunter leiden, erfordert große Aufmerkſamkeit und Thaͤtigkeit ohne Unruhe, ſchnellen Entſchluß ohne Ueber⸗ eilung, allgemeinen Ueberblick des Ganzen, mit ſcharfer Aufmerkſamkeit auf jeden Punkt, richtige Wuͤrdigung des mehr oder minder Roͤthigen und Nuͤtzlichen in jedem Momente, Ausdauer bei der Vollendung des Angefangenen, ohne uͤber dieſes das Dringendere zu verſaͤumen, richtige Berechnung der Kraͤfte und der Zeit, zur moͤglich vortheilhafteſten nachhaltigen Benutzung derſelben. Fen 3b. Da vielleicht kein Gewerbe ſo vielen Zufälligkeiten und Ungluͤcksfaͤllen ausgeſetzt iſt, wie die Landwirthſchaft, ſo iſt, um ein gluͤckliches Leben dabei zu ſuͤhren, bei Faͤhigkeiten des Subjekts. 15 der erforderlichen Thatigkeit doch eine gewiſſe Ruhe des Gemuͤths eine nothwendige Bedingung. Der Landwirth muß jedes unverſchuldete Ungluͤck oder jede verfehlte Erwar⸗ tung, ſobald er deren Folgen durch gehoͤrige Vorkehrungen moͤglichſt gemindert hat, verſchmerzen und vergeſſen koͤnnen, entweder vermoͤge eines gewiſſen natuͤrlichen Phlegma, oder indem er ſich hoͤhere Troſtgruͤnde, die Philoſophie oder Religion ihm geben, vorſtellt. Nur gegen das, was durch ihn oder durch andere verſchuldet iſt, darf er nicht leichtſinnig ſeyn, und eine natuͤrliche lebhafte Empfindlichkeit, durch Vernunft gezuͤgelt, beugt ſolchen Fehlern in der Folge vor. §. 37. Das Landleben hat bei allen Annehmlichkeiten ſo viel Einfoͤrmiges, und bei aller Geſchaͤftigkeit doch ſolche Stunden der Langeweile, daß dem lebhaften Kopfe ſolches kaum genuͤgen kann, wenn er ſich nicht mit einem andern Studium beſchaͤftigt. Un⸗ ter allen aber iſt keins angemeſſener fuͤr ihn, wie das der Natur. Er kann der gluͤck⸗ lichen Neigung, in der Naturwelt zu leben und ihre erhabenen Geſetze zu erforſchen, ſich mehr wie jeder andere hingeben; indem er ſie, ohne ſeinen Geſchäften Abbruch zu thun, immer befriedigen und faſt in jedem Augenblicke damit vereinigen kann. Wenn uns die moraliſche Welt und die geſellſchaftlichen Verhaͤltniſſe faſt nur den widrigen Anblick des Widerſtrebens gegen die ewig beſeeligenden Geſetze der Vernunft darbieten, wodurch ſich Schmerz und Elend uͤber die Erde verbreitet, ſo zeigt uns die Natur nur um ſo mehr Ordnung und Einheit, je tiefer wir eindringen. Das Beſeeligende dieſes Anblicks genuͤgt nicht nur dem Gemuͤthe, ſondern erweckt auch den Glauben, die ewige Weisheit, welche ihr Werk in der materiellen Welt unſerem Auge offen darlegt, und die Materie in immer neuen Gebilden erſcheinen laͤßt, werde auch in der geiſtigen Welt Alles nach einem Plane, zu einem harmoni⸗ ſchen Ganzen geordnet haben, deſſen Vollendung der Ewigkeit vorbehalten iſt. Dies Gefuͤhl wird, wenn gleich nur dunkel, beim Landmanne lebhafter wie beim Staͤdter erregt, weshalb man auch beobachtet hat, daß bei ackerbauenden Rationen und Ständen immer mehrere und reinere Religioſitaͤt herrſchte, wie bei denen, die Krieg und Handel zu ihren Geſchaͤften machten. Ohne Liebe und Kenntniß der Natur wird das landwirthſchaftliche Leben dem, der es bloß zur Erreichung des Hauptzweckes erwaͤhlt, leicht verleidet werden, und es gehort dann ſehr große Reſignation dazu, ſich bloß ſeiner Pflicht zu widmen, und eine groͤßere vielleicht, je gebildeter man iſt. Manche, die des ſtaͤdtiſchen Lebens 16 Faͤhigkeiten des Subjekts und ſeiner Mannigfaltigkeiten gewohnt waren, haben dieſe aus Ueberdruß oder an⸗ deren Urſachen verlaſſen und ſich der Landwirthſchaft widmen wollen; aber ſie fanden die Pflichten und Entbehrungen bald zu ſchwer füͤr ſich, und gaben ihr Unternehmen ganz oder theitweiſe auf, nicht ohne ſchmerzlichen Verluſt. Unter denen, die in Städten hoͤher ausgebildet waren, habe ich nur ſolche ihrem Vorſatze getreu und in der Ausfuͤhrung glucklich befunden, die ſich der Neigung, in der Natur zu leben, was bei dem Gebildeten ohne gruͤndliche Kenntniß derſelben nicht geſchehen kann, ganz hingaben. Erwerbung Der Mann, der jene Talente, mit dieſer Neigung verbunden, in ſich wahr⸗ der Kennt nimmt; der Juͤngling, der die Anlage dazu außert, wird ſich mit großem Erfolge 2* der Landwirthſchaft widmen, und das höhere Ziel darin erreichen, wenn er ſich eine vollſtandige Kenntniß davon erwirbt. Es frägt ſich alſo, wie dieſe am ſicherſten erworben werde. §. 39. Man erwirbt ſie ohne Zweifel am leichteſten und natuͤrlichſten, wenn ein bloß ſinnlicher und mechaniſcher Unterricht und Uebung oder eigenttche Erziehung zur Landwirthſchaft dem wiſſenſchaftiichen Unterricht vorhergeht. Dennoch haben wir der Beiſpiele ſehr viele, daß, bei einer der landwirthſchaftlichen ganz entgegengeſetzten Erziehung und vormaligen Beſchaͤftigung, ſich Maͤnner von entſchiedenem Talent und Neigung, vermoͤge eines ganz wiſſenſchaftlichen Unterrichts, zu großen Land⸗ wirthen gebildet, und ſogar vor ältern einſichtsvollen Landwirthen in kurzer Zeit den Vorſprung gewonnen haben. Die Wiſſenſchaft eroffnete ihnen Anſichten, welche die Rutine uberſah, und ſchaͤrfte ihre Augen, dasjenige klar und beſtimmt zu erkennen, wobei ſich lange Uebung mit dunklerm Geſuhle begnüͤgt hatte. Mehrentheils haben ſie zwar bei einzelnen Theilen anfangs Fehler begangen und Lehrgeld zahlen muͤſſen, woran aber das Mangelhafte des bisherig wiſſenſchaft⸗ lichen Unterrichts nur Schuld war. 6. 4o. Eriehung iur Bei gleichen Talenten und gleichem wiſſenſchaftlichen Unterricht muß jedoch der⸗ jenige immer den Vorzug haben, welcher ohne Vernachlaͤßigung der uͤbrigen Ausbil⸗ dung in der erſten Jugend ſchon der Erziehung zum Landwirth genoſſen hat. Dieſe Erziehung erhalte der Juͤngling von funfzehn Jahren in einer ſehr betriebſamen, aus mannig⸗ Faͤhigkeiten des Subjekts. 17 mannigfaltigen Zweigen zuſammengeſetzten, mit vielen und mancherlei Kraͤften wir⸗ kenden Wirthſchaft, wenn ſie gleich von höherer Zweckmaͤßigkeit noch weit entſernt wäre. Er ſoll hier nur die ſinnlichen Eindruͤcke von allen Gegenſtänden und Geſchaf⸗ ten des Ackerbaues erhalten, das Detail und die einzelnen Momente der Handgriffe durch eignen Verſuch und Uebung genau auffaſſen, ſich in der Schätzung des Raums, der Zeit und der Kraft uͤben, und ſich in ſeinem Kopfe einen Maaßſtab davon bilden. Er lerne hier ſerner den Umgang mit den arbeitenden Menſchen und die Behandlungs⸗ weiſe kennen und uͤben, durch welche man bei ihnen am ſicherſten und nachhaltigſten den Zweck erreicht. Er übe ſich ferner in der Thatigkeit, Geduld, Ausdauer und Moderation, jedes zu ſeiner Zeit, und gewoͤhne ſich phyſiſch und moraliſch an das landwir hſchaftliche Leben. Seine Aufmerkſamkeit erwecke er, und komme ſeinem Gedachtniß zu Hülſe durch unmittelbare Anzeichnungen im Taſchenbuche und durch die Fuͤhrung eines Journals. Dann lerne er die Directions⸗ Geſchaͤfte nach der hier eingeführten Weiſe kennen, ſo viel er Gelegenheit dazu hat, und vernachlaͤſſige be⸗ ſonders nicht, ſich bei Kauf⸗ und Verkaufsgeſchäften einen gewiſſen Takt zu erwerben, um Liſt mit Begenliſt zu bekaͤmpfen. Je mechaniſcher und poſitiver er hier Alles erlerut, deſto beſſer iſt es vielleicht, wenn er nachmals eine hoͤhere Ausbildung erhal⸗ ten ſoll. Schwankende und falſche Gruͤnde, die für Manches angefuͤhrt zu werden pflegen, und die der junge Mann, bevor er ſie prüfen kann, auf Glauben annimmt, wurzeln nur als Vorurtheile ein, die mit Muͤhe ausgerottet werden muͤſſen. So vorbereitet wird er zum wiſſenſchaftlichen Unterricht, mit der Erwartung, das Hohe und Große zu erreichen, ubergehen koͤnnen. §. 41. Man hat den Nutzen der Huͤlfswiſſenſchaften für die Pöhere Landwirthſchaft ſchon lange nicht ganz verkannt, und dann angenommen, daß ihre Erlernung vor⸗ bergehen muͤſſe. Deshalb haben ſich junge, der Landwirthſchaft beſtimmte Maͤnner einige Jahre auf Univerſitäten aufgehalten, um hier das ſogenannte Kameralſach zu ſtudieren. Allein dieſe Nebenwiſſenſchaften erfordern, in Bezug auf die Land⸗ wirthſchaft, eine ganz beſondere Behandlung. Das Allgemeine derſelben muß in ſofern vollſtändig und gründlich gelehrt werden, als noͤthig iſt, um jedes Spezielle davon abzuleiten. In Anſehung des Speziellen aber ſcheint mir nur dasjenige zweck⸗ mäßig, was auf das Gewerbe oder die Lehre von dieſem Gewerbe nahen Bezug hat. Erſter Thell. C ———— 18 Faͤhigkeiten des Subjekts. Durch eine zu weite Ausdehnung dieſer Lehren wird das Gemuͤth zu ſehr zerſtreut und von dem Hauptziele abgelenkt, und die uͤberwiegende Reigung, welche fur ein oder anderes Studium in dieſen empfaͤnglichen Jahren entſteht, kann dem thaͤtigen Leben Abbruch thun; oder aber, es entſteht eine gewiſſe Oberflaͤchlichkeit, ein ſogenanntes encyklopadiſches Wiſſen. Wird dagegen Alles mit Hinſicht auf den einen bezweckten Lehrſtuͤhle der Landwirth⸗ ſchaft auf Uni⸗ verſitaͤten. Gegenſtand vorgetragen, ſo konzentrirt ſich auf ihm alles Licht, und er erſcheint dem Juͤnglinge in deſto reizenderer Geſtalt. Deshalb hat der verbundene und in einander greifende Vortrag der Haupt⸗ und Huͤlfswiſſenſchaften ſo große Vorzuͤge, und man⸗ cher, der die Huͤlfswiſſenſchaften auf Univerſitaͤten gehoͤrt hatte, fing bei ſelbigen erſt an, den Bezug zu erkennen, den ſie auf ſein Studium haben konnten. § 42 Daß man ſchon ſeit hundert Jahren die Moͤglichkeit und Nuͤßlichkeit eines wiſ⸗ ſenſchaftlichen Unterrichts in der Landwirthſchaft ahnete, beweiſen die Lehrſtuhle, welche ſeitdem faſt auf allen Univerſitäten dafur errichtet wurden. In ſofern ſolche dem kuͤnftigen Staatsbeamten, dem Rechtsgelehrten, ſelbſt dem Theologen und Arzte, eine klare Anſicht des landwirthſchaftlichen Gewerbes geben ſollen, erkenne ich ihren Nutzen an, und wuͤnſchte nur, daß der Vortrag von demſelben, dieſem einzig von ihnen erreichbaren Zwecke, angemeſſen wäre. Fuͤr den Unterricht ſuchenden Landwirth ſcheinen ſie mir durchaus nicht paſſend, indem die Univerſitaͤtsverhaͤltniſſe, die akademiſche Lebensweiſe und die ganze Anſicht der Dinge daſelbſt, etwas zu hete⸗ rogenes in ſeine Bildung bringt, welches ihm in Anſehung ſeiner kuͤnftigen Thä⸗ tigkeit und Lebensweiſe leicht nachtheilig werden moͤchte; man auch kaum erwar⸗ ten kann, daß ein praktiſch⸗wiſſenſchaftlicher Landwirth eine Lehrſtelle auf Univerſitä⸗ ten annehmen werde, und ein anderer zu dieſem Vortrage durchaus nicht fähig iſt. §. 43. Köpte, in denen die Wiſſenſchaft der Landwirthſchaft mehr oder minder ent⸗ wickelt bisher exiſtirte, haben ſich ſolche durch eigenes Nachdenken erſchaffen muͤſſen, und konnten die ungeheure in dieſem Fache geſchriebene Maſſe von Buͤchern nur ge⸗ brauchen, um die darin zerſtreuten guten Materialien herauszuheben. Mehrentheils waren dies aber nur ſolche, die zu eigenem Gebrauch und fur ihre beſonderen Ver⸗ haltniſſe ſich ihre Syſteme bideten, oder auch Kameraliſten und Statiſtiker, die wie⸗ derum einen vom landwirthſchaſtlichen verſchiedenen Geſichtspunkt hatten, und Alles Faͤhigk„ des Subjekts. 19 in die hergebrachten Formen zwi igen mußten, die haͤufig nicht von der Natur, ſon⸗ dern von der Willkuͤhr gegeben waren. Wir haben wol deshalb noch keine der Landwirthſchaft angemeſſene Legislatur, weil wir keine Wiſſenſchaft derſelben hatten. Denn wie konnte der Geſetzgeber ein ſo verwickeltes Gewerbe richtig ins Auge faſſen, von dem er nur einſeitige Begriffe bekam?— Doch iſt es neuerlich den ſtaatswirthſchaftlichen Schriftſtellern Krug und Kraus gelungen. §. 44. Bisher konnte nichts ſo ſehr zur Ausbildung eines rationellen Landwirths bei⸗Reiſen. tragen, als Reiſen durch die in landwirthſchaftlicher Hinſicht ausgezeichneten Laͤnder. Die Beobachtung der mannigfaltig verſchiedenen Methoden und Einrich⸗ tungen verſchiedener Voͤlker zerſtoͤren das eingeſogene Vorurtheil, als koͤnne es nicht anders und beſſer als bei uns ſeyn, und die Einſeitigkeit. Die Gebraͤuche ganzer Provinzen und Nationen, in den allgemeinen Wirthſchaftsformen ſowohl, als in dem Betriebe jedes Geſchaͤfts und der Behandlung jedes Produkts, ſind fuͤr den den⸗ kenden Mann Verſuche im Großen, wenn er ſie, mittelſt vielſeitiger Vergleichung der Reſultate, gehoͤrig neben einander zu ſtellen weiß. Es gehoͤrt aber eine große Ausdauer und Ueberwindung mancher Schwierigkeiten dazu, um ſolche Reiſen nuß⸗ bar zu machen, und mit ſeiner Beobachtung voͤllig auf den Grund zu dringen. Wer ein Land mit Extrapoſt durchgereiſt und nur in Wirthshaͤuſern eingekehrt iſt, wird unbedeutend wenig Ausbehte dieſer Art daher zuruͤckbringen. Ferner erfordert es einen durch viele Vorkenuniſſe ausgebilderen Verſtand und Scharfſinn und eine vor⸗ urtheilsfreie Unpartheilichkeit, um aus ſolchen Bemerkungen wahre und beſtimmte Reſultate zu ziehen. Sonſt bringt man ſtatt abgelegter Kleider und Vorurtheile nur neue in das Land, die unſerm Klima und unſerer geſellſchaftlichen Konvenienz weniger angemeſſen ſind, wie die alten. Hätte jedoch das Handwerk des Ackerbaues ſchon, wie die zuͤnftigen Handwerke, ſeinen Geſellen das Reiſen zur Pflicht gemacht, ſo ſtaͤnde es ohne Zweifel beſſer um ſelbiges. In der Folge Etwas uͤber die Regel des Reiſens in landwirthſchaftlicher Hinſicht, die zweckmaͤßigſten Reiſerouten, und uͤber die landwirthſchaftliche Geographie. C 2 Beſondere In⸗ ſtitute zum landwirth⸗ ſchaftlichen unterricht. 20 Faͤhigkeiten des Subjekts. §. 45 Endlich ſind eigene landwirtbſchaftliche Unterrichts⸗Inſtitute in den neuern Zeiten haͤufig vorgeſchlagen, projektirt und verſucht, aber noch nicht nachhaltend ausgefuͤhrt worden. Man hat zum Theil zu vieles von ihnen verlangt. Das Me⸗ chaniſche muß in ſolchen zwar klar und von Grund aus gezeigt und gelehrt werden; die uebung darin laͤßt ſich aber ſchwerlich ge nugſam damit verbinden. Das, was wir Erziehung zur Landwirthſchaft genannt haben, kann in niederen Schulen, die jedoch von keinem großen Umfange zu ſeyn brauchten, und denen jeder brave und fleißige Wirthſchaftsverwalter, faſt ohne alle wiſſenſchaftliche Bildung, vorſtehen könnte, beſſer erlangt werden, indem der laͤngere Aufenthalt in dieſen auch minder koſtſpielig iſt. An eine wiſſenſchaftliche Unterrichtsanſtalt ſind aber folgende Forderungen zu machen. Es muß daſelbſt alles Wiſſenſchaftliche, was auf das landwirthſchaftliche Leben direkten und indirekten Bezug hat, mit einander vereinigt und eingreiſend, und mit klar anzugebender Hinſicht auf den Hauptzweck gelehrt werden. Hierzu iſt erforderlich, daß jeder Lehrer nicht nur ſeine Wiſſenſchaft in voller Klarheit und Grundlichkeit beſitze, indem es immer weit ſchwerer iſt, eine Wiſſen⸗ ſchaft in beſondern Bezug auf eine andere, als im Allgemeinen vorzutragen; ſondern er muß auch von dem Hauptzwecke ſelbſt, um deſſenwillen ſie vorgetragen wird, voll⸗ ſtandige Kenntniß, und einen hohen Begriff von deſſen Wicheigkeit haben. Neben der Erkenntniß muß Liebe und Enthuſiasmus fuͤr die Sache erregt wer⸗ den. Das Ideal der hoͤchſt moglichen Vollkommenheit muß ſo hoch, ſo einleuch⸗ tend und ſo reizend aufgeſtellt werden, daß die Sehnſucht ſolches um ſein Selbſt⸗ willen zu erreichen im Gemuͤthe tief wurzele. Daß die auf ein ſelches Inſtitut kom⸗ menden deſſen faͤhig ſind, laͤßt ſich ſchon aus ihrem Kommen annehmen. Ein Ideal iſt kein Hirngeſpinnſt, obwohl es unerreichbar ſeyn kann. Es iſt ein Product des Verſtandes und der Vernunft, in welchem gar nichts willkuͤrlich ſeyn darf; naͤmlich die Vorſtellung der hoͤchſten Vollkommenheit, die in irgend einer Sache denkbar iſt, ohne alle Ruͤckſicht auf die Einſchraͤnkungen, welche Nothwen⸗ diakeit und Zufall der Ausfuͤhrung in den Weg legen. Man muß ſolches nothwen⸗ dig vor Augen haben, wenn man das moͤglich Hoͤchſte unter allen Umſtaͤnden errei⸗ Faͤhigkeiten des Subjekts. 21 chen will, um ſich demſelben in jeder Lage, waͤre es auch nur durch einen kleinen Schritt und durch große Umwege zu naͤhern. Unter Ideal der Landwirthſchaft iſt keine einzelne Einrichtung, ſondern diejenige Ordnung, wodnrch unter allen gege⸗ benen Umſtaͤnden der Zweck des Gewerbes nach F. 1. und 2. am vollkommen⸗ ſten erreicht wird, zu verſtehen. Es iſt durchaus noͤthig, daß eine ſinnliche Darſtellung aller Gegenſtände und ihrer Behandlung in jedem Detail und in jedem Momente mit der Lehre verbunden ſey, damit ein tiefer, klarer und bleibender Eindruck bewirkt werde, auch von jedem wichtigern Satze ein Erfahrungsbeweis oder erläuterndes Experiment gegeben werden koͤnne. Deshalb iſt eine hinlänglich ausgedehnte und komplizirte Wirthſchaft dabei noͤthig, die zu allen wichtigen Operationen die Vorkehrungen enthaͤlt und Veran⸗ laſſung giebt. Da jedoch nicht Alles in einer Wirthſchaft vereinigt ſeyn kann, ohne ſie gar zu komplizirt zu machen,— wodurch ſie wiederum aufhoͤren wuͤrde, eine Muſterwirthſchaft zu ſeyn, wie ſie doch ſeyn ſoll,— ſo muß fuͤr das Inſtitut eine ſolche Gegend ausgewählt werden, wo mannigfaltige Einrichtungen und Verſchieden⸗ heiten in der Naͤhe zu beobachten, und Vergleichungen anzuſtellen ſind. Die mit dem Inſtitute verbundene Wirthſchaft muß zwar eine Muſterwirth⸗ ſchaft, braucht aber nicht eine vollendete zu ſeyn. Vielmehr iſt es beſſer, wenn ſie nur nach Vollendung hinſtrebt, um die Schwierigkeiten, die dieſer entgegenſtehen, und ihre Umgehung zu ʒeigen. Auch muß ſie ſich in den gewöhnlichen Verhaͤltniſſen befinden, und keine außerordentliche Hülſsquellen, womit ſie ſich ſchneller emporbrin⸗ gen kann, als ſonſt moͤglich iſt, haben oder benutzen. Desgleichen darf ſie ſich keiner Huͤlfsmittet, vermoͤge eines unverhältnißmaͤßig großen Betriebs⸗Kapitals bedienen, die im Großen durchaus nicht anwendbar wären. Sie muß weder Duͤnger aus Staͤdten kaufen, noch durch tiefes Rajolen mit dem Spaten und durch Unterpfluͤgen mehrjaͤhriger Ernten u. dgl. zu koſiſpielige Mit⸗ tel ihren Acker verbeſſern ſondern muß durchaus oͤkonomiſch richtig verfahren. Um zu zeigen, was durch ſolche Operationen bewirkt werden koͤnne, reichen einzelne Quadratruthen zu. Nicht minder muß ein vollſtaͤndiger Apparat und zweckmaͤßige Einrichtungen fur die hier gelehrten Huͤlſswiſſenſchaften vorhanden ſeyn. Die ganze Lebensweiſe und Unterhaltung muß auf den einzigen Hauptzweck hinausgehen, und die ganze Thätig⸗ 22 Faͤhigkeiten des Subjekts. keit auf denſelben gerichtet werden, nicht durch Zwang oder poſitive Anordnungen, ſondern vermoͤge der Liebe und des Intereſſes, welches fuͤr die Sache erregt wird⸗ Durch offene und freie Unterhaltung wird am beſten ein Austauſch der Ideen und Meinungen, ein tieferes Nachdenken über ſelbige, und ein Abreiben aller mitgebrach⸗ ten Schlacken des Vorurtheils bewirkt. Sie muß daher auf alle Weiſe befördert, herbeigefuͤhrt und geleitet werden, indem nichts ſo ſehr eine grundliche Pruͤfung be⸗ fordert als Widerſpruch, der nicht durch Anſehn der Perſon, ſondern durch Vernunft gehoben und zur klaren Entſcheidung gebracht werden muß. Da wiſſenſchaftliche Ausbildung an ſich keinen aͤußern Zwang leidet, ſondern nur Wirkung des freien Geiſtes ſeyn kann, und da ſich ferner im Allgemeinen anneh⸗ men laͤßt, daß diejenigen, welche ſich auf einer ſolchen Anſtalt einfinden, aus freier Wahl und alſo mit dem feſten Willen, ſich die moͤglichſte Vollkommenheit in dieſem Fach zu erwerben, hinkommen, ſo waͤre Zwang ſchaͤdlich und unnuͤtz. Dagegen wären aber die, welche aus irgend einer andern Abſicht kaͤmen oder hergeſchickt waͤren, ſogleich zu entſernen, ſobald es ſich nehmlich zeigte, daß ſie von jenem gemeinſamen Geiſte nicht ergriffen wurden, und nur durch Zwang abgehalten werden koͤnnten, ihn nicht zu ſtoͤren. Jedoch muß allerdings eine gewiſſe Ordnung, inſofern ſie um des gemei⸗ nen Beſtens willen, und um jeden ſeine Freiheit und Bequemlichkeit zu ſichern, noͤthig iſt, feſtgeſetzt und ſtrenge beobachtet werden. So ſehr die geſellige Mittheilung unter jenen Vorausſetzungen den Zweck befoͤr⸗ dert, ſo darf ſie dennoch den einſamen Fleiß nicht ſtoͤren, weshalb jeder einzeln ein eignes Zimmer bewohnen und ſolches ungeſtort fur ſich beſitzen muß. Je mehr ſich eine ſolche Anſtalt einen weit verbreiteten Ruf verſchafft, um aus entfernten und verſchiedenartigen Provinzen Lehrbegierige herbeizuziehn,— nicht lauter unerfahrne, ſondern ſolche Maͤnner, die ſchon durch laͤngere Uebung und Scharfſinn ſich eine genauere Kenntniß ihrer landblichen Wirthſchaſt erworben ha⸗ ben,— um ſo vollkommner wird ſie werden. Denn nichts iſt wirkſamer, um alle Einſeitigkeit der Lehrenden und Lernenden zu verhuͤten, als wenn jene auf die mannig⸗ faltigen mitgebrachten Begriffe Ruͤckſicht nehmen mäſſen, damit dieſe erkennen, wie die gegebenen allgemeinen Begriffe alles Verſchiedengeſtaltete in ſich faſſen, und glücklich rereinigen. Durch die Zuſammenkunft und das beſtändige Beieinanderſeyn von Maͤnnern aus den verſchiedenſten Klimaten, Laͤndern und Nationen, wo die Faͤhigkeiten des Subjekts. 23 abweichendſten Gebräuche, Einrichtungen und Meinungen herrſchen, vereinigt ſich hier eine lebendige Maſſe von Kenntniſſen und Erfahrungen, zuweilen auch von Vorurtheilen und Meinungen, die anfangs eine ungemeine Gaͤhrung in allen Koͤpfen erregt, aus welcher aber bei gehoͤriger Leitung derſelben bald ein klarer, reiner und allgemeiner Geiſt hervorgeht, der ſich allen mittheilt und allen daſſelbe Ideal der moͤg⸗ lichſten Vollkommenheit darſtellt, nur daß jeder durch eigne Ideenverbindung ſolches nach ſeiner Individualitat und Lokalitat anders modifizirt und zu erreichen ſtrebt. Ein ſolches Zuſammentreten uͤbertrifft bei weitem den Nutzen des Reiſens ſelbſt. Iſt eine Anſtalt zu dieſem Ruſe gelangt, ſo wird ſie nicht bloß Lehrlinge herbei⸗ ziehn, ſondern auch Meiſter, denen ſie Unterhaltung und Vortheil genug gewaͤh⸗ ren muß, um ſie auf längere Zeit an ſich zu halten. Dies thut vorzuglich große Wirkung auf die noch minder feſten, befeſtigt ſie in ihrem Glauben, verſtaͤrkt ihr Be⸗ ſtreben, und wirft ein reizenderes Licht auf das Ideal, welches die Lehre ihnen hier aufgeſtellt hat. Wären Anſtalten dieſer Art einmal dahin gelangt, ſo wuͤrde ſich, von ihnen aus, die Wiſſenſchaft auf die ſicherſte Weiſe uͤber die civiliſirte Welt verbreiten; die Praxis durch ſolche bald eine beſſere Richtung und mehrere Sicherheit bekommen; veraltete, den Ackerbau durchaus niederdruͤckende Einrichtungen, durch beſſere Ein⸗ ſicht der Regierenden aufgehoben, und ſo Reichthum uͤber die Fluren und Wohlſtand uͤber die Voͤlker ergoſſen werden. Hier gebildete und von Liebe fuͤr vollkommnere Landwirthſchaft begeiſterte Männer wuͤrden als Apoſtel derſelben in die Welt aus⸗ gehen, und den Glauben durch Lehre und Thaten, durch Weiſſagung und Wunder verbreiten. Ueber die Lehre und das Studium der Landwirthſchaſt vergl. Annalen des Ackerbaues, I. Bd. 227 S. pit. 6. 46. Naͤchſt der Faͤhigkeit des die Landwirthſchaft betreibenden Subjekts iſt das Kapital die weſentlichſte Bedingung des Betriebes; denn der Vortheil und Erfolg ſteht bei gleichen Talenten des Betreibenden immer in Verhaͤltniß mit dem dazu ange⸗ 24 Das Kapital. tegten Kapitale. Deshalb iſt auch naͤchſt der Unfaͤhigkeit der Subjekte der Mangel des in die Landwirthſchaft belegten Kapitals der Hauptgrund ihrer Unvollkommen⸗ heit geweſen. §. 47. Wir verſtehen unter Kapital im Allgemeinen das, was man nach dem gewoͤhnli⸗ chen Sprachgebrauche Vermoͤgen nennt: ein jedes Gut, welches durch signen Ge⸗ brauch oder Verleihung an andere, dem Eigenthuͤmer ein Einkommen oder Rente giebt, und ſehen nicht darauf, wie es urſpruͤnglich hervorgebracht worden; ob durch Natur oder durch Arbeit. Die meiſten pflegen zwar nur den durch Arbeit hervorgebrachten und geſammel⸗ ten Vorrath nutzbarer Guͤter— deren Werth durch das Geld repraͤſentirt und aus⸗ gedruͤckt wird— Kapital zu nennen. Aber theils iſt der Antheil oft nicht auszu⸗ mitteln, den die Natur oder Arbeit an einem Gute gehabt hat, z. B. bei einem Bergwerke, Steinbruche, oder urbar gemachtem, der Natur durch Kunſt abgewon⸗ nenem Boden; theils iſt es dem jetzigen Zuſtande der buͤrgerlichen Geſellſchaft, wo man den Boden, von der Natur dargeboten, nicht in Beſitz nehmen, ſondern ihn allein gegen ein anderes eigentliches Kapital eintauſchen kann, angemeſſener, auch den Grund und Boden zum Kapital zu rechnen. Ueberdem wird es uns ſo eine kla⸗ rere Anſicht des landwirthſchaftlichen Gewerbsbetriebes geben. Der verewigte Kraus hat in ſeiner durch den Kammer⸗Praͤſidenten von Auerswaldt herausgegebenen Staats⸗Wirthſchaft meines Erachtens am beſten unterſchieden, indem er den Werth der Landguͤter zum Vermoͤgen der Na⸗ tion rechnet, aber nicht zum Verlag. Nirgends ſind die gegenſeitigen Verhaͤlt⸗ niſſe der Landwirthſchaft, des Staats und des National⸗Vermoͤgens klarer und praktiſcher behandelt, wie hier; und ich wuͤrde meine Begriffe ganz in die ſeinigen gefuͤgt haben, wenn ich dieſes Werk vor Ausarbeitung dieſes Kapitels geleſen haͤtte. Es wird aber jedem Leſer leicht fallen, dieſes zu thun. In Anſehung der Reſultate kommen wir auf eins hinaus. 5. 48. Das im Ackerbau angelegte Kapital iſt nach dieſer Beſtimmung dreierlei Art: 1) das Grundkapital, 2) das ſtehende Kapital, 3) das umlaufende oder Betriebskapital. §. 49. Das Kapital. 25 F. 49. Das Grundkapital iſt demnach dasjenige, wodurch ſich der Landwirth in Grundfapital Beſitz eines Landguts geſetzt hat oder ſetzen kann. Es iſt der Werth des im Beſitz genommenen oder zu nehmenden Grundes und Bodens. Der allgemeinen Obſervanz nach und mit zureichenbem Grunde werden auch die Wirthſchaftsgebaͤude und Alles auf dem Boden feſtſtehende hierher gerechnet. Außerdem aber auch alle dem Gute anklebenden Gerechtſame, ſie moͤgen unmittelbaren Bezug auf die Landwirthſchaft haben, oder nicht. Dieſes Grundkapital oder der Werth des Landguts iſt nicht gleichbleibend, ſon⸗ dern veraͤnderlich, theils durch aͤußere Umſtände in Hinſicht ſeines Verhaͤltniſſes ge⸗ gen den Werth anderer Dinge oder des Geldes; theils aber und hauptſaͤchlich in und durch ſich ſelbſt. Die Werthsveraͤnderungen letzterer Art nennt man Meliora⸗ tionen oder Deteriorationen. Durch Meliorationen wird das in ein Gut belegte Kapital eben ſowohl, als durch den Ankauf eines neuen Grundes und Bo⸗ dens vermehrt. S. 5o0. Das ſtehende Kapital beſteht in dem Werthe der zum Betriebe der Land⸗ Stehendes wirthſchaft nothigen Dinge, und iſt zu deren Ankauf verwandt. Fapitul⸗ Es wird gewoͤhnlich das Inventarium genannt, und dazu wird hauptſaͤch⸗ lich das Zug⸗ und beſtaͤndige Nutzvieh, das Ackergeraͤth und Geſchirr gerechnet. Nach dem Gebrauche einiger Laͤnder werden dazu auch die Einſaat, die nach der Jahrszeit ſchon vollfuͤhrte Beſtellung des Feldes, und die von einer Ernte bis zur andern zum Wirthſchaftsbetrieb erforderlichen ſelbſt gewonnenen Konſumtibilien ge⸗ rechnet. Eigentlich gehoͤrte letzteres aber zu der folgenden Art des Kapitals. Das umlaufende oder Betriebskapital, womit das Geſinde, die Ar⸗ Betricbekayi⸗ beiter, die anzukaufenden Beduͤrfniſſe, das wechſelnde Maſtvieh u. ſ. w. bezahlt werden, beſteht in dem Geldvorrathe, welcher dazu in der Kaſſe bereit liegen muß, oder in den Natural⸗Vorraͤthen, die man liegen hat, um dieſes Geld daraus loͤſen zu koͤnnen. Von dieſem Kapitale muß aber auch die Erhaltung des vorhergehenden oder des Inventariums, welches ſeiner Natur nach ſich immer verſchlechtert, beſtritten Erſter Theil. D ——— 26 Das Kopital. werden. Und endlich werden in der Regel daraus auch die Koſten genommen, welche zur Vermehrung des Grundkapitals oder zur Verbeſſerung des Guts verwandt werden. Dieſes Betriebskapital iſt die bewegende Kraft der ganzen Wirthſchaft; von demſelben wird die Arbeit bedingt, und dieſe iſt es, welche eigentlich den Ertrag des lanðwirthſchaftlichen Gewerbes hervorbringt. Daher ſteht dieſer naͤchſt den Ta⸗ lenten und dem Fleiße des Betreibers— beſondere Gluͤcks⸗ und Ungluͤcks faͤlle abge⸗ rechnet— immer im Verhaͤltniß mit jenem Kapital. Die Schwierigkeit und die Koſtbarkeit, dieſes Kapital zu erhalten, die Hoͤhe der Zinſen, welche dafuͤr gezahlt werden muͤſſen, oder die Gelegenheit, mit ſeinem Kapitale in andern Gewerben einen hoͤhern Gewinn machen zu koͤnnen, ſind das, was die Landwirthſchaft, und folglich die Produktion des Grundes und Bodens am meiſten zuruckhaͤlt. Dagegen wird jede Erleichterung in der Erlangung dieſes Kapi⸗ tals, und jeder Anreiz, ſeine Kapitale in dieſes Gewerbe zu belegen, den Zuſtand der Landwirthſchaft am ſicherſten heben. Und da hierdurch nothwendig eine hoͤhere Produktion bewirkt wird, ſo muß durch die Wohlhabenheit des Landmanns und durch den Gewinn, den ihm ſein Gewerbe giebt,— indem er nemlich dadurch nur bewogen werden kann, ſein erworbenes Vermoͤgen in ſeinem Gewerbe ſtehen zu laſſen— ueberfluß und Wohlfeilheit der Produkte gegen die Meinung der mei⸗ ſten Kurzſichtigen bewirkt werden. 5 Um einen klaren Begriff vom landwirthſchaftlichen Gewerbe zu bekommen, iſt es noͤthig, dieſe Kapitale und die Renten, welche ſie geben, wohl abzuſondern. Das Grundkapital oder der Werth des Guts kann nur als ein, mit hoch⸗ ſter Sicherheit auf Zinſen belegtes Kapital angeſehen werden, und muß diejenigen Zinſen geben, die man von einem folchen, bei der moͤglich hoͤchſten Sicherheit, er⸗ halten kann. Ein mehreres kann man von ſelbigem nicht verlangen. Das ſtehende Kapital oder das Inventarium— obwohl wir annehmen, daß es vom Betriebskapitale in immer gleichem Zuſtande erhalten werden muͤſſe, wes⸗ halb man es unter dieſer Bedingung auch eiſern nennt— iſt doch immer mehreren Gefahren als das vorhergehende, oder der Grund und Boden, ausgeſetzt; indem es Ungluͤcksfaͤllen unterworfen iſt, bei denen der Eigenthuͤmer deſſelben zu verlieren Ge⸗ fahr lauft, weshalb man auch haufig durch Aſſekurationen ſolches zu ſichern pflegt. Das Kapital. 2) Wären die Zinſen des Grundkapitals zu 4 Prozent anzunehmen, ſo muͤßten ſie fuͤr dieſes ſchon zu 6 Prozent berechnet werden. Das umlaufende oder Betriebskapital iſt den groͤßten Gefahren un⸗ erwovfen, iſt die Bedingung des ganzen Gewerbes, und erfordert zu ſeiner Verwal⸗ tung große Aufmerkſamkeit und Kenntniſſe. Deshalb muß es, wie das Betriebs⸗ kapital jedes Gewerbes, hohe Zinſen tragen und mindeſtens zu 12 Prozent angeſetzt werden. Denn hierin beſteht der Vortheil, der eigentlich aus dem Gewerbe her⸗ vorgeht. Wenn demnach ein Eigenthuͤmer ſein Gut ſelbſt bewirthſchaftet, ſo muß er wohl unterſcheiden, wie er den Ertrag ſeines Gutes als Rente dieſer verſchiedenen Kapitale zu berechnen habe. Den Grundwerth ſeines Guts wuͤrde er auch verzinſtt erhalten, wenn er es verpachtete oder verkaufte, und das Kapital anderwaͤrts ſicher belegte. Daſſelbe waͤre der Fall mit dem Inventarium, wenn er es etwa unter gleicher Unſicherheit einem andern uͤberließe. Die Zinſen beider muͤſſen alſo vom Ertrage der Wirthſchaft abgezogen werden, und was dann bleibt, iſt der reine Er⸗ werb der Wirthſchaftsfuͤhrung, der aus dem angelegten Betriebskapital hervorgeht, und der mit dieſem in Verhaͤltniſſen ſteht, wenn man gleiche Kenntniſſe und Fleiß vorausſetzt. Wollte man noch genauer unterſcheiden, ſo koͤnnte man noch ein beſon⸗ deres Kapital geſammelter Kenntniſſe,— welches allerdings nur durch Anſtren⸗ gung und Aufwand gleich andern Kapitalen erworben wird— annehmen, und wenn z. B. ein geſchickter Wirthſchaftsverwalter, einen uͤber Verhaͤltniß jener ſämmtlichen Kapitale hinausgehenden Ertrag durch ſeine Geſchicklichkeit hervor⸗ brachte„ ſo waͤre der Ueberſchuß ſeinem Kenntnißkapitale zuzuſchreiben. §. 53 Durch dieſe genaue Unterſcheidung wird der hochſt fehlerhafte Schluß vom Er⸗ trage eines Landguts auf deſſen Werth vermieden, und wiederum das Schwankende der Erwartungen, die man ſich nach dem Grundwerthe des Guts oder vom Ertrage der Wirthſchaft macht, feſter beſtimmt. In welchem Verhaͤltniſſe dieſe Kapitale gegen einander ſtehen muͤſſen, läßt ſich . eſer i⸗ nicht im Allgemeinen beſtimmen, ſondern nur in jedem einzelnen Falle nach genauer 3 Erwagung der Lokalitäten. Rur dieſes: wer ein beſchräͤnktes Kapital beſitzt, wird einauder. D 2 28 Das Kapital. als Landwirth um ſo beſſer fahren, je mehr er davon als Betriebskapital zuruͤckhäͤlt, und deshalb die Anlage des Grund⸗, und ſelbſt des ſtehenden Kapitals nicht zu hoch macht. Denn der reine Ertrag des Gewerbes richtet ſich weniger nach dem Umfange der Wirthſchaft, als nach der Summe der auf ihren Betrieb verwandten Koſten. Es verſteht ſich jedoch von ſelbſt, daß dieſe Anlage ihre Grenzen habe, die aber diel weiter hinausliegen, als man waͤhnt. Ich ſage als Landwirth, denn der Guͤterhaͤndler hat ganz andere Regeln in ſeinem Gewerbe zu befokgen, welches zu gewiſſen Zeiten und unter gewiſſen Konjunkturen allerdings noch vortheilhafter, als der Betrieb der Landwirth⸗ ſchaft war. In England, wo merkantiliſcher Kalkul und Scharfſinn ſich lam meiſten uͤber alle Gewerbe verbreitet hat, uimmt man an, daß das Betriebskapital, worunter man aber daſelbſt das ſtehende Kapital immer mit begreift, ſieben bis neunmal ſo ſtark ſeyn muͤſſe, als die Zinſen des Grundkapitals oder die Landrente. Wer ein Gut von jaͤhrlich 1000 Rthlr. pachtet, muß 7 bis 9000 Rthlr. disponibles Vermoͤgen haben. Man berechnet dann den Gewinn ſeines Gewerbes nicht nach der Pacht, ſondern nach dieſem Betriebskapitale, und nimmt an, daß man 12 Prozent davon haben muͤſſe, von 9000 Rthlr. alſo 1080 Rthlr. uͤber die Pacht. Iſt er Eigenthuͤ⸗ mer, ſo zieht er vom reinen Ertrage erſt jene Pacht oder Landrente ab, die er, ohne Wirthſchaft zu betreiben, auch haben koͤnnte, und das Uebrige rechnet er als Ge⸗ winn des Gewerbes. Er wird aber nie ſo fehlerhaft ſchließen: Weil mir die Wirth⸗ ſchaſt auf dieſem Gute 2080 Rthir. eintraͤgt, ſo iſt der Kapitalwerth des Guts gleich der Summe, die ich durch Multiplikation mit 25 aus jenem Wirthſchaftsertrage erhalte. Und hieraus erhellt, wie fehlerhaft es ſey, aus dem Ertrage eines Guts direkte auf deſſen Werth zu ſchließen, wie dennoch bei den gewoͤhnlichen Anſchlaͤgen geſchieht. Man ſucht den Fehler zwar durch einen andern Fehler wieder auszuglei⸗ chen, indem man den Ertrag weit geringer annimmt, als er bei einer gehoͤrigen Bewirthſchaftung ſeyn koͤnnte. Nichts deſtoweniger aber bleibt dieſe Veranſchla⸗ gung unbeſtimmt, verleitend und von den nachtheiligſten Folgen fuͤr das Gewerbe. Selbſt das ſtehende Kapital— obwohl deſſen verſtaͤrkte Anlage zum Ertrage der Wirthſchaft vieles beitraͤgt— kann doch bei beſchraͤnktem Vermoͤgen zu groß gemacht werden, wenn dadurch das umlaufende Kapital zu ſehr geſchwaͤcht wird. Durch eine zu große Verwendung auf den Ankauf des Viehes hat ſich mancher außer Stand geſetzt, gehoͤriges Futter fuͤr ſelbiges bauen zu koͤnnen. Das Kapital. 29 §. 55 Das Betriebskapital giebt oft einen Ertrag, den man haͤuſig überſieht, indem ſolcher nicht baar in die Kaſſe zuruͤckkommt, ſondern unmittelbar zum Grundkapitale geſchlagen, oder zur Verbeſſerung des Gutswerths angelegt wird. Wird Geld oder Arbeit direkte auf Meliorationen verwandt, ſo fallt es zwar bei genauerer Rechnungs⸗ fuͤhrung wohl in die Augen; weniger aber, wenn man durch Aufopferung eines Theils des Ertrages die Kraft des Bodens vermehrt, indem man ſtatt einer verkaͤuf⸗ lichen Frucht, die den Boden erſchoͤpft, eine andere baut, die ſeine Kraft nicht nur erhaͤlt, ſondern auch durch Umwandlung in Duͤnger betrachtlich vermehrt. Weil aber hierdurch das Betriebskapital zum Vortheile des Grundkapitals vorerſt vermin⸗ dert wird, ſo muß jenes um ſo hoͤher ſeyn oder beſtaͤndigen Zufluß erhalten. Hierin liegt eigentlich der Grund, warum man ſagt, daß bei dem Uebergange zu einem beſſern Ackerſyſtem, insbeſondere auf erſchoͤpftem Boden, immer Verluſt ſey. Es iſt aber kein Verluſt, ſondern Sne Anlage in das Grundkapital, die, mit gehoͤriger Ueberlegung gemacht, allemal einen großen Gewinn giebt. Jedoch kann ſie das Betriebskapital, wenn es zu ſchwach angelegt iſt, und keine Zuſchuͤſſe erhaͤlt, leicht erſchoͤpfen. Solche Verbeſſerungen vermehren in der Regel den Kredit nicht gleich, und deshalb iſt mancher dadurch banquerott geworden, deſſen Kredit ſchon vorher zu ſehr geſpannt war, wenn er im Uebrigen gleich richtig verfuhr. Der Feh⸗ ler lag nur darin, daß er etwas Groͤßeres unternahim, als wozu ſein Betriebs⸗ kapital reichte. So werden aus Mangel dieſes Kapitals faſt alle große Verbeſſerungen gehin⸗ dert, um ſo mehr, je groͤßer die Guͤter ſind. Die Unvermoͤgendern koͤnnen es nicht finden, weil der Kapitaliſt in der Verwendung auf Verbeſſerungen keine Sicherheit findet. Die reichern Gutsbeſitzer glauben es nicht zu koͤnnen, weil ſie ſich zu einem Aufwande gewiſſermaßen verpflichtet halten, der ihre Rente mindeſtens konſumirt. Sie denken nur auf den jaͤhrlichen baaren Geld-Ertrag, und wollen dieſen in keinem Jahre geſchmaͤlert haben, gleich als lebten ſie von Leibrenten, und ginge ſie das 6 Kapital nichts an. Noch andre wollen es nicht, weil ſie vom Einkommen und Ka⸗ pitale einen einſeitigen Begriff haben, und ſich darunter nur baares Geld, was zinsbar belegt werden kann, denken. Daher geldgeizige Wirthe in der Regel immer ſchlechte Wirthe ſind, und es am deutlichſten beweiſen, daß Geiz die Wurzel alles Uebels ſey. ——— 30 Das Kapital. §5. 56. ˙ Wie dem Ge⸗ Wenn in einem Staate, der an ſich arm iſt, oder in welchem doch nur ein im werbe das Ganzen geringes Kapital der Landwirthſchaft gewidmet iſt, dieſe ſich heben ſoll, ſo muß man ſolche Einrichtungen treffen, daß dieſes geringe Betriebskapital moͤglichſt in palten werde! Thätigkeit komme, und ſich nicht noch mehr vermindere. Letzteres geſchieht aber, wenn es zum Ankauf von Guͤtern verwandt wird, und gerade dadurch geht es fur das Gewerbe verloren. Deshalb iſt es wohl beſſer, wenn der Grundeigenthuͤmer Grund⸗ eigenthuͤmer bleibt und nur ſeine Rente zieht, der Wirthſchaftsbetreibende aber nur Paͤchter iſt. Weil aber jede Zeitpachtung ſo mißlich fur beide Theile und durch die nothwendige Ausſaugung ſo ſchadlich fürs Ganze iſt, ſo kann nichts ſo gut wie Vererbpachtungen jenes Problem der Staatswirthſchaft loͤſen. Und damit jede Portion jenes Kapitals, wie ſie ſich in einzelnen Händen befindet, zur Thätigkeit komme, muß die Groͤße der Erbpachtungen mannigfaltig verſchieden ſeyn, ſo daß jeder Etwas finde, was ſeinen Kräften angemeſſen iſt, und keiner verleitet werde, Etwas zu uͤbernehmen, was dieſe uͤberſteigt. §5. 57. Es erhellt hieraus von ſelbſt, daß ſich ohne Kapital oder nachbaltigen Kredit das landwirthſchaſtliche Gewerbe nicht glucklich betreiben laſſe, und daß jeder Ver⸗ ſuch, dieſes zu thun, jammerlich ablaufe, und das Gewerbe auf der niedrigſten Stufe erhalte. Dem ſelbſt Arbeitenden iſt ſein Arbeitsvermoͤgen gewiſſermaßen ſein Betriebs⸗ kapital. Indeſſen muß auch er ſo viel Kapital haben, als er braucht, um ſich zu erhalten, bis er das Produkt ſeiner Arbeit verkaufen kann. Er darf aber, ohne ſich ein anderes Kapital geſammelt zu haben, nicht weiter gehen, als jenes fuͤr ſich reicht. Deshalb finden wir, daß ganz kleine Bauern ſich forthelfen, groͤßere aber, wenn ſie voͤllig arm ſind, nie aufkommen. Wahr bleibt es indeſſen, daß ohne allen geſammelten Vorrath das Arbeitsvermoͤgen im Ganzen geringer benutzt wird. Derjenige, welcher kein Geldkapital oder nur ein unbedeutendes neben einem beträchtlichen Kenntnißkapitale beſitzt, wird aus dieſem vorerſt den groͤßten und ſicherſten Vortheil ziehen, wenn er das Gewerbe fuͤr andere betreibt. Dies hat allerdings großere Schwierigkeiten, als fuͤr ſich ſelbſt zu wirthſchaften. Dieſe wer⸗ den ſich aber immer mehr vermindern, ſo wie ſich die auf feſte Gruͤnde geſtuͤtzte Wiſ⸗ Das Kapital. 31 ſenſchaft mehr verbreitet, indem dadurch eine richtigere Schaͤtzung der wahren Talente bewirkt, und durch feſtere Beſtimmung der bisherigen ſchwankenden Meinun⸗ gen den Mißverſtaͤndniſſen vorgebeugt wird, die ſich jetzt ſe haͤufig zwiſchen dem Eigenthuͤmer und dem Vorſteher der Wirthſchaft ereignen. Das Landgut und deſſen Beſitznehmung. F. 58. Wer mit den erforderlichen Reigungen, Talenten und Kenntniſſen und mit dem nöthigen Kapitale zum Betriebe des landwirthſchaftlichen Gewerbes ausgeſtattet iſt, der muß ſich nun drittens in den Beſitz eines Landguts ſetzen durch Kauf, Pacht oder Erbpacht, wenn er nicht etwa auf irgend eine andere Weiſe bereits Eigenthuͤ⸗ mer eines ſolchen iſt. Wir ſehen keinesweges, wie manche andere, den Beſitz eines Landguts als das erſte und nothwendigſte Erforderniß zur Ergreifung des landwirthſchaftlichen Ge⸗ werbes an; indem man, vermoͤge der beiden erſtern Bedingungen, immer im Stande ſeyn wird, ein Landgut zu erwerben, und zwar in den meiſten Fällen ein zweckmaͤßigeres und den Fäͤhigkeiten des Subjekts ſowohl und deſſen Vermoͤgen an⸗ gemeßneres, als ein ſchon beſeſſenes zu ſeyn pflegt. Auch halten wir keinesweges,. mit andern, den Beſitz eines ererbten Landguts fuͤr einen vollguͤltigen Beruf oder Motiv, ſich der Landwirthſchaft zu widmen, oder moͤchten es den Erben eines Land⸗ guts zur Pflicht machen, dieſes zu thun. Wir glauben vielmehr, daß derjenige, welcher keinen innern Beruf zur Landwirthſchaft fuhlt, fur ſich ſelbſt und fuͤr das allgemeine Beſte raͤthlicher handele, wenn er ſich aus ſeinem Landgute auf irgend eine Weiſe eine gehoͤrige Rente zu ſichern ſucht, ſolches aber einem andern zu be⸗ wirthſchaften uͤberlaͤßt. Jene Meinung uͤber die Pflicht des Gutsbeſitzers, ſein Gut ſelbſt zu bewirthſchaften, konnte ſich nur auf einen gewiſſen ſtrengern Begriff vom Lehnsſyſteme gruͤnden, der gegenwaͤrtig faſt in keinem Staate Europa's mehr Statt findet, und vom merkantiliſchen Geiſte der Zeit verdraͤngt iſt. Vereinigt Jemand mit den uͤbrigen Qualitäten den Veſitz eines ererbten Land⸗ guts, und iſt dieſes ſeinen Verhaͤltniſſen angemeſſen und nicht zu heterogen mit der Idee, die er ſich vom Betriebe der Landwirthſchaft gemacht hat; ſo kann dieſes allerdings ein ſtarkes mitwirkendes Motiv ſeyn, die Sache ſehr erleichtern, und ihr durch die Liebe zum vaͤterlichen Grund und Boden und durch manche Nebenumſtaͤnde ———— Answahl eines Landguts. Auswahl eines Landguts. hoöheren Reiz geben. Da wir aber hier den Landwirth rein in ſeinem Gewerbe und frei von allen N ebenbegriffen betrachten, ſo koͤnnen wir dieſe Zufaͤlligkeit nicht Rückſcht nehmen. — 41— §. 59. Wer ein Landgut ſucht, muß, um es auf das vortheilhafteſte zu erhalten, weit umherſchauen, und ſich nicht auf einen Diſtrikt, Provinz oder Staat beſchraͤnken, weil er um deſto beſſer waͤhlen kann, je mannigfaltiger die Gegenſtaͤnde ſeiner Wahl ſich ihm darſtellen. Wer Vaterlandsliebe beſitzt, die ſich auf e wahrer Vorzuͤge der Verfaſſung gruͤndet, wird hierin mit Recht eine Beſtimmung finden, ſich fuͤr ein Landgut in dieſem Staate eher zu entſcheiden. Aber eine bloße Vorliebe des Mut⸗ terlandes kann nicht in Betracht kommen, wenn von der Aufgabe die Rede iſt, die der Landwirth als ſolcher zu loͤſen hat. §. 6o. Dasjenige Landgut wird immer zu waͤhlen ſeyn, welches, nach gehoriger Erwä⸗ gung aller Umſtaͤnde, den moͤglich hoͤchſten reinen Ertrag verſpricht, verſteht ſich nach Verhaͤltniß der Krafte des Beſitznehmers. Ein ganz vollkommnes, fehlerfteies, und in allen Stuͤcken den Wuͤnſchen entſprechendes Landgut wird man ſelten oder nie fin⸗ den, und es kömmt nur darauf an, in wiefern die Summe ſeiner guten Eigenſchaften die ſeiner ſchlechten uͤberſteigt, folglich auf eine genaue Wuͤrdigung und Gegenein⸗ anderſtellung beider⸗ 5. 61. um dieſe Gegeneinanderſtellung klar und deutlich zu machen, ſcheint mir fol⸗ gende Methode zweckmaͤßig: Wenn man ſich im Allgemeinen fuͤr ein Gut beſtimmt e oder wenigſtens mit der Wahl darauf beruht, ſo nehme man ſeinen zuvor nach allgemeinen Grundſaͤtzen ausgemittelten Werth zu 10o oder zu 1000 an, fange dann an, alle Nebenumſtaͤnde zu unterſuchen und zu wuͤrdigen, taxire die Vorzuͤge, die man außer dem eigentlichen Grund und Boden daran bemerkt, jeden zu gewiſſen Prozenten, nach moͤglichſt rich⸗ tiger Schaͤtzung; man ſetze dieſe unter einander, und ſummire alsdann, um wie viel dieſes Gut uber ſeinen eigentlichen Grundwerth hoͤher zu ſchätzen ſey. Dagegen be⸗ merke man n aber auf der andern Seite alle Nachcheile, die es hat, und alle Schwie⸗ rigkeiten, Auswahl eines Landguts. 33 rigkeiten, die dem Betriebe hoͤherer Wirthſchaften entgegen ſtehen, tarire dieſe eben⸗ falls nach Prozenten, und ſummire ſie, ſo wird ſich durch Abziehung der einen Summe von der andern ergeben, um wieviel der nach ſeinem Fläͤcheninhalt und Be⸗ ſchaffenheit des Bodens angenommene Werth durch ſolche Nebenumſtaͤnde erhoͤhet oder vermindert werde. Daß dies nicht mechaniſch, ſondern mit großer Ueberlegung und vorauszuſetzen ⸗ den Kenntniſſen des ganzen Gewerbes geſchehen muͤſſe, verſteht ſich von ſelbſt. 6 Es iſt dem angehenden Landwirthe allerdings nicht zu verdenken, wenn er beim Ankauf eines Landguts auf ſolche Eigenſchaften Ruͤckſicht nimmt, die ſeinen perſoͤnli⸗ chen Verhaͤltniſſen, ſeiner Neigung zu einer beſondern Wirthſchaftsart und ſeiner Vorſtellung eines beſondern Meals entſprechen. Beſondere perſoͤnliche individuelle Verhältniſſe können es ihm hoͤchſt wichtig machen, ein Gut beſtimmter Art und in einer beſtimmten Lage anzukaufen. Wer aber einzig und allein auf ſein zu betreiben⸗ des Gewerbe, wie wir hier vorausſetzen muͤſſen, Ruͤckſicht nehmen will, muß ſich kein Ideal von einem Landgute und von einer beſondern darauf zu betreibenden Wirthſchaftsart machen, und nur bloß darnach trachten, ein Material aufzufinden, durch welches er ſeine Vorſtellung realiſiren koͤnne. Vielmehr muß er, erſt nachdem er das Gut aus andern Gruͤnden gewaͤhlet hat, die Wirchſchaftsart, welche er dar⸗ ſtellen will, beſtimmen. Zufaͤllig kann ſich's freilich treffen, daß man ein Gut findet, was einer zuvorgefaßten Idee beſonders angemeſſen iſt, allein in der Regel wird die Wahl dadurch erſchwert, beſchraͤnkt, und man wird von den Ruͤckſichten abgeleitet, die man beim Kaufe zu nehmen hat, um einen moͤglichſt vortheilhaften zu machen. 5. 263 Vor allem aber hat man dahin zu ſehen, daß das anzunehmende Landgut mit dem Vermögen, welches man beſitzt, in gerechtem Verhaͤltniſſe ſtehe. Es koͤmmt aber hierbei nicht allein auf den Kauſpreis an, ſondern auch auf den Ueberſchlag der Koſten, die erforderlich ſind, um die Wirthſchaft ſo zu organiſiren und ſo fortzufuͤh⸗ ren, daß daraus nach beſtimmter Zeit der möglich hoͤchſte Gewinn hervorgehe. Wenn wir hier uͤberhaupt vom Gutsankaufe reden, ſo geſchieht dies bloß in Ruͤckſicht auf den eigentlichen Landwirth, der das zu erkaufende Landgut als ein zu Erſter Theil. E Preis der Landguͤter. 34 Auswahl eines Landguts. bearbeitendes Material anſieht, aus welchem er ein Produkt darſtellen will, nicht aber als Handel zum Wiederverkauf, bei welchem man bloß durch den Umſatz Ge⸗ winn zu machen trachtet. Denn dieſe Handels ſpekulation hat ganz andre Grund⸗ ſatze und Regeln, als das landwirthſchaftliche Gewerbe. F. 64. Der Preis der Landguͤter iſt ſehr veraͤnderlich. Seit einer langen Periode iſt er bis zu dieſer Zeit immer geſtiegen, und von zwanzig zu zwanzig, oft von zehn zu zehn Jahren verdoppelt worden, ſo daß er nun zu einer Hoͤhe kam, die vor funfzig Jahren jedem unglaublich geſchienen hätte. Dieſes iſt eines Theils durch den ver⸗ mehrten Geldumlauf, dem geſunkenen Werthe deſſelben, und dem folglich geſtiegenen Preiſe aller Produkte beizumeſſen. Es iſt aber auch nicht zu verkennen, daß andern Theils die vermehrte und ſich weiter verbreitende Kenntniß des landwirthſchaftlichen Gewerbes, der gluͤckliche Erfolg mancher Verbeſſerungen, der höhere Ertrag verbeſ⸗ ſerter Wirthſchaftsſyſteme, und vielleicht nur die Ahnung einer noch hohern Vollkom⸗ menheit, und eines den jetzigen weit uͤberſteigenden Ertrages; dann aber auch die größere Neigung und Applikation zum Landleben, die unter der gebildeteren und wohlhabenden Klaſſe entſtanden iſt, eben ſo viel dazu beigetragen haben. In ſofern erſtere Urſach vermehrter Geldumlauf und geſicherter Kredit den Preis der Guͤter in die Höhe getrieben hat, iſt es wahrſcheinlich, daß er in der nächſten Periode betraͤchtlich fallen werde, da beides durch ungluͤckliche politiſche Konjuncturen ſehr geſchwaͤcht worden. Insbeſondere wenn viele Guͤter auf einmal zum Verkauf gebracht werden muͤßten, koͤnnte ihr Preis ſehr fallen. Indeſſen darf man immer erwarten, daß die zweite Urſach— die verbreitete Kenntniß der Landwirthſchaft— ſo ſtark entgegenwirken werde, daß dieſes Sinken hoͤchſtens nur momentan ſey. Und dies um ſo mehr, da beträchtliche Kapitale, die vorher in andern Gewerben angelege waren, derſelben Konjuncturen wegen dem Grundbeſitze und dem Ackerbau zufließen muͤſſen. Auf jedem Falle wird nach einer Reihe von Jahren die zweite Urſach ſo mächtig wirken, daß der Werth der Grundbeſitzungen noch ſteigen wird, wenn Ruhe, Zutrauen und freyer Handel hergeſtellet ſind. Ein ubermäßiges Sinken der Pro⸗ dukte iſt von einer ſtärkeren Produktion keinesweges zu beſorgen, weil mit derſelben auch die Konſumtion zunimmt. Auswahl eines Landguts. 35 §. 63. Bei dem ſchwankenden Werthe des Geldes bleibt dieſes aber immer ein unſiche⸗ rer Maaßſtab zur Beſtimmung des poſitiven Werths des Grund und Bodens. Einen weit ſichern und gleichbleibendern, allenthalben anwendbarern finden wir in einem ſolchen Produkte, weiches ſich ſeiner Unentbehrlichkeit wegen in gleicherem Verhältniſſe mit dem Werthe aller uͤbrigen Dinge auf die Dauer erhaͤlt. Dies iſt das Getreide,— bei uns vorzuglich der Rocken,— und um eine ſeſte Werthsbeſtim⸗ mung eines Landguts zu ſetzen, iſt es weit ſicherer, zu ſagen, es ſey ſo viele Scheffel Rocken, als ſo viele Thaler werth. Wo man dann dieſen ſo beſtimm⸗ ten Werth auf den nach den Zeitumſtänden veranderlichen Geldwerths reduziren will, da muß man das Durchſchnittsverhaͤltniß des Getreides zum Gelde in gewoͤhnlichen Jahren erforſchen, und kann dann leicht ausmitteln, wie viel das Gut nach dem jetzi beſtehenden Geldwerthe gelten muͤſſe. §. 66. Der Werth eines Landguts ergiebt ſich: 1) aus der Große des ganzen Arreals Werthſchät⸗ und der einzelnen Theile; 2) aus der Guͤte des Bodens, die aus ſeinen Beſtand⸗ theilen und ſeinen phyſiſchen Eigenſchaften eigentlich nur genau ausgemittelt, jedoch vorlaͤufig aus verſchiedenen, gleich in die Augen fallenden Anzeichen im Ganzen beur⸗ theilt werden kann; 3) aus der Lage und den Verhaͤltniſſen der verſchiedenen Perti⸗ nenzien gegen einander; 4) aus den aͤußeren Verhältniſſen, Vorzuͤgen und Gerecht⸗ ſamen oder Belaſtungen und Dienſtbarkeiten des Guts, oder aus deſſen unkoͤrper⸗ lichen, relativen Qualitäten. 67 Der Flacheninhalt eines Guts und ſeiner einzelnen Theile kann nur durch eine Der Flichen⸗ geometriſche Vermeſſung genau beſtimmt und aus der Charte und dem Vermeſſungs⸗ regiſter erſehen werden. Es macht bei hůgligem und bergigem Lande oft einen merklichen Unterſchied, ob dieſe Vermeſſung, nach der Wellenlinie der Oberflaͤche, oder horizontal und nach der Baſis, geſchehen iſt. Man muß ſich in einem Lande, deſſen Feldmaaß man nicht genau kennt, ſorg⸗ faͤltig nach demſelben erkundigen. Es ſind leider! noch ſehr wenige Maaße vollkom⸗ men genau beſtimmt. Denn wenn man auch weiß, wie viel Quadratruthen ein E 2 ————— Maaß nach der Aus ſaat. 36 Werthſchaͤtzung eines Landguts. Ackermaaß halte, und aus wie viel Fußen eine Quadratruthe beſtehe, ſo iſt dennoch die Laͤnge des Fußes unglaublich verſchieden, und eine unbedeutend ſcheinende Ver⸗ ſchiedenheit deſſelben macht eine große Abänderung im Maaße einer ganzen Ackerflaͤche. 6. 68. Haͤufig aber ſind Landguͤter noch nicht vermeſſen, und dieſe Vermeſſung bei einer Kaufangelegenheit zu bewerkſtelligen, iſt unmoͤglich. Hier wird der Flaͤcheninhalt nach gewiſſen Ackermaaßen angegeben, die an ſich ſelbſt hoͤchſt unbeſtimmt ſind, z. B. die Hufen; oder man kann doch keine Gewaͤhrleiſtung fordern, daß das Gut oder deſſen Pertinenzien das angegebene Maaß wirklich halte. Man nimmt deshalb in Anſehung des Ackerlandes zum Einſaatsmaaß die Zuflucht, welches aber eine nicht minder unſichere Angabe iſt. Hier muß man vor allem erforſchen, wie viel auf einer wohlbekannten Flaͤche an dieſem Orte ausgeſaͤet werde, und welche Grundſaͤtze man, in Anſehung der dichtern oder duͤnnern Ausſaat, nach Verſchiedenheit der Guͤte des Bodens und ſeiner Beſtellung befolge. Daß man von der Richtigkeit der Ausſaats-Angabe uͤberzengt ſeyn, und daß man, wo dies nicht der Fall iſt, mit der aͤußerſten Vorſicht verfahren muͤſſe, ver⸗ ſteht ſich von ſelbſt. Die Wieſen pflegen in ſolchen Faͤllen nach Fudern Heu angegeben zu werden, und jedermann ſieht ein, wie wenig dieſes ſagt. In ſolchen Fallen muß man ſich haͤufig nur auf ſein Augenmaaß, auf das Ab⸗ ſchreiten und Abreiten, und auf einen ſcharfen Ortsſinn und Ueberblick verlaſſen. Die Ausbildung dieſes Talents iſt daher dem Landwirthe hoͤchſt wichtig, und kann, bei einer guten phyſiſchen Organiſation, durch Uebung erlangt und unglaublich ver⸗ verſtaͤrkt werden. In Ermangelung deſſelben iſt es oft nothwendig, einen andern geuͤbtern, aber auch zuverläßigen Mann dabei zu Huͤlſe zu nehmen Mit dieſem Talent kauft man oft um ſo vortheilhafter, da der Werth unver⸗ meſſener Guͤter fehr unbeſtimmt zu ſeyn pflegt, und ihr Ertrag gewoͤhnlich nicht hoch getrieben worden iſt. § 69. In manchen Gegenden wird der Flaͤcheninhalt zugleich mit der angeblichen Guͤte des Bodens— alſo ein zuſammengeſetzter Begriff— durch das Ein⸗ Werthſchaͤtzung eines Landguts. 35 ſaatsmaaß beſtimmt. Man hat hier naͤmlich den— obwohl im Allgemeinen fal⸗ ſchen— Grundſatz angenommen, daß der Acker nach Verhaͤltniß ſeiner Guͤte und ſeines Reichthums ſtärker, der ſchlechtere und magere aber ſchwaͤcher beſäet werden muͤſſe, weil jener viel, dieſer wenig tragen koͤnne. Auf einen Scheffel Einſaat rech⸗ net man daher, vom beſten Boden vielleicht 45, vom ſchlechteſten Boden 200 und mehrere Quadratruthen. Ja man hat außer dem Ackerlande auch andere Pertinen⸗ zien, Waſſer, Moraſt und Moor, nach ſolchen Scheffeln gewuͤrdiget, und aus der Summe dieſer Scheffel die Groͤße eines Guts, zugleich mit deſſen Ertrag und Werth, beſtimmen wollen. Wie unzuverlaßig eine ſolche Angabe ſey, mußte bald in die Augen fallen und ſie hat gerade in den Ländern, wo dieſe Wuͤrdigungsart geſetzmaͤßig eingefuͤhrt, und das Kataſter darauf begruͤndet war, allen Glauben ver⸗ loren. Wo hingegen dieſer Begriff weniger allgemein eingefuͤhrt iſt, und ſeine Unbe⸗ ſtimmtheit weniger auffaͤllt, da haͤngen kurzſichtige Landwirthe und Kameraliſten noch wohl daran, ſo daß man ſogar in den neueſten Zeiten, in einem aufgeklärten Staate, ſehr druͤckende Abgaben, nach dem Maaße der Einſaat— und obendrein nach ſehr unſichern Angaben eines Jahrs— beſtimmt hat, indem man ſolche dem Werthe der Güter dadurch am angemeſſenſten zu machen glaubte. Zuweilen hat man gar von der Ausſaat ruckwärts ſich einen Begriff vom Flächenmaaß gebildet, und verſteht unter einem Morgen, einem Joch, einem Tagewerk, keine beſtimmte geometriſche Fläche, ſondern ein ſolches Stuͤck Landes, wo man eine gewiſſe Quantitäͤt Getreide nach hergebrachter Gewohnheit einzufaͤen pflegt. Wenn die Groͤße des geſammten Ackers durch das Ausſaatsmaaß angegeben wird, ſo verſteht man entweder die ſaͤmmtliche Ausſaat darunter, oder aber, was an einigen Orten haͤufiger geſchieht, nur die Winterungsausſaat, folglich bei der Drei⸗ felderwirthſchaft, nur den dritten Theil des Ackers. §. 70. Die Guͤte des Bodens nach ſeinen chemiſchen und phyſiſchen Eigenſchaften Beurtheilung gruͤndlich zu beurtheilen und ſeinen Werth und Ertrag zu beſtimmen, iſt eine der B wichtigſten Aufgaben der Landwirthſchaſtslehre, die wir in dem Hauptſtucke von der Agronomie zu loͤſen verſuchen werden. Hier, wo wir nur von dem reden, was beim Ankaufen des Guts— wo keine ſo genaue Unterſuchung Statt findet— —— 38 Werthſchaͤtzung eines Landguts. zu beobachten iſt, muͤſſen wir uns mit oberflächlichen, aber in die Augen ſprin⸗ genden Zeichen behelſen. §. 71. Beim allgemeinen Ueberblick giebt der Wuchs der Baͤume und Straucher, wenn ſie auf der Feldmark ſtehen, ihre Art, ihre Stärke und Geſundheit, ihre Be⸗ zweigung, die Reinheit ihrer Borke, eine der ſicherſten Anzeigen von der Guͤte des Bodens ab. Sodann laͤßt ſich von den wildwachſenden Pflanzen, ſelbſt einer ſchaͤdlichen Un⸗ krautsart, auf die Fruchtbarkeit des Ackerlandes ſchließen; jedoch iſt es nicht genug, daß ſie einzeln und verkuͤmmert darauf ſtehe, ſondern ſie muß in Menge und uͤppig darauf hervorkommen. So zeigt die kleine Felddiſtel(Seratula arvensis) einen fruchtbaren kräftigen Lehm, der Huflattig(Tussilago petasites) einen tonigten, die Tussilago farfars und die wilde Brombeere einen mergligen Lehm an, der Huͤh⸗ nerdarm(Alsine media), die Gaͤnſediſtel(Sonchus oleraceus), der glattſchotige Hederich(Sinapis arvensis) halten ſich auf lockern kraftvollen Boden auf; wogegen der knotige Hederich(Raphanus raphanistrum) auch auf ſchlechtem magerem Bo⸗ den wächſt. Der kleine gelbe Hopfenklee(Medicago lupulina) giebt von der merg⸗ ligen Beſchaffenheit des Bodens ein ſehr gutes Zeichen. Der Graswuchs im Allge⸗ meinen, wonach ſich die ſogenannten Boniteurs am meiſten zu richten pflegen, iſt ein hoͤchſt mißliches Zeichen, da er von der Witterung und friſchem Duͤnger, ſelbſt vom ſchlechten Stande der Fruͤchte, haͤufig abhaͤngt. Das Anſehn der jungen Saat iſt ein ſehr trugliches Merkmal, indem ſie, ſruͤh und dicht geſaͤet, auf ſchlechtem Boden im Herbſt und Fruͤhjahr oft die auf beſſerem Boden beim oberflaͤchlichen Anſehn ůbertrifft. Man hat, um Kaͤufer zu hintergehen, zuweilen uͤbermaͤßig dicht geſaͤet. Sicherer kann man von dem in Aehren ſtehenden Getreide und von der Stoppel auf die Guͤte des Bodens ſchließen, jedoch mit der Vorſicht, daß man die ganze Feld⸗ mark uͤberſehe, und ſich nicht mit einem einzelnen Felde begnuge, wo durch vorzug⸗ liche Duͤngung und Kultur auf Koſten der uͤbrigen Felder zuweilen ein uͤppiges Ge⸗ treide bewirkt iſt. Die ſchwarzbraͤunliche Farbe des Bodens, wenn er ſfriſch gepflugt iſt, iſt ein Hauptmerkmal ſeiner Fruchtbarkeit; es ſey denn, daß ſie von Haid und Moor⸗ Werthſchaͤtzung eines Landguts. 39 boden herrühre. Auch die ſchwarzbräunliche Farbe des in den Furchen ſtehenden Waſſers und des abgeſpuͤhlten Schlamms beweißt Reichthum des Ackers. Bei einiger Uebung erkennt man ſchon durch den Fußtritt und durch das Auf⸗ ſtoßen mit dem Stocke, ſelbſt durch das Gefuͤhl beim Ueberreiten, die verſchiedenen Grade der Gebundenheit des Bodens, und ob zaher Ton, milder Lehm oder loſer Sand darin prädominire; auch giebt dies die Beſchaffenheit der Erdkloͤße, nach fri⸗ ſcher Beackerung, und die leichte Trennbarkeit oder der Widerſtand älterer Kloͤße zu erkennen. Mittelſt des Zerreibens zwiſchen dem Daumen und dem Zeigefinger kann man aber das Verhältniß des Thons zur grobkoͤrnigen Kieſelerde noch genauer ſchätzen lernen. Die Tiefe der Ackerkrume erkennt man leicht durch das Einſtoßen mit einem Stocke und an Graben, wo die Erde eingeſchoſſen iſt, ſo wie man auch bei letztern die Art des Untergrundes erkennen kann, welche auch der Aufwurf des Maul⸗ wurfs angiebt. Dieſe zuerſt in die Sinne fallenden Kennzeichen muͤſſen dann zu der genauern agronomiſchen Unterſuchung, wenn man anders Zeit dazu hat, leiten. Auch der wiſſenſchaftliche Landwirth, der beſtimmtere Begriffe von den Klaſſen und der Güte des Bodens hat, und die mannigfaltigen Ruͤckſichten kennt, welche man dabei zu nehmen hat, muß die gebraͤuchliche Klaſſifikation und die Ausdruͤcke kennen, worin Empiriker, im Allgemeinen oder provinziell, die Bodenarten abthei⸗ len und ſie bezeichnen, damit er ſie, beſonders bei ſolchen Kaufunterhandlun⸗ gen, verſtehe. 78 Allgemein und natuͤrlich iſt die Unterſcheidung zwiſchen gutem, mittlerm Bewöhnlich und ſchlechtem Boden. Allein ſie iſt bloß relativ, und was man hier Mittelbo⸗ den nennt, heißt dort guter, und an andern Orten ſchlechter Boden. Man nimmt dens. dabei nur auf den verhältnißmäßigen Grad der Fruchtbarkeit in jeder Gegend Ruͤck⸗ ſicht. Bald verſteht man unter ſchlechtem Boden einen duͤrren loſen Sand, bald einen naßkalten, zaͤhen Lehm. Auf die Moͤglichkeit, die mehrere oder mindere Schwierigkeit, letztern vielleicht durch Abwaͤſſerung zu verbeſſern, nimmt man wenig Ruͤckſicht, und oft hat der gute Boden vor dem ſchlechten keinen andern Vorzug, als 40 Werthſchaͤtzung eines Landguts. daß bisher mehrere Kultur und Duͤngung auf ihn verwandt worden, was freilich einen Unterſchied in ſeinem jetzigen Werthe macht, aber doch oft mit geringern Ko⸗ ſten, als der Unterſchied im Anſchlage betragt, erſetzt werden kann. Die durch Ob⸗ ſervanz angenommene Klaſſifikation wird ſelbſt von empiriſchen aber kluͤgern Landwir⸗ then in gewiſſen Diſtrikten fur falſch anerkannt, indem ſie oft ſagen, daß ſie ihren Mittelboden ihrem guten Boden weit vorzöͤgen. Man hat häufig den zähen Thon in die erſte Klaſſe, den muͤrbern oft kalkhaltigen Lehm in die zweite Klaſſe geſetzt; an andern Orten aber dieſen mit Recht uͤber jenen geſchaͤtzt, vielleicht weil man dort bei der Koppelwirthſchaft mehr auf wilde Begraſung, hier allein auf Beackerung und Fruchtbau ſah. Zuweilen nimmt man die Ausdruͤcke, ſchwerer, mittlerer und leichter Boden, im gleichen Sinne mit jenem, zuweilen aber unterſcheidet man und bezeich⸗ net mit dieſen nur die Buͤndigkeit und den Widerſtand, den der Acker dem Pfluge und der Egge entgegenſett. F. 74. Zuweilen wird der Boden im allgemeinen Durchſchnitt nach der Vermehrung der Einſaat bei dem landuͤblichen Feldſyſteme klaſſifizirt, und man ſagt, es ſey Boden zum dritten, vierten, fuͤnften und ſechsten Korne. Man rechnet hier manchmal mit Einſchluß, manchmal mit Ausſchluß der Einſaat, und man muß die Stärke der Ausſaat, auch ob man ſie auf demſelben Flaͤchenraume jeder Bodenart gleich mache, kennen, um aus dieſer ohnehin zu ſchwankenden Angaben, etwas zu ſchließen. Es hangt aber der Ertrag uͤberhaupt mehr vom Duͤngerſtande als von der fenheit des Bodens ab⸗ §. 75. Eine der gebraͤuchlichſten Klaſſifizirungsarten iſt die nach den Fruͤchten, welche er bei dem eingefuͤhrten Ackerſyſteme, gewoͤhnlich der Dreifelderwirthſchaft, getragen hat, und der angenommenen Meinung nach mit dem größten Vortheil tra⸗ gen kann. Hier pflegt man folgende Klaſſifikation zu machen: 1) Weizenacker, welcher nach der Brache Weizen vortheilhafter, wie Rocken tragt kann er nach der Dreifelderordnung in ſechs Jahren zweimal Weizen tragen, obwohl er nur eine Duͤngung erhaͤlt, ſo nennt man ihn a) ſtarken Werthſchaͤtzung eines Landguts. 41 a) ſtarken Weizenboden, der in dieſem Sinne wohl nur in angeſchwemmten Stromniederungen vorkommt; b) Weizenacker ſchlechthin, wenn er nur nach der Duͤngung Weizen und nach der zweiten ungeduͤngten Brache Rocken tragen kann. 2) Gerſtacker. Bei dieſer und der folgenden Klaſſe wird nicht auf die erſte oder Winterfrucht, ſondern nur auf die zweite oder Sommerfrucht Ruͤckſicht genom⸗ men. Man unterſcheidet auch hier a) ſtarken Gerſtboden, der bei ſechsjähriger Duͤngung zweimal nach der Win⸗ terung Gerſte trägt. Da manche annehmen, daß ein ſolcher Boden ſich in der erſten Saat auch zum Weizen qualifizire, ſo ſeten ihn mit dieſem in eine Klaſſe. Andere aber unterſcheiden ihn richtiger davon, indem mancher Boden der Gerſte ungemein zutraͤglich, fur den Weizen aber nicht ſo geeignet ſeyn kann, daß er ihn mit groͤßerem Vortheil wie Rocken truͤge. Dagegen kann der gebundene, dem Weizen mehr als dem Rocken zuſagende Boden fur die Gerſte minder geeignet ſeyn, und mit weit grö⸗ ßerem Vortheil in jeder Saat Hafer tragen. b) ſchwacher Gerſtboden, der nur in der zweiten Frucht nach dem Duͤnger, Gerſte traͤgt, dem man in der vierten aber Hafer, obwohl mit geringem Erfolge tragen läͤßt. Wo große und kleine Gerſte gebaut wird, nennt man jenen auch großen Gerſt⸗, dieſen kleinen Gerſtboden. 3) Haferacker, welcher nach der Winterung Hafer traͤgt. Eigentlich gehoͤrt in dieſe Klaſſe nur der zähe, ſogenannte kalkgruͤndige Boden; denn jeder andere, der mit Vortheil Hafer trägt, wäre bei gehoͤriger Kultur auch im Stande, Gerſte zu tragen. Im Allgemeinen ſetzt man aber auch denjenigen Boden in dieſe Klaſſe, den man fuͤr Gerſte zu leicht oder zu loſe halt. Man unterſcheidet a) ſtarkes Haferland, welches bei neunjaͤhriger Duͤngung jedesmal nach der Winterung, alſo dreimal Hafer trägt. b) mittleres Haferland, welches man im achten Jahre nach der Duͤngung ruhen laͤßt. c) ſchwaches Haferland, dem man nur einmal unter dieſen Umſtaͤnden Hafer abnimmt. Erſter Thell. Die ſchlechte Qusalitaͤt des Bodens wird ſchwer durch 4 Werthſchaͤtzung eines Landguts. 4) Rockenacker, welcher in der Dreifelderwirthſchaft nur alle drei Jahr Rocken trägt, nach demſelben aber keine Kraft zu einer andern Frucht mehr hat, ſondern zwei Jahre ruhen muß. Sechsjaͤhriges, neunjähriges und zwölfjahriges Rockenland nennt man ſolches, welches nur alle ſechs, neun oder zwolf Jahre mit Rocken beſtellt wird und außerdem ruht. Hierzu gehort das entfernte Außenland, welches nie Duͤnger erhaͤlt, und deſ⸗ ſen ſchlechte Qualitãt dann mehrentheils nicht von ſeiner Grundbeſchaffenheit, ſondern von dieſem Duͤngermangel herruͤhrt. Die Kraft, welche die Ratur dieſem Lande durch die Grasnarbe, oder die ihm der verſtreute Weidemiſt der Schafe giebt, wird durch die Rockenſaat ſogleich wieder ausgeſogen, und ſo der Boden in dem unfrucht⸗ baren Zuſtande erhalten. So viel Schwankendes dieſe Klaſſifikation auch hat, ſo iſt ſie doch unter den gewoͤhnlich angenommenen noch die genaueſte, und zugleich die, welche den meiſten Anſchlägen zum Grunde liegt. Deshalb muß ſie ein jeder Landwirth kennen, der ſeiner Beurtheilung des Bodens auch beſtimmtere Begriffe unterzulegen weiß, ſich aber in jeder Gegend, wohin ihn das Schickſal fuͤhrt, genauer erkundigen, welchen Boden man nach ſeinen phyſiſch⸗chemiſchen Beſchaffenheiten in jede dieſer Klaſſen zu ſetzen pflegt. Jeder verſtaͤndige Landwirth wird ſich bei der Auswahl eines Gutes mehr durch die Guͤte des Ackerbodens, als durch die Groͤße deſſelben beſtimmen laſſen. Die ſchlechtere Qualitaͤt kann ſehr ſelten durch die groͤßere Oberflaͤche kompenſirt werden. die Quantitit Es giebt ſolchen Boden, der als Ackerland durchaus gar nichts werth iſt, und genau orſetzt. gerechnet nie die Koſten ſeiner Bearbeitung uͤbertragt, wo folglich 1000 Morgen nicht 1 Morgen guten Bodens in Hinſicht auf Fruchtbau gleich zu ſchatzen wäre. Traͤgt ein Boden nach der Duͤngung nicht vier Saaten zu 3 Scheffel Per Morgen ab, ſo kann man ihn in der That gar keinen Werth als Ackerboden beilegen, es ſey denn, daß man unzweifelhaſt wirkſame Mittel zu ſeiner Verbeſſerung habe, z. B. angemeſ⸗ ſenen Mergel und Schlamm in der Naͤhe, wo man dann bei dem Ankauf ſo rechnen muß, als kaufe man nur den Raum, um ſich einen zutraglichen Ackerboden zu ſchaf⸗ ſen. Wenn man gehoͤrig rechnet, wird man im Durchſchnitt guten Boden immer Werthſchätung eines Landguts. 43 vopſſie als ſchlechten kaufen, indem die meiſten Menſchen noch einen zu großen Werth auf weite Ausdehnung ſetzen. Je fruchtbarer im Ganzen eine Gegend iſt, um deſto geringer iſt daſelbſt der Werth des ſchlechten Bodens, denn der reine Ertrag oder die Rente des natuͤrlich fruchtbarſten Grundſtuͤcks ſchränkt die Rente des mit ihm Konkurirenden ein. Wo die Produkte der fruchtbarern Grundſtucke zureichen, die Bedurfniſſe zu befriedigen, werden die minder fruchtbaren kaum mit Vortheil bearbeitet werden koͤnnen. Reichen aber jene nicht zu, ſo wird ſich die Bearbeitung der letztern mehr belohnen, und man wird daher dieſelbe Bodenart in einer unfruchtbarern Gegend hoöher, als in einer fruchtbaren bezahlen koͤnnen. Man hat die Nachbarſchaft fruchtbarer gras· und ſtrohreicher Niederungen hoͤhe⸗ ren und durrern Guͤtern vortheilhaft gehalten, indem ſie ihnen Gelegenheit giebt, Heu und Stroh anzukaufen. In ſofern durch ſolchen Ankauf der erſte Grund zur Verbeſſerung gelegt wird, und die Koſten deſſelben zu Kapital geſchlagen werden ſol⸗ len, kann dieſes allerdings vortheilhaft ſeyn, bei genauer Berechnung aber nie, als eine beſtändig fortzuſetzende Bewirthſchaftung, rentiren. Und ſo kann dieſer Vor⸗ theil die Nachtheile nicht aufwiegen, welche eine ſolche Nachbarſchaft durch die Wohlfeilheit mancher Produkte und die gewoͤhnliche Vertheurung des Arbeits⸗ preiſes verurſacht. Grundſtuͤcke, welche nachgeſuchte Beduͤrfniſſe in einer Gegend ausſchließlich liefern können, erhalten dadurch einen beſonders hohen Werth. §. 77. Naͤchſt dem Ackerlande kommen vor allen die Wieſen in Betracht. Schätung der Man hat bisher ein gehoͤriges Verhaͤltniß der Wieſen zum Ackerlande als eine nothwendige Bedingung eines guten Landguts angeſehn, und ohne zureichenden Wie⸗ ſenwachs, auch bei dem beſten Ackerboden, ein Gut fuͤr fehlerhaft gehalten. Dieſe Meinung gruͤndet ſich auf eine anerkannte Wahrheit, daß ohne zureichende Viehſut⸗ terung in der Regel kein Ackerbau beſtehen koͤnne; dann aber auch auf ein Vorur⸗ theil, daß ohne Wieſen keine Fütrerung gewonnen werden könne. Wenn man weiß, daß durch Anbau von Futtergewächſen und durch abwechſelnde Niederlegung des Ackerlandes zu kuͤnſtlichen Wieſen das drei⸗ und vierfache an Futterung gewonnen werden koͤnne, was ewige Wieſen von gleicher Fläche geben, ſo wird man den Man⸗ F 2 ————— 44 Werthſchaͤtzung eines Landguts. gel an natürlichen Wieſen bei Landgutern, die privatives und fruchtbares Ackerland beſitzen, fur keinen unerſetzlichen Fehler halten. Es wird jedoch hier⸗ durch der Werth guter Wieſen, in der Meinung des rationellen Landwirths, nur eingeſchränkt, keineswegs, wie gewiſſe unverſtändige Menſchen es verſtanden haben, vollig aufgehoben. Auch iſt die Entbehrlichkeit der Wieſen nur bei guten und privativen Aeckern anzunehmen. Sie werden immer noͤthiger, je ſchlechter das Ackerland und je miß⸗ licher der Anbau der ergiebigſten Futterkraͤuter auf ſelbigem iſi. Der trockene ſan⸗ dige Boden kann ſich allerdings nur durch ein ſtarkes Verhaͤltniß guter Wieſen in Kultur erhalten, und ſeinen Ertrag ſichern; und eben ſo unentbehrlich ſind ſie, wo die Zerſtuckelung der Felder und die dabei beſtehende Brach⸗ und Stoppelbehuͤtung die freie Benutzung derſelben verhindert. Wenn der Wieſen zu viele bei einem Gute ſind, und uͤber 2 der Ackerflaͤche be⸗ tragen, ſo verlieren ſie ihren Werth gegen das Ackerland, es ſey denn, daß ſie ſich zum Umbruch qualifizirten, oder daß man Heu vortheilhaft verkaufen konnte. §. 78. Der Werth der Wieſen iſt beinahe ſchwerer zu ſchätzen, wie der des Ackerlandes, und es koͤnnen hieruͤber erſt in der Lehre vom Wieſenbau richtige Grundſaͤtze angege⸗ ben werden. Men theilt ſie bei den gewoͤhnlichen Veranſchlagungen mehrentheils in drei Klaſſen, in gute, mittlere und ſchlechte ein, die aber bei weitem zu ihrer richti⸗ gen Wuͤrdigung nicht zureichen. Oder man richtet ſich, nach den abgeſchätzten oder erfahrungsmaͤßigen Heuertrage und der Guͤte und dem Werthe dieſes Heues, welcher letztere in verſchiedenen Gegenden und Zeiten ſehr verſchieden iſt; und ſo nimmt man haͤufig fuͤnf Klaſſen an, wovon die erſte zu 30 Centner, die zweite zu 20 Centner, die dritte zu 14 Centner, die vierte zu 10 Centner, die fuͤnfte zu 6 Centner Heu per Morgen berechnet wird. Es iſt aber auch vorzugliche Ruͤckſicht auf ihre Sicherheit und Unſicherheit zu nehmen, indem häufig die ſonſt vorzuglichſten Flußwieſen der Ueberſchwemmung zur Unzeit ausgeſetzt ſind. Nach der gewöhnlichen Veranſchlagungsweiſe wird die Wieſe nach ihrer Flaͤche oder nach dem geſchätzten Heuertrage zu unerhoͤrt geringem Preiſe angeſchlagen, wel⸗ ches aber deshalb geſchieht, weil die Viehnutzung noch beſonders und ebenfalls ſehr Werthſchaͤtzung eines Landguts. 45 geringe, angeſchlagen wird. Man wähnt ſo, wie in manchen Faͤllen, einen Fehler durch den andern auszugleichen. Der Käufer muß, nach der Kenntniß, die er von den Wieſen und von ihrer obgleich nicht ohne Koſten zs bewerkſtellenden Verbeſſerung hat, dieſe fuͤr ſich nach dem Nutzen, die ſie ihm in ſeiner Wirthſchaft bringen koͤnnen, und nach dem ge⸗ wöhnlichen Heupreiſe der Gegend, den er am beſten auf Getreide reduzirt, abſchätzen. Daß er Ruͤckſicht nehme, ob die Wieſen privativ, oder dem Vor⸗ und Nachhuten und andern Servituten unterworſen ſey, auch ob er mit dem durchfließenden Waſſer frei oder nicht frei ſchalten und walten koͤnne, verſteht ſich wohl von ſelbſt. §. 79 Die Weiden hielt man fuͤr eben ſo unentbehrlich wie die Wieſen, bis man ent⸗ Schtzung der weder die Möglichkeit einer Stallfutterung, oder aber der wechſelnden Niederlegung, des Ackerlandes zur Weide kennen lernte. Sie werden ſeitdem allgemein geringer, wie vormals geſchätzt, jedoch darum nicht werthlos. Bei Kaufanſchlägen werden ſie mehrentheils unter der Rubrik der Viehnutzung mit veranſchlagt. Indeſſen ver⸗ dienen ſie bei dem Kaufe eines Gutes beſondere Ruͤckſicht. F. Bo. Die Weiden finden ſtatt: 1) auf raumen oder mit Baumen wenig beſetzten Weideangern. Sind ſie hier privativ und uneingeſchraͤnkt, ſo iſt der Grundwerth des Bodens zu ſchaͤßen, da es namlich dem Beſiher frei ſteht, ihn auch auf andere Weiſe zu nutzen, in ſoſern die phyſiſche Beſchaffenheit dieſes erlaubt. Iſt letzteres nicht der Fall, indem z. B. haͤuſige Ueberſchwemmungen eine andere Benutzung zu unſicher machen, ſo muß er ſie nach der Nahrung, die ſie einer gewiſſen Kopfzahl von Vieh geben koͤnnen, beurtheilen. Häufiger aber findet es ſich, daß ſolche Weideanger Kommunguͤter ſind, und jedem Eigenthumer eine beſtimmte oder doch beſchraͤnkte Weideberechtigung darauf zuſteht. Hier muß der Werth dieſer Berechtigung ebenfalls nach der Kopfzahl des Viehes und dem efſektiven Rutzen, den es davon hat, beurtheilt werden. Jedoch hat man nach den Ortsverhältniſſen beſondere Ruͤckſicht darauf zu nehmen, ob eine baldige Theilung zu bewirken ſteht, da dann ſolche durch ihre Unkultur ſchlecht be⸗ ——————— — . 6 2 1 1 — 46 Werthſchaͤtzung eines Landguts. nutzte Grundſtuͤcke einen unglaublich hoͤheren Werth, es ſey als privative kultivirte Weide oder zu anderer Benutzung, erlangen koͤnne. 2) Auf der Brache und Stoppel des Ackerlandes. In ſofern dieſe Weide auf eignen Ackern ausgeuͤbt wird, wird. ſie in der Veranſchlagung als Acker oder der Viehnutzung mit berechnet. Wenn ſie aber vermöge einer Berechtigung auf fremden Aeckern ausgefuͤhrt wird, ſo muß ſie bsſonders in Anſchlag gebracht werden. Denn ſo nachtheilig ſolche im Ganzen iſt, und ſo wenig Vortheil der berechtigte im Ver⸗ haͤltniß des Schadens, den er den Triftleidenden dadurch thut, hiervon hat, ſo geht doch unter manchen Verhaltniſſen fuͤr jenen immer einige Benutzung daraus her⸗ vor, die er ohne Erſatz aufzugeben nicht ſchuldig iſt. Die Hauptbenutung derſelben iſt ohne Zweifel fur die Schaferei, ſo daß manche, obwohl faͤlſchlich, geglaubt haben, daß Schaͤfereien ohne ſolchen nicht beſtehen koͤnnten. Um ihren Werth auszumitteln, muß man beſtimmen, wieviel auf Boden dieſer Art und bei dieſer Duͤngung auf einen Kopf Vieh erforderlich ſeyn wuͤrde, wenn der Acker den ganzen Sommer hin⸗ durch dreiſch oder zur Weide laͤge. Sodann muß man die Dauer der Weidezeit, deren Anfang und Ende nach der Obſervanz und Beſtellung verſchieden iſt, beruck⸗ ſichtigen, und endlich die Vegetationsperiode, worin ſie fäͤllt; indem nämlich dieſe in den fruͤhern Monaten immer ſtaͤrker, wie in den ſpätern iſt. Die Brachbehuͤtung iſt in den neuern Zeiten faſt allenthalben durch die Berechtigung, einen Theil der Brache zu beſtellen, eingeſchränkt worden, in einigen Gegenden jedoch nicht, und es muß hier die Erlaubniß dazu von dem Triftberechtigten beſonders eingeholt, und mit einem Aequivalent bezahlt werden. So iſt auch der Termin, wo der zu brachende Acker zum erſtenmale umgebrochen wird, bald willkuͤhrlich, bald fruͤher oder ſpater beſtimmt; und da dieſe Weide mit dem erſten Umbruche ihren Werth zum groͤßten Theile verliert, ſo iſt hierauf bei Wuͤrdigung derſelben beſonders Ruͤckſicht zu nehmen. So wie der Verſtand ſein Licht uͤber die Angelegenheiten des Ackerbaues mehr verbreitet, darf man erwarten, daß dieſe alte, wohl mehrentheils erſchlichene Berechtigung wird aufgehoben werden, jedoch, der Gerechtigkeit nach, nicht ohne billigen Erſatz fuͤr den wirklich daraus gezogenen Vortheil. 3) Auf Wieſen, im Fruͤhjahre und nach geſchehener Aberntung mit einem oder zwei Schnitten. Hier kann ebenfalls nur von der Berechtigung auf fremden Wieſen die Rede ſeyn, und der Werth derſelben richtet ſich nach der Guͤte des Wie⸗ Werthſchatzung eines Landguts. 47 ſengrundes, nach der Dauer und der Jahreszeit. Der Vortheil derſelben iſt ebenfalls ſehr geringe gegen den Rachtheil, der dem Wieſenbeſitzer dadurch zugefuͤgt wird, es ſey denn, daß ſie durch eben die Bedingung beſchränkt ware, die ſich der Wieſen⸗ eigenthuͤmer feſtſetzen muͤßte, wenn er ſie mit eignem Vieh betriebe. 4) Im Holze oder Waldungen. Hierbei kommt es auf die Beſchaffen⸗ beit des Forſtgrundes, auf die Art des Holzes und auf den ſtaͤrkern oder ſchwaͤchern Beſtand deſſelben an. Die in nicht zu naſſen Elſenbruͤchen, dann in Birken⸗ und Eichenhölzern iſt die beſſere, in Buchen⸗ und Nadelholzern von ſehr geringer Be⸗ deutung. Dann macht es einen Unterſchied, ob der Boden nur mit hohem oder auch mit Unterholze beſetzt iſt, und in welcher Dichtheit und Staͤrke beide ſtehn. Je dich⸗ ter und ſtaͤrker das Holz, um ſo ſchlechter iſt die Weide, nicht bloß in Hinſicht des Raumes, ſondern auch der mindern Nahrhaftigkeit des Graſes, welches im Schat⸗ ten waͤchſt. Der geringe Nutzen, den auch dieſe Weide giebt, ſteht ebenfalls in keinen Verhaͤltniſſen mit dem Verderben, welches ſie der Forſtkultur bringt, und deshalb iſt Aufhebung derſelben eine unbedingte Forderung der geſunden Vernunft. Sie iſt mehrentheils durch die Berechtigung des Forſteigenthuͤmers, einen Theil in Zuſchlag oder Schonung zu nehmen, beſchraͤnkt. 5) Auf Mooren und Bruͤchern. Hier kommt es darauf an, ob es Schwarz oder Hoch⸗Moore, die nur Haide und andere ſchlechte Kraͤuter tragen, oder Gruͤnlandsmoore, die auf einer milden und modrigen Oberflaͤche den Wuchs beſſerer Graͤſer beguͤnſtigen, ſind. Letztere pflegen aber an dem Fehler der Saͤure zu leiden. Ferner aber fragt ſichs, in wiefern ſie trocken und dem Viehe zuganglich ſind, und dann, ob durch Beſchlammung des Graſes ſolches dem Viehe nicht widrig und ſeiner Geſundheit nachtheilig werde. Beſtimmter kann uͤber die Benutzung und den relativen Werth dieſer Weiden erſt an einem andern Orte gehandelt werden. In den gewoͤhnlichen Anſchlägen kommt ihre Benutzung unter der Rubrik der Viehnutzung zu ſtehen. Die Berechtigung, ſolche Weiden zu betreiben, iſt zuweilen unbeſchraͤnkt, meh⸗ rentheils aber auf eine gewiſſe Kopfzahl von jeder Viehart, oder nach Maßgabe deſſen, was der Hof durch ſelbſtgewonnenes Winterfutter durchwintern kann. Kommt es in letzterem Falle auf eine genauere Beſtimmung dieſer Berechtigung, z. B. bei Theilungsangelegenheiten an, ſo kann wohl nur der Futtergewinn bei der —————— Schaͤtzung des Holzes. 48 Werthſchaͤtzung eines Landguts. landuͤblichen reinen Dreifelderwirthſchaft zum Grunde gelegt werden, indem bei einer anderen Wirthſchaftsart eine unuͤberſehbare Menge von Winterfutterung in manchen Faͤllen gebauet werden konnte. 3. Die Schaͤtzung des Holzes iſt ſehr problematiſch. Wir erwaͤhnen derſelben nur, inſofern ſie beim Ankaufe eines Guts oft von der groͤßten Wichtigkeit iſt, uberlaſſen ſie uͤbrigens der Forſtwiſſenſchaft. Die Schätung kann in mancher Ruͤckſicht ge⸗ ſchehen, und darnach ſehr verſchieden ausfallen. Entweder nach dem Ertrage, den das Holz nach forſtwirthſchaftlichen Grundſätzen, um beſtaͤndig im guten Zuſtande erhalten zu werden, geben kann; oder aber nach dem Werthe und dem moͤglichen Verkaufspreiſe des jetzt wirklich darauf vorhandenen Holzes, inſofern ſelbiges ganz oder zum Theil abgetrieben werden darf, da alsdann noch der Werth des abgetriebe⸗ nen Grund und Bodens in Hinſicht auf andere Benutzung hinzukommt. Die Diffe⸗ renz beider Schätzungsarten iſt enorm, zumal wenn jene nach dem erfahrungsmäßi⸗ gen Ertrage offentlicher Forſten angeſtellt wird. Es iſt bekannt, daß in neueren Zei⸗ ten manche Guͤter gekauft, und von dem Verkaufsgelde, welches aus einem Theile des abgeſchlagenen Holzes geloͤſt worden, völlig oder großtentheils bezahlt ſind. Eine Spekulation, die manchen Guͤterhaͤndler ſchnell bereichert hat, die aber nun in kultivirtern und bevolkerten Gegenden ſeltener zur Ausfuͤhrung wird gebracht werden koͤnnen. Jedoch giebt es noch Güter, deren Holzwerth den jetzigen Verkaufspreis des Ganzen bald überſteigen moͤchte, wenn ſie bei dem zunehmenden Holzmangel Ab⸗ ſatz dafuͤr erhalten, und durch Ziehung von Kanaͤlen oder Aufräumung. und An⸗ ſtauung natuͤrlicher Gewaͤſſer den Transport erleichtern. Nach manchen Taxations⸗ Prinzipien waͤre der Grund und Boden mehr werth, wenn er gar kein Holz truͤge und zur Schafweide läge. Auf ſolche Taxationen von gewoͤhnlichen Forſtbedienten wird man daher beim Ankaufe von Guͤtern wenig Ruͤckſicht zu nehmen haben, ſondern den Wertb des ſtehenden Holzes nach den Lokalverhaͤltniſſen fur ſich anſchlagen, und dann auf den Werth des Grund und Bodens, der oft einen angehaͤuften Reichthum von Damm⸗ erde enthält, und beſonders bei einer einmal ruinirten Holzung als Acker⸗ oder Wie⸗ ſenland ungleich hoher zu benutzen iſt, Ruͤckſicht nehmen; wogegen dann häufig anderer Werthſchaͤtzung eines Landguts. 4. anderer ausgeſogener Ackerboden, beſſen Fruchtbarkeit ſchwer herzuſtellen ſeyn wärde, mit Holz zu beſaamen oder zu bepflanzen und in Schonung zu legen iſt. Immer iſt der Bedarf an Bau⸗ Nut⸗ und Brennholz etwas ſehr annehmliches bei einem Gute, und deshalb beim Ankaufe beſondere Ruckſicht darauf zu nehmen. §. 82. Manche, die ein Gut zu kaufen die Abſicht haben, legen ein großes Gewicht In wiefern uf auf die von den Nachbarn oder in der Gegend Bekannten, auch vom Geſinde, Vieh⸗ hirten und Unterthanen eingezogene Erkundigungen. Sie koͤnnen allerdings Finger⸗ gen u bauen zeige geben, doch muͤſſen die Ausſagen zuvor an Ort und Stelle gepruft ſeyn, bevor man darauf bauet. Wer ſich dadurch des Sehens mit eigenen Augen uͤberheben will, wird ſehr leicht bintergangen werden. Solche Ausſagen werden um ſo verdaͤchtiger, je mehr die Landguͤter in einer Gegend kurrente Handelswaare geworden, und in die Haͤnde der rigentlichen Guͤterhändler, zumal derer, die das Geſchaͤft in Kompagnie betreiben, gekommen ſind. Die Kunſtgriffe, deren man ſich hier bedient hat, um Kaͤufer zu hintergehen, ſcheinen unglaublich, und uͤbertreffen beinahe die der Roß⸗ täuſcher. In ſolchen Gegenden muß man jeden, den man befragt, fur ein geſtimm⸗ tes Inſtrument der Verkaͤufer halten. In ſolchen Fällen darf man aber ſelbſt ſchrift⸗ lichen Dokumenten, Pachtkontrakten und Regiſtern nicht trauen, wenn nicht fur das darin Enthaltene Eviktion geleiſtet wird. Bei dem allen laͤßt ſich jevoch zuweilen vor⸗ theilhaft von dieſen Haͤndlern kaufen, da ihnen nicht nur an ſchnellem Umſatze gelegen iſt, ſondern ſie ihre Waare, die ſie vermoge ihrer Spekulationen wohlfeil eingekauft haben, oft ſelbſt nicht kennen. Andre ſetzen ein großes Zutrauen auf die Geſchichte eines Guts, um darnach ſeinen Werth im Allgemeinen zu beurtheilen, und ſie erkundigen ſich, welche Be⸗ ſitzer oder Pächter es nach einander gehabt, zu welchem Preiſe es vormals verkauft oder verpachtet worden, und wie dieſe oder jene darauf fortgekommen ſeyen. Wenn man dieſe Geſchichte vollſtändig und in ihren kleinſten Details erfahren könnte, ſo wurde ſie allerdings viele Aufklärung geben, aber ſo, wie man ſie gewoͤhnlich erfaͤhrt, verleitet ſie haufig zu Fehlſchluſſen. WWeil ſich die allgemeine Meinung von einem Gute haͤufig darauf begruͤndet, ſo wird man ſolche Guter oft gerade am vortheilhafteſten erkaufen konnen, auf welchen mehrere Beſitzer oder Inhaber zugeſetzt haben oder zu Grunde gegangen ſind. Zu⸗ Erſter Theil. G Güter⸗An⸗ ſchläge. 50 Werthſchaͤtzung eines Landguts. weilen haben die letzten Inhaber viel hineingeſteckt und die Kraft des Bodens wirk⸗ lich dadurch vermehrt, aber nicht Ausdauer und Nachſatz genug gehabt, um die Fruͤchte daraus zu ziehen, und es giebt der Beiſpiele viele, wo auf die Weiſe reelle Melivrationen nur zum Nutzen des Nachfolgers gemacht worden ſind. Auf der an⸗ dern Seite koͤnnen die letzten Inhaber es verſtanden haben, einen hohen temporellen Geldertrag aber mit Erſchoͤpfung des Ackers herauszuziehen, und dadurch ihr Ver⸗ moͤgen zu verbeſſern, das Gut aber um ſo viel zu verſchlechtern. Hierdurch kann ein Gut bei Kurzſichtigen in einen uͤblen oder guten Ruf kommen, wo ſich dann in ketzterm Falle, wenn es zum Verkauf koͤmmt, eine große Konkurrenz von Kaͤufern, im erſtern aber keine einfinden, und ſonach uͤber oder unter dem Werthe losgeſchla⸗ gen werden wird. Jedoch darf man dieſes auch nicht als allgemein annehmen, denn manchmal kann ein unwiſſender und nachlaͤßiger Wirth ſehr geringen Ertrag aus einem Gute gehabt und es dennoch ſo verſchlechtert haben, daß ein betraͤchtli⸗ ches Kapital zu deſſen Wiederherſtellung erforderlich iſt. Oftmals haben Guͤter große Huͤlfsquellen, die von unwiſſenden und unthaͤtigen Wirthen uͤberſehen und nicht gebraucht wurden, und dieſe laſſen ſich immer eher auf einem Gute erwarten, was in ſchlechten Haͤnden, als in guten geweſen iſt. .§. 83. Bei jeder Kaufsverhandlung wird in der Regel vom Verkäufer uͤber das Gut ein Anſchlag gemacht und dem Käufer vorgelegt, der ihn dann mit ſeinen Erinne⸗ rungen oder mit einem Gegenanſchlage beantwortet, damit diejenigen Punkte, bei deren Schatzung ſie von einander abweichen, genauer eroͤrtert werden koͤnnen. Ein ſolcher Anſchlag iſt entweder ein Grund⸗ oder ein Ertragsanſchlag. Erſterer, wozu die Data in der Lehre von der Agronomie werden angegeben werden, wuͤrde weit ſicherer ſeyn, wenn die zu einem ſolchen beſtimmten Anſchlage erforder⸗ lichen Kenntniſſe mehr verbreitet waren. Da dieſes aber bis jetzt nicht der Fall iſt, ſo behilft man ſich mit Ertragsanſchlägen, deren nothwendige Mangelhaftigkeit ſchon daraus erhellet, daß der Ertrag, der aus Grund und Boden, Kenntniß und Ueber⸗ legung, Betriebskapital und Arbeit hervorgeht, und bei dem obendrein das Riſiko nicht berechnet werden kann, dem Grundwerthe allein beigemeſſen wird. Weil man dieſes, obwohl dunkel, fuhlte, ſo hat man die Ertragsſaͤtze moͤglichſt geringe ange⸗ nommen, beſonders aber, da ſie ſich in der Regel auf Dreiſelderwirthſchaſt grnden, die Benutzung der Brache gär nicht gerechnet, ſondern ſolche als den billigen Vor⸗ theil des Wirthſchaftbetriebes angeſehen. Werthſchaͤtzung eines Landguts. 51 Deshalb paßt dieſe Veranſchlagungsart, beſonders ſo wie ſie in den preußi⸗ ſchen Staaten eingefuͤhrt, und mit verſchiedenen Modifikationen bei den Kammer⸗ anſchlagen der Domainen und in den ritterſchaftlichen Taxprinzipien geſetzlich beſtimmt iſt, auch nur allein fur die Dreifelderwirthſchaft; wird dagegen hoͤchſt ſchwankend und unſicher, wenn ſie auf andere Wirthſchaftsarten angewandt werden ſoll, um ſo mehr, da man bei dieſen noch keine hinlaͤnglich beſtätigten Erfahrungsſätze zu haben glaubt. Wenn daher dieſe Taxationsmethode bei einem anders bewirthſchafteten Gute ange⸗ wandt werden ſollte, ſo muͤßte deſſen Ertrag dennoch ſo berechnet werden, als laͤge es in drei Feldern, weil bei jeder andern Berechnung nach dieſen Prinzipien, noch unrichtigere Reſultate ſich ergeben möchten, denen daher auch das oͤffentliche Zu⸗ trauen fehlt. 5. 384. Dieſe in den preußiſchen Staaten haupeſaͤchlich eingefuͤhrte Veranſchlagungs⸗ methode iſt bei aller Mangelhaftigkeit unter den bekannten noch immer die vorzuͤg⸗ lichſte, und deshalb auch von den einſichtsvollern Hekonomen anderer Gegenden an⸗ genommen worden. Der wiſſenſchaftliche Agronom wird nun zwar den Grundwerth des Bodens, abgeſondert von dem Wirtbſchaftsertrage, fuͤr ſich richtiger zu beſtim⸗ men wiſſen, muß jedoch dieſe Veranſchlagungsart, ſollte es auch nur um der Ver⸗ handlungen willen, die er mit andern zu betreiben hat, ſeyn, im Allgemeinen kennen. Fuͤr die beſondern Modifikationen, die in einzelnen Diſtrikten uͤblich, und durch die Lokalverhaͤltniſſe herbeigefuͤhrt ſind, kann er ſich dann in jedem, wo er Geſchaͤfte. hat, leicht unterrichten. 5. 88. Bei Veranſchlagung des Ackerlandes kommen folgende zwei Hauptpunkte in Betracht: 1) Wie viel wird, nach gegebener Beſchaffenheit des Bodens, auf eine ge⸗ wiſſe Flaͤche eingeſaͤet? 2) Welche Vermehrung dieſer Ausſaat iſt auf demſelben anzunehmen? Wo dieſe Veranſchlagungsart gebraͤuchlich iſt, hat man faſt allgemein die Mei⸗ Beſtimmnng uung angenommen, daß um ſo ſtaͤrker eingeſaet werden muͤſſe, Beſtimmung der Koͤrner⸗ Vermehrung. 10 Werthſchaͤtzung eines Landguts. a) je beſſer der Boden in feiner Grundbeſchaffenheit iſt; b) je ſtarker und je friſcher er geduͤngt worden, und glaubt ſolche durch den Grundſatz, wer ſtark iſt kann ſtark tragen, erwieſen zu haben. Es koͤmmt alfo auf die Klaſſe an, worin man den Boden nach§. 75. ſetzt und ferner, die wie vielſte Frucht er nach der letzten Duͤngung trage. Jedoch ſind neuerlich in der oſtpreußi⸗ ſchen Tarations⸗Inſtruction richtigere Grundſaͤtze uͤber die Einſaat angenommen. Da allgemein das Dreifelderſyſtem zum Grunde liegt, ſo erfolgen, wenn die Brache alle drei Jahre geduͤngt wird, nur zwei Tragten; wenn ſie alle ſechs Jahr geduͤngt wird, vier Tragten, und wenn ſie alle neun Jahr geduͤngt wird, ſechs Trag⸗ ten aus demſelben Duͤnger, und nach jeder Brache eine Winterung und eine Som⸗ merung. Weiter als auf eine neunjährige Duͤngung hat man ſich nicht eingelaſſen, ſondern rechnet alsdann den Acker, der ſolche nicht erhält, zum dreijährigen Rockenlande. Die Moͤglichkeit der Duͤngung aber wird aus dem zu haltenden Viehſtapel oder nach der bisherigen Erfahrung ausgemittelt, woruͤber in der Folge die Rede ſeyn wird. 5. 37. Nach derſelben Klaſſifikation und Tragt beſtimmt mon denn auch die Koͤrnerver⸗ mehrung die ſer Ausſaaten, und der ganze Ertrag von einer Ackerfläche(einem Mor⸗ gen) geht hervor aus der Multiplikation der Einſaat mit der angenommenen Korn⸗ vermehrung. Das Einſaatsmaaß iſt ziemlich beſtimmt angenommen; in Anſehung der Ver⸗ mehrung ſchwankt man, wie natuͤrlich, zwiſchen einem Korne mehr oder weniger, welches freilich bei der Berechnung des reinen Ertrages einen ſehr bedeutenden Unter⸗ ſchied machen muß, aber der Natur der Sache nach nicht abzuaͤndern iſt. Hierauf hat man alſo bei der Prufung der Anſchlaͤge beſonders ſein Augenmerk zu richten und keinen hohern Anſatz paſſiren zu laſſen, wenn er nicht auf die beſondere Guͤte des Bo⸗ dens oder auf die ſtaͤrkere Duͤngung begrundet iſt. §. 88. Man nimmt gewoͤhnlich die in folgender Tabelle angegebenen Sätze an: — Werthſchaͤtzung eines Landguts. 53 Art Tragt Einſaat Das S des Bodens] Klaſſe. nach demſ per ſwievielſte 4 as Kornart. Duͤnger. Morgen. Ertrags⸗ E Motgen⸗ korn. Schfl. Mö. Schft. Ms. od. Schfl. Mtz. Weizenboden Erſte Erſte 1 67 bis 8 9 10ſ 1— Weizen. ——— Zweite 1 47— 8 8 12 10— Gerſte. ——— Dritte 1 4 6. Weizen. —— Vierte 25— 6 5 10 6 172 Gerſte. —— Zweite Erſte 1 66 6 ½ 8 4 8 ſ 15 Weizen. ——— Zweite 6 7 8 Gerſie. ——— Dritte 1 46— 6 6 4 7 8 Mocken. —r Vierte 1 25— 6 5 10 6 12 Gerſte. Gerſtboden Erſte Erſte 1 46— 6 8 2 Rocken. ——— Zweite 1 46— 7 5 8 8. 12 Gerſte. ——— Dritte 1 2 ½ 5 5 10 Mocken. — Vierte 1— 5— Gerſte. Zweite Erſte 14 6 Mocken. ——— Zweite I 4 6 8 2. Gerſte. ——— Dritte 1ſ2 44 5 1 Rocken. ——— Vierte 1— 44 4 8 Hafer. Haferboden— Erſte 1 2 5 10 Rocken. ——— Zweite 5 afer ——— Dritte 3 8 ockem ——— Vierte— 34 Hafer. Fuͤnfte— 14 3 10 Mocken. ——— Sechſte wirdſoͤko nomiſchſnicht beſte lt. Rockenboden— Erſte 1— 3 3— Rocken. —-—— ſ Zweite— r4 24— ——— Dritte— 12 2 5 3— Abzug des Korns. Abzug des Korns zur Deckung der Pirthſchafts⸗ koſten. Konſumtions⸗ 54 Werthſchaͤtzung eines Land guts. §. 89. Wenn nun von der Ackerflaͤche auf die Weiſe der Totalertrag in jeder Tragt ausgemittelt worden, ſo ſchreitet man zur Ausmittelung des reinen Ertrages, und zieht zuvörderſt von jenem die Ausſaat ab. Hierbei kann an ſich kein Zweifel entſte⸗ hen, da die Ausſaat auf kräftigen Boden ſo ſtark an iſt, daß man wiel davon erſparen kann. §. 90. Wenn auch nach ausgemitteltem ganzen Ertrage die ſaͤmmtlichen Koſten der Wirthſchaften beſonders berechnet und von jenem abgezogen werden, ſo pflegt man dennoch bei der Berechnung des Kornertrages, bei jeder Kornart, das zur Wirthſchaftskonſumtion in Natura(z. B. wie viel vom Weizen zu Suppen, vom Rocken zu Brod, von der Gerſte zu Bier u. ſ w. gebraucht werde) Erforderliche, ſo wie den Dreſcherlohn⸗Scheffel ſogleich abzuziehen. Eine, wie mir daͤucht, unno⸗ thige Weiclaͤuftigkeit, da man weit leichter bei der Berechnung aller uͤbrigen Wirth⸗ ſchaftskoſten auch das zu konſumirende Getreide mit berechnen koͤrnte, und dadurch eine vollſtändigere Ueberſicht erhielte. Oft muß doch von einer oder der andern Korn⸗ art, z. B. vom Hafer, noch zugekauft werden. 5. 91. Man hat aber, um ſich die in der That hoͤchſt ſchwierige Berechnung der Wirth⸗ ſchaftskoſten zu erſparen, häufig vom Koͤrnerertrage einen gewiſſen verhältnißmaͤßigen Theil ausgeſetzt, um dadurch die ſaͤmmtlichen Koſten, nicht etwa bloß die Ge⸗ treidekonſumtion zu decken. Dieſe Annahme iſt nun, wie von ſelbſt erhellet, ſehr ſchwankend, und muͤßte nach der Lokalität und nach den Zeiten ſehr verſchieden ſeyn. Insbe ſondere macht es einen großen Unterſchied, ob die Wirthſchaft mit vielen Hofe⸗ dienſten, mit wenigen oder gar keinen betrieben wird; dann aber auch, wie der Ar⸗ beitspreis, das Geſindelohn, die Koſten ſeiner Bekoͤſtigungsart und der Preis ande⸗ rer anzukaufenden Dinge in einer Gegend ſtehe. Wo man deshalb genauer hat gehen wollen, hat man neben der Ausſetzung eines ſogenannten Wirchſchaftskorns noch einen beſondern Koſtenanſchlag zu machen, vorgeſchrieben, und eine Vergleichung angeſtellt, in wiefern jenes dafuͤr ausgeſetzte Korn dieſe decke. Hier findet es ſich dann ſelten, daß n man mit dem nach der Regel anzuſetzenden Wirthſchaftsrorne reichet. Werthſchaͤtzung eines Landguts. 55 Man nimmt naͤmlich als Regel an, daß nach Abzug der Einſaat die Hälfte des uͤbrigen fur die ſaͤmmtlichen Wirthſchaftskoſten zu berechnen ſey; jedoch nur dann, wenn das. Ertragskorn nicht uͤber das funſte angeſchlagen iſt. Man läßt alſo, ſtrenge genommen, nie über zwei Einſaatskoͤrner fuͤr die Wirchſchaft paſſiren; doch haben andete, die Unmoglichkeit damit auszureichen einſehend, nur von dem, was uͤber funf Koͤrner iſt, den vierten Theil als Wirthſchaftskorn ausgeworfen. Hiermit wird man auf gutem Boden mehrentheils ausreichen, auf ſchlechtem aber, wo nur drei Koͤrner Ertrag angenommen werden, wird unmoͤglich die Wirthſchaft davon gefüͤhrt werden können. Es muͤßten mindeſtens 1 ½ davon zu Wirthſchaftskoſten abgegeben werden, wenn man dieſe nicht anderswo herausfaͤnde. Auf Weizen⸗ und Gerſtboden der erſten Art pflegt man auch auf die Veranſchla⸗ gung einiger Brachnutzung zu dringen. Billigerweiſe kann dieſes, jedoch nie weiter als bis zu einem Drittel des wirklich geduͤngten Landes dieſer Klaſſe, geſchehen. Die⸗ ſen nimmt man als mit Erbſen beſtellt an, einen Scheffel per Morgen und vier Koͤr⸗ ner Ertrag. §. 92. Was nach Abzug der Einſaat und des Wirthſchaftskorns jeder Art übrig bleibt, Arrende⸗ nennt man Arrende⸗ dder Pachtkorn, und ſchlägt es, als reinen Ertrag der S Wirthſchaft, zu Gelde an. Dieſer Geldpreis iſt nun eine ſehr ſchwierige Beſtimmung, indem er von Ort zu Ort und von Zeit zu Zeit ſo ſehr verſchieden iſt. Bei den Domainen⸗Pachtver⸗ anſchlagungen und in den ritterſchaftlichen Tarprinzipien iſt er nach Maßgabe aͤlterer Zeiten ſehr geringe angenommen, und nur ſeit kurzem bei erſtern etwas erhoͤhet wor⸗ den. Im Durchſchnitt der letzten zwoͤlf Jahre iſt dieſer angenommene Preis um die Hälfte geringer als der wirkliche geweſen, woraus denn der Hauptgewinn der Paͤchter entſtanden iſt, die ſonſt wegen des die Koſten nicht deckenden Wirthſchaftskorns beim Ackerbau nicht haͤtten beſtehen koͤnnen. Bei Privatverpachtungen und Kaufanſchla⸗ gen hat man ihn ſeit einiger Zeit hoͤher, den Rocken zu 1Rthlr. 8 Gr. und das uͤbrige Getreide nach Verhaͤltniß angenommen. Ungeachtet der Durchſchnittspreis der letzten zwoͤlf Jahre viel hoͤher iſt, ſo darf man doch wohl keinen hoͤhern, wie letz⸗ 5 ————————— 56 Werthſchaͤtzung eines Landguts. teren annehmen, indem die hohen Preiſe dieſer Zeit durch beſondere umſtaͤnde ver⸗ anlaßt wurden. Es ließ ſich wohl nie weniger als in der jetzigen Zeit vohasſhin„wie der Preis des Getreides ſich in der Folge verhalten werde, indem der Werth des Geldes gegen den Werth anderer Dinge von der Wendung, den die Finanz⸗, Kredit⸗ und Han⸗ dels⸗Konjunkturen in dieſer Kriſe nehmen werden, abhäͤngt. F. 93. Die Berechnung des Ertrages vom Ackerlande wird nun gewoͤhnlich ſo gemacht, daß man von jeder Hufe, Feldbreite oder Koppel, die unter einem Namen begriffen wird, die Morgenzahl ſammt der Ausſaat und dem Ertrag nach der Bonitirung von Winterung und Sommerung jedes von dem dritten Theil der Flaͤche angiebt, ſodann von dem Ertrage jeder Kornart die Ausſaat und das Wirthſchaftskorn nach den §. 89. 90. angegebenen Prinzipien abzieht, den reinen Ettrag zu Gelde anſchlägt und in die Geldrubrik ſeßt. F. 94. Oder aber man nimmt das unter eine Klaſſe im Vermeſſungs⸗ und Bonitirungs⸗ Regiſter verzeichnete Land zuſammen, vertheilt es in die drei Felder gleichmaͤßig, und macht den Anſchlag tabellariſch. Um ein Beiſpiel von ſolchen Tabellen zu geben, nehmen wir in runden Zahlen an, daß ein Gut 1200 Morgen Ackerland habe. Davon ſind 300 Morgen Weizen⸗ boden zweiter Art, 300 Morgen als Gerſtboden erſter Art, 300 Morgen als Hafer⸗ boden, und 300 als dreijahriges Rockenland bonitirt. Nach Verhaͤltniß des Vieh⸗ ſtapels— deſſen Staͤrke vorher nach dem Futtergewinn und nach Erfahrung aus⸗ gemittelt werden ſoll— koͤnnen jährlich 200 Morgen ausgeduͤngt werden. Dieſer Dunger werde oͤkonomiſch ſo vertheilt, daß 5o Morgen Weißenboden oder der ſechſte Theil, 100 Morgen Gerſtboden oder der dritte Theil, 333 Morgen Haferboden oder der neunte Theil ausgedungt wuͤrden. Es bkebe ſodann noch der Duͤnger für 16½ Morgen Rockenland uͤbrig, den man aber als halbe Duͤngung auf 33 Norgen vertheilt, und ſo auf dem neunten Theil des. Rockenlandes ausreichte. Es Werthſchaͤtzung eines Landguts. Es würben alſo beſaͤet: 1) Weizenboden zweiter Art. In Iſter Tragt ⸗mit Weizen 650 er* Gerſte 50 * Zter F* Rocken**„„„*„ 50 łter 3* Hafer„ 50 2) Gerſtboden. In ge mie Rocken 0090 * 2ker** Gerſte—„. 100 3) Haferboden. 33 33 ⸗ 6ter„ 4) Rockenboden nach halber Duͤngung. 2er* Rocken 33 ½ 7 Zter** Rocken 33½ und uͤberdem in die geduͤngte Vrache des Weizen⸗oder Gerſtenlandes E 2 bſe n ⸗„—„„„*„*„*. 50 dann wird folgende Tabelle die Ueberſicht des ganzen Ertrages darſtellen. 