8 Naate D. Ludwig Benjamin Ouvrier geweſenen oͤffentlichen Lehrers der Gottesgelahrtheit und zweyten Superintendenten in Gießen Hinſichten die Ewigkeit. Erſter und zweiter Theil. Zweyte mit dem Leben des Verfaſſers vermehrte Auflage von Renatus Carl Freyherrn von Senkenberg. f ₰ 7i7. 27. 4—— † Gießen, in der Univerſitaͤts Buchhandlung 1793. ““ ö—ſſſſͤ den 7. I de Jaht dimahls Schule d wo dns das theol hard, La Jaumgar ſſen, ma ſ ſoſten. daß ſo bi jddeer ſtüwm ſii nahm lNgang ſcchen alf Ueber das Leben, die Leibes⸗ und Gemuͤths⸗ Beſchaffenheit und die ſchriftſtelleriſchen Verdienſte des ſeligen D. Ouvriers. — G er vor nicht gar einem Jahr zur Ruhe ein⸗ gegangene D. Ludwig Benjamin Oyorier war den 7. Mai 1735. zu Prenzlau, in der Ucker⸗ mark gebohren. Sein Vater*) ließ ihn bis in das 18te Jahr in der nach des Seeligen Beſchreibung damahls nicht zum Beſten beſchaffen geweſenen Schule des Orts, oder Lyceum, unterrichten, von wo aus er dann die Univerſitaͤt Halle bezog, und das theologiſche Studium ergriff. Weber, Eber⸗ hard, Lange, Michgelis, Kalenberg, Knapp und Baumgarten waren ſeine Lehrer in den philoſophi⸗ ſchen, mathematiſchen und theologiſchen Wiſſen⸗ ſchaften. Knapp, von dem man damahls ſagte, daß ſo wie Baumgarten der gelehrteſte, alſo er der ſroͤmmſte, unter den daſigen beruͤhmten Lehrern ſei, nahm ihn in ſein Haus, und half durch ſeinen Umgang und taͤglich gehaltene Betſtunden, die ſchon auf die Univerſitaͤt mitgebrachte Religioſitaͤr 4 2 in *) Zur Ermunterung fuͤr junge Leute von geringem Her⸗ kommen und Vermoͤgen bemerke ich hier, daß der Vater des Seeligen ein Klempner oder Blechſchmidt zu gedachtem Prenzlau war, wo en auch im Jahr 1784 als Stadt Aelteſter, gerade 84 Jahre alt geſtor⸗ ben iſt. Deſſen Vater war Prediger zu Hohen⸗ und Nieder⸗Landen im Brandenburgiſchen; und der Großvater ein Franzoͤſiſcher Moͤnch, der die Evange⸗ liſch⸗Lutheriſche Religion angenommen, und eine Pfarrſtelle zu Elſter bei Wittenberg erlangt hatte. — —— ““ ——* 8 8““— 4 4... 24—* *—“ 4„„* 4—* 85 — 8 4 3 88 —— 4 Leben in dem jungen Ouvrier befeſtigen, wozu auch geiſt⸗ liche Uebungsſtunden des juͤngern Franks, des nachmaligen Superintendenten Struenſee, und durch ſeine Erbauungsſchriften bekannten frommen Adeli⸗ chen, Carl Heinrich von Bogazki, das ihrige mit beytrugen. Auch mit einigen wenigen Studenten, unter welchen ſonderlich ſein nachher durch Schrif⸗ ten als Theologe bekannt gewordener damahliger Stubenburſch Kypke war, hatte er geſegneten Um⸗ gang. Dieſe Stimmung ſeines Herzens konnte nicht anders als die beſten Wuͤrkungen auf ſeinen Fleiß und ſonſtige Auffuͤhrung haben, alſo daß er ſeine akademiſchen Jahre mit Studiren und weni⸗ gen Ergoͤzlichkeiten, aͤußerſter Sparſamkeit und ei⸗ nem unbefleckten Gewiſſen hinbrachte. Die ge⸗ ringen Vermoͤgensumſtäͤnde ſeiner Eltern noͤthig⸗ ten ihn aber, fruͤher als er gewuͤnſcht haͤtte, dieſen fuͤr ihn ſo nuͤzlichen Aufenthalt zu Halle zu endi⸗ gen, worauf er ſich eine Zeitlang zu Feldberg im Meklenburg⸗Streliziſchen, und ſodann in ſeiner Baterſtadt zu Prenzlau, mit Informiren abgab. Und nun war er eben in der Erwartung, in kur⸗ zem eine Stelle an der Realſchule in Berlin zu erhalten, als durch einen beſondern Vorgang ſein Schickſal eine ganz andere Wendung bekam. Haͤtte nemlich Ouvrier zu Prenzlau den Ruf abgewartet, ſo haͤtte er von da ohne Umſtaͤnde in kurzer Zeit nach Berlin abgehen koͤnnen. Allein er hatte einen VBatersbruder, der als Prediger zu Rak⸗ ſchuͤz, nicht gar weit von Breslau ſtund. Dieſer hatte denſelben, im Sommer des Jahrs 1777, um die Zwiſchenzeit, bis er wuͤrklich nach Berlin ab⸗ gehen koͤnnte bei ihm zuzubringen zu ſich berufen, in welcher Zeit lezterer dann den Pfarrer in ſeinen Amesverrichtungen unterſtuͤzte, auch ſeine Kinder unter⸗ rutertich 118 d Ktieg ; wie ihn lezt dahin taunt 9 Otele eine ge Gache wer kei auch di gfkariter ſeines kam fe andere der R lein, di und da knnte, J othen Hauſe, kunft 9 J breiſe über zer Es hot lau, d ſeagt de Erbprin landgrf dizen aulf enn tem Re gang eit djfür d 1 zu auch ge Franks 3 ee, und ung ene Jaei⸗ 18 lorige wit Studentn ech Schri damahliger neten Um⸗ ns konnte mauf ſeinen elſo daß er und weni⸗ ut und ei⸗ Die ge⸗ un narhig⸗ utee, dieſen inn zu endi⸗ addberg im an in ſeinen mhten abgab⸗ mang, in kur 1 Verlin z nzorgang ſeil mhyekam. antlau den Nuf Auſtäͤnde im am. Allin aiger zu Na umd. Diß E 77, H 2r) Berlin ſich bene aa ſene fu w- P urer i ſt des ſel. D. Ouvrier. 3 unterrichtete. Aber auf einmahl wurde er im Jahr 1758 zu Anfang durch eine bei dem damahligen Krieg entſtandene Seuche, dieſes ſeines Onkels, ſo wie die Gemeinde ihres Seelſorgers beraubt. Da ihn leztere ſehr lieb gehabt hatte, ſo ſuchte ſie es dahin zu bringen, daß der ihr geſagtermaſſen be⸗ kannt gewordene junge Ouvrier, ſeines Onkels Stelle erhielte. Dieſer blieb dann nun um ſo mehr eine Zeitlang in Rackſchug), um den Ausgang der Sache abzuwarten, als wegen des Kriegs noch im⸗ mer kein wuͤrklicher Ruf nach Berlin erfolgt war, auch die Gemeinde wuͤnſchte, daß er einſtweilen vikariren huͤlfe, und die ſechs unerzogene Kinder ſeines Onkels ſeine Fuͤrſorge brauchten. Endlich kam faſt zu gleicher Zeit die Entſcheidung, daß ein anderer Kandidat den Pfarrdienſt haben ſollte, und der Ruf fuͤr den jungen Ouvrier nach Berlin. Al⸗ lein, die Wege waren des Kriegs halber nicht offen, und da Ouvrier indeſſen, bis man ſicher reiſen koͤnnte, theils zu Neumarkt bei einem frommen Apotheker, theils zu Breßlau, in eines Majors Hauſe, durch Informiren der Kinder gute Unter⸗ kunft gefunden hatte, konnte er die Zeit der ſichern Abreiſe nach Berlin gar leicht erwarten. Und hier⸗ uͤber zerſchlug ſich endlich die Sache ganz und gar. Es hatte nemlich ſein vornehmſter Goͤnner zu Breß⸗ lau, der Ober⸗Konſiſtorialrath Burg, ihn ohnge⸗ fragt dem damahls in Pirmaſenz Hof haltenden Erbprinzen von Heſſen⸗Darmſtadt,(nachmaligen Landgrafen Ludwig dem IX.) zum Lehrer fuͤr deſſen Prinzen und Prinzeſſinnen anempfohlen, ſo daß auf einmahl Ouvrier einen Ruf dahin mit beigeleg⸗ tem Reiſe⸗Paß erhielt. Verlegen uͤber dieſen Vor⸗ gang eilte er nun zu dem Ober⸗Konſiſtorialrath, und erfuhr dorten zu ſeiner großen Verwunderung das b ganze 6 Leben ganze Geheimniß, bekam auch die dringendſten An⸗ mahnungen, dem Ruf Folge zu leiſten. Er that es, und reiſete uͤber Prag, Nuͤrnberg und Straß⸗ burg nach Pirmaſenz. Alles dieſes geſchah im Sommer 1760. Zu Pirmaſenz wurden ihm die Prinzeſſinnen Friederike, Amalie, Wilhelmine und Louiſe, ſamt Seiner Durchlaucht dem jezigen Herrn Land⸗ grafen, zum Unterricht in der Religion uͤbergeben. Er wurde 1763 Schloßprediger, und genoß des Zutrauens der Herrſchaften, die ihn berufen hat⸗ ten, ſo wie auch ſeiner hohen Untergebenen meh⸗ rere Jahre lang. Als im Jahr 1767 die Herr⸗ ſchaften nach Darmſtadt zogen, gieng Ouvrier mit, wurde daſelbſt zweiter Hofprediger, auch nicht lan⸗ ge nach geſchehenem Regierungsantritt des Erbprin⸗ zen, im Jahr 1770 Konſiſtorial⸗Beiſizer, und ſezte den Unterricht der Prinzen und Prinzeſſinnen mit vielem Seegen fort, wobei ihn auch die damahlige Frau Landgraͤfinn, die bekannte geiſtvolle Mutter ſeiner Untergebenen, oͤfters mit ihrer Gegenwart in den Lehrſtunden beehrte. Dieſes dauerte bis in das Jahr 1772, in welchem Zeitraum er die vorhin ge⸗ dachten jungen Herrſchaften nach und nach in der evangeliſch⸗lutheriſchen Religion confirmirte, und die Trauung der Prinzeſſin Friederike mit Sr. jezigen Koͤniglichen Majeſtaͤt von Preuſſen verrichtete, dann ſeine bisherige ruͤhmliche Laufbahn am Hofe mit der Einrichtung des neuen Darmſtaͤdtiſchen Geſang⸗ buchs fuͤr die Hofgemeinde, auf VBerlangen, und zum Theil mit eigenem Beirath der verewigten Frau Landgraͤfinn, beſchloß. Und hier iſt es, wo die vierte, zugleich lezte Pe⸗ riode ſeines Lebens anfaͤngt. Es war nehmlich da⸗ mahls der zweite Superintendent in dem Oberfuͤrſten⸗ thum tzun h hier/ O mahlige d. B waͤrdige Pelehue und Pre tzalrathe ten Bul Gmyfeh in pir Kur ve nachher ſein E xa Fr damal dritten aler dal ſüdtiſ. de. B Gieſſen Nerbliel Doput VII. ſchieden beiter D. Fe er ſelbſt ſenderle rühwlüch da predigen ligen li und ihnn and Pr zeſſennen Louiſe, n Land⸗ ergeben. noß des en hat⸗ in meh⸗ ie Herr⸗ ier mit, ucht lan⸗ rhprin⸗ d ſeste en mit hlige Nutter anvart in ein das anhin ge⸗ a in der und die jezigen chtete, nofe mit eſang⸗ ann, und den Frau unnleite pe⸗ manlich dar arerfüͤrſten thun des ſel. D. Ouvrier. 2 thum Heſſen, und zweiter theologiſcher Profeſſor all⸗ hier, D. Maͤller geſtorben, der noch lebende, da⸗ mahlige dritte Superintendent und Profeſſor, Herr D. Bechtold, ruͤekte in dieſe Stelle ein, und dem wuͤrdigen Lehrer der jungen Herrſchaften ward zur Belohnung ſeines Fleißes die dritte Superintendenten⸗ und Profeſſorsſtelle, ſamt dem Ame eines Konſiſto⸗ rialraths, auch Predigers an der hieſigen ſogenann⸗ ten Burg⸗ oder Garniſonskirche, zu Theil, wozu die Empfehlung der Frau Landgraͤfinn, an ihren immer in Pirmaſenz lebenden Gemahl den Grund legte. Kurz vor ſeiner Abreiſe von Darmſtadt trat er in die nachhero mit vielen Kindern geſegnete und ihn bis an ſein Ende begluͤckende eheliche Verbindung mit Ma⸗ ria Friederika, einer gebohrnen Miltenberginn, des damahligen dritten Geheimden Raths zu Darmſtade dritten Jungfer Tochter, die ihm daſe elbſt in Beiſeyn faſt aller damahls anweſenden Perſonen des Heſſen⸗Darm⸗ ſtaͤdtiſ. Fuͤrſtenhauſes d. 2. Merz 1772 angetrauet wur⸗ de. Bald darauf ging er nach ſeinem neuen Wohnort⸗ Gieſſen ab, allwo er zwanzig Jahr lang bis an ſein Ende verblieben iſt. Im J. 1777 wurde er nach gehaltener Disput. de neceſſitate ſatisfactionis a Paulo Rom. VIII. v. 3. aſſerta, Doktor der Theologie, ſodann ver⸗ ſchiedentlich Rektor der Univerſitaͤt, und im J. 1786 zweiter Superintendent auch zweiter Profeſſor, nachdem D. Bechtold zur erſten Stelle eingeruͤckt war, und er ſelbſt inzwiſchen durch unterſchiedene Schriften, ſonderlich ſeine Geſchichte der Religionen, auf eine ruͤhmliche Art in der Welt ſich bekannt gemacht hatte. Da durch die beſagte Veraͤnderung die Burg⸗ predigersſtelle, und damit verknuͤpfte, von dem See⸗ ligen bisher fleißig verwaltete Seelſorge hinweg ſiel⸗ und ihm auſſer ſeinen Superintendur⸗ Konſiſtorial⸗ und Profeſſur⸗Geſchaͤfften nur noch eine alle 14 Ta⸗ ge —jy— nach Gieſſen nicht aufſchob. 8 Leben ge in der Stadtkirche zu haltende Predigt oblag, ſo wendete derſelbe nun die ihm dadurch entſtehende wei⸗ tere Muße zu Verfertigung mehrerer Schriften und Ertheilung des Religionsunterrichts an ſeine Kinder, an. Er hatte auch das Vergnuͤgen, zwei von dieſen als recht wohl zubereitete junge Chriſten ſelbſt vor dem Altar einzuſegnen, genoß, nach manchen uͤber⸗ wundenen Unannehmlichkeiten, deren Erzaͤhlung hier nicht zweckmaͤßig waͤre, eine dem aͤuſſerlichen Ausſehen nach bluͤhende Geſundheit, und ſchien ſolchergeſtalt ſeinen Freunden, einem zufriedenen hohen Alter entge⸗ gen zu gehen. Er ſelbſt aber war immer anderer Meinung, und prophezeiete ſich, ſo wie mehrmals in vertraulichen Unterredungen, alſo auch insbeſon⸗ dere, in der an Se. Durchlaucht den regierenden Herrn Langrafen gerichteten Zuſchrift der im Jahr 1791 herausgekommenen Hinſichten in die Ewig⸗ keit, nur ein kurzes Leben. Und leider! lag in die⸗ ſem allen, wie es ſcheint, ein geheimes Vorgefuͤhl von dem was geſchehen ſollte. Dann im Jahr 1792 den 29ſten September uͤberfiel ihn, zu Hermannſtein bei Wezlar, da er eben die Kirchenviſitation dem Anſchein nach ganz geſund verrichtet hatte, ein hefti⸗ ger Froſt, den er aber nicht achtete, und die Ruͤckkehr Er muſte aber gleich von der Kutſche ins Bett ſteigen, und ſein Zuſtand wurde durch Enobruͤſtigkeit und Seitenſtechen ver⸗ ſchlimmert, ſo daß er bei Anbruch des folgenden Ta⸗ ges, gegen ſeine Gewohnheit, ſehr nach dem Arzt verlangte. Er nahm, was dieſer ihm vorſchrieb, oh⸗ ne ſich dadurch zu beſſern, doch auch ohne zu klagen, und war bei dem Beſuch einiger Freunde ziemlich munter. Montcags fruͤh, als den 1. October hatte er wieder ein auſſerordentliches Verlangen nach dem Arzt, da die Nacht gar nicht gut geweſen war: un⸗ ter⸗ b l'ogene ntſe uchte al 5 K riairen. das R auf m ſin le der Sch tthas Oht: yeͤce jihnen meln e ne Be recht! und gali G iich hi chen C der wit titet folgen iih ſal Muftig lben, ohne f Aͤngeſe zarat tter ni Gang nuthli beſtand tobla b ade riften und . Kinder, on die en ſelbſt 4 ehen üͤber⸗ ilung hi Ausſehen ttergeſtat lcer entge⸗ it anderer ehrmals emnobeſon⸗ tierenden uin Jaht Ewig⸗ in die ergefuͤhl 1r 1792 mnnſtein ann dem aan hefti⸗ uͤckkehr ate gleich huſtand ann ver⸗ anen To. uan Arizt meb, oh⸗ auklagen, anemlich aler halte amach dem 1 gar: un⸗ 4 nn des ſel. D. Ouorier.„ terdeſſen wollte er doch nicht im Bett bleiben, ver⸗ ſuchte auch wuͤrklich ein wenig aufzuſtehen, und an dem Katechismus, den er eben drucken ließ, zu cor⸗ rigiren. Allein bald noͤthigte ihn die Schwaͤche in das Bett zuruͤck. Dorten zog er noch ſeine Sackuhr auf, und richtete ſie. Eine Weile darauf, als eben ſein aͤlteſter Sohn und eine Freundinn, die ihn bei der Schwaͤchlichkeit ſeiner Frau mit warten half, ihm etwas Suppe reichen wollten, ſagte er lezterer ins Ohr:„O wenn doch die Meinigen alle um mich „waͤren: ich moͤchte ihnen noch manches ſagen, das „ihnen heilſam waͤre.,, Ehe jedoch dieſe ſich verſam⸗ meln konnten fiel er bei dem fuͤnften Loͤffel Suppe oh⸗ ne Beſinnungskraft zuruͤck: ſein Sohn wollte ihm zu⸗ recht helfen, aber er roͤchelte nur noch ein paarmahl, und war dahin, nachdem er ſeine Lebenszeit nicht ganz auf 78 Jahre gebracht hatte. Alles bisher erzaͤhlte iſt aus einem handſchrift⸗ lich hinterlaſſenen ausfuͤhrlichen Lebenslauf, muͤndli⸗ chen Erzaͤhlungen und das ſeinen Tod betreffende aus der mir von ſeiner Wittwe und den Kindern desfalls mitgetheilten Nachricht genommen worden. Nun folgen noch einige Bemerkungen uͤber denſelben, wie ich ſolche bei einer ſiebenzehenjaͤhrigen Anfangs weit⸗ laͤuftigen, nachhero engern Bekanntſchaft mit dem⸗ ſelben, zu machen Gelegenheit gehabt habe. Ouvrier war nicht groß von Perſon, fleiſchicht ohne fett zu ſeyn, hatte ein mehr rundes als langes Angeſicht, ſchwarze Augen, rothe Backen, wobei es charakteriſtiſch iſt, daß ihm ſelbſt Gram und Kum⸗ mer nichts von ihrer Farbe benahm, eine etwas ge⸗ bogene ſpitzige Naſe, und einen proportionirten Mund. Gang und Sprache war langſam, leztere dabei, ver⸗ muthlich als eine Folge ehemals im Jahr 1758. aus⸗ geſtandenen Anfalls von Blutſpeien und Lundenfuch nicht 19 Leben nicht ſtark. Er war arbeitſam, und ſuchte wenig Geſellſchaften, nur zur nothwendigen Erholung, da⸗ bei er am liebſten einen ſeiner engern Freunde, unter welchen auch ich in den lezten Jahren zu ſeyn das Bergnuͤgen hatte, ungemeldet, auf einen Spazier⸗ gang abholte, doch auch manchmahl bei einem Schach⸗ ſpiel, und maͤßigen Glas Wein Unterhaltung fand. Sein Umgang war angenehm, und nach der Hof⸗ Lebensart gebildet, auch mit guten Einfaͤllen unter⸗ miſcht. Er war auch ein guter Menſchenkenner und Beobachter, daher man in dieſem Stuͤck gar vieles von ihm lernen konnte. Doch erinnere ich mich auch, mit ihm manche vergnuͤgte Stunde in bloßer Unter⸗ haltung von Gott, von der Hinfaͤlligkeit aller Dinge, und von der Ewigkeit hingebracht zu haben. In der Religion war er orthodox, und haßte die immer mehr einreiſſende allzu viele Neuerungsſucht und daraus entſtehende Gaͤhrung unter den Theologen, daher er auch, um ſeinen aͤlteſten ihm ſonſt gar lieben Sohn nicht darinn verflochten zu ſehen, demſelben lieber das Studium der Theologie ganz ab⸗ und das der Rechtsgelehrſamkeit, das er jezt mit vielem Eifer be⸗ treibt, anrieth*). Doch war er nichts weniger als uͤbertrieben orthodox oder intolerant, und alles des pietiſtiſchen Amgangs in Halle ohngeacht, ſo ſehr von zu großer Strenge in der Moral entfernt, daß er ſei⸗ nen Kindern dann und wann einem Tanz beizuwoh⸗ nen ³) So ſagte mir auch, um dieſes hier beilaͤufig zu be⸗ merken, der ſel. Semler, als ich ihn im Jahr 1785 zu Halle beſuchte, daß er ſeinem Sohn nicht die Gottes⸗ ſondern die Rechtsgelehrſamkeit zu ſtu⸗ diren angerathen habe. Auf meine Frage, wie die⸗ ſes komme? antwortete Semler:„Er ſelbſt habe „zu vielen Verdruß bei der Theologie gehabt.„ tet tich ten u Freund den Ge 66, u mitkelne tur, ſ Rothlat güter b ni ſ pageben ihrn R ſäͤnden und E ba de theiler ſis al ne lezte rnn dh litten, fortzuſe dogmat ſeiner, — cte weni olung, dar ꝛde, unter ſeyn das Spajie 4 Schach⸗ ung fand. der Hoß n unter⸗ uner und dir vieles ſiich auch, Unter⸗ Dinge, In der er mehr daraus her er Sohn lieber us der neer be⸗ mer als zazu be⸗ an Jahr aan rnicht azu ſtu⸗ vie die⸗ Vſtt habe k.