Das Piebreiche Kinladen und Goldſelige Pavüttonmen bey der Bekehrung eines armen Guͤnders Wurde in einer Auf gnaͤdigſten Befehl Bochgraͤffl. gnaͤdigſten Werrſchafft zu Gaubach gehaltenen Prob⸗Gredigt, Am III. Sontag Poſt Trinitatis 1739. aus Ezech. XXXIV, I15. 16. vorgeſtellet und dem Baace uͤbergeben Johann Valer. Ludwig Nieder, Verbi Div. Miniſtro zu Freyenſeen. Franckfurt am Mayn/ Bey Johann Friedrich Fleiſcher, MDCCXIL. elie: Ann 1* 1n 15 ** 4 14 e 296 — g 676 Auie Mäsnenn Ben. m 1 uine un — 2 ſacmer AA ann 1. nu 18 Whbchaek — 2 Mi — qA--— Gelabdhnn B Hräͤfin. in. Holnns cklenburg Frauen zu Punse berg üden⸗ fes und Sonnenwalde, Gebohrnen Grifn n Ii 1e Jenbutg a und Staggen. x.* Meiuer Suiſie Grunn und Grauen. 2 Bunadige Srafin und Grau. . 4 42 Oferne ein weltlich geſinntes Gemuͤthe uͤber mein kuͤhnes Unternehmen ein Urtheil faͤllen ſollte, ( wuͤrde ſolches ſchwerlich favorabel vot mich ausfal⸗ len. Denn es wuͤrde heiſſen: Es ſchickte f ar nicht, einer ſolchen Hohen DAM von ſo hoher Diſtinction eine hen Sſche Schri 1 dediciren, man muͤſte vielmehr dahin ſehen, ſolche Hohe Perſonen mit einer anmu⸗ thigen und luſtigen Marerie in einer angenehmen Schreib⸗Art zu divertiren. Bolches Urtheil wuͤrde auch bey andern Welt⸗ Geiſtern approbarion finden. Ein jeder Geiſt ſpricht dasjenige aus, was in ſeinem Cenrro verborgen iſt. Da ich nun weiß, daß Eure Hochgraͤfl. Gnaden Die Wirckungen des Geiſtcs GOttes an Dero theuren Seele erfahren; ſo bin ich auch ver⸗ ſichert, daß Sie alles dasjenige hoch ſchaͤtzen, was aus deſſel⸗ ben Quelle hergefloſſen, Sie dienen mir glſo zum Schutz 55 gen diejenigen, die es ſonſten eine unverantwortliche Kuͤhnheit nennen wuͤrden, ein Werckgen, das ſo ſchlecht und geringe iſt, einer ſo Hohen Perſon in aller Uinterthaͤnigkeit und tieffſter Demuth zu uͤberreichen, und es Dero Hohen NMahmen/ als ein ſolches Opffer, welches Euer Hochgrafl. Gnaden aus einem unverweigerlichem Rechte gebuͤhren will, unterthaͤ⸗ nigſt zu widmen. Eine Hohe Perſon/ welche die Groͤſſe und Hoheit nicht hindert, die Ermahnungen und Vorſtellungen der Knechten JEſu COriſti mit einer ungemeinen Aufmnerck⸗ ſamkeit anzuhören, welche dieſelben auch wohl weiter zu uͤberle⸗ een wuͤnſchet, die es leiden kan, daß man ihrem Nahmen die⸗ elbe zueignet, iſt gewiß auf dem Wege der Vollkommenheit, und verdienet die Verehrung und das Gebet aller, die faͤhig ſind, von dem wahren Werth der menſchlichen Dingen zu ur⸗ theilen. Je kleiner, je unanſehnlicher, je unvollkommener die⸗ ſe Arbeit iſt, je geſchickter iſt ſie, die Groͤſſe des Geiſtes Eu⸗ rer Zochgrafl Gnaden der Welt von einer Seite darzuſtel⸗ len, die undetruͤglich iſt. Die Vorſtellungen und Begriffe von Dero ungemeinen tieffſten Einſicht in Goͤttliche und menſchli⸗ che Dinge, die ich mir mache, und welche bey mir die groͤſte Verwunderung verurſachen, werden niemahl in meinem Gemu⸗ the ausgeloͤſcht und getilget werden koͤnnen; vielmehr werden ſolche hinlaͤngliche Bewegungs⸗Gruͤnde bey mir abgeben, mich taͤglich zu ermuntern vor dem HERRN nieder zu fallen, um Eurer Hochgraͤfl. Gnaden und dem gantzen Hochgraͤfl. Hauße die Krafft CHriſti zu einer beſtaͤndigen Hoffnung und unendlichen Zufriedenheit des Geiſtes, die Gnade Davids und die Herrlichkeit Salomons, das Glück der Hohen dieſer Erden, und die Gewißheit einer kuͤnfftigen unwandelbaren Gluͤckſelig⸗ keit zu erbitten. Demnach lebe, zumal in danckbegieriger Erwegung der je⸗ derzeit verſpuͤ rnn Hochgrafl unverdienten hohen Gnade, der unterthaͤnigſten Zuverſicht, es werden Eure Hochgraͤfl. Gna⸗ den ſolche Zueignung mit gnaͤdigſten Augen aublicken, ja ſolches Unternehmen gegen andere zu Hiee kein Bedencken kraar 3 daß daß dieſem an ſich ſelbſt ſchlechten Werckgen durch die Beyſchrifft Dero hohen Nahmen einiges Aufnehmen und beſonderes gu⸗ tes Vertrauen bey andern zuwachſen moͤge.. 1 Der getreue GOTT und hoͤchſte Himmels⸗Monarch und Koͤnig aller Geſchlechter der Erden, der nach ſeinem allerweiſ⸗ ſeſten Rath die Hochgraͤfl. Solmiſche Lande jederzeit mit ſolchen weiſen klugen und tugendhafften Landes⸗Muͤttern andern zum hellen Beyſpiel und Hoͤchſt⸗Loͤblichen Nachfolge verſorget, der das Hochgraͤfl. Hauß wie ſeinen Aug⸗Apfel bewahret, und von langen Zeiten her mit uͤberſchwenglichem Seegen und Ehre uͤberſchuttet, der Eure Hochgraͤfl. Gnaden groß vor der Welt gemacht, und unter andern erhoͤhet hat: Laße Die⸗ ſelben auch groß in ſeinen Augen ſeyn. Er laſſe Dieſelben auf dieſen wenigen Blaͤttern, wenn ſolche eines gnaͤdigen Anblicks gewuͤrdiget werden, eine erwuͤnſchte Weide und reiche Erbau⸗ ung finden. Er leite aus denen lebendigen Quellen ſeines Goͤtt⸗ lichen Wortes, welches zu hoͤren ſich auch die groͤſten Monarchen nicht ſchaͤmen duͤrffen, in Dero Hochgraͤfl ertz gantze Stroh⸗ me goͤttlicher Kraͤfften, und laſſe das Majeſtaͤtiſche Bild ſeiner Pttlichen Tugenden, welches die koſtbareſte und vortrefflichſte Zierde Hoher Perſonen iſt, immer herrlicher an Denenſelben hervor Leuchten. Er heilige dieſelben zu einem maͤchtigen und ihm gefaͤlligen Werckzenge, ſeine Ehre, die Wahrheit und die Bottſeceligkeit auf eine ausnehmende Weiſe zu befoͤrdern. Der Seegen Derer von dem Hochgraͤfl. Hauß in GOTT ruhen⸗ den Hoͤchſtſeeligen Vorfahren, Deren Gottſeligkeit auch der HERR im leiblichen üͤberſchwenglich belohnet hat, muͤſſe auf Eurer Hochgraͤfl. Gnaden Hohen Penſon ewiglich ruhen, und ſich in den herrlichſten Wirckungen immer deuklicher offen⸗ bahren. Er laſſe Friede zu Deroſelben Zeiten im Lande, und Gerechtigkeit unter den Unterthanen wo nen. Er baue das Hochgraͤfh Hauß und gebe Eurer Hochgraͤfl. Gnaden das tünigſte Vergnugen, das Gluͤck der kuͤnfftigen Zeiten in er⸗ wuͤnſchten Nachkoinmen zum voraus zu ſehen, und erhalte alſo⸗ Daſſelbe noch ferner biß auf die ſpaͤte Nachwelt, za ſa lange 90 1 — 7—— 12 die Erde ſtehet, in Wohlſeyn, und inſſe daſſelbe gleich einem dfhets vollen Baum koriren, unterdeſſen erquicken⸗ den Schatten alle treue und gehorſamne Unterthanen erwuͤnſchte Zuflucht, Au e und Zufriedenheit finden moͤgen. , den ich ſtets vor GOTT bringen werde, eben, mit ten und vollkommenſten . a u aid Sin de meiner Tage mich zu arf n 5 19 4 1₰ 3 8** 1u. 4 14 6 F: nh dn e e 8— 44½ : Ii 1 4 — 1II ——— ₰ 4 1 4 1 41 AL 112. un n, 1 F hin hin nln 12 aa zi I. 873 — d & 1a 4 r* 1½ 4 fnE 15— 16 4 In 131 Freyenſeen den ao. May-1 irn ₰ 12740. 24 e nen Neh ue 1lnterchangſten Diemer DSn? 14* 11 und Fuͤrb itter,. 