57 Morgen. Morgen. Morgen. Morgen. Morgen. Es ſind in derſelben bei 6 und 7 Ertvagskoͤrner 2 ½ als Wirthſchaftskorn an⸗ genommen. Erſter Theil. H Werthſchaͤtzung eines Landguts. Ausgeſäet 2 Ganzer Total⸗ Abzuziehendes Arrende⸗ wird S Einfall. Ertrag. Wirthſchaftskorn Korn. Mor 2 2 im Ganzen. Kuſt.ragt S8 Sch. M Sof. M. ä Sch. Ms. Sc. Nt. 50 1 68 12 412 8 Rocken. 50 1 3 30 56 62 8 379— 2 ½ 156 4 156 4 100 2 1 20 6 125— 750 2 312 8 315 8 333 3 118 37 8 168 12 1 65 10 65 10 335 3 3 16 3 33] 5½ 100— 1 33 51 33 53 331 3 5 14 2½ 29 23 72 14 21 1 14 331 4 116 3 33 5 100— 1 33 5 33 5 33½ 4 2 1 2½ 29 23] 75 143 2 2 1 333—4 6 18 †2 25— 500— 42 18 12 6 4 3%0 Summa 375— ſ1689 93— 663 83 651— Gerſte. 50 1 2 26 7 62 8 437 8 2 ½ 156 4 218 12 100 2 2 20 6 12 2 ½ 812 8 6 150 Summaſ.. 187 8 ſ1187 8[— 468 12 531 4 Hafer. 50 1 185 56 4 281 42 e 3 33 3 18 4 168 12 ſ 14 65 10 65 10 333 3 1 6 3 3 33 53 33 5 1163 Summa 137 1½ 550—— 211 211 Erbſen. 50 1 116 5 50— 250— 2 100— 100— Reiner Ertrag. Weizen„171 Schfl. 14 Mtz. à Schfl. 2 Rthlr.. 343 Rthlr. 18 Gr. Rocken 651„— 3 ⸗ 1½„ 66 Gerſie ⸗ 6 e 6 G 23 ½ Erbſen 10 ⸗ 1Rh 33 Summa 1665 Schfl. 10 Mtz. ⸗ 2 5 2017 Rthlr. 83 Gr. Werthſchaͤtzung eines Landguts. 59 §. 95. Wenn umzaͤunte Hauskoppeln, Woͤrthe oder Kaͤmpe vorhanden ſind, ſo pflegt Hauskoppel. man dieſe beſonders und nicht nach Ausſaat und Ertrage, ſondern nach ihrem Flaͤ⸗ cheninhalte zu berechnen, und dadurch den Morgen weit hoͤher, als beim offenen Feldlande anzuſchlagen. Man hat ihn ſogar bei officiellen Anſchlaͤgen zu 3 bis 6 Rthlr. gewürdigt, ungeachtet man nicht annehmen kann, daß ſich der Boden in ſeiner bleibenden Grundbeſchaffenheit vor der uͤbrigen Feldmark beſonders auszeichne. Der hoͤhere Kultur- und Duͤngungszuſtand, worin ſie zu ſtehen pflegen, und das ſogenannte Gartenrecht, d. h. Freiheit von ſremder Aufhuͤtung, welches ſie haben, und dann die wirklich hohere ſich ausweiſende Benutzung ſind der Grund dieſer beſon⸗ dern und hoͤhern Veranſchlagung. Allein die Kultur und Duͤngkraft ſind nicht blei⸗ bend, koͤnnen nur durch groͤßern Aufwand erhalten, durch denſelben aber dem uͤbri⸗ gen Felde eben ſowohl ertheilt werden. Das Gartenrecht muß allerdings ihren Werth ſehr vergroͤßern; wenn jedoch die Landesgeſetze den Gutsbeſitzer berechtigen, auf eine allgemeine Separation der gemeinen Feldbehuͤtung zu dringen, ſo faͤllt auch dieſer Vorzug der Worthen weg, und die Benutzung der ganzen Feldmark, wenigſtens des beſſern Theils, kann der Benutzung von jenen gleich gemacht werden. Ihr anerkannter bisheriger Werth giebt den uͤberzeugendſten Beweis, zu wel⸗ chem Werth eine ganze Feldmark gebracht werden koͤnne, indem nicht die Natur, ſondern bloß menſchliche Einrichtungen den Unterſchied verurſacht. Bei hoͤherer Kultur wird die ganze Feldmark eine Woͤrthe werden, und man wird ſich dann wahrſcheinlich bewogen finden, ſie auch auf eben die Weiſe nach Flaͤcheninhalt zu taxiren. 6. 96. Eben ſo werden auch die Kuͤchengaͤrten nach Flaͤcheninhalte und betraͤchtlich hoch Gaͤrten. angeſchlagen. Der hoͤhere Ertrag, den man von ihnen annimmt, iſt jedoch nur der auf ſie verwandten Induſtrie mehrentheils beizumeſſen. Ein Gleiches iſt der Fall mit den Hopfengaͤrten. Weingärten werden nach dem Werthe ihres Produkts, welches man aus der Erfahrung kennt, auf eine eigne Weiſe, wofur man kaum einen Maaßſtab hat, ge⸗ ſchaͤht, indem die beſondere Eigenthuͤmlichkeit des darauf wachſenden Weins aus Bo⸗ den, Lagen und Klima noch nicht befriedigend genug abgeleitet werden kann. H 2 6S ——— 60 Werthſchaͤtzung eines Landguts. Bei den Obſtgärten und Obſtanlagen koͤmmt das dem Obſtbau guͤnſtige Klim⸗ neben dem Boden in Betracht. Es giebt Gegenden, wo man alle zwei, andre Ge⸗ genden, wo man kaum alle neun Jahr einen vollen Ertrag rechnen kann. In jenen, Veranſchla⸗ gung der Vieh⸗ nutzung. wo es viele und groͤßere Obſtanlagen zu geben pflegt, iſt der Werth nach dem Durch⸗ ſchnittsertrage ziemlich beſtimmt; in dieſen wuͤrde ich, außer den Grund und Boden, nur den Werth der Bäume nach ihrer Groͤße, Geſundheit und Art anſchlagen, es ſey denn, daß ein warmer, gegen ſchaͤdlick? Winde beſonders gedeckter Platz mit Obſtbaͤumen von guter Qualitat ſtark beſetzt ſey, in welchem Falle ein dem Obſtbau unguͤnſtiges Klima demſelben einen vorzuglichen Werth geben kann⸗ Ueber die Wieſen und Weiden und ihre Veranſchlagungsart iſt oben in den F. J. 70— 80. geredet. 5. 97. wm In Anſehung der Viehnutzung koͤnnen die Anſchlagsprinzipien nicht anders als hoͤchſt ſchwankend und verſchieden ſeyn. Man ſetzt ſie deshalb in den gewoͤhnlichen Dreifelderſyſtems⸗Anſchlägen kaum halb ſo hoch an, als ihre ſelbſt hier anerkannte Benutzung iſt. Da man indeſſen Wieſen und Weide ſchon berechnet hat, und der Werth des Duͤngers, um deſſen willen das Nutzvieh vorzuͤglich gehalten wird, beim Ertrage des Ackers ſchon in Anſchlag gekommen iſt, ſo iſt es auch in der That genug. Wenn Wieſen und Weiden gehörig angeſchlagen werden, ſo duͤrfte fur die Vieh⸗ nutzung weiter gar nichts berechnet werden, indem der hohere Ertrag derſelben ledig⸗ lich der Induſtrie des Landwirths zuzuſchreiben iſt. Es verſteht ſich, daß das wirk⸗ lich zu uͤbergebende Vieh, nach gehoriger Taxation, zum Kapitalwerthe gerechnet werden muͤſſe. In den gewöhnlichen Anſchlägen ſchwankt die Benußungsannahme einer Kuh zwiſchen 3 und 10 Rthlr. Der letzte Satz findet jedoch bei der Dreifelderwirthſchaft nur ſelten auf den fruchtbarſten Stromniederungsweiden Statt. Ein Drittel der Kopfzahl wird als Jung oder Guͤſtvieh gerechnet, und der Kopf von dieſen zu einem Sechſtel des milchenden Viehes angeſchlagen. Jedoch nimmt man auch an, daß die Außenweiden das Jung und Guͤſtvieh erhalten, und berechnet alsdann entweder die⸗ ſes oder jenes gar nicht. Hundert Schafe werden zwiſchen 20 und 30 Rthlr. und ihre Außenweide dann gar nicht gerechnet. Obwohl der Ertrag der Schaͤferei, ſelbſt ohne beſondere In⸗ Werthſchaͤtzung eines Landguts, 61 duſtrie, anerkannt groͤßer iſt, ſo hat man doch wegen des bisherigen großen Riſiko des Schaſſterbens dieſen Anſatz in den gewoͤhnlichen Anſchlaͤgen noch nicht erhoͤhet; und allerdinge muß bei dem wirklichen Ertrage der Schaͤferei vieles auf Induſtrie gerechnet werden. Die Schweinezucht wird zuweilen nach den Kuͤhen, zuweilen nach der Ausſaas berechnet. Im erſten Falle nimmnt man an, daß von jeder Kuh ein Schwein aufge⸗ zogen werden koͤnne, und ſetzt ſelbiges zu 8 bis 10 Gr. an. Bei der andern Art rechnet man auf jeden Scheffel Winterausſaat 1 Gr. fuͤr die Stoppelbenutzung mit. den Schweinen. Nach der Ausſaat des Sommergetreides ſchlagt man dagegen die Federvieh⸗ nutzung an, 1 Scheffel zu 6 Pf. Die wilde Fiſcherei und Jagdbenutzung kann nur nach der Erfahrung oder Ver⸗ pachtung nach jeder beſonderen Lokalitaͤt angeſchlagen werden. Die Teichfiſcherei aber erfordert eine genaue Keuntniß derſelben, die wir hier nicht vorausſetzen koͤnnen. F. 98. Auch die mit der Landwirthſchaft verbundenen Gewerbe der Bierbrauerei, Der Nebenge⸗ Branntweinbrennerei, Ziegelei, Muͤhlenbetriebes, werden haͤufig nach ihrer Be⸗ nutzung angeſchlagen, welche nur hiſtoriſch durch Regiſter und Zeugenausſagen aus⸗ zumitteln iſt. Da hierbei aber auf die Induſtrie, womit das Gewerbe betrieben wor⸗ den, und welche nicht taxirt werden kann, ſodann auf die Zeitumſtände ſo vieles an⸗ kommt, ſo ſollte man das Gewerbe ſelbſt von der beſondern Berechtigung, ſeibiges uͤberhaupt und in einem gewiſſen Umfange ausſchließlich zu betreiben, wohl unter⸗ ſcheiden, und nur letztere als eine beſondere, mit dem Gute verbundene Gerechtſame in Anſchlag bringen. §. 99⸗ Die beſtändigen Geld⸗ und Naturalienfaͤlle berechnen ſich von ſelbſt; die unbe⸗ Der Gefile ſtaͤndigen koͤnnen nicht anders als nach einem Durchſchnitt von einer Reihe von Jah⸗ ren, oft mit einiger Ruͤckſicht auf die Zeitumſtände, berechnet werden. Machen ſolche einen betraͤchtlichen Theil der Rente eines Landgutes aus, ſo ſind ſie mehr ein Gegenſtand fuͤr den Kapitaliſten, als fuͤr den Landwirth. Sie verzinſen nur das Kapital, und laſſen ſich in der Regel nicht vermehren. Wer ein Landgut fuͤr 10o, 000 Rthlr. kauft, wovon go, 000 Rthlr. zinsbar durch ſolche Gefälle gedeckt Des Zehn⸗ tens. 62 Werthſchaͤtzung eines Landguts. werden, der hat eigentlich nur ein Landgut von 50,000 Rthlr. gekauft. Haͤtte er das ganze Kapital dem landwirthſchaftlichen Gewerbe widmen wollen, ſo wuͤrde er dabei ſeinen Zweck verfehlt haben. §. 100. Zu den wichtigſten Naturalienfaͤllen gehoͤrt der Korn⸗Zehnten, den einige Gu⸗ ter von andern Feldern ziehen, einige aber auch geben muͤſſen. Er iſt eine Berechti⸗ gung von ſehr großer Wichtigkeit, die nicht nur auf den unmittelbaren Ertrag des Gutes, ſondern auch vermoͤge des Strohes auf das ganze Bewirthſchaftungsſyſtem einen ſehr wichtigen Einfluß hat. Deshalb verdient er eine beſonders genaue Erkun⸗ digung uͤber die Art und Weiſe, wie er gezogen wird, uͤber die beſtehenden Anord⸗ nungen und Pflichten des Zehntnehmers und Zehntgebers, beſonders ob er erſterem auf den Hof gefahren, oder von ihm abgeholt werde, und in aller dabei vorkommenden Verrichtungen und Gebraͤuche. Ueber die Nachtheiligkeit des Zehntens fuͤr das zehntpflichtige Gut, und die Unmoͤglichkeit, Meliorationen und eine hoͤhere Kultur dabei einzufuͤhren, habe ich mich in meiner engliſchen Landwirthſchaft, Th. III. S. 69, ausfuͤhrlich erklaͤrt, und der Zehnten ſchließt alle Kultur um ſo mehr aus, je ſchlechter der Boden iſt; denn es giebt der Faͤlle viele, wo er den ganzen reinen Ertrag, und zuweilen mehr, voͤllig wegnimmt, weswegen wir denn auch manche Beiſpiele haben, daß der Zehnten per Morgen hoͤher, als das Land ſelbſt, bezahlt wird. Hieraus erhellet von ſelbſt, daß ein zehntpflichtiges Gut zu kaufen— wenn anders nicht die ſicherſte Hoffnung, den Zehnten auf eine andere Weiſe zu kompenſiren, vorhanden iſt— durchaus keinem nachdenkenden Landwirthe einfallen koͤnne. Der Zehntberechtigte kann zwar vom Zehnten einen ungemein großen Nutzen, beſonders zur Aufhelfung eines ausgeſogenen Gutes, ziehen, indem er die Erhal— tung eines ſtaͤrkern Viehſtandes, und folglich eine reichere Bedingung moͤglich macht. Indeſſen iſt es merkwuͤrdig, daß in Gegenden, wo faſt alle groͤßere Oekonomien Zehnten von pflichtigen Feldern ziehen, und wo man glaubt, daß ſolche ohne Zehn⸗ ten gar nicht beſtehen koͤnnen, dieſe Wirthſchaften dennoch auf einem ſehr mittel⸗ maͤßigen Grade ſtehen, und ihren Ertrag nicht in dem Verhaͤltniſſe, wie man von der oft ſehr großen Strohzufuhr erwarten koͤnnte, vermehrt haben. Die Einrich⸗ tung der auf Zehnten berechneten Wirthſchaften iſt oft ſo fehlerhaft, daß es Wohl⸗ that ſeyn koͤnnte, durch Aufhebung des Zehntens eine andere zu erzwingen, wo⸗ durch mehrentheils der reine Ertrag ohne Naturalzehnten hoͤher, als mit dem Zehn⸗ Werthſchaͤtzung eines Landguts. 63 ten getrieben werden koͤnnte. Ein vernuͤnftiger Gutsbeſitzer, der die Moͤglichkeit, ohne fremdes Stroh ſeinen Acker in gerechter Duͤngung zu erhalten, einſieht, wird ſich daher gern die Aufhebung des Naturalzehntens gegen ein beſtimmtes Korn— gefaͤlle oder ſogenannten Sackzehnten gefallen laſſen, entweder durch guͤltigen Pri— vatvergleich, oder, wenn der Staat eine Einrichtung aufzuheben beſchließt, die dem einen Theile unendlich geringern Nutzen als dem andern Schaden bringt, und dadurch die allgemeine Landeskultur auf einer niedern Stufe erhielt. Durch eine ſtrenge oder gar unbillige Ausuͤbung des Zehntrechts, die man be⸗ ſonders von jaͤhrlichen Paͤchtern zu erwarten hat, vermindert ſich der Werth des Zehntens von Jahr zu Jahr, indem die Feldmark und der Wohlſtand der Pflichtigen dadurch erſchoͤpft wird. Klee⸗ und Futtergewaͤchsbau wird voͤllig ausgeſchloſſen, wenn Zehnten davon gegeben werden ſollen. Fr Endlich kommen in Anſchlag die Frohnden(Hofedienſte, Herrndienſte, Ro⸗ Frohnden. bot, Scharwerk). Sie unterſcheiden ſich 1) in Geſpann⸗ und Handdienſte. Erſtere werden in der Regel nur von ſolchen Hoͤfen geleiſtet, die urſpruͤnglich groß genug ſind, Geſpann zu erhalten. Letztere von kleinen Hoͤfen, die nicht groß genug dazu ſind, oder es ur⸗ ſpruͤnglich nicht waren. Erſtere heißen gewoͤhnlich Bauern, und man unterſcheidet ſie wieder in ganze, die mit vier Pferden, oder in halbe, die mit zwei oder einem Pferde dienen. Die mit der Hand dienenden werden Koſſaͤthen oder Kaͤthner ge⸗ nannt, doch werden Handdienſte auch von ſolchen geleiſtet, die gar kein Ackerland, ſondern nur Haus, Garten und Viehweide beſitzen, unter dem Namen von Buͤdnern, Haͤuslern, Gaͤrtnern, Einliegern, Inſten u. ſ. w. 2) In gemeſſene und ungemeſſene. Gemeſſene Dienſte ſind gewoͤhnlich nach Tagen beſtimmt, ſo daß eine gewiſſe Anzahl von Hoſetagen im Jahre abgeleiſtet werden muͤſſen. Die Wahl dieſer Tage durchs ganze Jahr haͤngt ſelten vom Gutsherrn ab, ſondern ſie ſind in jeder landwirth⸗ ſchaftlichen Jahreszeit auf jede Woche feſtgeſetzt. Dabei iſt ein gewiſſes Quantum von jeder Art Arbeit auf den Tag vorgeſchrieben oder nicht. Im letztern Falle ſind ſie fur den Berechtigten gewoͤhnlich von ſehr geringem Werthe, und ſinken zu nichts herab, wenn er ſich auf der Stelle keiner koͤrperlichen Zwangsmittel bedienen kann, wie dies bei aufgehobener Leibeigenſchaft oder Unterthaͤnigkeit, und noch mehr bei —— 64 Werthſchaͤtzung eines Landguts. aufgehobener Patrimonialgerichtsbarkeit der Fall ſeyn wird. Sie werden dann aber auch fůr den pflichtigen Bauern ſelbſt und fur das allgemeine Beſte nachtheiliger, wie jede andere Dienſtart, weil ſie Tragheit, Indolenz, abſichtlich fehlerhaftes Verfahren und haͤmiſche Widerſpenſtigkeit erzeugen, wodurch die Moralität verdorben, und ſo viele Zeit und arbeitende Kraft völlig verſchwendet wird. Der Knecht oder Bauers⸗ ſohn wird von ſeinem Brodherrn oder Vater angelernt, unfleißig, nachläßig und tuͤckiſch zu ſeyn; er ſetzt eine Ehre darin, den Gutsherrn betrogen zu haben, gewoͤhnt ſich an Faulheit, betruͤgt denn auch ſeinen Brodherrn oder Vater und endlich ſich ſelbſt um die Arbeit, die er haͤtte thun koͤnnen. Daher findet man allgemein trägere Menſchen an Orten, wo beſonders ſolche Hofedienſte geleiſtet werden, und das ſammtliche Geſinde ahmt die Faulheit und Tucke der Dienſtthuenden nach. Deshalb ſind Dienſte, denen das Maaß der Arbeit an jedem Tage beſtimmt iſt, doch beſſer, und man thut wohl, in der Anzahl der Dienſttage beträchtlich nachzulaſſen, wenn dieſe Beſtimmung erlangt werden kann. Zuweilen iſt aber auch den Hofedienſten ein gewiſſes Maaß von Arbeit beſtimm⸗ ter Art ohne alle Ruͤckſicht auf Tage vorgeſchrieben. In dieſem Falle wird die Arbeit zwar mit Schnelligkeit, aber um deſto ſchlechter verrichtet. In Faͤllen, wo der ganze Gutsacker oder ein Theil deſſelben durch Hofedienſte dieſer Art beſtellt wird, zeichnet ſich dieſer durch ſchlechte Fruchte ſogar gegen den Baueracker aus, und giebt baͤufig, ſelbſt bei dem Vortheile beträchtlicher Zehnten und weiter Abtriften, den jämmerlichſten Ertrag. Man kann in ſolchen Gegenden den durch Hofedienſte be⸗ ſtellten Acker ſchon in weiter Entfernung von dem durch eignes Geſpann beſtellten un⸗ terſcheiden, und der Unterſchied des Ertrages betraͤgt unläugbar mehr, als der Werth der durch die Dienſte verrichteten Arbeit. Wenn daher das Maaß der Arbeit entweder nach Tagen oder uͤberhaupt feſt⸗ geſetzt werden ſall, ſo iſt es am beſten, ſolche Arbeiten auszuwählen, wo die Aus⸗ fuͤhrung keinen betraͤchtlichen Unterſchied machen kann, alſo, wo moͤglich, zu Fuhren, deren Ladung ziemlich genau zu beſtimmen iſt. Ungemeſſene Dienſte ſcheinen nur mit dem Zuſtande des Bauern vereinbar zu ſeyn, wo deſſen Haus, Hof und Vieh dem Gutsherrn eigenthuͤmlich gehoͤrt, und dieſer auch das Recht hat, ihm ſolches zu laſſen oder wegzunehmen. Hier iſt der Bauer völlig als Knecht zu betrachten, der ſtatt Lohns und Koſt den Genießbrauch dieſes Werthſchaͤtzung eines Landgüts. 65 dieſes Hofes hat. Der Herr darf ihn und ſein Vieh in der Arbeit nicht uͤbernehmen, wenn er ſein Eigenthum nicht ruiniren will. Dieſe Einrichtung läßt ſich auch ohne Unterthanigkeit und Leibeigenſchaft denken„und ohne ſelbige vielleicht beſſer, als mit derſelben. Beide Theile koͤnnen ſich dann einander aufſagen, wenn ſie mit einander unzufrieden ſind. Jedoch beſteht dieſe Einrichtung noch an einigen Orten, wo der Bauer wirklicher Eigenthumer ſeines Hofes iſt. Hier werden unbillige Forderungen durch den Grundſatz beſchräͤnkt, daß der Bauer ſo viel Zeit ubrig behalten muͤſſe, als zur Beſtellung ſeines eigenen Ackers und zur Führung ſeiner Wirchſchaft er forderlich iſt. Da die Entſcheidung hieruber aber ſo ungemein verwickelt iſt, ſo entſtehen dar⸗ aus die ſogenannten Unmoͤglichkeits⸗Prozeſſe und unendliche Mißhelligkeiten, welche des davon zu erwartenden Dienſtes kaum werth ſind. Die Handdienſte ſind zum Theil nach Tagen, zum Theil nach gewiſſen Arbeiten beſtimmt Zu letztern gehoͤren beſonders Feldbeſtellungs⸗ und Erntedienſte, wo eine dazu taugliche Perſon eine gewiſſe Quantitaͤt von Arbeit dabei verrichten muß. Bei Tageodienſten iſt es mehrentheils unbeſtimmt, ob eine maͤnnliche oder weibliche, eine ſtarke oder ſchwache Perſon dazu geſtellt werden ſoll. Da ſie von ſolchen Leuten ver⸗ richtet werden, welche mehrentheils ihren uͤbrigen Verdienſt vom Hoſe haben, und folglich von demſelben abhängiger ſind, auch wohl von Haͤuslern, die dadurch ihre Miethe bezahlen: ſo hat man nach Verhaͤltniß mehr davon zu erwarten, als von Geſpanndienſten, und man kann ſie in der Regel einem weiblichen Tageloͤhner gleich ſchätzen. Sie ſind auch den Leiſtenden minder nachtheilig. Hin und wieder findet man die E Einrichtung, daß das Erntegeſchaͤft von dieſen Leuten ganz verrichtet wird, wofuͤr ſie dann einen beſtimmten Theil des aufgeman⸗ delten Getreides, und beim Abdreſchen wiederum einen beſtimmten Dreſcherſcheffel bekommen. So bequem dieſe Einrichtung manchem geſchienen hat, ſo iſt man doch in Niederſchleſien von ihrer Schädlichkeir jetzt ſehr uͤberzeugt, nicht ſowohl der be⸗ trächtlichen Abgabe wegen, welche dieſe Leute zu fordern haben, als wegen der Un⸗ ordnung und Unrechtlichkeit, womit die Ernte vollfuͤhrt wird. Dieſe erblichen ſo⸗ genannten Dreſchgaͤrtner werden daher jetzt allgemein als ein Onus des Guts angeſehen.„ Bei der Schaͤtzung der Dienſte, vorzüglich derer mit Geſpann, iſt vor allen auf den Zuſtand der Bauern und ihres Zugviehes Ruͤckſicht zu nehmen. Wo dieſe in Erſter Theil. J 66 Werthſchaͤtzung eines Landguts. gutem Stande ſind, kann man allerdings beſſere und mehrere Arbeit von ihnen erwar⸗ ten und auf die gehörige Weiſe fordern. Wo aber der Bauer einmal in ſchlechten umſtänden iſt, da haben ſie beinahe allen Werth verloren, und werden zuweilen eine wahre Laſt fuͤr das Gut, da in den meiſten Laͤndern der Gutsbeſitzer verpflichtet iſt, den Bauer zu erhalten, fuͤr ſeine Leiſtungen an den Staat einzuſtehn und einen verwuͤſteten Bauerhof herzuſtellen. Auch wird, wenn man die Entbehrlichkeit der Dienſte fuhlt, der wohlhabende Bauer weit eher zu einem billigen Aequivalent an Gelde oder Getreide ſich verſtehen und ſolches gehoͤrig entrichten, als der einmal in Duͤrftigkeit Verſunkene es thun will und kann. Dieſe Ruͤckſicht iſt um ſo wichtiger, da wahrſcheinlich alle Regierungen die Aufhebung der Frohnden, gegen billigen Er⸗ ſatz, wo nicht gebieten, doch auf alle Weiſe befoͤrdern werden, indem man allgemein anerkennt, welch eine große Maſſe von arbeitenden Kräften, die jetzt faſt ſchlafen, dadurch erweckt und zum Vortheil des Staats in Thaͤtigkeit geſetzt werden wurde. Wenn auch, wie wir zugeben, die Aufhebung der Frohnden in einzelnen Fäl⸗ len weder fuͤr den Berechtigten, noch fur den Leiſtenden, in Betracht des zu erle⸗ genden Aequivalents, vortheilhaft ſeyn ſollte, ſo wurde doch allenthalben eine beiden Theilen reel zutragliche Einrichtung daruͤber getroffen werden koͤnnen, wenn die Dienſtleiſtungen als eine Abarbeitung eines beſtimmten Quantums von Pacht, Erb⸗ zins oder Meiergefaͤllen angeſehen und berechnet wuͤrden, wo dann beide Theile nach ihrer Konvenienz ſich auf gewiſſe Termine daruͤber vergleichen koͤnnten. Nach dem verſchiedenen Zuſtande der Bauern und ihres Geſpanns werden dann auch in den Anſchlaͤgen die Dienſte ſehr verſchieden berechnet. Man rechnet einen Geſpanndienſt mit zwei Pferden taͤglich zu 2, 3 bis 8 Gr., in ſeltenen Faͤllen zu 12 Gr., einen Handdienſt zu 1, 14] bis 3 Gr., und nimmt im Durchſchnitt an, daß die Arbeit zweier Dienſtgeſpanne der eines Hofgeſpanns, und die Arbeit dreier Hand⸗ dienſte der von zwei Tageloͤhnern gleicher Art gleich komme. Jenes kann nur bei gu⸗ tem Dienſtgeſpann angenommen werden, und die Erfahrung lehrt, daß ein Hofge⸗ ſpann oft mehr als vier, funf Dienſtgeſpanne leiſte. Auch iſt zu erwaͤgen, ob den Leuten beim Dienſte an Gelde oder Naturalien etwas verabreicht, oder dem Zugvieh Weide eingeràumt werden muͤſſe, in weſchem Falle dieſes von der Taxation der Dienſte wieder abzuziehen iſt. Mancher ſpeziellen Einrichtungen mit den Dienſten koͤnnen wir hier nicht erwaͤhnen, man hat ſich aber darnach au jedem Orte zu ertundigen. Werthſchaͤtzung eines Landguts. 67 Ueber die Benutzung der Dienſte wird ubrigens im Kapitel von der Arbeit ge⸗ handelt werden. F. 102. Eine wichtige Ruckſicht bei der Schibung eines Landguts iſt die Lage der 8 Grundſtuͤcke gegen einander. In einigen Gegenden iſt die Zerſtückelung und Vermengung der zu verſchiede⸗ nen Guͤtern gehorigen, oder der herrſchaftlichen mit den baäuerlichen, faſt allgemein. Der Grund dieſer Zerſtuͤckelung mag vor Alters in der Unwiſſenheit gelegen haben, wie man bei Theilung einer Feldmark eine gewiſſe Gleichheit der Looſe ausmitteln ſollte, oder aber in andern Ruͤckſichten, welche zu jener Zeit wichtiger als eine gehoͤrige Be⸗ ſtellung des Feldes ſchienen. Jetzt macht dieſe Einrichtung eine hohe Stufe der Ackerkultur, wo ſie nicht abgeaͤndert wird, durchaus unerreichbar. Die Bearbei⸗ tung des Feldes iſt vielen Schwierigkeiten und Zwange unterworfen, kann auf kleinen Breiten nie in der Vollkommenheit, wie auf großen geſchehen. Der Zeitverluſt, der durch das Umherziehen von einem Felde zum andern verurſacht wird, iſt betraͤchtlich, und es iſt weder eine zureichende Aufſicht auf die Arbeiter und Kontrolle der geſchehe⸗ nen Arbeiten, noch ein zutreffender Voranſchlag der Zeit und Kraft, welche zur Be⸗ ſtellung des Feldes nörhig ſeyn wird, möglich. Durch die Scheidungen der Acker⸗ felder, durch Raine— die doch nothig bleiben, wenn die Graͤnzen nicht verletzt werden ſollen— geht ein betraͤchtlicher Raum verloren. Die Vertilgung des einge⸗ ſaamten Unkrauts wird dem Einzelnen unmoͤglich. Die oft ſo nuͤtzlichen Befriedi⸗ gungen fallen weg, ſo daß man der Zerſtoͤrung des zahmen und des wilden Viehes, ſelbſt der Menſchen, nicht wehren kann. Auch die nothwendigen Begrabungen zur Ableitung der ſchädlichen Feuchtigkeit koͤnnen von dem Einzelnen nicht bewerkſtelligt werden, und werden von der Gemeinde hoͤchſt ſelten zweckmaͤßig veranſtaltet und er⸗ balten. Aber, was der Hauptnachtheil iſt, die Weide iſt nicht privativ, und kann nicht privativ benutzt werden. Deshalb iſt man an das eingefuͤhrte, mehrentheils hoͤchſt fehlerhafte und mit einer zweckmaͤßigen Benutzung unvereinbarliche Feldſyſtem gebunden, und alle weſentliche Verbeſſerungen werden unmoͤglich. Deshalb iſt der Werch ſolcher zerſtuckelten Grundſtuͤcke, nach der Ueberzeugung aller rationellen Landwirthe, unter der Haͤlfte des Werths der zuſammen liegenden und privativen. Ein ſolcher wird ſich daher für den Ankauf eines Guts dieſer Art 2 —— Lage des Hofes. 68 Werthſchaͤtzung eines Landguts. immer ſcheuen, wenn er nicht die ſichere Ausſicht hat, einen Ackerumſatz bewirken, und ſeine Grundſtuͤcke, wo nicht ſaͤmmtlich, doch in betraͤchtlichen Privativen und einzufriedigenden Koppeln vereinigen zu können. Vergl. Engliſche Landwirthſchaft, 2ten Theiles 2te Abtheilung, Seite 324. Wenn ein Landgut ſeine Grundſtuͤcke in volligem Zuſammenhange, oder doch in betraͤchtlichen Koppeln oder Marken hat, ſo kommt die Figur des Ganzen ſehr in Betracht. Je näher ſie dem Zirkel oder dem Quadrate kommt, um deſto beſſer iſt es, und ein Areal, was eine lange ſchmale Figur bildet, hat manche Unbequemlichkeiten, und laͤßt keine zweckmäßige Einrichtung der Schlaͤge zu. §. 103. Dann iſt es von großer Wichtigkeit fuͤr den Wirthſchaftsbetrieb, wenn der Wirthſchaftshof faſt in der Mitte der ganzen Feldmark, oder in gleicher Eutfernung von allen Laͤndereien liegt. Wenn die Eintheilung der Schlaͤge ſo gemacht werden kann, daß ſie alle auf den Wirthſchaftshof zuſtoßen, und auch die entfernteſten Graͤnzen des einen nicht betraͤchtlich weiter, wie die des andern ſind, ſo iſt die Lage am vollkommenſten, weil dann eine ſolche Einrichtung getroffen werden kann, bei welcher eine gleiche Vertheilung der Arbeiten, mit gleichen Kräften, durch alle Jahre Statt findet; wogegen man bei einer betrachtlich groͤßern Entfernung eines Schla⸗ ges nur mit Beſorglichkeit an das Jahr gedenken kann, wo er geduͤngt werden, vor⸗ zugliche Arbeit erhalten, oder etwa zum Futterſchlage dienen ſoll. Der Fehler einer unrichtigen Lage eines Wirthſchaftshofes findet ſich nur zu haͤufig, da man in den Zeiten, wo die Ritterguͤter zuerſt bebauet wurden, ganz an⸗ dere Ruͤckſichten zu nehmen hatte, als die Bequemlichkeit der Bewirthſchaftung, und nachher ſelten ganze Hoͤfe, ſondern mehrentheils nur einzeln Gebaͤude neu erbaut wurden, die man, um ſie in Verbindung mit den alten zu erhalten, beſtändig auf den vorigen Platz ſetzte. Es iſt dem Uebel oft nur durch die Erbauung eines neuen Wirthſchaftshofes oder Vorwerks abzuhelfen, und es iſt oft wichtig genug, um ſich hierzu entſchließen zu muͤſſen; welches man dann aber bei der Schätzung eines Guts für ſich in Abſchlag zu bringen hat. Werthſchaͤtzung eines Landguts. 69 F. 104. Die Feldwege zur Kommunikation mit dem Wirthſchaftshofe und mit den Beſchaffenheit Grundſtuͤcken unter einander verdienen eine beſondere Ruͤckſicht, weil Zeit und Kraͤfte. durch fehlerhafte, ſchlechte, unebene und gekruͤmmte Wege betraͤchtlich verſplittert werden. Ihre noͤthige Verlegung und Reparatur darf man beim Kaufe eines Gutes nicht uͤberſehen. S 106. Eine zweckmäßige Einrichtung und ein richtiges Verhaͤltniß der Wirthſchafts⸗ Einrichtuns gebaͤude gehoͤrt zur Vollkommenheit eines Gutes, und der Mangel daran wird durch 60 An eine uͤbermaͤßige Groͤße derſelben, die nichts weniger als wuͤnſchenswerth fuͤr den Landwirth iſt, bei weitem nicht erſetzt. Die Wirthſchaftsgebaͤude werden in der Regel nicht in Anſchlag gebracht, ſon⸗ dern als ein nothwendiges Erforderniß bei einem Gute angeſehen. Ihre fehlerhafte Einrichtung und ihre Baufäͤlligkeit oder die zu ihrer Herſtellung erforderlichen Koſten muß der Kaͤuſer daher auf die Seite der nachtheiligen Eigenſchaften zu ſetzen nicht verſaͤumen. Maſſive dauerhafte Gebaͤude ſind immer ſchaͤtzbar, wo man ſie antrifft, obwohl derjenige ſich nicht zu ihrer Anlage entſchließen wird, der Zinſen und Zinſeszinſen des Anlagekapitals berechnet. §. 106. Gutes und reichliches Waſſer auf dem Wirthſchaftshofe, und allenthalben, wo Des Waſſers. man es braucht, iſt ein wichtiges Beduͤrfniß, deſſen Werth man gewoͤhnlich nur da erſt recht ſchätzen lernt, wo es fehlt. Durchfließende Baͤche wird man gehoͤrig ſchaͤtzen, wenn man die Moͤglichkeit, ſie auf mannigfache Weiſe zu benutzen, erkennt. Ein nahe am Wirthſchaftshofe vorbeifließender Bach kann zum Triebe eines mannigſfach zu benutzenden Maſchinen⸗ werks oft ſehr ſchätzbar ſeyn. 5. 107. Eine voͤllige Gleichheit des Ackerlandes in ſeiner Grundbeſchaffenheit, wenn Gleichheit dieſe von muͤrber maͤßig feuchter Art iſt, ſo daß der Acker immer zugaͤnglich und bear⸗ beitbar bleibt, erleichtert die Eincheilung der Schlaͤge und Felder, und ſo die ganze Ackers. Bewirthſchaſtung ſehr. Große und haͤufige Abwechſelung des Bodens macht dagegen Merkantili⸗ ſche Verhält⸗ niſſe. 70 Werthſchaͤtzung eines Landguts. bei der Eintheilung und der Wahl der Rotationen manche Schwierigkeiten, welche glucklich zu uͤberwinden großen Scharfſinn fordert. Iſt jedoch der Boden fehler⸗ haft, ſo iſt es immer erwuͤnſcht, wenn er es auf verſchiedene Weiſe iſt, und der Fehler eines Theils von entgegengeſetzter Art, wie der eines andern Theils iſt. Wo man einen Theil von zaͤhem, widerſpenſtigem, nur bei einem gewiſſen bald voruͤber⸗ gehenden Grade der Trockenheit bearbeitbarem Boden hat da iſt ein verhaͤltnißmaͤßi⸗ ger Theil leichten Landes, welches ſich bei jeder Witterung bearbeiten laͤßt, erwuͤnſcht und mehr als ſonſt werth, weil man Geſpann und Menſchen auf letzteren beſchaͤftigen kann, wenn jenes keine Arbeit zuläßt; in dem Zeitpunkte aber, wo guͤnſtige Witte⸗ rung eintritt, um ſo mehrere Kraͤſte auf das ſchwer bearbeitbare Land zu verwenden hat. Einige hundert Morgen ſtrenger Thonboden werden ſchaͤtzbarer, wenn man eben ſo viel lehmigen Sand dabei hat. Auch kompenſirt bei Extremen der Witterung der hoͤhere Ertrag des einen den Miswachs des andern. Verſtattet es die Lage, ſo läßt ſich ſo verſchiedenartiger Boden zuweilen ziemlich gleichmäßig unter den Schlägen vertheilen, in welchem Falle jedoch einige Abänderung der Fruchte nach der Bodenart in demſelben Schlage zu machen iſt. Bei einer andern Lage wird man freilich meh⸗ rere Schlagrotationen wählen muͤſſen, und die einer Art nicht leicht in volligem Zu⸗ ſammenhange bringen koͤnnen. §. 108. Unter den relativen Qualitäten eines Landgutes kommen die merkantiliſchen Ver⸗ haͤltniſſe und alle darauf Bezug habende Umſtaͤnde in wichtigen Betracht. Dieſe hangen zum Theil von der geographiſchen Lage ab. Die Nachbarſchaft großer Staͤdte kann den Werth des Bodens um das Doppelte und Dreifache fuͤr den ſpekuli⸗ renden Landwirth erhoͤhen, der ſie richtig zu benutzen weiß. Aber auch eine mehrere oder mindere Entſernung von großen Marktplaͤtzen und Seehaͤfen verändert den Werth beträchtlich. Man pflegt aber in den Anſchlaͤgen den Preis des Getreides ſchon nach dieſen Verhältniſſen zu berechnen. Die Kommunikation mit dieſen durch ſchiffbare Fluſſe und Kanaͤle, oder doch durch gute immer fahrbare Heerſtraßen, die nicht durch zu hohe Zölle beſchwert iſt, bringt das Gut ihnen gewiſſermaßen näher, indem ſie die Koſten des Verfahrens der Produkte vermindert, weswegen auch jeder vernünftige Gutsbeſitzer mit Vergnuͤgen zu ihrer Anlegung und Erhaltung bei⸗ tragen wird. Werthſchaͤtzung eines Landguts. 71 Die Nachfrage nach Produkten mannigfaltiger Art iſt dem denkenden Land⸗ wirthe ungleich vortheilhafter, als wenn ſich dieſe nur auf einzelne wenige beſchränkt. Er kann den Boden alsdann nach ſeiner verſchiedenen Beſchaffenheit mit den zweck⸗ maͤßigſten Produkten benutzen, und eine großere und vortheilhafte Abwechſelung unter denſelben machen, wogegen er da, wo einzig und allein nach Getreide gefragt wird, weit beſchränkter iſt. Steht der Preis thieriſcher Produkte in einer Gegend hoch, ſo iſt dies dem Ackerbau mehrentheils vortheilhafter, als wenn das Getreide im Verhaͤltniß hoͤher ſteht. Denn von ſeinen erzeugten thieriſchen Produkten kann er nach Verhaltniß mehr zum Verkauf bringen, als von ſeinen vegetabiliſchen, weil letztere zum Theil in der Wirthſchaft wieder aufgehen, und der Arbeitspreis ſich mehr nach dem Preiſe des Getreides, als des Fleiſches, der Wolle u. ſ. w. richtet. Haupt⸗ ſachlich aber kommt die wohlfeile Duͤngererzeugung und deren großer Einfluß auf die Produktion der Vegetabilien in Betracht.. Auch auf den Preis und die Guͤte desjenigen, was der Landwirth kaufen muß, z B. des Eiſens, Leders, Salzes u. ſ. w. iſt Ruͤckſicht zu nehmen. Es giebt Ge⸗ genden, wo die landwirthſchaftlichen Produkte niedrig, aber dieſe landwirthſchaft⸗ lichen Beduͤrfniſſe um deſto hoͤher ſtehn, und wo man ſie oft gar nicht in erforderli⸗ cher Guͤte erhalten kann. Theils iſt das Material ſchlecht, theils fehlt es an guten Arbeitern, und dies iſt faſt durchaus in armen Laͤndern der Fall, und in ſolchen, wo die Einfuhr aus andern Laͤndern nach falſchen Staatsgrundſaͤtzen verboten iſt. § 10g. Der Reichthum eines Staats, ſowohl in Anſehung der oͤffentlichen Finanzen, als auch des Privatvermoͤgens, veraͤndert den Werth der Landguͤter ungemein. Ein ſchneller Geldumlauf, es ſey durch wirklich ausgeprägte Muͤnze oder durch den Kre⸗ dit der Papiere, ein geringer Zinsfuß beguͤnſtigen alle Unternehmungen des Land⸗ wirths, wogegen Geldmangel, Stockung des Umlaufs und der theure Kredit, hohe Zinſen, Sinken des Kurſes mit dem Auslande die Energie des Landwirths lähmen muß. Ein guter Zuſtand und eine ſorgfältige Adminiſtration der oͤffentlichen Finan⸗ zen ſichert den Gutsbeſitzer gegen neue und extraordinaire Auflagen. Eine ſtärkere Beſteuerung des Grund und Bodens iſt dem Landwirthe minder nachtheilig, als mannigfaltige indirekte Auflagen, die ihn zwar nur mittelbar, aber doch ẽben ſo ge⸗ wiß treffen, den freien Handel und Wandel ſtören, viele Koſten und ein Heer von —————— Reichthum des Landes. Staatsverfaſ⸗ ſung und Maximen der Regierung. 72 Werthſchaͤtzung eines Landguts. unproduktiven Acciſebedienten erfordern, auf der einen Seite zu Vexationen, auf der andern zur Unterſchleife und Korruptibilität Veranlaſſung geben. Am uͤbelſten iſt aber ein wankendes und häufig abgeaͤndertes, obwohl nicht von Grund aus verbeſſer⸗ tes Syſtem bei der Erhebung der Staatsbeduͤrfniſſe. Wo die offentlichen Finanzen in gutem Stande ſind, und einigen Ueberſchuß uͤber die nothwendigen Ausgaben geben, da darf man von Seiten der Regierung eher Unternehmungen und Verbeſſerungen erwarten, die der Ackerkultur im Allgemeinen und folglich auch jedem Einzelnen vortheilhaſt ſind. §. 110. Auf den Werth eines Landguts haben aber auch uͤbrigens die Staatsverfaſſung und die Marimen der Regierung einen ſehr großen Einfluß. Beſtimmte, unzwei⸗ deutige, verſtändliche Geſetze, eine moͤglichſt einfache und zur ſchnellen Entſcheidung fuhrende Prozeßordnung, eine auf keine mogliche Weiſe korruptible Juſtizverwaltung erhoͤhen den Werth des Eigenthums in den Angen eines jeden rechtlichen Mannes. Eine gute, zweckmaͤßige Haus⸗, Land⸗ und Feldpolizey, die gegen den Ueber⸗ lauf von Vagabonden ſchützt, das Eigenthum gegen Diebesbanden und möglichſt ge⸗ gen alle Gefahren ſichert, die Pflicht der Armen⸗Erhaltung erleichtert, den man⸗ gelnden Gemeingeiſt zwar durch Zwangsmittel erſetzen muß, aber nicht in fiskaliſche Veration ausartet, nicht auf laͤngſt widerlegte Vorurtheile fußt, nicht nach veralte⸗ ten Formen, ſondern nach vernuͤnftigen Gruͤnden verfaͤhrt, ihe Abſehen nicht auf Strafgebuͤhren, ſondern auf den Zweck richtet, iſt von großem Werthe. Vor allem iſt eine zweckmäßige und ſtrenge beobachtete Geſinde⸗Ordnung wichtig. Eine Regierung, die den ewig wahren Satz anerkennt und ihre Marimen wirk⸗ lich darnach einrichtet: daß die moͤglichſte Verbeſſerung und Kultur des Grund und Bodens vor allem andern das Wohl, die Stärke und den Reichthum des Staats begruͤnden, daß folglich der nachhaltigen Vermehrung der Produktion jede andere Rückſicht in der Staatswirthſchaft untergeordnet werden muͤſſe, wird dadurch ſchon den Werth des Grundeigenthumes ungemein erhoͤhen und auswaͤrtige Kaͤufer herbei⸗ ziehn. Denn hier darf man ſich verſprechen, daß dem freien Betriebe des landwirth⸗ ſchaftlichen Gewerbes keine Hinderniſſe in den Weg gelegt werden, und daß der billig daraus zu ziehende Vortheil nicht durch fruchtloſe Getreide⸗ und Viehausſfuhrſperren, noch durch andere Einſchraͤnkungen des freien Handels und Wandels geſtoͤrt werde. Man Werthſchaͤtzung eines Landguts. 73 Man wird von ihr dagegen die Aufhebung mancher aus alten Zeiten herſtammenden und durchaus nicht mehr paſſenden Einrichtungen,— freilich gegen billigen Erſaß deſſen, was andere durch dieſe Aufhebung verlieren— folglich die Aufhebung der weſentlichſten Hinderniſſe des betriebſamern Ackerbaues erwarten koͤnnen. Eine landſtändiſche oder repräſentative Verfaſſung, obwohl ſie manche Miß⸗ braͤuche nach ſich gezogen, und haͤufig durch Spannungen mit der Regierung gute Plane verhindert hat, iſt dennoch bei einer guten Organiſation etwas ſehr Angenehmes fur den Gutsbeſitzer, und kann wohlthätig werden fuͤr den Staat. Sie bringt die Beduͤrfniſſe des Landes unter die Augen des Regenten, verſchafft Vorſtellungen fuͤr das allgemeine Beſte Gehoͤr, ſichert gegen uͤbereilte willkuhrliche Maaßregeln, und vertriet jeden Einzelnen gegen widerrecheliches Verfahren und gegen Mißbrauch der Gewalt. Da die Landſtände neuerlich in den meiſten Staaten aufgehoben worden, ſo iſt doch an deren Stelle eine andere Einrichtung getroffen worden, und eine ſolche kann ſehr vortheilhaft ſeyn, wenn ſie nicht auf bloße Formalitäten hinauslaͤuft, ſon⸗ dern wenn wirklich dadurch die Vorſchlage und Anzeigen der, unter der Leitung der einſichtsvollern, zuſammengetretenen Gutsbeſitzer zur Sprache gebracht werden. Einem Ausſchuſſe derſelben muͤßte ſodann die Leitung und Ausführung gewiſſer poli⸗ zeilicher und ſtaatswirthſchaftlicher Geſchaͤfte ubertragen, und gewiſſe Modifikationen darin zu machen uͤberlaſſen werden; da es von ihnen zu erwarten ſteht, daß ſie die Bedurfniſſe und Vethaltniſſe des platten Landes ihres Diſtrikts beſſer kennen, als es ſtaͤdtiſche Regierungskollegien thun. §. 111. Die militairiſche Verfaſſung eines Staats kann dem Ackerbau mehr oder minder Militairiſche nachtheilig und für den Landwirth drůckend werden. Wo ſie indeſſen die Sicherheit Peſtſtag des Staats und die ungekränkte Selbſtſtändigkeit deſſelben bewirkt, da wird jeder Patriot ſich ihr mit Vergnuͤgen unterwerfen, und es kommt nur auf eine gute Orga⸗ niſation dieſer Verfaſſung, auf ein gutes Verhaltniß der Civil⸗ und Militairbehoͤrden und auf eine ſolche Einrichtung an, daß moͤglichſt wenig arbeitende Kraͤfte dem Lande entzogen werden. Meuere Einrichtungen, die wir in den meiſten Staaten hierin zu erwarten haben, werden hoffentlich das Problem löſen, die Vertheidigung des Va⸗ terlandes zu ſichern, ohne den Wohlſtand deſſelben zu untergraben. Wenn jeder Staatsbuͤrger im Fall der Noth Soldat, und jeder Soldat in Friedenszeiten produ⸗ Erſter Theil. K ————— 74 Werthſchaͤtzung eines Landguts. zirender Buͤrger wuͤrde, ohne darum alle kriegeriſchen Uebungen zu vernachlaͤſſigen, Ve 55 ölker B 9* ſo muͤßte ein ſolcher Staat gegen feindliche Einfalle eben ſo geſichert, als glucklich und vermoͤgend in ſeinem Innern ſeyn. F 113. Je ſtärker die Bevoͤlkerung eines Landes, um deſto vortheilhafter iſt der Acker⸗ bau, und um deſto groͤßer der Werth des Grund und Bodens. Es koͤmmt aber noch beſonders auf die Art der Bevoͤlkerung, auf die Staͤrke der verſchiedenen Klaſſen der Menſchen und deren Verhaͤltniß zu einander an. Eine große ſtaͤdtiſche Bevoͤlkerung iſt dem Ackerbau in merkantiliſcher Rüſicht ſehr guͤnſtig, indem ſie den Abſatz vieler und mannigfaltiger Produkte ſichert. Dage⸗ gen aber entziehen viele und große Staͤdte dem Ackerbau auch die brauchbarſten und thaͤtigſten Menſchen, verderben durch ihre nahe Nachbarſchaft oft die Moralität des Landvolks, und erſchweren dadurch den Betrieb der Landwirthſchaft. Auf die Nähe einer großen Stadt muß die ganze Wirthſchaftsart beſonders berechnet ſeyn, wenn man den moͤglichſten Vortheil daraus ziehen will, der dann freilich andere daraus er⸗ folgende Beſchwerden leicht uͤberwiegt. Fuͤr den, der eine ruhige, feſte Wuth⸗ ſchaft liebt, nur produziren, nicht ſpekuliren mag, iſt die zu große Rahe einer Stadt gerade nicht ſehr wuͤnſchenswerth, und er wird ſich daſelbſt nicht ankaufen, weil der Preis der Grundſtuͤcke hier natuͤrlich um vieles hoͤher iſt. Die laͤndliche Bevoͤlkerung kann groß ſeyn in Anſehung derer, die ſelbſt Wirth⸗ ſchaft betreiben, oder in Anſehung der fuͤr andere arbeitenden und dienenden Klaſſe. Wo das Landeigenthum ſehr vertheilt iſt und die Beſitzungen klein ſind, da iſt in der Regel der Werth der Grundſtuͤcke am groͤßten und die Produktion am ſtaͤrkſten, be⸗ ſonders wenn nicht fehlerhafte Einrichtungen und zu große Armuth, vielleicht eine gar zu uͤbertriebene Zerſtuͤckelung, die Betriebſamkeit der Landbauer lahmt. Eine groͤ⸗ ßere Landwirthſchaft wird hier aber ſelten mit Vortheil betrieben werden koͤnnen, in⸗ dem der Grund und Boden nicht nur ſehr theuer iſt, und eine hohe Rente an und fuͤr ſich gewaͤhrt, ſondern auch die Arbeit gewoͤhnlich hoch bezahlt werden muß, und uͤber⸗ dem der Abſatz der Produkte ſchwierig zu ſeyn pflegt, indem jeder ſeinen Bedarf ſelbſt bauet, und in der Regel einen Ueberſchuß hat, den er zu Markte bringt, und ſo die große Konkurrenz der Verkaͤufer den Marktpreis oft unter den Produktions⸗ preis herabſetzt. Werthſchätzung eines Landguts. 75 Dagegen iſt eine große Volksmenge in der dienenden und arbeitenden Klaſſe ſehr erwuͤnſcht fuͤr den groͤßern Landwirth, erleichtert den Betrieb einer hoͤhern Wirth⸗ ſchaft und Ackerkultur ungemein; wenn gleich der Arbeitspreis darnm nicht ſehr ge⸗ ringe iſt. Kann man nur gegen gute Bezahlung— denn ohne ſolche läßt ſich eine dauernde Vermehrung dieſer Klaſſe gar nicht denken— eine Auswahl von Arbeitern zu allen Zeiten haben, ſo findet allerdings auch beim Ackerbau eine Theilung der Ar⸗ beit Statt, deren große Wirkung man in andern Gewerben anerkannt hat. Man kann auch hier jedem Arbeiter beſtimmte Verrichtungen anweiſen, in welchen er ſich dann groͤßere Fertigkeit verſchafft, ſo daß er mit geringerer Anſtrengung dabei mehr beſchicken, im Verdung ſich mehe verdienen, und doch die Arbeit wohlfeiler machen kann, als ein ungeuͤbter. Bei groͤßerem Verdienſt nähren ſich die Arbeiter beſſer, erhalten mehrere Kraͤfte, und gewoͤhnen auch die Kinder fruͤh zum Fleiß. Manche ſtehen zwar in dem Wahne, als ſey Armuth ein vorzuͤgliches Mittel, die Arbeitſam⸗ keit zu beoͤrdern. Die Noth kann eine kurze Zeit dazu zwingen, läßt dann aber den Arbeiter in völliger Ohnmacht verſinken. Luſt zur Arbeit kann ein ſolcher nie bekom⸗ men, ſondern nur der, der da ſieht, daß ſeine Arbeit ſeinen Genuß und ſeinen Wohl⸗ ſtand vermehrt. Selbſt, wenn er mehrere Genuͤſſe kennen lernt, ſo giebt ihm dies neuen Antrieb zum Fleiße, weil er ſie, ohne fleißiger zu ſeyn, ſich nicht verſchaffen kann. Die Zahl der Arbeiter zu vermehren iſt hochſt wohlthaͤtig, aber nicht die Zahl der Bettler. Wo jene groß iſt, da ſiedelt ſich der Landwirth gern an, aber er hutet ſich fur dieſe. 5 u3. Wäre in unſern Zeiten eine Gegend zu finden, wo man gegen feindliche Inva⸗ Größere oder ſionen und Kriegesauftritte ſicher wäre, ſo wuͤrde man dieſe vor allen zu wählen 3 haben. Da aber unter den jetzigen Zeitumſtänden dieſe Sicherheit nirgends Statt Kriegsgefaß findet, und die Gegenden, welche man am ſicherſten hielt, am meiſten davon gelitten 39 haben, ſo faͤllt dieſe Ruͤckſicht beinahe weg, bis ſich Alles wieder in vollkommnere Ruhe und Gleichgewicht geſetzt hat. Indeſſen iſt doch in einigen Gegenden die Lage an Hauptſtraßen, zwiſchen Feſtungen und vorzuglichen militairiſchen Poſitionen ge⸗ faͤhrlicher, als im offenen Lande, wo wenigſtens der Kriegesſchauplatz eher voruͤber⸗ geht. Eine verkoppelte, mit ſehr vielen Gräben und Hecken durchſchnittene Gegend ſtellt den Kriegesoperationen viele Hinderniſſe entgegen, und der Feind wird, wo K 2 ——— Sitten, 6 Werthſchaͤtzung eines Landguts. moͤglich, einen Angriff darauf vermeiden, wenn er ſie anders beſetzt, und von einer im Schießen geuͤbten Landmiliz gut vertheidigt glaubt. Eine ſolche Provinz wuͤrde beſonders bei einer etwas huͤgeligen Lage vielleicht die ſtarkſte aller Feſtungen ſeyn. §. 114. Auch die Sitten, die Lebensweiſe, die Moralitaͤt, der Charakter und die Ge⸗ braͤuche, welche unter den verſchiedenen Klaſſen der Einwohner in einer Gegend die herrſchenden ſind, kommen bei der Wahl eines Landguts in Betracht. Es giebt hier individuelle Ruͤckſichten, die ein jeder nach ſeiner Denkungsart und nach ſeinen Um⸗ ſtaͤnden zu nehmen hat. Nur Einiges im Allgemeinen: Ob der Lurus vortheilhaft oder nachtheilig ſe, iſt eine ſo haͤufig aufgeworfene Frage, die aber im Ganzen noch nicht genugthuend beantwortet iſt, und es auch, ohne ſie zu zergliedern, nicht werden kann. In ſofern er den bei Einzelnen angehauf⸗ ten Reichthum in Umlauf bringt, die Zirkulation uͤberhaupt befördert, den Arbeits⸗ fleiß erweckt, wirkt er gewiß wohlthaͤtig. Indeſſen iſt der Aufwand einiger Reichen oder Verſchwender bei weitem nicht von der Wirkſamkeit, wie ein unter allen Klaſſen der Einwohner verbreitetes und ihnen angemeſſenes Wohlleben. Was jene ausgeben, kommt ſchnell wieder aus dem Umlaufe, geht zum großen Theile außer Landes, und es ſind mehrentheils nur einzelne wenige Zwiſchenhaͤndler, die dabei gewinnen, ohne daß es auf die eigentlichen Erwerbungen betraͤchtlichen Einfluß hat. Uebrigens aber hat eine ſparſamere Lebensart, wobei ein jeder von ſeinem Verdienſte etwas eruͤbriget, und mehr oder weniger zurucklegt, nicht nur auf die innere Gluͤckſeligkeit der Familien einen beſſern Einfluß, ſondern indem dadurch das Betriebskapital der Gewerbe ver⸗ mehrt wird, auch auf das allgemeine Beſte, zumal in einem nicht ſehr reichen Lande. Gegenden, wo man ſich einem uͤbertriebenen Auſwande, ſeinem Stande und Verhaͤltniſſe nach, nicht wohl entziehen kann, ohne allen geſellſchaftlichen Verbin⸗ dungen und Vergnuͤgungen zu entſagen, wird der auf das Wohl ſeiner Familie und den energievollen Betrieb ſeines Gewerbes bedachte Hausvater lieber vermeiden. Weit entfernt, den Lebensgenuß zu vermehren, truͤbt ihn dieſer nur, und man kann in Ungarn eben ſo vergnügt leben, wenn man keinen Rhein⸗ und Bourdeaux⸗Wein traͤnke, wie am Rheine, wenn man keinen Ungar⸗Wein hatte. Rechtlichkeit, Zuverlaͤſſigkeit und eine liberale Denkungsart ſind den Einwoh⸗ nern einer Gegend und den verſchiedenen Klaſſen derſelben— freilich immer mit Werthſchaͤtzung eines Landguts. 77 Ausnahmen— mehr oder minder eigen. Es giebt Gegenden, wo unter den Guts⸗ beſitzern und kultivirten Ständen gegenſeitige nachbarliche Dienſtgefliſſenheit, Ach⸗ tung, Zutrauen und Redlichkeit herrſcht; andere, wo Schadenfreude, Mißtrauen, Neid, kleinlicher Egdismus und Pfiffigkeit auffallend pervorſtechen. Der rechtliche liberale Mann vermeidet gern dieſe moraliſchen Diſteln und Dornen. Und ſo verdient denn auch der ſittliche und haͤusliche Zuſtand der dienenden und arbeitenden Klaſſe in Betracht gezogen zu werden. Die koͤrperliche Kraft und Ge⸗ wandheit der Eingebohrnen haͤngt nicht nur von ihren haͤuslichen Umſtänden, von ihrem relativen Wohlſtande oder Armſeligkeit ab, ſondern auch ihre Sittlichkeit und Treue wird dadurch beſtimmt, und treue moraliſche Menſchen ſind dem Landwirthe von ungemeinem Werthe. Selbſt die intellektuelle Bildung dieſer Klaſſe, wahre oder falſche Religioſitat, Toleranz oder Intoleranz gegen andere Religionsverwandte, iſt fuͤr den Landwirth zuweilen ſehr bedeutend. Die Sittlichkeit haͤngt ohne Zweifel viel von der Erziehung und der Bildung in der Jugend ab. Deshalb ſind Schulanſtalten, welche dieſe wahrhaft zweckmäßig befoͤrdern, von großer Wichtigkeit. Der auch nur ſeinen Vortheil richtig berech⸗ nende Landwirth wird alſo gern ſeinen Beitrag zur Erhaltung und Einrichtung der⸗ ſelben zahlen. Die Gewohnheiten und Gebraͤuche einer Gegend, die Obſervanzen, die zuwei⸗ len mehr Kraft haben und ſtrenger befolgt werden, als poſitive Geſetze, muß man er⸗ forſchen und in Erwaͤgung ziehn, indem ſie auf die Organiſation der Wirthſchaft gro⸗ hen Einfluß haben koͤnnen. 410 F. oang Endlich ſind die Rechtsverhaͤltniſſe oder diejenigen Berechtigungen und Servitu⸗ Rechtsvez⸗ ten, welche mit dem Beſitze des Grund und Bodens verbunden ſind, wohl zu erfor⸗ ſchen und genau zu bemerken, um ſie bei der Werthſchaͤtzung eines Guts vor Augen zu haben. Sie koͤnnen hier nur oberflaͤchlich beruͤhrt werden, und erfordern ein be⸗ ſonderes Studium in jedem Lande, wo man ſich niederlaſſen will. n F. 116. Das Eigenthum iſt entweder unbeſchraͤnkt, erblich und verkaͤuflich, heißt dann Erbgut, Allodium, oder es iſt beſchraͤnkt, wie das Lehngut, das Erbzins⸗ oder Erbpachtgut, und das Bauergut auf mannigfaltige Weiſe zu ſeyn pflegt. ————— 78 Werthſchätzung eines Landguts. Die Einſchrankung des freien Eigenthums, welche aus den Beſißungen letzterer Art hervorgehn, ſind in verſchiedenen Laͤndern und Provinzen hoͤchſt verſchieden, mehr oder minder laͤſtig, und man muß wegen der daruͤber vorhandenen Geſetze, Anord⸗ nungen, und des oft ganz ſpeziellen Herkommens die genaueſte Erkundigung einziehn, ehe man ſich zu einem ſolchen Ankaufe entſchließt. Das Mehrere daruͤber findet man in verſchiedenen Schriften der Rechtsgelehrten, insbeſondere in H agemann's Handbuch des Landwirthſchaftsrechts, Hannover 1807, und Weber's ökonomiſch⸗ juriſtiſchem Handbuche der Landhaushaltungskunſt, uſter Bd., Berlin 1809. Beſondere Gerechtſame. Da aber gegenwaͤrtig die meiſten Regierungen den großen Nachtheil, der aus den Beſchraͤnkungen im Beſitz des Landeigenthums hervorgeht, anerkennen; ſo iſt man allenthalben darauf bedacht, die beſchränkenden Einrichtungen aufzuheben, und jedes Eigenthum gegen beſtimmte davon zu erlegende Abgaben voͤllig frei zu machen, wodurch dann manche bisher faſt werthloſe Grundſtuͤcke ihren naturlichen Werth wie⸗ der erhalten werden, woraus der Nation eine große Vermehrung ihres Vermoͤgens zuwachſen wird. Deshalb wird man dann auch in Staaten, die dieſen Grundſatz konſequent befolgen, dergleichen Beſitzungen vortheilhaft ankaufen koͤnnen, ohne den mannigfaltigen Vepationen, denen ſie bisher unterworfen waren, ausgeſetzt zu ſeyn. §. 117. Es giebt manche beſondere Gerechtſamen, die ein Gut auszuüben oder zu er⸗ leiden hat, und die alſo bei ſeiner Werthſchatzung in Betracht kommen. Dahin ge⸗ hoͤren folgende: Die Holzungsgerechtigkeit oder die Berechtigung, aus eines andern Forſt ſeine Beduͤrfniſſe an Bau⸗, Nutz⸗ und Brennholz zu nehmen. Sie iſt in Anſehung des eigenen Gebrauchs zuweilen ganz unbeſchränkt, ſonſt aber mehr oder weniger aus⸗ gedehnt. Im erſtern Falle geht ſie auf den Ruin der Forſten aus, und man kann häuſig ſchon vorabſehen, wann ſie durch totale Zerſtörung derſelben ihre Endſchaft erreichen werde. Die Maſtungsgerechtigkeit oder das Recht, ſeine Schweine in des andern Wald zu treiben. Auch dieſe iſt zuweilen unbeſchränkt, gewohnlich aber der Zahl nach be⸗ ſtimmt. Sie iſt der Benutzung der Forſt mehrentheils hoͤchſt nachtheilig. Die Wegegerechtigkeit, wornach man uͤber des andern Grundſtuͤck einen Weg verlangen kann, der einmal beſtimmt iſt, oder den der Eigenthuͤmer gewiſſermaßen Werthſchützung eines Landguts. nach ſeiner Willkuhr verlegen kann. Die Breite eines Feldweges muß 8 Fuß, wo er ſich kruͤmmt, 10 Fuß ſen⸗ und die Durchfuhr eines beladenen Erntewagens frei bleiben. Auch giebt es bloße Fußſteiggerechtigkeiten, die den Eigenthuͤmern zuweilen ſehr läſtig und nachtheilig werden, und deren Entſtebung man alſo ſorgfaltig verhin⸗ dern muß. Auch giebt es bertriſt⸗ und Vepcinkegerechtgkeurn auf ftemden Boden, welche zuweilen die Kultur einer beträchtlichen Breite verhindern⸗ Die Woſſerleitungs oder Waſſernutzungsgerechtigkeit berechtigt den, der ſie erworben hat, auf des andern Grund und Boden Veranſtaltungen zu Waſſerleitun⸗ gen zu machen, Rinnen, Graͤben, Schleuſen anzulegen, die jedoch dem Grund⸗ eigenthuͤmer keinen andern Schaden thun duͤrſen, als der der Natur der Sache nach nothwendig iſt. In Anſehung der Befugniß, abgeleitetes Waſſer den Nachbarn zufuͤhren zu duͤrfen, ſind die Provinzialkonſtitutionen ſehr verſchieden, und dies macht oft einen großen Unterſchied im Werthe betraͤchtlicher Grundſtuͤcke, indem ſie darnach abgewaͤſſert werden koͤnnen oder nicht⸗ Wo man ein durchflteßendes Waſſer hat, iſt es mehrentheils von gw6 Wich⸗ tigkeit, welche Gerechtſamen und Beſchraͤnkungen in Anſehung deſſelben auf meinem Grund und Boden und dem meiner Nachbarn Statt finden. Die Pferch⸗ oder Hirdenſchlagsgerechtigkeit. Welchen Begriff man mit dieſem Ausdrucke zu verbinden habe, daruͤber ſind die Rechtsgelehrten ſelbſt noch uneins, und was manche daruͤber geſagt haben, beweiſ't, daß ſie von den landwirthſchaft⸗ lichen Verhältniſſen auch nicht die geringſte Kenntniß hatten. Es wird ohne Zweifel die Gerechtigkeit, wornach eine Schäſerei eines andern Acker duͤngen muß, und welche in mehreren Gegenden uͤblich iſt, darunter verſtanden werden. Vergl. Hage⸗ mann, Seite 593. 5. 118. Andere Gerechtigkeiten und Privilegien, wie die Gerichtsbarkeit, die ſich in hohe, niedrige und Pfahlgerichte unterſcheidet, die Kanzlei⸗ oder Schriftſaͤſſigkeir, die Zoll⸗ und Arciſefreiheit, die Landtagsfahigkeit, muß ein jeder nach ſeinen und des Landes Verhaͤltniſſen anſchlagen. Die Brauerei⸗, Brennerei⸗, Muͤhlen⸗ und Krug⸗ privilegien, oder der Zwang, ſich ſolchen zu unterwerfen, ſind oft von großer Wich⸗ 80 Werthſchaͤtzung eines Landguts. tigkeit. Aber aufgeklaͤrte Regierungen ſuchen auch dieſe, n S hochſt theilige Gewerbsbeſchraͤnkungen zu entfernen. §. 119. Aus der gehoͤrigen Erwaͤgung aller dieſer Umſtaͤnde kann zwar keine nach Gelde umftände und genau zu beſtimmende, poſitive Werchſchätzung, wohl aber eine zureichende, um ſich zu dem Ankauf dieſes Guts zu entſchließen, hervorgehen. Nachdem man zuvoͤrderſt nen zu beſim⸗ beſtimmt hat, was der eigentliche Grund und Boden, ohne alle Ruͤckſicht auf beſon⸗ men. dere Nebenumſtaͤnde, werth ſeyn koͤnne, wird man am beſten nach der im§. 61. vor⸗ geſchlagenen Methode verfahren, und alle günſtige und ungünſtige Rebenumſtande, jeden auf ſeiner Seite, taxiren, und ſo die Bilanz ziehn, ob man 8 oder weniger⸗ als der eigentliche Grundwerth betraͤgt, dafuͤr geben koͤnne. 7 Die Pachtung. 5. 120. Verſchiedene Die zweite Art, ſich in den Beſitz eines Landguts zu ſeßen, iſt die Pacht. Sie erbes⸗ 6„; iſt ein Kauf des Guts oder ſeines Ertrages auf gewiſſe Jahre, und hat daher mit dem Eigenthumers Kaufe manches gleich. Die Nachforſchung eines, dem Vermogen und der Betrieb⸗ und Pächters. ſamkeit des Landwirths angemeſſenen Landguts, die Unterſuchung des vorläufig ge⸗ wählten und die Schaͤtzung deſſelben, muͤſſen auf gleiche Weiſe geſchehen. Allein bei der Pachtung ſind auch mänche, weſentlich verſchiedene und gerade entgegenge⸗ ſetzte Ruͤckſichten zu nehmen. Der Eigenthuͤmer treibt ſein Gewerbe oder muß es in der Abſicht treiben, von ſeinem Gute einen ſich immer vermehrenden Ertrag zu erhalten, oder deſſen Kapitalwerth immer zu erhoͤhen. Der Pächter kann nur auf den moͤglich höchſten Ertrag in ſeinen Pachtjahren ſehen, unbekuͤmmert um den Werth, den das Gut nach Ablauf derſelben haben wird. Wenn der Eigenthuͤmer deshalb in den erſtern Jahren gern mit einem geringern Ertrage zufrieden iſt, um mit Sicherheit auf einen deſto groͤßern und nachhaltigern in der Folge rechnen zu konnen, ſo wird der Pächter den moͤglich boͤchſten in den erſten Jahren zu gewinnen ſuchen, ſelbſt wenn der der letztern noch während ſeiner Pachtzeit dadurch verringert wurde. Denn der Eigenthuͤmer, der als vollkommener Landwirth handeln will, belegt ſein Kapital und ſein disponibles Einkommen in ſeinem Gute ſeibſt am liebſten und am vortheil⸗ Die Pachtung. 81 vortheilhafteſten; der Paͤchter zieht dagegen heraus, was er kann, um es anberwei⸗ tig anzulegen, und Zinſen davon zu erhalten. Die Verbeſſerung des Guts macht die Freude des Eigenthuͤmers, die Anfullung des Geldkaſtens die des Paͤchters aus. Das Gut iſt die geliebte Gattinn des Eigenthůmers, die Maitreſſe des Pächters, von der er ſich wieder ſcheiden will. Je laͤnger indeſſen die Pachtzeit iſt, um ſo mehr naͤhert ſich der Paͤchter dem Eigenthuͤmer, je kuͤrzer, um deſtomehr muͤſſen die Maximen beider von einander abweichen. Bei einer Pachtung auf 24 Jahre wird ein Pächter ſchon in den er— ſten 3 ſeiner Pachtzeit verſtaͤndiger Weiſe als Eigenthuͤmer zu verfahren haben. Es kommt indeſſen immer die Zeit, wo er nach ganz entgegenſetzten Prinzipien han⸗ deln, und um ſo mehr herauszuziehen trachten wird, je mehr er anfangs hineinge⸗ ſteckt oder aufbewahret hatte. Dazu kommt dann, daß ein Paͤchter, ſeinen Vermoͤgensumſtaͤnden nach, in der Regel nicht ſo viel fuͤr das Gut thun koͤnnte, wie der Eigenthuͤmer, wenn er es auch wollte. Der Pächter muß jährlich die Pacht bezahlen; der Eigenchuͤmer, der ſein Gewerbe mit Eifer betreibt, wird von der reinen Rente etwas eruͤbrigen koͤnnen, um es in dem Gute anzulegen. Jener verhaͤlt ſich zu dieſem wie ein Kauf⸗ mann, der mit angeliehenem Kapital handelt, zu dem, der ſein Gewerbe mit eige⸗ nem Vermoͤgen betreibt. Jener muß vor allem darauf ſehen, daß er ſeine Zin⸗ ſen bezahlen koͤnne, dieſer kann gleich auf die Erweiterung ſeines Gewerbes und auf neue Spekulationen denken. Es iſt alſo von einem Paͤchter nicht zu erwarten, und kann nach den Ge⸗ werbsgrundſaͤtzen nicht von ihm verlangt werden, daß er bei der Bewirthſchaftung eines Guts wie ein Eigenthuͤmer verfahre, und einer ſelbſt großen Verbeſſerung des Guts nur einen kleinen Theil ſeines Profits aufopſere. 50 121. Man hat es deshalb fuͤr noͤthig erkannt, den Paͤchter durch beſondere Bedin⸗ gungen in ſeiner Willkuͤhr einzuſchraͤnken, und ihm ein dem Gute vortheilhaftes atte. Verfahren zur Pflicht zu machen. Allein ſolche Pachtkontrakte ſind aͤußerſt ſchwie⸗ rig, und man hat vielleicht mit Recht geſagt, daß, wenn auch ein Kollegium der geſchickteſten Rechtsgelehrten und der beſten Hekonomen im Lande zuſammentraͤte, und ſich vier Wochen mit einem einzeln Pachtkontrakte beſchaftigte, es dennoch keinen zu Stande bringen wuͤrde, der das Gut gegen Deteriorationen bei einem Erſter Tbeil. L Guͤldenes Pachter⸗ ABC. 82 Die Pachtung. pfiffigen Paͤchter ſchutzte, ohne durchaus für einen rechtlichen Pächter verwerflich zu ſeyn. Macht man gar zu beſchraͤnkende Bedingungen, ſo wird ein ehrlicher und zugleich kluger Mann ſolche verwerfen, und die Pacht einfältigen oder hinterliſti⸗ gen Menſchen uͤberlaſſen. Waͤre auch die Pachtſumme ſo, daß er unter den gemachten Bedingungen dabei beſtehen koͤnnte, ſo wird er dadurch doch in allen ſeinen Unternehmungen gelaͤhmt, und ſelbſt oft von dem, was dem Gute vortheil⸗ haft ſeyn koͤnnte, abgehalten, und muß bei jeder Operation, die von dem bisheri⸗ gen Leiſten, ſey ſie auch noch ſo nuͤtzlich, im mindeſten abweicht, Vorwuͤrfe und Chikanen befuͤrchten. Dagegen wird ein Pächter, dem es nur darauf ankommt, daß er nach dem Buchſtaben ſeines Kontrakts nicht gerichtlich belangt, oder zu einem Schadenerſatz, der ſeinen Vortheil uͤberwiegt, angehalten werden könne, mit juriſtiſchen Kautelen angefullte Pachtkontrakte, beſonders wenn dabei nicht auf die beſondern oͤkonomiſchen Verhaͤltniſſe des Guts ſcharfe Ruͤckſicht genommen iſt, immerhin eingehen, und doch Mittel und Wege finden, alle ihm beſchwer⸗ lichen Bedingungen zu umgehn, oder ſich wegen derſelben anderweitig zum noch groͤßern Nachtheil des Guts zu entſchädigen. F 126, um die Maximen, die ſich ſchlaue Paͤchter zur Richtſchnur zu machen pflegen, klar ins Licht zu ſtellen, und zugleich jedem Verpaͤchter dafuͤr zu warnen, wollen wir hier folgendes guͤldene A B C für Paͤchter, welche ſich uͤber die Pflich⸗ ten eines ehrlichen Mannes einmal weggeſetzt haben, aufſtellen. 1) Suche vor allem ein Gut aufzufinden, welches bisher entweder durch eine gute verbeſſernde Wirthſchaft, oder aber durch geringe Benutzung und Scho⸗ nung ſeiner Grundſtuͤcke in großer Kraft und Duͤnger ſteht. Du kannſt es ſeinem Flaͤcheninhalte und Bonität nach auf eine kurze Pachtzeit noch einmal ſo theuer bezahlen, wie ein anderes, welches geizige Wirthe oder emſige Paͤchter ſchon ausgeſogen haben. Dort kannſt du mit dem hoͤchſten Raffinement alle Erſchoͤpfungskuͤnſte anwenden, hier aber nur nach der bekannten hergebrachten. Weiſe verfahren. 2) Baue lauter verkaufliche Fruͤchte allenthalben, wo es moͤglich iſt; gar nichts fuͤr das Vieh, weil dieſes in der Regel die beſſere Futterung nicht unmittel⸗ bar wieder bezahlt, und du bei der kurzen Pachtzeit von dem Duͤnger den vollen Nutzen nicht mehr haben wuͤrdeſt. Die Pachtung. 83 3) Baue unter den ſogenannten Brachfruͤchten diejenigen, welche den höch⸗ ſten Geldertrag geben, Helſaat, Lein, Taback u. ſ. w., und wenn du die Arbeit nicht ſelbſt zwingen kannſt, ſo vermiethe das Land dazu an benachbarte kleine Leute fuͤr Geld oder einen Theil des Ertrages. Daß ſie kein Stroh geben, ſcha— det nichts, denn der Verkauf deſſelben iſt dem Paͤchter mehrentheils unterſagt, und du darfſt ihn wenigſtens nicht zu weit und zu oͤffentlich treiben. 4) Da dergleichen Fruͤchte viele Duͤngung fordern, ſo beſchraͤnke dieſe— zumal, da deren immer weniger gemacht wird— auf die einmal im beſten Stande befindlichen und nahgelegenſten Felder, weil auch die Fuhre hier wenig Zeit weg⸗ nimmt. Sollten die uͤbrigen dann auch in deinem letzten Pachtjahre nichts mehr tragen wollen, ſo haſt du dieſen Ausfall auf eine andre Weiſe genugſam erſetzt, und du haſt dann Recht, uͤber Mißwachs zu klagen und Remiſſion zu fordern. Ueberdem werden die nahen Felder dem Gutsherrn und Fremden mehr in die Augen fallen, und wenn Jemand ſagte, daß Lein, Raps und Tabacksbau den Boden aus⸗ ſauge, ſo kannſt du dich nur auf den ſchoͤnen Weizen berufen, der darnach wächſt. Bringe aber ja keinen Duͤnger auf das Feld, was ſeiner am meiſten bedarf, denn der magere Acker bezahlt den erſten Duͤnger nie; allenfalls kannſt du ſie an den Raͤndern und Wegen etwas beſtreuen. Wo moͤglich, bringe deinen Duͤnger in deinem letzten Erntejahre aufs Sommerungsfeld, weil du dieſes, nicht aber das zu beſtellende Winterfeld, noch abzuernten haſt. §) In den erſten Jahren verarbeite das Land mit Pflug, Egge und Walze aufs fleißigſte, um das Unkraut zu zerſtoͤren, alle im Boden enthaltene Dungkraft zur Wirkſamkeit zu bringen, und alle Erdkloͤße ſo fein zu pulvern, daß die Pflan⸗ zenwurzeln Nahrung aus ihnen ziehen koͤnnen. Vermehre deshalb dein Geſpann; jetzt wird ſich's bezahlen! Aber gegen das Ende der Pachtzeit mußt du mit dem fleißigen Bearbeiten nachlaſſen, um dein Geſpann vermindern zu koͤnnen, oder es zu einträglichern Nebengewerben zu benutzen ſuchen. Wo moͤglich beſtelle dann nur ein⸗oder zweifaͤhrig, und laß die Pfluge recht breit machen, damit du zwoͤlfzollige Furchen nehmen kannſt. Auch brauchſt du dich bei dem Beackern zu einer Saat, die du nicht mehr ernteſt, an eine gute paſſende Witterung nicht zu binden, ſondern kannſt ſolche vortheilhafter zu Nebenarbeiten benutzen. 6) Ein großer Vortheil iſt es, wenn dir altes Grasland oder Soghd auf⸗ zubrechen und zu roden erlaubt wird, und du haſt darauf beim Aufſuchen der Pacht L 2 ——— 84 Die Pachtung. vor allem dein Auge zu richten. Strenge dann gleich in den erſten Jahren alle Kraͤfte dazu an. Handelsgewaͤchſe gedeihen ſogleich vortrefflich darauf, und nach denſelben wird es mittelmaͤßiges Getreide bis zu Ende der Pachtzeit ohne Duͤnger tragen, dann fteilich total erſchoͤpft ſeyn. 7) um die Wieſen bekuͤmmere dich nicht viel, außer bei der Heuernte. Sie bezahlen eine Verbeſſerungsarbeit nicht ſo ſchnell. Sollten ſie auch in deinem letz⸗ ten Pachtjahre wegen verſchlammter Graͤben und Stocken der Quellen moraſtig ge⸗ worden, mit Ruſch und Buſch bewachſen, und mit Maulwurfshaufen beſetzt ſeyn, folglich nur noch weniges und ſchlechtes Heu geben, ſo kömmt es dir zu Ende der Pacht wenig darauf an, wenn du anders kein Heu verkaufen kannſt. 3) Wenn das Inventarium nach der Taxe angenommen iſt, und auch ſo wieder abgegeben werden ſoll, ſo ſchaffe vorher die beſten Pferde, Ochſen, Kuͤhe u. ſ. w. weg, und ſetze ſchlechte an deren Stelle, oder bezahle das Fehlende. Das Gute wird bei ſolchen Taxationen immer geringer wie das ſchlechte taxirt, und die Schlechtheit fällt minder auf, wenn man das Gute nicht daneben ſtellt. Rath⸗ ſam iſt es, die Kuͤhe zu Ende der Pachtzeit gar nicht oder ſo ſpaͤt begehen zu laſſen, daß ſie bei der Uebergabe noch nicht gekalbt haben; ſie ſehen dann viel beleibter aus, wenn ſie gleich ſchlechtes Futter bekommen haben. Das ſpätere Hinmelken unbegangener Kuͤhe im Herbſte wird dir den Abgang der Fruͤhjahrsmilch vor der Uebergabe leicht erſetzen. Auch alles alte Geſchirr und Gerath bringe zur Tayation, verwahre zu dem Ende alles unbrauchbare, und flicke es vorher wieder zurecht. Das neu angefertigte ſchaffe aber bei Seite. Oft macht es einen vortheilhaften Eindruck auf die Taxatoren, wenn Alles recht jämmerlich ausſieht, ſie bedauren Dann den armen Paͤchter. 9) Daß du an die Erhaltung der Garten, Teiche und Gebaͤnde nichts wen⸗ de ſt, verſteht ſich von ſelbſt; denn mehrentheils tragt nach den Pachtkontrak⸗ ten der Gutsherr die groͤßern Reparationen, du mußt alſo die kleinen Schä⸗ den groß werden laſſen. 10) Die dienenden Unterthanen greifſt du auf alle nach den Geſetzen und Obſervanzen nur irgend verſtattete Weiſe an; ob ſie zu Grunde gehen, kum⸗ mert dich nicht. 11) Sollte der Verpaͤchter Deputat verlangen, und auf deine Produkte, weil ſie von ſeinem eigenen Gute ſind, einen großen Werth ſetzen, mithin im Die Pachtung. 85 Pachtanſchlage dafuͤr betraͤchtlich ablaſſen, ſo nimm es immerhin an. Zwar wirſt du um deſto feuher mit ihm in Hader und Streit gerathen; aber das geſchieht doch auf jeden Fall, zumal wenn er auf dem Gute wohnt und wenn du duſch deinen Kontrakt vollig geſichert biſt, ſo mußt du dir daraus nichts machen. Sollte es dir aber zumal im Anfange nachtheilig werden können, ſo mußt du nur die rechten Mittel und Wege einſchlagen, um die Domeſtiken, welche das Deputat anneh⸗ men, auf deine Seite zu ziehen. K 1123. Es giebt nun ftreilich Paͤchter, deren bekannter perſoͤnlicher Charakter den Gutsbeſißzer genugſam ſichern kann, daß ſie Maximen dieſer Art nie befolgen wer⸗ den. Ja man trifft ſolche, die von der Idee der moͤglich vollkommenſten Wirth⸗ ſchaft ſo lebendig ergriffen ſind, daß ſie derſelben ſogar ihren Gewinn aufopfern, wenn ſie nur mit Wahrſcheinlichkeit in der Ausfuͤhrung derſelben geſichert ſind. Indeſſen gehört letzteres unter die Ausnahmen, und man kann es ſelbſt von dem rechtlichen Manne als Paͤchter nicht erwarten, daß er an Verbeſſerungen eines Guts etwas wenden werde, was ſich ihm waͤhrend ſeiner Pachtzeit nicht mit hoch⸗ ſter Sicherheit wieder bezahlt. Was ſich aber nicht verbeſſert, verſchlechtert ſich gewiß, und deshalb iſt es ein ſeltener Fall, wo ein Gut nicht in ſchlechterem Z⸗ ſtande von einem Paͤchter abgegeben wurde, als in welchem er es antrat. Ein ganz anderer Fall iſt es mit den Domainenpaͤchtern in einigen Staaten, Ausnahmen von der Re⸗ gel. die ihre Pachtungen unter ſehr billigen Bevingungen, zwar auch nur auf kurze Termine, erhalten haben, aber nach den Grundſatzen der Regierung geſichert ſind, jedesmal Verlängerung derſelben zu erhalten, wenn ſie ſich als rechtliche Pachter betragen, und dem nach ſehr billigen Säͤtzen anzufertigenden neuen Anſchlage un⸗ terwerfen, wobei dann uͤberher auf die von ihnen bewirkten Meliorationen Ruͤck⸗ ſicht genommen wird; ja wo ſie bei einer vorzuglichen Adminiſtration ihrer Pach⸗ tung eine noch vortheilhaftere zu erhalten, und dieſe dann auf ihre Familie gewiſſer⸗ maßen zu vererben hoffen koͤnnen. Ein Generaldomainenpaͤchter dieſer Art konnte ſich oft als Eigenthuͤmer anſehen, und in allen Stuͤcken als ſolcher verfahren. Un⸗ ter dieſen Bedingungen iſt es moͤglich geweſen, daß die Staatsdomainen, obwohl mit betraͤchtlicher Aufopferung der baaren Einnahme, ſich in gutem Stande erhiel⸗ ten. In Staaten dagegen, wo man, ohne legale Ruͤckſicht auf den perſoͤnlichen Charakter der Pächter, die Domainen den Meiſtbietenden verpachtet, und ſomit —— 85 Die Pachtung. freilich eine weit hoͤhere Rente daraus zog, haben alle im Pachtkontrakte aufge⸗ fuͤhrte Klauſen und angeordnete Kontrollen— denen ſich der rechtliche Mann um ſo weniger unterwarf— es nicht verhindern koͤnnen, daß ſie ſich betraͤchtlich ver⸗ ſchlechterten, und ſchon, bei noch beſtehenden hohen Kornpreiſen, in ihrer Rente, ſo wie in ihrer Produktion, merklich herabſanken. F. 12. Da indeſſen manche Gutsbeſitzer verhindert werden, ihre Guͤter ſelbſt zu ver⸗ walten, und die Adminiſtration durch andere, ohne das unmittelbare Auge des Herrn, oft große Schwierigkeiten und Bedenklichkeiten hat; ſo ſcheinen Verpach⸗ tungen nothwendig zu ſeyn, und eine Einrichtung, die den Verpaͤchter, den Paͤch⸗ ter und das Gut ſelbſt moͤglichſt ſicherte, waͤre nicht nur fuͤr Gutsbeſitzer und fuͤr Landwirthſchaft Treibende, ſondern auch fuͤr das allgemeine Beſte, von groͤßter Wichtigkeit. Das in Grund und Boden ſteckende Vermoͤgen der Eigenthuͤmer gaͤbe ſeinen Ertrag durch die Rente, und der Gewerbe Treibende koͤnnte ſein Kapi⸗ tal ganz dem Betriebe widmen. Der Grund und Boden wuͤrde die hoͤchſte Produk⸗ tion geben, und dabei ſeine Kraft und ſeinen Werth von Jahr zu Jahren vermeh⸗ ren, und dann wirklich Verpachtung nachhaltig vortheilhafter, wie eigene Admini⸗ ſtration machen. In meiner engliſchen Landwirthſchaft, Bd. II. Abth. 2. S. 87. habe ich einen Vorſchlag gethan, wornach der Paͤchter nach Ablauf eines Termins eine Erneuerung deſſelben unter gewiſſen Bedingungen durchaus verlangen kann, wenn ihn der Eigenthuͤmer nicht durch eine angemeſſene betraͤchtliche Entſchaͤdi⸗ gungs ſumme abfinden will, mittelſt welcher jener, fuͤr den aus ſeinen Verbeſſerun⸗ gen durch laͤngere Bewirthſchaftung des Guts zu ziehenden Vortheil, hinlaͤnglich entſchädigt wird, ſo daß er wenigſtens nicht beſorgen darf, der Eigenthuͤmer werde ihn, ohne die erheblichſten Gruͤnde, aufkuͤndigen, wobei dieſer aber doch die Ge⸗ walt behält, ſein Gut ſelbſt wieder anzutreten, wenn er es ſeinen Verhaͤltniſſen nach rathſam findet. Dieſer Vorſchlag ließe ſich noch auf verſchiedene Weiſe modifiziren. Die Uebernehmung des Inventariums, als eiſern oder nach der Tapation, hat manche Schwierigkeiten, und oft liegt darin ein großes Hinderniß der Verbeſſerun⸗ gen. Ein reiner Verkauf deſſelben an den antrerenden Paͤchter hat immer Vor⸗ zuͤge, wenn man mit ihm des Handels eins werden kann; ſonſt verkauft man es, Die Pachtung. 837 wie man will, und der Paͤchter ſchafft ſich ein neues. Jedoch verſteht es ſich, daß bier von ganz kurzen Pachtungen die Rede gar nicht ſeyn koͤnne. Auch wird die erſte Einfuͤhrung dieſer ſonſt ſo natüͤrlichen Einrichtung, die alle Vorſtandsgelder und Kautionen unnöthig machte, in Gegenden, wo das Gegentheil gebräuchlich iſt, Schwierigkeit finden. F 126. Erhebliche Meliorationen, die den Grundwerth des Landguts auf ewig ver⸗ beſſern, koͤnnen von dem Paͤchter auf keine Weiſe verlangt werden⸗ Die Gelegen⸗ heit dazu iſt dennoch ſo oft vorhanden, und der Nutzen ſo anerkannt, daß beide Theile ſie zu befoͤrdern geneigt ſeyn muͤſſen. Hier waͤren die Bedingungen zu ma⸗ chen, daß der Eigenthuͤmer das dazu erforderliche Kapital, welches auf eine ge⸗ wiſſe Summe beſtimmt werden koͤnnte, hergabe, wenn der Pächter ſolches waͤh⸗ rend ſeiner Pachtzeit mit 10 Prozent zu verzinſen ſich erbietet. Bei dieſer Verzin⸗ ſung wird der Pachter keine Meliorationen vorſchlagen, ven deren reellen Nutzen er nicht die vollkommenſte Ueberzeugung hat, und der Verpächter hat nur zu unter⸗ ſuchen, ob eine ſolche Melioration auch ausdauernd ſey⸗ Bei allen Reparationen, ſie mogen groß ſeyn oder klein, ſcheint es am zweck⸗ maͤßigſten, daß der Eigenthuͤmer das Material, der Paͤchter aber die Arbeit be⸗ zahle. Kleine Reparationen auf des Pächters, große auf des Verpachters Koſten zu ſetzen, gehoͤrt zu den nachtheiligſten Bedingungen, die man machen kann. Die Erbpacht. 127 Die Erbpacht hat das Eigenthuͤmliche, daß ſie dem Inhaber eine eben ſo Die Erbpacht. freie und ſichere Benutzung gewaͤhrt, wie vollkommnes Eigenthum, dem Grund⸗ herrn aber, unter gehorigen Bedingungen, eine ſichere, keinem Riſiko unterworfene und nie zu ſchmaͤlernde Rente giebt. Sie iſt mehr oder minder beſchraͤnkend nach den daruͤber geſchloſſenen Kon⸗ trakten. Oft hat man allerlei Bedingungen hinzugefuͤgt, die ohne reellen und auf eine andere Weiſe nicht weit beſſer zu erreichenden Vortheil des Grundherrn, fur den Erbpaͤchter aber hochſt läſtig ſind und den Werth des Grundſtucks vermin⸗ dern. Dahin gehoͤrt die Beſchränkung im Verkauf und in der Vererbung, indem —— Erbſtands⸗ geld. Fehlerhaftes Verfahren macht die Sa⸗ che verhaßt. 88 Die Erbpacht. jener nicht ohne Einwilligung des Grundherrn, dieſe nur in gewiſſer Ordnung ge⸗ ſchehen darf. Wenigſtens muß fuͤr dieſe Einwilligung in den meiſten Fällen ein beſtimmtes ſogenanntes Laudemium gezahlt, und der neue Beſitzer gewiſſermaßen aufs neue damit beliehen werden. Dieſe aus dem Lehnsſyſteme hergenommene Beſchraͤnkung iſt beiden Theilen und der Sache im Ganzen ſchädlich, muß noth⸗ wendig den Werth des Grundſtuͤcks füͤr den Eigenthuͤmer vermindern, den Kanon berabſetzen, folglich die moͤglich hoͤchſte Rente des Grundherrn ſchmälern, und uberhaupt den ſo nuͤtzlichen freien Uebergang der Grundſtuͤcke aus einer Hand in die andere erſchweren. Denn wenn der neue Inhaber neben dem Kaufgelde und den Anlagekoſten ſeiner Wirthſchaft noch das Laudemium bezahlen ſoll, ſo wird dies manche vom Kaufe abſchrecken. Statt dieſes ungewiſſen Einkommens wird ſich der Grundherr bei einem nach Verhältniß erhoͤheten Kanon weit beſſer ſtehen. F. 128. In den meiſten Fällen wird bei Vererbpachtungen gleich eine gewiſſe Summe unter dem Namen von Erbſtandsgelde bezahlt. In ſofern dieſes den Grundherrn gegen die Deterioration des Gurs und fuͤr das richtige Einkommen ſeiner Rente ſichert, iſt es nuͤtzlich; jedoch kann es wohl ſelten rathſam ſeyn, dieſes Erbſtands⸗ geld hoͤher, als dazu noͤthig iſt, anzuſetzen, weil die Rente, die man erhalten und geben kann, dadurch in einem groͤßern Verhaͤltniſſe vermindert werden wuͤrde, zumal zu einer Zeit und in einem Lande, wo Kapitale unter der Klaſſe der Acker⸗ bauenden nicht haͤufig ſind. Die Zähl der Konkurrenten muß ſich dabei nothwen⸗ dig vermindern, und jeder wird ſich dieſes Kapital zu böbern Zinſen anrechnen, als es der Grundherr benutzen kann⸗ §. 129. Schon vor längerer Zeit hatte man die Rutzlichkeit der Vererbpachungen eingeſehen, und Privatguͤter ſowohl, als Domainen, im Ganzen oder zerſtuckelt auf dieſe Weiſe ausgegeben. Weil man aber dabei ohne genugſame Ueberlegung verfuhr, und ſich folglich der Nachtheil der gemachten Einrichtungen, insbeſon⸗ dere eine eminente Laſion des Grundherrn zeigte; ſo hat man ſie nachber, auf ſolche fehlerhafte, mißrathene Beiſpiele ſich ſtutzend, hauptſaͤchlich aber allerlei Nebenruͤckſichten wegen allgemein und Gutsbeſitzer und Regierungen dagegen gewarnet. Es Die Erbpacht. 39 Es kömmt aber hier, wie bei allen Gegenſtänden der Staatswirthſchaft, nur darauf an, daß man ſich auf einen hoͤheren Standpunkt erhebe und in klarem Lichte des Verſtandes das Ganze uͤberſchaue. Dann wird man ſich durch einzelne Beiſpiele, die ihrer verfehlten Einrichtung wegen das Gute den kurzſichtigen Au⸗ gen zweifelhaft machen, nicht blenden, wohl aber jene Beiſpiele zur Warnung dienen laſſen, um ähnliche Fehler bei einer an ſich trefflichen Soche zu vermeiden. Man hatte namlich nicht nur den ſo unſichern und veraͤnderlichen Maaßſtab des Geldes zur Werthſchätzung der Guͤter allein gebraucht, ſondern auch nach der damals noch ſo niedrig ſtehenden Ackerbaukunſt den Ertragsanſchlag zu geringe ge⸗ macht, und manche Pertinenzen, die durch einige Kultur zu hoher Benutzung zu bringen waren, ganz uberſehen. Es zeigte ſich alſo bald, daß die Kontrakte zum groͤßten Nachtheile des Grundherrn und zu einem zu uͤberwiegenden Vortheil des Erbpächters abgeſchloſſen waren, ſo daß man ſich deshalb auch in einem gewiſſen Staate berechtigt glaubte, dieſe Vererbpachtungen durch ſouveraine Macht wieder aufzuheben. Hierdurch war die Sache noch in uͤblern Ruf gekommen, und hatte nun ſelbſt das Mißtrauen der Pächter gegen ſich. Indeſſen iſt die Sache in verſchiedenen Laͤndern wieder aufgenommen worden, und des dagegen erhobenen Geſchrei's ungeachtet gluͤcklich ausgefallen. Insbeſon⸗ dere hat es ſich gezeigt, daß bei vererbpachteten und zerſchlagenen Domainen nicht nur die oͤffentlichen Kaſſen, ſondern auch die allgemeine Produktion, die Bevoͤl⸗ kerung und der Wohlſtand der Unterthanen betraͤchtlich gewonnen habe, und wenn auch die erſtern neuern Verſuche dieſer Art nicht ganz fehlerfrei und nicht zum möglich höchſten Vortheil der öffentlichen Kaſſen eingerichtet ſeyn moͤgen; ſo haben ſie dennoch die Sache wieder in Gang gebracht und diejenige Ueberzeugung bewirkt, die nur der Erfolg geben kann. 5. 139. Das Weſentlichſte bei dieſem Geſchaͤfte iſt, daß man den Werth des Grund Beßtimmung und Bodens oder dasjenige, was er nach Abzug aller Koſten und des billigen Vor⸗ theils des Paͤchters tragen kann, richtig ſchätze, und zwar nicht nach dem veran⸗Durchſchnitts⸗ derlichen Werthe des Geldes, ſondern nach einem beſtinmten Getreidemaaße, deſſen Werthverhältniß gegen alle uͤbrige Dinge ſich im groͤßern Durchſchnitt ſeit jeher gleich geblieben iſt und gleich bleiben wird. Es verändert ſich zwar von einem Jahre zum andern, und iſt in kurzer Zeit noch veränderlicher wie der Werth Erſier Theil. M Vertheike der Srbpacht. 90 Die Erbpacht. des Geldes, aber nicht in laͤngern Perioden, ſondern haͤlt ſich, mit allen wahren Beduͤrfniſſen des Lebens, weil durch ihn der Arbeitspreis im Allgemeinen beſtimmt wird, im Gleichgewichte. Daher muß die Erbpacht auf ein Maaß des gewoͤhn⸗ lichſten Getreides beſtimmt, dieſes aber in der Regel nicht in natura— weil da⸗ bei das Erbpachtsquantum in einem Jahre von hohem, im andern von geringem Werthe ſeyn wuͤrde— ſondern nach dem Durchſchnitt des Preiſes einer Reihe vorhergegangener Jahre in Gelde bezahlt werden. Jedoch ſind bei Ziehung dieſes Durchſchnittspreiſes diejenigen Jahre und Zeiten herauszulaſſen, wo der Preis durch Mißwachs oder durch andere außerordentliche Konjunkturen ſehr hoch geſtie⸗ gen war, weil der Erbpächter beim Mißwachſe, des hohen Preiſes ungeachtet, doch wohl Schaden gehabt, die Ruͤckkehr außerordentlicher Umſtaͤnde aber nicht zu erwarten und nicht zu hoffen iſt. So wuͤrde es hoͤchſt unbillig ſeyn, einen Durch⸗ ſchnittspreis nach dieſem letzten erlebten Decennium— wo die ſaͤmmtlichen Ernten unter dem mittelmaͤßigen waren, und andere den Preis erhoͤhende Umſtände hinzu⸗ kamen— zu beſtimmen, und es waͤre wahrſcheinlich, daß in dem nächſten ein jeder Erbpaͤchter dabei zu Grunde gehen muͤßte. Gegen dieſe Berechnung des Erbpachtgeldes nach dem Preiſe des Getreides hat man eingewandt, daß, da dieſer variiren und ſinken koͤnne, eine gewiſſe Rente wiederum nicht geſichert ſey. Allein der reale Werth derſelben bleibt hierbei immer gleich, und nur der nominale veraͤndert ſich. In Anſehung der Staatseinkuͤnfte, wo man die ſes am gefaͤhrlichſten gehalten hat, wuͤrde ſich ein großer Theil der Aus⸗ gaben, in Anſehung ihres nominalen Betrages, zum entſchiedenen Vortheil des Ganzen mit veraͤndern laſſen, z. B. alle Beſoldungen, die nun von zehn zu zehn Jahren nach den ſteigenden oder fallenden Preiſen im Gelde vermehrt oder vermin⸗ dert werden muͤßten, wodurch einem jeden ſein angemeſſenes Auskommen mehr wie jetzt geſichert waͤre. §. 131. Die Vortheile der Vererbpachtung ſind ſo evident, daß es keinen Zweifel hat, ihre Einrichtung werde in unſerm ſchaͤrfer rechnenden Zeitalter bald allgemein werden, wenigſtens da, wo die Grundbeſitzungen noch von betraͤchtlicher Groͤße find. Auch werden andere Grundſtuͤcke, die bisher unter unſichern und beiden Theilen laſtigern Bedingungen uͤberlaſſen worden, nun auf dieſe Erbpachtseinrich⸗ rung modifizirt werden. Dies iſt ohne Zweifel die ſicherſte Baſis, worauf der all⸗ Die Erbpacht. 91 gemeine Wohlſtand und der hohere Betrieb des Ackerbangewerbes gegrundet wer⸗ den kann. Jeder Grundeigenthuͤmer, es ſey der Staat oder der Privatmann, wird aus ſeinem Grund und Boden eine ſichere und reell unveraͤnderliche Rente ziehen koͤnnen; der Werth des Grund und Bodens wird dadurch auf eine feſte Weiſe beſtimmt, und der Kredit darauf nach dieſem Werthe vollkommen geſichert ſeyn, indem die Rente ſelbſt verpfaͤndet und die Zinſen unmittelbar erhoben wer⸗ den koͤnnen, ſo daß mit der Hypothek auch das Eigenthumsrecht gewiſſermaßen mit uͤbergeht und ohne alle erdenkliche Weitlaͤuftigkeit vollkommen geſichert iſt. Hierdurch kame das groͤßte Kapital jeder Nation, was im Grund und Boden ſteckt, in Umlauf, und jedes andere Vermoͤgen erhielte zugleich die größte Sicherheit. 2. Der Gutsbeſitzer wuͤrde jetzt nicht wider ſeinen Willen und Neigung genoͤthi⸗ get, ſein Landgut ſelbſt zu kultiviren, ohne in Gefahr zu kommen, daß ſolches durch Zeitpächler deteriorirt werde. Der unzaͤhlige Verdruß, den jede Verpach⸗ tung macht, die nothwendige Aufſicht und Kontrolle, die vielen Abzuge durch zu⸗ fallige Schäden fielen weg. Aber, was noch weit mehr in Betracht zu kommen verdient, das Gewerbe des Ackerbaues wuͤrde dadurch bald einen hoͤhern Schwung bekommen, wenn jeder, der Reigung und Talent dazu hat, Gelegenheit fände, ſolches mit einem weit geringern Kapitale und doch mit der Sicherheit, die nur das Eigenthum giebt, zu betreiben. Der Erbpaͤchter kann vollig als Eigenchuͤmer handeln, und Alles, was er in dem Gute fuͤr die Zukunft anlegt, iſt ſein, aber er braucht das Grundkapital nicht anzuſchaffen, ſondern nur billig zu verzinſen, kann daher ſein ſammtliches Vermoͤgen als Betriebskapital benutzen. F. 132. Man hat nun die verwickelte Frage aufgeworfen: ob es in Hinſicht auf den Staat und das allgemeine Beſte auch in Hinſicht auf den Betrieb der Wirthſchaft pachten zu er— ſelbſt beſſer ſey, große oder kleine Erbpachtsguͤter zu errichten? Dieſe Frage iſt richtene ſehr verſchieden beantwortet worden, und mußte es nach den verſchiedenen An⸗ ſichten, welche dieſen oder jenen ſeine Lokalität gab, nothwendig werden. Im Allgemeinen kann man ſie, meines Erachtens, ſo beantworten: Man mache in jeder Provinz, in jedem Diſtrikte ſolche Erbvachtsguͤter, wie am meiſten verlangt und, was einerlei iſt, am theuerſten bezahlt werden. Wo vermögendere und ein⸗ M 2 92 Die Erbpacht. ſichtsvollere Landwirthe ſich zu groͤßern Erbpachtungen melden, da gebe man ſie ihnen, wie ſie ſolche verlangen, vorausgeſetzt, daß ſie ſolche eben ſo theuer be⸗ zahlen wollen, wie die Liebhaber kleinere. Wo ober eine groͤßere Konkurrenz von ſolchen iſt, welche nicht das Vermoͤgen und die Ueberſicht fuͤr groͤßere Wirth⸗ ſchaften haben, da gebe man ihnen auch kleine. Dieſe Nachfrage nach großen, mittlern und kleinen Erbpachtsbeſitzungen wird am ſicherſten anzeigen, welche Groͤße nach dem Kulturzuſtande des Volks und der ackerbautreibenden Klaſſe nach der Art des Grund und Bodens und nach der Lokalitaͤt die nutzbarſten ſind. Der Streit uͤber die Vorzuͤge der großen und der kleinen Wirthſchaften kann ohne beſtimmte Lokalität durchaus nicht entſchieden werden. Jede hat im Allge⸗ meinen ihre eigene, die ich in meiner engliſchen Landwirthſchaft, B. II. Abth. 2. S. 91. und folgenden, kurz gegen einander zu ſtellen verſucht habe. Ich geſtehe aber nach meiner jetzigen Ueberzengung, daß ich daſelbſt auf die Schaale der großen Wirthſchaften im Allgemeinen ein zu großes Uebergewicht gelegt habe. Wo unter den kleinern Beſizern wahre Betriebſamkeit und verhältnißmäßiges Vermoͤgen ſich findet, und ſie in ihrem Betriebe uneingeſchraͤnkt und anderweitig nicht zu ſehr belaſtet ſind, da wird ein fruchtbarer Grund und Boden drrch kleine Beſitzer, die ihn mit eigenen Haͤnden oder doch unter eigenen unverwandten Augen vbearbeiten, nicht nur— wie vielleicht jeder zugiebt— mehr produziren, ſon⸗ dern auch— was man um ſo mehr läugnet— groͤßern reinen Ertrag geben koͤnnen. Die Beſorgniß, daß hier von den Produzenten Alles wieder konſumirt werde und folglich nichts zum Verkauf kame, iſt voͤllig eitel, und kann nur aus der Anſicht der aus ganz andern Urſachen ſo jämmerlichen Bauerwirthſchaften ge⸗ wiſſer Gegenden entſtanden feyn. Wenn kleine Erbpächter ihren Kanon bezah⸗ len, ſo manche Dinge ankaufen, nach ihrer Art wohl leben und ſich dennoch etwas eruͤbrigen können,— wie davon ſo viele Beiſpieke in manchen Gegenden, deren Boden keinesweges durch beſondere Fruchtbarkeit ausgezeichnet iſt, vor Augen liegen,— ſo muͤſſen ſie ja nothwendig Ueberſchuß zum Verkaufe haben, und dieſer Ueberſchuß wird, wenn man die Sache genau unterſucht, den uͤbertreffen, welchen große Guͤter von einem gleichen Areal aufweiſen koͤnnen. Jedoch iſt dabei auf den Kulturzuſtand jeder Gegend und auf die Bevoͤlke⸗ rung Ruckſicht zu nehmen. In unbevoͤlkerten und in der Kultur weiter zuruͤck⸗ ſtehenden Diſtrikten, wo die Arbeit nach Verhaͤltniß weit theurer wie der Grund Die Erbpacht. 93 und Boden iſt, und daher mehr eine ertenſive als intenſive Wirthſchaft Statt ſin⸗ det, kann das Ganze durch kleine Wirthſchaften nicht kultivirt werden, und man wuͤrde den Betrieb der groͤßern verhindern, wenn man ihm die Arbeiter dadurch entzöge, daß man ihnen allen kleinere Plätze einraͤumte, wovon ſie ſich allenfalls mit einiger Nebenarbeit allein nähren koͤnnten. Hier darf man nur zur kleinern Parcellirung allmählig ubergehen, ſo wie ſich die Volksmenge vermehrt und arbei⸗ tende Hande ſich anbieten. Es iſt daher eine fehlerhafte Einrichtung, deren uble Folgen man ſchwer gefuͤhlt hat, wenn man in einem gewiſſen Staate beſtimmte, daß jedem Einwohner, den ein Gutsbeſitzer anſetzte, auch ein Grundſtuͤck von etwa acht Morgen zugetheilt werden ſolle. Bei der Zerſchlagung der großen Privatlandguͤter in kleinere Theile, und Ausgebung derſelben in Erbpacht uberlaſſe man daher die Art der Eintheilung dem Eigenthuͤmer, weil diejenige, welche fur ihn die vortheilhafteſte iſt, es auch fur das allgemeine Beſte ſeyn wird. Bei den Domainen ſind hin und wieder vielleicht beſondere Ruͤckſichten zu nehmen⸗ §. 133 Die Beſißer großer Landguͤter und Herrſchaften, welche dieſe und ihre ihnen ſir ſonſt ziemlich laſtige Adminiſtration als die Quelle ihres Einkommens anſahen und betreiben mußten, erhalten durch dieſes Erbpachtſyſtem ihre Rente vollkommen ge⸗ ſchert, werden aber von der Laſt und Sorge dadurch befreit. Wer bisher die Be⸗ wirthſchaftung derſelben aus Neigung und mit Vergnuͤgen betrieben hat, muß im⸗ mer beſorgen, daß dieſe Neigung bei ſeinen Kindern nicht forterbe, mithin ſeine gemachten Einrichtungen mit ihm hinſterben wuͤrden. Wenn er ſeinen Plan, mit Ruͤckſicht auf eine zweckmaͤßige Parzellirung und Vererbpachtung anlegt, die Ein⸗ theilung der Felder und den Bau der Höfe vorläufig anordnet, ſo wird dieſes ſeiner Thaͤtigkeit und ſeinen Einſichten Stoff genug darbieten. Eine ſolche Vorberei⸗ tung, die den kuͤnftigen Erbpaͤchtern die Sache ungemein erleichtert, und wodurch man ihnen den Abriß von dem, was ſie erhalten werden, in die Hand geben kann, wird ſolche in Menge herbeiziehn. Es bedarf nur eines Vorſchuſſes, vielleicht zur Bebauung der erſten Höfe; aus dem Verkaufe oder Erbſtandsgelde dieſer erſten können die andern eingerichtet werden und ſo fort. Der Gutsbeſitzer, der einiges disponible Kapital in Hönden hat, wird einen ſolchen Bau immer leichter und wohlfeiler vollführen, als der antretende Erbpaͤchter, weil er ihn laͤnger vorberei⸗ Vortheile bei den Domai⸗ nen. 94 Die Erbpacht. ten kann, und er mehrere Kenntniſſe davon beſitzt. Einen wohlgelegenen und ausgezeichneten großeren Hof in der Naͤhe ſeines Schloſſes fur ſich zu behalten, ihn mit Garten⸗ und Luſtanlagen in Verbindung zu ſetzen, und das landwirth⸗ ſchaftliche Gewerbe darauf in ſeiner hoͤchſten Schoͤnheit, ſeinem eigenthuͤmlichen Reize und Ebenmaaße darzuſtellen, wird dabei immer moͤglich ſeyn. Und wenn er ſeinen Landſit ſo mit freundlichen Wohnungen freier und thätiger Menſchen umge⸗ ben hat, deren Felder ohne Zweifel bald in ungleich hoͤherer Kultur ſtehen, und die groͤßte Mannigfaltigkeit darbieten werden, ſo wird ihm dies einen weit edleren Antuck als die unabſehbare Flaͤche der vormaligen herrſchaftlichen und baͤuerlichen Feldmark geben. Naͤchſt der Muſterwirthſchaft ſeines zuruͤckbehaltenen Hofes wird ihm die Erhaltung, Eintheilung und Anlage der Forſten, der Teiche, der Torfmoore, der Kalk⸗ und Ziegelbrennereien, vielleicht anderer reſervirter Perti⸗ nenzien, vielleicht die Betreibung und Einrichtung techniſcher Gewerke genugſam beſchaͤftigen koͤnnen, deren Adminiſtration jedoch nun auch andern leichter aufge⸗ tragen werden kann, als die vormalige große Ackerwirthſchaft des Gutes. Weit entfernt, daß die Beſorgniß, dieſes Erbpachtſyſtem werde den Ruin der adlichen Familien, insbeſondere der alten, bewirken, gegruͤndet ſeyn ſollte, bin ich vielmehr uͤberzeugt, daß es ihre Erhaltung befoͤrdern werde, ja daß es ſolche in vielen Fällen allein noch moͤglich mache. Der beſtimmte Werth, die ſichere Rente, der zweifelloſe Kredit der Guͤter, der richtige Etat, den man uͤber Cinnahme und Ausgabe machen kann, und der auf keiner Seite Ausfälle beſorgen laͤßt, muͤſſen den Wohlſtand vieler Familien ſicherer erhalten, und den geſunkenen anderer wieder erheben. Majorate koͤnnen ja, wenn man will, dabei eben ſo ſicher beſtehen. F. 134. Der Vortheil, welcher ſich bei den Staatsdomainen bloß aus der Erſparung der Adminiſtrationskoſten, der Bauten, der Schadenberechnungen und Remiſ⸗ ſionen ergeben wird, iſt ſchon einleuchtend. Die reine Rente muß ſich hierdurch, wenn auch der kuͤnftige Kanon die jetzige Zeitpacht nicht uberſtiege, ſchon betracht⸗ lich vermehren; weit mehr wird aber der Staat indirekte durch die hoͤhere Kultur, Produktion und Bevoͤlkerung⸗ gewinnen. Zweites Hauptſtuͤck. , von den Verhältniſſen, von der Einrichtung und Direktion der Wirthſchaft. Des Wort Oekonomie iſt in ſehr mannigfaltigem und, zuletzt von den Deut⸗ Bedeutung ſchen, in ſehr unrichtigem Sinne gebraucht worden. Seiner Etymologie und ur⸗ des Worts. ſprunglichen Bedeutung nach verſtanden die Griechen die Einrichtung und Leitung des Haus⸗ und Familienweſens darunter, alſo freilich daſſelbe, was wir Haushal⸗ tung nennen. Fenophon in ſeinem Buche uͤber die Oekonomie handelt darin von den häuslichen Verhältniſſen, den Pſlichten der Hausgenoſſen gegen einander, ſagt aber nur beiläufig etwas vom Feldbaue, in ſofern er auf den Hausſtand Bezug hat. Er und andere Griechen gebrauchten dieſes Wort ſonſt nie vom Ackerbau, ſondern bedienten ſich der Woͤrter Georgia oder Geoponia von demſelben. Die Roͤ⸗ mer nahmen jenes Wort in einer weitläͤuftigern und ſehr verſchiedenen Bedeutung. Sie verſtanden namlich darunter die Wahrnehmung der richtigſten Verhaltniſſe zur Erreichung des Zwecks einer jeden Sache, die Dispoſition, den Plan, die Einthei⸗ lung eines jeden Werkes. Cicero ſagt: oeconomia causae, oeconomia oratio- nis, und verſteht darunter die Leitung einer Rechtsſache, die Dispoſition einer Rede, in welchem Verſtande es denn auch wieder einige neue deutſche Schriftſteller genom⸗ men haben, die von der Hekonomie eines Schauſpiels, eines Gedichtes reden. In jenem Sinne der Roͤmer iſt das Wort auch von den Schriftſtellern aller andern Natio⸗ nen genommen worden, und ſie verſtehen darunter bloß das Verhältniß der einzelnen Theile unter ſich und zum Ganzen, daſſelbe, was wir auch Organiſation zu nennen pflegen, und das Wort erhält nur durch ſeinen Bezug auf einen andern Gegenſtand einen realen Sinn. So ſpricht man von der Oekonomie der Natur, des thieriſchen Körpers, des Staats, und allerdings auch eines Gewerbes; wo aber dieſes genannt werden muß, wenn es ſich nicht aus dem Zuſammeuhange von ſelbſt verſteht. Wenn die landwirthſchaftliche Einrichtung darunter verſtanden werden ſoll, ſo ſagt der Fran⸗ Erſter Theil. N 98 Oekonomie. Bedeutung des Worts. zoſe: öconomie rurale, der Engläͤnder: rural economy, jedoch verſtehen dieſe nie die wirkliche Ausfuͤhrung, den eigentlichen Akt des Ackerbaues, ſondern nur die Eintheilung und die Verhaͤltniſſe der Landwirthſchaft darunter. Nur in denen Zeiten, wo man in Deutſchland die Wuͤrde jeder Lehre durch ein lateiniſches oder griechiſches Wort zu heben glaubte, und ſich deren beſonders zu dem Ende auf Buͤchertiteln be⸗ diente, haben einige Schriftſteller nicht nur die Lehre vom Ackerbau, ſondern auch den Ackerbau ſelbſt Oekonomie zu nennen angefangen, und das Wort iſt von manchen ausſchließlich in dieſem Sinne gebraucht worden. So hat Benekendorf ſein weitſchweiſiges Werk, oeconomia forensis betitelt, nach welchem Titel man ein Werk uͤber die Einrichtung der Rechtspflege“ und Gerichtshöfe erwarten ſollte. Darnach haben ſich dann auch die, welche den Ackerbau etwas ausgedehnter und kunſtmäßiger zu betreiben vermeinen, Hekonomen genannt, und endlich nennt ſich jeder, der die Pflugtreiber zu treiben angeſtellt iſt, alſo, obwohl er von den richtigen Verhaͤltniſſen der Wirthſchaft auch nicht den mindeſten Begriff hat. Allein das Wort iſt noch in einem andern, ihm eben ſo fremden Sinne genom⸗ men worden. Weil es nämlich das Weſentliche einer guten Oekonomie iſt, den Zweck einer jeden Sache mit dem moͤglichſt mindeſten Auſwande zu erreichen; ſo hat man die Sparſamkeit erſt im Allgemeinen, dann die mit Gelde darunter verſtanden, und nennt ſogar wohl den Geiz, wenn er auch ſeines Zweckes ganz verfehlt, Oekono⸗ mie, und deshalb denjenigen zuweilen einen guten Hekonomen, der nichts an ſeine Wirthſchaſt wendet, ſondern ſolche erſchoͤpft. Auch nannte man die Beſorgung der Einnahmen und Ausgaben Hekonomie, und den, dem dieſes beſonders von geiſtlichen Korporationen aufgetragen war, den Hekonomen. Wir gehen zu der lateiniſchen Bedeutung des Worts zuruͤck, und verſtehen un⸗ ter Oekonomie, in Bezug auf die Lehre von der Landwirthſchaft, die Lehre von den zweckmäͤßigſten Verhaͤltniſſen und von der Leitung und Anwendung derer Kraͤfte, durch welche die Produktion hauptſaͤchlich hervorgebracht wird, und daher handelt dieſes Hauptſtuͤck von der Anſtellung, Erhaltung und Leitung der arbeitenden Kraͤfte; von den Verhaͤltniſſen des Viehſtandes, oder vielmehr der Futterung und der Duͤn⸗ gung zum Ackerban; von denen darauf gegrundeten Feldeintheilungen oder Wirth⸗ ſchaftſyſtemen in Ruͤckſicht auf die nach jeder Lokalität moͤglich vollkommenſte Errei⸗ Oekonomie. Bedeutung des Worts. 99 chung des Zwecks dieſes Gewerbes: des moglich hochſten nachhaltigen reinen Ertra⸗ ges aus dem Ganzen der Wirthſchaft. Endlich von der Direktion der Wirchſchaft und ihrer Darſtellung in Buͤchern und Rechnungen. Die Arbeit im Allgemeinen. 135 Die Arbeit iſt es, wodurch der Menſch Alles gewinnt oder gewonnen hat, was Arbeit, die . Quelle all er genießt. Was Grund und Boden ohne Arbeit giebt, iſt außerſt wenig, und kann gien nur bei dem Nomaden⸗Leben in Betracht kommen. Alle Lebensmittel, alle Genuͤſſe, allen Wohlſtand und Reichthum, ſelbſt das zur Bewirkung der Arbeit nothwendige Kapital verdanken wir ihr. Durch die Quantitaͤt und Qualitat der auf eine Sache verwandten Arbeit wird ihr Werth oder ihr natuͤrlicher Preis beſtimmt. F. 136. Jedoch erfordert jede Arbeit ein Material, woran ſie ausgeuͤbt wird. Dies ie⸗ Material giebt die Natur der Ackerarbeit im Grund und Boden, und aus dem durch grund und die Arbeit aus dem Grund und Boden hervorgebrachten Produkte wird das Material BodenAntheil fuͤr die Verwendung jeder andern Arbeit geliefert. S 16) Es iſt alſo wohl nicht ganz und unbedingt richtig, wenn man in der neuern Metapolitik alles Vermoͤgen und Einkommen der Nation einzig und allein aus der Arbeit ableitet. Der Grund und Boden hat einen betraͤchtlichen Antheil daran. Auf der andern Seite gehen aber die zu weir, welche den Grund und Boden als die alleinige Quelle des Einkommens betrachten. Eine Ration, die einen ſehr fruchtbaren Grund und Boden bewohnt, wuͤrde ſich weit leichter zu einem hohen Wohlſtande emporheben koͤnnen, wie eine andere. Aber oft iſt die Fruchtbarkeit des Bodens und des Klima wohl die Urſach geweſen, daß ſie es nicht wollte. 38 Ohne Arbeit traͤgt der Boden nichts, und durch die Arbeit erhält er erſt ſeinen Werth. In der Kindheit der Nationen nahm daher jeder ſeinen Boden, den er bearbeiten wollte, umſonſt, weil noch zu wenig arbeitende Kräfte vorhanden N 2 100 Die Arbeit im Allgemeinen. waren. Wie man den Werth erkannte, den er durch die Arbeit zu erhalten faͤhig war, eignete ſich der Gewalthabende denſelben zu, und ſetzte einen Preis darauf. Dieſer war ſehr geringe, ſo lange es an Arbeit und an der Kunſt, ſolche zweckmaͤßig der Boden zu verwenden, fehlte. So wie beides ſich vermehrte, ſtieg der Preis des Grund und einen Werth. Bodens, mit demſelben aber auch der Preis der Ihe und folglich der Preis des aus beiden hervorgehenden Produkts. Verhaͤltniß 5 5.. 3 Daher iſt in kultivirten und bevölkerten Laͤndern ein im Durchſchnitt der Jahre Preiſe der Ar⸗feſtſtehendes Verhaͤltniß oder Gleichgewicht zwiſchen dem Preiſe des Grund und Bo⸗ 8. dens, der Arbeit und der Produkte entſtanden, welches, wenn es durch Zufällig⸗ Produkte keiten geſtoͤrt wird, ſich doch bald wieder herſtellt. F. 140. Indeſſen iſt dieſes Verhaͤltniß nicht allenthalben gleich, ſondern richtet ſich nach der Quantitaͤt und Qualitaͤt des Bodens, gegen die der arbeitenden Kraͤfte, der Kunſtkenntniſſe und des dem Ackerbau gewidmeten Betriebskapitals. Der Grund und Boden iſt wohlfeil, wo es an arbeitenden Kraͤften, an Kunſtkenntniſſen und Kapitale fehlt, und der Preis der letztern ſteht daſelbſt hoch gegen den des erſten. Wenn hingegen in einem bevölkerten Staate ſich die arbeitenden Kräfte, die Kennt⸗ niſſe und das zu ihrer Herbeiſchaffung und Vorausbezahlung noͤthige Kapital ver⸗ mehrt haben, ſo ſteigt der Werth des Grund und Bodens im Verhältniß gegen jene. 5. 141. Hierauf grůn⸗ Dies Verhältniß des Arbeitspreiſes gegen den Preis des Grund und Bodens det ſich der. Vorzug des krägt zur Begruͤndung der verſchiedenen Ackerſyſteme vieles bei. Man kann dieſe in ertenſwen ihren Extremen die extenſiven und die intenſiven nennen. Wo naͤmlich der Boden wohlfeil, die Arbeit aber theuer iſt, da wird man eine gewiſſe Maſſe von Produkten auf einer großen Fläche, aber mit moglichſt geringer Arbeit hervorzubringen ſuchen muͤſſen. Wo dagegen der Preis des Bodens hoch iſt, Arbeit aber in genugſamer Menge und zu billigem Preife ſich darbietet, da wird man auf einer geringen Ackerflaͤche denſelben Werth an Produkten— wie dies wohl im⸗ mer möglich iſt— durch veiſtaͤrkte Anwendung der Arbeit zu erzielen ſuchen. Es giebt Gegenden in Amerika, wo man einen Acker guten Bodens mit dem Preiſe einer Tagesarbeit erkauft. In Belgien, in England und einigen Diſtrikten Die Arbeit im Allgemeinen. 