„ des ſel. D. Ouvrier. 11 nen nicht verwehrte. Gegen dieſe ſeine Kinder war er ein uͤberaus guter Vater, ſo wie ein zaͤrtlicher Freund ſeiner mit vielen koͤrperlichen Leiden kaͤmpfen⸗ den Gattinn. Im Eſſen und Trinken war er maͤſ⸗ ſig, und in ſeiner Haushaltung, wie es bei ſeinem mittelmaͤßigen Einkommen und vielen Kindern noͤthig war, ſehr eingezogen, doch dabei gegen Arme und Nothleidende nach Vermoͤgen mildthaͤtig. Noch ein guter Zug ſeines Charakters war dieſer, daß er manch⸗ mahl ſeinen Freunden das Manuſcript eines heraus⸗ zugebenden Buchs vorlas, auch ins Haus gab, und ihren Rath daruͤber ſich erbat, den er auch, den Um⸗ ſtaͤnden nach befolgte. Seine Staͤrke als Dogmatiker und Exeget moͤgen andere als ich, d. i. ſolche, die ſelbſt bei dieſer Art Wiſſenſchaften ihre Tagezugebracht, beur⸗ theilen. Ich meines Theils bemerke bierbei nur die⸗ ſes als Thatſache, daß Ouvrier nie, auch bis an ſei⸗ ne lezten Tage unterlaſſen, die Schriften der neue⸗ ren Theologen zu leſen, ja ſo viel es die Umſtaͤnde litten, anzukaufen, um immer in ſeinen Kenntniſſen fortzuſchreiten. Seine Predigten waren untermiſcht dogmatiſch und moraliſch, dabei ſtreng in Gemaͤßheit ſeiner eigenen Vorſchrift(), eingetheilt(**), u5 1 alſo *) Er gibt dieſe in ſeiner unten anzuzeigenden Anlei⸗ tung zum Predigen ꝛc. S. 65., wo es heißt: „die Theile muͤßen dentlich angezeigt werden: es iſt „eine unſchickliche Kunſt, ſie nach Art der Franzo⸗ „ſen zu verſtecken., **) Ich kann nicht umhin, bei dieſer Gelegenheit als ein aufmerkſamer Zuhoͤrer ſo vieler hundert Predigten mein ganzes Leben hindurch uͤber das Eintheilen bei dem Predigen etwas zu ſagen, da heutzutage nicht nur ſehr beſchaͤftigte Prediger, ſondern ſogar Kandidaten, ſich dieſe Muͤhe zu erſparen ſachen⸗ Nicht 12 Leben alſo fuͤr den gemeinen Mann deſto faßlicher. Sei⸗ ne Gabe im Unterricht muß beſonders gut gewe⸗ ſen ſeyn, da die ſaͤmmtliche Perſonen, die ihn ge⸗ noſſen, beſtaͤndig eine ganz beſondere Vorliebe ſar ihn deren Predigtenmuſter bei Schuler vom Geſchmack im Predigen, im II. Theil im Auszug angebracht ſind, dafuͤr gehalten haben:„Daß gute logiſche Ab⸗ „tere Einſicht in den Zuſammenhang befoͤrdere,“ (Schuler II. Th. S. 221.) ſo iſt auch die Erfahrung nicht zu laͤugnen, daß die gemeine Leute die Predigten ohne Eintheilung nicht verſtehen, wenig⸗ ſtens nichts behalten koͤnnen. Und machen dieſe nicht bei den meiſten Predigern die groͤſte Haͤlfte der Zu⸗ hoͤrer aus? Nun noch hiezu genommen die Frau⸗ en, die Kinder, und alle diejenige, die nicht von Jugend auf zum Denken angehalten worden: ſind dieſe nicht ſicher in dem nehmli⸗ geuͤbteſten Denker, wird eine nicht eingetheilte Predigt ſelten von gleichem Nuzen mit einer richtig eingetheilten ſeyn. Freylich kann dieſer endlich die Eintheilung mit Muͤhe heraus gruͤbeln, und dieſes muß er thun, wenn er etwa zu ſeiner Erinnerung etwas davon aufſchreiben will. Aber— wird er nicht dadurch, daß er dieſes thun muß, in der Auf⸗ merkſamkeit auf die einzelne Saͤze der Predigt ge⸗ ſtoͤrt, und wenn ihn ein Zufall aus der ſcharfen Achtſamkeit gebracht hat, was hat er dann fuͤr ei⸗ nen Faden, an den er ſich halten koͤnne, da ihm keiner gegeben worden, und er nun durch den ge⸗ dachten Zufall ſich auch keinen zu machen im Stan⸗ de iſt. Aber eine wohl eingetheilte Predigt hoͤrt man mit Vergnuͤgen, behalt leichtlich die Eintheilung, kann ſich ſolche aufſchreiben, und dann nach einem, auch mehreren Jahren der Hauptſache der Predigt ſich erinnern. Nicht zu gedenken, daß die beſte Koͤpfe Teutſchlands, „theilung einer Predigt die Deutlichkeit und leich⸗ chen Fall? Aber ſelbſt dem Denker, dem t. Se ut gewbe in za⸗ liebe fut ihn ſſchlands, Heſchmack ngebracht giſche Ab⸗ ind leich⸗ ordere,“ rfahrung ute die wenig⸗ ieſe nicht der Zu⸗ Frau⸗ nicht alten ehmli⸗ dem theilte richtig ich die dieſes zerung ird er r Auf⸗ It ge⸗ arfen dir ei⸗ ihm an ge⸗ Stan⸗ hoͤrt lung, einem, redigt des ſel. D. Ouvrier. 13 ihn behalten haben. So bezeigte ihm die verſtor⸗ bene Grosfuͤrſtinn von Rußland, ſelbſt nachdem ſie die Griechiſche Religion angenommen hatte, ihre fortdauernde Hochachtung dadurch, daß ſie ihm bis an ihren Tod jaͤhrlich 200 Rubel auszahlen ließ. Ihre noch lebende hohe dort und dahin vermaͤhlte Geſchwiſter beehrten ihn bis an ſeinen Tod mit Achtungsvollen Briefen und Geſchenken, und ſelbſt unſer durchlauchtigſter jeziger Regent, da Ihm im verwichenen Herbſt des ſel. D. Ouvrier Grabmahl auf dem hieſigen Gottesacker gezeigt wurde, ſagte mit Ruͤhrung: dieß war ein braver Mann und einſt mein Lehrer, eine Geſinnung der Dankbarkeit, die hernach der Wittwe durch einen Gnadengehalt auch thaͤtig bezeigt wurde. Als Schriftſteller hat er ſich nicht fruͤhe, ſondern nur in den lezten dreißig Jah⸗ ren ſeines Lebens, und noch dazu in den erſten nur ſparſam gezeigt, daher ſeiner Schriften ſogar viele nicht ſind, manche aber unter ſolchen werden noch lange bleibenden Nuzen ſtiften. Die Litel de⸗ rer, die mir bekannt worden, da der Verſtorbene ſelbſt kein Verzeichniß davon verlaſſen hat, ſind folgende: b 1) Die Freude in dem Herrn, bei der Geburt des Prinzen Chriſtian Ludwigs von Heſſen. Pirmaſenz 7763. 8. Iſt eine 16 Seiten ſtarke Dankpredigt uͤber Pſ. 148. V. 12—14. 2) Taͤgliches Morgen⸗ und Abendgeſchaͤfte. Zum Beſten einer vornehmen Jugend entworfen. Frantf. und Leipz. 1764.(68. S. in 8.) 3 Iſt eine ohne Nahmen herausgekommene, fuͤr die jungen damahligen Heſſen⸗Darmſtaͤd⸗ tiſchen Herrſchaften beſtimmt geweſene kleine Sammlung recht zweckmaͤßiger Morgen⸗ und Abend⸗ 14 Leben A bend⸗Gebether, nach den Wochen⸗Tagen ſeingerichtet. B b 3) Sammlung einiger Predigten. Frankf. a. M. bei Fleiſcher 1767.(272 S.) 8. Sij8nd zwoͤlf in den Jahren 1762— 2766 zu Buchsweiler und Darmſtadt gehaltene Pre⸗ digten, denen noch die Confirmationsrede fuͤr die Prinzeſſinn Friederike, jezige Koͤnigin 7 von Preuſſen, beigedruckt iſt. 4) Glaubensbekenntniß der Prizeſſinn Amalie Fri⸗ derike(jezigen Landgraͤfinn zu Homburg), nebſt der dabei gehaltenen Rede. Frankf. und Leipz. 4 41767. 8.(72 S.) 5) Glaubensbekenntniß Sr. Durchlaucht des Erb⸗ prinzen(oder jezigen regierenden Landgrafen) von Heſſen⸗Darmſtadt. Berlin 1771. 8. 6) Einſeegnungsrede bei der Vermaͤhlung der Prin⸗ zeſſinn Friderike, oder Sr. Maj. der jetzigen Koͤniginn von Preuſſen. Darmſtadt 1769. 8. 7) Neues Darmſtaͤdtiſches Geſangbuch fuͤr die Hoſgemeinde. Darmſtadt 1772. 8. Dieſe uͤber ein Alphabet ſtarke, mit einem kleinen Anhang von Gebetern verſehene Lieder⸗ ſammlung iſt ohnſtreitig eine der ſchaͤzbarſten, die in allen evangeliſch⸗lutheriſchen Landen herausgekommen ſind, wie die Zuſammenhal⸗ tung derſelben mit andern dieſer Art beweiſen wird. Die Zahl der Lieder iſt 579. Die Veran⸗ laſſung dieſer Sammlung gab obgeſagtermaſ⸗ ſen die verewigte Frau Landgraͤfinn ſelbſt, welche auch, die ſonſt ihrer hohen Bilder⸗ ſprache halber nicht in die Geſangbuͤcher ge⸗ hörende, obwohl dem denkenden Leſer zu ſche Lieder, einzuſchalten befohlen hat. Anf Hauſe ein Gedankenfeſt gebende Klopſtocki⸗ — — ———— 7 nif q. M. — 2766 G ltene n nsrede fir Fändn mal ie Fri⸗ 9), nebſt nd Leipz. des Erb⸗ dgrafen) er Prim⸗ jetzigen 969. 8. lür die einem de kieder⸗ barſten, anden menhal⸗ eweiſen Veran⸗ termaſ ſelbſt, ide her ge teſer 1 oſtock 4 Auß⸗ V ſer b des ſel. D. Ouvrier. 15 ſer dieſen wurden Gellerts, Neanders, Cra⸗ mers, und aller damahls bekannten neuern guten Lieder⸗Dichter, Werke dabei gebraucht. Auch die alte Kernlieder Luthers, Gerhards, u. d. g. ſind nicht weggelaſſen, ſondern mit einigen Voraͤnderungen, die zwar manchmal, indem ſie den Ausdruck verſchoͤnern, die Ge⸗ danken ſchwaͤchen(*), aufgenommen. Ue⸗ brigens hat dieſes vorzuͤgliche Geſangbuch zwar nicht das Gluͤck gehabt, in den hieſigen Landen zum allgemeinen Gebrauch eingefuͤhrt zu werden. Hingegen haben die Freiherrn von Bibra in Franken mehrere hundert Ab⸗ druͤcke davon fuͤr ihre Unterthanen aufkaufen, und den Titel alſo umdrucken laſſen: Frei⸗ herrlich Bibraiſches Geſangbuch„auſſerdem, daß eine Menge derſelben ſogar in den reut⸗ ſchen Staͤdten des ehemaligen Engliſchen Ame⸗ rika die de Andacht der Chriſten befoͤrdern hilft. 8) Un⸗ .2 Zum Beweis deſſen, was ich hier ſage, daß nehmlich nicht jede Verſchoͤnerung auch Verbeſſerung ſei, diene der vierte Vers des alten gedanken⸗ und troſtvollen Lieds: O Gott du frommer Gott u. ſ. w. davon heißen die vier lezten Zeilen im Ori⸗ ginal alſo: Gib daß ich meinen Feind Mit Sanftmuth uͤberwind, Und wo ich Rath bedarf, Auch guten Rath erfind. Nach der Veraͤnderung aber heiſſen die zwei lez⸗ ten Zeilen folgendergeſtalt: Und zur Verſoͤhnlichkeit Bereit ſei als dein Kind. Wo iſt nun hier die ganze Bitte um Erbaltung guten Raths im Fall der Noth, einem gewiß wich⸗ tigen Gegenſtand? 16 Leben 8) Unteerſuchung uͤber die Lehrſaͤtze des Chriſten⸗ thums. auf Veranlaſſung der neuen theologi⸗ ſchen Streitigkeiten. Berlin 1773. 8. ') und 10) Programma de Theologia popu- lari. I.& II. Gieſſae 1775. 4. Sijnd die im Namen der Univerſitaͤt ohne Benennung des Verfaſſers herausgekomme⸗ nen Oſter⸗ und Pfingſt⸗Programmen. 11) Diſſ. inaug. de neceſſitate ſatisfactionis a Paulo. Rom. VIII. v. 3. aſſerta. Gieſſae. 1777 4. Sie wurde im Februar d. J. oͤffentlich ver⸗ theidigt, und von dem ſeligen Doktor Ben⸗ ner mit einem Programm de notione ſarisfactionis, eiusque vario in eccleſia fato, in welchem auch die Lebensumſtaͤnde des neuen Doktors mit enthalten ſind, begleitet. 12) Anleitung zum Predigen und Katcechiſiren. Gieſſen 1777. 8. 13) Progr. an Actorum IVW. v. 24. Spiritus Sanctus dicatur Univerſi creator. Gieſſae 1780. 4. Iſt das Pfingſtprogramm d. J. ohne Na⸗ men des Berf, der die Frage, wovon es handelt, verneinet. 14) Progr. de iisdem in reſurrectione reſti- tuendis corporibus. Giſiae, 1781. 4. 15) Einſeegnungsrede bei der Amts⸗Jubelfeier des Inſpektor Schwarz zu Gruͤnberg. Gieſſen 1781. 8. 16) Geſchichte der Religionen, nebſt ihren Gruͤn⸗ den und Gegengruͤnden. I. Theil. Leipz. 1781. II. Theil. 1783. 8. Hier werden im erſten Theil die Meinun⸗ gen der Irrenden außer der chriſtlichen Kir⸗ ſſche, es Chriſe ' 4 as gia popu. erftit ohn sgekomm hen. actionig; Gieſſac ntlich ver⸗ des ſel. D. Ouvrier. 17 che, nehmlich der Atheiſten, Naturaliſten, Muhammedaner Juden und Indifferenti⸗ ſten, ſamt den Gruͤnden dargeſtellt. Bon den Heiden iſt wohl mit Fleiß, weil die Ver⸗ ſchiedenheit derſelben gar zu groß iſt, nichts geſagt. Im zweiten Theil folgen ſodann die unterſchiedliche chriſtliche Religionen, als Ka⸗ tholiken, Griechen, Manichaͤer, Arianer, Pelagianer, Waldenſer Huſſiten, Refor⸗ mirte, Socinianer, Wiedertaͤufer, meh⸗ rere Gattungen der Fanatiker, und endlich die Herrnhuter. Da hier von den Luthera⸗ kror Ben⸗ nern gar nichts vorkommt, ſo ſieht man wohl, notione daß der Titel eigentlich haͤtte heiſſen ſollen, twecclelia G. d. R.— auſſer der evangeliſch lutheri⸗ uumſtäͤnde ſchen Kirche. Sonſten aber wird der Leſer egleitet eine angenehme Darſtellung des Lehrbegriffs echſſiren. jeder der benannten Religionen, ſamt ihren Gruͤnden, und demjenigen, was man den⸗ uSpirit ſelben nach den Lehren der evangeliſch⸗luthe⸗ piritus lrh le e. f, degee— n Gieſeae riſchen Kirche entgegen ſezt, kurz und unpar⸗ ktheiiſch entworfen, hier antreffen. ohne No 17) Progr. de autore anonymo der freimuͤthi⸗ 4 gen Betrachtungen uͤber das Chriſtenthum ꝛc. vovon ee verae naturae divinae I. C.& S. S. Triadis adverſario. Gieſſae 1782. 4. trne re.. 18) Selbſtpruͤfung und fromme Entſchließungen. . Gieſſen 1789. 8.(494 S.)— b s Jubelfeit Dieſes, der regierenden Frau Landgraͤfinn i Geeſin von Homburg zugeſchriebene Andachtsbuch iſt vielleicht, bei der großen Menge von Schrif⸗ den Gri ten dieſer Art, mit unter die vorzuͤglichſten i. 1731 derſelben zu rechnen. Es iſt zwar zunaͤchſt fuͤr Perſonen von hoͤherem Stande geſchrie⸗ 3 Meinun anhen Ki he ben, jedoch ſo, daß es fuͤr Perſonen von ge⸗ b rin⸗ Leben ringerm Stande ſehr nuͤzlich werden kann. Die Selbſtpruͤfung hat funßzig Abſchnitte, in denen zum Theil die verſchiedene Ge⸗ ſinnungen bis auf die geheimſte Falten des menſchlichen Herzens entwickelt wer⸗ den. Und die fromme Entſchließungen laſ⸗ ſen in ſechs und zwanzig Abſchnitten, wohl ſchwerlich eine Entſchließung vermiſſen, die ein fuͤr das Heil ſeiner Seele noch ſo eiftig beſorgter Chriſt zu faſſen haͤrte. Dabei darf doch niemand denken, daß die Moral zu ſtreng ſei; ſondern der ſel. Verf. hat, meiner weni⸗ gen Einſicht nach, gerade den Mittelweg ge⸗ troffen. Als den zweiten Theil hiezu kann man das gleich folgende anſehen. 19) Hinſichten in die Ewigkeit. Gieſſen 1792. 8. (784 S.) Dieſes iſt die erſte Auflage von dem hier zum zweitenmagl erſcheinenden Buch. So wie das vorige uͤberhaupt alle Pflichten des Menſchen, ohne beſondere Ruͤckſicht auf un⸗ ſere Sterblichkeit umfaßt, ſo beſchaͤftigt ſich dieſes inſonderheit mit demjenigen, was dem Menſchen in Betracht ſeiner Sterblichkeit und Hinfaͤlligkeit zu denken und zu thun obliegt, und macht mit dem vorigen zuſammen genommen, ein ſchoͤnes Ganzes aus. Allein betrachtet, iſt es vielleicht von noch ausgebreiteterm Nu⸗ zen als jenes, um der herrlichen Lieder willen, die jeder Betrachtung angehaͤngt ſind, als welche auch demjenigen, der Krankheits oder Schwachheits halber, oder weil er weniger im Denken geuͤbt iſt, dem Ideengang der Betrachtungen ſelbſt nicht nachgehen kann, desgleichen auch Kindern, durch Leſen, Vor⸗ leſen⸗ — 9) ———.— Aüſchnte ſedene Ge ſt Falten ckelt wan ungen i ten, wohl iſſen, die ſo eiftg Dabei darf lzu ſtreng iner weni⸗ elweg ge⸗ eann man 1792. 8. dem hier h. So hten des auf un⸗ ſtigt ſich was dem hkeit und liegt, und nommen, etrachtet, aterm Na⸗ ner willen, ind„ A z eits oder z wenige u gang de en kann, — dn, Voh leſen des ſel. D. Ouvrier. 19 leſenlaſſen und Auswendiglernen eine geſunde Seelennahrung werden koͤnnen. Selbſtden⸗ kende Chriſten aber werden gewiß keine Seite, von welcher ſich der Abſchied aus dieſer Welt, in geſunden ſowohl als kranken Tagen betrach⸗ ten laͤßt, uͤbergangen, und uͤber jede die zweck⸗ maͤßigſten Betrachtungen angeſtellt finden. Und uͤberhaupt werden alle Kenner der Ou⸗ vrieriſchen Schriften, die ſchriftſtelleriſche Ver⸗ b dienſte zu wuͤrdigen wiſſen, bei Leſung dieſer beiden letztern Buͤcher, des Verf vorzuͤgliche Staͤrke im aſcetiſchen Fach nicht zu verkennen im Stande ſeyn. Es war bei der erſten Auf⸗ lage eine Zuſchrift des Seeligen an des jetzi⸗ gen Herrn Landgrafen von Heſſen⸗Darmſtadr Durchlaucht, die aber in der gegenwaͤrtigen, um das Buch deſto eher in dem alten Preis des hinzugekommenen Lebens des Verf. ohn⸗ geachtet, geben zu koͤnnen, weggeblieben iſt. 20) Kurze Erklaͤrung des Katechismus Luthers. Gieſſen 1792. Es war noch an einigen Orten des Ober⸗ fuͤrſtenthums der bloße Katechismus D. Lu⸗ thers, zum Schul⸗Unterricht im Gebrauch, und Ouvrier fand, daß manche ungelehrte Schullehrer denſelben ihren Untergebenen nicht zweckmaͤßig erklaͤren konnten. Er enr⸗ ſchloß ſich alſo, zu derſelben Behuf dieſe 117 Seiten ſtarke Erklaͤrung daruͤber zu ſchreiben, die er auch noch dazu um den moͤglichſt wohlfei⸗ len Preis in der Lehrer und Kinder Haͤnde zu bringen, die Anſtalt machen wollte Er beſchloß eben, weil es kein Buch fuͤr Gelehrte feyn ſollte, ſeinen Namen nicht davor zu ſe⸗ zen. Er eilte mit der Arbeit was er konnte, b 2 und ee eben des ſel. D. Ouvrier. und gleichſam, als ob er bei langſamerer Be⸗ treibung derſelben ſie nicht mehr vollenden wuͤrde. Er ſtarb auch, wie oben geſagt, ſo zu reden uͤber der Correctur. Er ruhe im Frieden! Und ſein Beiſpiel treibe viele, die dieſes alles geleſen haben, an, ihm nachzuah⸗ men Geſchrieben zu Gieſſen 7 um den Michaelistag ¹ f “ 82 V ſtin ö ſa begna densve Renatus Karl, Freiherr von Senkenberg. 