A. Fendrich: Der Skiläufer Stuttgart, Franckh'ſche Verlagshandlung 3 Coue ooAA Der Skiläufer Ein Lehr⸗ und Wanderbuch von A. Fendrich Mit 8 Tafeln und zahlreichen Textbildern von Dr. R. Biehler Stuttgart, Franckh'ſche Verlagshandlung ſreuudfeue, ur AMœl Ars Ig! dd ſud ſa‿ Luuin far nas Srucees Taer au. Stuttgarter Setzmaſchinen⸗Druckerei, G. m. b. H., Stuttgart Vom Winter, dem„harten Mann“. Es iſt etwas Großes um den Schneeſchuh, und das Wort Sport iſt für den Lauf auf den mächtigen, ſchlanken Hölzern über tiefen Schnee faſt zu kleinlich. „Wir treiben jetzt auch Sport“— ſagen die jungen Mädchen, wenn ſie zum erſtenmal mit einem Netz voll Bällen und einem Schläger in der Hand zum Lawn⸗Tennis gehen und in einem gitterumhegten, glattgewalzten Platz Schlagball ſpie⸗ len.„Eisſport“ treibt der Schlittſchuhläufer, der auf der wohlgepflegten Eisbahn bei Militärmuſik ſeine Kreiſe zieht. Und„Winterſport’ treibt die Dame, die mit einer roten Mütze und einem weißen Sweater einen vereiſten Waldweg herab⸗ rodelt. Nicht als ob ich dieſe Spiele und Körperübungen in Miß⸗ kredit bringen wollte! Bewahre! Sie haben ihren Wert und ihre Zeit. Aber der Schneeſchuhlauf iſt mehr. Er iſt eine groß⸗ artige Aberwältigung der Natur in der herbſten Jahreszeit, ein kühnes Meſſen der menſchlichen Kräfte mit den Gefahren und Tücken des Winters, ein Zeitvertreib von großzügiger Wucht und Eleganz und eine Höhenkunſt des Wanderns, die uns aus der winterlichen Enge und Lichtarmut der Städte hinaufhebt in ein reineres, freieres und kraftvolleres Daſein. Allerdings für diejenigen, die mit auffallenden Koſtümen im Winter zwei⸗, dreimal beſchneite Berge herabrutſchen, weil es jetzt Mode iſt, und damit ſie in Geſellſchaft ſagen können: „Wir treiben jetzt auch Skiſport“—— ſind dieſe Seiten nicht geſchrieben, ſondern für die, welche die Sehnſucht nach dem Schnee, nach größerer phyſiſcher Kraft und nach einem reineren Genießen treibt. Wie viele Menſchen wiſſen etwas von der Sehnſucht nach Schnee und wie viele werden lächeln ob ſolcher überſpannt⸗ heiten! Ach, ſie ſpotten über Gefühle, die ſie ſelbſt einſt kannten, aber vergeſſen haben. Als ſie noch Kinder waren, mit friſchem Sinn und hellen Augen für alles Schöne, da fragten ſie vielleicht auch im Winter:„Mutter, ſchneit’s noch nicht bald?“ Aber das Leben iſt ſeither über ſie Meiſter ge⸗ worden, das Geſchäft und die Bureauluft, die vielen Sorgen und die vielen geſellſchaftlichen Pflichten, beſonders die ver⸗ meintlichen, und die„Anforderungen der Neuzeit“ überhaupt. So iſt ihnen auch der Winter langſam eine Laſt geworden. Man empfindet ihn immer mehr als eine Art Lapſus der Natur und ſucht dieſen auf alle Arten zu korrigieren. Man geht im Sommer in die Ferien, um den Winter beſſer über⸗ ſtehen zu können. Aber der Lapſus liegt nicht im Winter— „der ſchlechten Jahreszeit“—, ſondern irgendwo anders. Der Winter und der Schnees, ſie ſind da, wie viele herbe Dinge auf der Welt, auf daß wir Meiſter über ſie werden. Stark ſollen wir uns an ihnen machen, bis ſie uns anſtatt einer Geduldsprobe ein Kraftmaß geworden ſind. Nicht fliehen ſollen wir ſie, ſondern kämpfen mit ihnen, wie der alte Erzvater Jakob, als er mit dem Engel rang und ihn nicht ließ, bis er ihn ſegnete. Wenn man es aber einmal heraus hat, daß in dem Winter, dem„harten Mann“, ein verkappter guter Freund ſteckt, der es trotz ſeines unwirſchen Geſichts geradeſo gut mit uns meint, wie der lieblich dreinſchauende Sommer, dann iſt man ſo um den Dezember herum nicht mehr ſicher, daß einen nicht die Sehnſucht nach den reinen, weißen Tagen auf den Winterhöhen anfällt. Das Heimweh nach Schnee und Schneeſchuhlaufen iſt nichts als eine Sehnſucht nach Bewegungsfreiheit. In den Städten iſt uns jeder Weg vorgemeſſen, und wenn einer anders will, als die Behörden, ſo wird er raſch eines beſſern belehrt. Aber auch draußen vor der Stadt ſind uns alle Wege ſäuber⸗ lich vorgeſchrieben, und der Warnungstafeln und Verbote gibt es überall mehr als genug. Der Schnee aber iſt ein großer Gleichmacher, der vom Himmel kommt und ſich weder orts⸗ polizeilich noch bezirksamtlich etwas vorſchreiben läßt. Er legt aus weißem Diamantſtaub eine tiefe Decke über die Bergeshöhen und ſchneit reſpektlos alle Wege und ſogar die Wegweiſer zu. Erſt da droben kann der Menſch der Stadt nach ſeiner Faſſon ſelig werden und ſeine Schneeſchuhe laufen laſſen, wohin ihn das Herz treibt. Dort hinauf kann er ſich aus Tramgeläute, Schaufenſterzauber und engen Trottoirs in eine weiße, ſchimmernde Welt der Einſamkeit und Frei⸗ heit retten; und wenn er dahingleitet über die ſtillen, weißen Almen, ſo kann er ein Vorgefühl vom Fliegen bekommen. Wer nichts davon weiß, der ahnt's vielleicht. Doch „wer's nicht fühlt, der wird es nie erjagen“. Ski oder Schneeſchuh? Ski iſt ein norwegiſches Wort. Sk wird wie Sch ge⸗ ſprochen. Ski heißt auf deutſch: Scheit. Ein Scheit iſt ein langes, geſägtes und geſpaltenes Stück Holz. Die Norweger haben alſo für ihr Winterſportgerät einen eindeutigen, die Geſtalt des Gegenſtands klar bezeichnenden Ausdruck. Es liegt ein Stück Liebe darin, daß ſie ihrem Schneeſchuh dieſen einfachen, Urſprung und Form klar verratenden Namen gaben. Wir Deutſchen haben ein ähnliches Wort. Es wird aber nur ſelten und nur in intimem Kreiſe verwendet. Wenn zwei Schneekameraden auf einer Winterwanderung die Vor⸗ züge ihrer„Bretter“ loben, ſo iſt das etwa das gleiche, wie wenn die Norweger von ihren Skiern reden. Aber es gehört innere Vertrautheit mit dem ganzen Schneeſchuhlauf dazu, um das Wort ohne Poſe zu gebrauchen. Wahrhaftigkeit iſt das Ausſchlaggebende bei allen Aus⸗ drücken. Es kommt nicht ſo ſehr darauf an, daß das Wort dem Sinne und dem Klang nach eine Sache bezeichnet, als vielmehr darauf, ob wir mit dem Wort auch innerlich eine Sache meinen. Schneeſchuh 3. B. iſt ein die Sache gar nicht bezeichnender Ausdruck für Ski. Ein Schuh, der für das Gehen im Schnee geeignet iſt, hat ganz andere Formen und ganz andere Zwecke als der Ski. Und dennoch hat das Wort, beſonders in Laienkreiſen, Bürgerrecht erworben. Aber auch Nanſen, der erſte und größte Pionier der Schneeſchuhe, hat in der Äberſetzung ſeiner Werke dieſen Ausdruck zuge⸗ laſſen, und Nillſen, einer der allererſten Norweger, die uns gezeigt haben, wie man Ski läuft, hat ſeinem kleinen Schrift⸗ chen den Titel:„Schneeſchuhe“ gegeben. Man laſſe alſo die⸗ jenigen gewähren, deren innerem Gefühl es mehr entſpricht, vom Schneeſchuh zu reden als vom Ski. Gewöhnlich ſind es unter den Laien die wahrhaftigeren Naturen. Sie ſind dem Ausdruck„Ski“ gegenüber befangen, weil ſie ſich mit der Sache nicht genügend vertraut fühlen und auch über die Aus⸗ ſprache nicht im reinen ſind. Andere dagegen, die raſch über alles zu reden wiſſen, ſprechen vom Ski, auch wenn ſie noch auf keinem geſtanden haben. Aber auch der im Skiſport Erfahrene wird oft das Wort Schneeſchuh gebrauchen. Der Laie, den man dem Skilauf zu⸗ führen möchte, empfindet es leicht als eine Art Überhebung, wenn man vor ihm mit Worten und techniſchen Ausdrücken operiert, die ihm noch nicht geläufig ſind. Die Fachſprache wirkt leicht als trennendes Moment. Nur der Halbwiſſer verſucht mit ihrer Hilfe dem gänzlich Anwiſſenden zu impo⸗ nieren, wie z. B. jüngſt, wo in einer angeſehenen illuſtrierten Zeitung in einem Artikel über den Skilauf der Verfaſſer neben andern von keiner Sachkenntnis getrübten Ausführungen von „geſund ausſehenden Skiern“ redete und dabei nicht die Schneeſchuhe, ſondern die Schneeſchuhläufer meinte. Man darf nicht vergeſſen, daß die Sprache und ihre Ausdrücke nicht das Werk von Profeſſoren und Sprach⸗ reinigern, ſondern die Sache des Volkes ſind. Darüber, ob man Schneeſchuh oder Ski ſagen ſoll, kann auch der ge⸗ lehrteſte Streit in Büchern nichts entſcheiden. So etwas muß werden und wachſen. Oft wächſt es auch ſchief, wie z. B. der falſche, nach deutſchem Sprachgefühl gebildete Plural Skier nach der Analogie: das Brett, die Bretter. Norwegiſch heißt es der Ski, die Ski. Aber ausvotten läßt ſich der falſche Plural nicht mehr. Unter Schneeſchuhläufern, die nicht nur mit den Beinen, ſondern auch mit dem Herzen Schneeſchuh laufen, ſpricht man immer mehr von Ski. Das bringt ſchon die Beſchäftigung mit der Skiliteratur desjenigen Landes mit ſich, das uns das Gleitbrett geſchenkt hat. Sollten wir da nicht aus einem Gefühl der Dankbarkeit heraus der Sache, die wir aus nordiſchen Händen nahmen, auch den nordiſchen Namen laſſen? Ob damit etwas gewonnen iſt, wenn man Schi ſtatt Ski ſchreibt? Es iſt ein Stück Reſpekt vor einer fremden Sprache, daß, wenn man ihr ein Wort entleiht, man auch deſſen Ortho⸗ graphie übernimmt. Wir ſchreiben auch nicht Tſchentlmen und wiſſen doch, wie gentleman geſprochen wird. Und dann noch eins. Der Ski iſt ein internationales Sportgerät gewor⸗ den. Der gebildete Franzoſe wird ſich aber hüten, bei Ski das Sk wie das franzöſiſche ch und das deutſche„ſch“ aus⸗ zuſprechen. Das Wort gleicht dann genau einem anderen franzöſiſchen, ſehr vulgären aus der Goſſenſprache. Wenn wir ſuchen, den Schneeſchuhlauf aus ſeiner Heimat und nach ſeiner Geſchichte kennen zu lernen, ſo wird es uns Deutſchen nicht ſchwerfallen, Ski zu ſchreiben und Schi zu ſprechen. Und wenn wir einen Franzoſen treffen, ſo werden wir ſo höflich ſein, mit einem peinlich ſauberen Sk auch „Ski“ zu ſagen. Manche Leſer, die eine glatte Löſung der Frage er⸗ warteten, ſind jetzt vielleicht enttäuſcht. Aber nirgends iſt Schulmeiſterei und Pedanterie weniger angebracht als beim Skilauf. Aus der Vergangenheit des Schneeſchuhs. „Es war einmal...“ Um dieſe Zeit etwa hat ſich der Menſch zum erſtenmal ringförmig gebogene Baumäſte, mit Zweigwerk durchflochten, an die Füße gebunden. Vor ihm her flüchtete ein Stück Wild, das mit den dünnen Beinen ein um das andere Mal einbrach. Den Menſchen aber trugen die Reifen unter den Füßen, und nach kurzer Zeit war das Wild ſein. Der Hunger wird wohl der Erfinder der erſten Schnee⸗ ſchuhe wie ſo viel anderer nützlicher Dinge geweſen ſein. Man muß auf großem Fuße leben, wenn man über tiefen Schnee will. Allerdings, der Menſch lernt ſchwer, und man kann auch heute noch auf allen winterlichen Höhen, wo Schneeſchuh⸗ rennen ſtattfinden, zahlreiche Neugierige treffen, die es nicht glauben wollen, daß der Schnee geradeſo wie ſeine urſprüng⸗ liche Form, das Waſſer, keine Balken hat. Sie ſind der An— ſicht, es ginge„auch ſo“. Erſt, wenn ſie zahlreiche Löcher von der Länge ihrer Beine in den Schnee geſtoßen haben, gelangen ſie, die Kulturmenſchen, unter einiger Verſtimmung bei der Einſicht jenes erſten Urſchneeſchuhmenſchen an. über derartige primitive Schneeſchuhe, die ſicher ſchon in prähiſtoriſchen Zeiten bekannt waren, haben wir das aller⸗ erſte hiſtoriſche Zeugnis von dem griechiſchen Geſchichts⸗ ſchreiber Renophon, der auf ſeinem berühmten Zug nach Kleinaſien 400 v. Chr. bei dem Bergvolk der Armenier ſah, wie ſie Säcke unter die Beine der Pferde banden,„da dieſe ſonſt bis an den Bauch einbrachen“. Strabo erzählt 20 v. Chr., daß die Armenier ſelbſt„runde Scheiben“ gegen das Einſinken in den Schnee verwenden. Ganz ähnliche Formen werden auch heute noch in allen ſchneereichen Gebirgsgegenden der Welt gebraucht. Sie ſind aber nur ein äußerſt primitiver Notbehelf, und die Städter, die heutzutage das Winterleben auf den Höhen kennen lernen wollen und ſich dabei einer etwas verbeſſerten Form von Schneereifen bedienen, ziehen dieſe immer gerne wieder aus. Der Menſch, der auf Schneereifen an einem gefrorenen Hang unfreiwillig ins Gleiten geriet und aus dieſem zu— fälligen Erlebnis heraus auf den Gedanken kam, durch Ver⸗ längerung des Schneeſchuhes, ſowie durch Bekleidung der Unterſeite mit Fell oder Holz und durch Aufbiegung des vorderen Endes das Gleiten zu erleichtern, dieſer Menſch war der Erfinder des Skis. Er hat aus dem Schneeſchuh zum Schreiten einen Schneeſchuh zum Gleiten gemacht. Anſtatt bei jedem Schritt den einen Fuß mit dem Schneereifen zu heben und vor den andern ſetzen zu müſſen, konnte er jetzt die Schneeſchuhe auf dem Schnee laſſen, die Füße leicht vor⸗ einander herſchieben und auf Hängen ohne Bewegung der Beine hinabgleiten. Was uns heute als ein leichter, ſelbſtverſtändlicher über⸗ gang vom Schneereifen zum Gleitſchneeſchuh erſcheint, war in der Geſchichte des nordiſchen Menſchen eine ungeheure Ent⸗ deckung, deren einzelne Entwicklungsſtufen über Jahrhunderte und Jahrtauſende in die Vergangenheit hinabſteigen. Wie aber aus der Urform des Schneeſchuhs, die man nicht genau kennt, die menſchliche Intelligenz in Anpaſſung an Klima, Bodenbeſchaffenheit und Nohmaterial den erſtaunlichen For⸗ menreichtum an bekannten Skitypen, vom alten norwegiſchen Truger bis zum drei Meter langen ſchwediſchen Flachlandſki und vom plumpen Holzſchneeſchuh der Giljaken bis zum ele⸗ ganten Ski der Telemarker, geſchaffen hat, das iſt eines der reizvollſten Kapitel in der Geſchichte des Schneeſchuhs. über die Urheimat des Schneeſchuhs weiß man nur ſo viel beſtimmt, daß ſie nicht Skandinavien iſt, wo der Skilauf ſeine höchſte Vollendung erreichte. Aus dem Umſtand, daß in der Gegend des heutigen Altaigebirges und um den Baikalſee M. Fendrich, Der Shiläufer. Blick ins Tal. A. Fendrich, Der Skiläufer. Im Eis erſtarrke Tanne Abendſtimmung am Silberberg). in Sibirien jährlich in langen Wintern die tiefſten und aus⸗ gebreitetſten Schneedecken der ganzen Erde— ſoweit bevölkerte Gegenden in Betracht kommen— zu finden ſind, hat man auf jenen Teil Sibiriens als eigentliche Heimat des Schnee⸗ ſchuhs geſchloſſen. Dieſe Methode hat viel für ſich. Nur da, wo der Kampf ums Daſein den Menſchen hart bedrängt, werden die Erfindungen gemacht, die ihm die Exiſtenzmöglich⸗ keit ſichern. Und nur von ſolchen Erfindungen läßt der Menſch nicht, welche zu einer conditio sine qua non für ihn geworden ſind. So mußten die Bewohner der ſibiriſchen Schneegegenden auf den Schneeſchuh kommen. Von dort aus wahrſcheinlich kam der Schneeſchuh zu den Nordaſiaten. Von Nordaſien laſſen ſich zwei Verbreitungsäſte nachweiſen. Der eine Aſt führte über die Beringſtraße zu den nordamerikani⸗ ſchen Eskimos, der andere durch Vermittlung der Finnen und Lappen nach dem heutigen Schweden und Norwegen. Für den norwegiſchen Berglappen iſt der Ski das Schiff, das ihn beim Hüten ſeiner Herden und auf der Jagd nach den ſeine Renntiere bedrohenden Wölfen und Bären über das Schnee⸗ meer ſeiner Heimat trägt. Er iſt ohne den Schneeſchuh ebenſo undenkbar, wie der Eskimo Grönlands ohne den Kajak, mit dem dieſer über den Ozean rudert und ſeine Nahrung aus den Tiefen angelt. Der Ski iſt alſo mit dem Leben der ſkandi⸗ naviſchen Urbevölkerung eng verknüpft. Was Wunder, daß er in den Heldenliedern, Sagen und Göttergeſchichten und Sprichwörtern dieſes Volkes eine wichtige Volle ſpielt. Wieviel feiner Geſchäftshumor ſteckt z. B. in dem alten Sprichwort aus der Magnus Barfords-Sage(1006 n. Chr.): „Es ſieht nach Schneewetter aus, Knaben— ſagten die Finnen—, denn ſie hatten Aandrer zu verkaufen.“*) Wie bekannt muß das Schneeſchuhlaufen geweſen ſein, wenn in einer alten norwegiſchen, nach Island gekommenen Geſetzes⸗ formel es heißt, daß der Geächtete ſo weit fortgetrieben werden ſoll,„wie der Lappe auf ſeinen Schneeſchuhen läuft“. In alten Heldengeſängen aus dem zehnten Jahrhundert kehrt oft der ſchöne Vergleich des Segelns des Schiffs über dem Meer mit dem Dahingleiten der Schneeſchuhe wieder. Und einer von den alten Skalden, Guthorn Sindre, nennt mit poetiſcher Kühnheit das Schiff„Svanevangens Ski“, den Schneeſchuh des Meeres. Wie das Schneeſchuhlaufen den *) Aandrer ſind fellbekleidete Schneeſchuhe. — 10— Norwegern ans Herz gewachſen war, das zeigt ſich in einem Volkslied des vierzehnten FJahrhunderts, wo der Refrain lautet: Hemeningen, das junge Blut, Auf Schneeſchuhen lief gar gut. Da aber, wo der Schneeſchuh nicht geradezu Exiſtenz⸗ bedingung war, da zeigen ſich die auf⸗ und abſteigenden Kurvenlinien in der Geſchichte der Menſchheit auch in der Geſchichte des Schneeſchuhs. Die Tatſache, daß eine Erfin⸗ dung nützlich und angenehm iſt, genügt nicht, die Menſchen dauernd an ſie zu feſſeln. Es ſcheint, als ob auch das Beſte mit der Zeit ſeinen Neiz verlöre und oft, auch ohne zwingende Gründe, nur der Abwechſlung halber wieder aufgegeben wurde. Die Mode iſt nicht nur Sache der Frauen und der Toiletten, ſondern zieht in gewaltigen Wellen durch die Entwicklungs⸗ geſchichte aller wichtigen Gebrauchsgegenſtände. Wichtige Er⸗ findungen des menſchlichen Geiſtes verſchwinden oft ſpurlos, um nach einigen Jahrhunderten oder Jahrtauſenden wieder „erfunden zu werden“. Auch vom Ski gilt das alte Wort Ben Akibas, daß alles ſchon einmal dageweſen ſei, und es iſt zweifelhaft, ob auch im einundzwanzigſten Jahrhundert in den deutſchen Mittelgebir⸗ gen oder den Alpen gerade noch ſo Ski gelaufen wird, wie heute. Wer das nicht glaubt, dem ſei die kleine Hiſtorie von den Krainer Schneeſchuhläufern in der zweiten Hälfte des ſieb⸗ zehnten Jahrhunderts erzählt. Dieſe hatten nämlich eine „rare Invention“, wie der von ſeiner Heimat begeiſterte Hiſtoriker Valvaſor in einem 1689 in Laibach gedruckten Schweinslederfolianten mitteilt. Dieſe Invention waren Schnee⸗ ſchuhe, welche die Bauern in dem ſchneereichen öſterreichiſchen Bergland offenbar ſehr kunſtgerecht gebrauchten. Obwohl ſie mit einem„ſtarken Stecken unter der Achſel“ auf„zwei hül⸗ zernen Brettlein, ſo ein vierteil Zoll dick, einen halben Werk⸗ ſchuh breit und ungefähr fünf Werkſchuhe lang waren“, die Berge herabfuhren, kannten ſie doch ſchon ſehr gut das Bogen⸗ fahren und das, was man in Norwegen Slalom nennt. Denn „es iſt ihnen kein Berg zu gähe, noch ſo häufig mit großen Bäumen bewachſen, daß ſie nicht denſelben auf dieſe Weiſe hinabfahren können. Denn ſie winden und krümmen ihre Abfahrt, ſchlangenweiſe, wann ihnen was verhinder⸗ liches im Wege ſteht. Iſt aber der Weg ganz frey, unver⸗ wachſen und unanſtößig, ſo gleiten ſie fein Schnurgerad hin⸗ unter.... So Nichard Valvaſor in ſeinem Buch von der„Ehre des Herzogtums Krain“. Das iſt die allererſte Kunde vom Schneeſchuhlaufen in Mitteleuropa. Und wie nach einigen Jahrzehnten das Schnee⸗ ſchuhlaufen in Krain ſelbſt, ſo war auch die Kunde davon ver⸗ ſchollen, bis der öſterreichiſche Profeſſor Friſchauf den alten Urtext wieder ausgrub. Davon, daß die Skandinavier auf Schneeſchuhen liefen, wußten ſüdeuropäiſche Schriftſteller ſchon in den erſten Jahr⸗ hunderten nach Chriſtus. Den Griechen Prokop und dem Goten Jordanes war es ſchon bekannt, daß die Normannen ihren Nachbaren, den Finnen und Lappen, den üÜbernamen Skridfinnen gaben. Skrida heißt gleiten, und die Gleit⸗ bewegung auf Schneeſchuhen war für die Finnen ſo charak⸗ teriſtiſch, daß ihnen dafür der obige Beiname blühte, ganz ähnlich wie der Volkswitz im Schwarzwald die Schneeſchuh⸗ läufer„Brettlihupfer“ taufte. Daß es auch in Norwegen ſelbſt eine Flut und eine Ebbe in der Verwendung des Schneeſchuhs wie bei vielen andern Gebrauchsgegenſtänden gibt, das geht aus mancherlei alten Mitteilungen hervor. Obwohl ſchon im ſechzehnten Jahrhundert der Ski auch als Sportgerät, nicht nur als Ver⸗ kehrsmittel, gebraucht wurde, und obwohl ſchon damals, wie Olaus Magnus 1555 in ſeinem Werk über die Völker des Nordens in einem ſehr krauſen Latein berichtet, Skirennen abgehalten wurden, und„Frauen mit ebenſo großer Gewandt⸗ heit wie Männer auf die Jagd mit Schneeſchuhen“ gingen, ſo iſt der norwegiſche Skiſport der Neuzeit doch erſt ungefähr vierzig Jahre alt. Die Städter, beſonders die Großſtädter von Kriſtiania, waren erſt reif für den Ski als Sportgerät, als das moderne Erwerbs⸗ und Kulturleben ſie wieder das Be⸗ dürfnis nach körperlicher Ausarbeitung empfinden ließ. Die Anfänge im Skiſport waren dort in den ſiebziger Jahren genau ſo komiſch wie bei uns im Schwarzwald, dem Vieſen⸗ gebirge oder dem Harz. Und erſt, als im Jahr 1879 ein Telemarker Bauernſohn, ein Schuſterjunge, mit einem ge— waltigen, eleganten Satz über die Sprungſchanze des Jver⸗ ſlökken bei Kriſtiania ſetzte, begann die Ära des nationalen norwegiſchen Skiſports.„Wie ein Meteor ging er nieder — 12— unter die erſtaunte Menge, die wie verhext daſtand.... Die Telemarker wurden eingeladen und kamen zu dem Kriſtiania⸗ Rennen. Das Jubelrufen ſtieg zum Himmel, daß die Luft erzitterte und die alten Bäume um den Husbyhügel herum erbebten.“ So Huitfeld, der dabei war. Die Eiſenbahnen und die Poſt brachten nicht nur die Kunde von dem neuen norwegiſchen Sport in die deutſchen Mittelgebirge, ſondern auch norwegiſche Skier. Aber damit wußten die paar Leute im Schwarzwald, im Vieſengebirge und in der Schweiz, die ſich zuerſt die langen Hölzer aus Nor⸗ wegen verſchrieben hatten, nichts Rechtes anzufangen. An⸗ fang der neunziger Jahre begann es ſich gleichzeitig langſam zu regen. Sehr langſam. Da kam die Nachricht von Nanſens Durchquerung von Grönland auf Schneeſchuhen, und bald darauf erſchien ſein Buch mit einer Geſchichte des Schnee⸗ ſchuhs und einer Beſchreibung der Technik. Die Tat Nanſens und ſein Werk wirkten wie eine Befreiung aus der zögernden Ungewißheit, in der ſich die erſten Verſuche mit dem Schnee⸗ ſchuh bewegten. Ein unerhörter Aufſchwung begann, der ſeine volle Steigerung erſt erfuhr, als norwegiſche Studierende aus Darmſtadt, zuerſt im Schwarzwald, zeigten, wie man wirklich auf Skiern laufen kann. Lange hatten die Skiläufer des Schwarzwalds die Führung der Bewegung. Eine ſelb⸗ ſtändige Schule mit einer beſonderen Lauftechnik entwickelte ſich unabhängig von den norwegiſchen Vorbildern in öſter⸗ reich, beſonders in der Umgegend von Wien. In zahlreichen Skivereinen, die ſich zu nationalen Verbänden zuſammen⸗ ſchloſſen, ſind jetzt Zehntauſende von Skiläufern zu tätigen Organiſationen verbunden. Skirennen, Skifeſte, Skikurſe ſind in den Monaten Januar und Februar faſt etwas Allwöchent⸗ liches auf den winterlichen Höhen. Das Skilaufen iſt Mode⸗ ſache geworden. Möge es darüber hinaus noch mehr werden! Geſchichtskalender des Skilaufs. Etwa 770 n. Chr. Paulus Diakonus bezeichnet die Finnen wegen ihrer Geſchicklichkeit im Schneeſchuhlauf als Skrid⸗Finnen(Gleitfinnen). 1199 Der däniſche Hiſtoriker Saxo beſchreibt, wie die Finn⸗ marken auf Skiern Krieg führen. 16 ⁴ — 13— Schlacht bei Oslo, in der König Sverre Leute auf Skiern auf Rekognoszierung ſchickt. Olaus Magnus, ſchwediſcher Erzbiſchof, ſchreibt in der Verbannung ein Buch über ſeine Reiſen in Norwegen, worin das Skilaufen der Norweger im gewöhnlichen Ver⸗ kehr, auf der Jagd und bei Wettkämpfen ausführlich geſchildert wird. Zweite Auflage des Buches des däniſchen Hiſtorikers Saxo, in welcher die erſte Zeichnung eines Ski ent⸗ halten iſt. Im ſchwediſch⸗norwegiſchen Krieg treten zum erſtenmal ganze Skibataillone auf. 4 Erſcheinen des erſten Winter⸗Exerzierreglements für Skiläufer in der norwegiſchen Armee. General Bierch verſucht, den ſeit Jahrzehnten total ver⸗ geſſenen Skiſport in Norwegen wieder zu Ehren zu bringen. 2. April 1843 Erſtes in öffentlichen Zeitungen angekündigtes norwegiſches Skirennen in Tronſö. 15. Mai 1861 Gründung des Zentralvereins zur Hebung des 1863 1865 1889 Sports in Kriſtiania(wobei auch dem Skiſport wieder einige Aufmerkſamkeit gewidmet wurde). Erſte Ausſtellung von Skitypen in Trontheim(im ganzen 8 Paar Ski). General Wergeland veröffentlicht ſein in kultur- und kriegsgeſchichtlicher Hinſicht bedeutendes Buch über den Skilauf. Die Telemarker zeigen in Kriſtiania, wie man ſpringt. Gründung des maßgebenden Sportſkiklub in Kriſtiania: „Föreiningen til skii draettens fremme.“ Dr. Herwig in Davos macht die erſten Verſuche mit norwegiſchen Schneeſchuhen. Nanſens Durchquerung von Grönland auf Schnee⸗ ſchuhen. Erſte Beſteigung des Feldbergs im Schwarzwald durch den franzöſiſchen Konſulatſekretär Pilet aus Mann⸗ heim. Der ſteiriſche Sportsmann Kleinoſchegg verſucht ſich in Graz zum erſtenmal auf Skiern. 1890 1890 1891 1892 1893 1895 1896 1897 1899 1900 1903 190½ 1904½ 190⁵ 1906 1908 — 1— Hauptmann Vorwerg unternimmt die erſten Schnee⸗ ſchuhtouren im Nieſengebirge. Erſcheinen von Nanſens Buch über ſeine Grönland⸗ reiſe. Gründung des erſten deutſchen Skiklubs in Todtnau im Schwarzwald. Gründung des öſterreichiſchen Skivereins in Wien. Erſte Verwendung der Skier bei einer Alpentour(über⸗ querung des Gotthard, Grimſel und Furka durch Mit⸗ glieder des Skiklubs Todtnau). Gründung des Skiklubs Schwarzwald. Gründung der erſten Skivereinigung im Nieſengebirge (IJ. Sektion des öſterreichiſchen Skivereins in Hohen⸗ elbe). Erſcheinen von Zdarskys„Skilauf⸗Technik“. Erſcheinen von Paulckes„Skilauf“. Gründung des erſten nordamerikaniſchen Skiklubs in Ispehing(Michigan). Gründung des Schweizeriſchen Skiverbands. Erſcheinen von Richardſons„Ski Running“. Gründung des Skiklubs Vogeſen. Gründung des Mitteleuropäiſchen Skiverbands. Erſcheinen von Hoek⸗Richardſon:„Der Ski“. Gründung des norwegiſchen Landes⸗Skiverbands(Nor- ges skiverbund Kristiania). Tabelle der Maximalleiſtungen auf Skiern in den 1879 1884 1889 letzten dreißig Jahren. Der Telemarker Schuſterjunge Torjas Hemmesvedt ſpringt auf dem Huſebyhügel bei Kriſtiania 23 Meter. Der Lappe Lars Tuorda legt bei Jokkmok in Nord⸗ ſchweden 220 Kilometer in 21 Stunden 22 Minuten zurück. 