101 IFtaliens kann man dieſelbe Fläͤche kaum in jͤhriger Pacht fuͤr den Preis von 8o Tagearbeiten erhalten. Wer mit einem beſtimmten Kapitale den Ackerbau betreiben will, wird im Rübete Be⸗ erſten Falle eine ſehr große Flaͤche Landes zu kaufen haben, wenn er auch nur wenig ʒum Betriebe der Arbeit uͤbrig behielte. Er muß extenſive Wirthſchaft mit moͤg⸗ wo der eine lich geringſter Arbeitverwendung betreiben. Inm zweiten Falle aber muß er eine kleine Flaͤche kaufen, nicht nur weil der Acker theurer iſt, ſondern auch weil er ein groͤßeres Kapital zur Bezahlung der mehrern zu verwendenden Arbeit uͤbrig behalten muß. In jenem Falle werden oft Guͤter gekauft, wo allein die Frohnden zu den nothwen⸗ digſten Arbeiten zureichen, und wo daher, wenn das Inventarium einmal vorhanden iſt, nur ein unbedeutender baarer Vorſchuß zum Wirthſchaftsbetriebe noͤthig iſt. Je wohlfeiler das Land iſt, um ſo weniger werden Verbeſſerungsarbeiten rath⸗ ſam ſeyn. Wo man den Acker Landes um 18 Rthlr. kaufen kann, und davon 2 Rthlr. reinen Ertrag hat, wuͤrde es vielleicht unvortheilhaft ſeyn, 15 Rchlr. Ver⸗ beſſerungskoſten, z. B. durch Mergeln, daran zu wenden, wenn er gleich darnach den doppelten Ertrag gaͤbe, weil man fuͤr dieſe Koſten noch einen Acker kaufen koͤnnte, der ſich eben ſo ſtark verzinſete, wie die auf jenen verwandten Verbeſſe⸗ rungskoſten. Ich ſage vielleicht, denn es giebt dennoch viele Verhältniſſe, wo es vor— theithafter ſeyn wuͤrde, einen im Beſitz habenden Acker oder Gut mit denſelben Koſten zu verbeſſern, wofuͤr man ein anderes kaufen koͤnnte. §. 143. Wenn der Acker theuer iſt, werden auch die Produkte dadurch etwas vertheuert, jedoch oft nur in geringem Verhaͤltniſſe. Aber nicht immer iſt der Acker theuer, wenn gleich die Produkte es ſind, weil man aus Mangel an Kraͤften oder an Kennt⸗ niſſen jenen nicht zu benutzen, und dieſe nicht hinreichend hervorzubringen verſteht. In jenem Falle iſt die moͤglich groͤßte Anſtrengung auf die Produktion zu verwenden; in dieſem muß man wohl erwaͤgen, ob man ſein Kapital vortheilhafter auf Ankauf von mehrerem Boden, oder aber auf mehrere Bearbeitung verwende. 102 Die Arbeit im Allgemeinen. §. 144. Wenn gleich die Extreme von ſehr wohlfeilem Acker und ſehr theurer Arbeit, und von ſehr theurem Acker und wohlfeiler Arbeit in Deutſchland ſelten oder gar nicht vorkommen, ſo ſind doch mannigfaltige Gradationen dieſes Verhaltniſſes in verſchie⸗ Ob der Ar⸗ beitslohn ge⸗ ſtiegen ſey? denen Provinzen und Diſtrikten vorhanden, die man bei der Einrichtung der Wirth⸗ ſchaft wohl zu erwaͤgen hat, um ſich darnach fuͤr ein mehr oder minder intenſives Wirthſchaſtsſyſtem zu beſtimmen. Dort wird Koppelwirthſchaft mit langer Ruhe des Ackers und Vehenn Arbeit erſparen; hier wird jaͤhriger Fruchtwechſel mit Futterbau und Stallfutterung die Arbeit vortheilhafter vermehren, und der hoͤheren Koſien ungeachtet den reinen Ertrag betraͤchtlich vergroͤßern. §. 145. Es iſt ſeit einiger Zeit unter den Landwirthen eine allgemeine Klage, daß der Lohn der Arbeiter und des Geſindes uͤbermaͤßig geſtiegen ſey, und man hält es fuͤr ein großes Uebel. Manche ſehen dieſes als einen Grund der geſtiegenen Kornpreiſe an. In Gegenden, wo die Frohnden zum Theil aufgehoben ſind, ſucht man in dieſer Auf⸗ hebung wiederum den Grund des geſtiegenen Arbeitslohns. Es iſt aber vielmehr der geſtiegene Preis der Lebensmittel, zugleich mit dem dadurch bewirkten Anreiz zur höͤ⸗ hern Produktion, welcher den Arbeitslohn nach dem Geldpreiſe hat erhoͤhen muſſen, und durch Aufhebung der Frohnden iſt vielmehr die Thatigkeit der arbeitenden Men⸗ ſchen vermehrt, und folglich die Summe der verrichteten Arbeit groͤßer geworden, weshalb ſolche eher zur Verminderung des Arbeitspreiſes wirken muß. Mehrentheils aber iſt jene Klage ganz ungegruͤndet, und die Vertheurung des Arbeitspreiſes iſt bloß nominal, keinesweges real, indem nämlich der Werth des Gel⸗ des gegen den Werth aller uͤbrigen Dinge ſich vermindert hatte, der Preis der uͤbri⸗ gen Dinge aber, beſonders des Getreides, gegen den Preis der Arbeit vortheilhafter ſteht, wie vormals. Man muß die Urſachen, welche auf die Erhöhung und Erniedrigung des Ar⸗ beitslohns, nach Gelde berechnet, wirken, wohl unterſcheiden. Sie ſind folgende: Die Arbeit im Allgemeinen. 103 §. 147. 1) Die Preiſe der Lebensbeduͤrfniſſe. Der Arbeiter muß nothwen⸗ dig ſo viel verdienen, daß er und wenigſtens noch eine Perſon oder zwei Kinder davon ßeige bod leben und zwar ſo leben koͤnnen, daß ſie bei Kraften und geſund bleiben, auch ihre fale? 8. Es bleibt und Kinder davon aufziehen. Haͤtten ſie vorher nichts mehr als dieſes Nothduͤrftige ge⸗ muß in einem habt, und ſtiegen nun die Lebensbedürfniſſe, ohne daß der Arbeitslohn erhoͤht wuͤrde, gewiſſen Ver⸗ ſo wuͤrden ſie bald ſo verkuͤmmern und verarmen, daß ſie unbrauchbar wuͤrden, ihre Kinder nicht geſund aufziehen koͤnnten, und ſomit wuͤrde ſich ihre Zahl bald ſo vermin⸗ Lebensmittel dern, daß nun die wenigen uͤbrigbleibenden einen deſto hoͤhern Lohn fordern koͤnnten. te Es muß alſo nothwendig ein gewiſſes Verhaltniß zwiſchen dem Preiſe der Lebensmittel und dem Preiſe der Arbeit bleiben, und dieſes Verhältniß kann nur auf kurze Zeit und dann immer nachtheilig aufgehoben werden, ſetzt ſich aber bald von ſelbſt wieder ins Gleichgewicht. Steigt der Arbeitspreis aus einer der andern Urſachen in einer Gegend uber das Verhaͤſtniß gegen die Lebensmittel in die Hoͤhe, verdienen folglich die Arbeiter mehr, als ſie zur Nothdurft gebrauchen, ſo werden ſie fruͤher heirathen, mehrere Kinder er⸗ zeugen und aufziehen, und ſomit wird ſich dieſe Klaſſe und die Zahl der Arbeitſuchen⸗ den ſo vermehren, daß der Lohn wieder fallen muß. Indeſſen erfolgt dieſe Wirkung nicht ſchnell, und richtet ſich nicht nach den jaͤh⸗ rig wechſelnden Preiſen des Getreides, ſondern nur nach dem aus einer laͤngern Reihe von Jahren auszumittelnden Durchſchnitte. Vielmehr kann ein augenblickliches Sinken der Preiſe der Lebensmittel das Gegenctheil bewirken, indem ſolche Arbeiter welche nur die Nothdurſt kennen und fuͤr Erſparung keinen Sinn haben, nun in drei Tagen ſo viel verdienen koͤnnen, als zu ihrer Nothdurft hinreicht, wozu vorher fuͤnf Tage Arbeit erforderlich war. Sie werden ſich nun leicht verleitet finden, zwei Tage die Woche weniger zu arbeiten, wodurch ſich die Arbeit im Ganzen betraͤchtlich ver⸗ mindert; derjenige alſo, welcher ſie noͤthig hat, ſolche um ſo theurer bezahlen muß. Allein voruͤbergehend iſt auch dieſes nur, weil doch da, wo hoͤherer Verdienſt iſt, ſich mehrere Menſchen erzeugen und hinziehen, und mit hoͤherem Verdienſt der Wunſch, noch mehr zu verdienen und ſich etwas zu erſparen, bei den meiſten doch rege wird, der vorher wegen der Unmoͤglichkeit ihn zu befriedigen unter⸗ druͤckt war. 104 Die Arbeit im Allgemeinen. Im Allgemeinen alſo richtet ſich in allen nicht entvoͤlkerten Gegenden der Preis der Arbeit nach dem Preiſe der Lebensmittel, und mon wird fuͤr 1 Scheffel Korn, beim gewoͤhnlichen Laufe der Dinge, faſt allenthalben und zu allen Zeiten dieſelbe Maſſe von natuͤrlicher(kunſtloſer) Arbeit haben können, obwohl der Nominal⸗oder Geldpreis ſehr verſchieden iſt. Um den Zuſtand der Arbeiter alſo gleich zu erhalten, handelt der Landwirth, der die noͤthige Anzahl von arbeitenden Familien auf ſeiner Beſitzung angeſetzt hat, ſowohl richtig fuͤr ſich, als billig fuͤr ſie, der ihnen ſtatt eines Theils des Geldlohns ihre Lebensbeduͤrfniſſe zu einem feſtſtehenden Preiſe giebt, oder aber den Geldlohn nach dem Verhaͤltniſſe, wozu er ihnen dieſe Beduͤrfniſſe verkauft, erhoͤhet oder ver⸗ mindert, wenn er ſich anders der Arbeit dieſer Leute zu jeder Zeit verſichert hat. Wenn auch der Staat den Arbeits⸗ und Geſindelohn durch Polizeianordnungen be⸗ ſtimmen will,— wovon der Nutzen ſehr zweifelhaft iſt— ſo muͤßte es nicht nach Gelde, ſondern nach dem Preiſe des gewoͤhnlichſten Lebensmittels, des Rockens, geſchehen. Annahme Wenn ein Arbeiter ſich ernaͤhren, und bei zureichenden Kraͤften erhalten und S dabei zwei Kinder aufbringen ſoll, ſo muß er in 9 Arbeitstagen mit unangeſtrengter oder eines an⸗ kunſtloſer Arbeit einen Berliner Scheffel Rocken verdienen, wobei angenommen wird, daß ſein Weib ſich ihren Unterhalt ſelbſt erwerbe. Erhalten die Tageloͤhner Werths der gleich hin und wieder weniger, insbeſondere ſeitdem die Preiſe des Getreides ſo be⸗ traͤchtlich geſtiegen waren, ſo hat man ihnen andere Vortheile gewäͤhrt, die ihre Er⸗ haltung moͤglich machten, welche aber allerdings mit in Anſchlag zu bringen ſind, wenn man von den Koſten der Arbeit redet. 3 Scheffel Rocken nehme ich daher als den geringſten Lohn fuͤr eine gewoͤhnliche Tagearbeit eines Mannes an. Und da der Preis der Arbeit und des Getreides ein weit beſtändigeres, ſich zu allen Zeiten und an allen Orten mehr gleichbleibendes Verhältniß bei den Berechnungen der Wirth⸗ ſchaft abgiebt, als der wandelbare Werth des Geldes; ſo nehmen wir dieſen Preis einer Tagearbeit oder eines Neuntel Berliner Scheſſels Rocken als eine id ea⸗ liſche Muͤnze bei unſern Wirthſchaftsberechnungen an, und bezeichnen ſie mit einem. Wenn Die Arbeit im Allgemeinen. 105 Wenn man dieſe idealiſche Muͤnze auf Geld reduziren will, ſo muß man den Durchſchnittspreis eines Scheffels Rockens etwa von zehn Jahren in ſeiner Provinz oder Diſtrikte ausmitteln, z. B. . Scheffel Rocken 1 Rthlr.— Gr., ſo macht 1t 2 Gr. 8 Pf. 1„ ⸗ 1 7 5„„ 1 3 3. 14 4— 1. 2*—„ 1 5 Da der Arbeitslohn und die Konſumtion die wichtigſten Artikel in der Koſten⸗ rubrik jeder Wirthſchaft ausmachen, ſo werden die Berechnungen, welche wir ab⸗ ſtrakt und hypothetiſch uͤber die Verhaͤltniſſe der Wirthſchaſten zu machen haben, all⸗ gemein guͤltiger und zutreffender ſeyn, als wenn wir uns des Geldes, welches immer nur den nominalen, nicht den realen Preis eines Dinges angiebt, dabei bedienten. 18. 2) Vermehrung und Verminderung der Gewerbe. So wie ſich die Nachfrage nach Arbeitern vermehrt, ſuchen dieſe ihren Lohn natuͤrlich höher zu ober Vemin— treiben, und der Arbeitspreis ſteigt in der ganzen Gegend. Der aus dieſer Urſache derun« der geſtiegene Arbeitslohn iſt fuͤr den Landwirth ohne Schaden, vielmehr vortheilhaft. Er iſt eine Folge und zugleich eine Urſach des vermehrten Wohlſtandes der Gegend, vielleicht mit hoͤherm Vorſchuß fuͤr den Landwirth verbunden, aber in der Regel mit noch groͤßerm Vortheile. Denn der durch Induſtrie vermehrte Wohlſtand bewirkt ſicher eine ſtarkere Nachfrage nach den Produkten und einen hoͤheren Preis derſelben. Eine Ausnahme macht es jedoch, wenn die ſtarke Nachfrage nach Arbeitern nicht von einer ſicher begrundeten Induſtrie und reellem Wohlſtande, ſondern von einer voruͤbergehenden Unternehmung oder Arbeit, z. B. vom Bau einer beträcht⸗ lichen Chauſſee, Grabung eines Kanals u. ſ. w. herruͤhrt. Hier kann eine ploͤtzliche Steigerung des Lohns nachtheilig wirken und den Landwirth in große Verlegenheit ſeßen, weshalb zu dergleichen oͤffentlichen Arbeiten die Menſchen nie bloß aus der Nachbarſchaft, ſondern von mehrern entfernten Gegenden her zuſammengebracht wer⸗ den mußten, wenn die Regierung den Wirthſchaftebetrieb einer Gegend nicht in Ver⸗ wirrung bringen will. Wenn dagegen der Gewerbsbetrieb in einem Lande herabſinkt und Arbeit weni⸗ ger geſucht wird, ſo bieten ſich mehrere Arbeiter an, als man gebrauchen kann, und Erſter Theil. H N . 1. 12„ zte Urſach: Durch Cala⸗ mitaͤten ent⸗ ſtandener Mangel an Arbeitern. 106 Die Arbeit im Allgemeinen. man vermindert ihren Lohn. Der ſinkende Arbeitspreis iſt hier aber die Anzeige der ſinkenden Induſtrie und der nahe Vorbote des Verfalls derſelben und der Verarmung; folglich fuͤr den Landwirth keinesweges vortheilhaft. Da ſich indeſſen die Zahl der Arbeit ſuchenden bald ins Gleichgewicht zu ſetzen pflegt mit der Nachfrage nach Arbeitern, indem ſich bei Vermehrung der letztern und und erhoͤhetem Lohne bald mehrere einfinden, bei zu ſehr vermindertem Lohne aber die arbeitenden Menſchen ſich wegziehen oder ganz verkuͤmmern; ſo veraͤndert ſich der Arbeitslohn nur waͤhrend des Steigens und Fallens der Induſtrie. Bleibt ſie auf ihrem Punkte ſtehen, ſo werden ſich gerade ſo viele Arbeiter eingefunden haben, als man gebraucht, und es iſt der Arbeitslohn— beſonders, wenn man nicht auf den nominalen, ſondern den realen Preis, oder auf ſein Verhaͤltniß mit dem Werthe der Produkte ſieht— keinesweges in ſolchen Gegenden immer hoͤher, wo große Indu⸗ ſtrie herrſcht, oder geringe, wo dieſe gaͤnzlich fehlt. Der Verdienſt hat in jeder Ge⸗ gend arbeitende Menſchen genug erzeugt, wogegen der Mangel an Verdienſt in dieſer die Menſchen auswandern oder ausſterben ließ. In letzteren fehlt es dann oft an den nothwendigſten Arbeitern in ſolchen Jahreszeiten, wo man deren viele ſucht, und weil ſie außer der Erntezeit keinen Verdienſt finden, ſo laſſen ſie ſich um ſo theurer bezah⸗ len, wenn ſie nun geſucht werden. So iſt in England der landwirthſchaftliche Arbeitspreis, im Verhaͤltniß gegen den Preis anderer Dinge, wirklich geringer wie bei uns, ja er iſt in einigen Gegen⸗ den ſo geringe, daß die arbeitenden Menſchen gar vicht wuͤrden beſtehen koͤnnen, wenn ſie nicht beſtaͤndig fortdauernde Arbeiten faͤnden, und wenn ſie nicht durch die daſelbſt vorhandenen, auf der andern Seite freilich hoͤchſt laͤſtigen, Armen⸗Einrich⸗ tungen unterſtutzt wuͤrden. G 5. 149. 3) Wirklicher, durch Calamitaͤten entſtandener Mangel an Arbeitern. Es kann durch Seuchen, Hungersnoth und Krieg eine ſolche Entvoͤl⸗ kerung in einigen Gegenden entſtehen, daß auch ſelbſt bei dem damit verbundenen Herabſinken der Induſtrie es dennoch zu den nothwendigſten Arbeiten an Menſchen fehlt, wo dann die wenigen ubrig gebliebenen ſehr hohen realen Arbeitslohn fordern koͤnnen. Dies iſt die traurigſte Urſach des geſtiegenen Arbeitslohns, weil mit dieſer Steigerung der Werth der Produkte zugleich ſinkt. Dies iſt vielleicht der einzige Fall, Die Arbeit im Allgemeinen. 10 wo der Landwirth die Steigerung des Lohns zu beklagen hat, und wo er ſich Er⸗ ſparung der Arbeit zum Geſetz machen muß. Sonſt iſt Arbeit ſelten ſo theuer, daß ſie, gehoͤrig verwandt, ſich nicht reichlich bezahlt machte. Dieſe Materie iſt beſonders klar und uͤberzeugend dargeſtellt in Kraus Staatswirthſchaft, Bd. I. S. 197— 248. §. 180. Bei der Berechnung und Beurtheilung des Arbeitspreiſes muß man den Preis des Lohns und den der Arbeit ſelbſt wohl unterſcheiden. Jener kann in preis der Ar⸗ einer Gegend oft hoͤher und dieſer doch geringer ſeyn, wie in einer andern. Denn beit ſind zu die Kraft, die Thaͤtigkeit und Geſchicklichkeit der Menſchen iſt ſehr verſchieden, und richtet ſich haͤufig nach der Nahrung und nach dem Wohlſtande, worin ſie in ihrer Art leben. Ein Arbeiter, den ich 12 Gr. täglich gebe, kann mir oft, der Quantitat und Guͤte nach, mehr als zweimal ſo viel Arbeit verrichten, als ein anderer, der 6 Gr. erhalt. Wo es alſo fleißige und beſonders in gewiſſen Arbei⸗ ten geſchickte Menſchen giebt, iſt die Arbeit in der Regel wohlfeiler, wenn gleich der Lohn hoͤher ſteht. §. 191. Obwohl eine jede zweckmaͤßig verwandte Arbeit ſich immer reichlich bezahlt, Erſparung der und Erſparung in der Ausgabe des Arbeitslohns mehrencheils eine ſchlechte Deko⸗ nomie anzeigt, ſo iſt jedoch die moͤglich hoͤchſte Benutzung der Arbeit und ihrer wendung der⸗ Zeit eines der wichtigſten Momente, worauf der wahre Hekonom zu ſehen hat. ſelben⸗ Manchem lehrt dies erſt eine lange Erfahrung, und es iſt wahr, daß dieſe eine ſehr richtige Ueberſicht und Takt darin geben kann. Allein durch die Beobachtung gewiſſer Grundſatze, welche ſchon die Theorie an die Hand giebt, wird man ſich dieſen Ueberblick weit ſchneller und richtiger erwerben, ohne ſo vieles Lehrgeld, wie die Erfahrung als einzige Meiſterinn fordert, zu geben. 5. 192. Die richtige Verwendung der Arbeit iſt bei der Landwirthſchaft ungleich ſchwieriger, wie bei dem Manufakturen⸗ und Fabrikenbetriebe. Denn die auf ſchaft ſchwie⸗ F riger als bei ein zu verwendende Arbeit nimmt mehrentheils nur einen kurzen Zeit⸗— raum ein. Sie ruhet dann einen weit langern hindurch, wo die Vollendung des werben. O 2 Regeln bei Einrichtung und Verthei⸗ lung der Ar⸗ beit im Allge⸗ meinen. 108 Die Arbeit im Allgemeinen. Produkts groͤßtentheils allein den Naturkraͤften uͤberlaſſen wird, bis ſie zur letzten Gewinnung deſſelben wieder eintreten muß. Nachdem jede Frucht beſtellt worden, iſt eine Zeitlang hindurch nicht viel daran zu thun, wogegen die Arbeit bei einem Fabrikate immer fortgeht, bis ſolches vollendet iſt. Damit nun der Landwirth ſeine arbeitenden Kraͤfte immerfort benutzen koͤnne, muß er theils mannigfaltige Produkte erzielen, theils den ganzen Gang der Wirthſchaft ſo einrichten, daß jeder Zeitpunkt wenigſtens mit einer vorbereitenden Beſchaͤftigung ausgefuͤllt werde. Die Produkte muß er ſo auswaͤhlen, daß die Arbeit, die ein jedes for⸗ dert, zu gehoͤriger Zeit in den Lauf der Geſchaͤfte eingreife, daß aber nie mehrere nothwendige Arbeiten zu gleicher Zeit zuſammentreffen, als er mit ſeinen dis⸗ poniblen oder herbeizuſchaffenden Kraften beſtreiten kann. §. 153. Von großen Arbeiten ſind nie viele auf einmal vorzunehmen, am wenigſten auf ſehr entfernten Plaͤtzen. So viel moͤglich muß man eine nach der andern, und jede mit aller Kraft angreifen und zu vollenden ſuchen; theils der Außſicht we⸗ gen, theils weil ein gewiſfer Wetteifer unter den Arbeitern erweckt werden kann, wenn deren viele unter Aufſicht bei einander ſind; wogegen ſie bei einer großen Arbeit, wenn ihrer wenige dazu verwandt werden, uͤber die Weitlaͤuftigkeit faſt erſchrecken, bei dem geringen Fortſchritte, welchen ſie macht, ſelbſt muthlos wer⸗ den, und auch wohl glauben, daß man des großen Umfangs wegen doch nicht be⸗ merken werde, ob ſie von der Stelle gekommen ſeyen. Bei ſolchen großen Arbei⸗ ten iſt immer ein Menſch oder ein Geſpann zu viel beſſer, als eins zu wenig. Bei kleinern Arbeiten muß man ſich dagegen huͤten, daß man nicht mehrere anſtelle, als dabei nochig ſind. Sie ſtehen ſich ſonſt leicht im Wege, verlaſſen ſich einer auf den andern, und glauben leicht, daß man die Arbeit ſelbſt groͤßer anſchlage, als ſie wirklich iſt. Eine gehoͤrige Abmeſſung der Kraͤfte, die zu jeder Arbeit erforderlich ſind, iſt deshalb von großer Wichtigkeit. Man lernt ſie ken⸗ nen, indem man den Zeit⸗ und Kraftaufwand in einzelnen Abtheilungen oder im Ganzen wohl beachtet. §. 154. Vor allem ſind diejenigen großern Arbeiten vorzunehmen und mit aller Kraft zu betreiben, deren guter Erfolg von angemeſſener Witterung abhaͤngt, ſobald Die Arbeit im Allgemeinen. 109 dieſe Witterung da iſt. Hier muß man mit jeder Minute geizig ſeyn. Werden ſie durch eine veraͤnderte Witterung geſtoͤrt, ſo iſt es gegen die im vorigen F. an⸗ gegebene Regel, zu einer andern großen Arbeit uͤberzugehen, wenn anders nicht beſondere Gruͤnde und vielleicht die wahrſcheinliche lange Dauer der zu jener Ver⸗ richtung unguͤnſtigen Witterung es rachſam machen. Beſſer iſt es, in ſolchen Zwiſchenzeiten kleine Arbeiten, die immer auch nothwendig ſind, vorzunehmen, deren jede bald zu vollenden iſt; weil man ſich's zur Regel machen muß, nicht leicht eine angefangene Arbeit unvollendet zu laſſen, welches man bei groͤßeren Ar⸗ beiten wuͤrde thun muͤſſen, wenn fuͤr die erſte Arbeit die Witterung wieder guͤnſtig wuͤrde. §. 135. Die auf den abgelegendſten Flaͤchen noͤthigen Arbeiten muͤſſen beſonders mit atlen Kraͤften zugleich angegriffen werden, um ſie ſchnell zu vollfuͤhren, weil die Aufſicht dabei ſchwierig iſt, und bei den Wegen viele Zeit verloren geht. Insbe⸗ ſondere iſt dies der Fall, wenn ein haͤufiger Wechſel der Werkzenge und deren In⸗ ſtandſetzung dabei noͤthig iſt. Heftere Abwechſelung der Werkzeuge iſt uͤberhaupt moͤglichſt zu vermeiden, und die mit jedem auszufuͤhrende Arbeit nacheinander zu verrichten: auch um deswillen, weil Menſchen und Vieh damit immer geſchickten arbeiten, wenn ſie in die Gewohnheit gekommen ſind. Eine nothwendige oder einmal beſchloſſene Arbeit wird nie vortheilhaft auf⸗ geſchoben, ſobald man die dazu noͤthigen Kraͤfte bei einander haben kann, wenn ſie gleich in dem gegenwaͤrtigen Zeitpunkte etwas theurer zu ſtehen kommen ſollte, als man ſie in einem andern zu beſtreiten hoffen duͤrfte. Man denkt oft, es werde ſich noch wohl Zeit finden, ſie mit wohlfeilerem Arbeitslohn auszufuͤhren. Allein eine Erſparung wiegt ſelten den Nachtheil eines Verſaͤnmniſſes auf, und was ge⸗ ſchehen ſoll, wird immer je fruͤher deſto beſſer ausgefuͤhrt. Es iſt deshalb immer gut, einen Ueberfluß von arbeitenden Kraͤften zu ſeiner Disvoſition zu haben, und wenn man dieſen Ueberfluß auch nicht immer mit ſo großem Vortheil wie die nothwendigſten gebrauchen koͤnnte: ſo wird es doch dem klugen Landwirthe nicht leicht an Gelegenheit fehlen, ſie zu jeder Zeit ſo zu ge⸗ brauchen, daß ſie ſich wenigſtens bezahlen. Daß dies jedoch ſeine Graͤnzen habe, 110 Die Arbeit im Allgemeinen. und daß man ſich auch mit zu vielen Arbeitern und Arbeitsvieh belaſten koͤnne, verſteht ſich von ſelbſt. Es giebt Produktionen, bei denen der Werth der Arbeit den Haupttheil aus⸗ macht. Es giebt andere, wobei zwar auch Arbeit nothwendig iſt, bei welchen aber der Acker und die Duͤngung einen groͤßern Antheil haben, als jene. Auf letztere muß die Arbeit vor allem verwandt werden, weil Acker und Duͤnger ohne ſolche das ihrige auch nicht leiſten wuͤrden. Der Ueberfluß der Arbeit kann als⸗ dann auf erſtere verwandt werden, wenn ſie auch nur einen geringen Ueberſchuß uͤber das, was ſie koſten, gaͤben. Wenn man jedoch ſolche Produktionen unternimmt, deren Werth haupt⸗ ſaͤchlich aus der darauf verwandten Arbeit hervorgeht, ſo muß man vorher wohl uͤberlegen, ob die Arbeit auch nachhaltig genug darauf verwandt werden koͤnne, ohne ſie andern Produktionen, an welchen die Kraft des Bodens groͤßern Anctheil hat, zu entziehen. Denn wenn man jene nicht vollfuͤhren koͤnnte, ſo wuͤrde die erſte darauf verwandte Arbeit ganz verloren ſeyn. Deshalb hat der ſonſt ſo vortheilhafte Bau mancher Gewaͤchſe, die viele Arbeit erfordern, ſeine Bedenklichkeiten, insbeſondere wenn dieſe Arbeit mit jenen wichti⸗ gern Arbeiten zuſammentreffen koͤnnte. Und da ſich dies bei dem Bau einer großen Mannigfaltigkeit von Gewaͤchſen nicht leicht berechnen laͤßt, ſo muß man ſolchen nicht unternehmen, wenn man nicht gewiß iſt, zu jeder Zeit eine voͤllig dazu hin⸗ reichende Menge von Arbeitern und genugſame Aufſicht zu haben. Aus dieſer Urſach iſt auch die von manchen angegebene Regel, daß ein Land⸗ wirth baare Ausgaben auf alle Weiſe vermeiden, und Alles zu eignem Bedarf ſelbſt erzielen ſoll, ſelten zu befolgen. Wozu auch noch dieſes kommt, daß man nicht be⸗ rechnen kann, ob man den ungewiſſen Ertrag der Prodnktionen voͤllig benutzen werde, der Verkauf derſelben auf dem platten Lande aber mehrentheils ſehr unge⸗ wiß iſt, und die kleine Quantitaͤt dennoch eine weitere Verſendung nicht verlohnt. 5. 157. Uebrigens iſt aber die Beachtung auch der kleinen Arbeiten von großer Wichtigkeit, weil ſonſt zuſammengenommen dabei viele Zeit verſchwendet wird. Muͤſſen ſie zu einer beſtimmten Zeit und bei einer gewiſſen Witterung vorgenom men werden, ſo darf man ſie nie aus dem Gedaͤchtniſſe verlieren, und muß ſor⸗ gen, in dieſem Zeitpunkte Arbeiter dafuͤr zur Hand zu haben. Sind ſie aber Die Arbeit im Allgemeinen. 111 aufſchieblich und zu jeder Zeit und Witterung ausfuͤhrbar, ſo muß man die Zeit wohl wahrnehmen, wo man die Arbeiter zu groͤßern Geſchäften nich be⸗ nutzen kann. 5. 6. Diejenige vielfache Trennung oder Theilung der Arbeit, welche in den Fa⸗ briken zur Erſparung der Zeit und der Kraͤfte und zur Uebung der Arbeiter von auch ſo erſtaunlichem Nutzen iſt, kann in dem Grade bei der Landwirthſchaft nicht an⸗ in der Land⸗ gewandt werden. Indeſſen laſſen ſich doch auch hier bei manchen Arbeiten be⸗ ſondere Arbeiter zu einzelnen Theilen des Geſchaͤftes anſtellen, ſo daß ein jeder anzuwenden. mit beſondern Werkzeugen und Handgriffen einen Theil der Arbeit, ein anderer den andern Theil verrichtet. Der erſparte Uebergang von einem Werkzeuge zum andern und die groͤßere Uebung in einem Handgriffe gegen die Verwechſelung der⸗ ſelben, welche beſonders bei ſteifen Leuten ſehr in Betracht köͤmmt, macht einen erheblichen Unterſchied nicht bloß in Anſehung des Zeitaufwandes, ſondern auch in Anſebung der Guͤte, worin jeder Theil der Arbeit gemacht wird. Allein es koͤmmt ſehr darauf an, daß die verſchiedenen Theile der Arbeiten gehoͤrig in ein⸗ ander greifen, daß ein jeder Arbeiter genug und nicht zu viel zu thun habe, und einer nicht auf den andern zu warten brauche, weshalb man die Arbeit und die Arbeiter genau kennen, und Kraͤfte und Zeit gehoͤrig abzuwägen wiſſen muß. Trifft alles gut zu, und iſt die Sache einmal in gehoͤrigen Gang gebracht, ſo wird oft der Wetteifer unter den Arbeitern dadurch erregt. Iſt dies aber nicht, ſo kann die Unthaͤtigkeit dadurch nur befoͤrdert werden, indem jeder die ſeinige darauf ſchiebt, daß er auf den andern habe warten muͤſſen. Auch haben die Arbeiter Vorwand, es einer auf den andern zu ſchieben, wenn die Arbeit ſchlech⸗ ter gemacht worden. Beiſpiele: Sammeln und Binden der Fruͤchte, das Pfanzen, Sh ausheben u. ſ. w. Auch findet bei groͤßeren Wirthſchaften Theilung der Arbeit in ſo fern Statt, daß ein Theil der Menſchen mit dem Geſpann, mit Ochſen oder mit Pferden, ein anderer mit der Hand, und zwar manchmal nur beſondere Arbeiten zu jeder Jahreszeit verrichtet. Nur kann wegen der Veränderlichkeit der Arbeit Landwirth⸗ ſchafts⸗Ka⸗ lender. Arbeits⸗Vor⸗ anſchlag. 112 Die Arbeit im Allgemeinen. ſelten einer das ganze Jahr hindurch bei derſelben Arbeit angeſtelt bleiben. und hierdurch erhalten größere Wirthſchaften allerdings einen Vorzug vor klei⸗ neren, und verlieren nur dadurch wieder, daß jeder minder angeſtrengt arbeiter, als in manchen kleinen. Manche Arbeiten konnen durch ſchwaͤchere Perſonen, Weiber und Kinder eben ſo gut vollfuͤhrt werden, als durch ſtärkere, und koſten durch erſtere ſo viel weniger. Es kommt alſo viel darauf an, die durch ſtaͤrkere und ſchwächere Per⸗ ſonen zu verrichtenden Arbeiten ſo zu vertheilen, daß man jeden durch das ganze Jahr mit Arbeiten beſchaͤftige, die fuͤr ihn geeignet ſind, und Maͤnner nicht zu Arbeiten, die auch Weiber verrichten koͤnnen, zu brauchen genoͤthiget werde. F. 159. Man hat ſogenannte Landwirthſchafts⸗Kalender, worin die Verrichtungen von Monat zu Monat oder gar von Woche zu Woche nach ihrer angeblichen Folge verzeichnet ſind. Manche ſetzen darauf einen großen Werth, und es werden des⸗ halb noch immer neue verfertigt. Ich halte ſie fuͤr ganz untauglich und verleitend fuͤr Anfaͤnger. Der guͤnſtigſte Zeitpunkt zur Verrichtung der Arbeiten differirt in demſelben Klima, in verſchiedenen Jahren, oft um mehr als einen Monat. Die Verſpaͤtung oder Beſchleunigung einer Verrichtung verſpaͤtet oder beſchleu⸗ nigt die vieler andern, oder auch umgekehrt, indem man das eine fruͤher thun muß, wenn man das andere erſt ſpaͤter thun kann. Auch hat eine jede Wirth⸗ ſchaft nach ihrer beſondern Einrichtung ihren eigenen Gang, welcher ſich nur in individuellen Faͤllen fur eine jede beſonders berechnen laͤßt. Wer in einem ſolchen Kalender erſt nachſuchen muß, was er zu thun habe, wird alles zur Unzeit thun. Dagegen iſt es hoͤchſt nutzlich, daß ſich ein jeder Landwirth in jedem Jahre einen Voranſchlag aller Verrichtungen, die in einem gewiſſen Zeitraume vorge⸗ nommen werden muͤſſen, mache, und darin die Arbeiten nach ihrer mehrern und mindern Wichtigkeit und mit den vorangegebenen Ruͤckſichten verzeichne, und da⸗ bei nicht bloß auf die großen Arbeiten, deren er ſich von ſelbſt wohl erinnern wird, ſondern beſonders auf die kleinern, die dem Gedaͤchtniſſe ſo leicht entfallen koͤnnen, Ruckſicht nehme, es ſey nun, daß dieſe eine genaue Wahrnehmung der Zeit und Witterung erfordere, oder aber immer einzuſchieben ſeyn, wenn jene Zeit und Die Arbeit im Allgemeinen. 113 und Kraͤfte uͤbrig laſſen. Darnach wird man dann voraus berechnen koͤnnen, ob vielleicht mehrere arbeitende Kraͤfte mit Vortheil herbeizuſchaffen ſind, oder ob man, wenn dieſes nicht thunlich iſt, einige Verrichtungen und welche, unter⸗ laſſen muͤſſe. Arbeit des Geſpanns. Pferde und Ochſen. §. 160. Da die Zahl und die Art der zu haltenden Leute ſich groͤßtentheils nach dem Geſpanne richten muß, ſo werden zuvorderſt die Verhaͤltniſſe des letztern mitteln ſeyn. Das Geſpann beſteht in der Regel aus Pferden und Ochſen. Der Gebrauch der Eſel und Maulthiere kömmt zu ſelcen vor, um deren hier zu erwaͤhnen. Die Anſpannung der Kuͤhe findet zwar in einigen Gegenden in kleinen Wirthſchaften Statt, wo ſie nicht unzweckmäßig zu ſeyn ſcheint, hat auch wohl als Nothhuͤlfe zuweilen angewandt werden muͤſſen, iſt indeſſen im Ganzen außer der Regel. S 461. Ueber den Vorzug der Pferde oder Ochſen iſt oft und lange Streit gefuhrt 3 en V 6 worden, aber mit zu einſeitiger Anſicht von beiden Theilen und zuweilen mit zu der Pferde großer Animoſität, weshalb er dann auch nicht beigelegt und die Sache zu einem oder der ſichern Reſultat gebracht werden konnte. 52 Einen unverkennbaren Vorzug haben die Pferde in folgenden Stuͤcken: Vortheile der Sie paſſen ſich zu aller und jeder landwirthſchaftlichen Arbeit auf allen We⸗ gen und bei jeder Witterung. Man hat daher, wo lauter Pferde gehalten wer⸗ den, nicht noͤthig, die Arbeiten für ſie auszuwählen, ſondern man braucht ſein ganzes Geſpann zu jedem vorfallenden Geſchaͤfte, und laßt keinen Theil deſſel⸗ ben ſtillſtehn. Sie verrichten jede Arbeit ſchneller, und ſind zugleich dabei ausdauernd. Man kann daher nicht nur die Arbeiten in derſelben Zeit geſchwinder mit ihnen Erſter Theil. P 114 Arbeit des Geſpanns. 3 vollfuͤhren, ſondern auch langere Tagesarbeiten von ihnen fordern. Es verrichten daher auch die Fuͤhrer mit einer gleichen Anzahl Pferde mehr als mit Ochſen. Wenn ſie gleich bei dem gewoͤhnlichen Zuge einer Laſt nicht mehrere Kraft wie Ochſen aͤußern, ſo uͤberwinden ſie doch, mittelſt der Schnelligkeit ihrer Bewe⸗ gung und Energie, manchen kurzen Widerſtand, wovor die Ochſen ſiehen bleiben. §. 163. der Fuͤr die Ochſen ſpricht dagegen Folgendes: Sie verrichten den größern Theil der landwirchſchaftlichen Arbeit, das Pfluͤgen und die nahen Fuhren eben ſo gut, wie die Pferde, und man kann in einer gewoͤhnlichen Tagesarbeit, wenn ſie gut genährt werden, beinabe eben ſo viel von ihnen erwarten. Die Pflugarbeit machen ſie gewiſſermaßen beſſer wie die Pferde. Die Koſten derſelben ſind betraͤchelich geringer. Ihr Ankauf kommt im Durchſchnitt bei weitem nicht ſo hoch; ihr Anſpannungsgeſchirr iſt weit wohl⸗ feiler, und ihre Nahrungsmittel koſten ungleich weniger und beſtehen in ſolchen Dingen, die des Transports wegen nicht ſo leicht verkäuflich ſind, wie das Korn, welches die Pferde erhalten. Was aber eine Hauptruckſicht iſt: ſie vermindern ſich, wenn ſie gut gepflegt und nicht gar zu lange beibehalten werden, in ihrem Werthe nicht gleich den Pfer⸗ den, ſondern verbeſſern ſich mehrentheils, ſo daß ſie oft theurer verkauft als ein⸗ gekauft werden, und das in ihnen ſteckende Kapital dadurch faſt verzinſen; wo⸗ gegen der Werth des Pferdes endlich faſt zu Null herabſinkt und das Kapital ſo⸗ mit ganz aufgezehrt iſt. Auch ſind ſie in der Regel minderen Gefahren und Zu⸗ faͤllen ausgeſetzt. Sie erfordern weniger Wartung, indem ein Ochſenhirte 30 Stuͤck Ochſen beſorgen kann, wenn andere wechſelnd damit arbeiten. Endlich geben ſie eine großere Quantität Miſt, der im Allgemeinen einen zutraͤglichern Duͤnger, wie der der Pferde, abgiebt. Es verſteht ſich, daß bei dieſer Vergleichung ſolche Pferde und Ochſen gesen einander geſtellt werden muͤſſen, deren Verhaͤltniß in Anſehung ihrer Beſchaffenheit und ihrer Verpflegung nicht ungleich iſt, und die beiderſeits ſo beſchaffen ſind, wie ſte es nach den Regeln einer guten Wirthſchaft ſeyn muͤſſen. Arbeit des Geſpanns. 115 16 Es hat demnach keinen Zweifel, und wird aus der Folge noch deutlicher er⸗Wodurch der hellen, daß diejenige Arbeit, welche mit Ochſen zweckmaͤßig verrichtet werden kann, durch ſelbige wohlfeiler beſchafft wird, als wenn ſie mit Pferden geſchaͤhe. andern in ver⸗ Hätte alſo eine Wirthſchaft nur ſolche Arbeiten, die mit Ochſen bequem und ohne Aufenthalt verrichtet werden koͤnnten, ſo wuͤrde ſie nur Ochſen halten duͤrfen. Das bedingt werde. Eggen allein, welches durch Pferde freilich beſſer geſchieht, wuͤrde meines Erach⸗ tens noch kein Grund ſeyn, Pferde zu halten. Allein es fallen in den meiſten Wirthſchaften Arbeiten vor, zu welchen die Ochſen weniger geſchickt ſind, und welche, mit ſelbigen verrichtet, wenigſtens viele Zeit wegnehmen wuͤrden. Des⸗ halb wird man ſich bewogen finden, nach der Quantitaͤt dieſer Arbeiten mehrere oder wenigere Pferde zu halten, und darnach dann die Zahl der Ochſen zu be⸗ ſchränken. Den Pferbeſtand auf dieſe Arbeiten, die auch nicht immer vorge⸗ nommen werden koͤnnen, genau zu berechnen, wird ſelten moͤglich ſeyn, weshalb ſie denn zuweilen auch zu ſolchen Arbeiten, die durch Ochſen wohlfeiler geſchehen koͤnnten, genommen werden muͤſſen. Indeſſen iſt es doch von großer Wichtig⸗ keit, das gerechte Verhaͤltniß beider ſo genau als moͤglich auszumitteln, welches aber nur in jeder individuellen Wirthſchaft geſchehen, und wozu hier nur die all⸗ gemeinen Gruͤnde angegeben werden koͤnnen. Ja es giebt allerdings Wirthſchaf⸗ ten, deren beſondere Verhaͤltniſſe, merkantiliſche und geographiſche Lage, es rathſam und vortheilhaft machen koͤnnen, lauter Pferde und gar keine Ochſen zu halten, weil der Arbeiten, die mit letzteren beſchafft werden koͤnnen, zu wenige ſind, um eine doppelte Vorſorge, die Haltung eines Ochſenwaͤrters u. ſ. w. zu verlohnen. Man fuͤhrt in manchen Gegenden zwar die Schwierigkeit gegen die Ochſen an, daß es ſo ſchwer, ja faſt unmoͤglich ſey, Knechte, die mit Ochſen gut arbei⸗ ten, zu erhalten. Der Fall ſcheint mir aber nur da einzutreten, wo man auf die Anſetzung von Tageloͤhnern nicht Bedacht genommen hat; denn ſolche pflegen doch lieber mit Ochſen als mit der Hand zu arbeiten, wogegen unverheirathete, öbrigens gute Knechte an manchen Orten nur bei Pferden dienen wollen. Wenn jedoch nach neuern Verſuchen eine andere Futterung der Pferde, als mit Korn, und die dem Landwirthe in der Regel viel geringer zu ſtehen kommt, P 2 116 Arbeit des Geſpanns. eingeſuͤhrt werden kann, ſo wuͤrde die Sache zwiſchen Ochſen und Pferden vielleicht anders zu ſtehen kommen. Es verſteht ſich aber, daß die Pferde dabei in derſelben vollen Kraft wie beim Korne bleiben muͤſſen. Denn bei derjenigen ſchlechten Hal⸗ tung, welche man den Gras⸗ und Spreupferden mehrentheils angedeihen läßt, ſtehen Wechſel⸗Och⸗ ſen⸗Geſpann. dieſe Pferde den Ochſen offenbar weit nach, und es iſt ein großer Verluſt fuͤr das all⸗ gemeine Beſte geweſen, daß der Bauer in manchen Gegenden gezwungen war, ſolche elende Pferde zu der Frohne, zum Vorſpann und zu Kriegesfuhren zu halten. § 165 Wenn man mit Ochſen dieſelbe Tagesarbeit, wie mit Pferden, ohne mehrere Menſchen verrichten will, ſo muß man die bekannte Einrichtung mit Doppel⸗ oder Wechſelgeſpannen treffen. Sie beſteht darin, daß jeder Ochſe nur eine Zeit des Ta⸗ ges arbeitet, dann aber von einem endern abgeloͤſt wird und ruht. Dieſe Wechſe⸗ lung geſchieht zwei⸗ oder dreimal des Tages. Selten und nur bei elenden Ochfen wird indeſſen ein dreifaches Geſpann gehalten, ſondern wenn dreimal gewechſelt wird, ſo kommt derſelbe Ochſe, welcher des Morgens fruͤh angeſpannt, dann aber abgeloͤſt war, in der letzten Tagesperiode wieder daran; am folgenden Tage wird er dagegen nur einmal angeſpannt. Ein ſolches Wechſelgeſpann von vier Ochſen kann bei ſolchen Arbeiten, die uͤber⸗ haupt fuͤr Ochſen geeignet ſind, etwas mehr ausrichten, wie zwei Pferde, wenn an⸗ ders der Treiber, der nicht gewechſelt wird, ſondern dem man die Ochſen in der Re⸗ gel durch den Hirten oder einen Jungen zufuhren läßt, die gehorige Ausdauer hat. Es iſt zwar gewiß, daß eine gleiche Anzahl Ochſen, die nicht wechſeln, ſondern nur des Mittags eine Pauſe machen, mehr ausrichten koͤnnen, als bei dieſer Wechſelein⸗ richtung geſchieht. Sie muͤſſen jedoch beſſer genaͤhret und gehalten werden, und wer⸗ den dennoch auf die Daner, wenn ihre Arbeit täglich fortgehen ſoll, zu ſtark ange⸗ griffen. So viele Atbeit thun zwei fortarbeitende Ochſen aber auf keinen Fall, wie vier wechſelnde Ochſen, und folglich thut auch ihr Treiber weniger. Man kann das Verhaltniß der Arbeit eines Wechſelochſens gegen die eines fortarbeitenden wie 3 zu 4 annehmen. Dieſes wird wenigſtens zum Theil durch die mehrere Arbeit des Wechſel⸗ ochſentreibers kompenſirt. Auch iſt anzunehmen, daß man auf ſechs fortarbeitenden Ochſen einen uberzahligen halten muͤſſe. Deshalb findet man ſich da, wo man die Thatigkeit der Wechſelgeſpanne kennt, bewogen, nicht davon abzugehen. Wenn Arbeit des Geſpanns. 117 jedoch in den kurzen Wintertagen die Arbeitszeit uͤberhaupt kurz iſt, ſo kann man die Wechſelgeſpanne trennen und ſie ganz durcharbeiten laſſen. §. 166. Es iſt ein ſehr gewöhnliches aber gewiß ſehr unrichtiges Vorurtheil, daß man die Ochſen im Winter nicht gebrauchen, ſondern ſie ganz ruhen laſſen muͤſſe, dabei aber nur ſehr ſchlecht futtern duͤrfe. Es fallen in einer wohleingerichteten Wirthſchaſt auch im Winter, wenn die Wege leidlich ſind, Arbeiten genug vor, die mit Ochſen gut verrichtet werden koͤnnen. Der Ochſe iſt keinesweges jempfindlicher gegen die Kaͤlte, wie das Pferd, vielmehr im Winter, wenn er gut gefuͤttert worden, ſehr munter. Gegen das Ausgleiten auf dem Froſte koͤnnen ſie durch einen leichten Be⸗ ſchlag geſchuͤzt werden. Der maͤßig fortarbeitende Ochſe wird bei guter Futterung gelenkiger und chaͤtiger bleiben, als wenn er den ganzen Winter hindurch kein Bein geruͤhret hat. Indeſſen fallen doch mehrere Tage, wo ſie wegen des Regens und der ſchlechten Wege nicht arbeiten koͤnnen, bei den Ochſen aus, als bei den Pferden, und wenn man bei großer Thatigkeit fur die lettern 300 Arbeitstage im Jahre annimmt(wobei man jedoch auf zwoͤlf Pferde ein uͤberzaͤhliges muß), ſo kann man auf die Och⸗ ſen im Wechſel nur 250 annehmen. Aus dieſen Datis und der nachfolgenden Berechnung der Koſten der Pferde und Ochſen wird man in jedem gegebenen Falle leicht ausmitteln koͤnnen, ob mehr Pferde oder Ochſen, oder nur eins von beiden zu halten rathſamer ſey. §. 167. In Anſehung der Ackerpferde haben manche Landwirthe den Grundſatz, beim Auswahl und Einkauf derſelben nur auf Wohlfeilheit zu ſehen, und ſich nicht darum zu kuͤmmern, wenn ſie bald unbrauchbar werden. Man verliere, ſagen ſie, durch die jährliche Abnutzung und das Altern der Pferde doch immer, und um ſo mehr, je beſſer und theurer ſie ſeyn. Beim haufigen Kauf und Verkauf ſchlechter Pferde konne man kaum ſo viel verlieren, man erſpare das groͤßere Kapital, und leide weniger bei Un⸗ glůcksfallen. Sie kaufen daher gern Pferde, die abgetrieben und zu ihrem vorherigen Gebrauch nicht mehr tuchtig ſind, den Pflug und die Egge aber noch wohl ziehen können, und berufen ſich auf Faͤlle, wo ſolche Thiere bei langſamerer Arbeit und gu⸗ tem Futter ſich wieder erholt haben, und dann zu einem hoͤheren Preiſe, als ſie koſte⸗ —— Eigenſchaften eines guten Ackerpferdes. 118 Arbeit des Geſpanns. ten, verkauft wurden. Wenn man auf die Pferdehaltung allein zu ſehen haͤtte, ſo wuͤrde dieſes Verfahren unter manchen Verhaͤltniſſen nicht unrichtig ſeyn. Allein man kann ſich bei den fortgehenden landwirthſchaftlichen Arbeiten auf ſolche Pferde nie verlaſſen. Sie ſind haͤufigen Zufaͤllen von entſtandener Kraͤnklichkeit unterwor⸗ fen; man iſt ungewiß, wie viele Arbeit man ihnen zutrauen duͤrfe, und ein ſolches zuſammengebrachtes Geſpann iſt nicht in gleichem Athem, Zuge und Takte, weshalb denn eine regulaire und ſichere Wirthſchaſt bei ſolchen Geſpannen— es ſey denn, daß man viele uͤberzaͤhlige halte— nicht beſtehen kann. Wenn man aber wegen der Kraͤfte, die man beſitzt, unſicher iſt, ſo faͤllt alle Berechnung und Kontrolle der Ar⸗ beit weg, und oft bringen ein Paar Pferde, die zu einer geſchaͤftvollen Zeit unbrauch⸗ bar werden und nicht gleich wieder erſetzt werden koͤnnen, einen Schaden, der jenen Vortheil bei weitem uͤberwiegt. Die Unbrauchbarkeit des einen ſtört im Gebrauche mehrere andere. Deshalb koͤnnen meines Erachtens ſolche abgetriebene Pferde nur als Nebengeſpann, die auf eine Zeitlang zu Meliorationen oder Bauten beſtimmt ſind, vortheilhaft angekauft werden. F. 168. Die Hauptgeſpanne muͤſſen aus gleichartigen, gedrungenen, kurzgerippten oder kurzgepackten, in der Bruſt und im Kreuze breiten, nicht dickknochigten, aber ſtark⸗ ſehnigten Pferden beſtehen, die nicht hitzig, aber munter und ausdauernd ſeyn muͤſſen, mit einem gut gefeſſelten, hartgehuften Fuße. Nur auf ſehr ſchwerem Boden bedarf es großer ſchwerer Pferde, die wenn ſie in Kraft bleiben ſollen, mit beſonderer Sorg⸗ falt gewartet und ſtark gefuttert werden muͤſſen. Zu Ackerpferden paßt ſich ein har⸗ tes Pferd mehr, was auch zu Zeiten bei ſchlechter Wartung und unordentlicher Fut⸗ terung in Kraft bleibt. Ein ſolcher Schlag von Pferden, der vormals einigen deutſchen Provinzen eigen war, iſt ſelten mehr zu haben, indem er bei dem geringern Landmann durch Mangel an Sorgfalt und zu fruͤhem Gebrauch verkroͤpelt, auf den groͤßern Guͤtern aber durch manche in dieſer Hinſicht unzweckmäͤßigen Durchkreuzungen verhalbedelt, fuͤr den Ackerbau aber verſchlechtert iſt. Denn wer von groͤßern Landwirthen nicht veredelte Pferde zum theureren Ver⸗ kauf aufziehen wollte, hat ſich der Pferdezucht, Behuf des Ackerbaues, faſt ganz Arbeit des Geſpanns. 119 entſchlagen, in der Ueberzengung, daß man ſolche Pferde immer wohlfeiler kaufe, als ſelbſt aufziehen koͤnne. Wer indeſſen einen Schlag thaͤtiger, kraftvoller, gut proportionirter und harter e Pferde kennt, wird den Vorzug, ſolche Pferde beim Ackerbau zu gebrauchen, weit genen Pſerde. uͤber das anſchlagen, was ſie etwa mehr, als zuſammengekaufte Pferde, koſten moͤchten. Ein ſelbſt aufgezogenes, in ſeiner Natur gleiches, nicht ſowohl in der Farbe, als in der Kraft und in den Verhältniſſen des Koͤrpers uͤbereinſtimmendes Geſpann giebt eine Zuverlaͤſſigkeit im Gebrauche deſſelben, die man bei einem einzeln zuſammengekauften, ungleichen Geſpann von verſchiedener Natur und Außzucht durchaus nicht haben kann. Wohlfeilere Pferde, beſonders ſolche, die ſchon in den Haͤnden der Roßhaͤndler geweſen ſind, pflegen gewoͤhnlich in der Jugend ſchon uͤber⸗ trieben und dann mit ſtarker Futterung aufgeholſen zu ſeyn, wodurch ſich eine Anlage zu Krankheiten in ihnen entſponnen hat. Die Pſerde bekommen von dieſer innern Schwaͤche haͤufige Zufälle, und man weiß dann nicht, ob man es einer Vernachlaſſi⸗ gung in der Wartung oder der ſchwachen Konſtitution Schuld geben ſoll. Ungleich⸗ artige Pferde in einem Geſpann, deren Zuſammenbringung man beim Ankaufe ſelten wird vermeiden konnen, reiben ſich eins das andere auf, das träge das hitzige, und dieſes jenes. In der That aber iſt, wie an einem andern Orte gezeigt werden wird, die Auf⸗ Rückſichten zucht der Pferde bei den meiſten Wirthſchaftsorganiſationen ſo ſchwierig und ſo koſt⸗ bar nicht, wie ſie einige berechnen. Wenn die Stuten zu rechter Zeit bedeckt werden, Landwirth. ſo wird ihr Gebrauch dadurch wenig verhindert, und die Zeit des Fuͤllens und des erſten Saugens faͤllt in eine Periode, wo man ihnen einige Ruhe goͤnnen kann, und weiter duͤrfen ſie nicht geſchont werden. Man ſuche dann aber vor allem einen recht zweckmäßigen Schlag zu bekommen, und verbeſſere denſelben dann nur in und durch ſich ſelbſt, ohne ſich zu heterogenen Durchkreuzungen verleiten zu laſſen. Wenige haben der Verſuchung widerſtanden, ihren voͤllig angemeſſenen Pferdeſchlag durch Zulaſſung ſchoͤner Hengſte verfeinern zu wollen. Es iſt aber ein hoͤchſt ſeltener Fall, daß aus ſolchen Durchkreuzungen in der erſten Generation etwas ausgezeichne⸗ tes entſtanden, und noch ſeltener, daß man einen ſolchen entſtandenen Schlag feſt⸗ gehalten, und nicht durch das eine oder andere Extrem in gewiſſer Hinſicht wieder verdorben habe. Jedoch giebt es noch Ueberbleibſel einer, mit großer Ueberlegung Ankauf von Fuͤllen⸗ Eigenſchaften eines guten Zugochſen. 120 Arbeit des Geſpanns. und Kenntniſſen eingerichteten Pferdezucht, welche, bei guter Behandlung in der Jugend, Pferde liefert, die ſowohl zu ſchweren und ausdauernden Arbeiten, als zum ſchnellen Zuge und zum Gebrauch der Kavallerie gleich geſchickt und dauerhaft ſind, und dies iſt derjenige Schlag, der fuͤr den Landwirth paßt. Die eigentlich auf den Verkauf berechnete Pferdezuͤchterei oder die Anlegung von Stutereien kann dagegen nur unter beſondern Lokalitaͤten, bei vorzuͤglichen Kenntniſſen der Sache, bei richti⸗ ger Spekulation und Anlegung eines großen Kapitals vortheilhaft werden. Viele haben beträchtliche Aufopferungen dabei gemacht, ohne einen der Erwartung ent⸗ ſprechenden Erfolg. 5. 159. Einige, von den Mißlichkeiten des Pferdeankaufs uͤberzengt, aber dennoch gegen eigene Zucht eingenommen, rathen, abgeſetzte Fuͤllen oder jährige zu kaufen und dieſe dann aufzuziehen. Aber wenn man einmal einen guten Hengſt und ein gu⸗ tes Geſpann von Zuchtſtuten, die von jenem bedeckt werden, hat, ſo koſten die Fuͤllen ſelbſt am wenigſten, und jenes Verfahren ſcheint mir nur dann rathſam, wenn man Gelegenheit hat, die Fuͤllen aus einer Gegend unmittelbar zu bekommen, wo ein gleichartiger, feſter und guter Schlag exiſtirt, ohne ſich mit Roßtaͤuſchern abzugeben. Hier aber pflegen die Fuͤllen ſehr theuer zu ſeyn. Ein häuſiger Umſatz mit jungen Pferden, wozu man die Fuͤllen aus einer die Pferdezuche ſtark treibenden Gegend in gleichhaarigen Geſpannen zuſammenkauſt, ſie dann bei maͤßiger Arbeit bis zum fuͤnften oder ſechsten Jahre behält, und dann als Luxuspferde wieder verkauft, kann dem kleinern Landwirthe, unter gewiſſen Ver⸗ haͤltniſſen, vortheilhaft ſeyn, paßt aber nur ſelten fuͤr den großen. Bei eigener Auf⸗ zucht jedoch wird er oft ein ſchoͤnes Kutſchgeſpann davon eruͤbrigen und mit Vortheil verkaufen koͤnnen. §. 170. Auch bei den Ochſen macht die Race, die Groͤße und der Bau derſelben einen großen Unterſchied zu ihrem Gebrauch. Man hat gewiſſe Racen, bei denen ſich Kraft und Munterkeit mit einer gehoͤrigen Proportion des Gerippes fortpflanzen, und Zugochſen aus gewiſſen Gegenden ſtehen auch in Deutſchland in beſonderem Rufe. Doch fehit es uns noch an ſo genauen Vergleichungen und Bemerkungen, wie die Englaͤnder uber ihre Hauptracen gemacht haben. Im Arbeit des Geſpanns. 121 Im außern Gebaͤude unterſcheidet ſich ein guter Zugochſe nicht ſowohl durch ſeine Hoͤhe und Laͤnge, als durch einen breiten Bau, einen ſtarken Hals und Nacken, breite Bruſt, hohe Woͤlbung des Gerippes und vorzuglich betraͤchtliche Breite in den Hintertheilen. Der ganze Ruͤcken muß platt und breit ſeyn. Beine und Fuͤße muͤſſen geſund und gelenkig, nicht ſteif und ſchleppend ſeyn. Er darf ſich ſo wenig wie ein Pferd hinten mit den Heſpen ſtreifen, welches bei ſchmalen und hochbeinigen Ochſen leicht der Fall iſt. Er muß ein munteres Anſehen haben und mit dem Auge ruckwaͤrts blicken, aber nicht ſcheu und unbandig ſeyn. Große und reine glatte Hoͤr⸗ ner dienen nicht bloß zur Beſeſtigung gewiſſer Zuggeſchirre und der Leitſeile, ſondern ſind auch ein Merkmal von Geſundheit und Kraft. Haͤngende große Ohren, ein beſonders großer Kopf und ein ungewoͤhnlich ſtarker Haͤngelappen vor der Bruſt zei⸗ gen nach den Bemerkungen der Englaͤnder oft eine Schwaͤche der ubrigen Theile an, obwohl andere ſie fuͤr ein gutes Zeichen halten. Das Hoͤhemaaß des Ochſen vom Vorderfuße bis zum Wiederriß, worauf viele allein achten, giebt eine ſehr unzu⸗ verläſſige Schätzung derſelben ab. E Im ſuͤnften Jahre koͤnnen junge Stiere angeſpannt, muͤſſen aber vor dem ſie⸗ der benten Jahre nicht angeſtrengt werden, wenn ſie voͤllig zu Kraͤften kommen und aus⸗ dauernd werden ſollen. Die Meiſten haben die Meinung, daß man einen Ochſen nicht uͤber zehn Jahr alt werden laſſen muͤſſe, weil er ſonſt zum Maͤſten nicht tauglich und nicht verkaͤuftich ſeyn wuͤrde. Geſetzt, er verloͤre auch etwas an ſeiner Maſt⸗ fahigkeit und Guͤte des Fleiſches— was denn doch gegen meine und Anderer Er⸗ fahrung iſt, indem ich dreizehnjährige, aber wohl ausgemaͤſtete Ochſen von unge⸗ mein gutem Fleiſche gehabt habe— ſo iſt doch die Arbeit eines gut eingefahrnen und ſtarken Zugochſens es werth, ihn länger beizubehalten. Sie bekommen erſt ihre volle Staͤrke und Ausdauer im neunten Jahre, und arbeiten bis zum ſechszehnten, wenn ſie in der Jugend nicht zu fruͤh angegriffen worden, mit voller Kraft. Von großer Erheblichkeit iſt eine gute, geduldige Abrichtung der Ochſen, indem man ſie allmaͤhlig an das Geſchirr und an den Zug gewoͤhnt, ihnen immer eine groͤßere Laſt zu ziehen giebt, und ihnen zugleich einen raſchen Schritt durch Wetteifer mit einem andern, ſchnell gehenden Ochſen angewoͤhnt. Es koͤmmt hierauf bei der Brauchbarkeit der Ochſen ſehr viel an. Deshalb iſt es wichtig, vernuͤnftige Men⸗ Erſter Theil. Q ——=—— 122 Arbeit des Geſpanns. ſchen bei den Ochſen zu haben, die ſie weder träge werden laſſen, noch uͤbertreiben und uͤberhitzen, und es liegt mehrentheis nur daran, wenn man mit den Ochſen wenig ausrichtet. Wuͤrde alle die Sorgfalt auf die Zucht, Wartung und Abrichtung der Ochſen verwandt, die man auf die Pferde verwendet, ſo wuͤrde man ihre Vollkommenheit „ſehr hoch treiben koͤnnen. Aber das geſchieht, der Verachtung wegen, die man fuͤr ſie hat, nur an wenigen Orten, woruͤber der Dichter von Thuͤmmel, den ſie auf ſeiner Ruͤckreiſe von Carlsbad aushalfen, ſeine wackern Hoͤrnertraͤger mit dem Worte troͤſtet: ——— denn eure ſtolzen Freſſer Beſtimmen unter ſich den Rang nicht beſſer⸗ 5. 172. Koſten der In Anſehung der Unterhaltungskoſten der Pferde kommt Folgendes in Betracht. Das gewoͤhnlichſte Kornerfutter derſelben iſt der Hafer, und manche halten ihnen dieſen ausſchließlich nur für zuträglich. Allein es iſt gewiß, daß ihnen jedes andere Getreide, im Verhaͤltniß ſeiner Nahrungsfaͤhigkeit auf die gehoͤrige Weiſe gegeben, eben ſo nuͤtzlich und geſund ſey. Auch die Huͤlſenfruͤchte, Erbſen, Bohnen und Wicken ſind der Natur der Pferde ungemein angemeſſen, und übertreffen ihrer vor⸗ zuglichen Nahrungsfaͤhigkeit wegen wohl noch die Getreidearten. Das vortheilhaf⸗ teſte Pferdeſutter iſt alſo dasjenige, welches nach Verhaltniß ſeiner Nahrungskraft zu jeder Zeit das wohlfeilſte iſt. Sie ſtehen, wie an einem andern Orte ausfuhrlicher zezeigt werden wird, in folgenden Verhältniſſen: Hafer—5 Gerſte Rocken—= 9. Weizen 12 Huͤlſenfruͤchte= 10 bis 11. Reben den Koͤrnern erhalten die Pferde in der Regel Heu, welches allerdings Nahr⸗ haftigkeit beſitzt, und geſchnittenes Stroh, welches nur zur Befoͤrderung des Käuens und Ausfuͤllung des Magens, aber wenn es krauterlos iſt, wohl wenig zur eigentli⸗ chen Rahrung dient. Arbeit des Geſpanns. 123 Je nachdem die Quantitat des Heues vermehrt wird, kann die der Koͤrner ver⸗ mindert werden, und umgekehrt. Bei ſchneller und ſtarker Arbeit iſt eine Vermehrung des Kornfutters gegen das Heu, bei langſamer, aber ausdauernder Arbeit Vermeh⸗ rung des Heues, der Erfahrung nach, vortheilhafter. Im Ganzen macht Korn die Pferde kräftiger, das Heu aber fleiſchiger. §. 173. Ein mittelmaͤßiges, gehoͤrig arbeitendes Pferd bedarf im Durchſchnitt durchs ganze Jahr täglich 10 Pfund oder 3 Metzen guten Hafers, und man mß dieſen jährlich, da zuweilen doch eine Vermehrung des Furters vorfällt, auf 70 Scheffel rechnen. Hierneben erfordert es taͤglich 10 Pfund Hen, um in gehoͤriger Kraft bei aus⸗ dauernder Arbeit erhalten zu werden. Ferner wird ihm Strohhaͤckſel zwiſchen das Korn gegeben, welches man vermehrt oder vermindert, je nachdem man weniger oder mehr Heu giebt. Die jahrliche Futterung eines Pferdes toſtet alſo: 70 Scheffel Hafer à 5 4= 350. 33 Centner Heu à 3„= 99„ 449 4. Dazu kommen ferner zu berechnen? die Zinſen des Ankaufkapitals. 24 4. jaͤhrliche Abnutzung 48 halber Hufbeſchlag 14 Das Stroh wird gegen den Miſt gerechnet. Nehien wir den Werth eines Scheffel Rockens zu 12 Rthlr. an, ſo iſt ein gleich 4 Gr., und ein Pferd koſtete dann 89 Rthlr. 4 Gr. jaͤhrlich. Die gewoͤhnliche wohifeile Unterhaltung der Pferde, wo ſie im Sommer auf die Weide getrieben, im Winter aber außer dem Heue nur mit Spreu oder Kaff und Ueberkehr erhalten werden, und dann in den ſtrengern Arbeitszeiten nur etwas Korn oder Surbenbitt erhalten, läßt ſich nicht wohl berechnen, und findet mit dem 2 Roßten der dchſen⸗ Arbeit des Geſpanns. Hauptgeſpann in keiner energiſchen Wirthſchaft Statt. Ein Nebengeſpann auf dieſe Weiſe zu erhalten, welches gewöhnlich nur leichtere Arbeiten thut, haben einige nach ihrer Lokalitãt vortheilhaft erachtet. Allein es hat nun keinen Zweifel mehr, daß auch Pferde in voller Kraft ohne alles Korn durch ſolche Futterungsmittel, die dem Landwirthe weit weniger koſten, erhalten werden koͤnnen: im Sommer mit gruͤnem Klee, Wicken u. dergl., im Win⸗ ter mit Kartoffeln, Moͤhren und verſchiedenen andern nahrhaften Wurzelgewaͤchſen. Wenn gleich davon eine ſo große Quantitat gegeben werden muß, daß nach dem ſtäd⸗ tiſchen Preiſe der letztern kein Vortheil dabei zu ſeyn ſcheint, ſo kommen ſie doch dem Landwirthe gegen das Getreide viel wohlfeiler zu ſtehen, und werden wegen der groͤ⸗ ßern Schwierigkeit des Verfahrens vortheilhafter auf dem Hofe konſumirt. Die Ge⸗ deihlichkeit dieſer Futterungsart iſt durch große Verſuche außer allem Zweifel geſetzt, und nach ihrer Einſuͤhrung wird die Sache zwiſchen Ochſen und Pferden vielleicht ein anderes Anſehn bekommen. Die Methode dieſer Futterung wird an ihrem Orte aus⸗ einandergeſetzt werden. 5. 174. Die Futterung der Ochſen wird in ihrer Qualitaͤt und Quantitaͤt ſehr verſchieden eingerichtet. In den gewoͤhnlichen Wirthſchaften, wo man die Ochſen nur einen Theil des Jahres gebraucht, und wo es uͤberhaupt an Winterfutterung fehlt, iſt dieſe äußerſt kaͤrglich eingerichtet. Sie erhalten in den Wintermonaten faſt bloßes Stroh, und nur, wenn gegen das Frühjahr die Arbeit angehen ſoll, geſteht man ihnen etwas Heu zu, welches auf 12, hoͤchſtens 16 Centner per Kopf berechnet wird. Oft muͤſ⸗ ſen ſie zwar, um ihnen gegen die Arbeitszeit auf die Beine zu helfen, darneben noch etwas Koͤrner oder Korner enthaltenden Spreu haben, erholen ſich aber dennoch auf der Weide erſt wieder. Von dieſer Haltung der Ochſen kann bei einer guten Oekono⸗ mie nicht die Rede ſeyn, obwohl ſie in manchen Wirthſchaftsanſchlagen auf dieſe Weiſe angegeben, ihre Arbeit dann aber auch ſehr geringe berechnet wird. Wenn Ochſen in gutem Stande erhalten werden ſollen, ſo muͤſſen ſie an trocke⸗ ner Futterung täglich 22 Pfund Heu im Durchſchnitt haben, und folglich auf den Ochſen ungefaͤhr 40 Centner berechnet werden. Erhalten ſie viele Spreu und Ueber⸗ kehr, ſo kann man mit 30 Centner auf den Ochſen ausreichen. Hierbei aber bleiben Arbeit des Geſpanns. 125 ſie in voller Kraft, um die ihnen zukommenden Arbeiten auch den Winter hindurch zu verrichten. In Wirthſchaften, wo man ſo viel Heu auf die Ochſen nicht verwenden kann, wird ſolches durch Koͤrner, am beſten geſchrootene, erſetzt. Ein Schefſel Hafer kommt einem Centner guten Heues in der Futterung gleich, oder 1 Pfund Hafer iſt gleich 2 Pfund Heu. Giebt man ihnen alſo 3 Pfund Hafer täglich, ſo koͤnnen ſie 6 Pfund Heu weniger erhalten, und dabei in gleicher, vielleicht großerer Kraft bleiben. Die vortheilhafteſte Futterung im Winter iſt aber ohne Zweifel die mit Kartof⸗ feln oder anderm nahrhaften Wurzelwerke. Bekoͤmmt ein Ochſe raͤglich 2 Metzen Kartoffeln neben 12 Pfund Heu, ſo haͤlt er ſich dabei, vieler Erfahrung nach, bei vollen Kraften. 6. 178. Im Sommer werden die Ochſen entweder auf der Weide gehalten, und man rechnet dann 1 ½ gewoͤhnliche Landkuhweiden auf einen Ochſen. Schlaͤgt man eine Kuhweide zu 4 Scheffel Rocken oder 36 4t an, ſo koſtet eine Ochſenweide 54 4f. Oder man futtert die Ochſen auf dem Stalle mit grünem Klee, Wicken oder anderm Futterkraute. Es erfordert ein ſtark arbeitender Ochſe dann taͤglich im Durch⸗ ſchnitt 1 ½ Quadratruthen rothen Klee, zu zwei Schnitten berechnet, folglich 1 ½ Mor⸗ gen. Wenn man einen Morgen Klee zu 36 4 anſchlägt, ſo wuͤrde dieſes jaͤhrlich auf 45 4 zu berechnen ſeyn. Was einige, auf einen vermuthlich fehlerhaften Ver⸗ ſuch ſich ſtuͤtzend, gegen die Sommerſtallfutterung der Ochſen mit gruͤnem Klee ein⸗ gewandt haben, verdient keine Widerlegung, da unzählige Beiſpiele es erwieſen haben, daß die Ochſen dabei in vollkommener Kraft und zur Arbeit geſchickter bleiben, als beim Weidegang, wenn anders dieſe Futterung gehoͤrig eingerichtet iſt. §. 176. Es werden alſo die Koſten eines Ochſen 565 der verſchiedenen Futterungsart ſolgendermaßen zu berechnen ſeyn: macht 174 †. 1 1 126 Arbeit des Geſpanns. b) 200 Tage Heu à 17 Pfund= 30 Centner à 3 4†= 9o 4. —„ Hafer à 2 Pfund= 8 Scheffel= 4%„ 165 5 Weide—*„„„. 54— macht 184 4. c) Heu 18 Centner à 3„*.„*„— 54 täglich 2 Metzen Kartoffeln= 21 Schfl. à 1 †t= 21„ Weide.„„„.*„.„„„„— 54„ macht 129 3. d) Stallfutterung. i taͤglich 2 Metzen Kartoffeln= 21 Schfl. à 1 †4= 21„ Gruͤner Flee 45* macht 120 Z. F. 177. Bei dieſen Futterungsarten, man waͤhle welche man wolle, werden ſich die Ochſen in voller Arbeitskraft und Fleiſche dermaßen erhalten, daß ſie im Werthe nicht ab⸗ ſondern zunehmen, und ſelbſt die Zinſen des in ihnen ſteckenden Kapitals. decken. Wenn wir indeſſen in Hinſicht der letztern und des Riſiko auch noch 12 4 jaͤhrlich dem Ochſen berechnen wollen, ſo wird ein Ochſe bei der richrigſten Futte⸗ rungsart doch ungefähr den vierten Theil eines Pferdes koſten, und wenn man dann auch annimmt, daß vier Wechſelochſen nur mit zwei Pferden gleich arbeiten, ſo wird doch dieſelbe Arbeit, mit Ochſen verrichtet, um die Haͤlfte wohlfeiler, als mit Pfer⸗ den ſeyn. Jedoch muß man bemerken, daß die Ochſen bei unguͤnſtiger Witterung auch im Wechſel nicht ſo viel Arbeitstage im Jahre thun koͤnnen, wie die Pferde, und ſich wie 213 oder hoͤchſtens wie 516 gegen dieſe verhalten. Koſten der Bei der Geſpannarbeit kommen zugleich die Werkzeuge hier mit in Betracht, womit ſie verrichtet wird. Eine moͤglichſt vollkommene, dem Lokal, dem Boden und beit. dem Zwecke angemeſſene Einrichtung derſelben iſt zwar vorzuglich in Hinſicht der beſ⸗ ſern Qualitaͤt der Arbeit, aber auch in Hinſicht der Erſparung des Kraftaufwandes Arbeit des Geſpanns. 127 von großerer Wichtigkeit, als man gewoͤhnlich glaubt. So ſehr man bei den Fa⸗ briken auf die Verbeſſerung derſelben Nachdenken und Muͤhe verwandt, und die Ar⸗ beit dadurch unglaublich erſparet hat, ſo wenig hat man die Ackerwerkzeuge einer Verbeſſerung werth geachtet, welches leider der groͤßern Indolenz der Landwirthe und dem wenigen Sinne fur mechaniſche Kunſt, vielleicht aber auch den Aeußerungen ge⸗ wiſſer kandwirthſchaftlicher Schriftſteller beigemeſſen werden muß. Dieſe haben naͤmlich die moglichſte Sparſamkeit bei den Ackerwerkzeugen empfohlen, ſie nicht nur auf die wohlfeilſte Art zu verfertigen, ſondern auch moͤg⸗ lichſt wenig zu vervielfaͤltigen, angerathen. Die Erhaltung eines Pflugs, ſagen ſie, von der wohlfeilſten Art koſtet jährlich ungefahr§ Scheffel Rocken= 45 3†. Wenn ich nun in einer Wirthſchaft mit zehn Pfluͤgen einerlei Art ausreichen konnte, und nun Pfluͤge von zwei⸗ und dreierlei Art anſchaffen ſoll, ſo muß ich deren wenig⸗ ſtens zwanzig haben, und die Pfluͤge werden mir ſtatt 50 Scheffel, 100 Scheffel Rocken jaͤhrlich koſten, welches mir, durch verminderten Kraftaufwand meines Ge⸗ ſpanns, ſchwerlich erſetzt werden kann. Aber auch ohne Hinſicht auf die beſſere Ar— beit iſt dieſe Berechnung falſch. Denn es iſt weniger Abgang an den Werkzeugen, die abwechſelnd, als an denen, die beſtändig gebraucht werden. Und wenn ſie nur beim Nichtgebrauche gehoͤrig aufbewahrt und trocken geſtellt werden, ſo wird ſich das Holzwerk beſſer erhalten, wenn es zu Zeiten abtrocknet, als wenn es immer im feuch⸗ ten Erdboden geht, und es moͤchte vielleicht rathſam ſeyn, auch von einerlei Arten von Pfluͤgen mehrere zu haben, und ſie abwechſelnd zu gebrauchen. Es kann alſo den vervielfaͤltigten Werkzeugen durchaus nicht weiter zur Laſt geſchrieben werden, als die Zinſen eines hoͤhern Anlagekapitals, und wenn nun eine Wirthſchaft, die zehn Pfluͤge haͤlt, zur Anſchaffung beſſerer und vervielfaltigter Werkzeuge 3o0 Schef⸗ fel Rocken anlegt, ſo kann ſie ſich an jaͤhrlichen vermehrten Koſten nicht mehr als die Zinſen derſelben oder 15 Scheffel berechnen, die ſie ſehr leicht bloß durch den vermin⸗ derten Kraftaufwand erſpart. 3 §. 17. Die ſpeziale Aufzaͤhlung, Berechnung und Beſchreibung der We gehoͤrt Werden auf ncht an dieſen Ort. Wir bemerken hier nur, um die Koſten der Arbeiten vollig zu beſtimmen, daß nach allgemeinen Durchſchnitten die Koſten des ſaͤmmtlichen Ge⸗ verth ſchirrs, worin und womit es arbeitet, auf jedes Ackerpferd jährlich zu dem Werche 128 Arbeit des Geſpanns. von 16 Scheffel Rocken anzuſchlagen ſind. Daß die Lokalität und der ſehr verſchie⸗ dene Preis der Holz⸗, Schmiede⸗, Leder⸗ und Seilerarbeit, dann auch die Art des Bodens und der Wege einigen Unterſchied mache, verſteht ſich von ſelbſt. Bei den Ochſen hat man das Geſchirr, wenn ſie bloß pfluͤgen, nur um 4 ſo hoch angeſchla⸗ gen. Wenn ſie aber auch zu Fuhren gebraucht werden, die ſie jedoch nie ſo viel lei⸗ ſten, als Pferde, bei welchen ſie auch minder zerreißen und minder koſtbares Geſchirr erhalten, ſo wird man ſie fuͤr zwei Wechſelochſen hoͤchſtens halb ſo hoch, wie fur ein Pferd anzuſchlagen haben. Das Ledergeſchirr wird bei ihnen faſt ganz erſpart. F. 180. um die Data zu einem allgemeinen Ueberſchlage der Geſponnarbeiten zu erhal· arbei, ten, erwaͤhnen wir hier gleich der Menſchen, die mit ihnen arbeiten. ren. Knechte⸗ Es koͤmmt hier darauf an, wie ſtark die Geſpanne ſind, auf die ein Menſch ge⸗ rechnet werden muß. Ohne Hinſicht auf dieſe wuͤrde es nach den Geſetzen der Mechanik und nach ent⸗ ſcheidender Erfahrung vortheilhaſter ſeyn, das Zugvieh möglichſt zu vereinzeln. Denn es iſt eine ausgemachte Wahrheit, daß bei einer nach Verhaͤltniß leichtern Konſtruktion des Fuhrwerks die Thiere um ſo mehr ziehen und um ſo laͤnger aus⸗ halten koͤnnen, je weniger zuſammenge ſpannt werden. Vier Pferde vor zwei Wagen geſpannt ziehen betraͤchtlich mehr, als zuſammen vor einen geſpannt; am meiſten aber ziehen ſie, wenn jedes einzeln vor einen zweirädrigen Karren von gehoͤriger Kon⸗ ſtruktion geſpannt iſt. Rach den in England angeſtellten Verſuchen hat ſich ergeben, daß vier einzelne Pferde in Karren acht Pferden vor einem Laſtwagen gleich kamen. Es laͤßt ſich dieſes aus der Abweichung der verſchiedenen Zugiinien, der ungleichen Kraftanſtrengung, dem nie genau zuſammentreffenden Takt im Schritt und Zuge und der oſt einander widerſtrebenden Aeußerung der Kraft erklaͤren. Das einzelne Pferd kann die richtige Zuglinie haben, es erhaͤlt ſich im immer gleichen Zuge, ſtrengt ſich durch die Hitze ſeines Nachbars, zum Wetteifer verleitet oder durch deſſen Unthä⸗ tigkeit gezwungen, nicht uͤbermäßig an, und erſchopft ſich nicht durch gereizte Unruhe. Hierzu aber gehoͤrt eine beſondere Einrichtung des Spann⸗ und Fuhrwerks und eine Abrichtung der Pferde, ſo daß ſie ſich durch Worte und Zeichen leiten laſſen, damit ein Treiber drei, vier oder mehrere Pferde in ihren Karren leiten und in Ord⸗ nung halten koͤnne. Und da nicht immer eine gewiſſe Anzahl von einſpaͤnnigen Fuhr⸗ werken Arbeit des Geſpanns. 129 werken zugleich gebraucht werden, ſo haͤlt man auf die Pferde nur einen Futterknecht, der ſie im Stalle beſorgt, laͤßt aber im Tage⸗oder Stuͤcklohn andere Menſchen damit arbeiten. Auch gehoͤren dazu gute und ebene Wege. F. 181. Wenn man nach unſerer gewoͤhnlichen Einrichtung die Knechte, welche ein Ge⸗ Wie ſtert ein ſpann verpflegen, auch damit arbeiten laßt, ſo wird gewoͤhnlich auf vier Pferde ein Knecht gehalten. Bei ſtrenger Arbeitszeit pflegt man ihm jedoch geſchnittenen Haͤck⸗ ſel zu liefern. In einigen Wirthſchaften findet man auch zwei Knechte bei einem Viergeſpann, da dann der juͤngſte Klein⸗ oder Jungknecht oder Enke heißt. Letzte⸗ res findet hauptſaͤchlich da Statt, wo die Pferde mehr zum Pfluͤgen und zweiſpaͤnnig als vierſpännig gebraucht werden. Wo es ſeltener der Fall iſt, daß man das Vier⸗ geſpann trennt, da pflegt man, wo es geſchehen muß, zwei Pferde mit einem Tageloͤhner arbeiten zu laſſen, oder haͤlt auch auf mehrere Geſpanne einen Enken. Die in einigen Gegenden eingefuͤhrte Einrichtung der Dreigeſpanne, oder auf drei Pferde einen Knecht zu halten, ſcheint mir unvortheilhaft und in jeder Hinſicht verwerflich. Da die Pferde in eine Reihe geſpannt werden, ziehen ſie, ungeachtet die Waage darnach eingerichtet ſeyn ſoll, doch mehrentheils ſchief. Sie draͤngen ſich untereinander, und das dritte Pferd, wozu gewohnlich das juͤngſte, welches man am meiſten ſchonen will, genommen wird, laͤuft an Straͤucher und Baͤume, oder tritt in Gräben, weshalb man findet, daß ſo eingefahrne Pferde ungemein ſcheu werden. Das die Pferde ſo erleichternde Halten der halben Spur faͤllt dabei mehrentheils weg, weshalb dann auch die Wege dadurch mehr verdorben werden; und ich finde, daß die Ladungen bei dieſem Fuhrwerke wenig ſtarker gemacht werden, als zwei Pferde derſel⸗ ben Art ſie auch ziehen wurden. Wenn mit zwei Pferden gearbeitet werden ſoll,— wogegen die Knechte dann mehrentheils Einreden haben— ſo koͤmmt das dritte Pferd mit einem aus einem andern Geſpanne zuſammen, mit welchem es nicht ein⸗ gefahren iſt. Wir nehmen alſo an, daß auf vier Pſerde ein Knecht gehalten werde, und daß man, wenn das Geſpann getheilt wirb, einen Tageloͤhner mit zweien arbeiten laſſe. Wenn man die ſaͤmmtlichen Koſten der eigentlichen Haushaltung— worunter ich alles das verſtehe, was unter der Aufſicht der Haushälterin oder Schleusnerin zu ſeyn pflegt— auf die verſchiedenen Perſonen nach moͤglichſt richtigem Verhaͤltniſſe Erſter Thell. R Pergleich der Koſten zwi⸗ ſchen Ochſen und Pferden. 130 Arbeit des Geſpanns. vertheilt, ſo werden die Koſten der Unterhaltung eines Knechts nach meiner und en derer Erfahrung gleich 34 Scheffel Rocken zu berechnen ſeyn. Den Lohn und was der Knecht ſonſt noch erhaͤlt, ſchlage ich zu 16 Scheffel Rocken an. Folglich koſtet ein Knecht, der ein Viergeſpann zu fuͤhren und zu warten im Stande iſt, jährlich den Werth von 30 Scheffel Rocken. Bei den Ochſen wird haͤufiger die Einrichtung getroffen, daß ein Menſch, ein Ochſenhirte, ihre Futterung und Wartung beſorge, oder ſie im Sommer auf der Weide huͤte. Tageloͤhner verrichten aber die Arbeit damit, und bleiben beim Wechſelge⸗ ſpann waͤhrend der Pflugarbeit immer auf dem Felde, wohin ihnen die Ochſen bei jedesmaliger Wechſelung von dem Hirten zugefuͤhret werden. Die Koſten eines ſol⸗ chen Ochſenhirten ſind auf 40 Scheffel Rocken jaͤhrlich anzuſchlagen. Er kann drei⸗ ßig Stuͤck ſehr gut verſorgen. Indeſſen muß man einen ſolchen Menſchen halten, wenn man auch weniger hat. Ich weiß, daß man an manchen Orten die Erhaltung der Dienſtboten weit ge⸗ ringer berechnet; aber in den meiſten Faͤllen kommen ſie ſo hoch. F5. 182. Hiernach laſſen ſich dann die Koſten der Pferde⸗ und Ochſenarbeit im Allgemei⸗ nen beſtimmen, und ein Vergleich zwiſchen beiden anſtellen. Die Koſten eines Pferdes ſind folgende: Si in Zinſen des Kapitals, Abnutzung, Hufbeſchlag„666 Das ſaͤmmtliche Geſchirr und Werkzenge, womit es arbeitet 90 ⸗ Der auf vier Pferde gehaltene Knecht koſtet 490, folglich auf ein Stuͤck 112,5 737,5 4. Bei 300 Arbeitstagen käme alſo der Arbeitstag jedes Pferdes: 2. Wenn aber in der Haͤlfte dieſer Arbeitstage die Pferde getrennt arbeiten, ſo daß 450 Tage noch ein Arbeiter auf das ganze Geſpann gehalten werden muß, ſo kom⸗ men dafuͤr noch auf jedes Pferd 37, 5 ʒ jährlich zu berechnen, und ein Arbeies⸗ tag koſtet: 2, 58. Arbeit des Geſpanns. 131 Die Futterung eines Ochſen koſtet im Durchſchnitt 150. Fuͤr das Riſiko nehmen wir an 122„ Fuͤr das Geſchirr ⸗ Die Koſten des Ochſenhirten betragen bei 30 Koͤpfen auf das Stuͤck 6. Der Führer bei 250 Arbeitstagen das Stuͤck„6„ 261, 5 6. „ Alſo auf zwei Ochſen im Wechſel 523 4f. Es beträgt alſo bei 250 Arbeitstagen die tägliche Arbeit zweier Ochſen im Wechſel: 00 Daher auf zwei Wechſelochſen weniger als auf ein Pferd: 0, 49 4. Bei allen Arbeiten aber, zu denen Ochſen eben ſo geſchickt wie Pferde ſind, wird man mit zwei Wechſelochſen mehr als mit einem Pferde ausrichten. Indeſſen giebt es mancherlei Wirthſchaftsverhaͤltniſſe, wo der Vortheil bei den Ochſen groͤßer oder geringer iſt, und manchmal ſich ſo vermindert, daß er die beſchwerlichere Vor⸗ ſorge fuͤr zweierlei Vieh und den Aufenthalt, den zweierlei Geſpann in der Wirth⸗ ſchaft macht, daburch nicht erſetzt bekommt. Wenn z. B. eine Wirchſchaft, welche durchaus zwoͤlf Pferde halten muß, nun noch acht Ochſen benutzen koͤnnte, ſo wuͤrde ſie oft eben ſo rathſam ſtatt derſelben noch vier Pferde mehr halten; es ſey denn, daß ſie die Weide und die Wartung der Ochſen nur ſehr geringe anſchlagen duͤrfte. §. 183. Die Arbeiten, welche mit dem Geſpann verrichtet werden, ſind hauptſaͤchlich Sewann⸗Ar⸗ folgende: beiten. 1) Das Pfluͤgen. Die Angaben ſind ſehr verſchieden, wie viel ein Pflug Pfläͤgen. taglich leiſten koͤnne. Einige nehmen nur 1½ Morgen, andere 2 ½ und ſogar 3 Mor⸗ gen nach ihrer Erfahrung an. Jedes iſt auf Erfahrung begruͤndet, aber man muß die Umſtände erwaͤgen, worauf es dabei ankommt. Einen Hauptunterſchied macht die Breite der Streifen. Wenn ich auf einem Gewende von 30 Rheinl. Ruthen breit, ſechszöllige Furchen abſchneide, ſo habe ich 720 Furchen zu machen; halte ich aber zehnzöllige, nur 432 Furchen. Nehie ich ein ſolches Gewende auch zu 132 Arbeit des Geſpanns. 30 Ruthen lang an, ſo hat das Geſpann beim Pflugen deſſelben im erſtern Fakle 10½ geographiſche Meilen, im zweiten Falle aber nur 6 ½ Meilen ohne die Umwen⸗ dungen gemacht. Die Arbeit, welche ein Pflug in einem Tage leiſten kann, ſteht alſo im umgekehrten Verhältniſſe mit der Breite der Furchen, welches man ſehr ge⸗ nau beruͤckſichtigen muß. Bei der gewoͤhnlichen Pflugart auf Mittelboden nimmt man neunzoͤllige Fur⸗ chen. In dieſem Falle hat der Pflug auf fuͤnf Morgen einen Weg von 14400 Ru⸗ then oder 7½ geographiſchen Meilen zu machen. Nach Verhaͤltniß der Breite des Stucks gegen die Laͤnge kommen die Umwendungen haͤufiger und ſtaͤrker, oder ſeltener und ſchwaͤcher; doch werden ſie mehrentheils ſo angeſchlagen werden können, daß man 7 ½ Meilen annehmen muß. Wenn daher ein Pflug bei dieſer Breite der Fur⸗ chen täglich 2 ½ Morgen pfluͤgt, ſo geht das Zugvieh und der Menſch 34 Meilen, und mehr kann man bei einer taͤglich fortdauernden Arbeit nicht verlangen. So wie man aber ſchmalere Furchen zu machen ſich bewogen findet, muß man weniger er⸗ warten, und kann dagegen mehr fordern, wo breitere Streiſen genommen werden. Dann kommt die Beſchaffenheit des Bodens in Betracht, ob ſelbiger loſer oder gebundener Art ſey. Auf dieſen hat das Zugvieh eine weit groͤßere Anſtrengung aus⸗ zuuͤben, welches man zuweilen durch die Stärke der Thiere, ihre reichlichere Futte⸗ rung oder die Anſpannung mehrerer zu uͤberwinden pfiegt. Da jedoch in einzelnen Wirthſchaften die Beſchaffenheit des Bodens verſchieden iſt, ſo kann mit der Be⸗ ſpannung darauf nicht immer Ruͤckſicht genommen werden, und man muß ſich dann auf ſchwerem Boden mit einer kleinern Arbeitsquantitaͤt begnuͤgen. Sodann iſt der Einfluß der Witterung, beſonders auf dem gebundenen Boden, auf dieſe Arbeit ſehr groß. Mancher Boden laͤßt ſich bei guͤnſtiger Witterung ſehr leicht bearbeiten, macht aber große Schwierigkeit, wenn er entweder zu feucht iſt— in welchem Falle man ihn doch nie bearbeiten ſollte— oder ſtark austrocknet. Auch der Zuſtand eines jeden Bodens, worin er eben ſich befindet, macht einen erheblichen Unterſchied, weshalb beim erſten Umbruch, zumal wenn er mitten im Sommer bei der Trockniß geſchiehet, bei weitem weniger ausgerichtet werden kann, als bei den folgenden Fahren. Eine bergige Lage der Felder erſchwert und verlaͤngert die Pflugarbeit be⸗ traͤchtlich gegen eine Ebene. Arbeit des Geſpanns. 133 Fgerner kommt die Tiefe der Furchen in Betracht, indem jeder halbe Zoll größerer Tiefe, zumahl auf bindendem Boden, in der Anſtrengung der Zugthiere einen großen Unterſchied macht. Es iſt ſchon bemerkt worden, daß die Wendungen Zeit wegnehmen, und daß dieſe auf einem kuͤrzern Gewende haͤufiger, wie auf einem langen vorfallen. Aber auch die Form der Stuͤcke, ob naämlich deſſen Seiten parallel laufen, oder ſeine Geſtalt keilfoͤrmig iſt, macht einen Unterſchied, indem der zuruͤckbleibende kurze Keil ſehr haͤufige Umwendungen fordert und Auſenthalt giebt, wenn er gut abge⸗ pfluͤgt werden ſoll⸗ Endlich hat die Konſtruktion des Pfluges einen betraͤchtlichen Einfluß, indem der vollkommnere den Widerſtand des Bodens— wie beſonders auf ſchwerem Bo⸗ den und bei tiefer Furche bemerklicher wird— weit leichter uͤberwindet, das Zug⸗ vieh daher minder anſtrengt, ihm einen ſchnellern Schritt erlaubt und keinen Auf⸗ enthalt giebt. Auf leichtem Boden, wo die Friktion nicht ſtark iſt, beſchickt man mit einem Hacken am meiſten, womit man denn breite Streifen greifen kann. Auf die Jahreszeiten muß man ebenfalls Ruͤckſicht nehmen, theils wegen der Kuͤrze der Tage, theils wegen der ſchlechtern Witterung, die bei ſtarker Anſtren⸗ gung dem Viehe leicht Krankheiten zuzieht. Alle dieſe einwirkenden Umſtände muß man wohl in Erwaͤgung zieben, wenn man die Quantitat der Pflug⸗ und auch der andern Geſpann⸗Arbeiten in einem ge⸗ gebenen Lokale berechnen, und darnach die zu haltende Zahl des Zugviebes be⸗ ſtimmen will. Man wird ſich alſo nicht wundern, wenn man in den Angaben praktiſcher Landwirthe von dem, was ihre Pfluge ausrichten, eine große Verſchiedenheit fin⸗ det. Ueberhaupt aber iſt wohl zu unterſcheiden, was die Pfluͤge etwa machen, wenn man bei einer eiligen Arbeit und guͤnſtiger Witterung ſie mit beſonderer Auf⸗ merkſamkeit beachtet, und das, was von ihnen im Durchſchnitt des ganzen Jah⸗ res geſchieht. Genauer werden dieſe Arbeiten und der Kraftaufwand, den ſie erfordern, in der Lehre vom Pflägen ſelbſt unterſchieden werden. Hier nehmen wir an, daß auf gutem aus gleichen Theilen Lehm und Sand beſtehenden ſogenannten Gerſtboden gut gepfluͤgt werden: un Spatherbſt 2 Morgen(bei vertieftem Pflügen zu Wur⸗ Was Eggen. Das Walzen. Arbeiten des verfeiherten Feldbaues. 134 Arbeit des Geſpanns. zelgewaͤchſen 14 Morgen), im Fruhjahr zu Erbſen, Hafer und erſten Gerſtfurche 2 Morgen, zur zweiten 2½ Morgen; beim Aufbrechen der Brache 2 Morgen, bei der Wende⸗ und Ruhefurche 2 ½ Morgen, und zur Saatfueche 2 ½ Morgen. Dies ſind naͤmlich die Mirtelſaͤtze, welche bei guͤnſtiger Witterung etwas vermehrt, bei unguͤnſtiger vermindert werden muͤſſen. Im Durchſchnitt wird man von einem mit guten Wechſelochſen beſpannten Pfluge etwas(4 Morgen) mehr, wie von einem Pferdepfluge erwarten koͤnnen. . 418. 2) Das Eggen. Hierbei iſt die Verſchiedenheit noch groͤßer, als beim Pfluͤgen. Es kommt naͤmlich darauf an, mit welcher Sorgfalt und mit welchen Werkzeugen dieſe wichtige Arbeit gemacht wird. Das Rundeggen iſt die wirkſamſte, aber auch die ſchwerſte Art, und man nimmt an, daß ein Viergeſpann aufs hoͤchſte 16 Morgen damit beſchaffen koͤnne. Auf bindendem und graſigem Boden muß man aber ſchon mit 14 Morgen zufrieden ſeyn. Koͤmmt es jedoch nur auf das Ebeneggen, nicht auf das Zertruͤmmen der Kloͤße an, ſo können 20 Morgen da⸗ mit beſchafft werden. Wenn man bei dem Eggen nur lang zieht, und zwar einmal herauf, einmal herunter, ſo kann man 25 bis 28 Morgen taͤglich mit vier Pfer⸗ den beſtreiten. NRicht allenthalben wird jede Pflugfahre geegget, ſondern zuweilen mur die Saatfahre, welches aber auf jedem Boden fehlerhaft, bei einigermaßen bindendem und in Kloͤße ſich zuſammen ballenden unverzeihlich iſt. Das Eggen wird in der Regel mit Pferden, der ſchnelleren Bewegung halber, verrichtet. Doch kann es allerdings auch mit Ochſen geſchehen. 3) Das Walzen. Dieſes iſt eine, mehrentheils bei der Arbeitsberech⸗ nung uͤberſehene, aber dennoch auf loſem ſowohl als zahem Boden ſehr nuͤtzliche Arbeit. Je nachdem die Walze breit und duͤnne, oder kurz und dicke iſt, kann da⸗ mit mehr oder weniger beſchickt werden; bei einer Breite von 8 Fuß koͤnnen 18 Morgen mit zwei Pferden fuglich gewalzt werden. Stachel⸗ und eckige Wal⸗ zen erfordern groͤßere Anſtrengung. 4) Die Arbeiten des verfeinerten Feldbaues. Sie unterſchei⸗ den ſich in ſolche, die zur Vorbereitung vor der Saat oder Pflanzung dienen, und in ſolche, die waͤhrend der Vegetationsperiode vorgenommen werden. Zu den Arbeit des Geſpanns. 135 erſtern gehoͤrt die Arbeit mit dem doppelten großen eilfſchaarigen Exſtirpator, mit welchem vier Pferde und zwei Menſchen täglich 18 Morgen bearbeiten; und mit dem kleinen Epſtirpator oder Saatpflug, der mit zwei Pferden und einem Menſchen täglich 10 Morgen bearbeitet. Auch gehort hierher der Schnittpflug, welcher vermittelſt des am Vorei⸗ ſen oder Kolter angebrachten Streichbretts den Pflugſtreifen horizontal in zwei Theile theilt, und den oberen zu unterſt in die Furche legt. Er erfordert, um gleichviel Arbeit wie mit einem andern Pfluge zu verrichten, ein Pferd oder Ochſen mehr. Doch konnen ihn auch zwei Ochſen oder Pferde ziehn, wenn man 3 weni⸗ ger Arbeit von ihnen fordert, und letzteres geht der Gewohnheit der Thiere wegen beſſer. Sein Gebrauch findet hauptſaͤchlich beim Raſen und Kleeumbruch Statt. Von den Arbeiten der zweiten Art kommt hier die Pferdehacke(ihres häu⸗ figſten Gebrauches wegen unter dem Namen Kartoffelhacke bekannt) und verſchie⸗ dene Schaufelpfluͤge oder Kultivators in Erwaͤhnung, welche Inſtru⸗ mente bei zweifuͤßigen Diſtanzen der Pflanzenreihen mit einem Pferde, und nach den umſtaͤnden mit einem oder zwei Menſchen, 6 Morgen machen. Der groͤßere, tief eindringende Bearbeitungs⸗ und Waſſerfurchenpflug mit zwei weit und enge zu ſpannenden Streichbrettern erfordert zwei Pferde, und macht damit die⸗ ſelbe Arbeit. Die Drillmaſchine zum Getreidefäen, in Reihen von 8 bis 9 Zoll Di⸗ ſtanz, kann taͤglich mit einem Pferde und zwei Menſchen 12 Morgen machen. Wir nehmen jedoch des zuweilen vorfallenden Aufenthalts wegen nur 10 Morgen an. Die ſechsſchaarige, mit der vorigen in Verbindung ſtehende Hackma⸗ ſchine macht mit ihren verſchiedenen Aufkratzungs⸗, Schaufel⸗ und Anhaͤufeeiſen mit einem Pferde und zwei Menſchen 12 bis 15 Morgen, je nachdem das Land eben und rein, und der Arbeiter geuͤbt iſt. 5. 12r. §„) Die Ausfuhr des Duͤngers. Dieſe in jeder guten Wirthſchaft Dünger⸗Aus⸗ ſehr betraͤchtliche Arbeit laßt ſich nur nach gegebenem Lokale genau berechnen, weil Fü. dabei ſehr viel auf die Entfernung des Feldes, die Beſchaffenheit der Wege und die Jahreszeit mit derſelben auf die Witterung ankommt. Wir nehmen im Durch⸗ ſchnitt vierſpaͤnnige Fuder Miſt an, wie ſie die Pferde bei leidlichen Wegen, ohne Erntefuhren⸗ 136 Arbeit des Geſpanns. ſich ſtark anzuſtrengen, ziehen können, mindeſtens zu 2000 Pfund. Man pflegt anzunehmen, daß 12 ſolcher Fuder taͤglich im Durchſchnitt, in den laͤngſten Tagen 15 Fuder, in den kuͤrzeſten aber 10 Fuder, mit wechſelnden Wagen ausgefahren werden können. Weil aber obige Umſtände, beſonders die Entfernung des Feldes vom Hofe, einen ſo großen Unterſchied machen, ſo muß man ſich's in jedem be⸗ ſondern Falle berechnen, ob mehr oder weniger geſchehen koͤnne. Bei der oft ſo ſehr ungleichen Entfernung der Schläge kann es in einem Jahre, wo ein ſehr ent⸗ fernter großer Schlag zu duͤngen iſt, noͤthig werden, ein Geſpann bloß ß wegen mehr wie in einem andern Jahre zu halten. 6) Die Erntefuhren. Auch dieſe Arbeit iſt nach der Entfernung ſehr verſchieden. Es werden 7, 8, 10, 12, ja 16 Fuder mit Wechſelwagen taͤglich Verfahren der Produkte. eingefahren. Die Ladung eines Getreidefuders wird gewoͤhnlich nach Mandeln, Schocken oder Stiegen beſtimmt. Da aber das Band ſo aͤußerſt verſchieden iſt, und eine Garbe an einigen Orten 8 Pfund, an andern 80 Pfund wiegt, ſo läßt ſich hiernach im Allgemeinen gar nichts beſtimmen. In der Ernte, wo alle Arbeit angeſtrengt wird, ziehen vier gute Pferde 3500 Pfund, auch, wenn der Weg nicht weit und gut iſt, 4000 Pfund, wenn man anders hinlaͤnglich große Wagen hat. Wenn man alſo die Schwere ſeiner Mandeln ungefähr kennt, ſo wird ſich leicht beſtimmen laſſen, was bei gehoͤriger Groͤße der Wagen geladen werden koͤnne. Bei der Heuernte kann man wegen des groͤßern Volums nur 22 bis 24 Cent⸗ ner auf ein vierſpänniges Füder annehmen, und da Laden und Abladen mehr Zeit wegnimmt, mit der Arbeit des Morgens auch ſpaͤter angefangen wird, ſo kann man nur 6 bis 8 Fuder taͤglich rechnen, wenn auch die Wieſen ziemlich nahe liegen. Die vorigen Arbeiten ſind auf beſtimmte Jahreszeiten beſchränkt; es folgen nun die, welche zu jeder Zeit vorfallen und abgethan werden koͤnnen. 6. 156. 7) Das Verfahren des Getreides und anderer Produkte. Man nimmt gewoͤhnlich an, daß 24 Scheffel Wintergetreide und Erbſen, 32 Scheffel Gerſte und 36 bis 40 Scheffel Hafer geladen werden koͤnnen. Auf vier bis fuͤnf Meilen rechnet man einen Tag zur Hin⸗ und einen Tag zur Herreiſe, und dann einen Tag zum Laden und Verkauf; auf ſieben bis acht Meilen werden 3 Tage, auf drei Meilen 2 Tage, auf zwei Meilen 1 Tag gerechnet. Die Ent⸗ fernung Arbeit des Geſpanns. 137 fernung des Marktes machtltalſo bei dieſer, dem Geſpann gewoͤhnlich hoͤchſt nach⸗ theiligen Arbeit einen betraͤchelichen Unterſchied, und der Gewinn iſt ſehr groß, wenn man ſich ſolche möglichſt erſparen kann. Das Verfahren anderer Produkte und vielleicht landwirthſchaftlicher Fabrikate: des Tabacks und anderer Handels⸗ gewaͤchſe, der Butter, des Branntweins u. ſ. w., muß man nach dem Lokal und Wirthſchaftsverhältniſſen anſchlagen. Bei den Wollfuhren kann man wohl nur 40 Stein aufladen, wo dann aber, des großen Wagens ungeachtet, zwei Pferde zureichen. 8) Das Anfahren des Holzes oder andern Feuermaterials. Brenhmate⸗ Man rechnet bei der Entfernung von einer bis anderthalb Meilen 1 Klafter Holz auf eine vierſpaͤnnige Fuhre, bei groͤßerer Entfernung nur 4 Klafter. Bei einer Entfernung von einer halben Meile koͤnnen taglich zwei Fuhren geſchehen. 1500 Soden Torf werden einer Klafter Holz gleich geſchätzt. Das Klafter zu 6 Fuß Hoͤhe und Breite und 3 Fuß lang. 9) Auf Bau⸗ und Reparationsfuhren muß jahrlich etwas gerech⸗ Baufuhren. net werden. Wenn jedoch erhebliche Bauten vorfallen, muß man einen zu⸗ reichenden Ueberſchlag machen, ob ſie auch mit dem Hof⸗ oder etwa Frohngeſpann beſtritten werden koͤnnen, oder ob man beſondere Baupferde und wie viel dazu anſchaffen muͤſſe. Sonſt kann ein Bau die ganze Wirthſchaft nicht bloß auf ein, ſondern auf mehrere Jahre zuruͤckſetzen. 10) Nebenfuhren zur Einhokung von allerlei Beduͤrfniſſe n Rebenfuhren. aus der Stadt, zur Abholung des Geſindes und der Tageloͤhner⸗ Familien und zu manchem andern Behuf nehmen unter manchen Ver⸗ haltniſſen viele Arbeit weg, ſo daß man es ſogar als Grundſatz angenommen hat, bei 300 Arbeitstagen nur 260 auf beſtimmte Wirthſchaftsgeſchaͤfte, 40 aber auf unzuberechnende Nebenfuhren anzunehmen. Es kommt aber viel darauf an, ob man ſie ſparſam einrichtet und ſo, daß dieſe Beduͤrfniſſe auf dem Ruͤckwege mit⸗ gebracht werden, wenn man Produkte nach der Stadt verfaͤhrt, geſetzt auch, daß die Geſpanne einige Umwege machen muͤßten. Sonſt kann unter verſchiedenen Verhältniſſen ſehr viele Zeit damit verſplittert werden⸗ 1¹) Nebenbetriebsfuhren. Es kann zuweilen in der Hinſicht ſchon Rebenbe⸗ vortheilhaft ſeyn, Nebenbetriebe, die viele Fuhren erfordern, anzulegen, um deſto Erſter Theſ. S Meliorations⸗ Arbeiten. Berechnung des nöthigen Geſpanns. Nach den Jah⸗ reszeiten. 138 Arbeit des Geſpanns. mehr Pferde nutzbar erhalten zu können. In der zum Ackerbau guͤnſtigſten Zeit werden ſie dann alle auf den Acker gebraucht, und jene Fuhren ſo lange eingeſtellt. Dagegen werden zu einer andern Zeit, wo auf dem Acker nichts zu thun iſt, die Ackergeſpanne wiederum Behufs jener Nebenbetriebe, z. B. der Ziegel⸗ und Kalk⸗ brennerei, beſchäftigt. Ja es kann ſelbſt Fälle geben, wo das Poſt⸗ und Fracht⸗ fahren dem Landwirthe vortheilhaft iſt; doch ſind dieſe Faͤlle ſelten, und es wird häufiger ſchaͤdlich, wenn man die Sache wohl erwaͤgt. 12) Meliorationsarbeiten, z. B. Planirungs⸗, Erd⸗, Soden⸗, Mergel⸗, Kalk⸗, Moderfuhren. Wenn man Arbeiten dieſer Art von betraͤcht⸗ lichem Umfange vornehmen will, ſo erfordert es Ueberlegung, ob dazu eigene Ge⸗ ſpanne anzuſchaffen ſeyen, oder ob ſie mit den Ackerpferden in der ſonſt geſchaͤft⸗ loſen Zeit verrichtet werden koͤnnen. Da fur die ordinairen Geſpanne zu gewiſſen Zeiten immer Muße uͤbrig bleibt, wenn man zu andern Beſchaͤftigung genug fuͤr ſie hat, ſo wird ein guter Hekonom um ſo mehr immer einige Meliorationsarbeiten im Gange haben, wobei er ſie alsdann benutzen kann. 167 Nach dieſen Sätzen, die aber in jedem gegebenen Falle nach der Lokalitaͤt mo⸗ difizirt werden muͤſſen, läßt ſich nun das fuͤr die Wirchſchaft erforderliche Geſpann berechnen. Es kann dieſes zuerſt im Allgemeinen geſcheben, und die Summe der Arbeitstage in einem ganzen Jahre zuſammengezogen werden, in welchem Falle man dann aber zum Nebenbetriebe und zu Meliorationsarbeiten wenigſtens ein Viertheil anſetzen muß, um in den dringendern Arbeitsperioden gewiß aus⸗ zureichen. Genauer aber verfährt man, wenn man die Arbeiten ſo berechnet, wie ſie in jeder verſchiedenen Jahreszeit vorfallen, und dann die Zahl der Geſpanne ſo be⸗ ſtimmt, daß man in jeder Periode gut damit ausreiche. Man muß in jeder Periode aber etwas, ungefaͤhr 16, uͤbrig haben, weil die Arbeiten in einem Theile derſel⸗ ben durch unguͤnſtige Witterung aufgehalten werden koͤnnen, in welchem Falle aber freilich einzuſchaltende Nebenarbeiten verrichtet werden. Wir theilen dieſe Perioden nach den gewoͤhnlichen vier Jahreszeiten, jedoch ohne gerade die Kalendertermine zu beobachten, ein. Arbeit des Geſpanns. 139 Der Winter hält 80 Arbeitstage, in welchen das Miſtausfahren zu den Brachgewaͤchſen und Hulſenfruͤchten geſchehen, auch vielleicht noch einiges Stop⸗ pelſturzen nachgeholt werden kann. Außerdem muß das Geſpann mit andern Fuh⸗ ren beſchaͤftigt werden. Das Fruͤhjahr haͤlt 64 Arbeitstage, und in demſelben fallen, am meiſten gedraͤngt, folgende Geſpannarbeiten vor: Zu den Brachgewächſen, zum zweiten⸗, dritten⸗, vielleicht auch viertenmal zu pfluͤgen und zu eggen; zu den Huͤlſenfruͤchten einmal; zu der Gerſte zweimal; zum Hafer ein⸗ oder zweimal, welche letztere Arbeiten durch den Gebrauch des Exſtirpators groͤßtentheils erſpart oder ſehr erleichtert werden koͤnnen; Ausfuhr des ferner gemachten Duͤngers zu den ſpätern Brachgewaͤchſen; Vegetation befoͤrdernde Arbeiten mit Pferdehacken, auch Uebereggen der Win⸗ terungsſaat. Der Sommer, ungefaͤhr mit dem Anfange des Junius, hält 80 Ar⸗ beitstage. Das Pfluͤgen der Brache zur Winterung oder auch des Klee⸗ und Huͤlſenfrucht⸗ feldes zu derſelben; Ausfahren des fuͤr die Winterung beſtimmten Duͤngers; fortgeſetztes Pferdehacken verſchiedener Fruͤchte; die Getreideernte; die Heuernte. Der Herbſt, ungefaͤhr vom Anfange Septembers an zu rechnen, hat 76 Ar⸗ beitstage. Die Saatfurche zur Winterung zu pfluͤgen, zu eggen u. ſ. w.; die Grummet⸗ oder Nachheuernte; die Ernte der Kartoffeln und anderer Wurzel- und Kieeüchſe der Umbruch der Stoppel oder des Dreeſches zur kuͤnftigen Sommerung ſowohl, als zur vollſtaͤndigen Brachbearbeitung im folgenden Sommer. Der Anfang und das Ende dieſer Perioden iſt nach den verſchiedenen Klimaten verſchieden, worauf folglich ein Jeder Ruͤckſicht zu nehmen hat. Auch koͤnnen un⸗ S 2 Algemeiner Peherſchlag. 140 wie Arbeit des Geſpanns. gewoͤhnliche Jahre eine oder die andere verkuͤrzen, und man muß dann ſeine Maaß⸗ regeln zur Betreibung der Arbeit weiſe zu waͤhlen wiſſen. Den Anfang des Fruͤh⸗ jahres kann man im Durchſchnitt in der Mitte des Maͤrzes annehmen, auf kalt⸗ gruͤndigem, zähem Thonboden und bei einer noͤrdlich abhangenden Lage der Felder erſt zwei oder drei Wochen ſpäter, welches einen ſo betraͤchtlichen Unterſchied macht, daß ſchon in dieſer Hinſicht, wenn der Boden allgemein dieſer Art iſt, eine andere Wirthſchaftseinrichtung, als auſ waͤrmerem Boden erforderlich wird. Wo man nur Hafer und große Gerſte ſaͤet, ſchließt der Urbanustag oder der 25ſte Mai dieſe Pe⸗ riode nach der gewoͤhnlichen Meinung; wird aber auch kleine Gerſte und Buchweizen gebauet, ſo dehnt ſie ſich bis zum 15ten Junius aus. Man muß wohl bemerken, daß in dieſer Periode viele Feiertage zu fallen pflegen. Sie iſt die ſchwierigſte unter allen, und man kann ſicher annehmen, daß, wenn in vieſer Periode alles gehoͤrig mit dem Geſpann ausgefuͤhrt wird, was geſchehen ſoll, man zu andern Zeiten voll⸗ kommen ausreichen werde. Dazu kommt noch, daß man vom Geſpanne in dieſer Zeit keine ſehr ſtarke Anſtrengung fordern kann, weil die Pferde jetzt haͤufig zu druſen pflegen, und die Ochſen in vielen Wirthſchaften nicht kraftvoll aus dem Win⸗ ter kommen. Deshalb iſt die Erleichterung und Abkuͤrzuns der Arbeiten durch die erwähnten Werkzeuge in dieſer Periode von ſo vorzuͤglicher Wichtigkeit. In der Herbſtperiode wird der vorſichtige Landwirth alle Arbeiten, die der eintretende Froſt beendet, moͤglichſt zu beeilen ſuchen. Die Winterperiode kann laͤnger oder kuͤrzer ſeyn, und oft kann man in derſel⸗ den im Herbſie nicht vollfuͤhrte Arbeiten nachholen oder dem Fruͤhjahre vorarbeiten. Die Duͤngerausfuhr, wozu dieſe Periode bei ebenen Feldern vorzuͤglich geeignet iſt, findet jedoch nicht bei allen Wirthſchaftseinrichtungen Statt, ſondern kann bei den meiſten exiſtirenden nur mitten im Sommer, zum großen Nachtheil anderer Arbei⸗ ten, betrieben werden. 5. 188. Man pflegt wohl einen ungefaͤhren und mehrentheils zutreffenden Ueberſchlag, viel man Geſpann brauche, zu machen, wenn man berechnet, oder es auch aus der Erfahrung abnimmt, wie viel man in der eigentlichen Fruͤhjahrs⸗ oder Herbſt⸗ beſtellungszeit gebrauche, um dieſe Beſtellung in 4 Wochen oder 24 Arbeitstagen ganz und gehoͤrig zu vollenden. Pfe Wenn ein zweiſpänniger Pflug täglich 23 Morgen zur Saat pfluͤgt, und vier rde taglich 16 Morgen eggen, ſo koͤnnen etwa 90 Morgen mit einem Vierge⸗ ſpann in 4 Wochen beſtellt werden. Pfluͤgen ſie aber wegen des ſchwerern Bodens Arbeit des Geſpanns. 141 oder der tieferen und ſchmalern Furchen, die man geben will, oder der minderen Kraͤfte und Unthätigkeit wegen nur 2 Morgen, ſo werden nur 76 Morgen damit beſtellt. Auf jede 90 oder 76 Morgen Winterung oder Sommerungsausſaat(nach der gewöhnlichſten Rechnung auf 112 und 95 Scheffel Ausſaat) muͤſſen alſo vier Pferde gehalten werden, und ſo pflegt man in manchen Gegenden auf einen Winſ⸗ pel Winterung ein Pferd anzunehmen. Wenn aber an Gerſte und Hafer ſo viel, als an Weizen und Rocken ausgeſaͤet, und obendrein noch viele Hulſenfruͤchte und Brachgewaͤchſe gebauet werden, ſo reicht man nach der gewohnlichen Beſtellungs⸗ art im Fruͤhjahr nicht mit dem aus, was man in der Herbſtzeit gebraucht. 5. 189. Es iſt immer am ſicherſten, ſich ein Schema uͤber die Arbeiten, die man in jedem gegebenen Falle nach der beſtimmten Wirthſchaftseinrichtung und der Loka⸗ lität gebraucht, mit Ruͤckſicht auf jene Perioden zu machen. Man unterſcheide zugleich in zwei verſchiedenen Kolumnen diejenigen Arbeiten, welche am fuglich⸗ ſten mit Ochſen, und die, welche mit Pferden gemacht werden muͤſſen, und zeichne dann in jeder Kolumne neben jeder Arbeit die Zahl der Arbeitstage nach der Stuͤck⸗ zahl des Viehes an. So wird ſich auch das richtigſte Verhaltniß zwiſchen den zu haltenden Ochſen und Pferden ergeben. Vergl. die F. 200. angehaͤngten Schemata. Die Handarbeiter. 5. 190. Dieſe unterſcheiden ſich zuvoͤrderſt: Geſinde und a) in das Geſinde, welches ſeine Krafte ausſchließlich unſerer Wirthſchaft vermiethet hat, und welches wir dafuͤr ernaͤhren und im Ganzen bezahlen; b) in ſolche, welche ihre Arbeit nur tage⸗ oder ſtuͤckweiſe bezahlt erhalten. Von den Froͤhnern, die mit Geſpann und Hand fuͤr uns arbeiten, wird be⸗ ſonders die Rede ſeyn. — 5. 191. Ob man mehrere Arbeiter der erſten oder der zweiten Klaſſe halten ſolle, Welche ſind entſcheiden die Ortsverhältniſſe, welche manchmal gar keine Auswahl, manch⸗ mal eine beſchrankte, ſelten eine ganz freie dabei zulaſſen. ———— Perſonal des Geſindes. 142 Handarbeiten. Fuͤr das Geſinde ſpricht die großere Anbaͤnglichkeit, Theilnahme und Treue, welche man von ihnen als Mitgliedern der Familie allenthalben erwarten ſollte(aber freilich nicht immer antrifft), die Sicherheit, mit welcher man bei unaufſchieblichen und täglich fortlaufenden Arbeiten auf ſie rechnen kann, die naͤhere Aufſicht, unter welcher ſie ſtehen, die Abhaͤngigkeit und der Gehorſam, welchen man von ihnen zu fordern berechtigt iſt, ihre Verantwortlichkeit fuͤr die ihnen beſonders anvertrauten Geſchaͤfte. Tage⸗ und Stuͤckarbeiter erfordern dagegen weniger Vorſorge, können angenom⸗ men und ſogleich wieder verabſchiedet werden, wenn man will„und wie es die Arbeit und ihr Fleiß mit ſich bringt. Ihre Betriebſamkeit iſt groͤßer, da ſie fuͤr ſich ſelbſt und ihre Familie ſorgen muͤſſen, und bei ſchlechter Arbeit ſogleich außer allem Ver⸗ dienſt geſetzt zu werden beſorgen muͤſſen.. Dazu kommt, daß bei den meiſten Ortsverhaͤltniſſen die Koſten des Geſindes oder ſeiner Arbeit bei weitem höher zu ſtehen kommen, wie die eines Tageloͤhners. Man kann ſie im Durchſchnitt um die Hälfte hoͤher annehmen, wenn man auch wirk⸗ lich auf die verrichtete Arbeit, nicht auf die verwandte Zeit Ruͤckſicht nimmt. Vom Zwangsgeſinde kann hier nicht die Rede ſeyn, indem dieſes oder ſeine Familie einen Theil ſeines Lohns ſchon in dem eingegebenen Baueracker erhaͤlt. F. 192. Geſinde wird deshalb gewoͤhnlich nur zu denen Arbeiten gehalten, die ununter⸗ brochen fortgehen und eine beſtaͤndige Aufmerk ſamkeit erfordern. Von denen bei den Pferden zu haltenden Knechten iſt im§. 181. geredet, und die Anzahl und Einrichtung der Geſpanne beſtimmt die Anzahl derſelben. Zu den Ochſenarbeiten werden nur in einigen Wirthſchaften Knechte gehalten, ſonſt nur auf 24 bis 30 Ochſen ein Hirte, und wenn mehrere ſind, ein Junge daneben. Ein Kuhhirte reicht auf 8o bis 60 Stuck Kuͤhe nicht nur auf der Weide— wo er allenfalls mit Huͤlfe eines guten Hundes 200 Stuck in Ordnung halten kann— ſondern auch im Stalle zu, wenn er bei dem Haͤckſelſchneiden im Winter einige Huͤlfe bat, im Sommer aber das grůne Futter gemaͤht und zugefahren wird. Nicht bloß von der Zahl, ſondern auch von der Milchergiebigkeit der Kuhe bängt die Zahl der Hofmägde ab, welche außer dem Melken die ſaͤmmtlichen Ar⸗ beiten in der Molkerei und uͤberdem die im Hauſe und im Garten beſchaffen und ſo Handarbeiten. 143 viel moͤglich auch beim Bau gewiſſer Fruͤchte, beſonders des Flachſes und Hanfes, und in der Ernte gebraucht werden, im Winter aber ſpinnen. Man rechnet in guten Stallfuͤtterungswirthſchaften auf ʒo große Kuͤhe drei Maͤgde, wovon eine als Mol⸗ kenfrau oder Meyerſche die Aufſicht uͤber die anderen fuͤhrt. In einigen Gegenden hält man ungleich mehrere; auf 10 Kuͤhe eine Magd, die ihnen dann aber das Fut⸗ ter zutragen und ausmiſten ſollen, welches beides in Wirthſchaften von mittlerer Groͤße vortheilhafter auf andere Weiſe geſchieht. In den großen Hollaͤndereien der Koppelwirthſchaft wird nur auf 235 Kuͤhe eine Magd gehalten. In großen Wirth⸗ ſchaften wird noch eine beſondere Magd zu den Hausarbeiten erfordert. Ein Schweinehirte oder Schweinemeiſter iſt bei einer erheblichen Schweinezucht noͤthig, und dieſer Zweig iſt nicht ſo unbedeutend, daß man ihn einem alten Weibe oder Jungen uͤberlaſſen duͤrfte. Ueber die Haltung des Schäͤfers und der Schäferknechte kann erſt im Abſchnitte von der Schaͤferei geſprochen werden, indem ſeine Haltungs⸗und Loͤh⸗ nungsart ſehr verſchieden eingerichtet iſt. Bei der allgemeinen okonomiſchen Berech⸗ nung kömmt er nur in Betracht, in ſofern er Geldlohn oder Deputat erhaͤlt. Dann wird mehrentheils ein Ackervoigt, Meier, Oberknecht, Vor⸗ pfluͤger gehalten, der insbeſondere bei den Ochſenpfluͤgen mit Tagelöhnern vorar⸗ beitet, auch bei der Ernte und andern Arbeiten mitarbeitend das Ganze in Ordnung bält. Er ſoll zugleich die ſammtlichen Ackergeſchirre im Stande erhalten, und neue verfertigen. In großen Wirthſchaften wird aber außer jenem oft noch ein beſonderer Baumeier gehalten, der hauptſächlich die Geſtellarbeiten macht, und zugleich die Hofarbeiten, Reparaturen und kleinen Bauten beſorgt. Ein oder mehrere Hofknechte, die bei allen vorfallenden Arbeiten zu Hulfe kom⸗ men, werden noch zuweilen gehalten; haͤufiger aber doch durch ſichere Tagelöhner, wenn man dieſe anders haben kann, erſetzt. §. 193. Dieſes Geſinde wohnt entweder auf dem Hofe, wird daſelbſt beköſtigt und in Speiſuns auf allen Beduͤrfniſſen unterhalten, und iſt dann in der Regel unverheirathet. Oder es wird ihm zu ſeiner Nahrung ein gewiſſes Deputat verabreicht, und wohnt dann meh⸗ rentheils in beſondern Gebaͤuden und iſt verheirathet. Jene Unterhaltungsart iſt 144 Handarbeiten. ohne Zweiſel vortheilhafter in Anſebung der Koſien und der genaueren Aufſicht, un⸗ ter welcher dieſe Menſchen ſtehen. Je groͤßer ihre Anzahl iſt, um deſto mehr ver⸗ mindern ſich die Koſten jedes einzelnen, indem in Anſehung der Wohnung, der Feue⸗ rung, des Lichts und ſelbſt der Speiſung bei einer groͤßern Anzahl mehr erſpart wer⸗ den kann. Wo ſehr weniges Hofgeſinde gehalten wird, da koͤnnte es vielleicht rath⸗ ſamer werden, allen ein Deputat zu geben. Haͤlt man aber einmal ſolches Hofgeſinde, ſo iſt es gewiß rathſam, die Zahl derer, die Deputat bekommen, ſo viel moglich einzuſchranken, und unverheirathete Leute zu halten. Indem jene ihre ganze Familie aus der Wirthſchaft zu ernaͤhren ſuchen, ſind ſie ſelten mit dem fuͤr ihre Perſon reichlich genug zugemeſſenen Deputate zuſcieden, ſondern ſuchen noch, was moglich iſt, nach ihrem Hauſe zu ſchaffen, wozu man ihnen ſelten die Gelegenheit abſchneiden kann. Da man indeſſen zu einigen Stellen, zum Meier, Kuh⸗ und Ochſenbirten, ältere und geſetzte Leute haben muß, ſo trifft man dieſe ſelten unverheirathet an, und muß ſich daher die Deputateinrichtung bei ihnen gefallen laſſen. 5. 194. Speiſuns des In Anſehung der Haltung und Speiſung des Geſindes muß man auf die Ob⸗ ſervanz der ganzen Gegend Ruͤckſicht nehmen, und insbeſondere beim Antritt einer Wirthſchaft die genaueſte Erkundigung einziehn. Abaͤnderungen darin zu machen, iſt ſelten oder nie rathſain, und wenn man ſelbſt eine Verbeſſerung machen wollte, wurde man doch leicht die Unzufriedenheit dieſer ganz an die Gewohnheit klebenden Menſchen erregen. Es hat in den meiſten Gegenden jeder Wochentag, jede Jahres⸗ zeit, mancher Feſttag ſeine eigene Speiſung, und die Leute wuͤrden unzufrieden wer⸗ den, wenn ſie an einem ſolchen Tage das nicht erhielten, was ſie vielleicht an einem andern nicht eſſen mogen. In der Erntezeit tritt wohl allenthalben eine reichliche und beſſere Speiſung ein, welcher man durchaus nichts abziehn oder darin abändern darf, wenn man die hier ſo wichtige Thaͤtigkeit und den Frohſinn der Leute nicht herabſtim⸗ men will. Wenn man das, was uͤblich iſt, bewilligt, und ſich überzeugt, daß die Leute es wirklich erhalten, ſo darf man auch der dennoch geäußerten Unzufriedenheit durchaus nicht nachgeben, weil bei einer ſolchen Nachgiebigkeit die Forderungen die⸗ ſer Leute keine Graͤnzen zu haben pflegen. §. 