89. werer e jdollenda „Nſagt, er ruhe i viele, d 1 nachzua üchaelien kenberg⸗ Vorrede. — Da beſte Vorbereitung zum Tode iſt ein gutes und gottgefaͤlliges Leben, und ein Menſch iſt immer ſehr zu beklagen, welcher die Anſtal⸗ ten zu ſeiner lezten Veraͤndrung erſt im Tode ſelbſt oder auf dem Krankenbette machen will. Das ganze Leben muß Hinſicht auf den lezten Zweck und Vorbereitung zur Ewigkeit ſeyn; nicht die lezte ungewiſſe Stunde, die ohnehin ſehr oft zu einer ſo wichtigen Sache wenig geſchickt zu ſeyn pfiegt; und der Menſch iſt immer in der groͤſten Gefahr, wenn er die geſunden Tage ſei⸗ nes Lebens verlohren hat, auch noch die lezten zu verliehren. Aber dabey bleibt gleichwohl eine beſondere Anſchickung zur Ewigkeit auch auf dem Krankenbette ſowohl dem guten Chriſten als dem ungebeſſerten Menſchen heilſam und noͤthig. Der wirklich gebeſſerte, redliche und begnadigte Freund Gottes braucht in dieſen lei⸗ densvollen Tagen Belehrung und Troſt; erſauſ b indet 22 Vorrede. findet ſich oft leer von aller Kraft des Nachden⸗ kens, und er ſucht daher aus dem Munde ſeines Predigers, oder Freundes, oder aus einem fuͤr ſeine jetzige Lage ſchicklichen Buche, Sammlung ſeiner Gedanken, Beyhuͤlfe in ſeinen eignen Be⸗ ſchaͤftigungen de: Seeie, Zurechtweiſung und Hinfuͤhrung auf das, was jezt fuͤr ihn noch zu thun iſt; was ihm Muth, Geduld, Zuverſicht, Troſt und Freudigkeit geben kann: und wer das Krankenbette der frommen Verehrer Gottes zu kennen Gelegenheit gehabt hat, der weiß es auch, wie aufrichtend und erquickend ihnen in den empfindlichſten Leiden der Zuſpruch und das Gebet des Lehrers oder eines Freundes und auch das Vorſagen aus einem Liede oder guten Buche war. Der Ungebeſſerte hat einer ſolchen Huͤlfe noch mehr noͤthig. Wie mancher Menſch kommt noch auf ſeinem Sterbebette zum Nach⸗ denken? Ich habe davon ſelbſt aus der Er⸗ fahrung koͤſtlige Beweiſe, daß die Guͤte Got⸗ tes die Leiden, die vor der Aufoͤſung vorher⸗ gehen, dazu gebrauchte, den Menſchen zu einer ernſtvollen Beherzigung des Zuſtandes ſeiner Seele zu bringen. Wie oft kommt das Ge⸗ muͤth, das ſchon mehrere Zeit die Nothwendig⸗ keit fuͤhlte, ernſtlichere Anſtalten fuͤr ſein ewiges Gluͤck zu machen, hier noch zur Feſtigkeit; und der gute Same aus der Jugend oder dem vori⸗ Nachden V de ſeines lnem fin ummtung V nen Be⸗ V ung um noch uverſich wer das ottes zu weiß es ihnen in und das und auch t guten en Hüſf Menſc im Naa⸗ der er⸗ zuͤte Ger vorhee⸗ in zu eine des ſeine das Ge e)wendi⸗ mn ewigt eit; un wem vol⸗ b 90 Vorrede. 23 gen Leben, welcher bisher verborgen war, geht endlich hier noch auf? Bleibt gleich bey einer ſpaͤten Beſſerung immer unausſprechlich viel fuͤr die Ewigkeit verlohren, ſo iſt denn doch immer auch das wenige, was hier gewonnen wird, unendlich viel werth, und ein unausſprechlicher Gewinnſt. Es fuͤhrt aber auch nicht jede Krank⸗ heit, wenn ſie gleich gefaͤhrlich iſt, zum Tode: ſie bringt oft ganz nahe zum Grabe, aber ſie toͤdtet nicht immer Sie gehoͤrt auch zu den weiſen und ſtarken Mitteln, die die vaͤterliche Guͤte Gottes erwaͤhlt, den Menſchen aus ſei⸗ nem Schlummer und von ſeiner Traͤgheit auf⸗ zuwecken, und auf das Ende und den Zweck ſeines Lebens aufmerkſam zu machen, um die uͤbrigen Tage mit mehrerer Sorge fuͤr die Ewigkeit, mit beſſerer Gewiſſenhaftigkeit und in einem fruchtbaren Glauben an den Erloͤſer hinzubringen. So wie uͤberhaupt die guten und boͤſen Veraͤndrungen und Schickſale un⸗ ſers Lebens Gottes Erinnerungen an uns, und ſtarke Erſchuͤtterungen unſers Gewiſſens ſind, ſo ſind es auch die Krankheiten. Mancher fromme Nachfolger Chriſti rechnet die Zeit ſeines weiſen und heiligen Lebens von dieſer Zeit ſeiner Leiden, oder Krankheit, oder ſon⸗ ſtigen wichtigen Veraͤnderung ſeines Zuſtan⸗ In 24 Vorrede. In aller dieſer Ruͤckſicht ſowohl, als auch fuͤr andere, beſonders diejenigen, welche das Kranken⸗ und Sterbebette umgeben, iſt es eine dringende und eben ſo wohlthaͤtige Sache, ſich um die Belehrung, Beſſerung, Beruhigung und Troſt eines Kranten verdient zu machen. So wichtig dieſe Pflicht fuͤr jeden iſt, ſo viel wichtiger iſt ſie fuͤr den Lehrer, der gerade hier das mehrſte Gute ſtiften kann, hier am beſten die Glieder ſeiner Gemeinde kennen lernt, hier ſeine eigentlichen und nuͤtzlichen Hausbeſuche anſteut, hier die aufmerkſamſten Zuhoͤrer hat, das mehrſte Vertrauen zu ſich, die beſte Willig⸗ keit und Folgſamkeit und den ſtaͤrkſten Eindruck fuͤr ſeine Vortraͤge, Erinnerungen und War⸗ nungen findet, hier auch den umſtehenden Ge⸗ ſunden und Angehöoͤrigen ſehr nuͤtzlich werden kann. Eben daher iſt jede Anweiſung fuͤr den Leh.* fuͤrs Krankenbette wichtig, und ein nicht geringes Verdienſt hat ſich in dieſem Fache der Herr Superintendent Oemler in ſeinem Prediger am Krankenbette gemacht. Zu den Hauptſorgen eines gewiſſenhaften Predigers gehoͤrt es unſtreitig uͤber dieſes Stuͤck ſeiner Paſtoraltheologie ſelbſt reiſtich nachzudenken, und ſich fur das Kranken⸗ und Sterbebette recht nuͤzlich zu machen. Nur iſt der Prediger allein nicht hinrei⸗ chend, und es ſind ſolche Schriften, die zu ſei⸗ nem nim 3 eine e Ich w ſonſt kenbel un fachä und ſe nue de Nach ter ſe E nen derg an d wege ten ger. und ur. Nung Eter berei rict ſd angut düge ſche kr pe als augj deiche da iſt es em iche, ſih ruhigung machen V t, ſo dil t gerade hier an ien lernt sbeſäche rer hat, Willg⸗ Eindruck 8 War⸗ den Ge⸗ werden ruͤr den in vicht nache der ſeinem Zu den redigers sk ſeiner audenken, rbebette hinrti ir ſ nem Vorrede. 25 nem Zweck gemeinſchaftlich milwirken, immer eine eben ſo nothwendige als n utzliche Sache. Ich will nicht davon ſagen, a9 manche auch ſonſt geſe chickte Maͤnner gerade fuͤr das Kran⸗ kenbette wenigere Talente haben, oder wohl zum Theil dieſes Stuͤck ihres Amts zu viel ver⸗ nachlaͤßigen: ſo iſt es doch einmal eine traurige und ſehr herrſchende Gewohnheit, daß man ihn nur dann fordert, oder daß nur dann ihm eine Nachricht von der Krankheitseines Gliedes ſei⸗ ner Gemeinde zukommt, wenn bereits die äuſer⸗ ſte Gefahr ſchon eingetreten iſt, wenn Beſin⸗ nen und Nachdenken hinſinken, und ſein Amt vergeblich iſt. Oft iſt der Lehrer nicht einmal an dem Orte, und er kann deßhalb oder auch wegen der mehrern Geſchaͤfte ſein⸗ 5 Amts ſel⸗ ten bey dem Krankendette ſeyn. Ohnehin iſt das Vorurtheil ſo herrſchend, daß der Predi⸗ ger nur troͤſten, nur mit dem Kranken beten, und etwan das heil. Abendmahl reichen ſolle. Zuruͤckfuͤhrung in das Leben und in die Geſin⸗ nungen, Erinnerungen an Pflichten auf dem Sterbebette, Zweifel an dem guten und wohl⸗ bereiteten Zuſtande des Kranken, erwartet man nicht, will ſie nicht, nimmt man uͤbel, und theils ſind ſie bey dem ſchon nahen Tode nicht mehr anzubringen„theils wird der Prediger damit abgewieſen, theils iſt er ſelbſt zu furchtſam und ſcheuet den Unwillen der Familie, u und theils iſt er verlegen, wie er ſich mit Klugheit und Nuten 26 Vorrede. Nutzen zu verhalten habe, vornehmlich, wenn das Leben zweifelhaft, oder aͤuſerlich ehrbar war, und eine oder die andere Erinnerung als Vorwurf und Beleidigung angeſehen werden duͤrfte. Hier iſt wohl ein gutes Buch das beſte Miittel, durch daſſelbe das ſagen zu laſſen, und an das zu erinnern, was man ſelbſt nicht ſagen kann. Ein ſolches Buch zu empfehlen; darin eins und das andere zum eignen Leſen, oder andern zum Vorleſen bey dem Krankenbette zu zeichnen; daraus Gelegenheit zu nehmen, dem Herzen naͤher zu kommen, und dann auch die Stunden, worin man nicht ſelbſt zugegen ſeyn kann, nuͤtzlich zu machen; ja die Krankenbeſuche, welche oft das verderblichſte Uebel fuͤr den Ster⸗ benden ſind, in eine heilſame Form zu bringen, dieß iſt eine der groͤſten Erleichterungen des Predigers und ein vortrefliches Mittel, Nutzen und Gutes zu ſtiften, fuͤr den Kranken und Sterbenden ſelbſt aber uͤberaus wohlthaͤtig. Der Kranke hat oft in dem Anfange und auch oft in dem Fortgange ſeiner Krankheit ge⸗ wiſſe Erholungs⸗ oder erleichterte Stunden; die er durch Geſpraͤche oder dadurch, daß er ſich etwas vorleſen laͤßt, ſich verkuͤrzen will. In Ermangelung eines fuͤr ſeine Umſtaͤnde paſſen⸗ den Buchs, greift er nach andern oft jezt ſehr ſchaͤdlichen Schriften. Ich erinnere mich einer hohen Perſon, welche ſich ſo zu ihrem Zeitvertreibe aus aus Pe füͤrſtie dern vorlaß dgung Undo bey der peregt den lines ſcgan zu ſa ſchd ſälbſ Herze wiſſn hoch! dhe Mef unde üh, wen ich ehrhir erung as u werden das beßt ſeen, um cht ſagen n; darin in, oder bette zu 1, dem auch die zen ſeyn beſuche, 1Ster⸗ ringen, den des Nutzen den und eig. age und t)eit ge⸗ unden; er ſich al. In paſſen⸗ ſt ſehr h einer artreibe qus Vorrede. b 27 aus Peregrine Pickle vorleſen ließ, bis ein edler fuͤrſtlicher Jungling in Ermangelung eines an⸗ dern Buchs ihr dafuͤr einige ſchickliche Lieder vorlaß, und ſie mehr auf zweckmaͤſige Beſchaͤf⸗ tigungen in ihrer gefaͤhrlichen Lage hinleitete. Und wie viel ſind die mehrſten Unterhaltungen bey den Krankheiten beſſer, als die Lectuͤre vom Peregrine Pickle? Wie oft iſt der Prediger bey dem Krankenbette eines Groſen, oder auch ſonſt eines andern in groſer Verlegenheit, das zu ſagen, was er auf dem Herzen hat, und hier zu ſagen waͤre; aber vielleicht keine oder gar ſchaͤdiiche Wirkung haben wuͤrde, wenn er es ſelbſt ſagte? und wer weiß das Verborgene des Herzens und des Lebens, welches doch dem Ge⸗ wiſſen in Erinnerung gebracht werden ſollte, um noch manches zu verbeſſern? Hier ſind nun ſol⸗ Buͤcher von einem groſen Werthe, die den Menſchen zu einem eignen Nachdenken fuͤhren; und es wird immer ein groſer Vortheil fuͤr das Chriſtenthum bleiben, wenn ſolcher Schriften mehr ſind, um unter ihnen nach der jedesmali⸗ gen Lage, dem Geſchmack der Menſchen und ihrer Art zu denken waͤhlen zu koͤnnen. Wir haben freylich Erbauungsbuͤcher fuͤrs Krankenbette, ſowohl aͤltere als neuere, ſowohl in Liedern, als Betrachtungen und Gebeten. Manche aber ſind bloſe Gebete, die ſich gleich⸗ wohl nicht fuͤr jedermann ſchicken; andere In gu 28 Vorrede. auf einzelne Umſtaͤnde des Kranken gerichtet, und muͤſſen muͤhſam ausgeſucht werden, wozu nicht jeder rmaun das Geſchicke hat; und andere beſchaͤftigen ſich a⸗ lein mit Kroſt, weicher gleich⸗ wohl nicht immer fuͤr das Herz des Kranken ge⸗ hoͤrt; und mehrentheils haben ſie den Fehler, daß ſie nicht auch zur ernſtvollen und noͤthigen Selbſtpruͤfuug auch in ſeinen beſondern Verhaͤl lt⸗ niſſen des Lebens und zum Nachdenken uͤber die Pflichten fuͤhren, welche fuͤrs Krankenbette und zur eigentlichen Vorbereitung zu einer ſeligen Ewigkeit gehoͤren. Und auch von dieſer leztern Art wird die Zahl der Erdauungsbuͤcher nicht ſo groß ſeyn, daß ein neuer Beytrag dazu fuͤr uͤberfluͤßig gehalten werden muͤſte. Ich habe daher zu einer ſolchen Schrift einen Verſuch ge⸗ macht. Vielt eicht iſt er, wenn gleich nicht fuͤr alle, doch fuͤr eine und die andere Klaſſe von Leſern brauchbar und nuͤtzlich. Da ich fuͤr mich ſelbſt die Pflicht fuͤhle, ſleißig auf den einbre⸗ chenden Abend und auf die ung gewiſſe Stunde des Todes und auf die Ewigkeit hinzuſt ehen, ſo wuͤn⸗ ſche ich guch andere an dieſe Pflicht zu erinnern, und in der Aufmerkſamkeit Pfas das Ziel ihrer Reiſe durch die Welt zu erhalten. Meine Ab⸗ ſicht gieng dahin, dieſe Betrachtungen ſo einzu⸗ richten, daß ſie jedermann ohne Unterſchied ſei⸗ nes Standes, ſeines Herzens und ſeiner Um⸗ ſtaͤnde gebrauchen, und auch in ihrer Folge ohne muh gſames Ausſuchen nutzen moͤchte; daß jeder auf Kerichte en, won erte und ſellgen de leztern richt ſo azu fuͤr cch habe uch ge⸗ icht fuͤr ſſe von däͤr wich einbre⸗ udedes ſo wün⸗ einnern, iel ihrer ine Ao⸗ ayy einzu⸗ znied ſer her Un⸗ gge ohne a jedel auf b Vorrede. 29 auf die Beobachtung und Kenntniß ſeiner ſelbſt und ſeiner eignen Gemuͤthsbeſchaffenheit hinge⸗ leitet, und er ſein eigner Richter werden koͤnnte; aber auch an ſeine Pflicht, das Verſaͤumte, ſo viel als noch geſchehen kann, nachzuholen, die Fehler, ſo viel als moͤglich iſt, zu verbeſſern und das Gute, was mannoch fuͤr die Welt und fuͤr ſich ſelbſt thun kann, auf ſeinem Kranken⸗ und Sterbebette, wirklich zu thun erinnert werden moͤchte. Wie weit es mir darin gegluͤckt ſey, muß ich dem Urtheil erfahrner Leſer uͤberlaſſen. Mein Wunſch iſt es vor Gott, daß ich nicht ohne Nutzen und Segen die Feder angeſezt haben moͤge. Stellen der heil. Schrift habe ich zwar nicht mit Hinweiſung auf Buch und Kapitel angefuͤhrt, aber doch hoffe ich, daß man ihr deßhalb nicht den Vorwurf machen werde, ſie ſey nicht bibliſch genug. Der Inhalt iſt deſſen ohngeachtet aus der Bibel genommen, und derſelben einſtimmig. Ich habe dieſe Schrift in zwey Theile abge⸗ ſondert. In dem erſten habe ich den Geſunden an ſeinen Tod und an die ſtets noͤthigen Anſtal⸗ ten zu ſeiner groſen und lezten Beſtimmung erin⸗ nert; doch wird dieſer Theil auch dem Kranken ſelbſt nuͤzlich werden koͤnnen. In dem zweiten folgen die Betrachtungen fuͤrs Krankenbette: und dieſen ſind theils Betrachtungen zur Kranken⸗ Communion theils vier Morgengebete und eben einige ſo viel Abendgebele fuͤr den Kranken; zulezt noch 30 Vorrede. einige Betrachtungen fuͤr die Geneſenden hinzu⸗ gefuͤgt. Zu jeder Betrachtung habe ich ein ſo viel als moͤglich paſſendes gutes Lied, oder doch einige Verſe aus demſelden hinzugethan, weil ſie fuͤr den gr oöͤſten Theil der Chriſten ſehr ange⸗ nehm und nuͤtzlich zu ſeyn pflegen. Zwar ſind ſie nicht alle an Guͤte gleich, aber ich muſte ſie nehmen, wie ich ſie haben konnte; und doch wird ſchwerlich eines oder das andre drunter ſeyn, welches der Aufnahme unwuͤrdig waͤre. Bey einer und andern Betrachtung ward ich in die Nothwendigkeit geſezt, theils ſelbſt ein Lied auf⸗ zuſetzen, theils ein und anders von einem Freun⸗ de neu gemachtes einzuruͤcken; einige andere aber zu dem hier beſtimmten Zweck doch nur in Klei⸗ nigkeiten zu aͤndern. Die treue Hand des Erloͤ⸗ ſers fuͤhre mich und meine Leſer den guten und rechten Weg zu unſerm ewigen Gluͤck. ——————— de hinn ich ein ſ oder dac dan„ weil ehr ange⸗ war ſind 4 muſte ſi och widd ter ſeyn, 1 Bey in die 1 ied auf⸗ 1 Freun⸗ dere aber nin Klei⸗ 15 Er loͤ⸗ en und 4 än hal des er ſten Theits. W.n de der Nichtigkeit des meghen und der unvermeid⸗ lichen Stunde ſeines Todes S. 3 2 Von der Unſterblichkeit des Geiſtes und unſrer Beſtim⸗ mung zur Ewigkeit S. 7. Das jetzige Leben iſt blos Vorbereitung und Erziehung zur Ewigkeit S. 15. Von den mancherley Abwegen, von dem groſen und lez⸗ ten Ziel des Menſchen S. 21. Von den Annehmlichkeiten der Lodesbetrachtungen Der peoß Nutzen der oͤftern Todesbetrachtungen W S. Die Pdrtheile welche die oͤftern Lodesheruuchtungen den Frommen geben S. 47⸗ d Fertſebund S. 53. Was Voiherriung und Anſchickung zur Ewigkeit ſens 5 11 Wie ein Menſch ſein ganzes Leben in Ruͤckſicht auf die Ewiakeit anzuwenden habe!? S. 64. 12 Wahre Froͤmmigkeit bleibt bey ihrer Unvollkommenheit doch, als nothwendige Frucht unſers Glaubens, Vorbe⸗ reitung zur Ewigkeit S. 60. 13 Erſte Fortſetzung: beſonders wie Gottes Barmherzigkeit ein falſcher Troſt werde S. 7 14 Zweite Fortſetzung: auch die Mͤglichkeit am Ende zoch gerettet zu werden, hebt die Nothwendigkeit der Vorbe⸗ erung zur Ewigkeit durch Froͤmmigkeit nicht auſ 3 4 5 S. 28. 6 Von der Ungewißheit unſrer Todesſtunde S. 35. 7 3 9 10 15 Der Glaube an eine Verſoͤhnung macht die Vorbereitung durch wahre Froͤmmigkeit dringender S. 88. 6 . 1 32 Inhalt. 16 Wie man ſich in den fruͤhen Jahren des Lebens ſchon auf die Ewigkeit anzuſchicken habe S. 9a. 17 Die Pflicht dieſer Vorbereitung im Alter S. 99. 18 Von dem Ungluͤck eines Menſchen, welcher unbereitet in die Ewigkeit geht S. 104. 19 Von dem ge efahrvollen Aufſchub ſeiner Buße auf die lezten Stunden S. 109. 20 Von den auten Erinnerungen Gottes an uns bey dem Sterben Andrer und beſonders der Unſrigen S. 115. 21 Die Gluͤckſeligkeit eines Chriſten der in ſeinen geſunden Tagen ſtets zu ſeinem Tode bereit iſt S. 121. 22 Die Gluͤckſeligkeit eines Chriſten der ſchon in den geſun⸗ den— ſein Herz von den Verirrungen zuruͤckzog und Rauf die Ewiakeit Anſtalt machte S. 126. 23 Von dem Wunſch des Frommen zu ſterben S. 1 Des zweiten Theils. *1 Beurtheilung der Krankheiten S. 148. 2 Ueber die Abſichten Gottes bey den Kaunkheiten der Men⸗ ſchen S. 15t. 3 Jortſetzung S. 157. 4 Verſchiedenheit der Wrankheiten, Gottes weiſer und guter — Rath und unſer Verhalten in denſ lben S. 161. 5 Ueber eine ſchwaͤchliche Geſindheit und beſtandige Kraͤnk⸗ lichkeit S. 166. 2 6 Fortſetzung S. 1710 7 Ueber ſchwere Krankheiten S. 174. 8 Von der Sorge des Kranken ſeinen Abſchied aus der Welt dur Heiterkeit zu nehmen, und ſein 5 3u beſtellen .179. 9 Erſte Fortſetzung S. 185. 10 Zweite Fortſetzung S. 790. 11 Dritte Fortſetzung S. 195. 12 Von den Bflichten in Anſehung unſers Leibes auf dem Krankenbetre S. 200. 13 Fortſetzung S. 204. Hinblick auf die Zukunft S S. 208. Unterſuchung des Zwecks von unſerm Leben und wie man thm nachgelebt S. 211. 16 Zu⸗ —y hhhhhnnnͤnͤnͤͤnͤͤ“*“ Der 31 Troſ 35 Toof 8 39) u auf de leßen ns bey da 86 1l5. en gajinda in den gein⸗ ruͤckzog 11 3 . 134. 4 1 der Mew und guter 1. ige Kraͤnk⸗ as der Wel 1 zu beſtelln 1ss auf do aiid wie m V 16 G ens ſchon T V nbereitet i Inhalt 393 16 Zuruͤckſicht in das vorige Leben nach den allgemeinen Pflichten S. 213. 