— — .—— 1——— 6„ 1 . — 2 F.5; . 4. 4 8— 6 niwers 2 3 Bi Miothek- s VotsMnäranstallena Buchnummer:. Standort: 44. — X — WsAu 2— 1ñ I —— E 8 3 A * Nd =ä . 4 5— E·é·6 — .. Dr. E. F. Gurlt Dr. C. H. Hertwig, Professoren an der Königlichen Thicrarzneischule zu Berlin. Wit zehn Kupfertafeln. —ͤſ 1 8. Chirurgische Anatomie “ un d Von und * ——“—— Berlin, Druck und Verlag von G. Reimer. 1847. ———— —— 3 — * Inha t. Chirurgische Anatonie. Erklärung der Abbildungen. Thierärztliche Operationslehre. Erste Ahbtheilung. Von den thierärztlichen Operationen im Allgemeinen. Erstes Kapitel. Begriff von Operation und Operationslehre, nöthige Eigenschaften eines Operateurs, allgemeine Verschiedenheiten der Operationen. Zweites Kapitel. Von den Umständen, welche vor, während und nach den Operationen im Allgemeinen zu berücksichtigen sind. I. Allgemeine Regeln vor den Operationen..... II. Allgemeine Regeln während der Operationen. III. Allgemeine Regeln nach den Operationen. Drittes Kapitel. Von dem Halten und Befestigen der Thiere bei chirurgischen Operationen und von den Hülfsmitteln dazu. . 12 20 M Zweite Abtheilung. Von den thierärztlichen Operationen im Besonderen. Erstes Kapitel. Von denjenigen Operationen, welche an verschiedenen Theilen des Körpers unternommen werden können. A. Bei Pferden. B. Bei dem Rindvieh.. C. Bei den kleinen Hausthieren..... I. Die Akupunktur oder das Nadelstechen...... S8. 22 II. Das Skarifiziren, Einschneiden oder Ritzen..— 22 a) überhaupt,— 5) der Bindehaut an den Augen,— c) des Gaumens der Pferde,—) der Zunge,— e) des entzündeten Euters säugender Schaafe,— f) am Hufe. III. Das Impfen der Schaafpocken......— 25 IV. Die künstliche Eröffnung der Eiter- und Blulbeulen.— 27 V. Die Erzeugung eines Fontanells, das Fontanell-Legen.— 29 VI. Das Haarseilziehen oder Eiterbandziehen.— 32 VII. Das Aderlassen oder Blutlassen........— 35 Aus den Venen: Bei Pferden: a) aus der Drosselvene,— 5) aus der äufseren Brustvene,— c) aus der grofsen Schien- beinvene oder inneren Hautvene des Vorarms,— d) aus den Fesselvenen. zZweites Bei dem Rindvich............. S. 43 Bei Schaafen und Ziegen...........— 43 Bei Schweinen..............— 44 Bei Hunden und Katzen...— 45 Das Aderlassen aus den Arterien.....— 49 VIII. Das Einspritzen oder Eingiefsen von Arzneimiltoln in die Blutadern.......—— 50 IX. Die Transfusion des Blutes, der Phaſtausch....— 51 X. Die Unterbindung der Blutgefäſse....— 53 XI. Das Zudrehen, Torquiren oder die Torsion der Blut- gefäſse................— 57 XII. Die Wunquakt..... w..— 60 XIII. Die Ausrottung der Warzen, der peu- oder Speck- geschwülste und anderer Aftergebilde....— 65 XIV. Die Anwendung des Glüheisens......—— 67 Kapitel. Von denjenigen Operationen, welche nur an einzelnen Theilen des Körpers ausgeführt werden. J. Die Trepanation...... S. 74 II. Das Anbohren des Schädels Arehkranken Schaafe..— 76 III. Das Anbohren der Riechkolben bei, mit Dummkoller behafteten Pferden..— 77 IV. Die subkutane Dur chschneidung einzelner Otmmuskoln bei der sog. Hasenohrigkeit und der Weitohrigkeit..— 78 V. Das Verkleinern und Beschneiden der Ohrmuscheln. S. 80 VI. Die Exstirpation der Sterne an der Stirn der Pfe[rde.— 81 VII. Die Trennung verwachsener Augenlider.....— 81 VIII. Die Exstirpation der einwärts gekrümmten Augenwimpern.— 82 IX. Die Operation der einwärts und auswärts verkrümmten Augenlider. 2. 0 0. 2* ℳ 0.. 3*«*.— 82 — dn 2 —— 8— öoöoo X. Die Exstirpation der entarteten Thränenkarunkel und des Blinzknorpels.....„..... S. 83 XI. Die Operation des Augenfolles... 84 XII. Die Eröffnung der vordern Augenkammer....— 84 XIII. Operation des grauen Staars........— 86 XIV. Die Ausrottung des Augapfelsg..— 88 XV. Die künslliche Eröffnung der Luftsäcke.....— 89 XVI. Die Entfernung der Polypen aus der Nasenhöhle und deren Nebenhöhlen........— 93 XVII. Die Auslösung der Speichelsteine: aus dem Prafsen Ausführungskanal der Ohrspeicheldrüse,— die künst- liche Einmündung dieses Ganges in die Backe,— und die Unterbindung desselben........— 95 XVIII. Die Auslösung der Ohrdrüse...— 96 XIX. Die Operation der Zahnfisteln,— das Auswoiben aund Ausziehen der Zähne,— und die Beseitigung der zu langen Zähne und Zahnspitzen......— 97 XX. Die kunstmäfsige Eröffnung der Tufirohre, oder d Luftröhrenschnitt und der Luftröhrenstich.....— 102 XXI. Die Applikation des Schlund-Catheters, die Entfer- nung fremder Körper aus dem Schlunde und— der Schiundschnitt...........„..= 107 XXII. Der Bruststich........— 110 XXIII. Der Bauchstich und dessem Varianten: A. der Stich durch die Bauchwände allein;— B. der Ma- genstich bei Pferden;— C. der Magenstich in den Wanst bei Wiederkäuern; und— D. der Darmstich.— 112 XXIV. Der Pansenschnitt........... 117 XXV. Die Bruchoperationen.....)äEIe.— 118 XXVI. Die Kastration, das Kastriren oder Verschneiden.— 127 A. Männlicher Thiere. I. Die Kastration der Hengste......— 128 II. Die Kastration des männlichen Rindviehes..— 136 III. Die Kastration der Schaaf- und Ziegenböcke.— 138 IV. Das Kastriren der männlichen Schweine..— 139 V. Die Kastration männlicher Hunde und Katzen.— 139 VI. Die Kastration der Hähne........— 139 B. Die Kastration weiblicher Thiere. I. Der Stuten....... 140 II. Das Verscineiden- ger kähe..— 141 L. Die Operation der Steingallen, der Abscesse im Hufe,,, des sogenannten Nageltrittes, und das Wegnehmen der III. Das Verschneiden der weiblichen Schweine.. S. 143 IV. Das Verschneiden weiblicher Hunde und Katzen.— 146 V. Das Verschneiden weiblicher Hühner.— 147 C. Von den wchignen Zufällen bei und nach der Kastration..— 147 XXVII. Das Englisiren, oder das Schweifkerben und das Schweifstutzen.......— 153 XXVIII. Operation des Mastdarmvorfalls......= 163 XXIX. Die Wegnahme der Mastdarm-Polypen..— 163 XXX. Die künstliche Eröffnung des Afters.....— 164 XXXI. Das Einbringen des Katheters in die Harnblase.— 164 XXXII. Der Harnblasenstich...........— 166 XXXIII. Der Blasensteinschnitt.........— 168 XXXIV. Der Harnröhrenscehnitt, Harnröhrensteinschnitt..— 173 XXXV. Das Abnehmen des männlichen Gliedes....— 175 XXXVI. Die Operation der zu engen Vorhaut.....— 180 XXXVII. Die künstliche Erweiterung und Eröffnung des Gebärmuttermundes.......— 180 XXXVIII. Der Rauch-Gebärmviterschnin vther sogenannte Kaiserschnilt.....— 181 XXXIX. Die Amputation oder Exstirpation lo Gebaͤrmutter.— 184 XL. Die Eröffnung der verschlossenen Zitzen am Euter der Kühe..........— 185 XLI. Die Exstirpation oder Ampuuatin der Euter oder Brüste....— 186 XLII. Die operative Beseitigung verlarieter Slollbemjen.— 187 XLIII. Die Dur dessmnelüune des Muskels der breiten Schen- kelbinde...— 188 XLIV. Der Sehnenschnit, doder ds Durchschmeiden der Beugesehnen.......— 189 XLV. Der Nervenschnitt, die Durchschneiqung der 2weige des Sohlennervs.............— 194 XIVI. Der Beinhautschnitt...........— 197 XLVII. Die Eröffnung der Gallen.........— 198 XLVIII. Die Exstirpation der Hufknorpel, der Knorpel- schnitt.... 22 201 XLIX. Die operative e Maralate der Hornspalten... 206 Hornsohlec.. 2* ℳ 6 3.„ 45 8*..* 2.— 208 Chirurgische —-—— Thierarztliche Operationslehre. Erste AtAeilung. Von den thierarzilichen Operationen im Allgemeinen. Erstes KaPftei. Begriff von Lpafien und Operationslehre, nöthige Eigenschaften eines Operateurs, allgemeine Ver Schiedenheiten der Operationen. 1 §.ail. uaib Als thierärztliche(veterinär-=chirurgische, zoo- chirur- gische) Operation betrachtet man jede mechauische Ver- richtung, die mit den Händen allein oder mit Iustrumen- ten, Bandagen und andern Vorrichtungen am lebenden Thierkörper kunstmäſsig ausgeführt wird, um entweder 4) das Leben eines Thieres zu- erhalten; oder 5) um Krankheiten zu heilen und fehlerhaſte Bildungen zu be- seitigen; oder c) um Thiere für bestimmte Zwecke brauchbarer zu machen; oder auch d) um ihnen ein schöneres(wenigsteus der menschlichen Einbildung und dem herrschenden Geschmack mehr entsprechendes) Ausehen zu geben. §. 2. Eine wissenschaftliche Darstellung der umtlichen mechauischen Verrichtungen, die zur Erreichung der eben genannten vier verschiedenen Zwecke benutzt wer- den, ist die thierärztliche Operationslehre. Diese Lehre hat die Aufgabe: a) die einzelnen Ope- rationen und ihre verschiedenen Methoden zu beschrei- ben und die gegeuseitigen Vorzüge der letztern zu zei- gen; 5) die Krankheitszustände oder die ander weitigen Verhältnisse anzugeben, durch welche an den Thieren eine Operation indicirt oder contraindicirt ist; c) die Wirkungen und die Folgen einer jeden Operation auf den thierischen Organismus zu erklären; d) die widri- gen Zufälle, die während der Verrichtung einer Opera- tion eintreten können, und die Hölfsmittel, durch welche diesen Zufällen entgegen zu wirken ist, kennen zu leh- ren; und e) die Regeln zu eiuer zweckmäſsigen Nach- behandlung des operirten Thieres, und besonders des Theils, an welchem die Operation verrichtet ist, auf- zustellen. 49 Man hat die thierärztliche Operationslehre nach der Art der im§. 1. angedeuteten, bei den Operationen nö- thigen Hülſsmittel in verschiedene Abtheilungen gebracht und namentlich den Theil, welcher von den Operationen mit stechenden und schneidenden Iustrumenten haudelt, für sich allein dargestellt, und denselben mit dem Na- men: Akiurgie(von xn, die Spitze, und o⸗νν, das Werk) bezeichnet. Dieser Theil soll auch in vorliegen- der Schrift allein abgehaudelt werden. „d§-i 3. 1 Wer alle thierärztliche Operationen mit Glück aus- üben will, muſs nicht nur die Operationslehre in der, im Vorstehenden angedeuteten Vollständigkeit gründlich studirt haben, sondern er muſs überhaupt folgende Ei- genschaften besitzen: 1) Er muſs als Thierarat vollkommo aus gebildet sein. Die bloſse theoretische Kenntniſs der Regeln zur Aus- übung einer Operation ist eben so wenig hiureichend für einen guten Operateur, wie es die geschickte Ausübung blos mechanisch erlernter Handgriffe ist, und wie man die letztern z. B. von manchen Pferdehändlern bei dem Euglisiren, von herumziehenden Kastrirern bei der Ka- stration u. s. w. verrichten siehet. Denn jedes Thier, an Welchem eine Operation gemacht werden soll, erfor- dert nach seiner ganzen Individualität(uach Gattung, Geschlecht, Alter, Ragçe, nach Art und Grad der Krank- heit, nach dem Maaſse der Kräfte u. s. w.) eine spe- zielle Beurtheilung, die nur derjenige gründlich machen kann, der den gesunden und kranken Organismus ge- nau kennt. Besonders ist aber diese umfasseude thier- ärztliche Bildung nöthig, um an dem kranken Thiere diejenigen Zufälle richtig zu würdigen, durch welche eine Operation als nöthig oder als nützlich angezeigt, oder als schädlich verboten wird; eben so, um den we- sentlichen Zusammenhang eines örtlich erscheinenden Leidens mit einem innerlichen krankhaften Zustande einzusehen,— die fär die Umstände passende Opera- tionsmethode richtig auszuwählen oder selbst nach der Eigenthümlichkeit des Falles neu zu erfinden und,— die nach der Operation eintretenden Folgen hinsichtlich ihrer Gefahr richtig zu schätzen und die passenden Mittel ge- gen sie auszuwählen. 2) Er muſs vorzüglich mit der Anatomie des Kör- pers der verschiedenen Hausthiere vertrauet sein, und besonders die gegenseitige Lage, Gröſse und Verbin- dung der einzelnen Theile, so wie den Verlauf der grö- ſseren Gefäſse und Nerven auf das genaueste und durch 1 eigene Uebung im Zergliedern kennen(die sogenannte chirurgische Anatomie). Denn nur durch solche praktische Kenntuils der Anatomie erhält der Operateur überall die nöthige Sicherheit und, bei Operationen in 2 der Tiefe der Theile, oder wo starke Blutung die freie Einsicht stört, auch das bestiunnte Bewulstsein seiner Handlungen.— Aulser der Anatomie des gesunden Kör- pers ist aber auch das praktische Studium der patho- logischen Anatomie dem Operateur sehr nôthig, theils um örtliche krankhafte Zustände richtig zu schä- tzen, theils auch, weil viele Operationen gerade in krankhaft veränderten Gebilden unternommen werden A 8 3 11 11119 4 EE müssen. 3) Er soll auch die Grundlehren der Mechanik und der Physik kennen. Denn, da seine Handlungen und deren Wirkungen bei den Operationen zunächst auf phy- sische und mechanische Weise erfolgen, so kann er die Verrenkung, die Zurückbringung eines vorgefallenen Or- gans in seine normale Lage); d) als Iustrumental- Operationen, wenn sie mit Instrumenten ausgeführt wer- den(z. B. das Aderlassen, die Trepanation);) als unblutige Operationen, welche in dem organischen Zusammenhange der Theile nicht augenblicklich offene Verletzungen erzeugen(z. B. das Einreiben einer Salbe, das Abbinden eines Afterproduktes); f) als blutige (akiurgische) Operationen, die unmittelbar in die Tex- tur und in die Form des thierischen Organismus ver- letzend eingreiſen(z. B. das Heften der Wunden, die Tracheotomie); 9) als angezeigte, nothwendige oder Heil-Operationen, wemi sie zur Beseitigung W iramkeſt der lustrumente und auderer Hulfsmittel grölstentheils nur nach den Gesetzen jener Wissenschaf- ten richtig abschätzen. 4) Et muſs scharfe und geubte Sinne, besonders scharfe Augen und feines Gefühl, so wie Sicherheit und gleichmäſsige Gewandtheit in- beiden Händen und im ganzen Körper besitzen. Wer diese Eigenschaften nicht von der Natur erhalten hat, muſs sich bemühen, sie durch zweckmäfsige und fortgesetate Uebungen zu erwerben oder weiter auszubilden.* 5) Auch mufs ein guter Operateur im Operiren selbst eine möglichst groſse Fertigkeit besitzen und dieselbe theils durch Uebungen im Zergliedern des Thierkörpers, vorzüglich aber durch recht oftmalige Ausübung der sämmtlichen Operationen au todten und lebenden Thie- ren sich erwerben wimahie ne 6) Eudlich muls er auch viel Muth, numndglichae groſse Ruhe und Besonnenheit, einen schnellen Ueberblick und viel Gewandtheit, besonders im Umgange mit den Thie- ren besitaen, und diese Eigenschaften bei der Ausfüh- rung der wiebtigeren Operationen geltend machen, be- sonders wenn hierbei unerwartete gefährlicke Zufalle plötzlich eintreten, oder wenn die zu operirenden Thiere sehr bösartig und widersetzlich sind. Denn in dem letz- tern Falle ist es niemals hinreichend, dals der Opera- teur den Gehülfen blos die mündliche Anweisung giebt, wie ein Thier zu bändigen und zu fesseln sei, sondern er selbst mufs hierbei an den gefahrdrohendsten Stellen thätig mitwirken und sechr oft Zuerst die Hand an das Thier eren O2 udo: bIINN uHlodas- daillbasls bt d210 9 1110 9985. Lae 13 Man hat die thierärztlichen Operationen nach Ver- schiedenheit ihrer Ausführung, ihres Zweckes 9. s. w. mit verschiedenen allgemeinen Benennungen bezeichnet, und zwar: a) als einfache, und b) als zusammen- gesetzte Operationen; erstere bestehen hauptsächlich nur in einem Operationsakt,, und sind mit einem Iustru- ment leicht und schnell ausführbar, während die zusam- mengesetzten in verschiedenen Akten und Handgriffen bestehen, gewöhnlich mehrere Instrumente erfordern, länger dauern und schwieriger ausführbar sind;%) als Manual- Operationen, wenn sie mit den bloſsen Hän- den verrichtet werden(z. B. die Wiedereinrichtung einer krankhafter Zustände nöthig sind(z. B. der Schlund- schnitt bei fremden Körpern im Schlunde, die Eröffnung eines tiefliegenden Abscesses); h) als Mode- oder Luxus-Operationen, welche nur zur Verschönerung der Thiere dienen sollen(z. B. das Englisiren, das Ver- kürzen der Ohren); i) als Radikal-Operationen, wenn sie zur gründlichen Beseitigung eines abnormen Zustandes dienen(z. B. die vollständige Ausschälung einer Balggeschwulst, die Vereinigung eines Bruchtin- ges durch die blutige Nath); und) als Palliativ- Operationen, durch welche blos die theilweise oder die vorübergehende Eutfernung eines Uebels, oder nur die Minderung der Krankheitszufalle erreicht wird(2. die Durchschneidung des Sohlennerven bei Lahmheiten von unheilbaren Exostosen am Fessel u. s. w.). §. 5. Bei den einzelnen Operationen uuterscheidet man: 1) die Operationsakte, 2) die Operationsme- thoden, und 3) die Operationsweisen oder ope- rative Verfahrungsweisen.— Operationsakte sind die einfachen, auf einauder folgenden Verrichtungen oder Haudgriffe, aus deren Vereinigung eine Operation besteht und von denen einer den Zweck derselben haupt- sächlich erfüllt. Fast alle, und namentlich die gröſsern Operationen sind aus mehreren Akten zusammengesetzt, und die Unterscheidung in einfache und in zusammenge- setzte Operationen ist daher, streng genommen, mehren- theils ohne Grund.— Operationsmethode ist der ganze Inbegriff eines geregelten Verfahrens, durch welches der Zweck der Operation auf eine eigenthümliche Weise er- reicht wird- Von manchen Operationen giebt es nur eine Methode(z. B. von dem Schlundschnitt), andere köunen dagegen nach mehrern Methoden ausgeführt wer- den(z. B. die Eröffuung der Luftsäcke, die Kastration). — Als Operations weise bezeichnet man die Verschie- denheit, welche bei manchen Operationen nur in der Ausübung einzelner Operationsakte angebracht wird. Es kann daher von einer Methode mehrerlei Verfahrungs- weisen geben. Bei den letztern wird der Zweck im- mer an einer und derselben Operationsstelle, nur mit an- dern instrumenten oder mit andern Handgriffen herbei- geführt(z. B. das Aderlassen mit der Lanzette, mit der Fliete und mit dem Schnäpper), und es ist daher in jedem einzelnen Falle nur eine einzige Verfahrungsweise wirklich ausführbar; bei den Methoden werden aber ver- schiedene Theile und in verschiedenen Richtungen be- troffen, so daſs ofſt ueben einer Methode auch noch. eine andere ganz oder zum Theil ianseſüöhet werden könnte. 60 Obgleich durch jede Methode einer Operation der Zwedok derselben erreicht werden soll, so geschieht dies doch unter verschiedenen Umständen durch die eine si- cherer als durch die andere, und der glückliche Erfolg einer Opéeration hängt daher sehr viel von der Wahl der, für den vorhandenen Fall am meisten passenden Methode ab. Im Allgemeinen kann man aber diejenige Methode für die beste halten, welche: 1) den Zweck der Operation vor allen andern am sichersten erfüllt; 2) welche mit möglichst geringen und leicht heilbaren Verletzungen verbunden ist und durch welche weder die Form noch die Verrichtung der Theile mehr gestört wird, als dies die Krankheit oder der Zweck der Ope- ration durchaus nöthig macht; 3) welche mit dem we- nigsten Blutverlust und mit dem geringsten Schmerz be- gleitet ist; 4) die am leichtesten zu erlernen und in der kürzesten Zeit auszuführen ist; 5) bei welcher die we- nigsten und die einfachsten Instrümente und die wenig- sten Gehölfen erforderlich sind; und 6) welche keine suhpierige oder langwierige Nachbehandlung authg macht. 6 H- 7. Ahanche Operahiomsuethodeh und Verfahrungsweisen sind in ihrer Ausführung beständigen und allgemein gül- tigen Regeln unterworfen, von denen eine Abweichung nur sehr selten nöthig wird(z. B. das Aderlassen, der Steinschnitt); andere dagegen sind nur zum Theil sol- chen festen Regeln unterworfen, sondern sie müssen stets nach der Eigenthümlichkeit des vorhandenen krankhaften Zustandes eingerichtet und abgeändert werden(z. B. die Ausschälung von Geschwülsten, die einen groſsen Umfang haben oder mit Degeneration der begränzenden Theile verbunden sind). Die Operationen der erstern Art sind, ihrer Regelmäſsigkeit wegen und da sie an jedem Thierkörper eingeübt werden können, mehrentheils mit gröſserer Vollkommenheit zu erlernen als die der letztern Art, welche nur an krankhaft ver- änderten Theilen geübt und verrichtet werden können. §.d8.; Die Wirkungen der Operationen sind im Algeweie nen von zweifacher Art, nämlich mechanische und dynamische.— Die ersteru treten immer in demsel- ben Moment ein, in welohem eine Operation verrichtet wird, und man bezeichnet sie daher auch gewöhnlich als primäre Wirkungen. Sie bestehen in gegenseiti- ger Berührung der organischen Gebilde mit einander selbst, oder mit den Händen, mit Binden, mit Instru- menten u. dgl., oder in Reibung, Druck, Ausdehnung, Trennung oder Vereinigung der Theile, in der Auslee- rung von Phhsaahojba inndec Entfernung fremder Kör- Ponſ u. s. W.. Die dynamischen Wirkungen antstehen zum Theil bei, gröfstentheils aber erst nach der Ausführung einer- Operation und geben sich nach der Verschiedenbeit der primären Wirkung, nach der Art der betroffenen Ge- bilde„ so wie nach dem vorhandenen gesunden oder kran- ken Zustande des Organismus, bald durch Reizung, Schmerz, Entzündung, Fieber, veränderte Bildungsthä- tigkeit, namentlich veränderte Secretionen, bald auch durch Reiaminderung, Erschlaffung, Lähmung u. dergl. Veränderungen in den betroffenen Theilen oder im gan- zen Körper, zu erkennen. Die meisten von diesen Ver- änderungen kann man als eine Folge der Reaction des lebenden Organismus gegen die Einwirkung der Opera- tion betrachten(namentlich die Entzündung und das Waundfieber); andere entstehen dagegen mehr durch Vernichtung oijer durch neünwune der Funbiiow eines nach ded Durchsehneiden der Fesselnerven;— die grö- fsere Zartheit des Fleisches, das leichtere Fettwerden und das—— in Pohes der Castration). 1 Aih LHaus A 11§.19. 41 4 19 Jede hieratatlioho Operatokn mufs hartiumute Lwooke puhen⸗ und diese sind theils ein allgemeiner, theils ein besonderer. Der allgemeine Zweck ist derjenige, den man überhaupt durch eine Operation beabsichtiget; er kann von vierfacher Verschiedenheit sein und ist bereits im§. 1. angegeben worden.— Der besondere oder spe- eielle Zweck richtet sich bei kranken Thieren nach der Eigenthümlichkeit der vorhandenen Krankheit, an ge- sunden Thieren aber nach der besondern Aufgabe(zu- weilen blos nach dem Willen des Thierbesitzers). Der letztere Zweck bestimmt daher auch die Art der Ope- ration, und er kann hiernach im Allgemeinen gerich- tet sein: 1) auf Aenderung des Zusammenhanges, ) durch Vermittelung der organischen Vereini- gung getrennter Theile, 5) durch Trennung des ocgauisuhan Zusammen- hanges; ali 11 t 1 2) auf Aenderung der dags der Gebilde, 2u 44) durch Wiederherstellung der normalen Lase bei hiervon abgewichenen Gebilden, 36) durch Verschiebung normal 2Aaruneer Theile; us)lanui Aenderung in der Existenz der Gebilde, a) durch Ersatz oder ederhsratahluus⸗ verlorner Gebilde, Hoil1x519 1a 0Obei, ua 5) durch Entfernung— Gehildes; 84) auf dulenuutg den⸗— Paahalenheit 1 der Gebilde und der Säfte, oiu! 1 bHdis u½ a) durch Huiuchmung Siaheimischer..Snen. 5) durch Aneiguung fremder Stoffe; 4 15) auf veee ere in der V italitit und Funktion der Organe, 6 *3 2) durch nuanchlattde Echohungho oder Vmindeung der Sensibilität, der Irritabilität oder der Bil- dungsthätigkeit eines Organs, k4) durch qualitative Umstimmung. der Vitalitat in ndenselben. nümiig Suli donub on aoeuinchrere von diesen Zwecken zugleich erfüllt werden,— was in manchen Fällen durch eine einzige Operation, in andern aber nur durch verschiedene Ope- rationen zu erreichen ist, je nach den primären und se- kundären Irlehongens der letztern. da.§. 10. Die Anzeigen(Indikationen) zur Ausführung einer Operation gründen sich zum Theil auf den Heilzweck, zum Theil aber auf die Berücksichtigung des Körper- 1* —— zustandes, des Ortes und der übrigen Verhältnisse, un- ter denen ein Thier sich befiudet. Sie sind daher für jeden besondern Fall und bei jedem Thiere eigenthüm- lich; im Allgemeinen aber müssen sie sich darauf stützen: Istens dals eine beabsichtigte Operation in dem vorhan- denen Falle nöthig oder nützlich ist; IItens daſs die- selbe ausführbar ist, und IIItens daſs sie mit einem gu- ten Erfolge begleitet sein werde. uesti 1I. Bei der Beurtheilung der Nothweudigkeit oder der Nützlichkeit einer Operation muſs man zunächst die Art, den Grad, den Sitz, die Dauer und die Wirkun- gen der Krankheit, dann den Heilzweck und die pri- mären und sekundären Würkungen der Operation selbst genau erwägen. bui⸗ aladl Mit Röüeksicht auf dicsei Verhältnisse Huden sieh dann die Operationen im Allgemeinen da augezeigt: 1) wo durch Abweichungen in der Form, Gröſse, Lage oder Verbindung einzelner Theile des Thier- körpers ein solcher abnormer Zustand herbeigeführt ist, welcher dem Leben Gefahr drohet, oder der Gesundheit, der Brauchbarkeit oder der Schöunheit Eintrag thut, und der durch andere Heilmittel nicht zu beseitigen ist(2. B. feste Einschnürung der Ge- därme bei Brüchen,— ſestsitzende fremde Körper im Schlunde); 19 2) auch da, wo bei Kraukheiten der bezeichneten Art weine 0 peration nicht gerade das einzige Heil- oder Rettungsmittel ist, doch aber die Heilung durch sie sicherer, oder schneller und wohlfeiler bewirkt wer- den kann, als durch Heilmittel anderer Art(z. B. die Heilung einer weit verbreiteten Nackeufistel ver- mittelst Daurchschneidung des Nackenbandes;— das Abschneiden einer groſsen Warze, im Vergleich aur Zerstörung derselben durch Aetzmittel u. dgl.). — Denn Wohlfeilheit, Schnelligkeit und sicherer Erfolg gehören zu den wichtigsten Anforderungen an jede gute thierärztliche Kur.. 3) Wo materielle Ursachen, oder auch materielle Pro- dukte einer sogenannten örtlichen Kraukheit zuge- gen sind und durch eine Operation entferut werden können(z. B. fremde Körper in aMuudeu, Eiter in Abscessen). uu aien doan 4) Eben so ua, Wo materielle Produkte einer zwar allgemeinen, aber schon vorübergegangenen Krank- heit als ein örtliches Leiden noch fortbestehen(z. B metastatische Geschwülste und Erieſsuhgen nach fieberhaften Krankheiten). 5) Wo bei dynamischen Krankheitsprozessen eine Operation durch ihre primären oder sekundären Wir- kungen solche Veränderungen herbeiführen kann, adaſs hierdurch die Krankheit zum Erlöschen ge- uibracht wird(z. B. Reiben des Leibes bei Krampf- kolik, Aderlassen bei Entzündungen); und 6) selbst da, wo eine Krankheit zwar nicht durch Operation völlig gelleilt werden kann, doch aber meihre gefährlichen oder lästigen Zufälle durch ein operatives Verfahren beseitiget werden können(2. B. bei Hartschnauffigkeit durch die Tracheotomie,— 4 bei der chronischen Hufgelenkslahmheit durch die Neurotomie). Bei denjenigen Operationen, die zur Verbesserung eines Thieres für bestimmte ökonomische Zwecke, oder die blos der Mode wegen nach dem Willen der Eigen- thämer unternommen werden, kommt es fast nur allein auf die Beräcksichtigung der folgenden Umstände au, weil in diesen Fällen die Nützlichkeit oder Nothwen- digkeit der verlangten Operationen als schon ermittelt, in der Regel angenommen werden kann. X 1*§. 12. II. Als ausführbar kann jede Operation betrachtet werden, wenn die hierzu nöthigen Hülfsmittel vorhanden sind, und wenn der Operateur die erforderliche Geschick- lichkeit besitzt. Es ist jedoch wohl zu beherzigen, daſs mit der praktischen Ausführbarkeit einer Operation nicht immer ein gläcklicher Erfolg verbunden ist, und daſs daher die Folgen eiues gewagten Uuternehmens nach allen Seiten auf das Genaueste erwogen werden müs- sen. Da übrigens die thierärztliche Operationslehre noch lange nicht ihre Vollendung erreicht hat, so wer- den in der Folge gewiſs noch manche Operationen verbes- sert, und andere, an deren Ausführbarkeit man jetzt nicht denkt, neu erfunden und ausgeführt werdeu, wie dies z. B. in neuerer Zeit mit dem Durchschneiden des Nackenbandes bei bösartigen Genickfisteln, mit dem Durchschneiden der Nerven bei Spatt, Schale und chro- nischer Gelenklahmheit, mit der Operation des sogenann- ten innern Bauchfellbruchs, mit dem Darmschnitt bei hartnäckiger Verstopfung des Dickdarms durch feste Kothmassen, mit dem Austechen der Kolben der Riech- nerven bei Auhäufung von wässeriger Flüssigkeit im Gehirn der dummkollerigen Pſerde, u. s. w. gesche- hen ist. n 619§. 13. III. Der Erfolg eiuer Operation kann entweder dem Zwecke derselben ganz, oder nur zum Theil entspre- chen, oder er kann sogar ungünstig sein. Diese Ver- schiedenheit des Erfolges ist, abgesehen von der ge- schickten oder ungeschickten Ausführung der Operation, von folgenden Umständen abhängig: 1) von dem Kör- perzustande des zu operirenden Thieres; 2) von der Gemüthsart desselben; 3) von den äuſsern Einwirkun- gen, und 4) von dem, mit der Operation an und für sich verbundenen Grade der Gefahr. 1) Wenn die Constitution eines Thieres von der Art ist, bundene Verletzung ertragen kann, sondern dafs auch dafs es nicht nur die, mit der Operation ver- die Reactionen des Organismus in einem, dem Zwecke entsprechenden Grade erfolgen können, so ist mit gro- ſser Wahrscheinlichkeit ein guter Erfolg zu erwarten. Mehr spezielle Regeln hierüber festzustellen ist sehr schwer, da jeder Fall seine Eigenthümlichkeiten hat. ) dals alle wichtige oder tief eingreifende Operationen, wenn sie Im Allgemeinen läſst sich nur angeben: nicht etwa durch einen vorhandeuen Krankheitszustand als nöthig indicirt sind, nur an völlig gesunden und kräftigen Thieren gemacht werden sollten; dafs man sie dagegen aber 5) an Thieren, die zu jung und zart, oder zu alt, zu abgemagert und geschwächt sind, auch bei denen, die sich eben im Zustande heftiger Brunst befin- den, oder die mit innerlichen Krankheiten(besonders mit solchen, bei denen die gute Mischung der Säfte ge- stört ist) behaſtet sind, lieber ganz unterläfst, weil un- ter diesen Umständen entweder nur unvollständige, oder unerwartet heftige Reactionen eintreten, und der Kör- per sogar einer Operation unterliegen kann.— Bei vor- handenen innerlichen oder allgemeinen Krankheiten ist jedoch diese Regel zu allgemein ausgesprochen; denn es giebt sogar Fälle, wo bei einem vorhandenen allge- meinen Leiden Operationen nöthig sind und einen guten Erfolg haben können, und es kommt daher immer darauf an, in welchem Zusammenhange das örtliche Uebel, welches durch Operation gehoben werden soll, mit einem innerlichen Krankheitszustande steht. Man kann in die- ser Hinsicht dreierlei Verhältnisse unterscheiden, näm- lich: a) Fälle, in denen die Erscheinungen des allge- meinen Leidens nur allein von dem örtlichen bedingt sind, z. B. heſtiges Reizſi eber oder krampfhafte Zufälle von fremden Körpern in einer Wunde verursacht, Betäubung oder Krämpfe von eingedrückten Knochenstücken am Schädel;— 5) solche Fälle, wo das örtliche Leiden die Folge eines innern krankhaften Zustandes ist, z. B. Wurmgeschwüre, ödematöse Geschwülste bei Brust- oder Bauchwassersucht;— und c) solche Fälle, Wo das innere Kranksein neben dem örtlichen Leiden nur zufällig eingetreten ist und mebrentheils nur eine vor- übergehende Complikation bildet, z. B. Druse, Rheu- matismus u. dgl. In den Fällen der ersten Art kann eine, durch die Umstände als nothwendig angezeigte Operation trotz des vorhandenen Fiebers u. s. w. doch einen ganz guten Erfolg haben.— In den Fällen der zweiten Art wird eine, zur Beseitigung des örtlichen Uebels unternommene Operation für sich allein die Heilung nicht herbeiführen, so lange das allgemeine Kranksein noch fortbesteht;— und in den Fällen der dritten Art kann der, unter an- dern Umständen gewöhnlich gute Erfolg einer Operation bald mehr bald weniger getrübt werden, und es läfst sich daher unter diesen Verhältnissen nicht immer eine ganz bestimmte Vorhersagung machen. 2) Die Gemüthsart, der gutartige oder bösartige Wille, und der Grad der Zähmung eines Thieres ist für den Erfolg einer Operation oft von groſser Bedeutung. Denn die Erfahrung zeigt es täglich, dafs bei ruhigen, gutmüthigen Thieren, die während und nach der Opera- tion nicht durch Widersetzlichkeit sich zu sehr austren- gen und erhitzen, die sich auch die nöthigen Hülſslei- stungen durch Verband, Reinigung u. s. w. gut anbrin- gen lassen, gewöhnlich der Erfolg weit günstiger ist als bei denjenigen, die sich auf entgegengesetzte Weise benehmen. 49 1 3) Die Auſsenverhältnisse, denen ein Thier vor, bei und nach der Operation unterworſen ist, sind stets von groſsem Einflusse auf den Erfolg der letztern. Vor- ausgegangene und nach der Operation noch fortgesetzte gute Pflege, besonders gesunde Nahrung, passende Tem- peratur des Stalles, reine Luſt, die nöthige Ruhe und Schonung der Thiere, gehörige Reinigung der Ope- rationswunden, Verhütung der Einwirkung schädlicher Stoffe auf dieselben(z. B. der Brandjauche, des Milz- brandgiftes u. s. w.) befördern recht sehr einen günsti- gen Erfolg, so wie Verhältuisse von entgegengesetzter Art oft mit sehr schlechten Folgen begleitet sind. Zu- weilen stellen sich aber die letzteren auch da ein, wo die beste Pflege und Wartung der Thiere stattſindet, und wo überhaupt alle Umstände günstig zu sein schie- nen. In solchen Fällen liegt die Ursache oft in der herrschenden Witterungs- und Krankheits-Coustitution, die man jedoch immer nur aus ihren Wirkungen erken- nen kann. 4) Die mit den Operationen selbst verbundene Ge- fahr ist bei manchen(besonders bei den unblutigen) nur äuſserst gering, bei andern aber stets sehr groſs (nameutlich bei vielen blutigen Operationen). Sie ist abhängig von der Grölſse der eutstehenden Verletzung, von dem Orte derselben und von der Wichtigkeit der betroffenen Theile. Operationen, die mit sehr groſser Verwundung, oder mit Zerstörung eines Organs ver- bunden sind, können theils unmittelbar und mehr oder weniger schnell durch Störung der Verrichlung, theils mittelbar durch Blutverlust, durch heftige Nervenzufälle, durch heſtige Eutzündung, durch Brand, durch weit verbreitete oder langwierige Eiterung, durch hinzuge- tretenes Zehrfieber, oder durch Cachexie u. s. w. sehr gefährlich und selbst tödtlich werden. Diese Gefahr drohet um so mehr, wenn groſse Gefäfsstämme in der Tiefe der Theile oder im Innern der Höhlen durch die Operation geöffuet werden, oder wenn die betroffenen Theile für die Erhaltung des Lebens von groſser Be- deutung sind, z. B. das Gehirn, das Rückenmark, die Lungen-Magennerven u. a. Der Operateur muſs deshalb, abgesehen von den übrigen, vorher angedeuteten Bedin- gungen, auch ganz besonders die physiologische Bedeu- tung der Organe berücksichtigen, und die aus der Ope- rationsverletzung entstehende Gefahr mit der Gröſse und Gefahr der vorhandenen Krankheit vergleichen; aufserdem aber muſs er auch noch die, durch die Ope- ration etwa veränderte Brauchbarkeit und den Werth eines Thieres, so wie die nöthige Zeit zur Heilung und die entstehenden Kosten im Voraus abschätzen, wenn er über die Anwendbarkeit und über die wirkliche Nützlichkeit einer Operation richtig urtheilen will. S. 14. Bei der Ausführung einer jeden Operation sind meh- rere allgemeine Umstände zu berücksichtigen, von de- nen einige vor, andere während, und noch andere nach der Operation in Betracht kommen. — ͤ “ —— Zweites Kapitel. Von den Umständen, welche vor, während und nach den Operationen im Allgemeinen zu berücksichtigen sind. 4 Allgemeine Regeln vor den Operalionen. §. 15. Hat sich der Thierarzt, nach genauer Erwägung aller Umstände, von der Nothwendigkeit oder Nützlich- keit einer Operation bei kranken Thieren überzeugt, so muſs er zuerst dies dem Besitzer der letzteren anzei- gen, denselben zugleich mit dem wahrscheinlichen Er- folge, mit der erforderlichen Zeit zur Heilung und mit den Kosten bekanut machen, um die Einwilligung Zur Ausführung der Operation zu erhalten. Eben so mufs er auch bei sogenannten Luxusoperationen, welche er auf Verlangen an gesunden Thieren unternehmen soll, die Besitzer von der bei diesen Operationen zuweilen eintretenden Gefahr, von dem wahrscheinlichen Erfolge u. s. w. unterrichten. Giuld uias §. 16. Der Thierarzt mufs sich ferner vor jeder Operation einen bestimmten Plan zur Ausführung derselben ma- chen, und dabei die Eigenthümlichkeiten des zur Opera- tion bestimmten Thieres, namentlich aber die Art und das Temperament desselben, die Art und den Sitz der Kraukheit, und den Zweck der Operation berücksichti- gen. Der Operationsplan selbst muſs Alles, was zur ganzen Operation und zur Nachbehandlung gehört, um- fassen, und zwar a) die für den vorhandenen Fall am besten passende Methode oder Operationsweise; 5) die Zeit zur Ausfübrung der Operation;) die etwa nö- thige Vorbereitung des Thieres; d) den Ort, wo die Operation ausgeführt werden soll; e) die Stellung oder Lage des Thieres bei der Operation; F) die erforderli- chen Zwangs- und Befestigungsmittel; 9) die nöthigen Gehülfen und die Verrichtungen derselben; /h) den ei- gentlichen Operations-Apparat(lustrumente, Bandagen u. s. w.); ¹) die Stellung des Operateurs während der k) die Art der thierärztlichen Nachbehand- lung, und 1) eine resbuitales diätetische Rege der Operation; Thiere nach der Opesatiques asbunitao §. 17. (à) Bei der Auswahl eiuer Operationsmeihode oder einer besondern Operatiousweise für einen vorhandenen Fall mufs man die Eigenthümlichkeiten des letztern ge- nau erwägen und daun die einzeluen Methoden sowohl hiernach, wie auch nach den im§. 6. angeführten Be- dingungen abschätzen. Sind die verschiedenen Metho- den von gleichem Werthe, ist aber eine derselben in der Gegend fast allein gebräuchlich und den Thierbe- sitzern bekannt, so ist es in den meisten Fällen der Klugheit angemessen, nur diese Methode in Auwendung zu bringen; besonders aber dann, wenn Umstände vor- handen sind, welche den guten Erfolg der Operation unsicher machen können, oder, wo man aus dem Be- nehmen der Thierbesitzer schlieſsen kann, daſs diesel- ben sehr ungebildet, oder anmaaſsend und streitsüch- tig sind. §. 18. (5) Die Zeit zur Ausführung der Operationen ist von den besondern Umständen abhängig, unter denen sich ein Thier befindet, und durch welche im Allgemei- neu dreierlei verschiedene Falle bedingt werden; näm- lich: 1) solche Fälle, wo eine Operation sogleich, wenn man dieselbe für nothwendig anerkennt, anternommen werden mufs. Diese Fälle sind im- mer vorhanden, wenn krankhafte Zustände oder Ver- letzungen, durch welche das Leben der Thiere in wirk- liche Gefahr versetzt ist, oder,— wenn auch nur die Ur- sache von drohenden lebensgefährlichen Zufällen, durch Operationen beseitiget oder gemiudert werden können. So sind z. B. das Aderlassen bei akuter Gehirnentzün- dung, die Verschliefsung stark blutender Gefäſse, die Reposition der Eingeweide bei eingeklemmien Brüchen, die Entfernung fremder Körper aus dem Schlunde, die Tracheotomie bei drohender Erstickung in Folge des gehinderten Durchganges der Luſt durch die obern Theile der Respirationsorgane u. s. w. stels augenblicklich nö- thig, weil jeder Aufschub die Gefahr vermehrt. 2) Solche Fälle, wo eine Operation zwar als nothwendig angezeigt erscheint, ihre Ausfüh- rung aber, gewisser Verhältnisse wegen, noch durch einige Zeit aufgeschoben werden mals. Dergleichen Fälle sind: a) wenn neben dem patholo- gischen Zustande, der durch die Operation geheilt wer- den soll, noch ein anderes, örtliches oder allgemeines Leiden besteht, werden muſs(z. B. Druse im hohen Grade, sehr grofse welches vor der Operation beseitiget Eutzündungs- oder Blutgeschwulst an einem vorgefal- lenen Organ, helſtige Entzündung und Geschwulst bei kürzlich entstandenen Kuochenbrüchen und Verrenkun- gen, vor der zu machenden Reposition,— groſse Schwä- ohe, 2 Lu groſse Reizbarkeit, zuweilen selbst die Brün- stigkeit oder auch die Trächtigkeit eines Thieres u. dgl.); ⁹) wenn ein krankhafter Zustand noch nicht bis zu dem Grade ausgebildet ist, dals die gegen ihn ge- richtete Operation mit gauz vollstaudigem Erfolge un- ternommen werden könnte(z. B. die Eröffuung eines Abscesses, der in drüsigen Theilen entstauden und nock nicht vollständig reif st). 3) Solche Fälle, bei denen die Zeit zur Aus- führung der Operationen ganz der Wahl des Eigenthümers und des Thierarztes überlassen bleiben darf. Zu diesen Fällen gehören: a) alle so- genannte Luxusoperationen an gesunden Thieren und in den meisten Fällenauch das Castriren; und 5) die Ope- rationen zur Beseitigung solcher krankhaften Zustände, welche dem Leben keine Gefahr drohen, sondern nur die Brauchbarkeit oder die Schönheit der Thiere in einem mäſsigen Grade beschränken(z. B. das Englisiren, die Exstirpation von Balggeschwülsten und von Warzen, das Brennen des Spatts, der Gallen u dgl.).— In den Fällen der letztern Art berücksichtiget man bei der auszuwählenden Zeit zur Operation das Alter und die körperliche Beschaffenheit des Thieres, die Jah- reszeit, die Witterung und, überall wo es sein kann, auch die Tageszeit. So z. B. kastrirt man junge Thiere von edler Abkunft nicht gern zu früh, ehe ibr Körper sich gehörig entwickelt hat. Eben so operirt man nicht gern solche Thiere, die in einem schlechten, kränklichen Körperzustande sich befinden.— Zur Zeit, wo eben bösartige Krankheiten oder Seuchen herrschen, ist es am besten, alle wichtigeren Operationen, die sich auf- schieben lassen, nicht zu unternehmen. Hiusichtlich der Jahreszeit scheinen der Frühling und der Herbst zur Ausführung wichtiger Operationen am meisten geeignet, weil in diesen Jahreszeiten mehrentheils eine milde Wit- terung herrscht, und die Thiere weder von zu groſser Hitze oder Kälte leiden, noch von Iusekten viel belä- stiget werden. Auſserdem entstehen im Sommer, und überhaupt bei anhaltend sehr warmer Witterung, oft fau- lige Krankheiten, bei anhaltendem Regenwetter leicht rheumatische und catarrhalische Beschwerden, und im Winter oft heftige Entzündungskrankheiten. Wo jedoch die Nothwendigkeit das Operiren gebietet, mufs man suchen die nachtheilige Einwirkung der Jahreszeit und Witterung durch eine zweckmäſsige Einrichtung des Stalles abzuhalten.— Hiusichtlich der Tageszeit wählt man am besten den Morgen Zzur Ausführung der Operationen, weil man dann während des Tages die etwa eintreten- den üblen Zuſälle, z. B. Blutungen, besser wahrnehmen und leichter beseitigen kann, als wenn man spät am Tage operirt. Denn da man im letztern Falle die Nacht nahe vor sich hat, so mufs man hier immer befürchten, daſs die während derselben möglicherweise entstehenden üblen Zufälie wegen Mangels an hellem Licht oder we- gen Trägheit der Wärter unbeachtet bleiben und Gefahr herbeiführen, oder daſs man nicht schnell genug die nö- thigen Gehülfen zur Hand haben kann, u. dgl. 1 8I9. eio⸗ 201 Sia te (c) Eine Vorbereitung der Thiere zu den Opera- tionen ist in manchen Fällen nöthig oder doch nütazlich, in andern unnöthig und in noch andern unausführbar, je nachdem der Krankheitszustand, die Beschaffenheit des Thieres im Allgemeinen oder die Beschaffenheit des lei- denden Theils, die Art und die Zeit der Operation dies bedingen.— Bei allen Operationen, deren Ausführung sogleich nöthig ist, fällt eine eigentliche Vorbereitung des betreffenden Thieres von selbst weg, und bei den meisten geringeren oder leichten Operationen ist dieselbe auch unnöthig. Dagegen muſs man in den Fällen, wo die Thiere(namentlich die groſsen) niedergelegt und festgebunden werden sollen(wenn es die Zeit erlaubt), durch wenigstens 12 Stunden vor der Operation kein Futter und nur sehr wenig Getränk geben, damit sie beim Niederfallen keine vollgefüllten Eingeweide haben und hierbei auch weniger der Gefahr ausgesetzt sind, sich die letzteren zu beschädigen. Bei fast allen Ope- rationen, bei denen man es mit Oeffnungen in den Bauch- wänden(z. B. bei der Kastration weiblicher Thiere) oder mit vorgefallenen Eingeweiden zu thun hat, wird durch etwas länger vorausgehendes Fasten der Zweck stets leichter und sicherer erreicht.— Wenn an jungen, voll- säftigen und kräftigen Thieren wichtige Operationen, besonders an innern Organen ausgeführt werden sollen, so ist es zweckmäſsig, vorher durch Verminderung des Futters oder durch Darreichung von leicht verdaulichem und wenig nahrhaftem Futter, selbst durch Aderlassen und küblende Laxiermittel die Säftemasse zu vermindern und die Vitalität herabzustimmen. Diese Behandluang wird unter den bezeichneten Umständen um so mehr nützlich sein, wenn die bevorstehende Operation selbst mit keinem bedeutenden Blutverlust verbunden ist; wo aber der letztere wahrscheinlich eintritt, muſs man we- nigstens mit dem Aderlassen vor der Operation sehr vor- sichtig sein.— Sind Thiere durch Alter, durch vor- ausgegangene Kraukheiten, durch Blatverlust u. dgl. sehr geschwächt, so mufs man suchen, sie zuerst durch Ruhe und gute Pflege, selbst durch erregende und toni- sirende Arzneimittel zu stärken, damit sie die Operation besser ertragen und eine genügende Reaction erzengen können.— Befinden sich die Theile, an denen eine Operation unteruommen werden soll, in einem sehr ge- reizten, schmerzhaften Zustande, so sucht man deusel- ben zuerst, nach möglicher Entfernung der Ursachen, durch kühlende, schleimige, narkotische u. a. Mittel 2u beseitigen.— Zu sehr erhärtete Theile, namentlich der- gleichen Hüfe und Klauen, erweicht man durch Bäder, Waschungen oder Umschläge von warmem WMasser, oder von schleimigen Mitteln, oder durch öfteres Einreiben von Fett oder Oel.— Verunreinigungen von Blut, Ei- ter u. dgl. werden durch Abwaschen mit warmem Was- ser oder mit warmem Seifenwasser eutfernt; Haare an der Operationsstelle werden entweder rein abgeschoren, oder, wenn man lange Haare unverletzt erhalten soll (wie es zuweilen an den Mähnen und am Schweif ge- wünscht wird), so müssen sie zweckmäſsig eingefloch- ten oder zusammengebunden werden, u. s. w. *§. 20. (d) Der Ort, wo man eine chirurgische Operation au Thieren verrichten will, soll so hell sein, daſs we- nigstens von oben her die, der Operation unterworfenen Theile vollständig vom Tageslicht beleuchtet und deut- lich erkennbar sind; er mufs dabei so geräumig sein, dafs die Thiere, selbst wenn sie unruhig und widersetz- lich sind, keine festen Gegenstände(z. B. Wände, Standbäume u. dgl.) erreichen und an denselben sich selbst oder den Operateur und die Gehülfen beschädigen können. Die Ausführung von Operationen im Stalle (oder an kleinen Thieren im Zimmer) ist daher in der Regel nur bei einfachen, wenig schmerzhaften und schnell ausführbaren Operationen zu empfehlen, wenn zugleich das betreffende Thier gutmüthig und der Stall hell und geräumig genug ist. Denn, fehlen diese Bedingungen, so sind selbst geringe Operationen nur mit Unsicherheit und mit Gefahr im Stalle zu verrichten; und deſshalb operirt man unter solchen ungünstigen Umständen am besten im Freien. Letzteres ist im Allgemeinen auch nöthig, bei allen groſsen und wichtigen Operationen an den grofsen Thieren, besonders aber, wenn dieselben 2* “ — hierau niedergelegt werden müssen. Eine Ausnahme von dieser Regel kann jedoch stattfiuden, wenn die Thiere wegen Krankheiten(namentlich an den Füfsen) schwer von der Stelle zu bewegen sind, oder wenn sie sogar fest auf ihrem Lager liegen, und wenn der Raum im Stalle die Ausführung der Operation gestattet. Sollte das Letztere aber nicht der Fall sein, und das Thier gar nicht vermögen zu gehen, so mufs man es entweder auf einer reichlichen Unterlage von glattem Stroh, oder auf einer unter den Körper gelegten Leiter aus dem Stalle heraus und auf den Operationsplatz zie- hen.— Zum Operiren aufserhalb des Stalles wählt man in der Nähe desselben einen hinreichend grofsen, hel- len, gegen Zugluft gesicherten und geräuschllosen, so viel als möglich mit ebenem und weichem, aber nicht schlüpfrigem wufsboden versehenen Ort, z. B. einen Ra- senplatz, eine Reitbahn u. dgl. (e) Die Stellung oder Lage der Thiere während einer Operation soll im Allgemeiunen von der Art sein, dafs die letztere gründlich, leicht und geschwind ausge- führt werden kann, und dafs sowohl der Operateur wie auch seine Gehülfen gegen Verletzungen von Seiten des operirten Thieres möglichst gesichert sind. Uebrigens wird sie in jedem besondern Falle theils durch die Ope- ration selbst, besonders durch die gewählte Methode, und durch die Lage und Beschaffeuheit der dabei be- troffenen Organe, theils durch die Thierart, den gutar- tigen oder bösartigen Charakter der Thiere, und zuwei- len selbst durch äuſserliche Zufälligkeiten, wie z. B. Jurch hiureichende oder mangelude Befestigungsmittel und Gehülfen, durch Gewohnheit oder Uebung des Ope- rateurs u. dgl. bestimmt; sie ist daher in den einzelnen Fällen verschieden, und kann selbst bei Ausübung einer und derselben Operation auf mehrerlei Weise verändert werden. Die Hauptverschiedenheit besteht jedoch darin, dals A. ein Thier während der Operation eut- weder steht, oder B. daſs es hierbei liegt.*) An den groſsen Hausthieren ist zwar die Mehrzahl der vorkommenden Operationen im Stehen zu verrichten möglich; da man aber nicht blos auf die Möglichkeit, sondern auch auf die Genauigkeit, Leichtigkeit und Schnelligkeit der Ausführung einer Operation, und auf die Sicherheit der hierbei wirkenden Personen sehen muſs,— und da ſast alle chirurgischen Operationen schmerzerregend auf die betreffenden Thiere wirken, und defshalb die letzteren, selbst wenn sie zu andern Zeiten die gutmüthigsten siud, hierbei unruhig und wi- dersetzlich werden, so ist man sehr oft genöthiget, die- ser Umstände wegen viele Operationen an niedergeleg- ten Thieren zu verrichten. Dies ist aber besonders nö- thig, 1) wenn die Thiere sehr empfindlich, furchtsam, bösartig oder tobsüchtig sind; 2) wenn die auszufüh- rende Operation sehr schmerzhaſt, stark verletzend, sehr *) Eine dritte Art der Lage, die aber äusserst selten und nur bei einzelnen Operationen der kleinen Thiere angewendet worden ist, z. B. bei der Kastration, ist das Aufhängen der Thiere an eine Wand oder selbst an den Hals des Operateurs.(Siehe E. Vi- borg, Vet. Selskab. Skrift.) Diese Lagerung erscheint bei dem Besitz mehrer anderer ausreichender Mittel überflüssig und roh. complicirt, schwer und langsam zu verrichten ist, und 3) wenn dieselbe an sehr empfiudlichen, edlen, leicht beweglichen oder tief liegenden Theilen, z. B. an den Augen, am Gehirn, an tief liegenden Gefäfsstämmen, an der untern Seite des Bauchs u. s. w. unternommen wer- den soll. Im Stehen sind daher nur a) die leichteren and oberflächlichen Operationen, wie z. B. das Aderlas- sen, Skarifiziren, die Applikation von Fontanellen und Haarseilen, die Eröffnung der Abscesse u. dgl. mit Si- cherheit auszuführen, besonders aber b) wenn solche Operationen am Halse, an dem Widerrüst und Rücken, an den Schultern, an den Seitenflächen der Brust und des Leibes, an der Vorderfläche der Brust, an der äu- ſseren Fläche der Vorderschenkel und an der Sohlen- ſläche der Huſe stattfinden.— An sehr gutmüthigen, oder schwachen, oder torpiden Thieren(daher nament- lich an Wiederkäuern) können oft auch groſse und wichtige Operationen im Stehen ausgeführt werden. Es giebt aber auch einzelne Fälle, in denen man es nicht wagen darf, groſse Thiere gewaltsam nie- derzulegen, sondern wo man es entweder abwarten muls, bis sie dies von selbst thun, oder wo man, wenn die Umstände dringend sind, die indicirten Operationen im Stehen unternehmen muſs. Diese Regel gilt nament- lich: bei grofser Ausdehnung der Harublase durch Urin, in Folge von Urinverhaltungen;— bei groſser Ueber- füllung und Ausdehnung des Magens und Darmkanals durch Futterstoffe oder durch Gasarten, besonders bei gleichzeitiger heſtiger Entzündung dieser Eingeweide; — bei hohen Graden der Brust- und Bauchwassersucht; — zuweilen auch bei groſsen Abscessen in der Nähe des Keblkopfes, der Luftröhre, der Brust- und Bauch- höhle, und— bei weiblichen Thieren in der letzten Zeit des Trächtigseins. An den kleinen Hausthieren lassen sich ebeufalls viele Operationen im Stehen ausführen; allein theils we- gen der geringen Hôhe dieser Thiere, theils wegen der groſsen Beweglichkeit und selbst wegen der Bösar- tigkeit einiger Arten derselben ist es nothwendig, daſs man sie für die meisten Operationen auf einen erhöhe- ten Ort(am besten auf einen feststehenden, an allen Seiten zugänglichen Tisch) niederlegt. G. 22. Um die Thiere in die zur Ausführung einer Opera- tion erforderliche Lage oder Stellung zu bringen und sie während derselben sicher und möglichst ruhig zu erhalten, sind bald mehr bald weniger gewaltsame Mit- tel erforderlich. Denn, da die Thiere den guten Zweck irgend einer an ihnen unternommenen schmerzhaſten Ver- richtung nicht einsehen können, so suchen sie instinkt- mäſsig derselben zu entfliehen oder sich gegen dieselbe zu vertheidigen. Daher mufs der Operateur, nachdem er eine Operation in einer bestimmten Lage auszuführen beschlossen hat, zunächst alle, für den speziellen Fall erforderlichen Zwangs- und Befestigungsmittel in Be- reitschaft setzen, dieselben hinsichtlich ihrer Güte und Haltbarkeit genaun untersuchen, und über ihre richlige Anwendung die hierzu bestimmten Gehülfen belehren. (Siehe hierüber den dritten Abschnitt.) §. 23. heufalls ls we- gen der Bosar- g, daſs erhöhe- in allen 9,38e, 23. Eben so muſs der Operateur in jedem Falle vor dem Beginn einer Operation den ganzen Operations- Apparat, d. i. Alles, was an chirurgischen Instrumenten zur Ausführung der Operation, an Blutstillungsmitteln, an Verbandmitteln für den ersten Verband, an Wasser und Schwämmen, an Feuer u. s. w. erforderlich ist,— in bester Beschaffenheit und Vollständigkeit zur Stelle bringen und diese verschiedenen Gegenstände auf einem hierzu passenden Brett, oder in einem flachen Korbe, im Nothfalle in einer Futterschwinge so ordnen, daſs sie nach dem muthmaalslichen Gange der Operation, also in der Folgereihe, in welcher sie zur Anwendung kom- men, neben einander liegen. Diejenigen Gegenstände, welche nicht zur Ausführung der beabsichtigten Opera- tion selbst dienen, sondern nur bei etwa eintretenden besonderen Zufällen gebraucht werden könnten, legt man am besten etwas abgesondert von den übrigen; und eben so legt man auch die zum Verbande dienenden Sachen, getrennt von den Instrumenten, auf ein beson- deres Brett, namentlich wenn sie einen grofsen Umfang einnehmen. Sämmtliche Instrumente müssen von guter Beschaffenheit, vorzüglich mit scharfen, feinen und glat- ten Schneiden und Spitzen, ohne Lücken, ohne Schleif- grath, und möglichst rein sein. Schlechte Instrumente erschweren und verzögern die Ausführung der Opera- tion, machen sie dem Thiere mehr schmerzhaft, und ge- ben unebene, zu sehr gereizte und schwer heilende Wunden. Schmutzige, und mit angetrockneten thieri- schen Flüssigkeiten versehene Instrumente wirken eben so nachtheilig und können selbst zum Eutstehen des Brandes oder zur Uebertragung ansteckender Krankhei- ten Veranlassung geben.— Eine nützliche Vorsicht ist es, daſs diejenigen Instrumente und Geräthschaften, wel- che man zur Ausführung einer Operation als die wich- tigsten betrachtet, oder welche beim Gebrauch leicht abgenutzt und verdorben werden können, doppelt vor- handen sind, damit nicht aus Mangel an brauchbaren Instrumenten die begonnene Operation verzõgert oder selbst unterbrochen werde.— Sind zum Darreichen der Instrumente u. s. w. besondere Gehälfen bestimmt, so müssen diese von dem Operateur mit den einzelnen Ge- genständen, und nöthigenfalls auch mit deren Anwen- dung, bekannt gemacht werden. 64 24. 1 1 Der Thierarzt kann an den kleinen wie an den groſsen Thieren nur sehr wenige Operationen allein ver- richten, sondern er bedarf hierzu in den meisten Fällen der Mitwirkung von Gehülfen, und zwar: 1) zum Fest- halten oder zum Niederlegen der betreffenden Thiere; 2) zum Darreichen der Instrumente u. dgl., und 3) oft auch zur Unterstützung bei der Operation selbst; z. B. zum Wegwischen oder Abspülen des Blutes von der Operationsstelle; zum Zusammenhalten der Wundränder bei dem Zubinden der Heftfäden; zum Zusammenbinden der Kluppen bei der Kastration u. s. w.— Die Anzahl der nöthigen Gehülfen ist nach der Eigenthümlichkeit der Operation, nach der Stellung oder Lage des Thieres hierbei, so wie nach der Art, dem Charakter und der Stärke des letztern, in den einzelnen Fällen sehr ab- weichend. Bei leichteren Operationen kann man mit 1 bis 2, bei den schwierigsten gewöhnlich mit 5, 6 bis 8 Gehäülfen, selbst an den groſsen Hausthieren, ausrei- chen.— Gute Gehülfen müssen stark, gewandt, dreist, aufmerksam, nüchtern, und mit gesunden Sinnen verse- hen sein. Man wählt von ihnen zum Festhalten der Thiere die stärksten, und zur eigenen Unterstützung des Operateurs die gebildetsten und gewandtesten. Bei sehr wichtigen Operationen nimmt man sich zu dem letzteren Geschäft am besten einen andern Thierarzt zur Hülfe.— Damit die Gehülfen den Operateur recht zweckmäſsig unterstützen, ist es nützlich, vor der Operation den ein- zelnen Gehülfen über die ihnen aufgetragene Anwen- dung der Zwangs- und Befestigungsmittel, über die zu- zureichenden Instrumente u. s. w. eine leicht verständ- liche Belehrung zu ertheilen,— zedem einzelnen seine Verrichtung praktisch zu zeigen und ihm dann seine Stelle am Thiere anzuweisen. lni f II. Allgemeine Regeln wührend der Operalion. H. 25. Der Operateur läſst zunächst das Thier durch die Gehälfen in der, zur sicheren Ausführung der Operation bestimmten Stellung oder Lage halten, und zwar immer wo möglich so, dafs die der Operation unterworfenen Theile von dem Sonnenlicht beleuchtet sind, niemals aber so, daſs letzteres dem Operateur in die Augen fällt; und er selbst nimmt die zur Ausführung der operativen Ver- richtungen zweckmälsigste Stellung ein. Diese Letz- tere ist zum Theil nach der Art und Gröſse des Thie- res, hauptsächlich aber nach der Stellung desselben und nach der Lage des betreffenden Theiles verschieden. Im Allgemeinen sieht man dabei auf Bequemlichkeit bei der Operation, auf Sicherheit gegen Verletzungen durch das Thier, und auf Vermeidung zu groſser Verunreini- gung durch Blut, Eiter u. dgl. A. Bei aufrecht stehenden groſsen Haus- thieren bleibt auch der Operateur in einer stehenden Stellung, die jedoch, je nach den Umständen, baldeine ganz aufrechte, bald eine mehr oder weniger gebeugte sein kann; und zwar steht er 1) bei Operationen am vor- dern Theile des Kopfes und des Gesichts vor dem Kopfe des Thieres, mit seinem Gesicht wenigstens einen Fuſs weit von dem letztern entfernt.— 2) Bei Operationen am Halse steht man zur Seite desselben, und ebenfalls wenig- stens 1 Fufs von ihm entfernt, damit man, wenn das Thier mit den Vorderfüſsen hauet, von denselben nicht erreicht werde.— 3) Bei Operationen am Widerräst, am Rücken, an den Schultern, am Ellbogen und an der äuſsern, vor- dern und hintern Seite der Vorderschenkel, an der vor- dern Fläche und an den Seiten der Brust, am Bauche, an den Flanken, an der Kruppe, am Schwanze und an der Auſsenfläche der Hinterfüſse stellt man sich an die betreffende Seite des Körpers, bald gegenüber der Schul- ter, bald mehr oder weniger hinter derselben neben den Leib, oder selbst neben die Hinterschenkel. Dabei ge- bietet es immer die Vorsicht, die eigenen Füſse von denen des Thieres so weit als möglich entfernt zu hal- 3 —————————— “ --—“ “ 4 — ten, mit der Brust sich etwas vorwärts zu beugen, und die Vorarme mäſsig fest neben die Operationsstelle auf Man erhält auf diese Weise feste Anlehnungspunkte, und eine gleichmäſsige und sichere Führung der Hände, wenn das Thier während der Ope- das Thier zu legen. ration unruhig ist und hin und her wankt.— 4) Ope- rationen an der innern Fläche der Vorder- oder Hin- terschenkel werden gewöhnlich am besten von der ge- genüberstehenden Seite her ausgeführt; doch lassen sich hierbei, je nach der Art, nach der speziellen Stelle, 10 nach der leichten Ausführbarkeit der Operationen, und nach der Geschicklichkeit des Thierarztes im Gebrauch beider 5) Bei Operationen an dem untern Ende eines Vorder- Hände u. s. w. viele Ausnahmen machen.— fulses, wenn derselbe nach vorn in die Höhe gehalten wird, bleibt man an der äufsern Seite neben oder in der gehörigen Eutfernung vor demselben; ist er aber im Knie gebogen und nach rückwärts aufgehoben, so steht man zur Seite der Schulter oder hinter derselben.— 6) Operationen am untern Ende der Hinterfüſse, und zwar an der vordern Seite des Fessels, der Krone und des Hufes, werden am besten verrichtet, wenn der Fuſs nach vorwärts, d. i. unter dem Leibe, in die Hôöhe ge- nommen ist, und wenn der Thierarzt sich seitlich neben den Leib des Thieres, vor den aufgehobenen Fuſs stellt. — 7) Bei Verrichtungen an dem untern und hintern Theile der Hinterfäſse, wo diese nach hinten hinaus aufgenommen sind, wie nameuntlich an der hintern Seite der Schienbeine, des Fesselgelenks, des Fessels, der des Strahls und der Sohle, steht der Operateur seitlich des aufgehobenen Fuſses, neben Ballen, der Krone, dem zu operirenden Theile, oder auch(doch 2ni2e sicher) hinter dem Fuſse. B. Au liegenden grofsen Thieren muſs der Operateur in der Regel eine knieende Stellung nehmen, was entweder gleichmäſsig mit beiden Füſsen, oder in der Art geschiehet, dafs der eine Fuſs knieet(gewöhn- lich der rechte), während der andere im Knie einen rechten Winkel bildet und mit der Soble auf dem Boden ruhet. Durch diese letztere Stellung erhält der Opera- teur mehr Festigkeit und er ist dabei ungleich mehr fä- hig, sich schueller zu erheben, als bei dem Kunieen auf beiden Küſsen; man benutzt sie deſshalb vorzüglich bei sehr uuruhigen, widersetzlichen Thieren, bei sehr schmerzhaften Operationen, und wenn man sich auf die Gehülſen oder auf die angewendeten Zwangsmittel nicht gauz sicher verlassen darf.— In einzelnen Fällen kann man auch stebend, mit stark vorwäris gebeugtem Ober- körper, au liegenden Thieren operiren; doch ist diese Stellung für einige Dauer sehr ermüdend. Zuweilen muſs man mit den Stellungen wechseln, wenn die Lage der Theile sich ändert, wenn man von einer Seite die nöthigen Verrichtungen nicht bequem joder nicht voll- ständig ausführen kann oder wenn man in einer Stel- lung zu sehr ermüdet.— Uebrigens wählt man an dem liegenden Thiere im Allgemeinen einen Standpunkt vor, oder gegenüber dem, der Operation unterworfenen Theile des Thierkörpers, und so, daſs man besonders mit der echten Hand bequem zu demselben gelangen kann. Bei Operationen am unteren Ende des Halses, auf den Schul- tern, an der vorderen und unteren Fläche der Brust, auf den Rippen und am Bauche, wählt man seinen Platz, um der Störung von den Füſsen des Thieres Zzu entge- hen, am besten hinter dem Halse oder hinter dem Rük- ken desselben. Bei kleinen, auf einem Tische liegenden Thieren operirt man stehend und stellt sich dabei immer so, wie man am bequemsten zu den Operationstheilen gelangen kann, und wie man das beste Licht auf dieselben erhält. Die Operation selbst wird dann nach den für die- selbe im Allgemeinen bestehenden Regeln und nach dem für den speziellen Fall entworfenen Operationsplan aus- geführt, wobei der Operateur möglichst schnell, doch ohne Uebereilung, verfahren, und mit Geistesgegenwart das Ganze überwachen maſs. Namentlich muſs er auf die, der Operation unterworfenen Theile beständig die gröſste Aufmerksamkeit verwenden, den, an der Opera- tionsstelle liegenden gröſsern Gefäſsen und Neryven, wenn es geschehen kann, ausweichen und ihre Verle- taung vermeiden, oder, wenn dies nicht möglich ist, so muſs er alle, bei den Schnitten zu Tage kommenden gröſseren Gefäſse vor deren Durchschneidung einfach, oder selbst an zwei Stellen, unterbinden; wo aber eine solche Verletzung unvorhergesehen stattgefunden hat und plötzlich eine starke Blutung entstanden ist, muſs er, ohne die geringste Unruhe zu zeigen, sogleich die Blutstillung nach den Regeln der Kunst bewirken. Um sowohl in dieser Hinsicht auf die Blutgefäſse, wie auch in Hinsicht auf die in der Tiefe veränderte Beschaffen- heit der Gewebe und Organe und deren Grenzen be- ständig eine möglichst freie Einsicht zu erhalten, muſs ein Gehälfe fortwährend das, auf der Wundfläche er- scheinende Blut mit einem feuchten(nicht nassen) Schwamm auftauchen(nicht abwischen), oder es mufs bei reichlicher Blutung aus vielen kleinen Gefäſsen recht kaltes Wasser aus einem Schwamme, in kurzen Zwi- schenzeiten wiederholt, über die Wunde gespült werden. Wenn nach durchschnittener Haut oder mehr in der Tiefe das Gewebe und die Beschaffenheit der operirten Theile anders gefunden wird, als man im voraus ver- muthete, eben so, weunn plötzlich ein Vorfall von Ein- geweiden entsteht, so mufs eine, den Umständen ent- sprechende Abänderung im bisherigen Operationsplane sogleich stattfinden. Treten bei kleinen Thieren Krämpfe oder Bewuſstlosigkeit während der Operation ein, so macht man in letzterer eine Pause, und sucht indessen durch Besprützen oder Uebergiefsen des Thieres(na- mentlich am Kopfe) mit kaltem Wasser, durch Vorhal- ten von Salmiakgeist, oder Aether, oder Hoffmanusgeist u. dgl. vor die Nase des Thieres, so wie durch Wa- schen mit Branntwein, durch gelindes Reiben, und durch Einleitung eines künstlichen Athmens, die Lebensthä- tigkeit wieder zu erregen;— worauf dann, je nach den Kräften des Thieres und nach den übrigen Verhältnissen, die Vollendung der Operation sogleich, später erfolgt. oder auch erst In der Regel soll jede einmal angefan- gene Operation auch sogleich zu Eude gebracht wer- den, und namentlich soll man sich von einer, durch den Blutverlust entstandenen Schwäche hiervon nicht abhalten lassen. der Brust, lnen Plata, All entge- dem Rük- u Thieren r 80, wie 1 gelangen en erhäl 2n für die- nach dem splan aus- nell, doch gegenwart uſs er auf ändig die er Opera- Nerven, are Verle- ch ist, so ommenden er operirten voraus ver- all von Ein- ständen ent- erationsplane eren Krämpfe Con ein, 80 jcht indessen Thieres(ua- EZuar vollständigen Ausführung einer blutigen Opera- tion gehört auch immer die Stillung der etwa am Ende derselben noch bestehenden Blutung, sehr oft auch die mn Allgemeine Regein Wenn die Operation vollendet, die Blutung gestillt, das äufserlich anhängende Blut u. dgl. entfernt, und ein dem Zwecke entsprechender Verband angelegt ist, läfst man das Thier mit der hierzu nöthigen Vorsicht von den, bis dahin an ihm gebrauchten Zwangs- und Befe- stigungsmitteln befreien, es bei erhitztem Körper etwas mit Stroh abreiben, und dann es in den zu seiner wei- tern Pflege bestimmten Stall bringen. Dieser muſs eine mehr kühle als warme Temperatur und möglichst reine Luſt besitzen, frei von Zugluft, geräumig und hell (nach Augenoperationen aber dunkel) sein. Kleine Ställe, in denen sich das operirte Thier allein oder nur neben wenigen andern Thieren befindet, haben vor gro- ſsen, von vielen Thieren bewohnten Ställen den Vorzug; weil in ihnen gewöhnlich mehr Ruhe besteht und die Luft weniger verdorben ist als in den letzteren. Für groſse Thiere sind abgetheilte Stände mit Latierbäumen, oder Kastenstände mit niedrigen Scheidewänden sehr zweckmäſsig, indem sie die Thiere genügend von den übrigen absondern, und dennoch bei gehörigem Licht die Beobachtung aller Theile des Körpers und einen leich- ten Zugang zu denselben gestatten. Wenn Thiere während einer Operation sich erhitzt, oder wenn sie längere Zeit im gefesselten und gebun- denen Zustande auf dem Boden gelegen haben, ist es zweckmäſsig(wie oben angedeutet), gleich nach Been- digung der Operation und nach Entfernung der Binde- stricke u. dgl. ihren ganzen Körper, besonders aber die Theile, welche der unmittelbaren Einwirkung der Brem- sen, Bänder und Stricke ausgesetzt waren, mit Stroh- wischen mäſsig stark zu reiben und dann ihnen eine Decke aufzulegen. Es wird dadurch einerseits der vor- handene Schweiſs zum Theil aus den Haaren entfernt, der Körper schneller und gleichmäſsiger trocken, und dadurch dem Entstehen von Erkältungskrankheiten vor- gebeugt; andererseits werden durch das Reiben Stok- kungen in den Gefäſsen, und Extravasate in den ge- bunden gewesenen Theilen beseitiget. Im Stalle läſst man den, von Blutverlust oder von vorausgegangenen Kraukheiten sehr geschwächten, so wie die mit Gebrechen oder mit Verletzungen der Füfse behafteten, und eben so allen kleineren Thieren, nach überstandenen Operationen ein weiches, gleichmaſsi- ges Strohlager bereiten und gestattet ihnen das Nie- derlegen auf dasselbe. Zu diesem Zawecke müssen die groſsen Thiere entweder mit gehörig langen Halfter- stricken angebunden werden, oder, wie die kleinen Thiere, ganz unangebunden bleiben,— wenn Letzteres die Lokalität(z. B. ein sogenannter Boxstall), das Be- nehmen des Thieres und die Beschaffenheit der operirten Theile erlaubt. Liegen die groſsen Thiere auch später- hin anhaltend, so muſs man sie, um das Wundliegen möglichst zu verhüten, täglich zweimal von einer Seite des Körpers auf die andere umwenden, die Streu immer — künstliche Schlieſsung der Operationswunden, und die Anlegung eines Verbandes. Letzteres, so wie die Rei- nigung von Blut u. s. w. geschieht zuweilen erst später. nach der Operation. gleichmäſsig weich und rein erhalten, und dieselbe öfter erneuern. Leider wird jedoch das Durchliegen bei sehr unruhigen und bei magern Thieren durch keine Vorsicht abgewendet. Die durch das Liegen entstandenen Ver- letzungen werden nach den Regeln der Chirurgie be- handelt.— In andern Fällen müssen in der Regel die Thiere von groſser Art unmittelbar nach Operationen stehend, hoch und kurz angebunden erhalten werden, besonders aber dann, wenn sie nicht zu matt sind, wenn sie eine Neigung zeigen sich zu reiben oder mit den Zähnen au den operirten Theilen zu nagen, oder wenn man durch ihre Bewegungen beim Niederlegen und Aufstehen eine zu heftige Dehnung, Zerreiſsung, oder Druck an den operirten Theilen, Blutungen, Vorfälle u. dgl. zu fürch- ten hat. Unter diesen Umständen kann man ein Thier, welches wegen Mattigkeit oder wegen Leiden der Fälse das lange Stehen nicht gut erträgt, durch einen Hänge- gurt oder Schwebegurt unterstützen, den man nöthigen- falls aus dicken Säcken, aus mehrfach zusammengeleg- ter Leinwand u. dgl. leicht anſertigen und mittelst Stricke an Krampen oder Ringen an der Decke des Stalles be- festigen kann. Doch muſfs hierbei das Thier immer noch von selbst aufrecht stehen können; denn durch den Gurt kann es nur unterstützt, aber nicht schwebend getra- gen werden. A bau ustlatl moh n0 Will man bei operirten Pferden das Scheuern am Kopfe, am Genick, am Halse, am vordern Theile der Brust und an den Vorderfüfsen verhüten, so mufs man sie im Stande umkehren, und sie mit dem Kopfe rechts und links an die Seitenpfähle anbinden.— Gegen das Nagen mit den Zähnen dient der Maulkorb. Das Na- gen und Reiben mit dem Maule an den Füſsen und an der Brust und die zu heftigen Seitenbewegungen des Halses verhindert man, aufser dem kurzen Anbinden des Thieres, auch durch einen dicken glatten Stock, welchen man mit dem einen Ende an die Halfter, mit dem an- dern aber an den, um den Leib liegenden Deckengurt bindet. Zuweilen genügt dies Hülfsmittel auf einer Seite des Thieres. in andern Fällen wird es auf beiden Sei- ten erforderlich.— Für denselben Zweck, und eben so um das Reiben des Halses an der Krippe u. s. W. zu verhindern, benutzt man das gegliederte Holz-Halsband (Zacken- oder Rosettenhalsband, den hölzernen Hals- kragen), welcher ³) aus 12 hölzernen, 15 Zoll langen, etwa 1 Zoll dicken, runden, glatten, an den Enden ab- gerundeten und daselbst mit einem circa 4— 5 Linien breiten Loche queer durchbohrten Stäben,— 5) aus 12 länglich runden, glatten, 3 Zoll langen, in der Längen- richtung mit einem 4— 5 Linien breiten Loch durch- bohrten Klötzen,— c) aus 12 eben solchen, nur 2 Zoll langen Klötzen,— und d) aus 2, etwa 3 Linien dicken und 2 Ellen langen Schnüren in der Art zusammenge- setzt ist, dals an dem einen Ende zwischen je 2 Stä- be eins der gröſsern, am andern Ende aber eins der 3 ½ — ͤͤöͤöͤö—ö—G— — kleinern Klötze gelegt und in dieser Lage die Stäbe nebst Klötzen an jedem Ende- auf eine Schuur gereihet werden. Man erhält so einen breiten und einen schma- leren Theil des Halskrageus. Letzterer mit den Enden der Schuuren wird um den obern, Ersterer um den un- tern Theil des Halses befestiget. In allen Fällen, wo Nuchblutuugen zu fürchten sind und wo deſshalb die Thiere aufrecht stehend gehalten werden, läfst mau ihnen gewöhulich auch keine Streu unter die Fülse legen, weil man auf dem bloſsen Fufs- boden eine eintretende Nachblutung eher wahrnebmen und das Quantum des eutleerten Blutes richtiger schätzen kann als bei vorhandeuer Streu, wo Beides oft sehr schwierig ist.— Wie lange das Stehen der Thiere ſortdauern soll? ist baupt achlich von der fortdauernden oder gehobenen Gefahr eiuer Blutung, Zerreilsung u. S. W. abhängig; gewöhnlich aber. kann man ihnen nach Ver- lauf von 24 bis 48 Stunden, während welcher Zeit die Blutgefäfse durch Bildung eines ſesten Thrombus sich geschlossen baben, das Niederlegen gestatten. Tritt ein heftiges Reiafieber hinzu, zeigen sich die Thiere sehr angegriffen und ohue Appetit, so ist für sie das Niederlegen eins der gröfsten Beruhigungs- und Heil- mittel. Drittes 12— Die Diät der operirten Thiere mufs in der Mehrzahl dan Fälle und in der ganz ersten Zeit darauf gerichtet sein: die Funktionen der Organe nur im Gange zu er- halten, ohne die Letzteren heftig zu reizen, ohne Or- R gasmus und ohne Congestionen zu erregen. Demgemäſs giebt man ihnen nur schwach nährende, leicht verdau- liche und milde Nahrungsmittel in kleineu Quantitäten, dabelh sabere kühlendes Getränk(Wasser, Kleientrank, für kleine Thiere verdünnte Milch) in der Menge, daſs sie iihren Durst stets vollständig stillen können. Wenn das W undfieber vorüber ist, darf man den Thieren eine, ihrem Körper sonst mehr angemessene, kräftigere Nah- rung geben.— Eine Ausuahme von dieser Diät findet da statt, wo die Thiere durch Blutverlust bei oder nach der Operation, durch vorausgegangene zu reichliche Ei- lerung u. dgl. sehr geschwächt sind, und wo deſshalb zur Beförderung eines guten Bildungsprozesses eine reichlichere Ernährung mit kräftigen Mitteln erforder- lich ist. bndod 9 2 Die weitere chirurgische und die oft nöthige thera- peutische Behandlung richtet sich immer ganz nach der Eigenthümlichkeit der besonderen Fälle, und ist daher nach den Regeln der Enieuneie und der Therapie zu leiten. Mapltel. Von dem Halten und Befestigen der Thiere bei chirurgischen Operationen und von den Hülfsmitteln dazu. §. 27. b. Fast jede chirurgische Operation ist mit Schmera- erregung begleitet, weſshalb sich die Thiere derselben zu entziehen suchen oder auch die weiteren operativen Eingriffe gewaltsam abwehren. Letzteres geschieht mit den, von der Natur einer jeden Thierart verliehenen be- sondern Waffen. Diese mufs man daher in jedem Falle vor der Operation auf irgeud eine Weise unbrauchbar zu machen, auſserdem die Empfindlichkeit des Thieres zu vermindern und dasselbe so zu befestigen suchen, dafs es während der Operation in der, zur Ausführung derselben, zweckmäſsigsten Lage sicher gehalten wer- den kann. 49 03 Hierzu benutzt man, je nach Verschiedebheit der Thiere, und j je nachdem dieselben im Stehen oder im Liegen und an verschiedenen Theilen operirt werden sollen, folgende Hülfsmittel. 4. Bei Pferden. 1) Die Zäumung.— Pferde werden für die aller- meisten Operationen am besten mit einer einfachen, aber starken, festen Treuse aufgezäumt und deren Zügel un- ter dem Kinn kurz zusammengenommen und festgehal- ten. Manche Thierärzte lassen diese Trense an dem Backenstück in der Augengegend mit Scheuklappen ver- sehen,— was bei sehr furchtsamen, bei falschen und bösen Pferden, welche mit Ueberlegung sicher nach den gesehenen Gegenständen schlagen, und eben so bei Pfer- 8Gä8ͤäʒ8ä8J8ͤ8ͤ»ʒGʒ₰G₰ʒGʒ⁊ä6ä6äöäö⁸ den, welche man niederlegen will, wohl nützlich ist.— Bei einigen Operationen im Maule, an der Zunge, dem Gaumen, den Zähnen u. s. w. verdient eine feste Halfter den Vorzug vor der Trense, weil hier das Mundstück der letztern den Raum beengt. 2) Bremsen(Brämsen, Premsen) sind Druck- oder Prefs-Instrumente, vermittelst welcher man die Lippen, oder die Ohren, oder auch die Backen der Thiere so stark zusammenpreſst, daſs an diesen empfind- lichen Theilen ein heftiger Schmerz erregt, hierdurch die Aufmerksamkeit der Thiere von der Operationsstelle abgeleitet und somit gewissermaaſsen die Empfindlichkeit an derselben vermindert wird. Bei einem sehr hohen Grade der Wirkung scheinen die Thiere zuweilen ganz betäubt zu sein. Es giebt drei Arten von Bremsen, nämlich: a) die gewöhnliche Band-, Stiel-, oder Stock-Bremse, 5) die polnische Bremse, und c) die eiserne Bremse.(Nach dem Orte der Applikation bezeichnet man dieselben wohl auch als N asen-, Lippen- oder Ohren-Bremsen.) a) Die erstere besteht im Wesentlichen aus einer Oehse oder Schleife von Band, welche um eine Lippe oder um ein Ohr gelegt und dann mittelst eines durch dieselbe gesteckten hölzernen Stiels oder Knebels in der Längenachse des Bandes zusammengedrehet und veren- gert wird, bis der beabsichtigte Grad des Druckes hervor- 2 Nehrzahl ul gericte uge zu er. ohne Or. Demgemals at verdau- Jo deſshalb esses eine erforder- hige thera- 2 nach der ist daher herapie zu alich ist.— zunge, dem ste Halfter Mundstück ud Druck- r man die Zacken der sen empfud- lierdurch ratiousstelle piiudliehkeit hervorgebracht ist. Gewöhnlich fertiget man aber diese Bremsen in der Art an, daſs man in einem Stiel oder Stock von festem Holz, der gegen 9— 10 Zoll lang, Zoll dick, und gegen 1 Zoll breit ist, an seinem vor- dern Eude zwei runde, etwa 3 bis 4 Linien im Durch- messer groſse und 1 ¼ bis 2 Zoll von einander entfernte Löcher bohrt, dann durch das eine Loch das eine, und durch das zweite Loch das andere Ende eines 16 bis 18 Zoll langen Bandes zieht, und beide Enden an der anderen Seite des Stiels zusammenknüpft, so daſs nun der mittlere Theil des Bandes eine 4 bis 5 Zoll im Durch- messer haltende Schleife bildet. Dieses Band muſs stets gegen 3 Linien dick sein, weil dünnere Bänder zu sehr in die Haut einschneiden. Am hintern Ende des Stiels kann noch ein starker Bindfaden befestiget sein, wel- cher Zum Anbinden des auf die Nase u. s. w. applizirten Instruments an die Halſter oder Treuse dient,— wenn man es nicht fortwährend von einem hierzu augestallten Gehuüſfen halten lassen kann. 7 15 Diese Bremse wird gewöhnlich an odeen Obaiippe (Naca gunollen, auch an der Unterlippe oder an einer Ohrmuschel applizirt. Bei ihrer Anwendung legt man zuerst die Schleife derselben über die sämmtlichen Fin- ger und den Daumen der einen oder der audern Hand (über die rechte Hand, wenn der Bremsenstiel an der rechten Seite,— über die liuke Hand, wenn er an der linken Seite der Lippen liegen soll,— welche Verschie- denheit dadurch bedingt wird, daſs bei Pferden, welche man niederlegt, der Bremsenstiel immer an der nach oben gerichteten Seite des Thieres liegen mufs). Hier- auf ergreift man mit derselben Hand die Lippe, drückt sie allmälig fester zusammen und zieht sie zugleich et- was vorwärts, schiebt dann mit der andern, freien, Hand die Bremsenschleife von den Fingern herunter auf die Lippe, etwa 2 Zoll weit über das Eude derselben hin- auf, und drehet zuletzt den Stiel um die Achse der Schleile so oft herum, bis die binreichende Pressung der LEippe statt gefunden. Diese Umdrehungen— all- — nicht ruckweis, geschehen. auifl ensai Au den Ohren geschieht die Rulegung des lusteus mente auf ähnliche Weise. 22 a ain ush 5) Die sogenannte polnische Breusen besteht in einer, von einem fingersdicken Strick gebildeten gro- ſsen Schleife, welche dem Pferde ins Maul über die Zunge gelegt, äuſserlich aber rechts und liuks über die Backen und über das Genick in die Höhe geführt und dann entweder bloſs enger zugezogen, oder durch einen Knebel zugeschnürt wird. Für den ersteren Fall muſs der Strick an 12 bis 16 Fuſs lang und an einem Ende mit einem Ringe oder mit einer Oehse versehen sein, wo man das andere Ende des Strickes durchstecken und somit eine bewegliche Schleife bilden kann. Diese legt man in der eben beschriebenen Art ins Maul u. s. w., doch so, daſs derjenige Theil, an welchem der Riug oder die Oehse sich befindet, an eine Seite des Genicks oder auf eine Backe zu liegen kommt; und nun läſst man durch einen Gehülfen an dem freien Ende des Stricks kräftig ziehen, hierdurch die Schleife verengen und durch sie einen starken Druck auf die Maulwinkel, die Backen und das Genick ausüben.— Für die andere Form der 13 polnischen Bremse genügt ein 4— 5 Fauſs langer Strick, der, an den Enden fest zusammengebunden, eine Schleife bildet, welche in obiger Art in das Maul, äüber die Backen und über das Genick gelegt wird. Die Schleife darf zuerst nur locker auf diesen Theilen liegen, so daſs man zwischen ihr und der einen oder der andern Backe einen, gegen 1 Zoll dicken und 1 Fuſs langen Stock stecken, den Strick etwas von der Backe abziehen und gleichsam auf den Stock wickeln kann. Wenn dies ge- schehen, drehet man den Stock kreisförmig auf der Backe herum und schnürt dadurch die Schleife fester zu, bis sie auf die betreffenden Theile einen hinreichenden Druck ausübt. Der Stock wird nun festgebunden oder von einem Gehälfen festgehalten. In jun «c) Die eiserne Bremse ist aus zwei eisernen Stäben gebildet, welche gegen 10 Zoll laug, einen hal- ben Zoll dick, und an dem einen Ende durch ein Nieth beweglich mit einander verbunden sind; ihr mittler Theil ist entweder rund oder kantig. Man legt diese Bremse auf die Lippen oder auf die Ohren. Bei der Anwen- dung zieht man die Stäbe an ihrem freien Ende ausein- ander, bringt den betreffenden Theil zwischen sie, und drückt sie dann wieder zusammen. Man kann sie nun blos mit der Hand zusammengedrückt halten oder mit einem Bande oder Riemen zusammenbinden. Die eiserne Bremse quetscht weit stärker und un- gleichmäſsiger als die gewöhnliche Bandbremse, weſs- halb sie nicht zu empfehlen ist. Die polnische Bremse wirkt am kräftigsten, und theils defshalb, theils auch weil man ihre Wirkung durch fortgesetztes stärkeres Züehen an dem langen Strick vermehren kann, ohne daſs man dabei nöthig hat in die Nähe des Pferdes zu tre- ten,— verdient sie den Vorzug bei sehr bösen Pferden und da, wo die gewöhnliche Bremse nicht hinreichend wirkt. In Fällen der letztern Art pflegt man auch wohl auf jede Lippe, und aufserdem auch noch an ein oder das andere Ohr eine Bremse zu setzen. Dagegen er- setzt in leichteren Fällen und für kurze Zeit zuweilen das starke Zusammendrücken einer Lippe oder einer Ohrmuschel mit den Fingern die Wirkung der Bremse. s Die Bremsen därfen stets nur unmittelbar vor dem Anfange einer Operation oder vor dem Niederlegen eines Pferdes angewendet werden, weil, wenn man sie lange vorher anlegt, ihre beruhigende Wirkung sehr nachläſst, die örtliche Wirkung aber oft sehr heftig wird, indem tiefe Quetschung, Lähmung, selbst Brand entsteht. Defs- halb müssen die Bremsen immer gleich nach beendeter Operation wieder eutfernt und hiernach die von ihnen betroffenen Theile sauft gerieben werden. 4 3) Hinsichtlich der Stellung und Haltung ste- hender Pferde ist zu beachten, dals der Körper des Thieres sich bei Bewegungen einem zweiarmigen Hebel ähnlich verhält, indem bei starkem Aufheben des Vor- dertheils das hintere Ende niedergedrückt, mehr festge- stellt und in seinen Bewegungen beschränkt wird, ent- gegengesetzt aber bei starkem Niedersenken des Kopfes und Halses das Hintertheil frei gemacht und zum leich- tern Aufheben vorbereitet, aber die Vorderfüfse mehr belastet und dadurch in ihren Bewegungen sehr beschränkt werden. Beim Heben oder Senken des Hiutertheils ver- 4 Q: hält sich die Wirkung hiervon auf den Vordertheil des Körpers ähnlich; und eben so, obgleich in geringerem Grade, zeigt sie sich bei Biegungen des Kopfes und Halses nach den Seiten, so daſs z. B. bei einer Stel- lung dieser Theile nach links, der linke Vorderfuſs und zum Theil auch der linke Hinterfufs festgestellt, da- gegen die Füſse der rechten Seite zum Aufheben und Bewegen mehr frei gemacht werden. Iu Folge die- ser gegenseitigen Wirkungen der Körpertheile auf einander können also die Pferde diejenigen Füſse zum Schlagen nur uuvollständig gebrauchen, welche aun dem niedergedrückten Ende oder au der concav gebo- genen Seite des Körpers sich befinden.— Mit Rück- sicht hierauf gilt es als eine allgemeine Regel: daſs man bei Operationen am Vordertheile des Korpers stehender Pferde den Kopf der Thiere möglichst herunterzieht und ihn in dieser Stellung während der Operation hält(wenn nicht etwa die Ausführung der Operationen selbst eine entgegengesetzte Stellung und Haltung verlangt, z. B. beim Aderlassen am Halse wo der Hals aufgerichtet sein mufs),— und daſs man und bei der Tracheotomie, bei Verrichtungen am Hintertheil oder auch an der Mitte des Körpers den Kopf möglichst in die Höhe, selbst mit etwas zurü ckgeboge- nem Halse halten läf st. Zu diesem Festhalten des Kopfes wählt man einen kräſtigen und verständigen Ge- hülfen, der des Thieres Mienen und Bewegungen auf- merksam beobachtet, und der, wenn dieselben drohend oder störend werden, durch lautes Anreden, durch ent- sprechendes Heben oder Senken des Kopfes u. s. w. der Unruhe des Thieres zeitig entgegenwirkt. 4) Aufheben eines Vorderfufses. Um das Pferd noch mehr zum ruhigen Stehen zu zwingen und sein Schlagen mit den Vorder- oder Hinterbeinen zu verhüten oder wenigsteus unkräftiger zu machen, hebt man ihm einen Vorderfufs auf und hält dieser Stellung fest. Dies geschieht in der Regel an der Seite, wo eben operirt werden soll, jedoch mufs man hiervon abweichen und den andern Fufs wählen„ wenn der Gehülfe, welcher den Fufs hält, dem Operateur an jener Seite hinderlich ist.— denselben während der Operation in Die Handgriffe bei dem Aufheben der Beine müssen hier als bekaunt angenom- men werden; ein vortheilhafter Handgriff bei dem Fest- halten ist aber: dafs man mit einer Hand den Fessel des nach dem Leibe zu aufgehobenen Vorderfuſses umfaſst, mit der anderen Hand aber die Zehe des Hufes ergreift, den Letztern im Kronengelenk möglichst weit zurück nach dem Fessel hest umd ihn so gebogen fon näknd festhält. 21 d u z2t 8 14 5) Faiefessek. lst dies Festhalten eines aufge- hobenen Vorderfufses aber wegen Bösartigkeit des Thie- res oder wegen Mangels au sichern Gehülfen nicht für die Dauer der Operation zu bewirken, so kann man einen sogenannten Kniefessel an legen. Dies geschieht 80: dafs man, nachdem das Vorderbein im Knie(eigentlich im Fufswurzelgelenk) so stark nach rückwärts gebo- gen ist, daſs der Huf nahe an dem Ellbogen liegt,— um den Fessel und zugleich um das obere Ende des Vorarms einen Riemen schnallt, oder den Fessel mittelst eines Stricks an den Vorarm mit einer leicht aufziehba- ren Schleife festbindet, hierdurch nicht nur das Hauen und das Auftreten mit diesem Fuſse verhindert, sondern auch das Thier zwingt, desto mehr anhaltend auf dem anderen Fufse zu stehen. Zugleich wird hiermit die Körperlast und das Bewegungsvermögen zwischen den beiden Seiten des Thieres ungleich vertheilt und deſs- halb seine Bewegung unsicher, so dals, wenn es ja noch mit dem freien Vorderfuſse nach einem Deeneunae haut, es den Letztern gewöhnlich verfehltt. Eine Modifikation dieses Häülfsmittels ist: dafs man eine, von einem Strick, von einer zusammengelegten Halfter u. dgl. gebildete Schleife über das Knie des aufgehobenen Fufses, bis über die Hälfte des Vorarms hinaufschiebt und dann, um das Herunterfallen dieser Schleife zu verhindern, unter ihr einen runden glatten Stock von circa 1 Fufs Länge und 1 Zoll Dicke, zwi- schen dem Vorarm und dem Schienbein hindurchsteckt. — Auf eine noch andere Weise verfährt man, wenn der sogenannte Beigurt oder ein dicker Strick um den Fes- sel des vorher aufgehobenen und im Knie gebogenen Vorderbeins geschleift. das freie Ende dieses Stricks oder des Beigurtes über den Rücken nach der andern Seite des Thieres gelegt und hier von Gehülfen festge- halten wird. Diese Methode gewährt den Vortheil, daſs man, wenn es nöthig erscheint, in jedem Augenblick das Thier auf den betreffenden Fuſs kann treten lassen, ohne vorher das Band mit den Hànden ablösen zu müs- sen; es sind jedoch 1 bis 2 Gebülfen mehr als bei den vorigen Methoden erforderlich. 99 6) Niederbinden des Kopfes. Das Steigen eines stehenden Pferdes in die Höhe und das Hauen mit seinen Vorderbeinen von oben herunter, wird am sicher- sten durch das Niederbinden seines Kopfes gehindert. Dies geschieht entweder an die Krippe, an die Wand u. dgl., oder an einen Leibgurt an den eigenen Körper des Thieres. Für den ersteren Fall müssen 2 starke eiserne Ringe an der Krippe oder der Wand, in der Höhe der Brust des Thieres, gehörig befestiget vorhan- Man stellt Letzteres mit dem Kopfe gegen die Ringe gekehrt, und legt ihm eine starke Halfter auf, den sein. welche an jeder Seite des Nasenriemens mit einem Strick versehen ist; dann führt man das freie Ende dieser Stricke durch die Ringe, ziehet den Kopf allmälig bis zu denselben herunter, und bindet die Stricke nun entweder oder man läſst sie Letzteres gewährt den Vortheil, dafs man, wenn bei zu groſser Unruhe des Thieres Ge- fahr eintreten sollte, dasselbe sogleich loslassen kann;z die Gehülfen dürfen jedoch nicht die Stricke um ihre Hände wickeln, weil sie sonst bei entstehender Wider- setzlichkeit der Pferde beschädiget werden könnten. Damit aber auch die Thiere sich den Kopf nicht ver- letzen, ist es nöthig, zwischen denselben und zwischen die Wand oder Krippe ein Polster zu legen, was aus einer mehrfach zusammengelegten Pferdedecke u. dsl bestehen kann. lioldae vibdannbisid. n Auf die zweite Art geschieht das Niederbinden das — man legt zuerst dem Pferde einen starken mit leicht aufziehbarer Schleife fest, von Gehülfen halten. nisiba- vHauen auf dem d dels- u es ja enstande Wm Knie des a dieser ke, zwi- Gurt(im Nothfalle einen dicken Strick) um den Leib, jedoch nur mäſsig fest, so daſs man noch mit einem Finger zwischen Gurt und Leib greifen kann; der Kopf wird mit einer starken Lederhalfter bekleidet, in deren Ring unter dem Kehlgange das eine Ende eines etwa 10 Fuſs langen Stricks geschleift ist; das andere Ende dieses Strickes führt man am vordern Rande des Hal- ses hinab, zwischen den Vorderbeinen udursbh und steckt es an der untern Seite des Leibes zwischen dem Gurie und dem Letztern hindurch, wendet es dann hin- ter dem Gurt unter demselben wieder nach vorn und führt es zwischen den Beinen hindurch nach oben zu der Halfter zurück und durch deren Ring. Hierauf zie- het man an diesem Strickende allmälig immer kräftiger und so lange, bis der Kopf mit dem Maule der Brust recht nahe gebracht ist, wo daun der Strick mit eiuer aufziehbaren Schleife an der Halfter befestiget wird. Es ist fast in allen Fällen sehr zweckmäfsig, vor dem Niederbinden des Kopfes einen Kniefessel an ein Vorderbein zu degemau wen damn das Tiess um so eiehe0 rer zu bezwingen ist. bobuhed allandoe 195 7) Das- Spanueha und Aufbinden der Hin- terfüfse. Um bei Operationen am Hinntertheile des Pferdes mehr Sicherheit zu gewinnen, als das Hochhe- ben des Kopfes und das Aufheben eines Vorderfufses sie gewähren, spannt man entweder einen oder beide Hinterfüfse oder man zieht oder bindet einen derselben in die Höhe. Man kommt mehrentheils mit dem Spannen oder Aufbinden eines Fufses aus, wenn man bei der Operation u. s. w. uur an einer Seite des Hintertheils beschäftiget ist; dagegen mufs man beide Hinterbeine spannen, wenn man hinter dem Thiere stehen muſsh c oder wenn dasselbe sehr kitzlich oder sehr bösartig ist. Das Spannen eines ufses geschieht, indem man an den Fessel des betreffenden Fuſses den soge- nannten Beigurt schleift(in Ermangelung desselben einen weichen und mäſsig dicken Strick), oder einen Fessel- tiemen von dem Wurkzeug(siehe weiter unten) um- schnallt, nachdem in den Ring dieses Fesselriemens ein eirca 16 Fuſs langer Strick befestiget ist. Das freie Ende des Beigurts oder des Strickes führt man unter dem Leibe vorwärts zwischen den Vorderbeinen hin- durch, an einer Seite des Halses hinauf, über den Kamm und an der anderen Seite wieder herunter und vor dem Halse wieder zur ersten Seite desselben, wo man es mit dem hier liegenden Theil des Stricks in einer leicht aufziehbaren Schleife vereiniget. Bevor Letzteres ge- schiehet, zieht man den Strick recht straff an und schiebt zugleich das Thier etwas zurück, damit die Hinterfüſse ein wenig mehr unter den Leib zu stehen kommen und somit das Sehatzen mit geuslhen möglichst verhin- Lert Marcha ug ulhin hau zillulmwdoe aumc Bei dem SA uneu beider Hinterbeine legt man um jéeden Hinterfessel einen Fesselriemen und ver- einiget beide mittelst zweimaligem Durchstecken des Strickes durch die Ringe in den Riemen, worauf der Strick wie im Vorhergehenden gesagt, um den Hals befestiget wird. Oder man legt um jeden Hinterfessel einen Strick, kreuzt deren freies Eude unter dem Leibe, und führt dann dieselben eben so um den Hals. 81 1 15 Eine Modifikation bei dem Spannen besteht darin: dafs man dem Pferde ein gewöhnliches Kummt, oder ein Kummt mit Ringen an den Seiten, oder auch eine so- genannte Halskoppel über den Hals legt und hieran das freie Ende des unter der Brust hervor geführten Bei- gurts oder des Strickes befestiget. ude Bei dem Anlegen der Fesseln u. s. w. an den Hin- terfüſsen verlangt es immer die Sicherheit, dafs das Pferd vorher gebremset, ihm der Mapf n hoch auſseriohter und ein Vorderbein aufgenommen ist. 148) AW Das Aufbinden eines Hin ineſaſossDier mit gröſseren Schwierigkeiten als das Aufbinden eines Vor- derfufses verbunden, und da es gröſstentheils durch das Spannen ersetzt wird, so benutzt man es nur wenig; doch findet es in manchen Fällen, wie z. B. beim Spatt- brennen u. dgl. eine gute Auwendung.— Man bewirkt es, indem man dem Pferde zuerst einen starken Leib- gurt umlegt, der an den auf die Seiten des Leibes tref- fenden Theilen mit eisernen Ringen versehen ist. Hierauf wird der betreffende Hinterfuſs am Fessel oder am Schienbein, je nach dem Sitz des Leidens, mit einem Fesselriemen oder mit der Schleife des Beigurts beklei- det, dann das andere Ende des Beigurts oder des Stricks durch den Ring an derselben Seite des Leibgurts ge- führt, und nun der Hinterschenkel mittelst des Strickes gegen den Letzteren herangezogen und festgebunden, so dafs der Huf etwa 1 bis 1 ¼ Fuafs hoch über dem Boden schwebend erhalten wird.— Auf eine zweite Art bindet man einen Hinterfuſs aus, indem zuerst die Schweifhaare so aufgebunden werden, dafs sie eine Schleife bilden. An den Fessel eines Hinterfuſses legt man einen Fesselriemen, in dessen Ring ein Strick ge- schleift ist, hebt den Fuſs in die Höhe, zieht das freie Ende des Strickes durch die von Schweifhaaren gebil- dete Oehse, und beſesiige Gasalbe mit einem aufzieh- baren Knoten. uab im dunb nallal meid T. 8) Feststelien eines Pferdes an die Wand. Um das Ausweichen eines Pferdes nach einer Seite zu . hindern, sucht man dasselbe mit der zur Operation nich bestimmten Seite des Körpers an eine Wand festzustel- len. Zu diesem Zwecke müssen an der betreffenden Wand drei eiserne Ringe gut befestiget sein, und zwar einer unmittelbar vor der Braust, ein zweiter etwa 1 weit hinter den Dickbeinen, und der dritte in der Ge- gend, wo der Kopf des Thieres gegen die Wand zu stehen kommt. Mau stellt nun zuerst das mit einer fe- sten Halfter bekleidete Thier so gegen die Wand, wie angegeben, befestiget den Kopf an den betreffenden Ring, bindet dann in den vor der Brust befindlichen Ring das eine Ende eines Beigurtes, oder eines gegen 12 langen und 1“ dicken Strickes, führt dann Letztere über die nach aufsen gekehrte Schulter, über den Leib und den Oberschenkel, und durch den hinter dem Tbiere in der Wand befindlichen Ring, zieht das Seil stramm an, und befestiget es mit einer leicht aufziehbaren Schleife.— Man kann auch den zu diesem Zwecke gebrauchten Beigurt oder Strick an seiuem vorderu Ende, mit einem starken eisernen Haken versehen, wodurch sowohl des- sen Befestigung wie auch die Ablösung an dem Ringe sehr erleichtert wird. Diese Art, die Pferde festzustel- 4* len, kann man nöthigenfalls in jedem Pferdestall leicht anwenden, indem hier das Seil mit seinem vordern Ende in einem an der Krippe befindlichen Ring, das hintere Ende aber durch einen an dem Standpfahl befestigten Ring zieht. R pehner empfiehlt zu diesem Feststellem der Pferde aufser dem bezeichneten Gurt in der Länge des Leibes noch 2 Gurten, welche in der Rundung des Leibes, und zwar der eine hinter dem Schulterblatt, der andere aber etwa 1“ weiter zurück umgelegt werden; die Enden dieser Gurte sollen über dem Rücken des Pferdes in Haken oder Ringe, welche sich daselbst an der Wand befinden, befestiget werden*). 9) Das Niederlegen der Pferde. Die grölste Sicherheit gegen Beschädigungen des Operateurs und der Gehülfen, und die wenigste Störung durch die Unruhe des Tbieres erreicht man, wenn dasselbe für die Aus- führung einer Operation auf den Erdboden niedergelegt wird. Man benutzt dieses Hälfsmittel daher besonders zur Ausführung der wichtigern Operationen, wie auch solcher, die viel Schmerz verursachen, oder längere Zeit als gewöhnlich ist, dauern, und bei solchen Thie- ren, die sehr furchtsam, empfindlich oder bösartig sind. Das Niederlegen ist aber bei den groſsen Hausthieren in manchen Fällen mit Schwierigkeiten, und für das Thier mit Geſahr verbunden, welche selbst bei der gröſs- ten Vorsicht nicht immer zu vermeiden ist. Diese Ge- fahr entsteht dadurch: daſs die Thiere entweder vor der nöthigen Zubereitung hin und her springen, sich in den Fesselstricken verwickeln, und in Folge dessen unge- schickt niederstürzen, wobei sie sich, je nachdem die einzeluen Theile die Erde berühren, die Augen, die Lippen, das Zahufleisch und die Zähne, den Hals oder die Beine u. s. w. beschädigen können; oder die Gehül- fen wirken nicht nach der Vorschrift dabei mit, und die Thiere fallen dann mit dem Vorder- oder Hintertheil zu plötzlich und heftig auf den Boden, und beschädi- gen sich dabei auf verschiedene Weise; nameutlich ent- stehen diese üblen Folgen leicht auf hartem und glattem Erdboden. Als Erfordernisse zum bequemen Niederlegen ist zuerst ein hierzu passender Platz, dann ein soge- nannter Wurf-Apparat und eine Anzahl von 4 bis 6 Gehülfen nöthig. Zu ersterem eignet sich ein weicher oder sandiger Erdboden, z. B. in einer Reitbahn, oder ein reiner Grasplatz, oder ein trockener Misthof, welchen letztern man mit frischem Stroh bestreut, so weit man ihn für diesen Zweck benutzt. Am zweckmäſsigsten ist es, ein Strohlager von etwa 5 Ellen Länge, 4 Ellen Breite und etwa 1 Höhe auf dem Erdboden bereiten zu lassen. Der Wurſapparat oder das Wurfzeug besteht ge- wöhnlich aus 4 Fesselriemen, einem Seil und aus einem *) Die letztere Befestigungsart der Pferde ist ähnlich derjenigen, wie sie an der sogenannten Nothwand(auch spanische Wand genannt) geschiehet. Ich übergehe hier die Beschreibung dieser Wand in ihren verschiedenen Einrichtungen, so wie auch des so- genannten Nothstalles und der Toperschen Aufhebe- Ma- schine, weil diese Vorrichtungen zu kostspielig sind, sich auch jetzt nur noch selten vorfinden, und weil man alle Operationen auch ohne sie recht gut ausführen kann. Beigurt nebst ein oder zwei kleinern sogenannten Aus- bindestricken. a. Die Fesselriemen: ein jeder ist gegen 18“ lang und 2“ breit(fär Füllen und Esel nur 12 lang und 1 ½" breit) aus gutem zähem Leder berei- tet; an 3 der Länge besteht aus dreifach über einan- der liegenden und fest zusammengenähten Riemen, wäh- rend das übrige Drittheil nur ein einfacher Riemen ist. Jener dickere Theil ist an der innern Fläche entweder mit weichem Fell, oder mit einem Polster von weichem Leder und Rofshaaren bekleidet. An der äufsern Seite, und zwar in der Mitte dieses dickern Theils ist ein Bing möglichst haltbar befestiget. Dieser Ring aus gutem zä- hen Eisen muſs möglichst gut geschweiſst, in seiner Masse circa 3""dick sein; der Durchmesser im Lichten beträgt 2“ ¼— An dem Ende des dickern Theils ist eine viereckige, an den Ecken aber etwas abgerundete Schnalle befestiget, deren Dorn nicht zu lang über den vordern Rand hervorstehen darf, weil dies sonst das Oeffuen der Fesselriemen erschweren würde. Hinter der Schnalle befindet sich an der äufseren Fläche des Riemens eine kleine Oehse zum Durchstecken der Spitze von der Strippe. Das andere Ende des Fesselriemeus bildet eine etwa 6“ lange mit Löchern in Zwischenrän- men von ¼“ entfernten Löchern. I h b. Das Seil oder Tau ist 16—18 hns 2 ge- gen ¾“ dick, es besteht aus hanfenen Bindfäden, die nur mälsig fest in einander gedreht sind; denn ein stark gedrehtes Tau ist immer zu starr und zu wenig biegsam. Das eine Ende dieses Taues ist an den vor- nin bezeichneten Ring eines Fesseleiemens beſestiget, und dieser Fesselriemen wird der Hauptfessel ge- nannt. Statt des Taues benutzt man auch einen Riemen von 1 ½“ Breite und in derselben Länge wie das Tau. Derselbe muſs aus weiſsgahrem Leder und wo möglich im Ganzen geschnitten, d. h. nicht aus Stücken zusam- mengenäht sein; auch ist es zweckmäſsig, wenn er der ganzen Länge nach doppelt ist. Bracy-Clark empfahl ein Tau von etwa 10 Länge, an welches eine eiserne Kette mit länglichen Schaken und gegen 8 lang beſe- stiget, das andere Eude dieser Kette aber mit dem Riuge an einem Fesselriemen vereiniget sein soll. Er wollte durch diese Einrichtung theils die häufigen Reparaturen verhüten, welche durch die Abnutzung des Seils in der Nähe der Fesselriemen nöthig werden, theils aber auch das Zusammenhalten der gefesselten Füſse auf leichtere Weise bewirken, als dies mit dem bloſsen Tau gesche- hen kann. Es euisteht aber bei dem Gebrauch dieses mit der Kette zusammengesetzten Seils an den Füſsen der Pferde zu viel Geräusch, wodurch sehr empfindliche Thiere unruhig gemacht werden, und anſserdem ist der Apparat schwerfällig und nicht gut zu transportiren. c. Der Beigurt ist ein aus hanfenen Bindfäden geflochtener Gurt von etwa 18 Länge und 3 Breite. Das eine Ende des Gurtes bildet eine längliche gegen 5⁄ lange Oehse; das andere Ende ist abgerundet und mit Bindfäden bewickelt, damit es um so leichter durch die Oehse durchgeführt werden könne. in d. Die Ausbinde-Striceke sind gegen 8 nun und ½“ dick, ohne eine besondere Vorrichtung. Um dem ist der a Bindfäden Um nun ein Pferd mit diesem Apparat niederzule- gen, verfährt man auf folgende Weise: dasselbe wird mit einer Trense bekleidet an das Stroblager geführt, und mit derjenigen Seite, welche unten liegen soll, an den Rand desselben gestellt. Die 2 Fülse an dieser nach unten bestimmten Seite will ich, zur bessern Ver- ständigung, am stehenden Pferde die inwendigen, die nach oben zu legenden, von der Streu entfernt stehen- den Füſse aber die auswendigen nennen.— Man setzt nun zuerst dem Pferde eine Bremse auf die Ober- lippe, und zwar den Stiel der Bremse gegen die Seite des Kopfes gerichtet, welche oben liegen soll. Hierauf hebt man den äuſsern, d. h. den von der Streu entfernt stehenden Vorderfuſs auf, und läfst ihn von einem Ge- hälfen so lange halten, bis sämmtliche Fesselriemen ge- hörig angelegt sind. Der sogenannte Hauptfessel wird stets an den aufgehobenen oder auswendigen Vorder- fufs gelegt und festgeschnallt, die übrigen 3 Fesselrie- men aber eben so an die drei andern Füſse. Dabei ist zu beobachten: dafs jeder Fesselriemen so liegen muſs, dafs seine Schnalle sich an der auswendigen Seite des Fuſses befinde, der Ring aber unter den Leib gerichtet sei; auſserdem aber dürfen die Riemen nicht zu lose lie- gen, damit sich der Fufs nicht aus ihnen herausziehen könne; und die Dorne der Schnallen müssen durch die Löcher in der Strippe vollständig hervorstehen, so daſs die Schnallen sich nicht von selbst öffnen können. Wenn die 4 Fesselriemen in der bezeichneten Weise angeschnallt sind, läſst man den bis dahin aufgehobenen Vorderfufs wieder niedersetzen, und führt das Ende des Seils von dem Hauptfessel nach hinten durch den Ring des auswendigen Hinterfessels, sodann durch den Ring des gegenüberstehenden inwendigen Hinterfessels, hier- auf durch den Ring des Fessels am inwendigen Vor- 2 8 derfuſs, und zwar von der äuſsern Seite nach der in- nern, und endlich wieder durch den Ring am Hauptſes- sel von innen nach aufsen. Das ganze Seil wird all- mählig in dieser Richtung nachgezogen, so daſs es straff zwischen den Fesselringen liegt.— Nun ergreifen zwei Gehülfen mit beiden Händen das freie Ende des Seils etwa eine Elle weit von dem äuſsern Vorderfuſse ent- fernt, und ziehen, wenn alles Uebrige so weit vorbe- reitet ist, auf ein gegebenes Zeichen kraftig nach aufsen und hinten. Damit aber das Thier um so leichter fällt, kann man bei dem bezeichneten ersten Anziehen des Seils die Vorderfüfse des Pferdes ein wenig zurück un- ter den Leib, die Hinterfüfse dagegen nach vorwärts setzen. Während dies geschieht, legt ein Gehülfe den Beigurt mit dessen Mitte zwischen die Vorderbeine un- ter die Brust, und führt die beiden Enden dieses Gur- tes an der auswendigen Seite des Halses und der Rip- pen, oder vor und hinter dem Schulterblatt zum Wider- rüst, und über dasselbe hinweg nach der Seite des Strohlagers zu, und hält diese Enden etwa 4 bis 5 weit vom Pferde entfernt mäſsig gespannt, um bei dem gegebenen Zeichen das Pferd niederziehen zu helfen. Durch dieses Hülfsmittel werden die Pferde viel siche- rer, als dies ohne dasselbe geschehen kann, auf die be- stimmte Stelle niedergelegt, und es wird dadurch auch das in die Hôhe springen, welches manche Pferde in 17 — dem Augenblicke unternehmen, wo ihnen die Fäfse zu- sammengezogen werden, sehr beschränkt. Gleichzeitig mit diesen Vorbereitungen stellt sich ein starker Gehülfe an die innere oder nach unten zu bestimmten Seite des Hintertheils, ergreift mit einer Hand die Schweifrübe, während er die andere Hand flach ge- gen dieselbe Seite des Beckens, an welcher er eben steht, mäſsig fest aulegt. Er ist anzuweisen: daſs er bei dem gegebeuen Zeichen zum Niederlegen des Thie- res zuerst das Becken desselben mäfsig stark von sich, d. h. nach der entgegengesetzten Seite, als wohin es fallen soll, stöfst, aber un- mittelbar darauf es an der Schweifrübe gegen sich und auf den Erdboden niederzieht. Die Absicht dieses Ver- fahrens ist: das Pferd sich mit dem Vordertheil zuerst niederlegen au lassen, und das Niederle- gen des Beckens einen Augenblick später zu bewirken; denn die Erfahrung hat gelehrt, daſs wenn Pferde mit der ganzen Länge des Leibes auf einmal oder mit dem Becken zuerst gegen den Boden fallen, gewöhn- lich das Hintertheil zu sehr erschäüttert wird, und hier- von Brüche der Beckenknochen, der Lendenwiebel und andere Verletzungen entstehen können. aH A Nach diesen Vorbereitungen legt derjenige Gehöülfe, der am Kopfe des Pferdes steht und bisher die Tren- senzügel unter dem Kinn desselben kurz zusammenhielt, beide Zügel zusammen vom Kinn aus über die aus- wendige Seite des Halses über die Mähne und hält sie hier straff angezogen mit einer Hand fest, während er mit der andern Hand das Backenstäück der Trense an der äufsern Seite des Kopfes ergreift, um so mit beiden Händen den Letatern gegen sich und zur Erde niederzu- ziehen. Damit aber dieser Gehülfe von dem niederfallen- den Pferde nicht betroffen und beschädiget oder mit um- gerissen werde, muſs er die Vorsicht beobachten: sich einen kleinen Schritt entfernt von der inwendigen Seite des Kopfs des Thieres zu stellen und defshalb die Zü- gel und das Backenstück der Trense mit ausgestreckten Armen zu ergreifen. 5 Wenn nun Alles in der bezeichneten Art vorberei- tet ist, giebt der Thierarat ein vorher mit den Gehülfen verabredetes Zeichen,(z. B. es wird bis auf drei laut gezählt, und bei dem Wort drei! erfolgt das Nieder- legen,) bei welchem Jeder an seiner Stelle nach der ihm ertheilten Vorschrift verſährt, so dals die 4 Füſse des Thieres unter dem Leibe auf einen Punkt zusam- mengezogen werden, der Körper nach der zum Unten- liegen bestimmten Seite aus dem Gleichgewicht gezo- gen wird, und beim Niederfallen immer mit dem Vor- dertheil zuerst auf die Streu kommt. Die Letztere mufs an der Stelle, wo der Kopf zu liegen kommt, mit einer reinen Pferdedecke oder mit einem Sack bedeckt sein, damit die Augen beim Niederstürzen des Thieres nicht durch Strohhalme verletzt werden. Sollte sich diese Decke verschoben haben, so muſs sie sogleich nach dem Niederfallen des Thieres gehörig unter den Kopf gelegt werden. Hierauf wird Letzterer mit dem Genick gegen die Decke und mit dem Maule nach oben zugewendet, wodurch man nicht allein das Scheuern der Augen an der Decke vermeidet, sondern auch zugleich dem Thiere 5 die Kraft benimmt, den Hals zu stark gegen die Brust zu biegen. Um den Kopf noch fester zu halten, kniet der an demselben postirte Gehülfe mit einem Knie auf die nach oben gekehrte Seite des Halses neben dem Genick, setzt den andern Fufs im Knie gebogen vor die Stirn, legt den Arm derselben Seite um den Kopf, und hält mit der andern Hand die Trensenzügel am Kinn kurz und fest.— Die zusammengezogenen 4 Füſse hält man auf die Weise zusammen, daſs man das Seil in der Nähe der Fesseln auf einer Strecke von 3˙ doppelt zu- sammenlegt, diese Falte zwischen den Vorder- und Hinterbeinen von oben nach unten zwischen den Füfsen durchnimmt, dann den Ueberrest des Seils durch diese Falte hindurchsteckt, und hiernach in die so entstandene Scbleife einen kurzen derben Strohwisch steckt und denselben fest einschnürt*). Das freie Ende des Seils wird dann von einem oder von zwei Gehülfen mäfsig straff festgehalten. Das Pferd wird übrigens durch einen Gehülfen an der Schulter, und durch einen zweiten an der Kroupe gegen den Boden gehalten; die Rippen und Flanken dürfen aber nicht gedrückt werden. Soll eine Operation an den Füſsen vorgenommen werden, wobei das Thier besonders gut befestiget sein muſs, so ist das Ausbinden entweder des zur Operation bestimm- ten Fufses, oder wenn es die inwendige Fläche einer Gliedmaaſse betrifft, auch das Ausbinden des Fuſses, der nach oben liegt und jene inwendige Fläche bedeckt, erforderlich. Dieses Ausbinden geschieht an den Vor- derfüfsen immer so, dafs das Schienbein oder das Fes- selbein(Letzteres dann, wenn am Schienbein operirt werden soll,) des ausgebundenen Vorderfufses auf das Schienbein des oben liegenden Hinterfuſses zu liegen kommt. Man schleift zuerst den Beigurt um den Vor- arm des betreffenden Vorderfuſses, führt das freie Ende des Gurtes um das untere Ende des Unterschenkels an dem obenliegenden Hinterfuaſs und zwischen den bei- den Binterschenkeln hindurch wieder nach vorwärts und zwischen den beiden Vorderbeinen hindurch, legt es dann über den vordern Rand des Vorarms nach oben und hin- ten zu, und läfst es von einem am Rücken des Thieres stehenden Gehülfen straff angezogen halten. Ein Aus- bindestrick wird mit seinem mittlern Theil einfach um das Schienbein des auszubindenden Fufses mit einer ein- fachen Schleife angebunden, und die Enden dieses Strik- kes werden einem, hinter den Sprunggelenken des Pfer- des postirten Gehülfen übergeben. Ein dritter Gehülfe knieet nahe vor die Brust des Pferdes, um den Vorarm des auszubindenden Fufses, nachdem derselbe aus dem Fesselriemen geschnallt ist, gegen die Hinterfüſse hin, zu dräcken. Ein vierter Gehülfe öffnet den Fesselrie- men an dem auszubindenden Fufs, und ein fünfter, der das Seil des Warfapparates hält, zieht dasselbe sanft nach vorwärts, und während die übrigen Gehülfen in der bezeichneten Art mitwirken, bindet derjenige, wel- cher hinter dem Sprunggelenk steht, mittelst des Aus- bindestrickes den Vorderfufs fest auf das Schienbein 4 12) PBei dem nach Bracy- Clark’s Angabe construirten Apparat hält man die Füsse dadurch zusammen, dass man ein 4 Zoll lan- ges, 4 Linien dickes Stück Eisen durch den ersten Ring der Kette, ausserhalb der Fesselringe, steckt. eeeeeeeeereereeree eee“ ——,—— 18— des Hinterfufses. Das Verfahren ist im Wesentlichen gleichartig, der betreffende Vorderfuſs mag der obere oder der untere sein. Soll ein Hinterfufs ausgebunden werden, so legt man den Beigurt unmittelbar über das Sprunggelenk an den Unterschenkel dieses Fuſses, führt das freie Ende des Beigurts über die oben liegende Seite des Leibes, nach dem Kamme des Halses vor dem Widerrüst, dann anter dem Halse fort, vom vordern Rande des Halses über den oben liegenden Vorarm, zwischen beiden Hin- terschenkeln hindurch, und wendet dann am hintern Rande des Sprunggelenks den Rest des Gurtes wieder über die obere Seite des Hinterfuſses nach dem Wider- derrüst zu, woselbst ein Gehülfe ihn ergreift, und zur gehörigen Zeit durch straffes Anziehen den Fuſs nach dem Leibe zu in die Höhe und vorwärts bewegt. Ein Ausbindestrick wird um das Schienbein dieses Hinter- fuſses gebunden, der Fesselriemen desselben gelöst, und unn der Fufs mit dem Beigurt in angegebener Art in die Höhe und vorwärts gezogen, während gleichzeitig die äbrigen drei Füſse mittelst des Seils nach rückwärts gezogen werden. Ein Gehülfe kniet vor der Brust und drürkt den Vorarm des oben liegenden Fufses nach rückwärts, ein anderer, welcher hinter den Oberschen- keln kniet, drückt den auszubindenden Fuſs mit einer an die Achillessehne gelegten Hand vorwärts, und wenn durch das gleichzeitige Zusammenwirken in der bezeich- neten Art das Schienbein dieses Fufses schräge über dem Schienbein des obern Vorderfaſses liegt, bindet ihn ein Gehülfe mit dem Ausbindestrick qurch mehrere Um- wickelungen fest. Zur Ausführung der Kastration wird das Pferd ge- wöhnlich auf die linke Seite niedergelegt und dann ihm der rechte Hinterfuſs auf dieselbe Weise, wie oben an- gegeben, ausgebunden, jedoch mit dem Unterschiede: daſs das Fessel- oder Schienbein dieses Fufses über den rechten Vorderfufs höher hinauf, und zwar an den untern Theil des Vorarms gebunden wird.— Nach einer zweiten Methode verfährt man für diesen Zweck so: Man legt um den Leib des Pferdes einen starken Gurt, welcher an den auf die Mitte der Rippen treffen- den Theile der rechten Seite mit einem starken Ring versehen ist. Die beiden Vorderfüfse und der linke Hin- terfuſs werden, wie früher angegeben, mit dem Haupt- fessel und zwei gewöhnlichen Fesseln bekleidet, und das Seil wird vom rechten Vorderfufs durch den Ring des Fessels am linken Hinterfuſs u. s. w., wie gewöhn- lich durchgeführt. Der rechte Hinterfuſs wird mit einem Fesselriemen bekleidet, an welchem ein mäſsig starker 18 Fuſs langer Strick beſestiget ist; das freie Ende dieses Stricks führt man in der Richtung von hinten nach vorn durch den vorhin bezeichneten Ring des Bauch- gurtes. Am Kopfe und am Hintertheil müssen die Ge- hülfen zum Niederlegen des Pferdes in der früher be- schriebenen Art angestellt sein. Nun läfst man das Pferd durch Zusammenziehen der 3 Fülse und gleich- zeitiges Anziehen des Strickes, der von dem rechten Hinterfuſse durch den Ring geht, niederlegen, vereiniget die erstern drei Füfse durch eine mit einem Strohwisch befestigte Schleife, läfst dann einen Gehölfen hinter die “* 8 als mit einer à, und Weun der bezeici- chräge üder , bindet ihn ehrere Um- Pferd ge- dann ihm obeu al- schiede: zes über ran den — Nach u Zweck en starken Schenkel des Pferdes knieen, und das Sprunggelenk des rechten Hinterfuſses nach vorn und gegen die Brust zu drücken, während gleichzeitig der Strick am Fessel 19 dieses Fufses möglichst kurz und straff angezogen wird, bis der Huf bis zur Hälfte des Vorarms des rechten Fuſses gekommen ist, wo dann der Strick mit einem aufziehbaren Knoten an den Ring festgebunden wird. Die meisten Operationen am untern Ende der Glied- maſsen lassen sich auch sehr bequem ausführen, wenn man nach dem Niederlegen des Pferdes den betreffenden Fuſs ausfesselt und mit dem Schienbein auf einen glat- ten, gegen 9— 12 Fufs langen, 4— 6 Zoll dicken Baum festbindet. Letzterer wird hierzu mit seinem vor- deren Ende circa 3 bis 4 Fuſs in gekreuzter Richtung unter das Schiebein geschoben; das Festbinden geschieht mit einem gewöhnlichen Strick oder Gurt. Hierauf he- ben 2 starke Gehülfen das hintere, längere Ende des Baums gegen 4 Fuſs in die Höhe und drücken das vor- dere Ende fest an den Erdboden. Diese Haltung wird während der Operation fortgesetzt.— An den hinteren Gliedmafsen ist wegen deren gröſsern Kraft, besonders bei schmerzhaften Operationen und an sehr starken Pfer- den, dies Verfahren nicht ganz so zweckmälsig wie an den Vorderfülsen. Ein sehr gutes Hülfsmittel, um bei Operationen an den Gliedmaſsen, besonders an der innern Seite dersel- ben, den betreffenden Fuſs über die drei andern, durch die Fesselriemen vereinigten Füſse frei hervorliegend zu machen und ihn dabei dennoch in fester Lage zu erhal- ten, gewährt der sogenannte Spannstock oder Fes- selriemenstock. Derselbe besteht aus einem Stabe von hartem Holz, für Pferde verschiedener Gröfse 2 bis 2 ½ Fufs lang, 2 Zoll dick, cylindrisch und glatt, und ist an jedem Ende mit einem festsitzenden, 18 Zoll lan- gen Riemen aus doppeltem Leder versehen; an dem einen Ende des Riemens befindet sich eine Schnalle, an dem andern Ende sind mehrere Löcher fär den Dorn der Schnalle angebracht.(Die Befestigung der Riemen an den Stock geschieht am besten vermittelst einiger Holz- schrauben.)— Beim Gebrauch wird der zur Operation bestimmte Fuſs ausgefesselt und der eine Riemen über dem Sprunggelenk an den Unterschenkel des Hinterfu- ſses geschnallt.— Auch zwischen die Schienbeine der Vorder- und Hinterfüfse kann das Werkzeug gelegt werden;— und eben so dient es auch zum Auseinan- derhalten der beiderseitigen Gliedmaſsen, besonders in den Fällen, wo man ein Pferd auf den Rücken ge- legt hat.. Wenn ein Pferd am Schlauch, oder am Penis, am Euter, oder an dem hintern Theile der untern Bauchge- gend operirt werden soll, wie z. B. bei Brüchen, so wird es am zweckmäſsigsten auf den Rücken gelegt. Zu diesem Zwecke läfst man es zuerst auf eine Seite niederlegen, wie es im Vorstehenden beschrieben ist. Es wird nun zuerst der obere Hinterfuſs in der vorhin beschriebenen Art auf den obern Vorderfuſs gebunden. Dann wendet man es über den Rücken auf die andere Seite, indem man den Kopf des Thieres auf das Genick stellen läſst, das Seil allmählig in die Höhe und nach der entgegengesetzten Seite, d. h. nach dem Rücken des Thieres hin zieht, zwei Gehülfen heben zugleich die Beine an den Hufen bis zur senkrechten Linie in die Höhe, und geben ihnen dann einen Stoſs nach der entge- gengesetzten Seite, wobei das Umwenden vollständig er- folgt. Sogleich wie dies geschehen, müssen die Gehül- fen das Thier gegen den Boden drücken, um es ruhig und fest zu erhalten. Nun erfolgt das Ausbinden des jetzt nach oben liegenden Hinterfuſses ebenfalls in ge- wöhnlicher Art. Nachdem dies geschehen, werden sämmtliche Füfse sanft in die Höhe gezogen, bis das Pferd auf dem Rücken liegt, wo dann Gehülfen die Füfse in dieser aufwüärts gerichteten Lage festhalten. Um zwischen den Beinen mehr Raum zu erhalten, kann man, wie bereits oben erwähnt, den Spannstock mit einem Ende an das Schienbein des rechten, mit dem andern Ende an das Schienbein des linken Hinterfufses befestigen.— Nach beendeter Operation legt man das Thier wieder auf eine Seite, um die Ausbindestricke von den Füfsen zu entfernen. Das Entfesseln mufs in jedem Falle mit der gröſsten Vorsicht geschehen. Man läſst hierbei 1) stets die Fesseln von den unten liegen- den beiden Füſsen zuerst lösen. 2) Das Lösen der Fes- seln an den obern beiden Füſsen von 2 Gehülfen gleich- zeitig bewirken.— 3) Ist ein unterer Fufs ausgebun- den, so läfst man denselben zuerst ganz frei machen, dann den andern unteren Fufs aus seinem Fessel lösen und zuletzt die beiden oben liegenden Füſse ausfesseln. 4) War ein oben liegender Fuſs ausgebunden, so müs- sen zuerst die beiden unteren Füſse, dann der noch im Fesselriemen befindliche obere Fufs entfesselt werden, worauf der Ausbindestrick gelöst und entferut, und zu- letzt der Beigurt abgenommen wird.— 5) Nach gänz- lichem Losmachen der Füfse nimmt man dem Thiere die Bremse ab, läſst seinen Kopf los, und die Zügel ver- längert halten, während gleichzeitig die Gehülfen, wel- che bis dahin an der Cronppe und an der Schulter das Thier niederhielten, dasselbe loslassen und sich sogleich wenigstens drei Schritt weit von ihm entfernen(weil manche Pferde nach dem Aufstehen heftig ausschlagen). — 6) Bei dem Ablösen der Fesselriemen, der Stricke und Gurten darf man nur entweder auſserhalb der End- punkte der Hufe oder hinter dem Rücken des Pferdes stehen; die Stellung vor oder hinter den Füſsen ist hier- bei stets mit Gefahr verbunden.*⁴) *) In Ermangelung der Fesselriemen kann man die grossen Haus- thiere auch mittelst einfacher Stricke auf verschiedene Weise nie- derlegen; z. B. man bindet die Vorderbeine mittelst kurzer Stricke oder Gurten, die um die Schienbeine gelegt werden, zusammen, und eben so auch die Hinterbeine. An den, an den Vorderbeinen be- findlichen Strick knüpft man das eine Ende eines gegen 18“ lan- gen Stricks, führt dessen freies Ende zwischen den Hinterbeinen hindurch, über den daselbst befindlichen Strick fort, steckt es dann unter demselben nach vorn durch, zieht es nach der äussern(im Liegen des Thieres nach oben gerichteten) Seite, und lässt hier- mit von Gehülfen, auf ein denselben gegebenes Zeichen, die Füsse vollständig zu einander ziehen. Am Kopfe u. s. w. müssen andere Gehülfen, wie oben gelehrt worden, mitwirken.— Oder, auf Russische Art. Man macht in der Mitte eines gegen 24 Fuss langen Strickes eine Schleife, legt dieselbe dem gut gebremseten und am Kopfe festgehaltenen Pferde über den Kopf und Hals, lässt die freien Enden des Strickes vor der Brust herunterhängen, und führt das Thier einige Schritte vorwärts, so dass diese Enden auf dem Boden zwischen den Vorder- und Hiinterfüssen hinglei- ten; nun ergreift ein Gehülfe das eine Ende und führt es äusser- lich neben der rechten Seite des Thieres zu der Schleife am Halse, 4 5* ——— —S — — B. Die Zwangs- und Befestigungsmittel bei dem Rindvieh. §. 28. Bei dem Rindvieh muſs man, um bei der Ausfüh- rung chirurgischer Operationen die nöthige Sicherheit zu haben, hauptsächlich die Hörner und die Hinterfüſse unschädlich machen. Mit den Letztern schlägt es nicht nur, wie das Pferd, nach hinten, sondern auch weit nach vorwärts unter dem Leibe hin und zugleich halb- kreisförmig nach aufsen, so daſs man an den Seiten des Leibes niemals so gesichert steht wie bei dem Pferde. In Betreff der Stellung und Haltung des Kopfes nach oben, oder entgegengesetzt nach unten, gelten die bei den Pferden in dieser Hinsicht angegebenen Regeln. 20 Um ein Rind fest zu halten, verfährt man am be- sten so: Man macht an dem Ende eines festen Strickes eine Schleife und legt dieselbe über die Wurzel beider Hörner; das andere Ende des Strickes führt man über die Mittellinie der Stirn bis zur Mitte des Nasenrückens, woselbst man den Strick mit der linken Hand für einen Augenblick in seiner Lage erhält, während man die Fort- setzung davon mit der rechten Hand über die rechte Backe hinunter, unter dem Unterkiefer fort und über die linke Backe hinauf zur Nase zurückführt, ihn hier unter den daselbst befindlichen Theil durchführt, ihn dann nach links über diesen Theil zurückbiegt, recht straff anzieht, und so das Thier wie an einer Halfter festhält.— Auch kann man sehr unruhigen eine Trense so auflegen, wie einem Pferde. 181 Die Bremsen sind an die Ohren anzulegen; auch die polnische Bremse ist zu benutzen. Selbst das Führen eines recht muthigen ofler bösen Rindes zu dem Platz, wo die Operation ausgeführt wer- den soll, ist zuweilen sehr schwierig und mit Gefahr verbunden. Um letztere zu mindern und das Thier füg- samer zu machen, bindet man schon im Stalle an jedes Horn und an die Schienbeine der Vorderfüfse Stricke von 20 Fufs Länge, und übergiebt jeden Strick der Hörner zweien, jeden der Füſse aber einem Gehäülfen. Erstere Gehülfen müssen stets, wie auch das Thier sich wenden mag, ein jeder auf seiner Seite zu bleiben sich bemühen, während die letzteren Gehülfen stets hinter dem Thiere bleiben müssen. Wenn nun dasselbe beim Führen widersetzlich wird und nach einer Seite fortlau- fen will, wird es durch die Gehülfen an der entgegen- durch welche er es einfach hindurch steckt; ein zweiter Gehülfe verfährt mit dem andern Ende eben so an der linken Seite des Thieres; während die Enden zuerst gelind angezogen werden, lei- tet ein dritter Gehülfe die auf solche Art um die Füsse entstan- denen Schleifen an die Hinterfesseln, in diesem Moment missen sogleich die Stricke kräftig angezogen werden, bis die Hinterbeine vorwärts unter dem Leibe stehen und das Thier sich mit dem Hin- tertheil niedersenkt, worauf es durch die Gehülfen auch am Vor- dertheil niedergezogen werden kann. Die Strickenden werden nun an der Halsschleife festgebunden, und nach Art der Umstände kann man die Füsse fester zusammenbinden, einen Fuss ausbinden u. s. w. Dieses Verfahren ist auch bei solchen Pferden zu be- nutzen, welche sich nicht an die Füsse kommen lassen und bei denen das Anlegen der Fesselriemen im Stehen nicht möglich ist. Die Beschreibung und Abbildung von Rochard's Methode, Pferde mit nur einem Strick niederzulegen, s. im Recueil de mé- dec. vétérin. 1831, p. 1— 14. Rücken des Thieres gezogen werden, gesetzten Seite hieran verhindert; springt es vorwärts, 80 ziehen die Gehülfen hinter ihm seine Vorderfüfse unter den Leib; es fällt auf die Nase, erschrickt, und nach etwa erfolgter Wiederholung des Fallens fügt es sich meist geduldig der weitern Behandlung. Bei Operationen, die man im Stehen ausübt, list es in der Regel zweckmäſsig, den Kopf des Thieres an eine Wand, oder an einen gehörig starken Baum, oder an einen in der Erde feststehenden Pfahl zu binden. Bei Operationen am Vordertheil lälst man den Kopf unge- fähr bis zur Höhe der Mitte der Vorderschenkel herun- terbinden, wogegen er bei Operationen am Hintertheil bis zur Höhe des Widerrüstes aufgehoben und in dieser Stellung angebunden werden muſs. Das Aufheben eines Vorderfufses und das Anlegen eines Kniefessels an denselben ist wie bei Pferden zu benutzen.— Das Aufheben eines Hinterfuſses geschieht am zweckmälsigsten so: man stellt zuerst das Thier mit der Seite, an welcher sich der gesunde Hinterfuſs befindet, gegen eine Wand, um das Ausweichen zu ver- hindern; dann führt man einen etwa 12— 16 Fuſs lan- gen und gegen 4— 5“ dicken Baum mit glatter Ober- fläche dem Thiere in der Richtung von vorn nach hin- ten, oder auch umgekehrt, zwischen den Hinterbeinen und zwar so, daſs das Werkzeug in schrä- ger Richtung gegen den aufzuhebenden Fuſs an die in- hindurch, nere Fläche des Unterschenkels gelegt wird, und mit dem entgegengesetzten Ende die Erde berührt. Indem man nun das andere hoch gehaltene Ende des Baums in hebt man den Fuſs wie mit einem einarmigen Hebel in die Höhe, und hält ihn auf diese Weise fär die Zeit der Operation fest.— die Höhe und nach aufsen bewegt, Auf eine zweite Weise bewirkt man das Aufheben und Festhalten eines Hinterfufses mittelst eines gehörig lan- gen Sackes, dessen mittlerer Theil dem Rind an die hintere Seite des Schienbeius und um den Fessel des betreffenden Fuſses gelegt, die Enden an der vordern Seite desselben neben einander gekreuzt, dann in die Höhe gefährt, und von zwei starken Männern über den bis der Fuſs in Diese letztere Methode ist nur zu gebrauchen, wenn man am Mittelfleische und der erforderlichen Höhe steht. in dessen Umgegend operiren, oder die Klauen des Thieres untersuchen, oder kleinere Operationen an den- selben ausführen will. 1 Um Operationen an einer Seite des Leibes mit eini- ger Sicherheit beim Rindvieh auszuführen, läſst man das- selbe mit der gesunden Seite an die Wand stellen, dann aber an die äufsere Seite in die Höhe der Hälfte des Vorarms und der Hälfte des Unterschenkels durch Gehülfen einen Baum mit glatter Oberfläche fest gegen- halten, oder man bindet ein Seil in derselben Richtung um das Thier, und mit beiden Enden in Ringe, welche in der Wand sitzen, fest. Das Niederlegen eines Rindes kann auf dieselbe Weise und mit denselben Hülfsmitteln wie bei Pferden geschehen; doch ist zu bemerken: daſs man beim Rind- vieh wegen Kürze des Fessels die Fesselriemen stets über dem Fesselgelenk anlegen mufs.— Eine audere leicht ausführbare und bei den in Rede stehenden Thieren sehr — sehr zweckmäſsige Methode des Niederlegens ist das sogenannte Niederschnüren, welches auf folgende 21 Weise bewirkt wird. Man fährt das Thier auf den Ort, wo es niedergelegt werden soll, und läſst es von einem Gehülfen am Kopfe festhalten. man das eine Ende eines etwa 15 Ellen langen Strik- kes, führt dann diesen Strick längs des obern Randes An die Hörner lhindet des Halses bis zur Mitte desselben, hält ihn hier mit der linken Hand in der Lage, geht mit dem freien Ende desselben an der linken Seite des Halses hinab, unter ist es zweckmäſsiger, ihnen die beiden Füſse einer Seite, mit kreuzweis über einander gelegten Schienbei- nen, zusammen zu binden, und sie in diesem Zustande zur Ausführung der Opanaionen auf einen Tisch oder eine Bank zu legen. Bei leichtern Operationen am Kopfe werden Schaafe auch recht zweckmäſsig auf die Weise gehalten, daſs ein Gehülfe sich auf einen Stuhl setzt, das Schaaf mit dem Räcken gegen sich gekehrt zwischen die Beine nimmt, und dabei mit seinen beiden Oberschenkeln, den Kopf, die Vorderfüſse mit der lin- der Kehle fort, an der rechten Seite hinauf bis wieder zum Kamme, und steckt hier das Eude des Strickes unter jenem Anfange desselben durch, so dafs rund um den Hals eine einfache, sich leicht verengernde Schleife gebildet wird; mit der Fortsetzung des Strickes geht man dann längs des Kammes weiter bis hinter das Wi- woselbst man ihn wieder festhält, das Ende rund um die Rippenwände hinter den Sehulterblättern derrüst, herumführt, es auf dem Aufange des Rückens unter dem hier befindlichen Theile des Strickes hindurch steckt, und somit ebenfalls eine Jeicht zu verengende Schleife um die Brust bildet; den Rest des Strickes führt man danu auf der Wirbelsäule weiter bis in die Gegend des 2weiten Leudeuwirbels, woselbst man ihn wieder fest- hält, mit dem freien Ende eine Umgehung um den Bauch macht, und dasselbe unter dem auf dem Rücken beſind- lichen Theil, wie an den beiden ersten Stellen, einmal qurchsteckt, und zuletzt das übrig bleibende Ende über die Mitte des Kreuzbeins nach hinten führt. Der Ge- hulfe am Kopf erhält nun den Auftrag, das Thier an den Höruern fest Zu halten, und etwas nach vorwärts zu ziehen, während ein oder zwei Gehülfen an dem hin- tern Ende des Strickes kräftig nach rückwärts ziehen. Indem nun Hierbei Hals, Brust und Bauch durch den um diese Theile liegenden Strick mälsig zusammengeschnürt werden, legt sich das Thier sogleich sanft auf die un- tere Seite der Brust und des Bauchs nieder. Es ist nun leicht, dasselbe auf die Seite zu wenden, seine Füfse mit Stricken zusammen zu binden, und ihm die- jenige Lage Lu geben, welche für de auszufihrende A Oheraäoh e erfor derlleh ist. 420288 28 c. Bei den- kleinern Hausthieren. Schaafe und Ziegen aind immer leicht zu bewälti- gen, und Können für die meisten Operationen von einem oder von zwei Gehülfen blos ſestgehalten werden. Doch ken Hand, den Leib und die Hinterfüſse des Thieres aber mit den Unterschenkeln durch mälsiges Zusammen- drücken derselben,. lesthalt. Schweine sind weniger schwer fest zu halten als zu ergreifen. Letzteres geschieht, wenn man im Stalle nicht leicht dazu kommen kann, am zweckmälsigsten auf die Weise, dafs man das Thier eutweder aus dem Stalle oder in denselben hiueintreibt, und es dabei in dem Augenblicke, wo es durch die Stallthür geht, durch einen Gehülfen mit Letzterer einklemmen läͤſst, worauf dem Thier sogleich beide Hinterfůlse mit einem Strick zusammengebunden werden. Auf eine zweile Art kann man die Schweine am Hintertheil gut ergreifen und festbinden, wenn man sie in eine flach auf der Erde liegende Tonne, aus welcher der eine Boden herausge- schlagen ist, durch etwas Brot oder Wurzelwerk lockt; denn indem das Schwein nach dieser Lockspeise in die Tonne geht, bieten ieh die Hinterfüfse zum Ergreifen und Festbinden dar.— Das Niederlegen dieser Thiere geschieht so, daſs man dieselben mit der linken Hand an einem Ohr festhalt, mit der andern Hand aber den- jenigen Vorderfufs ergreift, welcher beim Liegen der Erde zugekehrt sein soll; indem man diesen Fufs vom Boden wegzieht, ist es leicht, das Thier nach dersel- ben N Seſte Aneuzishes und es— Bei Hunden und Katzen mufs man Zunächst das Gebiſs dieser Thiere entweder durch einen gut passen- den Maulkorb, oder durch ein, in und um das Maul ge- legtes Band, vermittelst welchem der Unterkiefer an dem Oberkiefer festgebunden wird, unschädlich machen. Aufserdem bindet man ihnen die Füfse deder Seite Zur Aus- führung der Operation legt man sie auf einen Tisch, und läſst sie, je nach ihrer Gröſse, von 2— 4 Ge- hülfen festhalten. kreuzweis übereinanderliegend, zusammen. 2Z. eite Abt he ilun g. — Von den thierärztlichen Operationen im Besondern. Rrstes pItel. NVon denjenigen Operaßoneng welche an verschiedenen Theilen des Thierborben Cail 29 b lim delflisin 0A ul uniernommnen werden können. 4 7 Die Atupunotur oder das Nadolstéchen(Aeupunetura). §. 1. Man versteht unter diesem Namen eine sehr einfache Operation, bei welcher eine Anzahl Nadeln in einer, nach den Umstäuden verschiedenen, Tiefe durch die Haut in die Weiehgebilde eingestochen werden, um hierdurch ei 1 rregung und Umstimmung in diesen Theilen her- beiau führen. Sie findet ihre Auwendung hauptsächlich gegen Paralysen, gegen Erschlaffungen und gegen rheu- matische Affectionen.— Diese Operation ist von den Chinesen vor langer Zeit erfunden und bei kranken Menschen vielfaltig benutzt. Nach Europa ist sie wahr- Sele Jurch den— Arzt Ten— in müche Thierheilkunde eiti eeee*). Die Nadeln zu diesem Zwecke können von 4 Siher, von Stahl oder Messing gearbeitet sein; stählerne Na- delu müssen aber durch Ausglühen ihre Sprödigkeit ver- loren haben, damit sie nicht in den Theilen, au denen man sie applicirt, abbrechen, Ihre Form ist gauz ein- fach wie die der Steck- und Näahnadeln, sie müssen aber in jedem Fall eine recht scharfe Spitze und eine glatte Oberfläche haben; am obern Ende sind sie entwe- der mit einem Knopf versehen, wie die gewöhnlichen Stecknadeln, oder statt desselben mit einem klei- nen beweglichen Ringe zum Darchführen eines Verbin- ungsdrathes. Letzterer ist zuweilen benutzt worden, um einen electrischen Strom von einer Elektrisirmaschine oder von. einer galvanischen Säule auf die sämmtlichen angewendeten Nadelu gleichzeitig einwirken zu lassen. Die Laänge dieser Nadeln ist für Kleinere Thiere und *) Receuil de médec. vétérin, 1825, Mars,— 1826, p. 357;— Journ. pratiq. de méd. vétérin. 1826. p. 93. für zarle Theile 1„ fur groſse Thiere und dickflei aiee Theile aber 2 ¼+ 3 Die Akupungtur kaun im Umfange des gauzen n Kör⸗ pers, wo irgend die bezeichneten Affectionen ihren Sit⸗ haben, statt, finden. Vor. der Operation muſs das be- treſſende Thier gut gebremst und so gehalten und befe- stiget werden, dafs es während derselben nicht zu hef- tige Bewegungen machen könne, weil, abgesehen von der Sicherheit des Operateurs gegen Verletzungen, die eingestochenen Nadeln durch die Bewegungen der Mus- keln immer wieder hervorgezogen und zum Theil auch verbogen werden. Sun Bei der Operation vorfahrt mau einfach so: man nimmt zwischen den Daumen und den Mittelfinger der rechten Hand eine Nadel, setat den Zeigeſinger auf das obere Eude derselben, und sticht sie mit einem raschen Druck senkrecht durch die Haut in die Muskeln so tief ein, wie es der Sitz des Uebels verlangt, d. i. ſast immer bis in die Nähe der Knochen. Eben so verfährt man mit den folgenden Nadeln, von denen man eine von der audern 3 4½— ¾“ eutferut, applicirt. Die Anzahl der angewendeten Nadeln ist nach der Gröͤlse der Praukenm Fläche und nach dem Grade des Leidens sehr verschieden„ von 1 bis 50 Stäck. Die Nadeln bleiben in dem Körper eine halbe n bis 3— 4 Stundeu sitzen, werden daun eutferut, und entweder sogleich oder nach einer Zwischenzeit von einigen Stunden neben die ersten Einstichpunkte von Neuem eingestochen u. s. w. Die Wiederholung kaun auf diese Weise täglich ein- oder mehrmals, und so fortgesetzt durch mehrere Tage geschehen. Eine Nachbehandlung der kleinen Stichwunden ist nicht erforderlich, doch macht man oft von erregenden Mitteln Waschungen, oder Eiureibungen an diesen Stel- len, um die Beizung zu Vermehren,— wie dies iu den meisten Fällen die Art der Kraukheit orfordert. II. Das Scarifiziren, Einschneiden oder Ritzen(Scariſicatio). §. 2. a) Scarificationen überhaupt. Als Scarifikationen bezeichnet man Einstiche oder Einschnitte in die Weichgebilde des thierischen Orge. nismus für folgende Zwecke: 1) Um extravasirtes Blut oder Serum, ausgeschwitz- ten Faserstoff, Brand- und andere Jauche, oder Luft zu entleeren; 2) um die Spannung in entzündeten und geschwolle- nen, verdickten Gebilden zu mindern; b 3) um die Einwirkung von Medicamenten in die Tiefe eenat NdWee e teter dee eeer der Gebilde zu erleichtern; und 4) um an eiternden oder veralteten Wundrändern eine neue Wundentzündung zu erregen, und hierdurch die Vernarbung derselben zu begünstigen. Zur Erreichung dieser verschiedenen Zwecke benutzt man zum Scarificiren: die Lancette, gerade oder geballte Bistouris, oder die Aderlaſsfliete, und auſserdem ist in manchen Fällen die Hohlsonde, und am Hufe ein Wirk- oder Rinnmesser hierzu erforderlich. ——— —3———V aud dieklei. Sauzen Kör- ean ihren Sits nuſs das be- en und befe- nicht au bef. weseden von etanngen, de geu der Mus- u Nhel auc eühn ua umen und den el, Setat den u, und dat tn des lees der Knurien Nadelu, won rut, appliit — n Scariſicationen können im Umfange des ganzen Kör- pers erforderlich werden. In den meisten Fällen be- treffen sie äufserlich die Haut oder an einzelnen Theilen auch wohl die Schleimhaut, und dann bald mehr bald weniger tief die darunter liegenden Theile, je nach dem pathologischen Zustande und nach dem Zwecke der Operation; zuweilen macht man sie aber auch an von der Haut entblöſsten wunden Theilen, und bald mehr an der Oberfläche, bald mehr in der Tiefe.— Gröſsere Gefäfse und Nerven müssen vermieden werden; und bei Faulſieber dürfen die Einstiche in die angeschwollenen Theile nur klein und in gröſserer Entfernung von ein- ander, als in andern Fällen, gemacht werden. Das Ver- fahren ist zwar immer sehr einfach, aber doch in den einzeluen Fällen modificirt. 1 Zur Ausführung der Scarificationen können die Thiere in den meisten Fällen stehen, wo es aber auf Genauig- keit ankommt(wie z. B. in der Nahe wichtiger oder zarter Theile), oder wo die Thiere zu groſse Empftud- nehkeit und Unruhe zeigen, ist man zuweilen genöthi- get, dieselben niederzulegen und zur gehörigen Sicher- neit ihre Füfse zu befestigen. Bei Pferden und Rind- vieh wird immer de Anhetdhne. der Bremse erforder- nen sein. w enn man fur die oben sub 1. Neehnaten Zwecke scarifciren wil!, nimmt man eine Lancette oder ein spi- tzes Bistouri, wie eine Schreibfeder i in die rechte Hand, und sticht das lustrument zuerst an der niedrigsteu Stelle des kranken Theils in denselben so tief ein, bis der Zweck erreicht ist, d. h. bis Blut, Jauche, Luft u. s. w. neben den Flächen des Iustruments zum Vorschein kom⸗- men. Neben diesem ersten Linstich macht man in der Entfernung von 17— 2“ einen zweiten u. s. w., wor- auf man über dieser Reihe von Einstichen in der Ent- fernung von etwa 1“ eine zweite, und wenn es erfor- derlich ist, eine dritte und vierte Reihe von Einstichen macht, bis die ganze Fläche des kranken Theils mit denselben bedeckt ist. Die hierbei entstehenden Blutun- gen dind gewöhnlich ganz ohne Bedeutung, und man sucht sie durch Befeuchten mit warmem Wasser zu un- terhalten, wenn die Operation die Ausleerung von Blut bezweckte, wie 2. B. bei heftigen Entzündungen, bei Quetschungen, und Extravasaten; sollte jedoch aus einer Wunde die Blutung zu heftig sein oder zu lauge fort- dauern, s0 kann man sie dadurch leicht stillen, dals die Wundränder mit einer Stecknadel durchstochen, und unter Jerselben mittelst eines Fadens zusammengezogen werden, oder man legt einen mälsis festen Druekver- baud für die Dauer von etwa einer Stunde an. Hatte man in der Absicht scariſicirt: krankhafte Flassighaiten zu entleeren„ so wird Letzteres durch ge- gelindes Drücken und Streichen nach den Stichwunden hin belördert, wenn nicht vielleicht die niedrige oder abhängende Lage des Theils dies von selbst bewirkt. Bei Scarificationen solcher Theile, welche mit Brand, Anthrax u. dgl. ansteckenden Krankheitszuständen be- haftet sind, muſs man 1) jede Verunreinigung der Hände u. s. w., besonders wenn Verletzungen an deuselben bestehen, vermeiden; 2) das Instrument darf beim Ein- stechen oder Einschneiden nur in die kranke Substanz der thierischen Th eile dringen; 3) dasselbe mufs nach dem Gebrauch sogleich mittelst Chlorkalklösung, oder scharfen Essig, oder durch Feuer desinfizirt oder selbst gänzlich vernichtet werden; 4) die Nachbehandlung sol- cher scarificirten Theile darf nur Personen, welche ge- sunde unverletzte Hände besitzen, anvertrauet werden, und sie mufs zuerst immer darauf 3aeiohist sein, deu schädlichen Ausfluſs chemisch zu zerstören. Das Scariſiciren zu enger Wandränder oder ver- dickter und zu sehr contrahirter Theile in Wunden und Geschwüren bewirkt man auf die Weise, dafs man zu- erst eine Hohlsonde in die Wunde oder das Geschwür bis unter den beengenden Theil vorsichtig einführt, dann ein grades Bistouri, den Rücken desselben gegen die Rinne der Sonde gekehrt, in dieselbe hineinschiebt, und dann durch gelindes Vor- und Rückwärtsziehen des Messers so tief einschneidet, daſs der hervorragende Theil bis in die Tiefe der übrigen umgebenden Waände getheilt wird. Statt der Hohlsonde und eines einfachen Messers bedient man sich für diesen Zweck auch bis- weilen eines sogenannten verborgenen Bistouri's, indem man dasselbe im geschlossenen Zustande, wie eine Sonde, in die Wunde, Fistel u. s. w. bis über den beengten Theil einführt, die Schneide des Instruments gegen den Letzteren wendet, sie dann durch einen äufserlich am Handgriff auf die Feder angebrachten Druck aus ih- rer Scheide hervorprefst, das Iustrument nun ganz her- auszieht, und somit den kranken Theil in gehöriger Tiefe einschneidet. Ueble Zufälle entstehen hierbei, aufser Blutung, gewöhnlich nicht. Um die Blutung zu stillen und zugleich das zu frühe Wiederzusammenwachsen sol- cher scarificirten Theile zu hindern, füllt man die Wunde oder Fistel an der Operationsstelle mit weichem Werg aus, welches man während 36— 48 Stunden liegen lälst, und worauf die weitere Behandlung nach den Re- geln der Chirurgie stattfindet. §. 3. 5) Scarificiren der Bindehaut an den Augen. Wenn bei heſtigen Augenentzündungen die Con- junctiva dunkelroth gefärbt, und wulstig über den Rand der Augenlider hervortritt, und in diesem Zustande der Luft und dem Drucke der Augenlidränder durch längere Zeit ausgesetzt ist, erfolgt zuweilen eine Absterbung der hervorgepreſsten Parthie derselben. Um dies zu ver- hüten, und zugleich um durch locale Blutausleerung die Entzündung zu mindern, ist das Scarificiren der Binde- haut empfohlen. Zu diesem Zwecke wird das gebrem- sete Thier an den Ohren, an der Halfter, oder an der Trense(Bindvieh auch an den Hörnern) festgehalten. Der Thierarzt nimmt dann ein schmales Knopf-Bistouri, schiebt die Spitze desselben vorsichtig zwischen das leidende Augenlid unter dem Augapfel, und zwar eine Fläche gegen diesen, die andere gegen das Augenlid gewendet, gegen 3%— 5% tief hinein, wendet die Schneide des Messers gegen das Augenlid und zieht es in dieser Haltung wieder hervor, wobei die Binde- haut etwa 1““ tief eingeschnitten werden kaun. In der Regel sind zwei solche Einschnitte in der Enifernung 6* 1 4 eines halben Zolls von einander vollkommen ausreichend für den obigen Zweck. Die entstehende Blutung wird durch öfter wiederholtes Abwaschen mit lauwarmem rei- nem Wasser unterhalten.. ““ 3 5 4. 25 Scarifieatiom des Gaumeus der Pferde. Diese Scarification soll als örtlicher Aderlals bei Entzündungen des Kehlkopfs der Rachenhöhle, und des Gaumens selbst, dienen. Sie ist schon seit alten Zei- teu im Gebrauch unter dem Namen„des Kernste- chens oder Gaumenstechens“, und wurde in frü- hern Zeiten gewöhnlich auf eine rohe und unzweckmä- ſsige Weise vermittelst eines Gemsenhornes oder eines Ziegenhornes bewirkt. Jetzt bedient man sich hierzu einer Aderlaſsfliete und verfährt dabei auf folgende Weise: Das mit einer Bremse versehene und mit einer Halfter ler mit einer Trense bekleidete Pferd wird mit dem Hintertheil an eine Wand gestellt, um das Ausweichen zu verhindern. Ein Gehälſe ergreift es mit der rechten Hand am liuken Ohr, und mit der linken Hand hält er die Halfter oder die Trensenzügel(Letztere unter dem Kinn kurz zusammengenommen), und richtet den Kopf des Thieres mäſsig stark in die Höhe. Der Operateur stellt sich an die rechte Seite des Kopfes, zieht mit der linken Hand die Zunge des Thieres bis zum Zungen- bändchen über die rechte Lade hervor, worauf er mit der rechten Hand die Flieteuspitze zuerst an der linken und dann(nachdem er die Zunge über die linke Lade aus dem Maule gezogen hat) an der rechten Seite des harten Gaumens in der Gegend der dritten oder vierten Furche, einen Finger breit von der Mittellinie entferat, und in der Längenrichtung derselben, ansetzt, und sie mit einem mäſsigen Druck gegen 2““ tief in das Gau- menfleisch hineindrückt. Die Operation ist damit been- det. Man läſst nun die Zunge des Thieres in das Maul zurückgleiten, und wartet die gleich entstehende Blu- Das Pferd leckt und verschluckt das Blat fast vollständig, wenn die Blutung nur eine mälsige ist; tung ab. wenn sie aber heftig ist, oder wenn das Thier nicht schlucken kann, fliefst das Blut aus dem Maule heraus, und nur in diesem Falle kann man einigermaaſsen Eine mä- — 1 Stunde von selbst; dauert dieselbe aber länger, so muſs die Blutstillung durch Kunsthülfe geschehen; und zwar da- durch, daſs man dem Thiere v von Zeit zu Zeit wieder- holt eine Handvoll Mehl in das Maul giebt,— oder dafs man die Stichwunden mit starkem Essig, oder Alaun, oder mit einer Auflösung von Eisenvitriol be- feuchtet;— oder daſs man auf diese Stelle einen fest- gewickelten Ballen von Werg oder Leinwand legt, und mit einem Tuch oder mit einer breiten Binde, deren mittlerer Theil auf dem Tampon am Gaumen gelegt, die schätzen, wie viel Blut das Thier verliert. ſsige Blutung stillt sich nach Verlauf von ¼¾ Enden aber auf dem Nasenrücken zusammengebunden werden. Auch das glühende Eisen und die Unterbin- dung sind bei diesen heftigen Blutungen in Anwen- dung zu bringen. In jedem Falle wird aber die Bla- tung sehr vermindert, und die Wirkung der blutstillen- den Mittel unterstützt werden, wenn man den Pferden ——y———.„f„ß das Maul zubindet, und hierdurch das Kauen und die Bewegung der Zunge verhindert. 2) Scarificationen der Zunge. Bei heftigen Entzündungen der Zunge, wo dieses Organ blau,„oder blauroth gefärbt, dick geschwollen, und steif zwischen den Zähnen eingeklemmt liegt, haben sich, nach möglicher Beseitigung der Ursachen, haupt- sächlich Scarificationen sehr nützlich erwiesen. Um sie auszuführen„sucht man mittelst eines Maulgatters, wel- ches auf die Laden zwischen den Ober- und Unterkie- fer in das Maul eingesetzt wird, zuerst den nöthigen Raum in der Maulhöhle zu gewinnen; dann hebt man mit dem unter die Zunge gelegten Daumen der linken Hand dieses Organ etwas in die Höbe, und zieht es 2ugleich sauft nach vorn und auſsen, und wenn dies geschehen, macht man mit einem in der rechten Haud gehaltenen Bistouri oder mit einer Lancette zwei bis vier Einschnitte in die untere Fläche der Zunge. Diese Ein- schnitte werden an jeder Seite etwa ½— 4 Zoll von der Mittellinie der Zunge angebracht; sie— etwa in der Mitte der Länge der Zunge und erstrecken sich 1“— 2“ laug nach der Spitze der Zunge zu, und je nach der Dicke der Zunge, können sie ¾ Zoll— ½ Zoll liet gemacht werden. Man trifft dabei fast immer Sei- tenaweige der Uuterzungen- und der tiefen Zungen- Arterie, aber die hieraus entstehende hlatuug i ist in der Regel nur mäſsig, und stillt sich in Zeit von 1 4 Stuude von selbst, indem sich die Wundränder bald zusammen- ziehen, und die Wanden in kurzer Zeit sich bedeutend verkleinern. Bei heftigern Blutungen muls in ähulicher Weise verfahren werden, wie bei den Blutungen nach dem Scarificiren des Gaumens. §. 6. 2) Scarificationen des entzündeten Euters säugender Schaafe. Die Euter der saugenden Schaafe sind auſser den gewohulichen gutartigen Entzündungen auch einer bös- artigen Eutzündung unterworfen, welche zu mauchen Zeiten bei vielen Schaafen zugleich oder in kurzen Zwi- schenzeiten vorkommt, und dadurch einen epizootischen Character verräth. Die Erscheinungen dieser astheni- schen Eutzündung sind übrigens die gewohnlichen; die Thiere gehen breitbeinig, gespaunt, selbst lahm; das Kuter erscheint stellenweis oder ganz blauroth gefärbt, heils, bei der Berührung schmerzhaft, im Umfange ver- grölsert, im Innern derb anzufühlen. Die Milchabsonde- rung ist vermindert u. s. w. Die Krankheit macht ihre Ausgänge sehr schnell, indem sich oft schon in 2 Ta- gen brandige Verjauchung eiufindet, bei welcher ganze Stücke des Euters verloren gehen und nicht selten die Thiere sterben. In günstigere Fälle entstehen langwie- rige Abscesse, und das Euter wird für die Zukunft unbrauchbar. Bei dieser Entzündung sind Scarificatio- nen fast das alleinige Rettungsmittel. Um sie auszufüh- ren, legt man das kranke Schaaf mit seinem Rücken auf einen Tisch, und laäfst die Hinterfüfse von einem Gehül- fen breit auseinander halten; von dem Euter scheert man age. e, Wo dieses Seschwollen, dlens hen achen, haupt- esen. Un sie lgatters, wel. und Unterkie- den nöthigen unn hebt man en der linken und zieht es d weun dies rechien Kand zwei bis vier „. Diese Ein- — Zoll von deginnen etwa erstrecken sich ge 2u, und je Zoll— ½ Zol ast immer Sei. ielen Tuuger tung ist in der a 8 1Suudk dald zuammmel. sich heikaeut ſs in ähvlcher Zutungen nadh a Euters man die Wolle rein ab, und reiniget es dann durch lau- warmes Seifenwasser. Hierauf schneidet man mit einem gewöhnlichen Bistouri am vordern Ende des Euters durch die Haut bis in die Substanz desselben, und führt den Schnitt wenigstens 2 Zoll lang, oder selbst bis an das hintere Ende des Euters. Dergleichen Eiuschnitte macht man in der Breite des Euters 2— 3 auf jeder Seite, und zwar einen vom andern gegen 1 ¼" eutfernt; die Zitzen schont man hierbei, und eben so die völlig gesunden Stellen. Die Blutung aus den Schnitten ist fast immer nur sparsam, und sie mufs deshalb durch öf- teres Abwischen mit einem feuchten Schwamm, und durch oft wiederholtes Befeuchten mit warmem Wasser während einer ganzen Stunde unterhalten werden. Eine besondere Nachbehandlung der Scarificationswunden ist gewoöhnlich nicht nöthig, dagegen ist zur weitern Beför- derung der Zertheilung fleifsiges Ausmelken des Euters und das oft wiederholte Befeuchten desselben mit einer Auflösung von Kali carbonicum u. s. w. zweckmälsig. ) Scarifiçationen am Hufe. Ai Bei heftigen Entzündungen der Weichgebilde im Hufe sind Searificationen der Hufkrone und der Fleisch- sohle empfohlen. Erstere bestehen ganz einfach in senk- rechten Einschnitten, welche durch die Haut und die Kronenwulst, 1 ⁄lang von oben her bis gegen den Saum gemacht werden. Die einzelnen Schnitte werden einer vom andern cirea 1 Zoll entfernt angebracht. Die ent- stehende Blatung unterhält man durch Befeuchten der verletzten Theile mit warmem Wasser, oder durch Ein- stellen des leidenden Fuſses in ein Gefäfs mit dieser Flüssigkeit; sollte sie jedoch mit Heftigkeit zu lange fortdauern, so ist sie durch einen Druckverband leicht zu stillen. Ich habe bisher von diesen Scarificationen der Krone keinen grofsen Nutzen gesehen. Die Scarificationen an der Fleischsohle sind in drei- fach verschiedener Art auszuführen und zwar: 1) auf die Weise, daſs man mittelst eines Wirk- messers oder eines Rinnenmessers die Hornsohle an der am meisten entzündeten und schmerzhaften Parthie der Sohle so dünn schneidet, dafs man dieselbe mit dem Fingernagel eindrücken kann, worauf man mit einem gewöhnlichen Bistouri da- sselbst 2, 3, oder mehrere Einschnitte durch die verdännte Hornsochle in die Fleischsohle macht. Diese Einschnitte müssen eine Länge von ¼ bis 1 Zoll haben und 4 bis 6 Linien von einander ent- entfernt sein; ihre Tiefe darf in der Fleischsohle nur 1 bis 1 ½ Linien betragen.— Oder: 2) wenn die Hornsohle bis zu dem eben bezeichneten Grade verdünnt ist, macht man mit einem Lorbeer- blattmesser in sie, und zwar am besten neben dem Zehentheil, und nahe neben dem innern Rande der weilsen Linie, einen halbmondförmigen Schnitt, gegen ¾ Zoll lang, löset den halbmondförmigen Lappen von der Fleischsohle ab, und scarifizirt die Letztere mit 2 Einschnitten. Soll die hier- nach entstandene Blutung gestillt werden, so darf man nur den Lappen der Hornsohle gegen die Fleischsohle gelind andrücken und allenfalls noch einen gelinden Druckverband anlegen. 3) Man schneidet an der betreffenden Stelle mit einem eigenthümlich construirten Bohrinstrument(wel- ches einer dreizackigen Gabel ähnlich sieht), eine Kreisfurche in die Hornsohle, ähnlich wie dies beim Trepaniren an dem Knochen mit dem Trepan geschieht. Diese Furche muls möglichst gleich- mäſsig bis auf die Fleischsohle eindringen, und wo dies nicht geschehen ist, muſs es mit der Spitze des Lorbeerblattmessers nachträglich bewirkt wer- den. In den Mittelpunkt des mit der Kreisfurche umgebenen Hornstückes bohrt man eine Knochen- schraube(wie dieselbe beim Trepaniren gebraucht wird), und sucht durch hebelartiges Hin- und Herbewegen derselben das Hornstück von der Fleischsohle abzulösen und es heraus zu ziehen. Hierauf wird die blosgelegte Fleischsohle in gleich- mälsiger Entfernung von den Rändern der Oeff- nung an zwei Stellen gegen 1“ tief mit einem scharfen Bistouri eingeschnitten. Auch hier kann die entstehende Blutung durch Befeuchten mit war- mem Wasser längere Zeit unterhalten werden, worauf, wenn sie genügend erfolgt ist, mittelst eines Wergtampons, oder mittelst eines glatt ge- schnittenen, runden und genau in die Oeffnung passenden Korkstückchens ein gelinder Druck ge- gen die Fleischsohle angebracht wird, um das Her- vorquellen der Letztern zu verhindern. Die Nachbehandlung besteht bei der einen wie bei der andern Methode dieser Scarificationen nur in der Anwendung der Kälte auf den operirten Fufs, in Form von Fufsbädern oder von Umschlägen. III. Das Impfen der Schaafpochen(Insitio variolae ovinae). dul. 8. Diese Operation besteht darin, daſs eine mit dem Schaafpocken-Contagium geschwängerte thierische Fläs- sigkeit in eine kleine Wunde an der Haut eines gesun- den Schaafes gebracht wird. Der Zweck hierbei ist: durch diese sehr begrenzte locale Infection einen mildern Character der Krankheit bei den einzelnen Thieren zu bewirken, so wie auch ein gleichzeitiges Erkranken der Thiere einer ganzen Heerde herbeizuführen, und somit die Dauer einer Schaafpockenseuche in einer Heerde zu verkürzen. Das Impfen der Schaafpocken ist um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, wahrscheinlich von Chalette und Bourgelat“¹) zuerst empfohlen worden, nach der Ildee der bereits lange vor dieser Zeit gebräuchlich gewesenen Impfung der Menschenpocken; obgleich Amoreux 4*⁵) angiebt, dafs die Schaafpockenimpfung schon vor der Impfung der Menschenpocken in Frankreich gebräuchlich *) In seinen Bemerkungen zu Barbaret's gekrönter Preisschrift über die epizootischen Krankheiten. 2) Lettre d'un médecin de Montpellier à un magistrat etc. 1771. 7 gewesen sein soll. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts und bis jetzt haben dann Erxleben, Sick, Salmuth, Fink, Lullin de Chateavieux, Grognier, Gi- rard, Pessina, Liebbald, Waldinger, Morel, Kausch und Mäller, Krüger, König u. A. die Im- pfung vielfältig ausgeführt und den Nutzen derselben im Grofsen nachgewiesen. Doch haben sich auch Stimmen gegen sie erhoben, indem man sie beschuldiget, die Ur- sache zur Verbreitung und dauernden Unterhaltung der Schaafpocken in manchen Gegenden zu sein. Die Impfung wird am besten durch die wasserhelle Lymphe, wie dieselbe um den zehnten, eilften Tag nach geschehener Ansteckung sich in den Schaafpocken vor- findet, vermittelt. Früher benutzte man dazu auch Blut aus Pocken, welche noch nicht vollständig entwickelt waren, und eben so auch Schorfe von Pocken, welche im Vertrocknen begriffen waren, Eiter und Nasenschleim. Die Erfahrung hat jedoch gelehrt, daſs diese Stoffe nur unvollständig entwickelte, nicht gehörig schützende Pok- ken erzeugen und zuweilen gar nicht wirken. Die Lymphe zum Impfen wird entweder unmittelbar aus den Pocken auf die zu impfenden Schaafe übertra- gen, oder sie wird für diesen Zweck auf verschiedene Weise aufbewabrt und vorräthig gehalten. Letzteres geschieht am zweckmälsigsten, indem man aus den durch mehre Eiustiche verletzten Pocken die aussikernde Lym- phe in kleinen Glasröhrchen, am besten in feine Haar- röhrchen, auffängt, und die Enden derselben mit etwas geschmolzenem Siegellack verschlieſst; bei dem Gebrauch werden die zugeschmolzenen Eunden dieser Röbrchen abgebrochen, worauf man die Lymphe durch einen auf das Röhrchen aufgesetzten Strohhalm mit dem Munde herausbläst und sie auf einer Lancette oder auf einer Glasplatte auffängt.— Oder man fängt sie unmittelbar aus der Pocke auf einer kleinen Glasplatte auf, läſst sie auf der Letztern an der Luft halb trocken werden, legt eine zweite genau passende Glasplatte darauf, verklebt die Ränder und Fugen mit Wachs, und wickelt das Ganze in dichtes Papier. Zur Anwendung nimmt man die Glasplatten auseinander, und erweicht die vertrock- nete Lymphe in warmen Wasserdampf.— Oder man fängt die Lymphe auf kleinen feinen Stäbchen von El- fenbein oder auf spitz zugeschnittenen Federposen auf, lälst sie an der Luft antrocknen, und erweicht sie vor 26 der Anwendung ebenfalls mit warmen Wasserdampf.— Auch kann man die Lymphe in kleinen Stückchen eines recht reinen Waschschwammes auffangen, oder baum- wollene Fäden damit tränken, beide trocken werden lassen, in reinen Gläschen aufbewahren, vor der An- wendung erweichen, den Schwamm auf die Lancetten- spitze auspressen, den Faden aber bei der Impfung selbt unter die Haut legen.— Endlich kann man auch noch die Lymphe in kleinen Medicingläschen sammelu und sie dann flüssig anwenden. Letzteres ist jedoch nur dann passend, wenn die Weiterimpfung binnen we- nigen Tagen nach der Abnahme der Lymphe stattfindet, weil sonst diese Flüssigkeit sich durch beginnende Fäulniſs zersetzt, und dann schlechte Pocken lieſfert. In jedem Falle muſs die Aufbewahrung der Lymphe an einem kühlen Orte und wo möglich so geschehen, daſs — Licht und Luft, so wie die Einwirkung von Säuren und von Cbhlor, abgehalten werden. In dieser Hinsicht ist es zweckmäſsig, die Glasplatten, oder die Glasröhr- chen u. s. w. in graues Papier gewickelt, in eine Schachtel mit Kohlenpulver zu legen, Wo sich dann die Lymphe mehrentheils ein volles Jahr wirksam erhält. Das Impfen kann mit einer feinen Lancette oder mit besondern Impfuadelu ausgeführt werden. Die Er- stere ist hierzu weniger geeignet, weil sich beim Ein- stechen des Instruments die daran haftende Lymphe leicht abwischt, und, wenn man mebrere Hautschnitte mit der Lanzette machen und den Impfstoff einreiben will, das Impfen einer ganzen Schaafheerde zu viel Zeit verlangt. Uebrigens ist jede schmale(etwa 3 Linien breite) Lan- zette mit feiner Spitze zum Impfen zu gebrauchen. Die ersten Impfnadeln sind(so viel mir darüber be- kanut ist) von Sick eingeführt. Dieselben sind 3 Zoll (aber besser 4 Zoll) lang, und haben eine Spitze in der Form und Gröfse eines in der Länge durchschnit- tenen Gerstenkorns; die flache Seite der Spitze ist hohl, zur Aufnahme des Impfstoffes; die Höhle geht in die Spitze aus; diese und die Seitenränder sind scharf. Das hintere Ende der Nadel bildet ein gegen 3— 4% breites Blatt, welches entweder glatt oder rauh sein kaun. Letzteres trägt zur festern Haltung des lustru- mentes in den Fingeru bei. Pessina empfahl eine Impf- nadel, welche fast die Form einer Hohlsonde hat, in- dem sie, wie diese, eine aber nur gegen 2“ lange Rinne bildet, welche in eine feine Spitze übergeht. Kehl gab eine Impfnadel an, welche an der Spitze eine ähnliche Form besitzt wie die von Pessina, einen halben Zoll hinter der Spitze aber in einen runden Löffel von etwa ¼“ im Durchmesser übergeht, und der zur Aufnahme einer gröſsern Quantität Lymphe bestimmt ist, damit man mehrere Schaafe hinter einander, ohne die Nadel neu zu befeuchten, impfen kann. Kehl hat auch ein In- strument zum Eröffnen der Pocken, unter dem Namen „Pustelstecher“ angegeben, welches aus 4 runden Nadeln besteht, die im Quadrat au einen Stiel befesti- get sind; es ist eutbehrlich. In neuerer Zeit benutzt man Sick'sche Impfuadeln, welche in ein rundliches hölzernes Heft von 4 Zoll Länge eingeschraubt sind. Obwohl die Austeckung mit Schaaſpockenlymphe im ganzen Umfange der Haut durch die Impfung bewirkt werden kann, so hat man doch hierzu hauptsächlich die- jenigen Stellen gewählt, welche mit wenig oder gar keiner Wolle besetzt sind, und wo die Haut selbst dünn ist, wie dies namentlich an der innern Fläche der Ohr- muschel, an der innern Seite der Vorder- und Hinter- schenkel, und an der untern Fläche des Schwanzes der Fall ist. Sick empfahl besonders die innere Fläche der Vorderschenkel, welche jedoch aus dem Grunde hierzu nicht recht geeignet erscheint, weil hier die Haut fast unmittelbar auf der sehnigen Ausbreitung des Schenkels liegt, und bei der Impfung dieselbe leicht getroffen wird, und weil sowohl hierdurch, wie auch durch das gegen- seitige Reiben der Schenkel beim Gehen, heftige Ent- zündungen, Abreibungen der Pocken u. s. w. entstehen. — Die Unterseite des Schweifes ist besonders von Pessina und von Liebbald als die geeignetste Stelle 3 von Säuren lieser Hinsicht die Glasräbe- kelt, in eiue Sieh daun die ksam erbält. Laucette oler den. Die Er. sich beim Ein- Lymphe leieht chnitte mit ger iben will, das Leit verlangt. u hreite) Lan- rauchen. iir darüher be- een siad 3 Zoll eine Spitze in ge durchschuit- Spitze ist hohl, le geht in die eer sind scharſ. gegen 3— 4 oder rauh seiu ung des lustru- apfabl eine lupl- Äsonde hat, ü- 2“ lauge Rüue leht. Kellguj ze eine ühulele inen haben Ldl Löſfel h dsa r zur Auüfuabne Sst, dauit man iie Nadel neu auch ein Iu- dem Namen aus 4 runden Stiel befesti- Leit benutat ein rondlicbes hraabt sind. ipockeulymphe pſung hewirkt uptszehlich Gie euig oder gar ut velbst dun jche der Ohr- und Hinter- chwanzes der er Fläche der Grunde hieru die Haut fast — empfohlen, und die Erfahrung hat gezeigt, daſs hier die Pocken sich sehr vollständig und groſs ausbilden, aber auch dafs dieselben durch das Reiben des Schweifes an den Hinterschenkeln leicht verletzt, und dann zuweilen sehr bösartig werden.— Das Ohr, welches besonders von Krüger, von König u. A. als Impfstelle empfoh- len ist, gewährt den Vortheil, daſs Verletzungen wich- tiger Theile daselbst nicht vorkommen können; auch hat die Erfahrung gezeigt, daſs die Pocken, wenn das Im- pfen bei warmer Witterung geschieht, oder wenn die Thiere in einem mäſsig warmen Stalle gehalten werden, sich daselbst gut entwickeln, aber unter entgegenge- setzten Umständen bleiben sie oft sehr klein und unvoll- kommen. Aufserdem können die Thiere diese Stelle an andern Gegenständen durch Reiben leicht verletzen und dadurch zu Formveränderungen des Ohres Veranlassung geben, was unangenehm ist, weun eine Schäferei ihre Schaafe am Ohr zeichuet. Zu dem Impfen aus den Pocken selbst wird das pockenkranke Schaaf auf einen Tisch so gelegt, daſs man bequem zu denjenigen Pocken, aus denen die Lym- phe eutnommen wird, gelangen kann. Dem Thiere sind dabei entweder die Füfse zusammengebunden, oder es wird nur von Gehülfen festgehalten. Die Wolle im Um- ſange jener Pocken wird auseinander gescheitelt, die Pocke wird mit der Nadel oder mit der Lancette an vier bis sechs Punkten angestochen, so daſs die Lym- phe aus diesen Einstichen hervorquillt, und fortwährend von einem Gehülfen auf Impfnadeln aufgefangen wird. Die Letztern werden derjenigen Person, welche das Impfen verrichtet, zugereicht, und hierdurch das Ge- schäft schr beschleunigt*). Eine gute Pocke giebt auf diese Weise in der Regel hinreichende Lymphe zum Impfen von mehr als 50 Schaafen. Die zu impfenden Schaafe werden durch andere Gehülfen auf einen zweiten Tisch gelegt, der am be- sten links in einiger Entfernung von dem ersten steht. Der Operateur spannt mit der linken Hand an der Impf- stelle die Haut, ergreift mit der rechten die von dem Gehülfen ihm zugereichte, mit Lymphe versehene Nadel, nimmt sie wie eine Schreibfeder zwischen Daumen, *) Aus diesem Grunde ist es nöthig, dass man mehr als eine Impfnadel besitze. 1 27 II. Die küunstliche Eröffnung §. 9. Die Ansammlung von Eiter an den Stellen, wo derselbe gebildet ist, nennt man Eiterbeulen oder Ab- scesse. Dieselben können an allen Theilen im Zell- gewebe entstehen, und bald mehr oberflächlich, d. h. nahe unter der Haut, bald mehr in der Tiefe, bald im bloſsen Zellgewebe, in Muskeln, in Drüsen, in der Nähe von gröſsern Gefäfsen und Nerven, neben edleren Thei- len, wie z. B. neben dem Auge, neben Gelenkhöhlen, neben Knochen u. s. w. liegen. Sie sind immer die Folge einer Entzündung, welche in der Regel an der- selben Stelle, wo eben der Eiter entsteht, ihren Sitz hat, oder die an einem entfernteren Theile besteht, und den Eiter entweder durch Senkung desselben im Zell- gewebe, oder auf eine noch nicht genügend erklärbare Zeige- und Mittelfinger, und sticht sie mit der Spitze durch die Oberhaut und flach in der Haut fort gegen 4“tief ein. Bei dem Einstechen hält man die mit der Rinne versehene Seite oder Fläche der Nadel nach oben, wendet sie aber, wenn der Einstich in der be- zeichneten Tiefe geschehen, um ihre Axe so weit, dals die Rinne nach unten oder gegen die Cutis hingekehrt wird, und nun zieht man sie, sanft gegen die Letztere drückend und die Lymphe hierdurch abstreichend, wie- der zurück.— Gewöhnlich werden 2, auch 3 solche Einstiche mit derselben Nadel, und immer in der Ent- fernung von wenigstens ½ Zwischenraum, gemacht. Bei dem Impfen am Ohr ist das Verfahren zwar im Wesentlichen dasselbe, doch bringt es die Beschaf- heit dieses Theils mit sich, daſs man die Spannung der Haut an der Impfstelle auf folgende Weise bewirkt: man greift mit dem Daumen der linken Hand etwa bis zur Hälfte der Ohrmuschel in dieselbe hinein, legt den Zeigefinger an die äufsere Fläche des Ohres und biegt dasselbe über diesem Finger nach aufsen um und zu- rück, worauf das Impfen an der innern gespannten Fläche wie angegeben, leicht ausgeführt wird. Die Impfstiche bluten wenig oder gar nicht. Eine kleine Blutung scha- det dem Fortgange der Impfung nicht, und bedarf auch keiner besondern Behandlung. Die Impfwunden wandeln sich in der bekanntun Zeit allmählig in Pocken um, wel- che gegen den 9ten, 10ten bis 11ten Tag ihre beste Entwickelung mit Lymphe zeigen, und gegen den 14ten Tag nach der Impfung an der Oberfläche einen Schorf zu bilden anfangen, der mit 20 bis etlichen 20 Tagen abheilt. Nur in seltenen Fällen entstehen tiefergehende Ulcerationen, welche die Anwendung von umstimmenden oder von austrocknenden Mitteln erfordern. Wenn solche Ulcerationen entstehen, oder die Pok- ken brandig werden, oder die Impfung ohne Erfolg bleibt, kann die Ursache in fehlerbafter Beschaffenheit der Lymphe, in ungeschickter, roher Ausführung des Impfens, in Reiben und Verletzen der Impfstellen, in kranker Beschaffenheit der geimpften Thiere, oder in ungünstigen äufsern Einflüssen, namentlich in zu groſser Hitze, oder in zu kalter Temperatur beruhen. Unter günstigen Umständen geht von 500 geimpften Schaaſen kaum eins verloren. 