3 Der Telemarker Hemmesvedt läuft 50 Kilometer in hügeligem, ſchwierigem Waldgelände in à Stunden 26 Minuten 30 Sekunden. 10 10 1896 Dr. Paulcke erſteigt mit einigen Freunden zum erſten⸗ mal einen Alpengipfel(Oberalpſtock). 1900 Bjarne Nillſen zeigt am Feldberg den erſten norwegi⸗ ſchen Sprung(23 Meter). 1901 Der Finne Antio läuft auf völlig ebener Bahn 30 Kilo⸗ meter in 1 Stunde 46 Minuten 15 Sekunden. 1902 Nils Giestrang ſpringt am Modumhügel den längſten Sprung(41 Meter).. 1904 Erſter deutſcher 19 Meterſprung in guter Haltung am Feldberg im Schwarzwald. 1904 Mylius(S. C. S.) erſteigt den Montblanc auf Schnee⸗ ſchuhen. 1904 H. Stang(ein zwölfjähriger Knabe) ſpringt in Nor⸗ wegen 14,5 Meter. 1905 Leif Berg durchläuft die Strecke Titlisgipfel—Trübſee mit 1489 Meter Gefäll in 29 Minuten. 1907 Harald Smith ſpringt am Feldberg im Schwarzwald den weiteſten Sprung in Deutſchland mit 36 Metern. 1908 H. Baader(ein vierzehnjähriger Knabe) ſpringt im internationalen Sprunglauf am Feldberg 19 Meter. 1908 Capiti⸗St. Moritz ſpringt bei den Schweiz. Skirennen in Engelberg 31 Meter. Aus den vorſtehenden beiden Kalendern geht hervor, daß, wenn auch an allen deutſchen Mittelgebirgen gleichzeitig und unabhängig voneinander, wahrſcheinlich unter dem Eindruck von Nanſens Grönlandsreiſe, Verſuche mit Skiern gemacht wurden, ſich doch zuerſt im Schwarzwald eine wirkliche Ent⸗ wicklung des Skilaufs mit raſchen Fortſchritten zeigte. Der Schwarzwald wurde das Mutterland für den deutſchen Ski⸗ ſport und iſt als ſolches immer anerkannt worden. Noch 1904½ ſchrieb der engliſche Sportsmann Richardſon in ſeinem Buch „Ski Running“:„Der Feldberg wurde berühmt wegen ſeiner Skiläufer und Skirennen, welch letztere ihrer Bedeutung nach nur durch die weltberühmten Holmenkollen⸗Rennen über⸗ troffen werden.“ So viele Namen es ſind, die hier erwähnt werden könnten, einer darf nicht vergeſſen werden: derjenige Paulckes. Man wird es einem Schwarzwälder nicht verübeln, wenn er jetzt, wo der Skiſport international und mancher Sportsplatz über Nacht berühmt geworden iſt, konſtatiert, daß die langen Bretter aus dem Norden zuerſt auf dem Feldberg im Schwarz— wald ihre zweite Heimat gefunden haben. Was man zum Skilaufen braucht. Vor allem ein geſundes Herz und eine gute Lunge. Nach dem Menſchen ſind die Skier das Wichtigſte. Dieſe zwei ſollten zueinander paſſen wie Neiter und Pferd. Ein Stock iſt unentbehrlich; zwei Stöcke ſind oft beſſer als einer. Um einen beſonderen Anzug wird man mit der Zeit nicht herum⸗ kommen. Die Wintererfahrungen, die man mit ſeinem Sommertourenanzug macht, ſind keine guten. Der Ruckſack iſt nicht nötig zum Skilaufen. Wer aber nie einen braucht, der rangiert infolge dieſer Bedürfnisloſigkeit in der Neihe der Hotelſkiläufer, die nur das Gebiet von zwei bis drei Kilo⸗ metern im Umkreis ihrer jeweiligen Winterquartiere unſicher machen. Für wirkliche Jünger vom Brett iſt der Ruckſack etwas ſehr Wichtiges, und die Zuſammenſtellung ſeines In⸗ halts eine Angelegenheit fürſorglichen Scharfſinns. Und— last not least— braucht man Schnee; aber nicht jeder tut's. Der Ski. Vom Selbſtverfertigen möchte ich dringend abraten. Man kauft ſich nachher doch andere, wenn man gerade kein Bauers⸗ mann iſt, dem auch die ſelbſtgezimmerten gefallen. So einfach der Ski ausſieht, ſo viel Sorgfalt erfordert ſeine Herſtellung. Aber manche Fabrikanten nehmen es damit auch nicht mehr ſehr genau. Weder mit dem Material noch mit der Arbeit. Infolge der großen Nachfrage und„weil das Zeug jetzt doch geht“, verarbeiten verſchiedene Fabriken zu grünes Holz. Ein rechter Ski iſt aber aus wintergeſchlagenem und in ſchon zuge⸗ ſchnittener Form gut getrocknetem Material. Wer ſich ein Paar Skier kaufen will, nimmt am beſten einen ſachverſtändigen Bekannten mit. Wenn man einen ſolchen nicht hat, dann ſehe man ſich einmal die Maße des Telemarkſki an, um einen Begriff von einem gutgeſchnittenen und ſchöngebogenen Schneeſchuh in den Kopf zu bekommen. Vor allem ſoll die Schnabelaufbiegung nicht unvermittelt wie ein Horn in die Höhe ſteigen. Solche Schaufeln bringen im tiefen Schnee auch geübtere Läufer zu Fall, und mancher Ski bricht nur, weil die Schaufel grob und ungeſchlacht gegen kleine Schneewehen rennt, anſtatt leicht und elegant über ſie weg zur Tagesordnung überzugehen. Das vermag nur der Ski, deſſen Aufbiegung ſchon früh beginnt, aber nur ganz all⸗ H. Fendrich, Der Shiläufer. ¹ 4 752 7* 2 77 4 Wekkerkannen im Winkerſtaak. M. Fendrich, Der Shiläufer. Schneewächte am Berzogenhorn. mählich zu ihrer höchſten Höhe an der Spitze übergeht. Eine Aufbiegung von 13—14 cm 4 iſt das ſchönſte Maß. Ein ſolcher Ski rennt nicht leicht an und bohrt ſich auch nicht in den Schnee. Geſchieht es dennoch und bricht auch ein ſo ideal gebogenes Brett trotz⸗ dem einmal, dann iſt der ein⸗ zig angebrachte Gedanke bei einer ſolchen Begebenheit, daß es auf der Erde eben nichts Vollkommenes gibt. Kauft man ſich ſehr ſchwere, ſtarke Skier, deren Aufbiegung dick im Holz und ſo ſteif iſt wie das Hinterende, ſo iſt die Wahrſcheinlichkeit, daß ſie brechen, gering. Dafür erin⸗ nern ſie aber einen beim Bergaufgehen durch ihr Ge⸗ wicht fortwährend an ihre Un⸗ zerbrechlichkeit. Nimmt man ein paar dünne, leichte Brett⸗ lein, deren Spitzen nervös zit⸗ tern, wenn man ſie oben zur Probe biegt und zurück⸗ ſchnallen läßt, ſo darf man eines großen Genuſſes beim Laufen ſicher ſein, beſonders wenn man es einmal kann Ob aber das Vergnügen ſehr lange dauern wird, das iſt eine andere Frage. Das elegante, engliſche Halbblut hält auch nicht ſo viel aus wie ein ſchwerer Normännerſchlag. Die Aufbiegung der Skier in der Mitte, die Spanne, ſoll— auch allmählich verlaufen, Bo er erritt i Bhany an helenabeſtt d. h. vom Skiende bis zum ter Ski mit ſchlecht angebrachtem Stemm⸗ Beginn der Schnabelauf⸗ loch, zu ſtarker Auffeing und Wider⸗ 2 Fendrich, Skiläufer. 2 — 18— biegung gehen. Ihr Zweck iſt nicht etwa der, dem Schnee⸗ ſchuh Federung zu verleihen, wie oft geglaubt wird, ſon⸗ dern ſie ſoll verhindern, daß der nur in der Mitte durch den Körper belaſtete Schneeſchuh ſich nach unten durchbiegt. Die Spanne muß ſo hoch ſein, daß die untere Fläche des Skis vom Hinterende bis zum Beginn der Aufbiegung durch die Belaſtung des Körpers aus einer leicht gebogenen zu einer ganz ebenen, geraden Fläche wird, d. h. etwa 2—3 cm. Mit dem Holz ſei man nicht zu heikel. So ſehr eine gewiſſe Vorſicht gegenüber den Händlern angezeigt iſt, ſo ſoll man ihnen nicht das Leben ſaurer und das Geſchäft ſchwerer machen, als nötig. Skier, deren Wachstumsſchichten ſchnur⸗ gerade parallel verlaufen und die gar keine Schönheitsfehler haben, ſind ſehr ſelten und ſehr teuer. Eſchenholz iſt das einzig richtige. Es gibt natürlich auch noch gewiſſe Speziali⸗ täten und Fineſſen, wie Hickory oder fournierte Skier(Hickory mit Föhre zuſammen) und andere Spezialitäten mehr, aber dieſe kommen nur für den vollkommenen Kenner in Betracht. Etwas Querholz, wenn es ſich nicht gerade an der vorderen Aufbiegung befindet, ſchadet nichts. Kleine Äſte haben auch wenig Bedeutung. Oft gibt es ſehr langſam und dicht ge⸗ wachſenes, etwas verknorpeltes Holz, deſſen Maſerung nicht gerade ſchön ausſieht, das aber zäh iſt wie Eiſen. Bedenk⸗ lich ſind nur größere Äſte, und zwar wegen der Bruchgefahr; aber auch deshalb, weil ſich in ihrer Umgebung meiſt Wider⸗ holz befindet, das leicht gegen den Strich aufreißt und dann auf die Fahrt bremſend wirkt. über die Färbung zerbreche man ſich nicht lange den Kopf. Die Naturfarbe des Holzes iſt am ſchönſten, wenn die Skier im Laden ſtehen. Die Struktur der Faſern, die durch den Firnis noch mehr hervortritt, iſt an ſich ſchon ein ſchöner Schmuck der Skier. Die zwei feinen parallelen, mit dem Kehlhobel hergeſtellten Randlinien erhöhen die Eleganz der Form. Ein kleiner, roter Rhombus an der Spitze, wo die Zierlinien ſich kreuzen, bringt etwas Farbe und Leben hinein. Aber ſchwarz geſtrichene Skier mit weißen Zierlinien, die zuerſt etwas Düſteres, Sargartiges an ſich haben, ſind auf dem Schnee weit praktiſcher, und man findet ſie ſchließlich auch ſchön. Der Zweck der ſchwarzen Färbung iſt der, beim Springen die Möglichkeit einer leichten Orientierung über die Haltung der vom Schnee ſich ſtark abhebenden Skier zu geben. Jedenfalls hat das Auge auf dunklen Skiern einen„ſichern Stand“, während die Konturen heller Skier in unangenehmer Weiſe mit der Schneefarbe verſchwinden. Von rot und blau gefärbten Skiern, wie ſie jetzt auch in den Handel kommen, iſt abzuraten. Wer ſich von der großen Maſſe der Skiläufer abheben und vor ihr auszeichnen will, tut dies in viel wir⸗ kungsvollerer Weiſe durch das Skilaufen ſelbſt. Die Länge der Skier muß ſich nach dem Gewicht richten, das ſie zu tragen haben. Leute von normalen Gewichtsverhält⸗ niſſen ſollen ihre aufrechten Skier mit den Fingerſpitzen an der Spitze der Aufbiegung gerade noch erreichen können. Wer ſchwerer iſt, als er es bei ſeiner Körperlänge normalerweiſe ſollte, muß 10— 20 cm zugeben. Die größere Schwierigkeit in der Lenkbarkeit langer Schneeſchuhe wird in ſolchen Fällen dadurch ausgeglichen, daß der Ski nun nicht ſo tief in den Schnee einſinkt, was die Führung erleichtert. Bei verkruſtetem Schnee können zu kurze Skier, die nicht genügend tragen, ſon⸗ dern immer mit den Hinterenden oder den Kanten durchbrechen, einen zur Verzweiflung bringen. Alſo eher zu lange, als zu kurze Schneeſchuhe, wenn man über das Normalgewicht wiegt. Die Ausbalancierung eines Skis iſt eine ſehr wichtige Sache. Die Bindung ſoll ſo angebracht ſein, daß, wenn man den Ski am Zehenriemen hält, die Spitze etwa in einem Winkel von 450 nach unten ſinkt. Hat man nun unter Beobachtung dieſer vollſtändig ge⸗ nügenden Winke ein Paar Skier erſtanden, dann nehme man ſich als Anfänger ernſtlich vor, einen Winter lang niemals den Schneeſchuhen die Schuld am Stürzen oder mangelhaften Können zuzuſchreiben, ſondern ausſchließlich ſich ſelbſt. Der Telemarkſki iſt eines von jenen wunderbaren Geräten, die, obgleich ſcheinbar einfach und primitiv, doch nach feinen mathematiſchen und phyſikaliſchen Geſetzen gebaut ſind, und bei denen man nicht weiß, ob man mehr ihre Einfachheit oder mehr ihre Leiſtungsfähigkeit bewundern ſoll. Unter den Beinen des Ungeübten ſind die Skier grotesk komiſche Hinderniſſe für das Gehen. An den Füßen des Kundigen aber werden ſie zu beflügelten Schuhen, denen ein neuer Klopſtock erſt noch die Ode vom Schneekothurn ſingen müßte. Mächtiger, gran⸗ dioſer und kühner ſind die Bewegungen des Schneelaufs auf dem Ski, als die des Eislaufs auf dem Schlittſchuh. Nur zwei Geräte hat der menſchliche Geiſt ohne Zuhilfenahme der modernen Technik ganz aus den Begriffen des Naturmenſchen heraus erdacht, die dem hilfloſen Laien ebenſoviel Nätſel — 20— aufgeben, wie ſie in den Händen ihrer Erfinder zu Wunder⸗ werkzeugen werden. Das iſt der Bumerang, das Schleuder⸗ holz des Auſtralnegers, mit dem er der Wildente im Flug den Hals abſchneidet, und das aus dem Wurf im Bogen wieder zum Schützen zurückkehrt. Und weiter der Kajak des Eskimos, das fellüberſpannte Einſitzerſchiffchen, in dem eine Landratte auch auf ſpiegelklarem Waſſer totſicher umkippt, das der Eskimo aber auf den Wogen der ſtürmiſchen See tanzen läßt, wie eine Glaskugel auf dem Strahl eines Springbrunnens tanzt. So iſt der Telemarkſki auch ein Zauberbrett, das man bloß zu ſeinen Künſten zwingen muß. Das hat auch ſchon vor bald ſiebenhundert Jahren der Verfaſſer des norwegiſchen Königsſpiegels gewußt, der in ſeiner köſtlichen, naiven und anſchaulichen Sprache von Männern erzählt, die„dünne Bretter zu einer ſo großen Geſchwindigkeit abrichten durch Liſt und Kunſt, daß oben in den Bergen nichts, was ſich auf der Erde bewegt, im ſchnellen Lauf dem Manne entgehen kann, der ſolche Bretter an den Füßen hat. In andern Gegen⸗ den, wo die Leute nicht an ſo etwas gewöhnt ſind, wird ſich kaum ein Mann finden, er mag noch ſo gewandt ſein, der nicht alle Gewandtheit einbüßt, ſobald ſolche Holzſtücke an ſeine Füße gebunden werden.“ Wer alſo mit ſeinen neugekauften Skiern zum erſtenmal hinauszieht auf die weißbeſchneiten Almen, der wundere ſich nicht, wenn er zunächſt einmal nach dem Königsſpiegel„alle Gewandtheit einbüßt“. Die Bindung. Die„Liſt und Kunſt, Bretter abzurichten“, iſt aber erſt möglich, wenn eine gute Bindung den Fuß mit dem Ski zuſammenhält. Über die beſte Skiform iſt man ſich auf dem Kontinent ſo einig, daß es ſchwerfallen dürfte, irgendwo einen anderen als einen Telemarkſki zu bekommen. Was aber eine gute Bindung iſt, darüber herrſcht nichts weniger als Übereinſtimmung. Es haben unter den Völkern der Ski⸗ läufer ſchon ganze Bindungskriege getobt, und die deutſche Skiliteratur hat in dieſen Fehden eine ſtarke Bereicherung an originellen und kraftvollen neuen Wortbildungen erfahren. Es iſt aber ein Troſt, daß man auch in dieſer weniger erfreu⸗ lichen Beziehung nach Norwegen blicken kann, wo der Ton in den Zeitungspolemiken über Bindungen und Stil auch nichts zu wünſchen übrig ließ, und wo 3. B. die Kritik über die Alpenſkibindung in das einfache kleine Wort„varruckt“ zuſammengefaßt wurde. Obwohl es jetzt ruhiger geworden iſt, ſo hat doch die unbeſchreibliche Tonart, in der andere als die allein ſeligmachende Bindung bekämpft wurde, zu dem Reſultat geführt, daß die Bindungsfrage nun ein„Blümlein rühr' mich nicht an“ geworden iſt.„Bindung iſt Privatſache.“ Das iſt nunmehr der Ausweg, den man aus Rückſicht auf die zahlreichen Bindungsgläubigen aller Bekenntniſſe geht, und der Individualismus iſt als einzig wahre Philoſophie für das Nätſel der Bindung erklärt worden. Wenn den Ver⸗ faſſer das nicht hindert, zwiſchen guten und ſchlechten Bin⸗ dungen zu unterſcheiden, ſo möge man dieſen Verſtoß gegen die jetzt übliche Bindungstoleranz entſchuldigen. Er fühlt ſich in gewiſſem Sinne verantwortlich für alle Verrenkungen und Sehnenzerrungen, die dadurch entſtehen könnten, daß er ſolchen Leſern, die erſt durch die Lektüre ſeines Büchleins zum Skilaufen kommen, nicht genügend klaren Wein über Bindungen einſchenkt, die als gefährlich bezeichnet werden müſſen. Im allgemeinen kann man ſagen: Je ſtarrer der Fuß mit dem Brett verbunden iſt, deſto leichter kann er es lenken, aber deſto ſchwerer„kommt er heraus“, aus der Bindung nämlich, und deſto eher iſt's, beſonders für Anfänger, möglich, einmal bei einem Sturz die Sehnen zu verzerren oder einen Knöchel zu brechen. Mit der alten Meerrohrbindung, die in den neunziger Jahren, der Sturm⸗ und Drangperiode in der Kunſt des Skilaufs, die gebräuchlichſte war, ſind die wildeſten Dinge in Abfahrten und Sprüngen geleiſtet worden. Die Kühnheit war bei weitem größer, als die Fertigkeit. Aber es iſt ſelten etwas paſſiert. Man„kam eben immer heraus“, wenn man fiel. Oft ſchon vorher. Nun wird aber die Kunſt des richtigen Fallens meiſt erſt ziemlich ſpät gelernt. Sie iſt aber ſehr wichtig, beſonders jetzt, wo die loſen alten Bin⸗ dungen nicht mehr benützt werden. Sich beim Fallen ohne krampfhafte Muskelanſpannung zuſammenrollen wie ein Igel, ein möglichſt kleines Bündel aus ſich machen und ruhig fallen laſſen, was fallen will, das lernt man gewöhnlich erſt, wenn man es nicht mehr ſehr nötig hat. Der Anfänger aber ſchlägt meiſtens in zu raſcher Fahrt mit gekreuzten Skiern in voller Wucht ſteif und lang vornüber, wenn er es nicht vorgezogen hat, rechtzeitig nach hinten abzuſitzen. Sind nun die Füße ſo feſt in die Bindung eingepreßt, daß ſie ſich nicht — 22— nach der Körperlage drehen können, ſondern gewaltſam in der Richtung der Skier gehalten werden, dann kann man es den Sehnen nicht übel nehmen, wenn ſie die Geduld verlieren und reißen, oder wenn der Knöchel als der Klügere nachgibt und bricht. Das kommt natürlich lange nicht ſo oft vor, als es dem Laien nach dieſer Darſtellung ſcheinen könnte. Knochen und Sehnen ſind ſehr gutes Material und halten viel aus, beſonders wenn ſie noch jung ſind. Aber wen es gerade trifft, dem iſt es kein Troſt, daß er ein Ausnahmefall iſt. Auch die Ausnahmefälle ſollen möglichſt reduziert werden. Sohlenkappenbindung. Da es weit mehr meine Abſicht iſt, dem Skilauf neue Anhänger zuzuführen, als für Wiſſende alten Wein in neue Schläuche zu füllen, ſo betrachte ich die Bindungsfrage zunächſt nach dem Geſichtspunkt der größeren Ungefährlichkeit für den Fuß. Da macht man nun die merkwürdige Entdeckung, daß Anfänger gerade diejenige Bindung am liebſten benützen, welche die denkbar ungeeignetſte für ſie iſt. Das iſt die ſo⸗ genannte Sohlenkappenbindung. Sie iſt die„bequemſte“, was eigentlich heißen ſollte, die Bindung für die bequemen Leute. Sie täuſcht den Unkundigen ſehr leicht, weil er ſich raſch über ihren Bau orientieren kann. Auf dem Brett iſt eine Art Schuhſandale mit einer dicken Balataſohle und einer hohen Ferſenkappe angeſchraubt. Da braucht man nur ſeinen Fuß hineinzuſtellen und einen Riemen über den Niſt anzuziehen, und die Sache iſt fertig. So hat man drei Paar Schuhe unter dem Fuß; den eigenen Lederſchuh, darunter den Balataſchuh und ganz unten den Schneeſchuh. Das iſt zu viel des Guten. Die enge Fühlung, die der Fuß mit dem Brett haben ſollte, wenn er es be— herrſchen können will, geht durch die etwas un⸗ geſchlachte Bindung ver⸗ loren. Darauf kommt aber der fortgeſchrittene Läufer, der ſich zuerſt von einem im Skilaufen ſelbſt unerfahrenen Händler eine Kappenbindung aufreden ließ, von ſelber. Der Händler verkauft am liebſten Kappenbindungen, weil ſie immer fix und fertig ſind und ihm keine Scherereien mit dem Anpaſſen nach dem Fuß machen. Weit ſchlimmer aber als die mangelnde Sohlenkappenbindung. feine Fühlung mit dem Brett iſt, daß dieſe Bindung am zäheſten von allen am Fuß feſthält und dieſen an der Ferſe zwiſchen Kappe und Riſterriemen liebevoll einpreßt, nicht los⸗ läßt, man mag fallen, wie man will. Der einzige Vorteil der guten Führung iſt bei der Kappenbildung nur auf Koſten der Zehen vorhanden. Nur wenn man den vorderen Niemen ſo feſt anzieht, daß die Zehen von oben brutal auf die Balata⸗ ſohle gepreßt werden, hat man Führung. Sonſt wackelt die Fußſpitze zwiſchen den zwei loſen Ringen, die den Zehen⸗ riemen halten, hin und her. Das iſt überhaupt das Charak⸗ teriſtiſche an dieſem Syſtem, daß es für jeden Fuß paßt und doch für keinen richtig; daß die Bindung da feſtſitzt, wo ſie nicht ſoll, und da nicht, wo ſie ſoll. Es iſt eine Allerwelts⸗ bindung, die einzig in Schneeſchuhausleihgeſchäften ihrer Verwendbarkeit halber für jeden Fuß am Platze iſt. Aber ihr Vorteil iſt ihr Nachteil. Am Fuße eines tüchtigen Ski⸗ läufers iſt ſie nie zu entdecken. Aber auch diejenigen Freunde unſeres Sports, denen ſie bis jetzt genügt hat, ſollten deſſen doch eingedenk ſein, daß, wenn ſie bis jetzt mit heilen Füßen davongekommen ſind, ihre Bindung daran unſchuldig iſt. Was ich hier einmal klar und ohne Umſchweife geſagt habe, das haben anerkannte Autoritäten des Skilaufs ſchon oft zart angedeutet. Leider bis jetzt ohne großen Erfolg. Denn das Gros der Skiläufer fährt immer noch Kappenbindung. Alpenſkibindung. Sie iſt bekannter unter dem früheren Namen Lilienfeld⸗ bindung, den ſie nach einem Landſtädtchen in Steiermark erhalten hat, deſſen ſteile Gebirgshalden für den Erfinder dieſer Bindung, den Maler Zdarsky, die erſten Verſuchsfelder waren. Sie will, wie ihr neuerer Name auch beſagt, als Spezialbindung für ſteiles Gelände angeſehen werden. Sie iſt eine ſinnreiche, aber komplizierte Erfindung und hat mehr Schnee aufgewirbelt als alle anderen Bindungen zuſammen. Sie war der Mittelpunkt des Streites zwiſchen den Lilien⸗ feldern und den Schwarzwäldern. Noch vor wenigen Jahren gehörte eine ſehr große Selbſtändigkeit dazu, um im Schwarz⸗ wald Alpenſki zu fahren. Die Norweger Nichtung im Schwarz⸗ wald ſah einen„Lilienfelder“ früher gerade ſo an, wie die Schwarzwälder Bauern den erſten Skifahrer überhaupt: als nicht ganz normal. Jetzt iſt die Fehde geſchlichtet, und man ſteht ſich mit mehr Verſtändnis gegenüber. — 2— Die Alpenſkibindung erfordert eine beſondere Lauftechnik, die Lilienfelder Technik, über die ihr Erfinder ein ſehr tem⸗ peramentvolles, anſchauliches, aber etwas exzentriſches Buch geſchrieben hat. Die ſtarre Verlötung— wenn man ſo ſagen darf— des Fußes mit dem Brett durch eine um eine Achſe auf- und abwärts dreh⸗ bare elaſtiſche Stahlſohle, die nach der Fußlänge und Fuß⸗ breite verſtellbar iſt, verhindert ein ſeitliches Ausweichen des Fußes vollſtändig. Daher können Stürze leicht folgen⸗ ſchwer werden. Die Lilienfelder wiſſen, warum ſie nicht ſpringen. In ſteilem Gelände, wie es in Lilienfeld ge⸗ geben war, vermeidet man aber folgenſchwere Stürze am beſten durch Bogenfahren. Anſtatt die Ski gerade bergab in voller Fahrt laufen zu laſſen, laviert man den Berg in Schlangenbögen herab. Das Bogenfahren iſt aber leichter bei vollkommener Beherrſchung der Ski, die ihrerſeits durch eine ſtarre Bindung ermöglicht wird. Eine geringere Länge der Ski als die übliche iſt dem Bogenfahren gleichfalls dien⸗ lich, und ſchließlich ſind ganz ebene Laufflächen ohne die norwegiſche Längsrinne ein erheblicher Vorteil gegenüber Skiern mit Ninnen. Alle dieſe drei Merkmale hat aber der Alpenſki. Er iſt kürzer als der Telemarkſki und hat keine Rinne. Die Lilienfelder Technik des Bogenfahrens iſt alſo ohne Zweifel eine Tugend, die nur aus der Not des ſteilen Geländes und der ſtarren Bindung heraus entſtand, oder, was das gleiche beſagen will, die Nachteile der ſtarren Bindung wurden bewußt durch die Modifikation der Skiform und die Bogentechnik gemildert. Der Lilienfelder Alpenſki und ſeine Bindung ſind alſo etwas Beſonderes, aus beſonderen Ver⸗ hältniſſen herausgewachſen. Wer aber ſeine Skier einmal in voller Fahrt ſauſen laſſen will— und wen käme nicht einmal die tolle Luſt dazu an?