5 Teen Bureahegthear 1 Die liebreiche Einladung und das freundliche Bewilkommen Gebet. G du allerholdſeligſter und freundlichſter Heyland, HErr IEſu Chriſte, der du ſo hertzlich willig biſt dee duzfeetihen Suͤnder in deine Gemeinſchafft auf⸗ zunehmen, und ihnen die ewige Seligkeit zu ſchencken: Gib uns lebendig zu erkennen, daß ſolches nicht in An⸗ ſehung unſeres Verdienſtes und Wuͤrdigkeit geſchehe ſon⸗ dern allein nach dem Reichthum deiner unendlichen Gna⸗ de und Barmhertzigkeit. Eroͤffne unſere Augen du die Erleuchtung deines Geiſtes, dein liebreiches hoͤldſe⸗ liges und Erbarmungs⸗ volles Hertz alſo zu betrachten, daß wir uns bewegen laſſen, keinen Augenblick laͤnger von dir zu bleiben, ſondern uns dir gantz und gar zu dei⸗ nem Dienſte mit Leib und Seel ergeben und aufopfern moͤgen, damit wir deiner uns erworbenen Seligkeiten, aller Gnaden⸗Schaͤtzen und Heils⸗Guͤther theilhafftig werden, und das Gute in dir ſchmecken koͤnnen. Segne dazu die Betrachtung deines Wortes an unſer aller See⸗ len, und laß dich nicht unbezeugt an unſern Hertzen, um deiner Liebe und Erbarmung willen; Amen. Exordium. Ommet her zu mir alle/ die ihr muͤhſelig und bela⸗ den ſeyd/ ich will euch erquicken. So ruͤfet, Gelieb⸗ Ate, unſer wertheſter Heyland, mit ſeiner lieblichen Lock⸗ Stimme allen wahren Schaafen, Vle rechtſchaffenen bußſenne n eines armen Suͤnders bey dem Srrn Jæſu. 1 gen Suͤndern auf das allerfreundlichſte zu, und begehret, daß ſie ich zu ihin wenden, und in ihm die wahre Scligkeit vor ihren un⸗ ſterblichen Geiſt ſuchen und annehmen ſollen. Matth. XI. 28. Von Natur iſt das Hertz des Menſchen von GOtt ſehr weit entfernet, und traͤget nur Verlangen und Begierde, nach denen Dingen de⸗ rer Eitelkeiten, worinnen doch keine wahre Ruhe und Vergnu⸗ 8 ſondern vielmehr lauter Mißvergnuͤgen, Unruhe, Angſt, ein und Unzufriedenheit anzutreffen iſt. Da nun aber doch der Err JEſus ein ſehnliches Verlangen und inbruͤnſtige Begierde nach der Wohlfahrt der armen Menſchen hat, weil er um deßwil⸗ len in dieſe Welt gekommen, und ihn ſein theures Blut gekoſtet, ſie aus der Gewalt des Teuffels wiedernm zu erloͤſen, und von deſſen Dienſt und Tyraaney ſie zu befreyen: ſo will er ſie alſo nicht gern in dieſer Tyranniſchen Herrſchafft und groͤſten Unſe⸗ ligkeit liegen laſſen, ſondern ruffet ihnen ſo ernſtlich, ſo begierig, ſo inbruͤnſtig und ſehnlich zu: Konumet doch nur her zu mir, als der Quelle und der Grund alles Guten und aller Seligkeit, ſehet hingegen alle andere Dinge mit dem Ruͤcken an: ſo will ich euch erquicken, und in mir und meiner Gemeinſchafft laben. Sehet, ein ſolches liebreiches und Erbarmungs⸗volles Hertz gegen arme elende Suͤnder bezeuget der HErr JEſus, als der gute Hirte, ſelbſt in unſerem heutigen Evangelio, Luc. XV. als worin er uns ſein Verlangen, die Suͤnder ſelig zu machen zu er⸗ kennen giebet. Denn durch den Nenſchen/ welcher ſein Schaaf/ und das Weib/ die ihren Groſchen verlohren /ſtellet ſich Chri⸗ ſtus ſelbſt vor, und zwar in ſeiner groſſen Liebe gegen die Suͤn⸗ der. Denn obwohl GOtt eigentlich nichts verliehret, wenn ein Menſch verlohren wird, weil er unſer nicht bedarff; ſondern wir Menſchen verliehren alles, wenn wir uns von GOtt verirren; ſo bezeuget ſich doch der HErr JEſus bey den Suͤndern, wie die Leute, die etwas verlohren haben, und ihr Verluſt iſt ihm ſein Verluſt, und gehet ihm ſehr zu Hertzen. Es iſt auch ein Merck⸗ mal groſſer Liebe gegen die lmien Suͤnder, daß er in deniſten 8 eich⸗ 2 Die liebreiche Einladung und das freundliche Bewillkommen Gleichniß, 90. Schaafe gegen eins ſetzet, welches der Juden ihre gemeine Vergleichung geweſen, wenn ſie viel gegen wenig haben halten wollen; und daß er in dem andern Gleichniß vedet von einem Weibe, welches 10. Groſchen hat/ und einen da⸗ von verliehret. Ein Weib, die nur 10. Groſchen hat/ iſt ein arm Weib, und einer ſolchen Perſon iſt gar viel daran ge⸗ legen, wenn ſie auch nur einen verliehret. Derowegen zuͤndet ſie auch em Licht an/ und kehret das Hauß und ſuchet/ nicht uͤberhin, ſondern mit Fleiß/ biß ſie ihn finde lind das heiſt alles ſo viel: ihm ſey gar ſehr viel auch an einem eintzigen Suͤnder gelegen, wenn derſelbe verlohren worden; und darum wolle er auch allen Fleiß und Muͤhe anwenden, ihn von dem Un⸗ tergang ſeines ewigen Verderbens zu erretten. Das verlohrne und wieder gefundene Schaaf/ der ver⸗ lohrne und wieder gefundene Groſchen/ find/ wie es unſer Heyland ſelber ausleget in unſerem Evangelio, ein Suͤnder/ der Buſſe thut/ der in ſeinen Suͤnden ſich vergangen und ver⸗ irret, nachmals aber wieder bekehret wird. Daß aber, wie in unſerem heutigen Evangelio geredet wird, im LEummel groͤſſere reude üͦͤber der Bekehrung eines ſolchen Suͤnders/ denn uüͤber viel Gerechte und Fromme iſt auf Menſchen weiſe Kredet. Denn der Menſchen Gewo nheit iſt es, daß ſie ſich uͤber was neues, das ſie erſt bekommen, oder wieder finden, ſich mehr freuen, als uͤber dem, das ſie vorhin haben. Dieſes aber iſt nicht ſo ſchlechthin in GOtt zu finden, ſondern es ſoll uns nur vorſtellen, wie lieb es ihm ſey, wenn ein Suͤnder Buſſe thut. Wir waren alle verlohren, Chriſtus aber iſt als der gute Hirte kommen, uns zu ſuchen, und hat muͤſſen ein Licht anzuͤnden in ſei⸗ nem Evangelio, auf daß wir nicht im finſtern bleiben duͤrfften, ſondern in ſeinem Lichte, das Licht ewig ſehen koͤnten. Weil wit nun denen Engeln GOttes gleich werden ſollen/ ſo freuen ſich die Engel GOttes uͤber einen jeden Sunder der Buſſe thut; darum daß ihr Dienſt nicht vergeblich geweſen, und⸗ ihre Geſellſchafft in Himmel vermehret wird. Keines eines armen Suͤnders bey dem HErrn JEſu. 5„/ Keines Menſchen Verſtand iſt capable und faͤhig, die Hoͤhe, Tieffe, Laͤnge und Breite dieſer Liebe des Heyland zu begreiffen. Er iſt in und bey ſich ſelbſt ſchon ohne uns vollkommen ſelig, und lebet in beſtaͤndigem Vergnuͤgen; und dennoch traͤgt er ſo ein bren⸗ nendes und begieriges Verlangen nach unſerer Seeligkeit, als waͤ⸗ re ihm ohne uns der Himmel zu enge, und als koͤnte er ohne uns nicht ſelig und vergnuͤgt genug ſeyn. Wie es denn eintzig und allein aus ſeiner innigen Liebe und zarten Erbarmung herruͤhret, daß er ſelbſten in ſeinem Wort ſo theuer ſchweret; er wolle nicht den Todt des Sünders; daß er ſo ernſtlich ruffet: Kommt doch her zu mir alle; daß er ſo inbruͤnſtig bittet: Gib mir mein Sohn dein Hertz; und daß er ſo wehmuͤthig und bekuͤmmert fraget/ wenn man ſeiner Lock⸗Stinnne kein Gehoͤr geben will: Ey! was hab ich dir denn gethan mein Volck, und womit hab ich dich beleidi⸗ get? Hierbey hat nun der liebe IEſus keine andere Abſichten, als unſere unartige und wiederſpenſtige Gemuͤther zu bewegen, daß wir uns aus unſerem unſeligen Fuſtand und erſchrecklichen Verderben erretten, und uns in ihm aller Seligkeit und alles Ver⸗ gnügens theilhafftig machen laſſen ſollen. So begierig nun der HErr IEſus in unſerem heutigen Evangelio denen Zoͤllnern und elenden Suͤndern in den Taden ſeines Fleiſches nachgegaggen und unter ſeinen Hirten⸗Staab zu bringen geſuchet: ſo und viel begieriger und freundlicher empfaͤnget und bewillkonnet er diejenige, die ſeiner Hirten⸗Stimmie folgen, und auf ſein Rufen ſtch bey ihm einfinden. Kein eintziger Redner, wenn er auch die beredſte Zunge haͤtte, iſt vermoͤgend dasjenige mit Worten aus⸗ zudrucken, was ein armer Suͤnder in ſeinem Hertzen erfaͤhret, wenn er zum erſtenmal in die Hirten⸗Arme ſeines Heylandes kommt, und im Glauben ſich mit ihm vereiniget. Es ſolle aber democh etwas weniges hievon in dieſer Stunde gelallet werden, da mir von gnaͤdigſter Herrſchafft gnaͤdigſt befohlen worden, uͤber ein ſchoͤnes Zeugniß der Hirten⸗Treue unſeres Heylandes aus dem Propheten Ezechiele ein Prob⸗Predint anjetzo zu halien. 