1 der Eiter- und Blutbeulen. Weise, metastatisch von einer andern Stelle bringt. Da die Eiterbildung in einem entzündeten Theile nur an einer Stelle zuerst bemerkbar wird, während die umgebenden Gebilde sich noch im entzündeten Zustande befinden, so erscheint der Absceſs entweder unreif, oder reif; letz- teres ist der Fall, wenn alle Entzündungshärte im Um- fange der eiternden Stelle verschwunden ist. Die oberflächlichen Abscesse geben sich durch einen in der Haut bildenden weichen Punkt, der allmählig mehr erhaben hervortritt, und der ein Gefühl von Schwap- pung wahrnehmen läſst, wenn man einen abwechselnden Druck mit 2 Fingern an verschiedenen Stellen anbringt, wobei aber im Umfange noch Zeichen einer bald gelin- dern, bald stärkern Entzündung bestehen, zu erkennen. Solche oberflächliche Abscesse erweichen und schmelzen 7 2*½ ͤͤhoͤohh ZIͤIͤSͤͤſͤͤſͤſͤſͤſſͤſ die Haut allmählig immer mehr, dieselbe schwitzt eine seröse Flässigkeit an der äufsern Oberfläche aus, häufig fallen auch die Haare daselbst aus, es entsteht eudlich eine kleine Oeffuung, aus welcher Eiter zum Vorschein kommt, und diese Oeffuung vergröſsert sich im weitern Verlauf bald mehr bald weniger. Auf diese Art öffuen sich viele Abscesse von selbst; doch ist diese natürliche Oeffuung nicht immer fär den Abfluſs des Eiters hinrei- chend, und sie mufs dann künstlich nach der abhängig- sten Stelle hin erweitert werden. Nicht in allen Fäl- len erfolgt jedoch die Eröffnung von selbst, in andern erfolgt sie zu spät, und es entstehen durch das Zuräck- pleiben des Eiters Versenkungen desselben, oder der Abscefs bricht nach innen in Höhlen und Gelenke, oder der Eiter entartet, und schadet durch chemische Um- wandlung oder durch Druck den nahe liegenden Orga- nen, oder endlich: er wird resorbirt und erzeugt se- cundäre Abscesse in den Lungen u. s. w. oder auch Dyserasien, namentlich beim Pferde Rotz und Wurm. Um diese übeln Zufälle zu vermeiden, ist eine künstliche Eröffnung der Abscesse in folgenden Fällen ohne Verzug erforderlich: 1) wo der Eiterheerd sehr tief, oder unter festen, besonders sehnigen Theilen liegt; 2) wo er in der Näühe von edeln Organen, von Kno- chen und von Höhlen liegt; 3) wo er sich im sehr lockern Zellgewebe befin- det;— und j 4) wo längere Zeit hindurch heftige Schmerzen in dem leidenden Theile, oder Fieber, bestehen, die Entzündungszufälle aber bereits nachgelassen haben. Dagegen darf man mit der künstlichen Eröffuung der Abscesse nicht eilen, wenn dieselben in Lymphdrüsen und als Folge eines allgemeinen krankhaften Zustandes entstehen. Die künstliche Eröffnung der AbsGesse kann ent- weder vermittelst spitziger oder schneidender Instru- mente, oder vermittelst des glühenden Eisens, oder ver- mittelst eines Aetzmittels geschehen. In der Thierheil- kunde sind nur die beiden erstern Methoden gebräuchlich. Das betreffende Thier darf bei dem Eröffnen eines Abscesses gewöhnlich stehen; doch giebt es auch Fälle, wo mann dasselbe niederlegen muſs, wie namentlich bei sehr tief liegenden Abscessen an der untern Seite der Brust und des Bauches u. s. w. In der Regel wird das Thier vorher mit einer Bremse bekleidet und von Gehülfen festgehalten. Als Instrumente benutzt man bei oberflächlichen und mit dünner Haut bekleideten Abscessen, und somit auch mehrentheils bei den kleinern Haustbieren, die Lancette, dagegen bei tiefliegenden und mit dicker Haut beklei- deten Abscessen ein spitzes Bistouri, und zuweilen auch ein geballtes Bistouri; und wo man Gegenöffnungen durch dickere Schichten der Weichgebilde, besonders in der Nähe gröfserer Gefälse und Nerven machen muſs, besonders aber bei tiefliegenden Fistelgängen, wird auch der Troikar und die englische Haarseilnadel benutzt. Als Operationsstelle wählt man immer den Punkt des Abscesses, an welchem die Fluctuation am deut- 28 — lichsten und die Haut am meisten dünn und weich zu fühlen ist. Die Lancette und das spitze Bistouri wendet man „ur küustlichen Eröffnung eines Abscesses auf folgende Weise an: man nimmt die Klinge des Instruments zwi- schen den Daumen und Zeigefinger, und läſst die Spitze über diese Finger so weit hervorstehen, als ungefähr die Dicke der zu durchstechenden Wand beträgt,— setzt das Instrument in einem rechten Winkel auf die Haut an der Operationsstelle und sticht es schnell so tief ein, bis Eiter neben der Klinge zum Vorschein kommt. Hier- auf zieht man das Instrument langsam zurück, und er- weitert dabei die Stichöffnung nach unten oder nach oben so viel, daſs der Eiter einen leichten Abfluſs erhält. Diese Erweiterung der Einstichöffuung geschieht in der Regel zwar nach der am meisten abhängigen Stelle des leidenden Theiles; doch mufs man hierbei die etwa in der Nähe liegenden Gefäfse, Nerven und andere wich- tige Theile berücksichtigen, und deshalb, wo eine Ver- letzung solcher Gebilde bei der Erweiterung nach ab- wäͤrts zu fürchten ist, sie lieber nach oben zu bewir- ken. In denjenigen Fällen, wo man von auſsen her die Ausbreitung des Abscesses in der Tiefe nicht geuügend abschätzen kann, ist es 2weckmäſsig, zuerst nur einen einfachen Einstich in der Gröfse zu machen, daſs man eine dicke Sonde oder einen Finger in die Absceſshöhle hineinführen und hiermit die Grenzen derselben, nament- lich aber ihre niedrigste Stelle erforschen kann. Nach diesem Befunde kann dann die Erweiterung der gemach- ten Oeffnung leicht in der zweckmäſsigsten Richtung stattünden.— Die nachträgliche Erweiterung einer zu kleinen Abscefsöffuung geschieht entweder auf die Weise, dafs man ein gerades Bistouri durch die vorhandene Oeff- nung bis in die Höhle einführt, dann die Schneide des Messers gegen den obern oder untern Winkel der Oeff- nung legt, und das Instrument mit einem mäſsigen Druck gegen diese Theile zurückzieht, und dies wiederholt, pis die Oeffnung hinreichend groſs ist; oder man setzt eine Hohlsonde in die Oeffuung, die Rinde der Sonde gegen die zu durchschneidende Wand gekehrt, führt dann ein grades einfaches oder ein Knopfbistouri in der Rinne der Sonde bis in die Höhle, und schneidet dann mit einem kräftigen Druck in die Abscefswand ein, soweit als die bestimmte Gröſse es verlangt. Die Gröfse der Absceſsöffnung richtet sich zum Theil nach der Gröſse der Eiterhöhle, zum Theil auch nach der Beschaffenheit der in derselben liegenden Gebilde. Man hat hierbei nicht allein den freien Abfluſs des Ei- ters, sondern auch die Zeit der innern Ausheilung des Eitergeschwürs zu berücksichtigen. Kleine Abscesse, d. i. im Daurchmesser von etwa 2 Zoll, entleeren sich durch eine Oeffnung von etwa ¾ Zoll Länge vollkom- men, und sie verwachsen durch Grauglation u. s. W. ge- wöhnlich, ehe diese Oeffnung sich wieder schliefst; wo aber die Hôhle bedeutend gröſser ist, und deshalb zu ihrer Verwachsung eine längere Zeit erfordert, wie auch da, wo tiefere Fistelgänge, oder viel zerstörtes Zell- gewebe, oder cariöse Knochen sich im Abscesse vor- finden, und wo dieser Umstände wegen die Heilung des- selben langsamer erfolgt, als die Heilung einer kleinen Wund- —— in und weich— uri weudet man — ments zwi. 1 huna die Tbitz u; als ungelähr d— setat kel aul die Haut chnell so iet ein, in kommt. Hier. zurück, und er- e2n oder nach ohen u Abfuls erhält. geschieht in der gigen Stelle des erbei die etwa in und andere wich- alb, wo eine Ver- feiterung nach ab. h oben au bewir- von aulsen her die eſe nicht geuügend „ zuerst nur einen machen, dals man in die Absceſslöhle derselbes, lameut- schen kam. Naeh erung der gmach aälsigsten Reituug weiterung eiler ul der auf ie Nêse e vorhaudeue Oet- dio Selhueide des vinkel der Oef- mälsigen Druck les wiederholt, oder man Setzt nade det Sonde Kehrt, fühtt dann lousi in der Nune hweidet dam mit rand ein, soweit et sich Zum Tbeil Theil auch meh geuden Gebilde. Abfluſs des Ei- Ausbeilung des leine Abscesse, entleeren sich zage vollson⸗ on.S.W. Se- T seblieſst; M und deshalb 2u je auch rdert, W' gerstörles Lell Albscesse Vok te ſeius des- „ eiuer kleinen 9N Wand ⸗ Wundöffnung in dessen Wänden, da muſs diese Oeff- nung nothwendig viel gröſser sein, als bei jenen kleinern Abscessen, und man macht sie daher 2 bis 3 Zoll lang. Wenn Abscesse unter Sehnen oder anderen Thei- len tiefgehende Gänge bilden, und die letztern, nach gescheheuer Pröffnung der Eiterbeulen, hinsichtlich ihrer Richtung und Tiefe vermittelst der Sonde erforscht sind, so ist es in der Regel nöthig, am niedrigsten Punkte dieser Gänge Gegenöffnungen zu machen, um dem Eiter daselbst einen freien Abflufs zu verschaffen. Diese Ge- genöffnungen macht man entweder in der Richtung von aufsen nach innen, oder, umgekehrt in der Richtung von innen heraus. Im erstern Falle führt man zunächst eine dicke Sonde durch die Absceſsöffnung bis an das blinde Ende des Fistelganges, drängt mit dieser Sonde 6 welche hierzu etwas gekrümmt sein kann) die Weich- gebilde an der betreffenden Stelle möglichst stark nach aufsen, und bezeichnet hierdurch an der Haut den Punkt, wo der Einschnitt geschehen soll. Hierauf macht man mit einem geballten Bistouri einen Einschnitt in der Rich- tung von oben nach unten(d. h. immer das Thier auf- recht stehend gedacht) in senkrechter Linie, oder an horizoutal liegenden Theilen auch in der Längenrichtung des Fistelganges. Dieser Einschnitt wird bei dünner Masse der Fistelwand in einem Zuge, bei dicken Wän- den aber in mehrern Zügen bis auf die Sonde geführt. Derselbe muſs, je nach der Dicke der zu durchschnei- denden Masse bald mehr bald Weniger lang und nach aufsen trichterförmig erweitert sein. Auch hier kann man, wenn in der Tiefe die Oeffnung sehr eng sein sollte, mittelst der Hohlsonde und eines Knopfbistouri's die Erweiterung bewirken, wie dies vorher angegeben worden ist. Als mha 1a Die Erzeugung einer Gegenönung von innen her wird mit Hülfe des Troikars, oder einer Troikar-Na- del, oder mit der englischen Haarseilnadel bewirkt. Nachdem man die Länge und die Richtung des Fistel- ganges vermittelst einer gewöhnlichen Sonde erforscht hat, krümmt man nöthigenfalls die genannten Instru- mente in einem, der Fistel entsprechenden Grade, führt sie durch die Abscefsöffnung vorsichtig bis zum Ende der Fistel ein, und durchstöſst dann mit einem kräfti- gen Druck den Grund der Fistel nach derjenigen Seite zu, welche am dünnsten oder am wenigsten mit wichtigen Gebilden versehen ist, und die zugleich den besten Ab- flufs des Eiters gestattet. Hierauf bringt man zwischen das Instrument und die Wundränder eine Hohlsonde, zieht ersteres zurück, setzt auf die Rinne der Hohl- sonde ein Knopfbistouri und erweitert die Oeffnung in hinreichender Gröſse bis zu dem Fistelgange. Ist das zu frühe Verwachsen der Oeffnung zu fürchten, so kann man auch ein, der Weite des Kanals entsprechend dickes, Band durch denselben ziehen.— Mit der eng- V. Die Erzeugung eines Fontanells, das §. 10. Fontanelle sind künstlich erzeugte Eitergeschwüre im Zellgewebe unter der Haut, und nur mit einer Aus- mündung versehen. Ihr Zweck ist hauptsächlich der: von edlern und von tief liegenden Theilen bei Entzün- durch passendes Anbinden der Thiere zu vermeiden. 8 lischen Haarseilnadel operirt man in der Art, dafs man dieselbe mit zurückgezogener Spitze in den Kanal bis auf den Grund desselben einführt, hier das stumpfe Ende zuräckzieht, dann vermittelst der Stellschraube die bei- den Blätter des Iustruments feststellt, und endlich das Letztere mit einem kräftigen Druck und mit Schuellig- keit durch die Wand des Fistelgauges und durch die Haut an der geeigneten Stelle hervortreibt. Auch hier ist es in den meisten Fällen zweckmaſsig, die Oefnung mittelst Hohlsonde und Bistouri zu erweitern, oder un- ter den bezeichneten Vm standeu ein Baud durch den Kaual zu ziehen. donludt Bol suts Zum Eröffnen mit dem glähenden Wisen eignen sich vorzugsweise solche Abscesse, welche entweder sehr verdickte, callöse Waͤnde besitzen, oder wo grolse Tor- piditaät besteht, oder die als Metastasen bei auder n Krank- heiten eutstanden sind; ebenso sind hierzu die Auchrax- beulen geeignet. MIan benutat hierzu entweder apitae rundliche Brenneisen(2. B. in der Form des sogenaun. ten Laschspieſses), oder biruformige Brenneisen mit etwas lang hervorstehender Spitze. 3 Diese Iustrumente werden weiſs sglühend gemacht, und dann mit einem Krät- tigen Druck auf den Mittelpunkt, oder auf die weichste Stelle der Beulen 80 lange Sehalten, bis sie in die! Höhle auhsd llsus derselben eingedrungen sind. 4 Die Nachbehandlung. ger 39 pa eine 4 ge- öffneten Abscesse ſindet mehr in Rücksicht auf die in denselben bestehende Empfindlichkeit und vegetative Thätigkeit, als hinsichtlich der Operatiouswunde statt. In ersterer Hinsicht müssen die Regeln der Chirurgie und Therapie beachtet werden; in letzterer Hinsicht werden Styaà. Eplstandlene. Blutungen dadureh,— 31 legtem Werg, oder x wenn sie— 5 Wusoh Umstachung der blutenden Stelle u. s. w. beseitiget. Auſserdem sucht man Reiben und Scheuern an der Ope- rationsstelle durch einen umgelegten Verband, so wie Blutbeulen, welche sich mit den therapeutischen Mitteln nicht zertheilen lassen, können eben so wie die Abscesse mit schneidend=stechenden Instrumenten ge- öffnet werden, um das Extravasat auf dem kürzesten Wege künstlich zu entfernen. Da aber dieselben durch Zerreilsung von Blutgefäfsen unter der Haut entstanden sind, und man nicht genau wissen kann: ob diese Ge- fälse noch offen oder schon wieder verwachsen sind, und da im erstern Falle leicht heftige Blutungen von neuem durch das künstliche Eröffnen veranlaſst werden; so beeile man dasselbe nicht, sondern warte stets eine Zeit von 6— 8 Tagen ab, bis wohin ge- wöhnlich schon Hnteundung und Verwachsung er- folgt ist. uAMe b. 188 Fontanete⸗ L27ce.(Anplicatio Fonticuli.) dungen, bei Congestionen, bei Rheumatismen und ähn- lichen Zuständen eine Ableitung nach aufsen auf das unter der Haut liegende Zellgewebe zu bewirken. Die Indikationen zur Erzeugung der Fontanelle fin- den sich demnach immer bei den genannten Krankheits- 8 — 2 zuständen, wenn dieselben in einem hohen Grade beste- hen und andere Heilmittel zu ihrer Beseitigung nicht ausreichen. Die Fontanellen werden im Allgemeinen auf die Weise gebildet, daſs man in eine, in die Haut und bis auf das Zellgewebe gemachte Wunde, irgend eine rei- zende Substanz bringt, hierdurch Entzündung und Ei- terung erregt, und die Letztere durch eine Zeitlang un- terhält. Dergleichen reizende Substauzen sind: Leder, Filz, Flanell, Werg, Terpenthinöl, Canthariden und die Präparate von ihnen, Pfeffer, Senf, Lorbeeren, Kalmus- wurzel und ähnliche scharfe Substanzen, besonders aber Wenn die letzt- genannten Wurzeln zu diesem Zweck benutzt werden, die schwarze und weiſse Nieſswurz. heifst die Operation nach alter Bezeichnung auch: das Niefswurz- oder Christwurzstecken, oder auch schlechthin das Wurzelstecken, und wenn der in f Wunde gebrachte fremde Körper ein Stück Leder „ heilst sie das Lederstecken.— Auch durch Aelhuen des Zellgewebes und der nächsten Muskel- schichten mittelst des glühenden Eiseus, und durch Aetzen mit einem Aetzmittel**) sucht man die Eiterung in den Foutanellen zu erregen. An Iustrumenten zur Application e eines gewohnlichen Fontanells bedarf man nur ein geballtes Bistouri, oder eine Fontanellscheere von Sewell, und aufserdem eine von den genannten reizenden Substanzen. Meistens be- nutzt man von den Letzteren ein rund geschnittenes Stück Filz„ oder Leder, 1— 2 Zoll im Durchmesser, in der Mitte mit einer ¼— ¾ Zoll gröſsern Oeffnung versehen; das Leder wird gewöhnlich noch mit einer dünnen Schicht Werg umwickelt, und diese Materialien werden mit Terpenthinöl, odef mit Cantharidensalbe u. - bestrichen. Fontanelle sind fast an allen Stellen des Körpers zu eröffnen, namentlich aber benutzt man folgende hier- zu: die Mitte der Stirn, die Backen, in der Gegend von der Mitte des àufsern Kaumuskels bis zum Rande des Unterkiefers in dieser Gegend,— die Seitentheile des Halses im Verlauf der Wirbelsäule(etwa bis zum un- tern Drittel des Halses von oben herab), die Schulter- blätter,— die vordere Fläche der Brust, und zwar bald etwas nach der Kehle zu, bald mehr abwärts bis nahe an die Vorderbeine, und ebenso bald in der Mit- tellinie, bald dem einen oder dem andern Buggelenke näher,— bei Rindvieh auch der Brustlappen(Triel),— die untere Seite der Brust, besonders in der Gegend des schaufelförmigen Knorpels,— und die Hinterbacken, besonders in der Gegend des groſsen Umdrehers, oder auch am hintern Rande ein paar Zoll unter dem Sitz- beinshöcker; an den Gliedmaaſsen tiefer herunter ist es aber nicht zweckmäſsig, Foutauelle anzubringen. Bei der Ausführung dieser kleinen Operation kön- nen die Thiere stehen. Pferde läſst man bremsen, und, *) In der Thierarzneischule zu Lyon hat man besonders gegen chro- nische Buglahmheiten und Schulterlahmheiten Fontanelle mit einem Stückchen weissen Arsenik von Dr. 5, oder selbst mit einem eben so grossen Stückchen Aetz- Sublimat applizirt und vorzüglich gu- ten Erfolg davon gesehen. Ein solches Aetzmittel darf aber nur 24 Stunden in der Wunde bleiben. Recueil de méd. vétérin. 1841, p. 762. je nach ihrer Empfindlichkeit und Widersetzlichkeit, hebt man ihnen nur einen Vorderfafs auf, oder man legt ih- nen eine Kniefessel an, und beim Fontanell-Legen an der unteren Brustseite, so wie an den Hinterbacken, ist es zuweilen nöthig, die Hinterbeine zu spannen. Operirt man mit dem Bistouri, so bildet man an den- jenigen Stellen, wo die Haut schlaff und locker ist, mit Unterstützung eines Gehülfen eine Hautfalte, und durch- schneidet dieselbe in der Längenrichtung des Köorpers oder des betreffenden Theiles(an der Stirne, der Brust, den Schulterblättern und an den Hinterbacken senkrecht), so tief, dafs eine etwa 1 ½ lange Wunde entsteht. Wo die Haut auf den unterliegenden Theilen fest aufliegt, wie namentlich an der Stirn, oder wo man keinen Ge- hülfen zur Bildung der Hautfalte benutzen kann, da spannt man mit den Fingern der linken Hand die Haut an der Operationsstelle etwas an, und durchschneidet sie mit dem in der rechten Hand gehaltenen Bistouri in der bezeichneten Länge. Es ist hierbei zweckmälsig, das Messer in die volle rechte Hand zu nehmen, so daſs es mit den 4 Fingern umfaſst wird, und nur die con- 3 44 4 der nicht mithaltende Daumen wird vexe Spitze gegen weit über den Rand des Zeige- fingers hervorsteht; neben die Operationsstelle auf die Haut aufgesetat, und dann das Messer gelind drückend und kurz ziehend in dieselbe eingeführt.— Benutzt man die Fontanellscheere, so drückt man dieselbe im geöffneten Zustande mit den hervorstehenden Spitzen ihrer Blätter fest gegen die Haut, und schliefst dann das Instrument, Schnitt in hinreichender Gröſse entsteht. Dieses Iustru- ment ist jedoch nur an den Stellen zu gebrauchen, wo die Haut schlaff ist, Falie zusammendrücken läſst. Nachdem der Schnitt gemacht ist, dringt man mit der Spitze des Zeigefingers in die Wunde, und trennt wobei ein und sich in der Scheere zu einer durch allmähliges Vorwärtsschieben des Fingers, und bei wiederholten Seitwärtsbewegungen desselben das Zellgewebe unter der Haut im Umfange eines Thalers auseinander, so daſs eine eben so groſse Höhle gebildet wird. In diese Höhle legt man den einen von den vor- hin bezeichneten reizenden Gegenständen, und die Ope- An diese Gegenstände befe- stiget man ein kurzes Ende Bindfaden, welches etwa ration ist hiermit beendet. 1 lang aus der Wunde hervorragend bleibt, um hier- mit den fremden Körper leichter entfernen zu können. Benutzt man als reizenden Körper ein Stück Leder oder Filz, so legt man dasselbe vor dem Einföhren in die Waunde doppelt zusammen, und breitet es dann in der Höhle wieder vollständig flach aus. Jenes Lostrennen der Haut und das Einbringen des fremden Körpers wird gewöhnlich von der Wunde aus nach abwärts bewirkt; es ist jedoch zweckmäſsiger, es nach oben, über der Wunde, zu thun, weil im letztern Falle der Eiter von selbst durch die Wunde abflieſst, Trennung nach abwärts nur durch Ausdrücken entfernt während er bei der werden kann, und sich bei seiner Anhäufung leicht im Zellgewebe tiefer versenkt, und dann späterhin Gegen- öffnungen nöthig macht. Die Auschwellung, und somit auscheinend die Wirkung, wird zwar bei den nach ab- wärts gerichteten Fontanellen gröfser, als bei den nach aufwärts gelegten, allein die wirkliche ableitende Wir- kung ist in beiden Fällen nur von dem Grade der Rei- zung und Entzündung abhängig, und im Wesentlichen gleichmäſsig; dagegen können bei den abwärts gelegten Fontanellen durch Resorbtion des lange in der Geschwürs- höhle zurück verbliebenen und entarteten Eiters leicht üble Zufalle entstehen. Nach dem Einbringen des fremden Körpers eutsteht als örtliche Wirkung: Schmerz, Anschwellung und Eut- zündung in den betroffenen Theilen, und in der Wande findet sich Ausschwitzung, zuerst von Serum, und dann von einer coagulabelu Flüssigkeit, welche um den drit- ten Tag sich in Eiter umwandelt*⁴). Diese Flãässig- keiten werden täglich 1— 2 mal, je nach ihrer Menge, durch gelindes Dräcken auf die Umgegend des Ge- schwürs und durch Abwischen mit einem Schwamme entfernt. Damit von der ablelsenden Feuchtigkeit die unterhalb des Fontanells befindliche Haut nicht angeätzt und von Haaren entblöſst werde, läſst man täglich ein- mal etwas mildes Fett, oder Cerat daselbst auf die Haut streichen, nachdem das vom vorigen Tage daselbst be- ñindliche Fett durch Seifenwasser entfernt ist. Diese Behandlung wird bis zum Sten höchstens 12 en Tage fortgesetzt, je nachdem die ursprüngliche Krankheit und der Grad der Wirkung des Fontauells ein kürzeres oder längeres Bestehen desselben erfordern. Sollte in den ersten Tagen die Wirkung eine nur sehr geringe sein, so muſs der in die Geschwürshöhle gebrachte fremde Körper wieder herausgenommen, noch einmal mit Ter- penthinöl, oder mit Cantharidensalbe u. dgl. getränkt und dann wieder eingelegt werden. Bei wichtigen Krank- heiten und bei zu geringer Wirkung des Fontanells ist dieses Verfahren mehrentheils schon nach Verlauf von 10— 12 Stunden nöthig.— Nachdem das Fontanell i in der angegebenen Art etwa 8, bis höchstens 14 Tage in Thatigkeit bestanden hat, nimmt man den fremden Kör- per aus demselben heraus, reiniget aber in der oben be- zeichneten Weise das Geschwür täglich einmal, worauf dann die Heilung gewöhnlich nach einigen Tagen er- folgt. Wenn der fremde Körper über 12 Tage hinaus liegt, entstehen in den Rändern des Fontanells oft Cal- lositäten, es bilden sich entweder dicke häſsliche Nar- ben, oder die Eiterung dauert längere Zeit fort, und die Heilung erfolgt schwer. In diesem Falle ist die An- wendung des glühenden Eisens oder des Aetakali's auf die verdickten und verhärteten Theile nöthig, und im äufsersten Falle müssen dieselben mit dem Messer aus- geschält werden. §. 11. Qboleich die vorstehenden Augelen im Wesentli- chen auch von den Fontanellen gelten, welche mittelst der Nieswurz oder des glühenden Eisens gereizt wor- den sind, so ist es doch nöthig, über dieselben noch Folgendes in Kürze besonders zu bemerken: *) Bei sehr empfindlichen Thieren entsteht zuweilen auch ein Reiz- fieber, oder das schon vorhandene Fieber wird in der Zahl der Pulse und Athemzüge etwas gesteigert. Dies ist jedoch in der Re- gel nur während der ersten Stunden nach der Operation der Fall und immer bald vorübergehend. 31 Fontanelle mit Nieswurz gereizt finden ihre Anwen- dung bei sehr lorpiden? Thieren(daher bei dem Rindvieh besonders), und da, wo man gern eine möglichst kleine Narbe nach dem Fontanell sehen will, wie z. B. an theuern Pſerden,„ wenn sie bei heftigen Augenentzün- dungen ein Fontanell auf dem äuſseren Kaumuskel er- halten. Der Gebrauch der Nieswurz zur Aulaeren Ablei- tung war schon den Thierärzten des Alterthums bekannt. Columella empfahl z. B. bei der Bräune der Schweine ein Stückchen Nieswurz in eine Wunde der Ohrmuschel dieser Thiere zu stecken.— Mau benatzat die weilse Nieswurz(Veratrum album) und die schwarze Nies- wurz(Helleborus niger). Die erstere schneidet man in platte Stücke, welche(j je nach der Gröõſse der Waur- zel und nach der Art des Kranken Thieres) gegen 1 Zoll lang, ¾ bis 3 ¾ Zoll breit und 2 3 Linien dick sind, und von denen man 1 bis 2 in die Fontauellhöhle legt.— Von der schwarzen Nieswurz nimmt man nur die an dem Warzelstock sitzenden Wurzelfasern, in Stäckchen von etwa 1 Zoll Länge. Bei kleinen Thie- ren ist 1, bei groſsen Thieren sind 2— 4 solcher Stück- chen, die mit einem F'aden i in ein Bündel zusammenge- bunden werden, für ein Fontanell ausreichend. Es ist bei der Anwendung der Nieswurz mehr als bei andern fremden Körpern nöthig, das Warzelstückchen mit einem Bändchen zu versehen und dessen Ende aus der Wunde hervorragen zu lassen, weil oft die Geschwulst um das Fontanell sehr groſs und daun die Entfernung der Wur- zel aus demselben sehr schwierig wird.— Ist die Nies- wurz sehr trocken und hart, so kann man sie vor der Anwendung etwa eine Viertelstunde in Wasser legen; das soust üblich gewesene Einweichen in Essig er- scheint jedoch unzweckmälsig, weil durch Letztern das Veratrin und das Helleborin zum Theil ausgezogen und hierdurch die Wurzel weniger wirksam wird. Die Operation wird bei der Auwendung der wei- ſsen Nieswurz ganz so wie bei einem gewöhplichen Fontanell ausgeführt; aber für die kleinen und dünnen Stückchen der schwarzen Nieswurz durchsticht man eutweder die Haut und das Zellgewebe mit einem Schu- sterpfriemen oder mit einer dicken Nadel,— oder, man macht einen etwa 4½ Zoll langen Hautschnitt, führt durch denselben eine dicke Sonde, trennt mit dieser das Zell- gewebe in angemessener Richtung und Tiefe, und ap- Wiizirt i in die so gebildete kleine Hohle die Nieswurz. Die örtlichen Erscheinungen der Reizung treten von beiden Arten der Nieswurz stets etwas schneller und stärker ein als von den meisten andern Reizmitteln, und besonders erzeugt die schwarze Nieswurz eine bedeu- tende Anschwellung mit viel Ausschwitzung von gelb- lichem, sulzigem Serum ins Zellgewebe, und zuweilen entsteht bei Pferden sogar brandige Absterbung des Letztern und, der Haut selbst, wenn diese Wurzel in gröfseren Massen längere Zeit im Fontanell liegen bleibt. Auf Grund vieler Beobachtungen hierüber ent- ferne ich daher die Warael gewöhnlich nach etwa 2 Ta- gen, und bei sehr heftiger Wirkung selbst schon nach 24 Stunden.— Die weifse Nieswurz kann S bis 10 Tage im Fontanell bleiben, ohne daſs sie zerstörend 8* wirkt; dagegen erzeugt sie aber nicht selten eine spe- zifische Wirkung auf die Gangliennerven, die sich durch Zuckungen der Muskeln an der vordern(untern) Seite des Halses, besonders im Verlaufe des Schlundes, an der vordern Seite der Brust und an den Lippen, auch durch Wärgen, Rülpsen, Erbrechen u. s. W. äuſsert, und, nach Waldinger's Augabe, bei trächtigen Thie- ren selbst Abortus zur Folge haben kann,— weshalb man bei den Letzteren das Mittel vermeiden muſs. Diese spezifische Wirkungen treten besonders dann ein, wenn die Wurzel recht frisch ist, wenn man sie in der Nähe des Halses an der Vorderseite der Brust applizirt, und wenn die Thiere grünes Futter erhalten. Fontanellhöhlen mit einem glühenden Eisen zu rei- zen, ist zwar schon in frühern Zeiten hin und wieder üblich gewesen(Bourgelat, in d. Encyel. de FAcad, und Schreger, Operatiouslehre für Thierärzte, S. 43), in der neuern Zeit aber von Nanzio in Neapel als ein sicheres Verfahren zur Heilung der hartnäckigsten Schul- ter- und Hüftlahmheiten, mit Angabe folgender Methode, empfohlen worden(Recu eil de méd. vétér. 1837. p. 552): Das Thier wird hierzu auf die gesunde Seite niederge- legt. Man durchschneidet an dem leidenden Theile(d. h. bei sogenannten Bug- und Schulterlahmheiten an dem untern Ende des Schulterblattes oder auf dem Arme,— bei Hüftgelenklahmheiten etwa 2 Zoll hinter oder eben so weit vor und unter dem Häftgelenk) die Haut nebst dem Mauthuuskel in Heulerehle Richtung Caas- Thier aufrecht stehend gedacht) 4 Zoll lang,— präparirt die Haut rund um die Wunde überall gegen 2 Zoll breit von den darunter liegenden Muskeln, so daſs letztere eine freie Fläche von mindestens 3 Zoll im Queermesser darbieten,— umgiebt die Waundränder der Haut und die innere Fläche derselben mit nassen leinenen Lappen, um sie gegen das Verbrennen zu schützen, und legt dar- auf an jeden Wandrand einen stumpfen Doppelhacken, mittelst welchem man ihn von den Muskeln und vom andern Waudrande abzieht. Nachdem das etwa vor- handene Blut mittelst eines Schwamms entfernt worden, brennt man die ganze Fläche der Muskeln mittelst eines knopfförmigen, braunroth heilsen Brenneisens so, daſs ein dünner Brandschorf die Fläche bedeckt. Während des Brennens müssen die leinenen Lappen wiederholt mit kaltem Wasser befeuchtet und die Muskelfläche im- 519 mer mit dem Sehtyame abgetrocknet werden. Die Nachbehandlung ist so wie bei einem andern Fontanell, nur mufs ganz besonders auf etwa entste- hende Eitersenkungen geachtet werden; die Wiaean aber ist tiefergehend, schneller eintretend und weit i tensiver; dennoch erfolgt die Heilung in der Megei in circa 20 Tagen mit Hinterlassung einer glatten und ver- Waleauenhis nur kleinen Narbe. Die Hleilwirkung war mehreren Fällen der genannten Lahmheiten ganz — wefshalb ich das Verfahreu als ein ultimum 138 Whuhu Pektashien 1411 3 2214 42 8 4 3 4 12. VvI. 2,, Haarseilaiehen 4127, Eisahaudaseh am(Anpueuui Setacei)⸗ länidaeg §. 12. Das Haarseil oder Eiterband ist ein unter der Haut in einer gewissen Strecke eingezogenes Band von gro- bem Tuch, oder von grobem Zwirnband u. dgl. Mate- rial. In früherer Zeit benutzte man hierzu eine aus Haaren gedrehte Schnur oder ein aus Haaren gefloch- tenes breites Band, und daher ist der Name Haarschnur oder Haarseil entstanden. Die Wirkung des Haarseils oder Eiterbandes besteht zunächst darin, daſs es an den von ihm betroffenen Theilen eine Reizung und Entzün- dung, und späterhin auch Eiterung erzeugt. Mit dieser primären Wirkung ist auch immer eine Ableitung der Reizung von andern Theilen her verbunden, und auſser- dem wird in den betroffenen Theilen der Vegetations- prozels in der Art umgestimmt, daſs eine gröſsere Bil- dungsthätigkeit, in Folge dessen oft mehr Ersatz neuer Masse, Verwachsung chronischer Treunungen, und bei vorhandenen Verhärtungen auch Schmelzung derselben eintritt. Man benutzt daher die Haarseile hauptsächlich zur Ableitung von Entzündungen, von rheumatischen Af- fectionen u. s. w. in edlen Organen, dann beim Schwin- den, bei Verhärtungen und bei veralteten Wunden, Fi- steln und Knochenbrächen. Bei den Fisteln beabsich- tiget man zuweilen auch die verengeten Theile dersel- ben durch ein Haarseil so lange offen zu erhalten, bis die ausgedehnteren Theile derselben durch neu gebil- dete Granulation mit den übrigen Theilen zu einer glei- chen Verengung gekommen sind. W Die Haarseile werden am Thierkörper durchaus an denselben Stellen applicirt, weleche im Vorhergehenden als die geeignetsten für die Fontanelle bezeichnet wor- den sind; aufserdem aber zieht man auch Haarseile auf den Rippenwänden im Verlauf der Rippen(an jeder Seite der Brust 1— 2), beim Rindvieh hauptsächlich durch den Triel, bei Pferden auch an der innern Seite des Sprunggelenks, und durch den Fleisch- und Hornstrahl des Hufes, bei Hunden auch an der innern oder äufsern Fläche der Ohrmuscheln und im Nacken. Die Richtung, in welcher das Haarseil geführt wird, ist im Allge- meinen nach der senkrechten Linie, und nur auf der Crouppe pflegt man mehrentheils die Haarseile in der Längenrichtung des Körpers, oder parallel mit dem Kreuzbein zu ziehen. Wo aber Haarseile durch Fisteln oder veraltete Wunden geführt werden, mufs man der einmal vorhandenen Richtung derselben folgen. Zur Ausführung der Operation ist 4) ein geballtes Bistouri, 2) eine Haarseilnadel, 3) ein rauhes Band oder eine dergleichen Schnur, und 4) irgend ein kräf- tiges pharmaceutisches Reizmittel, welches man auf das Band streut oder streicht, erforderlich. Als solche Reiz- mittel benutzt man gewöunlich Terpenthinöl, seltener Cantharidensalbe oder Cantharidentinctur, oder ein Ge- menge von Terpenthinöl mit Cantharidenpulver in ver- schiedenem Verhältniſs; zuweilen näht man auch Stück- chen von Niefswurz an das Band; in Ermangelung die- ser Mittel kann man als Hausmittel auch pulverisirten Pfeffer, oder Senf, auch Theer u. dgl. benutzen. Alle diese Mittel dienen dazu, die reizende Wirkung des Haarseils auf die von ihm betroffenen Theile zu ver- stärken. Die ) eln mittelst eines neisens 80, daaſs deckt. Während appen wiederholt Muskellache in⸗ werden. bei einem andern auf etwa entste⸗ en; die Witkung lend und weit i- in der Regel i r Llatien und vet. lleilwitkung u Lahnheien gun ei als ein ulhnm Die Haarseilnadeln, deren man sich in der Thier- heilkunde bedient, sind in einigen Punkten von einander abweichend. Zum Gebrauch bei den groſsen Hausthie- ren, in der Absicht um mit dem Haarseil eine ableitende Reizung hervorzubringen, ist für die meisten Körper- stellen die sogenannte deutsche Haarseilnadel das ge- eignetste Instrument. Dieselbe ist gegen 14“ lang, an ihrem mittlern Theil gegen 3" dick und abgerundet; das vordere Ende ist spatelförmig gebildet, gegen ¾“ breit; der Rand an der Spitze bildet eine stumpfe Kante; die eine Fläche der Spitze ist ganz platt, die entgegen- gesetzte Fläche aber von der Mitte aus nach den Sei- tenrändern schräge abgeflächt; das hintere Ende wird von dem hintersten Drittel der Länge allmählig breiter, und an dem äuſsersten Endpunkt fast 8“ breit; es be- findet sich in diesem Theil ein queerliegendes Oehr, dessen hinterster Rand etwas dünner ist als die übrige Nadel. Gewöhnlich läſst man diese Nadel in der Mitte der Länge in 2 Hälften theilen, und daselbst mit einem Schraubengewinde versehen, damit man sie bequemer in der Verbindtasche mit sich führen kann.— Die franzö- sischen Thierärzte bedienen sich gewöhnlich kürzerer Haarseilnadeln, deren vorderes Ende myrtenblattförmig, am Rande und der Spitze schneidend scharf, und in der Mitte dieses Theils mit einem ¾“ langen und gegen 2 breiten Oehr versehen sind; der ganze übrige hinter der Spitze befindliche Theil ist fast gleichmäſsig cylindrisch, und das hintere Ende ist mit einem, in der Längenrich- tung des Instruments verlaufenden Oehr versehen, wel- ches dieselbe Gröſse wie das in der Spitze befind- liche hat. 4 Die englischen Thierärzte der neuern Zeit benutzen meistens die von Sewell verbesserte Haarseilnadel, welche gegen 12 Zoll lang, an dem mittlern Theil einen halben Zoll breit, an der Spitze und am hintern Ende aber ein paar Linien breiter ist; Letzteres ist mit einem queerliegenden Oehr zur Aufnahme des Bandes verse- hen. Die Spitze ist fast spatelförmig gebildet, die eine Fläche derselben ganz eben, die andere aber ist gerade in der Mitte, an der eigeutlichen Spitze, mit einem 1" dicken, länglichen und etwas abgerundeten Knöpfchen versehen, neben welchem die Seitenränder scharf schnei- dend sind. Das hintere Ende der Nadel ist in einen 4 Zoll langen hölzernen Handgriff zu stecken, der mit- telst einer Stellschraube leicht befestiget werden kann. Aus dieser Einrichtung erhellet: daſs die deutsche Haarseilnadel das Zellgewebe unter der Haut nur me- chanisch auseinander drängt und zerreiſst, die franzö- sische Haarseilnadel aber das Zellgewebe zerschneidet, und die englische Haarseilnadel beide Wirkungen ge- wissermaaſsen vereinigt. Die französische Haarseilna- del soll auch den Vortheil gewähren, daſs man für ihre Anwendung mit dem Messer nur eine Eingangsöffnung zu schneiden braucht, indem man mittelst der scharf- schneidenden Spitze des Instruments die Ausgangsöff- nung macht, während bei dem Gebrauch der deutschen und englischen Haarseilnadel diese letztere Oeffuung ebenfalls mit dem Messer gebildet werden mufs; dieser Voriheil ist jedoch im Verhältnifs zu dem Nachtheil, den die französische Haarseilnadel bei unruhigen und 33— widersetzlichen Thieren durch leicht entstehende Neben- verletzungen in den Muskeln u. s. w. entstehen können, kaum beachtenswerth, und dies um so mehr, da die durch die Haarseilnadel gebildete Oeffnung in die Haut immer zu klein ist, das eingezogene Band auf die dicht an dasselbe anschliefsenden Wundränder zu heftig dräckt, dieselben schwielig und hart macht, und der Eiter kei- nen guten Ausfluſs erhält. Zum Ziehen eines Eiterbandes durch den Fleisch- und Horustrahl dient eine besondere von Sewell vor- geschriebene Haarseilnadel, welche gegen 12“ lang und so gekrümmt ist, daſs sie etwa dem dritten Theil einer Kreislinie entspricht; die convexe Seite der Nadel ist ganz flach, die concave Seite aber an ihrem mittlern Theil etwas gewölbt; Letzterer ist gegen 5“ breit, das hintere Ende gegen 7 und mit einem queerliegenden Oehr versehen, die Spitze ist an ihrem breitesten Theil 7— 8 breit, und verjüngt sich von demselben bis zu dem äuſsersten Punkte, so dafs ihre Seitenränder in einem Winkel von fast 45° daselbst zusammenstoſsen, sowohl die Spitze wie auch diese Seitenränder sind scharf schneidend. Das hintere Ende der Nadel ist in einen 4“ langen hölzernen Handgriff zu stecken, und daselbst mittelst einer Stellschraube zu befestigen. Aufser der oben bezeichneten englischen Haarseil- nadel von Sewell giebt es noch ein eigenthümliches Instrument, unter dem Namen: grofse englische Haarseilnadel, in welchem eine stumpfe Nadel mit einer scharfen in der Art beweglich verbunden ist, daſs man die eine oder die andere in jedem Augenblicke, je nachdem es die Umstände erfordern, gebrauchen kann. Dieses Instrument eignet sich besonders dazu, in langen Fistelgängen, bei Versenkungen von Eiter oder Jauche u. s. W., Gegenöffnungen von innen her zu bilden, oder Eiterbänder durch solche lange Kanäle zu ziehen. Es ist zu bedauern, daſs diese Haarseilnadel, ihrer Gröſse wegen, nicht in der Verbindtasche zu führen, und daſs sie ihrer Einrichtung wegen, schwierig zu reinigen ist. Zum Haarseilziehen bei kleinern Thieren benutzt man eine Haarseilnadel, welche gegen 10“ lang, flach, in der Mitte gegen 3“ breit, an jedem Ende aber etwa 4“ breit ist; die Spitze ist länglich-rund und stumpf, das hintere Ende aber mit einem Queer-Oehr versehen. Auch kann man sich der Bauahwundheftnadeln bedienen, um bei gröſsern und kleinern Thieren Haarseile an sol- Stellen zu appliciren, wo sich die Haut in einer gro- ſsen Falte von den darunter liegenden Theilen abzie- hen läſst. Zur Ausführung des Haarseilziehens müssen Pferde gebremst und so befestiget und gehalten werden, wie es die Empfindlichkeit des Thieres und der Ort, wo das Haarseil applicirt werden soll, erfordern. Sehr un- ruhige und widersetzliche Thiere müssen hierzu nieder- gelegt werden. Nachdem diese Vorbereitungen gesche- hen sind, macht man an der Operationsstelle zuerst die beiden Hautschnitte für die Ein- und Ausführung der Nadel. Dieselben müssen stets durch die Haut, und wo ein Hautmuskel unter derselben liegt, auch durch den Letztern dringen, und für die gewöhnliche Haarseil- nadel stets 1“ bis 1 ¼ lang sein; die Eutfernung dieser 9 beiden Schnitte von einander richtet sich nach dem durch den betreffenden Theil gegebenen Raum, so dafs man z. B. an der Stirn die beiden Oeffnungen nur gegen 6 dagegen am Halse, an der Schulter, auf den Rippen, auf der Croupe und an den Hinterschenkeln sie gegen 12" weit auseinander legt. Hierauf ergreift man die Haarseilnadel an ihrem mittlern Theil mit der vollen rechten Hand, drückt die Spitze durch die untere Oeff- nung in das Zellgewebe unter der Haut oder unter dem Hautmuskel*%), und schiebt sie, die flache Seite der Nadel gegen die Maskeln gerichtet, die Spitze aber im- mer etwas der Haut zugewendet, kräftig im Zellgewebe vorwärts in gerader Richtung nach der obern Oeffnung zu, und durch dieselbe hervor. Nun bringt man das vorher schon zubereitete Band in das Oehr der Nadel, ergreift dann die Spitze derselben, zieht die Letztere langsam und vollständig aus der obern Oeffnung hervor und das Band nach, worauf man die Nadel von dem Bande befreiet. Um das Herausfallen des Bandes zu hindern, bindet man die beiden Enden desselben in einen Knoten zusammen, oder man befestiget an jedes Ende einen kleinen hölzernen Knebel, oder man bindet einen blofsen Knoten an demselben. Gewöhnlich ist es vorgeschrieben, die Haarseilna- del durch die obere Hautöffnung ein- und durch die un- tere Oeffuung sie auszuführen. Dies Verfahren ist je- doch weniger 2weckmaſsig als das im Vorstehenden an- gegebene, weil, wenn die Thiere bei dem Durchführen der Nadel unruhig werden, und in Folge dessen die Nadel in ihrer Richtung von der vorgezeichneten Linie abweicht, sie dann aber wieder in gehöriger Richtung fortgeführt wird, sehr leicht blinde Säcke eutstehen, welche ihren Eiter nicht entleeren, wenn diese Säcke durch das Einführen der Nadel von oben her gebildet worden sind; es entstehen dann Anhäufungen und Ver- senkungen des Eiters, groſse Auschwellungen u. dgl. üble Zufälle, welche in den meisten Fällen känstliche Gegenöfnungen erfordern. Die Nachbehandlung hezteht nen gezogenen hear. seilen zunächst darin: daſs die Thiere so angebunden werden, daſs sie sich die Haarseile mit den Zähnen nicht gewaltsam herausreiſsen können. Vom zweiten Tage ab läfst man das Band täglich ein- oder zweimal, je nach dem Grade der schon eingetretenen Anschwel- lung oder Eiterung, gelind hin- und herziehen, um hier- durch die reizende Wirkung des Bandes täglich zu er- neuern. Aufserdem streicht man mit der Hand gelind drückend über den Eiterkanal nach den Oeffnungen hin, um den angesammelten Eiter zu entleeren, und wenn derselbe über die unter den Oeffnungen befindlichen Hautparthien flieſst, so reinigt man dieselben durch Ab- waschen mit lauwarmem Wasser. Ist der Eiter scharf, und die Haut sehr empfindlich, so kann man da, wo sie vom Eiter berührt wird, etwas Fett, Cerat oder ein mildes Oel von Zeit zu Zeit aufstreichen. *) Wenn man das Eiterband unter den Hautmuskel legt, witkt es mehr in die Tiefe und zugleich vermeidet man am sichersten die Schwielen, die oft bei Pferden in der ganzen Länge des Eiter- pandes für immer zurückbleiben und das gute Aussechen stören. 34 —— — ritt in den ersten 10— 12 Stunden nach geleg- tem Eiterbande keine deutlich bemerkbare Reizung und Auschwellung ein, so kann man das Band zu wieder- holten Maleu mit— oder einem andern Reiz- mittel befeuchten. Man läſst die Hiterhauder gewöhulich 8— 10 Tage liegen, und entfernt sie dann, indem man den Knoten an einem Ende abschneidet, und das Band aus der ent- gegengesetzten Oeffnung aus dem Eiterkanal zieht. So lange hiernach noch Eiterbildung in dem Kanal fortbe- steht, ist die Nachbehandlung in der angegebenen Weise auch fortzusetzen. §. 13. Das Biterband am Sprunggelenk gegen Spatt ist von Sewell empfohlen, und von mir sehr oft mit dem besten Erfolge angewendet worden. Man legt zur Ausführung dieser Operation das Pferd auf die dem kranken Fufs entsprechende Seite nieder, und macht die innere Fläche dieses Fufses frei zugäng- lich, indem man den oben liegenden Hinterfuſs mit dem Schienbein auf das Schienbein des oben liegenden Vorderfufses bindet. Hierauf kniet man an den hintern Rand des kranken Fuſses, streicht die Haare auf der innern Fläche des Sprunggelenks ganz glatt, und unter- drückt die über das Gelenk verlaufende Vene am obern Ende des Gelenks, um die Lage derselben deutlich sicht- bar zu machen; dann durchschneidet man mit einem ge- ballten Bistouri am untern Ende des Sprunggelenks, vor oder unter der Vene, die Haut bis auf das kurze Zell- gewebe unter ihr, so daſs eine ¾ Zoll lange Wunde entsteht, eben so macht man die obere Oeffnung am obern Ende des Sprunggelenks, etwa ¾ Zoll bis Zoll weit hinter dem innern Kuorren des Schenkelbeins. Hiernach führt man die Haarseilnadel(was eine ge- wöhnliche deutsche Haarseilnadel sein kann) durch diese Oeffnungen unter der Haut fort, so dafs das Band un- mittelbar die Gelenkbänder auf den Spatterhöhungen be- rührt. Das Band wird an den Enden zusammengebun- den, doch so, dafs die hierdurch gebildete Schleife nicht die Gröſse erhält, daſs das Pferd mit dem Hufe des an- dern Fufses in sie treten könnte, im Fall es sich mit demselben an der Operationsstelle reiben sollte. Das Haarseil bleibt auch hier gegen 10 Tage liegen und die Nachbehandlung ist dieselbe, wie im Vorstehenden an- gegeben; aber das Pferd muſs selbst nach der Heilung der Wunden noch während wenigstens 14 Tagen ganz ruhig stehen bleiben, und nach dieser Zeit darf es in den folgenden 14 Tagen nur im Schritt bewegt werden. §. 14. — Maatseil Jarohe den Strahl des Hufes 1st 4 ehaufayle von Sewell zuerst empfohlen worden, und zwar als eins der kräftigsten und nützlichsten Mittel bei der sogenannten chronischen Hufgelenksentzündung, oder Sehnenrollenentzündung des Hufes. Das Pferd wird zu dieser Operation vorbereitet durch erweichende Um- schläge, welche durch einige Tage vorher am Hufe ge- macht werden. Es wird dann zunächst der Hornstrahl so dünn ausgeschnitten, daſs man überall mit einem Fin- gelenk gegen und von mir sehr et worden. Man das Pferd auf die eite nieder, und ges frei augäng- 2n Hiuterfuls nit les oben liegeuden nan an den hiuten die Haare auf der 2 glatt, und unter- dde Vene am oben elben deuilieh sicht. man mit einen ge- Sprunggeleuts ur aof das bune Lal- TZoll luge Wude obere Oeäbohg an a Zoll us lA es Schenbelheins — gernagel leicht Eindrücke in denselben machen kann. Hierauf legt man das Pferd nieder, so, daſs der kranke Fuſs nach oben zu liegen kommt, und bindet denselben so aus, daſs das Schienbein mit seinem obern Ende auf das Schienbein des entsprechenden andern, oben liegen- den Fuſses, festgebunden wird und das ganze Fessel- bein frei über diesen andern Fuſs hervorragt. Nun macht man mit einem geballten Bistouri an der hintern Seite des Faſses unmittelbar in der Mitte über den Bal- len, einen etwa ³“ langen Queerschnitt durch die Haut bis ins Zellgewebe, setat in diese Wunde die Spitze der oben bezeichneten krummen Haarseilnadel, und schiebt dieselbe in der Richtung vorwärts und nach der Sohlen- fläche des Hufes hin, daſs sie den Horustrahl an seinem vordern Drittel oder in der Nähe der Spitze durchbohrt. Nun lüftet man die Stellschraube des Handgriffes, ent- fernt den Letztern, zieht das Band in das Oehr der Nadel, ergreift dann die Letztere au ihrer Spitze, zieht 35 — sie vollends durch den Strahl und das Band uach, wor- auf man die Nadel abnimmt, und hierauf die Enden des Bandes so zusammenbindet, daſs man zwischen ihm und dem Strahl einen 3 Queerfinger breiten Raum läſst. Weil das Horn des Strahls, vermöge seiner Elasticität„ sich um das Band fest zusammenzieht, und hierdurch später der freie Abfluſs des Eiters durch die untere Oeffnung gehindert wird, so ist es aweckmäfsig, sogleich diese Oeffnung mit einem Lorbeerblattmesser etwas zu erwei- tern, was am besten geschieht, indem man den vordern und hintern Wundrand gegen 2“ tief einschueidet. Die Nachbehandlung besteht in Fuſsbädern von warmem Wasser, täglich 2mal, während ¼— ½ Stunde. Nach 10 Tagen wird das Band auf gewöhnliche Weise ent- fernt, worauf die Heilung beim Fortgebrauch der Fufs- bäder in 6— 8 Tagen erfolgt. Widrige Zufälle sind bisher niemals beobachtet worden. i Sal VII. Das Adenlassen oder Blutlassen. §. 15. Das Aderlassen besteht in der kunstmäſsigen Bröff- nung eines Blutgefäſses und in dem hierdurch bewirkten Abfluſs einer gewissen Quantitàt Blutes, in der Absicht, Krankheiten zu heilen oder auch ihnen vorzubeugen. Die Operation wird an Blutadern(Venen), oder auch an Pulsadern(Arterien) unternommen. Die Blatader- eröffnung(Phlebotomia, Venuesectio) ist die gewöhn- lichste Art ihrer Ausführung; das Aderlassen an den Ar- terien(Arteriotomia) geschieht dagegen sehr selten. Man unterscheidet das Aderlassen, oder eigentlich die mit dem Aderlals verbundene Blutentziehung, auch noch in ein allgemeines und in ein örtliehes. Er- steres geschieht immer aus gröfsern Blutgefäſsen, und in der Absicht, eine Umstimmung in der Energie und in der Thätigkeit des Körpers überhaupt, namentlich aber des Herzens und der groſsen Gefäſse, herbeizu- führen, während der örtliche Aderlafs nur eine Entlee- rung des angehäuften Blutes in dem Theile, an welchem der Aderlaſs eben ausgeführt wird, bezweckt. Obgleich Letzteres allerdings geschehen kann, so ist doch nach physiologischen Begriffen eine blos örtliche Wirkung einer Blutausleerung nicht anders annehmbar, als dafs man die Ausleerung von stockendem Blut aus den Haargefäſsen eines einzelnen Theils hierunter versteht. Denn immer wird der Verlust von Blut, je nach der Gröſse dessel- ben innerbhalb einer bestimmten Zeit, auch auf den Kör- per im Allgemeinen zurückwirken, die Ausleerung mag aus gröſsern oder aus kleinern Geſälsen bewirkt sein. 84 1§. 16. 1 Das Aderlassen ist eine der ältesten Operationen in der Thierheilkunde; denn schon die alten griechischen Schriftsteller sprechen von demselben, als von einer be- kannten Sache. Die Operation soll zuerst den wilden Pferden abgesehen worden sein, welche sich angeblich oft mit den Zähnen die in der Haut oberflächlich liegen- den Adern zerbeifsen„ und dadurch eine Blutentleerung Die Beobachtung zeigt jedoch, dals zwar bei Pferden von manchen edlen Ragen und die mit feiner Haut versehen sind, wie namentlich bei den Siebenbür- bewirken. gischen, Moldauschen, Russischen u. s. w. oft, beson- ders im Sommer, Berstungen der Hautvenen erfolgen, daſs dies aber ganz ohne willkürliche und absichtliche Mitwirkung der Thiere geschieht.— Beschreibungen der Operation in ihrer Ausführung finden sich erst gegen Ende des aheeuden Jahrhunderts, von Lafosse, Chabert*) u. A.; in neuerer Zeit hat sie namentlich Schwab**), Vatel t) und Dieterichs 41 be- schrieben. 8 wWN 9 §. 17.(aslam Die Operation des Aderlasseus ist in Kranlebeiteg, die wesentlich mit Blutreichthum überhaupt, oder mit zu groſsem Reichthum des Blutes an Cruor und Plastizität, oder die mit Turgescenz, mit Congestionen, und mit Stockungen des Blutes verbunden sind, daher besonders bei sthenischen Entzündungen, an allen unsern Haus- thieren indizirt. Die hierau benutzten Blutgefäſse müs- sen im Allgemeinen folgende Eigenschaften besitzen: sie sollen sichtbar oder fühlbar, ohne Verletzung wichtiger Theile leicht zugänglich sein, deshalb oberflächlich lie- gen, auch grofs genug sein, um sicher getroffen zu werden und zugleich um eine grofse Menge Blutes in kurzer Zeit von sich zu geben; und endlich, sie müs- sen sich leicht wieder verschlieſsen lassen. Solche Blutgefaſse sind bei Pferden hauptsächlich: die Drossel- venen, dann die Sporadern, die Vorderschenkelhautve- nen, die Fesselvenen und die mittlere Schweifvene;— beim Rindvieh die Halsadern oder Drosselvenen, die Bauchdeckenvenen oder die sogenannten Milchadern, die Vorarmsvenen und die Ohrvenen;— bei Schaafen die Halsvenen, die Gesichtsvenen oder sogenannten Licht- adern, die Vorarmsvenen und die Hiuterschenkelhaut- venen;— bei Schweinen die Unterzungenvene oder Froschader, die Ohrvenen und die Vorarmsvenen;— bei Hunden die äufseren Halsvenen, die Vorarmsvenen *) Instruct. et observ. sur les malad. des anim. domest. Anné 1792. 2de Edit. p. 57 etc. *) Taschenb. d. Pferdekunde. München. 3tes Bdch. 1819. S. 186, ) Handb. d. Thierarzneik. Deutsch v. Pestel. 2ter Bd. ite Ab- theil. Leipz. 1839. S. 250. †t) Handb. d. Vet.- CMrurgie, und Tlandh. d. Vet.- Akiurgie, Berl. 1842. S. 22. 9* —— — —ꝛ—— und die Hinterschenkelhautvenen;— Drosselvenen;— und bei Hühnern und andern groſsen Vögeln die Armvenen und die Halsvenen. Nach sicheren Beobachtungen besteht hinsichtlich der Wirksamkeit der Blutentleerungen aus dem einen oder dem andern Blutgefäſs kein wesentlicher Unter- schied, wenn sonst innerhalb einer gleichen Zeit eine gleiche Menge Blutes abfliefst; Zwecke des Aderlassens an jeder Ader erreichen, und es beruhete nur auf irrigen Ansichten der früheren Zei- ten, wenn man zur Heilung einzelner Krankheiten den Aderlafs nur an bestimmten Venen empfohlen hat. §. 18. Die Instrumente und Geräthschaften zum Aderlas- sen sind: 1) eine Lanzette, oder— 2) eine Fliete nebst Schlägel, 3) ein Schnäpper, zur Eröffuung der Ader; oder— 4) zuweilen eine Aderlaſsschnur; 5) Stecknadeln, nebst langen Pferdehaaren, oder statt letzterer Zwirnsfäden; zuweilen auch Binden oder Strohbänder;— und 6) ein Gefäſs zum Auffangen des Blutes. 1) Die Lanzette, das einfachste Aderlaſs-In- strument, besteht aus der Klinge und der Schale. Jene ist vom besten Stahl gearbeitet, glatt polirt, für Pferde 2 Zoll lang, 5— 6 Linien breit(für kleine Thiere etwa ¹ bis kleiner), zweischneidig, am vordern Drittheil allmälig in die zweischneidige Spitze übergehend; am hintern(stumpfen) Ende ist sie mit einem kleinen Loche durchbohrt, das zur Aufnahme des Nieths dient, wel- ches die Klinge mit der Schale beweglich verbindet. Letztere dient zum Schutz der Klinge und ist aus Horn oder Schildpatt gemacht. In Ermangelung einer, Lan- zette ist auch ein gerades Bistouri mit feiner Klinge und scharfer Spitze statt derselben zu gebrauchen. 2) Die Fliete oder das Lafseisen, das älteste Aderlaſs-Instrument, besteht aus einem 4— 5 Zoll lan- gen, circa 3 Linien breiten und 1 bis 1 ¼ Linien dicken eisernen Stiel, an dessen unterem oder vorderem Rande, etwa 4— 6 Linien hinter dem vordern Ende, eine fast herzförmige oder stumpf-Janzettförmige Klinge(Lanze) im rechten Winkel angesetzt ist. Diese letztere muſs von gutem Stahl, gut polirt, an den Rändern und der Spitze durchaus gleichmäſsig scharf, und für Thiere (eigentlich für die Blutgefäſse) von verschiedener Grõſse in verschiedenen Dimensionen angefertiget sein; und zwar kann ihre Länge für groſse Pferde und Rinder 7 bis 8 Linien,— für Pferde von mittler Gröſse 5 ¼— 6 ¼ Lin.; für kleine Pferde, Fäüllen und Kälber circa 4 Linien be- tragen, ihre Breite aber stets gegen 1 Linie minder als die Länge sein.— Der obere(hintere) Rand des Flie- tenstiels ist gewöhnlich platt,— bei der Stickerschen Fliete aber mit einem fast 3 Linien breiten, etwas ab- gerundeten, eisernen Blatt versehen, damit man mit der bloſsen Hand auf diesen Rand kräftig schlagen kann, ohne sich wehe zu thun. Bei den neuern englischen Flieten ist der Stiel am vordern Ende gegen 2— 3 Lin. breiter als am hintern Ende, und der hintere Rand ist feilenartig rauh, beides in der Absicht, den Schlag auf bei Katzen die man kann daher die Hlälften getheilt, das Instrument sicherer zu machen.— Das hintere Ende des Stiels ist bei den Flieten aus älterer Zeit fast spi- ralförmig nach dem obern Rande hin gekrümmt; bei der Sticekerschen Fliete ist es in derselben Richtung nur etwas aufgebogen, dabei abgerundet, und bei den mei- sten jetzt gebräuchlichen Flieten ist dies Ende kürzer, ganz ohne Krümmung, aber mit einem kleinen Loch durchbohrt, um das Nieth aufzunehmen, vermittelst wel- ches die Fliete mit ihrer Kapsel oder Schale charnier- artig verbunden wird. Letztere dient zum Schutz der Klinge und kann aus Horn, Messing u. s. w. gearbei- tet sein.— Gewöhnlich werden 2 oder 3 Flieten mit Klingen von verschiedener Gröſse in eine Kapsel gelegt. Der Aderlafsschlägel dient dazu, die Flieten- klinge, mittelst eines kräftigen Schlages auf den Rücken der Fliete, in die Ader zu treiben. Er ist aus hartem Holz gedrehet, S8— 12“ lang, am vordern Ende der Kopf gegen ¾“ dick, am hintern Ende aber nur halb so stark. Der Kopf ist gewöhnlich queer durch in zwei die durch ein Schraubengewinde mit einander vereiniget werden; die vordere Hälfte kann, um mehr Gewicht zu haben, mit Blei ausgegossen, das hintere Ende aber hohl sein, um den Helperschen Adertrichter aufzunehmen. In Ermangelung des Schlä- gels kann ihn ein Hammerstiel oder ein ähnliches Stück Holz ersetzen, und bei der Stickerschen Fliete(im Nothfall aber auch bei jeder andern) bewirkt man den Schlag mit dem äufsern Rande der bloſsen Hand. 3) Der Schnäpper, Aderlafsschnäpper ist im Wesentlichen aus einer kleinen Fliete und einer Stahl- dafs die Letztere gespannt und festgestellt(aufgezogen), dann aber ver- feder in der Art zusammengesetzt, mittelst eines hebelarmigen Drückers wieder losgelassen werden kann, und daſs sie hierbei die, diesen Bewe- gungen folgende Fliete mit Kraft und groſser Schnellig- Die Construktion und Form der Schnäpper ist übrigens sehr verschieden; bei den mei- keit vorwärts treibt. sten ist der Mechanismus in ein metallenes Kästchen eingeschlossen(Kastenschnäpper), bei anderen liegt er an einem Handgriff frei zu Tage(z. B. bei dem Pa- tent-Schnäpper von Weiſs); aufser der starken Schlag- feder hinter der Fliete besitzen manche Schnäpper noch eine schwächere Feder vor derselben, um die Fliete nach erfolgtem Vorwärtsschlagen augenblicklich wieder zurück zu drängen und somit anderweitige Verletzungen, welche durch die hervorstehende Flietenklinge beim Aderlassen einem Thiere zugefügt werden könnten, zu vermeiden. Ferner ist die Schlagfeder entweder nur in einer, oder in mehreren Abstufungen zu spannen, und zwar Letzteres in der Absicht, um das Instrument beim Gebrauch an dünner oder dicker Haut mit entsprechender Kraft wirken zu lassen; und in neuerer Zeit hat man es mit einer gefensterten Stellscheibe versehn, die man neben der Flietenklinge vor- oder zurückschiebt, so daſs diese bald mehr bald weniger über die Scheibe her- vorsteht, je nach der Dicke der Theile, welche die Ader bedeckt und welche bei dem Aderlassen durch- bohrt werden müssen. S Diese drei lnstrumente haben, im Vergleich zu ein- ander, folgende Vorzüge und Nachtheile: Die Lanzette ist e Kapsel gelegt lazu, die Flieten- es auf den Rücken Er ist aus hartem vordern Ende der nde aber nur halb cueer durch in zwei raubengewinde mit rdere Hälfte kann, ei ausgegossen, das den Helperschen ein ähuliches Stück terschen Flete(in u) bewirkt man deu bloſsen Hand. laſsschnäpper plete und eierSalt 4t, Gdabs de leütr gen), hn het se s wieder Wsgiusa de, desen Heme- i gobser Sehuellg- tion und Form h den; bei den u3- — ist am einfachsten, am wohlfeilsten, am bequemsten bei sich zu tragen, an groſsen und kleinen Thieren, an groſsen und kleinen Adern gleichmäfsig anzuwenden; man kann mit ihr die Aderlaſswunde in beliebiger Gröſse machen, indem der Operateur das Iustrument mehr oder weniger tief, und bloſs einfach stechend oder zugleich vorwärts schneidend einführt; die Operation mit ihr ge- schieht geräuschloser und daber mit- wenigerer Beunru- higung der Thiere, und sie erzeugt auch bei dem Zu- schauer die Ansicht von einer gröſseren Geschicklichkeit des Thierarztes, als dies bei dem Aderlassen mit der Fliete und mit dem Schnäpper der Fall ist. Die Lan- zette verlangt aber auch wirklich mehr als jene Iustru- mente Geschicklichkeit, und immer eine sehr genaue Be- urtheilung der Dicke der Haut und der Fettschicht auf der Vene, so wie der gegenseitigen Lage der letzteren und der Arterie, weil sonst häufiger als beim Gebrauch der Fliete und des Schnäppers, bald der Einstich ohne Erfolg gemacht, bald wieder die Vene durchstochen oder selbst die unter derselben liegende Arterie mit verletzt wird,— wie dies Beispiele beweisen, welche sich un- ter den Händen berühmter Veterinär-Akiurgen ereiguet haben. Bei dem Rindvieh ist, wegen der dicken zähen und schlaffen Haut am Halse, das Aderlassen mit der Lanzette viel schwieriger als mit der Fliete, und oft mit jenem Instrument kaum auszuführen.— Die Fliete ist, wie oben angedeutet, bei sehr dicker Haut das vor- züglichste Iustrument, und gewährt überhaupt beim Ader- lassen an groſsen und mittleren Venen mehr Sicherheit, als Lanzette und Schuäpper, ist aber an kleinen Venen (daher auch bei kleinen Thieren) nicht zweckmäſsig; ihre Anwendung ist, durch das hörbare Aufschlagen mit dem Schlägel und durch die anscheinend drohende Be- wegung der Haund, beuuruhigend für die Thiere und die Ausführung der Operation wird dadurch zuweilen er- schwert. Aufserdem sieht das Aderlassen mit der Fliete, ebenfalls des Schlages wegen, roh und ungeschickt aus. — Der Schnäpper gewährt den Vortheil, daſs man an den meisten Aderlafsstellen, z. B. an der Drosselvene, der Sporader u. s. w. die Compression der Ader und die Anwendung des Instruments zugleich mit einer Hand bewirken kann, während die andere Hand frei bleibt,— was in manchen Fällen, z. B. bei liegenden, und eben so bei tobsüchtigen Pferden, von Nutzen ist. Dabei treibt die Feder des Schnäppers dessen Fliete stets mit gleicher Kraft und Schnelligkeit, und der Ope- rateur hat nur nöthig, bei dem Ausetzen des Instruments die Dicke der auf der Vene liegenden Gebilde zu be- achten(bei Anwendung der Lanzette und der Fliete, wo Kraft und Schuelligkeit in der Hand des Operateurs liegt, ist Beides sehr oft vom Befinden des Letzteren und von äuſseren Umständen abhängig, und daher auch nicht immer im richtigen Maaſse ausgedrückt).— Die meisten Schnäpper wirken bei Rindvieh, der der- ben Haut wegen, zu schwach; aufserdem sind sie zu complizirt und zu theuer; wenn das Blut zwi- schen die Federn dringt, sind sie schwer zu reini- gen; und zuweilen wird ein Thier durch den knacken- den Schlag des lustruments bei dem Aderlassen sehr beunruhiget. 37 4) Die Aderlafsschnur wird bei dem Aderlas- sen an den Drosselvenen um den Hals gelegt, um einen Druck auf dieselben zu erzeugen, hierdurch den Rück- flufs des Blutes zum Herzen zu hindern, und somit die Adern durch Aufüllung mit Blut dicker und äufserlich sichtbarer zu machen. Sie mufs 4— 5 lang, 2— 2 ½ Linien dick und an dem einen Ende mit einem metalle- nen Ringe von 1 bis 1 Zoll Weite versehen sein. Bei ihrer Anwendung legt man das mit dem Ringe verse- hene Ende auf diejenige Seite des Halses, wo der Aderlaſs gemacht werden soll, führt das freie Ende um die andere Seite herum, steckt es durch den Ring, zie- het es so fest an, daſs die Drosselvene genügend au- schwillt, und bindet es mit einer einfachen, leicht auf- ziehbaren Schleife fest. Sie bleibt in der Regel so lange, wie das Blut fliefsen soll, liegen.— Man be- nutzt die Schnur fast nur allein an dem Rindvieh bei dem Aderlassen mit der Fliete, wo sie aber auch oft entbehrt werden kann, wenn die Haut am Halse dünn ist, die Adern beim Druck mit den Fingern stark hervortreten und die Thiere den Hals nicht zu niedrig heruntersenken. Unter entgegengesetzten Umständen kann sie aber oft gar nicht entbehrt werden, und sie erleichtert hierbei auch an Pferden und andern Thieren die Ausführung der Operation sehr. In den meisten Fallen läfst sich die Schnur durch einen Druck mit den Fingern gegen die zum Aderlafs erwählte Vene er- setzen, ja, derselbe ist ihr sogar vorzuziehen, weil er nach Erfordern sehr leicht verstärkt, vermindert, oder ganz aufgehoben werden kann, und weil er nur in einer Vene den Rückflufs des Blutes hindert, dagegen die Schnur dies in beiden Venen thut und zugleich durch Zusammendrücken der Luftröhre das Athmen erschwert; aufserdem ist bei sehr unruhigen Pferden und Rindern das gehörige Anlegen und das Ablösen der Schuur zu- weilen schwierig auszuführen*). Dieser Umstände we- gen soll ihre Auwendung unterbleiben: wenn die Thiere an Congestionen zum Kopfe, an Hirnentzündung, Dummkoller, rasendem Koller, und an groſser Athemnoth leiden.— Bei dem Aderlassen an den Füſsen wird zu- weilen auch ein(kürzeres) Band für den obigen Zweck um den betreffenden Fufs gebunden. 5) Die Nadeln zum Verschliefsen der Hautwunde nach dem Aderlafs sind gewöhnliche Stecknadeln, ge- gen 1 Zoll lang, von mittlerer Stärke und mit guter Spitze versehen.— Um sie in den Wundrändern fest- zuhalten und letztere in gleichmäfsiger Berührung zu erhalten, wird gewöhnlich bei Pferden und Rindern ein Bündel von etwa 6 bis 10 Mähnen- oder Schweifhaa- ren, bei andern Thieren ein Zwirufaden, in einer Schleife mälsig fest um die Enden der Nadel gelegt. Die Haare werden hierzu ein wenig angefeuchtet und entweder bloſs glatt neben einander liegend, oder in Form einer Schnur zusammengedreht, benutzt. Auf erstere Weise kommen nicht immer die sämmtlichen Haare zu einer gleichmäſsigen Wirkung, indem einzelne sich zu locker, *) Es ist vorgekommen, dass widerspänstige und tobsüchtige Pferde mit geöffneter Ader und der Schnur um den Hals, davon gelaufen sind und sich hierbei einen tödtlichen Blutverlust zugezogen haben. 10 andere dagegen zu fest anziehen.— Zur Blutstillung bei geöffneten Vorarms- und Fesselvenen ist oft eine 2— 3 Queerfinger breite Binde, im Nothfall ein Stroh- seil mit einem Knoten, erforderlich. 6) Das Gefäfs zum Auffangen des Blutes kann beim Aderlassen grofser Thiere ein sogenanntes Füllfaſs, ein groſses Waschbecken, ein Topf von 3 bis 5 Quart(9— 15 Pfd.), oder selbst ein Stalleimer,— bei kleinen Thieren ein Glas, eine Untertasse u. dgl. sein. Es ist immer zweckmäſsig, das Blut aufzufan- gen, theils um seine Menge und Beschaffenheit, letztere namentlich bei und nach dem Gerinnen, richtig beurthei- len zu können, theils auch, um die Veruureinigung des Stalles durch das auf die Streu oder den Fuſsboden fallende Blut, so wie die Beunruhigung anderer Thiere durch den Blutgeruch, und selbst durch die in manchen Fällen beobachtete Iufection derselben, z. B. durch An- thraxblut*), zu vermeiden.— Das aufgefangene Blut wird in der Regel während einiger Stunden bei Seite gestellt, um sein Gerinnen zu beobachten, dann aber muſs es vergraben oder in anderer Art so beseitiget werden, daſs andere Thiere nicht zu demselben gelau- gen können. . 19. Die Ausführung des Aderlasseus ist zwar bei Thie- ren von verschiedener Art, an verschiedenen Blutgefä- ſsen und mittelst des einen oder des andern Iustrumeuts, in einigen Punkten modifizirt; im Allgemeinen besteht sie aber aus folgenden Akten: 1) in der Vorbereitung,— 2) in der Eröffnung der Ader,— 3) in dem Ausflieſsen einer bestimmten Menge Blutes;— 4) in dem Verschlieſsen der Ader, und— 5) in der zweckmäſsigen Nachbehandlung. Norbereitung Das Thier wird von einem Ge- hülfen au einem hellen Orte in der Stellung gehalten, welche zum sichern Eröffnen der bestimmten Ader er- forderlich ist.(Siebe unten). Dann sucht man diese Ader möglichst deutlich wahrnehmbar zu machen, indem mau zunächst die Haare auf der sie bedeckenden Haut mit einem feuchten Schwamm, gewöhnlicher nur mit feuchten Fingern, glatt streicht, oder man nimmt sie, wenn sie zu laug sind oder zu dicht stehen, stelleu- weis mit der Scheere fort. Hierauf bewirkt man durch das Anlegen der Aderlafsschnur oder auch nur mit den Fingern, einen Druck auf die Ader an demjenigen Ende derselben, welches nach dem Herzen hingekehrt ist, bis sie rundlich über die Haut hervortretend, voll, und ela- stisch gespannt zu sehen und zu fühlen ist. Gewöhn- lich üht man diesen Druck mit den Spitzen des Zeige- und Mittelfingers der linken Hand, zuweilen auch mit dem Daumen aus,— wie dies am bequemsten gesche- hen kann. Erlangt man auf diese Weise nicht eine *) Da diese Infectionen auch durch die mit Blut verunreinigten In- strumente beim Gebrauch an andern Thieren erzeugt werden kön- nen, so muss man immer gleich nach dem Aderlassen das penutzte Instrument gründlich reinigen und abtrocknen; und da auch der siſtige Stoff des Blutes bei Anthrax und bei brandigen Fiebern auf Menschen wirkt, so muss der Thierarzt immer so viel als möglich sich vor Verunreinigung mit solchem Blut in Acht nehmen, aund, wo sie erfolgt ist, die betroffenen Theile sogleich mit verdünn- tem Essig, oder Jeltemaszer, Auflösung von Chlorkalk u. dgl. reinigen. 38 sichere Kenntniſs von der Lage und Beschaffenheit der Ader, so hebt man den Druck auf sie für kurze Mo- mente auf und erneuert ihn gleich darauf wieder, wo- durch sie sich abwechselnd entleert und wieder füllt, und dabei äufserlich an der betreffenden Stelle bald eine wellenförmige Bewegung, bald eine Vertiefung und bald wieder eine strangförmige elastische Erhöhung verur- sacht. Bei dicker Haut und vielem Fett auf den Veuen siud diese Erscheinungen oſt nur sehr undeutlich wahr- nehmbar, und man muſs hier durch gelindes und wie- derholtes Tasten mit den Fingerspitzen die Lage der Ader zu ermitteln suchen. Bei der Eröffuung einer Ader muſs das Iustru- ment immer so angesetzt werden, dals die Wunde in deren Mittellinie und mit der Länge der Vene gleich- laufend entsteht. Dabei soll die Wunde in einem rich- tigen Verhältuifs zur Gröſse der Letzteren sein, d. h. ziemlich so lang, wie die Ader im angefüllten Zustande breit ist,— um die nöthige Menge Blutes in kurzer Zeit eutleeren zu können und doch die Wiedervereini- gung der Wundränder nicht zu sehr zu erschweren. Die Tieſe des Einstichs wird von der Dicke der Haut und des Zellgewebes an der Aderlafsstelle, somit von der oberflächlichen oder von der tieſern Lage der Vene, von dem mehr oder weniger deutlich bemerkbaren Her- vortreten derselben bei dem augebrachten Druck, be- dingt und mufs im Voraus durch genaues Befühlen der Haut und der Vene abgeschätzt werden. Mit Berück- sichtigung dieser Umstände wählt man eine, denselben entsprechend grofse Klinge des Aderlaſs-Instruments, und beim Gebrauch der Lanzette läſst man die Spitze derselben in angemessener Länge über die Fingerspitzen hervorstehen. Das Ausfliefsen des Blutes beginnt augeublick- lich nach gemachter Aderwunde und ist ein Zeichen, daſs und wie die Vene geöffuet ist. Es soll, wenig- stens im Aufange, in einem vollen, dem Durchmesser der Vene entsprechenden starken Strahle, und in einem gleichmafsigen Bogen erfolgen; geschieht dies nicht, so ist irgend ein Fehler vorhanden, wie namentlich: eine zu kleine Oeffnung, Verschiebung der Haut, Hervor- treten von Fett oder Zellgewebe in die Wunde, man- gelnde Compression der Ader, zu starke Blutanhäufung in einem eutfernteren Theile, oder zu dickflüssige, zähe Beschaffenheit des Blutes. Hellrothes Blut, welches in einem weiten Bogen und stoſsweis stärker hervorströmt, deutet auf eine gleichzeitige Verletzung einer Arterie; doch eutscheidet die hellere Farbe allein hierbei nicht, da oft auch das Veuenblut ungewöhnlich hellroth er- scheint.— Das Ausfliefsen des Blutes erfolgt an den aufsteigenden Adern der Füſse und an der Sporader mehrentheils in genügender Stärke von selbst, wogegen es an der Drosselvene durch fortgesetzte Compression derselben und durch kauende Bewegung des Unterkie- fers(welche man dadurch hervorruft, dafs man dem Thiere die Finger oder einen runden Stock auf die Zuuge halt) befördert werden muſs, da hier gewöhnlich mit dem Aufhören des Druckes auch der Blutausfluſs aufhört. Bei brandigen Entzündungen kann zuweilen nur durch Herausstreichen und Dräcken mit der Hand man eine, denselen Aderlaſs-Iustrunens läſst man die du ber die Fingemim eine kleine Menge Blutes aus einer Ader entleert wer- den, und es ist unter solchen Umständen oft nöthig, beide Drosselvenen, und zugleich auch unoch audere Adern zu öffuen, und das Thier tüchtig mit Strohwi- Soll die Blutung aufhören, so hebt man zunächst die Compression der Ader auf, und wenn dies nicht genügt, verschliefst man die Letztere künst- lich.— Die Quantität des abzulassenden Blutes ist bei den einzelnen Thieren nach deren Art, Gröſse, Con- schen zu reiben, stitution und Blutreichthum, so wie nach der Art, dem Grade und Charakter der Krankheit verschieden, und kann deshalb nicht wohl uach bestimmten Maaſsen für alle Fälle passend vorgeschrieben werden*). Der Er- fahrung zufolge ist es bei heftigen Entzündungszufällen nützlich, das Blut, ohne Rücksicht auf die Menge, so lange abflieſsen zu lassen, bis die Arterien voller, grö- ſser, weicher, ihr Puls freier, der Herzschlag deutli- cher fühlbar, das Athmen freier, tiefer, die Haut gleich- mälsig warm und etwas feucht wird, und das Thier den Kopf mehr aufrichtet. Haben sich nach dem ersten Aderlals die Krauk- heitserscheinungen zwar vermindert, treten sie aber nach einiger Zeit wieder ein, so wiederholt man die Blutent- leerung einmal oder selbst noch öfter. Gewöhnlich ist das Quantum des eutleerten Blutes hierbei geringer als bei dem ersten Aderlafs, doch bedingt die Heftigkeit der Zufälle bisweilen auch eine reichlichere Menge als bei diesem.— E Das kunstmäſsige Verschliefsen der Aderlafs- wunde ist in den meisten Fällen nöthig, theils um die gegenwärtige Blutung zu beenden, theils um Nachblu- tungen zu verhüten. Wenn nach aufgehobenem Druck auf die Ader der Blutflaſs aus derselben ganz aufhört (was bei Pferden mehrentheils geschieht, wenn sie mit aufgerichtetem Kopfe ruhig stehen), so bewirkt man eine geuügende Verschliefsung der Wunde dadurch, daſs man während 1— 2 Minuten die Wundränder mit zwei Fingern fest gegen einander und sauft an die Ader drückt. Die Wundränder kleben daun durch das Blat unter sich und mit dem Zellgewebe zusammen und ver- wachsen. Wo aber der Ausfluſs nach aufgehobenem Druck noch fortdauert, schlieſst man die Wunde durch eine umschlungene Nath auf die Art: man ergreift beide Wund- ränder der Haut mit der Spitze des Daumens und Zeige- fingers der linken Hand, drückt sie mälſsig fest an ein- ander, ziehet sie etwa 2 bis 3 Linien breit von der Vene ab nach auſsen, streicht die auf oder in die Wunde gekommenen Haare nach den Seiten, und sticht dann eine Stecknadel queer durch die Hautränder, in gleicher Entfernung von den beiden Wundwinkeln und etwa 1 bis 1 ½ Linien von dem Wundrande eutfernt. Hierauf wird die Schleife von Haaren oder Faden unter die hervorstehenden Enden der Nadel auf die Wundränder gelegt, fest zusammengezogen und mit einem Knoten *) Bei Pferden und Rindern von mittler Grösse und Stärke gelten als ein kleiner Aderlass etwa 4— 5 Pfund, als ein grosser 12 bis 15 Pfund; bei ausgewachsenen Schafen und Schweinen als ein kleiner Aderlass circa Pfund, als grosser 1 ½, bei Schweinen bis 2 Pfund;— bei grossen Hunden als kleiner Aderlass 12 Loth, als grosser 1— 1 ½ Pfund, an sehr kleinen Hunden 2— 6 Loth, bei Hühnern ½— 2 Loth. 39 geschlossen, die übrigen Enden der Haare oder Faden aber, einen halben Zoll von dem letztern entfernt, ab- geschnitten. Wo die Wunde mehr als ¾ Zoll lang und der Blutstrom stark ist, genügt sehr oft das Schliefsen derselben mit einer Nadel nicht, sondern man muſs de- ren zwei, in gleichen Entfernungen von einander und von den Wundwinkeln, durch die Hautränder stechen, und hierauf jede Nadel für sich mit einer Schleife von Haaren u. dgl. umgeben.— Bei diesen Verrichtungen mufs man stets jedes zu starke Abziehen der Haut von der Ader vermeiden, weil sonst Blutergiefsungen in das dazwischen liegende Zellgewebe erfolgen. Nach dem Schliefsen der Hautwunde reiniget man mittelst eines feuchten Schwammes ihre Umgebung von dem etwa an- klebenden Blaut. un T Die Nachbehandlung besteht, wenn bei dem Aderlafs keine besonderen Zufälle eintreten, blofs darin: daſs das Thier im Stalle so gehalten und augebunden wird, dafs es die Aderlafsstelle und die Ader über ihr nicht reiben oder drücken kann, wie auch, dals es in den nächsten Stunden ohne Nahrung bleibt. Nach Verlauf von 24 Stunden zieht man die Nadel aus den Wundräudern, welche zu der Zeit in der Regel schon fest verwach- sen sind. §. 20. Das Aderlassen an Pferden geschieht am ge- wöhnlichsten: Ser tab a) aus der Drosselvene, weil dieselbe den Bedingungen zu einer leicht ausführbaren, sichern und ergiebigen Blatentleerung am meisten entspricht. Man läfst hierzu das Thier mit aufgerichtetem Kopfe von einem Gehülfen mit einer Hand an der Trense oder Half- ter halten, und ihm zugleich mit der andern Hand das Auge derjenigen Seite, an welcher die Operation unter- nommen werden soll, von hinten und unten her so zu- decken, dafs es die Anwendung der Instrum ente nicht sehen kann. Die Wahl der rechten oder linken Dros- selvene ist theils von der Beschaffenheit derselben, na- mentlich von dem vollen, runden Hervortreten der einen, bei mangelhaftem Erscheinen der andern Ader, theils von dem gewählten Instrument und der Geschicklichkeit im Gebrauch beider Hände, abhängig. Man operirt im- mer an der vollsten Ader, und ist man nur mit der rechten Hand geübt, so ist bei dem Aderlassen mit der Lanzette die rechte, dagegen beim Gebrauch der Fliete die linke Ader am bequemsten; für den Schnäpper sind beide ziemlich gleich geeignet.— Die beste Stelle zur Operation ist an beiden Adern um die und kurz über der Mitte des Halses, weil hier die unter ihnen liegende Carotis gewöhnlich am tiefsten liegt. Nachdem die gewählte Seite gegen das Licht ge- wendet ist, streicht man an der obern Hälfte der Hals- rinne die Haare glatt, drüäckt an der Mitte des Halses mit den Fingerspitzen oder mit dem Daumen der linken Hand gegen die Ader, und beobachtet und befühlt die hiernach erfolgende Anschwellung.— Bei dem Ader- lassen mit der Lanzette stellt man sich neben das rechte Schultergelenk, faſst die Lanzettenklinge zwi- schen dem Daumen und dem Zeigefinger der rechten 10* — Hand in der Art, daſs die Spitze des lustruments in angemessener Länge(§. 18. 19.) über die Finger hervorsteht, setzt sie in der Längenachse der Ader ge- gen die Haut auf dieselbe, etwa 1 Zoll über den com- 40 primirenden Fingern der linken Hand, und stützt zugleich auf diese die letzten Finger der rechten Hand(um einen Stützpunkt für dieselbe zu haben), und sticht dann mit möglichster Schnelligkeit das Instrument durch die Haut in die Ader. etwas schräger Richtung von unten nach dem Kopfe zu Das Ansetzen und Einstechen muſs in und gleichsam vorwärtsschiebend, erfolgen; auch er- scheint es, um Verletzungen der Carotis möglichst zu vermeiden, zweckmäſsig: die Lanzette nicht gerade auf die Mittellinie der Vene, sondern ein wenig vor dersel- ben, nach dem vorderen Rande des Halses zu, anzu- setzen und sie bei dem Einstechen etwas schräg nach oben(nach dem Kamme) zu dirigiren. Diese Richtung darf jedoch nicht zu schräg sein, weil soust die Spitze auf der runden glatten Vene abgleiten und die letztere nicht öffnuen würde.— Das Vorwärtsschieben der Lan- zette bei dem Einstechen muſs mit Rücksicht auf die Breite der Lanzette geschehen, Gröfse der Aderlaſswunde entsteht; ist diese bewirkt, Das Abflieſsen des Blutes, das Verschliefsen der Ader u. s. w. ge- so zieht man das Instrument zurück. schieht dann nach den im Allgemeinen angegebenen Re- geln.— Wenn der Aderlaſs mit der Lanzette an der linken Halsvene gemacht werden soll, stellt man sich entweder neben den linken Bug, das Gesicht gegen den Hals gewendet, comprimirt mit den Fingern der rechten Hand die Vene und führt mit der linken Hand so daſs die gehörige das Instrument in dieselbe, ganz so wie an der rechten Drosselader mit der rechten Hand; oder, wer in der linken Hand nicht die gehörige Sicherheit hierzu hat, der stelle sich vor die Brust des Pferdes, das Gesicht nach der linken Seite des Halses gewendet, bewirke mit dem Daumen oder mit den Spitzen der Hand das Ader, und mache mit der in der rechten Hand gehal- übrigen Finger der linken Zusammendrücken tenen Lanzette den Einstich. Man hat hierbei aber dar- auf zu achten: daſs man sich nicht zu weit gegen die Seite des Halses vorneige, weil man sonst von dem ausströmenden Blut getroffen werden würde. Mittelst der Fliete macht man den Aderlaſs an Das Pferd wird mit aufgerichtetem Kopfe von einem Gehülfen mit der rechten Drosselvene in folgender Art: der rechten Hand gehalten und ihm von der linken Hand Nachdem die Haare an der rechten Halsriune befeuchtet und glatt ge- des letztern das rechte Auge bedeckt. strichen sind, stellt der Thierarzt sich mit seiner linken Seite neben den rechten Bug, das Gesicht gegen den Hals des Pferdes gewendet. Er nimmt in die rechte Hand zwischen die Spitze des Zeigefingers und Dau- meus das hintere Ende der Fliete(von Sticker oder nach der alten Form) so, daſs der Stiel fast senkrecht in die Höhe steht und die Spitze der Klinge nach vorn gerichtet ist; die letzten drei Finger derselben Hand streckt er vorwärts und setzt sie fest gegen die Vene, unter der gewählten Aderlaſsstelle, um hierdurch die Ader zusammen zu drücken. Wenn hiernach die Ader der — augeschwollen ist, richtet man die Flietenklinge gerade gegen die Mitte derselben, bleibt aber mit der Spitze † bis 1 Linie von der Haut ab, weil dann das Instru- ment besser eindringt, als wenn es unmittelbar an die Haut gesetzt ist. Nachdem man sich uun noch mit den Fingerspitzen der linken Hand von der guten, vollen Beschaffenheit der Ader überzeugt hat, führt man mit dieser Hand unmittelbar oder mit einem in ihr gehalte- nen Schlägel einen kurzen aber kraäfligen Schlag auf den Rücken der Fliete und treibt damit die Klinge bis an den Stiel in die Haut und in die Ader. Damit die Kraft des Schlages nicht zu früh gebrochen werde, darf man die Fliete stets nur locker zwischen den Fin- gerspitzen halten. Wo der Elieteustiel durch ein Nieth charuierartig mit einer Kapsel verbunden ist, öffuet man das Iustru- ment vor der Anwendung vollständig, so dafs seine beide Theile fast eine gerade Linie bilden; man hält es dann mit den genannten Fingern neben dem Charnier au beiden Seiten der Schale, so daſs die Letztere in der hohlen Hand frei liegt und die Fliete beweglich über die Finger hervorragt. Das Comprimiren der Ader durch die gegen sie gedrückten Fingerspitzen, und eben so das Ansetzen der Fliete und das Schlagen auf sie geschehen, so wie es vorhin angegeben. Augenblicklich nach dem Eindringen der Klinge in die Ader spritzt das Blut hervor, und man zieht dann sogleich das Instrument zurück; gewohulich wird das- selbe aber schon dadurch von der Wunde euntferut, dafs das Thier in Folge des Schlages und des Schmerzes etwas nach der entgegengesetzten Seite ausweicht. Zum Aderlassen mit der Fliete an der linken Dros- selader mufs dem Pferde das linke Auge bedeckt wer- den; dann stellt man sich, das Gesicht nach dieser Ader gewendet, mit der rechten Seite neben den linken Bug, nimmt die Fliete am hintern Ende oder am Charuier zwischen die Spitze des Daumens und Zeigefingers der linken Hand, drückt mit den ausgestreckten drei übri- gen Fingern derselben Hand die Vene unter der Ope- chem das Blut aufgefangen wird, rationsstelle zusammen, setzt die Flieteuklinge in der Längenachse gegen die angefüllte Ader, und treibt sie durch einen Schlag mit der rechten Hand in dieselbe hinein. 4823 1 Nachdem ein Aderlafs mit der Fliete gemacht ist, unterhält man den Druck gegen die Ader entweder mit den Fingern oder mit dem Rande des Gefäſses, in wel- bis die hinreichende Menge des Letztern abgeflossen ist.— Das Schlieſsen der Wunde geschieht, wie oben gelehrt worden ist. Der Schnäpper wird bei diesem Aderlassen auf folgende Weise angewendet: Ein Gehülfe hält das Pferd wie beim Gebrauch der Lanzette und der Fliete.— Die Haare an der Halsrinne werden befeuchtet und glatt an die Haut gestrichen.— Bei Eröffnung der rechten Drosselvene stellt der Operateur sich neben den rech- ten Bug, das Gesicht vorwärts und gegen den Hals ge- wendet; in seiner rechten Hand hält er den, vorher auf- gezogenen( gewöhulichen Kasten--) Schnäpper mit zu- rück an die angespannte Feder gelegter Klinge so, dafs der Daumen an der glatten Seite des Kastens, die Spitze ſngerspitzen, und eben das Schlagen auf sis gegeben. 71 ℳ udringen der Kliuge in „und man zieht damn gewöbulich wird ds- —r Wuude eutferut, dabs ss und des Schmerls Seite ausweicht. ee an der linken Dros- ke Auge bedeckt wer. esieht nach dieser Acer neben den liuken ba3 de oder am Charuie and Zeigefugets der Vene unter der pe- Tleceubluge ii ie Spitze des Zeigefingers ihm gegenüber neben dem Dräk- ker ruhen. Er bewirkt nun die Compression der Ader entweder mit den Fingern der linken Hand, oder auch mit der vordern obern Kante des Schnäppers, indem er dièeselbe unmittelbar unter der Operationsstelle stark gegen die Ader drückt, bis die Letztere hinreichend an- geschwollen ist. Wenn dies geschehen, richtet er das Instrumeut mit der Klinge auf die Längenachse der Vene, hält sie aber, je nachdem die Klinge lang und die Haut mehr oder weniger dick ist, 1 bis 3 Linien von der Letztern entfernt, bewirkt nun durch einen Druck mit der Spitze des Mittelfingers*) auf den hebelartigen Drücker des Schnäppers die Entspannung der Schlagfe- der, treibt hierdurch die Klinge in die Ader, und zieht daun das Instrument augenblicklich von derselben zu- rück, um weitere Verletzungen zu vermeiden. Zweéeckmäſsig ist es auch hier, wie bei dem Ader- lassen mit der Lanzette, die Klinge nicht in gerader Richtung von auſsen nach innen auf die Mitte der Ader, sondern sie ein wenig unter der Mittellinie und in etwas schräger Richtung von unten und aufsen nach oben und lunens danusataene um ermandobegn der Garona zu vermeiden. 4810, A moh 134 u doist. Bei deau Abheſsen 2 Blutes und dem Sehlietsen der Ader verlaäͤhrt man nach obigen Regeln. Das Aderlassen mit dem Schnäpper an der linken Drosselvene kann ganz auf die angegebene Art mit der linken Hand ausgeführt werden, während die rechte Hand zum Comprimiren der Ader dient. Wem aber in der linken Hand die nöthige Uebung und Festigkeit mangelt, kann auch mit der rechten auf folgende Weise die Ope- Man läfst den Kopf des Pfer- des recht hoch aufrichten, so dafs der Hals der senk- Der Thierarzt stellt sich neben den linken Bug, unterdrückt mit den Fingero der linken Hand die Ader, häalt in der rechten ration leicht verrichten: rechten Stellung nahe gebracht wird. Hand den aufgezogenen Schnäpper ganz so wie oben vor- geschrieben, setzt aber denselben verkehrt, d. h. das obere Ende nach unten gerichtet, gegen die Ader auf die Haut und dräckt in dieser Stellung die Schlagfeder ab.— Man erhält hierbei noch den Vortheil, daſs das Blut we- niger in den Kasten des Instruments dringt, als wenn Letzteres mit seinem oberen(offenen) Ende aufwärts gerichtet angewendet wird. .§ 24. 2147 Aderlassen an der ufseru Brustvene, oder der Sporader. Diese Ader ist unter dem oberflächlichen Vanen eine der—, und wird in den Fällen, wo die Drossel- venen nicht genug Blut liefern, wie namentlich bei ho- hen Graden von sehr acuten Entzündungen und bei so- genannten Prandigen Entzündungsfiebern, oft zum Ader- lassen gewählt.— Die Operation wird am besten mit der Lanzette gemacht, kann aber auch mit der Fliete oder dem Schnäpper ausgeführt werden.— Das Pferd wird hierzu mit hoch aufgerichtetem Kopfe von einem 83) Bei Schnäppern von anderer Construktion wirkt man wohl auch mit dem Daumen auf den Drücker. Bei denen, die mit einer Stellgabel versehen sind, stellt man dieselbe vor dem Gebrauch nach der Dicke der Haut u. s. w. 41 Gehülfen an der Trense festgehalten, und ihm von einem zweiten Gehülfen derjenige Vorderfuls aufgenommen, welcher an der zur Operation nicht bestimmten Seite sich befiudet. Ist das Thier sehr empfindlich, so muſs ihm vorher auch eine Bremse aufgelegt worden sein. Der Operateur streicht dann an dem untern Drit- theil der betreſfenden Rippenseite die vorher etwas be- feuchteten Haare glatt an, und bewirkt daselbst gleich hinter dem Ellbogen einen Druck mit den Fingern der linken Hand, worauf die Sporader auschwillt und sicht- bar hervortritt. Sollte Letzteres aber nicht geschehen, so sucht man durch vorsichtiges Fühlen die Rinne zu erforschen, welche an ihrem Verlauf wenigstens stellen- weis in den Muskeln unter der Haut ausgeprägt ist, scheert dann die etwa vorhandenen langen Haare ab, und macht dann wieder in der entsprechenden Richtung hinter dem Ellbogen mit der linken Hand einen Druck gegen die Rippen.— Mit der rechten Hand führt man die, wie zum Aderlassen an der Drosselvene, gehaltene Lanzette so gegen die Mittelachse der Ader, daſs die Spitze etwas nach hinten, eine Fläche nach oben, die andere nach unten gekehrt ist, und sticht sie mit einem kurzen, Kräftigen Druck durch die Haut i in die Ader ein. Oeffuet man die Sporader mittelst der Fliete oder den Sehuäppers, so ist die Vorbereitung wie für die Lanzette, das technische Verfahren aber ist mit Rück- sicht auf den Lauf der Vene übereinstimmend mit dem Aderlassen darch diese Instrumente an der Drosselader. — Es mässen aber für die de adhs kürzeres Tlleten Seuahie werden. 0„ sid zmdn« Iold and. Die Blutung dauart aus Hieaen Alers auch ohne an- gemendeten Druck einige Zeit Hoct ist aber bei Anwen- dung des Letztern reichlicher.— Das Verschliefsen der Munde geschieht auf dieselbe Weise wie an der Dros- selvene. In den meisten Fällen entsteht nach dem Ver- scblieſsen der Wande ein Extravasat, welches sich in kurzer Zeit an die niedrigste Stelle unter den Leib senkt und— HHil Ihd. b 5. 22. 4 5 ⸗ 83 4 2). Das. Aderlassen. an. der grofsen. Sehienbein, vene oder innern Hautvene des NVorarms. Die Eröffnung dieser Ader erschsinte bei leſtige Lutauudungen, der Föfse, wo man die Blutentleerung nahe den leidenden Theilen bewirken will, angezeigt. Sie verdient vor der, der allerdings noch näher liegen- den Fesselvenen den Votiug;, weil letztere oft schwe- rer zu finden sind und auch weniger Blut geben als jene. Die innere Hautvene ist zwar in der ganzen Länge des Vorarms sichtbar, die geeignetste Stelle zur Operation findet sich aber etwa 3— 5 Zoll Norh uben. der Muſsr wutael(Vorderknie). us sib naal. uslt Vor der Operation läſst man das Pferd bremsen und am„ Kopfe festhalten; unruhigen Thieren kann man auch den gegenüberstehenden Vorderfuſs aufheben lassen, bei schmerzhaften Fuſsentzündungen ist dies aber weder leicht ausführbar noch nöthig, weil die Tliere hierbei auf einem Fuſs nicht gut stehen und somit auch nicht schnell genug einen Fuſs zum Hauen in Bewegung setzen können. nn snue usuneeul ead molt 11 AMan streicht an dem untern Drittheil des Vorarms die vorher etwas befeuchteten Haare glatt an die Haut, stellt sich der au eröffnenden Vene gegenüber an die aäufsere Seite des Vorderbeins, an welchem der Ader- laſs nicht gemacht wird,— beugt sich so weit mit dem Oberkörper herunter, daſs man mit dem Daumen oder mit den Spitzen der übrigen Finger der linken Hand die Hautvene in der Gegend der Hornwarze(Kastanie) eomprimiren kann, und, wenn dies geschehen, sticht man sie unter der zusammengedräckten Stelle mit einer Lanzette an, deren Spitze gegen ¼ bis ¾ Zoll über die Finger hervorsteht.— Statt der Lanzette kann man hierzu auch sehr zweckmälſsig ein gerades Bistouri mit feiner Spitze benutzen*). Man nimmt die Klinge des- selben zwischen den Daumen und Zeigeſinger der rech- ten Hand so, dafs die Spitze in der angegebenen Länge über sie hervorsteht und der Rücken nach vorwärts, die Schneide nach rückwärts, d. h. gegen die Hand ge- kehrt ist. Nachdem die Ader durch Druck zum starken Anschwellen gebracht ist, setzt man den Rücken der Messerspitze fast parallel mit der innern Fläche des Vorarms, die Spitze nach oben gerichtet, an die Ope- rationsstelle, drückt das Instrument allmählig mehr fest an die Haut, so daſs die Ader über der Messerspitze hervortritt, erhebt nun das hintere Ende des Messers so weit, daſs dasselbe fast im rechten Winkel gegen den Schenkel steht, und sticht dann schnell in die Ader ein.— Wenn beide Vorderfüfse an Entzündung leiden, macht man den Aderlaſs am andern Fuſse eben so. 4² Das Blut strömt hier gewöhnlich im starken Bogen aus der Wunde und kann in Geſäſsen aufgefangen wer- den; da dies aber oft mit mehr Mühe als an der Dros- sel- und Sporader verbunden ist, so lassen manche Thierärzte es frei auf den Boden flieſsen. Der Blat- strom wird gewöhnlich nach einigen Minuten schwächer und hört nach etwa 6— 8 Minuten ganz auf, indem ein Blutpfropf in der Wunde entsteht. Ist dies der Fall, so hat man nicht nöthig, die Ader künstlich zu schlieſsen; dauert aber die Blutung über das erforderliche Maaſs fort, so geschieht die Schlieſsung mittelst Nadel und Pferdehaaren nach allgemeiner Regel.— Oft entstehen auch hier nach dem Verschlieſsen der Wunde Blutergie- ſsungen unter der Haut, die jedoch ohne üble Folgen Sind und eiehn Linu. amengen Mauehn Müeer veplieren. . waag 1Sege 227 Da⸗ AHderlassen an den Vesselvenen 8 .(Seitenvenen, der Zehe).. Die hegowdere Indikation für die Wrofhung dieser Paenn ist die den leidenden Theilen möglichst nahe Blutentleerung bei Entzündungen der Gebilde im Huſfe. Man kann die äufsere oder die innere Fesselvene allein oder beide an einem Fufse zugleich öffuen, gewähnlich wählt man aber nur die äuſsere. Das Pferd wird hierzu an einen helhen dOrt t 4eatenle,— undas ihm beim Sezaber. gat Pjereu ein Weines Niesserehen Heygeln. dessen Klinge 6 Linien lang und Linien breit, der Rücken gegen die Ditspitze conver, die letztere sehr fein, der kurze Handgriff rauh und auu mit. einer Feder versehen ist. Letatere giebt ihm eine feste Lage in einem kleinen Behältniss an der Capsel der Stickerschen Fliete. Das Instrument entspricht dem Zwecke sehr gut. “—“ — Aderlassen an einem Vorderfuſse der andere Vorder- fuſs,— beim Aderlassen an einem Hinterfuſse aber der Vorderfufs derselben Seite, von einem Gehöülfen auf- gehoben und während der Operation festgehalten; auſser- dem läfst man nach allgemeiner Regel ihm den Kopf nie- derhalten, wenn an den Vorderfüſsen, dagegen recht hoch aufrichten, wenn an den Hinterfüſsen operirt wird. Das geeignetste Instrument zu diesem Aderlafs ist die Lanzette. Bei Pferden mit dünnem Haar und mit feiner Haut sieht man die Fesselvenen oft gauz deutlich liegen, be- sonders nachdem an der gewählten(äufsern oder in- nern) Seite des Fessels die Haare befeuchtet und glatt gestrichen sind; man comprimirt sie dann über der Mitte des Fessels durch blofses Andrücken der Finger- spitzen oder des Daumens, bis sie hinreichend ange- schwollen erscheinen. Wo aber der Fessel mit langen groben Haaren und mit dicker Haut bekleidet ist, oft die Vene durch den Fingerdruck allein nicht sicht- wird bar, sondern man mufs für diesen Zweck über dem Rande des Hufknorpels im Verlaufe der Ader, etwa 1 Zoll lang und eben so breit, die Haare abschee- ren und gleich unter dem Köthengelenk ein Band mit aufziehbarer Schleife fest um den Fessl legen und hier- durch eine stärkere Compression bewirken. Sollte den- noch die Vene hiernach nicht deutlich hervortreten, so mufs man sie nach ihrer anatomischen Lage aufsuchen, indem man durch aufmerksames Fühlen vor dem Rande der Beugesehnen die schwach pulsirende Arterie, und etwa 2 bis 4 Linien vor dieser die Vene findet. Letz- tere fühlt sich mehr elastisch weich an, als die umge- benden Gebilde. Zur Ausführung der Operadon nimmt man den Standpunkt gerade neben dem betreffenden Fufse des Thieres, etwa 1 von demselben entfernt, und knieet dazu auf das gebogene rechte Knie, das Gesicht gegen die Operationsstelle gerichtet. Die linke Hand legt man sauft um das Fesselgelenk, zu verhüten, und nachdem man sich nochmals durch Fühlen mit der Spitze des Mittelfingers der rechten Hand von der Lage und Beschaffenheit der Ader unterrichtet hat, sticht man an der am deutlichsten hervortretenden um plötzliche Bewegungen — Stelle die, zwischen dem Zeigefinger und Daumen ge- haltene Lanzette gegen 3 bis 4 Linien tief in der Län- genrichtung der Ader ein. Das ausfliefsende Blut ist hier oft hellroth, dem Arterienblut ähnlich*), und es könnte durch diese Farbe der Verdacht entstehen, als sei die Fesselarterie ver- letzt; das Aufhören des Blutflusses bei einem unterhalb der Wunde gemachten Druck wird jedoch qhesen Ver- dacht sogleich beseitigen. Wenn die erforderliche Menge Bluts eutleort ist, wird das Band abgenommen, auf die Wunde eine, aus vier- bis sechsfach zusammengelegter Leinwand beste- hende Compresse oder ein kleiner Wergballen, und 2 übet eine Binde am älſt ſest um den He essel Los 4) Wahrscheinlich wegen des zum Pheil unmittelbaren Ueberganges aus den Hufarterien in die Venen, wie man dies aus dem Ueber- gange der Injektionsmasse bei anatomischen Einspritzungen der Arterien vermuthen darf. r Fessel mit mugn bekleidet st, wird k allein nicht sieht. Zweck über den ſe der Aler, eim die Haare absches. gelenk ein Band mi essl legen und lier- lich bervottreten, 8o hen Lage aufsuchen hlen vor dem Nande zirende Arterie, uni Veue findet. Letr- an, als die umge- on nimmt mau den treffenden Fuſse des entfernt, und kaieet das Gesiecht gegel linke Hand legt man ite ans lese Pade den meisten Fällen benutzt man aper statt dieses Ver- bandes ein mit einem Kuoten- versehenes Strohband, in- dem man den Kuoten desselben dicht unter die Wunde legt, die Enden zweimal um den Fessel windet und sie dann gegenseitig zusammendrehet. Der Verband kann immer nach etwa 12— entfernt werden*). §. 24. Das Aderlassen Pei Riudvieh wird, a) an der Drosselvene am gewöhnlichsten unter- nommen, weil dieselbe auch bei diesen Thieren am be- sten hierzu geeignet ist.— Die Operation kann im We- sentlichen ganz so wie bei Pferden, mit der Lanzette, oder der Fliete, oder mit dem Schnäpper ausgeführt werden; der dicken Haut wegen ist jedoch die Fliete den beiden andern Instrumenten vorzuziehen.— Ein Gehülfe hält das Thier an den Hörnern, oder, wo diese fehlen, an einer Halfter, richtet ihm den Kopf möglichst in die Höhe, und bedeckt ihm zugleich das Auge der- jenigen Seite, wo der Aderlaſs unternommen wird. Der Operateur steht gewöhnlich an derselben Seite neben dem Buge, streicht die Haare in der Halsrinne glatt an die Haut, hält die Fliete zwischen dem Dauinen und Zeigeſinger der eutsprecheuden Hand(am der rechten Halsseite i in der rechten, an der linken Seite in der lin- ken Hand), bewirkt durch Drücken mit den drei letz- ten Fingern dieser Hand oder besser durch das Umle- gen der Schnur ein recht starkes Sichtbarwerden der Ader, setzt die Flietenklinge auf die Mitte derselben in der Längenachse und treibt sie mit einem kräftigen, kurz geführten Seblage durch die Haut in die Ader Hat das Thier, wie es bei dem Rindrieh oft der Fall ist, eine nur geringe Höhe, so ist bei der niedri- gen„ und fast wagerechten Haltung des Halses die eben beschriebeue Weise des Aderlassens mühsam auszufüh- ren. Unter diesen Umständen geht man sehr 2weck- mälsig so zu Werke: Nachdem durch Umlegeu der Schnur um den Hals und Glattstreichen der Haare die Operation vorbereitet ist, stellt man sich neben diejenige Seite des Halses, wo die Ader nicht geöffnet werden soll, beugt sich über den Kamm zu der Operationsseite, setzt die in der linken Hand auf gewöhnliche Weise gehaltene Fliete auf die Ader in deren Längenachse, und schlägt sie mit der rechten Hand in dieselbe. Es ist dabei gan⸗ gleichgultig, ob jene Hand mit der Pliete nach dem Kopfe oder nach der Brust zu Sekehrt ist. Nach dem genngenden Ausſliefsen Jes Blutes Nndag man die Schnur ab und verschlieſst die Wunde wie bei Pferden; doch ist dies hier in denjenigen Fällen, wo nach aufgehobener Compression der Ader der Blutflufs ganz aufhört, seltener nöthig als bei Pferden, sondern es genügt oft das bloſse Zusammendrücken der Wund- ränder, Man muls jedoch darauf achten, dafs die Rin- *) Die spezielle Beschreibung des Aderlassens an der Gesichtsvene, an der fortlaufenden innern Hautvene des Vorarms am Buge, der Hinterschenkel-Hautvene(Schrankader), den Schienbeinsvenen, und der mittlern Schweifvene übergehen wir, tlieils deshalb, weil das Technische hierbei sehr ähnlich ist demjenigen an den be- „schriebenen Aderlassstellen, theils auch, weil jane Venaesektionen überflüssig erscheinen. 13 der nach dem Aderlassen nicht mittelst eines um den Hals gelegten Strickes angebunden werden. 5) Die hintere Bauchdeckenvene, welche bei dem Rindvieh bedeutend stärker als bei Pferden entwik- kelt ist und gewöhnlich„Milchader“ genannt wird, kann sehr gut zum Aderlassen benutzt werden, nament- lich bei Entzündung des Euters, des Bauchfells, der Baucheingeweide, wie auch, wenn andere Venen nicht zugänglich sind oder nicht Blut genug geben. Bei den meisten Kühen sind diese Adern schon von selbst an den Seiten des Leibes, etwas nach unten, deutlich sichtbar, doch kann man ihr Hervortreten über die Oberfläche noch verstärken, indem man einen Druck auf sie unmittelbar hinter der Oeffnung anbringt, welche in der Bauchwand unter der Haut zu fühlen ist und an welcher die Ader nach vorn zu verschwindet. Zur Ausführung der Operation eignet sich die Lan- zette am besten; doch ist sie auch mit dem Schnäpper und der Fliete nicht schwierig. Man läſst dem Thiere den Kopf hoch halten und den Vorderfufs derselben Seite, an welcher man eben operiren will, aufheben. Kann Letzteres nicht mit der nöthigen Ruhe geschehen, so gebietet es stets die Vorsicht, dem Thiere eine Bremse an ein Ohr zu legen;, damit es das Einstechen des In- struments weniger fühle und somit auch weniger dage- gen reagire; denn meistens schlägt das Rindvieh bei Schmerz am Leibe sehr heftig mit dem Hinterfuls der betreffenden Seite nach der leidenden Stelle, in der Richtung nach vorn und auſsen. Deshalb mufs auch der Operateur bei diesem Aderlassen sich weit nach vorn, neben den Ellbogen, stellen und nach gemachtem Ein- stich sogleich seine Hände von dem Operationsorte ent- fernen.— Nachdem die Haare an der Ader glatt ge- strichen worden und letztere gut augeschwollen ist, setzt man die Klinge der Lanzette so auf sie in der Längenrichtung an, daſs eine Fläche nach unten, die andere nach oben gekehrt ist, und sticht dann rasch und kräftig ein.— Die Fliete und der Schnäpper wer- den eben so angesetzt und in bekannter Art gehand- habt.— Das Verschlieſsen der Wunde kann mit Nadel und Pferdehaar oder Zwirn(wie an der Drosselvene, oder auch durch eine aufgelegte Compresse und darüber gelegten Leibgurt bewirkt werden. Beides ist nach 24 Stunden zu entfernen)). 5. Ae „Das Adorlasgem⸗ bei Sehaafom a49 Hare gen kann an den Halsvenen, an der vorderen Gesichtsrloder 1 1 89 11 Kinnbackenvene und an der Hautvene des Vorarms und des Hinterschenkels unternommen werden. Aa) Die Halsvene ist wieder allen andern vorzuzie- hen. Das Thier wird hierzu, je nachdem seine Krank- Heit es gestattet, entweder mit der Brust, den Kopf nach vorn gerichtet, zwischen den Beinen eines Gehül- fen oder des Operateurs festgehalten, oder man läſst es auf einem Tische stehend oder auf der Seite liegend *) Ausser den oben genannten beiden Venen können beim Rindvieh auch noch die vordere und hintere Ohryene, so wie die innere Hautvene der Extremitäten zum Aderlassen benutzt werden;— es fehlen jedoch dazu fast immer die besondern Indicationen. 11* — ͤͤͤſͤſſſͤͤͤͤͤſſͤſͤſ“ 4— — õöõöõöäöäõä⅓—— 111111.““ von Gehülfen halten. Wenn der Operateur selbst das Thier zwischen den Beinen festhält, ist doch fast immer noch ein Gehälfe erforderlich, res aufzurichten, den Hals desselben auszustrecken und die oft sehr schlaffe Haut etwas anzuspannen,— was auch in allen andern Fällen geschehen mufſs. Man scheert dann an der Stelle der Halsrinne, wo man die Ader öffnen will, auf einer Fläche von circa 2 Zoll Länge und 1 Zoll Breite dicht an der Haut die Wolle ab, oder man reiſst dieselbe in mehrere kleine Flocken aus, legt eine Schnur auf bekannte Weise um das untere Ende des Halses oder dräckt die Ader daselbst mit den Fingern der linken Hand, bis sie gehörig angeschwol- len ist, und sticht hierauf die in der rechten Hand ge- haltene Lanzette 4 bis 6 Linien lang und nach den frü- her bereits angegebenen Regeln in die Haut und in die Ader ein.— Auch mit einer kleinen Fliete oder mit einem Schuäpper ist die Operation auszuführen. Das künstliche Verschliefsen der Wunde kann wie bei Pferden geschehen, ist aber nicht immer nöthig. 5) Der Aderlafs an den Zweigen der Gesichts- oder äufsern Kinnbackenvene war früher fast al- lein bei den Schaafen gebräuchlich, und die meisten Schäfer wählen sie auch jetzt noch, weil sie sich fürch- ten, die Drosselvene zu öffuen.— Daubenton empfahl besonders das Aderlassen an der sogenannten Eck- re. oder Augenwinkelader(Vena angularis)*). Nach seiner Vorschrift wird es am untern Theile der Wange oder Backe verrichtet, und zwar da, wo die Wurzel des vierten Backenzahns, des stärksten unter allen Zäh- Der Ort, ist an der Aufsenseite des Oberkiefers mit einer kleinen Erhöhung bezeichnet, welche man daurch die Haut deut- nen, liegt. den die Ader daselbst einnimmt, lich fühlen kann. Diese Erhöhung ist ein sicherer Füh⸗- rer zum Auffinden der Ader, geht und im angeschwollenen Zustande auch zu fühlen die gerade daruuter hin- ist. Sollte die Stelle mit Wolle bedeckt sein, so muſs diese vor dem Aderlassen durch Abscheeren oder Aus- reiſsen entfernt werden.— Zur Ausführung der Opera- tion hält der Thierarzt zwischen seinen Beinen das Schaaf stehend und mit dem Kopfe nach voru gerichtet, führt die linke Hand unter dem letztern nach der rech- ten Backe zu herum, drückt seine Finger gegen die äufsere Seite des rechten Unterkiefers, nahe dem hintern Ende und dem untern Rande desselben, um den Stamm der vordern Gesichtsvene zu comprimiren, bis dieselbe gut angeschwollen und mit den Fingerspitzen deutlich gefühlt worden ist, worauf man in sie an der oben be- zeichneten Stelle(fast in der Mitte zwischen dem Maul- winkel und. dem Auge) die Lanzette gegen 3 Liuien tief einsticht, und zwar so, das eine Fläche der Klinge gegen die Nase des Thieres, die andere aber nach dem Genick gekehrt ist. den Druck auf die Ader fortsetzen, so lange die Blu- tung dauern soll; dieselbe hört nach aufgehobenem Druck von solbst auf, daher ein künstliches Verschlieſsen der Nach gemachtem Eiustich muſs man Wunde nicht erforderlich ist. ) Instrucfion pour les Bergers, 4m6 édit. Paris 1810, p. 191, mit Abbild. pl. 21.— Deutsch: Daubenton's Katechismus d. Schaaf- zucht, übers. v. Wiehmann. Leipz. 1784. S. 471, Kupfertafel 21. um den Kopf des Thie- Daubenton zog dieses Aderlassen dem an andern Venen vor, weil es von einer Person allein und ohne In Betreff des letztern Punktes kann ich ihm jedoch nicht beistimmen, Verletzung von Arterien ausführbar ist. da an der bezeichneten Stelle, und zwar nur wenig un- ter der Mitte zwischen Maul und Auge, neben dem Stensonschen Speichelgange die queerlaufende Ge- sichtsarterie(bei Schaafen und Ziegen eine starke Ar- terie) verläuft, die somit leicht getroffen werden kann. Ueber dieser Linie, näher der Nase, ist die Vene klein und liefert wenig Blut. Es erscheint daher rathsam, den Aderlafs— weun er eiumal an der Gesichtsvene unternommen werden soll,— an dem Stamme derselben, und zwar am vordern Rande des äufsern Kaumuskels und etwa 1 Zoll über dem untern Rande des Unterkie- fers, zu machen; denn hier ist die Ader stärker und (bei den in Rede stehenden Thieren) ganz ohne Be- gleitung einer Arterie*). 2u, K. 26. Bei Schweinen ist das Aderlassen an allen ober- flächlichen Venen viel schwerer als bei andern Thieren zu bewirken, weil die dicke Haut nebst der darunter liegenden dicken Fettschicht das Auffinden der Adern sehr erschwert, und selbst gröſsteutbeils uumöglich macht. Gohier hat dies, gegen die Angabe Char berts, auch an der Halsvene s0 gefunden, selbst wenn er dieselbe durch eine um den Hals gelegte Schnur zu comprimiren und durch Anfüllung mehr sichtbar zu ma- chen versucht hatte**). Dieser Schwierigkeiten wegen pflegt man bei den Schweinen gewöhnlich eine Blutentlee- rung vermittelst Einschneidens oder Abschneidens der Oh- ren oder des Schwanzes zu erzeugen †); indefs geben, abgesehen von der entstehenden Verstümmelung, die hier bei betroffenen kleinen Gefãſse nicht immer eine solche Menge Bluts, wie die höchst akuten Wutzündungen und der lebhafte Reproduktionsprozels dieser Thierart es erfor- dern, und es bleibt daher fast immer wäuschenswerth, grölsere Venen zu öffuen. Hierzu können dienen: a) der Stamm der vordern Gesichits- oder ä u- fsern Kinnbackenvene. Man ſindet sie genau an dem vordern Rande des äͤuſsern Kaumuskels, wo sie nach einem daselbst gegen den Unterkiefer angebr achten Druck unter der Haut an ihrer olastisch- weichen Be- schaſfenheit wahrzunehmen ist.— Um sie zu öffuen, legt man das Thier auf eine Seite nieder und läſst es von Gebülfen halten; man comprimirt die Ader am Rande 88 des *) Die Eröffnung der Schenkelhautvenen kann nach eMzeüſeidensRe⸗ geln geschehen, ist aber entbehrlich. 8 **) Gohier, Mémoires et Observations sur la chirurgie et la mé- decine vétérinaire. T. 2. p. 29. Lyon, 1816. M †) An den Ohren wählt man am besten den untern(hintern) Rand nahe am Kopfe. Bei Schweinen, welche dünnhäutig und feinhaa- rig sind, sieht man daselbst an der äussern Fläche die Vena au- ricularis posterior durch die Haut schimmern, bei andern muss man erst mit einem scharfen Messer die Borsten und die Oberhaut an dieser Stelle abschaben. 4. 2 e40 Das Einschneiden in die Haut gesoliehu 25 3 Linier tief und verletzt gewöhnlich die Vene und zugleich die hintere Ohrarterie. Die Blutung ist nur mässig und stillt sich bald von selbst. Es ist zweckmässig, sogleich an beiden Ohren die Einschnitte zu machen, um mehr Blut zu entleeren und die Thiere nicht zu miederholten Malen zu beunruhigen. lueerlaufeude Ge. 2n eine starke Ar. Ral Werden kann, ist die Vene klein ut daber n der Gesichtsend Stamme derselden, ulsern Kaumuskehs uude des Unterkie- Ader stärker und 2) ganz ohne Be. assen an allen ober. dei andern Tlieren nebst der darunter ufünden der Aden teutbeils uanügich die Augabe Cha. funden, selbst Wenn gelegte Schaur a¹ ehr sichtbar zu m- wierigkeiten wegel lich eine Blutentlee- bschneidens der Ob- a †); iudels gebel lwmelung, die lierbei er eiue solche Neugs zändungen und ler Thierart es erlor- r wünscheus werth öunen dienen: siechts- oder ãu- audet sie geuau an umuskels, Wo sis Kieler augebrawhten isch-eichen Be⸗ Ua sie 2u bfuen, eder uud HEGt Ss lie Ader am Bande des lcemeinen Re- nach allgemeinen 19 mè- la chirurgie et la— 106. untern( hiateru) h in janhäutig 4 feinhaa die Vena all- muss — des Kiefers und sticht dann etwa einen Zoll über dem- selben eine Lanzette oder ein Bistouri mit feiner Spitze gegen 4— 6 Linien tief in sie ein.— Nach aufgeho- benem Druck stillt die Blutung sich bald von selbst. 5) Die Unterzungen-Vene oder Froschader wird am häufigsten zum Aderlassen benutzt. Das Schwein muſs hierzu auf eine Seite gelegt und von Ge- hülfen gehalten werden; ein Gehülfe hält ihm das Maul mittelst eines cylindrischen Holzes offen. Der Opera- teur ergreift die Zunge des Thieres entweder mit der bloſsen oder mit einem Handschuh bekleideten Hand, oder auch mit einer Kornzange, und zieht sie aus dem Maule in der Richtung nach dem Nasenrücken so her- vor, dafs ihre untere Fläche frei zu Tage liegt, worauf man in die daselbst in der Mittellinie verlaufende Vene unmittelbar vor dem Zungenbändchen mit einem Bistouri oder mit einer Lanzette einen Queerschnitt, eêtwa 2— 3 Linien tief und 6 Linien lang macht.— Die mäſsige Blu- tung stillt sich immer bald von selbst. Ein tieferes Ein- dringen des Instruments führt gewöhnlich auch eine Ver- letzung der Unterzungen-Arterien herbei und die Blu- tung ist dann stärker und länger dauernd. Sollte sie in einem Fall zu bedeutend werden, so kann man sie zu- erst mit Essig, oder mit Alaun, mit Eisenvitriol u. dgl. Mitteln, die man in die Wunde bringt,— oder durch das Berühren derselben mit dem glähenden Eisen,— und selbst mittelst des gänzlichen Durchschneidens der Arterien, zu stillen suchen. 48b c) Die Hinterschenkel-Hautvene. Man legt das Thier auf eine Seite, läfst es von Gehülfen am Kopfe, Rumpfe und den Füſsen in der Art festhalten, dafs der unten liegende Hinterfuſs allein von einem be- sondern Gehäülfen nach rückwärts hinausgestreckt gehal- ten werde. Um diesen Fufs, und zwar etwas über der Mitte zwischen dem Knie- und Sprunggelenk, legt man ein Band fest an, und wenn die Vene hiernach etwas angeschwollen ist, öffnet man sie durch einen Einstich mit der Lanzette; wenn sie aber nicht deutlich hervor- tritt, macht man an der Stelle, wo sie ihre Lage hat (d. i. fast in der Mitte der Breite des Unterschenkels), in etwas schräger Richtung einen 1 bis 1 ¼ Zoll langen Einschnitt durch die Haut, worauf die Ader sichtbar wird und durch einen Einstich leicht geöffnet werden kann.— Nach genügender Blutentleerung entfernt man die Schnur, worauf gewöhnlich die Blutung sogleich aufhört; sollte sie fortdauern, so kann man duaurch die Wundränder ein einfaches Heft der Knopfnath ziehen. §. 27. An Hunden und Katzen eignet sich die Dros- selvene, und einigermaſsen auch die innere Hautvene am Hinterschenkel zum Aderlassen. Die erstere ist fast immer deutlich zu sehen und durch einen einfachen Einstich mit der Lanzette auf bekannte Weise zu öffnen, wenn man vorher an der Halsrinne auf einem Fleck von circa 1— 2 Zoll lang und ¼½ Zoll breit die Haare abgescho- ren und über der Brust die Vene gut mit den Fingern comprimirt hat; bei recht fetten Hunden bleibt sie jedoch trotz dieser Hülfsmittel unsichtbar, und man ist dann 45 genöthiget, sie durch einen an der Mitte der Halsrinne (am besten durch eine vorher gebildete Queerfalte) ge- machten, etwa 1 Zoll langen Hautschnitt bloſszulegen, worauf sie mittelst der Lanzette geöffnet wird.— Die Blutstillung erfolgt in jenem ersten Falle von selbst, wenn man die Vene nicht mehr unterdrückt; im letztern Falle kann die Hautwunde mittelst der umwundenen Nath, wie bei dem Aderlassen an Pferden, oder mittelst der Knopfuath vereiniget werden. Die Eröffunung der innern Schenkelhautvene findet bei diesen Thieren nur im Nothfalle statt, wenn die Drosselvenen nicht eine hinreichende Menge Blutes ge- ben. Man comprimirt die Ader mittelst eines um den Schenkel gelegten Bandes und sticht sie dann mit der Lanzette an. Wo lange Haare den Zugang hindern, mössen sie vorher beseitiget werden. §. 28. An Vögeln sind die Drosselvenen und die Armvenen zum Aderlassen geeignet. Erstere liegen an den Seiten desHalses, dem obern Rande etwas näher als bei den Säu- gethieren und sind sehr verschiebbar, aber durch die Haut bläulich durchscheinend. Um sie zu öffnen, rupft man an der betreffenden Stelle einige Federn aus, drückt dann mit dem Daumen und Zeigefinger der linken Hand die Adern beider Seiten zusammen, während ein Ge- hülfe den Kopf des Thieres festhält und zugleich etwas vorwärts zieht. Wenn hierbei die Adern angeschwollen sind, sticht man die Lanzette etwa 1— 2 Linien tief schnell ein.— Ein Verschliefsen der Wunde ist in der Regel nicht erforderlich, im Nothfall aber durch Zusam- menheften der Haut leicht zu bewirken. Die Armvenen sind an der inneren Seite des ersten Flügelknochens schon von selbst deutlich sichtbar, und sie treten ziemlich stark hervor, wenn man in der Nähe der Brust um den Flügel ein Band bindet; doch ist es mehrentheils auch nöthig, daselbst einige Federn aus- zurupfen. Ist dies vorbereitet, so läſst man zur Opera- tion das Thier auf den Rücken legen und durch einen Gehülfen mit einer Hand den Körper, mit der andern die Füſse festhalten, worauf der Operateur mit seiner linken Hand den Flügel vollständig ausspreizt und mit der rechten das Einstechen der Lanzette etwa 2 Linien tief bewirkt.— Von der Blutstillung gilt das bei Eröff- nung der Halsvene Gesagte auch hier. §. 29. Bei und nach dem Aderlassen können verschiedene ungünstige Ereignisse eintreten, von denen fol- gende die wichtigsten sind: 1) Das Aderlaſs-Instrument ist nicht in die Vene gedrungen. Die Ursache hiervon kann sein: ) Der Einstich ist an einer unrichtigen Stelle neben der Vene geschehen, die letztere also verfehlt;— 5) derselbe geschah zu oberflächlich, die Klinge des Instruments war zu kurz gehalten oder zu klein, oder mit zu wenig Kraft angewendet worden;—) die Ader rollte und verschob sich unter dem eindringenden Instru- ment, weil dieses zu stumpf, oder in zu schiefer Rich- tung aufgesetzt, oder zu langsam eingestochen, oder der 12 Einstichort zu weit von der comprimirten Stelle entfernt war;— d) die Ader war nicht gehörig mit Blut er- füllt, weil man sie entweder zu schwach oder zu kurze Zeit zusammengedrückt hatte; oder auch, weil sie in Folge früherer Entzündungen ihrer Häute, ganz oder theilweis im Innern verschlossen und somit zum Blut- führen untauglich geworden ist, oder, weil das Blut in andern Organen zu sehr angehäuft ist. In jedem solchen Falle muſs man zunächst die etwa vorhandene Ursache aufsuchen und vermeiden, dann aber bei Wiederholung des Einstechens das Instrument we- nigstens einen Zoll weit über oder unter der ersten Aderlafsstelle ansetzen, oder man wählt selbst eine an- dere Ader hierzu. Man vermeide es durchaus, wieder- holt in eine Wunde einzustechen oder mit der Fliete oder dem Schnäpper in sie zu schlagen; denn dies ver- ursacht ungleiche, zerfetzte Wandränder, heftige Ent- zündung und selbst Eiterung. Eben so darf man nicht zwei oder mehrere Wunden an derselben Stelle neben einander erzeugen, da dies ebenfalls zu starke Entzun- düngen veranlaſst und auch das Zustecken der Wunde mit der Nadel sehr erschwert.— Sollte ein solches Versehen begangen sein, so mufs man die betreffende Stelle während der nächsten 2 Tage oft mit kaltem Wasser befeuchten, um der Entzündung vorzubeugen. 2) Das Blut fliefst aus der Aderlafswunde zu schwach oder auch mit Unterbrechung. Ur- sache hiervon ist: a.) eine zu kleine Wunde, bedingt durch ein zu schmales, zu kurzes, zu kurz gehaltenes, stumpfes, oder mit wenig Kraft angewendetes Instrument;— 5) Verschiebung der Haut über die Aderlaſswunde, oder Hervortreten von Fett über die Vene;—) man- gelhaftes Zusammendrücken der Ader an der geeigueten Stelle;— d) zu dickflüssige, zähe Beschaffenheit des Blutes;— e) Anhäufung und Stockung desselben in andern Gefäſsen. da s In dem sub a bezeichneten Falle ist es am zweck- mälsigsten, eine neue, gröſsere Aderwunde an einer andern Stelle zu machen; denn die Erweiterung der zu kleinen Oeffnung geräth nicht immer gut, und ist auſser- dem mit zu viel Reizung verbunden.— Die Hülfe im Falle 5 und e ergiebt sich, nach der Art des Hinder- nisses, von selbst.— In den Fällen d und e ist tüch- tiges Reiben des Thieres, das Uebergiefsen desselben mit kaltem Wasser, und das Hinstreichen des Blutes zur Aderlaſsstelle, erforderlich. 30 Es dringt Luft in die Ader. Dieser Zu- fall giebt sich dadurch zu erkennen, daſs entweder gleich nach geschehener Eröffnung der Vene, ehe noch ein gleichmäſsiger und anhaltender Blutstrom abflieſst, oder zu der Zeit, wo derselbe aufhört, ein eigenthüm- liches, schlürfendes oder kluckerndes Geräusch an der Aderlaſsstelle und wohl auch tiefer in der Vene, ent- steht. Bei Pferden und Rindvieh geht die Erscheinung in den meisten Fällen ohne weitere Folgen vorüber; zuweilen treten aber nach einigen Minuten beschleunig- tes Athmen, etwas schnellerer Puls, Zittern, Taumeln, selbst plötaliches und heftiges Niederstürzen und Con- vulsionen ein. Doch gehen diese Zufälle gewöhnlich 46 bald wieder vorüber*). Kleinere Thiere werden aber nach dem Lufteindringen immer von groſsen Athembe- schwerden und von heftigen Krämpfen ergriffen, unter denen sie schnell sterben.— Bei der Sektion findet man schaumiges Blut im Herzen, und Luftblasen auch im Blut anderer Gefäſse.— Man verhütet das Eindrin- gen der Luft in die geöffnete Ader am sichersten da- durch: ³) dafs vom Anfange der Operation und bis mau zum Verschlieſsen der Wunde schreitet, die Ader zwi- schen der letztern und dem Herzen gleichmälsig gut zu- sammengedrückt, und 5b) daſs die Wunde nie schräg oder queer, sondern stets nur in der Längenachse der Ader gemacht wird.— Die angedeuteten Wirkungen des Luft- eintrittes sind mit Sicherheit nicht zu beseitigen; nach mehrfältigen Versuchen werden sie aber sehr vermindert, wenn man nach ihrem Eintritt das Blut noch reichlich ausflieſsen läſfst. 19 Him 1 4) Nachblutungen. Sie entstehen bald nach dem Aderlafs, besonders, wenn: a die Aderlaſswunde gar nicht oder nur unvollständig verschlossen ist;— 5) wenn aufser der Vene noch eine Arterie verletzt ist;— c)) wenn die Aderlaſswunde gewaltsam ausein- ander gezerrt, oder die Vene zusammengedrückt und hierdurch mit Blut überfüllt wird(z. B. wenn die Thiere nach dem Aderlassen an der Drosselvene den Hals am Rande der Krippe reiben oder ihn stark gegen den letz- tern drücken, wie es Pferde im hohen Grade des Dumm- kollers und der Rhehe oft thun,— ferner, wenn sie gleich nach dem Aderlassen mit Geschirr bekleidet und zum Ziehen benutzt, oder auch nur sogleich zum Kauen der Nahrung veranlaſst werden).— Die Hälfe besteht im Falle in baldiger und vollständiger Verschlieſsung der Wunde nach bekannter Vorschrift;— im Falle b ist zuerst, neben guter Verschlieſsung der Wunde und voll- ständiger Ruhe des Thieres, das fleiſsige Befeuchten der Stelle mit kaltem Wasser und Essig, und die An- wendung eines Drucks unterhalb der Wunde, zu ver- suchen, im äuſsersten Falle die Ligatur der verletzten Arterie zu bewirken;— im Falle c muſs die Störung beseitiget, das Thiers anders gestellt und anders ange- bunden, das Geschirr abgenommen werden u. s. wä. Wenn Nachblutungen später, nach 2— 3 Tagen entstehen, können zwar die sub b und c genannten Ur- sachen dabei mitwirkend sein, in der Hauptsache beru- hen sie aber hier in einer gestörten Verwachsung der Wunde, bedingt durch zu heftige Entzündung, durch Eiterung, oder Zersetzung von extravasirtem Blut, durch in die Wunde gelangte Haare, u. dgl., und sie stellen dann zuweilen eins der ersten Symptome der sogenann- ten Aderfistel dar. Hier ist Reinigung der Wunde und eine solche Behandlung derselben nützlich, wie sie bei der Venenentzündung erfordert wird. 1 lee 5) Blutextravasate. Sie bilden kleinere oder gröſsere Anschwellungen, die von der Aderlaſsstelle aus- *) Um bei Pferden lebensgefährliche Zufälle durch Luft in den Adern zu erzeugen, ist gewöhnlich eine Quantität von 50 bis 60 Cu- bik-Zoll, und zuweilen noch viel mehr, Luft erforderlich; indess lässt sich dies für alle Fälle nicht so genau bestimmen, da die Empfänglichkeit der Thiere für diesen Einfluss und andere Um- stände, von denen die Wirkung abhängig ist, nicht zu erkennen sind. Ueherhaupt ist hierbei noch Vieles im Dunklen. ammengedrückt unl „B. weun die Thier Alvene den Hals am ark gegen den leta- en Grade des Dumn- ſferner, wenn si schirr bekleidet und sogleich zum Kaueu „Die Hülfe bestelt iger Verschlieſsung ;— im Falle 5 ut er Wunde und pol- ſeilsige Befeuchten ssig, uud de Ar- r Wande, 2u fer- atur der Ferletaten muſs die Störung Huad anders ange- . and si gehen, am Halse, bei sehr grofser Entwickelung sich zuweilen bis zum Kopfe ausbreiten, und später sich bald mehr bald weniger abwärts, oft bis zur Brust sen- ken. Zuweilen entstehen sie schon während der Blut- entleerung, mehrentheils aber bei oder nach dem Ver- schlieſsen der Wunde. Die Ursachen sind:) eine zu kleine Hautwunde und starke Compression der Vene; — 5) das Durchstechen der letztern an zwei Stellen (an der vordern und hintern Wand);— c) die gleich- zeitige Verletzung einer Arterie;— d) zu starkes Ab- ziehen der Haut von der daranter liegenden Vene, bei dem Verschliefsen der Hautwunde;— e) gehemmter Rückflufs des Blutes durch Druck auf die Ader, oder, an der Sporader und an den Venen der Gliedmaſsen, auch dadurch, daſs das Blut leichter aus der Venen- wunde nach aufsen tritt, als den Druck der vor ihm befindlichen Blutmasse überwindet.— Kleine Extrava- sate erzeugen gewoöhnlich keinen Nachtheil und ver- schwinden durch Resorption bald von selbst; grofse Er- gieſsungen wirken durch Druck störend auf die nahe liegenden Theile, und können selbst Entzündung und Verjauchung veranlassen.— Waschungen mit kaltem Wasser oder Wasser und Essig, ein mälsiger Druck auf die Operationsstelle während einer Viertel bis halben Stunde, und strenge Ruhe des Thieres, sind die ersten und mehrentheils auch die ausreichenden Hilfsmittel, um die fernere Blutung unter der Haut zu hindern. Bei Verletzung einer Arterie muſs dieselbe nöthigenfalls un- terbunden werden. Die Zertheilung befördert man am besten vom 2ten Tage an durch Waschungen mit aro- matischen Kräuterbrühen, in denen Pottasche gelöst ist. 6) Verletzung anderer Gebilde. Aufser der nothwendigen Verwundung der Haut(stellenweis auch des Hautmuskels), des Zellgewebes und der Vene, wird bei dem Aderlassen am Halse zuweilen die Dros- selarterie, die Luftröhre, oder der gemeinschaftliche Kopf- Hals- und Armbeinsmuskel,— beim Aderlassen an der Gesichtsvene mitunter die queerlaufende Gesichtsarterie und die Beinhaut,— und bei dem Aderlassen an den Gliedmafsen leicht eine Sehne, die Fesselarterie, oder ebenfalls die Beinhaut mit verletzt. Die Verwundung einer Arterie giebt sich sogleich durch stärkeres, oft im Bogen spritzendes Hervorströ- men von scharlachrothem Blut neben dem dunklen Ve- nenblut, durch Aufhören oder bedeutendes Nachlassen dieses hellrothen Blutflusses bei einem, zwischen dem Herzen und der Wande gegen die Ader angebrachten Druck*), und sehr oft auch durch schnelles Entstehen einer Blutergieſsung unter der Haut zu erkennen. Bei Verletzung der Luftröhre fühlt der Operateur beim Einstechen gröfsern Widerstand und mehr Härte von den Luftröhrenknorpeln als von den Weichgebilden; auch erzeugt der Schnäpper und die Fliete hier ein ei- genthümliches, puffendes Geräusch, und fast immer bil- det sich ein Emphysem, welches eine flache, bei ange- *) Bei Verwundung der Carotis kann man durch Zusammendrücken der Ader in der bezeichneten Art die Blutung nur vermindern, aber. nicht ganz zum Stillstehen bringen, weil durch. die Anasto- mosen am obern Ende dieses Gefässes noch eine bedeutende Menge Blut zur verletzten Stelle gelangt. 47 brachtem Druck knisternde und sich von der Wunde aus über den Hals u. s. w. verbreitende Geschwulst darstellt. Die Verletzung der Sehnen und der Beinhaut ist aus dem harten Widerstande, den das Instrument in der Tiefe der Theile findet, zu veenuthen und durch die Sonde sicher zu erkennen. 34 11 Diese Nebenverletzungen entstehen in den allermei- sten Fällen aus Uebereilung, Unvorsichtigkeit und aus Unkenntniſs der Lage und Beschaffenheit der bei dem Aderlassen betroffenen Theile; namentlich wird die Ca- rotis leicht verletazt, wenn man die Lanzette zu lang über die Finger hervorstehen läfst oder eine zu grofse Flietenklinge wählt; doch giebt es auch Fälle, wo die Verletzung einer Arterie wegen abweichender Lage derselben oder wegen grolser Unruhe des Thieres selbst bei Sachkenntniſs und Vorsicht erfolgt. Kleine Wunden an der Carotis in der Längenrich- tung derselben heilen leicht, wenn man, nach gutem Verschliefsen der Wunde, das Thier mit hoch gebun- deuem Kopfe, ganz ruhig und ohne Futter, während 30 bis 48 Stunden stehen läſst, und dabei die Aderlafs- stelle fleiſsig mit kaltem Wasser, oder mit Wasser und Essig, wäscht; gröfsere Wunden, und besonders Queer- wunden, bei denen sich schnell ein bedeutendes Extra- vasat bildet, erfordern immer möglichst schnell die Un- terbindung der Arterie. An andern Stellen, namentlich an den Extremitäten, stillt man die Blutung immer sehr leicht durch einen umgelegten Druckverband, im Verein mit Ruhe und mit Anwendung des kalten Wassers. Die Unterbindung ist höchst selten erforderlich. Die Verletzung der Luftröhre und die hierbei ent- stehenden Emphyseme bringen in der Regel keinen Nachtheil. Die Heilung dieser Verletzungen erfolgt im- mer leicht von selbst, und die Beseitigung der Emphy- seme geschieht durch kleine Einstiche, welche man durch die Haut bis ins Ebllge wahe an den geschwollenem Theilen macht. 7 buu a Die Verletzung der Sehnen und der Beinhaut fährt oſt eine bedeutende Entzündung dieser Theile und hier- durch Lahmheit herbei. Ruhe, und die fleiſsige Anwen- dung kalter Waschungen oder Faſsbäder von kaltem Wasser, dann die Eiureibung der grauen Merkurial- Salbe, oder auch später die Anwendung der Canthari- den-Salbe, letztere um eine Ableitung auf die Haut zu bewirken, sind hier die geeigneten Heilmittel. 7) Entzündung der Aderlafswunde. Sie hat ihren Sitz entweder in der Haut und im Zellge- webe, oder in der Vene selbst.— Die Entzündung der Haut äuſsert sich durch kleine, halbrunde, etwas heifse und schmerzhafte Anschwellung an der Aderlalsstelle, wobei aber die Vene neben dieser Anschwellung, und über dieselbe hinauf, sich noch vollständig mit Blut er- füllt, wenn man sie wie zum Aderlassen comprimirt. Die Entzündung der Vene(Phlebitis) nach dem Aderlaſs kommt am häufigsten an der Drosselvene der Pferde, nicht ganz selten auch an derselben Ader beim Rindvieh vor. Sie giebt sich durch eine, von der Ader- laſsstelle ausgehende schmerzhafte, strangförmige An- schwellung unter der Haut, im Laufe des Gefälses, zu erkennen, und wenn dabei der Druck, wie im Vorste- 12* henden angedeutet, an der Vene angebracht wird, schwillt dieselbe nicht mehr wie im gesunden Zustande durch die Blutanhäufung an.— Jene oberflächliche Entzün- dung findet sich gegen 24 Stunden nach geschehenem Aderlaſs ein, und erreicht mit etwa 48 Stunden bis späte- stens drei Tagen den höchsten Grad; sie zertheilt sich oder es entsteht im Zellgewebe Eiter, der durch die Hautwunde aussickert, und in etwa 6— 8 Tagen sich allmählig verliert. Zuweilen hleibt etwas Verdickung der Hautränder und des Zellgewebes für längere Zeit zurück. Die Entzündung der Vene beginnt in einzelnen Fäl- len ebenfalls mit etwa 24 Stunden, und erreicht zuwei- len schon in 3— 4 Tagen einen sehr hohen Grad, in den meisten Fällen aber beginnt sie erst nach mehreren Tagen und entwickelt sich langsam bis zur Degeneration der Vene. Die Aderlaſswunde bricht auf und sickert Eiter oder Jauche(die sogenannte Aderfistel); es entsteht Ausschwitzung von Faserstoff an der innern Fläche des Gefäfses, welcher in Schichten allmählig bis zur Mitte 48 desselben gelangt, so das Lumen der Vene beengt und den Durchgang des Blutes durch sie beschränkt oder zuletzt ganz hindert. Wenn dies in kurzer Zeit ge- schieht, sieht man immer an der leidenden Seite die Ohr- drüse durch die darunter liegenden Venen-Aeste, die Gesichts-Venen, und selbst das Zellgewebe in deren Umgegend auschwellen; die Thiere kauen mühsam, sind eingenommen im Kopf und können den Hals nur unvoll- ständig und mit Schmerzen bewegen. Bei einer lang- samen Entwickelung jener Degeneration der Vene tre- ten die bezeichneten Zufälle in viel minderm Grade, zu- weilen auch gar nicht ein.— In den meisten Fällen schreitet die Entzündung von der Aderlaſsstelle dem Strome des Blutes entgegen, also an der Drosselvene nach dem Kopfe zu, fort; zuweilen geschieht dies aber auch in der Richtung nach dem Herzen zu. Im letztern Falle finden sich in der Regel Blatungen aus der Ader- laſswunde ein und wiederholen sich fast immer wenn das Thier kaut. Die UrSahon⸗ dieser Entzündungen Siuc mannig- fach namentlich mechanische Reizungen der Aderlals- stelle, veranlaſst durch Reiben und Scheuern derselben, durch Druck von umgelegten Stricken, oder vom Ge- schirr oder vom Rande der Krippe, durch das Einbinden von Haaren zwischen die Wundränder beim Verschlie- ſsen der Wunde, durch zu festes Zuschnüren der Haut- ränder mittelst der umgelegten Haare oder Fäden, durch Verunreinigung der Wunde mit Medicamenten bei deren Injection in die Adern, durch zu starkes Gegenschlagen gegen die Haut beim Aderlassen mittelst der Fliete u. dgl. m. Auch werden stumpſfe und rostige oder verunreinigte Instrumente, und das Verletzen der Venenklappen beim Aderlassen beschuldigt, letzteres jedoch ohne bestimmte Beweise*). Nicht selten ist wohl eine eigeuihümliche 0) Man soll deshalb auch beim Adgrlaszon diejenigen Stellen der Vene vermeiden, wo sich Klappen befinden. Letztere sind jedoch änusserlich höchst selten zu erkennen. Ich habe eine grosse An- zahl Experimente in der Art gemacht: dass ich die Drosselvene öffnete, eine Sonde von unten nach oben in sie bis zu den Klap- pen führte, hier eine oder selbst zwei Oeffnungen machte, Blut ausfliessen liess und dann die Wunde in gewöhnlicher Art schloss. Es entstand nie eine Venenentzündung, obgleich bei der späteren Sektion der Thiere stets die Klappen sich verletzt zeigten. Disposition zur Venen-Entzündung in den Thieren vor- handen, besonders während des Bestehens rheumatischer Krankheiten; denn man sieht oft diese Entzündungen bei mehrern Thieren zu gleicher Zeit oder bald nach einander entstehen, und ohne daſs eine dr,Sehabnien Ursachen statt gefunden hat. 8 5 Die Cur der oberflächlichen Entzündungen der Haut und des Zellgewebes besteht in der Entfernung der etwa noch in den Wundrändern steckenden Nadel, und während der Entzündung in Anwendung des kal- ten Wassers, dann in dem gelinden Ausdräcken des Eiters, in Waschungen mit einer Auflösung von Pott- asche; in Einreibung der grauen Merkurialsalbe, und in Vermeidung jeder fernern mechanischen Reizung. Für letztern Zweck muſs das Thier so angebunden werden, daſs es mit der Aderlaſsstelle weder die Erippen noch einen Standbaum erreichen kann. Die Entzündung der Vene wird in der ersten Zeit eben so behandelt; ist aber die Behandlung fruchtlos, sind die Schmerzen sehr groſs, so applicirt man auf die ganze geschwollene Parthie warme Breiumschläge von schleimigen und von narcotischen Pflanzen. Sind die Schmerzen nicht bedeutend, so ist die Eiureibung der Canthariden-Salbe auf die Haut an der angeschwolle- nen Parthie der Vene, etwa 1 ½— 2 Zoll breit und so lang als die Geschwulst ist, sehr zweckmälsig; dieselbe muſs jedoch nach Zwischenzeiten von 6— 8 Tagen so oft wiederholt werden, bis die Geschwulst sich entwe- der zertheilt oder an einzelnen Stellen in Eiterung über- geht. Ist Letzteres geschehen, so öffnet man die wei- chen Stellen ganz so wie einen andern Abscefs. In recht hartnäckigen Fällen, oder wo die Cur möglichst wohlfeil sein soll, ist auch die Anwendung des glühen- den Eisens in Punkten oder in 2— 3 Strichen auf die Haut an der angeschwollenen Vene zu empfeblen. Ist die Vene unmittelbar über der äufsern Oeffnung sehr verengt, darüber aber erweitert und mit beweglichen Fa- serstoffstücken versehen, so ist die Erweiterung des en- gen Theils mittelst Hohlsonde und Messer angezeigt. Doch darf das Sondiren der Vene nur äuſserst selten und stets nur mit der Vorsicht geschehen, dafs der in ihr befindliche festsitzende Pfropf von Faserstoff nicht durchstofsen werde, damit nicht Blutungen entstehen, die oft schwer zu stillen sind. Treten dieselben ein, so kann man versuchen, sie durch einen in das Ge- schwür gebrachten Werg-Tampon zu stillen, wobei aber das Thier möglichst ruhig gehalten und besonders vom Kauen abgehalten werden muſs. Man darf deshalb solchen Pferden während einiger Tage nur weiches Fut- ter und des Tages nur einmal geben. Reicht dies Ver- fahren zur Stillung der vorhandenen Blutung oder zur Verhütung ihres Wiederkehrens nicht hin,— was meh- rentheils da der Fall ist, wo unterhalb der Aderlaſs- wunde die Vene verwachsen oder sehr verengert ist,— so pleibt nichts anders übrig, als die Unterbindung der Vene über der verletzten Stelle, wenn es sein kann, in gesunder Substanz. Diese Operation ist aber zuwei- len wegen der Entartung des Zellgewebes im Umfange der kranken Ader schwierig. Nach geschehener Un- terbindung mufs die Ader zwischen der Ligatur und der kranken ͤͤͤͤͤͤͤͤͤͤͤͤͤͤſͤͤͤͤͤͤͤͤſͤſͤſͤͤ er die Krippe uoch in der ersten Zei ehaudlung fruchils, Pplicirt man auf die Breiumschläge wu Pflanzen. Siud ds die Eiureibung der der angeschwolle- 2 Zoll breit und ao weckmälsig; dieselhbe on 6— 8 Tagen a chwulst sich entwe- en in Eiterung über öffnet man die wei- adern Abscels. h 0 die Cur möglichst feudung des glübeu- —3 Strichen aut de zu empfeblen. lst geru Oeffaung sehr mit beweglichen Ia- lrweiterung des el- Messer augezeigt nar äuſserst seltel hehen, dals Ger i ou Fasesstoff nicht lutungen eutstehen, eſet ütaslen ä des be⸗ — kranken Stelle queer durchschnitten, der Rest der letz- tern bis zur alten Wunde der Länge nach aufgespalten, der vorhandene Faserstoff entfernt und das nun offene Geschwür durch gute Eiterung geheilt werden. Bis zur Ablösung der Ligatur-Fäden durch die Eiterung ist eine sorgfältige Beaufsichtigung der Thiere nötbig, um bei etwa eintretenden Nachblutungen möglichst schnelle Hülfe zu leisten.— Die von Dieterichs be- schriebene(Handb. d. Veter.-Akiurgie S. 290) vollstän- dige Ausschälung der kranken Vene, so wie das von Dupuy empfohlene(sur Taffection tuberculeuse, Paris 1817. p. S5) Aufspalten derselben in ihrer ganzen Länge und die Anwendung des glühenden Eisens auf die in- nere Fläche ist ein sehr eingreifendes, gefährliches und fast immer entbehrliches Verfahren. §. 30. Das Blutlassen aus Atteriehe 0 Arteriotomia* han Das Blatlassen aus den Arterien ist im Allgemei- nen schwieriger auszuführen, als das aus den Venen, weil die erstern tiefer liegen, daher schwerer aufzufin- den sind und ihre Eröõffnung mit mehr Nebenverlet- zungen verbunden, auch die Blatung an ihnen schwie- riger zu stillen ist als an den Venen. Dabei gewährt die Arteriotomie keine in der Erfahrung nachgewiesenen Vortheile vor der Venaesektion; sie ist deshalb auch nur in den Fällen indicirt, wo die Venen nicht die er- ſordesRche Menge Blutes geben. a) Die Eröffnung der qucerlaufehden Ge- sichts-Arterie oder der sogenannten Schlä- fen-Arterie. Diese Operation ist von einigen engli- schen Thierärzten zur Heilung der periodischen Augen- entzündung, von andern auch zur Heilung der Gehirn- entzündung empfohlen worden.— Zur Ausführung der- selben setzt man Pferden eine Bremse auf; ein Gehulfe hält das Thier an den Trensenzügeln fest, ein zweiter ergreift dus Ohr an der der Operation eutgegengesetz- ten Seite. Der Operateur streicht zuerst die etwas be- feuchteten Haare in dem Raume zwischen dem Unter- kiefer- Gelenk und dem Auge, unter dem Jochbogen, glatt an die Haut an; hierauf füͤhlt er in der bezeichne- ten Gegend mit den Fingerspitzen nach dem Pulsiren der Arterie(was oft bei feinhäutigen Pferden auch zu sehen ist), und wenn dies nicht deutlich bemerkbar sein sollte, so bewirkt er mit dem Zeigefinger der liuken Hand einen Druck gegen die Haut unter dem obern Ende der Jochleiste grade unter dem bintern Augenwinkel, um hierdurch die Fortleitung des Blutes in der Arterie zu hemmen, die- selbe zum Anschwellen zu bringen und mehr sichtbar zu machen. Ist dies geschehen, so der Arterie nach zweierlei MMethoden ausführen. Nach der ersten macht man mit einer in der rechten Hand auf die gewöhnliche Weise geha tenen Lanzette einen einfachen Einstich in die Arterie, und zwar an irgend einer Stelle des Raums zwischen dem Auge und dem hintern(obern) Ende des Jochbogens. Dieser Eiustich darf nur gegen 3 Linien tief und in der Längenrichtung des Gefäſses geschehen, so daſs dabei die eine Fläche der Lanzette nach dem Schädel, die andere nach dem untern Rande kann man die Eröffnung 49 — des Hinterkiefers zu gerichtet ist. Das von Einigen empfohlene An- oder Durchschneiden des Gefäſses in queerer Richtung ist nicht zweckmäſsig, weil dabei sehr leicht die über der Arterie liegende Veue und der unter derselben liegende Nerv mit verletzt wird.— Nach dem Einstechen spritzt immer sogleich das scharlachrothe Blut im Bogen aus der Wunde hervor, und während des Fliefsens bildet sich zuweilen eine Blutunterlaufung im Umfange der Verletzung, wobei sich oft im Verhältniſs wie dieselbe zunimmt, die Stärke des Blutstrahls min- dert. Die Wunde schlieſst man entweder wie bei dem Aderlassen aus den Venen, mittelst einer oder zwei durch die Hautränder gesteckten Nadeln und eines um dieselben gewickelten Fadens— was aber hier wegen der straffen Haut etwas schwieriger ist, und gewöhn- lich ein bedeutendes Blutextravasat unter der Haut Zur unmittelbaren Folge hat;— oder man legt auf die Wunde einen etwa einen daumensdicken und zwei Zoll langen Tampon von fest zusammengewickeltem Werg und be- festigt denselben mit einer gegen 6 Ellen laugen Binde, welche von der Stirn aus über den Augenbogen und die Operatiousstelle zum hintern Rande des Unterkiefers und von da zur andern Seite geführt und in derselben Rich- tung 2— 3 mal wiederholt wird. Nach dem Anlegen der Binde muſs das Thier ganz ruhig gehalten werden und durch venigstens 8— 12 Stunden keiue Nahrung bekommen. Die nach dem Zustecken der Wunde entstehenden Extravasate bringen niemals einen bedeutenden Nach- theil; sie zertheilen sich innerhalb 2— 3 Tagen voll- ständig, besonders wenn man die Haut auf Hhnen Heilsig mit Wasser und Essig wäscht. Nach einer zweiten Methode geschieht die Eröftnung der genannten Arterien folgendermaſsen: Mau sucht an der bezeichneten Stelle durch das Fühlen die Arterie auf, macht einen 1 Zoll langen Hautschuitt in der Richtung des Gefälses und legt hierdurch letzteres bloſs, worauf man dasselbe mittelst einer krummen Heftnadel umgeht, und einen Unterbindungsfaden unter dasselbe legt. Die Eu- den dieses Fadens können nach aulsen unter einander durchgestecki und locker auf der Arterie zusammenge- zogen werden. Hierauf schneidet man die Arterie queer durch, und wenn eine hinreichende Menge Blutes aus ihr abgeſlossen ist, zieht man die Unterbindungsschleife fest zu und schlieſst hierdurch die Arterie. Die Enden der Uuterbindungsfäden werden dann nahe an der Haut abgeschnitten und die Hautränder mittelst eines Heftes der Knopfnath vereéinigt. Die Nachbehandlung besteht in der Anwendung des kalten Wassers während der ersten 24 Stunden. mie kommt nicht allein die Menge des eben entleerten Bei dieser Methode der Arterioto- Blutes, sondern auch die dauernde Verschliefsung der Arterie und der hierdurch gehinderte Einfluſs des Blu- tes in ihre vordern Zweige in Betracht,— was bei manchen Augenentzündungen vielleicht von Wichtigkeit ist. Es ist jedoch leicht einzuschen, dals dieses Ver- fahren umständlicher und nur bei sehr ruhigen oder bei torpiden Thieren im Stehen derselben ausführbar ist; mehr empfindliche Pferde müssen hierzu niedergelegt werden. 13 5) Die Eröffnung der Fesselarterie ist von einigen Thierärzten gegen heftige Hufentzündungen em- pfohlen, in der Erfahrung aber nicht bewährt befunden worden. Ihr Nutzen därfte bei einzelnen gelungenen Versuchen der Art, eben so viel dem nach dem Blutlas- sen geschehenen Unterbinden der Arterie, wie der Blut- . ausleerung selbst zuzuschreiben sein. Die Ausführung der Operation geschieht ganz in derselben Weise wie das Aderlassen an den Fesselvenen, indem man zuerst die Haare am Fessel glatt streicht, oder wenn sie lang sind, sie so wie dort augegeben ist, abscheert, dann neben den Beugesehnen die pulsirende Arterie durch Fühlen aufsucht, und sie mit der Lauzette ansticht.— N ach genügender Blutentleerung legt man auſ die Wunde einen Wergtampon und darüber eine Züurkelbinde so fest an, dafs durch den Druck die Blutung vollständig ge- stillt wird; nach 16— 24 Stunden kann dieser Verband wieder entfernt werden. Da jedoch ein so fester Ver- band den Rückflufs des Blutes in den Venen bindert und die Anbäufung des letztern in den entzündeten Fuſs- enden vermehrt, so erscheint es als besser, die Arterie durch einen 1 Zoll laugen Hautschnitt vor dem Rande der Hufbeins- Beugesehne am Fessel blofszulegen, einen Faden mittelst einer Nadel unter sie zu legen, sie dann mit der Lanzette zu öffuen und nach gehöriger Blutentleerung sie durch Unterbindung zu schlieſsen. Die Nauhbehauihuas besteht in kalten Fuſsbädern und in Ruhe. vin. D⁸ Binspritzen 3e Eingieſsen von 4resmstkein in 8 eedenmn 8 (ufusio,. Imieclio, Cuürurgia lheo 9 Hheraligu hat gen wech. Arederetgſhe auf dhannbeheate Wege in das Blut zu bringen, entweder weil andere Zugänge nicht vorhanden sind(z. B. bei Tetanus, bei fremden Körpern im Schlunde), oder um von kleinen Arzneigaben eine schnelle, bestimmte und starke Wirkung zu erzeugen. Die Operation soll be- reits im hohen Alterthum bekannt gewesen sein, ist aber erweislich gegen die Mitte des 17ten Jahrhunderts von v. Wahrendorf zuerst an Hunden ausgeführt und spä- ter unter den Thieräraten, besonders von E. Viborg u. A.*) in Anwendung gebracht worden. Tu dieser Art der Arznei-Anwendung gebrauchi man:, 1) die insteumente zum Aderlassen, giere eine Scheere, Bistouri, Pinzette,— und Uuterbin- dungsfäden„ nebst Schwamm; zur Operation ausgewählten tief deuptegehe Sor z oder den Adertrichter von Helper; 3) ein Gefäls mit Wasser von etwa 30° Wärme, um die Arznei in glei- cher Temperatur zu erhalten. Die Spritze kann eine gewöhnliche Wundspritze von Zänn oder besser von Glas sein; wesentlich ist es, dals ihre Röhre nicht eine scharfe Spitze besitzt, und daſs ihr Stempel überall luft- dicht anschlieſst. Horn gedreht, reichlich 2 Zoll lang, das obere Ende in der Länge eines halben Zolls von etwa. 1 Zoll Queer- durchmesser; das untere Ende ist in der Länge von etwa 1 ¼ Zoll gegen 1 ½— 2 Linien dick und an der Spitze mit einem sanft gewölbten Knöpfchen versehen; dieser dünnere Theil bildet im Innern eine 1 Linie weite Böhre, der obere breitere Theil aber eine trichterförmige Höhle. In der Röbre liegt ein genau in dieselbe pas- sendes Fischbein-Stäbchen, Band des Trichters etwa 4¾ Zoll hinausragt. Später hat man diesen einfachen Trichter am untern Ende des er- weiterten Theils im Innern mit einer Klappe versehen, welche aufserlich durch ein Knöpfchen gedreht und da- durch das Instrument geuſinet oder geschlossen werden *) E. Viborg g, 4 Samdung von Aalerilrdgen für Thierärate una 85 Oekonomen, ter Band. S. 85. Copenhagen 1802. 108 P. Scheel, die 1) ranslusion des Blutes und Minspritzungen Mder Arzneien in die Adern. 2 Bände. Copenhagen 180⁰2— 3.— Ein 3ter Band von Dieftenbach Berlin 1828., kann. veranlassen.. Der Helpersche Adertrichter ist aus stattet, aufrecht stehen, müssen sie aber liegen. welches über den obern infusoria, ars elysmatica nova). Man wollte hierdurch den Eintritt der äufsern Luft in den Trichter verhüten,— was aber auch durch das Fischbeinstäbchen eben so gut erreicht wird, und letzteres gewährt zug gleich noch den Vortheil, daſs das Blut nicht in die untere Mündung des Trichters dedeus und dieselbe verstopftt lhonl ndi bus buig rob hDie Medicamente zum Pinspritaenn in die Blatge- lfse müssen gleichmäfsig dünnflüssig, ohne Flocken, ohne Pulver u. dgl. sein, und die Temperatur des Blu- tes besitzen; dickflüssige, schleimige, fette Flüssigkei- ten, flüchtige ätherische Oele, conzentrirter Weingeist, concentrirte A uflösungen von adstringirenden Metall- salzen, und concentrirte Miueralsäuren sind hierzu nicht geeignet, weil sie entweder unmittelbar Stockungen in den kleinern Gefäfsen der Lunge oder auch Gerinnun- gen des Blutes, hierdurch ebenfalls Stockungen und plötzlich gefährliche Zufälle erzeugen, selbst den Tod Die atmosphärische Luft in gröſsern Quan- titäten und fast alle Gasarten brlugaa ehenſall— liche Zufälle hervor. abK 17 1 Man wählt zur Auſusions der Areueimnttel ber— Thieren am zweckmälsigsten die Drosselvenen, und auſser diesen die innere Schenkelhaut-Vene der Hinterbeine oder die grofse Schienbein-Vene der vordern Extre- mitäten. Bei der Operation an der erstern Ader können die Thiere, wenn es übrigens ihr Krankheitszustand ge- an den andern beiden Venen Die Operation beginnt mit Weofnung der Uherauo aus- — Ader. An der Drosselvene geschieht dies ganz so wie bei dem Aderlassen, und man hat hierbei nur zu beobachten: 1) daſs man immer eine hinreichend groſse Haut- und Aderwunde macht, und 2) daſs man in den Fällen, wo die Injection an einer Ader zu wie- derholten Malen vorgenommen werden soll, die erste Eröffnung derselben an dem untern Ende derselben be- wirkt, damit die künftigen Eröffnungen an dem übrigen freien Theil der Ader ungestört ausgeführt werden kön- nen.— Nachdem die Ader geöffnet ist, beseitigt man den bis dahin angewendeten Druck an derselben, zieht die Wundlefzen der Haut ein wenig auseinander, um die Venenwunde deutlicher au sehen, und führt dann durch die letztere die Röhre der Spritze oder des Trich- ters zuerst queer in die Vene bis an die hintere Wand derselben ein, worauf man das untere Ende des Instru- ments in der Richtung nach dem Herzen zu sauft in die Ader gegen einen Zoll tief hineinsc hiebt. Daſs man mit dem Trichter oder mit der Spritze wirklich in die Ader gelangt ist, erkennt man daran, dals das Instrument in dem Canal leicht auf- und abwärts bewegt werden kann, und man hierbei die glatte innere Wand des Ge- fäſses fühlt; auch dringt Blut durch das Instrument her- aus, wenn man das Fischbeinstäbchen aus ihm gezogen und durch Compression der Ader eine Blutanhäufung in ihr bewirkt hat. Sind diese Merkmale nicht vorhanden, so mufs die Röhre zurückgezogen und vorsichtig in et- was anderer Richtung wiederholt eingeführt werden, wobei man sich aber sehr hüten mufs, im Zellgewebe Gänge zu bilden. Das Eindringen des Instruments in die Vene kann man oft dadurch sehr erleichtern, wenn man die Ader comprimirt, das Blut in einem dicken Strahl ausflieſsen läſst, hierdurch die Aderwunde aus- dehnt, und nun die Spitze des Instruments gerade dem Blutstrom entgegen bis in die Ader einführt.— Wendet man den Trichter an, so füllt man deuselben nach dem Einführen in die Ader mit dem flässigen Medicament, zieht das Fischbein-Stäbchen aus der Röhre, und ge- stattet so dem Medicament ein freiwilliges Hineinflieſsen in die Ader. Daſs dieses Einflieſsen stattfindet, bemerkt man an dem Leerwerden des Trichters. Ehe dies völ- lig geschieht, muſs sogleich der etwa noch vorhandene Rest der Medicin nachgegossen werden, so daſs der Trichter nicht ganz leer wird und die Luft nicht durch denselben in die Ader eindringen kann. Das Einflielsen der Medicin in die Vene wird sehr befördert, wenn man oberhalb der Aderöffnung die Vene comprimirt und so- mit den Zufluſs des Blutes nach dem Herzen abhalt. Sollte das Abflieſsen aus dem Trichter nicht stattfinden, so muſs irgend ein Hinderniſs vorhanden sein, und zwar ist a) entweder das untere Ende des Trichters durch eingedrungenes und coagulirtes Blut verstopft, oder— 5) dieses untere Ende ist zu stark gegen eine Venen- wand gedräckt und hierdurch seine Oeffuung bedeckt, oder—°) der Triehter befindet sich gar nicht in der Vene, sondern in einem künstlich gebildeten Gange im Zellgewebe neben derselben. Ersteres ist au vermuthen, wenn aus oben angegebenen Zeichen geschlossen wer- den kann, daſs man sicher in die Vene gelangt ist. Die Abhülfe besteht hier in dem Einführen des Fischbein- Stäbehens bis zum untersten Ende des Trichters.— IX. Die Transfusion des Blutes, 6 H, 32. Alan versteht unter Transfusion die Uebertragung des Blutes aus den Adern eines lebenden Thieres in die Adern eines andern Thieres.— Der therapeutische Zweck dieses Verfahrens ist: bei groſsem Blutverlust und daraus entstandener Lebensgefahr das verlorne Blut schnell wieder zu ersetzen und hierdurch nach Möglich- keit den gefährlichen Zufällen entgegen zu wirken. Hierzu findet sich freilich nur selten Gelegenheit, weil mehrentheils die Fälle, wo groſse Blatungen ent- stehen, unvorhergesehen eintreten und so schnell ver- Das 2te Hinderniſs ist zu vermuthen, wenn der Trich- ter äuſserlich in einer zu schiefen Richtung gegen die Achse der Ader steht, und wenn seine Röhre, wie eben gezeigt, durch das Stäbchen gangbar gemacht ist. Die Abhäülfe ist augenblicklich durch eine, der Achse der Vene entsprechende Stellung des Trichters zu bewir- ken.— Das 3te Hindernifs ist eigentlich gleich bei dem Einbringen des Trichters und dann an der Reibung zu bemerken, welche man bei einer mit ihm gemachten Be- wegung in dem Canal wahrnimmt. Hier zieht man schnell das Instrument gauz aus der Wunde heraus, entleert es von dem Medikament, comprimirt die Ader unter der Waunde, damit Blut in die letztere eindringe und das etwa schon in das Zellgewebe eingesickerte Medikament einhülle und selbst wegspüle*),— und dann versucht mau wieder das Iustrument in die Ader selhat zu bringen. b 8— Benutzt man die Spritze zum Infundiren, so wird dieselbe vor dem Eiuführen in die Ader mit der Arze- nei gefällt und durch Herandrücken des Stempels von der etwa eingedrungenen Luft befreiet(was aber bei einer recht guten Spritze, und wenn man die Flässig- Nach dem Einführen der Canüle in die Ader darf dann der Stem- keit durch sie einzieht, nicht nöthig ist). pel nur ganz langsam vorwärts getrieben werden:. da- mit nicht das Medikament zu plötzlich in die Ader dringe.— Man kann auch die Spritze ohne Stempel statt des Adertrichters i in ie Ader setzen und die Arg- nei eingieſsen. 4 b Nachdem die Flüssigkeit in die Ader gebracht ist, entfernt man das Instrument und schliefst die Wunde, wie nach einem einfachen Aderlals. 6 Wenn die Infusion an der Drosselvene kleiner Thiere oder auch an andern Veuen von kleinerem Umfange ge- macht werden soll(weil vielleicht an der Drosselvene Hindernisse bestehen), ist es zweckmäſsig: die Haut auf der Ader gegen 1 bis 1 ½ Zoll lang zu spalten, das etwa auf der letztern liegende Zellgewebe und Fett rein von ihr abzupräpariren, einen Faden unter ihr hin- durch zu ziehen, dann die Ader in der Längenrich- tung zu öffuen und die Spritze in sie zu bringen.— Nach beendeter Infusion wird hier die Vene unter- banden — „ Pas Lindringen der Mledibamente in das— h oft Reizung und Entzündung der Wunde und der Vene zur 65. und muss daher möxglichst vermieden werden. der B1 2 tta 4 294( Transfusio sanguinis— Jaufen, dals zur Ausführung der Transfusion die Mittel und die Zeit fehlen; indefs ereignet es sich doch auch zuweilen„2. B. bei akiurgischen Operationen und bei schweren Geburten u. s. w., dals die Blutungen in Ge- genwart des Thierarztes eintreten und doch nicht schnell genug gestillt werden können, oder, daſs sie zwar ge- stillt sind, aber ihre Folgen in einem bedenklichen Grade foridauern;— und in solchen Fällen ist die Transfusion als ein wohl ausführbares Rettungsmittel zu versuchen. In frühern Zeiten glaubte man auch durch die Ue- bertragung des Blutes von gesunden Thieren auf kranke 13* -——äöää— 1⁰= Ö die in den letztern vorausgesetzte üble Beschaffenheit der Säfte zu verbessern und somit Dyskrasieen heilen, — selbst durch das Blut von jungen Thieren alte Thiere wieder verjüngen zu können. Beides ist nicht gelun- gen, weil durch das dem Körper zugeführte fremde Blut die Beschaffenheit seiner Organe und der ganze Ernäh- rungsprozeſs nicht abgeändert werden kann*). Die Operation soll, wie die Infusion, schon im Al- terthum bekannt gewesen sein, war aber vergessen, bis sie gegen Ende des 16ten Jahrhunderts bei den Men- schenärzten wieder in Aufnahme kam und vielfaltig ver- sucht wurde. In der Thierheilkunde hat sie keine Ge- schichte; ich habe sie in 2 Fällen bei Verblutung mit Erfolg, in einigen Fällen ohne Erfolg angewendet. Die Trausfusion ist in zwei Methoden auszuführen, nämlich: unmittelbar und mittelbar. 36 Bei der uumittelbaren Transfusion flieſst das Blat von einem Thiere zum andern durch eine zwischen bei- den befndliche Röhre; bei der mittelbaren Trausfusion wird das von einem Thiere eutnommene Blat vermit- telst Spritzen in die Adern des andern Thieres übertra- gen. Letztere Methode heiſst auch, wegen ihrer Aehu- lichkeit mit der lufusion, die Transfusio infusoria. Die unmittelbare Trausfusion ist, namentlich wenn die Thiere liegen und unruhig sind, viel schwieriger ausführbar, und verlangt mehr Hilfsmittel als die mit- telbare. Da nun aber die Letztere eben so gut dem Zwecke eutspricht wie jene, dabei schnell ausführbar ist und man auch die Menge des einem Thiere gegebe- nen Blutes nur bei ihr genau wissen kann, so verdient sie allein empfohlen 2u werdeu, um so mehr, da die schuelle Ausführung der Trausfusion bei Verblutung den guten Erſolg sehr fördert. Man gebraucht zur mittolbaren Transfgsiop: 1)* Huwueht⸗ zum Bloſslegen, Eröffnen und Verschlieſsen einer Vene;— 2) eine Spritze, nebst einer Röhre, beide von angemessener Gröſse im Verhältnils zum Thiere und zu der geöffneten Ader; 39 ein Thier, welches das Blut giebt;— 4) ein Gefäſs mit warmem Was- ger; 3 und 5) zwei bis drei Gehülfen.— Die zur Aufnahme des Blutes am meisten 1 Seeishehe Ader ist die Drosselvene. An den groſsen Hausthieren kann man dieselbe wie bei dem Aderlassen, mittelst der Lanzette oder der Fliete öffnen, muſs aber stets eine recht groſse Oeffnung machen; oder man durchschneidet eine Hautfalte auf der Vene, legt die letztere etwa 1 bis 1¼ Zoll lang blos, führt mittelst der Heſtnadel zwei Un- terbindungsfäden unter sie, den einen vom andern etwa 1 Zoll entfernt, und offnet zwischen denselben die Ader. An den kleinen Thieren verfährt man immer auf letztere Weise. Der obere Unterbindungsfaden wird sogleich zugeschnürt, an der untern geschieht dies nach dem Ein- — A. —— “— G 8 8 6 e 2) 5 den Schriltstellern Anden n eeet Auglbea über ge- — lungene Transfusionen für die zuletzt genannten Zwecke, jedoch ohne Glaubwürdigkeit. So soll z. B. der berülmte Vollbluthengst Eclipse, welcher nach seinem 15ten Jahre sehr matt und un- prauchbar wurde, qurch übertragenes Blut von zwei seiner Enkel in kurzer Zeit wieder sehr lebhaft, zur Zucht und für die Renn- bahn brauchbar geworden sein.(Teuff el'*s Magazin für Thier- heilkunde etc. Bd. I. S. 123.) Inl edb gnignatd bringen der Spritze oder der hiezu benutzten Röhre.— In die gemachte Oeffnung der Ader, und zwar in der Richtung nach dem Herzen zu, kann man eine Röhre (z. B. einen dicken Federkiel) legen, damit das An- bringen der mit dem Blut erfüllten Spritze schnell und leicht geschehen könne;— oder, man führt die Canüle der Spritze, nachdem aus letzterer der Stempel entfernt worden, auf dieselbe Art in die Ader, wie den Hel- perschen Trichter bei der Infusion.— Die hierzu be- nutzte Spritze mufs eine weite Röhre haben, damit das Blut nicht in derselben durch Adhäsion und Gerinnung stockt; auch mufs sie unmittelbar vor dem Gebrauch durch warmes Wasser bis zur Temperatur des Blutes erwärmt worden sein. 1 Nach dem Einführen der Röhre oder der Spritze drehet man den untern Ligaturfaden 80 eng zusammen, dafs er die Ader fest an diese Instrumente drückt. Letz- tere läfst man von einem Gehülfen in ihrer Lage erhal- ten und zugleich die Vene unter dem Iustrument bis zum Eintritt des Blutes zusammendrücken, um das Ein- dringen der Luft zu verhüten. Nun macht man an dem Thiere, welches das Blut abgeben soll, schnell einen Aderlaſs, fängt das Blut eutweder in der er- wäͤrmten Spritze auf und injicirt es sogleich durch die- selbe in die Vene, oder— man lälst, wenn die Spritze selbst vorher schon als Infusions-Trichter in die Ader gelegt worden ist, das Blut in eine erwärmte Obertasse ſiieſsen, giefst es schnell aus dieser in die ffene. Spritze und laſst es in die Ader flielsen. Hierbei ist Folgendes zu beachten: 1) Man wähle zur Uebertragung nur Venenblut, und wo es möglich, von derselbeu Thier-Spezies wie das kranke Thier ist;*) 8 b d 2) man injicire nur eine mälsige Menge Blut**), Ben und in kleinen Pausen, um Ueberfüllung des Herzens und der Lungengefälse zu vermei- den,— was tödtlich wirken würde;— und 3) sogleich wie ein Gerinnen des Blutes in der Sgpritze oder der Röhre begiunt, muſs die fernere Baad Ueberführung solchen Blutes unterbleiben, das In- strument grändlich gereiniget und mit flüssigem 4* 4 3 Blut wieder angefüllt werden,— weil durch Blut- gerinsel in den feinen Lungengefälsen Stockungen und üble Zufälle entstehen. Nachdem die genügende Blutmenge mieirt unddas die Spritse oder Röhre entfernt ist, wird der untere Liga- turfaden von der Ader abgenommen und die Hautwunde mit einem Heft der Knopfnath geschlossen. Wo man eine einfache Aderlaſswunde gemacht hatte, geschieht das Schliefsen der Wande wie nach dem Aderlassen. Wenn 3,) Viellachen Eaperimenten 2nfolge Länneh zwar die Thiere mah 12 arterielles Blut in den Venen und Blut von andern Thieren ertra- gen, doch nur in sehr beschränktem Maasse und mit manchen Aus- nahmen. Pflanzenfresser werden vom fremden Blut am wenigsten, Hunde durch Blut von Carnivoren nur wenig, Katzen aber sehr stark afficirt, und Vögel sterben Plötelieh von Leipigen Tropfen .„Sangethierblat.. *) Es ist, nach meinen u. a. Versuchen Minreichend, wenn etwa der vierte Theil des verlorenen Blutes auf Einmal einem Thiere wiedergegeben wird, und es ist besser, nöthigenfalls bei grosser Schwäche noch eine zweite Uebertragung vorzunehmen. k Pgeben soll, schnel entweder in der er- es sogleich durch de- alst, wenn die Speitue .Trichter in die Ader ne erwärmte Obertass zer in die offene Spriu: e gchten: Bi g var Veuenblit, m en Tlier-Speuies ni macht herbeigeführt ist, — Wenn durch zu groſsen Blutverlust bereits Ohn- so müssen bei und nach der Uebertragung des Blutes noch andere Wiederbelebungs- mittel angewendet werden, z. B. Reibungen des Langen 53 Körpers, abwechselndes Zusammendrücken der Braust und des Bauches, Waschungen mit Branntwein, Terpen- tinöl u. dgl., und immer ist nachher eine kräftige Nah- rung zu verabreichen. pe⸗ Unterbindung 12n Sa,s,(Ligatura vasorum). 9§. 33. Sie besteht in dem festen Umlegen eines Fadens oder Bändchens um ein Blutgefäſs, und in der hierdurch bewirkten Verschlieſsung des Letztern an der zusam- Ihr Zweck ist: 1) vorhandene Blutungen aus einzelnen gröſseren Ar- mengeschnu rten Stelle. terien oder Venen zu stillen; oder 2) Blutungen, welche bei Operationen einzutreten drohen, zu verhüten; oder 3) krankhaft ausgedehnte Blutgefäſse(Aneurismen und Varices)„welche störend auf die umgeben- den Theile wirken, Zerreiſsung und Blutung her- beiführen könnten,— zu verschlieſsen und zu heilen;— und 1 4) Aſtergebilde und Dogoneraſionem in ihrer Ernäh- rung zu hemmen oder sie ganz zum Absterben zu bringen. §. 34. 91b 26 Die Ligatur der Gefäſse ist ein, bereits von Hip- pokrates und andern Aerzten des Alterthums gekann- tes chirurgisches Heilverfahren, welches später in Ver- gessenheit kam, von Ambrosius Paré ¹) gegen Ende des 16ten Jahrhunderts wieder in Aufnahme gebracht, später vielseitig verbessert, und hinsichtlich ihrer Wir- kungen besonders von Jones*), Hodgson 3), v. Graefe ⁴), Stilling ⁵) u. A. genau untersucht wor- den ist. Auch den Thierärzten des Alterthums war die Gefäfsunterbindung als Blutstillungsmittel bei verletzten Gefäſsen bekannt,— wie dies Jo rdanus Ruffus 6) deutlich zeigt,— und in der neuern Zeit wird sie fast allgemein als das sicherste Mittel für diesen Zweck be- trachtet und häufig benutzt. Sie ist jedoch kein ahsolut sicheres Blatstillungs- mittel, und auſserdem führt sie den Nachtheil mit sich, dafs sie durch das Ligaturbändchen die Waunden mit einem fremden Körper verunreiniget. §. 35. Die Wirkung der Ligatur auf das unterbundene Ge- fäfs besteht, bei einer mäfsigen Zusammenschnürung des Bandes, und wenn dasselbe breit ist, aufser der augen- blicklichen Hemmung des Blutflusses noch darin: daſs die innere Fläche des Gefaſses von mehrern Punkten her in gegenseitige Berührung gebracht und in derselben er- ¹) Les Oeuvres d'Ambroise P aré ete. 8e Edit. Paris 1628. ²) Jones, Abhandlung über den Prozess, den die Natur einschlägt, Blutungen zu stillen. A. d. Engl. 1 Sp Angennere Hanno- ver 1813. *) Hodgson, von den Krankheiten der Arterien und Venen. A. d. Engl. von Koberwein. Hannover 1817.* *) v. Graefe u. v. Walther Journal der Chirurgie und Augen- heilkunde Bd. II. p. 661., Bd. IV. p. 70, 454, 461., Bd. XI. p. 345., Bd. XII. p. 650. 28 4 18 *) Stilling, die Bildung und Metamorphose des Blutpfropfes oder Thrombus in verletzten Blutgefässen. Aus einer grossen Reihe von Versuchen an Thieren. Eisenach 1834. ³) Jordani Ruffi Hippiatria. p. 29. Patavii 1818. halten wird, so daſs Verwachsung und dauernde Ver- schlieſfsung des Gefäſses eintreten kann; von einem dün- nen, runden Bande und bei fester Zusammenschnörung desselben entsteht aufserdem ein Bersten der innern glatten Gefäſshaut(zuweilen auch der Faserhaut) in der Richtung, wie das Bändchen liegt, während das- selbe äufserlich nur einen Eindruck bildet. Durch das Bersten der innern Gefäfshaut wird die nachfolgende Entzündung und die hiervon abhängige Verwachsung der innern Fläche des Gefäſses noch vollständiger vermit- telt. Hierzu kommt, dafs das Blut in dem unterbunde- nen Gefäfs von der Unterbindungsstelle bis zum näch- sten gröfsern Seitenaste gerinnt und einen Blutpfropf (Thrombus) bildet, welcher an mehrern Stellen an die innere Gefäſsfläche adhärirt, durch exsudirten Faserstoff mit ihr fest verwächst, und mit den Gefäſshäuten eine compakte bandartige Masse bildet, welche bis zum näch- sten Seitenzweige kein Blut führt. Aeuſserlich entsteht an der Unterbindungsstelle Ent- zündung und Eiterung, und durch Letztere wird der Unterbindungsfaden in Zeit von 4— 16 Tagen gelöst oder selbst abgestoſsen. Das aufserhalb dieses Bandes befindliche Gefäſsstück stirbt bei einer recht fest ange- legten Ligatur ganz ab und löst sich mit dem Bändchen gleichzeitig; es vegetirt aber zuweilen fort, wenn die Ligatur nicht ſest zusammengezogen war, oder wenn innerhalb derselben die organische Substanz theilweis durch Eiterung aufgelöst und dünner geworden ist.— Zuweilen setzt sich auch die Eiterung nach innen fort und löst den Blutpfropf ganz oder theilweis auf, ehe noch eine feste Verwachsung des Gefäſses eingetreten ist. Mitunter entsteht auch Brand und Verjauchung an der Ligaturstelle,— und, wenn zufällig Nerven in die Ligatur gekommen sind, entstehen oft Krämpfe, selbst Tetanus. nn Wenn die Eiterung sich ins Innere des Gefäſses fortsetzt, oder wo sie die Ligatur locker macht, oder wo eine ſeste Verwachsung gar nicht erfolgt, weil es entweder an dem richtigen Grade von plastischer Aus- schwitzung fehlt, oder weil die Ligatur zu locker an- gelegt war,— wo die Unterbindungsfäden durch zu frühes und gewaltsames Ziehen(oft von den Thieren selbst, beim Scheuern der Wunde u. s. w.) abgerissen worden sind,— oder wo die Gefäſse krank, mürb oder weich sind,— treten zuweilen Nach blutungen ein, und zwar entweder während die Ligatur noch liegt, oder gewöhnlich bei ihrer Ablösung. §. 36. Die Unterbindung geschieht entweder: 4A. an völlig von einander getrennten Gefäſsstücken;— oder B. an Gefäfsen, welche noch theilweis oder ganz ihre Conti- nuität besitzen,— und in beiden Fällen entweder α) an dem reinen Gefäſs allein(unmittelbare, isolirte Unterbindung), oder— 5) an Geſäſsen, die noch 14 noch mehr oder weniger mit andern Gebilden umgeben sind(Unterbindung mit Substanz, mittelbare Unterbindung, Umstechung). A. Die Unterbindung völlig von einander getrennter Gefäfstheile ist überall bei Verwundungen indizirt, wo einzelne Gefäfse so stark bluten, daſs die Blutung nicht sogleich mit kaltem Wasser zu stillen und die Verle- taung doch von der Art ist, dafs sie durch schnelle Vereinigung geheilt werden kann, oder, wo wegen Be- schaffenheit des verletzten Theils eine andere Blutstil- lungsmethode nicht sicher, oder selbst nicht anwend- bar erscheint(z. B. an beweglichen Theilen, den Lip- hal u. s. w.). B. Die Unterbindung an u Blutgefälsen, die noch in htem organischen Zusammenhange bestehen, ist bei kleinen, theilweisen Verletzungen derselben, und in den oben§. 33. unter 2. 3. und 4. bezeichneten Umständen nöthig. a) Die unmittelbare Ligatur muſs immer ausge- führt werden, wenn das isolirte Gefäfs mit der Pin- zette oder dem Aderhäkchen(oder zuweilen auch mit den Fingern) zu erreichen, und einige Linien weit her- vorzuziehen, oder wenn es mit einigen Schnitten zu isoliren ist, und wenn im letztern Falle nicht wirk- liche Lebensgefahr durch kleinen Zeitverlust entsteht. — Sie ist am wenigsten schmerzhaft, gewährt die meiste Sicherheit des Erfolges und führt am wenigsten Nachblutungen, Krampf u. a. üble Zufälle mit sich, und die Ligaturfäden lösen sich schnell. 5) Die Unterbindung mit Substanz findet ihre Anwendung da, wo das blutende Gefäfs so tief zwi- schen andern Theilen versteckt liegt, dals man es nicht ergreifen und frei hervorziehen kann, und wenn in der Nähe des Gefäſses kein Nerv und kein anderes wichtiges Gebilde liegt, welches durch die Ligatur leiden könnte. 190n Ist dies zu befürchten, oder liegt das Geſfäſs in der- her 8 speckiger Masse, oder sind Seitenzweige so nahe an ihrem Ursprunge verletzt, daſs man sie nicht erfas- sen kann, so ist eine andere Blutstillungsmethode, na- mentlich durch das Brenneisen oder durch Tamponation, der Ligatur vorzuziehen; und Letztere wird von prak- tischen Thierärzten wegen Mangels an geschickten Ge- hülfen oft selbst in den Fällen, wo sie gut ausführbar ist, unterlassen. 1auah§ 37. 3 Zaur Uuterbindung getrennter Gefäſsenden braucht man: 1) eine Piuzette oder ein Aderhäkchen; 2) das Ligaturbändchen;— bei der Unterbindung der noch im Zusammenhange bestehenden Gefäſse und oft bei der mittelbaren Unterbindung kommen hierzu noch: 3) einige krumme Nadeln; 4) ein geballtes Bistouri; 5) eine Scheere; 6) zuweilen eine Hohlsonde; 7) zwei stumpfe Doppelhaken; 8) Wasser und Badeschwamm. Die Pinzette soll eine der Gröſse des Gefäſses an- gemessene breite oder schmale Spitze haben, gut fassen, aber doch nicht die Gefäſswände abkneifen. Für die meisten Fälle ist eine gewöhnliche anatomische Pinzette ausreichend; man hat aber noch besondere Arterien- 54 oder Unterbindungspinzetten, die sich von jenen dadurch unterscheiden, dafs sie entweder mit einer Vor- richtung zum festen Zusammenschliefsen ihrer Schenkel (oder Blätter), oder mit Vorrichtungen zum Halten der auf sie gelegten Unterbindungsschlinge(mit Federn, Häkchen, Gabeln u. s. w.) versehen sind. Durch diese Vorrichtungen wird das Unterbinden, wenn gute Gehül- fen fehlen, oft sehr erleichtert. Unter den Schlieſs- Pinzetten scheint die Frickesche, ihrer einfachen und soliden Construktion wegen, die vorzüglichste zu sein. Sie ist in der Mitte des einen Blattes mit einem ¼ Zoll langen Spalt versehen, welchen äuſserlich eine ver- schiebbare kleine Platte bedeckt, die mit einem an der innern Fläche des Blattes liegenden, 1 Zoll langen und an der Basis 2 Linien dicken Kegel zusammeuhängt; aufserdem sitzt an der innern Fläche eines jeden Blat- tes eine kleine eiserne Oehse, in welche der Kegel ein- dringt und dadurch die Pinzette schlieſst, wenn man die kleine Platte an der äufsern Fläche gegen die Spitze vorwärts schiebt.— Die Aderhäkchen, Arterien- oder Unterbindungshaken eignen sich fast nur zum Erfassen mittler und kleiner Gefäſse und verlangen eine subtilere Anwendung als die Pinzetten, haben aber keine Vor- züge vor denselben. Bromfield empfahl zuerst einen fast Sförmig gekrümmten, Wolstein einen, in einem spitzen Winkel über den Stiel zurückgebogenen Haken, — von denen jener schwierig an die Ader zu bringen ist, der letztere aber das Umlegen der Schlinge sehr erschwert. Der beste ist der von Bell angegebene und von Graefe verbesserte Haken, der von dem Stiel aus fast halbzirkelförmig gebogen, kurz, und am Stiel mit einer kleinen Stahlfeder zum Halten der Schlinge ver- sehen ist. Die Unterbindungsbändchen sind rund gher lhuun und aus Zwirn, Seide, Bindſaden, Darmsaiten u. dgl. bestehend. Runde Fäden wirken mehr scharf dräckend, so daſs sie bei festem Zusammenschnüren die innern Arterienhäute zerschneiden und dadurch den nothwendi- gen Entzündungszustand an der Unterbindungsstelle si- cherer herbeiführen, zuweilen aber auch dieselbe zu sehr schwächen, oder sie auch ganz durchschneiden und somit zu Nachblutungen Veranlassung geben. Dies ist um so mehr der Fall, je dünner und feiner das Bändchen ist.