195. Handarbeiten. 145 §. 195. Es laͤßt ſich der mannigfaltigen Verſchiedenheit wegen im Allgemeinen nichts Foſten derſä⸗ uber die Unterhaltungskoſten eines Knechts oder einer Magd beſtimmen Der Unter⸗ er⸗ ſchied iſt von einer Gegend zur andern ſo groß, daß er uͤber das Doppelte betraͤgt. Jodoch findet man im Ganzen, daß das Geſinde da, wo es beſſer bekoͤſtigt wird, und beſonders mehrere Fleiſchſpeiſen erhält, ſtärker arbeitet und ſich zu allerlei Arbei⸗ ten mehr gebrauchen läßt, ſo daß die Koſten der von ihnen verrichteten Arbeit nicht ſo verſchieden ſind, als die Koſten, die auf jede Perſon fallen. Man findet in ver⸗ ſchiedenen landwirthſchaftlichen und kameraliſtiſchen Handbuͤchern die Obſervanzen beſonderer Gegenden angegeben, und jedes einzeln ſpezifizirt. Am genaueſten berechnet iſt es von dem Grafen von Podewills in ſeinen Wirthſchafts⸗Erfahrungen zu Guſow. Nach einem allgemeinen, auf ſolche Angaben gezogenen Durchſchnitte muͤſſen in den mir genauer bekannten Gegenden die Speiſungs⸗ und ſammtliche Unterhal⸗ tungskoſten eines Knechts, Meiers, Hirtens, gleich dem Werthe von 34 Scheffel Rocken oder 306 4t; die einer Magd und eines Jungens zu 23 Schfl gleich 252 4 angeſchlagen werden, worunter aber alles, was zu deren Haltung noͤthig, auch Feuer, Licht, Betten u. ſ. w. mit begriffen iſt. Zu Gelde gerechnet iſt die Differenz wegen des verſchiedenen Preiſes der Viktualien größer. Auch der Lohn iſt ſehr verſchieden; indeſſen pflegt er doch auch in gleicherem Verhaͤltniſſe mit dem Preiſe des Getreides, als mit dem Nominalwerthe nach Gelde zu ſtehen, und man kann ſolchen fur einen Knecht auf 16 Schfl. Rocken oder 96 f, und fuͤr eine Magd mit dem Leinen und was ſie ſonſt erhaͤlt auf 12 Scheffel oder 72 4½t anſchlagen. Der. Lohn des Hofmeiers pflegt etwas hoͤher, der der Hirten etwas geringer als der Knechtslohn zu ſeyn. 5. 196. Andere Arbeiter erhalten entweder Tagelohn oder verdungenes Stücklohn für ein Tage⸗, Stück gewiſſes Maaß jeder Arbeit oder Quoten von dem Ertrage einer gewiſſen Arbeit. Die Arbeit im Tagelohn erfordert die genaueſte Aufſicht, um die Menſchen bei Arbeiten. einer gewiſſen Thatigkeit zu erhalten. Bei dieſer Tageloͤhnung verdienen die Men⸗ Erſter Thell.— 146 Handarbeiten. ſchen am wenigſten, und dennoch kommt in der Regel die Arbeit ſelbſt am höchſten dadurch zu ſtehen. Im allgemeinen Durchſchnitte verdient ein Tagelohner, der bloß kunſtloſe und Arbeit verrichtet, in neun Tagen 1 Scheffel Rocken, iſt alſo taͤglich auf 1 anzuſchlagen. Weiber und ſchwaͤchere Leute verdienen in zwolf Tagen 1 Scheffel gleich 4 †t. Jedoch findet hierin Verſchiedenheit Statt. Stück⸗ oder Akkord⸗Arbeiter erfordern weniger Aufſicht, und es braucht nur die gemachte Arbeit ſelbſt gepruft zu werden. Dieſe Bezahlungsart iſt unleugbar fuͤr den Wirth ſowohl als für den Arbeiter entſchieden vortheilhaft. Denn es iſt ein großer Unterſchied, ob ein Arbeiter darauf bedacht iſt, ſeine Arbeit zu fördern, oder nur ſeine Zeit mit moͤglichſter Schonung ſeiner Kraͤfte hinzubringen. Er muß dabei na⸗ turlich mehr verdienen, als im Tagelohn, und kann ſich daher auch beſſer naͤhren, ſich zu Hauſe mehrere Bequemlichkeit verſchaffen, geſund und bei Kräſten erhalten. Hierdurch wird ihm die Arbeit ſelbſt lieber, er ſinnet darauf, wie er ſich ſolche erleich⸗ tern kann, ſchafft ſi ich zweckmaͤßigere Werkzeuge an, und gewoͤhnt ſich an erleich⸗ ternde Handgriffe, beſonders wenn er eine Art von Arbeit zu gewiſſen Jahreszeiten bäufig macht. Er kann bei manchen Arbeiten Frau und Kinder zu Huͤlfe nehmen, und letztere dadurch fruͤh zur Arbeitſamkeit gewoͤhnen, wodurch er um ſo mehr in Woblſtand koͤmmt. Weit entfernt alſo, dieſe Einrichtung zu verwerfen,— wie in der That manche thorichte Landwirthe aus dem Grunde thun, weil ihre Arbeiter da⸗ bei zu viel verdienen, obwohl ſie klar einſehen, daß ihnen doch die verrichtete Arbeit weniger koſtet— wird der kluge Wirth keine Schwierigkeit ſcheuen, dieſe Einrich⸗ tung bei jeder Arbeit, deren Betrag ſich einigermaßen berechnen läßt, oder aus Er⸗ fahrung bekannt iſt, in Gang zu bringen. Der Quotenlohn findet am haͤufigſten beim Abdreſchen des Getreides Statt, wobei die Arbeiter den 14ten, 16ten oder 18ten E Scheffel als ſogenannten Dreſcher⸗ hebe bekommen. Doch trifft man ihn auch ſelbſt bei der Ernte, und zumal bei den Sichelſchnittern eingefuhrt an, welche die 11te, 12te oder 13te Garbe fur das ganze Erntegeſchaͤft erhalten. Auch läßt er ſich bei einigen andern Arbeiten, beſonders bei dem Kartoffelausnehmen, mit Nutzen einfuhren, und man hat nur darauf zu ſehen, daß hier, ſo wie bei andern Akkordarbeiten, die Sache, gehoͤrig und ohne verluſtbrin⸗ gende Uebereilung geſchehe. Handarbeiten. 14 Wenn auch durch ſolche verdungene Arbeiten fuͤr den Landwirth nichts wei⸗ ter gewonnen wird, als daß die Arbeit ſchneller vollfuͤhrt werde, ſo iſt dieſer Ge⸗ winn in den meiſten Fällen ſchon ſehr groß. §. 197. Um ſich Tage⸗ oder Stuͤckarbeiter zu ſichern, iſt es in den meiſten Gegenden 6 nothwendig, Wohnungen fuͤr ſolche arbeitende Familien zu haben, und ſie ihnen fuͤr mſlien. Geld oder gewiſſe Tagearbeiten zu vermiethen, mit der Bedingung, daß ſie aus⸗ ſchließlich, gegen einen beſtimuiten Lohn, für den Herrn arbeiten muͤſſen. Die Zahl dieſer Familien muß nach Verhaͤltniß der in der Wirthſchaft vorfallenden Arbeiten berechnet und angeſetzt werden. Sie moſſen zu den nothwendigſten Arbeiten zureichen, aber auch nicht uberfluſſig ſeyn, weil ſie allerdings in manchen Stuͤcken zur Laſt fallen koͤnnen. Denn man muß dafür ſorgen, daß ſie wenigſtens ihre Nothdurft haben, und das ganze Jahr hindurch ſich täglich etwas verdienen koͤnnen. Wo dieſes ge⸗ ſchieht, wird es nicht leicht an ſolchen arbeitenden Familien fehlen, zumal wenn ihnen außer der Wohnung auch noch die nothwendigſte Feuerung gegeben wird. Ein kleiner Garten zum Anbau des nothwendigſten Gemuͤſes oder die Ausweiſung eines Stuck⸗ chen Landes iſt ihnen noͤthig, aber durchaus nicht ſo viel, daß es ihnen vortheilhafter werden kann, den Haupttheil ihrer Arbeit fuͤr ſich ſelbſt und nicht fuͤr die Herrſchaft zu verwenden: ein Verſehen, welches man in manchen Ländern gemacht hat. In Gegenden, wo man auswärts wohnende und unter keiner Verpflichtung ſtehende Ar⸗ beiter mit Sicherheit haben kann, wird man ſich freilich bei ſolchen beſſer ſtehen, wenn man ſie gleich etwas theurer bezahlt. Kann man fremde Arbciter nur zu ge⸗ wiſſen Zeiten haben, ſo muß man ſolche Arbeiten, die an keine beſtimmte Zeit gebun⸗ den ſind, wohin manche Meliorationsarbeiten gehoͤren, alsdann vornehmen, wenn ſich Leute am meiſten anbieten und folglich am wohlfeilſten ſind. §. 1938. Um die in einer Wirthſchaft erforderlichen Tageloͤhner oder Stuͤckarbeiter zu be⸗ Handarbeite. rechnen, kommen unter den gewoͤhnlichen Arbeiten folgende in Anſchlag. 1) Das Pfluͤgen mit den Ochſen und mit zwei Pferden, wenn auf ein Vier⸗ geſpann nur ein Knecht gehalten wird. S 148 Handarbeiten. 2) Das Eggen mit Ochſen, wenn dieſes bei einer geringern Pferdehaltung zu⸗ weilen geſchieht, und auch die Fuhren mit Ochſen, wenn man darauf kein Ge⸗ finde haͤlc. 3) Die Arbeiten beim Miſte, das Ausbringen aus den Ställen, und das zu⸗ weilen ſehr nützliche Umſtechen, Begießen und Abwaͤſſern deſſeiben; dann das Auf⸗ laden des Duͤngers, wo man auf jedes Geſpann 1 ½ bis 2 Menſchen rechnet, je nach⸗ dem mit Wechſelwagen oͤfter abgefahren wird und der Miſt ſeſter liegt. Das Ab⸗ ſtoßen des Miſtes auf dem Felde verrichtet gewoͤhnlich der Knecht; doch iſt, wenn mehrere Wagen fahren, ein Menſch zur Huͤlfe oft nuͤtzlich, der zugleich die richtige Vertheilung der Haufen beachtet. 4) Das Miſtausbreiten auf dem Acker, wobei man annimint, daß eine weib⸗ liche Perſon taglich 1 bis 1 ½ Morgen, eine maͤnnliche 14 bis 2 Morgen beſtreue. Es kommt dabei auf die Staͤrke der Duͤngung, auf den Zuſtand des Miſtes und die voͤllige Brechung und gleichmäßige Vertheilung an, welches letztere ſo wichtig iſt, daß man keinen Tagelohn dabei ſparen ſollte. Zuweilen wird das Einharken oder Einforken des langen Miſtes in die Pflugfurche noͤthig, wozu auf zwei Pfluͤgen manchmal auf jeden Pflug eine Perſon erforderlich iſt. 5) Das Getreideſäen verrichtet in der Regel der Hofmeier. Man rechnet, daß ein Mann 18 Scheffel Winterung und 24 Scheffel Soͤmmerung taͤglich ausſaͤet. Geubte Säer koͤnnen zwar weit mehr ausſaͤen, allein wenn man nach dem Getreide⸗ maaße rechnet, kommt es ſehr darauf an, wie ſtark ansgeworfen werde, und es wird vielleicht, bloß um viel in einem Tage ausgeſäet zu haben, mancher Scheffel Ge⸗ treide unnuͤtz weggeworfen. Man muß daher auf die Fläche mehr als auf das Aus⸗ ſaatsmaaß Ruckſicht nehmen, und wenn einer taglich 15 bis 16 Morgen gut ſaͤet, zufrieden ſeyn. 6) Bei der Ernte rechnet man, wenn mit einer Geſtellſenſe in Schwaden gelegt wird, 2 ½ Morgen auf einen Maͤher, und beim Harken, Binden und Zuſammen⸗ ſetzen 2 Morgen auf eine Weibsperſon. Indeſſen koͤnnen kraͤftige Leute, die mit Luſt arbeiten, um 4 mehr verrichten. Jener Satz kann immer etwas hoͤher angenommen werden, wenn das Getreide mit der einfachen Senſe angelegt und abgerafft wird. Beim Schneiden mit der Sichel macht eine Perſon im Durchſchnitt einen Mor⸗ gen fertig. Handarbeiten. 149 Wenn beim Einfahren die Entfernung des Ackers vom Hofe nicht groß iſt, und die Arbeit mit Wechſelwagen raſch geht, ſo beſchaͤftigt ein Geſpann zwei maͤnnliche Lader und eine Nachharkerin, ſonſt aber nur einen Mant. Zum Abladen in der Scheune werden bei jener raſchen Arbeit zwei männliche Ablader und zwei maͤnnliche Taſſer, und auf jede 10 Fuß der Tieſe des Taſſes drei weibliche Perſonen erfordert. Bei langern Zwiſchenzeiten ſind zwei maͤnnliche Per⸗ ſonen uberhaupt genug. Wenn man mit den Pferderechen die Stoppel nachrecht, ſo macht ein Pferd und ein Mann täglich 10 Morgen. 7) Beim Heumähen rechnet man 1 ½ Morgen auf den Mäher, und eben ſo viel beim Heuwerben auf eine weibliche Perſon. Bei der oft großen Entfernung der Wieſen muß weniger angenemmen werden, und beim Heuwerben macht die Witte⸗ rung einen betraͤchtlichen Unterſchied, ſo daß man bei guter Witterung mit wenigern Perſonen auskommt. Bei dem Maͤhen des Klees koͤnnen, weil der Boden ebener iſt, 2½ Morgen auf die Senſe, und da ſeine Behandlung beim Heumachen ſehr ein⸗ fach iſt, 4 Morgen auf die Perſon angenommen werden⸗ Beim Auf⸗ und Abladen des Heues werden auf der Wieſe dieſelben, auf dem Heuboden die Hälfte der Perſonen wie beim Getreideeinfahren angenommen. 8) Beim Bau der behackten Brachfruchte ſind die Methoden verſchieden. Wenn er mit den gehoͤrigen Inſtrumenten auf die zweckmaͤßigſte und erſparendſte Weiſe betrieben wird, ſo werden folgende Handarbeiter per Morgen erfordert: Zum Einlegen der Kartoffeln zwei Perſonen; zum Ausziehen des nach vollendetem Pſerde⸗ hacken noch aufgeſchlagenen Unkrauts eine Perſon; zum Aufnehmen eine maͤnnliche und acht weibliche Perſonen. Beim Ruͤben⸗ und andern feinen Saatdrillen beſäet ein Mann mit der Ma⸗ ſchine täglich 5 Morgen. Die Rillen kann ein Pferd mit zwei Mann täglich auf 12 Morgen ziehen. Beim Bohnendrillen werden zur Vermeidung des Aufenthalts zwei Perſonen, ein Mann und ein Junge, genommen, und beſchicken 5 bis 6 Morgen. Das Verhacken und Vereinzeln gedrillter Ruͤben muß in Akkord gegeben werden. Man bezahlt hier eine Reihe von 40 Ruthen Laͤnge mit 3 Pfennigen, und die Perſon verdient ſich damit ð bis 6 Gr. täglich. Sie macht alſo tglich ungefaähr 1 Morgen · 150 Handarbeiten. Beim Aufnehmen und Abſchneiden des Krauts werden vier bis fuͤnf Weiber per Morgen erforderlich ſeyn. 9) Wenn bei der Futterung und Wartung des ſämmtlichen Viehes das Ge⸗ ſinde nicht zurei⸗t, insbeſondere wenn viel Hackſel gefuttert wird, ſo muͤſſen dazu Tageloͤhner angeſtellt werden, deren Zahl ſich aber bei den mannigfaltigen Ver⸗ haͤltniſſen nicht berechnen läßt. Beim Waſchen und Scheeren der Schafe rechnet man auf 1000 Stuͤck ßo bis 70 Arbeitstage. Auch werden zu mancherlei Hof⸗ und Hausarbeiten Taͤgeloͤhner noͤthig ſeyn, wenn man nicht uberfluͤſſiges Geſinde unterhält. Auch an die Stelle des kranken Geſindes muͤſſen zuweilen welche angenommen werden. 10) Bei der Gartenbeſtellung, die indeſſen nur ſehr roh hier angenommen werden kann, und wobei die Maͤgde helfen, rechnet man per Morgen jaͤhrlich 5 Arbeitstage. 11) Zur Aufraumung der Gräben und Waſſerfurchen, zur Herſtellung der Befriedigungen, Ausbeſſerungen entſtandener Schäden und der Wege muß man per Morgen der ganzen Feldmark nach den Umſtänden 4 oder Perſon rechnen. Es kömmt dabei beſonders auf mehrere oder wenige Befriedigungen, Wege und BGraͤben an. 12) Meliorationsarbeiten können nicht berechnet werden. Man benutzt aber die arbeitenden Menſchen dazu in den freieren Zeiten. 13) Das Abdreſchen des Getreides, welches in den meiſten Fällen gegen eine beſtimmte Dreſcherhebe geſchiebet, gewoͤhnlich gegen den 16ten Scheffel. Es verſteht ſich, daß dieſe Sätze nicht ganz allgemein angenommen werden koͤnnen, und daß ſie bei der verſchiedenen Manipulation, Geſchicklichkeit und Ar⸗ beitſamkeit der Menſchen variren. Die Arbeitsſaͤtze ſind ſo angenommen, wie man ſie von der unangeſtrengten Arbeit eines Tageloͤhners erwarten kann, nicht ſo wie ſie ein ruͤſtiger, thaͤtiger Arbeiter, der in Verding arbeitet, verrichtet. Indeſ⸗ ſen wird man ſie in Wirthſchaften, die nicht an beſondern Lokaluͤbeln laboriren, oder in einer allgemeinen Kraftloſigkeit verſunken ſind, auch bei gewoͤhnlichen Ta⸗ geloͤhnern zureichend finden. Handarbeiten. 151 So wie man bei den Pferdearbeiten annehmen kann, daß das Geſpann zu⸗ reiche, wenn man bei der Beſtellung damit auskommt, ſo wird man mit den Hand⸗ arbeitern ausreichen, wenn man in der Erntezeit zur gehoͤrigen Vollfuͤhrung derſel⸗ ben Menſchen genug hat. Und dieſe Menſchen wird man wiederum bei einer gut eingerichteten Wirthſchaft das ganze Jahr hindurch nützlich beſchaͤftigen koͤnnen. F. 199. Ein groͤßerer oder kleinerer Theil der Arbeit geſchieht zuweilen durch Frohn⸗ Frohnden. den, ſowohl mit dem Geſpann als mit der Hand. So vortheilhaft und dringend die Aufhebung der Dienſte gegen einen billig auszumittelnden Erſatz fuͤr den Be⸗ rechtigten ſowohl als fuͤr den Leiſtenden, und insbeſondere fuͤr die allgemeine Wohlfahrt in den bei weitem haͤufigſten Verhältniſſen waͤre, ſo darf der Landwirth ihren Gebrauch bis dahin doch nicht vernachlaͤßigen, ſondern muß den moͤglichſten Nutzen daraus zu ziehen ſuchen. Es kommt dabei auf eine kluge Behandlung der dienſtthuenden Leute vieles an, die nach dem National⸗, zuweilen nach dem Dorf⸗Charakter der Menſchen verſchieden ſeyn muß. Wer es verſteht, die Strenge nur wo ſie noͤthig iſt zu gebrauchen, dieſe Leute aber durch Guͤte und kleine Wohlthaten zu einem ihnen ſelbſt vortheilhaften Fleiße zu ermuntern, die Arbeitszeit bei mehrerem Fleiße abzukuͤrzen, ja unter gewiſſen Bedingungen Tage zu erlaſſen, beſonders mit Ruͤckſicht auf ihre eigenen dringenden Geſchaͤfte, der wird in vielen Fällen ungleich mehr bewirken, als mit der aͤußerſten Strenge moͤglich iſt. Wie viele Arbeit die Dienſte eigentlich thun, läßt ſich weder nach den Dienſt⸗ tagen, noch nach der ihnen durch beſondere Uebereinkunft oder Obſervanz zuge⸗ meſſenen Arbeit im Allgemeinen beſtimmen. Man muß dabei in jedem Fall auf die Lokalität und die bisherige Erfahrung, wenn ſich die Umſtände der Bauern nicht veräͤndert haben, Ruckſicht nehmen, aber immer von den muthmaßlich zu erwartenden noch betraͤchtlich abziehen, wenn man ſicher ausreichen will. Da außer einigen Diſtrikten Deutſchlands doch immer nur der kleinere Theil der Arbeit durch Frohnden beſtritten werden kann, ſo muß man ihnen nur diejeni⸗ gen Arbeiten zutheilen, wobei es auf die Qualität derſelben nicht ſo ſehr ankommt. Beim Pflügen und Eggen, es ſey denn auf loſem Sandboden, iſt es von zu 152 Handarbeiten. großer Wichtigkeit, wie es geſchieht, indem der ſchlechte Ertrag ſchlecht gepfluͤg⸗ ter Felder einen weit groͤßern Verluſt ergiebt, als man dabei durch die Erſparung des eigenen Geſpanns gewann. Dies iſt noch mehr der Fall, wo ihnen ein be⸗ ſtimmtes Tagewerk dabei vorgeſchrieben iſt. Wo man das Feld durch Hofedienſte bearbeiten laſſen muß, da findet hoͤchſt ſelten ein verbeſſerter Ackerbau und Wirth⸗ ſchaftseinrichtung Statt. Wo moͤglich alſo muß man die Geſpanndienſte mit Duͤnger⸗, Getreide⸗ und andern Fuhren ihre Verpflichtung abarbeiten laſſen. Mehrentheils rechnet man zwei Dienſtgeſpanne einem Hofgeſpann gleich. Es iſt aber, wenn letztere nicht ſelbſt ſehr ſchlecht ſind, wohl aͤußerſt ſelten, daß jene dieſen gleich kommen. Auf Handdienſte kann man im Allgemeinen mehr rechnen, wenn die Men⸗ ſchen einigermaßen bei gutem Willen erhalten ſind. Man hat deshalb auch an⸗ genommen, daß drei dienſtthuende Perſonen zwei Tageloͤhnern gleich kommen⸗ Indeſſen tritt auch hierbei eine große Verſchiedenheit ein, und es giebt auch Faͤlle, wo man faſt gar nicht auf ſie rechnen kann. Unter andern Umſtänden ſind ſie wenigſtens bei der Ernte ſehr nuͤtzlich und bei gewiſſen Aufmunterungen ſehr thaͤtig. Wenn man ſich nun nach den beſtehenden Verhältniſſen berechnet hat, was man uͤberhaupt oder an jeder Arbeit von den Frohnden erwarten darf, ſo wird dieſes von den durch eigenes Geſpann, Geſinde oder Tageloͤhner zu verrichtenden Arbeiten abgezogen. 5. 200. Als Beiſpiele einer Arbeitsberechnung des Geſpannes ſowohl als der Men⸗ ſchen, theile ich hier vier ausgefuͤllte Schemata von verſchiedener Form mit, welche ſich auf die in der Folge vorkommenden Wirthſchaftsberechnungen bezie⸗ hen, ſo wie ſie in einer bypothetiſchen zum Beiſpiel gewahlten Wirthſchaft von meinen Zuhoͤrern berechnet ſind⸗ I. Arbeits⸗ „ I. Arbeitsberechnung rhſch a von — 1000 Morgen Ackerland, 150„ Wieſen, z00„ Weide In der Brache werden 50 Morgen mit Klee und 50 Morgen mit Erbſen beſtellt. Erſter Theil. U 154 Arbeitsberechnung. Arbeitstage. Arbeiten. Einzelne Zwei zahl. Pferde. Wechſel⸗ Maͤnnl. Weibl. Ochſen. Fruͤhjahrsarbeiten. 50 Brache zu Erbſen zu pfluͤgen à 2 Morg..— 50 25 S zu eggen à 12„ 163——— 166 ½ ſZum zweitenmal zur Gerſte zu pfluͤgen? 12½ Morg.— 148 74 zu eggen à 4 ⸗ 474——— 333 ½ Zum zweitenmal zu Hafer, zum drittenmal zu Gerſte zu pfluͤgen à 24 Morg.— 266 3 1333— zu eggen 83 ½ Summa 147 0 232 Dieſe Arbeit muß in 60 Tagen vollfuͤhrt ſeyn; die Wirthſchaft bedarf dazu alſo 2½ Pferd und 7½ Wech⸗ ſelochſen oder 10 Pferde. Sommerarbeiten. Pflugarbeiten. 2333 Die Brache zum erſtenmal zu pfluͤgen* à 2 Morg. 2333 16 ½ zu eggen à 14 663— 8 2333 Zum zweitenmal zu pfluͤgen? à 2½ Morg. 3 1863 93½— zu eggen à 18 6 3 516——— 2335 Zum drittenmal zu pfluͤgen à 2 ½ Morg..— 1863 93½— zu eggen à 18 51 ½——— 50 Erbſenſtoppel zu ſtuͤrzen à 1½ Morg...— 663 33 ½— zu eggen à 18 ⸗. 13——— Summa ſ 1814 6733 336½— Miſtarbeiten. 116 3 Mit Miſt zu befahren, 7 Fuder per 2 Morgen taͤglich(14 Fuder) 233 ½—— Drei Geſpann fahren 19½ Tage à 2 Fuder.—— 58 ½ 58 Zum Streuen 1 Weib per Morgen. Summa 233 58 175 Arbeitsberechnung 5 Arbeitstage. Morgen⸗—— zahl. Arbeiten. Einzelneſ Zwei Pferde. Wechſel⸗ Maͤnnl. Weibl. Ochſen. Erntearbeiten. Getreide. 333½ Winterung zu maͤhen à 2½ Morg. p Senſe„—— 133½— Harken und Binden à 2 Morg. p. erſon——— 166 Das Getreide von 10 Morg. taͤglich p. Geſpann einzufahren. 133½—— Per 3 Geſpann taͤglich 4 Menſchen zum Aufla⸗ den und Nachharken.—— 22 22 Zum Taſſen täglich2 Maͤnner und 8 Weiber.—— 22 88 50[Erbſen zu maͤhen à 14 Morg..—— 33½— Per Geſpann täglich 8 Morgen abzufahren 25——— Zum Laden à 6 Menſchen 5.—— 6 6 „ Taſſen à 8 Weiber und 2 Männer.—— 4 16 166½ Gerſte zu maͤhen à 3 Morg.—— 553— Zum Harken und Binden 3 Morg. p. Weib.——— 55½ Funfzehn Morg. p Geſpann abzufahren 444——— Zum Laden à4 Perſonen.—— 8 8 „ Taſſen à 2 Maͤnner und 8 Weiber 6—— 8 32 1663 Hafer zu maͤhen à3 Morg. p. Senſe.—— 55½— Zum Harken und Binden 3 Fworg. p. Weib——— 55 ½ Funfzehn Morg. p BGeſpann 444½——— Zum Laden à 4 5.—— 8 8 „ Taſſen, 2 Maͤnner und 8 Weiber.—— 8 32 Summa 247 ½— 3633 489½ Heuernte. 150 Wieſen zum erſtenmal zu maͤhen und zu werben—— 100 100 Funfzig Fuder täglich? à7 Fuder 28 ½——— Zum Laden ꝛc. à 6 Morg..———— „ Taſſen, 1 Mann und 5 Weiber 2—— 24 12½ 50 ſKlee zweimal zu maͤhen à 2 ½ Morg. p. Senſe—— 40— Vier Morgen1 Weib zu werben..——— 25 Einzufahren Fuder.. 4 28½——— Aufzuladen à 6 Menſchen.———— Auf dem Boden 1 Mann und 5 Weiber 5—— 2 ½ 12½ Summa 57 ½— 160 165 Summa aller Sommerarbeiten ſ 7194 6733 9184 3829½ 156 Arbeitsberechnung.* — Arbeitstage. Morgen⸗ A b t n—— zahl. r E Einzelnef Zwei Pferde. Wechſel⸗ Männl. Weibl. Ochſen. 4 Herbſtarbeiten. Pflugarbeit. 50 Kleeſtoppel einfaͤhrig à 14 Morg. zu pfluͤgen 263 16½ zu eggen à 14 Morg.. 147——— 50 Erbſen zum 2tenmal zur Winter zu pfluͤgen à 2M 443 223— zu eggen àa14„ 147——— 2333 Brache zur Saat zu pfluͤgen à 12½ Morg. 207½ 1034— zu eggen à 15* 52—— 333 ½ MRockenſtoppel zu ſtuͤrzen à 2 Morg..— 333 166½— Summa 803 1 6183 309 ½— Grummeternte. 150 Wieſen zu maͤhen und zu werben—— 100 100 25 Fuder einzufahren à 6 Fuder.. 163 S Zum Laden...— 4½ 4½ Zum Taſſen.. 2—— 12 2 Summa r63— 106 112 Summa aller Herbſtarbeiten 97 ½ 6183 415 ½½ 112 Winterarbeiten. Miſtarbeiten. 50 Fuͤr die Erbſen mit Miſt zu befahren, 7 e p. Morgen, taͤglich 9 Fuder 3 153— Zum Laden 1 Mann und 1 Weib 2—— 38⁸ 385 „ Streuen 1 Mann p. Morg. 50— Summa 153 S 885 388 Verfahren des Getreides. 6 ½ Winſpel Erbſen, Gerſte, 472„ Rocken, auf3 Tage zu verfahren. Winterung. 645 Sommerung 204 Summa 09 1 — Arbeitsrechnung. 157 Arbeitstage. 2 Arbeiten Einzelne Zwei Pferde. Wechſel⸗ Männl. Weibl. Ochſen. Verſchiedene Fuhren und Arbeiten. 50 Klafter Holz 1 Meile zu holen 2 200— 90 Ct. Steinwolle zu verfahren, 2 uhren⸗ à 4 Pf. 24——— ooo Schafe zu ſcheeren.—— Waſſerfurchen ꝛc. 500, Hofarbeit 230, Garten 30—— Summa 224— 780 50 Recapitulation. Fruͤhjahrsarbeiten: Pflugarbeiten* 147 ½ 4643 232½— Sommerarbeiten: a) Pflugarbeiten 181½ 6733 336 ½— b Miſtarbeiten 233— 58 175 c) Getreideernte. 247 ½— 363 4892 d) Heuernte. 57½— 160 165 Summa der Sommerarbeit 7193 6733 9182 38294 Herbſtarbeiten: a) Pflugarbeit b) Grummeternte. 6— 10b 112 Summa 973 6182 415 44 112 Winterarbeiten: a) Miſtarbeiten. 153— 88½ 38 b) Verfahren des Getreides 909——— Summa ſ 1062— 55½ 353 Verſchiedene Fuhren und Arbeiten: Holz..*„. 200——— Wolle.. 24——— Schaſe zu ſcheeren 2——— 50 Waſſerfurchen c..—— 500— Hofarbeiter.—— 250— Gartenbeſtellung.—— Summa 224 780 50 Totalſumma aller Arbeiten 2250 1757 2435 1030 65 eo rechnung⸗ 4 Wenn 8 Pferde gehalten werden und 3c0 Arbeitstage thun. 2400 Tage und i6 einzelne Ochſen im Wechſel zu 240 Arbeitstagen= 1920 4320 Tage, ſo bleiben 318 uͤber, welche kaum zur Deckung der Nebenfuhren und Zufaͤllig⸗ keiten hinreichen. Wenigſtens wuͤrde noch ein uͤberkompletes Pferd noͤthig Beſonders reichen im Sommer die Pferde bei der Ernte nicht. Werden 15 Pferde gehalten, alſo 6 Pferde mehr, ſo werden ſie alle Arbeit decken. Auf 16 Ochſen verlohnt ſichs kaum, einen Ochſenhirten zu halten, und ihnen die Weide einzugeben, welche hier ohnehin ſehr knapp iſt, und fuͤr das Nutzvieh noͤthig. Koſtet die Unterhaltung eines Pferdes 535 ft und die eines Ochſen 162, ſo werden 5 Pferde mehr als 16 Ochſen mit dem Ochſenhirten koſten 238 ft oder 282 Schef⸗ fel. Dieſe Erſparung wird aber durch die Unbequemlichkeit, zweierlei Geſpanne zu halten, leicht uͤberwogen. Wenn 1 Mann 220 Arbeitstage außer dem Abdreſchen thut, ſo erfordert die Wirth⸗ ſchaft 11 Familien, falls man keine auswaͤrtige Arbeiter haben kann. Dieſe werden dann auch mit einiger Huͤlfe des Hofgeſindes zur Vollfuͤhrung der Ernte in fuͤnf Wochen hinreichen. Auf 22 Morgen Winterung kommt 1 Pferd. X* II. Arbeitsberechnung achtſchlägigen Koppelwirthſchaft von 1200 Morgen Ackerland, 150 Wieſe, 100 Außenweide. Schläge: 1) Brache. 2) Rocken. 3) Gerſte. 4) Hafer. 5) Maͤheklee. 6, 7, 8) Weide. Arbeitsberechnung. 166 Arbeitstage. F— zahl. Pferde. Männl. Weibl. Im Fruͤhjahr. 150 Zum Hafer einmal zu pfluͤgen mit 2 Pferden a 2 ½ Morgen 1334½ 33— zu eggen à 16 Morg. mit 4 Pferden 374— 150 Zur Gerſte zweimal zu pfluͤgen à 2 ½ Morgen. 266 ½ 66½— zu eggen à 16 ⸗ 75— 75 Aufbruch des Dreeſches à 14 Morgen. 85 27 ½— zu eggen à 16 ⸗ 4 19 ½—— Mit den uͤbrigbleibenden 90 Fuder Duͤnger kann der Garten, und mit dem dann noch uͤber⸗ fluͤſſigen der ſchlechtere Theil der Wieſen uͤber⸗ duͤngt werden. Die groͤßere Entfernung der Wieſen hebt die mindere des Gartens auf, und ich rechne hier wie ſpaͤter bei der ge⸗ woͤhnlichen Miſtausfuhr 12 Fuder taͤglich per Geſpann 6 3 30—— 8[Gartenbeſtellung, per Morgen 5 Arbeitstage— hier werden nur 3 angenommen, die beiden übrigen kommen im Sommer 3 3— 8 16 1200 Zu Ziehung der Waſſerfurchen, Aufräutung der Graͤben, Inſtandhaltungen der Befriedigun⸗ gen, Verbeſſerung der Wege, per Mor⸗ gen Ackerland 4 Mann; jedoch wird hier nur z, im Herbſte das andere 4 berechnet— 300— tTageloͤhner taͤglich zum Häckſelſchneiden; von dieſen wird in jeder Periode z veranſchlagt— 70— Summa 647 490 15 Da dieſe Arbeit in 60 Tagen zu vollfuͤhren iſt, ſo ſind taͤglich erforderlich: Pferde., Maännl. Arbeiter., Weibl. Arbeiter. 10. 83. z. Im Sommer. 150 ſZur Winterung zweimal zu pfluͤgen à 2 ½ Morgen 240 60— zweimal zu eggen à 16„ 75— 2 150 Mit Miſt zu befahren, p Morgen 7 Fuder, taͤg⸗ lich 12 Fuder„ 3. 350—— Latus 665 60— Arbeitsberechnung. 161 Morgen⸗ zahl. Arbeiten. Arbeitstage. 2 Einzelne Pferde. Maͤnnl. — Weibl. 150 [Einfahren des Wintergetreides. In der Schenne täglich 2 Maͤnner und 8 Weiber, Die Gerſte zu maͤhen à 3 Morgen„ Transport Zum Laden, per Geſpann 1 Weib, 2 Mann Breiten und Brechen, p. Morg. 4 M. u. 2 Weib 150 Morgen Winterung à 9 Scheffel Ertrag pro Morgen= 1350 Scheffel der Scheffel à 86 Pfund= 116100 Pfd. Das Verhaͤltniß des Korns zum Stroh iſt wie 4o0: 100, und folglich der Strohertrag.= 290250 Summa des Ganzen= 406350 Pfd. Das Fuder zu 3500 Pfund gerechnet, macht 116 Fuder im Ganzen. Hiervon einzufahren taͤglich 15 Fuder p. Geſp. Wenn alſo hiernach 32 Pferde oder 8 Geſpann das Einfahren in 1 Tage beendeten, ſo wer⸗ den 3 zu haltende Geſpanne daſſelbe in 22 Tage beenden. Lader und 1 Nachharker auf jedes Geſpann. ſo lange das Einfahren dauert Die Winterung zu maͤhen à 2 4 Morg... zu ſammeln und zu binden à2 M. Gerſtenernte. 150 M. Gerſte à 9 Schfl. p. M.= 1350 Schfl. der Schfl. à 63 Pfd.= 91800 Pfd. Koͤrner Verhaͤltniß des Korns zum Stroh wie 60: 100= 1353000„ Stroh Summa des Ganzen= 244800 Pfd. Das Fuder à 3500 Pfd. gerechnet, macht 70 Fu⸗ der einzufahren taglich à 15 Fuder Das Einfahren wird mit 3 Geſpannen, alſo in 12 Tage beendet werden. 1Lader, 1 Nachharker p. Geſpann In der Scheune taͤglich2 Maͤnner, 8 Weiber. Sammeln und Binden à 2 M.. 32 hl 60 43 75 87 75 21 75 4½ 12 75 Latus — — O1 358 Erſter Theil. 162 Arbeitsberechnung. c. Arbeitstage. Motsen⸗ Arbeiten. Einzelne 5 zahl. Pferde. Maͤnnl.] Weibl. Transport 7153 3093 358 150 Haferernte. s Scheffel Ertrag p. Morgen= 1200 Scheffelf à 52 Pfund= 62400 Pfd. Korn Verhältniß des Korns zum Stroh wie 60: 100= 1og000„ Stroh Das Ganze folglich= 166400 Pfd. 3500 Pfund p. Fuder= 472 Fuder. Einzufahren taͤglich à 15 Fuder„ Mit 3 Geſpannen wird das Einfahren alſo in einem Tage vollbracht werden koͤnnen. Lader, 1 Nachharker p. Geſpann In der Scheune taͤglich? Maͤnner, 8 Weiber. Zu maͤhen taͤglich à 3 Morgen Sammeln und Binden à 2 Morgen 150 ſKleeheuernte, erſter Schnitt. Zu ihen Zu werben à 3„ Heugewinnſt 1000 Pfd. p. Morgen; auf 150 Pfd. alſo= 130000 Pfund, oder 68 Fuder à 2200 Pfund. Einzufahren 8 Fuder p. Geſpann 34—— Zum Laden 1 Mann und 1 Weib p. Geſpann— 8 ½ 8½ Beim Aufbringen taͤglich 1 Mann und 4 Weiber, ſo lange das Einfahren dauert(3 Tage).— 3 12 150 Wieſenheuernte, erſter Schnitt. Zu mähen à 14 Morgen„— Zu werben à 14„—— 100 Heugewinnſt p. Morg. 800 Pfd. folgl. 120000 Pfd. macht das Fuder à 2200 Pfd. 54 ½ Fuder. Dieſe einzufahren à 6 Fuder täglich„ 52 [S* — ] 3 Zum Laden Min Weib S2 9 9 Beim Aufbringen1 Mann, 4 Weiber täglich, ſo lange das Einfahren dauert(3 Tage naͤmlich)— 3 72 150[Kleeheuernte, zweiter Schnitt. Zu maͤhen taͤglich 2 Morgen„„— 75— Zu werben„ à3„ *—— 50 Kleeheugewinnſt p. Morgen 600 Pfund macht auf 150 Pfund 900c0 Pfund Heu, das Fuder à 2200 Pfund= 41 Fuder. Latus 799 6376 685 Arbeitsberechnung. 16 3 —— Arbeitstage. 6 2.— Arbeiten. Einzelne zahl. Pferde. Maͤnnl. Weibl. Transport 799 6376 685 Dieſe einzufahren, und zwar taͤglich 8 Fuder. 21—— Zum Laden Maun, 1 Weib p. Geſpann.— 5 5 Beim Aufbringen, ſo lange die Ernte dauert, taglich 1Mann und 4 Weiber(14 Tag).— 14 8[Gartenbeſtellung. Die vom Frähjahr uͤbri— gen zwei Arbeitstage werden hier p. Morgen 5 Arbeitstage.— 4 12 2 des Tageloͤhners zum Häͤckſelſchneiden— 70— Summa 820 71872 709 Da dieſe Arbeit in 80 Tagen zu vollenden iſt, ſo wird erfordert an Pferden., Maännl. Arbeitern., Weibl. rpeitern. Im Herbſt. 150 ſZur Saat zu pfluͤgen à 2 ½ Morgen„ 120 30— zu eggen à 15 37½— 150 Machheu zu maͤhen à 14 Morgen„— 100— zu werben—— 100 Ertrag p. Morgen 400 Pfund; auf 150 Pfund alſo 60000 Pfund Heu, das Fuder à 2200 Pfund macht 27 ½ Fuder. Dieſe einzufahren und zwar à 6 Fuder taͤglich. 18—— Zum Laden p. Geſpann 1 Mann und 1 Weib.— 42 44 Zum Aufbringen 1 Mann und ꝗ(2 Tage hindurch)..— 14 6 300 Zu Gerſte und Hafer zu ſioppeln 12 Morgen 300 75— 75 Aufbruch des Dreeſches 3 4 13 Morgen 85 zu eggen à r5 ⸗ 192—— des Lagelbhuer⸗ zur Ziehung der Waſerfun chen, Raͤumung der Graͤben ꝛzc..— 300— des Tageloͤhners zum Hactſelſhneiden— 70— Summa 580 6024 1I0½ Da dieſe Arbeit in 70 Arbeitstagen vollendet werden muß, ſo wird erfordert an Pferden. Männl. Arbeitern. Weibl. Arbeitern. —,—— 6—— 5— S 164 Arbeitsberechnung. 6. Im Winter. pferde. Verfahren des Getreides auf drei Meilen. Der reine Ertrag nach Abzug der Einſaat betrug an: Rocken 11871 Schfl.— Hievon geht ab: a) S 1350 Schfl.= 84½ Schfl. b) Conſumtion fuͤr 8 männl. à 12 Schfl. 8½ 2 Dienſtboten= 186„„ 2704 Schfl. Es bleiben alſo zum Verfahren 910 Schfl.= 38 Fuhren à 24 Schfl.= 309 Gerſte 11s1 Schfl.— Hievon geht ab: a) Das Dreſcherlohn zum k6ten Schfl. von 1350 Schfl.= 84½ Schfl. b) Zu Mehl, Graupen, Gruͤtze c.—. 20 ⸗ 104½ Schfl. Es bleiben zum Verfahren 1076 ½ Schfl.= 34 Fuhren à 32 Schfl.= 272 Hafer 993 Schfl.— Hievon ab: a) Dreſcherlohn um den öten Schfl. von 1200 Schfl.= 75 Schfl. b) Conſumtion fuͤr 12 Pferde a 70 Schfl. jaͤhrlich. S9 915 Schfl. Es bleiben zum Verfahren alſo 78 Schfl. der 2 Fuhren à 39 Schfl.= 16 Ferner: Die Anfuhr von 36 Klafter Holz Meile her p. Geſpann täͤglich 1 Klafter 144 Nebenfuhren zu Beduͤrfniſſen aus der Stadt„ 3 8 3 52 Summa 788 2 Tageloͤhner zum Haͤckſelſchneiden= 70 Arbeiter. Die Winterarbeit muß in 72 Arbeitstagen vollendet werden, folglich wird fuͤr dieſe Periode erfordert 11 Pferde und 1 maͤnnlicher Arbeiter. + Recapitulation. Total⸗Summe der maͤnnlichen Arbeitstage 1890 ⸗„ der weiblichen ⸗. 8352. Da man annimmt, daß wenn man im Fruͤhjahre mit dem Geſpann und im Som⸗ mer mit den Arbeitslenten zureicht, dann auch mit demſelben Viehe und den⸗ ſelben Arbeitern die Wirthſchaft in allen Perioden auskomme, ſo nehme ich in meiner Berechnung zum Ueberftuß 12 Pferde und 9 anzuſetzende Tageloͤhner⸗ familien an.— Wollte man dieſe Wirthſchaft auf Ochſen berechnen, ſo duͤrfen doch der vielen Heu— und Erntefuhren wegen nicht unter 8 Pferden gehalten werden, wogegen die uͤbrigen 4 durch 4 Wechſelochfen erſetzt wer⸗ den muͤßten. III. Arbeitsberechnung einer ſiebenſchlaͤgigen Fruchtwechſelwirthſchaft mit Stallfutterung von 1200 Morgen Ackerland und 150 Morgen Wieſe auf ſandigem, Lehm⸗oder Gerſtenboden. Mit der Rotation von 1) Hackfruͤchten(Kartoffeln, Bohnen). 2) Gerſte nach Kartoffeln, Weizen nach Bohnen⸗ 3) Klee. 4) Klee. 5) Winterung. 6) Erbſen und Wicken. 7) Winterung. 166 Arbeitsberechnung. Arbeitstage „N. 1M..— Arbeiten. eines eines Weibl. zahl. Pferdes. Wechſel⸗ Männl. und ochſen. Jungen. Fruͤhjahrsperiode von 64 Tagen. 90 Zu Kartoffeln zum 2tenmalz zu pflügen à 2 Morg.— 78 38 zu eggen à r6 ⸗ 22 ½—— 90 ſZur Kartoffeln⸗ Einlage zu pfluͤgen à 2½ Morgen— 78 39— zu eggen à 224——— 81½ Pferdebohnen zur Saat zu pfluͤgen à 2 Pn— S 40½ zu drillen 8 S 18 18 1714 Zu Erbſen und Wicken zu pfluͤgen à 2 Worgen 170 734— zu eggen à 57— 90 Kartoffeln vor dem Laufen mit dem großen Ex⸗ ſtirpator zu uͤberziehen a 18 Morgen 2 20 5— Lang zu eggen à 24„ 3 15—— 814 Weizen im Fruͤhjahr zur zu uͤber⸗ eggen à 20 Morgen. 3 16——. 81½ Gedrillte Bohnen zum nna zu eahehte à 6 Morgen. 5 14— 12 12 90 Zu Gerſte mit dem großen zu ziehen à 18 Morgen. 20— 5 zu eggen à 22„ 15— Die Gerſte mit dem kleinen Erſtirpator unter⸗ zubringen à 10 Morgen. 8 18—— zu eggen... 15——— zu walzen...... 18——— 90 Kartoffeln einzulegen. 5——— 225 171½[Erbſen per Morgen mit 4 Fuder w zu 56 fahren. 229——— Den Miſt mit Sorgfalt zu breiten und zu laden—— 200 60 An kleinern Arbeiten.—— 200 100 An Nebenfuhren in dieſer Periode 72—— Summa der Frißtsſrrſod⸗ 724 2374 631 415 Arbeitsberechnung. 167 c Arbeitstage Morgen⸗ A r b eiten. eines eines Weibl. zahl. Pferdes. Wechſel⸗ Maͤnnl.; und ochſen. Jungen. Sommerperiode von 8o Tagen. 171½ Erbsſtoppel zu pfluͤgen à 24 Morgen.— 12138 690 †— zu eggen à 18„* 38 3 9o Kartoffeln dreimal zu behacken. 45— 45 45 81 ½ Bohnen anzuhaufen. 5 14— 14 14 171 ½ Klee mit dem Schnittpfluge unterzupfluͤgen b. lich 14 Morgen.— 229 114½— zu eggen à 16 Morgen 8 2 43——— Erntearbeiten. 424½ Winterung zu maͤhen per Senſe 2½ Morgen.—— 170— Sammeln und Binden per Perſon 2 Morgen——— 213 Einzufahren per Geſpann taͤglich das Getreide von 12 Morgen. e 141——— An Ladern und Nachharkern„*.—— 32 32 In der Scheune zum Taſſen.—— 24 90 1714 Erbſen und Wicken zu maͤhen per Senſe 14 Morgen..—— 115— Einzufahren„.* 76——— An Ladern und Nachharkern..—— 24 24 9o Gerſte zu maͤhen per Senſe 3 Morgen—— 30— Zu ſammeln und zu binden„..—— 45 Einzufahren S 1. 24——— Lader und Rachharker„ 5—— 6 6 In der Scheune zum Taſſen.—— 12 50 117 ſKlee zu Heu maͤhen per Senſe 2 Morgen—— 584— Einzufahren. 39——— Zum Laden und Rachharken 2—— 10 10 Aufzubringen.. 3—— 10 40 Latus 420 367 757 629 168 Arbeitsberechnung. ————— Arbeitstage Morgen⸗— ß Arbeiten. eines eines Weibl. zahl. Pferdes. Wechſel⸗ Maͤnnl.; und ochſen. Jungen. Transport 420 367 757 ½ 629 150 Wieſen zu maͤhen S. 1½—— 00— Zu werben.*——— 100 Einzufahren. 2 50——— JZum Laden und Nachharken 5—— 12 12 Zum Aufbringen. k—— 12 50 An Nebenarbeiten ſind in dieſer Periode rechnen. 160— 340 120 wobei aber anzunehmen, daß der grůn Klee mit einem Paar beſonders dazu haltener Ochſen angefahren werde. Summa der Sommerperiode 630 367 ſ 1221½ 977 Herbſtperiode von 76 Tagen. 90 Kartoffelland zu Gerſte zu pfluͤgen„— 103 52— zu eggen 2 18—— 90 Zu Kartoffeln tief zu pfluͤgen à 14 Morgen— 120 60 4 lang zu eggen. 23 ½—— 81 ½ Bohnenland zu Weizen zu pfluͤgen à 2½ Morgei— 73 37— 814 Ju Bohnen tief zu pfluͤgen à 1½ Morgen— 109 55 zu eggen à 16 ⸗. 27— 2— 424 Srernn mit dem kleinen Exſtirpator unter⸗ zubringen.. 85—— Zu eggen. 4 74— v 177 ſKleeheu zum zweitenmal zu maͤhen. 5—— 58½ 6 Zu werben„ 2——— 30 Einzufahren. 3.. 3„ 2—— S Laden und Rachharten..—— Aufzubringen... 5 22 Latus 240 ½ 405 277 ½ 62 Arbeitsberechnung. 169 Arbeitstage . ⸗ 5 5 Fet⸗ Arbeiten. eines eines Weibl. zahl. Pferdes. Wechſel⸗ Maͤnnl. und ochſen. Jungen. Transport 240 ½ 405 277½ 62 150[Grummet zu maͤhen*. 3 2—— 100—= Zu werben. 6 3——— Io Einzufahren. 2 4 3 30—— Zu laden.—— 8 8 Aufzubringen.—— 8 30 90 Kartoffelland mit zu ehre wnn 8 Fuder. 6 240—— Zu laden 2...—— 30 60 81 ſZu Bohnen mit Miſt zu befahren 10 per Morgen. 6. 326——— Zu laden und zu breiten..—— I10 110 90 Kartoffeln aufzunehmen Morgen 1 Mann, 8 Weiber.—— 90 720 Kartoffeln einzufahren per Geſpann 3 Worgen und Arbeiter dabei. 2 120— 30— An Handarbeiten in dieſer Periode.—— 300 80 An Nebenfuhren. 2. 48——— Samma der Herbſtperiode 10044 405 9534 1170 Wintevperiode. In dieſe Periode fallen hauptſaͤchlich die Ge⸗ treidefuhren zum Verkauf. Wenn man an⸗ nimmt, daß auf eine Fuhre 2 Tage erfordert werden, ſo werden nach einem gemachten Ueberſchlage des Koͤrnerertrages, nach Abzug der Einſaat und der er⸗ fordert. r400——— Jedoch iſt hier, ſo wie bei ſe der an⸗ dern Perioden, anzunehmen, daß ein Theil dieſer Arbeit in einer andern zu gelegener Zeit geſchehen koͤnne. Latus 1400——— Erſter Theil. Y 170 Arbeitsberechnung. Arbeitstage Morgen⸗ 5 Arbeiten. eines eines Weibl. zahl. Pferdes. Wechſel⸗ Maͤnnl. und ochſen. Jungen. Transport 1400——— Die Holz⸗ und Nebenfuhren werden in dieſer Periode von den gut genaͤhrten und einge⸗ fahrnen Ochſen verrichtet, und es koͤnnen darauf berechnet werden.— 400—— An Tagelöhnern werden, da das Dreſchen in dieſer Jahreszeit um den i6ten Scheffel ge⸗ ſchieht, noch erforderlich ſeyn 2 3—— Summa der Winterperiode 1400 400 140— Recapitulation. Fruhjahrsarbeiten 724 237½ 631 415 Sommerarbeiten. 2. 630 367 122 Herbſtarbeiten. 2 3 1004½ 405 953½ 1170 Winterarbeiten.. 1400 400 140— Summa 3758½ 14094 2946 ½ 2496 Es iſt angenommen, daß dabei folgendes Gefinde gehalten werde: 1 Meier, der das Saͤen verrichtet. 4 Pferdeknechte. 1 Nebenknecht. 1 Kuhwaͤrter. 1 Ochſenwaͤrter⸗ 1 Schweinewaͤrter. 6 Viehmaͤgde. 1 Hausmagd. IV. Arbeitsberechnunng einer Fruchtwechſelwirthſchaft in eilf Schlägen von 1200 Morgen Ackerland. 0 Wieſe, à Morgen zu 15 Etr. Heu. 100 Außenweide. Die F Schlage, deren jeder 10911 Morgen Ackerland enthaͤlt, liegen in folgender Rotation: 1) Brachfruͤchte mit 10 Fuder Duͤngung. 2) Gerſte. 5 Se 4) Klee im Winter mit Jauche uͤberfahren. 5) Raps mit 6 Fudern geduͤngt. 6) Weizen. 7) Erbſen mit 5 Fudern uͤberduͤngt. 8) Rocken. 9) Wicken mit 4 Fudern uͤberduͤngt. 10) Rocken. 11) Hafer. i0 Arbeitsberechnung. — Morgenzahl. Arbeiten. Fruͤhjahrsperiode St von 64 Arbeitstagen. vons — Ein Pferd. Ein Wechſel⸗ ochſe. Maͤnnl. Hand⸗ tage. Weibl. En Hand⸗ yid. tage. — — Schlaͤge. II. TOxx 60 60 1092 S im vorhergehenden zu gen à Morgen. Zu à 16 Morgen a 10 Fuder Duͤnger p. Morgen 1090½7 Fuder Duͤnger aufzufahren, taͤglich 8 Fuder 2 Zum Laden pro Geſpann 2 Mann, 1 Weib.. Zum Binden per Morgen Mann Zum 2tenmal den Brachſchlag umzupflügen 2 Morgen pro Tag, und zu eggen à 16 Morgen zum Ztenmal zum Sii der Kartoffeln zu pfluͤgen Moen 3 Die Kartoffeln einzulegen p. Morgen 23 Weiber. Zu eggen à 18 Morgen, das Viergeſpann Mit dem Exſtirpator zu uͤberziehn à 18 Morgen auf 4 Pferde. 9.. Lang zu eggen à 24 Morgen Dreimal die Kartoffeln mit Pferdeſchaufel und Hacke zu bearbeiten, 1 Pferd und 1 Mann taͤglich 6 Morgen Die Kartoffeln aufzunehmen p. Morg. Mann, 8 Weiber Dieſe abzufahren auf 3 Morgen 1 Geſpann und 1 Tage⸗ loͤhner.. Zu Rotabaga zum ztenmal zu pfluͤgen? à 2 Morgen 5 Zu eggen à 18 Morgen Mit dem Marqueur zu uͤberziehen; 2 Rann, 1 Pferd beſireiten 20 Morgen. Rotabaga⸗Samen mit dem Rübendriller zu drillen 1 Mann 6 Morgen. Die zu dicht ſtehenden Pflanzen mit den Hacken der großen Drillmaſchine zu lichten, 1 Pferd 14 Mann à 12 Morgen. zweimal mit der Pferdeſchaufel zu tichaufin 1Pferd, 14 Mann à 0 Morgen. . Aufzunehmen per Morgen 2 Mann und 4 Weiber. Abzufahren per Morg Geſpann, Mann auf Morg Den Brachſchlag zur Gerſie zu pfluͤgen à 1½ Morgen. Lang zu eggen à 20 Morgen Die S mit dem kleinen Exſtirpator unterzubringen 2 Pferde 10 Morgen. 3 Lang zu eggen à 2% Morgen 8 Im Fruͤhlahr mit dein Exſtirpator uͤberzuziehen à 18 Morgen 4 Pferde.. — — 1 — — 1 122311— —— Latus Arbeitsberechnung. 173 ode Sommerperiode Herbſtperiode Winterperiode agen. von 80 Arbeitstagen. von 76 Arbeitstagen. von 80 Arbeitstagen. — S— Vell; Ein Ein Männl. Weibl. Ein Ein Maͤnnl. Weibl. f Ein Ein Maͤnnl.] Weibl. Hand Pferd. Wechſel⸗ Hand⸗ſ Hand⸗ſPferd. Wechſel⸗ Hant⸗ Hand⸗ Pferd. Wechſel⸗ Hand⸗ſ Hand⸗ lage ochſe. tage. tage. ochſe. tage. tage. ochſe. tage. tage. — ——— 1457 367½ 5 S S 1 27*1— S ——— 6871 13674 1———————————— 7— 2————————— S 7——————————— S—— I22½———————————— 6—— 5 PB 8——————. — 3 S S F— 4911 3922* 5 S 402 1277 5— 56 F S 7 — 20— 25——— 30 240———— 5——— 120— 30————— . S5 1247 S Fß 21———— ————————————— — S—— E 652 2rn S5 36371 12471 220 6 2 545 687 1367 — 174 Arbeitsberechnung. — Fruhjahrsperiode 3 4 von 64 Arbeitstagen.— — 8 8 Arbeiten⸗ Ein Ein Maͤnnl. Weibl. t 2 — S Pferd. Wechſel⸗ Hand⸗ Hand, 8 8 ochſe. tage. tage. 4 Transport II8x 180 237 12 6rn Lang zu eggen à 24 Morgen 2.— Den Kleeſamen unterzuwalzen? à 18 Morgen I2— 3 III. 1097 Im Fruͤhjahr den Klee uberzueggen à 16 Morgen.——— S IV. 10921 Im Winter mit Jauche zu befahren, 2 Pferde 1 ½ Mann 1Morgen.——— V. 109xx Nach dem erſten Schnitt die Kleeſtappel mit den Schnit pfluge umzubrechen à 1½ Morgen. 3——=—,— P Zu eggen à 16 Morgen———— N Morgen 6 Fuder Dunger= c5* Fuder utzufahn en à 10 Fuder taͤglich..—— Zu laden per Geſpann Mann, 1Weib— 5 F Zum Breiten per Morgen Mann 3—— S— Den Duͤnger flach unterzupflugen 24 Morgen 5—— 17 Einzueggen, à 18 Morgen.—— Mit dem Marqueur zu uͤberziehen à 20 Mor gen— S zu 1o9xr Den Raps mit dem kleinen zu drillen, 1Mann 6 Morgen. 3. 3— 5 E Einzuwalzen à 18 Morgen..———— In Nach dem Auflaufen uͤbergeeggt à 18 Morgen— Im Perbſt mit der Pferdehacke angehaͤnfeit, 1 Pferd 12 Mann 6 Morgen. 2——— Im Frühjahr und Anfangs Sommer wrimat behan felt 22— VI. 10971 Das Rapsfeld zum Weizen umgebrochen 2½ Morgen——— 2 Zu eggen à 16 Morgen.——— Mit dem kleinen Exſtirpator die Saat unterzubringen, 1 Pferde 10 Morgen. 6 4 5 F Zu eggen à 16 Morgen. 2 6——— 5 [Im Fruͤhjahr uberzueggen à 16 Morgen. 2742—— VI. 097x u Erbſen gepflügt à 23 Morgen— 93 36—— Zu eggen à 12 Porgen.. 2 36—— Per Morgen 5 Fuder Duͤnger, 5456 Fuder aufzufah ren à 12 Fuder. 8 181E— S 5 Zu laden per Geſpann 2 Mann, 1Weiß— 22 45— Zu breiten per Morgen 1Mann. 2—— 0— MlI. 10971 Zu Rocken die Erbsſtoppel zu pfluͤgen, 2½ Morgen— z Zu eggen à 18 Morgen.————— Die Saat mit dem kleinen Exſtirpator unterzubringen a 10 Morgen.. 5———— Einzueggen àa 18 Morgen 3— Im Fruͤhjaͤhr uͤberzueggen à 162 Morgen 2 271———— Latus 6741 27422 4427* 16821 Un —— — ode gen, Vebl Hand⸗ tage. 12 ½ — — — 11 Arbeitsberechnung. 115 Sommerperiode von 80 Arbeitstagen. Herbſtperiode von 76 Arbeitstagen. Winterperiode von 80 Arbeitstagen. Ein Ein Maͤnnl.] Weibl. Ein Ein Maͤnnl.] Weibl. Ein Ein Männl.] Weibl. Pferd. Wechſel⸗ Hand⸗ Hand⸗ Pferd. Wechſel⸗ Hand⸗ Hand⸗ Pferd. Wechſel⸗ Hand⸗ſ Hand ochſe. tage. tage. ochſe. tage. tage. ochſe. tage. tage. 6871 77— 5 363 1 12426 220 632 ½ 54571 6871 13671 — 381 180 9 14522 7227 6 5—— 2775——————————— 2612 657ꝛ 32 ½ 65— 5 —— 10947— S F————— 1 77 60 3. 77 E——— 241*1 2 — S —— 18727————————— 127n 3 F — 271—— 1872 22 5 S S —————— — 9077 487r————— ——— 2721 Fie 5 ——— 212 162 2———— S 87*1 4371 2472 S —— 212 6 16————— —— 5 2470 S— 173 1 4671 40 65 5 367 03 13 — 176 Arbeitsberechnung. — Son Fruͤhjahrsperiode 80 poh 3 von 64 Arbeitstagen. — ⸗ 2 Arbeiten. 5 ₰ 5, ein ein Maͤnnl. Weibl ji) Ve — S Pferd. Wechſel⸗ Hand⸗ Hand 5 8 ochſe. tage. tage.—— Transport 467½ 27441 442 168 IX. 10971 Rockenſtoppel zu Wicken zu pfluͤgen à 2½ Morgen.— 6 o31 5 Zu eggen à 12 Morgen. 86— Mit 4 Fuder zu überduͤngen 436 Fuder, 12 Fuder taͤglich aufzufahren.. 145—— Aufzuladen pro Geſpann 2 Mann und 1 Weib—— 18 6 Zu breiten per Morgen 1Mann—— X. 1097½ Zur Winterung zu pfluͤgen à 2½ Morgen 4—— Zu eggen à 18 Morgen.——— Die Saat mit dem kleinen Exſtirpator unterzubringen à 10 Morgen.. 3 2 3———„ Zu eggen à 18 Morgen...——— Im Fruͤhjahr die junge Saat zu eggen à 16 Morgen 27—— XI. 109 Im Herbſt zum Hafer umzubrechen à 2 Morgen.—— Su eggen à 12 Morgen. 3 2———— Im Fruͤhjahr die Saat mit dem kleinen Exſtirpator un⸗ terzubringen à 10 Morgen.* 3 2 16 ½— Einzueggen à 18 Morgen 2 5 3 2— Waſſerfurchen und Abzugsgraben aufzuraͤumen auf 2 Morgen 1 Mann.— S 150— 150 Fuder Duͤnger im Winter auf die Wieſe gefahren, 8 Fuder täglich 4 ² 2———— Zu laden, auf das Geſpann 4 Mann, 1 Weib 2———— Zu breiten à Morgen 4 Mann 2 3———— 150 Wieſe zu maͤhen à 12 Morgen..———— 6 Heu zu werben à 1½ Morgen, 1 Weib—— b2 ½ Fuder Heu einzufahren, taͤglich 7 Fuder——— 6 Zu laden per Geſpann täglich! Mann und 1 Weib.———— 1— Zu taſſen und einzulegen taͤglich 1 Mann, 4 Weiber S—— 1— 219 ſKlee zu maͤhen à 2 Morgen 6 2————— Zu werben à Morgen 1 Weib.. 8———— 145 Fuder einzufahren, täglich 8§ Fuder 3——— Zu laden per Geſpann 1 Mann und 1 Weib. 3———— Zu taſſen, täglich 1 Mann 4 Weiber. 2 2———— 90 Gruͤne Wicken zu maͤhen à 14 Morgen. 3.———— Zu werben à 2 Morgen, 1 Weib.. 3———— 75 Fuder einzufahren à 9 Fuder taͤglich ⸗*———— 331 Zum Laden per Geſpann 1 Mann, 1Weib 8————— Zu taſſen täglich Mann, 4 Weiber..————— 327 Winterung zu maͤhen per Senſe 22 Morgen. 2————— Zu ſammeln und zu binden à 2 Morgen 1 Weib——— Latus 722 36722 78277 20 30 3 Eer Arbeitsberechnung. 77 — o Sommerperiode Herbſtperiode Winterperiode k 6 agen von 80 Arbeitstagen. von 76 Arbeitstagen. von 80 Arbeitstagen. — 5 o;—z—„„ N 25½ Veil Ein Ein Maͤnnl. Weibl. Ein Ein Maͤnnl.] Weibl. Ein Ein Männl. Weibl. Hand Plerd. Wech el⸗ Hand⸗ Hand⸗ Pferd. Wechſel⸗ Hand⸗ Hand⸗ Pferd. Wechſel⸗ Hand⸗ Hand⸗ tege ochſe. tage. tage. ochſe. tage. tage. ochſe. tage. tage. — 5— sn 1737 467 4 65 30 30 63 5 1e 167 1367 — 2 S—— 3 3—— 2.— S———— S8 . S S F 2477 S 5 — S F. 2Ex 161 F——— 247— S S 7 5077 50 35 i 362 3 ————— 250— 200— —1———————— 5 —— 8 3 F S gr 187 —— 2§ S 2721— —— S——— 100—— — 9————— 227 9———————— — 10977—— 2 2 6 S— 5 — 72— S. 7½3— — 187 182,— 6 S— 60——— — V 82 8 S S F— 2 87——————— — LQr—— 5 8 0 o 315 467 574 7174 S2 65871 180 15 — — Sſer Theil. —— Arbeitsberechnung. e Morgenzahl. 2 1877 12877 10927 150 1092½ Arbeiten. Fruͤhjahrsperiode von 64 Arbeitstagen. Sot don be —— Ein Pferd. Ein ochſe. Maͤnnl. Hand⸗ tage. Transport Einzufahren per Geſpann das Getreide von 18 Morgen, 1Lader, 1Nachharker Zu taſſen 2 Mann, 8 Weiber taͤglich. Soͤmmerung zu mähen per S 3 Morgen, n binden 3 Morgen 1 Weib* Einzufahren à 20 Morgen, per Gefpann 1 Lader, 1 Nachharker. 5 Zu taſſen 2 Mann, 8 Weiber täglich Erbſen und Wicken zu maͤhen per Senſe 1 ½ Morgen Einzufahren taͤglich 9 Morgen, per Geſpann 1 Lader, 1 Nachharker. 5* Zu taſſen 2 Mann, 8 Weiber täglich iocen ie und Wiufeſet à2 Morgen 1 Mann, 2 Zutraͤger harkerinnen. Zu taſſen täglich 1 Mann, 4 Weiber.. Se maͤhen und zu werben à 14 Morg. 1 Mann, eib. 31 ½ Fuder einzufahren,5 à 7 Fuder täglich per Geann, 1Lader, 1 Nachharker.. Zu taſſen täglich 1 Mann, 4 Weiber. Klee⸗Nachmath zu maͤhen und zu werben. Senſe 2 Morgen, 2 Weib. Fuder einzufahren, 7 Fuder täglich per Geſpann, Lader, 1 Nachharker. e Zu taſſen taͤglich 1 Mann, 4 Weiber. Das Verfahren des Getreides auf 3 Meilen, 2 Tage⸗ reiſen 15 172 Pferd. Holzfuhren, Meliorations⸗, Stadt⸗ und andere Fuh⸗ rren, und taͤglich noch 1 Tageloͤhner extra Auf pen Feldt abzudreſchen per Morgen 2 Drcher⸗ Einzufahren per Geſpann 9 9 Morgen, 1 kader, 3 na 722 01 — — 35 36712 82 7827r 1 Hand pi. tage. —.—.— Weill. n 0 — — 1 ʒo Summa 84677 2041 ng 9r Arbeitsberechnung. 179 —.——,— Sommerperiode Herbſtperiode Winterperiode von 80 Arbeitstagen. von 76 Arbeitstagen. von 80 Arbeitstagen. Luh Ein Ein Männl. Weibl. Ein Ein Maͤnnl.] Weibl. Ein Ein Maͤnnl.] Weibl. du Pferd. Wechſel⸗ Hand⸗ Hand⸗ſ Pferd. Wechſel⸗ Hand⸗ Hand⸗ Pferd. Wechſel⸗ Hand⸗ Hand⸗ ht ochſe. tago. tage. ochſe. tage. tage. ochſe. tage. tage. K„ 3157 46721 885 514 718 446 71771 632 6587 180 4047xf 15571 130— 32 32——— — 16 65—* 58—— S5 727r 721— S 6 o——— 18 5 212— S 8 2 8577 S 6 ſ——— 157 147 Tg— 3 P S.— —— 2 2 S 1 5 541 54 8 S—— 8. 21871 2187 33— S —— i Er 3 1272— S—=— ——————— 100 100———— 1 18 525 42x— g5 541 2721— S 5— 20r— 57r 5— —— py I 577— —550 350 500 3 13421 S— Io8— 5— I2TN— 80— 1 2 1251 4677 1455 1055125 obox 7707 1280 150 5 —— 180 Arbeitsberechnung. Berechnung des zu verfahrenden Getreides. Raps. Weizen. Rocken. Erbſen. Wicken. Gerſte. Hafer. Schfl. Mß. Schfl. Mtz. Schfl. Mtz. Schfl. Mtz. Schfl. Mtz. Schfl. Ma. Schfl. M Der Totalertrag nach der Tabelle iſt o9o 1421090 1g2r 2072 11 654 8 114 82r30 osrrzn Hiervon iſt abzuziehen: Die Einſaat bI4E I221TX 243 7ran 150— Dreſcherlohn 129 82 40 14 7 2 81I3 6r 5r 17 Perſonen à 12 Scheffel Rocken, 2 Schfl. Weizen, 2 Schfl. Erbſen u. Gerſte—— 812 204— 17 Pferde à 3 Metzen Hafer täglich 770— 614% 199 1079rſr3i 176 62 116 4 217 48 o8rI3n miſnus Bleibt zu verfahren ſro83— 891 4 ſra80 14 478 2 1 rchrſ1z— Dies erfordert an Pferden auf eine Reiſe von 2 Tagen: 1089 Scheffel Raps, das vierſpaͤnnige Fuder ladet 24 Scheffel. 361 ½ Pferdetage. 891. Weizen—4. ⸗ 2. 20 ⸗ e ⸗ ⸗ 4262 ⸗ 478 ⸗ Erbſen— 24 ⸗ 3 159 ½ 5 1091 ⸗ Gerſte ⸗ ⸗. ⸗ 272 ½ ⸗ 15177½ Pferdetage. Direktion der Wirthſchaft. 181 . 6 Direktion der Wirthſchaft. F. 201. Die Direktion der Wirthſchaft ſteht in ſo naher Verbindung mit der Arbeit, daß wir ſie unmittelbar nach derſelben erwaͤgen. Dirigiren heißt, jedes Maaß und jede Art von Kraͤften in die ihnen mög⸗ lichſte, zweckmäͤßigſte und nachhaltigſte Thäatigkeit bringen. Wir haben hieruͤber bereits in den§.§. 151 bis 159. im Allgemeinen, bei der Berech hnung der landwirthſchaftlichen Arbeite en, geredet, und werden das Speziellere bei der Lehre von der Bearbeitung des Bodens betrachten. Es bleibt alſo hier nur uͤbrig, von denjenigen zu reden, welchen die Leitung der Arbeiten in verſchiedenen Abſtufungen uͤbertragen wird, und von den Ruͤckſichten und Maximen, welche dabei zu beobachten ſind. S. 202. Die erſte Perſon, von der alles abhaͤngig iſt oder ſeyn ſoll, auf welche dant der dann aber, in ſofern es auf die Direktion der Wirchſchaft ankommt, ganz in deſſen Stelle treten, von allen ihm Untergebenen ſo betrachtet werden, und ſich ſelbſt ſo betrachten muß. Im letztern Falle iſt ſein Geſchäft immer weit ſchwieriger, als im erſtern. Dort iſt er nur ſich ſelbſt und ſeinem Verſtande fuͤr ſeine-Unternehmungen verant⸗ wortlich; hier aber auch dem Eigenthuͤmer oder dem, der ihn an ſeine Stelle ge⸗ ſett hat. Im zweiten Falle iſt er verpflichtet, nicht nur nach dem mit dem Eigen⸗ thuͤmer verabredeten Plane zu verfahren, ſondern dieſem auch mehrentheils ein ſicheres, beſtimmtes, disponibles Einkommen aus dem Gute jaͤhrlich zu bewir⸗ ken; wogegen es ihm als Eigenthuͤmer frei ſtehet, dieſes auf ein Jahr oder laͤnger ganz oder zum Theil aufzuopfern oder vielmehr im Gute zu belegen. Weiter aber darf die Beſchränkung ſeiner freien Thaͤtigkeit nicht gehen, wenn er nicht aufhoͤren ſoll, Direktor der Wirthſchaft zu ſeyn, und mithin von der Verantwortlichkeit fur den Erfolg freigeſprochen zu werden. ————— n Der Wirth⸗ ſchaftsdirektor aber auch die ganze Verantwortlichkeit fällt, nennen wir den Wirthſchafts⸗ ſey unbe— direktor. Er kann ſelbſt Eigenthuͤmer der Wirt hſchaft oder ein anderer ſeyn, ſchränst. 182 Direktion der Wirthſchaft. Will der Eigenthuͤmer, der die ganze Direktion einem andern uͤbertragen hat, mehr thun als nachſehn, ob der verabredete Plan ausgefuͤhrt werde, und ob der Direktor im Allgemeinen ſeine Pflichten erfuͤlle; will er ſich in die' Ausfuͤhrung ſelbſt miſchen, und in derſelben auch nur das Mindeſte abändern; ſo hoͤrt der Di⸗ rektor auf, dieſes ſelbſtſtäͤndig zu ſeyn, und bleibt dann bloß untergeordneter Ge⸗ huͤlfe des Eigenthuͤmers. Dieſen nenne ich Aufſeher oder Inſpektor; jenem freihandelnden Di⸗ rigenten der Wirthſchaft gebuͤhrt eher der Rahme Verwalter oder Admini⸗ ſtrator, ob man gleich mit jenem Titel einen hoͤheren Rang wie mit dieſem verbunden glaubt. 5 Ihm kann dann aber auch nichts weiter, als die gelungene oder mißlungene Aus⸗ fuͤhrung jedes einzelnen vom Prinzipal ihm uͤberlaſſenen Geſchaͤftes, durchaus nicht der Erfolg im Ganzen beigemeſſen werden. Zwei Direktoren duͤrfen in einem von einem Punkte ausgehenden und in einem Punkte ſich konzentrirenden Ge⸗ ſchaͤfte nicht ſeyn, oder es entſteht unvermeidlich die nachtheiligſte Unordnung und Verwirrung daraus; es ſey denn, daß ſie in jedem ſpeziellen Akte der Direktion ihr Urtheil und ihren Willen vollkommen vereinigten, das Wort des einen den Sinn des andern vollſtändig ausſpraͤche, oder beide ſich deſſelben Worts bedienten. Dieſes aber iſt bei den mannigfaltigen Zufalligkeiten, die ſchleunige Abaͤnderungen erfordern, wohl unmoͤglich, und die Erfahrung lehrt, daß, wenn unter ſo be⸗ wandten Umſtaͤnden Wirthſchaften bei einer faſt ſtuͤndlichen neuen Vereinigung der Direktoren beſtehen, dennoch immer Fehler vorgehen, die unter einem andern Verhaͤltniſſe haͤtten vermieden werden koͤnnen. §. 2o3. Beſchränkte Wenn ein beſtändig, oder von Zeit zu Zeit abweſender Eigenthuͤmer, der die Sache verſteht oder zu verſtehen glaubt, die Ausfuͤhrung der Geſchaͤfte nach ſeiner Vorſchrift einem andern uͤberträgt, ſo kann dieſer keinesweges als Direktor der Wirthſchaft angeſehen, noch der Erfolg im Allgemeinen ihm beigemeſſen werden. Es iſt in einem ſolchen Falle fur beide Theile ſehr wichtig, daß ſie das Verhaͤlt⸗ niß, worin ſie zu einander und zu der Wirthſchaft ſtehen, genau und individuell fuͤr dieſen Fall heſtimmen. Vom Aufſeher oder Inſpektor kann alsdann nur die moͤglichſt beſte Ausfuͤhrung einer von einem andern gemachten Anordnung ver⸗ Direktion der Wirthſchaft. 183 langt werden, keinesweges kann er aber fuͤr den Erfolg einſtehen, weil die Anord⸗ nung ſelbſt fehlerhaft geweſen ſeyn, und den Grund des ſchlechten Erfolges in ſich gehabt haben kann. Dieſe Lage hat ungemein große Schwierigkeiten fuͤr beide Theile, und wenn dabei nicht inniges perſoͤnliches Wohlwollen und liberale Nach⸗ ſicht eintritt, ſo kann ein ſolches Verhältniß ſchwerlich beſtehen. Zufaͤlligkeiten machen oft die Ausfuͤhrung auf die vorgeſchriebene oder verabredete Weiſe unmoͤg⸗ lich. Soll nun der Stellvertreter eine Abaͤnderung, die von der Vorſchrift mehr oder minder abweicht,— aber je mehr ſie abweicht, den Zweck um ſo ſicherer zu erreichen ſcheint— machen oder nicht? Dieſe Frage kann allein nach dem Grade des Zutrauens, welches der eigentliche Wirthſchaftsdirektor auf ihn ſetzt, entſchie⸗ den werden. Macht jener nur die mindeſt moͤgliche, durch die Umſtände nothwen⸗ dig erforderte Abaͤnderung, ſo thut er, was man nach ſtrengem Rechte von ihm fordern kann. Er thut aber zum Vortheile des Ganzen vielleicht ſehr wenig, und, vielleicht nach ſeiner eigenen Ueberzeugung, etwas wirklich Schaͤdliches und Un⸗ rechtes, und muͤßte als ſelbſtſtaͤndiger Mann ganz anders verfahren. Thaͤte er dieſes aber, und der Zufall beguͤnſtigte dann ſeine getroffene, mehr als nothwen⸗ dige Abaͤnderung nicht, oder bemaͤchtigte ſich eine eigenſinnige Laune ſeines Prin⸗ zipals, ſo ſetzte er ſich allerdings Vorwuͤrfen aus, die er bei der mindeſt moͤglichen Abweichung haͤtte vermeiden koͤnnen. Ein ſolches Verhaͤltniß iſt in der That ſo ſehr delikat, daß man es hoͤchſt ſel⸗ ten lange beſtehend findet, ohne daß Uneinigkeit und Unzufriedenheit es haͤufig trubt, wo es dann nur durch gegenſeitiges Beduͤrfniß noch fortdauernd erhalten wird, wobei aber in der Wirthſchaft alles ſchleppt und wackelt. F. 20. Roch ſchwieriger und verwickelter iſt der Fall, wo ein Eigenthuͤmer aus ſelbſtgefühltem Mangel an Kenntniſſen und Faͤhigkeit die Direktion der Wirth⸗ ſchaft einem andern ubertraͤgt, zu deſſen Kenntniſſen und Talenten er wenigſtens im Zeitpunkte der Uebertragung das vollkommenſte Zutrauen haben mußte. Er kann zwar im Algemeinen die Ueberzeugung beibehalten, daß ſein Wirthſchafts⸗ direktor die Soche weit beſſer, wie er, verſtehe; aber dennoch wird ihm die Vor⸗ ſtellung leicht kommen, oder vielleicht von andern zugebracht werden, daß dieſes oder jenes verbeſſert werden und dann einen groͤßern Erfolg haben könne. Hier 84 Direktion der Virthſchaft. iſt eine große Feſtigkeit des Charakters von beiden Seiten, zugleich mit einer ſehr humanen Nachſicht noͤthig, wenn die Sache beſtehen, in Ordnung bleiben, und nicht in lauter Stuͤckwerk zerſallen ſoll. Der Wirthſchaftseigenthuͤmer muß ſich verſtaͤndiger Weiſe ſagen, daß ſein Wirthſchaftsdirektor die Sache nicht allein beſſer verſtehe, ſondern auch nach ſeinem beſten Wiſſen ausfuͤhren wolle; weil es ſonſt thoͤricht von ihm geweſen wäre, ihn gewaͤhlt zu haben, oder, wenn er ſich damals geirrt haͤtte, ihn beizubehalten. Aber er wird es doch oft nicht laſſen können, ſeine Vorſtellungen, daß dieſes oder jenes beſſer gemacht werden koͤnne, laut werden zu laſſen. Dies iſt eine Inkonſequenz, die man der menſch⸗ lichen Schwaͤche verzeihen muß. Man findet ſie allenthalben, z. B. bei dem Verhaͤltniſſe des Patienten zum Arzte. Jeder Patient weiß, daß ſein Arzt ſeine Krankheit und die Behandlung derſel lben beſſer verſtehen muͤſſe, wie er ſelbſt, weil er ſonſt der aͤrgſte Thor waͤre, ihn zum Arzt zu waͤhlen und zu behalten; aber dennoch koͤnnen es die Menſchen ſelten laſſen, bei ihrer oder nahe verwand⸗ ter Perſonen Krankheit ihrem Arzte Vorſchläge zu thun, wovon ſie einen beſſern Erfolg hoffen, als von den genommenen Maaßregeln des Arztes. Es gehoͤrt hier ſo viel Humanitaͤt als Feſtigkeit von Seiten des Arztes, wie des Wirthſchafts⸗ direktors dazu, ſolche Vorſchläge anzuhoͤren, ſo viel nöthig und nuͤtzlich zu be⸗ antworten, aber ſich nicht irre machen zu laſſen in dem, was man nach eigener Ueberzeugung fur das Beſte hält. Hat man es nun aber mit Menſchen zu thun, die von ſo großerm Eigenduͤnkel beſeſſen ſind, als ſie weniger Kenntniſſe und Ueberlegung haben, ſo wird man auf jeden Fall nur Undank einernten, und ſie werden ſich und andern immer ſagen, daß die Sache weit beſſer gegangen waͤre, wenn man ihre Vorſchläge oder— wie ſie es in dem Verhältniſſe eines Eigen⸗ thuͤmers zum Wirthſchaftsdirektor denn wohl nennen— ihre Befehle befolgt hätte. Ein rechtlicher, ſeiner Sache gewiſſer und auf ſich ſelbſt bauender Mann wird ſolche Aeußerungen, wenn ſie ihm ſelbſt vorgetragen werden, kaltbluͤtig und beſcheiden, jedoch mit Wuͤrde beantworten, und darin nicht minder thaͤtig und konſequent in ſeinem Geſchaͤfte ſeyn. Werden ſie ihm aber durch einen drit⸗ ten zugebracht, ſo wird er Gerede Gerede ſeyn laſſen, und ſich nicht darum be⸗ kuͤmmern. Geht es aber bei dieſem Verhaͤltniſſe ſo weit, daß der Eigenthuͤmer in die Fuͤhrung der Geſchaͤfte wirklich eingreift, ungeachtet er dem Adminiſtrator das ———— Direktion der Wirthſchaft. 185 das Ganze uͤbertragen hat, Anordnungen macht und Befehle giebt an Unterverwal⸗ ter oder Ackervoigte, ſo wird ſich kein rechtlicher Mann dieſes gefallen laſſen, ſon⸗ dern ſofort ſeinen Dienſt niederlegen, wozu er dann, wenn er ſich anders in dem Kontrakte gehoͤrig vorgeſehen hat, das voͤllige Recht beſitzt. 5. 208. Die Eigenſchaften, welche der Direkcor einer großen Wirthſchaft beſitzen Eigenſchatten muß, ſind dieſelben, die ich von jedem rationellen Landwirthe gefordert habe. Daß dazu noch eine vorzuͤgliche Rechtſchaffenheit und ein entſchiedenes Ueberge⸗ tors. wicht des Pflichtgefuͤhls uͤber alle Regungen des Egoismus hinzukommen muͤſſe, wenn die Wirthſchaft nicht ſein Eigenthum iſt, verſteht ſich von ſelbſt. Maͤnner dieſer Art ſind ſelten, und konnten unter den bisherigen Verhaͤltniſſen und der Nohheit, worin ſich das landwirthſchaftliche Gewerbe befand, nicht haͤufig ge⸗ bildet werden. Indeſſen giebt es ſolche, die ſich, beſonders durch Enthuſiasmus fuͤr die Sache, dem ſie lange jede perſoͤnliche Ruͤckſicht aufopferten, zu einer Stufe ſeltener Vollkommenheit emporgeſchwungen haben, und dennoch wegen des groͤßern Wirkungskreiſes lieber die Adminiſtration großer Landguͤter fuͤhren, als ſelbſt eine kleinere Pachtung annehmen. Es iſt zu bedauern, daß dagegen andere vorzuͤgliche Subjekte, aus Reigung, eine eigenthuͤmliche Wirthſchaft zu beſißzen, ihre Thaätigkeit und Talente mehrentheils auf einen zu kleinen Wirkungs⸗ kreis beſchränkten, obwohl man ihnen dies keinesweges verdenken kann. Daß Männer dieſer Art ſo ſalarirt ſeyn wollen und muͤſſen, daß ſie nicht nur mit derjenigen Bequemlichkeit leben koͤnnen, welche Anſtrengung des Geiſtes durchaus erfordert, ſondern auch ihren Kindern eine gebildete Erziehung geben koͤnnen, iſt eine ſehr gerechte Forderung, und wer mit ihrer Salarirung geizt, weil er nicht bedenkt, wie groß die Vortheile ſind, die ein einſichtsvoller Mann ihm ſchaffen kann, der wird nie einen ſolchen erhalten. 5. 206. Die Art der Salarirung wird verſchieden beſtimmt. Man hat es mehren⸗ Salarirung cheils fur vortheilhaft gehalten, eine beſtimmte Quote von dem reinen Ertrage im Ganzen, oder aber von dem, was eine Wirthſchaft uͤber eine gewiſſe An⸗ ſchlagsſumme giebt, als Hauptſalarium zu beſtimmen. Dieſe Einrichtung hat, von einer Seite betrachtet, ſehr vieles fur ſich, und faͤllt bei einem wirklich Erſter Theil. Aa ———— 186 Direktion der Wirthſchaft. geſchickten und rechtlichen Adminiſtrator mehrentheils zur Zufriedenheit beider Theile aus. Aber ſie wird ſchwierig in Anſehung der Meliorationen. Dieſe vermindern immer den Kaſſenuͤberſchuß, und wenn nach ſolchem nur die Quote beſtimmt werden ſoll: ſo gereichen ſie zum Nachtheile des Adminiſtrators, und er muß ein edeldenkender Mann ſeyn, wenn er in der Hinſicht nicht manche unter⸗ laßt. Deshalb wird nun freilich uber Meliorationen oft etwas beſonderes be⸗ ſtimmt, und die aus der Wirthſchaftskaſſe darauf verwandten Koſten werden zum reinen Ertrage gezaͤhlt. Aber damit iſt bei weitem noch nicht genug geſchehen; denn die wichtigſten Meliorationen werden durch eine Aufopferung des Ertrages in den erſten Jahren und groͤßere Anſtrengung der Wirthſchaftskraͤfte bewirkt, und dieſes laͤßt ſich ſehr ſchwer evident nachweiſen. Dieſe Schwierigkeit kann nur durch einen langen, vielleicht lebenslaͤnglichen Kontrakt gehoben werden, wo der Adminiſtrator den auch auf ihn fallenden Theil des durch Aufopferungen in. den erſten Jahren um ſo ſtarker fuͤr die Folge erhoͤheten Ertrages ſich und der Wirthſchaft aufſpart. Einen ſolchen Kontrakt geht aber niemand gern ein. Ich geſtehe desholb, daß ich beſtimmte Salarien vorziehe, wobei aber die Ausſicht auf Gratifikationen gegeben werden kann, wenn ſich der Ertrag einer Reihe von Jahren nachhaltig vergroͤßert. Rebrige Wirthſchafts⸗ Beamte. Fuͤr eine ſehr unangemeſſene Einrichtung halte ich es, den obern Wirth⸗ ſchaftsbeamten Deputate von Viktualien zu ihrer Konſumtion zu geben, mit dem Rechte, das Uebrige zu verkaufen. Es kann vielleicht nichts mehr wie dieſes einen noch ſchwankenden oder ſchwachen Mann zur Unrechtlichkeit verleiten. Nur der erſte Schritt koſtet, und zu dieſem findet ſich eben hierdurch ſo leicht Gelegen⸗ beit, die zuerſt vielleicht nicht den Mann ſelbſt, aber die Frau oder Hausgenoſſen reizet, ſich einen unerlaubten Vortheil zu machen. Man gebe daher den obern Beamten durchaus Alles, was ſie von den Erzeugniſſen der eignen Wiechſchaft gebrauchen; geſtehe ihnen aber auch nicht den geringſten Handel fuͤr eigene Rech⸗ nung zu. §. 207. Auf großen Guͤtern iſt gewöhnlich dem erſten Wirthſchaftsbeamten ein Kaſ⸗ ſen- und Rechnungsfuͤhrer oder Rentmeiſter, und ein Korn⸗ und Viktualienſchreiber, oder wie er an einigen Orten heißt, Kaſtner, Ka⸗ Direktion der Wirthſchaft. 18 ſtenbeamter zugeſellt. Sie ſind in ſofern dem oberſten Beamten untergeord⸗ net, daß erſterer nur auf Anweiſung deſſelben Ausgaben macht, und ihm Einnah⸗ men kaglich anzeigen muß. Dagegen hat der Oberbeamte mit der Einnahme und Ausgabe des Geldes durchaus nichts zu thun, als daß er die Kaſſe nachſieht, und wenn ſich das Geld darin angehaͤuft hat, es in großen Summen gegen Quit⸗ tung herausnimmt. Auß gleiche Weiſe verhaͤlt ſich's mit dem uͤber die Vorraͤthe geſetzten Beam⸗ ten, der alle Erzeugniſſe der Wirthſchaft einnimmt und ausgiebt, und auch fur die Anſchaffung des Fehlenden ſorgt. Er muß aber darin die Anweiſung des Ober⸗ beamten genau befolgen, dieſe Anweiſungen, wie an manchen Orten gebraͤuchlich iſt, ſchriftlich von ihm in Empfang nehmen, und ſolche Zettel als Belege ſeiner Rechnung aufbewahren. Man hat ſich dadurch gegen Unrechtlichkeiten und Betruͤgereien noch mehr zu ſichern geglaubt, daß man dieſes Perſonal noch mit einem oder mehreren Kon⸗ trolleurs und Gegenſchreibern vergroͤßerte. Nach verſchiedenen Einrichtungen die⸗ ſer Art, die mir bekannt ſind, muͤſſen dadurch alle Geſchäfte auf eine hochſt nach⸗ theilige Weiſe vervielfacht und aufgehalten werden, ſo daß uͤber die Form das Weſen der Wirthſchaft nothwendig leiden muß, und daß ſich kaum eine ſo be⸗ traͤchtliche Veruntreuung denken läßt, die den reellen Nachtheil, welcher hieraus entſteht, uͤberwoͤge. Die Ausgabe eines Scheffels Getreide muß von vier bis fuͤnf Händen atteſtirt werden, und drei Perſonen muͤſſen erſt mit ihren Schluͤſſeln ſich verſammeln, um zu einem Vorrathe gelangen zu koͤnnen. Ueberdem aber glaube ich, daß eine ſolche Einrichtung bei allen ihren Formalitäten zu Verun⸗ treuungen eher anreize, als davon zuruͤckhalte. Perſonen, die uͤber Verun⸗ treuungen immer wachen ſollen, oder denen ſie immer zugetrauet werden, werden mit dem Begriff davon ſo vertraut, daß ſie den Abſcheu, welchen jeder ehrliche Mann dagegen hat, nur zu leicht verlieren, und iſt es nun bei einem ſolchen Per⸗ ſonale einmal dahin gekommen, daß einer dem andern etwas nachgeſehen hat, ſo wird die ſer jenem ſo viel mehr nachſehen muͤſſen, und ſo wird es bald keine beſſer orgauiſirte Diebesbande geben, wie dieſe ſich kontrollirende Geſellſchaft, und es wird dann beinahe unmoͤslich, ſie des augenſcheinlichſten Betruges zu uͤberfuͤhren, weil ſie nun, ihrer allgemeinen Straͤflichkeit wegen, alle fur einen Mann ſtehen, Aa 2 Vorwerks⸗ und Unter⸗ verwalter. 188 Direktion der Wirthſchaft. und ſich einander ihre angebliche Rechtlichkeit bezeugen. Dagegen muß der ein ſehr ſchlechter und von Grund aus verdorbener Menſch ſeyn, der bei vollem be⸗ zeugten Zutrauen Veruntreuungen begeht. Es giebt aber Zeichen, woran man Menſchen dieſer Art ſehr bald erkennt. §. 208 Wenn Beſitzungen aus mehrern Guͤtern oder Vorwerken beſtehen, ſo pflegt ein jedes ſeinen beſondern Aufſeher oder Verwalter zu haben, die dann dem allge⸗ meinen Wirthſchaftsdirektor ſubordinirt ſind, und von dieſem, ſo oft es nothig iſt, ſpezielle Vorſchriften zu ihrem Verfahren erhalten. Je nachdem diefe Vor⸗ werke ihren eigenen Haushalt, Beſtand von Zug⸗ und Nutsvieh und die dazu ge⸗ hoͤrigen Menſchen haben, oder in Hinſicht alles deſſen mit dem Haupthofe in ge⸗ nauer Verbindung ſtehen, von daher ihren Bedarf erhalten, und dahin ihren Ertrag abliefern, auch weiter oder näher abgelegen ſind, wohnt ein folcher Ver⸗ walter auf dem Vorwerke oder auf dem Haupthofe, und begiebt ſich von hier ab täglich dahin. Verwalter dieſer Klaſſe koͤnnen bloß mechaniſch unterrichtete Leute ſeyn, welche nur die Gewandheit haben, poſieive Vorſchriften, die ihnen unter allen Umſtänden gegeben werden, und die ſie einholen muͤſſen, auszufuͤhren. Thätig⸗ keit, Aufmerkſamkeit, Redlichkeit, ein gewiſſes praktiſches Gefuͤhl und Augen⸗ maaß und puͤnktliche Folgſamkeit ſind die noͤthigen Eigenſchaften dieſer Leute; auf gruͤndliche Kenntniſſe kommt es bei ihnen nicht an, und ein bischen fragmentari⸗ ſches Wiſſen, was uͤber ihren täglichen Wirkungskreis hinausgeht, wird vielmehr leicht nachtheilig. Leute dieſer Art werden am beſten aus dem gewoͤhnlichen Bauerſtande genommen, und man waͤhlt dazu am beſten ſchon fruͤh in der Jugend Burſchen aus, die ſich durch Aktivitaͤt, Ehrliebe und Rechtlichkeit vor andern auszeichnen, ſucht ſie ſich anhaͤnglich zu machen, und giebt ihnen allmaͤhlig einen Vorzug, macht ſie dann zu ſogenannten Ackervoigten oder Meiſterknechten, welche die Aufſicht uͤber anderes Geſinde und beſondere Geſchäfte fuͤhren, laͤßt ſie in Schreiben und Rechnen mehr unterrichten, und bringt ſie ſomit dahin, daß ſie bei mehr geſetzten Jahren die Ueberſicht der Geſchaͤfte einer ſpezialen Wirthſchaft erlangen, und nun die Fuͤhrung derſelben uͤbernehmen koͤnnen. Bei Menſchen, welche man ſich auf dieſe Weiſe angezogen hat, und die im Geſindesſtande die Direktion der Wirthſchaft. 189 Probe ausgehalten und ſich fortdauernd gut betragen haben, wird man diejenige Treue und Anhaͤnglichkeit an die Herrſchaft, die bei folchen Verwalterſtellen ſo nöthig und unter dem gewoͤhnlichen Schlage dieſer Menſchen ſo ſelten iſt, am ſicherſten antreffen. Dieſe Leute muͤſſen ſoviel als moͤglich in ihren bauerlichen Sitten, Lebensart und Kleidung erhalten werden; und man muß ihnen daher die Gelegenheit, mit andern aus der gewoͤhnlichen Unterverwalter- oder Schreiber⸗ Klaſſe umzugehen, abſchneiden, und ſie durch leicht begreifliche Gruͤnde vor der Thorheit und Laͤcherlichkeit, den hoͤhern und gebildetern Staͤnden nachaͤffen zu wollen, verwahren, ihnen ſelbſt einen gewiſſen Stolz auf ihren Stand als Land⸗ mann einfloͤßen, und die mehrere Achtung, deren ſie im Bauernrocke genießen, und die ſie durch modiſche Kleidung nur verringern wuͤrden, vorſtellen. Sie muͤſſen nicht auf den Gedanken verfallen, ſich mit den hoͤheren Staͤnden zu ver⸗ gleichen, ſondern nur mit Perſonen ihres Standes. Sobald ſie Aufſeher abge⸗ ſonderter Wirthſchaften ſind, iſt es am beſten, daß ſie heirathen, und daß man ſie dabei zu einer vernuͤnftigen Wahl vermoͤge, aber vor einer Verbindung mit einer Kammerjungfer oder einer geputzten Stadtmamſell warne. Solche Leute muͤſſen dann ſo geſetzt werden, daß ſie mit Behaglichkeit leben, und ihre Kinder, deren Erziehung man ſich ſelbſt annehmen muß, gut aufbringen konnen. Dieſe Weiſe, ſich treue und in ihrem Wirkungskreiſe hinlaͤnglich geſchickte Leute zu ſ⸗ iſt in der That ſo ſchwierig nicht, wie man Wo das inde nicht, wie in einigen Gegenden, durchaus verdorben iſt(wozu mei⸗ ner 2 nach faſt allgemein der Zwangdienſt die Hauptveranlaſſung giebt), wird man haͤnfig ſolche Knechte anereffen, die ſich in einem Jahre, faſt in den Ne⸗ benſtunden, zu Spezialverwaltern bilden laſſen. Aber auch Leute aus dem Bauerſtande, die als Soldaten gedienet haben und zum Unteroffrier gelanget dann verabſchiedet ſind, paſſen ſich oft vorzuͤglich zu Verwaltern dieſer Art. Man darf aber nie zugeben, daß Leute dieſer Art uͤber die ihnen bezeichneten Grenzen mit ihrer Willkuͤhr hinausgehn, weil ſie doch ſelten faͤhig ſind, den ganzen Zuſammenhang und insbefondere den Einſtuß auf die entferntere Zukunft zu uͤber⸗ ſehen und zu berechnen: Sie ſind ſelten im Stande, in die Ferne voraus zu ſehen, denken immer nur auf den Gewinn oder die Erſparung im laufenden Wirthſchafts⸗ —— 190 Direktion der Wirthſchaft. jahre, und halten ſich oft aus Anhaͤnglichkeit fuͤr die Herrſchaft verpflichtet, dieſen durch Vernachlaͤßigung entfernterer Ruͤckſichten zu vergroͤßern. Sie muͤſſen deshalb puͤnktlich die ihnen gegebenen Vorſchriften zu befolgen angehalten werden, und es iſt gut, ſie daran zu gewoͤhnen, daß ſie auf militaͤriſche Weiſe die erhaltene Ordre auf der Stelle in ihr Taſchenbuch eintragen, und auch aus dem Taſchenbuche, worin ſie alle Vorfaͤlle anzeichnen muͤſſen, ihren Rapport dem Wirthſchaftsdirektor ma⸗ chen, damit die Entſchuldigung der Vergeſſenheit oder des unrichtigen Verſtehens wegfalle. Nach ihrer zunehmenden Faͤhigkeit und Ueberſicht des Ganzen kann man ihnen dann die Grenzen ihrer Willkuͤhr immer etwas weiter ſtecken. Nur muß man es durchaus nie gut heißen, wenn ſie ſelbige uͤberſchritten oder in irgend einem Stuͤcke anders verfahren haben, als es ihnen vorgeſchrieben war, geſetzt auch, daß ſie dadurch wirklich Nutzen geſchafft und der Erfolg die Richtigkeit ihrer Maaßregel beſtätigt haͤtte. Denn der Vortheil, der zufaͤllig einmal dadurch geſtiftet worden, wuͤrde wahrſcheinlich durch hoͤhern Nachtheil uͤberwogen werden, wenn ſie ſich nun zu viel anmaaßten, und an den Vorſchriften, die ſie erhalten, abänderten, wozu ſie ein einmal eingeerntetes Lob ſehr leicht anreizen kann. Das Leſen landwirthſchaftlicher Schriften, welches manche zur Aufklaͤrung der gewöhnlichen Wirthſchaſter und ſelbſt des Landvolks ſo allgemein empfehlen, muß man bei allen, die keine wiſſenſchaftliche Bildung genoſſen haben, entweder gaͤnzlich verhuͤten, oder es mit großer Vorſicht leiten, und ihnen nur ſolche Buͤcher oder viel⸗ mehr Stellen aus Buͤchern zu leſen geben, die ihnen in ihrer Lage keine unrichtige oder halbwahre und ſchiefe Vorſtellungen geben. Insbeſondere taugen ſolche Schriften nicht, welche Gutes und Schlechtes, Wahres und Falſches untereinandergemengt in Bruchſtuͤcken enthalten, obwohl man ſie haͤufig in der Form von Kalendern, Wochenſchriften und Zeitungen unter den unaufgeklaͤrten Landleuten zu verbreiten ſucht, und etwas fuͤr dieſe Menſchen Nuͤtzliches dadurch zu ſtiften vermeint. Keine Gattung von Schriften erfordert eine groͤßere Auswahl und Vorſicht, und freilich auch mehreren Fleiß und Kunſt, wie ſolche, die man populaͤr nennt. Ein jeder Beobachter wird ſich der Faͤlle erinnern, wo unausgewaͤhltes Leſen Vorwitz und Aberwitz bei ſonſt vernuͤnftigen⸗Menſchen aus dieſer Klaſſe erzeugt hat. 66. S Man hat gewoͤhnlich die Meinung, daß die Bildung zum tuͤchtigen Wirth⸗ u ſchafter vermittelſt eines Durchganges durch die verſchiedenen Klaſſen eines ſoge⸗ ſelben. bgang nannten Zoͤglings, Schreibers, Unterverwalters, Verwalters, Inſpektors, Direktion der Wirthſchaft. 191 oder was man ihnen ſonſt fur Titel giebt, geſchehen muͤſſe. Man wird daher oft gebeten, einen jungen Menſchen von hoͤherer Erziehung in die Wirthſchaft aufzu⸗ nehmen, und manche glauben ihn nutzlich gebrauchen zu können. Ein ſolcher jun⸗ ger Menſch wird dann erſt als Lehrling einem Schreiber beigeſellet, und von die⸗ ſem zur Aufſicht uͤber eine Zahl von Arbeitern bei irgend einem Geſchaͤfte, von dem er den Grund nicht einſieht, hingeſtellt, um zuzukucken, weshalb ihn dann die Schreiber mit dem Titel eines Kuckucks zu beehren pflegen. Er vertritt da boͤchſtens die Stelle einer Vogelſcheuche, wodurch natuͤrlicherweiſe nur Langeweile und Unluſt bei ihm erregt werden kann. Nachdem er eine Zeitlang ſo geſtanden hat, und er mit der Lokalitat etwas bekannt geworden iſt, uͤbertraͤgt man ihm dieſe und jene Ausfuͤhrung, die er bisher zwar angeſehn, aber aus Unbekannt⸗ ſchaft mit den Gruͤnden dennoch kaum beobachtet hat. Nachdem er einige Lehr⸗ jahre hindurch hierbei immer mehr abgeſtumpft, und der Sache recht muͤde gewor⸗ den, von den uͤbrigen Verwaltern und Schreibern, je nachdem er mehr oder min⸗ der zuzuſetzen hat, tuͤchtig gehudelt oder in dem burſchikoſen Ton— der bei die⸗ ſen Menſchen ein Mittelding zwiſchen Handwerksgeſellen⸗ und Studentenweiſe iſt— initiirt worden, auch ein gutes deutſches Solo oder LHombre ſpielen ge⸗ lernt hat, tritt er nun ſelbſt als Verwalter in Kondition, und nennt ſich einen Hekonomen. Er ſchafft ſich einige Buͤcher an, die ihm der Zufall aus der Ver⸗ laſſenſchaft eines Kollegen, oder ein Buchhaͤndler, oder ein Antiquar in der Stadt aufheftet, und hält dabei in Kompagnie die landwirthſchaftliche Zeitung. Er merkt doch nun, daß es gut ſey, etwas zu wiſſen, und es entſteht ein gewalti⸗ ger Durſt nach Rezepten bei ihm. Das Ganze, meint er, koͤnne nun einmal nicht beſſer in der Wirchſchaft ſeyn, wie er es gelernt hat, aber ſo in einzelnen Stuͤcken koͤnnten die Gelehrten mit ihren Arcanis wohl etwas ausrichten. Auf die Weiſe wird der gewoͤhnliche Schlag von ſogenannten Oekonomen gebildet, die dem ganzen Stande die Verächtlichkeit und das Mißtrauen zugezogen haben, welche man fuͤr ſie heget, und die nur immer groͤßer wird, je mehrere Prätenſionen un⸗ gebildete Leute dieſer Art machen, und je mehr ſie ſich in gewiſſen aͤußern For⸗ men den wohlerzogenen Staͤnden naͤhern wollen. Es halt ſchwer, daß die⸗ jenigen, welche ſich durch eigene Energie daraus emporgehoben haben, ſich von der Makel vollig befreien. Vnteraufſeher⸗ 192 Direktion der Wirthſchaft. Auf dieſe Weiſe, welche noch aus den Zeiten herſtammt, wo man keine an⸗ dere Bildung als nach der Art der Handwerkszuͤnfte in jedem Gewerbe kannte, wird nur ſelten ein guter Landwirth gebildet werden. Will man einen jungen Men⸗ ſchen zur Landwirthſchaft erziehen, ſo iſt es allerdings gnt, wenn er jede einzelne Handgriffe kennen und üben lernt. Man laſſe ihn daher durchaus alle Arbeiten auf dem Hofe und Felde ſelbſt uͤben, und von einem geſchickten Knechte darin unter⸗ weiſen. Außerdem aber ſtehe er unter der unmittelbaren Aufſicht des gebildeten Wirthſchaftsdirektors, ſey und lebe nur mit ihm, und komme nicht in die Schrei⸗ berſtuben, ſo lange nämlich dieſe Leute noch ihre bisherigen Sitten beibehalten. Er werde dann zugleich in allen Direktionsgeſchaͤften, ſey es auch nur als Ab⸗ ſchreiber, gebraucht, und allmaͤhlig zur Reviſion gewiſſer Arbeiten und Ausfuͤh⸗ rungen, wenn er naͤmlich erſt beſtimmt weiß, worauf es dabei ankomme. Hier⸗ nach kann es oft nuͤtzlich ſeyn, einen ſolchen jungen Menſchen neben einem geſetz⸗ ten, ſchon bejahrten Vorwerksverwalter anzuſtellen, um dieſen etwa in der Jour⸗ nal und Regiſterfuhrung zu erleichtern und die Ueberbringung der Rapports abzu⸗ nehmen. Ein junger genialiſcher Menſch wird oft mit großem Nutzen bei einem ſteifen routinirten Menſchen geſtellt, wie man einem ſchlank aufſchießenden Baume einen ſteifen Pfahl giebt, um ihn in einer geraden Richtung zu erhalten. 216 Dagegen ſind in allen groͤßeren und ſelbſt mittleren, mit Energie gefuͤhrten Wirthſchaften die Arbeitsaufſeher, welche man Meier, Ackervoigte oder Meiſterknechte nennt, von Wichtigkeit. Sie werden, wie ich oben von den Unterverwaltern geſagt habe, erzogen, und nachher als ſolche angeſtellt. Sie muͤſſen ſich nicht beſinnen, wo es nothig iſt, ſelbſt mit Hand anzulegen und vor⸗ zuarbeiten; aber eigene Anſtrengung darf doch nicht das ſeyn, was man vorzuͤglich von ihnen fordert, ſondern richtige Ausfuͤhrung der Arbeit mit moͤglichſter Erſpa⸗ rung der Kraͤſte und der Zeit, und Erhaltung der Ordnung unter den Arbeitern. Man findet der Bedienten dieſer Art gewoͤhnlich zu wenige in den Wirthſchaften groͤßeren Umfanges, theils wohl, weil man den Nutzen, den ſie ſtiften, nicht ge⸗ nugſam wuͤrdiget, theils weil Menſchen, die ſich dazu qualifiziren, in manchen Gegenden unter der dienenden und arbeitenden Klaſſe ſelten zu finden ſind. Die eigene Erziebung derſelben ſcheint freilich langweilig, aber ſie verlohnt ſich der Muͤhe. Direktion der Wirthſchaft. 193 tühe. Sind mehrere vorhanden, ſo muſſen die Geſchaͤſte beſtimmt unter ſie vertheilt werden, und man ſeßt den einen als Ackervogt, den andern als Hofvogt, und vielleicht einen dritten als Viehvogt an, wenn der Umfang der Geſe ſchaͤfte es erfordert, jedoch ſo, daß ſie im Nothfall einer des andern Stelle vertreten. 5 21. Eine weibliche Aufſeherin iſt bei einem Theile der Hofgeſchäfte, bei der Meierei und dem innern Haushalte, uͤberßaupt aber bei allen Arbeiten, die aus⸗ ſchließlich von Weibsperſonen verrichtet zu werden pflegen, von großer Wichtig⸗ keit. Trifft man eine Perſon, welche ſich dazu voͤllig qualifizirt, Kenntni iſſe, Thä⸗ tigkeit, Ordnungsliebe verbindet, ſo iſt ſie unſchaͤtzbar. Selten 6 Die Wirth⸗ ſchafterinn. iſt der Fall, wo ſich nicht ein gewiſſer Eigenſinn und Vorurcheile mit jenen vor⸗ zuͤglichen Qualitaͤten verbinden. Dieſen muß mon, wenn ſie aus keiner uͤbeln Quelle herruͤhren, nachgeben, die Perſon in ihrer Wicküßr nicht zu ſehr beſchraͤn⸗ ken, ſie in Reſpekt zu erhalten ſuchen, und ihr insbe ſondere uͤber das weib liche Geſinde freie Dispoſition laſſen. Viele Geſchaͤfte werden von wei 5 Perſonen ungemein viel beſſer, als von maͤnnlichen ausgefuhrt, indem leßtere da— bei zu leicht in ein Extrem verfallen, entweder zu wenig 2 ſet ſamkeit darau verwenden, oder in eine kleinliche Pedanterie, die ihre Maaßregeln doch v auszufuͤhren vermag. S. Unter dem ganzen Perſonale einer großen Wirthſchaft muß durchaus eine Verhé beſtimmte Begraͤnzung der Geſchaäfte eines Jeden Statt finden, worin nur auf ausdruͤckliche Vorſchrift des Wirthſchaftsdirektors eine Abaͤnderung oder Eingrif ¹ ffkern gemacht werden darf. Es muß nicht zugegeben werden, daß einer für den andern ſce 1 irgend ein Geſchäft ohne ſpezielle Einwilligung des Direkcors uͤbernehme, weil ſonſt die Verantwortlichkeit wegfaͤllt, und bei gemachten Fehlern ſich den andern entſchuldigt. Bei denen aber, die in einem Fache angeſtellt ſind, muß vollkommene militairiſche Subordination erhalten werden, und es bei Ertheilung der Befehle ſowohl, als bei Anfragen und etwanigen Beſchwerden nie ein Grad uberſprungen werden. Die Befehle werden nur durch den unmittelbar Vorgeſetzten einem Jeden ertheilt; und wenn ſelbſt der Wirthſchaftsdirektor etwas Fehlerhaft es von Einem machen ſieht, und es mit der Verbeſſerung nicht hoͤchſt Erſter Thel. Bb in einer guö⸗ [. Allgemeine Aufſicht des Direktors. 194 Direktion der Wirthſchaft. eilig iſt, ſo muß er es nicht ihm, ſondern ſeinem Vorgeſetzten verweiſen, weil ſonſt gar zu leicht widerſprechende Befehle entſtehen, wodurch die Leute verwirrt gemacht werden, oder woraus ſie doch ſo leicht Vorwand hernehmen, Unordnun⸗ gen zu begehen, und die Anweiſungen ihrer unmittelbar Vorgeſetzten nicht zu befolgen. Wenn vom Wirthſchaftsdirektor etwas angeordnet wird, was außer dem Gewoͤhnlichen iſt, was andere gemachte Einrichtungen aufhebt, oder ihnen wider⸗ ſpricht, ſo muß es beſtimmt und klar, am beſten ſchriftlich geſchehen, und er muß ſich, indem er ſich ſeine gegebene Vorſchrift von dem, der ſie erhalten, wieder⸗ holen und erklaͤren laͤßt, uͤberzeugen, daß dieſer ſie richtig verſtanden habe. ₰ 5„18 Der Wirthſchaftsdirektor darf durchaus keinen einzelnen Zweig oder ein⸗ zelnen Theil der Wirthſchaft zu ſeinem Lieblingsgegenſtand machen und darauf ſeine ſpezielle Aufmerkſamkeit richten. Er wird ſonſt nie Alles und Jedes gehoͤrig beachten, in ſeinem Zuſammenhange zu uͤberſehen und zu erhalten wiſſen. Jedoch iſt es rathſam, wechſelsweiſe einen Gegenſtand nach dem andern, wo moͤglich un⸗ vermerkt, ſeiner genauern Beobachtung zu unterwerfen, um die dabei nöthigen Verbeſſerungen richtig anzubringen und entſtandenen Fehlern und Unordnungen abzuhelfen. Er muß irgend eine zufaͤllige Veranlaſſung wahrnehmen, um bis ins kleinſte Detail mit ſeiner Unterſuchung einzudringen. Es iſt fehlerhaft, wenn er bei ſeinen Reviſionen gewiſſe Stunden und Ord⸗ nung haͤlt, ſo daß ein Jeder weiß, wann er hier oder dort hinkommen werde. Es muß keiner an keinem Orte eine Viertelſtunde fuͤr ihn ſicher ſeyn. Um alle Vorgeſetzte gegen ihre Untergebenen in Achtung zu erhalten, muß er jenen nie ſcharfe Verweiſe in Gegenwart dieſer geben, ſondern entweder allein, oder, wenn er es noͤthig findet, in Gegenwart derer, die nicht unter ihm ſtehen. Niemals muß er jedoch einen hinter ſeinen Ruͤcken gegen andere tadeln, ohne es ihm ſelbſt zu ſagen. Vorgeſetzte, die dieſes thun, verrathen eine unverzeihliche Schwaͤche. Er muß durchaus verlangen, daß ſeine Fragen in jedem Falle, und wenn es auch zum Nachtheil anderer gereichte, mit ſtrenger Wahrheit beantwortet werden. Geſchieht das nicht, ſo muß er ſchon vermuthen, daß ein Komplott gegen ihn —— Direktion der Wirthſchaft. 195 gemacht werde, und dieſes muß er auf der Stelle, wo noͤthig durch Verſetzungen und Verabſchiedungen, zu zerſtoͤren wiſſen. Er muß ſich huͤten, in die falſche Ehrſucht, gewiſſe Geſchaͤfte fruͤh voll⸗ fuͤhrt zu haben, zu verfallen. Dies iſt nur dann zu loben, wenn es gehoͤrig ge⸗ ſchehen iſt. 5. 214. Ueber die Einrichtung der Hauspolizei und die Behandlung des Geſindes ha⸗ Hauspolize. ben wir eine ſehr gute Anweiſung in Gerikens Anleitung zur Fuͤhrung der Wirthſchaftsgeſchaͤfte, I. Bd., welche in der neuen Auflage noch wei⸗ ter ausgefuͤhrt iſt, und worauf ich deshalb verweiſe. Das Geſinde iſt freilich an den meiſten Orten von dem Schlage, und erfordert diejenige Behandlung, welche daſelbſt vorgeſchrieben wird. Indeſſen glaube ich doch, daß man das, was da⸗ ſelbſt geſagt wird, nicht ſo allgemein machen duͤrfe, und daß es doch auch Men⸗ ſchen dieſer Art gebe, auf welche man durch edlere Motive, durch Ehrliebe und Moral wirken koͤnne. Ehrgefuͤhl liegt doch in jedem, auch dem roheſten Men⸗ ſchen. Nur wenn es auf der einen loͤblichen Seite ganz unterdruͤckt iſt, wendet es ſich nach der anderen tadelhaften. Man kann es oft wieder ordnen. 15 Nächſt dem Betriebe der Geſchaͤfte, wodurch mit dem mindeſt möglichen Aufwande die groͤßte Quantität von nutzbaren Produkten erzeugt wird, muß der Direktor der Wirthſchaft die vornehmſte Sorgfalt darauf richten, daß der moͤg⸗ lichſthöchſte Geldertrag daraus gelöſet werde. Dies geſchieht durch Erſparung und durch den vortheilhafteſten Verkauf. 5. 216. Die Summe aller Erſparungen, die bei Kleinigkeiten in einer Wirchſchaft Sparſamkeit. anzubringen ſind, betraͤgt im Ganzen etwas ſehr anſehnliches. Daher muß es ſich der Wirth zum Grundſatz machen, jede Verſchwendung, d. h. jede Ausgabe, die nicht zum reellen Nutzen gereicht, mit Sorgfalt zu vermeiden und Alles mit dem moͤglich geringſten Aufwande zu erreichen ſuchen. Jedoch iſt hierbei die Grenzlinie zwiſchen Sparſamkeit und Geiz gehörig zu ziehen. Die Sparſamkeit wird Geiz, ſobald dadurch der Zweck, der hoͤchſte B 196 Direktion der Wirthſchaft. nachhaltige Ertrag, verfehlt wird, und jede Erſparung, wodurch ſich dieſer in der Folge vermindert, iſt dahin zu rechnen. Man muß daher ſehr wohl erw⸗ sen, ob durch eine augenblickliche Erſparung dem Betriebe der ganzen Wirth⸗ ſchaft oder eines Theils derſelben, der gewoͤhnlich wieder Ruͤckwirkung auf das Ganze zu haben pflegt, nicht ein weit groͤßerer Nachtheil in der Folge zugefugt werde. Faͤlle, die in dieſer Hinſicht die genaueſte Ueberlegung verdienen, kom⸗ men in jeder komplizirten Wirthſchaft taͤglich vor, und ihre richtige Beurtheilung iſt das, wodurch ſich die Klugheit und Ueberlegung des Wirths vornemlich offen⸗ baret. Eine der wichtigſten Erſparungen macht man durch die Auswahl der zur eigenen Konſumtion noͤthigen Produkte. Man findet haͤufig, daß wegen beſonderer Konjunkturen der Preis mancher Produkte auf dem Markte nicht in gerechtem Verhältniſſe zu ihrem innern Werthe ſteht, und beſonders eine Kornart in Ruckſicht auf dieſes Verhaltniß beträchtlich theurer oder wohlfeiler wie die andere iſt. In dem Falle muß man diejenige, welche ihrem wahren Werthe nach zu geringe ſteht, auf alle Weiſe zur eigenen Konſumtion mit Erſparung derjenigen, die einen hoͤheren Marktpreis hat, ver⸗ wenden. Wenn der Scheffel Weizen faſt in demſeiben oder unbeträchtlich hoͤhe⸗ ren Preiſe mit dem Rocken ſteht, ſo muß der ungleich nahrhaftere und edlere Weizen zu jedem moͤglichen Verbrauch vor dem Rocken angewandt werden. Denn man kann annehmen, daß bei gleicher Guͤte drei Scheffel Weizen vier Scheffeln Rocken in ihrer naͤhrenden Kraft beinahe gleich ſind. Wenn Hafer ſich uͤber ſein natuͤrliches Verhaͤltniß zum Rocken(wie 5 zu 9) auf dem Markte erhebt, ſo wird ein geſcheuter Landwirth keinen Hafer verfuttern, ſondern ſtatt deſſelben Rocken, oder wenn es noch vortheilhafter waͤre, Weizen oder Gerſte nehmen. Wir fuͤhren dies hier nur als Beiſpiel an, und werden an andern Orten uͤber die Zweckmaͤßigkeit ſolcher Subſtitutionen und die dabei zu beobachtenden Regeln ausführlicher reden. Noch wichtiger iſt dieſe Auswahl der Getreidearten bei der Benutzung derſelben in der Brauerei und Branntweinbrennerei. Hier iſt die Er⸗ ſparung, welche man durch eine richtige Auswahl bewirkt, ſo auffallend und von ſo großem Belange, daß es kaum glaublich ſcheint, wie ſie von manchen Wirthen uͤberſehen werden koͤnne, wenn nicht taͤgliche Erfahrung dennoch zeigte, daß es geſchehe. Direktion der Wirthſchaft. 197 Das verſchiedene Verhaͤltniß, worin die Eßwaaren, Getreide und andere nahrhafte Fruͤchte, Fleiſch verſchiedener Art, Fett, Butter, Kaͤſe, Milch, Eyer, Hering, ihrem Preiſe und ihrer Nahrungsfaͤhigkeit nach gegen einander ſtehen, kann oft eine Veraͤnderung in der Konſumtion derſelben vortheilhaft machen, wenn nicht das Geſinde zu ſehr an eine beſtimmte Speiſungsart gewoͤhnt iſt, und ſich aus Eigenſinn ſelbſt gegen eine Verbeſſerung derſelben ſtraͤubt. ueberhaupt muß man das Geſetz der Sparſamkeit beſtaͤndig vor Au⸗ gen haben. Die ſpezielle Anwendung werden wir bei Gelegenheit mancher Ge⸗ genſtaͤnde zeigen. Von ſehr großer Wichtigkeit iſt es, daß zu rechter Zeit ein genauer Ueber⸗ ſchlag vom Bedarf der Wirthſchaft in allen und jeden Stuͤcken gemacht und mit Bedarf. dem Beſtande verglichen werde, damit man dieſen vorraͤthig erhalte und ſich ahf keine Weiſe verleiten laſſe, wäre es auch durch die vorctheilhafteſten Preiſe, einen Eingriff darin zu machen. In der Regel muß man von jedem Produkte einen Vorrath zu erhalten trachten, der zwei Monate uͤber die Zeit, wo es wieder ge⸗ wonnen werden kann, hinausreicht. Bei ungewoͤhnlich hohen Preiſen, die bei der Ausſicht auf eine vorzuͤgliche Ernte nach derſelben mit groͤßter Wahrſcheinlich⸗ Zeit ſehr fallen werden, kann man dieſen Termin wohl um etwas verkuͤrzen; aber der Vortheil muß doch ſehr auffallend ſeyn, wenn man ſich dazu entſchließt, weil die Herbeiſchaffung oder die fruͤhere zu Gutmachung der neuen Frucht in dieſem Zeitpunkte leicht nachtheilige Stoͤrungen in den Wirchſchaftsgeſchaͤften veranlaßt. Auf keinen Fall und um keinen Preis darf man zu kurz rechnen, und ſich etwa auf eine fruhere Ernte verlaſſen, weil dieſe bei dem beſten Anſcheine ſich dennoch ver⸗ zoͤgern, und in große Verlegenheit ſetzen kann. Es iſt deshalb ſo weſentlich, von den Beſtaͤnden jederzeit eine klare Ueberſicht zu haben. 5. 218. Der Verkauf der Produkte erfordert eine ſehr große Vorſicht und Ueberte⸗ Verkauf der gung, mit Ruͤckſicht auf alle Lokalverhaͤltniſſe der Gegend, auf die Marktplätze und die Handelsverhaͤltniſſe, deren Kenntniß ſich daher ein jeder Wirth zu erwer⸗ ben und feſt im Auge zu behalten hat. 198— Direktion der Wirthſchaft. Der moͤglich theuerſte Verkauf und die Benutzung der hochſten Preiſe iſt,— was auch einige einſeitige Moraliſten dagegen ſagen,— Pflicht des landwirthſchaft⸗ lichen Gewerbsmannes. Die vielen Unfaͤlle und das Riſtko, denen die Landwirth⸗ ſchaft unterworfen iſt, koͤnnen nicht anders als durch die Benutzung gluͤcklicher Kon⸗ junkturen wieder aufgewogen werden. Und wenn dieſe ſich nicht von Zeit zu Zeit er⸗ eigneten, ſo wuͤrde man mit den Anſchlaͤgen in Rush der unzuberechnenden Un⸗ falle faſt immer zu kurz ſchießen. Indeſſen iſt es mehrentheils nicht thunlich, daß der Landwirth mit ſeinem Ver⸗ kaufe bis auf den wahrſcheinlich hoͤchſten Preis gaͤnzlich zuruͤckhalte und unter demſel⸗ ben nichts losſchlage. In den meiſten Faͤllen gebraucht er fruͤher Geld, bevor dieſer hoͤchſte Preis eintritt, und wenn er dieſes gleich auf ſeinen Kredit anderweitig erhalten koͤnnte, ſo wuͤrde ſich doch bei einer genauen Berechnung der Unkoſten und der Zinſen baͤufig ergeben, daß kein wahrer Vortheil dabei ſey, zumal wenn er in Anſchlag bringt, wie ſehr ihn die unangenehmen Geſchaͤfte des Geldnegozes von der Beachtung der uͤbrigen abziehen, und in welche Verlegenheit zuweilen die Wiederbezahlungster⸗ mine ſetzen koͤnnen. Ohne die mannigfaltigen Faͤlle, wo ſolche Spekulationen nach⸗ theilig ausſchlagen koͤnnen, hier anzufuͤhren, wird ſich jeder leicht an Beiſpiele erin⸗ nern, wo uͤbrigens ſehr gute Wirthe gerade hiedurch zuruͤckgekommen ſind. Wenn es aber auch dèr Landwirth mit ſeinem Betriebskapital oder Kaſſenvorrath zwingen kann, ſo laͤhmt er ſich doch oft dadurch zu andern vortheilhaften Unternehmungen, wozu ſich haͤufig Gelegenheit findet, wenn groͤßerer Vorrath in der Kaſſe iſt. Ferner fehlt es, um betraͤchtliche Aufſchuͤttungen zu machen, in den meiſten Wirthſchaften an Raum, und beſonders an ſolchem, wo das Getreide gegen alles Verderben und Unfaͤlle geſichert iſt. Vorzuͤglich aber iſt auf die Bequemlichkeit des Verfahrens, da wo dieſee auf der Achſe geſchehen muß, oder wo es dem Landwirthe nicht vom Hofe abgeholt wird, große Ruͤckſicht zu nehmen. Selten ſtehen die Getreidepreiſe dann am hoͤchſten, wenn hierzu die bequemſte Zeit vorhanden; wogegen dann, wenn die Preiſe auf den höchſten Punkt kommen, die wichtigſten Arbeiten auf den Acker vorfallen und ver⸗ nachlaͤßigt werden muͤßten, wenn Getreidefuhren nicht gegen Lohn geſchehen koͤnnten. Oft tritt dann der Fall ein, daß man gern verkaufte, aber kein Geſpann zum Verfah⸗ ren ubrig hat, ſo daß die aufgehaͤuften Vorraͤthe ſodann ſehr laͤſtig werden, und man Direktion der Wirthſchaft. 199 uͤberdem in den Ruf eines Kornwucherers kommt. Deshalb wird mit wenigen Aus⸗ nahmen und Bedingungen die allgemeine Regel wohl die bleiben: daß die beſte Zeit zum Verfahren der Produkte diejenige ſey, wo die andern Geſchafte am wenigſten darunter leiden. Allerdings kommt auch bei dem laͤngern Aufbewahren des Getreides der Verluſt in Betracht, den das Eintrocknen mit ſich bringt, und derjenige, welcher unvermeid⸗ lich von Mau en und Inſekten oft entſteht; nicht weniger das Riſiko, welchem lange aufbewahrtes Getreide immer ausgeſetzt iſt. §. 219. Die muthmaßliche Vorausberechnung der Preiſe iſt allemal truglich; und wenn Preiſe Wahr⸗ ſich gleich unter beſondern Lokalitäten im Allgemeinen und im großen Durchſchnitte daruͤber mit Zuverlaͤſſigkeit etwas annehmen laͤßt, ſo treten doch ſehr gens oder haufig Anomalien ein, weil die Konjunkturen, die auf das Steigen und Fallen der Marktpreiſe Einfluß haben, zu mannigfaltig ſind, und durch unzuberechnende Zu⸗ fälligkeiten herbeigefuͤhrt werden. Der Marktpreis haͤngt bekanntlich von dem Verhaͤltniſſe der Nachfrage zum Anbieten ab. Kann jene durch das zum Verkauf angebotene Produkt nicht befriedigt werden, ſo uberbieten ſich die Kaͤufer, und der Preis ſteigt, und zwar oft uͤber alles Verhältniß des Bedarfs zum Votrath. Es brauchen nur einige Markttage etliche Scheffel Getreide weniger da zu ſeyn, als verlangt werden, ſo konnen dieſe wenigen fehlenden Scheffel die Preiſe betraͤchtlich in die Hoͤhe bringen. Umgekehrt aber faͤllt der Preis, ſobald mehr Waare vorhanden iſt, als geſucht wird, indei nun die Ver⸗ kaͤufer gezwungen ſind, durch herabgeſetzten Preis Kaͤufer zum Kaufe zu vermoͤgen, die ſonſt nicht gekauft haben wuͤrden. Wenn man das Beduͤrfniß der Maͤrkte und das Quantum der Produkte, wo⸗. durch jenes befriedigt werden kann, wiſſen koͤnnte, ſo wuͤrde es ſich vielleicht auf das ganze Jahr berechnen laſſen, wie hoch der Preis im Durchſchnitt zu ſtehen kommen wuͤrde. Ueberwiegt letzteres das erſte nicht beträchtlich, ſo kann man gewiß anneh⸗ men, daß hohe Preiſe eintreten werden, und zwar oſt um ſo hoͤhere in der Folge, je geringer ſie anfangs waren. In einzelnen Perioden iſt es aber haͤufig nicht ſowohl der groͤßere oder geringere Getreidevorrath, als die Meinung, welche ſich darüber im Publikum ver⸗ Maͤrkte. 200 Direktion der Wirthſchaft. breitet hat, was das temporare Steigen und Fallen der Preiſe bewirkt. Iſt die Be⸗ ſorgniß ſüͤr Mangel entſtanden und ein Allarm daruͤber verbreitet, ſo ſucht ein jeder Konſument ſeinen Bedarf bis zur kunftigen Ernte ſich ſo ſchnell als moͤglich zu ver⸗ ſchaffen; der Produzent dagegen, der ſich genug geſichert haͤlt, daß er ſeinen Vor⸗ rath noch immer werde verkaufen koͤnnen, uͤbereilt ſich nicht damit. Das Ueberge⸗ wicht der Nachfrage, die nicht befriedigt werden kann, treibt alſo die Preiſe in die Höhe. Daher ruͤhrt es wohl hauptſaͤchlich, daß alle Polizeimaßregeln, wodurch man ſich momentan den Bedarf zu ſichern. ſucht, unmittelbar ein Steigen der Preiſe zur Folge haben, weil Jedermann glaubt, die 2 Regierung muͤſſe begruͤndete Sorge fär die Subſiſtenz der Einwohner haben. Wenn auf der andern Seite ſich die Mei⸗ nung von ſehr ergiebiger Ernte oder von vorhandenen großen Vorräthen verbreitet, ſo kauft ein Jeder nur ſeinen täglichen Bedarf, und die Landwirthe werden dagegen beſorgt, daß ſie ihre Erzeugniſſe nicht werden abſetzen können, und bieten ſie deshalb zu immer wohlfeilern Preiſen aus. Sehr haͤufig findet es ſich dann, daß ſich beide Theile trogen, und daß nun am Ende des Erntejahres die Preiſe um ſo hoͤher werden, je niedriger ſie im Anfange ſtanden, weil die Konſumenten nun gar keine Vorrathe gemacht hatten. Wogegen ſie dann oft fallen, wenn ein Jeder aus Beſorglichkeit ſich ſeinen Vorrath früher angekauft hatte, und die zuruͤckhaltenden Produzenten nun auf einmal beſorgt werden, wie ſie ihren Vorrath verſilbern ſollen. . Der Markt fur die Produkte, insbeſondere fuͤr das Getreide, iſt zweierlei Art: a) Er iſt bloß auf die Konſumtion der Gegend und deren Einwohner beſchraͤnkt. Hier wird der Preis hauptſächlich durch den Ernteausfall derer Gegenden beſtimmt, woher dieſer Markt Zufuhr hat; und wenn man jenen kennt, ſo kann man mit ziem⸗ licher Sicherheit wiſſen, ob hehe oder niedere Preiſe eintreten werden. Erfordert indeſſen dieſer Markt entſernte Zufuhr auch aus dem Auslande, und haben dieſe ent⸗ ferntern Gegenden auch Epportationen anderswohin, ſo koͤnnen die Beduͤrfniſſe ſehr weit entfernter S und allerlei andere Konjunkturen eine maͤchtige Einwirkung darauf haben. Insbeſondere können dann Ausſuhrverbote im Auslande, ein aus⸗ gebrochener oder drohender Krieg und deshalb veranſtaltete Anfullung der Magazine eine Einwirkung aͤußern, die man nicht vorausſehen konnte. b) Der Direktion der Wirthſchaft. 201 b) Der Markt hat eine Konkurrenz von fremden Kaͤufern, wie dies haupeſaͤch⸗ lich der Fall an ſchiffbaren Stroͤmen und noch mehr in der Raͤhe des Meeres iſt. Hier ſcheitert man oft mit den wahrſcheinlichſten Vorausſagungen. Denn die man⸗ nigfaltigen Umſtände, welche hier eintreten koͤnnen, laſſen ſich nicht uͤberſehen und berechnen. Es koͤnnen hier ſehr ſchnelle und unerwartete Veraͤnderungen vorgehen, je nachdem naͤmlich fremde Kaͤufer ſich nach dieſem Markte hinzuwenden bewogen oder genoͤthigt werden, oder aber es vortheilhafter finden, ihre Einkaͤufe in einer andern Gegend zu machen. Außer dem wirklichen Bedarf der auswaͤrtigen Kaͤufer koͤnnen manche andere Handels ſpekulationen ſie veranlaſſen, ſich bald hier⸗, bald dorthin zu wenden. Sie konnen ſich bewogen finden, einen etwas theurern Markt einem wohl⸗ feilern vorzuziehen, wenn ſie dorthin Waaren zu fuͤhren haben, und die Landespro⸗ dukte nur als Ruͤckfracht mitnehmen. Auch wird ſie in dem Falle die erleichterte Zah⸗ lung und der vortheilhaftere Kurs dazu vermoͤgen. Dann können auch dieſe Kaͤufer durch Krieg und Sperrung der Haͤfen abgeſchnitten werden, wie gegenwaͤrtig der Fall iſt, aber uns gleichguͤltig ſeyn kann, indem die oſtſeeiſchen Gegenden ſeit meh⸗ rern Jahren ohnehin keinen Ueberfluß an Getreide zum Verkauf gehabt haben, und die einlandiſchen Preiſe zu hoch fuͤr auswaͤrtige Käufer ſtehen. F. 221. Auf allen Maͤrkten pflegen die Preiſe in der Regel in den Zeitpunkten am nie⸗ drigſten zu ſtehen, wo der Landwirth des Geldes am meiſten bedarf und uͤberhaupt die Geldumſchläge am ſtärkſten betrieben werden. Alſo zu den Zins⸗und Zahlungs⸗ terminen vor den Quartalen, vornaͤmlich gegen Neujahr, wo alle minder Vermoͤ⸗ gende verkaufen muͤſſen. Dazu kommt, daß auf Märkten, wo fremde Kaͤufer kon⸗ kurriren, um die Zeit ſelten ſchon Kommiſſionen gegeben worden, weil die Speku⸗ lanten im Auslande noch nicht wiſſen, wie groß der Bedarf derer Gegenden, wohin ſie das Korn verfuhren wollen, ſey, auch ihre Erkundigungen noch nicht eingezogen haben, wo ſie jenen Bedarf am wohlfeilſten zu erhalten hoffen koͤnnen, wenn ihnen anders die Wahl zwiſchen mehrern Handelsplaͤtzen frei ſteht. In Fruͤhjahre pflegen die Preiſe wegen der mindern Konkurrenz der Verkaͤufer und der ſtärkern der Kaͤufer gewoͤhnlich zu ſteigen. Vor allem iſt dies der Fall an ſolchen Orten, die ihren Be⸗ darf aus ziemlich weiter Entfernung ziehen muͤſſen, in der letzten Haͤlfte des Januars und im Februar, wenn ſich der ſchlechten Wege und vielleicht der gehemmten Schiff⸗ Erſter Theil. 