2 ein 4 Die liebreiche Einladung und das freundliche Bewillkommen Mein eintziger hertzlicher Wunſch gehet dahin, daß ich vermoͤ⸗ gend ſeyn moͤchte, das Liebes⸗Hertz unſeres eus ſo abzumah⸗ len, und mit ſolchen deutlichen Riſſen abzuſchiltern, damit ein jeder dadurch moͤchte beweget und getrieben werden, aufs eiligſte ſich zu ſeinem Heylande hinzubegeben, und die Reſolurion zu faß⸗ ſen: Die Heils⸗Guͤther und Gnaden⸗Schaͤtze, ſo er uns erwor⸗ ben, und uns ſo liebreich antraͤget, in der Ordnung der Puſe und des Glaubens mit hungrigen und durſtigen Seelen anzune men. Der HErr unſer GOtt laſſe dieſen Wunſch in ſeine Er⸗ fuͤllung gehen, und gebe zu dem Ende zu dem Vortrag und An⸗ hoͤrung ſeines Wortes ſeinen heiligen Geiſt, damit derſelbe alles in uns lebendig machen moͤge, wie wir ihn darum anruffen wol⸗ len in einem andaͤchtigen Vatter Unſer ꝛc. Text: Ezech. XXXIV. 15. 16. Ich will ſelbſt meine Schaafe weiden, und ich will ſie lagern, hei der HErr, HErr. Ich will das Ver⸗ lohrne wieder ſuchen, und das Verirrete wieder brin⸗ gen, und das Verwundete verbinden, und des Schwa⸗ chen warten; und was fett und ſtarck iſt, will ich behuͤ⸗ ten, und will ihrer pflegen, wie es recht iſt. 67 dieſen Worten, Geliebte, wird unſer Heyland, der da⸗ 54 mals noch zukuͤnfftig im Fleiſch zu erſcheinende Meßias, als ein Hirte vorgeſtellet, wie er ſich ſelbſten ſo nennet zu verſchiedenen mahlen Joh. X. und an anderen Orten der Heil. Schrifft, und wie ihm dieſer Nahme von Petro 1. Epiſt. II. 25. beygeleget wird. Unter dem Bild derer Schaafen werden hier emeinet arme und elende Suͤnder, die entweder noch in ihrem erderben liegen, und noch nicht zu ihrem Hirten und Biſchoff der Seelen bekehret geweſen ſeyn; oder ſolche die nach Fſchehener eines armen Suͤnders bey dem Hᷓrrn JEſu. 9 Bekchrung ſich wieder von ihme loßgeriſſen, und in ihr voriges Elend gefallen ſind. Sie werden Schafe genennet, weil ſie viele Eigenſchafften mit denen Schafen gemein haben. Es gibt dem⸗ nach der Meßias hier in dieſen Worten zu erkennen ſein hefftiges Verlaugen nach armnen Suͤndern und ihrer Bekehrung, und wie er, wenn ſie auf ſein Bitten ſich bey ihme einfindeten, ſie mit den herrlichſten Guͤtern uͤberſchutten, ſie aufs freundlichſte aufneh⸗ men, und alles Guten theilhafftig machen wolle; ich will demuach aus dieſem Text, ſo mir von gnaͤdigſter Herrſchafft zu erklaͤren gnaͤdigſt vorgeſchrieben worden, euch zu betrachten vorſtellen Das liebreiche Einladen und freundliche Bewillkommen des HErrn IEſu als des guten Hirten bey der Bekeh⸗ rung eines Suͤnders. Dabey wir Achtung geben 1 I. Auf die Art und Beſchaffenheit eines buß⸗ fertigen Sunders. 2 II. Auf die Beſchaffenheit des Verlangen und Bewillkommens des HErrn JEſu. 8.»* b Hrſter Theil. Leichwie der HErr JEſus zu dem Ende ſein bitteres Lei⸗ den und Sterben uͤber ſich genommen, vor alle Menſchen 4 ſein Blut vergoſſen, und von GOttes Gnaden vor einen jeden den Todt geſchmnecket hat: alſo iſt auch ſein eintziges Ver⸗ langen, daß kein eintziger Suͤnder verlohren gehen und ewig ſter⸗ ben moͤge: ſondern Ederlaner und begehret vielmehr, daß die Krafft ſeines Verdienſtes allen Menſchen zu gute kommen, jeder⸗ man geholffen, und ſeine erworbene Se keit allen zu Theil wer⸗ 3 en & Die freundliche Einladung und das liebreiche Bewillkommen den moͤge. Es hat aber der wertheſte Heyland eine gewiſſe Ord⸗ nung vorgeſchrieben, in welche ſich alle wahre Schafe Chriſti be⸗ geben muͤſſen, wenn ſie des Guten bey ihrem Hirten genieſſen wollen. Denn niemand kan auf die gute Weyde IEſu Chriſti verſetzet werden, als derjenige, welcher ſich unter dem Gefuͤhl ſei⸗ nes groſſen Suͤnden⸗Elendes ſich zu ſeinem Heylande wendet, und ſeine Guade mit gedemuͤthigtem Geiſte ſuchet. Damit uns nun die Natur und Beſchaffenheit eines ſolchen Menſchen und elen⸗ den Schafes recht bekannt werde; ſo will ich die Sache ordent⸗ lich und deutlich abfaſſen. I. Kommt der HErr IEſus als der gute Hirte allen elenden verirrten und geiſtlich kraucken Schafen zuvor, und offeriret ſich gan willig, daß er als der rechte treue Seelen⸗Hirt, ſie wieder erbey briugen, allen Schaden heilen und alle Kranckheiten curi- ren wolle. Davon heiſts in unſerem Text: Ich will das Ver⸗ lohrne ſuchen; ich will das Verirrte wieder bringen Ver⸗ lohrne Schafe iind ſolche, welche, wie vorhin geſagt, entweder noch in ihrem natuͤrlichen Verderben liegen, und ihren guten Hir⸗ ten noch gar nicht kennen; oder ſolche, die nach geſchehener Be⸗ kehrung wieder von ſeiner Heerde weg auf Irrwege begeben haben. Perirrte Schafe befinden ſich noch in einem viel elen⸗ deren Zuſtand als herlohun Schafe. Denn es ſind dieſelbe ſol⸗ che, die nicht nur ihren Hirten verlohren haben, ſondern ſich auch durch vorſetzliche Suͤnden und muthwillige Boßheiten ſehr weit von ihme entfernet, und ſich in allerley Irrwege zerſtreuet haben. Auf beyderley Schafe hat nun das guͤtige Auge des HErrn IEſu ein gnaͤdiges Aufſehen von ferne. 1 Zu dieſem ſuchen des HErrn JEſu, wenn er ſpricht: 2s rn D jch will das Verlohrne wieder ſuchen/ geboͤ⸗ ren alle gute Wirckungen der zuvorkonnnenden Gnade GOttes, welche anfaͤnglich dem Menſchen aülerlen gute Gelegenheiten an die Hand giebt, und verſchaffet, darauf ſich offt ſelbſt der Menſch nicht beſinnet, und welche ihin durch eine beſondere Direckion und Pro- eines armen Suͤnders bey dem OErrn Jſu⸗ 2 Provident GOttes an die Hand gegeben worden. Es ift nemlich der arme Menſch von Natur ſo ſehr in den Stricken des Teufels verwickelt, er liegt ſo tief in dem Koth und Schlamm der Suͤn⸗ den vergraben, ſo verzweiffelt boͤß ſind die Wunden ſeiner See⸗ len, ſo ſehr iſt er durch die Ergetzung und vermeinte Suͤßigkeit der Suͤnden eingenommen, ſo bezaubert, gefeſſelt und bethoͤret/ daß er gar nicht an ſich ſelbſt und ſrinen elenden Zuſtand geden⸗ cket, und ſich nicht vorſtellet, was das endlich vor ein betruͤbtes und erſchreckliches Ende mit ihm nehmen werde, wenn er auf dieſem Irrwege fortgehet; ja daß er nicht einmahl ein rechtes Verlangen hat, aus ſolchem Elende ſich zu erretten, geſchweige Kraͤffte beſitzet, ſich in einen beſſeren Zuſtand zu verſetzen. Lieſſe ihn GOtt in dieſem elenden Zuſtand, Verderben und geiſtlichem Tode liegen, ſo muͤſſe er in alle Ewigkeit verlohren gehen und verdamumt werden. Allein ſeine unendliche Liebe, nach welcher er ſich die verirrte und verlohrne Schafe duͤrch ſein GOttes⸗Blut zu ſeinem Eigenthum wieder erworben und erkaufft hat, kan ſol⸗ oes nicht uͤber das Hertz bringen; ſondern treibet und beweget ihn vielmehr, daß er uns mit der zaͤrtlichſten Erbarmung und innigſtem Mitleiden anſiehet und betrachtet, und ſich alle nur er⸗ ſinnliche Muͤhe giebet, und davon zu erretten und loßzumachen. Diß iſt ſeine zuvorkommende und zuvorlauffende Gnade, da er ſucht das Gewiſſen rege zu machen, und an dem Hertzen des Suͤn⸗ ders zu grbeiten; da er die allererſten Bewegungen zum Guten in dem Hertzen und in dem Gemuͤthe den kraͤfftigen Eindruck gie⸗ bet, von welchem hernach das gantze Werck der Bekehrung de- pendiret. Wenn einem unter dem Anhoͤren oder Leſen des goͤtt⸗ lichen Wortes bang ums Hertze wird; wenn da ſolche Gedancken um Gemuth aufſteigen: du befindeſt dich auch noch nicht in dem rechten Zuſtand, wenn du in dieſen Umſtaͤnden ſterben ſolteſt, darin du dich jetzo befindeſt, wie wuͤrde es um deine arme Seele ſtehen, und wo wuͤrde dieſelbe hinfahren? wenn der Menſch fer⸗ ner ſich dadurch, da er bißher als ein Trunckener, ja als ein Un⸗ jnni⸗ 3 Das Einladen und Bewillkommen des Bierrn ſinniger auſſer ſich ſelbſt geweſen, bewegen laͤſſet, daß er ſein gan⸗ tzes voriges Leben, das