— Die platten Bändchen bewirken nur ein Aneinanderlegen der innern Fläche des Gefäſses,— was mehrentheils auch zu dem Verwachsungsprozeſs ausreicht; ihre Zusammenschnürung und die Bildung eines festen Knotens ist aber schwerer zu bewirken als bei den runden Bändchen; sie gleiten deshalb zuweilen von dem Gefäſs ab und lassen hierdurch Nachblutung entstehen.— Für kleine Gefäſse nimmt man einen ein- fachen oder doppelten, und mit Wachs bestrichenen Zwirn- oder Seidenfaden; für Gefäſse von mittler Stärke (etwa 2— 3 Lin. dick) legt man 3— 4 Fäden, und für gröſsere Gefäſse 6— 12 Fäden in ein Bändchen zu- sammen.— A. Cooper und Dupuytren benutzten Darmsaiten, Andere schmale Lederstreiſen zur Ligatur, in der Idee, dafs diese animalische Substanzen in die Gefäſse einwachsen oder resorbirt werden können, also ihre Abstoſsung durch Eiterung nicht nöthig ist, und ———— „ Weun gute Gehil. Uuter den Sehjebs ne, ihrer einſachen und vorzüglichste zu gein. lattes mit einen a Zal u aulserlich eine ver- „die mit einem an der aden, 1 Zoll langen und Kegel 2usammeubängt, läche eines jeden Blat. a welche der Kegel ei- ie schlieſst, wenn ma Fläche gegen die Shit häkchen, Arterien- oder h fast uur zum Erfassel verlaugen eine subllen haben aber keine Vor⸗ eld empfahl zuerst einen olstein einen, in einen Hzurückgebogenen Haken „ an die Ader zu bringen alegen der Schlinge seh von Bell angegebene ud en, der von dem Stiel as kurz, und am Stiel u Halten der Schlinge ler- en siud rund oder pht- aden, Darmsaiten u. dg. ten mehr scharf drückend umenschnüren die innern dadurch den nothweud- er Uaterbindungsstelle s- ch g eranlassung sebeu. dünner und feiner das Bändchen bewirken but Flche des Gefäſses,— Dies daher die schnelle Vereinigung schneller und sicherer erfolgt als bei dem Gebrauch vegetabilischer Ligatur- fäden. Die Erfahrung hat diese Ansicht nicht bestätiget. AAuſser der Stärke und Beschaffenheit hat man auch auf die Länge der Ligaturbändchen zu sehen, weil zu kurze und zu lange Bändchen das Unterbinden erschwe- ren. Bei flachen Wunden und kleinen Gefäſsen ist eine Länge von etwa 6— 8 Zoll, bei tiefen Wunden und für groſse Gefäſse eine Länge von 12— 16 Zoll ge- nügend. 1 Die Nadeln zur Unterbindung mit Substanz sind gewöhnliche krumme Wundheftnadeln, die man in an- gemessener Gröfse und Krümmung auswählt; denn wenn das verletzte Gefäfs in der Wunde sehr tief liegt, und wenn man wegen unsicherer Kenntniſs der Lage des- selben eine gröfsere Masse von Weichgebilden umste- chen mufs, ist immer eiue gröſsere Nadel erforderlich als unter entgegengesetzten Umständen. Man hat auch besondere Umstechungsnadeln, die aber entbehrlich sind. §. 38. Die Ausführung der Unterbindung kann an ruhigen Pferden und Rindern oft im Stehen geschehen; wo aber die Thiere uuruhig und widersetzlich sind, und beson- ders wenn schon ein groſser Blutverlust entstanden und deshalb Gefahr im Verzuge ist, und im Allgemeinen bei den kleinen Thieren, ist hierzu das Niederlegen derselben erforderlich, damit die Operation schuell und regelmäfsig ausgeführt werden kann. Deunn nur Letz- teres sichert ihren Erfolg. 4. Bei der unmittelbaren Unterbindung ganz ge- trennter Gefäſse reiniget man zuerst die Wunde mittelst Schwamm und Wasser von dem etwa vorhandenen Blut, um das offene Gefäſsende deutlicher sehen und von den umgebenden Theilen unterscheiden zu können; mau sieht die Mändung desselben am deutlichsten gleich nach dem Aufdrücken und raschen Wiederentfernen des Schwammes, und in den meisten Fällen ragt auch(be- sonders von Arterien) das blutende Gefäls ein wenig über die Fläche der Wunde hervor; in tiefen und nicht sehr weiten Wunden kann maun das Gefäfs mehrentheils nicht sehen, aber man fühlt es, wenn man die Finger- spitzen dem Blutstrahl gerade entgegenführt bis zur blu- tenden Stelle. Das Gefäſs erfaſst man, indem man entweder(bei groſsen Gefäſsen) einen Schenkel der Pinzette in die Mündung desselben und den andern an dessen Auſsen- fläche setzt, oder man fafst mit ihr die beiden gegen- überstehenden Gefäſswände, drückt die Pinzette zusam- men, und ziehet sanſt das Gefäſs so weit hervor, daſs man eine Schlinge um dasselbe, etwa 1— 3 Linien weit vom Ende entfernt(nach der Stärke des Gefäſses) le- gen und zuziehen kann. Die Schlinge war entweder schon vorbereitet auf die Pinzette gelegt worden, ehe man das Gefälſs ergriff, so dafs sie nun mit den Fin- gerspitzen bloſs auf Letzteres gestreift und zugeschnürt wird, oder man führt das Bändchen erst nach dem Her- vorziehen des Gefäſses um dasselbe, kreuzt die Enden, steckt sie untereinander durch, und bildet so eine ein- fache Schleife. 55 — Gebraucht man das Aderhäkchen, so setzt man die Spitze desselben am besten an die innere Fläche des Gefäfses an und verfährt übrigens ganz wie bei der Auwendung der Pinzette. In tiefen Wunden, wo das blutende Gefäſs nicht zu sehen ist, ist es auch sehr schwer mit Instrumenten zu ergreifen; man sucht es daher zuerst mit den Fin- gerspitzen zu erfassen und etwas hervorzuziehen, wor- auf man eine Pinzette unter den letzteren an dasselbe legt, um hierdurch mehr Raum für die Anlegung der Ligatur zu gewinnen. 1 st in einer Wunde das blutende Gefäfs in der Masse anderer Gebilde nicht zu unterscheiden, die un- mittelbare Ligatur aber indizirt, so muſs man zunächst das Gefſs von den übrigen Theilen künstlich trennen. Zu diesem Zwecke erfasse man die Masse an der blu- tenden Stelle mit einer Pinzette, und hört die Blutung hiernach auf, so streife und trenne man mit einer zwei- ten Pinzette, wit dem Stiel eines Skalpells, oder mit dem Rücken eines Messers, das Zellgewebe u. s. w. von dem erfaſsten Punkte zurück nach dem Grunde der Wunqde, bis das Gefäſs so frei liegt, daſs es erfaſst und unterbunden werden kann. Selbst vorsichtige kleine Einschnitte können hierzu gemacht werden. Das Herunterschieben der Schleife von der Pinzette (oder von dem Häkchen), so wie das Zuschnüren ver- richtet entweder der Operateur selbst oder ein Gehülfe. Letzteres erscheint nicht ganuz zweckmäſsig, weil man dabei nicht genau weiſs, welchen Grad von Kraft der Gehülfe hierzu verwendet hat und ob die Ligatur die erforderliche Festigkeit besitzt. Dennoch mufs man die- ses Geschäft dem Gehäülfen überlassen, wenn das Ge- fäfsende sehr kurz, mühsam zu erfassen und schwer festzuhalten ist, weil unter diesen Umständen es eben so wichtig ist, daſs der Operateur selbst das einmal er- griffene Gefäſs festhalte.— Im Nothfall muſs man die Unterbindung auch ohne einen Gehülfen ausführen kön- nen. Dies geschieht entweder, indem man mit dem Dau- men und Zeigefinger der einen Hand die Pinzette und mit den drei übrigen Fingern das eine Ende des vorher in Form der Schleife auf die Pinzette gelegten Bandes hält, mit der andern Hand aber dieselbe auf die Ader schiebt und dann am zweiten Ende des Bandes das Zu- schnüren bewirkt;— oder, man erfaſst das Gefäfs mit einer Schliefspinzette, schliefst dieselbe, läfst sie dann frei an der Ader hängen und bewirkt mit beiden Hän- Letz- tere Methode ist leichter ausführbar als die Erstere, und den das Umlegen und Zuschnüren des Bandes. das von Dieterichs hierbei befürchtete Zerren und Abreiſsen des Gefäſses erfolgt auch bei unruhigen Thie- ren von der bloſsen Pinzette nicht so leicht, wie wenn an derselben noch die schwere Hand eines ungeschick- ten Gehülfen hängt. 97 Um das Zusammenschnüren der Schleife sicher und kunstmäſsig zu vollziehen, legt man das eine Ende des Bändcheus auf die hohle Fläche der rechten, das andere auf die hohle Fläche der linken Hand,—(beide eine doppelte Handbreite von einander entfernt) und hält sie hier durch den Daumen ſest;— dann wendet man die Hände von aufsen nach innen und von oben nach unten 14* gegen sich, so, daſs der Handrücken oben, der kleine Finger nach auſsen gekehrt ist, und das Bändchen über den letztern und den Rücken der nächsten beiden Finger zu dem Gefäls hinläuft. Die hierbei frei gebliebenen beiden Zeigefinger schieben nun mit ihrer Spitze die, etwa noch an der Pinzette sitzende Schleife in genũ- geuder Tiefe auf das Gefäls und stützen sich hier von beiden Seiten gegen sie, worauf ihre Zusammenschnä- rung bewirkt wird, indem man beide Hände ein wenig von einander entfernt. Der Grad des Zusammenschnü- rens ist immer hinreichend, wenn das Bändchen eine Furche in die Gefäſswand eingeschnitten und die Blu- tung ganz aufgehört hat; es darf an kleinen Gefäſsen und an Nenen(der dünnen Wände wegen) nur mäſsig stark, an groſsen Arterien mit gröſserer Kraft gesche- hen.— Nach dem Zusammenschnüren des Gefälses steckt man die Bandenden noch einmal unter einander durch, zieht sie auf die angegebene Art fest zusammen und bildet so einen Schluſs- oder Befestigungsknoten. Die Enden der Bändchen schneidet man in der Re- gel so ab, daſs sie nur eben aus den Wundrändern her- vorragen, damit das Thier sie nicht mit den Zähnen, durch Reiben u. s. w. abreilsen kann. Auch werden sie gewöhnlich, wenn mehrere Gefäſse unterbunden sind, zusammen in den nächsten Wundwinkel gelegt, damit sie nicht die Wundfäche an mehreren Stellen reizen und dadurch die schnelle Vereinigung stören. In solchen Fällen ist es oft gut, die Ligatur des wichtigsten Ge- fäſses zu bezeichnen, indem man einen Knoten in das Ende des Bandes bindet,— damit man später um so sicherer ersiehet, welche Ligatur sich bereits gelöst habe. B. Die Uterhudane der Gefäſse in der Contiuui- tät Sgosohichs entweder an einer verwundeten oder bis- her unverletzten Stelle des Körpers und des betreffen- den Blutgefäfses.— Im erstern Falle hat man zunächst zu untersuchen, ob die Wunde zur Anlegung der Liga- tur den hinreichenden Raum darbietet? Ist dieser vor- handen, so geht man mit den Fingern in die Wunde und sucht das betreffende Gefäls(was man an dem Ursprunge des Blutstroms, bei Arterien auch an dem Pulsiren, und an der cylindrischen, elastisch derben Be- schaffenheit erkennt). Findet sich dasselbe von den uingebenden Theilen auf einer Strecke von mindestens 1 ½ Zoll getrennt, so sucht man es mit dem gekrümmten Zeigeſinger au die Oberfläche hervorzuziehen,— schiebt eine Hohlsonde queer unter dasselbe, isolirt es dann vor- sichtig von allen andern Gebilden, entfernt besonders die etwa neben dem Gefäſs liegenden Nerven,— führt dann mit Hülfe einer Heftnadel ein Bändchen um das Gefaäls, bildet daraus die Schleife, und bewirkt die Zu- schnürung derselben auf die früher angegebene Weise. Es versteht sich von selbst, daſs das Bändchen an Ar- terien in der Regel zwischen dem Herzen und der ver- letzten Stelle,— an Venen aber auſserhalb derselben, d. i. zwischen der verletzten Stelle und der Peripherie des Körpers angelegt werden muſs.— Wenn das ver- wundete Gefals micht allein Blut von seinem Stamme, sondern auch vom andern Ende her durch Verbindungs- zweige(Anastomosen) von andern Geſäſsen erhält(wie 56 —— z. B. die Carotis), muſs stets an jeder Seite neben der verletzten Stelle eine Ligatur angelegt und somit das Gefäfs doppelt unterbunden werden. Nach gemachter einfacher oder doppelter Ligatur durchschneidet man die Ader an der verletzten Stelle, damit die Enden sich zurückziehen können und hierdurch die, bei der sonst bestehenden Spannung des Gefäſses drohende, Zerreiſfsung desselben an den— stellen verhütet werde. Ist eine Wunde zur Ausführong der Unterbindung nicht groſs genug, oder liegt in ihr die blutende Ader noch gröſstentheils unter einer Schicht anderer Weich- gebilde, so mufs im ersten Falle die Wunde hinreichend erweitert, im letzten Falle aber die Ader auf einer Strecke von circa 1 ¼ Zoll freigelegt werden. Bei ober- flächlich liegenden Gefäſsen muſs hierzu die Wunde etwa 2 Zoll, bei tief liegenden aber 3— 5 Zoll lang sein. Das Erweitern und Blofslegen geschieht mit vor- sichtigen Schnitten in der Richtung der Fasern der Ge- bilde, wo möglich an der Grenze der Muskeln u. dgl. im Zellgewebe,— und in der Nähe des Gefäſses trennt man Letzteres am besten mit dem scharfrandigen Stiele eines Skalpells(auch mit einer Haarseilnadel) oder auch mit den Fingerspitzen, um Verletzungen des Gefäſses von scharfen Instrumenten zu vermeiden.— Nach die- sen Vorbereitungen zieht man das Gefäfs hervor und unterbindet es, wie oben gelehrt. Soll ein Gefäſs an einer Stelle unterbunden wer- den, wo keine Wunde besteht, so ist dasselbe zuerst durch angemessene Kunstschnitte in hinreichender Länge freizulegen. Hierbei mufs in jedem einzelnen Falle die anatomische Kenntnifs von der Lage und dem Verlaufe des Gefäfses, so wie von der Beschaffenheit der an dasselbe grenzenden Theile leiten*);— im Allgemei- nen verfährt man auf folgende Weise: Nachdem man sich über die Lage und den Verlauf des betreffenden Gefäſses orientirt, bei Arterien wohl auch die Pulsation derselben gefühlt hat, bildet man(wo die Schlaffheit der Haut es erlaubt) eine Hautfalte queer über das Ge- fäls und gerade an der Stelle, wo der Hautschnitt ge- 1 schehen 4) Man würde z. B. die Schläfenarterie da blosslegen und so unterbinden, wie dies bei dem Aderlassen an derselben S. 49 beschrieben ist.— Die Gaumenart erie, die unter dem Gau- menfleisch, etwa einen Zoll breit vom Zahnrande des Oberkiefers entfernt, am Gaumen bis gegen dessen dritte Furche herunter- steigt, kann man daselbst durch einen 1 ¼ Zoll langen Schnitt, den man in der Längenrichtung des Gaumens bis fast auf den Kuochen macht, plosslegen und unterbinden.— Die Carotis kann von ihrem Stamme aus bis zur Ohrdrüse hinauf an jeder Stelle blossgelegt werden. Hierzu macht man den Einschnitt an der sogenannten Halsrinne, zwischen dem gemeinschaſtlichen Kopf-, Hals- und Armbeinmuskel und dem Brustkinnbackenmuskel, ziem- lich gleichgültig, ob über oder unter der Drosselvene, die man dabei sorgfältig schont; derselbe beträgt an kleinen Thieren gegen 1 ½— 2 Zoll, bei grossen Thieren 3— 4 Zoll und trifft ausser der Haut'und dem Hautmuskel nur an der obern Hälfte des Hal- ses noch den Schulterzungenbeinmuskel. Unter diesen Muskeln ist die Arterie nur mit lockerm Zellgewebe bedeckt, welches je- doch um sie und den Nervus vagus und Nervus sympathicus m. eine Scheide bildet, die man öffnen muss, um die Ader ganz rein unterbinden zu können. Sollte der Nervus vagus aus Versehen in die Schlinge gekommen sein, so entsteht sogleich bei jedem Athem- zuge ein lautes brummendes Geräusch. Die Carotis muss immer doppelt unterbunden und dann zwischen den Ligaturen durch- schnitten werden u. s. w. jeder Seite ugelegt und a- n. 4 wonit ds der doppel lter u der ver rletaten K 1 a können und be ele Spannung des G Ule an den lneßdtge hrung der Vate — eer Weich. die Wunde irsehend er die Ader au dider gelegt werden. Dei cher. duſs hierau die Wundk a aber 3— 5 Zoll lug degen geschieht ni ncr. rung der Faseru der Ge. enze der Muskenn u. Nähe des Gefalses trau lem scharfrandigen Sier Haarseilnadel) oder au erletzungen des Geflles vermeiden.— Nael db. n das Geſaſs hervor ul hrt. Stelle unterbunden we t, so ist dasselbe zuet ate in hinreichender lin jedem einzelnen Fäbt Lage und dem jeuit ſer Beschaffenbeit in u ten 8);— in AlGas e Weise: Nachden m Verlauf des heirftat wohl auch di hisia ztſalte queer über „wo der llautsehuit gr Llelel 80 h ni narterie dn MWssleg 9 8. Aderlassen an derselhen m Gal- narterie, die unter de 4 vam Zaharande tte Furede jri dessen 6 Zoll Hngen huit, einen 11 st des Gaumens his ſa unterbinden.— f u jebr a ur Ohrrise hwitt an — schehen soll. Diese Falte durchschneidet man so weit, dafs eine hinreichend groſse Hautwunde nach der Län- genrichtung des Gefäſses entsteht, Gefäſsen ist eine 1 ½— 2 Zoll lange, bei tiefliegenden Gefäfsen eine 3— 4 Zoll lange Wunde in der Regel ausreichend. Hat die Wunde nicht die eutsprechende Länge durch den ersten Schnitt erhalten, so vergröſsert man sie, indem man entweder die Haut neben dem Wund- winkel in der Richtung wie zuerst in eine Falte auf- hebt und dieselbe durchschneidet,— oder man schiebt eine Hohlsonde von dem einen Wundwinkel aus in das Zellgewebe unter die Haut und spaltet dann Letztere, indem man ein einfaches gerades oder ein Kuopf-Bistouri in der Rinne der Sonde vorwärts schiebt.— Wo die Haut straff auf den darunter befindlichen Theilen liegt, muſs der Hautschnitt in der bezeichneten Richtung und Gröſse ohne vorher gebildete Falte gemacht werden. den Die unter der Haut noch das Gefäſs bedeckenden Meichgebilde trennt man, wenn es sein kann, an ihren Rändern durch vorsichtig geführte Schnitte im Zellge- webe von einander; wo aber einzelne Muskeln gerade über dem Gefäſs liegen, wie z. B. der Schulter-Zun- genbeinmuskel an dem mittlern Theil des Halses über der Carotis, da durchschneidet man dieselben so weit als nöthig. Ist man bis zu dem betreffenden Gefäſs ge- kommen, so trennt man das an demselben haftende Zell- gewebe u. s. w. mit dem Messerstiel, mit einem Fin- ger oder der Haarseilnadel, sucht jenes mit gekrümmtem Finger an die Oberfläche zu ziehen, und verfährt im Uebrigen ganz so, wie im Vorhergehenden bei dem Un- terbinden der Gefäfse in der Continuität angegeben ist. Das Unterbinden mit Substanz gesehieht vhtWedera 1 a) ganz ein fach, indem man mit der Pinzette oder dem Häkchen die blutende Masse, wenn dieselbe dünn und weich ist, erfaſst und hervorzieht, und dann eine Schlinge um dieselbe so fest anlegt, daſs nicht allein der Blutfluſs aufhört, sondern auch die in der Ligatur befindlichen Gebilde sogleich ihre Nitalität völlig verlieren;— oder sie geschieht 5) mittelst Umstechung, wenn das hlutende Ge- fäls in dicker Masse oder in verdichteter Sub- stanz oder in einer sehr tiefen Wunde mit glatter oberfläche liegt. Man macht sie, indem man eine Kkrumme Heſtnadel, die mit einem entsprechend star- ken Ligaturbändchen versehen ist, einige Linien bei oberflächlichen von dem blutenden Gefäfs entfernt in die Wund- fläche einsticht, sie neben demselben in einem Halb- kreise etwa 6,— S Linien lang vorbeiführt und sie dann wieder an der Oberfläche heraussticht; dicht neben diesem Ausgange sticht man die Nadel wie- der in die Masse, führt sie neben dem Gefäſs bis zum erstern Einstichorte und hier heraus, so daſs das Bändchen die Ader fast ganz kreisförmig umgiebt. Nachdem die Nadel entfernt ist, werden die En- den des Bändchens unter einander durchgesteckt, die so gebildete Schleife recht fest zusammenge- schnürt und darauf mit einem zweiten Knoten ver- sehen.— Auch hier werden die Enden der Li- gaturbändchen so weit abgeschnitten, daſs sie nur etwa einen Zoll nnsa aus den Wundrändern her- vorstehen. 4351 4 ns 39.1 39. Eine besondere Dahhehasuue der Ligaturen ist in der Regel nicht erforderlich, sondern es findet die Behandlung statt, welche der Charakter und die Be- schaffenheit der Wunde erfordert. ben dabei in den ersten Tagen gauz unberührt; erst nach dem Eintritt der Eiterung an den Unterbindungs- stellen kann man, und zwar bei kleinen Gefäfsen etwa Die Ligaturen blei- vom 4ten Tage ab, bei groſsen Gefäfsen aber erst nach dem Sten Tage, an den Enden der Unterbindungsbänd- chen täglich einmal gelind ziehen, theils um zu versu- chen, ob die Ligatur durch Eiterung abgelöst und zu entfernen ist, theils um durch die vermehrte Reizung Sollte hierbei aber die Ligatur bis über den 14ten Tag sitzen bleiben, so kann die Ablösung zu beschleunigen. man die Sohlinge, wenn sie zu sehen und zu erreichen ist, mit der Scheere oder mit einem Messer von dem Gefäſs abschneiden, im Falle sie aber nicht zu errei- chen ist, sucht man sie durch einen kräſtigen Zug ab- Wenn nach geschehener Unterbindung der Starrkrampf eintreten sollte, so mufs die Ligatur so- gleich gelöst, das Gefals nochmals in Betreff anderer, zulösen.— etwa an demselben beſfindlicher Theile, besonders der Nerven, genau uutersucht, isolirt und nöthigenfalls an einer etwas höher gelegenen Stelle wieder unterbunden werden.— Die zuweilen eintretenden Nachblutungen sind entweder durch eine neue und recht fest anzulegende Schlinge über der ersten Ligaturstelle, oder, wo die- selbe nicht anzubringen ist, durch Tamponation u. 8. W. zu stillen. r. Das Zudrehen, Torquiren oder die Tοrsion der Bluro efaſse (Torsio s. Torquatio vasorum). §. 40. Die Torsion besteht in dem Zusammendrehen ganz getrennter Blutgefäfsenden um ihre Längenachse bis zu dem Grade, dafs die Gefäfswände stellenweis auf einen Punkt zusammengedrängt werden, in ihren Häuten blei- bende Spiralfalten und bald mehr bald weniger Zerrei- ISungen entstehen, und das Lumen der Gefäſse ver- schlossen wird. Der Zweck dieses Verfahrens ist die Blutstillung, und dasselbe ist für diesen Zweck im Allgemeinen da angezeigt, wo auch die isolirte Inntstiidaue der Ge- fälse ausgeführt wird(§. 36 a.). Die Torsion ist auf die Beobachtung gegründet: daſs Wunden mit Zerreiſsung der Weichgebilde ge- wöhnlich nur wenig und zuweilen gar nicht bluten, selbst wenn groſse Gefäſse mit verletzt sind, und daſs man dabei die Letztern in einem mehr oder minder zu- sammengedreheten Zustande findet. Aus dieser Beob- achtung ist wahrscheinlich auch das schon seit älteren Zeiten empfohlene Abdrehen der Polypen, und in der 15 Thierheilkunst das Castriren mit Abdrehung der Hoden (von Wolstein und Toegel gegen Ende des vori- gen Jahrhunderts verbessert) hervorgegangen.— Das Zudrehen isolirter Gefäfse ist jedoch zuerst im Jahre 1829 von dem französischen Chirurg Amussat em- pfohlen, und später von Andern vielfältig ausgeübt und in einigen Punkten verändert worden; ich selbst habe es häufig und mit gutem Hrfoles an Arterien und Ve- nen Nangp henddet, 49.§. 41. Das Zudrehen der Blutgefäfse kann an völlig durch- trennten Arterien und Venen von jeder Gröfse unter- nommen werden, wenn man dieselben 2— 6 Linien weit aus den umgebenden Theilen hervorziehen kann; an Ar- terien gelingt es mehrentheils besser als an Venen.— Die Ausfährung ist an Pferden und Rindern eben so leicht im Stehen wie im Liegen derselben möxglich. Man gebraucht dazu eine Pinzette zum Drehen und oft auch eine zweite zum Fixiren des Gefäſses; beide sol- len nach der Gröſse der Gefäfse eine angemessene Stärkse, und die Erstere auch eine entsprechend breite Spitze und nur mäſsig scharfe Zähne ha- ben. Denn Pinzetten mit zu dännen Armen biegen sich bei dem Zudrehen nur etwas starker Arterien, so daſs sie nachgeben und dieselben loslassen; wenn ein breites Gefafs mit einer sehr schmalen, spitzen Pinzette erfalst wird, so wirkt Letztere nur auf einen kleinen Theil der Gefäſswäude, das Zusammendrehen dersel- ben erfolgt ungleichmälsig und es reiſst, wohl das er- griffene Stück sogar aus, während die daneben befind- lichen Theile noch zu wenig gedrehet sind; und Pin- zetten mit zu scharfen Zähnen bewirken während des Drehens ebenfalls oft ein Ahreiſdea das Gefaſses am Rande der Pinzette. Die Pinzette zum Fixiren des Getälses muſs mit der innern Fläche ihrer Arme gut aneinander- schliefsen. Man hat diese innere Fläche abgerun- det oder auch mit einer stumpfen Kante in der Länge des Aris versehen und dadureh das Bersten der innern Arterienhäute, so wie die Zuräckschiebung und Umstul- pung derselben und hierdurch noch mehr die Verschlie- fsung des Gefäſses bewirkt. Auch mit einer Kornzange, und im Nothfalle mit den Fingern, kann das Fixiren der Gefäſse geschehen. Zum Drehen wie zum Fixiren sind aber Pinzetten mit eiunem guten Schlafsapparat am zweckmäſsigsten, da sie das Gefäfs gleichmäfsig fest- halten, so dafs man das sichere Zudrehen selbst mit einer Hand bewirken und die andere Hand zur Fixi- rung des Gefäſses benutzen kann. §. 42. Die Operation kann in dreifacher Modifikation ge- macht werden, nämlich: 1) als einfache Drehung des Blutgefäſses, ohne wei⸗- tere Vorbereitung und ohne Fixirung desselben; 2) als Drehung des Gefäſses mit Begrenzung derselben durch eine, queer über das Gefals gelegte, Pinzette oder Kornzange, durch welche es fixirt wird; 43) als Drehung mit Fixirung des Gefäſses, vach vor- ausgegangener oder bei gleichzeitiger Zurückschie- bung seiner innern und mittlern Haut. Auſfserdem findet noch die Verschiedenheit statt, daſs man das zwischen die Pinzette gefafste Stück des Gefäfses entweder ganz abdrehet,— oder daſs man mit ihm nur eine Anzahl von Drehungen bis zum Durchreiſsen der innern und mittlern Ge- fäfshaut macht, und es dann mit dem übrigen Theil in Verbindung lälst. Bei Ausführung der sub 1 bezeichneten Methode ergreift man mit der Pinzette das Gefäfsende in seiner Längenrichtung an zwei einander gegenüberstehenden Punkten der äuſsern Fläche, drückt es möglichst stark zusammen, ziehet es einige Linien(je nach seiner Stärke etwa immer so lang als es breit ist) aus den umgeben- den Theilen hervor und trennt mit einer gewohulichen Pinzette das Zellgewebe und andere Gebilde von ihm ab, so daſs es eine ganz reine Aufsenfläche zeigt. Hier- auf drehet man die erste Pinzette(mit dem Gefäſs) halb um ihre Längenachse, legt dann sogleich den Daumen und Zeigefinger der linken Hand fest auf die Arme des Instruments, läſst es fär einen Augenblick aus den Fin- gern der rechten Hand uud macht ebenfalls eine kleine Drehung derselben,— erfaſst es dann wieder mit der rechten Hand, drehet, und setzt so das Verfahren ab- wechselnd mit den Fingern beider Hände fort, bis das Endstück des Gefäfses ganz abgedrehet ist oder bis die innern Häute in demselben durchdrehet sind. Letzteres erkennt man daran, daſs nach einigen Umdrehungen der zuerst in einem gewissen Grade wahrnehmbare Wider- stand der Gefälswände gegen das Drehen sehr nachläfst oder fast ganz aufhört; und an gröſsern Arterien fühlt man auch ein Knacken an der gedreheten Stelle in dem Moment, wenn die innern Häute zerreiſsen.— Thierry schrieb für kleine Arterien 4, für gröſsere 6, und für die gröfsten 9 Umdrehungen vor; allein die Zahl der- selben läſst sich nicht so genau bestimmen.— Während des Drehens darf man das Gefäfs weder erschlaffen las- sen, noch es zu sehr anspannen, weil im erstern Falle es sich wulstig und ungleich zusammendrehet, im au- dern Falle aber das gedrehete Stück zu früh abreiſst. Bei der zweiten Methode wird das Gefaäſsende mit der Pinzette ebenfalls in der Längenrichtung überfaſst, hervorgezogen und von dem etwa vorhandenen Zellge- webe u. s. w. befreiet. Hierauf legt man die zum Fixi- ren bestimmte Pinzette queer über das Gefäfs, etwa 1 bis 3 Linien(je nach der Gröfse desselben), von der Spitze jener ersten Pinzette entfernt, hält es mit der- selben so fest, daſs es sich in ihr weder drehen noch verschieben kann, und streicht dann mit den Fingern oder mit der frei gewordenen ersten Pinzette das etwa in dem Gefäſsende befindliche Blut vollständig heraus, worauf immer genau zu achten ist. Nachdem dies ge- schehen, legt man die erste Pinzette wieder wie ur- sprünglich au das Gefäls und bewirkt mit ihr das Dre- hen wie bei der ersten Methode. Die dritte Methode beginnt mit dem Prgteiſen, Her- vorziehen und Isoliren des Gefäfses ganz wie die erste. Dann legt man queer über das hervorgezogene Gefäſs- stück und ganz nahe an jene Pinzette entweder eine, an den innern Flächen abgerundete Pinzette, drückt da- mit das Gefäſs ganz flach und streicht mit ihr einige- sogleich den Daune ſest auf die Atme àes Lenblick aus den Fiu. beufalls eine kleime dann wieder mit der 80 das Verfahren ahe Haude fort, bis das drehet ist oder bis de ſrehet sind. Letsteres igen Umdrehungen der wahrnehmbare Wider. Drehen sehr nachläls gröſsern Arterien fül lreheten Stelle in en rreifsen.— Thierty rgrölsere 6, und ſi allein die Zahl der- stimmen.— Während weder erschlafen las- weil im erstern Fall ammendrehet, in au- ck au früh ahreilst. 4 das Gefäſsende mi geuriehtung überfalst — male gelind drückend über dasselbe nach dem Körper Zzu, bis man fühlt und siehet, dals hierdurch die innern Arterienhäute etwas zurückgedrängt sind, worauf man das Gefäſs mit der ersten Pinzette zudrehet,— oder, man legt die an der innern Fläche mit einer Kante ver- sehene Pinzette queer über das hervorgezogene Gefäſs, dräckt es damit fest zusuammen, bewirkt hierdurch die Berstung der innern Gefäſshäute, und drehet dann das Gefäſs mit der ersten Pinzette zu. Wahrend dies ge- schieht, wird die mäſsig fest gehaltene zweite Pinzette durch die, sich nach dem Körper hin fortsetzenden Win- dungen des Gefäfses einige Linien weit in derselben Richtung zurückgedrängt, und eben dadurch die mittlere und innere Arterienhaut nach der Höhle des Gefaäfses umgebogen und gleiohfalls in jenar Miehtung zurück- geschoben. Eine besondere Nachbehandlung der torquirten Ge- fäſse ist nicht erforderlich, sondern es ist nur die Vor- sicht nöthig, das Thier vom Reiben u. s. w. der ver- letzten Stelle abzuhalten. Alles Uebrige kiohtet sich nach der Beschaffenheit der Wunde. 1311ev Adih Kodloenh§. 43. Hinsichtlich der Wirkungen der Torsion hat man 1) die Blutstillung, 2) die örtlichen primären, und 3) die zelenddren Veränderungen zu berücksichtigen. Die Blutstillung wird durch die gut ausgeführte Torsion bei der einen wie bei der andern Methode au- genblicklich und sicher bewirkt, an grofsen Gefäſsen jedoch am sichersten nach der letzten Methode. Die Operation kann aber in mehrfacher Hinsicht fehlerhaft gemacht und dann auch nicht mit dem gewünschten Er- folge begleitet sein, namentlich deshalb: weil die Pin- zetten nicht die erforderlichen Eigenschaften(§. 41.) besitzen,— oder weil das Gefäſsstück zu knapp oder zu nahe einem Seitenrande erfafst ist und dann beim Drehen ausreifst,— oder weil man dasselbe zu lang hervorzieht und es zu schlaff hält, so dals es sich zu- sammenwickelt,— oder weil man es zu straff hält, oder auch es zu schnell drehet, und es hierdurch zu früh abreiſst,— oder weil es noch mit andern Gebilden um- geben oder mit Blut erfüllt, der Drehung widerstehet, oder, weil man nicht geuug Umdrehungen an ihm ge- macht hat und es sich in beiden Fällen wieder zurück- drehet. Nach solchen Fehlern tritt entweder eine neue Blutung sogleich, oder erst binnen etwa einer halben Stunde ein; nach ſetzterer Zeit sahe ich sie nie erfolgen. Die örtlichen Wirkungen der Torsion bestehen, wie bereits oben erwähnt, darin: daſs das Gefäfs an der ge- dreheten Stelle mehrere Spiralfalten erhält, wobei seine Häute stellenweis zusammengedrängt, an andern Punk- ten ausgedehnt, die inneren Häute selbst zerrissen wer- den, sich von der äuſseren Haut ablösen und nach der Gefäfshöhle umbiegen und dieselbe theils hierdurch, theils durch jene, auf einen Paunkt zusammengedrängte Falten von innen her verschlieſsen. Wird das Gefäfs nieht fixirt, so setzen sich die Drehungen und Falten dessel- ben bis zu seinem nächsten Seitenzweige fort, und die Umbiegung der innern Häute erfolgt nur sehr unvollstän- dig, bei dem Fixiren mit einer kantigen Pinzette aber am vollständigsten. An der Stelle, wo die innern Häute zerreifsen, drehet sich die äufsere zähe Zellhaut auf einen Punkt zusammen und verschliefst das Gefäſs äu- ſserlich in Form einer rundlichen Kappe. Wird an die- sem Punkte das in der Pinzette gehaltene Gefäſsstück nicht ganz abgedrehet, so legt es sich knopfförmig und etwas gebogen auf die Wundfläche, wogegen sich bei völligem Abdrehen desselben die abgerundete Spitze mehr zwischen die umgebenden Weiehgebilde zurück- ziehet. Durch die Risse der innern Häute tritt zuwei- len etwas Blut in die äufsere Haut und der gedrehete Gefälsstumpf erhält hierdurch ein blaurothes Ausehen und einen dickern Umfang. 1af. 4 119 Als sekundäre Wirkungen der Torsion hanbatn man zunächst in Folge der Schlielsung des Gefäfses eine Stockung des Blutes und die Bildung eines Blutpfropfes, der sich gewöhnlich bis zum nächsten Seitenzweige er- streckt und in den Falten und Rissen der Gefälshäute sich fest anlegt. Es entsteht daselbst Entzündung, Aus- schwitzung von Faserstoff und in einigen Tagen feste Verwachsung des Gefaſses. Das glatt abgedrehete Ge- fälsstück nach der Torsion mit Fixirung des Gefäfses bedeckt sich fast immer bald mit Faserstoff und ver- wächst mit den umliegeuden Theilen,— was auch zu- weilen an dem nicht ganz abgedreheten Stück geschie- het; mehrentheils wird aber Letzteres durch Eiterung abg Shäst Diese entsteht auch zuweilen nach dem völ- ligen Abdrehen, und, nach dem Drehen ohne Fixirung erstreckt sie sich oft auch neben dem Geſäls bald Melt bald weniger tief ins Zellgewebe. 1341M Se Die Torsion ist also in ihren Wirkungen Ges T 9. tur sehr ähnlich, unterscheidet sich aber von derselben hauptsächlich dadurch: daſs die Gefäfshäute nicht aus- dauernd durch einen fremden Körper(die Ligaturbänd- chen) gereizt werden. Die Abwesenheit des Letztern gewährt ihr auch einen Vorzug in den Fällen, wo es nôthig ist, nach geschehener Blutstillung die Wunde sogleich und vollständig zu schliefsen, und wo man später die Ligaturbändchen nicht mehr entfernen kann, wie z. B. an den Arterien des Gekröses, des Netzes u. s. W. Als Operation ist sie im Allgemeinen eben so Jeicht ausführbar, in engen und tiefen Wunden sogar viel leich- ter ausführhar als die Ligatur, aber ihr Geliugen MAnki von mehr Einzelnheiten ab als bei dieser 4) 4 ————— s *) Ein anderes akiurgisches Verfahren zur Verschliessung platen- der Gefässe mittelst ihrer eigenen Substanz„ und wobei die Vita- lität der Gefässhäute am allerwenigsten leidet, ist noch die von Dr. Stilling empfohlene Gefässdurchschlingung. Man zieht hierzu das völlig getrennte Gefässende mit einer Pinzette hervor, drückt es mit einer zweiten Pinzette breit, macht. dann an einem Seitenrande einen, durch beide Wände des Gefässes dringenden. Längenspalt, der von dem Endrande so weit entfernt sein muss als das Gefäss breit ist und dessen Länge mit der Breite der Ge- fässhöhle übereinstimmt. Durch diesen Spalt steckt man eine feine Pinzette oder ein Häkchen, erfasst damit das Gefässende und zie- het es durch den Spalt.— So vortrefflich dieses Verfahren ist, so wenig kann es allgemeinen Eingang finden, weil es schwieriger als die Ligatur und die Torsion, und sein Gelingen mehr von Zu- falligkeiten abhängig ist. Eine nähere Beschreibung findet man im Magazin für Thierheilkunde Bd. I. S. 393. 15*¾ — an XII. Die Waundnaht oder blutige Naht(Sutura vulnerum oruenta). §. 44. Die Wundnaht besteht in der kunstmäſsigen An- ve dung anr Nadeln und Bändchen in die Ränder ver- wundeter Theile des Thierkörpers, für den Zweck: die Letztern während einiger Zeit mit einander in gegen- seitiger Berührung zu erhalten und hierdurch ihre orga- nische Wiedervereinigung zu bewirken.. Dieser Zweck kann in der Regel nur dann voll- ataudig erreicht werden, wenn:(dI. ,91) die verwundeten Theile mit dem Körper noch p eiber ernährungsfähigen Verbindung steben;— 2) wenn die Wundflächen an allen Punkten in gegen- seitige Berührung gebracht und in derselben erhalten werden können;— 3) wenn in denselben noch der Zeit- raum der ersten(adhaesiven) Entzündung in einem mä- ſsigen Grade besteht;— 4) wenn die verletzten Theile nicht zu sehr zerquetscht, 2batjsarnn er mit fremden Körpern veruureiniget sind. 28 Die Wunqdnaht ist unter hogen TImnstauden bei alhen Wungen indizirt, wenn die getrennten Theile nicht mit- telst Anhe e oder Bandagen(die sogenannte trok- kene Naht) werden können; n da die zuletzt genannten Hülfsmit- a entsprechender Berührung erhalten tel bei unsern Hausthieren an der behaarten und durch den Hautmuskel stellenweis sehr beweglichen Haut und wegen ihrer Unruhe wenig anwendbar sind, so ist die blutige Naht als das wichtigste Vereinigungsmittel der Wunden zu betrachten. Mit Rücksicht auf die eben angeführten Gründe wendet man dasselbe oft auch da an, wo die Aussicht auf die Heilung durch schnelle Ver- wachsung der getrennten Theile nur wenig oder gar nicht vqrhanden ist, schicklichen Lage erhalten, die Einwirkung der Luft, der Bandagen u. s. w. auf die Wundfläche möglichst wo man aber dieselben in einer vermindern, ihr Trockenwerden und Absterben verhüten und durch die innige Berührung wenigsteus an einzel- nen Puukten das Wiederzusammenwachsen herbeiführen will.— Schon in Eiterung getretene Wundflächen sind Zwar gewobalieh nicht zum Wiederzusammenwachsen Lefiehe sohlieſsen aber deunoch qie Nahi als Hülfs- eertehensenwenchg. da Seregn Wuuhgi auſeirten Wunden darf sie jedoch niemals statt finden. Selbst unter den oben angedeuteten Bedingungen erreicht man durch die Naht nicht immer die schnelle Vereinigung der Wunden, weil die Naht durch ihre Bänder oder Nadeln die Wunde mit fremden Körpern verunreiniget, und weil durch diese, bei der oft sehr starken Retraktion der verletzten Theile, an einzelnen Stellen sehr heftiger Druck, Quetschung, Zerrung, hier- nach Blutergieſsung, Eiterung und selbst brandige Ab- zerdiue⸗ entsteht. 8.b nua G. 45. In der Art und Form der blutigen Naht giebt es neThen, e die man als verschiedene Nähte bezeich- Die wichtigsten derselben sind: Ans 4 die Knopfnaht oder Bundnaht,— B. die Zapfennaht,— C. die umschlungene Naht, Bändchen darstellen. — D. die Kürschnernaht, und— E. die Darmnaht. V 4. Die Knopfuaht besteht aus einzelnen mit einan- der nicht in Verbindung stehenden Bindheften, welche in verschiedener Anzahl durch die Wundränder gezo- gen werden, je nach der Gröfse der Wunde und nach der Retraktion der verletzten Gebilde. meisten Fälle passend, und nur zuweilen da nicht aus- Sie ist für die reichend, wo das Zurückziehungsvermögen der verletz- ten Theile zu stark ist, so daſs man das Ausreiſsen dea einzelnen Heſte befürchten mufs, und wo daher die Zapfennaht den Vorzug verdient. Zur Ausführung der Knopfnaht braucht man Wand. heftnadeln und Heftbändchen. Erstere sind aus gutem Stahl gearbeitet, nach dem Abschuitte einer Kreislinie gebogen, an ihrem vordern Drittheil zweischneidig und mit einer guten Spitze, an ihrem weniger breiten, mehr abgerundeten Hintertheil mit einem Oehr versehen, des- sen hinterer Rand in der Mitte etwas verdünnt sein muſs, damit das Bändchen an demselben eine vertiefte Lage erhält, somit weniger über die Dicke der Nadel hervorsteht und leichter durch den von der Nadel ge- machten Kanal hindurchgezogen werden kann. Sehr breite Nadeln müssen ein Queeröhr mit ähnlichem Rande wie angegeben, besitzen. Die Gröſse der Nadeln ist sehr verschieden nach der Dicke und Beschaffenheit des ver- letzten Theils und nach der Tiefe der Wunde; z. B. kann sie zum Heften der Augenlider 1 Zoll lang, 1 Li- nie breit und ½ Linie dick,— dagegen zum Heften der Bauchmuskeln 4— 5 Zoll lang, 4— 6 Linien breit und am dicksten Theil 1 bis 1 ½ Linien dick sein. Im All- gemeinen sollen die Nadeln etwa zweimal so lang sein, als die Wunde tief ist.— Die Heſtbändchen bestehen aus Zwirn- oder Seidenfäden, aus Spagatschnur, oder aus flachen Zwirn- oder Seidenbändchen. Sie müssen nach der Dicke und nach der Zurückziehungskraft der Theile, in welche sie gelegt werden, und nach der Stärke der angewendeten Nadel, von angemessener Stärke sein; oberflächliche Hautwunden an Stellen, wo die Haut schlaff ist, kann man mit ein- oder zweifachen Zwirn- oder Seidenfaden heften; wo aber dieselbe sich stark zurückziehet, mufs man 3— 4 Fäden, und bei stark klaffenden Muskel- und Sehnenwunden 8— 12 Fäden so neben einander legen, daſs sie ein flaches Runder Bindfaden ist hierzu we- niger gut, ein flaches Band aber sehr gut zu gebrauchen. Immer müssen die Fäden oder Bändcheu möxglichst glatte Oberflächen haben, weshalb man sie mit Wachs oder reinem Talg gleichmäſsig bestreicht, hierdurch auch die einzelnen Fäden mehr zusammenhält und sie gegen die auflösende Wirkung des Eiters schützt.— Die Länge der einzelnen Heftbänder ist von der Tiefe der Wunde abhängig, indem sie fast das doppelte Maaſs derselben, auſser dem Raum der Enden zum Binden der Schleifen, erſordert. Vor dem Anlegen der Naht muſs die wuude voll- ständig gereiniget und die Blutung gestillt sein. Kleine Blutungen, welche aus Gefäſsen entstehen, die schwer zu . i und—. E. die inzelnen nit einan. Bindhefien, velehe Wandränder aaa. r Wunde und uad ne Sie bi hn di weileu da nieht aus. rmögen der rerleta- das&usreiſsen des und Wo0 daher de braucht man Wand. tere sind aus guten nitte einer Kreisiiie i zweischneidig und feniger breiten, mehr Oehr vetsehen, des. Atwas verdünnt sei aselben eine vertieſte die Dicke der Nadel n von der Nadel ge- werden kann. Sehr r mit ähnlichem Rande Sse der Nadeln ist sehr eschaffenheit des ver- e der Wunde; 2.3 ler 1 Zoll lang, 1li tegen zum Heſten dé — G Linien breit mi dick sein. Im Al- weimal so laug seih ſeſähaändohen besiehe — Spagatschuur, oler ndchen. Sie müssel ückziehungskraft de den, und uach der hueuwunden 8-1 zu erreichen sind, können jedoch das Anlegen der Naht nicht hindern; sie stillen sich immer von selbst, wenn durch letztere die Wundflächen gehörig aneinander ge- halten werden. Das Anlegen der Knopfnath geschieht entweder so: a) daſs man, von der äuſsern Fläche eines Wundrandes her, beide Ränder mit nur einer Nadel und in einerlei Richtung durchsticht; oder— 5b) daſs man vom Grunde der Wunde her jeden Wundrand für sich allein in der Richtung von innen nach aufsen durchsticht. Für die- sen letztern Zweck sind, der Regel gemäfs, zwei Heft- nadeln erforderlich, von denen an jedem Ende des Heft- bändchens sich eine befindet. Dies ist jedoch unprak- tisch, weil man noch einen Gehülfen zum Halten der zweiten Nadel hahen mufs, da dieselbe bei Unruhe des Thieres sich leicht ausfädelt, Verletzungen macht u. s. W. Deſshalb benutzt man das Heften mit zwei Nadeln nur bei sehr tiefen Wunden, deren beide Rän- der zusammen man mit einer Nadel nicht in der gehõö- rigen Dicke und Tiefe durchstechen kann und wo man daher genöthiget ist, dieselbe durch jeden Wundrand allein zu führen. Doch kann man auch in solchen Fäl- len mit nur einer Nadel ausreichen, indem man entwe- der die Nadel durch den einen Wundrand von aufsen in die Wunde führt, das Bändchen nachzieht und dann den andern Rand von innen her durchsticht, oder, Letz- teres geschieht an beiden Rändern wie mit zwei Na- deln; dabei ist man aber genöthiget, nach gemachter Durchstechung des einen Wundrandes und daselbst ein- gezogenem Bande, die Nadel von dem Letzteren abzu- nehmen und sie an das andere, in der Wunde befind- liche Ende desselben zu legen;— was etwas mühsam geschieht, wenn durch Blut das Nadelöhr verstopft oder das Bändchen zu feucht geworden ist. Bei dem Heften hält man die Nadel so, dals der Daumen an ihrer concaven, der Zeigefinger(und die nächsten Finger, je nach der Länge der Nadel) an ih- rer convexen Fläche sich befindet, und die Spitze mit etwa der Hälfte des Instruments über die Finger her- vorsteht. Mit den Fingern der linken Hand, die man selbst zum Theil in die Wunde legen kann, hält man den Wundrand an der Stelle des Einstiches fest, beugt ihn auch wohl ein wenig nach auſsen, und bewirkt so- mit ein leichteres Durchdringen der Nadel. Man drückt dann die Spitze derselben an dem vorher bestimmten Punkte mit Kraft in die Weichgebilde ein, und schiebt sie, nach ihrer Krümmung, in einer Bogenlinie vorwärts bis zu dem, ebenfalls vorher bestimmten, Ausstichpunkte an der Wunde. Ist die Letztere nicht zu tief, so drückt man sogleich den zweiten Wundrand, mit dem entspre- chenden Theil gegen den Ausstichpunkt an dem ersten Wundrande und führt die Nadel durch ihn in derselben Richtung wie an diesem. Dabei sucht man mit den Fin- gern der linken Hand an der Stelle der Haut, wo die Spitze der Nadel ihren Ausgang erreichen soll, dieselbe zu fühlen, und bewirkt dann an dieser Stelle mit zwei Fingern oder mit dem Nagel des Daumens einen mäſsi- gen Gegendruck, um die Dehnung der Haut zu mindern und das Hervordringen der Nadel zu erleichtern; diese wird dann an ihrer Spitze gefaſst und nebst dem Bande 61 so weit hervorgezogen, daſs die Enden des Letztern an beiden Wundrändern gleichmäſsig lang sind. Nun entfernt man die Nadel und bindet entweder diese En- den sogleich fest zusammen, oder, man lälst sie frei liegen, bis sämmtliche Hefte in die Wundränder gezo- gen sind. Nachdem Letzteres geschehen ist, reiniget man nochmals die Wunde, läſst die Ränder von beiden Seiten her von einem Gehülfen sanft so gegen einan- der drücken, daſs sie sich möglichst genau berühren, und bindet dann die Enden der Heftbänder in eine ein- fache Schleife, auf welche man noch entweder einen festen Knoten oder eine zweite, aufziehbare Schleife knüpft. §. 46. Damit die Naht ihrem Zwecke ganz entspreche, mufs man bei ihrer Anlegung noch folgende Regeln be- obachten: a) Den ersten Heft legt man bei Wunden mit ebenen Rändern und in der Mitte der Theile, am zweck- mäſsigsten in die Nähe des untern Wundwinkels, — bei Wunden an dem Rande eines Theiles, wie z. B. an den Wänden der Nasenöffnungen, an den Lippen u. s. w. aber nahe am verletzaten Rande, und— bei Lappenwunden an die Ecke des gröls- ten Lappens. 1 5) Man macht so viele Hefte, daſs die Wundränder an allen Punkten möglichst gleichmäſsig zusam- mengehalten werden. Die Anzahl und die Entfer- nung der einzelnen Hefte ist theils von der Gröſse der Wunde, theils von der Zurückziehungskraft der verletzten Theile abhängig; denn je gröſser die Letztere ist, desto näher müssen die Hefte neben einander angelegt werden. Im Allgemeinen rechnet man etwa 1 Zoll Zwischeuraum zwischen zwei Heſften; bei groſser Contraktion der Ränder darf derselbe nur ½ Zoll, dagegen bei schlaffen, dicken Rändern bis gegen 2 Zoll betragen. c) Der Einstich an der äufsern Fläche des Wund- randes soll immer so weit von dem eigentlichen Rande entferut sein, als die Hälfte seiner Dicke, oder der Tiefe der Wunde, beträgt. d) Die Nadeln müssen an der innern Fläche der Wundränder stets nahe dem Grunde der Wunde 1— durchgeführt werden,— ganz gleichgültig, ob man den Einstich an der äufsern oder an der innern Fläche eines Wundrandes macht. e) Die Hefte dürfen nur so fest zusammengezogen werden, daſs eben die gegenseitige Berübrung der Wundflächen bewirkt und erhalten wird. J) Die Knoten nach dem Zusammenknüpfen der Hefte müssen immer auf die äufsere Fläche eines Wund- randes, niemals auf die Mitte der Wunde, gelegt werden; und die an ihnen befindlichen Enden der Heftbänder schneidet man so weit ab, dals sie nur etwa 1 Zoll lang bleiben. 11 16 S—— 4 §. 47. B. Die Zapfennaht ist der Knopfnaht Sehr ahn lich, aber von derselben dadurch verschieden, daſs man zu den Bandheften noch in der Länge beider Wundrän- der cylinderförmige Stäbchen fügt und sie über densel- ben zusammenbindet. Durch die Cylinder werden die Wandränder mehr gleichmäſsig gegeneinander gedrückt, als dies bei den einzelnen Heften geschieht, und zugleich wird das Einschneiden der Letztern in die Weichgebĩlde verhütet oder doch sehr vermindert. Dieser Wirkungen wegen findet die Zapfeunaht be- sonders da ihre Anwendung, wo die Wundränder dünn und mit starkem Rerakaaonargruceen versehen sind, und wo man daher das Durchreiſsen der einfachen Band- heſte sehr zu fürchten hat, wie namentlich bei durchge- henden groſsen Wunden der Bauchwände. Im Ganzen benutzt man sie jedoch jetzt selten. 190 a§. 48.— AMlan hraucbt zur Zapfennaht Wandheftnadeln, eine Anzahl Heftbänder und zwei Cylinder. Die Nadeln sind von derselben Beschaffenheit wie für die Knopfnath; doch müssen sie immer ein s0 weites Oehr haben, daſs man ein doppeltes, oder selbst ein dreifaches Heſtband in dasselbe legen kann.— Die Heſtbäuder bestehen für Wunden an kleinen Thieren aus dreifachen feinen Bind- fäden, oder aus 6 bis Sfältigen Zwirnfäden, oder aus einem ganz feinen„ doppelt liegenden Bändchen und einigen Zwirnfäden„— fär Wunden an groſsen Thie- ren aber aus dreifachen starken Bindfäden oder aus einem ¼½— ¼ Zoll breiten, doppelt liegenden Bändchen nebst einem Bindkaden Die Bändchen müssen glatt und gut gewächst sein, und werden, wie aus dem Vorste- henden sich ergiebt, immer so in das Nadelöhr gezo- gen, dafs ein Bindfaden oder das breite Bändchen dop- pelt, dabei aber ein Bindfaden oder ein dünneres Bänd- ehen einfach in den Wundrand eingezogen werden kann. — Die Cylinder sind von Holz, et was länger als die bis à Zoll dick, je nach der Gröſse des Thieres, nach der Stärke der Länge der Wunde ist, und gegen Wundränder und der Tiefe der Wunde; sie können mit Leinwand u. dgl. glatt umwickelt sein, um hierdurch den Druck auf die betreffenden Theile zu mindern. §. 49. Bei en Aulegen der Zapfennaht zopohjeht das Darchstechen der Wundränder und das Einziehen der einzelnen Hefte ganz so wie bei der Knopfnaht; die Na- del muſs jedoch, nachdem sie aus dem zweiten Wund- rande hervorgezogen ist, von den Heſtbändern abge- schnitten werden, weil das eine Band doppelt liegt, so- mit nicht aus dem Oehr herausgezogen werden kann. Ueber die Entfernung des Einstichs vom Rande der Wunde u. s. w. sind die im§. 46. angegebenen Regeln zu beachten; doch kann bei der Zapfennaht der Zwi- schenraum zwischen den einzelnen Heften etwas gröſser sein als unter gleichen Verhältnissen bei der Knopf- naht.— Nachdem die sämmtlichen Hefte eingezogen sind n sondert,ma zunächst die doppelt liegenden dicke- ren Bändchen derselben von den schwächern, bindet dann an einer Seite eines jeden Heftes die dickern Bandchen in eine Schleife zusammen, und wenn dies 6² an allen Heften gleichseitig geschehen ist, legt man in sämmtliche Schleifen einen Cylinder so an, daſs er längs des ganzen Wundrandes eine gleiche Lage hat, und dafs die dünnen Bändchen(oder das dritte Bänd- chen eines jeden Hefts) hinter ihm liegen bleiben. Hier- auf läſst man durch einen Gehülfen die Wundränder mäſsig stark gegen einander drücken, zieht an dem an- dern Wundrande die dicken Heſtbänder straff an, legt zwischen sie den zweiten Cylinder ganz so wie den ersten, und bindet sie über demselben mit einer doppel- ten, aber aufziehbaren Schleife fest zusammen. Wenn dies an allen Heften geschehen ist, muſs die Wunde hierdurch an ihrem Grunde in gleichmäſsiger Vereini- gung erscheinen. Sollte dies an einer Stelle nicht der Fall sein, so müssen an den betreffenden Heften die Schleifen geöffnet und die Bänder straffer angezogen werden, bis der Zweck erreicht ist. Zuletzt bindet man die Enden des dritten Bandes eines jeden Heſtes über den Cylindern so zusammen, daſs die Wundränder auch an der äufsern Grenze der Waunde in gehörige Vereinigung kommen. Die zu langen Enden der Heft- bänder werden abgeschnitten. §. 50. C. Die umwundene oder umschlungene Naht besteht darin: daſs die Wundränder mit Metallstiften durchbohrt und auf denselben mittelst Fäden, welche man um die hervorstehenden Enden der Stifte wickelt, zusammengehalten werden. Es soll auf diese Art das Einschneiden der Hefte in die Haut, wie es bei der Knopfnaht fast unvermeidlich ist, vermieden und eine glättere und gleichmäſsigere Narbe gebildet werden. Deſshalb benutzt man die umschlungene Naht vorzüglich an Theilen, die sich stark zurückziehen und wo man doch eine möglichst glatte Verwachsung herbeiführen will. Sie ist jedoch nur bei Wunden, die eine mäſsige Tiefe haben, gut auszuführen, und wird bei groſsen Wunden nur selten, dagegen an den Aderlaſswunden gewöhnlich angewendet. Die zur Anlegung dieser Naht erforderlichen Me- tallstifte sind entweder gerade Wundheftnadeln oder ein- fache Stecknadeln, 2 bis 3 ¼ Zoll lang, ¾ bis 1 ¼ Linien dick, je nach der Stärke der Wundränder, und mit recht scharfer Spitze versehen; oder, sie bestehen aus eben so groſsen Stäbchen von Silber, Messing, gut polirtem oder verzinntem Eisen, die an einem Ende mit einem Schraubengewinde zum Aufsetzen einer Stahlspitze ver- sehen sind, und durch diese gleichsam in eine Nadel umgebildet werden. Gute Steckuadeln entsprechen dem Zwecke vollkommen. Vor der Anwendung müssen die Nadeln oder die Stifte mit Fett oder Oel bestrichen werden.— Die Bändchen sind Zwirufäãden, einfach bis dreifach, glatt und gut gewächst. Nachdem die Wunde zur Vereinigung gabrige vor- bereitet ist, legt man beide Wundränder ganz eben und gleichmäſsig an einander, zieht sie etwas über die an- grenzenden Theile hervor und hält sie mit den Fingern der linken Hand zusammen, oder bei groſsen Wunden übergiebt man sie für diesen Zweck einem Gehülfen. Mit der rechten Hand nimmt man zwischen Daumen und Mittelfinger eine Nadel(Stift), legt den Zeigefinger schlungene Naut der mit Metallstiften elst Fäden, welehe u der Stiſte wickelt l auf diese Art das ut, wie es hei der vermieden und eins de gebildet wercen gene Naht vorzugih ziehen und wo man achsung herbeilühren ſen, die eine mäſsige d wird bei grolsen len Aderlaſswuude- erſorderlichen Me- heltaadela oder ein- rander, und nit recht auf deren hinteres Ende, setzt ihre Spitze an die äufsere Fläche eines Wundrandes in solcher Entfernung von der Wunde und in solcher Richtung an, daſs man sie nahe über dem Grunde der Wunde queer durch beide Wundränder hindurchführen kann, und daſs dann der Ausstichpunkt an der äufsern Fläche des andern Wund- randes eben so weit von der Wunde entfernt ist, wie der Eiustichpunkt am ersten Wundrande. Diese Ent- fernungen sind von der Tiefe der Wunde und von der Form des Theils abhängig; in ersterer Hinsicht gilt es wie bei der Knopfnaht als Regel: daſs der Einstich so weit, wie die Wunde tief ist, vom Rande entfernt ge- macht werde; bei Wunden an gewölbter Fläche darf jedoch die Entfernung etwas geringer sein. Bei dem Durchstechen der Nadeln(Stifte) muſs immer die gehörige Richtung derselben beachtet und mit den Fingern der linken Hand ein hinreichender Gegen- druck an der Ausstichstelle angewendet werden. Nach dem Durchstechen beider Wundränder schiebt man den Stift so weit vor, daſs seine beide Enden gleichmäſsig lang aus der Haut hervorstehen; die angeschraubte Spitze nimmt man ab, und von Stecknadeln schneidet man sie mit der Scheere ab. Die folgenden Nadeln, de- ren Zahl sich nach der Länge der Wunde richtet, ap- plizirt man etwa X bis 1 Zoll von einander entfernt, je nach der Zurückziehungskraft der Theile. Sind sämmt- liche Nadeln eingestochen, so reinige man die Wunde, lasse die Ränder von dem Gehülfen mit beiden Händen mäſsig fest und recht gleichmäſsig gegen einander drük- ken und umwickele dabei jede einzelne Nadel mit einem Fadenbändchen in Form einer 8, so dafs das Bändchen sich bei jeder vollständigen Umwindung einmal auf der Wunde kreuzt. Das Bändchen muſs hierbei zwischen den Nadelenden und der Haut straff eingezogen und eben so bei den Umwindungen straff geführt werden. Letztere macht man drei- bis vierfach über einander, Kunäüpft dann die Enden des Bändchens in einen festen Knoten und schneidet den Rest derselben kurz ab.— Nach einer andern Vorschriſt umwindet man mit einem Bändchen immer 2 Nadeln in Form einer 8, so daſs die Kreuzung des Bändchens auf der Wunde zwischen den Nadelu statt findet. Dieses Verfahren ist jedoch un- zweckmäſsig, weil durch dasselbe die Wundränder nicht allein von den Seiten her, sondern auch in der Länge zusammengezogen werden. 8,51. D. Die Kürschnernaht oder üäberwendliche Naht. Sie wird gewöhnlich mit geraden Heftnadeln und mit zwei- bis dreifachen gewächsten Zwirnfäden oder dünnem Bindfaden folgendermaſsen angelegt: Nach- dem die Wunde für die Vereinigung gehörig vorbereitet ist, legt man die Wundränder recht eben an einander, zieht sie dann zusammen mit dem Daumen und Zeige- finger der linken Hand ein wenig von den tiefern Thei- len ab und durchsticht in der Nähe des einen Wund- winkels beide so, daſs die Nadel nahe am Grunde durch sie geht. Der Heftfaden, welcher ungefähr die dreifache Länge der Wunde haben mufs, wird bis fast an das freie Ende durch die Wundränder gezogen und dann über denselben in einen Knoten, wie bei der Knopfnaht, 6³ zusammengebunden. Hierauf sticht man die Nadel, etwa ¼ bis 1 Zoll von jenem ersten Heft entfernt, etwas schräg durch beide Wundränder, zieht den Faden voll- ständig und straff nach, führt ihn schräg über die Wunde zurück auf dieselbe Seite, an welcher man den vorigen Einstich gemacht hatte, und wiederholt das Durchste- chen beider Wundränder abermals in etwas schräger Richtung, und fährt hiermit fort bis zum Ende der Wunde, wo man den Faden wieder mit einem Knoten an den letzten Heft festbindet. Der Faden bildet somit um die Längenachse der Wunde gleichsam Spiralwin- dungen, welche zum Theil äuſserlich auf, zum Theil aber in der Wunde liegen. Die Wundlefzen werden hierdurch bei guter Beschaffenheit der Naht fast ebenso gleichmäſsig zusammengehalten, wie durch die Knopf- naht, aber sie leiden mehr als bei dieser, wenn entwe- der die Entzündungsgeschwulst sehr grofs und der Heft- faden in seiner ganzen Länge sehr straff wird; aber der Hauptnachtheil besteht darin, daſs man bei der überwend- lichen Naht niemals an einer einzelnen Stelle die Hefte verändern oder entfernen kann, ohne die ganze Naht zu stören. Man benutzt sie daher weniger allgemein als die Knopfnath, und mehrentheils nur bei oberflächlichen Wunden, und bei den Bauchwunden nach dem Ver- schneiden der weiblichen Schweine. §. 52. E. Die Darmnaht oder Schlingennaht, zur Vereinigung von Darmwunden bestimmt, zuweilen aber auch bei Wunden auderer Theile benutzt, kann auf ver- schiedene Weise ausgeführt werden. Zur gewöhnlichen Schlingennaht benutzt man eine feine gerade Nadel und einen gewächsten Zwirn- oder Seidenfaden. Letzterer wird bis zur Mitte seiner Länge in das Nadelöhr gezo- gen, so daſs er doppelt liegt, worauf man die Enden in einen gemeinschaftlichen Knoten knüpft. Man hält die vorher gereinigten Wundränder mit den Fingern der lin- ken Hand gleichmäſsig gegen einander, durchsticht sie beide in der Nähe eines Wundwinkels, zieht den Dop- pelfaden bis gegen den Knoten durch sie, führt dann die Nadel zwischen den beiden Fäden durch und bildet hierdurch eine Schleife, welche man an den Wund- rändern fest anziehet. Dasselbe Verfahren wiederholt man in Entfernungen von 2— 3 Linien längs der gan- zen Wunde, und am Ende derselben schliefst man die Naht, indem man die Nadel durch die letzte Heftschlinge zurückführt und ihn hier mit einem Knoten befestiget. Das übrig bleibende Ende des Fadeus soll so lang sein, daſs es nach völliger Zurückbringung des verletzten Darms noch einige Zoll aus der Bauchwunde hervor- ragt; es wird dann in den untern Winkel derselben ge- legt und äuſserlich mit etwas Heftpflaster, oder Harz u. dgl. an die Haut befestiget.— Statt dieser Naht kann auch die Kürschnernaht, mit Beobachtung der zuletzt angegebenen Vorschrift, bei Darmwunden angewendet werden. Bei völlig von einander getrennten Darmstücken soll man zuerst suchen zu erkennen, welches das vor- dere und welches das hintere Stück ist, hierauf Erste- res in Letzteres etwa ½ bis ¼ Zoll tief einschieben und dann rund herum die eine oder die andere dieser Nähte 16* 1 anlegen; auch soll man, damit das Lumen des Darms offen bleibe, in das erstere Darmstück einen etwa 1 Zoll langen Cylinder von steifem Papier einlegen und densel- ben mit der Naht befestigen. Hiergegen ist jedoch zu bemerken: 1) daſs es immer sehr schwer, zuweilen selbst unmöglich ist, in dem Drange der Zeit bei sol- chen Verletzungen die Unterscheidung des vordern von dem hintern Darmstück zu machen, und— 2) daſs bei der Einschiebung des einen Darmstückes in das andere immer eine seröse Haut mit einer Schleimhaut in Be- rührung tritt, durch die Letztere die Verwachsung ge- hindert, und daher der Zweck der Nath, gewöhnlich nicht erreicht wird. In Folge dieser Erfahrungen haben denkende Chirurgen mehrere Methoden versucht, bei de- nen beide Darmstücke mit ihrem serösen Ueberzuge in gegenseitige Berührung gelangen. Das von Lembert*) hierzu angegebene Verfahren erscheint als das vorzüg- lichste, weil es am einfachsten ist, und es bei ihm gar nicht darauf ankommt, die oben bezeichnete Unterschei- dung der Darmstücke zu machen. Es wird folgender- maſsen ausgeführt: man legt in das eine Darmstück den Zeigefinger, hält es äuſserlich mit dem Daumen auf dem- selben fest und sticht nun eine gerade, feine, mit einem einfachen gewächsten Faden versehener Nadel etwa 2 bis 3 Linien vom Waundrande euntfernt in die seröse und in die Muskelhaut, rande etwa 2 Linien weit zwischen der Muskel- und schiebt sie parallel mit dem Wund- Schleimhaut vorwärts und dann wieder aus der serösen Haut hervor. Nun ergreift man auf dieselbe Art das andere Darmstück, richtet es so, dafs der entsprechende Theil des Randes genau gegenüber jenem ersten Heſte liege(wobei der Ansatz des Gekröses leiten mufs) und durchsticht es mit derselben Nadel, ebenfalls 2— 3 Li- schiebt die Nadel zwi- schen der Muskel- und Schleimhaut gegen 2 Lin. weit nien vom Wundrande entfernt, queer vorwärts und dann wieder aus der serösen Haut hervor, worauf sie vom Faden abgenommen wird. Solche Hefte legt man in Zwischenräumen von 3— 4 Linien rund um den Darm, oder so weit als die Trennung reicht, Wenn dies geschehen, bringt man die Wundrän- der mit den Händen an einauder, ziehet die Enden eines Heftes mäſsig straff an, läfst dann an dieser Stelle durch einen Gehülfen mittelst einer Sonde beide Wundränder nach der Höhle des Darms umbiegen, schnürt sogleich über der Sonde das Heft fest zusammen und, nachdem man die Sonde entfernt, bindet man es in einen Knoten. Die Enden des Fadens werden dicht an dem Darm abgeschnitten. Eben so verfährt man mit den übrigen Heften. Der Darm erhält an der gehefteten Stelle im Innern einen hervorstehenden Ring, an der äufsern Fläche Durch das Gekröse an der verletzten Partie kann eine einfache Fadenschlinge, die nicht zugeknüpft wird, gezogen und ihr äufseres Ende in einen Winkel der äuſseren Wunde gelegt werden. Dieses Verfahren ist auch bei unvollständiger Tren- nung des Darms, und zwar bei Längen- und dei Queor. wunden desselben, zu benutzen.“ 1 aber eine entsprechende Furche. *) Repert. général d'Anatomie et 44 Physiologie pachcJogique Tom II. Trim. 3. 1826.— F Erorheg, chir. Kupfert. Taf. 180. Nachbehan dlung. Nach dem Anlegen irgend einer Naht und dem Abschneiden der überflüssigen Bänder wird die Wundstelle nochmals gereinigt, dann das Thier vor- sichtig in seinen Stall gebracht und daselbst so angebunden, daſs es weder mit dem Maule noch durch Reiben an den Wänden u. s. w. die Hefte zerren oder gar ausreiſsen kann. Jede heftige Bewegung desselben und jede Ver- anlassung hierzu muſs vermieden werden; deshalb läfst man die groſsen Thiere gewöhnlich bis zum Abnehmen der Hefte anhaltend stehen, und man legt, wenn die Lage und Form des Theils es erlaubt, eine Binde mä- ſsig fest um denselben. Letzteres ist besonders dann nöthig, wenn die Thiere zum Heften niedergelegt wa- ren und man daher bei ihrem Aufstehen ein Ausreiſsen der Heſte befürchten muſs.— Die Behandlung der Wunde soll während des Liegens der Naht eine, dem Grade der Entzäündung entsprechende antiphlogistische sein. Nach 3— 4 Tagen findet sich in den Heftwunden Eite- rung, die Anschwellung der Wundränder mindert sich und die Hefte fangen an locker zu werden. Man rei- nige dann nur äufserlich die Wunde nebst Umgegend ganz sanft mit lauwarmem Wasser, und, wenn die Knopfnaht mit aufziehbaren Schleifen angelegt ist, kanu man die zu lose gewordenen Hefte öffnen, sie gehörig zusammenziehen und dann wieder schliefsen; sind jedoch einzelne Hefte ganz lose und weit nach dem Wund- rande hin eingeschnitten, so entfernt man dieselben, um ihr völliges Ausreiſsen und hierdurch entstehende Defor- mitäten der Wundränder zu verhüten; sowohl hiernach, wie auch wenn einzelne Hefte ausgerissen sind, die Wunde aber noch nicht vereiniget ist, kann man in der Nähe der alten Hefistellen ein neues Heft einlegen. Nach Verlauf von 5 bis 6 Tagen kann man in der Regel die nun ganz lose gewordene Naht entfernen. Bevor dies geschieht, müssen in jedem Falle die Bänder mit lau- warmem Wasser erweicht und von etwa anklebenden Eiterkrusten gründlich befreiet sein. Hierauf knüpft man bei der Knopf- und der Zapfennath entweder die Schlei- fen auf, oder man schneidet die Hefte an einem Wund- rande mit der Scheere ab und ziehet sie mit den Fingern oder mit der Pinzette am andern Wundrande aus, wobei man denselben mit der linken Hand sanft zurückhält, um ein Auseinanderzerren der Wunde zu verhüten. Ist letz- tere sehr groſs, so entferne man an einem Tage nur die Hefte in der Nähe der Wundwinkel und an dem folgen- den erst die an der Mitte der Wunde.— Bei der um- wundenen Naht zieheet man die Stifte aus den Wund- lefzen, worauf die Umwickelungsbändchen von selbst ab- fallen.— Bei der Kürschnernaht schneidet man die Kno- ten an den Wundwinkeln, bei langen Wunden auch wohl in der Mitte derselben ein oder einige Hefte mit der Scheere ab und ziehet dann die Fäden zurück. In allen Fällen ist nach Entfernung einer Naht das ruhige Verhalten der Thiere während einiger Tage noch fortzusetzen.— An der Darmnaht ist gewöhnlich in den ersten 5— 6 Tagen nichts zu thun und dann nur der aus der Bauchwunde her- vorhängende Faden durch gelindes Ziehen zu entfernen; die einzelnen, kurz abgeschnittenen Hefte gehen mehren- theils mit den Excrementen ab. III. dden; 2—— 2 ehnen in legt, eus dh „. eine Biude 1 ist besonders 50) d mielergebegt wa. ehen ein Ausreiben andlung der Wu t eine, dem Gn tiphlogistische Sein en Heſtwunden it. räuder mindert sis werden. Man réi de nebst Ungepe er, und, wenn die u angelegt ist, kam offnen, sie gebörg lielsen; sind jedbeh t nach dem Vyund. t man dieselben, un eutstehende Defar. 2u; sowohl hiernach usgerissen sind, db st, kann mau in der Heſt einlegen. Nad nan in der Regel de tfernen. Bevor dis die Bänder mit lau- n etwa anklebeuden Hierauf knüpft nnn entweder die Sehlei⸗ gte au einem Waud- sie mit den Fugen undraude aus, wohei sauft zurückhält, um — ne uu. 39e 27 enen astia d maukosais aah ui Hddutgee„Mod und anderer Aftergebilde Obgleich haren, Huucgeßw olen⸗ Ve hätiuugoud des — chronische Verhärtungen und Vergröſse- rungen in Drüsen, und selbst Balggeschwülste, sehr häufig noch durch pharmazeutische Mittel beseitiget wer- den, so gelingt dies doch nicht immer, besonders dann nicht, wenn diese krankhaften Erzeuguisse bereits sehr veraltet sind und einen groſsen Umfang erreicht haben. Die Kur mit jenen Mitteln ist dann wenigstens sehr un- sicher, langwierig und mit theilweiser Zerstörung der Haare und der Haut begleitet. Auf operativem Wege können dagegen diese Zustände meist sicher entfernt werden, aber es ist dabei oft eine gröſsere Gefahr durch Blutung zu fürchten, oder die Thiere müssen, der Ope- rations-Wunden wegen, eine viel längere Zeit von der Arbeit zurückbleiben als nach Anwendung jener Mittel. Es kommt daher, aufser der Zeit des Bestehens der Ge- schwulst, auch immer ihre Gröſse, der Ort, der ober- flächliche oder tieſe Sitz derselben, die Nähe groſser Blutgefäfse u. s. w. in Betracht, wenn man über die Wahl der einen oder der andern Methode entscheiden soll.— Bei Fett- oder Speckgeschwülsten, bei Scirrhus und bei Melanosen ist nur allein das operative Verfah- ren anwendbar, weil durch die örtlichen pharmazeuti- schen Mittel nichts genutzt, wohl aber entgegengesetzt durch Reizung das Bachsem, dieser Geschwiülstoe oft beschleuniget wird. 41 As * 8 8 3 4 8 3 3 4 55 3 3 4 ½ 1§. 2 e 4 83 Das operative Vetfabees zur Beseitigung ditaer, Af- tererzeugnisse und krankhaften Bildungen besteht: 1) in der Unterbindung;— 2) in dem einfachen Eröffnen der Balggeschwülste und in dem Ausleeren ihres Inhalts;— 3) in der Anwendung von Aetzmitteln und des glühen- den Eisens;— und 4) in dem Ausschneiden. 1) Das Unterbinden oder Abbinden ist nur bei solchen Balggeschwülsten, Fettgeschwülsten, War- zen u. s. w. anwendbar, welche entweder mit einem dünnern Theile(Stiel, Wurzel) über die Haut hervor- stehen, oder die sich mit derselben so weit hervorziehen lassen, dafs man die Ligatur vollständig unter die Ge- schwulst legen kann.— HDie Unterbindungsbänder sind, je nach der Dicke der Masse, auf welche sie wirken sollen„entw eder starke Zwirn- oder Seidenfäden, oder glatte Bindfäden( Spagat) von verschiedener Stärke. Man hat auch gut ausgeglüheten züähen Eisen- und Mes- singdraht hierzu benutzt. Die Operation ist in den mei- sten Fällen im Stehen der Thiere ausführbar; doch müs- sen sie dazu gebremset und soust befestiget werden. Man scheert an der Ligaturstelle die Haare ab und rei- niget sie gründlich. Hiernach läfst man durch einen Ge- hülfen die Warze oder Geschwulst von den darunter liegenden Theilen etwas abziehen, legt entweder eine einfache Schlinge oder die sogenannte Kastrirschlinge um den dünnern Stiel und ziehet dieselbe allmälig so fest zu, daſs die Cirkulation und die Empfindlichkeit in dem Gebilde ganz aufgehoben wird. Nun bindet man einen der Fett-— oder Speok- 2neihurieimafexe 4 festen Sehlufsknoten und vetkürat, dauan die HAudem des Baudes bis auf etwa 2— 3 Zoll Länge. Wenn die Liga- tur genügend wirkt, schrumpft das Gebilde nach 24 Stun- den zusammen, wird kalt und fällt nach einigen Tagen gauz ab; wo aber die Wirkung nicht so vollständig ist, bleibt das Gebilde immer noch etwas warm, es tritt an der Ligaturstelle Eiterung ein, die Schleife wird hier- durch schlaff, und man ist daun genöthiget, neben sie eine zweite, selbst eine dritte und vierte Ligatur auf dieselbe Weise anzulegen. Dies ist besser ausführbar, als das tägliche Nachschnüren der ersten Schleife, wel- ches von Einigen empfohlen ist.— Die Masse fällt hier- nach in einigen Tagen von selbst ab, oder sie kann mit Letzteres ist nöthig, wenn sie in Fäulniſs übergeht und einen üblen Geruch erzeugt. dem Messer leicht abgeschnitten werden. Die hiernach zuweilen entstehende Blutung ist mit dem Glüheisen leicht zu stillen. Die nach der Ligatur entstehende Geschwulst der umliegen- den Theile wird blofs mit einem warmen aromatischen Infusum gebähet, und verliert sich nach der Entfernung des abgebundenen Theiles von selbst. Die übrig blei- bende Eiterfläche wird mit austrocknenden Mitteln be- handelt. 33 4 v 2) Das einfathe Wröffuen det Balg gescha le ste te geselieh entweder durch das Einstechen eines ge- raden Bistouri's oder eines Troikars.— Letzteres da, wo man starke Blutungen fürchtet. Mau wählt dazu die niedrigste Stelle der Geschwulst und vermeidet gröſsere Gefäſse. Nach dem Eiustich drückt man den Inhalt der Geschwulst vollständig heraus und legt dann— wenn der Ort es gestattet,— einen Druckverband an, wel- cher während 3.— 4 Tagen gleichmäſsig liegen bleibt, und wobei die Wunde, oft auch wohl ein Theil der Höhle, wieder zusammenwächst.— Dies Verfahren ist nur da anwendbar, wo die Geschwulst eine flässige oder breiartige Materie enthält; es ist einfach und ver- ursacht sehr unbedeutende Zufälle, bewirkt aber, da die Absonderungshaut der Geschwulst unverändert zurück- bleibt, mehrentheils nur eine vorübergehende Hälfe. 3.) Die Anwendung von Aetzmitteln und des glühenden Eisens auf die innere Fläche der Balg- geschwülste, der Schwammgeschwülste und ähnlicher Aſtererzeugnisse, hat den Zweck: in den erstern die absondernde Haut, in den übrigen solchen Gebilden aber einen Theil ihrer Masse direkt zu zerstören oder zum Absterben zu bringen. Hierzu wird das Thier, je nach seiner Art und nach dem Sitze des Leidens, gehörig befestiget, dann die Geschwulst an deren niedrigsten Stelle durch Einstechen eines spitzen Bistouri's geöffnet und ihr etwa vorhandener Inhalt durch Ausdräcken ent- fernt. Die Oeffnung in der Geschwulst muſs, wenn man für obigen Zweck das glühende Eisen benutzt, ungefähr halb bis zwei Drittheile so lang sein, wie die Geschwulst hoch und dick ist, damit man den mäſsig grofsen Knopf des Brenneisens bequem in sie einführen kann, ohne die Haut stark zu berühren; soll aber ein Aetzmittel ange- wendet werden, so ist hierzu eine Oeffnung, die einem 17 4 — Drittheil der Länge oder Dicke der Geschwulst ent- 66 spricht, und die sich bis in die Mitte derselben erstreckt, genügend.— Das Brenneisen wird nach der Gröfse der Höhle ausgewählt, im weiſsglühenden Zustande in sie eingeführt und mit mäſsig starkem Druck an alle Punkte derselben gebracht. Man hält es dabei während einer kürzeren oder längern Zeit mit den einzelnen Stellen in Berührung, je nachdem man eine dünnere oder dickere Schicht der Masse zerstören will. Bei dicker Masse und groſsem Raume ist oft die Anwendung von zwei oder noch mehrern Brenneisen erforderlich.— Das Thier braucht hiernach nur streng ruhig gehalten zu werden. Die entstehende Entzündung wartet man, ohne Mittel gegen sie anzuwenden, ab, und bei der Eiterung ist nur Rei- nigung erforderlich. Vor der Anwendung eines Aetamittels in die Ge- schwulst mufs die Höhle oder die Wunde derselben ge- reiniget und daher auch die bei dem Oeffnen entstandene Blutung ganz gestillt sein. Auf die Haut unter der Ge- schwulst streicht man Wachssalbe, Fett oder Theer u. dgl. mäſsig dick und so weit wie das Aetzmittel fliefsen könnte. Hierauf bestreicht man bei Balggeschwülsten die Wände der Höhle mit Spiefsglanzbutter, mit Schwe- fel- oder Salpetersäure,— in Schwamm- und Speck- geschwülste bei Pferden aber bringt man ein Stückchen Kupfervitriol oder arsenige Säure(bei Pferden Serup. j bis Serup. ji) und legt darauf einen Tampon von Werg oder Charpie, theils um das Mittel in seiner Lage zu erhalten, theils um den Ausfluſs von Blutwasser, wel- ches von dem Mittel etwas enthalten könnte, zu verhü- ten.— Das Thier muſs hiernach am ersten Tage in Rauhe erhalten werden, kann dann aber wieder mälsig arbeiten. Vom 2ten oder 3ten Tage ab vergröſsert sich die Geschwulst stark, und mit ihr auch die Wandöff- nung; es tritt jauchigte Absonderung ein, Stückchen des Balges lösen sich,— Schwamm- und Speckgeschwülste sterben allmälig mehr und mehr ab(während die Haut auf ihnen lebendig bleibt, sich aber immer mehr von der Oefinung zurückzieht), und etwa mit 8— 12 Tagen trennen sie sich gröſstentheils von den umgebenden Thei- len, so dafs man sie mit den Fingern ausschälen kaun und höchstens an der Basis den Rest mit dem Messer ablösen mufs. Blutung entsteht hierbei wenig oder gar nicht und ist im vorkommenden Falle mit kaltem Was- ser und gelindem Druck mit einem Schwamm leicht zu stillen. wittels bis zur Entfernung der Geschwulst ist öfteres Beinigen mit Wasser, und von Zeit zu Zeit wiederhol- tes Aufstreichen von Cerat u. dgl. auf die Haut unter Während der Zeit von der Appüikatiom des Aetz- ohne besondere Schonung der Haut; 4) Die Ausrottung(Eæstirpatio) der After- gebilde durch das Messer kann in mehrern Modi- fikationen geschehen, welche in den einzelnen Fällen durch die Form, die Beschaffenheit und die Lage des Gebildes angezeigt erscheinen. Diese Modifikationen sind: a) Abtragung des Gebildes an seiner Wurzel, — bei Warzen, hornigen Auswüchsen, bei dünn gestielten oder birnför- migen Balg- und Speckgeschwülsten;— 5) Ausschä- lung des Gebildes mit theilweiser Schonung der Haut,— bei grofsen Geschwülsten, und wo die Haut auf den- selben zum Theil entartet(ulzerirt oder callös) ist; c) Ausschälung des Gebildes mit möglich- ster Schonung der Haut: bei Balg-, Schwamm-, Speck- u. a. Geschwülsten, welche mehr oder weniger tief liegen, daher nur wenig über die Haut hervorste- hen, und besonders dann, wenn die Letztere noch ge- sund ist. Für alle Fälle müssen die Thiere gehutig befestiget und Pferde gebremset werden. Die sub a bezeichnete Operation ist an groſsen Thieren fast immer im Stehen derselben auszuführen; die Verfahren sub 5 und e sind schmerzhafter, mehr in die Tiefe greifend, und verlan- — und gen gröſsere Genauigkeit, daher die Thiere hierzu in der Regel niedergelegt werden müssen. Als allgemein gültige Vorbereitung i ist das Abschee- ren der Haare auf und an der Geschwulst zu betrachten. a) Bei dem Abschneiden der Aftergebilde an ihrem Stiel ziehet man dieselben mit der linken Hand recht stark von den darunter liegenden Theilen ab und macht dann mit einem Bistouri an dem untern Theile der Ge- schwulst oder Warze einen Kreisschnitt durch die Haut. Diese ziehet sich sogleich von dem Gebilde zurück, so dafs dasselbe nur noch am Zellgewebe sitzt, welches man mit einem Messerzuge leicht durchtrennt und es so- mit ganz ablöst. Eine hierbei enistehende geringe Blu- tung wird mit kaltem Wasser, eine gröſsere mit dem glühenden Eisen u. dgl. gestillt. Die entstandene Haut- wunde ist zuerst wegen der Zurückziehung der Haut immer weit gröſser als der Umfang der Geschwulst an der Haut war; nach einigen Tagen zieht sie sich aber sehr zusammen, und die Heilung erfolgt bei geringer Eiterung. der Geschwulst erforderlich; nach dem Entfernen der- selben bähet man das Geschwür nebst dessen Umgebung mit warmer Heusamenbrühe oder mit Kamillen-Infusum, täglich zweimal, bis die Anschwellung vorüber und eine gute Eiterung eingetreten ist. Letztere darf nicht durch Salben befördert werden; im Gegentheil mufs man sie, wo sie sehr reichlich und die Granulation sehr lebhaft erscheint, durch absorbirende und gelind austrocknende Mittel beschränken, wie z. B. durch Kohlenpulver, oder ein Gemenge desselben mit Entianwurzel, Eichenrinde u. dgl. 5b) Das sub 5 bezeichnete Verfahren beginnt uac gehoriger Vorbereitung des Thieres damit, daſs man an zwei Seiten der Geschwulst durch die Haut halbmond- förmige Schnitte macht, welche mit ihren Enden oben und unten, d. h. wenn das Pferd steht, zusammenkom- men und Winkel bilden. Je nach der Gröſse der Ge- schwulst und nach dem daher zu erwartenden Ueber- flufsan Haut, je nachdem die Haut auf derselben mehr oder weniger entartet ist, kann man die Schnitte bald näher ihrer Ober- fläche, bald näher der Basis anbringen,— was der Thierarzt in jedem besondern Falle hiernach beurtheilen mufs.— Die Schnitte müssen überall vollständig durch die Haut(den Hautmuskel u. s. w.) bis auf die Ge- schwulst selbst gehen, jedoch ohne dieselbe zu ver- Besonders suche man bei Balggeschwülsten durchgehende Verletzungen des Balges zu vermeiden, wenn die Geschwulst entfernt ist, und letzen. weil sonst leicht ihr Inhalt sich entleert, hiernach der Balg faltig und dann die ganze Ausschaälung des- selben sehr erschwert wird*). Derjenige Theil der Haut, welcher die obere Fläche der Geschwulst bedeckt, bleibt daselbst sitzen; den unter den Schnitten befindli- chen Theil aber präparirt man, nebst etwa daran be- findlichen Muskelfasern u. s. w. mit dem geballten Bi- stouri nach der Basis der Geschwulst hin ab. Hierbei ziehet man die Haut da, wo man eben schneidet, mit den Fingern oder mittelst der stumpfen Haken von der Geschwulst ab(die Pinzette macht zu groſse Schmerzen), während man die Geschwulst von einem Gehülfen nach der entgegengesetzten Seite ziehen läͤſst, um somit Raum zu gewinnen und zugleich die Theile mehr anzuspannen, weil sie sich dabei besser von ein- ander trennen lassen. Ist die Geschwulst groſs und schwer, so kann man mittelst einer Heftnadel ein Band queer durch sie ziehen, dessen Enden in eine Schleife zusammenbinden und sie an derselben leichter hervor- ziehen lassen.— Bei diesem Ablösen der Geschwulst muſs man das Messer so viel wie möglich an deren Grenze im reinen Zellgewebe führen und stets kaltes Wasser über die Wunde flieſsen lassen, um das etwa vorhandene Blut zu entfernen und eine freie Ansicht der unter das Messer kommenden Theile zu erhalten. Trifft man gröſsere Gefäfse, so kann man sie vor oder nach geschehener Durchschneidung unterbinden oder im letz- tern Falle auch zudrehen. Nachdem die ganze Ge- schwulst abgelöset, entfernt und die Blutung gestillt ist, untersucht man die Wunde, ob noch irgendwo etwas von dem Balge oder von der Geschwulst zurückgeblie- ben ist, was durchaus nicht geschehen darf, weil solche Reste fast immer die Keime für künftige Geschwülste sind. Man entferne sie daher gründlich, und wo dies nicht geschehen kann, brenne oder ätze man sie. Dann lege man die Wundränder gegen einander, um zu se- 2) Sollte eine solche Verletzung erfolgt sein, so kann man dusch gelindes Drücken den Balg leer machen und dann einen dünnen Gypsbrei, der aber ganz frisch bereitet sein muss, oder geschmol- zenes Wachs in ihn giessen. Nach dem Erstarren dieser Materien ist die Kuashanne des Hankes leicht zu bewirken. 67— hen: ob und wie viel Ueberflufs an Haut vorhanden ist, welchen man dann durch Abschneiden an den betreffen- den Stellen beseitiget. Doch darf man hiermit bei einem kleinen Ueberfluſs der Haut nicht zu eilig sein, weil derselbe sich späterhin durch Zurückziehung oft von selbst ausgleicht.— Wenn die Wundränder gut zusam- menpassen und die Wunde nicht zu tief ist, kann man ihre schnelle Vereinigung durch das Heften u. s. w. versuchen, übrigens sie zuerst gelind antiphlogistisch, und später, wenn Eiterung eintritt, sie nach allgemei- nen Regeln der Chirurgie behandeln. Das oben unter e bezeichnete Exstirpationsverfah- ren weicht von dem eben beschriebenen hauptsächlich nur durch die Form des Hautschnittes ab. Dieser ist nämlich in der Regel bei den flachen oder tief liegenden Geschwülsten ein Längenschnitt über die Mitte der Ge- schwulst, und, wenn die Letztere sehr groſs oder un- regelmäſsig gestaltet ist, macht man wohl auch einen Kreuz- oder einen Tförmigen Schnitt, um eine gröſsere Oeffuung und dadurch einen leichtern Zugang zu allen Grenzen der Geschwulst in der Tiefe zu gewinnen. Deſshalb soll überhaupt der Hautschnitt hierbei stets eher etwas zu groſs als zu klein sein. Wo die Haut entar- tet ist, macht man um den entarteten Theil einen ova- len Schnitt, läfst ihn auf der darunter beſindlichen Ge- schwulst sitzen und entfernt ihn mit dieser sogleich. Mit der Haut durchschneidet man auch die auf der Ge- schwulst etwa liegenden Muskeln, Sehnenscheiden und das Zellgewebe, bis auf die Geschwulst selbst, wobei man aber wieder bei Balggeschwülsten die Verletzung des Balges vermeiden mufs. Hierauf löset man mit dem Messer die Wundränder rund herum von der Geschwulst ab, legt in letztere eine Bandschleife, ziehet sie mittelst derselben hervor und von der Seite ab, an welcher man eben schneidet, ziehet auch daselbst die Haut mittelst der stumpfen Haken nach aufsen,— läſst durch kaltes Wasser die Wunde fortwährend rein halten, und schält die Geschwult allmälig immer tiefer von allen umgeben- den Theilen und von ihrem Grunde los.— Die Blut- stillung und die Naohhehandldne Erfolgen so, wie Sub 5 Seedenbel, xry. Die dünaoudrng des Gluheisens(Applicalio ferri candentis s.— aclualis. Cauterisatio). C. 56. Das glühende Eisen erzeugt bei seiner Einwirkung auf den lebenden Thierkörper mehrerlei Grade der Reizung mit oder ohne Verbrennung der organischen Massen, je nach dem Grade der Erhitzung des Eisens, nach der Entfernung und der Dauer der Berührung, und nach der Stärke des dabei angewendeten Druckes. Hinsichtlich der Erhitzung unterscheidet man drei verschiedene Stu- fen, nämlich: a) das braunwarme,— 5) das rothglä- hende, und— o) das weiſsglühende Eisen. a) Das braunwarme Eisen(240— 320 Grad R.) lüſst nur einen geringen Grad der Wärme lang- sam ausströmen; es reizt deshalb nur mäſsig, sowohl wenn man es in der Nähe des Körpers wie auch mo- mentan an denselben hält; bei längerer unmittelbarer Ein- wirkung dringt aber die Reizung auch tief ein und stei- gert sich bis zur Entzündung mit Exsudation an den berührten Stellen und in deren Nähe. Das Verbrennen der organischen Substanz erfolgt von ihm nur, wenn die unmittelbare Berührung mit einigem Druck verbunden ist, und es ist stets, selbst bei längerer Dauer dersel- ben, nur oberflächlich, indem sich ein dünner brauner Schorf bildet, der ziemlich festsitzt und nach einiger Zeit durch Eiterung abgestoſsen wird. Die Haut nimmt, ehe sie verbrennt, eine gelbe oder braune Farbe an. 5) Das rothglühende Eisen(der mittlere Grad der Glühhitze(über 320— 560 Grad R.), strömt viel mehr Wärme in kurzer Zeit aus,— reizt schon in der Entfernung von 2— 6 Zoll die Haut schmerzhaft, und verbrennt bei kurzer und schwacher Berührung die or- ganische Substanz oberflächlich; bei längerer Einwir- kung und bei gleichzeitig mit dem Eisen gemachten 17* Druck kann aber die Zerstörung auch tiefer greifen. Es dringt dabei immer viel Wärme in die nahe liegenden Theile und die Entzündung wird intensiver. «c) Das weifsglühen de Eisen ist mit dem nöch- sten Grade der Hitze(gegen 5600 Grad B.) verse- hen, läſst dieselbe sehr intensiv und schnell ausströmen, reizt augenblicklich heftig und verbrennt die von ihm be- rührten Theile schnell zu einer schwarzen, festen Kohle (Brandschorf), welche mit den darunter befindlichen Theilen durch einige Zeit in einem festen Zusammen- hange bleibt und dann durch Eiterung entfernt wird.— Der Schmerz bei der Einwirkung des weiſsglühenden Eisens und die unachfolgende Eutzündung sind jedoch gewöhulich nicht gröſser, sondern wahrscheiulich gerin- ger als bei dem rothglühenden Eisen; theils weil erste- res die Vitalität fast augenblicklich vernichtet und zum Theil auch, weil der schnell entstandene Schorf ein schlechter Wärmeleiter ist und somit die unter ihm be- findlichen Gebilde weniger Hitze aufnehmen. 4 Die Entzündung nach dem Brennen trägt in der Re- gel den activen oder sthenischen Charakter an sich. §. 57.. Das Glüheiseu ist seit den ältesten Leiten als Heil- uittel gegen viele Thierkrankheiten angewendet wor- den, wie dies die alten griechischen Thierärzte in ihren Schriften darthun. Wir benutzen es jetzt für— verschiedene Heilzwecke: 1) zur Erregung der Merheninatiekeilt, Wee der Resorption in der Haut und in tiefer lie- genden Gebilden, z. B. bei Lähmungen, bei Dumm- koller,— bei Drüsenverhärtungen, bei Sehnen- klapp, Stollbeulen, Piephaken, Gelcu Ueberbei- uen, Spatt u. dgl.; 52. zur schnellen Erregung eiuer Putaündgoge Aer Haut u. s. w. in der Absicht: eine Ableitung der Ent- wwüudahg von andern Theilen zu bewirken; bei Ent- an— des Gehirus und Rückenmarkes, der Augen, der Beinhaut, der Gelenke, der Sehnen u. s. w.; 3) zur Erregung eines mehr aktiven Bildungsprozes- ses in Wunden und Geschwüren, welche eine schlaffe, blasse Granulation und zu dünnen Eiter erzeugen, namentlich in solchen Knochen- und Knorpelgeschwüren; 1) zur Blutstillung und eben so zur Verschlieſsung kleiner Wunden im Stensonschen Speichelgange und in Capselbändern; 5) zur Zerstörung üppiger Grauwiationen, der Balg- geschwülste u. dgl.; 6) eben so zur Zerstörung des Wachgiltes i in Bils- wunden, des Wurm-Contagiums in den Wurm- beulen, des Anthraxgiftes in den Carbunkeln; und 7) bei der Amputation des Penis, des Saamenstranges im gesunden und kranken Zustande u. dgl. 5§. 58. 3 Für diese verschiedenen 2Maok und mit Räcksicht auf den Ort der Anwendung, hat man Brenneisen*) in *) Man hat auch Brenn-Instrumente von Stahl und Kupfer ange- fertiget und denselben nach der Verschiedenheit des Metalls eine andere Wirksamkeit und grössere Dauer, als denen von Eisen, zugeschrieben,— jedoch ganz unrichtig. Nur die Hitze ist qas 68 folgenden verschiedenen Formen: a) das drath- oder stiletförmige zur Anwendung in engen Kanälen;— 5) das conische,— c) das knopf- und birnförmige, alle drei zum Brennen einzelner Punkte, oder auch ganzer Flä- chen in Wunden, Geschwüren und Geschwülsten;— d) das messerförmige,—) das beilförmige, und— †) das prismatische; um Striche(Linien) auf der Hau zu brennen oder Theile zu durchschneiden;— 9) das plattrunde oder thalerförmige, Flächen zu brennen,— und 4) das ringförmige, nur zur Bluistüllung um ganze au der coupirten Schweifrübe benutzt. An jedem Brenneisen unterscheidet man den vor- dern verschieden gestalteten Theil, mit welchem der Thierkörper berührt wird, dann den mittlern Theil oder Stiel, und den hintern Theil oder Handgriff. Letzterer Der Stiel darf nur gegen 12— 14 Zoll ½ bis+¼ Zoll im Durchmesser dick sein, weil bei gröſserer Länge das Instrument zu schwer in ist von Holz. lang und etwa der Hand liegt und nicht gut zu dirigiren ist. Der vor- dere Theil steht bei den Formen und d mit dem Stiel in gleicher Richtung, bei den übrigen Formen aber im rechten Winkel an demselben; er soll im Allgemeinen nicht ungauz oder rissig, sondern mit glatten(wenn- gleich nicht mit polirten) Oberflächen versehen sein; die conischen und knopfförmigen Eisen sollen an ihrem dicksten Theil ½ bis ¾ Zoll Durchmesser haben und in eine dem speciellen Fall entsprechende feine oder stum- pfe Spitze enden. Die messerförmigen Eisen sollen 3 bis 4 Zoll lang, 1 bis 1 ¼ Zoll breit, am vordern Rande etwas convex und, wenn sie zum Abtrennen eines Ge- bildes dienen, schueidend scharf und am Rücken 3 Li- nien dick sein,— zum Brennen von Strichen auf der Haut aber soll der vordere Rand etwa 1 Linie dick und da- mit das Eisen in der gröfsern Dicke auch mehr Wärme enthält. Die beilförmigen Eisen, etwa 2 Zoll lang, 1 ¼ bis 2 Zoll breit, können an den Rändern, nach den- abgerundet, der Rücken gegen 6 Linien dick sein, selben Rücksichten in der Anwendung wie die messer- Das prismatische Brenneisen ist ihnen ähnlich, aber sein Rük- förmigen, eine etwas verschiedene Dicke besitzen. ken ist wenigstens halb so breit wie die Seitenflächen. Das thalerförmige Brenneisen besitzt an dem vordern Pnde des krumm gebogenen Stiels eine 1 bis 2 Zoll im Durchmesser haltende, und 3 bis 6 Linien dicke Platte; — und das ringförmige ist daselbst mit einem conischen Ringe versehen, dessen Oeffnung gegen ¾ Zoll groſs der untere Rand gegen 4 Linien, der opero Dse9 Li- nien breit und das Ganze gegen 1 Zoll hoch oder dick ist. Es ist zweckmäſsig, wenigstens zwei Brenneisen von jeder Form zu besitzen, damit man bei Operationen, während eins angewendet wird, das andere erhitzen lassen kann„ih, aan 9b1941e19Ja tin ab Vor der Anwendung des Glüheisens mufs der be- treffende Theil von Schmutz, Salbe u. dgl. gereiniget, e das Agens, und diese entweicht aus dem Eisen am leichtesten. Ausser- dem kann man an keinem andern Metall den Grad der Erhitzung o leicht durch die Farbe erkennen wie am Eisen; und letzteres ist auch am wohlfeilsten und leiehtesten zu repariren. nd am Rücken 3 Li. von Strichen aul der twa 1 Linie dick ud ee auch mehr Wärme etwa 2 Zoll laug Räudern, nach deu- ung wie die messet- Hicke besitzen. Ds nalich, aber sein Rük- wie die Seitenflächen- tat an dem vordern eine 1 bis 2 Zoll im — das Thier gebremset und entweder im Stehen von Ge- hülfen festgehalten, gespannt, oder auch niedergelegt werden, je nach der Empfindlichkeit des Thieres und des Theiles, nach dem Orte, dem Umfange, der Form und der Dauer der Applikation des Glüheisens. Es läfst sich hierüber im Allgemeinen nur andeuten: dafs, wenn regelmäſsige Figuren auf die Haut gebrannt werden sol- len, wie z. B. bei Spatt, Hasenhacke u. dgl., und wenn das Thier sehr empfindlich ist, dasselbe in der Regel niedergelegt werden mufs; doch kommt mau auch hier- bei oft mit guten Bremsen, mit Spannen und Aufbinden der Füfse aus,— und in den meisten andern Fällen kann die Anwendung des Glüheisens sehr gut an dem stehenden Thiere ausgeführt werden. Ein Gehülfe besorgt das Erhitzen der Brenneisen bis zu dem vorher bestimmten Grade(am besten in der Feuerwerkstätte eines Schmieds u. dgl., oder auch in jedem Koblenfeuer mit Hülfe eines Blasebalges), und er reicht sie dann, nachdem er schnell von ihrem Vorder- theil alle Schlacken und Rauhigkeiten an einem Holz, an einem platten Stein oder an der Erde abgerieben, dem Thierarzt zu. Das Zutragen der Brenneisen kann auch von einem andern Gehülfen geschehen, wenn das Erhitzen nicht in unmittelbarer Nähe der Operation statt findet,— wofür jedoch immer möglichst gesorgt wer- den muſs, weil die Eisen bei dem Sutraban aus der Ferne zu sehr abkühlen. Die Applikation des Glüheisens fär die im§. 57. heseteaen 2eea geschieht folgendermaaſsen: 11) Zur Erregung einer gröſsern Thätigkeit kann man dasselbe auf zweierlei Weise, nämlich a) in einiger Entfernung von dem leidenden Theil, oder 5,) mit wirklicher Berührung desselben anwenden. — AErsteres, die Anwendung des Glühei- sens in Distanz, das Scheinfeuer u. s. w. genannt, beruhet auf der Idee: die reizende Wir- kung der Hitze zu erzeugen, ohne die Haut zu verletzen. Demgemäſs führt man ein prismatisches der ein thalerförmiges Brenneisen, im Nothfall einen breiten Eisenstab u. dgl. roth- oder weiſs- glühend über den gelähmten, verhärteten oder mit 2u geringer Thätigkeit versehenen Theil in der Eutfernung von 2— 6 Zoll, je nach der Empfind- lichkeit desselben und nach der Hitze des Eisens, langsam hin und her, bis die Haut bedeutend(d. i. gegen 10— 15°R) wärmer als im normalen Zu- stande ist, oder bis das Thier gegen das fernere Eiuströmen der Wärme sehr empfindlich erscheint. Gewöhnlich ist hierzu eine 5— 10 Minuten dauernde Einwirkung erforderlich. Das Verfahren kann täglich zwei bis viermal wiederholt und wäh- rend längerer Zeit fortgesetzt werden. Zuweilen reibt mau vorher Salben, welche Harze, ätherische Oele u. dgl. reizende Substanzen enthalten, in die Haut, um das Eindringen in dieselbe zu erleichtern und die Wirkung beider Mittel gegenseitig Lu erhöhen. Dabei ist jedoch die Vorsicht zu beachten: dafs man nur ein braunrothes Eisen gebrauche und der Haut nicht zu nahe komme, weil sonst jene Substanzen sich zur hellen Flamme entzünden. 69— Das wirkliche Brennen für den in Rede stehenden Zweck mufs ebenfalls immer so geschehen, dals viel Wärme in den betreffenden Theil strömt, dabei aber die Haut möglichst wenig zerstört wird. Man brennt da- her nur Punkte(Punktfeuer) oder Linien, Striche (Strichfeuer), und zwar mit braunwarmen Eisen recht laugsam, indem man mit demselben jede einmal gebrannte Stelle nach und nach so oft wiederholt be- rührt, bis daselbst eine bedeutend erhöhete Warme zu fühlen ist,— oder, wenn man recht in die Tiefe wir- ken will,— bis an den gebrannten Stellen eine seröse Ausschwitzung stattfindet und die Haut etwas anschwillt. Diese letztere Erscheinungen zeigen: daſs die Irritation schon bis zur Entzündung gesteigert ist. An den so gebrannten Stellen verändert sich die Farbe bei jedem frisch heifsen und bei dem mehr erkalteten Eisen mehr- mals; und sie ist somit kein Zeichen des genugsamen Brennens,— wie man dies ehemals von der stroh- oder goldgelben Farbe der Punkte oder Striche glaubte. Die Zahl der Punkte oder der Linien, ihre Entfer- nung von einander, und ihre Riehtung sind, je nach den Umständen, verschieden. Als Regel im Allgemeinen gilt: daſs man die ganze Fläche auf dem kranken Theil gleichmäſsig mit Punkten oder Linien bedeckt, und die- selben um 80 näher an einander legt, je gleichmäſsiger und kräftiger die Thatigkeit angeregt werden soll. Doch muſs immer wenigstens ein Raum von 3 Linien zwischen zwei Punkten oder Linien bleiben, weil sonst die Haut entweder von beiden Seiten her wirklich verbrannt oder so stark entzündet wird, daſs Eiterung in ihr entsteht und sie in Folge dessen abfällt,— was oft haarlose Narben verursacht. In den meisten Fällen legt man da- her die Punkte ¼½ bis 1 ganzen Zoll weit auseinander. — Die Richtung der Striche geht am besten mit der oder schräg über die Richtung der Haare, weil dann durch die letzteren die Brandnarben gat bedeckt werden. In- defs darf man sich nicht ängstlich hiernach richten. Mau brennt gern besonders mit den Strichen eine regelmä- ſsige Figur, die der Gröſse und Form des hetreffenden Körpertheils entspricht, z. B. einen Tannenbaum, einen Stern, ein Stern-Kreuz u. dgl. Die Art der Figur ist jedoch etwàs Unwesentliches, und es wird durch ihre regelmäſsige symmetrische Form nur das Ansehen der zurückbleibenden Narben weniger widrig als bei unre- gelmäſsigen Figuren. Dagegen ist bei jeder Figur we- sentlich: a) daſs sie(wie oben erwähnt) alle Punkte des kranken Theils oder wenigstens die am meisten leidenden Stellen desselben gleichmäfsig bedeckt und somit auch in alle Punkte gleichmäſsig die Wärme fährt, dabei aber die in der Haut liegenden groſsen Venen frei läſst(um Entzündung derselben zu vermeiden); und— 5) daſs die Striche nirgends in Winkeln oder in einem zusammenhän- genden Kreise in einander über gehen, sondern daſs da, wo sie sich einander nähern, ein etwa 2— 3 Linien breiter Theil der Haut unversehrt bleiben muſs. Beachtet man dies nicht, so wird oft der Zusammenhang der zwischen den Linien befindlichen Hautstücke mit der übrigen Haut dermaſsen gestört, daſs sie absterben, langwierige Eite- rung und haarlose Narben hinterlassen. Es ist daher am besten, statt aller complizirten Figuren blofs parallele 18 —-— 70 Striche oder Reihen von Punkten auf dem ganzen kran- ken Theile zu brennen. Letztere wirken etwas schwä- cher als die Striche, hinterlassen aber weniger bemerk- bare Spuren. Nach diesen Unterschieden ist die Wahl des Punkt- oder des Strichfeuers in jedem Falle leicht zu treffen. Zuweilen wendet man Beides zugleich an, wie besonders da, wo wegen Hautvenen nicht Striche über die ganze Oberfläche gleichmäfsig anzubringen sind. Um irgend eine zusammengesetzte Figur ganz re- gelmäfsig auf der Haut zu brennen, kann man dieselbe auf den glatt gestrichenen Haaren, je nach der Farbe derselben, mit Kreide oder Kohle vorzeichnen. Wer aber eine feste Hand und ein geübtes Auge hat, der bedarf dies nicht, sondern brennt eben so gut aus freier Hand. Bei dem Brennen hält man das Eisen stets nur leicht, d. h. nicht drückend auf die Haare, und(nach dem Durchbrennen derselben) eben so auf die Haut. Bei dem Punktfeuer findet nur ein ganz ruhiges Berüh- ren derselben während etwa 2— 5 Sekunden statt,— je nach der Hitze des Eisens und nach der Dicke der Haare und der Haut. Bei dem Strichfeuer kann man zum Erstenmale das messerförmige oder beilförmige Brenneisen an einem Ende der bestimmten Linie an- setzen und dann sanft ziehend bis zum andern Ende füh- ren; aber die wiederholte, auch etwa 2— 5 Sekunden dauernde Berührung mufs ganz ohne Bewegung, oder sie darf nur mit einer wiegenden Bewegung geschehen, weil das Ziehen des heiſsen Eisens auf der schon ge- brannten Stelle eine schneidende Wirkung(wenn auch mehrentheils nur im gelinden Grade) ausübt und dabei die Haut tiefer verletzt wird als nöthig ist. Das wiederholte Berühren der Punkte oder Striche mit dem Brenneisen muſs zuerst in einer gleichen Reihe- folge geschehen, bis man die oben angegebenen Merk- male der genügenden Reizung wahrnimmt. Finden sich dieselben an einzelnen Stellen früher ein, so verschont man dieselben, während man die übrigen noch so oft wiederholt berührt, bis überall die gleiche Wirkung sichtbar wird. 1 i6 NA319ep1. Nach dem Brennen schwitzt an den Pankten und Strichen noch während 1— 2 Tagen etwas klebrige Feuchtigkeit aus, die allmälig zu Schorfen vertrocknet, welche sich frühestens nach etwa 14, gewöhnlich aber erst nach 20— 30 Tagen ablösen und weiſse haarlose Narben hinterlassen, die oft erst nach langer Zeit eine dunkle Farbe annehmen. ber Die Nachbehandlung besteht darin: daſs man wäh- rend der nach dem Brennen folgenden Entzündung das Thier ruhig hält und das Reiben der gebrannten Stellen durch entsprechendes Anbinden, durch Umwickeln des Theils mit weicher Leinwand u. dgl. zu verhüten sucht. Nur eine zu heftige Entzündung gestattet die Anwen- dung schleimiger Bähungen, Wenn einzelne Brandpunkte viel eitern, wendet man Bleiwasser, Auflösungen von Zänkvitriol und ähnliche Mittel an. Das Ablösen der Schorfe befördert man durch Bestreichen derselben mit Fett, Oel oder Blei-Cerat.— Wenn die Entzündung vorüber ist, können die Thiere wieder allmälig in Be- wegung gesetzt werden; geschiehet dies zu früh, bei heftiger Anschwellung oder bei reichlicher Eiterung, so ist ein Auſplatzen der gebrannten Stellen und das Zu- rückbleiben häfslicher Narben oft die Folge hiervon*). 2) Für den oben sub No. 2. im§. 57. bezeichneten Zweck wendet man das Brenneisen rothglühend entweder auf die Haut oder unter derselben an. Im ersten Falle brennt man Punkte oder Striche ganz auf die im Vorhergehenden beschriebene Art, bis Anschwellung der Haut und Ausschwitzung an den Brandstellen entsteht. Bei dem Brennen unter der Haut verfährt man so wie es bei Erzeugung eines Fontanells nach de Nanzio(§. 11. S. 32.) angegeben worden ist.— Die Entzündung entsteht in beiden Fällen schneller und reiner als nach An- wenqdung irgend eines andern Mittels und die durch sie bewirkte Ableitung dauert ziemlich lange fort. Aber man muſs immer die Vorsicht beachten, daſs der ursprünglich leidende Theil nicht unmittelbar von der Hitze des Eisens betroffen werde, wie namentlich, wenn man es gegen Entzündung der Augen in der Umgegend derselben applizirt. In solchen Fällen ist es zweckmäſsig, das den An- wendungsstellen zu nahe liegende, zu empfindliche oder krankhaft gereizte Organ während des Bren- nens mit nasser Leinwand zu bedecken. 3) Um in torpiden und schlaffen Wunden und Ge- schwüren eine mehr aktive Bildungsthätigkeit an erregen, führt man ein rothglühendes Brenneisen in entsprechender Form(am besten ein knopf- oder birnförmiges) einigemale,— je nach dem Grade der Erschlaffung, sanft und langsam über die ganze Geschwürsfläche, oder nur über dieje- nigen Theile, welche sich durch zu geringe Thä- tigkeit auszeichnen;— so daſs an diesen Stellen ein ganz dünner Braudschorf entsteht. Man war- tet die Ablösung desselben durch die Eiterung ab und verfährt dann weiter nach den Begeln der derChirurgie. 911 Ar9 XI8115 4) Die Blutstillung, oder eigentlich die Verschlieſsung der verwundeten Blutgefäſse, und eben so der ver- letzten Speichelgänge und der Capselbänder durch das glühende Eisen, beruhet auf der schnellen Um- wandlung der organischen Substanz in einen, an den Theilen festsitzenden Brandschorf. Immer wird dabei die Wunde in einem hohen Grade gereizt und qurch den Schorf verunreiniget; und an Si- cherheit steht diese Blutstillungsmethode der Liga- tur sehr nach, weil man einen Schorf von gewis- ger Festigkeit nicht sicher erzeugen, und auch dessen Ablösung für die Zeit bis zum festen Ver- wachsen des Gefäfses nicht sicher verhindern kann. — In ältern Zeiten war das Glüheisen das wich- tigste Blutstillungsmittel; jetzt benutzt man es je- *) Godine, Gelle u. a. französische Thierärzte haben noch eine besondere Art des Brennens empfohlen, um die sichtbaren Brand- male ganz zu vermeiden. Man soll eine Speckschwarte mit der fetten Fläche auf die Haut legen und dann das Brenneisen auf der Schwarte hin und her führen, bis kleine Tropfen aus der Haut schwitzen. Die letztere ist dann durch das heisse Fett mehr oder weniger verbrühet. Das Verfahren hat sich nicht als zweckmässig bewührt. en Waunden und Ge Bilduugsthätigkeit u glübendes Brenneise m besten ein kaoyt. uft und langsam ibet oder nur über deje’- ureh au geringe Tii- laſs an diesen Steler doch mehrentheils nur da, wo a) kleine Gefäſse, besonders in mehrfacher Zahl bluten; 5) wo die Geſäſsenden in das Parenchym der Theile zurück- gezogen sind; und c) wo die Ligatur nicht aus- führbar ist, kalt Wasser nichts leistet, ein Druck- verband aber nicht anwendbar ist. Die Leichtigkeit der Applikation des Brenneisens im Vergleich zur Ligatur verfährt aber sehr oft die Thier- ärzte zur Anwendung desselben auch in solchen Fäl- len, wo die Watoebihulhe angezeigt und auch ausführ- bar ist. Die schorfbildende Wirkung erfolgt am sichersten 2uon weiſsglühende Brenneisen mit recht glatter Ober- fläche, und wenn zugleich die organische Masse mehr trocken als feucht ist,— weshalb für Beides gesorgt werden muſfs. Die Form und Gröfse der hierzu nöthi- gen Brenneisen muſs sich nach der Form und dem Raume der Wunde richten; bei engen Wundkanälen benutzt man drathförmige Eisen in angemessener Stärke, bei mehr offenen Wunden aber mehrentheils kegelförmige oder knopfförmige Eisen.— Bei der Anwendung berührt man die Stelle, an welcher die Blutung statt findet, mit dem weiſsglühenden Eisen während etwa 1— 5 Sekunden, wobei man dasselbe gelind andrückt und zuweilen ein wenig drehet. Letzteres soll das Ankleben des Schor- fes an das Eisen und das Abreifsen von der Gefäſs- wunde u. dgl. verhindern. Dauert die Blutung nach sol- chem einmaligem Brennen noch fort, so muſs dasselbe noch ein- oder mehrmals wiederbolt werden, bis der Zweck erreicht ist. Wenn bei wiederholtem Brennen das blutende Gefäfs tief hinein zwischen den nahe lie- genden Theilen verbrannt wird, ohne daſs der verschlie- fsende Schorf entsteht, oder wenn überhaupt zu wenig Masse zur Bildung eines solchen Schorfes vorhanden ist, so kann man dieselbe künstlich ersetzen, indem man irgend eine Substanz, welche reich an Kohlenstoff ist, z. B. kurz geschnittene Haare, fein geraspeltes Horn, pulversirten Zucker, Harz, Pech oder Talg gegen 1 bis 2 Linien dick auf die betreffende Stelle legt und dann das Eisen anwendet.— Nach dem Brennen muſs das Thier möglichst ruhig gehalten werden, bis sich der Schorf gelöst hat. Eine besondere Nachbehandlung ist in der Regel nicht erforderlich; doch kann man in den Fällen, wo ein zu frühes Ablösen des Schorfes zu fürchten ist, dies durch öfteres Befeuchten mit Bleiwas- ser, mit Auflösung von Zinkvitriol, Alaun u. dgl. eini- germaaſsen verhindern. 5) Zur Zerstörung üppiger Granulationen in Wunden und Geschwüren eignet sich das Glüheisen besonders da, wo die krankhafte Bildungsthätigkeit mit Er- schlaffung verbunden ist. Man benutzt hier ein der Wunde anpassend geformtes(wieder am besten ein knopf- oder birnförmiges) Brenneisen im weiſs- glühenden Zustande, und drückt dasselbe so stark auf die wuchernde Masse, bis sie zu einem Schorf umgewandelt ist. Das Ablösen dieses Schorfes überlälst man allein der nachfolgenden Eiterung.— Ueber die Anwendung des Glüheisens bei Ge- schwülsten sehe man§. 55. No. 3. 6) Die Zerstörung von Krankheitsgiften in Wunden, in Carbunkeln und in Wurmbeulen ist durch das weiſsglühende Eisen, wenn es mit Nachdruck an- gewendet wird, wohlfeil und schnell zu bewirken, mnd es wird dabei zugleich eine kräftige Entzün- dung mit nachfolgender guter Eiterung hervorge- rufen; doch sind viele Aerzte der Ansicht: daſs die Wirkung des Eisens nicht in alle Zwischen- räume der Gewebe so leicht und vollständig ein- Aringt, wie es die chemischen Aetzmittel, nament- lich die conzentrirten Säuren thun; und deshalb hält man das Eisen hierzu auch für weniger sicher als diese Mittel.— Bei seiner Anwendung für diesen Zweck benutzt man knopfförmige Brenn- eisen von geringem Umfange, damit man überall leicht eindringen kann; und man wiederholt das Brennen so lange, bis ein gleichmäſsiger Schorf entstanden ist, den man hier durch erweichende Mittel recht bald zum Ablösen bringen und dann die Wunde in guter Eiterung erhalten mufs. 7) Für den sub 7 bezeichneten Zweck wendet man weiſsglühende, dünne, glatte, messerförmige Ei- sen an, um im Augenblick der Durchschneidung des Penis u. dgl. die betreffenden Gefäfse sogleich mit einem Schorfe zu verschlieſsen und dadurch die drohende Blutung zu verhüten. Das Eisen muſs dabei mit einem mäſsigen Druck auf dem Theile hin- und hergezogen werden bis zur gänz- lichen Durchtrennung des Theiles. Das Weitere hierüber sehe man bei den speviollan Operatio- nen gelhst. Zweites Kapitel. Von denjaut dan Operationen, welche nur an einzelnen Theilen des Körpers ausgeführt werden. I. Die Trepanation(Trepanatio). §. 1. 6 Die Trepanation ist die Durchbohrung der Knochen vermittelst einer mit ihren Zähnen Kreisförmig gestellten Säge(des Trepans). Doch hat man auch die Durch- hohrung der Knochen mittelst spitzer, bohrender und schabender Instrumente zur Trepanation gerechnet. Diese Operation ist in der Menschenheilkunst seit den ältesten Zeiten gebräuchlich, in der Thierheilkunst 18* , -— aber erst seit der Mitte des 18ten Jahrhunderts durch Lafosse d. V. eingeführt, der sie zuerst an den Stirn- nach der äuſsern Form und nach der hiervon ab- hängigen Gebrauchsweise entweder a) als Bo- gen-Trepan, oder ⁵b) als Hand-Trepan(Tre- phine) bestehen. Der letztere, welcher einfacher, und Kieferbeinen machte, um den Rotz durch örtlich an- gewendete Mittel zu heilen*). Später ist sie von ver- schiedenen Thierärzten auch für mehrere andere Heil- wohlfeiler, bequemer zu gebrauchen und daher für zwecke empfohlen und angewendet worden. alle Fälle dem Bogen-Trepan vorzuziehen ist, be- Die Zwecke, welche man durch die Trepanation erreichen will, sind folgende: d b 41) Knochenstücke, welche bei Nesletzuugema am Kopfe, an den Schalterblättern oder auch an den Rippen in die Tiefe eingedrückt, theilweis oder ganz ab- gebrochen oder unter einander verschoben sind und hierdurch drückend und reizend auf andere Gebilde wirken, aus ihrer abnormen Lage zu schaffen und hierdurch die Ursache des Drucks und der Reizung zu beseitigen; 2) fremde Körper, die von aufsen in die Knochen und deren Höhlen eingedrungen sind, wie auch den vielköpfigen Blasenwurm aus dem Schädel, oder Gastruslarven und Polypen aus den Stirn-, Nasen- und Oberkieferhöhlen zu entfernen; 3) Blutextravasate und Eiter oder Jauche aus der Schädelhöhle und den übrigen Höhlen am Kopfe, so wie Eiter oder Jauche aus Widerrüstfisteln, die sich tief unter das Schulterblatt erstrecken,— und eben so die Jauche aus Kuochen, welche an Spina ventosa leiden, auszuleeren; 4) die Riechnerven bei Pferden, welche am Dummkoller leiden, zu öffnen, und hierdurch das in den Hirn- höhlen übermäſsig angehäufte Serum zu entleeren; 5) die Stirn-, Nasen- und Kieferböhlen hinsichtlich ihres Mitleidens bei solchen Krankheiten, welche mit einem chronischen Ausfluſs aus der Nase oder steht aus einem eisernen, geraden, gegen 5 Zoll langen Stiel, dessen oberes Ende in der Mitte eines queer aufgelegten Handgriffes befestiget, das untere Ende aber mit der Trepankrone(Kreissäge) versehn ist. Es giebt cylindrische und konische Kronen, die beide an ihrer äufsern Fläche entwe- der glatt oder senkrecht scharf gefurcht sind; auch ihre Grölse ist verschieden, von ¾ Zoll bis 1 Zoll im Queerdurchmesser. Cylindrische glatte Kronen dringen am leichtesten ein, machen keine Erschüt- terung und erscheinen defshalb als die vorzüglich- ssten. Um ihr zu tiefes Eindringen zu verhüten, kann man sie in beliebiger Höhe mit einem Stell- ringe bekleiden.— Die Zähne in den Kronen fin- den sich bald senkrecht, bald mehr schräg ge- stellt, und bald in zusammenhängender Reihe, bald durch tiefere Einschnitte in einzelne Abtheilungen gebracht,— was aber ohne wesentlichen Einflufs auf den Gebrauch zu sein scheint.— Im Mittel- punkt der Höhle der Kronen befindet sich ein vierseitig geschliffener Stachel mit scharfen Rän- dern(Pyramide), entweder eingeschraubt oder mittelst eines Stifts zum Zuräckziehen in den hoh- len Stiel und zum Vorschieben aus demselben ein- gerichtet. Die Pyramide soll bei dem Beginnen der Operation zu einem Central-Stützpunkt des Instruments auf dem glatten, harten Knochen die- mit gestörtem Athmen durch dieselbe begleitet sind, mnen, und ihre Spitze mufs daher über die Spitzen der Zähne an der Krone gegen 1 Linie weit her- und bei denen die Diagnosis durch die übrigen Erscheinungen nicht sicher zu begründen ist, zu vorstehen.— Der Perforativ-Trepan hat statt der untersuchen; runden Krone eine, mit dem Stiel parallel stehende 6) Arzneimittel, selbst das Glüheisen durch die Tre- ppyramidenförmige Spitze mit zwei platten Fla- Panationsöffnungen auf die kranken Gebilde zu ap- chen und mit zwei schräg abgeschliffenen scharfen pliziren;— und Rändern.— Bei dem Exfoliativ- Trepan bildet die 7) die Austreibung eines Backenaahus aus seiner Krone eine viereckige, ebenfalls mit dem Stiel par- allel stehende Platte, deren unterer Rand zur Hälfte nach rechts, zur Hälfte nach links schief abge- §. 2A. scechliffen, scharf und in der Mitte mit einer 1 Linie LZur Ausführung der Trepanation gebraight. man: Höhle, wenn die letztere oder die Zahnwurzel von Caries ergriffen ist, zu bewirken. langen Spitze versehn ist. ib zei asd 10) den Trepan, von welchem es A. der Wirkung 2) Eine Scheere zum Abscheeren der Haare; oder dem Zwecke nach 3 Arten giebt, nämlich: 3) ein Messer mit convexer Schneide, zum Durch- a) den Kronen-Trepan oder die eigentliche Kreis- Schhneiden der Weichgebilde; säge, womit man kreisförmige Knochenstücke aus- 4) einen Knochenschaber(Schabeeisen, Rougdine), schneidet und eben solche Oeffnungen macht;— oder statt desselben ein starkes Messer, zum Ab- schaben der Beinhaut; eipe Haüinungen; und—°) den Exfoliativ- 5) ein f. feststehendes, an einer Fläche halbrundes Mes- Trepan, zum Abschaben einer kranken Knochen- 5) den Perforativ-Trepan, zum Bohren einfacher, tser mit linsenförmigem Knopfe(couteau lenticu- fläche; er schneidet oder schabt nur dünne Späne an der Oberfläche des Knochens ab,— der Perfo- laire), zum Entfernen der in der Trepanationsöff- nung etwa noch sitzenden Knochenspitzen; rativ-Trepan aber dünne Späne an dem Rande der 6) eine Knochenschraube(Türefond), zum Heraus- gebohrten Oeffnung. Die Trepaue können 3. heben des ausgebohrten Knocheunstückes; 7) einen Knochenhebel für denselben Zweck(ist fast immer zu entbehren und durch eine gewöhnliche Haar- *) Praité sur le véritable siége de la morve des cheveux, et les moyens d'y remédier. Par le Sieur Lafosse, mattre maréchal à Paris ete. A la Haye 1750. Seilnadel oder durch die Pinzette: 2u u ersetzen); 8) eine 73 —8) einen spitz geschnittenen Federkiel, sowohl zum Sondiren der gebohrten Furche im Knochen, wie auch zur Reinigung derselben und der Trepanzähne; 9) eine kleine Bürste für den letzteren Zweck(wird nn zuweilen durch einen Schwamm oder ein Wisch- tuch ersetzt); 10) eine Pinzette; 11) Nadeln und Heftfäden; 12) zuweilen einen kleinen scharfen Meissel; und 13) als Verband- und Reinigungsmittel einen Schwamm, einen Korkpfropf in dem Umfange der Trepankrone, Wud. oder feine Charpie, ein Eapbohnan ſeinarn alter Leinwand, kaltes Wasser. §. 3.4. Das Thier wird zur Operation so niedergelegt*), daſs die Operationsstelle möglichst nach oben oder wenigsteus so zu liegen kommt, dafs an ihr die Instru- mente und die Hände des Operateurs leicht und frei an- gebracht werden können. Demgemäls legt man unter den Kopf ein, mit einer Decke bedecktes Bund Stroh. Ein Gehülfe hält ihn hier fest, indem er sich, je nach der Operationsstelle, entweder hinter den Hals, oder zwischen den Hals und den Hinterkiefer, oder, wenn der Letztere selbst trepanirt wird,— auch vor das Ge- sicht des Thieres placirt, und dabei(bei Pferdeu) die Treusenzügel mit einer Hand dicht am Hinterkiefer er- greift, mit der andern Hand aber den Kopf gegen den Bo- den drückt. Die durch die Fesselriemen zusammengezoge- nen Füſse werden von einem 2ten, der Körper von einem 3ten und 4ten Gehülfen gehalten; ein 5ter Gehülfe reicht die Instrumente zu und reiniget dieselben(was der Ope- rateur auch selbst thun kann), und ein 6ter(besonders bei gemachtem Kreuzschnitt) ist erforderlich, um die Alaoflephan von der eeai,nolhe zurückzuhalten. Die Operationsstelle ist is deu einzelnen Fällen, je nach dem Orte und der Art der Krankheit und nach dem Zwecke der Operation, verschieden.— Am Schä- del der Thiere ist die Trepanation fast nur auf den vor- dern Theil der Seitenwandbeine und auf das Stirnbein beschränkt, da das Hinterhauptsbein zu ungleichmäſsig dick, dabei äuſserlich mit vielen Weichgebilden bedeckt ist, und im Innern die starken Blutleiter des kleinen Gehirns unter ihm liegen,— der Schappentheil der Schläfenbeine aber durch den sehr dicken Musc. lempo- ralis, durch den Jochbogen und zum Theil auch durch den Kronenfortsatz des Hinterkiefers bedeckt ist. Selbst auf den Scheitelbeinen macht der genannte Muskel die Operation noch schwierig. Die Stellen, wo eine Nath sich befindet, eignen sich nicht gut zur Trepanation, theils weil hier die Knochen ungleich dick sind(nament- lich so an der Pfeilnath), theils weil unter mehrern sol- chen Stellen Blutleiter des Gehirns liegen. Wo jedoch die vorbandene Verletzaung die Ausführung der Trepa- nation an einer solchen Stelle erfordert, und die Kunst- hülfe in jeder Hinsicht vollständig geleistet werden soll, Bei Verletzungen des Schädels liegen die Thiere zuweilen schon „in Folge der nach der Yerletzung eingetretenen Betäubung oder Lähmung. In solchen Fällen bindet man ihnen blos die Füsse zu- sammen und giebt ihnen eine zweckmässige Lage. fallen alle andere Rücksichten weg, und man hat nur noch die durch den Ort gebotene gröfsere Vorsicht zu beobachten. An den Stirnbeinen kann, bei Werletzuugen, die ganze Fläche(bei Pferden und Rindern) von der Mit- tellinie der Stirn bis einen halben Zoll vom Augenhöh- lenrande, und von der Kranznath bis zu den Nasenbei- nen der Trepanation unterworfen werden. Soll die letz- tere aber dazu dienen, eine Oeffnung zur Entleerung von Flüssigkeiten oder von Gastruslarven zu schaffen, so wählt man die niedrigste Stelle der Stirnhöhle, die sich auf jeder Seite unmittelbar neben der Scheidewand beider Höhlen befindet*) und ungefähr durch eine Queer- linie angedeutet wird, welche man von der untern Grenze des zweiten Drittheils der einen Augenhöhle bis eben dahin an der andern Augenhöhle über die Stirn führt**ε). — Hat die Trepanation den Zweck, die Stirnhöhle zu untersuchen, so wähft man am besten die Mitte der Stirnbeine, auf einer Queerlinie, die durch die Mitte bei- der Augenhöhlen geht.(Tab. I. 1.).— Trepanirt man aber, um hiernach die Riechnerven sicherer eröffnen zu können, so legt man die Trepanöffnung noch höher, näm- lich mit ihrem untern Rande auf eine Queerlinie, die man sich von der höchsten Stelle eines Augeuhöhlenrandes bis eben dahin am andern Augenhöhlenrande gezogen denkt; der innere Rand der Oeffuung muſs dabei ge- gen ¾ Zoll von der Mittellinie der Stitne entlerut sein (Tab. I. 2.). Die Nasenbeine gestatten die Applibation des Tre- pans in ihrer ganzen Länge; hinsichtlich der Breite ist jedoch zu bemerken, daſs ungefähr einen Zoll von der Mittellinie der Nase entfernt auf jeder Seite an der innern Fläche die obere Nasenmuschel an das Nasen- bein gewachsen ist. Am obern Ende findet sich diese Verwachsung der Mittellinie noch etwas näher, so daſs hier auf und neben der letztern die Trepanation schwie- riger wird und für den Zweck der Untersuchung der Nasenhöhle wenig erfolgreich ist. Dagegen kann man, um in den obern freien Raum der Nasenhöhle zu gelan- gen, an dem obern Ende der Nasenbeine aufserhalb je- ner Anheftung der Nasenmuschel, und zwar vom Stirn- bein herab bis etwa 2 Zoll hoch über dem Vorderkie- ferloch und seitlich oben bis an das Thränenbein, unten bis an das groſse Morderkietothoin die Operation vor- nehmen. 4 Um die Höhle des groſsen Vorderkieferbeins(wel- che am obern Ende durch das Thränen- und Jochbein mitgebildet wird) zu öffnen, wählt man den länglich- viereckigen Raum, der oben durch den untern Rand der Augenhöhle,— vorn durch eine, vom vordern Rande der Augenhöhle anfangende, mit der Jochleiste parallel laufende Linie,— unten durch das Vorderkieferloch, *) Es ist hier das niedrigste geschlossene Ende der Stirnhöhle gemeint; nach aussen, gegen die Augenhöhle zu, geht die Höhle eben so tief herunter, steht aber hier mit der Nasen- und Vor- derkieferhöhle in Verbindung; zwischen diesen tiefsten Stellen liegt eine Erhöhung. 12**) Ueber diese Lhie hinauf habe ich die tiefste Stelle der Höhle nie gefunden, wohl aber stand sie in mehreren Köpfen ¼ bis ¼ Zoll niedriger, den Nasenbeinen näher.— Beim Rinde erstreckt sich die Höhle bis in das Schläfen- und Hinterhauptsbein. 19 und— hinten durch die Jochleiste begrenzt wird. Von der Letzteren bleibt man(besonders an ihrem untern Ende und bei jungen Thieren) einen halben Zoll ent- fernt, weil sie oft unmittelbar auf den Wurzeln der Backenzähne liegt. Von den Weichgebilden verletzt. man bei der Tre- panation am Schädel die Haut, die Schläfenmuskeln, und Zaweige der Schläfenarterie und Schläfenvene, welche dafs ihre Schlie- ſsung durch Unterbindung nöthig wird. Die Stirn und der Nasenrücken sind nur mit der Haut und dem beide zuweilen so stark bluten, mit ihr verwachsenen sehr dünnen Gesichtshautmuskel bedeckt, deren Gefäſse und Nerven so unbedeutend sind, dafs sie bei der Operation nicht in Betracht kommen.— Bei der Trepanation der Oberkieferbeine trifft man, auſser der Haut(und dem Hautmuskel) auf den obern Theil des Hebers der Oberlippe und auf den Seitwärtszieher der Oberlippe und des Nasenflügels, so wie auch auf die Augenwinkelarterie und Augenwinkelvene. Man kann jedoch diesen Theilen entweder gleich bei der Wahl der Operationsstelle ausweichen oder auch sie, nach gemach- tem Hautschnitt, mittelst der stumpfen Haken etwas seit- lich ziehen und somit den Knochen an der Trepanations- stelle von ihnen mehr frei machen. §. 5. Die Operation beginnt damit, daſs an der betreffen- den Stelle die Haare abgeschoren werden, und dals man einen den Verhältnissen entsprechenden Hautschnitt bis auf die Beinhaut macht. Dieser Schnitt hat entweder die Gestalt eines V, oder eines T, oder eines Kreuzes. Der erstere, welcher den Vortheil gewährt, daſs er nur einen Hautlappen bildet, verdient da den Vorzug, wo man im Voraus sicher ist, an einer begrenzten Stelle nur eine Trepankrone nöthig zu haben. Der T förmige und der kreuzförmige Hautschnitt finden ihre Anwen- dung da, wo unter den Weichgebilden entweder die Knochen in einer gröſsern Ausdehnung verletzt sind, wie z. B. bei Knochenbrüchen am Schädel oder am Ge- sicht, so wie auch da wo eine groſse Oeffnung zur Ent- fernung von Polypen, von andern fremden Körpern, oder zur Hervorhebung von eingedrückten Knochen erforder- lich ist. Doch führen diese Schnittformen den Nachtheil mit sich, daſs sie 2 oder 4 freie Hautlappen erzeugen, welche während der Operation mühsamer zurück zu hal- ten sind, und später die Heilung erschweren. Nach gemachtem Hautschnitt erfalst man mit der Pincette oder mit einem Häkchen die Spitze des oder der Hautlappen, zieht sie ein wenig in die Höhe und präparirt sie von den Kunochen ab, so daſs auf diesem nur die Beinhaut sitzen bleibt. Die Hautlappen werden entweder mit jenen Instrumenten zurückgehalten oder man Ziehet mittelst einer kleinen Heftnadel einen Faden durch sie, bindet denselben mit den Enden zu einer Schleife zusammen, und zieht damit die Hautlappen von den unterliegenden Theilen ab, so daſs die Operations- stelle am Knochen frei zu Tage liegt. Etwa vorhan- dene Blutungen werden sogleich mittelst kalten Wassers, oder wenn sie bedeutend sind, durch Umstechung der blutenden Gefäſse gestillt. Hierauf setzt man die Tre- Pankrone auf die zur Operation bestimmte Stelle, um den 71 Umfang derselben auf der Beinhaut zu bezeichnen, wel- ches entweder einfach dadurch geschieht, daſs man die Zähne der Krone mit einem gelinden Druck in die Bein- haut treibt, ten Zähne mit Kohlenpulver bestreut, und somit beim Aufdrücken auf die Beinhaut einen schwarzen Kreis bil- det,— oder endlich: daſs man mit der Spitze eines Bistouri's im Umfange der aufgesetzten Krone die Bein- haut durchschneidet. erst bezeichneten Abformungen geschehen. Hierauf schabt man die Beinhaut auf der bezeichneten Stelle mittelst des Knochenschabers oder mittelst eines Messers von der oder dafs man die vorher etwas befeuchte- Letzteres mufs auch nach den zu- Knochenfläche rein ab, und setzt dann die Trepankrone, mit der Pyramide versehen, auf diese Stelle auf, und Ist der Trepan ein Bogentrepan, so dreht man deuselben, je drückt die Letztere mäſsig in den Knochen ein. nach der Stellung der Zähne, nach einer Seite herum, und zwar, da die meisten Trepankronen von links nach rechts stehen, so findet das Umdrehen gewöhnlich von rechts nach links statt; bedient man sich der Trephine, so dreht man das Instrument im Halbkreise abwech- selud rechts, nach und wieder zurück nach links, so dals abwechselnd ein Hin- und Herbewegen der Das Bohren auf die eine oder die andere Weise geschieht mit einem mäſsigen Druck Sägezähne statt findet. und zuerst ganz laugsam, bis die Sägezähne im Kno- chen eine kleine Furche gebildet haben, worauf es mit etwas schuellern Drehungen fortgesetzt werden kann, bis es in die Diploé des Knochen eingedrungen ist, was man aus den zum Vorschein kommenden rothen Knochenspähnen und aus der weicheren Knochensubstanz wahrnimmt. hebt das Instrument aus der gebohrten Furche, reiniget es, und entfernt die Auch die Furche im Kuochen wird mittelst der spitzen Federpose u. s. w. von den Hier hält man inne, Pyramide aus der Krone. Sägespähnen gereiniget. In den Mittelpunkt des auszu- bohrenden Knocheustäckes, wo bereits durch die Pyra- setzt man nun die Kuochenschraube ein, und dreht dieselbe gelind drückend und recht langsam gegen 1 ½— 2 Linien tief hinein, um hierdurch gleichsam ein Schraubengewinde in dem Kno- chenstück zu bilden, und späterhin dasselbe Instrument, ohne Druck zu erregen, in dieses Gewinde wieder ein- setzen zu können. Nachdem das Gewinde gebildet ist, dreht man die Knochenschraube in mide eine Vertiefung entstanden ist, entgegengesetzter Richtung wieder heraus, setzt dann die Trepankrone ohne Pyramide in die vorher schon entstandene Furche des Knochens, und bohrt vorsichtig, d. h. nur mit ganz gelindem Druck tiefer. Wenn man über die Diploë des Kuochens hinausgekommen ist, was man aus den wie- der weiſsen Sägespähnen und aus der gröſsern Härte vermuthen kann, ist es nöthig, das Weiterbohren öfter zu unterbrechen, und nach geschehener Reinigung der Furche im Kuochen, mittelst der zugespitzten Feder- pose zu sondiren, ob irgendwo der Knochen schon völ- lig durchbohrt ist. Sollte dies der Fall sein, so setzt man die Trepankrone zwar wieder in die Furche ein wie früher, hebt aber den Rand des Iustruments an der durchbohrten Stelle ein wenig in die Höhe, indem man dasselbe gelind, nach der entgegengesetaten Seite zu, ese Stelle auf, und nochen ein. Jat der man deuselben, jö einer Seite hermm ouen von liuks nach hen gewöhnlich von a sich der Trephine, Halbkreise abweeh. zurück nach links und Herbewegen de den auf die eine oten inem mälsigen Drud Sägezähne im Kmo. aben, worauf es ui esetzt werden kam eingedrungen ist,- a kommenden rolbe eren Kuochensubstann dedt das lustnmei tes, und eniferii à- e Furche im Kuochet nse u. s. W. von da nü telpaukt des auszu- reits durch die P)m. t, setzt man Hun dr elhe geliud drückend Liaien tief hiuein, um gewiude in. e Aasselle lustrumenb emiule miader ein Gewiude seaietis telst des Meiſsels. drückt, und bohrt vorsichtig weiter, so dafs nur eben die Stelle des Knochens von den Sägezähnen angegrif- fen wird, wo die Furche noch nicht durch die ganze Dicke des Knochens hindurchreicht. Ist so das ausau- bohrende Knochenstück grölstentheils getrennt, oder zeigt es sich bei angebrachtem Druck sogar etwas be- weglich, so ist es Zeit, die Knochenschraube in das früher vorbereitete Gewinde, in der Mitte dieses Kno- chenstückes wieder einzusetzen, und hiermit dasselbe hervorzuziehen. Gewöhnlich sind dabei einige Biegun- gen dieses Iustrumentes nach verschiedenen Seiten hin erforderlich, um hierdurch den noch an einzelnen Punk- ten bestehenden Zusammenhang des Knocheustückes, so- wohl mit den zunächst liegenden Knochenparthieen, wie auch mit der darunter liegenden Schleimhaut u. s. w. vollständig zu lösen. Wenn auf diese Weise dies nicht zu bewirken sein sollte, kann man sich auch eines He- bels bedienen, den man mit einem seiner Enden in die Furche unter das zu entfernende Knochenstück einsetzt, dasselbe hiermit in die Höhe drückt, und es so entfernt. Nachdem dies auf die eine oder die andere Weise ge- schehen ist, untersucht man durch Besehen und Befählen die Ränder um die gebohrte Oeffnung, und wenn sich daselbst hervorstehende Knocheuspitzen finden, so wer- den diese mittelst des linsenförmigen Messers entfernt. Zu dem Zwecke nimmt man dieses Messer mit seinem Handgriff in die volle Hand, führt es, die convexe Flä- che gegen den Rand gelegt, vorsichtig in die Oeffnung bis auf die Schleimhaut, oder am Schädel bis auf die harte Hirnhaut, und schneidet mit kräftigem Drucke alle Unebenheiten an den Rändern fort. Vorstehendes ist das Verfahren im Allgemeinen, welches jedoch für die verschiedenen Zwecke etwas modificirt werden kann. So z. B. setzt man bei Kno- cbenbrüchen, die mit Eindruck und Verschiebung eines Theils der Bruchstücke verbunden sind, die Trepankro- nen nur auf den oben liegenden oder hervorragenden Rand des Knochens auf, und zwar je nach der Länge des unter diesem Rande liegenden Knochentheils, bald nur eine halbe Krone, bald etwas mehr.— Um Polypen aus den Stirn- und Kieferhöhlen entfernen zu können, muſs man gewöhnlich eine gröfsere Oeffuung in den Kunochen machen, als dieselbe durch nur eine Krone gebildet werden kann. In diesem Falle pflegt man, je nach den Umständen, entweder 2— 3 Kronen neben einander so einzubohren, daſs die zweite Krone den Rand der Oeffnung von der ersten und die dritte Krone den Rand der gebohrten Oeffnung von der zweiten zum Theil überragt, damit nicht au groſse Ecken zwischen den einzelnen gebohrten Oeffnungen zurück bleiben; oder man bohrt in einiger Entfernung, wie dies die Umstände bedingen, 2 Oeffuungen, und sägt dann die zwischen denselben befindliche Knochenbrücke mittelst einer klei- nen Flügel-Säge durch, oder man entfernt dieselbe mit- In jedem Falle müssen auch hier- nach die zurückgebliebenen Spitzen an den Rändern der Oeffnung mittelst des linsenförmigen Messers entfernt werden. 7⁵ Das übrige Verfahren, wie z. B. die Durchschnei- dang der harten Hirnhaut oder der Nasenschleimhaut,— deuteten Umständen oder Verhältnissen, das etwa nöthige Hervorziehen und Erheben oder Ent- fernen loser Knochenstücke,— die Entfernung von Blut- extravasaten u. s. W., so wie die Stillung der etwa be- stehenden Blutungen, richtet sich nach den Regeln der Chirurgie für diese Umstände. §. 6. 109 Nachdem die Trepanation beendet, und hiermit der Zweck erreicht ist, wie z. B. da, wo dieselbe nur zur Untersuchung der Stirn-, Nasen- oder Kieferhöhlen diente, wird die Wunde gereiniget, und die Hautränder werden mittelst der Knopfnath vereiniget. Besteht aber eine andere Krankheit, zu deren chirurgischen Kur die Trepanation nur als Vorbereitung oder als Vermittelung dient, so ist in der Regel das fernere Offenbleiben der Operationswunde bedingt. In solchen Fällen wird. am besten in die Wunde ein weicher Tampon von Werg gelegt, und derselbe mit den Hautlappen bedeckt, indem die früher zum Zurückhalten derselben dienenden Fäden mit einander in einer Schleife vereiniget werden. Da unter solchen Umständen die Ecken der Hautlappen sehr oft zusammenschrumpfen, trocken werden und absterben, so scheint es in den Fällen, wo eine etwas mehr sicht- baare baarlose Narbe von keiner Bedeutung ist, am zweckmäſsigsten, die Spitzen der Hautlappen gleich nach der Operation abzuschneiden, um hierdurch die Wunde offen zu erhalten, die Reinigung der Wunde und die Anwendung der etwa möglichen Heilmittel zu er- leichtern. Die Trepanationswunden an den Gesichts- knochen bedürfen überhaupt nur sehr selten eines Ver- bandes, weil die Einwirkung der Luft auf die Schleim- haut der Stirn-, Naseu- und Kieferhöhlen keinen Nach- theil bringt; dagegen ist bei Trepanationswunden am Schädel der Verband zur Abhaltung der Luft durchaus erforderlich. Derselbe darf jedoch stets nur die vorhan- denen Höhlen ausfüllen, aber keinen Druck oder Reiz auf das Gehirn und seine Häute ausüben. Diie Trepanationswunden sind in der Regel für sich allein ohne Gefahr, nameuntlich an den Gesichtsknochen, wo auch keiue irgend bedenklichen Zufälle nach der Ope- ration eintreten; an dem Schädel ist dies jedoch nicht ganz so der Fall. Aber die Kraukheiten, welche die Operation erfordern, besonders schwere Verletzungen, führen oft einen üblen Ausgang herbei. Die Behandlung solcher Zufälle muſs nach den Regeln der Thierheil- kunde statt finden. 55b Die Heilung der Trepanationswunden an den Weich- gebilden geschieht, je nach den im Vorstehenden ange- bald durch schnelle Vereinigung, bald durch Granulation und Eite- rung. Die Heilung der Kuochenwunden erfolgt bei den Thieren in der Regel mit allmähliger, und, wenn nur eine Krone angewendet war, auch mehrentheils mit vollständiger Wiederausfüllung der Oeffnung durch Kno- chenmasse, und zwar so, daſs bei Pferden 2. B. eine im Queerdurchmesser 1 Zoll groſse Oeffnung in etwa 2 Monaten mit Knochenmasse wieder ausgefüllt ist. 2 1 9 II. Das Anbohren des Schädels drehkranker Sehaafene 0 ₰ §.7. Die Kur der ausgebildeten Drehkrankheit verlangt: 1. die Entfernung oder Tödtung der Blasenwürmer (Coenurus cerebralis R.), und 2. die Herstellung einer normalen Reproduktion im Gehirn. Die Erfüllung der ersten Indication ist nur auf Che⸗ rative Weise möglich, und zwar 819118 4 w 4. durch die Prepanation; 1 B. durch Application eines Troikars; und C. durch Einschnitte in den Schädel. Da jedoch sehr häufig mehr als eine Wasserblase (man hat in einzeluen Fällen deren bis 8 und mehr ge- funden) in dem Schädel vorhanden ist, und da die ein- zelnen Blasen nicht nur oberflächlich in der Nähe der Schädeldecke, sondern auch oft an der Basis des Schä- dels und an verschiedenen Stellen ihren Sitz haben, so sind auch die Kennzeichen über den Sitz der Blasen- würmer oft sehr undeutlich, und es ist bei weitem nicht immer möglich, sämmtliche Blasen zu entfernen, und die Krankheit gründlich zu heilen. 1I Die Diagnosis des Sitzes der Wasserblase wird zum Theil aus dem Gange und aus den Bewegungen der kranken Thiere erkannt, indem gewöhnlich die Thiere nach derjenigen Seite hin drehen, an welcher in dem Gehirn die Blase liegt; ferner indem bei den Schaa- fen, welche beim Gehen immer die Nase in die Höhe halten und dabei hin und her wanken, die Blase ge- wöhnlich im kleinen Gehirn, oder in der vierten Hirn- kammer, oder zwischen dem grofsen und kleinen Ge- hirn, oder in dem hintern Theile des grofsen Gehirns b und indem bei solchen an der Basis sich befindet;— Schaafen, welche vorwärts fallen, oder sich auch im Liegen noch überschlagen, häufig die Blase im vordern Ende der einen oder der andern Hälfte des Gehirns ih- ren Sitz hat. Aulserdem findet sich die Stelle des Schä- dels, wo die Blase unter den Schädelknochen ihre Lage hat, sehr häufig weicher als die Umgebung, und beim Klopfen mit einem harten Körper, z. B. mit eiuem Schlüs- sel oder mit einem kleinen Hammer geben diese Stellen einen mehr dumpfen matten Ton, als die übrigen härtern Theile des Schädels. Daumens etwas stark auf die weichern Stellen, Drückt man mit dem Nagel des 80 und sie ver- Doch sind alle diese Merk- male nicht sicher geuug. UAnG1 I 1 unligi aill —§. 8. 4. Die Trepanation ist auch hier wahrscheinlich zuerst zucken gewohnlich die Thiere auffallend, drehen hierbei die Angon. von Chabert empfohlen worden. Sie wird an derjenigen Stelle ausgeführt, welche auf die vorhin bemerkte Weise den Sitz der Wasserblase unter dem Schädel andeutet, und ihre Ausführung geschieht ganz auf die bei der Tre- Man benutzt aber hierzu eine Trepankrone von nur ¼¾ Zoll im Queerdurch- panation überhaupt angegebene Art. messer und beachtet sorgfältig die, meistens sehr geringe, Dicke der Schädelknochen. stattet in den meisten Fällen die Anwendung der Kno- Der letztere Umstand ge- chenschraube zum Herausheben des Knochens nicht, 76 sondern dasselbe wird zweckmälsiger mittelst der Pin- zette oder eines Hebels entfernt, nachdem es mittelst des Trepans rund um von den brigen Knochen Le- trennt ist.““ 2 13123 Nach muternaoe des ausgebohrten keehohsflch drängt sich die harte Hirnhaut etwas blasenartig in die gemachte Oeffnung, besonders wenn wirklich an dieser Stelle eine Blase vorhanden ist. Die Hirnhäute werden nun vorsichtig in Form eines+ durchschnitten, und die Wasserblase wird mittelst der Pinzette oder eines Häk- Nach dem Vorschlage einiger Thierärzte soll man die in dem chens langsam und vorsichtig hervorgezogen. Gehirn hiernach zuräckbleibeude Lücke mit einer harzi- gen Tinctur oder mit einem aromatischen Wundwasser bestreichen, was aber nicht zweckmaſsig erscheint; es ist vielmehr hiureichend, ganz einfach die Hautwunde mit der blutigen Nath zu heften, und während der näch- sten 2— 3 Tage die Operationsstelle mit kaltem Was- ser beständig abzukühlen. danN 85 9. B. Der Troikar zum Anunbohren des Schädels ist von Erxleben, Geutebrück u. A. empfohlen Zuerst benutzte man nur einen einfachen klei- Rumpelt, worden. nen Troikar, späterhin empfahl Fischer*) einen Troikar mit einer dazu gehörigen Spritze unter dem Namen„Saug- Troikar“, der Hydatide durch die Troikarröhre ausgezogen wird. weil mittelst der Spritze die Flüssigkeit aus Das Operations-Verfahren mit dem Troikar ist fol- gendes: das kranke Schaaf wird am besten auf einen daſfs der Kopf am Rande des Leitztern, und mit der kranken Stelle nach Näachdem die Wolle an dieser Stelle aus- gerissen, oder besser, kurz an der Haut abgeschoren gewöhnlichen Misch so gelagert, abwärts liegt. ist, spannt man daselbst die Haut an einem Punkte mit dem Daumen, an dem andern Punkte mit dem Zeigefin- ger der linken Hand straff an. Daun nimmt man in die rechte Hand den Troikar so, daſs dessen Haudxgriff in der hohlen Hand ruht, der Daumen, der Mittel- und Zeigefinger um die Troikar-Röhre liegen, aber die Spitze des Iustruments gegen ¼ Zoll lang über die Fiugerspi- tzen hervorstellt,— und drückt dasselbe mit einiger Kraft durch die Haut und die dünne Stelle der Schä- delknochen in der eben bezeichneten Länge hinein, hält mit der linken Hand die Troikarröhre daselbst fest, und Manche Thierärzte empfehlen: vor dem Einstechen des Troikars und bei dem Einstechen das Instrument um seine Axe drehend zieht das Stilett mit der rechten Hand heraus. die Haut mit dem Messer zu durchschneiden, zu bewegen. Ersteres ist jedoch unnõthig, indem die Haut am Kopfe des Schaafes nur einen sehr geringen Widerstand leistet. Letzteres aber ist offenbar nachthei- lig, weil durch die drehende Bewegung die dreiseitige Spitze des Troikars die Knochenwunde mehr rauh und uneben macht, und somit später Veranlassung zur Rei- zung der Hirnhäute giebt. Hat *) Anzeigen der Leipziger ökonomischen Gesellschaft. 1790. abig etscheintz es ach die Hautwunde Während der näch- le mit kaltem Was. des Schädels ist von ck u. A. empſoblen einen einfachen klei- ther*) einen Troikar r dem Namen„Saug. die Flüssigkeit au e ausgezogen wird- dem Troikar ist fol. am besten auf einel daſs der Kopf an krauken Stelle uach an dieser Stelle aus- ſer Haut abgeschom an einem Punkte m ſe mit dem Zeigeli- un nimmt mall in de dessen Haudgif i en, der üittel- und liegen, aher die Spine ober di Hiugetsbi- dasselbe mit einiger Stelle der Sch- t. 1790 geselbehaft 17 Hat man bei dem Einstich die Wasserblase getrof- fen, so flieſst gewöhnlich gleich nach der Entfernung des Stiletts die wasserhelle Flüssigkeit aus der Röhre, und zuweilen drängt sich auch ein Theil von der innern feinen Haut der Hydatide in dieselbe; wo aber weder das eine noch das andere geschieht, oder wo nur eine sehr geringe Menge Feuchtigkeit abflieſst, muſs man versuchen, deren Hervorkommen durch Saugen mit dem Munde, oder mittelst der oben bezeichneten Spritze zu Wo dieses Verfahren fruchtlos bleibt, ist die Blase nicht getroffen, und dieselbe liegt entweder tiefer bewirken. als der Einstich gedrungen ist, oder sie liegt an einer ganz andern Stelle, und man mufs daher das Instrument vorsichtig etwas tiefer, oder auch, je nach den andeu- tenden Merkmalen, nach der einen oder der andern Seite hin in die Gehirnsubstanz einstechen. Gehirn kann dies ohne Gefahr bis in die Seitenhöhlen, oder in der Substanz des Gehirns bis zu der Tiefe, welche mit der Basis der Seitenhöhlen gleich ist, und an dem kleinen Gehirn bis fast in die Mitte seiner Sub- stauz geschehen; doch muſs man jede Verletzung der tiefern Theile an der Basis des Gehirns, so wie auch den Hirnknoten, das verlängerte Mark und die Schen- kel des kleinen Gehirns vermeiden, weil bei diesen Ver- letzungen Convulsionen, Lähmungen u. a. gefährliche Zufälle augenblicklich entstehen können. Nachdem der Inhalt der Blase entleert ist, sucht man auch ihre Häute vollständig zu entfernen,— was durch Saugen an der Troikarröhre oder auch mittelst einer feinen Pincette oder eines Häkchens zu bewirken ist, weil sonst von den Ueberresten dieser Häute sich später neue Hydatiden bilden können. Eben um diese Wiederbildung zu verhindern, soll man nach der Vor- schrift einiger ältern Thierärzte Myrrhen-Tinctur und ähnliche reizende Mittel in die Oeffnung keopſeln,— was jedoch nicht zu empfehlen ist. III. Die Anbobrung der Rieehkolben §. 11. Da man bei den Pferden, welche am sogenannten Dummkoller gestorben sind, fast allgemein eine abnorme Anhäufung von seröser Flössigkeit in den Hirnhöhlen findet, und da auch gewöhnlich der Grad der Stupidi- tät u. s. w. mit der gröſsern oder geringern Menge die- ser Flässigkeit in einem übereinstimmenden Verhältniſs zu stehen schien, so war man schon lange zu der An- sicht gelangt, daſs die Entfernung dieser Flüssigkeit zur Heilung der Krankheit nöthig, und somit eine we- sentliche Heil-Indication sei. Denn, obgleich wohl kein wirklicher Thierarzt behaupten wird, daſs die Krank- heit nur allein in dem übermäfsig vorhandenen Serum begründet sei, so muſs man doch zugeben, daſs dasselbe auf die umliegenden Gehirntheile drückend und spannend wirkt, und dafs es somit die Krankheitszufälle vermehrt. Die Euntfernung dieses sogenannten Wassers ge- schieht, der Erfahrung zufolge, sehr häufig durch Erre- gung einer verstärkten Resorption, zu welchem Zwecke Purgirmittel, urintreibende Mittel, kräftige Reizungen am Kopfe u. s. W. benutzt werden können; da jedoch die Erreichung des Zweckes durch diese Mittel stets un- An dem groſsen 77 Die Nachbehandlung darf nur möglichst einfach sein, und im Aufkleben von etwas Theer oder Klebpflaster auf die Wande, in kalten Waschungen des Moplos und in magerer Diat bestehen. §. 10. C. Einschnitte in den Schädel zur Entfernung der Hydatiden hat Geutebrück*) zuerst empfohlen. Man scheert hierzu die Wolle an der betreffenden Stelle rein ab, spannt die Haut mit dem Daumen und den übrigen Fingern der linken Hand straff an, und macht mit einem etwas starken aber schmalen und scharfen Messer durch die Haut und die Schädelknochen zugleich einen halb- mondförmigen Schnitt von ½— ¾ Zoll Länge. Den halbmondförmigen convexen Wundrand biegt man nun mit dem Messer oder der Pincette nach aufsen über die Haut um, durchschneidet dann die harte Hirnhaut nebst der etwa noch auf der Blase liegenden Hirnmasse, legt so die Hydatide bloſs, ergreift sie mit einer Pincette oder einem Häkchen und zieht sie hervor. Nachdem dies geschehen und die Wunde mit kaltem Wasser ge- reiniget ist, drückt man die in die Höhe gebogenen äu- fsern Theile(Haut und Schädelknochen) wieder in ihre Lage zurück, und bedeckt die Wunde äuſserlich mit einem Kleb-Pflaster, welches bis zur Heilung liegen bleibt. Die therapeutische und diätetische Nachbehand- lang ist wie bei den vorhergehenden Methoden. Bei dem Rindvieh hat man(Wepfer, Bonnet, Tscheulin, Dupuy u. A.) zuweilen ein der Dreh- krankheit der Schaafe ganz analoges Leiden, den Wurmschwindel, das Umläufischsein u. s. w. genannt, beobachtet, dabei im Kopfe der kranken Thiere ebenfalls Hydatiden gefunden, und dieselben in einigen Fällen mit Glück durch den Troieart oder darch Tre- panation entfernt. *) Geutebrück, gesammelter Unterricht von Schaafen und Schä- fereien. 2 Theile. Erfurt 1765. bei mit Dummkoller behafteten Pferden. sicher ist, so versuchte zuerst Hayne in Wien*) die directe Ausleerung des Wassers durch Anbohren der Knollen der Riechnerven. Dieselben sind bekanntlich hohl und stehen ein jeder vorn mit der Hirukammer seiner Seite in directem Zusammenhange; das Wasser der Letztern drängt sich daher auch in die Höhle der Erstern, dehnt sie stark aus, und eine Eröffnung an dieser niedrigsten Stelle der Hirnhöhlen kann daher die Entfernung des Wassers besser als an jeder andern Stelle bewirken. haben den Nutzen dieses Verfahrens erwiesen; in andern Mehrere vollständig gelungene Fälle Fällen erfolgte nach der Operation nur eine Minderung der Zufälle, ohne wirkliche Heilung des Kollers,— was bei den verschiedenartigen pathologischen Zuständen, welche dieser Krankheit zum Grunde liegen, oder mit derselben complicirt sind, wohl nicht anders sein kann. In noch andern Fällen trat nach der Operation eine hef- tige Entzündung der verletzten Gehirntheile, Eiterung und Erweichung derselben, und der Tod in Zeit von 3— 6 Tagen ein. *) Med. Jahrb. d. k. k. österr. Staates. Bd. XII. S. 234. Wien 1832. 20 uis§ 12. Die Operation kann entweder nach Hayne ganz einfach mittelst eines 2 Linien dicken Nagelbohrers, des- sen Spitze spiralförmig und recht scharf ist,— oder auch durch Mitanwendung des Trepans ausgeführt wer- den. Das zu operirende Pferd wird vorsichtig nieder- [Maunche, recht stupide Der Kopf des Pferdes wird wie zur Trepanation ein wenig erhöht auf eine Decke gelegt und festgehalten. Hierauf zeichnet man sich an demselben von dem obern Rande des einen Augenbogens bis eben dahin am andern Au- gelegt und einfach gefesselt. Pferde ertragen die Operation auch im Stehen.] genbogen eine queer über die Stirn gehende Linie, und macht auf derselben, etwa ¾ Zoll von der Mittellinie der Stirn entfernt, entweder einen einfachen Hautschnitt, gegen 4½ Zoll lang, bis auf das Stirubein, setzt in ihn jenen Bohrer fast im rechten Winkel auf dasselbe und durchbohrt es nebst dem tiefer liegenden Siebbein und dem Riechnerven;— oder, man macht an dieser Stelle einen V förmigen Schnitt in der Gröſse der zu applici- renden Trepankrone, so daſs die Mitte dieser Wunde etwa ¾ Zoll von der Stirnnaht entfernt ist,— und tre- panirt hierauf nach der früher angegebenen Anweisung. In die entstandene Oeffnung setzt man dann fast senkrecht (oder mit dem Stirnbein fast im rechten Winkel) den Bohrer (Taf. III. Fig. 1.) gegen die äuſsere Platte des Siebbeins, und durchbohrt dieselbe mit gelindem Druck. Diese Kno- chenplatte ist nur gegen 1 Linie dick. Mit Beachtung dieser Dicke wird man aus dem verminderten Wider- stand bei dem Weiterbohren schlieſsen können, dafs das Instrument durchgedrungen ist. Es bleibt hiernach nur noch eine etwa 2 Linien dicke Schicht des Riechnerven zu durchbohren, und wenn dies geschehen, ist die Ope- ration beendet. Das Serum läuft hierauf allmählig aus IV. à18 G. 13. A. Wenn die Ohrmuscheln des Pferdes in der Art an dem Kopf angesetzt sind, daſs sie mit ihrer Spitze ge- gen die Mittellinie des Hinterhauptes zugerichtet stehen (Haasenohren oder Haasenohrigkeit), so erhal- ten die Pferde hierdurch ein häfsliches Ansehen. fehlerhafte Stellung der Ohren beruht gröſstentheils in Diese einer zu geringen Länge, oder in einer zu starken Con- traction derjenigen Muskeln, welche die Ohrmuschel auf- heben, und derer, welche sie zurückziehen. Dm diesen Fehler zu beseitigen, ist als einziges Mittel die Durchschneidung der genannten Muskeln in Anwendung zu bringen. Diese Operation ist erst in der neuern Zeit in Aufnahme gekommen, von Have- mann ¹) und Rychner*²) kurz erwähnt, und von Wieners ³²) und Dieterichs ¹⁴) beschrieben. .§. 14. Nach Dieterichs soll das zur Operation bestimmte Pferd niedergelegt, mit einer Bremse und mit einer Half- ¹) Anleit. z. Beurtheil. d. äussern Pferdes 3te Aufl. S. 9. ²) Hippiatrik, 1ster Bd. S. 218. 2) Im: Organ d. Pferdewissenschaft etc. von Bartels, 1ster Bd. Heft 2. S. 112, Heft 3. S. 153. *) Akiurgie, S. 204, erforderlich: der ersten 2 Tage. — der entstandenen Oeffnung in die Stira- und Nasen- höhle, und kommt aus den Nasenöffnungen zum Vor- schein, was man hesonders bemerkt, wenn der Kopf des Thieres mit der Nase nach dem Boden gerichtet wird. Die Nachbehandlung besteht hauptsächlich in flei- ſsiger Anwendung des kalten Wassers auf den Kopf der Thiere besonders an der Operationsstelle während Dabei ist strenge Ruhe, magere Diät, ein kühler Stall, Aderlaſs und die Anwendung antiphlogistischer Salze und bei kräftigem Palse ein erforderlich. Hayne durchbohrt, wie oben gesagt, an der be- zeichneten Stelle nach gemachtem Hautschnitt sogleich mit dem Bohrer das Stirnbein und das Siebbein. Da je- doch wegen der Erhöhungen und Vertiefungen, welche das Siebbein in der Stirnhöhle besitzt, nicht an jedem Punkte gleichmäfsig leicht eindringt, und das Iustrument dadurch leicht in eine andere Richtung gelangt, welche man bei der Enge der Oeffuung in dem Stirnbein nicht gut verbessern kann: so erscheint es zweckmälſsiger, eben diese Oefffnung mittelst des Trepans zu bilden. Man erhält hierdurch den Vortheil, b Instrument in der Tiefe immer an der geeigneten Stelle dafs man das Bohr- ansetzen kann. Eine andere Modification des Verfahrens besteht darin: daſs man mit dem Bohrer nur die Siebbeinplatte öffnet, dann aber durch die Oeffnung einen feinen, nur 1 ½ Linien dicken Troikar einführt, mit demselben die Wand des Riechnervens durchbohrt und durch die Troi- Auf diese Weise wird die ungleiche Verletzung der Nerven- karröhre das Serum sogleich nach aufsen entleert. masse, wie sie durch den rauhen Bohrer entsteht, ver- mieden. Die subcutane Durchschneidung einzelner Ohrmuskeln bei der sogenannten Haasen- Ohrigkeit und bei Weit-Ohrigkeit. ter versehen werden, von welcher Letzterer der Strick, statt Treunsengebifs, durch das Maul genommen werden muſs, weil die Trense bei dieser Operation im Wege sein würde, und deswegen von dem Pferde nicht auf- Der Kopf des Pferdes soll wäh- rend der Operation auf einem Bunde Stroh erhöhet lie- das Pferd an eine Nothwand zu stellen, ihm eine Bremse aufzusetzen behalten werden kann. gen.— Wieners dagegen empfiehlt, kurz und Das Nie- derlegen des Thieres zu dieser Operation ist nach sei- und es, mit einer starken Halfter bekleidet, fest mit dem Kopfe an die Wand zu binden. ner Ansicht deshalb widerräthlich, weil man beim Lie- gen des Kopfes niemals richtig beurtheilen kann, ob durch die Operation die Ohren Senug herabgekommen sind oder nicht. An Hülfsmitteln zur Ausführung der Operation ist ein recht schmales(nur 2 Linien breites) Messer(Tenotom), einige Bäuschgen(Plumaceauæ) aus in der Gröfse von 1 Q◻Zoll, einige Streifen Heftpflaster, ein Gefäſs mit kaltem Wasser nebst Schwamm; und wenn das Pferd stehend operirt wird, und von mehr als mittler Gröſse ist, ist nach Wie- ners ein Klotz von etwa 1 Eufs Höhe erforderlich. glattem Werg gewickelt, ra- und Nasen- ungen zum Vu wenn qer ka Boden geriehte Pptsschlich in ſei. ers auf den Konl dnsstelle v dge Ruhe, unget tältigem Pulse ein hlogistischer* Lesagt, an der be. lautschnitt sogleich ss Siebbein. Da je- erliefungen, welche 2t, das lustrumeut eicht eindringt, und g gelangt, welehe dem Stirubein nicht es zweckmälsiger, Trepans zu bilden. dals man das Bahr. er geeigueten Stell Verfahrens besteht ur die Siebbeiaplatte =g einen feinen, nur mit demselben die und durch die Troi- suſsen eutleert. Auf letzung der Nerven- Cohrer entsteht, ver- auten Haasen- etzterer der Strick, lgenommen werden Operation im Wege m Pferde nicht aof⸗ es Pferdes soll wäh- „Stroh erhöbet lie- ehlt, das Pferd an Bremse aufzusetzen dekleidet, kurz und u binden. Das Ne- ration ist nach Sei ei⸗ il man hein Lie- — §. 15. Die Operation selbst ist übrigens im Stehen oder im Liegen gleichartig in folgender, Weise auszuführen: Der Operateur stellt sich auf den eben bezeichne- ten, einen Schritt weit vor die Fäſse des Pferdes ge- legten Klotz, ergreift das nach aufsen stehende Ohr mit der linken Hand, und zieht es abwechselnd in verschie- denen Richtungen mäſsig stark von der Mittellinie des Kopfes ab, um hierdurch die Aufhebemuskeln anzuspan- nen, und mit den Fingern der rechten Hand ihre Span- nung und Lage deutlicher zu fühlen. Ist dies gesche- hen, so sticht man die Spitze des Messers, die Schneide desselben nach oben gekehrt, in der Mitte zwischen der Mähne und der Ohrmuschel in die Haut, und geht unter dem langen und mittlern Aufheber des Ohrs durch, und durchschneidet dann, ohne die Oeffnung der Wunde zu erweitern, mit einer ziehenden und nach abwürts ge- richteten Bewegung der Hand, den mittlern Auf heber von unten nach oben. Da zuweilen mit der Durchschnei- dung dieses Muskels das Ohr eine hinreichende Senkung und Bewegung nach aulsen erhält, so vermeidet man sorgfältig die Verletzung des langen Aufhebers, indem man sogleich mit der ziehenden und die Spitze des Mes- sers nach oben drückenden Bewegung anhält, und das- selbe aus der Oeffnung zuräckzieht, wenn man merkt: dafs der erste Muskel an dem Schnittpunkt auseinander- springt. Die Wirkung auf die freiere Ohrbewegung nach aufsen macht sich sogleich bemerkbar, und man kann beurtheilen, ob dieselbe genügend ist oder nicht. Ist Letzteres der Fall, so führt man das Messer wie- der in die Wunde ein bis auf den Schildknorpel, schiebt es, den Messerrücken auf demselben anliegend, nach vorn und aufsen unter den kurzen Aufheber des Ohres, welchen man auf dieselbe Weise durchschneidet wie vorher den mittlern. Gewöhulich wird hiernach das Ohr sogleich eine gute Stellung aunehmen; sollte dies aber nicht geschehen, so ist auch die Durchschneidung des langen Aufhebers noch erforderlich, welche mit Rück- sicht auf die etwas höhere Lage desselben, im Uebrigen aber ganz so wie bei den vorigen Muskeln geschieht. Hatte das Ohr vom Anfange her nicht nur eine zu starke Annäherung gegen die Mittellinie, sondern auch zugleich eine zu starke Drehung nach Auſsen und Hin- ten, und wird diese fehlerhafte Stellang und Bewegung durch die Durchschneidung der Aufheber nicht gebes- sert, so kann man nachträglich in ähnlicher Weise auch den langen Auswärtszieher, und zwar am besten in der Nähe der Ohrmuschel selbst, in ähnlicher Weise unter der Haut durchschneiden. Bei diesen Durchschneidungen entsteht oft eine starke arterielle Blutung aus den Zweigen des innern Astes der hintern Ohrarterie, oder aus diesem Ast selbst. Diese Blutung kann während der Operation durch mä- fsig starkes Gegendrücken eines Fingers oder Schwam- mes gegen die Basis der Ohrmuschel, unterhalb der ver- letzten Stelle, gestillt werden; und nach der Operation findet die Blutstillung mit Hülfe des anzugebenden Ver- bandes statt. Nachdem nun beiden Ohren die übereinstimmende richtige Stellung gegeben ist, drückt man zuerst die in 79 die Wunde eingedrungene Luſt, nebst dem gröſsten Theil des daselbst befindlichen Blutes, durch gelindes Streichen gegen die äufsere Oeffnung, aus, und legt dann auf die kleine äufsere Wunde einen der vorhin bezeichneten Tampons, und darüber ein paar Streifen Heftpflaster in kreuzweiser Richtung zur Befestigung. Dieser Verband wird hierauf noch weiter sehr zweck- mäfsig unterstütat durch eine mit Ohren versehene Kappe von starker Leinwand(wie die Pferdehändler sie den zu transportirenden Pferden aufzulegen pflegen), unid welche durch Bänder unter dem Unterkiefer und um den Hals befestiget wird. Diese Kappe muſs der Gröſse des Kopfes und der Stellung der Ohren anpassend angefer- tiget sein, damit die Letzteren durch sie weder zu nahe zusammen, noch zu weit auseinander gehalten werden. Das operirte Pferd wird hierauf entweder mit einem blo- ſsen Halsriemen, oder mit einer Halfter, welche auf die Operationsstellen nicht drückt, bekleidet, und in seinem Stande so angebunden, daſs es diese Stellen nicht rei- ben kann. In den ersten 48 Stunden läfst man die Pferde anhaltend stehen, und während der Zeit den Ver- band fleiſsig mit kaltem Wasser anfeuchten. Später könuen die Thiere sich unter Aufsicht niederlegen, und nach 8 Tagen kann der ganze Verband entfernt wer- den, indem zu der Zeit gewöhnlich die Heilung ge- schehen ist. §. 16. S. Die Ohren der Pferde, oft nur eins derselben, hängen zuweilen zu weit auseinander, so dafs sie vom Kopfe ab, eine fast horizontale, oder noch niedrigere Richtung annehmen. Der hieraus entstehende Formfeh- ler wird im geringern Grade mit dem Namen„Weit- ohrigkeit“ bezeichnet, und im höhern Grade heiſsen die so gestellten Ohren„Schweineohren, School- ohren, hängende Ohren, oder Baumelohren.“ Der Fehler beruht hierbei meistens in einer Erschlaf- fung, zuweilen auch in einer wirklichen Lähmung der aufhebenden Muskeln des Ohres, in seltenen Fällen auch wohl in einer Verkürzung des Niederziehers, und vielleicht auch in einer Verkürzung des langen Auswärtsziehers. Die Erschlaffung und Lähmung der zuerst genann- ten Muskeln ist nur äuſserst wenig durch therapeutisch- chirurgische Mittel zu bessern, und das Herausschneiden eines kleinen Hautstreifens in der Mittellinie zwischen beiden, und die Wiederzusammenheilung der so gebil- deten Wunde durch schnelle Vereinigung, gewährt eben- falls nur eine unvollkommene Hülfe. Dagegen ist in den Fällen, wo sich der Niederzieher oder der lange Aus- wärtszieher unter der Ohrmuschel in zu starker Con- tractur beſindet, was man aus der Spannung dieser Mus- keln, und aus dem Widerstande derselben, wenn man das Ohr in die Höhe hebt, wahrnehmen kann,— das suhcutane Durchschneiden dieses Muskels mehr hülfreich. Die Vorbereitung zu dieser Durchschneidung hin- sichtlich der Stellung des Pferdes und der erforderlichen Instrumente u. s. w. ist ganz so wie bei der Durch- schneidung der Aufheber.— Bei der Operation sticht man, um zum hintern Rande des Niederziehers zu ge- 20*¼ langen, die Spitze des Tenotoms grade auf der senk- rechten Mittellinie der Ohrspeicheldrüse, und ¾ Zoll un- ter der Ohrmuschel durch die Haut, Schneide des Messers nach abwärts richtet; wobei man die in die ge- machte Hautöffnung führt man dann eine Hohlsonde, die Rinne nach aufsen gekehrt, zwischen die Drüse und den auf ihr liegenden Muskel, in der Richtung von hinten nach vorn einen Zoll tief ein, führt in ihrer Rinne eben so weit das Tenotom ein, läfst von einem Gehülfen das Ohr in die Höhe ziehen, um den Muskel zu spannen, und darehschneidet ihn dann, indem man das Messer 1 — beim Zurückziehen gelind nach auſsen drückt, bis man das Zurückspringen der Muskel- Enden deutlich wahr- nimmt.— Die Blutung ist hier in der Regel geringer als beim Durchschneiden der Aufheber. Der Verband der Wunde geschieht wie dort, auch benutzt man hier die Kappe mit Ohren, an welcher letzteru jedoch Bänd- chen befestiget sein müssen, um mittelst derselben die Ohren gegenseitig zu nähern, und in die Höhe gerich- tet zu erhalten. Eine therapeutische Nachbehandlung ist in der Regel nicht nöthig. Die Heilung der Wunde er- folgt in etwa 6 Tagen. V. Das Ver kleinern un d Bes ue, den der nu ehaka. §. 17. Bei Pferden und bei manchen Hunde-Racen hält man recht kleine Ohren für schön, und dieser Einbildung we- gen begeht man die Barbarei, ihnen die Ohrmuscheln in verschiedener Form wie in verschiedenem Grade zu be- schneiden. Bei Pferden geschahe dies gegen Ende des vorigen Jahrhunderts ziemlich häufig, jetzt aber nur höchst selten in solchen Fällen, wo entweder die Oh- ren ungewöhnlich groſs sind, oder wo ein Ohr durch zufällige Verletzungen sehr entstellt ist, und wo man durch geschicktes Beschneiden die regelmälsige Form desselben wiederherstellen und zugleich dem andern Ohr eine entsprechende Gröſse geben kann. Da bei diesem Verfahren eine groſse Akuratesse erforderlich, dasselbe auch sehr schmerzhaft ist, so müs- sen die Thiere zu demselben niedergelegt, gebremset und festgehalten werden. Geschieht die Operation an zu groſsen Ohren, so jst darauf zu achten, dafs man von beiden Rändern der Zu die- sem Zwecke sucht man zuerst die Mitte ihrer Breite, Ohrmuschel einen gleichmäſsigen Theil abträgt. indem man die Ohrmuschel in ihrer Länge zusammenlegt, so dafs am untern Ende die Ränder zusammentreffen, Die Mitte bezeichnet man durch Abschneiden einiger Haare. Hierauf geschieht das Beschneiden der Ohr- muschel entweder aus freier Hand, oder über einer an- gelegten Form. Im ersteren Falle scheert man an der Auſsenfläche des Ohrs neben den Rändern in der gewünschten Breite die Haare ab und zeichnet auf diese Weise gewissermaſsen die Linie des Schnit- tes vor, oder Letzteres geschieht wohl auch mit Dinte u. dgl. man mit der linken Hand das Ohr, so daſs der Daumen an der innern Ohrflääche. Dann ergreift an einer, die übrigen Finger an der andern Fläche lie- gen, ziehet die äuſsere und die innere Haut stark nach der Basis der Ohrmuschel zurück, und führt den Schnitt mit einer gewöhnlichen Scheere aus. Hiernach siehet man zu: a) ob das Ohr der Form des normalen Ohrs überall entspricht, 5) ob kleine Ecken vom Knorpel hervorstehen, oder ob c) seine Ränder im Ganzen mehr als eine Linie breit über die Haut hervorragen. Die sub a und 5 angedeuteten Mängel sucht man durch ent- sprechendes Nachhelfen mit der Scheere zu beseitigen; und auch bei dem sub e bezeichneten Zustande thut man am besten, den entblöſsten Knorpel unmittelbar an dem Hautrande abzuschneiden, da die Haut sich später nicht so weit wieder verlängert, daſs sie den Knorpel gehö- rig bedeckt, daher die Heilung langsam und mit einer haarlosen Narbe erfolgt. Selbst das gewaltsame Her- vorziehen der Hautränder mittelst Wundhefte nutzt hier- bei gewöhnlich nichts. Für die zweite Methode hat man Ohrformen von Blech, Pappe u. dgl. in angemessener Gröfse, und zwar für jedes Ohr eine eigene Form, weil der vordere Rand der Ohrmuschel eine andere Contour besitzt als der hin- tere. Diese Formen werden auf die Aufsenfläche des Ohrs, recht genau auf die Mitte und mit ihrem untern Rande an das Genick gelegt, und hier entweder mit den blofsen Fingern oder mittelst eines kleinen Schrau- benstockes, dessen Schenkel man an beide Ohrflächen Vorher sucht man die Haut so viel als möglich nach dem Ge- legt und dann zusammenschraubt, festgehalten. nick hin zu ziehen. Das Beschneiden geschieht dann an dem Rande der Form mit einem Bistouri(nach alter Vor- schrift mit einem gröſsern sichelförmigen Messer). Wenn ein Ohr durch Verletzungen oder Krankhei- ten in seiner Form sehr gelitten hat, kann man dieselbe entweder auf die eine oder die andere, im Vorstehen- den augegebene Weise zu verbessern suchen und dann dem andern Ohr eine gleiche Form und Gröſse geben; — oder, man schneidet blofs den verletzten Rand von der Basis bis zur Spitze in einer solchen Linie ab, welche der natürlichen Contour des Randes entspricht. Im letzten Falle legt man. um dem andern Ohr die gleiche Gröfse zu geben, das abgetragene Stück als Maafs auf dasselbe, parallel mit dem entsprechenden Rande, und führt das Abtragen entweder ohne weite- res neben diesem Maaſse aus, oder, nachdem man des- sen Grenze vorher mit Dinte an der Ohrmuschel be- zeichnet hatte. 1 Die Blutung bei diesen Operationen ist in den mei- sten Fällen aus einzelnen Gefäſsen so. bedeutend, daſs man sie durch Umstechen dieser Gefäſse am Ohrrande, Eine Nach- behandlung ist gewöhnlich nicht erforderlich und höch- stens auf das Bestreichen der verletzten Stellen mit durch Brennen u. dgl. künstlich stillen mufs. einem milden Fett und auf Verhütung des Reibens der- selben beschränkt.— Die Heilung erfolgt in ungefähr 3— 5 Wochen. VI. Die dru ückt, dis u mau a deaüüeh Wahr. r Regel Leringer Der Verband benutzt man hier tern jedoch Baud. telst derselben die die Hohe gerich. Nachbebaudlug t ug der Wande er⸗ at sich später nicht den Knorpel geh- sam und mit einer s8 gewaltsame Hex. undhefte uutat hier- nan Ohrformen von er Gröſse, und zwar eil der vordere Ranl besitzt als der hia- die Auſseufläche des ind mit ihrem untern 1 hier eutweder mi dines kleinen Schrau- an beide Ohrfächen estgehalten. Vofter glich nach dem Ge- ſen geschieht dann a louri(nach alter Vor- migen Messer). ungen oder Krankhei- at, kann man dieselbe dere, im Vorsteben- ern suchen und danm u und Gröſse gebeni verletzten Rand vos er solchen Linie ab, jes Randes eutsprich 81— vI. Die— der Sterne an der Stirn der Pferde §. 18. Diese, von Röttger*) beschriebene Operation wird allein in der Absicht unternommen: um ein mit einem Stern bezeichnetes Pferd einem andern Pferde, welches das Abzeichen nicht hat, in dieser Hinsicht ähnlich zu machen. Sie ist jedoch nur bei Sternen von kleinem und mittlerm Umfange zweckmäſsig; von der Exstirpa- tion groſser Sterne bleibt eine breite haarlose Narbe Zurück. Das Verfahren ist im Ganzen sehr einfach, aber, je nachdem der Stern kleiner oder gröſser ist, ein wenig verschieden..— a2) Bei kleinen Sternen. Man scheert zuerst die weiſsen Haare mit einer scharfen Scheere kurz ab, durchschneidet dann die Haut mit einem geballten Bi- stouri rund um den Stern, faſst das umschnittene Haut- stück am obern Rande mit einer Pinzette, ziehet es ein wenig nach auſsen und präparirt es von dem darunter liegenden Zellgewebe ab. Hierauf legt man in die seit- 9 Magaz. f. rhierheilk. von Eurlt und mertwis, 7ter Jahrgang. S. 45. lichen Wundränder ein Heft, ziehet dieselhen hierdarch möglichst zusammen und überläfst die Heilung der Natur. 5b) Bei gröſsern Sternen führt man zuerst deren ENstirpation auf die angegebene Art aus, und macht dann, da die Wundfläche zu grols ist, als daſs die Rän- der durch Ausdehnung der Haut mittelst Hefte einander genähert werden könuten,— an zwei einander gegenüber- stehenden Seiten neben der Wunde,— etwa bis 1 Zoll von ihr entfernt, und zwar an den Seiten, von woher man die Wundränder zusammenziehen will,— einen Schnitt durch die Haut, der mit den W undrändern paral- lel läuft und dessen Länge ziemlich der Länge der Wunde entspricht. Hierauf ziehet man die Wundränder mit zwei Heften so zusammen, daſs die ganze Wunde gleichsam in drei Räume getheilt wird, und überlälst das Weitere der Natur. Mehr als zwei Hefte anzulegen ist nicht rathsam, weil durch dieselben oft ungleiche, zackige Ränder und eben solche Narben entstehen. c) Unregelmäſsige Sterne, bei denen ein bedeuten- der Strahl an einer Seite besteht, operirt man am be- sten so: daſs zuerst der eigentliche Stern, und nach des- sen Heilung auch der seitliche Strahl entfernt wird. VvI. Die Trennung ,erwaobsener Aug enlider §. 19. Die Augenliderverwachsung kommt mehrentheils an- geboren, in seltenen Fällen auch als Folge von Entzün- dungen vor, und besteht entweder nur an den Rändern der Augenlider bald mehr bald weniger vollständig, oder es ist auch die innere Fläche eines oder beider Augen- lider in verschiedener Ausbreitung mit dem Augapfel ver- wachsen. Letzterer ist dabei oft verkümmert oder die Hornhaut degenerirt. Die Verwachsung besteht zuwei- len an beiden Augen. Seen, Eine Hölfe ist bei diesem Zustande nur durch künst- liche Trennung möglich; doch läſst sich vor derselben nicht mit Sicherheit bestimmen: in welchem Grade das Thier nach der Operation werde sehen könneu, weil dies hauptsächlich von dem Zustande des Augapfels ab- hängt. Sind die Augenlider auf dem Augapfel frei be- weglich, so daſs man sie zwischen den Fingern in eine Falte nehmen und vom Augapfel abziehen kann, und fühlt man den Letzterern in vollkommener Gröſse, so besteht immer eine groſse Wahrscheinlichkeit für den guten Erfolg,— bei entgegengesetaten Verhältnissen aber nur eine geringe Hoffuung. §. 20. Die Operation kann, wo die Verwachsung ange- boren ist, schon einige Tage nach der Geburt unter- nommen werden.— Zur Ausführung derselben muſs das Thier niedergelegt, gebremset, und der Kopf von einem Gehülfen gut fixirt werden. Das Verfahren selbst ist nach den angedeuteten Verschiedenheiten des Zustandes in den einzelnen Fällen etwas modifizirt. a) Besteht nur eine theilweise Verwachsung der Augenlidränder, so führt man in die vorhandene kleine Oeffnung ein feines, mit einem milden Oel bestrichenes Knopf- Bistouri Wwisrhen die Augenider und den Aug- apfel gerade unter die Augenlidspalte so ein, daſs der Rücken des Messers gegen den Augapfel gerichtet ist, dehnt hierauf mit den Fingern der linken Hand beide Augenlider in entgegengesetzter Richtung auseinander und bewirkt dann mit wiederholten kurzen Zügen des Messers von innen nach auſsen die Trennung der Au- genlider an ihrer natürlichen Grenze und bis in den Winkel. Hierauf setzt man das Messer in der Rich- tung nach dem andern Winkel ein und vervollständiget hier die Trennung auf ähnliche Weise. Ss 5) Bei vollständiger Verwachsung der Augenlid- ränder hebt man beide Augenlider in eine Falte auf, welche in der Richtung vom obern zum untern Augen- höhlenrande über die Mitte des Auges verläuft,— schneidet auf dieser Falte an der Grenze zwischen bei- den Augenlidern eine kleine Oeffnung,— bringt in die- selbe ein feines, mit Oel bestrichenes Knopf-Bistouri und verfährt danu wie oben sub a angedeutet. «*) Wo die Augenlider mit dem Augapfel verwach- sen sind, ist in der Regel selbst die Trennung ihrer Ränder viel schwieriger zu bewirken als in den oben bezeichneten Fällen. Ist eine kleiue Oeffuung in der Augenlidspalte vorhanden, so bringt man in sie eine Fischbeinsonde und sucht sie mit gelindem Druck, je- doch vorsichtig, unter den Augenlidern in der Richtung der Spalte über den Augapfel vorwärts zu schieben und dadurch die etwa vorhandenen lockern Adhäsionen ab- zulösen. Ist dies vollständig geschehen, so bewirkt man die Auseinandertrennung der Augenlidräuder mit- telst des Knopfbistouri's auf obige Weise. Sind aber dieselben an einer Stelle mit dem Augapfel fest ver- wachsen, so trennt man sie nur bis an diese Stelle, 21 hebt dann hinter der letztern beide Augenlider in eine Falte auf, durchschneidet dieselbe zwischen beiden Li- dern, führt in die gemachte Oeffnung das Knopfbistouri und trennt sie einerseits bis an den Winkel, anderer- seits bis an die festgewachsene Stelle. Nun kann man neben derselben an beiden Seiten den Augenlidrand mit den Fingern der linken Hand erfassen, sanft in die Höhe ziehen und mit dem in der rechten Hand gehaltenen Knopfbistouri die adhaerirende Stelle vom Augapfel ab- lösen. Hierbei muſs das Messer so geführt werden, daſs es mit einer Fläche an dem Letztern liegt. So viel wie möglich trennt man das Augenlid genau an der Grenze des Augapfels; wo aber die Verwachsung zu dicht ist, lälst man eine dünne Lamelle der Bindehaut des Augen- Zuweilen krümmen sich einzelue Augenwimpern- haare nach dem Augapfel hin, reizen denselben bestän- dig und verursachen eine chronische Entzündung. Zur Heilung derselben ist die gründliche Entferunung dieser verkrümmten Haare erforderlich.