— oder wer ſpringen will, kurz, wem die kunſtvoll geſchlängelte Fahrart als Normal⸗ ſtadium paßt, der ſoll nicht Alpenſkibindung fahren. Alteren Herren, welche ſich eine gewiſſe Vorſicht im Tempo auferlegen, iſt ſie zu empfehlen. Das Gehen in der Ebene oder bergauf, wo man den vor der Schuhſpitze hängenden Ski leicht vor ſich herſchieben kann, hat etwas überraſchend Angenehmes für ſich; noch mehr bei der Bilgeribindung, einer neueren Nach⸗ Alpenſkibindung. R. Fendrich, Der Skiläufer. Bismarckſäule und Schutzhükke im Eisſchmuck. H. Fendrich, Der Shiläufer. „Wenn der Frühling auf die Berge ſteigt“... ahmung und teilweiſen Verbeſſerung der Alpenſkibindung. Wer aber auf AÄſthetik beim Skilauf nicht nur ſieht, ſondern auch hört, dem iſt das oft ſich einſtellende Klappern des Metall⸗ mechanismus ein Greuel. Die Alpenſkibindung iſt eine Er⸗ findung, welcher Geiſt nicht abgeſprochen werden kann, die aber etwas abſonderlich Ideales, etwas Donquichotenhaftes an ſich hat. Da aber ihre Nachteile durch eine beſondere Lauftechnik, wenn auch nicht ganz, ausgeglichen ſind, ſo kann ſie nicht zu den ſchlechten Bindungen gerechnet werden. Huitfeldbindung. Sie iſt die beſte, weil ſie die ungefährlichſte iſt und trotz⸗ dem eine weitgehende Führung ermöglicht. Sie iſt einfach, ohne plump und anpaſſungsunfähig zu ſein, wie die Kappen⸗ ſohlenbindung, und erkauft andererſeits ihre feine Anpaſſungs⸗ fähigkeit nicht durch Schrauben und Metallfedern wie die Alpenſkibindung. Wenn es ſein muß, dann gibt ſie bei einem ſchweren Sturz auch ſeitlich nach. Sie iſt leichter als die beiden andern Bindungen und gewährt dem Fuß doch genügend Halt. Vor allem erlaubt ſie dem Läufer eine innigere Fühlung mit dem Brett; denn die Sohle, durch die der Fuß ſeinen Willen dem Ski mitteilt, iſt die eigene Stiefelſohle. Das wird als ein Nachteil der Bindung bezeichnet, und zwar deshalb, weil die zwei leichten, aber doch genügend ſtarken Metallbacken, zwiſchen welchen die Sohle ſteckt, auf dieſer ihren Eindruck zurücklaſſen und ſo den Sohlenrand etwas ſtrapazieren. Da aber ein Skiläufer mit ſeinen Stiefeln nichts anderes tut, als Skilaufen, allerhöchſtens Bergſteigen, aber auf keinen Fall in den Salon damit geht, ſo iſt dieſer Schön⸗ heitsfehler, der der Sohle weiter nichts ſchadet, leicht zu er⸗ tragen. Das charakteriſtiſche Merkmal der Huitfeldbindung iſt das Stemmloch, d. h. eine durch die Mitte des Skis ſeitlich laufende Durchfräſung. Von ihr geht organiſch die ganze Bindung aus. Durch das Stemmloch wird das leichte, innen mit Leder bekleidete Stück Beſſemer Stahl geſteckt, das beider⸗ ſeits aufgebogen, mit einigen Hammerſchlägen genau nach der Stiefelſohle angeſchlagen und oben herüber durch den Zehenriemen verbunden, die Backen bildet und den Fuß von der Spitze bis zur Zehenwurzel feſthält. Durch das Stemm⸗ loch geht der Riemen, der um den Abſatz führt und den Fuß in die Backen hineinpreßt. Das Stemmloch iſt der Hebel⸗ — 26— punkt, um den der ganze Ski ſich dreht, und da die Steuerung um ſo intenſiver wirkt, je tiefer ſie an einem Ski angebracht iſt, ſo iſt trotz des Mangels einer Sohle, die immer nur oben auf dem Ski befeſtigt iſt, die Führung gut. Das Stemmloch ermöglicht ſchließlich im Fall eines Bruchs der Bindung am raſcheſten die Anbringung einer ſehr guten Notbindung, wenn man nur einen langen Niemen bei ſich hat. Es gibt nun zwei Arten von Huitfeldbindung, A und B. Der weſentliche Unterſchied bezieht ſich auf das Niemenzeug. Bei der neueren Bindung, die eine Konzeſſion an die heutzutage überall geforderte Bequemlichkeit und Schnel⸗ ligkeit des Verfahrens bildet, die aber auch tatſächlich einen wirklich großen Vorteil vor der älteren hat, geht ein ſtarker, aus zwei Teilen beſtehender, doppelſeitig verſtellbarer Lederriemen vom Stemmloch aus um den Abſatz herum. Vor allem fehlt der gefährliche Riemen über den Riſt. Dagegen ermöglicht ein zweiter Riemen hinter dem Zehenriemen eine Spannung der Ferſenführung. Die letzte Spannung aber geſchieht durch eine Elleffſenſche Patentſchnalle, durch deren Anziehen der Riemen um ein bis zwei Zentimeter verkürzt wird. Iſt der Niemen einmal richtig eingeſtellt, ſo iſt er mit geöffneter Schnalle leicht über den Abſatz zu ſtreifen und ſitzt dann nach Schluß der Schnalle feſt am Fuß. Dem Abrutſchen des Riemens wird am beſten durch eine konkave Ausſchweifung des Abſatzes, die ſich bei einem richtigen Skiſtiefel gewöhnlich befindet, vorge⸗ beugt. Bei einem Sturz oder in Gefahr oder beim Springen, wenn man nach dem Sprung den Weg zum Sprunghügel ohne Skier hinaufgehen will, kommt man durch einfaches Zurückklappen der Schnalle ſofort aus der Bindung. Die Schnalle läßt ſich ſogar mit dem Stock zurückklappen, was oft recht angenehm iſt. Noch größer als bei dieſem dicken, ſtarken und durch Fettlederbeſatz ſteifge⸗ machten Riemen iſt die Möglichkeit einer Ein⸗ ſpannung des Fußes in die Backen bei der alten Huitfeldbindung A. Sie beſteht aus einem etwa zwei Meter langen, ſchmalen, fettgaren Riemen, der an einem End Huitfeldbindung B. 27— eine genähte Schlaufe hat. Er wird doppelt derart durch das Stemmloch geführt, daß auf der äußeren Seite, alſo z. B. auf der linken Seite des linken Skis, die genähte Schlaufe herauskommt, während auf der inneren Seite der doppelt durchgeführte Niemen eine natürliche Schlaufe bildet. Durch dieſe zwei Schlaufen als Haltepunkte wird der Riemen um den Abſatz zweimal geführt und dann über den Riſt hin und her geſpannt und mit einem einfachen Knoten gebunden. Dieſe Bindung iſt den feinſten Modulationen und Spannungsunterſchieden zu⸗ gänglich. Der ſchmale, aber ſehr ſtarke Riemen hat eine merk⸗ würdige Art, ſich anzuſchmiegen, ohne zu drücken, und feſt⸗ zuhalten, ohne zu ſpannen. Das Anziehen iſt leicht zu lernen, aber es braucht etwas mehr Zeit als bei der andern Bindung. Das iſt kein Anglück. AUnangenehmer iſt, daß das Ausziehen ſich umſtändlich geſtaltet, beſonders wenn es gerade preſſiert. In dringenden Fällen hilft nur das Meſſer. Da aber ſolche Situationen im Grunde doch recht ſelten ſind, ſo hat die Bin⸗ dung, die in Norwegen immer noch die verbreitetſte iſt, doch die⸗ jenigen Skiläufer zu Freunden, die von mechaniſchem Beiwerk möglichſt unabhängig ſein wollen, und denen es ein Vergnügen iſt, durch eigene Handfertigkeit ſich mit einfachen Mitteln zu helfen.. Wenn auch nicht jeder gut läuft, der eine oder die andere Huitfeldbindung hat, ſo wird man doch ſelten einen guten Läufer treffen — die Anhänger der Lilien⸗ felder Schule ausgenom⸗ men—, der eine andere als eine Huitfeldbindung fährt. Ich habe aus einer großen Anzahl von Bindungen die drei bekannteſten und in Deutſchland und öſterreich gebräuch⸗ lichſten, die gewiſſermaßen typiſche Grundformen ſind, be⸗ ſprochen. Von jeder dieſer drei Bindungen gibt es zahlreiche Varietäten. Auch Miſchungen der einzelnen Syſteme ſind gemacht worden. Als die glücklichſte wird die Elleffſen⸗ bindung bezeichnet, die eine Kombination von Backen⸗ und Sohlenbindung iſt und von tüchtigen Läufern empfohlen wird. Aus alledem geht klar hervor, welche Bindung allein ich mit gutem Gewiſſen empfehlen kann. Es iſt die Huitfeld⸗ bindung. Sie macht noch keinen zum guten Läufer und iſt Huitfeldbindung B am Stiefel. — 28— auch keine abſolute Verſicherung gegen Sehnenzerrung. Aber ſolange nichts Vollkommeneres da iſt, muß ſie als die beſte Bindung bezeichnet werden. Der Stock. Es könnte auch heißen: die Stöcke. Zwei Stöcke ſind beim Bergaufgehen eine gute Hilfe, und das Laufen in der Ebene machen ſie zu einem Genuß. Man be⸗ kommt Fahrt durch ſie. Mehr als alles andere beim Skilaufen iſt die Beantwortung der Stockfrage ab⸗ hängig vom Alter des Skiläufers. Junge Leute ſollten möglichſt ohne Stock laufen, bergauf und bergab. Dadurch bekommen ſie die Kraft des toten Stockes in ihre lebendigen Muskeln, und ſie eignen ſich jene feine Beweglichkeit und Biegſamkeit in den Hüften an, die für einen eingepichten Zweiſtöckler unerreich⸗ bar iſt. Unabhängigkeit vom Stock iſt ein ſicheres Maß des Könnens und Ver,ſtock“theit die größte Sünde ge⸗ gen den Geiſt des Skilaufs. Wem aber Schönheit und Eleganz aus Gründen der vorgerückten Seme⸗ ſter nicht mehr das höchſte Geſetz ſind, der wird an einem Stock ſtets einen guten Freund haben. Nur darf es kein Pfahl ſein wie die früher gebräuchlichen mannshohen Eſchenſtöcke. Ein ſchulterhoher, nicht a) Bambusſtock mit Aluminium⸗. teller(Sonthofes Fabrikat). zu ſchwacher Bambus oder ein gut 9 Kaniensſtos mit Neerrohi ausgeſuchter Haſel ſind das Nichtige. *) Eſchenſtab mit eiſenbeſchlage⸗ Man kann mit einem ſolchen Stock ner Spitze für Touren.— 2 auch einmal bremſen, wenn es mit den Skiern allein nicht geht. Wenn man ihn abwechſelnd links und rechts benützt, ſo bleibt man auch ſein Herr und wird nicht abhängig von ihm. Das Wiegen in den Hüften, das durch andauernde Benützung von zwei Stöcken ganz auf⸗ gehoben wird, und ohne welches die„Balancierkunſt“ des Ski⸗ läufers zu einer gewöhnlichen ſteifen Stockrutſcherei wird, iſt auch für ältere Leute mit einem Stock noch zu erlernen. Nur darf der Stock nicht mit beiden Händen ſchief vor den Körper gehalten werden, ſondern immer nur mit einer Hand mög⸗ lichſt ſenkrecht. Hat man eine Vorliebe für zwei Stöcke, was eigentlich nur das Vorrecht vorgeſchrittener Läufer ſein ſoll, ſo ſchleife man dieſe an den um das Handgelenk gewickelten Schlaufen nach oder trage ſie in den Händen, bis ihre Benutzung wirklich nötig wird. Ein Stockpaar iſt beſſer etwas kürzer als ein einzelner Stock. Es ſoll nur etwa bis zur Bruſt reichen. Man kann dann beim Bergaufgehen den einen Stock neben dem unteren Fuß wie einen Spazierſtock in den Schnee ſtoßen und ſich daran empordrücken, was eine ſehr angenehme Art der Hilfe iſt, beſonders wenn der Stock am oberen Teil gut abgerundet und geglättet iſt. Aber auf ſolche und viele andere Kleinigkeiten und Vorteile ſoll der Skiläufer mit der Zeit ſelbſt kommen. Es macht ihm dann auch mehr Ver⸗ gnügen. Ein Skibuch ſoll zum Skilaufen nur anregen und anleiten und auch dem Leſer und Läufer manches überlaſſen. Beſonders gute Gelegenheit zum Selbſtdenken geben die Schneeteller, die das Einſinken des Stockes in tiefem Schnee verhindern ſollen. So, wie ſie aus der Fabrik kommen, ſind ſie nicht alle tadellos. Mit fettgaren Lederriemen oder ver— zinntem Eiſendraht eine Schneeſcheibe aus Meerrohr, Hart⸗ gummi oder Aluminium ſo zu befeſtigen, daß ſie gut hält und doch nicht ſteif iſt, ſondern auch beim Schiefhalten des Stockes, wie es z3. B. beim Fortſtoßen in raſchem Lauf in der Ebene geſchieht, doch immer horizontal auf dem Schnee zu liegen kommt, das iſt eine nützliche und unter⸗ haltende Beſchäftigung für einen langweiligen Winterabend. Die Kleidung. Wenn man eine Zeitlang Ski gelaufen iſt, dann ver⸗ ſpürt man die Notwendigkeit, ſich in ſeiner Kleidung dem Schnee ganz anzupaſſen. Aber auch das ſollte erſt allmäh⸗ lich aus einem lebendigen Bedürfnis herauswachſen. Wer Skilaufen lernen will und zuerſt zum Schneider— Damen ſind ausgenommen— läuſt, an dem wird unſere Winterkunſt wohl keinen großen Jünger finden. Man behelfe ſich zuerſt mit dem, was man hat, mache in aller Ordnung ſeine ſchlechten Erfahrungen und richte ſich ſtückweiſe anders ein. Wer ſo im Lauf der Jahre nach und nach zu einer ganzen Skiaus⸗ rüſtung kommt, dem macht ſie mehr Vergnügen, als wenn er ſich nach einem Katalog oder einem Buch gleich alles bis in die letzten Details hinein kauft— ſo man kann. Das Beſte iſt wohl ein ſogenannter Norwegeranzug. Wer auch noch auf anderes als auf Zweckmäßigkeit ſieht, „der frage nur bei edeln Frauen an“. Der norwegiſche Ski⸗ anzug iſt elegant und vor allem männlich. Herren, beſonders ältere, mit den jetzt ſo beliebten weißen Sweatern über des Bauches Nundung und womöglich einem rotgeſtrickten Mono⸗ gramm auf der Bruſt, können vortreffliche Menſchen ſein, aber ein Urbild ſchlichter, kernhafter Männlichkeit ſind ſie gerade nicht. Sweater haben außerdem, wie alle wollgeſtrickten Klei⸗ dungsſtücke, die unangenehme Eigentümlichkeit, beim Fallen möglichſt viel Schnee aufzunehmen und feſtzuhalten. Auch ohne die nicht nur für Anfänger häufige intime Berührung mit dem Schnee ſetzt der Sweater bei großer Kälte an den Woll⸗ haaren die ausgedünſtete Körperfeuchtigkeit in Geſtalt von Neif an. Bei geringer Kälte iſt aber der Sweater zu warm. Er gehört eben in den Ruckſack und wird nur beim Aus⸗ ruhen als Schutz gegen Erkältung, beim Abkochen auf Touren oder ähnlichen Gelegenheiten unter den Nock angezogen. Den Hauptfehler machen die meiſten durch Anziehen von zu warmer Kleidung, und beſonders erſchweren in dieſer Be⸗ ziehung ſorgſame Mütter ihren Söhnen unnötigerweiſe das Leben. Das Skilaufen iſt eine ſo viel Körperwärme er⸗ zeugende Bewegung, daß man außer einer dickeren Unter⸗ kleidung kaum wärmere Stoffe als für Gebirgstouren im Sommer nötig hat. Mit Entſetzen werden manche Eltern ver⸗ nehmen, daß ihre Buben bei Wettläufen nur in Hoſen und Hemd, ſogar ohne Mütze Ski laufen. Und es ſchadet ihnen nichts, wenn ſie nach der Ankunft am Start ſofort die Wärme aufſuchen. Das Wichtigſte bei einem Skianzug iſt der Stoff. Er ſoll dicht gewoben, nicht zu leicht und nicht zu ſchwer und vor allem ganz glatt ſein, ſo daß der Schnee von ihm abfällt, ohne an Wollhaaren einen Halt zu finden. Ein gutes Diagonal⸗ kammgarn, das ſich auch leicht dehnt, iſt ſehr empfehlenswert, auch gutes dunkles Tuch. Der Vock gleiche im Schnitt dem unſerer Militärlitewkas. Gar keine äußeren Taſchen oder wenigſtens feſt verſchließbare. Obwohl es für den Schnee weit geeignetere Plätze gibt, als die Kleidertaſchen, ſo ſucht 31— er dieſe doch mit einer geradezu unerklärlichen Vorliebe auf. Die Beinkleider ſollen nicht gar zu eng geſchnitten ſein und werden wie Reithoſen mit einem Steg unter dem Fuß in den Stiefeln getragen. Ein ſchmales Band, das oft bunt gewoben iſt und etwas Farbe in den ſonſt etwas düſtern Anzug bringt, ſchließt den Übergang von Stiefel und Hoſe. Als Kopfbedeckung iſt die Norwegermütze, die über die Ohren geklappt werden kann, die geeignetſte. Sie hält genügend warm, ohne die Unannehmlichkeiten der dicken, ſchweren Woll⸗ mützen zu haben. Für die Hände ſind dicke, lange Stulpen⸗ handſchuhe nötig. Wolle iſt gut, trocknet aber ſchwer. Segel⸗ tuch oder Leder mit Pelzfütterung hält trockener und wärmer. Lederweſten zum Schutz gegen Wind und Kälte ſind ganz gut, aber wer ſtark zum Schwitzen neigt, wird ſie nicht lange haben. Genügend viel Wäſche und häufiger Wäſche⸗ wechſel empfiehlt ſich mehr. In allen dieſen Dingen kann man zu⸗ und abgeben, und Qualitätsunterſchiede machen ſich nicht ſo ſehr geltend. Aber für die Fußbekleidung, ſpeziell für den Stieſel, gibt es nur eines: Primawarel Sowohl was die Qualität des Leders als auch was die Form betrifft. Ohne einen wirklich guten, nur zum Schneeſchuhlaufen gebauten Stiefel bringt das Skilaufen nur die Unannehmlichkeit eines längeren, kalten Fußbades mit ſich, und mit ungeeignetem Schuhzeug kann man ſich die Füße erfrieren, wo andere fröhlich und guten Mutes dahingleiten. Am beſten ſind maßgemachte, von einem Spezialiſten angefertigte Schuhe. Fabrikware iſt nicht viel wert und koſtet faſt geradeſo viel. Von der Maſchine genähte Schuhe ſind ſchon deswegen nicht ſo waſſerdicht, weil die Maſchine bei der Verbindung von Oberleder und Sohle keine ſo enge Nähte machen kann, wie der Schuhmacher mit Ahle und Pechdraht. Der Schuh muß eine von der Spitze bis zur Ferſe durchgehende, ſtarke und überall vor⸗ tretende Sohle haben, ſonſt gehorchen die Skier nicht. Eine Verſtärkung der Spitze durch eine Kappe, welche die Zehen vor zu ſtarkem Druck ſchützt, kann nicht genug empfohlen wer⸗ den. Das iſt der Vorteil der ſogenannten Lauparſchuhe, deren Aufbiegung an der Spitze urſprünglich den Zweck hatte, den nur mit einem Zehenbügel befeſtigten Ski nicht abrutſchen zu laſſen. Man kann aber auch die gewöhnliche Schuh⸗ form an den Zehen ſo verſteifen, daß der Zehriemen nicht drückt. Der Stiefel muß ſo weit ſein, daß man mit zwei Paar wollenen Strümpfen die Zehen noch gut bewegen kann. Zuſammengedrückte Zehen, in denen das Blut nicht mehr zirkuliert, eignen ſich vorzüglich zum Erfrieren. Ein Paar dünne Woll⸗ und Seidenſocken mit Ziegenhaarſtrümpfen dar⸗ über, welche die Feuchtigkeit, die auch von innen oder außen in den beſten Stiefel kommt, aufnehmen und ſo den Fuß trocken halten, ſind außerordentlich zweckmäßig. Das beſte Leder für Schneeſchuhſtiefel iſt Kalbsleder von nicht zu jungen Tieren. Kälber, die unter ſechs Wochen alt ſind, haben zu dünne Haut. Leder von Stierkälbern taugt auch nichts. Fett⸗ leder iſt Kalbsleder, deſſen Poren in flüſſigwarmem Fett ſich vollgeſogen haben. Es wird dadurch geſchmeidiger und waſſerdicht. Von Stiefeln mit innerem Pelzbeſatz rate ich ab, es ſei denn, daß es ſich um lohgegerbtes, ſehr kurzhaariges Hundsfell handelt. Sie ſind ſehr warm, aber man muß deren mindeſtens zwei Paar haben, weil der innere, naß ge⸗ wordene Pelzbeſatz wenigſtens einen Tag braucht, um gut zu trocknen. Kalbsfell oder Schaffell iſt gewöhnlich nur kurze Zeit mit Alaun gegerbt und ſofort feucht. Leute, die ſtark an den Füßen ſchwitzen, tun überhaupt beſſer, Schuhe mit Fellfütterung zu meiden. Die Abſätze ſollen ſo geſchweift ſein, daß der Ferſenriemen ohne alle andern Hilfsmittel(wie Schrauben oder angenähte Schlaufen) hält. Leichte Nägel in den Sohlen ſind nötig. Auf Eis, wo man die Skier ablegen muß, ſind glatte Sohlen ſehr mißlich. Jedenfalls ſcheue man bei der Auswahl von Stiefeln und Strümpfen weder Zeit noch Geld, um das Allerbeſte zu bekommen. Der Schuh iſt noch wichtiger als der Ski. In der Damenkleidung tritt der Zug nach einer größt⸗ möglichen Vereinfachung immer ſtärker hervor. Auch das iſt norwegiſcher Einfluß, obwohl eine Dame, die in Hoſen fährt, in Norwegen aus Gründen des nationalen Geſchmacks un⸗ möglich wäre. Und doch ſieht die vollkommen ſchmuckloſe Be⸗ kleidung der Damen mit einfacher Jacke, unter der eine Bluſe getragen wird, und ebenſo einfacher Hoſe, die bis über die Knie reicht, nicht Pluderhoſe oder Pumphoſe iſt, und in dunkeln Wickelgamaſchen ihren Abſchluß findet, ſehr gut aus. So äſthetiſch vornehm und alle ſchlechten Scherze im Ent⸗ ſtehen verhindernd dieſe neueſte Schneeſchuhbekleidung bei jüngeren Damen iſt, ſo wenig erfreulich, ja faſt gewöhnlich iſt der Anblick, wenn Damen weite Pumphoſen tragen und darüber, ſo gewiſſermaßen ſchandenhalber, ein kurzes, bis M. Fendrich, Der Skiläufer. Tawine am Feldberg. R. Jendrich, Der Shiläufer. DBerglühender Abend (Feldbergkurm). — 33— ans Knie reichendes Nöckchen. Das ſind die Balletteuſen des Schneeſchuhs, wenigſtens im Anzug. Wenn man ſie auf Skiern ſieht, ſind ſie gewöhnlich nichts weniger als balletteuſen⸗ haft. Dann noch lieber einen ſtark fußfreien Nock. Er iſt auch für Damen angezeigt, deren Körperlinien ein Verbergen mehr als ein Betonen ratſam erſcheinen laſſen. Auch über ein gewiſſes Alter hinaus wirkt die Hoſenkleidung bei Damen auf keinen Fall verjüngend. Doch das alles ſind Dinge des Gefühls und des perſönlichen Geſchmacks. Wer dem Prak⸗ tiſchen unter allen Umſtänden den Vorzug gibt— und Hoſen ſind am praktiſchſten zum Skilaufen, der muß damit rechnen, daß, wenn die ÄAſthetik zu kurz kommt, die Leute dar⸗ über nicht ſchweigen. Auch jüngeren Damen empfiehlt es ſich aber unter allen Umſtänden, die Hüftenlinie im Anzug zu verdecken. Eine mit einem Ledergürtel ſtark geſchnürte Dame ohne Jacke und mit weiter Pluderhoſe ſieht außer— ordentlich unangezogen aus. Im übrigen machen auch beim Skilaufen Kleider Leute allerdings nur ſo lange, als dieſe nicht auf den Skiern ſtehn. Der NRuckſack. Das unangenehmſte am Ruckſack iſt, daß man ihn tragen muß. Es ſind dieſer Eigenſchaft wegen ſchon ungezählte Flüche über ihn niedergegangen; aber wenn ein Vaſtplatz kommt und man in ſeinem Innern die angenehmſten Dinge ent⸗ deckt, dann vergibt man es ihm leicht, daß er einen ſo gedrückt hat. Nichts aber iſt ſchlimmer, als wenn man ſeinen ſchweren Ruckſack aufmacht und gerade diejenige Kleinigkeit nicht findet, die man im Augenblick braucht, 3. B. einen Riemen bei einem Bindungsbruch, oder Skiwachs, wenn der Schnee klebt und man gerade gern abfahren möchte, oder Zündhölzchen, wenn man ſich gerade gern eine Taſſe Tee gebraut hätte. Der Ruckſack muß alſo alles enthalten, was man auf Touren, wenn auch nicht ſicher, braucht, doch vielleicht ſehr nötig haben ſollte. Und er darf nichts enthalten, was ihn unnötig beſchwert. Was man alles braucht, das hängt auch ſtark von unſeren Bedürfniſſen, der Länge der Tour, dem Grad der Abhärtung gegen Wind und Wetter, und der Fähigkeit, Hunger und Durſt zu ertragen, ab. Aber eine Liſte des eiſernen Beſtands gibt es doch. Das ſind zunächſt: zwei lange Fettlederriemen und Reparaturzeug(worüber Seite 89); ſodann einige Binden und etwas Watte als Verbandszeug; Sicher— 3 Fendrich, Skiläufer. 3 — 3— heitsnadeln; ein großes Halstuch; ein Sweater; etwas Schnur; lederne Schuhneſtel; ein Paar Reſervehandſchuhe; zwei Paar Socken; Laterne, Kerze und Zündhölzer, worunter auch Sturmſtreichhölzer; Salizyltalg gegen Wundlaufen; ein Schmiermittel für die Skier; Proviant; Schneebrille; Kompaß und Karte. Ruckſäcke mit breiten Riemen drücken weniger als ſolche mit ſchmalen. Iſt der Inhalt des Ruckſacks in einzelne Beutel, womöglich aus waſſerdichtem Stoff, verſtaut, ſo findet man ſich eher zurecht. Außerdem bleiben die Sachen trockener, denn auch waſſerdichte Ruckſäcke ſind nicht ganz dicht gegen die Feuchtigkeit des Nebels oder die jagenden Schauer eines Schneeſturms. Der Schnee. Er iſt den meiſten Skiläufern eine ſo ſelbſtverſtändliche Sache, daß man weiter nicht über ihn redet, höchſtens wenn er ausbleibt oder wenn er„pappt“. Im erſten Falle werden die Barometer faſt zuſchanden geklopft, und im letzten rückt man den armen Stkiern, die doch gar nichts dafür können, mit Wachs, Paraffin und ſonſtigen Schmiermitteln aus Büchſen oder Tuben auf den Leib, daß es ihnen ganz bang wird. Aber ſonſt iſt der Schnee eben nichts als der Schnee. Er iſt aber mehr. Er iſt ein Wunder, ein weißes Wun⸗ der, das vom Himmel fällt. Unſere Augen ſind zu grob ge— baut, um das Wunderbare an ihm gleich zu ſehen. Aber ſchon vor hundert Jahren hat Scoresby, der Erforſcher der arktiſchen Zonen, hundert verſchiedene Formen von Schnee⸗ kriſtallen entdeckt und abgebildet. Wie in der Zellenanord⸗ nung des niederen organiſchen Lebens eine unerſchöpfliche Muſterkarte der köſtlichſten Spitzenvorlagen enthalten iſt, gegen die die feinſten flandriſchen Spitzen grobes Machwerk ſind, ſo liegt eine Fülle zarteſter architektoniſcher Geheimniſſe in den zahlloſen Kriſtalliſationsformen der Schneeflocken ver⸗ borgen. Nur ein Grundgeſetz gilt für alle. Das iſt die Zahl ſechs. Sechseckig ſind die Sternchen, die Säulen, die Pyra— miden, die Blättchen, die Spieße, die Prismen. Manche haben einen kugeligen, mit Stacheln beſetzten Kern, ſo daß ſie einem kleinen, weißen Igelchen gleichen; andere haben auf einer ſechsſeitigen Scheibe ein Bukett zahlloſer kleiner Fäden und Spieße, ſo daß man meint, irgendeinen himmliſchen Korb⸗ blütler vor ſich zu haben; und wieder andere gleichen aufs Haar einem Miniaturordensſtern, von denen ſich mancher einen in größerer Ausgabe auch von oben her ins Knopfloch wünſcht, anſtatt nur als weißen, ſchmelzenden Zierat auf dem dunkeln Ärmel. Aber nicht nur ſchön ſind ſie, die duftigen Winterblumen der Lüfte; ſie reden auch ihre eigene Sprache. Sie erzählen dem Forſcher faſt ſo zuverläſſig wie ein Negiſtrierballon von den warmen und kalten Luftregionen, die ſie durchreiſen, und an ihren Formen laſſen ſich ihre kleinen Schickſale leſen, wie oft ſie unterwegs geſchmolzen und wieder kriſtalli⸗ ſiert ſind. Wenn dieſe zarten Eisblüten in Trillionen von Myriaden ſich herabſenken auf die Erde, dann bilden ſie zuerſt jene dünnen, weißen Teppiche, die ſanft über die Hügel und Hänge gebreitet ſind; ſchneit es weiter, dann legen ſich die weichen, luftigen Flaumkiſſen, die zu drei Viertel Luft und nur zu einem Viertel feine Eisdaunen ſind, über die Berge; und wenn es noch mehr wird, dann entweicht auch durch den zu⸗ nehmenden Druck langſam alle Luft aus dem Kiſſen, und es entſtehen jene kompakten, dicken Matratzen, von denen fünfzehn Zentner auf den Kubikmeter gehen. Oder ſchließlich, wenn die Sonne mit dem großen Wintervorrat nicht fertig wird, dann wächſt das glasharte, blaue Gletſchereis. Alle dieſe Stadien kennt der Skiläufer, der nicht nur mit den Beinen, ſondern auch mit den Augen läuft, und er kennt noch einige Dutzend Variationen davon. So den Pulverſchnee, der über Nacht wieder alles neu macht, den Pappſchnee, der nicht trocken und nicht naß genug und der Feind aller An⸗ fänger iſt; den körnigen Schnee, der auch große Anhänglich⸗ keit an die Skier an den Tag legt; den ſteinharten Bretter⸗ ſchnee, der aber noch eben iſt und dazu ſo anſtändig, zu tragen; oder ſeinen falſchen Bruder, den verkruſteten Schnee, der zwar auch trägt, aber gewöhnlich gerade dann durchbricht, wenn man einen Kriſtiania machen will, was auf hartem Schnee ja ſo gut geht; oder den Schneeharſch, der, durch den Sturm be⸗ arbeitet, in ſchönen Kurvenlinien blätterartig übereinander liegt wie Muſchelkalk; oder den Hunderttauſendtaler-⸗Schnee, deſſen flache, runde Eisſchuppen raſſeln wie eitel Silber und Gold; oder den Harſch mit vereiſten, kleinen Hügeln dazwiſchen, auf denen die Skier nur ſo klappern; oder jenen Schnee auf ſtürmiſchen Kuppen, für den es im Deutſchen keinen Namen gibt, der ſich aber zu Stürzen am wenigſten eignet, weil man ſich an ſeinen ſcharfen, aufrechtſtehenden Zacken und Eismeſſern die Hände durch die Handſchuhe hindurch zerreißt; oder den ſchweren, mehligen Schnee, in dem das„Spuren“ ein ſo geringes Vergnügen iſt, daß man immer gerne andern den Vortritt läßt; oder den leichten, ausgelaugten Schnee, den man dann und wann im Frühling trifft, und in den man einſinkt bis an die Knie, ohne daß das Vorwärtskommen weſentlich gehindert iſt; oder aber ſchließlich, wenn die Früh⸗ lingsſonne heiß auf tiefen, geſetzten Altſchnee ſcheint, jene ſalzige Maſſe, auf der die Skier laufen wie toll, und auf der es überflüſſig iſt, zweimal zu fallen, weil man beim erſtenmal ſchon ganz patſchnaß wird. Wer aber den Hochgenuß der Hochgenüſſe im Schnee kennen lernen will, dem iſt zu wünſchen: auf naſſem Alt⸗ ſchnee eine dünne Schicht neuen Pulverſchnee, beides gut zuſammengefroren und als non plus ultra ein feiner Hauch von glitzerndem Rauhreif darüber. Wer dann nicht zufrieden iſt, der iſt für das Skilaufen hoffnungslos verloren. „Es pappt“. Wenn man gebildet ſein will, ſagt man:„Es klebt. Das Pappen iſt die Kinderkrankheit des Schneeſchuhlaufens. Die betrübten, ärgerlichen Geſichter der Leute, die am Morgen draußen auf den Schneeſchuhen vor dem Hotel ſtehen und einander in ſichtlicher Verſtimmung mitteilen, daß es klebe, erinnern an das Kind in dem bekannten Gedicht im Lehrbuch für das zweite Volksſchuljahr:„Feder, warum ſchreibſt du nicht ſchön bei mir?“ Sie ſind alle überzeugt, daß es nur am Schnee liegen kann, und halten es faſt für eine Ungehörigkeit, wenn trotz des klebenden Schnees ein Läufer mit fröhlichem Geſicht an ihnen vorübergleitet.