6 Ce — 202 Direktion der Wirthſchaft. fahrt wegen die Zufuhr vermindert. Man findet deshalb in den Sammlungen, die man von den Preiſen langer Reihen von Jahren gemacht hat, daß in gewohnlichen Jahren, die ungefähr den Bedarf lieferten, die Preiſe um dieſe Zeit am hoͤchſten ſtanden. Indeſſen giebt es Ausnahmen, wenn nämlich in dieſer Zeit, wo das Aus⸗ dreſchen hauptſächlich vor ſich geht, der Ausfall die Erwartung uͤberſteigt und die Landwirthe dadurch veranlaßt werden, der Beſchwerlichkeit der Wege ungeachtet viel zu verfahren. Man ſagt daher, wenn das Getreide unter den Flegel fällt, ſo wird es ſehr wohlſeil werden. Da ereignet es ſich dann wohl, daß das Getreide im Fruͤhjahre geringer ſteht wie im Herbſte, und immer mehr fällt, je näher die neue Ernte kommt, zumal wenn dieſe einen guten Anſchein giebt. § 222. Wer aufmerkſam alle dieſe Verhältniſſe erwaͤgt, und insbeſondere den Ernte⸗ ertrag nicht von einzelnen Flecken, ſondern aus der ganzen Gegend, woher ein Markt verſorgt wird, wahrzunehmen und zu uͤberſchlagen verſteht, wird freilich weit haͤu⸗ figer den kuͤnftigen Stand der Preiſe richtig vorherſehen, als ſich darin truͤgen. In⸗ deſſen iſt wohl niemand ſo ſcharfſichtig, daß nicht auch letzteres hin und wieder der Fall ſeyn ſollte; und es iſt dem Landwirthe daher nie zu rathen, daß er mit ſeiner Handelsſpekulation zu weit gehe, und ſeinen ganzen Verkauf darnach einrichte. Wenn er es auch unter fuͤnfmalen viermal richtig träͤfe, ſich aber nur einmal troͤge, ſo koͤnnte ihn dies in ſeinem ganzen Gewerbe ſo zuruͤckſetzen, daß der gemachte Vor⸗ theil dadurch weit uͤberwogen wuͤrde. Bei einem Theile ſeines Verkaufs indeſſen wird ein jeder, der ſich eine richtige Umſicht zutrauen darf— denn auf das Gerede anderer darf man ſich in dieſem Punkte weniger wie irgendwo verlaſſen— mit Vor⸗ theil ſpekuliren, weil ihn ein etwaniger Irrthum dabei nicht zu Grunde richten kann. F. Wahl zwi⸗ Wenn der Produzent mehrere Maͤrkte hat, ſo iſt eine kluge und wohlberechnete Auswahl ſehr wichtig. Oft kann es vortheilhaft ſeyn, auf einem naͤhern Markte be⸗ traͤchtlich wohlfeiler, als auf einem entfernteren zu verkaufen, wenn man auch bei dieſem das gewoͤhnliche Fuhrlohn nach einem allgemeinen Durchſchnitte in richtige An⸗ rechnung braͤchte. Es giebt nämlich Zeiten, wo die Geſpannarbeit kaum bezahlbar iſt, und wo der hoͤchſte Fruchtpreis die Verſaͤumniß nicht erſetzen kann, die dadurch entſteht.. Direktion der Wirthſchaft. 20 z Uebrigens aber muß man bei dieſen verſchiedenen Maͤrkten haͤufige Erkundigun⸗ gen uͤber die Preiſe und die Stärke der Nachfrage einzuziehen nicht verſaͤumen. Zu⸗ weilen ſteht der Preis einer oder der andern Kornart auf einem Markte in Verhaltniß gegen andere Kornarten ungewoͤhnlich hoch und hoͤher wie auf andern Maͤrkten, ob⸗ wohl er ſonſt gerade auf dieſem Markte niedriger zu ſtehen pflegte. Dies pflegt ſich aber ſchnell zu aͤndern. Die Staͤrke der Nachfrage iſt immer ein Vorbote eines ſtei⸗ genden Preiſes, und auf die Fortdauer eines ſchon wirklich hoch ſtehenden Preiſes kann man minder ſicher rechnen, als wenn bei einem noch niedrigern Preiſe eine Ge⸗ treideart haͤufig geſucht und emſig verlangt wird. Solche Orte, wo man vielen Marktſchikanen ausgeſetzt iſt, und wo falſche Po⸗ lizeimaaßregeln den freien Handel erſchweren, muß man möglichſt vermeiden. Dies thun auch in der That alle kluge Landwirthe, und ein ſolcher Ort wird deshalb durch Mangel an Zufuhr in ſolchen Jahren, wo kein Ueberfluß iſt, mehrencheils ſehr ſtrenge beſtraft. Oft koͤnnen Ruͤckfuhren, die man von einem Orte zu machen hat, den Land⸗ wirth veranlaſſen, dieſen vor andern zu waͤhlen. Deshalb findet man, daß Staͤdte, welche gute Waaren fur den Landwirth und zu billigen Preiſen feil haben, auch wohl⸗ feilere Zufuhr erhalten. §. 224. Zur Wahrnehmung der merkantiliſchen Konjunkturen iſt ein öfteres Beſuchen Zuſammen⸗ der vornehmſten Marktplätze, Zuſammenkommen und geſellſchaftliche Verbindung Siee 3 der einſichtsvolleren Landwirthe einer Gegend ſehr nutzlich, und kann auch manche Rückſicht andere Vortheile gewähren, wenn nur ſolche Zuſammenkuͤnſte nicht zu leicht in d“s Gewerbe. Trink⸗ und Spielgelage ausarteten. Geregelte, praktiſche Landwirthſchafts⸗Geſell⸗ ſchaften in einzelnen Diſtrikten unter dem Vorſitze eines achtungswuͤrdigen Mannes koͤnnten viel zur Aufnahme des landwirthſchaſtlichen Gewerbes beitragen. Handelsſpekulationen ſind zuweilen ſehr vortheilhaft mit dem Ackerbau verbun⸗ Handelspe⸗ den worden, jedoch mehr von kleinen als groͤßeren Landwirthen. Sie ziehen einen klatouen. groͤßeren Landwirth von ſeinen Geſchäften zu ſehr ab, und wenn auch der Vortheil, den er durch jene macht, den Verluſt, den er an dieſen durch Verſaumniß erleidet, einmal weit uͤberwoͤge, ſo wird dies nicht immer der Fall, und ſomit in der Folge, Cc 2 wichtigkeit der Buchhal⸗ tuns. Stehende Buchhaltung oder Grund⸗ buch. 204 Direktion der Wirthſchaft. beſonders durch die nun leicht entſtehende Geringſchaͤtzung der landwirthſchaftlichen Geſchaͤfte der Verluſt deſto größer ſeyn. Dieſer Erfolg iſt zwar nicht unbedingt nothwendig; aber die Erfahrung lehrt, daß er hauſig ſey, und er iſt dem menſchli⸗ chen Gemuͤthe nur zu angemeſſen. Es geht damit wie mit der Spielſucht, die jedes andere Beſtreben zum Erwerbe unterdruͤckt. Ueberdem gehoͤrt eine genaue Kenntniß des unternommenem Geſchaͤfts dazu, wenn man es nicht bloß einmal gluͤcklich, ſondern auf die Dauer ſicher betreiben will. Auch muß man uͤbriges Kapital dazu haben, und ſich nicht verleiten laſſen, das nothige dem landwirthſchaftlichen Betriebe zu entziehen. Ueber die Verbindung der beſonders dazu geeigneten techniſchen Gewerbe mit der Landwirthſchaft werde ich im letzten Theile dieſes Werks ausfuͤhrlich reden. Landwirthſchaftliche Buchhaltung. 2 Eine vollſtaͤndige, genaue und alle Verhaͤltniſſe darſtellende Buchhaltung iſt zu einer vollkommenen und zweckmaͤßigen Verwaltung der Wirthſchaft unumgaͤnglich nothwendig. Auch die längſte Routine und die groͤßte mechaniſche Uebung, die man ſich, ſelbſt auf einem ſpeziellen Gute, erworben haben koͤnnte, iſt hoͤchſt ſelten zu⸗ reichend, um alle Verhaltniſſe ſo zu uͤberſehen und ſo zu benutzen, daß man das moͤglich Vollkommenſte erreicht zu haben oder zu erreichen ſicher ſey, wenn man jene nicht in einem ſolchen Tableau, wie eine gute Buchfuͤhrung geben muß, vor Augen liegen hat. Bei einer etwas komplizirten Wirthſchaft wird es ſich durch ſinnliche Ein⸗ druͤcke und durch die Erinnerung derſelben nie ſo klar ergeben und ſo ſicher beſtimmen laſſen, welche Einrichtungen der Erreichung des hoͤchſten Zwecks genau entſprechen, und deshalb beibehalten oder aber verbeſſert und verſchieden modifizirt werden muͤſſen. 5. 226. Wir unterſcheiden dieſe Buchhaltung in zwei Hauptabtheilungen, naͤmlich: in die ſtehende und in die jährliche. Zu erſterer gehoͤrt das, was man ſonſt das Lager⸗, Erd⸗ oder Grundbuch zu nennen pflegt. Dieſes muß einen Abriß des Guts im Ganzen und in allen ein⸗ Landwirthſchaftliche Buchhaltung. 205 zelnen nutzbaren Theilen enthalten, und eine vollſtändige Ueberſicht aller Verhältniſſe auf möglichſt klare und beſtimmte Weiſe vor Augen legen. Es gehören dazu vor Allem die Charten nebſt den ſie erlauternden Re⸗ giſtern. Man unterſcheidet dreierlei Arten von Charten, 1) die Vermeſſungs⸗ charte; 2) die Bonitirungscharte; 3) die Nutzungscharte. Sie konnen in der Folge vereint mit einander oder zuſammengetragen dargeſtellt werden. Jedoch werden ſie einzeln und in Bezug auf einander angefertigt. Und es iſt in mancher Hinſicht nicht ohne Nutzen, jede Art abgeſondert und rein beizubehalten. 1) Bei der Vermeſſungscharte wird nur Ruͤckſicht auf die Flaͤche und deren bleibende naturliche Abtheilungen und Graͤnzzeichen genommen. Jedoch koͤn⸗ nen auch wohl ſolche Gegenſtände, welche man wegzuſchaffen ſich nicht leicht bewogen finden wird, als Merkzeichen angedeutet ſeyn, wozu alſo Graͤnzſteine, Graͤnzhuͤgel, auch wohl einzelne große Bäume gehoͤren. 2) Die Bonitirungscharte, auf welcher die Bodenarten nach ihrer ver⸗ ſchiedenen Guͤte, am beſten durch Farben und Nuͤanzirungen derſelben bezeichnet, und die Gränzen und Uebergänge derſelben ſinnlich angedeutet ſind. Wo die Ver⸗ ſchiedenheit des Bodens und die Abwechſelung deſſelben groß iſt und haͤufig vorkommt, iſt es rathſam, dieſe Charten nach einem ungleich groͤßern Maaßſtabe anzufertigen, wie bei der Vermeſſungs⸗ und Nutzungscharte noͤthig iſt, und deshalb jeder Abthei⸗ tung der Feldflur ein beſonderes Blatt zu widmen. Es kann dies an die bei der Be⸗ ſtellung zu nehmenden Maaßregeln beſſer erinnern. Es muß bei dieſer Bonitirungs⸗ oder Bodenartscharte ins beſondere auch auf den Feuchtigkeitsgrad geachtet, und dieſer bei beſonders trockenen und feuchten Stellen auf irgend eine Weiſe bezeichnet ſeyn. Sie muß uns ein lebhaftes, aber zugleich mathematiſch richtiges Gemalde vom Bo⸗ den und deſſen ſammtlichen phyſiſchen Eigenſchaften darſtellen. 3) Die Nutzungscharte. Sie enthält diejenigen kuͤnſtlichen Abtheilungen, welche man in der Feldmark gemacht oder zu machen beſchloſſen hat. Es iſt aber rathſam, ſich nicht bloß auf die Hauptabtheilungen oder Schläͤge zu beſchraͤnken, ſon⸗ dern auch die Unterabtheilungen, inſofern ſie bei der Beſtellung irgend in Betracht kommen koͤnnen, darauf zu bemerken, vielleicht ſogar einzelne Gewende oder Acker⸗ beete, um die darauf zu verwendende Arbeit, Duͤngung und Einſaat gleich uͤber⸗ Charten. Vermeſſungs⸗ Bonitirungs⸗ Rutzungs⸗ Charte. Regiſter⸗ 206 Landwirthſchaftliche Buchhaltung. ſchlagen zu köͤnnen. Die Nummern der Hauptabtheilungen oder Schlaͤge werden mit groͤßern, etwa roͤmiſchen Zahlen, die Unterabtheilungen oder einzelnen Stuͤcke mit kleineren deutſchen Zahlen oder Buchſtaben bezeichnet. Man kann nach Belie⸗ ben den Nummern der Unterabtheilungen jedes Schlages eine beſondere Ordnung und Folge geben, oder dieſe Nummern der kleinern Stuͤcke, welches ich vorziehe, die ganze Feldmark hindurchlaufen laſſen. Wenn man dieſe drei Arten und Zwecke der Charten mit einander vereinigen und ſie auf einer Tafel darſtellen will, ſo muß der Masßſtab nur nicht zu klein ge⸗ nommen werden, damit jede Art von Begraͤnzung deutlich in die Augen falle. In manchen Fällen, beſonders bei einer ſehr unebenen Lage und wo man mit dem Waſſer zu kämpfen hat, iſt eine Nivellirung der Feldmatk nach allen Haupt⸗ richtungen und eine Darſtellung derſelben in einem Nivellementstableau ſehr nuͤtzlich. Auf derſelben kann zweckmaͤßig die Beſchaffenheit des Untergrundes und ſelbſt der merkwuͤrdigern, tiefern Erdſchichten, ſo weit man ſolche durch einen Erd⸗ bohrer unterſucht hat, angedeutet werden. F 22 Zu dieſen Charten gehören nun die Regiſter, welche die Vermeſſung, die Bonitirung beſtimmter Groͤßen und den Benutzungsplan verzeichnet enthalten. Dieſe koͤnnen in einer Tabelle fuͤglich zuſammengetragen ſeyn und ſo eine deutliche Ueberſicht geben. Wenn die Feldmark in beſtimmte und bleibende Schläge abgetheilt iſt, ſo hat jeder Schlag ſeine Tabelle. In der erſten Vertikalkolumne kommen dann die Unterabtheilungen des Schlages mit ihren Nummern und Benennungen zu ſtehen. So viele Klaſſen der Bonität des Ackers man angenommen hat— deren Begruͤn⸗ dung dann in einer beſondern Rachweiſung beſtimmt angedeutet ſeyn muß— ſo viele Vertikalkolumnen werden gemacht, und die Morgen⸗ und Ruthenzahl darin angegeben, welche das Stuͤck von jeder Bodenart enthaͤlt. Wenn in den Schlägen oder Abtheilungen niedrige Stellen, die nicht beſaet werden koͤnnen, oder ſogenannte Meeſchwieſen, Woſſerpfuͤhle, Graben, Wege und andere unbrauchbare Stellen vorkommen, ſo muß auch deren Flächeninhalt angezeigt werden. Die Summe wird dann in den Vertikal⸗ und Horizontalkolumnen addirt. Landwirthſchaftliche Buchhaltung. 207 Außer dieſer Tabelle iſt es aber nuͤtzlich, noch eine beſondere Beſchreibung von der Beſchaſſenheit, wenigſtens jedes ausgezeichneten Feldes zu haben, und die etwa⸗ nigen Eigenthuͤmlichkeiten deſſelben zu bemerken. 225 Es giebt eine ungemein nuͤtzliche Ueberſicht, und traͤgt vielec zur richtigen Be⸗ Werthſch⸗ rechnung der Verhältniſſe bei, wenn man jede Bodenart und nach derſelben jedes Feld oder jede Abtheilung taxiret. Man vertheilet naͤmlich den angenommenen eines Land⸗ Grundwerth des ganzen Gutes, nachdem man den gebuͤhrenden Theil fur jede andere Luts. Benutzung, Gerechtſame und Gefälle abgezogen hat, auf die Ländereien. Nach der Bonitat des Bodens macht man nach den Regeln, die in der Lehre von der Agronomie angegeben werden, einen Ueberſchlag, was der Morgen jeder Acker⸗ klaſſe werth ſey, am beſten nach proportionalen Zahlen. Man ſetzt z. B. Boden der erſten Klaſſe zu 10, der zweiten zu 8, der dritten zu 6, der vierten zu 4, der fuͤnften zu 2, und der ſechsten zu 1 an, wenn eine ſolche Differenz nach jenen Regeln be⸗ gruͤndet iſt. Nach dem Antheile, den jeder Schlag oder jedes Feld nun von jeder Bodenart hat, beſtimmt man deſſen Werth, und man kann ſich, nach der Weiſe der Englaͤnder, dieſer Beſtimmung nachher bedienen, um eine vollſtandige Produktions⸗ redwung von jeder Abtheilung zu machen. Denn eine Produktion kann dadurch um ſo vortheilhafter ſeyn, daß ſie auf einem Boden von geringerem Werthe bewirkt wird. Wenn man will, kann man jedoch bei dieſer Taxation der Laͤndereien auch auf andere Umſtande als die Beſchaffenheit des Bodens Ruͤckſicht nehmen, und muß dann z. B. ein vom Hofe entferntes Feld geringer anſchlagen, als ein nahe gelegenes, wenn beide auch von gleicher Beſchaffenheit des Bodens waͤren. Dieſen ausgemittelten Werth eines jeden Stuͤcks und des ganzen Schlages kann man dann der Tabelle in einer beſondern Kolumne hinzufuͤgen. Es verſteht ſich, daß, ſo wie die Ackerlaͤndereien, auch Wieſen, Weiden, Hol⸗ zungen, Torfmoore und andere nutzbare Grundſtuͤcke taxirt werden, und von dem Werthe des Ganzen ihren Theil uͤbernehmen. In Anſehung der wirthſchaftlichen Gebaͤnde aber, deren Werth man zum Grundkapitale des Guts zu rechnen pflegt, halte ich es fuͤr zweckmaͤßiger— wenn man ihren Werth auch beſonders aufgenommen haͤtte— ſolche mit auf die nutzbaren Fnhalt des Grundbuchs. Grundkapi⸗ tals⸗Rech⸗ kung. 208 Landwirthſchaftliche Buchhaltung. Laͤndereien zu vertheilen, indem ſie nur um dieſer willen vorhanden ſind und den Er⸗ trag derſelben bedingen. Daß das Lagerbuch eine vollſtändige Beſchreibung dieſer Gebaͤude und ihre Werthſchäßzung enthalte, verſteht ſich⸗ Zur Erläuterung diene nebenſtehendes Schema. F. 229. Das Lagerbuch enthält ferner eine genaue Nachweiſung aller nutzbaren Ge⸗ rechtigkeiten des Guts, der beſtimmten und unbeſtimmten Gefaͤlle, der Frohnden, der Zehnten, der Muͤhlen⸗ und Krugpächte, des Bier und Branntweinbrennerei⸗ urbarium, d. h. des Rechts, dieſe zu verfertigen und vielleicht in einem gewiſſen Zwangsdiſtrikte ausſchließlich zu verkaufen. Die Gefälle werden im Durchſchnitt ge⸗ ſchaͤtzt, die Gerechtigkeiten aber nur als ſolche und nach der Rente, die ſie durch Ueberlaſſung an andere, ohne ſie ſelbſt zu betreiben, mit vollkommener Sicherheit und ohne Riſiko geben wuͤrden. Denn der Vortheil, der aus dem eigenen Betriebe einer Brauerei oder Branntweinbrennerei, des Muͤhlengewerbes u. ſ. w. hervorgeht, kann nicht als Rente vom Grundwerthe, ſondern als Gewerbsprofit betrachtet wer⸗ den. Wird ein ſolches Gewerbe betrieben, ſo hat es ſeine eigene jährliche Rech⸗ nung oder Rubrik im Hauptbuche, und es muß dem Grundkapitale diejenige Rente dann nur zu gut gerechnet werden, die es ohne eigenen Betrieb davon hätte ziehen koͤnnen. Der Werth des ganzen Guts oder die Große des Grundkapitals geht dann aus der Summe des Werths aller dieſer nutzbaren Stuͤcke hervor. Oder aber, wenn man jenen als bekannt angenommen hat, ſo wird er auf dieſe einzelnen Pertinen⸗ zien nach gebuͤhrendem Verhältniſſe repareirt, und der Werth jedes einzelnen ſomit beſtimmt. Es verſteht ſich aber, daß die ſaämmtlichen Laſten,— die be⸗ ſtimmten nach ihrer wahren Groͤße, die unbeſtimmten nach einer Fraktion— vorher abgezogen werden. Das Lagerbuch muß auch uͤber dieſe die genaueſte Nachwei⸗ ſung enthalten⸗ F. 230. Es iſt ſehr nuͤtzlich, in dieſer ſtehenden Buchhaltung oder dem Lagerbuche eine Kapitalrechnung anzulegen, oder eine Abrechnung mit dem jahrlichen Wirthſchafisbe⸗ triebe, ——— Erſter Band. Seite 203 gegenüber. Sſch a 8 Boden Boden Boden Boden Boden Wege⸗Gra⸗ ummer 7 S N und iſter Klaſſeſater Klaſſeſzter Klaſſeſäter Klaſſeſhter ben⸗Hecken Summa. Durchſchnittswerth Namen der Felder. in zus. zu6. zu. zu 1. zu o. M. O. M. DR. M. UR. M. R M. OR. M. DR. M. LR. M. ER. M. ER. Per Morgen. im Ganzen. 1) Das Raſenfeld. 832 202 ½ 2) Der hohe Bloch 2 32 135 632 225 ½ 3) Der Keil 5 135———————————— 120 16 155 9½ 157½ 4) Das Obergewende—— 31 20———— 120——— 30—— 32 70 74 290 ½ 5) Das Untergewende„ 15 30 45 9rzr 273 135 90 1109 S h 33 f. e ſ W. M. R e Rorgen im Ganten 45 8 2 2) Die langen Stuͤcke—— 6 243 3) Am alten Teiche 42 135 4 171 33 316 Der Schlag 2. iſt hier zwar beinahe von gleicher Groͤße, aber von ungleich geringerem Werthe, wie Schlag 1. Den Produktionen auf Schlag 2. kann um ſo viel weniger als Landrente zur Laſt geſchrieben werden. Die üngleichheit iſt ͤbrigens nur des Beiſpiels wegen greller angenommen, als ſie bei einer guten Feldeintheilung ſeyn duͤrfte. Landwirthſchaftliche Buchhaltung. 209 triebe, um zu überſehen, was dieſer von Jahr zu Jahr eingebracht habe, und um wieviel das Vermoͤgen dadurch vermehrt ſey. In der Form der doppelten Buchhal⸗ tung kommen in dieſem Lagerbuche auf das Debet der jährlichen Wirchſchafts⸗ Verwaltung zu ſtehen die jahrlichen Zinſen von dem Kapitalwerthe des Guts und des Inventariums, ſo wie das, was derſelben an baarem Gelde etwa vorgeſchoſſen wor⸗ den. Auf das Credit derſelben kommt aber zu ſtehen, was ſie an Gelde und an Naturalien dem Eigenthuͤmer abgeliefert hat; ſerner auch was an daurende Meliora⸗ tionen verwandt worden, oder um wieviel der Kapitalwerth des Guts dadurch ver⸗ mehrt ſey. Letzteres moͤchte in manchen Faͤllen wohl nicht ſogleich beſtimmt auszu⸗ mitteln ſeyn, und deshalb begnuͤgt man ſich, nur die Koſten dieſer Meliorationen oder den Werth der darauf verwandten Arbeiten, wenn dieſe auch allein durch die ge⸗ woͤhnlichen Kraͤſte der Wirthſchaft bewirkt werden, zu berechnen. Da aber durch dieſe Meliorationen das im Gute ſteckende Kapital vergroͤßert worden, ſo werden im folgenden Jahre die Zinſen dafuͤr der Bewirthſchaftung, und zwar billigerweiſe hoͤher (wenn das Grundkapital zu 4 Prozent angeſetzt iſt, dieſe zu 6 Prozent) berechnet. Mit dieſem Conto im Lagerbuche harmoniren dann die Kapital⸗Contos der jaͤhrlichen Hauptbuͤcher des Wirthſchaftsbetriebes, oder jenes wird nach dieſem formiret. Die⸗ ſes Conto ſteht z. B. folgendermaßen: Dr 210 Landwirthſchaftliche Buchhaltung. Die Adminiſtration des Guts Debet Credit Rthlr. Gr. Rthlr. Gr. 1803— 4. 1803— 4. Zinſen von 100,000 Rthlr. An⸗ Abgeliefert an den Eigenthuͤmer 1200— kaufskapital à 4 Prozent gooo— An nachgewieſenen Meliorationen 3300— 1804— 5. 1804— 5. Zinſen vom Ankaufskapital à 4 Pro⸗ Abgeliefert an den Eigenthuͤmer 3500— zent. 400o— An nachgewieſenen Meliorationen 2000— Zinſen von angelegten Melioratio⸗ nen à 6 Prozent. 228— 1805— 6. 1805— 6. Zinſen vom Ankaufskapitalà Pro⸗ Abgeliefert an den Eigenthuͤmer 4200— zent. ⸗ gooo— An nachgewieſenen Meliorationen 1600— Zinſen von angelegten Melioratio⸗ nen, 5800 Rthlr. à 6 Prozent 348— 1806— 7. 1806— 7. Zinſen vom Ankaufskapital à4 Pro⸗ Abgeliefert an den Eigenthuͤmer 6550— zent. gooo— An nachgewieſenen Meliorationen 800— Zinſen von angelegten Melioratio⸗ nen, 7400 Rthlr. à 6 Prozent 444— 1807— 8. Zinſen vom Ankaufskapital à Pro⸗ Abgeliefert an den Eigenthuͤmer 8500— zent e. gooo— An nachgewieſenen Meliorationen 5 Zinſen von angelegten Melioratio⸗ nen, 3200 Rthlr. à 6 Prozent! 502— 21522— 32650— Saldo der Adminiſtration 11128— 32650— Landwirthſchaftliche Buchhaltung. 211 5 231. Ferner enthaͤlt das Lagerbuch eine Geſchichte oder Chronik des Guts, wor! Chronik des alles, was auf ſeinen Werth und ſeine Gerechtſamen Bezug haben kann, jährlich v eingetragen wird. Insbeſondere werden auch die gemachten und dem Kapitalwerth, nach vorſtehendem§., berechneten Meliorationen hier genauer beſchrieben. Auch Nachrichten von den Preiſen der Produkte, von der Witterung und der Fruchtbarkeit der Jahre, von der vormaligen Benutzung des Guts, Auszüge aus aͤlteren Aus⸗ ſaats⸗, Ernte⸗ und Ertrags⸗Regiſtern finden hier Platz. Alle erheblichen Veraͤnderungen, die ſowohl mit der Eintheilung der Laͤndereien und mit den Gebäuden, als auch mit den Gerechtſamen des Gutes vorgenommen worden, werden jaͤhrlich eingetragen und in Anſehung der letzteren auf die daruͤber ausgefertigten Dokumente verwieſen. Auch koͤnnen in dem Lagerbuche merkwuͤrdige Notizen und Erfahrungen, die auf die Bewirthſchafeung deſſelben ſpeziellen Bezug haben, aufbehalten werden, wenn man dafuͤr nicht etwa ein beſonderes Buch haͤlt. Durch ein ſolches Lagerbuch hinterlaßt man der Nachkommenſchaft einen wichtigen Schatz. 232. Der zweite Theil der Buchhaltung beſteht in der jährlich abzuſchließenden Rechnungsführung uͤber den jaͤhrlichen Betrieb des landwirthſchaftli⸗ Betrieberech⸗ chen Gewerdes mit Anzeichnung aller darauf Bezug habenden Notizen. Dieſe mung. Rechnungsfuͤhrung iſt um ſo vollkommener, je mehr ſie ſich uͤber Alles ausdehnt, je weniger ſie von dem, was auf den Erfolg des Gewerbes Bezug hat, uͤberſieht, und je klarer und beſtimmter ſie jedes einzeln, aber im Zuſammenhange und in ſeinen Be⸗ ziehungen auf das Ganze angiebt. Sie muß deshalb eine Nachweiſung nicht nur von der Einnahme und Ausgabe des Geldes und der Naturalien, ſondern auch von der Verwendung der Arbeit und jedes andern auf den Erfolg Einfluß habenden Dinges, z. B. des Miſtes, enchalten. Die moͤglichſte Vollſtandigkeit dieſer Rechnung iſt eine weſentliche Bedingung fuͤr den moglich vollkommenſten Betrieb der Wirthſchaft, und dieſer kann ohne jene unmglich erreicht werden, oder es giebt wenigſtens keinen Be⸗ Dd 2 Mannigfal⸗ tige Formen. 212 Landwirthſchaftliche Buchhaltung. weis und keine Sicherheit, daß er erreicht worden ſey, und folglich auch keine Nach⸗ „eiſung, wie er vollkommener eingerichtet werden koͤnne. 5233 Die Formen dieſer Buchfuͤhrung koͤnnen mannigfaltig ſeyn. Bis jetzt iſt es wohl noch nicht entſchieden, welche die zweckmäͤßigſte und vollkommenſte ſey, ver⸗ muthlich, weil wir dieſe noch nicht beſitzen. Es läßt ſich daher bis jetzt noch keine ganz allgemein und unbedingt anempfehlen, ſondern man kann zureichende Gruͤnde haben, nach den Verhaͤltniſſen der Wirthſchaft und des Wirthes eine andere zu wäh⸗ len, als man für die beſſere erkennt. Wir haben der Vorſchläge und Formeln dazu ſeit einiger Zeit viele erhalten, deren Kritik uns hier zu weit abfuͤhren wuͤrde, in wel⸗ chen ich aber neben vielem Zweckmäͤßigen und Scharſſinnigen doch immer noch Luͤcken, Schwierigkeiten und Unbeſtimmtheiten antreffe. Dies muß uns nicht wundern, wenn wir bedenken, wie viel Fleiß und Scharfſinn darauf verwandt worden, die kaufmänniſche Buchfuͤhrung zu ihrer jetzigen Vollkommenheit zu bringen, und daß dennoch auch daruber die Meinungen noch getheilt ſind. Die vollſtandige land wirth⸗ ſchaftliche Buchfuͤhrung hat aber Schwierigkeiten, die ſich bei der kaufmaͤnniſchen nicht finden, weil ſich bei dieſer alles leichter auf einen gemeinſchaſelichen Maaßſtab, nůmlich das Geld, reduziren läßt. Uebrigens iſt es nicht zu verlangen, daß ein mit der Landwirthſchaft ſich praktiſch beſchaͤftigender und zugleich wiſſenſchaſtlicher Mann das Studium hierauf verwenden ſolle, welches dieſe Angelegenheit nothwendig erfor⸗ dern wuͤrde, wenn man zur Erfindung des moͤglich zweckmaͤßigſten und vollkommen⸗ ſten darin gelangen wollte. Andere aber, die ihre Zeit und Krafte insbeſondere dem Rechnungsweſen gewidmet haben, beſitzen— wenigſtens iſt mir bis jetzt noch kein Fall bekannt— nicht die allgemein umfaſſende Kenntniß und klare Anſicht von dem pöhern und rationellen Betriebe der Landwirthſchaft, oder uben ſie doch nicht praktiſch aus. Das letztere aber ſcheint mir nöthig zu ſeyn, um die Methode wirklich an ver⸗ ſchiedenen komplizirten Wirthſchaften verſuchen zu koͤnnen, weil ſich bei der Ausfuh⸗ rung oft Schwierigkeiten ergeben, die man ſich bei der Theorie nicht denkt. Da es uns alſo an einer vollkommenen Methode noch fehlt, ſo werde ich hier eine Ueberſicht von mehreren und von den verſchiedenen Theilen, woraus ſie zuſam⸗ mengeſetzt ſind, geben; woraus ſich nun ein jeder diejenige, welche ſeinen individuel⸗ Landwirthſchaftliche Buchhaltung. 213 len Verhältniſſen und Zwecken am angemeſſenſten ſcheint, auswaͤhlen und zuſammen⸗ ſetzen kann. In der Praxis kann in manchen Faͤllen eine minder vollkommene vorzu⸗ ziehen ſeyn, weil ſie den beſondern Zweck, den man hat, hinlaͤnglich erreicht, dabei auch leichter faͤllt, und uͤberhaupt etwas UUnvollkommneres gut und vollſtaͤndig ausge⸗ fuͤhrt beſſer iſt, als ein hoͤheres Ideal, welches man aber nicht erreicht. 25 Die gewoͤhnlichſte und unter dem Namen der landwirthſchaftlichen Regiſter⸗Die gewsſn⸗ fuͤhrung bekannteſte Art iſt folgende:.. nannte Regi⸗ Außer dem Journale und Manuale hat man drei Hauptbuͤcher. No. 1. fuͤr die Geldrechnung. No. 2. fuͤr die Getreide⸗ und andere Naturalienberechnung. No. Z. fuͤr die Viehberechnung. ſter⸗Form. 236 Der erſte Theil der Geldrechnung enchält gemeiniglich die Einnahme, der Beſieht aus: zweite die Ausgabe. Zu beiden pflegen die Seiten ſo liniirt zu ſeyn, daß in der erſten Kolumne zur linken Hand Monat und Tag, in der zweiten die Nummern der Belege, wo ſolche Statt finden, ſtehn. In der Mitte dann die Poſten, und rechts eine doppelte Geldkolumne von Thalern, Groſchen und Pfennigen. In der erſten die⸗ ſer Geldkolumnen kommt der Betrag der einzelnen Poſten, in der zweiten aber der Betrag der Einnahme oder Ausgabe monatlich addirt. Um die Sache ganz deutlich zu machen, ſtehe hier die monatliche Einnahme an baaren Gefoͤllen und fuͤr Rocken: 214 Landwirthſchaftliche Buchhaltung. Einnahme Monat. Belege. an baaren Gefaͤllen. p. Januar Kthlr. Gr. Pf. Kthlr. Gr. Pf. Füis 1 Kaſſenvorrath beim Abſchluß der vorigen Rechnung. 21016 8 Fuͤr verkauftes Wieſenheu an den Schul⸗ zen zu N. 64 13— Fuͤr Grundzins von dem Muͤller N. 4 18— Grundzins vom Schmidt. Fuͤr vermiethetes Kartoffelland abſchlaͤg lich laut des beſonders daruͤber ge⸗ fuͤhrten Buchs.— Ruͤckzahlung der Feuerkaſſengelder vom Schmidt und Muͤller 2 618— p. Julius 302 5 8 Monat. Fuͤr Rocken. Wſp. Sch. Vitz. Rthlr. Gr. Pf.Rthlr. Gr. M Januar 1. 3—— An den Muͤller N. zu N. à 3 Rtlr. 216—— — 7.]— 16— An den Amtmann N. zu N. à 3 Rchlr. 4 Gr. 50 76— 1— 1. 8—— An den Kornhaͤndier N. zu N. à 4 Rchlr. 768—— — 23.— 1— An den Tageloͤhner N. à 2 Rthlr. 2—— 1036 16— —— Landwirthſchaftliche Buchhaltung. 215 Die Artikel der Geld⸗Einnahme ſind nun nach der Art der Wirchſchaft verſchieden, und man verbindet oder trennt ſelbige, je nachdem man ſie mehr verei⸗ nigt oder mehr abgeſondert vor Augen haben will. Eine jede hat aber ihre eigene Rubrik oder Titel. Gewöhnlich ſind ſie folgende: 1) An baaren Gefallen. 2) Fuͤr Getreide, und dann jede Art beſonders, als Weizen, Rocken, Gerſte, Hafer, Erbſen, Linſen, Hirſe, Buchweizen u. ſ. w. 3) Fuͤr Klee⸗, Lein⸗und andere Samen, und fuͤr Handelsgewächſe. 4) Fuͤr Obſt und Gartengewaͤchſe. §) Fuͤr verkauftes Vieh, Pferde, Ochſen, Kuͤhe, Schweine, Kaͤlber, Feder⸗ vieh, Schafe, jedes mehrentheils auf einem beſondern Folium. 6) Fuͤr verkaufte thieriſche Produkte: a) von der Molkerei, Butter, Kaͤſe, Milch; b) von der Schaͤferei, Wolle, Felle; c) von der Bienenzucht. 7) Fuͤr Insgemein, worunter zufaͤllige Einnahmen, die unter einer andern Ru⸗ brik keinen Platz haben, z. B. Schadenserſtattungen u. dgl. zu ſtehen kommen. Iſt eine kleine Brauerei und Branntweinbrennerei mit der Wirthſchaft verbun⸗ den, woraus verkauft wird, oder irgend ein anderes Gewerbe, woraus man Geld loͤſſt, ſo erhaͤlt es hier ſeine Rubrik. Iſt aber der Betrieb eines ſolchen Gewerbes betraͤchtlich, ſo pflegt man ihm wohl ſeine eigne Buchhaltung und Kaſſe zu geben. Der zweite Theil der Geldrechnung oder die Ausgabe hat gewoͤhnlich folgende Rubriken: 1) An den Eigenthuͤmer abgeliefert und fur denſelben ausgelegs. 2) Für Baumaterialien. 3)„ Arbeitslohn beim Bau. 4)„ Arbeitslohn fuͤr den Garten. 5)„ Arbeitslohn in der Wirthſchaft. 6)„ Arbeitslohn bei Meliorationen. 216 7) Fuͤr Geſindelohn und Salarium. 9) 10) 130 12) 13) 14) 15) 16) 17) 18) 19) 20) 22 22) 23) 24) 25) 26) 27) 28) Die Rekapitulation der Einnahmen und Ausgaben fuͤr alle Artikel in jedem Monate auf's ganze Jahr ſtellt man am beſten tabellariſch dar, wie nebenſtehen⸗ des Schema zeigen wird⸗ 2) Der Na⸗ No. 2. Das Getreide⸗ und Naturalien⸗Rechnungsbuch hat zu⸗ 1 ien⸗. vörderſt Rubriken fur jede Art von Getreide, in welchen man zweckmäßig die Ein⸗ nahme und Ausgabe in jedem Monate gegen einander uber ſtellt, und immer einen Rechnung. v 3 ben, die unter keine der uͤbrigen Rubriken zu ſtellen ſind. Landwirthſchaftliche Buchhaltung. Eiſen und Naͤgel. Nutzholz. Brennholz und Torf. Deputatholz. Pferde. Rindvieh. Schweine. die Schaͤferei. Schmidtarbeiten. Stellmacherarbeiten. Schtoͤſſerarbeiten. Sattlerarbeiten. Boͤttcherarbeiten. Zimmermannsarbeiten. Schreibmaterialien und Ports. Diaten und Reiſekoſien. Zoll und Acciſe. Abgaben und Gefaͤlle, Armengeld. Feuerkaſſengeld. Konſumtibilien und die Hauswirthſchaft. Insgemein, wie die Ueberſchrift gewoͤhnlich zu lauten pflegt ſuͤr Ausga⸗ F. 236. monatlichen Erſter Band. Seite ars gegenuͤber. Aus g a be Julius. Auguſt. September. Oktober. November. December.] Januar. Februar. Maͤrz. April. Mai. Junius. Summa. Rthlr. Gr. Pf. Rthtr. Gr. Pf. Rthlr. Gr. Pf. Rchlr. Gr. Pf. Rthlr. Gr. Pf. Rthlr. Gr. Pf. Rchtr. Gr. Pf. Rthlr. Gr. Pf. Rthlr. Gr. Pf. Rthlr. Gr. Pf. Rthlr. Gr. Pf. Rchlr. Gr. Pf.] Rchlr. Gr. Pf. An den Sigenthümer—— Arbeitslohn in der Wirthſchaft 11216— 214 8— 96 12— 142—— 56 12— 36 18— 32 12— 4o18— 52 6— 4912— 6216— 34 6— 950 16— Arbeitslohn bei Meliorationen—————— 64 8— 30 6— 30 8—————— 4512/— soſ10— 33 4— 40 2———— 294 2— Geſindelohn und Salariun 125———————— 130—— 510 ſ20— Für Siſen Fuͤr die Schaͤferei s 12 Schmiedearbeie 3 Stellmacherarbeit. 18 4——————— 20 6— 9 10——————— 15 6———— 4 4———— 28 2— 95 8— Konſumtibilien——— 32 6— 9 10— 1012— 4 6———— 33 8———— 1612———— 2810———— 134 16— u. ſ. w. Summa 14916— 25218— 387—— 21018— 11520— 175 22— 6520— 166—— 265 1— 92 2— 152 10 239 3 9 1 Einna h me. Julius. Auguſt. Septemver. Oktober. November. December. Januar. Fgebruar. Maͤrz. April. Mai. Junius. Summa. Rthlr. Gr. Pf. Rthlr. Gr. Pf. Rthlr. Gr. Pf. Rthlr. Gr. Pf. Rthlr. Gr. Pf. Rthlr. Gr. Pf. Rthlr. Gr. Pf. Rthlr. Gr. Pf. Rthlr. Gr. Pf. Rthlr. Gr. Pf. Rthlr. Gr. Pf. Rthlr. Gr. Pf. Rthlr. Gr. Pf. Für Weizen„—„ 56 8——————— 172——— 330—————— 66 16————— 625— Fuͤr Rocken„——,—————————,———,———— 1036 16———— 5ℳ—— 730 12— 44018———— 274722— Fuͤr Gerſte————————— 28oſ12— 120f 8— 210 4—————————— 26012— 51016— 22 160 4 Fuͤr Erbſen 20———————— 32016— 176 4——————— 31216————————— 164 8— 993 20— Fuͤr Maſtochſen—————————————————— 890————— 70————— 320————— 1960—— Fuͤr Hammel„„——————————————————————————— 63o12——————— 63012— Fuͤr Wolle——,——————— 1320—— 1320—— Für Butter„„ 18— 15 12— 20 8— 25 16— 28 14— 30 6— 24 4— 27 6— 43 8— 40 45 5 60 8— 5 Fuͤr Kaͤlber—„——————— 30 12———— 20 4———— 40 8— u. ſ. w. 5 Summa 340 9/8 21512— 376 16— 697 3— 329 2— 232 18— 02— Froſ 6— 1333 8— 1723 8— 1316 16— 1764 16— 10628 3 8 Ausgabe 14916— 25218— 387—— 21018— 1 17522— 6520— 166/—— 267 1 9 3 9 5 Bleibt Beſtand. 145317 8 Erſter Band. Seite 217 gegenuͤber. A. Monatliche Einnahme Einnahme an Rocken. und Ausgabe an Rocken. Beſtand. 8 Auf⸗ Dreſcher⸗ Auf S Mandeln. gemeſſen. ſ lohn. ſdem Boden. Einnahme. Monat. Ausgabe. Schf. M. Schfl. Mz. Schſt. Mg. Schfl. Mt. Schfl. Mt. September 6. Hans und Curth„ 15 18— 1 16 14 Beſtand vom Monat Auguſt 160 4 September 5 Zum Brodtkorn. 10Schulze und Braͤning.. 1 19 10 Einnahme 7507 ⸗ 14 Deputat dem Meier. 3— ⸗ 20.Hans und Curth 12 58 75— 3 9 7 Summa 230 11 Summa 167— ⸗ 167— Bleibt Beſtand 63 11 B. Monatliche Getreide⸗Ausgabe fuͤr die Hauswirthſchaft. Gerſte Monat. Weizen. Rocken. Gerſie: zu Grutze und Hafer Erbſen. Hirſe. Buchweizen. Linſen. Graupen. zu Grutze.. Schfl. Vs. Schfl. Mtz. Schſt. Ms. Schfl. Ms. Schfl. Mtz. Schſt. M. Schfl. Ms. Sch. M. Schſ. Mt⸗ Julius 2— 18— 6— 3 2 2 3 1 4— 2 Auguſt. 3— 20— 7 2 2 8 2— 1 2— 5„— 7— 1 September. 8 4 19— 5 2 5 2 2 1—— 6— 4— 1 Oktober. 2 13 4 2— 2—— Movember. 2 2 1 4 2 1 1 2— 4—— 1 December. 1 14 18— 4 6 1— 1 4— 5— 4—— u. ſ. w. Summa 13 4 111— 31— 13 52 5 6 72 1 11 3 9— 5 C. Verkauftes Getreide im Jahre 1808 bis 9. Datum. An wen und wohin. Weizen. Rocken. Gerſte. Hafer. Erbſen. Linſen. Buchweizen. Hirſe. Schfl. Mtz. Schfl. Mtz. Schfl. Mtz. Schfl. Mtz. Schfl. Mtz. Schfl. Mtz. Schfl. Mtz. Schfl. Mtz. Achlr. Gr. Pf December 14 An den Müller N. zu N. 127— 255——— bezahlt . 24 Auf dem Markte zu N... bezahlt 220—— Januar 18. An den Amtmann N. zu N. Februar 5 An den Kornhaͤndler N.„ icen ⸗ Fu ben Wat zu bezahlt 5oo—— 28. An den Baͤckermeiſter N. zu N.]—— 100————————— bezahlt 200—— 28 An den Brauer N. zu N.—— auf Rechnung——— u. ſ. w. Summa 257— 535 5——— Landwirthſchaftiche Buchhaltung. 217 monatlichen Abſchluß uͤber beides und uͤber den Beſtand macht, auf die Weiſe, wie nebenſtehendes Schema A. zeigt. Auf dieſe Weiſe vertritt es zugleich die Stelle eines Scheunenregiſters. Gewoͤhnlich pflegt man hier zu Lande drei Kornmaaßrubriken, naͤmlich Winſpel, Scheffel und Metzen zu machen. Indeſſen ſcheint mir die erſtere uberfluſſig zu ſeyn, und die Ueber⸗ ſicht mehr zu erſchweren, als zu erleichtern. Die Reduktion auf das groͤßere Maaß iſt leicht gemacht. Die Einnahmerubrik auf der rechten Seite enthaͤlt auch die einge⸗ nommenen Getreidepoſten, welche nicht aus den Scheunen kommen, in ſofern ſolche vorfallen, z. B. Zinskorn oder angekauftes. Dann folgen in beſondern Rubriken die Ausgaben von ſammtlichen Getreide⸗ arten zu jedem beſondern Gebrauche. Sie koͤnnen ſehr zweckmaͤßig tabell riſch gemacht werden, wie nebenſtehendes Schema B. der Getreideausgabe fur die Haus⸗ wirthſchaft oder Konſumtion zeigt. Das zum Verfauf ausgemeſſene Gerreide wird eberfalls tabellariſch nach beilie⸗ gendem Schema C. eingetragen. Das Geld iſt hier nur der Notiz und Ueberſicht wegen angezeichnet, befindet ſich aber in dem Geldbuche genauer berechnet. Es folgen ſodann die uͤbrigen Getreideausgaben nach ihren verſchiedenen Rubri⸗ ken, z. B. Meßkorn oder Decem an den Prediger und Schulhalter; beſtimmte Korn⸗ gehalte z. B. an den Arzt und Chirurgus, Thierarzt, Schornſteinfeger; ferner an die Deputatiſten, die Hofmeier, Hirten, Schafer, auch an den Schmidt, wenn die Erhaltung der Pfluͤge und Eggen mit ihm verdungen iſt. Das Getreide fur die Ackerpferde kann ebenfalls tabellariſch eingetragen werden. Wird eine herrſchaftliche Wirchſchaft gefuͤhrt, ſo haben die Kutſch⸗, Lurus⸗ und Gaſtpferde natuͤrlich ihre beſondere Rubrik. Auf gleiche Weiſe wird nun auch das dem uͤbrigen Viehe gegebene Getreide unter die beſondern Rubriken des Schweine⸗ Maſt⸗ und Federviehes verzeichnet. Eine beſondere Rubrik enthalt dann das wichtige Objekt der Aus ſaat der ver⸗ ſchiedenen Getreidearten, mit Bemerkung des Tages und der Stuͤcke, wann und wo ſie geſchehen iſt. Jede Getreideart hat auch hier ihr beſonderes Folium. Erſter Thell. Ee 218 Landwirthſchaftliche Buchhaltung. Ein Anhang, welcher das Verzeichniß des eingeernteten Getreides nach Man⸗ deln angiebt, mit Bemerkung der Scheunen und Taſſe, wo es eingefahren iſt, pflegt die Getreiderechnung zu beſchließen. Nach dem Getreide folgt die Einnahme und Ausgabe anderer vegetabiliſchen Produkte, z. B. des Wieſen⸗ und Kleeheues, der Kartoffeln, Ruͤben, Moͤhren, Kohls, Hanfes, Flachſes, Mohns, und was weiter in der Wirthſchaft gewon⸗ nen wird. §. 237. 5 Der Vieh⸗ No. 3. Die Viehberechnung in einem beſondern Buche enthaͤlt zuvoͤr⸗ derſt ein genaueres Verzeichniß der einzelnen Stuͤcke jeder Viehart nach ihren Num⸗ mern und Namen, mit Bemerkung ihrer Art oder Race, Alters, Tugenden oder Fehlern, und ihres Werthes beim Anfange des Rechnungsjahres, z. B. von den Kuͤ⸗ hen auf folgende Weiſe: Nummer: Namen. Art Alter Tugenden Werth⸗ Haben gekalbet. oder Race. oder Fehler. ſchaͤtzung. 1. Wachtel. Landrace. 77 Jahr. milcht gut, 40 Rthlr. ſden 2sſten De⸗ aber kurz. cember. 2. Zeiſig Hollaͤndi⸗ ſ8 Jahr. ausgezeichnet 70 Rthlr. ſden 6ten Fe⸗ ſcher Race. gut. bruar. Die gegenuͤberſtehende Seite bleibt offen, um noch bei jedem Stuͤcke die im Laufe des Jahres gemachten Bemerkungen beizuſchreiben. Auf eine ähnliche Weiſe wird von einer jeden andern Viehart ein Verzeichniß angefertigt. Dann folgen die monatlichen Viehrechnungen in Ruͤckſicht des Zuwach⸗ ſes und Abganges nach folgendem Schema, in welchem die Nummern Bezug haben auf jenes Inventarium: . Landwirthſchaftliche Buchhaltung. 219 Viehrechnung vom Monat Julius 180g. Beſtand vom Zuwachs. Abgang. Beſtand. Monat Junius. No tick. Stück. Stück. 1 Pferde 16 16 2 Fuͤllen von 1806 2 2 3 Fuͤllen von 1807 5 3 4 Ochſen verkauft No. 3 u. 5 2 2 5 geſtorben No. 40 1 39 6 Bullen 2 7 Ferſen von 1806 5§ 8 Ferſen von 1807 6 6 9 Große Schweine 24 24 10 Mittlere dito 16 geſchlachtet„ 1 15 erke 5o 30 50 13 Enten. 30 30 14 Hüner 160 60 Ee 2 6 kandwirthſchaftliche Buchhaltung. Die Schaͤferei pflegt ihre beſondere Rechnung zu haben, damit man den Abgang jeder Art genauer angeben koͤnne. Dies iſt insbeſondere noͤthig, wenn die Schaferei aus verſchiedenen Raren beſteht, oder Schafe von verſchiedenen Graden der Ver⸗ edlung enthält. Dann folgt die Einnahme und Ausgabe der ſammtlichen thieriſchen Produkte, was z. B. an Butter, Kaͤſe, Milch, ferner an Wolle, Eiern, Honig und Wachs u. ſ w. gewonnen, verbraucht und verkauft iſt. Auch die Häute, welche vom Schlachtvieh, und die Sterbefelle, welche von Schafen eingenommen ſind, haben hier ihre Rubrik. Die uͤber das Molkenwerk wird am beſten tabellariſch darge⸗ ſtellt wie folget: Milch Verbrauchte Verkaufte[But⸗ Käſe Verbrauchte Verkaufte M t Milch Milch Monat. ſerhal⸗————— ter g⸗ ge⸗——————— ten. fette ſ abge⸗ ſfette abge⸗ macht. macht. But⸗ Kaͤſe. But“ Käſe. rahmte. rahmte. ter. ter. Quart. LQuatt. Quart. Quart. Quart. Pfd. Nandel Pfd. Mandel] Pfd. Mandel 3— 0 60 80 5 — 6 010 3 1 17— 23 1004 62 90 76 108 338 6 5½ 17 2 ½ 24— 3o0. 10081 50 80 94 116 40 6 16 6 365 394 160 ½ 32 76 24 ½ 537 0 +— 4002 226 .— F. 238. Dieſe Art von Buchfuͤhrung iſt mannigfaltiger Modiſikationen faͤhig, die ein jeder ſo, wie er ſie nach ſeinen Anſichten und Zwecken zu haben wuͤnſcht, einrichten kann. Selbige auszumitteln muß einem jeden überlaſſen werden. Sie iſt unter allen die gebräuchlichſte und bekannteſte, und bei dem gewoͤhnli⸗ chen Wirthſchaftsbetriebe zureichend. Sie giebt eine deutliche Ueberſicht des Ganzen beim Abſchluſſe einer jeden Monats. Weil man vorausſetzen darf, daß ſie einem jeden, der etwa die Bücher zu revidiren hat, bekannt ſey, ſo kann ſich ein Wirth⸗ ſchaftsaminiſtrator dadurch am beſten legitimiren. Allein der Vorzug, den ihr manche aus dem Grunde geben, daß ſie einfacher und leichter ſey, beruhet bloß auf Landwirthſchaftliche Buchhaltung. 221 der mehreren Rutine, die man darin hat. Sonſt zeichnet ſie ſich keinesweges durch Einfachheit aus, indem ſie mehrere Buͤcher erfordert, die meiſten Artikel mehrmals eingetragen werden muͤſſen, und das Nachſchlagen beſchwerlich iſt. Bei allem dem giebt ſie doch keine klare Anſicht der Wirthſchaftsverhaͤltniſſe. 5. 239. Es ſehlt ihr insbeſondere noch eine Nachweiſung der bezahlten und verwandten Von der Ar⸗ Arbeit, eines der wichtigſten Momente in der ganzen Wirthſchaft. Man kann ihr dieſe jedoch in einem beſondern Buche ertheilen. Ueber die Art und Weiſe, die Arbeitsberechnung zu machen, werden wir bald reden. In dieſem Buche oder im Viehregiſter koͤnnte dann auch eine Berechnung des Duͤngers angelegt werden, welche man in den meiſten Buchfuͤhrungen dieſer Art ebenfalls zu überſehen pflegt, obwobl Arbeit und Duͤnger dasjenige iſt, woraus der Ertrag einer jeden Wirthſchaſc hauptſaͤchlich hervorgeht oder modifizirt wird. F. 240. Bevor wir auf andere Buchfuͤhrungemethoden kommen, muß erſt die Frage er⸗ Zu welcher örtert werden, in welchem Zeitpunkte jährlich abgeſchloſſen und wieder angefangen werden koͤnne. Man hat dazu ſehr verſchiedene Termine gewählt. Der beſte iſt ohne zuſchließen Zweifel derjenige, wo ein gewiſſer Abſchnitt und Ruheſtand der Geſchäfte erfolgt, ſe und wo der großere Theil der Produktionen ſchon verwendet, folglich bekannt und ein kleinerer Theil nur noch uͤbrig iſt. Der Anfang des burgerlichen Jahres paßt ſich alſo durchaus nicht dazu. Eben ſo wenig ſcheint mir der Herbſt⸗ oder Fruͤhjahrstermin jenen Forderungen angemeſſen. In hieſigen Gegenden iſt der erſte Julius gebraͤuch⸗ lich, und allerdings in mancher Hinſicht zweckmäßig. Doch gefällt es mir nicht, daß die Heuernte dadurch mehrentheils in zwei Theile zerſchnitten wird, und ich ziehe da⸗ her den Anfang des Junius vor, und wähle dieſen in der Folge fuͤr meine eigene Wirthſchaft, zumahl da in dieſem Monate diejenigen Geſchaͤfte, welche beſondere Aufmerkſamkeit erfordern, ziemlich ruhen, und alſo zur Unterſuchung der Vorraͤthe, des Juventariums und des Zuſtandes der ganzen Wirchſchaft die meiſte Muße iſt. Indeſſen kann man Gruͤnde haben, ſich darin nach der Obſervanz ſeiner Gegend zu richten, unt beſonders denjenigen Termin zu waͤhlen, der zur An⸗ und Abtretung der Tabelnriſche Form. 2 — 2 Landwirthſchaftliche Buchhaltung. Wirchſchaften der gewohnlichſte iſt. Auch iſt der Anfang des Julius zweckmäßiger in ſolchen Wirthſchaften, die im Junius noch kleine Gerſte ſaen. §. 241. Die zweite Hauptart der Buchfuͤhrung iſt die in tabellariſcher Form. Sie kann unter allen die gedraͤngteſte Ueberſicht geben, und auf wenigen Blaͤttern ein vollſtandiges und dennoch detaillirtes Tableau der ganzen Wirthſchaft und aller Verhaͤltniſſe darſtellen. Sie erfordert aber eine ſehr große Genauigkeit uns Uebung. Ohnedies koͤnnen leicht Irrungen entſtehen, die nicht wohl zu verbeſſern ſind, ohne die Tabellen ganz umzuarbeiten. Beſonders aber ſcheinen mir die Nachweiſungen uͤber die Data, welche in dieſen Tabellen angefuhrt ſind, ſehr ſchwierig; oder es werden die Tabellen, wenn der Bezug der einen auf die andere klar genug nachgewieſen werden ſoll, ſehr komplizirt. Ich geſtehe, daß ich mir noch keinen deutlichen Begriff von dem Ganzen einer ſolchen tabellariſchen Dar⸗ ſtellung des Wirthſchaftsbetriebes machen kann, welches alle Forderungen erfuͤllte. Wir haben darüber vielleicht noch das Gyllenbourgſche Werk zu erwarten, wovon ich im vierten Bande der Annalen des Ackerbaues, Seite 123, eine vor⸗ laͤufige Nachricht gegeben habe. Es wuͤrde ſolches ohne Zweifel das vollendeſte ſeyn, was wir in dieſer Art hätten. Indeſſen geſtehe ich, daß mir nach den Pro⸗ ben einiger daſelbſt abgedruckter Tabellen dieſe Art der Buchführung ungemein ſchwierig ſcheint, beſonders weil der Verfaſſer alles und jedes ſogleich auf Geld reduziren will, und dieſe Schäbung nach Gelde unmoͤglich ganz zutreffend ge⸗ macht werden kann, bevor man die Verhaͤltniſſe des Wirthſchaftsjahrs zu uͤber⸗ ſehen im Stande iſt, welches erſt beim Abſchluſſe der jaͤhrlichen Rechnung möglich wird. In den Manualen aber iſt die Tabellenform ſehr zweckmaͤßig, wenn ſie bei einzelnen Zweigen und einzelnen Geſchaͤften angewandt wird. Ich werde hier als Beiſpiele einige Tabellenformeln uͤber einzelne Zweige der Wirthſchaft mittheilen, wobei ich es aber einen jeden uͤberlaſſen muß, Abanderungen nach dem beſondern Zwecke, den er bei der Darſtellung ſeiner Wirthſchaftsverhaͤltniſſe hat, zu machen. Dieſe Tabellen bleiben auch ſehr zweckmaͤßig, wenn man das Hauptbuch nach der Form der doppelten Buchhaltung fuͤhren will, und erſetzen die Stelle der Journale. Erſter Band. Seite a23 gegenuͤber. A s ſa e R o c en Nummer S od Groͤße. 8 Fuder Furchen.] Tag der Einſaat. Einfall. Name des Stück Wehten Singer Morgen. DRuthen. Scheffel. Metzen. Schlag 5. Muͤhlenfeld 22 45 3 3 September 18. 24— Schlag 5. Obergewende 35— 3— 24 38 10 Die Saat ward mit dem kleinen Exſtirpator untergebracht gleich 2 Furche. Schlag 5. Untergewende ſ 38 80 3— 3 ⸗ 27 12 Schlag 2. Teichgewende 42 30 1 260 1½ ⸗ 28. 44 10 Der Duͤnger war uͤber die Erbſen gefahren. Die Saat mit dem Exſtirpator untergebracht. u. ſ. w.§ 3 155 — Ernte Thelhe. I1808. Vom Rocken. Groͤße oder Einfall. T a 8 e Tagearbeiten Betrag Nummer Namen oder des merkungen. Nummer des Stuͤcks. Morgen QRuthen des Mähens. des Einfahrens. der der der der der Lreidets der des S 3 oder oder Mäher. Sammler. Scheunen⸗ Mandeln. Garben. ungefähr Scheune. Taſſes. Scheffel. Metzen. Arbeiter. nach Mandeln. Schlag 5. Muͤhlenfeld 22 M. 45 DR. Jul. 30. 3Zr. Auguſt 5. 72 9 6 129 10 2 1 b und e Die Garbe wiegt 28 Pfund vollkoͤrnig. Schlag§. Obergewende 35„—„— 37. u. Aug. I. 6 10 11 9 208 S 3 1 a und b„„ 27 ½„ vollkoͤrnig. Schlag§. Untergewende 38„ 60„ Aug. 2. u. 3. 16 12 9 215— 4 eundd„ 24„ war befallen, u. ſ. w. 3 nicht ſehr koͤrnig. ee tniſbie und Hchſen⸗Pferde⸗ und Schafmiſt. Schippmiſt. tergel. Gips. Tag. miſt. E S ih W Ea Sh Ort, wohin und wozu. miſt. Fuder. Fuder. Fuder. Fuder. Woher. Fuder. Fuder. Tonnen. Centner. Auguſt 3— 12. 260—————— Schlag 2 Mittelgewende. November 8— 20.— 200 50 S— 2 Schlag 3 zu Brachfrüchten. Februar 24.* 210—————— Schlag 3 zu Brachfruͤchten. Maͤrz 4— 12.— 120———— Schlag 3 zu Brachfruͤchten. April 5— 20.—— 260———— 1Schlag 3 zu Brachfruchten. April 1— r2.—— S2 330—— Außenſchlag 8 zu Buchweizen. 3———— Aus dem abgelaſſenen Teich 420——— Außenſchlag 8. Mai 5.——— ₰—— 210 Schlag 6 auf Klee. Dieſe Tabellen ſind lediglich als ausgefuͤllte Schemata zu betrachten, die Ausfuͤllungen nur willkurlich eingetragen. Landwirthſchaftliche Buchhaltung⸗ 223 6 6. 242. Nach nebenſtehendein Schema A., welches einen Theil der Rockenausſaat Ausſaats⸗ enthaͤlt, werden nun ebenfalls die von jeder anderen Getreideart angefertigt, und Tabell. das Ganze, welches mehrentheils wohl auf einen Bogen oder doppeltes Folium ge⸗ bracht werden kann, ergiebt nun eine allgemeine Ueberſicht der ganzen Ausſaat nach dem Flächeninhalte, der Tracht, worin jedes Getreide nach der lesten Duͤngung ſteht, oder der Duͤngung, die es friſch erhalten hat. Ferner der Pflugfurchen, die jedes Feld bekam, den Tag der Einſaat und den Einfall an Saatkorn nebſt dei, was ſonſt dabei merkwuͤrdig ſeyn kann. S. 243. Die nebenſtehende Ernte⸗Tabelle B. enthaͤlt nun den Namen oder die Nummer jedes Stuͤcks, den Flaͤcheninhalt deſſelben, oder wenn dieſer nicht ge⸗ nau bekannt iſt, den Einfall nach Scheffeln und Metzen. Ferner den Tag des Maͤhens und den Tag des Einfahreus, die Tagearbeiten der Maͤher, Sammler und Scheunenarbeiter, die Zahl der eingefahrnen Mandeln und Garben, auch des ſogenannten Treidels oder Nachharkels, ungefaͤhr zu Mandeln angeſchla⸗ gen, endlich die Nummer der Scheune und die Ziffer des Taſſes, wohin es ge⸗ bracht worden. Zuletzt Bemerkungen uber die ungefaͤhre Groͤße und Stärke der Garben, die manchmal in derſelben Wirthſchaft, beſonders wo man nicht einerlei Erntemethode beobachtet, ſondern ſie nach den Umſtaͤnden modifizirt, verſchieden ſind, und uͤberhaupt uͤber die Beſchaffenheit, Vollkoͤrnigkeit und Guͤte des Getrei⸗ des. Sie wird, wie ſie hier vom Rocken angefangen iſt, fortgeſetzt, und auf eben die Weiſe von andern Getreidearten angefertigt. Wenn man auf einer Tabelle eine Ueberſicht des ganzen Getreidebaues haben will, ſo koͤnnen beide Tabellen zweckmaͤßig zuſammengezogen werden, und hinter der Einfallskolumne der Ausſaatstabelle kommt ſodann die Kolumne der Ernee⸗ Tabelle, die den Tag des Maͤhens angiebt, zu ſtehen.. §. 244. Nebenſtehende Duͤngerausfuhr⸗Tabelle C. enchaͤlt zuerſt die Tage, wo die Aus⸗Duͤnger⸗ fuhr geſchehen iſt. Dann die verſchiedenen Miſtarten, wobei hier angenommen wor⸗ Labale. den, daß der ſammtliche Rindviehmiſt zuſammenliege, der Pferde⸗ und Schweine⸗ miſt aber zweckmaͤßig gemengt an einer anderen Stelle. Der Schafmiſt wird, wie„ Arbeits⸗ Tabelle⸗ 224 Landwirthſchaftliche Buchhaltung. gewöhnlich, unmittelbar aus dem Schaſſtalle aufs Feld gefahren. Unter Schipp⸗ miſt— ich kenne keinen andern Ausdruck, wie dieſen provinzialen, dafuͤr— wird derjenige verſtanden, der außer der Miſtſtelle auf dem Hofe herum, vor den Scheunen, in der Auffahrt und ſonſt verzettelt herumliegt, groͤßtentheils aus ver⸗ modertem Stroh beſteht, jedoch immer mit etwas animaliſchem Miſte vermengt iſt. Ferner iſt in die ſer Tabelle die Auffuhr von Moder, Mergel, Kalk, Gyps, viel⸗ leicht auch Aſche und anderen Duͤngungsmitteln mit aufgenommen, weil man ſie doch gewoͤhnlich zum Duͤnger zu rechnen pflegt. In der letzten Kolumne iſt der Ort bezeichnet, wohin ſie gefahren worden. Aus dieſer Duͤngertabelle kann dann in der Feldbeſtellungstabelle der Duͤnger, welchen jedes Feld erhalten hat, wenn man will, eingetragen, und dieſe dadurch vollſtaͤndig gemacht werden. Ungeachtet die Arbeit bei der Wirthſchaftsfuͤhrung eins der wichtigſten Objekte iſt, ſo hat man doch genaue Annotationen und Berechnung derſelben zu ſehr ver⸗ nachläßigt. Sind auch die Koſten der Arbeit, die mit eigenem Geſinde und Ge⸗ ſpanne oder durch Tagelohn und Stuͤckarbeit vollfuͤhrt worden, im Allgemeinen be⸗ rechnet, oder gehen ſolche aus dem Lohn und der Speiſung des Geſindes und der kon⸗ ſumirten Futterung des Zugviehes, ferner aus der Geldrechnung von ſelbſt hervor; ſo weiß man doch ſelten, wie hoch ſie ſich fur ſedes einzelne Geſchaͤft, fuͤr jede Produktion oder fuͤr jedes Feld insbeſondere belaufen. Und dennoch iſt dieſes zu wiſſen von der aͤußerſten Wichtigkeit, indem daraus erſt zuverläßige Reſultate in Anſehung des Gewinnes und Verluſtes, den jeder einzelne Zweig in der Wirth⸗ ſchaft trägt, ſich ergeben koͤnnen. Auch zeigt es ſich hierdurch erſt, ob die arbei⸗ tenden Kraͤfte auf das Zweckmaͤßigſte verwandt worden oder beſſer verwendet wer⸗ den könnten. Es giebt eine Kontrolle der Arbeit ab, die man ſich auf keine andere Weiſe verſchaffen kann, und die uns zu ſicherern Maaßregeln leitet, als wenn wir die Ausfuͤhrung der Arbeit ſelbſt mit den Augen unaufhoͤrlich verfolgten. Hierzu wird vor allen eine taͤgliche Anzeichnung der geſchehenen Hand⸗ und Geſpannarbeiten, mit namentlicher Auffuͤhrung des Gegenſtandes, fuͤr welchen ſie verrichtet worden, erfordert. Die Einrichtung dieſer Anzeichnung iſt nicht gleichgultig, theils um ſie dem Aufſeher zu erleichtern, cheils um eine klarere Ueberſicht 1 Erſter Band. Seite 22 gegenuͤber. Woͤchentliches Arbeits⸗Journal. Hand⸗Arbeiten. Montag. 6 Gr. Gr. 4 Gr. 3 Gr. 6 Gr. 5 Gr. 4 Gr. 3 Gr. Dienſtag. Mittwoch. Gr. 5 Gr. 4 Gr. 3 Gr. Donnerſtag. „Gr. 5 Gr. 4 Gr. 3 Gr. Freitag. 6 Gr.§ Gr. 4 Gr. 3 Gr, Sonnabend. 6 Gr. 5 Gr. 4 Gr. 3 Gr. Summa. Geldbetrag. Landwirthſchaftliche Buchhaltung. 225 Ueberſicht der auf jeden Gegenſtand verwandten Arbeit zu erhalten, und ſie dann um ſo leichter in Summa an ihrem Orte eintragen zu können, ohne einer Jerung dabei ausgeſetzt zu ſeyn. Ich habe verſchiedene Formen eines ſolchen Arbeitsjour⸗ nals verſucht, finde aber, daß es am zweckmaͤßigſten in nebenſtehender woͤchentli⸗ chen Tabelle geſchieht. Es ſind hier nemlich viererlei Arten von Arbeiter, die 6, 5, 4 und 3 Groſchen täglichen Lohn erhalten, welcher ſich ſelbſt in derſelben Wirthſchaft nach der Jahreszeit zu verändern pflegr. In der erſten Kolumne kommt die Art und der Ort der Arbeit zu ſtehn, die in dieſer Woche verrichtet, worden. Bei der Rubrizirung dieſer Arbeit muß gleich einige Ruͤckſicht darauf ge⸗ nommmen werden, wie ſie nachher in das Hauptbuch eingetragen werden ſoll. Diejenige Arbeit nemlich, welche man abgeſondert einzeichnen will, muß hier auch abge ſondert aufgefuͤhrt werden; wogegen Arbeiten, die unter einer Rubrik kom⸗ men ſollen, zuſammen begriffen werden koͤnnen. Dies erfordert erſt einige In⸗ ſtruktion des Aufſehers. Und ehe er davon hinlanglich unterrichtet iſt, iſt es beſ⸗ ſer, wenn er die Arbeiten zu viel ſeparirt, als zu ſehr unter einer Rubrik zuſam⸗ men begreift. Die Anzeichnung der Arbeiten, von denen er gewiß voraus ſehen kann, daß ſie in der Woche vorfallen werden, macht er am Sonntage gleich in die⸗ ſer Kolumne, und traͤgt dann die uͤbrigen, die er nicht vorausſah, ſo wie ſie vor⸗ fallen, nach. Es hat allerdings ſeinen Nutzen, wenn er ſich den Ueberſchlag der Hauptarbeiten, die vorfallen werden, ſchon im voraus macht. Dann braucht er nur täglich die Zahl der Arbeiter jeder Art, die mit einer Arbeit beſchaͤftigt gewe⸗ ſen, allenfalls mit der Bleifeder in die Kolumne einzutragen. Es iſt am beſten, fur dieſes Journal ein eignes Buch zu haben mit 52 Blaͤttern, die etwa von Vier⸗ teljahr zu Vierteljahr ſo eingerichtet ſeyn koͤnnen, daß der Kopf oder die Ueber⸗ ſchrift nur einmal geſchrieben zu werden brauche, und die uͤbrigen kuͤrzern Blätter, die nur linürt ſind, dazu paſſen. Andere werden es vielleicht vorziehen, eine ſchwarze Tafel, die mit rothen unausloͤſchlichen Strichen vertikal und horizontal linirt iſt, an der Wand haͤngen zu haben, und mit Kreide die Arbeiten und die Zahl der Arbeiter einzutragen. In die Summa⸗Kolumne wird dann die Zahl der Arbeiter jeder Art, die mit einer Arbeit die Woche hindurch beſchaͤftigt geweſen, zuſammengezaͤhlt eingetragen, und in die Geldkolmmnne kommt dann zu ſtehn, wie viel jede Arbeit gekoſtet hat. Die Summa der Tageloͤhner jeder Art, und die Erſter Theil. 226 Landwirthſchaftliche Buchhaltung. Summe des Geldbetrages muß dann mit der Zahl der gehabten und bezahl⸗ ten Tageloͤhner ſtimmen. Wenn Handdienſte oder ſogenannte Huͤlfstage unentgeldlich geleiſtet werden, dieſe Leute aber mit den Tageloͤhnern einer gewiſſen Klaſſe gleich zu ſetzen ſind, ſo werden ſie als ſolche mit berechnet, am Schluſſe der Woche aber bemerkt, wie viel derſelben da geweſen ſind, und was folglich an Tagelohn wirklich weniger ausge⸗ zahlt worden. Dieſen Dienſtleuten wird dann dieſes zu gut geſchrieben, und von ihrer Verpflichtung in Abrechnung gebracht. Auf gleiche Weiſe wird das Arbeits⸗Journal uͤber die Geſpannarbeiten ge⸗ fuͤhrt. Statt der Kolumnen des Tagelohnpreiſes erhalten nun Pferde, Ochſen, und die damit arbeitenden Knechte ihre Kolumne. Ob man es noͤthig finde, die Pferde⸗ und Ochſenknechte zu unterſcheiden, bleibt einem jeden uͤberlaſſen. Wenn Tageloͤhner mit Pferden oder Ochſen arbeiten, ſo werden ſie unter den Handarbei⸗ tern mit aufgefuͤhrt, und werden dann hier nicht angeſetzt. Die Thiere werden am beſten nach der Kopfzahl angezeichnet, nicht nach Geſpannen. Die Summe derſel⸗ ben, die taͤglich bei jeder Arbeit und in der Woche uͤberhaupt gebraucht worden, wird dann ebenfalls gezogen. Die Geldkolumne aber kann hier, wie mir ſcheint, wegfallen. Dieſe woͤchentlichen Anzeichnungen werden dann in eine monatliche Ueberſicht gebracht, welche Arbeit ſehr leicht von Statten geht. Ein Schema hierzu, wel⸗ ches die Sache von ſelbſt klar genug darſtellen wird, theile ich hier mit. Man braucht ſich gerade nicht an eine gewiſſe Wochenzahl zu binden, wenn man ſich die Muͤhe geben will, es von jeder Periode beſonders zu liniiren. Auf einem großen Bogen hat man allenfalls Raum fuͤr acht Wochen. In dem nebenſtehenden Schema A. iſt die Ernteperiode, die in fuͤnf Wochen groͤßtentheils vollendet war, zuſammengenommen. um die Sache noch deutlicher zu machen, und die Arbeiten anderer Art in einer andern Periode zu zeigen, auch um die Vorſtellung, die man ſich von großer Schwierigkeit macht, zu entfernen, fuͤge ich noch eine andere Tabelle B. bei, welche die Winterperiode vom Anfange Novembers bis zur Mitte Februars enthält. Einer weitern Erklarung ſcheint es mir nicht zu beduͤrfen. Wie leicht dann aus —,———‧—— ———— A. Erſter Band. Seite 226 gegenuͤber. Tagelohns⸗Berechnung von den fuͤnf Erntewochen vom 26. Julius bis 27. Auguſt. 25.— 30. Julius. 1.— 6. Auguſt. 8.— 13. Auguſt. 15.— 20. Auguſt. 22.— 27. Auguſt. Ort und Gegenſtand. Art der Arbeit. Tage Tage Geldbetrag. à Groſchen à Groſchen à Groſchen à Groſchen à Groſchen 6 5 6 3 6 1 6 ₰. 3. 6. Rthle. Gr. Pf. Maͤhen Schlag 2. Weizen. Sammeln, Binden, Laden————— 2 6 6————————[———— 2 Schlag 5. Rocken. Samme Binben Laden%§ Maͤhen———— 36——————————————— 9—— Schlag 7. Rocken.— Samm Vinden, Laden§ 6 Maͤhen Außenſchlag 8. Rocken. 1 San ind, aden 1 16— In den Scheuern. Taſſen 6 16—————— 10 20————— Maͤhen 5 Schlag 2. Gerſte. E Sammeln, Binden, Laden—————————12 2 6———————— 5— dähen Schlag 6. Erbſen. Sammeln, Binden Laden Taſſen, Baͤndemachen— Scheuren. ſi ⸗ ſ. w. h— 22 6— 6 15 Meierei. Futter machen 3 5 Allgemeine Wirthſchaft. Haus⸗ und Hofarbeiten——— 4 Schlag z. Ruͤben hacken Auf dem Felde. Hunger harken S 2 Klee zu Heu gemaͤhet— Schlag 4. 8 3— Fleeheu gewandt 5 Summa 44 1445 16 48 1 17 62 11 56[5[92 18 30 30 74 23 32 119 150 123 140 175— 5 3— 6 2 L 4 23 Rthlr. 14 Gr. 27 Rthlr. 6 Gr. 35 Rthlr. 13 Gr. ſ 29 Rthlr. 14 Gr. 24 Rthlr. 16 Gr. 140 15— B. ** Tagelohns⸗Berechnung im Winterguartale vom 31. Oktober 1808 bis 18. Februar 1809. 31. Okt.— 12. Nov. 14. Noh.— 26. Nov. 28. Nov.— 1o. Dec. 12. Dec.— 24. Dec. 26. Dec.— 7. Jan. 9. Jan.— 27. Jan. 23. Jan.— 4. Febr.ſ6. Febr.— 18. Febr. Ort und Gegen⸗ 2*— 7. Jan. o. I— 3 4. 5 5 5 Geld⸗ ſtand. Art der Arbeit. Tage Tage Tage Tage Tage Tage Dage Tage betrag. à Groſchen à Groſchen à Groſchen Groſchen à Groſchen à Groſchen à Groſchen à Groſchen 4 S. 4 3.„. Rtlr. Gr. Pf. Allgem. Wirthſchaft. Allerlei— 2 33 12— 4 5 Kornboden. Umſtechen 2 12— Miſtſtelle. 23——2———2—————— 2ſ———ſ— auf⸗ 18— Fenerung. Holz hauen ů Haͤck d Kart— Kuhſut. buckſeundiKartofein— 6 2—— 6 Mais⸗Vorrath. Abdreſchen 2 8— Kartoffeln⸗Vorrath. 4 316/— Waſſerruͤben. Ausziehen und rei⸗ Garten. Sis— 5 8—— 83 12——— 822— Heuboden. Binden und Abwaͤgen— 2——— 215— Flachsbau. Braken S Lehm graben und ſ Bau⸗Reparatur. Siren Meliorationen. MWoder auswerſfen— Schlag 3. Pſtagen mit Schſen 65 9 6— Pfluͤgen mit Ochſen. 24 6 2 6— Schlag 3. Miſtladen u. Streuen 18 2 16 6— Waſſerfurchen auf⸗—— Schlag 7. machen———— 8 6————————— 22 Summa— 36 1 88 48— 76 77 46 1 12, 108 1— 24 Rchlr. 8 Gr. 25 Rchlr. 3 Gr. 6 Rchlr 23 Gr. 5Rthlr. 14 Gr. 4 Rthlr. 17 Gr. 6 Rthlr. 16 Rthlt. 10 Gr. 15 Rthlr. 22 Gr. 108 1— — * — * Landwirthſchaftliche Buchhaltung. 227 etner ſolchen tabellariſchen Ueberſicht die Uebertragung in das Hauptbuch auf das Conto jedes Artikels bei der doppelten Buchhaltung ſey, erhellet von ſelbſt. Ueber die Berechnung des wirthſchaftlichen Tagelohns findet ſich ein trefflicher Aufſatz in den Annalen der niederſaͤchſiſchen Landwirthſchaft, qr Jahrg. 45 Stuͤck. Es hat keinen Zweifel, daß man faſt alle Artikel der Wirthſchaft, jede einzelne Produktion und die jedes einzelnen Feldes tabellariſch ſehr gut darſtellen könne. Einige Formeln dazu aus dem Gyllenbourgſchen Werke kann man nachſehen in den Annalen des Ackerbaues, gten Bande, Seite 164, wo unter andern auch eine ſehr vollſtändige Tabelle fuͤr die Meierei vorkommt. F. 246. Mir ſcheint indeſſen die doppelte Buchhaltungsmethode einen ſo entſchiedenen Vorzug vor der tabellariſchen zu haben, daß ich die weitere Ausarbeitung der letz⸗ tungs· Fyrn. tern wenigſtens andern uberlaſſen muß. Ich habe uͤber dieſe Methode ausfuͤhrlich im ten Bande der Annalen des Ackerbaues, Seite 467 u. f. geredet. Ich habe nachmals gefunden, daß ſich die Sache noch weit mehr ſimplifiziren, und einige Schwierigkeiten, die man auf keine Weiſe uͤberwinden kann, ſehr gut umge⸗ hen laſſen. In Bezug auf jene Abhandlung will ich hier nur Einiges anfuͤhren. Es iſt freilich durchaus nöthig, daß Alles auf einen gemeinſchaftlichen Masß⸗ ſtab reduzirt werde, und es laßt ſich hier nicht wohl ein andrer annehmen, als das Geld, weil darauf doch am Ende in jeder Gewerbsrechnung Alles hinauslaͤuft. Nun aber iſt man wahrend der Fuͤhrung der Rechnung oft zweifelhaft, wie man den Geldpreis derer Artikel, die nicht unmittelbar zu Gelde gemacht werden, an⸗ ſchlagen ſoll. Zwar wuͤrde ein unrichtiger Anſchlag in dem Reſultate der ganzen Rechnung keine Aenderung machen wegen des doppelten Anſchreibens, einmal auf das Debet, und das andere Mal auf das Credit. Jedoch wuͤrde eine un⸗ verhältnißmaͤßige Annahme des Preiſes unrichtige Reſultate bei einzelnen Ar⸗ tikeln geben. Der Durchſchnittspreis der meiſten Artikel, z. B. des in der Wirthſchaft conſumirten Getreides und Viebfutterung, laßt ſich während des Laufs des Jahrs, und folglich bei den einzelnen Eintragungen nicht beſtimmen. Uund von dieſem Preiſe haͤngen ferner die Schaͤtzungen anderer Dinge, die nicht unmittelbar mit Gelde bezahlt werden, wieder ab, z. B. die Arbeiten des Geſindes Ff 228 Landwirthſchaftliche Buchhaltung. und des Zugviehes fuͤr jeden Artikel. Am Schluſſe des Jahrs aber wird man bei reiflicher Erwaͤgung aller Umſtaͤnde und Verhaͤltniſſe den Geldwerth jedes Artikels beſtimmt genug auszumieteln im Stande ſeyn. Wenn ich nun z. B. weiß, wie hoch ich den verfutterten Hafer und das Heu dem Zugviehe anſchlagen ſoll, und auch alle Nebenkoſten berechnet ſind, ſo ergiebt ſich wieder, was mir der Arbeitstag eines Pferdes oder Ochſen koſte, und ich kann ſie dann in dem Maaße einem jeden Artikel, worauf ſie verwandt worden, anſchlagen, wenn ich ihre Zahl nur weiß und am gehoͤrigen Orte erörtert habe. Man muß bei der Werthſchaͤtzung nur gewiſſe Prinzipien annehmen, und bei dieſen Prinzipien immer bleiben. Wenn man z. B. bei der Schätzung des Getreides den Durchſchnitt des Markt⸗ preiſes annehmen will, ſo habe ich nichts dagegen, vorausgeſetzt, daß man alle Koſten des Verfahrens nach ihrem wirklichen Betrage(wobei Abnutzung des Ge⸗ ſchirres und der Pferde ſelbſt, Verwilderung der Knechte und manche zufaͤllige Ausgaben, welche nur die Erfahrung dabei bemerklich macht) davon abzieht. Wenn ſich indeſſen der Marktpreis durch Zufälligkeiten uͤber den natuͤrlichen Preis — d. h. denjenigen, den das Getreide nach der diesjährigen Ernte ſonſt gegolten haben wuͤrde— merklich erhebt, ſo ſetze ich den Konſumtionspreis mit Ruͤckſicht auf den natuͤrlichen oder Produktionspreis an, weil ich von jenem hoͤheren Preiſe fuͤr das ſelbſt zu konſumirende Getreide doch keinen Rutzen haͤtte ziehen koͤnnen. Auf gleiche Weiſe verfahre ich mit dem Heu. In Anſehung der bloß zur Veibfut⸗ terung gebaueten Gewaͤchſe, hauptſachlich der Kartoffeln und Ruͤben, nehme ich den Koſtenpreis(der aus der Rente des Grund und Bodens, aus dem Werthe des Duͤngers, welchen ſie konſumiren, und aus der Arbeit zuſammengeſetzt iſt) an⸗ derthalb Mal dafuͤr an. Stiege auch in benachbarten Orten und in einer Periode des Jahrs der Preis derſelben auf das fuͤnf⸗ und ſechsfache, wie dieſes z. B. ſeit einigen Jahren im Fruͤhjahre mit den Kartoffeln hier der Fall geweſen iſt, ſo kommt das nicht in Betracht, weil ich von dieſem Preiſe doch nur wenig Gebrauch machen kann. Den Geldwerth des Miſtes beſtimme ich mit Ruͤckſicht auf das Stroh und auf das Vieh, zwiſchen welchen beiden der Totalwerth des ausgefahr⸗ nen Miſtes ſo getheilt wird, daß jenem 3, dieſem 3 zu gut kommt, bisher, das Fuder à 2000 Pfund, zu 12 Rchlr. Dies ſind als Beiſpiele die Grundſaͤtze, die ich mir in Anſehung der Preisbeſtimmung zur Norm gemacht habe. Es bleibt jedoch . „„ Landwirthſchaftliche Buchhaltung. 229 jedem uberlaſſen, andere anzunehmen, und andere Verhaͤltniſſe erfordern wirklich andere. Wo nicht baare Geld⸗Einnahme oder Ausgabe eintritt, werden die Na⸗ turalien den Artikeln alſo vorerſt nur nach Maaß oder Gewicht zu Gut oder zur Laſt geſchrieben, und beim Abſchluſſe auf Geld reduzirt in die Geldkolumne eingetragen. Die meiſten, welche Berechnungen uͤber einzelne Produktionen halten, neh⸗ men ſolche von mehreren Feldern zuſammen. Dies iſt mir aber nicht genug, ſon⸗ dern ich will wiſſen, was ein jedes Feld gekoſtet und ertragen habe. Alſo werden die Conto's nach den Feldern beſtimmt, und wenn ein Feld mehrere Produktionen hat, jeder Theil wieder abgeſondert. Bei einer guten Fuͤhrung des Arbeitsjour⸗ nals hat dieſes keine Schwierigkeit. Nun aber fallen die Koſten einer jeden Pro⸗ duktion großtentheils in das vorige Jahr, indem ſich das neue mit dem erſten Ju⸗ nius oder Julius anfängt. Da aber die Koſten und der Ertrag gegeneinander ſte⸗ hen muͤſſen, ſo werden die erſtern aus der vorjaͤhrigen Rechnung entweder bloß in Summa, oder doch nur nach ihren Hauptfaktoren auf das Conto des kuͤnftigen Jahres als Debet uͤbertragen, und nun in der neuen Rechnung auf das Debet des Feldes oder der Produktion und auf das Credit des vorigen Jahres geſetzt. Der Ertrag der Getreidefelder wird vorerſt auf das Debet der Scheunen nach Mandelzahl gebracht. Ich taxire aber dieſe Mandeln erſt nach vollendetem Aus⸗ druſch, wo ich wiſſen kann, was ſie an Koͤrnern gegeben haben, und wo der Preis der letztern beſtimmt iſt. Dieſes Scheunen⸗Conto muß deshalb feyn, da⸗ mit es die Stelle des Scheunenregiſters vertrete. Dann wuͤßte ich aber auch kein anderes Mittel, die Produktionen jedes Feldes abzuſondern, wenn mir anders daran gelegen iſt, ſolche beſtimmt zu wiſſen. Fuͤr den, der bloß die Produktionen im Allgemeinen wiſſen will, kann es uͤberfluͤßig ſeyn. Auf das Credit der Scheu⸗ nen kommt dann der Abdruſch, der auf das Debet jeder Kornart uͤbertragen wird⸗ Auch dies geſchieht am beſten vorerſt nur nach der Scheffelzahl, bis der Werth be⸗ ſtunmt worden, und bei dieſer Uebertragung wird der allgemeine Wirthſchafts⸗ preis beibehalten. Bei dem Verkauf hingegen wird der wirklich erhaltene Preis angeſetzt, und das Saldo der Getreide⸗Conto's ergiebt dann, wie viel durch Han⸗ dels⸗Konjunkturen gewonnen oder verloren ſey. 230 Landwirthſchaftliche Buchhaltung. Die Koſten, welche das Getreide von ſeiner Auf bringung auf den Boden an bis zum Verkauf verurſacht, koͤnnen nicht wohl einzeln auf das Conto jeder Getreideart eingetragen werden. Deshalb iſt ein allgemeines Kornboden · Conto vorhanden, in welchem z. B. die Koſten des Umſchippens, wiederholten Reinigens, und beſonders des Verfuͤhrens eingetragen werden. Wenn man will, kann man ſie dann, nach Verhaͤltniß der Quantitaͤt oder des Geldwerths, auf jede einzelne Getreideart wie⸗ der repartiren. Auch andere Produktionen haben ihre beſondere Erzeugungs⸗ und Vorraths⸗ Conto's. Erſteres hat auf der Debetſeite die ſaͤmmtlichen Baukoſten, und auf der Creditſeite den Ertrag, ſo wie er vom Felde abgefuͤhrt worden. Dieſer kommt dann wieder auf das Debet des Vorraths⸗Conto's zu ſtehen, und deſſen Credit enthaͤlt dann die Verwendung fur die verſchiedenen Artikel. Wenn jedoch einige Erzeugniſſe gleich vom Felde ab konſumirt werden, z. B. der gruͤne Klee, gruͤne Wicken, auch ein Theil der Waſſerruͤben, ſo wird dies unmittelbar demjenigen Vieh⸗Conto, wel⸗ ches ſie erhalten hat, zur Laſt, und der Produktion zu gut geſchrieben. Hier iſt die Ausmittelung des Werths nach Gelde allerdings ſchwankend. Ich beſtimme ihn nach ungefaͤhrem Ueberſchlage der Produktionskoſten; andere werden ihn vielleicht richtiger nach der Rutzung zu beſtimmen glauben. Ich glaube jedoch, daß die Gruͤnde fuͤr erſteres bei den gewoͤhnlichen landwirthſchaſtlichen Verhaͤltniſſen uͤberwiegen. Das Vieh⸗ und Geſchirr⸗Inventarium wird jetzt mit dem Ablaufe eines jeden Rechnungsjahres taxirt, ein neues Verzeichniß davon angefertigt, oder bei minder erheblicher Veraͤnderung das vorige ſupplirt. Der Werth des Inventariums wird dann unter Hauptrubriken dem kuͤnftigen Jahre zur Laſt geſchrieben. Es kommt ſo⸗ nach eine jede Verbeſſerung des Inventariums jedem Jahre zu gut, und jede Ver⸗ ſchlechterung ihm zur Laſt. Angekauftes Vieh kommt auf das Debet des Vieh⸗In⸗ ventariums, verkauftes auf deſſen Credit. Wenn ein Stuͤck Vieh verungluckt, ſo wird dieſes auch auf das Credit des Inventariums geſetzt, und auf das Debet desje⸗ nigen Vieh⸗Conto's ubertragen, wozu es gehört. Verungluͤckt z. B. eine Kuh, ſo muß der Schaden von der Meierei oder Kuhnutzung getragen werden; verungluͤckt ein Pferd, ſo faͤllt der Verluſt dem Geſpann⸗Conto zur Laſt. Dies iſt einer von den Punkten, woran die meiſten im Anfange Anſtoß genommen haben, weil es ihnen auffallend iſt, daß ein Verluſt dem Vieh⸗Inventarium zu gut geſchrieben werden Landwirthſchaftliche Buchhaltung. 231 ſoll. Er fällt ihm allerdings in ſofern wieder zur Laſt, als ſich dadurch der Werth deſſelben beim Jahresſchluß vermindert. Es koͤmmt hier, wie in allen Stuͤcken, nur auf eine klare Vorſtellung der ganzen Einrichtung dieſer Buchhaltung an, und man wird ſich aus dieſer und einigen andern Schwierigkeiten leicht herauswickeln, wenn man nur mit Debet und Credit den richtigen Sinn, fur erſteres nemlich„hat empfangen“, fuͤr ihn„iſt verwendet“, fuͤr letzteres„hat g hat geleiſtet“, verbindet. Beim Abſchluſſe der Rechnung i die Summe aller Debets und aller Credits gleich ſeyn. Aber das Debet und Credit der meiſten Conto's werden verſchieden ſeyn, und einige haben vielleicht gar kein Debet oder kein Credit. Dasjenige, was ein Conto an dem einen weniger hat, oder die Summe, welche zur Ausgleichung auf der einen Seite fehlt, heißt nach der kaufmänniſchen Sprache das Saldo. Man kann es auch Verluſt oder Gewinn, Minus oder Plus nennen. Werden nun die ſaͤmmt⸗ lichen Gewinne aller Contos, die Gewinn gegeben haben, auf die ein⸗ Seite, die Verluſte aller derer Conto's, welche dieſen haben, auf die andere Seite geſchrie⸗ ben, ſo muß die Summe beider wieder gleich ſeyn. Um nun aber den Ertrag des Gewerbsbetriebes von dem beſchloſſenen Jahre auszumitteln, kommt auf das allge⸗ meine Debet deſſelben zu ſtehen: 1) der Verluſt aller derer Conto's, welche zum Betriebe der Wirthſchaft noͤthig waren, oder, was einerlei iſt, der Koſtenaufwand fur die Wirthſchaft; 2) das Credit des vorigen Jahres. Dagegen kommt auf das allgemeine Credit der abzuſchließenden Rechnung zu ſtehen: 1) das Debet des Eigen⸗ thuͤmers, oder was er baar und in Naturalien aus der Wirthſchaft erhalten hat; 2) das Debet des Meliorationsaufwandes; 3) das Debet des kuͤnftigen Jahres; und endlich 4) das Debet von ſolchen Zufälligkeiten, welche nicht der Gewerbsbe⸗ trieb, oder was einerlei iſt, der Paͤchter,— in Falle, daß das Gut verpachtet wäre— ſondern das Grundeigenthum oder der Verpaͤchter zu tragen haͤtte, als wo⸗ fuͤr ein beſonderes Conto angelegt ſeyn muß. Nach Abzug des erſtern von letztern er⸗ giebt ſich dann der reine Wirthſchaftsertrag. — Anfaͤngliche ⸗. 5 Schwierigkeit Fur diejenigen, welche meine Abhandlung uͤber dieſe Buchfuͤhrung im Kten bei dieſer hal⸗ Bande der Annalen des Ackerbaues, und die darauf Bezug habenden verſchiedenen 232 Landwirthſchaftliche Buchhaltung. Außſaͤtze in denſelben Annalen ſammt meinen Zuſaͤtzen geleſen haben, z. B. Bd. V. S. 553, 609; Bd. VI. S. 337, 413; Bd. VII. S. 1215 werden dieſe wenigen Bemerkungen zureichen, und es wuͤrde alſo uberfluͤſſig ſeyn, dieſe Materie nochmals ganz zu behandeln, obwohl ich mir bewußt bin, daß ich in jener erſten Schrift nicht alles deutlich genug dargeſtellt hatte. Ich glaube aber, es kann mit der möglichſt groͤßten Deutlichkeit des Vortrages doch nicht vermieden werden, daß ſich nicht eini⸗ ger Anſtoß finde, wenn man das Geſchäft zuerſt angreift. Man wird hieruber aber ſehr leicht wegkommen, wenn man einige Uebung mit Nachdenken verbindet. Ich rathe deshalb jeden, der dieſe Buchhaltung einfuͤhren will, den Verſuch damit in einem Jahre zu machen, aber ſeine vorherige Buchfuͤhrung in dieſem erſten Jahre dennoch beizubehalten, damit er bei einigen Irrthuͤmern, die er vielleicht erſt in der Folge entdeckte, nicht in Unordnung mit ſeinem Rechnungsweſen komme. Wer ſie einmal verſucht und ſich ganz in den Geiſt deſſelben hineingeſetzt hat, wird ſie ſicher nie wieder aufgeben, noch die Beſchwerde bereuen, die ſie ihm zu Anfange machte. Die klare Ueberſicht, welche ſie uͤber jeden einzelnen Theil der Wirthſchaſt nicht nur, ſondern insbeſondere uͤber das Eingreifen des einen in den andern giebt, und die Ideen, welche ſie uͤber die Berichtigung der Verhältniſſe erwecket, die genaue Kon⸗ trolle, welche man aus ſeinem Zimmer und ſelbſt abweſend uͤber die wirthſchaftlichen Arbeiten und Verwendungen fuͤhre: kann, die Fingerzeige zur Richtung der Aufmerk⸗ ſamkeit auf dieſen oder jenen Punkt, werden die Muͤhſamkeit, welche ſie nur im er⸗ ſten Jahre verurſacht, uͤberſchwenglich belohnen. Das Schwierigſte dabei und doch das unbedingt Nothwendige iſt die richtige Fuͤhrung und gute Einrichtung der Jour⸗ nale; gar nicht an ſich ſelbſt, ſondern auch nur in Anſehung der erſten Begriffe, die man denen, welche ſie zu fuͤhren haben, beibringen muß. Verhaͤltniß Verhaͤltniß der Duͤngung*c. 233 Verhaͤltniß der Duͤngung, der Futterung und des Viehſtandes. §. 248. Der Duͤnger und der nach ſeiner Zerſetzung zuruͤckbleibende Moder iſt der Haupt⸗ beſtandtheil der Nahrung aller von uns kultivirter Pflanzen, wodurch ſie leben, wachſen, und zu ihrer Vollendung mittelſt des Samentragens kommen. Durch die Maſſe und Kroft des Duͤngers wird alſo die Quantitat und die Qualität der zu erzeugenden Produkte bedingt. Deshalb kommt nach der Arbeit und ihrer Leitung das erforderliche Verhältniß und die Mittel zu deſſen Erzeugung zunächſt in Betracht. §. 249. Man hat den Mangel an Duͤngung durch vermehrte Arbeit, und wiederum er⸗ In wiefern ſparte Arbeit durch vermehrte Duͤngung erſetzen wollen. Dies iſt aber nur anſchei. ſic i nend und auf kurze Zeit moͤglich geweſen. Jethro Tull glaubte bei ſeiner haufi⸗ gen, den Boden in die feinſten Partikeln zermalmenden Beackerung, die er mit ſei⸗ ſetzen. ner Drillkultur verband, aller Duͤngung uͤberhoben ſeyn zu koͤnnen, und ihm ſowohl wie ſeinen Nachfolgern glůͤckte dies zu Anfange auf fruchtbarem und im reichen Duͤn⸗ gerſtande von älterer Zeit her befindlichen Boden. Denn durch die haͤufige Bearbei⸗ tung und Luftausſetzung wurden alle darin befindlichen Nahrungstheile aufgeſchloſ⸗ ſen, zu nahrhaften Extraktivſtoff bereitet, und den Wurzeln der Pflanzen zugefuͤhrt. Allein es dauerte da, wo man wirklich auf die voͤllige Entbehrung des Duͤngers be⸗ ſtand, nur wenige Jahre, und die Fruchtbarkeit des Bodens ward ſo erſchoͤpft, daß ihn nun wiederholte Duͤngungen kaum zu einer maͤßigen Fruchtbarkeit wieder empor⸗ bringen konnten. Andere wollten durch das Rajolen oder Umwenden des Bodens daſſelbe bewirken, indem ſie waͤhnten, die heruntergebrachte obere Lage der Erdkrume werde durch Ruhe ihre Kraft wieder erhalten, dann wieder heraufgebracht, neue Fruchtbarkeit zeigen, und ſo der Acker durch alljaͤhriges Wechſeln ſeiner tragenden Erdſchicht zu immer gleicher Produktion, ohne ihm nahrhafte Stoffe zuzufuͤhren, ge⸗ Erſter Theil. Gg 234 Verhaͤltniß der Duͤngung, noͤthiget werden koͤnnen. Auch dieſe Methode ſchien auf einigen Bodenarten, wo der heraufgebrachte Untergrund aus einer glucklichen Erdmiſchung beſtand, und zer⸗ ſetzbare Verbindungen von Kohlen? und Waſſerſtoff enthielt, der Erwartung zu ent⸗ ſprechen; vereitelte ſie aber bald, indem beſonders dieſer Untergrund den Pflanzen nach einigen Ernten ohne Duͤngung alle Nahrung verſagte. Wenn nur wenige in dieſe Extreme verfallen ſind, ſo findet man dagegen deſto hau⸗ ſiger, daß ſich die Ackerbauer entweder auf die eine oder die andere jener beiden Kräfte verlaſſen, je nachdem ſie die eine oder die andere mehr in ihrer Gewalt haben und an⸗ wenden können. In der Naͤhe von Staͤdten, wo Duͤnger wohlfeil zu erhalten iſt, oder in Gegenden, wo viele Weideauen und Wieſengruͤnde eine ſtarke Viehhaltung beguͤnſtigen, wird der Acker wenig bearbeitet, weder Brache gehalten noch Gewächſe gebauet, die ihre Stelle erfetzen; ſondern alljährig Getreide, oft derſelben Art, ein⸗ geſäet. Wo man hingegen wegen des Mangels der Futterung wenig Duͤnger macht, wird der Acker durch fleißige Bearbeitung, beſonders der Brache, und auch durch die hinzut ommende Ruhe oder natuͤrlichen Graswuchs tragbar gemacht. Selbſt die nahe verwandten Wirthſchaftsſyſteme des Hollſteiners und des Mecklenburgers unterſchieden ſich dadurch, daß jener ſtark duͤngte, um dieſes thun zu koͤnnen, einen groͤßern Theil ſeines Ackers zur Nahrung des Viehes gebrauchte, ihn zum Fruchtbau aber wenig bearbeitete; wogegen der Mecklenburger, dem ſein Feldſyſtem nur eine ſchwaͤchere Duͤngung erlaubte, dieſes durch die oͤftere und ſorgfältige, das ganze Jahr hindurch fortgeſetzte Bearbeitung feiner Brache erſetzte. Ungeachtet ein ſolcher Erſatz bis auf einen gewiſſen Punkt moͤglich iſt; ſo kann er doch nie vollſtaͤndig ſeyn, und es hat keinen Zweifel, daß das Höchſte nur da erreicht werden koͤnne, wo Boden, Arbeit, Duͤngung und die ausgewaͤhlte Frucht im gerechten und im moͤglich beſten Verhaͤltniſſe gegen einander ſtehen. Deß es Bodenarten gebe, die von Natur ſo reich, und ſeitdem ſie in Kultur genommen, ſo wenig erſchoͤpft ſind, daß ſie lange keiner Duͤngerauffuͤhrung beduͤrſen, iſt zwar richtig; allein dies gehoͤrt zu den ſeltenen Ausnahmen, auf welche nicht im Allgemeinen, ſondern nur beſonders Ruͤckſicht genommen werden kann, wie an ſei⸗ nem Orte geſchehen wird. Oftmals wird aber auch ſolchen Aeckern dieſe Unerſchoͤpf⸗ lichkeit zugeſchrieben, welche ihre Kraft durch das laͤngere Niederlegen zum Graſe und durch ſtarken Beſatz mit Vieh wieder erhalten. der Futterung und des Viehſtandes. 2 d — 5. 250. Obwohl uns die Natur verſchiedene anorganiſche Materien darbietet, wo⸗ Die Rahruns durch die Vegetation entweder mittelſt eines Reizes, den ſie der Lebensthaͤtigkeit geben, oder mitteiſt ihrer zerſetzenden Wirkung auf dem Moder belebt und ver⸗ ſtaͤrkt werden kann; ſo iſt es doch eigentlich nur der thieriſch⸗vegetabiliſche Duͤn⸗ ger oder jener im gerechten Zuſtande der Zerſetzbarkeit befindliche Moder umus), welcher den Pflanzen den weſentlichſten und nothwendigen Theil ihrer Nahrung giebt. Ich ſage den weſentlichſten; denn es iſt unbezweifelt, daß ſie auch durch die Zerſetzung des Waſſers und der gasformig in der Atmoſphäre enthalte⸗ nen Stoffe und deren Verbindung einen andern Theil ihrer Nahrung erhalten, und daß durch das Hinzutreten dieſer Stoffe die Maſſe der vegetabiliſchen Materie auf der Oberfläche des Erdbodens und auf jeder Ackerflaͤche ſich vermehren wuͤrde, wenn man die darauf hervorgewachſenen Pflanzen nicht entfernte, ſondern wieder auf ihrem Platze in Moder uͤbergehen ließe, wie die oft unerſchoͤpflich ſchei⸗ nende Fruchebarkeit des unkultivirten Bodens oder der alten Walder bezeugt. Daß aber aus der eigenclichen unzerſetzbaren und feuerbeſtändigen Erde nichts bedeutendes in die Vegetation uͤbergehe, dieſe alſo nur inſtrumentell zur Schuͤtzung und Haltung der Pflanzenwurzeln und zur Aufbewahrung der Nah⸗ rungsſtoffe, nicht materiell als Nahrungsſtoff ſelbſt, wirke, haben neuerlichſt die Sauſſureſchen und Schraderſchen Analyſen noch mehr beſtaͤtiget. F. 251. Da alſo die Pflanzen die naͤhrende Materie aus dem Humus oder dem Ruͤck⸗ ſtande der thieriſchen und vegetabiliſchen Verweſung ziehen, ſo muß dieſe durch Wachsthun den Wachsthum der Pflanzen im Boden vermindert und endlich erſchoͤpft werden, der Pflanien und zwar in dem Verhältniſſe, worin dieſe Pflanzen ſolche ausziehn, oder was einerlei iſt, in ſich enthalten; vorausgeſetzt namlich, daß ſie von dem Acker ab⸗ geerntet und weggefuͤhrt werden. . 252. Nach dem Verhaͤltniſſe, worin ſich die nahrungsfaͤhige Materie(worunter wir denjenigen Theil des Moders, der ſich in einem Zuſtande befindet, worin er zu einem Uebergange in die Pflanzen geſchickt iſt, hinfort verſtehen werden) im Boden befindet, richtet ſich die Stärke der Vegetation und die Maſſe jedes ein⸗ Gg 2 In welchem Verhättniſſe dieſe Er⸗ ſchöpfung gaſchehe. „ 2 236 Verhältniß der D Dungung, zelnen Produkts, jedoch beſchränkt durch den Raum. Wir nennen dieſes die Fruchtbarkeit, den Reichth um oder die Kraft des Bodens, die ſich ver⸗ ändert, und mit jedem von ihr gezogenen Produkte, wenn ſie keinen Erſaß erhält, ſich vermindert. § 253. Nicht bloß nach der Maſſe, ſondern auch nach der Art des Produkts iſt dieſe Erſchoͤpfung der nahrungsfaͤhigen Materie verſchieden. Und nach den allgemeinen Erfahrungen und beſonders daruͤber angeſtellten Verſuchen ſteht dieſe Erſchoͤpfung bei dem haͤuſigſten Produkte, den verſchiedenen Getreidearten, im Verhaͤltniſſe mit der nahrungsfähigen Materie, welche dieſe Fruͤchte vornaͤmlich in ihren Koͤr⸗ nern enthalten. Man weiß, daß der Weizen mehr als Rocken, dieſer mehr als Gerſte, die Gerſte mehr als Hafer den Acker erſchoͤpfe, und die von mehreren jetzt angeſtellten Verſuche ſind zwar noch nicht vollendet, beſtatigen jenes Verhaͤltniß aber auf eine mehr als erwartete Weiſe. Nach Einhof's genauer Analyſe der Getreidearten fand ſich an nahrungs⸗ fahigen Stoffen, naͤmlich Kleber, und ſuͤßl 36 ſchleimiger Materie, dem Gewichte nach, 2 im Weizen 78 Prozent; im Rocken 70„ in Gerſte 63 bis 70 Prozent, nach Verſchiedenheit ihrer Vollkommenheit; un Hafer 58 Prozent, deſſen Unterſuchung er noch nicht ganz vollendet hatte. In andern Fruͤchten: den Einſa den Erbſen ⸗ den Schminkbohnen oder Phaſeolen„ 385. den Saubohnen ⸗ den Pferdebohnen Ein Scheffel Weizen à 92 Pfund enthaͤlt aſn 714½ nahrungsfaͤhige Materie; ⸗ ⸗ Rocken à 86„ ⸗ ⸗ 60½ ⸗ ⸗ ⸗ ⸗ Gerſte à 72„ ⸗ 46 ½ ⸗ ⸗ ⸗ ⸗ Hafer à 92„ ⸗ ⸗ 30 ½ ⸗ ⸗ der Futterung und des Viehſtandes. 237 Und Ein Scheffel Erbſen à 100 Pfund enthaͤlt alſo 75½ nahrungsfaͤhige Materie; ⸗„ Pferdebohnen à 103„ 75 ⸗ ⸗ Das Gewicht des Scheffels iſt nach ſehr vollſtaͤndigen und reinen Koͤrnern angegeben. ½ §. 254. Nach dieſer Ausmittelung und mit einiger Nebenruckſicht auf die Verſchieden⸗ heit des naͤhrenden Stoffes und auf das Stroh, und zugleich nach der Summe der Erfahrungen und angeſtellter Verſuche(wovon erſt in der Lehre von der vegetabi⸗ Getreidearten. liſchen Produktion die Rede ſeyn kann) nehmen wir an, daß die Ernten des eigentlichen Getreides in Anſehung ihrer nährenden Theile ſowohl, als in Anſe⸗ hung ihrer bodenerſchoͤpfenden Kraft in folgendem Verhaͤltniſſe, dem Volumen. der Körner nach, gegen einander ſtehen: der Rocken= 105 der Weizen= 13; die Gerſte—= 5 der Hafer= 5. Es kommen ſich hiernach gleich: 6 Scheffel Rocken; 4,6r ⸗ Weizen; 8,55 Gerſie; 12 ⸗ Hafer. Wir wuͤrden auch auf einem Boden, der nach ſeiner Grundmiſchung und nach ſeinen phyſiſchen Eigenſchaften dieſen ſammtlichen Getreidearten gleich angemeſſen waͤre, von einer gleichen Quantität der darin enthaltenen naͤhrenden Materie eine Körner⸗Produktion nach dieſem Verhältniſſe erwarten koͤnnen, wenn wir dieſe Gleichheit, und dann für jede Frucht die angemeſſenſte Beſiellung und eine Witterung, die jeder gleich gunſtig iſt, annehmen duͤrfen. Im Allgemeinen tritt dieſes Verhaltniß in Anſehung des Ertrags ein, und wenn wir Weizen uͤber dies Verhaͤltniß gegen Rocken bauen, ſo wird der Abſchlag in den folgenden Fruͤchten ſich danach richten⸗ 238 Verhaͤltniß des Duͤngung, §. 255. Erſchöpfende Dieſes Ertrags⸗ und Erſchoͤpfungsverhaͤltniß laͤßt ſich bis jetzt nur bei jenen gebraͤuchlichern Getreidearten mit ziemlicher Beſtimmtheit feſtſetzen. In Anſehung der uͤbrigen Feldfruͤchte bleibt die Sache noch ungewiſſer, und es macht ohne Zwei⸗ fel einen großen Unterſchied, ob ſie oͤfter wiederkommen oder nur ſelten als Zwi⸗ ſchenfruchte zwiſchen dem Getreide gebauet werden. Hieruͤber kann erſt ausfuͤhr⸗ licher bei der Lehre vom Fruchtwechſel geredet werden. Hier nur ſo viel, man hat die Hulſenfruͤchte, Erhſen, Bohnen, Wicken, von jeher als verbeſſernde Fruͤchte angeſehen, und dieſe Eigenſchaft aus dem bebruͤtenden Schatten, aus der Lockerung und Lufteinziehung des Bodens unter denſelben, auch aus der dem Acker hinterlaſſenen ſtarken Stoppel und Wurzel erkläͤrt. Manche haben ſie daher der reinen Brache gleich geſetzt, unter der Bedingung jedoch, daß ſie nicht zu haͤufig auf demſelben Platze wiederkömen, und daß ſie— was nur auf einen noch in Kraft ſtehenden Acker zu bewirken iſt— gut und gedrungen ſtänden. Sie der reinen Brache,— der eine wirkliche Vermehrung der naͤhrenden Kraft des Bo⸗ dens beizumeſſen iſt,— gleich zu ſetzen, iſt der Theorie und Erfahrung nach zu viel. Jedoch kann man annehmen, daß ſie als Zwiſchenfruͤchte dem Boden eben ſo viel wiedergeben, als ſie ihn in Hinſicht der fuͤr die Getreidefruͤchte nöthige Nahrung entziehen, indem ſie wirklich ein ganz verſchiedenes quantitatives Ver⸗ haͤltniß der nährenden Stoffe gebrauchen, als die eigentlichen Getreidearten. Je⸗ doch wurden ſie den Boden ohne Zweifel mehr erſchoͤpfen, wenn man ſie nach ein⸗ ander darauf bauen wollte. Ueber andere Fruͤchte ſind die Meinungen nach oberfläͤchlichen Beobachtun⸗ gen in Anſehung jener erſchoͤpfenden Kraft noch mehr getheilt. Den Kartoffeln meſſen einige eine ſtarke Ansſaugung bei, welche ſich durch das Mißrathen des Wintergetreides nach denſelben außere. Jedoch thun dies nur diejenigen, die unmittelbar nach denſelben Wintergetreide ſäen, fuͤr welches ſie den Acker aller⸗ dings in einem unguͤnſtigen Zuſtande zuruͤcklaſſen. Dagegen bemerken wir an⸗ dern, die nach denſelben Soͤmmerung bauen, weder in dieſer, noch in denen unſerer Rotation gemaͤß folgenden Fruͤchten, ſelbſt kaum im Wintergetreide, wel⸗ ches im vierten Jahre nach den Kartoffeln kommt, einen Abſchlag gegen das Win⸗ tergetreide in der reinen Brache. Nach verſchiedenen neuern Erfahrungen haben der Futterung und des Viehſtandes. 239 ßie und andere Wurzelgewaͤchſe wiederholt gebaut, einen einmal in Kraft geſesten Acker ohne wiederholte Duͤngung äußerſt wenig entkraͤftet(verglichen die Stau⸗ dingerſchen Beobachtungen im okonomiſchen Hefte 1808). Jedoch ſcheint mir dies zu weit getrieben, und ich ſetze ſie, in Anſehung ihrer ausſaugenden Kraft, einer Rockenernte gleich, ſchreibe ihnen daneben aber einen gleichen Vortheil, wie einer reinen Brache, weil ſie dieſe bei gehoͤriger Behandlung vollkommen erſetzen, zu. & 256. Die durch die Aberntung der Fruͤchte entſtandene Erſchoͤpfuͤng wird in der Regel auf dreierlei Weiſe erſetzt: 1) Durch die Auffuͤhrung und gehoͤrige Einverleibung des eigentlichen Duͤngers. Nach Verhaͤltniß der Quantitaͤt dieſes Duͤngers wird die nährende Kraft des Bodens mehr oder minder verſtärkt, und nach dem Verhaͤltniſſe dieſer Kraft richten ſich die Ernten; jedoch nur bis auf einen gewiſſen ihnen angemeſſenen Grad, uͤber welchen hinaus der Duͤnger ſchaͤdlich werden kann, indem er Lagerge⸗ treide oder dergleichen Uebel verurſacht. Wir ſetzen in der Berechnung der zu⸗ und abnehmenden Kraft des Ackers ein Fuder Stallmiſt, im gerechten Zeitpunkte Wodurch der Boden Erſatz fuͤr die Er⸗ ſchoͤpfung er⸗ halte. ſeiner Vermoderung, 2000 Pfund wiegend,= 10 auf einen Morgen Landes; eine Duͤngung von 5 ſolchen Fudern alſo gleich z0. Es iſt indeſſen auf die Verſchiedenheit des Miſtes Ruͤckſicht zu nehmen, und wir ſetzen hier den gewoͤhnlichen aus den Excrementen des Rindviehes, der Pferde und Schweine mit Stroh gemengten Stallmiſt voraus. Mit dem Schafmiſt, und beſonders mit dem Huͤrdenſchlage, der ſchneller in die Gewaͤchſe eingeht, aber auch ausgeſogen wird, verhaͤlt ſich's anders. 2) Durch die ſogenannte Ruhe oder vielmehr das Eingraſen des Ackers und Benutzung deſſelben zur Weide. Durch die Faͤulniß des von der Natur hier erzeugten Raſens, der ſich darin anfiedelnden Wuͤrmer und Inſekten und des darauf gefallenen Weideduͤngers, wird dem Acker eine Kraft mitgetheilt, die man fuͤr jedes Jahr einer ſolchen Ruhe derjenigen gleich ſetzen kann, welche ein Fuder Duͤnger per Morgen giebt. Wir nehmen alſo jedes Jahr des zu Graſeliegens ebenfalls zu 10, eine dreijaͤhrige Ruhe zu 30 an. Es wird hierbei allerdings einen Unterſchied machen, ob der Acker in groͤßerer oder geringerer Kraft Natuͤrliche Kraft des Bodens. Verhaͤltniſſe, worin Ertrag und Erſchoͤp⸗ fung ſichen· 240 Verhaͤltniß der Duͤngung, niedergelegt worden, indem im erſtern Falle ein ſtärkerer Graswuchs oder eine ſtärkere Erzeugung naͤhrender Materie darauf vorgeht. Es wuͤrde uns aber eine Berechnung dieſer Art im Allgemeinen hier zu weit abfuͤhren, und ich bemerke deshalb nur, daß ich von einer Ackerkraft rede, die der in den gewoͤhnlichen Kop⸗ pelwirthſchaften gleich iſt. Einem ſolchen Ruhe⸗ oder Weidejahre iſt ein Kleejahr gleich zu ſetzen, wenn gleich dieſer Klee gemähet und abgefahren wird. Die allgemeine Erfahrung be⸗ waͤhrt dieſes. Die Erklaͤrung an einem andern Orte. 3) Durch eine gehoͤrig bearbeitete reine Siet nicht bloß den Acker reinigt, ſondern ihm auch, vermoge der dadurch vermehrten Einſaugung atmoſphaͤriſcher Gaſe und Vermoderung der untergepfluͤgten Graͤſer und Wurzeln wirkliche naͤhrende Kraft mittheilt. Wir ſetzen deshalb ein ſolches Brachjahr einem Fuder Duͤnger per Morgen gleich, oder nehmen es ebenfalls zu 10 au. §. 257. Ein Ackerboden iſt durch die Rotation von Ernten ſelten oder nie ſo ganz er⸗ ſchoͤpft, daß er nicht noch einige naͤhrende Kraft in ſich hielte oder etwas hervor⸗ bringen koͤnnte; obwohl es haͤuſig bis zu dem Grade kommt, daß er nicht mehr mit Vortheil beſtellt werden oder einen reinen Ertrag uͤber die Beſtellungskoſten geben kann. Dieſe zuruͤckbleibende Kraft nennen wir die natuͤrliche Kraft des Bodens. Sie kann dem Grade nach verſchieden ſeyn, und wenn ſie ſo iſt, daß der Morgen etwa noch zwei Scheffel Rocken uber die Einſaat tragen koͤnnte, aber doch ohne zu große Erſchoͤpfung, ungeduͤngt, ungeruht und nicht mehr tragen darf, ſetzen wir dieſe natuͤrliche Kraft zu 0. Erhaͤlt ein ſolcher Boden 5 Fuder Duͤnger„= 350 eine reine Brache und hat an natuͤrlicher Kraft= 40 ſo wird ſeine Kraft= 1oo. §. 258. Nach der Summe der Erfahrungen koͤnnen wir annehmen, daß eine gehoͤrig beſtellte Getreidefrucht auf ſogenanntem warmen Boden(auf kaltgruͤndigem weniger) der Futterung und des Viehſtandes. 241 weniger) 30 Prozent von der im Acker vorhandenen Kraft an ſich ziehe, und einen verhaltnißmaͤßigen Ertrag an Koͤrnern und auch an Stroh gebe. Das oben ange⸗ gebene Verhaͤltniß der Getreidearten gegen einander wird dann das Maaß ergeben, welches man an Koͤrnern davon erwarten kann, zugleich aber auch die Erſchoͤpfung, welche der Acker dadurch erleidet, und den Ruͤckſtand von Kraft, die im Acker zu⸗ ruͤckbleibt. Folgende Beiſpiele werden dieſes erläutern. Dieſe Angaben gruͤnden ſich indeſſen nicht allein auf die Theorie von der nah⸗ rungsfaͤhigen Materie, ſondern ſie ſind aus der Summe der Reſultate, welche die Erfahrung im Großen giebt, abgeleitet, und ſtimmen mit denen uͤberein, welche in guten Wirthſchaften in mittleren Jahren auf Mittelboden angenommen werden. Die Theorie dient hier nur zur Begruͤndung einer Formel, wonach der Ertrag in Ruͤckſicht auf die verſchiedenen ihn beſtimmenden Umſtaͤnde im Durchſchnitt der Jahre berechnet werden kann, und das Zutreffende der Formel beweiſet růckwůrts die Richtigkeit der Theorie. Eine mehr ausſaugende Frucht wird zwar bei günſtiger Witterung einen hoͤhe⸗ ren Ertrag geben können, als ihr hier nach ihrem Verhaͤltniſſe zugeſchrieben wird. Allein ſie wird auch ſo viel mehr ausziehen, und die folgenden Fruͤchte werden um ſo viel weniger geben. Es iſt uns hier nur um die Ausmittelung des Total-Ertrags und der Kraft, in welcher ſich der Boden erhaͤlt, zu thun. In dieſer hypothetiſchen Berechnung ſind uͤbrigens die Zahlen ſo viel moglich rund angenommen, und die kleinen Bruͤche weggeworfen, weil dieſe nur die Ueber⸗ ſicht erſchweren wuͤrden, ohne das Reſultat merklich zu aͤndern. §. 259. Ein Boden habe, wie oben, naturliche Kraft„= 40, 90 und werde dann nach dem Syſteme der reinen Dreifelderwirthſchaft neun Jahre hindurch ohne wiederholte Duͤngung beſtellt, ſo wird ſich folgendes Reſul⸗ tat ergeben.. Der Ertrag wird hier abſichtlich uͤber die Ausſaat, oder nach Abzug derſelben angenommen, ſo daß man, um den ganzen Ertrag zu finden, dieſe hinzufuͤgen Erſter Theil. Hb Bei der reinen Dreiſe lder⸗ wirthſchaft. Verhaͤltniß der Duͤngung, muͤßte. Denn es iſt wahrſcheinlich, daß in der Ausſaat ſelbſt ſo viel naͤhrende Kraft ſtecke, um ſich ſelbſt einmal zu reproduziren, und daß alſo eine ſtärkere Ausſaat bis auf einen gewiſſen Punkt immer einen hoͤheren rohen Ertrag, obwohl keinen hoͤhern reinen Ertrag, gebe. Ausgezogene Ernteertrag. Kraft nach Ver⸗ Hinzugekom- Zuruͤckbleibende Früͤchte. haͤltniß des mene Kraft. Kraft. Ertrages. 1. Brach—— 10 100 2. Rocken— 70 e— 10 59 H. Rocken*.„„ 3, 54 3 17, 7 41, 3 6 12, 39— 28, 51 F Brach E. ⸗„.— 10 8 9 1 „ 8. Rocken.„„. 2, 83* 11, 67—— 27, 2 4 9. Hafer.*.. 3, 22 5 8, 17 19, 07 Bei Erbſen⸗ und Kartoffel⸗ bau in der Brache. Die natuͤrliche Kraft des Bodens, die beim Anfange dieſer Rotation 45 war, iſt alſo bis zu 19,07 herabgeſetzt, und hat folglich verloren 20,03. Ein Erfolg, den eine ſolche Wirchſchaft, die nach einer fuͤnffudrigen Duͤngung 6 Ge⸗ treidefruͤchte nimmt, immer haben und ſich folglich wit jeder Rotation herabſetzen wird. Sie haͤtte ſchon bei No. 5 ſtehen bleiben muͤſſen, um nicht tiefer zu ſin⸗ ken; kann ſich jedoch mit Huͤlfe des Hordenſchlages auch noch erhalten, wenn ſie bei No. 6 ſtehen bleibt, und dann ſolchen giebt. F. 260. Wenn eine ſolche Wirthſchaft in ihrer geduͤngten Brache noch Erbſen erſetzen, ſo wird der Erfolg folgendermaßen zu ſtehen kommen: . bauen will, ohne ſtärker zu duͤngen, und, wie oben geſagt worden, die Erbſen das etwa wieder geben, was ſie ausziehen, aber nicht die Wirkung der Brache —.——— der Futterung und des Viehſtandes. 24½ Ausgezogene Kraft nach Ver⸗ Früchte. Ernteertrag. haltniß der Hinzugekom⸗ Zurückbleibende Fruͤchte und des mene Kraft. Kraft. Maaßes. Erbſeeſie—— 90 27— 63 Z 18,2— 44, 1 —— 10 54, r 5 S 24 16, 23— 37, 67 11, 36— 26, 51 —— 10 36, 61 10,05— 25, 56 5 7, 665— 17, 0 Hier hat alſo der Boden von ſeiner vorhin angenommenen Kraft 22, 1 verloren. Wollte eine ſolche Dreifelderwirthſchaft, ohne ſtärker zu duͤngen, Kar⸗ toffeln ſtatt der erſten Brache bauen, und dieſe zögen gleich einer Rockenernte aus, gewaͤhrten uͤbrigens aber durch ihre Bearbeitung den Vortheil einer Brache, ſo wuͤrde der Erfolg folgender ſeyn: Ausgezogene Kraft nach Ver⸗ Hinzugekom⸗ Zuruͤckbleibende Fruͤchte. Ernteertrag.ſ haltniß des mene Kraft. Kraft. Ertrages. 1. Kartoffeln„ 160 Scheffel 30 10 70 ⸗ 21— 49 14,7— 3 3 — 10 44,2 13, 25— 31, 0* 6. Hafer.„ 3, 7 4* 9, 3 6 21, 7 7 V B—— 10 31, 77 Z. Rocken.*„ 1, 90* 9, 5 T 22, 20 9. Haftr„, 6, 66— 5, 5 Hh 2 Bei einer ſie⸗ benſchtaͤgigen ſchaft. 5. 251. In einer ſiebenſchlägigen Koppelwirthſchaft habe der Boden Koppelwirth⸗ dieſelbe natuͤrliche Kraft 6 erhalte denſelben Duͤnger 5 und liege 3 Jahr zu Gpaſe 5 120, ſo iſt der Erfolg: Ausgezogene Kraft nach Ver⸗ Hinzugekom⸗ Zuruͤckbleibende S. Fruͤchte. Ernteertrag⸗ haͤltniß des mene Kraft. Kraft. Ertrages. 1. Prache e 10 130 3. Gerſte ℳ 6 5— 63, 4. Hafer.*.* 7/ 64. 19,. F 44, 0 Bei einer neunſchlaͤgi⸗ gen. 244 Verhaͤltniß der Duͤngung, Bei dieſer Rotation wuͤrde der Boden an ſeiner natuͤrlichen Kraft 2, 46 ver⸗ lieren, und ſehr ausgeſogen zuruͤckbleiben. Daß hier nach den Kartoffeln Gerſte, und nicht Rocken angenommen worden, iſt freilich gegen die Regel der Dreifelder⸗“ wirthſchaft, dagegen aber den Geſetzen der Natur gemäß geſcheben. Es erhellt hieraus, wie gegruͤndet der Vorwurf einer nachtheiligen Er⸗ ſchopfung gegen die Kartoffeln bei dieſem Feldſyſteme ſey, indem nicht nur alle folgenden Getreideernten ſich durch ihre Einſchaltung vermindern, ſondern auch eine um ſo viel groͤßere Erſchoͤpfung erfolgt. Wuͤrden freilich dieſe Kartoffeln durch das Vieh in Duͤnger verwandelt, und dieſer nun in der naͤchſten Brache dem Acker zuruͤckgegeben, ſo kaͤme die Sache anders zu ſtehen. Allein in der Drei⸗ felderwirthſchaft werden die Kartoffeln mehrentheils zu anderem Behuf erbauet. Hier hat der Boden an natuͤrlicher Kraft 4,6 gewonnen, und tritt alſo in die folgende Rotation um ſo viel verſtaͤrkt ein⸗ §. 262. Eine Koppelwirthſchaft in neun Schlaͤgen: Natuͤrliche Kraft 5 Fuder Duͤnger *.— *** *„** —*„* Vierjaͤhrige Dreeſchweide„„ 40. 50 130. der Futterung und des Viehſtandes. 245 Ausgezogene Kraft nach Ver⸗ Hinzugekom⸗ Zuruͤckbleibende Fruͤchte. Ernteertrag. ſ haltniß des mene Kraft. Kraft. Ertrages. —— 10 140 2. Rocen 63 Schfl. 42 98 Z. Gerſte.„ 8, 4* 29, 4 68, 0 4 20, 58— 48, 02 5. Hafer 1, 40— 33, 67 Hier hat ſich der Boden um 6,29 verſchlechtert, und nur einen anſcheinend pohern Ertrag gegeben, weshalb auch dieſe vormals ſo beliebte Wirthſchaftsart jetzt faſt allgemein verworfen wird. 263. Die Koppelwirthſchaft in eilf Schlaͤgen duͤngt in der Regel ihre Bei einer vilt Dreeſchbrache nicht; ſie tritt alſo, bei gleicher natuͤrlichen Kraft und vierjähriger Dreeſchweide, mit einer Kraft= 8o in ihre Rotation ein, und es ergiebt ſich folgendes: Ausgezogene Kraft nach Ver⸗ Hinzugekom⸗ Zuruͤckbleibende Fruͤchte⸗ Ernteertrag.ſ haältniß des mene Kraft Kraft. Ertrages.. 1. Dreeſchbrache.„—— 10 90 Haſe⸗ 18,5— 44, r 4. Muͤrbe Brache mit 6 Fudern Duͤnger.—— 6 31, 22— 72, 67 6. Gerſte..„* 6, 24* 21, 8 6 51, 01 15, 30— 35, 08 Der Boden verliert hier 4, 02. 246 Verhaͤltniß der Duͤngung, 5. 264. Um nun auch Beiſpiele von Wechſelwirthſchaften nach der Reget wirthſchaft. der Fruchtfolge mit Stallfuͤtterung zu geben, muͤſſen wir nothwendig, bei angenommener Gleichheit der natuͤrlichen Kraft, eine ſtärkere Duͤngung vor⸗ ausſeben. Denn ohne ſich dieſe auf andere Weiſe waͤhrend des Ueberganges ver⸗ ſchafft zu haben, wäre es eine Thorheit, ſolche einfuͤhren zu wollen, weil ſie ſich gleich durch ihren Brachfruchtſchlag erſchoͤpfen wuͤrde. Wir nebmen alſo bei einer vierſchlagigen Wirthſchaft dieſer Art an, daß ſie zu Anfange der erſten Rotation wenigſtens mit 8 Fudern per Morgen duͤngen koͤnne, ſo daß ſie mit Einſchluß der naturlichen Kraft= 120 antrete. Ausgezogene Kraft nach Ver⸗ Hinzugekom⸗ Zuruͤckbleibende Fruͤchte. Ernteertrag. haͤltniß des mene Kraft. Kraft. Ertrages. 