— Man legt hierzu das Thier nieder, lälst den Kopf gehörig fixiren, ergreift mit dem linken Daumen und Zeigefinger den Rand des betreffenden Augenlids, erfaſst mit einer(nicht zu schar- fen) Pinzette ein einzelnes krankes Augenwimperhaar recht nahe am Augenlidrande und reilst es mit einem kurzen kräftigen Zuge aus. So auch die übrigen.— Um die hierdurch entstandene Reizung Lzu mindern, läſst lides auf der Hornhaut sitzen und betupft dieselbe nach geschehener Blutstillung mit Lapis infernalis. Die Blutstillung wird in jedem Falle nur durch kal- tes Wasser bewirkt.— Die Nachbehandlung muſs auf Verhütung und Beseitigung der Entzündung, so wie auf Verhütung einer neuen Verwachsung gerichtet sein. Beiden Zwecken eutspricht die fleiſsige Anwendung eines schleimigen Augenwassers(2. B. aus Sem. Cydon. dr. j, und Wasser Pfd. j); für den letztern Zweck kann man auch, wo keine Verletzungen oder Trübungen der Horn- das Ceratum Saturn. haut bestehen, täglich dreimal an die Augenlidränder streichen, und auſserdem die Augenlider öfters ein wenig auf dem Augapfel be- wegen. VII. Die Eæstirpation der einwärts gekrummten Augenwimpern. man das Auge während einiger Stunden mit kaltem Wasser oft befeuchten. Zuweilen wachsen an der Stelle der ausgerissenen Haare neue Augenwimpérn eben so krumm wie die frü- hern. In einem solchen Falle bleibt nichts anderes zu thun übrig, als den Theil des Augenlidrandes, an wel- chem diese Wimpern stehen, mit den Wurzeln dersel- ben(d. i. gegen 1 ½ Linien tief) mittelst einer scharfen Hierdurch wird das Uebel gründ- und die entstehende kleine Lücke am Rande des Augenlids ist nach der Heilung oft kaum zu bemerken. Scheere abzuschneiden. lich beseitiget, 1X. Pi⸗ oporauion der einwäris und der auswärts verkrummten Augenli dor, §. 22. 4. Die Augeulger namentlioh das obere, biegen sich mit ihrem Rande zuweilen einwärts, drücken und reizen den Augapfel, erzeugen Entzündungen und Verdunkelungen an denselben, und das Thier erhält ein häſsliches Ansehen, Die Ursache hierzu kann 1) in Verkrümmung des Augenlidknorpels„— 2) in zu schma- ler Vernarbung einer Verletzung an der innern Fläche des Augenlids„— 3) in einer zu breiten Narbe an der äufsern Fläche,— 4) in Erschlaffung oder Lähmung des Aufhebemuskels, und— 5) in dem Schwinden oder selbst im Verlust des Augapfels bestehen.— Imn letztern Falle leidet das Augenlid nur mittelbar und es ist daher an ihm selbst nichts zu thun; bei den übrigen Zuständen kann man jedoch auf operativem Wege sehr oft eine Besserung bewirken. 4 1) Bei der Verkrümmung des Augeulsgtnerpei muſs derselbe nebst dem Rande des Augenlids, weuig stens an der verkrümmten Stelle, abgetragen werden. Das Thier wird hierzu niedergelegt und der Kopf fest- gehallen. Der Operateur erfafst den Augenlidrand etwa 2— 3 Linien weit von der verkrümmten Stelle entfernt, mit den blofsen Fingern oder mit einer Pinzette, zieht ihn mäſsig stark hervor und schneidet ihn mit einer ge- raden, feinen Scheere ab. Der Schnitt mufs immer in einer Bogenlinie und so geführt werden, daſs er am An- fange und am Ende sauft in den Rand übergeht. Die hierbei entstehende Blutung ist durch kaltes Wasser zu stillen, die weitere Nachbehandlung aber allein auf Ver- Die Heilung erſolgt aber es bleibt ein haarloser, läckenhafter Rand hütung des Scheuerns beschränkt. leicht, zurück. 2) ISt eine zu kurze Vernarbung an der innern Fläche des Augenlids die Uesache der Einwärtskehrung desselben, so untersucht man an dem niedergelegten Thiere zunächst: ob die stärkste Zusammenziehung der Bindehaut unter oder über der Narbe besteht? Dann kehrt man das Augenlid so weit als möglich nach aufsen um und macht an der contrahirten Stelle durch die Binde- haut einen Schnuitt in der Richtung des Augenlidrandes und so lang wie die Narbe ist. Hierauf dehnt man mit den Fingern die Wande gelind aus einander und bestreicht Zur Nachbehaudlung dienen schleimige Augenwässer, die man in den näch- sie mit einem milden fetten Oel. sten 4— 8 Tagen fleiſsig anwendet und dabei das Au- geulid täglich eiumal wiederholt etwas ausdehnt. 3) Eine breite Narbe an der äufsern Fläche des Augenlids kann dadurch, daſs die Haut verlängert und erschlafft Wwird, während die innere Fläche ihre gewöhn- liche Contraktilität behält, zu der Einwärtskehrung Ver- In diesem Falle muſs die Narbe in ihrem ganzen Umfange vorsichtig ausgeschält und die hierbei entstandene Wunde mittelst feiner Heſte recht anlassung geben. genau vereiniget werden. 4) Erschlaffung und Latmaug des Aafücbomuskels des obern Augenlids ist bei einiger Dauer des Uebels immer mit Erschlaffung und Verlängerung der Haut ver- bunden. Wenn erregende und zusammenziehende Arz- det ausgeisem erumm wie die ſri- t nichts anderes zu ulidrandes, an wül 2u Wuraeln dersel. ttelst einer scharfen ird das Uebel gruui- 2 kleine Lücke an eilung oft kaum E¹ Jenlider. Die Heilang erſolt lückenhaſter Rand ung au der imnen, er Einwärtskehrung lem niedergelegten sammenziehung der esteht? Dauu kebet ch uach aufsen um „dareh die Biude- s Auf ebels Dauer des 2 er- ung derA, — neimittel, so wie der Lanis infernalis oder selbst das glühende Eisen in Queerstrichen an der Aufsenfläche 83 des Augenlids vergeblich angewendet sind, pleibt nur noch, um die Haut zu verkürzen, die Excision eines Streifens aus derselben und die Wiederzusammeuheilung der Ränder durch schnelle Vereinigung übrig. Zu die- sem Zwecke legt man das Augenlid in eine senkrechte Falte, durchschneidet an derselben vorsichtig die Haut in der Länge von 4— 6 Linien,— führt 2— 3 Liuien über diesem Schnitt einen zweiten in gleicher Länge und in der Richtung, daſs an den Enden die beiden Schnitte in spitzen Winkeln zusammentreffen,— prã- parirt den zwischen beiden Schnitten beſindlichen Haut- streif von dem darunter befindlichen Zellgewebe ab,— und vereiniget dann die Mundränder recht genau mit⸗ telst der blutigen Nath. „Dis Nachbebandlang ist hier und bei dem Nro. 3. bezeichneten Zustande wie bei gehefteten Wunden. §. 23. B. Bei der Auswärtskehrung eines Augenlids kann, je nach dem ursächlichen Verhältniſs: 1) die Abtragung des Randes des Augenlidrandes,— 2) die Durchschnei- 7 — dung der Haut, und selbst die der Augenlidermuskeln nöthig sein. Das erste Verſahreg ist jrihiairt, wenn Ier Augen- lidknorpel durch eine Verkrümmung nach aufsen die Veranlassung zu dem Fehler giebt. Die Abtragung wird hier ganz so, wie im vorigen§. angegeben, ausgeführt. Die Durchschncidung der aufsern Haut findet statt, wenn letztere durch Narben u. dgl. verkürzt ist. Sie geschieht am besten, indem man das Augenlid in eine senkrechte Falte erhebt; doch ist dies wegen der gro- ſsen Spannung nicht immer möglich. Die Schnitte müs- sen queer über das Augeulid geführt und so lang wer- den, wie die Haut verkürat erscheint. Wo eine Narbe auf der Mitte des Augenlids besteht, kann man einen Sehnitt über, und einen zweiten unter derselben machen. Besteht Miernach die Spannung an deuselben Stellen und die Aus wärtskehrung des Augenlids noch fort, 80 durehschneidet man vorsichtig auch noch daselbst die Muskelfasern.— Die Wunden verbindet man mit Un- guent. digeslivum und Werg, um Eiterung, Granulation, und eine entsprechend breite Narbe zu erzeugen,— worauf hier hinsichtlich des Erfolges Alles aukommt. Man kann für diesen Zweck auch während der Hei- lung das Augenlid von Zeit zu Zeit etwas dehnen. X. 58 Eæstirpation der enlarteten Thränenkar unkel und des Blnrbeorpele §. 24. 2 In Folge von Verletzungen und chronischen Rei- zungen verändert die Thränenkarunkel zuweilen ihre Textur und vergröſsert sich bis zu dem Grade, dals die Augenlider nicht mehr geschlossen werden können. Da- bei besteht gewöhnlich ein jauchigler Ausflufs aus dem Auge, der die Haut unter demselben anätzt. Dieser übel aussehende und für das Thier sehr lästige Zustand trotzt fast immer allen therapeutischen Mitteln und ist nur durch die Exstirpation des entarteten Gebildes zZu heben. Dieselbe geschieht, nachdem das Thier auf eine Seite niedergelegt, der Kopf ſestgehalten ist und die Augenlider gehörig auseinander gezogen sind,— sehr einfach so: Mau erfafst die Thränenkarunkel mittelst eines Häkchens oder einer Pinzette und ziehet sie aus dem Augenwinkel hervor, führt dann unter ihre Wur- zel entweder eine nach der Fläche gekrümmte Scheere oder ein schmales Bistouri und schueidet sie in der ge- sunden Partie, an der Bindehaut, ab.— Die geringe Blutung stillt man mit kaltem Wasser, welches man auch zur Abhaltung der nachfolgenden Entzündung noch wäh- rend 24 Stunden anwenden kann.— Als übele Folge der Operation bleibt in manchen Fällen ein beständiges Thränen des Auges zurück. §. 25. Der Blinzknorpel wird zuweilen in Folge von Ver- wundungen und Geschwüren cariös, oder es entstehen an ihm wuchernde Auswüchse von krankhaften Granu- lationen, und in beiden Fallen besteht ein jauchigter Ausllufs aus dem Auge. Diese Zustände verhalten sich hinsichtlich der Heilbarkeit ganz so wie die Eutartun- gen der Thränenkarunkel.— Die Operation besteht hier entweder nur in dem Abtragen eines Theiles odor in der Exstirpation des ganzen Blinzknorpels. Er- steres kann geschehen, wenn noch ein gröſserer Theil desselben gesund erscheint; doch erfolgt unter den hier obwaltenden Umstäuden die Heilung sicherer, wenn man den Kuorpel ganz entfernt.— Für beide Operationen muſs das Thier gelegt und gehalten sein wie oben an- gegeben worden. Dann erfaſst man den Rand des Knor- pels mit der Pinzette oder dem Aderhäkchen, und zie- het ihn hervor, oder dies geschiehet, nachdem man durch ihn(oder durch den Auswuchs) mittelst einer krummen Nadel einen Faden gezogen und denselben in eine Schleife gebunden als Handhabe benutzt. Bei der gäuzlichen Exstirpation schneidet man die Bindehaut an dem untern Ende des Kuorpels mit einem geraden Bistouri queer durch und, nachdem der Kuorpel uun noch etwas mehr hervorgezogen ist, löset mau denselben von dem hintern Blatte der Bindehaut durch einen Schnitt mit der Scheere. — Das Abtragen eines Tbeiles des Kuorpels geschieht immer in der gesuudeu Supstanz desselben. Dabei ist es nöthig, so viel von der Bindehaut zu erhalten, daſs sie sogleich den Schnittrand des Knorpels bedeckt, da- mit derselbe nicht der Einwirkung der Luft und der Thränen ausgesetzt ist. Dieser Absicht gemäſs macht man ebenfalls zuerst einen Queerschnitt über das äuſsere (vordere) Blatt der Bindehaut, schiebt dann den uutern Wundrand etwa 1 Linie breit zurück und durchschnei- det dann mit der Scheere den Kuorpel und das hintere Bindehautblatt. Der Schnittrand muſs gauz glatt sein, und etwa zurückgebliebene Hervorragungen müssen sorgfältig entfernt werden.— Die Nachhehandlung ge- schieht wie im§. 24. 21* — XI. Die Operation der Augen felle. §. 26. Das Flügelfell(Pferugium) und das eigentliche Augenfell(Pannus) im höheren Grade, und die häuti- gen(zuweilen sogar mit Haaren besetzten) Auswüchse auf der Hornhaut können nur durch ein operatives Verfah- ren beseitiget werden.— Bei den zuerst genannten bei- den Zuständen kann man, entweder nur an dem Rande des Felles, wo die Blutgefäſse in dasselbe treten, diese Ge- fülse und die Haut selbst durchschneiden,— oder auch die letztere ganz ablösen. Die wirklich hautartigen Auswüehse sind nur durch das Ablösen zu entfernen. Die Thiere müssen Zu diesen eratioen liegen, der Kopf gut ſixirt, die Augenlider mittelst stumpfer Haken(Augeulidhalter von Messing, von doppeltem Drath u. dgl.) zurückgezogen, und der Augapfel mit einer Fingerspitze nach der, dem Sitze des Felles ent- gegengesetaten Seite gedrückt und ſesigehalten sein. Das bloſse Durochschneiden des Felles iindet statt, wenn dasselbe(Flügelfell und Pannus) sehr dünn und unbeweglich auf der Cornea sitzend, daher sein Abtrennen ohne Verwundung der Letztern nicht gut mög⸗- lich ist. radikale Beseitigung, Wachsthums des Felles. einfachen Schnitt, welohen man mit einem schmalen ge- Sein Nutzen ist in den meisten Fällen nicht eine souderu nur ein Auf hören des Die Operation besteht in einem ballten Bistouri oder mit einem eben solchen Staarmes- ser an dem Rande der undurchsichtigen Hornhaut durch das Fell bis auf diese Haut führt, somit seine sämmtlichen Gefäſse queer durchschneidet und seine Ernährung aufhebt. Um diese Absicht noch vollständiger zu erreichen, kann man, nachdem die Blutung mittelst kalten Wassers voll- ständig Lestult ist, die Schnittränder mit einem zuge- spitzten Stückchen Lapis infernalis ziemlich derb be- streichen und unmittelbar darauf etwas Schleim zwischen die Augenlider tröpfeln. Die weitere Nachbehandlung in den ersten Tagen ist in gewöhnlicher Weise gegen die Eutzündung gerichtet. Später, wenn das Fell zu- sammenschrumpft und einen trüben Fleck auf der Horn- haut bildet, mässen auflösende und resorbirende Mittel angewendet werden. Das Ablösen der Augenfelle geschieht in zweier- lei Weise. Nach der ersten erfaſst man mit einer Pin- zette das Fell an der Grenze der undurchsichtigen Horn- haut, hebt es in eine Falte auf, durchschneidet dieselbe mit einer Scheere von einem Rande bis zum andern, und präparirt dann das Fell mit einem feinen Bistouri, mit einem Staarmesser oder auch mit einer feinen Scheere von der Cornea ab. Vor dem Ablösen des Felles muſs die bei dem ersten Schnitt- entstehende Blutung durch kaltes Wasser gestillt sein, und Letzteres auch wäh- rend dieses Aktes noch ſleiſsig angewendet werden, damit man fortwährend eine freie Ansicht der Cpera- tionsstelle erhalte.. Nach der zweiten Weise begiunt die Operation da- mit: dals man an der Grenze der undurchsichtigen Horn- haut vermittelst einer feinen Heſtuadel einen Seidenfaden unter dem ganzen Felle hindurchziehet und dasselbe hier- mit in einer Schleife fest einschnürt;— dann ziehet man das so unterbundene Eell mittelst des Fadens in die Höhe, löset es von der Hornhaut, und schneidet es zuletzt hin- ter der Uuterbindung von seinem Ursprunge ab. Bei diesem Verfahren vermeidet man während der Operation die, sonst immer sehr störende Blutung.— Die Nach- behandlung besteht in Anwendung des kalten W8ers segen die drohende Ptundung AXu. p Vratrnung der„ordern Augenkammer(Panohe s. Paracentesis 2Lui) 1§. 27. Die Eröffnung der vordern Augenkammer besteht in dem kunstmälsigen Durchstechen oder Durchschnei- den der durchsichtigen Hornhaut, übermäfsig angehäufte Flüssigkeiten, welche eine Lu starke Ausdehnung und selbst eine Berstung des Aug- apfels veranlassen können, zu entleeren und 80 diesen üblen Folgen vorzubeugen, oder auch um Fadenwurmer aus der vordern Augenkammer zu entferuen. Demnach kann die Operation statt finden: 1) bei Wassersucht des Augapfels; 2) bei dem Eiterauge, und 3) bei vorhan- denen Fademwürmern.— Veber den Nutzen der Para- centesis bei der hsennenaouhe⸗ so wie über die Periode, in welcher sie hier unternommen werden soll, siud die Ansichten der Thierärzte nicht übereinstimmend, was seinen Grund wohl darin hat, daſs die Gelegeuheit Ich habe aus ) dafs die Operation für sich allein diese Wassersucht nicht heilt, zu Beobachtungen hierüber so selten ist. mehreren Fällen die Ausicht gewonnen: daſs sie aber die Heilung sehr unterstützt, indem sie die Ausdehnung und die damit verbundene Schwächung der Augenhäute vermindert; und— 5) dals sie bei einem hohen Grade des Leidens stets nothwendig ist, um den für den Zweck: um Operation indizirt, drohenden Vorfall des Augapfels zu verhüten.— Ch a- bert hatte die Punction der vordern Augenkammer auch bei der Mondblindheit versucht, aber ohne guten Erfolg. Bei dem Eiterauge(Hypopium, Empyema) ist die wenn die Augenkammer sich schnell mit Eiter erfüllt, dabei die Entzündung noch heftig fort- dauert, und die durchsichtige Hornhaut getrübt und am Rande röthlich gefärbt erscheint. Hier wird durch die künstliche Eröffnung die drohende Berstung des Aug- apfels und deren üble Folge verhütet, der Schmerz und das Reizfieber gemindert, aber nicht immer die Integrität des Augapfels erhalten, da mehrentheils schon durch die vor- ausgegangenen Umstände der organische Zusammenhang der inneren Theile und das Sehvermögen zerstört ist.— Die Entfernung der Fadenwürmer erscheint angezeigt, wenn dieselben das Auge im Innern beständig reizen und in Entzündung versetzen. Nachtheilige Folgen dieser Operationen können un- durchsichtige Narbeu und Flecke an der Hornhaut, hef- tige Entzündung vnd Eiterung an der Operationsstelle oder auch am ganzen Augapfel, Vorfall der Regeunbogen- haut, der Linse und des Glaskörpers, und Zusammen- fallen des Augapfels sein. §. 28. etzteres auch wäl. agewendet werden, Ausicht der Open- ut die Operation i. lurchsichtigen Horn- el einen Seidenfaden t und dasselbe hier- — daun ziehet man Fadens in die Höhe, eidet es zuletat hin- Irsprunge ab. hei rend der Operalon ung.— Die Nach- es kalten Wassets 1 oculi). rerhüten.— Chr- Augenkammer auch ohne guten Erſol. Enpyema) ist die ammer sich Schdel 9 poch heftig fort- ot getrübt und am er wird durch ie ersiuug des Alb- §. 28. Die Operation kann bei der Augapfelwassersucht in einem Stich oder in einem Schnitt bestehen. Ersterer verletzt weniger, heilt schneller und mit kleinerer Narbe und verdient deshalb den Vorzug. Bei den andern bei- den Krankheitszuständen ist nur allein der Hornhaut- schnitt anwendbar. Zum Hornhautstich dient eine zweischneidige Staar- nadel(§. 30.),— zum Schnitt ein Staarmesser(§. 30.) oder eine schmale Lanzette. Aufserdem sind Augenlidhal- ter für beide Operationsformen erforderlich. Die Thiere werden so niedergelegt, daſs das kranke Auge das obere wird, und Kopf und Augenlider läſst man so halten, wie es im§. 26. gesagt ist. Dann kniet man neben den Kopf, und zwar, wenn das rechte Auge operirt werden soll, vor die Stirn, und,— wenn es das linke betrifft, hinter den Rand des Unterkiefers, um in beiden Fällen die rechte Hand bequem gegen den äuſseren Augenwinkel führen zu können. In diese Hand nimmt man die Nadel oder das Messer wie eine Schreib- feder und läſst die Erstere gegen 1 Zoll, das Messer aber gegen 1 ¼ Zoll über die Spitze des Mittelfingers hervorstehen; dabei mufs die eine Schneide der Iustru- mente parallel mit der Beugeseite der Finger gehalten werden. Nun stützt man die Hand mit dem Aufsenrande des kleinen Fingers auf die Backe des Thieres, unmit- telbar unter dem äuſsern Augenwinkel und so, daſs die Spitze des Instruments gegen den Rand der durchsich- tigen Hornhaut und die eine Fläche desselben gegen die Iris gerichtet ist. Hierauf fixirt man den Augapfel ent- weder allein mit dem Zeigefinger der linken Hand, in- dem man ihn etwas gegen den äufsern Winkel drängt, oder man stumpft vorher seine Empfindlichkeit ab und ermüdet ihn, indem man ihn so oft wiederholt berührt, bis er unbeweglich gehalten wird. Diesen Moment mufs man sogleich zur Ausführung der Operation benutzen. Der Hornhautstich geschieht, indem man die Spitze der zweischneidigen Nadel, die in der bezeichneten Richtung gehalten ist, ein wenig unter dem äuſsern Augenwinkel durch die durchsichtige Hornhaut, etwa 1 Linie breit von derem Rande entfernt, mäfſsig schnell bis in die vordere Augenkammer hineindrückt. Hierauf drehet man die Nadel um die Hälfte ihrer Längen-Axe, und stellt ihre Ränder gegen die Ränder der Wunde, um hierdurch die letztere etwas mehr zu öffnen und den Abflufs der wässrigen Feuchtigkeit zu befördern. Wenn derselbe hinreichend geschehen ist, wird die Nadel entfernt. Bei dem Hornhautschnitt wird das Messer an der- selben Stelle, wie bei dem Hornhautstich, in die Cornea eingestochen und, seine Schneide gegen das untere Au- genlid gerichtet, in der vordern Augenkammer gegen den innern Augenwinkel vorwärts geschoben, hier die Spitze von innen her durch die Cornea(ebenfalls 1 Linie vom Rande entfernt) geführt und dann deren unterer Theil, so weit derselbe zwischen dem Ein- und Ausgangs- punkte des Messers noch nicht getrennt sein sollte,— mit einem Zuge desselben nach dem unteren Augenlide hin, durchschnitten. Es entsteht hierdurch eine, durch 8⁵ die Kreislinie des Hornhautrandes bedingte, halbmond- förmige Wunde, welche bei den groſsen Hausthieren ge- gen 6— 9 Linien, bei Schafen gegen 4— 6 Linien, und bei Hunden gegen 3— 5 Linien in gerader Rich- tung lang ist. Die Operation ist damit beendet. Man vermeide bei dem Durchführen des Messers durch die vordere Augenkammer die Iris zu verletzen, und eben so vermeide man während und nach der Operation jeden Druck auf dem Augapfel; weil sonst, bei der aufgeho- benen Spannung der Hornhaut, sehr leicht die Linse und der Glaskörper durch die Pupille hervortreten und dann der Augapfel selbst in seiner Form vernichtet ist. Noch während des Schnittes flieſst der Inhalt der vordern Augenkammer gröſstentheils aus und der Rest folgt allmälig nach. Bei zu raschem Ausflufs, und spä- ter bei heftiger Entzündung entsteht zuweilen ein Vor- fall der Iris, wobei ein Theil derselben sich in die Wunde drängt. Dieser vorgefallene Theil muſs stets sogleich mit dem runden Knöpfchen einer Sonde in die vordere Augenkammer zurückgeschoben werden.— Die Wunde schlieſst sich nach 3— 8 Tagen, wenn nicht die Entzündung und Eiterung fortdauert oder andere unglückliche Ereignisse dazwischen treten. Leblanc*) schreibt vor: bei dem höchsten Grade des Eiterauges sich nicht auf den bloſsen Einschnitt in die Hornhaut zu beschränken, sondern ein rundes Stück derselben mittelst des Bistouri's und der Scheere auszu- schneiden; weil man bei diesem Grade des Leidens keine Hoffnung hat, das Gesicht zu erhalten, vielmehr nur an die Erhaltung des Lebens des Thieres denken muſs. Bei diesem Verfahren tritt gewöhnlich sogleich, oder bald nachher die, in ihrer Verbindung ohnehin schon ge- störte Linse mit dem Glaskörper aus dem Auge heraus, und die leeren Häute desselben schrumpfen in eine un- förmliche Masse zusammen. Wenn ein Fadenwurm aus dem Auge entfernt wer- den soll, so muſs man hierzu eine Zeit wählen, wo der Wurm sich vollständig in der Nähe der Cornea zeigt. Man macht dann den Hornhautschnitt ganz in der oben angegebenen Weise und so groſs, daſs man nöthigen- falls mit einer feinen Pinzette(die deshalb hier vorrä- thig sein muſs) durch ihn eingehen und den Wurm mit derselben ergreifen kann. Diese Nothwendigkeit ist vorhanden, wenn letzterer bei dem Schnitt nicht zugleich mit der wässrigen Feuchtigkeit aus dem Auge hervor- tritt, weil er, der Beobachtung von Will**) zufolge, sich dann sogleich tiefer in das Auge hineinbegiebt und die Operation vergeblich sein würde. Die Anwendung der Pinzette läſst sich nicht näher vorschreiben, sie mufs aber stets augenblicklich und mit möglichster Wermeidung von Druck und Reizung geschehen. Die Nachbehandlung muſs in allen diesen Fällen eine durchaus streng antiphlogistische sein, so lange nur eine Spur von Entzündung besteht. — *) U. Leblanc, Abhandlung über die Augenkrankheiten der wich- tigsten Hausthiere. Deutsch von Radius. Leipz. 1825. S. 281. *) In Teuffel's Magazin fär theoret. und prakt. Thierheilkunde. 3tes Heft. S. 291. 22 Das Auge darf nur mit einer ensprechend groſsen, dünnen Compresse von Leinwand locker bedeckt und diese mufs mit kaltem Wasser fortwährend, jedoch vor- sichtig und ohne das Thier zu erschrecken, befeuchiet 86 werden. Jeder andere, mehr dräckende Verband ist schädlich. Der Stall muſs kühl und dunkel, die sparsame Nahrung weich, z. B. angenäſste Kleie oder Kleientrank sein, um Erschütterungen beim Kauen zu vermeiden. XIII. Op eærati on des qgrauen Staars. §. 29. Da der ausgebildete graue Staar bei Thieren auf therapeutischem Wege in der Regel nicht geheilt wer- den kann ³), so hat man(Lafosse zuerst) versucht, wie bei Menschen, ihn durch Operation zu beseitigen. Hierbei ist die Aufgabe: die undurchsichtig gewordene Krystalllinse und deren Kapsel aus der Sehachse zu entfernen, um den Lichtstrahlen einen ungehinderten Zu- gang zu der Netzhaut zu verschaffen. Dieser Zweck kann durch verschiedene Methoden erreicht werden, und zwar: a) durch ein einfaches Niederdrücken der Linse (und Kapsel) in den Glaskörper(Depressio);— 5) durch rückwärts erfolgendes Umlegen und Niederdrücken der- selben(Reclinatio);— c) daurch Zerstückelung der Linse(Discisio) und— d) durch Ausziehube dersel- ben(Fætractio). Die Ausführung dieser Operationen ist bei Thieren sehr schwierig, weil sie den Augapfel nicht nach dem Willen des Operateurs still halten, sondern ihn bei An- näherung der Instrumente in verschiedenen Richtungen bewegen und tief in die Augenhöhle zurückziehen. Letz- teres ist besonders bei dem Pferde der Fall, wo der Augapfel ohnehin schon tief in der Orbita liegt und au- ſser den sechs andern Augenmuskeln noch durch den sehr starken Grundmuskel zurückgezogen und zu- gleich zusammengeprefst wird. Die Wirkung dieses Muskels auf den Bulbus, und überhaupt die eben be- zeichneten Umstände sind auch Schuld, daſs die Ex- traktion der Linse gewöhnlich mit dem Ausflufs des Glaskörpers und mit Vernichtung des Auges begleitet st. Deshalb darf man diese Methode bei Pferden nicht empfehlen; und selbst bei den übrigen Thieren ist die- selbe Gefahr zu fürchten, weungleich sie nicht so ge- wöhnlich wie bei jenen eintritt.— Die Zerstückelung der Linse ist in den meisten Fällen, nämlich bei allen harten Staaren, nicht ausführbar und stets mit einer gro- ſsen Reizung des innern Auges verbunden; sie paſst nur bei Erweichung der Linse, die aber sehr schwer zu er- kennen ist. Es bleiben daher als brauchbare Methoden nur die einfache Depression und die Reklination übrig. Die Operation des grauen Staares bei Thieren ist, abgesehen von der Schwierigkeit der Ausführung, auch weit weniger erfolgreich als bei Menschen,— was haupt- sächlich seinen Grund darin hat, dafs man nicht wie bei diesen, die verloren gegangene Krystalllinse durch einen andern, die Lichtstrahlen im richtigen Maafse brechen- den Körper(durch eine passende, doppelt convexe Brille) ersetzen kann. Die Thiere sehen daher selbst nach glücklich gelungener Operation stets undeutlich und alle Gegenstände zu groſs, so daſs sie, wie Greve***) meint, *) Auch die von Crusel in neuerer Zeit empfohlene galvanische Elektrizität hat keine Heilung bewirkt. *) B. A. Greve, Erfahrungen und Beobachtungen über die Krank- heiten der Hausthiere etc. 1s Bdchen. Oldenburg 1818. S. 64. eine Katze für einen Bären halten, und leicht scheu werden. Auſserdem ist aber in der grölsten Zahl der Fälle, besonders bei Pferden, der graue Staar nicht allein be- stehend, sondern oft mit Amaurosis, oder mit Glaucom, mit Verengerung der Pupille u. dgl. krankhaften Zustän- den complicirt, bei welchen das Sehvermögen aufgeho- ben oder sehr beschränkt ist. Man darf daher mit einiger Wahrscheinlichkeit nur dann einen gewissen Grad der Wiederherstellung des Sehvermögens durch die Staaroperation hoffen: wenn die Hornhaut ohne grofse Trübungen, und die Pupille in gehöriger Gröfse, Form und Empfindlichkeit besteht. In andern Fällen kann die Operation höchstens dazu die- nen, dem Auge den äuſsern Anschein eines gesunden Auges zu geben. §. 30. Die zu den Staar-Operationen dienenden Instru- mente sind: 1) Drei Augenlidhalter zum Zurückziehen der Au- genlider und des Blinzknorpels. Sie bilden Sförmige stumpfe Haken von glatten, etwa ½— 1 Linie dicken Messingdrath oder von ¾ Linien dicken Messing, gegen 2 bis 4 Zoll lang(nach der verschiedenen Gröſse der Thiere) und ½ bis 1 Zoll breit; die Ränder und Enden müssen gut abgerundet sein. 2) Staarnadeln, entweder cylinderförmige, mit pfrie- menförmiger Spitze, oder mit zweischneidiger Spitze (lanzenförmig), und letztere entweder gerade(bei der Beerschen) oder nach der eine Fläche gebogen(bei der Scarpaschen Nadel).— Die cylinderförmige Na- del ist gegen 2 bis 2 ½ Zoll lang, vom hintern Ende bis über die Hälfte der Länge gegen ¾ Linien dick, und von hier nach vorn in eine feine Spitze ausgehend; das hintere Ende ist in einem 3 ½ Zoll langen und gegen 3 Linien dicken Handgriff befestigt.— Nadel hat für groſse Thiere dieselbe Länge wie jene, Die Beersche für kleine Thiere kann sie ¾— 1 ½ Zoll lang sein; ihre lanzenförmige Spitze ist im Ganzen etwa 2 Linien lang, in der Mitte gegen ¾— 1 Linie breit, bis dahin scharf schneidend, hinter dem breiten Theil aber sind die Rän- der stumpf und allmälig in den cylinderförmigen, ¾ Li- nien dicken Stiel übergehend. Letzterer ist gegen das hintere Ende ein wenig stärker.— Scarpa's Nadel ist in der Hauptsache wie die vorige beschaffen, aber ihre Spitze ist, von dem breitesten Theile anfangend, nach der einen Fläche so gebogen, daſs sie fast den vierten Theil eines Kreises beschreibt; und die con- cave Fläche ist durch eine in der Mitte hervortretende Linie, die sich bis zu der sehr feinen Spitze fortsetzt, gleichsam in zwei Hälften getheilt. Der Stiel ist gegen 3 ½ Zoll lang und an der, der gewölbten Fläche der Spitze entsprechenden Seite mit einem Zeichen verse- „ und die Pupille in llichkeit besteht. hu döchstens dauu die- nein eines gesunden n dienenden lustru- rückziehen der An- die bilden Sförmige †— 1 Linie dicken ken Messing, gegen hiedenen Gföſge der Räuder und Faden lerförmige, mit pfie- eischneidiger Spiue ſer gerade(bei de nede gebogen(ke eylinderförmige Ne mm hintern Eude his Linien dick, und tze ausgebend; das langen und gegel — Die Beersche sehen.(Noch andere, z. B. sichelförmige Nadeln sind ganz entbehrlich.) 3) Staarmesser. Unter diesen sehr verschieden geformten Instrumenten entspricht das von Beer am be- sten dem Zwecke, weil es mit dem breiten Theil sei- ner Klinge immer die, mit der Spitze gemachte Wunde vollkommen ausfällt und hierdurch den unzeitigen Ab- fluſs der wässrigen Feuchtigkeit hindert. Seine Klinge hat eine keilförmige Gestalt, indem sie von der Spitze bis zum hintern Ende an der Schneide immer breiter wird. Die dünne Spitze ist 1 Linie lang lanzettenar- tig geschliffen, von hier aus wird der geradlinige Rücken allmälig etwas stärker; seine Ränder sind abgerundet. Die Länge der Klinge ist für kleine Thiere 1 ¼ Zoll, für groſse 2 Zoll,— die gröſste Breite für Erstere 3 Linien, für Letztere 4 bis 5 Linien. Der Stiel ist wie bei der Staarnadel. Messer und Nadeln müssen von federhartem Stahl gearbeitet und möglichst glatt polirt sein. 4) Der Havielsche Loffel oder eine feine Pin- zette. Ersterer stellt einen, aus Messing oder Silber gearbeiteten, 2— 3 Linien langen, 1 ½— 2 Linien breiten und 1 Liuie dicken Löffel dar, welcher an einem 1 ¼ Zoll langen Stiel sitzt und mit einem 3 Zoll langen, 3 Li- nien dicken Haundgriff versehen ist. Beide Iustrumente sind zuweilen zum Herausholen der Lihse durch die Hornhautwunde erforderlich. §. 31. Vor der Ausführung einer Staar-Operation muſs das Thier, mit Rücksicht auf seine Constitution, durch magere Nahrung, salzige Abführungsmittel, und nöthi- genfalls selbst durch eine Blutentzichung, i in seiner Ener- gie etwas herabgestimmt werden. Zaur Operation legt man es nieder, und läſst von Gehülfen den Kopf festhalten und die Augenlider nebst dem Blinzknorpel durch die Augenlidhalter für die Dauer der Operation vom Augapfel zurückziehen. Der Opera- teur nimmt seinen Platz, je nachdem es das rechte oder das linke Auge betrifft, vor der Stirn oder hinter dem Unterkiefer, wie§. 28. vorgeschrieben, und fixirt den Augapfel auf die eben daselbst angegebene Weise,— was mir bisher bei meinen vielen Versuchen stets voll- ständig gelungen ist. Ich kann daher andere Verfah- rungsarten bierzu nicht empfehlen, da sie bald mehr bald weniger bedeutende Nebenverletzungen herbeiführen; so z. B. den Vorgang von Lafosse*), welcher, um die Wirkung des Grundmuskels aufzuheben, in der Augen- grube einen Einschnitt bis auf den Bulbus machte und dann diesen Muskel, so weit er erreichbar ist, durch- schnitt;— eben so das Verfahren von Binz**), Haubner***¼) u. A., bei welchem man ebenfalls in der Augengrube einen Einschnitt durch die Haut, etwa 1 ¼ bis 1 ½ Zoll lang, macht und durch denselben mit einem Finger den Bulbus vorwärts drückt;— so wie auch das von Leblanc(a. a. O.) empfohlene Anstechen *) Cours d'Hippiatrique. Paris 1772. p. 300. *) Zaeitschrift f. d. ges. Thierheilk. Gieſsen, 1835. S. 272. *) Magazin f. d. ges. Thierheilk. Berlin, 1837. S. 263. 87 und Festhalten des Augapfels mit dem einfachen oder mit dem dreiarmigen Speer. a) Um die Niederdrückung der Linse zu bewir- ken, nimmt man die cylindrische oder die zweischnei- dige(lanzenförmige) Staarnadel(von denen ich hier die erstere vorziehe) wie eine Schreibfeder in die rechte Hand, so, daſs sie fast mit ihrer ganzen Länge über den Mittelfinger hervorsteht. Diese Hand und den klei- nen Finger stützt man mit dem auswendigen Rande un- ter dem äufsern Augenwinkel auf die Backe, hält die Spitze der Nadel dem Augapfel nahe und sticht sie, wenn letzterer so ruhig geworden ist, daſs er die Be- rührung mit einem Finger erträgt ohne zu zucken,— schnell und Kraftig in die undurchsichtige Hornhaut ein, und zwar: dem aàuſsern Bogen oder Winkel der Pupille gegenüber, und 2 Linien hinter dem Rande der durch- sichtigen Hornhaut. Man schiebt nun die Spitze der Nadel zwischen der Iris und der Kapsel der Linse sanſt vorwärts bis auf die Mitte der letztern, so daſs man sie hinter der Pupille siehet. Operirt man mit der lanzen- frmigen Nadel, so versteht es sich von selbst, daſs man sie, um Verletzungen der Iris zu vermeiden, mit einer Fläche gegen diese Haut und mit der andern ge- gen die Linse gekehrt, in das Auge führen mufs.— Ist das Instrument bis zur bezeichneten Stelle eingebracht, so leitet man seine Spitze mit der Fläche auf den obern Rand der Linse(das Thier stehend gedacht), drückt dann dieselbe nach dem Grunde des Auges zu in den Glaskörper hinein und hält sie während einiger Sekun- den in dieser Lage fest. Hierauf ziehet man die Nadel ganz sauft(die lanzenförmige in derselben Richtung wie man sie eingebracht) zurück, entfernt die Augenlidhal- ter und läſst das Thier mit möglichst weniger Anstren- gung aufstehen. 5) Bei der Reklination Lanm man ebenfalls beide Formen der Nadeln benutzen. Der Vorgang hierbei ist bis zu dem Vorwärtsschieben der Nadelspitze auf die Mitte der Linse, genau so wie bei der Depression. Wenn aber das Instrument hinter der Pupille sichtbar geworden ist, bewegt man seine Spitze an der Vorder- flãche der Linse gegen iereu oberen Mand⸗ und drückt körper, so dals lierbei ähre vordere Fläche nach oben, die hintere nach unten zu liegen kommt. Nachdem dies geschehen, erhält man den Druck auf die Linse mit dem Instrument noch während einiger Sekunden und ziehet es dann ganz sanft in derselben Richtung, wie man es eingeführt, wieder zurück. c) Die Zerstückelung der Linse gewährt den Vor- theil, dafs die Theile einer cataractösen Linse oft schnel- ler und vollständiger resorbirt werden als die ganze Linse; aber die Verletzung und Störung des Auges ist bei weitem gröſser als bei den vorigen Methoden. Sie geschieht(wo sie möglich) am besten mit der Scarpa- schen Nadel, welche man an derselben Stelle und so wie bei der Depression in den Augapfel einführt. Doch ist zu beachten, daſs man, mit Rücksicht auf die Krüm- mung der Nadelspitze, bei dem Einstich durch die Scle- rotica und Aderhaut den Handgriff des Instruments mehr schräg gegen die Backe geneigt, und bei dem Vorwärts- 22* schieben desselben die Spitze gegen die Linse gerich- tet, halten muſs. Ist die Spitze hinter der Pupille sicht- bar, so durchschneidet man die Linsenkapsel und die Linse senkrecht in zwei Theile, indem man die Nadel- spitze, mit dem einen scharfen Rande nach dem obern und mit dem andern nach dem unteren Augenlide ge- richtet, abwechselnd nach oben und unten bewegt, bis die Thei- lung geschehen ist. Hierauf werden die Stücke mit der Nadel in den Glaskörper nach abwärts gedrückt, dies für einige Momente fortgesetzt und daun die Nadel vor- sichtig zurückgezogen. Diese drei Mechoden können auch auf dem Wege durch die vordere Augenkammer und durch die Pupille, vermittelst eines Einstichs in die durchsichtige Horn- haut,— etwa 2 Linien von deren Rande und am be- sten 2— 3 Linien uuter dem äufsern Augenwinkel,— unternommen werden; sie sind jedoch hier auch in den meisten Fällen mit gröſserer Reizung der Iris, mit heftigerer Eutzündung, und mit mehr Verdun- kelung der Hornhaut begleitet als auf dem Wege durch die Sclerotica. d) Die Ausziehung der Linse verlangt aufser der allgemeinen Vorbereitung des Thieres noch eine örtliche im Auge selbst, welche darin besteht: daſs man etwa 15 bis 20 Minuten vor der Operation eine Auflö- sung von Eætract. Belladonnae(Gr. Xx auf Dr. j dest. Wasser) oder eines andern narkotischen Mittels, einige- male auf den Augapfel und zwischen die Augenlider streicht, um die Pupille künstlich zu erweitern und hier- durch das Hervortreten der Linse in die vordere Augen- gelind drückend auf der Mittellinie der Linse 88 kammer zu erleichtern. Wenn nach Anwendung eines solchen Mittels die Erweiterung der Pupille bemerkbar ist, wird das Thier niedergelegt und der Hornhautschnitt mit dem Staarmesser ganz in derselben Weise ausge- führt, wie im§. 28. vorgeschrieben ist; wobei man je- doch darauf sehen mufs: daſs die Wunde der Hornhaut, immer der Gröſse der Linse entsprechend, groſs genug ausfalle, damit letztere durch sie ohne groſse Anstren- gung entfernt werden könne.— Nach dem Ausfluſs der wässerigen Feuchtigkeit wird die Linse sammt Kapsel zuweilen durch die eigene Zusammenziehung des Auges hervorgedrängt und entleert; erfolgt dies nicht, so versucht man es durch einen gelinden Druck mit einem Finger auf den Augapfel zu bewirken,— was aber stets nur sehr sauft geschehen mufſs, damit nicht zugleich der Glaskörper herausgepreſst werde. Gelingt dieses Ver- fahren nicht, so mufs man mit dem Davielschen Löf- fel durch die Wunde und durch die Pupille eingehen, durch sanftes Bewegen des Instruments zwischen der Uvea und der Linsenkapsel die hier etwa befindlichen Adhäsionen lösen, und dann den Catarakt an einer Stelle seines Randes mit dem Löffel erfassen und durch die Pupille hervordrängen-— Letztern Handgriff wendet man auch an, wenn der Cataract sich zwar gelöst hat, aber entweder in der Pupille oder in der Horn- hautwunde eingeklemmt worden ist; doch kann in die- sen Fällen auch eine feine Pinzette statt des Löffels benutzt werden. Die üblen Zufalle nach Staar-Operationen können ganz dieselben wie nach der Paracentesis des Auges (§. 27.) sein, und die Nachbehandlung ist ebenfalls 3 Laua so wie dort(§. 28.) auszuführen. XIV. Die Ausrottung des Aug apfels(Eæstrpatio ous). §. 32. Der Augapfel mufs entweder ganz oder zum gröſs- ten Theile entfernt werden, wenn er: 1) krebshaft ent- artet, und— 2) wenn er durch irgend eine Veranlas- sung so weit vorgefallen ist oder sein Vorfall so lange bestanden hat, daſs er auf keine Weise zurück gebracht und gegen Absterben geschützt werden kann. Im er- stern Falle ist die Operation nöthig, um eine, hier wäh- rend der ersten Zeit fast immer nur lokale aber ge- wöhnlich unheilbare Krankheit, unmittelbar zu beseitigen und die das Leben bedrohenden Rückwirkungen dersel- ben auf den Organismus zu verhüten. Im andern Falle wird durch die Operation die schmerzhafte Zerrung auf- gehoben, welche durch den auf die Backe hängenden Augapfel am Sehnerven entsteht, und zugleich werden die lästigen Folgen verhütet, welche aus dem Vertrock- nen des der Atmosphäre zu Asehr ausgesetzten Balhhus entstehen. §. 33. Man gebraucht zur Exstirpation des Augapfels ein Bistouri mit convexer Schneide;— ein zweischneidi- ges, nach der Fläche gebogenes Exstirpationsmesser (welches dem bekannten Lorbeerblattförmigen Messer ganz ähnlich und durch dasselbe gut zu ersetzen ist), oder, statt dessen eine nach der Fläche gebogene Scheere; — einen starken Wundhaken, oder eine Heftnadel mit einigen Fäden, Augenlidhalter;— einen Schwamm; kal- tes Wasser; etwas weiches Werg und Mehl oder pul- verisirtes arabisches Gummi. und der Das Thier wird niedergelegt, gebremset, Kopf von Gehülfen festgehalten. In den Fällen, wo der entartete Augapfel einen solchen Umfang hat, daſs man nicht leicht zwischen ihn und die Augenlider gelangen kann, beginnt die Operation damit, daſs im äufsern Au- genwinkel die Haut gegen 2— 6 Linien weit einge- schnitten wird, um hierdurch die Spannung der Augen- lider zu mindern und ihre Zurückziehung vollständiger bewirken zu können. Hierauf( und in andern Fällen, wo dieser Vorgang nicht nöthig war, sogleich) ziehet man queer durch das vordere Segmeut des Augapfels mit der Nadel einen mehrfachen Zwirnsfaden oder ein dünnes Band, und bindet daraus eine Schleife zum Her- vorziehen des Augapfels, oder man erfaſst ihn für die- sen Zweck mit dem scharfen Wundhaken. Dann zie- het man ihn mälsig stark in gerader Richtung aus der Augenhöhle hervor, beugt die Augenlider mit den Fin- gern nach auſsen um, oder man hält sie mit den Au- genlidhaltern zurück und durchschneidet mit dem Bi- stouri die Bindehaut rund um den Augapfel, und zwar so: dals möglichst viel von derselben an den Lidern er- halten wird, aber doch alles krebshaft Entartete an dem Bulbus bleibt, um mit diesem zugleich entfernt zu wer- den ² Pupille eingehen, ents zwischen dzer retwa beſindlichen arakt an einer Itell esen und durch die 1 Haudgrif wendet sich zwar gelöst oder in der Horn- doch kann in die- 2 statt des Löffebs Dperationen können eentesis des Auges g ist ebenfalls gam ſen Schwamm; kal- ud Mehl oder pol- ebremset, und der jen Fällen, wo der ang hat, daſs man ugeulider gelagen ſs im äuſsers Al- inien weit einge- unung der Augen- hung vollständiger in andern Fäleu, ogleich) bhet dut des zussffis rusfaden oder en den. Erscheint der Blinzknorpel leidend, so wird auch er mit weggenommen. Nach Durchschneidung der Binde- haut ziehet man den Augapfel von der niedrigsten Stelle (wie eben der Kopf liegt) nach oben, stöfst an jener Stelle das Exstirpationsmesser(dessen concave Seite dem Bulbus zugewendet) zwischen denselben und der Wand der Augenhöhle bis zum Sehnerven, und indem man das Instrument im nächsten Moment gröſstentheils wieder herausziehet, drückt man es ein wenig vorwärts und durchschneidet somit einen Theil des verbindenden Zellgewebes und der Augenmuskeln. Nun wird das Messer wieder tief in die Höhle geführt, seine Spitze gegen den Sehnerv bewegt und derselbe sogleich mit 2— 3 Zügen durchschnitten, um bei dem weitern Ope- riren jede Zerrung an ihm zu vermeiden. Ist dies ge- schehen, so geht man mit sägenden Schnitten allmälig um den ganzen Bulbus, wobei man dessen Trennung von der Wand der Augenhöhle dadurch sehr erleichtert, daſs man ihn beständig von der Gegend abziehet, an welcher eben das Messer wirkt. Soll die Ausschälung mit der Cooper'schen Scheere geschehen, so wird zuerst, wie oben vorgeschrieben, die Trennung der Bindehaut(und nöthigenfalls auch die Haut im äuſseren Augenwinkel) mit dem Messer ausge- führt,— dann der Bulbus nach einer Seite gezogen, an der entgegengesetzten Seite die Scheere halb geöff- net mit der Spitze zwischen ihn und die Orbitalwand geschoben und das Zellgewebe u. s. w. durchschnitten. Dies geschieht fortgesetzt an einer Hälfte des Augap- fels, bis man au den Sehnerv gelangt, welchen man ebenfalls durchschneidet und hiernach die andere Seite des Augapfels vollständig aus der Augenhöhle trennt. Nach Entfernung des Augapfels beseitiget man das in der Augenhöhle befindliche Blut durch kaltes Wasser, um sie genau untersuchen zu können, ob noch etwas Krankhaftes zurückgeblieben ist,— was man nöthigen- falls noch nachträglich mit der Pinzette und der Scheere gründlich wegnehmen müſste. Zuletzt füllt man, um die Blutung zu stillen und die Luft abzuhalten, die Augenhöhle bis nahe an ihren Rand mit Werg(oder Charpie), welches gegen 2 Linien dick mit Mehl oder pulverisirtem arabischem Gummi bestreuet XV. Das küunstliche §. 34. Die Schleimhaut in den sogenannten Luftsäcken der Pferde, der Esel und deren Bastarde, produzirt zuwei- len in Folge von Entzündung(die gewöhnlich bei Bräune und Druse eintritt) zu viel oder zu zähen Schleim, oder selbst Eiter; und es entsteht dann entweder ein chroni- scher, von Zeit zu Zeit verstärkter, Ausfluſs dieser Materien aus der Nase*), oder dieselben häufen sich, *) Die Kennzeichen dieses Zustandes sind: das Pferd verliert oft wiederholt aus der Nase Schleim in zusammenhängenden Klümp- chen, oft erst dann, nachdem es den Kopf mehrmals abwechselnd gehoben und wieder gesenkt hat; dies ist besonders zu bemerken, wenn vorher der Kopf während mehrer Stunden hoch angebunden war. Hierbei schwillt zuweilen auch die Gegend der Ohrdrüsen etwas an. Gelindes, oft wiederholtes Drücken und Streichen die- ser Gegend mit den Fingern von oben nach unten vermehrt den Ausflufs; nach demselben wird die Partie wieder dünn. Manche Pferde röcheln vor erfolgter Ausleerung etwas, besonders wenn sie ist, mäſsig fest aus; äufserlich legt man über die Au- genlider eine leinene Compresse, welche während der nächsten 2— 3 Tage fleifsig mit kaltem Wasser be- feuchtet wird. Das Werg bleibt in der Augenhöhle, bis Spuren der Eiterung in derselben bemerkbar sind, wor- auf man es mit der Pinzette entfernt, die Augenhöhle mit lauwarmem Wasser oder mit einem schleimigen De- kokt reiniget, sie dann aber ohne Verband läſst, und die fernere Eiterung und Granulation bis zur gänzlichen Ausfüllung der Augenhöhle mit einer derben Fleisch- masse, nach allgemeinen Regeln der Chirurgie leitet.— Sollte nach der Operation ein heftiges Wundſieber ein- treten(was aber selten der Fall ist), so mufs auch eine allgemeine antiphlogistische Behandlung eingeleitet wer- den und die Diät derselben entsprechend sein. Die in der Augenhöhle erzeugte Granulationsmasse mufs am Ende der Heilung eine ganz trockene, derbe und glatte Oberfläche erhalten und bei der Berührung weder leicht bluten noch besonders empfindlich sein. Um ihr diese Eigenschaften zu geben, ist die einigemale wiederholte Anwendung des Höllensteins, und das Be- feuchten mit einer Auflösung von Kupfer-Vitriol nützlich. Nachdem dieser Zweck erreicht ist, kann man sol- chen Thieren, auf deren äufseres Ansehen ein besonde- rer Werth gelegt wird, ein künstliches Auge einsetzen*). Eine theilweise Exstirpation des Augapfels kann statt finden, wenn nur das vordere Segment desselben degenerirt ist. Das Verfahren hierbei ist zum gröſsten Theil ähnlich dem beschriebenen, aber darin abweichend: daſs man durch einen Kreisschnitt hinter der Grenze der kranken Partie dieselbe entfernt und den Sehenerv nebst einen Theil der Augenhäute erhält. Die Nachbe- handlung erfolgt wie oben angedeutet. *) Dieselben sind von Glas, Metall oder Horn. Letztere haben den Vorzug, daſs sie die wenigste Schwere besitzen und daher nicht so leicht weggeschleudert werden wie jene; aber sie sind weniger dauerhaft, indem sie durch die Thränen erweichen, und deshalb auch stets nur 12— 16 Stunden liegen bleiben dürfen. Bei dem Einbringen schiebt man das künstliche Auge zuerst unter das obere Augenlid hoch hinauf und zieht dann das untere Augenlid über den untern Rand des Auges. Bei dem Herausnehmen desselben geht man mit einer Sonde unter seinen untern Rand, hebt ihn hiermit hervor, ergreift ihn dann mit den Fingern und zieht das Auge nach abwärts heraus. Oeffnen der Luftsdcke. wenn der Aqusfluſs durch Entzündung, Anschwellung oder Verklebung der natürlichen Oeffnung der Luftsäcke (die Mündung der Eustachschen Röhre) gehindert ist, übermäfsig in den Luftsäcken selbst an*). Im erstern Falle sind oft schon dergleichen Thiere irrthümlich als an bösartiger Druse etc. leidend, betrachtet worden, und im letztern Falle wird das Athmen bald mehr bald anfangen zu gehen, späterhin nimmt das Röcheln immer mehr ab und verschwindet gänzlich, wodurch es sich von dem gewöhnlichen Hartschnaufen unterscheidet.— Manche Pferde werfen unter den angegebenen Umständen, oder auch unter hinzugetretenem Husten, etwas Schleim aus dem Maule aus, oder sie kauen und verschluk- ken denselben. *) Bier tritt die Ohrdrüse mehr hervor, ist mehr gespannt(aber gewöhnlich bei angebrachtem Druck nicht schmerzhaft), und bei etwas geübtem Tastsinn kann man unter ihr eine Fluctuation wahr- nehmen; das Athmen wird erschwert, selbst röchelnd, das Thier ängstlich, es kratzt mit den Füſsen und bewegt zuweilen ruckweis den Kopf. 23 weniger erschwert und verhältniſsmäſsig ihre Brauchbar- keit vermindert. Nach längerem Bestehen dieses Zu- standes ereignet es sich wohl auch(obgleich nur sehr selten), daſs die flässigen Bestandtheile des Eiters etc. resorbirt werden, die gerinnbaren und festen aber als Conkremente(die man ganz unpassend„Chondroi- den“ genannt hat) in der Gröſse einer Erbse bis zu der einer Wallnuſs, in den Luftsäcken zurückbleiben. Hier- durch können örtliche Reizungen oder auch durch Re- sorption des Eiters consecutive Entzündungen und Eite- rungen anderer Organe, namentlich der Lungen, ent- stehen ¹). Bei manchen Thieren leidet nur ein Luftsack, bei andern leiden beide. §. 35. Um die im Vorstehenden angedeuteten üöblen Folgen zu verhüten oder, wo sie vorhanden, zu beseitigen, muſs man die künstliche Eröffnung der Luftsäcke unter- nehmen, die angesammelten Materien entleeren und die Thätigkeit der Schleimhaut umstimmen. Die Eröffnung geschieht entweder A. durch das Einführen einer entsprechend geformten Röhre(eines Catheters) durch die Nase in die Mündung der Rustach'schen Röhre und den Luftsack; B. durch Bildung einer künstlichen ꝗeffnung i in den Wänden des Luftsackes, vermittelst scharfer In- strumente. Das erstere Verfahren(der Catheterismus der Luft- säcke), nebst dem hierzu erfundenen Instrument, ist erst in neuerer Zeit von Günther d. V. beschrieben wor- den*).— Das andere Verfahren(von den franz. Thier- ärzten„Ponction des Poches gutturales“, unpassend — oder auch„Hyovertebrotomie“, und eben so von dem Eng- länder Garlisle ³) die„Eustachiolomie“ genannt) ist zuerst von Chabert) und Fromages de Feugré*) beschrieben, und hiernach von Barré, Henon u. a. aus- geführt worden; E. Viborg verbesserte es durch eine besondere Methode ⁶), und Dieterichs lehrte dieselbe mit der Chabertschen Methode zu vereinigen*). Cha- bert und Dieterichs geben zugleich eine kurze, Vi- borg eine mehr ausführliche, und Lecoq ⁶¹) eine recht vollständige und durch Abbildungen erläuterte Beschrei- bung der Luftsäcke in chirurgisch- anatomischer Ber zielüngar Die Operation setat allerdings eine gewisse anato- mische Lokalkenntniſs und genaue Unterweisung voraus, wenn sie leicht und ohne Gefahr vollführt werden soll. 4) Das Dasein der Chondroiden ist durch keine besondere Zei- chen bemerklich,— wenigstens bisher noch in keinem Falle er- kannt worden. ²) Zeitschrift für die ges. TuserReilbunde und Viehzuehtt. 1834. S. 411— 415. ³) The Veterinarian, 1841. p. 534. ⁴) Journal de TAgriculture, du Cotumeree, des Arts et des Finan- ces. 1770. Ayril. p. 108. 2) Rozier. Cours complet ou Dictionnaire universel d'ag griculture. Tome XII. ⁵) Sammlung für Thierärzte u. Oekonomen. hagen 1802.§. 233, ²) Hancbb. d. Veter.-Chirurgie. Berlin 1822. ³) Notes anatomiques sur T'opération de l'Hyovertebrotomie etc. Lyon, 1841. I. Band. 3tes Bdchen. Kopen- 90 Letztere kann besonders durch Verletzung eines Zwei- ges der, auf der äuſseren Wand der Luftsäcke sich thei- lenden Carotis entstehen,— was bei sehr unruhigen Thieren und wenn die Gehälfen den Kopf derselben nicht gehörig festhalten, trotz aller Geschicklichkeit des Operateurs, möglich ist. Daher stimme ich gauz der Ansicht Günther's bei:„dafs, so lange ein bequeme- rer, natürlicher Weg zum Eingange in eine Höhlung offen steht, jeder gewaltsame, künstliche, weniger zu empfehlen, oder nach Umständen als überflüssig zu ver- werfen sei, und zwar um so mehr, wenn mit dem künst- lichen Wege eine gewisse Gefahr verbunden ist, welche bei Verfolgung des natürlichen Weges gar nicht exi- stirt, und wenn letzterer von der Natur selbst vorge- zeichnet und für Erreichung gleicher Zwecke vielfach und zum wahren Vortheile der Heilung benutzt wird.“ Demnach wird man zu einem operativen Verfahren überhaupt immer erst dann schreiten, wenn die ange- füllten Luftsäcke durch Anwendung warmer Wasser- dämpfe und durch Senken des Kopfes des Thieres und gelindes Streichen der Ohrdrüsengegend nicht von Zeit zu Zeit entleert werden können: und dann wird in al- len Fällen, Wo die im Luftsacke enthaltene Materie flüs- sig oder breiartig und die Mündung der Eustachschen Röhre nicht fest verschlossen ist, die Applikation des Catheters den Vorzug vor der Punktion verdienen, wo- gegen diese letztere als nützlich erscheint: a) wenn die Anfüllung der Luftsäcke in dem Grade besteht, daſs sie grofse Athembeschwerden macht, aber die Eustach- sche Röhre durch Entzündung, Geschwulst oder Ver- wachsung verschlossen ist, oder 5) wenn sogenannte Chondroiden sich im Luftsacke befinden. §. 36. 4. Die Anwendung des Catheters kann, bei recht ru- higen Pferden, im Stehen derselben geschehen, nachdem sie gebremset sind und ihr Kopf von zwei Gehülfen, an der Trense und an dem Ohr jeder Seite, festgehalten st; doch thut man besser, die Thiere hierzu nieder- zulegen. Die von Günther hierau angegebene Röhre besteht aus Messing,„ist von der Dicke eines starken Gänsekiels und 20 Zoll lang; das vordere Ende bildet eine zuge- rundete Spitze, welche auf einen Zoll etwas(nur 3 Li- nien von der geraden Richtung abweichend) gebogen und mit zwei ovalen, Zoll langen und+¼ Zoll brei- ten Seitenöffnungen in der Nähe der Spitze versehen ist. Das andere Ende oder die Basis der Röhre ist of- fen, und wird mit einem 7 Zoll langen platten und ge- gen 1 Zoll breiten Griffe, der am hintern breiten Ende etwas gebogen ist, am vordern Ende aber einen Zapfen hat, welcher in die Röhre pafst, verbunden und mittelst einer kleinen Seitenschraube in der Röhre so befestiget, daſs die Biegung des Griffs der Biegung an der vordern Spitze der Röhre entspricht,— um hierdurch beim Ge- brauch des zum Ganzen vereinigten Instruments stets zu wissen, nach welcher Richtung die vordere Biegung der Der Griff ist ferner in der Mitte seiner Flächen mit einer 4 Zoll langen, ¼ Zoll breiten Oeffnung durchbrochen und in letzterer läuft ein, nach der Röhre hingehender, 6 Zoll langer Zeiger, der vor- Röhre gestellt ist. ung eines 2 we be Zwecke viellac g benutzt wird rativen Verfahreu wean die ange- Warmer Wasser. des Thieres und ad nicht von Zeit daun wied in A- altene Materie füs- er Eustachschen 2 Applikation des on verdienen, wo- cheint: a) wem rade besteht, dals der die Eustach- hwulst oder Ver- wenn sogenanute U. ann, bei recht ru- schehen, nachdem wei Gehülfen, an eite, ſestgehalten e hierzu nieder- ene Böhre besteht arken Gänsekiels hildet eine zuge- twas(uur 3 li- hend) gebogel nd ¼ Zoll hrei⸗ Spitze versehen ler Röhre ist df. platten and ge- rn hreiten Pude er einen Lapſel deu uid mittelst re 80 deſtsigei an der oriern oder zurückgeschoben und in der erforderlichen Entfer- schroben werden kann.“ Da die Mündung der Eustach'schen Röhre in der Rachenhöhle(wo sie gegen die äufsere Wand derselben hinter der Choane ihrer Seite liegt) fast genau so weit von dem äufsern Rande des Nasenloches eutfernt ist, wie der hintere Rand des Augenbogens, so dient die Kenntniſs dieser Entfernung als ein Maaſsstab dafür: bei der Operation zu wissen, wie lang die Röhre eingeführt werden muſs und ob man mit ihr in die Höhle des Luft- sackes gelangt sein könne oder nicht? Man miſst des- halb vor der Anwendung des Instruments mit demselben äuſserlich am Kopfe die Entfernung vom hintern Rande des Augenbogens(nach Günther vom äuſseren Augen- winkel) bis zum äufsern Rande des Nasenloches der- nung durch eine Stellschraube auf dem Griffe festge- selben Seite, schiebt den am Griffe befindlichen Zeiger mit seinem freien Ende bis an diesen Rand und stellt ihn mit der Schraube fest. Das so gefundene Maaſs reicht jedoch nur bis an die Mündung des Luftsackes, und man muſs daher bei der Einführung in denselben noch gegen 1 bis 1 x Zoll zugeben, weil der die Mün- dung bedeckende Knorpel der Eustachschen Röhre von seinem Rande anfangend einen fast trichterförmigen Ka- nal von 1 bis 1¼ Zoll Länge bildet.— Ist die Messung geschehen, so führt man(nach Günther's Vorschrift) die Röhre, deren Spitze nach unten und innen gerich- tet, in dem hintern Nasengange so hoch hinauf, bis der Zeiger den Rand des Nasenloches berührt, macht nun mit dem Instrument eine Dreiviertelwendung, indem man die Biegung des Griffes unten herum nach auſsen rich- tet, dirigirt auf diese Weise die Röhrenspitze gegen die äuſsere Wandung der Rachenhöhle und schiebt, in- dem man den Griff mit dem untern Ende der Röhre ge- gen die Nasenscheidewand, das obere Ende aber an die äufsere Wandung der Rachenhöhle bringt, die Spitze des Instruments in die Eustachsche Röhre und bis in den Luftsack hinein.— Ich halte die convexe Seite der Spitze des Instruments gleich beim Einführen in den Nasengang gegen die Scheidewand, also den Handgriff und die Spitze nach auſsen gewendet, und es ist mir hierbei stets gelungen, die letztere sogleich in den Luft- sack zu schieben. Injedem Falle mufs man aber, wenn die Spitze beim Vorwärtsschieben in die Rachenhöhle gelangt, das hintere Ende des Instruments so nahe als möglich an die Nasenscheidewand drängen. Ist die Spitze in den Luftsack gekommen, so schraubt man den Griff von der Röhre los und entfernt ihn. Flüssiger Schleim oder Eiter strömt nun durch die Röhre aus; ist die Materie verdickt, so kann man in die äuſsere Mündung der Röhre vermittelst einer passenden Spritze(die nach Günther mit einer flexiblen Röhre versehen sein soll, um bei etwaigen Bewegungen des Pferdes Verletzungen zu verhüten) so oft wiederholt milchwarmes Wasser einspritzen, bis der ganze Inhalt gelöset und entleert ist. Will man dann noch umstim- mend auf die Schleimhaut der Luftsäcke durch Arznei- mittel einwirken, so injicirt man letztere auf gleiche Weise.— Wenn in einem Falle nach gehörig tiefer Einführung der Röhre kein Schleim aus derselben flieſst — und hierdurch Zweifel entstehen: ob man mit der Spitze des Instruments in den Luftsack gedrungen sei?— so kann man sich von dem wirklichen Eindringen in den- selben dadurch überzeugen, daſs, wenn man in die Röhre stoſsweis Luft bläſst, die Gegend der Ohrdrüsen ausge- dehnt und stoſsweis erschüttert wird(Günther). Nachdem der Zweck der Operation erreicht ist, wird die Röhre vorsichtig, die Spitze nach unten und innen gestellt, zurückgenommen(wobei die Schraube am untern Ende die Richtung der Spitze anzeigt). b§. 37. b B. Die akiurgische Eröffnung der Luftsäcke kann, je nach den Umständen und der gewählten Methode, an stehenden Thieren oder auch nur beim Liegen derselben unternommen werden. Ersteres ist da ausführbar, WO die Anhäufung von Eiter oder Schleim in den Luftsäcken so groſs ist, dafs sie unter dem runden Rande des Un- terkiefers eine dicke, elastisch fluktuirende Anschwel- lung bilden. Hier ist überhaupt die Operation nicht schwieriger als die Eröffnung eines Abscesses in dieser Gegend. Aufserdem kann man sie nach Viborg's Me- thode fast immer(ausgenommen sehr unruhige Pferde) an stehenden Thieren ausführen; wogegen dieselben bei Anwendung der Methode von Chabert und Die- terichs in den meisten Fällen niedergelegt werden müssen. Henon, Barré, Viborg u. A. fürchten, daſs bei dem Niederlegen der Thiere Erstickungsgefahr entste- hen könne, und sie empfehlen deshalb vorher immer die Tracheotomie zu machen. Ich halte dies aber nicht fär nöthig, da diese Gefahr nur höchst selten eintritt und es, wenn sie sich zeigt, immer noch Zeit genug ist, die Luftröhre zu eröffnen. a) Die Operation nach Chaberl's Methode. Man läſst den Kopf und Hals des Thieres gerade- aus strecken, scheert die Haare am Rande des Flügels des ersten Halswirbels ab, macht einen 3— 4 Zoll lan- gen Hautschnitt in der Länge dieses Randes, löset dann den hintern Rand der Ohrdrüse ab, entblöfst hierdurch den unter derselben liegenden Griffelmuskel*) und durchsticht diesen in seiner Mitte nach der Richtung sei- ner Fasern mit einem schmalen zweischneidigen Skal- pell. Indem die Spitze des Messers durch den Muskel in den darunter liegenden Luftsack geschoben wird, neigt man die Hand etwas gegen den ersten Halswirbel, um jene zwischen die innere Halspulsader und die Schlinge zu führen, welche hier von dem Sten und 9ten Nerven- paare(nach ehemaliger Zählung) gebildet wird. Nach geschehenem Einstich dringt die Materie aus der Oeff- nung hervor. Man fährt dann in letztere den Zeigefiu- ger, und erweitert sie nach Bedürfniſs, nachdem man sich von der Lage der Gefäſse und Nerven durch das Gefühl unterrichtet hat. Hierauf wird die Materie mit einer Spritze ausgesogen, und wo sie zu dickflüssig ist, vorher durch eingespritztes Wasser verdünnt. Die Ope- *) Es liegt hier der Griffelkinnbackenmuskel und der Griffelzun- genbeinmuskel. Vib org a. a. O. S. 236. nennt einmal den er- stern(Stylo-maxillaris), später spricht er stets nur vom„Grif- felmuskel“. 23* —4= rationswunde soll man, so lange als nöthig erachtet wird, durch ein in sie gelegtes Metallröhrchen offen erhalten. Dieses Verfahren entspricht somit dem Zwecke einer leichten und vollständigen Entleerung der im Luftsacke enthaltenen Materien nicht, und aufserdem ist es mit der Gefahr einer Verletzung der innern Kopfarterie, der Nackenpulsader und des 9ten und 10ten Nervenpaares begleitet. 5. Viborg's Methode. E. Viborg erkannte diese Nachtheile und erfand, zur Vermeidung derselben, folgende Operations-Methode: „Das Pferd selbst und dessen Kopf wird von mehreren Gehülfen so unbeweglich als möglich gehalten. Man sucht, dasselbe mag liegen oder stehen, den Kopf so viel als möglich auszustrecken, um den Brustkiefermus- kel zu spannen, der leicht aufgefunden wird, da er hier- bei wie eine gespannte Schnur gegen die Krümmung des Hinterkiefers anliegt. Hat man dessen Lage be- stimmt, so drückt man auf die äufsere Halsblutader, um den Lauf der Kieferblutader(der äuſsern Gesichtsvene) deutlich zu sehen. Diese und der genannte Muskel bil- den mit dem krummen Rande des Kiefers einen Trian- gel, auf dessen Mitte man einen Einschnitt durch die Haut, längs der Sehne des erwähnten Muskels, gegen 2— 3 Zoll lang macht, so daſs er bis zum Rande des Hinterkiefers hingeht.“ „Ist die Haut durchschnitten, so stöſst man auf den Hautmuskel, welche von einander getrennt werden und dann führt man den Finger durch die Oeffnung, welcher in gerader Linie bis zum Luftsacke hinauf nichts anders als Zellgewebe antrifft. Er geht dann hier zwischen der Luftröhre und der äufsern Carotis, so daſs diese, der 9te(jetzt 10te) Hirnnerv, der oberste Theil der Kieferspeicheldrüse, und der unterste Theil der Ohr- drüse an der auswendigen Seite desselben bleiben. Hat man so mit dem Finger sich zu dem Luftsack hinauf einen Weg gebahnt, so fühlt man die darin eingeschlossene Materie deutlich. Um ihn zu öffnen und dieser einen Ablauf zu verschaffen, führt man einen Finger in die gemachte Oeffnung hinein, dräckt die Halspulsader nach der Seite auswärts und bringt mit der andern Hand eine Zapfnadel an der innern Fläche jenes Fingers zum Sack hinauf, um ihn zu durchbohren. Hat man erst eine kleine Oeffnung, so lälst sich diese mit dem Finger leicht grö- ſser machen, da die Häute des Sackes so fein sind, dafs sie leicht zerrissen werden können.— Sind die Säcke sehr stark gespannt und niedergesunken, so kann man auch unterhalb der Gesichtsvene auf der Haut die Oeffnung machen und dann die Operation auf die vorhin beschriebene Weise vollziehen.— Hat man die Säcke ausgeleert, so setzt man einen Knäuel Werg in die Oeffnung und unterstützt ihn mit einem Kieferverbande. In den ersten Tagen nach der Operation nimmt man das Werg täglich 3— 4 Mal heraus, um die Materie abflie- ſsen zu lassen, und macht Einspritzungen von gelind zusammenziehenden Mitteln.“(A. a. O. S. 256.) Die Einfachheit und Zweckmäſsigkeit dieser Me- thode fär die meisten Fälle ist nicht zu verkennen; Dieterichs hält jedoch dafür: daſs hierbei die Oeff- nung des Luftsackes zu grofs und unregelmäſsig wird, 92— und sich später, wenn die Krankheit in ihm bereits ge- hoben ist, nicht schlieſst, sondern die Eiterung unter- hält, wie auch, daſs der bezeichnete Verband nicht genügend hält. c. Methode von Dieterichs und den neueren französischen Thierärzten. Sie besteht in einer Oeffnung der Luftsäcke unter der Parotis und in einer Gegenôffnung an der niedrig- sten Stelle des Luftsackes, welche Dieterichs mittelst eines durch sie gezogenen Bandes verbindet.— Man gebraucht hierzu: ein geballtes und ein gerades Bistouri, einen 12 Zoll langen, im 3ten Theil eines Kreises ge- bogenen Trokar nebst Hülse, welche letztere am vor- dern Ende mit einer kleinen Seitenöffnung zum Einzie- hen eines Bandes versehen sein muſs(statt des Trokars kann auch eine, eben so gebogene, nicht zu breite Haar- seilnadel oder eine dicke Oehrsonde dienen), und ein Band, gegen 1 Elle lang und 4¼ Zoll breit. Dem liegenden Pferde soll der Kopf etwas gerade- aus gestreckt, dann vor dem Flügelfortsatz des ersten Halswirbels, parallel mit dem Rande desselben, ein ge- gen 3 Zoll langer Hautschnitt gemacht und der Hals- hautmuskel nebst der Ohrdrüse von hinten nach vorn etwas lospräparirt werden, ohne sie zu verletzen;„dann suche man mit dem Zeigefinger den Griffelkiefer-Mus- kel auf und führe dreist einige Schnitte bis zu ihm durch das Zellgewebe, trenne nun mit dem Finger oder mit dem Hefte des Skalpells das Zellgewebe neben und hin- ter dem genannten Muskel zum Luftsack hinab und lasse dann den Kopf des Pferdes recht gerade ausstrecken, fühle nun mit dem Zeigefinger nach den pulsirenden Ge- fäſsen und suche den Winkel auf, welchen die äufsere Kopfarterie macht. In diesen Winkel führe man nun die Spitze eines Skalpells oder eines Bistouri so, dals der Rücken gegen den Winkel, die Schneide des Instruments gegen den Griffelkiefermuskel gerichtet ist, bis in den Luftsack ein; auch kann man die Klinge un- terhalb der äufseren Kopfarterie, mit dieser gleichlau- fend, ansetzen und so in den Luftsack dringen. In bei- den Fällen verhütet man die Verletzung der Gefäſse und besonders der Nerven, welche letztere bei gestrecktem Kopfe immer mehr nach oben liegen.“ In die gemachte Oeffnung schiebt man die Hülse des krummen Trokars ein, führt diese mit ihrem vordern Ende bis zu der Stelle, wo Viborg den Einstich macht, bringt das Stilet in die Hülse und durchsticht hier den Luftsack nebst der Haut von innen nach aufsen; hierauf wird das Stilet wieder herausgezogen, das Band ver- mittelst eines Zwirnfadens in die Seitenöffnung der Röhre befestiget und wie ein Haarseil durch den Luftsack gezogen, indem man die Röhre durch die obere Oeffnung zurückziehet; oder wenn die Trokarröhre keine Seiten- öffnung hat, wird das Band mittelst einer Oehrsonde in die Hülse gezogen und es bleibt bei dem Zurückziehen derselben in dem Wundkanal sitzen, so lange dies für nöthig befunden wird. Die meisten neuern französischen Thierärzte machen den Hautschnitt etwas näher dem Ohre zu, nämlich vor der Rundung des Flügels des Atlas, am Rande der Sehne des riemenförmigen Muskels; sie lösen dann von ihm den hintern 1 eiha bereits te Verhaud 1 9 den neueren ezten. er Lüftsäebs uis ut g an der Velie eteriehs nittet erbindet.— ha a gerades Jiaonn, eines Kreises ge. letztere an wok. inung zum Einzie. (statt des Troban cht 2u breite Phanr dienen), und ein breit. opf etmas genide- Hfortsatz des ersten desselben, ein ge- cht und der Mabs. hiuten nach por u verletzen;„kan Griffelkiefer-Mo- ite bis zu ihm durdh m Finger oder nt abe neben und ha- ck hinab und kas rgerade ausstrecken en pulsirenden be- felchen die äuſsen kel führe man um „Bistouri so, dab Nie Schneide des skel gerichtet ist an die Klinge un- dieser gleichlau- tringen. lu bei- güer Gefälse und e bei gestrecktem man die Hilse nit ihrem vorderm en Einstich mackt rchsticht hier den h aufsen; lieru das Band ter- — hintern Rand der Ohrdrüse etwas ab und öffnen den Luftsack über dem Griffelkinnbackenmuskel], indem sie die Mitte des Griffel-Zungenbeinmuskels(unter dem er unmittelbar liegt) durchstechen, während der Kopf stark vorwärts gestreckt wird. Das Messer soll dabei mit der Schneide nach dem, stets sehr deutlich fühlbaren Höcker des Zungenbeins gekehrt sein und in schräger Richtung von hinten nach vorn eingeschoben werden,— so daſs das Instrument zwischen der innern Kopfarterie und dem Zungenbeinshöker eindringt. Der Einstich soll klein sein und mit dem Finger erweitert werden. Hier- auf macht man mit Hälfe eines gekrümmten Trokars oder einer gebogenen Sonde eine Gegenöffnung an dersel- ben Stelle, die Dieterichs und Viborg angegeben, jedoch ohne daſs ein Band eingezogen werden soll. Die Operation ist hiernach eben so leicht ausführ- bar und mit noch etwas geringerer Gefahr verbunden, als an der von Dieterichs gewählten Stelle. Es fragt sich aber: ob überhaupt die Eröffnung der Luftsäcke an den höhern Punkten derselben nöthig und so allgemein zu empfehlen sei? Ich fiude hierzu nur dann Graund: wenn Chondroiden entfernt werden sollen;— weil man dann hier näher in den Luftsack gelangt und eine grö- ſsere Oeffnung zum Einführen einer Kornzange aubrin- gen kann. In allen andern Fällen, wo nur die Entlee- rung von Flüssigkeiten angezeigt ist, ist Günther's und Viborg's Verfahren ausreichend. Will man aber dennoch die Operation an einer obern Stelle unternehmen, 93 so empfehle ich, nachdem der hintere Rand der Ohr- drüse abpräparirt ist, den Einstich in den Luftsack nicht mit dem Messer, sondern sogleich mit dem Trokar zu machen, um so die Verletzung der Blutgefäfse und Ner- ven sicherer zu vermeiden. Denn, dafs mit dem Mes- ser eine solche Verletzung möglich und daſs sie sehr gefährlich ist, liegt in der anatomischen Zusammen- setzung der in das Bereich der Operation kommenden Theile. Der von Dieterichs in dieser Hinsicht ge- machte Ausspruch: daſs man hierbei nicht in Verlegenheit kommen kann, wenn man vor der Operation eine Noth- schlinge um die Carotis oder um den Ast, welchen man zu verletzen fürchtet, anlegt,— ist ganz unrichtig und diese Vorsichtsmaaſsregel ungenügend; weil die Carotis sowohl mit Zmweigen der Carotis der andern Seite, wie auch mit der Arteria vertebralis anastomosirt und hier- durch, bei geschehener Verletzung eines Astes der Ca- rotis, die Blutung auch aus dem obern Gefäſsstück her- beigeführt wird. 1 Es ist deshalb nöthig, wenn eine solche Verletzung statt gefunden hat, eine Ligatur sowohl über wie unter der verletzten Stelle anzulegen,— was oft mit einiger Schwierigkeit verbunden ist, und noch am besten durch Umstechung mittelst einer recht krummen Nadel gelingt. Die Behandlung der Operationswunden geschieht, mit Rücksicht auf die Fortdauer oder gelungene Besei- tigung des krankhaften Zustandes der Luftsäcke, übri- gens nach allgemeinen Regeln der Chirurgie. XVYI. Die Entfernung der Polypen aus der Nasenhöhzle und deren Nebenhählen. §. 38. Die operative Wegschaffung der Polypen aus den genannten Höhlen kann: a) durch Abschneiden;— 5) durch Ausreifsen;— c) durch Abbinden, und— d) durch das glühende Eisen(oder durch Aetzmittel) geschehen. Das Idornehmen ist bei einer wie bei der andern dieser Methoden leichter und gründlicher ausführbar: wenn die Polypen in der Nähe der Nasenlöcher sitzen, wenn sie noch nicht den ganzen Raum der Nasenhöhle einnehmen und wenn sie einfach gestielt sind; dagegen ist die Operation stets sehr schwierig und mit wenig Erfolg begleitet, wenn die Aftergebilde ihren Sitz hoch in der Nasenhöhle haben, die letztere oder die Seiten- höhlen ganz ausfüllen, mit einer breiten Basis auf der Schleimhaut sitzen, die Nasenmuscheln in die Wuche- rung hineingezogen, die Knochen cariõös oder die Zahn- wurzeln aus ihren Höhlen verdrängt sind. In den mei- sten Fällen ist, leider, vor Anwendung der ärztlichen Hülfe die Ausbildung der Polypen immer sehr weit ge- diehen, weil sie in der ersten Zeit ihres Bestehens ge- wöhnlich nicht erkannt werden. Auſserdem ist die be- kannte Neigung der einmal kranken Schleimhaut zu neuer polypõser Bildung sehr oft ein groſses Hinderniſs der radikalen Heilung. Bei den kleinen Haustlieren ist die Operation, we- gen der Enge der Nasenlöcher und der Nasenhöble, viel schwieriger als bei den groſsen Thieren. §. 39. Vor der Exstirpation eines solchen Polypen, der die Nasenhöhle gänzlich verschlieſfst und bis zu den Choanen reicht, muſs die Tracheotomie unternommen werden; um der Erstickungsgefahr vorzubeugen, welche durch das Eindringen von Blut in die andere Nasenhöhle Bei Hunden und Katzen ist die Tracheolomie vorher in jedem Falle oder in die Stimmritze entstehen könnte. nöthig, weil diese Thiere mehrentheils durch das Maul athmen und daher bei dem zur Sicherung nöthigen Zu- binden desselben um so mehr in jene Gefahr gerathen. Sitzen die Polypen in dem untern Ende der Nasen- höhle, sind aber durch die Nasenlöcher ohne Weiteres nicht genügend zu erreichen; so muſs man die obere (vordere) Wand der Höhle, vom Raude des falschen Nasenloches aus, aufspalten, was bei Pferden in einer Länge von 3 5 Zoll, bei Hunden, je nach ihrer Gröſse, 1— 2 Zoll geschehen kann.— Ist der Sitz des Aftergebildes höher hinauf, so muſs man, diesem Sitze entsprechend, die Nasenhöhle in der Gegend der Mitte der Länge, oder die Kieferhöhle, oder die Stirn- höhle durch Trepanation(siehe S. 75) bloſs legen, be- vor man an die Exstirpation des Polypen selbst ge- hen kann. Ist die eine oder die andere dieser Vorbereitungen geschehen, so untersucht man mit einem Finger, so viel dies möglich ist, den Umfang und die Beſestigungsstel- len des Polypen, und wo der Finger wegen Mangels 24 an Raum nicht hinkommen kann, macht man die Unt er suchung mittelst einer Sonde, welche allenfalls nach Bedärfniſs in verschiedenem Grade gebogen sein kann. a) Das Abschneiden der Polypen ist im Allge- meinen das beste Verfahren, weil es dieselben, unter gleichen Umständen, schneller als das Abbinden entfernt und weniger Nebenverletzungen mit sich führt als das Ausreiſsen und das Brennen; es veranlaſst jedoch fast immer weit gröſsere Blutung als diese Methoden. Man benutzt hierzu entweder gewöhnliche Knopf-Bistouri's, wohl auch seiner Länge wegen das Sewelsche Bein- hautmesser, und gerade, oder auch nach der Fläche ge- bogene Scheeren, je nachdem die Gröfse der vorhandenen Oeffnungen und des Raums in der Höhle, so wie der nähere oder entferntere Sitz der Wurzeln des Polypen die Anwendung des einen oder des andern Instruments leichter gestatten.— Der operative Vorgang selbst läfst sich im Allgemeinen nur dahin angeben: daſs man, wo noch Raum genug vorhanden ist, zuerst den Polyp mit einer Pinzette oder Kornzange ergreift und etwas hervorzieht, — dann das Instrument an der am kürzesten und leich- testen zugänglichen Fläche des Polypen zu dessen Wur- zel führt, letztere mit einem oder mit einigen Schnitten so nahe als möglich an der Nasenschleimhaut durchtrennt, und nun das Gebilde entfernt. Die Stelle der Schleim- haut, wo der Polyp saſs, soll dann mit einem weiſs- glühenden Eisen gebrannt werden, theils um die Blu- tung zu stillen, theils um den Rest der Polypenwurzel zu zerstören und neue Wucherung zu verhüten. Da aber in manchen Fällen diese Stelle nur sehr schwer zu erreichen und die Auwendung des Eisens oft mit bedeu- tender Nebenverletzung verbunden ist, so unterläfst man jetzt dieselbe mehrentheils und stillt die Blutung mit gelind styptischen Mitteln oder durch Tamponation der Nasen- höhle mit Charpie oder Werg.— In denjenigen Fällen, wo der Polyp die ganze Höhle so ausfüllt, daſs kein Raum zum Einführen der Instrumente vorhanden, auch die Verschiebung des Polypen für diesen Zweck nicht zu bewirken ist, muſs man den Letztern zerstückeln. Man schneidet dann an einer Seite desselben so viel ab, daſs man bequem einen Finger zwischen ihn und die Wand der Nasenhöhle( Kieferhöhle u. s. W.) bringen kann, stillt die, gew öhnlich sehr reichliche Blutung durch das glühende Eisen, und verfährt dann weiter, wie es die Umstände erfordern. Zuweilen ist die Blutung hier- bei so bedeutend und so hartnäckig, daſs man die Tam- ponation anwenden und die Fortsetzung der Operation für einige Tage aufschieben mufs. Ein solches, theilweis bewirktes Abschneiden der Polypen mufs man zuweilen auch vor den übrigen Methoden, um Raum 2u gewin- nen, unternehmen.— Nach dem Abschneiden entsteht bald mehr bald weniger Eiterung, die man durch Ein- spritzung von adstringirenden Mitteln, namentlich von essigsaurem Blei, möglichst zu beschränken sucht, da sie der Heilung keinen Vortheil bringt, sondern die Er- schlaffung der Schleimhaut und neue Wucherungen be- günstiget. 5%b) Das Ausreifsen läſst sich nur bei solchen Polypen anwenden, welche einen dünnen Stiel haben und an einer festen Wand sitzen. Es bewirkt die Ent- fernung schnell, oft auch gründlich, und ist gewöhnlich mit geringer Blutung verbunden, zuweilen aber mit Zer- reiſsung der Schleimhaut, Entblöſsung der Knochen, Verletzung der Nasenmuscheln u. s. w. begleitet. Man benutzt hierzu Zangen, oder auch Schleifen von Bind- faden oder von Drath. Erstere müssen der Länge des Raums entsprechend, für grofse Thiere 8— 12 Zoll, für kleine 4— 6 Zoll lang sein, ringförmige Griffe und am vordern Ende eine löffelartige, flache Vertiefung be- sitzen, welche mit Oeffnungen durchbrochen oder feilen- artig rauh sein kann, um den Polyp fester zu halten; das Schloſs ist entweder fest, wie bei einer Scheere, oder es ist beweglich, wie bei den Geburtszangen. Letztere Einrichtung ist besonders bei groſsen Polypen, neben welchen zu wenig Raum zum Anlegen einer ge- wöhnlichen Zange besteht, brauchbar. Statt besonderer Polypenzangen kann man im Nothfalle eine Kornzange oder eine Kugelzange benutzen.— Nachdem die Vor- bereitung und Untersuchung, wie im Vorhergehenden angegeben, geschehen ist, wird die Zange geschlossen bis an den Polypen eingeführt, hier geöffnet, derselbe so nahe als möglich an seiner Wurzel gefaſst, langsam um deren Längenachse gedrehet und entweder zugleich allmälig mehr und mehr hervorgezogen, bis er sich ab- löst, oder, man reiſst ihn, nachdem man ihn einigemale herumgedrehet, mit einem starken Rucke ab. Will man das Abreifsen mit einer Schlinge bewirken, so wird dieselbe auf die nämliche Weise angelegt, wie dies zum Abbinden im Folgenden gesagt ist; worauf man durch ruckendes Ziehen an den nach auſsen hervorste- henden Enden der fest zugeschnürten Schlinge die Tren- nung der Polypenwurzel herbeiführt. c) Das Abbinden macht keine Blutung und nur geringe Schmerzen, verursacht aber durch die, mit dem Absterben der Polypen eintretende Verjauchung viel Ge- stank und Belästigung, und ist oft auch schwierig aus- zuführen. Es erscheint besonders bei schwammigen, dunkelrothen, blutreichen, dünn gestielten Polypen zweck- mäſsig, ist aber auch bei breitgéestielten anwendbar. Das Abbinden geschieht durch Umlegen einer einfachen oder doppelten Schlinge aus gut gewächsten Zwirn- oder Seidenfäden, aus Bindfaden oder aus gut ausgeglühetem und recht biegsamem Metalldrath, welche an der Wur- zel des Polypen recht kräftig zusammengezogen wird. Zum Umlegen der Schlinge kann man, wo die Finger nicht hinreichen, entweder eine Oehrsonde, oder ein einfaches, mit einem Kerb, oder mit einer Feder zum Festhalten der Schlinge versehenes Stäbchen, oder ein metallenes, einfaches oder doppeltes Röhrchen(nach Levret und Bellocq), oder auch besondere Zangen, die am vordern Ende der Arme mit Oeffnungen zur Aufnahme der Schlinge versehen sind, benutzen.— Nach angelegter Schlinge hat man für gehörige Reini- gung zu sorgen, und wenn eine zu groſse Anschwel- lung des Polypen eintritt, macht man Einschnitte in ihn, durch welche das stockende Blut entleert und eine baldige Zusammenschrumpfung des Gebĩldes be- wirkt wird. d) Die Zerstörung aer Polypen durch das glü- hende Eisen und durch Aetzmittel ist nicht zu empfeh- nhnnnennneend geüttnet, derselhe el geſalst, langsan entweder zugfeich 2n, bis er sich ah- mau ihn einigemale dcke ab. Will ma ewirken, so witl gelegt, wie dis ist; worauf un mauſsen hervorste- Schlinge die Trer- e Blutung und ur durch die, mit den erjauchung viel be- cch schwierig aus- hei schwammigen, en Polypen zweck- en auwendbar. Das ner einſachen oler ten Zwim- oder gut ausgegläletem ehe au der Wur- engezogen viii „wo die Huger sonde, oder eil einer Feder ꝛun täbehen, oier ei Röhreben(uh esondere Zangen Oefrangen 2u- d, henutzel. 4 guübrie Reini⸗ gro roſse Lesima- Euschuite 1 6 entbert u 1 Gelülkes he und ds fi- 2l zu enmffh- len, weil sie zu langsam und zu unvollständig erfolgt, mit bald mehr, bald wenigeren Nebenverletzungen und oft auch mit neuen Wucherungen der Masse neben den zerstörten Punkten begleitet ist. XVIII. Die Auslösung der Speichelsteine aus dem groſsen Ausfuhrungs-Kanal der Ohr- speicheldrüse,— die kunstliche Einmundung dieses Ganges in die Bachke,— und die Unterbindung desselben. §. 40. Steinige Concretionen im Stenonschen Gange bil- den an irgend einer Stelle im Verlaufe desselben harte, unter der Haut etwas verschiebbare Geschwülste, hinter denen der Gang abnorm ausgedehnt erscheint. Sie drük- ken und reizen die umgebenden Theile, stören das Kauen, hindern den Durchgang des Speichels und stören somit die Ernährung, und da sie bestimmt immer gröſser wer- den, so treten diese Wirkungen im Verlaufe der Zeit immer mehr sichtbar hervor. Aufserdem machen die Ge- schwülste, bald mehr bald weniger, Schönheitsfehler. Dieser Nachtheile wegen entfernt man die Speichelsteine durch eine Operation. Dieselbe besteht ganz einfach in einem Einschnitt durch die Weichtheile, welche den Stein bedecken. Liegt dieser am Ende des Ganges, unter der Maul- schleimhaut, so wählt man dieselbe zur Operationsstelle, weil man im Maule das Zurückbleiben einer Speichel- fistel nicht zu fürchten braucht. Es wird dem Thiere ein Maulgatter zwischen die Kiefer gebracht, die Zunge auf die entgegengesetzte Seite gezogen, und dann mit der Spitze eines Messers ein Einschnitt gemacht, und zwar am besten in der Richtung von dem Oberkiefer zum Unterkiefer und so groſs, dafs der Stein durch ihn hervortreten kann. Letzteres bewirkt man durch einen gelinden Druck von aufsen her, während man ihn mit der andern Hand im Maule zu ergreifen sucht.— Die Nachbehandlung besteht darin, daſs man dem Thiere in den ersten 4 bis 8 Tagen nach der Operation nur wei- ches Futter(den Pflanzenfressern am besten Gras oder gebrühetes Heu), und zwar täglich nur zweimal, giebt und nach jeder Mahlzeit die Maulhöhle an der Opera- tionsstelle mit lauwarmem Wasser reiniget.— Wenn der Stein an einer andern Stelle des Speichelganges liegt, macht man den Schnitt durch die Haut, den Ge- sichtshautmuskel und die Wand des Speichelganges selbst; und zwar, immer in der Längenrichtung dessel- ben und in einer, dem Stein entsprechenden Gröſse. Hierauf fällt der Letztere heraus oder er ist mittelst der Pinzette leicht hervorzuziehen. Die Wunde wird gereiniget und mit der umwundenen Naht recht ge- nau vereiniget. Sind die Wände des Speichelganges verdickt, so kann man die Naht auch in sie selbst le- gen, und sackartig ausgedehnte Theile derselben kann man so weit wegschneiden, dafs die Ränder zur Ver- einigung geeignet werden. Doch darf dies Alles nur als Heilungsversuch betrachtet werden, bei dessen Ge- lingen die Ohrdrüse in Thätigkeit erhalten bleibt, beim Nichtgelingen aber nichts verloren ist, indem dann die Unterbindung des Speichelganges immer noch ausgeführt werden kann.— Die Nachbehandlung der Wunde ge- schieht nach allgemeinen Regeln; das Kauen muſs aber in den nächsten 3— 4 Tagen möglichst vermieden wer- den, weshalb das Thier gar kein Futter, sondern nur einmal täglich etwas nährendes Getränk erhalten darf. Dabei kann man in die Ohrdrüsengend Ung. Canthari- dum reiben, um durch erregte starke Entzündung die Speichelabsonderung zu mindern. §. 41. Die künstliche Einmündung des Stenonschen Ka- nals in die Backe erscheint als Versuch indizirt, wenn derselbe nahe an seiner natürlichen Einmündung in die Backenmuskeln verletzt ist, und daselbst eine sogenannte Speichelfistel bildet. Im Falle des Gelingens wird die Ohrdrüse und der Einspeichelungsprozefs ungestört in Funktion erhalten.— Zur Operation legt man das Thier nieder, und sucht zunächst die Wunde des Speichelgan- ges auf, was dadurch sehr erleichtert wird, daſs man aus ihr Speichel hervorquellen läfst, indem man im Verlaufe des Kanals der Ohrdrüse zur Wunde hin wiederholt mäſsig drückend streicht, oder, indem man mit einem Finger unter der Zunge des Thieres spielt und dasselbe hierdurch zum Kauen reizt. Man präparirt dann den Kanal, von der verletzten Stelle nach der Drüse zu, gegen 4 bis 6 Linien lang frei, und schneidet ihn an dieser Stelle, wenn er nicht völlig durchtrennt ist, queer durch. Hierauf legt man dem Thier ein Maulgat- ter zwischen die Kiefer, theils, um die Backen auszu- dehnen und zu spannen, theils um eine Hand in das Maul bringen zu können, und mit derselben die Zunge bei dem Durchbohren der Backe zu schützen u. s. w. Nun durchbohrt man mit einem, der Dicke des Kanals entsprechenden Trokar die Backe an dem Punkte, auf dem das Ende des Kanals, nach dessen Durchschneidung, liegt. Das Letztere führt man in die so gebildete Oeff- nung der Backe auf die Art hinein, dafſs man in die Wände des Kanals, eine Linie von seinem Wundrande entfernt, mittelst einer Nadel einen gut gewächsten Fa- den zieht, hierauf die Nadel, mit dem Oehr voran, auf einer in jene Oeffnung gebrachten Hohlsonde in die Maulhöhle leitet,— sie hier an der innern Fläche der Backe in Empfang nimmt,— und den Faden nebst Kanal so weit nachziehet, dafs die Mündung des letz- tern wenigstens eine halbe Linie lang über die Schleim- haut hervorragt. Das von der Nadel befreiete, doppelte Ende des Fadens wird über den Maulwinkel derselben Seite aus dem Maule herausgeführt und mit einem kle- benden Pflaster äufserlich an der Backe befestiget. In der äufsern Wunde kann der Speichelgang mit einem feinen Heft an den Backenmuskel geheftet werden.— Nachdem dies geschehen, bindet man das Thier umge- kehrt im Stande an, giebt ihm in den ersten drei Ta- gen kein Futter, sondern blos nährendes Getränk täg- lich einmal, und behandelt die Wunde möglichst einfach, so daſs jede Reizung vermieden wird und keine, oder nur eine sehr geringe, Eiterung entsteht. Der Faden trennt sich nach 2 bis 3 Tagen los, und der Kanal ist dann gewöhnlich in die Backe eingewachsen. Sollte 24* dies nicht der Fall sein, so muſs er später mittelst einer Ligatur geschlossen werden. §. 42. Die Unterbindung des Kanals der Ohrdrüse ist zu- erst von E. Viborg zur Heilung der Speichelfisteln, welche durch irgend eine Verwundung dieses Kanals (daher auch, wie im Vorbergehenden gesagt, zuwei- len bei der Entfernung der Speichelsteine) entstanden und durch andere Mittel nicht zu beseitigen sind, empfohlen worden. Das Verfahren ist in den meisten Fällen leicht ausführbar und, bei gehöriger Vorsicht, auch mehrentheils mit gutem Erfolge begleitet, wird aber dennoch jetzt bei der verbesserten therapeutischen Be- handlung der Speichelfisteln nur selten angewendet; und besonders erscheint die Unterbindung in denjenigen Fällen nicht streng nöthig, wo die betreffende Ohrdrüse schon atrophisch geworden ist und nur wenig Speichel abson- dert;— obgleich gerade unter diesen Umständen die Ope- ration am besten gelingt, weil hier die Ligatur nicht durch den sonst zu starken Speichelandrang gestört wird. Auf Grund dieser Erfahrung hat Dieterichs vor- geschlagen: einige Tage vor der Unterbindung auf die Ohrdrüsengegend scharfe Substanzen einzureiben, um die Drüse stark zu entzünden, und dadurch ihre Ab- sonderung und den Andrang des Speichels zur Ligatur- stelle zu mindern. Die Letztere kann, je nach dem Verlauf des Spei- chelganges bei den verschiedenen Thieren und nach dem Orte der Verletzung in den einzelnen Fällen sehr ver- schieden sein, z. B. bei Pferden vor dem untern Ende der Ohrdrüse, im Kehlgange an der innern Seite des Unterkiefers, am hintern Rande unter der Beule dessel- ben, und an seiner äuſsern Fläche vor dem vordern un- tern Rande des äufsern Kaumuskels bis zur Backe in der Gegend des 3ten Backenzahns vom Oberkiefer; beim Rind und Schwein an denselben Stellen und bis in die Gegend des 5ten oder 6ten Backenzahns; bei Schafen, Ziegen, Hunden und Katzen vom untern Ende der Ohr- drüse queer über die Backe bis in die Gegend des 4ten obern Backenzahns. 1b⸗ §. 43. Zur Operation legt man das Thier auf seine ge- sunde Seite nieder, und scheert zuerst die Haare an der Operationsstelle, d. i. von der Verletzung nach der Ohr- drüse zu, im Verlaufe des Speichelganges gegen 1 bis 1 ½ Zoll lang und gegen ¾ Zoll breit, ab. Dann nimmt man mit dem Bistouri die, etwa an der Fistelöffnung vorhandenen Callositäten weg, und durchschneidet die Haut nebst dem Hautmuskel, im Verlaufe des Kanals, von der verletzten Stelle nach der Ohrdrüse zu, in einer Länge von 1 bis 1 ½ Zoll. Die hierbei etwa entstehende Blutung stillt man sogleich durch kaltes Wasser, um XVIII Die 4 u 1 656 — S. 44. Diese Operation ist zuerst von Leblanc*)(1822) unternommen und dann von Vanhaelst*), Del- wart***8) u. A. ausgeführt worden. 3 ) Kacueil de méd. vétérin. 1824. p. 133. **) Journ. vétérin. et agricole de Belgique. Vol. I. p. 19. **) Ebendas. p. 505.. 96 die in der Wunde liegenden Theile deutlich erkennbar zu erhalten. Um den Speichelgang und seine Oeffnung mehr sichtbar zu machen, reizt man das Thier auf die im§. 41. angegebene Art zum Kauen, ergreift ihn dann da, wo während desselben Speichel hervorquillt, mit einer Pinzette und löset ihn mit dem Bistouri in der bezeichneten Richtung gegen ¼ bis 1 Zoll lang von al- len umgehenden Theilen ab, so daſs er völlig isolirt er- scheint. Sollte er nicht durch die ursprüngliche Ver- letzung völlig in der Queere durchtrennt sein, so be- wirkt man dies jetzt. Hierauf legt man auf ihn, nach der Drüse zu, eine Schlinge von 3 bis 4 neben einan- der liegenden, gut gewächsten Fäden oder von einem schmalen leinenen oder seidenen Bändchen, ziehet die- selbe recht fest zu und schneidet die Enden kurz über der Haut ab. Einfache Fäden darf man hierzu nicht nehmen; sie schneiden zu tief in den Kanal ein und ver- anlassen hierdurch ein zu frühes Abfallen der Ligatur.— Die Operationswunde kann nun bis an die Unterbindungs- stelle zusammengeheftet werden; da sie aber nur klein, und Eiterung in ihr unvermeidlich ist, so erscheint dies für alle Fälle weder streng nöthig noch besonders nütz- lich. Zufällig entstandene gröſsere Wunden, wie auch, wenn die Unterbindung nach der Auslösung von Spei- chelsteinen unternommen wird, machen aber das Anle- gen der Hefte nöthig. In den nächsten 3— 4 Tagen nach der Unterbin- dung müssen die Thiere möglichst in Ruhe erhalten wer- den und nur täglich zweimal etwas nährendes Getränk aber kein Futter erhalten, weil bei dem Kauen des letz- tern der Andrang des Speichels zur Unterbindungsstelle zu stark wird. Um dies noch mehr zu verhüten, muſs die Ohrdrüse auch jetzt noch durch reizende Einreibun- gen(zu denen man auch das von E. Viborg empfoh- lene Kampferöl benutzen kann), oder selbst durch das Glüheisen, in einem Entzündungszustande erhalten wer- den.— Die Behandlung der Wunde besteht in einfacher Die Ligatur fällt nach 5— 14 Ta- gen ab; je später, desto besser, weil dann um so siche- Reinigung derselben. rer eine feste Verwachsung im Kanal selbst eingetreten ist, und hiernach auch äufserlich die Vernarbung leicht Das zu frühe Abfallen der Ligatur, welches entweder durch einen Fehler derselben(namentlich zu erfolgt. lockeres Anlegen und zu feine Fäden), oder durch zu starken Andrang des Speichels herbeigeführt wird, ist gewöhnlich nicht mit Heilung begleitet, so daſs die Wiederholung des Verfahrens nöthig wird. Diese führt jedoch meistens einen guten Erfolg herbei, weil wäh- rend der ersten Unterbindung die Absonderung in der Drüse fast immer bedeutend gemindert und dadurch die letztere für die zweite Ligatur gewissermaafsen mehr vorbereitet worden ist. u n g der Ohrdruse. Sie ist indizirt: bei Skirrhus mit groſser Vermeh- rung des Umfanges der Obrdrüse und bei Krebs dersel- ben. Leblanc verrichtete sie auch bei einer für un- heilbar gehaltenen Speichelfistel, um diese zu heilen;— was aber nur sehr bedingungsweise nachzuahmen sein dürfte, da man hierbei erwägen muſs: ob die Folgen einer Ranal ein und ver. dlen der Ligatur. die Uulertindungs- sie aher nar Klein, t, so erscheint dies dch besonders nüta. Wanden, wie auch, uslösung von Sjei. den aber das Aule. nach der Unterbin- Ruhe erhalten wer- nährendes Getränk em Kauen des lets- Uaterbindungsstele zu verhüten, muls eeizende Einreibun- . Viborg empüb- c selbst durch dus aude erbalten wer- desteht in einfacher t vach 5— 14 Ir dann um 80 siche⸗ selbst eingetreten Feruarbung leict — einer solchen Fistel, oder die mit der Operation ver- bundene groſse Verletzung eine gröſsere Bedeutung für das Thier haben? Denn die Operation ist, wegen des groſsen Umfanges der Drüse und wegen der unter und zum Theil in ihr liegenden Gefäſse und Nerven(7te Gehirnnerv) uicht ganz leicht, und selbst nicht ganz ohne Gefahr. Eine Verletzung dieser Nerven hat Läh- mung der Lippen an derselben Seite zur Folge. Man gebraucht zu dieser Exstirpation ein geballtes Bistouri, eine Scheere, Pinzetten zum Erfassen der Theile und zur Torsion, 2 stumpfe Haken, eine Hohl- sonde, Heftnadeln, Heft- und Phuterbindunsfaden, Wer, Schwamm und kaltes Mässer. ℳ 45. 35 Das Thier wird niedergelegt ugd erhalt unter die Ohrdeüsengegend der unten liegenden Seite ein Bündel Stroh, um hierdurch die betreffenden Theile an der obern Seite mehr zu erheben. Nachdem die Haare auf der Operationsstelle abge- schoren sind, legt man zuerst die ganze äuſsere Fläche der Drüse blos. Za diesem Zweck macht man einen, über die ganze Länge des Organs gehenden Schnitt, der nahe unter dem vordern Rande der Basis der Ohr- muschel beginnt und bis zur Gesichtsvene, bei Pferden gegen 1— 1 ½ Zoll vor deren Mündung in die Drosselvene, reicht, und die Haut, den sehr dünnen Hautmuskel und zum Theil auch den niederziehenden Ohrmuskel spaltet. Die Richtung dieses Längenschnittes kann dem vordern Rande der Drüse etwas näher sein als dem hintern, weil sie mit jenem fester an dem Kinnbacken sitat und daselbst den Angesichtsnerv unter und in sich hat, und deshalb ihr Lostrennen hier mit mehr Vorsicht gesche- hen mufs. Um noch mehr Raum zu gewinnen, kann, von dem Längenschuitt aus, der hintere Hautrand in seiner Mitte durch einen gegen den Rand des ersten Halswirbels laufenden Queerschnitt getheilt werden, und zwar am hbesten auf einer Hohlsonde von innen nach aufsen, um Gefäſs- und Nervenverletzungen in der Tiefe zu vermeiden.— Dann löset man die Haut nebst den genannten Muskeln von der ganzen Fläche der Drüse ab, legt sie zurück, und läfst sie von Gehülfen mit den Fingern oder mit den stumpfen Haken halten. Hierauf begiunt man das Abtrennen der Ränder der Drüse, zu- erst am vordern Rande, von der Gegend des Kieferge- lenks abwärts, zwobei man besonders auf die hier hegende 97 Schlafenarierie, Sebläfenvene, den oberflächlichen Schläfen- und den Angesichtsnerven achten mufs. Um Verletzungen dieser Nerven zu vermeiden, trennt man die Drüse von ihnen durch eine zwischen sie und die Drüse geschobene Hohlsonde oder mit dem Stiel des Skalpells ab. In der Gegend der Mitte dieses Randes trifft man auf die Arterie und Vene des äuſsern Kaumuskels, welche eben so geschont werden. Den Speichelgang schneidet man aber queer durch. Danu löset man recht vorsichtig den untern Rand der Drüse von der Gesichtsvene, den hintern Rand von der Drosselvene, vom gemeinschaftlichen Muskel und vom Rande des Atlas, wobei man auf die hintern Ohrgefälse und Neryven trifft,— und endlich den obern Rand vom Grunde der Ohrmuschel u. s. w. Dieses Abtrennen der Ränder geschieht mit dem Messer nur einige Linien breit, bis man mit den Fingerspitzen unter sie gelangen kann, worauf man mit den letztern die Ablösung der untern Fläche der Drüse von den Theilen,, an welche sie ad- härirt(d. i. von unten angefangen die Gesichts- und Drosselvene, der obere Theil des Brust-Kinnbacken- muskels, Aeste der Carotis, die Unterkieferdrüse, der Griffel- Kinnbackenmuskel, der 7te und 5te Nerv, die Schläfen-Arterie und Vene, die vordere und hintere Ohr-Arterie), so weit dies möglich ist, bewirkt. Man fängt hiermit am besten vom untern Ende der Drüse an und geht im Verlaufe der Gefäſse, die man durch Sehen und Fühlen genau beachten muſs, allmälig bis zum obern Ende. piejenigen Arterien- und Venenzweige, welche der I. Drüse selbst gehören, unterbindet man mehrentheils vor ihrem Durchschneiden, oder, wo dies nicht gesche- hen konnte, gleich nach demselben. Uebrigens braucht man bei dem Auslösen der Drüse nicht zu besorgt um einzelne Drüseukörner zu sein, welehe etwa an den Gefäſsen sitzen bleiben. Nach Stillung der Blutung dund— der Wunde wird die letztere durch regelmãſsiges Gegeneinanderle- gen der Hautränder und durch die Kunopfnath vereiniget. Die französischen Thierärzte füllen sie mit Werg aus und heſten sie dann,— was aber weniger gut er- scheint, weil hierbei die Haut zu sehr austrocknet. Nach 2 Tagen findet sich Eiterung und Granluation, ein, welche man nach allgemeinen Regeln behandelt.— Man lälst die Thiere frei in einem hierzu geeigneten Stalle umhergeheu oder man beſestiget sie an einen um den Hals gelegten Riemen. Ihre Nahrung muſs weich und mild, nach Aiugetreteher Eiterung aber Lraltg sein. IX Di Qtrgeer der Zahnfisteln,— das Austreiben und Ausziehen der Zahne,— und die Beseitigung der zu langen Zahne und der Zahnspitzen. . 46. 4. Die⸗ Zahufistel besteht in einem cariösen Ge- schwür, welches von einer Zahnhöhle aus den Kinn- backen durchdringt und an demselben, der Zahnwurzel gegenüber, mit einer engen Oeffnung mündet. Dabei ist oft die Zahnhöhle allein, in andern Fällen aber auch die Zahnwurzel von der Caries in verschiedenem Maaſse af- fizirt; und häufig besteht im Umfange der kranken Zahn- höhle eine, dem sogenannten Winddorn ähnliche, Auf- treibung des Kinnbackens. Bei dem Einführen einer Metallsonde fühlt man die angegriffenen Stellen rauh, und neben denselben einen, bald engern bald weitern hohlen Raum. Zuweilen dringt die Sonde neben dem Zahn bis in die Maulhöhle, und in manchen Fällen ist der Zahn locker geworden. Diese Zustände kommen an den Schneide- und Backenzähnen beider Kiefer vor, sind jedoch am häufigsten an den ersten drei Backen- zähnen des Unterkiefers, aber am gefährlichsten an den Backenzähnen des Oberkinnbackens. Sie stören das Kauen, beunruhigen die Thiere durch Schmerzen und wenn sich die Caries weiter ausbreitet, können sie selbst zu Cachexie und zum Tode führen. 25 Die Behandlung mufs nach den angedeuteten Ver- — des Sſtaes und der Aushteitun d der Ca- ries verschieden sein. 4) Leidet nur allein oder hauptsächlich nur der 98 Kiefer in einem mälsigen Grade, und sitzt der Zahn noch fest, so erfolgt die Heilung oft, besonders am Un- terkiefer der Pferde, ziemlich leicht, wenn man die Fi- stel etwas erweitert, der Jauche freiern Abflufs ver- schafft und die Exfoliation der kranken Theile befördert. Diese Indikationen erfüllt man am eiufachsten durch zwei- bis dreimaliges Einführen eines, der Weite der Fistel angemessenen drathförmigen Brenneisens in die- selbe und durch nachfolgendes Einstreichen einer harzi- gen Tinktur oder des Kreosots.— Noch besser und zugleich in beliebiger Grôſse bewirkt man die Erweite- rung des Kanals vermittelst eines 3 bis 5 Linien dicken Hohlbohrers, nachdem man vorher einen, gegen 1 Zoll langen Kreuzschnitt über die Fistelöffnung durch die Haut und die Beinhaut gemacht, und die Hautlappen von den Knochen abpräparirt hat. Das Bohren in dem letztern geschieht dann bei gelindem Druck, 1 mit halb- kreisförmigem Vor- und Zurückdrehen des Instruments um seine Achse und so lange fortgesetzt, bis man in die Zahnhöhle gelaugt. Die ganze Operation laſst sich recht gut am stehenden Pferde ausführen. Auch hier findet die Nachbehandlung mit harzigen Tinkturen oder mit Kreosot statt, indem man einen Tampon von Werg mit diesen Mitteln befeuchtet in den Kanal bringt und dies etwa jeden Aten Tag wiederholt, bis die ganze Fläche des letztern mit Granulation bedeckt erscheint, worauf bei blofsem Reinhalten die Heilung erfolgt. 5— Wenn aber die Zahnwurzel allein oder haupt- sächlich leidet, wenn die Geschwürshöhle um dieselbe herum deutlich erkennbar vorhanden und dabei der Kie- fer sehr aufgetrieben, und wenn der Zahn sel bst bereits etwas locker geworden ist, kann man gewöhnlich die Heilung nur durch Eutfernung dieses Zahns bewirken. Die Letztere kann auf zweierlei Weise geschehen, nämlich entweder 1) durch das Ausziehen, oder 2) durch das Auotreihen des Zahns aus der Hoble. 1) Das. Ausiehen Sder. Zahne. Aufsor den Zahufeteln der bezeichneten Art geben schief stehende und auſser der Reihe gewachsene Zähne(sog. Doppel- zähne) und eben so zersplitterte Zähne zuweilen die Indikation zu dieser Operation; und an den Milchschnei- deähmen der Pſerde unternehmen die Besitzer sie auch woöhl in der Absicht, um den Zahnwechsel zu be- d 6 ehlenen An den Sehneidezähnen ist s Ausziehen mehren- lheils leicht zu bewirken, an den Backenzähnen aber ist es bei allen Thieren, und besonders beim Pferde, eine sehr schwierige, oft selbst kaum ausführbare Aufgabe, wenn nicht durch die vorhergegangene Ulceration oder durch ursprünglich statt gefundene Zersplitterung der Zahn schon locker geworden ist. Diese Schwierigkeit ist begründet: in der bedeutenden Länge der Zahnwaur- zeln und der Kürze des aus dem Zahnfleisch heraus- stehenden Theils,— in dem ganz engen Zusammenste- hen der Zähne,— in dem ſalzähnlichen Ineinandergrei- fen der Erhöhungen und der Vertiefungen der Zähne in die gegenüberstehenden Vertiefungen und Erhö- hungen der Zahnhöhlen,— in der Schwäche der Kinn- backen, und— in dem zu geringen Raume zwischen den Zahnreihen der beiden Kinnbacken. 1 In Folge die- ser Verhaltnisse sitzen die Backenzähne der grofsen Hausthiere so fest eingekeilt, dafs eine aufserordentliche Kraft dazu gehort, sie zu lösen; dabei sind sie schwie- rig zu erfassen, und die drei letzten in der Reihe kann man, selbst bei ganz offenem Maule, in der natürlichen Richtung nicht hervorziehen„weil man stets an die ge- genüberstehenden Zaͤhne des andern Kiefers stöfst. Bei dem gewaltsamen Beugen des Zahns zur Seite können aber die Wände der Zahnhöhle zerbrechen, und wenn man die vor dem kranken Zahn stehenden Zähne als Unterlage fär das Ausziehungs-] nstrument benutzt, kann, bei grofser Kraflanwendung, selbst ein Bruch des Kinn- backens erfolgen.— Bei den kleineren Haussäugsthie- ren sind die Schwierigkeiten viel geringer. Zur Ausführung dieser Operationen müssen die Thiere niedergelegt werden, wenn sie sehr widersetz- lich und die Zähne noch sehr festsitzend sind; auſser- dem aber können sie dabei stehen. Man legt ihnen einen Knebel oder ein MnuhEatter i ins Maul und Pferden setzt man die Bremse auf. 1“ a) Das Ausziehen der Sehmeideaähne bei Pferden uu Riudern geschieht entweder mit einer hierzu eigends construirten Zange oder, in Ermangelung derselben, mit einer nicht scharfen Beifszange, oder auch mit dem so- genannten Englischen Schlässel. Jene Zange ist im Ganzen gegen 7 Zoll lang; das Maul befindet sich 1 Zoll vor dem Charnier, ist seitlich über die hohe Kaute ge- bogen, jedes Blatt desselben gegen 9 Linien lang, 3 Li- nien dick, am vordern Ende 3 Linien, nach dem Char- nier gegen 5 Linien breit, und an der innern Fläche rauh; an dem freien Ende schlieſsen die Blätter etwa 2 Linien hoch zusammen, gehen aber gegen das Char- nier hin allmälig bis auf 4 Linien weit auseinander. Eben so sind die Handgriffe vom Charnier an sanft auseinan- der stehend. Mit dieser Zange erfaſst man den Zahn so nahe als möglich am Zahnfleisch, beugt ihn abwech- selud einigemale nach verschiedenen Seiten, und wenn er hierdurch etwas beweglich geworden ist, ziehet man ihn mit einem starken Ruck vollends heraus.— In ähn- laber Weise verſährt man mit der Beiſszange. Der Englische oder Garengeotsche Schlässel be- steht aus einem 6 Zoll langen, 3 Linien dicken, runden Stiel von Eisen, der an seinem hintern Ende in die Mitte eines 4 Zoll langen, 6— 8 Linien dicken, queer gestellten Handgriffes befestiget ist; am vordern Ende geht der Stiel in einen, gegen 5 Linien nach der einen Seite hervorragenden Kopf aus, und nimmt da- selbst dem Letzteren gegenüber, in einem 2 Linien brei- ten und eben 80 tiefen Einschnitt einen, halblreisförmig gebogenen, Haken vermittelst eines Stiftes beweglich auf, so dals derselbe mit seiner Spitze seitlich gegen den Kopf gebracht oder von diesem entfernt werden kann. Der Haken mufs 2 Linien dick, an der Spitze eben so breit, letztere durch eine. Linie tiefe Län- genfurche getheilt und an der innern Fläche rauh sein.— ——— — Die Anwendung des Schlüssels geschieht, indem man die Spitze des Hakens an die vordere(äufsere) Fläche des Zahns, am Rande des Zahnfleisches ansetzt, den Kopf des Schlässels aber gegenüber an die innere(hin- tere) Fläche des Zahns legt, nun den Stiel des Instru- ments um seine Achse von aufsen nach innen drehet, hierdurch den Haken und den Kopf fest an den Zahn drückt, und diesen auletat mit einem starken Zng aus seiner MHöhle hebht. io be ErDAKa2 Bei den kleinen Mausthieren anr man zum Aus- ziehen der Schneidezähne ebenfalis den Sehlüssel, oder eine kleine Zange, eine Kornzunge, oher 4 velhst eine Alarhe Pinzette gebrauchen, 1 gebnee He 5) Das Ausziehen der Haekenelhne bei Plerden und. Rindvieh kann mit Sicherheit nur dann unternommen werden, wenn diese Zähne i in ihren Höhlen bereits et- was locker geworden sind. Man kann dann entweder einen entsprechend Fergröterten Sehlässel oder auch besondere Zangen benutzen. Letztere sind von Pl-⸗ as se 49, von Wendenburg ²) und von Brogniez ¹) angege- ben worden. Die Zange des Plasse, welche er „Schwengel- oder Hebelzange(DHavier à bascule)“ nennt, hat im Gauzen eine Länge von 2 Fufs; das Maul ist bis zum Schloſs 2 ¾ Zoll lang, mit 15 Linien langen Backen versehen, welche keilförmig nach der einen Flä- che des Instruments 8 Linien hoch über den Arm her- vorstehen und mit dem freien Rande schräg gegen ein- ander gerichtet siud; dieser Rand endet mit 3 Zähnen; die äufsere Fläche der Backe ist etwas convex, die in- nere hohl. An dem Schloſs liegen beide Arme einfach auf einander; der untere Arm, d. i. derjenige, wohin die Backen des Mauls gerichtet stehen, ist daselbst 15 Li- nien breit and in dieser ganzen Breite mit einer 6 Linien hohen und 8 Linien von vorn nach hinten dicken Erhö- hung versehen,„welche bei dem Gebrauch als Hebelpunkt oder als Unterlage auf einen, vor dem kranken Zahn stehenden, Backenzahn dient. Die Arme sind hinter dem Schloſs etwa ¾ Zoll im Durchmesser dick; an dem in- nern Rande des einen Arms, zwei Drittheile der Länge vom Schlofs eutfernt, befindet sich ein sogenannter Re- gulator, d. i. eine 10 Zoll lange, 8 Linien breite, 1 ⁄½ Li- nien dicke Stange, welche gerade gegenüber am audern Arme durch eine eutsprechend groſse Oeffnung geht und hier vermittelst einer Schraube festgestellt werden kann. Auf diese Weise kann das Maul der Zange, nachdem man den Zahn gefalst hat, in der nöthigen a n 5 schlossen erhalten werden. is Diese Zange stellt somit einen zweiarmigen Hebel dar und ihre Anwendung ergiebt sich hiernach von selbst. Nachdem das Maul durch das Maulgatter geöffuet ist, führt man das vordere Ende der Zange, von einer Hand geleitet, bis an den kranken Zahn, öffnet sie hier etwas, schiebt ihre Backen an den Seiten des Letztern herunter, bis der scharfe Rand das Zahnfleisch berührt und die unter dem Schloſs beſindliche Erhöhung auf dem, vor dem kranken Zahn stehenden Backenzahn ruhet; ¹) Im Recueil de médie. vétérin. Tom. IX. p. 317.(uit Abbild. 4 *) Magazin f. d. ges. Thierheilk. von Gurlt u. Hertwig. Jahrg. 1836. S. 490.(mit Abbild.) ²¹) Traité de Chirurgie vétérin. Vol. II. ese.(mit Abbild.) worauf man das Zangenmaul fest zusammendrückt, die Stellschranbe auf dem Regulator anziehet und endlich mit der Zange hebende und gelind seitlich beugende Be- Regungen macht, bis der Zahn hervorgehoben ist. Die Zange von Wendenburg hat fast dioselbe Grölse und Einrichtung wie die vorige, aber der eine Schenkel des Maules ist vor dessen Backe um 2 Zoll verlängert.— Diese Verlängerung bildet einen Bogen, dessen convexe Seite nach abwärts, d. h. nach dem scharfen Rande der Backen, gekrümmt ist, und dient beim Gebrauch des Instruments als Stützpunkt zum Auf- legen auf den Zahn, welcher hinter dem auszuziehenden steht. Die Zange kann, auf diese Weise penutzt, als ein einarmiger Hebel wirken, aber auch wie die von Plasse, als zweiarmiger Hebel angewendet werden, je nachdem man dies den vorhandenen Umständen für an- gemessen fiudet, besonders mit Rücksicht auf den Ort und die Stellung des kranken Zahns. Das Degreifen des Letztern geschieht wie mit der vorigen Zange, und die weitere Handhabung ergiebt sich nach dem Vorher- gehenden von selbst. Wendenburg empſiehlt, daſs, wenn man den Druck des Unterstützungshunkts der Zange auf einen einzeluen Zahn fürchtet, man eine Ei- senplatte auf die betreffende Reihe der Backenzähne le- gen ud 80 den Druck auf mehrere Zähne Norethailen all, was als ganz zweckmaäſsig erscheint. Die he Zangs von Brogniez kann weied, da sie eehr dreenian ist, dharaangenn vetden. 2) Das Anshreiben. des Backenauhne aus Hren Höh- len ist zuerst von Havemann 4), daun von E. Vi- borg ³) und von Dieterichs 3) beschrieben, von Hurtrel d'Arboval 4), Brogniez) u. A. unvoll- ständig erwähnt worden. Es ist in den Fallen indizirt, wo man die Zähne durch Ausziehen nicht entfernen kann, und wo eine äuſsere Gegenoffuung zum Abfluls der Ge- schwürsjauche nöthig erscheint; es führt aber groſsere Verletzungen mit sich als das Ausziehen, und ist des- halb zweckmälsig nur an den vier ersten Backenzähnen zu unternehmen, weil die Warzeln der beiden letaten Backenzähne des Oberkiefers fast unter der Augenhöhle liegen, und die des Unterkiefers über der Rundung des- selben mit sehr dicker Knochenmasse bedeckt sind. An alten Thieren ist dies Verfahren immer leichter ausführ- bar als an jungen, weil bei den Leiztern die Kinnbacken dicker und die Zäbne mehr nach hinten stehend sind. Die Operation kann in 2 Modiſikationen unternom- men werden, indem man die Entblöfsung des Endes der Zahnwurael nach Havemaun mit einem Meiſsel, oder nach vibans und Dieterfehs mit einem ropan bewitkt. AA. Meſ H Nach diesen Verschiedenheiten riehten sich auch die erforderlichen lustrumente, namüeh ein, etwa 4 Zoll — * 4 . *¹²) Anleit. 2. Beurtheilung des üuEeren Plerdes,. te Aufl. Hanno- ver 1805, S. 77. Anmerkung. 4. 1 9 Veterinär- Selskabets 3 Sbriter. Zi Ded. Kisbeuleamn 1813. S. 331. 8 A 80 Veterinär- Chiruge. iste Aun. 1822. *¹) Wörterbuch der Thierheilkande. Deutseh von Re nner. 4r Bd. S. 598. ³) Chtrurgie, Vol. 2. S. 32. — 100 breiter, scharfer Meiſsel und einhölzerner Hammer, oder eine Trephine oder ein Exfoliativ-Trepan von Zoll Weite, ein eiserner cylindrischer Stempel, 6— 8 Zoll lang, 4½ Zoll dick, an den Enden ganz gerade abgestumpft (aber für die letzten Backenzähne des Vorderkiefers nach Viborg's Angabe einen, in der Mitte etwas Sför- mig gebogenen, am untern Ende mit kreisförmig hervor- ragendem Rande versehenen Stempel, welcher nicht leicht von der Zahnwurzel abgleitet und sich vermöge seiner Krümmung besser in der gehörigen Richtung ge- gen diese Zähne ansetzen läſst); aufserdem sind noch erforderlich: ein Messer mit convexer Schneide, eine Scheere, ein Beiuhautschaber, eine Pinzette, stumpfe Haken, Heftnadeln und Padehses ein Maulealter, Maerg Wasser und Sehwamm.— 5. Nachdem durch genaue Uhntensnehung uigezen ist, welcher Zahn entfernt werden soll, legt man das Thier 80 nieder, daſs die kranke Seite des Kiunbackens die obere wird. An der Operationsstelle scheert man die Haare weg, und macht durch die Haut, wenn sie nicht degenerirt ist, einen Kreuzsehnitt i in angemessener Gröſse, und löset die Lappen von den darunter liegen- den Theilen ab; ist sie aber sehr entartet, so nimmt man sie mittelst eines Kreisschnittes bis auf den Knochen ganz weg. Man trifft dabei am Unterkiefer an der äu- ſsern Seite des untern Randes den Niederzieher der Unterlippe, der sich durch seine fast eylindrische Form deutlich markirt. Hiinter dem 3ten untern Backenzahn hat man auf die auſsere Kinnbackenarterie, die Kinn- hackenvene und den Speichelkanal der Ohrdrüse zu ach- ten. Wird die Operation an einem der drei ersten Bak- kenzähne des Oberkiefers unternommen, s0 trifft man unter der Haut auf den hintern Rand des Auswärtszie- hers der Oberlippe, auf den oberen Theil des pyrami- denförmigen Muskels der Nase, auf Zweige der Ge- sichts-Arterie und Vene, besonders aber auf den Unter- augenhöhlennerven; und über den drei obern Zähnen zum Theil dieselben Gefäſse und den Anfang jenes Muskels, so wie den Niederzieher des untern Augenlides.— Diese Theile schiebt man etwas von der Operationsstelle des Knochens fort, halt sie mit den stumpfen Haken zurück, durchschneidet die Beinhaut kreisförmig um die Fistel, in dem Umfange, welchen man mit dem Trepau oder mit dem Meissel entfernen will und nimmt sie mit dem Bein- hautschaber vom Knochen ab. Bis hierher ist das Ver- fahren bei beiden Methoden gleichartig. Will man mit dem Meissel operiren, s0 setzt man denselben 3— 4 Li- nien von der Visteloſtnung eutferut auf den Kinnbacken und treibt ihn mit mälsig starken Schlägen in denselben, und 80 verlahrt man rund um die Fistel allmälig immer tiefer, bis man(am Unterkiefer) in den Kieferkanal(am Oberkiefer i in die Zahnhöhle oder in die Oberkieferhöhle) gelangt.— Benutzt man den Trepan, so setzt man den- selben gerade gegenüber dem Ende der Warzel des lei- denden Zahns auf den Kinnbacken und verfährt übrigens nach den, bei der Trepanation 4 S. 74. 75.) angegebe- nen Regeln. Gelangt man mit den lustrumenten in den Kinnbackenkanal, so muſs man den Rest der etwa noch festsitzenden Knochenplatte mit grolser Vorsicht trennen, um den Zahnhöhlennerv nicht zu verletzen. Ein be- stimmtes Maaſs, wie tief man bohren oder meisseln soll, läfst sich jedoch nicht angeben, da die Dicke der Kno- chenschicht am Kieferrande bei den einzelnen Thieren sehr verschieden, und zwar bei jungen Thieren immer grölser als bei alten ist. Der Gebrauch des Meissels ist zwar zuweilen mit etwas Splitterung und mit mehr Er- schütterung begleitet als der des Trepans, aber die Ent- fernung der Knochenstücke gelingt leichter als bei dem Letztern, bei welchem sie am Unterkiefer, wegen der ungleichen Dicke dessen Randes, fast immer sehr schwie- rig zu bewirken ist, wenn nicht durch die vorhergegan- gene Ulzeration bereits eine älaaa Er weitarung der Zahuhöhle statt gefunden hat. Hat man auf die eine oder iie andere Weise das Ende der Zahnwurzel so blosgelegt, daſs man es mit der Fingerspitze fühlen kann, so schiebt man mit Letz- terer den, über die Wurzel verlaufenden Nerven ein wenig nach einwärts und setzt dann auf dieselbe das eine Ende des stumpfen Stempels genau in der Rich- tung, wie eben der Zahn in dem Kiefer steht. Dies gilt besonders von den obern Backenzähnen, deren War- zel etwas gegen die Nase gerichtet ist, und wo daher auch der Stempel ein weuig schräg von innen nach au- ſsen gegen sie gestellt werden muſs.— Auf das äuſsere Ende des angesetaten Stempels giebf man einige kurze Schläge, bis der Zahn anfängt zu weichen,— bringt dann das Maulgatter zwischen die Kiefer und lälst es von einem Gehülfen halten, während derselbe seine an- dere Hand in das Maul gegen den betreffenden Zahn legt, um diesen zu ergreifen, wenn er später ganz lose geworden ist. Nach dieser Vorsorge treibt man den Letztern durch fortgesetzie Schläge vollends aus der Zahnhöhle heraus, worauf man ihn und eben so das Maulgatter aus dem Maule entfernt. Zuletzt werden etwa vorhandene Kaochenstüetohen der Zahuhöhle mittelst der Pinzette oder der Kornzange, und cariöse Theile mittelst eines schmalen Lorbeerblatt- messers weggenommen, dann die Wunde mit Wasser gereiniget und mit Werg ausgefüllt.— Letzteres bleibt 3—4 Tage liegen,„ wäaͤhrend welcher Zeit man blos die aufsere Wande so viel als nöthig reiniget, dann aber den Wergverband alle 2 Tage erneuert und, je nach der Beschaffenheit des Eiters und der Granulation, noch Abkochungen von bittern oder adstringirenden Mitteln, das Kreosot u. dergl. anwendet. Die Wunde verenget sich durch Granulation allmälig und verheilt in 4— 6 W ochen gänzlich. Das Verbinden der Wundhöhle mit Werg ist nach Weguahme der drei letzten obern Backenzähne nöthig bis zur vollstaudigen Versehlielsung dieser Höhlen durch Granulation, weil sonst Futter- theile sich in die Kieferhöhle drängen und üble Zufalle erregen; dagegen können die Wunden der 4 ersten Backenzähne des Unterkiefers ohne solchen Verband bleiben, weil hier die aus dem Maule einsickernden Fut- terstoffe und der Eiter theils von selbst durch die untere Oeffnung abflieſsen, theils durch Einsprützungen in den Canal leicht entfernt werden können. Die Nahrung der operirten Thiere mufs in den er- sten 4— 5 Tagen weich sein, später kann sie in ge- wöhnlicher Art erfolgen. §. 49. — 101— B. Das Abnehmen der zu langen Zähne und der ungleichen Zahnspitzen ist als nöthig ange- zeigt, wenn durch diese Unregelmäſsigkeiten Verletzun- gen des Zahnfleisches, der Zunge oder der Backen ent- stehen und das Kauen der Nahrungsmittel gestört ist. Man erkennt dies daran, daſs die Thiere hierbei das Futter zu langsam, gewissermaſsen mit Vorsicht kauen und oft es halbgekauet wieder aus dem Maule fallen lassen; manche geifern oder speicheln aus dem Maule; einzelne lassen den Futterbissen zwischen den Backen- zähnen und der Backe sitzen, wo er dann in Verbin- dung mit dem Speichel schuell fault und einen üblen Ge- ruch erzeugt. Bei der Untersuchung der Maulhöhle fin- det man entweder einzelne Zähne über die andern her- vorragen und gegenüber eine Lücke, oder scharf her- vorstehende Spitzen(an den obern Backenzähnen an dem äufsern Rande, an den untern am innern Rande), oder es sind unregelmäſsig oder noch unvollständig auf- sitzende Milchbackenzähne vorhanden. Diesen hervorra- genden Zähnen gegenüber trifft man Verletzungen an den Seiten der Zunge, an den Backen, bei Zahnlücken auch Verletzungen des Zahnfleisches, und eben so findet man jene Futterballen, die man auch gewöhnlich schon von aufsen an der Backe durch eine teigartig anzufüh- lende Geschwulst bemerkt. Mit der längern Dauer nimmt die Unregelmäſsigkeit des Gebisses immer mehr zu und die Thiere magern oft sehr bedeutend ab. b Die in ihrer ganzen Stärke zu lang über die Zahn- reihe hervorgewachsenen Backenzähne soll man nach Dieterichs(Akiurgie§. 314.) durch das Austrei- ben mit dem Stempel aus ihrer Höhle entfernen. Dies ist jedoch für den in Rede stehenden Zustand eine zu bedeutende Verletzung und durch folgendes Verfahren besser zu ersetzen. Man legt den Pferden(die in der Regel hierbei stehen, aber liegend, wenn sie sehr empfindlich und widersetzlich sind,) ein Maulgaiter zwischen die Kiefer, zieht die Zunge an der dem kranken Zahn ge- genüber stehenden Seite aus dem Maule hervor, und macht mit einer guten, scharfkantigen Feile an der äu- ſsern oder Backenfläche, und eben so an der innern Fläche des betreffenden Zahns eine Queerfurche gerade in der Höhe der übrigen Zähne, etwa 1 Linie tief. (Die hierzu benutzte Feile kann an ihrem vordern Ende mit einem angegossenen bleiernen Knopf versehen sein, um Verletzungen zu verhüten). Hierauf setzt man ge- gen den vordern Rand des Zahns, gerade vor den ge- feilten Furchen, einen Meissel und treibt diesen durch kurze kräftige Schläge mit einem Hammer queer in den Zahn, wobei letzterer gewöhnlich in der Furche ab- springt und mit der Hand aus dem Maule entfernt wird. Etwa vorhandene Unebenheiten werden dann noch mit der Feile oder Raspel weggenommen. Da bei den zu lang hervorwachsenden Zäahnen die Ursache, nämlich die nicht erfolgende Abreibung wegen einer im andern Kiefer gegenüber befindlichen Zahn- lücke fortbesteht, so erfolgt späterhin wieder ein unglei- ches Hervorwachsen dieser Zähne, welches man aber durch von Zeit zu Zeit wiederholtes Beraspeln der her- vorragenden Krone sehr leicht ausgleichen kann. Die Entfernung einzelner Zahnspitzen, wel- che ungleich und zu lang über die Reibefläche der Zähne hervorstehen, geschieht entweder mittelst der Zahnras- pel, oder des— oder auch mittelst des Zahn- hobels. a4) Die Zaburuspel ist gegen 4 Zoll lang, 2 Zoll breit, das vordere Ende sauft von einer Fläche zur an- dern gebogen, so dafs die eine, mit groben Feilezähnen versehene Fläche vor der Mitte der Läuge ein wenig convex erscheint; der vordere Rand ist glatt gerundet, die Seitenränder beugen sich fast 2 Linien breit nach der rauhen Fläche herum, um das seitliche Abgleiten von den Zähnen zu hindern; das hintere Ende geht in einen 20 Zoll langen, mit einem Handgriffe versehenen Stiel über. Man legt dieses Iustrument, nachdem die Kiefer durch ein Maulgatter von eiuander entfernt wor- den, mit seiner rauhen Seite auf die Reibefläche einer Zahnreihe und schiebt es, zugleich mäſsig drückend, ab- wechselnd vor- und rückwärts, bis die vorher fühlbar gewesenen Unebenheiten der Zähne beseitiget sind.(In HenaEelans dieser Rashel i ist eine Hutraspel Lu Le- nutzen. 4— 5) Der Zahnmeissel besteht an seinem vordern Ende aus einer stählernen, gegen 2 Zoll langen und 1-¼ Zoll breiten, ¼ Zoll dicken Klinge, deren vorderer Rand meisselartig scharf geschliffen ist, die Seitenrän- der aber etwa 2 Linien breit gegen die eine Fläche aufgebogen sind, damit das Abgleiten des Instruments nach der Seite verhütet werde; der hintere Rand geht in einen 2 Fuls langen, ¾ Zoll dicken Stiel über, wel- cher mit einem glatten Kopf endet. Bei der Anwendung des Meissels legt man dem Pferde oder Rinde(in der Regel stehend,) ein Maulgatter zwischen die Kiefer, zieht die Zunge hiuter demselben an der nicht zur Ope- ration bestimmten Seite aus dem Maule,— legt die mit den umgebogenen Seitenrändern versehene Fläche des In- struments auf das vordere Ende einer Zahnreihe fest auf und schiebt es dann mit wiederholten kurzen Stõ- ſsen auf der Reibefläche der Zähne immer weiter bis zum Ende des letzten Backenzahns. Man findet dabei an denjenigen Punkten, wo Spitzen vorhanden sind, Widerstand, und so lange derselbe besteht, stöfst man den Meissel immer wiederholt gegen denselben Punkt. Die Spitzen springen dabei ab und fallen aus dem Maule heraus. An den Zähnen des Oberkiefers mufs man be- sonders den äufsern, und an denen des Unterkiefers den innern Rand berücksichtigen, weil sich da die meisten und stärksten Spitzen vorfinden.— Sind Letztere grofs, so kann man das Verfahren dahin abändern: daſs der Thierarzt den Meissel gegen sie ansetzt und von einem Gehülfen auf das hintere Ende des Instruments kurze Schläge mit einem hölzernen Sohlagel thun läſst, bis die Spitzen abgelöset sind. In der Regel werden alle vier Zahnreihen so behandelt. Bei beiden Verfahrungsarten muls man das Abgleiten des Instruments und hierdurch entstehende Verletzungen der Backen u. s. w. zu ver- hüten suchen. ec) Der Zahnhobel, so viel mir hekannt, von Brogniez(Chirurgie, Vol. II. p. 27) Zzuerst angege- ben, besteht aus einem eisernen, 4 Zoll langen, gegen 26 ————— E —— 1 — 102— 3 Linien dicken ovalen Ringe, dessen vorderes und hin- teres Ende ein wenig nach der Rückseite aufgebogen und somit die Seitentheile etwas niedriger stehen; in der Mitte dieses Ringes liegt auf dem concaven Rande der Seitentheile und von einem derselben zum audern queer herüber ein, mit Schrauben befestigtes, gut ge- stähltes zweischneidiges Hobeleisen, dessen Schneiden halbmondfoörmig, die eine nach vorn, die andere nach hinten gekehrt sind. Am hintern Ende ist der Ring an eivon 20 Zoll langen Stiel beſealiget.— Bei der Anwendung dieses Instruments bringt man(nach einge- setztem Maulgatter) den Ring so auf die Reibefläche der Backenzähne, dafs seine Seiteutheile sich über die Rän- der der letztern an die Seitenflächen legen, und schiebt es dann, indem man zugleich einen mäſsigen Druck an- wendet, abwechselnd vorwärts und wieder rückwärts auf der ganzen Zahnreihe hin und her, wobei durch das Schneideeisen die Zahnspitzen von zwei Seiten ge- troffen und abgeschnitten werden. 4 XX. Die Runstm a,sige Erafrnung d2r Luftr aure, oder der Luftrahrenschnitt und der Kſ2 4nies(Tracheotomia). Eine, Ferdleſet uneigender ader Stochendersa In- strumente kunstmäſsig howichte Oeffnung in den Wän- den der Luftröhre und in den dieselbe bedecken den Thei- len wird für einen doppelten Zweck unternommen, näm- lich: 1) um durch die künstliche Oeffnung der Luft einen Eingang zur Lunge zu verschaffen, wenn derselbe durch den obern Theil der Respirationsorgane nicht statt finden kann; und— 2) um fremde Körper aus der Luſtröhre oder dem Kehlkopf zu entfernen oder das Narlahen- sein derselben genauer zu erforschen. Die Operation ist demnach indizirt:) bei jedeme Hin- derniſs der Respiration, welehes über dem untern Drit- theil des Halses in der Luftröhre und im Kehlkopfe, oder in den angrenzenden Gebilden(bei Pferden auch in der Nasenhohle) seinen Sitz hat und in einem sol- chen Grade besteht, daſs Erstickungsgefahr eintritt; wie dies namentlich geschehen kann: bei Entzündungen der Nasen- und der Rachenschleimhaut, des Kehlkopfes, des Schlundkopfes und der Luftsäcke, wenn groſse An- schwellung oder plastische Ausschwitzungen(häutige Bräune) dabei besteht, oder wenn diese Entzündungen in Eiterung oder in Brand übergehen;— 5) bei Ver- dickung der Schleimhaut im Kehlkopfe, bei Verknöche- rung desselben, bei Polypen in ihm, in der Luftröhre, in der Nasen- und in der Rachenhöhle, bei Gastruslarven daselbst, bei Verengerung der Luftröhre durch Brüche u. s. w.;—) bei fremden Körpern(. B. Kartoffeln, Rüben, Knochen u. dgl.), die sich in der Racheuhöble, im Schlundkopfe oder im Schlunde ſestgesetzt haben und drückend auf den Kehlkopf, die Luftröhre oder die Lun- genmagennerven wirken;— 4d) bei Verletzungen dieses Nerven oder des zurücklaufenden Nerven und bei Läh- mung der erweiternden Kehlkopfsmuskeln; und— e) bei grolsen Geschwülsten in der Gegend des Kehlkopfes, wenn sie durch ihren Umfang die Respiration hindern und nicht sogleich entfernt werden können. In allen Fällen ist jedoch für die Heneiebung des ersten Zweckes eine wesentliche Bedingung: daſs die pathologischen Zustände die Luſtröhre an und unter der Operationsstelle nicht verschliefsen oder sehr verengern. Je nach der Natur, der Dauer und dem Verlauf der verschiedenen pathologischen Zustände kann die Luftröhreneröfinung nur vorübergehend oder auch für die ganze folgende Lebenszeit nöthig sein. Die Anzeige zu der Operation tritt zuweilen, wie die sie bedingende Erstickungsgefahr, ganz plötzlich ein( Indicatio 2ekalis) und ährei schnelle Hueklurung wied dann das einzige Lebensrettungsmittel. ARsu §. 51. Die Trache otomie war in der Menschenbeilkunde schon sehr früh gekannt¹)(wie es scheint vom Ascle- pias zuerst geübt), wurde aber von den meisten Aerz- ten bis auf Albukasem und Ebn Zohr(Avenzoor) für gefährlich gehalten, weshalb der Letztere, um zu beweisen, dafs die Wunde heilen könne, die Operation an einer Ziege unternahm ²). Unter den Thierärzten erwähnt Lafosse ³) derselben zuerst, hält sie aber meist für tödtlich, und diese Ansicht hatten auch viele Thierärzte bis zum Anfange dieses Jahrhunderts, so auch Pilger ¹); E. Viborg’) aber sprach es zuerst(1802) aus, dafs keine Operation dem Uukundigen gefahrlicher zu sein scheint und es doch wirklich weniger ist als das Oeffnen der Luftröhre. Zugleich lehrte derselbe: daſs man, um eine hinreichend groſse Oeffnung zu er- zeugen, ein rundliches, bei Pferden 1 Zoll groſses, Stück aus der Luftröhre ausschneiden soll, statt dafs man bis dahin(nach Lafosse) eine zu kleine Oeffnung mittelst eines Trokars machte. Barthelemy d. A. gab später(1817) ein ähnliches Verfahren an ³), welchem Raynard), Dieterichs ³) u. A. folgten. In der neuern Zeit hat Damoiseau ¹⁹) den Luftröhrenschnitt dahin abgeändert, daſs er nicht ein Stück aus der vor- dern Wand der Trachea schneidet, sondern dieselbe in ihrer Längenrichtung durch mehrere(5— 7) Knorpel- ringe nur einfach spaltet, aber eine weit längere Oeff- nung macht, als nach der vorher genannten Methode. Hierin folgten ihm, zum Theil mit kleinen Abweichungen, Leblanc ³⁸), Renault**), Günther ¹⁷) und Diete- richs*³), nachdem Letzterer bisher die Operation fast ganz in derselben Art auszuführen empfohlen hatte, wie ¹) Caelias Aurelian. Lib. III. Cap. 4. p. 193. ²) Sprengel, Geschichte d. Chirurgie, Ir Th. 1805. S. 177. ³¹) Lafosse, Cours d'Hippiatrique. 1772. p. 304. 4 Systemat. Handb. Bd. II. Abth. 4. S. 1548. ³³) Sammlung von Abhandlungen. Bd. I. S. 252. ²) Proceès verbal de la séance publique(le 2. Norbr. 1817) ténue à l'Ecole royale vétérin. etc. 4 Allorte(Annal. de Pagricult. franc. T. 70. P. 350,). 2) Procès verbal etc. de Lyon. 1820. p. 14. ) Veter. Chirurgie, 1822. ²) Journ. pratique de médec. vétérin. 1828. p. 30. ai ¹¹) Recueil de méd. vétér. 1828. P. 585.(m. Abbild. einer Rahue) ³²) Ebendas. 1832. P. 256.— 2) Zeitschr. f. d. ges. Thierheilk. u. Viehzucht. 1834. S. 424. 2²) Beiträge z. Vet. Chirurgie u. Akiurgie. 1844. S. 102.(m. Abbild. einer Röhre), und Veter. Chirurg. 5. Aufl. S. 572. 40„ —— — 103 sie von Viborg gelehrt worden ist ¹1). Damoiseau und Leblanc wurden zu diesem Verfahren hauptsäch- lich durch den weiten Umfang der Röhren, welche sie nach eigener Erfindung in die Luftröhre legen, ge- führt; aber Günther und A. wählten dasselbe in der Absicht, um die Verengerung der Luftröhre an der Operationsstelle zu verhüten, welche zuweilen nach dem Herausschneiden gröfserer Stücke aus den Knor- pelringen, durch die Einwärtsbiegung der freien Schnitt- enden der Letzteren entsteht. In neuerer Zeit hat Hayne eine hevonderg Mrechode nuenchusſelruug der Tracheotomie vermittelst eines von ihm hierzu erfundenen Troikars oder Tracheotoms, wel⸗- ches queer durch die Luftröhre von einer Seite des Hal- ses zur andern geführt wird, empfohlen ²). 4. 52.. nes Die zur Operation erforderlichen Instrumente sind: 1) eine Scheere,— 2) ein geballtes Bistouri,— 3) ein spitzes gerades Bistouri,— 4) eine Pinzette oder auch ein scharfer Haken,— 5) zwei stumpfe Haken,— 6) eine Röhre von Blech,— 7) Heftnadeln und Fäden, — 8) Wasser und Schwamm. Dieterichs verlangt auch ein gerades Knopf-Bistouri,— was aber völlig entbehrlich ist.— Operirt man nach der Methode von Hayne, so gebraucht man nur allein dessen Tracheo- tom, und alle übrigen Geräthschaften sind unnöthig. Im Nothfalle muſs man die Tracheotomie mit einem spitzen Bistouri allein, selbst mit einem guten Federmesser aus- führen können. 3 4 Agie. Die sub No. 6. erwähnte Röhre soll dazu dienen, de Wunde in der Trachea offen zu erhalten, besonders das Vortreten der Muskeln und der Haut vor die Oeff- nung zu bindern. Sie war in früherer Zeit und bis zu Pilger, die Hülse eiues(für Pferde) etwa 1 Zoll brei- ten, 2— 3 Linien dicken, zweischneidigen Trokars, 2 Zoll lang und ein wenig nach der einen Fläche ge- krümmt. E. Viborg*) und C. Viborg ¹) hielten das Einbringen einer Röhre in die Luftröhrenöffnung, wenn man dieselbe so groſs macht, wie Ersterer sie vorge- schrieben, für unnöthig,— was allerdings zuweilen bei Pferden mit sehr hervorliegender und mit dünnen Mus- keln bedeckter Luftröhre der Fall, mehrentheils aber nicht richtig ist. Barthelemy der Aeltere gab zuerst eine, jener genügend groſsen Luftröhrenöflnung entspre- chende Röhre an. Dieselbe ist von verzinntem Blech gemacht und besteht aus 2 Theilen, nämlich: 1) einer (für Pferde) 4— 5 Zoll langen, 1— 11¼ Zoll im Durch- messer dicken, runden Röhre, welche etwa 2 Zoll von ihrem oberen Ende im Sten Theile eines Kreises gebo- gen ist, von da ab aber bis zum untern Ende geradlinig verläuft. Der Rand dieses untern Endes mufs nach in- nen umgebogen und etwas abgerundet sein; das obere Ende ist in einem, seinem Umfange genau entsprechen- den runden Ausschnitt des 2ten Theils festgelöthet, und 2) Veter. Chirurgie, 5te Aufl. S. 569. ²) Eckel, Mittheilungen österreich. Veterinäre. 1stes Heft. Wien 1844 S. 106.(m. Abbild.); und die ersten Angaben in Bleiweisz Prakt. Heilverf. b. d. gewöhnlichen innerl. Krankh. d. Pferde. Wien 1840. S. 181.— Magaz. f. d. ges. Tmierheill. VIII. Bd. S. 393. ³) Sammlungen, a. a. O. *) Neterin. Selsk. Skrift. 3 Deel. Kiöbenhavn 1813. S. 84. — zwar so, daſs es in einem rechten Winkel sich mit ihm vereiniget. Dieser 2te Theil bildet ein, an den Ecken ahgerundetes, gegen 4 Zoll im Quadrat grofses Blech, eine Art von Schild, in dessen Mitte sich jene runde Oeffnung für die Einmündung der Röhre befindet, jeder Seitenrand aber noch 2 Oeffnungen zur Aufnahme von Bändern oder Riemen hat, welche zur Beſfestigung der Röhre in der Luftröhre dienen, indem die Riemen von beiden Seiten nach dem obern Rande des Halses hinauf- geführt und daselbst mittelst Schnallen vereiniget wer- den. Diese Röhre ist die einfachste, die wohlſfeilste und für die meisten Fälle dem Zwecke entsprechend, beson- ders, wenn man sie an den Seiten ein wenig abplattet; doch hat sie drei Mängel, nämlich: a) daſs sie blofs einen Weg nach abwärts in der Luftröhre gewährt, so- mit über der Operationsstelle in der Luftröhre befindliche Flüssigkeiten, z. B. zäher Schleim u. dgl., keinen Ab- fufs durch die Oeffuung erhalten; und 5) daſs beim Her- absenken des Halses und Kopfes oder bei Bewegungen dieser Theile die Riemen sich verschieben und die Röhre aus der Trachea herausfallen lassen, so daſs plötzlich neue Erstickungsgefahr eintreten kann, und deshalb die Thiere nach der Operation in akuten Fällen eine bestän- dige Aufsicht erfordern.) Aufserdem beleidigen die Riemen das gute Aussehen der Pferde. Den letzten beiden Mängeln suchte Damoise au abzuhelfen, indem er die beschriebene Röhre am obern Ende fast eiförmig, nämlich die obere Oeffnung im Durch- messer von oben nach unten etwas gröfser als in der Breite machte,— die obere Wand der gebogenen Stelle mit einer(dritten) Oeffnung versahe und in diese einen cylindrischen, am obern Ende von vorn nach hinten schrãg abgeschnittenen verschiebbaren Zapfen legte, der am untern Ende einen im rechten Winkel angesetzten, 2 Linien dicken Stiel von Messing besitzt. Dieser Stiel liegt innerhalb des obern, fast horizontal gestellten Theils der Röhre und ist am vordern, herausragenden Ende mit einem, im Charnier beweglichen Ringe versehen. An dem schildförmigen Blechstück, gerade über der Oeff- nung der Röhre, befindet sich ein Knopf, an welchen mau den Ring des Stiels befestigen kann. Vermittelst des Stiels ist jener Zapfen aus der Röhre zu schieben oder in sie zurück zu ziehen. Bei der Anwendung muſs er zurückgezogen sein. Schiebt man dann den Stiel zum obern Winkeln der Röhreumundung, so tritt der Zapfen aus seiner Oeffnung hervor und die Röhre erhält gleich- sam einen zweiten Schenkel, welcher ihr Herausfallen aus der Luftröhre verhindert. Damit aber der Zapfen nicht zurückgleitet, legt man den Ring des Stiels über den bezeichneten Knopf. Bänder oder Fiemen zum Hal- ten sind nicht erforderlich. Leblanc erfand eine Röhre, welche die oben ge- rügten Mängel sämmtlich beseitiget, aber ebenfalls com- plizirt ist. Sie ist von verzinntem Blech oder von Mes- sing, und besteht aus zwei Hälften, nebst einem, aus 2 Stücken in einem Charnier verbundenen und mit einer Schraube zu schlieſsenden Ringe. Jede Hälfte der Röhre bildet eine halbkreisförmige Rinne, welche ungefähr am Ende des zweiten Drittheils ihrer Länge nach der con- vexen Seite in einem rechten Winkel gebogen ist. Das 26* ——— vordere Ende, welches aus der Luftröhrenwunde her- vorstehen soll, hat einen nach aufsen verdickten Rand; die Seitenränder sind an der einen Hälfte falzartig dop- pelt, an der andern Hälfte einfach und zum Eingreifen in die vorigen eingerichtet; das hintere Ende beider Stücke ist mit abgerundeten aber glatten Rändern ver- sehen.— Bei der Anwendung legt man eine Hälfte in den untern Wundwinkel der Luftröhrenöffnung, die an- dere in den obern, und zwar so, daſs das hintere, um- gebogene Ende von dem ersten Theil im Innern der Luft- röhre an die vordere Wand nach unten, von dem ande- ren Theil aber nach oben gerichtet ist und beide Theile in der Wundöffnung eine Röhre bilden. In dieser Zu- sammensetzung hat die Röhre eine Tförmige Gestalt und erhält sich mittelst der umgebogenen hintern Enden von selbst in der Luftröhre. Damit aber die beiden Hälften nicht auseinander gleiten, jegt man nach geschehener Einbringung derselben um ihr vorderes Ende den oben bezeichneten Ring.— Späterhin hat Leblanc den letz- tern zum Vor- und Zurückschrauben eingerichtet, damit die Röhre nach Erfordern lihger und kürzer gemacht werden könne. 8 3 Zuletzt hat Dieterichs eine Röhre angegeben (Beitrags, a. a. 0.), welche als die zwéeckmäſsigste erscheint, weil sie die genannten Mängel nicht hat und aufserdem die Knorpelringe weniger auseinander drängt, als die runden Röhren dies thun. Sie ist fär Pferde fast 1 ¼ Zoll lang, im Lichten gegen ¾ Zoll breit, 2 Zoll hoch, oben und unten fast in einen spitzen Winkel en- dend; ihre äuſsern Seitenränder sind mit, im rechten Winkel abstehenden, Oesen versehen, um nothigenfalls ein Band zur stärkern Befestigung anzubringen. An dem einen Winkel des hintern oder innern Endes ist ein ¾ Zoll langes halb elliptisches Blatt angelöthet, und am andern Winkel ist ein ähnliches Blatt in einem Ein- schnitt hinter dem Rande beweglich angebracht, so daſs Ver- mittelst dieses beweglichen Blattes erhält sich das In- strument, nachdem jenes heransgeschoben ist, Trachea. f l Das Iustrument von 3 ayne besteht: 1) aus einer awa 6 Zoll langen, elliptisch geformten, 6 Linien brei- ten und 4 Linien dicken Röhre von Messing, Tomback u. dgl.(früher lieſs H. die Röhre cylinderisch machen) man es vorwärts schieben und zurückziehen kann. in der In der Mitte der Länge ist dieselbe an zwei einander gegenüberstehenden Stellen der breiten Seiten mit ellip- tischen, 1— 1 ½ Zoll langen, in ihrer Mitte 3 Linien breiten Oeffnungen durchbrochen; 2) aus 2 mit scheibenförmi- gen Rändern versehenen Ringen, welche auf die Röhre passen und mit Stellschrauben zum Feststellen auf der- selben versehen sind;— und 3) aus einem Spieſs, des- sen Stiel der Länge und Weite der Röhre entspricht, die lanzettförmige, 1 Zoll breite Spitze aber an ihrem hintern breiten Ende rund herum ein wenig über den Rand der Röhre hervorsteht. ais Iun 4*§. 53.) mgie mi a Die Ogsraßoh in gemühalcher Art kann bei den verschiedenen Säugethieren und bei Vögeln ziemlich gleichartig an der ganzen vordern Fläche der Luftröhre, vom Kehlkopfe bis zur Brust, unternommen werden. Die ““— 3 104— spezielle Bestimmung der Operationsstelle hängt aber meh- rentheils von dem Sitze und dem Umfange des Hinder- nisses der Respiration, zum Theil von dem Zwecke der Operation, und selbst auch von der Formation des vor- dern Halsrandes ab. Als allgemeine Regel gilt: daſs bei Athembeschwerden die künstliche Oeffnung steis un- terhalb des Hindernisses sein muſs, daher z. B. bei Bräune etwa 5— 6 Zoll unter dem Kehlkopfe; bei Be- engung der Luftröhre durch Brüche oder durch fremde Körper im Schlunde mufs sie unter der beengten Stelle sein u. s. w. Operirt man in der Absicht, eine Unter- suchung des Kehlkopfes durch die Oeffnung zu unter- nehmen, so macht man die Letztere jenem Theile so nahe als möglich. Hat man unter gleichen Umständen die Wahl, so nimmt man diejenige Stelle des Halses, wo die Luftröhre am freiesten unter den auf ihrer vor- dern Fläche liegenden Muskeln zu fühlen ist. 1 S. 54. Unternimmt man die Tracheotomie in der Absicht, ein freies Athmen zu beschaffen oder die innere Fläche der Luftröhre zu untersuchen, so ist es am besten, sie an den stehenden Thieren zu verrichten; weil sie hier- bei sehr leicht und bequem, ohne Zeitverlust und ohne Vermehrung der Erstickungsgefahr, welche bei dem Niederlegen der Thiere leicht erfolgen kann, auszufüh- ren ist. Es würde daher, wo diese Gefahr schou be- steht, sehr fehlerhaft sein, wenn man das Thier zu die- ser Operation niederlegen wollte. Eine Ausnahme hier- von findet sich in den Fällen, wo die Thiere sehr em- pfindlich und widersetzlich sind; und wo dieselben be- reits von selbst sich niedergelegt haben, operirt man sie in dieser Lage. Es ist dann für den Operateur am be- quemsten, wenn die Thiere auf der linken Seite liegen; aber durchaus nothwendig ist dies nicht, da diese Ope- ration auch sehr gut ausgeführt werden kann, wenn die Macht man die Tracheotomie als Vorbereitungsoperation zur Entfernung rechte Seite des Thieres die untere ist. von Polypen aus dem Kehlkopf u. s. w., so müssen die Thiere stets niedergelegt werden.— Pferde sind dabei, sie mögen stehen oder liegen, mit einer Bremse zu ver- sehen und ganz einfach an einer Trense oder Halfter von 1 oder 2 Männern zu halten. Rinder läfst man an den Ohren bremsen und eben so halten, oder man bin- det sie mit dem Kopfe ein wenig hoch an die Mauer, an einen Baum u. s. w.— Kleine Thiere Stellt* lest man auf einen Tisch. 1. §. 55. 1 15) Nach den vorsthenden Andeutungen ist dis Tra- cheotomie in drei Vorsehiodenen Methoden auszuführen, nämlich: 1 a) der Lnftröhronschnit mit einfacher Shalase de vordern Wand der Luftröhre; 4) der Luftröhrenschnitt mit Auslösung eines Stäcks aus dieser Wand;— und c) der Luftröhrenstich. a) Dem Thiere wird der Kopf hoch aufgerichtet gehalten. Der Thierarzt stellt sich an die rechte Seite desselben und beginnt die Operation, wenn der Fall nicht höchst dringend ist, mit dem Abscheeren der Haare an der Operationsstelle, bei Pferden und Rindvieh auf einer Fläche — 105— Fläche von 4 Zoll Länge und 1 Zoll Breite, bei klei- nen Thieren in der Hälfte dieses Maafses. Dann legt er mit Unterstützung eines Gehülfen die Haut daselbst in eine, queer über die vordere Fläche der Luftröhre ge- hende Falte und durchschneidet dieselbe senkrecht so, daſs eine 3— 4 Zoll lange Hautwunde gerade auf der Mittellinie der Luftröhre entsteht. In dringenden Fällen und wo es an Gehülfen fehlt, macht man diesen Schnitt, ohne vorher die Querfalte zu bilden, indem man mit den Fingern der linken Hand die Haut am Anfange des Schnittes fixirt und etwas nach den Seiten hin spannt. — Hierauf trennt man die vor der Luftröhre liegenden Muskeln(Brust-Zungenbein- und Brust-Schild-Mus- keln) in der Mittellinie von einander, so lang wie die Hautwunde ist, und zieht sie ein wenig von einander. Dann sticht man ein spitzes Bistouri am obern Ende der Wunde in den entblöfsten Theil der Luftröhre gegen 1 Zoll tief hinein und durchschneidet 4— 5 Knorpel- ringe und deren Zwischentheile gerade in der Mittellinie der vordern Fläche dieses Organs. Ist dies geschehen, so biegt man die Wundränder der Knorpelringe ein we- nig auseinander und legt eine Röhre der oben beschrie- benen Art, die jedoch am besten nicht ganz rund, son- dern an den Seiten etwas abgellacht ist, in die Oeffnung. 5) Bei der zweiten Methode wird die Haut und werden die genannten Muskeln an der vordern Seite der Luftröhre eben so getrennt wie bei a; dann aber wer- den diese Muskeln und die Haut auf jeder Seite mit einem stumpfen Haken(im Nothfall mit den Fingern) von einander gezogen und hierdurch die vordere Fläche der Luftröhre bloſsgelegt, hiernach aber das auf dersel- ben liegende Zellgewebe mittelst Pinzette und Messer rein abpräparirt. nothwendig und wird deshalb in dringenden Fällen ge- wöhnlich unterlassen; es entsteht aber dann zuweilen, wenn Theile des hier immer schlaffen und langmaschi- gen Zellgewebes sich später vor die Oeffnung legen, Endlich sticht man das gerade Bistouri flach zwischen die zwei ein unangenehmes schnarrendes Geräusch.— obersten sichtbaren Knorpelringe der Luftröhre gegen einen halben Zoll tief ein und trennt dieselben queer über die Luftröhre in der Breite von 1— 1 ¼ Zoll(bei Pferden), wendet dann die Schneide des Messers an der einen Seite nach unten und durchschneidet senkrecht zwei Knorpelringe; dann setzt man das Messer am An- fange des ersten Schnittes(des Queerschnittes) wieder ein und durchschneidet dieselben zwei Knorpelringe an dieser andern Seite ebenfalls senkrecht. Das, so von drei Seiten gelöste Knorpelstück ergreift man nun mit der Pinzette oder mit einem scharfen Haken, ziehet es etwas hervor und trennt es an seinem untern Rande von dem nächstfolgenden Knorpelringe völlig los, wodurch eine freie Oeffnung von circa 1— 1 ¼ ◻̃Zoll gebildet wird, welche der Gröſse der erweiterten Stimmritze ent- spricht. Die Letztere ist auch bei allen andern Thieren maafsgebend für die Gröfse der zu schaffenden künst- lichen Oeffnung. Dieterichs(Akiurgie a. a. 0.) weicht von der vorstehenden Beschreibung der Operation in sofern ab, als er mit dem spitzen Bistouri nur den ersten Einstich Der letztere Akt ist zwar nicht streng durch die Membran zwischen den obern beiden Knor- pelringen machen, die weitere Auslösung des Stücks aber mittelst eines in diese Einstichwunde gesetzten ge- raden Knopfbistouri's bewirken will. Dies kann ge- schehen, gewährt aber keine besondern Vortheile, 80 wie entgegengesetzt die Ausführung der Operation mit dem spitzen Bistouri auch keine Nachtheile hat, da eine hierbei etwa entstehende kleine Verletzung der Bron- chial-Schleimhaut, der Erfahrung zufolge, keine üblen Zufalle bedingt*).— E. Viborg führte die seitlichen Schnitte an den Enden ein wenig schräg gegen einan- der, wodurch die Oeffnung rundlich wurde, und manche Thierärzte machen dieselbe völlig rund, weil sie glau- ben, daſs dann die Heilung besser erfolge als bei einer viereckigen Oeffnung. Die Hrſabrune hat hierüber noch nicht entschieden. War die Tracheotomie allein zur Erleichterung des Athmens unternommen, so legt man eine der oben be- zeichneten Röhren in die Oeffuung; in Ermangelung der- selben aber kann man hier und nach der sub a. beschrie- benen Operation die Haut und Muskeln an jeder Seite der Wunde mittelst stumpfer Haken zurückziehen, welche man von starkem Drath bereitet und mit einem Bande versiehet, dessen äufseres Ende man mit dem gegenseitigen Oder man ziehet mittelst einer Wundheftnadel ein Band durch über den oberen Rand des Halses zusammenbindet. den Hautrand und die Muskeln jeder Seite, führt es über den obern Rand des Halses und bindet es mit dem Letzteres Verfahren ist je- doch, weil das Band in die Weichgebilde mehr ein- gegenseitigen zusammen. schneidet, weniger zweckmäſsig und stets uur in drin- genden Fällen als Nothhälfe für wenige neo zu be- nutzen. 1 7 Er 3192 Die— bleibt nothwendig so lange in der Luftröhre, bis das Athmen durch die natürlichen Oeffnungen wieder frei von statten geht. Um dies zu erforschen, verschlielst man, wenn die Abnahme der Krankheitszufälle hierzu auffordert, von Zeit zu Zeit die künstliche Oeffnung während einiger Minuten mittelst eines Schwammes oder auch nur mit der dicht angeleg- ten Hand.— Die Waunde wird neben der Röhre täglich ein- bis zweimal mit kaltem Wasser gereiniget, und bei heftiger Entzündung oder bei reichlicher Eiterung mit Wenn sich viel zäher Schleim oder Eiter u. s. w. in der Röhre sammelt, ist auch zu- Bleiwasser befeuchtet. weilen eine Reinigung derselben nöthig. Um das Ein- dringen von Staub u. dgl. fremden Stoffen in die Luft- röhre zu verhindern, bedeckte man ehemals die äufsere Oeffnung der Röhre mit einem Stück Flohr; diese Vor- sicht ist jedoch unnöthig, weil die etwa eingeathmeten *) Der Thierarzt Mei hat zum Ausschneiden des Luftröhrenstückes ein eigenes Tracheotom erfunden. Dasselbe ist zusammengesetzt aus einem ¾ Zoll dicken eylindrischen Stiel, an welchen 4 Lan- zetten, die an der äusseren Fläche convex geschliffen sind, kreis- förmig in gleichen Entfernungen stehen; im Mittelpunkt zwischen diesen Lanzen befindet sich ein mit Widerhaken versehener Speer, welcher das auszubohrende Knorpelstück festhält, während die Lan- zetten es herausschneiden. Das Instrument wird wie eine Trephine angewendet, ist aber ganz entbehrlich. Dieterichs(a. a. O. S. 266) bezeichnet es unrichtig als das Bauchotsche Bronchotom. Der Arzt Bauchot hatte einen kurzen, breiten Troikar erſunden(Rich- ter, Fascicul. II. observ. chirurg. p. 22). 27 — 106— Substanzen durch den starken Luftstrom beim Ausath- men bald wieder ausgestoſsen werden. Ist die Röhre entfernt, so legen die Muskeln und die Haut sich über die Oeffnung der Luftröhre und ver- wachsen gegenseitig mit einander, mehrentheils durch Granulation und bei mäſsiger Eiterung. Dies geschieht, wenn die Röhre nur während 1— 2 Tagen benutzt wor- den, in etwa 8 Tagen; nach längerem Gebrauch der Röhre sind aber die Wundränder mehr gedrückt und die Heilung erfolgt deshalb später. Die Wunde in der Luftröhre selbst heilt, wenn dieselbe in einfacher Daurch- schneidung der Knorpelringe besteht, und wenn eine Röhre gar nicht oder nur sehr kurze Zeit angewendet war, oft durch unmittelbares Zusammenwachsen der Knorpel. Um dies zu befördern, kann man die Wund- ränder jedes getrennten Knorpelringes durch ein Heft der Knopfnath vereinigen, und dasselbe 8— 10 Tage liegen lassen; und eben so kann man unter solchen Um- ständen die äuſsere Haut durch Hefte vereinigen.— Diejenigen Wunden der Luftröhre, bei welchen ein Stück der letztern fehlt, verschliefsen sich nach und nach durch eine neugebildete Haut, welche von den Rändern aus- geht, theils von zellgewebsartiger, theils von fibröser Beschaffenheit ist und gewöhnlich von der Mitte aus strahlige Falten bildet. Die bei der Operation verloren gegangenen Kuorpelstücke ersetzen sich nicht wieder. c) Bei Ausführung der Tracheotomie nach der Me- thode von Hayne läfst man den Kopf des mit einer Bremse versehenen Thieres hoch und etwas vorwärts gestreckt halten,— stellt sich vor den linken Vorder- fufs(welcher von einem starken Gehülfen aufgehoben gehalten oder mit einem Kniefessel in die Höhe gebun- den sein kann),— umfaſst mit der linken Hand unter dem Kehlkopfe die Luftröhre, um sie zu fixiren und zu- gleich die Haut zu spaunen,— setzt die Spitze des vorher mit Oel bestrichenen Tracheotoms in der Gegend des 3ten, 4ten oder 5ten Luftröhreunringes auf die Mitte der linken Seitenfläche der Luftröhre, unmittelbar am hintern Rande des Schulter- Zungenbeinmuskels, und durchsticht in horizontaler Richtung beide Seiten- wände, so dafs die Spitze des Instruments an der rech- ten Seite der Luftröhre, gerade gegenüber der Einstich- stelle, durch die Haut wieder hervordringt, und die Röhre mit ihrer mittlern Oeffnung in der Luftröhre liegt. Nun wird das Stilet entfernt und auf die Euden der Röhre werden die Stellringe, etwa einen halben Zoll weit von der Haut entfernt, angeschraubt, um das Ver- schieben und Herausfallen der Röhre zu hindern. Hiermit ist die Operation beendet. Die Luft dringt in genügender Menge durch die Röhre, macht aber bei jedesmaligem Ein- und Ausathmen ein kleines Geräusch, welches, wenn das Thier schnell laufen muſs, etwas lauter wird. Die Röhre bleibt liegen, bis das Athmen durch die obern Theile der Respirationsorgane wieder frei von statten geht. Verstopft sie sich durch zähen Schleim, so ist sie durch eine Feder leicht zu reinigen. — Soll sie entfernt werden, so schraubt man den einen Stellring ab und zieht sie dann nach der anderm Seite aus der Luftröhre heraus. Die Heilung der beiden kleinen Stichwunden erelet sehr leicht beim bloſsen Reinigen mit Wasser. Diese Methode erscheint nützlich bei Pferden und Rindern in den Fällen, wo nar ein bald vorübergehen- des Hindernifs im Athmen besteht; wogegen die erste Methode in allen Fallen, selbst zur Beseitigung von Po- lypen, anwendbar ist; die zweite Methode aber beson- ders bei chronischen Störungen, wenn die Röhre lange liegen bleiben soll, den V orzug verdient. §. 56. Ueble Zufaälle ereignen sich bei der Operation der Tracheotomie nur selten. Bei dem Luftröbrenschnitt, besonders wenn er in der Nähe des Kehlkopfes gemacht- wird, entstehen zuweilen arterielle Blutungen aus Sei- tenzweigen der Carotis, die man durch Zudrehen oder durch Unterbinden sogleich stillt, damit nicht das Blut in die Luftröhre dringe; es verursacht in derselben ein röchelndes Geräusch, wird aber bald wieder herausge- stofsen, ohne daſs andere Zufälle entstehen. Zuweilen bildet sich sowohl nach dem Luftröhrenschnitt wie auch nach dem Luftröhrenstich ein Emphysem in der Umge- gend der Operationsstelle, wenn die künstliche Röbre fehlt, oder wenn sich Zellgewebe, oder die Muskeln und die Haut vor die Oeffuung legen. Dieser Zufall ist, selbst bei grofser Ausdehnung der Geschwulst, mit keiner Gefahr verbunden und durch Beseitigung der Ur- sachen und mittelst kleiner Einstiche durch die Haut zu beseitigen.— Als zurückbleibende üble Folge der Operation findet sich nicht ganz selten eine Verengerung 3 der Luftröhre, besonders wenn ein Stäck aus letzterer entfernt worden ist. Diese Verengerung entsteht theils dadurch, daſs die freien Enden der durchschnittenen Knorpelringe sich nach Innen umbiegen, theils auch durch üppige Granulation und zu dicke Narben, durch Ver- dickung der Luftröhrenschleimhaut, oder auch durch trau- benähnliche Auswüchse aus desrelben an der verletaten Stelle. In allen solchen Fällen ist nach dem Heilen der Operationswunde das Athmen dauernd sehr erschwert (Pferde bleiben hartschnaufig), weshalb man mehren- theils genöthiget ist, die Tracheotomie unter der ersten Stelle zu wiederholen und in der Oeffnung aastzadig eine Rühre zu erhalten. — 107— 4 XXI. Die Applikation des Schlund- Catheters,— die Entfernung fremder Körper aus dem Schlunde und— der Schlundschnitt. §. 57. 4. Wenn der Magen der Pferde oder der erste Magen der Wiederkäuer durch Gasarten in einem ge- fahrdrohenden Grade ausgedehnt ist, kann man den Sechlund-Catheter, eine hohle biegsame glatte Röhre*), welche der Länge und Weite des Schlundes eines Thie- res entspricht, durch den Schlund in den Magen führen, um durch sie die Gase zu entleeren. Man schreitet zu diesem Verfahren gewohalich erst, nachdem pharmazeutische und andere Hülfsmittel frucht- los angewendet sind, und mehrentheils ziehet man ihm die Amwendung des Troikars vor, weil derselbe viel wohlfeiler zu erwerben, viel bequemer mit sich zu füh- ren und auch leichter und schneller zu appliziren ist als die Röhre. Leiztere gewährt jedoch den Vorzug, daſs sie keine Verwundung macht und somit auch die, zu- weilen eintretenden üblen Folgen derselben bei ihr ver- mieden werden.. Die Anwendung des Schlund-Catheters ist bei dem Rindvieh leichter zu bewirken als bei Pferden, weil man bei jenen den Kopf und Hals durch Vorwärtsstrek- ken fast in eine gerade Richtung mit dem Körper brin- gen kann und weil die Maulhöhle etwas kürzer und breiter ist,— was die Einleitung des Instruments in den Schlundkopf sehr erleichtert. 89 Bei der Anwendung können die Thiere stehen oder liegen. Man läſst ihnen von Gehülfen den Kopf und Hals möglichst gerade vorwärts strecken und diese Theile mit dem Körper parallel gerichtet halten, und in das Maul legt man ihnen ein Maulgatter oder einen 3 Zoll dicken, in der Mitte mit einem Loch zum Durchführen der Röbre versehenen hölzernen Knebel. Dann ziehet man ihre Zunge nach der einen Seite aus dem Maule hervor, bringt das vordere Ende des mit Oel, Fett oder Schleim bestrichenen Instruments in das Maul, über die Zunge in die Rachenhöhle und schiebt es in den Schlund- kopf, und so allmälig immer tiefer bis in den Magen. Um einen Anhaltspunkt hinsichtlich der einzuführenden Länge des Instruments zu haben, kann man vorher die Länge des Kopfes, des Halses und der Brust bis zum Anfange der falschen Rippen messen und sich diese Länge am Instrument bezeichnen.— Gewöhnlich findet man beim Vorwärtsschieben der Röhre im Schlunde an dem Zwerchfell etwas mehr Widerstand als vorher, nachdem man aber denselben überwunden, gleitet das Instrument leichter vorwärts,— was als Zeichen des Eindringens in den Magen zu betrachten ist. Man zie- het nun die Sonde aus der Röhre, läfst das Gas aus- strömen, und sollte dies aufhören, während der Leib *) Man nennt dieselbe auch„Patent-Schlundröhre“ oder nach ih- rem Erfinder die„Monrosche Röhre“. Sie besteht im Innern aus einem Spiraldrath mit Leder bekleidet, äusserlich aus einer Schicht Fischhein oder feinem Bambusrohr, ist am vordern Ende mit einem abgerundeten Knopf von Bein oder Horn und am hintern Ende mit einem trichterähnlichen Knopf versehen; in der Röhre liegt eine noch etwas längere Sonde von Fischbein. Für Pferde und Rindvieh ist sie gegen 5— 6 Fuss lang und 1 Zoll dick, für Schaafe 3 Fuss lang und Zoll dick.(Brosche, über die Trommelsucht des Rind- und Schafriehes, hinsichtlich der Versuche der Entleerung der Gasart mittelst der elastischen Röhre. Wien 1828. noch stark aufgeblähet bleibt, so führt man die Sonde wieder in die Röhre ein, um die etwa in dieselbe ge- drungenen Futterstoffe wegzuschaffen und sie wieder frei zu machen. Man kann die Röhre ohne grofse Un- bequemlichkeit der Thiere 15— 20 Minuten liegen las- sen, bis der Zweck erreicht ist; sie muſs aber hierbei an ihrem, aus dem Maule hervorragenden Ende von einem Gehülfen stets in der Mitte des Maulgatters ge- halten werden, damit sie nicht zwischen die Backen- zähne geräth und zerbissen werde*). §. 58. . Fremde Körper der verschiedensten Art und Beschaffenheit bleiben zuweilen im Schlunde sitzen und erzeugen durch Druck auf die umgebenden Theile oder durch Verletzung derselben, Störung oder Hinderung im Schlingen und Athmen und mehrerlei andere üble Zu- fälle, selbst Lebensgefahr, und müssen deshalb durch Kunsthülfe entfernt werden. Dies ereiguet sich bei den groſsen und kleinen 1 Saaesahleren. am häufigsten aber bei dem Rindvieh. Die Stelle, wo der fremde Kör- per sitzt, kanu nahe der Rachenhöhle, oder tiefer in dem Halstheile, oder in dem Brusttheile des Schlundes sein. Die Erkennung des Vorhandenseins und des spe- ziellen Sitzes eines fremden Körpers im Schlunde be- ruhet oft auf den eigenthümlichen Symptomen, und auf den vorausgegangenen Umständen, in manchen Fäl- len ist sie aber nur durch eine innere Untersuchung des Schlundes vermittelst einer, gehörig langen, biegsamen Sonde zu erlangen**. Die hier zu leistende Kunsthilfe kann nach dem ver- schiedenen Sitz des Körpers, so wie nach der Gröſse, der Consistenz, nach der Beschaffenheit seiner Oberflä- che, nach seiner Beweglichkeit oder seinem Festsitzen, und nach den örtlichen Kraukheitszufällen sehr verschie- den sein; indem man 1) den fremden Körper durch das Maul hervorholt; 2) ihn tiefer in den Schlund uid in den Magen hin- eindrängt; 3) ihn zerdräckt, wenn er zerbrechlich oder wenig hart ist und sich in der Halsportion des Oeso- phagus befindet;— oder endlich, 4) ihn vermittelst des Schlundschnittes durch eine kKiünstlich gemachte Oeffnung herausnimmt. Wo durch den Drack des Körpers auf den Kehl- kopf oder auf die Luftröhre Erstickungsgefahr entstan- den und die Entfernung des Körpers nicht augenblick- lich zu bewirken ist, muſs zuerst die Tracheotomie ge- macht werden. *) In Ermangelung einer kunstmässig gearbeiteten Röhre kann man auch, nach dem Vorgange von E. Viborg, Frenzel u. A.(Vi- borg, Samml. Bd. I. S. 89) einen glatten, zähen Weidenstab, einen Fischbeinstab oder ein dünnes Bambusrohr, am vordern Ende mit etwas Werg umwickelt und mit einem langen Bindfaden ver- sehen, welcher letztere mit dem freien Ende in der Hand gehalten bleibt, ganz auf dieselbe Art wie die Röhre einführen und durch Oeffnung des Magenmunds die Luft entleeren. *) Hertwig, Einige Bemerkungen über fremde Körper im Schlunde und ein neues Instrument zum Herausziehen derselben. Mit Abbild. Im Magaz. f. d. gesammte Thierheilk. Bd. 2. S. 114. — 108 Die sub No. 1. bezeichnete Art der Hülfe ist, wenn sie geräth, hinsichtlich der weitern Folgen die beste, weil sie die Sicherheit gewährt, per wirklich entfernt worden ist. Sie ist etwas modi- fizirt, je nach dem Sitze des Körpers am Anfange des Schlundes oder tiefer in demselben. lälst man den groſsen Thieren die Kiefer durch ein dafs der fremde Kör- Im erstern Falle Maulgatter, den kleinen aber durch Bandschleifen, wel- che hinter den Schneidezähnen angelegt werden, so weit als möglich auseinander halten,— zZiehet die Zunge nach der rechten Seite hervor,— geht mit der rechten Hand oder mit einer in derselben gehaltenen Schmiede- feuerzange(bei kleinen Thieren mit einer Drathzange,) in die Rachenhöhle und sucht den im Schlundkopfe be- findlichen Körper zu erfassen und hervorzuziehen. Wäh- rend dies geschieht, kann ein Gehülfe äufserlich an den Seiten des Halses von unten her gegen den fremden Körper drücken, um ihn der Rachenhöhle näher zu brin- gen oder wenigstens ihn zu fixiren. Befindet sich aber der fremde Karper tieler, in dem Hals- oder Brusttheil des Schlundes, so kann er nur vermittelst sogenannter Schlundhaken oder vermittelst einer besonderen Schlundzange herausgezogen werden. Erstere sind von starkem, doppeltem Drath gemacht, für Pferde gegen 5 Fuſs lang, an dem einen Ende 1 Zoll lang im spitzen Winkel als Haken umgebogen, — für kleinere Thiere in entsprechender Gröſse. Man benutzt sie wenig, weil ihre Anwendung nicht ganz ohne Gefahr ist, indem bei dem Zurückziehen des In- struments der Haken die Häute des Schlundes verletzen kann.— Die Schlundzange ist von dem Thierarzt Del- vos erfunden. Sie besteht aus einem(für groſse Thiere) 4 Fuſs 8 Zoll langen, ¾ Zoll dicken Bambusrohr, wel- ches seiner Länge nach durchbohrt und am vordern Ende mit einer, aus zwei löffelartigen Stücken bestehenden Zange versehen, die mit einem durch das Rohr gehen- den, am Ende gabelförmigen Drath beweglich verbunden sind. Am hintern Ende des Rohrs befindet sich ein Handgriff, der sich in einer, in einer metallenen Kapsel befindlichen Schraube um die Achse des Rohrs dreht, und mit dem hintern Ende jenes Drathes verbunden ist. Durch das Drehen des Handgriffes kann der Drath vor- wärts oder zurückbewegt und hierdurch die Zange geöff- net oder geschlossen werden.— Zur Applikation dieser Instrumente muſs den Thieren das Maul durch das Maul- gatter geöffnet, die Zunge hervorgezogen, und der Kopf und Hals möglichst gerade nach vorn gestreckt sein, worauf man das mit Oel oder Fett bestrichene Instru- ment über den Grund der Zunge u. s. w. in den Schlund bis an den fremden Körper führt, hier die Zange öffnet, sie dann ihre Blätter über den fremden Körper schiebt, Bei Pferden ist es zuweilen nicht möglich, das Instrument durch das schliefst und den letztern hervorziehet. Maul in den Schlund zu bringen, und man ist dann ge- nötbiget, den Schlundschnitt zu machen, um es durch die künstliche Oeffnung einzuführen. Das Hinunterstofsen eines im Schlunde befindlichen Körpers kann nur dann empfohlen werden, wenn der- selbe eine glatte Oberfläche besitzt und wenn noch keine Entzündung, Ulzeration oder brandige Zerstörung in den — Schlundwänden eingetreten ist. Im geeigneten Falle gieſst man zuerst Schleim oder fettes Oel(welche sehr zweckmäſsig mit etwas Belladonna-Extrakt versetzt sein können) in den Schlund,— legt den Thieren das Maul- gatter an,— giebt ihrem Halse und Kopfe eine mög- lichst vorwärts gestreckte gerade Richtung und führt ein biegsames, gehörig langes und mit einem Knopf verse- henes Instrument durch die Maul- und Rachenhöhle in den Schlund ein. Dieses Instrument kann der im§. 57. beschriebene Schlund-Catheter, oder ein sogenannter „Schlundstopfer“, z. B. für Rindvieh, ein 5 Fufs langes, 1 Zoll dickes, derb gedrehetes Tau, oder: ein Fisch- beinstab mit einem festgebundenen Knopf von Werg, ein spanisches Rohr, oder im Nothfalle auch eine zähe Wei- Wenn das Instrument bis an den frem- sucht man denselben durch denruthe sein. den Körper gebracht ist, ruckweis verstärktes Andrängen und Stoſsen allmälig Daſs Letzte- res gelungen sei, erkennt man aus dem gänzlich aufge- tiefer und bis in den Magen zu schieben. hobenen Widerstande, aus der Länge, in welcher das Instrument eingeführt ist, und aus dem augenblicklichen Nachlassen der bisherigen Krankheitszufälle. Das Zerkleinern eines fremden Körpers kann nur unter den, im Vorhergehenden sub 3 bezeichneten Be- dingungen geschehen und ist an rohen Eiern, an ge- kochten Kartoffeln u. dgl. ausgeführt worden. Man be- wirkt es, indem man an der Stelle des Halses, wo diese Gegenstände eine Hervorragung bilden oder zu fühlen sind, von beiden Seiten mit den Ballen der Hände kräf- tig, und ruckweis stärker, gegen den Schlund dräckt, bis man ein Nachgeben der Masse und das Verschwin- den der Geschwulst bemerkt. Das hin und wieder em- pfohlene Zerschlagen der Körper zwischen zwei, gegen sie gesetzten Holzstücken mittelst eines Hammers, er- scheint wegen der damit verbundenen Onetsnhungen nicht als zweckmäſsig. §. 59. C. Der Schlundsehmitt(Oerotehkom ehel be- steht in einer, durch schneidende Instrumente bewirkten Oeffnung des Schlundes für den Zweck: a) um fremde Körper zu entfernen, oder— 5) um Nahrungs- und Arzneimittel in den Schlund zu bringen, oder auch— c) um die Schlundzange(siehe§. 58.) einzuführen, wenn dies durch das Maul nicht geschehen kann. Für den erstern Zweck ist die Operation immer nöthig, wenn ein fremder Körper in der Halsportion des Schlundes festsitzt und durch andere Hilfsmittel nicht entfernt werden kann; sie ist hierbei selbst dann noch angezeigt, wenn in den Schlundwänden schon Eiterung entstanden sein sollte, da auf andere Weise keine Hilfe geleistet werden kann,— obgleich ihr Erfolg unter die- sen Umständen zweifelhaft erscheint.— Für den zwei- ten Zweck ist die Operation von Huzard d. V. bei der Apoplexie empfohlen, wenn die Thiere wegen Be- wuſstlosigkeit nicht schlucken können*), häufiger ist sie aber in bösartigen Fällen beim Trismus angewendet worden, jedoch ohne günstige Erfolge. 4 ℳ: 4) Iustructions vétérin. T. V.(1791.) S. 165. les Halses, wo dese den oder au füla len der Hände kri- den Schland drüebt hin und wieder ex. rischen zwei, gegn eines Hammets, dr. — 109,— Die Oesophagotomie scheint erst seit Errichtung der Thierarzneischulen in die Thierheilkunst aufgenommen zu sein, da sie vor jener Epoche nirgends erwähnt ist. Vitet ¹) räth sie nur als Versuch an, aber Huzard spricht von ihr, jedoch ohne nähere Angabe, wie von einer bekannten Sache; Tscheulin macht die erste Mittheilung eines gelungenen Falles*); Pilger*) und nach dessen Angabe Schreger*) und Spohr ⁵) be- schreiben sie kurz, Dieterichs aber recht vollständig ⁶). §. 60. Die zur Operation erforderlichen Geräthschaften sind: eine Scheere, ein geballtes Bistouri, ein Knopfbistouri, eine Pinzette, zwei stumpfe Haken, feine und stärkere Heſftnadeln, gewächste Fäden, Wasser und Schwamm. Groſse Thiere können stehend oder liegend operirt werden, wie es ihr Benehmen und die übrigen vorhan- denen Umstände räthlich machen; kleine Thiere legt man auf einen Tisch. 1 Die Operationsstelle ist in der Regel an der linken Seite des Halses, in der sogenannten Halsrinne und ge- rade da, wo der fremde Körper sich durch eine Erha- benheit bemerklich macht, oder, wenn eine solche nicht besteht, da, wo man ihn mit der Schlundsonde im Schlunde gefunden und hiernach durch das Anlegen derselben äufserlich am Kopfe und Halse, vom Maule anfangend, seinen Sitz bezeichnen kann. Es sind einzelue Fälle vorgekommen, wo die durch den fremden Körper ver- ursachte Hervorragung an der rechten Seite des Halses bestand und wo man deshalb auch die Operation an die- ser Seite ausgeführt hat. Für die Einführung von Nah- rungsmitteln u. dergl. wird der Schlundschnitt stets an der linken Seite des Halses und am besten unter dessen Mitte gemacht, weil hier der Schlund am meisten nach aufsen liegt, und unter dem Halshautmuskel nur von der Drosselvene, der Carotis und dem Nervus vagus und vympathicus bedeckt ist; während er an dem obern Ende des Halses mehr hiuter der Luftröhre liegt, an der Mitte desselben aber aufser jenen Theilen noch der Schulter- Zungenbeinmuskel in einer schrägen Richtung über ihn läuft. §. 