er von Kindes⸗Beinen an biß auf die ge⸗ genwaͤrtige Stunde gefuͤhret, betrachtet und mit Ianigge⸗ theyiſchen Aug anſiehet, und erweget, theils, was GOtt an ihm gethan von ſeiner Mutter⸗Leibe an im Geiſtlichen und Leiblichen; theils aber, wie er ſich hinwiederum gegen GOtt verhalten, und was er vor eine unnatuͤrliche Undanckbarkeit unter ſo unzehlich vielen Wohlthaten gegen ſeinen Heyland bewieſen. Da kominen denn ſolche und dergleichen Gedancken bey ihm zum Vorſchein in ſeiner Seele: Ach! ich armer Wurm, was mache ich doch? wa⸗ rum gehe ich doch der ewigen Liebe aus dem Wege? die mich ſo beweglich und mit einer ſo erbarmenden Meigung ſuchet und ver⸗ folget? warum bin ich doch dem Zuge GOttes ſo wiederſpenſtig, der mir ſchon ſo manchen Schlag bey ſo mancher Gelegenheit an mein Hertz gegeben; der mich ſo offt zur Buſſe gelocket, der mir ſo offt ſeine Guade umſonſt anbieten laſſen, ſannt ſeinem gantzen Himmelreich, wenn ich nur die Luͤſten dieſer Welt verleugnen und zu ihm kommen wolte? Ach wie bin ich bißher ſo gottloß, ſo ungehorſam der Hirten⸗Stimme meines Heylandes geweſen! wie habe ich meine Leibes⸗und Seelen⸗Kraͤffte ſo uͤbel angewendet! wie iſt mein Verſtand ſo voller Finſterniß, Irrthuͤmer, und fleiſch⸗ licher Concepten von GOtt und hättlhen Dungee wie iſt mein Gedaͤchtniß ſo voll von boͤſen und fuͤndlichen Diuhen meine Phau⸗ talic und Einbildungs⸗Krafft ſo voll von ſchaͤndlichen Bildern und ldcen, die ich eingeſamlet habe! wie iſt mein Wille ſo verkehrt und eingenommen von der Liebe zur Suͤnde, die doch die allerheß⸗ lichſte und verfluchteſte Mißgeburt des Teuffels iſt, an welcher keine Schoͤnheit anzutreffen! wie habe ich meine Glieder des Lei⸗ bes bißher zum Dienſt der Suͤnden dargeſtellt, und zu Waffen der Ungerechtigkeit gemacht meinen Schoͤpfer damit zu beſtreiten, der mir ſo viele Liebe erwieſen! das ſind lauter Wirckungen der zuvorkommenden Gnade, lauter Schritte und Tritte, die der gute Hirte nach einem armen Schaaf thut, daſſelbe aus der Irre— t des HErrn Jſubey der Bekehruntt eines Suͤnders.„ ruck zu bringen. Wie unſer Heyland, als der gute Hirte ſelbſt nnc gar achdrücklich redet Offenb. Joh. III. 20. Siehe/ o Menſch, ich ſtehe zu deinem Beſten alle Stunden und Augen⸗ blick vor der Thuͤr deines erzene⸗ und klopfe an durchs Gewiſſen, durch mein Wort, durch viele Wohlthaten, durch Lei⸗ den und Truͤbſal, und warte mit groſſem Verlangen, daß, ſo je⸗ mand die Thuͤr aufthun wird/ ich hinein gehen/ und mein Abendmal mit ihm halten koͤnne. ind bey dem Propheten Jeſaia Cap. LXV. 2. ſpricht er gar ernſtlich: Ich recke meine aͤnde der Liebe und Allmacht aus den gantzen Tag/ ſo wohl cn fruͤhen Morgen in der erſten Jugend⸗Bluͤthe, als auch am Mittag in denen Juͤnglings⸗und Manns⸗Jahren, und am Abend im hohen Alter biß ans Ende des Lebens, zu einem ungehor⸗ ſamen Volck/ und werde nicht muͤde, meine Seligkeit ihin nach⸗ zutragen, und um Annehmung drrſelben flehentlich zu bitten, wenn es gleich ſeinen gottloſen Gedancken nach wandelt auf ei⸗ nam Wege/ der nicht gut iſt. Und ſo gehet auch dieſe treue Hirten⸗Liebe einem jeden unter uns nach, und reitzet uns, daß wir ſollen verleugnen das ungoͤttliche Weſen und die weltliche Luſten, und uns bekehren von der Finſterniß zum Licht, und von der Ge⸗ walt des Teuffels zu dem lebendigen GOtt. Wohl dem, der ſich nun von ſeinem Hirten finden laͤſſet, damit er ihn auf ſeine Ach⸗ ſel nehmen und zu ſeiner Heerde tragen koͤnne. Das heiſt alſo: Ich will das Verlohrne wiꝛeder ſuchen; ich will das irrte wieder bringen. Oder nach dem Grund⸗Text: munnee ich will das Verirrte wieder zuruͤck fuͤhren. II. Gehoͤret als ein ſehr nothwendiges Stuͤck zu der Ordnung, in welcher man von dem guten Hirten JEſu Chriſto aus ſeinen Irrwegen wieder herbey gebracht, und auf ſeine gute Weide ge⸗ fuͤhret werden will; daß man in dem goͤttlichen Lichte und Er⸗ leuchtung des heiligen Geiſtes den unergruͤndlichen Abgrund des verderbten Hertzens recht erforſchet; ſeine begangene Suͤnden und betrettene Irrwege mit Wngſece Wehmuth und Betrubni vn⸗ 5 pfindet; 10 Das Einladen und Bewillkommen des Herrn pfindet; einen tieffen Eindruck hat in ſeiner Seele von der groſſen Gefahr, in welcher man ſchwebet, alle Augenblick ein Raub des hoͤlliſhen Wolffs zu werden; den erſchrecklichen Fluch des Geſe⸗ tzes empfindet, und den entbrannten Zorn GOttes in ſeiner See⸗ len ſchmecket. Dieſe Ordnung hat GOtt denen ſundigenden und verirreten Schafen ſelbſt vorgeſchrieben Jerem. III. 12. denn wenn er daſelbſt die Ungehorſamen und Halßſtarrigen alſo auffordern laͤſſet: Kehre wieder/ du abtruͤnniges Iſrael/ und dabey verheiſſet: daß er ſein Angeſicht nicht gegen ſie verſtellen/ und nicht ewiglich zuͤrnen wolle/ weil er ſehr barmhertzig ſey; ſo fuͤhret er ſie F. 13. gleich darauf; daß ſie ihre Miſſe⸗ that vorher erkennen můſten/ daß ſie wieder den HErrn/ ihren GOtt/ geſuůndiget haͤtten. Man muß alſo zuforderſt die wirckliche Suͤnden und Miſſethaten erkennen, womit das Hertz und der Wandel jemals befleckt geweſen. Man muß mit den Gedancken und der Erinnerungs⸗Krafft zuruͤck gehen, ſo weit man nur kommen kan, in die erſten Jahre deß Lebens, und den gantzen Lebens⸗Lauff uͤberdencken und erwegen, wie man ſich da⸗ rinn gegen GOtt und den naͤchſten erwieſen, wie man ſich gegen ſeinen Schoͤpffer, Erloͤſer und Heiligmacher verhalten, wie man die Pflichten, die man Freunden und Feinden ſchuldig geweſen, be⸗ obachtet. Man muß einen Blick thun, in das verkehrte und arge Hertz und bedencken, was vor eine ungeheure Menge boͤſer Gedan⸗ cken nicht nur darinnen aufſteigen, ſondern auch mit vielem Ver⸗ gnuͤgen geheget und unterhalten werden. Man muß erwegen, was vor ein entſetzlicher Hauffen boͤſer ſuͤndlicher Luͤſten und Be⸗ gierden nicht nur ploͤtzlich in den Gedancken ſtehen, ſondern auch darinn als angenehme Gaͤſte wohl bewirthet werden. Man muß bedencken, wie die Affecten gegen einander gewuͤtet, getobet, und die Seele beunruhiget haben. Man muß aber nicht allein die in⸗ nerliche Unruhe des Hertzens der Gedancken, Begierden, Nei⸗ gungen und Affecten erkennen lernen; ſondern man muß auch zur lebendigen Erkaͤntniß der aͤuſſerlichen Unordnungen des Wandels Iſu bey der Bekehrung eines Suͤnders. 