„Was die Menſchen nur machen?“ ſagt dann wohl eine Dame, der doch Zweifel an ſich ſelbſt aufgeſtiegen ſind, und halb indigniert, halb neidiſch ſieht ſie dem flott Davonſegelnden nach. Es iſt nicht ſchwer zu lernen,„was die Menſchen nur machen“. Nur muß man es auch wirklich tun. Am beſten ſelbſt. Wer z. B. eine Vorliebe dafür hat, jedesmal einen Hotelbedienſteten zum Anſchnallen der Schneeſchuhe herausholen zu laſſen, bei dem wird es wohl häufig kleben. Das erſte iſt, daß man ſeine Skier fett macht. Fett und Feuchtigkeit ſtellen ſich nicht gut zueinander. Das Kleben iſt aber nur eine Folge davon, daß Feuchtigkeit ſich auf der Unterſeite der Skier bildet und dann raſch gefriert. An dieſer dünnen Eisfläche hängt ſich dann der Schnee an. Dieſer Vorgang vollzieht ſich natürlich noch leichter, wenn die Feuch⸗ tigkeit in das Holz dringen kann und die äußerſte Schichte des Holzes in ſeiner Struktur ſelbſt gefriert. Das muß vor allem verhindert werden. Es geſchieht am wirkſamſten da⸗ durch, daß man dem Holz ſo viel Leinöl, mit Petroleum ge⸗ miſcht, etwa im Verhältnis von zwei zu eins, zu trinken gibt, als es nur ſchlucken kann. Erwärmtes Holz nimmt mehr auf als kaltes. Bei Winteranfang und auch zwiſchenhinein muß das öſter gemacht werden. Man trägt das Öl auf die auf zwei Stühlen horizontal gelegten Skier auf und zieht nach einigen Stunden das nicht in die Poren gedrungene, oben in kleinen Erhebungen getrocknete Hl mit einem Stück Glas oder einer Stahlziehklinge leicht ab, bevor man die nächſte Doſis verabreicht. Derartig präparierte Skier kleben ſelten, wenn man noch das Folgende beachtet. Sind die Skier wärmer als der Schnee, ſo bildet ſich dadurch, daß der Schnee an dem wärmeren Holz ſchmilzt, ſofort eine Eisſchicht, und das„Pappen“ fängt an. Wer alſo ſeine Skier direkt aus dem Hauſe heraus anzieht, kann ziem⸗ lich ſicher ſein, daß es„nicht rutſcht“. Deshalb müſſen die Skier immer zuerſt kalt geſtellt werden. Sehr häufig, viel⸗ leicht meiſtens, pappt es aber auch, weil manche Skiläufer ihre Skier nicht auf dem Schnee laſſen, ſondern mit jedem Schritt das Gleitholz wie einen Schneereifen in die Höhe heben. Man ſoll aber gleiten, nicht ſchreiten. Der Tem⸗ peraturunterſchied zwiſchen Schnee und der darüber beſind⸗ lichen Luft beträgt, beſonders um den Nullpunkt herum, oft 1— 1 ½ Grad, die dann genügen, um bei fortwährendem Heben Feuchtigkeit an der Gleitfläche entſtehen zu laſſen. Außerdem verhindert das Gleiten das Anhängen von Schnee dadurch, daß es eine ſchon beſtehende Eisſchicht von dem fetten Holz leicht wegſchleift. Eine ähnliche, noch ſtärkere Wirkung wie Leinöl hat eine Miſchung von Holzteer und Unſchlitt, die zu gleichen Teilen mit einer Lötlampe mehrmals eingebrannt wird. Das iſt das beſte Mittel der Norweger gegen das Pappen. Es hat den Vorteil, daß es faſt den ganzen Winter über vorhält und auch das Bergaufgehen nicht erſchwert. Hat man ſeine Skier mit Skiwachs zu glatt gemacht, ſo daß man zurückrutſcht, fo iſt es beſſer, ſich eine Zeitlang mit Treppenſchritten den Berg hinaufzuarbeiten, als gleich zum Meſſer zu greifen und das Wachs abzukratzen. Der Schnee beſorgt die Korrektur des Zuviel viel gleichmäßiger. Den einen Nachteil haben alle fertigen Schmiermittel, ſei es feſtes Skiwachs oder flüſſiges, die nur auf das Holz leicht aufgetragen und dann mit einem Lappen verteilt und poliert werden: ſie halten alle nicht lange, beſonders flüſſiges Ski⸗ wachs iſt oft ſchon nach einer halben Stunde abgeſchliffen. Aber hier und da muß man auch zu dieſem Mittel greifen. Doch ſollte man es nur tun, wenn es anders nicht mehr geht. Es gibt aber auch Schnee, gegen den alle Künſte faſt ver⸗ gebens ſind. Auch bei ſtarker Kälte iſt Kleben möglich, nicht gerade ſo, daß die Skier alle paar Minuten um einige Pfund Schnee ſchwerer werden, aber doch ſo, daß es eben nicht recht läuft. In dieſem Falle muß man ſich mit Sverdrup tröſten, der in ſeinem„Neuland“ erzählt, er kenne Hunderte von Schneearten, aber könne auch jetzt noch nicht mit Beſtimmt⸗ heit ſagen, wann der Schnee klebt und wann nicht, und wie man ſich in beſonders ſchwierigen Klebſituationen helfen ſoll. Man kann es auch oft erleben, daß bei einer Abfahrt trotz liebevollſter Behandlung unſerer Hölzer einem ein guter Freund vor der Naſe wegläuft mit immer größer werdendem Abſtand, ohne daß man dahinter kommt, was nun eigentlich ſchuld daran war. Wie man Skilaufen lernt. Das Skilaufen iſt keine ſo vorausſetzungsloſe Kunſt. Wer erſt in ſpäteren Jahren damit anfängt, ſo direkt aus Stube und Stadt heraus, der darf ſich nicht wundern, wenn es am Anfang nur ſehr mit Ach und Krach geht. Denn er muß beim Aben das erſt lernen, was er eigentlich ſchon können ſollte, nämlich Balance.„Das Skilaufen iſt eine Balancierkunſt.“ (Huitfeld.) Wie der Geiger ein loſes Handgelenk haben muß, ſo ſoll der Skiläufer loſe in den Hüften ſein. In den Hüften findet die Verlegung des Gewichtes nach rechts und links, vorn und hinten ſtatt und die Wiederherſtellung des geſtörten Gleichgewichts. Die meiſten Menſchen ſind ſich ſelbſt ein ſo unbekannter Erdenkloß, daß ſie die Bewegungsgeſetze ihres eigenen Körpers und ihre Hauptſcharniere gar nicht kennen. Man kann aber nicht verlangen, daß die durch Jahre und Jahrzehnte vernachläſſigte Hüften⸗ und Bauchmuskulatur nun 39— auf einmal richtig funktioniert, wenn man nur auf Skiern ſteht. Alſo: zu Hauſe im Zimmer, beſonders nach dem Auf⸗ ſtehen, etwas Hüften- und Rumpfbeugen und ⸗drehen. Nach der Balance iſt die Federung des Körpers das Wichtigſte. Sie liegt in den Knien noch mehr als in den Fußſohlen. Es gibt in der ganzen Kunſt des Skilaufs keine einzige Stellung, wo die Knie ganz geſtreckt ſind, außer beim Springen, ſolange man nur Luft unter den Füßen hat. Sonſt ſind die Knie immer leicht gebeugt. Alles dies gilt natürlich nicht für Kinder und ganz junge Leute. Sie brauchen keine Theorie und keine Vorübung, ſon⸗ dern ſie ſehen das Skilaufen den andern einfach ab und machen es nach. Ihr Körper iſt noch geſchmeidig und gelenkig genug. Sie bringen einen Telemarkſchwung fertig, ohne ſich darüber klar zu ſein, wie ſie es machen. Der ältere, in ſeinen Muskeln und Gelenken ſteif gewordene Kulturmenſch aber muß ſich zuerſt die Theorie einpauken, damit das Gehirn die Muskeln, einen nach dem andern, kommandieren kann. Er kann lange ſchon ſehr vieles ſehr gut„in der Theorie“, aber auf dem Schnee gehorcht der roſtig gewordene Apparat nicht mehr recht, und ein mehr oder minder langes Schnee⸗ bad bringt ihm den Unterſchied zwiſchen Theorie und Praxis zu erfriſchendem Bewußtſein. Auf der andern Seite muß aber auch geſagt werden, daß bei einiger Ausdauer und einiger Vorſicht, die ſich beſonders in einer dem Können oder Nichtkönnen angepaßten Auswahl der üÜbungshänge und in der Vermeidung zu ſchwieriger Aufgaben zeigt, auch Leute, die längſt über das Schwabenalter hinaus ſind, noch ſo Ski⸗ laufen lernen können, daß es ihnen eine Quelle des Genuſſes wird. Ich kenne einen ältern Herrn, einen ſtarken Fünfziger, der ſelten einen Sonntag im Winter vergehen läßt, ohne irgendwo auf der Höhe ſeine kleinen, vorſichtigen Abfahrten zu machen,„um wieder ein bißchen Lebensfreude zu bekommen“. Und ich kenne einen Siebziger, der mit ſechzig Jahren das Skilaufen angefangen hat und es jetzt noch öfters ganz fröh⸗ lich bergablaufen läßt,„weil man halt wieder ein biſſel jünger dabei wird“. Das Abfahren iſt es, um deſſentwillen der Skilauf aus einem Verkehrsmittel überhaupt erſt ein Sport, d. h. eine genußreiche Körperübung geworden iſt. Was tut der Menſch nicht alles um einer — 20— feinen Abfahrt willen? Steigen, mühſam ſteigen, ſchaffen und ſchinden, Schneeſtampfen und ſchwitzen. Noch mehr als ſonſt beim Bergaufgehen werden wir uns unſers ganzen Ge⸗ wichts bewußt, wenn wir uns langſam, mit fünf Kilo Holz an den Füßen, aufwärts bewegen. Aber bergab, da wird man ein anderer. Alle Erdenſchwere iſt dahin. Weg iſt das armſelige Schrittmachen, mit dem man jedesmal gerade um einen halben Meter voran kommt. Aufrecht, mehr auf dem Vorderfuß als auf der Ferſe ruhend, mit leichtgebeugten Knien, hohlem Kreuz und er⸗ hobenem Kopf ſteht man da, die Hände auf dem KRücken. — 8 Da fängt es an zu laufen. Von 1 ſelbſt. Nicht du läufſt. Es läuft. S Du aber ſtehſt. Er„ſteht gut“, — ſagen die Nor⸗ weger von ei⸗ nem, der fein abfährt. Kein Muskel iſt ſtraff geſpannt, aber alle ſpielen in leiſer Tätigkeit. So gleiteſt du immer raſcher hinab, der Luftzug fängt an, dir um die Ohren zu pfeifen, und die Zipfel deines Hals⸗ tuchs knattern im Winde. Ein unendliches Frohgefühl überkommt dich. Iſt es, weil du es als Wonne emp⸗ findeſt, ſo über den Schnee ſanft hinzugleiten, oder weil du ſtolz darauf biſt, im immer raſcheren Dahinſchießen lächelnd dein kühles Blut zu bewahren, wie ein halber Gott? Aber ich wollte ja nicht ſagen, wie es iſt, wenn man es kann, ſondern was man tun muß, wenn man es nicht kann. Wo Ski gelaufen wird, da gibt es üÜbungsplätze. Da gehe man hin. Der Schnee iſt dort meiſt geſetzt und feſt— getreten. Das Anfangen in tiefem, loſem Neuſchnee erſchwert das Lernen. Alſo: du biſt oben am Hang. Haſt du Stöcke? Lege ſie Abfahrt. M. Fendrich, Der Skiläufer. — E Vor dem Dorf. R. Fendrich, Der Shiläufer. Die Sonne im Wwinterwald. weg! Haſt du Furcht? Habe keine! Stelle einen Fuß um halbe Fußlänge vor den andern, ſo daß die Bindung dich nicht darin geniert, wenn du die Bretter feſt aneinander halten willſt, und daß du kleine Anebenheiten zuerſt mit dem vor⸗ geführten Ski„parieren“ kannſt. Ah, es geht ſchon los, von ſelber. Nur keine Angſt! Die Skier wollen dir auseinander⸗ laufen? Das dürfen ſie nicht. Drücke die Knie aneinander! Die Skier wollen immer noch jeder ſeinen eigenen Weg gehen? Preſſe die Knie feſt aneinander! Siehſt du, jetzt gehorchen ſie. Ach, nun geht es dir zu ſchnell? Das iſt nur die Angſt vor dem Fallen, die dich das glauben läßt. Lehne dich nicht zurück, wie vor einem drohenden Unheil, aber bücke dich auch nicht nur mit dem Oberkörper nach vorne! Stelle dich leicht und gerade auf die Fußſpitzen, dem Ab⸗ hang zut Die Skier haben kein Recht, ſchneller zu laufen als du. Lehne dich ſo nach vorne, daß du in einer geraden Linie ſenkrecht über ihnen ſtehſt, dann werden ihnen die Poſſen vergehen. Aber nicht ſenkrecht in der Luft, ſondern ſenkrecht zu der Oberfläche der Skier. So kommſt du auf alle Fälle mit, ſie mögen laufen, ſo ſchnell ſie wollen. Du fürchteſt nun, auf die Seite zu fallen? Balanciere mit den Armen! Sie ſind u. a. dazu da. Aber ſtrecke ſie nicht verzweifelt zum Himmel! Er hilft dir in dieſem Falle nicht. Nun geht es ja wieder.... Plumps! da liegſt du. Weshalb du gefallen biſt, möchteſt du wiſſen? Du biſt gar nicht gefallen. Du haſt dich einfach freiwillig nach hinten abgeſetzt. Ich dachte, du wollteſt ein bißchen ausruhen unterwegs. Nein, das war nicht deine Abſicht? Dann bleibt nur eines übrig: die Angſt! Weder ſchlechter Schnee noch mangelhafte Bindungen noch irgend etwas anderes bringen den Menſchen ſo oft zu Fall, wie die Angſt; ſeltſamerweiſe die Angſt vor dem, was gerade am ſchönſten beim Skilaufen iſt, vor der raſchen Fahrt. Du haſt dabei die kühle Selbſtbeherrſchung verloren, haſt dir von deiner Phantaſie vormachen laſſen, du werdeſt jetzt fallen und biſt infolgedeſſen auch wirklich gefallen. Gelehrt heißt das: Autoſuggeſtion. Nötig war es nicht. Aber jetzt heißt es zunächſt einmal Aufſtehen. Jüngling, der du irgendwo an einem Hang eine holde Maid im Schnee liegen ſiehſt, nimm dein Herz in die Hand und laß ſie liegen! Wenn du aber ſiehſt, daß ſie wirklich nicht allein aufkommt, dann fahre hin und halte vor ihr mit einem hübſchen Kriſtiania! Kannſt du das nicht, dann gebe wenigſtens acht, daß du nicht auch zu ihr hinſinkſt, womit ihr in dieſem Falle gar nicht gedient wäre. Stehſt du vor ihr, dann ſollte das ſich entwickelnde Geſpräch deinerſeits folgenden Inhalt haben: Sie: Ach, wären Sie ſo liebenswürdig... Du: Das tut mir ſehr leid, verehrtes Fräulein! In den Satzungen des Skiklubs, dem ich angehöre, heißt der Para⸗ graph 1: Kein Mitglied darf eine zu Fall gekommene Dame aus dem Schnee aufheben. Dagegen iſt es ſeine Pflicht, ſie zu lehren, wie man allein aufſteht. Sie: Aber wie mache ich das nur? Ich rutſche ja immer weiter hinab, wenn ich aufſtehen will. Du: Bitte, Fräulein, legen Sie ſich ruhig auf die Seite in den Schnee. Es geht nämlich wirklich nicht anders. Und nun drehen Sie ſich im Schnee ſo lange, bis Ihr Körper in der Abfahrtsrichtung liegt und die Skier unten wagrecht an den Füßen und quer zum Hang ſich befinden. Und nun ziehen Sie mit gebeugten Knien die Skier ſo hoch als möglich an Ihren Oberkörper heran. Gut. Und nun ſtehen Sie auf. Es geht von ſelbſt. Bravo! Sie: Das iſt furchtbar einfach, wenn man es einmal weiß. Du: Wie alles beim Skilaufen! Für eine eventuelle Fortſetzung des Geſprächs exiſtieren keine weiteren Vorſchriften. Fällt aber die Dame in deiner Gegenwart noch einmal auf der Ebene, nicht am Hang, ſo iſt es nützlich, ihr beizubringen, daß in dieſem Falle der Haupt⸗ trick darin beſteht, den unteren Teil des Oberkörpers—(deiner Findigkeit in bezug auf noch zartere Umſchreibungen ſind keine Grenzen geſetzt) zuerſt über die Skier zu heben, weil dann alles wieder ganz leicht von ſelbſt geht. Wer anders als auf dieſe Weiſe aufſtehen will, der wird ſich in eine große Aufregung hineinarbeiten, ſich zu allerhand unverdienten Schmähungen der Skier hinreißen laſſen und ſchließlich doch nicht in die Höhe kommen. Fällt man aber einmal ſo, daß die Spitzen der Schneeſchuhe in ent— gegengeſetzten Himmelsrichtungen auseinanderſtehen und man auf den im Schnee vergrabenen Enden liegt, dann verſuche man zuerſt, aus einer Bindung zu kommen. Das iſt die nächſte Rettung aus dieſer hilfloſen Lage. Kann man die Bindung aber nicht mit einer Hand oder, wenn man ſo klug iſt, Huitfeldbindung mit Patentſchnalle zu tragen, mit einem Stock erreichen, mit welchem ſich die Schnalle zurücklegen läßt, ſo wende man lieber keine Gewalt an, ſondern rufe jemand zu Hilfe. Das iſt keine Schande und viel empfehlenswerter, als ſich aus Eitelkeit unnötigerweiſe ſehr weh zu tun. Iſt man endlich wieder auf den Skiern, dann iſt es ratſam, ſich jedesmal mit einem Handſchuh die Kleider gut abzuklopfen. Die kleine Mühe belohnt ſich zu Hauſe durch raſcheres Trocknen der Kleider. Außerdem iſt es eine angenehme Pauſe, eine andere Art der Bewegung, und man gerät nicht in Aufregung und üÜbermüdung. Iſt dieſe einmal eingetreten, dann iſt alles umſonſt. Ein Sturz reiht ſich in ſchöner Folge an den andern. Da tut man am beſten, was aber die wenigſten fertig bringen, ſich eine geſchlagene Viertelſtunde auszuruhen. Wenn das nicht hilft, dann gehe man nach Hauſe. So weit ſind wir aber noch nicht. Wir möchten gerne den Hang wieder hinaufgehen. Alſo zunächſt Umkehren. Beim Wenden kommt uns die Länge unſerer Holz⸗ ungetüme am klarſten zum Bewußtſein. Fünf⸗ bis ſechsmal müſſen wir herumtreten, um uns langſam und ſteif wie eine Holzſtatue um 180 Grad zu drehen. Da, auf einmal ſehen wir einen jungen Läufer zehn Schritte von uns gleichfalls umkehren. Er wirft den einen Ski hoch und ſteht im nächſten Augenblick nach einer uns unerklärlichen Bewegung mit dem zweiten Ski völlig umgedreht da und kehrt kalt lächelnd in der Richtung zurück, aus der er gekommen war. Wir ſind ſtarr. Donnerwetter, was war nur das? Die Sache war ganz einfach, und wir können ſie ſofort nachmachen. 1. Einen Ski mit wagrechtem Bein aufrecht auf das Hinterende ſtellen. 2. Die Skiſpitze zuerſt nach außen und dann nach hinten legen. 9 3. Den umgelegten Ski ſo neben den noch nicht ge⸗ hobenen Ski ſtellen, daß die zwei Skiſpitzen in entgegen⸗ geſetzter Richtung ſchauen. u. Auf dem gedrehten Fuß zuerſt feſten Stand faſſen und 5. den noch nicht gedrehten Ski leicht, aber an der Spitze etwas mehr gehoben, hinten herumſchwingen und neben den ſchon gedrehten Ski ſtellen. Die erſte Bewegung iſt in der ſchematiſch abgetrennten Art nur bei hart⸗ getretenem oder ſtark verkruſtetem Schnee möglich. Bei weichem, tiefem oder nur ſchwach ver— kruſtetem Schnee ſtößt ſich das Hinter⸗ ende ſo tief ein, daß man am aufrecht in den Schnee ge⸗ rammten Ski hilf⸗ los hängenbleibt und fällt. Da iſt Wenden auf der Ebene(3. Stadium). ein reſolutes Hoch⸗ werfen, als ob man den ganzen Ski ſamt Stiefel von ſich ſchleudern wollte, und gleich darauffolgendes Herumlegen des Skis das einzige. Aber dabei die Hand auf der Seite des kehrenden Bei⸗ nes hart an den Körper an⸗ legen, ſonſt ſchlägt man ſich mit dem herum⸗ geſchleuderten Sli ein blaues Mal an das Handgelenk. So fallen die drei erſten, ſchema⸗ tiſch beſchriebe⸗ nen Bewegun⸗ gen in eine kurze, ruckartige zuſammen. Wenn der Ski ſo hoch geworfen wird, daß die Spitze oben nach innen und das Ende unten nach außen kommt, ſo macht ſich das Umlegen ganz von ſelbſt. Wenden am ſteilen Hang(2. Stadium). Am Hang iſt dieſe Art zu wenden die überhaupt einzig mögliche, beſonders am ſteilen Hang, da man ſonſt entweder nach vorn oder nach hinten ins Rutſchen gerät. Bevor man am Hang aber wen⸗ det, muß man zuerſt mit bei⸗ den Füßen guten Stand haben. Man ſuche durch Schneetreten und kleine Sprünge auf der Stelle ſo lange Stand, bis man 6 welchen hat. Am Wenden am ſteilen Hang(3. Stadium). Hang ſoll man zuerſt immer mit dem unteren Ski wenden. Es iſt viel leichter am Anfang. Wenn man ſpäter mit dem oberen Ski zuerſt wenden kann, deſto beſſer, man gewinnt dabei jedesmal einen halben Meter Steigung. Aber es iſt nicht leicht. Ein Stock iſt beim Wen⸗ den am Hang ſehr gut, am ſteilen Hang faſt unentbehr⸗ lich. Der Stock wird immer auf derjenigen Seite gehalten, und zwar aus— nahmsweiſe mit zwei Händen, auf der das Bein nicht wendet. Wer noch raſcher und nur mit einer einzigen Bewegung Wenden am ſteilen Hang(5. Stadium). wenden will was aber nur in der Ebene möglich iſt—, der ſpringe hoch und reiße die Skier, während ſie in der Luft ſind, um 180 Grad mit dem Körper herum. Es iſt nicht ſchwer, braucht nur ein bißchen Mut und macht Ver⸗ gnügen, beſonders ganz jungen Leuten. Aber es iſt ein etwas derbes, gewaltſames Kunſtſtück, und wer auf Ruhe und Leichtigkeit in den Bewegungen hält, der wende lieber die erſte Art an, die immer ebenſo elegant als verblüffend ausſieht. Iſt der Ler⸗ nende endlich wie⸗ der kampfbereit, ſo ſtrebt er von neuem dem Hang zu, um eine weitere Ab⸗ fahrt zu genießen. Dabei kommt es ihm gewöhnlich mehr auf Schnel— ligkeit als auf kor⸗ rektes Laufen an. Das iſt verſtänd⸗ lich, aber ein Feh⸗ ler. Die Selbſt⸗ zucht, die man da⸗ durch übt, daß man auch in der Ebene und bergauf gleich von Anfang an möglichſt mit Sy— ſtem läuft, an⸗ ſtatt mit vorn und hinten gekreuzten Skiern drauflos zu haſten, belohnt ſich raſch. Gehen in der Ebene iſt etwas, was immer zu ſpät gelernt wird. Ein kraftvolles Gleiten mit gebeugten Knien, kein ſchwächliches Schrittmachen mit ſteifen Beinen ſoll es ſein. Jedesmal fällt man tief ins Knie und drückt ſo den Ski nach vorn. Während das Ge⸗ wicht des vorgebeugten Oberkörpers faſt ganz auf dem vor⸗ geſchobenen Ski ruht, wird der hintere, faſt unbelaſtete Ski, Skiläufer in der Ebene. 12 auf dem der Fuß nur mit der Spitze und mit hochgehobe⸗ nem Abſatz ſteht, leicht nachgeholt und dann energiſch vor den andern geſchoben, wobei der nun nach der Seite des zuletzt vorgeſchobenen Skis verlegte Oberkörper mithilft. Die Arme ſollen als Balance genügen. Das Hin⸗ und Her⸗ wiegen des Oberkörpers gibt der Bewegung etwas von dem ſchweren Gang der Hochgebirgler mit ihrem langſamen, langen, ruhigen Schritt. Später dürfen zwei Stöcke benützt werden, nicht als Erſatz der Balance, ſondern zur Steigerung der Ge⸗ ſchwindigkeit. Die anfängliche Neigung, mit den Fußſpitzen und infolgedeſſen auch mit den Skiſpitzen auseinander zu gehen, verlernt ſich bald durch die ſchlechten Erfahrungen, die man damit macht. Skier parallel und eng beieinander, Fuß⸗ ſpitzen gerade aus, ins Knie fallen: das ſind die drei Haupt⸗ regeln fürs Gehen in der Ebene. Der Läufer, der in der Ebene ſeine Technik entfalten kann, überholt andere, die ſich um dieſe Übung immer herumgedrückt haben, mit Leichtigkeit. Bergaufgehen. erfordert mehr als Skilaufen. Ein raſcher AÄberblick über das Gelände iſt nötig, wenn man ohne Kraftvergeudung größere Höhen hinaufkommen will. Die Energie iſt etwas Schönes, aber in der Form der Kraft⸗ meierei wirkt ſie lächerlich und hält beim Skilaufen nicht lange vor. Die Protzerei des ſtändig angewandten Grätenſchritts, wo man mit weitgeſpreizten Beinen und feſt angeſtemmten Skieren einen langen Hang erklimmt,— verſagt ziemlich bald. Für kurze, ſtarke Neigungen oder 4 in Hohlwegen, wo man ſonſt——„ nicht zurechtkommt, iſt der XK 4 4 Grätenſchritt gut. Zum AÄber— winden langer Steigungen aber 4 ſind Halbgrätenſchritt, noch mehr A aber etwas Steigerdiplomatie und die„liſtigen Umwege“, von denen ſchon Olaus Magnus Anno 1555 rühmend ſpricht, mehr zu empfehlen. Das Berg⸗ Grätenſchritt. 8 aufgehen iſt ohne weitere Regel leicht zu lernen durch die Korrektur, die einem der Hang ſelbſt erteilt. Gleitet man zurück, ſo hat man die Skier zu ſehr in der Abfallsrichtung des Hanges geſtellt. Da hilft nichts, als entweder Halt zu 3 2 ſuchen durch Kanten der Skier und vorübergehende Nbeinig⸗ keit oder, was bisweilen empfeh⸗ lenswerter iſt, ſtärkeres Quer⸗ ſtellen der Skier. Etwas kantet man aber beim Bergaufgehen immer, beſonders mit dem Fuß an der Bergſeite. vfteres Wenden beugt der Übermüdung des einen Fußes leicht vor. So entſtehen die ſtets ſich be⸗ währenden Zickzacklinien. Noch mehr als von der Technik hängt das Bergaufgehen vom Temperament des Läufers ab. Aber noch mehr als ſonſt beim Bergſteigen gilt auch hier das Wort: Chi va piano, va sano! Das lang⸗ ſame Bergaufgehen iſt auch eine geſunde Regulierung gegen über⸗ mäßiges Wachſen. Wer ſeine Skier ſo behandelt, daß er mit ihnen raſch bergab, aber auch gut bergauf kommt, der hat es 8 erreicht. Der Haupttrick beim Bergaufgehen, der ſich nur nach und nach lernt, beſteht darin, die Skier vorwärts und zugleich ſeitlich aufwärts zu ſtellen, ohne ſie zu ſehr über den Schnee zu bringen. Wenn der linke Fuß ſich an der Bergſeite befindet, dann macht ſich die Bewegung etwa folgendermaßen: linken Fuß um etwa eine —*— fünftel Skilänge vorſchieben und Halbſeitlich bergauf. dann ſeitlich links 30 bis 40 Halber Grätenſchritt. Zentimeterleicht über den Schnee hinaufführen, feſten Stand 4 faſſen, und dann den rechten Ski parallel und dicht daneben ſtellen. Noch eines iſt wichtig: Immer mög⸗ lichſt aufrecht den Berg hin⸗ aufgehen. Durch den vorgebeug⸗ ten Oberkörper werden die Hin⸗ terenden der Skier zu ſtark 3— entlaſtet und 3 5 gleiten leicht zu⸗ rück. Durch auf⸗ rechtes Gehen bekommt der Ski an den Hinter⸗ enden Halt im Schnee. Schmale, ſehr ſteile Hänge ſind nur im Treppenſchritt zu erklimmen. Das Loskommen vom ſteilen Hang iſt nur mit Stockhilfe auf beiſtehend dar⸗ geſtellte Weiſe möglich. Der Läufer faßt zu⸗ erſt mit dem un⸗ teren Ski feſten Treppenſchritt. Stand in der Fahrrichtung — und fährt dann nach raſchem Einſchwingen des oberen Ski los. Loskommen vom ſteilen Hang. Fendrich, Skiläufer. 4 Pflug⸗ und Stemmfahren. Nicht überſchlagen! Dieſes Kapitel nämlich! Wer bis hierher gefolgt iſt und alle kleinen Winke be⸗ folgt hat, kann ſich nicht über zu ſchwere Anforderungen beklagen. Bis zu dieſer Stufe des Skilaufens gelangen die meiſten, aber die meiſten kommen eben nur ſo weit, ohne das Wichtigſte aus den Anfangsgründen des Skilaufs zu lernen. Es handelt ſich um das Nötigſte im Abc des Skilaufs. Den meiſten Anfängern iſt es wichtiger, vorher das Xyz zu lernen, um ſich mit einem kleinen Sprung ſchon im erſten Winter Freunden, Bekannten und Verwandten vorſtellen zu können. Aber eines tut vorher not. — 4 Schneepflugfahren. Eine Dampfmaſchine iſt eine ſchöne und nützliche Sache, aber nur das kleine Sicherheitsventil gibt einem das nötige Zutrauen zu ihr. Zola beſchreibt in einem ſeiner NRomane einmal eine durchgebrannte Lokomotive ohne Führer. Auf allen Stationen der Bahnlinie klingelt es an den Signal⸗ apparaten; unter ungeheurer Aufregung werden alle Geleiſe bahnfrei gemacht, und dann kommt das ſchwarze Ungeheuer vorübergeſauſt. An dieſes Zolaſche Bild erinnert, wenn auch nicht in der elementar zerſtörenden Gewalt, ein nicht ſeltenes Erlebnis beim Skilaufen. Fröhlich rutſchen die Skiläufer an einem hohen Hang herum. Plötzlich ertönt ein gebieteriſcher Schrei: Bahn freit! Man ſieht auf wildgewordenen Skiern einen Unglücksmenſchen den Berg herabſauſen gerade in den dichteſten Haufen. Alles rettet ſich. Aber den losgelaſſenen Skiern iſt es bitter ernſt. Im Nu ſind ſie da und fahren mit dem darauf befindlichen und verzweifelt an einen Stock ſich klammernden Menſchen in den Knäuel, und im naächſten Augenblick wälzen ſich zwei dunkle Körper im aufwirbelnden Schnee. Da hat es am Sicherheitsventil des Skilaufs gefehlt, an der Kenntnis des Pflugfahrens, wie es die Norweger nennen, oder des Stemmfahrens, wie es klarer Zdarsky getauft hat. Das Stemmfahren iſt der Schnelligkeitsregulator für die Skier und die natürliche Bremſe, kraft derer wir erſt volle Gewalt über unſere Bretter bekommen. Wer ohne Kenntnis des Stemmfahrens einen Berg herabſauſt, der muß wollen, ſo wie die Skier und wie das Geſetz der Trägheit wollen, das ſich meiſt in einer nichts weniger als trägen Art äußert. Deshalb iſt es eine große Unhöflichkeit um mild zu bleiben—, wenn man ſein Vergnügen auf das Riſiko und die Koſten ſeiner Nebenmenſchen betreibt, die durch ein im letzten Augenblick gebrülltes„Bahn frei!