61. Man beginnt die Operation mit dem Abscheeren und Eutfernen der Haare an der betreffenden Stelle. Hier- auf durchschneidet man gerade auf der, durch den frem- den Körper erzeugten Hervorragung, und hinter(über) der Drosselvene die Haut nebst dem Halshautmuskel in der Längenrichtung des Schlundes, und zwar, bei Pfer- den und Rindern gegen 3— 5 Zoll, bei Hunden 1 ¼ bis 3 Zoll lang, je nach dem Umfange des fremden Kör- pers. Die Wundränder läfst man durch stumpfe Haken aus einander halten, trennt das zwischen der Drossel- vene und dem gemeinschaftlichen Muskel befindliche Zell- gewebe, ziehet die Vene nach vorn, fühlt dann in der *) Unterricht in der Vieharzneikunst. A. d. Franz. von Henne- mann. 2ten Theils 2ter Band.(1785.). S. 299. ²) Zeitung f. Pferdezucht von Tenneker. Bd. 2. Heft 4. ¹) Systemat. Handb. Bd. 2. Abth. 4.(1803.) S. 1550. 8) Operationslehre für Thierärzte. S. 171. ²¹) Veterin. Handbuch. 5ter Band.(1809.) S. 66. ³) Chirurgie und Akiurgie, a. a. O. Wande nach der Carotis, und durchschneidet unmittel- bar über(hinter) derselben das Zellgewebe mit vorsich- tigen Schnitten, bis man hinter diese Arterie gelangt ist und den Schlund selbst, oder doch die Luftröhre fühlt und wohl auch siehet. Die etwa hierbei verletzten klei- nen Seitenzweige der Carotis drehet man zu oder un- terbindet sie, was jedoch selten nöthig ist. Die Arterie wird dann, wie die Vene, mit dem stumpfen Haken nach vorn gezogen. Der Schlund drängt sich nun mit dem aufgetriebenen Theile in die Wunde, und kann mit den Fingerspitzen der liuken Hand ergriffen und noch etwas mehr hervorgezogen werden. Auch kann man den Schlund dadurch mehr an die Oberfläche der Wande brin- gen, dals ein Gehülfe seine Hand an die andere Seite des Halses, der 0 perationsstelle gegenüber anlegt und die Weich- gebilde gegen die Wunde drängt. Ist dies geschehen, so öffnet man ihn, indem man entweder mit dem geballten Bistouri seine beiden Häute in der Längenrichtung, ge- rade auf dem fremden Körper so weit durchschneidet, als zu dessen Herausbeförderung nöthig ist,— oder in- dem man mit einem spitzen Messer einen Einstich durch beide Häute bis in die Schlundhöhle macht und densel- ben mit einem in diese Oeffnung eingeführten Knopf- Bistouri so viel erweitert, daſs der fremde Körper ohne grofse Zerrung der Wundränder herausgenommen wer- den kann. Letzteres Verfahren ist mehr umständlich, gewährt aber mehr gleiche Wundränder als das Erstere. Der fremde Körper drängt sich, besonders wenn er rundlich und nicht sehr uneben ist, bei und nach ge- machter Oeffnung im Schlunde, mehrentheils von selbst hervor; geschieht dies nicht, so läſst man, nach der ganz richtigen Bemerkung von Schellhase*⁴), zu- nächst den Gegendruck aufheben, welcher bis dahin durch einen Gehälfen an der andern Seite des Halses gemacht wurde, weil bei dem Fortbestehen dieses Ge- gendruckes der Schlund gespannt, dadurch der fremde Körper in ihm festgehalten und seine Entfernung er- schwert wird. Hierauf bewirkt man die Letztere ent- weder durch gelindes Drücken und Streichen mit den Fingern an den Seiten des Schlundes von den Enden der Wunde nach der Mitte derselben,— oder durch Einführen eines Fingers in die Wunde unter den frem- den Körper und Hervorheben desselben,— oder durch dessen Ergreifen und Hervorziehen mittelst der Pinzette oder der Kornzange. Ersteres Verfahren ist nur bei glatten und rundlichen Körpern anwendbar; das Letz- tere aber ist nothwendig, wenn dieselben rauh oder mit Spitzen versehen sind. §. 62. Die Ausführung des Schlundschnittes in Fällen, wo keine Erhöhung im Verlaufe des Schlundes besteht, ist etwas schwieriger und von dem vorstehend beschriebe- nen Verfahren etwas abweichend. Man bildet hier an der Operationsstelle eine queer über die Drosselvene gehende Falte der Haut und durchschneidet dieselbe und den Hautmuskel zwischen der Drosselvene und dem un- teren Rande des gemeinschaftlichen Muskels, bei Pfer- den 3— 4 Zoll, bei Hunden 1 ¼— 2 Zoll lang,— trennt *) Veterinär-literar. Exkursionen. istes Heft. S. 201. 28 — no dann diesen Muskel eben so lang von dem Brustkinn- backenmuskel, ziehet letztern und die Vene nach unten (vorn), durchschneidet vorsichtig die äuſsern Schichten des Zellgewebes zwischen diesen Theilen, aber die tie- feren Schichten desselben in der Nähe der Carotis sucht man mit den Fingerspitzen zu trennen, bis man an und hinter diese Arterie gekommen ist, wo man den Schlund in dem hier sehr schlaffen Zellgewebe zum Theil hinter und neben der Luftröhre fühlen kann. Dieser wird dann mit den Fingern hervorgezogen und mittelst einer queer unter ihm durchgesteckten dicken Sonde an der Ober- fläche erhalten, um ihn leichter öffnen zu können. Man durchschneidet nun mit einem geballten Bistouri vorsich- tig die beiden Häute gegen 1 Zoll lang, und führt in die Höhle des Schlundes eine Schlundsonde, eine elasti- sche Röhre( am besten einen Haruröhren- Catheter), oder einen Trichter u. dgl. je nach dem Zweck der Ope- ration. Ist Letzterer die künstliche Ernährung des Thie- res während einiger Zeit, so läſst man die Röhre oder den Trichter im Schlunde liegen und befestiget das aus der Wunde hervorstehende Ende an die Mähnen oder an ein umgelegtes Halsband. Sowohl hier wie auch nach der Oesophagotomie wegen fremder Körper hat man immer als sehr wich- tig darauf zu sehen, daſs unter der Schlundwunde der Schlund von den umgebenden Theilen nicht getrennt werde, und dafs der untere Wundwinkel vom Schlunde bis zur Haut eine schräge heruntergehende Fläche dar- stellt, damit keine Einsenkungen von Flüssigkeiten ne- ben dem Schlunde in dem lockern Zellgewebe entstehen. 41§. 63. Nach Entfernung des fremden Körpers oder nach Erreichung anderweitiger Zwecke kann man die Schlund- wunde heften, um ihre Heilung auf dem Wege der schnellen Vereinigung zu vermitteln. Das Heſten ist zwar nicht absolut nöthig, da viele Schlundwunden auch ohne dasselbe sehr gut geheilt sind; aber bei mehr als à Zoll langen Wunden ist es doch stets nützlich. Man legt einzelne Hefte der Knopfnath in der Entfernung von je einem halben Zoll an. Die Hefte müssen aus dop- pelten, gut gewächsten Fäden bestehen, und an jedem Ende mit einer Nadel versehen sein, um letztere an bei- den Waundrändern von innen nach aufsen durch beide Häute, 2 Linien vom Rande entfernt, führen zu können. Die innere Haut mufs hierzu gewöhnlich mit der Pin- zette etwas hervorgezogen werden, weil sie sich hinter den Wundrand der Muskelhaut zurückziehet. Die En- den der Heftfäden bindet man nicht in feste Knoten, sondern man drehet sie blos bis an den Schlund zusam- men, um sie leicht wieder entfernen zu können*). Hierauf schiebt man sanft den Schlund in seine normale Lage, führt die zusammengedreheten Enden der sämmt- lichen Hefte in den untern Wundwinkel, reiniget die Wunde, drückt die Wundränder gelind gegen einander und bedeckt die Wunde oberflächlich mit lockerem Werg. Eben so verfährt man, wenn die Schlundwunde nicht geheftet ist.— Pilger(Systemat. Handb.) liefs die Schlundwunde mit Longuetten(mehrfach zusammengeleg- ten Leinwandstreifen) bedecken und diese durch eine um den Hals gelegte Zirkelbinde befestigen,— was aber nach seiner eigenen Angabe nur unvollkommen ge- lang.— Straufs(Systemat. Handb. der Veter.-Chi- rurgie, 2r Th. S. 141) empfichlt hierzu die Zapfennath. Der erste Verband bleibt 3— 4 Tage unverändert liegen, worauf das Werg durch lauwarmes Wasser er- weicht und entfernt wird; die Heftfäden, nachdem sie gleichfalls mit lauwarmem Wasser befeuchtet sind, wer- den aufgedrehet, das eine Ende derselben wird nahe am Schlunde abgeschnitten und das andere hiernach um so leichter herausgezogen. Das fernere Verbinden kann bloſs mit lockerem Werg geschehen. Sehr wichtig ist das diätetische Verhalten. Man giebt in den ersten 12 Stunden den Thieren weder Nahrung noch Getränk, dann aber nur flüssige Nahrungsmittel in kleinen Quan- titäten auf Einmal, und dies so lange, bis die Schlund- wunde vollständig geschlossen ist. Man kann dies als geschehen betrachten, wenn seit 2 Tagen bei dem Trin- ken des Thieres keine Spur von Flüssigkeit aus der Wunde mehr hervorquillt. Die Thiere können dann grö- fsere Quantitäten Flässigkeiten, aber feste Nahrungs- mittel erst nach vollständiger Heilung der äuſsern Wunde erhalten. Diese erfolgt, je nach der Gröſse der Wunde, bei Pferden in etwa 14— 20 Tagen, bei Rindvieh oft schneller, und bei Hunden gewöhnlich schon nach 8 Ta- gen.— Sollte die Schlundwunde an einer Stelle nicht heilen wollen, so ist dieselbe mit Argentum nitricum fusum zu bestreichen. Die übrigen, etwa eintretenden Zufälle werden nach allgemeinen Regeln behandelt. 2) Nach Schellhase, a. a. O. tst diese Vorschrift Ton dem jetzi- gen Déepartements-Thierarzt Hildebrandt ausgegangen. XXII. Der Brustslich. Punelio s. Paracentesis thoracis. §. 64. 3 Diese Operation besteht in dem Durchstechen der Brustwandungen vermittelst eines Troikars, oder eines Messers. Der Zweck ist die Ausleerung von abnorm angehäuften Flüssigkeiten, namentlich von Serum, von Blut und von Eiter, theils um Erstickungsgefahr zu beseitigen, theils auch um Zeit für die Anwendung und Wirkung therapeutischer Heilmittel zu gewinnen, und auch um diese Wirkung zu unterstützen. 8 Die Operation erscheint demnach angezeigt: 1) bei Brustwassersucht, wenn durch übermäſsige Anhäufung von ausgeschwitztem Serum das Athmen im höchsten Grade erschwert, und pumpend geschieht;— 2) eben so bei Blutungen in die Brusthöhle, unter denselben Er- scheinungen; und— 3) bei innern Brustgeschwüren (Empyemen), wenn dieselben unmittelbar an der Brust- wand liegen und sowohl hinsichtlich ihres Bestehens überhaupt, wie auch hinsichtlich des Sitzes genau er- kannt sind. 1 Die zuerst genannte Krankheit tritt bei den Haus- thieren höchst selten selbstständig auf, sondern fast im- mer als Folge einer Entzündung der Pleura, welche gewöhnlich in einem bald höhern bald mindern Grade neben der Wasserergieſsung fortbesteht und dieselbe —— eel in Kleinen ur- ge, bis die Sellmi. Man kann dis db Tagen bei den Tyr. Flissigbeit us unterhält. Daher ist die Operation hier selten mit einem guten Erfolge begleitet und für sich allein niemals das wirkliche Heilmittel; aber sie kann bei einem hohen Grade der Wassersucht die unfehlbar eintretende Erstik- kungsgefahr abwenden und dadurch das Thier bis zur Wirkung der anderweitigen Heilmittel erhalten. Und ge- wiſs würde sie selbst noch mehr nützen, wenn man sie nicht meistens als letztes Mittel bei schon zu sehr er- schöpſten Kräften und bei schon drohender Todesgefahr in Anwendung brächte. Gegen die plastischen Ausschwi- tzungen in der Brusthöhle leistet die Operation nichts.— Bei den sub 2 erwähnten Blutungen glaubte man in frü- herer Zeit durch die Ausleerung des ergossenen Blutes viel zu nutzen und hielt deshalb die Operation oſt für nöthig; ich bin jedoch durch Beobachtungen und Ver- suche überzeugt: dafs eine mälsige Quantität Blutes in der Brusthöhle nicht schadet, dafs es vielmehr durch Bildung eines Thrombus an den verletzten Gefäfsen zur Stillung der Blutung beiträgt und deshalb nicht ausge- leert werden darſ. Später wird es durch Resorption fast gänzlich wieder beseitiget. Die Paracentese ist da- her bei Blutungen nur da nôthig, wo Erstickungszufälle drohen.— Bei Empyemen wird man die Operation wohl nur in den seltenen Fällen unternehmen, wo sich nach vorausgegangener Pneumonie oder Pleuritis die Eiter- höhle durch eine, in der Tiefe fluktuirende, Anschwel- lung an den Rippenwänden kund giebt, oder wo Eiter- ausflufs in Menge aus der Nase statt findet und die Aus- kultation und Perkussion das Eitergeschwür unmittelbar an der innern Fläche einer Brustwand erkennen oder sicher vermuthen lassen. 14. S. 65. Der Bruststich wird am stehenden Thiere unternom- men, welches zu diesem Zwecke blos gebremset und von Gehülfen gehalten wird. Bei empfindlichen Pferden gebietet die Vorsicht, den Vorderfuſs an der Seite, wo man operirt, aufgehoben halten zu lassen oder mit einem Kniefessel zu versehen. 8 eul. Die Operationsstelle kann bei mit Brustwassersucht behafteten Thieren entweder an der Seite der Brust- wände oder an der untern Fläche der Brust sein. Als erstere Stelle wählt man bei Pferden den Zwischenraum zwischen der 5ten und 6ten, oder 6ten und 7ten, oder 7ten oder Sten Rippe von vorn her gezählt, oder zwi- schen der 10ten bis 13ten von hinten her gezählt(bei Wiederkäuern zwischen der 6ten bis 9ten,— bei Schwei- nen zwischen der 7ten und 9ten, und bei Hunden und Katzen zwischen der 5ten und 9ten Rippe, sämmtlich von hinten her gezählt), und zwar entweder unmittel- bar unter oder über der Sporader, oder in der Gegend, wo die Rippen sich mit ihren Knorpeln verbinden.— Die zweite Operationsstelle ist zwischen dem Schaufel- knorpel der Brust und dem Knorpel der letzten Brust- rippe. Man kommt aber hierbei nicht direkt in die Brust- höhle, sondern zunächst in das vorderste Ende der Bauch- höhle und mufs erst die untersten Fasern des Zwerch- fells durchbohren oder mit dem Finger wegdrängen, ehe man in jene Höhle gelangt. Erstere Stelle ist die beste, weil man an ihr bequem, sicher und ohne wichtige Neben- verletzungen die Brusthöhle öffnet und die Entleerung m— genügend bewirkt, während an der zweiten Stelle die Operation schwieriger auszuführen und wegen sehr leicht entstehender Verletzung der innern Brustvene oder de- ren Aeste auch gefährlicher ist. Es soll zwar hier eine gründlichere Entleerung der Flüssigkeit erlangt werden, weil die Oeffnung an die niedrigste Stelle der Brust- höhle trifft; dies ist jedoch nicht sehr wichtig, weil sich nach verbundener oder von selbst geschlossener Oeffnung sehr bald wieder etwas Flüssigkeit in der Brusthöhle ansammelt; ja, die gründliche Ausleerung aller Flüssig- keit mit einem Male erscheint sogar nicht nützlich, weil hiernach der Druck, welcher bisher von der Flüssigkeit auf die Brusteingeweide statt fand, plötzlich aufhört und in Folge dessen Ueberfüllung der passiven Gefäſse, Schlagflufs und der Tod entstehen können,— wie Bei- spiele dies gezeigt haben. §S. 66. Der zum Braststich dienende Troikar kann für Pferde und Rinder derselbe sein, welcher bei letzteren Thieren zum Pausenstich dient. Er besteht aus einem Stilet und einer, auf dasselbe genau passenden Röhre. Ersteres ist 5— 6 Zoll lang, 2 ½ Linien dick, cylinde- risch, mit dreiseitig zugeschliffener Spitze, am hintern Ende mit einem 2 ½ Zoll langen, hölzernen Handgriff versehen. Die Röhre ist von Messing, 8 Linien kürzer als das Stilet(so dafs die Spitze über das vordere Ende der Röhre frei hervorsteht), der Rand des vordern En- des ist scharf; das hintere Ende hat ein 8 Linien brei- tes Queerblatt, der Körper mehrere kleine Seitenöffnun- gen. Damit die Röbre recht genau an das Stilet an- schliefse, macht man jetzt das letztere vor dem Ueber- gange in die Spitze ein wenig dicker als den unmit- telbar hiernach folgenden Theil, so dafs die Röhre gleichsam hinter einem Absatze liegt; und damit dieser dickere Theil durch die Röhre geführt werden könne, wird ihr vorderes Ende an zwei gegenüberstehenden Stellen mit 6 Linien langen Spalten versehen, durch welche sie daselbst eine elastische Nachgiebigkeit er- hält. Da die Brustwände, je nach dem Ernährungszu- stande der Thiere, gewöhnlich nur gegen 1 bis 2 ½ Zoll dick sind, ist die ganze Länge dieses Troikars für die in Rede stehende Operation zu grofs; aber man kann die nöthige Länge des Instruments bei dem Einstechen leicht begränzen, indem man entweder den Zeigeſinger an der Röhre des Instruments so weit vorgestreckt hält, wie es eben eindringen soll, oder, indem man dieselbe vom hintern Ende her eben so weit mit Bindfaden be- wickelt. Bei kleineren Thieren kann man den zum Pansen- stich bei Schafen bestimmten Troikar, welcher etwa 3 Zoll lang und mit der Röhre 2 ¼ Linien dick ist, benutzen. 1 Will man mit dem Messer operiren, so kann jedes gerade, mit einer guten Spitze versehene Bistouri hier- zu dienen. Der Troikar ist jedoch aus doppelten Grün- den dem Messer vorzuziehen, nämlich: weil er weniger Gefäfse verletzt, und weil die rundliche Wunde von ihm sich nach Entfernung der Röhre, vermöge der Contrak- tilität der Haut, vollständiger verschlieſst, so daſs das Eindringen der äufsern Luft und die üblen Folgen von 28*¾ — — 112 der Einwirkung der letztern mehr verhütet werden. Aus diesem Grunde ist es fehlerhaft, vor der Anwendung des Troikars die Haut mit dem Messer zu spalten, wie z. B. Dieterichs dies vorschreibt CAigie,5 S. 297) §. 67. Die Ausführung des Bruststichs ist sehr einfach. Nachdem an der Operationsstelle die Haare auf einer Fläche von etwa einem Quadratzoll abgeschoren sind und das Thier gehörig gehalten ist, nimmt man den Handgriff des mit Fett oder einem milden Oel bestriche- nen Troikars in die hohle Hand, so, daſs die Röhre mit den Fingern parallel liegt; den Zeigefinger lege man (wie im vorigen§. gesagt) ausgestreckt mit seiner Spitze auf den Punkt der Röhre, bis zu welchem das Instrument eindringen soll; Queerblatt der Röhre, die drei letzten Finger umfassen dieselbe und den Handgriff von der andern Seite. Man setze die Spitze des so gehaltenen Instruments zwischen zwei Rippen an die Haut und dräcke es langsam durch diese und die Zwischenrippenmuskeln in die Brusthöhle; dabei führe man es, wenn man den Einstich zwischen den vordern(5— 7ten) Rippen macht in gerader Rich- tung, wählt man aber den Ort hinter diesen, so halte man die Spitze ein wenig schräg nach vorn(nicht nach hinten, wie Dieterichs will), um Verletzungen des Zwerchfells zu vermeiden. Verletzungen der Lunge hat man bei Anhäufung von Flüssigkeit in der Brusthöhle nicht leicht zu befürchten, weil durch letztere dies Or- gan von den Brustwänden entfernt gehalten ist.— Daſs der Troikar in die Brusthöhle gelangt sei, kann man vermuthen, wenn der Widerstand gegen das Instrument aufhört. Man hält dann die Röhre fest und ziehet das Stilet heraus, wonach,— wenn die Diagnosis richtig war,— sogleich Flüssigkeit hervordringt, im entgegen- gesetzten Falle aber etwas Luft durch die Röhre ge- trieben wird. Gewahrt man weder das Eine noch das Andere, so ist das Instrument entweder noch nicht in die Brusthöhle gedrungen, oder die Röhre ist durch fa- serstoffge Massen verstopft. Sowohl um diese zu ent- fernen, wie auch um die Brustwand zu untersuchen, führt man eine Sonde in die Röhre, und fährt sie vor- sichtig bis an das Ende derselben. Findet man hier noch festen Widerstand, so bringt man noch einmal das Sti- let in die Röhre und drückt das Instrument noch 3 bis 6 Linien tiefer in die Brust hinein, je nachdem die schon eingedrungene Länge desselben und die Dicke der Wand dies rathsam machen. xxmI her Bauohstich(Paraceniesis Abdominis) und dessen Varianlen: der Daumen greift auf das Wenn nach dem Herausziehen des Stilets die Flüs- sigkeit durch die Röhre abflieſst, hat man darauf zu ach- ten: daſs dies nur so lange geschehe, als die Röhre noch anhaltend gleichmäfsig durch die Flüssigkeit voll- gefüllt erscheint, weil hierbei eben so lange keine Luft von aufsen durch die Röhre in die Brusthöhle eindringt. Man entferne daher die Röhre, wenn der Strahl der ab- flieſsenden Feuchtigkeit sehr dünn und ungleich wird, und warte nicht, bis er abwechselnd ganz aufhört. Ist die Menge der Feuchtigkeit sehr groſs, so kann man in Zwischenzeiten von etwa 2 Minuten wiederholt, wäh- rend kurzer Zeit die Röhre durch Gegenlegen eines Fingers schlieſfsen und so das Abflieſsen(wegen der oben§. 65. angegebenen Gründen) in Absätzen ge- schehen lassen*⁴). Nach hinreichend befundener Eutfernung der PlSs⸗ sigkeit ziehet man die Troikarröhre heraus und legt auf die Hautwunde entweder ein einfaches Wachspflaster, oder man bedeckt sie mit einer leinenen Compresse, welche mit einer Binde oder einem Deckengurt gehalten wird. Eine andere Nachbehandlung der Operationsslolle ist gewöhnlich nicht erforderlich. Ergeben die Symptome auch eine Auhäufung von Flässigkeit in der anderen Hälfte der Brusthöhle, so kann die Paracentese hier am folgenden Tage in glei- cher Weise unternommen werden. Die Operation mit dem Messer macht man nur in Ermangelung eines Troikars. Man nimmt dasselbe wie eine Schreibfeder zwischen den Daumen, Zeige- und Mit- telfinger, so daſs der Zeigefinger auf dem Messerrücken ruhet, die Spitze aber im Verhältnifs der Dicke der Brustwand 1— 2 Zoll hervorsteht, und sticht es nahe unter der Sporader, die Schneide abwärts gegen das Brustbein gekehrt, zwischen zwei Rippen, auf dieselbe Weise wie den Troikar, durch die Brustwand so tief ein, bis Flässigkeit neben dem Messer hervortritt. Die Wunde Man läſst nun durch sie die Flüssigkeit aussickern, oder man legt für diesen darf nur gegen 6 Linien lang sein. Zweck in sie einen groſsen Federkiel, welcher in der Nähe ihres vordern Endes an einer Seite mit einer etwa 2— 3 Linien langen und 1 ½ Linien breiten Oeffnung ver- sehen ist. Nach geschehener Ausleerung verbindet man die Wunde in der vorstehend bezeichneten Art. *) Lafosse, der den Bruststich wahrscheinlich an Thieren zuerst versucht hat, liess nur einen Theil des Wassers ab und spritzte durch die Troikarröhre ein Dekokt von sog. Wundkräutern, in der Hälfte des abgezapften Quantums, in die Brusthöhle, worauf nach 2 Stunden wieder ein Theil der Flüssigkeit entleert wurde u. s. w. bis Alles entfernt war. Cours d'Hippiatrique, p. 356. 4A. der Stich duroh die Bauchwünde allein,— B. der Magenstioh bei Pferden,— C. der Sti on in den §. 68. 4A. Der einfache Bauchstich(Punctio 5. Pa- racentesis abdominis) besteht in dem Durchstechen der Bauchwände an einer hierzu geeigneten Stelle mittelst eines Troikars, um bei Bauchwassersucht die übermäfsig angehäufte seröse Flüssigkeit zu entleeren und hierdurch die Heilung zu befördern und zu unterstützen. Wanst bei mieder käuern, und— D. der Darmsti oh. Man gebrancht jerau eiue Scheere und einen run- den Troikar; Letztern von derselben Beschaffenheit wie zu dem Bruststich(§. 66.). Die Operationsstelle kann im ganzen Umfange des Bauchs da sein, wo der Leib sich am stärksten hervor- gedrängt und elastisch gespannt zeigt und wo man das Schwappen der Flüssigkeit deutlich fühlt, wenn man die is der Dicke de die flache Hand an diese Stelle legt und an die gegen- über befindlichen Punkte der andern Bauchwand mit den Fingern klopft oder schnellt; gewöhnlich wählt man je- doch entweder a) die Flankengegend, und zwar die Mitte zwischen dem äufsern Darmbeinswinkel und dem Nabel, oder 5) an der weiſsen Linie den Mittelpunkt zwischen dem Schaufelknorpel des Brustbeins und dem Schaambein. Die erstere Stelle benutzt man, je nach der Anhäufung, an der rechten und linken Seite gleich- mäſsig, und bei allen Haussäugethieren am meisten, die andere aber seltener und fast ausschlieſslich bei Pferden. Die Operation wird am leichtesten am stehenden Thiere ausgeführt, nachdem dasselbe von Gehülfen ge- hörig gehalten, Pferden und Rindvieh eine Bremse auf- gesetzt und der Vorderfuſs an der Seite, wo man den Einstich macht, aufgehoben worden ist. Man scheert an der gewählten Stelle die Haare auf einer etwa 1 Zoll groſsen Fläche ab. Dann nimmt man den Troikar auf dieselbe Weise wie§. 67. ge- lehrt, und so in die Hand, daſs die Spitze des Instru- ments vor dem auf der Röhre liegenden Zeigefinger in hinreichender, aber nicht in zu groſser, Länge frei bleibt, d. i. mit Rücksicht auf die Dicke der Bauchwand, zum Gebrauch bei Pferden gegen 2 Zoll, bei Rindvieh gegen 1 ¼ Zoll, bei den übrigen Thieren aber nur gegen 1 Zoll. Während nun ein Gehülfe an der entgegengesetzten Seite mit den flachen Händen gegen den Leib drückt, und man mit den Fingern der linken Hand an der Operations- stelle die Haut spannt, drückt man mit der rechten den Troikar in und durch die Bauchwand, hält dann die Röhre fest, ziehet das Stilet aus derselben und läſst einen Theil der Flüssigkeit ausflieſsen. Sollte der Ausfluſs nicht erfolgen, so ist entweder die Bauchwand noch nicht ganz durchbohrt, oder die Röhre ist verstopft. Hierbei, so wie hinsichtlich der zu entleerenden Quan- tität, der Wiederholung der Operation u. s. w., hat man dieselben Regeln zu beachten, welche im§. 67. bei dem Abzapfen des Wassers aus der Brusthöhle angege- ben sind. Nach Entfernung der Röhre bedeckt man die Wunde entweder mit einem Klebpflaster(im Nothfall mit ein wenig Theer) oder mit einer Bandage. Ueble Zufälle sahe ich niemals eintreten, wohl aber bei Hunden die Genesung durch Mithülfe der Operation in mehrern Fällen bald erfolgen, obgleich die Paracen- tese für sich allein die Heilung einer Bauchwassersucht nicht bewirkt. §. 69. B. Der Magenstich bei Pferden(Penctio ventriculi) besteht in dem Einstechen eines Troikars durch die Bauchwand in den Magen, um das Blähgas aus dem letztern zu entleeren. Er ist zuerst von A. B. Hayne in neuerer Zeit bei Windkoliken ausgeführt wor- den*). Die Operation erscheint hierbei aber nur dann *) Nestler, über Behandlung d. Windkolik bei Pferden durch den Troikarstich. Oekonom. Neuigkeiten u. s. w. von Andrée. 1838. Nr. 37.— Eckel, in den Verhandlungen der k. k. Landw. Ge- sellsch. in Wien. Neue Folge, 7ter Bd. Wien, 1838.(Mit Ab- bild. des Hayneschen Troikars.— Hayne in den Mediz. Jahrb. d. k. k. österr. Staats, Bd. 28. Wien 1839. Mit Abbild. 113— indizirt, wenn die Aufblähung so groſs ist, daſs man Erstickung, oder Berstung des Magens, oder Zerreiſsung des Zwerchfells befürchten mufs, und wo die andern therapeutischen Mittel nichts leisten, auch der Darmstich fruchtlos gemacht ist, und wo nach den vorhandenen Umständen die Quelle des Uebels als im Magen befind- lich angenommen werden mufſs. Die Operation ist leicht ausführbar, bewirkt augenblicklich durch Ausleerung des Blähgases grofse Erleichterung und ist in der Regel auch mit nur geringen Zufällen begleitet; aber es kön- nen auch üble Zufälle eintreten, und theils aus Furcht vor denselben, zum Theil aber auch aus Mangel einer ganz sichern Diagnosis des Krankheitsverhältnisses, wird der Magenstich nur sehr selten angewendet. Die Wahl der Operationsstelle ist bei dieser Ope- ration die schwierigste Aufgabe, weil der Magen des Pferdes von allen Seiten mit andern Organen so umge- ben ist, dals man zu ihm allein an keiner Stelle gelan- gen kann. Es muſste daher ermittelt werden: von wel- cher Seite her durch den Magenstich die am wenigsten bedeutenden Verletzungen anderer Theile entstehen? Nach den Untersuchungen Hayne's ist dies der Fall, wenn man den Einstich von oben her macht; weil man dann (bei dem stark ausgedehnten Magen) nur den hintersten Theil des Zwerchfells mit trifft und die Verletzung des- selben, den bisher gemachten Beobachtungen zu Folge, keine gefährlichen Zufälle erzeugte. Demnach macht man den Einstich an der linken Seite der Brust zwi- schen der 4ten und 5ten Rippe von hinten, und an den innern Rand des gemeinschaftlichen Rippenmuskels. Der hierzu von Hayne angegebene Troikar ist 10 Zoll lang, gegen 3 Linien breit, plattrund, die Spitze zweischneidig, von 4 Flächen ausgehend, die Röhre ohne Seitenöffnungen. Das Pferd wird zur Operation blos mit einer Bremse versehen und ihm, wenn es steht, der linke Vorderfuſs aufgehoben. Man stellt sich an die linke Seite des Thie- res, setzt den Troikar an der bezeichneten Stelle nahe dem vordern Rande der 4ten Rippe so an, daſs die Schneiden der Spitze nach oben und unten stehen, und drückt ihn in der Richtung durch das Zwischenrippen- fleisch hinein, als ob er neben dem rechten Rande des Schaufelförmigen Knorpels des Brustbeins wieder her- vorkommen sollte. Nachdem fast die ganze Länge des Instruments eingedrungen ist, zieht man das Stilet her- aus und läſst das Gas durch die Röhre ausströmen, wo- rauf auch sie entfernt wird. Eine besondere Nachbe- handlung der Wunde ist nicht erforderlich. §. 70. C. Der Pansenstich bei Wiederkäuern besteht in dem Einstechen eines Troikars, im Nothfalle eines Messers durch die linke Flankenwand in den ersten Magen, für den Zweck: das hier angehäufte Blähgas zu entleeren. Die Operation ist bei dem Aufblähen oder der Trommelsucht(Tympanitis) angezeigt und in ihren Folgen als Verletzung im Allgemeinen so unbedeutend, daſs man sie hierbei fast ohne Rücksicht auf die Gröſse des Uebels anwenden kann; doch führt man sie mehren- theils nur da aus, wo Erstickungsgefahr droht, oder wo die Entwickelung des Aufblähens so schnell und bei 29 mehrern Thieren zugleich erfolgt, dafs für die Anwen- dung und Wirkung anderer Heilmittel nicht die erfor- derliche Zeit vorhanden ist. Bei dem langsam entstandenen und längere Zeit dauernden Aufblähen ist der Pansenstich im Allgemeinen weniger nothwendig und weniger nützlich, weil hier die Gasanhäufung gewöhnlich mit noch andern pathologischen Zuständen verbunden ist; doch kann auch hier bei einem hohen Grade der Tympanitis die Operation sehr nützlich werden, wenn gleich die gründliche Beseitigung des Uebels mit andern Mitteln bewirkt werden muſs. Die Operation wurde zuerst von engländischen Land- wirthen gegen Anfang der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts(zur Zeit der allgemeinen Einführung des Kleebaues) erwähnt, und anfangs durch Einstechen eines Messers in die linke Flanke ausgeführt(Museum rustic. et commerciale. T. III. No. 24. Lond. 1765); man ging jedoch bald zum Gebrauch des Troikars über, so daſs derselbe schon vor 1771 mehrfältig im Gebrauch war, wie dies aus der 90sten Nummer des citirten Magazins und aus Vi- tets Médec. Vétérinaire hervorgeht, jedoch ohne dals der Erfinder(angeblich ein Deutscher) oder erste Benutzer dieses Instruments hierzu bekannt ist. Das Verfahren wurde in England, Frankreich und Deutschland bald und vielfältig beschrieben, aber seiner Einfachheit wegen bis jetzt nicht wesentlich abgeändert. Nur die Form und die Gröfse des Troikars erlitt einige Modiſikationen. Man hat runde(cylinderische) Troikare mit dreiseitig zugeschliffener Spitze, und platte Troikare mit zwei- schneidiger Spitze. Beide sind gleich zweckmäſsig; letztere dringen leichter ein, können aber auch leichter ein Gefäfs verletzen, und die Wunde von ihnen ziehet sich nicht gleich so vollständig zusammen, wie von dem runden Troikar; doch hatte man auch früh schon ein plattes Stichwerkzeng(Medicus, in den Bemerkung. der Kurpfälz. physikal. ökonom. Gesellsch. v. J. 1771. S. 260), und E. Viborg empfahl einen Troikar, des- sen Spiefs 7 Zoll lang und x Zoll breit ist; der Hand- griff oder das Heft soll queer gestellt und die Hülse (Röhre) mit Seitenöffmungen versehen sein(Sammlung von Abhandlungen, Bd. I. S. 111). Hayne empfiehlt einen 10 Zoll langen platten Troikar ohne Seitenöffnun- gen, weil er glaubt, daſs durch letztere sich Gas und Flüssigkeiten in die Bauchhöhle oder in das Zellgewebe der Bauchwände drängen und üble Zufälle erzeugen können. Diese Furcht ist in der Erfahrung nicht ge- gründet. Dagegen hat es sich oft gezeigt, daſs eine Troikarröhre ohne Seitenöffnungen sich leicht verstopft, wenn sie mit ihrem vordern Ende in den mit gährendem Futterbrei fast ganz angefüllten Magen gelangt.— Man hält sich gern zu einem Troikar-Stilet mehrere Röhren, weil es sich nicht selten ereignet, daſs gleichzeitig meh- rere Thiere am Aufblähen in einem so hohen Grade lei- den, daſs man die Gasentleerung durch die applizirte Röhre bei den einzelnen Thbieren nicht abwarten kann, ohne daſs hieraus Gefahr für die übrigen entsteht. Man kann dann mit mehreren Röhren innerhalb einer halben Stunde über 50 Stück Vieh troikariren*). 2) Für Schafe kann man, wenn viele Röhren erforderlich sind, 2z. B. bei dem Aufblähen einer ganzen Heerde, die fehlenden Röh- 114— §. 71. Als die zur Operation geeignetste Stelle bezeichnet man die Mitte der linken Hungergrube, weil hier(selbst bei trächtigen Thieren) der erste Magen unmittelbar und ohne daſs andere Organe dabei vorhanden sind, gegen die Bauchwand anliegt. Da aber bei dem aufgebläheten Thiere dieser Theil keine Grube bildet, so bestimmt man die Einstichstelle am sichersten nach dem äufsern Darm- beinswinkel oder der Hüfte, indem man von ihm eine mit der Wirbelsäule parallel laufende Linie gegen die erste Rippe zieht und dann in dieser Linie beim Rind- vieh etwa 4— 5 Zoll, bei Schafen und Ziegen etwa 2 Zoll vor der Hüfte den Einstich macht. Es ist je- doch zu bemerken: daſs es hierbei auf eine kleine Ab- weichung von dem vorgezeichneten Punkte nicht genau ankommt.— An der rechten Seite des Leibes findet man an der bezeichneten Stelle bei stark aufgebläheten Thieren zwar den rechten Sack des Wanstes, da aber bei trächtigen Thieren die dünnen Därme gewöhnlich etwas in diese Gegend gedrängt werden, so ist der Stich in der rechten Hungergrube nicht immer mit der- selben Sicherheit zu machen wie in der linken; er kann jedoch auch dort unternommen werden: wenn ein Thier auf der linken Seite liegt und so stark aufgeblähet ist, dals man färchten mufs, es könnte bei dem Umwäl- zen sterben. Die Ausführung des Pansenstichs geschieht in der Regel an stehenden und nur dann an liegenden Thieren, wenn letztere sich von selbst niedergelegt haben und nicht zum Aufstehen zu bewegen sind. Im ersten Falle müssen sie mit dem Kopfe kurz angebunden sein oder von starken Gehülfen an den Hörnern gehalten werden. Man stellt sich zum Operiren entweder an die linke Seite des Thieres, oder auch nach Viborg u. A. bei dem Rindvieh an die rechte Seite, um mehr gegen das Schlagen gesichert zu sein, da diese Thiere gewöhnlich an derjenigen Seite mit dem Hinterfuſse schlagen, an welcher operirt wird,— was jedoch nur zu fürchten ist, wenn das Aufblähen in keinem hohen Grade be- steht.— Die Operation selbst ist sehr einfach und kurz, kann aber mit kleinen Abweichungen ausgeführt wer- den. Am besten ist es, dafs man den vorher mit Oel oder Fett(im Nothfall mit Speichel) bestrichenen Troi- kar zwischen den Fingerspitzen der linken Hand locker gehalten, auf die Operationsstelle in einer schrägen Richtung von hinten nach vorn und von oben nach un- ten so ansetzt, als ob die Spitze an der rechten Seite des Brustbeins herauskommen sollte, worauf man durch einen kräftigen Schlag mit der rechten Hand das In- strument durch die Bauchwand bis fast an das Ende der Röhre in den Wanst treibt, dann die Röhre daselbst festhält, das Stilet entfernt, und das Gas ausströmen ren durch entsprechend dicke Federkiele ersetzen. Zu diesem Zwecke schneidet man die Spitze des Kiels rund herum ab, führt letztern in die bereits applizirte Trokarröhre und ziehet diese, in- dem man die Feder an der Fahne hält, über sie hinweg und aus der Wunde ganz heraus. Hierauf steckt man eine Nadel oder einen dünnen Nagel nahe am obern Ende des Kiels queer durch denselben, um das zu tiefe Hineinfallen desselben zu verhindern, und schneidet dann die Feder da, wo die Kielhöhle endet, queer ab. erden, so ist der ht inmer mit der⸗ ſer linken; er kann n: wenn ein Tier irk aufgeblähet is, bei dem Unwil. s geschieht in det liegeuden Thiera, rgelegt haben un d. Im ersten Fälk gebunden sein der n gehalten werteu reder an die lube Viborg u 4. k — 115 läfst.— Nach einer andern Weise hält man den Troi- kar in der rechten Hand wie bei dem Brust- und Bauch- stich, und stölst ihn mit einem kräſtigen Druck durch die Bauchwand ein. soll man zuerst an der Operattaaten einen senkrech- ten Hautschnitt in der Gröſse machen, wie der Umfang des Troikars ist, und dann den letzteren einstechen. Ein solcher Einschnitt ist aber bei einem Troikar mit guter Spitze stets ganz überflüssig. Gebraucht man einen zweischneidigen Troikar, so muſs man bei dessen Ansetzen darauf achten: daſs die eine Schneide nach oben(nach der Wirbelsäule), die andere abwärts gerichtet sei; weil man auf diese Weise die Lendenarterie nicht verletzt,— was aber leicht ge- schehen kann, wenn das Instrument mit einer Schneide nach vorn und mit der andern nach hinten gekehrt, ein- gestoſsen wird. Die Röhre bleibt in der Wunde so lange stecken, bis der Leib, und besonders die Flanken, stark einge- fallen sind und kein Gas mehr entweicht. Sollte sie vom Anfange her nicht mit ihrer ganzen Länge im Waust gesteckt haben, so mufs man sie bei dem Zusammen- fallen des Leibes vollständig tief hineindrücken, weil der Magen während der Verdauung eine drehende Bewe- gung macht und hierbei von einem kurzen Ende der Röhre zuweilen abgleitet.— Oft drängen sich Futter- stoffe in die Röhre und verstopfen sie, so dafs das Aus- strömen von Gas plötzlich aufhört, ehe der Leib zusam- mengefallen ist. Durch das Einführen einer Sonde oder eines Holzstäbchens u. dgl. wird diese Störung leicht gehoben.— Hört das Ausströmen von Gas gänzlich auf, so ziehet man die Röhre langsam aus der Wunde und bestreicht letztere mit ein wenig reinem Fett oder mit Theer, um die Insekten abzuhalten. Sollte nachträglich das Aufblähen in einem solchen Grade wiederkehren, dafs der Stich wiederholt werden müſste, so macht man ihn gegen einen halben Zoll von der ersten Wunde ent- fernt. Die Wunden ziehen sich fast immer schnell zu- sammen und heilen ohne weitere Bebandlung in etwa 8— 12 Tagen vollständig. Nur zuweilen entsteht Ei- terung oder ein kleiner Abscefs, den man zeitig öffnet oder die eiternde Wunde erweitert und dann die Hei- lung mit aromatischen Kräuterbrühen leicht bewirkt. Wenn man in einem dringenden Falle keinen Troi- kar zur Hand hat, kann man den Pansenstich mit einem spitzen Messer machen. Man setzt dasselbe an dem be- zeichueten Orte so auf: daſs sein Rücken gegen die Lendenwirbel, die Schneide abwärts gekehrt ist,— drückt es kräftig in die Bauchwand und den Pansen hinein, drehet es dann um die Hälfte seiner Längenachse, um die Wunde klaffend zu machen, und das Gas freier ausströmen zu lassen,— und hält es in dieser Rich- tung so lange, bis Letzteres hinreichend geschehen ist. Oder man steckt in die Wunde ein Flieder- oder Schilf- rohr, dessen hervorstehendes Ende mit Leinwand und Band umwickelt sein kann, um das Hineinfallen in den Bauch zu verhindern.— Die Wunde wird eben so be- handelt wie die von dem Troikarstich. Nach der Operation giebt man den Thieren während der ersten 8— 12 Stunden kein Futter, sondern nur Nach einer dritten Vorschrift — Wasser mit etwas Kochsalz oder Glaubersalz zum Ge- tränk, und die etwa noch später fortdauernden Symptome von Gastricismus u. s. w. werden nach den Regeln der Therapie behandelt- 45 §. 72.— D. Der Darmstich(Punclio intestinorum, P. coli) besteht in dem Einstechen eines Troikars durch die Bauchwand in den Grimmdarm oder den Blinddarm, um daselbst übermäſsig augehäuftes Gas auszuleeren. Die Operation ist indizirt bei einem hohen Grade der Windkoliken, die ihren Sitz hauptsächlich i im Dick- darm haben und bei denen die sonstigen therapeutischen Mittel nichts fruchten; wo der Leib sehr aufgetrieben, die Schmerzen und Unruhe des Thieres sehr grofs, der Blick stier, der Puls sehr beschleunigt, der Abgang von Koth und Winden ganz unterdrückt ist.— Sie ist leicht ausführbar und in der Regel an sich gefahrlos, wie dies, aufser andern Beobachtungen, in dem Thierarznei-In- stitut zu Wien und die hierorts gemachten Versuche gezeigt haben, bei welchen man an den betreffenden Thieren nach geschehener Heilung, und mehrfältig selbst in 2 Tagen nach der Operation kaum die Stichwunde in den Gedärmen wieder auffinden konnte. Da jedoch die Windkoliken oft mit solchen pathologischen Zuständen verbunden sind, welche den Tod herbeiführen, wie na- mentlich mit Verwickelung oder Einschiebung der Ge- därme, mit heftiger Eutzündung, mit Brand, mit Ber- stung des Magens u. s. w.,— und da das Vorhanden- sein dieser Zustände nicht immer mit völliger Sicherheit zu erkennen ist, so kann es wohl geschehen, daſs die Thiere auch nach dem Darmstich sterben. Es ist des- halb zweckmäſsig: die Eigenthümer auf die Möglichkeit eines solchen Ausganges, mit der Angabe der Ursache hierzu, aufmerksam zu machen; und eben so ist es nö- thig, die Operation nicht bis zum äufsersten Grade des Leidens aufzuschieben, weil eben dann ihr Erfolg durch die üblen Ausgänge desselben um so mehr zweifel- haſt wird. 22 Der Darmstich scheint, nach einer Stelle des Ve- getius(Art. veterin. etc. Libr. I. C. XLIII.), schon im Alterthum bekannt gewesen zu sein. Aus späterer Zeit finden sich Angaben über seine Ausübung zuerst von Chabert(nach Dieterichs in einem Manuscript ohne Jahreszahl), von Riem(prakt. Anleitung, das aufgeblähete Vieh zu retten, 1775), von Barrier und Herouard(Iustruct. et Observat. vétér. T. V. p. 308) u. A., aus denen jedoch sämmtlich wenig Belehrendes hervorgeht. Im Ganzen ist die Operation nicht häufig ausgeübt worden, weil man sie für zu gefährlich hielt (siehe z. B. Vatel, Handb. der Thierarzneik., deutsch von Pestel, Bd. II. S. 215). In der neuern Zeit ha- ben jedoch A. Hayne, Eckel und Bleiweis in Wien sie sehr empfohlen(Oesterr. mediz. Jahrbücher, neue Folge Bd. XVIII. u. XIX.— Verhandl. der k. k. Land- wirthschafts-Gesellschaft in Wien, neue Folge, 7r Bd., — Bleiweis, Praktisches Heilverfahren etc. Wien 1840, S. 260), und Dieterichs(Veter. Chirurgie u. Akiurgie) und Rycher(Hippiatrik) haben sie um- ständlicher beschrieben. 29* — 116 §. 73. Der zum Darmstich dienende Troikar muſs dünner sein als der zum Pansenstich, theils, weil die Gedärme wegen ihrer gröſsern Reizbarkeit eine so grolse Ver- letzung weniger gut ertragen, theils auch, weil die Oeff- nung an ihre untere oder an eine Seitenwand trifft und daher nach Entfernung der Troikarröhre leicht etwas Darmflüssigkeit aussickern kann, wenn die Oeffnung groſs ist und wenn die Darmhbäute durch die Luftanhäu- fung ihre Contraktilität verloren haben. Es erscheint daher nicht ganz zweckmäfsig, einen 3 Zoll dicken Troikar hierzu zu empfehlen, wie Dieterichs will. Dagegen ist der von Hayne angegebene Troikar(nur 2 Linien dick, etwas oval, und die Scheide ohne Sei- tenlöcher) ganz zweckmäfsig; ich habe denselben mehr- mals gebraucht, in andern Fällen aber mit gutem Er- folge den zum Pausenstich an Schafen bestimmten Troi- kar applizirt*). Die Operationsstelle ist, wenn man bei Pferden den Blinddarm anstechen will, in der weiſsen Linie, auf der Strecke von etwa 4— 5 Zoll vor und eben so weit hinter dem Nabel. Den Grimmdarm trifft man, und zwar die untere Lage, an beiden Seiten des Leibes etwa 12 bis 16 Zoll vom Nabel entfernt, unter dem untern Ende der 4 letzten Rippen oder in den Flanken etwa 8 Zoll unter dem Darmbeinswinkel; die untere Krümmung aber etwa 2— 4 Zoll hinter dem Schaufelknorpel des Brust- beins, und— die obere Lage des Grimmdarms, so wie den Blindsack des Blinddarms in der rechten obern Flankengegend. Nach Hayne's Angabe sticht man da ein, wo man in den Flanken die stärkste, rundliche Hervordrängung und Spannung findet, und es kommt nach ihm eben nicht wesentlich darauf an, welche Par- tie des Grimmdarms dabei verletzt wird. Eben so ver- fahren die französischen Thierärzte. Dieterichs be- zeichnet in einer, mit der weiſsen Linie parallel laufenden Linie an den Seiten des Leibes, etwa 1 Fuſs vom Nabel entfernt, den Einstichpunkt,— und Rychner findet denselben an den Seiten des Leibes eine Hand breit vor der Bauchhautfalte, nachdem er noch daselbst bei dem Anklopfen durch den hohlen Trommelton das feste Gegenliegen des Grimmdarms erkannt hat.— Der Einstich in den Grimmdarm an den Seiten des Leibes oder in den Flanken heilt *) Brogniez hat zu dem Darmstich ein eigenthümliches Enterotom erfunden. Dasselbe stellt eine Art von dünnem Troikar vor und ist aus 8 einzelnen Theilen von 2 verschiedenen Metallen in der Art zusammengesetzt: dass die aus Kupfer bestehende Röhre mit der stählernen Spitze vereiniget und in der Nähe der letztern mit zwei länglichen Seitenöffnungen versehen ist. Diese Oeffnungen sind mit beweglichen Stahlplättchen bedeckt, welche bei dem Ein- stechen des Instruments glatt an der Röhre liegen, nachher aber durch kupferne Dräthe, die von der Röhre zu dem Handgriff an einen Haken hingehen, von den Oeffnungen so abgezogen werden, dass sie mit der Röhre einen rechten Winkel bilden, etc. Vermöge dieser ingeniösen Einrichtung erreicht man durch das Instrument zwei Zwecke mehr als durch einen T† roikar; nämlich: 1) wird durch die im rechten Winkel gestellten Stahlplättchen, welche sich an die innere Fläche des Darms legen, das Abgleiten desselben von der Röhre verhindert, wenn nach Ausleerung eines Theils des Gases der Darm zusammenfällt und sich von der Bauchwand ent- fernt;— und 2) wird eine galvanische Wirkung auf den ganzen Körper, besonders aber auf den Darm erzeugt und dadurch in demselben eine vermehrte Sekretion nebst stärkerer peristaltischer Bewegung, hierdurch aber schnell eintretende Ausleerung flüssiger —— ööſſſſſſſſſſſ besser als die Stiche an der untern Bauchseite, weil bei den Letztern leicht Aussickerung von Darmflüssigkeit entsteht. Man wählt deshalb fast immer den Erstern.— Chabert hatte den Troikar durch den After und Mast- darm und durch die Wand des Letztern in den stark ausgedehnten Grimmdarm geführt; es ist ihm aber hie- rin Niemand nachgefolgt. b Der Darmstich kann am stehenden oder auch am liegenden Pferde ausgeführt werden. Letzteres geschieht jedoch nur dann, wenn das Thier sich von selbst nie- dergelegt hat; denn ein gewaltsames Niederwerfen könnte bei der Auftreibung und Spannung des Leibes, wie sie eben hier besteht, Berstung eines Organs herbeiführen. — Liegt das Pferd auf einer Seite, so wird es, nach- dem man ihm eine Bremse aufgesetzt, blos von 2— 3 Gehülfen am Kopfe u. s. w. flach gegen den Boden ge- drückt niedergehalten, während der Thierarzt sich hin- ter den Rücken des Thieres stellt und die Operation fast in einem Augenblicke vollziehet. Stehet das Pferd, so setzt man ihm ebenfalls eine Bremse auf, läſst den Vorderfuſs der Seite, an welcher man operiren will, aufgehoben halten, und stellt sich zur Ausführung des Einstichs neben die betreffende Seite. Man hält dabei den Handgriff des Troikars in der hohlen Hand, den Zeige- und Mittelfinger an der Röhre desselben vorgestreckt, setzt die mit Fett oder Oel bestrichene Spitze in einem rechten Winkel gegen die Haut der Operationsstelle und drückt das Instrument kräftig und schnell durch sie in den Darm hinein. Da Letzterer unmittelbar an der Bauchwand liegt, so braucht der Troikar nur gegen 4 Zoll tief einzudringen.(Es hat sich ereignet, daſs mit dem Hayneschen, 12 Zoll langen Troikar beide Wände des Grimmdarms durch- stochen wurden.) Nach dem Einstechen entfernt man das Stilet, hält die Röhre fest und läſst die Gase ent- weichen. Sollte keine Luft hervordringen, so führt man eine gehörig lange Sonde in die Röhre und bis in den Darm, um etwa vorliegende Nahrungsmittel zu entfer- nen, wenn aber das nichts fruchtet, so ist höchst wahr- scheinlich der Darm nicht getroffen, sondern das Instru- ment an seiner Oberfläche weggeglitten. Man ziehet des- halb die Röhre heraus und macht einen andern Einstich wenigstens 1 Zoll über oder unter dem ersten, je nach- dem die Fülle und Rundung des Leibes dies andeuten. — Nach genügender Ausleerung des Gases wird die Röhre entfernt und die Wunde blos mit einem Klebpfla- ster oder mit etwas Theer bestrichen. Ihre Heilung er- folgt in Zeit von 8— 14 Tagen vollständig.— Dauern nach der Gasentleerung die Kolikzufälle noch fort, so sucht man dieselben nach den Regeln der Therapie zu beseitigen. Die Thiere müssen in den ersten Tagen nach der Operation ruhig und in magerer Diät gehalten, und wenn eine Spur von Entzündung eintritt, mufs eine antiphlogistische Behandlung eingeleitet werden. Exkremente und die Genesung des Thieres bewirkt.— Das In- strument bleibt 1— 2 Stunden im Körper. Brogniez hat das- selbe durch viele Versuche erprobt.(Journ. vétérin. et agricole de Belgique, Vol. II. p. 120. 375. 471.; und Brogniez, Traité de chirurgie, 7. Livr. p. 79. mit Abbild.)— In Deutschland ist das Instrument bisher nicht angewendet worden. XXIV. man operiren wil zur Ausführung des 2. les Troikars in der lünger an der Röbre mit Feit oder Oe a Winkel gegen äe Lckt das Instrument en Darm hineia. N vand liegt, so bruxch eimudringen.(E yneschen, 12 Ldl Grimmdarms durch- stechen eutfernt mal 1 läſst die Gase elt- dringen, so fühn nax döhre und his iu iel ungsmittel 2u- eutfer „so ist Döehst wahr- „sondern das lastri- ten. Aannithet es einen andern Eusiii zem eisten, jeuch 117— XXIV. Der Panse,ne b nt3 §. 74. Es ist nehruide heohachict oren, dafs der erste Magen bei den Wiederkäuern nicht allein durch Gase, sondern auch und hauptsächlich durch übermälsig angehäufte und in Gährung übergegangene Futtermassen in einem solchen Grade ausgedehnt ist, daſs Berstung oder Erstickung eintritt. Diese Fälle charakterisiren sich dadurch, daſs der Leib und die linke Hungergrube zwar eben so wie bei Tympanitis aufgetrieben sind, aber beim Anklopfen nicht den trommelartig klingenden, sondern einen ganz matten Ton geben, und dafs man bei dem Eindrücken der Finger in die aufgetriebene Flanke keinen, oder nur sehr geringen elastischen Wi- derstand, sondern unter der Haut eine derb teigartige Masse fühlt. Da hierbei der Troikar meistens nur eine sehr ge- ringe und schnell vorübergehende Häülfe gewahrt, unter 3 dringenden Zufällen aber gar nichts nutzt, so hat Cha- bert die schnelle Entfernung eines Theiles der Futter- massen durch eine, in den Wanst künstlich gemachte Oeffnung empfohlen*), und mehrere gelungene Fälle haben die Ausführbarkeit und den Nutzen dieser Opera- tion bewiesen. §. 75. Man gebraucht zu derselben nur eine Scheere zum Abscheeren der Haare, ein gerades Bistouri, Nadel und Heftfäden. 3 Die Operation geschieht am besten im Stehen der Thiere, daher im Liegen derselben nur dann, wenn man sie auf der rechten Seite liegend an einem hellen Orte voörfindet. Im erstern Falle läſst man Rindvieh bremsen und mit dem Kopfe fest anbinden oder von Gehülfen eben so halten, und längs der linken Seite läſst man in der Höhe des untern Bauchrandes eine starke Stange balten, um sich gegen Schläge von den Hinterbeinen zu sichern. Liegendem Rindvieh bindet man die Beine zu- sammen und läſst es von Gehülfen niederhalten. Nachdem in Kürze die Haare auf der Mitte der linken Flanke gegen 3 Zoll breit und 6 Zoll lang ab- geschoren sind, setzt man die Spitze des recht fest ge- haltenen Messers, den Rücken desselben gegen die Len- denwirbel gekehrt, etwa einen Zoll von den Queerfort- sätzen dieser Wirbel eutfernt, mitten auf die obere Flan- kengegend,— stöfst die Klinge schnell und in ihrer ganzen Länge durch die Haut und die Bauchmuskeln in den Wanst, und indem man sie zurückziehet, verlängert man die Wunde nach unten so, dals sie bei Rindvieh 4— 5 Zoll, bei Schafen und Ziegen reichlich 3 Zoll grofs wird. Hierbei hat man darauf zu sehen, daſs die Wunde in den Bauchdecken gerade gegenüber der Wunde des Magens und in gleicher Gröſse oder selbst noch ein wenig gröſser als die Letztere sei, weil sonst die Nah- rungsmittel leicht zwischen den Magen und die Bauchwand in die Bauchhöhle treten. Mau muſs daher das Messer recht fest halten und, nach dem Einstich, es mit einer gleichför- *) Instruct. et observat. sur les maladies etc. Tome III. p. 217. und Vollständ. Handb. d. Tieharzneik. 1r Bd. Berl. 1798. S. 131. migen Bewegung der Hand nach unten! 80 führen, daſs 1 die S chneidehauptsächlich gegen die Haut wirkt. Schon während, noch mehr aber nach dem Schnitt, wird Gas und Futter aus der Wunde hervorgedrängt. Sobald die Luftentweichung nachläſst, führt man vor- sichtig eine Hand mit entblſstem Arme durch die Wande in den Magen und holt nach und nach etwa den dritten Theil von dessen Iohalt heraus, wobei man jedoch Zer- rungen und Verschiebungen der Wundränder und Ver- streuung des Futters zwischen denselben möglichst ver- meiden muſs. Die Menge der ausgeleerten Materien be- trägt oft 2— 3 Stalleimer voll. Ist die Ausleerung genügend geschehen, so kann man zunächst mittelst eines Trichters bittere und aromatische Flüssigkeiten, mit Salzen, Säuren u. s. w. gemengt, durch die Wunde in den Magen giefsen, um dessen Thatigkeit anzuregen, daun die Magenwunde und zu- letzt die Wunde der Bauchdecken heften. Man legt die Kuopfnath an und benutzt dazu am Magen entweder vierfache Seidenfäden oder, nach Renner u. A., Darm- saiten. Diete richs empfiehlt: die Hefte nicht fest zu kuüpfen, sondern bloſs zusammenzudrehen und die En- den aus dem untern Winkel der äufsern Wunde heraus- hängen zu lassen, um sie nach einigen Tagen wieder aufzudrehen und zu entfernen. Letzteres gelingt aber, nachdem die äuſsere Wunde während 3— 4 Tagen ge- heftet gewesen ist, sehr schwer und ist immer mit Zer- rung und Reizung der Theile verbunden. Ich habe in zwei Fällen die Enden der angelegten 4 Hefte nahe an den Knoten abgeschnitten und die äufsere Wunde dar- über sogleich vollständig geheftet, ohne später die in- nern Heſte zu entfernen. Die Heilung erfolgte in 9 und 11 Tagen, ohne daſs irgend ein übler Zufall hinzukam. Die äufsern Heſte werden nach 4— 6 Tagen entfernt. Weil man bei einigen Thieren nach gut erfolgter Hei- lung den Magen an der Stelle der Verwundung mit der Bauchwand verwachsen gefunden, hat man empfohlen, vermittelst einer gemeinschaftlichen Nath beide Theile sogleich mit einander zu vereinigen. Erfahrungen über den Erfolg hiervon liegen noch nicht vor. Chabert heſtete gar nicht, sondern bedeckte die Wunde nur mit einem Terpenthin-Pllaster. Uebrigens hält man die Thiere in ganz schmaler Diät, giebt ihnen zum Getränk nur Wasser und behan- delt die eintretenden Zufälle nach allgemeinen Regeln. Anmerkung. Weil bei dem beschriebenen Ver- fahren 1) eine bedeutend groſse Wunde entsteht, und 2) trotz aller Vorsicht das Eindringen von Futter in den freien Raum der Bauchhöhle nicht in jedem Falle(2. B. bei sehr unruhigen Thieren) ganz zu verhüten sein möchte, durch beide Umstände aber ge- fährliche Zufälle entstehen können, hat Brogniez zur Vermeidung dieser Umstände ein Instrument er- funden, welches er„Gastrotome perpendiculaire eva- euateur d'aliments“ nennt. Es besteht aus einem 5 Zoll langen, ¾ Zoll dicken, conischen Stiel, an des- sen vorderem Ende eine zweischneidige Spitze nebst 2 an einem Niet beweglichen halbhohlen Metallplätt- 30 —.— — chen, am hintern Ende ein 2 Zoll langer Handgriff sich befinden. Ueber den Stiel schiebt man eine ¾ Zoll weite, 2 Zoll lange Röhre, an derem vordern Ende mittelst eines Scharniers 2 fast eben so lange Blech- stücke sitzen, welche mit ihrem freien Ende unter jene Metallplättchen am Stiel gedrückt werden; von dem Scharniere laufen 2 Dräthe zum hintern Ende der Röhre, woselbst sie mittelst Schrauben u. s. w. bewegt werden können. Das hintere Ende der Röhre ist aufserdem mit einem Querrande versehen, um das Zzu tiefe Hineingleiten der Röhre in den Leib zu hin- dern. Man applizirt das Instrument wie den Troikar in der linken Hungergrube, drehet dann sogleich die Röhre um die halbe Achse des Stiels, macht dadurch AXVY. Die Bru S. 76. Bei Brüchen findet ein akiurgisches Heilverfahren für zwei verschiedene Zwecke statt, nämlich entweder 4. um die Bruchöffnung mehr oder weniger vollständig zu verschliefsen, oder— B. um eine vorhandene Ein- klemmung(Incarceratio) zu lösen und die von dersel- ben bedingte Lebensgefahr zu beseitigen. In Fällen der letztern Art ist also die hierzu geeignete Operation un- umgänglich nothwendig, wenn die übrigen manuellen und therapeutischen Hülfsmittel zur Bewirkung der Taxis fruchtlos sind, der Puls sehr klein, drathförmig und sehr vermehrt, der Blick stier, die Temperatur an den Ohren und Füfsen wechselnd oder sehr gesunken, der Körper mit Schweiſs(oft mit kaltem) bedeckt, der Leib anhal- tend verstopft, das Thier sehr unruhig ist u. s. w.— Dagegen erscheint aber für den erstern Zweck die Ope- ration mehrentheils nicht absolut nothwendig, da theils bei manchen Brächen die Heilung bis zu einem gewis- sen Grade auch durch andere Mittel gelingt, theils aber auch viele Brüche sich selbst überlassen bleiben können, ohne dals das Leben der betreffenden Thiere durch sie bedeutend gefährdet wird;— obgleich diese zu An- strengungen nicht geeignet und somit in ihrem Werthe gemindert sind. Die Anzeige zur Operation für diesen Zweck besteht daher eigentlich nur da: 1) wo ein Bruch sich binnen kurzer Zeit bedeutend vergröſsert hat und daher die Vergröſserung auch ferner noch zu be- fürchten ist; 2) wo die Bruchgeschwulst ihren Umfang oſt wechselt, z. B. bei Austrengungen, beim Aufstehen und Niederlegen des Thieres u. dgl. sich plötzlich grö- lser und dann wieder kleiner zeigt, und hieraus eine unter ähnlichen Umständen schnell eintretende Einklem- mung fürchten läſst; und— 3) wo bei einem mäſsigen Umfange der Bruchöffnung die Bruchgeschwulst so lang hervorragt, daſs durch letztere die Bewegung und der Dienstgebrauch der Thiere gestört ist. Da aber jede Bruchoperation ein eingreifendes Verfahren und mit eini- ger Gefahr verbunden ist, so erscheint es dagegen nicht nützlich, solche Brüche zu operiren: a) welche entwe- der in einem sehr kleinen, oder entgegengesetzt in einem sehr grofsen Umfange seit längerer Zeit unverändert bestanden haben;— 5) welche durch Zerreiſsung der Bauchmuskeln im groſsen Umfange neu entstanden und mit Zufällen von Bauchfells- oder Darmentzündung be- ihre beweglichen Blätter von demselben los und ent- fernt ihn;— Ziehet hierauf die Dräthe an und stellt die Blätter der Röhre in einem rechten Winkel, um hierdurch die Magenwände an ihr zu erhalten,— und holt endlich mittelst einer eigenthümlich construirten Zange durch die Röhre die Nahrungsmittel aus dem Magen. Ist dies hinreichend geschehen, so läſst man die Dräthe los, hebt somit den Winkel der bewegli- chen Blätter der Röhre wieder auf und ziehet letztere aus der Wunde. Brognies lieſs sie 8 bis 10 Tage in derselben, um durch die lange Berührung des Ma- gens mit der Bauchwand eine Verwachsung zu er- zeugen(Brogniez, Traité de Chirurgie vétérinaire. Livr. 7. p. 77). c hoperationen. gleitet sind; und— c) wo die in der Bruchgeschwulst liegenden Eingeweide mit ihren Umgebungen fest ver- wachsen und unbeweglich sind. Denn im Falle à ist die Operation nicht nothwendig und der Zustand wird durch sie gewöhnlich nicht besser als er bisher war;— im Falle 5 ist die Lebensgefahr durch die begleitenden Krankheitsverhältnisse sehr groſs, aber durch die Ope- ration nicht zu mindern, sondern sie wird im Gegentheil vermehrt und das Thier schneller zum Tode geführt;— und im Falle c ist mebrentheils weder Vergröſserung des Bruchs noch Einklemmung zu fürchten, die Opera- tion ist schwierig auszuführen und wegen starker Rei- zung der abzulösenden Organe stets mit mehr Gefahr als in andern Fällen verbunden. §. 77. 4. Die Bruchoperation für den Zweck der Heilung eines Bruchs ist entweder nur 1) pal- liativ oder sie ist 2) radikal. 1) Die Palliativ-Operation besteht bei den Nabel- brüchen und bei den sogenannten Bauch- und Flan- kenbrüchen in dem Abbinden oder in dem Abnähen des äufsern Bruchsackes, in der Absicht: die äufsere Haut zu verkürzen, sie enger und dichter an die Bauchmus- keln zu ziehen und sie mit denselben in eine feste Ver- wachsung zu bringen, so daſs sie hierdurch die Bruch- öffuung wie mit einer festen Decke verschliefst. Diese Verfahrungsarten haben sich in sehr vielen Fällen als nützlich erwiesen, und da sie mit weit geringerer Ge- fahr begleitet sind, als die sogenannte Radikal-Opera- tion, so ziehet man sie der letztern gewöhnlich vor. Das Abnähen und das Abbinden sind einander in der Wirkung gleich, und man wählt daher dieselben nur nach der Form der Bruchgeschwulst, nämlich: wo dieselbe von mäſsigem Umfange und an ihrer Basis(am Leibe) rundlich oder birnförmig verengt ist, unterbindet man, und wo der Umfang grofs, oder die Basis mehr lang ist, wählt man das Abnähen. Dies gilt sowohl für Na- belbrüche, wie auch für die Bauch- und Flankenbrüche gleichmäſsig.— Ehe man zur Operation schreitet, läfst man die Thiere während 2— 3 Tagen in magerer Diät, und giebt ihnen abführende Salze. Zu beiden Verfahrungsarten müssen die Thiere so niedergelegt werden, daſs die mit dem Bruch behaſtete Seite des Leibes die obere wird. Zugleich mufs durch um Tode geführt;— reder Vergrölſserug ürchten, die Opers- wegen starker Bei- ts mit mehr Gekabr r den Zweek der weder nur 1) pal- Unterlegen von Stroh eic. die Bruchstelle der höchste Punkt des Leibes werden, damit die Eingeweide sich von diesem Punkte weg und zu den niedern Stellen hinziehen. Die Beine werden so zusammengebunden, dafs man bequem zur Bruchstelle gelangen kann. Man beginnt die Operation damit, daſs man die im Bruchsack liegenden Eingeweide vollständig aus dem- selben entfernt, indem man sie durch die Bruchpforte in die Bauchhöhle zurückschiebt. Dies geschieht am be- sten, wenn man mit einer Hand die äufsere Haut in eine kleine Falte in die Höhe zieht, während man mit den Fingern der andern Hand denjenigen Theil der Einge- weide, welcher der Bruchpforte zunächst liegt, in diese hineindrückt und damit fortfährt, bis der ganze Bruch- sack leer und der Bruchring rund herum ganz frei zu fühlen ist. Hiervon mufs man sich aber sicher überzeu- gen, damit nicht beim weitern Operiren Eingeweide ver- letzt werden. 1 a) Will man nun die Unterbindung vornehmen, so erfaſst man die Mitte der Haut, welche den äufsern Bruchsack bildet, und ziehet sie so weit als möglich von den Muskeln(und der Bruchpforte) ab, legt dann eine einfache Schlinge von einem raunden, gehörig mit Wachs oder Theer bestrichenen Bande über diese Haut bis an den Leib, und schnürt sie recht fest zu, so daſs der aufserhalb der Schlinge befindliche Theil absterben muſs. Die Schlinge wird entweder mit einem aufziehbaren oder mit einem festen Knoten zugebunden und im letztern Falle werden die Enden des Bandes etwa 1 Zoll von dem Knoten entfernt abgeschnitten. Das Zubinden mit einem aufziehbaren Knoten soll den Zweck haben, daſs man am folgenden Tage u. s. W. die Schlinge noch fe- ster zuschnüren und somit das Absterben an der Unter- bindungsstelle vervollständigen und beschleunigen kann. Dies ist allerdings oft nöthig, da wegen Dicke der zu- sammengedrängten Hautmasse die Ertödtung derselben durch das erste Zusammenschnüren nicht immer genü- gend geschieht; ich ziehe aber in diesen Fällen es vor, am 2ten oder 3ten Tage eine zweite Ligatur unmittelbar hinter der ersten anzulegen, weil das Aufbinden und weitere Manipuliren an der zuerst angelegten Schlinge, da bereits Entzündung und Geschwulst eingetreten ist, mehr Mühe und den Thieren viel Schmerz macht.— In etwa 3— 4 Tagen findet sich Eiterung ein und nach 8— 12 Tagen fällt die abgestorbene Haut nebst der Ligatur ab, worauf gewöhnlich nur eine sehr kleine und oberflächlich eiternde Stelle zurückbleibt, welche in we- nigen Tagen fest vernarbt. Während dieser Zeit müs- sen die Thiere in magerer Diät und in vollständiger Ruhe, dabei Pferde und Rinder andauernd stehend, ge- halten werden. Zur Erleichterung der Kothentleerung applizirt man Klystire, und wenn allgemeine Entzün- dungszufälle eintreten, wendet man zeitig die antiphlo- gistische Methode an. Oertlich thut man bis zum Ein- tritt der Eiterung gar nichts, dann aber reiniget man mit kaltem Wasser, und wenn sie profus wird, befeuch- tet man mit einem adstringirenden Mittel. Sitzt der un- terbundene Theil länger als 12 Tage fest, so mufs man auch dann noch eine neue Ligatur anlegen und im Ue- brigen verfahren, wie eben angedeutet; erfolgt aber seine 119— Ablösung früher als eine feste Verwachsung eingetreten ist, so müssen die wunden Hautränder durch die Nath vereiniget werden. 5) Zum Abnähen der Brüche sind eine eiserne, nach der convexen Oberfläche des Leibes gebogene Klam- mer, Heftnadeln und Heftfäden erforderlich. Letztere können aus dünnem Bindfaden oder aus 4— Sfach zu- sammengelegten Zwirnsfäden bestehen, und die Nadeln sind entweder mäſsig starke Wundheſtnadeln, von denen die geraden sich hier leichter gebrauchen lassen als die krummen, oder man benutzt die von Kühn für diesen Zweck empfohlene Nadel(Magaz. f. Thierheilk. Bd. 1. S. 97. Mit Abbild.).— Nachdem auf die im Vorherge- henden angegebene Weise die Eingeweide aus dem Bruchsack vollständig entfernt sind, legt man denselben in eine, über die Mitte der Bruchöffnung gehende Län- genfalte und läfst von einem Gehülfen die Klammer an die Basis dieser Falte ganz nahe an den Leib anlegen, sie fest zusammendrücken und durch die daran befind- liche Schraube zusammengedrückt feststellen. Die Klam- mer dient so für zwei Zwecke, nämlich: während des Anlegens der Nath die Hautfalte beständig in einerlei Gröſse und Richtung zu erhalten, und zugleich die Eiu- geweide unter(oder hinter) der Operationsstelle zuräck zu halten und sie gegen Verletzungen zu sichern.— Das Anlegen der Nath geschieht, indem man die Nadel an der obern Fläche der Klammer(das Thier liegend gedacht), ¾ Zoll von dem einen Ende der Hautfalte entfernt durch dieselbe sticht, das Heftband um das Ende der Falte parallel mit der Klammer herumführt und es mit seinem andern Ende recht kurz zusammenbindet, so dafs es das betreffende Hautstück wie eine Ligatur ein- schnürt. Die Enden werden kurz abgeschnitten. Hier- auf führt man die Nadel durch denselben Einstichpunkt von der einen Seite der Falte und sticht sie auf der an- dern Seite derselben ¾ Zoll von jenem entfernt, wieder durch sie, so daſs beide Enden des Heftbandes an der nämlichen Seite liegen und mit einander zusammenge- bunden werden können. Letzteres geschieht wieder mit kräftigem Zusammenziehen, worauf das Band aufserhalb des Knotens kurz abgeschnitten wird. Auf dieselbe Weise geht man mit einzelnen Abschnürungs-Heften bis an das andere Ende der Falte; dann läfst man das Thier aufste- hen und in den Stall bringen, wo man die Klammer zu- erst etwas lüftet, nach einer Stunde sie aber vollständig abnimmt. Nach etwa 3 Tagen findet sich an der operirten Stelle Eiterung ein, und nach S Tagen fällt die abgenä- hete Hautfalte ab. Die Nachbehandlung ist ganz so wie bei dem Abbinden. Anmerkung. Von den beschriebenen beiden Verfahrungsarten giebt es mehrere Abweichungen, wie namentlich bei dem Abbinden das Durchstecken eines eisernen Dorns durch den Bruchsack ausser- halb der Ligatur, so dass diese von dem Dorn gehalten wird und deshalb minder fest anzulegen nöthig ist.— Dann: das Ertödten des Bruchsacks mittelst einer, für die ganze hierzu nöthige Zeit fest angelegten Klemme;— das Durchstecken eines Dorns durch den Bruchsack ausserhalb der Klemme;— das Abnähen ohne da- bei eine Klemme zu benutzen, mit fortlaufenden einfachen, oder gekreuzten, oder mit überwendlichen Stichen u. s. w. Da jedoch diese Verfahrungsarten theils bei der Ausführung mit mehr Gefahr von Verletzung der Eingeweide verbunden, theils schrwieriger aus- führbar, theils der Dorn und die Klemme zu Verletzungen, zum Abstreifen u. dgl. Gelegenheit geben, so sind sie nicht zu em- pfehlen. 30* ——— — — 120 §. 78. 2) Die sogenannte Radikal-Operation der Na- bel-, der Bauch- und Flankenbrüche besteht, aufser der Reposition, in dem kunstmäſsigen Eröffnen des äu- ſsern Bruchsackes und in dem Zusammenheften des Bruch- ringes oder der Ränder der Bruchöffnung,— in der Ab- sicht: eine organische Verschlielsung durch Verwach- sung derselben zu bewirken. Sie ist indizirt: wenn solche Brüche geheilt werden sollen, bei deren Unter- suchung oder bei den Repositions-Versuchen sich er- giebt, daſs das im Bruch befindliche Eingeweide mit der innern Fläche des Bruchsackes verwachsen ist; auch bei solchen eingeklemmten Brüchen„ die sich ohne Bloſsle- gung der Eingeweide nicht reponiren lassen, und wenn ein Bruch bereits ohne Erfolg auf andere Weise behan- delt worden, und der Bruchring groſs ist. Der letzte Umstand ist allerdings derjenige, welcher am wenigsten, und am wenigsten genau die Anwendung dieses eingrei- fenden Verfahrens begründet; denn auch Brüche mit groſser Bruchöffnung erhalten sich oft lange in gleicher Gröſse, und lassen sich mehrentheils durch ein richtig gewähl- tes und geschickt und consequent ausgeführtes Palliativ- Verfahren sehr beschränken oder heilen; auſserdem sind aber gerade sehr groſse Bruchöffnungen auch durch die Radikal-Operation nicht sicher zu heilen, weil es nicht immer möglich ist, die Ränder solcher Bruchöffnungen vollständig zu vereinigen oder sie vereinigt zu erhalten. Dies muſs, bevor man in solchen Fällen an die Radikal- Operation geht, um so mehr erwogen werden, da bei dem Nichtgelingen derselben das Thier in einen gefähr- lichern Zustand versetzt wird als vorher, und da auch die weitere Behandlung des Bruchs dadurch immer viel schwieriger geworden ist. Das mit dem Bruch behaftete Thier wird durch ma- gere Diät und Laxirmittel vorbereitet, dann so niederge- legt, daſs die Bruchstelle am höchsten liegt; die Füfse jeder Seite werden nöthigenfalls mit einander zusammen- gebunden.— Dann scheert man auf der Bruchgeschwulst die Haare ab und macht die Reposition der Eingeweide (so fern dieselbe möglich), in der im§. 77. angegebe- nen Art recht vollständig. Hierauf legt man bei Nabel- brüchen den leeren Bruchsack in eine OQueerfalte, bei Flankenbrüchen aber in eine Längenfalte(der Längen- richtung des Körpers entsprechend), und durchschneidet Erstere gerade auf der Mittellinie des Leibes, die Letz- tere aber in dem Verlaufe der Fasern des äufsern schie- fen Bauchmuskels so lang, wie der Bauchring sich von einem Ende zum audern erstreckt. praktische Regel zu beachten: daſs man bei dem Erfas- sen der Hautfalte die Finger so nahe als möglich ge- Hierbei hat man als gen die Bauchwand anlege, um so die etwa in einem Moment hervordrängenden Eingeweide zurück zu halten, daſs man dennoch aber die Falte von der Bauchwand abziehe und sie während des Durchschneidens recht fest halte. Wird das Thier hierbei unrubig und drängt die Eingeweide gegen den Bruch, so hält man mit dem Schneiden inne und sucht dieselben durch Gegenlegen der Hände(ohne die Falte loszulassen) in der Bauch- höhle zurück zu halten; sind sie aber herausgetreten, so bringt man sie, sogleich wie das Thier mit dem v“ 8——— d “ Drängen nachläſst, wieder zurück und fährt mit der Operation fort. 7.* Nach dem Durchschneiden der Haut bringt der Ope- rateur die Finger seiner linken Hand in die Bruchöff- nung, um sowohl die Eingeweide in der Bauchhöhle zu- rückzuhalten, wie auch, um sie gegen Verletzung bei den folgenden Operationsakten zu schützen. Bei gro- ſsen Bruchöffnungen, welche mit den Fingern einer Hand nicht vollständig ausgefüllt werden, muſs ein Gehülfe für diesen Zweck angestellt und unterrichtet sein.— Da die Ränder des Bruchringes fast immer entweder etwas verdickt(callös) oder ungleich sind, so hat man weiter die Aufgabe: sie zur schnellen Vereinigung da- durch geeignet zu machen, daſs man sie entweder blos skariſizirt, oder, daſs man sie an den ungleichen und am meisten verdickten Stellen beschneidet und sie hier- durch nicht nur in frische Waundränder umwandelt, son- dern ihnen auch eine, zur gegenseitigen Vereinigung passende Richtung giebt. Das Skarifiziren geschiehet mittelst eines Knopfbistouri rund um den Rand und so, daſs 2 Linien tiefe Einschnitte, einer vom anderen etwa 2 Linien entfernt, in schräger Richtung angebracht wer- den. Das Beschneiden an dicken und derben Stellen der Bruchränder verrichtet man ebenfalls mit diesem Bi- stouri, wo es aber weiche, faserige Theile, Zellgewebe oder Fett betrifft, geschieht es mit einer Scheere.— Aufserdem muſs man noch den Bruchring, wenn er rund und wenig nachgiebig ist, und deshalb ein ebenes An- einanderlegen seiner Ränder nicht gestattet, an den bei- den Stellen, welche die Winkel der Wunde darstellen sollen, vorsichtig gegen 6— 9 Linien lang einschneiden, dann die hiernach entstandenen Ecken abtragen und auf diese Weise der Oeffnung eine ovale Form geben. Ist der Bruchsack groſs, deshalb nach geschehener Reposi- tion eine Partie der Haut überflüssig über die Ränder des Bruchringes hervorstehend, so schneidet man sie bis an dieselben ab, damit sie mit ihnen parallele Wund- ränder bilden und gleichmäfsig zusammengeheftet wer- den können. 4 Hierauf legt man die Knopfnath in der Art an: daſs man mit krummen Nadeln,— welche für Pferde und Rinder mindestens 3 Linien, für die kleinern Thiere 1 bis 2 Linien breit und mit entsprechend breiten Heft- bändchen versehen sein müssen,— die Wundränder von innen nach aufsen durchsticht, indem man die Nadel dicht neben dem Bauchfell in die Muskelsubstanz einsetzt und sie in schräger Richtung zur Haut führt, so daſs sie daselbst wenigstens eben so weit vom Rande eutfernt, wie derselbe dick ist, zum Vorschein kommt. Der erste Heft wird ganz nahe an einem Winkel der Bruchöffnung, und jeder folgende stets nach einem Zwischenraum von 8— 12 Linien angelegt. Ist dies geschehen, so läſst man durch einen Gebülfen mit den flachen Händen die Bauchwände von beiden Seiten gegen die Bruchöffnung so weit zusammendrücken, daſs die Ränder des Bruch- ringes sich fast berühren. In diesem Moment ziehet man die, bis dahin zum Zurückhalten der Eingeweide in die Bruchöffnung gelegenen Finger hervor und bindet die Enden der Heftbänder in einfache Knoten zusammen und legt auf letztere aufziehbare Schleifen. Dabei dürfen die Heft- — ͤ an sie eutwedet i deu ungleichen ni Aneidet und sie lier. der nanbi, a aseitigen V karifiziren gescbiehe um den Rand undg, der vom auderen ea tung augehracht wa. a und derben Steller enſalls mit desem Bi⸗ e Theile, Zellgewehs nit einer Scheete.- achring, wenn er nul shalb ein ebenes Au- gestattet, an den bä- der Wunde dassitèlen ken abtragen unl af rale Form geben. 1 — 121 Heftbänder nur so straff angezogen werden, daſs die Wandränder sich eben berühren, und sämmtliche Kno- ten müssen an eine Seite des Wundrandes gelegt wer- den. Zuletzt legt man auf die Operationsstelle eine Com- presse von 6— Sfach zusammengelegter weicher Lein- wand und darüber eine um den Leib gehende breite Binde(im Nothfall einen oder ein Paar Gurte), um den Zerrungen der Bauchwände entgegenzuwirken, welche beim Aufstehen des Thieres vom 1Operationslasor unver- meidlich erfolgen. Eine Abweichung von diesem Verfahren tritt in den- jenigen Fällen ein, wo die Eingeweide wegen Ver- wachsung oder Einklemmung nicht aus dem Bruchsack entfernt werden können. Hier kann man nämlich ent- weder keine, oder nur eine kleine Hautfalte, und auch diese nicht gerade auf der Mitte des Bruchsacks bilden, und muſs daher zuerst immer an verschiedenen Stellen durch Drücken die Eingeweide von der Haut entfer- nen, um den Punkt zu finden, wo sich die letztere in eine Falte aufheben läſst. Man durchschneidet sie vor- sichtig, bringt einen Finger in die gemachte Oeffnung und erweitert dieselbe auf ihm mittelst eines Knopfbi- stouri's in der Richtung, welche der Längenrichtung der Bruchöffnung entspricht.— Wo sich eine Falte wegen zu groſser Spannung der Haut gar nicht bilden läſst, mufs man dieselbe von aufsen nach innen vorsichtig ein- schneiden und dann eben so verfahren. Hierauf trennt man die vorgefundenen Adhäsionen der Eingeweide theils mit den Fingern, theils mit dem platten Stiel eines Skal- pells, oder selbst mit der Schneide des Messers, wobei jedoch jede Verletzung der Gedärme vermieden werden muſs, sondern eher die innere Fläche des Bruchsackes eingeschnitten werden kann, wenn die Trennung ohne Verletzung nicht möglich erscheint. Nach geschehener Trennung der Eingeweide bringt man letztere in die Bauchhöhle zurück und verfährt im Uebrigen so, wie oben angegeben ist. Was bei Einklemmung geschehen soll, wird im Folgenden(S§. 82.) angegeben. Die Nachbehandlung beruhet auf ruhigem Verhalten, wobei die groſsen Thiere anhaltend stehen müssen, dabei in ganz magerer Diät, und in einem antiphlogistischen Verfahren, wenn sich eine Spur von Entzündung im Bauche zeigt. Die Hefte werden nach 5— 6 Tagen entfernt, worauf die Wunde nach allgemeinen Regeln besorgt wird. §. 79. Bei den Leistenbrüchen ist wegen des Vorhan- denseins des Saamenstranges und des Hodens, wie auch wegen der Beschaffenheit der um den Leistenring lie- genden Theile, das Palliativ- und das Radikalverfahren abweichend von dem, im Vorstehenden angegebenen; und auch die Bedeutung dieser Operationen ist gröfser, in- dem dieselben bei unverschnittenen männlichen Thieren fast immer mit der Entfernung des Testikels an der lei- denden Seite unvermeidlich verbunden sind. Die Indikationen zur Operation sind hier zwar ganz dieselben wie bei den Nabel- und Flankenbrüchen(§. 76.), aber die Nothwendigkeit zur Operation tritt bei den Lei- stenbrüchen, namentlich wenn sie frisch entstanden sind, viel öfter ein, weil dieselben sich am häufigsten einklem- men und deshalb die meiste Gefahr mit sich führen. Je früher aber die Operation unternommen und gut aus- geführt wird, um desto besser ist ihr Erfolg. Sowohl zur Ausführung der Reposition, wie auch der Operation müssen die Thiere auf dem Rücken und mit erhöhetem Becken liegen, wobei die Füfse jeder Seite mit kreuzweis über einander gelegten Schienbei- nen zusammengebunden sind und mittelst des Beigurtes, der mit dem einen Ende an das eine Fufspaar befestiget, mit dem andern Ende queer unter dem Rücken hinweg- geführt und um das andere Paar der Füſse gewickelt ist, mälſsig gegen den Leib heruntergezogen und durch Gehülfen etwas auseinander gehalten werden. Die Reposition dieser Brüche kann entweder durch Zurückdrängen oder durch Zurückziehen der Einge- weide, und Beides auf verschiedene Weise géschehen, nämlich: a) durch den Hodensack, ohne künstliche Oeff- nung desselben; 5) mit Oeffnung des Hodensackes, aber ohne Oeffunung der Scheidenhaut(welche immer den in- nern Bruchsack bildet);) mit gleichzeitiger Oeffnung der letztern, entweder an dem Halse oder an dem Grunde des Bruchsackes; d) per anum et rectum, entweder allein oder in Verbindung einer der eben bezeichneten Methoden; und— 2) durch eine in der Fhakengesen gemachte eindringende Bauchwunde. Die erste, und eben so die sub d genannte Me- thode gewaähren den Vortheil, dafs, wenn die Zurück- bringung vollständig gelingt, ein weiteres akiurgisches Eingreifen und auch die Castration vermieden wird. Letateres ist zwar auch bei dem Verfahren sub e der Fall, aber die für das Einführen der Hand erforderliche Gröſse der Bauchwunde ist an sich selbst ein solcher Umstand, aus welchem Gefahr entstehen kann. Bei dem Zurückziehen der Eingeweide aus dem Bruch in die Bauchhöhle bei dem Verfahren d und e wird der Bauch- ring nicht so ausgedehnt wie bei dem Zurückdrängen der Eingeweide in und durch letztern von auſsen her, und in Folge dessen gewähren die genannten Methoden vermittelst des Zurückziehens der Eingeweide auch fär die Zurückerhaltung des Bruchs mehr Sicherheit. Diese Umstände mufs man bei der Wahl der einen oder der andern Repositions-Methode erwägen, dabei aber auch wissen: dafs es nicht immer gelingt, einen Leistenbruch gerade nach einer Methode zu reponiren, sondern daſs man oft genöthiget ist, nach vergeblichen Versuchen hier- mit zu einer andern Methode überzugehen oder auch sie mit einander zu verbinden. Bei Ausführung der sub a genannten Methode er- greift man mit der linken Hand den Testikel der Seite, wo der Bruch besteht und ziehet den Saamenstrang all- mälig ganz straff. Dann fühlt man rund um den letz- tern bis zum Bauchringe hin, wie die Eingeweide ne- ben oder um den Saamenstrang liegen, und schiebt sie sämmtlich nach derjenigen Seite, an welcher man sie am Eingange in den Bauchring neben dem Saamen- strange fühlt, damit der letztere frei nach der entgegen- gesetzten Seite gezogen werden kann und bei dem Zu- rückschieben der Eingeweide kein Hinderniſs macht. Hierauf giebt man den Testikel einem Gehülfen zum Hlaltan, und drückt mit den Fingerspitzen beider Hände 31 abwechselnd denjenigen Theil der Eingeweide, welcher zunächst dem Bauchringe liegt, in diesen hinein,— und so allmälig weiter die folgenden Theile. Nachdem das Ende in den Bauchring so tief, wie nur der Finger ein- zudringen vermag, hineingedrückt ist, führt man(bei groſsen Thieren) eine Hand in den Mastdarm bis zur Gegend des Bauchringes und fühlt daselbst, durch die Häute dieses Darmes, ob die innere Fläche der Bauch- wand ganz glatt und frei ist, oder ob ein Darm an der innern Oeffnung des Bauchringes noch festsitzt? Im letz- tern Falle wäre die Reposition nicht ganz gelungen und müſste dadurch vervollständigt werden, dafs man mit der Hand das am Bauchringe sitzende Darmstück durch den Mastdarm ergreifen und mit gelindem Ziehen aus dem Bauchringe zu lösen sucht,— was wohl nicht im- mer sogleich, doch nach und nach gelingt. Ist dies ge- nügend geschehen, so kann man das Thier sogleich, oder erst, nachdem es noch während 5— S Minuten lie- gend erhalten worden ist, aufstehen lassen und es dann weiter angemessen stellen und behandeln. Das Nieder- halten des Thieres nach der Reposition ist von einigen Thierärzten in der Absicht empfohlen: dals theils die in die Bauchhöhle zurückgebrachten Eingeweide sich da- selbst erst gehörig accomodiren sollen, theils auch, daſs der Bauchring sich erst fester zusammenziehen soll, ehe das Thier aufsteht. Ob jedoch der letztere Zweck im- mer erreicht wird, ist sehr zweifelhaft, da die Thiere sehr häufig Anstrengungen machen, sich aus der unbe- quemen Lage zu befreien und dabei die Eingemeide wie- derholt hervordrängen. Gelingt aber dies ganze Repasitionsverfohten nicht, oder hat man die Absicht, den Bruch durch Operation zu beseitigen, so kann man zunächst durch Spaltung der Häute des Scroti die gemeinschaſtliche Scheidenhaut bloſslegen. Für diesen Zweck macht man mit Unter- stützung eines Gehülfen an der betreffenden Seite des Hodensacks eine, über den Grund desselben gehende Queerfalte, welche man möglichst weit von den in der Scheidenhaut liegenden Eingeweiden abzieht und sie dann durchschneidet, so daſs bei groſsen Thieren eine etwa 4 Zoll lange Trennung der äuſsern und der wei- ſsen Hodensackshaut(Tunica darlos) entsteht. Hierauf trennt man letztere Haut bloſs mit den Fingern von der gemeinschaftlichen Scheidenhaut(dem innern Bruchsack) an der vordern Seite derselben bis zu dem Bauchringe, um hierdurch sowohl für die weitere Manipulation den nöthigen Baum zu gewinnen, wie auch um besser durch die entblöſste Haut fühlen zu können. Nachdem dies geschehen, läfst man den Hoden durch einen Gehülfen ergreifen und den Saamenstrang straff anspannen, wäh- rend der Operateur mit den Fingerspitzen die, am Bauch- ringe zunächst liegende, Partie der Därme in denselben zurückzudrängen sucht. Man verfährt dabei so, daſs man mit den Fingern der einen Hand den in den Lei- stenkanal eben hineingedrängten Darmtheil zurückhält, bis mit den Fingern der andern Hand der nächstfol- gende Theil eben dahin gebracht ist,— und so weiter auch die übrigen Theile.— Auch hier kann man die Reposition durch Einführen der Hand in den Mastdarm und durch Ergreifen des innerlich an dem Bauchringe alejehi festsitzenden Darmstückes sehr befördern; und jedenfalls muls man sich auf diesem Wege überzeugen, daſs sie vollständig geschehen ist.— Will man gern den Testi- kel erhalten, so kann nun die Operation als beendet be- trachtet und die Wunde des Hodensackes in gewöhnli- cher Weise mittelst der Knopfnath geheftet werden; will man aber lieber den Bauchring mehr dauernd ver- schliefsen, so verfährt man wie weiter unten angege- ben ist. Das sub e genannte Repositionsverfsiten, wird da nothwendig, wo die eben betrachteten Methoden nicht ausreichend waren. Man macht zuerst die Spaltung der Hodensackhäute und das Abtrenaen derselben von der gemeinschaftlichen Scheidenhaut ganz so wie im Vor- hergehenden angegeben ist,— ergreift dann mit der Pinzette die Scheidenhaut ganz oberflächlich, hebt sie in eine kleine Queerfalte auf und schneidet sie in der Län- genrichtung des Saamenstranges durch, jedoch erst, nachdem man sich durch das Befühlen derselben über- zeugt hat, dafs von dem in dem Bruchsack befindlichen Darm nichts mit ergriffen ist. In die so gebildete kleine Oeffnung steckt man die Spitze des linken Zeigefingers, drängt hiermit den Darm von der Scheidenhaut ab, setzt ein Knopfbistouri mit dem Rücken gegen diesen Finger in die Oeffnung, und, indem man den Finger und das Messer langsam vorwärts schiebt, erweitert man die Oeffnung in der Richtung nach dem Bauchringe hin 80, dafs sie für zwei Finger Raum gewährt. Hierauf führt man die Zeigefinger beider Hände ein und drängt den Darm auf die oben angegebene Weise nach und nach in den Leistenkanal. Ist dies vollständig gelungen, so kann man auch hier, wie bei der vorigen Methode, sich mit der bloſsen Reposition begnügen, und in diesem Falle die Wunde des Hodensacks durch Hefte vereinigen, oder auch die Verschliefsung des Bauchringes durch ein wei- teres operatives Verfahren zu bewirken suchen. In dem ersteren Falle kann die Heilung möglicherweise durch Verwachsung des Saameustranges mit der Scheidenhaut gelingen; es kann aber auch Eiterung und brandige Zerstörung innerhalb des Scroti eintreten und man muſs daher auf die nach diesem Verfahren eintretenden Zu- fälle sehr aufmerksam sein. Die Reposition der Därme(und des Netzes) dareh Eiuführen einer Hand in den Mastdarm ist von Wal- dinger ¹), Roupp*), Delafoy), Girard ³), Jes- sen ⁵) u. A. empfohlen und von mir selbst in mehrern Fällen mit dem besten Erfolge ausgeführt worden. Die Spezielle Beschreibung ihrer Ausführung übergehe ich, da sich hierüber das Bohhheee aus dem Vorstehenden Die Methode, durch eine Wunde in der Flanke mit der Hand in die Bauchhöhle einzudringen und den in den Bauchring getretenen Darmtheil durch Zurückziehen zu ¹) Therapie oder e Heiirerfalren etc. Wien und Triest. 1813. . 3306. H *) Reeueil de Médec. vétér. 1826. p. 4. ³¹) Ebendas. p. 545. ⁴) Traité des hernies inguinales dans le cheval et autres monodac- tyles. Paris 4827. Avec 7 7 planch.(Fol.) ) Magazin f. d. ges. Thierheilk. Bd. VI. S. 200. 4, erweitert man är em Bauchringe lin a, 2währt. Uierauf füht 2 ein und drängt de eise nach und mal u dig gelungen, 8o Kanl geu Methode, dich u nnd in diesen Fdl Heſte vereiuigen dlt ringes dureh eiu fe- licken suchen, lie —- 223— reponiren, ist zuerst von Renault(Recueil, 1836. p. 459) angedeutet und dann von Duttenhofer ausgeführt wor- den(Magazin für die gesammte Thierheilkunde. 1839. Bd. V. S. 485). Duttenhofer machte dabei einen 3 Zoll langen horizontalen Schnitt 1 Zoll hinter den Rippen nach dem Darmbeinswinkel zu,— was nicht zweckmäſsig war. Besser verfährt man so: das Thier wird auf die gesunde Seite niedergelegt, und der Operateur stellt sich an dessen Rücken. Nachdem die Haare auf der Flanke an der Bruchseite auf einer Fläche, die 5 Zoll von oben nach unten lang und 3 Zoll breit ist, abgeschoren und auf das Genaueste entfernt sind, beginnt man in der Mitte zwischen dem äufsern Darmbeinswinkel und der letzten Rippe den Einschnitt in die Haut und führt denselben 4— 5 Zoll lang in et- was schräger Richtung von oben und hinten nach unten und vorn. Eben so durchschneidet man die Bauchmus- keln, öffnet dann durch einen Einstich das Bauchfell an dem obern Wundwinkel und trennt es vorsichtig auf dem, in die Oeffuung gebrachten Zeigefinger der linken Hand, bis zum untern Winkel der Wunde. Hierauf führt man die mit Schleim bestrichene Hand nebst Arm in die Bauchhöhle(und zwar die rechte, wenn die linke Seite des Thieres oben liegt, entgegengesetzt aber die linke), gleitet an der innern Fläche der Bauchwand zum Bauchringe, sucht das in denselben getretene Darm- stück auf, ziehet es gelind aus demselben zurück, und heftet dann die Wunde nach allgemeinen Reboln. 521§. 80. Die Palliativ-Operation der Leistenbrüche hat den DAneoßr eine oberflächliche Verschliefsung des Bauch- ringes zu bewirken, hierdurch die Eingeweide mehr dauernd zurückzuhalten und die Brüche zu heilen. Dies kann hier nur dadurch erreicht werden, daſs die ge- meinschaftliche Scheidenhaut so nahe am Bauchringe als möglich zusammengepreſst, in adhäsive Entzündung ver- setzt, und dadurch zur gegenseitigen Verwachsung ihrer innern Fläche, und wo möglich des Bauchringes selbst, gebracht wird. Das Verfahren hierzu ist von zweierlei Art, indem man nämlich: a) den Saamenstrang mit der Scheidenhaut zusammen unterbindet, oder— 5) diese Theile mit einer Kastrirkluppe comprimirt. Für beide Methoden muſs das Thier auf dem Rücken liegen, das Becken erhöhet sein, der Hodensack auf dem betreſfenden Hoden in der Längenrichtung gespal- ten, der Bruch vollständig reponirt und die Scheidenhaut von der sie umgebenden Tunica dartos rund herum und bis an den Bauchring abgetrennt sein. a) Hierauf zieht man den Saamenstrang mit der Scheidenhaut gleichmäſsig hervor, um Falten, welche sich in der Nähe des Bauchringes gebildet haben könn- ten, auszugleichen, und legt dann äuſserlich auf die Scheidenhaut, so nahe an den Letztern als möglich, eine von einer mäſsig dicken Schnur gebildete Schlinge, die man recht fest zuschnürt und einen Knoten darauf bindet. Zuletzt schneidet man den Saamenstrang nebst Hode aufserhalb der Ligatur, etwa 1 Zoll von dersel- ben entfernt, ab und läſst das Thier aufstehen. 5) Bei der Operation mit der Kluppe ist die Vor- bereitung bis zur geschehenen Abtrennung der Schei- denhaut eben so wie zur Ligatur. Dam ziehet man den Saamenstrang nebst Scheidenhaut straff an, legt auf die Letztere, möglichst nahe an den Bauchring, eine starke, recht kurze Kastrirklappe ohne Aetzmittel, und dröckt und bindet dieselbe recht fest zusammen. Hiernach wird der Saamenstrang auſserhalb der Kluppe— und das Thier entfesselt. In beiden Fällen läſst man die rdlaettn Thiere im Stalle mit dem Hintertheile höher stellen, sie während 6— 8 Tagen nicht niederlegen, ihnen wenig und nur wenig nährendes, nicht blähendes Futter geben.— Oert- lich an der Operationsstelle sieht man täglich mehrmals nach, wie die Theile beschaffen sind, ohne dafs man eingreifend stört.— Die Kluppen werden nach 48 Stun- den so sauft als möglich abgenommen, dann die Wunde nebst Hodensack mit gelind aromatischen Flüssigkeiten fomentirt. Das Thier kann nach dem Abnehmen der Kluppen im Schritt geführt werden.— An der Ligatur- stelle entsteht nach 3 Tagen Eiterung und nach 8 Ta- gen Abtrennung, wobei eine ähnliche Behandlung wie vorstehend angegeben statt findet; doch können die Thiere schon nach 4 Tagen eine kleine Bewegung im Schritt erhalten. Anmerkung 1. Dieterichs führt noch ein Verlahren zur Heilung dieser Brüche an, bei dem auf den von der Scheidenhaut entblöſsten Saamenstrang, und nachdem derselbe durchschnitten und der Hode entfernt ist, ein halbkugelförmiger, in der Mitte mit einem Loche versehener Schwamm so hoch als möglich gegen den Bauchring geschoben und aufserhalb des Schwammes eine Kastrirkluppe gelegt wird. Letz- tere wird nach 48 Stunden entfernt und dann der Fall behandelt wie nach gewöhnlicher Kastration.— Dies Verfahren ist jedoch durchaus nicht zu empfehlen, be- sonders aber da nicht, wo Dieterichs es empfohlen hat, nämlich:„wo man der Weite des Bauchringes wegen annehmen muſs, daſs die Eingeweide wieder vorfallen würden oder gar da, wo dies als Thatsache schon bekannt ist.“ Denn unter diesen Umständen kann, selbst wenn der Schwamm während des Lie- gens des Thieres ganz nahe an den Bauchring ge- bracht ist, beim Aufstehen und später bei veränderten Stellungen des Thieres eine Erschlaffung des Saamen- stranges, in Folge dessen ein Nachgeben des Schwam- mes, und somit ein Wiederhervortreten der Eingeweide gelbst bis aus dem Hodensacke entstehen. Anmerkung 2. Wenn bei Wallachen Leisten- brüche bemerkt werden, so ist, nach vollständiger Repo- sition der Eingeweide und zugleich des Saamenstran- ges das Abbinden des Bruchsacks das beste Verfahren. Anmerkung 3. In jedem Falle, wo sich im Bruch ein Theil des Netzes vorfindet, besonders aber wenn dasselbe zerrissen ist, unterbinde man, etwa 2— 3 Zoll vom Bauchringe entfernt, die gröſseren Blutgefaſse, schneide die überflüssige Partie auſser- halb der Ligaturen ab und kehonire den Theil mit den Ligaturen. 87 §. 81. Die Radikal-Operation der Leistenbrüche besteht wieder in der Vereinigung der Ränder des Bruchringes 31* — (Leistenringes) vermittelst der Nath, um denselben durch adhäsive Entzündung dauernd zu verschliefsen. Sie ist schwerer ausführbar als die Palliativ-Operation, und bei sehr erweitertem Bauchringe, also namentlich bei alten und groſsen Brüchen, ist die Vereinigung des Bruch- ringes nicht allein sehr schwierig zu bewirken, sondern auch oft von unsicherem Erfolge. Dieser Verhältnisse wegen bleibt die Anwendung der Radikaloperation meh- rentheils nur auf diejenigen Fälle beschränkt, wo we- gen Einklemmung eine künstliche Erweiterung des Bauch- ringes mit dem Messer bewirkt worden ist und wo man einerseits die Aufgabe hat, diese Erweiterung zu be- seitigen, und wo andererseits bei der frischen Trennung die Aussicht besteht, daſs die Sahnelle. Veichuiginas ge- lingen werde. Zur Operation bedarf man, aufser den Gehülfen, welche das Thier niederhalten, noch eines besondern Gehülfen, der dem Operateur assistirt und dabei auch namentlich die Gedärme zurückhält, wenn dieselben bei den Anstrengungen des Thieres mit Gewalt hervordrängen. Das Thier wird, wie im§. 79. angegeben, auf den Rücken gelegt und die Reposition versucht; das Scro- tum, und dann die gemeinschaſtliche Scheidenhaut wer- den vor oder nach geschehener Reposition,— wie dies die Beschaffenheit des Bruchs gestattet,— vorsichtig geöffnet(§. 79.); die etwa angewachsenen Theile wer- den eben so vorsichtig abgelöset, ein degenerirter oder Zerrissener Theil des Netzes aber, nachdem seine grö- ſsern Gefäſse unterbunden sind, ren abgeschnitten und darauf die Reposition dieser Theile bewirkt.“ Hierauf sucht man die Saamenarterie auf(die man an ihrer eigenthümlichen Derbheit und durch das Pulsi- aufserhalb der Ligatu- ren von den übrigen Theilen des Saamenstranges unter- scheidet), legt sie, so nahe am Bauchringe als möglich, mit einem 1 Zoll grofsen Längenschnitt frei und unter- bindet sie,— schneidet dann den Saamenstrang auſser- halb der Ligatur queer durch und schiebt ihn, nachdem man sich überzeugt, daſs keine Blutung mehr besteht, vollständig durch den Leistenring in die Bauchhöhle zu- rück. Eben so bringt man bei Thieren, welche bereits seit längerer Zeit kastrirt sind, den Ueberrest des Saa- menstranges in die Bauchhöhle. Nun geschieht das Heſten des Bauchringes, indem man eine gekrümmte, gegen 2 Linien breite Heftnadel mit entsprechend breiten, recht glatten Bändchen so in den Bauchring einführt, daſs die Spitze der Nadel bis zu dem Einstechen derselben an der innern Fläche der Bauchwand durch die Spitze des Zeigefingers bedeckt bleibt. Man macht den ersten Einstich in der Nähe des innern(hintern) Winkels des Bauchringes an dem einen Rande, etwa 3— 4 Linien von demselben entfernt, von innen nach auſsen, so daſs die Spitze der Nadel an das Bauchfell gesetzt und durch die ganze Dicke des Ran- des queer durchgeführt wird. Darauf legt man die Na- del an das andere Ende des Bandes und verfährt an dem, dem ersten Einstich gegenüber befindlichen Rande eben so. Solche einzelne Heſte legt man in Zwischen- räumen von ¾— 1 Zoll, je nach der Gröſse der Bruch- öffnung, 2 bis 4 an. Zuletzt werden die Ränder vor- sichtig zusammengezogen und die beiden Enden jedes einzelnen Heftes für sich entweder bis an den Bauch- ring fest zusammengedrehet und dann gemeinschaftlich mit den andern Heften oberflächlich überdrehet,— oder man bindet sie einfach zusammen und legt auf den ein- fachen Knoten eine aufziehbare Schleife. Die Enden blei- ben etwa 2 Zoll lang aus der Wunde des Hodensacks hervorhängend. Das Thier muſs möglichst ruhig aufstehen,i im Stalle mit dem Hintertheil höher stehen und im Uebrigen so behandelt werden, wie dies in dem vorigen§. angedeu- tet ist.— Nach 4— 6 Tagen kann man versuchen, die zugedreheten Enden der Hefte durch Zurückdrehen auf- zulösen, dann ein Ende in der Nähe des Bauchringes mit der Scheere abzuschneiden und sie dann herauszie- hen; wenn man sie zugebunden hatte, ziehet man die Schleife auf, schneidet dann das eine, recht straff ange- zogene Ende ebenfalls mit einer Scheere in der Nähe des Bauchringes durch und entfernt es. §. 82. B. Die bei allen Brüchen mit Einklemmung nothwendige operative Hülfe besteht: 1) in dem Oeff- nen der Bruchhüllen, um zu dem Bruchringe gelangen zu können;— 2) in dem kunstmäſsigen Einschneiden in den letztern, um ihn zu erweitern und bierdurch den zur Reposition nöthigen Raum zu schaffen;— 3) in der Reponirung der vorgetretenen Eingeweide; und— 4) in dem Verschlieſsen des Bruchringes. Die erste Aufgabe wird, hinsichtlich der Lage des Thieres u. s. w., ganz auf die nämliche Art erfällt, wie dies in den vorhergehenden§.§. 77— 81. angegeben ist; jedoch hat man hier bei dem Durchschneiden der Haut stets die gröſste Vorsicht zu beachten, um Ver- letzungen der gewöhnlich ganz unmittelbar an der in- nern Fläche der Bruchhüllen liegenden Eingeweide mög- lichst zu vermeiden. Man macht daher eine kleine Haut- falte und durchschneidet diese langsam nur so weit, daſs man einen Finger in die Wunde bringen kann. Letz- teres geschieht dann immer so, daſs a) der Finger in der Richtung nach dem Bruchringe zu, und 5) daſs er bei Brächen, welche einen innern Bruchsack haben, zwischen diesem und der Haut liegt, bei andern Brü- chen aber zwischen den Eingeweiden und der Haut. Die Letztere wird dann mit einem, auf dem eingelegten Finger geleiteten Knopfbistouri so weit gespalten, daſs man den Bruchring erreichen kann. Bei den Brüchen mit einem innern Bruchsack offnet man dann auch eben so diesen. Nachdem nun die Reposition vergeblich versucht worden ist, mufs die Erweiterung der Bruchöffnung be- wirkt werden. Hierzu setzt man den Zeigefinger der linken Hand so gegen den Bruchring, dals der Nagel des Fingers gegen die eingeschnürten Eingeweide ge- kehrt ist, und drängt ihn sanft ein wenig zwischen diese und den Bruchring. Die Stelle, wo dies gesche- hen soll, ist bei Nabel- und Flankenbrächen ziemlich gleichgültig, bei Leistenbrüchen aber nicht, weil bei letzteren der Bauchring mit Zweigen der Bauchdecken- arterie und der äufsern Saamenarterie an seinem innern Winkel, am hintern und gröſstentheils auch an dem vordern mit Einklemnn, bt: 1) in dem Odl. Bruchringe geluge näſsigen Einschmeiden ern und bierdurel dei schaffen;— 3) in de eweide; und— Hu 4.7 sichtlich der Lage de mliche Art erfüll, wis .77- 81. augegeien Darehschneiben i a beachten, un fer unmittelbar an der i- aden Eingeweide nig aher eine Kleine Hau- gsam nur so wei, iud bringen kann. la — vordern Rande umgeben ist, daher nur der vordere Rand nach dem äufsern Winkel zu eingeschnitten werden kann, ohne die Gefahr einer starken Blutung mit sich zu führen.— Von dem so angesetzten Finger hält ein Gehülfe die vorgedrängten Eingeweide zurück. Der Operateur führt dann ein gerades Knopfbistouri, den Rücken desselben gegen jenen Finger gelehnt, bis zum Bruchringe, drückt den Kuopf ein wenig zwischen den Rand des Bruchringes und die Fingerspitze, neigt den Stiel des Messers schräg gegen die Bauchmuskeln und schneidet so den Rand des Bruchringes von aufsen her gegen 1 Linie tief ein. Fühlt man hiernach an dem Finger ein Nachgeben des bisher sehr gespannten Rin- ges, so entfernt man den Finger und das Messer und versucht die Reponirung der Eingeweide; besteht aber die Spannung unverändert fort, so schiebt man den Fin- ger und das Messer noch ein wenig tiefer in den Ring und wiederholt das Einschneiden, bis die Spannung ge- hoben ist und die Fingerspitze leichter eindringt. Fast niemals ist ein über 2 Linien tiefer Schäitt hierzu er- forderlich. Die Zurückbringung der Eingeweide geschieht nun leicht auf die früher angegebene Weise. Zur Verschlieſsung des Bruchringes benutzt man hier am besten das Heften desselben(die sog. Radikal- operation) mittelst der Knopfnath. Diie Nachbehandlung ist nach den bereits in den vorhergehenden§.§. angegebenen Andeutungen, auſser- dem aber nach den Regeln der speziellen Therapie wie bei Darmentzündungen zu leiten. Sie mufs daher mehr als bei andern Brüchen antiphlogistisch sein. §S. 83. C. Der sogenannte innere Bauchfellsbruch oder Ueberwurf bei verschnittenen Ochsen ist ein, den eingeklemmten Darmbrüchen ganz ähnlicher patholo- gischer Zustand, welcher darin besteht, dafs: 1) der in dem Bauche liegende Theil des Saamenstranges, in Folge des rohen Abreiſsens der Hoden beim Kastriren, gewaltsam ausgedehnt und nachher erschlafft ist;— 2) dafs durch dieselbe Einwirkung die faltenartigen Platten des Bauchfells, welche die Saamenarterie, die Saamenvene und der Saamennerv vor dem Becken, an jeder Seite desselben von oben bis zu dem Bauch- ringe einschlieſsen,— so wie auch die Falte des Bauchfells, welche durch den Verlauf des in ihr ein- gehüllten vas deferens vom innern Bauchringe gegen den Grund der Harnblase hin gebildet wird, über- übermãſsig gezerrt, ausgedehnt, und später durch den Andrang der Gedärme zerrissen wird;— 3) daſs auf diese Weise in einer von diesen Falten des Bauchfells eine Oeffnung entsteht, welche an einer Seite durch die obliterirte Saamenarterie und Saamenvene(oder von dem vas deferens) wie mit einem Bande begränzt ist; und— 4) daſs, bei einer niedrigen Stellung des Beckens, ein Theil des Leer- oder des Krummdarms sich durch diese Oeffnungen von vorn nach hinten durchdrängt, dann sich um die genannten Gefälse wieder nach vorn umbeugt und sich hierdurch von einer Seite her förmlich ein- schnürt.— Erst in Folge der Einschnürung entstehen 125— Krankheitserscheinungen, wie hauptsächlich: Traurig- keit, Aufhören des Appetits und des Wiederkäuens, Unruhe, Stampfen mit den Beinen, Schlagen mit den Hinterbeinen gegen den Leib, öfteres Trippeln mit denselben, Wedeln und Drehen mit dem Schwan- z6, Niederlegen und baldiges Wiederaufstehen, wo nach demselben das Thier den Rücken zuerst wie gewöhnlich streckt, dann ihn aber tief einsenkt; glotzende Augen, erhöhete Temperatur, kleiner, har- ter, sehr wenig vermehrter Puls, öfterer Abgang von kleinen Quantitäten Kothes, welcher später(nach etwa 24— 48 Stunden) entweder nur in einzelnen, schwar- zen kleinen Ballen von festem Schleim erfolgt oder meh- rentheils ganz aufhört;— später Kaltwerden der Hör- ner, der Ohren und Füfse, und Aufziehen des Scro- tums an der rechten Seite. Führt man, durch diese Erscheinungen veranlaſst, eine Hand in den Mastdarm, so findet man an der rechten Seite vor dem Schaambo- gen, in der Nähe des rechten Bauchringes einen, über einem schnurartigen, gespannten Strange hängenden Darmknäuel. Nach den Beobachtungen von Oesterlen 1), 8 Anker ²), Böhm ³), Aichele*¹), Eisele ³), Mäl- ler ⁵) und Rychner ¹) ist dieser Zustand mehren- theils nur an der rechten Seite des Leibes gefunden worden,— was seinen Grund darin haben mag, daſs an der linken Seite der Wanst auf den bezeichneten Falten des Bauchfells liegt und dieselben zusammen- drückt. Sich selbst überlassen„endet der Zustand immer mit dem Tode; durch Kunsthülfe ist er jedoch in den meisten Fällen, wenn noch nicht Brand der Eingeweide entstanden, sicher zu heilen. Die Hälfe besteht in der Auflösung der Einschnü- rung, und diese kann entweder: a) durch den Aſter auf unblutige Weise, oder— 5) mittelst einer in der rechten Flanke gemachten Bauchwunde bewirkt werden. 3³.) Auf ersterem Wege kann man wieder in zweier- lei Weise versuchen, die Einschnürung zu heben, indem man entweder nach der Angabe von Rychner und Aichele die einfache Reposition des eingeschnürten Darmstückes aus der Becken- in die Bauchhöhle,— oder, indem man nach Eisele die Zerreiſsung der spannenden Schnur zu bewirken sucht. Für jenen Zweck richtet man mit der eingeölten Hand in dem Mastdarme das, um die von dem Saamen- strange gebildete Schnur gewickelte, Darmstück zuerst gerade, treibt dann durch gelindes Drücken den etwa in ihm augesammelten Koth von der eingeschnürten Stelle des Darms, und drückt hierauf Letztern entweder von hinten nach vorn durch die Oeffnung, oder, man ziehet ihn auch, indem man die Hand vor die Einschnürung führt, ¹) Magazin für theoret. und prakt. Thierheilk. etc. von Teuffel. Bd. 1. Heft 1. S. 74. ²¹) Prakt. Abhandl. u. Heilung des Ueberwurfs etc. Bern, 1824. *) Repertorium der Thierheilk. v. Hering. Bd. 1. Heft 1. 1840. S. 57. ¹⁴) Ebendas. Bd. 1. Heft 2. S. 135. ³) Ebendas. Bd. 1. Heft 3. S. 217. ⁵) Archiv f. Thierheilk. von einer Gesellsch. Schweizer Thierärte Neue Folge Bd. II. 1832. S. 121. *) Rychner, Bujatrik. Bern, 1835. 32 — 126 von vorn her in die Bauchhöhle. Das Verfahren gelingt gewöhnlich nicht, wenn die Umwickelung doppelt, wenn viel Koth in den Gedärmen ist und wenn bereits Adhäsionen durch plastische Ausschwitzung eingetre- ten sind. Aber wenn auch dies Verfahren vollständig gelingt, so ist doch der Erfolg für die Zukunft sehr unsicher, weil die Bruchöffnung fortbesteht und daher leicht ein wiederholtes Durchtreten der Eingeweide statt finden kann. Deshalb verdient das von Eisele empfohlene Zer- reiſsen der gespannten Schnur den Vorzug, indem hier- bei nicht nur die übergetretene Darmschlinge frei ge- macht, sondern auch zugleich die Anlage zur Wieder- kehr des Uebels aufgehoben wird. Man geht fär diesen Zweck(nachdem das Thier an den Hinterbeinen ge- spannt ist) mit der vorher beölten linken Hand in den Mastdarm, ergreift durch die Häute desselben die ge- spannte Schnur und bewegt dieselbe ruckweis mit kur- zen, schuellen Stöfsen nach vorn, und dann abwech- selnd wieder in kurzen schnellen Zügen zurück und nach unten, bis die Zerreiſsung gelungen ist. Sollte jedoch dieselbe nicht zu bewirken sein, oder fühlt man, dafs nach erfolgter 2 Zerreilsung die Gedärme in der vo- rigen Form oder Lage verharren, und daſs somit eine Verwachsung durch Exsudation eingetreten ist, so mufs 5) die von Anker angegebene blutige Operation**) unternommen werden. Dieselbe ist in jedem Falle das sicherste Mittel zur gründlichen Beseitigung des Uebels und würde deshalb stets den Vorzug vor den beiden an- dern Verfahrungsarten verdienen, wenn nicht die bei ihr zu machende Bauchwunde sie gegen die letzteren, we- nigstens in den Augen der Vieheigenthümer 3 gefähr- lich erscheinen lieſse. Zur Ausführung dieser Operation gebraucht man eine Scheere, ein geballtes Bistouri, eine Pinzette, breite Heftnadeln mit Bändchen, und ein von Anker hierzu erfundenes hakenförmiges, an der Spitze mit einem Knopf versehenes Messer. Letzteres ist im Ganzen gegen 5 Zoll lang, wovon die Hälfte auf den hölzernen Hand- griff kommt. Aus letzterem steht der eylinderische, etwa 2 Linien dicke Stiel des Messers gegen 20 Linien lang hervor und geht in die, an der Mitte 3 Linien breite, am Rücken 1 Linie dicke Klinge über, welche einen Bogen von 8S Linien Oeffnung bildet, an der concaven Seite scharf, an der Spitze etwas schmaler und mit einem fast 2 Linien dicken Knöpfchen versehen ist. (Ein Knopfbistouri, besonders ein gekrümmtes, kann dies Messer ersetzen.) Das Thier wird mit seiner linken Seite an eine Wand gestellt, mit einem Strick längs des Leibes an- geschnürt(S. 15 Nr. 8.), und von einem oder zwei Ge- hülfen am Kopſe festgehalten; aufserdem verhütet man noch durch eine 10— 12 Fufs lange Stange, welche in der Höhe der Sprunggelenke vor den Hinterschen- *) Schon Oesterlen hatte eine solche Operation angedeutet, aber nicht deutlich beschrieben. Ausserdem hatte derselbe als eigen- thümliches Verfahren empfohlen, dass man durch die zu machende Flankenwunde die Hand in die Bauchhöhle einführen, den Saa- menstrang aufsuchen und ihn aus dem Bauchringe in die Bauch- höhle ganz zurückziehen solle, um hierdurch die Einschnürung zu lösen. keln in schräger Richtung von hinten nach vorn mit dem einen Ende von 2 Gehülfen gegen die Wand gedrückt wird, das Schlagen mit den Hinterfüſsen nach vorn. Auf der Mitte der rechten Hungergrube scheert man die Haare auf einer Fläche von etwa 5 Zoll Länge und 3— 4 Zoll Breite rein ab, macht dann daselbst eine von hinten nach vorn laufende Hautfalte und durchschnei- det diese in etwas schräger Richtung von oben und hin- ten nach vorn und unten(oder gleichlaufend mit den Fasern des äufsern schiefen Bauchmuskels) und zwar 4— 5 Zoll lang; eben so durchschneidet man die Muskeln bis auf das Bauchfell, welches man dann am obern Wundwinkel mit der Pinzette in eine kleine Falte er- hebt, dieselbe vorsichtig durchschneidet, den Zeige- und Mittelfinger der linken Hand in die Oeffnung bringt und es auf ihm bis zum untern Wundwinkel trennt. Hier- auf wird die rechte Hand, nachdem sie mit frischem Fett, Oel oder Schleim bestrichen ist, durch die Wunde in die Bauchhöhle nach dem Becken zu eingeführt und das Netz mit den Fingerspitzen zerrissen, um an die blofsen Gedärme zu gelangen. Sind diese erreicht, so führt man die Hand in die Gegend der Blase und von hier aufwärts gegen den Rücken und dann ein wenig rechts in die Nierengegend, wo die Saamenacterie und der Saamennerv ihren Ursprung nehmen, und fählt diese Theile, wenn die Einschnürung hier besteht, fest ange- spannt. Dem straffen Strange folgt man abwärts bis zu den umschlungenen Gedärmen, welche man wie in einen Klumpen zusammengerollt fühlt. Die betreffende Stelle ist bald höher, bald tiefer sitzend, und nament- lich findet man in Fällen, wo die Zerreiſsung des Bauch- fells ganz unten statt gefunden hat, die eingeklemmten Gedärme tief unten in der Nähe des Bauchringes und von andern Gedärmen bedeckt. Hat man auf diese Weise die Stelle der Einschnürung aufgefunden, so zie- het man die Hand zurück, nimmt in dieselbe das haken- förmige Messer so, dafs seine Schneide von den Fin- gern vollständig bedeckt ist, und führt es in die Bauch- höhle zu der Einschnürung, legt es, von den Finger- spitzen geleitet, an den stark angespannten Saamen- strang über,— oder, was noch besser ist, wenn man zukommen kann,— unterhalb der eingeklemmten Ge- därme an, und durchschneidet denselben. Das Darch- schneiden unterhalb ist deshalb vorzüglicher, weil hier- nach die Därme sich durch ihre Schwere leichter und vollständiger von dem Saamenstrange losziehen. Bei dem Durchschneiden verfährt man am besten so, daſs man das Messer recht kurz aus der Hand hervorstehen lälst, den Zeigefinger über seinen Rücken legt, den Daumen an die vordere Seite des Saamenstranges hält, die geknöpfte Spitze neben den Därmen in die Oeffnung oder, wo dies wegen gänzlicher Anfüllung derselben nicht angeht, unmittelbar daneben in die Falte des Bauch- fells von oben nach ab- und vorwärts drückt, und da- bei durch den gegengelegten Daumen die Gedärme ab- hält und den Schnitt sicherer macht.— Nach dem Durch- schneiden löset man die Därme von dem Saamenstrange (an welchem sie mehrentheils in Folge der Entzündung ankleben), indem man mit dem Zeigefinger zwischen beiden Theilen durchzugreifen und sie an allen Stellen an dann an dhen ine Kleine Fale a. det, den Zeige unl Oeffuung hringt mn cinkel trennt. Hi. 2m sie mit frisehen st, durch die Wunde 2 zu eingeführt umd errissen, um an qt dd diese eträicht, a I der Blase und vu und dann ein weig lie Saamenatterie unl hmen, und fählt diese er besteht, fest ange. Igt man abwätts li , welche umn nit fühlt. Die beirckad sitzend, und mmelt. erreilsung des Budh- t, die eingeblennte des Bauchriuges nl Hat man auf des aufgefunden, wii n dieselbe das häber hueide von den lu. puhrt es in di hud- es, von den Fuuer ngespannten Saamel- besser ist, wenl E r eingeklemmten 5 selben. P nüglicher, Wel Schwere weer — von einander zu trennen sucht, worauf man die Därme mit der flachen Hand hin und her bewegt, und so sich Wlllommen von ihrem Lossein überzeugt. 1st dies Seshehef, so untersucht man mit der, ein- mal in der Bauchhöhle befindlichen Hand auch den Zu- stand des Saamenstrauges an der linken Seite und, wenn sich auch hier der Ueberwurf vorfinden sollte,— verfährt eben so wie vorstehend angegeben. Die Ope- ration mufs stets, unbeschadet der nöthigen Vorsicht und Gründlichkeit, möglichst schnell beendet werden, um die Einwirkung der Luft auf die schon gereizten Bauchein- geweide recht wenig statt linden zu lassen. Hierauf wird die Wunde, mittelst der Knopfnath, wie eine Bauchwunde, vereiniget. Anker heftet bloſs die äufsere Hautöffnung und empfiehlt dann, die Wunde mit frischem Schweinefett, Butter u. dgl. zu bestreichen, mit einer 4— 6fachen Compresse zu bedecken und die- selbe mit einem breiten Bauchgurt(mit 2 oder mehrern zusammengenäheten starken Handtüchern) zu befestigen. Dieser erste Verband bleibt 24 Stunden liegen, worauf die Wunde mit lauwarmem Wasser gereiniget, mit einer reinen Compresse bedeckt und wieder mit der Binde umgeben wird, und so wiederholt, bis die Wundränder sich vereiniget haben, wo dann der Verband wegbleibt und die Heftfäden entfernt werden. 127— Uebrigens hält man die Thiere in Rühe und mäſsig warm, und giebt ihnen in den ersten Tagen nur kleine Quantitälten Futter, am besten Kleien- und schwache Mehlträuke und wenig Heu oder Gras. Gegen die Ent- zündungszufälle wendet man, ihrem Grade und Charak- ter entsprechend, Aderlässe, Glaubersalz, Doöppelosale u 29h mit schleimigen Mitteln an. Mat Gewöhnlich wird das Thier nach der Operation (ott auch schon während derselben) stark aufgeblähet, es steht traurig, senkt den Kopf u. s. w.; aber nach anderthalb bis 5 Stunden verlieren diese Zufälle sich wieder bis auf die Aufblähung, welche zuweilen 3— 4 Tage fortdauert. Wenn die Operation erst am 2ten bis 3ten Tage der Krankheit unternommen worden ist, so entleert das Thier nach etwa 6— 7 Standen dünnen stinkenden Koth; war sie aber recht krüh, schon am er- sten Tage des Kraukseins unternommen, 80 erfolgt ge- wöhnlich etwas später eine Ausleerung von weniger dünnem und weniger übelriechendem Koth. In beiden Fällen kann man die Exkretion als ein sehr günstiges Zei- chen der wieder eingetretenen freien Funktion des Darm- kanals betrachten. Dagegen ist ein schlimmer Ausgang zu erwarten, wenn nach der Operation der Mistabgang anhaltend unterdrückt bleibt, das Thier unruhig wird, anfängt zu ächzen, die Temperatur sich sehr mindert, und der Puls immer kleiner und schneller wird. AXVII. Die Kastration, das Kastriren oder Verschn eiden(Castratio). §. 84. Das Kastriren ist diejenige veterinär-chirurgische Operbtion, durch welche man bei männlichen Thieren die Hoden, bei weiblichen die Eierstöcke entweder ganz wegnimmt oder doch die Funktion dieser Organe ver- nichtet, und hierdurch in den Thieren das Vermögen zur Fortpflanzung und zugleich den Geschlechtstrieb ganz aufhebt. Die Operation kann somit bei männlichen und bei weiblichen Thieren ausgeführt werden. Die Zwecke, wegen welcher man sie unternimmt, sind mehrentheils ökonomische, indem man entweder: 1) solche Thiere, welche sich wegen Fehlern und Ge- brechen zur Zucht nicht eignen, oder bei welchen an- dere Umstände die Letztere nicht gestatten, von der Paarung sicher abhalten;— 2) indem man, der Erfah- rung zufolge, Arbeitsthiere ruhiger und gutmüthiger, und in allen Jahreszeiten gleichmäſsiger brauchbar machen, und— 3) indem man bei den zum Fleischgenufs be- stimmten Thieren ein zarteres Fleisch und ein schnelleres Fettwerden herbeiführen kann. Die meisten Thiere wer- den auch, wenn sie in früher Jugend kastrirt wurden, gröſser und sie formiren sich in den einzelnen Partien des Körpers gleichmäſsiger, namentlich wird bei kastrir- ten Pferden das Hintertheil, welches bei Hengsten oft im Verhältniſs zum Vordertheil zu schmal bleibt, mehr breit und stark ausgebildet.— Aufserdem unternimmt man die Kastration auch, um krankhafte Zustände der dabei betreffenden Theile zu beseitigen, wie namentlich: die Entartungen der Hoden in Folge von Verwundun- gen, groſse Abscesse, den Krebs(Markschwamm) der Hoden, den sog. Hodenfleischbruch„ den Hodenwasser- bruch, Leistenbrüche u. dgl.,— und bei weiblichen Thieren zur Heilung der Nymphomanie. Die genannten ökonomischen Zwecke erreicht man am sichersten, wenn die Kastration in früher Jugend der Thiere, wenigstens vor dem Eintritt der Geschlechts- funktionen, unternommen wird; denn, wenn der Körper schon seine vollständige Entwickelung und Gröſse er- reicht hat, erfolgt in der Letztern und in der Form der Theile keine wesentliche Umänderung nach der Kastra- tion; aber hinsichtlich der Umstimmung eines bösartigen Temperaments und hinsichtlich des gröſsern Fettansatzes sind ihre Wirkungen, auch wenn sie an ältern Thieren unternommen wird, noch auffallend zu bemerken*⁴), und in ersterer Hinsicht bleibt sie das einzige dauernd wir- kende Beruhigungsmittel bei beiſsigen Hengsten, stõſsi- gen Stieren u. s. w. Thiere der letztern Art kastrirt man daher in jedem Lebensalter, wenn die Nothwen- digkeit es erfordert,— und eben so, wenn die oben ge- nannten Krankheiten beseitiget werden sollen; die mei- sten Thiere aber werden im jugendlichen Alte kastrirt, theils wegen vollständigerer Erreichung jener Zwecke, *) Ueberhaupt sind die Wirkungen der Kastration sehr tief in den Organismus eingreifend und ausser den oben angegebenen noch folgende zu bemerken: Jung kastrirte Stiere erhalten gewöhnlich einen kleineren Kopf, aber bedeutend längere Hörner; jung ka- strirte Hirsche erhalten kein Geweih; ältere, kastrirt vor dem Wech- sel desselben, behalten das alte, aber verschnitten gleich nach dem Abfallen des alten, erzeugen sie ein krüppeliges, unregelmäs- siges Geweih mit unvollständigen Enden, und das sog. Bast bleibt auf ihm sitzen; im kastrirten männlichen Schweine werden die Hau- zähne niclit entwickelt; kastrirte männliche Vögel ändern ihre Stimme, verlieren das Singen, erhalten ein anqerbs den Weibchen ähnliches Gefieder und oft auch eine halb weibliche Form, wäh- rend kastrirte Weibchen einige Aehnlichkeit mit den Männchen an- nehmen. 32* wie auch, weil junge Thiere die verletzenden Eingriffe besser überstehen als alte, und endlich, weil bei dem etwa an den Folgen der Operation eintretenden Tode eines jungen Thieres der Verlust geringer ist. Allgemeine Gegenanzeigen gegen die Ausführung der Kastration sind: 1) ein allgemeiner Krankheitszu- stand, der nicht von einem der genannten örtlichen Lei- den der Genitalien abhängig ist; und 2) groſse Hitze und entgegengesetzt, strenge Kälte. In ersterer Hin- sicht hat die Erfahrung gelehrt, daſs z. B. bei beste- hender Druse, bei Leberleiden eines Thieres u. dgl. die Kastration bald mit örtlichen, bald auch mit allgemeinen üblen Zufällen begleitet ist. Bei herrschenden Seuchen- krankheiten(namentlich der sog. Influenza der Pferde) werden die operirten Thiere zuweilen eher ergriffen als andere; und bei ungewöhnlich hoher oder niederer Tem- peratur und bei schlechter Witterung verfallen sie leicht in gefährliche Entzündungen, in Starrkrampf u. a. Krank- heiten ¹). Man verschneidet daher gewöhnlich die jun- gen Thiere im Frühjahr oder im Herbst, bei einer be- ständigen und guten Witterung. Wo aber die Opera- tion wegen der im Vorstehenden angedeuteten Verhält- nisse als dringend nothwendig erscheint, muſs sie zu jeder Zeit unternommen werden. §. 85. Die Kastration der Thiere ist seit den ältesten Zei- ten(schon vor Moses*²)) im Orient gebräuchlich und den griechischen ³) und römischeu ⁴) Thierärzten und Naturfoörschern ⁵) bekannt gewesen, aber erst allmälig im übrigen Europa u. w. verbreitet worden, so daſs sie in England angeblici erst gegen Ende des 15ten Jahr- hunders, unter Heinrich VII eingeführt wurde. Schon die griechischen Thierärzte verrichteten sie durch Ab- brennen und durch Unterbinden des Saamenstranges und durch Compression desselben mittelst Kluppen, und nach und nach ist die Zahl der Methoden und Varianten, in welchen sie ausgeübt werden kann, gröſser geworden als bei jeder andern Operation,— was folgende Ueber- sicht ergiebt:* 4. Kastration männlicher Thiere, und zwar a) ohne Spaltung des Hodensackes: 1) das Abbinden beider Saamenstränge und zu- gleich des Scroti;— 2) die gemeinschaftliche Compression dieser Theile mittelst Kluppen;— 3) das Klopfen der Hoden;— 4) das Klop- fen der Saamenstränge;— 5) das Brennen der Hoden; ¹) In dem Jahresbericht Jger. Thieräreneischule zu Lyon pro 1820 heisst es unter Anderem:„Mehrere Pferde, welche im Frühjahr bei einer sehr unbeständigen Witterung kastrirt wurden, verfielen in eine Entzündung des Bauchfells, woran einige, ungeachtet aller Sorgfalt, zu Grunde gingen.“— Ich selbst habe hierüber einige bittere Erfahrungen machen müssen, nachdem ich eine Menge Thiere von verschiedenem Alter und unter den verschiedenartigsten äussern Verhältnissen stets mit Glück kastrirt hatte. *) Die Bücher Moses, Buch 3, Kap. 22, V. 24. ³) Apsyrtus und Hierocles, in den Veterinar. medic. libr. 2. J. Ruellio interpret. Parisiis 1530, Cap. 98, p. 93, und Cap. 50, p. 60(Letzteres in Beziehung auf die Heilung der Leisten- brüche). *¹) Columella, de re rustica. 5) Aristoteles und Plinius. 128— 5) mit Spaltung des Hodensackes: 1) die Unterbindung des ganzen Saamenstran- ges;— 2) die Unterbindung der isolirten Saamenarterie;— 3) das Abdrehen der Ho- den;— 4) das Durchschneiden des Saamen- stranges mit glühendem Eisen;— 5) das Abschaben des Saamenstranges;— 6) das Abreiſsen desselben, und— 7) die Compres- sion desselben mittelst Kluppen. Von den sub b genannten Methoden können No. 1, 4 und 7 noch in der Art modifizirt werden, daſs man die gemeinschaftliche Scheidenhaut entweder mit durch- schneidet und somit den Testikel und Saamenstrang ganz bloslegt, oder, dafs die Scheidenhaut uneröffnet bleibt. Auf letztere Weise geschieht das, in Frankreich nicht selten ausgeführte Kastriren mit bedecktem Testikel(à Testicule couvert), welches in mehr als einer Hinsicht verwerflich erscheint, indem es den Thieren mehr Schmerz macht, die Wundreizung leicht dem Bauchfell mittheilt und oft zu Entartungen des Saamenstranges Veranlassung giebt. I. Die Kastration(das Schneiden, Verschneiden, Legen, Reissen, Entmannen) der Hengste, das Wallachen. §. 86. Das Alter, in welchem man die jungen Hengste verschneidet, wird durch die Entwickelung des Körpers und durch die bestehenden ökonomischen Verhältnisse bedingt. Jedenfalls ist es nicht zweckmäſsig, die Ope- ration vor Ende des ersten Lebensjahres vorzunehmen, weil bis dahin die Thiere zu schwächlich sind, und die durch das Entwöhnen von der Mutter ohnedies schon gestörte Ernährung durch die Operation noch mehr lei- det. Aufserdem sind so sehr junge Füllen auch schwie- rig zu behandeln, weil sie noch nicht an das Stehen an der Halfter gewöhnt sind. Da aber gegen Ende des 2ten Jahres sich bei den meisten gut genährten, kräfti- gen Hengstfällen der Begattungstrieb zu zeigen pffegt und sie in Folge dessen sehr unruhig werden und schlecht gedeihen, namentlich wenn sie mit Stuten und Stutfüllen zusammen weiden, wo dann auch die Letztern nicht selten zu früh tragend und dadurch in ihrer Aus- bildung gestört werden; so därfte das Kastriren der jungen Hengste im Allgemeinen am zweckmäſsigsten gegen Ende des 2ten Jahres geschehen. Schwächlinge läfst man bis in das 3te oder selbst in das 4te Jahr ge- hen; und in Gestüten sollte man stets(wenn nicht of- fenbare Fehler vorhanden sind, welche ein Thier von der Zucht ausschliefsen) die Operation bis wenigstens in dieses Alter verschieben, weil sich edle Pferde spät ausbilden und man dann erst im Stande ist, die Brauch- barkeit oder Unbrauchbarkeit der jungen Hengste zur Zucht richtig zu beurtheilen. Findet sich aber bei einem Hengst im 2ten oder 3ten Jahre das Hintertheil sehr schmal, bei stark ausgebildetem Vordertheil, so kastrire man denselben, je früher desto besser, um der weitern ungleichen Ausbildung entgegenzuwirken. Je älter ein Hengst geworden, ehe er kastrirt wurde, um so mehr behält das Thier auch nachher am Kopfe, am Halse und der Brust sein hengstartiges Ansehen. Hinsichtlich oaoͤoaſͤſͤſͤſͤſͤſͤſͤſͤſſſſſſ leicht dem Bauchtèl des Saameusttaugs der Hengste en. mdie jungen Heugst rickelung des Köpes omischen Verhilliss weckmälsig, di Oyr asjahres vorzmnehner, wäͤchlich siud, ul às lutter obnedies sh eration noch nelr k — 129— Hinsichtlich der Jahreszeit, Witterung u. s. w. gel- ten die allgemeinen Regeln(§. 84. u. S. 6. No. 3.); und es ist nur zu bemerken: daſs wenn Pferde kastrirt werden sollen, die zum Weidegange bestimmt sind, man die Operation am besten gegen 2— 3 Wochen vor dem Anfange desselben unternimmt, weil dann die Thiere die Operation bei gewohnter Diät bestehen und weil sie auch geheilt auf die Weide kommen. Nicht ganz so zweckmäſsig ist es, sie zu verschneiden, nachdem sie bereits 2— 4 Wochen geweidet haben, weil sie dann zwar an die Grünfütterung gewöhnt sind, aber die Un- tersuchung und Nachbehandlung der Operationswunden auf der Weide sehr mühsam und auch für die Thiere sehr beunruhigend ist; und am wenigsten ist es gut, die Operation unmittelbar vor dem Anfang des Weidens zu unternehmen. eed Vor der Kastration muſs stets zuerst der Gesund- heitszustand der Thiere im Allgemeinen und die Beschaf- fenheit des Hodensacks und der Hoden speziell unter- sucht werden„ um etwa vorhandene Abnormitäten zu bemerken und zu berücksichtigen. Auſserdem ist vor der Kastration es stets zweckmäfsig, den Thieren ein oder auch zwei Futter zu entziehen, so dafs sie nüch- tern zu derselben kommen. Zur Operation werden die Pferde in der Regel auf die S. 18. angegebene Weise niedergelegt und befesti- get, worauf sie nach der einen oder der andern, im §. 85. genannten Methoden ausgeführt wird.. Doch muſs in jedem Falle vorher noch einmal das Scrotum und sein Inhalt genau untersucht werden, weil durch das Niederfallen des Thieres und durch seine Anstrengungen bei dem Festbinden der Füfse ein Bruch entstanden sein könnte. §. 87. Hinsichtlich der einzelnen Kastrations-Methoden ist Folgendes zu bemerken: Das Abbinden der Saamenstränge und des Hodensacks. Der Operateur knieet hinter das auf dem Rücken liegende Thier, läſst durch einen Gehülfen das Scrotum auf beiden Seiten gleichmäſsig mit den Te- stikeln in die Höhe ziehen, legt dann nahe an den Leiz- tern eine, aus einem 2 Linien dicken, runden, glatten Bande bestehende Schlinge um das Scrotum und schnürt sie möglichst fest zu, so daſs die in ihr liegenden Theile absterben müssen. Nachdem noch ein Knoten die Schlinge fest geschlossen hat, läſst man das Pferd aufstehen. Der Hodensack wird hiernach ganz kalt, schrumpft zusammen und fällt mit den Testikeln nach etwa 10— 14 Tagen ab, worauf die Heilung der kleinen eiternden Wunde bei einfacher Reinigung zu erfolgen pflegt. Zuweilen ist die Geschwulst über der Ligatur sehr grofs und die abgestorbenen Theile sickern eine aashaft stinkende Jauche aus, ehe sie abfallen. Das Verfahren ist wahrscheinlich das älteste, ein- fach, leicht ausführbar, und der Erfolg in den meisten Fällen gut, wenn die Schlinge mit der erforderlichen Kraft zugezogen wird; da aber dies, wegen zu groſser Dicke der in ihr liegenden Theile, oft nicht geschieht, so erfolgt zuweilen auch nur ein unvollständiges Abster- ben der Theile, langwierige Eiterung, groſser Se merz, Starrkrampf u. s. W. Ueberhaupt scheint das Verfahren ein sehr schmerzerregendes zu sein. Man wendet es des- halb bei Pferden nur sehr selten an, wohl aber bei jun- gen Stieren und bei Schaafböcken, welche vermöge ihres mehr torpiden Charakters solche Einwirkungen besser ertragen. Die übrigen Methoden der Kastration ohne Oeffnung des Hodensacks sind jetzt an Pferden gar nicht mehr gebräuchlich. Das Klopfen oder Lähmen der Ho- den war für diesen Zweck schon von Aristoteles für junge Pferde empfohlen und später in Spanien hãuſig ausgeübt. Angeblich stammt hiervon das Wort„Klopf- hengst“, weil das operirte Thier äuſserlich noch das Ansehen eines Hengstes behält. Das Verfahren besteht darin: daſs man den Hodensack nebst den Hoden mit einer Seite auf einen Klotz legt und dann mit einem hölzernen Hammer die Hoden so lange klopft, bis eine starke Quetschung ihres ganzen Gewebes entstanden ist. Es entsteht hiernach Entzündung und durch Aus- schwitzung Verwachsung und Degeneration in demsel- ben und die Funktion hört auf.— Das Klopfen der Saamensträn ge geschieht entweder auf dieselbe Weise, oder die im Scrotum liegenden Saamenstränge werden zwischen zwei runde Hölzer geschoben und das Klopfen findet auf diese statt,— oder man dräckt jeden Saa- menstrang mit einer breitschnabeligen Zange so lange zusammen, bis seine Gefäſse und Nerven als gelähmt zu halten sind. Die Folge davon ist auch hier Entzündung und Verwachsung im Saamenstrange, und Vertrocknen der Hoden, während nach dem Klopfen der Letztern zuweilen eine Vergröſserung eintritt. Der Zweck wird in beiden Fällen erreicht, wenn die Quetschung stark genug war,— was jedoch bei der Ausführung nicht sicher zu bestimmen ist. §. 88. Wenn eine Kastration mit Oeffnung des Hodensak- kes geschehen soll, und das Thier hierzu auf die linke Seite oder auf den Rücken gelegt ist, knieet der Ope- rateur im erstern Falle ganz nahe an den hintern Rand der Hinterbacken,— bei der Rückenlage aber etwas näher der rechten Hinterbacke nieder, und ergreift mit der linken Hand den Hodensack nebst den beiden Ho- den auf die Art: daſs die flache Hand mit ausgespreiz- tem Daumen auf den Schlauch gelegt und von hier nach hinten gegen den Hodensack geschoben wird, so daſs dann, wenn man den Daumen mit den übrigen Fin- gern zusammendrückt(was immer sogleich recht kräf- tig geschehen mufs), jener auf der einen, diese auf der andern Seite den Hodensack umgeben und die Te- stikel auf den Daumen und den Zeigefinger zu liegen kommen. Hierbei hilft man mit der rechten Hand nach, um zu bewirken, daſs beide Testikel in der Längenrich- tung des Körpers liegen, wie auch, daſs die Nath (Raphe) des Scroti gerade in der Mitte zwischen bei- den verläuft und daſs das Scrotum auf ihnen glatt und gleichmäſsig gespannt ist*). *) Das Erfassen und Hervorziehen der Hoden ist oft, besonders bei sehr jungen Füllen, wo sie noch nicht stark ausgebildet sind, die schwierigste Aufgabe bei der ganzen Operation, indem die 33 Hierauf macht man mit einem geraden oder eben so gut mit einem geballten Bistouri auf der Mitte eines je- den Hoden, etwa 1 bis 1 ¼ Zoll von der Raphe entfernt (je nach der Gröſse des Hodensacks) einen kleinen, nur in die Oberhaut dringenden Längenschnitt, welcher blos als ein Zeichen der betreffenden Stelle dienen soll,— läſst dann den rechten Hoden aus der Hand entweichen, hält aber den linken auf dieselbe Art fest wie vorher beide, so dals das eben gemachte Zeichen auf der Mitte des Hodens und in der Längenrichtung desselben bleibt. Nun durchschneidet man, genau dem Zeichen folgend, mit dem Bistouri, in einem sanften, gleichmäſsigen Zuge die Häute des Hodensacks von dem vordern zu dem hintern Ende des Hodens, und eben so mit einem zweiten Schnitt die Scheidenhaut. Bei einiger Uebung kann dieses Durch- schneiden bis auf den Hoden auch in einem Zuge ge- schehen, wobei aber derselbe leicht verletzt wird. Durch eine solche Verletzung entsteht zwar in keinem Falle ein wirklicher Schaden, da ja der Hode im nächsten Moment weggenommen wird, aber die Blutung ist un- nütz vergröfsert und die Operation geschieht weniger sauber. Deshalb ist es besser, das Spalten der Haute, wie eben angegeben, in zwei Zügen zu machen. Will man recht vorsichtig sein(was besonders bei einem ab- normen Zustande der Testikel nöthig ist), so macht man nach durchschnittenen äufsern Häuten mit dem Messer in die Scheidenhaut nur einen kleinen Spalt, führt durch denselben das breite oder mit einem Knopf versehene Blatt einer Scheere zwischen den Hoden und die Schei- denhaut und durchschneidet die letztere so lang wie die äufsere Wunde ist. Das völlige Durchschneiden der Scheidenhaut muſs, wenn erst eine Oeffuung in sie ge- macht ist, schnell geschehen und man darf hierbei nicht den in der linken Hand gehaltenen Hoden gegen die Wunde pressen, weil er sonst zu früh hervortritt und die letztere zu klein wird. Sollte dies geschehen sein, so erweitert man sie nachträglich mit dem Knopf bistouri, oder besser mit der Scheere, bis zur angemessenen Gröſse. Die nothwendige Gröſse der Wunde im Scrotum und in der Scheidenhaut muſs immer der Gröſse der Ho- den angemessen sein und läfst sich deshalb nicht für alle Fälle nach einem bestimmten Maaſse angeben; bei kleinen Testikeln ist sie gegen 2 Zoll und bei recht groſsen bis gegen 4 Zoll lang. Ist die Wunde etwas zu groſs, so erfolgt die Heilung etwas später als nö- thig; ist sie aber zu klein gemacht, so zieht sie sich zu sehr zusammen und heilt zu früh zu, d. i. ehe der Saamenstrang heil geworden zat, wodurch Zurückhal- Thiere die kleinen Hoden bis an den Bauchring in die Höhe zie- hen und sie hier lange Zeit festhalten. Hatte man die Hoden be- reits wirklich erfasst, wenn das starke Zurückziehen eintritt, so ist es nöthig, um Zerrung des Saamenstranges zu vermeiden, die Hand mit gehaltenem Testikel gegen das Schaambein zu drücken. Dauert das Anziehen der Hoden längere Zeit fort, so hilft ein gelindes Bremsen, oder wenn man das Thier mehrmals kurz auf die Ober- lippe schlägt, dem Uebelstande ab. Fischer hatte empfohlen, dem Thiere vor dem Niederlegen eine Schlinge von einem star- ken, langen Bindfaden über den Hoden an das Scrotum zu legen und sie festzuschnüren, um das Zurückziehen der letztern zu ver- hüten, oder vielmehr die zurückgezogenen Hoden wieder leichter hervorziehen zu können(Busch, Zeitschr. I. S. 102); Günther hat jedoch dieses Mittel als nachtheilig verworfen(Nix Zeit- schrift I. S. 131). 130— tung des Eiters, Abscesse, Fisteln, groſse Anschwel- lungen u. s. w. entstehen. Aber Einschnürungen des Saamenstranges, wie Dieterichs angiebt(Akiurgie S. 364), werden durch zu kleine Oeffnungen allein nicht erzeugt, da, bei übrigens richtiger Behandlung, der Saamenstrang gar nicht zwischen den Rändern dersel- ben liegen bleibt. Nachdem der Testikel aus der Scheidenhaut her- vorgetreten ist, wird er nach der für den Fall gewähl- ten Methode entfernt. Hierauf ergreift man die rechte Hälfte des Hoden- sacks mit dem darin beſindlichen Hoden auf die nämliche Art, macht an der vorgezeichneten Stelle den Schnitt durch die Häute des Hodensacks und die Scheidenhaut, und nimmt dann auch diesen Hoden weg. Von dem bezeichneten Vorgange giebt es kleine Abweichungen, indem man a) zuerst nicht beide Hoden und das ganze Scrotum umfaſst, um an beiden Seiten die Schnitte vorzuzeichnen, sondern man ergreift den linken Hoden allein, vollführt an diesem die Operation ohne den Schnitt vorgezeichnet zu haben, und operirt dann eben so am rechten Hoden;— oder ⁶ϑ) man er- greift den ganzen Hodensack und zeichnet(nach Die- terichs, Akiurgie S. 363) nicht nur die zu machende Wunde an jeder Seite durch kleine Schnitte vor, son- dern man macht auch in der Nath noch einen dritten, 1— 2 Zoll langen, seichten Schnitt und verfährt übri- gens wie oben angegeben;— oder c) man erfalst das ganze Scrotum und legt, mit oder ohne Vorzeichnung der Schnitte, beide Hoden unmittelbar nach einander bloſs und operirt dann weiter nach einer gewählten Me- thode.— Das erstere Verfahren ist ganz praktisch; bei dem zweiten erscheint der Schuitt an der Raphe als ganz unnütz und daher als eine überflässige Vermeh- rung der Wunden und der Schmerzen; und das dritte Verfahren ist nur anzuwenden, wenn das Thier auf dem Rücken liegt, da bei der Seitenlage der obere, hervor- hängende Hode die Operation an dem untern Saamen- dirae stört.— §. 89. Nach dem Bloſslegen der Hoden geschieht die eigent- liche Kastration nach den verschiedenen Methoden auf folgende Weise: 1) Die Unterbindung des ganzen Saamen- stranges. Sie besteht ganz einfach darin: daſs man die Scheidenhaut an ihrer Verbindungsstelle mit dem Hoden durch einen Einschnitt trennt und sie gegen den Bauchring zurückschiebt, worauf ein Gehülfe den Hoden sanft hervorzieht und man nun eine Schlinge von einem gut gewächsten Bindfaden möglichst fest um den Saa- menstrang, etwa 1— 1 ½ Zoll vom Hoden eutfernt, legt. Die Schlinge kann eine sog. Kastrirschlinge sein und wird mit einem Knoten geschlossen. Darauf schneidet man den Saamenstrang etwa ¼ Zoll aufserhalb der Un- terbindung ab und eben so das eine Ende des Bindfa- dens, während das andere Ende etwa 1 Fuſs lang bleibt. Die Nachbehandlung besteht in bloſser Reinigung der Wunde. Mit etwa 10— 15 Tagen lösen sich die Ligaturen ab und Eu etwa 3 Wochen erfolgt die gänz- liche Heilung. —— uge giebt es kläi at nicht beice Hoden um an heicen Keie ern man ergreitt ie Giesem die Openiin u haben, und opein — oler 6) man er- zeichnet(uach Hie. nur die zu macheutk ie Schnitte vor, an- ihh noch einen düte nitt und verfährt über er c) man erſalst ias er ohne Vorzeichang ttelbar nach einante h einer gewählten le- st gauz praktsch; le itt an der Raphe d¹ äberflässige Vermel- eerzen; und das titt tena das Thier auden gge der obere, denor dem untern Saane- en gescliebt Gi ita- diedenen Neibolen 4 Das Abbinden war schon den Alten bekannt, fand aber, obgleich es sich durch seine Einfachheit empfiehlt, an Pferden keine weit verbreitete Anwendung, weil man nach ihm üble Zufälle, namentlich den Wundstarrkrampf, oft entstehen sah. Brugnone ¹) sagt sogar:„die Un- terbindung, wie sie beim Menschenkastriren gebräuch- lich ist, beugt zwar der Blutung vor, aber erregt beim Pferde fast immer, aus welcher Ursache weiſs ich nicht, Krämpfe, Zuckungen, starkes Fieber und andere ge- fährliche Zufälle, die sich nie ereignen, wenn man statt des Unterbindens einen andern flachen Druck anbringt.“ — In neuerer Zeit hat jedoch Spinola gezeigt ²), daſs die Unterbindung des Saamenstranges die beste Methode der Kastration sei, hauptsächlich deshalb, weil durch sie keine andere Quetschung des Saamenstranges als im Moment und an der Stelle des Abschnürens statt findet, auch der Saamenstrang sich vollständig zurückziehen kann, und weil man sie ohne Mitwirkung besonderer Gehülfen und in einem Akte, d. h. ohne besondere Nach- hülfe verrichten kann. In letzterer Hinsicht stellt aber Dieterichs die(früher schon von Hartmann ausge- sprochene ³) Anusicht auf: daſs bei alten Hengsten, de- ren Saamenstrang sehr dick oder selbst entartet ist, die Ligatur durch die dicke Masse nicht bis auf den Mittel- punkt ertödtend einwirkt, deshalb ein mehrmaliges Nach- ziehen der Ligatur, also eine Nachoperation geschehen mösse, mithin hier die Unterbindung der ganzen Saa- menstränge nicht, sondern nur bei jungen Hengsten und Stieren, welche noch nicht zur Zucht gedient und noch gesunde Saamenstränge haben, zu empfehlen sei. Wenn- gleich es richtig ist, dafs man zum genügenden Zusam- menschnüren eines dicken Saamenstranges eine recht grofse Kraft anwenden mufs, so ist doch das Nach- schnüren nicht nöthig, und ich habe ohne dasselbe auch bei alten und sehr groſsen Hengsten die Ligatur mit dem besten Erfolge angewendet. 2) Die isolirte Unterbindung der Saamen- arterie ist als eine Verbesserung der vorigen Methode angegeben worden, um die üblen Folgen des Drucks auf die Saamennerven zu verhüten. Lafosse scheint unter den Thierärzten der erste gewesen zu sein, der dies Verfahren ausübte*); dasselbe hat jedoch, obgleich das dabei befolgte Prinzip ganz richtig ist, weniger als jedes andere eine ausgebreitete Anwendung gefunden, wahrscheinlich nur deshalb, weil es etwas mehr Kunst- fertigkeit und Mühe erfordert. Dieser seltenern Anwen- dung wegen sind auch die Erfahrungen über die Erfolge bei dieser Methode und die Vorzüge oder Nachtheile derselben, im Vergleich zu den übrigen, noch nicht ge- hörig begründet. Ich habe gefunden, daſs dieselbe nicht immer die nöthige Sicherheit gewährt, indem in einigen Fälien bei ganz sorgfältig gemachter Unterbindung der innern Saamenarterie sowohl dicht über dem Hoden, wie auch 1— 1 ¼ Zoll weiter hinauf, eine starke Blu- tung eintrat, als die Thiere nach dem Durchschneiden ¹) Brugnone's Werk von der Zucht der Pferde und Maulthiere etc. Prag 1790. S. 247.§. 143. ²) Zeitschr. f. d. ges. Thierheilk. von Vix etc. Bd. II. S. 250. ³) Akiurgie, S. 366. ⁴) Cours d Hippiatrique, p. 305. 131— des Saamenstranges von dem Operationslager aufgestan- den waren. Diese Blutung hatte ihren Ursprung aus einer, oder selbst aus mehrern Zweigen, welche höher hinauf aus der Arteria spermatica abgingen und in der Scheidenhaut des Saamenstranges verliecfen. Die Ausführung der isolirten Unterbindung der Saa- menarterie kann auf zweifach verschiedene Weise ge- schehen, indem man: W 4) nach Lafosse, mittelst einer krummen Heftna- del den entblöſsten Saamenstrang einen Finger breit über dem Hoden durchsticht, einen gewächsten Faden durch- zieht, unterbindet und dann den Testikel auſserhalb der Ligatur abschneidet. L. fügt hinzu:„Man muſs den Saamenstrang in seiner Substanz durchstechen, damit man den Saamennerv nicht mit einbinde, welches einen Reiz des ganzen Nervensystems und den Tod verursa- chen würde.“*) Die Vermeidung dieses Nervens wird jedoch bei dem Durchstechen des Saamenstranges in dessen Substanz immer schwer und unsicher zu bewir- ken sein. zu legen. Zu diesem Behufe nimmt man, nachdem die gemeinschaftliche Scheidenhaut ein Paar Zoll weit zu- rückgestreift ist, den Hoden von hinten her so in die linke Hand, dafs die vordere Fläche des Saamenstran- ges(in deren Nähe die Arterie verläuft) auf dem Zei- gefinger ausgebreitet ist. Man sucht nun die Arterie auf, welche man sowohl an dem Pulsiren zwischen den Fingern, wie auch an der, einem Bindfaden ähnlichen, groſsen Derbheit erkennt, und legt sie etwa 1 Zoll vom Hoden entfernt, durch einen in der Längenrichtung des Saamenstranges gemachten, 1 Zoll langen Schnitt durch die Scheidenhaut desselben, blofs. Hierauf führt man unter dem frei liegenden Gefäls eine, mit einem doppel- ten, gut gewächsten Faden versehene, Nadel hindurch, — äfst dann den Hoden von einem Gehülfen halten, ohne den Saamenstrang zu zerren, und vollführt mit eigenen Händen die Unterbindung. Etwa ¾ Zoll von derselben entfernt, nach dem Hoden zu, schneidet man den Saamenstrang queer durch. Von den Unterbindungs- fäden wird das eine Ende nahe am Saamenstrange ab- geschnitten, das andere aber so lang gelassen, daſs es gegen 2 Zoll aus dem Hodensacke hervorhängt. Die Nachbehandlung besteht bloſs im Reinhalten der Wunde. Die Ligaturfäden lösen sich nach 6— 8 Tagen und die Heilung kann in 14— 18 Tagen erfolgen. 3) Das Abdrehen des Hoden besteht darin: daſs man den entblöſsten Saamenstrang entweder zwi- schen den Nägeln der Finger oder zwischen einem In- strument festhält und ihn aufserhalb der festgehaltenen Stelle so lange um seine Längenachse drehet, bis er abreifst. Der Zweck hierbei ist, mit dem Wegnehmen des Hoden zugleich die Wände der Saamenarterie(wie bei der Torsion der Blutgefäſse, S. 57) in Spiralfalten an einander zu drängen, somit das Lumen des Gefaſses zu schlieſsen und die Blutung zu verhüten. *) Dieterichs meint: es schade nichts, wenn ein Nervenzweig mit in die Ligatur kommt, wenn letztere nur gehörig fest zugeschnürt wird. Hierauf ist aber nicht zu trauen. 33* 5) Deshalb ist es nöthig, die Saamenarterie blofs — 132 Diese Art zu kastriren ist schon von L. Rusius erwähnt ¹), und in manchen Gegenden Ungarns und Ruſslands ziemlich allgemein gebräuchlich; unter Wol- stein und Toegl wurde sie in der Thierarzneischule zu Wien als die beste Methode fast ausschlieſslich ge- übt und Letzterer verbesserte sie durch Einführung einer besondern Zange zum Festhalten des Saamenstranges ²). In neuerer Zeit hat Chevrier) sie als die beste Me- thode empfohlen, weil sie leicht und einfach zu verrich- ten, wenig schmerzhaft und im Erfolge sicher sei. Die Erfahrung hat jedoch gezeigt, dafs das Abdrehen dieses Lob nicht so unbedingt verdient, da bei ihm mancherlei Fehler in der Ausführung entstehen und üble Folgen herbeiführen können. Denn, geschieht das Festhalten des Saamenstranges nicht mit recht starkem Zusammen- drücken, so setzt sich das Drehen an ihm bis über die comprimirte Stelle fort, zuweilen bis in die Bauchhöhle hinein, und es muſs sehr lange gedrehet werden, ehe der Hode abreilst. Letzteres ist auch der Fall, wenn man den Saamenstrang etwas entfernt vom Hoden fest- hält, wonach auch das gedrehete Stück sehr lang bleibt. Bewirkt man das Festhalten des Saamenstranges mit- telst einer scharfkantigen Klammer, so drehet er sich an dieser zu früh ab und es entsteht hierdurch leicht Blutung; geschieht aber das Halten mittelst einer brei- ten Kluppe, so erfolgt das Abdrehen zu nahe am Ho- den und das gedrehete Ende bleibt wieder zu lang. In jedem Falle wird bei dem Abdrehen der Saamenstrang nicht allein an der Stelle, wo der Hode sich löst, son- dern auch noch an andern Punkten gequetscht und ge- zerrt, und in Folge dessen entstehen oft heftige An- schwellungen, Verhärtungen und Fisteln an ihm. Zur Ausführung des Abdrehens wird das Pferd am besten auf den Rücken gelegt, der linke Hode und Saa- menstrang entblöſst und die Verbindung zwischen Hode und Scheidenhaut getrennt. Dann nimmt man den Saa- menstrang in die Toeglsche Zange oder(weniger zweckmäſsig) in die bei dem Abbrennen des Saamen- stranges gebräuchliche eiserne Klammer, und zwar so: dals das Instrument genau queer auf ihm, und etwa nur 4 Zoll vom Hoden entfernt liegt. Man drückt das In- strument möglichst fest zusammen und zugleich gegen den Leib herunter, um so viel wie möglich Zerrungen in dem Theile des Saamenstranges zwischen der Zange und dem Leibe zu vermeiden. Damit der Operateur beide Hände für den folgenden Operationsakt frei be- komme, übergiebt er die Zange einem Gehülfen und ¹) Laurentii Rusii Hippiatria. Parisiis 1531. cap. 98. p. 87. 2) Diese Zange, die man die„Toeglsche Kastrirzange“ nennt, ist im Ganzen gegen 7 Zoll lang. Handgriffe und Charnier sind von gewöhnlicher Art. Die beiden Schenkel des Mauls sind so ge- krümmt, dass sie den 4ten Theil eines Kreises bilden und mit der hohlen Seite gegen einander stehen; der eine ist gegen 2 ½ Zoll lang, 8 Linien breit und mit einer 4 L. breiten, 2 Z. langen Oeff- nung versehen, durch welche der andere Schenkel greift, wenn die Zange geschlossen wird; dieser zweite Schenkel ist nur 2 ¼ Z. lang und 3 L. breit(Abbild. in v. Tenneker's Journal S. 29. Fig. 1. und— Rohlwes, Magaz. Bd. II. S. 242. Fig. 7.).— Die Zange ist jetzt verbessert, indem die Schenkel des Mauls an der innern Fläche feilenartig rauh gemacht, dabei gerade gerichtet, nur an ihrem vorderen Ende gegen einander gekrümmt sind und das eine mit einer Oeffnung zum Durchgreifen des andern versehen ist. ²) Recueil de méd. vétér. 1839. p. 132. lälst sie in der angegebenen Weise und recht stark zu- sammengedrückt gleichmäfsig halten. Man ergreift nun den Hoden mit einer Hand und macht eine Drehung um die Längenachse des Saamenstranges, nimmt ihn dann in die andere Hand und macht in derselben Richtung eine zweite Drehung, und so weiter mit beiden Händen abwechselnd, bis der Saamenstrang durchreifst. Nun sieht man zu, ob an der getrennten Stelle etwa Blut zum Vorschein kommt, und wenn dies nicht der Fall ist, schiebt man den Saamenstrang in den Hodensack zurück; besteht aber die Blutung, so müſste die Unter- bindung der Arterie gemacht werden.— Hierauf ge- schieht die Operation am rechten Testikel eben so wie am linken. Die Nachbehandlung besteht wieder nur im Rein- halten der Wunde; bei besondern Zufällen muſs sie diesen entsprechend sein. Abweichungen von diesem Verfahren sind: a) das Fixiren des Saamenstranges mit dem Nagel des Dau- mens auf dem Zeigefinger,— was aber nur bei dünnen Saamensträngen ganz junger Füllen gut ausführbar ist. 5) Das Durchtrennen aller Theile des Saamenstranges mittelst der Finger bis auf die Arterie, um weniger Substanz zu behalten, worauf das Durchdrehen schnel- ler und leichter geschieht; aber jene Trennung ist eine grobe Zerreifsung und deshalb nicht zweckmäſsig.— c) Das Darchstechen eines Stilets oder eines Hakens durch die Läuge des Hodens(nach Wolstein, Toegl und Mogalla), um an den hervorstehenden Enden die- ser Instrumente den Hoden beim Abdrehen fester halten zu können,— ist als eine unnöthige Complikation der Operation zu betrachten. 4) Das Abbrennen der Saamenstränge war in ältern Zeiten(bei Apsyrtus, Hierocles, Vege- tius u. s. w.), und bis zur Einführung des Kastrirens mit Kluppen, das gewöhnlichste Verfahren und wird auch jetzt noch in manchen Gegenden vorzugsweise angewen- det. Man hält es für weniger schmerzhaft als das Ka- striren mit Kluppen und für leichter ausführbar, auch hat es nur unbedeutende Zufälle nach sich, wenn nur die Blutung gehörig gestillt ist und die Thiere zweck- mäſsig behandelt werden. Geschieht Letzteres nicht, so kann, wie Vegetius(Mulomed. Lib. III. c. 24) nach dem Abbrennen bemerkt, der Tetanus entstehen. Unter solchen Umständen ist aber auch keine andere Methode frei von üblen Zufällen. Zur Ausführung dieser Methode gebraucht man, auſser dem Messer zum Spalten des Hodensackes, eine Klammer oder Klemme zum Festhalten des Saamen- stranges*), zwei messerförmige Brenneisen(welche “ 5 nach *) Die Klemme besteht aus 2 platten Eisenstäben, welche gegen 9 bis 10 Zoll lang, 1 ½ Z. breit, 3 Linien dick und an dem einen Ende durch ein Charnier mit einander verbunden sind; 4 Zoll von dem freien Ende steht an der innern Seite des einen Stabes ein Queerstab, welcher durch eine am andern Stabe befindliche Oeff- nung geht und hier vermittelst einer Schraube festgestellt werden kann. Das freie Ende beider Stäbe bis zu diesem Theil bildet den Handgriff des Instruments, an welchem man dasselbe zusam- mendrückt.— In neuerer Zeit habe ich an den äussern Rand eines jeden Stabes einen 1% Z. breiten Ansatz machen lassen, um durch die grössere Breite des Instruments den Hodensack gegen die Hitze des Brenneisens mehr zu schützen.— Statt der Klemme kann man, aber weniger zweckmässig, die Toeglsche Zange oder eine höl- zerne Kluppe benutzen. wieder nur in en. zdn Zufallen mols äe erfahren sind: 4) ds dem Naxgel des Da- S aber nur bei düne 2u gut ausführhar it des Saameusttangs Krterie, um welige 2 Durchdrehen Sschag. 2ne Treunung ist eis icht zweckmälsig.- 1us oder eines Habem h Wolstein, Toegl rstehenden Enden de- Abdrehen fester halte lhhige Complikalion dé Jaam enstränge Va Hieroeles, Vege- führung des Kastriens rfabren und wind ud draugsweise angeßel- hmerzhaft abs das Ry hter ausführbar, ud nach sich, Wenl WM d die Thiere Iwesr ht Letateres nichb 9 Lub. III G.24) ud nus eutsteben. U keine andere Netbls ern Stabe dem ada — Thei bie is 280 IuSal- hem man 4 d eines den äuss 3 machen hssen, gime odensac 3 mal, — 133 nach früherer Vorschrift von Kupfer sein sollten) und eine in der Nähe befindliche Vorrichtung zum Erhitzen derselben. Für letztern Zweck dient am besten ein Schmiedefeuer, doch kann auch jedes Küchenfeuer mit gutem Zuge, oder auch ein Kohlenbecken hierzu benutzt werden. Ein besonderer Gehülfe macht die Eisen heifs und reicht sie auf Verlangen des Operateurs demsel- ben zu. Das Pferd liegt zur Operation am besten auf dem Rücken; der linke Hode wird zuerst in gewöhnlicher Art bloſsgelegt und der Saameustrang durch Trennung des Nebenhodenbandes von der Scheidenhaut ganz frei ge- macht. Hierauf legt man den Saamenstrang etwa 1 Zoll vom Hoden entfernt, zwischen die bezeichnete eiserne Klemme, drückt dieselbe fest zusammen und stellt sie mittelst der Schraube fest. Bei dem Zusammendrücken muſs man die Klemme gegen den Hodensack herunter- drücken, damit Zerrungen des Saamenstranges vermie- den werden, welche das Thier in diesem Moment ge- wöhnlich selbst macht, indem es, durch die Schmerzen veranlaſst, den Saamenstrang gegen den Leib zieht. Nach diesem Moment läſst man die Klemme eben so fortgesetzt von einem Gehülfen halten. Der Operateur ergreift dann mit der linken Hand den Hoden und zieht ihn mäſsig stark in gerader Richtung von der Klemme ab, um den Saamenstrang straff zu machen; in die rechte nimmt er das, vom Gehülfen ihm gereichte, weiſsglü- hend gemachte, messerförmige Brenneisen, nachdem das- selbe durch Abreiben von den etwa anhängenden Schlak- ken und vom Hammerschlage gereiniget worden,— und schneidet damit den Saamenstrang zwischen der Klemme und dem Hoden, etwa ¾ Zoll von ersterer entfernt, duarch. Das Eisen wird dabei mit seinem scharfen Rande mäſsig gegen den Saamenstrang gedrückt, und mit kur- zen, raschen Zügen bewegt. Nach dem Durchschnei- den drückt man es mit seiner Fläche ganz ruhig gegen das aus der Klemme hervorragende Ende des Saamen- stranges so lange, bis ein Brandschorf auf demselben entstanden und hierdurch die Saamenarterie verschlossen ist.— Ob Letzteres wirklich geschehen sei, ist zu er- kennen, wenn man die Klemme etwas öffnet und hier- nach kein Blut an der gebrannten Fläche des Saamen- stranges zum Vorschein kommt. Damit aber Letzterer hierbei nicht zu weit zurückgezogen werden kann, ist es zweckmäſsig, ihn, während die Klemme gelüftet ist, zwischen ihr und dem Leibe mit den Fingern der lin- ken Hand zu halten. Zeigt sich Blutung, so wird die Klemme wieder zusammengedrückt und die blutende Stelle nochmals mit einem weiſsglühenden Eisen wäh- rend einiger Sekunden berührt, wobei man dasselbe nur gelind aufdrückt und ruhig hält. Will sich ein fester Schorf hierbei nicht bilden, so kann man nach Vorschrift der Alten etwas Pech, Oel oder Talg, oder pulverisirten Kolophonium, Haare u. dgl. auf die Stelle legen und hierauf das Eisen appliziren.— Zeigt sich keine Blu- tung mehr, so nimmt man die Klemme ab, schiebt den Saamenstrang in den Hodensack zurück, und verrichtet dann die Operation an der rechten Seite. Eine Abweichung in dem Verfahren besteht darin: daſs der Saamenstrang, nachdem er in die Klemme ge- nommen, mit einem Messer durchschnitten und dann ge- brannt wird. In diesem Falle kann das Letztere mit einem knopfförmigen Eisen geschehen,— was um so mehr hier passend erscheint, da sich bei dem Durch- schneiden mit dem kalten Messer die Saamenarterie et- was mehr in die übrige Substanz des Saamenstranges zurückzieht. Die Nachbehandlung ist wieder auf das Reinhalten der Wunden beschränkt. Die Entzündung wird nur sehr mäſsig, die Brandschorfe stofsen sich nach 5— 8 Tagen ab und die Heilung erfolgt in 14— 18 Tagen. 5 u. 6) Das Abschaben der Saamenstränge mit einem Messer, und das Abreifsen derselben, sind bei Pferden nicht gebräuchlich und im Ganzen nicht zu empfehlen. 7) Die Kastration mit Kluppen. Sie besteht im Wesentlichen darin: daſs der Saamenstrang während eini- ger Zeit zwischen zwei zusammengebundene Holzstücke gelegt wird, um durch den Druck von denselben die Arterie zu verschlieſsen. Sie ist ebenfalls schon von Apsyrtus und Hierocles erwähnt, aber so wenig angewendet worden, dafs der Schottländer Robertson um die Mitte des vorigen Jahrhunderts sie als eine neue Methode ausgeben konnte. Seit dieser Zeit hat sie eine groſse Verbreitung erhalten und wird jetzt in der Praxis fast allen andern Methoden vorgezogen, obgleich sie in der Anwendung umständlicher und für die Thiere schmerzhafter ist als die übrigen Verfahrungsarten. Denn zum Zusammenbinden der Kluppen ist ein besonderer Gehülfe erforderlich,— die Kluppen bewirken aufser dem Schmerz beim Zusammendrücken derselben auch eine fortdauernde Spannung des Saamenstranges, so lange sie liegen, und— L2u ihrer Entfernung ist eine Nachoperation nöthig, zu welcher man böse Thiere zu- weilen wieder niederlegen muſs. Der Erfolg von ihr ist im Allgemeinen wohl sehr günstig, aber bei einzel- nen Thieren finden sich doch auch üble Zufälle, wie bei den übrigen Methoden ein. Zur Ausübung dieser Methode gebraucht man, aufſser Messer und Scheere zum Bloſslegen der Hoden, 2 Kluppen*), zu jeder derselben einen festen Bindfa- *) Jede Kluppe besteht aus zwei Holzstäben, welche halbrund gear- beitet sind, so dalfs sie zusammen eine Walze von etwa 3 ½— 6 Zoll Länge und ¾ bis 1 ¼ Zoll Dicke bilden; an der äulseren, halbrunden Fläche haben sie an jedem Ende, etwa% Zoll von demselben entfernt, eine Queerfurche zur Aufnahme des Bindfadens; die innere Fläche ist entweder ganz glatt oder in der Mitte mit einer ¼ Zoll breiten und ¼ Zoll tiefen Furche zur Aufnahme ei- nes Aetzmittels versehen, welche sich der Länge nach bis in die Gegend erstreckt, wo äufserlich die Queerfurche ist, aber Zoll davon zurückbleibt; beide Enden eines jeden Stückes sind an der innern Fläche von dem Punkte her, wo aufsen diese F urche ver- läuft, etwas schräg beschnitten, so dals sie zusammengelegt einen Vförmigen Spalt zwischen sich lassen, während die Mitte genau aneinander schliefst. Uebrigens müssen die Enden am äulsern Rande abgerundet sein. Man nimmt zu den Kluppen gewöhnlich recht trockenes Holz von Weilfsbuchen, oder besser von Birken, weil letzteres leichter ist.— Von dieser Construktion der Klup- pen etwas abweichend sind die von Tscheulin und Schüssele angegebenen(Zeitschr. f. Thierheilk. VIII. S. 13) Charnierkluppen, wo die beiden Holzstäbe an einem Ende durch ein eisernes Char- nier beweglich verbunden, am andern Ende aber mit einer, durch eine Queeröffnung gehenden Schraube, nebst Mutter dazu, ver- sehen sind. Sie gewähren keinen besondern Vortheil, sind aber theurer, auch dem Verderben durch Rost unterworfen und das Abnehmen vom Saamenstrange ist wenigstens eben so beschwerlich wie bei den gewöhnlichen Kluppen. 34 den gegen 1 Elle lang, und eine Zange zum Zusam- drücken der Kluppen*). Die Kluppen müssen in einer, der Gröſse des Thie- res und dem Umfange des Saamenstranges entsprechen- den Gröſse ausgewählt, und zur Anwendung vorberei- tet sein. In ersterer Hinsicht gilt als Regel, dals sie nicht zu schwer sein und den Saamenstrang nicht durch ihr Gewicht aus dem Hodensacke hervorziehen dürfen. Die Vorbereitung aber besteht darin: dals sie gewöhn- lich in der, an ihrer innern Fläche befindlichen Rinne mit einem Aetzmittel versehen und, daſs nach dem Fest- trocknen desselben, die zwei zu einander gehörigen Stücke einer Kluppe an dem einen Ende mit mehrmals umwickelten Bindfaden fest zusammengebunden werden; das andere Ende bleibt für die Anwendung offen, und gewöhnlich stehen die beiden Stücke von der gebunde- nen Stelle aus Vförmig oder gabelförmig aus einander. Muſs man die Kluppen über Land mit sich führen, so ist es gut, zwischen die beiden Hälften einen Papier- streif zu legen und sie dann vorläufig auch am andern Ende zusammenzubinden, um hierdurch das Abreiben des Aetzmittels zu verhüten. Hinsichtlich des Letztern ha- ben die Thierärzte über den Nutzen seiner Anwendung verschiedene Ansichten; denn während man früher fast allgemein das Aetzmittel in den Kluppen für ganz we- sentlich und nothwendig betrachtete und deshalb die Me- thode des Kastrirens mit Kluppen auch die„Kastra- tion durch Aetzmittel“ nannte(Hartmann, Anleit. 2. Verbess. d. Pferdezucht, S. 267;— Schreger, Ope- rationslehre f. Thierärzte, S. 208; u. A), erklärte schon Brugnone(Von der Zucht etc. S. 249): daſs der bloſse Druck der Kluppen zur Blutstillung hinreichend sei, also auch die nicht gerinnten, trocknen Kluppen ohne Aetz- mittel die nämlichen Dienste thun, und dals das Letz- tere auf die betreffenden Theile wenig oder gar nichts wirke. Dieterichs ist dieser Ansicht gefolgt und ver- *) Man hat drei verschiedene Formen dieser Zange. Die eine hat die Form einer Beiſszange, aber die Lippen des Mauls stehen ge- gen ¼ Zoll auseinander und sind mit einem halbmondförmigen Ausschnitt zur Aufnahme der Kluppen versehen; ihre Schenkel stehen in gerader Richtung neben einander, damit man sie beim Zusammendrücken bequemer umspannen kann.— Bei der zwei- ten Form besteht jede Backe des Mauls aus einem 3 Linien dicken Eisenstabe, der in einem Halbkreise von etwa ¼ Zoll Weite ge- krümt und gegen den andern gerichtet ist.— Bei der dritten Form ist das Maul aus eben solchen Stäben gebildet, welche aber vor dem Charnier im rechten Winkel abwärts gebogen und halb- kreisförmig gegen einander gerichtet sind. Jede dieser Zangen ist gegen 12 Zoll lang. Mit jener ersten Zange kann man die Klup- pen nur über die Enden erfassen,— mit der zweiten erfafst man sie von oben her zwischen dem Saamenstrange und der Binde- stelle, und— mit der dritten kann das Erfassen vor oder hinter der Bindestelle geschehen, wie man es eben für bequem findet. Im erstern Falle werden die Arme der Zange nach unten, die ringförmigen Lefzen aber nach oben gekehrt, an die Kluppe ge- legt, damit der Gehülfe Raum zum Zubinden behält.— An der einen wie an der andern Zange lälst sich noch eine Närrichtang zum Schlielsen derselben anbringen, durch welche man bezweckt, daſs der einmal angewendete Druck während des Zubindens gleich- mälsig erhalten, und allenfalls auch der Gehülfe bei der Opera- tion entbehrlich wird. Diese Vorrichtung besteht darin, dals das Ende des einen Schenkels am äufsern Rande gegen 2 Zoll lang eétwas breit hervortritt und mit Zähnen versehen ist, der andere Schenkel aber am Ende eine, in einem Charnier bewegliche ei- serne Oehse besitzt, welche man in die Vertiefungen neben den Zähnen einlegen und so beide Schenkel zusammenhalten kann.— Statt dieser Zangen kann man im Nothfall eine gewöhnliche Beiſs- zange, oder eine, in ihrem Maul etwas hohl gerichtete Schmiede- feuerzange benutzen. 134— wirft das Aetzmittel ganz, weil es nicht nur unnütz, sondern häufig auch schädlich sei, indem es sich beim Anlegen der Kluppen abstreifen und dann in der Tiefe heftige Entzündung, Eiterung u. dgl. üble Zufälle, selbst Bauchfellentzündung erzeugen könne. Die Mehrzahl der besten praktischen Thierärzte ist aber, obgleich sie wohl weiſs, daſs die Kluppen als Ligaturwerkzeug hauptsäch- lich durch Compression wirken, dennoch für den Ge- brauch des Aetzmittels, weil die Erfahrung lehrt: daſs dabei die Kluppen sich viel leichter vom Saameustrange ablösen, daſs die Abstoſsung des in der Kluppe gelege- nen Theils des Saamenstranges schueller erfolgt, daher auch die Dauer der Eiterung verkürzt, die Heilung be- schleuniget wird, und daſs die genannten üblen Folgen sich bei guter Anwendung des Aetzmittels gänzlich ver- meiden lassen. Oft ist sogar beim Gebrauch von Klup- pen ohne Aetzmittel beobachtet worden, daſs eine stär- kere Entzündungsgeschwulst erfolgte, obgleich bei der Operation die vorgeschriebenen Cautelen aufs Genaueste beobachtet wurden(Jessen, im Magaz. für Thierheilk. Bd. III. S. 26). Als Aetzmittel hat man vorzüglich den Quecksilber- Sublimat und den Kupfervitriol benutzt, jetzt aber den erstern fast gänzlich verworfen, weil er zu heſtige Ent- zündungen und die Folgen davon verursacht. Die An- wendung des Kupfervitriols auf die Kluppen geschieht auf zweierlei Art, indem man ihn entweder mit einem Teig aus Mehl oder nach Jessen(a. a. O.) aus arab. Gummi und Wasser, oder mit Sauerteig mengt und die Rinne der Kluppen damit vollfüllt, oder bei ungerinnten Klappen die innere Fläche derselben damit bestreicht*) oder man streicht den bloſsen Teig, oder Eiweis, oder eine Gummiauflösung auf die innere Fläche der Kluppen und streuet den pulv. Vitriol darauf. Letzteres Verfah- ren ist weniger zweckmälsig als ersteres, weil bei dem Aulegen der so präparirten Kluppen sich das Aetzmittel leicht ablöst. In jedem Falle muſs der Teig in die Rinne recht fest eingedrückt und auf die Oberfläche ganz gleichmäfsig und so aufgestrichen werden, daſs die Masse nur etwa in der Dicke eines Papiers auf derselben liegt. Manche Praktiker wollen aber, daſs der Teig längs der Mittellinie der Kluppe(also auf der Rinne) ein wenig mehr hervorstehen soll als an den Rändern. Vor der Benutzung der Kluppen mufs das Aetzmittel stets voll- kommen trocken geworden sein, worauf die Kluppen- stücke, wie oben angegeben, an dem einen Ende zu- sammengebunden werden. Zur Kastration mit den Kluppen kann das Pferd auf der linken Seite, oder auch auf dem Rücken liegen. Nachdem der linke Testikel nach§. 8S. bloſsgelegt ist, ergreift man denselben mit der rechten Hand, zieht ihn etwas hervor, und schiebt die in der linken Hand ge- haltene Kluppe von vorn nach hinten queer über den *) Manche Thierärzte setzen noch etwas pulv. rothen Bolus zu dem Teige, und nach der Vorschrift eines sehr viel beschäftigten und in seiner Gegend sehr berühmten Kastrirers macht man ein Ge- menge aus Kupfervitriol 4 Theilen, Mehl, rothen Bolus und Blei- weis à 1 Theil, mit Wasser zum dicken Brei und streicht densel- ben in die Rinne der Kluppe. Diese Zusätze erscheinen, nach Grundsätzen der Chemie, als unzweckmässig, und ich glaube, dass die Wirksamkeit dadurch nicht vermehrt wird; aber die Erfahrung hat den Nutzen dieser Verbindungen bestätiget. Sch. dennoch für den ge Erfahrung hrt: das r vom Saumenstnuge u der Kluppe gelege. hueller erſolgt, daher rat, die Heilaug he uaunten üblen p zmittels Länzlich ver. Gebrauch von Km. rden, daſs eine säh. gte, obgleich bei le utelen aufs Gemauest Magaz. für Thierbeil glich den Ouecksibe. enutzt, jetzt her in veil er zu heſtige lut. verursacht. Die A die Klappen gesciti n entwecdter mit einen n(a. a. O.) as and. anerteig mengt und ät „ 0der bei ungeriut den damit bestreiclt) g, oder Eiweis, ohe re Fläche der Kluppes uf. Letzteres Vetti- ersteres, weil bei ien en sich das Aetenité der Teig in de Rim die Oberfläche gun werden, daſsde we es auf detselben es is der Teig lungs 4 ler Rinne) eiu Welt en Rändern. T ae Aetzmittel steis ub worauf die Kuafel- Saamenstrang, wobei der letztere von vorn nach hinten flach ausgebreitet sein mufs, damit die Kluppe auf alle seine Theile gleichmäfsig wirken könne. Auſserdem aber sollen die Kluppen so angelegt werden, daſs sie, wenn das Thier steht, fast waagerecht und mälsig straff gegen den Hodensack angezogen liegen, damit kein Theil des Saamenstranges über den Kluppen(das Thier ste- hend gedacht) frei hervorhänge und der unmittelbaren Einwirkung der Luft ausgesetzt sei. Dieser Zweck wird erreicht, wenn: ⁴) der Saamenstrang gerade in der Mitte der Kluppe, d. h. gleich weit von den beiden Euden derselben liegt, und— 5b) wenn hierzu am Saa- menstrange der richtige Ort gewählt ist. Hinsichtlich des ersten Punktes ist zu beachten, daſs, weil bei dem Zusammendrücken der Kluppenstäcke sich der zwischen ihnen liegende Saamenstrang immer gegen das offene Ende der Kluppe verschiebt, gleich anfangs sein vor- derer Rand etwas näher an das zugebundene Ende der Kluppe gebracht werden muſs.— In Betreff des Punk- tes 5 mufs man auf die Spannung des Saamenstranges Rücksicht nehmen. Wenn dieselbe in einem mäſsigen Grade besteht, d. h. wenn der Hode in das Scrotum hineingezogen wird, aber mit einer mäſsigen Kraft der Hand wieder hervorgehoben werden kann, mufs man die Kluppe auf den Saamenstrang nahe dem Nebenho- den legen, ohne das Band zwischen dem letztern und der Scheidenhaut zu durchschneiden; wird aber der Hode so übermäfsig stark zurückgezogen, daſs er nur mit Mühe hervorzuheben ist, so schneidet man das Neben- hodenband bis an den Saamenstrang durch und vermin- dert hierdurch augenblicklich die Spannung des letztern sehr bedeutend,— wonach die Kluppe ebenfalls nahe am Hoden angelegt wird; ist aber der Saamenstrang sehr schlaff(wie oft bei alten Hengsten, zuweilen aber auch bei schlecht genährten jungen Thieren), so legt man, nachdem ebenfalls das Nebenhodenband daurch- schnitten und die Scheidenhaut zurückgeschoben ist, die Kluppe 1 bis 1 ¼ Zoll von dem Hoden entfernt an. Bei dem Anlegen der Kluppe läſst man durch den Gehülfen das Scrotum etwas zurückhalten, damit nicht ein Theil der Wundränder zwischen sie komme. Nachdem so die Kluppe auf den Saamenstrang go- schoben ist, umfafst man mit der linken Hand den Ho- den und die Kluppe von oben her so, dals Ersterer in die hohle Hand zu liegen kommt, der Daumen und Zei- gefinger aber die Kluppe am hintern Rande des Saamen- stranges zusammendrückt und sie in der angegebenen Lage erhält. Ein Gehülfe legt nun eine von Bindfaden gemachte Doppelschlinge(eine sog. Kastrirschlinge) um das offene Ende der Kluppe in den hierzu bestimmten Falz, wonach der Operateur mit seiner rechten Hand die Kluppenzange an die Kluppe legt(Siehe Anmerk. S. 134) und sie möglichst stark zusammendrückt, wäh- rend der Gehülfe die Schlinge fest zuzieht, den Bind- faden noch zweimal um die Kluppe führt und dann einen festen Knoten an einer Seite derselben bindet. Auf sol- che Weise hält der Operateur selbst den Hoden, die Kluppe und die Zange, und dies gewährt den Vortheil, daſs er, wenn das Thier unruhig wird(was besonders bei dem Zusammendrücken der Kluppen der Fall ist), 135— diese Theile augenblicklich und zugleich gegen das Becken drücken und somit Zerrungen des Saamenstran- ges vermeiden kann, welche sonst hierbei gewöhnlich eintreten, wenn man das Halten einem Gehülfen über- lälst.