11 der Geberden, Worten und Wercken gelangen, und zwar ſo wohl die Menge als Groͤſſe der Suͤnden recht einſehen lernen. Kein Grab iſt ſo finſter, kein geſpeyetes ſo eckelhafft, kein dunckeles Ge⸗ faͤngniß ſo ſchroͤcklich, keine Peſt ſo ſdifft und anſteckend, daß nicht die Suͤnde dieſes alles uͤbertreffen ſollte. Sie iſt ſo ſchwartz, wie die Holle, ein rechtes Ebenbild des Teuffels. Alles was man ſich nur von Heßlichkeit Abſcheulichkeit und Schnoͤdigkeit einbilden und vorſtellen kan, das flieſet in derſelben, als in einem unrei⸗ nen ſtinckenden Pful, zuſammen. B Wenn nun hier die Seele eines armen Schaͤflein Chriſti er⸗ weget, wie ſie durch dieſen Zuſtand, darinn es ſich ſelbſt muth⸗ willig verſetzet, einen unendlichen GOtt beleidiget, einen lieben Vatter, von dem ſie niemahls beleidiget worden betruͤbet, ihrem treuen Hirten und Heyland ſo viele Schmertzen Leibes und der Seelenzugezogen, den Geiſt der Gnaden ſo offt betruͤbet, ihr Ge⸗ wiſſen toͤdtlich verwundet, ihren naͤchſten ſo unzehlich mahl eaͤr⸗ gert und zur Sunde gereitzet, ſo wird ſie durch dieſe Vorſtellung auf das aͤuſſerſte gebeuget und gedemuͤthiget, mit der groͤſten Traurigkeit Betruͤbnuͤß und ſchmertzlichen Empfindungen ange⸗ fuͤllet, daß ſie vor UInruhe ihres Hertzens nicht weiß, wo ſie ſich hinwenden ſoll. Hierzu geſellet ſich denn noch die Fuͤhlung und Empfindung deß gerechten Zornes GOttes, den man mit ſu Suͤnden verdienet, und den das Geſetz in ſeinem Fluch androhet. Das heißt in unſerem Text: ich will das Verwundete verbin⸗ den. Oder eigentlich: v w3⸗] ich will das zerbroche⸗ ne verbinden; und des ſchwachen warten; oder eigentlich: Pios mrren ich will das ſchwache ſtaͤrcken. Denn durch zerbrochene Schaafe werden keine andere Schafe verſtan⸗ den, als ſolche, die denen Wirckungen der zu vorkommenden Gna⸗ de GOttes Plaß und Raum gelaſſen haben, und ſich in den Kampff und Arbeit der Buße durch dieſelbe verſetzen laſſen, und daher ein zerbrochenes Hertz und einen zerſchlagenen Geiſt haben. Die aus dem Goͤttlichen Geſetz ihr elchas Verderben Che 2 5 12 Das Einladen und Bewillkommen des Herrn Erb⸗ und wirckliche Suͤnden bußfertig und wehmuͤthig erkennen, und ſich nach Chriſto JEſu umſehen, daß derſelbe ihnen helffen, und ihr zerbrochenes Hertz wieder gantz machen moͤge. Da heiſts nun ſolche verwundete Schafe will ich verbinden, nemlich durch kraͤfftigen Troſt deß Evangelii. Ich will ſie der Vergebung ih⸗ rer Suͤnden verſichern, ich will ſie uͤberzeugen, daß GOtt durch mein Blut mit ihnen verſoͤhnet ſey, und daß ſie ſich alles Liebes und Gutes zu dein ſelbigem zu verſehen haben. Eben dieſes iſt nun eine der haupt⸗Urſachen, warum ſich ſo wenig Menſchen zu ihrem Heylande bekehren, weil die mehreſten in der Welt die groſſe Gefahr ihrer Seelen nicht lebendig erken⸗ nen, ſondern bey allem ihrem Dienſte der Suͤnden ſich unge⸗ gruͤndet und faͤlſchlich einbilden, es ſtunde gantz gut mit ihnen, und ſie wollten ſchon mit GOtt auskommen, wenn ſie nur ein aͤuſſerliches, vor der Welt unſtraͤffliches, erbares Leben fuͤhre⸗ ten. In dieſer eingebildeten faͤlſchlichen Meynung und Verblen⸗ dung hat der Satan ſchon ſehr viele Seelen eungeichlaſßert und ſie in das ewige Verderben geſtuͤrtzet, die hier wunder gemeinet, was vor gute Chriſten ſie waͤren, und dadurch ſich alſo ſelbſten im Licht geſtanden, und an einer wahren Buße und Bekehrun gehindert und abgehalten haben. Denen aber in der Ewigkeit!, wie wohl viel zu ſpat, die Augen aufgegangen ſind, da ſie er⸗ kennen und einſehen lernen, wie weit ſie mit gller ihrer aͤuſſerli⸗ chen Erbarkeit von dem heiligen und reinen Weſen GOttes ent⸗ fernet geblieben. O wie unumgaͤnglich nothwendig iſt es dero⸗ wegen, daß man auf die verborgene Schlupfwinckel und heimli⸗ che Tücke des Herben mit allem Fleiß aufs ſorgfaͤltigſte mercke! ja daß man ſich zu dem allwiſſenden GOtt, der die Hertzen und Nieren derer Menſchen pruͤfet, und weiß, was in dem Men⸗ ſcheu iſt, hin wende, und ihn flehentlich und inbruͤnſtig anruffe, daß er ſelbſt uns moͤge erforſchen und pruͤffen, was vor ein Hertz wir gegen ihn haben, und uns erleuchtete Augen ſchencke, die groſſe Finſterniß und Unwiſſenheit des Verſtandes, und die u SEſu bey der Bekehrung eines Suͤnders. 13 biſt Neigungen und Verkehrtheiten des Willens gruͤndlich zu erkennen. Wenn nun alſo ein Menſch durch die goͤttliche Erleuchtung recht einſiehet und betrachtet, ſo wird ſein Hertz dadurch recht zermalmet, und recht tief gebeuget, wenn er zu mal uͤberleget, wie viele Wohlthaten ihm GOtt bereits erwieſen hat. Und ſie⸗ het er dabey auf den Außgang der Suͤnder, daß er ſich dardurch den Fluch, den ewigen Todt und Verdamniß zugezogen hat, ſo wird ihm das einen rechten Haß und Abſcheu an allem ſuͤndlichen Weſen erwecken. Und ſolche Schafe ſind dem HErrn JIEſu recht angenehm, wenn ſie in dieſer Verfaſſung ihres Gemuͤths 5 ihm kommen, und von ihren Irrwegen zu ſeiner Heerde ge⸗ racht, von den Traͤbern der Welt auf ſeine gute Weide gefuͤh⸗ ret, und von allen ihren geiſtlichen Kranckheiten curiret zu wer⸗ den verlangen. III. Muß derjenige, der von dem guten Hirten will aufge⸗ nommen ſeyn, ſich von ſeinen Irrwegen abziehen, die Geſell⸗ ſchafften derer Boͤcken dieſer Welt, und alle ſuͤndliche boͤſe Ge⸗ wohnheiten fahren laſſen; und ſich hingegen gantz williglich zur Heerde Chriſti begeben, ſich mit deſſelben Schafen bekannt ma⸗ chen, die ihm mit Rath und That, mit Gebet und gutem Exem⸗ pel beyſpringen koͤnnen. Von denſelben ſpricht unſer Heyland in unſerein Tert: die will ich weiden/ ich will ſie la⸗ gern; dea y' ich will den Schafen, die zu mir kom⸗ men, und ſich aus der Irre laſſen zu recht bringen, alles dasje⸗ nige verſchaffen, was ſie zur Erhaltun ihres geiſtlichen, natuͤr⸗ lichen und ewigen Lebens vonnoͤthen haben, dabey will ich ihnen einen ſichern ruhigen und angenehmen Ort verſchaffen, da ſie nach genoſſener Weide mit meinen andern Schafen in Geſell⸗ ſchafft im Schatten ſich niederlegen und ausruhen koͤnnen. Die⸗ ſes hat man noch jetzo als eine ſehr groſſe Wohlthat GOttes au⸗ zuſehen, wenn man bey ſeiner Erweckung und Bekehrung mit ſolchen Schaafen Chriſti kan Pekennt werden, die die Wege da 8 3 1 14 Das Einladen und Bewillkmmen des Hrrn Buße und des Glaubens, auf welchen man zum guten Hirten Chriſto JEſu gelangen muß, bereits gegangen, und zur leben⸗ digen Erkaͤnntniß Chriſti gekommen ſind. Denn dieſe wiſſen nicht aus bereits erlangter Erfahrung treulich zu rathen, wie es ein armes Schaͤfflein, das noch in der here gehet, und ſich zu Chriſto erſt wenden will, angreiffen muſſe; ſondern ſie bringen es auch bey aller ſeiner Schwachheit und Ohnmacht taͤglich ihrem uten Hirten dar, und helffen ihm die goͤttliche Gnade zum Heil einer Seelen von GOtt erbitten. Will man aber dieſen Nutzen von den andern Schafen Chriſti haben, ſo muß man nothwen⸗ dig den Umgang und die Geſellſchafften der ſtinckenden Boͤcken dieſer Welt meiden und fahren laſſen. Denn ſo lange man noch in das unordentliche und verkehrte Weſen der Welt mit einwilli⸗ et, ſo wird das Werck der Bekehrung nimmermehr zu Stande ommen. Uind wenn man gleich viel tauſendmal durch die zuvor lauffende Gnade geruͤhret wird, und ſehr oͤffters die gute Reſolu⸗ tion faſſet, in dem Hirten uͤber zu gehen, ſo wird doch dieſer gu⸗ te Vorſatz allzeit wieder erſticken und nicht zur Krafft kominen. I. Muß derjenige, der von ſeinem Heyland will aufgenom⸗ men, liebreich bewillkommt, und unter ſeine wahre Schafe ge⸗ zehlet werden, ein ſehnliches Verlangen nach ſeiner Huͤlffe und Gemeinſchafft haben, welches ſich in Gebet und Flehen, weinen und ſchreyen ſo lange aͤuſſert, biß daß die wirckliche Aufnahm un⸗ ter die Schafe und Heerde Chriſti erfolget iſt, da man dann aufs neue mit dem Blute Chriſti als ein Schaf ſeiner Heerde bezeichnet, der Vergebung aller ſeiner Vergehungen verſichert, mit dem H. Geiſte geſalbet, und denen Seelen zugezehlet wird, von welchen es vorhero hieß, ihr waret, wie die irrende Schafe, aber ihr ſeyd nun bekehret zu dem Hirten und Biſchoff eurer Seelen. 1. Pet. II, 25. dieſes nennet die Schrifft ein Hungern und Durſten, und ſpricht der Heyland uͤber ſolche, die daſſelbe in ihren Seelen em⸗ pfinden Matrh. V. 6. Die Seligkeit aus, ſelig/ ſagt er, ſind die da hungert und duͤrſtet nach der Gerechtigkeit/ die ſollen ſatt werden. Sehet, IEſu bey der Bekehrung eines Suͤnders. 