“ davon in Kenntnis geſetzt werden, was da vor ſich geht. Iſt das Stemmfahren am offenen Hang mit hundert Meter Ellenbogenweite links und rechts ſchon empfehlenswert, ſo wird es in waldigem oder mit tiefen Einriſſen durchzogenem Gelände eine unerläßliche Bedingung, wenn man es gut mit ſich meint. Das Stemmfahren ermöglicht zwar kein raſches Halten vor plötzlich auftauchender Gefahr, aber doch ein leichtes, langſames Umgehen von Hinderniſſen und eine Sondierung des Geländes. Auf ſteilen, offenen, womöglich verharſchten Hängen mit wechſelndem Schnee ermöglicht es beliebige Redu⸗ zierung der Schnelligkeit. So iſt das Stemmſahren für den Ski⸗ lauf das gleiche, wie der Pendel für die Uhr, die Bremſe für den Zug, und es wirkt wie der kühle Verſtand auf den heißen Drang der Leidenſchaft und wie die hausbackene Logik auf den kühnen Flug der Phantaſie. Die unbequeme und zuerſt ſogar etwas ſchmerzhafte Stellung verleidet Anfängern— und nicht nur dieſen— das Stemmfahren leicht, wenn ſie nicht ernſtlich dazu angehalten und immer wieder von deſſen Wichtigkeit überzeugt werden. Daß man bei bis zum äußerſten geſpreizten Beinen noch die Füße nicht in der gleichen ſchiefen Richtung, ſondern auch noch ſenkrecht zum Boden ſtellen und dazu die Fußſpitzen nach innen halten ſoll, wird von vielen als eine ſtarke Zumutung empfunden. Man kann da auf beſorgten Geſichtern die ängſt⸗ lichſten Fragen leſen, die oft auch ausgeſprochen werden, ſo z. B., ob dabei„nicht etwas paſſieren könnte“. Oft wird dar⸗ unter verſtanden, ob man nicht in der Mitte ſchlitzen könne, ſo etwa in der Art des Schwabenſtreichs, wo man„zur Rechten und zur Linken einen halben Türken herunterſinken“ ſah. Aber ſo etwas paſſiert wirklich nicht! Nur das eine! Wenn man ſchon Stemmfahren lernen will, dann aber recht! Ge⸗ wöhnlich werden die Beine nicht weit genug geſpreizt oder die Spitzen nicht zuſammengenommen. Die Folge iſt, daß die Stemmen mit dem rechten Ski.(Schmale linke und breite rechte Spur.) Skier ins Laufen kommen. Der Winkel, den ſie bilden, iſt nicht ſtumpf genug, um als Schneepflug zu wirken, d. h. die Fahrt ſtark zu verlangſamen. Der zweite Hauptfehler iſt das zu ſtarke Kanten ohne Not, was leicht mit einem Sturz bezahlt wird. Das hängt mit dem erſten Fehler innig zuſammen. Anſtatt die Hinterenden der Skier energiſch genug auseinander zu drücken, ſucht man die Bremswirkung irrtümlich durch eine einfache Verbreiterung der Abfahrtslinie durch Stemmen gegen den Schnee zu erreichen. Man mache ſich, bitte, einmal klar, was mit dem Ver⸗ breitern der Abfahrtslinie gemeint iſt. 53— Je kleiner die Fläche iſt, mit der die Skier beim Laufen den vor ihnen liegenden Schnee berühren, deſto raſcher wird die Fahrt. Steht der Ski in der Abfallsrichtung des Hangs, ſo iſt, theoretiſch geſprochen und ohne die Wirkung der Auf⸗ biegung in Betracht zu ziehen, die ſtändige Breite der Be⸗ rührungsfläche zwiſchen Schnee und Ski genau von der Breite des Skis. Wird ein Ski in der Fallrichtung des Hanges gelaſſen und der andere in ſogenannte Stemmſtellung gebracht, ſo iſt die Berührungsfläche bei dem Stemmſtfi, der flach gehalten wird, ſchon weit breiter, und die Fahrt wird infolgedeſſen langſamer. X b — 1— 8 Stemmbogen nach rechts. Anſtatt über den Schnee zu gleiten,„bürſtet“ der flachgehaltene und breitgeführte Ski über den Schnee. Es wird mit einem Ski breitſpurig gefahren, weil er eine breite Spur hinterläßt. Gewöhnlich verſteht man unter„breitſpurig fahren“ das Fahren mit weit auseinander gehaltenen Beinen, aber parallelen Skiern, wobei zwei ſchmale, aber weit auseinander ſtatt dicht nebeneinanderliegende Spuren entſtehen. Damit ſoll nicht ein Ausdruck, der im Sprachgebrauch der Skiläufer eine be⸗ ſtimmte Bedeutung gewonnen hat, korrigiert, ſondern nur die Sache klargemacht werden, um die es ſich hier handelt. Noch breiter wird die Spur, wenn man auch die Berüh⸗ rungsfläche des zweiten, immer flach gehaltenen Ski verbreitert. — 34— Die Skier bilden dann die Schenkel eines Dreiecks, deſſen Mittellinie genau die Abfallsrichtung des Hangs bezeichnet. Die Fahrt wird noch langſamer. Die Bremswirkung wird weiter verſtärkt und die Fahrt noch mehr verlangſamt durch das Kanten, zuerſt des einen Ski, während der andere noch breit geführt, aber flach ge— halten wird. Damit beginnt das eigentliche Stemmen, d. h. das ſich gegen den Schnee Stemmen während der Fahrt. Der ſtemmende Ski„bürſtet“ nun nicht allein mit Hinterlaſſung einer breiten, aber nur oberflächlichen Spur über den Schnee, . Stemmbogenſchlange. ſondern er reißt eine breite, tiefe Spur in den Schnee und wirft mit dem Hinterende einen kleinen Schneewall auf. Die ſtärkſte Fahrtverlangſamung wird erreicht durch breites Fahren und gleichzeitiges Stemmen beider Skier.(S. Abb. S. 50.) Zwei kleine Schneewälle rechts und links begrenzen die Spur. Wir haben hier die genaue Wirkung des Schneepflugs. Dieſe Art des Fahrens wird daher mit allen möglichen Modifi⸗ kationen in Norwegen ſeit alters„Schneepflugfahren“ genannt. Der von Zdarsky herrührende Ausdruck„Stemmfahren“ iſt für die halben Pflugſtellungen, wo ein Ski gleitet und der andere ſtemmt, plaſtiſcher und charakteriſtiſcher. Es iſt aber beſſer, man kann die Sache ſelbſt und bedient ſich ungenauer Ausdrücke als umgekehrt. Dieſe vier Arten des Pflug⸗ oder Stemmfahrens ſind, ſo akkurat und ſäuberlich voneinander getrennt wie hier, nur auf dem Papier möglich. In Wirklichkeit gehen ſie in zahl⸗ reichen Variationen und Modifikationen ineinander über. Die Art des Schnees und die Neigung des Hangs machen un⸗ zählige Kombinationen nötig, die ſich aus dem Gefühl heraus mit der Zeit von ſelbſt ergeben müſſen, ebenſo wie die Ge⸗ wichtsverteilung auf den einen und den andern, den Gleit⸗ und den Stemmſki. Genaue Vorſchriften für jede einzelne Kombinationsmöglichkeit würden nur verwirren. Stemmbögen ſind Kombinationen von ganzen und halben Pflugſtellungen in anhaltender, langſamer Fahrt. Die Richtung der Bogen wird dabei immer durch Vorführen des unteren, ſtemmenden Ski beſtimmt. Das muß aber ſehr raſch geſchehen, beſonders am ſteilen Hang, ſonſt brennen einem die Skier in raſcher Fahrt durch. Stemmbögen ent⸗ ſtehen dadurch, daß durch Gewichtsverlegung hintereinander der Stemmſki zum Gleitſki gemacht wird, und umgekehrt. Lange Stemmbögen ſind eigentlich keine mehr, ſondern eine Traverſierung eines Hanges, wo anſtatt des Wendens jedesmal ein Stemmbogen eingelegt wird, um die Fahrtrichtung zu ändern. Die Spur ſieht dann ſchleifenähnlich aus. Die Anwendung eines Stockes, um deſſen in den Schnee gepreßte Spitze als Zentrum man einen Teil eines Kreis⸗ bogens beſchreibt, iſt ſehr zu empfehlen.(Siehe Abb. S. 83.) Das Stemmbogenfahren iſt eine ſo wenig elegante, rein von NützlichkeitsgeſichtsSunkten aus berechnete Bewegungsart auf Skiern, daß auch ganz grimmige Gegner des Stockes hier weder äſthetiſche noch lauftechniſche Bedenken gegen ſeine Verwendung vorbringen können. Wenn Skikurſe gar keinen Wert hätten, als den, daß man in ihnen Stemmbogen fahren lernt, dann ſollte man ſie ſchon deswegen allein mitmachen, wo es nur irgend geht. Nur ganz wenige Menſchen haben die Energie, in der kurzen Zeit, die ihnen jedesmal in den Bergen beſchieden iſt, ſich allein mit Stemmfahren zu quälen. Aber die Stemmbogentechnik iſt die Majorsecke des Skilaufs. Wer nicht um ſie herum— kommt, der wird nie ein allen Situationen gewachſener Ski⸗ ſtratege werden. Und deswegen gibt es nur eins: An ſteilen Hängen Stemmfahren, Stemmfahren und nicht verzweifeln! „Telemark“ und„Kriſtiania“. Das ſind die Namen der beiden Schwünge, mit denen die raſche Fahrt plötzlich unterbrochen werden kann. Sie ver⸗ ſetzen den mit dem Skilauf nicht vertrauten Zuſchauer in ein Erſtaunen, das ebenſo groß iſt, wie das Vergnügen, das der Skiläufer beim Schwingen hat. Den erſten Schwung in praktiſcher Anwendung ſah ich vor Jahren auf einer Tour. Ein Läufer glitt einen ſteilen Hang herab an meiner Naſe vorbei, gerade auf einen Bauernhof zu, der mit einem Garten⸗ hag eingezäunt war. Hinter dem Zaun ſchaufelte der Bauer den Schnee aus dem Garten. Da erblickte er plötzlich den auf ihn zuſauſenden Menſchen. Vor Schrecken ſtreckte er die Arme weit in die Höhe, wie um das AUnheil von ſich, dem Garten⸗ hag und vielleicht auch dem Skiläufer abzuwenden. Im nächſten Moment geſchah etwas Unerwartetes. Der Slki⸗ läufer machte einen kleinen, merkwürdigen Ruck und ſtand dann wie angenagelt vor dem Bauern, den er höflich nach dem Weg fragte. Ich werde das freundliche Lächeln des Ski⸗ läufers und das ſprachloſe Geſicht des Bauern meiner Lebtag nie vergeſſen. Die beiden Bezeichnungen„Telemark“ und„Kriſtiania“ ſcheinen anzudeuten, daß die erſtere Art des Schwungs von den Bauern der norwegiſchen Landſchaft Telemarken ſtammt, die andere von den Skiläufern der norwegiſchen Hauptſtadt Kriſtiania. Dem iſt aber nicht ſo. Als die Telemarker Bauernſöhne zum erſten Male die ſtädtiſchen Skidilettanten mit ihren Künſten verblüfften, wurde das Schwingen über⸗ haupt in Kriſtiania allgemein„telemarking“ genannt. Den Namen eines Schwungs verdient aber eigentlich nur der Tele⸗ mark. Man ſchwingt ſich dabei aus der raſchen, ſchnurgeraden Slene, Abfahrt in einer höchſt charakte⸗ riſtiſchen und von der ſonſtigen Haltung im Skilaufen ganz ver— ſchiedenen Stellung auf die Seite. Der„Telemark“ iſt eine ſchöne Verzierung, mit der man die Abfahrt beendet, wie man das etwa auch mit ſeinem Namens⸗ zug durch einen eleganten, aber etwas pompöſen Schnörkel tut. Deshalb gilt der Ehrgeiz jedes Anfängers, wenn er nur einmal ein bißchen abfahren kann, dem„Telemark“, R. Fendrich, Der Shiläufer. 6 A Tiefverſchneite Tannen. . Fendrich, Der Skiläufer. Das Tichk über den Bergen (Todknauberg). Der„Kriſtiania“ dagegen iſt kein eigentliches Schwingen, ſondern vielmehr ein ruckhaftes Anhalten, und der Name „Beidrehen“, den er im Nor⸗ wegiſchen auch hat, kennzeichnet ſein Weſen nicht ſchlecht. Auf„„„ alle Fälle ſieht er nicht ſo ele— gant aus wie der Telemark— ſchwung, iſt aber dafür, wie alles weniger Elegante, um ſo nützlicher. Wenn man den Vergleich mit dem Namenszug fortſetzen will, dann kann man ſagen, daß er jenem keilartigen Strich ähnlich iſt, mit dem praktiſche und energiſche Naturen oft ihre Namensunterſchrift beendigen. Beide Arten des Schwingens können nach links und rechts ausgeführt werden. Da die meiſten Menſchen„Rechtſer“ ſind, ſo üben ſie zuerſt Telemark nach links und Kriſtiania nach rechts, weil in beiden Fällen das rechte Bein die Haupt⸗ aufgabe hat. Wem es darum zu tun iſt, ein tüchtiger Ski⸗ läufer zu werden, der ſeine Schwünge nicht nur vor ſchönen Damen im holden Kranz am Abungsplatz produziert, ſondern ſie auf der Tour in jedem Augenblick, wo es not tut, zur Hand hat, dem iſt zu raten,„Kriſtiania“ und„Telemark“ gleich nach links und rechts zu üben. Schließlich ſei man nicht zu ſehr betrübt, wenn man eines ſchönen Nachmittags aus⸗ zog, um die Schwünge zu lernen, und man anſtatt ihrer abends bei der Heimkehr nur müde Knochen und die Taſchen voll Schnee nach Hauſe brachte. Auch juble man nicht zu früh, wenn man einmal„einen kann“!„Telemark“ und„Kriſtiania“ haben die Eigentümlichkeit, einem nachts während des Schla⸗ fens aus den Beinen durchzubrennen, und man iſt oft ſehr erſtaunt, wenn einem am andern Morgen nichts gelingt, ob⸗ wohl es doch„geſtern ſo fein gegangen war“. Es braucht Jahre, bis man die Schwünge vollſtändig und auf Nimmer⸗ wiederverlieren bei jedem Schnee und auf jedem Gelände in den Beinen hat. Zum Erlernen des „Telemark“ iſt das beſte Gelände ein nicht zu ſtark geneigter Hang mit faſt flachem Auslauf, und der beſte Schnee dazu iſt 20—30 Zenti⸗ meter Pulverſchnee. Der„Telemark“ iſt im Gegenſatz zum — 58— „Kriſtiania“ ſyſtematiſch zu erlernen unter Beachtung beſtimmter Verhaltungs- und Haltungsregeln. Denn es gibt nur einen„Telemark“, dagegen zahlreiche Modifika⸗ tionen des„Kriſtiania“. Eine abſolut ſichere Methode für „Telemark“ nach links iſt folgende: Man übe zunächſt das Abfahren in ſogenannter Aus⸗ fallsſtellung, ohne den eigentlichen Schwung zu ver⸗ ſuchen. Das Förpergewicht liegt faſt ganz auf dem weit vor⸗ geführten rechten Ski. Der linke Ski wird mit den Ze⸗ hen des lin⸗ ken Fußes und bei er⸗ hobener Ferſe nur leicht nach⸗ geſchleift, aber genau parallel mit dem rechten und hart neben ihm. Die Spitze des linken Ski befindet ————— ſich an der Bindung des rechten. Iſt man in dieſer Abfahrtsſtellung ganz ſicher, ſo be⸗ ginne man mit dem Anſetzen zum Schwung. Das geſchieht dadurch, daß man den vorgeführten rechten Ski— zu nächſt noch flach— mit der Spitze etwas einwärts dreht, wobei das Ende von ſelbſt nach auswärts kommt. Dann— was aber ſchon im allernächſten Augenblick geſchehen muß drücke man die innere Kante des rechten Ski zuerſt leicht und dann ſtärker in den Schnee, wodurch eine Art Stemmſtellung erreicht wird. Nur ſind dabei die Spitzen nicht zuſammen, ſondern die Spitze des Gleitſki befindet ſich an der Bindung 1. Telemark nach rechts(Anſetzen des Schwungs). — 59— des Stemmſki. In dem Moment, wo gekantet wird, muß aber auch der Oberkörper gegen den Hang zu gelegt werden. Dieſes Gegenmittel gegen die Wirkung des plötzlichen Kantens und Bremſens verhindert, daß man über den geſtemmten Ski hinaus nach außen geworfen wird. Wird nun dieſe Stellung alſo: 1. weit vorgeführter, mit dem Hinterende nach außen gedrückter und gekanteter rechter Ski, 2. leicht nachgeſchleifter, mit der Spitze an der Bindung des rechten Ski befindlicher linker Ski, 3. ein⸗ wärts und nicht zurück— X gelegter Oberköper energiſch innege⸗ halten und nicht aufge⸗ geben, dann muß der „Tele⸗ mar!“* von ſelbſt laufen, und zwar unter allen Um⸗ ſtänden. Man ſoll 2. Korrekte Telemarkſtellung während des Schwungs. nicht verſu— chen, einen„Telemark“ zu zwingen. Sobald man das nötig hat, iſt die Anfangsſtellung nicht richtig, und er läuft trotz des Zwingens und Drückens nicht. Aus der richtigen Stellung heraus er— gibt er ſich von ſelbſt als ein Reſultat von Abfahrtsſchnelligkeit und Bremswirkung des unteren gekanteten Ski. Das iſt auch die Urſache der natürlichen Eleganz, die jedem Telemarkſchwung innewohnt. Bei ſehr raſcher Fahrt iſt beſonders darauf zu achten, daß das Anſetzen des Schwungs recht vorſichtig und langſam geſchieht, ſonſt wird man mit Sicherheit nach außen geworfen. Je raſcher die Fahrt, deſto ſtärker muß das Gewicht — 60— des Oberkörpers nach innen verlegt werden. Die ausge⸗ breiteten Arme helfen viel zur Balance. Der Hauptfehler iſt das zu frühe Vorziehen des nachgeſchleiften linken Fußes. Der Anlaß zu dieſem Fehler iſt die Furcht, nach innen zu fallen. Sie iſt völlig unbegründet. Außerdem iſt es im An⸗ fang gar kein Fehler beim„Telemark“, wenn man einmal nach innen fällt. Dagegen ein ſehr großer, wenn dies nach außen geſchieht. Aus alledem geht hervor, daß der„Telemark“ ein ſchöner Schwungiſt, der beſon⸗ ders im tiefen Pul⸗ verſchnee, wo der vor⸗ geführte Ski leicht ein⸗ ſchneidet, gut läuft und ſich vor⸗ züglich dazu eignet, vor Freunden und Be⸗ kannten ein bißchen„for Sliow“ zu fahren. Es iſt aber auch klar, daß ————— das Vor⸗ 3. Beendigung des Schwungs.(Der rechte Ski dürfte in führen des einem noch größeren Winkel zum linken ſtehen.) einen Ski aus der ge⸗ wöhnlichen Abfahrtsſtellung, ſodann der bei raſcher Fahrt nötig werdende vorſichtige Anſatz zum Kanten und ſchließlich die räum⸗ liche Ausdehnung des Schwunges ſelbſt ihn zum plötzlichen Halten auf der Stelle nicht beſonders geeignet erſcheinen laſſen. Auch muß man ſich nach Vollendung des Schwunges aus der charakteri⸗ ſtiſchen Telemarkſtellung, die bis zum Stillſtehen eingehalten werden muß, wieder aufrichten. Alles dies kompliziert den Schwung, was jedoch im freien Gelände kein Hindernis iſt. Aber im Wald und vor plötzlich auftretenden Schwierigkeiten verſagt der„Telemark“. Da iſt der„Kriſtiania“ das einzig Richtige. Zum UÄAben des „Kriſtiania“ eignet ſich am beſten ein etwas ſteiler Hang mit feſtgetretenem, zuſammengefahrenem Schnee. Er iſt ganz eigentlich eine Drehbewegung und geht da am leichteſten, wo der„Telemark“ am ſchwerſten geht, und wo eine feſte Schneeunterlage den ge⸗ ringſten Widerſtand für die Skier bietet. Es kommt häufig Kriſtiania nach rechts.(Der Läufer kantet nur mit dem innern Ski und iſt ſofort nach der Aufnahme geſtürzt). vor, daß Anfänger auf glattem Harſch einen korrekten„Kriſti⸗ ania“ machen, ohne es zu wollen. Es läuft ihnen zu ſchnell, und ſie lehnen ſich inſtinktiv etwas rückwärts und einwärts und legen die Skier ein wenig auf die Kanten. Plötzlich drehen ſie die Skier um 90 Grad, und der Anfänger ſteht zum Erſtaunen der andern und ſeiner ſelbſt in brillanter Hal⸗ tung ſtill, nachdem er noch kurz zuvor einen wenig ruhmvollen Ausgang der Fahrt erwartet hatte. Vielleicht zeigt dieſes Beiſpiel, daß im Gegenſatz zum„Telemark“, den man nie zufällig von ſelber macht, beim„Kriſtiania“ die Methode und das Syſtem nichts, das Gefühl und der Inſtinkt alles ſind. Die zahlloſen Verſchiedenheiten der Schneeverhältniſſe ver⸗ langen die feinſte Anpaſſung und Nuancierung im Kanten und in der Stellung. Ein wenig zu viel oder zu wenig im Kanten oder der Gewichtsverlegung— und der Mann liegt. Das Verhältnis der Stürze bei„Telemark“ und„Kriſtiania“ iſt bei Anfängern ungefähr eins zu zehn. Faſt jeder hat ſeine eigene Art, den„Kriſtiania“ zu machen, die einen reißen mit gleichen Füßen und ohne vorgeſchobenen Ski in ſtarker Knie⸗ beuge die hart zuſammengehaltenen Skier herum, ſo daß Kriſtiania nach rechts (in tiefem Neuſchnee, beide Skier gekantet). ſie ſich um die Bindung als Mittelpunkt faſt auf der Stelle drehen. Die andern führen einen Fuß weit vor und kanten ſchwach, aber zähe mit dem vorgeſchobenen Ski, bis ſie nach einem Bogen von großem Nadius quer zum Hang zu ſtehen kommen. Der untere Ski kommt dann mit der Spitze leicht mit dem oberen auseinander, und die Enden kreuzen ſich gerne, was den„Kriſtiania“ erſchwert und den Sturz erleichtert. Wieder andere kanten nur mit dem unteren Ski und fahren in einem kurzen, ſcharfen, faſt telemarkähnlichen Bogen herum, während der obere Ski den Schnee kaum berührt und nach dem Stillſtehen aus einer Art Stemmbogenſtellung heraus wieder dicht neben den unteren geſtellt wird. Noch andere kanten mit beiden Skiern, legen ſich bei nur leicht gebeugten Knien der ganzen Länge nach ſchwach nach hinten und innen und kommen ſo ohne jede ſichtliche Anſtrengung herum. Das iſt die einzige Art, in welcher der„Kriſtiania“ auch elegant ausſieht. Vorausſetzung iſt feſtgetretener Schnee. Iſt dieſe gegeben, dann ſind die immer und auf alle Fälle zu be⸗ achtenden Hauptregeln, um dieſe elegante Form des„Kriſti⸗ ania“, ſagen wir nach rechts, zu erlernen, etwa folgende: 1. Eine gewiſſe Fahrgeſchwindigkeit erleichtert den„Kri⸗ ſtiania“. Kriſtiania nach rechts aus ſehr ſcharfer Fahrt mit auseinandergeriſſenen Beinen. 2. Rechter Fuß etwas mehr vor wie in der gewöhnlichen Abfahrtsſtellung. 3. Knie leicht gebeugt, aber feſt zuſammengepreßt. Mit der ganzen Sohle ſteht man wuchtig auf den zuſammen⸗ gedrückten Skiern. 4. Den ganzen Körper leicht nach hinten und den Ober⸗ körper mit eingebogener Hüfte leicht nach innen lehnen und zugleich mit beiden Skiern ſchwach kanten; etwa ſo, als wollte man ſich in der Fahrt nach jemand, an dem man eben vorbeigeglitten iſt, umſehen. Alſo: — 64— Entlaſtung der Spitzen und Belaſtung der Enden und der innern Seite. Bei dieſem Anſatz zum„Kriſtiania“ können die Arme als Balance benützt werden. Je weniger man ſie hoch hält, deſto beſſer ſieht es aus. 5. Die Hauptſache iſt, daß nun dieſem Anſatz zum Drehen die Beine, die Füße und die Skier folgen. Da hilſt nur eines: entſchloſſen die leichte Kantenſtellung ſo lange innehalten und die Füße wie angegoſſen, beſonders mit den Ferſen feſt auf den Brettern halten, bis man quer zum Hang ſteht. Der„Kriſtiania“ iſt alſo eine vom Oberkörper aus⸗ gehende und von dieſem auf Beine und Skier übertra⸗ gene Drehung um 90 Grad. Anfangs halten gewöhnlich die Beine nicht ſtand, wenn die Drehkraft auf die Skier über⸗ tragen werden ſoll. Da kann ihnen ſehr gut das Geſäß zu Hilfe kommen, indem es eine Sain Berdedee ruckartige Ve⸗ wegung nach rechts und zugleich nach unten ausführt, wobei das linke Knie mehr gebeugt wird als das rechte. Die Hinterenden der Skier werden dadurch mit Gewalt in die Querrichtung geſtoßen. Der Schwung geht dann leichter, wird aber dadurch nicht ſchöner. Eines ſcheint ſicher. Um den„Kriſtiania“ einzig durch leichtes Kanten und Gewichtsverlegung des geſtreckten Körpers zu machen, ſo daß das Ganze faſt wie eine harmloſe Spielerei anſtatt wie ein mühſames Neißen und Drücken ausſieht, dazu gehört wahrſcheinlich eine lange Geſtalt, deren hochgelegener Gleichgewichtspunkt bei der Verlegung genügend ſtark ver⸗ ändernd auf die Fahrtrichtung einwirkt. Läufer von mittlerer und kleiner Figur reißen mit wenig Ausnahmen faſt alle gewaltſam den„HKriſtiania“. Sie machen mit Muskelkraft, was die andern mit Gewichtsverlegung fertigbringen. Bei tiefem Schnee, beſonders noch aus ſcharfer Fahrt heraus, wer⸗ den auch Läufern mit ſehr ſtarken Knien und Waden leicht die Beine auseinandergeriſſen. Gerade in ſolchen Fällen und bei Tourenlaufen iſt die Verwendung eines Stockes beim „Kriſtiania“ ſehr anzuraten. Das Springen. Das Hochgefühl der raſchen Abfahrt wird erhöht, wenn wir auf Terrain geraten, das durch ſchwache Bodenwellen kupiert iſt. Das leiſe Auf und Ab während der Fahrt erregt in unſerer Bruſt eine ſeltſame Miſchung von„Luſt und Pein“. Die letztere rührt davon her, daß wir beim Aufſteigen über eine Welle manchmal für einen Augenblick den Boden unter den Füßen verlieren. Der Körper hat mehr Schwung, als nötig wäre, um über die Bodenwelle hinweg zu kommen, und das Plus des Schwungs ſetzt ſich in Luftfahrt um. OÖder: ein Abſatz im Gelände iſt ſo groß, daß bei der Talfahrt die Berührungslinie der Schneeſchuhe mit dem Schnee eine Unterbrechung erleidet und erſt nach einer kleinen Luftfahrt unterhalb des Abſatzes weitergeführt wird. Auch hier ver⸗ ſchlägt es uns das erſtemal den Atem. Wir fallen, beſonders wenn wir unvorbereitet über einen ſolchen natürlichen Abſatz gekommen ſind, ein anſehnliches Loch in den Schnee, finden aber hinterher doch, daß die ganze Sache eigentlich fein ge⸗ weſen ſei. Man iſt geſprungen— oder vielmehr geſprungen worden. Die Freiwilligkeit erhöht aber in allen Dingen den Genuß, auch beim Springen auf Schneeſchuhen. Und ſo iſt man darauf gekommen, aus der Not ein Vergnügen zu machen, indem man an natürlichen Hängen künſtliche Sprunghügel errichtete. Kleinere, größere, abfallende oder aufſteigende. Aus dem kleinen zufälligen Vergnügen iſt ſo eine der gewaltigſten körperlichen Leiſtungen des Menſchen geworden, und wenn man das Schneeſchuhlaufen als den kühnſten Sport der Welt bezeichnet, ſo rührt das in erſter Reihe von den mächtigen Luftſprüngen her, mit denen gewandte und uner⸗ ſchrockene Läufer eine ſteile Talfahrt unterbrechen. Das Springen auf Schneeſchuhen iſt alſo ein Springen in die Tiefe und in die Weite. Wie weit und wie tief der Sprung wird, das hängt zunächſt von der Schnelligkeit des Fendrich, Skiläufer. 