— Nach dem Zusammenbinden der Kluppe wird, Zoll von derselben entfernt, der Hode und Nebenhode abgeschnitten. Hierauf sieht man zu, ob vielleicht noch Blut aus der Saamenarterie hervordringt und ob die Kluppe einen Theil der Scheidenhaut oder der Haut des Scrotums mit gefaſst hat,— was zuweilen trotz der Vorsorge hierauf dennoch geschieht. Besteht Blutung, so muls die Kluppe nochmals mit der Zange recht fest zusammengedrückt und mit einem Bindfaden straff um- bunden werden. Hierbei löse man aber niemals das zu- erst angelegte Band vorher ab; denn es könnte der Saa- menstrang ganz aus der Kluppe entweichen und nur mit Mühe und mit Zerrungen wieder hervorgezogen werden.— Sollte etwas vom Wundrande des Hodensacks mit in der Kluppe liegen, so schneidet man diesen Hauttheil nahe an der Kluppe ab und lalst das, was in derselben ist, unberührt. Hierauf macht man mit einem Schwamm die andere Halfte des Hodensacks ganz trocken. und verrichtet hier die Kastration wie an der linken Seite. Nach geschehener Reinigung der Wunden mit kal- tem Wasser lälst man das Thier vorsichtig aufstehen, im Stalle mit dem Kopfe hoch anbinden und den Schweif entweder hoch auf binden oder denselben seitlich an einen um den Leib gelegten Deckengurt binden. Letzteres geschieht deshalb, weil die Thiere wegen der Schmer- zen gewöhnlich mit dem Schweif nach der Operations- stelle schlagen, hierbei zuweilen mit den Schweifhaaren an den Kluppen hängen bleiben und dann die letztern heftig zerren.— Sollte das Thier sich sehr unruhig be- nehmen, mit den Füſsen heftig scharren, sich mit Gewalt niederwerfen wollen u. s. w., so ist es, der Erfahrung Lu Folge, dadurch sicher zu beruhigen, daſs man es aus dem Stalle nehmen und im Schritt einige Zeit herum- führen läſst. Junge Füllen, die vorher, noch nie ange- halftert waren, kann man auch in einem leeren Stalle frei herumgehen lassen, wo sie sich viel ruhiger beneh- men(besonders wenn mehrere beisammen sind), als wenn man sie anbindet; zeigen sie eine Neigung zum Niederlegen, so darf man sie nur, um dies zu verhin- dern, laut anrufen. In jedem Falle bleiben die Thiere in den ersten 24 Stunden nach der Operation unter spe- zieller Aufsicht stehen, und sie erhalten nur Gras oder Heu und etwas Hafer in mäſsiger Menge. Die Kluppen werden bei Füllen nach 16— 20, und bei alten Hengsten nach etwa 24 Stunden abgenommen*). Dies geschieht gewöhnlich im Stalle und am stehenden *) Ueber die Zeit, während welcher die Kluppen liegen bleiben sol- len, sind die Praktiker nicht durchaus gleicher Ansicht. Einige wollen sie nur 10— 15 Stunden, andere 1— 2 Tage liegen las- sen, und Serre nimmt sie gar nicht ab, sondern lässt sie von selbst abfallen, was nach seiner Beobachtung nach 14— 20 Tagen geschieht(Journ. de Méd. vétér. publié à PEcole de Lyon. Tome II. p. 220). Die Thiere arbeiten während dieser Zeit und werden ganz wie gesunde Pferde gehalten; die einzige Vorsicht, die man anwendet, besteht darin, dass man sie an zwei Stricke, rechts und links, anbindet, damit sie die Kluppen nicht abreissen. Der Er- folg ist sehr gut.. 34* — 136— Thiere, und nur wenn dasselbe zu unruhig und bösartig ist, läſst man es hierzu auf den Hof führen, um mehr Raum zu haben. Manche Schriftsteller sprechen auch vom Niederlegen der Thiere für diesen Zweck; dies dürfte jedoch nur im äufsersten Falle geschehen, weil bei den hiermit verbundenen Anstrengungen leicht eine grobe Zerrung, selbst eine Zerreiſsung der Saamen- stränge erfolgen kann.— Das Abnehmen der Kluppen bewirkt man in der Regel auf folgende Weise. Man lälst dem Thiere eine Bremse aufsetzen und ihm einen Vorderfuſs aufheben, stellt sich an die rechte Seite des Leibes, hält mit der linken Hand eine Kluppe fest, sett an das vordere Ende derselben den Daumen der rechten Hand, in welcher man ein scharfes Messer so hält, dals die Klinge nur etwa ¾ Zoll über den Rand des Zeige- fingers hervorsteht,— führt die Klinge in die Lücke zwischen den beiden Kluppenhälften und schneidet von hier aus die dieselben zusammenhaltende Bindfaden- schlinge durch*¹). Nun drängt man die Spitze des Zeigefingers zwischen die beiden Hälften, biegt bierdurch dieselben aus einander und vom Saamenstrange ab, und nimmt sie fort. Dabei hält man aber den letztern an dem breitgedrückten Ende für einen Augenblick fest und reiniget dasselbe mit einem feuchten Schwamm von al- len etwa anklebenden Theilen des Aetzmittels. Darauf entfernt man eben so die zweite Kluppe, und wenn dies geschehen, sieht man zu, ob beide Saamenstränge sich in den Hodensack so zurückziehen, dafs ihr freies Ende vollständig von ihm bedeckt ist? Geschieht dies, so hat die Kunst hier nichts mehr zu thun; bleibt aber das Ende eines Saamenstranges aufserhalb des Hodensackes, so kann dies in der Folge zu chronischer Entzündung und Verhärtung und zu Saamenstrangfisteln die Veran- lassung geben. Deshalb schiebt man es mit einem Fin- ger in denselben, und wenn dies nicht gelingen will, trennt man den Saamenstrang von den entstandenen Ad- häsionen der Wundränder des Scrotums(aber auch nur von diesen), indem man mit der Spitze eines Fingers höchstens 1 Zoll tief eindringt und den Saamenstrang umgehet. Aufserdem kann man hiernach noch die bei- den Wundränder des Skrotums mit den Fingern erfas- sen und mit einem kurzen Zuge nach unten über den Saamenstrang ziehen; oder man kann auch nach abge- nommener Bremse etwas kaltes Wasser gegen die Ope- rationsstelle sprützen. Von dem letztern Mittel erschrickt das Thier, ruckt zusammen und zieht die Saamenstränge in die Höhe. Manche Thierärzte schneiden vor oder nach dem Abnehmen der Kluppen den, unter derselben befindlich gewesenen Theil des Saamenstranges mit einer Scheere ab. Dies ist aber unnütz, zuweilen sogar schädlich; denn trotz des Abschneidens tritt doch an der obern Grenze der gequetschten Stelle Eiterung und Abstoſsung 2) Schmid hat zum Vureligehneicen des Bandes a an der Kluppe ein besonderes Instrument, einen sogen. Kluppenöffner, erfunden. Es ist eine Art von Zange mit einer dazwischen liegenden Messer- Klnge, welche, wie bei dem verborgenen Bistouri, durch einen am andern Ende angebrachten Druck hervortritt(Zeitschr. f. Thier- heilkunde. VIII. S. 98). Das Instrument ist unnöthig und unzweck- mässiger als das einfache Messer.— ein, und wenn das Abschneiden ein wenig hoch ge- schieht, erfolgt zuweilen Blutung. Nach dem Abnehmen der Kluppen reiniget man das Scrotum mit lauwarmem Wasser von dem anklebenden Blut, läſst dann die Thiere sogleich, wenn nur das Wet- ter es gestattet, eine halbe Stunde mäfsig bewegen und giebt ihnen ihr gewohntes Futter. Die Bewegung kann täglich zweimal, und zwar nach und nach länger dauernd gemacht und das Reinigen täglich einmal vorge- nommen werden. Kein anderes Mittel trägt zur Minde- rung der Geschwulst, welche sich am Scrotum und am Schlauch fast immer einfindet, so wesentlich bei, wie eine fleiſsige Bewegung der kastrirten Thiere. Eben deshalb läfst man dieselben auch, wenn sie vorher schon geweidet haben, gleich am Tage nach Abnahme der Kluppen wieder auf die Weide, und Arbeitspferde wie- der anspannen und mäſsig arbeiten,— wenn übrigens nicht zu schlechtes Wetter eingetreten ist.— Die Ab- stoſsung der gequetschten Partie des Saamenstranges erfolgt in 10— 14 Tagen und die völlige Heilung ge- wöhnlich in 20— 24 Tagen. II. Die Kastration des männlichen Rindviehes. §. 90. Die meisten Stiere werden in ihrem ersten Lebens- alter kastrirt, um sie zunächst zu Zugochsen zu ma- chen; ältere Sprungthiere aber, wenn sie zur Zucht un- tauglich oder wenn sie zu höse geworden sind, ver- schneidet man zu jeder Zeit, um sie zur Arbeit ru- higer zu machen oder zum Mästen vorzubereiten. In der Zeit von der ersten bis zur 10ten Woche ertragen die Thiere die Operation am besten, dieselbe ist hier auch am leichtesten ausführbar und sie wirkt am mei- sten umändernd auf die Körperform, indem nach ihr die Thiere einen mehr weiblichen Habitus, namentlich einen schmaleren Hals und längere Hörner erhalten. Da aber ein guter Zugochs seine Kraft hauptsächlich im Halse und in der Brust hat, und da diese Theile sich am un- verschnittenen Stier bis gegen die Mitte des zwei- ten Jahres stark ausbilden, so ist das Kastriren für den Zweck, um starke Arbeitsochsen zu erhalten, am be- sten bei 16 bis 18 Monate alten Stieren vorzunehmen. Die Operation kann nach den verschiedenen oben angegebenen Methoden, am stehenden oder am liegen- den Thiere geschehen. Auf erstere Art ist sie bei dem Rindvieh viel leichter als bei Pferden auszuführen, aber dennoch ist das Niederlegen der Thiere hierzu besser, besonders bei alten und groſsen Stieren, weil man ru- higer und sicherer operirt. Das Niederlegen und Befe- stigen der Thiere geschieht wie bei Pferden.— Will man im Stehen kastriren, so wird das Thier mit dem Kopfe kurz an einen Pfahl oder an die Wand gebun- den, ihm eine Bremse ans Ohr gesetzt, ein Vorderfuſs aufgehoben, und einige Männer lehnen sich von beiden Seiten her fest auf das Hintertheil. Zur grölsern Vor- sorge kann man auch dem Thiere die Hinterfüſse spannen (S. 15. No. 7.). Man tritt dann hinter das Thier, ergreift den Hodensack plötzlich über den Hoden, drückt mit den Fingern die Saamenstränge fest zusammen und vollführt die Operation nach der für den Fall ausgewählten Methode. 1) Das — wenn übrigen eten ist.— Die K. des Saumeusttigs . völlige Heilung 8. nännlichen * ihrem ersten Lebeus. au Zugochsen au m. enn sie zur Zucht u. geworden siud, we- m sie zur Arbeit ur. en vorzubereiten. h 10ten Woche ertnzen ten, Gieselbe ist lir ad sie wickt an me. , indem nach ir d ditus, nameutlich éia ner erhalten. Dade auptsächlich in Bix e Theile sich m er die Müte des Whe- das Kasttiten ſir a au erhbalten, am 3 Siieren vorumehnen — 137— 1) Das Abbinden der Saamenstränge und des Ho- densackes geschieht ganz auf dieselbe Weise wie bei den Pferden(§. 87.), und es ist nur zu bemerken: daſs man in den Fällen, wo das Scrotum an seinem obern Theile mit Haaren bewachsen ist, diese vorher rein ab- scheeren muſs. 4 2) Statt des Abbindens benutzt man bei jungen und alten Stieren auch die Compression vermittelst einer grofsen Schraubenkluppe oder Klam- mer, welche aus 2 platten Stäben von hartem Holz, je- der 7— 9 Zoll lang, 1— 1 ¼ Zoll breit, am äufsern Rande ¾ Zoll, am innern 2 Linien dick, besteht; an einem Ende sind diese Stäbe durch ein eisernes Char- nier heweglich verbunden, am andern Ende ist der eine Stab mit einem runden Loch queer durchbohrt, an dem zweiten Stabe steht, dieser Oeffnung gegenüber, eine 3 Zoll lange Schraube, welche beim Schlieſsen der Klammer durch die Oeffnung greift, und dann mit einer Mutter versehen wird, mit welcher man die beiden Stäbe in beliebiger Stärke zusammenpressen kann. Diese Klam- mer wird im geöffneten Zustande von vorn nach hinten über den Testikeln auf den in derselben Richtung aus- gebreiteten Hodensack geschoben, in horizontaler Rich- tung angelegt, und dann durch Aufsetzen und Umdrehen der Schraubenmutter so fest als möglich geschlossen. Man hat hierbei nur darauf zu achten: dals die beiden Saamenstränge nicht nebeneinander, sondern hinter ein- ander zu liegen kommen und daſs das eine Ende der Kluppe nicht bedeutend länger über den Rand des Scro- tum's hervorrage als das andere, weil sonst die Kluppe schief liegen und ungleich zerren würde.— Am zwei⸗- ten und dritten Tage kann mau die Schraube noch etwas ſester drehen. Die Kluppe bleibt liegen, bis sie von selbst abfällt, was gewöhnlich um dem 10ten bis 14ten Tag geschieht. Sollte es aber bis dahin nicht erfolgen, so kann man ohne Gefahr den abgestorbenen Theil des Hodensacks(mit den Hoden) am untern Rande der Klammer abschneiden und die letztere dann eutfernen. Es entsteht in einem wie im andern Falle an der Grenze der lebendigen Haut eine mäſsige Eiterung, Abstoſsung des comprimirten Theils, und in Zeit von etwa 8 Ta- gen völlige Heilung. Die Nachbehandlung besteht im einfachen Reinigen der wunden Stelle vom Eiter.— Die Thiere scheinen von der ganzen Operation wenig zu leiden, und üble Zufälle treten höchst selten ein; die Schlächter kaufen aber die, auf diese Weise und die durch Abbinden des Hodensacks kastrirten Ochsen nicht gern, weil bei denselben, wegen Mangels des Ho- densacks, ein Merkmal zur Beurtheilung der Fettheit fehlt.. 3) Das Abschaben oder Durchschaben der Saamenstränge. Es ist nur bei jungen(etwa bis 1 Jahr alten) Stierkälbern zweckmäſsig und wird fol- gendermaaſsen ausgeführt. Man erfaſst mit der linken Hand das Scrotum über den Hoden(das Thier stehend gedacht) und spannt es, indem man die Hoden herun- terdrückt, auf denselben an. Hierauf zeichnet man die zu machenden beiden Schnitte an der niedrigsten Stelle des Hodensacks, parallel mit der Raphe und etwa Zoll von derselben entfernt, mit dem Bistouri vor, und spal- tet dann zuerst an einer Seite den Hodensack und die Scheidenhaut so lang auf*), daſs der Hode durchtre- ten kann. Ist dies geschehen, so kann die weitere Ka- stration entweder mit Erhaltung, oder mit Wegnahme des Nebenhoden erfolgen. Für ersteren Zweck trennt man denselben vom Hoden, streift ihn nebst dem Saa- menleiter vom Saamenstrange ab und schabt den letztern dort, wo die Venengeflechte aufhören, und wo er dün- ner wird, mit einem Messer auf einer Strecke von 1 Zoll so lange, bis er durchreifst.— Mit dem zweiten Hoden verfährt man eben so, worauf man den Hodensack über die Saamenstränge und Nebenhoden herunterzieht und die Operation beendet ist.— Will man den Nebenhoden mit wegnehmen, so durchschneidet man das Nebenho- denband und an der dünnen Stelle des Saamenstranges auch den Saamenleiter, und schabt dann den Saamen- strang durch, wie im vorigen Verfahren. Die Erhaltung des Nebenhoden soll den Nutzen haben, daſs später der Hodensack sich voller anfühlt und hierdurch den Thie- ren das Ansehen gröfserer Feistigkeit giebt. Der iso- lirte Nebenhode ohne ernährende Gefäſse schrumpft aber bald zusammen und schwindet Zuletzt fast gänzlich. Im Erfolge sind beide Verfahren fast gleichmäſsig zu loben. Gewöhnlich ist durch das Abschaben die Blutung nicht ganz gehindert, aber doch so vermindert, daſs nur eine allmälige Einsickerung von Blut in den Hodensack statt findet. Man drückt dasselbe am andern Tage heraus, damit es nicht in Fäulniſs übergeht, oder auch den Ei- ter nicht zurückhält. Die weitere Nachbehandlung be- steht nur in von Zeit zu Zeit wiederholter Reinigung der Wunden. 1 4) Die Unterbindung des Saamenstranges wird bei jungen und alten Stieren ganz so wie bei Pferden(§. 89.) ausgeführt, verursacht aber in den mei- sten Fällen eine gröſsere und schmerzhaftere Entzün- dung der Saamenstränge und des Scrotums, als dies bei irgend einer andern Methode zu bemerken ist. Erfah- rene Praktiker benutzen daher dies Verfahren nur selten. 5) Die Unterbindung der isolirten Saamen- arterie; 6) das Abdrehen der Saamenstränge**); 7) das Durchschneiden derselben mit dem glühenden Eisen;— und 8) die Kastration mit Kluppen,— werden gleichfalls auf dieselbe Weise wie an Pferden ausgeführt, und vorzüglich bei Stieren, welche über 1 Jahr alt sind, angewendet.— Die Operation mit Klup- pen hat sich auch hier in prawæi als eine sehr gute be- währt. Es ist nach derselben nicht(wie bei den so *) Zuweilen öffnet man bei Stieren den Hodensack auf die Art, dass man, nachdem die Hoden so weit wie möglich in ihm nach oben gedrängt worden sind, das nun leere untere Ende gegen 1 bis 1 ½ Zoll lang queer abschneidet. Ist hierbei die Scheidenhaut nicht mit geöffnet, so drängt man die Hoden gegen sie, um sie zu spannen, und spaltet sie dann wie oben gesagt. Das Verfah- ren steht dem obigen nach. **) Französische Thierärzte(Leblanc) drehen die Hoden und Saamenstränge innerhalb des Scrotums, und ohne dasselbe zu öff- nen, zweimal um die Achse, schieben die Hoden in die Höhe und pinden dann um den untern, leeren Theil des Scrotums ein Band, jedoch nur mässig fest und nur während zwei Tagen. Das Ver- fahren entspricht dem Zwecke oft gar nicht, und ist deshalb in Deutschland lange schon aufgegeben. 4 3⁵ — 138— kastrirten Pferden) nöthig, die Thiere hochgebunden stehen zu lassen, da sie sich stets sehr ruhig verhalten und sich durch Wälzen u. s. w. keinen Schaden thun. Das Abnehmen der Kluppen geschieht stets erst mit oder nach 24 Stunden, weil hier die Arterie stärker ist und daher zu ihrer dauernden Verschlieſsung die Compres- sion etwas länger dauern muſs als bei Pferden von glei- chem Alter. Die übrige Nachbehandlung besteht nur im täglich einmal bewirkten Abwaschen der Wunde vom Eiter. 9) Das Abreifsen der Saamenstränge ist die roheste und unzweckmäſsigste Art des Kastrirens, und wird von Thierärzten in der Regel nicht, wohl aber von Hirten u. dgl. Leuten häufig in Anwendung ge- bracht. Die Ausführung geschieht entweder: a) indem der entblöſste Saamenstrang in einiger Entfernung von den Hoden mit den Fingernägeln der linken Hand, oder mit den Zähnen erfaſst, fixirt, und dann der Hode mit einem starken Ruck abgerissen wird; oder— 5) indem der Operateur den Saamenstrang um den Zeigefinger seiner linken Hand wickelt und dann den Hoden ab- reiſst; oder— c) indem er den Saamenstrang bloſs durch Zusammendrücken des Hodensacks mit den Fin- gern der linken Hand fixirt und den Hoden mit der rech- ten Hand abreifst. In allen Fällen ist eine Zerrung des Saamenstranges damit verbunden, bei dem erstern Ver- fahren jedoch verhältnifsmäſsig weniger als bei den übri- gen beiden, und besonders bei dem letztern. Diese Zer- rungen haben oft heftige Entzündung und Eiterungen, in andern Fällen den Ueberwurf zur Folge; und aufserdem ist die Zerreiſsung sehr oft mit Blutergieſsungen in das Scrotum, oder selbst in die Becken- und Bauchhöhle begleitet. Die Thiere leiden daher oft sehr heftig oder gehen selbst verloren, und die Nachbehandlung ist häu- ſig umständlicher als nach andern Methoden. III. Die Kastration der Schaaf- und Ziegen- böcke, das Hämmeln oder Leuchten. §. 91. Die beste Zeit zum Verschneiden dieser Thiere ist, wenn sie gegen 4 bis 6 Wochen alt sind; doch wer- den auch ältere Böcke verschnitten, wenn sie zu bös- artig, oder zur Zucht überflüssig oder unbrauchbar ge- worden sind. Immer hat man dabei heiſse Witterung und bei den älteren Schaafböcken auch die Sprungzeit zu meiden. Die Lage des Thieres zur Operation ist am besten auf einem Tische. Ein Gehölfe legt es hier auf den Rücken oder auf die linke Seite, und im letztern Falle den Rücken gegen sich gekehrt und so, daſs das hin- tere Ende des Beckens ein wenig über den Rand des Tisches hervorragt. Bei jungen Lämmern hält er die vier Füfse einfach mit den Händen zusammen fest, bei ältern Thieren werden dieselben mit einem breiten Bande zusammengebunden. Auch kann das Halten der jungen Thiere von einem Gehülfen im Stehen auf die Weise geschehen: dals der- selbe das Lamm mit in die Höhe gerichtetem Kopfe auf- nimmt, den Rücken des Thieres gegen seine Brust lehnt, die beiden Föſse einer Seite aber mit einer Hand fest zusammenhält und sie etwas nach auſsen zieht. Das Scrotum wird so ganz frei und in einer passenden Höhe dem Operateur entgegen gehalten. Die Operation geschieht bei jungen Thieren gewöhn- lich und am besten durch Abkneipen oder Abreiſsen der Hoden. Man ergreift den Hodensack, drückt in ihm die Hoden so weit als es geht in die Höhe, schneidet die Spitze(Kappe) gegen ¾ bis 1 Zoll lang queer ab, und drückt die Hoden hervor. Sollte die Scheidenhaut an einer Seite nicht vollständig geöffnet sein, so bewirkt man dies nachträglich. Hierauf schneidet man das zu- rückführende Saamengefäfs durch, nimmt das Ende des Saamenstranges dicht am Hoden auf den Rücken des Messers, drückt auf ihn den Daumen recht fest, und reiſst dann den Hoden vom Saamenstrange ab, oder man kneipt ihn mit den Fingernägeln ab. Die Schäfer neh- men den Saamenstrang zwischen die Schneidezähne und bewirken hiernach das Abreifsen*). Auch pflegen sie das Scrotum und die Wunde mit Fett zu bestreichen oder etwas Asche, oder Salz u. dgl. auf sie zu streuen, was aber unnöthig ist. Fast allgemein ist es gebräuch- lich, den eben castrirten Lämmern auch die Schwanz- spitze abzuschneiden.— Die Zufälle sind nach dem Ab- reifsen fast durchaus sehr unbedeutend, und im Allge- meinen geringer als nach jeder andern Methode, und die Heilung erfolgt ohne weitere Nachbehandlung. Bei ältern Böcken findet die Kastration entweder durch Abschnüren des ganzen Scrotums, oder durch Ab- drehen, durch Unterbinden, durch Abbrennen und Ab- schaben der Saamenstränge, und mittelst der Kluppen statt.— Das Abschnüren kann mittelst einer Band- schlinge, ganz auf die im§. 87. angegebene Weise, oder mittelst einer hölzernen Schraubenkluppe, deren innere Ränder scharfkantig sind, in ähnlicher Weise, wie man eine solche Klemme bei dem männlichen Rind- vieh anwendet(S. 137), geschehen. In beiden Fällen ist es vorher nöthig, die auf dem Scrotum an der Ap- plikationsstelle sitzende Wolle durch recht kurzes Ab- scheeren oder(nach der Methode der Schäfer) durch Ausrupfen zu entfernen. Nach 3— 4 Tagen kann man das Scrotum unterhalb der Klemme oder der Schlinge abschneiden und letztere, oder die Klemme, abnehmen. Der abgestorbene Theil wird später abgestoſsen und die Heilung erfolgt bei mäſsiger Eiterung.— Die übrigen Methoden werden nach den oben, bei der Kastration der Pferde und des Rindviehes angegebenen Regeln ausge- führt. Den Vorzug scheint das Abdrehen über der Toeglschen Kastrirzange zu verdienen. Die Kastra- tion mit Kluppen ist sehr wenig im Gebrauch, aber von Petri(Das Ganze der Schaafzucht, Wien 1815, S. 104) empfohlen. Die Kluppen werden nach ihm recht hoch gegen den Leib an den Saamenstrang gelegt und bleiben 6 bis 12 Stunden liegen, je nachdem der Widder jünger oder älter ist.— Das Erööffnen des Hodensackes für diese Methoden bei den ältern Böcken geschieht entweder *) Kehl hat hierzu ein Instrument erfunden, welches aus einer Scheere zum Abschneiden des Beutels und aus einer Zange zum Festhalten der Saamenstränge besteht. Die Zange befindet sich an dem vordern Ende der Scheerenblätter.(C. Keh!, die vortheil- hafteste Methode die Schaafe zu verkappen und zu verstutzen, ohne Beihülfe des Messers, u. s. w. Wien, 1825. Mit Abbild.) — —— —öͤꝛ— ÿmÿ— 9) Anuch plegen ä Fett zu hdestreichen Gl. auf sie zn streuen mmein ist es gebräleh- n auch die Schwan- le siud nach dem K. utend, und im Alg. dern Metbode, und ä abehandlung. NKastration entweik otums, oder durel dh- h Abbrennen und A- mittelst der Kuuppen mittelst einer hui- . angegebene Wäise, hraubenkluppe, dem in ähulicher Weise dem minuliehen Rud. en. In beiden Fälle Serotum au der A- durch Abschneiden der Spitze des Hodensackes(kap- pen), wie bei den jungen Lämmern, oder man spaltet das Scrotum an jeder Seite, wie bei der Kastration der übrigen Thiere. Das erstere Verfahren hat man das „Hämmeln auf Lämmerart“, das andere aber das„Häm- meln auf Kälberart“ genannt. IV. Das Kastriren der männlichen Schweine. §. 92. Das Verschneiden der männlichen Schweine kann schon von der ersten Woche ibres Alters an mit Sicher- heit geschehen, und ist auch bei alten Thieren gewohnlich nur mit geringer Gefahr begleitet.— Zur Ausführung der Operation an jungen Thieren sitzt der Operateur auf einem niedrigen Stuhle, auf einer Bauk oder dergl.; das Schwein wird von einem Gehülfen mit jeder Hand an einem einzelnen Hinterfuſs gehalten und so vor den Ope- rateur gelegt, dals es mit dem Rücken gegen diesen und auf der linken Seite liegt, das Hintertheil aber an dem rechten Unterschenkel des Operateurs ruhet und in die Höhe gerichtet ist. Der Operateur setzt seinen lin- ken Fufs auf den Hals des Thieres, um es mehr gegen den Boden zu drücken und fest zu halten; mit den Fin- gern der linken Hand erfaſst er das Scrotum(welches hier immer etwas mehr nach hinten und oben liegt und flacher ist als bei andern Thieren), und drückt die Te- stikel ein wenig von dem Becken ab und hervor,— macht mit einem Messer(gleichgültig, ob mit gerader oder convexer Schneide) an jeder Seite der Raphe, etwa 5— 6 Linien von derselben entfernt, einen, von der Mitte bis zur niedrigsten Stelle des Scrotums gehenden Einschnitt durch die Haut und die Scheidenhaut, preſst die Testikel hervor, trennt das Nebenhodenband und nimmt dann, je nach dem Alter des Thieres, den Hoden auf eine der folgenden Arten weg. Ist nämlich das Thier erst bis etwa 15 Wochen alt, so durchschneidet man einfach mit einer Scheere die Saamenstränge da, wo sie dünner werden(wo die Venengeflechte aufhören), und läſst das Thier laufen. Die Blutung stillt sich immer sehr schnell von selbst, und die Heilung erfolgt eben so, ohne daſs üble Zufälle eintreten, gewöhnlich in Zeit von 8 Tagen.— Sind aber die Thiere schon bis gegen 1 Jahr alt, so entsteht bei dem einfachen Durch- schneiden der Saamenstränge oft eine starke Blutung, und es ist deshalb nöthig, hier entweder die Ligatur oder das Abschaben anzuwenden. Erstere wird ganz so ausgeführt, wie§. 89. gelehrt ist; sie hat jedoch oft Krämpfe und immer eine heftigere Entzündung zur Folge als das Abschaben. Letzteres geschieht an der bezeich- neten Stelle des Saamenstranges recht langsam mit einem stumpfen Messer oder mit dem Rücken des Bistouri's. Auch hiernach sind die Zufälle nur unbedeutend und die Heilung erfolgt leicht.— Bei ältern Ebern drehet man entweder die Hoden über der Toeglschen Zange ab, oder man legt die Kluppen ganz so an, wie bei Pferden (§. S9. No. 7.)*) und nimmt sie nach 12— 16 Stunden Dlieterichs spricht von kleinen Kluppen, welche man hier an- wenden soll; da aber die Saamenstränge bei alten Ebern eben so dick wie bei alten Hengsten sind, so kann man ganz dieselben Kluppen wie bei diesen benutzen, und zwar ebenfalls mit dem Aetzmittel versehen. 139— wieder ab. Letzteres Verfahren ist zwar etwas um- ständlicher, aber sehr sicher. Sehr häufig ist bei diesen Thieren die Umgegend des Scrotums mit langen Haaren besetzt, welche bei der Operation, besonders bei dem Abdrehen der Testikel stören und welche man deshalb vorher abscheeren muſs. Nach der einen wie nach der andern Methode hält man die Thiere in den ersten 12— 24 Stunden ruhig in einem kühlen Stalle und bei kühlem und wenigem Fut- ter; und die mit Kluppen kastrirten Eber sperrt man al- lein ein, damit nicht die Kluppen von andern Schwei- nen benagt und gezerrt werden. Nach den ersten 24 Stunden können die Thiere, auch die mit Kluppen ka- strirten, auf die Weide gehen; die jüngern bedürfen gar keiner besondern Nachbehandlung, die ältern bloſs einer von Zeit zu Zeit wiederholten Reinigung der Wunden. V. Die Kastration männlicher Hunde und Katzen. §. 93. Sie wird hauptsächlich deshalb unternommen, um die Thiere mehr häuslich zu machen, und bei Hunden wohl auch hin und wieder noch in der Absicht, sie ge- gen das Entstehen der Wuthkrankheit zu schützen,— was aber auf einem Vorurtheil beruhet.— Die Opera- tion kann in jedem Alter dieser Thiere ohne Gefahr ge- schehen. Dieselben werden hierzu entweder, nachdem ihnen das Maul zugebunden oder mit einem Maulkorbe bekleidet ist, mit dem Rücken auf einen Tisch gelegt und von Gehülfen an den Beinen gehalten, oder sie wer- den, nach Jägerart, mittelst einer um den Hals geleg- ten Schlinge an einen Nagel oder Haken an die Wand aufgehangen. Letzteres sieht barbarisch aus, aber die Thiere scheinen dabei betäubt zu werden und die Schmer- zen der Operation gar nicht zu fühlen; dieselbe ist be- quem auszuführen, und üble Folgen sind von dem Ver- fahren nicht bekannt, wenngleich die Thiere nach dem Losbinden einige Minuten wie betäubt liegen bleiben.— Die Kastration geschieht, wenn die Thiere unter einem halben Jahre alt sind, am besten durch einfaches Ab- schneiden der Testikel von den Saameusträngen mittelst einer Scheere, oder durch Abschaben,— und bei ältern Thieren durch das Abdrehen der Hoden. Für letztern Zweck genügt selbst bei groſsen Hunden das Festhal- ten des Saamenstranges mit dem Daumennagel gegen den Zeigefinger; dasselbe muſs jedoch stets ganz nahe dem Hoden geschehen. Uebrigens verfährt man dabei nach den oben(§. 89. No. 3. u.§. 90. No. 3.) gegebenen Anleitun- gen.— Eine besondere Nachbehandlung ist nicht nöthig, da die Thiere sich an der Operationswunde lecken. VI. Die Kastration der Hähne, das Kappen oder Kapaunen. §. 94. Das Verschneiden der Hähne geschieht nur an jun- gen, etwa 2— 3 Monate alten Thieren, wenn sie eben anfangen zu krähen, und am besten vor dem REintritt des Sommers, damit sie während desselben recht aus- wachsen können. Die Operation kann von einer Person allein oder mit Hülfe einer zweiten, welche das Thier 35* — 140 hält, geschehen. Im erstern Falle setzt der Operateur sich auf einen Stuhl, bindet dem jungen Hahn die Beine zusammen und legt ihn mit dem Kopfe und Rücken nach unten zwischen seine Beine, so dafs der Leib und Steifs des Thieres ihm gegenüber in die Höhe liegen. Im an- dern Falle legt man dem Gehülfen den jungen Hahn mit dem Rücken auf die beiden Handflächen so, daſs der Kopf aufwärts gegen jenen, der Steifs gegen den Ope- rateur gerichtet ist; der Gehülfe drückt die Füſse des Thieres mit beiden Daumen bis zur Seite des Leibes nieder, so dals es still halten mufs.— Man rupft nun am hintern Ende des Bauches, etwa einen starken Fin- ger breit vor dem After, die Federn einzeln und behut- sam aus(oder man schneidet sie mit einer Scheere nahe am Leibe ab), und macht dann mit einem scharfen Mes- ser daselbst einen ¾ bis 1 Zoll langen Queerschnitt durch die Bauchwand, wobei man aber stets die sehr geringe, fast nur hautähnliche Dicke derselben berück- sichtigen muſs, um Verletzungen der Därme zu vermei- den. Durch die gemachte Oeffnung führt man den, vor- her mit Wasser oder Oel befeuchteten Zeigeſinger in die Bauchhöhle, und zwar so, daſs man gleich nach dem Eintritt links an der Bauchwand um die Gedärme herum nach der Wirbelsäule und bis dahin nach vorn geht, wo man äuſserlich die hintere Spitze des Schulterblattes als eine kleine Erhöhung auf den Rippen fühlt. Hier findet man zwischen dem Magen und der Wirbelsäule, unmit- telbar an jeder Seite derselben einen Testikel in Form einer länglichen Bohne und von drüsenartiger Derbheit. Zwischen ihn und die Rippen schiebt man die Finger- spitze und löset ihn von denselben und von seinen fei- nen Gefäfsen durch gelindes Drücken ab, worauf man ihn an die innere Seite der Rippen drückend ein wenig hervordrängt und dann mit gekrümmtem Finger ihn voll- ständig aus der Bauchhöhle zieht. Hierauf wird der rechte Testikel entweder auf demselben Wege oder von der rechten Seite des Leibes her, auf dieselbe Weise entfernt. Ersteres geschieht mebrentheils, und es ist dabei nur zu bemerken: daſs man, um von der linken Seite zum rechten Testikel zu gelangen, den Mastdarm, welcher gerade auf der Wirbelsäule liegt, von dieser vorher abtrennen mufs,— was aber durch gelindes Boh- ren mit der Fingerspitze sehr leicht geschiehet. Das Herausbefördern der Testikel hat für den Ungeübten oft Schwierigkeiten; dasselbe ist aber nicht streng nöthig, sondern es genügt, wenn die Testikel von ihrem Sitze abgetrennt sind; ihr Zurückhbleiben im Leibe ist durch- aus ohne Nachtheil. Häufig tritt bei dem Herausziehen ein Stück Darm hervor, was aber ohne besondern Nach- theil ist. Nach dem Herausnehmen bringt man den etwa hervorgetretenen Darm zurück und heſtet dann die Wund- ränder mit engen Stichen zusammen. Im Volke ist es üblich, die Wunde mit Butter zu bestreichen und dann mit Asche zu bestreuen, aufserdem aber dem Kastraten den Kamm, die Kehllippchen und die Spornen mit einer Scheere abzuschneiden und wohl auch noch die Letztern an die Stelle des Erstern zu verpflanzen. Alles dies ist jedoch unnöthig. Man bringe nur die Kastraten in einen besondern Stall von andern Hühnern getrennt, und gebe ihnen weiches Futter und oft frisches Wasser zum Getränk; denn in den ersten Tagen nach der Operation haben sie viel Durst. Die Heilung erfolgt in etwa 8 Tagen, stets ohne Eiterung. Einzelne Stücke gehen an innerer Verblutung oder an Entzündung zu Grunde. B. Die Kastration weiblicher Thiere. §. 95. Wenn bei weiblichen Säugethieren der nächste Zweck des Verschneidens: gänzliche Unterdrückung des Ge- schlechtstriebes und zugleich des Zeugungsvermögens, sicher erreicht werden soll, so müssen die Eierstöcke ihnen aus dem Leibe genommen oder in demselben ver- nichtet werden; denn alle Versuche, diesen Zweck auf andere Weise zu erreichen, wie namentlich: durch Ex- stirpation des Kitzlers, durch Ueberschneiden der Ge- bärmutter oder der Hörner derselben, durch Heraus- schneiden eines Stückes aus den Muttertrompeten, durch Einbringen einer Bleikugel in den Uterus u. dgl. sind entweder nur mit einem unvollständigen oder mit gar keinem Erfolge begleitet gewesen ¹). Bei dem weibli- chen Hausgeflügel scheint dagegen das bloſse Ueber- schneiden des hintern Endes des Eierstockes, oder des Eierganges, hinreichend zu sein. 1) Die Kastration der Stuten. §. 96. Die Operation wird sehr selten unternommen, scheint aber ehemals in manchen Gegenden mehr gebräuchlich gewesen zu sein, z. B. in Frankreich, wo das Schnei- den der Stutfüllen obrigkeitlich verboten werden muſste*). Man wollte durch die Kastration die Pferde gleichmä- ſsiger brauchbar zum Kriegs-, Reise- und Reitschul- dienst machen, weil man meinte: daſs sie bei dem Ros- sigsein kraftlos würden; jetzt benutzt man das Kastri- ren fast allein als Heilmittel bei solchen Stuten, welche mit einer immer wiederkehrenden heftigen Rossigkeit, oder in Folge derselben mit dem sogenannten Mutter- koller behaftet, oder so kitzlich, beiſsig oder schlagend sind, daſs der Umgang mit ihnen gefährlich ist.— Die Operation ist bei jungen Thieren weniger mit Gefahr begleitet als bei alten, im Allgemeinen aber mehr gefähr- lich als das Verschneiden anderer weiblicher Thiere. Man gebraucht zur Operation: eine Scheere, ein ge- balltes und ein Knopf-Bistouri, eine Pinzette, oder eine Unterbindungsnadel mit Faden, Bauchheftnadeln mit Bänd- chen, Wasser und Schwamm. Das Thier wird zur Operation vorbereitet, indem man ihm in den zwei Tagen vor derselben nur weiches Futter, Kleie und Heu in sehr mäſsiger Menge giebt und es in den letzten 12 Stunden ganz fasten läſst. Zur Operation wird es entweder auf eine Seite, oder auf den Rücken gelegt, je nachdem man zu den Eier- stöcken von den Flanken oder von der uutern Seite des Leibes gelangen will. Ersteres ist wegen Heilung der Wunde weit besser als Letzteres, obgleich das Heraus- nehmen *) E. Viborg, in d. Veterinär-Selskab. Skrift. 1 Deel, S. 290. Kiöbenhayn 1808. 1— *) Französ. Landgestüttordnung vom Jahre 1717, Abschnitt 5, Ar- tikel 40.— Garsault(im Nouveau parfait Maréchal, S. 391, Ausgabe 1741) beschrieb sie wieder als eine den Schmieden zustehende Operation. en das bloſse Uelgr Eierstockes, oder is der Stuten. u unternommen, scheiu den mehr gebräuchldh reich, wo das Scheer rboten werden muſste)) n die Pferde gfichas- Reise- und Reitsehul- daſs sie bei den Bos- enutat man das Kii- solehen Stuten, weleb a heſtigen Rossigsei n sogenaunten Müter beiſsig oder clligei gefäbtlieh ist.= h weniger nit belir inen aber mebr geit weiblicher Thiere eine Scheere, ein x ine Pinzette, oder eßs chieſtnadeln ni hur nehmen beider Eierstöcke durch eine Seitenöffnung, we- gen der Kürze der Fallopischen Röhren und der Eier- stocksbänder oft schwieriger ist, als von der untern Seite her. Eben deshalb ist letztere Stelle vorgeschla- gen worden(Brugnone, a. a. O. S. 256). Man scheert zuerst auf der Mittellinie des Leibes vor dem Schaambein eine Hand breit und 6 Zoll lang die Haare rein ab, macht eine Queerfalte der Haut, durchschneidet sie so, dafs eine 5 Zoll lange Wunde entsteht, trennt dann an einer Stelle die Muskeln bis auf das Bauchfell, hebt dieses mit der Pinzette ein we- nig hervor und durchschneidet es, geht hierauf mit dem linken Zeigefinger in die Bauchhöhle, setzt auf ihn das Knopfbistouri und verlängert die Wunde nach vorn bis zur Gröſse von 4 bis 4 ½ Zoll. Während man nun mit der linken Hand die Eingeweide zurückzuhalten sucht, führt man die rechte durch die Oeffnung in die Bauch- höhle und gegen die letzten Lendenwirbel, wo man die Eierstöcke an jeder Seite auf dem Psoasmuskel, da wo er mit dem Darmbeinmuskel zusammenkommt, leicht fin- den und beide durch dieselbe Oeffnung herausnehmen kann. Man zieht sie einzeln hervor, legt die Fallopi- sche Röhre auf den Zeigefinger der linken Hand, setzt den Daumennagel fest darauf, drehet den Eierstock einige- male um die Achse der Röhre, und schneidet ihn dann entweder mit einer Scheere ab, oder man kneipt ihn mit den Nägeln der rechten Hand ab. Hierauf schiebt man die Fallopische Röhre wieder in die Bauchhöhle und ver- fährt mit dem zweiten Eierstock eben so. Die Bauch- wunde wird dann mit 4 Heften vereiniget, dem Thiere eine breite Binde um den Leib gelegt und sein Aufste- hen mit möglichster Schonung bewirkt. Im Stalle mufs das Thier anhaltend ruhig stehen, bis die Wunde fest vernarbt ist, was unter günstigen Umständen gewöhn- lich nach etwa 14 Tagen geschehen ist; die Heilung er- folgt jedoch an dieser Stelle des Leibes zuweilen nicht gleich vollständig durch schnelle Vereinigung, und es entstehen dann Vorfälle der Eingeweide, oder Verwach- sung derselben mit der Wunde, daher die Operation hier immer mit noch gröſserer Gefahr begleitet ist, als wenn sie in der Flankengegend gemacht wird. Um sie in dieser zu unternehmen, ist es gleichgül- tig, ob das Thier auf der rechten oder der linken Seite liegt. Man scheert die Haare an der oben liegenden Flanke zwischen den Lendenwirbeln und dem Darmbein- winkel ab und entfernt sie gründlich. Dann macht man mit dem geballten Bistouri einen 4 Zoll langen Haut- schnitt, welcher 1 Zoll unter dem Queerfortsatze des 4ten Lendenwirbels anfängt und etwa 1 Zoll vor dem Darmbeinwinkel endet. Eben so durchschneidet man die Muskeln bis auf das Bauchfell, öffnet dieses auf die oben angegebene Art etwa einen halben Zoll lang, führt den linken Zeigefinger durch diese Oeffnung und in die Bauchhöhle, um die Gedärme von der Wunde abzuhal- ten,— setzt dann unter dem Finger das Knopfbistouri gegen das Bauchfell und trennt dasselbe bis zu den Wundwinkeln durch. Nun geht man mit der, vorher mit Wasser befeuchteten Hand in die Bauchhöhle und holt den Eierstock der oben liegenden Seite aus dersel- ben hervor. Man findet ihn sehr leicht in der Gegend 141— des 4ten Lendenwirbels(zuweilen ein wenig hinter dem- selben) als einen rundlichen, derben Körper. Ist der- selbe bis vor die Wundränder gebracht, so schneidet man ihn oder drehet ihn auf die oben angegebene Weise von seinem Bande und von der damit vereinigten Mat- tertrompete ab,— hält dann aber die letztere noch fest, ziehet mit ihr das betreffende Horn der Gebärmutter nä- her zur Oeffnung und spannt dadurch das andere, unten liegende Horn mehr an. Nun führt man nochmals die Hand in die Bauchhöhle und, an diesen gespannten Thei- len geleitet, unter dem Mastdarme hinweg zum andern Eierstock, den man ebenfalls in der Gegend des vierten Lendenwirbels findet. Man nimmt ihn so in die hohle Hand, daſs sein Band zwischen dem Mittel- und Ring- ſinger liegt, richtet dann die Nägel des Daumens und sämmtlicher Finger gegen den Eierstock, kneipt und drückt ihn von allen Seiten her allmälig von dem Bande los und bringt ihn aus der Bauchhöhle heraus. Die Wunde wird dann wie eine einfache Bauchwunde mit- telst der Knopfnath vereiniget, das Thier in einem küh- len Stalle ruhig stehend in möglichst magerer Diät ge- halten, innerlich und äuſserlich antiphlogistisch behan- delt;— die Hefte werden nach 6— 8 Tagen entfernt. II. Das Verschneiden der Kühe. §. 97. Bei dem weiblichen Rindvieh will man durch das Verschneiden nicht allein ein zarteres Fleisch und grö- ſsere Mastungsfähigkeit, sondern auch bei Milchkühen eine lange andauernde und gleichmäſsig reichliche Milch- absonderung bewirken, und somit die Verluste vermei- den, welche in den Milchwirthschaften dadurch eutste- hen: dafs die Kühe in der Regel während ihres Träch- tigseins wenig oder gar keine Milch geben. Auſserdem kann man dadurch solche gute Milchkühe, welche durch einen krankhaften Zustaud zum Empfangen und Gebären für die Zukunft untauglich geworden sind, wie z. B. durch unheilbare Scheiden- und Gebärmuttervorfälle, Brüche des Beckens mit bedeutender Verschiebung der Knochen u. dgl., noch einige Zeit länger zum Milch- ertrage benutzen und gleichzeitig zum Hettwerden dis- poniren. Die Operation ist schon lange bekannk, Tn Bar- tholin schrieb bereits 1662 ¹), daſs in Dänemark die Landleute nicht nur ihre Schweine, sondern auch die Schafe, Kühe und Stuten durch Herausnehmen der Eier- stöcke kastriren; um die Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde sie von einem Kastrirer, Namens Britz, in Sachsen mehrfältig ausgeübt ²), und gegen Ende des- selben(1792) war sie, nach Retzius ³), in Schwe- den im Gebrauch. Auch in Wahui wurde sie damals versucht ¹⁴). Auch in Jütland war, wie man daselbst an mehrern Orten E. Viborg versichert hatte, das Verschneiden der ¹) Epistolar. medicinal. Centur. III. Epistola 64. ¹) Frenzel, J. Th. H., Nachricht von dem guten Erfolge des Kuh- und Kälberschneidens, im Leipziger Intolligcnablatt vom Jahr 1769. No. 52. Art. 7. 3) Retzius, A., Om Castrationem af Kor. Stockholm 1835. *) Bibliothéè que physico-oeconomique etc. Paris 1791, Tome 1. pag. 94(Profit de chatrér de vielles vaches; par M. Foot.) 36 Milchkühe bekannt¹). Später kam jedoch die Operation in der Literatur und in der Praxis ganz in Vergessen- heit, bis in der neuern Zeit ein amerikanischer Land- wirth Winn sie von Neuem als ein Mittel zum an- dauernden Milchertrage in Anwendung brachte ²), wor- auf sie von Levrat ¹) und Regere ⁴) nach einigen Versuchen sehr empfohlen, und von Prinz in einer be- sondern Abhandlung vollständig beschrieben worden ist*). Viele Thierärzte haben dann die Operation ausgeführt, und das Resultat ihrer Beobachtungen ist: 1) daſs die Castration der Kühe inder Regel keine lebensgefähr- liche Operation ist;— 2) dals sie aber hinsichtlich der andauernden Michergiebigkeit bei den kastrirten Kühen im Allgemeinen den guten Einflufs nicht äuſsert, den Winn, Levrat u. A. rühmten, indem wohl bei einzel- nen Kühen der gleiche Milchertrag länger als ein Jahr ſortdauerte, bei den meisten aber um diese Zeit, wenn- gleich das Futter unverändert blieb, sich die Milch im- mer mehr verminderte und später ganz verlor; und 3) dafs der Hauptnutzen der Operation in der leichten und ohne Futterzusatz erfolgenden Mastung der Kühe beruht 6).— Die Disposition der Thiere scheint dabei von groſsem Einfluſs zu sein, und Prinz empfiehlt des- halb mit Recht: daſs man zur Erreichung der länger an- dauernden Milchergiebigkeit zur Operation solche Kühe auswählen soll, welche vorher schon viel und gute Milch geben, aber nicht eine auffallende Neigung zum Fett- werden zeigen. Auch wählt man, unter übrigens glei- chen Umständen solche Kühe, welche das dritte Mal gekalbt haben, also gewöhnlich 5 Jahr alt sind; und zwar am besten in der Zeit, wo die Kuh das Kalben und das Säugen des Kalbes völlig überstanden hat und die gröfste Menge an Milch giebt, jedoch noch nicht wieder rinderig geworden ist,— also etwa 30 bis 50 Tage nach dem Kalben, je nachdem nämlich das Kalb früher oder später von der Kuh weggenommen worden ist. Hinsichtlich der Jahreszeit und Wilterung gelten die allgemeinen Regeln. Die Vorbereitung der Thiere zur Operation besteht einfach darin: daſs man ihnen am Abende und am Mor- gen vor derselben gar kein Futter giebt, damit der Pansen mehr leer werde und mehr Raum in der Bauch- höhle entstehe. An Instrumenten gebraucht man greselben wie Lur Kastration der Stuten. 1 8 Die Kühe können bei der Operation stehen oder liegen; die meisten Thierärzte ziehen Ersteres vor, weil die Operation hierbei mit gröſserer Leichliskeit und doch ¹) Veterinär Selskab-Skrifter, 2 Deel, Kiöbenhavn 1813, S. 353.— Viborg selbst liess eine frischmilchende Kuh kastriren, welche hiernach im ersten Jahre täglich 4 Kannen Milch, im 2ten Jahre 2 Kannen, und im 3ten Jahre Kanne gab, aber sehr fett ge- worden war. ²) Recueil inqustr. Juillet 1831: und Annal. de l'agric. franç. 1832, Mars. 48 89 ²¹) Journ. des connaissances utiles. 1834. Mars; u. Recueil de Mé- dec. vétérin. 1834, p. 65.(Auszug hiervon im Magaz. f. Thier- heilk. II. Bd. S. 140.)— *) Recueil de méd. vétér. 1834, p. 167. u. 1835. p. 308. *³) Das Verschneiden oder die Castration der Milchkühe u. 1s. w. Leipz. 1836. *) Nach verschied. briefl. Mittheilungen, und— Hering, in seinem Repertorium Jahrg. V.(1844.) 142— auch mit der erforderlichen Sicherbeit verrichtet werden kann. Man stellt das Thier mit der rechten Körperseite an eine Wand, bindet den Kopf daselbst kurz und fest an, oder lälst ihn von zwei Gehülfen halten, der Kör- per wird durch einen langen Strick, der über die ganze Länge desselben geht und vor dem Buge und hinter der Keule durch in der Wand sitzende Ringe oder Hespen gezogen ist, gleichsam angeschuürt; und gegen den lin- ken Hinterschenkel, etwas über dem Sprunggelenk, läſst man einen 10— 12 Zoll langen Pfahl in schräger Rich- tung von hinten nach vorn so halten, dafs er mit dem freien Ende unter dem Leibe fest an die Wand gestützt ist. Ein Gehülfe unterstützt das Thier am Becken und am Schweif, um das Niederlegen zu verhindern.— Soll das Thier zur Operation liegen, so geschieht das Nie- derlegen auf die rechte Seite, und zwar ganz in ge- wöhnlicher Weise, wobei die Füſse einfach zusammen- gezogen werden. Nach Kreutzer's Mittheilung*) geben jedoch die Thierärzte in Oberschwaben der Kuh eine stark ausgestreckte Lage, indem sie nach dem Nie- derlegen des Thieres die beiden Vorderbeine desselben mit einem Strick an einen vor dem vordern Ende des Thieres in der Erde stehenden Pfahl, die Hinterbeine aber an einen am hintern Ende der Länge des Thieres ste- henden Pfahl befestigen, so daſs die linke Flanke recht angespannt ist.— Kälber legt man zur Operation immer nieder, und allenfalls kann dies auf einen mit Stroh be- deckten Tisch geschehen, damit der Operateur um desto bequemer hinzukommen kann. Letzterer nimmt am lie- genden Thiere seine Stellung hinter dem Kreuz dessel- ben, am stehenden Thiere neben der Rippenwand. Vor der Operation werden die Haare auf der linken Hungergrube abgeschoren und gründlich durch Abwischen oder Abbürsten entfernt. Dann legt man daselbst die Haut in eine Queerfalte und durchschneidet sie seuk- recht, so daſs in der Mitte der Grube eine 5— 6 Zoll lange Wunde entsteht, oder man spannt mit den Fin- gern und dem Daumen der linken Hand die Haut da- selbst recht straff, und macht mit dem geballten Bistouri in der Mitte der Grube einen 5 bis 6 Zoll langen, senk- rechten Hautschnitt,— durchschneidet hierauf am obern Wundwinkel vorsichtig die Muskeln bis zur Bauchhaut, hebt diese mit der Pinzette in eine Falte auf und schnei- det dieselbe vorsichtig durch. In die entstandene Oeff- nung bringt man die Spitze des linken Zeigefingers, so daſs er die gegen die Operationsstelle liegenden Einge- weide von derselben abhält, setzt dann das Knopfbi- stouri unter den Finger und durchschneidet von innen nach auſsen die Bauchmuskeln nebst dem Bauchfell bis zum untern Wundwinkel. Die hierbei etwa betroffenen Blutgefälse drehet man zu oder unterbindet sie. Nachdem man nun das Messer weggelegt und sich die Hände wieder gereiniget hat, führt man eine Hand (und zwar am stehenden Thier die linke, am liegenden die rechte) durch die Wunde in die Bauchhöhle und sucht die Eierstöcke auf. Man findet dieselben auf je- der Seite in der Gegend unter den Queerfortsätzen des 4ten bis 6ten Lendenwirbels, fast in gleicher Höhe mit *) Magazin f. d. gesammte Thierheilk. Bd. III. S. 127. zer's Nittheilung) Dberschwaben der Rij dem sie nach den Ni- Vorderbeine dessele lem vordern Eude&s l, die Hiaterbeide ae änge des Thieres se. die linke Flanke ma an zur Operation ium duf einen mit Stroh he. ler Operateur un den etaterer mimmt an ke ter dem Kteus dese- der Rippeuwand e Haare auf der luben ndlich durch Abwäseden legt man daselbst à chschneidet sie selb zruhe eine 5— l spaunt mit den Fir en Hand die Haut è- dem geballten ſsuui 86 Zoll hugen, as- eidet bierauf an den eln bis Zur Bauchtal- Falte auf uud sej n die entstaudene t — 143 dem äuſsern Darmbeinwinkel, und etwa 2 Zoll von dem- selben entfernt, als einen plattrunden derben Körper in der Gröſse einer kleinen Wallnuſs. Um zu dem rech- ten Eierstocke zu gelangen, mufs man die Hand in der Mittellinie der Bauchhöhle an dem ziemlich breiten Mast- darmgekröse heruntergleiten lassen und unter dem Mast- darm zur andern Seite führen; oder, man sucht, indem man die Hand ein wenig nach rückwärts zur Becken- höhle führt, zwischen dem Mastdarm und der Harnblase die Gebärmutter auf und geht an dem rechten Horn der- selben vorwärts bis zu der Muttertrompete, an welcher und an seinem Bauchfellbande der Eierstock hängt. Der- selbe wird so erfaſst, daſs das Band mit den Gefäſsen und der Muttertrompete zwischen dem Zeige- und Mit- telfinger, und er selbst in der hohlen Hand liegt. Nun kann man ihn entweder innerhalb der Bauchhöhle ab- kneipen, indem man mit dem Nagel des Daumens auf das Band an allen Stellen einen schabenden Druck aus- übt, bis es überall durchtrennt ist, der Eierstock frei in der Hand liegt und herausgenommen werden kann, oder,— man zieht ihn, und zugleich das rechte Horn der Gebärmutter, langsam bis vor die gemachte Oeff- nung, nimmt hier das Band und die Muttertrompete auf den Rand des Zeigefingers, setzt den Daumennagel fest darauf, drehet mit der andern Hand den Eierstock mehr- mals um die Achse des Bandes, schneidet ihn dann mit einer Scheere von demselben vor der gedreheten Stelle ab und bringt dann das Gebärmutterhorn wieder in seine normale Lage zurück. Dieses Verfahren scheint etwas schwieriger zu sein, als das Ablösen des Eierstocks in der Bauchhöhle; allein dies ist nicht der Fall, vielmehr geht bei ihm die Operation schneller und leichter von statten, als bei dem letztern, bei welchem der Daumen zuweilen ganz ermüdet, ehe das Ablösen beendet wer- den kann.— Nach der Eutfernung des rechten Eier- stocks bewirkt man auch die des linken, und zwar im- mer auch am besten durch sauftes Hervorziehen, durch Abdrehen und dann durch Abschneiden.— Die etwa entstehende innere Blutung ist gewöhnlich nur gering und hat keine üble Folgen. Wenn der zweite Eierstock entfernt ist, wird die Bauchwunde sogleich gereiniget und entweder mittelst 4 bis 5 Heften der Knopfnath, oder(nach Levrat und Prinz) mittelst der Zapfen- nath genau vereiniget. Die Kuh wird nun in einen mäſsig warmen, mit reichlicher Streu verschenen Stall gebracht, und so angebunden, daſs sie sich legen kann. Sie wird trau- rig, bekommt Wundſieber, verliert den Appetit, das Wiederkauen und auch mehreutheils die Milch, und blä- het auch etwas auf; nach 3— 5 Tagen gehen jedoch diese Zufälle wieder allmälig vorüber. Man befeuchtet die Wunde in den ersten 3— 4 Tagen ſleiſsig mit kal- tem Wasser, so daſs sie beständig kühl gehalten wird; das Thier erhält in dieser Zeit nur kühles Getränk mit etwas Kleie, und nur äuſserst wenig weiches Futter; erst später, wenn die Zufälle des Wundſiebers vorüber sind, giebt man weiches Futter in mäſsiger Menge; die Leibesöffnung befördert man durch Klystiere; das Euter muſs täglich zur gewohnten Zeit vollständig ausgemol- ken werden, so wenig es auch Milch enthält. Nach — 6— 8 Tagen können die Hefte aus der Wunde entferut werden; letztere wird dann nur rein gehalten, wobei die Heilung gewöhnlich bis zum 14ten Tage erfolgt.— Finden sich Symptome einer Entzündung der Bauchein- geweide, namentlich ein heftiges Wundfber, groſse Schmerzhaftigkeit und Auſftreibung des Leibes oder an- haltende Verstopfung, so muſs eine streng autiphlogisti- sche Behandlung eingeleitet werden. Ill. Das Schneiden, Ausschneiden oder Ver⸗ schneiden der weiblichen Schweine. §. 98. Das Verschneiden der weiblichen Schweine scheint bereits in sehr früher Zeit gebräuchlich gewesen zu sein, da Aristoteles ¹), Plinius ²) und Galen ¹³) es wie eine gewöhnliche Sache beschreiben, und Columella ³) und andere alte landwirthschaftliche Schriftsteller es eben so erwähnen. Am vollständigsten hat E. Viborg die Operation beschrieben), und zugleich die chinesische Me- thode derselben bekannt gemacht 6). Gewöhnlich und am besten verschneidet man die Ferkel in dem Alter von 4— 8 Wochen, viele aber erst später, und zuwei- len werden auch alte Zuchtsäue der Operation unterwor- fen, wenn sie gemästet werden sollen, aber wegen be- ständiger Wiederkehr der Brunst nicht gedeihen, die an- dern im Stalle befindlichen Schweine beunruhigen, das Holzwerk zernagen u. s. w. Die Kastration wird von den jungen Schweinen viel besser und leichter ertragen als von jedem andern weiblichen Hausthier; von den äl- tern Schweinen gilt dies zwar im Allgemeinen auch, jedoch ausgenommen, wenn die Operation in der Brunst- zeit oder in den ersten 5— 6 Tagen nach derselben un- ternommen wird, weil dann bei dem starken Blutan- drange zu den innern Geschlechtsorganen auch die Blu- tung und die Gefahr einer nachfolgenden Entzündung stets grofs ist. Je öfter das Thier schon brünstig war (gewoöhnlich alle 3— 4 Wochen wiederholt), um so mehr ist überhaupt diese Gefahr zu fürchten. Dieselbe kann jedoch sehr vermindert werden, wenn man solche Mutterschweine vom Eber belegen lälst, somit die Auf- regung in den Ovarien und Mattertrompeten beendet und den Congestiv-Zustand von ihnen auf die Gebärmutter überträgt. Man unternimmt dann, wenn dieser Zweck erreicht, die Entwickelung des Foetus aber noch nicht weit gediehen ist, d. i. nach etwa 14 Tagen, bis gegen Ende der vierten Woche, die Operation fast immer mit gutem Erfolge; denn obgleich in der Regel nach 20 bis 30 Stunden ein Abortus eintritt, so hat derselbe doch, wie die Erfahrung es zeigt, in dieser frühen Periode des Trächtigseins keinen nachtheiligen Einfluſs auf das Thier.— Solche Mutterschweine, welche nach der vol- len Tragezeit geworfen haben, verschneidet man eben- ¹1) Histor. animal. Lib. IX. Cap. 50. 2) Histor. natural. Lib. VIII. sect. 77. ³) Lib. I. de semine. Cap. 15. ¹) De re rustic. Lib. VII. Cap. 9. 5) Anleitung zur Erziehung und Benutzung des Schweins. Kopen- hagen 1806, S. 514. ⁸) Von dem chinesischen Ausschneiden der Saugferkel,— in d. Sammlung von Abhandlungen, Bd. V. S. 344.(Mit Abbild.) 36* ———————“ — 144— falls ohne besondere Gefahr in 4— 6 Wochen nach dem Abwerfen; früher unternommen stört die Operation die Milchabsonderung, und später findet sich die Brunst mit ihren Zufällen und Wölgen, wie oben Wemerkt, wie- der ein.— Bei ganz jungen Schweinen ist die Ausführung der Operation für den Ungeübten nicht leicht, weil die Eier- stöcke und die Muttertrompeten sehr klein und deshalb die Ersteren sehr schwer zu finden und eben so schwer hervorzuziehen sind; und bei alten Zuchtsauen erzeu- gen die ganz unverhältnifsmäfsig weit ausgedehnten, einem Dickdarm ähnlichen Hörner der Gebärmutter, so wie die groſse Spannung der breiten Mutterbänder einige Schwierigkeiten. Vor der Operation entzieht man der Thieren in den letzten 12— 20 Stunden das Futter und Getränk; theils weil man, wenn die Gedärme leer sind, die Ovarien und Mutterhörner leichter finden und hervorziehen kann, theils auch deshalb, weil nach dem Entziehen des Getränks sich die Harnblase wenig mit Urin anfüllt und man dann das Durchstoſsen des Bauchfells, ohne Gefahr einer Ver- letzung dieses Organs, mit der nöthigen Kraft bewir- ken kann, was unter entgegengesetzten Umständen nicht der Fall ist, da bei Schweinen die angefüllte Blase immer weit in den Bauch hineinreicht. Zur Operation nach gewöhnlicher Art gebraucht man ein geballtes Bistouri, oder statt dessen ein soge- nanntes Kastrirmesser(Schweinschneidermesser*)) und eine(am besten gerade) Heftnadel mit 4— 6fachen Heftfäden.— Zum Verschneiden der Ferkel nach chi- nesischer Art gebraucht man eine 10 Zoll lange, Sför- mig gekrümmte Sonde und ein spatelförmiges Messer mit schräger Schneide, und am andern Ende mit einem stumpfen Haken. Das Verschneiden nach Bevsohnlichar Meihodde ge- schieht folgendermaalsen:. — Der Operateur setzt sich auf einen hiedrigon Stuhl; ein Gehülfe legt das Schwein so vor ihn, daſs es mit der linken Körperseite nach oben, mit dem Rücken ge- gen den Operateur gekehrt ist, die rechte Flanke auf dem etwas vorgesetzten linken Fuſse desselben ruhet, der Kopf aber auf dem Boden aufliegt. Der Operateur setzt dann seinen rechten Fuſs auf den Hals des Thie- res und halt so dasselbe fest gegen den Boden, wäh- rend der Gehülfe die beiden Hinterbeine festhält und sie straff nach hinten zieht. Ist das Thier grofs und stark, so muſs ein zweiter Gehülfe die Vorderbeine festhalten.— Zuerst werden dann auf der Mitte der linken Flanke im *) Ein solches Messer hat eine 1 ½ Zoll lange Klinge, welche in einen eben so langen Talon übergeht; ihre Schneide ist geballt und am breitesten Theil(hinten) etwa 10 Linien breit; hinter die- sem Theil ist der vordere Rand des Talon halbmondförmig aus- geschnitten. Der Rücken der Klinge ist von der Spitze nach hin- ten zu sanft gewölbt. Am hintern Ende ist der Talon mit einer Oeffnung für das Verbindungsniet versehen. Das Heft des Messers ist gegen 5 Zoll lang, rundlich kegelförmig, am vordern Ende ge- gen 10 Linien dick, an dem hintern stumpfspitzig und ein wenig nach einer Seite gebogen. Es wird am besten aus einem glatten Zie- genhorn gemacht, indem man in das dicke Ende desselben in der Mittellinie mit der Säge einen 2 ½ Zoll langen Falz schneidet, um die Klinge daselbst einlegen zu können. Wesentlich ist es, dass die Letztere mit dem Heft durch ein Niet ganz locker beweglich verbunden sei, damit sie bei einem bloſsen Schwunge der Hand sich öffnen und eben so wieder schlielsen kann, wie der Opera- teur dies eben wünscht. drungen ist, Umfange von etwa 4 Quadratzollen die Borsten abge- schoren oder mit Hülfe des Messers ausgerupft und Hierauf macht man an dieser Stelle, etwa ¾ Zoll bis 1 Zoll vor dem Darmbeinwinkel, einen, der Dicke des Zeigefingers entsprechend langen Haut- gründlich entfernt. schnitt in etwas schräger Richtung von unten und vorn nach oben und hinten(in der Richtung der Fasern des Damit dieser Schnitt möglichst eben und nicht zu tief geschehe, nimmt man hierzu das Heft des Messers ganz in die rechte hohle Hand, legt den Zeigefinger um den hintern, stumpfen Theil der Klinge, den Daumen aber an die Seitenfläche derselben so weit von der Spitze entfernt, wie dieselbe eindringen soll; stützt dann die Hand mit den Knöcheln am vordern Rande der abgeschorenen Stelle fest auf die Haut neben die letzten Rippen, und, während nun mit den Fingern der linken Hand die Haut gespannt wird, senkt man die Messerspitze durch die Haut bis in das Zellgewebe und giebt durch eine halbe Rotation der Hand von unten nach oben dem Schnitt die erforderliche Länge. Bei jungen, kleinen Thieren ist es hinreichend, nur die Haut und das fette Zellgewebe unter ihr so mit dem Messer zu trennen, da die dünnen Bauchmuskeln sich mit dem Finger durchbohren lassen, bei groſsen Thieren ist aber diese Durchbohrung oft schwierig und es ist deshalb nöthig, auch diese Muskeln(wenigstens die beiden schiefen) noch zu durchschneiden. Nachdem der Schnitt geschehen, durchbohrt man mit dem Zeige- finger der rechten Hand die Bauchmuskeln vollständig bis auf das Bauchfell, vermeidet aber dabei das Letztere von den Maskeln abzudrücken und sackartig auszudeh- nen, weil sonst das Sprengen desselben sehr schwer oder gar nicht gelingt. Um dieses Sprengen zu bewir- ken, setzt man die Nagelspitze des steif gehaltenen Fingers in etwas schräger Richtung von hinten nach vorn und unten gegen das Bauchfell und stöfst ihn mit einem kurzen, kräftigen Rnck durch dasselbe. Die be- zeichnete schräge Richtung wählt man, um eine Ver- letzung der Harnblase zu vermeiden, welche bei senk- rechtem Einstoſsen des Fingers erfolgen könnte. Sollte das Sprengen nicht gelingen, so kann man mit eiuer Pinzette das Bauchfell in der Wunde fassen, es in einer äuſsern schiefen Bauchmuskels). kleinen Falte hervorziehen und diese 1— 2 Linien weit ein- oder durchschneiden, worauf man mit dem Finger sehr leicht die so entstandene kleine Oeffnung vergrõöſsern Nachdem der Finger in die Bauchhöhle einge- sucht man entweder die Eierstöcke direkt auf oder man sucht die Gebärmutterhörner mit den brei- ten Mutterbändern und, durch diese geleitet, die Eier- kann. stöcke auf.— Das Aufsuchen der Orarien, und nament- lich des an der untern(rechten) Seite des Leibes be- findlichen, hat bei jungen Thieren wegen des sehr ge- ringen Umfanges oft groſse Schwierigkeiten, und des- halb verrichten geübte Praktiker die Operation mehren- Man findet den Eier- theils nach der zweiten Weise. stock als einen mäſsig derben plattrunden Körper, je nach der Gröſse des Thieres von verschiedenem Um- fange(zuweilen nur in der Gröſse einer Linse), gerade unter dem Psoasmuskel jeder Seite, etwa in der Mitte zwischen dem äufsern Darmbeinwinkel und dem Körper- der Haut gespanut wi die Hant his i ia ne balbe Rotation ié chnitt die erforderlih ren ist es hinreicbent Wwebe unter ihr so u dünnen Bauchmaskel 7 lassen, bei grobe ung oft schwierig ul Muskeln(wenigstes ehschneiden. Nachden t man mit dem Zeig. nchmuskeln vollstäntig aber dabei das Letutet d sackartig ausauief- desselben sehr suset s Sprengen zn beni e des steif gehaltaer tung vön linten wi nſell und stöſst bn ij der Lendenwirbel; man ziehet nun den linken Eierstock zuerst mit gekrümmtem Finger zum Darmbein, drängt ihn gegen die Bauchwand daselbst und dann von hier zur Wunde und aus derselben hervor, wo man ihn mit der linken Hand ergreift und festhält. Dann ziehet man an ihm das linke Horn der Gebärmutter sanft so weit hervor, bis eine Spannung bemerkbar wird, zieht da- durch auch den Körper der Gebärmutter ein wenig nach links und spannt auch das rechte Horn und dessen brei⸗ tes Band etwas an. Indem man nun den Finger wie- der in die Bauchhöhle bringt, benutzt man dieses ge- spannte Band als Leiter, um an ihm, unter dem Mast- darm hinweg, zu dem rechten Eierstocke zu gelangen, den man an der rechten Seite, etwa am hintern Drit- theil der Lendengegend unter dem Psoas-Muskel frei an der langen Fallopischen Röhre hängend findet. Die letztere sucht man mit dem Finger in der Richtung von vorn nach hinten zu umgehen, dann zwischen das erste und zweite Gelenk des Fingers zu nehmen und sie aus der Wunde hervorzuziehen. Man muſs hierbei zuerst den Finger so tief wie möglich in die Bauchhöhle brin- gen und dann, wenn die Fallopische Röhre bis über den Körper der Lendenwirbel nach links gezogen ist, sie mit dem Finger gegen die Bauchwand drücken, bis sie in die Wunde gelangt ist. Dieses Hervorholen des zweiten Eierstockes ist der schwerste Akt der Opera- tion und gelingt nicht immer bei dem ersten Versuch; er kann aber etwas erleichtert werden, wenn der Ope- rateur mit dem linken Knie die rechte Flanke des Thie- res nach innen drückt, oder dies durch einen Gehölfen thun lälst,— was besonders bei groſsen Schweinen nützlich ist. Die beiden hervorgezogenen Eierstöcke werden nun entweder abgeschnitten, oder mit den Fin- gernägeln abgekneipt, oder auch bei ältern Thieren ab- gedrehet. Bei jungen Thieren kann man mit den Eier- stöcken zugleich einen Theil(etwa 3 bis 1 Zoll lang) der Muttertrompeten und der Gebärmutterhörner abschnei- den, ohne dafs hiernach bedeutende Blutung oder andere üble Zufälle entstehen. Nach der Eutfernung der Eier- stöcke schiebt man die Gebärmutterhörner wieder in die Bauchhöhle zurück und heftet die Wunde zu. Wenn man beide Eierstöcke an den Mutterhörnern aufsuchen und hervorziehen will, so bringt man Zuerst den Zeigefinger durch die Wunde queer in die Bauch- höhle bis unter die Mitte des linken Psoas, um hierdurch am Finger einen Maaſsstab zu erhalten, wie tief man ihn auch in schräger Richtung in die Bauchhöhle führen mufs, um bis über das Gebärmutterhorn zu gelangen. Denn diese Länge ist natürlich bei Thieren von ver- schiedener Gröſse sehr verschieden, z. B. bei Saugfer- keln nur etwa ¾ Zoll, bei alten Sauen über 2 Zoll.— Hierauf zieht man den Finger wieder so weit zurück, daſs nur eben die Spitze noch in der Wunde bleibt, und schiebt ihn dann in der bezeichneten Länge etwas schief nach vorn und nach der rechten Seite zu, und zwar so, als ob man mit der Fingerspitze die letzte Rippe dieser Seite an ihrer Verbindungsstelle mit dem Knorpel berühren wollte. Hierdurch wird der in dieser Gegend liegende Theil des Darmkanals etwas nach der Brust hin geschoben. Ist dies geschehen, so führt man 145— den Finger in einen kleinen Bogen von unten und vorn nach oben und räckwärts, in die Lendengegend, und zwar so, daſs er mit seiner Spitze fast den Psoas be- rährt. Wenn man hierbei aufmerksam ist, so fühlt man bald, daſs sich mit dem Finger etwas fortschiebt, was kleiner, gerundeter und etwas weicher als ein Darm ist. Diesen Theil(das Gebärmutterhorn) drückt man, wenn man mit ihm in die Lendengegend gekommen ist, sanft an die innere Fläche der Bauchwandung und führt ihn, stets so andrückend, gegen die Wunde, woselbst man ihn aus derselben etwas hervor- und gegen den Wundrand festdrückt, und dann mit dem Daumen und Zeigefinger der rechten Hand das ganze Horn so weit hervorzieht, bis man einen kleinen Widerstand bemerkt. Das Ergreifen und Hervorholen des Horns gelingt zu- 4 weilen erst nach mehrern Versuchen hierzu, die man ein wenig modiſizirt, indem man die Fingerspitze bald ein wenig tiefer in die Bauchhöhle, bald ein wenig hö- her gegen die Nieren führt. Bei dem Hervorziehen des ganzen Horus hat man zu beachten, daſs dies haupt- sächlich an dem breiten Mutterbande geschehen muſs, weil das Horn selbst sehr mürb ist und leicht abreiſst. Ist das Hervorziehen bis zu dem bezeichneten Wider- stande geschehen, so hält man mit der linken Hand das Horn in dieser Lage auſserhalb der Wunde fest und führt den Zeigefinger der rechten Hand an demselben in der Bauchhöhle bis zu dem etwas herangezogenen Kör- per der Gebärmutter, umgeht diesen behutsam nach un- ten, und legt die Fingerspitze in den Winkel, welchen derselbe hier mit dem rechten Horn bildet.— Bei Fer- keln reiſst man nun die Gebärmutter an diesem Theile durch, indem man einen sanften Druck gegen sie aus- übt; darauf führt man den abgerissenen Theil mit dem rechten Horne, indem man es gegen die Bauchwandung drückt, zur Wunde, erfaſst es hier mit dem Daumen und Zeigefinger der rechten Hand und, mit dem linken Dau- men sauft nachschiebend, zieht man den abgerissenen Theil der Gebärmutter, deren Hörner, so wie die Mut- tertrompeten nnd Eierstöcke aus der Oeffnung hervor, hält kurz über derselben diese Theile fest und schneidet sie mit dem in der rechten Hand gehaltenen Messer ab. Dabei hat man zu beachten:) daſs bei dem Festhalten der Theile entweder die Spitze des Mittel- oder des Ringfingers der linken Hand, oder des Zeigefingers der rechten Hand in die Wunde gebracht werden muſs, so- wohl um das Hervordrängen der Gedärme aus der Bauch- höhle, wie auch das Eindringen der Luſt in dieselbe zu verhüten; und— 5) daſs bei dem Abschneiden auch wirklich beide Eierstöcke mit entfernt werden, weil, wenn dies nicht geschieht, wohl die Fähigkeit zu em- pfangen, vernichtet, aber nicht der Begattungstrieb auf- gehoben sein würde.— Nach dem Abschneiden der ge- nannten Theile findet das Zunähen der Wungde statt. Bei alten und ausgewachsenen Sauen kann das eben beschriebene Verfahren nicht angewendet werden, son- dern man muſs hier allein die Eierstöcke auf die zuerst angegebene Weise entfernen. Reicht bei recht groſsen Thieren der Finger nicht bis in die rechte Seite der Bauchhöhle, und bewirkt das Drücken von Auſsen ge- gen die rechte Flanke nicht eine genügende Verenge- 37 — 146— rung dieser Höhle, so kann man auſserdem noch durch einen Gehülfen das Thier am rechten Hinterfuſse und am Schwanze senkrecht in die Höhe heben lassen, während der linke Hinterfuſs frei bleibt. In dieser Lage werden die Bauchwandungen noch mehr erschlafft, so dals man die linke mit der Hand ziemlich tief eindrücken und den Finger tiefer einführen kann. Uebrigens fühlt man bei so groſsen Thieren die Eierstöcke stets sehr deutlich. Die Abtrennung derselben geschieht hier immer am be- sten durch Abdrehen, um die Blutung möglichst gering zu machen. Eben deshalb, wie auch um die Reizung möglichst zu beschränken, trennt man allein den Eier- stock ab, und vermeidet die Muttertrompeten, die bei alten Thieren oft sehr blutreich sind, zu verletzen. Der letzte Akt der Operation ist das Zusammenhef- ten der Wundränder. Dasselbe geschieht entweder durch die Knopfnaht, oder, durch die umwundene, oder gewöhnlicher durch die Kürschnernaht. Der Gehöülfe läfst hierzu das linke Hinterbein, welches bisher straff nach hinten gehalten wurde, los, oder hält es ein we- nig nach vorwärts, um die Bauchwand zu erschlaffen; der Operateur überzeugt sich zunächst davon, dafs kein Darmtheil in die Wunde getreten, und bringt, wenn dies geschehen, ihn vollständig zurück; legt dann den Dau- men und Zeigefinger der linken Hand so gegen die Haut neben den Wundrändern, daſs letztere einige Linien breit über die Finger hervorstehen und gleichmäſsig an einander liegen, und führt nun die eine oder die andere Naht, in der Regel durch die Hautränder allein, aus. Manche Praktiker weichen von diesem Vorgange darin ab, daſs sie nicht die Wundränder zusammendrücken, sondern aus Vorsicht, um das Austechen eines Darm- theils au vermeiden, während des Aulegens der Naht einen Einger oder das hintere dünne Ende des Kastrir- messers in die Wunde halten, aufserhalb dieses Gegen- standes die Hefte locker einlegen und zuletzt, nach Wegnahme desselben, sie in gehöriger Enge zusammen- ziehen. Vorsicht in Betreff der Darmverletzungen und des An- oder Einnähens der Därme in die Wunde ist stets nöthig, da durch einen solchen Fehler heftige Eut- zündungen, Brand, der Tod des Thieres, oder Koth- fisteln und allmälige Abmagerung entstehen können; doch sind nicht immer, wo sich solche Folgen einfinden, jene Kunstfehler begangen worden, sondern sie entstehen auch bei manchen Thieren allein aus einer zu heftigen Wund- entzündung, welche am Bauchfeil in plastische Exsuda- tion übergeht und dadurch Verwachsung der Gedärme an der Wunde u. s. W. herbeiführt,— wie dies E. Viborg(NYeterin. Selsk. Skrift. I. Deel, S. 296) aus eigener Erfahrung bestätiget. Das Verschneiden der Saugferkel; nach chinesis scher Methode geschieht folgendermaſsen: Das Thier wird mit ausgebreiteten II atarpoipey e an einen Queerbalken, der auf einem etwa 3 Ellen hohen Pfahl befestiget ist, oder an eine Wand u. s. w. in die- ser Höhe so angebunden, dafs der Kopf gegen die Erde hängt und der Bauch nach vorn gekehrt ist; die Vorder- beine bindet man zusammen*). Der Operateur bringt 4) Help er befestiget und hält die Ferkel zum Verschmeiden auf die Weise, dass er einen Strick, gegen 1 Elle lang und an jedem Ende die krumme Sonde durch die Scheide und den Mutter- mund in die Gebärmutter, und zwar so tief, daſs sie etwa 2— 3 Zoll über den vordern Rand des Schaam- beins eindringt. Bei dem Einführen der Sonde muſs man ihren Knopf in der Scheide mehr gegen deren obere Fläche(gegen das Kreuzbein) halten, um die Blasen- scheidenklappe und das Eindringen in die Blase zu ver- meiden. Nach Einführung der Sonde macht man mit dem oben bezeichneten spatelförmigen Messer(oder auch mit einem Bistouri) neben der letzten linken Zitze einen Einschnitt durch die Bauchwand gegen S Linien lang,— führt dann den, am andern Ende des Instruments be- findlichen, stumpfen Haken(oder einen ähnlichen, von einer Sonde gemachten) durch die Wunde in die Bauch- höhle, drückt die Sonde in der Gebärmutter gegen den Haken und ergreiſt letztere mit demselben. Wenn dies geschehen ist, wird die Sonde euntfernt, die Gebärmutter durch den Haken aus der Wunde hervorgezogen und festgehalten. Man zieht alsdann das eine Horn hervor und schneidet oder reiſst es zugleich mit dem Eierstock von dessen Bauchfellbande ab. Eben so verfährt man mit dem andern Horn und Eierstock, schiebt dann die Gebärmutter durch die Oeffnung wieder in die Bauch- höhle zurück, bindet das Ferkel los und läſst es lau- fen, ohne dafs die Wunde zugenähet wird. Nach Vi- borg'’s Versicherung heilt letztere so schnell, daſs man nach 5— 6 Tagen Kaum sehen kann, wo sie gewe- sen ist. Die Nachbehandlung ist hier und nach der gewöhn- lichen Methode möglichst einfach. Saugferkel beschränkt man auf die Muttermilch; älteren Tlieren giebt man wäh- rend 4— 5 Tagen weiches, nicht blähendes Futter in geringer Menge und hält sie ruhig an einem kühlen Orte. Verschnittene Mutterschweine müssen ihre Ferkel auch nach der Operation säugen. An der Wunde ist in der Regel nichts zu thun, und wenn in einzelnen Fällen Eiterung eintritt, so wird nur für guten Abfluſs und für Reinlichkeit gesorgt. Anmerkung. Das Kastriren weiblicher Sehate und Ziegen geschieht ganz so wie das nach der ge- wöhnlichen Methode bei Schweinen; doch werden ge- wöhnlich hierzu die Thiere mit der rechten Seite auf einen Tisch gelegt und von Gehölfen gehalten. IV. Das Verschneiden der weiblichen Hunde und Katzen. 8 §. 99. Bei diesen Thieren ist die Operation schwerer aus- führbar als bei den Schweinen, weil bei ihnen die Eier- stöcke sehr weit nach vorn, nahe den Nieren liegen, sehr klein, ihre Bänder sehr kurz, und beide oft mit mit einer Schleife versehen, mit letztern an die Hinterbeine, über den Sprunggelenken des Thieres anschleift,— den frei bleibenden mittlern Theil des Stricks sich über seinen Nacken legt und so das Schwein, mit dem Rücken gegen seine Brust gekehrt, vor sich hängen hat. Zur Operation setzt er sich auf einen Stuhl, nimmt dabei den Kopf des Thieres zwischen die Knie, und kann durch Aufrichten oder Senken seines Oberkörpers dem Ferkel die nöthige Spannung geben. Dabei hält er dasselbe allein fest und hat beide Hände zur Operation ganz frei.(Veter. Selsk. Skrift. Deel I. S. 295.) Eben so verfahnt un ock, schiebt dann äe wieder in die Baudh los und lälst es la- bet wird. Nach Yi. te so schuell, dals un kanu, wo sie geye- und nach der gewöh- Saugferkel beschräult Thieren giebt mau vi- ht bläbendes Fätter u Nan einem kühlen Otte sssen ihre Ferkel aud der Waunde ist in de in in einzeluen File iren weiblicher ebut wie das nach der ſ nen; doch werdeu Se der rechten Seit al hälfen gebalten. weiblichen Huuice — 147 Fett eingehüllt sind. Es gelingt deshalb selten, beide Eierstöcke durch eine Wundöffnung hervorzuholen, son- dern man muſs gewöhnlich an jeder Flanke eine Wunde machen.— Das Thier wird hierzu, nachdem ihm das Maul mit einem Maulkorbe oder mit einem Bande ver- schlossen worden, entweder mit den Hinterbeinen an eine Wand, einen Pfahl u. s. w. senkrecht aufgehan- gen und an den Vorderbeinen von einem Gehäülfen fest- gehalten,— oder es wird mit einer Seite auf einen Tisch gelegt, von einem Gehülfen an den Vorderbeinen und am Genick und von einem andern an den ausgestreck- teh Hinterbeinen festgehalten. Man scheert an den Flan- ken die Haare auf einer Fläche von 1 ½ bis 2 Quadrat- zollen rein ab und macht etwas vor der Mitte der Länge der Flanke, unmittelbar unter den Queerfortsätzen der Lendenwirbel, einen 1 Zoll bis gegen 1 ¼ Zoll langen Einschnitt(je nach der Dicke der Finger) durch die Haut, die Bauchmuskeln und das Bauchfell,— mit der Vorsicht, welche bei dem Verschneiden der übrigen weib- lichen Thiere empfohlen ist. Durch die Oeffnung führt man den Zeigefinger in die Bauchhöhle, und zwar so, daſs man zwischen der Bauchwand und dem Netz(wel- ches hier die Gedärme fast vollständig umhüllt) nach vorn bis zu der Niere an derselben Seite gelangt. Am innern Rande des hintern Endes derselben drückt man die Eingerspitze mälsig fest gegen den Psoas und zieht ihn, auf dieselbe Weise fortwährend an die Bauchwand drückend, langsam zur Wunde zurück. Man schiebt dabei das sehr dünne und ziemlich ge- spannte, sonst kaum fühlbare Mutterhorn mit der Fal- lopischen Röhre und dem Eierstocke zur Oeffnung, und indem man äuſserlich neben die Wunde den Dau- men, gegenüber dem in der Bauchhöhle befindlichen Zeigefinger andräckt, dräugt man mit Letzterem das Gebärmutterhorn heraus, erfaſst es mit den Fingerspitzen der linken Hand, zieht es mit der rechten und die Röhre nebst dem Eierstocke allmälig so weit wie möglich aus der Wunde und schneidet dann letztere Theile ab. Dar- auf schiebt man das Mutterhorn in die Bauchhöhle zu- rück, heftet die Wunde zu und verfährt dann an der andern Seite auf dieselbe Weise. Aauch hat man Hunde und Katzen nach der von E. Viborg mitgetheilten chinesischen Kastrationsmethode mit Leichtigkeit und gutem Erfolge verschnitten; doch muſs hier die Sonde, nachdem sie bei der Harnröhren- klappe in der Scheide vorüber ist, mit ihrem convexen Rande gegen den Rücken des Thieres gewendet wer- den, weil sie so leichter in das Becken eindringen soll. Viborg bemerkt jedoch(Sammlungen, Vtes Bdchen, S. 350): dafs es auch nach dieser Methode schwieriger ist(als bei Schweinen), die Eierstöcke aus der Oeff- nung hervorzubringen.— Die Nachbehandlung ist nach denselben Grundsätzen wie bei den übrigen Thieren 2u leiten. Beimler*) hat die Beobachtung gemacht: daſs Hündinnen, welche bereits geboren haben, durch das Kastriren zwar unfruchtbar werden„ aber doch zuwei- len noch in die Brunst verfallen,— während bei sol- *) Hering, Repert. 1844. S. 154. chen, die man 8— 10 Wochen alt verschneidet, die volle Wirkung der Operation eintritt. Ich kann dies nicht bestätigen. V. Das Verschneiden der weiblichen Hühner, Truthühner u. a. weiblichen Vögel. §. 100. Die Operation besteht hier nicht in dem Wegneh- men der Eierstöcke, sondern nur in dem Daurchschnei- den oder theilweis bewirktem Abschneiden des hintern Endes des Legekanals(Eierganges, fälschlich auch Ge- bärmutter genannt).— Man läſst hierzu das Huhn ganz auf dieselbe Weise halten, wie dies zum Kastriren der Hähne(§. 94, S. 139 u. 140) nöthig ist. Eben so wer- den anch, wie dort, am Bauche, vor dem After, die Federn ausgerupft oder kurz abgeschoren. Darauf macht man an dieser Stelle, etwa ¾— ¾ Zoll vor dem After, mit einem gewöhulichen Bistouri vorsichtig einen, gegen ¾ Zoll laugen Queerschnitt durch die Bauchdecken, so daſs der Darmkanal sichtbar wird, schiebt dann mit der Fingerspitze den, in der Mittellinie des Bauchs liegen- genden Mastdarm ein wenig zur Seite, ergreift mit einer Pinzette den gleich dahinter liegenden und mit ihm am After verbundenen, durch seine weifse Farbe deutlich von den mehr röthlich und bläulich gefärbten Därmen unterschiedenen Legegang, zieht ihn ein wenig hervor und schneidet ihn etwa 6 Linien über seiner Verbin- dung mit dem Mastdarm, mit einer Scheere ab; oder, man schneidet ein Stückchen aus ihm heraus, damit die Enden sich nicht wieder vereinigen. Das Uebrige wird zurückgeschoben und dann die Wunde zugeheftet.— Man kann auch den Schnitt hinter dem After, nachdem daselbst die Federn ausgerupft sind, machen, dann einen Druck über dem After gegen den Leib anbringen, hier- durch das äufserste Ende des Eierganges hervordrän- gen, dasselbe ergreifen und abschneiden. Auch hier legt man eine kleine Naht zur Vereinigung an.— Die Thiere werden durch 3— 4 Tage kühl und in magerem Futter gehalten; die Wunden heilen ohne künstliche Behandlung. C. Von den wichtigsten Zufallen bei und nach der Kastration. §. 101. a) Mehrere pathologische Zustände bestehen, wie bereits im Eingauge dieses Kapitels gesagt(§. 84), an den Genitalien, schon vor dem Kastriren; 5) andere ſinden sich bei demselben ein; und c) noch andere tre- ten als Folgen nach demselben ein. a) Zu jenen Zuständen gehören besonders: 1) Man- gel eines Testikels;— 2) Ungleiche Gröfse der Ho- den;— 3) Unvollständige Entwickelung des Scrotums und sehr hohe Lage der Hoden;— 4) Verletzungen und Geschwüre des Hodensackes und der Hoden;— 5) Verwachsung der Scheidenhaut mit den Hoden;— 6) sogenannter Wasserbruch;— 7) Fleischbruch;— 8) Leistenbruch. 5) Als ein besonderer Zufall bei der Operation ist: 9) das Hervortreten von Gedärmen zu erwähnen; und c) als Folgen sind zu betrachten: 10) Blutungen; — 11) Groſse Geschwulst des Scrotums und anderer 37* — 148—. Theile;— 12) Wundfieber;— 13) Wundstarrkrampf; — 14) Hodensackabscesse; und— 15) Verhärtungen und Fisteln am Saamenstrange. Hierüber ist speziell Folgendes zu bemerken: 1) Das Fehlen des einen oder des andern Testi- kels ergiebt sich bei genauer Untersuchung des Scro- tums vor der Operation, ist aber nicht immer so leicht zu erkennen, da bei sehr verkümmerten und hoch in der Leistengegend sitzenden Hoden zuweilen der Schein von wirklichem Mangel derselben besteht. Da der Letz- tere seinen Grund in dem Zurückbleiben dieser Organe in der Bauchhöhle hat, so ist durch eine Untersuchung per anum immer der etwa bestehende Zweifel leicht zu beseitigen, indem man hierbei den äufserlich fehlenden Hoden in der Bauchhöhle, nahe dem Leistenringe, als einen rundlichen Körper von drüsiger Derbheit findet. Bis zum Ende des 3ten Jahres sahe ich in einigen Fäl- len den Hoden bald früher bald später noch durch den Bauchring herunter steigen, bei älteren Pferden aber niemals. Wo sich also dieser Mangel bei ganz jungen Füllen findet, ist es zweckmälsig, die Kastration noch einige Monate aufzuschieben; bei 4 Jahr alten und aus- gewachsenen Pferden nutzt dies nichts. In einigen Fäl- len wurde zuerst der vorhandene Testikel allein weg- genommen, worauf der andere um desto schneller her- vorzutreten schien und dann auch entfernt werden konnte. In den Fällen, wo der zweite Hode gar nicht erschien, wird durch die Wegnahme des einen der ökonomische Zweck der Operation nur sehr unvollständig oder gar nicht erreicht, indem die Thiere sich hiernach noch fast eben so unruhig(besonders in der Nähe von Stuten) benehmen, als ob sie nicht verschnitten wären. Ob der- gleichen Hengste aber auch nicht mehr zeugungsfähig sind,— wie dies bei den sogenannten Klopfhengsten, bei welchen beide Hoden in der Bauchhöhle zurückge- blieben sind, oft der Fall zu sein scheint,— ist noch zweifelhaft. 2 Soll in einem solchen Falle, oder bei einem Klopf- hengst die Kastration vollzogen werden, so kann dies nur durch einen etwa 4 Zoll langen Einschnitt in der untern Flankengend derjenigen Seite, an welcher der Testikel im Bauche liegt, geschehen. Die Operation ist jedoch nicht ohne Gefahr. Das Thier wird hierzu nie- dergelegt, das Haar an der bezeichneten Stelle abge- schoren, und der Einschnitt, etwa in der Mitte der Länge zwischen dem äufsern Darmbeinwinkel und der Kniescheibe anfangend, in schräger Richtung nach un- ten geführt und mit der Vorsicht gemacht, wie dies bei dem Pansenschnitt und bei dem Kastriren weiblicher Thiere als Regel angegeben ist. Hierauf führt man die Hand in die Bauchhöhle nach der innern Oeffnung des Bauchringes, sucht den Testikel, zieht ihn hervor und drehet ihn dann einigemale um die Achse der Saamen- arterie, welche man zwischen dem Daumen und Zeige- finger der linken Hand festhält. Zuletzt schneidet man ihn von derselben ab, und nähet die Wunde zu. Die Nachbehandlung muſs streng antiphlogistisch sein. 2) Eiune ungleiche Gröfse der Hoden ist leicht zu erkennen und für die Operation von keinem störenden Einflufs. Indeſs findet es sich oft, daſs, so wie die Hoden, auch die Saamenstränge von sehr ungleicher Stärke sind, und daſs man hiernach, wenn man mit Kluppen kastrirt, bei einem Thiere Kluppen von ver- schiedener Gröſse anwenden mufs, indem für den zu schwachen Saamenstrang eine gewöhnliche Kluppe zu schwer ist, u. s. w.— In einzelnen Fällen, wo bei 3— 4 Jahr alten Hengsten ein Hode kaum den dritten Theil der normalen Gröſse erreicht hatte und sehr weich war, habe ich denselben, um dem Thiere Schmerzen zu ersparen, nicht weggenommen und davon keinen Nach- theil gesehen. 3) Bei mehrern, 1— 2 Jahr alten Hengsten habe ich kaum eine Spur vom Hodensack, und die Hoden hoch oben in der Leistengegend liegend gefunden. Bei diesem Zustande ist natürlich der Hautschnitt nicht an der gewöhnlichen Stelle, sondern in der Nähe der Ho- den zu machen; doch vermeide man es, ihn gerade in der Fuge zwischen dem Schenkel und dem Becken an- zubringen, weil hier die Heilung nicht gut gelingt; son- dern man drückt den Hoden ein wenig nach dem Schlau- che zu, spannt die Haut straff auf ihm an und durch- schneidet sie nebst der Dartos und Scheidenhaut nahe an seinem innern Rande. Den entblöfsten Hoden ent- fernt man am besten durch Abdrehen. 4) Verletzungen und Geschwüre des Hodensackes und der Hoden. Beide Zustände kommen selten vor; Erstere können zu den Letztern Veranlassung geben, doch entstehen diese zuweilen auch, ohne mechanische Einwirkung, wie z. B. bei jungen Pferden, wenn sie an unregelmäſsiger Druse leiden.— Bei groſsen Ver- letzungen, wo der Hodensack unregelmäſsig zerrissen und geöffnet, der Hode stark gequetscht oder in seiner Continuität getrennt ist, oder längere Zeit der Luft aus- gesetzt war, ist es am besten, die Kastration sogleich vorzunehmen, weil sie unter diesen Umständen weniger Schmerzen und weniger langwierige Eiterung u. s. w. erregt als die Verletzung,— Bei Geschwüren, welche in die Höblen des Hodensackes eindringen, so daſs die Testikel durch die Eiterung leiden; eben so, wo Ge- schwüre an oder in den Hoden selbst ibren Sitz haben und in allen Fällen der Heilung hartnäckig widerstehen, erscheint die Operation nöthig. Die Ausführung ge- schieht bei Wunden ohne Schwierigkeit, indem man, je nachdem dies passend erscheint, entweder die vorhan- denen Wunden nur hinreichend erweitert, oder die un- regelmäſsigen Ränder wegschneidet, jedenfalls aber die Wunde an die abhängigste Stelle des Hodensackes ver- längert, um einen freien Abflufs des Eiters zu bewir- ken.— Bei Geschwüren gilt dieselbe Regel, übrigens aber umschneidet man die Geschwürränder und trennt die, gewöhnlich vorhandenen Adhäsionen zwischen der äufseren und der Scheidenhaut, oder zwischen dieser und dem Hoden. Die Entfernung des Letztern erfolgt dann in gewöhnlicher Weise. 5) Verwachsungen der Scheidenhaut mit dem Ho- den bestehen entweder nur an einzelnen Stellen oder an der ganzen Oberfläche des Letztern. Sie kommen am gewöhnlichsten bei alten Beschälern, höchst selten bei Füllen vor und werden gewöhnlich erst nach gemachtem Schnitt durch die Scheidenhaut erkannt, indem hier der Hode min der Nähe der R man es, ihn gerade i 2 und dem Becken a. nicht gut geliugt; au- venig nach dem Sehla- uf ihm an und dang. und Scheideuhaut uh entblöſsten Hoden eu- eben. lwüre des Hodensacke de kommen selten w- en Veranlassung geden uch, ohne mechauisehk gen Pferden, wenn s- — Hei grolsen fe unregelmälsig Ieniser equetscht oder in Seiber ugere Zeit der lut us die Kastration soghid sen Umstäuden weits jerige Eiterung.⁸ ei Geschwöten, wadt eindringen, 80 qab u¹ hen; eben so, wee selbst ibren Siu 9 Hode nicht aus der Schnittöffnung hervortritt, wie er es sonst bei gesunder Beschaffenheit der Theile thut. Man hat hierbei empfohlen, die Scheidenhaut von dem Testi- kel abzupräpariren; dies ist jedoch ein langweiliges, schmerzhaftes und unnöthiges Verfahren. Weit einfa- cher und doch dem Zwecke entsprechend ist es, wenn man die Scheidenhaut auf dem Testikel unberührt sitzen läſst, dafür aber sie über dem Nebenhoden am Saamen- strange mit der Pinzette in eine kleine Falte aufhebt, diese mit der Scheere queer einschneidet, dann das stumpfe Blatt der Scheere in die Oeffnung führt und die Haut rund um den Saamenstrang abschneidet. Die Weg- nahme des(mit der Scheidenhaut bedeckten) Hoden geschieht dann wie da, wo keine Abnormilät besteht. 6) Sogenannte Wasserbrüche, Ansammlungen von Serum in der gemeinschaftlichen Scheidenhaut, kommen nicht selten vor, bei jungen Thieren jedoch mehrentheils in einem so geringen Grade, dafs man vor dem Ein- schneiden in die Scheidenhaut das Bestehen der Was- seransammlung gewöhnlich nicht erkennt. Für die Art der Ausführung und hinsichtlich der Folgen der Opera- tion ist dieser Zustand ohne Bedeutung; das Serum fliefst bei dem Durchschneiden der Scheidenhaut, und zuweilen noch mehrere Stunden andauernd, aus dersel- ben aus; der weitere Verlauf ist ganz so wie in ge- wöhnlichen Fällen, und stets erfolgt durch die adhäsive Entzündung der Theile des Saamenstranges die Heilung des Wasserbruchs vor der Heilung der Kastrations- wunden. 7) Der sogenannte Fleischbruch des Hoden be- steht entweder in einer fleischähnlichen Entartung und zugleich in Vergröſserung desselben, oder in einer Ver- dickung der Tunica dartos und des Zellgewebes im Hodensacke durch abnorm vorhandene Muskelschichten; und zuweilen sind beide Zustände mit einander verei- niget. In diesen Fällen ist der Hode mit dem Hoden- sack verwachsen, so daſs sie einen zusammenhängen- den Fleischklumpen bilden. Bei der Entartung des Ho- dens ist auch gewöhnlich die Saamenarterie varicös er- weitert und der Pleæus pampiniformis vergröſsert, da- her der Saamenstrang verdickt.— Man erkennt den Fleischbruch aus dem Umfange, der Derbheit, und aus dem Mangel an Schmerzen beim Befühlen der genann- ten Theile und, bei Verwachsung des Hoden mit dem Hodensacke, auch aus der aufgehobenen Beweglichkeit zwischen beiden. Die Kastration, welche hier das al- leinige Heilmittel ist, wird je nach den angedeuteten Verschiedenheiten etwas modifizirt. Ist nur der Hode entartet und vergröſsert, oder die Tunäca dartos ver- dickt, aber keine Verdickung und Verhärtung der Schei- denhaut, und eben so keine Verwachsung des Hoden mit diesen Häuten zugegen; so geschieht die Operation ganz nach gewöhnlichen Regeln, und man hat nur dar- auf zu achten, daſs die Schnitte durch den Hodensack, namentlich durch die Tunica dartos, groſs und mit recht gleichmäfsigen Rändern gemacht werden.— Ist aber die Scheidenhaut sehr verdickt und sehnig derb, so daſs sie nach dem Herausnehmen des Hoden gleichsam eine leere Schaale bildet; so schneidet man sie, wie bei Ver- wachsungen dieser Haut mit den Hoden, über dem Ne- 149— benhoden rund herum ab und entfernt so den verdickten untern Theil.— Die feste Verwachsung des vergröſser- ten Hoden mit dem verdickten Hodensacke macht die gröfsten Schwierigkeiten. Man kann hier auf zweierlei Weise zu Werke gehen, indem man: a) den Hoden- sack an den gewöhnlichen Stellen bis auf die weiſse Haut der Hoden, die sich unter der Scheidenhaut deut- lich erkennen läſst, mit einem recht langen Schnitt durch- schneidet, wobei man jedoch diese Haut nicht verletzen darf, weil sonst die Abtrennung des Hoden von der Scheidenhaut nur sehr schwer gelingt. Man bewirkt dieselbe mit einem stumpfen Instrument, z. B. mit dem Stiele eines Skalpells oder mit einer Haarseilnadel, rund herum und bis über den Nebenhoden hinweg, so daſs der Saamenstrang entblöſst hervorgezogen werden kann. Darauf wird die Kluppe angelegt, oder die Unterbindung gemacht u. s. w. und der Hode entfernt. Nach Abnahme der Kluppen sucht man durch warme Bähungen recht schnell eine gutartige Eiterung herbeizuführen und die Heilung wie in Fällen gewöhnlicher Art zu vermitteln.— 5) Auf die zweite, von Dieterichs(Akiurgie, S. 408) nicht recht klar angegebene Weise soll man den Ho- densack an der Stelle spalten, wo man den Saamen- strang am deutlichsten fühlen kann, und, wenn dies nir- gends möglich ist, soll man den Schnitt von dem Saa- menstrange nach dem Hoden zu durch die Haut, die Fleischhaut und die allgemeine Scheidenhaut führen, den Saamenstrang mit dem Finger umgehen, dann mit dem Knopfbistouri die Fasern der Fleischhaut queer durch- schneiden, hierdurch den Saamenstrang bloſs legen, die partielle Unterbindung der Arteria spermatica ausfüh- ren, hiernach das Krankhaſte und den Hoden ausschä- len und wegnehmen und auch die Haut des Hodensak- kes, wenn sie entartet ist, mit abschneiden. Die Nach- behandlung ist gleich wie nach andern Kastrationen. 8) Leistenbrüche, welche vor dem Kastriren be- stehen, werden ihrer Art gemäſs bei derselben behan- delt(§. 79 u. f.). 9) Das Hervortreten eines Theils des Darmkanals ereignet sich bei der Kastration männlicher Thiere am häufigsten bei Pferden, im Ganzen aber nicht sehr oft, und ist stets ein gefahrdrohender Zufall. Gewöhnlich tritt derselbe während der Operation ein, zuweilen aber erst bei dem Aufstehen des Thieres vom Operationsla- ger. Die Ursachen sind hauptsächlich: ein von Natur zu weiter, mehr als gewöhnlich offener Bauchring,— starke Zerrungen an den Saamensträngen, und heſftige Anstrengungen der Thiere.— Die Hülfe besteht hierbei darin: daſs man, wenn das Thier bei der Operation eine Seitenlage hat, oder wenn es bereits aufgestanden war, man es vorsichtig niederlegt und ihm sogleich eine Rük- kenlage mit erhöhetem Becken giebt; dann die Gedärme reponirt, die Scheidenhaut an ihrer äufseren Fläche von den umgebenden Theilen bis gegen den Bauchring trennt, und auf sie, so nahe wie möglich dem letztern, eine Ligatur oder die Kluppe anlegt,— ganz so wie dies bei den Leistenbrüchen(§. 80) geschehen mufs. Eben so ist die Nachbehandlung wie bei dem Letztern zu lei- ten.— Das Hervortreten der Gedärme beim Kastriren 38 —— —- 5o— weiblicher Thiere ist von geringerer Bedeutung und be- reits bei dieser Operation erwähnt. 1 0) Blutung entsteht bei dem Kastriren männlicher Thiere immer aus den Gefäfsen des Hodensackes, und, je nach der angewendeten Methode, auch wohl aus den Scheidenhäuten und aus dem Hoden oder dem Saamen- strange; sie ist gewöhnlich nur sehr gering und vor- übergehend, und sie bedarf deshalb in den meisten Fäl- len keiner besondern Hülfe. Zuweilen tritt jedoch nach dem Aufstehen des Thieres eine gröſsere und lange an- dauernde Blutung ein, obgleich während des Liegens nichts von ihr zu bemerken war. Die Ursache liegt hier zuweilen in krankhafter Erweiterung der Gefäſse des Hodensackes oder der Scheidenhäute,— oder in nicht genügender Verschlieſsung der Gefäſse des Saa- menstranges durch die zu locker liegenden Kluppen und durch andere Fehler der angewendeten Methode,— oder in Verletzungen des Saamenstranges und der Scheidenhaut über der Kluppe. Aufserdem scheint die, bei der auf- rechten Stellung des Thieres nach unten erfolgende stärkere Senkung der Blutmasse zur Verstärkung der Blutung beizutragen.— In andern Fällen entsteht Letz- tere erst nach dem Abnehmen der Kluppen, und zwar dadurch, daſs dies entweder zu früh geschehen ist, oder, dafs dabei der in der Kluppe befindlich gewesene Theil des Saamenstranges zu weit nach oben abgeschnitten worden ist.— Die Erforschung des blutenden Gefäſses ist zuweilen leicht, besonders im letztern Falle, in Fäl- len der ersten Art aber zuweilen auch sehr schwierig, da beim Stehen des Thieres das Blut von oben herab fast von allen Punkten aus dem engen Raume der Ho- densackwunde zum Vorschein kommt, am niedergelegten Thiere aber, besonders bei einer Rückenlage, die Blu- tung fast immer aufhört. Man muſs daher beim stehen- den Thiere, nachdem dasselbe an einen hellen Ort ge- bracht, ihm allenfalls eine Bremse angelegt und ein Vor- derfuſs aufgehoben ist,— die dicht zusammengelegten vier Finger einer Hand zwischen dem Saamenstrang und die innere Fläche des Hodensackes in die Wunde brin- gen und damit nach und nach von einer Stelle zur an- dern rund um den Saamenstrang herumgehen. Es wird sich dabei ergeben: ob die Blutung innerhalb oder aufser- halb der Hand, also, ob aus dem Saamenstrange und den Scheidenhäuten, oder aus den Waundrändern des Hodensackes kommt.— Blutungen aus den letztern las- sen sich durch Zusammendrücken der Wundränder an der betreffenden Stelle während einiger Minuten und durch Anwendung von kaltem Wasser oder Essig, fast immer leicht stillen; Blutungen aus dem Saamenstrange werden am besten durch Unterbindung der Arterie oder des gan- zen Saamenstranges gestillt, und dies oft im Stehen be- wirkt. Unruhige, widersetzliche Thiere müssen dazu niedergelegt werden.— Blutungen aus höher hinauf am Saamenstrange oder an den Scheidenhäuten beste- henden Verletzungen können meistens, obgleich oft nur sehr mühsam, durch Einspritzungen von einer stypti- schen Flüssigkeit, z. B. einer Auflösung von Eisen- vitriol, von Alaun und dergleichen, oder durch Tam- ponation der ganzen Höhle im Hodensacke, beseitiget werden. 691 11) Auschwellung des Scrotums und des Schlau- ches findet sich nach jeder Kastration, jedochider Art, dem Grade und dem Umfange nach in den einzelnen Fällen verschieden. Am Scrotum entsteht zuerst eine Entzündungsgeschwulst und später ein Oedem, welches sich dann auf den Schlauch, oft auch auf den unteren Theil des Leibes bald mehr bald weniger weit fort- pflanzt. Ursachen sind: die Verwundung des Scrotums, der Druck der Kluppen gegen dasselbe, zuweilen auch das Abfallen des Aetzmittels von den Kluppen und des- sen Einwirkung auf die innere Fläche des Hodensackes, oder die Einwirkung des Glüheisens(bei dessen Auwen- dung), in manchen Fällen auch die zu hoch an der Seite des Hodensackes angebrachte Wunde und der hier- durch gehinderte Abfluſs von Serum und Eiter, oder auch das viele Manipuliren an den Wunden, zu wenig Bewegung des Thieres, und ein krankhafter Zustand desselben, namentlich das Vorhandensein der Druse.— Eine mäſsige Auschwellung, welche bei gesunden Thie- ren bloſs als Folge der regelmäſsigen Verwundung und des Drucks der Kluppen erscheint, hat keinen wesent- lichen Nachtheil und verliert sich fast immer nach dem Eintritt der Eiterung und bei einer fleiſsigen Bewegung des Thieres. Letztere ist das wichtigste Hülfsmittel besonders gegen die ödematöse Anschwellung; sie mufs jedoch täglich wenigstens zweimal, jedesmal während einer halben Stunde im Schritt oder selbst im gelinden Trabe, aber ohne Erhitzung der Thiere, ausgeführt werden. Aufserdem kann man grofse und hartnäckige Oedeme noch täglich mehrmals mit kaltem Wasser oder mit einem aromatischen Iufusum waschen, und selbst Ein- stiche in den niedrigsten Theil der Geschwulst machen. — Eine heftige Entzündungsgeschwulst erfordert lau- warme Bähungen des Scrotum's mit schleimigen Mitteln, bis gute Eiterung eingetreten ist. Wo sich die Wunde nicht am niedrigsten Orte des Hodensackes befindet, er- weitert man sie bis dahin. Bei Druse sucht man die Schleimabsonderung in der Respirations-Schleimhaut, so wie die Hautausdünstung, und später die Urin-Se- kretion zu beförderu. 12) Wundſeber tritt in den meisten Fällen nach der Kastration männlicher Thiere so mäſsig ein, daſs eine besondere Behandlung deshalb nicht erforderlich ist; aber in einzelnen Fällen, und bei den weiblichen Thieren, besonders bei denen der Pferde und Rinder, wird es oft sehr heftig. In allen Fällen, wo dasselbe einen hohen Grad erreicht, muſs man, mit Rücksicht auf die Art, die Constitution und das Alter des Thieres, so wie auf den Grad der örtlichen Eutzündung, eine streng antiphlogistische Behandlung einleiten. 13) Der Tetanus eptsteht zuweilen nach der Ka- stration männlicher Individuen bei sämmtlichen Hausthie- ren, bei weiblichen Thieren aber ist mir noch kein Fall bekannt geworden. Am häufigsten hat man ihn bei Pfer- den nach dem Abbinden des ganzen Saamenstranges, am seltensten nach dem Abbrennen desselben beobachtet. Als Ursachen beschuldiget man hauptsächlich: zu gerin- gen und ungleichen Druck des Unterbindungsbandes oder der Kluppen, zu starke Zerrung des Saamenstranges bei der Operation, besonders aber Erkältungen, sowohl igen Verwunduug ut at, hat keinen wesel. h fast immer nach e eer ſleilsigen Bewegug wichtigste Hülfsnin Auschwellung; sie nuü mal, jedesmal wuhran oder selbst im gelinik ſer Thiere, ausgetihh grolse und hartuächig nit kaliem Waser dis waschen, und selbst Rin- jer Geschwulst meten, schwulst erforiet hu- nit schleinigen Mità- Wo sich de Wuis — 151 durch Zugluft, wie auch durch zu viele Anwendung kalter Waschungen, und noch mehr durch das Einstel- len der Thiere in kaltes Wasser bis an den Leib. Die Krankheit ist aus den bekannten Erscheinungen leicht zu erkennen, aber stets sehr gefährlich und meist tödt- lich. Die Häülfe besteht in fleiſsiger Anwendung war- mer Bähungen von narkotischen und schleimigen Mitteln, in Anwendung eben solcher Klystire; innerlich giebt man, so lange dies durch das noch nicht verschlossene Maul geschehen kann, den Salpeter, oder das Calomel, und bei eintretenden Respirationsbeschwerden macht man zeitig einen reichlichen Aderlafs. Sollte in einem solchen Falle das Unterbindungsband noch am Saamenstrange sich befinden, so müſste es sogleich abgenommen werden. 14) Hodensack-Abscesse entstehen in einzelnen Fällen dadurch, dals entweder die Wunden im Scroto ursprünglich zu klein oder nicht an der abhängigsten Stelle desselben angebracht waren, oder daſs sie sich zu schnell geschlossen haben, ehe der Saamenstrang sein gequetschtes oder gebranntes Ende abstiefs. Man beseitiget diesen Zufall immer sehr leicht dadurch, daſs man den Absceſs mit einer groſsen Wunde öffnet, oder die vorhandene Oeffnung nach unten bis zur niedrig- sten Stelle des Hodensacks erweitert und dann fleiſsig lauwarme Bähungen von schleimigen und aromatischen Mitteln macht. 15) Verhärtungen, Verdickungen und Fisteln des Saamenstranges bilden sich nach der Kastration zuwei- len an Pferden, seltener bei dem Rindvieh, und sehr selten bei andern Thieren.— a) Die Verhärtungen und Ver- dickungen beginnen gewöhnlich in etwa S bis 14 Ta- gen, zuweilen auch später nach der Operation, und wacChsen 2 bis 3 Monate, und in manchen Fällen noch län- ger fort. Sie geben sich durch eine, 2 bis 4 Zoll dicke Anschwellung des Saamenstranges zu erkennen, wobei derselbe vermehrt warm und seine Masse mehr derb an- zufühlen ist; zuweilen ist er auch nach unten verlän- gert, so daſs er wie ein rother Fleischzapfen oder wie ein Pilz aus der Hodensacköffnung hervorragt; fast im- mer ist die Scheidenhaut verdickt in seinem Umfange zu fühlen; gewöhnlich ist die Masse an einer Stelle oder auch gänzlich mit der innern Fläche des Scrotums oder mit dessen Wundrändern verwachsen, und letztere sind oft nach innen(oben) bald mehr bald weniger umge- stülpt. Im Umfange des Saamenstranges besteht eine reichliche Eiterung, aber der Eiter ist oft zu dünn, oder flockig, und übelriechend. Die meisten mit dem Uebel behafteten Pferde bewegen den Hinterfuſs der leidenden Seite gespannt oder sie gehen wirklich lahm. Die Ur- sachen dieses Zustaudes sind: Zerrungen und Quet- schungen des Saamenstranges, namentlich bei dem Ab- drehen der Hoden; nicht gehörig fest zusammengedrückte Kluppen oder eine zu locker angelegte Ligatur; nicht hoch genug angelegte Kluppen, so daſs ein Theil des Saamenstranges über denselben frei aus dem Scroto her- aushängt; Anätzung durch einen Theil des von den Kluppen abgefallenen Aetzmittels; nicht vollständige Zu- rückbringung des Saamenstranges nach Abnahme der Klappen, und eben so, die nicht erfolgte Lostrennung der Adhäsionen der Scheidenhaut oder des Saamenstran- ges von den Wundrändern des Hodensackes; Mangel an Bewegung; zu häufiges Untersuchen der Operations- stelle mit den Fingern; Krankheitsablagerungen u. dgl. — Die Saamenstrangverhärtungen können sich zerthei- len, oder sie verlieren die mit ihnen verbundene schlei- chende Entzündung und bleiben als Verhärtungen oft durch viele Jahre ohne wesentlichen Nachtheil, oder sie wachsen, bald schneller bald langsamer, zu einer be- deutenden Gröſse, stören den Gang und führen durch andauernde Eiterung einen fortwährenden Säfteverlust, Verunreinigung der innern Fläche der Schenkel, üblen Geruch, und Belästigung von Insekten herbei.— Die Heilmethode muſs mit Berücksichtigung der Dauer, der Beschaffenheit und des Umfanges des Uebels ausgewählt werden. Ist die Verdickung frisch entstanden und im mä- fsigen Umfange, der Saamenstrang gar nicht oder nur kurz aus dem Hodensacke hervorragend und letzterer an demselben mit den Wundrändern stark in die Höhe ge- zogen; so besteht die Hülfe zunächst darin: daſs man die Adhäsionen des Saamenstranges mit dem Finger rund herum trennt, und den Hodensack über den Saamen- strang herunterzieht, so dafs letzterer ganz in jenen auf- genommen wird. Hierauf macht man durch 8 bis 14 Tage fortgesetzt recht fleilsig warme Bähungen mit einem Dekokt von Leinsaamen; oder von Althaekraut, zu de- nen man bei groſser Empfindlichkeit der leidenden Theile etwas Bilsenkraut, Belladonna-Kraut u. dgl. narkotische Mittel setzt. Zum Abende macht man äuſserlich am Hodensacke Einreibungen von der grauen Merkurial- Salbe, und des Morgens läſst man vor dem Beginnen der Fomentationen das Thier während einer Stunde be- wegen. Wird der Eiter in guter Beschaffenheit und in mäſsiger Menge abgesondert, so läfst man die Bähungen weg, setzt aber die übrige Behandlung fort.— Ist aber der Saamenstrang wirklich verlängert und entartet aus dem Scrotum hervorstehend, und letzteres wenig oder gar nicht in die Höhe gezogen, so muſs das Thier nie- dergelegt, der Saamenstrang von den umgebenden Thei- len getrennt, über dem entarteten Ende desselben, d. i. nach dem Becken zu, eine eiserne Klemme(Wwie bei der Kastration durch Abbrennen, S. 132) angelegt und dann einen Zoll aufserhalb derselben die entartete, überflüssige Masse abgeschnitten und die Blutung mit dem glähenden Eisen gestillt werden. Hiernach werden die Bähungen, das Einreiben der Merkurial-Salbe und die Bewegungen angewendet, wie im erstern Falle. Bei hartnäckigem Fortbestehen der Verdickung nach dieser Behandlung hat sich in einigen Fällen die Anwendung der Cantha- ridensalbe an die kranke Seite des Hodensackes recht nützlich gezeigt. Ist eine Saamenstrangverhärtung bereits über einige Monate alt und die ihr zum Grunde liegende Entzün- dung gänzlich verschwunden, so nützen die Fomenta- tionen gar nichts mehr, und selbst durch wiederholte Anwendung der Cantharidensalbe gelingt die Zertheilung nur sehr selten noch bis zu einem gewissen Punkt. Es ist deshalb hier am besten, sogleich die Ausschälung und Abtragung der entarteten Masse vorzunehmen. Hierzu wird das Thier wie zur Kastration auf den Rük- ken gelegt. Man durchschneidet dann die Häute des 38* Hodensackes an dessen niedrigster Stelle(das Thier stehend gedacht) von vorne nach hinten über die ganze Geschwulst, so daſs das untere Ende derselben völlig bloſsgelegt wird. Besteht noch eine Oeffnung aus frä- herer Zeit, und ist die Haut in ihrer Umgebung nicht entartet, so kann man diese Oeffnung nach vorn und hinten in entsprechender Gröſse erweitern,— bei Ent- artung aber die Oeffnung und die entartete Haut mit zwei länglich halbmondförmigen Schnitten umgehen und den so begrenzten Hauttheil auf der Geschwulst sitzen las- sen. Die seitlichen Wundränder präparirt man aber von letzterer so tief ab, bis man an den gesunden Theil des Saamenstranges kommt, oder, wenn der ganze Saamen- strang verdickt und verhärtet ist, löset man ihn von den umgebenden Theilen bis zum Bauchringe ab. Um dies leichter bewirken zu können, läſst man die Geschwulst zuerst von einem Gehülfen mit einem scharfen Haken erfassen und hervorziehen, und wenn sie durch Ablösen der Haut gegen 1 Zoll lang entblöſst ist, kann diese Hülfe dadurch verstärkt werden, daſs man mittelst einer groſsen Wundheftnadel einen starken Bindfaden queer durch den Saamenstrang führt, die Enden in eine Schleife bindet und diese als Handhabe benutzt. mit denselhen hervorziehen, straff anspannen und nach Man kann hier- der einen oder der andern Seite ziehen, wie dies eben das Auslösen an jeder Stelle erfordert; während die Hautränder durch Gehülfen mittelst stumpfer Haken stets nach der entgegengesetzten Seite von ihm abgezogen werden. Das Ausschälen der Geschwulst muſs stets so viel wie möglich in dem Zellgewebe neben und auſser- halb der verdickten und mit dem Saamenstrange ver- wachsenen Scheidenhaut geschehen, und zwar, wo das- selbe locker ist, zum Theil mit den Fingern, wo es aber kurz und fest ist, mit dem Messer oder mit der Scheere. An mehreren Stellen trifft man dabei auf zahl- reiche und erweiterte Blutgefäſse, welche man, wenn sie sichtbar siud, vor dem Durchschneiden unterbindet, sonst aber Letzteres gleich nach dem Durchschneiden thut, um eine reine Operationsfläche und freie Einsicht auf dieselbe zu erhalten. Für diesen Zweck muſs auſser- dem ein Gehülfe mit einem Schwamm und kaltem Was- ser die Wundfläche, so oft als nöthig ist, von dem aus- getretenen Blut befreien.. Nachdem so das Ausschälen des Saamenstranges bis zu dessen gesundem Theile, oder, bei seiner völli- gen Entartung, bis an den Bauchring bewirkt ist, hat man die Aufgabe: die entartete Masse zu entfernen, und, wo dies nicht vollständig geschehen kann, muſs man sogleich an dem verbleibenden Ueberrest einen kräftigen Eiterungsprozeſs erregen, um hierdurch diesen Ueber- rest aufzulösen oder abzustoſsen. Diesen Aufgaben ge- mäfs kann man auf zweierlei Weise zu Werke gehen, je nach der Beschaffenheit des Saamenstranges. Findet sich nämlich derselbe an seinem obern Theile(dem Bauchringe zu) weich, so durchschneidet man rund um die weiche Stelle die verdickte Scheidenhaut, legt so den Saamenstrang selbst frei, und umgiebt ihn daselbst mit einer möglichst straff angezogenen Ligatur ganz so wie bei der Kastration durch Unterbindung. Darauf schneidet man das degenerirte Ende des Saamenstranges 152— etwa 1 Zoll vor der Ligatur ab. die Verhärtung bis an den Bauchring und ist sie in der Erstreckt sich aber ganzen Dicke des Saamenstranges gleichartig, so setzt man auf ihn, so hoch wie man kommen kann, die eiserne Kastrirklemme und schneidet 1 Zoll über ihr(das Thier auf dem Rücken liegend gedacht), die hervorstehende Masse mit dem messerförmigen weiſsglühenden Eisen ab. Ist dies geschehen, so lüftet man die Klemme ein wenig, um nachzusehen, ob die Blutung aus der Saa- menarterie gestillt ist, hält aber hiebei den Saamenstrang Findet noch: Blutung statt, so applizirt man noch ein knopfför- mit der andern Hand unter der Klemme fest. miges Brenneisen, bis ein verschliefsender Schorf auf der Arterie entstanden ist,— was bei der vorhandenen Nach Diete- richs(Akiurgie, S. 405) soll„man sich aber mit dem dicken Masse gewöhnlich leicht erfolgt. Brenneisen nicht lange aufhalten, sondern die Arterie umschneiden, falls die Masse um diese noch entartet wäre, sonst aber sie hervorziehen, sie auspräpariren und sie unterbinden, dann aber erst die Klemme wieder ab- nehmen.“ Es ist aus seiner Angabe jedoch nicht zu er- sehen: wo, wie und zu welchem Zwecke das Umschnei- den der Arterie geschehen, und warum überhaupt nach dem Durchschneiden mit dem Glüheisen ein Verfahren eingeleitet werden soll, dessen Ausführung schwieriger ist, langsamer von statten geht und nicht mehr Sicher- heit gewährt als jenes. 5478. 1 5) Die Saamenstrangfisteln sind mit bald mehr bald weniger Verhärtung des Saamenstranges verbunden, be- sitzen aber in demselben noch einen, zuweilen auch zwei Fistelgänge, aus denen beständig Eiter sickert, welcher oft die innere Fläche der Hinterschenkel besudelt. Mit der Sonde kann man in diese Gänge mehr oder weni- ger tief, zuweilen bis gegen den Bauchring eindringen. Die Oeffnung der Fisteln ist oft mit einem kallösen Rande umgeben; zuweilen ragt der Saamenstrang ver- dickt aus der Oeffnung des Hodensackes hervor, häu- ſiger ist jedoch der Letztere um die Oeffnung von dem Saamenstrange in die Höhe gezogen. Frisch entstandene Saamenstrangfisteln, und auch solche, die zwar schon längere Zeit bestanden haben, aber nur mit geringer Verhärtung des Saamenstranges verbunden, sondern mehr in Verdickung der Scheiden- haut begründet sind, werden oft dadurch geheilt, daſs man(nachdem das Thier niedergelegt ist), die Fistel- döffnung und selbst einen Theil des Kanals mittelst der Hohlsonde und des Knopfbistouri nach vorn und hinten in jeder Richtung gegen ¾— 1 Zoll weit durchschnei- det, dann den ganzen Kanal mit einem drahtförmigen weiſsglühenden Brenneisen so brennt, dafs die kallösen Stellen zerstört werden und eine gleichmäſsige Entzün- dung eintritt,— und hiernach durch fleifsig angewen- dete warme Bähungen die Eiterung befördert.— Bei groſsem Umfange der Verhärtung ist jedoch diese Be- handlung nicht ausreichend, sondern es mufs hier die Exstirpation gauz so, wie dies oben bei den veralteten Saamenstrangverhärtungen angegeben ist, unternommen werden. Das Dasein der Fistel macht hierbei gar kei- nen Unterschied. Man wird daher, je nachdem man den Saamenstrang, bei dem Ausschälen desselben, höher hinauf erfolgt. Nach Diete. zman sich aber nit ien 7, sondern die Artere um diese noch entane an Sie anshräpatien u die Klemme wieder). abe jedoch nicht zn g. Zwecke das Unschle. warum überhanpt udl lübeisen ein Verfäm Ausführung schwieig und nicht mehr Sieher sind mit bald mehr bal sstranges verbunden, R- nen, zuweilen aneh zmei g Eiter sickert, welcder rschenkel besudelt. Mü Gange mehr ocder wei i Bauehring eindriuge oſt mit einem kallben der Saamenstrang fe- deusackes herror, Ur die Oeffnung vol in ogen. strangfisteln, uni m Leit bestanden hie gern es an hen bei den hen ist, wie 8 Sa — 153— hinauf weich oder bis an den Bauchring verhärtet findet, die Ligatur auf den bloſsen Saamenstrang anwenden, oder das Durchschneiden der verhärteten Masse mit dem glühenden Eisen bewirken. Mit Letzterem bin ich in einer groſsen Anzahl solcher Saamenstrangfisteln durch- aus sehr glücklich ausgekommen, auch da, wo die Tren- nung noch in der verhärteten Masse und queer durch die Fistel geschehen mufste, so dafs ein Theil dersel- ben noch in dem Stumpfe des Saamenstranges zurück- blieb. Ich halte daher die von Rychner(Hippiatrik, S. 271) für solche Fälle empfohlene Erweiterung des Bauchringes, um zu dem Ende des Schadhaften zu ge- langen, für eine unnöthige und sehr gefährliche Aus- dehnung der Operation. Nach geschehener Unterbindung oder Durchschnei- dung des Saamenstranges mit dem glühenden Eisen rei- niget man die ganze Wundhöhle, unterbindet oder tor- quirt die etwa noch blutenden gröſseren Gefäſszweige, füllt dann, um Blutungen aus den kleineren Gefäfsen zu verhüten, die Höhle mit trockenen, etwas festen Werg- Tampons aus und heftet darüber die Wundränder mit 2— 4 Heſten der Knopfnaht zusammen. Das Thier bleibt kurz angebunden während der nächsten 3— 4 Tage stehen. Am 2ten Tage werden die Hefte geöffnet und die zunächst liegenden Tampons entfernt; die tieferen läſst man von selbst abfallen. In der ersten Zeit giebt die Wunde stets eine sehr stinkende Jauche, die zum Theil von zersetztem Blute herrührt; sie wird aber durch warme Bähungen gewöhnlich bis zum vierten Tage in gutartige Eiterung versetzt, worauf die Heilung in etwa 3— 4 Wochen erfolgt. Aumerkung. Bei castrirtem männlichem Rind- vieh sind noch zwei besondere Folgekrankheiten be- obachtet worden, nämlich: 1) die sogenannte Nabel- geschwulst, und— 2) die Schlag-Blutader- erweiterung des Saamenstranges.— Erstere ist eine entzündlich- ödematöse Anschwellung des Schlauchs und der Haut und des Zellgewebes vor demselben bis zum Nabel, verbunden mit einer An- häufung und Verhärtung der talgartigen Materie in der Vorhaut. Sie entsteht in den wenigsten Fällen durch die Kastration, und zwar nur da, wo der Aus- flufs des Eiters aus dem Hodensacke nicht frei statt- findet, und sich in Folge dessen Infiltrationen bilden. Erweiterung der Hodensackwunden, Einstiche längs der Anschwellung, Bähungen mit schleimigen, später mit aromatischen Flüssigkeiten, Einspritzungen von Oel in die Vorhaut, und Ausräumen der angehäuften Materie aus derselben mit den Fingern, sind die Hülfsmittel.— Der andere krankhafte Zustand besteht in dem Einmünden der bei der Kastration queer durch- trennten Saamenarterie in die eben so durchtrennte Saamenvene, so dals ein Aneurgſsma varicosum oder anastomolicum im Saamenstrange entsteht, der Saa- menstrang sich erweitert und beim Anlegen der Fin- ger ein schwirrendes Gefühl zeigt. Zusammenzie- hende Mittel und die Unterbindung der Arterie kön- nen hier angewendet werden. Siehe Prinz, im Ma- gazin für Thierheilkunde. II. S. 425. Mit Abbild. AXVII. Das Englisiren, oder das Schweifkerben und Schweifstutzen. §. 102. Unter Englisiren versteht man zwei Operationen am Schweife der Pferde, nämlich A. das Schweifker- ben oder das Durchschneiden, wohl auch das zum Theil bewirkte Herausschneiden der niedeziehenden Schweif- muskeln; und— B. das Schweifstutzen oder das Abnehmen eines Theils der Schweifrübe(Coupiren). Beide Operationen werden häufig an einem Thiere für einen und denselben Zweck, jedoch zu verschiedenen Zeiten ausgeführt, oft aber wird auch nur eine von ihnen für sich allein angewendet. Der Zweck dieser Operationen ist gewöhnlich der: ein höberes Tragen des Schweifes zu veranlassen; was einerseits eben dadurch begünstiget wird, daſs, indem durch das Kerben die niederziehenden Schweifmuskeln ihre Kraft verlieren, dadurch die Aufheber verhältnits- mäſsig an Kraft gewinnen; audererseits wird durch die Verminderung der Länge und der Schwere des Schwei- fes ebenfalls das Hochtragen desselben sehr befördert. Demnach geschieht das Englisiren mehrentheils der Mode wegen und ist eine sogenannte Luxusoperation, durch welche man nur die Schönheit eines Pferdes vermehren will, dabei aber dem Thiere sein bestes Mittel zur Ab- wehrung der Insekten verstümmelt, es dadurch in gro- ſse Plage und zuweilen auch durch die nach der Ope- ration eintretenden üblen Zufälle in Lebensgefahr setzt. — In einzelnen Fällen kann jedoch die Operation wirk- lich nothwendig oder wenigstens sehr nützlich werden, wie namentlich, wenn Pferde sogenannte Strangschläger sind und mit dem Schweif beständig sich bemühen, die Leine zu erfassen und dann wegen des hiernach entste- henden Kitzels mit den Hinterbeinen schlagen; eben so bei Stuten, welche zum Reiten gebraucht werden, da- bei aber sehr kitzlich sind, fortwährend uriniren und dann mit dem langen nassen Schweif den Reiter besu- deln; ferner: bei brandigen, cariösen und fungösen Ge- schwären an dem Ende des Schweifes,— bei einem unheilbaren Rattenschweif, wenn derselbe nur das hin- tere Ende des Schweifes betrifft,— bei unheilbaren Brüchen der Schweifrübe, u. s. w. §. 103. Das Englisiren hat seinen Namen wahrscheinlich davon, daſs es in England als Luxusoperation erfunden und zuerst in einer gröſsern Ausdehnung augewendet worden ist; denn das Schweifstutzen ist daselbst be- reits im Sten Jahrhundert durch die Kirchenversammlung zu Celchyd als eine heidnische Gewohnheit verboten worden, und angeblich hat man im 13ten Jahrhundert die Engländer wegen ihrer gestutzten Pferde spottweise Caudati genannt(S. Du Fresne Glossar. voce Cau- dali). Auch bei den Deutschen und Niederläudern ist die Operation schon lange(wenigstens im 15ten Jahr- hundert) bekannt, und von der Mitte des 18ten Jahr- hunderts bis zum Jahre 1840 war sie so allgemein ge- 39 — 154 bräuchlich, dals fast alle Reit- und herrschaftliche Kutsch- pferde ohne Ausnahme ihr unterworfen wurden. In der neuesten Zeit hat sich jedoch zur Ehre der Menschheit und zum Beweis eines bessern Geschmacks die Lieb- haberei für Stutzschweife und für das hohe Tragen der- selben sehr vermindert, daher für das Coupiren fast ganz verloren,— und das Kerben geschieht in einem viel be- schränkteren Maaſse, mit 1 bis 2 Wanden, während deren früher 3— 6 gemacht wurden. Auch begnügte man sich im vorigen Jahrhundert nicht mit dem bloſsen Durchschneiden der niederziehenden Muskeln, sondern man bog nach demselben noch die Schweifrübe so stark nach oben, daſs sie zerbrach oder verrenkte, um sie nach der Heilung desto mehr in steifer Richtung nach oben zu erhalten(S. Rumpelt, veter. ökon. Mittheil. Dresden 1802. S. 49). §. 194. Das gute in die Höhe tragen des Schweifes hängt nicht allein von der geschickten Ausführung der Opera- tion, sondern auch sehr viel von dem lebhaften Tempe- rament und von der Energie des Pferdes, so wie auch von dem Ansatz des Schweifes ab. Man sollte daher, wenn die Operation der Mode wegen unternommen wird, nur Pferde mit horizontaler Crouppe, mit gutem Schweif- ansatz, mit lebhaftem Temperament und mit Kraft ver- sehen, ihr unterwerfen. Auch müssen die Thiere all- gemein gesund sein. Pferde, die an den Fülsen grobe Schönheitsfehler haben, englisirt man nicht gern, weil letztere hierdurch mehr sichtbar werden. 4. Das Schweifkerben, der Schweifschnitt. §. 105. Das Durchschneiden der niederziehenden Schweil. muskeln ist in mehrfältigen Variationen ausgeführt wor- den, die sich jedoch unter zwei Methoden zusammen- stellen lassen, nämlich: 1) in die des Durchschneidens dieser Muskeln und zugleich der darüber gelegenen Haut, und— 2) in die subcutane Methode, wo die Durchschneidung mit einer möglichst kleinen Hautöff- nung geschieht. Jene Methode ist die ältere und enthält vorzüglich folgende Modifikationen. Zuerst brachte man an der untern, haarlosen Seite der Schweifrübe gewöhnlich 3 eiufache Queerwunden durch die Haut und die Muskeln au, den ersten etwa 2 Zoll vom After, und die folgenden 2 ½ Zoll einen vom andern entfernt(Robertson, Lafosse, Pen⸗- necker, Rohlwes u. A.).— Eine zweite Art be- steht darin, daſs man zwei Längenschnitte durch die Haut im Verlaufe der Niederzieher macht und dann den bloſsgelegten Theil der Letztern herauspräparirt und entfernt, oder man verbindet auch diese Längenschnitte am Anfange des Schweifes mit einem Queerschnitt und löst von hier aus den Muskel ab(Delafond).— Bei einer dritten Art wird ein schmales, spitzes Messer (jetzt Tenotom genannt), an der untern Schweiffläche neben der Mittellinie an einer Seite so eingestochen, daſs der Rücken des Messers gegen die Wirbel gekehrt steht; man führt es an den letztern bis gegen den äuſsern Rand des Schweifes, stöfst die Spitze vor den Haaren durch eben so verfährt, die Haut und durchschneidet den Muskel und die letz- tere mit einem Zuge. Indem man an der audern Seite bleibt in der Mittellinie ein Theil der Haut nebst Blutgefäfsen und Nerven unverletzt. Man nennt dies Verfahren das Abstechen. 2) Das subceutane Durchschneiden der Sehwoif⸗ muskeln ist erst seit einigen Jahren in Aufnahme ge- kommen und(nach Andeutungen von Diefenbach) zuerst von Dieterichs), Wichmann ²) und Som- mer³) beschrieben worden. Es wird ebenfalls auf verschiedene Weise ausgeführt, und zwar: a) Mau sticht mit einem spitzen Tenotom ⁴) an der Stelle der untern Schweiffläche, wo die niederziehen- den Muskel durchschuitten werden sollen, und zwar nahe dem bebaarten Rande, in der Längenrichtung durch die Haut bis in das Zellgewebe; dann führt man durch die kleine Wunde ein Tenotom mit abgestumpfter, rund- licher Spitze flach unter der Haut fort bis aur Mittel- linie, wendet nun die Schneide zu dem Muskel und durchschneidet denselben von aufsen gegen die Wirbel. Um den Schnitt an der andern Seite des Schweifes ma- chen zu können, muſs man entweder den Einstich ne- ben der Mittellinie machen und das Tenotom von hier gegen den Rand hin schieben, oder das Thier muſs, wenn es liegt, auf die andere Seite umgewendet werden. 5) Eine Abweichung dieses Verfahrens besteht darin, daſs man nach gemachtem Einstich an der bezeich- neten Stelle das stumpfspitzige Tenotom nicht zwischen Haut und Muskel, Wirbeln einführt und dann den Muskel von innen nach aufsen hin durchschneidet. c) Bei einer andern Weise geht man mit einem langen gekrümmten Tenotom an der bezeichneten Ein- stichstelle ein, schiebt es dicht unter der Haut queer über die ganze untere Fläche des Schweifes bis zur au- dern Seite und durchschneidet, mit gegen die Wirbel ge- führter Schneide, erst den untern Niederzieher und dann den Niederzieher der obern Seite. Hierbei wird das Umlegen des Thieres auf die audere Seite vermieden. Zwischen dem subcutanen und dem offenen Mus- kelschnitt am Schweif steht das von Brogniez²“) vor- geschlagene Abstechen der Niederzieher. Er macht näm- lich mit Hülfe eines von ihm hiezu erfundenen Hautmes- sondern zwischen diesem und den sers(Dermalom) einen, nur ein Paar Linien langen Ein- stich mitten auf jedem Niederzieher, geht hierauf mit einem geknöpften und stark gekrümmten Myotom durch die Wunde unter den Muskel, Schneide des Messers liegt und die geknöpfte Spitze des letztern wieder aus der Wunde hervorkommt; indem so dals dieser auf der ¹) Akiurgie, S. 181, und in den Beiträgen zur Vet.-Chirurgie etc. §. 103. ²) Magazin f. Thierheilk. Bd. IX. S. 355. ²) Ebendaselbst, Bd. XI. S. 443. ²¹) Das Tenotom, oder, je nach dem Gebrauch, eben so richtig Myotom genannt, ist ein zu subcutanen Durchschneidungen bestimm- tes Messer, dessen Klinge ein wenig gegen die Schneide gebogen, 1 ½ bis 2 Zoll lang, am breitesten 2— 2 ½ Linien breit, am Rük- ken ⅓ Linie dick, ist; die Spitze ist entweder sehr fein und scharf oder etwas abgerundet; der Stiel bei denen, die zur Durchschnei- dung von Sehnen bestimmt sind, ist am besten fest mit der Klinge verbunden, bei den zum Durchschneiden von Muskeln bestimmten aber kann er nach Art der Bistouri's eine bewegliche Schale sein. ⁵) Traité de chirurgie vétérin. Bruxelles 1840. p. 353. tzen Tenoton) an der wo die lieleriüie. den sollen, und uha r Laugeuriebtung darah daun führt man dorch nit abgestumpſter, nul. aut fort bis zur Nits 2 2u dem Muskel 1 ſsen gegen die WA beite des Schweifes u. weder den Einstich u- das Tenotom pou he oder das Thier ub eite umgewendet utri ses Verfahreus besd Einstich an der bezeis- Tenotom nicht zwische rischen diesem uud ih Muskel von innen ud se geht man mit einen der bezeichneten kir t unter der Haut quet s Schweifes bis zuf i- nit gegen die Wirbelg a Niederzieher und dun ite. Hierbei witd d3 dere Seite vermiedel- und dem offenen Iu won Broguiez) W erzieber. Er macht lir au erfundenen lhuue Paar Linien augeu Bir geht lieraul i jeher, Myotom iun rümmten er dann das Messer zurückzieht, schneidet er den Mus- kel queer durch. Das subcutane Durchschneiden gewährt im Vergleich zu dem offenen Schnitt die Vortheile: daſs bei Ersterem die Verletzung und daher auch alle Zufälle viel gerin- ger sind, auch die Heilung weit schneller und mehren- theils ohne Eiterung erfolgt, und daſs eben deshalb die Pferde viel eher wieder gebraucht werden können als bei dem Kerben mit offenem Schnitt. Dagegen ist die Wirkung des Letztern gründlicher und während des ganzen Lebens dauernd, während sie bei dem subcuta- nen Durchschneiden oft nach einiger Zeit sehr nachläſst und häufig gar nicht ausreichend sein würde, wenn die Mode noch ein eben so hohes Tragen des Schweifs wie in früherer Zeit verlaugte. §. 106. Das Schweifkerben kann nach beiden Methoden am stehenden oder am liegenden Pferde geschehen. Letz- teres ist immer besser, besonders bei Anwendung der subcutanen Methode, weil dabei die Operation gründli- cher und mit mehr sicherem Erfolge ausgeführt werden kann. Böse und sehr empfndliche Pferde machen ohne- dies das Niederlegen nothwendig. Will man die Ope- ration am stehenden Pferde verrichten, so wird es ent- weder an einen freien Ort mit weichem Boden gebracht, oder in einen niedern Kastenstand gestellt, wenn sonst der Stall hell und geräumig genug ist. Es muſs, nach- dem ihm eine Bremse aufgesetzt ist, an der Trense und mit aufgerichtetem Kopfe von einem starken Gehülfen ge- halten, ihm am linken Vorderfufse ein Kniefessel ange- legt oder dieser Fufſs von einem Gehülfen gehalten wer- den, und die Hinterfüſse müssen gespannt sein. Ein Gehülfe lehnt sich gegen die rechte Seite der Croupe, um das seitliche Ausweichen und Niederlegen des Pfer- des zu verhindern.— Soll Letzteres zur Operation nie- dergelegt werden, so geschieht dies in ganz gewöhnli- cher Weise auf die linke Seite des Thieres. Dasselbe muſs die Bremse hierbei mit dem Stiel an der rechten Seite der Nase sitzen haben. Bevor das Pferd der Operation unterworfen wird, läſst man es im Schritt und im Trabe auf gerader Linie frei führen oder auch reiten, um zu sehen, wie dasselbe beim Gehen den Schweif hält, namentlich ob es ihn in gerader Richtung, der Mittellinie des Körpers entspre- chend, trägt, oder ob es ihn krumm und nach einer Seite zieht. Eine solche Abweichung muls bei der Operation beachtet und mittelst Durchschneidung der Muskeln an der concaven Seite der gebogenen Schweifstelle aufge- hoben werden. 3 Hierauf werden die Haare an dem durch Auskäm- men gehörig gereinigten Schweif(jedoch ohne ihn da- bei nafs zu machen) so eingeflochten, daſs sie bei der Operation nicht hinderlich sind und daſs nach derselben, bei dem Aufhängen des Schweifs in die Rollen, die lan- gen Haare an der Schweifspitze allein die Last zu tra- gen und die Spannung auszuhalten haben. Demgemäls scheitelt man an der Stelle, wo später die Amputation der Schweifrübe geschehen soll(d. i. nach alter Weise gewöhnlich gegen 12— 14 Zoll, oder eine Spanne und einen Daumen lang vom After entfernt), die sämmtlichen 155— Haare queer über den Rücken des Schweifes, legt dann die um die Spitze der Rübe befindlichen Haare recht gleichmäſsig um diese und bindet dieselben 2 bis 3 Zoll unter der Spitze mittelst eines langen Bindfadens mäſsig fest zusammen. Dann theilt man diese Haare in zwei Hälften und flechtet jeden Theil nebst einem Ende des Bindfadens in eine dreistrehnige Flechte, die man an deren Enden durch Umschlingung mit einem Knoten schlieſfst. Es ist sehr darauf zu achten, daſs das Zu- sammenschnüren der Haare in der gehörigen Entferuung von der Spitze der Schweifrübe geschieht, weil ein derselben zu nahe oder auf ihr liegendes Band leicht den Brand daselbst, oder wenigstens das Ausgehen der Haare herbeiführt.— Die übrigen Haare am obern Theile des Schweifes werden in eine dreistrehnige Flechte ganz locker vereiniget. Zum offenen Schweifkerben hat man folgende In- strumente und Bandagen nöthig: 1) ein geballtes Bi- stouri(mauche Thierärzte haben besondere Englisirmes- ser, z. B. mit abgerundeter Spitze, oder in Form einer Flietenklinge u. s. w.);— 2) eine Pinzette oder statt derselben einen scharfen Haken;— 3) drei bis vier 2 ½ Zoll breite und 1 Elle lange Leinwandstreifen(Bin- den), oder statt deren eben so lange und breite Tuch- ecken;— 4) für jede Wunde zwei bis drei Tampons von weichem und reinem Werg, mälsig fest zusammengewik- kelt und von verschiedener Gröfse; und— 5) eine Hand- voll glattes Stroh, in der Länge von 10— 12 Zoll. §. 107. Wird der offene Schweifschnitt am stehenden Pferde gemacht, so stellt der Operateur sich hinter das Pferd ganz nahe an den linken Hinterfuſs, ergreift mit der linken Hand von oben her den Schweif, zieht ihn in die Höhe, beugt ihn etwas nach dem Rücken des Thie- res nach vorn über und hält ihn so während der gan- zen Operation; dabei stützt er den linken Vorarm fest auf die linke Seite der Croupe. Ein Gehäülfe assistirt ihm.— Wird das Thier liegend operirt, so kniet der Operateur etwa 1 ¾ Fuſs von den Hinterbacken des Pferdes entfernt, auf sein linkes Knie; den rechten Fuſs setzt er mit gebogenem Knie etwas vor. Ein Gehülfe knieet am Ende der Crouppe hinter dem Schweif und hält denselben dort, wo die Haare abgetheilt sind, mit beiden Händen in gleicher Richtung mit dem Kreuz vom Leibe ab. Der Operateur erfafst mit der linken Hand den Schweif neben den Händen des Gehülfen. In der rechten führt er das Bistouri und zeichnet zuerst mit dem Hefte desselben an der untern Seite des Schweifes die Schnitte, welche und wo man sie ausführen will, vor, und zwar den ersten an der Stelle, wo die äuſsere Haut vom dicken Einwärtszieher des Unterschenkels an den Schweif tritt; den zweiten führt man von jenem Schnitt 1 ½ Zoll entfernt, und so fort in gleicher Entfer- nung auch den dritten. Man erreicht mit 2 Schnitten den Zweck vollkommen, kann aber, wenn es gewünscht wird, den dritten noch hinzufügen, weil dann auch in dem zweiten die Muskeln frei vor die Hautränder her- vorspringen.— Die, von den meisten Autoren angege- bene, Vorschrift: daſs der erste Schnitt 2 Zoll vom After entfernt sein soll, ist bei magern Pferden und bei 39* — 156 solchen, wo der After sehr tief liegt, nicht zweckmä- ſsig, weil hiernach der Schnitt dem Becken zu nahe kommt. Nach der bier gegebenen Vorschrift wird aber ein zu nahes wie ein zu entferntes Schneiden vermie- den. Eben so ist die Vorschrift: die Schnitte 2 ½ Zoll von einander zu machen,— nicht zweckmäfsig; denn bei dieser Länge der Zwischenräume ist es sehr schwie- rig, eine hinreichende Masse von den durchschnittenen Muskeln wegzunehmen, und aufserdem wird hiernach der Schweif gewöhnlich zu sehr im Bogen(in der Form eines Posthorns) in die Höhe getragen,— was jetzt nicht mehr beliebt ist. Diese letztere Wirkung wird auch durch mehrere Schnitte begünstiget, und es ist deshalb zweckmäſsig, namentlich bei Reitpferden, nur 2 Schuitte zu machen. Nach geschehenem Vorzeichnen der Schnitte nimmt man, um dieselben auszuführen, das Bistouri entweder in die volle Hand und setzt den Daumen hinter dem er- sten Zeichen auf den Schweif, um hierdurch der Hand einen Stützpunkt und dem Messerzuge mehr Sicherheit zu geben; oder, man hält es frei zwischen der Spitze des Daumens, des Zeige- und Mittelfingers,— was von Gewohnheit und Uebung abhängt. Man durchschneidet zuerst in dem ersten Zeichen die Haut auf dem Nieder- zieher der nach abwärts liegenden(linken) Seite des Schweifs von der Mitte bis zum Anfange der Haare, jedoch mit Schonung der Partie, welche auf der Mittel- linie selbst liegt; dann durchschneidet man den Nieder- zieher bis auf den Knochen, jedoch ohne den letztern, noch mehr aber ohne ein Gelenk zu verletzen. Eben so macht man den zweiten Schnitt. Bei Vollführung desselben springt das an dem hintern Wundrande der ersten Wunde befindliche Ende des durchschnit- tenen Muskels über den Hautrand hervor. Hierauf wird der obere(rechte) Niederzieher und die ihn be- deckende Haut gegenüber jenen Schnitten auf gleiche Weise durchschnitten, jedoch ebenfalls mit Schonung der Haut in der Mittellinie und des darunter liegenden Afler-Schweif-Ruthenbandes. Die Schonung dieses Theils geschieht aus dem Grunde, um dem Schweif wäh- rend der Operation mehr Festigkeit zu erhalten und sein Zerbrechen bei sehr unruhigem Benehmen des Thieres und bei ungeschickter Handhabung von Seiten des Ge- hülfen zu verhüten. Aufserdem wird auch die Opera- tion sauberer ausgeführt, wenn man die gröſseren Ge- fäfse in der Mitte des Schweifes erst zuletzt durch- schneidet. Nachdem die Niederzieher auf beiden Seiten durch- schnitten sind, erfafst man mit der in die linke Hand genommenen Pinzette die hervorgetretenen Muskel- theile, und zwar zuerst den in der ersten untern Wunde, zieht ihn ein wenig hervor und schneidet ihn mit dem Messer nahe am Hautrande ab. Um in der zweiten Wunde beide Muskelenden länger hervortretend zu machen, läſst man zunächst durch den Gehölfen einen Druck auf das Mittelstück zwischen den beiden Wun- den ausüben, prefst so den Muskel von hier mehr in diese, ergreift ihn mit der Pinzette und schneidet ihn ab; dann beugt man den Schweif dicht hinter dem zwei- ten Schnitt kurz nach unten und gegen sich, und treibt bierdurch in der zweiten Wunde das hintere Muskel- ende etwas hervor, worauf es mit Hilfe der Pinzette und des Messers entfernt wird. Ganz so wird auch an den Muskeln der obern oder rechten Seite verfahren, dann der in der Mitte geschonte Hautstreifen und hier- bei auch, wenn man will, der Afterschweifmuskel nebst den hier liegenden Blutgefäfsen durchschnitten; letztere Theile können jedoch auch geschont werden, was ich in Betreff der mittlern Arterie für gut halte. Doch ist zu beachten: dals, weun die Blutgefälse einmal ange- schnitten sind, es am besten ist, sie völlig durchzu- schneiden, weil dann ihre Euden sich zurückziehen und die Blutung leichter gestillt wird.— Hiernach fühlt man mit der Spitze des Zeigefingers in die Wunden und überzeugt sich, ob an allen Punkten die Muskeln gleich- mäſsig und vollständig durchschnitten sind, und wo sich noch einzelne Fasern gespannt vorfinden, durchtrennt man sie mit dem Messer. Nun schreitet man zum Verbinden der Wunden, was in der Hauptsache zur Stillung der Blutung, auſser- dem aber zum Abhalten der Luft und um die verwun- deten entblöfsten Theile in einer gleichmäſsigen Tem- peratur zu erhalten, nöthig ist. Für jenen Hauptzweck maſs der Verband ein Tamponationsverband sein. Die- sen Zwecken gemäſs legt man zuerst kleine Tampons auf die durchschnittenen Arterien an den Seiten des Schweifs, und, wenn die mittlere Arterie durchschnit- ten ist, auch auf diese, und bedeckt dieselben mit grö- fseren Tampons in der Dicke, daſs sie ein wenig über die Haut hervorragen. Der Operateur hält nun mit den Fingern der linken Hand die Tampons in der Wunde fest und läſst durch den Gehälfen, welcher den Schweif hält. mit der linken Hand das oben bezeichnete Strohbündel, nachdem es an der Mitte eingeknickt ist, auf den Rücken des Schweifes so legen, daſs die eingeknickte Stelle gerade auf den Anfang desselben trifft. Wenn dies geschehen ist, bringt der Operateur mit der rechten Hand eine Binde mit ihrem mittlern Theil queer und flach auf die Tampons, und hält beide, die Binde und die Tampous, fest gegen die Wunde, während er die linke Hand von dieser Stelle wegnimmt und mit ihr die Enden der Binde von beiden Seiten nach dem Rücken des Schweifes führt. Hier ergreift der Gehülfe diese Enden und bildet mittelst Durchstecken des einen unter dem andern einen einfachen Knoten, welcher gerade auf dem Strohbündel liegen und mäſsig fest zugezogen wer- den muſs, so daſs die Blutung steht. Eben so verfährt man an dem zweiten(und dritten) Schnitt, worauf, wenn noch etwas Blut aus der ersten Wunde sickert, die Binde daselbst noch etwas nachgezogen werden kann. Aber, je weniger fest man die Bandagen anzulegen braucht, desto besser ist es. Man wischt nun mit einem blofs feuchten Schwamm das etwa anklebende Blut ab, wobei man jedoch kein Wasser zwischen die Haare auf dem Rücken des Schweifes bringen darf*), ent- fesselt das Thier und führt es in den Stall. §. 108. *) Ich habe sehr oft beobachtet, dass, wenn die Haut des Schweif- rückens nass geworden war und der Schweif mittelst der Schnur und Rollen in die Höhe gezogen wurde, an den sich bildenden —— 8½ — Hiernach fäblt uan s in die Wanden uui ten die Maskenn gleie- tten sind, und wo Sich vorfinden, durehtrenn erbinden der Wuuke ung der Blutung, aulg. à und um die vetau- er gleichmälsigen Tar Für jenen Hauptumet tionsverband sein. ſy- zuerst kleiue Tanfas en an den Seiten ere Arterie durchschas- leckt dieselben nit g- daſs sie ein weuig ihe erateur hält nun mit del Tampous in der Wandk u, weleher den Sehweil das oben bezeichdete der Mitte eingebuic eiſes so legen, dabs üt in Aufang desselden ti t der Operateur mitté em mittlern Theil quer hält beide, die Bule e Wande, währenle weguimmt und nit ir Seiten nach dem Riebe reift der Gebülte ſies en, weleber g gg ſest zugezogel per⸗ ₰ eit. Phen au wehh Schuitt, wrrul ten tten) e en W unde* 1— den Stal. G 108 — §. 108. Ab Der Stall, in welchen das Thier nun gestellt wird, muſs eigentlich so beschaffen sein, daſs es mit dem Schweif an keinen Gegeustand kommen und sich an dem- selben reiben kann. Bei solcher Beschaffenheit ist das sogenannte Einschnüren des Pferdes nicht nöthig, und letzteres darf nur in gewöhnlicher Weise kurz ange- bunden werden, so daſs es sich nicht niederlegen kann. Wenn jedoch der Stall so beschaffen ist, daſs das Pferd sich den Schweif reiben könnte, z. B. wenn es in einem Kastenstande steht, so muſs dasselbe kurz angebunden und zu beiden Seiten mit Stricken, welche von der Krippe an die hintern Standpfahle gehen und durch einen hinter dem Pferde queer herüber geführten Strick ge- gen einander gezogen sind, rund herum eingeschnürt und hierdurch verhindert werden, sich der einen oder der andern Wand zu nähern. Dies ist wenigstens bei Nacht erforderlich, da man sich in dieser Zeit selbst auf den besten Wärter nicht verlassen darf. Diese Vor- richtung gewährt noch den Nutzen, daſs man mit grö- ſserer Sicherheit an das, nach der Operation oft sehr empfindlich gewordene Pferd herantreten und die nöthi- gen Veräuderungen an der Baudage ausführen kann. Nach dem Einschnüren des Thieres befestiget man das Ende des Schweiſs an eine Schnur, welche schon im Voraus über 2 an der Decke des Stalles(oder an einer hierzu besonders eingerichteten Stellage) befind- liche Rollen gezogen und an ihrem andern Ende mit einem circa 1 Pfund schweren Gewicht versehen ist, um ihn hierdurch in einer wagerechten Stellung zu hal- ten. Diesem Zwecke entsprechend mufs die erste Rolle, je nach der Tiefe des Stalles, entweder nahe an der Rückwand desselben oder nur etwa 2 Fuſs von ihr ent- fernt sein; auch darf die Schnur keine Knoten haben und an der Stelle des Stalles, wo das Gewicht herab- hängt, dürfen keine Geräthschaften stehen, an denen das Gewicht beim Bewegen der Schnur hängen bleiben könnte, weil hierdurch der Schweif beim Aufstehen und Nie- derlegen des Thieres starken Zerrungen und selbst dem Sollte das Pferd den Schweif vor der Operation schief nach einer Seite Zerbrechen ausgesetzt sein würde. getragen haben, so muſs die erste, d. i. die dem Stande des Pferdes nächste, Rolle nicht in gerader Linie hin- ter dem Pferde, sondern mekr seitwärts, und zwar der- jenigen Seite entgegengesetzt, nach welcher der Schweif gebogen war, angebracht sein, so daſs letzterer durch — die Schuur während der Heilung der Wunden ebenfalls in dieser, der frühern 1 Mſoenda entgegengesetzten Rich- tung gehalten wird. Wenn nach dem Aufhaugen des Schweifes in die Rollen während etwa einer halben Stunde keine Blutung eingetreten ist, kann man die Binde etwas lockerer ma- chen. Dies geschieht auf die einfachste Weise und ohne ihre Lage zu stören dadurch, daſs man aus dem Strohbündel auf dem Rücken des Schweifs einige Halme auszieht und hiermit nach Zwischenzeiten von 5 bis 10 Minuten so lange fortfährt, bis alles Stroh entfernt ist. Queerfalten daselbst eine heftige Entzündung und Ausfallen der Haare entstand,— was an trocken gehaltener Haut niemals vorkam. 1 ͤſ8bͤͤſſd 157— Bis zu welcher Zeit dies geschehen sein soll, läſst sich fär alle Fälle nicht genau bestimmen, weil eine zuwei- len unterdessen eintretende Blutung eine Unterbrechung dieses Geschäfts bedingt; wenn aber eine solche nicht stattfiudet, kann sämmtliches Stroh nach etwa 2 Staon- den weggenommen sein. Damit das Herausziehen der ersten Halme, wälrrend dig Binde noch festliegt, ohne groſse Zerrung bewirkt werde, ist es am besten, die- selben aus der Mitte des Bündels zu nehmen. Ueber- haupt muſs die Behandlung dem Pferde nicht wehe thun, weil dasselbe sonst gewöhnlich mit dem Schweif und dem hinteru Ende der Croupe sich ruckweis stark nach unten bewegt, wobei die Wunden auseinander gezerrt und ueue Blutungen erregt werden.— Einige Stunden nach Eutfernung des Strohes, besonders aber wenn der Schweif stark anschwillt, schiebe man nach und nach die Knoten der Binden auf, 80 dals nach etwa 10 Stun- den die Tampons nur noch durch das auklebende Blut mit der Wunde zusammengehalten werden. Sollten sie nach 24 Stunden nicht von selbst abfallen, so sucht man sie um diese Zeit mittelst lauwarmen Wassers abzuwei- chen, worauf die Wunden mit trockenem, lockerm Werg, welches in eiuem langen, etwa 1½ Zoll breiten Streif geformt ist, verbundeu werden. Sollten sich in dem Schweik, namentlich auf dem Rücken, desselben harte . Stellen finden, so lasse man wahrend des Tages mehr- mals wiederholt, durch etwa eine halbe Stunde den Dampf von recht warmem Wasser an die Wunde ge- hen. Sollte dieselbe ein plasses Ansehen haben, 80 kann man sie bis zum Eintritt der Eiterung mit Digestiv- Salbe verbinden, bei gutem Aussehen ist dies aber nicht nöthig. In der zweiten Nacht und später darf das Pferd sich niederlegen.— Am 3ten Tage reiniget man, nach- dem das Werg abgenommen, die Wunde wieder mit lauwarmem Wasser und treibt dann, indem man von der Spitze des Schweifs nach den Wunden hin auf der haarlosen Seite desselben mit den Fingern gelind drük- kend streicht, das im Zellgewebe reichlich angesammelte Serum durch die Wunden heraus. Dann löset man die auf dem Rücken des Schweifs befiudliche Haarflechte, um jede Spanuung zu beseitigen und zogleich die Flie- gen von der Gegend der Wunden abzuhalten, und ver- bindet letztere wieder mit Werg. Auch wird an diesem oder am folgenden Tage vermittelst eines schwerern Gewichts am hintern Ende der Schnur der Schweif stär- ker in die Höhe gezogen, so dals er einen mälsig stum- fen Winkel mit dem Kreuze bildet. Am 5ten oder 6ten Tage wird die Rolle an der Decke so weit nach vorn gebracht, dafſs sie fast über dem Ende der Croupe steht und der Schweif somit in einem rechten Winkel in die Höhe gezogen wird. In dieser Richtung bleibt er bis zur erfolgten Heilung hangen. Um den 6ten Tag ist gewöhnlich eine hinreichende gute Granulation in der Wunde zu bemerken, und daher ein weiteres Verbinden nicht mehr erforderlich, sondern bloſses Reinigen mit lauwarmem Wasser ist genügend. Wenn die Witte- rung es erlaubt, giebt man dem Thiere von diesem Tage ab eine mäſsige Bewegung. Zu diesem Zwecke beugt man den Schweif über ein auf die Croupe gelegtes, etwa 5 Zoll dickes Strohbündel nach dem Rücken und 40 — 158 befestiget ihn durch Schnüre locker an den Deckengurt. Da die Thiere hierbei gewöhnlich zuerst etwas empfind- lich und widerspenstig sind und den Rücken in verschie- denen Richtungen krümmen, so ist das lose Aubinden des Schweifs nicht genug zu empfehlen, weil dadurch Zier- rungen und Selbst das Brechen des letztern vermieden werden.— Mit dieser Behandlung wird fortgefahren, bis die Vernarbung der Wunden erfolgt ist, wo dann der Schweif aus den Rollen gelassen, auch beim Ge- brauch des Pferdes nicht mehr aufgebunden wird. Die Flechten an den langen Schweifhaaren werden nun ge- löst.— Das von Manchem während der Heilung beliebte stärkere Vorwartsziehen des Schweifs, so daſs derselbe mit der Croupe einen spitzen Winkel bildet, ist un- zweckmälsig, selbst schädleh, indem hierbei die Haut- und die Aufhebemuskeln an der Schweifwurzel zu sehr zusammengedrückt, erstere oft in Entzündung und Ul- zeration versetzt, letztere aber sehr geschwächt und zuweilen sogar gelähmt werden, so dafs die Pferde dann den Schweif schlechter ragen als nach maſsigem Auf- ziehen dureh die Rollen. §. 109. Bei der subcutanen Darchschneidung der Nieder- Hjeher ist es überflässig, die Schweifhaare einzuflech- ten, weil bier ein bloſses Zusammenfassen und Zusam- menbinden derselben einige Zoll unter der Spitze der Schweifrübe für den Zweck hinreicht. Zur Ausführung dieser D Durehschneidung Gebeouoht man folgende Instrumente und Bandagen: 1) ein spitzes schmales Messer(Bistouri oder Tenotom);— 2) ein Tenotom mit abgerundeter oder stumpf geschliffener Spitze;— 3) Werg Lu Tampons, welche hier kleiner und weicher als bei dem offenen Schweifschnitt sein müssen; und— 4) zwei bis drei Binden von Leinwand, 2— 3 Zoll breit und 1 Elle lang. Es ist gleichgullig, auf welcher Seite das Pferd negt, da doch nur die Niederzieher an der oben liegen- den Seite des Schweifs durchschnitten werden und hier- nach das Thier zur Operation der andern Seite umge- wendet wird. Der Operateur nimmt seinen Platz hiuter dem Schweifrücken, auf dem linken Kuie ruhend; ein Gehülfe kniet am Ende des Schweifs und hält den- sélben gerade ausgestreckt, wie bei i dem offenen Schweit. 1 gehnitte 14 Man durchsticht zuerst mit dem Bistouri oder dem spitzen Tenotom an der Stelle, wo man bei dem offe- nen Durchschneiden den ersten Schnitt machen würde, an der obern Seite des Schweifs, gleich neben den Haa- ren, in der Längenrichtung die Haut bis auf den Mus- kel,— führt dann das stumpfspitzige Tenotom in die kleine Wunde, schiebt es, flach gegen den Muskel ge- richtet, unter der Haut bis gegen die Mittellinie fort, kehrt die Schneide gegen den Muskel und, indem man nun den Schweif rückwärts biegt, um den Muskel zu spannen, drückt man es in deuselben, bewegt es langsam vor- und rückwärts, durchschneidet so alle Fasern des Muskels bis auf den Wirbel und zieht dann das Teno⸗ tom aus der Wunde. MWill man nun deuselben Niederzicher noch einmal darchsvhneſden, so verfährt man 1 ½ Zoll hinter dem er- — sten Schnitt eben so wie bei jenem. Fast immer ist jedoch ein einmaliges Durchschneiden des Muskels auf einer Seite für ein jetzt beliebtes bogenförmiges Tragen des Schweifs hinreichend, und ich habe hiervon ganz denselben Erfolg gesehen, wie von dem zweimaligen Durchschneiden. 1I 4C Um die Operation an dem Niederzieher der anqern Seite zu unternehmen, wendet man das Pferd über des- sen Rücken auf die andere Seite und verfährt dann wie vorher. Nach dem Dorchschneide gjehen sich die Wund- naüder der Muskeln von einander und in die hierdurch ent- stehende Lücke ergieſst sich Blut. Dieses entfernt man durch gelindes Drücken auf den Zwischenraum, legt dann auf diese Stelle an jeder Seite einen kleinen run- den Wergbausch von der Gröſse, dafs er die Lücke ausfüllt und zugleich die Einstichwunden mit bedeckt; über diese Tampons legt man einen gröſsern und befe- stiget sie sämmtlich mit einer Binde in gleicher Weise wie bei dem offenen Kerben. Es ist aber hier nicht nö- hig, ein Strohbündel auf den Schweifrücken unter die Binde zu legen, da letztere schwächer als bei dem of- tenen Schnitt zugezogen wird und auch nur eine kurze Zeit liegen bleibt.— Nach angelegtem Verband wird das Thier in den Stall gebracht und ihm der Schweif mittelst der Schnur über die Rollen wagerecht oder noch etwas mehr in die Höhe gezogen. Eingeschnürt wird es nicht. Nach etwa 1 ½— 2 Stunden macht man die Binde so locker, dafs sie nur eben noch die Tampons berührt, und nach 10 Stunden entfernt man sie gänzlich, läfst aber die kleinen Tampons, welche durch das angetrocknete Blut an der Einstichstelle gehalten werden, daselbst sitzen. Am folgenden Tage nimmt man diese Tampons mit den Eingern so vorsichtig ab, dafs die kleinen Wunden ge- schlossen bleiben. Der letztern Bedingung wegen darf man die Tampons aicht mit Wasser abweichen und auch den Schweif an dieser Stelle nicht abwaschen, wäh- rend dies an den andern Stellen geschehen kann. Ein neuer Verband wird nicht angelegt; aber zweckmaſsig ist es, schon an diesem Tage die vordere Rolle an der Decke so weit nach vorn zu bringen, daſs der Schweif durch die Schnur senkrecht in die Höhe gehoben wird. Denn durch das zeitige in die Höhe bringen der Schweif- spitze verhindert man Blutanhäufungen in ihr und den Brand,— der bei dem Niederhängen entstanden ist. In dieser Richtung erhält man ihn durch etwa 8 Tage, wobei bis dahin in der Regel die Heilung erſolgt, ohne daſs, wenn nicht besondere Zutälle eintreten, eiune wei- tere Behandlung stattfindet. Vom 3ten Tage ab kann das Thier bewegt und selbst zur Arbeit gebraucht wer- den, wobei es zwar nicht nothwendig aber doch gut ist, den Schweif uber eine dicke Strohrolle nach dem Kreuze zurückzulegen und an den Gurt zu befestigen, wie bei dem offenen Schweifschnitt. Findet sich nach der Operation ein schiefes Tragen des Schweifs nach einer Seite, so verliert sich dies gewöhnlich, wenn derselbe während 5— 6 Tagen nach der entgegengesetzten Seite um die Hinterbacke gebogen und zur Seite des Leibes an den Deckengurt gebunden wird; ist aber diese Be- ehweifrücken unter ät Nächer als hei den i. 31 uhehst wird das Thier in reif mittelst der Schu noch etwas mehr in dt wird es nicht. Nad un die Binde so Leie pons berührt, und md änalich, läſst aber ie das angetrocknete huü — 159 handlung nicht genügend, so mufs entweder der Seit- wärtszieher oder der Auf heber der contrahürten Seite noch durchschnitten werden. Von dieser Nachbehandlung ist dle von Di ete- eiehs. Wichmann und Sommer angegebene etwas abweichend. Ersterer legt etwas lockeres Werg auf die Operationsstelle und umwickelt sofort den ganzen Schweif von der Spitze bis zum Körper des Pferdes mit einer wollenen Binde in Achtertouren, wickelt also auch das Werg mit ein, hängt den Schweif wagerecht auf, löst und wickelt nach 1— 2 Stunden die Binde ab, legt sie aber gleich wieder locker um und läſst sie über 2 Tage liegen; nach 4 Tagen hängt man den Schweif noch etwas höher.— Wichmann legt einen gewöhn- lichen Verband mit einem Strohbündel an, läfst das Stroh binnen 10 Stunden entfernen und in dieser Zeit alle halbe Stunden den Schweif mit kaltem Wasser befeuch- ten; die Binden werden nach 24 Stunden entfernt, da- für der Schweif von der Spitze an mit einer Cirkel- binde umwickelt und am 3ten Tage wird er in die Rollen gehangen. Vom 2ten Tage an kann das Pſerd geführt und am 4ten Tage schon geritten werden.— Sommer legt gar keinen Verband an, läſst auch das Blut nicht aus der Wunde drücken, sondern den Schweif gleich in die Rollen hängen, und zwar etwas mehr als wagerecht. Besteht aber eine bedeutende Blutung, s0 bleibt der Schweif herunterhängend, worauf die Blutung gewöhnlich bald steht; ist dies nicht der Fall, so wird noch kaltes Wasser angewendet, bis der Zweck erreicht ist, worauf das Aufhängen des Schweifs geschieht. In jener ersten Stellung bleibt er 2— 3 Tage, worauf man ihm bis nach 6— 7 Tagen, wo die Wunden geheilt sind, in den Rollen jede beliebige Richtung Hohen kann. 4§. 110. Wenn ein Pferd den Schweif nach einer oder der andern Seite hält, so durchschneidet man beim offenen Kerben die Niederzieher der concaven oder oontrahirten Seite des Schweifes zwei- drei- oder mehrmal, die der andern Seite aber nur einmal oder zweimal. Bei dem subcutanen Durchschneiden macht mau aber an der con- caven Seite einen oder 2 Schnitte, an der convexen Seite gar keinen Schnitt. a Die Schnitte müssen in diesen Fällen Stots vor der 2lerbenmden Stelle des Schweifs, und selbst am An- fange des betreffenden Muskels geschehen, welcher zu- weilen auch stärker entwickelt ist als der an der con- vexen Seite. Das Durchschneiden an der gebogenen Stehe selbst nutzt in der Regel wenig oder gar nichts. Hilft nun das eben angegebene Verfahren dem schie- fen Trageu uicht ab, so bleibt noch das Durchschnei- den der Aufhebemuskeln und der Seitwärtszieher übrig. Dies wird an derselben Seite unternommen, wohin die Schweifspitze gerichtet ist, und zwar mit einem Schnitt etwa 1 ½ Zoll vor der gekrümmten Stelle, und, wenn dies nicht geuügt, mit einem zweiten Schnitt an dieser Stelle selbst. An denjenigen Schweifen, welche nicht nur eine Seitwärtsbiegung, sondern zugleich eine Dre- hung um ihre Achse zeigen, ist die Durchschneidung der Aufheber und Seitwärtszieher stets neben der der Niederzieher erforderlich. Zuweilen unternimmt man das Durchschneiden der Aufheber an dem hintern Ende der Schweifrübe bei sol- chen Pferden, die denselben in seiner ganzen Länge gleichmäſsig aufgerichtet und zu hoch tragen. Dies ge- fällt nicht, sonderu die Mode will, daſs der Schweif im Bogen und die Spitze niedergesenkt gehalten werden soll, und dies wird eben mit dem Durchschneiden bei- der Aufheber hinter der Mitte der Schweifrübe erreicht. Zu dem Durchschneiden der Aufheber werden die Haare weder auf dem Rücken noch am Ende des Schwei- fes eingeflochten; denn ersteres würde nur das deutliche Fühlen des Messers unter der Haut an der Operations- stelle, oder das Aubringen des Schnittes selbst stören. — Die Ausführung geschieht entweder subcutan oder mit einem kleinen offenen Hautschnitt. a) Im ersteren Falle knieet man vor die haarlose Seite des, von einem Gehülfen in gerader Richtung nach hinten gehaltenen Schweifs, durchsticht an der Grenze des Haarwuchses die Haut in der Laugenrichtung, füͤhrt das Tenotom durch die Wunde flach unter der Haut über dem Auf- heber, wendet dann die Schneide gegen ihn, lälst die Schweifrübe etwas nach unten beugen und durchschnei- det den Heber allein oder zugleich den Seitwärtszieher. Sollen diese Muskeln auch auf der andern Seite durch- schnitten werden, so läſst man das Pferd umwenden und verfährt dann auf gleiche Weise.— 5) Bei Durch- schneidung der Aufheber mit offenem Hautschnitt schei- telt man an der Operationsstelle die Haare auseinander, macht mit einem geraden Bistouri durch die hier sehr dicke Haut auf der einen Seite des Schweifrückens eine, etwa Zoll lange Queerwunde und durchschneidet dann den Muskel bis auf die Wirbel. 80 auch, wenn es erforderlich ist, auf der andern Seite. Ein Verband ist hier noch weniger nöthig als bei dem Durchschnei- den der Niederzieher, doch kann er, auf dieselbe Weise wie dort, wenn die Blutung stark erscheint, zur Bera- higung des Eigenthümers, angelegt und nach 1—— 2 Stun- den wieder entfernt werden.— War die Operation des Schieftragens wegen unternommen, so kann man nach derselben die Spitze der Schweifhaare an eine Schnur befestigen und den Schweif bis nach geschehener Hei- lung(5— 8 Tage) über Rollen mehr oder weniger nach der entgegengesetzten Seite ziehen. Ist aber das Durchschneiden der Aufheber geschehen, um die Schweif- spitze mehr zu senken, s0 bindet oder flechtet man die Haare vor der Operationsstelle auf jeder Seite gleich- mãſsig zusammen, befestiget an sie die Rollenschnur und zieht auf diese Weise nur den vorderen Theil der Schweifrübe in die Höhe, während die Spitze derselben frei herunter hängt. Wichmann lieſs sogar, um den Zweck noch mehr zu erreichen, an die Schweifspitze ein Pfundgewicht hängen. B. Das Sehweifstutzen, Absohneiden oder Abschlagen der Schweifspitze oder das Coupiren. 34 St 83. 19 568. 111.. 5465 Das Verkürzen der Schweifrübe geschieht bei Pfer- den(wie§. 102. angegeben) entweder um ein höheres Tragen des Schweifs zu bewirken, und der Mode we- 40* ——— 8 . 1 ͤ““““““äää½⅜⅛ä⁶⅜¶—ͤͤͤõ——ͤ—ͤͤͤͤͤͤͤſͤſ‧‧‧²————õ———— gen oder um gewisse Fehler und Gebrechen zu besei- tigen. Aufser den a. a. O. genannten Fehlern ist auch noch die uulseilhard Ne erlmauu des Sohwels, wie seltenen Fällen uach niſoghuckes Schweif kerben ent- steht, zu nennen. Für den ersten Zweck wird die Operation jetzt weit seltener unternommen als früher, wo man es fast allgemein für schön hielt, wenn ein Pferd einen sogenaunten Stutzschweif hatte. Auch wurden nur Pferde mit solchem Schweif als englisirt betrach- tet und mit dem Namen:„ Engländer“ bezeichnet. Das Coupiren für diesen Zweck geschieht gewöhnlich nach dem Schweifkerben, wenn die Schuittwunden völlig geheilt sind; Ro bertson empfahl es aber zugleich mit dem Kerben auszuführen, weil dann die Wunden von beiden Operationen gleichzeitig heilen und die Pſerde früher in Gebrauch genommen werden können. Allein die Erfahrung zeigt: dals bei Ausfuhrung der doppelten Operation üble Zufälle, namentlich der Tetanus häufiger eintreten, als wenn die eine nach der andern unternom- men wird; und aufserdem braucht des Coupirens wegen nur selten ein Pferd nach demselben von der Arbeit zurückgehalten zu werden.— Bei Pferden, welche viel Feuer und Kraft besitzen und den Schweif von selbst etwas in die Höhe nehmen, ist oft das Coupiren allein, ohne vorausgegangenes Kerben, ninreichend, um das Hochtragen des Schweifs bedeutend zu vermehren. Die Stelle, an welcher die Schweifrübe durchschnit- ten werden soll, ist bei kraukhaften Zuständen von dem Sitze derselben abhängig und vor diesem zu wählen, so dafs man alles Entartete oder die starken Verkrümmun- gen durch das Coupiren entfernt. In andern Fällen wird die Operationsstelle entweder von dem bloſsen Willen des Eigenthümers, von der Gebrauchsbestimmung des Pferdes,— von der Art, wie dasselbe den Schweif trägt, oder auch von der Mode bestimmt. Um einen Kurzschweif nach alter Weise zu machen, nimmt man gewoöhnlich die Schweifspitze so weit weg, dals ein etwa 12— 14 Zoll langer Stumpf, vom Aſter an ge- rechnet, übrig bleibt; groſsen Pferden und solchen, die den Schweif sehr in die Höhe tragen, läſst man deusel- ben etwas länger als solchen, die klein sind und den Schweif wenig aufnehmen. Edlen Reitpferden nimmt man nur einen kleinen Theil der Sechweifspitze kort. In früherer Zeit durchschnitt man die Schweilrübe an ger gewäͤhlten Stelle ohne weitere Untersuchung dar- über: ob man einen Wirbel oder ein Gelenk trennte; jetzt wählt man gewöhnlich hierzu ein Gelenk und sucht deshalb an der Stelle denjenigen Punkt, der sich unter den Schweifmuskeln als eine rundliche Erhöhung füh- len lälst. Es ist noch zweifelhaft, welches Verfahren den Vorzug verdient. Das Durchschneiden des Gelenk- knorpels gelingt mit zu schwachen oder stumpfen Instru- menten allerdings besser als das eines Wirbels, und letz- terer ist unter diesen Umständen der Gefahr des Zer- splitterns ausgesetzat, wodurch üble Zufälle verursacht werden können; bei dem Gebrauch einer guten Engli- sirscheere wird aber auch der Wirbel leicht und glatt durchtrennt und man hat jene Zufälle nicht zu fürchten. Wichtiger ist daher folgende Rücksicht: Weder der 160 durchschnittene Knorpel noch der Knochen überheilen direkt, sondern erst nachdem sie durch Exfoliation oder durch Wilerung abgestoſsen sind. Da nun zur Blutstil- Gloheison angegredet wird, s0 wird. in Folge dessen fast immer nicht allein der Knorpel, sondern auch der nächste Wirbel ausgeschieden. Letzteres geschieht aber leichter und schneller und mit einer kleinern Lücke bei einem halben als bei einem ganzen Wirbel. §. 112. Zur Operatn des Schweifstutzens gebraucht man entwyier die sogenannte Englisir- oder Coupir-Schee- re*), oder ein starkes Messer, oder ein Hufwirkmes- ser; auſserdem eine gewöhnliche Scheere, ein Stück Bindfaden, und ein Brenneisen mit tiugförmigem oder rusdemeen Knopf. Die Operation wird immer am stehenden pferde un- temommen und dasselbe hierzu folgendermaafsen vorbe- reitet: Ein Gehülfe setzt ihm eine Bremse auf die Ober- lppe, richtet ihm den Kopf in die Hôhe und hält es fest; ein zweiter Gehülfe hält ihm den linken Vorder- fuſs in die Höhe; der Operateur scheitelt an der be- stimmten Stelle des Schweifs die Haare auf demselben in einer Queerlinie, legt die obern nach der Schweif- wurzel zurück und bindet sie mit einer Schnur in die- ser Lage fest an die Schweifrübe, s so daſs diese selbst hierdurch von allen Seiten comprimirt und die Blutung aus den Arterien nach dem Durchschneiden gehindert wird. Hierauf scheert er an der Grenze der zurückge- bundenen Haare von den frei gebliebenen Haaren einen 4—— 6 Linien breiten Streif ab, um dem Messer eine freie Einwirkung auf die Haut 2u verschafſen,— ſst den Schweif am Ende der langen Haare von einem Ge- hülfen erfassen und horizontal in die Höhe halten,— stellt sich neben den hintern Rand des linken Hinter- schenkels, legt die Schweifrübe genau mit dem Theil, wo die Durchschneidung geschehen soll, in den halb- mondförmigen Ausschnitt an der Scheide des einen Arms der Conpirscheere, welchen man mit der linken Hand hält, führt mit der rechten Hand den andern Arm der Scheere s0 auf den Schweifrücken, dafs die Klinge queer über demselben steht und schneidet mit einem kraf- tigen Druck oder mit einem kurzen Sehlage auf diesen obern Arm die Schweifrübe queer durch. Hat man keiue Coupirscheere, 80 kann man den, auf die bezeichnete Art vorbereiteten Schweif mit der betreffenden Stelle horizontal auf ein Holzstäck mit eb- ner Oberfläche legen, dann auf den Rücken des Schweifs ein Wirkmesser oder ein anderes groſses Messer queer aufsetzen und mit einem kräftigen Sehlage es durch ihn treiben. ddla. h 3⸗ Hin Haie Naab 3 Das Iusteuwent besteht aus zwei etwa 16— 18 Zoll lapgen I Halften oder Armen, die an dem einen Ende durch ein Charnier mit ein- ander verbunden sind und somit zwei einarmige Hebel darstellen. Nahe dem Charnier besitzt der eine Arm eine fast 2 Zoll lange und eben so breite Messerklinge, deren Schneide nach hinten in schräger Richtung zurücktritt; der andere Arm hat, gegenüber der Klinge, eine metallene Scheide für dieselbe mit einem halbmond- förmigen Ausschnitt am freien Rande und in der Grösse, dass er die Schweifrübe aufnehmen kann. eur scheitelt an r die Haare auf demeh obern nach der Seini mit einer Sehnur iid ube, s0 daſs diese ah nprimirt und die Bun Durehschneicen glbis er Grenze der zurichg gebliebenen Haatreu ein b, um dem Messer in Zu erschafen,— M gen Haare ron einen be in die Höbe halten,- Rand des luben His — 161— Nach dem Durchschneiden ergreift man, indem man sich mit dem linken Ellbogen auf die linke Seite der Croupe stützt, mit der linken Hand die Schweifrübe von oben her, beugt ihre wunde Spitze ein wenig gegen sich und berührt die Wundfläche mit dem glühenden Brenn- eisen, welches man mit der rechten Hand führt, so lange, bis ein Schorf entstanden ist. Nun löset man das Band von der Schweifrübe und den Haaren ab und sieht zu, ob die Blutung gänzlich gestillt ist; sollte dies nicht der Fall sein, so berührt man die blutenden Arterien noch wiederholt, bis der Zweck erreicht ist.. Eine besondere Nachbehandlung ist gewöhnlich nicht erforderlich. Wenn jedoch die Entzündung sehr heftig werden sollte, ist es zweckmäſsig, die Schweifrübe mittelst Schnuren über Rollen in die Höhe zu halten, um die passiven Blutanhäufungen zu vermindern, welche bei dem Herunterhängen der wunden Schweifspitze ent- stehen. Aufserdem sind lauwarme Bähungen von schlei- migen Mittelu und Einreibungen der grauen Merkurial- salbe nützlich. Wenn später das Knochenstück in der Wunde locker wird, kann man es mit der Pinzette et- was früher lösen, als es von selbst herausfallen würde. §. 113. Bei und nach dem Schweifkerben und dem Coupiren können mehrere üble Zufälle entstehen, von denen fol- gende die wichtigsten sind: 16 g. 1) Nachblutungen. Sie ereignen sich am häu- ſigsten nach dem offenen Durchschneiden der Niederzie- her und besonders wenn entweder die betroffenen Arte- rien nur angeschnitten sind, oder wenn die Tampons zu locker gewickelt oder nicht in den Grund der Wunden und auf die gehörige Stelle gelegt, oder die Binde nicht gehörig fest zugezogen oder das Stroh unter ihr zu eilig und zu heftig entfernt worden ist,— wenn die Thiere sich unruhig benehmen und heſtig ruckweis das Kreuz oder den Schweif nach unten ziehen,— was besonders bei Koth- und Urinentleerungen zu gesche- hen pflegt. Fast immer ist ein besseres Verbinden, ein gelindes Nachziehen der Binde, Aussetzen des Stroh- ausziehens während einer Stunde, und Beruhigung der Thiere durch dargereichtes Futter genügend, um die Blutstillung zu hewirken. Fruchten jedoch diese Mittel nicht, und hat man Verdacht, dals ein unvollständiges Durchschneiden der Gefäfse Schuld an der wiederkeh- renden Blutung ist, so läſst man(nach gutem Verbande) entweder das Gewicht am hintern Ende der Rollen- schnur so leicht machen, daſs der Schweif nicht völlig horizontal in die Höhe gehoben wird, sondern in einer schiefen Richtung gegen die Erde herabhängt, oder man lälst ihn während 1— 2 Stunden ganz frei herunter- hängen und bindet ihn dann in der eben bezeichneten Weise an die Rollenschnur. Die Blutung steht hier- nach gewöhnlich bald, und man wird nur äufserst sel- ten nöthig haben, das von Dieterichs empfohlene nachträgliche Durchschneiden, oder das Umstechen und Unterbinden, oder die Torsion der Gefäſse auszufüh- ren; nur im äufsersten Nothfalle sind diese Hülfsmittel zu wählen.— Findet sich eine Blutung in der Zeit, wo bereits Entzündung und Anschwellung der Schweif- rübe eingetreten ist, so darf der Verband nur mäſsig fest und stets mit neu und reichlich unter die Binde ge- legtem Stroh ausgeführt werden. 2) Brüche des Sehweifs, gewohulich i in Ver- renkungen der Schweifwirbel, selten im Zerbrechen der- selben begrändet,— entstehen entweder während des Durchschneidens der Niederzieher„ oder in späterer Zeit, während der Schweif noch in den Rollen hängt. Im ersteren Falle ist ein zu starkes Ueberbiegen der Schweifrübe nach rückwärts, wenn bereits die Nieder- zieher durchschnitten sind und somit die Wirbelgelenke an einer Stelle ihren àuſsern Schutz verloren haben, noch mehr aber wenn selbst die Bänder angeschnitten sind, die Ursache zu dem Schweifbrechen, und Unge- schicklichkeit des Gehülfen oder zu heftige Bewegun- gen des Pferdes geben hierzu die Veranlassung; in der spätern Zeit entsteht dieser Zufall zuweilen, wenn die Pferde den Schweif an Gegenständen grob reiben, oder wenn man denselben zu stark über eine Strohrolle beugt, zuweilen auch bei Eiterung und Brand.— Die Erken- nung dieser Brüche ist nicht immer leicht und deshalb sind dieselben oft übersehen worden. Man bemerkt eine kleine Erhöhung an der betreffenden Stelle des Schweifs, mehr durch das Gefühl als durch das Ansehen; die Be- weglichkeit daselbst ist gewöhnlich vermehrt, so daſs man oft den Schweif in einem stumpfen Winkel beugen kann und er beim stehenden Pferde von der Stelle an herunterhängt oder zur Seite gebogen ist; zuweilen ist aber entgegengesetzt die Stelle steif, und fast immer zeigt das Thier Schmerz an derselben.