1.. 17 Exſte Fortſetzung dieſer Lebenspruͤfung S. 220. 18 Zweite Fortſetzung S. 228. 19 Zurlcfſehen auf die göttlichen Wohlthaten in unſerm Le⸗ en 233. 20 Betrachtung der Wohlthaten Gottes, die er uns in den Leiden erwieſen S. 239. 21 Erinnerung an die Fürſorge Gottes fuͤr das Wohl unſrer Seele S. 24 22 Abwaͤgung des Lebens nach den beſondern Pflichten S. 247. 23 Fortſetzung S. 224. 24 Gewisheit der kuͤnftigen Vergeltung nach ldem Verhalten in dieſem Leben S. 257⸗ 1 8 25 Fortſetzung S. 261. 8 26 Moͤglichkeit der Bekehrung auf dem Sterbebette und der Begnadigung des Suͤnders S. 266. 27 Fortſetzung S. 270. 28 Das Maas unſrer kuͤnftigen Seligkeit richtet ſich nach dem Maaſe unſers Glaubens und unſrer Froͤmmigkeit S. 273. 3 29 Falſche Vorſtellung von der Bekehrung und der Verſiche⸗ rung unſrer Seligkeit auf dem Kranken⸗ und Sterbe⸗ bette S. 278. 30 Was wir noch auf unſerm Sterbebette zu thun haben, uns der goͤttlichen Gnade zu verſichern S. 282. 31 Das Gute, was man noch auf ſeinem Kranken⸗ und Sterbebette thun kann S. 280. 32 Veon den Troſtgruͤnden des Frommen in feinen Leiden . 292. 33 Der Troſt aus den Eigenſchaften Gottes S. 297. 34 Troſt aus der goͤttlichen Vorſehung und Regierung S. 300. 35 Troſt aus der Erloͤſung Jeſu S. 305.. 36 Troſt aus den Betrachtungen der Ewigkeit S. 310. 37 Von den mancherley Erguickungen in den Leidensſtunden S. 313. 38 Von der Sehnſucht nach einer ſeligen Vollendung S. 317. 39 Einige kurze Erhebungen der Seele des Sterbenden zu Gott S. 321. 40 Vier Morgenandachten eines Kranken S. 328. b 41 Vier Abendbetrachtungen auf dem Krankenbette S. 249; k3 e 34 Inhalt. 42 Bey dem Genuß des heil. Abendmahs auf dem Kranken⸗ und Sterbebette S 354. a. Vor dem Genuß und zur Zubereitung auf denſelben die erſte Betrachtung S. 354. die zweite Betrachtung S. 358. die dritte Betrachtung S. 364. b. Nach dem Genuß des heil Abendmahls erſte Betrachtung S. 367. zweite Betrachtung S. 371r. 43 Betrachtungen fuͤr die Geneſenden. a. Bey anſcheinender Beſſerung S 374. b. Bey zunehmender Beſſerung S. 377. c. Bey hergeſtellter Geſundheit S. 380. 3. Groſe Pflicht der wahren Dankbarkeit und der taͤglichen Heiligung S. 3 d. Von der Gefahr wieder in Suͤnden zu fallen S. 388. ——— hhhhhhͤͤöoͤoͤͤͤnͤhn“ — da Nud Auch n auf de Vad! Bo) d Ehriſ, Dunki- Dein G Drr l Der N. Da d Dic, De ihn Dr zu den Kennin f daſlbe 8 der taglichen 6.368. 3 Verzeichnis der Lieder, welche in den beyden Theilen die⸗ ſes Werks vorkommen. 4 Seite Auch dieſen Tag hab ich vollbracht 2r Theil. 35² Auch noch im Tode will ich 2r Th. b 291 Auf deine Weisheit bauen 2 T5h. 296 Bald leg ich Sorg und Schmerzen ab 2 Th⸗ 327 Bey dir allein Herr ſuch ich Huͤlf 2 Th. 323 Chriſt, dein kurzes Leben eilt 1 Th. 180 Dank ihm fuͤr dein Pilgerleben 2 Th. 242 Dein Geiſt ſpricht meinem Geiſte 2 Th. 325 Der lezte Tag von deinen Tagen 1 Th. 26 Der Morgen kommt, und meine 2 Th. 337 Des Leibes warten und ihn naͤhren 2 Th⸗ 169 Dich, Herr und Vater aller Welt 2 Th. 246 Die ihr euere Zeit vertraͤumt 1 Th. 119 Dir zu leben, dir zu ſterben 2 Th. 193 6 2 Du, 36 Du, der Herz und Nieren kennet 1 Th. Du, welchen keine Welt umſchließt 2 Th. Ein Herz, o Gott, in Leid und Kreuz geduld. 2 Th. Es eilt der lezte von den Tagen 2 Th. Freue dich, o meine Seele 1Th. Getroſt, mein Geiſt, ermuͤde 2 Th. Gottes Tag, du biſt gekommen 2 Th. Gottes Wille, Gottes Rath. 2 Th. Gott iſt mein Hirt 2 Th. Gott Lob und Dank; die Nacht iſt hin 2 Th. Gott, mein Vater, deine Liebe 2 Th. Gott, welche Ruh der Seelen 2 Th. Groß, Herr, iſt deine Guͤte 2 Th. Hab ich in dem Beruf, den Gott 2 Th. Herr, der du mir das Leben 2 Th. Herr der Zeit und Ewigkeit 1 Th. Herr, dn wollſt mich vorbereiten 2 Th. Herr, hoͤre mein Gebet 2 Th. Herr ich bin dein Eigenthum 1 Th. Herr ich hab aus deiner Treu 2 Th. Herr, meinen Geiſt befehl ich dir 2 Th. Ich danke dir von Herzen 2 Th. Ich erhebe mein Gemuͤthe 2 Th. Ich hab in Gottes Herz und Sinn 2 Th. Ich komme, Herr, und ſuche dich 2 Th. Jeſu, ſchleuß in deine Haͤnde 2 Th. In meinen lezten Stunden 2 Th. In meiner Krankheit bitt ich dich 2 Th. —— “ In ſtiller Nacht wein ich oft, Herr 1 Th. lag ni 86,9 dob b geiden Mei Mein Nein gach Nach. 39 Klag nicht, mein Herz, wie ſchwer es ſey. 52) 154 GoG 8 Laß, Herr, im Guten meinen Fleiß 2 Th. 386 5 Lob, Ehr und Preis dem hoͤchſten Gut 2 29, 86 1 379 6 Leidensvolle, müde Seele 2 Th. 1 I. u 3652 1 Mein ganzer Geiſt, Gott wird 2 Th. 9 g Sn 327 Mein Gott, ich weiß wol, daß ich ſterbe 1 29 39 4 Mein Gott, zu dem ich weinend ſlehe 2 ꝛh.. 1 177 2% Nach einer Pruͤfung kurzer Tage 2 h. Si K. z 482 36 Nach meiner Seelen Seligkeit a2 Th. Ranu Ran 86 33 Noch leb ich in der Gnadenzeit 1 T0h. 4 33 Nun, mein Heiland, ich befehle 2Th. 324 24 1 O Chriſt in dieſen Leidenstagen 2 Ch. 173 3 O mein Erloͤſer, Gottes Sohn 2ehe 8 17. 1318 3.2.,26 237 O welch ein unſchaͤbares Gut 1 Th. 1 Bin. 63 355 O wie unausſprechlich ſelig 2 TCh.,— 1i 4311 319 cz Schuf mich Gott fuͤr Augenblicke 1 Th.. 142 36' Sichrer Menſch, noch iſt es Zeit 1Th. 381 39 Sink ich einſt in jenen Schlummer 2 Th. 340 ſl So haſt du mir mein Leben 2 Th. 323 n Staͤrke mich durch deinen Tod 2. 323 m 3 Unter manchem Schmerz und Plage 2 Th. 3³39 1 Vertilg in mir durch deine Liebe 1 Th. b 68 8 Viele ſind zu Gottes Heil 2 Th. 219 Vielleicht iſt dies die lezte Nacht 2 Th. 349 3 Vielleicht ſehr bald ſoll ich 2 Th. 285 p 3 Warum erbebſt du meine Seele. 1 Th. 34 Was hilft es mir ein Chriſt zu ſeyn 1 Th. 9² Was iſts, daß ich mich quaͤle 2 Th. 164 8 Was 38 Seite Was ſoll ich angſtlich klagen 2 h. 3 15 Was ſorgſt du ang ſtlich fuͤr dein Leben 1 Th. 45 Wenn ich einſt von jenem Schlummer 2 Th. 336 Wenn einſt mein ſterbend Auge bricht 2 Th. 203 Wenn ich nur Gott gefalle 2 Th. 189 Wen wird, o Gott, die Wonne der Erloͤſten 2 Th. 232 Wer bin ich, welche wichtge Frage 2 Th.. 214 Wie ein Geſchwaͤz des Tags verfließt 2 Th. 351 Wie fleucht dahin des Menſchen Zeit 2 T. 155 Wie fuͤrcht ich mich, mein Herz zu Prüfen 1 h. 264 Wie getroſt und heiter 2 TCh. 308 Wie groß iſt meine Seligkeit 2 Th. 37 Wie ſanft ſehn wir den Frommen 1 Th. 125 Wie unvermerkt und ſchnell verſcywinder 1 Th. 5 Wie viel Zeit iſt nun dahin 2 Th. b 256 Wie wichtig iſt doch der Bnſ 1 Th. 19 Wie wird mir dann, ach dann mir ſeyn 2 Th. 312⸗ 326 Will mich, o Gott, hienieden 2 Th. 160 Wir leben hier zur Ewigkeit 2 Th. 281 Wir ſollen uns gewiſſenhaft 2 Th. 272 Wo eilt ihr hin, ihr Lebenstage Th. 98 Wol, ich weiß, worauf ich bau 2 Th. 323 ———ͤſnn—— Hinſichten auf die Ewigkei 19 in 312⸗326. b ⁸ geſunden Tagen. Erſter Theil. in mar Naiu windal ſchan herbei bende Ungetwi — Von der Nichtigkeit des Menſchen und der unver⸗ meidlichen Stunde ſeines Todes. W 5 Die ſchnell eilen doch die Tage dahin! Der Abend bricht an, und nun iſt ein Tag unter meinen Haͤn⸗ den verſchwunden, als wenn mich nur ein Traum oder meine Einbildung geraͤuſcht haͤtte. So fliehen mehrere Tage, Wochen, Jahre dahin, als wenn ſie nichts als eine Reihe bloßer Gedanken geweſen waͤren. Der Tag, welcher mich beſchwerte, und mein Herz mit Sorgen, Verdruß und Unmuth erfuͤllte, deſſen Ende ich ſehnlich wuͤnſchte, wovon mir jeder Augen⸗ blick eine Laſt und eine Ewigkeit war, iſt mit jenem Tage meiner Freuden, wovon ich einen jeden Augen⸗ blick aufzuhalten und ihm Beſtaͤndigkeit zu geben wuͤnſchte, nicht mehr. Selbſt das Andenken jener Freuden und Leiden wird allmaͤhlig ſchwaͤcher, und jene oft ſtarken Eindruͤcke loͤſchen ſich nach und nach in meiner Seele mehr aus. Steter Wechſel, ſtete Beraͤnderung iſt der Inhalt meiner Tage. Das Neue wird alt, die Freuden ſterben bald nach, ja oft ſelhſt ſchon in ihrem Genuſſe: ſie ſelbſt rufen oft die Leiden herbei, aber auch dieſe gehen voruͤber, und der fol⸗ gende frohe Tag oder eine ſchoͤne Entwickelung der ungewiſſen und bedentüichen Vorfaͤlle heitert die gan⸗ 2 Von der Nichtigkeit des Menſchen und der ze Seele wieder auf. Ich nehme zwanzig, dreyßig, vierzig, funfzig, ſechzig, ja ich nehme ſiebenzig, achtzig und mehr Jahre, und denke ſie, was ſind ſie in dem Augenblick, worin ich jetzt bin, anders und mehr als der geſtrige Tag? ſo dahin, wie dieſer, nichts mehr und nichts anders fuͤr mich als dieſer! Sie ſind nicht mehr: ich lebe ſie nicht mehr, ſie ſind unwiederbring⸗ lich verſchwunden. Das ſchoͤnſte Leben, iſt wie das beſchwerteſte, ein Schatten ein Dampf. Ich din einem Reiſenden gleich, der ſtets von dem Orte, wo er iſt, wegeilt, und immer neue, noch unbekante Ge⸗ genden betritt, oder an den Ufern hinſchifft, und vor dem die jetzigen Gegenſtaͤnde ſo gleich verſchwin⸗ den, und neue an ihre Stelle treren. Aber ich ſelbſt gehe in dem Strohme der Veraͤnderlichkeit und der Vergaͤnglichkeit mit fort, und ſchleiche meinem Ziele immer naͤher entgegen. Den Unterſchied von einem oder einigen Tagen, von einer und der andern Woche fuͤhle ich noch nicht, ja ſelbſt den Unterſchied von ei⸗ nem und einigen Jahren merte ich nicht ſo ſehr, bis ich zu einer etwas hoͤhern Stuffe meines Alters ge⸗ kommen bin. Dann fange ich an, mit jedem Jahre zu fuͤhlen, was ein Reiſender fuͤhlt, welcher bey einer ſchon weiten und laͤngern Reiſe den gemachten Auf⸗ wand ſeiner Kraͤfte ſpuͤrt, und deſſen Weg ſo wie ſeine Buͤrde jeden Tag beſchwerlicher und laͤſtiger wird. In den erſten Jahren bluͤhet der Menſch auf, er iſt voll von Kraft und Leben, und wenn er endlich zu ſei⸗ ner vollen Staͤrke gekommen iſt, ſo iſt er einem Bau⸗ me aͤhnlich, der ſich gegen den Herbſt und Winter neigt, und Saͤfte, und Bluͤthe, Fruͤchte und Blaͤt⸗ ter ablegt. Ich gehe allmaͤhlig meinem Ziele entgegen, und unvermerkt erreiche ich das Ende meines Weges auf meiner Reiſe. Das iſt das allgemeine Schickſal Wo der Menſchen, und das wird auch das meinige ſeyn. ur un dr la neie ſcchere machel henszie eſten⸗ hen A dächtni heit, d ſie hat zaͤhler groͤſte ſich mit in meit venskra ſehen dagich Wahes hald d Saͤfte/ ſcman pfand;, b und de üig, drey denic ac end ſee inde nd mahr a 8 nichts ne ie find nich wiederbring ſen 1 1 Ja 1 Orte, 1 ekante Ge ifft, um verſchwin r ich ſelbſt mit und der inem Ziele von einen irn Woche ed von ei⸗ 1 ſehr„bis Alters ge⸗ dem Jahre er bey eine achten Auf Weg ſo w aulaͤſtiger wih anh auf, eri —2 ——— nandlich zuſ 9 einem an und Wit aune und d miele entge weines 1 V meine Sct at meinige 3 unvermeidlichen Stunde ſeines Todes. 3 Wo ſind die Menſchen, die ich in meinen erſten Le⸗ bensjahren kante, und nennen hoͤrte, die damals in ihrer beſten Lebenskraft waren? Iſt nicht der mehrſte Theil ſchon in ſeine Verweſung hinuͤber gegangen? Hier ſchuͤtzte kein Purpur, kein Thron, keine, nicht die glaͤnzendſte Majeſtaͤr, keine Kunſt, nichts ſchuͤtzte vor der Gewalt des Todes Und werde ich allein uͤbrig bleiben? habe ich allein das Vorrecht, nie zu ſterben? fuͤhle ich nicht auch in mir das Sterbliche, Nichtige und Hinfaͤllige? Und wie? wird erſt das Alter, und die gehaͤufte Zahl der Jahre meine Kraͤfte verzehren? werde ich nur unter der Laſt der Tage endlich erliegen? Wird der lange Gebrauch allein meine Sinne ſtumpf und meine Glieder kraftlos machen? Kann ich darauf ſichere oder auch nur hoͤchſt wahrſcheinliche Rechnung machen, daß ich das fuͤr Menſchen jezt moͤgliche Le⸗ bensziel erreichen werde? Ich denke zuruͤck an meine erſten Jahre, und rufe die Gefaͤhrten meines kindli⸗ chen Alters, und dann meine Jugendfreunde ins Ge⸗ daͤchtniß, ich erinnere mich der bluͤhenden Geſund⸗ heit, der vollen Kraͤfte und der frohen Hofnung, die ſie hatten, weit in die Zukunft hineinzuleben. Ich zaͤhle nach, was von ihnen uͤbrig iſt, und finde, der groͤſte Theil iſt nicht mehr! Unſere Zahl verminderte ſich mit jedem Jahre. Nur vor weniger Zeit ſahe ich an meiner Seite noch den Freund, welcher voll Le⸗ benskraft einer langen Reihe von Jahren entgegen ſehen konnte, und er iſt nicht mehr. Da iſt faſt taͤglich einer meiner Bekannten in der Mitte ſeines Weges ein Raub des Todes, bald durch einen Zufall, bald durch eine Unordnung ſeines Blutes und ſeiner Saͤfte, bald ploͤtzlich, bald in einer langſamen und ſchmerzhaften Aufloͤſung. Noch fuͤhle ich mich ſtark, geſund und Poher Munerkeir, noch iſt kein drohen 3&. 4 Von der Nichkeit des Menſchen und der 1 der Bote meines Todes mir ſichtbar, und ich habe Jusgan Vermuthungsgruͤnde genug, daß ich noch laͤnger leben, rung! werde. So denke ich jezt, und ſo werde ich noch Aagent mehrere Jahre denken. Der Greis ſelbſt hoft noch dinſint immer auf ein folgendes Jahr, auf fernere Tage, Meinit und ſelbſt der Kranke ſchmeichelt ſich noch nahe am und E Grabe, mit Geneſung und Leben. Alein die lezte volln Stunde bricht ein, unerwartet und immer fruͤher als vil wi wir hoften: ſie kommt gewiß. Und ich ſollte nicht jem d an mein Ende denken wollen? Bey einer Reiſe ver⸗ een gißt nur der Thor den Zweck und das Ziel derſelben, Hexen aber wer auch nur halbe Vernunft hat, ſieht, for⸗ Kahn ſchet und denkt, wohin ihn ſein Weg fuͤhren werde, diſſen, und wie er die richtigſte und beſte Straße waͤhlen Pen moͤge, den Ort ſeiner Beſtimmung gluͤcklich zu errei⸗ Fugat chen. Und ich ſollte weniger thun? Wie groß, wie Ri wichtig iſt die lezte Veraͤnderung, die mich erwartet, und welcher ich immer ſo nahe bin! Was werde ich im Tode ſeyn? Hoͤre ich ganz auf, falle ich in ein voͤl⸗ liges Nichts zuruck? Meine Seele ſchaudert vor dem Gedanken des Nichtſeyns. Aber wenn ich nicht ganz ſterbe, und nicht aufhoͤre zu ſeyn, was habe ich zu er⸗ warten? Wie weit kann ich in jene Zukunft eindrin⸗ gen, und was habe ich zu thun, um mir froher Hei⸗ T terkeit dahin zu blicken? 5 A Jezt da ich noch kann, und ich noch meine voͤlli ge Geiſteskraͤfte habe, muß ich an eine ſo ernſtvolle —2ü und wichtige Sache, wozu ein freyer Geiſt und in J tiefes Nachdenken gehoͤrt, denken. Jezt da ich noch 6 kann,(denn, was ich morgen ſeyn werde, ob ich in M der Folge Leben und Kraͤfte haben moͤchte, ob nichht a „gen, und in der Folage Leichtſinn, oder Zer⸗ reuung, und wer weiß welche Hinderniſſe, ſich mir in den Weg legen werden? weiß ich nicht) jezt will ich meine Augen aufheben, und vorwaͤrts hin auſe den 8o “ Aus⸗ ernere d) er fräͤher ſollte ric k Reiſe het del derſelhe ſieht, ſ en werd aße waͤhlen ich zu erre⸗ groß, wie erwarta werde ich in ein vob art vor dem hnicht gan de ich Wer uft eindro froher He a meine vab ſo ernſthul eiſt und 1 1 gt ate, ob N unvermeidlichen Stunde ſeines Todes. 5 Ausgang meines Lebens und meine kuͤnftige Beſtim⸗ mung hinblicken. Ich will mir den herannahenden Augenblick denken, wo ich in den Todesſchlummer hinſinken, und entweder ploͤtzlich aus den Armen der Meinigen werde hingeriſſen, oder unter Schmerzen und Entkraͤftung auf meinem Sterbebette und leidens⸗ vollen Lager meiner Aufloͤſung zugehen werde. Ich will mich voraus hin zu meinem Grabe ſetzen, in wel⸗ chem dieſer Leib der Erde und dem Staube zuruͤckge⸗ geben werden muß. Aber weiter hin will ich in jene Gegenden eindringen, wo mein Geiſt ewig ſeyn wird. Kann ich es wiſſen, kann ich mit voͤlliger Gewißheit wiſſen, daß ich dort gluͤcklich ſeyn werde? Welcher Wezg fuͤhrt mich zu dieſer großen und koͤſtlichen Ueber⸗ zeugung? Dies iſt die wichtigſte Angelegenheit, die ich voͤllig berichtige muns. I. W. unvermerkt und ſchnell verſchwindet Des Menſchen kurze Lebenszeit! Kaum tritt er in die Welt, ſo findet Er ſich ſchon nah der Ewigkeit. Was iſt mein Leben? es verfliee Wie ſich ein Strom ins Meer ergießt⸗ 2. Ich bin von Erde, werde Erde.— Und geh als Gaſt und Pilgrim hin. Ich weiß es, daß ich ſterben werde, Und ſtets dem Tode nahe bin. Doch leb ich meine Pilgrimszeit Auch fuͤr die nahe Ewigkeit? 3. Dort winket mir das Grab der Meinen Mein gleiches leztes Schiekſal zu. 6 Von der Nichtigkeit des Menſchen und der In ihren modernden Gebeinen 1 Ruft Gottes Stimme mir: auch du Biſt der Verweſung naher Raub t Und bald wirſt du, wie dieſe, Staub.. 4. Da weckt der Schall der Sterbeglocken] Mich aus dem ſichern Schlummer auf. Ich ſehe dann beſchaͤmt, erſchrocken. 9 Zuruͤck auf meinen Lebenslauf Und vorwaͤrts hin, und fuͤhle ſchon Mein Urtheil vor dem Richterthron. 6 5. b b Hier faͤllt mein Freund an meiner Seite,— Der geſtern noch voll Lebenskraft Dem Tode trozte; Ach! hat heute Vielleicht auch meine Pilgrimſchaſf Ihr Ziel erreicht? Mein Schoͤpfer ruft o Auch mich vielleicht noch heut zur Gruft. . 