5 Läufers und von der Höhe der Sprungkante und der Steil⸗ heit der ſogenannten Abſprungbahn ab. Ein lebloſer Gegen⸗ ſtand, z. B. ein Schlitten, den man in einer ausgeſchaufelten Bahn über eine Sprungſchanze ſauſen läßt, macht auch einen ganz gehörigen Luftſprung nach den gewöhnlichen phyſi⸗ kaliſchen Geſetzen. Während aber der lebloſe Gegenſtand dieſen Geſetzen einfach unterliegt, benützt und beherrſcht ſie der Sprin⸗ ger auf Schneeſchuhen. Dazu gehören eine Anzahl körper⸗ licher und ſeeliſcher Eigenſchaften: vor allem Mut und Gleich⸗ gewichtsgefühl, Muskelkraft und Geſchmeidigkeit. Der pſychiſche Widerſtand iſt beim Springen am ſchwerſten zu überwinden. Wir ſind nun einmal ſeit Jahrtauſenden daran gewöhnt, einen ſoliden Boden unter den Füßen als die einzige gediegene Grundlage für unſere Fortbewegung zu be⸗ trachten, und zwar nicht ſo ganz mit Unrecht. Die Luft iſt ein wenig unzuverläſſig. Bei großen Sprunghügeln ſieht man von der Sprungſchanze aus gewöhnlich die ſteilſte Stelle der Ablaufbahn gar nicht, und die Phantaſie täuſcht einem einen bodenloſen Abgrund vor, in den man hineinſpringt. Außer⸗ dem ſteckt in den Gehirnen die alte und auch nicht grundloſe Idee, daß man ſich bei einem Fall aus ziemlicher Höhe leicht Hals und Beine brechen kann. Es gibt Leute, die ſelbſt nicht Ski laufen, aber ſchon größeren Sprungrennen beigewohnt haben und immer noch nicht begreifen können, daß bei ſolchen Sprüngen ſo wenig oder eigentlich gar nichts vorkommt. Das Verſtändnis für die Tatſache, daß Unfälle bei Sprüngen äußerſt ſelten ſind, wächſt, wenn man bedenkt, daß erſtens der Aufſprung nicht auf die harte Erde, ſondern auf zwar feſtgetretenen, aber dennoch elaſtiſchen Schnee geſchieht; zwei⸗ tens, daß nicht der Körper die ganze Wucht des Anpralls auszuhalten hat, ſondern die langen Skier, auf denen das Körpergewicht ſtark verteilt iſt; und drittens, daß es ſich gar nicht um einen Anprall auf horizontaler Fläche handelt, ſondern um ein Aufkommen und ſofortiges Weitergleiten auf einem ſteilen Hang, deſſen Neigungslinie ſich mit der Flug⸗ linie des Springers in einem ſpitzen Winkel ſchneidet. Allen dieſen Zwangsideen, die aus unſeren Begriffen vom gewöhnlichen Springen entſtehen, unterliegt im Anfang auch der Skiläufer, und nur langjährige Erfahrungen können ihn von der Grundloſigkeit ſeiner Befürchtungen gänzlich und vollſtändig heilen. Nur ganz wenige Meiſterſchaftsläufer erſten Ranges ausgenommen— und auch dieſen kann man — 67— nicht ins Herz ſehen— haben alle Springer, beſonders an ungewohnten Hügeln oder beim erſten Sprung nach längerer Pauſe im Schneeſchuhlaufen, das Gefühl der Anſicherheit oder auch der Angſt immer wieder mehr oder weniger zu be⸗ kämpfen. Die richtige Schneid kommt gewöhnlich erſt, wenn man ſich durch ein oder zwei Sprünge wieder eingefahren hat. Das nicht ſkilaufende Publikum, das ſich nur zum Zu⸗ ſchauen bei den großen Skirennen einfindet, überwindet den erſten Schreck, der faſt alle befällt, die zum erſtenmal einen Sprunglauf am großen Feldberghügel. weiten Sprung auf Skiern ſehen, ziemlich raſch. Staunen und Begeiſterung ſind die Gefühle, die ſich zunächſt ein⸗ ſtellen. Aber bald gewöhnt ſich das Publikum auch an be⸗ deutende Leiſtungen. Je weniger die Springer beim Auf⸗ kommen ſtürzen, deſto mehr empfindet es ein Bedürfnis nach größeren Senſationen. Was die Schlachtenbummler der großen Skirennen vor ein oder zwei Jahren in ſtaunende Auf⸗ regung verſetzt hat, das finden ſie jetzt faſt ſelbſtverſtändlich und werden faſt ungnädig, wenn„nur“ 20— 25 Meter ge⸗ ——— ſprungen werden. Dieſem Bedürfnis eines verehrten Publi⸗ kums nach neuen Nervenreizen ſollte nie nachgegeben werden. Der Appetit der nicht ſachverſtändigen Menge iſt in dieſer Hinſicht ſchwer zu befriedigen. Die Maſſenpſychologie bei Wettkämpfen aller Art und aller Zeiten eröffnet hier bedenk⸗ liche Tiefen der Menſchenſeele. Wer aus Ehrgeiz und Sucht nach Beifall bei den Sprungrennen Kunſtſtücke und Schweres ohne Not noch erſchwert, z. B. auf einem Ski ſpringt oder den Sprung mit einem ſogenannten Querſprung beendet, der bilde ſich nicht ein, damit dem Publikum auf ſehr lange Zeit zu genügen. Es wird immer wieder Neues von ihm verlangt. Außerdem handelt er nicht gerade fair gegen ſeine Kameraden. Die öffentlichen Sprungrennen ſollen zum Skilaufen anregen und begeiſtern; ſie ſollen Fortgeſchrittene ermuntern zum Weiterarbeiten in der fröhlichen und ſtolzen Wiſſenſchaft vom Ski; ſie ſollen aber nicht eine Vorſtellung vor einer Tribünen⸗ menge ſein, die oft nur neugierig, oder auch oft ſchon blaſiert iſt. Die Zuſchauer ſollen dankbar ſein, ein ſolch herrliches Schauſpiel menſchlicher Kühnheit und Kraft genießen zu können, anſtatt daß die Springer, wie es leider oft vorkommt, ſtolz darauf ſind, vor dem Publikum ihre Künſte zeigen zu dürfen. Das Springen auf Schneeſchuhen iſt etwas ſo Herr⸗ liches und Großes, daß die eigene Befriedigung über einen gut ausgeführten Sprung einem das Höchſte ſein ſollte. Kommt dazu der Beifall der Zuſchauer, und zwar im rich⸗ tigen Moment und am rechten Platze— was auch nicht immer der Fall iſt—, dann ſchadet das gewiß nicht. Aber ſportlicher Stolz und Selbſtkritik müſſen über dem Beifall der Menge ſtehen. Damit braucht man noch lange kein Ski⸗ protz zu ſein. Vom Sprunghügelbau. Es gibt gute und ſchlechte Sprunghügel. Die meiſten von Anfängern gebauten ſind ſchlecht. Die Sprungſchanze iſt meiſt zu kurz und die Aufſprungbahn nicht ſteil genug. Auch bei Äbungshügeln iſt die Hauptſache das richtige Verhältnis des Gefälls bei Anlauf, Schanze und Abſprungbahn. Dieſe Hauptſache wird über ganz wertloſen Nebenſachen oft vergeſſen. Am beſten zieht man, mit Schaufel und Nechen bewaffnet, allein hinaus und baut ſich, ohne ſich von Beſſerwiſſern dareinreden zu laſſen, an einem tags zuvor ausgeſuchten Hang einen Sprunghügel, und zwar nach folgenden Geſichts⸗ punkten: Der Ablauf ſei nicht zu ſteil, habe aber doch ſo viel Gefäll, daß man in flotte Fahrt kommt. Die Fahr⸗ geſchwindigkeit ſoll dadurch beſchleunigt werden können, daß man nach den erſten, geſtandenen Sprüngen einen längeren Anlauf nimmt. Iſt der Anlauf ſchon nach 20 Metern Ent⸗ fernung von der Schanze aus durch dichten Wald oder eine horizontale Fläche begrenzt, ſo taugt der Hang nicht viel. Die Sprungſchanze mache man anfangs nicht höher als 40 Zenti⸗ meter, aber breit genug, damit man mit der Spur wechſeln kann. Der Anlauf in einer mehrfach benützten Spur iſt un⸗ ſicher. Das ſtändige Aufrechen des Schnees an derſelben Stelle macht einen ſchmalen Hügel nicht beſſer. Auch wird die Sprungkante durch das Benutzen der gleichen Spur raſch ruiniert. Ein üÜbungsſprunghügel ſoll anfangs immer etwas nach abwärts geneigt ſein, weil das den Sprung erleichtert. Der Anlauf ſoll nicht plötzlich in die Sprungſchanze über— gehen, wobei die Skier hohl zu liegen kommen, ſondern nur allmählich. Vor der Sprungkante ſoll mindeſtens zwei Ski⸗ längen faſt horizontale Fläche liegen. Das erleichtert die Vorbereitung zum Abſprung. Durch Ausgraben des Schnees und Auffüllen an andern Stellen kann jeder einigermaßen geeignete Hang raſch und gut korrigiert werden. Etwas tech⸗ niſcher Sinn und geſunder Menſchenverſtand helfen da mehr als langatmige Anleitungen. Iſt die Sprungſchanze, d. h. die Horizontale vor der Sprungkante zu lang, dann verliert man leicht an Fahrgeſchwindigkeit. Iſt ſie zu kurz, dann iſt ein richtiger Abſprung unmöglich. Die Aufſprungbahn ſoll ein Gefäll von allermindeſtens 20 Grad haben. Die Neigung eines Hanges mit dem bloßen Auge zu meſſen, iſt anfangs faſt unmöglich. Mit drei Stöcken kann man ſich da zur Feſtſtellung des Gefälls bei kurzen Strecken ganz gut helfen. Der eine der Stöcke wird in die Richtung des Hangs gelegt. In der Mitte des Stockes wird vertikal zu ihm der zweite Stock derart in den Schnee geſteckt, daß die durch die zwei Stöcke gebildeten Winkel zwei rechte ſind. Der dritte Stock wird an dem Schnittpunkt der zwei erſten Stöcke hori⸗ zontal mit dem oberen Ende in den Schnee geſtoßen, ſo daß nur etwa die Hälfte aus dem Schnee herausſieht. Der ſpitze Winkel zwiſchen der aus dem Schnee ſchauenden Hälfte des dritten Stocks und dem erſten in der Hangrichtung liegen⸗ den gibt etwa die Neigung des Hanges an. Ein Hang, wie der in umſtehender Zeichnung wieder⸗ — 70— gegebene, hat etwa 30 Grad Neigung. Auf dem Papier kommt einem das nicht ſteil vor. In Wirklichkeit würde man es„faſt ſenkrecht“ nennen. Nur durch lange üÜbung kann man die Neigung eines Hangs mit dem Auge ſchätzen lernen. Stimmen die Gefällsverhältniſſe bei dem Hügel, ſo muß die Aufſprungsſtrecke der Ablaufbahn mit den Skiern feſt⸗ getreten werden. Sehr tiefer, loſer Schnee iſt beim Springen gefährlicher als ganz harter. Liegt der Schnee nicht mindeſtens 50 Zentimeter hoch, ſo laſſe man das Springen. Wenn der Auslauf, d. h. der Platz, wo man gewöhnlich mit einem Meſſen eines Hangs mit drei Stöcken. Sprunge anhält, eben iſt, ſo hat das große Vorteile; aber ſelten trifft man das alles für einen Übungshügel ſo gut bei⸗ einander. So angenehm beim Hügelbau das Alleinſein iſt, ſo un⸗ angenehm iſt es beim Springen ſelbſt. Man kommt nicht in Stimmung. Der Anſporn des Wettbewerbs fehlt. Außerdem hat man keine Vorbilder. Die ſchlechten ſind ebenſo nützlich wie die guten. Aus einem Buche allein, ſo zweckmäßig, nütz⸗ lich und notwendig die gegebenen Anleitungen ſein können, wird man kaum vollendet Skilaufen, am allerwenigſten aber ſpringen lernen. Dazu gehören ſcharfe Augen, die gut auf das aufpaſſen, was diejenigen Springer machen, welche flott abſpringen, ſicher auffommen und auch in der Weiterfahrt ſtehenbleiben. Und dann braucht es auch etwas Mut, nicht nur zum Springen, ſondern gegen ſich ſelbſt: der Mut, ohne großes Getöſe und Geplapper ſich ganz im ſtillen ſelbſt die Schuld zu geben, wenn man ſtürzt. Und dann noch eines. Nichts übereilen wollen. Erſt allmählich, wenn man auf einem 40 Zentimeter hohen Sprunghügel von fünf Sprüngen vier ſteht, den Hügel erhöhen und einen größeren Anlauf nehmen. Springen iſt eine Kunſt. Gut und weit ſpringen eine ziemliche Kunſt. Der beſte Weg, um kein Springer zu werden, iſt, wenn man eine Maßſchnur längs der Aufſprung⸗ bahn legt, um gleich ableſen zu können, wie weit man ge⸗ kommen iſt. Das iſt anfangs völlig gleichgültig. Wer nicht — h Profil des Livbaken. —„»„ Feldberghügels. Zwei Sprunghügelprofile. zuerſt ſeine ganze Aufmerkſamkeit darauf richtet, kleine Sprünge in korrekter, ſchöner Haltung zu machen, der wird es nie weit bringen. Wenn man einen Anfänger von ſeinen zehn Metern reden hört, die er ſpringt, ſo liegt einem oft die Antwort auf der Zunge: Doch frage mich nur nicht wie. Es gibt beim Springen eine ſolche Menge von Verhaltungs⸗ maßregeln zu beachten, was nur bei größter Konzentration der Körper⸗ und Geiſteskräfte möglich iſt, daß alle außerordent⸗ lichen Verhältniſſe ſtörend wirken. Wer von einem 40 Zenti⸗ meter hohen Hügel plötzlich zu einem ſolchen von einem Meter Höhe übergeht, dem wird es klar werden, was ich meine. Der Bau großer Sprunganlagen iſt ſchon faſt eine Wiſſen⸗ ſchaft. Die Profile zweier bekannter Sprunghügel, nämlich vom Livbaken bei Hönefes in Norwegen und vom Feldberg⸗ hügel im Schwarzwald, ſind charakteriſtiſch für die zwei ver⸗ ſchiedenen Arten des Sprunghügelbaus. Beim Livbaken iſt — 272— die Anlaufbahn nur 59 Meter, am Feldbergſprunghügel 100 Meter lang. Was die erſtere zu wenig an Anlauflänge hat, muß ſie durch Steilheit des Gefälls einbringen, wenn der Springer bei der Anfahrt der Sprungſchanze die nötige Ge⸗ ſchwindigkeit haben ſoll. In der Tat beträgt das mittlere Gefäll des Anlaufs am Livbaken 18 ½ Prozent, am Feldberg nur 16. Allein dieſe Korrektur der kürzeren Anlaufbahn durch größere Steilheit wäre nicht genügend, um Sprungweiten zu erzielen, wie an einem als Muſter bekannten Hügel, wie dem Feldberghügel, wenn nicht auch die Aufſprungsbahn des Livbaken von der des Feldbergs verſchieden wäre. Beim Liv⸗ baken beträgt das mittlere Gefäll der Aufſprungbahn faſt gerade ſo viel, als das Maximalgefäll, nämlich 35 ½ Grad. Mit andern Worten heißt das, daß die Ablaufbahn in ihrer größten Steilheit direkt unter der Sprungſchanze beginnt und ſich mit gleichem Gefäll bis zur Auslaufbahn hinzieht. Am Feld⸗ berghügel iſt das Maximalgefäll nur 33, das Durchſchnitts⸗ gefäll nur 23 Grad. Wie aber das größere Gefäll der Auf⸗ ſprungbahn auf die Sprunglänge wirkt, iſt leicht aus bei⸗ ſtehender Skizze zu erſehen. Es iſt kein Zufall, daß auf dem ſteilſten, wenn auch nicht ſchwerſten Sprunghügel, dem Guſtad⸗ baken bei Modum auch der längſte aller Sprünge(41 Meter) gemacht wurde, während die Maximalſprungweite des be⸗ rühmten, aber ſchwierigen, weil nicht ſehr ſteilen Holmenkollen 29 ½ Meter iſt. Der große Unterſchied zwiſchen dem mittleren und Maxi⸗ malgefäll der Aufſprungbahn am Feldberghügel wird erklär⸗ lich, wenn man weiß, daß am Feldberg, ähnlich wie beim Solbergbaken bei Kriſtiania, unterhalb der Schanze eine etwa 15 Meter lange, ziemlich flache Strecke vorhanden iſt, die erſt in die ganz ſteile Aufſprungbahn übergeht. Dieſes zwiſchen⸗ geſchobene Stück hat den Vorteil, daß bei gleicher Sprungweite die Sprunghöhe geringer und der Druck beim Aufkommen infolgedeſſen weniger fühlbar wird, als bei gleichmäßig ſteilen Sprunghügeln. Bei einem 30⸗Meterſprung am Livbaken beträgt die Sprungtiefe etwa 18, am Feldberghügel nur etwa 13 Meter. Dafür ſieht allerdings ein Sprung, wo der Springer gleich nach dem Verlaſſen der Schanze hoch über der ſteil abfallenden Abſprungbahn ſteht, impoſanter aus. Einiger⸗ maßen in dieſer Richtung ausgeglichen wird die Wirkung des Sprunges an einem Hügel, wo ein wenig geneigtes Stück zu überfliegen iſt, dadurch, daß die Sprungſchanze gewöhnlich 9 —————— H. Fendrich, Der Skiläufer. Abend am Schauinsland. R. Fendrich, Der Skiläufer. Un Duft und Reif (Skihülte des Rrad. Skiklubs Freiburg). — 33— doppelt oder dreifach ſo hoch gemacht werden muß, als an einem Hügel mit gleichmäßig ſteilem Ablauf. Aus alledem geht hervor, daß gute Sprunganlagen zwar Einfluß der Neigung des Hanges auf die Sprungweite. Verſchiedenheiten in Länge und Gefäll haben können, daß aber beſtimmte Grenzen dabei eingehalten werden müſſen. Dieſe Grenzen liegen dort, wo die menſchenmögliche Kraft gerade noch genügt, um die während des Sprunges wirken⸗ den Naturkräfte zu beherrſchen, d. h. um in guter Haltung die Luftfahrt zu vollenden, ſicher zu landen und weiter zu — horizontale Schanze, — abwärts geneigte Schanze, ——— aufwärts„„ (ſog. Looping). Einfluß der Neigung der Sprungſchanze auf die Form der Sprungkurve. (Schematiſch und ſtark übertrieben.) fahren. Geſtandene Sprünge von weit über 40 Metern be⸗ finden ſich jenſeits des menſchlichen Könnens. Das geht über unſere Kraft. Ein kühner Springer kann allerdings auch — 22— 50, 60 und mehr Meter weit ſpringen, wenn nur der Anlauf lang und die Aufſprungbahn ſteil genug iſt. Aber wie er dann unten ankommt, das iſt eine andere Frage. Die Beherrſchung der wirkenden Naturkräfte wird er⸗ leichtert durch drei Dinge. Erſtens durch eine peinlich ſorg⸗ fältige Bearbeitung der Anlaufbahn, beſonders des letzten Teils. Eine nervöſe, unruhige Anfahrt iſt oft nur dadurch verſchuldet, daß man es in dieſer Hinſicht hat fehlen laſſen. Das gleiche gilt für die Aufſprungbahn. Es kann da nie genug getreten und gerecht werden. Zweitens iſt ein Sprung um ſo leichter, je geneigter die Schanze iſt. Eine völlig horizontale Schanze bringt den Springer ſchon ziemlich ſtark in die Luft und erſchwert das Stehen. Eine Neigung von 5— 10 Grad dürfte das Normale ſein. Drittens kommt der Springer um ſo ſicherer auf, je ſteiler die Aufſprungſtelle iſt, und je mehr die Linie der Flugbahn des Springers und die Neigungslinie des Hangs langſam in einem ſpitzen Winkel ſich ſchneiden. Die erſten Skiläufer, die es vor 1880 in Nor⸗ wegen und vor 1900 im Schwarzwald mit dem Springen verſuchten und von hohen Hügeln herab auf ebenes Terrain aufſchlugen, müſſen über ein ganz vorzügliches Knochengerüſt verfügt haben. Wie ſoll man ſpringen? Darüber herrſchen auch unter den beſten Springern Mei⸗ nungsverſchiedenheiten. Das iſt nicht anders möglich. Eines taugt nicht für alle. Körpergewicht, Länge der Beine, Stärke der Sprunggelenke und andere Verſchiedenheiten der Geſtalt oder des Temperaments haben mancherlei Varietäten in der Art des Springens zur Folge. Schabloniſierung iſt unan⸗ gebracht. Aber es gibt beſtimmte Grundlagen und Regeln, die immer gelten. Zunächſt: ſeine Skier gut in Hrdnung halten. Wer bei gutem Schnee im Landſturmtempo den Anlauf herab⸗ kommt, ſoll zuerſt wachſen lernen. Sodann: nur ſpringen, wenn man abſolut ruhig iſt und ſeine fünf Sinne beieinander hat. Aufgeregtheit iſt nicht der geeignete Gemütszuſtand zum Springen. Wenn man ruhig iſt, hat man auch Schneid. Beſſer geſagt: Man iſt ruhig, weil man Schneid hat. Schließlich: Nie mehr als fünf Sprünge hintereinander an kleinen oder drei an großen Sprunghügeln machen. Das — 75— Springen zehrt ſtark Muskel- und Nervenkräfte auf. Iſt man übermüdet, ſo iſt ungeſtümes Weiterſpringen ſinnlos. Es kommt nichts dabei heraus. Der Anlauf. Einfache, ſchmalſpurige, aufrechte Abfahrtsſtellung. Zehn bis zwanzig Meter vor der Schanze ſich in Kniebeuge fahren und die Skier ſo zuſammennehmen, daß die Spitzen neben⸗ einander liegen. Alſo kein Fuß vor. Das Fahren in dieſer — Anlauf. Stellung iſt zwar unſicherer, ermöglicht aber einen ſicherern und ſtärkeren Abſprung. Die Arme einfach herabhängen laſſen. Den Atem nicht anhalten, ſondern Atem holen. Es hat keinen Zweck, alle Muskeln und Nerven zu früh zur Höchſt⸗ leiſtung anzuſpannen und dann in dieſer Spannung zweck⸗ los zu bleiben. Auch das Fahren in Kniebeuge gleich von Anfang an ermüdet die Muskeln, auf die es gerade ankommt, zu ſehr. Was durch dieſe Stellung infolge Verringerung des Luftwiderſtands an Schnelligkeit gewonnen wird, geht an Kraft des Abſprungs verloren. Außerdem ſchadet es dem ———————— — 76— Geſamtbild, wenn man die eindrucksvolle Vorbereitung zum Sprung, das Zuſammenkauern, nicht ſieht. Der Abſprung. Beim Annähern an die Sprungſchanze ſich noch einmal verſichern, daß die Füße feſt zuſammengepreßt ſind. Ein breit⸗ ſpuriger Abſprung ſieht fatal aus. Noch tiefer in die Knie gehen als bei der Anfahrt. Oberkörper ſtark vorlegen. Kurz vor der Sprungkante mit einem blitzartigen, energiſchen Ruck den ganzen Körper ſtrecken, ohne die Knie, wie beim gewöhn⸗ Kurz vor dem Abſprung. lichen Sprung, in der Luft noch einmal anzuziehen. Den Moment des Abſprungs kann man nicht durch Maßangaben bezeichnen. Er muß inſtinktiv und ſicher als ein Neſultat geſpannteſter Beobachtung erfaßt werden. Springt man im richtigen Moment ab, ſo iſt der Körper kerzengerade geſtreckt gerade in dem Augenblick, wo er über die Sprungſchanze fliegt. Am ſchwerſten zu überwinden iſt der inſtinktive Drang, ſich beim Abſprung zurückzulehnen. Gibt man dieſen plötz⸗ lichen Anwandlungen nach, ſo gehen einem, wie bei raſcher Abfahrt am ſteilen Hang, die Skier unter dem Oberkörper weg, und man landet auf dem Rücken. Da hilft nur eines. Sich energiſch beim erſten Anfahren auf die Zehen ſtellen und ſich damit nach vorne abſtoßen. Kopf hoch halten und Schultern nach hinten drücken. Anfänger und oft auch noch Fort⸗ geſchrittene ziehen leicht den Kopf zwiſchen die Schultern. Das iſt ein letzter Reſt von Angſt. Wenn man den Hals im Moment des Abſprungs ſtreckt und den Kopf ſo nach vorne richtet, daß man gut in den Abgrund ſehen kann, dann ergibt ſich aus dieſer Stellung alles andere faſt von ſelbſt. Die Arme werden beim Abſprung ſehr verſchieden gehalten und bewegt. Die einen werfen ſie, um möglichſt hoch zu kommen, in die Luft, was nicht immer ſehr ſchön ausſieht. Andere breiten ſie geſtreckt wie Flügel horizontal aus. Wieder andere halten ſie bei der Anfahrt ſteif mit geballten Fäuſten nach hinten und geben ſich mit ihnen im Moment des Abſprungs einen kurzen, ſteifen Ruck nach vorne. Noch andere halten ſie bei der Anfahrt nach vorn und recken ſie mit heraus⸗ gedrückter Bruſt ſteif nach hinten und etwas nach außen, um dem weit vorgelegten Körper eine Balance nach rückwärts zu geben. Viele laſſen die Arme auch ſchlaff herabhängen und ſchwingen ſie erſt im letzten Moment aufwärts. Alle Arten des Abſprungs ſind gut, wenn der Sprung ſelbſt furchtlos und ruhig mit dicht nebeneinander geführten Skiern und ganz geſtrecktem Körper ausgeführt wird. Durch einen guten Ab⸗ ſprung, der aber ein wirkliches Abſtoßen, alſo ein Satz, ſein muß, wird die Sprunglänge um ganze Meter erhöht. Die Anſicht, daß man durch den Abſprung weit über die Höhe der Sprungkante hinauskommt, iſt irrig. Er dient nur dazu, um ſich möglichſt lange in der gleichen Höhe zu halten. Bei abfallenden Hügeln beginnt der Körper ſchon ein Meter nach der Sprungkante zu ſinken. Alles andere iſt optiſche Täu⸗ ſchung. Die Haltung in der Luft iſt um ſo ſchöner, je ruhiger ſie iſt. Körper ſenkrecht zum Hang! Starke Armbewegungen ſind möglichſt zu vermeiden. Kommt man ohne ſie nicht aus, ſo ſeien ſie wenigſtens gleichmäßig. Wenn die Arme 2—3 mal nach Verlaſſen der Sprungſchanze im Kreiſe wie Luftſchrauben herumſchwingen, ſo ſieht das wie der Flügelſchlag eines großen Vogels aus und hilft dazu, etwas weiter zu kommen. Am impoſanteſten wirkt die Hal⸗ tung der leicht gebeugten Arme nach vorwärts, wobei die — 78— Hände oder höchſtens die Oberarme zum Rudern gebraucht werden. Führt der Springer bei dieſer Haltung auch noch die Skier eng beieinander, genau parallel und parallel zum Hang, ſo wohnt dieſer Stellung eine flughafte Ruhe und Majeſtät inne. Die richtige Skihaltung iſt der ſchwierigſte Teil während der Luftfahrt. Eine völlig korrekte Skihaltung mit abwärts geneigten Spitzen iſt äußerſt ſelten zu beobachten. Die Hölzer, die ſich ſo ungebärdig in der Luft benehmen und wie aufgeregte Gäule in die Höhe ſteigen, haben ſchon manchen Springer faſt zur Verzweiflung gebracht. Wenn man kurz Kurz nach dem Abſprung.(Ideale Körper⸗ und Skihaltung.) nach Verlaſſen der Sprungkante die nach vorn geſtreckten Arnie ſeitwärts zurückſchlägt und den Körper noch einmal gewiſſer⸗ maßen in zweiter, verſtärkter Auflage ſtreckt, ſo erfolgt durch die abwärts geſtreckten Zehen ein Herabdrücken der Skiſpitzen von ſelber. Das Rezept iſt gut, aber die Ausführung ziem⸗ lich ſchwer. Sonſt wären nicht ſo viele mit den Enden herab⸗ hängende Skier in der Luft zu ſehen. Der Aufſprung. Kurz vor dem Aufkommen auf den Schnee wird ein Ski, gewöhnlich der rechte, etwas vorgeführt und der Stoß — 79— mit federnden, aber nicht zu tief gebeugten Knien aufgefangen. Iſt der ſtärkſte Druck überwunden, ſo wird der eine Ski, was natürlich ſchon in einem Bruchteil der nächſten Sekunde ge⸗ ſchehen muß, noch weiter vorgeführt, wodurch die Balance nach vorn und hinten geſichert iſt. Die ſeitliche Balance wird durch die Arme erleichtert. Der Aufſprung, der von aller Zaghaftigkeit frei und nicht hart, ſondern elaſtiſch ſein ſoll, hängt ſtark von der Skihaltung in der Luft ab. Doch ſind Aufſprünge, bei denen die Gleitfläche gleichzeitig in ihrer ganzen Ausdehnung den Schnee berührt, ſehr ſelten, obwohl Doppelſprung.(Die Körper der Springer ſind durch die Aufnahme von unten perſpektiviſch verkürzt). Gute Körperhaltung. Der Springer rechts läßt einen Ski hinten herabhängen. dies die einzig tadelloſe Skihaltung beim Aufkommen iſt. Meiſtens zeichnet das Hinterende ſchon eine ein bis zwei Meter lange Spur in den Schnee, bevor der tiefe Eindruck der Skimitte die Stelle des Aufkommens genau feſtſtellt. Der Auslauf ſoll möglichſt in aufrechter Stellung und dann mit einem Schwung beendet werden. Nur muß auch der Platz dazu da ſein, was nicht immer der Fall iſt. ———— ͤ˙˙˙—— — 6— — 8 8 — 80— Gute Vorübungen zum Springen ſind Springen ohne Hügel während der Abfahrt. Es macht außerdem viel Spaß. Beim Springen an einem ſogenannten Loopinghügel mit leicht gehöhlter und aufwärtsſteigender Sprungkante lernt man das Vorlehnen auf dem Zwangswege. Wenn man in der Ebene hoch ſpringt und ſich darauf unter Vorführung des einen Ski in die Knie läßt, ſo erhält man eine Ahnung von der richtigen Stellung beim Aufkommen. Stil oder Sprungweite? Dieſe Frage iſt leicht zu beantworten, wenn man ihr die gleichbedeutende Faſſung gibt: Kraft oder Schönheit? Kein Aufſprung.