— In den mei- sten Fällen erfolgt Heilung, und zwar oft mit fester Verwachsung zweier oder dreier Wirbel, so daſs der Schweif hiernach an dieser Stelle steif gehalten wird, und wenn er während der Heilungszeit verkrümmt war, bleibt er für immer so; zuweilen bilden sich falsche Ge- lenke und es bleibt eine abnorme Beweglichkeit zurück; in den üblern Fällen aber eutsteht Eiterung, eine so- genannte Schweiffistel, oder selbst Brand.— Um die Heilung zu bewirhenz riehest man durch Ausdehnen der Schweifrübe in gerader Richtung mit dem Kreuz und durch gelindes Drücken gegen den ausgewichenen Wir- bel den letztern wieder ein, hält den Schweif für die Zeit der Heilung mittelst der Schnur stets in hori- zontaler Richtung und läſst deshalb das Pferd in den ersten 3 Tagen nicht niederlegen. Auch kann man, mit Freilassung der Wunde, einen Schieneuverband anlegen. 3) Heftige Entzündung und Anschwellung der Schweifrübe. Die erstere giebt sich durch die gewöhnlichen Entzündungs-Symptome in den ersten 3 bis 4 Tagen nach dem Kerben zu erkennen und führt zuweilen zum kalten Brande; wenn aber der starke Glanz der Haut verschwindet, letztere dagegen mit Staub ähnlichen Schuppen der Oberhaut bedeckt er- scheint, hat man den Brand nicht mehr zu fürchten. Ursachen einer ungewöhnlich heftigen Entzündung sind, auſser einer besondern Disposition des Körpers: zu nahe an einander liegende Schnitte, Anschneiden der Bein- haut, zu festes Verbinden, zu späte Abnahme des er- sten Verbandes, zu spates Aufhängen des Schweifs in die Rollen oder zu gewaltsames Ueberbeugen nach dem 41 — 162 Kreuz, Brüche der Schweifrübe, Nässe auf dem Rücken des Schweifs, zu festes Einflechten der Schweifhaare. — Bei der Kur müssen die Gelegenheitsursachen besei- tiget, die Wunden mit schleimigen Flüssigkeiten gebä- het, der ganze haarlose Theil der Schweifrübe mit Fett oder Talg oder mit grauer Merkurialsalbe dick bestri- chen, das Thier in magerer, kühlender Diät gehalten und, bei einem hohen Grade der Entzündung, ihm ein Aderlafs gemacht und kühlende Salze gegeben werden. — Die zuweilen sehr bedeutenden ödematösen Anschwel- lungen der Schweifrübe haben keine groſse Bedeutung und verlieren sich nach wiederholtem Ausstreichen der im Zellgewebe angehäuften Feuchtigkeit bald. 4) Kalter Brand entsteht nach dem Schweifker- ben entweder an der Operationsstelle oder an der Schweif- spitze und zwar bald direkt, bald nach vorausgegange- nem heiſsen Brande. Im letztern Falle schwillt die Schweifrübe bedeutend an, wird heiſs und glänzend, die Wunden sind dunkelroth und trocken oder sie sik- kern nur an einzelnen Punkten etwas Eiter, an andern eine röthliche Jauche; dann finden sich auf der Haut Bläschen, die eine gelbliche oder röthliche Flüssigkeit enthalten; die Haut und die Wunden nehmen eine bläuliche Färbung an und werden weich, die Haare in der Nähe die Muskeln verlieren ihre Empfindlichkeit und der Theil wird kalt. Wo der Brand direkt entsteht, zeigt die Haut am 2ten und 3ten gehen aus, und werden weich, Tage nach der Operation nur eine geringe Abweichung vom gesunden Zustande, sie hat ihre Empfindlichkeit und Wärme, aber die Muskeln sehen blaſs aus und die Wunde sickert eine stinkende Jauche; drückt man die Schweifrübe mit den Fingern, so entsteht ein geringes knisterndes oder ein quatschendes Geräusch im Zellge- webe unter der Haut und neben den Muskeln, und es dringt aus demselben an der Wunde Luft oder Jauche hervor; später wird die Haut ödematös, kalt und ver- liert die Haare. feuchter Brand, aber an der Schweifspitze erscheint eben In beiden Fällen ist es gewöhnlich so der trockne Brand. Wenn er an der Schweifrübe direkt entsteht, nicht sogleich erkannt, weil das muntere Benehmen und wird er zuweilen in der ersten Zeit der Appetit des Thieres und die scheinbar gesunde Haut ein so bedeutendes Uebel unter ihr nicht vermuthen lãſst. Als Ursache dieses direkten Brandes ist hauptsächlich das gänzliche Durchschneiden der mittlern und der seit- lichen Arterien und Nerven in 2 oder mehreren Schnit- ten an der untern Schweifseite zu betrachten, in Folge dessen gehinderte Ernährung und Absterben erfolgt; da- her das Uebel bei dem nach alter Art ausgeführten Schweifkerben nicht ganz selten erfolgt, nach dem sub- cutanen Durchschneiden der Niederzieher aber noch nie- mals beobachtet worden ist. Der mittelbar, aus dem heiſsen Brande eutstehende Sphacelus wird mehrentheils durch zu festes Binden, besonders durch zu festes Nach- binden bei entstandenen Blutungen, durch zu langes Lie- genlassen des ersten Verbandes(z. B. zweimal 24 Stunden nach Dieterichs Chirurgie, 5te Aufl. S. 591) herbei- geführt und zuweilen durch eine eigenthümliche Körper- Constitution der Thiere oder durch die Witterung und die Fistelgang und seine Beschaffenheit. Stallluft begünstiget.— Der Brand an der Schweifspitze endet mit dem Abfallen derselben, meistens ohne dals für das Leben des Thieres Gefahr entsteht; so auch oft an den Kerbwunden, in andern Fällen aber setzt er sich von hier zu dem Mastdarm oder auf das Kreuz u. s. w. fort, verursacht ein typhöses Fieber, Sinken der Kräfte und den Tod.— Bei der Kur beseitiget man zunächst die etwa noch fortwirkenden Ursachen,— macht in die brandigen Theile Längeneinschnitte durch die Haut so weit, als sich das Zellgewebe und die Muskeln krank zeigen, und nimmt die abgestorbenen Theile mit der Pin- zette und dem Messer weg;— dann bähet man fleiſsig mit lauwarmen Kräuterbrühen, verbindet mit Terpenthinoõl oder Kampfer-Spiritus und legt Umschläge von aroma- tischen Kräutern darüber, und dies so lange, bis sich wo man dann mit gewöhnlicher Digestivsalbe verhindet. War der Schweif mittelst der Rollenschnur schon mehr als horizontal in die Höhe ge- bracht, mindert das Gewicht auf ein halbes Pfund, deu leicht ausgehenden Haaren jede starke Zerrung zu vermeiden. Reine Luft im Stalle und gutes, gesundes Futter, nöthigenfalls beim Sinken der Kräfte bittere, adstringirende Mittel mit Kampfer und Mineralsäuren gute Eiterung zeigt, so giebt man ihm diese Lage wieder und ver- um an sind zur Unterstützung der Kur nützlich. 5) Schweiffisteln entstehen nicht ganz selten bei dem offenen Schweifschnitt und geben sich zuerst zu erkennen durch zu reichliche Eiterung aus einzelnen Stellen der Wunden und ungleiche üppige Granulation daselbst, durch vermehrten Ausflufs von dünnem Eiter beim Drücken auf die Umgegend der Wunden, ungleiche Anschwellung der Schweifrübe, zuweilen selbst an der obern Seite, oft durch grofse Schmerzen; später verheilt die Wunde bis auf eine kleine Oeffnung, welche ge- wöhnlich einen schwieligen oder mit üppiger Granulation Bei dem Sondiren findet man den Oft sind die Mus- keln in bald geringerer bald gröſserer Ausdehnung um einen besetzten Rand zeigt. oder zwei Wirbel von denselben abgelöst, an der innern Seite der Wundränder haben sich Zusammenschnürun- gen gebildet, ein Wirbel ist verrenkt, gebrochen oder cariös, oder ein Gelenk ist geöffnet, der Zwischenknor- pel rauh und zum Theil abgelöst.— Ursachen siud: das Anschneiden der Beinhaut oder der Gelenkbänder, Ver- renkungen und Brüche der Schweifwirbel, zu fester Ver- band, zu gewaltsames Ueberbiegen der Schweifrübe nach der Croupe.— Zur Kur ist erforderlich: vollständiges Aufspalten der Gänge, Beförderung der Exfoliation mit- telst der Digestivmittel und warmer Bähungen, Auslösen der Knochenstücke, so wie des Knorpels mittelst Messer und Pinzette, dann Verbinden mit Digestivmitteln, bis die ganze Wunde gleichmäſsig gute Granulation zeigt, hori- zontales Aufhängen des Schweifes und die Anbringung eines sehr leichten Gewichts an die Rollenschnur. Die Heilung erfolgt hierbei in einigen Wochen fast immer mit fester Verwachsung zweier Wirbel, zuweilen bleibt aber ein sogenauntes künstliches Gelenk zurück, in Folge dessen manche Pferde den Schweif an der be- treffenden Stelle schief oder im Winkel gebogen tragen. der Sehweik nit i rizontal in die Uöhe g e Lage wieder und ſer. halbes Pfand, um a jede starke Zernug u alle und gutes, geamis aken der Rrälte bite npfer und Miuerabiua r nützlich. stehen nicht ganz sia t und geben sich uen e Eiterung aus eitzela leiche üppige Granuhin asflaſs von dünnen fi d der Wunden, mgkä „ zuweilen selbst a in ſchmerzen; später veiel e Oeffnung, welche gr er mit üppiger Gtannlin Saudiren fudet ma te abeit. Oſt sind de Ww erer Ausdehuung män u abgelôst, au der inoen sich Zusammenschnin. ferreukt, gebrochen dn net, der Lwischerbur 1.— Umachen aii: n ſe — 163— XXVIII. Operation des Mastdarmborfalls. §. 114. Wenn bei einem Vorfall des Mastdarms die gewöhn- lichen Hülfsmittel längere Zeit hindurch vergeblich an- gewendet sind, oder auch der Vorfall ohne diese veral- tet ist und eine dicke, mit ausgeschwitztem Faserstoff infiltrirte und durch denselben mehr oder weniger verhär- tete, zuweilen sogar ulzerirte, Masse bildet, die sich durch den After nicht wieder zurückbringen läfst; so ist die Abtragung dieser degenerirten Masse nothwendig, um die weitergehende Zerstörung zu beschränken und die Heilung zu bewirken. Die Erfahrung hat jedoch gelehrt, daſs ein blofses Wegschneiden der Masse gefährlich wer- den kann, indem hiernach in mehreren Fällen Infiltration von Jauche zwischen die Schleimhaut, oder sogar durch- gehende Oeffnungen in die Beckenhöhle entstanden sind und der Tod erfolgt ist. 913§. 115. Daher verfahre man hierbei auf folgende, an Pfer- den und Hunden mehrfältig mit gutem Erfolge angewen- dete Weise. Man reinige die Masse und ziehe sie so weit her- vor, daſs die unverdickte Schleimhaut zu sehen ist. An der Grenze derselben durchsticht man von innen nach auſsen den hier doppelt liegenden Mastdarm mit einer, mit 6— Sfachem gewächstem Zwirn versehenen Heft- nadel, so daſs die Nadelspitze neben dem After zum Vorschein kommt, führt dann von dieser Stelle ½ Zoll entferut die Nadel wieder von aufsen zur innern Fläche, bindet und schnürt die Enden des Bandes fest zusam- men, prefst so mit einer kleinen Schleife einen Theil der beiden Darmschichten fest gegen einander und schnei- det nach fest geschlossenem Knoten die Enden des Ban- des ab. Unmittelbar neben diese Schleife legt man, ganz auf dieselbe Weise, eine zweite, indem man durch die eine Stichöffnung der ersten Schleife die Nadel mit dem Faden durchfährt und sie in einer Ent- fernung von ¾ Zoll wieder von der äufsern zur in- nern Fläche zuräcksticht und dann die Enden wieder zusammenbindet,— und so fort, bis der ganze Darm neben dem Aſter mit einer, aus mehreren Ligaturen be- stehenden Nath versehen ist.— Sollte man an der in- nern Fläche der vorgetretenen und entarteten Masse nicht den Raum zur Führung der Nadel haben, so kann man die Masse an einer Seite oder an beiden Seiten bis etwa Zoll vom Aſter entfernt, einschneiden, so sie gleichsam in zwei Hälften theilen und sich einen leichtern Zugang schaffen.— Nachdem die Nath angelegt ist, schneidet man auſserhalb derselben in der Entfernung von ¼ Zoll die Masse ab und schiebt nun den Rest der letztern mit der Nath durch den After in das Becken. Die ganze Operation lälst sich an Pferden sehr gut im Stehen ausführen, nachdem die Thiere gebremset und an den Hinterfäfsen gespannt sind und ihnen ein Vor- derfufs aufgehoben ist; sehr böse Pferde legt man aber nieder, und eben so Hunde. Die Nachbehandlung besteht in der vorsichtigen Anwendung lauwarmer Klystire von schleimigen Flüs- sigkeiten, täglich 3— 5mal,— in Ruhe und in weni- ger und weicher Nahrung während der nächsten 8 Tage. Nach etwa 5— 6 Tagen werden die Heftfäden nebst dem Reste der entarteten Masse abgestofsen und es er- folgt die Heilung mit einer festen Narbe am hintersten Theile des Darms. Hindernisse bei der Kothentleerung sahe ich hiernach niemals entstehen. XAI. Die WMegnahme der Mastdarm- Polgpen. §. 116. Die Polypen an der Schleimhaut des Mastdarms werden bei der Kothentleerung, zuweilen auch ohne diese, aus dem After hervorgedrängt und dann als blaſs- oder auch als dunkelrothe Geschwülste sichtbar. Sie sind von der Gröſse einer Bohne bis zu der eines Hüh- nereies, gewöhnlich etwas länglich und gestielt, bald weich bald derb, und verursachen nur selten eine Stö- rung, die sich durch oft wiederholtes fruchtloses Drän- gen zur Kothentleerung, oder durch eine Neigung zum Reiben äufsert und zuweilen Entzündung und Ulzeration am After oder an den Polypen selbst, oder auch Vor- fall des Mastdarms zur Folge hat. Um diese üblen Folgen zu verhüten, entfernt man die Polypen, indem man sie entweder: a) abschneidet, oder— 5) abbindet, oder— c) sie ausreiſst. Zu die- sen Operationen werden die Thiere niedergelegt, sie können aber an Pferden und Rindern, wenn die Thiere nicht zu empfindlich sind, im Stehen, mit der nöthigen Sicherung, ausgeführt werden.— Bei dem Abschneiden erfaſst man den Polyp mit den Fingern der linken Hand oder mit einer breiten Pinzette, zieht ihn so weit als möglich hervor, und schneidet ihn dann nahe an der Schleimhaut des Darms mit einer Scheere(am besten mit einer Hohlscheere) ab.— Das Abbinden geschieht, nachdem der Polyp hervorgezogen, mittelst einer Schleife aus drei- bis vierfach zusammengelegten, glatten Sei- denfäden, ebenfalls ganz nahe an der Schleimhaut; und bei dem Ausreiſsen erfafst man ihn mit einer breiten Pinzette oder mit einer Kornzange, drehet ihn mehr- mals um seine Längenachse und reiſst ihn dann mit einem kurzen, scharfen Zuge ab. Zu dem letztern Verfahren dürfen nur Polypen mit einem dünnen Stiel gewählt werden, weil es sonst sehr mühsam auszufüh- ren ist, unvollständig gelingt und selbst üble Folgen durch gewaltsame Abzerrung der Schleimhaut herbei- führen kann.— Das Abschneiden ist das kürzeste und einfachste Verfahren, aber es entstehen dabei zuweilen Blutungen, welche durch Injektionen von kaltem Was- ser, oder von Wasser und Essig, einer Alaunlösung u. dgl. styptischen Mitteln, oder durch Anbringen eines, mit einem solchen Mittel befeuchteten, den Mastdarm ausfüllenden Tampons gestillt werden können. Wenn der Tampon durch Drängen des Thieres gleich wieder weggestoſsen wird, so muſs er wieder eingebracht und durch einige Minuten mit der Hand an der blutenden 41* —- 164— Stelle erhalten werden.— Nach dem einen wie nach dem andern Verfahren giebt man den Thieren weiche Nahrungsmittel in nur mälsiger Quantität und erleich- tert die Kothentleerungen durch Klystire von schleimi- AAI D e z e,, 1;, 4⸗ §. 117. Bei sämmtlichen Arten der Haussäugethiere haben sich, obgleich nur sehr selten, neugeborne Junge vor- gefunden, denen die Afteröffnung fehlte. Man wird auf das Vorhandensein dieser Atresie gewöhnlich dadurch aufmerksam gemacht, dafs die Thiere während längerer Weiterhin treibt ihnen der Leib auf, sie werden etwas unruhig und einzelne neh- Zeit keinen Koth entleeren. men auch das Euter nicht mehr. Beim Nachsehen fin- det man entweder noch eine Andeutung von dem Schlieſs- muskel, aber die Mündung verschlossen und mit der äufsern Haut überwachsen;— oder das Mittelfleisch ist an der betreffenden Stelle ganz glatt und ohne eine Spur des Schlieſsmuskels. In dem letztern Falle halte ich Hölfe nicht für mög- lich, weil bei den mir vorgekommenen Individuen dieser Art der Mastdarm von der Haut, bis in die Beckenhöhle hinein fehlte; dagegen waren in den Fällen der er- steren Art die Thiere durch die künstliche Eröffnung des Afters zu retten. Man bewirkt dieselbe, nachdem das Thier auf eine Seite niedergelegt, von Gehülfen fest gehalten und ihm der Schwanz in die Höhe gezogen ist, dadurch: daſs man mit einem schmalen Bistouri die Haut in der Mitte des von dem Schlieſsmuskel gebilde- ten Kreises kreuzweis durchsticht, dann die einzelnen kleinen Lappen mit der Pinzette erfafst, sie ein wenig hervorzieht uud nahe am Schlieſsmuskel sie abschneidet. Zuweilen kommt gleich bei dem Durchstechen der Haut gen Flüssigkeiten, bis die Vernarbung der verletzten Stelle erfolgt ist. Anmer kung. Scheiden- und Gebärmutter- Polypen werden eben so wie die Mastdarm-Polypen entfernt. Eröffnung des Afters. etwas schwärzlicher Koth zum Vorschein und es ist dann leicht, mit einer Fingerspitze, oder bei kleinen Thieren mit einer dicken Sonde in den Mastdarm einzu- dringen und denselben etwas zu erweitern; in anderu Fällen liegt jedoch unter der Haut eine Schicht Zellge- webe, bald dicker bald dünner, und verschlieſst den Darm. Diese Schicht durchsticht man entweder in der Richtung nach dem Darm zu mit einem Troikar, oder man erfaſst das Zellgewebe mit der Pinzette und trägt es bis zum Eingange in den Darm ab. Hierauf bestreicht man die Wundränder mit einer Bleisalbe täglich 2 bis 3mal, um bald eine Verdickung und Vernarbung ihrer Oberfläche zu bewirken, und applizirt während dieser Zeit Klystire von schleimigen Mitteln. Anmerkun g. Bei erwachsenen Schweinen sahe der Thierarzt Volk in Folge brandiger Absterbung eines vorgefallenen Theiles des Mastdarms eine fast gänz- liche Verwachsung des Afters und einen warzen- Die Thiere litten seit 4 Tagen an gänzlich gehinderter Koth- ähnlichen Auswuchs auf demselben. entleerung. Er durchschnitt den Auswuchs nebst dem Schlieſsmuskel kreuzweis, nahm die hierdurch entstandenen Läppchen mit dem Messer weg, stillte die Blutung mit Essigwasser und gab später Kly- stire von Leinsaamenabkochung. Die Heilung er- folgte; doch zog sich nach Kothentleerungen der Aſter nicht so andern Schweinen. schnell zusammen wie bei den AXNI. Das Binaöbringen des Aatheters zu die Harnblase. §. 118. Wenn ein Thier an Haruverhaltung in der Art lei- det, daſs: 1) die Harublase durch den Mastdarm, an der untern Wand desselben sehr voll und ausgedehnt, wie eine rundliche Erhöhung zu fühlen ist;— 2) das Thier sich hierbei unruhig benimmt, selbst sich von Zeit zu Zeit, wie bei Kolik, niederwirft, und bei diesem Be- nehmen eine Berstung der Blase erfolgen könnte; und — 3) wenn die Ursache der Harnverhaltung nicht in einer Verstopfung der Haruröbhre durch einen in ihr ein- geklemmten Stein, oder durch einen Pfropf von erbär- tetem Hauttalg an ihrer Mündung besteht, so erscheint die Einbringung des Katheters*) durch die Harnröhre *) Die Katheter sind Röhren von Metall oder von einem, mit einer Harzmasse überzogenen Geflecht von Zwirn, in der Dicke der Harnröhre und von angemessener Länge. Ihr vorderes Ende ist oval und geschlossen, aber mit einer oder zwei Seitenöffnungen versehen; das hintere Ende ist offen und bei denen ‚ die aus einer Harzmasse bereitet sind, in einem Kleinen trichterförmigen Ansatz von Horn oder Holz befestiget. In der Röhre liegt eine Sonde von Metall oder Fischbein.— Die gewöhnlichen metallenen Kathe- ter sind bei keinem männlichen Säugethier durch die Mündung der Harnröhre in die Blase zu bringen, weil die Steifigkeit des In- struments und die Krümmungen der Harnröhre dies verhindern. Französische Thierärzte hatten deshalb schon gegen Ende des vo- rigen Jahrhunderts einen biegsamen Katheter anfertigen lassen, der in die Blase, um hierdurch dem Urin einen Ausweg aus derselben zu verschaffen, dringend angezeigt. Aufserdem wird das Instrument zuweilen auch an- gewendet, um das Vorhandensein und den Sitz eines Steins in der Harnröhre oder Verengerung derselben zu erforschen, oder auch um bei dem sogenannten Stein- schnitt die Harnröhre sicherer zu treffen. Harnverhaltungen der bezeichneten Art, und eben so die zuletzt bezeichneten Umstände finden sich nur selten und die Applikation des Katheters ist daher auch nur eine seltene Aufgabe, wenn man sie nicht,— wie Dieterichs vorschreibt(Akiurgie S. 419. und Chirur- aus einer Anzahl metallener Glieder bestand, welche an dem einen Ende ein Köpfchen, am andern aber eine Höhle besafsen und ge- lenkartig in einander griffen. Der Thierarzt Gosau machte einen biegsamen Katheter aus einen, um einen Eisenstab gewickelten Spi- raldrath, welcher auf diesem Stabe breit geschlagen wurde(Vi- borg, Veter. Selsk. Skrift. 1. Deel. S. 382). Diese Katheter hatten jedoch groſse Mängel. Die jetzt gebräuchlichen Harz-Ka- theter oder sog. elastischen Katheter sind zwar theuer und wenig dauerhaft, da sie in den Salzen des Urins erweichen und den Harz- überzug theilweis abblättern, aber sie sind ihrer Glätte und Bieg- samkeit wegen sehr brauchbar. Für Pferde sind dieselben gegen 3 ½ Fuls dang und 2 ¼ bis 3 ½ Linien. dick, je nach der Gröſse der Thiere. 4 z in and laut eine Sebicht 6 ng und Veruarbung in applizirt waͤbrend dese Mittelu. euen Schweinen ahe is randiger Ahsterbuugeis lastdarms eine fast zuu. ſters und einen waner demselben. Die Tuün nzlich gehinderter Kob- lit den Auswuchs ueis weis, nahm die hierdna dem Messer weg, rüll zer und gab später Ky ehung. Die Heilung er eh Kocheutleerungen&r zusammen wie bei da Varnblase. Urin einen Ausweg u end angezeigt. ment auweilen audh u- ein und den Sius eiles erengerung derselen a dem sogenaunten der au treffen. chneten Att, uni ee ustände ſuden zid u Katheters ist iaber n ei 3 Werarss Gosaa aSpr nen Eisenstab Ga(ſr geschlagen fol br i 8 38 2) Diese Kathe J. 3. tat; gebräuchlehe reuir sind zwar den a Hur frins erweiehen 6 und ätte siad ibrer d Glä gel Pferde sind e i Fes 1 Gübe a dick, je n 4 verhaltung.“ — 165 gie, 5. Aufl. S. 636)„jedesmal ausführt, wenn ein Pferd heftige Kolik-Symptome zeigt und der Eigenthü- mer glaubt, es könne nicht stallen und leide an Harn- Aber auf solche Iudikationen unternimmt kein rationeller Thierarzt eine Operation. §. 119. Der Katheter kann sowohl am stehenden wie am liegenden Pferde eingebracht werden, je nachdem man dasselbe vorfindet und je nachdem dasselbe das Angrei- fen an dem männlichen Gliede ruhig erträgt oder nicht, Man bremset es, spaunt allenfalls die Hinterbeine und hebt einen Vorderfuſs auf; aber gewaltsam niedergewor- fen darf es nicht werden(wie Pilger schon ganz rich- tig bemerkt hat), weil man fürchten muſs, daſs hierbei eine Berstung der stark angefüllten Harnblase entstehen könnte. Liegt es von selbst, so läfst man es von Ge- hülfen niederhalten und setzt ihm ebenfalls eine Bremse auf. Dabei ist es sleichgültig, auf welcher Seite das Thier liegt.— Aus dem Katheter zieht man vor der Anwendung die Sonde, bestreicht sie mit Oel und legt sie daun wieder in die Röhre; eben so bestreicht man die letz- tere äufserlich mit Oel und untersucht, ob die Oeffnun- gen neben der Spitze offen sind. Hierauf stellt man sich, wenn das Thier steht, an eine Seite desselben(am bequemsten an die rechte); liegt es, so stellt man sich an den Rücken und neigt sich über den Leib des Thieres, um mit den Händen zu dem Schlauch gelangen zu können. Man geht mit einer Hand in den letztern, umfaſst die Ruthe hinter der Eichel mit dem um sie gelegten Daumen und Zeigeſin- ger und zieht sie langsam und gleichmäfsig vor die Schlauchöffnung. Mit der andern Hand führt man die Spitze des kurz hinter derselben gehaltenen Katheters in die Mündung der Haruröhre und schiebt sie allmälig immer tiefer in dieselbe hinein, bis sie in die Blase ge- langt ist oder sich irgendwo festgestellt hat. Daſs das Erstere geschehen ist, vermuthet man theils aus der Länge, in welcher der Katheter bereits in die Harn- röhre eingeführt ist, theils aus dem plötzlich erfolgenden sehr leichten Vorwärtsdringen nach einer mühsamen Fortbewegung(im Blasenhalse); aufserdem aber kann man auch die Spitze des Katheters in der Blase fühlen, wenn man mit der Hand in den Mastdarm eingeht. Diese Untersuchung macht am besten der Thierarzt selbst, nachdem er vorher die Ruthe nebst dem Kathe- ter einem Gehülfen zum Festhalten in der einmal diesem Theile uud dem Iustrumente gegebenen Lage übergeben hat. Findet man den Katheter in der Blase, so wird sein hinteres Ende durch festes Umlegen der Finger des Gehäülfen um die Ruthe neben der Eichel in der Harn- röhre erhalten, während man die Sonde aus ihm zieht, worauf nun gewöhnlich der Urin abfliefst. Sollte dies aber nicht geschehen, so muſs man vermuthen: daſs ent- weder die Seitenöffnungen an der Spitze des Instru- ments mit Schleim u. s. w. verstopft sind, oder, daſs dasselbe durch zu starke Contraktur des Blasenhalses ganz zusammengedrückt ist. Letzteres Hinderniſs er- kennt man daran, daſs die in den Katheter wieder ein- geführte Sonde leicht bis zum Blasenhalse vordringt, hier aber entweder gar nicht oder nur mit Mühe weiter vorwärts gebracht werden kann. In diesem Falle sind Klystire von krampfstillenden, namentlich von narkoti- schen Mitteln und Einreibungen einer Salbe von Fett und Belladonna-Extrakt wiederholt zu machen, bis der Krampf nachgelassen hat. Findet man aber dieses Hin- derniſs nicht, und muſs man demnach auf Verstopfung jener Oeffnungen schlieſsen, so macht man in den Kathe- ter Einsprützungen von lauwarmem Wasser recht kräſtig, und wenn hiernach der Urin nicht abflieſst, setzt man das Rohr einer Sprütze recht dicht auf die hintere Mün- dung des Katheters und sucht durch Zurückziehen des Stempels der Sprütze ein Aussaugen des Urins aus der Blase zu bewirken. Jedenfalls ziehe man das Iustru- ment nicht eher aus der Harurölhre heraus, bis der Zweck erreicht ist. Sollte aber der Katheter nur bis zu einer gewissen Länge in die Haruröhre eindringen und dann stocken, so versuche man zunächst durch etwas Zurückziehen und langsames wieder Vorwärtsschieben ihn über die behin- dernde Stelle und weiter zu bringen. Gelingt dies aber nicht, so übergebe man das männliche Glied und den Katheter, so wie letzterer eben liegt, einem Gehälfen zum Festhalten und der Operateur selbst sehe und fühle am Mittelſleische, vom Scroto bis zum Aſter nach, wo die Spitze des Instruments sich festgestellt hat. Ist diese Stelle gefunden, so lasse man letzteres etwa einen halben Zoll zurückziehen, dann aber langsam wieder vorwärts schieben, während der Operateur daselbst einen gelinden Druck mit den Fingern aubringt und hierdurch die Spitze des Iustruments von der hintern Wand der Haruröhre mehr ableitet. Wenn hiernach der Katheter bis zur Sitzbeinszusammenfügung gekommen ist und seine Spitze auch hier nach hinten drängt, drücke mau sie auch wieder nach vorwärts und leite sie in den Blasenhals. Um letzteres sicher zu bewirken, mufs man gewöhnlich mit der Hand oder mit einigen Fingern selbst durch den Aſter in den Mastdarm gehen und der Katheterspitze die nöthige Richtung geben, während der Gehälfe das Instrument immer mehr vorwärts schiebt, bis es in die Blase gelangt ist. Nun zieht man die Sonde aus dem Katheter und verfährt übrigens so, wie es im Vorher- gehenden angegeben worden ist. Nach erfolgter Ausleerung des Harus wird der Ka- theter aus der Harnröhre zuräckgezogen, mit Wasser gründlich gereiniget und dann getrocknet, um ihn für die Zukunft zu conserviren. Dabei ist es zweckmäſsig, die Sonde erst nach dem völligen Trocknen der Röhre wieder in dieselbe zu bringen. §. 120. Bei den sämmtlichen andern mänulichen Haussäuge- thieren ist ein Katheter wegen der schärfern Krümmun- gen der Harnröhre nicht durch die gauze Länge der- selben in die Blase zu bringen, und man muſs deshalb bei ihnen ein anderes Verfahren einschlagen, um diesen Zweck zu erreichen. Eben so bei Pferden, wenn man einen elastischen Katheter nicht zur Hand hat, der Fall aber doch dringend ist.— Die Vorbereitungen des Thie- res zur Operation im Stehen oder im Liegen bleiben dieselben wie bei dem Einbringen des Katheters,— 42 —ͤͤGG — 166 und an Instrumenten gebraucht man: 1) ein geballtes Bistouri;— 2) ein Knopf-Bistouri;— 3) eine Hohl- sonde; 4) eine Pinzette, und— 5) eine metallene glatte Röhre mit zugerundeter Spitze, von der Stärke der Harnröhre, gegen 8 Zoll lang, neben der Spitze mit einer länglichen Seitenöffnung und im Innern mit einer Sonde versehen*). Diese Röhre wird etwas er- wärmt und äufserlich mit Oel bestrichen. Man macht nun in der Mittellinie des Mittelfleisches, gerade an der Sitzbeinszusammenfügung, mit einem geballten Bistouri einen Einschnitt in die Harnröhre, und zwar in der Gröfse, dafs eine, der Weite der letztern entsprechende Röhre(das vordere Ende des elastischen Katheters oder ein metallener Katheter, im Nothfall eine Sonde, eingeführt werden kann. Bei Pferden und Rindvieh muſs also die Wunde in der Harnröhre gegen 6 Linien, bei kleineren Thieren gegen 4 Linien lang, äuſserlich aber doppelt so lang sein, damit der Urin leicht abflieſst und nicht in die Zwischenräume der Theile iufiltrirt. Nach- dem man die Haut durchschnitten, zieht man ihre Wund- ränder nebst den zu beiden Seiten der Ruthe liegenden Sitzbein-Ruthenmuskeln mit den Fingern der linken Hand, oder mit stumpfen Haken, aus einander, hält die Wunde mit einem Schwamm rein, durchschneidet dann den Harnschneller und die hintere Wand der Haruröhre zugleich mit sanften, gleichmäſsigen Messerzügen. Sollte der erste Eiunschnitt in die Harnröhre nicht hiureichend groſs geworden sein, so fübre man eine Hohlsonde ein und erweitere ihn mit einem Knopfbistouri oder mit einem geraden Bistouri auf derselben. Hierauf bringe man eine der oben bezeichneten Röhren durch die Wunde in die Harnröhre und bis in die Blase und entleere durch sie den Urin. Nachdem dies geschehen, wird die Röhre wieder entfernt. Ob man nun die Wunde äufserlich durch Zusam- menheften verschlieſsen, oder sie offen lassen soll?— ist noch nicht erfahrungsmäſsig festgestellt. Im erstern Falle gelingt zwar zuweilen die schnelle Vereinigung der getrennten Theile, und es ist damit viel gewonnen, aber der Urin ergiefst sich oft aus der Harnröhrenwunde neben der Harunröhre ins Zellgewebe und erzeugt sehr üble Entzündungen, selbst Verjauchungen im Verlaufe der Ruthe, während er aus der offenen Wunde frei ab- fliefst und keine üble Zufälle macht. Aber die Heilung erfolgt dann gewöhnlich langsamer und durch Eiterung. *) In Ermangelung einer besonderen Röhre kann von einem Men- schenarzte ein für Menschen bestimmter weiblicher Katheter gelie- hen und ganz zweckmässig benutzt werden. §. 121. Man versteht unter dieser Bezeichnung das Durch- stechen einer Wand der Harunblase mittelst eines Troi- kars, für den Zweck: eine Ausleerung des Urins durch die Troikarröhre zu bewirken. Die Operation ist angezeigt: wenn bei Harnverhal- tungen die Blase in dem Grade überfüllt und ausgedehnt ist, daſs ihre Berstung zu befürchten steht, und wenn weder die Ursache der Harnverhaltung schnell gehoben, Will man die Wunde heften, so darf dies erst dann geschehen, wenn der ursprüngliche Krankheitszustand völlig beseitiget ist und der Urinabgang durch die Harn- röhre frei statt findet, weil sonst ein wiederholtes Ein- bringen der Röhre nöthig sein könnte.— Nach der künstlichen Ausleitung des Urins wird man daher zu- nächst stets die Kur der eigentlichen Harnverhaltung nach der Art derselben zu bewirken haben. Ist hiernach die Wunde geheftet worden, so rich- tet man sich mit der Nachbehandlung nach dem Grade der eintretenden Entzündung und wendet kalte Umschläge an, wenn derselbe bedeutend ist; thut es aber nicht, wenn die Entzündung nur mälsig ist. Heftet man die Hautwunde nicht, so sucht man die Harurôhrenwuude für kurze Zeit dadurch zu verschlieſsen, daſs man sie oberflächlich mit Lapis infernalis berührt und dies nach 2— 3 Tagen wiederholt, dann aber die ganze Fläche mit Digestiv-Salbe verbindet, um sie bald in gleich- mälſsige Eiterung und Granulation zu versetzen, worauf die weitere Behandlung nach den allgemeinen Grund- sätzen der Chirurgie geschieht. Anmerkung. Bei weiblichen Thieren kommt, we- gen der gröfsern Weite und Kürze des Blasenhal- ses und der Harnröhre, höchst selten eine Harn- verhaltung der Art vor, daſs die Applikation des Katheters nöthig wird. Doch kann sich dies er- eignen, wenn die Scheide in der Umgegend der Haruröhrenmündung verschwollen, oder wenn die Harnröhre bei einem Vorfall der Gebärmutter oder der Scheide zusammengedrückt ist. Wenn in sol- chen Fällen die Blase stark ausgedehnt zu fühlen und die Ursache nicht bald zu beseitigen ist, die Thiere aber stark drängen, kann man versuchen: bei Stuten und Kühen das vordere Ende des elastischen Katheters für männliche Pferde, sonst aber einen metallenen Katheter von entsprechender Dicke, im Nothfall bloſs einen beölten Finger in die Harn- röhrenmündung und in die Blase zu führen. Man stellt sich hierzu hinter das gehörig befestigte Thier, läſst durch einen Gehülfen den Schweif nach der rechten Seite ziehen, hält mit der linken Hand die Schaamlefzen aus einander, führt mit der rechten den Katheter über den Kitzler an der untern Wand der Scheide bis zu der kleinen ringförmigen Wulst, mit welcher die Harnröhre in ihr mündet, und sucht mit dem Instrument oder dem Einger allmälig in die Harnröhre einzudringen und hierdurch den Urin auszuleeren. XXXII. De r Harnblase n s tich(Punctio vesicae urinariae). noch der Urin durch den Katheter ausgeleert werden kann. Die Punktion der Blase ist stets nur ein Pallia- tivmittel, aber dennoch sehr wichtig, weil man durch sie die Berstung verhütet, Zeit zur gründlichen Kur der Harnverhaltung gewinnt und somit durch sie das Thier rettet. In der Menschenheilkunde ist der Blasenstich be- reits lange gebräuchlich; in die thierärztlichen Lehrbü- cher scheint er zuerst durch Pilger eingeführt zu sein li berühet und dies 9 i aber die Lanze Hlähe „um sie hald u gei. lion zu versetzen, woral deu allgemeinen Gmi- hen Thieren komnt, w und Kürze des Blaselk. höchst selten eine Har daſs die Applikatin kE Doch kann sich diese-. je in der Umgegeul à ehwollen, oder weun d fall der Gebärmutter ole ſröckt ist. Wenn i a. ark ausgedehnt au ſüs ad zu beseitigen is, ⁰ „Kann man rersuchen: E ddere Eude des ekstber Pſerde, sonst aher din 4 eutsprecheuder hiuie eölten Finger in die lmr (dess. Systemat. Handb. S. 1554). Derselbe führt an: dals die Landleute bei hartnäckiger Harnverhaltung, die sich durch kein anderes Mittel bezwingen läfst, mit einem Messer einen länglichen Einschnitt in das Mittelfleisch machen, die Blase öffnen und hiernach die Wunde ganz einfach behandeln. Er schlägt statt dessen den Ge- brauch eines Troikars mit biegsamer Röhre, oder eines 12— 16 Zoll langen und beinahe im Halbkreise gebo- geuen Troikars und die Einführung desselben durch den Mastdarm, vor. Dieser Troikar(den Pilger auf Taf. II. c. Fig. 2. abbildet) ist nach dem, in der Menschen- heilkunde gebräuchlichen Flurantschen Troikar ge- macht, für Pferde gegen 3 Linien dick, das Stilet mit einer Rinne versehen, und die Röhre wird jetzt am Ende ohne Seitenöffnungen gemacht. Er ist das geeig- netste Instrument zu dieser Operation, dieselbe kann aber im Nothfall auch mit dem von Hayne für den Ma- genstich u. s. w. angegebenen geraden Troikar(Siehe oben S. 113) oder mit jedem andern dünnen Troikar, dessen Röhre keine Seitenöffnungen hat, ausgeführt werden. Denn bei der übermäſsigen Ausdehnung der Blase ist dieselbe auch mit einem geraden Instrument zu erreichen. §. 122. Der Blasenstich wird, so wie Pilger angegeben, nach zwei Methoden, nämlich entweder— a) durch den After und die untere Wand des Mastdarms oder,— 5) durch das Mittelfleisch gemacht. Die erstere Methode ist leichter ausführbar und die Operationswunde heilt nach jener immer sehr leicht, während bei dieser eine besondere Nachbehandlung derselben erforderlich ist und auch leichter eine Fistel entstehen kann, deren Heilung schwierig zu bewirken sein möchte. Dagegen ist die Ausleerung des Urins bei der ersteren Methode(wie Ryehner in seiner Hippiatrik S. 279 richtig bemerkt), wenn dieselbe am stehenden Pferde unternommen wird, nicht so vollständig zu bewirken, wie bei dem Stich durch das Mittelfleisch; es kommt jedoch auf eine so gründliche Ausleerung auch nicht an, da dieselbe, bei der fortdauernden Absonderung in den Nieren, doch nur fär einen kurzen Moment bestehen würde. K 123. Bei groſsen Thieren mufs die Operation in der Re- gel, wenn dieselben stehen, auch in dieser Stellung aus- geführt werden, weil das gewaltsame Niederlegen die Gefahr einer Zerreiſsung der angefüllten Blase herbeiführt; haben sich aber die Thiere von selbst niedergelegt, so ist die Operation eben so gut im Liegen zu verrichten und Rychner hält sogar eine Rückenlage für nöthig, wenn man den Blasenstich per anum mit gutem Erfolge machen will. Es sind ihm von der im Stehen ausge- führten Operation üble Beispiele bekanut; ich habe sie auf diese Weise an vielen Thieren zum Versuch ge- macht und dieselben stets geheilt, ohne daſs irgend ein übler Zufall darnach eintrat.— Kleine Thiere wird man zu dieser Operation immer am besten sauft auf eine Seite niederlegen. Zur Operation im Stehen müssen die Pferde ge- bremset, ihre Hinterbeine gespannt, ihnen der Kopf hoch gehalten und der linke Vorderfuſs aufgenommen werden; 167— oder man zieht ihnen den linken Hinterfuſs mit der Spannleine so weit nach vorn, dafs sie mit demselben weder auftreten noch schlagen können, und läfst ibnen den Kopf in die Höhe halten. Liegt das Thier, so fes- selt oder bindet man ihm die vier Füſse einfach zusam- men und giebt ihm allenfalls, wenn man es für zweck- mälsig erachtet, eine Rückenlage. a³) Vor dem Harnblasenstich durch den Af- ter und Mastdarm wird aus letzterem der etwa vor- handene Koth mit der Hand oder durch Klystiere von lauwarmem Wasser entfernt. Dann bringt der Opera- teur seine linke, mit Oel, Schleim u. dgl. bestrichene Hand, und zwar die hohle Seite nach unten gekehrt, in den Mastdarm und setzt auf dessen untere Fläche, bei Pferden etwa drei Zoll vom Akfter entfernt, die Fingerspitzen mäſsig fest auf. Mit der rechten Hand führt er den, innerlich und äuſserlich beölten Troikar, dessen Spitze in die Röhre zurückgezogen sein muſs(bei dem Gebrauch eines krummen Troikars die concave Seite desselben nach dem Mittelfleische ge- kehrt), unter jener Hand in den Mastdarm und an den Fingern geleitet, zu dem am meisten hervorragenden Punkt der untern Wand, wo man das vordere Ende der Troikarröhre mit den daselbst befindlichen Fingern der linken Hand ergreiſt und es so hält, dals es gegen das Schaambein gerichtet steht oder mit der unteren Wand des Mastdarms fast einen rechten Winkel bildet. Dies ist nöthig, um das Iustrument sicher in die Blase zu bringen und Nebenverletzungen zu vermeiden. So gehalten, schiebt man die Spitze langsam aus der Röhre hervor(ohne hierbei die Schleimhaut zu verletzen) und drückt dann das Instrument in der bezeichneten Rich- tung schnell durch die untere Wand des Mastdarms zwei bis drei Zoll tief in die Blase. Ist dies gesche- hen, so hält man die Röhre mit der linken Hand fest, zieht mit der rechten das Stilet aus ihr und läfst den Urin abflieſsen. Um letzteres zu vervollständigen, kann man, weunn der Ausfluſs nachläfst, mit der im Mast- darm befindlichen Hand einen gelinden Druck auf die Blase machen. Nachdem der Ausfluſs beendet ist, zieht man die Röhre mit der rechten Hand aus der Blase und der Darmwand heraus, wobei man die letztere mit den Fin- gern der linken Hand neben dem Eiustichpunkte ein we- nig zurückhält, um Zerrungen zu vermeiden. Die Wunde zieht sich sogleich völlig zusammen und verheilt von selbst. Die Nachbehandlung der Opera- tionsstelle ist deshalb gewöhnlich nur auf die Minde- rung der Reizung beschränkt, wozu Klystiere von schleimigen Flüssigkeiten, kalt angewendet, oder Ein- sprützungen von einem schwachen Bleiwasser, genügen. 5) Der Harnblasenstich durch das Mittel- fleiseh beginnt mit einem 1 ½¼— 2 Zoll langen Ein- schuitt, den man mit einem geballten Bistouri neben dem untern Rande des Afters, in schräger Richtung nach der Mittellinie des Mittelfleisches zu, macht. Nach Durchschneidung der Haut trennt man das neben der Harnröhre und dem Sitzbein liegende Zellgewebe bis zu dem Blasenhalse, theils mit dem Messer, theils mit dem Finger, fühlt dann mit letzterem nach dem ausge- 42* dehnten Blasenhalse und der Blase selbst und führt dann, von dem Finger geleitet, einen beölten Troikar mit zurückgezogener Spitze zu der Blase, so daſs das Man schiebt nun die Spitze des Instruments hervor und drückt dasselbe schnell und kräftig gegen 2— 3 Zoll tief hin- vordere Ende der Röhre dieselbe fast berührt. ein. Je nachdem man zuerst neben dem Blasenhalse die Bahn im Zellgewebe bloſs seitlich oder ein wenig schräg nach oben geführt hat, kann auch der Einstich- punkt seitlich oder mehr oben an dem Blasenhalse gewählt werden,— was nach den bisherigen wenigen Beobach- tungen von gleicher Bedeutung für die Folgen ist. 168 ———— Nach gemachtem Einstich hält man mit der linken Hand die Röhre fest, zieht das Stilet aus ihr, läſst den Urin abflieſsen und entfernt dann die Röhre. Auch hier zieht sich die Stichwunde der Blase fast jedesmal bald zusammen und verheilt ohne künstliche Behandlung; aber die Wunde im Zellgewebe heilt durch Eiterung und Granulation, und sie wird dem- gemäls nach den allgemeinen Regeln der Chirurgie behandelt. In jedem Falle mufs nach gemachtem Blasenstich noch eine gründliche Kur der eigentlichen Harnverhal- tung statt finden. XXXIII. Der Blasensteinschnitt(Cystotomia, Cystidotomia, Urethro-Cystolomia, Litho- Cystotomia). §. 124. Diese Operation besteht in dem kunstmäſsigen Er- öffnen der Harnblase und in dem Herausholen von stei- nigen, sandigen oder erdigen Concrementen aus dersel- ben.— Ihr Zweck ist eben die Entfernung der Steine u. s. W., um Harnverhaltungen, Reizungen und Entzün- dungen der Harnblase und deren üble Folgen zu ver- hüten oder zu beseitigen. Sie ist deshalb bei männli- chen und(selteuer) bei weiblichen Thieren indizirt, wenn die gleich anzugebenden Symptome und der Be- fund das Dasein eines Steins in der Blase erkennen lassen. Denn andere Mittel gewähren keine Hälfe, und je früher ein Stein entfernt wird, um so mehr ist Hoff- nung zur gründlichen Heilung des Uebels. Das Vorhandensein eines Steins in der Blase ist zu vermuthen, wenn ein Thier sich oft zum Uriniren stellt, den Rücken krümmt, drängt, oder zuweilen selbst ko- likähnliche Schmerzen zeigt, der Urin entweder nur in Tropfen oder in einem dünnen, zuweilen unterbrochenem Strahle abgeht, und wenn er blutig oder dick und schlei- mig ist und einen starken Bodensatz bildet; sehr groſse Steine oder erdige u. dgl. Massen verursachen zuwei- len ein fortdauerndes unwillkührliches Abgehen des Urins; einzelne Pferde lahmen auch bei diesen Sympto- men von Zeit zu Zeit ohne äuſsere Veranlassung;— aber die Gewiſsheit von dem Dasein eines Steins oder erdiger und sandiger Ansammlungen erhält man erst, wenn man mit der Hand, oder bei kleinen Thieren mit einem Finger in den Mastdarm eingeht und durch die untere Wand des letztern die Blase so vollständig als möglich fühlend untersucht. Man muſs auf diesem Wege nicht allein das Dasein des Steins, sondern auch so- gleich seine Gröſse und Form, die Stelle seines Sitzes und seine freie, bewegliche oder entgegengesetzt seine eingesackte, unbewegliche Lage an derselben genau zu erforschen suchen. Denn diese Eigenschaften kommen bei der Operation sehr in Betracht, wie besonders bei der Gröfse der zu machenden Wunde, bei dem mehr oder weniger tiefen Einführen der Steinzange und bei der Sicherheit des Ergreifens des Steins. §. 125. Der Blasensteinschnitt an Thieren soll, nach Angabe H. D'Arboval's ¹) und Dieterichs*), schon von Ve- ¹) Wörterb. d. Thierheilk. Nach d. Franz. von Renner. 1830. Bd. I. S. 229. ²) Akiurgie, S. 473. Weimar getius empfohlen sein¹), was jedoch uurichtig ist, in- dem dieser Autor nur von dem Herausnehmen der Steine aus der Blase spricht, wenn dieselbe und der Mastdarm in Folge des Steinleidens geborsten ist. Vitet ²) und Lafosse d. S. ³) haben die erste Beschreibung der Operation in thierärztlichen Lehrbüchern gegeben, Er- sterer jedoch ganz nach den damals in der Menschen- Chirurgie geltenden Ansichten. Dagegen sind die Au- gaben Lafosse's ganz sachgemäfs, obgleich er ge- steht, den Steiuschnitt nur an einem Pferde gemacht zu haben, welchem er des Versuchs wegen einen Kiesel- stein in die Blase gebracht hatte. Nach ihm machte 1773 der französische Wundarzt Déal wahrscheinlich zuerst die Operation bei einem wirklich vorhaudenen Stein an einem Wallach und wiederholte sie 1774 an demselben Thiere, weil sich ein zweiter Stein einge- funden hatte*⁴). Später ist dieselbe von verschiedenen Thierärzten mit Glück ausgeführt worden, und unter andern namentlich von Poincelot(der sechs kleine Steine ans der Blase eines 6jährigen Pferdes nahm), von Giraud(der einen 1 ½ Pfund wiegenden Stein auszog); dagegen starb ein von Verrier operirtes Pferd in Folge der zu tiefen seitlichen Verletzung der Blase und der hiernach entstandenen Ergieſsung des Urins iu Auch Chabert hatte die Opera- tion mehrmals ohne güustigen Erfolg gemacht. das Becken u. s. w. Auſser Lafosse haben Pilger ⁵) und Schre- ger)(ganz jenem folgend), Fromage de Feu- gre), Ségala ⁵), Girard ⁹), Hurtrel D'Arbo- val 1) Vegetii Renati artis veterinariae etc. Manh. 1781. p. 66.) Lib. I. c. XLVI.(Edit. ²) Médecine vétérinaire. T. II. Lyon 1771.— Deutsch: Vitet's Unterricht u. s. w. von Hennemann. 2. Th. 1r Bd. S. 96. *¹) Cours d'Hippiatrique. Paris 1772, p. 305.— Lehrbegriff der Pferdearznei. Aus dem Franz. nach dem Cours etc. von Knob- loch. Bd. 4. S. 122. *) Lafosse, Dictionnaire d'Hippiatrique. T. II. p. 146. 5 *) Systemat. Handbuch u. s. w. S. 1555. 6. 1.* 2 71. ) Operationslehre f. Thierärzte. Fürth, 1803. S. 201. 7 r j ) Correspondance sur la conservation et amélioration des animaux domest. Paris 1810... ³¹) Annales de l'agricult. franc. 2. Série. T. 22 p. 345 9.. ) Mäémoires sur les calculs vésicaux et l'opération de la Taille dans le cheval. Paris, 1823. f8: Semachtem B eigentlichen Ulan eäg. a, Litho-(rtoinu) jedoch uurichtig ist n. flerausnehuen qer Keit eselbe und der Maitann tzten ist. Vitet“ u erste Beschreibung& nehüchern gegeden, P lamals in der Meuscher Dagegeu siud die he ſemäls, obgleich er. einem Pſerde gemacht u hs wegen einen Kiesl. ute. Nach ihm madt at Déal wahescheini n wieklich vorhautets wiederholte sie 1771 a in zweiter Stein eig szelbe von verschieltrs urt woeden, und us elot(der sechs bbis jährigen Pferdes mhn) Pfuud wiegenden d Verrier opetites lEn en Verletzung der Bas egielsung des Uüni abert hatte die Open- ciols gemacht. ilger*) und Sehe Fromage de la Hurtrel D Arbe⸗ 1 ul 1. e. MIII(M etc. Lib. 14 rth, 1803. 8. mnimald . de et amélioration r. 2P 35 16. 6 n Talle . ation Ge 4 t Toper val ¹), Vatel ²), Rychner ³), Dieterichs 6) und Morton ⁵) den Steinschnitt beschrieben und einige von diesen Schriftstellern haben Varietäten in der Aus- führung der Operation angegeben. Aufserdem sind fast alle einzelne Fälle beschrieben, weil man jeden dersel- ben für selten hielt. §. 126. Zu dem Steinschnitt müssen die Thiere gehörig vorbereitet werden, indem man ihnen 24 Stunden vor- her uur wenig und weiches Futter, aber hinreichendes Getränk giebt. Dann wartet man an dem zur Operation bestimmten Morgen einen Moment ab, wo die Blase mit Urin mäſsig angefüllt zu fühlen ist, und reiniget dem Thiere unmittelbar vor der Operation den Mastdarm durch Klystiere und mit der Hand. Grofse Thiere können, wenn sie gutmüthig und nicht sehr empfindlich sind, im Stehen operirt werden (Dieterichs, Segala, Girard), im entgegengesetz- ten Falle aber legt man sie vorsichtig nieder, und zwar entweder mit einfach zusammengezogenen Beinen auf die linke Seite oder(wie Lafosse, Fromage de Feugré, Sewel u. A. es gethan) auf den Rücken, Zieht ihuen die Hinterfüfse mit Gurten oder stricken an einen um den Hals gelegten Gurt stark nach vorn und läſst sie von Gehülfen in dieser Lage während der Ope- ration erhalten. Im Stehen ist letztere für den Opera- teur stets am bequemsten auszuführen. Man läſst hierzu das Thier auf einen freien Ort mit weichem Boden füh- ren, seine Lippe stark bremsen, einen Vorderfufs aufge- hoben halten, und es an beiden Hinterbeinen spannen. Das Spannen nur eines Hinterfuſses, wie Dieterichs will, giebt nicht die nöthige Sicherheit.— Auch kann man, wie dieser Schriftsteller vorschlägt, das Thier hierzu in einen Nothstall oder an eine Nothwand stellen, wenn eine solche Vorrichtung vorhanden ist.— In jedem Falle wird der Schweif des Thieres zur rechten Seite gezo- gen gehalten; ein starker Gehülfe hält es am Kopfe, ein zweiter hält den linken Vorderfufs, ein dritter un- terstützt es an der rechten Seite der Croupe und hält den Schweif, und ein vierter assistirt dem Operateur. Kleine Thiere werden immer entweder auf die linke Seite oder auf den Rücken niedergelegt. Die zur Operation erforderlichen Instrumente und Geräthschaften sind: eine Klystierspritze und lauwar- mes Wasser oder eine schleimige lauwarme Flüssig- keit, oder, statt dieser Dinge beim Pferde ein biegsa- mer Katheter(oder nach älterer Weise eine 3 Fuſs lange, sauft gebogene eiserne Sonde mit einer Rinne an ihrer convexen Seite);— ein geballtes,— ein gerades spitziges und ein Knopfbistouri,— eine gewöhnliche ¹) Wörterbuch der Thierheilkunde. Aus dem Französ. übers. von Renner. 1r Bd. Weimar 1830. S. 229. ¹) Handb. der Thierheilk. Aus d. Franz. von Pestel. 2r Band, iste Abth. Leipz. 1839. S. 554. *) Hippiatrik. Bern, 1842. S. 275. *) Handbuch der Veterin.-Chirurgie, Berl. 1822, S. 610; und— Akiurgie, a. a. O. *) On calculous concretions in the horse ete. London 1844. Mit Abbild. 169— * Hohlsonde,— eine sogenannte Steinzange ¹),— Pin- zette, Nadeln und Heftfäden, Schwamm und k ltes Wasser. §. 1227. Bei männlichen Thieren kann der Steinschnitt nach 2 Methoden ausgeführt werden, nämlich: 4) durch den Mastdarm und— 5) durch das obere Ende der Harnröhre und den Blasenhals. a³.) Von der erstern Methode ist fast nichts Ande- res bekannt, als dafs sie angeblich von Vegetius em- pfohlen(siehe den vorigen§.) und, wie Dieterichs nach einer mündlichen Mittheilung berichtet(Akiurgie S. 438), von Hausmann in Hannover einmal bei einem Pferde augewendet worden ist. Die Heilung, obgleich schwierig, ist doch gelungen. Girard(a. a. O.) hält diese Methode dann für zweckmäfsig, wenn die vor- handenen Steine so grofs sind, daſs man sie durch den Blasenhals(nach der andern Methode) gar nicht, oder nicht ohne groſse Zerrung der Theile herausziehen könnte. In andern Fällen ist sie wenig er zu empfeh- len, weil die Wunde des Mastdarms durch Koth und Schleim beständig verunreiniget wird und deshalb schwer zu heilen ist. Aufserdem sind üble Folgen durch Er- gielsung des Urins in die Bauchhöhle zu fürchten, wenn der Schnitt bis in die Bauchhaut, welche sich über den vordern Theil der Blase erstreckt, nach vorn ver- längert wird. Hinsichtlich der Schwierigkeiten in der Ausführung hat aber diese Methode vor der andern den Vorzug. Bei kleiuen Thieren ist jedoch der Mastdarm- Blasenschnitt wegen Enge des Raums im Mastdarme nicht anwendbar. Bei der Ausführung der Operation bringt man die linke Hand in den Mastdarm und setzt, die hohle Hand nach dessen unteren Wand gekehrt, die Fingerspitzen auf dieselbe, etwa 3 Zoll weit vom Schlieſsmuskel ent- fernt, an. Au dieser Hand und den Eingern geleitet führt man mit der rechten Hand ein gerades Bistouri in den Mastdarm, sticht es, die Schneide nach dem Schliefs- muskel gekehrt, vor den Fingern durch die untere Wand in die Blase und macht beim etwas schnellen Zurück- ziehen des Messers eine 1 ¼ bis 2 ¼ Zoll lange Wunde, je nach der Gröfse des Steins. Es wird hierbei die untere Wand des Mastdarms, die obere hinterste Partie der Blase mit dem vorderen Theile des Blasenhalses und mehrentheils auch der hintere Rand von der Vorsteher- drüse verletzt.— Gleich nach Entfernung des Messers geht man mit den in der Nähe befindlichen Fingern der linken Hand durch die Wunde in die Blase und sucht entweder mit ihnen den Stein zu erfassen und zu entfer- *) Die Steinzange für grosse Thiere ist 15— 20 Zoll lang, tihre Arme liegen vom Maule an in der ganzen Länge platt auf einan- der, sind an der Aussenfläche flachrund, am hintern Ende mit Ringen zum Einlegen eines Fingers versehen und 5— 6 Zoll hin- ter dem vordern Ende durch ein Niet vereiniget, ohne dass an dieser Stelle ein versenktes Schloss besteht, weil in ein solches die Weichgebilde leicht eingeklemmt werden. Das vordere Ende ist bis etwa 2 Zoll vor dem Niet sanft nach der einen flachen Seite der Arme gekrümmt und bildet flach concave Löffel von 3 Zoll Länge und in der Mitte gegen 1 Zoll Breite, mit glatt polir- ter Aufsenfläche und rauher innerer Fläche. Im geschlossenen Zustande berührt sich die Spitze beider Löffel, aber an der Mitte bleibt ein ¼ Zoll breiter Raum zwischen ihnen.— Bei manchen Zangen sind die Arme hinter dem Niet gegen einander gerichtet. 43 —“ —- 170— nen, oder, man führt mit der rechten Hand, durch jene Finger geleitet, die Steinzange ein und entfernt mit ihr den Stein. 5) Dic zweite Methode setzt zwar etwas mehr Geschicklichkeit und anatomische Kenntnisse voraus, ist aber weniger mit wirklicher Gefahr begleitet als der Schnitt durch den Mastdarm und wird deshalb gewöhn- lich angewendet. Bei ihrer Ausführung sucht man zuerst die Harn- röhre an der Operationsstelle deutlicher wahrnehmbar zu machen, um ihr Auffinden und das Eindringen in sie Zu erleichtern und hierdurch die ganze Operation sicherer und kürzer zu machen. Zu diesem Zwecke brachte man (Fromage de Feugré) bei Pferden ehemals eine eiserne, 2 ¼ Fufs lange, 3 Linien dicke, am vordern Ende nach der Krümmung der Harnröhre gebogene und daselbst an der convexen Seite mit einer Rinne verse- hene Sonde in die Harnröhre bis etwas über die Verei- nigung der Sitzbeine; da aber hierdurch oft Zerreiſsun- gen der Harnröhre verursacht wurden, so ist es besser, einen elastischen Katheter oder ein gut abgerundetes Fischbeinstäbchen in dieselbe bis zu der bezeichneten Stelle zu bringen oder sie, wie dies Girard zuerst vorgeschlagen hat, mit lauwarmem Wasser oder mit einer dünnen schleimigen Flüssigkeit vollzuspritzen. Die Ruthe wird dann hinter der Eichel mit einem brei- ten Bande mäſsig fest umbunden und hierdurch die Flüs- sigkeit in der Harnröhre zurückgehalten. Den etwa ein- gebrachten Katheter lälst man von einem Gehäülfen in der Harnröhre und deshalb die Ruthe für die Dauer der Operation aus dem Schlauch hervorgezogen halten. Ist die Ausdehnung der Harnröhre geschehen, so spannt der hinter dem Thiere stehende oder knieende Operateur(je nachdem das Thier steht oder liegt) mit dem Daumen und den Fingern der linken Hand die Haut auf dem Mittelfleische, ein wenig über der Vereinigung der Sitzbeine, straff an und macht daselbst, schräg un- ter dem After, mit dem in der rechten Hand geführten geballten Bistouri einen Einschnitt, der nach dem Laufe der Haruröhre gerichtet und bei Pferden 1 ½¾— 2 ½ Zoll lang sein mufs, je nach der Gröſse des Thieres und nach der Gröfse des Steins.— Dieser Schnitt wird vorsich- tig durch die einzelnen Schichten der Gebilde, nämlich durch die Haut, durch die sehr dünne sehnige Ausbrei- tung, den After-Ruthenmuskel und den Harnschneller, bis auf die hintere Wand der Harnröhre geführt, und dabei beachtet: daſs die Wunde äuſserlich etwas länger als in der Tiefe, und an ihrem untern Winkel ohne Un- gleichheiten sein muſs, damit Infiltrationen des Urins vermieden werden. Gewöhnlich macht man den Ein- schnitt auf der Mitte der Harnröhre; nach Girard ist es jedoch besser, ihn an einer Seite derselben zu ma- chen, weil man dann beim Aufspalten des Beckenstücks der Harnröhre in dieser seitlichen Richtung am besten Verwundungen des Mastdarms, der Arterien der Harn- röhrenzwiebel, dieser letztern selbst und der After-Ru- thenbänder vermeidet, während diese Theile bei dem Aufschneiden der Harnröhre in der Mittellinie sicher betroffen werden. —— Nachdem die vorhin genannten Schichten durch- schnitten sind und hierdurch die Harnröhre zu sehen und an ihrem Inhalt zu fühlen ist, macht man in sie entwe- der mit dem geballten Bistouri einen Einschnitt oder mit dem spitzen Bistouri einen Einstich in der Gröſse, daſs eine Hohlsonde eingeführt werden kann. Daſs man in die Harnröhre wirklich eingedrungen ist, zeigt das Sichtharwerden des Katheters oder das Ausflieſsen der vorher in den Kanal injicirten Flüssigkeit. Man führt nun die gewöhnliche Hohlsonde durch die Wunde in den Beckentheil der Harnröhre, und zwar: die Rinne nach oben und etwas nach der einen Seite gekehrt, leitet auf der Rinne das spitze, oder besser, das Knopfbistouri*), richtet die Schneide des Messers schräg nach aufsen gegen den Sitzbeinwinkel und durchschneidet in dieser Richtung die Harnröhre und den hintern Theil des Bla- senhalses. Daſs der letztere eingeschnitten ist, giebt sich durch den sogleich erfolgenden reichlichern Aus- flufs des Urins aus der Wunde zu erkennen. Auch hier muſs die Gröſse der letztern sich nach der Gröſse des Steins richten und gegen 1 ¾— 2 Zoll betragen.— Gleich nach dem Spalten des Blasenhalses geht man un- ter der Hohlsonde mit dem linken Zeigefinger so tief als möglich in diesen Theil, worauf man, an dem Finger geleitet, mit der rechten Hand die mit Oel bestrichene Steinzange geschlossen in die Blase führt, den Stein aufsucht, ihn mit der Zange ergreift und herauszieht. §. 128. Bei dem Aufsuchen und Ausziehen des Steins ver- fährt man folgendermaſsen. Man hält die Zange mit dem Daumen der rechten Hand in dem einen, mit dem Mit- telfinger in dem andern Ringe der Handgriffe und führt das vordere Ende des Iustruments mit der concaven Seite nach den Schaambeinen gekehrt, durch die mit den Fingern der linken Hand etwas auseinandergezo- gene Wunde langsam ein, und zwar immer auf der un- tern Fläche der Blase allmälig vorwärts gleitend, bis dahin, wo man vorher bei dem Untersuchen durch den Mastdarm den Stein gefühlt hatte. Findet man ihn da- selbst nicht wieder, so leitet man die Zange in ver- schiedenen Richtungen in der Blase herum und macht nach kleinen Strecken immer wiederholt kurze Drehun- gen der Zange um ihre Längenachse, um auf diese Weise an den Stein zu stoſsen. Geschieht dies, so ent- steht hierbei ein metallischer Ton und zugleich fühlt man einen harten Gegenstand.— Nach einer zweiten Me- thode sucht man den Stein mit der in den Mastdarm ge- brachten linken Hand auf, drückt letztere mäſsig gegen jenen und fährt dann die Zange in der Blase zu der so bezeichneten Stelle. Auf diese Weise kann man selbst das Erfassen des Steins erleichtern und reguliren, indem man ihn vom Mastdarm her fixirt oder selbst in eine, zum leichtern Herausziehen passendere Lage bringt. *) Einige französische Thierärzte(namentlich Barruel) bedienten sich zum Durchschneiden der Harnröhre und des Blasenhalses eines sogenannten Fistelmessers oder verborgenen Bistouri's(Bi- stouri oder Cystotome oder Lithotome caché), welches aber den Apparat unnöthig vergrössert, indem es durch das Knopfbistouri und die Hohlsonde weit besser ersetzt wird. Denn jenes Instru- ment zerrt die Theile mehr und macht die Wunde innerlich grös- ser als äusserlich. dsK unn ulü nOpfbistonns Sers schrag 144 darchschneidet i iies en hintern Theil des R eingeschuitten t, üt genden reichlichen qu- zu erkenuen. Audh hn ich nach der Gritse s — 2 Zoll betragen— gGlasenhalses geht mau u. ken Zeigeſinger so tel a auf man, an dem Pigr d die mit Oel bestrihe e Blase führt, den Sä ergreift und herauszieht 8 usziehen des Steins ha- lan hält die Zange uiten dem einen, mit den I- der Handgriffe unl ür nmeuts mit der cobend gekehrt, durch ie i etwas auseinandergny zwar immer auf dr r g vorwurts geeitend, n em Uutersuchen iund i atte. Findet man lu b man die Zauge in ſe Blase herum u wiederholt kurle harr auf des genachse„ um 3 f⸗ a. Geschieht dies, 43 on und augſeich ſühlt wal Nach einer zweitel der in den Mastdam E ckt letztere mäbix Tar 1 80 ge in der Bhse 2u „Weise kann Emn egulirel, M n und regut: htert Relst in ele — 171 Ist der Stein mit der Zange erreicht, so öffnet man dieselbe recht weit, schiebt sie dann noch etwas tiefer in die Blase, so daſs wo möglich ein Zangeulöffel rechts und der andere links neben dem Steine liegt und drückt hierauf die Handgriffe langsam und locker gegen einander. Nach Girard'’s u. A. Vorschrift soll der Stein in seinem schmalen Durchmesser ergriffen werden, um ihn so leichter durch die Wunde zu bringen; dies ist jedoch nicht immer möglich, so lange der Stein tief im Grunde der Blase liegt; hat man ihn aber bis zum Blasenhalse gebracht, so kann man die Zange öffuen, dem Steine durch den Mastdarm mit der andern Hand eine andere Lage geben, ihn daun von neuem ergreifen und hervorziehen. Wenn der Stein gefalst ist, gelingt das Schliefsen der Zange nicht voll- ständig, sondern die Handgriffe stehen auseinander; auch fühlt man gewöhnlich den fremden Körper zwischen den Löffeln der Zange. Man legt nun den Zeigeſfinger der rechten Hand zwischen die Zangenarme theils in der Absicht, um bei dem weiter nöthigen stärkern Zusam- mendrücken der Zange den Stein nicht zu zerdrücken, theils auch um das Erfassen und Quetschen der Blasen- wandung zu verhüten, wenn vielleicht der Stein aus der Zange entgleitet und letztere hiernach plötzlich ganz zusammengedrückt wird.— Bei dem festen Ergreifen des Steins kann es geschehen, dafs eine Falte von der Blase mit zwischen die Zange gekommen ist, gequetscht und gezerrt wird und zum Abgleiten des Instruments von dem Stein Veranlassung giebt. Um jenes zu er- forschen, macht man mit der Zange eine halbe Drehung um ihre Achse, und wenn dieselbe ohne Widerstand ge- lingt, zieht man die Zange und den Stein allmählig aus der Wunde hervor. Das Hervorziehen gelingt jedoch in manchen Fällen nur sehr schwer und in andern gar nicht, weil entwe- der: 1) die Blase sich zu sehr zusammengezogen hat; — oder 2) die Wunde im Verhältniſs zur Gröſse des Steins zu klein ist; oder— 3) weil letzterer nicht in seinem schmalsten Durchmesser erfaſst ist; oder— 4) weil er in einer sackartigen Vertiefung liegt und— 5) weil er zu zerbrechlich ist. 1) Das erstere Hinderniſs tritt nicht ganz selten ein, wenn der Schnitt im Blasenhalse etwas groſs ge- macht und in Folge dessen der Urin plötzlich ganz ab- geflossen ist; eben so bei sehr reizbaren Thieren und wenn der Operateur zu langsam die Zange einbringt oder den Stein zu lange sucht. Eben deshalb haben von Lafosse an alle Schriftsteller empfohlen, nach gemachtem Schnitt die ferneren Operationsakte zu beeilen.— Ist die Blase zu stark zusammengezogen, so fehlt der nö- thige Raum zum Gebrauch der Zange und zum Hervor- ziehen des Steins.— Man spritzt hier durch die Wunde in die Blase eine lauwarme schleimige oder narkotische Flässigkeit und versucht dann die Einführung der Zange sogleich oder, wenn dies nicht gelingt, später wieder- holt.— Zuweilen kann man mit einem Finger den Stein aus der, durch die Zusammenziehung sehr verkürzten Blase hervorholen. 2) Wenn eine zu kleine Wunde das Hinderniſs bei einem Stein von mäſsiger Gröſse ist, so muſs sie in derselben Richtung, wie sie zuerst gemacht worden, auf dem eingebrachten Finger mit dem Knopfbistouri erweitert werden, bis sie die erforderliche Weite be- sitzt. Ist aber der Stein von solcher Gröſfse, daſs er selbst durch eine(bei Pferden) 2 ¼½ Zoll lange Wunde nicht durchgeführt werden kann, so ist entweder a) die Zerdrückung desselben(die Lithontriptik) mit der Zange zu versuchen,— was aber nur bei mürben Stei- nen ganz, bei manchen auch nur mit der äuſsern Schicht gelingt; oder— 5b) man dehnt durch die allmälig wei- ter geöffnete Zange die Wunde und den Blasenhals nach und nach bis zu dem Grade aus, daſs die nöthige Weite zum Durchführen des Steius entsteht. Dies Verfahren (unrichtig Lithectasis, oder etwas besser Cystec- tasis genannt) ist jedoch wegen der damit verbunde- nen Quetschung u. s. w. ein gewagtes Unternehmen. Am besten dürfte es daher sein, wenn der Stein unter solchen Umständen doch entfernt werden soll, dies durch den Mastdarm-Blasenschnitt zu thun. Das Weitere über das Zerbrechen des Steins siehe unten bei Nro. 5. 3) Das sub 3) genannte Hinderniſs erkennt man durch das Fühlen mit der in den Mastdarm gebrachten linken Hand oft schon bei dem Erfassen des Steins, in andern Fällen aber erst dann, wenn derselbe in den Blasenhals gezogen ist. Die dabei zu versuchende Hülſe ist bereits oben angegeben worden. 4) Die Einsackung eines Steins in eine besondere Capsel(s. Morton a. a. O. Pl. IV. Fig. 6 u. 7.) kommt glücklicherweise selten vor. Sie ist aus der festen Lage des Steins, selbst wenn man ihn mit der in den Mast- darm eingebrachten Hand verschieben will, und zuwei- len auch aus dem matten Ton, welcher bei seinem Be- rühren mit der Zange entsteht, zu erkennen und bildet, je nachdem die sackförmige Hülle mehr oder weniger hoch und dicht um den Stein liegt, bald nur ein mäſsi- ges, bald ein sehr bedeutendes Hindernils. Man ver- sucht hier am besten den Stein mit der Hand vom Mast- darme her aus seiner Höülle herauszudrücken oder her- auszuheben; oder man erfafst ihn mit der Zange nur an einem frei hervorstehenden Theile und sucht ihn aus dem Sacke zu ziehen; oder man sucht im äuſsersten Falle ihn in dem Sacke zu zerbrechen und die Stücke aus demselben zu drängen. Ist die Einsenkung in der Nähe des Blasenhalses und durch die Wunde zu errei- chen, so kann man auch mit einem durch die letztere bis an den Sack geführtes Bistouri denselben durch- schneiden und dann den Stein mit dem Finger oder mit der Zange lösen. Bei solchen Steinen, die schon vor der Operation als fest eingesackt erkannt werden, dürfte es wieder am gerathensten sein, den Mastdarm-Blasen- schnitt zu machen, weil man dann mit den Fingern am besten zu dem Stein selbst gelangen kann. 5) Das Zerbrechen der Steine geschieht, wenn die- selben sehr mürb sind, zuweilen selbst bei einem mäſsi- gen Zusammendrücken der Zange,— wie ich dies selbst erfahren habe. Es wird hierdurch nicht gerade ihr Herausziehen verhindert, sondern nur erschwert und verzögert, indem die Stücke einzeln herausgeholt wer- den müssen,— was bei den kleinern Theilen sehr müh- sam ist. Und doch mufs dies in der möglichsten Voll- ständigkeit geschehen, weil einzelne Stückchen, wenn 43* ſ sie in der Blase zurückbleiben, später die Grundlage neuer Steine werden. Es ist deshalb nöthig, nachdem die gröſsern Stücke mit der Zange eutſernt worden, in die Blase Einspirtzungen von lauwarmem Wasser oder einer schleimigen Flüssigkeit mehrmals wiederholt zu machen, um hierdorch die kleinern Stückchen herauszu- spülen. Dies ist milder und sicherer als das Heraus- holen solcher kleinen Fragmente mittelst eines löffelarti- gen Instruments, welches zu diesem Zwecke gewöhn- lich vorgeschrieben, aber sehr mühsam zu gebrauchen ist.— Eben so ist zu verfahren, wenn man genöthiget war, einen zu groſsen Stein für den Zweck der Ausziehung zu zerdrücken; und in jedem solchen Falle mufs man nach der Entfernung der sämmtlichen durch die Wunde fühlbar gewesenen Stücke noch einmal die Blase durch den Mastdarm untersuchen. Ist in der Blase nicht ein fester Stein, sondern ein erdiger Bodensatz, so leert man denselben mittelst eines kleinen Löffels, der mit einem langen Stiel versehen ist, und mit Hälfe von Ein- spritzungen aus. g m§. 129. Wenn der Schnitt in die Blase nach der einen oder der andern Methode geschehen ist, so wird der Katheter oder das um die Ruthe gelegte Band entfernt.— Die üblen Zufälle und Folgen, welche bei und nach dem Bla- senschnitt eintreten können, sind: Blutungen aus den Arterien der Harnzwiebel, heftige Eutzündungen der Harnblase und des Bauchfells und Fisteln in dem Mast- darme und in der Harnröhre.— Die Blutungen werden stets sogleich durch Unterbindung gestillt.— Gegen die Entzündung macht man, wenn sie sich zeigt, Aderlässe, giebt Kalomel und wendet kalte Umschläge an der Ope- rationsstelle an und in den Mastdarm macht man kalte Klystiere von schleimigen Mitteln. Eine mäſsige Ent- zündung und Eiterung ist unvermeidlich und darf nur mit den gewöhnlichen Mitteln gemindert werden.— Fliefst der Urin fortwährend durch die Wunde, so wer- den die Ränder bald callös, bleiben unvereiniget und so bildet sich die Harpufistel. Harn mehr durch die Wunde als durch die Haruröhre Die Ursache dazu, daſs der abfliefst, findet sich zuweilen in der zu groſsen Weite der erstern gerade auf der Stelle, wo die Harnröhre auf den Sitzbeinen ihre Krümmung macht, und in andern Fällen in einer, durch die Entzündung entstandenen Ver- dickung der Harnröhrenwände und dadurch bedingten Verengerung der Röbre unter der Wunde. In beiden Fällen ist es schwer, die Wunde zum Heilen zu briu- gen, besonders, wenn schon schwielige Verhärtung ih- rer Ränder entstanden ist. Die erstere Ursache läſst sich vermeiden, wenn der Schunitt in die Harnröhre nicht gerade an ihrer Krümmung, sondern ein wenig über derselben gemacht wird; und die Verdickung der Harn- röhrenwände sucht man zu verhüten, indem man die Wundentzündung zuerst durch kalte Umschläge, später bei eingetretener Eiterung durch lauwarme Bähungen mit schleimigen Mitteln herabstimmt und neue Reizungen der Wunde, namentlich durch wiederholtes Sondiren, möglichst vermeidet. Um auch die Einwirkung des Urins zu mindern, ist es nöthig, von der Operation bis zur Heilung der Wunde dem Thiere recht wenig Ge- “ —“ 172— tränk und eben so wenig und milde Nahrungsmittel zu geben. Zeigt sich bei dieser Behandlung dennoch eine Verdickung, so reibt man auf die Haut neben ihr die graue Merkurialsalbe, später mit Kali carbon. oder Kali jodat. versetzt und macht Breiumschläge von narkotischen und schleimigen Mitteln.— Die callösen Wundränder bestreicht man in Zwischenzeiten von 2— 3 Tagen wiederholt mit Lapis infernalis.— Letzteres muſs auch an den Wundrändern im Mastdarme geschehen, bis die Vernarhung erfolgt ist. §. 130. Bei weiblichen Thieren gehen durch die kurze und weite Harnröhre die Steine aus der Blase mehrentheils ab, ehe sie eine zu bedeutende Gröſse erreichen. Den- noch ist letzteres zuweilen der Fall, sowohl mit wirk- lichen Concretionen wie auch mit sandigen Massen, und es treten dann ganz ähnliche Zufälle wie bei den männ- lichen Thieren ein. Man findet fast immer bei der Un- tersuchung mit dem in die Haruröhre eingeführten Fin- ger, oder bei kleinen Thieren mit einer Sonde den Stein entweder in der Harnröhre oder im Blasenhalse fest- sitzend, sehr selten ihn tiefer in der Blase selbst. Die sandigen Anhäufungen fühlt man sowohl bei derselben Untersuchung, wie auch beim Betasten der Blase durch die untere Wand der Scheide.— Um hier die Steine zu lösen und zu entfernen, ist nicht immer sogleich der Blasenschnitt nöthig, sondern es gelingt dies häuſig durch künstliche Erweiterung der Harnröhre und des Blasen- Man bewirkt dieselbe, nachdem das Thier ge- bremset und gehörig befestiget ist, entweder durch all- halses. mälige Ausdehnung mittelst eines oder zweier Finger, oder auch mittelst der Steinzange(bei kleinen Thieren mittelst einer Kornzauge), die man geschlossen einführt und sie nach und nach weiter öffnet. Doch muſs man die hierbei angewendete Kraft nur sehr vorsichtig ver- stärken und lieber etwas langsam als zu schnell zu Werke gehen, damit keine Zerreiſsungen entstehen. Ist die Erweiterung bis zu dem Grade gediehen, daſs der Stein etwas lockerer wird, so sucht man ihn durch ge- lindes Drücken mit der über die Harnröhrenöffnung hin- weg auf die untere Scheidenwand gestützten linken Hand(bei kleinen Thieren mit einem Finger) in die Zange zu bringen und zu entfernen. Gelingt dies je- doch auf diese Weise nicht, so kann man die Harnröhre und den Anfang des Blasenhalses durch Einschneiden erweitern. Zu diesem Zwecke bringt man den Zeige- finger der linken Hand(bei kleinen Thieren eine Hohl- sonde) in die Harnröhre, führt auf ihm ein schmales Knopfbistouri mit der Schneide nach vorn gekehrt in dieselbe und durchtrennt so nach dem Bauche zu den Rand der Harnröhrenmündung, die Harnröhre, nöthigen- falls den Blasenhals und stets den hier betreffenden Theil der untern Scheidenwand etwa 3— 6 Linien weit; worauf der Stein mit der Zange oder auch mit einem Finger hervorgezogen wird.— Ein sandiger Nie- derschlag wird, nach geschehener Erweiterung der Harn- röhre, mittelst eines kleinen Löffels und mit Einspritzun- gen von Wasser beseitiget.— Die Nachbehandlung bo- steht in Ruhe, schmaler Diät und in Einspritzungen von kaltem Wasser in die Scheide. XXMV. ——C—Xyÿjy t fast immer bei der l zeurdhre eingelährten Ra nit einer Sonde den Ses der im Blaseubalse fa. in der Blase selbst. De han sowohl bei derselha Betasten der Blase im — Um hier die Sein nicht immer sogleich à s gelingt dies häuſig din eruröhre und des Bhaer „ nachdem das Thier g. ist, entweder dund- nes oder zweier Fiuga age(bei kleinen Tlas r öffuet. Doch mub m 173— XXXIV. DHer Harnröhrenschnitt, Harnröhren-Steinschnitt (VUrethrotomia, Litho- Urelhrotomia). §. 131. Das Eröffunen der Harnröhre bei männlichen Thie- ren durch einen Schnitt geschieht in der Absicht: um in derselben festsitzende Steine zu entfernen und die durch letztere erzeugten Harnverhaltungen und deren Folgen zu beseitigen. Die Indikation zu dieser Operation ist demnach vor- handen, wenn bei Urinverhaltungen ein Stein in der Harnröhre als Ursache derselben sicher erkannt wird, oder(bei dem Fehlen anderer bestimmter Ursachen) aus den vorhandenen Umständen mit groſser Wahr- scheinlichkeit vermuthet werden mufs, und wenn noch keine Zeichen von erfolgter Berstung der Blase wahr- zunehmen sind. Denn wo Letzteres geschehen ist, kann die Operation nichts nutzen, wohl aber(aufser dem Rufe des Operateurs) noch dadurch schaden, daſs ein Schlachtthier unnütz länger am Leben bleibt und wäh- rend dessen der ganze Körper von dem in der Bauch- höhle ergossenen Urin mehrentheils so durchdrungen wird, daſs bei dem etwa zwei Tage später erfolgten Schlachten des Thieres das Fleisch doch nicht gut zu benutzen ist, weil es nach Urin riecht und schmeckt und schnell in Fäulniſs geht. Der Haruröhren-Steinschnitt an Ochsen ist hin und wieder schon lange bekaunt und wurde zuerst nach dem Verfahren des Bauers Nied zu Eschenthal beschrieben in Meyer's Lehrb. f. Land- und Hauswirthe, Nürnberg 1773, S. 157— 161.— Später hat Rohlwes(Allgem. Vieharzneibuch) die Operation, wie er sagt: nach eige- ner Forschung, gut beschrieben und zugleich dabei eine richtige Beschreibung des gekrümmten Verlaufs der Harn- röhre bei dem männlichen Rinde gegeben. Dieterichs beschrieb sie, ohne wesentliche Verbesserungen(in seiner Chirurgie, 1822), aber später mit einigen Zu- sätzen über von Auderen mitgetheilte Operationslälle(in der Akiurgie 18412). Pilger, Schreger, Hurtrel d'Arboval und Vatel reden nur kurz und zum Theil unrichtig von ihr. §. 132. Steine in der Harnröhre sind bei Hengsten und Wallachen, so wie bei männlichen und verschnitteuen Schweinen und Hunden nicht oft, bei Schaafen häufiger, und bei Stieren und Ochsen am häufigsten beobachtet worden. Diese Steine sind stets aus der Blase in die Harnröbre gelangt und haben sich an einer engen oder von ihnen stärker gereizten Stelle der letztern einge- klemmt. Bei Pferden hat man sie an verschiedenen Punkten, vom Blasenhalse bis zur Eichel, und im Ver- gleich bei andern Thieren, am gröfsten gefunden(z. B. wie ein Taubenei, Rossignol, im Journ. de médec. vétér. 1830, p. 268,— wie eine Wallnufs, Morton, on calculous concretions, p. 38). Bei dem Rindvieh sitzen sie stets zwischen der Sitzbeinfügung und dem obern Ende des Hodensackes, am gewöhnlichsten an oder in der Sſförmigen Krümmung der Harnröhre, und zwar theils deshalb, weil die Harnröhre daselbst bedeutend enger wird, theils auch weil der Durchgang durch die bezeichuete Krümmung erschwert ist. Bei Schaafen fin- det man dagegen die Steine mehrentheils zwischen der Sförmigen Krümmung und dem vordern Ende des Glie- des(weil hier die Harnröhre am engsten ist), zuwei- len aber auch in der Krümmung, sehr selten über ihr. Bei Hunden habe ich sie im Verlauf der ganzen Harn- röhre, meistens aber am obern Ende des Ruthenkno- chens gefunden. Bei dem Rindvieh sind die Harnröh- rensteine von der Gröfse einer kleinen Erbse bis zu der einer kleinen Bohne, bei den übrigen genannten Thie- ren etwas kleiner, oft länglich, mehrentheils glatt, zu- weilen aber auch rauh. Die letzteren sitzen gewöhn- lich an einer Stelle ganz fest, während die glatten Steine zuweilen sich durch Druck mit den Fingern verschie- ben lassen oder beim Niederlegen des Thieres ihren Ort verändern. § 133. Das Vorhandensein eines Steins in der Harnröhre äuſsert sich bei Pferden durch öfteres Stellen zum Har- nen, wobei es den Penis aus dem Schlauche herunter- hängen läſst, aber entweder gar keinen Urin oder nur einzelne Tropfen entleert; die Blase fühlt sich im Mast- darm sehr gefällt, die Harnröhre im Mittelflei- sche sehr ausgedehnt und elastisch fluctui- rend an; ein fremder Körper im Blasenhalse ist nicht zu fühlen, dagegen fühlt man bei sorgfältigem Betasten des Penis fast immer eine Härte in der Haruröhre an der Stelle, wo der Stein sitzt; führt man einen Kathe- ter oder eine entsprechende Sonde in die Harnröhre, so fühlt man an dieser Stelle ein hartes Hinderniſs. Die Ochsen harnen zuerst im dünnen Strahl oder tropfenweis(je nach der Gröſse und Form des Steins), bleiben aber gewöhnlich dabei während mehrer Tage ruhig, bei gutem Appetit, ohne Fieber und dem An- scheine nach ganz gesund. Bei diesem scheinbaren Gesund- sein und bei dem gewöhnlich engen Zusammenstehen dieser Thiere in uicht hellen Ställen, deren Fafsboden beständig feucht ist, werden sehr oft jene Harnbe- schwerden in der ersten Zeit gänzlich übersehen, bis weitere Zufälle den höhern Grad der Haruverhaltung audeuten, nämlich: unruhiges Hin- und Hertreten, Schla- gen mit den Füfsen oder Umsehen nach dem Leibe, fruchtloses Drängen zur Harnentleerung oder nur Abge- hen einzelner Tropfen; späterhin Traurigkeit, Zurück- treten von der Krippe, etwas beschleunigter Puls. Un- tersucht man unter diesen Umständen die Blase und Haruröhre, so findet man erstere sehr angefüllt, letztere etwas gespannt, doch nicht so deutlich wie bei Pfer- den. Sehr bäufig fählt man auch den Stein in ihr wie eine etwa erbsengroſse Erhabenheit, wenn man die Harn- röhre von der Sitzbeinsfügung an zwischen den Dau- men und Zeigefinger nimmt und mälsig drückend an ihr bis zum Scrotum heruntergleitet. Zuweilen fühlt man hierbei den Stein nicht, aber wenn man au seinen Sit⸗z gelangt, zeigt das Thier Schmerz und man kann sicher annehmen: dafs der Stein da sitzt, wo das Thier bei dem Zusammendrücken der Harnröhre zuckt. Aber auch 44 ———— — 174 ohne das örtliche Auffinden des Steins von aufsen her kann man bei dem gehinderten Uriniren auf sein Ver- handensein sicher schlieſsen und ihn als in der Sförmi- gen Krümmung sitzend, annehmen. Bei Schaafen treten die Erscheinungen mehr heftig auf. Die Thiere versagen plötzlich das Futter, stellen sich gern in einen Winkel des Stalles; auf der Weide pleiben sie zurück; sie strecken den Hals, senken den Kopf zur Erde, knirschen mit den Zähnen und geifern; sie stellen sich oft mit den Hinterfüfsen breit, wedeln dabei mit dem Schwanze, heben den Kopf in die Höhe und blöken, worauf mitunter einige Tropfen Urin abge- hen. Darch den Mastdarm fühlt man die Blase sehr voll, und gleitet man mit den Fingern an der Harnröhre her- ab, so fählt man gewöhnlich den Stein zwischen der Sförmigen Krümmung und dem vordern Ende des Penis. Wenn aber derselbe sehr klein ist oder in der S förmi- gen Krümmung selbst sitzt, kann man ihn gewöhnlich nicht fühlen. Um jedoch auch hier Gewilsheit zu erhal- ten: ob wirklich eine Harnverhaltung besteht? braucht man nur dem Schaafe durch einige Sekunden die Nase zuzuhalten, worauf es gewils harnt, wenn kein beson- deres Hindernifs vorhanden ist. Hunde zeigen sich bei einem Stein in der Harn- röhre unruhig, sie stellen sich oft zum Uriniren entwe- der ganz ohne Erfolg oder sie pressen nur einige Trop- fen hervor; di eßlase ist durch den After sehr voll, der Blasenhals aber ohne einen Stein zu fühlen, wohl aber entdeckt man denselben zuweilen in der Harnröhre, oder djese ist wenigstens an der Stelle des Steins(meistens gleich unter den Sitzbeinen) bei angebrachtem Druck schmerzhaft. Mit einer in die Harnröhre gebrachten Sonde kann man den Stein deutlich fühlen. Aulser diesen, die Diagnosis des Steins sichernden Merkmalen finden sich später bei allen Thieren, wenn die Harnverhaltung einen sehr hohen Grad erreicht, und in Folge derselben Brand oder Zerreiſsung eintritt, noch groſse Mattigkeit, Liegen, Zucken mit den Beinen, stierer Blick, Fieber mit kleinem schnellem Pulse, das Athmen mit den Flanken mehr angestrengt, Aus- dehnung des Bauchs, zuweilen ödematöse Anschwel- lung an der untern Wand desselben, und bald nach 3, pald nach 8 Tagen und selbst noch später der Tod. §. 134. Bei recht ruhigen Pferden und Rindern kann der Harnröhrenschnitt im Stehen gemacht werden, wenn die Thiere hierzu wie bei dem Blasenschnitt gespannt und gehalten sind; da sie aber selten in der nöthigen Ruhe aushalten, so ist es mehrentheils nöthig, sie recht vor- sichtig und sauft(mit Rücksicht auf die volle Blase) niederzulegen oder noch besser es abzuwarten, bis sie dies von selbst thun. Sie werden auf die linke Seite gelegt, der rechte Hinterfuſs wird entweder auf den rechten Vorarm gebunden, oder mit einem Strick an den Hals gezogen erhalten, während die andern Füfse ein- fach zusammengezogen sind.— Schaafe und Hunde legt man mit dem Räücken auf einen Tisch, nachdem ihre Fülse jederseits für sich mit den Schienbeinen kreuzweis zusammengebunden sind. Hunden wird vorher das Maul zugebunden. Gehülfen sind wie bei dem Blasenschnitt ——-—ggꝝEZ — erforderlich. Der Operations-Apparat ist sehr einfach, indem man nur ein geballtes und ein gerades Bistouri, eine metallene Sonde, stumpfe Haken(ohne welche man jedoch auskommen kann), eine Pinzette, kaltes Wasser und einen Schwamm gebraucht. Bei Pferden versucht man zuerst den Stein dadurch zu entfernen, dafs man Einspritzungen von Schleim oder von einem milden Oel in die Harnröhre macht, dann das Glied über der Eichel gzusammendrückt und die Flüs- sigkeit in der Harnröhre durch Streichen mit der Hand gewaltsam gegen den Stein treibt, hierdurch die Harnröhre erweitert und den letztern löset, so dafs man ihn dann zu der Mäündung drängen kann. Morton zerdrückte sogar einen Stein in der Harnröhre und konnte dann die Stücke leicht entfernen. Gelingt der Versuch nicht, so macht man da, wo der Sitz des Steins ist, einen einfachen, der Gröſse des letztern entsprechenden Ein- schnitt(von 1 ½¼ bis 2 Zoll Länge) in der Längenrich- tung der Harnröhre durch die Haut, das Zellgewebe und bis in die Haruröhre, und prefst dann den Stein aus derselben hervor oder zieht ihn mit der Pinzette heraus. Man hat bei diesem Schnitt nur darauf zu sehen: daſs seine Ränder in den durchschnittenen Schichten recht gleichmäſsig und eben werden und daſs sein unterer Winkel unter der Haut oder im Zellgewebe keine Höhle bilde, in welche der Urin infiltriren könnte.— Nach Entfernung des Steins reiniget man die Wunde und läſst das Thier aufstehen. Bei Ochsen fühlt man zuerst, wenn der Sitz des Steins während des Stehens gefunden war, nach dem Niederlegen des Thieres nach, ob er auch jetzt noch an derselben Stelle sich befindet. Ist dies der Fall, so macht man unmittelbar auf ihm den Einschnitt; fühlt man aber den Stein nicht, so hat er sich wahrscheinlich nach oben verschoben und man mufs ihn deshalb im Verlaufe der Harnröhre, besonders in der Richtung nach dem Aſter zu, durch vorsichtiges Befühlen der Harnröhre aufsuchen. Findet man ihn irgendwo festsitzend, so kann daselbst die Operation unternommen werden; fühlt man ihn aber nirgends, so wählt man als Operations- stelle den Punkt, wo das Thier beim Herunterstreichen mit den Fingern an der Harnröhre jedesmal Schmerz äufsert; und fehlt auch dieses Merkmal, so macht man den Schnitt gerade über dem Scroto, möglichst nahe der Sförmigen Krümmung, weil dann der Stein gewöhnlich in diesem Theile der Haruröhre steckt. Der Ein- schnitt durch die Haut wird mit dem geballten Bi- stouri 2 Zoll lang gerade auf der Harnröhre und in dem Verlaufe derselben gemacht, und eben so das Zellgewebe in derselben Länge durchschnitten, dann die entblöſfste Harnröhre mit dem Daumen und Zei- gefinger umfafst und durch Auf- und Abwärtsstrei- chen an ihren Seiten befühlt, wo der Stein sich befin- det. War der Hautschnitt gleich über dem Hodensacke gemacht, so zieht man daselbst die Sförmige Krümmung der Harnröhre mit den Fingern hervor und verfährt eben Hierauf macht man in jedem Falle den Einschnitt in die Harnröhre nicht über, sondern lieber eine Linie unter dem Stein und drückt denselben hervor oder nimmt ihn mit der Pinzette heraus, wobei immer eine Quantität oooooſoſoſſſ 80 dals mau ün ban Morton zertiegt nröhre und kounte dan telingt der Versuch neht dn des Steins is, ze lern entsprechenden Ra- nge) in der Langenich. Haut, das Zellgenehe preſst dann den Stein as müt der Piuzette lenas r darauf zu sehen: dk mmittenen Schichten rech n. u und daſs sein unteret TZellgewebe keine Hiie ltriren könnte.— NaM man die Wunde und lib erst, wenn der Sits ds geſunden war, mael den „,ob er auch jetut uod et. Ist dies der Fal,8 den Einschnitt; fuhitmn sich wahrscheiulich ud ihn deshalb im Vetbit zer Richtung nach ie Beföhlen der Hanrün rgendwo festsitzend, 8 ternommen werden; füt ahlt man als Oherdins er beim Heruniersteite röͤhre jedesmal Sednen Merkmal, so macht u- eroto, möglichst nale e un der Stein gewi hre steckt- her 3 mit dem gedalle b . ruröbre der Ha ht, und Gen 7 leu, danl ge qurchschuiten, dem Daumen ulr. — Urin durch die Wunde abflielst. Die Operation ist be- endet; da jedoch mehr als ein Stein in der Harnröhre zugegen sein könnte, so erscheint es zweckmäſsig, mit der Sonde durch die Waunde die Harnröhre nach oben und unten vorsichtig zu untersuchen und, im Falle sich ein zweiter Stein vorſindet, denselben durch gelindes Streichen mit den Fingern zur Wunde hinzubewegen und ihn durch diese zu entfernen. Sollte dies nicht ge- lingen, so müſste ein zweiter Einschnitt an der betref- fenden Stelle gemacht werden.— Nachdem die Wunde gereiniget, wird das Thier entfesselt und dann im Stalle so gestellt, daſs man beobachten kann, ob und wie es durch die Mündung der Haruröhre urinirt. Die Auslee- rung tritt oft sogleich, in manchen Fällen aber erst nach 2— 3 Stunden ein. Wenn man in der oben angegebenen Weise zu Werke geht, wird man höchst selten nöthig haben, wie Dieterichs es vorschreibt, die Harnröhre an eiuer Stelle zu öffnen, wo der Stein nicht liegt und diesen durch die Wunde mit der Sonde aufzusuchen. Dies Verfahren ist mangelhaft und nachtheilig; denn es er- gieſst sich dabei der Urin in das Zellgewebe, und ver- ursacht böse Eutzündungen; auch zieht sich die Haru- röhre nach dem Ausflaſs des Urins fest um den Stein zusammen, so dafs dieser schwer zu entfernen ist und zuweilen selbst eine Erweiterung der Wunde in ihr nöthig macht. Nach der Operation ist das von Dieterichs vor- geschlagene Heften der äufsern Wunde nicht zweckmä- ſsig, weil hiernach Infiltrationen des Harns in das Zell- gewebe weit mehr entstehen, als wenn die Wunde un- geheftet bleibt. 4 Um die Nachtheile der Harnröhrenfisteln zu ver- häten, brachte Räber bei mehreren Ochsen eine 2 bleierne Röhre von folgender Form— c so in die Wunde b und in die Harnröhre, daſs die Schenkel, b in letzte- rer nach oben und unten liegen, der Schenkel c aber aus der Wunde etwa 1 Zoll lang hervorsteht. Die Röhre ist nur in dem Winkel von a zu c hohl und der Urin fliefst daher durch sie nach hinten ab, ähnlich wie bei Kühen; der untere Schenkel dient ihr gleichsam nur statt eines Zapfens, um sie in der Haruröhre festzuhalten. Sie heilte immer leicht ein und verursachte keine üble Zufälle(Archiv Schweiz. Thierärzte Bd. I. Stk. 4. S. 47.). c) Bei Schaafböcken und Hammeln erfaſst der Ope- rateur mit den Fingern der linken Hand die Vorhaut so, daſs er sie etwas erweitert und zugleich zurück- schiebt; mit der rechten sucht er den gewöhnlich sehr 175— in die Höhe gezogenen Penis von aufsen, vom Mittel- fleische her, hervorzuschieben, ergreift dann denselben mit der linken Hand und führt mit der rechten eine dänne Metallsonde durch die Mündung der Haruröhre bis zu dem Stein. Neben demselben drängt man die Sonde nach hinten, um die betreffende Stelle zu bezeichnen, lälst sie dann von einem Gehälfen genau eben so halten und scheert an der hervorgedrängten Stelle die Wolle im Verlaufe der Harnröhre, gegen 2 Zoll lang und 1 Zoll breit, gründlich ab. Hierauf macht man daselbst einen 6 bis 9 Linien langen Hautschnitt, präparirt das unter der Haut auf der Haruröhre liegende Fett eben so lang ab, schneidet dann gerade auf den Knopf der Sonde in die Harnröhre etwa 3— 4 Linien lang ein, drängt durch Streichen mit den leingern den Stein zu der Oeff- nung, ergreift ihn mit einer Pinzette und zieht ihn her- vor. Die Operation ist beendet.— Wie bei andern Thieren, flieſst auch hier nach dem Einschneiden in die Haruröhre sogleich der Urin aus. d) Bei Hunden ist das Verfahren demjenigen bei Schaafen sehr ähnlich. Findet sich bei einem Thiere der Stein in dem un- tern Theile der Harnröhre, wo der Penis von der Vor- haut bedeckt ist. so muſfs das Glied hervor- und die Vorbaut zurückgezogen werden, so weit dies nöthig erscheint, um an der betreffenden Stelle den Haruröh- renschnitt ausführen zu können. Im äuſsersten Falle mülste selbst die Vorhaut aufgespalten und nach der Operation wieder geheftet werden*⁴). §. 135. Die Nachbehandlung besteht bei den verschiedenen Thieren gleichartig zuerst in der fleiſsigen Anwendung des kalten Wassers auf die Wunde und später, wenn Eiterung eintritt, in Waschungen mit schleimig en Mit- teln; bei callöser Beschaffenheit der Wundränder betupft man dieselben von Zeit zu Zeit mit Höllenstein. Bilden sich Oedeme, so skarifizirt man dieselben und wäscht mit gelind aromatischen und zusammenziehenden Mitteln. Die Thiere müssen in der ersten Zeit ruhig gehalten, wenig getränkt und mit milden Nahrungsmitteln in mä- ſsiger Menge ernährtwerde n. *) Bei Thieren mit enger Vorhaut, namentlich bei Schweinen, fin- den sich zuweilen auch Steine in den blinden Taschen der Vor- haut, welche in derselben nach oben und hinten von der Mündung derselben etwa Zoll entfernt liegen. Diese Steine entstehen aus den crystallisirbaren Bestandtheilen des hier sich beständig einsickernden Urins, erzeugen in einzelnen Fällen Urinbeschwer- den und sind durch einen Einschnitt in die Wand der Tasche leicht zu beseitigen. XXXV. Das Abnehmen des männlichen Gliedes(Amputalio penis). §. 136. Die Operation besteht in dem gänzlichen Abnehmen eines, bald längern bald kürzern, Theils des männlichen Gliedes, und sie ist indizirt: 1) wenn dasselbe in einem groſsen Umfange mit warzigen Auswüchsen, mit Krebs oder mit weit verbreiteten andern unheilbaren Geschwü- ren behaftet ist; oder— 2) wenn sich an ihm tiefe und bereits degenerirte Queer- oder schiefe Wunden befin- den, in Folge deren der vordere Theil des Gliedes wie gelähmt, mehr oder weniger kalt, ödematös, infiltrirt, oder selbst brandig, beständig aus der Vorhaut herabhängt und dieser Zustand durch andere Mittel nicht geheilt werden kann;— und 3) wenn das Heraushängen in Folge von wirklicher Lähmung statt findet. Das Abschneiden eines Theils des Penis ist nicht mit Lebensgefahr direkt verbunden, obgleich die Blutung 44* — bei und nach der Operation sehr heftig werden kann. Der wichtigste Uebelstand, welcher nach ihr nicht sel- ten entstand, war eine Verengerung der Harnröhre, welche zuweilen bis zur gänzlichen Verwachsung der Mändung an der Operatiousfläche ging und stets Harn- beschwerden, Schmerzen, Abmagerung, und in einzel- nen Fällen selbst den Tod zur Folge hatte. Dennoch ist die Operation zur Beseiligung der genannten krank- haften Zustände das einzige Mittel. Die Heilung der qurch sie verursachten Wunde am Penis erfolgt ge- wöhnlich in 3— 6 Wochen, aber die Verschliefsung der Harnröhrenmündung macht sich zuweilen erst spä- ter bemerkbar. §. 137. Huzard ¹) und Chabert*) scheinen unter den wirklichen Thierärzten diese Operation zuerst(1777 bis 1779) gemacht zu haben. Sie bewirkten die Tren- nung des kranken Theils von dem gesunden durch eine fest um das Glied umgelegte Ligatur, nachdem vorher eine Röhre von verzinntem Blech in die Harnröhre ge- legt worden war. Ihnen folgten Dupont), Noi- rot*¹) und Audere. Dieterichs“) beschrieb die Ope- ration 1822 nach der Methode des Abbindens und des Abschneidens mit messerförmigen glühenden Eisen. Bar- thelemy ⁶) beschrieb 1828 eine Amputation mit dem Bistouri, welche er 1825 gemacht hatte, und Favre) theilte 1839 ein ähnliches Verfahren mit. Dieterichs hat Letzteres in seiner Akiurgie mit angegeben.— Dem- nach giebt es jetzt drei Methoden dieser Operation, nämlich a) die Amputation durch die Ligatur,— 5) durch das glühende Eisen,— und c) durch das Messer. §. 138. à¹) Die Ligatur gewährt vor den beiden andern Me- thoden den Vortheil, daſs bei ihr die Blutung ganz oder fast gänzlich vermieden wird, und sie könnte deshalb bei sehr geschwächten Thieren und in solchen Fällen, wo es an geschickten Gehülfen fehlt, den Vorzug ver- dienen. Aber ihre Anwendung ist wegen des mehr- mals nothwendigen Nachschnürens der Ligatur und we- gen der eintretenden grofsen Geschwulst und Jauche- absonderung u. s. W. beschwerlicher für den Operateur und lästiger für das Thier, als es die beiden andern Methoden sind. Aufserdem wird die Ligatur von Die- terichs beschuldiget, daſs sie die Haut der Harnröhre zu sehr zusammendrücke und diese hiernach sich zurück- und zusammenziehe. Diesen Nachtheil kann man jedoch ziemlich sicher vermeiden. Bei Hunden ist die Ligatur wegen des Ruthenknochens gar nicht anwendbar. Zur Ausführung dieses Verfahrens gebraucht man: 1) eine gerade Röbre von starkem Weiſsblech, je nach der Weite der Haruröhre(für Pferde 3— 4 Linien) dick und nach der Länge des abzunehmenden Theils 6 ¹) Instruct. et observ. vétérin. T. V. p. 338. Paris 1790. ²) Rozier, Dictionn. universel d'Agricult. T. III. p. 335. Paris, 1779. ³) Gohier, Mémoires et observat. sur la chirurgie etc. T. II. p. 351. Lyon, 1816. *) Journ. de méd. vétér. 1831. p. 302. ³) Veter. Chirurgie, 1822.§. 351 u. f. ⁸) Recueil de méd. vétér. 1828. b. 71. ²) Ebendaselbst, 1839. p. 5 u. 117. 176— bis 12 Zoll lang, so dafs sie in der Harnröhre noch 3— 6 Zoll über die Ligaturstelle hinaufreichen muſs; jhre Oberfläche soll glatt, ihr vorderes Ende mit stum- pfem Rande, das hintere Ende mit einem ovalen(für pferde 2 Zoll breiten) Queerblatt, in welchem sich an jedem Ende ein 2 Liuien breites Loch befindet, verse- hen sein; 2) eine runde glatte feste Unterbindungs- schnur, gegen 1 Linie dick, und für Pferde gegen 2 Fufs lang; und— 3) eine Heftunadel von mäſsiger Stärke, mit einem gewächsten Bindfaden oder mit mehrfachem gewächsten Zwiru. Das Thier wird gebremset, auf die linke seite oder auf den Rücken gelegt, worauf ihm die Beine wie zur Castration zusammengebunden werden. Hängt der abzunehmende Theil des Penis nicht so weit aus dem Schlauche heraus, dafs die Ligatur ohne Weiteres an gesunder Substanz augelegt werden könnte, so mufs er genügend hervorgezogen werden; und, wenn die Entartungen zu hoch nach oben sitzen, würde man selbst die Vorhaut von der Oeffuung her 2— 3 Zoll lang in der Mittellinie spalten müssen,— wie ich dies bei zwei mit Krebs bis über die Mitte des Gliedes hin- auf behafteten Pferden mit gutem Erfolge gethan habe. Die eigentliche Operation beginnt damit, dafs man den vordern(kranken) Theil des Penis, etwa 1— 2 Zoll hinter der Eichel, mit der Heſtnadel queer durch- sticht und den Bindfaden oder die Zwirnfäden durch ihn zieht, so dafs ein Ende derselben an jeder Seite her- aushängt. An diesen Euden kann zuerst das Glied in gerader Richtung durch einen Gehülfen aus dem Schlauch hervorgezogen gehalten werden. Man bringt dann die bezeichnete Röhre durch die Mündung der Harnröhre in diese so weit hinein, daſs ihr vorderes Ende noch einige Zoll über die zur Aulage der Ligatur bestimmte Stelle reicht. Hierauf legt man an diese das Unterbindungs- band in Form einer nicht nachgebenden Schlinge, am besten folgendermaafsen an: das Band wird gerade in seiner Mitte doppelt zusammengelegt, damit es au einem Ende gleichsam eine Oehse bilde; so doppelt liegend führt man es um das Glied und steckt das freie Ende des einen Theils durch die Oehse von oben, das freie Ende des andern Theils aber von unten durch, so dafs sie sich innerhalb der Oehse kreuzen, zieht dann beide Enden zugleich(allenfalls mit Hülfe angebundener Kne- bel von Holz) möglichst kräftig an und schnürt so die Schlinge fest zu. Diese Schlinge hält, ohne einen dar- auf gemachten Knoten, ganz fest und sogar um so fe- ster, je gröfser ein Druck von innen her gegen sie wirkt; von aufsen her gestattet sie aber leicht ein feste- res Zuschnüren. Wendet man eine einfache Schlinge an, so muſs, da dieselbe nach 2— 3 Tagen deren Wir- kung nachlälst, später eine zweite Schlinge an die näm- liche Stelle gelegt werden.— Nachdem die Schlinge angelegt ist, führt man die Enden des vorher durch den vordern Theil des Penis gezogenen Bandes durch die Oeffuungen, welche sich an dem Queerblatte der Metall- röhre befinden, bindet sie hier fest an und erhält hier- durch diese Röhre in der Harnröhre. Das Thier wird entfesselt und in den Stall ge- bracht. Hier zieht man dann die Ligatur täglich ein- oder ihm die Beine vie ur werden. Theil des Peuis nieht g us, daſs die Ligatur qr uz augelegt werden künub ezogen werden; und, nen h oben sitzen, würte un Oefunng her 2— 3 h müssen,— wie ied is die Mitte des Gliedes h- tem Erfolge gethan hab h beginut damit, dabs m des Peuis, etwa 1-1 der Heitnadel queer dund die Zwirufäden darch à selben au jeder Seite he- kaun zuerst das Gleli Gehülfen aus dem Sellamt en. Man briugt dan i- Mändung der Harurühri vorderes Ende noch äig rLigatur bestimmte Sel diese das Uuterbindugr chgebenden Schluge, u das Band wird gerudki gelegt, damit es a eiue ide; so doppelt leral ad steckt das freit 6 das fes von unten darch, 9 l zieht dann veit ner kx ehse von oben, kreuzen, Hölfe augebunde ig au und schnürt 8 It, ohue einel kr r um 89 ſ nge hä ſest und soga gel5 on innen ber ges t sie aber eieht ein ſesle oder zweimal, je nachdem sie sich zu einer Zeit mehr oder weniger nachgiebig zeigt, kräftig nach, bis man findet, daſs sie bis in die Nähe der Harnröhre einge- drungen ist, was gewöhnlich nach 6— 8 Tagen der Fall ist. Ist diese Wirkung eingetreten, so kann man(ohne Gefahr einer Blutung) die völlige Ablösung des kran- ken Theils durch das Messer schneller beenden, als sie durch die Ligatur erfolgen würde. Hierzu muſs jedoch das Thier wieder niedergelegt werden, worauf man die Harnröhre längs der in ihr befindlichen Röhre von der Mündung bis etwa ¾ Zoll vor der Ligatur aufspaltet, hier die krauke Masse rund um die Harnröhre von der- selben bis an die Ligaturfurche abpräparirt, und dann die Harnröhre am vordern Ende dieses bloſsliegenden Theils auf der Metallröhre durchschneidet. Auf diese Weise bewirkt man, dafs die Harnröhre in der bezeich- neten Länge über die Trennungsfläche der schwammi- gen Körper hervorsteht und weder durch die Granula- tion von den letztern, noch durch die über dieselbe fort- wachsende äuſsere Haut der Ruthe verschlossen wird. — Die Metallröhre soll während des Abschneidens von einem Gehülfen in ihrer Lage erhalten, dann aber mit Fett bestrichen, wieder bis an das Queerblatt in die Harnröhre geschoben und an einer Baudage befestiget werden, welche ihre Anhaltspunkte an einem Decken- gurt und an einem damit verbundenen Schweifriemen erhält. Sie soll so lange in der Harnröhre bleiben, bis die Wundfläche vernarbt ist. Ihr Erhalten in der Harn- röhre ist jedoch auf die angegebene und auf jede andere Art sehr schwer zu bewirken, aber auch, wie ich über- zeugt bin, bei Befolgung des obigen Verfahreus in den meisten Fällen nicht nothwendig. Schellhase ¹) schlägt folgende Abweichung bei dem Abbinden des Peunis vor: Ist der vordere Theil des letzteren entartet, so wird die Harnröhre am Anfange seines gesunden Theils so weit geöffnet, daſs eine gut gearbeitete Metallröhre, die an beiden Enden etwas stär- ker ist und der Weite der Harnröhre entspricht, hinein- geschoben werden kann. Ist dies geschehen, so wird dicht hinter der gemachten Oeffnung eine Ligatur von glattem, starkem Bindfaden in Form der sogenannten Kastrirschlinge(wie die oben augegebeue) so fest als möglich um den ganzen Penis gelegt und dieser etwa ¾ Zoll vor derselben abgeschnitten. Die Metallröhre kann sich, ihrer stärkeren Enden wegen, nicht ver- schieben und die Blutung wird durch die Ligatur ver- hindert. Die Schlinge wird täglich fester zugezogen, bis der unterbundene Theil abfällt, wo dann die Metall- röhre nicht ferner nöthig und auch keine Verengerung der Harnröhre mehr zu fürchten ist. Da bei der Unterbindung stets eine sehr stinkende Jauche aus dem absterbenden Theile aussickert, so ist fleiſsige Reinigung daselbst, am besten mit einer Auf- lösung von Chlorkalk, nöthig.— Nach dem gänzlichen Abtreunen des kranken Theils wendet man gelind ad- stringirende Flässigkeiten an, um eine baldige Vernar- bung herbeizuführen. ¹) Exkursionen in der thierärztlichen Literatur, Th. I. S. 223. 177— §. 139. 5) Die Amputation durch das glühende Eisen würde ich, mit Schellhase übereiustimmend, da als ange- zeigt finden, wo wegen der weit verbreiteten Entartung im Gliede die Trennung sehr hoch nach oben und selbst noch in der kranken Substanz geschehen mufs, und wo also einerseits die Ligatur der einzelnen Blutgefſäſse nicht gut auszuführen ist, andererseits aber aufser der Blutstillung durch das Glüheisen zugleich noch eine Um- stimmung der krankhaften Thätigkeit bewirkt wer- den soll. Man gebraucht zu diesem Verfahren: 2 messerför- mige Breuneisen;— 2 fingersbreite Bänder, jedes ge- gen eine Elle lang;— eine weiſsblechene Röhre von der Dicke der Harnröhre und, je nach der Gröſse der Thiere, gegen 2— 4 Zoll lang, am äuſsern Ende mit einem Queerblatt versehen, in welchem sich 2 Löcher, jedes etwa 1 ½¼— 2 Linien im Durchmesser befinden;— eine kleine Heftnadel mit einigen zusammenliegenden gewächsten Seidenfäden versehen, oder statt deren zwei Bleidrähte, jeder gegen 8 Zoll lang und 1— 1 ¼ Linien dick, und eine sogenannte Spicknadel. Nachdem das Thier so wie zur Ligatur gelagert und gebremset und nöthigenfalls die Vorhaut zum Theil aufgespalten ist, bindet man das eine Band etwa 3 Zoll über der Stelle, wo das Durchschneiden geschehen soll, so fest um das Glied, dafs es nicht abgleiten kann. Es wird dadurch der Blutandrang zur Operationsstelle abgehalten und somit die Blutstillung erleichtert; au- ſserdem dienen die Enden des Bandes zum Festhalten des obern Theiles des Gliedes. Dann bindet man für denselben Zweck am untern Ende des Gliedes das zweite Band um diesen untern Theil, etwa 2 Zoll von der Operationsstelle entfernt, recht fest. Die freien En- den jenes obern Bandes übergiebt man einem Gehülfen und läſst damit das Glied kräftig aus der Vorhaut her- vorgezogen halten, während ein anderer Gehäülfe die letztere zurückzieht. Der Operateur hält in seiner lin- ken Haund mittelst des zweiten Baudes den vordern Theil des Penis so, daſs derselbe in gerader Richtung hervorgezogen und an der Operationsstelle gespannt er- scheint; in der rechten hält er das weiſsglühende mes- serförmige Eisen und schneidet damit au der bestimmten Stelle das Glied in wiederholten Zügen und mit gelin- dem Druck queer durch. Dabei hat man zu beachten: dafs man die Schneide des Eisens, wenn es aus dem Feuer kommt, jedesmal glatt abreiben und daſs man es mit einem frisch heifsen vertauschen mufs, wenn es nicht mehr weilsglühend ist.— Gewöohnlich beginnt man das Schneiden von der untern Seite des Gliedes her, weil man dann die Harnröhre zuerst durchschneidet und somit die Blechröhre in dieselbe bringen kann, ehe das ganze Glied durchtrennt wird; es soll hierdurch die zu starke Zusammenschrumpfung der Harnröhre an der Trennungsstelle verhütet werden. Allein dieser Zweck wird hierdurch nicht besser erreicht, als wenn die Durchschneidung vom Rücken des Gliedes her gemacht worden ist. Dagegen kann man die Harnröhre weit mehr gegen das zu starke Zusammenschrumpfen und das spätere Ueberwachsen mit Granulation schützen, wenn 45 ——õõõ—q——————— —— — 178 man die Operation damit beginnt, dafs man mit einem Bistouri an der untern Seite des Penis, 6— 9 Linien lang vor der Stelle, an welcher die Amputation des Gliedes eigentlich geschehen soll, die Haruröhre queer durchschneidet, sie dann mit der Pinzette erfaſst, etwas hervorzieht und sie bis zu jener Stelle von den umge- benden Theilen abpräparirt. Dieser frei liegende Theil der Harnröhre wird nun mit einem flachen Iustrument, z. B. mit einer Haarseilnadel, Hauklinge u. dgl. bedeckt (um ihn gegen die Einwirkung des Gläheisens zu schützen), und hierauf mit letzterem die Durchsechnei- dung des Gliedes von der eben gemachten Wunde ber, oder auch vom Räücken desselben her vollführt.— Die Blutung aus der, in dem schwammigen Körper der Harn- röhre verzweigten Arteria profunda ist gewöhnlich nur schwach und mit kaltem Wasser, Essig u. dgl. zu be- seitigen; wenn aber diese Mittel nichts fruchten oder die Blutung aus einem erweiterten Gefäſse sehr Stark statt fände, würde man unterbinden oder auch das Glüh- eisen anwenden. Dagegen muſs die Blutstillung an der Arleria dorsalis penis und an den schwammigen Kör- pern stets sogleich mit dem glühenden Eisen vollstän- dig geschehen, nöthigenfalls durch wiederholtes Beräh- ren der noch blutenden Stellen mit demselben und nach- dem man etwas Oel oder Talg auf sie gebracht hat. Nachdem dies geschehen, lüftet man das über der Operationsstelle angelegte Band etwas, hält aber das Glied noch mit den Fingern fest und sieht zu: ob auch nun keine Blutung eintritt. Diese möſste, nachdem das Band wieder festgezogen worden, auf die angegebene Weise gestillt werden, worauf, nach der Ausicht man- cher Thierärzte, die Operation als beendet angesehen wird. Ich selbst habe hiernach ohne weitere Fürsorge die Heilung gut erfolgen sehen, wenn ich auf die zu- letzt angegebene Weise operirt hatte. Aber nicht immer gelingt sie so leicht. Will man also vorsichtig sein und einer Verengerung der Harnröhre noch ferner ent- gegenwirken„ so lege man in sie sogleich die bezeich- nete Blechröhre und befestige dieselbe an den Stumpf des Penis, indem man durch die Oeffnungen in dem Queerblatte der Röhre an jeder Seite mit der kleinen Heftnadel ein Heftbändchen, oder mit der Spicknadel einen Bleidraht in schräger Richtung von innen nach aufsen durch die Wundränder und gegen 1 Zoll hoch durch die Haut des Gliedes zieht, und die Enden der Bändchen zusammenbindet, die der Bleidrähte aber zu- sammendreht.— Barthelemy versuchte die Röhre mit 2 Schnören zu befestigen, welche durch die Ränder der Vorhaut gezogen waren; weil aber dieselben nach eini- ger Zeit durchschnitten, nahm er Bleidrähte von der Dicke einer Schreibfeder, zog sie durch die Vorhaut, bog sie um und band daran die Röhre mit Schnüren fest. Wenn Vorgange die Harnröbre mit dem glühenden Eisen durchschnitten hatte, ist sie gewöhnlich an der Wundfläche so zusammenge- schrumpft, man nach dem zuerst angegebenen daſs man die Röhre nicht in sie einbringen kann, wenn man sie nicht vorher am Rande, wie Die- terichs dies vorschreibt, kreuzweis eingeschnitten hat. Dies giebt jedoch ungleiche Wundränder.— Die Röhre soll 6— 8 Wochen lang in der Haruröhre liegen blei- diese nicht, ben, weil in mehreren Fällen die Verengerung der letz- tern erst mit etwa 20— 30 Tagen bemerkbar wurde. Favre(a. a. O. S. 196) meint deshalb, dafs erst um den 21sten bis 25sten Tag nach der Operation der schickliche Zeitpunkt sei, die Röhre in die Harurõöhre zu legen. Ich halte das Eiubringen derselben gleich nach der Operation für besser, weil es den Erfolg mehr sichert.— Die Röhre mufs alle 3— 5 Tage durch Ein- spritzen von lauwarmem Wasser gereiniget werden. Aufserdem ist aber in der ersten Zeit die Anwendung von schleimigen und narkotischen Mitteln nützlich, um die Entzündung und die Schmerzen zu mindern; später das Bleiwasser, um die Vernarbung zu befördern. §. 140. c) Die Amputation mit dem Messer ist das Kürzeste und am wenigsten schmerzhafte, auch in den meisten Faällen anwendbare Verfahren, aber es verlangt mehr Sorgfalt und Geschicklichkeit bei der Blutstillung, als die beiden andern Methoden.— Die hierzu erforderli- chen Geräthschaften sind: ein gerades Bistouri; eine Pinzette; Heftnadeln mit Unterbindungsfäden; zwei Bän- der, jedes 1 Elle lang und fingersbreit; Schwamm und Wasser, und eine Blechröhre wie bei der vorigen Me- thode. Die Lage und Befestigung des Thieres ist eben- falls wie dort. Nachdem das Glied so weit als man an ihm rei- chen kann, gründlich gereiniget und wieder abgetrock- net ist, bindet man das eine Band mit einer auf- ziehbaren Schleife recht fest um dasselbe über der Ope- rationsstelle, das andere Band aber fest um den untern Theil. Mit dem letzteren Bande läſst man das Glied durch einen Gehülfen hervorgezogen halten, macht an der zum Abtrennen bestimmten Stelle auf dem Rücken fühlt in der Wunde nach der Arteria dorsalis, macht daun, des Penis einen Queerschnitt nur durch die Haut, wenn man dieselbe gefunden, gerade auf ihr von dem Queerschnitt aus einen etwa 1 Zoll langen Schnitt nach der Eichel zu, legt die Arterie bloſs, umsticht sie mit der Heftnadel und unterbindet sie. Sollte sie bei dem Queerschnitt schon verletzt worden sein, so erfafst man sie mit der Pinzette, zieht sie etwas hervor und unter- bindet sie gleichfalls, oder man drehet sie zu, und eben so verſährt man bei dem Weiterschneiden mit ihren Zwei- gen und mit den betroffenen Zweigen der Arteria pe- nis profunda.— Nach Unterbindung der erstern Arte- rie durchschneidet man vor der Ligatur das Glied in querer Richtung bis auf die Haruröhre, verletzt aber dieselbe mit sondern löset vorsichtigen Schnitten nach der Eichel hin gegen 6— 9 Linien lang von den umgebenden Theilen ab und schneidet sie dann am vordern Ende des freigelegten Theiles auch queer durch. Hierauf lüftet man das obere Band etwas, um zu sehen, ob aus den bisher comprimirten Gefäſsen noch eine Blutung entsteht, Kelche durch die Torsion, oder die Ligatur, im Nothfall durch das Glüheisen ge- stillt werden müſste. Das Baud wird nun abgenommen und die Operation ist beendet, wenn man nicht etwa die Blechröhre in die Harnröhre einbringen will,— was zwar hier weniger streng nöthig erscheint, als nach dem Amputiren mit dem Glüheisen, aus Vorsicht aber em Messer ist das bänest aſte, auch in den neidk e, aber es verlangt neh t bei der Blutslilung, a — hie hierzu erſordeni. in gerades Bistouni; é erbindungsfäden; zwei hh- iogershreit; Sehwann u e Wie bei der vorigen gung des Thieres ist elen. weit als man au in n. iget und wieder abgetns- eine Band mit einer m. um dasselbe über der y d aber fest um deu ub Bande läſst man das bie vezogen halten, melta en Stelle auf dem Rieis uur darch die Haut, ria dorsalis, macht tm , gerade auf ihr vod ie 1 Zoll langen Sebuitm rie bloſs, omsticht ie i t sie. Sollte sie bei 44 pordeu sein, 80 erſaſst un e etwas hervor und nker an drebet sie zu, uan ersehneiden mit ihren Iie Zweigen der Arleni’ye bindung der ersten lie Glet der Ligatur das er 8 at her Harurbre, doch immer geschehen sollte, da auch nach der in Rede stehenden Operationsmethode dic Verengerung der Harn- Dieterichs empfiehlt(Akiur- gie§. 561.) vor dem Abnehmen des Bandes zwei Blei- drähte mittelst der Spicknadel zu entgegengesetzten Sei- röhre zuweilen eintritt. ten durch die Substanz und Haut der Ruthe einzubringen, sie ringförmig umzubiegen und dann liegen zu lassen,— „um daran, wenn nach mehrern Tagen Harnzwang ein- treten sollte, die Ruthe vor- und eine Röhre einbringen zu können.“ In den ersten Tagen nach der Operation macht man Umschläge und Waschungen von kaltem Wasser, und nach eingetretener Eiterung macht man Einspritzungen von schwachem Bleiwasser. Uebrigeus muſs die Nach- behandlung hier und uach den beiden andern Methoden deu Zufällen angemessen sein. n§. 141. Bei den Haunden bedingt der Ruthenknochen eine Verschiedenheit von der Operation bei andern Thieren. Sie kann nämlich hier eutweder eine partielle Amputa- tion oder eine gäuzliche Exstirpation des Gliedes sein, je nachdem dies die Ausbreitung des Kraukheitszustandes verlangt oder auch uur das Vertrauen zu dem einen oder dem andern Verfahren dasselbe als vorzüglicher erscheinen lälst. In letzterer Hiusicht mufs ich nach meinen Erfah- rungen bekennen: dals ich stets die Exstirpation der theilweisen Amputation vorziehe, weil nach jener die Heilung viel leichter erfolgt und weniger üble Zufälle eintreten als da, wo der Ruthenknochen mit verletzt ist. Andere Umstände kommen dabei weniger in Be- tracht, da z. B. zur Zucht auch ein Hund mit bloſs amputirtem Gliede nicht mehr zu gebrauchen sein wird. Zur Amputation gebraucht man: ein Bistouri, eine feine Säge oder eine Knocheuscheere, Pinzette, Heftnadeln, Fäden, eine gespaltene Compresse, d. i. einen Streifen Leinwand, 10— 12 Zoll lang, 2 Zoll breit, an einem Ende bis zur Hälſte der Länge gespalten,— Schwamm und Wasser,— aus Vorsorge ein knopfför- miges Brenneisen. Das Thier, mit einem Maulkorb bekleidet, wird mit dem Rücken auf einen Tisch gelegt und an den Beinen gehalten. Den Penis drängt mau aus der Vorhaut her- vor und läſst ihn so nahe an der Wurzel als möglich von einem Gehülfen fest umfassen und dadurch zugleich die Vorbaut zurückhalten, oder, man legt ein Band mit einer aufziehbaren Schleife recht fest um diesen hintern Theil des Gliedes. Den vordern Theil hält der Opera- teur mit seiner linken Hand; mit dem Bistouri in der rechten macht er einige Linien hinter der kranken Sub- stanz einen Kreisschnitt durch die Haut und die schwam- migen Körper bis auf den Ruthenknochen, legt dann den Leinwandstreif mit dem Ende seines Spaltes auf den letztern und läſst damit durch einen Gehülfen, welcher die beiden Enden ergreift, die Weichgebilde nach dem Becken zurückziehen, um sie gegen Verletzungen mit der Säge zu schützen. Hierauf sägt man den Ruthen- knochen queer durch, entfernt den völlig abgetrennten Vordertheil des Gliedes und die Leinwand, und stillt an 179— dem Stumpſfe die(gewöhnlich nur mäſsige) Blutung durch die Ligatur oder durch das Glüheisen.— Wenn man zur Trennung des Knochens eine Knochenscheere benutzt, ist das Anlegen der gespaltenen Compresse nicht streng nöthig; dies Verfahren ist aber weniger zweckmäſsig, weil Splitter dabei entstehen können. Zur Exstirpation ist nur ein schmales Bistouri, Pinzette, Heftnadel, Faden, Wasser und Schwamm er- forderlich. Das Thier wird eben so gehalten wie oben gesagt. aus der Vorhaut hervor und läſst letztere durch einen Man drängt den Penis möglichst vollständig Gehülfen zurückziehen. Sollte dies durch Anschwellung oder Verdickung gehiudert sein, so spaltet man sie in der Mitte auf. auf dem Rücken des Gliedes etwa einen halben Zoll Nach dieser Vorbereitung macht man vor dem hintern Ende des Ruthenkuochens einen Queer- schnitt, der sich bis auf diesen Knochen und rechts und links bis über die Hälfte der Seitenflächen erstrecken muſs, beugt daun das vordere Eude des Gliedes stark vom Leibe ab und nach hinten, um die Wunde mehr auszudehnen;— schneidet dann die Weichgebilde am hintern Ende des Ruthenknocheus queer durch bis auf die Harnröhre, drückt dieses Ende des Kuochens etwas von der letztern ab und vollendet die Ablösung des Gliedes, indem man die Haruröhre in schräger Richtung unter dem Knochen nach vorn so durchschneidet, dals sie ein wenig über die schwammigen Körper hervor- steht. Stärkere Blutgefäfse werden unterbunden oder zugebrannt, die Blutung aus kleinern Gefäfsen durch kaltes Wasser und durch Ausfüllung der Vorhaut mit Werg oder Charpie, welche allenfalls mit Mehl, pulve- risirtem Gummi u. dgl. bestreut sein kann, gestillt. Eine solche Tamponation muls aber nach 3— 4 Stunden vor- sichtig wieder entfernt werden. Aeuſserlich macht man in den ersten zwei Tagen auf das Mittelfleisch und die Vorhaut kalte Umschläge. Die weitere Behandlung rich- tet sich nach dem Verlauf der Wunde und nach den etwa eiutretenden Zufällen. In dieser Hinsicht ist na- mentlich wieder auf Harnbeschwerden zu achten, wel- che aus einer Verengerung der Haruröhre hier um so mehr eutstehen können, da bei Hunden, wegen der grö- ſsern Beweglichkeit ihres Körpers und wegen des Lek- kens und Abbeiſsens eine Röhre nicht gut für die nö- thige Zeit in der Harnröhre zu erhalten ist. Ich habe bei gänzlicher Verengung dieses Cauals einen 4— 5 Li- nien langen Einschnitt am Mittelfleische in deuselben gemacht, die Wundränder mit Lapis infernalis und mit Bleimitteln schnell verdichtet und auf diese Weise eine Harnröhrenfistel gebildet, aus welcher die Urinentlee- rung statt fand*). *) Bei Pferden habe ich dieses Verfahren ebenfalls mit gutem Er- folge als letztes Mittel bei sonst unheilbaren Verengungen der Harnröhre angewendet. Ausserdem habe ich bei einem Wallach, welchem der Penis am obersten Ende des Schlauchs abgenommen werden musste, in den letztern daselbst einen, bis in das Mittelfleisch gehenden, 3 Zoll langen Einschnitt gemacht, den Stumpf des Pe- nis in denselben gelegt, mit 4 Heften an die Wundränder hefesti- get, ihn mit der Haut verwachsen lassen und hierdurch die be- ständigen Verunreinigungen des Schlauchs durch den Urin ver- mieden. 45* I I 1 ————— 180 XXXVI Di Operation deor z u en Hen Vorhaul. §. 142. Vereugerungen der Vorhaut(bei Pferden des Schlauchs) kommen bei den verschiedenen männlichen Haussäugethie- ren vor. Der Zustand ist dabei bald eine einfache Veren- gerung der Vorbautsöffnung durch zu starke Contrakti- lität, bald verbunden mit Verdickung der Haut und des Zellgewebes, oder mit Narben und Callositäten; in ein- zelnen Fällen sind in dem Kanale der Vorhaut ringför- mige Falten, warzeuartige Auswüchse oder Geschwüre vorhanden, und häufig findet man Anhäufungen von ver- dicktem Hauttalg, oder von vertrocknetem Eiter und von ausgeschwitztem Faserstoff dabei. Die letztern Ma- terien sind oft schichtweis übereinander liegend und in solcher Menge vorhanden, daſs sie den ganzen untern Theil des Raums in der Vorhaut ausfüllen. Durch diese krankhafte Beschaffenheit ist das Her- vorstrecken des Gliedes(das Ausschachten), duas re- gelmäſsige und vollständige Uriniren und die Ausübung der Begattung bald mehr bald weuiger gehindert; es treten wiederholt Harnverhaltungen ein; der in den Vor- hautkanal infiltrirte Harn erzeugt chronische Entzündung, Anätzung, Ulzeration, selbst Zerstörung des Penis(bei Rindvieh bis zur Sförmigen Krümmung), und zuweilen Verlust des Thieres. Die Erkennung der Verengerung und ihrer bezeich- neten Complikationen ist aus dem nicht erfolgenden Her- vorstrecken des Gliedes beim Harnen(oder in der Nähe weiblicher Thiere), aus dem unregelmäſsigen, oft nur tropfenweis erfolgenden Ausfluſs des Urius, oft aus einer Auschwellung der Vorhaut, und aus der Untersuchung derselben mit der Hand, stets leicht zu erlangen. Rohlwes ¹), Erdt*) und Hering*) haben ¹) Allgem. Viceharzneibuch. 9te Aufl. Berl. 1820. S. 195. 2) Magaz. f. d. gesammte Thierheilk. Jahrg. VII. S. 32. ³) Repertorium f. Thierheilk. Bd. VI. S. 8. Beobachtungen über diesen krankhaften Zustand und über die dabei nöthige Hülfe mitgetheilt. §. 143. Mit therapeutischen Mitteln gegen die Entzündung, die Verdickung, Verhärtung und Ulzeration kann man nur in der ersten Zeit einigermaafsen der Verengerung entgegen wirken; ist dieselbe einmal entstanden und haben sich die genannten organischen Veränderungen gebildet, so nutzt nur allein operative Hülfe. Diese ist aber, je nach der Art des Leidens, etwas verschieden, indem man entweder) nur die Vorhaut in ihrer Mit- tellinie der Länge nach so weit spaltet, wie eben die Verengung besteht, und dann jeden Wundrand für sich allein schnell zu vernarben sucht, durch Bleimittel u. dgl.; oder— 5) indem man die ringförmigen oder klap- penförmigen u. a. Falten mehrfach bis an ihren Grund einschneidet oder— sie selbst bis an denselben rein wegschneidet; und— c) indem man warzige Aus- wüchse ausschält. Auch in den Fällen 5Mb und e ist bei wirklicher Verengung der Vorhaut das Spalten dersel- ben an dem vordern Theile nöthig, theils um für die Durchschneidungen und Exstirpatiouen den nöthigen Raum zu gewinnen, theils auch um die nach denselben mit der Vernarbung gern sich bildenden neuen Schwie- len und Strikturen zu vermeiden. Zu diesen Operationen gebraucht man ein gerades, ein geballtes Bistouri, Scheere, Pinzette, Hohlsonde, Heftnadel, Unterbindungsfäden, Brenneisen, Wasser und Schwamm.— Man légt die Thiere am besten auf den Rücken. Das Verfahren selbst ist speziell nicht näher vorzuschreiben. Neben der eigentlichen Ope- ration hat man stets die Entfernung der angesammelten krankhaften Produkte und die Reinigung des Schlauchs, zuweilen auch die Amputation des Gliedes zu bewir- ken. Die Blutstillung geschieht mit den gewöhnlichen Mitteln und die Nachbehandlung nach allgemeinen Re- geln der Chirurgie. XXXVII. Die künstliche Erweiterung und Eröffnung des Gebärmuttermundes. §. 144. Es ist bei Kühen ziemlich oft und bei Stuten in einzelnen Fällen eine Verschlieſsung des Muttermundes gefunden worden. Diese Verschliefsung besteht entwe- der nur in einem Zusammenkleben der Ränder durch ausgeschwitzten Faserstoff, oder in einer wirklichen Verwachsung, oder in schwieliger, selbst knorpelarti- ger Umänderung dieser Ränder; und zuweilen hat man auch callöse oder schwammige Auswüchse über den Muttermund verbreitet gefunden. Durch diese Entartungen wird die Befruchtung, und bei tragenden Thieren das Gebären verhindert und da- durch im ersten Falle der Werth der Thiere sehr ver- mindert, im letztern Falle aber mittelbar selbst Lebens- gefahr erzeugt. Diese Uebelstände können nur durch operative Hülfe beseitiget werden. §. 145. Wenn bei nicht tragenden Kühen oder Stuten, wel- che in jeder Hinsicht als gesund erscheinen, keine Be- fruchtung erfolgt, obgleich dieselben zur rechten Zeit mehrmals der Begattung unterworfeu waren, so besteht der Verdacht eines materiellen Hindernisses in den Ge- schlechtsorganen. Bei ihrer Untersuchung findet man fast immer nur das Zusammenkleben der Ränder des Mattermundes oder einfache Verwachsung derselben, als Folgen einer, bei dem letzten Gebären entstandenen Verletzung oder Entzündung.— Die Hälfe besteht hier, nach den Beobachtungen der Thierärzte Pohlen und Reinstadler und den Mittheilungen des Dr. Böhm*) darin: daſs man die vorher mit Fett u. dgl. bestrichene Hand mit vorgestrecktem Zeigefinger in die Scheide bis an den Muttermund führt, mit der Fingerspitze gelind drückend und bohrend in diesen einzudringen sucht und so den Kanal bis in die Gebärmutter öffuet. Daſs man in die letztere *) Ueber eine durch mehrfache Versuche bewährte Methode: un- fruchtbaren Kühen zur Fruchtbarkeit zu verhelfen. Insbruck, 1844. ganischen Verauge ee Hülfe. le ldens, etwas ye die Vorhaut 4 eit spaltet, wie ehen ät pa Wundraud fir 1 „ dureh Bleinitte 2 dun oder l rlach bis an ihren G raud ast bis an deuselhen wh udem man wariige aue en Fällen 5 und e 8b rhaut das Spalten dens. nöthig, theils un ſir i tirpationen deu nällig ch um Gdie nach deussbe dildenden neuen Schyi- ſen. braucht man ein genis ere, Pinzette, Hoblsonk n, Brenneisen, Wan gt die Thiere am heset ahren Selbst ist syedbl ſeben der eigentlichen Oye ernung der angesannete Reiniguug des Sehlauis n des Gliedes zu henr ht mit den gewühnlehn ng nach allgemeinen é mufttermundes. eselben zur rechten li porfeu waren, 80 beti Hiaderuisses id de 4 Tatersuchung üidet un lkleben der Minder Cs rwachsung iereben” — 181 letztere gelangt ist, fühlt man an der glatten Oberfläche und dem freien Raum hinter dem Rande, so wie an dem aufgehobenen Widerstande. Hierauf drängt man neben dem einen Finger noch einen zweiten und dritten in die Oeffnung, und wenn dieselbe somit hinreichend erwei- tert ist, bestreicht man deren Ränder und den Kanal reichlich mit Fett. Die Operation wird im Stehen der Thiere ausge- führt und stets am besten zur Zeit der Brunst unter- nommen. Gleich darauf soll man die Thiere zur Begat- tung gelangen lassen(Böhm, a. a. O.). Daſs eine Verschlieſfsung des Mattermundes die Geburt verhindert, kann man vermuthen: wenn die Thiere schon längere Zeit(2— 3 Tage) auf die Ge- schlechtstheile gedrängt haben, so daſs der Muttermund und selbst ein Theil des hintern Eudes der Gebärmut- ter von Zeit zu Zeit in die Scheide hineinragte, ohne dafs jedoch die Blase gebildet oder Fruchtwasser ab- geflossen ist,— wenn dabei die normale Tragezeit vorüber, die Croupe eingefallen und das Euter mit Milch erfüllt ist. Hierzu kommt in manchen Fällen noch, daſs die Bewegungen des Foetus nicht mehr fühlbar sind, während man doch Theile desselben durch die Wände des Uterus in der Scheide, durch den Mastdarm und durch die Bauchwände fühlt. Das Mutterthier wird kränklich und sehr matt. Unter diesen Umständen ist die Untersuchung des Muttermundes stets nothwendig. Fast immer findet man dabei denselben nicht nur geschlossen, sondern zu- gleich, wie oben erwähnt, callös oder knorpelartig verhärtet. Ist eine einfache Verwachsung zugegen, so genügt es, dieselbe durch Eiuführen eines mit Fett bestriche- nen Fingers, ganz so wie oben gelehrt, zu trennen und den Muttermund zu erweitern. Besteht aber Verhärtung, so sucht man zwar ebeunfalls zuerst mit einem Finger durch drehende Bewegung und gelindes Dräcken in den Muttermund zu dringen, um auf diese Weise das Ein- führen eines Knopfbistouris möglich zu machen; die ei- gentliche Hölfe besteht jedoch in dem Durchschneiden der verhärteten Ränder(was französ. Thierärzte, und nach denselben auch Dieterichs(Akiurgie S. 466), unpassend als„Hysterotomia oder Operation cesarienne vaginale“ bezeichnen). Für diesen Zweck nimmt man ein gewöhnliches gerades Kuopfbistouri in die rechte Hand so, dafs die Schneide durch den vorgestreckten Zeigeſinger, oder durch den Zeige- und Mittelfnger bedeckt wird,— führt es durch den mit der linken Hand geöffneten Wurf und die Scheide vorsichtig in den Muttermund und schneidet diesen an der Stelle, wo die stärkste Coutraktur oder Verhärtung besteht, so tief ein wie die letztere zu fühlen ist. Demnach kann der Schnitt unten oder oben, rechts oder links angebracht werden, und einen halben bis gegen zwei Zoll tief, selbst durch den gröfsten Theil des Mutterhalses gehen. Nach diesem einfachen Einschneiden sucht man durch allmäliges Einführen mehrer Finger und zuletzt der gan- zen Hand, den Muttermund genügend zu erweitern. Die Geburt erfolgt dann gewöhnlich bald, indem durch die Reizung bei dem Operiren kräftige Wehen hervorgeru- fen werden. Findet sich aber bei dem Erweiterungs- versuch noch zu groſser Widerstand selbst gegen einen Finger, so macht man gegenüber dem ersten Schnitt in den Rand des Muttermundes einen zweiten und, nöthi- genfalls, selbst einen dritten und vierten Schuitt. Diese folgenden Schnitte dürfen jedoch in der Regel nicht so lief geführt werden wie jener erste, und wo man sie vermeiden kann, thue man es; deun, je mehr Schnitte, um desto mehr Blutung, und beim Heilen um desto mehr Narben und Ungleichheiten an dem Muttermunde. Gelingt es nicht, einen Finger in den Muttermund zu bringen, so ist auch das Knopfbistouri nicht anwend- bar, sondern man muſs ein spitzes Bistouri, von den Fingern gehörig bedeckt, an den Muttermund führen, die Spitze in die Mitte der stets fühlbaren Vertiefung des- selben setzen, es dann in horizontaler Richtung vor- warts bis in den Uterus drücken und zugleich einen Rand des Muttermundes(am besten den obern) gegen 1 Zoll tief einschneiden. Hiernach erweitert man mit den Fingern die Oeffnung und verfährt übrigens wie im vorigen Falle. Die Blutung ist in der Regel nur gering und stillt sich mehrentheils von selbst. Sollte sie jedoch nach Beendigung der Geburt noch fortdauern, so ist das Ein- bringen eines mit Essig befeuchteten Tampons hinrei- chend zur Blutstillung. Das Thier muls in der ersten Zeit möglichst ruhig und in magerer Diät gehalten und die Kothentleerung durch Klystire von schleimigen Flüssigkeiten erleichtert werden. Die Heilung der Wunden erfolgt durch die Naturthätigkeit allein und er- fordert keine besondere Mittel. XXXVIII. Der Bauch-Gebärmutterschnitt oder sogenannte Kaiserschnitt (Gastro-Hysterotlomia, Sectio caesarea). §. 146. Die Operation besteht in dem Durchschneiden einer Bauchwand und dem Eröffnen der Gebärmutter, für den Zweck: um auf diesem Wege einen reifen Foetus, der durch den Muttermund und die Scheide nicht geboren werden kann, herauszubefördern und hierdurch die Mut- ter oder das Junge, oder wenn möglich beide Thiere zu retten. Die Operation kann an lebenden und an todten Thieren nöthig werden. Au den ersteren ist sie eine der schwierigsten in der Ausführung und zugleich eine der gefährlichsten; denn(abgesehen davon, daſs sie stets unter sehr bedenklichen Umständen gemacht wird,) sie führt in den meisten Fällen durch die unver- meidlich ihr folgende Entzündung des Bauchfells, der Bauch- und Beckeneingeweide den Tod schnell herbei. Sie darf deshalb nur in folgenden dringenden Fällen und nach genauer Erwägung aller Umstände unternom- men werden, nämlich: 1) wenn ein Muͤtterthier während der Geburtsarbeit, oder am Ende der Tragezeit durch eine plötzlich eingetretene Krankheit oder durch eine Verletzung 46 —j—— ———j————— das Leben verloren hat, oder wenn es wegen einer als unheilbar erkannten schweren Verletzung, uam seinen Leiden ein Ende zu machen, getödtet werden mufste; 8 2) wenn bei einer schweren Geburt die Gebärmutter zerrissen und der Foetus in die Bauchhöhle ge- treten ist*),— und 3) weun wegen 2u grolser Enge und Deformität des Beckens oder wegen zu bedeutender Degeneration des Muttermundes und der Scheide weder die Geburt auf gewöhnlichem Wege erfolgen, noch die Zerstückelung des Jungen ausgeführt werden kann. und wenn unter diesen Umständen:) durch das Zuräckbleiben lebensgefährliche Zufälle ent- stehen, oder— 5) wenn auch die Zerstückelung des Jungen allenfalls noch möglich wäre, aber dem Eigenthümer au der Erhaltung desselben mehr als an der der Mutter gelegen ist. In dem letzten Falle muſs immer erst erforscht wer- den: ob das Junge noch am Leben ist. Dies läfst sich annehmen: wenn man äufserlich am Leibe oder durch die Scheide noch Bewegungen des Foetus wahrnehmen kann,— wenn das abflieſsende Fruchtwasser nicht übelriechend ist,— und wenn man durch den geöffue- ten Muttermund noch Puͤlsation an dem Nabelstrange oder an den zu erreichenden Theilen des Foetus fühlen kann.— In den Fällen sub 1, 2 u. 3 ist die Opera- tion stets sogleich, ohne Zeitverlust und ohne weiteres Bedenken auszuführen. Ich halte es jedoch für nöthig, die Bemerkung hinzuzufügen: daſs in allen Fällen, wo bereits Zufälle von brandiger Entzündung, von Verblu- tung und gänzlicher Eutkräftung zugegen, oder die Ver- letzungen(wie sub 1 gesagt) unheilbar sind, die Mut- terthiere nicht zuerst den Quaalen der Operation unter- worfeu und dann getödtet werden sollten,— wie dies in mehrern in der thierärztlichen Literatur beschriebenen Fällen der Art geschehen ist; sondern daſs man aus Menschlichkeit unter solchen Umständen die Thiere zu- erst tödten möge. Letzteres geschieht am besten durch den Genickstich, weil hierbei der Tod am schnellsten und ohne Blatverlost erfolgt. Wenn daun die Opera- tion sogleich unternommen wird, hat der Tod der Mut- ter keinen schädlichen Einflufs auf das Leben des Jungen. §. 147. Der sogenannte Kaiserschnitt soll, nach v. Hal- ler 2), an Stuten schon von Hierokles oder eigent- lich von Absyrtus in Vorschlag gebracht sein; dies ist jedoch, wie Brugnone:) es nachweiset, nicht rich- tig, und es scheint vielmehr, als ob Letzterer ihn in die Thierheilkunst eingeführt habe; obgleich es wahr- scheinlich ist, daſs die Operation in praaæi schon lange ¹) Eben so könnte eine sog. Bauchschwangerschaft, wenn sie er- kannt wird(was aber gewiss selten gelingt), und wenn durch sie gefährliche Zufälle erzeugt werden, eine Veranlassung zur Ope- ration sein. ²) Biblioth. chirurgic. T. I. S. 100.. ³) Trattato delle Razze de' Cavalli. Torino 1781.(Von der Zucht der Pferde, Esel und Maulthiere u. s. w. übersetzt von G. Fech- ner. Prag, 1790. S. 266.) 182— vorher ausgeführt worden ist. Später haben Joerg ¹), Günther ²) und Dieterichs ³) dieselbe vollständig beschrieben, und mehrere andere Thierärzte haben ein- zelne Fälle über ihre Ausführung au Stuten ⁴), Kühen*), Schaafen ⁰) und Schweinen) mitgetheilt. Ich habe sie, aufser an Pferden und Kühen, auch an Hündinnen mit gutem und mit schlechtem Erfolge gemacht. 4 Nach den bisherigen Beobachtungen kann die Ope- ration entweder à) an der untern Bauchfläche in der weilsen Linie, oder— 5) au einer Flanke(gewöhn- lich an der rechten, und bei Wiederkäuern wegen der Lage des Wanstes nur an dieser) ausgeführt werden. Der Gebärmutterschnitt in der weifsen Linie ist mit gröſserer Schwierigkeit verbunden als der an der Flanke, weil bei jenem die Operationsstelle zum Theil zwischen gden Hinterbeinen liegt und deshalb schwerer zugänglich jst. Er ist aber auch mit gröſserer Geſahr begleitet, weil nach ihm die Last der Baucheingeweide gerade auf die Wunde fällt, so daſs diese mehr auseinander gedrängt wird, deshalb mit gröfster Mühe kaum verei- niget zu erhalten ist und aufserdem zu Einklemmung und Vorfall, oder selbst in günstigen Fällen zu Ver- wachsungen der Eingeweide mit den Wundränderu, Ge- legenheit giebt. Reifsen die Wondhefte aus, so ist Pro- lapsus der Eingeweide unvermeidlich und die Nachhülfe höchst schwierig. Der Gebärmutterschuitt durch die Flanken ist viel leichter, an Kühen zuweilen selbst im Stehen der Thiere ausführbar(Chretien a. a. 0.). Die Wunde ist viel leichter vereiniget zu erhalten und die bezeichneten üblen Zufälle finden weniger statt. Er ver- dient deshalb den Vorzug vor dem erstern, welcher nur allein den Vortheil zu gewähren scheint, dafs bei ihm ein leichterer Abflufs der in die Bauchhöhle ergossenen Flüssigkeiten möglich ist. Allein dieser sekundäre Zu- stand ist von keiner groſsen Bedeutung. §. 148. Man gebraucht zu dieser Operation: eine Scheere, ein geballtes, ein gerades und ein Knopf-Bistouri, Pin- zette, stumpfe Haken, Bauchheftuadeln, Bandhefte, Li- gaturfäden, zwei reine leiuene Tücher, ein gröſseres solches Tuch oder statt desselben einen Sack, zwei bis drei Deckengurten, Wasser und Schwamm;— drei Ge- hülfen zur Assistenz und drei bis fünf dergleichen zum Halten des Thieres. Pferde, Schaafe und andere kleine Hausthiere müs- sen zur Operation entweder auf dem Rücken oder auf einer Seite liegen, aber Kühe können stehend oder lie- gend operirt werden, und zwar ersteres, wenn sie von selbst stehen, wenig empfindlich und nicht widersetz- lich sind, und wenn man haudfeste Gehülfen zum Hal- ¹) Anleitung zu einer rationellen Geburtshülfe. Leipz. 1808.(2te Aufl. 1818. S. 161). ²) Lehrb. d. prakt. Veter. Geburtshülfe. S. 111. ³) Akiurgie, S. 453;— u. Handb. d. prakt. Geburtshülfe bei den grössern Hausthieren, Berl. 1845. S. 122. *¹) Rohlwes, das Ganze der Thierheilkunde. Bd. I. Leipz. 1822. S. 143. ⁵³) Gohier, Mémoires et Observat. T. II. p. 43. Lyon, 1816.— Chretien, im Journ. pratique 1826. p. 111. 226.— Pradel, im Recueil de méd. vét. 1833. p. 194 u. s. w. *) Gohier, a. a. O. p. 41. *) Carlisle und Hayes in The veterinarian 1840. p. 121 u. 267. 1 — eo diese mehr auseitan gröſster Mühe kaum wen. ulserdem zn Linblemnu günstigen Fäͤllen au ſa. mit den Mundräuden, s Nondhefte aus, so istph. neidlich und die Nachhbuf därmautterschnitt dureh äü Kühen zuweilen selhsth (Chretien a.a.0.). N miget au erhalten und ä len weniger statt. Erm dem erstern, weleber m ren scheint, daſs bei ih die Bauchhöhle ergossele lein dieser sekundite lr Bedeutung. 8. Operation: eine Sebern ein Kuopf-Bistouri hi- eftnadeln, Bandheiee le e Tücher, ein gribams lbeu einen Sack, mneib ad Schwamm;— lnibe bis funf dergleichen n — 183— ten derselben bei der Hand hat. Will man die Opera- tion am liegenden Thiere machen, so bindet man dem- selben, nachdem es sich niedergelegt, die Füfse jeder Seite zusammen und wendet es dann, je nachdem man die Operation an der einen oder an der andern Stelle machen will, entweder auf den Rücken oder auf eine Seite, und zwar so, daſs diejenige Seite, an welcher man den Foetus am deutlichsten fühlt, die obere wird. Wiederkäuer legt man gewöhulich auf die linke Seite, weil nur an der rechten Seite der Zugang zur Gebär- mutter frei ist. G Bei der Lage auf dem Rücken läfst man das Kreuz durch ein Bündel Stroh etwas erhöhen und die Füfse nach beiden Seiten durch Gehölfen auseinander halten. Um gleich nach der Operation alles Drängen so viel als möglich zu vermindern, entfernt man vor der- selben den Koth aus dem Mastdarm durch Klystiere oder mit der Hand, eben so den etwa reichlich angesammel- ten Urin mittelst des Katheters, und wenn das Euter durch Milch angespannt ist, diese durch sauftes Ausmelken. §. 149. Die Operation beginnt an lebenden Thieren mit dem Abscheeren und vollständigem Eutfernen der Haare au der betreffenden Stelle. Zum Schuitt in der weiſsen Linie geschieht dies zwischen dem Nabel und dem Euter etwa in einer Handbreite,— und fär den Schnitt in der Flanke ebenfalls so breit und vom Darmbeinswinkel in schräger Richtung nach unten und vorn, bei groſsen Thieren gegen 10 Zoll, bei kleinen 4— 5 Zoll lang. a) Der Schnitt in der weifsen Linie. Der Operateur nimmt seinen Platz hinter dem Thiere; ein Gehülfe knieet rechts, der andere links neben dem Leibe desselben. Der Schnitt wird mit dem geballten Bistouri, einen bis drei Finger hreit hinter dem Nabel beginnend, bis nahe an das Euter geführt, so daſs er bei Pferden und Rindern gegen 8— 10 Zoll, bei Schaafen 5 Zoll, bei andern kleinern Thieren gegen 3 ¼ bis 4 Zoll lang ist. Man durchschneidet zuerst die Haut und daun die Bauchmuskeln in dieser ganzen Länge, vorsichtig bis auf das Bauchfell. Während des Muskelschnittes müs- sen die beiden Gehülfen, welche sich neben dem Leibe des Thieres befinden, ihre Hände flach gegen die Bauch- wand neben den Wundrändern legen und dieselben mä- ſsig gegen einander drängen, um hierdurch ihr zu plötz- liches Zurückziehen und Einreiſsen zu verhindern. Ge- wöhnlich reifst aber bei Pferden trotz dieser Vorsicht doch das Peritonäum theilweis oder ganz durch. Sollte es jedoch noch ganz sein, so erfafst man es an einem Punkte mit der Pinzette, hebt es in eine kleine Falte auf und durchsticht dieselbe vorsichtig mit dem Bistouri. Die so gemachte Oeffnung erweitert mau etwas mit dem Knopfbistouri, führt in sie ein Paar Finger der linken Hand, so daſs durch diese die Gedärme von der Wunde zurückgehalten werden, und durchschneidet mit dem Kunopfbistouri das Bauchfell über den Fingern von innen nach aufsen in der ganzen Länge der Wunde. Bei und nach diesem Eröffnen des Bauchs drängen fast immer die Thiere(besonders Stuten) in wiederhol- ten Rucken sehr heſtig mit dem Leibe, so dafs die Ge- därme hervortreten. Um dies au mindern und zugleich um den Uterus frei zugänglich zu machen, schiebe man sogleich die Därme sämmtlich von der bloſsgelegten Stelle nach vorn und lasse sie hier von den seitlich placirten Gehäülfen zurückhalten, wobei Letztere ihre Hände mit den kleinen leinenen Tüchern, welche vorher mit lau- warmem Wasser befeuchtet sind, einhüllen, um Verle- tzungen der Därme au verhüten. Bei kleinen Thieren lälst man durch stumpfe Haken die Wundränder sauft auseinanderziehen. In die Mitte der frei gelegten Gebärmutter mache man an der sich darbietenden Fläche, ohne Zeitverlust und ohne Rücksicht auf die Lage des Foetus, einen durch ihre ganze Wand gehenden 1 Zoll langen Schnitt in der Längenrichtung;— führe in die Oeffnung einen Finger zwischen die Fruchthäute und die Gebärmutter- wand, treune hierdurch die etwa bestehende Verbindung zwischen diesen Theilen an der Schuittstelle, bringe dann das Knopfbistouri auf den Finger und durchschneide die Gebärmutter in der Längeunrichtung bei Stuten und Kühen gegen 8— 10 Zoll lang, bei Schaafen gegen 5 Zoll, und bei den kleineren Thieren etwas weniger. Eben so öffuet man auch die Fruchthäute, jedoch mit der Vorsicht, dafs, wenn dieselben noch mit dem Schaaf- wasser aungefüllt siud, die Oeffuung zuerst nur klein ge- macht und die Flüssigkeit sogleich mit einem feuchten Schwamme entfernt werden mufs, um deren Ergieſsung in die Bauchhöhle möglichst zu verhüten.— Hierauf er- greift man das Junge an den Vorderfüfsen und dem Kopfe, ziehet es hervor, unterbindet(im Falle es lebt) die Nabelschnur an seinem Leibe, schneidet dann die- selbe durch und übergiebt das junge Thier vorläufig einem Wärter. 431 Der Operateur nimmt nun die Nachgeburt aus der Gebärmutter, wobei oft die Eihäute an einzelnen Stellen von der innern Fläche der letztern mit den Fingern ab- getrennt werden müssen(besonders bei Wiederkäuern die Verbindungen der Cotyledonen). Hierauf wird die Gebärmutter mit dem Schwamme gereiniget und, nach- dem etwaige gröſsere bluatende Gefäſse an ihren Wund- rändern, so wie an denen der Bauchwände unterbunden oder zugedrehet sind, wird die Bauchwunde mit Band- heften geschlossen. Dies geschieht nach den allgemei- neu Regeln, doch soll man, nach Dieterichs, zwischen die beiden mittelsten Hefte einen gefetteten Streifen Lein- wand, 1 Zoll breit und doppelt legen, um hierdurch oder mittelst einer Röhre die in der Bauchhöhle sich zu dieser Stelle senkenden Flüssigkeiten zu entleeren. Das Heften der Gebärmutterwunde erklären die Schriftsteller für unnöthig, weil die Gebärmutter sich, nach der Eutfernung der Nachgeburt, bald zusammen- zuziehen pflegt. Ich kann jedoch diese Ansicht nicht theilen, weil ich das Eindringen der Gedärmein die groſse offene Wunde und sehr üble Zufälle hiernach habe erfolgen sehen. Deshalb vereinige ich diese Wunde durch einzelue Hefte von doppelter Seide oder von glattem Zwirn, welche in Eutfernungen von 2 Zoll eingelegt und ihre Enden nahe an der Gebärmutter abgeschnitten werden. Nachdem die Bauchwunde geheftet und ihre Umge- gend gereiniget ist, bedeckt man sie mit dem als Com- presse mehrfach zusammengelegten groſsen Leintuche 46* —.— 3 3 ͤͤͤͤͤͤ“ ——————õ——— oder mit dem eben so zusammengelegten Sacke und legt darüber die Deckengurte um den Leib. Durch letztere wird die Compresse in der Lage erhalten, zugleich die Naht an der Bauchwunde uuterstützt und die zu heftige Ausdehnung der Bauchwände beim Aufstehen des Thie- res u. s. w. verhütet.— Man läſst nun das Thier eut- fesseln, vorsichtig aufstehen und sucht es in den Stall zu bringen. Hier stellt man es(kleinere Thiere legt man) mit dem Hintertheil höher. Die Bandage muls in den ersten Tagen liegen bleiben und von Zeit zu Zeit nachgesehen werden, ob sie nicht zu locker oder zu fest liegt, und besonders, ob die Gurten nicht auf die Wirbelsäule drücken. Je nach dem Befund macht man sie etwas lockerer oder fester, und neben der Wirbel- säule legt man unter sie etwas glattes Stroh, Werg oder Leinwand.— Das Thier mufs möglichst ruhig, in gauz magerer Diät und in einem mäſsig warmen Stalle gehal- ten werden. Die Kothentleerung erleichtert man durch Klystire von schleimigen Flüssigkeiten, die Haruentleerung durch täglich dreimal wiederholte Applikation des Katheters (letzteres jedoch nur, wenn das Thier dadurch nicht beunruhiget wird). In das Getränk giebt man Salpe- ter, und wenn dennoch Entzündungs-Symplome erschei- nen, macht man reichliche Aderlässe und giebt innerlich Oalomel. Das Euter mufs, je nachdem es sich mit Milch füllt, ausgemolken werden. Das Junge an dasselbe zu legen, ist wegen der damit verbundenen Beunruhigung nicht zweckmäfsig.— Nach 4— 6 Tagen macht man die Bandage zuerst so locker, dafs sie fast nur am Leibe häugt und nimmt sie 6— 8 Stunden später gauz ab. Auf diese Weise wird ein plötzlicher Wechsel der Tem- peratur am Leibe des Thieres vermieden. Man reiniget die Wunde mit lauwarmem Wasser, entfernt die locker gewordenen Hefte und legt dann eine reiune Bandage, gleich der vorigen, wieder au, um die noch liegenden Hefte und die durch adhäsive Entzündung frisch eutstau- dene Vereinigung zu unterstätzen. Denn diese ist selbst im günstigsten Falle nach 4— 6 Tagen noch nicht so ſest, daſs sie deun Dehnungen der Bauchwände bei Be- wegungen des Thieres, beim Aufstehen und Niederle- gen u. s. w. sicher widerstehen könnte; dies ist erst nach 12— 14 Tagen der Fall, und bis dahin muſs die Bandage angewendet, jedoch zur Reinigung der Wunde und zur Entfernung der letzten Hefte jeden zweiten Tag einmal abgenommen werden. Die Bandage ist um so mehr nöthig, wenn einzelne Hefte in dem ersten 184— Zeitraume durch die Wundränder gerissen sind; weil man an stehenden Thieren selten neue Hefte anbringen kann, das Niederlegen hierzu aber bei Pferden und Rin- dern nicht geschehen darf.— Im Uebrigen wird das Thier so behandelt, wie vorstehend angegeben ist. §. 150. Bei dem Gebärmutterschnitt durch die Flanke macht man, nachdem die nöthigen Vorbereitungen(wie oben S. 182 u. 183 gesagt) geschehen sind,— an der gewählten Flanke durchdi e Bauchwand eiuen Schnitt, der wieder wie bei der andern Methode, bei groſsen Thieren 8 bis 10 Zoll, bei Schaafen gegen 5 Zoll lang sein muſs. Dieser Schnitt begiunt bei Erstern etwa 3 Zoll, bei Letztern 1 Zoll vor und unter dem Darmbeinswiukel und geht schräg nach unten und ein wenig uach vorn. Er durchtrennt, aufser der Haut, einen Theil des Bauch- hautmuskels, des äufsern und innern schiefen und des queeren Bauchmuskels bis auf das Bauchfell. Letzteres öffnet man auf die oben gelehrte Weise vorsichtig, so dafs Verletzungen der Gedärme vermieden werden. Etwa blutende Gefäfse schliefst man sogleich durch Zodrehen oder durch Ligatur, und die an der Oeffuung liegenden Därme schiebt man nach vorn in die Bauchhöhle und läſst sie auf die im vorigen§. angegebene Art zurückhalten. Hierauf öffnet man den Uterus mit einem der Gröſse des Thieres augemessenen Schnitt(wie oben), welchen man in der Längenrichtung des Organs, aber etwas schräg von der obern Fläche zur Seite führt; eben so öffnet man die Fruchthäute, zieht den Foetus heraus, unterbindet und durchschneidet die Nabelschnur, löset und entfernt die Nachgeburt, reiniget mit dem Schwamm den Uterus von Blut und Fruchtwasser und vereiuiget die Wunden mit Heften der Knopfuath, ganz so wie bei der ersten Methode. Einige französische Thierärzte ha- ben den untern Wundwinkel nicht durch die Naht, son- dern nur mit einem Werg-Tampon geschlossen, um durch Wegnehmen desselben den, in der Bauchhöhle angesammelten Flüssigkeiten einen Ausweg zu verschaf- fen. Letzteres ist jedoch nicht nöthig, da mäfsige Men- gen dieser Flüssigkeiten durch Resorption beseitiget werden, bei groſsen Quautitäten aber der Tod durch die Bauchfellentzündung erfolgt,— welche durch das Eindringen der Luſt durch die Oeffnung sogar sehr au- geregt werden kann. Die Nachbehandlung ist im Weseutlichen ganz so wie im vorigen§. gelehrt worden ist. XXXIX. Die Amputation oder Eæstirpation der Gebärmutter(Aunususs⸗ Uteri). §. 151. Diese Operation besteht in dem kunstmäfsigen Ab- lösen der vorgefallenen Gebärmutter von der Scheide und in dem dauernden Verschliefsen der letztern an der Stelle der Trennung. Sie ist angezeigt: wenn die Ge- bärmutter vorgefallen und zugleich in einem so bedeu- tenden Grade verletzt oder durch Brand, Ulzeration, Verdickung u. s. w. entartet ist, daſs ihre Zurückbrin- gung in die Bauchhöhle nicht geschehen kann, das Thier aber, nach dem Wunsche des Eigenthümers, um jeden Preis erhalten und von dem sehr lästigen, selbst gefähr- lichen Uebel befreiet werden soll. Diese Umstände finden sich nur selten zusammen an einem Thiere vor und die Operation wird deshalb, auch zum Theil wegen der damit verbundenen Gefahr, auch nur sehr selten unternommen. Doch ist sie an Schaafen, Schweinen und Hunden mit gutem Erfolge gemacht worden; selbst über ihre Ausführung an Stuten und Kühen sind einzelne glückliche Fälle bekannt; aber jedenfalls ist dieselbe an diesen Thieren wegen der Gröſse des Uterus schwieriger und gefährlicher als bei jenen. §. 152. Der Operations-Apparat ist höchst einfach, indem man bei Pferden und Rindern nur eine starke, etwa 2— 3 aesteru etwa 3 Zül, 1 ater dem hanabeisnite und ein wenig naeh iin lant, einen Theil des Baudh. ad inneru schiefen und f das Bauchfell. Letuten hrte Weise vorsichig, vermieden werden. Ui in sogleich durch Zadne au der Oeffuung liegenlee in die Bauchhöble und Mb gegebene Art zurückhalee ſterus mit einem der Giibe chnitt(wie oben), velcie des Organs, aber eths 2 zur Seite führt; ebena zieht den Foetus hens ſet die Nabelschuur, ls reiniget mit dem Sechwan suchtwasser und rereiui nopfnath, ganz s0 wie l ranzösische Thierärale" nicht durch die Nabt, Sw. Taupou geschlossen, den, in der Bauctüül inen Ausweg Z0¹ iereki ht nöthig, da maſdige le rch RKesorption heseilit zten aber der Tol nd .— welche iund s „Oef'ung sagir ru * 7 30 im Weseullichen 3m rden ist. npulalio Tieri) . selten Zl- ich nur. beshulh 1 Ope ration viri . 1 juden akst einfac 1 st boehs starbe/ 1 b— 185— 2— 3 Linien breite Heftnadel(am besten die von Kühn angegebene Nadel zum Abnähen der Nabelbrüche, Magaz. f. Thierheilk. Bd. 1I. S. 97), und gegen 1 ¼ Ellen gewächsten Bindfaden, wenigstens 1 ¼ Linie dick, bei kleinen Thieren aber nur allein den Letztern gebraucht. Die Operation kann bei den verschiedenen Haus- thieren, selbst an Pferden und Rindern, nachdem sie auf bekannte Weise gespannt, gebremset und festgehalten sind, im Stehen ausgeführt werden; der Sicherheit und Gründlichkeit wegen dürfte es aber stets besser sein, sie am liegenden Thiere zu machen. Man reiniget zuerst das kranke Organ und unter- sucht dasselbe sorgfältig darüber, ob es in seiner Höhle ganz leer ist oder Eingeweide euthält. Bei dem gering- sten Anschein hiervon bemühet man sich, Letztere zu entfernen und läfst deshalb durch Gehülfen das hintere Ende des Uterus(d. h. wie dies der Vorfall zeigt) in die Höhe heben, um die etwa im Innern liegenden Ge- därme zur Bauchhöhle zu senken, und streicht zugleich mit den Fingern von verschiedenen Seiten an ihm in der Richtung nach dem Becken hin, bis man das Organ im Iunern sicher für ganz leer halten kann.— Dann wäͤhlt man die Operationsstelle, und zwar soviel dies die De- generation oder die Verletzung erlaubt, in der Nähe des sog. Gebärmutterhalses. Deun, von diesem Theile mehr entfernt in der Scheide(jetzt nach dem Becken hin) kommt man der Harnblase zu nahe, und nach dem an- dern(jetzt hintern) Ende zu hat man es sewöhnlich mit zu dicker Masse der Gebärmutter zu thun. Bei Schaafen, Schweinen und Hunden besteht die Operation in dem Anlegen einer Ligatur an der bezeich- neten Stelle. Dieselbe wird(wie bei der Amputation des Penis) am zweckmälfsigsten so angelegt, dafs man die in ihrer Mitte doppelt zusammengelegte Schnur rund um den Theil führt und durch die von der Mitte gebil- dete Oehse des einen Endes das einfache eine Band des andern Endes von oben, das andere einfache Band von unten durchsteckt, so daſs diese beiden Bänder sich in der Oehse kreuzen; dann ziehet man beide Bänder in entgegengesetzter Richtung möglichst fest an und bin- det einen aufziehbaren Knoten.— Am folgenden Tage öffnet man denselben, zieht die Ligatur noch einmal kräftig nach und bindet dann einen festen Knoten. Gleich nach dem ersten festen Zuziehen der Ligatur kann man, 1 Zoll hinter derselben, den Uterus abschneiden.— An der Stelle, wo die Ligatur liegt, entsteht Eiterung und hinter derselben brandige Absterbung. Nach 10— 14 Ta- gen fällt das Band mit dem abgestorbenen Rest ab und die Heilung erfolgt gewöhnlich ohne besondere Zufälle. Bei einzelnen Thieren entstand jedoch ein gegen 4 Wo- chen dauernder Ausflufs von Schleim mit stinkendem Eiter(Jauche) gemengt. Die Nachbehandlung besteht in ruhigem Verhalten, in den ersten 3— 4 Tagen in magerem, weichem Fut- ter, in Erleichterung des Kothabganges durch Salze und schleimige Klystiere, und in eben solchen Eiuspritzun- gen in die Scheide,— bei beschwerlichem Harnen in der Anwendung des Katheters. Später sind eine mehr kräftige Diät, und Einspritzungen in die Scheide von aromatischen und selbst von adstriugirenden Mitteln er- forderlich. Bei Pferden und Rindern wirkt an dem dicken und umfangreichen Organ eine einzige Ligatur zu ungleich, indem diese dasselbe in viele Falten zusammendrängt, so daſs einzelne Stellen zu früh durchgeschnürt, andere aber kaum berührt sein würden. Dennoch haben Biuz (Geburtshülfe, S. 253) u. A. die Operation so ausge- führt. Es ist aber deshalb, wie Cartwright(im Ve- terinarian, Vol. XVIII. p. 33) ganz richtig bemerkt, zweckmäſsiger: mehrere kleinere Ligaturen queer durch die gewählte Operationsstelle zu legen,— also eine Naht mit Gegeustichen anzubringen, ganz so wie dies bei der Operation der Nabelbrüche und des Mastdarm- vorfalls gelehrt worden ist(S. 119 u. 163). Nach dem Anlegen dieser Naht schneidet man 1¼ Zoll von der- selben entfernt, den entarteten Uterus queer ab und bringt den Rest desselben nebst der Scheide in das Becken zurück. Es tritt dann da, wo die Naht liegt, durch adhäsive Entzündung im Innern Verwachsung und an dem freien Ende aufserhalb der Naht Absterbung ein, wobei ein Ausfluſs von stinkender Jauche aus der Scheide statt findet, bis der abgestorbene Theil völlig abgestolsen ist. Die Behandlung hierbei ist durchaus so, wie im Vorhergehenden bei dem Abbinden des Uterus bei kleinen Thieren angegeben worden ist. L. Die Eroffnung der versch lossenen Zitzen am Euter der Kühe. §. 153. Der Kanal in einer oder der andern Zitze am Eu- ter der Kühe(und vielleicht auch der Schaafe) ver- wächst zuweilen während des sogenannten Galt- oder Geltgehens, so daſs nach erfolgtem Gebähren die be- troffene Zitze keine Milch giebt, obgleich das Euter an der entsprechenden Stelle strotzend voll von derselben ist. Eben so ereignet sich diese Verwachsung bei Ent- zündungen des Euters. Der Zustand ist sehr lästig für das Thier und aufserdem auch nachtheilig, indem bei fortdauernd gehinderter Ausleerung auch die Sekre- tion in diesem Theile des Euters aufhört und derselbe vertrocknet. Die hier anzuwendende Hülfe besteht in dem Wie- dereröffuen des Kauals mittelst einer Sonde oder eines Troikars von angemesseuer Gröfse, wie er z. B. von Russenberger empfohlen ist*). Das Verfahren selbst ist ganz einfach. Man läſst die Kuh, nachdem ihr eine Bremse an ein Ohr gesetzt ist, von Gehäülfen am Kopſe festhalten und allenfalls selbst einen Vorderfuſs aufgehoben halten. *) Der Russenbergersche Troikar ist gegen 3 Zoll lang, mit einem scharfen und mit einem stumpfen Stilet versehen; die Spitze des Erstern ist von gewöhnlicher Beschaffenheit; es dient zum Durchbohren des Kanals, das stumpfe zum Reinigen der Röhre, wenn sie verstopft ist. Die Dicke der Stilette beträgt nur ½ Li- nie. Die Röhre oder Hülse soll von Silber, gegen 1 Linie im Durchmesser, und am vordern Ende scharf abgeschliffen sein.— Fierz benutzte im Nothfalle statt dieses Troikars einen Federkiel mit einem in denselben passenden Stilet(Archiv Schweiz. Thier- ärzte; neue Folge Bd. 7. S. 287). 47 Böse und sehr empfindliche Thiere legt man nieder und bindet den obern Hinterfufs an den Vorderfufs. Dann nimmt man in die linke Hand die kranke Zitze und ziehet sie ge- lind in gerader Richtung vom Euter ab, so dals sie ge- spannt und frei von Falten wird. Hierauf führt man durch die Mündung ihres Kanals mit der rechten Hand eine metallene, mit Oel oder Fett bestrichene Sonde von etwa 1 Linie Dicke, und scbiebt dieselbe langsam vor wärts, bis man an die verwachsene Stelle kommt, welche man durch mälsigen Druck mit der Sonde zu trennen sucht. Im Falle des Gelingens hört der Widerstaud auf und es kommt Milch, zum Theil in veränderter Beschaffen- heit, selbst mit etwas Blut gemengt, zum Vorschein. Preten bei wiederholten Versuchen mit der Sonde diese Erscheinungen nicht ein, so ist die Anwendung des Troikars nöthig. Man fährt nun zuerst die mit Oel oder Fett bestrichene Hälse desselben auf die nämliche Weise wie die Sonde, so weit in den Kanal ein, bis sie Wi- derstand findet,— hält sie hier in der gespannten Zitze fest, bringt das spitze Stilet in sie eben so weit und drückt dann den ganzen Troikar gerade vorwärts in die Milch-Cisterne. Dafs man in diese gelangt ist, kann man aus dem aufgehobenen Widerstande vermuthen. Das 186— Stilet wird nun aus der Röhre gezogen, worauf die Milch, pald mehr bald weniger veräudert und mit Blut gemengt, Nach ihrer gänzli- entfernen oder in einem starken Strahl nachflieſst. chen Entleerung kaun man die Hälse auch sie während 3— 4 Tagen liegen lassen und sie vermittelst eines an ihr Queerblech gebundenen und durch einen Streifen Heftpflaster an das Euter geklebten Zwirnsfadens befestigen. Im erstern Falle ist es nöthig, sie täglich 2— 3mal wiederholt in die Zitze zu führen, so lange bis dieselbe an der verletzten Stelle des Ka- nals eine ganz glatte Oberfläche erhalten hat und die Milchentleerung beim Melken leicht und in einem dicken Strahle statt ſindet.— Man kann diesen Zweck auch durch das Einlegen von trockenen Darmsaiten oder von Bleidrähten erreichen.*) 4) Baerlocher fand bei einer Kuh, welche am linken vordern Strich nicht gemolken werden konnte, an diesem Strich in der Nähe des Euters eine knotige, mit der innern Fläche des Milch- kanals verwachsene Erhabenheit, welche die Oeffnung verschloss. Das Einbringen einer mit Fett bestrichenen Federspule gelang Die Kuh wurde daher niedergelegt, die Zitze auf der in gespalten, der Knoten mit abgelöst, und dann die starke venöse nicht. sie geführten Hohlsonde 4 Zoll lang einem Häkchen erfasst, hervorgezogen und Es traten Wunde durch die Naht vereiniget. Blutungen ein.— Bei fleifsigem Ausmelken erfolgte die Heilung in 14 Tagen. XLI. Die Eaæstirpation oder Amputation der Euter oder der Brüste. S. 154.— Wenn bei Scirrhus, welcher aufzubrechen und in den offenen Krebs überzugehen droht, eben so bei dem letztern selbst und bei Brand in eiuer Brust das betref- fende Thier noch kräftig, ohne Zehrfieber und ohne brandiges Fieber ist und noch erhalten werden soll,— ist die Abnahme der entarteten Brust als nothwendiges und letztes Rettungsmittel zu versuchen. Bei sehr schwachen, abgezehrten und sehr alten Thieren, und No heftiges Fieber oder wo Zufälle eines andern orga- nischen Leidens zugegen sind, hat die Operation in der Regel keinen guten Erfolg. Letzterer ist auch unter den zuerst bezeichneten Umständen nur zu hoffen, wenn die Operation ohne weitern Zeitverlust unternommen wird. Moncourt hat die Exstirpation des Euters an Stu- ien mehrfältig, Flandrin hat sie an einer Kuh, Fro- mage de Heugré ebenfalls an diesem Thiere mit gu- tem Erfolge unternommen(Hurtrel d'Arbovals Wöor- terbuch, Artikel Euter), und ich selbst habe sie mit Glück an einer Kuh und an vielen weiblichen Hunden ausgeführt. §. 155. Je nachdem eine Brust nur theilweis oder im gau- zen Umfange entartet ist, oder das Leiden sich über mehrere Brüste(bei Kühen und Stuten über das ganze Euter) erstreckt, ist auch die Operation in einem bald kleinern bald gröfsern Umfange nothwendig. Bei Schwei- nen, Hunden und Katzen schält man stets die ganze leidende Milchdrüse aus; bei Pferden, noch mehr aber bei Kühen beschränkt man sich, wenn nicht ganz un- verkennbar beide Halften des Euters gleichartig leiden, nur auf die eine Hälfte oder selbst nur auf einen Theil derselben, wenn die Entartung in dem vordern oder dem hintern Ende einer Brust begränzt ist; denn es wird dadurch eine unnätze Vergröfserung der Wunde ver- mieden und der in gesunder Beschaffenheit zurückblei- bende Theil kann später noch seine sezernirende Funk- tion wiedererhalten, wie dies Fromage de Feugré angiebt. Indeſs ist bei einer solchen Abtragung nur eines Theiles einer Brust zu bemerken: a) daſs sie stets in völlig gesunder Substanz geschehen muſs, weil sonst die Operation in Hinsicht auf die Beseitigung des eigentlichen Leidens nichts nutzen würde; und— 5) daſs man immer eine EZitze in gesunder Beschaffenheit mit dem zurückbleibenden Theile der Milchdräse in Verbin- dung erhalten muſs, wenn man von der Absonderung in diesem Theile noch einen Nutzen haben will. Uebri- gens ist die Ausschälung einer ganzen Milchdrüse im entarteten Zustande als Operation gewöhnlich nicht schwieriger als die theilweise Abtragung, und die Hei- lung der Wanden erfolgt, abgesehen von ihrer verschie- denen Gröfse, im erstern Falle oft leichter und für die Zukunft gründlicher als im letztern. §. 156. Das Thier wird zu dieser Operation, nachdem seine beiden Gliedmaſsen jeder Seite zusammengebunden und die sonst nöthigen Vorkehrungen getroffen siud, auf den Rücken gelegt und von Gehülfen gehalten. Mau reini- get zuerst das Euter oder die Umgegend der kranken Drüse an der Oberfläche und macht dann die Ablösung derselben ganz oder zum Theil, und mit mehr oder we- niger Schonung der Haut, je nach dem Umfange der Entartung in der Drüse und in der Haut, und nach der Gröſse der Geschwulst. a) Ist bei einer Stute oder bei einer Kuh eine Milchdrüse nur zum Theil entartet, dabei wenig ge- schwollen und die Haut gesund, so führt man mit einem geballten Bistouri durch die letztere einen Schnitt auf Kah, welche am lünben nin dunte, an diesem Strich in Kr ait der innern Pläche des Vl. welche die Oeffnung Fendn hestrichenen Federspule gin edergelegt, die Zitze auf der n lang gespalten, der Knoteu it togen und abgelöst, und dam àr niget. Es traten starke lelüe n Ausmelken eriolgte die Beiun er Bruste. vlserung der Wunde ne- Beschaffenheit zurückliè- seine sezernirende Fub- s Fromage de Feugn er solchen Abtragung uu „ bemerken: 4) K lann gescheben mußs, wM at auf die Beseitigung is aen würde; und— 5)ℳ esunder Beschafenhei ¹ der Milchdrüse in Vair — 187— der Mitte der Entartung und in der ganzen Länge der- selben,— löset dann die Hautränder an beiden Seiten von der kranken Masse so weit ab, wie dies ohne starke Dehnung der ersteren geschehen kann, und läſst diesel- ben durch Gehülfen mit stumpfen Haken auseinanderhal- ten. Nun erfafst man deu entarteten Theil mit einem scharfen Haken oder man führt mittelst einer breiten Heftnadel ein Band durch ihn, macht daraus eine Hand- habe und zieht ihn hervor, löset ihn von der Haut voll- ständig und eben so an seiner Basis von der äufsern Fläche der Bauchwand ab, und trennt ihn zuletzt von dem zurückbleibenden gesunden Theile, etwa ¼½— 1 Zoll weit von der Grenze des kranken, durch einen senk- rechten, glatten Schnitt. Man untersuche hiernach die Wunde, ob nichts Krankes zurückgeblieben sei und ent- ferne die etwa gefundenen verdächtigen, harten oder bandartig aussehenden Fasern, stille die Blatung durch Unterbindung und vereinige dann die Hautränder durch die Knopfnaht. Findet sich hierbei Ueberflafs von Haut, s0 beschneide man vor dem Heften die Ränder der Haut so weit als eben zum genauen Bedecken der Wund- fläche erforderlich ist. Die Heilung soll, wenigsteus stellenweis, durch schuelle Vereinigung erfolgen. Die Nachbehandlung besteht deshalb während der ersten Tage bei ganz ruhigem Verhalten und bei sehr magerer Nahrung in Anwendung kalter Umschläge, und später in der Anwendung solcher Mittel, wie sie die Beschaf- fenheit der Wunde bei eingetretener Eiterung u. s. w. verlangt. 5) Einfacher ist die theilweise Amputation. Man bewirkt dieselbe, indem man zuerst die kranke Drüse von der mit ihr verbundenen gesunden durch einen, vor- sichtig zwischen beiden geführten Längenschnitt, so lang wie die Entartung sich erstreckt und bis auf die Bauch- wand macht, dann aber mit der linken Hand die kranke Parthie der Milchdrüse sammt der Haut ergreift, beide von dem gesunden Theile abzieht, um die Haut und die Drüsensubstanz zwischen beiden zu spaunen, hierauf aber die ganze Masse an der gespannten Parthie, etwa einen halben Zoll von der Entartung eutfernt, in der gesunden Substanz bis an den Bauch queer durch- und abschneidet. Die Blutung wird mit den gewöhnlichen Mitteln gestillt, hiernach die Wunde mit trockenem Werg und mit einigen Streifen von Heftpflaster bedeckt, und das Thier eutfesselt. Der erste Verband bleibt liegen, bis vollständige Eiterung eingetreten ist, wo er entfernt, und die Wunde, nach geschehener Reinigung, mit eini- gen Heftpflasterstreifen zusammengezogen wird. Diese werden nach zwei Tagen durch andere ersetzt, und so weiter bis zur Heilung. Diese theilweise Amputation findet nothwendig ihre Anwendung, wenn die Haut auf dem kranken Theile der Drüse zugleich mitleidet, sie kann aber auch mit demselben Nutzen wie die Ausschälung da unternommen werden, wo die Haut gesund ist. c) Bei Eutartung einer ganzen Brust macht man, bei kleinen wie bei grofſsen Thieren, in der Länge der Brust zwei halbmondförmige, an ihren Enden sich ver- einigende Hautschnitte, so daſs ein ovales Hautstück mit den Zitzen sich zwischen diesen Schnitten befindet. Je nach der Gröfse der Geschwulst kann dieses Hautstück von verschiedener Breite sein, indem man nur so viel Haut von der Bedeckung der Drüse zu erhalten sucht, wie zum Decken der Wundfläche erforderlich ist. Man löset die Hautränder nach der Basis der Drüse zu ab, läfst aber das Hautstück zwischen ihnen auf der letzte- ren sitzen,— erfaſst dann die Drüse an einem Rande mit den Fingern oder mit einem scharfen Haken, zZieht sie vom Leibe ab, trennt sie von allen umgebenden Theilen und euntfernt sie. Hierauf untersucht man die Wunde hiusichtlich der etwa noch zurückgebliebenen krankhaften Theile, entfernt dieselben, stillt die Blu- tung, heftet die Hautwundränder und verfährt überhaupt ganz so, wie oben sub a angeben worden ist. XLAI. Die oper ative Beseitigung verhärteler Stollbeulen. §. 157. Die in speckartige, mehr oder weniger derbe(zu- weilen selbst knorpelige) Substanzen ausgearteten Stoll- beulen, oder die sog. Stollschwämme können auf zweierlei Weise durch Operation beseitiget werden, und zwar entweder α) durch die Ligatur, oder— 5) durch das Messer. Beide Verfahrungsweisen sind hinsichtlich der Beseitigung von Geschwülsten u. s. w. im Allgemei- nen, bereits oben S. 65.§. 55. sub 1 und 4 beschrie- ben, weshalb hier nur über ihre spezielle Beziehung auf Stollbeulen gehandelt wird. ³) Das Abbinden der Stollbeulen ist von G. W. Schrader in Hamburg zuerst empfohlen(Magaz. f. d. gesammte Thierheilk. VIII. S. 213). Es findet seine Anwendung besonders in den Fällen, wo die Geschwulst nicht mit einer breiten Basis fest auf dem Ellbogen sitzt, sondern einen, wenn auch nur kleinen, Abstand von demselben zeigt, so dals die Ligatur ihre Masse gründ- lich umfassen und von dem Ellbogen trennen kann. Solche Stollbeulen sind allerdings auch mit dem Messer leicht wegzuschaffen, aber die Ligatur gewährt vor die- sem den Vortheil, daſs bei ihr die Haut sich von der Gremze der Beule her unter derselben eng zusammen- zieht und durch adhäsive Entzündung schnell mit der unter ihr befindlichen sehnigen Ausbreitung verwächst, so daſs nach Wegnahme der Geschwulst nur eine kleine Wunde zuräckbleibt, welche gewöhnlich ohne Verdik- kung der Ränder und ohne Bildung neuer Schwielen vernarbt,— was bei dem Ausschälen bei weitem nicht immer so gelingt. Auſserdem ist das Abbinden im Ste- hen ausführbar, während zur Ausschälung die Thiere niedergelegt werden mässen. Dagegen ist aber das Abbinden durch die nothwendige Erneuerung der Liga- tur sehr mühsam. Um das Abbinden zu bewirken, läſst man dem ste- henden Pferde, nachdem dasselbe gut gebremset ist, den Vorderfufs aufheben und von einem starken Gehülfen halten, und scheert die Haare rund um die Ligaturstelle recht kurz an der Haut ab. Das geeignetste Material zu dieser Ligatur ist ein gegen 12— 20 Zoll langer, gut ausgeglüheter Messingdraht in der Stärke von etwa † Linie(etwas stärker wie gewöhnliche Klaviersai- 47* 3 1 4 4 1 —-— 188— ten). Man macht von demselben entweder eine einfache Schleife, die man über die, durch einen Gehölfen von dem Ellbogen etwas abgezogene Beule legt, dann die mit hölzernen Kuebeln versehenen Enden des Drahtes möglichst fest anzieht und sie sogleich fest zusammen- drehet oder sie in einen festen Knoten bindet; oder— man legt die Schleife nur locker an die Beule, bindet die Drahtenden fest zusammen, steckt unter die Schleife einen Knebel und drehet sie mittelst desselben lang- sam so fest zusammen, dafs der Draht fast in die Haut einschneidet. Wählt man die letztere Art des Zuschnü- rens der Schleife, so ist es zweckmäſsig, diese aus zweifach zusammengelegten Draht zu machen, weil der einfache Draht bei dem Zusammendrehen zuweilen zer- reifst.