6. Ich gehe ſtets an dem Geſtade 483 Des Todes und des Grabes hin; 5- Mir ſolgt auf meinem Lebenspfade Deer Jod zur Seite, und ich bin ſenn In jedem Augenblick gleich weit. Vom Tod und von der Ewigkeit. u 7. Wa Dort wird mein Schickſal dann enſchieden. ſchen Auf ewig, ewig arndt ich ein 88 orur Von meiner Ausſaat Gottes Frieden ena Doch auch vielleicht der Strafe Pein. V aui O ſaume, Seele, ſaͤume nicht n Denk an den Tod und dein Gericht. fan 1 8. dos Gebuͤckt lieg ich vor dir im Staube igl Und flehe um Barmherzigkeit. jza „ unvermeidlichen Stunde ſeines Todes. 7 Dich, mein Erloͤſer, ſucht mein Glaube, Dich einz'gen Grund der Seligkeit O beſſere mich und leite du Erbarmend mich zum Himmel zu. 9. Mit großem Ernſte lehr' mich trachten In deine Freuden einzugehn, Das groͤſte Gluͤck der Welt verachten Und nur auf meine Rettung ſehn. Und auch der kleinſte Theil der Zeit Sey Ausſaat auf die Ewigkeit. Von der uUnſterblichkeit des Geiſtes und unſrer Beſtimmung zur Ewigkeit. Iſt es denn gewiß, daß ich nach dem Tode noch ſeyn werde? Vielleicht hoͤre ich ganz in meiner Auf⸗ loͤſung auf, bin ich etwa weiter nichts als eine bloſe Maſchine, die zu ſeiner Zeit aus einander faͤllt. Was ich weiß und ſehe, iſt die Verweſung der Men⸗ ſchen, und weiter hinaus bleibt alles dunkel fuͤr mich⸗ warum ſoll ich mich uͤber ein ungewiſſes Schickſal⸗ ein Vielleicht, zum voraus mit traurigen Gedanken quaͤlen? O wie elend waͤre mein Leben, und welches be⸗ klagenswuͤrdige Geſchoͤpf der Menſch, wenn der Tod das Ende ſeines ganzen Seyns ausmachte. Uner⸗ traͤglich und ſchroͤcklich iſt mir der Gedanke, du wirſt in ein ſolches Nichts zuruͤckgehen, als du es 6 ehe s8 Von der unſtetblichleit des Geiſtes ehe du wurdeſt. Er widerſteht zu ſehr meinem erſten Gefuͤhl der Selbſtliebe, dieſem ſtarken und lebhaften Selbſtgefuͤhle, als daß ich ihn nicht verabſcheuen ſollte. Aber, wenn es denn auch nur blos moͤglich waͤre, daß ich nach dem Tode noch ſeyn koͤnnte, daß ich auſſer meinem Leibe noch einen Geiſt haͤtte, deſſen Leben und Fortdauer von dem Leben deſſelben nicht abhinge, ſo waͤre es doch hoͤchſt traurig, wenn ich dann auf das Gluͤck deſſelben nicht bedacht geweſen waͤre, und uͤber mein kuͤnftiges Wohl nicht voraus nachgedacht haͤtte. Schaden wuͤrde es mir in keinem Fall, das Leben weiſe, gut und recht gefuͤhrt zu ha⸗ ben, denn ich wuͤrde dabey ſtets eine ſehr angenehme und belohnende Empfindung und ein unausſprechlich koͤſtliches Bewuſtſeyn, nuͤzlich und edel gelebt zu ha⸗ ben, zum voraus haben, und traͤte denn der Fall ein, daß ich noch nach meinem Tode lebte, was haͤtte ich bey einer klugen Hinſicht auf die Ewigkeit verlohren, oder vielmehr, wie unendlich viel haͤtte ich gewonnen, wenn ich mich darauf voͤllig vorbereitet haͤtte? Iſt es denn alſo nicht immer beſſer, ſo meinen Weg durch dieſes Leben zu gehen, daß ich am Ende uͤber den Gedanken, ich werde ewig leben, nicht erſchrecken duͤrfe? Und moͤglich iſt es doch, daß ich noch ſeyn werde! So weit hat es doch noch kein vernuͤnf⸗ tiger Menſch gebracht, daß er im Ernſte eine Un⸗ moͤglichkeit haͤtte behaupten wollen. Aber wenn ich auch blos nach meiner Vernunft die Sache uͤberlege, ſo fuͤhrt ſie mich ſchon zu einem ſolchen Grade der Wahrſcheinlichkeit, der der voͤlligſten Gewißheit uͤberaus nahe iſt. Ich wuͤnſche ſchon ſo ſehr eine Un⸗ ſterblichkeit meiner Seele, daß ich den als meinen Feind anſehe, der mir dieſe Hofnung der Zukunft rau⸗ ben will, und wenn ich auch einen Augenblick daran zweiſte, ſo empoͤren ſich wieder Tage und Jahre ge⸗ gen ——õ————— 1 geu die i der hrti ich m en w und Dann geüühr Ader und und? den n und ſchaud hee das jener gerat pyrac und Werl ſchan den könnte, d atte, deſſe elben nih , venn it ht geweſa cht voraus e in keinen thrt zu ha⸗ ngenehme ſprechlich böt zu ha⸗ Fall ein, haͤtte ich erlohren, ewonnen, 4 Iſt es eg durch a uͤber den merſchrecken ich noch tin vernuͤnf ar eine Un⸗ al wenn ic ade uͤberleg, ae Grade de a Gecwißhe ſr eine w. atals weine ukunft ni blick darr 1d Nühre 7 und unſrer Beſtimmung zur Ewigkeit.* gen dieſen unwuͤrdigen und erniedrigenden Gedanken. Iſt der Menſch nur fuͤr dieſes Leben gebohren, und fuͤhrt ihn der Tod ganz zur Vernichtung hin: ſo kan ich mir ohnmoͤglich einen Gott denken, ohnmoͤglich ein weiſes Weſen, ohnmoͤglich einen heiligen, guten und gerechten Schoͤpfer und Regierer der Welt. Dann wird mir die Welt ein bloſes Werk von Ohn⸗ gefaͤhr, ohne Abſicht und Zweck, ein Gewebe von Widerſpruͤchen und Ungereimtheiten, von Ordnung und Regelmaͤßigkeit, und zugleich von Verwirrung und Zufall, und wo nicht fuͤr alle, doch gewiß fuͤr den mehrſten Theil der Menſchen eine wahre Hoͤlle, und dies Leben ſelbſt das traurigſte Geſchenk, das ſchauderhafteſte Elend. Da ſtirbt ein Kind ſchon, ehe es in die Welt treten konnte, und wer gab ihm das Leben, und wozu? Da geht der Juͤngling, der fener Blume aͤhnlich war, ehe ſie ſich noch oͤfnete, gerade zu der Zeit, wo er die ſchoͤnſten Fruͤchte ver⸗ ſprach, wo ſein Herz und ſeine Talente ſo viel großes und nͤzliches fuͤr die Welt hoffen ließen, in ſeine Berweſung hin, und wozu dieſe Anlagen, wozu der ſchoͤne Morgen des Lebens? Hier faͤllt der Mann in den Staub, deſſen Kraͤfte ſich eben entwickelten, von dem die Welt noch ſo viel zu erwarten hatte; mit deſſen Tode die Stuͤtze einer ganzen Familie zugleich dahin ſinkt! Hier reift erſt die Denkkraft, und er⸗ haͤlt eine gluͤckliche Feſtigkeit, und nun ſoll das alles umſonſt ſeyn? Dorr beſiegte jemand endlich die Hin⸗ derniſſe, die ihm Leidenſchaft und Schwachheit zur Groͤße des Geiſtes und zur feſten Tugend in den Weg legten, und kaͤmpfte ſich durch ſo viel Schwie⸗ rigkeiten muͤhſam aber gluͤcklich hindurch, und ſein Tod macht nun mit einmal allen ſeinen edlen und großen Bemuͤhungen und Arbeiten fuͤr das Gluͤck der Welt ein Ende! Hier ſeußzt der gute und rechtſchaffne b Vereh⸗ 10 Von der Unſterblichkeit des Geiſtes Verehrer Gottes, der eifrige Freund des Rechts und der Wahrheit unter ſo vielen Bedruͤckungen und Lei⸗ den, er war ein Spiel der Leidenſchaften, des Eigen⸗ ſinns, der Bosheit maͤchtiger, liſtiger und ſchaͤndli⸗ cher Menſchen, er wurde von dem Boͤſewicht, den Zufall oder Kunſt oder wohl gar Laſter uͤber ſeine groͤſtentheils unendlich beſſere Bruͤder erhoben hatte, wie ein Wurm unter den Fuͤßen zertreten, und nun ſoll im Tode alle ſeine Hofnung und mit der⸗ ſelben alle erfreuende Belohnung der Tugend auf immer dahin ſinken! Muß denn nicht alle Ermun⸗ terung, aller Reiz, edel und gut zu handeln, dahin ſterben? Waͤre es denn nicht beſſer, mich jeder Lei⸗ denſchaft in die Arme zu werfen, jedem Triebe meines Herzens nachzugehen, jeder Begierde ein Opfer zu bringen, und wenn ich ſo ſagen ſollte, der Freude meines Lebens zu genießen, als mir ſelbſt Feſſeln anzulegen, und der Wahrheit und Tugend die Freuden des Lebens, das Gluͤck meiner Erdentage, die Gunſt und das Wohlwollen der Maͤchtigen aufzuopfern. Was kan mich dann auf⸗ halten, blos nach Eigennutz, und nach den Trie⸗ ben der Sinnlichkeit zu handeln? Was iſt dann Tugend und Laſter! Was der Werth eines weiſen und guten Lebens“ Was iſt Gott, und wo iſt noch eine Regierung der Welt? Nein! es iſt eine Ewig⸗ keit und ein kuͤnftiges Leben, oder es iſt kein Gott und keine Regierung in der Welt? Je mehr ich uͤber mich, meine Schickſale und die Schickſale der Welt nachdenke, deſto ſtaͤrker und gewaltiger wird fuͤr mich der Gedanke und die Vermuthung einer Ewigkeit. Ich ſehe hier nur die erſten Jahre der Kindheit fuͤr den Menſchen, und nach dieſem Le⸗ ben die voͤlligere Ausbildung. Jeder Zweifel der Fortdauer von mir ſelbſt ſtoͤrt meine Ruhe, und iſt, wenn ugend auf dle Ermun⸗ in, dahin leder Lei⸗ n Triebe ierde ein een ſollte, als mir heit und it meiner ollen der ann auf⸗ nden Trie⸗ ¹iſt dann znes weiſen wo iſt noch eine Ewig a kein Got mehr ic hickſale de zailtiger wih erhung eie ir Jahre d an dieſem a Iweifel G he, ud 1 und unſrer Beſtimmung zur Ewigkeit. 11 wenn ich ihn auch nicht ganz aufloͤſen koͤnnte, mir gleich⸗ wol unertraͤglich. Selbſt in der Zeit, wo mein Leben mich fuͤr die Zukunft noch zittern machte, und wo ich wuͤnſchte, mit dem Tode aufzuhoͤren, oder doch einem heiligen und gerechten Richter keine Rechenſchaft ge⸗ ben zu duͤrfen, konnte ich mich von meiner voͤlligen Vernichtung im Sterben nicht uͤberzeugen, und fuͤrchtete mich vor dem ſchreckensvollen Gedanken, nicht mehr zu ſeyn. Wenn ich mich dieſen Augen⸗ blick uͤberredete, die Ewig'eit ſey ein Traum, ſo draͤngte ſich mir in dem folgenden der Gedanke der Unſterblichkeit ſo ſehr und ſo maͤchtig auf, daß ich der Erwartung eines kuͤnftigen Lebens nicht wider⸗ ſtehen konnte, und alle meine kuͤnſtlichen Schluͤſſe und feſte Einbildungen zerriſſen wie ein ſchwaches Spinnengewebe. Selbſt der Heide hoffte bey einem ſchwachen Lichte auf ein anderes Leben, er fuͤhlte, wenn ich es ſo nennen darf, daß er weit mehr als Maſchine ſeyn muͤſſe, und daß ein von ſeinem Koͤr⸗ per unterſchiedenes geiſtiges Weſen in ihm denke, und dieſen Bau des Leibes regiere: und ich, ich, der ich ſo viel und unendlich weiter in meiner Er⸗ kenntniß bin, ſollte das nicht fuͤhlen? Blos als Menſch liegt mir der Gedanke der Unſterblichkeit und der Ewigkeit ſo nahe, daß ich ihn nicht er⸗ ſticken, nicht toͤdten kann; aber ich bin mehr, ich bin Chriſt, und habe goͤttliche Belehrung uͤber meine Beſtimmung, uͤber meinen Geiſt, und uͤber ſeine Fortdauer. Ich werde ewig ſeyn. Mein Tod iſt weiter nichts, als daß ich dieſe irdiſche Huͤtte, die⸗ ſen Leib ablegen, und ihn der Erde zuruͤckgeben wer⸗ de; aber das Weſen, das in mir denkt, ich ſelbſt, ich, der ich mich meiner bewußt bin, ich ſterbe nicht, ich verweſe nicht, ich bleibe im Tode, und fange dann nur ein von dieſem beſchwerten Leibe befreytes Leben an⸗ 12 Von der Unſterblichkeit des Geiſtes an. Dieſe Belehrung, die mir die unendliche Guͤte meines Gottes giebt, dieſe Relizion Jeſu, deſſen Lehre mich ſo ganz auf die Ewigkeit hinweiſet, zeigt mir meine eigentliche und wahre Groͤße und Hoheit, die erhabne Waͤrde der Menſchheit, und giebt meinem Herzen eine ſo feſte und freudenvolle Ueberzengung, daß ich nicht fuͤr dieſe Welt allein gehoͤre, daß ſich nun alle Dunkelheit der menſchlichen Schickſale vor mir zerſtreut, daß ich in allen großen und kleinen Be⸗ gebenheiten der Welt, Weisheit, Guͤte und Ord⸗ nung und die Hand eines allmaͤchtigen, weiſen und hoͤchſt guͤrigen Gottes erblicke. Wichtiger, großer, erhebender Gedanke, ich werde ewig ſeyn, und ewig leben! ich bluͤhe hier auf, aber dort iſt meine Reife, ich fange hier an, aber dort vollende ich: ich bin nur hier ein Reiſender, und dort iſt meine Beſtim⸗ mung. Mein Werth uͤberſteigt die Vergaͤnglich⸗ keit dieſer Erde, und es waͤre zu niedrig und zu klein fuͤr mich, meine Wuͤnſche und Abſichten in den kurzen Zeitraum der fluͤchtigen Erdentage ein⸗ zuſchraͤnken, und ſie allein oder auch nur vornem⸗ lich auf dieſe Welt zu richten. Sou mich Gott fuͤr Augenblicke? ABlos fuͤr 8dieſen Traum der Zeite Nur zu ihrem eitlen Gluͤcke, Aber nicht zur Ewigkeit? Jhoren ſagen: nur ein Hauch Sey dies Leben, ſchwinde auch Wie ein Stral in Nacht verſchwindet, Daß man ſeine Spur nicht findet. Bin ich, wenn ich ſterben werde, Voͤllig der Verweſung Raub? Dieſer Leib wird freylich Erde, Und nur eine Hand voll Staub: 8 diche Git b deſſen Lehte t mir weine die ethatn n Herien ung, da f ſich 1 de vor mit inen Be⸗ und Or eiſen und 1 großer, ind ewig ie Reffe, ich bin Beſtim⸗ anglich⸗ und zu hten in ge ein⸗ vornem⸗ n, und unſrer Beſtimmung zur Ewigkeit. Aber faͤnd ich hier mein Ziel; Haͤtt' ich hier mein Selbſtgefuͤhl Und mein ganzes Seyn verlohren: Lieber waͤr' ich nie gebohren. Iſt dies Leben nicht zum Leben Einer beſſern Welt der Pfad: Sagt, warum mirs Gott gegeben, Ja Vernunft gegeben hat? Haͤtte denn nicht jedes Thier Ein weit groͤßres Gluͤck vor mir, Das in Freuden huͤpft und ſpielet, Und den Tod voraus nicht fuͤhlet? Seyn und dann vernichtet werden, Schrecklicher Gedanke! flieh! Stoͤre meinen Troſt auf Erden, Und die große Hofnung nie. Denn mein ganz Gefuͤhl von Gott Waͤr' Betrug bey meinem Tod, Stuͤrb ich mit ihm ganz, ſo waͤre Tugend weder Pflicht noch Ehre. Nein, Veraͤchter! meinen Glauben, Daß ich nicht ganz ſterblich ſey Laß ich mir kein Blendwerk rauben, Keinen Hohn der Spoͤtterey. Meine Seel iſt nicht ein Rauch, Nicht ein Funken: nein! der Hauch, Den ich von dem Schoͤpfer habe, Den verweht kein Sturm vom Grabe. Geiſt, das iſt mein hoher Name, Dieſer Leib iſt Huͤlle nur, Einſt, des Edlern Leibes Saame Auf der Auferſtehung Flur. Wie ein Saatkorn auch verdirbt, Frucht zu tragen: alſo ſtirbt Auch mein Leib, ein hoh'res Leben Einem edlern Keim zu geben. Von der Unſterblichkeit des Geiſtes Nein: Gott ſchuf nicht unſre Seelen Blos fuͤr einen Augenblick: Schuf ſie nicht, um ſie zu qualen, Schuf ſie fuͤr ein ewigs Gluͤck; Nur fuͤr dieſes ſchuf er ſie; Seelen, Seelen ſterben nie; Selig machen oder richten Wird er ſie, und nicht zernichten. Dieſer heiße Durſt im Herzen Nach der Unverganglichkeit, Dieſer Drang in Leid und Schmerzen Nach der Heimath aus der Zeit! Ihr bezeugt und buͤrget mir, Daß ich mich, mein Gott, zu dir Und dahin, wohin ich ſtrebe,— Einſt erheb' und ewig lebe. Du, o Schrecken im Gewiſſen 4 D Bey Verbrechern, du, o Ruh! Und was Fromme nur genießen, Hoher Friede Gottes, du! Ihr bezeugt und buͤrget hier, Wenn der Tod mich ſchrecket, mir, w Daß wenn dieſer Leib zu Erde d Wird, mein Geiſt nicht ſterben werde⸗ zu Dankt es Jeſu, Gottes Kinder, 4 Daß euch keine Zukunft ſchreckt, ven Daß des Todes Ueberwinder ein Einſt auch unſern Leib erweckt. tun Wann ihr ſterbt, ſo fuͤhrt er gleich b ein Eure Seelen in ſein Reich de Und will ſelbſt ein beß'res Leben, Ge Euren Leibern wieder geben. ſ N Ewig, ewig werd' ich leben; ſer Sicher der Unſterblichkeit c Streb ich, mich empor zu heben, Ueber jeden Traum der Zeit ſce und unſrer Beſtimmung zur Ewigkeit. 17 Wandeln will ich feſt und ſtill; Jeden Pfad des Rechts, und will Was davon mich locket haſſen, Und die Ewigkeit umfaſſen. Aber daß mein Flug nicht wanke, Staͤrke mich, o Gott, dein Wort Und der ſelige Gedanke: Dort iſt meine Heimath, dort. Dort iſt weder Schmerz noch Leid, Wonne nur und Herrlichkeit Dort, o Gott! vor deinem Throne, Meines Kampfes Preis und Krone. Das jetzige Leben iſt blos Vorbereitung und Er⸗ ziehung zur Ewigkeit. 6△άι „Ich werde ewig ſeyn, nie aufhoͤren zu ſeyn, zu denken, zu wuͤnſchen, zu empfinden. Wel⸗ cher Gedanke! Wie groß und wichtig! und wann ich in denſelben mit meinem Nachdenken weiter eindringe, wie viele und wie mancherley Betrach⸗ tungen dringen ſich mir auf, und welchen tiefen Eindruck laſſen ſie in mir zuruͤck! Sehe ich uͤber die Graͤnze dieſes Lebens hin, und forſche mein Geiſt dem nach, was und wo ich dann ſeyn werde, ſo blicke ich in Dunkelheiten und in eine unabſehliche Tiefe hinein, und verliere mich in eine Art des tief⸗ ſten Erſtaunens. Die Charte jenes Landes iſt mir noch nicht voͤllig ausgezeichnet, aber dennoch ſehe ich ſchon vieles durch das goͤttliche Licht voraus, und mein 16 Das jetzige Leben iſt blos Vorbereitung mein Glaube laͤßt mich hier Blicke thun, die bey mir die herrlichſten und erfreulichſten Erwartungen rege machen. Was iſt Ewigkeit? Ich ſetze in meinen Gedanken Zeit auf Zeit, Zahlen zu Zahlen, und je weiter ich von dieſem Augenblicke fortrechne, deſto weiter entfernt ſich von mir das Ziel, das ich der Zuſammenhaͤufung ſetzen koͤnnte. Nach Millionen Jahren bin ich zwar erſtaunend weit von dem jetzigen Augenblick fortgeruͤckt, aber doch immer noch eben ſo weit von einem Ende. Ich ſehe nach Millionen Jah⸗ ren immer noch einen neuen Anfang. Was iſt doch nun dies Leben, wenn ich es mit der Ewigkeit ver⸗ gleiche! Was ſind achtzig Jahre, ein Alter, das ſo uͤberaus wenig Sterbliche erreichen, und das wir da⸗ her ſo hoch und groß nennen; was ſind die Jahre, denen die Menſchen in der erſten Zeit der Schoͤpfung ſo nahe kamen, gegen eine Ewigkeit gerechnet? Wie viel hat der Greis in dieſer Vergleichung vor dem Juͤngling und dem Kinde voraus! Ja! o Gott, unſer Leben iſt einer Handbreit vor dir! Hier fuͤhrt mich die Zeit mit ſich fort, und ich werde in dem Strome der Veraͤnderlichkeit mit hingeriſſen. Einige Jahre, und ich erlange die hier moͤgliche Reife mei⸗ ner Kraͤfte, und dann verzehren ſich allmaͤlig Mun⸗ terkeit und Staͤrke, und ich fuͤhle Hinfelligkeit, Be⸗ ſchwerlichkeiten des Alters und den herannahenden Tod: aber dort ſehe ich eine ſtete Jugend, oder ein immer maͤnnliches Alter; keine Zeit verzehrt meine Kraͤfte, ſondern ſezt neue hinzu, und wenn auch mein Leib wieder aus dem Staube hervorſteigt, ſo wird auch dieſer in einer ſteten Jugend oder ſteten Mannkraft fortbluͤhen. Hier ſehe ich meinen Tod voraus, und meine Natur fuͤhlt ein Schaudern bey dem lebhaften Gedanken, und noch mehr bey der An⸗ naͤherung deſſelben; aber dort ſehe ich nichts als Leben vor hok hwvur tnu mung de 3 lang, kleine Wohl ltk ſe tuß und zhi und perde folger chy gern ſuche fihet lihe ſeher dung Fert werd Veg ſirebe Dort den, fihl hſet, Saͤr unde nen. betrii ich m das ich d ) Million dem jetziga och eben ſ lionen Ja Zas iſt doc vigkeit ver r, das ſo as wir da⸗ Hie Jahre, Schoͤpfung aiet? Wie vor dem o Gott, ier fuͤhrt he in dem ar. Giige Keife mei⸗ aͤlig Mun⸗ nigkeit, Be⸗ annahenden an, oder ein pehrt meine rwenn auch ayrſteigt, an oder ſtin dieinen A. 3 andern bey der 4h ints als 66, 1 unnd Erziehung zur Ewigkeit. 