(Der Springer kommt mit den Hinterenden zuerſt auf.) Menſch wird zögern, aus dem„oder“ ein„und“ zu machen. Man ſoll ſie haben„alle beede“. Nimmt der Springer einen gewaltigen Satz auf der Schanze und fliegt weit hinaus in die Luft, ſo wird ein Ah der Bewunderung zunächſt nicht ausbleiben. Iſt er aber über ſeine Kräfte gegangen, zappelt in der Luft, kommt ſchlecht auf oder auch gar nicht, ſo folgt bei den ſachverſtändigen Zuſchauern der anfänglichen Bewunde⸗ rung jene Verſtimmung, die jedesmal eintritt, wenn jemand einem nicht hält, was er verſprochen hat. Ein kühner Ab⸗ ſprung iſt ein Wechſel, den man nur durch gute Haltung und ſicheres Aufkommen einlöſen muß. Sonſt geht man ſportlich über ſeinen Kredit hinaus. Der nicht ſehr weite, aber ruhige, 31— ſichere Sprung, bei dem alle Schwierigkeiten ſouverän über⸗ wunden werden, ſteht weit höher im Wert, als der Dreißig⸗ meter⸗Sprung in ſchlechter Haltung. Es liegt aber auch auf der Hand, daß der Wert einer ſchönen Haltung faſt im Quadrat höher zu veranſchlagen iſt, je weiter der Sprung auszfällt. Denn die Schwierigkeit der guten Haltung wächſt bei größer werdender Sprunglänge faſt im Quadrat. Der richtige Ent⸗ wicklungsgang beim Springen iſt wohl der, daß man, wenn einmal zehn Meter in abſolut einwandfreier Haltung ſicher ſind, zunächſt die Sprungweiten zu erhöhen ſucht, und dann, wenn dies erreicht iſt, immer den Stil nachkorrigiert. Im übrigen läßt ſich die Kunſt des Springens nicht erzwingen. Es gehört nicht nur Mut und Fleiß, ſondern auch Veranlagung dazu. Mancher gute Läufer plagt ſich im Schweiße ſeines Angeſichtes und kommt nicht weiter, als ſeine heiße Stirn jedesmal im tiefen Schnee zu kühlen. Andere ſegeln nach kurzer Zeit ſchon ganz flott durch die Luft, ohne zu ſtürzen. Wenn auch nicht jeder gute Läufer ein guter Springer iſt, ſo iſt doch jeder gute Springer auch ein feiner Läufer. Ob auch ein ausdauernder, das iſt wieder etwas anderes. Daß aber der Sprunglauf die innere und äußere Sicherheit im Skilaufen bedeutend erhöht und befeſtigt, das kann niemand ernſtlich beſtreiten. Außerdem iſt ein Sprung das ſchönſte Bild in der ganzen Kunſt des Skilaufs. Einen jungen Men⸗ ſchen wie einen Adler, ruhig und ſtolz dahinfliegen zu ſehen, das iſt ein Anblick, der immer wieder die Bruſt ſchwellen macht. Ich verſtehe das friſche, luſtige Mädchen, das, als es zum erſtenmal einen weiten Sprung auf Schneeſchuhen ſah, mit dem Fuß auf den Boden ſtampfte und ſagte:„Schon deswegen hätt' ich gern ein Bub ſein mögen!“ Laufen in ſchwierigem Gelände. Eine Abfahrt durch ſchwieriges Gelände, durch dichten, ſteilen Wald mit dazwiſchen verſtreuten großen Felsblöcken ermöglicht erſt die richtige Nagelprobe auf das techniſche Können. Wenn man ſich nicht mehr Ort und Zeit auswählen kann, wo einem ein Kriſtiania, ein Stemmbogen, ein Seiten⸗ ſprung oder ein Tiefſprung beliebt, ſondern wenn ein Baum, ein Fels, ein ſteiler Abſturz plötzlich und kategoriſch ſagt: jetzt!— dann bricht zumeiſt die auf dem Übungsplatz erworbene Kunſt wie ein Kartenhaus zuſammen, und man hilft ſich mit Fendrich, Skiläufer. 6 dem kürzeſten aller Kriſtianias: man läßt ſich fallen. Da zeigt es ſich dann, daß alle ſchönen Telemark⸗ und Kriſtiania⸗ ſchwünge am offenen Hang nur Manöver ſind. Der Ernſtfall aber iſt hier. Eine ununterbrochene Abfahrt im ſchwierigen Gelände nennt der Norweger mit einem Wort aus dem telemarkiſchen Dialekt: Slalom. Das Slalomfahren iſt kein ſo überwältigen⸗ des Schauſpiel wie das Springen, aber für den Läufer ſelbſt viel reizvoller. Wie prickelnd iſt es ſchon, in Stemmbögen durch nicht zu dichten Wald zu fahren, hübſch um die Bäume herum zu kreiſen und es dann eine enge Schneiſe hinab ein⸗ mal ſauſen zu laſſen, um ſchließlich unten mit einem Kriſtiania gerade vor einem Baum zu halten, der nicht ſo liebenswürdig war, auf die Seite zu gehen. Auch von Menſchen kann man nicht immer verlangen, daß ſie einem aus dem Wege gehen. Auch in einem Menſchenwald muß man Slalom fahren können. Wir Mitteleuropäer können uns das zwar nicht vorſtellen, aber in einem ſehr inſtruktiven Aufſatz über das Skifahren in Norwegen erzählt Profeſſor Lefman eine Epiſode, deren Wiedergabe ich mir nicht verſagen kann. „Schon vor Beendigung der Sprungläufe am Hegghuls⸗ bakken machte ſich eine Anzahl von Vorſtandsmitgliedern daran, eine ca. einen Kilometer lange Abfahrt im Walde zu markieren. Der ſchwierigſte Teil dieſer Rennſtrecke war nun mehr als eine Stunde lang und vor Beginn des Nennens der Schauplatz des intereſſanteſten Skibetriebs, den ich je geſehen habe, und den man bis jetzt nur in Norwegen ſehen kann. Kreuz und quer fuhren Hunderte von Läufern und Läuferinnen auf der Strecke herum, ſauſten hier eine RNinne hinab, benützten dort einen Vorſprung als natürlichen Sprung⸗ hügel, fuhren nach dem Abſprung haarſcharf zwiſchen zwei Bäumen hindurch, eine Anhöhe hinauf, wieder einen Hang hinunter und wußten in all dem Durcheinander mit erſtaun⸗ licher Sicherheit jede Kolliſion miteinander und mit den Zu⸗ ſchauern, jedes Anrempeln von Bäumen zu vermeiden. Eine ganze Anzahl von Läuferinnen fuhr, den Stock frei in der Rechten haltend, dicht hintereinander den ſchwierigſten Teil der Rennſtrecke hinunter, mitten zwiſchen ihren Weg kreuzen⸗ den Skiläufern, zwiſchen Zuſchauern und Baumſtämmen hin⸗ durch. Dieſe Art des Skifahrens verlangt vielleicht in noch höherem Grade als der Sprunglauf, der immerhin eine recht einſeitige übung bleibt, vollſte Beherrſchung der Skier, vor — 838 allem aber verlangt ſie mehr Geiſtesgegenwart und raſche Entſchlußfähigkeit.“ Das letztere wird nicht zu beſtreiten ſein. Aber da das Schwerſte auch nicht immer zugleich das Schönſte iſt, ſo wird die Krone des Skilaufs doch wohl der Sprunglauf bleiben. Eine wichtige Art des Skilaufs im ſchwierigen Gelände iſt die Kunſt, langſam zu fahren. Auch im Schwarzwald, dem Vieſengebirge und beſonders in den Vogeſen gibt es alpines Gelände, in dem alle fein ausbalancierten Schwünge auf⸗ hören, beſonders wenn man einen ſchweren Nuckſack auf dem Rücken hat. Ein guter Stock und Stemmbögen ſind da der einzige Verlaß. Das Laufen⸗ laſſen hört auf. Die Sicherheit wird wichtiger als die Eleganz. Auf ſolchem Ter⸗ rain der deut⸗ ſchen Mittel⸗ gebirge und natürlich auch der Voralpen iſt Lawinen⸗ Stemmbogen vor ſteilem Abſturz, mit Stockhilfe. gefahr nicht ganz ausgeſchloſſen. Es handelt ſich um einige wenige Stellen, die aber den Skiläufern gewöhnlich nicht bekannt ſind. Am beſten kauft man ſich einen Spezialführer für die betreffenden Gebirge. Es exiſtieren deren ſchon ganz vorzügliche. Kennt man dann die Stellen und iſt man nicht alpiniſtiſch geſchult, ſo bleibe man unter allen Umſtänden weg davon. Um übrigens keine unnötige Beunruhigung entſtehen zu laſſen, ſei mitgeteilt, daß z. B. im Schwarzwald, der vier Lawinenhänge hat, ſeit zehn Jahren nur ein Lawinenunglück vorgekommen iſt. Ähnlich liegen die Dinge in den übrigen deutſchen Mittelgebirgen. Die Vor⸗ alpen ſind ſchon gefährlicher. Dort ſollte der Skiläufer auch Alpiniſt ſein. — 834 über Hygiene und Unfälle. Wer ſich vom Arzt unterſuchen läßt, bevor er mit dem Skilaufen beginnt, iſt, wenn ihm ſonſt nichts fehlt, ein Hypo⸗ chonder. Wer aber ſchwächlich iſt, oder wer ſich zum Wett⸗ läufer ausbilden will, der laſſe ſich auf Herz und Nerven prüfen. Der zu befragende Arzt ſoll jedoch ſelber Skiläufer ſein. Sonſt kann man oft ſeltſame Dinge zu hören bekommen. Es gibt keine beſondere Hygiene des Skilauſs. Ein wenig Selbſtbeherrſchung und geſunder Menſchenverſtand ſind die Hauptſache. Am Mittagstiſch eſſe man ſich nicht vollſtändig ſatt, mag der Appetit noch ſo ſtark ſein. Sonſt iſt es mit der Leiſtungsfähigkeit für den Nachmittag vorbei. Ein„plenus venter“ ſtudiert nur nicht gern, ſondern findet auch keinen beſonderen Geſchmack an körperlichen Anſtrengungen. Der Alkohol wirkt ähnlich, ebenſo zu viel Fleiſch. Mehlſpeiſen, ſüße Früchte, Gemüſe und Fett ſtellen die Körperkräfte nach ſtarken Anſtrengungen weit raſcher her als Fleiſch. Bei Er⸗ ſchöpfung tut ein Glas recht dickes Zuckerwaſſer oft Wunder. Auf der Tour ſind Schokolade, Orangen, leichte Kakes am beſten. Wenn es ſehr kalt iſt, ja die Butter nicht vergeſſen! Es gibt Situationen, wo man ſie aus der Hand ißt, um ſich raſch Wärme zuzuführen. Muß man bei einem Nennen als Zuſchauer oder Teil⸗ nehmer lange müßig in der Kälte herumſtehen, ſo iſt es eine köſtliche Sache, wenn man dann und wann einmal hinter einen Strauch verſchwinden und dem dort abgelegten Ruckſack eine gefüllte Thermoflaſche und dieſer einen Schluck heißen Kakao entnehmen kann. Man bleibt friſch und warm dabei. Vor dem Erfrieren ſchützt nur eines: gute, trockene Am⸗ hüllung und Bewegung. Naſe und Wangen, die man nicht einhüllen kann, ſchmiere man bei großer Kälte mit Fett ein und prüfe ſich häufig durch Anfaſſen auf das Gefühl. Ge⸗ fühlloſigkeit iſt das erſte Anzeichen des Erfrierens. Und dieſer erſte Grad der Erfrierung tritt außerordentlich plötzlich ein. Ein bis zwei Minuten können genügen. Iſt ein Glied im erſten Grad erfroren, d. h. weiß, blutleer und gefühllos, dann maſſiere man es mit Schnee, bis die Blutzirkulation wieder hergeſtellt iſt. Die Herſtellung des Normalzuſtandes iſt oft mit Schmerzen verbunden. Naſches Auftauen eines erfrorenen Gliedes durch Wärme iſt ſehr gefährlich. Der zweite Grad der Erfrierung zeichnet ſich durch eine rotblaue Färbung aus, der dritte durch eine blauſchwarze mit brandiger Entzündung der Haut. In den beiden letzten Fällen iſt das einzige eine Fettverpackung und dann ohne Verzug zum Arzt. Alkohol⸗ genuß erhöht die Erfrierungsgefahr. Zu enge Stiefel ſind für die Zehen ſehr gefährlich. Ein paar trockene Neſervehand⸗ ſchuhe und Reſerveſocken im Ruckſack können manches Schlimme verhüten. Durch Schwitzen bei ſtarkem Froſt erkältet ſich kein Menſch, wenn er in ſo ſtarker Bewegung bleibt, daß keine raſche Abkühlung möglich iſt. Aber ſobald man ruht oder zu Hauſe iſt, ſoll man ſich durch Anziehen von Lederweſten, Sweater oder ähnlichem gegen raſche Abkühlung ſchützen, reſp. die Wäſche wechſeln. Daß der Ruckſack auf Touren durch Reſervewäſche nicht leichter wird, daran iſt nichts zu ändern. —— —— Transportſchlitten(nach Paulcke). Was die Unfälle betrifft, gewöhnlich Sehnenzerrungen, Verrenkungen und Brüche, ſo kann man ruhig ſagen, daß dieſe meiſtens durch die Skiläufer, nicht durch den Skilauf ver⸗ urſacht werden. Wenn Leiſtungen verſucht werden, die über die Leiſtungsfähigkeit hinausgehen, ſo iſt es kein Wunder, wenn etwas paſſiert. Bei einem Unfall bleibe man vor allem ruhig und verliere nicht den Kopf. Es gibt Schlimmeres als einen Fuß zu verrenken oder ein Bein zu brechen. Iſt man ſelbſt nicht der betroffene Teil, ſo laſſe man die Hände weg, wenn man nichts von der Sache verſteht, und rufe möglichſt raſch ſachverſtändige Hilfe. Gegen die Schmerzen kann man fürs erſte Umſchläge mit Schnee machen. Muß man allein mit dem Verunglückten fertig werden, ſo iſt die Hauptſache, das gebrochene oder verrenkte Glied unbeweglich zu machen, weil jede Bewegung den Schmerz erhöht. Da muß man ſich mit Skiſtöcken, Baumzweigen oder was gerade da iſt, helfen, nachdem durch Handſchuhe, Reſervewäſche oder ähnliches das Glied einigermaßen gepolſtert iſt. Aus zwei Paar Skiern, wenn es ſein muß auch aus einem, etwas Riemenzeug, Hoſen⸗ trägern oder ähnlichem läßt ſich ein dürftiger Transport⸗ ſchlitten herſtellen.. Die Hygiene des Skilaufs hat aber auch eine wichtige poſitive Seite. Im allgemeinen mag die Menſchheit geſünder ſein als früher; daß aber die Nervenreizbarkeit größer iſt, läßt ſich nicht beſtreiten. Die Urſachen können hier unerörtert bleiben. Der Wert des Skilaufs als Mittel gegen die moderne Nervoſität liegt nicht nur darin, daß durch die Bewegung in ſtaubfreier, friſcher Luft und im Sonnenlicht die ſauerſtoff⸗ tragenden, lebensvermittelnden Beſtandteile des Blutes, die roten Blutkörperchen, bedeutend vermehrt werden, ſondern vor allem in dem Glücksgefühl, das den Menſchen durch die im Skilauf enthaltene Miſchung von Spiel und Körper⸗ anſtrengung vermittelt wird. Glücksgefühl aber iſt die mäch⸗ tigſte aller Nervenſtärkungen. Die Daſeinsfreude wird erhöht durch den Lauf auf den treuen Brettern. Wenn durch Ruhmſucht und Rekkordjägerei Schädigungen eintreten, was nicht abſolut nötig, aber möglich iſt, dann trifft die Schuld wiederum nicht den Skilauf, ſondern den Skiläufer. Menſchliches⸗Allzumenſchliches. Die Skier ſind zwar nicht die Bretter, welche die Welt bedeuten, aber Theater wird doch ziemlich auf ihnen geſpielt. * Who can does, who cannot teaches— ſagt der boshafte Bernhard Shaw. Ins Skideutſche überſetzt, heißt das: Ein guter Läufer iſt ſtill und fährt, ein ſchlechter belehrt immer die andern. Du lächelſt erhaben über einen, der im Schnee liegt? Wie lange iſt es her, daß auch deine Bretter mit dir gingen, wohin ſie wollten? 4 Wenn dich jemand fragt, wie weit du ſpringſt, dann über⸗ lege dir zuerſt, ob du überhaupt ſpringſt! * — Du biſt ein Anfänger? Es iſt eine Schande, ſich des⸗ halb zu ſchämen. * Wenn du etwas wiſſen willſt, mach' den Mund zu und die Augen auf! Wenn einer den erſten Winter Ski läuft und am übungs⸗ hügel weidlich über ſich ſchimpft, weil er keinen geſtandenen Sprung zuwege bringt, ſo übt er keine Selbſtkritik, ſondern begeht eine Anmaßung. † „Eigentlich ſollte man zuerſt Telemark und Kriſtiania lernen, damit man wenigſtens auch ordentlich halten kann“— ſagte einer, der gerade zum erſtenmal auf Schneeſchuhen ſtand. Es wäre gewiß auch nützlicher, wenn die Kinder einige Kennt⸗ nis in höherer Gymnaſtik mit auf die Welt brächten. * Begehre nicht deines Nächſten Sprunghügel! Aber halte es mit fremden Sprunghügeln wenigſtens wie mit den Wohnungen: verlaſſe ſie allermindeſtens ſo, wie du ſie angetroffen haſt! * Wenn du ein Naturfreund biſt, ſo gerate nicht in Be⸗ geiſterung vor einem andern! Er könnte wirklich einer ſein. * Es ſtellt ſich dir jemand auf dem Schnee mit ſeinem vollen Titel vor. Meide ihn! Es ſagt dir jemand nur ſeinen Namen, klappt aber dabei die Hinterenden der Skier zuſammen. Sei vorſichtig! Du weißt am dritten Tag von einem, den du öfters triffſt, weder Name noch Amt. Wahrſcheinlich haſt du die Bekanntſchaft eines ganz famoſen Kerls gemacht! * Man iſt nicht verpflichtet, durch ſeinen Skianzug zu ver⸗ raten, wes Geiſtes Kind man iſt. * Mein Sohn, hüte dich vor denen, welche„ſo gern Touren machen“ und ſich dir„anſchließen möchten“, wenn du„ſo liebenswürdig ſein wollteſt, es gütigſt zu geſtatten“, indem ſie dir„auf keinen Fall irgendwie zur Laſt fallen wollen“. — Sei nicht ſo liebenswürdig! Sie ſind eine Laſt! * — 88— Wenn du auf der Tour merkſt, daß der andere ſchwächer iſt, ſo laß ihn deine überlegenheit nicht fühlen! Laß ihn aber auch deine Nückſicht nicht fühlen! 3 Was morgen für Wetter iſt? Antworte nie auf eine ſolche Frage! Du könnteſt einmal recht haben und dir dann einbilden, du habeſt es gewußt. * Eigenbrödler und Egoiſten ſind auf Touren ſchwer zu ertragen. Man kann aber auch durch ſeine unbegrenzte Liebenswürdigkeit und Dienſtfertigkeit den andern auf die Nerven gehen. * Haſt du bei ungünſtigen Schneeverhältniſſen eine Tour in wirklich ſehr kurzer Zeit gemacht, ſo ſag' es nicht! Du kannſt es niemandem übelnehmen, wenn man es nicht glaubt. Es wird auf dieſem Gebiet zu viel ge—dichtet. * Du bitteſt jemand um Auskunft, wie lang es zur nächſten Bahnſtation iſt. Gehe die Hälfte der angegebenen Zeit früher fort! Der Zug wird dir dann wahrſcheinlich gerade vor der Naſe wegfahren. * Du glaubſt, du ſeiſt nicht eitel? Gib einmal acht, ob ſich nicht gerade dann, wenn du deine Schwünge machſt, immer zufällig Menſchen in der Nähe befinden. * Man kann ſehr ſchmalſpurig fahren und doch ſehr breit⸗ ſpurig auftreten. * Bei Tiſch darf man ſich auch über andere Dinge als Skibindungen unterhalten. * Meiſtens kann man immer alles auf anderem Schnee beſſer. * Es iſt nicht unmöglich, ein ſehr guter Skiläufer und dennoch ein Gentleman zu ſein. Man kann ſogar einer ſein, wenn man nichts von alledem verſteht. * R. Fendrich, Der Shiläufer. Worgen am WMittkelbuck. AM. Fendrich, Der Shiläufer. Schneeharſch im Sonnenglanz Worgen am Feldberg). Techniſche Natſchläge. Skibrüche. Bricht einem ein Ski, ſo hole man nicht ſofort ſeinen Re⸗ paraturbeutel aus dem Ruckſack, um ſich in Aufregung und Schweiß zu arbeiten, ſondern betrachte zunächſt einmal ruhig ſeine Situation in bezug auf Tageszeit, Schneeverhältniſſe und Ent⸗ fernung vom nächſten Haus. Bei großer Kälte und in tiefem Schnee iſt es ſchlecht bohren und hämmern. Deshalb iſt eine me⸗ tallene Erſatzſpitze, die man in allen Sportsgeſchäften haben kann, trotz ihrer Mängel, die raſcheſte und beſte Hilfe. Man kann, wenn es ſich nur um einen Spitzenbruch handelt, damit bis zur nächſten menſchlichen Wohnung kommen, wo ſich dann eine ordent⸗ liche Reparatur leichter ermöglichen läßt. Natürlich darf man die abgebrochene Spitze nicht im Schnee liegen laſſen. Mit zwei etwa handbreiten Metallſtreifen von alten Konſervenbüchſen und kurzen, ſtarken Nägeln kann man ziemlich raſch und haltbar Spitzenbrüche reparieren. Unentbehrlich iſt dabei das Univerſalwerkzeug, das gleichfalls in allen Sportsgeſchäften geführt wird. Die mittlere Größe mit Hammer iſt die empfehlenswerteſte. Handelt es ſich um einen Bruch, bei dem ſich die Bruchſtellen nicht mehr aneinanderfügen laſſen, dann nagelt man die abgebrochene Spitze einfach vorn an, und zwar unter dem Ski. Dazu braucht es längere Nägel. Die Köpfe ſollen auf der Gleitfläche eingeſchlagen und oben umgebogen werden. Von Fabrikanten werden jetzt abge⸗ brochene Skier gut und haltbar vorgeſchuht. Handelt es ſich aber um den weit ſelteneren Bruch in der Mitte, dann tut man am beſten, auf alle komplizierten Reparaturen im Freien mit Schienen uſw. zu verzichten, und befeſtigt mit einer Notbindung aus Fett⸗ lederriemen und einigen Nägeln das vordere Stück unter dem Fuß. Man kommt ſo zwar langſam, aber ſicher vorwärts. Ein Neparaturbeutel ſoll alſo enthalten: Univerſalwerkzeug, 2 Fett⸗ lederriemen, größere und kleinere Nägel und 2 breite Blechſtreifen von großen Konſervenbüchſen. Schonen der Bindung. Die Lederriemen auf beiden Seiten des Stemmlochs leiden ſtark unter der Reibung im Schnee. Man ſchützt ſie am beſten mit einer Umwicklung von verzinktem Eiſendraht auf etwa 10 cm. Länge vom Stemmloch aus. Geriſſene Niemen laſſen ſich, beſonders wenn ſie naß ſind, nicht mit den ge⸗ wöhnlichen Knöpfen repa⸗ rieren. Eine empfehlenswerte Art iſt beiſtehend gezeichnet. Stollen von Schnee an den Abſätzen oder unter der Fußſohle können einem viel Verdruß bereiten. Unter der Sohle entfernt man den Schnee mit dem langen Steckmeſſer(Hirſchfänger), das man in einer Scheide hinten an der Hoſe(nicht als„Dolch“ vorn über der Milz, wie es auch vorkommt) tragen ſoll. Es iſt auf Touren zu allerlei nützlich. Stollenbildung an den Abſätzen iſt un⸗ möglich, wenn man auf den Ski unter dem Abſatz ein Stück dünnes Blech nagelt und unter den Abſatz eine dünne Gummi⸗ platte. Bambusſtöcke ſind nicht„unverwüſtlich“, wie es in einem älteren Skibuch heißt, ſondern ſie bekommen ſehr leicht Niſſe, beſonders bei der be⸗ liebten Art, den Schnee auf den Skiers durch Schlagen der Ski mit dem Bambusſtock zu entfernen. Man ſchlage die Skier mit den Spitzen ſeitlich zuſammen, dann fällt der Schnee herab, und die Bambusſtöcke bleiben ganz. Schlechtlackierte ſchwarze Ski kann man mit Spirituslack(für 10 Pfg. genügt) wieder auf⸗ friſchen. Die beſte Schuhſchmiere iſt Kammfett, das man beim Pferdeſchlächter billig haben kann. Es iſt der Hauptbeſtandteil der teuern, ſäurefreien Lederkon⸗ ſervierungsmittel. Felle unter den Skiern als Erleichterungsmittel beim Bergaufgehen ſind im Mittelgebirge nur älteren Herren oder Damen, die ſich ſchonen müſſen, zu empfehlen. Dann aber iſt es beſſer, ſie gleich ins Holz einzulaſſen und dort ein für allemal zu fixieren. Das Aufbewahren und Aufſpannen der Ski im Sommer iſt eine wichtige, oft verſäumte Sache. Heiße Speicher eignen ſich nicht zum Überſommern der Bretter. Dagegen ſollen ſie — 91— ein⸗ bis zweimal aus dem kühlen, dunkeln Aufbewahrungsort im Sommer hervorgeholt, einige Stunde an die Sonne geſtellt und dann mit Leinöl getränkt werden. Heizungsröhren in Eiſenbahnwagen oder an Dampfheizungskörpern in Hotels ſind die größten Feinde der Stiefel. Das Fett wird am Leder zu heiß und zermürbt dieſes. Erſt am andern Tag oder noch ſpäter erſt fällt ein Loch in das Leder, und gewöhnlich weiß man nicht, wie der Schaden entſtand. Schneebrillen ſind unentbehrlich. Am gefährlichſten iſt diffuſes Licht, wie man es trifft, wenn die Sonne über Nebel ſteht. Da wird man leicht ſchneeblind. Schneebrillen ſollen genügend groß, nicht zu dunkel ſein und das Licht auch ſeitlich abblenden. Kompaß und Karte muß man zu gebrauchen verſtehen, wenn ſie etwas nützen ſollen. Es gibt Leute, die„zur Vorſicht“ ſtets einen Kompaß, aber keine Karte bei ſich haben. Ein genaues Studium der Karte iſt Vorbedingung zum Gebrauch des Kompaſſes bei Nebel oder Dunkelheit. Aber auch eine genaue Kenntnis des Geländes iſt notwendig. Mehr als ein Beiſpiel beweiſt, daß es auch im Mittelgebirge lebensgefährlich werden kann, ohne Kenntnis der Markierungen, beſonders allein, eine Skitour zu unternehmen. — 92— Beim ESkikurs. Es iſt mit dem Schneeſchuhlaufen eine eigene Sache. Wenn man meint, jetzt könnte man's, dann fängt es über⸗ haupt erſt rich⸗ tig an. Es gibtviele Men⸗ ſchen jeden Alters und Ge⸗ ſchlechts, die treuherzig und allen Ernſtes der Meinung ſind, ſie könn⸗ ten Schnee⸗ ſchuh laufen, und dies mit beiläufig ein⸗ geſtreuten Skifahrt mit Pferdevorſpann(Snörrekjöring). intereſſanten Details den an⸗ dern glaubhaft machen wollen. Aber ein Skikurs bringt alles an den Tag. Es wird beim Schneeſchuhlaufen auf autodidaktiſchem Weg eine Unmenge Kraft unnütz verſchwendet. Wer ſich die Fehler eines mehr⸗ jährigen ſtil⸗ loſen Ski⸗ laufens abge⸗ wöhnen oder nicht erſt ange⸗ wöhnen will, dem iſt nur zu einem Skikurs zu raten. Aller⸗ dings iſt eine ſtramme, faſt militäriſche Leitung des Sieſta nach dem Skikurs. Kurſes durch eine geſchickte Hand unumgänglich, ſonſt wird der Skikurs nur ein mehrtägiges, allerdings nicht geringes Vergnügen. Wenn aber morgens — 93 ehrlich und redlich geübt und nachmittags auf kleinen Ausflügen das Geübte nach Möglichkeit angewandt wird, ſo kommt in der kurzen Zeit mehr techniſches Können in die Beine, als von ſelbſt in zwei Jahren. Äber vier Tage ſollte kein Skikurs dauern. Die Schüler werden infolge der unausbleiblichen Ermüdung ſonſt gleichgültig. In unſern Tagen, wo das ſtudentiſche Leben immer inhaltsloſer und äußerlicher wird, tut es wohl, wenn gerade die Mitglieder von akademiſchen Skiklubs ſuchen, ihr Können auch andern mitzuteilen. Winterfahrten. Es kommt die Zeit, wo man einmal genug hat von Ski⸗ kurſen, Sprunghügeln, Wettläufen, Übungsplätzen und dem ganzen Maſſenſkibetrieb. Man ſehnt ſich nach ſtillen Wald⸗ wieſen mit tiefem, jungfräulichem Pulverſchnee; nach weiten, blinkenden Kuppen ohne Telegraphenſtangen; nach der Ein⸗ ſamkeit eiserſtarrter Forſte und nach lodernden Lagerfeuern mit einem kräftigen Imbiß. Alle Skitechnik, die ſo oft nur Selbſtzweck iſt, verliert ihren Schiller und wird reines, be⸗ ſcheidenes Mittel. Aber jetzt erſt, beim Wandern auf Schnee⸗ ſchuhen, auf den Entdeckungsreiſen ins Reich des großen Zauberers Winter wird die grenzenlos vielſeitige Verwen⸗ dungsfähigkeit der einfachen Bretter ganz erkannt. Hundert⸗ mal wechſelt der Schnee und hundertmal das Gelände. Es geht in allen Tempi von einem Meter in der Sekunde bis zu ¹0 Kilometern in der Stunde. Auch das ganze grandioſe Theater der Bergnatur und des Himmels wechſelt tauſendmal ſeine Kuliſſen. Aus dem Sportsmann wird ein ſtiller Gaſt in der Wunderwelt des Winterwaldes. Man fährt nicht nur mit den Beinen, alle Sinne ſind wach. Die Augen trinken ſich ſatt an dem ſchönſten Kleid der Mutter Erde, an ihrem Empireſtaat in Weiß und Blau. Wo Licht iſt, da ſtrahlen in makelloſer Reinheit die Schneeflächen; wo Schatten iſt, da breitet ſich die tiefe Farbe des Himmels. Das Ohr lauſcht dem Singen des Windes in den vereiſten Zackengipfeln der Tannen; die Haut ſpürt die jagenden Schneekriſtalle. Aber nicht nur der ſonnige Wintertag iſt ſchön. Die Winternacht hat auch ihre Wunder. Am blauen Nachthimmel ſtrahlt noch die Venus. Sie allein wie eine kleine Sonne. Die Schneeſchuhe tönen auf dem hartgefrorenen, vereiſten Schnee, und die Luft iſt wie ein Eisbad. Im Südweſten färbt ein blaßgoldener ÄAtherſchein ſich immer dunkler, und im Nordweſten, hoch oben am Himmel, fliehen Nebelwolken vor dem erſten Morgenſchein. Es tagt, und ein hellgrüner Schimmer legt ſich auf die weißen Schneeflächen. Die über⸗ hängenden Wächten und ihre Viſſe leuchten wie Grünſpan. Aber was iſt denn das? Von den Bergen ſieht man nichts als das ſtolze Herzogenhorn mit ſeinen mächtigen Abſtürzen. In halber Höhe des Berges wogt ein graugrünes Meer, das ſich bis zu den Alpen erſtreckt. Wie roſige Märcheninſeln ſchwimmen die Firne in dem Meer. Drüben, von Oſten her, kommt es in mächtigen Wogen. Faſt unſichtbar iſt die Be⸗ wegung, und mit jener ruhigen, dem Menſchenauge nicht wahrnehmbaren Schnelligkeit, mit der ſich die Bewegung alles Großen auf Erden und an den Himmeln vollzieht, er— gießen ſich die Fluten unter uns. Wild ſteigen die Sturz⸗ wellen auf und bleiben oft wie erſtarrt ſtehen. Immer höher flutet das Meer. Aber alles vollzieht ſich mit einer laut⸗ loſen Ruhe. Man ſieht die Brandung des weißen Giſchtes nur, man hört ſie nicht. Einen Augenblick ruht das mächtige Spiel. Da erhebt ſich ein eiſiges Wehen in den Lüften, und wie ein Gott ſteigt die rotgüldene Scheibe der glühenden Sonne hinter den Alpen empor und wirft uns über das gewaltige Nebelmeer, das unter dem purpurnen Glanz erſchauert, den Morgenſegen zu. Oder am Abend nach einem trüben Märztag! Wie in einer durchſichtigen apfelgrünen Flut ſchwimmen langgeſtreckte, orangeglühende Wolken, rieſigen Goldfiſchen gleich. Die dun⸗ keln Geſtalten der Schneeſchuhläufer heben ſich vom matten Goldgrund des Schnees ab. Tauſende blauer Spuren durch⸗ kreuzen wirr die großen Flächen. Langſam verändern die Wolken Geſtalt und Farbe, während die Menſchen in raſchem Durcheinander dahinſchießen. Die luſtigen Gebilde erkalten zu dunklem Blau, und nur die unteren Nänder der Wolken⸗ bänke wellen ſich und flirren in rotgoldenem Feuer. Um uns herum brennen die Schneefelder in rotvioletter Glut, die aus dem Schnee ſelbſt, nicht vom Himmel zu kommen ſcheinen. Blauſchwarz ſtehen die kühnen Silhouetten der Berge vor der überklaren Abendluft, die immer mehr zu ſanften Perlmutter⸗ tönen abglüht. Zuletzt flammt nur noch eine zu einem phan⸗ taſtiſchen Eistempel zuſammengefrorene Schutzhütte in roter Pracht, und drunten im Tal iſt ſchon alle Farbe erſtorben. Ein totes kreidiges Weiß liegt über dem Land. Aber nicht nur für die grandioſen Schauſpiele am Fir⸗ — 95— mament wird das Auge empfänglich, beim ſtillen Wandern zu zweit oder zu dritt. Auch die Fähigkeit, das Einfache zu erkennen, wächſt. Das Einfache, das vor allen Augen offen daliegt, aber doch den meiſten verborgen iſt. Z. B. ein weites Feld mit pulverigem Neuſchnee, links ein paar vereiſte Tannen, im Hintergrund ein ſonnenbeſchienener Bergrücken, und im Vordergrund eine tiefe, weiche Spur. Wer daran nichts findet, muß eben erſt ſehen lernen. Oder du ziehſt mit leiſe knarrenden Skiern dahin, durch die heilige Stille des Walddoms. Vor ihr fliehen die müßigen Gedanken, und in deiner Seele wird es ſelber weiß und ſtill. Du gleiteſt leiſe über die weichen Kiſſen zwiſchen den glitzern⸗ den Pfeilern und Säulen, den grotesken Rieſen⸗ und Gnomen⸗ geſtalten dahin, in welche der Schnee, der Froſt und der Wind die Tannen verwandelt haben. Du fliegſt unter dem feinen dichtbereiften Aſtwerk überhängender Birken und Buchen hindurch. Es ſind die Torbogen, die Feſtgirlanden des Win⸗ ters, und beim Vorbeiſtreifen küſſen dir die dünnen Silber⸗ zweige die Wangen. Es braucht aber keineswegs alles nur Naturgenuß zu ſein; denn immer können die feinſten Saiten deines Innern nicht ſchwingen unter den leiſen Fingern der Elfen aus dem Wunderland des Winters. Der Menſch hat auch einmal Hunger und Durſt und Sehnſucht nach kompakteren Genüſſen. Und wenn man nach langem, ſtillem Wandern in einer nicht gerade ſehr wohlduftenden Hütte ankommt, wo die Kame⸗ raden rauchend um einen derben Tannentiſch bei kräftiger Koſt ſitzen, wo Gitarrengezupfe und Harmonikablaſen einem in die müden Beine fährt, dann erwacht die Daſeinsfreude erſt in ihrer ganzen Friſche, und das Wohlgefühl, doch ein anderer zu ſein, als die blaſierten Kaffeehausäſtheten der Stadt, überkommt dich mit ganzer Macht. Und wenn dir nachts auf dem Strohlager noch der Sturm gratis ein Schlaf— lied ſingt, dann kannſt du dich über Dürftigkeit des Pro⸗ gramms auf keinen Fall beklagen.