— Wenn die augelegte Schleife nach einigen Tagen lockerer wird und nicht mehr gehörig wirkt, muſs man dieselbe fester zudrehen oder eine zweite möglichst fest um die Beule legen, nachdem man die erste abgenommen hat, und so fortfahren, bis wenigstens die Hälfte der Masse mit der Ligatur durchschnitten ist. Letzteres findet sich, je nach der Dicke und Festigkeit der Geschwulst und nach dem Grade des Druckes, mit welchem die Ligatur wirkt, gewöhnlich zwischen 8— 14 Tagen. Man löst dann mit dem Messer die abgestorbene Masse vollends ab, stillt die etwa entstehende Blutung mit dem Brenn- eisen und behandelt die Wunde fernerhin so, daſs nur eine möglichst geringe Eiterung und Granulation ent- steht, damit die Bildung eines neuen schwammigen Ge- webes vermieden werde. Digestivsalben sind deshalb fast durchaus zu vermeiden, dagegen austrocknende Mit- tel, wie Kohlenpulver mit pulv. Enzianwurzel, selbst Aetzmittel von Zeit zu Zeit wiederholt, anzuwenden. Auſfserdem ist es zweckmäſsig, die Pferde während der Cur im Hängegurt stehen und sie erst nach gröſsten- theils erfolgter Vernarbung mit Vorsicht bewegen zu lassen. 5) Die Entfernung der veralteten Stollbeulen mit dem Messer bewirkt man entweder durch Ausschä- lung oder durch Abtragung derselben. Beides ge- schieht stets am besten am liegenden Pferde, und zwar im Wesentlichen ganz so, wie im§. 55. sub 4— 0 angegeben worden. Es ist jedoch zu bemerken: daſs die Ausschälung der Stollbeulen mit Schonung der Haut (selbst wenn man von ihr nur so viel übrig lälst, wie zum Bedecken der Wunde nöthig ist,) sehr oft eine schlechte Heilung zur Folge hat, indem theils die Wund- ränder der Haut, wenn man dieselben durch die Naht ver- einigt, von der letztern fast immer durchrissen und un- eben werden, sich verdicken und verhärten,— theils auch vom Grunde der Wunde her neue schwammige Substanz wächst. Daher erfolgt die Heilung gewöhn- lich erst nach 4— 8 Wochen, und nach derselben ist oft das Aussehen durch den neugebildeten Schwamm oder durch breite haarlose Narben noch übler als vor der Operation, so daſs die letztere zuweilen wiederholt werden muſs. Dagegen hat man nach dem Abtragen dieser Ge- schwülste, welches man durch einen von oben nach un- ten verlaufenden länglich-runden Schuitt um ihre Basis, mit wenig oder gar keiner Schonung der Haut,— durch glattes Abschneiden der Masse von dem Ellbogen, und die Blutstillung mit den gewöhnlichen Mittelu bewirkt, — stets die Heilung mit einer glatten Narbe und ohne jene üble Zufälle erfolgen sehen. Es entsteht zwar bei dieser Operation eine groſse Wundfläche, indem die Hautränder sich sogleich nach allen Seiten zurückzie- hen; aber nach dem Eintritt der Eiterung verlängern sie sich allmälig und die Vernarbung erfolgt fast in dersel- ben Zeit wie nach der Ausschälung mit Schonung der Haut. Diesen Erfolg bestätigen namentlich die sehr ge- achteten und viel beschäftigten Thierärzte Jessen und Schäütt in Petersburg durch ihre Erfahrungen hierüber. Die Nachbehandlung nach dem Ausschälen wie nach dem Abtragen der Stollschwämme muſs zuerst auf Min- derung der Wundentzündung und daun auf Minderung der Eiterung und Granulation gerichtet sein(wie nach dem Abbinden); das Thier mufs während der Heilung ruhig und stehend erhalten werden. XLIII. Die Durchschneidung des Mushels der breiten Schenkelbinde. §. 158. Wenn die Bewegung eines Hinterschenkels in der Art gestört ist, daſs das Aufheben desselben mit zu groſser Kraft und Schuelligkeit, gleichsam schleudernd nach vorn und zu hoch gegen die Brust, das Nieder- setzen aber zu langsam geschieht,— dabei an der gan- zen Gliedmaafse keine materielle Ursache dieser Stö- rung zu eutdecken ist, aber die Aufhebemuskeln des Schenkels stark entwickelt oder auch nur sehr gespaunt erscheinen, und wenn der Zustand seit längerer Zeit allen Mitteln trotzt, so kann man annehmen, daſs der- selbe in ungleicher, zu heſtiger Aktion der Aufhebe- muskeln begründet sei. Bei diesem Zustande erscheint die Durchschneidung des einen oder des andern dieser Muskeln angezeigt, um die heftige Bewegung zu min- dern. Hierzu eignet sich besonders der Muskel der breiten Schenkelbinde am meisten, weil er bei seiner oberflächlichen Lage am besten zu erreichen und seine Verletzung mit der wenigsten Gefahr verbunden ist. Ich habe in einem solchen Falle diese Operation mit dem Erfolge augenblicklicher Beseitigung und Heilung der Lahmheit ausgeführt. Das Verfahren ist sehr einfach. Das Pferd wird auf die gesunde Seite niedergelegt und seine Füfse wer- den einfach zusammengeschnürt. Man unterrichtet sich durch Befühlen des genannten Muskels in der Richtung von dem äufsern Darmbeinswinkel nach der Kniescheibe zu, von der Lage und dem Umfange desselben, macht. dann an seinem äufsern Rande und etwa 3 Zoll unter dem Darmbeinswinkel(weil er hier weniger ausgebrei- tet ist als weiter unten), einen 1 ¼ Zoll langen Schnitt durch die Haut,— führt durch die Oeffnung eine stumpf- spitzige, etwas gebogene Hohlsonde, die Rinne dersel- ben nach aufsen gerichtet, unter den Muskel, zwischen diesen und die sehnige Ausbreitung in queerer Richtung bis zum innern Rande desselben, und schneidet ihn mit einem à deugebildeten Sehnann tarden noeh üller a n tatere zuweilen wieienzes dem Abtragen dieset Ge. einen von oben nach u. den Schuitt um Ure hai bonung der Haut,— ind se von dem Ellbogen, u föhulichen Mittelu benit, er glatten Narbe und dhr den. ks entsteht auark 2 Wandfache, inden iä h allen Seiten zurickuts ler Eiterung verläugem s dung erſolgt fast in den- chälung mit Schonung ie een namentlich die sehr g n Thierärzte Jesseu uf ihre Erfahrungen lietibe dem Ausschälen wieu mae mufs zuerst auf Wr and daun auf Miudemns gerichtet sein(ie uri nals währeud der Hellau erdeu. kelbinde. iie Oefiung ei ae ö““ 5 3 3 — 189— einem in der Sonde geleiteten schmalen Bistouri, dessen Schneide etwas gewölbt sein kann, queer durch. Das Einführen der Hohlsonde kann sehr erleichtert werden, wenn man durch einen Gehülfen den betreffenden Schen- kel des Thieres gegen den Leib desselben drücken und hierdurch den Muskel erschlaffen läſst; im Moment des Durchschneidens läfst man ihn dagegen am Knie nach hinten und unten drängen, weil hierbei der Muskel mehr gespannt und somit die Trennung erleichtert wird. Letz- tere bewirke man in mehrern kurzen Zügen, langsam und mit gelindem Druck des Messers, und fühle dabei mit den an der Operatiousstelle auf die Haut gelegten Fingern der linken Hand fortwährend, wie weit die Trennung des Muskels erfolgt und wie nahe das Mes- ser der Haut gekommen ist. Man vermeidet bei dieser Vorsicht das Verletzen der Haut.— Die Schnittränder des Muskels ziehen sich nach oben und unten zurück, so daſs eine Läcke zwischen ihnen euntsteht, welche man sowohl äufserlich an der Haut, wie auch in der Wunde deutlich fühlen kann. Man untersucht in der letztern mit einem Finger, ob noch einzelne Muskel- bündel ungetrenut sind, durchschneidet in diesem Falle dieselben nachträglich noch und läſst dann das Thier aufstehen. Die Nachbehandlung besteht in Ruhe und im Be- feuchten der Operationsstelle mit kaltem Wasser wäh- rend der ersten 3— 4 Tage,— nachr dieser Zeit bloſs im Reinigen der Wunde. Die Heilung erfolgt ſast von selbst in etwa 8— 10 Tagen. AIMIY. Der Sehnenschnitt, oder das HDurohschneiden der Heugesehnen an den Glied- mauſsen(Sectio tendinum flegorum pedis, Tenolomia fleworum pedis). §. 159. Das Durchschneiden der Beugesehnen an den Füfsen ist als nothweudig angezeigt: wenn durch andauernde Verkürzung dieser Sehnen bei Pferden ein sogenannter Sehnen-Stelzfufs im höhern Grade erzeugt und un- terhalten ist. Denn der Erfahrung zufolge kaun ein sol- cher Stelzfuſs fast nur allein durch die genannte Ope- ration beseitiget werden, indem nach der queeren Durch- schneidung der verkürzten Sehnen die bisherige Span- nung derselben aufhört, und die Theile des Fufses un- ter dem Fesselgelenk eine mehr regelmäſsige Stellung und eine freie Bewegung wiedererhalten, so daſs die vorher fast immer unbrauchbaren Thiere wieder arbeits- fähig werden. Diese gute Wirkung der Operation tritt in der Regel auch da ein, wo das Uebel nicht in ein- facher Contraktur der Sehnen, sondern zugleich(wie oft bei dem sog. Sehnenklapp) in Verdickung oder Ver- wachsung derselben unter einander, oder in Verdich- tung und Verknorpelung ihrer Textur besteht; sie ist aber in Fällen der letztern Art zuweilen minder voll- ständig zu bemerken, wenn die pathologischen Verän- derungen sich auf alle drei Beugeflechsen und auf den ganzen oder den gröfsten Theil ihrer Länge zwischen dem Fufswurzel- und Fesselgelenk erstrecken. Dage- gen bringt die Sehnendurchschneidung keinen Nutzen und sie ist daher nicht indizirt, wenn auſser dem Lei- den der Sehnen noch Verwachsung der Gelenke, groſse Exostosen(Schaale im hohen Grade) und unheilbare Verkrüppelung und Verkümmerung des Hufes bestehen. Doch habe ich in zwei Fällen den sehr verkleinerten Huf wieder vollkommener werden sehen, als nach dem Sehnenschnitt der Fufs im Ganzen mehr in Thätigkeit und der Huf wieder mit dem Erdboden in beständige Berührung kam. Die Operation ist übrigens im Allgemeinen sehr ein- fach, leicht ausführbar, und selten mit bedeutenden Zu- fällen begleitet. Der Professor Gohier zu Lyon und der Thier- arzt Carbonel zu Aix haben wahrscheinlich dieselbe zuerst im Jahre 1814 und zwar mit gutem Erfolge ausge- führt, nachdem Ersterer schon früher die Unterstützungs- sehne des Hufbeinbeugers allein für diesen Zweck ohne besondern Nutzen durchschnitten hatte ¹). Eben so ist auch später die Tenotomie der Beugeſſechsen mit glän- zendem Erfolg an stelzfüfsigen Pferden in der genann- ten Thieraraneischule wiederholt 2), und dieser Erfolg von vielen Thierärzten bestätiget worden*). In neue- rer Zeit wurde die Operation durch Aufnahme der sub- cutanen Verfahrungsweise aus der Menschenheilkuust, nach dem Vorgange des Professors Stromeyer ¹), sehr wesentlich vervollkommuet. Aufser den genannten Mit- theilungen über einzelne Fälle sind mehr umfassende Abhandlungen von Prinz ⁵), von mir ⁶) und von Die- teriehs*) über die Operation vorhanden. §. 160. Der Sehnenschnitt kann nach zwei Verfahrungswei- sen ausgeführt werden, nämlich:) mit einer offeneu Hautwunde, durch welche die Sehnen an der Opera- tionsstelle bloſsgelegt werden, und— 5) mit einer möglichst kleinen Hautwunde, so daſs die Durchschuei- dung der Sehnen unter der Haut(subcutan) geschieht. Die erstere Verfahrungsweise war bis gegen das Jahr 1838 allein gebräuchlich. Sie bietet im Vergleich mit der zweiten den Vortheil: daſs man durch die grö- ſsere offene Wunde die in der Tiefe befindlichen Theile sehen und nöthigenfalls etwas verschieben, somit die Verletzung der neben der zu durchschneidenden Sehne liegenden Sehnen, Gefäſse und Nerven vermeiden kann; aber sie hat auch den Nachtheil: daſs die Verwundung ¹) Procès verbal de la séance publique tenue à l'Ecole roy. vét, de Lyon le 10. Octbr. 1814. p. 26,— und Proc. verb. etc. de Lyon 1809, p. 18. ²) Compte rendu des travaux de l'école r. d'oeconomie rurale et vétér. de Lyon pendant l'année 1821 par M. Grognier. In den Annal. de l'Agricult. Franc. II. Ser. T. XVII. p. 48. ²) z. B. v. Bruche(in den Compte rendue etc. de Soc. d'agri- cult. pro 1826),— von Miquel, Debeaux und Blanc(im Journ. pratique de méd. vét. par Dupuy 1826, und 1828),— von Dehan, Bouissy, Vatel, Delafond, Renault, Cho- pin, Lordon(im Recueil de médec. vétérin. 1831, 1832, 1833, 1835),— von Henderson, Holford, Young, Dick(im Ve- terinarian, Vol. 3. u. 5.) u. A.. ¹⁴) Beiträge zur operativen Orthopädik. Hannover, 1838. ⁵³) Der Stelzfuſs der Pferde und der Sehnenschnitt zur Heilung des- selben. Dresden, 1841. ⁸) Magaz. f. d. gesammte Thierheilkunde Bd. VII. ) Aliurgie, S. 190. 48 — 190 gröſser, also auch schmerzhafter ist und mehr Zeit zur Heilung verlangt,— daſs die Entzündung heftiger wird und fast immer nur mit Eiterung endet, und dafs wäh- rend der letztern oft Wucherung der neugebildeten Substanz zwischen den Sehnenenden und dicke haarlose Narben entstehen. Die subkutane Sehnendurchschneidung ist um das Jahr 1836 unter den Thierärzten, wahrscheinlich zuerst von Günther d. V., ausgeführt worden(nach Andeu- tungen in der oben genanuten Schrift von Stromeyer, S. 16. 71 u. 93), und jetzt fast allein im Gebrauch, weil sie vor dem offenen Sehnenschnitt die groſsen Vortheile gewährt, dafs: 1) die Operation weniger schmerzhaft ist; 2) dafs sie in der Regel nur eine sehr geringe Entzündung und keine Eiterung zur Folge hat, daher die Zufälle nach der Operation viel milder sind und die Zeit zur Heilung kürzer ist, und— 3) daſs die letz- tere fast immer ohne Verdickung der Sehnenmasse und mit sehr kleiner, oft kaum sichtbarer Narbe, geschieht. Beide Verfahren sind übrigens fast durchaus gleichmä- ſsig anwendbar, und nur in dem Falle, wo die Sehuen- durchschneidung in der Nähe eines Gelenkes geschehen soll, verdient der subeutane Schnitt uubedingt den Vorzug. Auſser diesen Verschiedenbeiten in der Verfahrungs- weise finden bei der Ausführung der Operation noch Unterschiede darin statt: daſs bald nur eine, bald zwei oder gar alle drei Beugesehnen durchschnitten werden. In den allermeisten Fällen besteht die Contraktur allein oder hauptsächlich in der Sehne des Hufbeinbeugers, und es ist daher auch gewöhnlich hinreichend, nur diese Sehne zu durchschneiden. Dies ist als sicher anzuneh- men, wenn man die Beugesehnen nur contrakt, steif, aber ohne grobe Desorganisation findet, oder wenn die Hufbeinsbeugesehne allein oder hauptsächlich verdickt oder verhärtet ist; und man kam au dieser Ausicht auch dann noch halten, wenn selbst uach dem Durch- schneiden der genannten Sehne nicht sogleich eine hiurei- chende Vollständigkeit in der Bewegung des Fesselge- lenkes statt finden sollte. Sind aber die Sehnen des Huf- und Kronenbeinbeugers mit einander oder mit der Sehne des Fesselbeinbeugers, oder selbst mit dem Schien- bein fest verwachsen und sehr verdickt, so ist es Zzweck- mälsig, erstere beide Sehnen zugleich zu durchschuei- den. In einigen solchen Fällen hat man auch die Sehne des Fesselbeinbeugers durchtreunt, wenn die Operation an den beiden andern Sehnen nicht den gewünschten Erfolg gewährte; es entstand hiernach stets ein sehr starkes, selbst ein übermäſsiges Durchtreten im Köthen- gelenk, meistens auch eine sehr heftige Entzündung und übermäſsige Eiterung, 80 dafs letztere selbst bis hinter die Gleichbeine drang und die Heilung sehr verzögerte, ja in einzelnen Fällen ganz störte. Diese Durchschnei- dung ist daher uur als letater Versuch zu unternehmen. 38§. 161. Die Ausführung der Operation(namentlich auf sub- kutane Weise und an den Vorderbeinen) kann zwar bei ruhigen Pferden im Stehen derselben geschehen; dies ist jedoch nicht zu empfehlen, weil dabei sehr leicht durch ein Zucken des Thieres mit dem betreffenden Fufse eine Störung oder eine gröſsere Verletzung ent- steht. Man lege daher die Pferde nieder, ziehe die Füfse einfach zusammen, entfessele den Zur Operation bestimm- ten Fufs und stelle ihn daun mit dem Spanustock(S. 19) fest, welchen man an einem Vorderfuſse unmittelbar über das Knie- und an einem Hinterfufse über das Sprung- gelenk schnallt, so daſs der ganze untere Theil des Fuſses frei bleibt. In Ermaugelung des Spannstockes binde man den Fufs auf die S. 18. augegebene Weise so nahe als möglich am Knie- oder Sprunggelenk auf dem entsprechenden, obenliegenden Fuſs fest,— was jedoch schwieriger und weniger zweckmälsig ist als das Verfahren mit dem Spannstock. Beginnt man die Operation von der äufsern Seite eines Fufses, so kaun man bei ruhigen Pferden wohl auch fertig werden, ohne denselben besonders auszubinden. Das Niederlegen des Thieres geschieht auf die Seite desselben, welche der gewählten Operationsseite des Fufses entgegengesetzt ist. Im Allgemeinen eignet sich die eine Seite eben so gut zur Ausführung des Sehnenschnittes wie die andere. Dieterichs(Akiur- gie S. 190) bestimmt, ohne Angabe eines Grundes, die Operation stets von der äufsern Seite zu unternehmen, wenn nicht gerade Entartungen und starke Narben der Haut daselbst vorkommen, wo man dann von der innern Seite operirt. Mauche Thierärzte glauben bei dem Ein- schnitt an der äufsern Seite die Verletzung der gröſse- ren Gefäſse und Nerven sicherer zu vermeiden als au der inneren; ich halte entgegengesetat dafür, dafs man bei dem Einführen des Messers an der innern Seite(be- sonders bei der subkutanen Durchschneidung) die hier sicht- und fühlbaren gröfsern Gefälse weit leichter ver- meiden kann, als wenn man von der andern Seite her in der Tiefe der Wunde die Messerspitze bis über den Rand der Sehnen gegen sie führt. Aufserdem ist bei dem offenen Sehneuschnitt die innere Seite noch des- halb vorzuziehen, weil an ihr die zurückbleibenden Narben weniger in die Augen fallen, als an der äufse- ren Seite. §. 162. Die geeignetste Stelle an den Sehuen zu ihrer Durchschneidung ist(abgesehen davon, ob man die in⸗ nere oder die äufsere Seite des Schienbeins wählt,) an den Vorderfüfsen von der Mitte der Länge der Griffel- beine bis zum untern Ende dieser Knochen, an den Hinterfüfsen aber von der Grenze des obern Drittheils der Griffelbeine bis zum untern Ende derselben; und man wählt daher gewöhnlich die Mitte dieses Raumes, wenn die Sehnen daselbst nicht durch feste Verwach- sungen, groſse Verdickungen u. s. w. zu sehr desorga- nisirt sind. Ist aber Letzteres der Fall, so macht man die Durchschneidung am besten unterhalb der entarteten Parthie, jedoch sowohl an den Vorder- wie auch an den Hinterbeinen, nicht unmittelbar am Fesselgelenk, weil hier fast unvermeidlich die Synovialscheide der Gleichbeine mit verletzt wird und hierdurch zuweilen sehr heftige Entzündung und langwierige Eiterung ent- steht. Nach oben(der Fufswurzel zu) geht man nicht gern über die bezeichnete Grenze hinauf, weil man dort die Synovialscheide trifft, welche vom Kniebogen an ger 2Weckmäͤſsig 4 Slock. Beginnt man de te eines Pulses, so ban auch fertig Werden, ohhe jen. dieres geschieht auf it gewählten Operationsseie t. Im Allgemeinen eigne gut zur Ausführung ts e. Dieterichs(Akin. ugabe eines Grundes, ie ern Seite zu uuternehnen, en und starke Narben d man dann von der innen zle glauben bei dem bir- ie Verletzung der grile- erer zu vermeiden ab u engesetat dafür, dals uu s an der innern Seite(he- Hurchschneidung) die hie Gefäſse weit leichter fer von der audern Seite e Alesserspitze his iber de ahrt. Aulserdem ist de innere Seite Doch de ihr die aurückbleibente ſallen, als au der julse 2 * den Sebuen d in ob mau di i- 2n davon, ) ๠8 Sebienbeins wähllt e der Länge ver bilt au den Sehnen heruntergeht und bei Verletzungen ebenfalls zu üblen Zufällen leicht Veranlassung wird.— Wenn die Sehnen in ihrer ganzen Länge zwischen dem Knie- und Fesselgelenk verdickt und verhärtet sind, so durch- schneide man sie in der Mitte des angedeuteten Rau- mes; denn obgleich die Schnittenden bei dem Durch- schneiden einer kranken Sehnenstelle sich nicht so schnell und nicht in dem Maaſse zurückziehen wie bei dem Durchschneiden in gesunder Substauz, so geschieht dies doch nach und nach genügend für einen guten Erfolg*). §. 163. Man gebraucht zur Ausführung des offenen Sehnen- schnittes: eine Scheere, ein geballtes Bistouri, ein krum- mes Kuopf bistouri(sog. Pottsches Fistelmesser), eine Pinzette, Heftnadeln und Fäden, Waschschwamm und Wasser, Werg und eine etwa 2+— 3 Ellen lange Binde;— zum subcutanen Sehneuschnitt genügt ein 2 Zoll langes, nur gegen 2 Linien breites, spitzes Mes- ser(sog. Tenotom, S. 154), welches an der Schneide geradlinig oder etwas bauchig, oder selbst wenig sichel- förmig gebogen sein kann. Die letztere Form ist die gebräuchlichste und, wenn man die Sehnen in der Rich- tung von ihrer hintern zur vordern Fläche durchschnei- det, auch ganz zweckmäſsig. Aufser diesem scharfen spitzen Messer kann man sehr gut noch ein ähnlich ge- formtes mit stumpfer oder abgerundeter Spitze gebrau- chen, um die neben den Sehnen liegenden Gefäſse und Nerven mehr zu schonen. Nöthig ist es, daſs diese Messer im Charnier recht fest gestellt werden können oder mit dem Stiel fest verbunden(Scalpelle) sind. Aufserdem gebraucht man auch hier etwas Werg und eine Binde. Nachdem das Thier niedergelegt, gebremset, und der betreffende F'uſs, wie oben angegeben, befestiget ist, lälst man den letztern am Fessel und Hufe von einem besonders hierzu angestellten Gehülfen festhalten. Dies geschieht entweder mit den bloſsen Händen oder mittelst eines um den Fessel gebundenen Strickes. 2) Bei dem offenen Sehnenschnitt scheert man zuerst auf der gewählten Operationsstelle(auf der Huf- beinsbeugesehne) in der Länge von 2 ½ Zollund in der Breite von ¾ Zoll die Haare rein ab, untersucht diese Stelle bin- sichtlich der vorhandenen Blutgefäſse, um denselben mit dem Messer auszuweichen, spannt dann mit der linken Hand daselbst die Haut und macht mit dem geballten Bistouri einen, in der Längenrichtung der genaunten Sehne verlaufenden, 1 ½— 2 Zoll langen Schnitt. Man durchschneidet so die Haut, die Schenkelbinde und den sehnigen Ueberzug der Flechsen, läfst durch einen Ge- hülfen die Hautränder auseiunander halten und, wenn hierbei in der Wunde Gefäſse oder Nerven sichtbar werden, so läfst man dieselben mit einer dicken etwas gebogenen Sonde oder mit einem stumpfen Haken u. dgl. nach derjenigen Seite verschieben, von welcher man das Messer gegen die Sehne einführen will, so daſs der Rücken desselben immer gegen die Geſäſse oder Ner- —;— *) Wegen den neben den Sehnen verlaufenden Gefässen und Ner- ven siehe die Abbildungen auf Tafel IX. 191— ven gekehrt ist und diese hierbei gegen Verletzungen gesichert sind. in dieser Hinsicht ist zu bemerken: daſs man die Sehnen in der Richtung vom Schienbein nach hinten, oder auch entgegengesetzt, von ihrer hin- tern Fläche nach dem Schienbein hin durchschneiden kann. Bei der erstern Weise dringt mau mit dem Mes- ser zwischen der Fessel- und Hufbeinbeugesehne leich- ter durch als bei der letztern zwischen der Sehne des Hufbeinbeugers und Kronbeinbeugers; aber das queere Durchschneiden gelingt auf letztere Weise besser als auf erstere, und die Durchschueidung des Kronbeiubeu- gers mittelst des sichelförmigen Tenotoms ist von vorn nach hinten kaum ausführbar, ohne dafs dabei Neben- verletzungen der Haut entstehen. Im Allgemeinen dürſte daher das Durchschneiden von hinten nach vorn die meiste Anwendung finden. Nachdem die Sehnen auf angegebene Weise blols- gelegt sind, lälst man von demjenigen Gehülfen, wel- cher den Fofs hält, den letztern im Fessel- und Kron- gelenk stark nach rückwärts beugen, um die Beugeseh- nen zu erschlaffen. Nun sticht man, wenn die Durch- schneidung der Hufbeinsbeugesehne in der Richtung von vorn nach hinten geschehen soll, das schmale Messer mit einer Fläche gegen die Sehne gerichtet, zwischen diese und die Sehne des Wesselbeinbeugers(und zwar dicht an der erstern bleibend, um die innere Zwischen- knochenvene, welche näher am Fesselbeinbeuger liegt, zu verschonen), und trenut damit beide Sehnen in ihrer ganzen Breite und in der Länge eines Zolls auseinan- der, so daſs man mit einem Finger durch diese Wunde den untern Rand der Sehne und die neben ihm liegen- den Gefäfse und Nerven fühlen kann. Hierauf wendet man entweder das Messer mit der Schneide gegen die Hufbeinsbeugesehne und schneidet dieselbe queer durch, oder man zieht es zurück, führt dafür das Knopfhistouri in die Wunde und bewirkt mit ihm die Durchschnei- dung. Letztere erfolgt am besten, indem man das Mes- serheft sauft nach dem Schienbein zu herunterdrückt, also die Klinge im Grunde der Wunde hebelartig in die Höhe und in die Sehne treibt, und indem man gleich- zeitig den Fuſs mit dem Hufe und Wessel so stark als möglich nach vorn strecken läfst. Durch letztere Bewe- gung werden die Beugesehnen gespannt und selbst et- was gegen die Schneide des Messers gedrängt. Wäh- rend des Durchschueidens kann man mit den Fingern der linken Hand äufserlich an der Haut fühlend den Gang des Messers in der Sehne begleiten, um hierdurch den Umfang und die Vollständigkeit der geschehenen Trennung sogleich wahrzunehmen und zugleich die Kraft zu reguliren, mit welcher das Messer an den einzelnen Stellen, je nach dem Grade der Verhärtung, geführt werden mufs. Jedenfalls ist es besser, die Durchschnei- dung langsam, mit mehrern Messerzügen, als mit einem raschen Zuge zu bewirken. Bei erfolgter gänzlicher Trennung der Sehne springen die beiden Enden dersel- ben nach oben und unten zurück, und erzeugen dadurch mebhrentheils ein ruckendes oder knackendes Geräusch und zwischen sich eine ½— 2 Zoll lange Lücke. Diese Er- scheinungen sind sämmtlich dann, wenn an den Sehnen keine Verwachsung und keine groſse Verdickung be- 48* steht, in einem höhern Grade zu bemerken als unter entgegengesetzten Umständen. Soll die Durchschneidung von der hintern Fläche der Hufbeinbeugesehne her geschehen, so trennt man die letztere und die Sehne des Kronbeinbeugers an der Operationsstelle etwas auseinander, schiebt dann das spitze Tenotom mit den Flächen gegen die Sehnen ge- richtet zwischen diese, kehrt dann die Schneide des Messers gegen die Hufbeinsbeugesehne, und durchschnei- det dieselbe mittelst Anwendung der oben angegebenen Handgriffe. Wenn man die Durchschneidung des Kronbeinbeu- gers bewirken will, kann man entweder das sichelför- mige Tenotom unter der Haut über die hintere Fläche der Sehne führen und dieselbe von dieser Seite her durchschneiden, oder man führt ein schmales, sanft ge- und Huf bein- beuger und bewirkt die Trennung von vorn nach hin- halltes Bistouri zwischen den Kronen- ten. Im erstern Falle kann, wenn dies die Nothwen- digkeit bedingt, dann noch die Hufbeinsbeugesehne in derselben Richtung durchschnitten werden,— im letztern Falle aber diese Sehne schon vorher durchschnitten sein. Als Abweichungen von dem bezeichneten Verfah- ren sind zu nennen: 1) daſs man zwischen die Sehnen eine Hohlsonde bis zur andern Seite der Haut schiebt und auf der Hohlsonde die Durchschneidung der Sehnen mit einem Knopfbistouri ausführt;— 2) daſs Dela- fond die zu durchschneidende Sehne von den umge- benden Theilen trennt, sie auf eine nach der Fläche ge- bogene Scheere nimmt, so daſs sie an der Oberfläche der Wunde liegt und sie dann durchschneidet. Durch diese Vorsicht wird zwar in beiden Fällen die Verletzung der Blutgefäſse und Nerven sicherer ver- mieden, aber auch die Wunde mehr ausgedehnt, mehr gereizt, mehr der Luft ausgesetzt, und in Folge dessen entsteht heftigere Entzündung, zu reichliche Eiterung und spätere Heilung mit gröſsern Narben. §. 164. Nach dem Durchschneiden der Sehnen mufs der Fes- sel sich leichter und im stärkern Grade vorwärts strek- ken lassen. Gelingt dies bei Anwendung einer mälsi- gen Kraft mit den Händen nicht, sind die Sehnen unter einander verwachsen, und war auch das Zurücktreten ihrer Enden an der Schnittstelle nur gering, so kann man, nach Professor Dick, versuchen, die Theile durch eine gröſsere Kraftanwendung nachgiebiger zu machen, indem der Operateur sein Kuie gegen die vordere Fläche des Fesselgelenks setzt und mit, der einen Hand das Schienbein festhält, mit der aber den Huf ergreift und diesen nebst dem Iessel so stark vor- andern wärts zieht, dafs die Adhäsionen der Sehnen hiurei- chend nachgeben müssen.— Sollte auch dies Verfahren nicht genügen und nur der Hufbein- oder uur der Kron- beinbeuger durchschnitten worden sein, so würde man nun die zweite Sehne(wie bereits oben angegeben) noch durchschneiden müssen. Man darf jedoch über ein mäſsiges Nachgeben des Gelenks nicht zu ängstlich sein, da dasselbe sich, wenn erst das Pferd wieder auf den Fuſs auftritt, nach und nach bedeutend vermehrt und bessert. 192 Sollte ein Gefäſs bei der Operation verletzt sein und stark bluten, so unterbindet man es oder man dre- het es zu. Dann reiniget man die Wunde, legt über dieselbe eine Werg-Compresse und eine desgleichen an die entgegengesetzte Seite der Sehnen, und umwickelt den Fufs von der Krone au bis zum Fufswurzelgelenk mit einer mälsig fest und recht gleichmäfsig angelegten Binde. Dieterichs(a. a. O.) empfiehlt das Heſften der Wundränder durch die blutige Naht und dann das Ausstreichen des etwa wieder in ihr angesammelten Blu- tes vor dem Anlegen des eben bezeichneten Verbandes; ich kann jedoch dies Verfahren als zweckmäſsig nicht anerkennen, weil uach meinen Beobachtungen diese Wunden niemals durch schnelle Vereinigung heilen, so- mit die Naht nichts nutzt, dagegen ein wenig Blut in der Wunde nicht schadet. Nach angelegtem Verbande läfst man das Pferd entfesseln und aufstehen, führt es in den Stall und be- handelt es daselbst den Umständen dies unten im§. 167. angedeutet wird. §. 165. 5) Die Ausführung der subkutanen Durch- schneidung geschieht folgendermaafsen: Nachdem das Pferd in der oben bezeichneten Weise liegend befesti- get und der Fufs von einem Gehülfen gehalten ist, um- falst der Operateur mit seiner linken Hand das Schien- angemessen, wie bein an der Operationsstelle und spannt kierdurch die Haut straff an; dann untersucht er die Lage der Gefäſse und Nerven und entscheidet sich darüber: ob er die be- treffende Sehne 1) in der Richtung von hinten nach vorn oder 2) entgegengesetzt durchschneiden will und wählt hiernach den Einstichpunkt für das spitze Teno- tom. Dieser soll nämlich immer so angebracht werden, daſs er nicht gerade gegenüber der Sehnenwunde steht und den Eintritt der Luft zu derselben gestattet; sondern er muls deshalb im ersten Falle immer 6— S Linien vor der Sehne, d. h. dem Schienbein zu, im Falle 2 aber eben so weit hinter der Sehne sein. An der bezeichneten Stelle steche man nun das spitze Messer, und zwar stets die Schneide nach dem Fessel, den Rücken nach dem Kunie gekehrt, durch die Haut, schiebe es so, indem es mit einer Fläche gegen diese liegt, im Zellgewebe unter derselben mit der Spitze bis an die Grenze der zu durchschneidenden Sehne,— z. B. wenn die Hufbeinbeugesehne von hinten her durch- schnitten werden soll, von vorn bis an die Zusammen- fügung dieser Sehne mit der des Kronbeinbeugers, wo- bei fortwährend der Zeigefinger der linken Hand fühlend Ist das Messer hinreichend vorgerückt, so läfst man durch den die Spitze des Messers unter der Haut leitet. Gehülfen den Fuſs(selbst etwas das Knie) beugen, um die Sehnen zu erschlaffen,— erhebt den Stiel des Mes- sers fast bis zur senkrechten Stellung und dringt mit der Klinge, die Flächen gegen die Sehnen gerichtet, zwischen der Kroubein- und der Hufbeinbeugesehne langsam so tief ein, daſs man die Spitze am andern(un- ten liegenden) Rande der Sehne, an der innern Fläche der hier befindlichen Haut fühlen kann. Hierauf wendet man seine Schneide gegen die Hufbeinbeugesehne, läſst dann durch den Gehülfen den Fessel und Huf möglichst stark dn als zweeknälcg in inen Beohachtungen dies le Vereinigung heile 3 * agegen ein wenig Uhta unde lafst man das Pien ut es in den Stall und he. ständen angemessen, ſi utet wird. 65. er subkutanen Darei. endermaalsen: Nuchden den Weise liegend beſss- Gehülfen gehalten ist, n. r linken Hand das Scie. und spaunt bierdurcl ü- ht er die Lage der Gelibe lich darüber: ob er die k Richtung von hinten ml t durchschneiden wil m unkt für das spitze Tew- mer so angebracht werte der der Sehnenwunde se jerselben gestattet; smcen alle immer 6— 8 Liuien n dein zu, im Falle 2 un e sein. elle steche man ul 1 n Kuie gekehtt, es mit einer Fläche Sa er derselben mit der Syat chschneidenden Sehne,- Stellung un en die Sehnen Ee der Hofben n(er ge Spitge aud fgh an der unem 6„. wt Hieraul en Kanu- hue ls jabeugesen““, Huf bein 1 1 nigles essel un suns stark nach vorwärts strecken, um somit die Beugeseh- nen zu spannen und ihre Durchschneidung zu erleichtern, und bewirkt dieselbe, indem man den Rücken des Mes- sers auf den hintern Rand der Hautwunde, wie auf die Unterlage eines zweiarmigen Hebels legt,— das Heſt sanft nach hinten, über den Kronbeinbeuger, senkt und hierdurch die Schneide in die Huf beinbeugesehne drückt. So wie hierdurch diese Sehne in der Richtung von ih- rem untern Rande her allmälig mehr und mehr durch- trennt wird, ist es nöthig, in demselben Maaſse die Mes- serklinge nach und nach mehr hervorzuziehen, damit sie in der Wunde immer kürzer werde und weniger die vor ihrer Spitze und Schneide liegenden Theile verletze. Nach vollendeter Durchschneidung zieht man das Iustru- ment vollständig und so aus der Hautwunde zurück, wie es eingestochen worden ist.. Bei der Durchschneidung der Sehne gewahrt man wieder die bereits bei dem offenen Sehnenschnitt ange- gebenen Erscheinungen, das ruckende Geräusch und die unter der Haut fühlbare Lücke zwischen den Sebnenen- den, Beides durch die Retraktion der Sehnenfasern be- dingt. Die Lücke ist auch hier, je nachdem die Sehnen sich frei zurückziehen können oder nicht, bald gröfser bald kleiner; in jedem Falle aber muſs sie an der in- nern und an der äufsern Seite der operirten Sehne gleich- mäſsig zu fühlen sein, weil dies, neben dem Rucken und der leichtern Streckung des Fessels als das Haupt- merkmal der völligen Durchtrennung aller Sehnenfasern gilt. Sollte sich an einem Punkte der Operationsstelle noch eine gröſsere Derbheit und Spannung wahrnehmen lassen, so mufs man das Messer noch einmal, mit vor- sichtiger Vermeidung von Nebenverletzung oder von Vergröfserung der Hautwunde, in die Wunde führen und die betreffenden Fasern vollständig durchschneiden.— Ebhen so verfährt man, wenn man wegen Unruhe des Pferdes genöthiget war, das Messer aus der Wunde zu nehmen, ehe die völlige Durchschueidung der Sehne ge- schehen ist. In beiden Fällen eignet sich, wie Diete- richs richtig bemerkt(a. a. O.§. 248 u. 249), zu die- sem wiederholten Einführen des Messers das Tenotom mit etwas abgerundeter Spitze weit besser als das mit scharfer Spitze, weil durch letzteres leicht neue Stich- kanäle gebildet werden. Es ist überhaupt sehr zu empfehlen, das rundspitzige Tenotom gleich nach gemachtem Hautstich mit dem spitzigen Messer zu gebrauchen, um den ganzen Sehnenschnitt damit zu vollführen; weil es den Vortheil gewährt, daſs man es sicherer zwischen die Sehnen bis zur andern Seite einstoſsen kann, ohne künstliche Gänge zu bilden oder jenseits die Haut zu verletzen. Weunn nach vollendeter Durchschneidung der Fuſs die gewünschte Streckung bei einer mäſsigen Kraftan- strengung nicht zulassen will, muſs auch hier nach Dick's Vorschrift(s. oben) verfahren werden. Die Blutung ist bei dem subcutanen Sehnenschnitt gewöhnlich sehr gering(zuweilen nur in einzelnen Tropfen), so dafs eine Blautstillung in den meisten Fäl- len nicht erforderlich ist. Wo aber viel Blut aus der Oeffnung quillt und die Umgegend der Operationsstelle in kurzer Zeit sehr anschwillt, ist ein schnell angeleg- 193— ter Druckverband, ganz so wie derselbe bei dem offe- nen Sehnenschnitt vorgeschrieben, dem Zwecke entspre- chend. In andern Fällen ist nach der subeutanen Te- notomie ein Verhand nicht streng nöthig, weil die kleine Hautwunde sich sogleich wieder fast gänzlich schlieſst; dennoch aber kann der Verband durch Abhalten der Luft nützlich sein. §. 166. Nach dem einen wie nach dem andern Operations- Verfahren entsteht im Umfange der Operationsstelle eine Entzündung, welche nach der subcutanen Daurchschuei- dung in der Regel sehr gering ist und in 8 bis 14 Ta- gen sich allmälig wieder verliert. Nur selten folgt Ei- terung, bei welcher die Hautwunde sich etwas vergrö- ſsert. Auch bei dem offenen Sehnenschuitt ist sehr oft der Verlauf der Entzündung eben so mäſsig; aber es findet hier stets vom zweiten oder dritten Tage ab ein Ausfluſs von eiweisartig verdickter, zum Theil in Klümp- chen geronnener Synovialflässigkeit statt, die zuweilen in der ersten Zeit übelriechend ist; gewöhulich verdicken die Wundränder sich und beugen sich nach aufsen etwas um; es tritt Eiterung und Granulation ein und mit Hülfe der letztern, so wie durch reichliche Ausschwitzung von Faserstoff, der sich zwischen die Sehnenenden in der Lücke ablagert und verdichtet, füllt sich die letztere aus und die Sehnenenden verwachsen in 2— 4 Wochen durch diesen Zwischenkörper, der in 3— 5 Wochen eine sehnige Beschaffenheit und Festigkeit erreicht. Zu- weilen wird jedoch die Entzündung heftiger, schmerz- hafter, die Eiterung mehr ausgebreitet und die Heilung erfolgt etwas später.— Nach subcutaner Durchschnei- dung ist der Heilprozeſs an den Sehnenenden sehr ähn- lich. Unmittelbar nach der Operation ist die Lücke zwi- schen den Sehnenenden mit geronnenem Blut ausgefüllt, zu welchem nach 24 Stunden plastische Flüssigkeit kommt, die aus den Sehnen und Schnenscheiden schwitzt, gerinnt und von den Sehnenenden her das Blut immer mehr verdrängt, so daſs dieses nach 8 Tagen verschwin- det. Der Faserstoff bildet um diese Zeit schon mehrere ziemlich feste Stränge, welche von beiden Enden der Sehnen in einander übergehen, sich allmälig verdichten und mit 3— 4 Wochen eine sehnige Masse darstellen. Diese hat nach der subcutanen Operation gewöhnlich den Umfang der durchschnittenen Sehne, nach der offe- nen ist sie aber oft etwas schwächer und ungleicher. §. 167. Die Nachbehandlung ist auf Minderung einer zu hef- tigen oder zu lange daueruden Entzündung, auf Leitung der Eiterung und Granulation und auf Herbeiführung eines richtigen Grades der Bewegung im Fesselgelenk gerichtet. Demgemäſs wendet man in den ersten 2— 3 Tagen an dem operirten Theile fortwährend Befeuch- tungen oder Fufsbäder von bloſsem kaltem Wasser an. War ein Verband angelegt und zeigt sich derselbe nach 24 Stunden straff anliegend, oder Geschwulst in seiner Nähe, so muſs die Binde zu dieser Zeit abgenommen und loser angelegt werden. War die Wunde geheftet, so entferne man die Hefte nach 2— 3 Tagen und lege dann die Binde wie vorher an. Tritt ein heftiges Reiz- fieber ein und dauert die Entzündung mit Heftigkeit über 49 — 194— 3 Tage fort, so ist die innerliche Anwendung antiphlo- gistischer Salze, neben magerer Diät und strenger Ruhe, nöthig. In hartnäckigen Fällen hat sich auch die gänz- liche Abnahme des Verbandes und die Anwendung der Cautharidensalbe auf die Haut im Verlaufe der entzün- deten Sehnen sehr nützlich gezeigt.— Tritt gutartige Eiterung ein, so ist nur die Reinigung der Wunde mit lauwarmem Wasser erforderlich. Bei üppiger Granula- tion im geringen Grade leistet ein mäſsiger Druckver- band oder eine Auflösung von Kuͤpfervitriol(Unc. β zu Unc. ji— Unc. jii Wasser) gute Dieuste; drängen sich aber dickere Granulationsmassen aus der Wunde her- vor, so beseitiget man dieselben am sichersten und be- sten durch Abschneiden bis an den Rand der Sehnen- scheide. Findet sich während der Heilung eine Ver- dickung in der Umgebung der Operationsstelle oder bleibt eine solche nach der Vernarbung Zurück, so ist die An- wendung der grauen Merkurialsalbe in Verbindung mit Einwickelung, später die Cantharidensalbe nützlich.— Oedeme verlieren sich, wenn das Thier mehr Bewegung erhält, und bei Anwendung spirituõser oder aromatischer Waschungen, besouders aber bei dem Mitgebrauch der Einwickelung mit einer Binde. Hinsichtlich der Stellung und Bewegung im Fessel- gelenk mufs man gleich nach der Operation darauf ach- ten, wie das Thier in diesem Gelenk niedertritt. Ge- schieht Letzteres vollständig, oder wenigstens weit bes- ser als vorher, so gestattet man dem Thiere das Nie- derlegen auf die Streu; im entgegengesetzten Falle zwingt man es aber durch kurzes Anbinden zum Stehenbleiben in den ersten 24— 36 Stunden, damit es während die- ser Zeit öfter auf den kranken Fuſs treten und hier- durch die Sehnen mehr nachgiebig machen soll, ehe die Während der Entzündung kann das Pferd nach Belieben stehen oder Eutzündung sich vollkommen ausbildet. liegen, darf aber in den ersten 6— 8 Tagen nicht be- wegt werden; später ist jedoch eine mäſsige Bewegung im Schritt nicht nachtheilig, besonders wenn das Pferd nicht zu stark im Fessel durchtritt. Geschieht aber Letz- teres zu stark, so ist ihm in den ganzen ersten 14 Ta- gen das ruhige Verbleiben im Stalle nützlicher als das Gehen, und man läfst es daher nur nach 6— 8 Tagen einmal im Schritt herumführen, bis die Heilung erfolgt ist. Pritt aber das Pferd zu wenig durch, zogen sich auch bei der Operation die Sehnenenden nur wenig zu- rück, so läfst man das Thier nicht nur in den ersten Tagen anbaltend stehen, sondern auch bald darauf (wenn der Grad der Entzündung es nicht verbietet) täglich zweimal eine Viertelstunde lang gehen, und spä- ter dies so lange fortsetzen, wie das Thier ohne groſse Anstrengung willig folgt. Dabei müssen die Trachten nach und nach mehr verkürzt, oder auch Hufeisen ohne Stollen und mit dicker Zehe, oder mit einem Griff an letzterer versehen, auf den kranken Huf gelegt werden. Wenn das Pferd gar nicht durchtreten will, ohne daſs Knochenfehler oder eine heftige Entzündung dies ver- hindern, so kann man selbst mit einem Bügeleisen, täg- lich während einiger Stunden auf den gegenüber ste- henden Fuaſs gelegt, es zum vollständigern Gebrauch des operirten Fufses zu zwingen suchen. Bei dieser Be- handlung, und zuweilen selbst durch die Bewegung al- lein, bessert sich fast immer das mangelhaſte Durchtre- ten in 2— 3 Wochen sehr.— Viel schwieriger zu he- ben ist das zu starke Durchtreten im Fesselgelenk, wel- ches zuweilen eintritt, wenn zwei Sehnen zugleich durch- schnitten worden sind, und besonders, wenn die Sehnen an der Operationsstelle gesund und ohne Adhäsionen wa- ren, und daher ihre Enden sich frei und weit zurück- ziehen konnten. Zur Beseitigung dieser zu groſfsen Nachgiebigkeit läfst man die Thiere in den ersten 14 Ta- gen ruhig im Stalle stehen, umwickelt das Fesselgelenk mit einer Binde, oder man legt(nach Miquel und De- beaux) einen Schnürstiefel von festem Leder um diesen Theil, und macht in dessen Umgegend Waschungen von adstringirenden und von spirituösen Mitteln. Zuweilen verliert sich der Fehler erst in 6— 8 Wochen nach erfolgter Heilung der Operationswunde. In manchen Fallen zeigt der operirte Fuſs während einiger Zeit eine schleudernde Bewegung mit dem Fes- sel und Hufe im Moment des Aufhebens und Vorwärts- schreitens. Dasselbe entsteht besonders dann, wenn neben dem Hufbeinbeuger auch der Kronbeinbeuger zu- gleich durchschnitten wurde, wo dann auch mehrentheils wohl der Verbindungszweig zwischen dem innern und äuſsern Mittelnerv mit durchtrennt sein mag. Es wird an den Hinterbeinen stärker als an den vordern bemerkt, und scheint in einer ungleichen und zu starken Kraſt- äuſserung der Strecksehne, der jetzt die Gegenwirkung der Beugesehnen in dem gewohnten Grade fehlt, zu be- Heilmittel gegen diese unregelmäſsige Bewe- verliert ruhen. gung nicht sich aber mehrentheils nach einigen Wochen von selbst, besonders wenn die Pferde zu mälsiger Arbeit benutzt sind zu empfehlen; dieselbe werden. LV. Der Nervensohnitt, namentlich die Durochschneidung der Zweige des Sohlennervs ( Sectio nervorum, Neurotomia, Neurolomia plantaris). §. 168. Diese von Sewel in die Thierheilkunde eingeführte und hauptsächlich von ihm cultivirte*) Operation be- steht in dem Durchschneiden eines Nervenzweiges, wo- 5) Nach W. C. Spooner(A Treatise on the Structure, Fonctions and Diseases of the Foot and Leg of the Horse, London 1840. p. 295 gehört die Ehre der Erfindung dieser Operation nur alleim Sewel; nach J. White u. A. soll Moorcroft u. Coleman die- selbe schon früher gemacht haben. Sewel hat erwiesen sie zu- erst gelehrt und sie in Aufnahme gebracht. mit man in der Regel noch das Herauslösen eines Stück- chens von dem untern Ende des durchschnittenen Ner- ven verbindet. Ihr Zweck ist: die Leitung der schmerz- haften Empfindungen, welche durch gewisse krankhafte Zustände der Theile unter der Operationsstelle bei dem Gehen entstehen und das Thier zum Hinken und Lahm- gehen veranlassen, aufzuheben und somit das Lahmge- hen selbst zu beseitigen. Dieser Zweck wird sicher erreicht, wenn die mit dem krauken Theile im Zusam- 8 mangelhaſte Durettn. Viel schwieriger uu he eu im Hesselgeleub, ne ei Sebuen zugleic qudh ouders, weun dt Sehan and ohne Adhäsicnel he frei und weit amic bung dieser au gnllen iere in den ersten l1 le viekelt das Fesselgeba (nach Miquel und De- festem Leder um dea gegend Waschungen u hsen Mittelu. Zuwäa n 6— 8 Wochen u swuude. er operirte Fuſs wihmai Bewegung mit den Ter- ufthebeus und Vorwitt- besonders dann, peu der Kroubeinbeuger I- „daun aueb mehrentbet eischen dem iunem a unt seiu mag. Es 1Il an den vorderu heuert, aad au statken Knü- jetat die Gegeuwibus ten Grade ſehlt, ub uregelmäbsige hus en; Gieselbe celet gen Wochen von vlst mäͤlsiger Arbelt menhange stehenden Nerven durchsechnitten sind; da je- doch hierdurch immer nur eine Folge und eine Erschei- nung des krankhaften Zustandes, niemals aber dieser selbst aufgehoben wird, so kann der Nervenschnitt auch nur ein Palliativmittel sein. Dies ist wohl zu erwägen und, nebst den möglichen üblen Folgen der Operation, mit Rücksicht auf die Eigenthümlichkeit eines jeden Fal- les, dem Eigenthümer des Thieres vorher zu erklären. Diese üblen Folgen, welche nach der Operation ein- treten können, bestehen dariu: ⁴) dafs das Thier nicht nur die schmerzhaften Empfindungen, sondern überhaupt die Empfindlichkeit in dem operirten Fuſse verliert, und zwar bald mehr, bald weniger vollständig, in dem Ver- hältnisse, wie eben nur ein Nerv oder sämmtliche Ner- ven desselben durch die Operation betroffen sind;— 5) dals es daher auch in diesem Verhältnisse den Fuſs mit ungemessener Kraft gegen den Boden stöfst, weil es wenig oder gar kein Gefühl und namentlich auch keine Schmerzen mehr hat;—%) daſs hierbei leicht Quetschung und Entzündung der Theile im Hufe entste- hen, das Strahl- oder das Hufbein zerbrechen oder die Beugesehne desselben zerreiſsen kann, besonders da diese Theile oft schon vorher Rrankhaft mürb und dünn sind;— d) dafs bei dieser mangelhaſten Empfindlich- keit des Fufses oft Verletzungen, namentlich durch das Vernageln, durch Eintreten von Nägeln u. dgl., durch Druck des Hufeisens, Steingallen u. s. w. übersehen werden, bis grofse Zerstörungen durch UlIzeration ent- standen sind;— 2) dafs in Folge der heftigern An- strengungen des operirten Fufses die in demselben noch mehr oder weniger forthestehende Krankheit oft zu ei- nem höhern Grade erregt und die Degeneration so weit gesteigert wird, daſs nach einiger Zeit die Lahmheit wieder bedeutend vermehrt erscheint, deshalb eine Wie- derholung der Operation nöthig wird;— †) daſs eben dies auch der Fall sein kann, wenn die Nervenenden an der Durchschneidungsstelle nach einiger Zeit wieder zu- sammengeheilt sind; und— 9) daſs in Folge der sub e— e genannten Verhältnisse zuweilen ein Ausschuhen an dem operirten Fufse eutsteht und dabei das Thier in den meisten Fällen verloren geht. §. 169. Trotz dieser Schattenseiten ist der Nervenschnitt dennoch ein vortreffliches, und oft das einzige, Hülfs- mittel in allen Fällen: wo Thiere in Folge eines unheil- baren sehmerzhaften Uebels im Hufe oder in den näch- sten Theilen über demselben mit chronischem Hinken be- haftet sind; wie nameuntlich in den letzten Stadien der sog. chronischen Hufgelenkslahmheit oder Fuſsrollenent- zündung(nach Brauell, Magaz. f. Thierheilk. Bd. XI. S. 1.), nach geheilten Brüchen des Kron- und Huf- beins, bei Exostosen an diesen Knochen, so wie am Fesselbein(Ringbein, Schaale), bei Verknöcherung der Hufknorpel, bei Wucherung der Hornmasse an der in- nern Seite der Wände(zu dicke Narben), bei einem hohen Grade des Zwanghufes, bei andauernden Schmer- zen im Hufe oder der Hufbeinsbeugesehne nach Ver- letzungen durch eingetretene Nägel u. dgl. Obgleich die meisten dieser Zustände, ihrer Natur nach, entweder wirklich unheilbar oder doch nur bis zu 195— einem geringen Grade zu verbessern sind, so sollte man bei theuren Pferden, namentlich Reitpferden, doch zu der Operation erst dann schreiten, wenn alle andere Mittel vergeblich angewendet siud, hierdurch die Un- heilbarkeit des Falles noch mehr erwiesen und die Ope- ration ganz gerechtfertiget ist. Denn ein so operirtes Pferd verliert immer in seinem Werth, theils wegen der möglichen Folgen, theils weil es einen weniger ange- nehmen Gang erhält. Bei ordinären Zugpferden von ge- ringem Werth kann man die Operation jedoch ohne Zeit- verlust unternehmen, um die Kosten einer andern Kur zu vermeiden und die Thiere eher arbeitsfähig zu machen. Bei der chronischen Hufgelenkslahmheit. ist die Hoff- nung auf einen guten Erfolg der Operation gröſser, wenn vorher die Entzündung ganz beseitiget und wenn der Huf in regelmäfsiger Form und von fester Beschaffen- heit ist. Dagegen muſs man fürchten, dals bei stark zusammengezogenen, schiefen und platten Hufen durch das harte Auftreten nach der Operation um so leichter Quetschungen(Steingallen) und Entzündungen im Hufe entstehen, welche sich oft bis zu dem Gelenk fortpflan- zen; eben so, dafs bei poröser, mürber Beschaffenheit des Horns durch dieselbe Ursache der Huf leicht sehr ausgebrochen und hierdurch das Pferd für längere Zeit unbrauchbar wird. Wo eine grofſse Geneigtheit zu Stein- gallen besteht oder wo tiefe Steingallen vorhanden sind, ist die Operation(wie Spooner ganz richtig bemerkt) nicht zu empfehlen. 1 §. 170. Der Nervenschnitt kann bei den oben genannten krankhaften Zuständen entweder a) über dem Fessel- gelenk oder— 5b) unter demselben, und— c) entwe- der nur an einer Seite oder zugleich an beiden Seiten des Fuſses ausgeführt werden. Diese Modifikationen haben nothwendig auch Verschiedenheiten in der Aus- breitung und im Grade der lähmenden Wirkung zur Folge, die man wohl beachten muſs. Jeder Mittelnerv oder sog. Schienbeinnerv an der innern und der äufsern Seite der Vorderbeine, und eben so der innere und der äufsere Sohlennerv der Hinterbeine theilt sich bekannt- lich gerade auf dem Fesselgelenk in einen vordern und in einen hintern Zweig, von deunen der Erstere sich in der Haut an der vordern Fläche des Fessels, in der Kronenwulst und in der vordern Partie der Fleisch- wand,— der Audere aber in der hintern Partie der Fleischwand, im Fleischstrahl, der Fleischsohle und um das Hufgelenk verbreitet. Hieraus erklärt es sich: wie bei dem Durchschneiden eines Nervenastes über dem Fesselgelenk die ganze betreffendée Seite des Fuſses, aber bei der Durchschneidung des innern und des äufsern Astes zugleich der ganze Fuſs die Empfindlichkeit ver- liert, und— wie diese Wirkung nur auf die Theile an der vordern oder der hintern Fläche des Fuſses be- schränkt ist und der andere Theil noch einen gewissen Grad von Gefühl behält, wenn man nur den vordern oder den hintern Zweig unter dem Fesselgelenk durch- schneidet. Die Operation über dem Gelenk gewährt im- mer einen sicherern Erfolg hinsichtlich der Aufhebung des Hinkens, führt aber auch die oben angedeuteten üb- len Folgen eher herbei, als die Operation unter dem 49* *» — 196— Gelenk; und bei der Durchschneidung des innern und des äufsern Astes geschieht dies im noch höhern Grade. Man muſs also die Operationsstelle immer nach dem Sitze und der so viel als möglich erkannten Ausdehnung des Uebels wählen. Besteht z. B. eine starke Exostose an der innern vordern Seite der Krone, so würde man nur den vordern Zweig des innern Astes durchschnei- den. Bei der chronischen Hufgelenkslahmheit macht Sewel die Durchschneidung der hintern Zweige unter dem Fesselgelenk, und zwar gewöhnlich mit augenblick- lich gutem Erſolge; aber die Lahmheit kehrt oft nach einiger Zeit wieder(mehrentheils weil das Leiden sich später allmälig weiter ausbreitet) und verlangt die Wie- derholung der Operation über dem Fesselgelenk. Da dies für den Eigenthümer wie für den Thierarzt gleich- mäſsig unangenehm ist, halte ich, mit Spooner über- einstimmend, es für zweckmäſsig, dafs man in denjeni- gen Fällen, wo die Begrenzung des eigentlichen Uebels auf einen kleinen Raum nicht als dauernd erwiesen ist, wie z. B. bei Exostosen,— man die Operation am be- sten über dem Gelenk macht, und dies besonders bei ordinären Arbeitsthieren von geringem Werth.— Die Durchschneidung beider Aeste über dem Gelenk wird nur bei einer rund um den Fuſs herum bestehenden De- generation unternommen. §. 171. Man gebraucht zum Nervenschnitt eine Scheere, ein geballtes und ein gerades Messer, Pinzette, zwei stumpfe Haken(die aber oft entbehrt werden), eine krumme Nadel mit einem Faden oder statt derselben eine Hohlsonde. Vor der Operation und bis zum Beginnen derselben soll man(nach Spooner's ganz richtigem Rath a. a. 0.) den betreffenden Fufs in einen Zustand von möglichster Abkühlung versetzen, so daſs nicht nur die Hitze bei etwa bestehenden Entzundungen beseitiget, sondern über- haupt die Wärme in dem Fufse fast ganz aufgehoben wird. Man vermindert hierdurch den, bei dem chroni- schen Reizungszustande fast immer vorhandeuen An- drang und die Anhäufung des Blutes in den kleinen Ge- fälsen der Haut und im Zellgewebe unter derselben, und erleichtert und verkürzt die Operation, welche sonst durch Blatung aus den ausgedehnten Gefäfsen oft sehr erschwert wird. Für den bezeichneten Zweck läſst man Fuſsbäder oder Umschläge von eiskaltem Wasser so lange anwenden, bis der Fuſs gehörig abgekühlt ist. Die Ausführung des Nervenschnittes, namentlich unter dem Fesselgelenk, geschieht mit Sicherheit nur am liegenden Pferde. Dasselbe wird so gelegt, daſs die Operationsseite die obere ist, und der Fufs wird entwe- der in den Spannstock befestiget oder auf einen andern Fuſs ausgebunden, in beiden Fällen aber so, daſs die Ope- rationsstelle gehörig frei bleibt. An der letztern scheert man die Haare auf einer Länge von etwa 2 Zoll rein ab und unterrichtet sich dann über die Lage des Ner- ven,— was an Füſsen, welche mit Oedem oder Ver- dickung der Haut behaſtet sind, oft nicht ganz leicht ist. Will man die Operation über dem Fesselgelenk machen, so findet man den Nerv an allen vier Füfsen fast gleichmäfsig in der Vertiefung zwischen der Sehne des Fesselbeinbeugers und des Hufbeinbeugers, jedoch an der äuſsern Seite auf dem Rande der letztern, an der innern Seite etwas mehr nach vorn in der Vertie- fung. Noch genauer kann man sich an den Vorderfü- ſsen, sowohl an der innern wie an der äufsern Seite, nach der innern oder äuſsern Schienbeinarterie richten: welche man über jenem Gelenk fast immer deutlich pulsiren fühlt und bei Pferden mit dünner Haut auch pulsiren sieht. Man macht hier uumittelbar hinter der Arterie, und etwa 2 ½ Zoll übher dem Gelenk anfangend, einen mit der Arterie parallel laufenden Hautschnitt von 11¼— 1 ¼ Zoll Länge u. s. w. An den Hinterfüfsen, wo bekanntlich die Schien- beinarterien zwischen dem Schienbein und dem äuſsern Griffelbein liegen, ſindet man den Sohlennerv zwischen den Sehnen des Fesselbein- und des Hufbeinbeugers unmittelbar hinter den Schienbeinvenen. Uuter dem Fesselgelenk liegt der hintere Zweig des Nerven zwischen dem Rande der Beugesehnen und der Fessel- oder Seitenarterie(also hinter derselben), — der vordere Zweig aber vor dieser Arterie und hin- ter der Vene(also zwischen beiden). Man macht hier den Hautschnitt etwa in der Mitte der Länge des Fes- sels und bald unmittelbar vor dem Rande der Beugeseh- nen, wenn man den hintern Zweig, oder einige Li- nien weiter vorwärts wenn man den vordern Zweig durchschneiden will. Nach gemachtem Hautschnitt läfst man die Wund- ränder durch einen Gehäülfen mit den Fingern oder(we- niger zweckmäſsig) mit stumpfen Haken etwas ausein- anderziehen und nimmt aus der Wunde mittelst Pinzette und Messer eine Schicht Zellgewebe weg, welche die Arterie und den Nerv bedeckt, und bald etwas dicker, bald etwas düuner ist, je nach der Race des Pferdes und nach dem Zustande des Fufses. Hierbei hat man sehr auf die etwa in diesem Zellgewebe zum Vorschein kommenden kleinen Blutgeſäfse zu achten und dieselben möglichst zu schonen, weil das bei ihrer Verletzung ausflieſsende Blut das Auffinden des Nerven immer sehr stört. Sollte dies der Fall sein, so muſs man, ehe man weiter operirt, diese Blutung durch kaltes Wasser oder durch Zudrehen der Gefäfse sogleich stillen. Auch ist nöthig, den einmal angeschnittenen Theil des Zellge- webes immer ganz abzuschneiden, weil zurückbleibende halbgelösete Flocken stets eine schlechte Eiterung zur Folge haben.— Ist man vorsichtig bis zum Nerven gelangt, so tritt derselbe als ein glänzend weiſser Streif oder Strang, in der Längenrichtung des Theiles verlaufend, hervor. Sollte man trotz dieser Merkmale und trotz der Lage neben den oben bezeichneten Thei- len dennoch daran zweifeln, ob der in der Wunde liegende weiſse Streifen der Nerv sei? so kann man sich die Gewiſsheit hierüber sehr leicht dadurch ver- schaffen, daſs man dieses Gebilde mit der Pinzette ge- lind drückt oder mit der Messerspitze etwas sticht. Ist es ein Nerv, so zuckt das Thier augenblicklich heftig mit dem Fuſse.— Man trenne nun in der Nähe des oberen Wundwinkels vorsichtig den Nerv von dem da- neben liegenden Gefäſs etwa 3 Linien lang ab, führe unter den Ersteren eine Hohlsonde und schneide ihn, auf deren Rinne geleitet, mit einem geraden Bistouri (oder bekauntlich die Si enbein und dem* en Sohleunery nishe (also hinter gerselei) dieser Arterie und h. eiden). Man macit in tte der Länge des Pa. em Raude der Beuges. Zweig, oder einige li an deu vordern Emsi tt läſst man die Wan deu Fingern oder(m en Haken etwas assei- Wande miltelst Pimett ewebe weg, welcie ä und bald etwas dele h der Race des Pferis alses. Hierbei hat un lgewebe zum Varstei zu achten und diestle as hei ihrer Verleumg des Nerven iumer M „so muſs man, ehe un rel baltes Wast ir gleich süllen AA — 197— (oder weniger zweckmäfsig mit einer Scheere) queer durch; oder,— man führe mittelst einer krummen Na- del einen Faden unter den Nerv, binde den Faden in eine einfache Schlinge um denselben, ziehe ihn damit von den daneben liegenden Theilen ab in die Höhe und schneide ihn durch. Bei dem Durchschneiden ruckt das Pferd in Folge des Schmerzes heftig zusammen. Hier- auf ergreift man das untere(vom Hufe herkommende) Ende des Nerven mit der Pinzette, löset es etwa ྠbis 1 Zoll lang von den umgebenden Theilen und schneidet es zuletzt gäunzlich heraus. Die Operation ist damit be- endet. Nach der Vorschrift einiger Thierärzte soll man nun die Hautwunde heften; ich sahe davon keine Be- schleunigung der Heilung, wohl aber oft Vermehrung der Schmerzen, und ziehe hier deshalb das Bedecken der Wunde mit einem dünnen Tampon von weichem Werg und das Umlegen einer einfachen Binde vor. Die- ser Verband kann jedoch erst angelegt werden, nach- dem auch an der anderen Seite des Fuſses die Opera- tion ausgeführt ist,— wenn dies die Umstände so ver- langen. In diesem Falle wendet man das Thier auf die andere Seite und verfährt auch hier nach obigen Regeln. §. 172. Die Nachbehandlung verlangt Ruhe des Theils und Verminderung der Euntzündung soviel als möglich. Man läſst deshalb in den ersten 4— 8 Tagen den Fuls Heiſsig mit kaltem Wasser oder mit Bleiwasser küh- len, und dies selbst dann noch, wenn nach 3 Tagen sich Eiterung einstellt. Dies ist zwar gewöhnlich der Fall, weil die Wunden mit Substanzverlust verbunden sind; dennoch aber darf man die Eiterung und Granula- tion nicht gerade befördern; denn die Enden der Ner- ven schwellen dabei an und nehmen an der Granula- tion oft einen zu lebhaften Autheil, so dafs sie knopfar- tig über die Wundfläche hervortreten und vermöge ihrer groſsen Empfindlichkeit bei jeder Berührung heftige Schmerzen erzeugen. Der erste Verband bleibt 2— 3 Tage ruhig liegen, wird dann erweicht, abgenommen, die Wunde mit kalltem Wasser gereiniget und wieder angelegt,— und so täglich fortgefahren bis zur Hei- lung.— Sollte die bezeichnete Wucherung an den Ner- venenden eintreten, so schneide man die überflüssige Substanz ab oder ätze sie mit Kali causticum.— Nach geschehener Heilung vereinigen sich auch die getrennten Nerven allmälig wieder, und zwar, nach ein- facher Durchschneidung oſt unmittelbar und in Zeit von 6— 8 Tagen, aber nach dem Herauslösen eines Stückes in Zeit von 4— 6 Wochen. Im letztern Falle bildet sich stets eine Zwischenmasse von Zellgewebe und aus- geschwitztem Faserstoff, in welche Masse sich aber nach und uach die Primitivfasern der Nerven verlängern und so eine wirkliche Vereinigung der Nervenenden, oft mit Wiederherstellung des Gefühls, bewirken. In Folge dessen hört zuweilen die Wirksamkeit der Ope- ration nach einiger Zeit auf und die frühere Lahmheit tritt wieder ein. Wann dies geschieht, ist im Voraus nicht zu bestimmen. Anmerkung. Man hat auch die Neurotomie als ein Hülfsmittel gegen das Lahmgehen bei dem Spatt, dem Rehbein und der Hasenhake versucht und zu diesem Zwecke über dem Sprunggelenk an der in- nern Seite den innern und äufsern Sohlenerv, an der äufsern Seite aber den langen Hautnerv durch- schnitten.(Tab. IX. Fig. 3 u. 4.) Ich selbst habe in mehrern Fällen diese Operation versuchsweise unternommen, bis jetzt aber wenig günstige Resul- tate gewonnen. ALVI. Der Beinhkautschnitt(Periosteotomia). §. 173. Diie Darchschneidung des Periosteums auf den Ue- berbeinen an den Schienbeinen der Pferde ist im Jahre 1835 von Sewell als das beste Verfahren zur Besei- tigung der Lahmheiten, welche von diesen Exostosen entstehen, empfohlen worden ¹)y. Mayer ²), Spoo- ner ³) u. A. haben seitdem diese Operation mit gutem Erfolge wiederholt, und ich kann den letztern nicht nur hinsichtlich des baldigen Aufhörens der Lahmheit, son- dern auch hinsichtlich der nachfolgenden Verkleinerung des Ueberbeins bestätigen. Die Operation erscheint als nützlich angezeigt, wenn- gleich nicht gerade als dringend nothwendig, bei allen sehr schmerzhaften Ueberbeinen, und zwar sowohl bei denen, die schon wirklich ausgebildet und hart sind, wie auch bei solchen, welche eben erst frisch entstan- den und noch in Entzündung der Beinhaut mit unter ihr bestehender Ansammlung von ausgeschwitzter plastischer Flüssigkeit bestehen. Durch die Operation wird die Span- nung der Beinhaut aufgehoben, die ergossene Flüssigkeit *) The Veterinarian, Vol. 7.(1835.) September. 2) Desgl. Vol. 9. p. 16. ³) A Treatise on the structure, functions etc. of the foot and leg of the horse. p. 241. entleert, durch beides der Schmerz und die Lahmheit beseitiget, und, wie es scheiut, selbst die Ernäbrung des Knochens an der betroffenen Stelle vermindert. §. 174. Vor der Operation soll man nach Sewell in den- jenigen Fällen, wo eine akute Entzündung mit heftiger Geschwulst um das Ueberbein besteht, diese Zufälle erst durch kalte Umschläge und andere passende Mittel weg- schaffen. Eben so wird man etwa vorhandene harte Hautschorfe erst durch erweichende Mittel beseitigen. An Instrumenten gebraucht man ein spitzes Bistouri, eine schmale Haarseilnadel oder eine Hohlsonde und ein von Sewell angegebenes Periosteotom. Letzteres ist ein 2 bis 2 ¼ Linien breites, 4 Zoll langes Knopfmesser mit etwa 2 Zoll langem Heft, die Schneide mäſsig convex, der Rücken eben so concav. Das Pferd wird zur Operation so niedergelegt und gebunden, dafs die mit dem Ueberbein behaftete Parthie des betreffenden Fufses nach oben und frei zugänglich liegt. Hierauf macht man unmittelbar unter dem Ueber- bein(das Pferd stehend gedacht) mit dem spitzen Bi- stouri eine etwa 4-5 Linien lange Oeffnung durch die Haut bis auf die Beinhaut,— führt durch diese Oeff- nung die Hohlsonde oder die schmale Haarseilnadel, 50 —.— ———— ͦ—y——ÿ— — 198 letztere mit einer Fläche gegen die Haut gekehrt, zwi- schen die Haut und das Schienbein und trennt mit die- sen Iustrumenten das verbindende Zellgewebe zwischen diesen Theilen in der ganzen Länge des Ueberbeins. Nun bringt man das Periosteotom, die Schneide gegen das Ueberbein gerichtet, in die Oeffnung, setzt es in der Längenrichtung auf die Mittellinie desselben und schneidet die Beinhaut vollständig auf dem ganzen Ueberbeine durch, indem man das Messer zweimal über dasselbe mit mäſsi- gem Druck hin- und herbewegt. Das Thier zeigt da- bei stets nur einen mäſsigen Schmerz. Mittelst einer dünnen Sonde kann man sich überzeugen, ob die Bein- haut überall durchschnitten ist. ALVII. Die . 175. Da in den meisten Fällen die sogenanuten Gallen selbst mit den kräftigsten Zertheilungsmitteln nicht weg- geschafft werden können, so ist man schon in älteren Zeiten zu der Ansicht gelangt: daſs die Heilung dieser Geschwülste am besten durch die Ausleerung der in ih- nen enthaltenen Flüssigkeit bewirkt werden könnte. Jordanus Rufus spricht schon hiervon(Hippiatria, p. 78), später haben Robertson, Sind, Vitet, Ker- sting(in ihren bekannten Werken), Busch(Archiv für Roſsärzte etc. III. 71) u. A. dies Verfahren in ver- schiedenen Modifikationen beschrieben und neuerlichst ist es besonders von Röttger empfohlen worden(Ma- gazin f. Thierheilk. XI. S. 314). Die Erfahrung hat jedoch gelehrt, dafs auch die Operation sehr oft kein sicheres Heilmittel war, ja daſs durch sie in einzelnen Fällen sehr üble Zufälle, namentlich heftige Entzündung so wie nachfolgend Verdickung und Verwachsung der Gelenke herbeigeführt worden sind. Indeſs scheint es, daſs diese Uebelstände dadurch bedingt wurden, dals man:) die Gallen ohne Unterschied ihres Sitzes und ihrer Beschaffenheit der Operation unterwarf;— 5) daſs man die letztere auf eine mangelhafte Art ausführte, und— c) daſs nicht immer eine zweckmäſsige Nach- behandlung statt fand. In Betreff des ersteren Paunktes gilt jetzt bei den erfahrensten Thierärzten als Grundsatz: daſs man nur solche Gallen, welche ohne Schmerz bestehen, öffnet, dagegen diejenigen, welche in Folge heſtiger Austren- gungen, oder von Schlägen und dergl. Verletzungen frisch entstanden, und noch mit Entzündung und vielem Schmerz begleitet sind, der Operation nicht unterwirft. Die beiden andern Punkte finden in dem Folgenden ihre Erledigung. §. 176. Die operative Eröffnung der Gallen kann, wie be- reits oben erwähnt, in mehrfachen Modifikationen(nicht Methoden) geschehen, und zwar: 1) durch einen ein- fachen Einstich in gerader Richtung durch die Haut bis in die Höhle der Galle, vermittelst eines spitzen Mes- sers, einer Lanzette, eines Schneppers oder eines Troi- kars;— 2) durch einen Einstich in schräger Richtung unter der, die Galle bedeckenden Haut, so daſs die Oeff- nung der Galle gewissermaaſsen subcutan geschieht;— — Ist unter der Beinhaut eine flüssige oder eine schon geronnene Feuchtigkeit ergossen, so entleere man die- selbe durch gelinden Druck und lege dann für die er- sten 2 Tage einen mäſsig festen Verband, aus etwas auf den Theil. In andern Fällen, bei schon festen Ueberbeinen, ist ein Die Nachbehandlung besteht zuerst in der Anwendung kalter Waschungen Werg und einer Binde bestehend, solcher Verband nicht erforderlich. oder Fufsbäder zur Minderung der Entzündung, später, wenn Eiterung eintritt, in blofser Reinigung. Die Hei- lung erfolgt gewöhnlich in 8— 12 Tagen vollständig und mit einer nur kleinen Narbe. Eröffnung der Gallen. 4) mittelst Durchführung eines Troikars durch die Galle und Ein- 3) daurch einen gröſseren Einschnitt;— ziehung eines kleinen Eiterbandes durch die gemachten Oeffnungen, und— 5) durch Brennen mit einem spitzen glühenden Eisen(Sind) oder mit einem Slühenden Pfriemen(Roberts on). Das erstere Verfahren ist leicht ausführbar und war früher das gebräuchlichste; jetzt hält man es nicht für recht zweckmäfsig, weil die Luft unmittelbar auf die innere Fläche der Galle(wie auf alle seröse und Sy- novialhäute) zu reizend einwirkt und zu heftiger Eutzün- dung Veraulassung giebt. Deshalb ist in neuerer Zeit das zweite Verfahren erfunden und überall, wo man dasselbe anbringen kann, jetzt als das vorzüglichste ge- bräuchlich.— Die dritte Verfahrungsweise ist von Busch im Allgemeinen bei Sehnenscheidengallen empfohlen, ich möchte es jedoch nur, wie Röttger, speziell bei den- jenigen, welche in der Scheide der Strecksehne des Kronen- und Hafbeins an der vordern Fläche des Fes- Bei Gelenkgal- len darf dies Verfahren durchaus nicht angewendet wer- selgelenks ihren Sitz haben, benutzen. den, da es immer eine groſse Gelenkwunde mit allen üblen Folgen derselben mit sich führt.— Die sub 4 u. 5. bezeichneten Verfahren sind mit zu vieler Reizung im Innern der Galle verbunden, und daher beide nur da brauchbar, wo groſse Torpidität besteht und wo man absichtlich eine starke Reizung hervorrufen will, um die Resorption anzuregen. §. 177. Die zu diesen Operationen nöthigen Instrumente sind: ad 1 und 2 ein schmales spitzes Bistouri, eine Lanzette oder ein spitzes Tenotom, oder ein Troikar mit zweischneidiger Spitze und silberner Canüle, welche gegen 3 Zoll lang, 2 Linien breit, in der Mitte 1 ½ Li- nien dick und mit kleinen Seitenöffnungen versehen ist; das Stilet wird mittelst einer Druckfeder an den 1 ¼ Zoll langen Handgriff befestiget und ist durch Oeffnen dieser Feder von dem Leiztern zu trennen. Der von Busch erfundene Gallenschnepper ist ganz entbehrlich. ad 3 kann jedes gerade oder geballte Bistouri dienen; ad 4 benutzt man den sub 1 beschriebenen Troikar, nebst einem Bündel von 4— 6 Zwirn- oder Seidenfäden; und ad 5 ist zu bemerken, daſs die Brenneisen mit einer etwa ¾ Zoll langen Spitze versehen sein schnitt;— 4) nise urch die Galle und Ri. les darch die gemaehte reunen mit einen giun er mit einem glühenka eicht ausführbar unl mn at hält man es uiebt Luſt unmittelbar au à auf alle seröse und S t und zu heftiger Faui- hhalb ist in neuerer ä n und überall, wo m als das vorzüglelsteg ungsweise ist von Busth idengallen empfohlen,uü ttger, speziell bei der de der Strecksehue k vordern Fläche des Io- euutzen. Bei Geceutel s nicht angewendet ſe Gelenkwunde ni i mführt.— Die 2ub 444 it zu vieler Reiumg i aud daber beide ur b tät besteht und mn hervorrufen wilh m 3 gen lutnes — müssen, welche an der Basis naur 2 Linien dick sein darf. Gutmüthige Pferde können stehend operirt werden, nnd manche Thierärzte, namentlich Robertson und Röttger, schreiben dies für die Mehrzahl der Fälle aus- drücklich vor, weil bei der aufrechten Stellung durch die Anspannung der Sehnen die Gallen mehr hervorge- prefst und angespannt werden und dann ihre Wände leichter zu durchbohren sind als bei dem Liegen. Man läſst hierzu die Thiere bremsen, bei der Operation an einem Vorderfuſse den andern Vorderfuls aufheben, und, wenn dieselbe einen Hinterfuſs betrifft, beide Hinter- beine spannen. Sehr reizbare und widerspenstige Pferde lege man so nieder, dafs die Seite der Galle, an wel- cher man den Einstich machen will, die obere wird. Bei Fesselgallen wird der betreffende Fufs auf den oben liegenden andern Fufs ausgebunden oder in den Spann- stock gelegt, und im letztern Falle aufserdem noch von einem Gehülfen mittelst eines um den Fessel gelegten Strickes nach vorn gezogen und ſestgehalten; bei Sprung- gelenksgallen ist dies aber nicht nöthig. 4A. Die Eröffnung der Sprunggelenkgallen wird gewöhnlich so ausgeführt, daſs man den Troikar am vordern innern Rande des Sprunggelenks da ein- stöſst, wo die Galle am stärksten hervortritt. Röttger bemerkt(a. a. O.) hiergegen mit Recht: daſs diese Stelle nicht passend sei, weil daselbst die Haut und das Kap- selband durch das im Gelenk angehäufte Fluidum schon am meisten ausgedehnt sind, diese Ausdehnung durch die Verletzung mit dem Troikar unvermeidlich vermehrt wird, also eine Verschliefsung der Wunde nach Entfer- nung der Troikarhülse nicht sogleich erfolgt, daher Luft in das Gelenk dringt und üble Zufälle erregt. Er em- pfiehlt deshalb folgendes Verfahren, dem ich nach mei- ner Erfahrung ganz beistimme. Nachdem das Pferd mit der der Operation entge- gengesetzten Seite an einen festen Gegenstand gestellt und stark gebremset, auch der Vorderfufs an der Ope- rationsseite aufgehoben ist, scheere man an allen Stel- len des Sprunggelenks, wo die Gallen äuſserlich sichtbar sind und wo operirt werden soll, die Haare ab. Diese Stellen sind bekanntlich: nach hinten und oben in dem spitzen Winkel zwischen dem untern Ende des Schen- kelbeius und dem Sprungbein, an der äufsern und innern Fläche(sogenannte durchgehende Gallen), an dem vordern innern und am vordern äuſsern Rande des Sprunggelenks. Die Gallen an diesen Stellen stehen aber innerhalb der Gelenkkapsel unmittelbar mit einander in Verbindung und lassen sich durch gegenseitiges Drücken auf dieselben auch an andern Stellen des Sprunggelenks mehr oder weniger nach auſsen hervorpressen; und dies ist beson- ders an dem vordern äufsern Rande des Sprung- gelenks der Fall, wo man die Gallen auch häufig ohne dieses Hervorpressen ein wenig nach auſsen hervortre- ten sieht.— An dieser letzteren Stelle ist, wie Röttger augiebt, die Operation niemals mit Gefahr, aber meistens mit einem güustigen Erfolge ausgeführt worden. Ist es z. B. der linke Hinterfuſs, welcher operirt werden soll, so läfst man nach dem Abscheeren der 199— Haare, von einem starken Gehülfen mit der rechten Hand die Achillessehne in der Art umfassen, dafs derselbe mit dem Daumen und mit den Fingerspitzen die(durch- gehenden) Gallen an der äufsern und innern Fläche so stark als möglich zusammenprefst und zugleich den ganzen Schenkel gegen den Boden drückt. Der Ope- rateur stellt sich mit seiner linken Seite an die linke Seite des Pferdes und, während er mit den Fingerspi- tzen der linken Hand die am vordern innern Rande des Sprunggelenks hervortretende Galle in das Gelenk zu- rück und unter die Sehne des Kronen- und Hufbein- streckers nach dem vordern äufsern Rande hindrückt, durchsticht er mittelst eines feinen(am besten etwas sichelförmigen), zwischen dem Daumen und Zeigefinger der rechten Hand † bis ½ Zoll hervorstehenden Bistouri's, die Haut und das Kapselband an dem Punkte, wo die Galle am meisten durch das Gesicht und das Gefühl wahrzunehmen ist,— und verlängert die Einstichwunde nach unten, so dafs sie höchstens ½ Zoll lang wird. Ist hierbei das Kapselband durchstochen, so flieſst eine gelbliche, klare, sehr klebrige Feuchtigkeit aus, welche sich durch Drücken auf verschiedene Punkte des Ge- lenks bis zu dem Grade entfernen läſst, dals letzteres an den vorher aufgetriebenen Stellen ganz einfällt uud schlaff wird. Die Operation am rechten Hinterfufse führt man auf dieselbe Weise, nur mit dem Unterschiede aus, daſs der Operateur sich mit seiner linken Seite hinten an die rechte Seite des Pferdes stellt und, während er selbst mit der linken Hand die Achillessehne umfafst und die sog. durchgehenden Gallen zusammendrückt, läſst man durch einen Gehäülfen mit den Fingerspitzen der rechten Hand auf die Galle am vordern innern Rande einen Ge- gendruck machen und führt mit der rechten Hand den Schuitt an der vorhin bezeichneten Stelle aus. Ist man genöthiget, ein Pferd zur Operation nie- derzulegen, so geschieht dieselbe übrigens ganz in der angegebenen Art. Blutungen stellen sich entweder gar nicht oder nur sehr unbedeutend ein, da die Operationsstelle vor und unter den Bogen fällt, welchen die vordere Schenkel- beinarterie bei ihrem Uebergange in die groſse Schien- beinarterie auf der Vorderseite des Sprunggelenks macht, also nur kleine Verzweigungen derselben durchschnitten werden können. Sollte jedoch einmal eine stärkere Blu- tung entstehen, so ist ein Druckverband zur Stillung hinreichend und ganz geeiguet. Gleich nach der Operation ist es durchaus nöthig, dafs man eine Einreibung von Kantbaridensalbe auf alle vorher durch das Abscheeren von Haaren entblöſste Stellen mache und dieselbe nach 12 Stunden wieder- hole. Uebrigens hält man dabei die Thiere während etwa 14 Tage in Ruhe und in magerer Diät, und macht später Waschungen von adstringirenden und spirituösen Mitteln. B. Das Eröffnen der Fesselgallen, und zwar 1) vermittelst eines einfachen Einstiches. Man verschiebe mit den Fingern der linken Hand die Haut auf der Galle nach einer Seite, so dafs sie sehr ange- spannt ist, und presse zugleich die Galle durch einen 50* ——— — 200 Druck von der der Operation entgegengesetzten Seite mehr hervor, oder lasse dies von einem Gehülfen thun. Dann steche man das in der rechten Hand gehaltene Instrument(eine schmale Lanzette, ein schmales Bistouri oder den bezeichneten Troikar) an der Seite, von wo- her die Haut verschoben worden ist, in die Galle so tief ein, daſs die Flüssigkeit derselben zum Vorscheine kommt. Der Einstich muſs nicht gerade an der Spitze, sondern er kann noch besser an einem Seitenrande der Galle geschehen; dabei muſs man die etwa neben ihr liegenden Gefäfse und Nerven und die in ihr liegende Sehne berücksichtigen und deshalb die Schneiden der Instrumente nach der Längenrichtung dieser Theile hal- ten. Auſserdem muſs der Einstich schnell beendet und das Messer oder die Lanzette sogleich wieder zurück- gezogen sein, damit bei etwa entstehender Unruhe des Thieres die Wunde nicht unnütz vergröſsert werde. Die Haut hält man nach dem Einstich noch so über die Galle verschoben wie vorher, bis die Flüssigkeit aus der letz- tern vollständig entleert ist, und diese Ausleerung be- fördert man durch gelindes Drücken und Streichen mit den Fingern nach der Oeffnung zu. Ist dies genügend geschehen, so läſst man die Haut wieder in ihre frühere Lage zurückgleiten, so daſs hierdurch die Wunde der Galle von ihr bedeckt und der Zutritt der Luft abge- halten wird.— Hatte man die Oeffnung mit dem Troi- kar gemacht, so versteht es sich von selbst, dafs man nach dem Einstechen desselben die Böhre festhält, das Stilet entfernt, die Flüssigkeit durch jene entleert, dann die Röhre auszieht und nun die verschobene Haut in ihre vorige Lage bringt. Eine Modifikation dieses Verfahrens besteht darin: daſs man mittelst eines spitzen, schmalen und gehörig langen Tenotoms die Haut in der Entfernung von etwa 1 ½ Zoll von der Galle durchsticht, das Messer flach unter der Haut bis zu der letztern vorwärts schiebt, die- selbe ansticht, sie also subcutan öffnet und dann das Hierauf drückt und streicht man die Flüssigkeit aus der Galle. Messer sogleich wieder zurückzieht. Nach dem einen wie nach dem andern Verfahren kann man entweder sogleich die Kantharidensalbe ein- reiben und dies nach etwa 6 Tagen wiederholen, wie ich es in mehreren Fällen mit dem besten Erfolge ge- than habe, oder— man kann ebeunfalls sogleich auf die Galle eine Compresse legen, mit einer Binde die Glied- maaſse von der Krone des Hufes bis zum Fuſswurzel- gelenk gleichmäſsig einwickeln und dann fleiſsig mit Bleiwasser kühlen, bis die Gefahr einer Entzündung vorüber ist. Ruhe und magere Diät sind auch hier we- sentlich nöthig. 2. Das Eröffnen der Sehnengallen durch einen offenen Schnitt erscheint zwar, wie oben (§. 176.) angedeutet, im Allgemeinen wenig empfeh- lenswerth, doch hält Röttger es bei denjenigen Gallen für zweckmäfsig, welche auf der vordern Fläche des Fesselgelenks zu beiden Seiten der Strecksehne des Kronen- und Hufbeins zum Vorschein kommen und au- ſserhalb der Gelenkkapsel ihren Sitz in der Sehnen- scheide haben. Nach ihm wird das Pferd niedergelegt und zu beiden Seiten der genannten Sehne ein so lan- ger Einschnitt gemacht, daſs man zwischen sie und dem Fesselgelenke den Zeigefinger bequem durchführen kann. Man eutleere dann mit letzterem die in der Galle ent- haltene Feuchtigkeit und die, häufig vorhandene coagu- lirte eiweisartige Substanz, welche letztere sich beson- ders, bei alten und oft mit reizenden Einreibungen be- handelten Gallen vorfindet. einem milden fetten Oel befeuchteten Wergbausch unter Hierauf soll man einen, mit die Sehne und einen lockeren Verband darüber legen. Letzterer bleibt 4— 5 Tage liegen, und es werden da- bei fleifsig lauwarme Bäder applizirt, um so schnell als möglich gute Eiterung herbeizuführen. Mit dem Eintritt derselben, gewöhnlich bis zum 6ten Tage, ist alle Ge- fahr überstanden; die Wunden heilen in etwa 5 Wo- chen bei einer zweckmäſsigen Behandlung und die etwa zurückbleibende Anschwellung des Schenkels verliert sich bei Bewegung des Thieres nach und nach von selbst. 3) Das Eröffnen der Gallen mnit gleichzei- tigem Durchziehen eines Eiterbandes durch dieselben soll den Zweck haben: die in der Galle enthaltene Flüssigkeit langsam in dem Verhältniſs zu entleeren, wie die Zusammenziehung der Wände der Galle allmälig statt findet, und zugleich will man durch andauernde Reizung die Contraktilität und die Resorption in den letztern mehr anregen. Demgemälſs ziehet man, nachdem das Thier gehörig befestiget worden, mit den Fingern der linken Hand die Haut auf der Galle von unten nach oben(das Pferd stebend gedacht) über die- selbe und durchsticht dann in entgegengesetzter Rich- tung die Haut und die Galle an der Grundfläche der letztern, und zwar in der Mittellinie mit einer gewöhn- lichen krummen, etwa 1 ¼ Linie breiten Heftnadel, in de- ren Oehr 4— 6 Seidenfäden gefädelt sind, ziehet diese durch die Galle und bindet die Enden der Fäden so zu- sammen, daſs man hernach zwei Queerfinger zwischen die Galle und die Fäden stecken kann. Oder man durchsticht die Galle genau in derselben Richtung mit einem Troikar so, daſs das eine Ende der Hülse über, das andere unter der Galle aus der Haut hervorsteht. Nachdem das Stilet entfernt ist, ziehet man durch die Hülse 4— 6 Zwirn- oder Seidenfäden, hält diese an dem einen Ende fest, während man nach entgegenge- setzter Seite die Hülse von ihnen ziehet, und bindet dann ihre Enden so zusammen, wie es vorhin angege- ben worden ist.— Die Operation ist damit beendet. Tre- ten nur mäſsige Entzündungszufälle ein, so ist auſser der Reinigung des Fuſses von der ausgesickerten und vertrockneten Feuchtigkeit nichts zu thun; bei heftiger Entzündung sind lauwarme Fuſsbäder oder Waschun- gen von Pottasche und Einreibungen von grauer Salbe nöthig. Nach etwa 4 Tagen wird ein Faden, nach 6 Tagen der zweite, u. s. w. alle 2 Tage ein Faden Das Pferd erhält Ruhe und mageres Futter. entfernt. Später sind Einwickelungen des Theils mit einer Binde, aromatische und spirituöse Mittel, zuletzt scharfe Einreibungen zweckmäſsig. XLVIII. das pf erd aij aten Sehue 4 1 k— 201— ½ . In do la. euem ungt Gul ALVIII. Der Hufknorpelsohnitt, die Eæstirpalion des Hufbein knorpels, de 4 4 die Javart-Operation. er alle.. aufig vorhandene§. 178. Knorpel zu gelaugen, einen Theil der Fersenwand und che ſetutere dal Die Exstirpation eines Hufknorpels bei Pferden fin- die Fleischkrone wegnahm und dann den ganzen Knor- zenden Kinna det bei cariöser Ulzeration dieses Knorpels oder bei der pel wegschnitt ¹). Sein Sohn nahm von der vorher rauf soll alun sogenannten Knorpelfistel statt, um das Geschwür auff dunn geraspelten Hornwand nur einen Zoll breit unter teien w ae u eine sichere Weise und möglichst schnell zur Heilung der Kroue fort, schnitt aber ebenfalls die Fleischkrone . erghaused te zu bringen, wenn dies durch andere Mittel nicht erreicht mit fort 2). Frenzel ³), Schreger ¹⁴), Pilger ⁵) gen, und es Werden lizirt, um So sebuel à fuhren. Mi den Kinti ten Tage, ist alle G. heilen in etwa z M Sebandlung und de an les Schenkels verliet ih h und nach von seh Jallen mit gleiehue. Eiterbaudes dun haben: die in der Gal min dem Verhältulb u ziehung der Wände ie zugleich will man du rtilitat und die Resonin Demgemäls ziebet n ſestiget worden, ni kn Haut auf der Galle m ebend gedacbt) ite i eutgegengesetater lä- an der Grundläche k elliie mit einer genür breiten Heftuadel u’t efädeit ind, uehet is Enden der Fäden ê l pei Oueerfinger IViseh den kann.— Oder ¹ n derselben Riciius ã e Ende der Hibe 4 s der Haut benes e, ziebet mun Am ideufäden, hül iie 1 man nach euigaes, anen ziebet, nd wie es votlin u 1 wird eiu meu dle 2 T23 2, elungen ²—a irituöse werden kann. Die Operation ist also gewöhnlich das letzte Mittel, zu welchem man greift, nachdem das Ge- schwür bereits längere Zeit gedauert hat, und wohl mit Recht so; denn obgleich mit Entfernung des Knorpels auch nothwendig die cariöse UIzeration an ihm wegfällt, so ist doch damit noch nicht immer die gründliche Heilung des Hufgeschwürs in kurzer Zeit bewirkt, da sehr oft mit dem Leiden des Knorpels zugleich auch Brüche und Caries des Hufbeins, Ulzeration der Bänder, Senkungen des Eiters unter die Fleischwand, u. a. pathologische Zustände bestehen, und auch nach jener Operation noch fortdauern. In solchen complizirten Fällen wird aber auch durch kein anderes Mittel die Heilung des Uebels herbeigeführt, wohl aber durch die Operation die Mög- lichkeit zu derselben vorbereitet. Ich halte daher die Operation gerade bei diesen Complikationen für durch- aus nothwendig, während sie dies bei den einfachen Knorpelfisteln nicht ist; denn letztere können, wie dies unzählige Beobachtungen lehren, in den meisten Fällen auch durch das Brenneisen, den Aetz-Sublimat, Kupfer- vitriol u. dgl. Mittel geheilt werden, ja sie heilen, wie dies G. W. Schrader zuerst mit Bestimmtheit ausge- sprochen hat(Busch, teutsche Zeitschr. f. d. gesammte Thierheilk. Bd. I. Hft. 1. S. 21), nach einer gewissen Zeit eben so oft von selbst. Dies geschieht mehren- theils zwischen 5 und 7 Monaten. Da man nun ge- wöhnlich in den ersten Monaten lieber andere Mittel au- wendet, bei welchen das Pferd noch gehen kann, die Operation aber selbst in sehr glücklichen Fällen die Thiere auf eine Zeit von wenigstens vier Wochen, oft über 8 Wochen auſser Thätigkeit setzt: so ergiebt sich, daſs unter solchen Umständen durch die operative Be- handlung an Zeit wenig gewonnen wird. Man würde also durch die recht früh unternommene Operation die- sen Vortheil noch am meisten erreichen; es entsteht aber hiergegen immer das Bedenken: α) daſs die Operation eine der schmerzhaftesten ist; 5) daſs nach ihr sehr häufig eine unregelmäſsige Horn- und Hufbildung, oft auch eine Verengerung des Hufes statt findet, in Folge dessen(abgesehen von der Häſslichkeit des Hufes) die Pſerde weder gehõrig beschlagen noch zu anstreugen- der Arbeit benutzt werden können. Manche bleiben nach der Operation lahm für immer.— Diese Umstände zusammen bedingen es, daſs umsichtige und erfahrene Thierärzte die Exstirpation des Hufknorpels bei weitem nicht so häufig unternehmen, wie sich die Gelegenheit hierzu in den Knorpelfsteln findet. §. 179. Die Exstirpation des Hufknorpels ist um die Mitte des vorigen Jahrhunderts von Lafosse d. V. erfunden und in der Art ausgeführt worden, dafs er, um zu dem und Langenbacher ⁶) geben nur eine unvollständige Beschreibung der Operation, und zwar grölstentheils nach der Ildee von Lafosse. Girard ¹), Renault ³) und überhaupt die neuern französischen Thierärzte üben, mit Rücksicht darauf: daſs die Fleischkrone das Organ ist, von welchem die regelmäfsige Erzeugung der Horu- fasern ausgeht, die Operation jetzt so aus; daſs die Fersen- oder Trachtenwand auf der Seite des kranken Knorpels weggeuommen, die Fleischwand queer durch- schnitten, die Fleischkrone in die Höhe gehoben, der ganze Knorpel von seiuen Verbindungen mit den be- nachbarten Theilen gelöst und entfernt wird. Diete- richs ⁹) gab zwei Verfahrungsweisen an und zwar: a) die erste ähulich der von Lafosse d. S. beschrie- benen, wo naur der obere Theil der Wand unter dem kranken Knorpel in einem halbmondförmigen Stück weg- geuommen und dann die entartete Haut nebst der Krone und dem Kunorpel herausgeschnitten werden; und— 5) die zweite so: dals man die Trachtenwand, einen Theil der Seitenwand des Hufes und dann den Knorpel (ganz oder theilweis) wegnimmt, dabei aber die den Knorpel bedeckende Haut schont. Spaäter haben Maillet ³⁰) und Imlin ¹¹) ein von dem Erstern angewendetes Verſahren bekannt gemacht, welches zwar von Bernard als ihm gehörig rekla- mirt*²), aber jedenfalls von Maillet modifizirt worden ist. Dasselbe besteht im Wesentlichen darin: daſs die Trachtenwand nicht von der Fleischwand abgerissen, sondern nur möglichst verdünnt wird, mit Ausnahme eines ¼ Zoll breiten Streifens am Saumrande. Letzteren läſst man in seiner ursprünglichen Dicke stehen, damit er beim Wegnehmen nicht abreiſse. Nach der Abnahme dieses Hornstreifeus macht man einen Querschnitt durch die Weichtheile unter der Krone, löset diese und die Haut vom Knorpel und entfernt denselben. Schwab und Rychner ²) haben das eben be- zeichnete Verfahren dahin abgeändert, dafs sie von der *¹) Observations et découvertes faites sur des chevaux. Paris 1754, p. 33.(Deutsch in Schrebers versch. Schriften, welche in d. öko- nom. Wissensch. einschlagen. Th. 4. S. 268. Halle 1758. ²) Cours qhippiatrique. Paris 1772. p. 291. ³) Praktisches Handbuch für Thierärzte u. s. w. 2r Theil, Artikel „Knorpelfistel“. *) Operationslehre für Thierärzte. S. 278. 5) Systemat. Handbuch der Thierheilkunde. II.§. 2248. ⁶) Unterricht über das Beschläge. Wien, 1811. S. 172. ¹) Traité du pied. Paris 1813. II. Edition. 1828. *) Traité du Javart cartilagineux. Paris 1831. *) Handbuch der Veterinär-Chirurgie. Berl. 1822.— Und eben so in der Akiurgie. ¹⁰) Recueil de médec. vétérin. 1836. p. 505 u. 561. ¹¹) Magazin für die gesammte Thierheilk. II. 265. ¹²) Journ. des Vétérinaires du Midi, 1838. Juillet; und vorher: Re- cueil de Médec. vétérin. 1825. p. 113. ¹³) Hippiatrik, I. S. 296. 51 Fistelöffnung nach unten zu dem OQuerschnitt unter der Krone die Haut senkrecht durchschneiden, somit zwei Hautlappen bilden, diese vom Knorpel abtrennen, hierdurch den letztern bloſslegen und ihn dann leicht her- auslösen können. Ich habe dieses Verfahren in einzel- nen Fällen schon seit vielen Jahren mit dem von Die- terichs sub b angegebenen in Verbindung angewendet. §. 180. Wir können demnach als jetzt gebräuchlich folgende Methoden und Verfahrungsweisen aufstellen: 2) die Abtragung des Knorpels mit Wegnahme der Haut, der Krone und eines halbmondförmigen Horn- stücks am Saume; 5) die Wegnahme der Hornwand, Durchschneidung der Fleischwand und Auslösung des Knorpels bei gänzlicher Schonung der Krone und der Haut; ) Verdünnung der Hornwand und weiteres Verfah- ren wie vorstehend sab b;— und 3) Wegnahme oder nur Verdünnung der Hufwand, danach weiteres Verfahren wie bei bνↄ und e, und mit Aufspalten der Haut und der Krone. Die Anwendbarkeit und der Werth dieser Verfah- rungsweisen ist nicht gleichartig, sondern in Kürze nach folgenden Grundsätzen zu beurtheilen: 1) Das Verfahren sub x ist anzuwenden, wenn die Haut und die Kronenwulst um die Fistel sehr entartet oder durch Aetzmittel schon zerstört, die Fistel selbst aber wenig in die Tiefe gehend, und überhaupt im In- Es wird dabei der gröſste Theil der Hornwand(im Vergleich zu der nern nur der Knorpel angegriffen ist. folgenden Methode) erhalten, die Zusammenschrumpfung und unregelmäſsige Bildung des Hufes verhindert und Auch ist die Ope- ration leichter und mit weniger Sachkenntniſs und Ge- das Pferd früher wieder brauchbar. schicklichkeit ausführbar; aber es entstehen leicht Eiter- versenkungen im Hufe, neue Fisteln und Wucherungen, und die Horubildung erfolgt nicht so regelmäſsig wie nach der zweiten Methode. 2) Diese(sub 5b) gestattet die genaue Erkennung des Zustandes im Innern des Hufes und die gründlichste Beseitigung alles Krankhaſten, nicht allein am Knorpel, sondern auch am Hufbein(was sich oft erst während der Operation findet); sie ist daher angezeigt in allen Fällen, wo die Fistel bei dem Sondiren als tief in den Huf dringend gefunden worden ist, oder wo man aus den heftigen Schmerzen u. s. w. ein Mitleiden des Huf- beins vermuthen kann. Senkungen des Eiters entste- hen nicht leicht, weil derselbe aus der mehr nach unten offenen Wunde beständig freien Abfluſs hat; und da die Kronenwulst erhalten ist, erfolgt gewöhulich von ihr aus eine regelmäſsige Hornbildung. Dieser Vorzüge we- gen wendet man das Verfahren am häufigsten an, aber das- selbe ist sehr eingreifend und schmerzhaft und wegen der Gröſse der Wundfläche erfolgt die Heilung langsam. 3) Die Auslösung des Knorpels bei dem Verfahren nach Bernard und Maillet ist etwas schwieriger zu bewirken als bei dem eben erwähnten, weil man bei jenem nicht so leicht das Messer wenden und dirigiren kann wie bei diesem; es sind deshalb auch Verleizun- gen des Kapselbandes eher möglich. Beides ist um so 202— mehr der Fall, wenn die Kronenwulst verdickt ist. Auſserdem ist noch die Operationsstelle zu sehr nach oben, so daſs sie bei dem Mitleiden des Knochens und bei Senkungen des Eiters dem Zwecke nicht entspricht. Daher würde dies Verfahren nicht gerade zu wählen sein, wenn die Krone sehr aufgetrieben und verdickt ist, wenn das Hufbein mitleidet und wenn Abtrennung der Wand besteht; aber in allen andern Fällen ist es den beiden vorhergenannten Methoden vorzuziehen, weil dabei a) die Fleischblättchen nicht mit verletzt und nicht der Luft ausgesetzt werden, daher auch weit weniger Schmerz, weniger Reaktion, oft gar kein Reaktionsfieber entsteht;— 5) weil eben des halbauch während der Heilung die, sonst so oft vorkommende und immer sehr lästige Wucherung der Fleischwand nicht entsteht;— c) weil bei der Unterlassung des sonst nôthigen Abrei- ſsens der Hornwand auch die gewaltsame Zerrung der Fleischblättchen, das Abreifsen der Fleischwand vom Hufbein, oder selbst das Abreiſsen eines Theils des Letztern und die Folgen dieser Verletzungen vermieden werden;—) weil der Huf gröſstentheils seine Form und Beschaffenheit unverändert behält, die Wunde auch nur klein ist, daher die Heilung weit schueller(ge- wöhnlich in 3 Wochen) erfolgt und somit die Thiere weit eher wieder arbeitsfähig werden als bei Anwen- dung der übrigen Methoden. 4) Die Vortheile des sub d bezeichneten Verfah- rens bestehen darin: dafs der Operateur den Knorpel und die an ihn gränzenden Theile, welche er mit dem Messer trifft, deutlich sieht, dafs er den Knorpel an seinen Rändern leichter mit dem Messer umgehen und so die Ver- letzung des Kapselbandes sicherer vermeiden, und zu die- sem Zweckeselbst ein Knopfmesser anwenden kann. Die Wande wird wohl etwas gröſser, aber die Heilung und der Hornwuchs erfolgen gewöhnlich eben so gut wie nach den andern Methoden, obgleich in einzelnen Fällen die Hautlappen sich nicht sogleich gehörig aulegen wollen. S. 181. Die zu dieser Operation nöthigen Instrumente und Verbandmittel sind: ein Wirkmesser oder ein englisches Hufmesser, ein Rinnmesser, eine nicht scharfe Beiſs- zange und eine Hauklinge, eine gute Hufraspel(für das Mailletsche Verfahren), eine Scheere, ein geballtes Bistouri, zwei schmale lorbeerblattförmige Messer, oder Skalpelle, deren schmale Klinge nach einer Fläche et- was gebogen und mit abgerundeter aber schneidender Spitze versehen ist, ein starkes Knopfmesser(für das Verfahren sub d); eine starke Pinzette und ein schar- ſfer Haken, eine Sonde, ein dickes Band, etwa 3 Fuls lang; Werg, eine 1½ Zoll bis 2 Zoll breite und 3— 4 Ellen lange Binde, kaltes Wasser und ein Schwamm. Der kranke Huf wird vor der Operation und bis zu derselben durch erweichende Umschläge oder Fuſs- bäder zum leichtern Bearbeiten vorbereitet und dann an seiner untern Fläche wie zum Beschlagen gerade ge- schnitten. Die meisten französichen Thierärzte legen nun ein zum Festhalten des Verbandes nach der Ope- ration bestimmtes Hufeisen ¹) auf den Huf, um die Na- ¹) Dieses Verband-Hufeisen ist entweder an dem Arme, welcher unter die kranke Seite des Hufes zu liegen kommt, nur so lang gewaltsame Lernug der Fleischwand wa feitsen eines Theib 4 Verletzungen vemih gröſstentheils seine Im behält, die Wunde ud ang weit schneler(g. gt und somit die Thn. werden als bei Auye. 5 1 bezeichneten Verit (perateur deu Kuof eile, welehe er ui in s er den Knorpel an ein rungehen und so di ſe er vermeiden, und ui- sser anwenden kann. N ver, aber die Heilug u lich eben so gut wie n à in einzelnen Filaà gehorig aulegen Wole 1. nöthigen Instrumeuile I ein engjchs icht seharfe helx lattförmige Nesse, juer Frh4. ge nach el. deter aber vbwies uf den Hd, dlcet jem Amme„8 an Tr sder à nu 66 Regenl 1 — 203 gellöcher im Horn vorzubereiten und später die Erschüt- terungen zu vermeiden, welche mit dem Einschlagen der Nägel verbunden sind. Das Eisen wird daher vor der Operation wieder abgenommen und nach derselben in die alten Nagellöcher wieder befestiget. Ich halte, überein- stimmend mit den meisten deutschen Thierärzten, dieses Hufeisen im Allgemeinen nicht für nöthig; es kann je- doch in einzelnen Fällen nützlich werden, wenn der Huf zu sehr abgenutzte oder ausgebrochene Wände und sehr niedrige, weiche Ballen hat, wo im letztern Falle der gewöhnliche Druckverhand auch an der nicht operirten Seite des Hufes leicht zu stark einschneidet und üble Zufälle erzeugt.— Um das Festliegen des Verbandes ohne Hülfe des Hufeisens zu bewirken, kann man an der Zehen- und an der gesunden Trachtenwand mit der Raspel oder mit einem Rinnmesser 2 oder 3 kleine, ½ bis 1 Linie tiefe und etwa 3 Linien breite Queer- furchen schneiden, welche etwa ¾ Zoll von einander ent- fernt bleiben und deren unterer Rand etwas mehr hervor- steht als der obere. In diesen Furchen erhält das Band eine feste Lage. Nach diesen Vorbereitungen legt man das Pferd so nieder, daſs die zur Operation bestimmte Seite des Fa- ſses die obere wird, und bindet das Schienbein dessel- ben, wenn es ein Vorderfufs ist, quer auf das Schien- bein des oben liegenden Hinterfufses, und— wenn der kranke Fufs ein Hinterfuſs ist, ihn eben so auf den obern Vorderfuſs. Da die bei der Operation betroffenen Theile sehr reich an Blutgefäſsen sind und ihre Verletzung stets eine störende Blutung mit sich führt, so legt man, zur Ver- meidung derselben, zunächst ein starkes Band zweimal recht fest um die Mitte des Fessels, und bindet es mit einer aufziehbaren Schleife zu. Die Ausführung der einzelnen Methoden geschieht dann in folgender Weise: 4. Bei der sub à bezeichneten Methode scleert man Zuerst die Haare an dem kranken Theile der Krone und in dessen nächster Umgebung ab. Dann untersucht man mit der Sonde, wie tief und in welcher Richtung die Fistel sich unter die Krone in den Huf erstreckt und bezeichnet hiernach äufserlich an der Wand die Gegend, wo die tiefste Stelle hin trifft. Hierauf schneidet man mit dem Rinnmesser eine halbmondförmige Furche in das Horn der Seiten- und Trachtenwand vom Saume am vordern Ende des Knorpels bis eben dahin am hintern Ende desselben, und zwar so: daſs die niedrigste Stelle dieser Furche unter der bezeichneten niedrigsten Stelle des wistelgrundes liegt. Man macht die Furche mit dem genannten Messer so tief, daſs die Fleischblättchen durchschimmern, und an ihrem ganzen untern oder äu- ſsern Rande verdünnt man das Horn durch schräges Abschneiden so, daſs der Rand selbst ganz biegsam wird und dadurch weniger auf die Fleischwand drückt. wie die Hornwand daselbst stehen bleibt; der andere Arm reicht über die Ballen hinaus und sein Ende ist an denselben in Form eines abgerundeten Hakens in die Höhe gerichtet; oder es ist ein sogenanntes geschlossenes Eisen, welches über die Bal- len hinaus reicht und von dessen Querstäck ein ähnlicher, aber viel breiterer Haken in die Höhe steigt. In der Regel hat ein sol- ches Hufeisen nur 4 Nagellöcher. Hierauf durchschneide man mit der Spitze eines lorbeerblattförmigen Messers in der ganzen Furche den Rest der Hornwand, die Fleischwand und den Knorpel, führe dann den Schnitt von dem vordern Ende der Fur- che in einer Bogenlinie, deren Convexität dem Fessel zugekehrt ist, durch die Haut am Rande der entarteten Krone und über die Fistelöffnung hinweg bis zum hin- tern Ende jener Furche im Horn, und löse mittelst Pin- zette oder Haken und dem genannten Messer die entar- tete Krone nebst dem daran haftenden Knorpel und Horn- stück und mit deu'leischblättchen bis in die Furche ab, so daſfs eine eiförmige Wundfläche entsteht. Nun reiniget man dieselbe und siehet genau nach: ob irgend- wo noch grünlich oder gelblich gefärbte, oder rauhe Stellen an den zurückbleibenden Theilen des Knorpels zu bemerken sind. Solche Stellen, so wie auch sehr lockere Stückchen und lose Bandfasern müssen sogleich noch abgeschnitten oder mit einem glühenden Eisen ge- brannt werden, jedoch letzteres mit der Vorsicht, daſs man gesunde Theile und das Kapselband nicht verletze. Eine kleine Abweichung dieses Verfahrens besteht darin: dafs man nicht alle Gebilde(Haut und Knorpel) in einem Akt wegnimmt, sondern zuerst nur die entar- tete Haut mit dem Hornstück und den Fleischblättchen, und dann erst den frei liegenden Knorpel für sich allein und möglichst vollständig, so daſs seine Euntfernung gründlicher und vorsichtiger bewirkt werden kann. Nach beiden Verfahrungsarten ebnet man die Horn- ränder mit dem Messer recht genau, so daſs nirgend lose oder hervorstehende Theile bleiben, welche die Wande reizen oder den Abflufs des Eiters verbindern könnten. Hieraut lüftet man das um den Fessel liegende Band, um zu sehen, ob einzelne der gröſseren Gefäſs- zweige bluten, und— wenn dies der Fall ist, so un- terbindet man sie oder drehet sie zu. Die Blutung aus den hier befindlichen mittlern und kleinen Gefaſsen ist stets durch einen gut liegenden Druckverband leicht und sicher zu stillen. Für diesen Zuveck legt man, nachdem die gröſseren Zweige unterbunden sind, jenes Band wieder um den Fessel, reiniget die Wunde, bedeckt sie mit glattem weichen Werg recht gleichmäſsig und so, dals letzteres gegen ¾ Zoll dick über die Hautränder hervorsteht, und legt darüber die oben bezeichnete Binde in verschiedenen Richtungen, so dals sie einen gleichmäfsigen Druck auf die Wunde macht und an dem Hufe ihre Haltung findet. Das Compressionsband wird nun von dem Fessel abgenommen. Will man das oben bezeichnete Hufeisen benutzen, so wird dasselbe nach geschehener Blutstillung aufge- schlagen und dann der Verband angelegt. B. Zweite Methode. Das Pferd wird vorberei- tet, niedergelegt und befestiget, wie oben angegeben; doch kann noch vor dem Niederlegen der Pragerand der Seiten- und Trachtenwand an der kranken Seite des Hufes etwas mehr niedergeschnitten werden als an der gesunden Seite.— Da hier zunächst die Aufgabe be- steht: die Trachtenwand und einen Theil der Seitenwand zu entfernen; so trenne man das wegzunehmende Stück Horn an seinem vordern Rande von der übrigen Seiten- wand hinten von dem Rest der Trachtenwand und unten von der Hornsohle. Man schneide daher mit dem Rinn- 51 3½ —— ————— 2 I 1 1 — ne — 204 messer eine Rinne, welche von dem Saume unter dem vordern Ende des Hufknorpels anfängt und, ein wenig schräg nach hinten gehend, am Tragerande endet, so daſs sie von der senkrechten Linie des Hufes(densel- ben stehend gedacht) sehr wenig abweicht und somit auch durch die Hornfasern nur in einem sehr spitzen Winkel geht. Dieterichs schreibt vor: dafs die Riune von oben und vorn so sehr nach hinten und unten ge- hen soll, daſs sie die Hornfasern„beinahe in die Quere“ durchschneidet. Ich halte dies nicht für zweckmäſsig, weil bei dem Abtrennen eines so sehr schräge gebilde- ten Hornlappens, wenigstens am Vordertheil desselben, die Horn- nnd Fleischblättchen nicht in ihrer Längen- richtung, sondern zum Theil seitlich aus einander gezo- gen werden, wobei heftige Ausdehnung der Fleisch- wand, ja selbst stellenweise Abreiſsung derselben vom Hoſbein entsteht. Der Gewinn, welcher bei dem schrä- gen Schnitt durch Erhaltung eines Stückchens der Horn- wand entsteht; kommt gegen jene und noch andere Nach- theile kaum in Betracht.— Eine zweite Rinne schnei- det man an dem hintern Ende der Trachtenwand, vor dem Uebergange in die Eckstreben, vom Saume bis zum Tragerande, dem Laufe der Hornfasern parallel. Nun schneide man noch eine dritte Riune in der weiſsen Li- nie von der ersten bis zur zweiten Rinne der Wand. Sämmtliche Rinnen müssen überall gleichmäſsig bis auf die Fleischblättchen geführt sein, jedoch ohne dieselben grob zu verletzen. Nun durchschneidet man mit der Spitze eines lor- beerblattförmigen Messers in den sämmtlichen Rinnen oder Furchen den Rest des Horns bis auf die Fleisch- wand,— ergreift dann mit der Beiſszange den, an sei- nen Gränzen getrennten Horulappen an dem untern Rande,— ziehet ihn kräftig aber langsam von der Sohle ab nach aufsen und oben, d. i. gegen die Krone, in die Höhe und trennt hierdurch die Horublättchen von den Fleischblättchen in der Längenrichtung derselben. Da diese Verbindung oft, besonders bei alten Pferden und in trockenen Hufen sehr fest ist, so mulſs man hierauf achten und, wenn die Trennung durch die Zauge allein an einer oder der andern Stelle nicht gleichmäfsig er- folgen will, dieselbe durch einen Hebel, z. B. die Hau- klinge, und durch ein zwischen die Horu- und Fleisch- wand geführtes Lorbeerblattmesser befördern, jedoch so, dafs die letztere dabei möglichst geschont werde. Ist auf diese Weise der Hornlappen bis an den Saum gelöst, so drehet man die Zange in der Richtung von vorn nach hinten um ihre Längenachse, wodurch der Saum in der- selben Richtung ganz gelind von der Fleischkrone abge- schält und das ganze Hornstück entfernt wird. Hierauf schneidet man die Hornränder recht dünn und glatt, um Druck und Reizung von ihnen in der Folge zu vermeiden. Um nun zu dem Knorpel zu gelangen, macht man mit einem geballten Bistouri etwa 2— 3 Linien unter der Fleischkrone einen Queerschnitt durch die Fleisch- wand in der ganzen Breite des bloſsgelegten Theils und bis auf den Knorpel. Dann führe man die Spitze eines lorbeerblattförmigen Messers, die concave Fläche desselben gegen den Kuorpel gekehrt, unter den obern Rand dieser Wunde und, indem das Messer abwech- selnd vor- und rückwärts bewegt wird, trenne man die Krone und die Haut darüber von dem Knorpel bis zum obern Rande desselben und in seiner ganzen Länge. Nun folgt der schwierigste Akt der Operation, nämlich die Ablösung des Knorpels an seinem untern Rande von dem Hufbein, so wie an seinem vordern und hintern Ende und an seiner innern Fläche von den mit ihm ver- bundenen Theilen. In dieser Hinsicht ist, abgesehen von seiner Verwachsung mit dem Hufbein, so wie von Ge- fälsen und Nerven, besonders zu beachten: 1) daſs der Kuorpel an seinem vordern Eude durch ein vorderes und unteres Band mit dem Hafbein, so wie eben da- selbst an der innern Fläche mit dem Seitenbande des Kronen-Hufgelenks in ziemlich fester Verbindung steht; 2) daſs sich am hintern Ende der innern Fläche ein vom Fesselbein kommendes Band festsetzat, und— 3) daſs hinter jenem ersten Bande die innere Fläche des Kuorpels durch sehr zähes Zellgewebe mit der Kap- sel des Hufgelenks innig zusammenhängt. Diese letztere Verbindung, die wegen der möglichen Verletzung der Ge- lenkkapsel bei jeder dieser Operationen die wichtigste ist, liegt fast in der Mitte des vordern Drittels des Knor- pels und fällt an der Krone in eine Linie, welche man bei ausgestrecktem Fuſse an der Seite desselben durch die Längenaxe des Kroubeins und weiter über die Krone und die Seitenwand bis zum untern Rande des Hafes führt.— Es kommt also darauf an, diese verschiedenen Verbindungen zu trennen, ohne das Gelenk zu verletzen, und demgemäſs verfährt man so: Man führt ein schmales ganzes, oder noch besser, ein sogenanntes halbes lorbeerblattförmiges Messer ³¹) unter die vom Knorpel abgelöste Krone und Haut bis über das hintere Ende des Kuorpels, setzt es daselbst, die Schneide abwärts gerichtet, an und schneidet in einem kurzen Zuge das Knorpelende von dem Zell- gewebe der Ballen bis auf den Fleischstrahl durch, wen- det dann die Schneide nach vorn und trennt den Knor- pel bis zu seiner Mitte von dem Aste des Hufbeins, kehrt hier die Schneide des Messers nach oben(dem Fessel zu) und spaltet den Knorpel in eine vordere und eine hintere Hälfte. Der Gang des Messers beschreibt somit etwas mehr als einen halben Kreis und die Schnitte durch den Knorpel gehen nicht in gerader, sondern in schiefer Richtung durch seine Dicke. Sehr zweckmä- ſsig ist es, wenn man bei diesen Schnitten beständig der operirenden Hand einen festen Stützpunkt giebt, in- dem man den Daumen an die passenden Stellen des Hufes setzt, während man den Messergriff zwischen den übrigen Fingern und der Handfläche hält.— Die, auf diese Art gröſstentheils gelöste hintere Hälfte des Knor- pels erfafst man mit der Pinzette oder dem scharfen Haken, spannt durch Hervorziehen aus der Tiefe die sie noch festhaltenden Theile des Zellgewebes und durch- 1. 1:.. ) Da man am besten immer vom hintern Ende her schneidet, so muss das halbe lorbeerblattförmige Messer für den äussern Knor- pel der beiden rechten und für den innern Knorpel der beiden nben Füsse mit seiner Schneide nach rechts,— für den äussern Knorpel der linken, so wie für den innern Knorpel der rechten Füsse aber mit der Schneide nach links gerichtet sein. nit dem Seiteubantt 6 lester Verdiudung sl e der innern 1 Baud lestsetzt, unh Bande die innere kua Zellgewebe wit der bo. meuhängt. Diese llus lichen Verletaung ir- ralionen die wielligse rdern Drittels des Rur- meine Linie, welehe m ier Seite desselben dun) and weiter üher die kma untern Rande des His f au, diese verschieien e das Gelenk zu reretua 0: anzes, oder noch bes erblattförmiges Messs te Krone und Haut 5 orpels, setzt es dasels htet, an und schvets orpelende von den A pleischstrabl dareb, Fer rn ond treuut den kult dem Aste des Huſdeis lessers nach Obel(de orpel in eine aiera des Messers beeiet * Kreis und de Sher A rechts,— 14 n innern 9 nks gerichtet durchschneidet dieselben, so dafs das Knorpelstück ent- fernt werden kann.— Hierauf führt man das Messer unter den hintern Rand und unter die innere Fläche der noch festsitzenden vordern Hälfte des Knorpels, trenut dieselbe vorsichtig, das Messer mit seiner Spitze immer gegen den Knorpel gerichtet, von dem Kapselbande u. s. W. bis zum vordern Ende los, wendet dann die Schneide des Messers nach aufsen und löset den Kuor- pel vom Hufbein ab, ohne die Krone zu verletzen. Nun erfaſst man den Knorpel wieder mit der Pinzette, zieht ihn hervor und trennt mit dem Messer die etwa noch bestehenden Adhäsionen. Wenn man bei Herauslösung dieser vordern Hälfte des Knorpels auf die oben be- zeichnete Stelle kommt, wo derselbe mit dem Kapsel- bande zusammenhängt, ist es zweckmäſsig, letzteres zu spannen, und zu diesem Zwecke den Huf abwärts zu drücken. Nachdem der Knorpel eutfernt ist, fühlt man mit dem Finger in der ganzen Wunde nach, ob noch ein- zelne Knorpelstückchen halbgetrennt in derselben zurück- geblieben sind,— und entfernt dieselben mit Hülfe der Pinzette und des Messers, wobei man jedoch nicht zu ängstlich sein darf, da dergleichen Reste sich später durch die Eiterung ablösen.— Ob das Kapselband uu- verletzt geblieben sei, erkennt man daran: daſs dasselbe, wenn man den Huf im Gelenk mehrmals nach einander beugt und streckt, sich an der bezeichneten Stelle bla- senförmig aufblähet, dabei aber keine Synovia ausflie- ſsen läſst. Die Wunde wird nun mit kaltem Wasser gereini- niget und dann verbunden. Letzteres geschieht nach gewöhnlicher Vorschrift so, daſs man etwas lockeres Werg unter die Haut, wo der Knorpel gesessen, schiebt, und die Fleischwand mit geradem Werg so dick be- deckt, wie nöthig ist, um durch die Bandage einen gleichförmigen Druck auf die operirte Fläche hervorzu- bringen. Auf das Werg legt man noch ein Stück Hut- filz oder Leder in der Gröſse und Form des abgenom- menen Theiles der Wand und befestiget das Ganze mit der 3— 4 Ellen langen Binde, welche man um den Huf windet und auf der Operationsstelle kreuzt. Hurtrel d'Arboval(Wörterb. der Thierheilk. II. S. 400 u. f.) spricht gegen das Einlegen des Werg-Tampons in die Wunde unter der Krone. Er will, daſs die Wunde durch schnelle Vereinigung geheilt, hierzu die Krone und die Haut unmittelbar auf die unterliegenden Theile und durch einen gelinden Druckverband in dieser Lage erhalten werden soll. Sehr viele und genaue Beobach- tungen haben jedoch gelehrt: daſs trotz eines Verbandes der letzteren Art dennoch die Wunde eitert und nicht durch die erste Vereinigung heilt, und dafs es daher im Allgemeinen ziemlich gleichgültig ist, ob man nach der ersten oder zweiten Art verbindet. Ist jedoch das Huf- bein oder sind die Bänder mitleidend, oder sind ange- schnittene Knorpelstücke noch in der Wunde, so muſs letztere durch Eiterung heilen und der zuerst bezeich- nete Verband erscheint mehr passend, während die schnelle Vereinigung allein bei ganz reiner Wunde ver- sucht werden kann.— Will man das oben bezeichnete Hufeisen benutzen, so muſfs dies vor Anlegung des 205— Verbandes aufgeschlagen werden. Das um den Fessel vor der Operation gelegte Compressivband nimmt man erst nach Anlegung des Verbandes ab. Man lälſst nun das Thier aufstehen und in den Stall führen. C. Das Verfahren von Bernard und Maillet be- ginnt, nachdem das Pferd gehörig niedergelegt und be- festiget ist, damit: daſs die Seiten- und Trachtenwand unter dem kranken Kunorpel vermittelst einer scharfen Hufraspel und des Rinnmessers so dünn gemacht wird, dafs man sie mit dem Fingernagel eindrücken kann und daſs die Ränder der Fleischblättchen durchschimmern. Bei diesem Verdünnen läfst man jedoch den Saumrand unter der Krone etwa 3 Linien breit in seiner ganzen Dicke stehen, damit dieser Horustreif, wenn er später- hin von der Krone abgezogen wird, nicht zerreiſst. Letzteres würde geschehen, wenn man diesen Theil eben so verdünnte wie die übrige Wand. Wollte man aber den Saum von der Krone mit dem Messer ab- schneiden, so würde dies oft Verletzungen dieses Or- gans und üble Folgen herbeiführen.— So wie die Wand, schneidet man auch die Hornsohle und den Horn- strahl ganz dünn,— was die Professoren der Alforter- Schule als ganz unumgänglich nothwendig zu einem gu- ten Erfolge halten(Recueil, 1840, p. 552). Hierauf durchschneide man am vordern, und eben so am hintern Ende des Knorpels den, vorhin bezeichneten dicken, Horustreif am Saume mit einem lorbeerblattförmigen Mes- ser senkrecht(den Huf stehend gedacht) bis auf die Fleischkrone, jedoch mit der Vorsicht, dafs man diese nicht verletze,— biege dann mit einer Haarseilnadel das vordere Eunde dieses Horustreifens etwas in die Höhe,— erfasse es mit einer starken Pinzette und ziehe es von vorn nach dem Ballen zu von der Krone los, so dafs die letztere hierdurch in der Länge des Knorpels völlig entblöſst wird. Die an dem Anfange der sehr verdünnten Hornblättchen etwa entstandenen kleinen Un- ebenheiten nimmt man mit dem Messer fort, macht dann am untern Rande der Fleischkrone einen Queerschnitt durch die Fleischblättchen bis auf den Kuorpel und in der ganzen Länge desselben,— führt dann die Spitze des lorbeerblattförmigen Messers, die concave Seite des- selben gegen den Knorpel gekehrt, unter die Krone, trennt dieselbe und die Haut über ihr von der äuſsern Fläche des Kuorpels, und verfährt dann weiter ganz auf dieselbe Weise, wie dies im Vorhergehenden sub B. vorgezeichnet worden ist. Nach der Herauslösung des Knorpels und Reini- gung der Wunde drückt man die Haut und Krone an die übrigen Theile, legt darüber ein Wergpolster, be- deckt auch die verdünnte Wand mit Werg und befesti- get dasselbe mit einer Binde. D. Das sub d angedeutete Verfahren wird immer in Verbindung mit den unter B. oder C. beschriebenen Methoden ausgeführt. Nachdem man also entweder einen Theil der Seiten- und die Trachtenwand in ange- gebener Weise ganz weggenommen oder dieselben ge- hörig verdünnt hat, macht man durch die Fleischwand unter der Krone einen Querschnitt fast so lang wie der Knorpel ist und führt von der Mitte desselben einen 52 ——— —- 206— senkrechten Schnitt durch die Krone und die über ihr befindliche Haut bis zum obern Rande des Knorpels; oder man spaltet, wenn die Fistelöffnung an der Krone um die Mitte des Knorpels ihren Sitz hat, von ihr aus die Haut und die Krone bis zu jenem Querschnitt unter derselben durch. In dem einen wie in dem an- dern Falle entstehen zwei Hautlappen, welche man von dem Kunorpel abpräparirt und hierdurch denselben bloſslegt, so daſs man seine äuſsere Fläche deutlich se- hen und befühlen kann. Hierauf löset man ihn entwe- der auf dieselbe Weise, wie bei B.(S. 204) angege- ben, mit dem lorbeerblattförmigen Messer in zwei Hälf- ten heraus, oder, man trennt mit diesem Messer nur den obern Rand und die beiden Enden des Knorpels von den umgebenden Theilen, führt dann unter sein hinteres Ende ein starkes Knopfbistouri und schneidet ihn mit demsel- selben ebenfalls in zwei Hälften getheilt heraus.— Die Wundfläche wird nun von einzelnen Knorpelresten und vom ergossenen Blut gereiniget, die senkrechte Wunde der Haut und der Krone wird mit 3 bis 4 einzelnen Hef- ten der Knopfnath vereiniget, dann die Haut und Krone gelind an die unter ihnen befindliche Wungdfäche ge- drückt, mit entsprechend dicken Wergpolstern bedeckt und das Ganze mit einer Binde, wie bei B., zZusam- mengehalten. Als eine Modifikation, die bei den sämmtlichen Me- thoden angebracht werden kann, ist noch zu erwähnen: dafs, wenn die Caries des Knorpels sicher nur auf das vordere oder auf das hintere Ende desselben beschränkt ist, man auch nur die eine oder die andere Hälfte, ja selbst nur einen kleineren Theil desselben abgetragen hat und dabei im Wesentlichen nach obigen Angaben verfahren ist. Die Heilung erfolgte, wie ich dies selbst erfahren, in manchen Fällen schnell und mit sehr wenig Veränderung des Hufes. Die französischen Thierärzte halten jedoch fast ohne Ausnahme die Wegnahme des ganzen Kuorpels zur Herbeiführung einer sichern Hei- lung für durchaus nöthig. Wenn man aber erwägt, daſs auch bei einer gut gelungenen Exstirpation des ganzen Knorpels stets ein Rand von demselben am Hufbein si- „ tzen bleibt und doch die Heilung ohne neue Caries und und ohne Exfoliation erfolgt, so wird man diese Noth- wendigkeit nicht für alle Fälle als begründet, dagegen die theilweise Wegnahme des Knorpels unter den be- zeichneten Umständen als nützlich anerkennen. Bei An- wendung der letztern sind jedoch stets mit gröſster Sorg- falt nicht nur die wirklich kranken, sondern auch die verdächtigen, d. h. die gelb oder grünlich gefärbten Stel- len des Knorpels mit wegzunehmen. Letztere kann man jedoch unter der Krone und Haut nicht immer bestimmt erkennen, und in diesem Umstande liegt einerseits die Unsicherbeit der partiellen Exstirpation, so wie ande- rerseits eine Anregung zur Wahl des sab D. angege- benen Verfahrens. §. 182. Die Nachbehandlung besteht, aufser ruhigem Ver- halten und magerer Diät, bei vollsäftigen kräftigen Pfer- den auch in der Auwendung der antiphlogistischen Me- thode, örtlich in kalten Fuſsbädern während der ersten 4— 5 Tage. Eben so lange bleibt der erste Verband unverändert liegen, wenn nicht besondere Zufälle, wie z. B. zu heftige Auschwellung des Fuſses, eine Aen- derung bedingen. Vor Abnabme des ersten Verbandes erweicht man denselben in lauwarmem Wasser. Die folgenden Verbände wiederholt man, je nach der Menge des Eiters, täglich oder einen Tag um den andern, und „war entweder blofs mit trockenem Werg oder mit Di- gestivmitteln, oder später mit austrocknenden Mitteln, je nach der Bildungsthätigkeit in der Wunde. Zeigt sich diese nur einigermaaſsen zu lebhaft, so sind die letz- tern Mittel und ein gleichmäſsig fester Verband nö- thig. Entstehen Wucherungen neben den Hornrändern, so ist das Wegnehmen eines etwa 2 Linien breiten Theils derselben, oder, wo sich der Rand tiefer getrennt findet, des ganzen getrennten Theils, nöthig.— Gelenkwun- den werden wie an andern Gelenken behandelt.— Nach der Heilung läſst man die Pferde, besonders wenn sie nach der zweiten Methode operirt sind, mit einem sog. geschlossenen Huſeisen beschlagen. XLIX. Die operative Behandlung der Hornspalten. §. 183. Die Hornspalten an den Hufen der Pferde zeigen sich, abgesehen von ihrem verschiedenen Sitze an der Zehen-, Seiten- oder Trachtenwand in folgender, bei deren thierärztlichen Bebandlung beachtenswerther Ver- schiedenheit:— A. als einfache Hornspalte, und zwar 1) mit unvollständiger Trennung vom Saume herab durch einen Theil der Hornwand;— 2) mit unvollständiger Tren- nung vom Tragerande hinauf durch einen Theil der Wand;— 3) mit vollständiger Trennung vom Saume bis in den Tragerand; B. als complizirte Hornspalten, 1) verbun- den mit Entzündung der Fleischwand;— 2) mit Ver- letzung derselben;— 3) mit Hervorquellen und Ein- klemmung derselben;— 4) mit Lostrennung der nächst- liegenden Hornwand von der Fleischwand;— 5) mit Einklemmung eingedrungener Erde, Sandes u. dgl.;— und 6) mit Steingallen, Vollhuf und andern krankhaften Zu- ständen des Hufes. Bei den complizirten Hornspalten besteht fast immer Lahmgehen und die Thiere sind dadurch oft ganz un- brauchbar, die einfachen Spalten verursachen in der Re- gel keine Lahmheit, aber sie können sich durch neue schädliche Einwirkungen leicht in complizirte Spalten umwandeln und dann Lahmheit herbeiführen. §. 184. Bei der thierärztlichen Behandlung der Hornspalten hat man die Absicht, ⁴) entweder dieselben zu heilen, oder b) nur eine vorhandene Complication und Lahmheit zu beseitigen, oder auch) das Entstehen der Compli- kationen und des Lahmgehens zu verhüten. Sehr oft wird von den Besitzern der Pferde nur die Behandlung für den zweiten oder dritten Zweck verlangt, weil die ht, auſser ruhigen 2 ollsäftigen krällgenhe er antiphlogistisehen Je dern während der en dleiht der erste Verba t besondere Züfälle, ni des Fuſses, eine ha- ne des ersten Verhanks huwarmem Wasser. h man, je nach der Naug Tag um den audem, u enem Werg oder nit l ustrocknenden Mittew,) der Wunde. Teigt i bbhaft, so sind die k ig fester Verband i. neben den Hornriuten wa 2 Linien breiten Thi aud tiefer gettenut lis nötbig.— Geleubna euken behandelt.- M ede, besonders wenl d eirt sind, mit einen 3 gen. Eutsteben verhäten Juug H zur die wei ii — 207— gründliche Beseitigung der Hornspalten mehrentheils sehr langwierig ist und weil die Pferde auch bei einer bloſs palliativen Behandlung doch dienstbrauchbar bleiben. 4³) Die Heilung der Hornspalten kann, da sich die einmal getrennten Horntheile nie wieder organisch verei- nigen, nur so geschehen: dafs entweder die Wand un- getrennt von der Krone, oder überhaupt von dem obern Ende der Spalte her, allmälig herunter wächst, oder, daſs auf der in der Spalte befindlichen Fleischwand sich sogenanntes Narbenhorn bildet. Ersteres geschieht lang- sam, gewährt aber eine feste und mehrentheils auch eine glatte Hornwand; das Narbenhorn bedeckt gewöhnlich die Fläche schneller, ist aber mehr uneben und locker und schliefst nicht immer mit den Rändern des alten Horns fest zusammen. Um die Heilung einer von der Krone ausgehenden einfachen Hornspalte zu befördern, ist nöthig: 1) die Bildung des Horns an der eingerissenen Stelle der Krone im Zusammenhange mit dem neben dieser Stelle gebildeten Horn zu bewirken, und— 2) jedes neue Auseinanderzerren der neuen Hornmasse möglichst zu verhüten. Die zweite Aufgabe muſs vor der ersten erfüllt wer- den, indem man den Huf gehörig ausschneidet und be- schlägt. Das Ausschneiden geschieht bei Zehenspalten gleichmäſsig rund um den Tragerand, aber mit möglich- ster Schonung der Sohle; bei den Seitenwand- und Trachtenspalten schneidet man aber die Wand hinter der Spalte in schräger Richtung nach hinten gegen 2 bis 3 Linien mehr nieder als die Wand vor derselben.— Der Beschlag geschieht am besten mit einem sog. ge- schlossenen Eisen, welches bei Zehenspalten mit Auf- zügen neben der Spalte versehen ist und überall gleich- mälsig aufliegt; bei Seiten- und Trachtenspalten muſs das Eisen ein wenig in der Breite und Länge über die verletzte Wand hervorstehen, an diesem Arme recht dick und so gerichtet sein, daſs derselbe auf der schräge geschnittenen Trachtenwand bis an das Ende derselben gleichmäſsig aufliegt(Schrebe, im Magaz. f. Thier- heilk. VII. S. 54 u. f.). Nägel dürfen in die Wand hin- ter der Spalte nicht geschlagen werden. Zuweilen bringt man aber noch einen Aufzug daselbst an, wenn man sieht, daſs der Huf beim Niedersetzen sich stark ausdehnt. Dieterichs(Akiurgie, S. 486) will den Aufzug auf der gesunden Seite anbringen und das Eisen an der kranken Seite des Hufes nicht aufliegen lassen. Röttger(Magaz. f. Thierheilk. VII. S. 51) läſst das Eisen weder auf dieser Seite noch auf dem Strahl aufliegen. 1 Ein besonderes Verfahren zum Zusammenhalten der Ränder bei Zehenspalten besteht noch in dem Heften derselben mittelst 2 bis 3 dünnen und spitzen Stiften. Die erste Indikation erfüllt man dadurch am besten: dafs man die Hornränder an der Spalte unter dem Saume etwa ¾ Zoll breit und hoch mit einem Rinnmesser oder mit einer Raspel vorsichtig, d. h. ohne die Ränder von der Fleischwand zu zerren und ohne die Fleischblätt- chen zu verletzen, recht dünn schneidet und hierauf an der Krone unmittelbar über der Spalte die Spanisch- fliegensalbe, etwa 1 Zoll hoch und eben so breit auf- streicht und dies am folgenden oder am 3ten Tage, je nach dem Grade der Wirkung, wiederholt. Es entsteht hierdurch eine Entzündung mit Ausschwitzung, in Folge deren der Riſs in der Krone schnell verwächst, zugleich aber sich der Saum von der letztern ablöst, so daſs man ihn nach einigen Tagen sehr leicht mit dem lorbeerblatt- förmigen Messer wegnehmen kann, ohne dabei die Weich- gebilde zu verletzen. Hierbei bildet sich schnell ein neuer Saum ohne Spalte, welcher bei fortgesetzt gutem Beschlage, bei Feuchthalten des Hufes und bei Vermei- dung heftiger Anstrengung nach und nach als eine neue ſeste Wand herabwächst. Sehr wichtig ist es, an dem untern Rande der letztern beständig eine, etwa ¾ Zoll lange Querrinne, welche sich durch zwei Drittheile der Dicke der Wand erstreckt, zu erhalten, sowohl um den Druck der alten gegen die neue Wand, wie auch die Fortpflanzung von Zerrungen, die bei Fehltritten u. s. w. von unten her die Wand treffen, zu verhindern. Die Spalte und diese Querfurche kann mit Klebwachs oder mit dickem Theer ausgefüllt werden, um Sand u. dgl. abzuhalten. Bei solchen einfachen Spalten, die vom Tragerande her nur eine Strecke an der Wand in die Höhe gehen, geschieht das Beschlagen des Hnfes ganz wie vorhin. Um jedoch aufserdem noch dafür zu sorgen, daſs die Trennung nicht weiter in die Höhe gehe, schneidet man am obern Ende der Spalte wieder eine, durch den gröſs- ten Theil der Dicke der Hornwand dringende, etwa ¾ Zoll lange Querfurche, welche mit Theer u. dgl. aus- gefüllt werden kann. §. 185. Ist eine Hornspalte mit Entzündung oder mit Ver- letzung der Fleischwand, oder mit Verunreinigang durch fremde Körper complizirt, so müssen zuerst die fremden Substanzen entfernt, dann die Hornränder neben der Spalte geebnet und auf einer Breite von etwa 6— 9 Li- nien bis fast auf die Fleischwand verdünnt und der Tragerand bei Zehenspalten unter der Spalte, bei Trach- tenspalten aber an dem ganzen Theil der Wand hinter der Spalte um etwa 4— 6 Linien niedriger ausgeschnit- ten werden. Die Entzündung beseitiget man durch kalte Fuſsbäder oder eben solche Umschläge, bei gänzlicher Ruhe des Thieres. Erweitert und verenget sich die Spalte abwechselnd bei dem Auftreten auf den Fuſs u. s. w., so ist es zweckmälſsig, ein geschlossenes Huf- eisen so auf den Huf zu legen, daſs dasselbe bei Ze- heuspalten an jeder Seite neben der Trennung auf einer Länge von 9— 12 Linien einen Viertel-Zoll, und bei Trachtenspalten auf der ganzen Länge hinter der Spalt einen Viertel- bis einen halben Zoll weit vom Tragerande absteht.— Nach Beseitigung der Entzündung kann dann, um die Heilung der Spalte herbeizuführen, die im vorigen §. angegebene Behandlung eingeleitet werden. Findet sich der eine Rand(gewöhnlich der hintere) der Hornwand über den andern Rand gewachsen, oder von der Fleischwand getrennt, so nimmt man den über- stehenden oder den getrennten Theil mit dem Messer völlig weg, verdünnt und ebnet die Ränder und schlägt dann ein geschlossenes Hufeisen, so wie im vorherge- henden Falle, auf. 52* 8 — O.i——— — ——— —— — —-— 208— Das Hervorquellen und die Einklemmung eines Theiles der Fleischwand ist eine der übelsten Compli- kationen, weil hierdurch andauernde Entzündung und Eiterung, heftiger Schmerz und Lahmheit entsteht. Die Ursache dieses Zustandes ist gewöhnlich eine Reizung der Fleischwand oder der Krone durch eingedrungene fremde Körper, oder durch rauhe, ungleiche, nach iunen wuchernde, verdickte, oder auch durch lose und zu be- wegliche Hornränder. Die Aufgabe ist hier: die frem- den Körper, so wie die wuchernden oder losen Horn- ränder wegzunehmen und die bleibenden Ränder zu ver- dünnen, die ungleich gewachsenen aber in fester Ver- bindung befindlichen Horutheile bis auf die Fleischwand zu verdünnen, die hervorgetretene Fleischwand oder die aus ihr entstandene üppige Granulation bis auf die ge- sunde Fläche der Fleischwand abzuschneiden und den Huf im Ganzen so wie im Eingange dieses§. angegeben, auszuschneiden und zu beschlagen. Die Ausführung dieser Einzelnheiten mufs, je nach den besondern Umständen des Falles, der Eiusicht des Thierarztes überlassen bleiben. gel am stehenden Pferde geschehen, nachdem dasselbe Sie kann mit scharfen Instrumenten in der Re- gut gebremset und der kranke Fuſs auf einen Beschlag- bock gesetzt oder von einem starken Gehülfen gehörig aufgehoben und gehalten ist. Doch giebt es einzelne Pferde, die an der hervorgequollenen Fleischmasse so sehr em- pfindlich sind, daſs sie bei jeder Berührung derselben sich heftig widersetzen und deshalb zur Operation nie- dergelegt werden müssen,— was so geschiehet, daſs die leidende Seite des Hufes die obere und der kranke Fuſs wie zur Auslösung des Hufknorpels gebunden wird. Nach der Operation auf obige Weise reiniget man die Spalte von dem etwa aus der Fleischwand ausgesicker- ten Blut, füllt die ganze Vertiefung mit dicken Werg- tampons so aus, daſs dieselben einen halben Zoll über die Hornwand hervorragen, und legt darüber eine Binde fest an. Hiernach läſst man den Huf in den ersten 2 Tagen mittelst kalter Bäder oder durch fleifsiges Begieſsen recht kühl halten, und giebt dem Pferde Ruhe und ma- geres weiches Futter. Treten keine besonderen Zufälle ein, so erneuert man den Verband erst nach 3 Tagen, und so auch später nur jeden 2ten oder 3ten Tag. Je nach der Thätigkeit, welche sich in der Fleischwand zeigt, verbindet man entweder trocken oder mit gelind adstringirenden und andern passenden Mitteln. Bei Spalten mit Hornwucherung schreibt Diete- richs(Akiurgie S. 482, desgl. in dem Handb. d. Vet.- Chirurgie) vor: das Pferd niederzulegen,— den kran- ken Fufs so auszubinden, daſs die Spalte nach oben zu liegt,— um den Fessel ein Band als Tourniquet zu binden,— zu jeder Seite der Spalte, etwa ¼— ¾ Zoll von derselben entfernt, oder nach Maafsgabe der innern Hornwucherung mehr oder weniger, vom Saume bis zum Sohleurande mit einem Rinnmesser eine Rinne bis in die weiche Hornmasse auf der Fleischwand, und eine eben so tiefe Rinne auch in der weiſsen Linie unter der Spalte zu schneiden, den Rest des Horus an allen drei Orten mit einem geballten Messer bis in die Fleischwand zu trennen,— dann mit der Zange das so begränzte Horn- stück(oder bei durchgehender Spalte wohl die beiden Hornstücke) am Sohlenrande zu fassen and durch Um- biegen und Ziehen nach der Krone hin das Stück Horn- wand von der Fleischwand ganz abzulösen. Letzteres kann man durch Abbiegen des Hornstückes mittelst einer unter seinen Rand geschobenen Haukliuge und durch Nachhülfe mit einem lorbeerblattförmigen Messer, mit welchem man die Hornblättchen von der Fleischwand trennt, sehr erleichtern. Dann wird ein geschlossenes, von der leidenden Wand abstehendes Hufeisen aufge- schlagen, ein Druckverband angelegt, hiernach das zu- erst um den Fessel gelegte Band abgenommen und eine entzündungswidrige Behandlung eingeleitet. Diese Operation ist für das Thier weit schmerzhaf- ter und die Heilung erfolgt weit laugsamer als bei dem vorhergehend bezeichneten Verfahren, und sie wird des- halb, da sie durch letzteres überall zu ersetzen ist, von erfahrenen Praktikern nur äufserst selten angewendet. Complikationen der Hornspalten mit Steingallen und andern Hufkraukheiten verlangen stets eine Berücksichti- gung der Art, daſs das überflässige Horn an den lei- denden Stellen verdünnt und ein für den Zustand pas- sendes, am besten ein geschlossenes Hufeisen so aufge- legt werde, dafs auf diese Stellen kein Druck entsteht. 5 Die Operation der Steingallen, der Abscesse im Huſ'e, des sogenannten Nageltrittes, und das Wegnehmen der Hornsokle. §. 186. Die operative Hülfe bei den sogenannten Steingal- len besteht allein darin, daſs man das Horn der Sohle in dem Eckstrebenwinkel, oft auch an den Eckstreben und selbst einen Theil der Trachtenwand an der leiden- den Stelle gehörig, d. h. so ausschneidet, dafs alles mit Blut infiltrirte oder vertrocknete Horn der Eckstreben- winkel bis auf die Fleischsohle durchschnitten, alles ab- getrennte Horn weggenommen, und die Sohle im Um- fange der Steingalle verdünnt wird. Ist der Eiter un- ter der Wand in die Höhe gegangen und hat die Haut an einer Stelle über dem Saume erweicht, so öffnet man dieselbe mit einem spitzen Messer; ist der Saum bereits getrennt, so löset man den getrennten Theil bis unter die Krone ab und verdünnt den Rand. Dies Alles ge- schieht in der Regel am stehenden Pferde, nachdem der Fufs wie zum Beschlagen aufgehoben worden ist, mit- Manche Thierärzte bedienen sich dabei anch des Hufbohrers, telst des Wirkmessers oder des Rinnmessers. doch ziehe ich ihm das Rinnmesser vor, weil man da- mit auf eine gröſsere Fläche wirken kann.— Für et- was Wesentliches halte ich es sowohl hier wie auch bei allen andern Hufkrankheiten, bei denen ein Theil der Sohle, des Strahls oder der Wand sich von den Weich- gebilden abgetrennt hat, daſs alles getrennte Horn bis an die Grenze der in fester Verbindung befindlichen Theile mit dem Wirkmesser, oder dem Rinnmesser und dem sen Linie unter der Jmd lorus an alleu drei Une Rin die Fleischwand u e das so hegränste n- e Spalte wohl di bei au fassen aud durch h. roune hin das Stück ln- uz abzulösen. Letztns Horustückes miltelsteäe en Haukliuge und qun lattförmigen Messer, i en von der Fleischuat mwird ein geschlossene ehendes Hufeisen auig- gelegt, hiernach ds u- ad abgenommen und er eingeleitet. „Thier weit schmend- it langsamer als bei a ahren, und sie wirl is erall zu ersetzen ist M erst selten augeweude dalten mit Steiugler 1 a stets eine henitais ſässige Horn an kak in für den Lustui E senes Hufeisen 80. leen kein Dmet ets nten N a geltriüue — 209— dem lorbeerblattförmigen Messer weggenommen, und die Ränder verdünnt und geebnet werden. Aufserdem ist zum Schutz der ausgeschnittenen Stellen gegen Druck und gegen eindringenden Schmutz in den meisten Fällen ein entsprechender Beschlag, am besten mit einem sog. geschlossenen Hufeisen, oder mit einem Hufeisen mit Nebenstollen nõöthig. Dasselbe mufs bis über die Ballen hinwegstehen und so aufliegen, dafs die Stelle der Steingalle von dem Eisen nicht berührt werde. Zu diesem Zwecke richtet man entweder das Letztere durch sogenanntes Abkröpfen nach unten ab, oder, man schneidet die Trachtenwand an der leidenden Seite etwa 3— 4 Linien mehr nieder als an der gesunden Seite und läſst dabei beide Arme des Eisens in gerader Rich- tung.— Besteht noch Entzündung mit der Steingalle, so ist anhaltendes Kühlen des Hufes und Schonung des Thieres erforderlich, welche Behandlung man auch selbst da, wo schon Eiterung eingetreten ist, durch mehrere Tage fortsetzt. Später ist jedoch bei der leiztern die Behandlung nach der in dem Geschwür sich zeigenden Thätigkeit einzurichten. Bei Abscessen an andern Stellen des Hufes, na- mentlich an der Sohle, und eben so bei Ergiefsungen von Serum und Jauche zwischen die Horn- und Fleisch- sohle, z. B. bei dem sog. Verschlag, ist das Ausschnei- den des die Flüssigkeit bedeckenden Horns, die Verdün- nung der Ränder, und die weitere Behandlung ganz in der angegebenen Weise erforderlich. Die Wunden an der Hornsohle und am Strahl, wel- che durch das Eintreten von Nägeln, Knochen u. dergl. entstehen, verlangen gleichfalls in der ersten Zeit eine Verdünnung des Horns auf etwa einen halben Zoll nach allen Seiten um die Oeffnung, und aufserdem die An- wendung kalter Fuſsbäder. Besteht die Vermuthung, dafs der verletzende Körper abgebrochen und seine Spitze in der Wunde zurückgeblieben ist, so nimmt man die dünn geschnittenen Ränder etwa 3 Linien breit im Um- fange der letztern ganz fort, erweitert die Wunde in der Fleischsohle oder im Fleischstrahl angemessen, sucht den fremden Körper mit der Sonde auf und entfernt ihn mit der Pinzette.— Ist in solchen Wunden schon Ei- terung eingetreten, so nimmt man die vorher dünn ge- schnittenen Hornränder so weit, wie dieselben von der Fleischsohle getrennt sind, mit Hülfe des Rinn- und des lorbeerblattförmigen Messers weg. Das, bei gleich- zeitiger Verletzung der Hufbeinsbeugesehne, von einigen Thierärzten empfohlene Einschneiden dieser Sehne habe ich niemals für nöthig befunden. Die übrige Behandlung dieser Wunden richtet sich nach der in ihnen bestehenden Thätigkeit. Wenn man nach den vorstehenden Regeln verfährt, wird man das Wegnehmen der ganzen Hufsohle oder das sogenannte Sohlenausreifsen höchst selten nöôthig haben. Die Anzeige hierzu findet sich nur da, wo die Hornsohle(eben so der Hornstrahl) gröfſstentheils oder überall durch Eiter oder Jauche von der Fleischsohle und dem Fleischstrahl getrennt ist. Leidet nur ein Fufs, so kann das Pferd hierbei stehen, im entgegengesetzten Falle aber muſs es niedergelegt und der Fufs auf be- kannte Weise ausgebunden werden. Man schneidet dann entweder die ganze Sohle mit dem Wirkmesser recht dünn und an einer Stelle völlig durch, und von dieser Stelle aus nimmt man mit dem lorbeerblattförmigen Mes- ser einen Theil nach dem andern von der Sohle bis zu den Wänden weg; oder: man verdünnt die Sohle mä- fsig, die Seitenfurchen des Strahls aber recht sehr, schneidet die erstere an dem innern Rande der weiſsen Linie rund herum, und eben so jene Furchen, mit dem Rinnmesser völlig durch,— beugt dann die Sohle mit der Hauklinge oder mit der Haarseilnadel an einer Stelle in die Höhe, ergreift sie mit der Zange oder mit einer starken Pinzette, zieht sie nach den Fersen zu von der Fleischsohle ab und trennt etwa adhärirende Stellen mit dem Lorbeerblattmesser. Nach geschehener Reinigung der Fleischsohle ver- bindet man mit einem dicken Polster von glattem Werg und mit Leinwand, oder, man legt ein Hufeisen auf den Tragerand der Wand, bedeckt die Sohle mit Werg und hält dies mit passend geschnittenen Holzspähnen, welche queer über zwischen das Eisen und das Werg geschoben werden, fest. Man hält das Thier ruhig und verbindet weiterhin mit gelind austrocknenden Mitteln, z. B. mit einer Auflösung von Zincum oder Cuprum sulphuricum. Früher wurde das Ausreiſsen der Sohle, besonders von Lafosse und andern französischen Thierärzten, als ein Hülfsmittel bei den verschiedenartigsten Hufkrank- heiten sehr oft angewendet und damit ein grausamer Unfug getrieben. 53 ———— ——Zö—ö—ö—ö—ö—⅓⅛⅓⅓ — 8 4 .. 2* ——ͤdͤdd ———————————˖Q—OQOñ.ñ——— ——————jjjyjÿ —;—————— ———-——— Druckfehler. 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Um zur tiefsten Stelle der Oberkiefer- oder Kinnbacken-Höhle(Antrum Highmori) zu ge- langen, muſs der Raum zwischen dem äuſseren Rande des Hebers der Oberlippe(der am lebenden Pferde bei der Bewegung der Oberlippe leicht als runder Muskel zu fühlen ist) und dem unteren Ende der Jochleiste gewählt werden. Nachdem 1. die Haut durchgeschnitten und zurückgelegt ist, tritt 2. der äufsere Rand des Hebers der Oberlippe hervor, neben welchem 3. die Oeffnung mit dem Trepan in 88 Oberkie- ferhöhle gemacht wird. Soll der Gesichtstheil vom Speichelgange der Ohr- drüse aufgesucht werden, so fühlt man nach dem unteren vorderen Rande des äufseren Kaumuskels, der vom unteren Ende der Jochleiste schräg nach hinten au den Unterkiefer geht. In dieser Rich- tung wird 4.4. die Haut durchgeschnitten, durch stumpfe Haken aus einander gezogen, und nachdem auch 5.5. der Gesichts-Hautmuskel durchgeschnitten ist, stöfst man auf 6. den vorderen unteren Rand des äufseren Kau- muskels, über welchen 7.7. Zweige des Antlitz- und oberflächlichen Schläfen-Nervens hinweggehen. Unter diesen liegen, von vorn nach hinten: 8. die Gesichts- oder Lippen-Arterie, 9. die Gesichts- oder Lippeneeue und zunächst am Kaumuskel 10.10. der Stenson'sche Gang oder Speichelgang der Ohrdrüse, der bei 17. von der Ohrdrüse abgeht, im Kehlgange(wo er von den drei Geſäſsen das un- terste ist) nach vorn und unten läuft, um den unteren Rand des Unterkiefers sich an die Gesichtsfläche beugt und hier zwischen der Vene und dem Kaumuskel nach oben und vorn, dann von den beiden Blutgefäſsen be- deckt am Backenmuskel hinaufsteigt und in der Höbe der Krone des dritten oberen Backenzahnes in die Maulhöhle mündet. Um zu dem oberen Theile des Luftsnekos, zu ge- langen, wird 11. die Haut in der Richtung des äufseren Randes vom Flügel des Atlas(14) durchgeschnitten, worauf 12. die Ohrdrüse zu Gesicht kommt, und ist diese von 14. dem Atlas abgetrennt, so sieht man 13. den Griffel- Kinnbackenmuskel, unter welchem 15. der Luftsack liegt. Den unteren Theil des Luftsackes ſindet man in dem Dreieck zwischen der Sehne des Brust-Kinn- backen-Muskels, dem hintern obern Rande des Un- terkiefers und der äuſseren Gesichts-Vene. Alle drei Grenzen sind äuſserlich durch das Gefühl und zum Theil auch durch das Gesicht zu erkennen; die Vene dadurch, daſs man sie unterhalb drückt und anschwellen läſst. Es bezeichnen: 16.16. die aufgeschnittene und zurückgezogene Haut; 17. das untere Ende der Ohrdrüse mit dem(geibge- färbten) Speichelgange; 18. die Sehne des Brust- Kinuhacken- Mus- kels und 19. die äufsere Kinnbacken-Vene. Figur 2. Kopf und Hals des Pferdes, wie Figur 1. Hier ist die Trepanation des Unterkiefers 8— 3), die querlaufende Gesichtsarterie und Vene, und der vereinigte Antlitz- und oberflächliche Schläfen- Nerv(4— 6), endlich der Luftsack mit den ihn bedeckenden Gefäſsen und Nerven(7— 24) dargestellt. Soll in dem Zwischenraume vom Maulwinkel bis zum äufsern Kaumuskel an einer Stelle der Kanal des Unterkiefers geöffnet werden, so dient hier der Niederzieher der Unterlippe, der als runder Muskel äuſserlich zu fühlen ist, als Leiter. An dem un- tern Rande dieses Muskels wird 1. die Haut eingeschnitten und in Lappen zurückge- legt. Um aber 2. den Kanal des Unterkiefers sicher zu treffen und 3. den unteren Zahnhöhlen-Nerven, der 3— 4 Linien über dem unteren Rande des Unterkiefers liegt, nicht zu verletzen, mufs der Niederzieher der Unter- lippe etwas nach oben geschoben werden, ehe mit dem Trepan die Oeffnung gemacht wird. Zwischen dem Gelenkfortsatze des Uuterkiefers vnd der Jochleiste, in der Richtung nach dem äuſsern Augenwinkel, liegt unter der Haut 4. die querlaufende Gesichts-Vene, und dicht unter ihr 5. die querlaufende Gesichts-Arterie. 6. Der vereinigte Gesichts-Nerv(oder der 7te) und der oberflächliche Schläfen-Nerv(ein Neben- ast vom Unterkieferaste des dreigetheilten oder 5ten Nervens) kommt aus der Ohrdrüse hervor, geht unter dem Gelenkfortsatze des Unterkiefers über die beiden Blutgefäſse hinweg und theilt sich am äuſsern Kau- *2 — muskel in den oberen und unteren Backenast. Die Verletzung ist zu vermeiden, wenn die Haut abge- zogen wird, denn der Doppel-Nerv liegt ziemlich fest am äufsern Kaumuskel. Um den Luftsack mit seinen Umgebungen zum gröſseren Theile von der äufsern Seite zu über- sehen, ist 7. die Haut von oben nach unten eingeschnitten und nach vorn und hinten zurückgelegt; ferner ist S. 8. die Ohrdrüse und 9. die Unterkieferdrüse hinten abgelöst und nach vorn übergebogen; dann kommt 10. der Griffel-Kinnbacken-Muskel und 11.11. der Luftsack, mit kleinen Lymphdrüsen be- deckt, zu Gesicht. Unten grenzt er an 12. den Schlund- und Kehlkopf. 13. Die Kopfpulsader(4A. Carotis communis) theilt sich unter dem Flügel des Atlas(24) in 14. die Hinterhaupts-Arterie(4A. occipilalis), 15. die innere Kopf-Arterie 414 Carotis cerebra- lis) und in. 16. die äufsere Kopf-Arferie(A. Carotis facialis); diese geht quer über den Luftsack nach vorn und oben. Folgende Nerven liegen in der Nähe oder auf dem Luftsacke: 17. der untere Ast des ersten Hals-Nerens, 18. der Stamm des Bei-Nervens oder der 11te Nerv; 19. der Lungen-Magen-Nerv(10te) mit Qothe 2 o. fsen sympathischen Nerven; 20. der obere Kehlkopf-Nerv vom 10ten, 21. Zweige vom Zunson Sehlandkopfenin wen (9ten). 22.22. Die Sehne vom Brust- Kinnbacken- Mus kel(durchgeschnitten), 23. Die äufsere Kinnbacken-Vene. 24. Der Flügel des Atlas. Tafel II. Figur 1. Der Kopf und ein Theil des Halses vom Pferde, von der linken Seite; ½ der Naturgröſse. Am Kopfeé ist die linke Hälfte des Oberkiefers zum gröfsten Theile, auch vom linken Aste des Unterkiefers ein Theil und die knorpelige Nasenscheidewand hinweg- genommen worden, um die rechte Nasenhöhle, den Ue- bergang in die Rachenhöhle und den Eugaug? zum rech- ten Luftsacke zu zeigen. Es bezeichnen: 1. das linke Nasenloch, 2.2. ein Stäbchen, welches durch das rechte Nasen- loch, durch den unteren Nasengang(6) und durch die Rachenhöhle in den rechten Luftsack geführt ist, um Flüssigkeit daraus zu entfernen; oder um Flüssig- keit einzuspritzen, wenn statt des soliden Stäbchens ein Röhrchen eingebracht wird. Der Luftsack wird durch Ae 3. die Platte der Eustachi'schen Röhre von der Rachenhöhle abgeschlossen, und das Stäbchen muſs die Länge vom äufsern Rande des Nasenloches bis zum hintern Rande des Augenbogens haben, wenn es bis an den Knorpel reichen, muſs also länger sein, wenn es in den Luftsack eindringen soli. Es bezeichnen ferner: 4. die obere oder Siebbein-Muschel, 5. die untere Nasenmuschel, 4 — 6. den unteren Nasengang. 7. Der durchgeschnittene knöcherne Gaumen, 8. die Zunge, 9.9. die sechs Backenzähne des linken Unterkie- und harte ferastes, 10. die zurückgeschlagene Wangenhaut, 11. die hintere Fläche des Gaumensegels. Am Halse ist die Drosselvene, die Arterie, der Schlund, und es sind die begleitenden Nerven an- schaulich gemacht, wegen des Aderlasses, der Un- terbindung der Carotis und des Schlundschnittes. Nachdem 12.12. die Haut mit dem sehr dünnen Halshautmuskel durchgeschuitten ist, kommt die Drosselvene und tiefer 13. der Schulter- Zungenbein-Muskel zu Ge- sicht; ist dieser Muskel der Länge nach durchgeschnit- ten und nach den Seiten gezogen, 8o werden die tie- fer liegenden Theile sichtbar, nämlich 14. der Schlund, welcher hier zwischen der Luft- röhre(18) und dem langen Beuger des Halses liegt. Unmittelbar an und vor dem Schlunde läuft 15. der Lungen-Magen-Nerv(oder 10te Nerv), mit dem grofsen sympathischen Nerven eng averhuuichen, herab; und zwischen diesen Nerven und der Luftröhre liegt 4* 16. die Kopfpulsader(Art. Garos). Auf 18. der Luftröhre und nahe an der vordern Seite der Carotis geht 1. 19. der zurücklaufende oder Stimm-Nerv vom Lungen-Magen-Nerven nach oben zum Kehlkopfe. 17. Die Drosselvene(Vena jugularis ewterna) wird nur vom Halshautmuskel und von der Haut bedeckt; sie geht in der Rinne, welche oben vom gemeinschaft- lichen Muskel des Kopfes, Halses und Armes und unten vom Brust-Kinnbacken-Muskel begrenzt wird, herab.(Sie ist an der Zeichnung etwas zur Seite gezogen, um die tiefer liegenden Theile bessor sehen zu können.) 80 Figur 2. Der vordere Theil des Oberkiefers des Pferdes, von der untern oder Gaumenfläche gesehen; in halber Naturgröfse. FEs ist hier die Absicht, die Lage der Gaumen-Ar- terie und des Venen-Netzes am Gaumen zu zeigen. Zwischen den beiden Reihen 1.1. der Backenzähne liegt 2. der harte Gaumen mit seinen Querfurchen und Wülsten. Dieser bedeckt von unten 3. die zu einem Netz verbundenen Gaumenvenen, welche bis zu den Schneidezähnen herabgehen(hier aber vorn abgeschnitten sind) und 4. die Gaumen-Arterie von unten ganz bedecken. Diese Arterie verläuft in der Nähe des äuſsern Ran- des, schlägt sich aber gegen die dritte vordere Gau- menfurche nach der Mitte um, vereinigt sich mit der gleichnamigen der andern Seite und geht durch das Schneideloch zur Oberlippe. Verletzungen dieser Ar- terie werden daher vermieden, wenn gegen die Mittel- linie des Gaumens und hinter der dritten Querfurche, um Blut zu lassen, der Eiustich Peaacht wird. Es bezeichnen ferner: 5. die innere Fläche der Backe, 6. die Oberlippe, 7.7. die Hakenzähne, und 8.8. die Schneidezähne des Oberkiefors. — 4 2 her ne und dun e des linken Uuteni. ugenhaut, u meusegels. Avene, die Anete, beg gleitenden Na Ä. des Aderlasses, der l. des Selandsehite dunnen Halshautuue e Drosselvene und feſer Hein-Muskel 2n Ge. se nach anhs. erv(uia 1üte Nen) dischen Nerren ag chen diesen Nernel un Carolis). Auf un der vordern Seite ie eer Stimm-Nery ma moben zum Keblkope jugularis erterna] vil von der Haut bedestt oben vom gemeinschi. HHalses und Arnes ul -Maskel begrenst nil chuung etwas zur dei den Theile besser Ehe eil des Oberkieler is oder Gaumenfäche Naturgrößse. Lage der Gaumer⸗A Gaumen au Teigel. ihen einen Overſurchen an Tafel III. Figur 1. Der Kopf und ein Theil des Halses des Pferdes, von vorn und oben gesehen; 3 der natürlichen Gröſse. Die Trepanation der rechten Stirnhöhle und die An- bohrung des linken Riechnerven- Kunollens sind hier dargestellt.. Denkt man sich eine inie von der Mitte des vor- deren oberen Randes der Augenhöhle einer Seite zu der- selben Stelle der andern Seite gezogen, so ist auf die- ser Linie, etwas neben der Stirnnaht in der Mittellinie, der Ort bezeichnet, wo man einbohrt, wenn nur die Stirnhöhle geöffnet werden soll. Um den Riechnerven-Knollen anzubohren, Behufs der Entleerung des Serums aus den Seitenkammern des Gehirns eines am Dummkoller leidenden Pferdes, wird der Bohrer(oder Trepan) etwas höher angesetzt, als bei der Trepanation der Stirnhöhle geschieht. Es bezeichnen: 1. die trepanirte rechte Stiruböhle, 2. die trepanirte linke Stirnhöhle; durch diese Oef- nung ist 3. der Bohrer eingeführt, um die Siebplatte des Seeb- beins zu durchbohren, und 4. den Knollen des Riechnervens zu öffnen. 5. Die linke Halbkugel des grofsen Gehirns ist bis auf den Hirnbalken abgetragen und der vordere Lappen ist abgeschnitten, um den Riechnerven zu sehen. 6. Die rechte Halbkugel ist unverletzt. 7. Der obere Theil der beiden Stirnhöhlen. Figur 2. Kopf, Hals und Brust des Pferdes von vorn, 1 der natürlichen Grölse. Die Oeffnung der Luftröhre ist hier nach zwei Methoden dargestellt. 1. Die Hülse des Hayne' schen Luftröhren- Tro- kar's. Der Trokar mit der Hälse ist quer durch die Haut und die Luftröhre gestoſsen, und die Hälse darin zurückgelassen. Unter dieser ist die geöffnete Luft- röhre gezeigt; nachdem nämlich 2. die Haut mit dem Halshautmuskel in der Mittellinie des Halses von oben nach unten durchgeschnitten ist, und 3. die Brust-Zungenbein- un Brust-Schild- Muskeln in der Mitte getrennt und nach den Seiten gezogen sind, kommt 4. die Luftröhre zu Gesicht; aus dieser sind zwei Ringe zum Theil herausgeschnitten, und die viereckige Oeffnung gebildet, um eine Blechröhre einzubringen. Tafel IV. Der Bauch und das Hintertheil des Pferdes, von der linken Seite, ¾ der natürlichen Gröſse dargestellt. Die Bauchhöhle ist an drei Stellen geöffnet, näm- lich vorn und oben zwischen der 14ten und 18ten Rippe, wobei die Rippen erhalten sind, um die Stelle zu zei- gen, wo der Einstich in den Magen zu machen ist. Die zweite Oeffnung, hinter der ersten, ist in der Lenden- oder Nieren-Gegend, zwischen dem 1sten und 5ten Len- denwirbel, dem hinteren Rande der letzten Rippe und dem äufsern Winkel des Darmbeins gemacht, um die Lage des Eierstocks, für die Castration, zu zeigen. Die dritte Oeffnung befindet sich in der unteren Flauken- gegend, ungefähr 7 Zoll vom unteren Rande des Bau- ches entfernt, und unter den Knorpeln der letzten fal- schen Rippen, um die Lage des Grimmdarmes, wegen des Troikarirens, anschaulich zu machen. 1. Ein Theil des gemeinschaftlichen Rippen- muskels(Musc. sacro-lumbaris), dessen hinterer Theil durch zwei Reihen von Punkten bezeichnet ist. Er ist am äufsern Rande des langen Rückenmuskels als ein rundlicher Muskel durch die Haut zu fühlen. Wird dieser Muskel nahe an seinem inneren Rande, zwischen der 14ten und 15ten Rippe, schräg von oben und aufsen, nach unten und innen durchstochen, so gelangt man in 2.2. den Magen, dessen linker Sack zum Theil hier sichtbar ist. An ihm liegt 3— 3. die Milz, und hinter ihr ragt 4. das hintere Ende der linken Niere hervor. 5.5. Zwei Windungoh des freien Theiles des ast- darmes. 6. Der linke Eierstock hängt unter dem Querfort- satze des 4ten Lendenwirbels an dem Eierstocks- bande, in welches 7. die Muttertrompete und 8. die innere Saamenarterie(Arteria spermaloa interna) eingeschlossen sind. 9. Die linke untere Lage des Srimmgarmes. In der rechten oberen Flankengegend ist der Blind- sack des Blinddarmes und die rechte obere Lage des Grimmdarmes leicht zu treffen. XV. XVI. XVII. XVIII. II. III. IV. Die vier letzten Rippen. Die zum Theil abgeschnittenen Querfortsätze des 2ten, 3ten und 4ten Lendenwirbels. Tafel V. Der Bauch und das Hintertheil der Kuh, in auf- rechter Stelluns von der linken Seite gesehen, 3 der natürlichen Gröſse. pie eſene ist in der Hungergrube geöffnet, um den oberen Theil des linken Sackes des Wanstes, Behufs des Pansenschnittes oder des Einstichs mit dem Trokar, und des Eierstocks, Behufs der Castration, zu zeigen. 1. Der nach vorn zurückgelegte Lappen, welcher aus der Haut, den Bauchmuskeln(ohne den geraden) und der Bauchhaut besteht. 2. Der äufsere Winkel des Hüftbeins. 3. Der obere Theil des linken Sackes des Pansens. 4. Bauchhöhle. 5. Der linke Eierstock, welcher am Eierstocks- bande hängt und etwas hervorgezogen ist. Tafel VI. Hintertheil des Hengstes, mit den äufseren Ge- schlechtstheilen und dem Schweife; auf dem Rücken liegend. Der Maalsstah ist%¾ der natürlichen Gröſse. Die Abbildung enthält die Darstellung der bei der Castration, der Bruch-Operation und dem Anglisiren in Betracht kommenden Theile. Daher ist der rechte Ho- —— — densack aufgeschnitten und der Hode freigelegt, indem auch die Scheidenhaut des Hodens und Saamenstranges aufgeschnitten ist. Ferner ist der linke Saamenstrang, vom Bauchringe bis gegen den Hodensack, freigelegt und die Bauchdecken-Arterie angedeutet. Endlich sind die Muskeln, Arterien und Nerven an der untern Fläche des Schweifes bloſsgelegt. 1. Der Schlauch oder die Vorhaut der Ruthe. 2. Die aufgeschnittene Haut des Hodensackes; nachdem auch 1 109— 1 3. die Scheidenhaut des Hodens und Saamen- stranges aufgeschnitten ist, kommt 41 4. die innere Saamen-Arterie zu Gesicht. Sie kommt in vielen Schlangenwindungen aus der Bauch- höhle herab, und bildet mit dem Geflecht der innern Saamenvene zusammen eiuen dicken, kegelförmigen Körper, der am äufsern hintern Ende des Hodeus liegt. Unter ihm(bei der Rückenlage) fängt der Kopf des Nebenhodens an, welcher am oberen Rande 5. 5. des Hodens nach innen und vorn geht und dort als 6. Sehweif des Nebenhodens endigt, aus welchem 7. der Saamenleiter hervorgeht. Dieser steigt an der innern Seite der Saamen-Arterie im Saamenstrange hinauf in die Beckenhöhle. 8. Der linke Hodensack ist noch geschlossen; er wird durch die Naht(Raphe) äuſserlich, und im In- nern durch die Scheidewand der Fleischhaut von dem rechten geschieden. Aus dem Bauchringe geht 10. der Saamenstrang mit der Scheidenhaut schräg von vorn und auſsen, nach hinten und innen, und wird sichtbar, nachdem 9. die Haut durchgeschnitten ist. Dann kommt auch 11. der Hodenmuskel, welcher zuerst an der äuſsern Seite des Saamenstranges liegt, zu Gesicht, so wie am innern Rande dieses Stranges oben 12. Die äufsere Schaam-Arterie, welche ein Ast 13. der Bauchdecken-Arterie(Arteria epigastrica) Die hintere Banchdecken-Arterie geht bei 12. von ihr ab, nach vorn. Hinter dem After(1), uud nachdem 2. die Haut aufgeschnitten ist, treten die unteren Schweif- Muskeln aus der Beckenhöhle hervor, nämlich 3. der After- Schweif-Muskel oder das soge- nannte After-Schweif-Band, welches in der Mittellinie des Schweifes liegt. An jeder Seite desselben liegt 4.4. ein kurzer Niederzieher, und neben ihm 5.5. ein langer Niederzieher des Schweifes. Die- ser ist beträchtlich stärker, als der kurze Niederzie- Zwischen beiden Muskeln liegt an jeder Seite 6.6. der untere Schweif-Nery, und 7.7. die untere Seiten-Arterie des Schweifes. Jede — ist. her. dieser Arterien ist dünner als 8. die mittlere Schweif-Arterie, welche am Af- ter-Schweif- Muskel hervortritt, in der Mittellinie und oberflächlicher, als die seitlichen Arterien, nach hinten geht. Tafel VII. Figur 1. Das Hintertheil des männlichen Pfer- des, von hinten gesehen; ¾ der natürlichen Gröſse. Die Figur ist wegen der Operation des Steinschnitts gezeichnet, daher ist der Schweif nach oben zuräckge- legt, die Haut ist auf der Harnröhre der Länge nach 4 18. der After- Ruthenmuskel, eingeschnitten und der After-Ruthen-Muskel, welcher die Mitte der Harnröhre bedeckt, i8t entfernt worden. 1. Der After. 2. Das Beckenstück der frarnröhre. 3. Das Ruthenstück der Harnröhre, welche von dem Harn- oder Saamenschneller bedeckt und bei 4. in der Mitte eingeschnitten ist, weil an jeder Seite 5.5. die tiefe Ruthen-Arterie und Vene liegt, die das Blut in den Zellkörper der Harnröhre aus der in- nern Schaam-Arterie, und aus die innere Schaam-Vene führen. 6.6. Die oberen Theile der Sitzbein-Ruthen-Mus- keln, zwischen welchen die Harnröhre liegt. ihm in Figur 2. Die rechte gröſsere Hälfte des senk- rechten Längendurchschnitts des Beckens vom männlichen Pferde, von der innern Seite ge- sehen. Der Maaſsstab ist wie oben. HDie Abbildung ist theils zur Erläuterung der Fi- gur 1., theils wegen des Blasenstichs durch den Mast- darm, gegeben. 1. Die senkrecht darohgeschnittene Wirbelsäule. 2. Die vorn abgeschnittonen Bauchdecken der rech- ten Seite. 1 3. Der Grund der Harnblase, welcher über das Schaambein hinaus in die Bauchhöhle hineinragt, be- sonders wenn die Blase gefüllt ist. 4. Der Harnleiter der rechten, 5. der Harnleiter der linken Seite, beide sind vorn abgeschnitten. 6. Der Saamenleiter der rechten Seite, welcher durch den Bauchring hindurchgeht. 7. Der Saamenleiter der linken Seite, vorn ab- geschnitten; beide liegen auf der Harnblase, wo sie durch 8. eine Falte der Bauchhaut verbunden sind. 9. 9. Die beiden Saamenblasen, die rechte ist noch von der Bauchhaut von Bben bedeckt, eben so der rechte Lappen 10. der Vorsteherdrüse. Diese Theile bedecken den Blasenhals von oben, hingegen liegt 10 b. die Cowper'sche Drüse(hier nur die linke sichtbar) an der Seite und am hintern Ende 11. des Beckenstücks der Harnröhre(der Harn- Geschlechts-Höhle). 12. Das Rutheustück der Haruröhre, welche am untern Rande 13.13. der männlichen Ruthe nach vorn gebt, die von 14. dem Schlauche oder der Vorhaut bedeckt ist. 15. Der hintere Theil des Mastdarms, welcher auſserhalb des Sackes der Bauchhaut liegt. Wenn bei dem Blasenstich durch den Mastdarm der Trokar nicht in den Sack der Bauchhaut eindringen soll, so darf er nur 4 Zoll vom äuſsern Rande des Afters einge- stochen werden, wobei er den Blasenhals trifft. 16. Der linke Heber und 17. der Schliefsmuskel des Afters; kommt unter diesem welcher unter der Harnröhre nach vorn läuft, hervor. 19. Die innere Schaam-Arterie, 20. die innere Schaam-Vene. 21.21. Durchschnitt der Schaam- und Sitzbeine. 22. Innere Fläche des rechten Oberschenkels. —— tene Wirhelszule ten,* 8* u Seite, beide sntm echten Seite, malie hgebt. inken Seite, won i. - der Harublase, wo& at verbunden siud. sen, die rechte ist ud en bedeckt, eben s i hiese Theile bedecken ai en liegt üse(hier uur die lube um hintern Eude Harnröhre(der Hur Haruröhre, welehe u , he nach vorn get,3 Vorhaut heſeclt e woleler Wemlx Trokat ruij soll, 30 „Mastdarus, deihau liegt. astlamm der Ran s Afters; ante 4 — Tafel VIII. Das Hintertheil des Ochsen, von hinten gese- hen; ¼ der natürlichen Gröſse. Wegen des bei Ochsen oft nothwendigen Harnröh- renschnitts, zur Entfernung eines Harnröhrensteines, ist diese Figur gezeichnet. Die Haut ist der Länge nach aufgeschnitten und die Ruthe ist Freigelegt. Es sind bezeichnet, mit 1. der After, 2. der After-Ruthenmuskel, welcher die Harnröhre von hinten, und am vordern Theile von unten, bedeckt. Die Harnröhre ist von der fibrösen Haut der Ruthe ganz eingeschlossen, daher kann ein kleiner Harnröh- renstein durch die dicke Haut des Ochsen von auſsen nicht leicht gefühlt werden. 3.3. Die Sitzbein-Ruthenmuskeln. 4. Das hintere Ende vom Beckentheile der Harn- röhre. 1 5.5. Das obere Ende des Ruthenstücks der Harn- röhre, welches hier noch vom Harnschneller bedeckt ist. 6. Die männliche Ruthe macht im schlaffen Zustande 7.7. die sogenannte trompetenförmige Windung, an deren untere Lage der After-Ruthenmuskel sich anheftet; sie liegt unmittelbar über 8. dem Hodensacke, welcher hier von oben einge- schnitten ist. Tafel IX. Figur 1. Der rechte Vorderfufs des Pferdes, von der innern Seite; ¾ der Naturgröſse. Die Theile, welche bei dem Sehnen- und Nerven- schnitt in Betracht kommen, sind hier dargestellt. Hinter 1. dem innern Griffelbeine liegt 2. der Beuger des F⸗Fesselbeines, der äuſserlich durch's Gefühl zu erkennen ist. An ihm geht 3. die grofse Schienbeinvene nach oben, und hin- ter dieser 4. die grofse Schienbein-Arterie von oben nach unten. Mit dieser Arterie ist durch Zellstoff verbunden: 5. der innere Ast des Mittelnervens(fälschlich Speichennerv genannt), von welchem 6. ein Verbindungsast in der Mitte des Vorder-Mit- telfuſses schräg nach hinten und unten geht, um sich etwa 1¼ Zoll tiefer mit dem äuſsern Aste des Mittel- nervens zu verbinden(s. 6. Fig. 2.). Der innere Ast theilt sich am Fesselgelenk in den vorderen und hin- teren Ast. Soll also der Zweck(Fühllosigkeit der Zehe) bei der Nervendurchschneidung erreicht werden, so muſs diese über der Theilung des Nervens ge- macht werden. 7. Die Sehne des Hufbein-Beugers, und hinter ihr 8. die Sehne des Kronenbein-Beugers sind in der Mitte des Vorder-Mittelfuſses ohne eine Synovialscheide, daher hier am besten zur Durchschneidung geeignet. Alle diese Theile werden nur von 9. der Haut und einer Aponeurose, welche hier durch- geschnitten sind, bedeckt. Figur 2. Der rechte Vorderfuſs des Pferdes, von der äufsern Seite; der Naturgröſse. Der Zweck der Abbildung ist wie bei Fig. 1. 1. Das äufsere Griffelbein, 2. der Fesselbeinbeuger, 3 3.3. die hintere äufsere Zwischenknochen-Vene ist die Fortsetzung der unten sichtbaren Seiten-Vene der Zehe. 4.4. Die àufsere Seitenarterie der Zehe, welche aus der grofsen Schienbeinarterie(4. Fig. 1.) entspringt. 5.5. Der äufsere Ast des Miittelnervens liegt, nachdem er 3 6. den Verbindungsnerven vom innern Aste erhalten hat, mehr rückwärts, als der innere und als er über der Verbindungsstelle liegt. Der äuſsere Ast spaltet sich am Fesselgelenk, wie der innere; und der vor- dere, aus dieser Spaltung hervorgegangene Zweig liegt zwischen der Seitenarterie und Vene, der hin- tere, stärkere Zweig hinter der Seitenarterie. 7. Die Sehne des Hufbeinbeugers. 8. Die Sehne des Kronenbeinbeugers. 9. Die aufgeschnittene Haut. Figur 3. Der rechte Hinterfuſs des Pferdes. von der innern Seite; 3 der Naturgröſse. Der Zweck der Darstellung ist auch hier und bei Figur 4. der Nerven- und Sehnen-Schnitt. Ueber dem Sprunggelenk sind freigelegt: 1. die hintere innere Hautvene, hinuter ihr liegen 2. der innere und äufsere Sohlennerv, Aeste des Schenkelbein-Nervens. Sie liegen in der Mitte zwi- schen der Achilles-Sehne und den Muskeln au der hintern Fläche des Unterschenkelbeines, und werden von der Haut und einer Aponeurose bedeckt. 3. Die zurücklaufende Cutersghonkel-Anterie, welche aus 4. der innern Sprunggelenk- Arterie entspringt. Am Mittelfuſse sind bezeichnet mit . das innere Griffelbein, der Beuger des Fesselbeins, die grofse Schienbein-Vene, .der innere Sohlennerv, der Verbindungsast zum äufsern. Sohlennerven, 10. eine kleine(unbenannte) Arterie, die aus der innern Sprunggelenk-Arterie entspringt und in der innern Seiten-Arterie der Zehe endigt. 11. Die Sehne des Hufbeinbeugers, 12. die Sehne des Kronenbeinbeugers. Figur 4. Der rechte Hinterfuſs des Pferdes, von der äuſsern Seite. S Ueber dem Sprunggelenk ist 1. der lange hintere Hautneryv, welcher mit 2. der äufsern Hautvene in der Mitte zwischen der Achillessehne und den Muskeln am Unterschenkel- beine liegt. Am Uinter- Miittelfuſse bezeichne: 1. die grofse Schienbeinarterie oder vordere äu- ſsere Zwischenknochen-Arterie, welche zwischen dem Schaambeine und 2. dem äufsern Griffelbeine herabläuft. 3. Der Beuger des Fesselbeines, 4. die hintere äufsere Zwischenknochen-Vene, 5. die äufsere zurücklaufende Schienbein- Arterie, 6.6. der äufsere Sohlennerv, 7. der Verbindungsast, welcher vom innern Sohlen- nerven kommt. Die beiden Beugesehnen werden von den Nerven und der Vene zum Theil verdeckt. An der Zehe ist 8. die äufsere Seitenvene der Zehe, —,.— 9. der vordere und 10. der hintere Ast des äufsern Sohlennervens(beide sind an der innern Seite in gleicher Lage und Be- schaffenheit), n 11. die äufsere Seitenarterie der Zehe. Sind die Haare nicht zu grob und ist die Haut nicht zu dick am Fessel, so sucht man durch's Ge- fühl zuerst die Beugesehnen auf, und ſindet unmit- telbar vor ihnen den hintern Ast des Nervens und die Arterie, und vor dieser den vordern Ast des Nervens und die Vene. Eben so am Vorderfuſse. 4 Tafel M. Figur 1. Kopf und Hals des Schafes, von der linken Seite; halbe Naturgröſse. Am Gesicht ist ein Theil der Haut entfernt wor- den, um die Blutgefäſse zu sehen; am Halse ist die Haut auch deswegen aufgeschuütten. Der Zweck ist der Aderlaſs. 1. Die Augenwinkel-Vene Nommt von der Stirn herab, verbindet sich in der Mitte des Gesichts mit der Vene des Nasenrückens und der Krahercue, der Oberlippe, wodurch 2. die Gesichts- oder Lippen-Vene gebildet wird. Unter und vor dieser Verbindung tritt 3. die Unter-Augenhöhlen-Arterie aus dem Ober- kieferkanal hervor, und queer über die Backe; nach der Oberlippe zu läuft 4. die querlaufende Gesichts-Arterie. 5. Die durchgeschnittene Haut am Halse, unter welcher 6. die äufsere Drosselvene liegt, und in der Rinne zwischen dem Brustkinnbacken-Muskel und dem ge- meinschaftlichen Muskel des Kopfes, Halses und Ar- mes zur Brust herabgeht. Durch 7. den Schulter-Zungenbein-Muskel, der ohir dünn und schmal ist, wird sie von 8. der Drossel-Arterie oder Kopf-Arterie ebwas über der Mitte des Halses Eesdhieden. Figur 2. Der Fuſs des Pferdes, von der Seite gesehen; in halber Naturgröſse. Der Huf ist an der Stelle, wo der Hufbeinknorpel liegt, durch die Raspel entfernt und ein Theil der Haut abgeschnitten worden, um die Lage des Hufbeinknor- pels und der Blutgefäſse, wegen der hier vorkommenden Operation, zu zeigen. 1. Der Huf, von welchem die Seiten- und Fersen- Wand zum gröſseren Theile hinweggenommen ist. 2. Der Hufbeinknorpel wird in seiner halben Höhe vom Huſe eingeschlossen und reicht vom hintern Ende der Fersenwand bis zum Anfange der Zehenwand; sein oberer Rand ist durch die Haut zu fühlen. Er ist, so wie 3. die Fleisch wand ganz mit Venen bedeckt, welche nach oben gehen und sich in 4. der Seitenvene der Zehe vereinigen. 5. Die Seiten-Arterie der Zehe tritt hier an die ausgohöhlts Fläche des Hufbeinknorpels. Figur 3. Wie Figur 2. Der Huf beinknorpel ist ganz entfernt, um die Ar- terie und den Nerven, welche er bedeckte, und die Bän- der zu sehen. Auch das Seitenband des Hufbeinknor- pels, welches über die Arterie und den Nerven hin- weggeht, ist entſernt. 1. Der Huf, wie bei Fig. 2. vorbereitet. 2. Der Seiteutheil des Fleischstrahls, oder der Bal- len, der durch den Hntheiuknorbel von der Seite be- deckt wird. 3. Die Seiten-Arterie der Zehe, weiche sich am Hufbeine in die Arterie der Wand und die der Sohle 3 spaltet. Sie wird nur durch das Seitenband des Hufbeinknorpels(welches hier entfernt ist) von die- sem getrennt. Die Arterie wird von 34 4. dem hinteren Zehenaste des Mittelnervens be- gleitet. Der Huf Hauu uorps bedeckt aach 5. das Seitenband des Strahlbeins(das Seiten- band des Fessel- und Kronenbeins wird von diesem Bande gedeckt) und“ 6. das Seitenband des Kronen- und Mofpeins, und zwischen beiden Bändern liegt das Kapselband dieser beiden Knochen. Figur 4. Der Fuſs des Pferdes, mit eingesto- chener Haarseilnadel; von unten gesehen. 1. Der Hornstrahl. 2. Die Hornsohle. 3. Die hintere Grube zwischen beiden Persenthei- len, wo 4. de gekrümmte Haarseilnadel eingestochen wird. Figur 5. Senkrechter Durchschnitt dos pterie- fuſses.. Es ist gezeigt, welche Richtung die Haarseilnadel nehmen muls. 13 1.1. Die Haut. 2. Die Sehne des Kronen- und Hafbein- Strek- kers. Das Fesselbein. Das Kronenbein. Das Strahlbein. Das Hufbein. . Die Sehne des Hufbein-Beugers. . Die Haarseilnadel muſs hinter dieser Sehne, ohne sie zu berühren, durch den Fleisch- und Hornstrahl dringen. 8 . 8 A “ a leegt das Kapselal elerdes, mit eingest on unten geselel. hen beiden Fereutte- chschnitt des Pferi- rhtung di HHaarseillude 1 lHafbein-Suni- 6 ul Beugets e uter dieser Sehne, hleisch- und No 8* 1. Muüuller ad nat. del. C. Iteglich schh . pps uPn p.mu Py veeNI F 6 4 6 6 6 X 4 8 v—222222— . 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