1. Kartoffeln 8o Schfl. 34 10 96 Srſte 8, 23„ 28, 6— 67,2 ——— 77, 2 23, 16— 54, 0 4 5* Die zweite Rotation kann an Duͤnger geben 10 Fuder= 100 154, 0 1. Kartoffeln 100 56, 21 10 107, 63 t 8, 248 3 3— 75, 4 3. Sle—— 85, 4% 4 Röen„ 5, 23 26, 65.— 58, 46 Der Boden gewinnt alſo in zwei Rotationen innerhalb 8 Jahren 18, 46 an natuͤrlicher Kraft. Eine ſolche Wechſelwirthſchaft in ſieben Schlaͤgen hat natürliche Kraft=%, bekommt 8 Juder Wnger 120. der Futterung und des Viehſtandes. 247 Ausgezogene Kraft nach Ver⸗ Hinzugekom⸗ Zuruͤckbleibende Früchte. Ernteertrag. haͤltniß des mene Kraft. Kraft. Ertrages. 1. Kartoffeln„ 0 Scheffel 34 10 96 28, 8— 67,2 —— 10 77, 2 4—— 10 §. Wimerung 52 26, 10— 61, 0 6. Mit 4 Fudern Duͤnger —— 40 101, 04 inen 3,— 70, 2 Der Boden hat alſo an Kraft gewonnen 30,73. F. 265. Um die Zu⸗ und Abnahme der Kraft in dieſen Wirthſchaften in ihrem Ver⸗ boltniß um ſo beſſer uͤberſeben zu koͤnnen, reduziren wir ihre Rotationsjahre in auf 10, und ſo ergiebt ſich folgendes: der Kraft des an an c Wirthſchaf⸗ Die reine Dreifelderwirthſchaft— 22, 29 ten — 24, 45 Die mir Kurtoffei„— 26, 71 Die ſiebenſchlagige Koppelwirthſchaft....— Die neunſchlaͤgige Koppelwirthſchaft„.„— 6, 71 Die eilfſchlägige Koppelwirthſchaft— Die vierſchlaͤgige Fruchtwechſelwirthſchaft 22, 31— Die ſiebenſchlagige Fruchtwechſelwirthſchaft 42, 50— Hierzu kommt nun der mit jeder Rotation ſich vermehrende Duͤngerſtand ⸗ bei den an Kraft gewinnenden, und die Verminderung deſſelben in den an Kraft verlierenden Wirthſchaften, ſo daß ſich etwa nur die mehr gleichbleibenden Kop⸗ pelwirthſchaften erhalten, die Dreifelder- und Fruchtwechſelwirthſchaften aber in 248 Verhaͤltniß der Duͤngung, ihrer Art und ohne andere Aushuͤlfe— jene wegen Mangel an Duͤnger und Kraft, dieſe wegen Ueberfluß und Ueberfuͤllung— auf die Dauer nicht beſtehen koͤnnen. Die Dreifelderwirthſchaft wird durchaus genoͤthiget werden, ſich andere Huͤlfsquellen zu ſchaffen, oder aber den groͤßern Theil ihres Ackers in dreijähriges Land zu verwandeln, d. b. alle drei Jahre nur eine Ernte zu nehmen, und dem Lande ein Jahr Ruhe und ein Jahr Brache zu geben. Die Fruchtwechſelwirth⸗ ſchaft aber wird ſich durch den Anbau von Handelsgewaͤchſen, ſtatt eines Theils der Futtergewaͤchſe, ihres Duͤngeruͤberfluſſes entledigen muͤſſen, und dadurch freilich ihren Ertrag zur moͤglichſten Hoͤhe treiben. Die Duͤngung ſcheint hier freitich nur hypothetiſch angenommen. Es wird ſich aber in der Folge zeigen, wie ſtark jede Wirthſchakt in ihrem zweiten Umlaufe duͤn⸗ gen koͤnne. Die Dreifelderwirthſchaft kann es ohne mehrere Wieſen oder andere Duͤngerquellen nicht ſtaͤrker, es ſey denn durch Kleehau und Stallfutterung. Die Koppelwirthſchaft duͤngt unter manchen Verhaͤltniſſen ſtärker. Die Wechſelwirth⸗ ſchaft nach der Regel der Fruchtfolge mit Weide oder mit Stallfutterung duͤngt ebenfalls noch ſtaͤrker, als hier angenommen iſt. 5. 266. Im Durchſchnitt koͤnnen wir annehmen, um den vermuthlichen Ertrag zu beſtimmen, daß 10 Grad Kraft im Boden per Morgen geben o,6 Scheffel Rocken, o, 64„ Gerſte, 1 und 0,40„ Weizen. Jedoch iſt bei letzterem die aus ſaugende Kraft groͤßer als bei den uͤbrigen, und er wird auf angemeſſenem Boden und guͤnſtiger Witterung faſt eben ſo viel Scheffel wie der Rocken geben, wenn er genügſame Nahrung antrifft; erſchoͤpft den Boden dann aber auch um ſo veel ſtarker. Weshalb durch forcirten Weizenbau ſich manche Wirthſchaften ſehr zuruckgeſetzt haben. Ein Scheffel Weizen uber die Einſaat per Morgen zieht aus 6,5 „„ Rocken*..—*. 5 „ 5 Gerſte ⸗ 1„—„ 3 . Hafer„* ⸗— 2. Guͤnſtiger der Futterung und des Viehſtandes. 249 Guͤnſtiger oder unguͤnſtiger Umſtaͤnde wegen giebt freilich oft eine Frucht einen groͤßeren oder geringeren Ertrag, als ſie nach dem Verhaͤltniſſe der im Boden be— findlichen Kraft geben ſollte. Inſofern dieſe zufaͤllig ſind, kann im Allgemeinen keine Ruͤckſicht darauf genommen werden. Wo ſie aber bei einem Ackerſyſteme in der Regel ſind, muß es geſchehen. So zieht z. B. der Dreeſchhafer, zumal der ein⸗ faͤhrige, nicht ſo viel aus der noch unzergangenen Narbe, als er thun wuͤrde, wenn er alle Nahrungstheile, die darin ſiecken, nach ſeiner Kraft anziehen konnte. Um ſo viel weniger aber eine Frucht anzieht, um ſo viel erſchoͤpft ſie auch minder. 5. 267. Die Faͤlle, wo der Landwirth den eigentlichen naͤhrenden Duͤnger auf andere Weiſe als durch eigene Hervorbringung mittelſt des Viehes erhalten kann, ſind ſo ſelten, daß ſie bei dieſer Berechnung der Oekonomie im Allgemeinen kaum in Betracht kommen koͤnnen. Weil indeſſen von dieſen Fällen, die nur in der Rachbarſchaft der Staͤdte eintreten koͤnnen, ſo häuſig die Rede iſt, und der Werth des Duͤngers ſo oft nach dem Preiſe, wozu man ihn hier bezahlt, geſchätzt wird, ſo verweilen wir hier etwas dabei. Der Preis des Duͤngers in den Staͤdten richtet ſich nach dem Verhaͤltniß, worin die Bevoͤlkerung, der Viehſtand und die Duͤnger erzeugenden Gewerbe gegen die Garten⸗ und Feldkultur, die um die Stadt betrieben wird, ſtehen. An manchen Orten, wo letztere ſtark getrieben wird, und wo auch viele Handels⸗ gewaͤchſe, beſonders die Cichorien, gebauet werden, wird ſchon ein vierſpaͤnniges Fuder mit drei und mehrern Thalern auf der Stelle bezahlt, und dennoch ſteht das um die Stadt liegende Land in ſo hohem Pachtpreiſe, daß die Anbauer nicht wuͤr⸗ den beſtehen koͤnnen, wenn dieſer Miſt, im Verhaͤltniß ſeines wirklichen Werths, nicht immer noch wohlfeil ware. An andern Orten, wo die Acker⸗ und Garten⸗ kultur bisher noch zuruͤckſtand, kauft man ihn wohlfeiler. Indeſſen kommt er bei genauer Berechnung der Fuhrkoſten und des bei allen ſtaͤdtiſchen Fuhren faſt unvermeidlichen Venluſtes hoͤher zu ſtehen, als man bei dem erſten Anblicke glaubt. Bei der moͤglichſt beſten Organiſation einer großen Duͤngerausfuhr aus einer großen Stadt nach einer vom Thore 3 Meile entfernten Wirchſchaft koſtet das vierſpaͤnnige Fuder im Durchſchnitt 2 Rchlr., ungeachtet der groͤßere Theil Erſter Theil. Ji Erzeugunt des Düngers und Werth deſſelben⸗ 150 Verhaͤltniß der Duͤngung, dieſes Miſtes von der Art iſt, die der Staͤdter gern bald los zu werden ſucht, und er folglich auf der Stelle nach gemachten Kontrakten äußerſt geringe bezahlt wird. Aber auch dieſe Preiſe ſind in Betracht des wahren Duͤngerwerths immer ſehr ge⸗ ringe. Dieſer wahre Werth laͤßt ſich nur dadurch ausmitteln, daß man einen Vergleich zieht, was ein Morgen Landes, der vorher nur eine nothduͤrftige und ſeltene Duͤngung erhielt, bei einer reichlichen und wiederholten an reinem Ertrage mehr gebe oder geben koͤnne. Im dritten Bande meiner engliſchen Landwirth⸗ ſchaft, Seite 461 u. f. habe ich eine ſolche Berechnung nach den mir von Bauern angegebenen Datis gemacht, und das Reſultat war, daß das Fuder Duͤnger 6 Rthlr. 9 Gr. werth ſey. Um die Sache genauer auszumitteln, berechne man den Ertrag der im§. 212. angegebenen einfachen Dreifelderwirthſchaft, und ſetze dagegen, daß dieſe Wirthſchaft ſich Miſt genug verſchaffen koͤnne, um alle drei Jahre mit ſechs Fudern zu duͤngen, und nun— um von der Dreifelderwirth⸗ ſchaft wenig abzuweichen— folgendes baue: 1) Brache geduͤngt; 2) Raps oder Ruͤbſaat; 3) Weizen; 4) Erbſen geduͤngt; §) Rocken; 6) Gerſte; 7) Kartoffeln geduͤngt; 8) Gerſte; 9) Rocken; und berechne nun nach dem Verhaͤltniß der im Acker befindlichen Kraft den Ertrag dieſer Gewaͤchſe, nach Abzug der hoͤhern Koſten ihres Anbaues, und es wird ſich der Werth dieſes Duͤngers auf eine auffallende Art ergeben. Der wahre Werth des Duͤngers wird aber um ſo größer, wenn man er⸗ wägt, wie er ſich progreſſiv durch ſich ſelbſt vermehrt, indem mehrerer Duͤnger, richtig angewandt, immer mehreres Material zu neuem Duͤnger neben den eigent⸗ lichen Fruͤchten erzeugt, und daß man dann zu der Moͤglichkeit, ſolche Fruͤchte zu bauen, die den hochſten Geldertrag geben, nachhaltig gelange. In gleicher Pro⸗ greſſion ſinkt der Duͤngerſtand, wenn einmal Mangel an Duͤnger eingetreten iſt, der Futterung und des Viehſtandes. 251 und dieſer nicht durch zweckmäßige Vorkehrungen gehoben wird. Mangel an Duͤnger hat weniger Stroh zur Folge, wenigeres Stroh giebt wenigern Duͤnger, und ſo ſinkend fort bis zur gänzlichen Erſchoͤpfung. So koſtſpielig daher die erſte Vermehrung des Duͤngers auf einem ausgezehrten Boden ſeyn mag, ſo läßt ſich doch vielleicht kein Kapital vortheilhafter benutzen, als was hierzu verwandt wird⸗ 6 258 Um uns über das Maaß der Duͤngung vorlaͤufig zu verſtändigen, nehmen Maak und wir folgende Saͤtze an, bei denen keine mathematiſche Genauigkeit und keine allge⸗ meine Gleichheit erwartet werden kann, die ſich aber aus großen Durchſchnit⸗ ten ergeben. Ein vierſpaͤnniger Wagen ladet 36 Kubikfuß Stallmiſt in dem Zuſtande der halben Vermoderung, worin er mehrentheils ausgefahren zu werden pflegt. In dieſem Zuſtande(den man den ſpeckigen nennt, wo das Stroh noch nicht ver⸗ weſ't, aber muͤrbe und in Faſern zerfallen iſt) wiegt ein rheinländiſcher Kubikfuß im Zuſtande ſeiner gewoͤhnlichen Feuchtigkeit, d. h. wenn er kein Waſſer mehr ab⸗ tröpfeln läßt, aber auch nicht duͤrre iſt, 56 Pfund, alſo ein ſolches Fuder 2016 Pfund. Wir nehmen rund 2000 an. Auf guten Wegen und bei guter Witterung kann freilich mehr geladen werden; da man aber zur Miſtausfuhr ſel⸗ ten die beſte Witterung wählt, ſo wird dieſe Angabe der Wahrheit wohl am naͤch⸗ ſten kommen. Iſt das Stroh noch in ſeiner roͤhrigen Geſtalt im Miſte, ſo wiegt ein maßig zuſammengedruͤckter Kubikfuß hoͤchſtens nur 48 Pfund, und das Fuder wird dann hoͤher geladen mit aufgezogenen Leitern, ſo daß es 5 bis 46 Kubik⸗ fuß enthält. Wenn acht ſolcher Fuder auf einen Morgen gefahren werden, ſo nennt man dies eine gute oder vollkommene Duͤngung. Es kommen ſodann auf die Quadrat⸗ ruthe 38, Pfund, und etwa 0,0 auf einen Quadratfuß. Werden fuͤnf ſolcher Fuder auf den Morgen gefahren, ſo nennt man dies eine ſchwache Duͤngung, die aber die gewoͤhnlichſte iſt, wo dann 55 Pfund auf die Quadratruthe kommen. Eine ſtarke Duͤngung nennt man es, wenn zwölf ſolcher Fuder aufgefahren wer⸗ den, die aber zum Getreide auf unerſchoͤpftem Boden nicht verwandt wer⸗ den darf. Ji 2 Verhältniß des Duͤnger erzeugenden Viehes gegen Nen Ackerbau. Verſchiedene Angaben dar⸗ ühes. 252 Verhaͤltniß der Duͤngung, Guter nicht mehr ſtrohiger Schafmiſt wird in der Regel dem Gewichte nach um ſchwaͤcher aufgefahren, weil ſeine ganze Wirkung ſtärker und ſchneller er⸗ folgt, ader minder nachhaltend iſt. Dieſe Duͤngung wird nun alle drei, vier, ſechs bis neun Jahre wiederholt, und pflegt bei ofterer Wiederkehr ſchwaͤcher, bei ſeltnerer ſtäͤrker zu ſeyn, wenn anders nicht der Mangel derſelben auch im letztern Falle ſchwach zu duͤngen noͤthigt. Es muß daher bei Berechnung des Duͤngerſtandes nicht bloß auf die jedesmal aufzufahrende Quantitaͤt, ſondern auch auf die Wiederholung geſehen und berechnet werden, wie viel in einer gewiſſen Zahl von Jahren aufgefahren wird oder aufgefahren werden muß. 6. 269. Da es unter die ſeltenen Faͤlle gehoͤrt, daß man ſich den Miſt auf andere Weiſe vortheilhafter, als durch eigenes Vieh verſchaffen kann, ſo hat man ſchon lange das Verhaͤltniß des Viehſtandes zum Ackerbau zu berechnen und ſo zu be⸗ ſtimmen geſucht, daß der moͤglich hoͤchſte Vortheil, aus beiden vereint, her⸗ vorgehe. Der ſtaͤrkere Viehſtand hebt durch ſtaͤrkere Duͤngergewinnung den Er⸗ trag des Ackerbaues, und der Ackerbau durch ſtaͤrkere Produktion des Viehbedarfs die Viehnutzung. Dieſe Wechſelwirkung giebt das große Schwungrad in jeder regularen Wirthſchaft ab, und die Beſchleunigung ſeines Umlaufs, ſie geſchehe zuerſt in welchem Punkte ſie wolle, theilt ſich dem Ganzen mit, und erhoͤhet die Kraft der Maſchine und ihren Effekt. F. 270. um das richtigſte Verhaͤltniß zwiſchen beiden nach jeder Lokalitat zu beſtim⸗ men, iſt man natuͤrlich zuerſt auf die Kopfzahl des Viehes gefallen, und hat feſtzu⸗ ſetzen geſucht, wie viel Stuͤck Vieh dieſer oder jener Art auf eine gewiſſe Acker⸗ flaͤche zu rechnen ſey. Man hat gewoͤhnlich ein Stuͤck Rindvieh, ein Pferd, zehn Schafe und ſechs Schweine einander gleich gerechnet. Aber man hat auch bald eingeſehen, daß die Verſchiedenheit unter derſelben Thierart nach ihrer Größe und nach ihren Futterportionen ſehr verſchieden ſeyn muͤſſe, und deshalb hierauf freilich Ruͤckſicht genommen. Eine der vollſtaͤndigſten Berechnungen, die aus der Futterung und des Viehſtandes. 253 dem Durchſchnitte vieler Angaben gezogen worden, findet ſich in v. Borgſtedes Grundſaͤtzen uͤber die Generalverpachtungen der Domainen in den preußiſchen Staaten, Berlin 1785. Es iſt darin zuerſt Ruckſicht ge⸗ nommen auf das Stroh und anderes Streumaterial, und in der Tabelte bedeutet A. Gegenden, wo Stroh im Ueberfluß gewonnen wird, dergeſtalt, daß im Ganzen von jedem Winſpel Ausſaat 100 bis 120 Mandeln und daruͤber gerechnet werden koͤnne(ein Winſpel Ausſaat iſt ciroa zu 20 Morgen an⸗ zunehmen, alſo 5 bis 6 Mandeln pro Morgen, und das Gewicht einer Mandel Winter⸗ und Sommergetreide im Durchſchnitt an Stroh zu 160 Pfund) alſo 800o bis 960 Pfund. B. Gegenden, wo 90 bis 100 Mandeln pro Winſpel Ausſaat gerechnet wer⸗ den(44 bis 5 Mandeln pro Morgen, alſo 720 bis 800 Pfund). C. Gegenden, wo weniger als 90 Mandeln gewonnen werden, und es alſo an Stroh zum Einſtreuen fehlt. D. Gegenden, wo dieſer Strohmangel durch Einſtreuung anderer Surrogate erſetzt werden kann. E. Gegenden, wo dies durch wohlfeilen Strohankauf geſchehen kann. Bei No. 1. iſt angenommen, daß das Vieh gewoͤhnlich nur Mitte Mai zu Felde gehe, und Mitte Novembers eingeſtallt werde. Bei No. 2., daß das Vieh gewoͤhnlich zu Ende Maͤrz zu Felde gehe, und Mitcte Decembers eingeſtallt werde. Bei No. 3. vollkommene Stallfutterung. Be No. 4. die Duͤngung, die von 100 Schafen erfolgt, wenn gar nicht ge⸗ hordet wird. Bei No.§., wenn mit der Schaͤferei fuͤnf Monat gehordet wird, ſieben Mo⸗ nat aber Nachts im Stalle Duͤnger gemacht wird. 254 Verhaͤltniß der Duͤngung, Bei zureichendem Heugewinnſt, Bei Ueberfluß Bei Mangel dergeſtalt, daß jede Kuh von an wenigſtens 8 Centner Heugewinnſt Heugewinnſt Heu bekommt „——— M— in kalt⸗ in in kalt⸗ in in kalt⸗ in gruͤndigemſ warmem ſgruͤndigemſ warmem ſgrändigemſ warmem Boden. Boden. Boden. Boden. Boden. Boden. Schfl. Mtz. Schfl. Mtz. Schfl. Mtz. Schfl. Ms.ſ Schfl. Mz. Schft. Mtz. 14 1 5½ 18— 1— No. I. C.— 10½— 124— 14— D.— 16— 13— ſ144 E.— 14½— A.— 144 1— 42 13 3* B.— 104— 12— 112— 114 C.— 8 10— 9— 17— 7— 19 D.— 1I6— 113— 1147 1—— 112 F.— 1143 2 1 ₰— 13— 15 A 8 1 8 1 12 14 6 No. Z. — 5 3 5 3 16 faͤllt weg—————————— B—— E. 2 4 16 2 3 7 8 3 8 112 4 12 6 4 No. 4. B. 4 ſ12 6— 5 ſ15 7— 47 C. 3 09 4 3 4 2 5 4 382 3[12 D. 3 1133 4 114 4 112 5 II 3 8 4 E. 4 ſ12 6— 5 115 71— 47 5 A 6 7 46 8 10½ No. 5. B 2[12½ 38 3 7 4 12 143 C 2 1 ½ 2 10 2 62 8 1 14½ 3 D 2 4 2 i3 522 E. 2 3 3 4 Fuͤr 100 Stuͤck Schafe in Horden wird die Duͤngung auf 5 Scheffel berechnet, und bei ſechsjaͤhriger Duͤngung der Hordenſchlag zu 4, bei neunjahriger zu ₰, bei zwoͤlfjaͤhriger zu 4, und nur bei dreijaͤhriger zu voll angenommen. der Futterung und des Viehſtandes. 255 Nicolai in den Grundſaͤtzen zur Verwaltung des Domai⸗ nenweſens nimmt vermuthlich nach Benekendorf an, daß von einem Stuͤcke Rindvieh 10 zweiſpännige Hoffuder einem Stuͤcke Jungvieh 5 * u einem Stallpferde 15 ⸗ ⸗ einem Graspferde.„ 7 ½ ⸗ ⸗ 100 Stuͤck Schafen 100 ⸗ 3 erhalten werden. Er nimmt dann ferner an, daß von Schweinen, Federvieh, und durch fleißiges Einſtreuen auf dem Hofe noch halb ſo viel als an Rindviehmiſt erhalten werde. Auf den Morgen rechnet er: vom Rindviehmiſt 20 ſolcher Fuder; vom Pferdemiſt 18„ ⸗ vom Hofmiſt 25„ ⸗ vom Schafmiſt 15 An Dienſtfudern rechnet er um die Hälfte mehr, auch wohl noch einmal ſo viel. Demnach beduͤngte ein Stuͤck Rindvieh. 2 Morgen; ein Stuͤck Jungvieh 4„ ein Pferd auf dem Stalle 3 166 Scaſ 6 ⸗ = = Dieſe zweiſpännigen Fuder koͤnnen nicht einmal zu 1000 Pfund angenommen werden. Denn eine Duͤngung von 20,000 Pfund per Morgen gehoͤrte zu den Sel⸗ tenheiten. Der durch fleißiges Einſtreuen auf dem Hofe erhaltene Miſt zeugt uͤbri⸗ gens von einer ſchlechten Wirthſchaft, und durch ſolchen Miſt wird der Acker betrogen. Fredersdorf in ſeiner Veranſchlagung der Domainen rechnet auf eine Kuh bei guter Futterung, und wenn ihr zur Streu 2 ½ Schock gegeben werden, 6 vierſpaͤnnige Fuder à 25 Centner, bei der Stallfutterung 10 vierſpaͤn⸗ nige Fuder; von einem Pferde, wenn es taͤglich 1½ Bund Stroh erhalt, 7 ½ Fu⸗ der; 19 Schaſe gleich einer Kuh; 4 bis 5 ausgewachſene Schweine gleich einer Kuh. 256 Verhaͤltniß der Duͤngung, Nach Karbe beduͤngen 65 Kuͤhe im Sommer auf der Weide, aber des Nachts auf dem Stalle 100 Morgen; Pferde und kleine Kuͤhe verhalten ſich zu jenen wie 2 zu 3; Ochſen auf dem Stalle gefuͤttert wie 3 zu 2; Maſthammel, die Winter und Sommer vorhanden ſind, beduͤngen 100 Stuͤck 10 Morgen. Nach von Pfeifer giebt eine auf dem Stalle gefutterte Kuh 200 Cent⸗ ner; ein Maſtochſe, waͤhrend ſeiner Maſtzeit 80 Centner. Nach Leopold gaben 4 auf dem Stalle gefutterte Kuͤhe 5o Fuder Duͤnger, deren 6 auf den Acker zureichten. In einer von einem ſehr erfahrnen und aufgeklarten Landwirthe herruͤhren⸗ den Abhandlung(Annalen der niederſaͤchſiſchen Landwirthſchaft, Jahrg. 5., Stuͤck 1., Seite 129.) wird nach angefuͤhrten Gruͤnden das Verhöltniß des Mi⸗ ſtes der verſchiedenen Thiere folgendermaßen angenommen: Wenn der Miſt eines Stuͤck Rindviehs 180 betragt, ſo betragt der Miſt eines Pferdes 178; der Miſt eines Schafes„ 10; der Miſt eines Schweines„ 18. Nach dieſem Verhaͤltniſſe ward der in drei Jahren vom Hofe abgefahrne Duͤnger vertheilt, und es kamen auf ein Stuͤck Hornvieh 7,*89 vierſpännige Fuder; wf ein Pferd ⸗ ⸗ nuf ein Scha ⸗ ⸗ auf ein Schwein„0,776 inn die nach der dortigen Ladungsart wahrſcheinlich 22 bis 2% hundert Pfund gewogen haben. Der Graf Podewils nimmt in ſeinen Wirthſchaftserfahrungen, Zten Bande, nach allgemeinen Durchſchnitten per Morgen 8 Fuder, das vier⸗ ſpaͤnnige Fuder aber nach einer gewiß unrichtigen Schaͤtzung nur zu 10 Centner an, wornach alſo 80 Centner per Morgen kämen. Beſtimmter iſt die Berechnung S. 13, wo auf jeden geduͤngten Morgen 8o Centner Raubfutter treffen, wovon ₰ Heu, 3 Getreideabgaͤnge ſind. Bei gutem Beden hat man angenommen, daß auf 10 Morgen außer dem Arbeitsvieh 1 Stuͤck Rindvieh, und zugleich auf jedem Morgen 1 Schaf gehalten werden der Futterung und des Viehſtandes. 257 werden könne, und zur Duͤngung zureiche. Es wird aber Wieſenwachs im Verhält⸗ niß von 1:5 und zureichende Außenweide dabei vorausgeſetzt. 251. Es fällt von ſelbſt in die Augen, wie unbeſtimmt und wie widerſprechend dieſe Das Verhilt⸗ Angaben ſind. Der hoͤchſt verſchiedenen Ladung des Fuders Miſt nicht zu gedenken, kann durchaus keine Berechnung des Miſtes nach der Kopfzahl des Viehes Statt fin⸗ Kopfzahl des den und der Wahrheit entſprechen, wenn nicht die Futterung, Einſtreuung und Hal⸗ tung des Viehes genau beſtimmt wird. Es laͤßt ſich gar kein Durchſchnittsverhalt⸗ niß von dem Miſte, den die Thiere machen, angeben, weil die Quantitaͤt die aus den Exerementen und dem zur Auffangung derſelben noͤthigen Stroh, bei einer zur volligen Sättigung des Viehes zureichenden Futterung mit ſaftigen Gewächſen, die⸗ jenige ſieben⸗ und acht ach übertreffen kann, die daſſelbe Vieh giebt, wenn es bei duͤrrem Strohfutter eben beſteht. Wenn man erſtern nicht genug einſtreuen kann, um ihnen ein reines Lager zu geben, den Miſt täglich heraus“ oder zuruͤckbringen muß; weil ſonſt, alles Streuens ungeachtet, das Vieh im Moraſte ſtehen wuͤrde, ſo bringt man bei letzterer das vier Wochen lang unter dem Viehe gelegene Stroh nur wenig und faſt wäſſrig angefeuchtet wieder heraus. Die verſchiedene Groͤße und Dick⸗ leibigkeit der Thiere kommt hier zwar in Betracht, aber nur wenn das groͤßere im BVerhaͤltniß ſo viel ſtarker als das kleinere geſuttert wird. 5. 272. Dagegen hat es keinen Zweifel, daß die Quantitat des Důngerz immer mit der Quantitaͤt und der Nahrhaftigkeit des Futters, verbunden mit der Quantität des zur gen die Futte⸗ Auffangung der Abgänge erforderlichen Strohes in Verhaͤltniß ſtehe. Auf andere kuns. Einſtreuungen koͤnnen wir uns hier, wo wir nur von den allgemeinen Wirthſchafts⸗ verhältniſſen ſprechen, nicht verbreiten. Wir bekuͤmmern uns alſo, wenn von Duͤn⸗ gergewinn im Allgemeinen die Rede iſt, weder um die Zahl noch um die Art der Thiere. Die Thiere ſind bloß wie Maſchinen anzuſehen, welche zwar auch nach Verhaͤlt⸗ niß ihrer Groͤße, hauptſächlich aber nach dem Verhaͤltniſſe, wie ſie geſpeiſet werden, die Futterung zum kleinern Theil in eigentliche thieriſche Subſtanz, den bei weitem großern Theil aber in Miſt— worunter wir nicht nur die Abgänge durch den After, ſondern auch die durch den Harn und vlecht auch den niedergeſchlagenen und von der Erſter Theil. Kk Verſuch, die⸗ ſes Verhaͤlt⸗ niß zu beſtim⸗ men. 258 Verhaͤltniß der Duͤngung, Streu wieder aufgenommenen Theil der Ausduͤnſtung verſtehn— verwandeln. Dieſer Miſt beſteht nicht allein aus den Trebern der Futterung, ſondern auch aus den wirklichen Abgaͤngen des thieriſchen Körpers, die immerfort, wenn ſie verbraucht ſind, abgeſtoßen und ausgefuͤhrt, durch neue aber erſetzt werden. Dieſer Miſt hat alſo ſeine vegetabiliſche Natur groͤßtentheils verloren und eine animaliſche angenom⸗ men, welches wir hier nur erwähnen, in der Lehre vom Duͤnger und von der thieri⸗ ſchen Produktion aber genauer auseinanderſetzen werden. Ob ſich die ſolide Maſſe der gereichten und verdauten Futterung in den Excre⸗ menten, ſelbſt im trockenen Zuſtande, vermehre oder vermindere, kann nach den bis⸗ herigen Verſuchen noch nicht beſtimmt entſchieden werden. Letzteres ſcheint wahr⸗ ſcheinlich, indem die Zunahme des Koͤrpers, der Wachsthum der Wolle, der Abſatz der Milch einen Theil davon erfordern. Indeſſen iſt dieſer Theil nur geringe, und es iſt nicht entſchieden, ob nicht das Waſſer, welches das Thier im Getraͤnke zu ſich nimmt, und die eingeſogenen gaſigen Stoffe zum Theil durch den thieriſchen Koͤrper ſo zerſetzt werden, daß ſie feſte Materie bilden. Gewiß aber iſt es, daß das Gewicht der trockenen Futterung vermoͤge der hinzugekommenen Feuchtigkeit durch die Excremeute weit und uber die Haͤlfte uͤberwogen werde, wenn wir dieſe in demjenigen Zuſtande der Feuchtigkeit, worin wir ſie als Miſt betrachten und brauchen, wägen. Die uberfluͤſſige Feuchtigkeit, beſonders des Urins(den wir uns aber nicht als bloßes Waſſer vorſtellen muͤſſen, ſondern der viele ſolide und ſehr kraͤftige auimali⸗ ſirte Theile in ſich enthaͤlt), wird durch die Einſtreuung aufgefangen, und vermehrt die Maſſe derſelben. 6. 273. Das Verhältniß des Miſtes gegen die gereichte Futterung und Einſtreuung zu beſtimmen, hat deshalb große Schwierigkeit, weil ſich der Feuchtigkeitsgrad, der im Gewichte einen ſo großen Unterſchied macht, nicht wohl beſtimmen laßt. Es werden deshalb immer die Reſultate der gemachten Verſuche etwas variren; und den Miſt nach dem Volumen gegen das Volumen der Futterung zu beſtimmen, iſt noch unſicherer, weil es hier außer der Feuchtigkeit noch auf die Zuſammenpreſſung und die Zerſetzung des Strohes und anderer ſaſerigen Theile ankommt, bei deren Fortgange jenes Volumen ſich weit mehr als das Gewicht veraͤndert. Indeſſen ſind die bisher gemachten Verſuche ſowohl im Kleinen— da man die Excremente des der Futterung und des Viehſtandes. Afters zuweilen allein, zuweilen mit dem vom Strohe aufgefangenen Urin zugleich in dem verſchiedenen Zuſtande der Zerſetzung und in dem Feuchtigkeitsgrade, daß der Miſt ohne gewaltſame Zuſammenpreſſung keine Tropfen fallen ließ, abwog— als auch im Großen, wo man die ganze Quantität des ausgefahrnen Miſtes, ſo ge⸗ nau als es ſich im Großen thun ließ, dem Gewichte nach beſtimmt und mit der ſoliden Futterung und Einſtreuung— das Waſſer ungerechnet— verglichen hat, darin ziemlich uͤbereinſtimmend: daß ſich die Maſſe der trockenen Futterung und Einſtreuung zuſammengenommen im Miſte um 2,3 vermehre. Hierbei muß aber eine gehoͤrige Behandlung des Miſtes und eine Einſtreuung gerade in dem Verhaͤltniſſe, wie ſie zur Muffangung der fluͤſſigen Materie noͤthig iſt, beobachtet werden, weil bei zu ſtarker Einſtreuung dieſe nicht gehoͤrig von der Feuch⸗ tigkeit durchdrungen werden, und folglich die Gewichtsvermehrung nicht erhalten konnte, oder aber bei zu weniger Einſtreuung die Feuchtigkeit abfließen wuͤrde. Das gerechte Maaß dieſer Einſtreuung läßt ſich aber wiederum nicht nach der Kopfzahl der Thiere beſtimmen, ſondern ſie haͤngt von der Quantität und Qualität der Futterung und der daraus hervorgehenden Eykremente ab. Die trockenen ſowohl als die ſaftigen Futterungsmittel ſind in ihrer nährenden Kraſt, ſelbſt bei gleichem Gewichte, verſchieden(verglichen§. 206). Mit einem geringern Gewichte der nahrhaftern koͤnnen alſo mehrere Thiere im gleichen Stande wie mit einem groͤßern Gewicht der minder nahrhaften erhalten werden. Wenn nun gleich der Abgang durch den After bei gleich ſtark genährten Thieren minder groß zu ſeyn ſcheint, wenn ſie nahrhafteres Futter in geringerer Quantitat bekommen, als wenn man ihnen minder nahrhaftes, aber in verhaͤltnißmäßig groͤßerer Menge giebt— weil jenes weniger Trebern hinterlaͤßt— ſo ſind doch die eigentlichen Abgänge des thieriſchen Körpers und des Urins nicht im geraden Verhältniſſe mit der geringeren Quantität geringer. Es wird von einem groͤßtentheils mit Körnern genaͤhrten Pferde nicht völlig, aber beinahe ſo viel Miſt gemacht, als wenn es mit bloßem Heu geſut⸗ tert wird und dem Gewichte nach das Doppelte erhaͤlt. Deshalb iſt nicht allein auf das trockene Gewicht der Futterungen, ſondern auch mit auf ihre nahrenden Theile Ruͤckſicht zu nehmen, und was etwa bei nahrhaftem Futter weniger erfolgte, wird ohne Zweifel durch die beſſere Qualität, durch das mehr Animaliſche des der von ſolchen Thieren fällt, erſetzt. Kk 2 Beſtimmung dieſes Vep⸗ haͤttniſſes“ beim Heu und Stroh. 260 Verhoͤltniß der Duͤngung, §. 274. Der verdienſtvolle Hannoͤverſche Ober⸗Landes ⸗Oekonomie⸗Kommiſſarius J. F. Meier war der Erſte, der eine auf gemachte Erſahrungen und Verſuche ge⸗ gruͤndete Formel zur Berechnung des aus dem Futter und der Einſtreuung hervor⸗ gehenden Miſtes angab. Die Gewichtsvermehrung durch die Feuchtigkeit des Urins rechnete er dem Strohe zu, und nahm deshalb, durch Verſuche geleitet, dieſelbe zu 2, an, wenn nämlich nur zur Nothdurft eingeſtreuet wurde, wozu er dann auch das verfutterte Stroh, weil von demſelben wenig oder nichts zur Nahrung des Koͤrpers abgeſetzt wuͤrde, zöhlte. Beim verfutterten Heu nahm er aber die Gewichts⸗ vermehrung, vermoͤge der hinzugetretenen Feuchtigkeit, nur zu 1,6 an, weil von dem Heu mehr zur Ernaͤhrung des Koͤrpers verwandt wuͤrde. Dem Heu gleich ſetzte er das Gewicht ſaftiger Futterungsmittel, nachdem ſie ausgetrocknet waren, jedoch machte er eine Ausnahme bei der Futterung der Koͤrner, denen er eine ſtarkere Miſt⸗ vermehrung, als ſich auf dieſe Weiſe aus ihrer Verfutterung berechnen ließe, zu⸗ ſchrieb, und ihr Gewicht deshalb mit 3 bis 3,7 zu multipliziren vorſchlug. Hiergegen hat ein ſcharfſinniger Verfaſſer in der landwirthſchaftlichen Zeitung, Rechſif unterſchrieben, gegruͤndete Einwendungen gemacht, indem er ſagt, es ſey die Gewichtsvermehrung des Strohes nur der Futterung zuzuſchreiben, und richte ſich nach dieſer, indem das Stroh ohne ſolche trockenes Stroh bleiben wuͤrde. Er nimmt vielmehr an, daß das Stroh durch die Vermoderung verliere, ſcheint aber hierin wieder zu weit zu gehen: denn das Stroh wuͤrde einen zu unbedeutenden An⸗ theil an der Vermehrung des Miſtes gegen die Erfahrung haben; obwohl es an ſich richtig iſt, daß deſſen Gewichtevermehrung aus der Futterung erfolgt, und der Miſt auch ohne alles Stroh durch andere Auffangungs Materialien, allenfalls nur durch Erde aufgenommen werden koͤnnte. Nach den Reſultaten großer und vielfältiger Verſuche bleibt man der Wicklich⸗ keit ſehr nahe, wenn man annimmt, daß ſich das Gewicht des verfutterten Heues und Strohes, und das Gewicht einer maͤßigen, die Notbdurft nicht uͤberſteigenden Einſtreuung— welche jedoch den ſammtlichen Urin aufnimmt— im Miſte durch den Zutritt der Feuchtigkeit um 2,2 vermehre. Und hierauf läßt ſich die Berech⸗ nung der Duͤnger⸗Erzeugung weit ſicherer, als auf der Kopfbahl des Viehes gruͤnden. der Futterung und des Viehſtandes. 261 §. 275 Ungewiſſer ſind wir uber die Maſſe des Duͤngers, welche aus einer gewiſſen Bei anderen Quantität verfutterter ſoftiger Gewaͤchſe erfolgt, weil es uns hieruber noch an zurei⸗ 62 chenden Verſuchen im Großen, mit einer hinlänglichen Zahl von Vieh angeſtellt und ſicht auf ihre lange genug fortgeſetzt, fehlt. Bei mehreren im Kleinen angeſtellten Verſuchen ſcheinen ſich Irrungen eingeſchlichen zu haben, die das Reſultat zweifelhaft machen, wie das hier ſo àußerſt leicht geſchehen kann. Nur in Anſehung der Kartoffeln habe ich bereits einige betraͤchtliche Verſuche vor mir liegen, die mit einer großern Stuͤck⸗ zahl gemacht, und mehrere Monate lang fortgeſetzt ſind. Da aber die Reſultate doch etwas ſchwanken, und ich hoffen darf in kurzem mehrere mitgetheilt zu erhalten, die im jetzigen Winter bei Stapeln von 10, 12 bis 20 Maſtochſen angeſtellt werden; ſo will ich jener Reſultate hier noch nicht erwaͤhnen, um in der Folge aus mehreren einen ſicheren Durchſchnitt ziehen zu koͤnnen. A priori können wir ſchon aus der Nahrhaftigkeit dieſer Gewächſe einen Schluß auf ihre Duͤngerproduktion ziehen. Dieſe iſt nun durch die Erfahrungen bei der Maſtung ſowohl als durch die chemiſchen Analyſen um ſo zuverläſſiger beſtimmt, da die Reſultate beider genau genug uͤbereinſtimmen. Ich wilt daher hier gleich von dieſer Rahrhaftigkeit der gebraͤuchlichſten Gewaͤchſe das weſentlichſte anfuͤhren, weil uns dieſes zu den fernern Berechnungen der Wirthſchaftsverhaͤltniſſe noͤthig iſt; obwohl ich mich erſt ausfuhrlicher daruͤber erklären kann, wenn ich von dem Anbau und der Benutzung dieſer Gewäͤchſe beſonders reden werde. Da das Heu als thieriſches Nahrungsmittel vor allen andern bekannt i und gebraucht wird, ſo werden ſich die ubrigen Futterungsmittel damit am beſten b chen laſſen. Nach den Einhoſſchen Unterſuchungen, die er jedoch noch nicht genugſam voll⸗ endet hielt, um ſie dem Publikum mitzutheilen, haben 100 Theile gutes Heu unge⸗ fähr§0 Theile von ſolchen Materien gegeben, die man als nahrungsfähig an⸗ nehmen kann. Von 100 Theilen guten, nicht wäſſtigen oder nicht ſchwammigen Kartoffeln blieben, nachdem ſie bis zu dem Grade der Trockenheit, worin ſich das Heu befin⸗ det, ausgetrocknet waren 30 Theile; und ſie enthielten an ſolchen Stoffen, die man als ſehr nahrhaft annehmen kann, 25 Theile. Demnach waͤren 100 Pfund oder a6 Verhaͤltniß der Duͤngung, Scheffel Kartoffeln in der Nahrhaftigkeit 50 Pfund Heu gleich zuſetzen. Hiermit ſtimmen auch faſt alle mit der Kartoffelmaſt im Großen gemachten Bemerkungen uber⸗ ein. Denn wenn ein Maſtochſe täglich 60 Pfund einer nicht gar zu waͤſſtigen Kar⸗ toffelart erhaͤlt, ſo gedeiht er dabei eben ſo gut, wie bei 30 Pfund Heu. Die Runkelruͤben hatten nur 8 Prozent ſolcher Stoffe, die man mit Sicherheit als nahrhaft annehmen kann, und 4 Prozent ſchwer zerſetzbare Faſer. Da es in Anſehung der letztern noch unentſchieden iſt, in wiefern ſie zur Nahrung beieragen koͤnne, ſo nehmen wir ihre naͤhrende Kraft zu 10 Prozent an. Die Rotabaga enthielt 12 Prozent beſtimmt nahrhafter Theile und noch 3 Pro⸗ zent ſchwer zerſetzbare Faſer. Mit ihr koͤmmt nn die Steck⸗ oder Kobl· ruͤbe uͤberein. Demnach glichen ſich alſo in der teſtte 100 pſfund Heu, 200 i Kartoffeln, 500 Pfund Runkeln und 370 Pfund Rotabaga. Die beiden letztern liefern aber betraͤchtlich vieles Kraut, was mit verfuttert wird; die Runkeln am meiſten, aber es iſt ſehr waͤſſerig und faſerig. Die Rotabaga wenigeres, aber vielen Eiweißſtoff enthaltendes und deshalb nahrhaſteres. Wenn wir bei der Berechnung dieſer Wurzeln das Kraut ungewogen zugeben, ſo koͤnnen wir ohne Bedenken annehmen, daß 460 Pfund Runkeln und 350 Pfund Rotabaga 100 Pfund Heu und 200 Pfund Kartoffeln gleich kommen. Die genaue Unterſuchung der Waſſerruben hatte Einhof nicht vollendet. Er fand jedoch nach oberflächlicher Unterſuchung und einer beſonders mit der Rotabaga angeſtellten Vergleichung, daß ſie ſich wie 2 zu 3 in Anſehung der naͤhrenden Stoffe zu einander verhielten. Demnach wären 525 Pfund gleich 100 Pfund Heu. Auch in Anſehung der Moͤhren oder Karotten, die zwar viele waͤſſeige Theile, aber auch ſehr vielen nahrhaften Eiweis⸗ und Zuckerſtoff enthalten, können wir nach Einhofs vorlaufigen Unterſuchungen und nach den bei der Maſtung gemachten Beob⸗ achtungen annehmen, daß ſie zu den Kartoffeln in dem Verhältniſſe wie 3 zu 4 ſtehen. Es waͤren alſo 266½ Pfund gleich 100 Pfund Heu. Der Weißkohl oder das Kraut iſt noch nicht unterſucht, wird aber nach den Er⸗ fahrungen bei der Maſtung gegen die Kartoffeln wie 1 zu 3 angenommen. 600 Pfund Weißkohl ſind alſo gleich 100 Pfund Heu. der Futterung und des Viehſtandes. 263 Der Klee, wenn er in ſeinem jungen Zuſtande, bei eben aufbrechender Bluͤthe gemaͤhet wird, trocknet von 100 auf 20 ein. Es hat dann aber ein ſolches Kleeheu, der Erfahrung und unſerer chemiſchen Urterſuchung nach, beträchtlich mehr Nah⸗ rungsſtoff, wie das Heu der Graͤſer in ſich, und insbeſondere, wie das Kraut aller Diadelphiſten, vielen Eiweis⸗ und Zuckerſtoff. Es ſind alſo von jungem Klee 9o Pfund 10o Pfund gewohnlichem Wieſenheu gleich zu ſchätzen. In demſelben Verhältniſſe ſtehen jung gemähete Wicken. Werden ſie aͤlter, ſo erſetzen ſie den mindern, in Blättern und Stengeln enthaltenen Nahrungsſtoff durch die groͤßere Menge und durch die ſchon gebildeten Schoten und Koͤrner. Auch das Luzerne⸗ und Eſparcette⸗Heu anders zu ſchaͤtzen, haben wir keine Ur⸗ ſach. Ob dieſe Futtergewächſe bei der Austrocknung gar nichts verlieren, und ob die⸗ ſelbe Maſſe von Nahrungsſtoff in dem getrockneten Heu zuruckbleibe, die ſie in dem grunen Zuſtande enthalten, ſcheint mir noch nicht ausgemacht. Die Verdunſtung anderer als wäſſciger Theile iſt zwar nicht wahrſcheinlich; indeſſen kann die vorhin leicht auflösbare Faſer nach der Austrocknung unauflöslicher werden. Es ſind alſo in der Futterung als gleich anzunehmen: Heu. Kartoffeln. Runkeln mit Kraut. Rotabaga mit Kraut. Waſſerruͤben. 100. 200. 460. 350. 525. Moͤhren. Weißkohl. Junges Kleeheu. Wickenheu. Luzerne⸗ und Eſparcetteheu. 266. 600. 90. 90. 90. 6 Um nun unſerm Zweck, das Verhältniß des zu gewinnenden Futters und des dar ꝛus erfolgenden Miſtes auszumitteln, näher zu kommen, muͤſſen wir die Quan⸗ titaͤt, die im allgemeinen Durchſchnitte, unter Vorausſetzung eines angemeſſenen Bodens und einer vollkommneren Kultur, von dieſen Futtergewaͤchſen auf einen Morgen gewonnen werden kann, hier vorläufig beſtimmen, obwohl das Genauere bieruͤber erſt in der Lehre von dieſen Gewaͤchſen ſelbſt angegeben werden kaun, wo wir uns dann auch ausſuͤhrlicher über die Gruͤnde der im vorigen F. angegebenen Rahrungsfähigkeit erklären werden. Im Fsſten§. ſind funf Klaſſen von Wieſen nach ihrem Ertrage angenommen worden, und werden zu ſeiner Zeit beſtimmter unterſchieden werden. Die Wieſen der erſten Klaſſen kounmen ſelten vor. Eine gute Wieſe iſt es ſchon, die per Mor⸗ Ertrag der Futterge⸗ waͤchſe und Nahrhaftig⸗ keit derſelben. 26 4 Verhaͤltniß der Duͤngung, gen 1600 Pfund Heu in zwei Schnitten giebt, und dieſen nehmen wir. als den mittlern Wieſenertrag an. Vom Klee hat man per Morgen haͤufig 3o bis 0 Centner angenommen. In⸗ deſſen wird zu dieſer Durchſchnittsannahme ein vorzuͤglicher, mit Humus reich durch⸗ drungener, tiefer, warmer Klaiboden erfordert. Auf gewoͤhnlichen, lehmigſandi⸗ gen Boden, der aber in guter und tiefer Kultur ſteht, und in richtiger Fruchefolge beſtellet wird, kann man im Durchſchnitt der Jahre, bei guter und regelmäßiger Kleekultur, in zwei Schuren 2400 Pfund, bei einer Schur aber 1600 Pfund Heu rechnen, oder fuͤnffach das gruͤne Gewicht. In fruchtbar⸗feuchten Jahren, wo beide Ernten gut gerathen, uͤberſteigt er dieſen Ertrag, faͤllt aber in trockneren Jah⸗ ren, wo leicht ein Schnitt mißraͤth, zuruͤck. Ein gutes dichtes Luzernefeld muß 000 Pfund an Heu geben, wenn ihr Bo⸗ den und Klima, was im noͤrdlichen Deutſchlande nicht haͤufig der Fall iſt, guͤn⸗ ſtig ſind. Die Eſparcette giebt auf ihr geeignetem Boden 2000 Pfund Heu per Morgen. Wicken oder Wickengemenge giebt, wenn dazu friſch geduͤngt worden, reichlich 2000 Pfund Heu. Wenn aber nicht geduͤngt worden, der Boden jedoch noch in guter Kraft iſt, 1200 Pfund. Kartoffeln geben, unter Vorausſetzung eines warmen, tief bearbeiteten und gut geduͤngten Bodens und einer gebuͤhrenden vollſtändigen Kultur(welche Voraus⸗ ſetzung wir auch bei allen folgenden Gewaͤchſen machen), per Morgen 80 Scheffel oder 8000 Pfund uͤber die Einlage. Dies iſt im allgemeinen Durchſchnitte auf Boden von durchgefuͤhrter Kultur faſt zu geringe angenommen, inbem 12000 Pfund, meiner Erfahrung nach, in gewoͤhnlichen Jahren nichts ſeltenes ſind. Wir ſetzen aber dieſe und die uͤbrigen Wurzelgewaͤchſe lieber geringer als hoͤher an, um nicht in den Verdacht einer Vorliebe fuͤr ſelbige zu gerathen, deren ich von Eini⸗ gen beſchuldigt bin. Runkeln geben per Morgen 20000 Pfund an Wurzeln. Rotabaga, Kohl⸗ und Steckruͤben 20000 Pfund. Waſſerruben 06 Mößten Kohl auf Boden, der fur ihn paßt, 36000„ der Futterung und des Viehſtandes. 265 Es iſt alſo im Ertrage in Ruckſicht auf Nahrungsfaͤhigkeit gleich zu ſchaͤßen: Ein Morgen Kartoffeln mit„ 4000 Pfund Wieſenheu. Ein Morgen Runkeln„ 4347 oder rund 4300„ ⸗ Ein Morgen Rotabaga„ 5700„ ⸗ Ein Morgen Waſſerruͤben„„ 3800„ ⸗ Ein Motgen Möhren 6700„„ Ein Morgen Kohl„ ⸗ Ein Morgen Klee in zwei Schnitten„ 2600„ ⸗ Ein Mörgen Luzerne 00 Ein Morgen Eſparcette„ 2200„. Ei Wrgen Wiken 200„ ⸗ ungeduͤngt„ 1300„ ⸗ Dies Alles jedoch, ich wiederhole es, unter den Vorausſetzungen eines dieſen Gewaͤchſen angemeſſenen, durch laͤngere gute Kultur ſchon verbeſſerten und nach Gebuͤhr geduͤngten Bodens. Auch muͤſſen dieſe Ertragsſaͤtze, wie ſich verſteht, im Durchſchnitt der Jahre angenommen werden, indem es immer einzelne Jahre geben wird, wo dieſes oder jenes Gewaͤchs nicht zu ſeiner voͤlligen Ausbildung gelangt, andere dagegen, wo es den gewoͤhnlichen Ertrag bei weitem uͤbertrifft, weswegen es immer auch aus dieſem Grunde rathſam iſt, mehrere Arten dieſer Gewaͤchſe zu⸗ gleich zu bauen, damit das Minus des einen durch das Plus des andern ge⸗ deckt werde. F. 277. Wenn man den Miſt und Urin der mit ſaftigen Futtergewaͤchſen genähr⸗ Verhäleniß, worin die ten Thiere fur ſich auffinge: ſo wuͤrde er ohne Zweifel nicht mit der Maſſe, Nahrhaftig⸗ ſondern mit der Nahrungsſähigkeit dieſer Gewaͤchſe im Verhaͤltniſſe ſtehen. Das keit und die mindere Gewicht der ſolidern wuͤrde durch das mehrere Waſſer, welches die Thiere Miſterieu⸗ dabei geſoffen, erſetzt werden. 200 Pfund Kartoffeln oder 350 Pfund Rota⸗ baga, oder 600 Pfund Weißkohl, oder 50 Pfund Hafer wuͤrden demnach ſo viel Miſt geben, als 100 Pfund Heu, indem auch durch die nahrhaftern ſo viel mehr Thiere erhalten werden koͤnnen. Wenn aber dieſe Exkremente vom Stroh aufgenom⸗ men, und die Gewichtsvermehrung, welche dieſes durch die flͤſſigen Theile erhalt, ſchon fur daſſelbe berechnet wird, ſo moͤchte ſich das Verhaͤltniß des uͤbrigbleibenden Erſter Thell. L1 gung ſtehen. 266 Verhaͤltniß der Duͤngung, wohl etwas veraͤndern, und dasjenige Nahrungsmittel weniger Exkremente aus dem Darmkanal geben, was weniger unaufloslichen Faſerſtoff hat. Deshalb ſind wohl die ſaſtigen Futtergewaͤchſe, nach Verhaͤltniß ihrer Nahrungsfhiglei zum Heu, die⸗ ſem bei der Miſterzeugung nicht voͤllig gleich zu ſetzen. Es fehlt uns hier, wie geſagt, mit den meiſten dieſer Gewächſe noch an ge⸗ nugſamen genauen Verſuchen, und wir haben nur einige mit den Kartoffeln. Nach dem Durchſchnitte der Reſultate dieſer vor mir liegenden Verſuche kann ich annehmen, daß die Quantität des Miſtes, die von ihnen zu erwarten iſt, ſich ergebe, wenn man ihre auf Heu reduzirte Maſſe oder die Haͤlfte ihres Gewichts mit 1,6 multiplizirt. 10o Pfund oder 1 Scheffel Kartoffeln geben alſo 9o Pfund Miſt und 1 Morgen Kar⸗ toffeln, der 80 Scheffel oder 8000 Pfund traͤgt, und 4000 Pfund Heu gleich zu ſchaͤtzen iſt, gebe 7200 Pfund. Da aber das Kartoffelkraut der Miſterzeugung zu Huͤlfe kommt, es werde im gruͤnen Zuſtande zum Theil verfuttert, oder in den Miſt⸗ haufen gebracht, wo es durch die Einſaugung der Jauche dieſelbe Gewichtsvermeh⸗ rung wie anderes Stroh erhaͤlt, ſo koͤnnen wir auf die Kartoffeln einen Miſtgewinn, der ihrem Gewichte gleich iſt, unter der Vorausſetzung, daß das Stroh gehoͤrig be⸗ nutzt werde, beſtimmt annehmen. Da ſich uͤber die andern Futtergewaͤchſe aus Erfahrung noch nichts beſtimmtes angeben laͤßt, ſo werden wir ſie im allgemeinen Durchſchnitt, ihrem Ertrage per Morgen nach, bei der Miſterzeugung den Kartoffeln gleich ſetzen, ohne jedoch der in ihrem groͤßern Ertrage ſteckenden Nahrungskraft etwas zu vergeben. Auch wollen wir vom Klee⸗ und Luzerne⸗Heu, ſeiner groͤßeren Nahrhaftigkeit gegen das Wieſenheu ungeachtet, keine groͤßere Miſterzeugung annehmen. Wir berechnen alſo: Morgen Kartoſſeln und jeder anderen Frucht dieſer Art zu 8000 Pfund Miſt; 1 Morgen Klee in zwei Schnitten zu 5520„ 1 Morgen Klee in einem Schnitte zu 3080„ ⸗ 1 Morgen Luzerne zu„ 1Morgen geduͤngter Wicken zu 600„ 1Morgen ungeduͤngter Wicken zu 2760„ Wohl zu merken ausſchließlich der Gewichtsvermehrung, die ſie im Streuſtroh vorbringen. der Futterung und des Viehſtandes. 26 Im Jahre 1305 erhielt ich durch Verfutterung von 25 Morgen gruͤner Wicken mit der Einſtreuung von etwa 25 Schock Stroh und etwas Kiehnen-Nadeln zu⸗ reichenden Duͤnger, um noch 30 Morgen damit zur Winterung gut ausduͤngen zu koͤnnen. 2 5. 278.— In Anſehung des Strohes, welch's den andern Theil des Miſtes hergiebt, S batten wir vor kurzem noch wenige genaue Data uͤber deſſen Ertrag. Zwar fehlte es uns nicht an Angaben und an allgemeinen Durchſchnitten, wie viel eine Flaͤche Landes von gewiſſer Bodenart an Schocken, Mandeln, Stiegen oder Haufen gebe; auch wie viel Schocke Stroh jeder Kornart in einer Wirthſchaft geerntet worden oder in der Regel erwartet werden können. Aber es fehlte an einer beſtimmten Angabe des Durchſchnittgewichts der Garben und Bunde. Jeder Landwirth, der jemals uͤber ſeine Graͤnze gekommen iſt, weiß zwar, daß hierin eine erſtaunliche Verſchie⸗ denheit herrſche, und daß man hier Garben zu 8 Pfund, dort zu 30 Pfund binde, auch daß die Strohbunde von 10 zu 40 Pfund abweichen. Dennoch glaubte bisher ein Jeder genug geſagt zu haben, wenn er den Einſchnitt ſeiner Ernte nach ſolchen unbeſtimmten Groͤßen angaͤbe. Der Koͤrnerertrag, den man auf gewiſſen Boden und bei gewiſſer Kultur er⸗ warten kann, iſt durch die Erfahrung, nach allgemeiner Ueberzeugung, ziemlich be⸗ ſtimmt feſtgeſetzt, indem er nach einem genauern Maaß angegeben werden konnte und uͤberhaupt mehrere Aufmerkſamkeit darauf verwandt wurde. Deshalb iſt der verdienſtvolle Ober⸗Landes⸗Oekonomie⸗Kommiſſarius Meier meines Wiſſens zu⸗ erſt darauf verfallen, den Strohertrag nach den Koͤrnern auszumitteln. Daß im Allgemeinen ein Verhältniß zwiſchen Stroh und Koͤrnern des eigent⸗ lichen Getreides exiſtire, hat keinen Zweifel und iſt allgemein angenommen. Jeder erfahrne Wirth nimmt einen Satz an, wie viel ein Schock oder eine Stiege von der hergebrachten Große ſeiner Bunde ſcheffeln oder ſchuͤtten muͤſſe, und ſagt bei ſeinem Probedruſche, daß das Getreide in dieſem Jahre entweder gehörig, oder ſtark, oder ſchwach ſcheffele. Die freilich häufig vorkommenden Verſchiedenheiten bei gleicher Kultur und au gleichem Boden ſind alſo Ausnahmen von der Regel. Wenn das Getreide durch fruchtbare Witterung in der erſten Periode ſeiner Vegetation ſich ſtark beſtaudet, dann Ll 2 268 Verhaͤltniß der Duͤngung, mit vielen Halmen in die Hoͤhe ſchießt, nun aber zur Bluͤthezeit entweder gerade ſeiner Geilheit wegen ſich lagert, oder aber in der Periode ſeines Koͤrneranſatzes durch unguͤnſtige Witterung und daraus entſtehende Krankheiten mancher Art an der Voll⸗ endung derſelben verhindert wird, oder auch bei der Ernte einen großen Ausfall er⸗ leidet, ſo wird das Verhaltniß des Korns gegen das Stroh beträchtlich geringer, als gewöhnlich werden. Wenn dagegen unguͤnſtige Witterung die jungen Pflanzen im Beſtauden hindert, oder einen großen Theil toͤdtet, Maͤuſe und Inſekten die Pflanzen zu ſehr verduͤnnen, dann aber eine guͤnſtigere Witterung bei der Bildung der Aehren eintritt, die Bluͤthe, den Koͤrneranſatz und Reifung befordert; ſo iſt das Verhaͤltniß des Strohes zum Korne betraͤchtlich geringer, und man ſagt: ich habe ſchlecht eingeſchnitten, dreſche aber vortrefflich. Es verſteht ſich nun, daß auf dieſe Ausnahme bei allgemeiner Berechnung der Wirthſchaftsverhaltniſſe keine Ruͤckſicht genommen werden koͤnne. §. 279. Dann aber kommt die Art des Bodens und der Beſtellung in Betracht. Es giebt naͤmlich ſolchen Boden, wo im Allgemeinen der Wuchs des Graſes gerade ſei⸗ ner Ueppigkeit wegen dem Anſatze der Koͤrner unguͤnſtig iſt, wo alles Getreide ſich in der Regel lagert und nicht zur Vollkommenheit kommt, oder mit andern Gräſern und Unkrautern ſo durchwachſen wird, daß die Aehren dadurch verduͤnnt werden, und den Koͤrnern die Nahrung entzogen wird. Hier iſt das Verhältniß des Strohes zum Korne in der Regel bei weitem größer, wie in andern Gegenden, wo das Ge⸗ treide minder uͤppig emporſchießt, aber vollſtandigere Aehren bildet und rein von Un⸗ kraut iſt Das letztere wird durch die Kultur ſehr modifizirt, und man findet da, wo entweder gehoͤrige Brachbearbeitung um's dritte Jahr dem Acker gegeben wird, oder wo man andere Sorgfalt auf deſſen Reinigung verwendet, bei wenigerem Stroh einen hoͤhern Koͤrnerertrag, als an Orten, wo man die gehoͤrige Bearbeuung und Fruchtfolge vernachlaͤſſigt, aber auf beſonders ſtarke Duͤngung bauet. Dieſe Verſchiedenheit in Anſehung des Bodens und der Kultur muß man alſo wohl vor Augen haben, wenn man nach der Meierſchen Methode aus dem be⸗ kannten Körnerertrage den noch unbekannten Strohertrag ausmitteln will. In ein⸗ zelnen Wirthſchaften iſt es am ſicherſten, das Gewicht der gewöhnlichen Bunde, deren Zahl doch ein jeder Landwirth weiß, durch Abwägung einiger Schocke auszu⸗ der Futterung und des Viehſtandes. 269 mitteln, und dadurch das Gewicht des eingeſchnittenen Getreides zu beſtimmen. Wenn nun nach verſchiedenen Probe⸗ oder vollendeten Ausdruͤſchen die Quantitaͤt der Koͤrner beſtimmt iſt, ſo wird deren Gewicht, nach dem Gewichte eines Scheffels be⸗ rechnet und abgezogen vom Gewichte des Ernte⸗Einſchnitts, die Maſſe des Strohes und der Abfälle ergeben, und nun, ſelbſt ohne Wiederholung dieſer Prozedur in ge⸗ woͤhnlichen Jahren, der Strohertrag genauer als gewoͤhnlich ausgemittelt wer⸗ den koͤnnen. F. 2801 S Die Meierſchen Angaben des Verhältniſſes zwiſchen Stroh und Korn, die er auf wiederholte Verſuche gruͤndete, und im dritten Bande ſeines Werks uͤber die Gemeinheitstheilungen angegeben hat, zuerſt aber in den Annalen der niederſächſi⸗ ſchen Landwirthſchaft bekannt muchte, haben die Aufmerkſamkeit vieler Landwirthe erregt, und einige haben ihre Beobachtungen daruͤber in Schriften bekannt gemacht. Zu dieſen gehoret bisher zwar nur noch der ſcharfſinnige Amtsrath Karbe in ſeiner Einfuͤhrung der Wechſelwirthſchaft, der Graf von Podewils in ſeinen Wirthſchaftserfahrungen, von Blankenſee in ſeinem prakti⸗ ſchen Handbuche, der Konſiſtorialaſſeſſor Leopold, und einige andere Ver⸗ faſſer in den Annalen des Ackerbaues; und ihre ſaͤmmtlichen Verſuche ſind bei einer Sache, die ſo großen Verſchiedenheiten unterworfen iſt, zu klein, mit zu wenigen Mandeln angeſtellet. Mehrere haben mir aber daruͤber ihre Bemerkungen privatim kommunizirt, und ich behalte mir vor, ſie im Vergleich gegen einander und mit denen, die ich ſelbſt und meine Schuͤler hier in mehrern Jahren gemacht haben, an einem andern Orte vorzulegen⸗ Hier ſey es genug, zu ſagen, daß die Uebereinſtimmung auf den meiſten Boden⸗ arten— den ungewoͤhnlichen z. S. hier den Oder Bruchboden ausgenommen— bei reinlicher Kultur, obwohl ſehr ungleichem Ertrage, in Anſehung dieſes Verhält⸗ niſſes in jedem einzelnen Jahre ſehr groß iſt. Die Jahre 1805 und 1806 zeichneten ſich, erſteres durch ein ungewoͤhnlich kleines Verhältniß des Korns zum Stroh, das letztere durch ein ſehr großes aus; aber der Boden vom lehmigen Sande ab bis zum wahren Klai, machte darin geringen Unterſchied. Dies ſcheint vielleicht auffallend wegen der großen Verſchiedenheit in der Laͤnge und Stärke des Strohs, allein es ſtimmt mit dieſem die Lange und Vollheit der Aehren bewundernswurdig uͤberein. Wie viel nach dem Korne an Stroh, und wieviel aus dieſem an Miſt zu er⸗ warten ſey. 270 Verhaͤltniß der Duͤngung, Wenn Bunde von gleicher Schwere bei kurzhalmigem und langhalmigem Getreide ge⸗ bunden werden, ſo wuͤrde auch der Ausdruſch ſich ſehr gleich ſeyn, und die Verſchie⸗ denheit deſſelben nach der Mandelzahl liegt bloß in der Verſchiedenheit der Schwere der Bunde. Iſt das Stroh duͤnner, ſo ſind auch die Aehren kleiner, und enthalten ſo viel weniger Koͤrner. Bindet man durch zuſammengeknuͤpfte Baͤnde und durch Knebeln Bunde von gleicher Dicke, ſo wird man von den duͤnnern Halmen der Zahl nach ungleich mehrere faſſen, aber an denſelben nicht mehrere Koͤrner, als von den wenigern Halmen des dickſtrohigen Getreides haben. F. 281. Zufolge aller groͤßeren Beobachtungen ſchwankt das Verhaͤltniß des Korns zum Stroh: Beim Rocken zwiſchen„ 38 und 42 zu 100. Beim Weizen zwiſchen 48„ 52„ 10o. Bei der Gerſte zwiſchen 62„ 64„ 100. Beim Hafer zwiſchen. 60„ 62„ 1oo. Bei den Erbſen iſt es unbeſtimmter, und der Anſatz der Schoten ſteht bekannt⸗ lich in ſehr verſchiedenem Verhaͤltniſſe gegen das Kraut. Auch koömmt der Ausfall, den ſie ſo leicht bei der Ernte erleiden, hierbei in Betracht. Graf Podewils fand das Verhaͤltniß bei ihnen wie 5 zu 21. Ich glaube, wenn man ein Verhaͤltniß haben will, es im Ganzen wie 35 zu 100 annehmen zu muͤſſen, wenn die Erbſen gehoͤrig angeſetzt haben.. Sicherer wird man aber hierbei gehen, wenn man das Stroh von einem Morgen Erbſen im Dung zu 2000 Pfund annimmt, indem der Strohertrag bei dieſer Frucht weit beſtaͤndiger als der Koͤrnerertrag zu ſeyn pflegt. Auf gleiche Weiſe wird es ſich auch wohl bei den Wicken verhalten. Wenn da⸗ her 1 Scheffel guter Rocken etwas gehaͤuft, ſo wie er in der Haushaltung und beim Verkauf gemeſſen wird, 86 Pfund wiegt, und das Korn zum Stroh ſich im Mittelſatze wie 40 zu 100 verhaͤlt, ſo giebt ein Morgen Rocken: bei 3 Scheffel Ertrag 645 Pfund Stroh, und daraus erfolgen 1483 Pfund Miſt. 1 860 ⸗ ⸗ ⸗ 1978„ 5„ 1075 ⸗** 6 2472. ⸗ „ 2 ⸗ ⸗ 26 ⸗ ⸗ 1505 ⸗„3 336 ⸗ der Futterung und des Viehſtandes. 271 bei 8 Scheffel Ertrag 1720 Pfund Stroh, und daraus erfolgen 3056 Pfund Miſt. 9. 1935 ⸗.„„ ⸗ 4450.. „10 ⸗ 2150„ ⸗ ⸗ 4945 ⸗ 2365„ ⸗ ⸗ 53„ 2 2580„ ⸗ ⸗ 5934„* Wenn 1 Scheffel Weizen 92 Pfund wiegt, und das Korn ſich zum Stroh ver⸗ hält wie Zo zu 100, ſo giebt ein Morgen: bei 3 Schfl. Ertrag an Stroh 352 Pfund, und daraus gen 1269 Pfund Miſt. ⸗ 35„ ⸗ 16 ⸗ 5..„ 920 2116* „ ⸗ ⸗ ⸗ 2539„ ⸗ „ ⸗ 2962 ⸗ 8. ⸗„ 1472„„ 3385 ⸗ 9— ⸗ ⸗„ 3808„ ⸗ 0 sa 1840„„ 22. 11.„„ 2024„ ⸗ 4655 ⸗ 3 12„„ 2208„ ⸗„„ 5078 ⸗„ Wenn ein Scheffel Gerſte 68 Pfund wiegt, und das Korn ſich zum Stroh ver⸗ haͤlt wie 60 zu 100, ſo giebt ein Morgen Gerſte: bei 3 Scheffel Ertrag Stroh 300 Pfund, und daraus erfolgen 690 Pfund Miſt. 4—„ 400* 5 ⸗„ 920„„ 5 ⸗* 500„ ⸗ 8 1150 6 6 ⸗ ⸗ 600„ ⸗„ 13850 ⸗ 7„ ⸗ 700 ⸗ ⸗ ⸗„ 1610„ ⸗ 8 ⸗. 1860 ⸗ ⸗ ⸗ ⸗ 1840 ⸗„ 9„„ ⸗ 900„ ⸗ ⸗ 2070—— „ 10 5„ 1000.„„ 2300* 11„ 1100*„ 2530 ⸗ 1860 ⸗ ⸗ ⸗ Wenn 1 Scheffel Hafer 32 Pfund wiegt, und das Korn zum Stroh ſich ver⸗ bält wie 6o zu 100, ſo giebt ein Morgen Haſer: Der Weide⸗ miſt. 272 Verhaͤltniß der Duͤnguns, bei 3 Scheffel Ertrag 298 Pfund Stroh, und daraus erfolgen 303 Pfund Miſt⸗ „ ℳ 8 344„*„ 791—. 5. 2 430. ⸗. ⸗ 989 ⸗ 6 ⸗ 51¹6„„ 5„ 1186 5„ „ 7„ 602„ ⸗„ 1384„— 8 ⸗„ 688 ⸗„„. ⸗ ⸗ 5* ⸗ ⸗„. 1780 ⸗„ „10 ⸗. ⸗ 1978„ ⸗ ⸗„ 946 ⸗„ ⸗ 15 ⸗„ u 5 — v W „42 ⸗„1032 2373 S. 282. Es iſt bei dieſen Saͤßen der Miſtgewinnung aber immer anzunehmen, daß das Verhältniß des Streuſtrohes, oder wo dies nicht zureicht, eines andern Streu⸗ ſurrogats zu den eigentlichen Nahrungsmitteln ſo ſey, daß es die ſammtlichen Exkre⸗ mente gehoͤrig auffaſſe, aber auch genugſam davon durchdrungen, getränkt und in den Stand geſetzt werde, daß es ohne aͤußere Feuchtigkeit in die beabſichtigte Fäulniß uͤbergehen koͤnne; auch daß aller Abgang durch Abfluß der Jauche und Ausſpuͤlung durch Regenwaſſer verhuͤtet, und der Miſt moglichſt zuſammengehalten werde. Die⸗ ſer gemengte animaliſch vegetabiliſche Miſt wird dann in dem Zuſtande angenommen, wo er den Zeitpunkt ſeiner hitzigen Gaͤhrung eben überſtanden hat, das Stroh zwar muͤrbe geworden, aber doch noch nicht zerfallen iſt: kurz in dem Zuſtande, worin man ihn nach der Erfahrung aller praktiſchen Ackerbauer am vortheilhafteſten auf lockern Acker fahrt. Wollte man ihn ganz friſch, oder nachdem er ſchon voͤllig zer⸗ gangen und das Strohige faſt ſämmtlich aufgeloͤſ't wäre, wiegen, ſo wuͤrde dieſes Gewichtsverhaͤltniß nicht zutreffen. Die Beſtimmung Feuchtigkeitszuſtandes iſt ſchon oben§. 221. gegeben. F. 283. Um den Miſt auszumitteln, den die Nahrung auf der Weide giebt, hat man denjenigen gewogen, den eine gut genährte Weidekuh auf einer reichlichen Weide auswarf, und gefunden, daß er in 24 Stunden 37 Pfund im Durchſchnitt, oder in 5 Monaten oder 153 Weidetagen 5561 Pfund betrug. Auch hat man den Miſt des der Futterung und des Viehſtandes. 273 des Tages und der Nacht abgeſondert gewogen, und jenen 21 bis 23 Pfund, dieſen 15 bis 15 ½ Pfund ſchwer gefunden. Dieſer Weidemiſt geht fuͤr die Wirthſchaften voͤllig verloren, die ihr Vieh Tag und Nacht auf Außenweiden laſſen, kommt dagegen denen einigermaßen zu Nutzen, welche mit ihrem Acker zur Weide und Fruchtbau wechſeln, jedoch nie in dem Maaße, als wenn er im Stalle mit Stroh aufgefangen und gehoͤrig zuſammengehalten wäre. Ein betraͤchtlicher Theil verwittert davon, verſtaͤubt und wird durch Inſekten zerſtört, jedoch— wie die auf ſolchen Stellen entſtehenden Geilhoͤrſte beweiſen, und die hoͤhere Fruchtbarkeit der Ruhe⸗ und Milchſtellen des Viehes auf Weidekoppeln— nicht ſo ganz, wie Manche behauptet haben. Dieſer Duͤnger bei der Schlagweide⸗ wirthſchaft, wo man das Vieh in der Regel Tag und Nacht draußen zu laſſen pflegt, iſt ſchon mit unter der Dungkraft, die wir der Ruhe beimeſſen, begriffen. Wenn aber das Vieh des Nachts in den Stall oder auf den Miſthof kommt, ſo muß der naͤchtliche von der Weide hergeholte Duͤnger dem Miſthaufen allerdings zu gute kommen, und wir werden fur eine reichlich genaͤhrte Kuh dafuͤr 2500 Pfund, bei einer ſchwach genährten— wie es ſolche Weidekuͤhe gewoͤhnlich zu ſeyn pfle⸗ gen— 1500 Pfund annehmen koͤnnen; das eingeſtreuete Stroh, wie ſich verſteht, beſonders gerechnet. §. 284. Wir machen in Hinſicht des Duͤngers, der aus dem konſumirten Futter und Vie⸗ Streu erfolgt, bei der allgemeinen Berechnung zwar keinen Unterſchied unter der hes bei Be⸗ Art des Viehes, welches darauf gehalten wird. Indeſſen muß doch Folgendes 2 iſtgewinne daruͤber bemerkt werden. in Betracht Abgemagertes und entkräftetes Vieh giebt von derſelben Futterung nicht ſo vie⸗ in len und ſo kraͤftigen, ſo ſtark animaliſirten Duͤnger, als wohl genaͤhrtes und ſtarkes Vieh. Die Schafe geben einen Duͤnger von derſelben Futterquantität, womit man weiter reicht, als mit dem Rindviehduͤnger, der dagegen aber auch ſo viel minder nachhaltend iſt. Einen entſchiedenen Vorzug ſcheinen ſie aber bei dem Weidedünger zu haben. Ihr auf die Weide ſelbſt fallender Duͤnger thut groͤßere Wirkung, ver⸗ Erſter Theil. Mm Vergleichung mit anderen Annahmen. 274 Verhaͤltniß der Duͤngung, theilt ſich nicht nur gleichmaͤßiger, ſondern ſcheint auch minder zu verſtieben, ſich mehr mit dem Boden zu verbinden und ſchneller auf die Vegetation zu wirken. Wer⸗ den ſie von der Weide des Nachts in Horden gelegt, oder auch in den Stall gebracht, ſo betraͤgt dieſer naͤchtliche Duͤnger mehr als der vom Rindvieh, wenn man nämlich beiden einen gleichen Weideraum zumißt. Daher hat man in England auffallend be⸗ merkt, daß Schafweiden, worauf man das Vieh, nach dortiger Gewohnheit, auch des Nachts laͤßt, ſich von Jahr zu Jahr verbeſſert haben, jährlich mehrere Schafe ernaͤhren koͤnnen, und dann umgebrochen an Kraſt weit mehr als Kuhweiden gewon⸗ nen hatten, wogegen letztere, auf wärmerem und trocknerem Boden, nach dem drit⸗ ten oder vierten Jahre im Graswuchſe mehr ab⸗ als zunehmen. Beim Horden oder Pferchen der Schafe nimmt man an, daß 1200 Schafe in einer Nacht eine ſchwache Duͤngung, die einer ſchwachen halben Stallmiſtduͤngung gleich kommt, 1800 Schafe eine maͤßige Duͤngung, 2400 Schafe eine ſtarke, nur bei beſonderen Fruͤchten anwendbare per Morgen geben. Wenn 10 Schafe auf der Weide einer Kuh gleich geachtet werden, und eine Kuh in einer Nacht 15 Pfund Duͤnger giebt, ſo werden 180 Kuͤhe nur 2700 Pfund, 240 Kuͤhe 3600 Pfund Miſt geben, wodurch kein Morgen beduͤngt werden konnte. Dagegen bleibt aber die Duͤngkraft laͤnger im Acker. §. 289. um den Verſuch zu machen, wie dieſe Berechnung des Miſtes, unmittelbar auf die Futter⸗ und Strohkonſumtion gegruͤndet, mit denen Berechnungen zuſammen⸗ ſtimme, die nach der Kopfzahl des Viehes gemacht worden, wollen wir einige der letztern, die auf große Erfahrungsdurchſchnitte, aber freilich zu wenig beſtimmt, ge⸗ gruͤndet ſind, damit vergleichen. Die dem§. 223. beigefugte Duͤngungstabelle bezieht ſich zunächſt auf die in der Kur⸗ und Neumark bei Veranſchlagungen angenommenen Futterungsprinzipien. Nach dieſen wird folgendes auf die verſchiedenen Vieharten gerechnet.(Eine Man⸗ del Winterung zu 200 Pfund, und eine Mandel Sömmerung zu 140 Pfund, bei dem hier uͤblichen ſtarken Bande, angenommen.) der Futterung und des Viehſtandes. 27 75 Sommer⸗ Winterſtroh.] ſtroh. Heu. Pfund.„ Pfund. Pfund. Auf einen großen Ochſen* 3600 1680 1650 Auf einen Mittelochſen 3 3000 1400 1375 Auf einen kleinen Ochſen 2400 1120 1100 Auf eine große Kuh 2 1800 1260 1320 Auf eine Mittelkuh 5 ². 1500 1050 1100 Auf eine kſeine Kuh. 1200 840 880 Auf ein Pferd, das beſtaͤndig auf dem Stalle gefuttert wird.*. 4800— 260 Nach unſern Prinzipien wird alſo an Miſt geben: Vom Futter Beduͤngt und Miſt. à Stroh. 10000 Pfd. Pfund. Pfund. Morgen. Ein großer Ochſe. 6930 15939 Ein Mittelochſe 5775 13282 1 12 Ein kleiner Ochſe. 4620 5 Eine große Kuh.. 4380 1007½ 1 Eine Mittelkuh 3650 8375 0, 62 Eine kleine Kuh. 4 2865 6589 o, 66 Ein Stallpferd 0 1568 Das harte Futter rechnen wir bei letzterem fuͤr die Zeit, wo es außer dem Stalle iſt. Wenn man nun nach den verſchiedenen ſtrohreichen und ſtroharmen, in jener Tabelle angenommenen Gegenden und zureichenden uͤberfluͤßigen und mangelnden Heugewinn, großes, mittleres und kleines Vieh ſupponiren muß, auf kaltem Boden 20 bis 22 Metzen Einfall per Morgen, auf warmem Boden 18 bis 19 Metzen annimmt, auf jenem eine etwas ſtaͤrkere Duͤngung, etwa von 12000 Pfund, auf dieſen eine ſchwächere von 9000 Pfund ſich denst, ſo wird man die Vergleichung auf einzelne Stuͤcke und das ihnen beſtimmte Futter leicht machen koͤnnen. Wollen wir Mm 2 76 Verhaͤltniß der Duͤngung, aber den allgemeinen Durchſchnitt des vorgenannten Viehes und ſeiner Futterung an⸗ nehmen, wie in jener Tabelle geſchehen iſt, ſo beduͤngt ein Stück 1,00 Morgen. Nach der Inſtenktion, wie bei der Veranſchlagung der Arenden bei den Domai⸗ nenamtern in Preuſſen zu verfahren iſt, hat man folgende Säaͤtze als der Erfah⸗ rung im Großen gemãß angenommen. Auf 2] bis 2 ½ Morgen jährlich zu beſaͤenden Landes der erſten und zweiten Klaſſe des Ackers; auf 2 ½ bis 3 ½ Morgen der dritten Klaſſe und auf bis 5 Morgen der vierten Klaſſe rechnet man Strohgewinn für ein Stuͤck ſogenanntes Großvieh (worunter man ſich, wie aus allen uͤbrigen Angaben erbellt, kleine Graspferde, kleine Ochſen und Kuhe denken muß). Dies iſt alſo halb Wmterung, halb Soͤmmerung. Wenn wir in der erſten und zweiten Ackerklaſſe den Ertrag zu 9 Scheffel per Morgen annehmen, ſo erfolgt von 1 ½ Morgen Rocken à 1935 Pfund.. 2418 Pfund Stroh. von 1 ½ Morgen Gerſte à 900 Pfund. 125 dazu an Heu 12 Centner.. 1320„ 4863 Pfund. Hieraus erfolgen an Miſt 11126 Pfund. Wenn man aber 3 Morgen à 7 Scheffel Ertrag aus der dritten Klaſſe annimmt, ſo erfolgen von 1 ½ Morgen Winterung.. 2257 Pfund, und 1 ½ Morgen Sommerung.. 1050„ dazu Heu⸗ 12 Centner... 130 4627 Pfund. Hieraus erfolgen 10642 Pfund Miſt. Nun werden auf ein Stuck Vieh 10 vierſpaͤnnige Fuder Miſt daſelbſt berechnet, die nach Verhaͤltniß der uͤbrigen Arbeit dortiger Pferde zu 1000 Pfund hoͤchſtens an⸗ genommen werden konnen, und es werden auf einen Morgen 15 ſolcher Fuder berech⸗ net, welche auch bei der, wie es ſcheint, dort ublichen neunjaͤhrigen Duͤngung erfor⸗ derlich ſind. Folglich beduͤngen 1 ½ Stuͤck1 Morgen. Je mehrere Angaben vom Duͤngergewinn nach der Kopfzahl des Viehes, die aus zuverläſſigen großen Durchſchnitten genommen ſind, man mit unſern Satzen vergleicht; um ſo mehr Uebereinſtimmung wird man finden, aber auch gewahr wer⸗ der Futterung und des Viehſtandes. 277 den, daß dieſe Berechnung aus dem Futter⸗ und Strohgewinn weit beſtimmter und auf die unendlich mannigfaltigen Verhaͤltniſſe paſſender ſey; weswegen wir ſie in der Folge zum Grunde aller unſerer Wirthſchaftsberechnungen legen werden. 5. 286. Es kömmt bei dieſer Berechnung des Duͤngergewinnes aus dem Viehfutter zwar Vertheilung weder die Kopfzahl, noch die Gattung des Viehes, die darauf gehalten werden kann, 6. in Betracht. Auf welche Weiſe man die gewonnene Futterung am vortheilhafteſten konſumire, und durch die Rutzung des darauf gehaltenen Viehes unter allen gegebe⸗ nen Umſtänden den Duͤnger am wohlfeilſten ſich verſchaffe, kann erſt bei der Lehre von der thieriſchen Produttion auseinandergeſetzt werden. Indeſſen iſt es doch bei der unterſuchung der okonomiſchen Verhältniſſe zu wiſſen noͤthig, wie vieles Viehes man bedarf, um dieſes Futter wirklich zu konſumiren, oder wie viele ſolcher lebenden Ma⸗ ſchinen nothig ſind, um es gehörig zu verarbeiten. Dieſe Frage, die ſonſt voranzuge⸗ hen pflegt, folgt bei uns erſt nach, und ſelbſt in der Praris waͤre es gut, wenn man ſich zuerſt um den Futtergewinn bekuͤmmerte, und dann erſt auf das zu haltende Vieh dächte, welches ſich immer weit leichter als deſſen Futterung findet. Die Angaben uͤber den Futterbedarf ſind ſo mannigfaltig, als auffallend ver⸗ ſi ſchieden. Man glaubt kaum, daß von derſelben Thierart die Rede ſcy. Aber welch gaben des Fut⸗ ein Unterſchied iſt es auch zwiſchen einem kleinen abgemagerten, auf der duͤrren terbedarfs auf Brachweide oder in der Waldung ſich herumſchleppenden Stuͤcke Rindvieh, und einem auf dem Stalle reichlich gefutterten oder in der Niederung weidenden. Man hat Ochſen, die im Schlaͤchtergewicht 200, und andere, die 2000 Pfund wiegen. Es waͤre abſurd, beiden eine gleiche oder doch wenig verſchiedene Futterquantität beimeſſen, und eine gleiche Duͤngermaſſe von ihnen erwarten zu wollen. Wir haben geſehen, was man an Winterfutter nach den gewoͤhnlichen An⸗ ſchlagsprinzipien auf das Vieb verſchiedener Art und Große ausſetzt, und betrachten deshalb nur noch die Angaben einiger andern. Von Benekendorf rechnet auf einen Zugochſen täglich 1 Scheffel Häckſel von Sommerſtroh, den er zu 8 Pfund annmmt, auf eine Kuh 4 Scheffel.— 3 Scheffel Gerſte und Haferaus ſaat gebe 319 Scheffel Haͤckſel, und da die Winter⸗ futterung 165 Tage daure, konnen auf 3 Scheffel Sommerausſaat 2 Stuͤck Rind⸗ 278 Velhaͤltniß der Duͤngung,. vieh gehalten werden. Das Rocken⸗ und Erbſenſtroh ſey fuͤr die Schafe. Auf Stroh, ſagt er, komme es lediglich bei Beſtimmung der Viehhaltung an; denn die Sommerweide werde durch Stallfutterung mit Klee erſetzt, und Heu ſey beim An⸗ bau der Wurzelgewaͤchſe entbehrlich.(Aber wie viel Klee und Wurzelgewaͤchſe er⸗ bauet werden ſollen, iſt eben die große Frage.) Sonſt rechnet er an Heu auf einen Zugochſen 5 Monate, vom iſten Januar bis 1ſten Junius, taͤglich 12 Pfund, anf eine Milchkuh, neben Bruͤhfutter und Anmengſel, jährlich 13 Centner, ohne An⸗ mengſel 18 Centner, auf Jung⸗ und Guͤſtvieh neben Anmengſel 7 Centner, ohne ſolches 11 Centner. Nach Karbe erhaͤlt ein Zugochſe in 240 Wintertagen taͤglich an Stroh 4800 Pfund. 4 Metzen behackte Fruͤchte= 60 Scheffel jaͤhrlich.— Wenn die behackten Fruͤchte zu Ende gehen, täglich 30 Pfund an Kaff, Heu, Haͤckſel und Streu. Alſo vermuthlich einen Zuſatz von 10 Pfund Heu ſtatt der Wurzelgewaͤchſe, welches alſo, wenn dieſe ganz wegfielen, 2400 Pfund jährlich betragen wuͤrde. Eine Milchkuh in 190 Wintertagen bekommt Heu und Stroh zum Futter 18 Pfund, zur Streu 2 Pfund= 3800 Pfund jaͤhrlich; daneben täglich 4 Metzen Wurzelgewaͤchſe, jaͤhrlich 50 Scheffel. Im Sommer 3 Morgen Klee⸗ und Gras⸗ weide auf 175 Tage, und die Nacht an Streu 2 Pfund= 350 Pfund jährlich. Ein Maſtochſe bekommt in 112 Tagen, wo die Maſtung im Durchſchnitt vollendet iſt: 10 Pfund Haͤckſel = d Stroh. n een= 134 pfun Strob 8„ Hen 30 ſüns 8 bis 9 Metzen Wurzelgewaͤchſe= 60 Scheffel. In meiner Ausgabe von Bergens Anleitung zur Viehzucht habe ich eine Tabelle mitgetheilt, von der Futterung, welche meine Kuͤhe— zu der Zeit, wie ich das möglich ſchwerſte Niederungsvieh auf dem Stalle hatte— ein Jahr hindurch erhielten. Es kam auf das Stuͤck der Futterung und des Viehſtandes. 279 Reduzirt auf Heu. „ Weißkohl 4890 Pfund 815 Pfund. — „ Kartoffeln 3900„ 1950„ . 462 Gruͤner Klee 14080„ 3120 .. 1660 ⸗ Futterſtroh... 1 Streuſtroh. 556 14321 Pfund, woraus dann 32938 Pfund Miſt oder etwas uͤber 16 Fuder à 2000 Pfund nach un⸗ ſerer Berechnung erfolgen mußten und wirklich erfolgten. Hierbei hatte nun das Vieh zu ſeiner voͤlligen Saͤttigung freilich genug, litt aber keinesweges an Unver⸗ daulichkeit. Zum Beweiſe deſſen gab dieſer Viehſtapel per Stuͤck das ganze Jahr im Durchſchnitt 10 Hannoͤverſche Quart Milch(gleich 8 Berliner Quart) täglich, oder jede Kuh durch's Jahr 3650 Hannoverſche oder 2920 Berliner Quart. Dieſe ungleichen Futterungsſaͤtze moͤgen zureichen, um zu beweiſen, daß das Rindvieh von ſehr Wenigem zur Noth leben, aber auch ſehr Vieles verzehren koͤnne. Es wird aber letzteres durch Nutzung und durch Miſt bis auf einen gewiſſen Punkt reichlicher bezahlen, wie erſteres. Ich habe indeſſen nachmals eine ſo ſehr ſtarke Fut⸗ terung, die das große Niederungsvieh, wenn es den moͤglich hoͤchſten Ertrag geben ſoll, erfordert, und folglich dieſes Vieh nicht vortheilhaft gefunden, woruͤber ich mich an einem andern Orte erklären werde. Um einen allgemeinen Durchſchnittsſatz anzu⸗ nehmen, auf wie viel Futter und Stroh ein Stuͤck Rindvieh mittlerer Art oder von großer Hoͤherace am vortheilhafteſten gehalten werden koͤnne, nehme ich an, daß eine gute Milchkuh und ein Zugochſe jaͤhrlich an Stroh, zum Freſſen und zur Ein⸗ ſtreuung, bei der Stallſutterung 4500 Pfund und an Heu,— die ſammtlichen gruͤ⸗ nen Futtergewaͤchſe auf ſelbiges reduzirt,— ebenfalls 4500 Pſund erfordere; beim Weidegange aber, jedoch naͤchtlicher Einſtallung, an 4000 Pfund Stroh und 2800 Pfund auf Heu reduzirter Futtergewaͤchſe genug habe. Hieraus wuͤrden im PVerhältniß der Weide. 280 VBerhaͤltniß der Duͤnsung, erſten Falle 20700 Pfund Miſt, oder etwas uͤber 10 Fuder, im Falle 15640 Pfund oder 7½ Fuder Miſt erfolgen. Ein Ackerpferd auf dem Stalle erfordert bei zureichendem Körnerfutter 7500 Pfund Rauhfutter, wovon ₰ als Heu, 3 als Stroh anzunehmen. Noch abweichender von einander finden wir die Winterfutterung der Schafe an⸗ gegeben. In den angefuͤhrten Tax⸗Prinzipien finden wir auf 100 Schafe, wenn ſie im Winter wenig ausgehen, 4950 Pfund; und wenn ſie ausgehen, 3850 Pfund Heu beſtimmt. Eine veredelte Schaͤferei erhielt dagegen auf 100 Stück Mutterſchafe 16600 Pfund Kleeheu, 5500 Pfund Erbsſtroß; „ ⸗ Jaͤhrlinge 22000„ ⸗—„ —„ Zeitſchafe 5500„ 16000„ ⸗ *„ Hammel—„ ⸗ 22000„ ⸗ 44100 Pfund Kleeheu, 44100 Pfund Erbsſtroh. Alſo im Durchſchnitt auf 100 Stuͤck 11025„ ⸗ ⸗ ohne das ubrige Stroh. Die Kunersdorſſche Schaferei erhielt auf 466 Stuͤck im Jahre 1804: Heu„ 1200 Zentnerz Pferdebohnen 4½ Winſpel; Erbſen„ 1 Winſpel 22 Schefſel; Paſet 7½ Scheffel; Helkuchen 330 Stuͤck. Annal. d. A. III. 6. Welch ein enormer Unterſchied! F. 288. um die Weide zu beſtimmen, welche eine Kuh erfordert, lege ich nebenſtehende vom Ober⸗Landes⸗Oeconomie · Commiſſarius Meier entlehnte Tabelle zum Grunde, in welcher die weſentlichſten Umſtände, worauf es dabei ankommt, unterſchieden ſind. Zuvoͤrderſt muß ich bemerken, daß hier von der ſogenannten Dreeſchweide oder ruhendem Acker die Rede iſt, und daß Kuͤhe kleiner Art, wie ſie in den Mecklenbur⸗ giſchen Hollaͤndereien gewoͤhnlich ſind, verſtanden werden. Der Erſter Band. Seite 291 gegenuͤber. W ²8. Von der Dreeſch⸗ und Ackerweide gehen auf Eine Kuhweide, wenn die Laͤnderei im Koͤrner⸗Ertrage iſt S8 8 Weidejahre,„ 22 wie ſie nach Ablaufſ öfaͤltig und daruͤber 5zfältig 5faͤltig 42faͤltig qfaͤltig 3½ fältig Zfaͤltig 22faͤltig 85½ der Saatjahre und zur Weide und zur Weide und zur Weide und zur Weide und zur Weide und zur Weide und zur Weide und zur Weide 225 Sieinandesnen gut. mittel. ſchlecht.j gut. mittel. ſſchlecht. gut. mittel. ſchlecht.ſ gut. ſ mittel. ſchlecht. ſ gut. mittel. ſſchlecht. gut. mittel. ſſchlecht.] gut. ſmittel. ſſchlecht.] gut. ſmittel. ſchlecht. Fahre. Morgen. Morgen. Morgen. Morgen. Morgen. Morgen. Morgen. Morgen. Morgen. Morgen.; Morgen. Morgen. Worgen. Morgen. Morgen. Morgen. Morgen. Morgen Morgen. Morgen. Morgen.] Morgen. Morgen.] Morgen. ſrſtes Weidejahr ſ2 2 ½ 23½ 2 ½ 2½ 3 2½ 3 3½ 3 33 33 32 33 4 33 4 4 ½ 4 4⁸ 43 4½ 5 54½ 2tes ⸗ 1 2½ 2 ½ 2½ 2½ 2 2 ½ 26 32 2% 36 3½ 3 32 30 3½ 36 46 36 4 52 23 3tes ⸗ 4tes 2 2½ 2½ 2 ½ 2½ 3 2 3 3½ 3 82 33 32 33 4 35 46 42 42 42 4⁸ 42 F 52 U5tes 2½ 2½ 3 23 3 37 3 3½ 33 33½ 37 4 32 33 4 32 4. 42 46 4½ 48 42 52 53 rſtes ⸗ 2½ 2½ 3 23 5 3 3 33 33 3½ 3² 4 33 4 4 4 4½ 47 42 5 52 31 2te 3tes ⸗ 2½ 2½ 26 22½ 2. 3½ 2½ 35 3½ 36 3½ 3 32 3 46 3 46 42 ² 42 5½ 42 53 52 4tes ⸗ 2 ½ 23 3 2 3 3 ½ 33 33 33— S 45 42 46 42 46 44 52 52 52 52 6½ [ ſtes ⸗ 3 73 3 3 8 3 3 3 4 38 4 4 3 5 54 6 51 56 61 12es ⸗ 2½ 26 3 2 3 3 3 3 3 3 36 1 3tes ⸗ 2 ½ 26 36 2. 36 32½ 32 32½ 35 32½ 36 4 3ö 42 4& 46 42½ 4. 42 52 52 52 52 6½ e 4tes ⸗ 3 88 3 33 46 41 4 ſtes ⸗ 3 3 3 3 33 4 4 43 4 43 5 5 6 6 5 7 54 2tes ⸗ 2 Uztes ⸗ . der Futterung und des Viehſtandes. 281 Der Acker iſt erſtlich unterſchieden nach ſeiner natuͤrlichen Kraft, und dieſer durch das Ertragskorn beſtimmt, vom 6faͤltigen an bis 2faͤltigen herab. Dieſer Ertrag iſt nach der in Mecklenburg uͤblichen ſtarken Einſaat angegeben, und der Boden, der hiernach zu 4fältigem Ertrag geſchaͤtzt wird, gehoͤrt daher ſchon zu dem guten gewöhnlichen Boden; ein 6faltig zu ſchaͤtzender zu den vorzuͤglichſten und ſeltenen. Weil ſich aber der Graswuchs nicht ganz nach dem Kornertrage rich⸗ tet, ſondern auf feuchterm Boden von gleicher Kraft lebhafter hervorkommt, ſo iſt jede Klaſſe wieder in Hinſicht auf dieſen in gut, mittel und ſchlecht unterſchieden. Ferner haͤngt die Ergiebigkei der Wee von der Zahl Fruchte ab, die der Acker nach der Duͤngung getragen, und endlich kommt es auf das Jahr an, in welchem der Acker zur Weide liegt. Die Weide iſt nemlich im erſten Jahre der Ruhe minder ergiebig, obwohl nach Verhaͤltniß des Graswuchſes kräftig, verbeſ⸗ ſert ſich im zweiten Jahre, erhaͤlt ſich im dritten, nimmt aber im vierten und noch mehr im füͤnften wieder ab. Wir werden uns bei den Wirthſchaftsberechnungen hanptſaͤchlich der Mittel⸗ ſatze in den mittlern Kolumnen bedienen.(Siehe die Tabelle.) §. 289. Nach dieſer Tabelle werden ſich dann auch andere als Dreeſchweiden in Ruͤck⸗ ſicht ihres Bedarfs fuͤr das Vieh ausmitteln laſſen. Wenn die Brache nicht umge brochen bis zur Mitte des Julius zur Viehweide iegen bleibt, ſo kann ſolche nach der Bodenart und der Tracht nach der Duͤngung zu? des erſten Dreeſchweidejahrs angenommen werden. Sie wird in der Regel durch Schafe benutzt, und man be⸗ rechnet zuweilen 2 Schafe auf 1 Morgen des Brachfeldes, wenn es bis ſpaͤt in Sommer unumgebrochen liegen bleibt. Ueber die Stoppelweide findet ſich im drit⸗ ten Bande des Meierſchen Werks uͤber die Gemeinheitstheilung S. 33. auch eine Tabelle nach dem verſchiedenen Zeitraume, worin ſie benutzt werden kann. Das gewoͤhnliche iſt wohl von der Mitte Auguſts und durch den September und Okto⸗ ber. Hier wird angenommen, daß, wenn 3 Morgen des Bodens dreeſchliegend auf eine Kuhweide gehe, 36 Morgen Stoppel auf einen Kopf zu rechnen ſeyn, je⸗ doch unter der Vorausſetzung, daß der ganze Auguſt dieſe Weide ſchon verſtatte. Es wird immer einen großen Unterſchied machen, ob das Land ſeiner Natur nach Erſter Thell. Nn 182 Verhaͤltniß der Duͤngung, graswuͤchſig, und ob der Acker rein oder unrein gehalten wird. Manchmal ſind viele Koͤrner ausgefallen und aufgelaufen, deren junges Gras die Weide nahr⸗ haft macht. Die beſtaͤndigen Aenger und Aueweiden ſind von ſo verſchiedener Beſchaffen⸗ heit, daß ſich im Allgemeinen gar nichts daruͤber ſagen laͤßt. In fruchtbaren an⸗ geſchlammten Niederungen reichen 1½ Morgen fuͤr ein Stuͤck Rindvieh mittlerer Art; aber es ſind auch bis 10 Morgen oft nothig, um eins der ſchlechteſten Art ju ernähren. Ueber die Vor⸗ und Nachweide auf den Wieſen finden wir in ebengenanntem Werke S. 28. eine Tabelle, nach den verſchiedenen Terminen der Vor⸗ und Nach⸗ weide berechnet. In dem Falle, wo 3 Morgen auf einem Kopf reichten, wenn die Wieſe beſtändig behuͤtet wurde, wird eine Kuhweide berechnet, wenn die Wieſe behuͤtet wird: Vom Anfang Auguſts bis alten Maitag. 8 Morgen 40 HRuthen. Von Mitte Vom Anfang„ bis neuen Maitag 10„ 60 Vom Anfang Septembers bis alten Maitag 14 ⸗—„ Von Michaelis bis alten Maitag 25„36 ⸗ Von neuen⸗ ⸗ Von Martini bis neuen Maitag 116„ 30 ⸗ Von ⸗ ⸗ alten ⸗ ⸗ 100 wobei der unterſchied zwiſchen alten und neuen Maitag anffallend, aber in der Na⸗ tur der Sache gegruͤndet iſt, weil gerade in dieſen 11 Tagen die Vegetation ſo leb⸗ haft iſt, die Weide aber den Wieſen um ſo nachtheiliger wird. Und noch groͤßer wird er, wenn die Weide bis zum 24ſten oder gar letzten Mai darauf fortdauert. Auch in Anſehung der Holzweiden und ihrer Abſchasung verweiſe ich auf daſ⸗ ſelbe Werk, wo ihre Benutzung nach den verſchiedenen Holzarten und dem ver⸗ ſchiedenen Beſtande dieſes Holzes mit der moͤglichſten Genauigkeit ausgemittelt worden.„ Es ſind in dieſen Meier ſchen Berechnungen Kalenbergſche Morgen angenom⸗ men, die um 3½ Quadratruthen groͤßer find, als die Magdeburger Morgen. Jene der Futterung und des Viehſtandes. 283 Morgen halten 120 ſechzehnfuͤßige Quadratruthen, der Fuß aber iſt kleiner als der rheinlaͤndiſche. F. 290. Man nimmt es gewoͤhnlich als Grundſatz an, daß, wie bei der Winterfutte⸗ rung ſo auch bei der Weide, 10 Schafe einer Kuh gleich zu rechnen ſeyen. Es iſt aber dabei Ruͤckſicht auf die Art der Weide zu nehmen. Denn es giebt Hoͤhewei⸗ den, die recht gut 10 Schafe, aber nicht eine Kuh auf gleicher Flaͤche wuͤrden er⸗ naͤhren konnen, und es giebt andere nur fuͤr Rindvieh, durchaus nicht fuͤr Schafe geeignete. Aber es kommt auch die Race des Viehes ſehr in Betracht, und die Benutzung, welche man davon berechnet. Wo veredeltes Schafvieh einen ſtarken Wollertrag geben ſoll, da wird eine gewoͤhnliche Kuhweide kaum auf 7 Schafe zureichen, und auf der andern Seite wird man von einer ſchweren Kuh wenig Nutzen haben auf einer Weide, die fuͤr 15 Schafe allenfalls zureichte. Dieſer Unterſchied, der nur bei einem gegebenen Lokale beurtheilt werden kann, kommt deshalb bei unſerer allgemeinen Berechnung der Verhaͤltniſſe nicht in Betracht, und wir nehmen jenen erſten Satz als den im Durchſchnitt paſſendſten an. Eine große Benutzung durch das Vieh und einen wohlfeilen Duͤnger geben Duͤnger aus die Abfaͤlle der mit der Landwirthſchaft zu verbindenden techniſchen Gewerbe, die deshalb nirgends einen ſo großen Vortheil als in dieſer Verbindung gewaͤhren weinbrennerei koͤnnen. Dies wird noch mehr der Fall ſeyn, wenn wir nicht das leichter ver⸗⸗ f n⸗ fuͤhrbare Korn, ſondern die in ungeheurer Maſſe zu gewinnenden ſaftigen Ge⸗ waͤchſe dazu waͤhlen, in welchen Faͤllen durchaus kein ſtädtiſcher Betrieb wegen der Wohlfeilheit des Materials und der hoͤheren Benutzung des Abfalls gegen den ländlichen wird beſtehen koͤnnen. Der bei der Branntweinbrennerei aus Kar⸗ toffeln, Runkeln und Moͤhren erfolgende Abfall ſcheint nach Verhaͤltniß der Nahrhaftigkeit des Materials noch groͤßer und kraͤftiger zu ſeyn, als bei der Bren⸗ nerei aus Getreide. 5. 292. Muͤßte das Vieh allein um des Duͤngers willen gehalten werden, ſo wurde dieſer und die darauf beruhende vegetabiliſche Produktion unerſchwinglich koſtbar gung des werden. Sollte das Nutzvieh durch chieriſche Produktion den Aufwand, welchen Dungers Nn 2 284 Verhaͤltniß der Duͤngung, durch richtige es erfordert, allein bezahlen, und nicht mittelſt ſeines Duͤngers die Hervorbrin⸗ Verbindung der thieriſchen und vegetabi⸗ liſchen Pro⸗ duktion. Wie letztere bewirkt werde. gung ſeiner Rahrung zugleich mit der anderer Produkte bewirken; ſo wuͤrde jedes thieriſche Produkt in kultivirten Gegenden ſo hoch zu ſeehen kommen, daß man Viehzucht den unkultivirten lediglich uberlaſſen muͤßte. Durch dieſe Wechſelwir⸗ kung aber zwiſchen animaliſcher und vegetabiliſcher Produktion werden beide ſo er⸗ leichtert, und ſo vortheilhaft, daß wir auch bei erſterer mit der wilden Beweidung Preis halten und den Duͤnger wohlfeil gewinnen können. Je kraftvoller und je ſchneller dieſer Umſatz betrieben wird, um deſio vortheilhafter wird er, und um deſto ſtarker vermehrt ſich dieſe a Whamſ des et und thieriſchen Lebens.. Es iſt alſo die Hauptaufgabe fuͤr den Sgmirch, ſich den thieriſchen Duͤnger in der zur hoͤchſten Produktion vegetabiliſcher Subſtanzen zureichenden Quantität auf die moglich wohlfeilſte Art und mit der moͤglich geringſten Aufopferung in der Erzeugung direkt verkaͤufliche Produkte, zu verſchaffen. §. 293. Dies erreicht er: 1) Wenn er die moͤglich groͤßte Quantitaͤt von nahrhafter Futterung auf dem moͤglich kleinſten Theile ſeines Landes erzeugt. 2) Wenn er dieſes mit dem moͤglich geringſten Arbeits⸗ und Koſtenaufwande thut. 3) Wenn er die Futterung auf demjenigen Theile ſeinet Landes erzielt, wo dem Bau anderer Fruͤchte dadurch der mindeſte Abbruch geſchieht. 4) Wenn er den Anbau und die Auswahl der Futterungsmittel ſo einrichtet, daß durch dieſen Anbau ſelbſt der Acker zur Produktion anderer Früchte vorbereitet und in Stand geſetzt werde; dergeſtalt, daß die darauf ver⸗ wandte Arbeit auch den folgenden Fruͤchten zum Vortheil gereicht. Wenn er durch die Verfutterung derſelben die groͤßte Quantitaͤt oder den groͤßten Werth an thieriſchen Produkten erzeugt. 6) Wenn er das Vieh ſo haͤlt, daß der ſammtliche von ihm ſallende Miſt zum angemeſſenſten Duͤnger fuͤr ſeinen Acker und ſeine Fruͤchte werde, und zu dem Ende in der beſten Mengung, Lage und Gaͤhrung erhalten wird. * der Futterung und des Viehſtandes. 285 7) Wenn er den gewonnenen Duͤnger ſo ſchnell wie möglich zur Hervorbrin⸗ zung von verkauflichen oder wiederum Duͤnger erzeugenden Produkten benutzt, und den Umlauf aus der Erde in die Gewaͤchſe, aus den Ge⸗ wächſen in die Koͤrper der Thiere, und aus dieſen wieder zuruͤck in die Erde, in ſeiner Wirthſchaft moͤglichſt beſchleunigt. Dieſe Aufgaben koͤnnen auf die vollkommenſte Weiſe nur durch ein auf die Lokalitat genau berechnetes und moͤglichſt paſſendes Feldſyſtem erreicht werden. Die Ackerbauſyſteme. F 29. Die Ackerbau⸗ oder Feldſyſteme werden hauptſaͤchlich bedingt durch das Wornuf ſich gerechte Verhaͤltniß der Arbeit und der Duͤngung zur Quantitat und Qualitaͤt des Grundes und Bodens. Wo man Arbeit und Duͤnger zu jeder Zeit, ſo viel man den? gebraucht, von auswaͤrts her vortheilhaft haben kann, da bedarf es gar keines beſtimmten Ackerſyſtems, und die ganze Kunſt des Ackerbaues beſchraͤnkt ſich auf die Manipulation und auf die Auswahl der Fruͤchte, welche der Acker in dem Zuſtande, worin er eben iſt, am vortheilhafteſten tragen kann. Man braucht ſeine Erſchoͤpfung und ſeine Verwilderung wenig zu furchten, weil man jener durch ſtaͤrkere Duͤngung, dieſer durch angeſtrengtere Arbeit zuvorkommen kann. In Wirthſchaften, welche dieſe Vortheile haben, iſt die Verbindung der beiden Haupt⸗ zweige der Landwirthſchaft, des Ackerbaues und der Viehhaltung, nicht nothwendig, ſondern es kann jede fuͤr ſich, und zuweilen ſelbſt vortheilhafter getrennt betrieben werden. Dies gehoͤrt aber unter die ſeltenen Faͤlle, und findet nur in der Nachbarſchaft großer Städte oder in hoͤchſt bevoͤlkerten Gegen⸗ den Statt. 5. 29. Unter den gewöhnlichen laͤndlichen Verhaͤltniſſen hat die anerkanute Roth⸗ wendigkeit der thieriſchen Duͤngung fur den Gewachsbau allen Zeiten und allen Nationen gelehrt, daß Ackerbau und Viehzucht nothwendig in der genaueſten Ver⸗ bindung ſtehen muͤſſen, wenn aus beiden der moͤglichſte Vortheil herauskommen ſoll. Hieruͤber herrſcht nur eine Stimme und Meinung. Aber uͤber die Art die⸗ Allgemeine Eintheilung derſelben in Felder⸗ und in Wechſel⸗ wirthſchaft. 5 Die Ackerbauſyſteme. ſer Verbindung, uͤber das Verhaͤltniß beider gegen einander, und uͤber die Beſtimmung des dem einen oder dem anderen zu widmenden Grundes und Bodens, ſind die Meinungen getheilt, und ſehr abweichend uͤber die Einrichtungen, die man zur Erreichung feines Zweckes, des moͤglich hoͤchſten Ertrages aus beiden zuſammengenommen, zu waͤhlen habe. 5. 295. So wie man die Lehre von der Landwirthſchaft mehr wiſſenſchaftlich zu behan⸗ deln anfing, es jedoch noch an einen richtigen Ueberblick aller Verhaltniſſe fehlte, ſind daher auch die Meinungen uͤber die vortheilhafteſte Art des Feldſyſtemes nicht bloß immer mehr getheilt worden,— denn dies war natuͤrlich, da die Verſchie⸗ denheit der Lage fuͤr jeden ein anderes Ackerſyſtem vortheilhafter und rathſa⸗ mer machen konnte— ſondern man hat ſich uͤber den Vorzug des einen vor dem andern im Allgemeinen mit einem Eifer geſtritten, der manchmal dem reli⸗ giöſen Sekteneifer gleich kam. Dieſer Streit ward um ſo verwickelter, da die Meiſten die Verſchiedenheit der Lage und Verhaͤltniſſe nicht beachteten, und die Gruͤnde verkannten, worauf ein jedes Wirthſchaftsſyſtem— ſoll es dieſen Namen verdienen— eigentlich beruht. Die bisher angegebenen Data, Verhaͤltniſſe und Berechnungen werden uns in den Stand ſetzen, die Hauptarten dieſer Ackerſyſteme nicht nur, ſondern auch ihre mannigfaltigen Modifikationen gruͤndlich beurtheilen und auch beſtimmen zu koͤnnen, auf welchem Areal und unter welchen Ortsverhaltniſſen ein jedes von ih⸗ nen unter jeder Modifikation das angemeſſenſte ſey, und den jedesmaligen Zweck des hoͤchſten reinen Ertrages erreichen muͤſſe. §. 297. Dieſe Ackerſyſteme theilen ſich in zwei Hauptklaſſen. Die Eine hat den erſten Theil ihres Landes ausſchließlich zum Fruchtbau oder zu ſolchen vegetabiliſchen Produktionen, die unmittelbar zur Nahrung und andern Beduͤrfniſſen der Men⸗ ſchen verwandt werden, beſtimmt; einen zweiten Theil aber der Erhaltung des Viebes gewidmet. Sie hat beſonderes Ackerland und beſonderes Grasland zu Wieſen und Weiden. Die andere Hauptklaſſe wechſelt mit dem⸗ ſelben Grund und Boden zwiſchen beiden Beſtimmungen und mannigfaltig ver⸗ Die Ackerbauſyſteme. 28) ſchiedenen Verhaͤltniſſen, der Quantitaͤt und der Zeit nach, worin das Feld der einen oder der andern gewidmet iſt. Jene begreifen wir unter dem allgemeinen Namen der Feld erwirth ſchaft, dieſe unter dem der Wechſelwirthſchaft. Ihre mannigfaltigen Unterabthei⸗ lungen und Abweichungen von ihrem originalen Zuſtande werden wir in der Folge angeben. Jedoch finden auch unter dieſen Syſtemen Verſchmelzungen ſtatt, indem das Felderſyſtem neuerlich angefangen hat, einen Theil ſeines Ackers dem Futterbau zu widmen. Federſy ſtem. G. 298. Dieſes Syſtem hat alſo ſeinen Acker ausſchließlich dem Fruchtbau— worun⸗ ter wir in der Folge immer den Anban der den menſchlichen Beduͤrfniſſen hauptſaͤch⸗ lich beſtimmten, folglich verkaͤuflichen Fruͤchte verſtehen— gewidmet. Es muß deshalb zur Ernahrung ſeines Viehes andere Laͤndereien, Weiden, Wieſen oder kunſtlichen Futterbau auf beſonders dazu beſtimmtem Lande haben. Wenn es dieſe genugſam beſitzt, ſo viel nämlich zur vortheilhafteſten Haltung desjenigen Viehes, welches den Acker gehoͤrig ausdüngen kann, erforderlich ſind, und ſelbige auf andere Weiſe nicht vortheilhafter in Ruͤckſicht auf das Ganze benutzen kann, ſo erfuͤllt die ſes Syſtem allerdings ſeinen Zweck: den moͤglich hoͤchſten reinen Er⸗ trag zu gewaͤhren, und iſt folglich untadelhaft. Es giebt ſolche Faͤlle; aber ſie ſind ſeltener, und bei weitem minder allgemein, als dieſes Syſtem ſelbſt es iſt, und als es manchen Vertheidigern deſſelben ſcheint. S. 299. Nach den Jahren des Umlaufs oder nach dem Jahre, wo die Brache und zwar der Regel nach mit Duͤngung wieder eintritt, erhaͤlt ſolches den Namen des Dmlaufs. Dreifelder⸗, Vierfelder⸗, Fuͤnffelderſyſtems. Es giebt auch ſechs⸗ und neunfeldrige Syſteme dieſer Art, die man aber, wie wir nachher ſehen werden, als zuſammengeſetzte Dreifelderſyſteme betrachtet. Das bei wei⸗ tem haͤufigſte und allgemeinſte iſt das Dreifelderſyſtem. Wir werden daher Das Dreiſel⸗ deyſyſtem. 288 Das Felderſyſtem. dieſes zuvörderſt in ſeiner urſpruͤnglichen Reinheit, und dann in den man⸗ cherlei Zuſatzen und Ausbeſſerungen, die man ihm gegeben hat, er„ und zuletzt von den uͤbrigen reden. . 300, Das Dreifelderſyſtem, ſo wie es wahrſcheinlich ſeit der Roͤmer Zeiten, faſt durch ganz Europa— Italien gerade ausgenommen, wo es erſt ſeit dem 1ten Jahrhundert von den Barberinis eingefuͤhrt zu ſeyn ſcheint, und des⸗ halb den Namen des Barberiniſchen erhielt— ſich verbreitet hat, haͤlt 1) reine den Sommer hindurch gepfluͤgte Brache; 2) bauet es Wintergetreide; 3) Sommergetreide. Die Brache ſoll jedesmal geduͤngt werden, und dies iſt in vormaligen Zeiten, wie das Verhaͤltniß des Weide⸗ und Wieſenlandes zum Ackerlande ungleich groͤßer war, wie es gegenwaͤrtig iſt, wirklich geſchehen. Jetzt aber iſt dies nur in wenigen fruchtbaren oder wieſenreichen Gegenden der Fall, und vielleicht da, wo man es durch kuͤnſtlichen Futterbau und Stall⸗ futterung mit dieſem Syſteme verwebt, erzwingen kann. Gewoͤhnlich wird jetzt die Brache nur ein um's andere Mal, der Acker alſo alle 6 Jahr geduͤngt; haͤufig aber geſchiehet es auch nur um's gte Jahr. Das erſte nennen wir die reiche, das zweite die vermoͤgende, das dritte die arme Dreifelderwirth⸗ ſchaft. Nicht ſelten iſt es aber durch Vermehrung des Ackerlandes mit dem umge⸗ brochenen Graslande durch immer ſchwaͤchere Duͤngung, die aus der verminder⸗ ten Strohernte und geſchmälerter Weide entſtund, dahin gekommen, daß auch nicht dieſer neunte Theil gehoͤrig ausgeduͤnget werden kann, und man hat ſich deshalb genoͤthiget geſehen, einen Theil des Ackers ganz ungeduͤngt, oder doch nur ſchwach mit Horden belegt zu laſſen, um dem uͤbrigen von Natur beſſeren, oder dem Hofe naͤher gelegenen Theile, den nothwendigen Duͤnger geben zu koͤn⸗ nen. Dieſer vernachlaͤßigte Theil iſt unter dem Namen der Außenfelder, oder weil man ihn nur alle 3, 6 oder 9 Jahre ein einziges Mal mit Rocken beſtellen kann, des drei⸗, ſechs⸗ oder neunjaͤhrigen Rockenlandes bekannt. Wo der Boden ſeiner natuͤrlichen Beſchaffenheit nach aus fruchtbarem Lehm beſteht, der ſich bei gehoͤriger Kultur als Weizenacker qualifiziren wurde, bauet man auf dieſem Lande auch Dinkel oder Einkorn, und es wird daſelbſt Dinkelland genannt. 5. 302. Das Felderſyſtem. 289 6. 30 Wenn der reiche Dreifelder⸗Acker in der Winterung und Sommerung Düngerbedart per Morgen 10 Scheffel Ertrag, und an Stroh von erſtere circa 2000 Pfund, deſſelben. von letztere 1000 Pfund geben kann, ſo erfolgen hieraus, nach den§. 275. ange⸗ gebenen Grundſaͤtzen, 6900 Pfund Duͤnger, oder 3 ½ Fuder, deren 3 auf einen Morgen bei dreijähriger Duͤngung mindeſtens noͤthig ſind. Es fehlen alſo noch 1 ½ Fuder oder 3100 Pfund. Dieſe muͤſſen aus dem Heu erfolgen. Es ſind alſo noch 1347 Pfund Heu oder der Ertrag von einem Morgen mittlerer Wieſen noͤthig. Eine jede Wirthſchaft, welche in dieſer Kraft einmal ſteht, und auf 3 Morgen Ackerland einen Morgen Wieſe hat, dabei dann aber auch hinlaͤngliche Weide, um ihr Vieh im Sommer nutzbar erhalten zu koͤnnen, kann alſo bei dieſer Wirthſchaft im beſten Stande bleiben, und da zu jenem Duͤnger noch der naͤcht⸗ liche Duͤnger des Weideviehes, beſonders der Schafe, kommt, wozu das Weide⸗ land das Material giebt, ihren Acker immer in zunehmender Kraft erhalten, und die beſten Fruͤchte bei guter Beſtellung bauen. Auch findet daſſelbe Statt bei ſolchen Wirthſchaften, die auswaͤrtige Zufluͤſſe haben, Zehntſtroh konſumiren, und es durch aufgeſtalltes Maſtvieh bei den Trebern des Bieres und Branntwei⸗ nes in Duͤnger verwandeln. Sie bauen oft ausgezeichnete Fruͤchte, die dann von manchen als Beweis von der Vorzuͤglichkeit dieſes Syſtemes im Allgemeinen ange⸗ nommen werden. Bei der ſechsjährigen Duͤngung, wo der Ertrag der Winterung und Somme⸗ rung auf gutem Mittelboden nach der geduͤngten Brache zu 7 Scheffel, nach der ungeduͤngten zu 4 ½ Scheffel angenommen werden kann, wo folglich in ſechs Jah⸗ ren aus 11 ½ Scheffel Winterungs⸗ und eben ſo viel Sommerungs⸗Gewinn, circa 2480 Pfund Winterſtroh und 1150 Pfund Sommerſtroh, uͤberhaupt 3630 Pfund und hieraus 8349 Pfund Miſt oder 4½ Fuder erfolgen, und wenig⸗ ſtens 5 Fuder aufgefuͤhrt werden muͤſſen, fehlen noch 1651 Pfund, die 718 Pfund Heu erfordern. Dieſe Wirthſchaft kann ſich alſo im Stande erhalten und ihren maͤßigen Ertrag geben, wenn ſie auf 6 Morgen Ackerland 3 Morgen Wieſen und dabei zureichende Weide hat, und ſich, falls ſie jene Nebenhuͤlfen beſitzt, auch durch den Weideduͤnger, beſonders der Schafe, ziemlich in ihrer natuͤrlichen Kraft Erſter Theil. Oo Weidebedarf. 290 Das Felderſyſtem. erhalten, und die Erſchoͤpfung abwenden, der ſie ſonſt(vergl.§.§. 211— 218.) unterliegt. Die Duͤrftigkeit derjenigen Wirthſchaften, die in neunjährigem Duͤnger ſte⸗ ben, iſt allgemein bekannt und erhellet aus den Reſultaten, die der§. 261. giebt. 5. 302. Die gemachte Vorausſetung, daß es dieſen Wirthſchaften nicht an hinlaͤng⸗ licher Weide fehle, trifft man aber nur ſelten in der Wirklichkeit an. Soll eine Dreifelderwirthſchaft das zur Umwandlung des Strohes und Heues in Miſt erfor⸗ derliche Vieh halten, ſo iſt auf jedem zu beduͤngenden Morgen ein Stuͤck Groß⸗ vieh noͤthig. Das auf dem Stalle in der Regel gefutterte Zugvieh geht davon ab, fur das uͤbrige aber muͤſſen auf den Kopf, nach Beſchaffenheit des Grundes, drei bis fuͤnf Morgen raumer Weide, in Holzungen aber, je nachdem ſie bewachſen ſind, 10 bis 15 Morgen gerechnet werden, wenn anders dieſes Vieh ſeine Nutzung nicht groͤßtentheils verſagen ſoll. Und da dieſes nur ein hoͤchſt ſeltener Fall iſt, ſo ſindet man faſt allgemein, daß das Rindvieh hoͤchſt geringen Ertrag in dieſen Wirthſchaften gewaͤhrt, und mehrentheils kaum den Bedarf der eigentlichen Wirthſchaft giebt, wenn es gleich ſorgfaltig behandelt wird, und im Winter ge⸗ nugſame Futterung hat. Die Viehnutzung beſchränkt ſich daher faſt nur auf die Schafe, denen aber auch dieſe Wirthſchaften ſelten eine ſo zureichende und ge⸗ ſunde Weide gewaͤhren koͤnnen, daß ſie den moͤglichſt vollkommnen Ertrag geben. Mehrentheils muß um ihretwillen das Brachfeld bis nach der Mitte des Som⸗ mers unumgebrochen liegen bleiben, was gegen die eigentlichen Bedingungen die⸗ ſes Syſtemes ſtreitet, und auf gutem lehmigen Boden den ſonſt zu erwartenden Koͤrner- und Strohertrag betraͤchtlich herabſetzt. §. 303. um die Zweckmaͤßigkeit einer Dreifelderwirthſchaft, die ſich in Kraft erhalten kann,— denn ohne das faͤllt ihre Unzweckmaͤßigkeit in die Augen— in einem gegebenen Falle zu beurtheilen, muß man daher zuvoͤrderſt unterſuchen, ob jene erforderlichen Verhaͤltniſſe zwiſchen Acker- und Grasland vorhanden ſind, dann aber auch, ob letzteres durch wechſelnden Aufbruch nicht weit höher zu benutzen, um dadurch alle Verhaͤltniſſe noch mehr zu berichtigen; das Ganze aber, wo nicht Das Felderſyſtem. 291 durch hoͤheren Fruchebau, doch, ohne dieſen im Ertrage zu ſchmaͤlern, durch ſtär⸗ kere Viehnutzung zu einem noch hoͤhern Ertrage zu bringen ſey. In Laͤndern, wo ein Ueberfluß von wildem aber reichem Weidelande und da⸗ bei zureichender Acker, um dem Volke ſeinen Bedarf an Getreide zu geben, vor⸗ handen, Ausfuhr aber ſchwierig und unbelohnend iſt, wie z. B. in den meiſten Ge⸗ genden von Ungarn, iſt vielleicht kein Wirthſchaftsſyſtem im Allgemeinen ange⸗ meſſener, wie dieſes. Je hoͤher aber die Bodenkultur ſteigt, und je mehreres Land der wilden Natur entriſſen und dem Pfluge unterworfen wird, je hoͤher Be⸗ völkerung, Bedarf und Abſatz ſteigt, um deſto weniger bleibt es, einzelne Lokali⸗ taͤten ausgenommen, paſſend; weil es ihm entweder an dem noͤthigen Weidelande ſchon mangelt, oder dieſes doch vortheilhafter benutzt, und das Vieh beſſer und wohlfeiler ernaͤhrt werden kann. §. 304. Dieſes Ackerſyſtem hat das Uebele vor andern, daß es einmal im Sinken immer tiefer in ſeinen Verhaͤltniſſen herabſinkt, und das Gleichgewicht ſich nicht durch Zulegen in die leichte Schaale, ſondern nur durch Erleichtern der ſchweren Schaale herſtellen laßt. Es hat in ſich ſelbſt keine Huͤlfsmittel. Da es ſeinen Duͤnger größtentheils aus dem Strohe zieht, die Gewinnung deſſelben unmittel⸗ bar mit verminderter Duͤngung ſich verringert, und weniger gewonnenes Stroh wieder wenigen Duͤnger giebt, ſo fallt es immer tiefer, wenn es einmal im Fallen iſt. Es iſt daher mit dieſem Syſteme in manchen und gerade in denjenigen Ge⸗ genden, wo man den Getreidebau mit aͤußerſter Anſtrengung betrieb, der Acker ſo tief heruntergekommen, daß es in Jahren, wo die Ernte unter den mittelmaͤßigen ausfiel, ſogleich an Getreide fehlte und auswaͤrtige Zufuhr noͤthig ward. §. Zoß Man hat es bei dieſem Syſteme laͤngſt als einen großen Fehler anerkannt, daß ein ſo großer, wie der dritte Theil des Ackers, faſt gänzlich unbenutzt bleiben ſolle, und doch ſo vielen Aufwand von Arbeit erfordere, vorzuͤglich da, wo er ſei⸗ ner Natur nach am fruchtbarſten iſt. Man hat daher ſchon lange gefragt, ob die Brache ſo ganz unentbehrlich ſey, und ob man dieſe, wenn gleich mit einigem Ab⸗ ſchlag in den andern Feldern, nicht dennoch vortheilhafter beſtellen könne. Man berief ſich auf den Gartenboden, der jaͤhrlich tragt, und auch auf die Wirthſchaft Do 2 Beſcumerte Brache. 292 Das Felderſyſtem. emſiger ackerbauender Stadtbuͤrger, die ihr Feld jaͤhrlich benusten, und es den⸗ noch im guten Kulturzuſtande erhielten. Auch wußte man daſſelbe von der Wirth⸗ ſchaft der Brabanter und der in der Pfalz und andern Gegenden ſich verbreitenden Mennoniten. Allein andere zeigten dagegen, daß ein beſtaͤndiger Getreidebau dennoch nicht gehe, und daß dieſes Getreide, wenn auch nicht an Stroh, doch an Koͤrnern dabei ſo zuruͤckſchlage, daß bald in drei Jahren nicht mehr als in zweien erbauet, in der Folge aber der Acker ganz verwildert und unfruchtbar werde, ſo daß man dergleichen Stadtacker, um ihn wieder in Stand zu ſetzen, eine Reihe von Jahren ruhen laſſen, und dann durch ſorgfaͤltige Brachbearbeitung zum Ge⸗ treidebau wieder vorbereiten muͤſſe. Eine Bemerkung, die wir ſchon in den aͤlte⸗ ſten landwirthſchaftlichen Schriftſtellern und in verſchiedenen Stadt⸗Chroniken aufbewahrt finden. Andere Arten von Fruͤchte ſing man indeſſen an, mit beſſerem Erfolg in einem Theile der Brache zu bauen. Raps und Ruͤbſen, Leindotter, Mohn, Waid und Wau, Hanf, Lein, Taback und manche andere Handels⸗ und Gewuͤrz⸗ pflanzen, auch verſchiedene Gartengemuͤſe zur menſchlichen Nahrung, kamen allmaͤhlig in das Brachfeld. Allein man bemerkte auch hiernach einen betraͤcht⸗ lichen Abſchlag in der Winterung, wenn man nicht durch ſtaͤrkere Duͤngung und eine ſorgfältige Behandlung dieſer Gewaͤchſe waͤhrend ihrer Vegetation das Uebel wieder verbeſſerte. Auch fehlte die Zeit zur Vorbereitung und fruͤhern Beſtellung des Wintergetreides, was doch nun einmal nach der Brache folgen mußte; weswegen gute Wirthe dieſen Anbau auf den nothwendigen Bedarf beſchraͤnken. Am beſien befand man ſich bei den Huͤlſenfruͤchten, Erbſen, Boh⸗ nen, Linſen und Wicken, wenn man ſie, ſtatt wie vormals im Sommerfelde, nun im Brachfelde anſaͤette. Deshalb verbreitete ſich dieſe Methode immer mehr, und ward in manchen Gegenden zur Regel, ſo daß man daſelbſt dieſe Fruͤchte aus⸗ ſchließlich mit dem Namen der Brachfruͤchte belegt. Dieſe Huͤlſenfruͤchte haben allerdings die Eigenſchaft, dem nachtheiligen Einfluſſe der Getreidearten auf dem Boden gewiſſermaßen entgegen zu wirken, indem ſie die Bindung und Verſchloſſenheit, die dieſe ihm zuziehen, durch das tie⸗ fere Eindringen ihrer ſtaͤrkern rohrigten Wurzeln verbeſſern, durch ihren bebruͤ⸗ tenden Schatten eine Gaͤhrung, oder eine Wechſelwirkung des Bodens mit der Das Feiderſyſtem. 293 unter ihnen gleichſam ruhenden Luftſchicht bewirken, das Unkraut jum Theil unterdruͤcken, und zu ihrer Nahrung eine andere quantitative Verbindung der urſtoffe zu fordern ſcheinen. Indeſſen erſetzen ſie die Wirkung der Brache nie vollig, und einiger Abſchlag des Getreides iſt unter ubrigens gleichen Umſtaͤnden immer bemerklich. Auch weiß man, daß ſie bei gewoͤhnlicher Kultur ſelbſt nicht gerathen, wenn ſie zu oft auf denſelben Platz kommen, ihr Mißrathen aber ziehet immer eine betraͤchtliche Verſchlechterung des Ackers und Zuruckſchlagen der fol⸗ genden Getreideernten nach ſich, bis eine neue Brache das Uebel wieder hebt. Um das Gerathen derſelben zu ſichern, hat man zu ihrem nur auf einen Theil der Brache eingeſchraͤnkten Anbau gewöhnlich das beſte Land gewaͤhlt, und pflegt dieſes, um den Getreideabſchlag darnach zu verhuͤten, ſtarker zu duͤngen, einen Theil des Duͤngers vielleicht vor ihrer Einſaat, einen andern Theil nach ihrer Aberntung aufzufahren oder die Horden darauf zu legen. Heerbei kommt dann aber ein anderer Theil des Feldes im Duͤnger zu kurz, und es erklärt ſich, was man in vielen Wirthſchaftsärchiven ſehr auffallend dokumentirt findet, daß der Totalertrag des Getreides ſeit Einfuͤhrung des Erbſenbaues in der Brache abge⸗ nommen, und immer in dem Verhaͤltniſſe ſtaͤrker abgenommen habe, als man den Bau der Erbſen in der Brache vermehrte. Daher giebt es noch immer viele er⸗ fahrene Dreifelderwirthe, welche dieſe und ähnliche Fruͤchte durchaus nicht in der Brache ſäen, ſondern ſie, ſo viel es ihnen rathſam ſcheint, in das Sommerfeld bringen, und ſelbſt ihre Nachbaren, die in Anſehung der vortheilhaftern Be⸗ nutzung anderer Meinung ſind, muͤſſen eingeſtehen, daß die Getreideernten jener reinen Dreifelderwirthe die ihrigen beträchtlich uberwiegen. Sonſt hat der Huͤlſenfruchtbau in der Brache offenbar den Vortheil, daß durch das nahrhaftere Stroh derſelben nicht nur das Vieh, beſonders die Schafe, beſſer ernaͤhrt, ſondern auch eine großere Duͤngerquantität gewonnen wird. 5. 