17 vor mir, alle Furcht des Todes iſt auf ewig ver⸗ ſchwunden. Dort iſt alſo meine eigentliche und wahre Beſtim⸗ mung, und hier nichts als der erſte Anfang von mir, die Zeit meiner Kindheit und meiner erſten Entwicke⸗ lung, und das jetzige, ſelbſt das laͤngſte Leben eine kleine und kurze Reiſe zu meiner feſten und ewigen Wohnung. Dahin muß alſo mein Gang hingerich⸗ tet ſeyn; bey jedem Zeitraum, den ich hier verlebe, muß es die Frage ſeyn, wohin fuͤhrt mich mein Weg? und komme ich hier meinem Ziele naͤher oder nicht? Ich kenne die Graͤnze der Zeit und der Ewigkeit nicht, und weiß es nicht, wo ſich meine Reiſe endigen werde; hier in dieſem, oder in dem naͤchſten oder folgenden Augenblicke, und daher weiß ich nicht, ob ich nicht gerade auf einem Irrwege, und wo ich nicht gerade Zeit habe, noch den rechten Weg wieder zu ſuchen, der mich zum Gluͤck des kuͤnftigen Lebens fuͤhrt, meine Reiſe beſchlieſen werde. Was ich ver⸗ liehre, iſt auf immer verlohren. Zeit und Ewigkeit ſtehen doch miteinander in der genaueſten Verbin⸗ dung; und ich werde mit den Geſinnungen und den Fertigkeiten dahin gehen, die ich hier hatte. Ich werde dort das Bewußtſeyn meiner ſelbſt, meiner Begierden und Abſichten, nach welchen ich hier ſtrebte, meiner Handlungen und Werke behalten. Dort werde ich nicht getaͤuſcht und geblendet wer⸗ den, wie es hier geſchah, nicht mehr das Ge⸗ fuͤhl von Recht und Unrecht erſticken koͤnnen, wie hier; ſondern im vollen lichte und in ſeiner ganzen Staͤrke das Recht und Unrecht meines ganzen Lebens und aller meiner Geſinnungen und Handlungen erken⸗ nen. Dort ſchmeichelt man mir nicht mehr, dort betruͤgen mich meine Sinne nicht mehr, dort kann ich mich ſelbſt nicht mehr berchlben„ſondern ich ſebe 18 Das jetzige Leben iſt blos Vorbereitung und fuͤhle ganz, was gut und boͤſe war. Es iſt ein Gott, und dieſer will einen weiſen Gebrauch mei⸗ nes Lebens und meiner Kraͤfte; ſein Geſetz lehrt mich, was er von mir fordere, und Gluͤck und Ungluͤck, Verderben und Segen fuͤr meine ganze Zukunft hat er mir hier vorgelege. Dieſer Gott, ein heiliger und gerechter Gott, richtet mich, und ſein Geſetz iſt die Regel nach welcher er, ja auch mein eignes Herz, das UIrtheil ſprechen wird. Er iſt heilig und unta⸗ delhaft, und er kan das Boͤſe nicht mit Seligkeiten kroͤnen; ſein Geſetz hat er nicht umſonſt gegeben, und es kan ihm nicht gleichguͤltig ſeyn, ob wir es uͤber⸗ ereten, oder mit Gehorſam ehren, und ſeinen Geſin⸗ nungen aͤhnlich ſind, oder nicht. Gut ſind alle ſeine Vorſchriften, und nichts als die weiſeſten Regeln des Gluͤcks und der Seligkeit. Nicht erſt dann wird et⸗ was ſchaͤdlich, wenn er es verbietet, nicht dann wird erſt etwas nuͤzlich, wenn er es gebietet, ſondern weil es ſchaͤdlich war, ſo gab er ſein Verbot, und weil es nuͤzlich und gut war, ſo gab er ſein Gebot. So muß denn nothwendig meine Abweichung von Gott und ſeinem Geſetz, oder meine treue und redliche Be⸗ folgung deſſelben den unfehlbaren Einfluß auf mein Ungluͤck oder Gluͤck in der Ewigkeit haben. Mein Tod wird alſo zugleich die Summe meines ganzen Le⸗ bens ziehen, er wird mir die Ausbeute meiner guten oder boͤſen Geſinnungen und Handlungen geben, und mit ihm tritt die Zeit meiner Aerndte von meiner hie⸗ ſigen Auſſaat an. Entweder Gluͤck oder Ungluͤck, Fluch oder Segen wartet auf mich, und nun iſt die Zeit des großen richterlichen Ausſpruchs und ſeines unwiderruflichen Urtheils uͤber mein ewiges Wohl oder Wehe. Gerecht und heilig iſt ſein Gericht: und mein eignes Gefuͤhl des Gewiſſens wird ihn rechtfer⸗ rigen, wenn er mich verdammt; ich werde in mir allein, in jrtein t I. venn Perſo kemme leben wehme Syrn und be wauen/ Jhath Vüſehe du 3e chen u ſen d zokan bereit ten/ giede Jake bis in glich Rrli und um Seligkeitg nſt gegeben wir es uͤben nen Geſim dd all ſeine Regeln des m wird et dann wird ndern weill ¹, und weil ebot. So von Gott dliche Be⸗ aß auf wei ben. Man nes ganzen b anmeiner gute nn geben, wh an meiner dder Ungle a) nun iſt ans und ſit apewiges I Gericht. an ihn rett weini und Erziehung zur Ewigkeit. 19 in meinem Unglauben und eignen Suͤnden den Grund der Verwerfung finden, und mich ſelbſt anklagen, wenn alle ſeine Barmherzigkeit, die ganze Gnade der Verſoͤhnung und des Verſoͤhners mir nicht zu ſtatten kommen kann. Zuruͤck werde ich dann nicht mehr leben koͤnnen, zuruͤck werde ich meine Thaten nicht nehmen koͤnnen, und eben ſo wenig kann ich den Spruch meines Gewiſſens und des Richters aͤndern, und beugen. Dorr iſt es zu ſpaͤt, ſein Leben zu be⸗ reuen, ſeine Tage und Thaten zu beſeufzen, ſeine Thorheiten, Ungerechtigkeiten und den Schaden ein⸗ zuſehen, den man anrichtete. O wie koſtbar biſt du, du Zeit meines Lebens, bey deiner Kuͤrze! von wel⸗ chen unendlichen und ewigen und zwar den wichtig⸗ ſten Folzen! wie genau habe ich doch jede Stunde aus⸗ zukaufen und mich auf mein ewiges Schickſal vorzu⸗ bereiten! jeden meiner Tritre und Schritte zu beobach⸗ ten, wohin er fuͤhre, jeden meiner Wuͤnſche und Be⸗ gierden abzuwaͤgen, allen meinen Anſchlaͤgen und Thaten und Werken in ihren Folgen und Fruͤchten bis in die Ewigkeit nachzuſpuͤren, und ſo meine Seele gleichſam in den Haͤnden zu tragen, ſie nicht zu verliehren. 2DBie wichtig iſt doch mein Beruf, Den mir der Herr gegeben! Gott! als mich deine Liebe ſchuf, Da ſchuf ſie mich zum Leben. Zum Leben, welches ewig waͤhrt, Das weder Leid noch Angſt beſchwert, Willſt du mich hier erziehen. Nicht hier iſt unſer Vaterland; Allein bey dir, Gott, droben. Da iſt der Ort wo deine Hand, Das Gluͤck uns auſgehoden, 2 dee 20 Das jetzige Leben iſt blos Vorbereitung Das nie ein traurig Ende nimmt. Hier ſind wir nur von dir beſtimmt Uns dazu anzuſchicken. O laß mir doch dies große Ziel Durch nichts verruͤcket werden! Was hilfts, wenn ich auch noch ſo viel Von Guͤtern dieſer Erden, Von Ehre, Geld und Luſt gewinn,. Wenn ich dabey nicht tuchtig bin, Dein Himmelreich zu erben. Dein Pilgrim bin ich ja nur hier. Laß mich dies nicht vergeſſen! Nur wenig Tage haſt du mir Zur Wallfahrt zugemeſſen. Schnell, wie ein Traum, ſind ſie vollbracht, Und dann wird dieſer Erde Pracht, Auf ewig mir vergehen. Drum laß des Himmels Herrlichkeit Mich ſtets vor Augen haben; Laß mich in meiner Pruͤfungszeit, Mich um die beſſern Gaben, Die mir im Tode nicht entfliehn, Am erſten und mit Ernſt bemuͤhn. Damit ich nicht einſt darbe. Ein Herz, das dich, o Vater! liebt, Und deines Sohns ſich freuet; Das durch den Glauben Tugend uͤbt Und ſich vor Suͤnden ſcheuet; Ein ſolches Herz, das wird allein Sich ewig deiner Guͤte freun, Und wird dein Antlltz ſchauen. Und ſolch ein Herz, das wollſt du mir, Gott, aus Erbarmen geben, Damit geitung — ni,, und Erziehung zur Ewigkeit. 21 Damit ich moͤge auch ſchon hier Nach den Geſetzen leben, Die ſelbſt im Himmel guͤltig ſind, Bis ich, als dein bewaͤhrtes Kind, Zu deiner Freud eingehe. —õ 1 3 Von den mancherley Abwegen von dem großen und lezten Ziel des Menſchen. E⸗ hat doch ein jeder vernuͤnftiger Menſch bey ſei⸗ nen Unternehmungen einen gewiſſen Zweck, und nur ein ganz leichtſinniger und Unbedachtſamer lebt und handelt, ohne daran zu denken, warum und wozu er lebe, was er damit zu gewinnen habe, und was es fuͤr einen Ausgang nehmen werde. Und frey⸗ lich ſind der Leichtſinnigen unſaͤglich viele. O was ſind die Jahre der Jugend doch groͤſtentheils anders als Jahre des Leichtſinns, und der Unbeſonnenheit? Wenn ich aber den vernuͤnftigen Theil der Menſchen beobachte, die nach gewiſſen und feſten Regeln han⸗ deln, ja die kluͤgſten Plane entwerfen, und mit vie⸗ ler Kunſt und Bedachtſamkeit zu Werke gehen, wo⸗ hin geht, worauf zielt ihre Muͤhe, Arbeit, Sorge und Anſtrengung ihrer Kraͤfte, und wohin auch meine eigne Sorge? Guter Gott! wie wenig und wie ſelten ſtimmt ſie doch mit der großen, wichtigen, erhabenen Beſtimmung, die wir haben, uͤberein? wie taͤuſcht ſich der arme Menſch? wie ſehr verfehlt er ſeines großen Zwecks, und auf welche Abwege geraͤth der arme Sterbliche? Er beſchließt endlich ſeine Laufbahn 22 Von den mancherley Abwegen von dem und nun ſieht er ſich gaͤnzlich betrogen, und allzuweit von dem Ziele entfernt, auf welches doch allein ſein ganzes Augenmerk haͤtte gerichtet ſeyn ſollen! Ein großer Theil der Menſchen lauft den Ver⸗ gnuͤgungen und Freuden des Lebens nach. Sein Zweck iſt ſeines Lebens zu genießen. Aber wie? Er wirft ſich jeder Sinnlichkeit in die Arme, und es iſt nicht viel anders, als wenn er ohne Geiſt, nur Koͤr⸗ per waͤre, nur thieriſche Triebe, nur Sinne haͤtte. Wohin ihn dieſe Triebe fuͤhren, dahin folgt er, und der Geiſt wird nun nichts mehr bey ihm, als nur der Erfinder und Befoͤrderer jeder Leidenſchaft, jeder Sinnlichkeit. Er denkt nach wie er ihnen ein Opfer nach dem andern bringe, wie er die Freuden des Le⸗ bens verfeinere, und neue Quellen und Mittel finde, ſeine Entwuͤrfe fuͤr die Ergoͤtzungen auszufuͤhren und zu erweitern. Der eine bringt ſeine Zeit, die edle und koſtbare Zeit im elenden und armſeligen Spiele dahin, der andere giebt ſie ewigen Zerſtreuungen in Geſellſchaften, in Goſtmaͤlern, in Taͤnzen, und kurz ein jeder folgt dem erſten Wink ſeines betrogenen Herzens. Ein ewiges Gerenne nach den Ergoͤtzun⸗ gen ſeiner Sinne, ja wohl ſogar nach den niedrigſten Wolluͤſten hat ſeine ganze Seele gefeſſelt, fuͤr dieſe wacht und traͤumt er, fuͤr dieſe verzehrt er ſeine Kraͤfte und Guͤter, fuͤr dieſe ſtreckt er ſeine Haͤnde nach frem⸗ dem Gute, fuͤr dieſe ſtuͤrzt er ſich in Schulden, und wird ein Dieb und Raͤuber anderer, fuͤr dieſe wird das Wohl ſeiner Familie, das Gluͤck der Welt, und ſein eignes Gewiſſen aufgeopfert. Aber nun endlich die Summe! das Leben iſt in dieſen Taͤndeleyen, in dieſem Taumel der Freuden, in dieſer Trunkenheit der Siune endlich dahin geſchwunden; die ernſtvolle Stunde des Todes bricht ein, die Freuden fliehen, Ge⸗ ————— und alle Ergoͤtzungen der Sinne entfernen ſich; das hudem und alhane doch alein ſi ollen! uft den We lach. Sa ber wie? 6 und es 11, nur Kih Sinne haͤr. lgt er, und t, als nu haft, feder ein Opfet en des Le⸗ meittel finde, nuͤhren und tt, die edle den Spiele uungen in a und kurz betrogenen er Ergoßuu⸗ ea wiedtigſten tt, fur die ae ſeine Kriſ de nachſte hulden/ u waär dieſe t zer Welt,! dr nun en maͤndelehen eunkenhei die eruſt enden he uen it, großen und lezten Ziel des Menſchen. 23 Gewiſſen erwacht mit einmal, die Pforte der Ewig⸗ keit oͤfnet ſich; man ſieht den Richter der Welt, und nun— was ſind dieſe Freuden? Wozu lebteſt du?2 Wohin biſt du gerathen? Was ſind die Gewinnſte deiner verfloßnen Tage und aller dieſer Betaͤubungen in deinem Leben? welche Bitterkeit, welche quaͤlende und marternde Vorwuͤrfe aus jenem unbedachtſamen und ungluͤcklichen Ungeſtuͤm, womit das Herz allen den Sinnlichkeiten nachhieng. Wie viel Ungluͤckliche ſeufzen uͤber dich, und was fuͤhlt dein Gewiſſen, was wirſt du dort fuͤhlen?“ Aber iſt es wohl weiſer und kluͤger, ſtatt die Guͤ⸗ ter des Lebens zu zerſtreuen, ſie mit aller Macht und aller Anſtrengung meiner Kraͤfte zu ſammlen 2 So gut und ſo vernoͤnftig, ja ſo gemaͤß es immer dem Geiſt des Chriſtenthums iſt, die Guͤter dieſes Le⸗ bens als Annehmlichkeiten auf meiner Reiſe, als Wohlthaten der goͤttlichen Vorſehung und als Mit⸗ tel, meine Seligkeit in jenem Leben groͤßer und herr⸗ licher zu machen, anzuſehen, ſie aus der Hand Got⸗ tes dankbar anzunehmen, und ſie als ein Haushalter Gottes uͤber dieſelbe zu dem guten Zwerk des Haus⸗ herrn zu verwalten: ſo uͤber alles thoͤricht und un⸗ vernuͤnftig waͤre es, wenn ich ſie nicht mehr als Mit⸗ tel, ſondern als Zweck ſuchen, und ſie nur um ihrer ſelbſt willen lieben, ſuchen, vermehren und erhalten wollte: wenn ich uͤber dem Irrdiſchen das Himmli⸗ ſche, uͤber dem Zeitlichen das Ewige, uͤber dem Bergaͤnglichen das Unvergaͤngliche verlieren wollte: wenn ich mein ganzes, oder auch nur mein vorzuͤgli⸗ ches Gluͤck darin ſetzen wollte; wenn ich, um nur reich zu ſeyn, oder Guͤter zu erwerben, mein Gewiſſen be⸗ flecken, ungerecht gegen andere, hart und fuͤhllos ge⸗ gen meine aͤrmere Mitbruͤder, ja auch nur wider den Wohlſtand und unter meinem Stande handeln, mir 1 b das 24 Von den mancherley Abwegen von dem das hoͤhere Vergnuͤgen, im Gutesthun und Gutes befoͤrdern, rauben, und kurz mir das Wohlgefallen Gottes, ſeine Gnade und die beſſern Guͤter der kuͤnftigen Welt verſcherzen wollte. Endlich kommt ja doch der Augenblick, wo das alles aufhoͤrt, mein zu ſeyn, wo ich durch die glaͤnzendſten Guͤter dieſes Lebens mir nicht einen einzigen Augenblick mein Leben verlaͤngern, nicht einen einzigen Theil meines Leidens abkaufen, nicht den geringſten Bal⸗ ſam fuͤr die Wunden meines Gewiſſens, oder Troſt fuͤr meine Seele verſchaffen kann. Und was werde ich dann ſeyn, wenn ſich am Ziele meines Lebens nun alle die Vorwuͤrfe in mir haͤufen, Gott und meine eigne hoͤchſte Beſtimmung aus den Augen verlohren, durch ſo viele niedrige und entehrende Kuͤnſte, durch allerley Liſt und Ungerechtigkeit⸗ durch Haͤrte und Unbarmherzigkeit das Gut der Erden geſammlet, aber nichts damit fuͤr die Ehre Gottes, fuͤr Menſchen Gluͤck und fuͤr die Ewigkeit gewonnen zu haben. Um ſich her, und vor ſich hin Seufzer armer betrogner zu ſehen, und in jedem Theil ſeiner Reichthuͤmer nichts als Fluͤche und Verdammniß zu fuͤhlen, wie traurig und ſchrecklich iſt das! Eben das iſt alsdann die Ur⸗ ſache meines Ungluͤcks, daß ich Güter hatte, ohne den hoͤhern Schatz der wahren Weisheit zu haben, der mich lehrte, ſie zu meinem wahren Gluͤck zu nutzen; und daß ich nur begierig Reichthuͤmer ſuch⸗ te, und o wie viel gluͤcklicher waͤre ich nun in dieſem Augenblick, wenn ich dafuͤr jeden Tag aus der Hand der Vorſehung das Noͤthige erhalten, und dabey ein unſchuldiges Herz bewahrt haͤtte? Was konnte ich mehr mit allem Ueberfluſſe fuͤr mich thun, als mich ſaͤttigen, kleiden und die Be⸗ duͤrfniſſe und etwan einige zentzehrliche Annehmlich⸗ ——jjI“ I den keiten ten hen d in T Por bels der chu ein, ſache bverd raut ſi dod ſelt de bhel Gre dſten Gu Augenbli uigen The agſten Bu oder Tuuſ was werde es Lebens Gott und den Augen entehrende drechtigkein Gut der die Ehre Ewiigkeit d vor ſich und in mals Rlͤche waurig und zan die Uo a hatte, ohye ant zu habey zan Gluͤck g. a huͤmer ſih mwich nun en Tdag u Srige erhalh 3 ahrt dit⸗ eberftuſe rw und die d Annehe. 60. großen und lezten Ziel des Menſchen. 