1y Sehet, Geliebte, ſo muß ein Menſch beſchaffen ſeyn, und ſich in ſolche Ordnung begeben haben, wenn er zu dem HErrn JEſu, als dem guten Hirten kommen, und ſich ſeiner Huld⸗und Hirten⸗ Liebe erfreuen und getroͤſten will. Erſcheinet man alſo vor dem HErrn IEſu, ſo kan er ſich nicht unbezeugt laſſen, ſondern ſein irten⸗Hertz wird erweichet, und er erbarmmet ſich uͤber ſolche arme Schaafe um ſeiner Hirten⸗Treue und vergoſſenen Blutes willen. Er hat es ja ſelbſt verſprochen: Wer zu ihm kommt, den will er nicht hinaus ſtoſſen. Joh. VI, 37. Dieſes zarte Hertz des HErrn JESlu aber wird uns noch eigentlicher bekannt werden, wenn wir uns zum ꝛten Theil unſerer Betrachtung wenden, und noch mit wenigem Anderer Theil. Je Beſchaffenheit des ſehnlichen Verlangens und lieb⸗ reichen Bewillkommens des HErrn JEſu bey der Bekehrung eines Suͤnders. Fraget demnach jemand, wie bewillkominet und laͤdet denn der HErr IEſus die Suͤnder ein, die zu ihm kommen? So antworte ich I. Er ſpricht denen armen und elenden Schafen, die die Menge ihrer Suͤnden vor ſich ſehen, welche die viele Irrwegen, worauf ſie ſich befinden, lebendig erkennen, einen guten Muth ein, und laͤſ⸗ ſet durch ſeinen Geiſt ihnen ſolche Bewegungs⸗Gruͤnde vorlegen, daß ſie bey der Groͤſſe und Menge ihrer Suͤnden nicht verzagen und verzweiflen doͤrffen. Im Anfang der Buſſe und Bekehrung, ehe ein Menſch die unendliche Liebe, Gnade und Barmhertzigkeit GOttes recht einſiehet, hat er mit manchem Zweifel zu kaͤmpfen. Er iſt in der groͤſten Angſt, Bangigkeit und Schrecken ſeines Ge⸗ wiſſens. Denn da werden durch einen Strahl des goͤttlichen Lich⸗ tes die Ideen der begangenen Suͤnden, die in dem Gedaͤchtniß ein⸗ geſchloſſen liegen, gleichſam aufgedecket, und von den Banden der Fuͤhlloſigkeit, mit welchen ſie bißher gefeſſelt geweſen, beſteger. in 16 Das freundliche Einladen und Bewillkommen des HErrn Ein eintziger ſolcher Strahl, der in das Gedaͤchtniß und Gewiſſen des Menſchen hineindringet, der kan oͤffters in einem Augenblick alle Suͤnden ſeines Lebens rege machen, und ſie gleichſam von den Todten auferwecken, daß ſie da ſtehen vor ſeinen Augen, als ein geharniſchtes Krieges⸗Heer, welches ihm Todt und Verdamniß drohet. Denn wenn der Geiſt GOttes mit ſeinen llberzeugun⸗ gen ſeine Hand mit im Spiel hat, ſo fuͤhret er den Suͤnder gleich⸗ am aus einer finſteren Kammner des Hertzen in die andere, er ent⸗ decket ihm taͤglich neue Greuel, die bißher verborgen geblieben vor ſeinen Augen, er fuͤhret ihn von den unreiner Stroͤhmen zuruͤck auf die unreinen Quellen, daraus ſie gefloſſen, ſo daß ſich der Menſch alſo ſchaͤmet in ſeiner unreinen und ſchaͤndlichen Geſtalt vor den reinen Augen des heiligſten GOttes, und ſich erkennet vor eine ſchnoͤde, ſchaͤndliche und unreine Creatur, die nicht wehrt ſey, ihre Augen gen Hinunel aufzuheben, ja, die verdienet habe, daß ſie in ihrer Schande und Bloͤße oͤffentlich an Pranger geſtellet, und von allen Creaturen ins Angeſicht verſpien, beſchimpfet und proſtitui- ret werde, ja, die nicht werth ſey, daß ſie die Erde trage, und die Sonne beſcheine, ja, die werth ſey, in den innerſten Abgrund der Dollen verſtoſſen„ und der ewigen Quaal und Marter uͤbergeben zu werden. Hieruͤber entſtehet denn nun in der Seele einklaͤgliches Schreyen und lamenriren in der Seelen; Die Seele will gern zu GOtt,allein es hindert ſie daran, die viele Suͤnde, die ſie an ſich, in ſich und neben ſich erblicket, und muß mit David aus dem Pſalm. XXXIIX, 5. 11. ausruffen und klagen: Mieine Suͤnde gehen uͤber mein Haupt/ und wie eine ſchwere Laſt/ ſind ſie mir zu ſchwer worden; Nlein Hertz bebet und meine Krafft hat mich ver⸗ laſſen/ und das Licht der Augen iſt nicht bey mir. In ſol⸗ chem Zittern und Zagen aber, da die Seele gleichſaͤm mit der Ver⸗ zweiftung ringet, rufet ihr JEſus, der gute Hirte, kraͤfftig zu: Sey getroſt, du armes Schaf, denn ich will dich verbinden/ ich will deiner warten und pflegen/ ich will dich aus dei⸗ nem JIwſu bey der Bekehrung eines Suͤnders. 17 em elenden Fuſtand heraus fuͤhren und wie der zu meiner veme e bringen/ du ſolſt in deiner Irre nicht verlohren gehen, ondern das ewige Leben haben. Nichts erfreulichers koͤnnte nun einen armen verwundeten und zerbrochenen Schaaf ſeyn, das vor dem goͤttlichen Gerichte ſtehet, und nach der dber zengung ſeines eigenen Gewiſſens das Urtheil der Verdamniß uͤber ſich ſelbſten ſprechen muß, als wenn dieſe Gnaden⸗Stimme des guten Hir⸗ ten IEſn Chriſti erſchallet, und es, wie von ferne ſiehet, daß ihm um deſſelbigen blutigen Wunden willen Huͤlffe und Errettung vor ſeine arme Seele wiederfahren ſoll. 1 II. Es laͤſt es aber der gute Hirte dabey nicht bewenden, daß er die um ihr ewiges Heil bekuͤmmerte Schafen nur liebreich und freundlich zurufft; ſondern er nimmt ſie auch alſo wieder auf zu Gnaden unter ſeine Heerde, daß er ihnen die Vergebung aller ihrer Vergehung und Ubertrettungen wircklich ſchencket, und das gnaͤ⸗ dige Urtheil faͤllet, daß ihnen zugleich alle zeitliche und ewige Stra⸗ fen, die ſie mit ihren Suͤnden verdienet, gnaͤdig nachgelaͤſſen und geſchencket ſeyn ſollen. Mit eben ſolcher Barmhertzigkeit eipfaͤn⸗ et er nun noch alle muͤhſelige und beladene auf das allerzaͤrtlich⸗ te, und ablolviret ſie vor ſeinem Gericht von allen ihren begange⸗ nen Suͤnden. Wenn nun GOtt einen Suͤnder in ſeinem Gericht vor gerecht erklaͤret, ſo eignet er ihm zu 1) die vollkommene Ge⸗ nach kestann Unſchuld, und den gantzen blutigen Gehorſann ſei⸗ nes Sohnes, nicht anders, als ob er denſelben in eigener Perſon geleiſtet, und dadurch ein vollkommenes Recht zu aller Gnade und Seeligkeit erlanget haͤtte. 2) Um dieſer zugerechneten Gerech⸗ tigkeit IEſu Chriſti willen rechnet er ihm hingegen nicht zu ſeine vorige Ulbertrettungen und Suͤnden, ſondern er ſpricht ihn von denſelben und allen dadurch verdienten Strafen ſo vollkommen frey und loß, als ob er in ſeinem Baußen Leben uiemals GOttes⸗Ge⸗ bote uͤbertretten haͤtte. Er gibt ihm 3) ein wohlgegruͤndetes Recht zu ſeiner Gemeinſchafft und allen datniit verenlheſten Vor⸗ rechten„ Wohlthaten unm Seligkeiten und dieſes zu geſprochene Recht laͤſt er ihn alſobald genieſſen, 6 daß er ihn zu Gnaden an⸗ nimt, 22 Das Einladen und Bewillkommen des Hrrn nimt, daß er ihn vor ſein liebes Kind, vor ſeinen Sohn, vor ſeine Tochter erklaͤret, daß er ihm ſeinen Heil. Geiſt ſchencket, der in ſei⸗ nem Hertzen wohne, und ihn zu allem Guten antreibe. Wer aber die Suͤßigkeit der Vergebung der Suͤnden recht ſchmecken und genieſſen will, der muß davon eine goͤttliche Gewiß⸗ heit durch den Heiligen Geiſt in ſich wircken laſſen, damit er ohne den Wiederſpruch ſeines Gewiſſens mit aller Freudigkeit und vol⸗ ligen uͤberzeugenden Gewißheit ſagen koͤnne: ich glaube eine Ver⸗ gebung der Suͤnden; Ich glaube, daß GOtt auch mir elenden Hoͤllen⸗Brand alle meine Suͤnde vergeben und erlaſſen, daß er mich 64 Gnaden angenommen, daß er meinen Nahmen in das Regiſter ſeiner Kinder eingeſetzet, und daß mich hinfort als ſeinen Liebling tractren, und mir alle Guade und Liebe in Zeit und Ewig⸗ keit erweiſen werde. Wer nun dieſer unausſprechlichen Gnaden und Guͤte bey dem Hinzunahen zu JEſu Chriſto dem guten Hir⸗ ten gewuͤrdiget wird, ſolte der nicht von einer groſſen Seligkeit zu ſagen wiſſen, da alsdenn die lrſache alles Janmers, Elendes, Hoͤllen, Todes und Verdamniß von ihm genommen, und er mit Chriſti Gerechtigkeit bekleidet worden iſt? O Ja, in dieſem Zu⸗ ſtand hat der Menſch den Himmel auf Erden, denn wo Vergebung der Suͤnden iſt, da iſt auch Leben und Seligkeit. Inſonderheit aber iſt damit verknuͤpfft 1 III. Die Annehmung an Kindesſtatt, ſintemal die Kindſchafft GOttes unzertrennlich mit der Vergebung der Suͤnden vereiniget iſt; Da GOTT einen ſolchen Suͤnder, dem er die Schuld und Strafe erlaſſen, nun auch vor ſein Kind erklaͤret, und ihn zu Gna⸗ den annimt; Joh. I, 12. Es iſt aber dieſes nicht ein bloßer Titul und Nahine, wenn glaubige Kinder GOttes genennet werden; ſondern ſie genieſſen auch wircklich aller der Vorrechten, Privilegien und Vorzuͤgen, die nur leibliche Kinder von ihren Eltern erhalten koͤnnen. Denn GOtt thut hinfort an ſeinen Kindern alles das⸗ jenige, jg unendlich mehr, als ein leiblicher Vatter an ſeinen Kin⸗ dern. Er liebet ſie auf das allerzaͤrtlichſte und innigſte um ſeines geliebten Sohnes willen, deſſen Sinn, Muſter und Bild Man Iſu bey der Bekehrung eines Suͤnders. 19 ihnen erblicket, Joh. XIV, 21. Er ſorget vor alle ihr Beſtes, vor ihre leibliche und geiſtliche Nothdurfft, und laͤſſet ſie keinen Man⸗ gel leiden an irgend einem Gute. r. Petr. V. 7. Er erbarmet ſich uͤber ſie, wie ſich ein Vatter uͤber ſeine Kinder erbarmet, Pſalm. CIII, 13. 14. Er traͤget Gedult mit ihren Fehlern, und uͤberſiehet ihre Schwachheiten mit vielem Verſchonen, Mal. III, 17. 18. Eſ. LXIII, 8. 9. Er verſtattet ihnen einen freyen Zugang zu ihrem Batter Hertz, Eph. II 18. Er erhoͤret ihr Gebet und giebt ihnen, was ſie von ihm bitten, 1. Joh. v, 14. 15. Er ſegnet ihre Arbeit und belohnet das Gute, das ſie vollbringen, Matth. XIX, 29. Er zuͤchtiget ſie aber auch zu ihrem beſten, damit er ihre Heiligung befoͤrdern, Ebr. XII, 6. und giebt ihnen ein Herrliches Erbe, darin er ſich ſelbſt zu ihrem Genuß ewig darſtellen wird, 1. Petr. 1. 4. 5. Er leitet ſie mit ſeinen Liebes⸗Augen durch dieſes Jammerthal hindurch, Pſalm. XXXII, 8. biß er ſie endlich vor ſein Angeſicht unſtraͤflich ſtellet, Jud. v. 24. ihnen ihr Erbtheil aus Gnaden ſchen⸗ cket, Offenb. XXI, 7. und ſie ewig vor ſeinem Angeſicht erfreuet, Matth. XXV, 34. Damit ſie aber auch in dieſer empfangenen Gnade treu bleiben koͤnnen; ſo giebt er ihnen endlich dazu IV. Seine göͤttliche Krafft, in welcher ſie ihre geiſtliche Feinde, Suͤnde, Todt, Teuffel, Hoͤlle und die boͤſe Welt uͤberwinden, ſei⸗ nen heiligen Willen vollbringen, und an dem inwendigen neuen Menſchen taͤglich in der Erneurung und Heiligung wachſen und zunehmen koͤnnen. Und diß erfaͤhret noch ein jeder Glaubiger, daß, ſo bald ihm ſeine Suͤnden vor dem goͤttlichen Gerichte ſind erlaſſen worden, ſo bald erlangt er auch hinlaͤngliche Staͤrcke und Kraͤffte des Heiligen Geiſtes, von ſeinem Suͤnden⸗Lager aufzuſtehen und in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor GOtt zu wandeln. Col. II, 6. Halten es gleich unbekehrte Menſchen vor ohnmoͤglich, daß man die Gebote GOttes halten, und ein heiliges, ſtilles, frommes und ottſeliges Leben fuͤhren koͤnne; ſo weiß es doch derjenige, der Chriſtum in wahrem Glauben angenommen; Denn die auf den HERRN bhoffen kriegen neue drafft„ daß ſie aüffahei i C 2 dler; 20 Das Einladen und Bewillkommen des Hürrn ler: daß ſie lauffen und nicht matt werden; daß ſie wandeln, und nicht muͤde werden. Jeſ. XL., 31. daß ſi 1 7 Anwendung. ns aid Was vor eine angenehme Einladung iſt das, fuͤr euch in⸗ A ſonderheit, ihr Elende, die ihr noch in dem Elend, Verder⸗ ben und Jammer lieget, in welches euch der Fall Adams ntäraet hat; die ihr zwar in eurer Tauffe beſprenget worden eyd mit dem Blute der Verſoͤhnung, und gufgenommen unter die Zahl der Kinder GOttes; Die ihr euch aber wieder von eurem uͤtigen und liebreichen Vatter loßgeriſſen, euren Tauff⸗Bund uͤbertretten, durch wiſſentliche und vorſetzliche Suͤnden das geiſt⸗ liche Leben wieder verſchertzet, und alſo euch wieder in den geiſt⸗ lichen Tod hineingeſtuͤrtzet; Die ihr nun in eubem Blute lieget und ohnmaͤchtig zappelt, und nichts erdencken und gusſinnen koͤnnet, dadurch euch geholffen, und dadurch euch der Weg zur Seligkeit geoͤffnet werden kan; Die ihr nicht nur in Adam mit Theil genom⸗ men an dem groſſen Derbrrchen des Ungehorſams, ſondern die ihr auch noch jetzo die Waffen fuͤhret gegen die ewige Liebe, die taͤg⸗ lich unzehliche Wohlthaten in euren Schooß ausſchuͤttet, und den⸗ jenigen aufs allergroͤbſte beleidiget, der euch niemals beleidiget hat, und der auch in dieſem eurei gegenwaͤrtigen Elende ein er⸗ barmendes und mitleidiges Hertz uͤber euren Jammer hat! Ol welch eine freundliche Einladung iſt das fuͤr euch, daß euch der be⸗ leidigte Schoͤpfer, der Macht gung haͤtte, euch ohne Erbarmen zu verderben, euch zu ſich rufet und locket, daß Ihm mit eurem Blute nichts gedienet ſey, ſondern daß er ernſtlich und aufrichtig wolle, daß euch, ihr Elende, geholffen, und ſeine Liebe und Gna⸗ de euch mitgetheilet werden moͤge. n Sehet, es wird kein eintziger unter dieſer Menge zu finden und anzutreffen ſeyn, deſſen Seele durch die zuvor kommende Gnade nicht zum oͤfftern ſolte geruͤhret und erwecket worden ſeyn. Der werthe Heiland iſt vielmehr nach ſeiner allgemeinen Liebe einem jeden Verirrten und Verlohrnen beſtaͤndig nachgelauffen, un hat zudem, IEſu bey der Bekehrung eines Suͤnders. 21 zudem, der ihn noch nicht ſuchet und kennet, durch ſeinen Geiſt dielmals geſprochen: Siehe, hie bin ich, hie bin ich! Jeſ. LXV, 1. O wie unzehlich offt hat er nicht durch ſein goͤttliches Wort, an eure Hertzen dees elg 2 Wie vielmals hat er eure Gewiſſen durch die Zucht des Heiligen Geiſtes heilſamlich verunruhiget? Mit vielen Wohlthaten hat er euch die gantze Zeit eures Lebens uͤber ſo gar reichlich uͤberhaͤuffet? Allein, wie ſeyd ihr mit dieſer unver⸗ dienten Hirten⸗Treue und Liebe eures Heilandes umgegangen? Und wie ſtehet es anjetzo um den Zuſtand eurer Seelen? Iſt es denn dem HErrn JIEſu, dem guten Hirten bey euch gelungen? Hat er bey ſeinem vielen Rufen und Locken gehorſame Hertzen an⸗ getroffen? Die demſelben gefolget/ und ſich ihm zum Eigenthum auf ewig gewidmet hahen? Ach! wie gar viele werden noch zu finden ſeyn, welche nicht gehoͤret, wenn IEſus geruffen; und deren Hertzen unempfindlich geweſen, wenn der lie e Heiland an⸗ geklopfet? Ol wie mancher wird bißher ſeinen unſterblichen Geiſt mit vielen Sundenbeflecket, und in der Eitelkeit und Thorheit die⸗ ſer Welt ſein Vergnuͤgen zwar geſuchet, aber wahrhafftig nicht Punden haben? Ach ihr armen Seelen ſeyd es, die bißher Chri⸗ ti Geiſt von ſich geſtoſſen, und deſſen Gnaden⸗Wirckungen keinen Platz und Raum in ihrer Seelen gelaſſen haben. Ihr moͤget euch nun aber mit groben Stricken und eiſernen Banden, oder mit ſubrilen Faden und kleinen Feſſeln der Suͤnde unter der Bottmaͤßigkeit deß Satans haben gefangen halten laſ⸗ ſen; Ihr moͤget euch vor offenbahre Feinde Chriſti und ſeines Reichs erklaͤret, oder nur im verborgenen wieder ihn rebelliret ha⸗ ben: Bedencket doch, was ihr thut! ihr ſtreitet ja wieder Chri⸗ ſtum euren guten Hirten, der es ſo