3o6. Allein es ſchien eine große Revolution im Gebiete der Landwirthſchaft vor⸗ zugehen, ohne die alte Form des Dreifelderſyſtemes zu verletzen, der Brache. wie man den vorher faſt nur in heſonderen Koppeln gebauten Klee, unter die Soömmerung zu ſaͤen, und im Brachjahre zu benutzen lehrte. Dieſer Klee, zeigte man, erſchoͤpfe den Acker keinesweges, bereichere ihn vielmehr durch ſeine Wur⸗ 294 Das Felderſyſtem. zeln und ſeine zum drittenmale austreibenden ſaftreichen Blaͤtter, und befoͤrdere überdem eine beſondere Anziehung der nahrhaften Theile aus der Atmoſphäre. Er erhalte den Boden ſo locker und ſo rein, daß ein einfurchiger Umbruch ſeiner Stoppel eine der Brache gleiche, oder ſie noch ubertreffende Aufnahme dem Win⸗ tergetreide gewaͤhre. Das reichliche und nahrhafte, nun von der Brache zu ge⸗ winnende Futter, werde durch die Sommerſtallfutterung und Ueberfluß von Heu eine um vieles erhoͤhte Viehnutzung und wahren Ueberfluß von Dungung gewaͤh⸗ ren. Wieſen und Weiden wuͤrden entbehrlich ſeyn, und jedes andere bis dahin geruͤhmte Futterungsmittel. Der Klee ſey Eins und Alles, und auf ihn und die Abſchaffung der Trift und Brache beruhe das Gluͤck der Welt. Man verſprach wirklich nicht zu viel, wenn es moͤglich geweſen waͤre, den Flee in dieſer Rotation nach zwei Getreideernten um's dritte Jahr immer zu bauen, und einen guten dichten Kleewuchs zu erhalten. Allein es zeigte ſich bald, daß dieſes nicht anging, daß der Klee ſelbſt auf dem ihm zuträglichſten Acker bei einer ſo häufigen Wiederkunft, und ohne daß der Boden ſorgfältiger und tiefer bearbeitet wuͤrde, bald gaͤnzlich wisrathe, ſodann allen Unkraͤutern Platz mache, den Boden nachtheilig binde und einen großen Miswachs im Ge⸗ treide zur Folge habe. Selbſt der eifrige Apoſtel dieſer Lehre, der hoͤchſt verdienſt⸗ volle Schubart, deshalb mit dem Namen eines Edlen von Kleefeld be⸗ legt, zog ſich in ſeiner Meinung und Lehre bald zuruͤck, beſchränkte dieſen Klee⸗ bau erſt auf den ſechſten, dann auf den neunten Theil des Feldes, und em⸗ pfahl zuletzt auch Runkeln, Kohlruͤben und Kartoffeln zur Viehfutterung in einem Theile der Brache zu bauen, in einem andern Theile aber Erbſen zu ſäen. Sein Name wird in der deutſchen Geſchichte des vorigen Jahrhunderts unausloͤſchlich unter der Zahl der Wohlthaͤter der Menſchheit ſtehn, wenn er ſich gleich, wie jeder Sterbliche, vom Irrthume nicht frei erhielt. Er drang mit regem Eifer auf die Abſchaffung der Brache und der Hut⸗ und Triftgerechtigkeit auf dem Acker, und ſeine Wuͤnſche ſind erſt jetzt, nach langem Schwanken der Regierungen, durch den Koͤnig Maximilian Joſeph von Baiern und einigen andern deutſchen Fuͤrſten, die als erleuchtete Väter ih⸗ res Volks das Wohl deſſelben uͤber das Anſehen herkoͤmmlicher erſchlichener Rechte ſchaͤtzen, ausgefuͤhrt worden. Das Felderſyſtem. 295 5. 307. Durch jenes Schubartſche Syſtem ward nun der laͤngſt ihte Streit uͤber die Nothwendigkeit und Entbehrlichkeit der Brache lichteit der aufs lebhafteſte erneuert, und dieſe Frage ſchien einen langen Zeitraum hindurch reinen Brache. die wichtigſte unter allen, ſo daß unzaͤhlige Ballen Papier verſchwendet worden, ohne daß jedoch die Sache zu irgend einem Reſultate gekommen wäre. Da dieſe Frage ſich hauptſaͤchlich auf dieſes Syſtem bezieht, ſo wählen wir dieſe Gelegenheit, um ſie auseinander zu ſetzen. F. 3o08. Sie iſt hauptſachlich dadurch verdunkelt worden, daß man keinen beſtimmten Was unter Begriff mit dem Worte verband. Das Wort kommt ohne Zweifel von brechen her, und Brache hieß derjenige Zuſtand des Landes, worin das Land einen ganzen Sommer, oder noch beſſer ein ganzes Jahr hindurch, durch haufiges Um⸗ ackern gebrochen und zertruͤmmert wurde, um es zu den kuͤnftigen Saaten auf das vollkommenſte vorzubereiten: eine Operation, die ſchon von den roͤmiſchen Schrift⸗ ſtellern uͤber den Ackerbau ausfuͤhrlich gelehrt, unter gewiſſen Bedingungen als nothwendig empfohlen wurde, ſo daß ſie auch fuͤr jede beſondere Furche einen be⸗ ſondern Ausdruck hatten; die erſte kringero, die zweite vertere, die dritte infrin- gere, die vierte revertero, die fuͤnfte refringere, und die ſechſte oder Saat⸗ furche lirare nannten, eben ſo wie wir ſolche auch mit verſchiedenen Ausdruͤcken bezeichnen. Man hat das Wort aber auch in einem ganz anderen Sinne genom⸗ men. Weil man naͤmlich den Acker fehlerhaft und gegen die Beſtimmung des Brachjahres aus Nachlaͤſſigkeit oder wegen Mangel an Weide bis in den Junius, welcher daher Brachmonat heißt, oft aber noch fehlerhafter bis in den Auguſt hinein ungeruͤhrt liegen ließ, und ihn dennoch Brachacker nannte, ſo hat man allmählig auch einen falſchen Sinn untergeſchoben, und ruhendes zur Weide lie⸗ gendes Land Brache genannt; wodurch dann bei dieſem Streite uͤber die Brache widerſinniges Mißverſtandniß ſich eingeſchlichen hat. Es muß das Wort alſo nothwendig in ſeinem wahren ihnicht und urſpruͤnglichem Sinne genommen werden, und Brachen heißt, den Acker ohne ihn im Brachjahre eine Ernte abzunehmen, durch wiederhetes Pfluͤgen im Som⸗ mer zur kuͤnftigen Saat vorbereiten, und nur vom Umbruch der erſten Furche an Nutzen der Brachbearbei⸗ tung. 296 Das Felderſyſtem. kann ein Acker Brache genannt werden. Bis dahin heißt er ruhender Acker, und wenn er zur Benutzung des Graswuchſes ſo liegt,— dreiſch oder dreeſch (ein urſpruͤngtich Mecklenburgiſcher, aber paſſender Ausdruck, den wir ſtatt meh⸗ rerer andern, welche man dafuͤr hat, beibehalten). §. 309. Der Nutzen dieſer Brachbearbeitung iſt unverkennbar, und um ſo groͤßer, je bindender und lehmiger der Boden iſt. Durch das einfache Pfluͤgen im Fruͤhjahre oder Herbſte wird der Acker zwar umgewandt und geruͤhrt, aber nicht ſo gepulvert, daß die ſämmtlichen zuſammen⸗ geballten Erdklöße zum Zerfallen in lockere Erde gebracht wuͤrden. Die zuſam⸗ mengeballte Erde verhaͤrtet ſich vielmehr, wenn ſie unzertruͤmmert wieder unter— gebracht wird, zu harten Klumpen, und es tragt ſelbſt das feſte Anſtreichen des Pfluges, beſonders bei naſſer Witterung, dazu bei, die Erde zu verballen, und hauptſaͤchlich wenn die feucht gepflugte Furche einer ſtärkeren Sommerhitze ausge⸗ ſetzt wird, die ihr dann eine ziegelartige Beſchaffenheit giebt. Dieſe verballte Erde iſt unfruchtbar, indem die meiſten feinzaſerigen Pflanzen mit ihren Wur⸗ zeln nicht hineindringen koͤnnen, ſondern ſie umgehen muͤſſen, und es bleibt alſo die darin enthaltene Fruchtbarkeit verſchloſſen. Es iſt gleich, ob geballte Erde oder Steine den Haupttheil des Bodens ausmachen. Um die Zertruͤmmeruug die⸗ ſer Erdkloße zu bewirken, gab es kein anderes Mittei, als eine gehoͤrige Brach⸗ bearbeitung, ein ganzes Jahr hindurch fortgeſetzt, wodurch ſie ſaämmtlich an die Oberflaͤche gebracht und der atmoſphaͤriſchen Feuchtigkeit ausgeſetzt, im Zuſtande ihrer Muͤrbheit durch die Egge und andere Inſtrumente zertruͤmmert wurden. Wenn dies vom Herbſte an bis zur kuͤnftigen Winterungsſaat mit Auswahl des gerechten Feuchtigkeitszuſtandes geſchieht, ſo wird die Ackererde in ein gleichmaͤßi⸗ ges, lockeres Pulver verwandelt, und alle darin vorhandenen fruchtbaren Theile werden zur Wirkung gebracht, weswegen ſchon allein ein erſchoͤpft ſcheinender Acker durch eine gehoͤrige Brache ohne neue Duͤngung zuweilen zu einer unerwar⸗ teten neuen Fruchtbarkeit gebracht werden kann. Die zweite Wohlthat der Brache fur den Acker beſteht in der Zerſtörung des Wurzel⸗ und Samenunkrauts. Durch die haͤufige Losreißung und Herumwaͤlzung der Wurzeln, ihre Luftausſetzung, zumal bei heißem Sonnenſcheine, werden ſie endlich Das Felberſyſtem. 297 endlich getödtet, und gehen in eine fruchtbare Faͤulniß uber. Die Samen kommen an die Oberflaͤche, werden aus den Erdkloͤßen, worin ſie oft in unglaublicher Menge vorhanden ſind, entbunden, in eine zum Keimen gunſtige Lage gebracht, und dann in ihrem jungen Zuſtande durch Pflug und Egge zerſtort, da dann auch⸗ dieſe jungen Kraͤuter zur Vermehrung der Fruchtbarkeit durch ihre Verweſung bei— tragen. Der Brachacker wird alſo von dem unter dem Getreide ſich ſo unglaub⸗ lich vermehrenden Unkraute befreit; unter der Bedingung, daß die Brache fruͤh und fleißig genug bearbeitet ſey, und die Reinheit des Ackers haͤngt von der meh⸗ reren oder minderen Vollkommenheit dieſer Operationen ab. Es iſt drittens durch die allgemeine empiriſche Erfahrung längſt bekannt, durch die neuere Raturlehre aber in ein helles Licht geſtellt worden, daß auch die reichſte Ackererde der Einwirkung der Atmoſphaͤre ausgeſetzt werden muͤſſe, wenn ſie fruchtbar werden und bleiben ſoll, und daß ſie daraus Stoffe aufnehme, welche erſt durch ihre Verbindung mit derſelben zutraͤgliche Pflanzennahrung er⸗ zeugen. Die gebundene Borke der Oberfläche ſo wenig, als die geballten Erd⸗ kloͤße ſind faͤhig, dieſe Stoffe aufzunehmen. Die atmoſphaͤriſche Luft kann nur in die lockere Erde eindringen, und ſich mit mit jedem Partikel derſelben in Beruͤh⸗ rung und Wechſelwirkung ſetzen. Dieſe Einſaugung der luftfoͤrmigen Stoffe ge⸗ ſchiehet nur bei hoͤherer Temperatur, und ſcheint bei der erſten Waͤrme des Fruͤh⸗ jahrs am ſtärkſten zu ſeyn. Nur ein Boden, der in gelockerter und oft veraͤnder⸗ ter Oberflaͤche der Atmoſphäre und dem Lichte ausgeſetzt iſt, genießt dieſer that, und die Brache macht ihn dazu am meiſten faͤhig. Endlich wird durch die Brache die vollkommenſte und innigſte rsiß der Beſtandtheile des Bodens und des hineingebrachten Duͤngers bewirkt. Soll letz⸗ terer ſeine vollkommene Wirkſamkeit aͤnßern, ſo muß er jedes Erdpartikelchen be⸗ ruͤhren und beſchwaͤngern, wie es denn auch jedem Ackerbauer bekannt iſt, daß klumpig im Acker liegender Miſt von weniger Wirkſamkeit ſey. Dieſe Mengung aber kann nicht vollſtandiger als durch eine Brache befoͤrdert werden, die nach Auf⸗ bringung des Miſtes noch mehrere Umwendungen und Ruͤhrungen erhaͤlt. Dazu kommt noch, daß eine Brache die Ausfuͤhrbarkeit der noͤthigen Acker⸗ geſchafte mit möglich mindeſten Kraͤften verſtattet, indem die Vorbereitung des Landes und die Ausfuhr des Duͤngers nun zu einer Zeit geſchehen kann, wo ein Erſter 2h. i. Pp Wie Brache nur entbehr⸗ lich werden koͤnne. 298 Das Felderſyſtem. Stillſtand der uͤbrigen Ackergeſchaͤfte eintritt; weshalb man in großen Wirthſchaf⸗ ten ohne uͤberfluͤßiges Geſpann das Winterfeld nur dann zur Saat fruͤh genug im Stande haben zu koͤnnen glaubt, wenn es durch die Brache vorbereitet worden, ſonſt aber immer die ſo nachtheilige Verſpaͤtung derſelben beſorgt. 8o Ungeachtet die Brache alſo durch die Aufopferung einer jährigen Benußung eines großen Theils des Bodens, zumal des guten, und durch die viele Bearbei⸗ tung ſehr koſtſpielig wird, ſo kann dennoch eine Wirthſchaft, die häufig nach ein⸗ ander Getreide baut, bei der gewoͤhnlichen und in den meiſten Faͤllen nur moͤgli⸗ chen Kultur, jener Vortheile wegen, ihrer nicht entbehren. Selbſt bei der ſtar⸗ ken Duͤngung, welche die Felder in ſtaͤdtiſchen Fluren zuweilen erhalten, hat die Unterlaſſung derſelben allgemein den Erfolg gezeigt, daß das Getreibe, des uͤppigen Anſcheins im Fruͤhjahre ungeachtet, dennochkan Koͤrnern hoͤchſt geringe lohnte, auch endlich das Unkraut ſo uͤberhand nahm, und der Boden eine ſo nachtheilige Beſchaffenheit bekam, daß man zur Haltung der Brache genoͤthigt wurde. Da aber auch dieſe in einem Jahre eine eingewurzelte Unart des Ackers nicht zu heben vermoͤgend iſt, ſo hat man ſich mehrentheils genoͤthigt geſehen, ſolches Land eine Reihe von Jahren dem wilden Graswuchſe zu ͤberlaſſen, und es, was wegen der großen Dungkraft moͤglich wer, zum Heuſchlage zu benutzen; worauf es dann erſt 9 glich 5 age 3 nach ſorgfaltiger Bearbeitung zum lohnenden Koͤrnerbau wieder in Stand geſetzt wird. Nur bei einer ungleich ſorgfaͤltigern Bearbeitung, wie ſie z. B. die Belgen ihrem Acker geben, indem ſie die Erdkrume, nachdem ſie wohl durchgearbeitet, nicht bloß mit dem Pfluge, ſondern auch mit der Egge, Walze und andern Werk⸗ zeuen aufs ſorgfältigſte gepulvert iſt, in hohen ſchmalen Beeten zuſammenhatfen, die Mitte derſelben nur beſäen, die Kanten aber ſorgfoitig aufgelockert der atmo⸗ ſphaͤriſchen Einwirkung ausſetzen, dann aber auch, zwar nicht nach den ſtrengſten Regeln des Fruchtwechſeis, aber doͤch haͤufig und ſo oft ſie es nuͤtzlich finden andere Gewaͤchsarten bauen, und dann zugleich mit der Hand jede Frucht behacken und jaten,— läßt ſich die Brache ohne Verwilderung entbehren. Indeſſen iſt auch eine dreijaͤhrige Wiederholung der Brache nicht ſo nothwen⸗ dig, wie man vormals annahm, und der Acker kann, unter gewiſſen Bedingun⸗ gen, durch die Benutzung derſelben mit verſchiedenen Gewaͤchſen, welche Futte⸗ Das Felderſyſtem. 299 rung und dadurch demſelben mehreren Duͤnger geben, oft im beſſern Stande er⸗ halten werden, als durch die immer um's dritte Jahr wiederkehrende Brachbearbei⸗ tung. Es gehoͤrt dann aber ein vorzuͤglicher Fleiß und Aufmerkſamkeit, mehrere arbeitende Kraͤfte und eine guͤnſtige Witterung dazu, um den Boden, in den Zwi⸗ ſchenzeiten zwiſchen Ernte und Saat, möglichſt zu bearbeiten. Dieſe Gelegen⸗ heit giebt beſonders die ſpaͤte Ausſaat der vierzeiligen Gerſte, die allenfalls eine dreimalige Beackerung im Fruͤhjahre verſtattet, außer der bereits im Herbſte gege⸗ benen erſten Fahre. In der That iſt dieſe halbe Brache in mehreren Gegenden, wo man die regulaire Brache erſt nach der Mitte des Sommers zu bearbeiten an⸗ faͤngt, wirkſamer wie dieſe. Deshalb iſt dieſe ſpaͤte Gerſte, welche haͤufig in der Mitte des Junius erſt geſaͤet wird, ſolchen Wirthſchaften, ihres unſichern Gedei— hens ungeachtet, dennoch ſehr zu empfehlen. Wenn hierzu nun in dem Jahre, wo vollkommene Brache wirklich gehalten wird, eine recht ſorgfaͤltige, mindeſtens viermalige Beackerung bei warmer trockener Witterung kommt, ſo kann der Bo⸗ den in Kraft und Reinheit bleiben, und es koͤnnen in einem, zuweilen auch zwei folgenden Brachjahren Huͤlſenfruͤchte, Klee und andere ſogenannte Brachgewaͤchſe ohne Bedenken gebauet werden. 311. Daraus iſt dann das zuſammengeſetztere Dreifelderſyſtem, oder richtiger das Zuſammenge⸗ ſechs⸗, neun⸗ und zwoͤlffeldrige, welches in manchen Wirthſchaften ziemlich re⸗ zulaͤr befolgt wird, entſtanden. Dieſe Syſteme haben folgende Rotationen: 1) Brache. 2) Winterung. 3) Sommerung. 4) Erbſen und Klee. 5) Winterung. 6) Sommerung. Oder: 1) Brache. 2) Winterung. 3) Sommerung. 4) Klee. 3) Win⸗ terung. 6) Sommerung. 7) Erbſen. 8) Winterung. 9) Som⸗ merung. Oder: 1) Brache. 2) Winterung. 3) Sommerung. 4) Klee. 5) Win⸗ terung. 6) Sommerung. 7) Brache. 8) Winterung. 9 Sem⸗ merung. 10) Erbſen. 11) Winterung. 12) Sommerung. Pp 2 — 300 Das Felderſyſtem. Indeſſen findet man ſelten, daß aufmerkſame und uͤberlegende Wirthe ſich genau an dieſe Rotationen binden. Sie richten ſich vielmehr in Anſehung der Haltung oder Nichthaltung der Brache nach dem Zuſtande, worin ſie ihren Acker in jedem Jahre antreſſen, ſäen nur Klee, wenn ſich der Boden bei der Gerſten⸗ einſaat muͤrbe zerfallend und rein von Unkraut findet, und Huͤlſenfruͤchte unter derſelben Bedingung; waͤhlen zu beiden den reinſten Theil des Feldes aus, und binden ſich nicht an eine ſtrenge Folge; nur machen ſie es ſich zum Geſetz, den Klee nicht fruͤher als im neunten Jahre auf denſelben Fleck zu bringen, weil die Erfahrung das Mißrathen deſſelben bei oͤfterer Wiederkehr ſie gelehrt hat. Und wenn nach geſchehener Ausſaat der Huͤlſenfruͤchte dieſe, es ſey wegen unguͤnſtiger Witterung oder weil ſie ſich dennoch in der Beſchaffenheit des Ackers betrogen ha⸗ ben, nicht uͤppig emporkommen, und mit dichtem Laube das Feld bedecken, be⸗ uutzen ſie ſolche im gruͤnen Zuſtande zum Futter, oder pfluͤgen ſie unter, und ge⸗ ben dem Acker ſodann eine vollſtändige Brachbearbeitung. Unter dieſen Bedingungen koͤnnen ſolche Wirthſchaften ihren Acker in gutem Stande erhalten, und ſich eintraglicher Fruchternten ruͤhmen. Dagegen iſt ein Miswachs bei denen, die mit zu großer Sparſamkeit dieſe Wirthſchaft betreiben wollen, haͤuſiger, als man es oͤffentlich erfaͤhrt, oder wird doch auf andere Urſa⸗ chen geſchoben, und deshalb ſindet man ſo viele erfahrne Dreifelderwirthe, die zu dem reinen orthodoren Syſteme wieder zuruͤckkehren, oder, gewarnt durch das Beiſpiel ihrer Nachbarn, ſolches nie verlaſſen haben, ja ſogar ihre Erbſen und ihren noͤthigen Klee im Sommerfelde dauen, und darnach reine Brache halten. Den Pächtern machen es vorſichtige Gutsbeſitzer, von erfahrnen Landwirthen be⸗ lehrt, haͤufig zur Bedingung, die Brache gar nicht, oder nur einen beſtimmten Theil derſelben zu beſoͤmmern, und deshalb wird auch die Brachbenutzung in den Pachtanſchlaͤgen in der Regel nicht aufgenommen. Viele vorſichtige Wirthe ſehen alſo noch immer die Brache als die Baſis eines ſichern und nachhaltig eintraͤglichen Feldbaues an. Einige gluͤckliche Flecke des Erdbodens, wo dieſer dem Getreide, Klee und den Huͤlſenfruͤchten, vermoͤge ſeiner aus Thon, Kalk und vegetabiliſch-animaliſcher Erde beſtehenden Miſchung, ſo angeeignet iſt, daß dieſe Fruͤchte alles Unkraut uͤberwinden, und die etwanigen aufkommenden Pflanzen deſſelben leicht ausgezo⸗ Das Felderſyſtem. 301 gen werden können; wo dieſer Boden durch ſeine innere, vermittelſt der Miſt— duͤngung leicht zu erneuernde Gaͤhrung von ſelbſt in ein feines Pulver zerfallt, und die deshalb eine alljahrige Beſtellung ertragen— koͤnnen hier ihrer Seltenheit wegen nicht in Betracht kommen. Auf ſie hat der Fluch nicht gewirkt, der bei Adam's und Eva's Austritt aus dem Paradieſe auf den Boden gelegt ward. “§. 312. Ungeachtet das reine Dreifelderſyſtem den dritten Theil ſeines Ackers oder doch den groͤßten Theil deſſelben unbenust laſſen muß, ſo hat man es dennoch als Dreifelder⸗ das vorzuͤglichſte unter allen, ſogar als das einzig mögliche gute Feldſyſtem haͤuſig ſyſtems. vertheidigt, und zwar aus folgenden Gruͤnden: 1) Das Alterthum und die Allgemeinheit dieſes Syſtems beweiſe deſſen Vorzuͤglichkeit, indem es nicht denkbar ſey, daß ein fehlerhaftes Soſtem den Beifall aller Rationen und Zeiten erhalten, ſich ſo allgemein verbreiten und fortdauern koͤnne. 2) Kein andres bekanntes und bisher erdachtes Syſtem baue mehr Getreide, wie diefes. Das Getreide aber mache die Hauptnahrung und das Hauptbedürfniß der Menſchen aus, werde deshalb auch am meiſten geſucht und am cheuerſten und gleichmäßigſten bezahlt. Wenn es minder chieriſche Produkte hervorbringe, ſs. ſey dies gerade ein Beweis ſeiner vorzuͤglichen Nutzbarkeit, indem ein Acker durch vegetabiliſche Produktion wenigſtens dreimal ſo viel Nahrung fuͤr die Menſchen bervorbringe, als durch thieriſche Produktion. Es ſey alſo gleich wohlthätig fuͤr die Menſchheit, den Staat und den einzelnen Landwirth. 3) Dieſes Syſtem vertheile ſeine Arbeiten am beſten. Zwiſchen der Som⸗ mer⸗ und Winteraus ſaat ſey hinlaͤngliche Muße, die Brache zu bearbeiten und die Duͤngerausfuhr zu beſchaffen. Der Acker koͤnne folglich fruͤh genug zur Aufnahme der Winterungsſaat, als der vorzuglichſten und einträglichſten, in Ordnung ſeyn. Deshalb erfordere es das wenigſte Geſpann. 4) Alle Arbeiten ſeyen dabei einfach und kunſtlos, koͤnnen daher mit den ge⸗ woͤhnlichen Arbeitern ohne Unterſchied vollfuͤhret werden. Auch beduͤrfe es nur der einfachſten und bekannteſten Werkzeuge. 5) Es beruhe auf der einmal beſtehenden Eintheilung und den Beſitzſtand der Felder. Alle den Ackerbau betreffende Geſetze, Anordnungen und Obſervan⸗ Widerlegung der zur Ver⸗ theidigung deſſelben an⸗ gefuͤhrten Gruͤnde: Elterthum und Allge⸗ meinheit deſ⸗ ſeiben. 302 Das Felderſyſtem. zen, wohlhergebrachte Gerechtſame und Servitute ſtehen damit in innigſter Ver⸗ bindung, und das Syſtem ſelbſt koͤnne nicht abgeaͤndert werden, ohne dieſe ſaͤmmtlich zu vernichten. §. 313. Dieſe Gruͤnde verlieren aber ihren Anſchein bei naͤherer Erwaͤgung. Ad 1. Das Alterthum und die allgemeine Verbreitung dieſes Syſtems hat keinen Zweifel. Es ſtammt von den Roͤmern her, und dieſe hatten es in ihren entlegenern Provinzen, beſonders denen, woher ſie den Getreidebedarf haupt⸗ ſachlich nahmen, eingefuͤhrt, ungeachtet in dem naͤhern Umkreiſe der großen Stadt und dem ganzen ſtark bevoͤlkerten Theile Italiens nur ein gartenaͤhnlicher Feld⸗ bau mit zweckmaͤßiger Wechſelung der Fruͤchte herrſchte. Die roͤmiſche Geiſtlich⸗ keit, welche hauptſaͤchlich neben andern Kuͤnſten auch die des Ackerbaues unter den rohen Voölkern verbreitete, lehrte ſie lſolches als das zweckmaͤßigſte Syſtem kennen. Bei ihnen war noch Ueberfluß des Ackers vorhanden, obwohl der vor⸗ malige beliebige Ausbruch des ungetheilten wuͤſten Landes und das Umherziehen mit den Viehheerden nicht mehr ſtatthaft war. In Karl des Großen Capitulare de villis et curtis imperatoris wird die Beobachtung der Dreifelder ſeinen Beamten beſtimmt vorgeſchrieben. Kein Wunder alſo, daß in Zeiten, wo Autorität alles galt, und der Verſtand ſich jeder poſitiven Vorſchrift blindlings unterwarf, dleſes Syſtem ſich durch die chriſtliche Welt ſo allgemein verbreitete, und daß die geſetzlichen Einrichtungen des Eigen⸗ thums ſowohl als der Feldpolizey ſich ganz auf ſolches bezogen. Daß in na mali⸗ gen finſtern und unruhigen Zeiten, wo der Ackerbau allein in den Haͤnden des in Stupiditaͤt und Sciaverei verſunkenen Bauers, unter der Aufſicht der niedern Klaſſen der Freigelaſſenen ſich befand, nichts darin abgeandert wurde, iſt natuͤr⸗ lich. Das Herkommen herrſchte lange mit unwiderſtehlicher Gewalt uͤber Kuͤnſte und Wiſſenſchaften, und der leiſeſte Zweifel gegen ſeine Vernunftmäßigkeit ward als Ketzerei in jedem Fache betrachtet. Daher iſt auch erſt in den neueſten Zeiten die Jrage uͤber die allgemeine Vernunftmaͤßigkeit dieſes Syſtems in Anregung ge⸗ bracht worden, und es waren nur einige kleine Flecke des Erdbodens in den Nieder⸗ landen, in Hollſtein und einigen Grafſchaften Englands, wo ein anderes Syſtem des Feldbaues ſich auf andere Weiſe fruͤher ausgebildet hatte. Genug um den Das Feiderſyſtem. 303 Beweis fuͤr die Guͤte des Syſtems durch ſein Alterthum und ſeine allgemeine Verbreitung unhaltbar zu machen.. §. 314. Ad 2. Mit der ſtärkern Einſaat, welche dieſes Syſtem, iu Anſehung des Uebergewicht 2 3 ſeines Korn⸗ eigentlichen Getreides, auf gleicher Flaͤche des pflugbaren Ackers erlaubt, hat es haues. ſeine Richtigkeit, und das Dreifelderſyſtem ſteht darin nur dem vier und fuͤnf⸗ feldrigen nach. Wenn man aber die Flaͤche des Graslandes an Wieſen und Weiden, deren es zur Erhaltung ſeines in Hinſicht des Duͤngers unentbehrlichen Viehes bedarf, hinzunimmt, und alſo ſein ganzes Areal berechnet, ſich dieſes, ſey es auch nur in Anſehung der Weiden, pflugbar denkt, ſo kommt es ſchon mit der moͤglichen Einſaat anders zu ſtehen. Nur unter der Vorausſetzung, daß dieſes Grasland zureichend und nicht zur abwechſelnden Kultur brauchbar iſt, kann alſo jene Behauptung zugegeben werden, und unter dieſer Bedingung giebt es aller⸗ dings Fälle, wo man fuͤr die beſondere Lokalitat dem Syſteme den Vorzug einraͤu⸗ men muß. Allein Ausſaat und Ertrag iſt etwas ſehr verſchiedenes, und nur aus dem letzteren geht, nach Ahzug der Einſaat und der ſaͤmmtlichen Koſten, der reine Gewinn fuͤr den Landwirth und die Nation hervor. Und hierin werden in den bei weitem meiſten Faͤllen landere Syſteme ihren Vorzug beweiſen. Neh⸗ men wir aber gar auch andere zur Nahrung und zu den Beduͤrfniſſen der Menſchen nutzbare vegetabiliſche Produkte hinzu, die andere Syſteme ohne Nach⸗ theil des Getreidebaues weit mehr hervorbringen koͤnnen, ſo zeigt ſich ihr Vorzug noch auffallender. Die höhere Viehnutzung anderer Wirthſchaftsarten geſteht man zu, legt aber auf ſolche einen geringen Werth, und haͤlt ſie weder fuͤr den Landwirth, noch fuͤr die Nation von großer Wichtigkeit. So lange in unkultivirten Gegen⸗ den ein großer Ueberfluß des wilden Weidelandes vorhanden und der Viehzucht ausſchließlich gewidmet war, ſtand der Viehpreis in niedrigem Verhaͤltniſſe gegen den des Getreides. Der Preis des Viehes ſteigt, ſo wie die Kultur zunimmt und man das Land vortheilhafter durch den Pflug benutzen lernt, theils weil we⸗ niger zur Weide liegen bleibt, theils weil groͤßere Wohlhabenheit ſich durch alle Klaſſen verbreitet, und jede in den Stand kommt, die kraftvollere obgleich theurere Mindere Ar⸗ beit. 304 Das Felderſyſtem. Nahrung zu bezahlen. Dann wird die Nachfrage nach thieriſchen Produkten ſo groß, daß man kultivirtes Land und kuͤnſtlich erzogene Produkte fuͤr das Vieh beſtimmen kann, und den Acker durch ſelbiges eben ſo hoch, als durch Getreidebau benutzt, indem man es jetzt von einer weit geringern Flaͤche zu ernaͤhren weiß. Der Landwirth berechnet, wie viel ihm, außer dem baaren Ertrage ſeiner Vieh⸗ futterung, der Duͤnger, vermittelſt des dadurch vermehrten Getreideertrages, werth ſey, und findet ſich bewogen, die thieriſche Produktion noch immer zu ver⸗ mehren, bis nun durch die vermehrte Erzeugung die Nachfrage ſo reichlich befrie⸗ digt werden kann, daß der Preis der thieriſchen Produkte wieder faͤllt, wo dann wiederum mehr auf die Erzeugung des Getreides und anderer verkauflichen Ge⸗ waͤchſe verwandt wird, welches nun mit um ſo groͤßerm Erfolge wird geſchehen koͤn⸗ nen, da der Acker durch die vermehrte Viehzucht in groͤßere Kraft geſetzt worden. Dies iſt der Gang, den das Schwanken des Verhaͤltniſſes zwiſchen Viehzucht und Ackerbau allgemein genommen hat, und nothwendig nehmen muß, wo nicht ge⸗ waltſame Eingriſfe den Gang der Natur ſtoͤren, und er iſt gleich nuͤtzlich fuͤr die Nation in jedem Zuſtande ihres Reichthums, und fuͤr den produzirenden Land⸗ wirth. Nur in England ſchien eine Zeitlang das richtige Verhaͤltniß zwiſchen Ge⸗ treidebau und Viehzucht erreicht zu ſeyn, indem der Preis der thieriſchen Lebens⸗ mittel in einem faſt zu niedrigen Verhaͤltniſſe gegen den des Getreides zu ſtehen kam. Bei uns iſt es noch bei weitem nicht dahin gediehen, und wir koͤnnen noch die thieriſche Produktion um ſehr vieles erhoͤhen, mit derſelben aber zugleich den Ertrag unſerer Getreideſaaten, eher wir einen Ueberfluß von jenem erhalten, und von andern Laͤndern darin unabhaͤngig werden. Ein Syſtem, welches dieſes thut, ohne erweislich die Produktion anderer Fruͤchte zu vermindern, und den Acker in einen hoͤheren Stand der Fruchtbarkeit treh hat daher unbezweifelte PVorzuͤge. 5. 315. Ad z. In ſeinem einfachen reinen Zuſtande kann dieſes Syſtem ſeine Arbei⸗ ten bequem vollfuͤhren, wenn es Kraͤfte genug fuͤr die Saatbeſtellung und die Ernte hat. Außer dieſen Zeiten hat es aber fur die zu jenen erforderlichen Kraͤf⸗ ten zu wenig zu thun, und kann ſie in der Wirchſchaft nicht thätig genug beſchäf⸗ tigen, weshalb groͤßere und kleinere Wirthſchaften auf Rebengeſchaͤfte denken Das Felderſyſtem. 305 denken muͤſſen, wenn ihr Geſpann ſeine zureichende Ernährung bezahlen ſoll. Wird es aber durch ſtärkere Benutzung der Brache verwickelter gemacht, ſo muͤſſen ſeine ar⸗ beitenden Kräfte ſogleich vermehrt werden, oder es kommt in den geſchaͤftvollen Zeiten mit der Arbeit im Ruͤckſtand, und erleidet davon mannigfaltigen Schaden. Der Vorzug, den andere Syſteme durch eine gleichmäßigere Beſchaͤftigung des Zugviehs und der Menſchen haben, wird jedem einleuchten, der die Vertheilung der Arbeiten durch jede Jahreszeit bei ſelbigem ins Auge faßt. & 516. Ad 4. Daß Trägheit und Indolenz durch ein Syſtem befoͤrdert werde, kann Einfachheit wohl unmoͤglich demſelben zum Ruhme gereichen. So viele Kunſtfertigkeit, wie zur. Vollfuͤhrung jeder andern Beſtellungsart erforderlich iſt, kann auch dem einfaͤltigſten und ſteiſſten Menſchen beigebracht werden, wenn man nur ſelbſt den Willen und die Thätigkeit dazu hat. Der Erfolg wird zeigen, daß das Intereſſe, welches jeder Menſch an den Fruͤchten ſeiner Arbeit nimmt, beſonders wenn ſie ihm kuͤnſtlicher ſcheint, die Thatigkeit und Aufmerkſamkeit vermehren. Ueber die Werkzeuge haben wir uns ſchon an einem andern Orte erklaͤrt. Freilich iſt dieſe Kunſtfertigkeit und dieſe Kenntniß der Werkzeuge noch nicht allgemein verbreitet; aber iſt es ein Grund, ſich der Verbreitung einer anerkannt guten Sache zu widerſetzen, weil ſie noch nicht ver⸗ breitet iſt? 89. Ad§. Jene Einrichtungen erſchweren freilich die Vertauſchung dieſes Syſtems Eingefuhrte gegen ein anderes in den meiſten Ländern jedem einzelnen Landwirthe ſehr, und ma⸗ chen ſie ihm oft unmoͤglich. Es iſt deshalb auch dem einſichtsvollſten und thätigſten gen. Landwirthe nicht zu verdenken, wenn er ſich den unendlichen, oft damit verbundenen Schwierigkeiten nicht ausſetzen oder gar das Unmoͤgliche nicht unternehmen will, und ich habe oft erklart, daß man ein vortrefflicher Landwirth ſeyn und dennoch bei die⸗ ſen Syſtemen bleiben koͤnne, vielleicht gar Unverſtand verriethe, wenn man bei der jetzigen Lage der Dinge zu einem andern uͤbergehen wollte. Wenn aber von allgemei⸗ ner Nutzbarkeit und Vorzuge die Rede iſt, ſo kommen nur die Geſetze der Natur, nicht die der Menſchen in Betracht, indem ſich dieſe vernunftmaͤßig jenen unterwerfen, und in Uebereinſtimmung damit ſetzen muͤſſen. Dies kann und wird geſchehen allent⸗ halben, wo klare Begriffe uͤber Staats⸗ und Landwirthſchaft in die Kabinette der Erſter Theil. Qq Zerſtuͤckelung des Land⸗ eigenthums. 306 Das Felderſyſtem. Geſetzgebung eindringen. Es iſt ein toͤdtender Zirkelſchluß, wenn man ſogt: bei der jetzigen Einrichtung iſt ein verbeſſertes Wirthſchaftsſyſtem nicht vortheilhaft, und weil das Syſtem nicht vortheilhaft iſt, ſo verlohnt ſich's nicht der Muͤhe, jene Einrichtung abzuaͤndern!— Dennoch hoͤrt man täglich Geſchaͤftsmaͤnner nach dieſer Schluß⸗ form raiſonniren. §. 318. Die Einrichtungen, welche die Veraͤndernngen dieſes Syſtemes erſchweren und ſie dem Einzelnen oft unmoͤglich machen, beſtehen hauptſaͤchlich in der Zerſtuͤckelung jedes Landeigenthums, die ſich auf dieſes Syſtem gruͤndet, und das Syſtem ſo lange unabaͤnderlich erhalten hat. Ein jedes Gut hat nicht nur eine mehrentheils gleiche Ackerflaͤche in jedem Drittheile, worin die ganze Flur eingetheilt iſt, liegen, ſondern es ſind auch die zu jedem Gute gehoͤrigen Aecker noch in demſelben Theile der Feldſlur, in groͤßern oder kleinern Stuͤcken, wunderbar getrennt und vermengt. Hieraus folgt die Nothwendigkeit fur jeden, die einmal feſtgeſetzte Ordnung in der Beſtellung dieſer Felder zu befolgen; theils weil nach jedem einzelnen Stuͤcke keine Wege hingehn, und ſie ſo auf⸗ und durcheinander ſtoßen, daß durch die Pflugwendungen des andern Saat leiden wuͤrde, wenn jeder nach Gefallen ſein Stuck beſtellen wollte; hauptſaͤch⸗ lich aber, weil bis zur allgemeinen Beſtellungszeit und unmittelbar nach vollbrachter Ernte, oft ſchon, wenn die Hocken noch auf dem Felde ſtehen, eine gemeinſchaftliche Behůtung des ganzen Theils der Feldflur durch allerlei Vieh der ſaͤmmtlichen Inter⸗ eſſenten,(wozu haͤufig auch die einer benachbarten Gemeinde und andere, die gar kein Ackerland haben, gehoͤren,) eintritt; das Brachfeld aber derſelben das ganze Jahr hindurch unterworfen bleibt. Dieſe Einrichtung iſt gleich alt mit dem Syſteme ſelbſt, und gruͤndete ſich darauf, daß jeder einzelne Eigenthuͤmer die Weide ſeines Ackers einzeln nicht benutzen konnte, ohne dem andern Schaden zu thun. Dieſe Stoppel⸗ und Brachweide iſt bei der Vermehrung des Ackerlandes und Verminderung der uͤbrigen Weide ein immer groͤßeres Beduͤrfniß geworden, weil ohne ſelbige das Vieh den Sommer hindurch gar nicht erhalten werden kann. Deshalb wird über jede Verminderung oder Beeinträchtigung derſelben von jedem Intereſſenten und den Vorſtehern der Gemeinheiten eiferſuͤchtig gewacht. Alſo konnte dieſe, aus der niedrigen Stufe der Kultur ſichlherſtammende und faſt allgemein verbreitete Einrichtung, auch bei der entſtandenen Erkenntniß einer —— Das Felderſyſtem. 9 beſſern Wirthſchaſt da ſchwer gehoben werden, wo jeder kleine Beſitzer ſchon fruher zum ſreien und erblichen Eigenthuͤmer gemacht wurde. Nur in ſolchen Ländern, wo der Gutsherr ſich ſeine Rechte uͤber die Bauern und die ihm zugetheilten Felder vor⸗ behielt, und ihm nur den Anbau derſelben unter gewiſſen Bedingungen uberließ, hatte er die Macht, das Hoffeld herauszunehmen, und den Bauern das ihrige anzu⸗ weiſen, wo es ihm paßlich ſchien; weswegen nur einzelne deutſche Provinzen an die⸗ ſer Feldzerſtuͤckelung nicht leiden, und deshalb dann auch fruͤher zu einem zweckmaͤßi⸗ gern Ackerſyſteme gekommen ſind. §. 319. Ein Palliativmittel gegen jenes Uebel hat man dadurch angewandt, daß man Hůlfsmittel einen Theil des Brachſeldes, mehrentheils den zunächſt am Dorfe liegenden, der Hut vbei. und Weide entzog, und den Bau der Futterkraͤuter oder anderer Fruͤchte dadurch be⸗ guͤnſtigte; welches nur durch einen gerechten Machtſpruch der Regierungen oder der geſetgebenden Macht, die durch Schubarts durchdringende Stimme dazu aufge⸗ fordert waren, nicht ohne heftige Reklamationen der Weide⸗Intereſſenten bewirkt werden konnte. Hierdurch iſt etwas, aber nicht genug geholfen. In einigen Staaten hat neuerlich die aufgeklärte ſouveraine Macht mit hochſter Energie durchgegriffen, und alle Hut und Weide auf des andern Acker, ſobald er ihn beſtellte, unbedingt unterſagt, und ſomit jeden vorher nur beſchraͤnkten Grundeigen⸗ thumer zum vollkommenen gemacht. Wenn daſelbſt angenommen werden kann, daß kein anderer als der Grundeigenthuͤmer Weiderecht beſaß, ſo kompenſirt es ſich gegen einander; die Rechte keines ſind gefaͤhrdeth, ſondern es iſt nur ihr Mißbrauch zum Nachtheil anderer und des allgemeinen Beſtens aufgehoben. Es wird aber hierdurch die Stallfutterung des Viehes wohl großtentheils zur unbedingten Nothwendigkeit, in⸗ dem kein Eigenthumer ſeinen beſtellten Acker zu befriedigen verpflichtet iſt, ſondern ein jeder, der ſein Vieh noch austreiben will, fuͤr allen Schaden einſtehen muß; ja ſogar der einzelne oder die Gemeinde, die ihr Vieh austreibt, den Schaden zu erſetzen ge⸗ balten iſt, der in ihrer Nachbarſchaft durchs Vieh an einer Frucht geſchieht; wenn gleich nicht erwieſen werden kann, daß das ihrige ihn veranlaßt habe. Ob nun dieſe allgemeine Einfuͤhrung der Stallfutterung in jenen Staaten ſo ſchnell moͤglich ſey, und der Viehſtand bei der ſtrengen Beobachtung dieſer Vorſchrif⸗ Qq 2 . 308 Das Felderſyſtem. ten nicht zum Nachtheile des Ackerbaues zu ſehr vermindert werden muſſe, iſt eine Frage, die man ohne genaue Kenntniß der Lokalität nicht beantworten kann. Auch ſind dadurch noch nicht alle Schwierigkeiten gegen die Einfuͤhrung eines verbeſſerten Ackerſyſtems gehoben. Muͤbſamer, aber auch von groͤßerer Wirkung und keinesweges unmöglich iſt der allgemeine Umſatz der Aecker, wodurch einem jeden das Seinige an Grund und Bo⸗ den, nach gerechtem Erſatz der Quantität durch Qualität, in einer oder in einigen zu⸗ ſammenhaͤngenden Flaͤchen zugetheilt wird, die er dann befriedigen und nach ſeiner Willkuͤhr benutzen kann. Hierdurch allein kann ſich der Ackerbau der Nation und jedes Einzelnen zur hoͤchſten Vollkommenheit erheben, und dasjenige Syſtem in jeder Wirthſchaft eingefuͤhrt werden, was dieſe Vollkommenheit bewirkt. Aber freilich ſind die Hinderniſſe, die dieſem allgemeinen Ackerumſatze entgegen ſtehen,— viel⸗ leicht nicht ſo ſehr in phyſiſcher Hinſicht, als in moraliſcher und politiſcher— ſchwer zu uͤberwinden, wo einmal vollkommene Eigenthumsrechte jeder Klaſſe der Grundin⸗ haber zugeſichert ſind. Ein anderes freilich auch nur palliatives Huͤlfsmittel denke ich mir in folgender Einrichtung, die nach dem Lokale verſchiedene Modifikationen leiden kann. Es werde eine dreifeldrige Feldflur in neun gleiche Theile getheilt, und ſechs oder ſieben Jahre hindurch— je nachdem die Weideberechtigung ausgedehnter oder beſchraͤnkter war — jedem Eigenthuͤmer in jedem Schlage die willkuͤhrliche Benutzung ſeiner Acker⸗ ſtucke uͤberlaſſen, ohne daß er darin durch irgend eine Vor⸗ oder Nachhute, die im⸗ mer von geringem Belange iſt, geſtoͤrt werde. Nur verpflichte man ihn, daß er zu der vorletzten Frucht im funften oder ſechſten Jahre duͤnge, mit der letzten Frucht aber weißen Klee einſae. In den uͤbrigen zwei oder drei Jahren komit dann das Land zur gemeinſchaftlichen Weide, welche durch ihre Qualitaͤt alle vorherige Brach⸗ und Stoppelweide bei weitem uͤbertreffen muß, und nach zuruͤckgelegten Weidejahren den Acker zu einem weit beſſern Fruchtbau durch die Raſenfäulniß und den mehr konzen⸗ trirten Weideduͤnger geſchickt gemacht hat. Durch die mannigfaltigen freien Ver⸗ ſuche der Ackerbauer wird ſich bald die Rotation ergeben, welche nach der Beſchaffen⸗ heit des Bodens und den Wirthſchaftsverhaltniſſen die vortheilhaſteſte ſey, und dieſe wird von den meiſten ohne allen Zweifel eingefuͤhrt werden. Welche Schwierigkei⸗ ten dieſe Einrichtung haben koͤnne,— wenn ſie ernſtlich und mu Ueberlegung bei Das Felderſyſtem. 309 der acheilung der Schlaͤge, beſonders in Hinſicht der Wege, die moͤglichſt zu allen Stuͤcken fuͤhren muͤſſen, betrieben wuͤrde— ſehe ich nicht ein. 6. 320. Es ſind indeſſ en in der Fruchtfolge der Dreifelderweirthſchaft ſelbſt auf Fluren, die in Anſehung der Behuͤtung gemeinſchaftlich waren, ſchon oft Veränderungen mit allgemeiner Uebereinſtimmung der Intereſſenten vorgenommen worden. So ſind mir verſchiedene Dorffelder bekannt, wo man 1) Brache, 2) Gerſte, 3) Erbſen, 4) Rocken, 5) Hafer, 6) Rocken und darnach wieder Brache hat, oder man duͤngt 1) zu Gerſte, nimmt 2) Rocken, 3) Brache, 4) Rocken, 5) Erbſen, 6) Gerſte, 7) Rocken, 8) Hafer, 9) Brache. In ſehr ſtarkem Boden beſorgt man nach Brache von der Winterung Lagerkorn, und ſaͤet deshalb zuerſt lieber Gerſte, von der man hier verſichert, daß ſie ſich minder nachtheilig wie der Weizen lagere. Von der Dreifelderwirthſchaſt aber im Ganzen abzugehn entſchließt man ſich bei dem Allen nicht. K Zeri. Die vierfeldrige Wirthſchaft iſt an einigen Orten ſchon ſeit undenklichen Zeiten Die vierfel⸗ auf Gemeindefluren eingefuͤhrt. Man baut daſelbſt nach der Brache 1) Winterung, 2) Sommerung, 3) Winterung oder Sommerung, auch wohl gar in dieſem Felde Erbſen, und haͤlt darnach wieder Brache. Letzteres iſt ein ſo unwirthſchaftliches Verfahren, wie es ſich nur denken laͤßt, indem die Erbſen gehoͤrig beſtellt, eine vortref⸗ liche Vorfrucht zum Getreide abgeben, und der Acker keinesweges einer darauf folgen⸗ den Brache bedarf. Es iſt ein vierfeldriges Syſtem aber auch von manchen privativen Gutsbe⸗ ſitzern fur ſich ſowohl, als fuͤr ihre Bauern eingefuhrt worden, wovon ſich manche ungemein große Wirkung verſprachen. Die Jdee ſcheint mir auf einem Mißver⸗ ſtändniſſe uͤber das vierfeldrige Syſtem der Englaͤnder zu beruhen. Denn es kam beſonders ſeit der Zeit in Anregung, wie Friedrich der Große den Vorzug der engliſchen Landwirthſchaft anerkennend, dieſe durch den Engländer Brown und einige nach England geſchickte Wirthſchaftsverſtändige zuerſt auf ſeinen Domainen, dann durch beträchtliche Unterſtuͤtzungen anderer unternehmender Gutsbeſitzer allge⸗ mein in ſeinen Staaten einfuͤhren wollte. Es war anfangs dabei auf ein Kleefeld an⸗ geſehen, außer der Brache, von deren Benutzung zugleich geſprochen wurde. Nach⸗ 310 Das Felderſyſtem. mals aber wollte man die Getreidefruͤchte nacheinander nehmen, und nun im vierten Felde Klee haben, welcher naturlich noch ſchlechter, wie in der Dreifelderwirthſchaft gerieth. Nun werden mehrentheils drei Getreidefruchte in ſo eingetheilten Feldern gebaut, und dann Brache gehalten, und mir iſt nur ein einziges Beiſpiel eines Gu⸗ tes bekannt, welches wirklich auf einem Theile ſeiner Felder ſchon ſeit 25 Jahren den Fruchtwechſel von 1) behackten Fruͤchten, 2) Gerſte, 3) Klee, 4) Winterung betreibt. F.. Die fünffel⸗ Auch fuͤnf Felder findet man an einigen Orten bei Dorfgemeinden mit mannig⸗ faltiger Verſchiedenheit in der Folge der Fruͤchte. Wo nach der Brache 1) Winte⸗ rung, 2) Erbſen, 3) Winterung, 4) Sommerung gebaut wird, da gehört es nicht zu den uͤbelſten, falls die Brache dann vollſtändig bearbeitet wird. Mit kleinen Ab⸗ anderungen koͤnnten dieſe vier⸗ und fuͤnffeldrigen Syſteme leichter zu einem richtigen Fruchtwechſel, als das dreifeldrige gebracht werden, indem der Futterbau einen ange⸗ meſſenen Platz darin findet. Ueber die Verhaͤltniſſe worin die Dreifelderwirthſchaft in Anſehung der Arbeit, des Duͤngerſtandes und des Ertrages in ſich ſelbſt und mit andern Wirchſchaftsſyſte⸗ men ſtehe, wird die allgemeine tabellariſche Ueberſicht aller Wirthſchaftsarten am Schluſſe dieſes Kapitels mehreres Licht verbreiten. Das Wechſelſyſtem. Die Schlag⸗, Koppel⸗, Hollſteiniſche und Mecklenburgiſche Wirthſchaft. §. 323. Diejenige Wirthſchaftsart, wo der Acker eine Reibe von Jahren nacheinander zum Fruchtbau und dann wiederum eine Reihe von Jahren zur Viehweide, zuwei⸗ len auch zum Heuſchlage, diente, iſt ſeit jeher von Deutſchen, Englaͤndern und Italiànern Wechſelwirthſchaft genannt worden, und verdient dieſen Namen vorzuglich. Auch ich habe mich des Worts im erſten Bande meiner engliſchen Land⸗ wirthſchaft in dem Sinne bedient, und es iſt nicht meine Schuld, wenn man mit die⸗ Das Wechſelſyſtem. 311 ſem Ausdrucke nachher ein anderes Fruchtſolgeſyſtem ausſchließlich hat bezeichnen wollen und ſchlechthin dafuͤr angenommen hat. Man druckt ſich jetzt freilich gegen die meiſten verſtaͤndlicher aus, wenn man die obigen Namen ſtatt Wechſelwirchſchaft gebraucht. Aber dieſe ſind wieder zweideutig, und bezeichnen bei Andern nur eine beſondere Gattung jenes Syſtems. Unter Schlagen verſtehen manche nicht ein zuſammenhaͤngendes ed, ſondern zuweilen getrennte Feldſtuͤcke, die aber in jedem Jahre auf gleiche Weiſe beſtellt wer⸗ den, oder die Ordnung, in welcher dieſe Feldſtucke vertheilt ſind⸗ Koppel hingegen heißt bei ihnen ein zuſammenhaͤngendes Stuͤck, wenn gleich auf dieſem Stuͤcke in einem Jahre verſchiedene Fruͤchte gebauet werden. Viele geben dieſen Namen nur einem umzaͤunten Stuͤcke Landes. Andere wollen vie Hollſteiniſche Wirthſchaft des⸗ halb ausſchließlich Koppelwirthſchaft, die Mecklenburgiſche aber Schlagwirthſchaft nennen, weil dort Unzäunungen, hier keine gebraͤuchlich ſind. Die meiſten nehmen in den Gegenden, wo dieſe Wirthſchaft eingeführt iſt, die Ausdrucke gleichbedeutend. Ich denke mir unter Schlaͤgen die Vertheilung einer Feldflur nach einer gewiſſen Fruchtfolge, ſo daß nach Ablauf der mit den Schlägen gleichen Jahreszahl ein jeder Schlag ſich wieder in dem Zuſtande befinde, worin er zu Anfange des Umlaufs war, fordere aber nicht unbedingt den oͤrtlichen Zuſammenhang der Felder jedes Schlages, welcher insbeſondere bei der Stallfutterung keinesweges nöthig iſt; wo vielmehr un⸗ ter gewiſſen Verhaͤltniſſen, Trennungen in Hinſicht des Orts nuͤtzlich ſeyn können. Koppel aber nenne ich einen Schlag, der auch im oͤrtlichen Zuſammenhange ſteht. um alle Mißverſtändniſſe zu vermeiden, und nicht bloß einigen einzelnen Provinzen, ſondern allen Deutſchen verſtändlich zu werden, nenne ich die Wirthſchaftsart, von der wir jetzt reden, im Allgemeinen die Wechſelwirthſchaft mit Weide. Und um ihre beſondern Abarten zu unterſcheiden, nenne ich ſie Koppelwirthſchaft, wenn ſie nach der bisher gewoͤhnlichen landuͤblichen Art gefuͤhrt wird; und zwar Hollſteini⸗ ſche, wenn ſie mit uberwiegenden Weidejahren, und Mecklenburgiſche, wenn ſie mit Frucht⸗ und Brachſchlägen eingerichtet iſt. §. 324. Es iſt wahrſcheinlich, daß ſich dieſe Wirthſchaftsart im Norden noch aus denen Geſchichte der Zeiten herſtammt, wovon Tacitus ſagt, arva per annos mutant et superest ager(Sie verandern jährlich die Felder, und der Boden iſt uberfluſſig vorhanden). 312 Die Koppelwirthſchaft. Freilich ging man in jenen Zeiten wohl ohne alle Ordnung von einem Flecke des Bo⸗ dens zum andern uͤber, ſo wie der bisher angebaute erſchoͤpft war, und mit reichlichen Fruͤchten nicht mehr lohnte. Denn es war aufzubrechender Boden, der zur Weide gedient hatte, genug vorhanden. Wie aber bei vermehrter Bevoͤlkerung das Eigen⸗ thum Gränzen erhielt, ſah man ſich genoͤthigt, zu dem verlaſſenen Acker zuruͤckzukeh⸗ ren, fand, daß er durch die Ruhe und dem Weideduͤnger ſeine Kraft wieder erhal⸗ ten hatte, und ließ nun den ſpaͤter aufgebrochenen wieder zur Weide liegen. Von die⸗ ſer Wechſelung finden wir noch in manchen Gegenden Spuren, indem man die auf⸗ geyfluͤgten Ackerbeete unter alten Eichen noch deutlich erkennt. Wahrſcheinlich hatte ſich dieſes Verfahren in dem noͤrdlichſten Theile von Deutſchland, der daͤniſchen Halb⸗ inſel erhalten, war daſelbſt zu einem regulaͤren Syſteme geworden, um ſich von hieraus nun wieder auf benachbarte Provinzen zu verbreiten. Der Landdroſt von der Luͤhe lernte die Vorzuͤge dieſes Syſtems zu Anfange des vorigen Jahrhunderts daſelbſt kennen, und fing in den Dreißiger⸗Jahren deſſelben an, es auf ſeinen Guͤ⸗ tern in Mecklenburg, jedoch mit gewiſſen Modifikationen, einzufuͤhren. Er zog ſich dadurch heftigen Widerſpruch, Streit, Spott und Feindſchaft zu, die nachher bei Gelegenheit der Streitigkeiten mit dem Herzoge, wahrſcheinlich theils die Verfolgun⸗ gen veranlaßte, denen er unterlag, und die ſeine neue Wirthſchaft in Unordnung brachten, und ſeine Vermögensumſtände zuruͤtteten. Deshalb fand er lange Zeit nur verſteckte Rachahmer, die das Syſtem mit verſchiedenen neuen Modifikationen ganz in der Stille auf ihren Guͤtern einſuhrten, oͤffentlich aber wohl gar dagegen ſprachen. Auf einmal kam es an den Tag, daß dieſes Syſtem auf vielen Guͤtern, die bei der Dreifelderwirthſchaſt in die hoͤchſte Erſchoͤpfung verfallen waren, und deshalb ihr Duͤngerland auf eine immer kleinere Flaͤche hatten beſchraͤnken muͤſſen, durch dieſes Syſtem gehoben, aufs neue in Kraft geſetzt und zu einem ungleich hoͤhern Ertrag ge⸗ bracht worden war. Waͤhrend und nach dem ſiebenjaͤhrigen Kriege erhielt es aber erſt den allgemeinen Beifall, und verbreitete ſich uͤber den groͤßten Theil von Meck⸗ lenburg und von da aus einzeln im benachbarte Provinzen. Aus dieſen Zeiten ſind auch die erſten Schriften, welche wir daruͤber haben; z. B.„Roſenows Verſuche einer Abhandlung vom Ackerbau in der Koppelwirthſchaft, Leipzig 1759.“„Schu⸗ machers gerechtes Verhaͤltniß der Viebzucht zum Ackerbau aus der Mecklenburgi⸗ ſchen Wirthſchaftsverfaſſung..„Gedanken von der Mecklenburgiſchen Wirthſchaft . und —— Die Koppelwirthſchaft. 313 und Ausfuͤhrungskunde von Denſow.“„Von Fegeſack zur Aufnahme der Landwirth⸗ ſchaft, Berlin 1766. Die Vortheile, welche aus dieſer Wirthſchaftsart hervorgingen, insbeſondere auf ſolchen Gutern, die einmal in einen Abfall ihres Duͤngerſtandes gekommen waren, leuchteten nun einem jeden ſo ein, daß man dieſes Syſtem als das vollkommenſte un⸗ ter allen moͤglichen anſah, und ſich in dortigen Gegenden glucklich pries, bei der gaͤnz⸗ lichen Abhängigkeit der Bauern ſeine Aecker ohne Weitlauftigkeit zuſammenziehen und in Schlaͤge legen zu koͤnnen. Jetzt ſing man erſt den Werth des Grundes und Bo⸗ dens zu ſchätzen an, wobei dann freilich mancher Bauer den ſeinigen ganz oder zum Theil verlor. 25 So wie hier der Zufall dieſes Syſtem kennen lehrte, und ſeine Verbreitung be⸗ gunſtigte, verfielen doch auch in andern Gegenden denkende Koͤpfe auf daſſelbe. Die vorzuͤgliche Kraft des geruheten Bodens, die Sicherheit und Groͤße der Ernten, welche er giebt, und wiederum das reichliche Weidegras„was auf hohen Weiden, die unerſchoͤpft einige Jahre lang vom Pfluge ruhen, gegen andere, die unaufgebro⸗ chen lange Jahre gelegen haben, hervorkommt, mußte aufmerkſame Beobachter auf die Vortheile dieſes Wechſels leiten. Camillo Tarello in ſeinem Ricordo d'a- gricultura lehrte dieſes Syſtem, und zwar in ſeiner groͤßern Vollkommenheit, auf rationelle Grunde geſtützt. Nach ihm ſollte das Grasland mittelſt eines achtmaligen Pflügens aufgebrochen und zum Fruchtbau benutt werden, ohne Duͤnger, es ſey denn etwa Kalk, fruͤher darauf zu bringen, als mit der letzten Saat, unter welcher Klee und zweckmäßige Gräfer zu ſäen waͤren, und womit dann das Land eine Reihe von Jahren zur Weide oder zur Futterung des Viehes liegen bleiben ſolle. Auch Bertrand zu Orbe in der Schweiz lehrte in ſeinem clements d'agriculture dieſes Syſtem, und bewies die Vorzuge des auf dem Acker entſtandenen Raſens vor ältern Weiden, und wiederum die Fruchtbarkeit, welche die Raſenfaͤulniß den nachher gebauten Fruͤchten gebe. Auch findet man es in der Schweiz und in einigen ſuͤdlichen Gegenden Deutſchlands, ich weiß nicht ſeit wann, eingefuhrt. §. 326. Bei dem allen hat dieſes Syſtem viele Widerſpruͤche von andern erlitten, denen es aber mehrentheils an einem vollſtändigen Begriffe davon fehlte. Man glaubte, Crſter Theil. Rr „ 314 Die Koppelwirthſchaft. der Kornbau wuͤrde dadurch zu ſehr beſchränkt, und bielt es fuͤr eine Schande der Kultur, ſo vieles Land unbeſtellt liegen zu laſſen. Man glaubte, die Verminderung der Arbeit ſei der einzige Grund des Beifalls, den es hin und wieder erhalten habe, man berief ſich auf die Einziehung der Bauerhoͤfe in Mecklenburg, und verſicherte ſomit, daß es durch verminderte Rahrung und verminderten Verdienſt der Menſchen geradezu zur hoͤchſten Entvoͤlkerung des Staates fuͤhre. Die Koͤnigliche Akademie der Wiſſenſchaften zu Berlin machte daher die Frage uͤber die Anwendbarkeit der Koppelwirthſchaft, vorzuͤglich in der Mark Brandenburg, im Jahre 1791 zur Preisaufgabe, zu deren Beantwor⸗ tung ſehr viele Schriften einliefen; noch mehrere aber durch die uͤber ſelbige entſtan⸗ dene Streitigkeiten, beſonders durch die von dem Staatsminiſter Grafen von Herz⸗ berg uͤber dieſen Gegenſtand gehaltene Vorleſung, worin er ſich gegen die Koppel⸗ wirthſchaft erklarte, herauskamen. Dieſe Schriften ſind von verſchiedenem Gehalte, und haben vielleicht ſammtlich in einzelner Hinſicht Verdienſt. Allein ſie ſtellen weder die Verhältniſſe der Wirthſchaften klar genug gegen einander, noch geben die meiſten von ihnen eine hinlaͤnglich deutliche Anſicht von der Koppelwirthſchaft dem, der ſie gar nicht kennt. §. 322. Das Weſentlichſte der Koppelwirthſchaft, welches aber von den Gegnern derſel⸗ den am meiſten uͤberſehen worden, iſt, daß ſie ihren ſaͤmmtlichen Grund und Boden, der dem Pfluge ſeiner phyſiſchen Beſchaffenheit nach einigermaßen unterworfen wer⸗ den kann, in ihrem Wechſel mit aufnimmt. Sie hat kein Fleckchen Landes, welches ſie nicht kultivirt, wenn es der Kultur faͤhig iſt. Nur der zu feuchte, unabwaͤſſerliche Boden iſt zu Wieſen; der zu ſteile und vielleicht zu abgelegene dem Holze gewidmet; dann aber auch dieſer Benutzung ausſchließlich. Sie bedarf keiner Weide auf Wie⸗ ſen, oder benutzt dieſe wenigſtens nicht anders dazu, als in dem Falle, daß es ihnen im Fruͤhjahre und Spaͤtherbſte voͤllig unſchaͤdlich waͤre. Ihre Holzung aber iſt voll⸗ kommen geſchloſſen, und kein Stuͤck Vieh unterdruͤckt den jungen Ausſchlag oder be⸗ nagt die aufgewachſenen Bäume. Beſondere Weidereviere aber geſtattet ſie durchaus nicht, ſondern Alles, was eine Reihe von Jahren zur Viehweide diente, kommt nun, durch Weideduͤnger und Raſenfaͤulniß in Kraft geſetzt, eine andere Reihe von Jahren Die Koppelwirthſchaft. 315 zum Fruchttragen. Dagegen wird nun der abgetragene jedoch von rechtswegen nicht erſchoͤpfte Acker niedergelegt, um dem Viehe Nahrung zu geben, und neue Kraͤfte durch Graswuchs und Weideduͤnger zu erlangen. Es iſt in vielen Fallen an ſich ſchon unrichtig, daß dieſe Wirthſchaſt gegen die Dreifelderwirthſchaft ihre Einſaat beſchraͤnke. Es giebt der Fäͤlle viele, wo dieſe beim Uebertritt in die Koppelwirthſchaft vermehrt worden iſt, indem das vormalige, zur Erhaltung des Viehes unentbehrliche Weideland, insbeſondere der veroͤdete und nur noch mit einzelnen ſtruppigen Baͤumen beſetzte Forſtgrund zu den Ackerſchlagen genommen ward, oft mit großem Gewinn fuͤr die Holzkultur ſelbſt. Durch die reichere und kultivirte Weide aber iſt ſie nun im Stande, ſo viel meh⸗ reres Vieh zu halten, und es beſſer und mit groͤßerer Sicherheit zu ernähren. Neben der hoͤhern Benutzung deſſelben gewinnet ſie nun den zureichenden Duͤnger, und der Acker erhaͤlt ſelbſt den auf der Weide fallenden, der bei der Felderwirthſchaft ſo gut wie ganz verloren iſt, fuͤr den Fruchtbau. Da nun der Ertrag der Koͤrner ſo ganz von der im Acker befindlichen Kraft abhängt, ſo wird dieſer von derſelben Einſaat ſo betraͤchtlich vermehrt, daß in den meiſten Fällen, auch bei wirklich verminderter Ein⸗ ſaat, ſolcher eher vergroͤßert als herabgeſetzt wird. Man hat es deshalb faſt allge⸗ mein zugeben muͤſſen, daß ein im Wechſel liegender Acker, bei gleicher Duͤngung und Fruchtfolge, nach der Ruhe ein Korn mehr Ertrag gebe, welches als reiner Ge⸗ winn von großer Bedeutung iſt. Dazu kommt nun aber die hoͤhere Benutzung, welche ſie aus dem Viehe zieht, indem ſie dieſem den ganzen Sommer hindurch eine zureichende und ſich mehr gleich⸗ bleibende Weide geben, und faſt in jedem Falle wegen des groͤßern Umfanges oder wegen der groͤßern Kraft derſelben weit mehreres Vieh halten kann. Die allge⸗ mein zugeſtandene hoͤhere Nutzung des Viehes kann alſo, wenn der Koͤrnerer⸗ trag ſich auch nur gleich bliebe, immer als Vortheil dieſer Wirchſchaſtsart gegen die Felderwirthſchaft betrachtet werden. §. 327. Das Verhaͤltniß, nach welchem der Acker zwiſchen Fruchtbau und Weide wech⸗ ſelt, iſt nun bei dieſen Wirthſchaften ſehr verſchieden, und aus dieſem verſchiedenen Rr 316 Die Koppelwirthſchaft. Unterſchied zwiſchen der Hollſteini⸗ ſchen und Mecklenburgi⸗ ſchen. Die Hollſtei⸗ niſche. Verhaͤltniſſe mit allen ſeinen Nebenfolgen geht der mannigfaltige Unterſchied i⸗ Wirthſchaftsart hervor. Zuvoͤrderſt der Unterſchied zwiſchen den, der groͤßern Landuͤblichkeit wegen ſoge⸗ nannten Hollſteiniſchen und Mecklenburgiſchen Wirchſchaſten. Bei erſterer uͤberwiegt die Weide und Viehhaltung den Ackerbau, oder hat doch einen merklich groͤßern Antheil am Ertrage des Ganzen, wie bei der Mecklenburgi⸗ ſchen; der Hollſteiner beackert nicht nur weniger Land, ſondern wendet auch weniger Arbeit daran. Nach der urſpruͤnglichen, zwar nicht mehr allgemeinen, aber doch noch haͤufigen Nationalwirthſchaft, wird keine vollſtaͤndige Brache gehalten, und fin⸗ det kein Sommerpflugen ſtatt. Man hat ſich wenigſtens lange geſcheut, durch zu ſtarkes Pflugen die Grasnarbe und die Keime der Graͤſer zu zerſtoͤren, und den wil⸗ den Graswuchs fuͤr's kuͤnftige zu ſchwächen. Das Weideland wird daher nicht mittelſt einer Brache umgebrochen, ſondern häufig gleich auf die erſte Furche Hafer geſäet, oder bei mehr ſandiger Beſchaffenheit Buchweizen. Dieſen ſoge⸗ nannten Dreeſchhaſer haben auch diejenigen— und wie ich glaube mit Grunde— beibehalten, welche von der Nuͤtzlichkeit einer vollkommneren Bearbeitung uͤber⸗ zeugt, Brache nach demſelben halten. Auch bei dem Niederlegen des Landes zur Weide vermeidet man gewoͤhnlich die zu ſtarke Auflockerung und Krautzer⸗ ſtörung, pfluͤgt daher zu der letzten Frucht— gewoͤhnlich Hafer— abſichtlich nur einmal, und nennt dieſen Hafer deshalb Hartlandshafer, weil das Land hart dabei bleiben ſoll. 5. 328. Der Hollſteiner— es verſteht ſich, daß hier immer von der Mehrheit die Rede iſt, indem man in Ruͤckſicht auf Einzelne in Hollſtein Wirthſchaften an⸗ trifft, die vollig nach Mecklenburgiſcher Art geſtaltet ſind— hat mehrere Schlaͤge und einen laͤngern Umlauf(Roulirung, Turnus, Rotation). Er bauet gewoͤhn⸗ lich mehrere Getreideſaaten nacheinander, läßt dann aber den Acker um ſo län⸗ ger wieder zur Weide liegen. Das gewoͤhnlichſte Verhältniß iſt in Hollſtein, daß ein Fuͤnſtel Winterung, ein Fünftel Sommerung und drei Fuͤnſtel Weide ſind. Wird Brache gehal⸗ Die Koppelwirthſchaft. 317 ten, welches jetzt um ſo häufiger wegen des allgemein eingefuͤhrten Mergelns geſchieht, ſo beträgt ſie doch nur ein Zehntel. Man nimmt dann gewoͤhnlich: 1) Dreeſchhafer; 2) Brache; 3) Winterung; 4) Sommerung; 5) Winterung oder Sommerung, und dann fuͤnf Jahre Weide. Unter 10 Schlägen hat man ſelten oder nie. Man findet aber auch Abtheilun⸗ gen von 12, 13 und 14 Schlägen, welche ihre Pflug⸗ und ihre Weidejahre in einer Folge nacheinander haben, und dann mit einem noch groͤßern Verhältniſſe des Wei⸗ delandes zum Pfluglande. Denn mehr als fuͤnf Fruͤchte banet man wohl nie hinter⸗ einander. gZur Umlegung der Schlaͤge entſchließt man ſich in Hollſtein deshalb weniger wie in Mecklenburg, weil jeder Schlag mit einer Beſtiedigung eingefaßt iſt, die aus Graben und Wall beſteht, mit einer darauf gepflanzten Hecke beſetzt, die man Knick zu nen⸗ nen pflegt, und die man bei einer Wirthſchaft, die ſo vorzuglich auf Weide berech⸗ net iſt, fuͤr etwas ſo weſentliches halt, daß manche den ganzen Unterſchied zwiſchen Mecklenburgiſcher und Hollſteiniſcher Wirthſchaft in dieſen Knicken ſetzen. Weshalb denn auch der Streit uͤber den Nutzen und Schaden dieſer Knicke ſo lebhaft gefuͤhrt iſt. Sie werden jedesmal abgehauen, wenn die Koppel aufgebrochen wird, wachſen dann waͤhrend des Getreidetragens langſam heran, und gewahren während der Weide⸗ zeit unleugbar vielen Nutzen. Um dieſer Knicke willen, deren erſte Anlage muͤhſam und koſtſpielig iſt, ent⸗ ſchließt man ſich alſo zu einer Abänderung der Koppeln nicht leicht, und auf Guͤtern, wo die Zahl derſelben zu groß ſchien, hat man lieber eine oder die andere herausge⸗ nommen, und ſie auf eine beſondere Weiſe bewirthſchaftet; ungefaäͤhr ſo, wie die Mecklenburger ihre Nebenkoppel zu benutzen pflegen. Da der Hollſteiner ungleich mehr Vieh haͤlt, wie der Mecklenburger, auch ſol⸗ ches im Sommer ſowohl als im Winter beſſer naͤhrt, ſo gewinnt er im Allgemeinen weit mehrern Duͤnger und erhalt ſein Land hierdurch neben der längern Ruhe in weit groͤßerer Kraft. Hierdurch gewinnt er der minderen Bearbeitung ungeachtet haufig groͤßere, aber im Allgemeinen vielleicht minder ſichere Ernten⸗ Die Mecklen⸗ burgiſche. 318 Die Koppelwirthſchaft. Da dieſe Wirthſchaftsart in Hollſtein ſeit uralten Zeiten beſtand, und der Bo⸗ den dabei von Jahr zu Jahr an Kraft zunehmen mußte, ſo ſcheint ſeine Grundbe⸗ ſchaffenheit urſpruͤnglich ſehr gut zu ſeyn, obwohl ſie(es verſteht ſich, daß wir hier nicht von den Niederungen oder Marſchen reden) in Anſehung ihrer eigentlichen Erdmiſchung keine Vorzuͤge weder vor Mecklenburg noch vor vielen andern norddeut⸗ ſchen Provinzen hat. Aber Reichthum von Humus nnd Ueppigkeit der Vegetation findet man haͤufig auf Boden, wo der Sand ſo praädominirt, daß er bei einer andern Kultur nur das Bild der Unfruchtbarkeit darſtellen wuͤrde. Hieraus erklart ſich die wunderbare Wirkung des aufgefahrenen merglichten Lehms,(eine Operation, wel⸗ che man jetzt unter die Eigenthumlichkeiten der Hollſteiniſchen Wirthſchaft zahlen kann) die man in andern Gegenden vor verſtärkter Miſtduͤngung in dem Maaße nicht erwarten kann. Auf die Molkerei, welche man in Hollſtein und Mecklenburg Holländerei zu nennen pflegt, wird dort die groͤßte Aufmerkſamkeit verwandt, weil man im Durchſchnitte rechnet, daß aus ſelbiger die Hälfte des reinen Ertrages der Wirth⸗ ſchaft, zuweilen ſelbſt mehr als aus dem Fruchtbau herauskomme. Ueber die Benutzung der Schlaͤge werden wir bei der allgemeinen Ueberſicht der Verhaltniſſe der verſchiedenen Wirthſchaftsarten gegeneinander das Weſentliche angeben. §. 329. Der Mecklenburger verwendet dagegen eine ungleich groͤßere Aufmerkſamkeit auf den Koͤrnerbau und die Beackerung des Bodens, und die Wirthſchaftsart iſt uber⸗ haupt verwickelter und mannigfaltiger bei ihm. Er haͤlt in jedem Umlaufe ein⸗oder gar zweimal völlig reine Brache, die in der Regel im Herbſte ſchon umgebrochen und einen ganzen Sommer hindurch mit großem Fleiße bearbeitet wird. Er hat deshalb natuͤrlich weniger Weide und weniger Vieh, und dieſes wird im Sommer und Win⸗ ter ſchlechter genährt, weshalb der Viehertrag bei dieſer Wirthſchaft ungleich gerin⸗ ger, als bei der Hollſteiniſchen iſt. Deshalb aber duͤngt er auch ſchwächer, und ſucht den mangelnden Duͤnger zum Theil durch ſtärkere Beackerung zu erſetzen, nach welcher er freilich oft beſſere Korn⸗ ernten, als der Hollſteiner nach ſtäͤrkerer Duͤngung bewirkt, aber auch den Boden Die Koppelwirthſchaft. 319 mehr erſchoͤpft. Dieſen Duͤngermangel hat man indeſſen durch die ſorgfaltigſte Benu⸗ tzung des von der Natur erzeugten und aufbewahrten Duͤngers, vorzuͤglich des Mod⸗ ders, der ſich in Niederungen und Sinken ſeit Jahrtauſenden angehauft hatte, und zuweilen durch den Gebrauch der Waſſerkraͤuter, beſonders des dort ſogenannten Tangs oder Porſts, mit vielem Fleiße zu erſetzen geſucht, und dadurch auf manchen Guͤtern die Erſchoͤpfung des Bodens verhindert. Der Gebrauch des merglichten Lehms verbreitet ſich in Mecklenburg zwar auch auf manchen in Kraft erhaltenen Guͤ⸗ tern ſehr nuͤtzlich, wird aber daſelbſt das Gluͤck nicht machen, wie auf dem kraſtrei⸗ chern Hollſteiniſchen Boden. Wenn der Hollſteiner ſeine ſaͤmmtlichen Schlaͤge mehrentheils in einer Rotation bewirthſchaftet, ſo trift man auf den Mecklenburgiſchen Guͤtern gewohnlich mehrere Schlagordnungen an, und man unterſcheidet folgende drei Arten. §. 330. 1) Die Binnen⸗ oder Hauptſchlaͤge. Zu dieſen iſt der beſſere ſeit jeher, auch ſchon bei der Dreifelderwirthſchaft, mehr in Duͤnger gehaltene Acker gewählt. heilungen. Sie liegen dem Hofe am naͤchſten, und ſtoßen entweder auf ſelbigen zu, oder ſind doch durch kuͤrzere Wege damit verbunden. Sie machen den Hauptbeſtandtheil des Gutes aus, und ihre Weide iſt mehrentheils dem nutzbaren Rindviehe beſtimmt. 2) Die Außenſchlaͤge. Sie enthalten das ſchlechtere oder mehr vernach⸗ läßigte und abgelegene Land, welches man bei der Felderwirthſchaft ſechs⸗ und neun⸗ jähriges Rockenland zu nennen pflegt, und ſie ſind entweder aus dieſen oder aus vor⸗ mals gemachten und erſchoͤpften Aufbruch entſtanden. Die Weide auf ſelbigem iſt fuͤr das Rindvieh zu karglich, auch wohl zu entfernt, und deshalb fuͤr die Schaͤferei be⸗ ſtimmt, die der Hollſteiner in der Regel gar nicht hat, der Mecklenburger aus der Dreifelderwirthſchaft beibehielt, ſie aber bis auf die neueſte Zeit ſehr vernachläͤßigte, und wohl hoͤchſt geringen reinen Ertrag davon hatte. Von rechtswegen ſollten dieſe Außenſchläge wenigſtens den Pferch der Schafe erhalten. Weil mon deſſen aber fuͤr die Binnenſchlaͤge mehrentheils zu beduͤrftig iſt, ſo wird er ihnen haͤufig auch entzogen, und ſie erhalten gar keinen Duͤnger, ſondern muͤſſen aus der ſogenannlen Ruhe einige Saaten abtragen. Aber dieſe Ruhe hilft wenig, weil ſich kein Raſen darauf erzeugt und alſo auch wenig Weideduͤnger darauf faͤllt. 320 Die Koppelwirthſchaft. 3) Die Nebenkoppeln. Sie enthalten mehrentheils vorzuͤgliches und nah am Hoſe belegenes Land, ſind mehrentheils eingezàunt, und den Wörcthen oder Wurthen der Felderwirthſchaft gleich zu ſchaͤtzen. Ihr Zweck iſt hauptſaͤchlich, dem Zug⸗ und Haushaltsvieh Weide zu geben, welches letztere man von dem Holländerei⸗ vieh, welches mehrencheils verpachtet iſt, unterſcheidet. Dann dienen ſie aber auch zum Futterbau und Heugewinnung, und werden auch deshalb wohl Kleekoppeln ge⸗ nannt. Jedoch werden ſie auch wechſelsweiſe zum Getreidebau benutzt. Manche ha⸗ ben ſie neuerlich nach der Regel der Fruchtfolge zu bewirthſchaften angefangen, und insbeſondere die vierſchlägige Rotation von 1) behackten Fruͤchten, 2) Gerſte, 3) Klee, 4) Winterung dafur gewaͤhlt. Ueberhaupt findet aber keine allgemeine und reguläre Bewirthſchaftung derſelben ſtatt, ſondern man behandelt ſie willkührlich nach dem Bedarf eines jeden Jahres und zur Beihuͤlfe der Hauptſchläge. Ihre Groͤße iſt mehrentheils nach dem Verhältniſſe des erforderlichen Zug⸗ und Haushaltsviehes ein⸗ gerichtet, weil ſie urſpruͤnglich nur zu deſſen Weide beſtimmt waren. Man konnte da naͤmlich die Zugochſen beſſer verpflegen und naͤher zur Hand ha⸗ ben, wenn man ſie brauchte. Gewoͤhnlich trifft man drei ſolcher Koppeln, wovon noch der urſpruͤnglichen Einrichtung eine mit Getreide beſtellt, eine andere zu Heu gemaͤ⸗ het, eine deitte zur Weide gebraucht und ſo alle zwei oder drei Jahre damit gewechſelt werden ſollte. §. 331. Rach dem Zuſtande, worin ſich die Schlaͤge befinden, heißen ſie 1) Weide⸗, 2) Saat⸗, 3) Brachſchlaͤge. Wo in dem Umlaufe zwei Brachen, eine unmittelbar nach dem Aufbruch der Weide, eine andere zwiſchen den Saaten gehalten wird, da heißt erſtere Raubrache, gruͤne Brache, Dreeſchbrache, Ruhebrache, Altbrache, und man ſagt dann, der Acker trage, weil er in der Regel hier keinen Miſt erhaͤlt, aus der Ruhe, richtiger vermoͤge der Raſenfäulniß. Die andere heißt Muͤrbebrache, Schwarzbrache, neue Brache, und weil ſie geduͤngt wird, Miſt⸗ oder fette Brache. §. 332. Ronliruns der Dieſe Schlaͤge machen bei der Hollſteiniſchen ſowohl als Mecklenburgiſchen Schlige. Wirthſchaft einen Zirkel oder Umlauf, ſo daß alle Jahre einer in die Stelle des andern Die Koppelwirthſchaft. 321 andern tritt. Dieſer Umlauf dauert ſo viele Jahre als Schläge ſind, und im Jahre, nach vollendetem Umlaufe, muß jeder Schlag ſich an der Stelle und in dem Zuſtande finden, worin er zu Anfange deſſelben war. Daraus folgt dann auch, daß jedes Jahr gleich viele Schlaͤge jeder Art vorhanden ſind. Dies bewirkt dann die ſo nuͤß⸗ liche Gleichheit und Regularität der Wirthſchaft durch alle Jahre, welche die Ueber⸗ ſicht nicht nur ſo ſehr erleichtert, ſondern auch einen gleichmaͤßigen Ertrag aus den verſchiedenen Zweigen der Wirtbſchaft ſichert; ſo daß ſich die Ordnung und der Etat bei keiner Wirthſchaftsart mit geringerer Muhe beachten und beſtimmen laͤßt, als bei dieſer, wenn ſie einmal gehoͤrig eingerichtet worden. Dagegen aber iſt auch die Ein⸗ richtung bei keiner Wirchſchaftsart ſchwieriger und erfordert groͤßere Ueberlegung, weil nachber eine jede Abänderung, ohne totale Abaͤnderung des Ganzen, kaum moglich iſt, und die vorige Ordnung gaͤnzlich zerſioͤrt. § 333 Wo es irgend moͤglich iſt, legt man die Schlaͤge nach ihren Nummern und Verbindun nach ihrer Folge auch oͤrtlich in einem Kreiſe, ſo daß z. B. bei 11 Schlagen No. 11. wiederum mit No. 1. graͤnze. Dadurch erreicht man, daß die Weideſchlaͤge nebenein⸗ Nummer. ander liegen, das Vieh ſie entweder ſammtlich uͤbergehen, oder doch, ohne Wege zu be⸗ treten, von einer zur andern kommen könne. Auch laͤßt man eine und dieſelbe be⸗ friedigte Koppel, in welcher das Vieh die Nacht zubringt, ſo lange ſie zu Graſe liegt, um neue Befriedigungen zu erſparen, zur Nachtkoppel dienen; welches aber andere verwerfen, weil dieſe Koppel dadurch in Anſehung des Weideduͤngers auf Koſten der uͤbrigen beguͤnſtigt wird; es ſey denn, daß man eine ſolche Koppel vor andern zu ver⸗ beſſern beſondere Urſach habe. Ueberdies iſt das Zuſammenhängen der Weidekoppeln wegen der Viehtraͤnken von Wichtigkeit, indem man dann mit einer fuͤr 2 oder 3 Kop⸗ peln ausreichen kann. Da dieſe Viehtranken nicht immer leicht einzurichten ſind, ſo erfordern ſie bei der oͤrtlichen Einrichtung der Schlaͤge viele Ruckſicht. §. 334. In der Regel ſoll der Flächeninhalt der Schläge gleich ſeyn. Man hat aber Sleichheit der hauſig bei ungleichem Boden die ſchlechtern nach Verhaͤltniß großer gemacht, um wo Kopbeln. moͤglich gleichen Koͤrnerertrag und gleiche Weide in jedem Jahre zu haben. Weil der Erſter Theil. Ss 322 Die Koppelwirthſchaft. ſchlechtere, mehrentheils ſandigere Boden leichter zu bearbeiten iſt, ſo wird auch der Unterſchied der Arbeit nicht merklich. Und weil man auch der Gute des Bodens nach die Einſaat zu vermehren und zu vermindern pflegte, ſo war auch darin die von aͤltern Dekonomen ſo hoch geſchaͤtzte Gleichheit. Allein an Důnger fehlte es nun um ſo mehr, da dieſer ſchwaͤcher auf den Acker einer groͤßeren Koppel geſtreut werden kann, un⸗ geachtet der ſchlechtere Boden deſſelben um ſo ſtärker bedarf, wenn er gleichmäßig tra⸗ gen ſoll. Man hat ſich daher mehrmals genoͤthigt geſehen, von dieſen groͤßern Schlaͤgen den ſchlechtern Theil anders zu behandeln, ihn laͤnger zu Graſe tiegen zu laſſen, weniger Fruchte davon zu nehmen, und ihn nur bei einigen Saaten als Sup⸗ plement zu gebrauchen. Oder aber man hat ſich vermittelſt der Nebenkoppeln gehol⸗ fen, und in dem Jahre, wo dieſer groͤßere und ſchlechtere Schlag zur Duͤngung kam, keine Nebenkoppel geduͤngt, um deſto mehr auf jenen verwenden zu koͤnnen. §. 335. Wenn ſonſt der Boden verſchieden iſt, und man ihn dennoch in eine Rota⸗ tion nehmen will, ſo richtet man es ſo viel moͤglich ſo ein, daß jeder Schlag einen faſt gleichen Theil von jeder Art des Bodens erhalte. Dies macht oft viele Schwie⸗ rigkeit, und noͤthigt, den Koppeln andere Formen zu geben, wie man es in geome⸗ triſcher Ruͤckſicht thun wuͤrde. Einen kleinern Fleck ſchlechten Bodens, den man der Hertlichkeit wegen mit in einem Hauptſchlag nehmen muß, ſucht man durch ſtär⸗ kere Duͤngung, oder beſſer durch Befahren mit einer fruchtbaren Erdart, zu verbeſſern.. Zuweilen hat man es noͤthig geſunden, einen Schlag von durchaus ſchlech⸗ terer Beſchaffenheit doch mit in die Rotation zu nehmen, ihn aber zu ſchonen, und wie man es nennt derouliren zu laſſen. Man läßt ihn naͤmlich ein Jahr laͤnger zur Weide liegen, und greift dagegen einen andern, der es ertragen kann, vor. Erſterer traͤgt dann in der Rotarion eine Ernte weniger; letzterer aber hat eine kurzere Ruhe und trägt eine Ernte mehr, wodurch denn natuͤrlich jenem aufgeholfen, dieſer aber geſchwaͤcht wird. Es iſt ein Nothbehelf, der nur mit großer Vorausſicht angewandt werden darf, gemißbraucht aber die ganze Wirth⸗ ſchaft auf mehrere Rotationen in Unordnung bringen kann. Man hat beſonders darauf zu achten, daß Paͤchter, denen dieſer Kunſtgriff ungemein vortheilhaſt ſeyn Die Koppelwirthſchaft. 323 kann, ſich ſolchen nicht erlauben, wenn nicht die ganze Einrichtung ſchon bei der Anlage hierauf berechnet war. Man ſagt, daß auch viele habſuͤchtige Eigenthuͤ⸗ mer ſelbigen in den gluͤcklichen Ausfuhrjahren des Getreides in Mecklenburg ge⸗ braucht haͤtten. §. 336. Die Lage der Koppeln haͤngt alſo oft von der Oertlichkeit, von der Figur Lage der Kon⸗ des ganzen Areals und von der Lage des Wirthſchaftshofes ab. Aber es duͤrfen auch andere Hinſichten nicht vergeſſen werden, die oft eine viel buntere Einthei⸗ lung begruͤnden, als der Figur nach noͤthig ſcheint. Die vollkommenſte Lage der Koppeln iſt ohne Zweifel die, wenn ſie in einem ganzen oder halben Zirkel um den Hof herum liegen, ſich zunaͤchſt an denſelben, keilfoͤrmig zulaufend, faſt ver⸗ einigen, und dann immer weiter ausbreiten. Man pflegt dies eine faͤcherfoͤrmige Lage oder en eventail zu nennen. Hierzu iſt aber eine guͤnſtige Lage des Ho⸗ fes faſt nothwendig, und eine ziemliche Gleichheit nebſt ununterbrochenem Zu⸗ ſammenhange des Ackerlandes. §. 337. Am beſten iſt es, wenn jede Koppel nur mit vier Seiten begrenzt iſt, und Fiaur der keine Winkel hat, die immer die Beackerung erſchweren. Ein reguläres Qua⸗ Fl drat oder Oblongum waͤre allerdings vorzuziehn, kann aber bei jener Lage nicht ſtatt finden, und die Form eines abgeſtumpften Triangels hat auch wenige Nachtheile. Gar zu ſchmal durfen ſie nicht ſeyn und auch nach dem Hofe zu nicht wer⸗ den, weil dies das Querpfluͤgen erſchwert, einen Uebertritt auf den angraͤnzenden Schlag oder eine Anwende, die man gern vermeidet, nothwendig macht. Auch wird bei einer ſehr langen und ſchmalen Geſtalt die Graͤnze mit dem nebenlie⸗ genden verlaͤngert, und es iſt folglich eine groͤßere Befriedigung noͤthig, oder das Zuruͤckhalten des Weideviehes wird ſchwerer. §. 338. Eine vollig tadelloſe Anlage iſt nur ſelten wegen der einmal vorhandenen Hoflage und wegen der Figur des Ganzen moglich. Man muß haͤufig die Kom⸗ Ss 2 Gleichmaͤßige Entfernung vom Hofe. Nothwendige Abweichungen von der Re⸗ gel. 324 Die Koppelwirthſchaft. munikation der Koppeln mit dem Hofe durch einen oder mehrere gemeinſchaftliche Wege bewirken, und die Koppeln nur auf einen ſolchen Weg zuſtoßen laſſen. Mur muß man es moͤglichſt vermeiden, daß nicht eine Koppel hinter der andern liege, und zu jener nicht anders zu gelangen ſey, als uͤber dieſe. Auch muß man auf dem moͤg⸗ lich geradeſten Wege und nicht durch weite Umſchweife auf eine jede kommen koͤnnen. §. 339. Daß die Entfernung der einen gegen die der andern nicht zu groß ſey, und dar⸗ aus eine große Ungleichheit in den Arbeiten jedes Jahres entſtehe, iſt moͤglichſt zu verhuͤten, aber nicht immer iſt die Moͤglichkeit vorhanden. Wenn die Feldmark eine lange ſchmale Figur bildet, und der Hof obendrein an einer S Seite liegt, ſo iſt das Uebel unabaͤnderlich. Es iſt ſonſt die Regel, einen Schlag nicht zu theilen und aus mehreren Koppeln beſtehen zu laſſen. Wenigſtens iſt dies bei der Weidewirthſchaft ſehr wichtig, gleichgultiger und oft rathſamer bei der Stallfutterung. Bei obiger Lage indeſſen koͤnnte man ſich vielleicht dadurch helfen, daß man z. B. bei 7 Schlagen 14 Koppeln machte, und ein jeder Schlag ſeine erſte Koppel ſo viel naͤher liegen hätte, als die andre weiter zuruͤckliegt. Es verſteht ſich, daß die Schlaͤge nicht zu klein ſeyn duͤrften. §. 340. Haͤufig iſt es aber auch wegen der phyſiſchen Beſchaffenheit des ent nicht moͤglich, die Schläge zuſammenhaͤngend zu machen, weil ſie durch Baͤche, Bruͤche, Moore und Seen unterbrochen werden. Hier iſt die Verſchiedenheit unendlich, und man muß die allgemeinen Regeln beobachten, ſo viel wie es moͤglich iſt. Bei langer Ueberlegung und haͤufiger Betrachtung der Flaͤche ſowohl in der Natur als auf der Charte verfaͤllt man auf mancherlei Ideen, worunter man dann die in den meiſten Ruͤckſichten moͤglichſt beſte waͤhlen muß, ohne abſolute Vollkommenheit zu verlangen. Wenn ſolche Stellen nicht breit ſind, ſo geht man mit den Graͤn⸗ zen der Schlaͤge gewoͤhnlich gerade hindurch, und ſucht die Verbindung durch Bruͤcken oder Daͤmme zu erhalten. Wo dies aber nicht angeht, muß man Waſſer oder ſumpfige Niederungen zu Graͤnzen der Schlaͤge annehmen. Die Koppelwirthſchaft. 325 §. 341. Wo es irgend moglich iſt, macht man die nöthigen Abzugsgräben auch zu Gräben und Gränzgräben der Koppeln. Ein Gleiches iſt mit den Wegen der Fall, die man Wee gern mit Graͤben einfaßt und in moͤglichſt gerader Linie legt, um weniger Land zu verlieren, und den kuͤrzeſten Weg von einem Punkte zum andern zu haben. Da indeſſen zu jeder Koppel ein Weg fuͤhren muß, und man ihn ungern durch eine andere Koppel hindurch legt, ſo werden zuweilen Umwege nothwendig. §. 342. 8 Die Lage des Bauerſeldes macht, wo der Wirthſchaftshof mit dem Dorfe Schwierigkei⸗ zuſammenhaͤngt, am meiſten Schwierigkeit. In Mecklenburg, wo man noch un⸗ beſchraͤnkter Herr der Feldmark war, hat man die Doͤrfer haͤufig ausgebauet, vit macht. und ihnen ihre Felder da angewieſen, wo ſie der Einrichtung des Hoffeldes nicht entgegen waren. Wo der Gutsherr das Eigenthum der Bauerländerey verloren hat, ohne daß eine den Ackerbau beguͤnſtigende Geſetzgebung das Zuſammenlegen und Austauſchen der Laͤndereyen verſtattet, muß man ſich durch manche Schwie⸗ rigkeiten hindurchwinden. §. 343. Iſt der Boden ſo abwechſelnd verſchieden, daß man ihn in einer Rota⸗ tion nicht zweckmaͤßig benutzen kann, ſo muß man mehrere Rotationen machen, und in dem Falle iſt doch mehr auf die Gleichheit des Bodens, als auf die Oertlichkeit der Schläge zu ſehn. Da kommen dann, ſo wie ſich der Boden aͤndert, die Koppeln verſchiedener Rotationen untereinander zu liegen, und durch⸗ kreuzen ſich oft ſonderbar. Eine gute Einrichtung hier zu machen, erfordert am meiſten Ueberlegung, und man muß es bei der Weidewirthſchaft wo möglich ſo einrichten, daß die gränzenden Koppeln verſchiedener Rotationen in denſelben Jahren zur Weide zu liegen kommen. Iſt der Boden eines Gutes haͤufig abwechſelnd, und dabei von ſolcher Guͤte und Kraft, daß er eine zweckmäßige, obgleich ſehr complizirte Bewirthſchaftung reich⸗ lich lohnen wuͤrde, ſo muͤſſen ſeine Rotationen ſo vervielfaltigt werden, daß man die Wircbſchaft kaum mehr in dieſe Kategorie bringen kann. 326 Die Koppelwirthſchaft. F. 344. Die Zahl der Zuvörderſt alſo entſteht die Frage, in wie viele Rotationen, und dann, in Schlige. wie viel Schläge jeder Art ein Gut zu legen ſey. Man hat dieſe Zahl der Schläge in Mecklenburg fuͤr das Hauptproblem der Landwirthſchaft gehalten, und ſehr lebhaft daruber geſtritten, welche Zahl die vortheilhafteſte ſeyo. Natuͤrlich hat man ſich nicht daruͤber verglichen, und wird ſich nie daruͤber vergleichen koͤn⸗ nen, weil die Verhaͤltniſſe, wovon dieſe Zahl abhaͤngt, allenthalben verſchieden ſind. In jedem gegebenen Falle aber die zweckmaßigſte Zahl zu treffen, iſt frei⸗ lich von großer Wichtigkeit. §. 345. Abtheilungen Die Größe der Feldmark, ihre Form, ihre Lage gegen den Hof, ihre Unter⸗ brechungen und die Verſchiedenheit des Bodens entſcheiden zuvoͤrderſt, ob alles in eine Rotation gebracht werden koͤnne, oder ob es in mehrere in Binnen⸗ und in Außenſchläge gelegt werden muͤſſe. Die Anlegung von Vorwerken oder beſon⸗ dern Wirthſchaftshöfen fuͤr abgelegene Theile eines großen Gutes hat in Mecklen⸗ burg zu wenig Beifall gefunden, und die Feldfluren ſind für einen Hof faſt zu groß. Deshalb hat man haͤuſig ſolches Land zu Außenſchlägen, d. h. zu vernachläßigten Acker machen můſſen, was ſeiner natuͤrlichen Guͤte nach dies Schickſal nicht verdiente, und wo es faſt allein auf die Errichtung eines Wirthſchaftshofes ankäme, um es nach einiger Zeit mit den Binnenſchlaͤgen in gleichen Ertrag zu ſetzen. Dieſe Außenſchlaͤge werden ihrer Entfernung wegen ſehr vernachlaßigt, wenig oder vielmehr gar nicht geduͤngt, und ſind hauptſachlich zur Schafweide beſtimmt. Dazu paſſen ſie auch eilich in ihrem jetigen Zuſtande noch am beſten, indem die Schafe nicht nur bei hinlaͤnglichem Raume mit ſchlechter Weide vorlieb nehmen, ſon⸗ dern auch abgetragenes Land durch ihren Weideduͤnger mehr wie das Rindvieh verbeſ⸗ ſern, wenn es lange dreeſch liegt. Wenn dieſe Schlage den ihnen zukommenden Huͤrdenſchlag erhalten, ſo iſt dieſer am angemeſſenſten fuͤr ſie, weil an eine Miſtauf⸗ fuhr, des weiten Weges halber, kaum zu denken iſt. §. 346. Rebenkop⸗ Die Nebenkoppeln ſind oft zur Aufhelfung einer Wirthſchaft und um i Gleichgewicht darin zu erhalten unentbehrlich. Sie muͤſſen den Viehſtand aufhelſen Die Koppelwirthſchaft. nnd durch ihre großere Furterproduktion den ſammtlichen uͤbrigen Acker in Kraft erhal⸗ ten. We ſie fehlten, hat man zuweilen einen Hauptſchlag aus der Rotation genom⸗ men, und ihn in ſolche Nebenkoppeln zertheilt. §. 347. Bei der Ausmittelung der Schlagzahl in der Hauptrotation muß Ruͤckſicht Hauptſchlage. genommen werden: 1) Auf die Art des Bodens. Der ſandigere Boden verbeſſert ſich durch längere Ruhe mehr, als durch häufiges Pflugen, und eine oͤftere und ſtarke Brach⸗ bearbeitung nutzt ihm wenig, kann ihm vielmehr ſchädlich werden. Er braucht aus dem Dreeſche nicht vor Winter umgebrochen zu werden, ſondern es iſt mehrenctheils fruͤh genug, wenn dieſes in der Mitte des Sommers geſchieht. Er kann aber auch ohne Sommerpflugen im Jahre des Umbruchs nach Hollſteiniſcher Art beſtellt werden, am vortheilhafteſten mit Buchweizen, welcher ihn faſt beſſer zur Winterung vorbereitet, wie die Brache. Der ſtarklehmige Boden hingegen wird nur durch haͤufiges Sommerpflugen zu großer Fruchtbarkeit gebracht. Deshalb muͤſſen die Brachen vermehrt werden, ſo wie der thonige Beſtandtheil des Ackers zunimmt. Die Weide aber kann auf eine kleinere Fläche eingeſchraͤnkt werden, weil dieſer Bo⸗ den grasreicher iſt. Wenn man viele Getreideſaaten nacheinander nähme, wuͤrde er zu ſehr verwildern, und bei einer langen Weide ſich zu ſehr binden. Iſt der Bo⸗ den kaltgruͤndig, mit einer undurchlaſſenden thonigten Unterlage der Feuchtigkeit ausgeſetzt, ſo kann es der Fall ſeyn, daß man ihn wirklich vortheilhafter länger zur Weide oder zur Heugewinnung als zum Getreidebau benutzt, beſonders wenn er gut durchdungt iſt, und einen Stamm von guten Gräſern in ſich hat. Wenn einzelne Strecken dieſer Art zwiſchen den Koppeln liegen, ſo werden ſie zuweilen mit den ubri⸗ gen nicht zugleich umgebrochen, ſondern dienen zu Wieſen, wenn die Koppeln ſchon Korn tragen, und man nimmt ihnen dann eine oder zwei Fruͤchte weniger, zuweilen nur Hafer ab. 2) Auf die Quantitaͤt des zur Ausduͤngung einer Brache erfor⸗ derlichen Miſtes und die moͤgliche Gewinnung deſſelben. Die Miſtbrache ſoll nämlich ausgeduͤngt werden, und ihre Groͤße muß ſich alſo nach dem Duͤngergewinn der Wirchſchaſt richten. Dieſen hat man, wie allenthalben, auch in N 328 Die Koppelwirthſchaft. Mecklenburg mehrentheils nach der Kopfzahl des Viehes berechnet, ſich aber auch eben ſo oft, wie anderwärts, betrogen. Man hat in Mecklenburg ziemlich allgemein angenommen, daß ein Stuck Vieh den Duͤnger zu 100 ſechzehnfuͤßigen Quadratruthen gebe. So viel Stuͤck Vieh alſo, ſo viel 100 Quadratruthen Brache. Wenn nun ein Stuck Vieh die Weide auf 300 Quadratruthen verlangte, ſo mußten„um einen Morgen zu beduͤngen, 300 Quadratruthen Weide da ſeyn. Verlangte es nach der Be⸗ ſchaffenheit des Bodens oder nach der Erſchopfung deſſelben mehr an Weide, ſo mußte auch die Zahl der Weidekoppeln vermehrt werden. So haben viele gerechnet, und glaubten recht gruͤndlich gerechnet zu haben. Allein die Quantität des Miſtes— denn nur der Wintermiſt köͤmmt hier in Betracht— ergiebt ſich weder aus der Weide, noch aus der Kopfzahl des Viehes, ſondern allein aus der Quantitaͤt des gewonnenen und okonomiſch verwandten Futters. Es koͤmmt alſo auf den Stroh⸗ und Heugewinn vorzůglich an, bei welcher Zahl und Rotation der Schlage die Brache genugſam ausgeduͤngt werden koͤnne, und dann kommt erſt die Zahl des Viehes in Betracht, welche dieſes am vortheilhafteſten verzehrt, und nun muß berechnet werden, wie viel es an Weide bedüͤrfe, um neben dem Duͤnger den moglich großten Nutzen zu geben. Alſo nicht bloß, wie manche angegeben haben, iſt hier auf die Beſchaffenheit und die mehrere oder mindere Graswuͤchſigkeit des Ackers ſelbſt, ſondern weit mehr auf die Quantität und Qualität der Wieſen und der etwa zum Futtergewaͤchsbau ge⸗ nutzten Nebenkoppeln zu ſehen. Oder aber es muß auch Winterfutter in einem der Hauptſchlge gebaut und ſomit die Zahl der Schlage um eine vermehrt werden. Dies findet man aber bei den gewoͤhnlichen Koppelwirthſchaften ſelten, und kann auf ge⸗ woͤhnlichem Boden faſt nur bewerkſtelliget werden, wenn man die Regel des Frucht⸗ wechſels beſolgt, indem nach drei und mehreren Kornernten der Acker in keinem dem Klee guͤnſtigen Zuſtande zu ſeyn pflegt. 3) Auf die Arbeit. Dieſe vermehrt ſich mit ber Staͤrke der einfachen oder doppelten Brachen, und vermindert ſich bei dem laͤngern Dreeſchliegen. Es kommt alſo in Betracht, ob vermehrtes Arbeitsvieb nutzbar zu halten oder eine Beſchraͤn⸗ kung deſſelben vortheilhafter ſey. 4) Auf die Berechnung und Vergleichung des Ertrages aus dem Koͤrnergewinn und der Viehnutzung. Wenn die Ausſaat vermin⸗ vert wird, ſo verringert ſich der Koͤrnerertrag nicht in gleichem Verhltniſſe, indem er nach Die Koppelwirthſchaft. 329 nach einer läͤngern Ruhe, insbeſondere auf loſerm Boden, um ſo ſtaͤrker zu ſeyn pflegt, oder wenigſtens nicht in dem Maaße, daß er nicht zuweilen durch hoͤhere Viehnutzung und erſparte Arbeitskoſten genugſam wieder erſetzt wurde. 3) Auf das Verhaͤltniß der Wieſen, ob naͤmlich von ſelbigen ſo viel Heu gewonnen werde, daß nach Abzug deſſen, was das Arbeitsvieh bedarf, fur das auf die Weide zu haltende Nutzvieh genug zur Winterfutterung uͤbrig bleibe, und auch der erforderliche Duͤnger daraus erzeugt werden koͤnne. Endlich 6) wie oben geſagt, auf die Groͤße des Gutes, die Lage des Feldes und die Verſchiedenheit des Bodens. Die vortheilhafte Lage des Hofes gegen die Feldmark kann zuweilen einen Grund abgeben, die Zahl der Schlaͤge mehr ein⸗ zuſchraͤnken, weil ſie ſonſt da, wo ſie ſich dem Hofe naͤhern, zu ſchmal wer⸗ den wuͤrden. §. 348. sal; znn 3 Meckenbur⸗ Die gewoͤhnlichſten Einrichtungen der Schlagordnung ſind folgende: giſche Schiag⸗ Die Sechsſchlaͤgige. Sie hat eine große Brache, bauet drei Fruchte eintheilang. nacheinander, und hat zwei Weideſchläge. Sie iſt beliebt auf denen Guͤtern, welche reichliche Wieſen und fruchtbaren Weidegrund beſitzen. Sie bedarf des Duͤngers viel, theils wegen der Groͤße der Brache, theils weil eine zweijährige Ruhe die Kraft des Bodens minder wirkſam, wie eine laͤngere herſtellt. Wo man ſie auf ſchwaͤchern Guͤtern des ſtärkern Kornbaues wegen einfuͤhrte, iſt der Erfolg ſchlecht geweſen. Die Siebenſchlaͤgige hat eine Brache, drei Getreide⸗ und drei Weide⸗ ſchlage. Sie iſt jetzt eine der beliebteſten, indem ſich das Land, wie man zu ſagen pflegt, in drei Jahren genugſam ausliegt, mit dem dritten Jahre im ſtaͤrkſten Graswuchſe ſteht, die Brache leichter wie in der vorigen ausgeduͤngt werden kann, und zur Abtragung von drei Ernten gerade die noͤthige Kraft erhält. Sie kann zwar mit mindern Wieſen wie die vorige ausreichen, jedoch nicht ohne einen be⸗ traͤchtlichen Heugewinn. Es haben ſie neuerlich einige mit vier Kornſchlaͤgen zu benutzen angefangen, welches aber ohne hoͤchſt fruchtbare Weide oder Futtevbau in Nebenkoppeln Erſchoͤpfung herbeifuͤhren muß, es ſey denn, daß man eine verbeſſerte Fruchtfolge waͤhle. Von dieſer koͤnnen wir erſt in der Folge reden, und haben hier nur die gewoͤhnliche bei Aufzaͤhlung der Schlagordnungen im Sinne. Erſter Theil. St 330 Die Koppelwirthſchaft. Die Achtſchlaͤgige hat gewoͤhnlich eine Brache, vier Getreide⸗und drei Weideſchlage. Sie erfordert zu ihren vier Saaten eine ſtarkere Duͤngung, wel⸗ che nur aus einem betraͤchtlichen Heugewinn hervorgehen kann, indem das Stroh der dritten und vierten Saat ſehr abnimmt. Man trift ſie auch mit vier Weide⸗ und drei Getreideſchlaͤgen auf Guͤtern an, die ſich von ihrer Erſchoͤpfung erholen muͤſſen, oder auch bei den Rotationen beſſerer Außenſchlaͤge. Die Neunſchlaͤgige. Gewoͤhnlicherweiſe hat ſie eine Brache, vier Ge⸗ treide⸗ und vier Weideſchläge. Unter den Schlagordnungen mit einfacher Brache hat ſie dieſe am kleinſten, und da das Land in der erwaͤhnten Ordnung vier Jahre gelegen, ſo bedarf ſie des Duͤngers am wenigſten. Sie kann ſich alſo mit einem geringern Wieſenverhaͤltniſſe behelfen, wird dann aber freilich das auf dem be⸗ traͤchtlichen Weideraum zu haltende Vieh nur ſchwach durchfuttern koͤnnen. Man pat aber auch fuͤnfmal nacheinander Getreide genommen, und nur drei Weide⸗ ſchlage gehabt: eine Einrichtung, die nur der vorzuͤglichſte Boden ertragen kann, der aber doch immer mehr Geiz, als wahre Hekonomie zum Grunde zu liegen ſcheint. Die Reunſchlägige mit zwei Brachen trift man jetzt wohl kaum mehr an, ob ſie gleich vormals nicht ſelten war, und auf bindendem Boden, dem eine ſtarke Bearbeitung guͤnſtig war, vorzuͤgliche Kornernten gewährte. Fuͤnf Weideſchlaͤge, drei Kornſchlaͤge und eine Brache findet man nur auf Außenſchlägen. Die Zehnſchlägige mit zwei Brachen, vier durch die Muͤrbebrache ge⸗ trennten Getreideſchlägen, und vier Weideſchlägen, geboͤrt unter die ſeltenen. Sie kann ſich jedoch bei dem geringſten Wieſenverhaͤltniſſe ziemlich in Kraft erhal⸗ ten, und die zehnſchlägige Eintheilung ſcheint mir vorzüglich zu einer verbeſſerten Fruchtfolge geeignet. Wenn ſie ſonſt, wie man wohl verſucht hat, fuͤnfmal Getreide nach einer Brache nimmt, ſo arbeitet ſie auf ihrem Ruin entgegen. Die Eilfſchlägige. Sie nimmt zwei Saaten nach der gewoͤhnlich unge⸗ duͤngten Rauhbrache, und drei Saaten nach der Miſtbrache, hat folglich vier Weideſchlaäͤge. Sie war vormals die beliebteſte in Mecklenburg, und es giebt auch noch viele, die nicht bereuen dabei geblieben zu ſeyn. Auf gutem lehmigen Boden, dem die Ruhe und die Brachbearbeitung die ſeltene Duͤngung erſetzt, kann Die Koppelwirthſchaft. 331 ſie mit wenigem Duͤnger und alſo auch mit geringem Wieſenwachſe ausreichen, und ihr Vieh maͤßig ausfuttern. Die Zwoͤlfſchlägige, welche nach jeder Brache drei Ernten nimmt, koͤmmt in ihren Verhaͤltniſſen der ſechsſchlaͤgigen gleich. Wenn ſie mit ihr glei⸗ chen Duͤnger gewinnt, ſo kann ſie der erſten Brache einigen Duͤnger geben, die zweite Brache aber um deſto ſtärker duͤngen, und ſcheint mir dann einen Vorzug vor der ſechsſchlägigen zu haben, weil der Duͤnger hier vermindert wird, wo er we⸗ niger noͤthig iſt, und vielleicht gar Lagergetreide geben koͤnnte: aber um ſo ſtaͤrker dahin kommt, wo der Acker ſeiner bedarf. Kann ſie nur eine Brache oder alle zwoͤlf Jahr nur einmal duͤngen, ſo wird ihre ſtarke Ausſaat einen nach Verhältniß geringen Ertrag geben, und dennoch Erſchoͤpfung zuruͤcklaſſen. §. 349. Die Folge der Fruͤchte iſt mit wenigen Ausnahmen die, daß man nur nach S der Brache Winterung, dann aber zwei⸗, drei⸗ und in einigen Fällen gar viermal Soͤmmerung, zuerſt gewoͤhnlich Gerſte, dann Hafer nimmt. Huͤlſenfruͤchte werden im Ganzen wenig gebaut, und man nahm die Erbſen, wenn man ſie bauete, haͤu⸗ ſig in Abtragſchlag. Der Ertrag derſelben an dieſer Stelle konnte wenig dazu aufmuntern. Jetzt werden ſie mehrentheils im dritten Fruchtſchlage geſäet, und dann nach denſelben der Acker mit Winterung zu Graſe niedergelegt. Der Bau anderer Fruͤchte gehoͤrt noch zu den Seltenheiten, die von neuerern Verbeſſerern eingefuͤhrt ſind, und die nicht in Betracht kommen koͤnnen, wenn von der landub⸗ lichen Mecklenburgiſchen Wirthſchaft die Rede iſt. Den Acker laͤnger als vier Jahre zur Weide liegen zu laſſen, hat man in Mecklenburg nie rathſam gefunden, weil ſchon mit dem vierten Jahre die Ergiebig⸗ keit derſelben ſehr abnimmt, nach demſelben der Boden ſich aber gar vermooſet, und das Vieh nur küͤmmerlich ernaͤhrt. Dies ruͤhrt wohl weniger von dem Un⸗ terſchiede des Klima's und Bodens in Mecklenburg und Hollſtein, als von der mehreren Erſchoͤpfung her, worin das Land zu Graſe niedergelegt wird. Von Camillo Tarellos Prinzip, den Duͤnger erſt mit der letzten Saat unterzubrin⸗ gen, oder gar auf den jungen Raſen zu ſtreuen, will man daſelbſt nichts wiſſen, und der Uebergang zu dieſer Methode, wo man den Duͤnger gleichſam als ein Tt 2 3 ——— ——— —— — Erfolg dieſer Wirthſchafts⸗ art. Vorzuͤge der⸗ ſelben. 332 Die Koppelwirthſchaft. Kapital erſt in den Boden belegt, wuͤrde freilich einen zu großen Verluſt in der Kornernte nach ſich ziehn, obwohl dieſer durch die reichere Weide und dann durch die aus dem neuen Ausbruch zu gewinnenden Fruͤchte in der Folge genugſam erſetzt werden koͤnnte. Die Einſaung des weißen Klees mit der letzten Frucht hat ſich in den neueſten Zeiten faſt allgemein verbreitet, und es giebt nur noch wenige, die ſolches aus Nachläſſigkeit oder aus Anhaͤnglichkeit an die alte Form unterlaſſen, und ihm we⸗ nigern Nutzen fuͤr das Weidevieh als dem wilden Graſe zugeſtehen wollen. Die Hollander oder Molkereipaͤchter, deren Stimme doch hierin wohl entſcheidend iſt, ſind aber ſo beſtimmt dafuͤr, daß ſie dieſe Einſaat zur Bedingung machen, wenn ſie ein hoͤheres Pachtgeld fuͤr die Kuh geben ſollen. Beſonders macht es im erſten Weidejahre einen großen Unterſchied, wenn dieſer auch im zweiten und dritten nicht ſo merklich iſt. Wie man den Ertrag der Weide nach der Art und Gras⸗ wuͤchſigkeit des Bodens nach den abgenommenen Fruͤchten und nach den Weidejah⸗ ren zu ſchätzen habe, zeigt die dem§. 285. angehängte Tabelle. §. 350. Durch dieſe Wirthſchaftsart iſt ein beträchtliches, nach der allgemeinen Aus⸗ ſage aller aͤltern Leute durch die Dreifelderwirthſchaft erſchöpftes Land, während eines Menſchenalters zu einer ungleich hoͤhern Fruchtbarkeit, ſtarken Kornausfuhr, um's dreifache vermehrten Viehſtande und großer Wohlhabenheit gediehen. Dies iſt ein ſo auffallender Beweis fur die Vorzuͤge dieſes Syſtems gegen ein anderes, daßes die Aufmerkſamkeit aller norddentſchen Provinzen auf ſich gezegen, und ſehr viele Nachahmer gefunden hat, allenthalben wo die der freien Benutzung des Grundeigenchums durch alte Einrichtungen angelegten Feſſeln ſie verſtatteten, und die Groͤße der Guter eine ſolche Abaͤnderung verlohnte, die nie ohne Weitlàuf⸗ tigkeit und ohne Aufopferung vom baaren Ertrage in den erſien Jahren geſche⸗ hen kann. §5. 351. Zu den Vorzuͤgen dieſer Koppelwirthſchaft gehoͤrt beſonders folgendes. Sie erſpart viele Arbeit, und die verwandte Arbeit verlohnt ſich auf jedem Flecke weit Die Koppelwirthſchaft. 333 mehr, als bei dem Dreifelderſyſtem, wo ſie das ungeduͤngte Land nur zu oft ver⸗ geblich beackert, indem ſie wenig uͤber die Ausſaat davon gewinnt. Die Arbeit geht in einer ſehr regulaͤren Ordnung, iſt nicht nur durch alle Jahre gleich, ſon⸗ dern vertheilt ſich auch gut unter den Jahreszeiten. Jede Art von Arbeit kann in dem Zeitpunkte geſchehen, der fuͤr dieſelbe am zweckmäßigſten iſt, und bei der Beackerung der ſchon im Herbſte umgebrochenen Brache findet die Auswahl der guͤnſtigſten Witterung zum Pfluͤgen und Eggen ſtatt; weshalb dann auch jeder an⸗ erkennt, daß man, um vorzuͤgliche Brachen zu ſehen, Mecklenburg bereiſen muͤſſe. Der Duͤnger wird dem Acker zur rechten Zeit mitgetheilt, und aufs genaueſte mit der Erdkrume gemiſcht, ſo daß er ſeine volle Wirkſamkeit auf die Fruchte aͤußert. Der Koppelwirth iſt mit der ganzen Vorbereitung ſeines Ackers zur Winterungs⸗ ſaat in der Regel zu rechter Zeit fertig, und kann, worauf ſo vieles ankommt, das fruheſte guͤnſtige Saatwetter waͤhlen, was man bei andern Wirthſchaften minder in ſeiner Gewalt hat. Man hat ihr vorgeworfen, daß ſie die Arbeit des Feldbaues zu ſehr vermin⸗ dere, dadurch die Thaͤtigkeit der Nation laͤhme, und der Bevoͤlkerung ſchade. Aber dieſer Vorwurf kann nur von denen gemacht werden, die da nicht bedenken, daß ſie keine wuͤſtliegende Strecken dulde, ſondern alles in Kultur nehme, jedes zu dem, wozu es die Natur geſchaffen hat. Wenn die Bevoͤlkerung ſich ſeit ihrer Einfuͤhrung in Mecklenburg vermindert haͤtte, was doch erweislich nicht der Fall iſt, ſo waͤre es nur dem zu großen Umfange der Guͤter und dem Mangel an kleinen Nahrungen beizumeſſen. Wie die Arbeit, iſt ſich auch die Ernte— ungewöhnliche Jahre abgerech⸗ net— immer gleich, und zwar nicht bloß in Anſehung der abzuerntenden Flaͤche, ſondern auch des wirklichen Ertrages. Die Verſchiedenheit in der Fruchtbarkeit der Jahre iſt dabei wenigſtens nicht ſo groß, als in andern Wirthſchaften. Die Winterung mißraͤth, ihrer zweckmaͤßigen und fruͤhen Beſtellung wegen, ſehr ſel⸗ ten. Man kann faſt mit Sicherheit auf etwas gewiſſes rechnen, wenn keine be⸗ ſonderen Ungluͤcksfalle eintreten. Eben deshalb hoͤrt man aber auch weniger von einem ungewohnlich hohen Ertrage, den man einmal von einem Theile des Feldes in einem Jahr gehabt habe, und den man ſich ſelbſt kaum zu erklaͤren weiß. Des⸗ 334 Die Koppelwirthſchaft. halb rechnet man dabei mit mehrerer Zuverläßigkeit auf einen beſtimmten reinen Ertrag, den ein Gut Jahr aus Jahr ein geben wird. So viele Kenntniſſe und Ueberlegung die Anlegung der Schlaͤge und die erſte Einrichtung dieſer Wirthſchaft erfordert, wenn ſie anders zweckmäßig und beſtän⸗ dig ſeyn ſoll, ſo leicht iſt ſie zu betreiben, wenn ſie einmal gut eingerichtet worden. Sehr große Wirthſchaften dieſer Art koͤnnen mit ſehr weniger Aufmerkſamkeit in ihrem Gange und Stande erhalten werden. Es hat alles ſeine gewieſenen Wege und ſeine immer gleiche Folge nach Ort und Zeit. Es iſt wenig anderes dabei zu beachten, als der eingefuhrte Mechanismus des Pflugens, Eggens, Säens, Mä⸗ hens, Sammelns, Einfahrens u. ſ. w., und dieſer iſt in den Gegenden, wo man dieſe Wirthſchaft landuͤblich findet, ſo bekannt und in ſeiner Art wirklich ſo gut, daß ein jeder Bauer als Ackervoigt, oder jeder ſogenannte Schreiber— der ins⸗ gemein weder ſchreiben noch rechnen kann— dieſes zu dirigiren und in Ordnung zu halten vermag. Der Viehſtand iſt in der Regel verpachtet, und fuͤr ihn ſorgt der Hollaͤnder, der dann auch auf die Wieſen⸗ und Heuwerbung ſehr aufmerkſam iſt, und dem Ad⸗ miniſtrator der Wirthſchaft ſehr gern die Muͤhe dabei abnimmt, wenn er ihn nur machen laͤßt. Das Vieh hat ſeine zugemeſſene Weide im Sommer, und bekommt das gewonnene Heu und Stroh im Winter, was das Zugvieh uͤbrig laͤßt. Muß es ſich in minder fruchtbaren Jahren gleich kuͤmmerlich damit behelfen, ſo weiß man doch, daß es nothduͤrftig durchkommt, und weiter kuͤmmert ſich der Herr der Wirth⸗ ſchaft um nichts. Der Hollaͤnder hat ſeinen Kontrakt ſchon ſo gemacht, daß er zur Noth auch dabei beſtehen kann. Durch dieſen feſten Gang der Wirthſchaft und bei der Gleichmaͤßigkeit des Ertrages iſt aber in der Regel der eigentliche Profit des Gewerbsbetriebes gerin⸗ ger. Ein Gut giebt ſeine beſtimmte Rente, und dieſe iſt mit dem reinen Ertrage der Wirthſchaft im Durchſchnitte der Jahre faſt gleich. Man kauft ein voͤllig ein⸗ gerichtetes Gut, was nicht noch beſondere bisher unentdeckte Quellen hat, ziem⸗ lich ſicher, aber kann auch, ſo lange man in dieſer Wirthſchaft bleibt, nicht viel mehr als die Rente davon haben; es ſey denn durch außerordentliche Konjunkturen, die den Kornpreis ſehr in die Hoͤhe treiben. Die Koppelwirthſchaft. 335 Ich ſage darum nicht, daß ein ſpekulirender Kopf nicht auf vielen einzelnen Guͤtern Gelegenheit finde, durch Meliorationen ſich beträchtliche Vortheile zu ver⸗ ſchaffen. Aber dies iſt etwas anderes, als der eigentliche Wirthſchaftsbetrieb, und findet nur unter beſondern Lokalitaͤten ſtatt. Ungeachtet vieles dieſer Art auf⸗ geſucht und jetzt ſo leicht nicht mehr zu finden iſt, ſo iſt doch allerdings noch wohl manches auf Guͤtern, die in Koppelwirthſchaft liegen, verborgen. Die bequeme Regelmaͤßigkeit dieſer Wirthſchaft empfiehlt ſie beſonders auf ſehr großen Guͤtern. Itt ſie daſelbſt einmal eingerichtet, ſo konnen 4000 Morgen oft mit weit geringerer Aufmerkſamkeit und Sorge bewirthſchaftet werden, als auf eine andere Weiſe 400 Morgen. Die allgemeine Aufſicht iſt ſehr leicht zu fuͤhren, ſobald man ſich nur eine Ueberſicht des Ganzen einmal erworben hat. Jede Ar⸗ beit hat ihr beſtimmtes Maaß und ihre beſtimmte Zeit. Daß ſie mit den einmal angemeſſenen Kraͤften zu rechter Zeit vollendet ſeyn muͤſſe, weiß der Ackervoigt oder Vorpfluger, und er richtet ſich darnach ein. Nur darf man den Gang der Geſchaͤfte nicht im mindeſten ſtören, weil ſonſt alles aus ſeiner Ordnung kommt, und nicht mehr eingreift. Es iſt eine Maſchine, in welcher die Verruͤckung des Einen alles verruͤcket, und bei welcher es ſchwer iſt, eine Veränderung, die ſich uber alle Theile erſtrecken muß, zu machen, ohne alles auf einen Augenblick in Stillſtand und in eine ganz neue Ordnung zu bringen. Aendert oder ſtoͤrt man aber nichts, ſo geht es regelmäßig ſeinen Gang fort, und leiſtet die erwartete Wirkung. Deshalb furchten ſich dann auch nicht ohne Grund viele, nur die min⸗ deſte Abänderung, die ſie ſonſt wohl für vortheilhaft erkennen, zu veranſtalten. Der Bau von 10 Morgen Klee oder Kartoffeln auf einer Brachkoppel von mehrern 100 Morgen kann ſchon den regularen Gang ihrer Bearbeitung ſtoͤren, und ſie wird daruͤber zu ſpaͤt fur die Winterungsſaat fertig, oder iſt minder vollkommen dazu vorbereitet. Bei ihrem feſten Gange iſt es ſogar nicht ſchwierig, in der Entfernung viele große Guͤter auf dieſe Weiſe ſelbſt zu adminiſtriren, ohne einmal einen geſchickten Aufſeher auf jedem derſelben zu haben. Es iſt genug, von Zeit zu Zeit einmal nachzuſehen, ob die Maſchine nicht ſtocke, und ihr allenfalls etwas Oel zu geben. Mangel der⸗ ſelben. 