29 keiten damit beſtreiten; und was iſt denn im Le⸗ ben der Ueberfluß werth?! Noch mehr was iſt er im Tode? Nichts als der Grund meiner quaͤlenden Vorwuͤrfe, und was wird er vielleicht noch fuͤr Ue⸗ bels in den Haͤnden der Meinigen anrichten? Und ſo iſt es doch im Grunde mit allem, was der Menſch in der Welt hochſchaͤtzt, ſelbſt den un⸗ ſchuldigſten Dingen. Nehmen ſie unſer Herz zu ſehr ein, werden ſie uns zu wichtig und ſogar die Haupt⸗ ſache in unſern Wuͤnſchen und unſerm Beſtreben, ſo werden ſie ein wahres Gift fuͤr unſere Seele, und rauben uns die uͤber alles koͤſtliche Ruhe, und die frohe Hinſicht auf die Ewigkeit. Den Gedanken des Todes machen ſie uns ſchrecklich, und unſern Tod ſelbſt zu dem fuͤrchterlichſten Feind. Der Menſch, der ſich ſo emſig draͤngte, uͤber andere erhoben zu wer⸗ den, der ſich da die groͤſte Gluͤckſeligkeit traͤumte, wenn er uͤber andere gebieten, oder den Scepter denen Großen abgewinnen, und bey ihrem Schlummer, ihrer Traͤgheit oder Schwachheit in ihrem Namen herr⸗ ſchen konnte, der dieſe erſchlichene Macht nun ent⸗ weder zum Schaden und Elend ſeiner Mitbruͤder ge⸗ braucht, oder doch nicht zu dem wohlthaͤtigen Zweck, wozu Gott Macht in Menſchenhaͤnde gegeben hat, was iſt doch er, und was der Große ſelbſt, wenn ihn der Allmaͤchtige zum Staube zuruͤckfuͤhrt; und alles die⸗ ſes glaͤnzende und erhabene Blendwert auf ewig auf⸗ hoͤrt? Nun ſteht der aͤrmſte und verachtetſte, dem er Thraͤnen auspreßte, und oft noch den Biſſen der ihn kaum halb ſaͤttigen konnte, nahm, um ihn noch dem ſatten zuzuwerfen, oder ſeinen Taͤndeleyen nachzuge⸗ hen; nun ſteht er an der Seite des gewaltigſten Mo⸗ narchen, in einer voͤlligen Gleichheit, und nur der Grad eines tugendreichen Glaubens macht den Grad des Werthes, der Hoheit und Gluͤckſeligkeit aus. 2 Niichts 26 Von den mancherley Abwegen und dem Niichts kan ſchrecklicher ſeyn, als ſich am Ende ſeines Lebens fuͤr die ganze Ewigkeit geraͤuſcht zu ſehen. Alle Freuden, alle Hofnunzen, alles Gluͤck ſchwin⸗ den vor unſern Augen, denn wir ſuchten ſie nur in der Welt, die fuͤr uns nicht mehr iſt, und nichts, nichts fuͤr die Ewigkeit, in welche wir gewaltſam hin⸗ gefüͤhrt werden. Keine Verſicherung und Gewißheit eines gnaͤdigen Gottes/ keine Werke der Gotrſeligkeit, die uns nachfolgen, keine frohe Ueberzeugung der Verſoͤhnung Jeſu! Ja vielmehr das Bewußtſeyn unſerer Gottesvergeſſenheit, ſo vieler Unterlaſſungs⸗ ſünden, ſo gehaͤuften Boͤſens, ſolcher Geringſchaͤtzung der goͤttlichen Gnade und Jeſu, ſolcher Fuͤhlloſigkeit gegen die Lehren der Weisheit, ſo vieler Unter⸗ druͤckung des Gewiſſens, wie traurig, ja wie ſchreck⸗ lich macht es den Tod und die Zukunft, zu welcher uns doch dieſes Leben als Vorbereitungszeit allein ge⸗ geben war! Wie dringend nothwendig iſt denn nicht meine fruͤhere Sorgs fuͤr eine freudigere Todes⸗ ſtunde! D er lezte Tag von deinen Tagen, Eilt immer naͤher, Menſch, herbey, Ohn uber ihre Flucht zu klagen, Erkauf und brauche ſie getreu Nimm mit erkenntlichem Gemuͤth Die Zeit wahr, die du haſt; ſie flieht. Getaͤuſcht von tauſend Eitelkeiten, Verſaͤumſt du deines Lebens Zweck; Verſchiebſt dein Heil auf ferne Zeiten, Und wirfſt ſo ſorglos Jahre weg. Und biſt du denn, o Sterblicher! Des nachſten Augenblickes Herr? Ein ——— ——,.,.— Gotſeellit zeugung w 4 Bewußtſen terlaſſunge ingſchäzun SFühlloſgei eler Unte⸗ wie ſchrat⸗ zu welcher it allein ga n iſt denn were Todes⸗ großen und lezten Ziel des Menſchen. Ein ewigs Gluͤck einſt zu beſitzen, Sollſt du des kurzen Lebens Zeit Als deine Saatzeit weislich nutzen, Und thun, was dir dein Herr gebeut. Er rufet dir ſo dringend zu: Nur eins iſt noth! was ſaͤumeſt du? Drum ſorge bald fuͤr deine Seele Und fuͤr das Gluͤck der Ewigkeit Sey wachſam, denk und uberzahle Der Menſchentage kleine Zeit. Sey fromm und wandle vor dem Herrn, Waͤr' auch dein Ende noch ſo fern. Mit jedem dir geſchenkten Morg en 8 Erwecke dich, gewiſſenhaft Fuͤr deiner Seelen Heil zu ſorgen, Und ſuche Gottes Licht und Kraft. Sprich, o mein Gott! ich will allein Mein Leben deinem Dienſte weihn. Erleucht' und ſtaͤrke meine Seele, Weil ohne dich ſie nichts vermag; Du hilfſt, daß ich, was gut iſt! waͤhle Aus Gnaden mir auch dieſen Tag. Was iſt nicht jede Stunde werth, Die deine Langmuth mir gewaͤhrt? Wohl mir! wenn ich aus allen Kraͤfte Nach deinem Neiche hier geſtrebt, In Gottgefaͤlligen Geſchaften Die Pilgertage durchgelebt; Wenn ich einſt glaubig ſagen kann: Du nimmſt mich, Gott, zu Ehren an. Mieein ſprachlos Flehn bey meinem End Vernimmſt du, Herzenskuͤndiger! 28 Von den Annehmlichkeiten In deine treue Vaterhaͤnde, ach Befehl ich meinen Geiſt, o Herr! b ü), I Er ſchwingt, wenn ſeine Huͤtte faͤllt, trach Zu dir ſich uͤber Grab und Welt. und 4. 8 Aod tun 4 1 K W Von den Annehmlichkeiten der Todes⸗ Wn, bbetrachtung. ni bon —. det S D, pnen— ich in ſeinen geſunden Tagen mit Gedanken des he Todes und der Ewigkeit beſchaͤftigen, ſcheint man⸗ 4 chen Menſchen nichts anders zu ſeyn, als ſich daas Leben und alle Freuden deſſelben verbitternt Wie 3 hka viele Muͤhe geben ſie ſich nicht, ſich es auszureden, daß ſie ſterblich ſind; oder doch den Tdd weit, ſerlr weit hinauszuſetzen. Nicht der Juͤngling allein, nein, b ſelbſt der Greis ſchlaͤgt ſich den Gedanken des Todes 1 aus dem Sinn, ja ſogar der Menſch, welcher zwi⸗ 1 ſchen Tod und Leben, zwiſchen Zeit und Ewigkeit 3 ſteht, die Unordnung in dem Bau ſeines Koͤrpers, 6 die Abnahme ſeiner Kraͤfte und die Zerruͤttung der b Natur fuͤhlt; krank, ſehr und gefaͤhrlich krank darnie⸗ 2 der liegt, und in wenigen Augenblicken ſeine Reiſe der zur Ewigkeit vollendet, verheelt ſich noch immer ſe« m nen Tod, iſt ganz mit ſeinem Leben beſchaͤftigt, un: terhaͤlt ſich mit Geſchaͤften und Dingen fuͤr dieſe de Welt, ordnet und macht noch Plane fuͤr dieſelbe, 8 und im Sterben will er es nicht fuͤhlen, daß er ſtirbt. Um ihn ſammlen ſich Unbarmherzige, die unter dem umn Schein der Freundſchaft ſeine groͤßten Feinde ſind, 11 und ſich huͤten, nur von ferne den Gedanken rege zu unn 8 machen, edanken de ſcheint ma als ſich das ern. Wie auszureden, . wett, ſehr ällein, nein, des Tode welcher zt dad Eviigke nes Körpm erruͤttung d krant darw an ſeine N och immaſſt chhaͤftigt/ Ggen füͤt R fuͤr diiſ a daß er ſi o die unte! Feinde Danken e der Todesbetrachtung. 29 machen, du mußt und wirſt ſterben. So fuͤrchter⸗ lich, ſo ſchreckensvoll iſt den mehrſten Menſchen Be⸗ trachtung der Nichtigkeit des Grabes, der Verweſung, und der großen Zukunft. Es iſt einmal in uns eine natuͤrliche Furcht vor dem Tode und ein lebhafter ſtarker Trieb der Selbſterhal⸗ tung, eine ſo große Liebe zum Leben, und daher kein Wunder, wenn man den Gedanken: ich werde ſter⸗ ben, ſo traurig und finſter findet, vor ihm bebt, und zuruͤck weicht. Genug! denkt man, wenn dieſe Zeir kommt. Was fuͤr ein Vergnuͤgen kann ich denn in der Welt genießen, und das goͤnnt mir doch Gott, ja er giebt es mir; wenn ich in meinen Freuden, bey meinen Gaſtmalen, bey meineu unſchuldigen Er⸗ goͤtzungen, gleichſam meinen Sarg in die Mitte ſtelle? mir mein Krantkenberte, meine lezten Leiden und Kaͤmpfe der Natur denke! Wie ungeſchickt und un⸗ brauchbar fuͤr die Geſchaͤfte dieſes Lebens, die doch gleichwohl ſo wichtig ſind, und die ich doch nach der Abſicht Gottes verwalten und recht angelegentlich ver⸗ walten ſoll, wenn mir der Gedanke in den Weg tritt: du biſt vielleicht morgen nicht mehr, wozu dieſe Sor⸗ ge, dieſe Muͤhe und Arbeit? Wie viel Großes und Gutes muß denn in der Welt unterbleiben, und was wird denn der Große und der Fuͤrſt fuͤr ſeinen Staat, der Gelehrte fuͤr die Belehrung ſeiner Bruͤ⸗ der, der Bater fuͤr ſeine Kinder, und der Arbeits⸗ mann fuͤr ſich und die Seinen noch thun wollen, wenn ihm ſtets ſein Grab vor Augen ſchwebt, ihn von ſeinen Geſchaͤften abruft, um gleichſam unter den Graͤbern herumzugehen, und eher zu ſterben, als die Vorſehung es beſchloſſen hat? Fuͤr Schwermuthige, und um ſchwermuͤthig zu werden, ein finſteres Leben zu fuͤhren, alle Freuden von ſich zu verſcheuchen, und unnuͤtz fuͤr die Welt zu werden, iſt der oͤftere uns ie afte 30 Von den Annehmlichkeiten hafte Gedanke des Todes. Weg mit dieſem Schreck⸗ bilde, laßt uns an das Leben denken, und des Le⸗ bens froh genießen, weil wir es noch haben. So taͤuſcht ſich der arme Menſch, und glaubt weiſer und kluͤger zu ſeyn, als der Chriſt, der mitten auf ſeinem Wege auf den Ort hinſieht, wo er ſeine Reiſe endigen und zur Ruhe und Erquickung kommen wird, und ſich dabey umſieht, ob er auch auf der rechten Straße, oder auf Irrwege und in gefahrvolle von ſeiner Beſtimmung ableitende Wuͤſteneyen ge⸗ rathen ſey. Und wenn nur dieſer Betrug nicht mit ſo vielem Schaden fuͤr die Seele, nicht mit einem ewigen Ungluͤck verknuͤpft waͤre. Sollte wohl dieſer Trieb, den uns der Schoͤpfer gab, dieſe Liebe zum Leben, dieſe naruͤrliche Furcht vor dem Tode, mich von einer weiſen und klugen Sorge fuͤr die Ewigkeit, und fuͤr die gluͤckliche Erreichung meiner wahren Be⸗ ſtimmung zuruͤckhalten? Waͤre er da noch Wohlthat, und Geſchenk Gottes, und nicht vielmehr wabres Ulebel! Nein! dazu habe ich ihn, nicht meine Le⸗ benstage und die von der hoͤchſten Weisheit und Guͤte mir beſtimmte Vorbereitungszeit zu verkuͤrzen: mich in dem Drange der Beſchwerlichkeiten und dei⸗ den nicht zum Ueberdruß hinreißen zu laſſen, ſon⸗ dern auch haͤrtere Schickſale ſtandhaft zu ertragen, und die große Pflicht der Selbſterhaltung deſto redli⸗ cher zu erfuͤllen: aber wie thoͤricht waͤre es, daruͤber das Gefuͤhl des Todes und die Hinſicht auf ein ohn⸗ fehlbares Ende meiner Reiſe und auf ein kunftiges Leben zu erſticken? Warum aber will ich mir dieſen Gedanken ſo ſchwarz und fuͤrchterlich bilden? Es iſt wahr, daß einem Laſterhaften, einem Ungebeſſerten, einem Irr⸗ diſchgeſinnten Menſchen ſich bey dem Gedanken des Todes eine hoͤchſt traurige und ſchreckensvolle Aus⸗ ſicht — im Schrt— und de 8 G aben. und glale der win wo er ein keneyen g ig nicht nit mit einem woohl dieſet iebe zum vode, mich 1 Ewigkeit, ahren Be⸗ Vohlthat, ar wahres neine Le⸗ heit und vertüͤrzen: aan und ei⸗ aaſen, ſon⸗ du ertragen, t deſto redb uns, darht nuf ein ohy inn künſtige n zedanken wahr, dg a einem) edanken disyvle Ae 1 der Todesbetrachung. 31 ſicht eroͤfne, allein wird dann dadurch ſeine Sache beſſer, wird er dabey gewinnen, oder nicht viel⸗ mehr unendlich verliehren, wenn er gerade dieſen Gedanken von ſich entfernt, der ihn noch zum Nachdenken bringen, ſein Herz beſſern, und von ſei⸗ nem gefahrvollen Wege zuruͤckbringen kan? Bin ich noch einiger Ueberlegung faͤhig, ſo muß ich nothwen⸗ dig die Betrachtungen fuͤr die anſtaͤndigſten, die beſten, ja die erfreulichſten halten, die mich zur Weisheit fuͤhren, und mein Leben rugendhaft, gut und rechtſchaffen machen koͤnnen. Wenn ich hier ſtets Wahrheit und Recht liebe, und mit Bedacht⸗ ſamkeit, mit Liebe des Guten, mit einem ſchoͤnen und koͤſtlichen Bewußtſeyn eines reinen und heili⸗ gen Gewiſſens dahin gehe, o dann kann niemals der Gedanke des Todes und der Ewigkeit mich ſchwermuͤthig und finſter machen. Vielmehr zeigt mir ein ſchoͤnes Leben auch ein ſchoͤnes Ende, und einen erfreulichen Ausgang. Ulnd was iſt es, was ich, wenn ich vor mir hinſehe erblicke? ſind es etwan neue Beſchwerlichkeiten, die auf mich war⸗ ten, eine andere Art von Muͤhſeligkeiten als die, mit welchen ich hier zu kaͤmpfen hatte? oder werde ich dort der Guͤter entbehren, oder an ihnen irgend einen Mannel leiden muͤſſen, die zu meiner Zufrie⸗ denheit gehoͤren! Was wuͤßte ich von der Religion Jeſu, wenn ich nicht aus ihr gelernt haͤtte, daß ich dort meine ungeſtoͤrte Ruhe endlich finden werde; daß ich da das Ende aller Leiden und Sorgen, und den vollkommenen und ewigen Frieden meiner Seele ha⸗ ben werde? Da iſt kein Leid und keine Klage, da ſeufze ich nicht aus einer beklemmten Bruſt, da trock⸗ net mein Erloͤſer alle meine Thraͤnen, da verbittert mir niemand meine Freuden. Weiß ich gleich noch nicht alles, was ich ſeyn werde, ſo weiß ich dat daß 32 Ton den Annehmlichkeiten daß ich in den Freuden und Seligkeiten des ſeliaſten Weſens wohnen werde; dort iſt das Land, wohin die erhabenſten und groͤſten Verheiſungen meines Gottes und Erloͤſers gehen; und dieſer Gedanke ſollte mich ſchrecken, mir ſo fuͤrchterlich ſeyn, und Schwermuth in mein Herz bringen? Wenn ich bey allen Arbeiten und allem Drucke denken kann: das giebt dir große Bortheile, das ſchafft dir einen ruhigen und ſchoͤ⸗ nen Abend, und nun dieſe herrliche Frucht, die ich vor mir ſehe, mich das Harte und Schwere ver⸗ geſſen, mich in aller meiner Muͤhe getroſt und froh machte: ſollte dann das weit groͤßere Gluͤck der Ewig⸗ keit, die Frucht und Belohnung meiner frommen Ge⸗ ſinnungen, meiner erſten Duldungen, meiner guten Thaten weniger thun? Welche Freude kann dieſe Hinſicht ſtoͤren? Gewiß keine unſchuldige keine edle und wahre Freude, denn dieſe giebt mir Gott, ſie hindert meine Tugend nicht, ſondern ſtaͤrkt ſie: aber unſinnige, ſuͤndliche Freude, uͤbermaͤßige Ergoͤtzun⸗ gen, Trunkenheit der Sinne, dieſe ſtoͤren das An⸗ denken des Todes, dadurch wird es wohlthaͤtig und der Grund meiner beſſern Freuden. Ich denke mir meinen Sarz; ich lege mich gleichſam zum Voraus, auf mein Sterbebette; ich ſehe gleichſam ſchon meine Grabſtaͤtte, bey meinen Gaſtmalen, oder ſonſt in meiner Ergoͤtzung, was kann mir das ſchaden, und was kann ſie anders wirken, als nur daß ich dabey nicht ſuͤndige? Traurig muß es um mein Vergnuͤgen aus⸗ ſehen, wenn es den Gedanken der Ewigkeit nicht er⸗ tragen kann. Wie dann? wenn ich in dieſem Ver⸗ gnuͤgen unmittelbar mein Leben beſchließen muͤſte! waͤre es dann nicht gut, wenn ich es auch als Chriſt genoſſen haͤtte! Iſt es denn ſo etwas unerhoͤrtes, daß ein Menſch bey einem Gaſtmal, bey einem Schauſpiel, bey einer Luſtbarkeit ploͤzlich dahin ſank? Wie Piet danten thes iſ ſe mi errſte Woh. reitan nen! bel; hetkat Grab 11 das it uns Lbben rinl; vatth Thti Thati G nach W Tode ward ne arbeit len. abha ſeine wal, und! ben, u ben ligteit des ſeliße nd, woho neines Gott ke ſolle ni Schwerne allen Arbe hebt dir tiß ten und ſe Frucht, d Schwere de⸗ ſt und fii ch der Ewig immen Ge⸗ einer guten kann dieſe feine edle Gott ſie at ſie: aber Ergoͤtzum n das An⸗ thaͤtig und dente wir ea Voraus, eſchon meine oder ſonſt i aichaden, und aah dabey nite Tznuͤgen als keit nichte dieſem We ſeßen miſ ch als Ch a unerhon an bey einl 2 dabin al d Der Dodesbetrachtung. 355 Wie ethoricht iſt es denn zu ſagen: ich will den Ge⸗ danken des Todes bis zu ſeiner Zeit verſchieben! wel⸗ ches iſt dieſe Zeit! ſteht ſie in meiner Gewalt? ja iſt ſie mir zum voraus bekannt! 7 Meinen Geſchaͤften kann eine vernuͤnftige und ernſtliche Sorge fuͤr ein dauerhaftes und ewiges Wohl niemals Anbruch thun Beſtuͤnde die Vorbe⸗ reitung auf ein kuͤnftiges Leben in Nichtsthun, in ei⸗ nem bloßen Denken und Wiederdenken, du mnſt ſter⸗ ben; in einem bloßen Leſen oder Meditiren der Todes⸗ betrachtungen, oder einem ſtarren Hinſehen auf mein Grab, ſo wuͤrde ſie der Welt ſchaͤdlich werden; aber wer lehrt uns das? Iſt ſie aber ein ſolches Leben, das im Tode uns noch erfrent, und nach dem Tode uns belohnt, ein immer zutes und Gotr gefaͤlliges Leben, ſo kann ſie meine guten Geſchaͤfte nicht ſtoͤ⸗ ren; ſondern wird ihnen vielmehr unausſprechlich vortheilhaft werden. Was iſt das Leben anders als Thaͤtigseit? nur ſoll dieſe meine Geſchaͤftigkeit und Thaͤtigkeit meiner ſeleſt wuͤrdig genug und der Abſicht Gottes gemaͤß ſeyn. Was ich nach meinem Berufe, nach meinem Amte, nach meinem Stande in der Welt thun muß, dazu muntert mich der Gedanke des Todes auf. Die Erinnernng, daß ich baruͤber Gots werde Rechenſchaft geben muͤſſen, bewahrt mich, kei⸗ nen Augenblick zu verderben, mit redlichem Eifer zu arbeiten, und meine Pflichten fuͤr die Welt zu erfuͤl⸗ len. Davon wird ja mein frohes Bewußtſeyn einſt abhaͤngen, daß ich die Auftraͤge Gottes in der Welt, ſeine Abſichten mit mir und den Zweck, wozu ich hier war, erreicht habe. Der große Gedanke der Zukunft und die Ungewißheit meines Todes muß mich antrei⸗ ben, nichts zu verſchieben, meine wenige Zeit wohl zu benutzen, und nur alles mit wahrer Gewiſſenhaf⸗ tigkeit vor Gott, und aus den aͤchten und reinen C Auellen 34 Von den Annehmlichkeiten Quellen der Gottſeligkeit zu thun. Suͤndliche Ge⸗ ſchaͤfte ſoll er bey mir ſtoͤren, aber gluͤcklich werde ich immer ſeyn, wenn mich der Tod in der gewiſſenhaften und treuen Verwaltung meines Berufs, meiner Ar⸗ beiten, und redlichen Anwendung meiner Kraͤfte fuͤr die Welt antrift. b b So verliehrt der Tod alles ſchreckenvolle und fin⸗ ſtere, er heitert mein Gemuͤth auf, und verwandelt ſelbſt meine Leidensſtunden, durch den Hinblick auf das vortrefliche Ende derſelben und die belohnenden ewigen Freuden in Seegen und Freude. Warun erbebſt du, meine Seele! Bey dem Gedanken an das Grab? Nicht dich umſchließt einſt ſeine Hoͤhle, Nur deine Huͤtte ſinkt hinab: Sie ſchuf der Allmacht Wink aus Staub Drum wird ſie der Verweſung Raub. Du, zur Unſterblichkeit erleſen, Schwingſt dich empor zu Gottes Licht, und ſchau'ſt den Urſprung aller Weſen Von Angeſicht ſu Angeſicht Bewunderſt deines Gottes Macht In jener Welten Bau und Pracht. Dann Seele! wirſt du das verſtehen, Was hier kein weiſer Mund erklarrt, Was, hier vollkommen einzuſehen, Des Wiſſens Trieb umſonſt begehrt. Dann taͤuſcht dich Wahn und Irrthum nicht Und ſelbſt die Finſternis wird Licht. b Dann wirſt du den, ach den erblicken, Den hier allein der Glaube ſieht, Den, der dich ewig zu begluͤcken, Verbrechern gleich, am Kreuz verſchied; 2„p dn Sindliche Zebiſendin , man ner Krif⸗ awolle und nd verwande Hinblich 4 3 belohnen 1 dhe, 5taub 2 erthum nihh Ccht. zlicken, —t/ nied: der Todesbetrachtung. 