— Schluß. Es gibt im Alter kein traurigeres Gefühl, als das Be⸗ wußtſein von Fehlern, die nicht mehr gutzumachen ſind. Man kann dabei an ſolchen Fehlern ganz unſchuldig ſein; der Jammer kommt doch. Wie oft hören wir von alten Leuten, Männern und Frauen, die noch aus Neugier ſich in Schlitten — 96— auf die Winterhöhen führen laſſen, die Worte:„Ach, wenn zu unſerer Zeit nur das Schneeſchuhlaufen bekannt geweſen wäre!“ Wer weiß, ob ſie dann wirklich mitgemacht hätten? Ihr aber, die ihr's noch vor euch habt, laßt's euch nicht genügen mit Schwüngen und Sprüngen! Strebt höher hinauf! Lernt das Wandern auf den Schneeſchuhen! Was wirklich an Stahl in den Menſchen iſt, das kommt erſt dann heraus, und was an Fähigkeiten ſchlummert, wird geweckt. Denn der Skilauf iſt ein Stück Lebensſchule, und es ſteckt mehr Päda⸗ gogik in ihm, als ſich die Schulweisheit träumen läßt. Aber nur, wenn man's recht angreift. Ehrlich und redlich, nicht zum Spiel oder weil es Mode iſt. Sondern mit einem ge⸗ wiſſen Ingrimm, wie einen Feind, der ſich erſt ergeben muß, bevor er einem dient. Dann iſt es wirklich etwas Großes um den Schneeſchuhlauf. Er macht den Menſchen zäh und elaſtiſch und iſt eine Erziehung zu Mut und zur Entſchloſſen⸗ heit. Er verleiht Genußfreudigkeit und lehrt auch Entbehren, wenn es ſein muß. Hat man im ſteilen Anſtieg eine Höhe erobert, dann lohnt der Genuß einer Flugfahrt auf weichem Schneeſamt die harte Mühe. Ein alter Baumſtumpf ſteht im Weg. Ein raſcher Schwung, und die Gefahr iſt umgangen. Ein ſteiler Abſatz liegt in der Fahrlinie. Du kannſt nicht mehr ausweichen. Die Angſt ſteigt dir in den Hals! Aber nein! Du duckſt dich, ein Sprung, und das Hindernis iſt überwunden, und dann geht's wieder hinauf und wieder hinab mit hellen Sinnen und klaren Augen! Iſt nicht das Leben ſo, das richtige Leben? Kampf und Trotz und unerwartete Abenteuer und dann wieder Freude und Friede? Und wenn man heimkommt vom Wandern in den verſchneiten Bergen, dann wird keiner ſagen, wie der durch vieles Genießen griesgrämig gewordene König Salomo: Und wenn es köſtlich geweſen iſt, ſo iſt es Mühe und Arbeit geweſen, ſondern: Und wenn es auch Mühe und Arbeit ge⸗ weſen iſt, ſo iſt es köſtlich geweſen. —sß——vV—V—, Anh ang. nnAnA . F 1— Luzern-Vitznau— Dje via Vierwaldstättersee — verkehrt nach dem — d ſſ Wintersportplatz Rigikaltbad den ganzen Winter. Slehe Fahrplan In den Kursbüchern. Hüttig Lameras infolge ihrer Stabi- lität, bequemen Handhabung, zuver- lässigen Funktion für Winter-Sport unentbehrlich. Katalog Nr. 430 umsonst. Hüttig A.-G. Dresden 21. 11— 3 Grösstes Camerawerk Hüftig-Act-ſigs., Dresden. Eingetr. Warenzeichen. des Kontinents. Gebr. heimhuder Skifabrikanten 88 88 Sonthofen(Allgäu) 38 88 Spezialität: Fabrikation von ski's, Dr. müller⸗Ski⸗Bindung, abnehmb. Fellbelag, Doppelstõcke mit Aluminium⸗Schneeteller, in Bambus oder Esche leicht u. stark, Ziehleinen ulw. 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Das Rein⸗Menſchliche ſoll in den Alpinismus und Touris⸗ mus gebracht werden, die in Gefahr ſind, durch Sportfexereien eine Mode zu werden, von der man ſich über kurz oder lang ab⸗ wenden wird, wenn kein tieferer Gehalt hineinkommt. — Geistige Freiheit und praktischer Sinn sind die Hauptwaffen im Cebenskampf unserer Zeit, man erwirbt sie durch Naturerkenntnis! 12 Lum Beitritt in den„Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde“, laden wir alle hatur⸗ und Bildungsfreunde jeden Standes, ſowie alle Schulen, Volksbibliotheken, Vereine usw. herzlich ein.— Hußer dem geringen lJahresbeitrag von nur Wark 4.80 = KS. 80 h ö. W.— Frs 6.40(dazu kommen, wenn durch den Buchhandel bezogen, 20 2 Bestellgeld extra, durch die Post das Porto) erwachsen dem Mitglied keinerlei Verpflichtungen, dagegen werden ihm folgende große Vorteile geboten: § 5. Die Witglieder erhalten als Gegenleistung für ihren Jahresbeitrag i. J. 1908 kostenlos: 1. Kosmos, handweiser für haturfreunde. Erſcheint zwölfmal jährlich. Reich illuſtriert. Preis für Nichtmitglieder M 2.80. II. Die ordentlichen Verõffentlichungen. — Kichtmittglieder zahlen den Einzelpreis von M 1.— pro Band.—V/ meyer, Dr. m. Wilh., Erdbeben und Vulkane. Dekker, Dr. Herm., hHaturgeschichte des Kindes. Sajò, Prof. Dr. Karl, Krieg und Frieden im Ameisenstaat. Teichmann, Dr. Ernst, Die Uererbung als erhaltende Macht. Floericke, Dr. K., Die Säugetiere des deutschen Waldes. III. Das Recht, die außerordentlichen Veröffentlichungen des laufenden Jahres ebenso wie die veröffentlichungen früherer Jahre oder sonstige im Kosmos den mitgliedern regelmäßig angebotene Werke(darunter Werke von W. Bölsche, Dr. K. Floericke, R. H. Francé, Prof. Gustav Jaeger, Prof. Sauer, Dr. D Schnee u. a.) zu einem ermähigten Subskriptionspreise zu beziehen. lede Buchhandlung nimmt Beitrittserklärungen entgegen und besorgt die Zusendung. Gegebenenfalls wende man sich an die Geschäftsstelle des Kosmos in Stuttgart. ledermann kann jederzeit WMitglied werden; bereits éErschienenes wird nachgeliefert. ————· 0 0 0 [==N= Satzung.=NS 0 0 0— 0 .Die Geſellſchaft Kosmos will in erſter Linie die Kenntnis der Naturwiſſenſchaften und damit die Freude an der Natur und das Verſtändnis ihrer Erſcheinungen in den weiteſten Kreiſen unſeres Volkes verbreiten. 2. Dieſes Ziel ſucht die Geſellſchaft zu erreichen: durch die Herausgabe eines den Mitgliedern koftenlos zur Verfügung geſtellten naturwiſſenſchaftlichen Handweiſers(§ 5); durch Heraus⸗ gabe neuer, von hervorragenden Autoren verfaßter, im guten Sinne gemeinverſtändlicher Werke naturwiſſenſchaftlichen Inhalts, die ſie ihren Mitgliedern unentgeltlich oder zu einem be- fonders billigen Preile(§ 5) zugänglich macht uſw. 3. Die Gründer der Geſellſchaft bilden den geſchäftsführenden Ausſchuß, wählen den Vorſtand uſw. a4. Mitglted kann jedder werden, der ſich zu einem Jahresbeitrag von M 4.80= K 5.80 h ö. W. = Frs 6.40(exkl. Porto) verpflichtet Andere Verpflichtungen und Rechte, als in dieſer Satzung angegeben ſind, erwachſen den mitgliedern nicht. Der Eintritt kann jederzeit er⸗ folgen; bereits Erſchienenes wird nachgeliefert. Der Austritt iſt gegebenenfalls bis J. Oktober des Jahres anzuzeigen, woniit alle weiteren Anſprüche an die Geſellſchaft erlöſchen. 5. Siehe vorige Seite. 6. Die Geſchäftsſtelle befindet ſich bei der Franckh'schen Uerlagshandlung, Stuttgart, Pfizerſtraße 5. Alle Zuſchriften, Sendungen und Zahlungen(vergl.§ 5) ſind, ſoweit ſie nicht durch eine Buchhandlung Erledigung finden konnten, dahin zu richten. = Rosmos— Handweiser für Naturfreunde. érscheint jährlich zwölfmal und enthält: Original-Rufsätze von allgemeinem Interesse aus sämtlichen Gebieten der Naturgeschichte und Naturforschung. KReich illustriert. Regelmäßig orientierende Berichte über Forkschritte und neue Forschungen in den verschiedenen Zweigen der Natur— wissenschaff. Interessante Miszellen. Mitteilungen über Naturbeobachtungen, Vorschläge und Anfragen aus unserem Leserkreise. Bibliographische Notizen über bemerkenswerte neue Er- scheinungen der deutschen naturwissenschaftlichen Literatur— Der Kosmos kostet Hüchtmitglieder jährlich M 2.80. Probehefte durch jede Buchhandlung oder direkt. Dazu die illustrierten Beiblätter: Wandern und Reisen. ⸗ Kus Wald und heide. ⸗ Photographie und haturwissenschaft. ⸗ Technik und haturwissenschaft. ——. ——————————— Dr. m. Wilh. Meyver Erdbeben und Vulkane. Keich illustriert, in farbigem Umschlag. breis für hichtmitglieder geh. m l.—= K 1.20 h ö. G., fein gebunden m 2.—= K 2.40 h 5. C. Während der letzten Jahre ſind die Gewalten des Erdinnern in beſonders erſchreckender Weiſe zutage getreten. Die Kataſtrophe von Martinique, der große Ausbruch des Veſuvs im April 1906, die Erdbeben von San Francisco und von Valparaiſo ſind nur die mar⸗ kanteſten Ereigniſſe geweſen, die von einer beängſtigenden Unruhe der Erdrinde Kunde gaben, denen ſich aber noch eine ganze Reihe anderer anſchloß. Die Blicke der denkenden Menſchheit ſind deshalb mehr denn je auf das immer noch ſo ge⸗ heimnisvolle Erdinnere gerichtet, dem dieſe gewaltigſten Außerungen der Natur⸗ kräfte auf unſerem Planeten entſpringen⸗ Das vorliegende Bändchen gibt nun auch dem Laien einen Überblick der mo⸗ dernen Anſichten über die Urſachen dieſer Erſcheinungen, die ſich namentlich in neuerer Zeit weſentlich geklärt haben, aus der Feder des unſern Leſern beſtens bekannten volkstümlichen Schriftſtellers Dr. M. Wilh. Meyer. Er war offenbar zur Löſung dieſer Aufgabe ganz beſonders berufen, da er nicht nur perſönlich viele Vulkangebiete der Erde bereiſt hat, ſon⸗ dern auch zu den ſehr wenigen gehört, Veſuvausbruch vom 10. April 1906. die den letzten großen Veſuvausbruch, der ſich als einer der gewaltigſten und zugleich lehrrfichſten ſeiner Art geſtaltete, in allen ſeinen Phaſen aus größter Nähe zu beobachten Gelegenheit hatten. Dr. Ernst Teichmann Die Vererbung als erhaltende Macht im Flusse organischen Geschehens. Illustriert, in farbigem lmschlag. Preis für hichtmitglieder ml.—= KI. 20 h d. U., fein gebd. m 2.—= K 2.40 h ö. U. Vererbung nennen wir die Erſcheinung, daß die Jungen ihren Eltern gleichen. Das ſcheint einfach und klar. Und doch, welche Fülle von Fragen und Schwierigkeiten erhebt ſich bei dem Verſuch, tiefer in das Vererbungs⸗ problem einzudringen! Einem größeren Kreis einiges von dem mitzuteilen, was die Wiſſenſchaft über jenen Komplex von Tatſachen auszuſagen hat, den ſie in dem Worte Vererbung zuſammenfaßt, will dieſes Bändchen unternehmen. Tatſachen und Theorien wird es dem Leſer vorführen. Die ſtofflichen Grund⸗ lagen zunächſt, auf denen Vererbung beruht, mußten beſchrieben werden: dort⸗ — — * — — ———————— hin, wo die Kontinuität zweier Generationen noch nicht durchbrochen iſt, wo unmittelbar die eine aus der andern hervortritt und mit ihr noch in feſteſtem Zuſammenhang ſteht, wenden wir unſere Blicke; dort vielleicht läßt ſich das Mittel auffinden, das die Übertragung der elterlichen Eigenſchaften auf das Kind bewirkt. Aber wer übt den beſtimmenden Einfluß auf die Geſtaltung des Kindes aus? Iſt es die Mutter oder iſt es der Vater? Hier bringen die Ergebniſſe der Banardierungsforſchung Aufklärung Sie erheiſchten des⸗ halb eingehende Berückſichtigung Und wie von ſelbſt ſchließt ſich daran die Frage nach den Arſachen der Geſchlechtsbeſtimmung— ſie wird gewiſſenhaft beantwortet nach dem Stand moderner Forſchung. Einen guten und not⸗ wendigen Dienſt will das Bändchen gerade damit vielen leiſten; denn aben⸗ teuerlich ſind die Meinungen, die über dieſen Punkt weit verbreitet ſind, und unheilvoll die Verwirrung, die ſie ſtiften. Auch mit den Theorien der Ver⸗ 3 erbung muß ſich dieſes Bändchen befaſſen. Doch wolle der Leſer nicht be⸗ vrehtene haltloſen Phantaſiegebilden gegenübergeſtellt zu werden. In engem nſchluß an feſtſtehende Tatſachen und in logiſchſtrenger Herleitung aus ihnen ergibt ſich, was hier Theorie genannt wird. Auguſt Zeismanns Name bürgt dafür, daß kein wiſſenſchaftsfremdes Moment ſich einſchleicht, denn der Darſtellung ſeiner Lehre iſt dieſer Abſchnitt vorzüglich gewidmet Die ſchwierige und vielumſtrittene Frrage der Bererbung erworbener Eigenſchaften findet in dieſem Zuſammenhang ihre Behandlung; ſie führt unmittelbar ins praktiſche— Leben hinein: iſt ſie doch von hoher Bedeutung für die Beurteilung der Über⸗ 3 tragung infektioſer Krankheiten. So mündet die Darſtellung aus in eine Skizze der Bedeutung, die die Vererbungsforſchung für das Leben der Menſch⸗ heit hat. Die Wiſſenſchaft ſoll jacletzten Endes ſtets ihre höchſte Aufgabe darin finden, der Menſchen Daſein zu erleichtern, ihr Glück zu fördern. ——( d Prof. Karl Sajo Rrieg und H 5 t f friedenim Imelsenstaqdiſ. Reich illustriert, in farbigem Umschlag. breis für hichtmitglieder m l.—= K 1.20 h ö. T., fein gebd. M 2.—= K 2.40 h ö. U. Die Inſektenwelt iſt wie ein Kaleidoſkop, das, wo immer man hineinblickt, die mannigfaltigſten und überraſchendſten Ver⸗ hältniſſe und Lebensbilder aufweiſt. Die Kerfe haben ſich tat⸗ ſächlich alle Möglichkeiten des Lebens zugeeignet, und wo über⸗ 1 V haupt ein tieriſches Leben beſtehen kann, dort ſind ſie gewiß an der Arbeit, ſich und ihren Nachkommen die Exiſtenz zu ſichern. Für den Laien ſind beſonders die wunderbaren Erichemungen äußerſt intereſſant, die ſich bei den Ameiſen und Bienen ab⸗ ſpielen, z. T. deshalb, weil die„Staaten“ dieſer Immentiere und das Gebaren der ſechsfüßigen„Bürger⸗ dieſer lebhaften Gemeinſchaften ſo überraſchend an menſchliche Verhältniſſe erinnern. In dieſer Hinſicht ſtehen die Ameiſen allen übrigen Inſekten voran, und ſo manches, was man ihrem raſtloſen Tun abgelauſcht hat, iſt für den erſten Augenblick geradezu unglaub⸗ lich. Das Sajöſche Werkchen beſpricht dieſes rege Leben in ſeinen wichtigſten und feſſelndſten Erſcheinungen und fiührt dem Naturfreunde in leicht verſtändlicher Weiſe — diejenigen Betrachtungen vor, die ſich bis jetzt als be⸗ d gründet erwieſen haben. ——— Vorstehend angekündigte Veröffentlichungen ſarsehe Angen Dr. Hermann Dekker haturgeschichte des Kindes. Illustriert, in farbigem Umschlag. preis für hichtmitglieder m l.—= K 1. 20 h 5. 0., fein gebd. m 2.—= K 2.40 h ö. U. Üüber„Die Seele des Kindes“ hat Ament ein Bändchen geſchrieben. Wenn Dr. Dekker dazu ein„körperliches“ Gegenſtück liefert, ſo tut er es nicht nur dem Zuge der Zeit folgend, die jetzt, im„Jahrhundert des Kindes“, in unzähligen Variationen Kind und Haus, Kind und Schule, Kind und Kunſt immer und immer wieder erörtert, ſondern weil überhaupt der Körper des Kindes eine ungeheure Fülle von naturwiſſenſchaftlichen Problemen in ſich birgt. Die Entwickelung vom befruchteten Ei durch das Stadium der Frucht, durch das Säuglings⸗, Kindes⸗ und Jünglingsalter bis zum„Typus“ des Menſchen bietet der biologiſchen Wiſſenſchaft reichen Stoff zum Forſchen und Grübeln. Zeit und Ort der Geburt, die Hilfloſigkeit der Neugeborenen, die allmähliche Erarbeitung der Fähigkeiten, die Mangelhaftigkeit der kind⸗ lichen Organiſation gegenüber den Unbilden der Welt bieten auerdrdeftlich viel intereſſante Eigentümlichkeiten. Dieſe Eigentümlichkeiten verſtändli machen kann nur biologiſche Betrachtung. Was iſt ein Kind? Wie verhält es ſich zum Erwachſenen? Wie iſt es zu verſtehen aus ſeiner hiſtoriſchen Ent⸗ wickelung heraus, als das Reſultat von Vererbung und Anpaſſung? Wenn man ſich darüber klar geworden iſt, wird man nicht in den Fehler verfallen, das Kind für einen Menſchen in kleinem Format zu halten, ſondern erkennen, daß es ein beſonderes, ganz anders geartetes Geſchöpfchen iſt. Und daß es ſo ſein muß, will das Büchlein zeigen. Illuſtrationsprobe aus dem Kosmos. erscheinen Im Herbst 1908 erschein Dr Kurt Floericke Die Säugetiere des deutschen Waldes. Reich illustriert, in farbigem Umschlag preis für hichtmitglieder geh. W l.—= K 1.20 h5 W., fein gebd. 2.—= KZ. 40 h 5. U. Der als feſſelnder Schilderer bekannte Verfaſſer des„Deutſchen Vogel⸗ buches“ und der„Vögel des deutſchen Waldes“ behandelt in dieſem Bändchen ebenſo anziehend die Vierfüßler unſerer Heimat Ob er den ſtolzen Hirſch bei ſeinen Liebeskämpfen belauſcht oder dem Meiſter Grimbart auf ſeinen nächt⸗ lichen Streifzügen folgt, ob er uns in die Geheimniſſe der Burg Male⸗ partus einweiht oder das muntere Treiben der Haſel⸗ maus ſchildert: immer weiß der Verfaſſer den Stoff in lebendiger Dar⸗ ſtellungsweiſe zu meiſtern und dem Leſer das ſo wenigen bekannte Leben unſerer freilebenden Säu⸗ ger anſchaulich vorzu⸗ führen. Nicht vom Stand⸗ punkt des Jägers, ſondern mit den Augen des ſinni⸗ gen Naturbeobachters ſind die Bilder geſchaut, die namentlich auch für die reifere Jugend als bildende Lektüre geeignet ſind. amnanae en — 5 — 2 Die ordentlichen Veröffentlichungen ⸗* der früheren lahre stehen neu eintretenden Mitgliedern, solange Vorrat, zu Hlusnahmepreisen zur Verfügung. ——ꝛ jahrgang 1904—— (Handweiser vergriffen) zusammen für 4.—(breis für Nicht- mitglieder s.—), gebd. für M 6.20(für Nichtmitglieder M 9.—): Bölsche, IU., Abstammung des menschen. meyer, Dr. m. Wilh.(dlrania-meyer), Weltuntergang. Zell, Dr. Th., Ist das Tier unvernünftig?(Doppelband.) meyer, Dr. m. Wilh.(drania-meyer), Weltschöpfung. —— lahrgang 1905= 5 (Handweiser vergriffen) zusammen für M 4.—(Preis für Nicht- mitglieder m s.—), gebd. für M 6.75(für Nichtmitglieder M10.—): France, R. D., Das Sinnesleben der Pflanzen. Bölsche, Wilhelm, Stammbaum der Tiere. Zell, Dr. Th., Tierfabeln. Teichmann, Dr. E., Leben und Tod. meyer, Dr. m. Winh.(Urania-meyer), Sonne und Sterne. —= ljahrgang 1906=—— zusammen m 4.80 ungebunden(für nichtmitglieder II 7.80) und gebunden für M 7.55(für nichtmitglieder Il 12.80): Kosmos, handweiser für haturfreunde. 1906: 12 Hefte(Preis für Nichtmitglieder Il 2.80). France, R. D., Das Liebesleben der Pflanzen. meyer, Dr. m. Winh., Die Rätsel der Erdpole. Zell, Dr. Th., Streifzüge durch die Tierwelt. Bölsche, Wilhelm, Im Steinkohlenwald. Ament, Dr. W., Die Seele des Kindes. Jeder reich illustrierte Band ist auch einzeln käuflich und kostet hichtmitglieder geheftet m 1.—, fein gebunden m 2.—. Der Handweiser 1906 und ff. enthält u. a. die berühmten Schilderungen aus dem Insektenleben von J. H. Fabre, Hufsäßze von Francé etc. — * Besfellungen auf den lahrgang 1007 werden auch nach Schluß des Jahres entgegengenommen und alle auf dieser Seite verzeichneten Veröffentlichungen kostenlos nachgeliefert gegen den nachträglich zu leistenden Jahresbeitrag pro 1907 von I 4.80= K 5.80 h ö. W.= Frs 6.40. Rosmos, Handweiser für Naturfreunde. b 1907: 12 Hefte, Preis für Niichtmitglieder M 2.80. énthält zahlreiche, reich illustrierte Artikel, alle von bleibendem Wert, darunter Hufsätze von H Dekker, K. Floericke, R. Francé, H. IJ. Klein, Fr. Knauer, O. Lehmann, W. Ostwald, I. Reinhardt u. a., ferner die berühmten Schilderungen aus dem Insekten- leben von J. Hl. Fabre. Glänzend geschriebene, mit einer farbigen Tafel und vielen Text- bildern geschmückte Schilderung der Wunderwelt, die sich in einem Tröpflein Wasser unter dem Mikroskop enthüllt. Zell, Th., Straußenpolitik. Reizende Tiergeschichten, humorvoll und eigenartig. Tiefe einblicke in die Tierseele gewährend. francé, R. H., Streifzüge im Wassertropfen. b meyer, IM. W., Kometen und meteore. Interessante und leichtverständlich abgefaßzte Belehrung über das Wesen der plötzlich am Himmel aufleuchtenden Sternschnuppen und meteore, wie der geheimnisvollen Schweifsterne. Teichmann, E., Fortpflanzung und zeugung. Die Rätsel des Werdens und éntstehens neuer Individuen, die wich⸗ tigsten aller Lebensfragen, nach dem Stand des neuesten Wissens dargestellt. Floericke, K., Die Vögel des deutschen Waldes. éErzählt in frisch geschriebenen Schilderungen vom Leben und Treiben unserer gefiederten Sänger. — 27 —.—— Preis jeden Bandes für hichtmitglieder in farbigem Umschlag m 1.—, fein gebunden m 2.—. rbandes) -— TlLnn— mrRMmaARRr AnTMEn qörring. Februar en rstrasse. 0 zchuhsprung ungsplatz. is Anfang 8061'N 3 (—X us a2Gee) Ick, 2 Quvqua 206 ⁄ SaqvQ* upquls aul uricplae ueau ilpnadsnv sele unu lod o u aod deun 59 land ueduneHaed ee e s soplem undosinep sop 12b9p 12 12142014 bunbnoz pun bunzurlldilo4 zuur ule .21Odzeull pun un⸗eue t leäeul Anlloduossnenns 1loz uoldolessem uu bnzlles eur :2oel udbundeLleD huplo 21 II lodeb Que ee e e dpunellänzeu unl dslompurd Sousoh] Opr'9 81C= I*9 d 08˙ 1äV= 08˙V I uoa brnlog uabIIIp lozoh e ee eeru arod ee e ee K8 a4² 12q ueg n e lck es Quvquis dupqung 1 udaoar lunae sSepluſ undosinop sep 24ehebnps 12014 bunqlole ee Jrrjsuesleu olrs sopunt sop 21e1dosebänjeul 1ee durglnD pun uoqoqpah„oäeull Auvg uſe ö e zueplae 8061 avnuvQ qk Sool udbundauellole plo 1 II GplaOyl lvurc zupla JIIAdos1e2 heedosuesslanzeu Sousoh 1 Jahresbeitrag 5 Mk. MRAF A Wintersport-Verein Oberhof R uobunpedee ee dei— eeee S21vl sep nlos Gru qqne uepe henegleg 2061 SuvSadv uap „S06I ienuel un SIlp, plobllenleg 9 O2 Aönznz Op·Q s1L= I'9 dO8' A= O8“„ belqsaldr 8061 SuvSadv uop solue]slod ueele eu el Dedid pun aurxspallbntll 2ulol zenlqe de leznd:Nlenlsup plo9) urbnnis pundl AInel 12p Heqpllloleg Sousoh uep bunges ep punig mr palta u‿ς ,/ Junpt⸗ 2912νει 78/b 1/ et⸗ (21p 74 n 122& 42p ℳ11 don Spune-tn,ru 14ν Nd 1 m eze Iv /2/112/2 Sou vrf ou³‿ςιe u,. S 2fra,/Srf p 1p un us pel rutueu 2re,is 2= Anblicke ber das den und wich⸗- Lissens Trelben Vorsitzender: Dr. med. C. Weidhaas, Kurhaus Harienbad. ² Bestellungen auf den lahrgang 1907 ⸗ werden auch nach Schluß des lahres entaeqenaenammen und alle 4 auf dies— gegen de I 4.80 1 1907: 12 1 illustrierte K. Floerich L. Reinhar uoa Sunypuviong, Ffrancé, Gla bild Trõf Zell, Th Reiz in d Meyer, Inte Wes met Teichmc Die tigs dar uo m rM olp Juu uesunllon Aesseg„p 1214S8101 -un depen Sunipuvuu -Hong 4ep ueursN P lousnu slI“] 1e2leH 8 12po 31d 8 0Ollod floerid Er: ur preis jeden Bandes für Nichtmitglieder in farbigem Umschlag m 1.—, fein gebunden m 2.—. —yy— Wintersport-Verein Oberhof in Thüringen (Ortsgruppe des Thür. Wintersportverbandes) Schneeschuhlauf Sohneeschuhsprung Rodeln. Sgikjörring. Bobsleighfahren. Aeus, beste èportbahnen. Ski-Übungsplatz. Von Ende Grosse Wintersportfeste bis Antang Januar Februar Anmeldungen, Sat⸗ungen, Auskünfte durch den 1. Kassierer, Herrn Hoftraſteur Aug. Holland, Iallaerstrasse. — Vorsitzender: Dr. med. C. Weidhaas, Kurhaus Marienbad. Jahresbeitrag 5 Mk. — HOTrEL 5O RER Zähringerhof/ rechts dem Hauptbahnhof gegenüber I. Haus am Platze/ Appartements mit Bädern Rrrangement bei längerem Rufenthalt. Bester Rusgangs- 52 punket zu den Besitzer:. Gebrüder Sommer. 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