gut mit euch meint; ihr wie⸗ derſtrebet ja ſeinem Heiligen Geiſt, der euch ewig ſelig machen will. Ach theuer erloͤſte Seelen! ſchaͤmet ihr euch nicht in euer Hertz hiu⸗ ein, uͤber alle euere Wiederſpenſtigkeit und Ungehorſam, den ihr bißher gegen denſelben begangen habt? Ach ſoll denn Chriſti Blut umſonſt vor euch vergoſſen ſeyn? Ach ſoll ſeine Menſchen Freund⸗ lichkeit eure Hertzen nicht bald bewegen, euch von der grauſamen 3 C3 Obrig⸗ — 22 Das Einladen und Bewillkommen des Srrn Obrigkeit der Finſterniß erretten, und euch in ſein Gnadenreich verſeten laſſen? Wie lang ſoll dis eure Wiederſpenſtigkeit noch waͤhren? us wolt ihr noch euer wiederſpenſtiges Hertz verſchlieſſen und verriegelen, gegen eine Liebe, die in euer Inwendiges einzudringen, die euer Hertz zu veraͤndern, die neue Neigungen und Begierden in euch zu wircken, die euch mit ihrem Gei⸗ ſte zu ſalben, und aus dem unſeligſten Zuſtand in den allerſeligſten, der nur er⸗ dacht werden kan, zu verſetzen ſuchet? Wie lange ſoll euer JEſus dieſe Klage noch uͤber euch fuͤhren, daß er euch unter ſeine Liebes⸗Fittiche zwar offt ver⸗ ſammlen wollen, aber ihr habt nicht gewolt? Matth. XXIII,:7. O ſo laſſet denn durch dieſe ernſtliche Bezeugung des Willens Eures Heilandes von eurer Seligkeit auch einen ernſten und aufrichtigen Willen bey euch gewircket wer⸗ den, euch von gantzem Hertzen zu bekehren. Diß iſt der erſte Grundſtein zur Errettung emes Menſchen, wenn der heilſamen Gnade GOttes erſt ſo viel Raum gelaſſen wird, daß ſie nur erſtlich einen ernſtlichen Willen wircken kan; Wenn eine Serle durch ſeinen Geiſt erſt zu der redlichen Entſchlieſſung komt, nicht zu ruhen, biß ſie wiſſe, wie ſie mit GOTè ſtehe, und alle Mittel ihrer Errettung zu gebrauchen, die ihr GOtt in ſeinem Wort vorgeſchrieben habe: wenn ſie erſt zu der aufrichtigen Reſolution ſchreitet: Ich will mich aufmachen und zu meinem Vatter gehen; ich will keinen Augenblick laͤnger von ihm ge⸗ trennet und abgeſondert bleiben, ſondern mich wieder wenden zu der Quelle des Lichts und Lebens, die ich verlaſſen habe: So iſt ſie auf dem Weg ihres Heils; ſo werden ihre Fuͤſſe gerichtet auf die Zußſtapfen des Friedens, in wel⸗ chen ihr Schoͤpfer wandelt. O ſo laſſet denn auch dieſen Vorſatz bey euch wircken, euch eurem Heiland zu ergeben, aufzuſtehen, und euch zu ihm zu be⸗ kehren 3 dund die Wege des Verderbens zu verlaſſen, welche ihr bißher be⸗ tretten habet. O ſo laſſet euch denn anjetzo im Nahmen des HErrn dazu erwecken, daß ihr aufhoͤret, euren Heiland durch fortdaurende Wiederſpenſtigkeit ferner zu betruͤben, und anfanget, auf ſeine Stimme in Zukunfft deſto fleißiger zu mer⸗ cken, und derſelben von gantzem Hertzen gehorſam zu werden. Sehet, Ge⸗ liebte, es iſt noch eine kleine Zeit, ſo ſind wir nicht mehr im Lande der Leben⸗ digen: Denn wir kommen der Ewigkeit ummer naͤher und endlich muͤſſen wir vor dem goͤttlichen Gerichte Rechenſchafft geben, wie wir mit der erſchiene⸗ nen und angebottenen Gnade GOttes umgegangen ſind. Ach darum laſſet uns die Gnaden⸗Zeit nicht laͤnger verſaͤumen; Laſſet uns unſere uͤbrige Le⸗ bens⸗Jahre nicht mehr wie ein Geſchwaͤtz in nichtigen und vergaͤnglichen Sachen zu bringen; Laſſet uns heute, da wir die Stimme GOttes aufs hoͤren, uns dazu redlich entſchlieſſen, dem Satan den ferneren Deenſt auf⸗ undigen, IEſu bey der Bekehrung eines Suͤnders. 23 kuͤndigen, und uns den Gnaden⸗Haͤnden JEſu Chriſti uͤberlaſſen; Laſſet uns mit Mund und Hertz in der Wahrheit ſagen, das wir ſonſt wohl oͤffters ohne Andacht moͤgen geſungen haben: Weg Welt, weg Suͤnd! dir geb ich nicht, mein Hertz nur JEſu dir, iſt diß Geſchencke zu gericht, behalt es für und fuͤr. O wie wurde ich mich und ihr alle mit einanber in der Ewig⸗ keit daruͤber freuen, wenn viele Hundert aus dieſer verſamleten Gemeinde, auch dnrch dieſe Vorſtellung moͤchten beweget und getrieben werden, heute noch an dieſem Tage einen wahrhafftigen Anfang zu einer wahren Buſſe und grundli⸗ chen Bekehrung zu machen, und ihrem freundlichen Heiland in den uͤbrigen Lebens⸗Jahren ſich gantz und gar mit Leib und Seele aufzuopfern. Wie wuͤrde der Himmel ſelbſt uͤber ſolche Entſchlieſſung ein Freuden⸗Gethoͤn ma⸗ chen, und wie wuͤrden alle heilige Engelund Himmels⸗Buͤrger daruͤber jauch⸗ zen und frolocken, wenn ſich Seelen faͤnden, die des grauſamen Joch des Teufels uberdruͤßig waͤren, und ſich das ſanffte und ſuͤſſe Liebes⸗Joch JEſu Chriſti wolten auffegen laſſen. So komme denn wer Suͤnder heiſt/ Und wen die Suͤnden Noth betruͤbet/ Zu dem den keinen von ſich weiſt/ Der ſich gebeugt zu ihm begiebet. Wie! wilſt du dir im Lichten ſtehn? Und ohne Noth verlohren gehn? Wilſt du der Suͤnden langer dienen? Da dich zu retten er erſchienen: O nein! verlaß die Suͤnden⸗ Bahn/ Nein Heiland nimmt die Suͤnder an. 1 O Komm nur muͤhſelig und gebuͤckt, komm nur, ſo gut du weiſt zu kommen; Wenn gleich die Laſt dich nieder druͤckt, du wirſt auch kriechend angenommen. Sieh, wie ſein Hertz dir offen ſteht, und wie er dir entgegen geht! Wie lang hat er mit vielem Fle⸗ hen, ſich bruͤnſtig nach dir umgeſehen? So komm denn armer Wurm heran, Mein Hirte nimmt die Suͤnder an. Euch aber, ihr theure Seelen„ die ihr euch uͤberreden, und durch den Zug des Vatters euch zu euren Heiland und irien bringen 24 Das Einladen und Bewillk ommen des Hrrn Jeſu bey der ꝛc. bringen laſſen, preiſe ich ſelig. O wie wohl habt ihr gethan, daß ihr euch mit eurem Hirten bekannt gemacht, und den Dienſt der Eitelkeit, und die viele Irrwege„darauf ihr vorhero gelauffen, quittiret und verlaſſen habt. Ihr habt nun zu bedencken, was euch der Schooß⸗Juͤnger des Lammes zurufft, 1. Joh. II, 28. Kindlein, bleibet bey ihm. Theureſte Seelen, ihr ſeyd zu einer unerſchoͤpflichen Quelle gekommen, nehmet aus ſeiner Fuͤlle Gnade um Gnade. Ihr ſeyd zu einer ſichern Freyſtadt, unter den Schutz und Staab eures Hirten, kommen, wo euch der hoͤl⸗ riſche Wolff, noch ſonſt ein Feind nicht antaſten darff. Wo ihr aber einen Fuß aus dieſer Freyſtadt, ſo gerathet ihr wieder in die Gewalt des Blut⸗Raͤchers. Wo ihr dieſe Seegens⸗Quelle verlaſſet, ſo wird der Fluch ſein altes Recht an euch wieder her⸗ vor ſuchen. Darum ihr Schaͤflein bleibet bey ihm. Lernet ihm ſeine Tugenden ab, und uͤbet euch darinnen. Bleibet ihm ge⸗ treu biß ans Ende, er wird es euch an noͤthigen Kraͤfften nicht fehlen laſſen. O wie groß iſt eure Seligkeit, daß ihr kommen ſeyd zu dem Mittler des neuen Bundes, und zu dem Blute der Beſprengung. Er erkennet euch vor groſſe Geſchencke ſeines Vatters, und liebet euch mit eben der zarten Liebe, damit er ſeinen Vatter liebet. Wer will euch nun aus ſeiner Hand rei⸗ ſen. Da ihr ſeiner Lock⸗Stinnue gehorſam worden: ſo ſollet ihr auch einmal aus ſeinem Munde die erfreuliche Stimme hoͤ⸗ ren: Kommt her, ihr Geſegneten meines Vatters, er⸗ erbet das Reich, das euch bereitet iſt von Anbeginn der Welt; Amen. Se — Farbkarte 13 Das breiche Linladen und lige Bewillkommen bey der ung eines armen Guͤnders Wurde in einer luf gnaͤdigſten Befehl gnaͤdigſten Werrſchafft Haubach gehaltenen b⸗Predigt, II. Sontag Poſt Trinitatis 7. aus Ezech. Lam. 15.16. vorgeſtellet und dem Veuae uͤbergeben Valer. Ludwig Nieder, Div. Miniſtro zu Freyenſeen. Franckfurt am Mayn/ in Friedrich Fleiſcher, MDCCXIL.