336 Die Koppelwirthſchaft. Die Rechnungsfuͤhrung kann hoͤchſt einfach und dennoch genau genug ſeyn. Man hat in Mecklenburg Eigenthuͤmer und Paͤchter mehrerer großen Guͤter gekannt, die ihre ganze Wirthſchaftsrechnung mit Kreide an der Thuͤr fuhrten. Ferner iſt die Arbeit nicht nur mehr geordnet und gleichmaͤßiger, ſondern auch allerdings geringer, wie bei jeder anderen Wirthſchaftsart. Deshalb paßt ſie ſich vor allen andern in den Gegenden, wo der Arbeiter weniger, beſonders aber keine außerordentliche und hinzuzunehmende zu haben ſind. Man gebraucht ein Jahr wie das andere dieſelbe Zahl von Zugvieh und von Menſchen, und die Arbeit derſelben iſt durch alle Jahreszeiten ſo gut wie moͤglich vertheilt. Wenn gleich die Menſchen, welche man in einer Periode gebraucht, in der andern nicht beſchaͤftigt werden können, ſo ſind ſie einmal daran gewoͤhnt, alsdann keinen Verdienſt in der Wirth⸗ ſchaft zu haben, und ſuchen ſich einen Rebenerwerb, oder ſchlafen. In minder kultivirten und bevolkerten Laͤndern, wobei den großen noch wenig benutzten Landflaͤchen eine extenſive Wirthſchaft unſtreitig rathſamer, wie eine in⸗ tenſive iſt, findet ſie vor allen andern die nuͤtzlichſte Anwendung, und ich wuͤrde in dem Falle vorerſt an der hergebrachten Form kaum etwas aͤndern. Sie hat den großen Vorzug, daß ſie nachher ſo leicht eine totale Abaͤnde⸗ rung verſtattet, den Uebergang zu jeder andern Wirthſchaftsart erleichtert, und gewiſſermaßen vorbereitet; ja ſogar eine zweckmaͤßige Parzelirung großer Guͤter am beſten einleiten kann, indem die Einrichtung einer beſondern Wirchſchaft auf jeder geruhten Koppel ſo leicht auszufuͤhren iſt. §. 353. Aber von der moͤglichſten Vollkommenheit im Allgemeinen und ohne Ruͤckſicht auf beſondere Lokalitaͤten, die der hoͤheren Vervollkommnung uͤberhaupt im Wege ſtehen koͤnnen— iſt ſie noch weit entferut. Nach der Hollſteiniſchen Methode iſt der Ertrag des Fruchtbaues nach dem Verhaͤltniſſe der im Acker befindlichen Kraft, wie man auch allgemein anerkennt, zu geringe. Bei der Mecklenburgiſchen dage⸗ gen liegt der Mangel am Viehſtande keinesweges in zu geringer Kopfzahl;— denn dieſe hat man oft nur zu ſtark gemacht— aber an zureichender Nahrung fuͤr daſſelbe, im Sommer ſowohl als im Winter. Hieraus erfolgt nicht nur eine zu ſchwache Benutzung deſſelben, ſondern was vielleicht wichtiger iſt, Mangel an Duͤnger, Die Koppelwirthſchaft.— 337 Duͤnger, durch deſſen Abhelfung bei der ſehr guten Beackerung ein ungleich hoͤhe⸗ rer Koͤrnerertrag zugleich mit einer mehreren Zunahme der Kraft im Acker bewirkt werden koͤnnte. Der Korn⸗ und Strohgewinn wird ferner aber in beiden Wirthſchaftsarten durch die ununterbrochene Folge von drei, vier und mehrern Getreideſaaten unge⸗ mein vermindert, und wenn gleich der Mecklenburger nach ſeiner treflich bearbei⸗ teten Brache in der Winterung das gewinnt, was der Acker nach ſeiner Kraft zu geben vermag, ſo ſchlagen doch die uͤbrigen Fruͤchte, insbeſondere die dritte und vierte ſo ſehr zuruͤck, daß im Ganzen der Koͤrnergewinn nur auf 4 bis 4½ Korn in Mecklenburg angenommen wird. Durch mehreren Futtergewinn und eine andere Folge der Fruͤchte wuͤrde ſich ohne Zweifel der Ertrag des Ackers im Koͤrnerbau ſowohl als in der Viehnutzung betraͤchtlich vermehren laſſen, wenn, wie viele auch bereits angefangen haben, eine andere Beſtellung der unter dem Pfluge ſtehenden Schläge eingefuͤhrt wird, ohne daß man darum noͤthig habe, die einmal beſtehenden Schlageintheilungen betraͤchtlich abzuändern, oder Stallfutterung, bei der ſich manche ſo große Schwierigkeiten denken, einzufuͤhren. Um die Zweckmaͤßigkeit dieſer Abanderungen und die Art und Weiſe derſel⸗ ben klar darzuſtellen, muͤſſen wir an dieſem Orte eine der wichtigſten Lehren, näm⸗ lich die Lom Fruchtwechſel, vorlaͤufig in ein helleres Licht zu ſtellen ſuchen; obwohl ſie eigentlich erſt bei der allgemeinen Lehre von der vegetabiliſchen Produk⸗ tion vorgetragen werden ſollte. Der Fruchtwechſel. F. 354. Schon ſeit uralten Zeiten haben aufmerkſame Beobachter des Feld⸗ und Gar⸗ Aite Erfah⸗ tenbaues bemerkt, daß der Erdboden die Gewächſe in ungleich groͤßerer Vollkom- rungen fuͤr menheit hervorbringe, wenn man damit abwechſele, und daß eine Folgereihe der⸗ ſelben nach Verſchiedenheit des Bodens Vorzuͤge vor einer andern habe. Wollte man den Anbau nur auf einzelne Gewaͤchſe oder Gewaͤchsarten beſchrän⸗ ken, ſo faud man ſeit jeher noͤthig, daß der Boden nach einigen Ernten Ruhe oder Erſter Theil. Uu 3 338 Der Fruchtwechſel. Zeit haben muͤſſe, Nahrungskraft fuͤr dieſe Gewaͤchsart zu ſammeln; daß Duͤn⸗ gung und Bearbeitung dieſes zwar erleichtere und ſchneller bewirke, jedoch auch Zeit dazu erforderlich ſey, in welcher dieſer angemeſſene Nahrungsſtoff durch die Natur bereitet werden koͤnnte. Der Gaͤrtner, der mit den Fruͤchten haͤufig wech⸗ ſelt, bedurfte dieſer Ruhe nicht; allein der Ackerbauer, der nur Koͤrner gewiſſer Art erzielen wollte, mußte ſelbſt bei ſtaͤrkerer Duͤngung ſeinem Acker jene Ruhe⸗ zeit geben. Wo mit hoͤherem Betriebe des Ackerbaues der Werth des Grundes und Bodens geſtiegen war, fiel es leicht in die Augen, daß dieſe Verſchiedenheit nicht in der Verſchiedenheit der Naturgeſetze beim Acker- und Gartenboden, ſon⸗ dern nur darin liegen koͤnne, daß der Gaͤrtner neben der ſorgfaͤltigern Bearbei⸗ tung ſeines Bodens eine Abwechſelung mit den Fruͤchten vornehme. Alte Natio⸗ nen haben ſchon ihren Ackerbau nach dieſer auffallenden Erfahrung eingerichtet, ihn dadurch zu großer Vollkommenheit getrieben, und ſogar haͤufig zwei Fruͤchte in einem Jahre mit gluͤcklichem Erfolge auf demſelben Boden gebauet. Die Roͤ⸗ mer wußten zwar, wie nuͤtzlich eine fleißige Brachbearbeitung, Luftung und Son⸗ nung dem Acker ſey, wenn er nur Weizen, Gerſte und Hafer oder aͤhnlichen Sa⸗ men tragen ſollte; aber ſie wußten, daß Mutatis quoque requiescunt fructibus arva, Nec nulla interea est inaratae gratia terrae. „Alſo ruh'n Dir auch bei veraͤnderter Frucht die Gefild' aus, „Ohne daß Du den Zins der muͤßigen Brache verlierſt.“ Nun aber entſtand die Frage, welche Arten von Fruͤchten man am vortheil⸗ hafteſten nacheinander bauen muͤſſe, und welche Frucht die beſte Vorbereitung fur die kuͤnftige ſey. Dieſe Frage zu entſcheiden war um ſo ſchwieriger, da die Er⸗ fahrung keine ganz uͤbereinſtimmende Antwort darauf gab, wie bei der Verſchie⸗ denheit des Bodens und des Klima auch natuͤrlich nicht geſchehen konnte. Man Theoretiſche ſuchte alſo ſchon in der fruͤheſten Zeit der aufkeimenden Naturwiſſenſchaft dieſe Frage theoretiſch und auf dem Wege der Analogie und Induktion aufzuloͤſen, und Fruchtwechſel. warf alſo die fernere Frage auf: ob die verſchiedenen Pflanzenarten jede eines beſondern Nahrungsſtoffes beduͤrften, um ihre eigen⸗ thuͤmlichen Saͤfte daraus zu bilden, und ob deshalb ein Boden dieſe beſondern Nahrungsſtoffe enthalten muͤſſe, wenn ein Pflanze gewiſſer Art. darin fortkommen Der Fruchtwechſel. 339 ſolle? So wie die Frage hier geſtellt war, mußte ſie bei laͤngern Beobachtungen und Verſuchen nothwendig dahin entſchieden werden: daß jede Pflanze nicht eines eigenthuͤmlichen Nahrungsſtoffes beduͤrfe, ſondern ihr eigener Organismus aus jeder Pflanzennahrung ihre beſondern Saͤfte bereite. Pflanzen von den ver⸗ ſchiedenſten Eigenſchaften, die ſchärfſten und giftigſten wachſen mit den mildeſten und zutraͤglichſten in demſelben Ballen Erde. Pflanzen der verſchiedenſten Art entziehen ſich nebeneinanderſtehend die Nahrung, welches ſie nicht thun wuͤrden, wenn ſie von ganz verſchiedenen Nahrungsſtoffen lebten. Auch beſtehen alle Pflanzen und alle verſchiedenen Theile und Saͤfte derſelben, wie man freilich erſt ſpaͤterhin entdeckte, aus denſelben Urſtoffen. Die Hauptbeſtandtheile aller ſind Kohlenſtoff, Sauerſtoff und Waſſerſtoff, denen ſich mehrentheils etwas Azot, je⸗ doch nur bei wenigen in beträchtlicher Menge beimiſcht, wozu noch wenige Erde und einiges Kali, bei einzelnen auch Phosphor und Schwefel ſich hinzugeſellt. Dieſe Beſtandtheile finden ſie in jedem fruchtbaren Boden ſaͤmmtlich, in ſofern ſie ſolche nicht aus der Atmoſphaͤre erhalten. Die mannigfaltige quantitative Ver⸗ bindung dieſer Stoffe, woraus die unendliche Verſchiedenheit der vegetabiliſchen Materien hervorgeht, bewirken die Pflanzen durch ihren eigenthuͤmlichen Organis⸗ mus. Und hieraus ſchloſſen die meiſten, daß ein Boden, der Fruchtbarkeit genug fuͤr eine Pflanz beſitze, ſie auch fuͤr die andere haben muͤſſe, und daß etwa nur die phyſiſche Eigenſchaft des Bodens ihn der einen guͤnſtiger als der andern mache. §. 355. Allein wenn es auf Theorie und aprioriſches Raiſonnement hier ankommt, ſo iſt es ſchon genug fuͤr die entgegengeſetzte Meinung, daß die Pflanzen dieſe Ur⸗ ſtoffe in verſchiedenem Verhaͤltniſſe haben und zuſammenſetzen muͤſſen. Hoͤchſt wahrſcheinlich haben ihre Wurzeln eine elektive Kraft und Sinn, wodurch ſie ſich die Urſtoffe gerade in dem Verhältniſſe anziehen und auswählen, wie ſie ſolche ihrer Natur nach gebrauchen. Zu ihrem vorzuͤglichen Gedeihen iſt es aber noͤthig, daß ſie in ihrem Wirkungskreiſe dieſe Stoffe in einem angemeſſenen Verhaͤltniſſe ſchon antreffen, und vielleicht in ſolchen Verbindungen, die jenem ſchon analog ſind. Iſt dieſes Verhältniß nicht vorhanden, ſind einige jener Urſtoffe zwar da, aber in geringerer Menge und in ſolchen Verbindungen, welche die Thaͤtigkeit des Uu 2 Gruͤnde aus der Erfah⸗ rung. 340 Der Fruchtwechſel. Pflanzenlebens erſt aufloͤſen muß, um ſich den Theil von jedem, deſſen die Pflanze bedarf, anzueignen, ſo wird es ihr ſchwerer gemacht; ſie wird minder ſchnell fort⸗ kommen und gedeihen. Wenn keiner der Stoffe, deren ſie bedarf, im Boden ganzlich fehlt, aber nicht in hinlaͤnglichem Verhaͤltniſſe da iſt, ſo muß ſie ihn mit ihren Wurzeln gleichſam länger und weiter zuſammenſuchen, damit ſie ihn in je⸗ dem Momente, wo ſie deſſen bedarf, anziehen koͤnne. Ja es laͤßt ſich nicht ohne Wahrſcheinlichkeit annehmen, daß ein der Pflanze an ſich noͤthiger Stoff auch in zu großem Verhaͤltniſſe im Boden ſeyn, und daß die Pflanze ſich ſchon durch die Abſtoßung des ſich zu ſtark darbietenden Stoffes oder durch ſeine Abtrennung von dem uͤbrigen ſchwaͤchen koͤnne. Und ſo laͤßt es ſich allerdings erklaͤren, warum Pflanzenarten, oft nacheinander gebaut, in einem Boden zu minderer Vollkom⸗ menheit kommen, wenn gleich dieſer Boden noch alle die Nahrungsſtoffe in ſich enthaͤlt, deren ſie beduͤrfen, und ſie dieſe Vollkommenheit wieder voͤllig erreichen, nachdem der Boden geruhet hat, oder eine andere Frucht darauf gebauet iſt. Es laßt ſich ſogar denken, daß eine andere Pflanze, die ein entgegengeſetztes Verhält⸗ niß der Urſtoffe zu ihrer Rahrung gebraucht, gerade durch Ausziehung deſſelben das angemeſſene Verhaͤltniß fuͤr eine andere wieder herſtellen koͤnne, ſo daß jene nun beſſer darauf fortkommt, als wenn dieſe nicht darauf gewachſen waͤre und dem Boden nichts entzogen haͤtte. Nahrungsſtoff hat die dazwiſchen gekommene Pflanze allerdings auch weggenommen, aber in einem andern Verhaͤltniſſe. Durch ſolchen Wechſel kann folglich der Boden endlich ganz erſchoͤpft werden, und ſo, daß er nun gar keine Pflanze mehr ernaͤhrt; aber fuͤr jede einzelne Pflanze wird er langſamer erſchoͤpft, als wenn nur dieſe beſtaͤndig darauf erbauet waͤre. Vergl. Einhof in Annalen des Ackerbaues. 8 Bd. S. 321 u. f. §. 356. Wachſen mehrere Pflanzenarten zugleich auf demſelben Boden, ſo giebt frei⸗ lich jede nicht einen ſo hohen Ertrag, als wenn ſie den Boden allein eingenommen hätte. Denn auch ohne Hinſicht auf den Raum, den eine der andern uͤber und unter der Erde wegnimmt, gebraucht jede von jedem Stoffe etwas, und entzieht es alſo der andern. Allein wir wollen auf die Erfahrung zurüͤckkommen. Hier fin⸗ Der Fruchtwechſel. 341 den wir alle aufmerkſamen Gartner und viele Ackerbauer darin übereinſtimmend, daß es vortheilhaft ſey, gewiſſe Pflanzen untereinander zu bauen, und daß man einen ſtärkeren Ertrag von jeder erhalte, als wenn man auſ demſelben Stuͤcke Lan⸗ des jede beſonders auf einem eigenen Theile baue. Wo ein ſehr induſtrioͤſer Gärt⸗ nereibetrieb herrſcht, da findet man zuweilen fuͤnf bis ſechs verſchiedene Fruͤchte zugleich auf demſelben Beete untereinander wachſend, und nach der einſtimmigen auf lange Erfahrung beruhenden Verſicherung dieſer Gärtner wuͤrden ſie ihr Land, ihren Duͤnger und ihre Arbeit bei weitem nicht ſo hoch benutzen, wenn ſie jedes⸗ mal nur eine Pflanze abgeſondert baueten. In der richtigen Auswahl dieſer Fruͤchte beſtehe, ſagen ſie, ihre groͤßte Kunſt, woraus ſie ein Geheimniß machen, und in welcher es einer dem andern zuvorzuthun ſucht. Aber auch beim Feldbau iſt der Vortheil verſchiedener Gemengearten in man⸗ chen Gegenden allgemein anerkannt und entſchieden. Eine Huͤlſenfrucht— Boh⸗ nen, Erbſen und Wicken— mit einem Getreide— Sommerrocken, Hafer oder Gerſte— ausgeſaet, giebt einen reichlichern Ertrag als eins von beiden allein gebauet. Ja, man hat längſt bemerkt, daß Huͤlſenfruͤchte unter dem Getreide auf ſo duͤrrem Boden, wo ſie allein gar nicht fortkommen wuͤrden, einen guten Er⸗ erag geben, ohne dem Getreide merklich zu ſchaden. So geraͤth nach allgemeiner Srfahrung der Weizen unter Rocken geſaͤet auf Aeckern, wo der Weizen allein nicht fortkommt; man hat ſogar den Ertrag des Weizens allein in dieſer Mengung ſtarker gefunden, als wenn bloßer Weizen geſäet war. Dieſes Gemenge gerath auch, wenn es in die Weizenſtoppel geſäet wird, in welcher Weizen allein, der allgemeinen Erfahrung nach, auch auf dem ihm zutraͤglichſten Boden, durchaus nicht gedeihet. So beſtaͤtigt die Erfahrung allerdings jene Hypotheſe: daß durch eine Zwi⸗ ſchenfrucht anderer Art das geſtoͤrte gerechte Verhaͤltniß der Urſtoffe fuͤr eine Ge⸗ treideart wiederhergeſtellt werden koͤnne. Weizen in Weizenſtoppel geräth, wie eben geſagt, durchaus nicht. Auch Weizen nach Gerſte— es ſey denn ungemein ſtarker Boden, den man nur zu entkraͤften ſuchen muß— wird ſchwach. Rocken nach Rocken geht noch am beſten. Aber der Koͤrnerertrag ſinkt doch tief herunter. Bringt man nun aber zwiſchen dieſe Fruͤchte ein Gewaͤchs aus der Diadelphiſten⸗ klaſſe, Erbſen, Wicken, Bohnen oder Klee, und darnach dann jene zweite Frucht 342 Der Fruchtwechſel. wieder, ſo gedeiht ſie vollkommen. Ja, wenn man jene Fruͤchte grun gemaͤht hat, oder der zweite Wuchs des Klees untergepfluͤgt iſt, ſo wird das zweite Getreide oft beſſer als das erſte. Dieſe und andere Erfahrungen der Art ſind ſo allgemein an⸗ erkannt, und fallen jedem Beobachter ſo auf, daß ich mehrere anzufuͤhren und weitlaͤuftiger daruͤber zu reden mich enthalte, da ich bei der Lehre vom Bau einzel⸗ ner Gewaͤchſe darauf zuruͤckkommen muß. §. 357. Die Gaͤrtnerei liefert unzaͤhlige Beweiſe, daß Erde fuͤr ein Gewaͤchs vorerſt untauglich geworden ſey, andere Gewaͤchſe aber noch ſehr gut abtragen koͤnne. Die Miſtbeeterde iſt nach einmaligem Gebrauche fuͤr daſſelbe Gewaͤchs, z B. die Melonen, durchaus nicht mehr tauglich, bis ſie mehrere Jahre der Atmoſphaͤre ausgeſetzt gelegen und mit friſchem Miſte wieder durchgearbeitet worden. Aber Schminkbohnen, Lactuken und andere Kräuter trägt ſie noch. Luxuriirende Blu⸗ men, wie die Nelken, erfordern eine haͤufige Ernenerung der Erde in den Scher— ben, wenn ſie gleich noch uͤberfluͤßig fett zu ſeyn ſcheint, und der Blumenliebhaber nimmt nie dieſelbe Erde wieder zu derſelben Blumenart. Junge Obſtbaͤume duͤr⸗ fen nicht auf dieſelbe Stelle gepflanzt werden, wo ein alter Baum gleicher Art ge⸗ ſtanden hatte. Bei den Baumſchulen iſt es allgemeine Regel, mit den Revieren zu wechſeln. Ich und mein ſeeliger Freund Einhof hatten mehrere Male Anſtalten gemacht, Verſuche anzuſtellen uͤler die Veraͤnderung, welche der Humus im Boden erleidet, wenn ein Gewaͤchs gewiſſer Art bis zur Erſchoͤpfung darauf gebauet wuͤrde. Aber wir ſind darin geſtoͤrt worden, und ſolche Verſuche haben große Schwierigkeiten und Hinderniſſe, die man, ohne beſtaͤndig darauf zu achten, nicht leicht uͤberwindet, da ſie unter freiem Himmel angeſtellt werden muͤſſen. Es kann ſo mancher Zufall nicht abgewehrt werden, der in einem Augenblicke die Arbeit vieler Jahre zerſtoͤrt, und kein ſicheres Reſultat gewinnen laͤßt. Es gehoͤrt ein beſonderer gut umzaͤunter, den Verſuchen einzig gewidmeter Garten dazu, aus welchen man auch Voͤgel und Inſekten verbannen koͤnnte. §. 358. Es iſt eine allgemeine Beobachtung, daß wenn eine Saat nicht wegen Schwä⸗ che und Fehler des Bodens, ſondern durch zufallige andere Urſachen mißraͤth, Der Fruchtwechſel. 343 oder ſehr geringen Ertrag giebt, dieſelbe Frucht im folgenden Jahre wenigſtens beſſer darauf fortkomme, wie ſie ſonſt in ihrer eigenen Stoppel thun wuͤrde. Um⸗ gekehrt aber geraͤth eine Frucht in der Stoppel einer ihr angemeſſenen Vorfrucht (z. B. der Weizen nach Klee oder Bohnen) um ſo beſſer, je uͤppiger dieſe ſtand. Daſſelbe Gewaͤchs iſt alſo fur ſich ſelbſt durch ſtaͤrkern Ertrag erſchoͤpfend; fuͤr ein anderes iſt es nicht alſo, ſondern eher bereichernd. §. 359 Der Koͤrneranſatz, die Bildung der mehlichten Samen und Subſtanzen iſt das, was den Erdboden am meiſten zu erſchoͤpfen ſcheint. Werden die Pflanzen gruͤn abgeſchnitten, zur Zeit der Bluͤthe im Zuſtande ihres uͤppigſten Wachsthums gemaͤhet und abgefahren, ſo nehmen ſie wenig oder gar keine Kraft aus dem Boden, ſcheinen ſolche vielmehr unter gewiſſen Bedingungen kzu verſtärken,— eine Wahrheit, wovon mich ſo wie jeden genauen Beobachter jährlich neue Bemerkun⸗ gen immer feſter uͤberzeugen. Entſchieden iſt es noch nicht, ob während der Rei⸗ fung des Samens eine ſtaͤrkere Anziehung, beſonders des Kohlenſtoffs, aus dem Boden geſchehe. Aber gewiß iſt es, daß bei der Bildung und Reifung des Sa⸗ mens der Schleim der ganzen Pflanze konſumiret und dieſe in ein faſeriges Stroh verwandelt werde. Es iſt alſo ein großer Unterſchied, ob die ſaftige Stoppel und Wurzel oder die duͤrre dem Acker zuruͤckbleibt, und ob dieſe Wurzel bei voller Le⸗ bensthaͤtigkeit noch kohlenſaures Gas in der Erde abſcheidet. Wie viel dieſe zu⸗ ruͤckbleibenden Wurzeln bewirken, hat man beim Spergelbau unter andern bemerkt. Wird er gruͤn gemaͤhet, ſo verbeſſert er den Boden merklich, wird er aber, wie zuweilen geſchieht, geraufet, ſo ſoll er ſtark ausſaugen. Daher vielleicht auch das beſondere Erſchöpfende des Leins. Dieſe Thatſachen ſind ſo allgemein bekannt, daß die neuerlich von einigen wie es ſcheint aus Widerſpeuchsgeiſt erregten Zwei⸗ fel gar keinen Eindruck machen koͤnnen, und deshalb keiner Widerlegung bedurfen⸗ 5. 360. Indeſſen gehe ich nicht ſo weit wie Einige, zu behaupten, daß alle nicht zum Samenanſatz gekommene Fruͤchte dem Boden gar nichts entzögen, wenn ſie abge⸗ erntet werden. Alle Knollen und Ruͤbenfruͤchte ſammeln in ihrer Stammwurzel 344 Der Fruchtwechſel. gleichſam einen Vorrath nahrhafter Stoffe zur Ernahrung ihres Triebes im folgen⸗ den Jahre. Dieſe Wurzel iſt gewiſſermaßen ein Magazin fuͤr dieſe, ihrer Natur nach zweijährigen Pflanzen, woraus ſie im kuͤnftigen Fruͤhjahre ihren Bluͤtetrieb ernaͤhren ſollen. Blieben dieſe Wurzeln im Boden, ſo wuͤrden ſie allerdings, wie die Erfahrung und ſelbſt praktiſche Verſuche im Großen gelehrt haben, ſehr kraͤf⸗ tig duͤngen. Herausgenommen entziehen ſie dem Boden allerdings Nahrungsſtoff, ungeachtet ſie ihn in anderer Hinſicht durch die zu ihren Anbau noͤthige Bearbei⸗ tung mechaniſch verbeſſern, und als Vorbereitung zu andern Fruchten von großem Nutzen ſind. Wenn Gewaͤchſe dieſer Art, zu welcher auch verſchiedene Handels⸗ pflanzen zu rechnen, ihre Wurzeln, Stengel, Strunke und einen Theil ihres Laubes dem Boden hinterlaſſen, ſo geben ſie ihm einen Theil des Nahrungsſtoffes zuruͤck. F. 361. Diejenigen Saaten, welche mit ihrem lockern aber dichtem Gefieder den Boden bedecken, bringen auch auf der Oberfläche deſſelben eine chemiſche Veraͤn⸗ derung oder Wechſelwirkung mit den atmoſphaͤriſchen Stoffen hervor. Unter der dunklen Beſchattung, die Erbſen und Wicken und gut ſtehender Klee geben, er⸗ eignen ſich zwiſchen den Gasarten, welche die Pflanzen aushauchen und einſaugen, und den Partikeln des Bodens mannigfaltige Verbindungen, denen wir zwar auf die Spur gekommen ſind, jedoch noch nicht beſtimmt genng kennen gelernt haben. Vom Vorhandenſeyn einer mephitiſchen Luft unter der Decke dieſer Gewaͤchſe kann man ſich ſchon durch den Geruch uͤberzeugen⸗ Der Wind entfuͤhrt dieſe Gaſe und Ausduͤnſtungen nicht leicht, das Licht zerſetzt ſie nicht, und es erhält ſich eine gleichert Temperatur darunter. Daher findet man unmittelbar nach dem Ab⸗ maͤhen einer ſolchen dichten, blattreichen Saat auch den bindigſten Erdboden lok⸗ ter, porös und durch die innere Gährung aufgetrieben. Seine Oberfläͤche hat eine ſchwärzere Farbe. Er iſt frei von Unkraut und man ſieht in den erſten Tagen nichts darauf, wie Stoppel und Erde. Aber in ſehr kurzer Zeit begruͤnt er, und die äußerſt lebhafte Vegetation der wilden Krauter, welche darauf vorgeht, be⸗ weiſ't, daß er einen Reichthum nahrhafter und ſchnell in die Pflanzen ubergehen⸗ der Stoffe angeſogen habe; weshalb es ſo wichtig iſt, ihn durch ſchnelles Umpfluͤ⸗, gen rein zu erhalten, und die Lockerheit der Oberflaͤche zu benutzen. Ganz anders verhält Der Fruchtwechſel. 345 verhaͤlt ſich der Boden nach dem Abmähen einer halmigen Getreidefrucht. Seine Oberflaͤche iſt feſt geſchloſſen, mit einer Borke uͤberzogen und dürre, und oben⸗ drein mit Unkraut aller Art bedeckt, ſo daß er ein mehrmaliges Pfluͤgen erfordert, bevor er zur Aufnahme einer andern Saat geſchickt wird. Aber die ſtarken tiefer eindringenden Wurzeln dieſer Gewaͤchſe aͤußern auch, abgeſehen von der chemiſchen, eine hoͤchſt vortheilhafte mechaniſche Wirkung auf den bindigen Boden. Abgeſtorben, aber noch nicht verweſet, bilden ſie lauter hohle Röhren, welche den Boden trennen, locker erhalten und der atmoſphariſchen Luft Zutritt verſchaffen. Sie verſetzen dadurch die Stelle eines mehrmaligen Auf⸗ lockerns durch den Pflug, und machen eine einfaͤhrige Beſtellung zureichend. Dieſe Huͤlſenfruͤchte ſcheinen alſo, ſelbſt wenn ſie reifen und nahrhaften Samen tragen, den Boden, nach allgemeiner Erfahrung, wenig zu entziehen, was ſie ihm nicht auf eine andere Art wiedergeben, wenn man auch nicht anneh⸗ men will, daß ſie ein verſchiedenes Verhältniß von Urſtoffen gebrauchen. Werden ſie aber grun vor der Bildung des Samens gemäht, ſo iſt es unverkennbar, daß ſie den Boden wirklich bereichern und in den Stand ſetzen, eine Frucht zu tragen, wozu er vorher unvermoͤgend war. Eine unerlaͤßliche Bedingung iſt es aber, daß ſie dicht und uͤppig ſtehen, indem ſie ſonſt alle dieſe Vortheile nicht gewaͤhren, vielmehr das Gegentheil thun, den Boden dicht und hart machen. Deshalb iſt es nothwendig, ſie in der vollen Kraft des Ackers zu ſäen, wenigſtens auf keinem andern Boden, als der ihnen beſonders zuſagt, wie der kalkhaltige Lehm es thut. Und da ihr Gedeihen dennoch manchen Zufaͤlligkeiten unterworfen iſt, ſo wird der weiter hinausdenkende Landwirth ſie gruͤn abmaͤhen oder unterpflugen, ſobald ihr Mißrathen entſchieden iſt. §. 362. Wenn diejenigen Gewaͤchſe, welche wir unter dem Namen der Hackfruͤchte begreifen, und ebenfalls unter die verbeſſernden Zwiſchenfruͤchte zaͤhlen, zwar, wie oben geſagt, dem Boden einen Theil ſeiner nährenden Stoffe entziehen, und alſo, wenn dies nicht merklich werden ſoll, eine ſtärkere Duͤngung erfordern, wie noͤthig geweſen wäre, wenn man ſtatt derſelben eine reine Brache gehalten haͤtte, ſo ver⸗ treten ſie doch durch ihre Bearbeitung, die man ihnen vermittelſt zweckmaͤßiger Erſter Theil. Pr 346 Der Fruchtwechſel. Inſtrumente ſo bequem geben kann, die Stelle der Brachbearbeitung. Sie thun dies ſogar mit betraͤchtlich minderem Arbeitsaufwande und die Lockerung und Pul⸗ verung des Bodens, die Luftausſetzung, die Mengung ſeiner Beſtandtheile, wenn man will, die Vertiefung deſſelben durch Heraufholung eines Theiles des Unter⸗ grundes, die Vertilgung des Unkrauts, wird unter gehoͤriger Behandlung dadurch eben ſo gut, wie durch die Brache erreicht. Die große Menge von thieriſcher Nahrung aber, welche ſie geben, erſetzt durch den Miſt die Kraft, die ſie aus⸗ zieben, faſt zwiefach. Und laͤßt man ſie— wie freilich nicht ökonomiſch, aber mit großer Erſparung haͤufig in England geſchieht— vom gehordeten oder getuͤderten Maſtvieh auf dem Acker ſelbſt verzehren, ſo iſt ihr Anbau einer neuen ſtarken Duͤngung gleich zu achten.(Wenn die Englaͤnder von langen Fruchtfol⸗ gen ohne alle Miſtauffuhr reden, ſo kommen immer ſolche Gewaͤchſe dazwiſchen.) Dieſe Methode hat doch immer den Vortheil, daß das Maſtvieh wenigſtens die Pacht des Landes ſammt der Arbeit bezahlt; wogegen die Brache faſt gar keinen Ertrag giebt, aber betraͤchtliche Koſten verurſacht. Die Wurzelgewächſe, welche beſonders in dieſer oͤkonomiſchen Pflanzen⸗ klaſſe gehören, haben das Eigenthuͤmliche, daß ſie eine ſehr gute Vorfrucht fuͤr die Gerſte ausmachen, und darin nach vielen Beobachtungen ſogar eine reine Brache uͤbertreffen; dagegen aber fuͤr das Wintergetreide nicht als unmittelbare Vorfrucht paſſen, welches zum Theil, aber doch wohl nicht allein, von der verſpaͤte⸗ ten Einſaat des letzteren abzuhaͤngen ſcheint. Dennoch geraͤth das Wintergetreide ohne neue Duͤngung in demſelben Umlaufe wieder vortrefflich, nachdem ein Scho⸗ tengewaͤchs dazwiſchen gekommen war. Bauet man aber ſtatt dieſer Wurzelgewaͤchſe mit derſelben Manipulation des Pferdehackens ein Schotengewaͤchs, wozu ſich auf lehmigem Boden die Pferde⸗ bohnen vorzuͤglich eignen, ſo wird die Winterung ſo gut wie nach der Brache, oder wie einige behaupten noch beſſer. Deshalb ſind in der Grafſchaft Kent, wo ſo vorzuͤglich viel Weizen gebauet wird, die gedrillten Bohnen als die vorzuͤglichſte Vorfrucht fur denſelben anerkannt. Mehrere Handelsgewaͤchſe, beſonders der gepflanzte oder gedrillete Raps, koͤnnen in dieſe Stelle eintreten, wenn man erſt einen genugſamen Duͤngerſchatz fuͤr ſie geſammelt und des Viehfutters zu viel hat. Der Fruchtwechſel. 347 Sehr wichtig iſt ferner die Wechſelung der Fruchtarten in Hinſicht auf die Un⸗ terdruͤckung des Unkrauts, indem gewiſſe Saaten ſich mit gewiſſen Unkrautsarten am leichteſten vermiſchen, ſolche auf- und zur Reife kommen laſſen und ihre Ver⸗ mehrung beguͤnſtigen; wogegen andere dieſe Unkrautsart gar nicht dulden. Dieſe Ruck ſicht iſt bei der Wahl des Fruchtwechſels auf einem mit beſondern Unkrautsar⸗ ten angefullten Boden von großer Wichtigkeit, und es kann dadurch, wenn ſie gehoͤrig getroffen worden, der Acker voͤllig davon gereinigt werden. 5. 36 ½ Dieſe Erfahrungen und Gruͤnde beſtimmen die Regeln, welche man bei dem Fruchtwechſel zu befolgen hat. Zugleich aber tritt die Ruͤckſicht auf Viehfutterung ein, die wieder doppelt iſt. Naͤmlich 1) in Anſehung des daraus unmittelbar zu ziehenden Gewinnſtes, und 2) des dadurch zu erhaltenden Duͤngers. Das Geſetz des Fruchtwechſels verlangt zwar keinesweges, wie manche ſich eingebildet haben, daß die Haͤlfte des Ackers zum Futterbau verwandt werde. Selbſt in England giebt es ganze Gegenden, die die Regel des Fruchtwechſels ſeit undenklichen Zeiten beobachtet haben, aber nicht einen Halm zur Viehfutterung bauen, ſogar ihr Stroh nach der Stadt verkaufen, und uͤberall kein Vieh halten, weil ſie Duͤnger genug und uͤberfluͤßig an dem ſchlammigen mit Muſcheln bedeck⸗ ten Seekraute haben, welches die Fluth an ihre Ufer fuͤhrt, und welches ſie mit großer Sorgfalt bergen. Sie bauen hauptſaͤchlich, wechſelnd mit dem Getreide, gedrillte Schotenfruͤchte, die ſie zum Theil gruͤn nach London verkaufen. Aber es erfordert das Geſetz einer richtigen Hekonomie mehrentheils, daß ein großer Theil des Ackers zum Futterbau verwandt werde, um dadurch den Duͤnger zu einem deſto einträglichern Getreidebau herbeizuſchaffen. Ob mehr oder weniger, das be⸗ ſtimmen die ubrigen Verhaͤltniſſe der Hekonomie, beſonders die Menge des nur zum Graswuchs geeigneten Bodens und etwa das Vorhandenſeyn anderer Duͤnger⸗ quellen. Und ſo iſt es dann allerdings häufig der Fall, daß ein Fruchtwechſel ge⸗ waͤhlt werden muß, woz, 3, 2, 2 des ganzen zum Futterbau mit dem nachhal⸗ tigſten Vortheile beſtimmt werde; wogegen in andern Fallen 4,, 3 ſchon genug 348— Der Fruchtwechſel. ſind, und alles Uebrige mit verkauflichen Produkten, aber dennoch nach den Re⸗ geln des Fruchtwechſels beſtellt werden kann. §. 365. Es iſt noch zu kurze Zeit, daß dieſe Regel der Fruchtfolge uberhaupt ins Licht geſtellt worden, und deshalb ſind die beſondern Geſetze und Modifikationen der⸗ ſelben noch bei weitem nicht genugſam erforſcht. Es hat keinen Zweifel, daß wir uͤber die vortheilhafteſte Folge der mannigfaltigen Produktionen mit der Zeit im⸗ mer mehrere Aufſchluͤſſe erhalten werden. Die Verſchiedenheit des Erdbodens, der Duͤngung und der Beackerung macht aber einen großen Unterſchied, welchen man im Auge behalten muß, wenn man Verſuche daruͤber anſtellt. Auch koͤnnen einzelne Jahre kein ſicheres Reſultat geben, da die beſondere Witterung Einfluß darauf haben kann. So hat man z. B. im Magdeburgiſchen beobachtet, daß Gerſte nach Moͤhren ſchlechter, wie nach andern Wurzeln geriethe, Erbſen aber vortrefflich, und daß nach dieſen dann ohne neue Duͤngung Gerſte wieder gut einſchlage. à Allein in Anſehung der wichtigſten und gebräuchlichſten Fruͤchte und Saaten haben wir ſchon ſo unbezweifelte Erfahrungen, daß wir leitende Grundſaͤtze daraus abziehen köͤnnen. Verſchiedene derſelben ſind ſchon ſeit alten Zeiten anerkannt, nur nicht genugſam beachtet worden. Daß die Getreidearten ſelbſt gewechſelt wer⸗ den muͤſſen, weiß Jedermann. Man weiß, daß Weizen nach Weizen nie gera⸗ the; auch daß Weizen nach Gerſte— der Boden ſei denn etwa zu geil— hoͤch⸗ ſtens mittelmäßig ausfalle. Hieran iſt nicht allein der Mangel genugſamer Bear⸗ beitung des Bodens Schuld, indem er doch nach Erbſen gut und nach Hafer, der den Boden ſonſt noch ſtärker bindet, immer beſſer, wie nach Gerſte wird. Die Wintergerſte laßt wegen ihrer fruͤhen Aberntung Zeit genug zum dreimaligen Pfluͤgen; aber man weiß, daß immer ſchlechter Weizen darauf folgt. Weswe⸗ gen man in fetten Marſchlaͤndern in ihre Stoppel immer erſt eine andere Frucht, Rapſaat oder Bohnen nimmt, und dann erſt Weizen oder wieder Gerſte baut. Hafer erträgt eine mehrjaͤhrige Folge dagegen beſſer, zumal auf einem aus dem Graſe gebrochenen Boden, wo er manchmal bis zur dritten Ernte im Ertrage immer zugenommen hat. Rocken nach Rocken wird zwar haufig geſaet, aber doch Der Fruchtwechſel. 349 mit ſchlechtem Koͤrnerertrage, wenn er gleich in einem Boden, der vom vorigen Jahre noch unzerſetzten Duͤnger enthaͤlt, im zweiten Jahre uͤppiger wie im er⸗ ſten ins Kraut ſchießt. Gerſte nach Wintergetreide iſt in der Regel vortheilhafter, wie umgekehrt. Wenn aber eine Zwiſchenfrucht zwiſchen beide kommt, ſo ſcheint ſich's nach vielen Verſuchen umgekehrt zu verhalten. Ueberhaupt kommen Halmfruͤchte, die ununterbrochen aufeinanderfolgen, nie zu der Vollkommenheit und dem Koͤrneranſatze, als wenn ſie mit Fruͤchten aus einer andern Klaſſe abwechſeln; weshalb man längſt, wo man in der Felderwirth⸗ ſchaft die Brache zu beſtellen anfing, in ſelbige doch andere Fruͤchte zu nehmen ſich bewogen fand. 5. 366. Ungeachtet dies ſo ſehr vor Augen lag, ſo fielen doch nur wenige auf den Ge⸗ danken, die Fruchtfolge zu ändern, und z. B. bei der Vierfelderwirthſchaft ſtatt 1) Winterung; 2) Soͤmmerung; 3) Erbſen; nun 1) Winterung; 2) Erbſen; 3) Sommerung zu faͤen, und dann Brache zu halten. Einige aber, die es thaten, ſtanden ſich ungleich beſſer dabei. Sie gewannen mehrere Koͤrner und mehreres Stroh. Manche deutſche Landwirthe waren der Sache ſehr nahe, zu denen auch der praktiſche von ESckart in ſeiner ſogenannten Erperimental⸗Oekonomie gehoͤrte. Aber noch war in dieſen Zeiten die Blendung des Vorurtheils ſo groß, daß man nicht ſah was dicht vor Augen lag, oder ſeinen Augen nicht traute, wenn das Ge⸗ ſehene der auf Autorität begruͤndeten Meinung widerſprach. Auch Woͤllner und ſelbſt Germershauſen fuͤhrten ſchon Gruͤnde fur jene Einrichtung der Fruchtfolge an. Aber obwohl viele lehrten, daß die aufein⸗ ander folgenden Fruͤchte um ſo beſſer geriethen, je ungleichartiger ſie waͤren, und niemand dieſer Lehre in der Theorie ſeinen Beifall verſagte, ſo gab doch keiner die Fruchtfolge des Dreifelderſyſtems auf. Zwar waren die meiſten durch die zum Geſes gewordene Obſervanz des eingefuhrten Syſtems daran verhindert; aber es gab doch viele Gutsbeſitzer groͤßerer und kleinerer Art in Deutſchland, die mit ihren Feldern machen konnten, was ſie wollten. Mich ſelbſt hat weder das Nachdenken noch die Leſung der engliſchen Schriften zuerſt auf dieſe Folge der Fruͤchte gefuͤhrt, ſondern nur Zufall und Noth, und da 350 Der Fruchtwechſel. man mich mit dem Namen eines Vaters dieſes ſogenannten Syſtems in Deutſchland beehrt hat, ſo darf ich hier die kleinen Umſtaͤnde erzaͤhlen, die mich darauf fuͤhrten. Ich war ein lebhafter Anhaͤnger des Kleebaues und der Stallfutterung nach dem Sihubttiſchen Syſteme, und wollte jenen im dritten oder Brachjahre durchſetzen. Allein er mißrieth und der Acker verqueckte, die einfaͤhrig darin beſtellte Winterung verſagte voͤllig, ungeachtet die Kleeſtoppel noch einmal dazu geduͤngt wurde, oder der Klee im Winter eine Duͤngung erhielt. Ich gewann mit Huͤlfe eines mittelmä⸗ ßigen Luzerne- und Hafergrasfeldes die gruͤne Futterung zureichend fuͤr den Sommer, aber kein Heu fuͤr den Winter, welches ich mir doch von meinem Kleefelde berechnet hatte. Nur die in einem zerſtoͤrten Luzernefelde gebauten Kartoffeln und Ruͤben hatten mich bei einem geringen Wieſenheugewinnſte einen Winter gluͤcklich durchge⸗ holfen. Voll Dankbarkeit fur ſelbige brach ich einen Theil meines mit Klee beſam⸗ ten, aber ſchlecht beſtandenen Ackers zu Kartoffeln um. Die reichliche Ernte derſel⸗ ben verſpaͤtete ſich, und ich konnte bei ohnehin naſſer Witterung keinen Rocken hineinſaͤen, wie ich ſonſt wuͤrde gethan haben; nahm deshalb Gerſte. Weil ich in⸗ deſſen durchaus Kleevorrath haben wollte, ſo ſaͤete ich ihn wieder ſehr dick unter dieſe Gerſte. Die Gerſte gerieth außerordentlich, und erregte Bewunderung auf einem Felde, welches nur ſelten mittelmaͤßige Gerſte trug. Im folgenden Jahre hatte ich hier zum erſtenmale guten Klee, wogegen ein anderes Feld, worauf der Klee in die zweite Getreidetracht geſaͤet, ungeachtet es im Winter uͤberduͤngt war, nur Sauer— ampfer brachte. Letzteres ward nach einem traurigen Schnitte dreimal zu Rocken gepfluͤgt; erſteres nach zwei Schnitten nur einmal, und der Rocken auf dieſen ward entſchieden beſſer als auf jenem. Dieſe Erfahrung beſtimmte meine kuͤnftige Frucht⸗ folge. Ich war indeſſen weit entfernt, irgend einen hoͤhern Werth, als den der beſondern Nuͤtzlichkeit fuͤr meine Verhaͤltniſſe darauf zu ſetzen. Ich ſchaͤmte mich vielmehr, von einem Befolger der Pfeiferſchen, Mayerſchen, Gugemuſiſchen und Schubartſchen Lehren, ein Kartoffelbauer und ein Nachahmer der kleinen Gaͤrtner geworden zu ſeyn, die in meiner Nachbarſchaft ihren Morgen Landes ungefaͤhr auf dieſelbe Weiſe benutzten. Ich befrug ſie indeſſen uͤber ihre Erfahrungen, und fand, daß ſie mit den meinigen ſtimmten. Nur verfiel ich darauf, mich bei meinem groͤ— ßern Kartoffelbau eines Mecklenburgiſchen Hakens zum Anhaͤufen zu bedienen, aus welchem ich nachher dasjenige Inſtrument formte, deſſen man ſich jetzt in Deutſch⸗ land am haͤufigſten zum Kartoffelbau bedient. §. 367. Warum dieſer Erſt ſpaͤter fielen mir neue engliſche Schriftſteller in die Hand, welche gerade Fruchtwechſel dieſe oder eine aͤhnliche Fruchtfolge als die Baſis jeder höhern Ackerkultur betrach⸗ Der Fruchtwechſel. 351 teten, die Brache nur durch die ſorgſame Bearbeitung der in entfernten Reihen das engliſche Syſtem ge⸗ ſtehenden ſtaudigern Fruͤchte erſetzen lehrten, den Kleebau nur dann fuͤr ſicher und wannt wor⸗ durch dichte Beſchattung des Bodens fuͤr verbeſſernd hielten, wenn er mit der er⸗ den. ſten Saat in einem Acker geſaͤet wuͤrde, der durch den Bau jener Fruͤchte voͤllig gelockert und gereinigt waͤre, und die nur den Klee in dieſem Zuſtande eine wohl⸗ thaͤtige Vorfrucht vor Weizen nannten, aber in ein ſchlechtes Kleefeld Weizen zu ſaen— wenn es ſich nicht voͤllig ausgelegen habe oder zuvor nicht durch Sommer⸗ pfluͤgen gereiniget ſey— fuͤr ein Verbrechen gegen alle Grundſaͤtze eines guten Ackerbaues erklaͤrten. Dieſe Lehren und viele merkwuͤrdige bisher uͤberſehene Erfahrungen der Englaͤnder, die mit den meinigen ſo ſehr ſtimmten, bewogen mich, ſolche dem deutſchen Publikum zuerſt in dem Hannoͤverſchen Magazin, dann in meiner Anleitung zur Kenntniß der engliſchen Landwirthſchaft vorzulegen. Man hat dieſe Fruchtfolge daher das engliſche Syſtem nicht ganz ohne Grund genannt, obwohl es in England keinesweges allgemein, ſondern nur in einigen Grafſchaften landuͤblich war, aber jetzt in den Wirchſchaften alle aufgeklaͤrteren und verbeſſernden Landwirthe gefunden wird, und ſich von da aus nun freilich im⸗ mer mehr verbreitet. Der große Beifall, den dieſe Lehre in jenem Werke vorgetragen erhielt, er⸗ weckte demſelben auch viele Gegner, die gerade daher, daß es aus England her⸗ ſtamme, einen Grund zu ſeiner Verwerflichkeit hernahmen. Bei der Unkenntniß aller engliſchen Verhaͤltniſſe ſchrieben ſie den Getreidemangel, den England gerade damals in einigen Jahren erlitten hatte, dieſem Syſteme zu, obgleich alle engli⸗ ſche Schriftſteller einſtimmig behaupteten, daß dieſer bei der zunehmenden Be⸗ voͤlkerung nur eine Folge der noch uͤberwiegenden Dreifelderwirthſchaft, der großen oͤden Weidereviere, die ſie erfordert, und in andern Gegenden des zu vielen gar nicht aufgebrochenen oder doch zu lange ruhenden Graslandes ſey. Dieſe Schrift⸗ ſteller zeigen einſtimmig, daß jenem Mangel nur durch die mehrere Einfuͤhrung dieſes Fruchtfolgeſyſtems abgeholfen werden koͤnne, indem die wenigen und klei⸗ nen Grafſchaften, wo es zu Hauſe iſt, hauptſaͤchlich die ungeheure Hauptſtadt und die vielen andern Handels⸗ und Fabrikſtaͤdte, ja ganze Fabrik⸗Grafſchaften— z. B. Norfolk, das weit groͤßere Lankaſter— mit Getreide verſorgten. 352. Der Fruchtwechſel. Wenn dieſes Syſtem, ſagten ferner die Gegner, fuͤr eine ſo vieles Fleiſch konſumirende Nation, wie die Englaͤnder, paſſend ſey, ſo ſey es doch fuͤr uns nicht alſo, weil die Mebrheit der Deutſchen groͤßtentheils von vegetabiliſchen Nahrungsmitteln lebe. Denn dieſes Syſtem verlange die Haͤlfte des Ackers zur Viebfutterung. Koppelwirthe konnten dieſe Einwendung nicht machen, weil auch dieſe mindeſtens die Hälfte der Viehnahrung widmen. Aber die Dreifelderwirthe beriefen ſich auf ihre ſtaͤrkere Ausſaat. Es laͤßt ſich ihnen aber leicht erweiſen, daß ſie, ſelbſt abgeſehen von den großen Weideraͤumen und Wieſen, die ſie ge⸗ brauchen, wenn ihre Wirthſchaft in einiger Kraft bleiben ſoll, doch ſelbſt von ihrem pflugbaren Acker nicht die Haͤlfte zur Nahrung der Menſchen verwenden, denn ſie muͤſſen ihr Zugvieh faſt allein mit Koͤrnern ernaͤhren, und ihrem Nut⸗ viehe damit haͤufig aufhelfen. Dagegen kann bei dieſem Wirthſchaftsſyſteme al⸗ les erbaute Getreide zur menſchlichen Nahrung verwandt werden, da die Futter⸗ ernte zur Ernaͤhrung des ſtärkſten Viehſtapels zureicht. Es gehoͤren ferner zu den Wechſelftuͤchten, welche die Hälfte des Ackers einnehmen, auch alle Huͤlſenfruͤchte, beſonders die behackten Bohnen, Wicken und Erbſen. Endlich vertreten ſo viele Handelsgewaͤchſe, die waͤhrend ihrer Vegetation Bearbeitung leiden, wie ſchon oͤfter geſagt worden, die Stelle der Vorfruchte für das Getreide, ſobald ſich naͤm⸗ lich eine Wirthſchaft in den Duͤngerſtand geſetzt hat, daß ſie dieſe ohne Er⸗ ſchoͤpfung ihres Ackers bauen, und ſich mit geringer Futtererzeugung be⸗ helfen kann. §. 368. Zwei vortreffliche Schriftſteller, der Amtsrath Kar be in ſeiner Ein⸗ fuͤhrung der engliſchen Wechſelwirthſchaft und der durchlauchtige Herzog Friedrich zu Schleswig Hollſtein Beck uͤber die Wech⸗ ſelwirthſchaft und deren Verbindung mit der Stallfutterung, haben dies Syſtem gruͤndlich vorgetragen, und auf unſere Verhaͤltniſſe modifizirt, den großen Nutzen, welche deſſen allgemeine Einfuͤhrung haben wuͤrde, gezeigt. Es ſind gegenwaͤrtig in Daͤnnemark, Schleſien, der Mark Brandenburg, Sach⸗ ſen, Franken, Weſtphalen, ja ſelbſt bis nach Kur und Eſthland hinauf unzählige Beiſpiele davon aufgeſtellt. Der Erfolg beſtätiget allgemein den Werth des Syſtemes, Der Fruchtwechſel. 353 Syſtemes, ungeachtet man bei dem Uebergange nicht ſelten ͤbereilt verfuhr, und ungeachtet nur wenige ſchon in die zweite Rotation getreten ſind, wo es ſeine Wirkung erſt auffallend zeigen kann. Dennoch macht man ſich haͤufig noch zu einſeitige Vorſtellungen, und glaubt, daß eine beſondere Zahl der Schlaͤge und beſiimmte Ordnung der Fruͤchte darunter zu verſtehen ſey. Der eine denkt es ſich nur mit der Stallfutterung, der andere mit der Weide vereinbarlich. Aber es kann mit beiden ſehr zweckmaͤßig verbun⸗ den werden: der Stallfutterung im Großen wohl nur allein einen ſichern Grund unterlegen; der Weidewirthſchaft eine vollkommnere Winterfutterung und hoͤhere Benutzung des Viehes gewaͤhren. Die Zahl der Schläge aber, oder die Länge der Rotation, das Verhaͤltniß des zum Fruchtbau und des zur Viehfutterung ge⸗ widmeten Landes, geſtatten eine groͤßere Mannigfaltigkeit wie die Koppelwirth⸗ ſchaft, und werden nur durch die oͤrtlichen Verhaͤltniſſe und die Zwecke, die man hat, bedingt. F. 369. Die weſentlichen Eigenſchaften dieſes Syſtems ſind folgende: 1) Eine unbenutzte Brache faͤllt dabei in der Regel weg. Statt derſelben aber werden nach einem gewiſſen Umlanfe von Jahren ſolche Fruͤchte theils zur Futterung, theils zum Verkauf gebauet, welche wahrend ihres Wachsthums und zur Befoͤrderung deſſelben den Durchgang der leichten Pfluͤge oder der Pferdehak⸗ ken und Pferdeſchaufeln entweder nur in einer oder in zwei ſich durchkreuzenden Reihen verſtatten, wodurch der Boden alle die Vortheile, welche die Brache ge⸗ wahren kann, erhält. Mir iſt wenigſtens noch kein ſo bindender oder ſo verwil⸗ derter Boden vorgekommen, daß er nicht durch die gehoͤrige Bearbeitung dieſer Fruͤchte mit fur ihn zweckmäßigen Werkzeugen eben ſo muͤrbe und zerfallend, als durch die Brache geworden ſeyn ſollte. Indeſſen will ich doch zugeben, daß Bo⸗ den exiſtiren koͤnne, der zu Anfange dieſer Fruchtfolge einer Brache bedarf, die dann aber, vollendet gegeben, nie wieder noͤthig wird. Dieſer Schlag erhaͤlt die Hauptduͤngung, welche in dem ſtarken Maaße, wie ſie dieſe Wirthſchaft geben kann, fuͤr jede andere Frucht zu ſtark ſeyn wuͤrde, fuͤr Fruͤchte dieſer Art es aber Erſter Theil. k Yy 354 Der Fruchtwechſel. nie ſeyn kann. Dieſe wirkt dann mit der Bearbeitung zugleich, den Boden zum Zerfallen zu bringen, und die darin befindlichen Unkrautskeime zu zerſtoͤren. 2) Nach dieſen Hackfruchten folgt in der Regel Sommerung, theils weil ihre ſpaͤte Aberntung eine fruͤhe Einſaat der Winterung nicht verſtattet, theils weil die Erfahrung gelehrt hat, daß die Sommerung auf dem gewoͤhnlichſten Lehmboden hier einen hoͤheren Ertrag, wie die Winterung gebe; dennoch aber dem Boden genugſame Kraft, in der Folge Winterung abzutragen, hinterlaſſe. Dieſe Sommerung kann Sommerweizen, Hafer oder Gerſte ſeyn. Die letzte iſt indeſſen das gewoͤhnlichſte, und zwar die große zweizeilige, oder aber die nackte und Himmelsgerſte, deren Gedeihen hier ſo groß als ſicher iſt. Sollte der Boden jedoch wegen Verſaumniß des genugſamen Behackens oder wegen einer hoͤchſt unguͤnſtigen naſſen Witterung eines Sommers nicht vollkommen muͤrbe und rein geworden ſeyn, ſo verdiente in dieſem ungewohnlichen Falle die kleine vierzeilige Gerſte den Vorzug, weil vor ihrer Einſaat im Fruͤbjahre noch einige Mal gepfluͤgt werden koͤnnte. In der Regel aber iſt dieſes Pfluͤgen ſo wenig noͤthig, daß die Fruͤhjahrsbeſtellung vollkommen ohne daſſelbe, bloß durch den ein⸗ oder zweimaligen Gebrauch der Erſtirpators und der Eggen, gemacht werden kann, wodurch man in dieſer mit dringenden Geſchaften beſetzten Jahreszeit ungemein erleichtert wird. Manche haben die Beſorglichkeit, daß die in ſo kraftigem Lande geſaͤete Sommerung ſich lagern werde, welche aber die Erfahrung genugſam widerlegt, wenn anders nicht zu dichte— was hier nicht nur uberfluͤßig, ſondern ſchaͤdlich wäre— geſaet wird. Die tiefe Beackerung des Bodens ſichert gegen Lagerkorn. Und wenn der Boden vertieft werden ſoll, ſo geſchieht es bei der Vorbereitung zu den Hackfruͤchten, denen das tiefe Pfluͤgen nie ſchädlich wird, und unter welchen der heraufgebrachte Boden ſeine Rohheit verliert. 3) Run wird die Hauptregel beobachtet, daß nie zwei halmtragende Fruͤchte nacheinander kommen, ſondern jedesmal eine andere Zwiſchenfrucht. Es ſey denn am Schluſſe der Rotation, wenn die Hackfruchte wieder darauf folgen, wo die Ver⸗ wilderung und die Verballung des Bodens alſo nicht ſchadlich werden kann. Die Auswahl dieſer Zwiſchenfrucht hängt von der Zahl der Schlaͤge und den Wirth⸗ ſchaftsverhaͤltniſſen ab. Es kann Klee; es koͤnnen Huͤlſenfruͤchte, Helſaaten „ Der Fruchtwechſel. 355 oder jede andere ſeyn, die nur nicht in das Geſchlecht der grasartigen Pflanzen gehoͤ⸗ ren. Da es indeſſen 4) Eine unumgaͤngliche Forderung iſt, daß der Klee in ein voͤllig reines ſtark durchgearbeitetes und geduͤngtes Land komme, ſo wird derſelbe mehrentheils unter die Frucht geſäet, welche auf die Hackfruͤchte folgt, und findet alſo im dritten Jahre nach jener ſeinen Platz. Hier iſt hoͤchſt ſelten ein Mißrathen deſſelben zu beſorgen, wenn man mit deſſen Einſaat gehorig verfährt. Er dringt in dem noch tief gelockerten Bo⸗ den mit ſeinen Wurzeln ſo ein, daß ihm keine Winterwitterung nachtheilig werden kann. Und was man ſonſt, allerdings nach der Erfahrung, von dem Muͤdewerden des Ackers zum Kleetragen geſagt hat, findet hier durchaus nicht ſtatt, indem zwanzig⸗ jaͤhrige Verſuche gelehrt haben, daß er nach vierjähriger Wiederholung immer beſſer geworden ſey. Dieſer Klee kann nun entweder ein Jahr benutzt werden, oder er kann zwei Jahr zum Mähen dienen. Im erſtern Falle wird er in der Regel einfurchig mit Winterung beſtellt, welches durch den Gebrauch des Schnittpfluges auf die vorzug⸗ lichſte Weiſe geſchieht. Im zweiten Falle kann man zuweilen der Sommerung den Vorzug geben, beſonders wenn man noch einen dritten Schnitt von Klee nehmen, oder ihn im Nachſommer zur Weide benutzen wollte. Indeſſen iſt doch auch dieſe zweijahrige Kleeſtoppel ſo ſehr fuͤr die Winterung geeignet, daß man in den meiſten Faͤllen ſolche vorzieht. Und ſie kann auch nach zwei Kleeſchnitten mittelſt des Schnitt⸗ pfluges und nachmaligem Gebrauch des kleinen Erſtirpators auf das vollkommenſte beſtellt werden. In einigen Fällen kann dieſer Klee nun auch im dritten Jahre zur Weide liegen bleiben, in welchem Falle aber entweder Hafer auf demſelben folgen, oder aber der Acker zur Winterung mehrmals gepflugt werden muͤßte. 5) Es hat bei längern Rotationen oder wo man Futterung und Duͤnger in großter Menge gewinnen und den Acker in die hochſte Kraft ſetzen will, große Vor⸗ theile, wenn noch eine ſolche Saat dazwiſchen kommt, die nicht zur Reife oder zum Anſotz des Samens gelangt, ſondern in ihrem gruͤnen Zuſtande abgemaͤhet wird, wozu ſich vor allen Wicken und Buchweizen paſſen. Ihre Stoppel hinterlaͤßt nun einen zur reichſten Winterungsſaat vollkommen vorbereiteten Boden. Bei dieſen Fruchten finden auch vorzuͤglich: 6) Doppelte Ernten in einem Jahre ſtatt. Man kann ſie freilich bei dieſem Wirthſchafts ſyſteme auch in mehreren Schlägen anbringen; indeſſen ſind dieſe doppel⸗ Yy2 356 Der Fruchtwechſel. ten Ernten in unſerem Klima und in groͤßern mit keinen uͤberfluͤßigen arbeitenden Kraͤften verſorgten Wirthſchaften nicht ſo allgemein anwendbar, als manche behaup⸗ tet haben. Der Bau der Ruben in die Stoppel der Winterung geraͤth zwar auch bei uns zuweilen ſehr gut, aber ihre Einſaat muß in der geſchaͤftvollen Erntezeit ſchnell vollfuͤhrt werden. Die neuerlichſt geruͤhmte Methode, Moͤhren im Fruͤhjahre unter die Winterung zu ſaͤen, kenne ich nicht aus der Erfahrung, und finde ihrer auch bei den Englaͤndern, welche ſonſt dieſe doppelten Ernten haͤufig zu gewinnen ſuchen, nicht erwaͤhnt. Wo nach meiner Erfahrung noch ohne Beſchwerde eine doppelte Ernte ſtatt findet, iſt auf einem gedrillten und gepferdehackten Bohnen⸗ oder Mais Felde, wo zwiſchen den Reihen nach vollendeter Bearbeitung ſehr vortheilhaft Ruͤben geſaͤet wer⸗ den koͤnnen. Das Wickenfeld traͤgt erſt gruͤne Wicken, und nach denſelben ebenfalls gruͤn abzumaͤhenden Buchweizen, der mehrentheils ganz vortrefflich geraͤth, oder aber Waſſerruͤben, die fruͤh genug geſaͤet werden koͤnnen, und die Bearbeitung reichlich bezahlen. Auch hat man zweimal Wicken zum gruͤnen Abmaͤhen eingeſaet. 7) Wenn in laͤngern Rotationen zweimal geduͤngt werden ſoll, ſo kommt der zweite Duͤnger nie zu einer Getreidefrucht, ſondern unter eine andere, am beſten unter die gruͤn abzumähenden, weil deren Wuchs nie zu uͤppig werden kann, theils auch weil er hier das Unkraut auf eine unſchaͤdliche Weiſe hervortreibt, ſolches aber nicht zur Reife kommt. Er wird hier durch ſchnellen Umbruch der gruͤnen Stoppel mit dem Boden gemengt und innig vereinigt, und verliert doch ſeine erſte Geilheit, welche die junge Getreidepflanze zu ſtark treibt, und vor allem Lagerkorn erzeugt. 8) Es iſt keine weſentliche Bedingung, daß die Haͤlfte des Ackers zur Vieh⸗ futterung beſtimmt werde, wohl aber, wie aus dem Geſagten erhellet, daß nur die Haͤlfte eigentliches Getreide trage. Von verkäuflichen Fruͤchten uͤberhaupt kann, wenn man will, weit mehreres, und zwar, ſobald ein hinlanglicher Duͤngervorrath geſammelt iſt, das eintraͤglichſte unter allen gebauet werden. Nur iſt es, um zu die⸗ ſem Ueberfluß von Duͤnger zu gelangen, der hier mit der vollkommenen Bearbeitung verbunden ſo erſtaunliche Wirkung thut, mehrentheils nothig, in der erſten Ro⸗ tation ſich mit der Hälfte der verkaͤuflichen Fruͤchte zu begnuͤgen, um des Fut⸗ ters vollkommen genug zu bauen. Der Fruchtwechſel.— 5 37o. Die nothwendigen Erforderniſſe einer auf dieſe Regel der Fruchtfolge gegruͤnde⸗ Bedingungen ten Wirthſchaft, bei deren Mangel die Einfuͤhrung unmoͤglich iſt, oder doch nur un⸗ S vollkommenes Stuͤckwert bleibt, ſind folgende: ſes Syſtems. 1) Vollkommenes Eigenthum und freie Benutzung des Feldes, eine Abweſen⸗ heit aller Servitute und Rechte, die ein anderer darauf hat, oder doch eine zweckmaͤ⸗ ßige Beſchränkung derſelben⸗ 2) Eine gute und nicht zu ſehr getrennte oder zu weit entſernte Lage der Felder. Das Gegentheil macht wenigſtens ungemeine Schwierigkeiten bei die ſer eine ununter⸗ brochene Aufmerkſamkeit fordernden Kultur. 3) Bei ihrer Einfuͤhrung ein nicht zu ſehr ausgemagertes Land oder beſondere Huͤlfsquellen, um ſich den erſten kraftvollen Duͤnger zu verſchaffen. Sie ohne ſolche auf einem durch die Felderwirthſchaft erſchoͤpften Boden einfuͤhren zu wollen, erfor⸗ dert wenigſtens große Aufopferungen oder die Anlage eines betraͤchtlichen Kapitals, indem der Bau verkäuflicher Fruchte vorerſt ſehr eingeſchränkt werden muß, um ge⸗ nugſame Futterung, d. h. Duͤngermaterial zu gewinnen. Ihre Einfuͤhrung iſt des⸗ halb nach der gewoͤhnlchen Koppelwirthſchaft, die ihren Acker in mehrere Kraft erhal⸗ ten hat, in der Regel weit leichter als nach der mehrentheils erſchoͤpfenden Dreifelder⸗ wirthſchaft, und in manchen Fällen iſt es rathſam, durch jene hindurch zu der hoͤhern Wirthſchaft uͤberzugehen. Von den zweckmaßigſten Hůlfsmitteln bei dem Uebergange werden wir weiter reden. 4) Mehrere Arbeit. Es wird zwar mehrentheils diejenige Menſchenzahl, welche in der Felderwirthſchaft zu einer ſchnellen und gehoͤrigen Ansfuͤhrung der Ernte noͤthig war, zureichen, alle Arbeiten dieſer Wirthſchaft zu vollfuͤhren; ſie muͤſſen aber in eine größere und anhaltende Thätigkeit dabei geſetzt werden. Die Verthei⸗ tung der Arbeiten durch das ganze Jahr kann ſo eingerichtet werden, daß ſich eine un⸗ unterbrochene Reihe von Beſchäͤftigungen und beſtändiger Verdienſt fuͤr die Men⸗ ſchen, ſelbſt fu die ſchwachen Alten und Kinder dabei finde. Dieſe Arbeiten erfor⸗ dern zwar keinesweges eine ſchwer zu erlangende Kunſtfertigkeit; indeſſen findet doch eine mehrere Theilung der Arbeit und eine daraus erfolgende größere Uebung in den⸗ ſelben und in der Handhabung gewiſſer Werkzeuge dabei ſtatt, wodurch die Arbeit ———————— ———— 358 Der Fruchtwechſel. leichter und wohlfeiler wird. Daß ſich bei dieſer Wirthſchaft gewohnlich der Anreiz zu mehreren Meliorationen vorzuͤglich findet, und dazu wiederum mehrere Arbeiter erfordert werden, haͤngt nicht unmittelbar mit derſelben zuſammen. Eine vermehrte Anſpannung kann nur wegen der ſtärkern Dungerausfuhr, der groͤßeren Ernten und der mehr zu verfahrenden Produkte noͤthig werden. Die Beackerung und Beſtellung ſelbſt wird eher dadurch erleichtert. Denn wenn gleich einige Operationen bei der Feldbeſtellung hinzukommen, die bei andern Wirthſchaften nicht gewoͤhnlich ſind, ſo werden dadurch nur weit ſchwerere erſpart. Auch ſind dieſe Geſpannarbeiten ſehr gleichmäßig durch alle Jahreszeiten vertheilt. 5) Einen ſehr aufmerkſamen, thaͤtigen, uͤberlegenden und entſchloſſenen Wirth⸗ ſchaftsaufſeher. Dieſe Bedingung iſt unumgaͤnglich, da eine genaue Wahrnehmung der Zeit zu jedem Geſchaͤfte mehrere Abweichungen von dem gewohnten Leiſten, und mannigfaltige Abwechſelungen in der Beſtellung und Ernte, und in Beſorgung des Viehſtapels hier angewandt werden koͤnnen, um den moͤglich hoͤchſten Ertrag hervor⸗ zubringen. Insbeſondere iſt der Unterſchied zwiſchen einer einmal ingetheeen Kop⸗ pelwirthſchaft und der unſrigen darin ſehr groß. 6) Paßt ſie nur da, wo ein hinlaͤnglicher Abſatz aller Produkte ſtatt findet, und deshalb der Grund und Boden im gerechten Werthe gegen die Arbeit ſteht. Wo dieſe ſehr theuer im Verhältniß zu jenem iſt, oder wo man nur Gelegenheit hat, alle Arbeit durch Frohnden, die zu andern als den gewoͤhnlichen Arbeiten nicht ange⸗ wieſen ſind, vortheilhaft bewirken zu kaſſen, da findet ſie noch keine Anwendung. 7) Endlich iſt ein groͤßeres Betriebskapital und ein ſtaͤrkeres Inventarium, wie von ſelbſt erhellet, dabei noͤthig. §. 371. Dieſe Regel des Fruchtwechſels findet nun ſowohl bei der Weide des Viehes auf einigen Theilen des Ackers, als bei der Stallfutterung deſſelben ihre Anwendung. In jenem Falle wird durch ſie die Koppelwirthſchaft zu ihrer hoͤchſten Vollkommenheit gebracht, und dieſes hat unter Verhältniſſen, welche die Stallſutterung erſchweren, unbezweifelte Vorzuͤge. Der hoͤchſt moͤgliche Ertrag vom Grund und Boden kann aber nur durch die Verbindung mit der Stallfutterung hervorgebracht werden. Nicht Der Fruchtwechſel. 359 allgemein verhaͤlt es ſich vielleicht ſo mit dem höchſten Profit vom angelegten Kapital und Arbeit. Wir betrachten alſo zuerſt die. Wechſel⸗Weidewirthſchaft oder Wechſelwirthſchaft nach der Regel der Fruchtfolge. §. 372. Bei dieſer Wirthſchaſtsart bleibt alſo ein Theil des Landes zur Weide fuͤr das Rindvieh, oder wenn man will nur fuͤr die Schafe liegen. Allein das Land wird in voller ſtarker Dungkraft und mit der angemeſſenſten Beſamung von Weidekraͤutern niedergelegt. Es giebt alſo eine ungleich nahrhaftere und reichere Weide, die mehr Vieh oder daſſelbe Vieh auf einer ungleich kleinern Fläche ernährt. Außerdem aber bauet ſie in der Regel anderes Futter, entweder bloß zum Winterbedarf, oder auch um einen Theil des Viehes im Sommer auf dem Stalle entweder ganz oder neben der Weide zu ernaͤhren; auf jeden Fall ſo hinreichend, daß die Weide nie zu fruͤh im Fruͤhjahre angegriffen oder ubertrieben zu werden braucht. Auf einer geringern Anzahl von Schlägen, wie acht, paßt ſich dieſes Syſtem eigentlich nicht. Wenn der Getreidebau nicht zu ſehr eingeſchränkt werden ſoll, und man noch einen Schlag zum Futterbau nehmen wollte, ſo wuͤrde die Weide nicht kange genug liegen koͤnnen. Ganz kleine Wirthſchaften ausgenommen,— denen aber uͤberhaupt die Stallfutterung immer weit angemeſſener wie die Weide iſt,— wurde ich die ſechs und ſiebenſchlagige Wirthſchaft immer in eine zwoͤlf⸗ und vierzehn⸗ ſchlagige in gewiſſer Hinſicht umwandeln, wodurch auch der Uebergang um ſo mehr erleichtert wird. Acht Schläge iſt alſo das geringſte, was wir annehmen, und hier wuͤrde ich folgende Fruchtfolgen vorſchlagen; 360 Wechſelwirthſchaft nach der Regel der Fruchtfolge. Das Zeichen** bedeutet hier und in der Folge ſtarke Duͤngung, *ſchwache Duͤngung. 1)** a. Gedrillte Bohnen. 2) a. Winterung. 3) a. Mäheklee. 4) a. Sommerung. §)* a. Erbfen. 6) a. Winterung. 7) Weide mit weißem Klee und 8) 1 BGraͤſern. Oder: ¹) Dreeſchhaſer. 2) a.* Gedrillte Bohnen. 3) a. Winterung. 4) a.* Wicken. 5) a. Sommerung. 6) a. Maͤheklee. 7) 7 Weide. 8) 1) Dreeſchhafer. 2)* Gedrillte und behackte Fruͤchte. 3) Gerſte. 4) Klee. 5) Winterung. Oder: 1) Dreeſchhafer. 2)** Behackte Fruͤchte. 3) Gerſte. 4)*Erbſen und Wicken. 5) Winterung. S 5 5 5 6 5 b.** Kartoffeln. Sommerung. Maͤheklee. Winterung. *Wicken. Winterung. *Kartoffeln. Sommerung. *Erbſen. Winterung. In neun Schlaͤgen: 6)*Erbſen und Wicken. 7) Winterung. 3 Beſamte Weide. 6) Maäheklee. 7)1 8) Weide. 9). Wechſelwirthſchaft nach der Regel der Fruchtfolge. 36 In zehn Schlaͤgen: 1) Dreeſchhafer. 6)*Erbſen und Wicken. 2)** Behackte Früͤchte. Winterung. 3) Gerſte. 4) Maͤheklee. Beſamte Weide. 5) Winterung. 6 Wo man mehr Klee zum Maͤhen haben wollte und weniger Weide wuͤrde man jenen zwei Jahr nutzen, und dagegen einen Weideſchlag weniger nehmen. Oder:; 1)** Rapsſaat und Erbſen. 6) Winterung. 2) Winterung. 7) Sommerung. Behackte Fruͤchte. 8) 4) Gerſte. 9)% Weide. 5) Klee. 10)) Oder auf ſandigem Boden: 1) Buchweizen. 6) Rocken. 2) Rocken. 3)* Behackte Früchte. 8) 4) Hafer. 9) §5) Spoͤrgel. 10). In eilf Schlägen: 1) Hafer. 7)* Rapsſaat. 2)** Behackte Fruchte. 2 Winterung. 3) Gerſte.) 4) Klee. 10) 4 Weide. 5) Winterung. 11) 6) Gruͤne Wicken. Es verſteht ſich, daß der Rapsſaatbau nicht eher eintreten nbitſe, als bis die Wirth⸗ ſchaft in reichem Duͤngerſtande iſt. Sonſt folgt hier auf die Wicken nochmals Win⸗ terung, und man behaͤlt vier Weideſchläge, wenn man nicht etwa lieber den Klee aus dem vierten Jahre im fuͤnften Jahre ſtehen laſſen will. Erſter Theil. 33 362 Wechſelwirthſchaft nach der Regel der Fruchtfolge. 8 Oder: 1)** Rapsſaat. 7)*Erbſen und Wicken. 2) Winterung. 8) Winterung und Sommerung. 3)*Behackte Fruͤchte. 9) 1 Weide. 4) Gerſte. 10) 5) Klee. 11) Weide bis zur Mitte des Som⸗ 6) Winterung. mers. In zwoͤlf Schlaͤgen: 1) Wicken. 7)*Erbſen. 2) Winterung. 8) Winterung. 3) Maͤheklee. 9) 4) Hafer. 10) 3) Behackte Früchte. Beſamte Weide. 1 6) Gerſte. 12 Hier kann nun ebenfalls No. 12. in der Mitte des Sommers umgebrochen werden, und in No. 1. Raps ſaat kommen; falls der Duͤngerſtand es erlaubt. Oder: 1) Wicken. 7)„Gedrillte Bohnen. 2) Winterung. 8) Hafer. 3)** Behackte Fruͤchte. 9) Maheklee. 4) Gerſte. 10) 9) Erbſen. 1¹) f Weide. 6) Winterung. 12) In vierzehn Schlägen: 1)** Raps. 8) Klee. 2) Winterung. 9) Winterung. 3) Erbſen. 10) Hafer. 4) Winterung. 11 5 5) Gerſte. 13) 7) Klee. 14) Wechſelwirthſchaft nach der Regel der Fruchtfolge. 363 Oder: 1) Hafer. 8) Gerſte. 3) Gerſte. 10) Wezen. 4) Klee. Klee. 3 Winterung. ¹3) Weide. 7) Erbſen. 14) Die mehrſchlägigen Rotationen kann man als Verdoppelungen oder Vervielfachungen der minderſchlägigen betrachten, die mannigfaltig in einander greifen. Ich fuͤge hier nur noch die von einer vier und zwanzigſchlägigen bei, welche auf einem Gute, deſſen drei Vorwerke mit ihrer Feldflur an einander grenzen, gegenwaͤrtig eingerichtet wird, ſo daß Alles zwar ein Ganzes ausmacht, aber doch von dieſen drei Höfen auf einer Feldmark von 3000 Morgen betrieben wird. Sie iſt folgende: 1)** Raps. 14)** Gedrillte Bohnen. 2) Winterung. 15) Winterung. 3) Kartoffeln. 16) Maͤheklee. 4) Gerſte. 17) Winterung. 5) Maͤheklee. 18)*Gruͤne Wicken, hernach Ruͤben. 6) Maͤheklee. 19) Sommerung. 7) Winterung. 20) Erbſen. 8)*Erbſen und Wicken. 21) Winterung. 9) Winterung. 22) Kleeweide. 10) N 23) Weide. 11) 1 Weide. 24) Vorweide, dann zu Raps umge⸗ 12) brochen. 13) Dreeſchhafer. Wenn es in dieſen Rotationen noͤthig ſeyn ſollte, eine vlig reine Brache, viel⸗ leicht zur Auffuhrung von Mergel oder Kalk zu halten, ſo kann es in einem der min⸗ der unemtbehrlichen Schläge immer geſchehen, und dennoch vielleicht noch einige Rutzung im Vor⸗ oder Rachſommer durch gruͤne Wicken oder Ruͤben davon ge⸗ nommen werden. 362 Stallſutte⸗ rungsſyſtem. Vortheile der Stallfutte⸗ rung. 364 Wechſelwirthſchaft nach der Regel der Fruchtfolge. Die letzt erwaͤhnte Wirchſchaft iſt auf eine ſehr ſtarke, edle Schaͤferei hauptſäch⸗ lich berechnet, und dieſer iſt die ganze Weide beſtimmt, wogegen das Rindvieh wahr⸗ ſcheinlich auf dem Stalle wird gehalten werden. Stallfutterungswirthſchaft. §. 374. Das Weſentliche derſelben beſteht darin, daß das Vieh im ganzen Jahre haupt⸗ ſaͤchlich durch abgeſchnittenes und ihm zugefuͤhrtes Futter ernaͤhrt wird, und wenig, etwa nur zu Ende des Sommers, oder gar nicht weidet. Es wird wirklich nach dem eigentlichen Sinne des Worts im Stalle gehalten, oder auf einem dazu eingerichteten Hofe gefuttert, oder aber in beſonderen beweglichen ſtarken und hohen Horden, de⸗ ren Platz alljährig verändert und nach der Hauptfutterkoppel hin verlegt wird. Ge⸗ wiſſermaßen kann man hierher auch das in einigen Gegenden gebräuchliche Tudern des Viehes rechnen. Ueber die Vortheile der einen oder der andern Methode zu reden iſt hier der Ort nicht, wo wir dieſe Futterungsart bloß in Hinſicht auf die allgemeinen Wirtrchaftsverhaͤltniſſe betrachten. Wir haben im Deutſchen ſonſt kein Wort, dieſe Futterung durch Zufuͤhrung der Nahrung auszudruͤcken. Die Englaͤnder nennen es Soiling, ohne Ruckſicht auf den Ort und die Methode, wo und wie es geſchieht. 5. 375. Die uͤberwiegenden Vortheile dieſer Wirthſchaftsart beſtehen in folgendem: 1) Sie bedarf eines weit geringern Flaͤchenraums zur Ernahrung ihres Viehes. a) Indem ſie ihren zum Futtertragen beſtimmten Acker gehoͤrig vorbereitet, und ſeine Begraſung nicht der Natur uberlaßt, ſondern durch Beſamung und Be⸗ pflanzung ſolche Gewaͤchſe darauf erzeugt, welche ſowohl ſeiner beſondern Beſchaſſen⸗ heit, als der Natur desjenigen Viehes, dem man ſie beſtimmt, vollkommen ange⸗ meſſen ſind. Hierdurch macht ſie ſich die Produktionskraft der Natur auf die moͤglich poͤchſte Weiſe zu Nutzen, und zieht eine vielfach ſtärkere Quantität von Rahrung von einer Flaͤche Landes, als dieſe ſonſt hervorbringen wuͤrde. p) Indem ſie dieſe Futtergewächſe ihren volligen Wachsthum und den ange⸗ meſſenſten hoͤchſten Grad ihrer Entwickelung erreichen läßt, in welchem ſie der Quan Stallfutterungsſyſtem. 365 tität und Qualität nach den hoͤchſten Ertrag geben. Die Entwickelung und Aus⸗ dehnung der meiſten Futterkräͤuter nimmt naͤmlich bis auf einen gewiſſen Punkt pro⸗ greſſiv zu, und geht am ſchnellſten und ſtärkſten vor ſich, je mehr ſie ſich dieſem hoͤch⸗ ſten Punkte naͤhert. In ihrer erſten Jugend iſt dieſer Zuwachs geringe in einer be⸗ ſtimmten Zeit, wird aber dann am ſtärkſten, wenn die Bluthe ſich zu entwickeln anfaͤngt. Wird dieſer Zeitpunkt, wie bei der Weide geſchiehet, nicht abgewartet, ſo kann der hochſte Ertrag nicht davon erfolgen. Sobald das Aufbluhen aber geſche⸗ hen iſt, ſteht der Wachsthum des Krautes wieder ſtill, und bei der Bildung des Sa⸗ mens vermindert ſich die Nahrhaftigkeit des Krautes. Dieſer gluͤckliche Zeitpunkt kann folglich nur beim Abmaͤhen gehoͤrig beobachtet werden. Durch Samenanſatz ungeſchwächt, macht es alsdann oft vermehrte Schuͤſſe, die man wieder bis zu dem⸗ felben Grade der Vollendung kommen läßt. e) Indem dadurch verhuͤtet wird, daß durch das Auftreten des Viehes keine Pflanze zerſtoͤrt oder in ihrem Emporkommen gehindert werde, welches auf der Weide mit betraͤchtlichem Nachtheile geſchieht. Hierdurch erreicht man der Erfahrung gemäß, daß mit hoͤchſtens der Hälfte des zur Weide erforderichen Landes— den Acker von derſelben Guͤte und derſelben Kraft angenommen— das Vieh ſo reichlich und ſo vollkommen ernaͤhret werden kann, wie mit dem Ganzen, unb daß man folglich wenigſtens die Hälfte des Landes zu andern Zwecken oder zur Ernährung mehreren Viehes erſpart. §. 376. 2) Der Miſt, um deſſenwillen das Vieh beim Ackerbau groͤßtentheils gehalten wird, kann nur bei dieſer Wirthſchaft auf das vollkommenſte benutzt werden. Bei jeder Weidewirthſchaft geht immer der groͤßere Theil des beſſern Sommer⸗ miſtes verloren. Auf den beſtaͤndigen Huͤtungsplätzen der Felderwirthſchaft verliert ihn der Ackerbau völlig, ohne daß er ſelbſt die Weide betrochtlich aufhuͤlfe, indem wir nicht bemerken, daß alter unaufgebrochener Anger, wo beſtaͤndig Rindvieh wei⸗ det, in dem Verhältniſſe des darauf gefallenen Miſtes an Kraft zunehme. Der Miſt thut vielmehr oft keine andere Wirkung, als daß er dem Viehe die Stellen, worauf er fiel, auf mehrere Jahre verleidet; weshalb man haͤufig die Rindviehhirten dazu ermuntert, dieſen Miſt aufzuſammeln und zu ihrem Vortheile zu benutzen. Nicht 366 Stallfutterungsſyſtem. ſo ganz gebt er auf der Dreeſchweide der Koppelwirthſchaft verloren. Indeſſen wird doch der bei weitem groͤßte Theil davon verſchwendet, und der Acker erhaͤlt von ſelbi⸗ gem nicht diejenige Kraft, die er erhalten wuͤrde, wenn ihm derſelbe Miſt gehoͤrig vorbereitet beigemiſcht wäre. Da er einzeln zerſtreut nicht in eine ſolche Gährung gehen kann, woraus eine konſiſtente Maſſe erfolgt; ſo verfluchtigt ſich der groͤßte Theil gasfoͤrmig, der Reſt zerſtäubet, und wird von Inſekten verzehrt. Der Ver⸗ luſt wird um ſo groößer, je laͤnger der Acker zur Weide liegt; wogegen derjenige beſſer benutzt wird, welcher bald zum Unterpflugen kommt. Auf keinen Fall aber kommt der Miſt ſo zu Nutzen, als wenn er mit der Streu genau vermiſcht, verbunden und die ſe ſelbſt dadurch zu einem wirkſamen Duͤnger gemacht wird. Nur durch die Stall⸗ futterung faͤngt man die ſammtlichen Auswuͤrfe des Viehes auf, laͤßt dieſe mit der Streu verbunden den gerechten Zeitpunkt ihrer Gährung erreichen, verhuͤtet das zu fruͤhe Aufloͤſen und das zu ſtarke Verdunſten. Man hat es endlich in ſeiner Gewalt, dieſen Miſt in dem gerechten Zeitpunkte ſeiner Gaͤhrung in denjenigen Acker und auf denjenigen Fleck zu bringen, wo er den großten Rutzen ſtiftet, und wo man ihn zum Vortheil des ganzen Wirthſchaftsbetriebes am noͤchigſten gebraucht. §. 377. 3) Die Stallfutterungswirthſchaft kann mit dem Lande, was ſie zur Viehfut⸗ terung und zum Fruchtbau gebraucht, ſchneller wechſeln, und folglich alle Vortheile der Wechſelung um ſo mehr erreichen. Sie kann die Futterungsmittel in der Ord⸗ nung und Folge bauen, daß dem Anbau verkaͤuflicher Fruͤchte, beſonders des Ge⸗ treides, der moöglich mindeſte Abbruch auch in dieſer Hinſicht geſchiehet, indem ſie die Futterernten nur als Vorbereitung zum Getreide nimmt, und den Acker dadurch in volliger Reinheit, Lockerheit und Kraft erhält; mithin die Brache um ſo unnoͤthiger macht, und ihre Wirkungen reichlich erſetzt. §. 378. 4) Sie kann dem Viehe alle Jahreszeiten hindurch eine gleich ſtarke, kraͤftige und wohlſchmeckende Nahrung geben,— wenn ſie nämlich das Verhaͤltniß und die Folge ihrer angebauten Futtergewächſe gehörig einrichtet— es folglich immer bei gleichen Kräften, Geſundheit, mithin hoͤherer Nutzung erhalten. Die Weide⸗ wirthſchaft kann dieſes, ohne ein großes Uebermaaß von Weide zu haben, wegen der Ungleichheit der Jahresfruchtbarkeit nicht. Stallfutterungsſyſtem. 357 Die Stallſutterung iſt namlich im Stande, ſich einen Theil des Sommerfutters von einem Jahre zum andern aus dem reicheren fuͤr das ärmere uͤberzuſparen, indem es dem Viehe ungemein zuträglich und angenehm iſt, wenn ihm auch im Som⸗ mer neben dem gruͤnen trockenes Futter gereicht wird. Dadurch kann ſie alſo jene immer gleiche Nahrung nicht nur bewirken, ſondern auch alle andere Wirthſchafts⸗ verhältniſſe im vollkommenſten Gleichgewichte erhalten, indem ſie auf eine gleichmã⸗ ßige Maſſe des Duͤngers in jedem Jahre rechnen darf, bei aufgeſpartem Futter es aber auch in ihrer Gewalt hat, einen groͤßeren Viehſtapel zu halten, wenn ihr ſol⸗ ches der Nußung oder des Duͤngers wegen vortheilhaft ſchiene. §. 379. §) Endlich iſt es nicht nur gewiß und durch unzahlige Erfahrungen ausgemacht, daß das Vieh bei gehoͤriger Behandlung auf dem Stalle vollkommen und eben ſo lange geſund bleiben koͤnne; insbeſondere wenn man ihm zuweilen auf einem freien Raume, bei Gelegenheit des Tränkens und Badens, Bewegung verſtattet, ſondern es wird dadurch auch gegen manche der gefahrlichſten Krankheiten, denen das Weide⸗ vieh ausgeſetzt iſt, geſchuͤtzt. So iſt es unter andern dem gefaͤhrlichen Milzbrande nicht unterworfen, und gegen anſteckende Krankheiten weit mehr geſichert, ſo daß in Gegenden, wo Stallfutterung uͤberall eingefuͤhrt iſt, eine allgemeine Verbreitung derſelben nicht zu beſorgen ſteht. Wenigſtens hat die Stallfutterung in dieſem Punkte entſchiedene Vorzuͤge vor der Weide bei der Felderwirthſchaft, wenn auch manche bei einer geſunden Koppelweide das Vieh eben ſo geſichert haltesn. F. 380. Bei dieſen unverkennbaren Vortheilen der Stallfutterung hat man dennoch ic viele Bedenklichkeiten und Einwendungen dagegen gemacht, die wichtig genug ſchei⸗ nen, um ihre allgemeinere Einfuͤhrung bisher zu hindern. Mit Uebergehung derer, kung. deren Unwichtigkeit und Ungrund von ſelbſt in die Augen ſpringt, wollen wir hier nur diejenigen unterſuchen, die von groͤßerer Wichrigkeit allerdings zu ſeyn ſcheinen. Sie ſind folgende: 1) Der Anbau der Futtergewaͤchſe macht mehrere Menſchenhände und ſtaͤrkere Anſpannung nothig, als nach manchen Ortsverhaͤltniſſen darauf zu verwenden ökono⸗ miſch rathſam ſeyn koͤnnte. ˙ 368 Stallfutterungsſyſtem. Antwort: Der Anbau der zur Sommerſtallfutterung gebraͤuchlichen Gewaͤchſe macht eine ganz unbedeutend vermehrte Arbeit. Beim Klee koͤmmt nichts weiter, als das Ausſaͤen ſelbſt in Berechnung; und wenn man den Samen ſelbſt gewinnt, das Ausdreſchen deſſelben, welches dann beſonders unbedeutend iſt, wenn man zum eignen Gebrauche nur die Koͤpfe abdriſcht, und ihn mit den Huͤlſen ausſaͤet. Der Anbau der Futterwicken iſt nicht erheblicher, indem die dazu gegebene Pflugfurche in der Brache nicht minder noͤthig geweſen wäre. Die Arbeit beim An⸗ bau anderer Futtergewaͤchſe, auf welche man ein zu großes Gewicht legt, kommt nicht auf die Koſten der Sommerfutterung, ſondern der Winterfutterung, wovon hier eigentlich nicht die Rede iſt. F. 381. 2) Des Geſchaͤft der Futterung auf dem Stalle oder Viehhofe erfordert we⸗ gen des Maͤhens„Zufuͤhrens vom Felde, und des Vorlegens der Futterung ſelbſt, dann des Einſtreuens und Ausbringens des Miſtes, beträchtlich mehrere Menſchen und mehreres Geſpann, als die Verpflegung des Weideviehes. Antwort? Dieſer Gegengrund iſt wohl unter allen der erheblichſte, indem mehrere Arbeit dabei auf keine Weiſe abzuläugnen iſt. Indeſſen iſt der Unterſchied ſo groß nicht, wit er denen erſcheint, die mit einer guten Einrichtung und Manipulation nicht bekannt ſind. Das Maͤhen des Futters fuͤr 80 Stuͤck Vieh,— wenn anders der Klee gut ſtehet— das Aufladen und Anfahren deſſelben kann ein Mann und ein Weib oder Junge vollkommen verrichten, und dabei dem Viehwärter in der Vorle⸗ gung dieſes Futters noch genugſam zu Huͤlfe kommen. Wir nehmen alſo an, daß drei Perſonen außer den eigentlichen Viehmaͤgden auf 80 Stuͤck Vieh(und zu 100 reichten ſie auch hin) bei der Stallfutterung noͤthig ſind. Wenn nur eine Art von Vieh auf der Weide gehalten wuͤrde, ſo daß milchendes und guͤſtes, junges und altes nicht getrennt wäre, ſo wurde freilich ein Hirte zureichen. Sobald wir ſie aber auf mehrere Heerden uns vertheilt denken, wird der Unterſchied geringer werden. Dieſe Perſonen reichen auch zu, die Einſtreuung und Ausmiſtung zu beſorgen, wenn dieſe auf die beſte Weiſe vermittelſt einer Schleife geſchieht. Dagegen iſt aber die Arbeit der Maͤgde, gleich reichliche Milch angenommen, bei der Stallfutterung geringer, weil die weiten Wege und die Zeitverſchwendungen, welche bei der Weide vorkom⸗ men, Stallfutterungsſyſtem. 369 men, hier wegfallen; nicht zu gedenken, daß bei dem Melken ſelbſt eine weit genauere Aufſicht wie auf der Weide moͤglich iſt, und von der Milch weniger verſchuͤttet und abhanden kommen kann. Das Einfahren der grunen Futterung geſchieht am beſten, entweder durch die ſich dazu paſſenden Kuͤhe ſelbſt, oder durch einige beſondere Ochſen die dabei voͤllig fett werden; indem ſie auf dem Stalle und auf dem Felde freſſen, und ihnen dieſe mäͤßige Arbeit nur zur Verdauung dient, folglich ſie ihr Futter am Ende des Sommers recht gut bezahlen. Die ſtärkere Miſtausfuhr wird man wohl nicht leicht als eine Laſt, die allerdings die Stallfutterung betraͤchtlich vermehrt, an⸗ ſehen wollen. Indeſſen gebe ich zu, daß ſolche Verhaltniſſe eintreten koͤnnen, wo die Verwen⸗ dung von 2 Menſchen mehr auf 80 Kuͤhe in der Sommerzeit Schwierigkeit machen koͤnne; nur koͤnnen ſolche Falle nicht haͤufig ſeyn, wo es an der Moͤglichkeit dieſe 2 Menſchen mehr herbeizuſchaffen ſehlte. Wo man Menſchen auf alle Weiſe erſpa⸗ ren mußte, hat man die Einrichtung getroffen, die Stallfutterung nur bis zur Ernte⸗ zeit fortzuſetzen, dann aber, auch um die Stoppelweide des Klees zu benutzen und den Nachwuchs, das Vieh auszutreiben. S. 382. 3) Die Stallfutterung erfordert eine kunſtlichere und zuſammengeſeßtere Ein⸗ richtung des Stalles, großen Raum, um das Futter aufzubewahren, und mannig⸗ faltige Geräthe; folglich ein weit groͤßeres ſtehendes Kapital. Antwort: Bei dieſem Einwurfe hat man ſich die Schwierigkeiten ohne Zwei⸗ fel groͤßer vorgeſtellt, als ſie wirklich ſind. Es erleichtert allerdings ein zweckmäßig eingerichteter Stall die Sache ſehr. Das Futter kann darin laͤngere Zeit unverdorben aufbehalten, und weit leichter unter dem Viehe vertheilt werden. Aber in jedem Stalle wird man einen Ort zu dieſer Anfbewahrung ausfindig machen, wenn man nur die Zahl des Viehes um einige Stuͤcke vermindern will. Der Wagen oder der Karren, die Forke, Harke und Senſe, welche hierzu mehr noͤthig ſind, koͤnnen wohl kaum in Berechnung gebracht werden. Diejenigen, welche dieſen Einwurf machen, ſprechen auch von großen Kellerräumen und Futterſchneidemaſchinen, die aber eigentlich nicht der Sommerſtallfutterung, von welcher hier nur die Rede iſt, angerechnet werden konnen. Erſter Theil. Aaa 370 Stallfutterungsſyſtem. S 383 4) Bei einem kleinen Viehſtapel koͤnnen die Mehrkoſten gegen die Weide ganz unbedeutend ſeyn. Aber der groͤßere Arbeitsaufwand ſteigt mit der Kopfzahl des Vie⸗ hes in groͤßerem Verhaͤltniſſe gegen den bei der Weide. Es iſt zumahl bei der Kop⸗ pelwirthſchaft faſt gleich, ob ein Hirte 20 oder 200 Stuͤck zu huͤten habe. Bei der Stallfutterung hingegen nimmt die Zahl der anzuſtellenden Menſchen mit der Zahl des Viehes in gleichem Verhaͤltniſſe zu, und auf jede 50 Stuͤck wird ein Mann mehr erfordert. Wenn alſo bei der Stallfutterung in kleinen Wirthſchaften Vortheil iſt, ſo vermindert ſich derſelbe immer mehr, je groͤßer ſie werden. Antwort: Dieſer Einwurf ſagt eigentlich nichts weiter, als daß die Stall⸗ futterung bei maͤßigen Wirthſchaften und Vorwerken noch vortheilhafter als bei gro⸗ ßen ſey, ohne doch den Vortheil uͤberhaupt abſprechen zu koͤnnen. Er iſt uͤbrigens bei dem erſten und zweiten Einwurfe beantwortet. F. 384. §) Auch wird bei großen Feldfluren der Aufwand des Futteranfahrens immer groͤßer, weil die Entfernung des Futterfeldes weiter iſt. Dieſe weitere Entfernung iſt hingegen bei der Weide von geringer Bedeutung. Antwort: Sehr entfernte Futterkoppeln wuͤrden allerdings die Sache ſchwie⸗ riger machen. Allein es laͤßt ſich bei einer auf Stallfutterung angelegten Feldeinthei⸗ lung wohl immer die Einrichtung treffen, daß man einen Theil des Klee⸗ oder Wik⸗ kenſchlages, der zur gruͤnen Futterung beſtimmt iſt, in der Nähe des Hofes habe. Sonſt hat man dieſer Beſchwerde auch durch die Anlegung eines Huͤrdenhofes auf einer entfernten Futterkoppel wohl abgeholfen. §. 385. 6) Auf großen Guͤtern iſt der Boden mehrentheils von verſchiedener Beſchaffen⸗ heit, und wenn bei einem allgemeinen Umlaufe der Klee und andere Futtergewaͤchſe auf einem ihnen nicht angemeſſenen Platz kommen, ſo ſind ſie dem Mißrathen unter⸗ worfen, oder geben doch nicht gleich ſtarken Ertrag. Es laͤßt ſich folglich keine regu⸗ läre Schlagordnung dabei befolgen; oder man darf auf hinreichende Ausfutterung eines gleich ſtarken Viehſtapels nicht Rechnung machen, und wird in gewiſſen Jah⸗ Stallfutterungsſyſtem. 371 ren, wo man auf eine duͤrrere Koppel mit dem Klee kommt, weniger Vieh hal⸗ ten köͤnnen. Antwort: Wenn auf die Verſchiedenheit des Bodens, wie zuweilen in der Koppelwirthſchaft geſchieht, bei der Eintheilung der Feldmark keine Ruͤckſicht genom⸗ men worden, ſo macht dies allerdings eine große Schwierigkeit. Dann tritt aber auch bei der Weide derſelbe Fall ein, und es mußte ein beſonderes guͤnſtiges Schickſal ſeyn, wenn das Weidevieh nicht darunter litte, dem durch Ueberſparung des Futters nicht ſo wie bei einer wohleingerichteten Stallfutterung abgeholfen werden kann⸗ Eine zweckmaͤßige Eintheilung der Feldmark nach der Guͤte des Bodens iſt aber bei der Stallſutterungswirthſchaft leichter moͤglich, weil hier der Zuſammenhang jedes Schlages und der Schlaͤge nach Nummern nicht ſo noͤthig iſt, und man es darum ſehr wohl ſo einrichten kann, daß alle Jahre ein den Futtergewächſen zuſagendes Feld und zwar nahe genug beim Hofe damit beſtellt werde. §. 386. 7) Das Gedeihen des Klees kann zwar durch eine gute Kultur ziemlich geſichert werden, jedoch nicht ſo, daß die Moͤglichkeit ſeines Mißrathens uns ganz außer Sorge ſetze. Und wenn dieſes eintrate, ſo waͤre die ganze Wiechſchaft da⸗ durch zerſtoͤrt. Antwort: Ungeachtet der Klee wohl das Hauptfutterungsmittel fuͤr den Som⸗ mer bleiben wird, ſo ware es doch ſehr fehlerhaft, ſich auf ſelbigen allein zu verlaſſen, da auch ohne ein gänzliches Mißrathen deſſelben bei guter Beſtellung zu beſorgen, immer Zeiten eintreten koͤnnen, wo er nicht genugſames Futter darreicht, oder wo es ihn dazu zu verwenden nicht rathſam wäre. Der Klee kommt eigentlich nicht fruh genug, um die gruͤne Futterung damit anzufangen, und zwiſchen ſeinen beiden Schnitten tritt eine Periode ein, wo er zu alt wird oder noch zu jung iſt, um vor⸗ theilhaft gebraucht zu werden. Auch fehlt es nach dem zweiten Schnitte, wenn man anders Winterung in die Stoppel ſäen will, daran. Eine wohleingerichtete Stall⸗ futterungswirthſchaft muß alſo durchaus mehrere Gewächſe zur Hand haben, welche die Stelle des gruͤnen Klees vertreten, wenn es nothig iſt, ſonſt aber auf andere Weiſe benutzt werden, wozu hauptſaͤchlich Wicken und auf trockenem Boden Spoͤr⸗ gel und Buchweizen gehören; wenn man nicht etwa beſondere Futterkoppeln zum Aaa 2 372 Stallfutterungsſyſtem. langjaͤhrigen Gebrauche mit Luzerne oder Eſparcette angeſäet hat, oder kunſtliche Wieſen mit Graͤſern. In dem bei guter Kultur kaum moͤglichen Falle des Auswin⸗ terns des Klees koͤnnen ſogleich theilweiſe Wicken in dieſes Feld eingeſaet werden, von deren Saat um ſo leichter ein Vorrath zu halten iſt, da ſie ſich zehn und mehrere Jahre konſerviren⸗ §. 387. 8) Nach den Erfahrungen, die man beſonders in Hollſtein gemacht hat, iſt die Butter von dem auf dem Stalle gefutterten Viehe nicht von der Gute und Dauerhaf⸗ tigkeit, wie die vom weidenden. Und da es dem Landwirthe bei einer ſtarken Vieh⸗ haltung ſo wichtig iſt, ſeine Butter in gutem Rufe zu erhalten, und uͤber deren Ab⸗ ſatz nicht verlegen zu ſeyn, ſe iſt dies ſchon ein zureichender Grund gegen die Stallfutterung. Antwort: Bei den wenigen Verſuchen, die man in Hollſtein mit der Stall⸗ futterung im Großen gemacht hat, iſt dies wirklich der Fall geweſen. Allein bei einer der bekannteſten iſt es notoriſch, daß man bei der Molkerei nicht diejenige Rein⸗ lichkeit beobachtete, wodurch ſich ſonſt die hollſteiniſchen Molkereien auszeichnen. Auch war die Futterung, welche das Vieh erhielt, ſchlecht, und beſtand, der uͤbel gewaͤhlten Fruchtfolge wegen, mehr aus Hederich und andern Unkräutern, als aus Klee. Run iſt es richtig, daß die Reinhaltung des Euters der Kuhe bei der Stall⸗ futterung ſchwieriger, wie bei der Weide ſey, und daß deshalb um ſo mehrere Vorkehrungen gegen die Verunreinigung der Milch getroffen werden muͤſſen, welches man freilich von Leuten, die der Sache abgeneigt ſind, ohne die ſtrengſte Aufſicht nicht erwarten kann. Geſchiehet dies aber, ſo hat Milch und Butter bei der Sommerſtallfutterung einen voͤllig ſo aromatiſchen Geſchmack, wie bei der Weide, dieſelbe Fettigkeit und alle andere Qualitaͤten, ſo daß es ge⸗ wiß zu erwarten ſteht, es werde ſich eine ſolche Butter, mit Hollſteiniſcher Sorgfalt bereitet, eben ſo gut wie die dortig⸗ Weidebutter erhalten, obwohl mir davon noch kein beſtimmtes Beiſpiel vorgekommen iſt; weil da, wo groͤ⸗ ßere Stallfutterungen betrieben werden, die Butter vortheilhafter im Sommer gleich verkauft wird⸗ Stallfutterungsſyſtem. 373 §. 388. 9) Endlich hat man geſagt, es werde bei allgemeiner Einfuͤhrung der Stall⸗ futterung in einem Lande der Markt mit Fleiſch und Fettwaaren uͤberfullt werden, und ſolglich der Preis derſelben um ſo mehr herabſinken, da dieſer Markt nie ſo ausge⸗ dehnt als der fur das Getreide ſey. Das zum Behuf der Stallfutterung in die Land⸗ wirthſchaft verwandte hoͤhere Kapital werde folglich geringere oder gar keine Zinſen tragen, mithin für den Privat⸗ und Nationalreichthum verloren, und der Landwirth⸗ ſchaft im Uebrigen oder andern Gewerben entzogen ſeyn. Selbſt der Kapitalwerth des Grundes und Bodens werde dabei eher verlieren als gewinnen. Antwort: Ohne mich auf die falſche ſtaatswirthſchaftliche Anſicht, aus welcher dieſer Einwurf nur hervorgegangen ſeyn kann, einzulaſſen, will ich ihn bloß in privatwirthſchaftlicher Hinſicht beantworten. Der Markt fur Fleiſch und Butter iſt in den meiſten Laͤndern ausgedehnter, wie der fur das Getreide, weil die Verfuͤh⸗ rung dieſer Waaren in gleichem Werthe minder koſtbar iſt. Man hat es deshalb in manchen Gegenden oft vortheilhaſt gefunden, das Getreide in Zucht⸗ und Maſtvieh zu verfuttern, weil es ſich mit dieſem Produkte ſelbſt forttrug. Zwar iſt dieſes ſeit einer Reihe von Jahren der politiſchen Konjunkturen und der den Bedarf nirgends uͤberſteigenden Getreideproduktion wegen nicht der Fall geweſen. Aber vormals ge⸗ ſchah es im ſudlichen Deutſchlande und in einigen Provinzen Frankreichs. Der leich⸗ ten transportablen Butter kann es nirgends an Abſatz fehlen, wo ſie von der gehoͤri⸗ gen Guͤte gemacht wird In Hollſtein, wo ſeit 15 bis 20 Jahren die Butterproduk⸗ tion betraͤchtlich, wie einige behaupten uͤber 4 zugenommen hat, iſt dennoch ihr Preis beſtändig geſtiegen, ungeachtet ſich zugleich die Ausfuhr derſelben aus Mecklenburg betraͤchtlich vermehrte. Vor 8 Jahren hatte ſich in jenem Lande ein neuer und ſehr vorthe hafter Markt fuͤr die Butter in Oſtindien eroͤffnet, wohin ſie in kleinen in Thon eingeſchlagenen Gefäßen verſandt wurde. Allgemein haben die Preiſe des Flei⸗ ſches und der Fettwaren, ſelbſt im Verhaͤltniſſe gegen das Getreide, zugenommen, welches daher zu ruͤhren ſcheint, daß wilde Gegenden, die bisher einzig und allein durch Vichzucht benutzt wurden, bei vermehrter Bevoͤlkerung mehr urbar gemacht und zum Getreidebau verwandt werden. Auch koͤmmt der geſtiegene Preis der Wolle hier in Betracht, deren ſtarkere Erzeugung zwar durch die Stallfutterung des Rind⸗ Wahre Hin⸗ derniſſe der⸗ ſelben. 374 Stallfutterungsſyſtem. viehes nicht unmittelbar aber doch mittelbar durch die Eruͤbrigung groͤßerer Weide⸗ ràume fuͤr die Schafe bewirkt werden wird. Ob uͤbrigens bei hoͤherer Kultur die thieriſchen Produkte in ihrem Preiſe gegen den Preis anderer Dinge fallen werden, iſt noch problematiſch, indem zugleich mit deren ſtaͤrkern Erzeugung auch die Konſum⸗ tion zunimmt; weil zugleich damit die Nationalwirthſchaft und Reichthum ſammt der Bevoͤlkerung ſteigt. Auf keinem Fall aber koͤnnen ſie unter ihren natuͤrlichen Preis fallen, d. h. denjenigen, der ihre Hervorbringungskoſten und den gerechten Profit bezahlt, weil, wenn dies geſchaͤhe, die angeſtrengtere Produktion ſogleich nachlaſſen wuͤrde. Auch bezweckt die Stallfutterungswirthſchaft nicht allein eine groͤßere Pro⸗ duktion thieriſcher Subſtanzen, ſondern eben ſo ſehr eine Erſparung des Bodens fuͤr vegetabiliſche Produktionen und Vermehrung des dazu erforderlichen Duͤngers. F. 389. Es ſcheinen alſo die Gruͤnde gegen die Stallfutterung und die damit nothwendig verbundene höhere Ackerkultur— ſoll jene anders von Beſtande ſeyn— einzeln betrachtet, unerheblich. Indeſſen koͤnnen ſie doch zuſammengenommen in einzelnen Faͤllen die Einfuͤhrung derſelben vorerſt unraͤthlich machen, und der Weidewirthſchaft bei einer guten Feldeintheilung das Wort reden. In Gegenden, wo die Manipulation der Stallfutterung noch ganz unbekannt iſt, wo man bei der dienenden Klaſſe ſowohl als bei denen, welchen man die ſpezielle Aufſicht uͤbertragen muß, Vorurtheile und Widerwillen dagegen antrifft, gehoͤrt wenigſtens eine ſehr genaue Aufſicht dazu, die vielleicht jeder Einzelne dieſem Zweige der Wirthſchaft, bei vielen andern neuen Ein⸗ richtungen, nicht widmen kann. Man muß ſich daſelbſt die Menſchen dafuͤr erſt zu⸗ ziehen, oder die Hauptviehwärter aus andern Gegenden kommen laſſen. Nicht an ſich, ſondern in Hinſicht des hoͤhern Wirthſchaftsbetriebes, welcher damit verbunden iſt, erfordert ſie ein betraͤchtlich groͤßeres Betriebskapital. Beſon⸗ ders aber wird ſie da minder anwendbar ſeyn, wo man Grund und Boden gar nicht zu ſparen hat, ſondern deſſen faſt einen Ueberfluß beſitzt, weil man Arbeit und Koſten dafuͤr auch bei einer minder intenſiven Bewirthſchaftung herbeizuſchaffen nicht ver⸗ moͤgend iſt. In ſolchen Faͤllen wird Wechſelwirthſchaft mit Weide wenigſtens vor⸗ erſt angemeſſener ſeyn, und dann um ſo leichter zur Stallfutterung uͤbergehen koͤnnen. Dagegen wird die Stallfutterung immer in dem Verhältniſſe vortheilhafter, in wel⸗ Stallfutterungsſyſtem. 375 chem der Werth des Grundes und Bodens ſteigt, und in groͤßerer Verlag auf die Landwirthſchaft verwandt wird. Am wenigſten paßt ſich die Stallfutterung auf ſehr ſandigem Boden, der weni⸗ ger als 25 Prozent Lehm und Humus enthaͤlt. Dieſem Boden iſt die ſogenannte Ruhe oder das Eindreeſchen und der Weidegang beſonders nutzlich, um ihm die Bin⸗ dung zu geben, die er bei zu haͤufiger Beackerung gaͤnzlich verliert. Auch iſt er fuͤr die Schafe mehr wie fuͤr Rindvieh geeignet, deren Stallfutterung vorerſt ſich noch nicht verbreiten wird, und wenigſtens auf ſolchem Boden nicht paßt. Der Futtergewaͤchsbau fuͤr den Sommer iſt hier der duͤrren Zeiten wegen auch bei zureichender Duͤngung noch immer ſehr mißlich, ſo ſicher auch der Bau der Futter⸗ wurzeln fuͤr den Winter darauf betrieben werden kann⸗ §. 390. Man unterſcheidet unter ganzer und halber Stallfutterung. Unter letzterer ver⸗ ſteht man nicht,— was ſonſt auch ſtatt findet— daß ein Theil des Viehſtapels auf dem Stalle bleibt, und der andere weidet, ſondern daß das Vieh ſeine Nahrung täglich zum Theil von der Weide holt, zum Theil im Stalle erhalt. Dieſe halbe Stallfutterung haben manche in Anſehung der Benutzung des Viehes fuͤr die einträg⸗ lichſte Art gehalten, und dabei den groͤßten Molkenertrag gehabt. Es iſt auch natuͤr⸗ lich, daß die Freßluſt des Viehes durch dieſe Veränderung gereizt, und ſeine Ver⸗ dauungskräfte geſtarkt werden. Vorzuglich wird ſie da rathſam, wo man einen nicht zu weit entſernten Weideanger der Gefahr der Ueberſchwemmung oder anderer Urſachen wegen nicht vortheilhafter benutzen kann, ſolcher aber doch zur voͤlligen Ernaͤhrung des noͤthigen Rindviehes im Sommer nicht zureicht. S. 3091. Die Stallfutterung läßt ſich bei verſchiedenen Ackerſyſtemen betreiben und Verbindung damit verbinden. In dieſer Hinſicht haben wir einen Unterſchied zu bemerken. verſchiedenen **„„„ ld. Die erſte und aͤlteſte Methode des Futtergewinnes iſt die in beſondern Futterkoppeln oder Kleegaͤrten. Man hat dazu gewoͤhnlich nahe am Hoſe 376 Stallfutterungsſyſtem. belegene Koppeln ausgewaͤhlt, und bauet darin dreijaͤhrig, und mehrentheils ſchon im erſten Jahre der Ausſaat zugleich mit dem untergeſaͤeten Getreide, gruͤn zu benutzenden Klee, oder, wo der Boden ihr zutraäglich, Luzerne. Wenn dieſe Futterkrauter ausgehen, werden ein oder zwei Jahre Wurzel⸗ oder Kohlge⸗ wächſe darin gebauet, vielleicht auch eine Getreide⸗ oder Huͤlſenfrucht, und ſie dann wieder zu Futterkräutern niedergelegt. Dieſe Futterkoppeln konſumiren aber einen großen Theil des Duͤngers, indem der Klee ohne ſtarke Duͤngung ſo oft wie⸗ holt nicht darin fortkommt. Der Hauptzweck des Futterbaues und der Stall⸗ futterung: der ganzen Feldflur eine ſo viel reichlichere Duͤngung zu verſchaffen, — fällt alſo dabei weg, und der ſonſt abſurde Einwurf gegen den Futterbau, daß er zu vielen Duͤnger wegnehme, iſt in dieſem Falle gewiſſermaßen gegruͤn⸗ det. Ferner faͤllt aber auch der andere Hauptvortheil: der Wechſel zwiſchen gruͤnen und koͤrnertragenden Ernten— dabei weg. Die Brache muß ungenutzt dabei liegen bleiben, oder der Acker verwildert. Nur in das weite Feld und in den allgemeinen Umlauf gebracht, können gruͤne Ernten neben der chemiſchen Verbeſſerung des Bodens durch den Duͤnger auch die mechaniſche durch die Lok⸗ kerung bewirken und die Reinheit deſſelben erhalten. Daher kann der Futterbau in beſondern Koppeln nur als ein ſehr mangel⸗ haftes Huͤlfsmittel angeſehen werden, wodurch man in der Felder⸗ und Koppel⸗ wirthſchaft ſich einige Beihülfe zur Viehfutterung verſchafft, welches aber bei der allgemeinen Stallfutterung im Großen durchaus zweckwidrig iſt. Eine ver⸗ haͤltnißmaßig kleine Koppel mit ausdauernden Futterkraͤutern, Luzerne und Maͤhe⸗ gräſern beſäet, kann nahe beim Hofe auch der kompletten Stallfutterung zuwei⸗ len ganz bequem ſeyn, um als Zwiſchenfutterung zu dienen⸗ 5. 392. Das zweite Syſtem des Futterbaues iſt das bei der Dreiſelderwirthſchaft: ihn in und ſtatt der Brache zu nehmen. Wir haben bereits oben von dieſem, durch Schubart hauptſaͤchlich verbreiteten Syſteme, deſſen Moͤglichkeiten und deſ⸗ ſen Schwierigkeiten geſprochen. Es wird hierdurch den Ackerbau kein Duͤnger entzo⸗ gen, und der Klee giebt dem Acker vielmehr neue Kraͤfte, wenn er gut, dicht und rein ſteht. Allein dieſes kann man nur auf beſonders fruchtbarem und fuͤr ihn geeigne⸗ tem Stallfutterungsſyſtem. 377 tem Boden bei dieſer Rotation erwarten, und dann doch nur unter der Bedingung, daß er nur im neunten Jahre wieder auf dieſelbe Stelle komme. Die große Miß⸗ lichkeit ſeines Gerathens und die Unzulänglichkeit ſeiner Ernten in Wirthſchaften, denen es an Wieſen fehlt, um das Vieh Winter und Sommer hindurch in gleichmä⸗ ßiger Futterung zu erhalten, hat ſich hier ſo haͤufig gezeigt, daß dieſes Syſtem außer einigen gluͤcklichen Diſtrikten keinen Fortgang gewinnen konnte, vielmehr wieder auf⸗ gegeben werden mußte, und mit demſelben dann zugleich die Stallfutterung ſelbſt. Bei einem zufalligen einjährigen Mißrathen halfen ſich induſtriöſe Wirthe durch die Ausſaat von Wicken oder anderem Futtergemenge, durch Abfutterung der Erb⸗ ſen wohl durch. Wenn dieſes aber oͤfterer kam, und nicht vom Zufalle abzu⸗ haͤngen, ſondern klar genug in der Sache ſelbſt zu liegen ſchien, ſo ſah man ſich genoͤthigt, davon abzuſtehen, wenn gleich manche, die es durchzuſetzen ſich zu lange beſtrebten, bis zur gänzlichen Verwilderung ihrer Felder dabei verharrten. §. 3093. Das dritte, unter den bisher verſuchten, einzig gluͤckliche Syſtem, worauf bei der Einfuͤhrung der Stallfutterung mit Sicherheit zu rechnen, iſt das des Fruchtwechſels, wo der Klee jedesmal in ſtark und tief bearbeitetes Land, welches noch die volle Kraft des Duͤngers hat, gebaut wird, und wo mehren⸗ theils zu demſelben Behuf auch andere Futtergewachſe ihm im Sommer zu Huͤlfe kommen, und wieder andere im Herbſte und Winter folgen; ſo daß das Vieh durch alle Perioden des Jahres mit einer reichlichen und ſaftigen Futte⸗ rung verſorgt iſt. Wir haben die Gruͤnde, worauf dieſes Syſtem beruht, oben ausfuͤhrlich auseinandergeſetzt, und werden das Uebrige, wo von dem Bau dieſer einzelnen Gewächſe und von der Futterung des Viehes ſelbſt die Rede ſeyn wird, anfuͤhren; ſo daß wir hier nichts weiter daruͤber zu ſagen brauchen. §. 394. Deshalb wollen wir hier nur diejenigen Rotationen angeben, welche nach der verſchiedenen Zahl der Schläge zu waͤhlen ſind, um mit mindeſt moͤglicher Aufopferung der verkäuflichen Fruͤchte den hoͤchſten Futter⸗ und Duͤngergewinn zu verſchaffen. Wir ſetzen dabei einen lehmigen Boden voraus, der mindeſtens Erſter Theil. Bbb 378 Stallfutterungsſyſtem. 30 Prozent abſchwemmbaren Thon und Humus, und hoͤchſtens 70 Prozent Sand enthalt, und der gewöhnlich entweder Weizenboden zweiter Klaſſe, oder Gerſtbo⸗ den erſter und zweiter Klaſſe, oder guter und Mittelboden genannt wird. Auf ſandigerem Boden, der zwiſchen 25 bis 30 Prozent abſchwemmbaren Thon ent⸗ haͤlt, geraͤth zwar der Klee bei zureichender Duͤngung auch in den meiſten Jah⸗ ren, iſt aber in trockenen doch ſo unſicher, daß man nicht darauf wuͤrde rechnen koͤnnen, wenn die ganze Feldmark oder einzelne Schlaͤge aus ſo loſen Boden be⸗ ſtänden; weshalb auf Guͤtern dieſer Art die Weidewirthſchaft, wie ſchon geſagt, immer ſicherer bleiben wird. Uebrigens wird man bei der Auswahl der in die⸗ ſen Rotationen vorkommenden Fruͤchte, auf den mehreren oder minderen Thonge⸗ balt, ſo wie auch auf den beigemiſchten Kalk und den bereits erlangten Reich⸗ thum an Humus zu ſehen, und darnach dieſe verſchiedentlich zu beſtimmen ha⸗ ben, woruͤber erſt in der Folge das Naͤhere angegeben werden kann. In vier Schlaͤgen. 1)** Behackte Fruͤchte zur Futterung 3) Klee. und vielleicht gedrillte Bohnen. 4) Rocken oder Weizen. 2) Gerſte. Dieſe in manchen engliſchen Wirthſchaften ſehr gebraͤuchliche, und vormals in einer kleineren Wirthſchaft von mir eingefuͤhrte Fruchtfolge haben manche durch ein unbegreifliches Mißverſtändniß fur die einzige Form einer Fruchtwechſel⸗ wirthſchaft gehalten. Sie paßt ſich eigentlich nur fuͤr kleinere Wirthſchaften, und jede große wird ihre Schlaͤge zweckmaͤßiger mehr theilen. In fuͤnf Schlagen wird nach der Winterung noch Hafer genommen, welches wegen der darauf fol⸗ genden reinigenden Frucht ohne Bedenken geſchehen kann. Ich fand bei einem damit gemachten Verſuch den Hafer im Verhaͤltniß der uͤbrigen Fruchte indeſſen zu wenig eintraͤglich, um dabei zu bleiben. Wo man ſich aber erſt in einen ſtarken Futtervorrath ſetzen wollte, da konnte auch das Kleefeld zwei Jahre benutzt werden. In ſechs Schlägen. bis 4) Wie oben. 5)*Erbſen und nach Bedarf gruͤn zu maͤhende Wicken. 6) Rocken. Stallfutterungsſyſtem. 379 Ich gebe in den meiſten Faͤllen der ſichern eintraͤchtlichern und beſonders mehr Stroh liefernden Winterung gern ein Uebergewicht gegen die Sommerung in dieſen Rotatio⸗ nen, um ſo mehr, da ihre Beſtellung nach den Vorfruͤchten bei Anwendung gehoͤri⸗ ger Inſtrumente zur gerechten Jahreszeit ſo leicht bewerkſtelliget werden kann. Traͤſe es indeſſen, daß man mit der Winterungsbeſtellung nicht fertig werden könnte, ſo bleibt immer noch die Soͤmmerung auf einem Theile eines Schlages zu waͤhlen. In ſieben Schlägen. Hier kann nach dem Rocken noch Hafer genommen werden. In den mei⸗ ſten Faͤllen wird aber eine Wirthſchaft, die ſich in volle Kraft ſetzen und ihre Viehfutterung aufs vollkommenſte ſichern will, das Kleeſeid lieber zwei Jahre liegen laſſen, und ſich mit zwei Winterungs⸗, einem Sommer⸗, und halben oder 3 Erbsſchlag begnuͤgen. Hier und uͤberall, wo im erſten Schlage der behackten Fruͤchte zu viel zu ſeyn ſcheinen, koͤnnen in einem Theile deſſelben gedrillte und behackte Bohnen genommen werden, unter welchen man nach vollendetem Be⸗ hacken noch ſehr zweckmaͤßig Ruͤben ſaen kann, die uͤbrigens auch nach den gruͤn abgemäheten Wicken einen ſehr guten Platz finden, hier jedoch der Winterung wegen fruͤh aufgenommen werden muͤſſen. In acht Schlaͤgen. 1)** Behackte Fruͤchte. 2) Gerſte. 3) Klee. 4) Hafer. 1)** Behackte Fruchte. 2) Gerſte. 3) Klee. 4) Klee. 1)** Behackte Fruͤchte. 2) Gerſte. 5)*Erbſen. 6) Rocken. 7) Wicken. 8) Rocken. Oder: 5) Rocken. 6)*Erbſen und Wicken. 7) Rocken. Hafer. In neun Schlaͤgen. 3) Klee. 4) Klee. 380 Stallfutterungsſyſtem. 5) Rocken. 8 Wicken. 6)*Erbſen. 9) Rocken. 7) Gerſte. In zehn Schlaͤgen. 1)** Behackte Fruͤchte. 6) Weizen. 2) Gerſte. 7) Erbſen. 3) Klee, nach dem erſten Schnitte 38) Rocken. 4) umgebrochen. 9)* Wicken, gruͤn. 5)* Rapsſaat. 10) Rocken. Es verſteht ſich, daß man, um den Bau der Rapsſaat, welche in dieſen Fruchtwech⸗ ſeln vorzuͤglich vortheilhaft iſt, zu betreiben, erſt in dem gehoͤrigen Duͤngerzuſtande ſeyn muͤſſe, wohin man aber bei einem Futterbau, wie dieſer iſt, in kurzer Zeit gelanget. In eilf Schlägen wuͤrde nur nach dem Rocken noch Hafer genommen. In zwoͤlf Schläͤgen. 1)** Behackte Fruͤchte. 7) Weizen. 2) Gerſte. 8) Erbſen und Wicken. 3) Klee. 9) Rocken. 4) Klee. 10)* Gedrillte Bohnen, darnach 9) Klee, nach dem erſten Schnitte Ruͤben. umgebrochen. 11) Gerſte. 6)* Raps. 12) Rocken. Oder, um einen noch ſtaͤrkern Handelsgewächehau zu betreiben, wenn der Ueberfluß von Duͤnger, den die vorige Rotation giebt, es erlaubt: das Kleefeld im vierten Schlage umgebrochen nach dem erſten Schnitte, und 5)* Raps. 9)** Taback. 3 6) Weizen. 10) Weizen. 7) Wicken. 11) Bohnen, dann Ruͤben. 8) Rocken. 12) Gerſte. Die Fortſetzung dieſer Materie im folgenden Bande. —— ₰——— ———— — = — 4+½ 2 n 5 S 8 5