35 Dann jauchzen, daß kein Wahn kein Spott, Dich hier getrennt von deinem Gott. Wenn nun der Tag des Herrn erſcheinet, Verlaͤßt dein Leib der Graber Ruh. Zum zweitenmal unt dir vereinet, Wird er unſterblich, ſo wie du. Drum jauchze voller Zuverſicht Wenn deiner Huͤtte Bau zerbricht. Von der Ungewißheit unſrer Todesſtunde. Wa⸗ dem Menſchen noch kuͤnftig begegnen werde, iſt ihm ſo unbekannt, als einem Reiſenden, der zum erſtenmale einen ungebahnten Weg geht, die Gegen⸗ den ſind, in welche er von Zeit zu Zeit hinſchreitet. Dies hat ſich die Vorſehung ganz vorbehalten. Das Auge Gottes ſieht allein, was vor uns iſt, und was geſchehen wird, und es iſt allein ſeine Sache, unſere Schickſale und uͤberhaupt die Begebenheiten der Welt, die ſich vor uns nach und nach entwickeln, zu ordnen, und ihren Lauf und jede Abwechſelung ſo zu regieren, wie es ſich fuͤr ſeine weiſe und lezte Abſicht und fuͤr unſer wahres und ewiges Gluͤck ſchickt. Es ſteht in keines Menſchen Macht, die Zukunft zu durchdrin⸗ gen, und noch weniger die Reihe der kuͤnftigen Ver⸗ aͤnderungen ſelbſt an einander zu ketten. Eben ſo we⸗ nig und noch weniger wiſſen wir den Tag oder den Feiewuntt, der allen unſern irdiſchen Schickſalen, rbeiten, Entwuͤrfen, Freuden, Hofnungen, Leiden, C 2 Sor⸗ 36 Von der Ungewißheit Sorgen und Muͤhſeligkeiten das lezte Ziel ſtecken wird. Vergeblich und auch thoͤricht, ja ſuͤndlich und ſtrafbar iſt es, das, woruͤber Gott ſelbſt eine finſtere Decke gezogen hat, und was er aus ſo großer Guͤte und nach ſeiner hoͤchſten Weisheit uns verbergen will, aus ſeiner Dunkelheit hervorziehen zu wollen. Wie weit meine Lebenskraft reichen werde, oder welcher unvorhergeſehene Zufall mich zum Grabe fuͤhren wer⸗ de, wo der Ruf des Allmaͤchtigen uͤber mein Leben ge⸗ bieten werde, unter welchen Haͤnden, in weſſen Ar⸗ men und unter welchen Umſtaͤnden, ploͤzlich oder nach und nach das Band meines Geiſtes mit dieſem Leibe werde aufgeloͤſet werden, iſt allein dem Auge des All⸗ wiſſenden ſichtbar. Auf ſein Buch ſind alle meine Tage geſchrieben. Ich gehe hier gleichſam ſtets dem Tode an der Seite. Der Jaͤngling faͤllt wie der Greis in den Staub. Voll neuer Kraͤfte ſtehr der Menſch den Morgen von ſeinem Laoer auf, und er erlebt den Abend nicht; geſund ſucht er im Schlafe die Sammlung ſeiner Kraͤfte, und er faͤllt in die Arme des Todes. Dieſer durchwandelt koͤdtliche Gefahren, aber ſein Leben iſt geſichert, und jener wird in dem Schooß der Ruhe bey ſeiner Arbeit, ſeinem Tiſche, auf ſeinem Wege vom Tode uͤberraſcht.. Waͤre es aber nicht beſſer, wenn wir dieſe wichti⸗ ge Stunde unſrer großen Veraͤnderung vorher wuͤß⸗ ten? Dieſes Leben mit der Ewigkeit verwechſeln, hin zu ſeiner ewigen Beſtimmung gehen, ſein kuͤnftiges, unendliches Gluͤck oder Ungluͤck unveraͤnderlich ent⸗ ſchieden ſehen: das iſt doch ſo unausſprechlich wich⸗ tig, und erfordert ſo viele Bedachtſamkeit, ſo ernſt⸗ volle Anſchickung und ſo ſorgfaͤltige Zubereitung, daß es die Guͤte Gottes ſelbſt zu erfordern ſcheint, mir zum voraus eine Erinnerung zu geben, und mich in den Stand zu ſetzen, wuͤrdig mich dazu aiunſchieken 0 ——— à el ſet ſändch 1 ſtine fin großer Gh erbergen 6 oollen. 4 oder welch 4 führen we eein Leben i in weſſen A — — — ſich oder nah dieſem Leit dtge des Al d ale weine m ſiets dem Ffällt wie der ſte ſteht da auf, und ei wim Schlaß in die Arm⸗ ne Gefahren, wird i dem nem Tſche im dieſe wich unz vorher wſ wechſeln, i ein künfii enaͤnderlich e zorechlich h gkkeit, ſo ereitung a ſcheint 6 und 1 cu anziſt 8 9 1 unſrer Todesſtunde. 37 So ſcheint es uns dem erſten Anſehen nach zu ſeyn. Aber wenn wir reiflicher und ruhiger daruͤber nach⸗ denten; ſo werden wir bald einſehen, daß uns die⸗ ſes Borauswiſſen unſrer Todesſtunde ſchaͤdlich ſeun und ganz mit der Weisheit und Guͤte Gottes ſtrei⸗ ten wuͤrde. Dieſer wuͤrde, wenn er ſein Ziel noch ſo weit hinausgeſteckt ſaͤhe, mit unbeſonnener Si⸗ cherheit dahin gehen, und ſich unter dem ſchmei⸗ chelhaften Vorwande, ſich dann am Ende noch fuͤr die Ewigkeit anzuſchicken, jedem Laſter und jeder Sinnlichkeit preiß geben; und jener, der nun ſeine lezte Stande ſich ſo nahe waͤßte, und etwan noch einige Jahre, oder noch einige Tage von ſeinem Ziele entfernt waͤre, wuͤrde bald mit Aengſtlichkeit und Aufſtellung allerley Schreckbilder des Todes ſein leztes Leben verbittern, und ſchon lange vor⸗ her die Bitterkeiten des Todes empfinden, die er ſonſt in einigen Augenblicken uͤberwunden haͤtte; bald die fuͤr die Welt ſo noͤthigen Geſchaͤfte und fuͤr die weiſen Abſichten Gottes ſo nuͤzlichen Un⸗ ternehmungen liegen laſſen, um die lesten Jahre und Tage nach ſeiner Meinung allein fuͤr die Ewig⸗ keit zu leben. In ganzen Familien wuͤrde alle Freude und ſo manche nuͤzliche Thaͤtigkeit verſcheucht, und viel zu fruͤhe alles trauern und wehklagen. Wir ſelbſt muͤſten bey ruhiger Ueberlegung Gott bitten, uns dieſe Stunde zu verbergen, die uns und den unſrigen zum voraus weit ſchwerer zu er⸗ tragen ſeyn wuͤrde, als ſie es wirklich iſt, wenn ſie eintritt. Und was iſt Vorbereitung zur Ewigkeit? Iſt denn das etwa nur die Sache unſrer lezten Tage, und in einigen Augenblicken oder wohl gar auf dem Sterbebette bey den Leiden, der Schwaͤche, den Zerſtreuungen ſo leicht und ſo bald Gusssf iber. 38 Von der Ungewißheit Iſt nicht das ganze Leben Vorbereitung! fließt nicht jeder Tag und der Inhalt deſſelben hin in die Zukunft? Muß nicht jeder Zeitpunkt und was ich darin thue, einſt dem Herrn meines Lebens verrech⸗ net werden? Wenn ich auch zulezt noch in mich gehen, und noch Gottes Barmherzigkeit in meinem Erloͤſer ſuchen und finden kann, wird dann doch nicht immer meine kuͤnftige Seligkeit ſo viel gerin⸗ ger werden! Und wie ekoͤnnte ich eine ſo wichtige und erhebliche Sache auf die lezten ungewiſſen Ta⸗ ge, und in eine ſolche bedenkliche und mißliche Lage, als mein Krankenbette iſt, hinſchieben. Die wahre Weisheit, die wahre Tugend und Recht⸗ ſchaffenheit gehoͤrt fuͤrs ganze Leben, und ein autes und heiliges Leben, das wird denn auch meinen Tod erfreulich machen. Das iſt wahre Vorberei⸗ tung zur Ewigkeit. Und dazu iſt die Ungewißheit der Sterbeſtunde ein ſo vortreſliches Mittel. Jeder Tag, jede Nacht, jedes Alter, Geſundheit und Krankheit graͤnzen gleich nahe an die Ewigkeit. Ich trage beſtaͤndig den Saamen des Todes in mir, und ich muß daher jeden Augenblick bereit ſeyn, vor den Richter zu treten. Was kann mich ſtaͤr⸗ ker von jeden ſuͤndlichen Anſchlaͤgen, von jeder boͤ⸗ ſen That zuruͤckbringen, als wenn ich beſorgen muß: uͤber dieſen Entwuͤrfen oder uͤber dieſer Handlung ergreift mich der unwiderſtehliche Arm des Todes? Was kann mich mehr in meinem ſeiden ſtaͤrten, mich vor quaͤlenden Unruhen und Sorgen fuͤr die Zukunft bewahren, als der Gedanke: vielleicht iſt das Ende aller deiner Leiden nahe, und was fuͤrch⸗ teſt du fuͤr die Zukunft, die du vielleicht nicht er⸗ lebſt! Gott hat deine Tage und auch deine Leiden abgemeſſen. Wie maͤchtig muß mich das ermun⸗ tern, die Summe meiner guten Thaten eifrigſt zu per⸗ ung) fi en din ind und wasſ bens vent noch in m t in mein d dann de ſo viel gei e ſo wichen ggewiſſen à und mißlich hieben. Di und Recht d ein autes ich meinen Vorberei⸗ ngewißheit el. Jeder ddheit und Ewigkeite des in win, bereit ſey an wich ſii aon jeder h eſorgen wiſ der Handlan ndes Tode den ſtärte Begen fir ſ vielleict 3) was ſi zacht nich! ardeine 99 w das erm vn effigſt d eſec, aufanunſter Todesſtunde. 39 vermehren, weil die Stunde nicht mehr weit ent⸗ fernt ſeyn moͤchte, die mich aͤrndten laͤſſet, was ich hier geſaͤet habe? Der Menſch wuͤrde freylich manches unterlaſſen, und manches thun, wenn er ſein Ende ſo nahe wuͤßte, aber waͤre das auch gut? Vielleicht waͤre dann der Wayſe nicht, der fruͤh den Bater und Verſorger verliehrt, ehe er ihn noch kannte; aber braucht die goͤttliche Regierung nicht auch Wayſen in der Welt, um ſeine Vorſehung ſowohl zu verherrlichen, als den guten Menſchen Gelegenheit zu geben, in Werken der Liebe und Barmherzigkeit ihm aͤhnlich zu werden? Wie manches Werk wuͤrde unterbleiben, das eben jezt angefangen wurde, und nun da es angefangen war, von andern beſſer ausgefuͤhrt wurde, und einen ſehr erheblichen Einfluß in das Wohl der Welt hatte. Es lehrt uns die Ungewißheit unſerer Sterbe⸗ ſtunde die rechte Klugheit, ſie giebt uns vielen Nutzen, und es iſt der Weisheit und Guͤte Gottes zu gemaͤß⸗ uns die Zeit unſers Todes verborgen zu halten, als daß wir uns nicht auch daruͤber freuen und gerne an ſeiner Hand in einer gewiſſen Dunkelheit ſo weit hingehen ſollten, als er uns fuͤhren will; aber auch daraus die große Pflicht lernen ſollten, jede Stunde uns bereit zu halten, freudig und ruhig die Welt zu verlaſſen, und jeden Tag unſers Le⸗ bens ſo zuruͤck zu legen, daß wir an demſelben mit dem frohen Bewußtſeyn der goͤttlichen Gnade und des guten Gewiſſens unſre irdiſche Reiſe beſchließen koͤnnen.— 1 b ein Gott! ich weiß wohl, daß ich ſterbe; und bin ein Menſch, der bald vergeht, Und finde hier kein ſolches Erbe, Das ewig dauert und beſteht. Drum 40 Von der Ungewißheit unſrer Todesſtunde. Drum weiſe du mich kraͤftig an, Wie ich einſt ſelig ſterben kann. S Ich weiß die Zeit nicht, wann ich ſterbe; Kein kunfgger Augenhlick iſt meirn. Wie eine Blume welkt, wie eine Scheree—§) * e. e.— Adn Zerbricht, fallt dieſe Huͤtte ein. A Drum mache du mich ſtets bereit ug Zu einer ſel'gen Ewigkeit. 11ſ214 12 chen Mein Gott! ich weiß nicht, wie ich ſterbe, ſit Denn wie verſchieden iſt der Tod? Der ſchlummert ſanft dahin, und herbre rend Fſt eines andern Todes Noth. Bnn Gieb, wenn ich leide, nur dabey, Daß ich wohl zubereitet ſey. Ich weiß es nicht, wo ich einſt ſterbe, nia Und welcher Sand mein Grab bedeckt.. Doch wenn ich dieſes Heil ererbe, 1 Daß mich dein Ruf zum Leben weckt So ſenk man, wo du willſt, mich ein, jäd Die Erd' iſt allenthalben dein. A Nun, treuer Vater! wenn ich ſterbee, en So nimm du meinen Geiſt zu dir! v Und bab ich Jeſum nur bey mir; 3 So iſt mirs gnug und geht mirs wohl, Wann, wie, und wo ich ſterben ſoll. 24 —=hdhshͤhſ“ ſterbe, te di 4 9 8 FBEB—“ 41 Der große Nutzen der oͤftern Dodesbetrachtun⸗ gen in geſunden Tagen. en e Der Menſch iſt ſein eigner Feind, welcher ſeine Augen von ſeinem nothwendigen und unvermeidli⸗ chen, vielleicht ſo nahen Ende wegwendet. Was gewinnt er, wenn er ſich ein ununterbrochenes immer fortdaurendes Leben gegen alle Erfahrung und alles Gefuͤhl traͤumen wollte? oder mit einer ihn ſo enteh⸗ renden und unter der Wuͤrde eines vernuͤnftigen Gei⸗ ſtes, der doch ſo das kuͤnſtige mit dem gegenwaͤrtigen⸗ wie dieſes mit dem vergangenen zuſammenſetzen muß, ſo tief erniedrigenden Gedankenloſigkeit, oder ver⸗ nunftloſen Stupiditaͤt dahin leben wollte. Wuͤrde man dann weniger ſterben, den Tod von ſich weiter entfernen, oder auch nur wirklich zufriedener und gluͤcklicher leben koͤnnen; dann waͤre dieſes Wegſtoßen jeden Gedankens von Ewigkeit doch noch von einem Werth. Armer, betrozener Menſch! dein Ziel iſt dir geſeze, und du kannſt es nicht uͤberſchreiten, nicht einen Augenblick deinen Tod taͤuſchen. Das haſt du von deiner Unbeſonnenheit, daß er dich nun deſto unerwarteter ergreift, und du ſeine Schrecken fuͤhlſt⸗ ja weit gewaltiger fuͤhlſt, weil du ihn nicht ſehen wollteſt; und was das ſchlimmſte iſt, daß du nun ſo voöllig unbereitet dem groſen entſcheidenden Tag des goͤttlichen Gerichts entgegen gehſt. Dein verdorbe⸗ nes Herz, deine unordentliche Liebe des Irdiſchen, deine Luͤſte, deine Suͤnden machten dir den Gedan⸗ ken des Todes ſo laͤſtig, du floheſt ihn, und eben da⸗ mit eines der ſtaͤrkſten Mittel, welche die fuͤr dich wachende Liebe deines guten Gortes erwaͤhlte, dich zu beſſern, und dich zur wohlthaͤtigen und beſeligen⸗ 42 den 42 Daer groſe Nutzen der oͤftern Todes⸗ den Tugend oder zum wahren und ewigen Gluͤck zu⸗ ruͤckzubringen. Wie viele Tage und Jahre haſt du nun verlohren, die du einſt ſo ſehr und vielleicht ewig beſeufzen wit. Es iſt immer ein unausſprechlicher Gewinſt fuͤr die Menſchen, oft und mit ernſtvollem Nachdenken vor ſich hinzuſehen, und die foͤr jeden vernuͤnftigen Menſchen wichtige Frage anzuſtellen: was wird denn aus dir endlich werden, wohin wird dich deine Lebens⸗ art, deine Art zu denken und zu handeln fuhren, was wird das alles fuͤr einen Einfluß auf deine folgenden Tage, auf dein Alter, auf deine Leidenstage, auf deine letzte Stunde und ſelbſt auf die Ewigkeit ha⸗ ben? Wird auch wohl dieſe Heftigkeit, womit du deinen Wuͤnſchen und Vorſaͤtzen nackgehſt, dieſe auf⸗ wallende Freude, die du in dem Genuß deiner Sinn⸗ lichkeiten und in der Erreichung deiner ſo wenig ab⸗ gewogenen, nur von der Seite deiner Leidenſchaften gewuͤrdigten Abſichten genießeſt, von Dauer ſeyn? diegt nicht vielleicht eben darinn der Grund deiner quaͤlenden Vorwuͤrfe, deines Elendes und auch wohl ewigen Ungluͤcks, und wie viel koͤnnt⸗ſt du hier zum voraus und auch mit Gewißheit einſehen, wenn du wollteſt? Frage dein eignes Gefuͤhl und hoͤre nur auf daſſelbe, ſo wirſt du es bald erkennen, daß nur gut und recht handeln und Geſinnungen und Leben genau nach den Regeln der wahren Gottes und Menſchen⸗ liebe, des Rechts und der Wahrheit einrichten, gluͤck⸗ liche und ſeelenerhebende Folgen habe, und jede un⸗ bedachtſame, und noch mehr vorſezliche Abweichung von derſelben unſere Ruhe und allen Frieden des Her⸗ zens untergrabe, und uns gewiß zu ſeiner Zeit un⸗ gluͤcklich mache. 1 A Daͤchte der Menſch in dem Taumel ſeiner Zer⸗ ſtreuungen, ſeiner Leidenſchaften und ſeiner Geſchaͤfte uͤber odes⸗ den Glick ſahr daſn vieleiht m Gewinſt Nachden vernäͤnftig wird dem ine(ebens⸗ echren, was folgenden stage, auf wigkeit ha womit du dieſe auß aner Sinn⸗ wenig ab⸗ denſchaften auuer ſeyn? zund deiner auch wohl adu hier zum d wenn du nhöͤte nur aſ mdaß nur ge Leben gena 69 Menſcher ichten gi zund jede Abweitun den des he ner Zeit al ſeiner tet Gſt Betrachtungen in geſunden Tagen. 43 uͤber die nothwendigen Folgen derſelben nach, ſo wuͤrde dies ohnfehlbar dem Sturme und der Heftig⸗ keit ſeiner Begierden Einhalt thun, und ihn behut⸗ ſam, klug und gewiſſenhaft handeln lehren. Von wie vielen Berfuͤndigungen woͤrde es ihn zuruͤckhal⸗ ten? wie ſehr woͤrde es ſeine Begierden maͤßigen, und was fuͤr vortrefliche Aenderung wuͤrde es doch in ſei⸗ nen ganzen Grundſaͤtzen machen! Von eben dieſem Augenblick an, mit welchem er ſich gewoͤhnte, auf die Ewigkeit hinzuſehen, wuͤrde er auch anfangen, der gluͤckliche Menſch zu werden, und wenn er wirklich in einer unbewachten Stunde ſich haͤtte uͤbereilen laſſen, ſo wuͤrde ihn dieſer nun einmal gewoͤhnte Ge⸗ danke und das rege Gefuͤhl deſſelben bald wieder zu⸗ ruͤckfuͤhren, und er wuͤrde deſto angelegentlicher wie⸗ der gut machen, was er verdorben oder verſaͤumt hatte. Es keann nichts ſtaͤrker zum Nachdenken und zu einer aufrichtigen Beſſerung eines leichtſinnigen, bos⸗ haften, oder laſterhaften Gemuͤths wirken, als ein lebhaftes bis zur Empfindung gebrachtes Andenken des Todes. Bedenke das Ende, ſo wirſt du nimmer⸗ mehr uͤbels thun. Ein weiſer Ausſpruch, und eben ſo wahr. Wenn ein rachgieriges feindſeliges Herz bey ſeinen ſchwarzen Anſchlaͤgen auf ſeine lezten Stun⸗ den in dieſem Leben und die erſten in der Ewigkeit hinſehen wuͤrde, wie wuͤrde er vor ſeinen menſchen⸗ feindlichen Entwuͤrfen zuruͤckbeben? Wenn der Gei⸗ zige, der mit ſo vieler Aengſtlichkeit, mit Erſtickung aller Ehrliebe, alles Mitleidens, aller Menſchen⸗ liebe Guͤter der Erden zuſammen ſammlet, und mit ſeinem Herzen ſo feſt an ihnen haͤngt, daß er gegen Gott und ſeine heiligſten Geſetze kalt und gleichguͤl⸗ tig wird, an die Stunde denken moͤchte, die ihm ſein ganzes Gluͤck raubt, und anf die Ewigkeit hinſe⸗ 51 zen 44 Del hen moͤchte, wohin ihm keine irdiſche Guͤter folgen, und nur der weiſe und wohlthaͤtige Gebrauch derſelben auf Erden Ruhe und Gluͤck geben kann, wie ſehr wuͤrde er dies Laſter verabſcheuen lernen! Wenn der Groſe der Erde von ſeiner Hoͤhe auf den Staub ſehen wuͤrde, worinn er ſobald fallen muß, und hier ſeine voͤllige Gleichheit mit dem niedrigſien Menſchen wahr⸗ nehmen wuͤrde, wenn er es fuͤhlen wuͤrde, daß durch die ganze Ewigkeiten, welche auf dieſe dahin rauſchen⸗ den wenige Tage folgen, nur die Groͤſe, Hoheit und aller Glanz nach den wahren Vorzuͤgen des Geiſtes, nach dem Grad und dem Maaß wahrer Froͤmmigkeit und der Menge und Vortreflichkeit hier moͤglicher Tu⸗ genden werde beſtimmt und abgemeſſen werden; wenn er es empfinden wuͤrde, zu welchem Zweck ihn der Herr der Welten erhoͤhete, und was er hier fuͤt Ab⸗ ſichten Gottes ausfuͤhren ſollte, und wie ihn der All⸗ maͤchtige uͤber die Ausrichtung der groſen Auftraͤge einſt zur Rechenſchaft fordern werde: mit welchem ſanften, demuthsvollen Herzen wuͤrde er das Gluͤck, die Ruhe und das Wol ſeines Volks und auch des ge⸗ ringſten unter demſelben ſuchen, wie wachſam wuͤrde er fuͤr wahre Gerechtigkeit, fuͤr Verbannung aller Grauſamkeit, Unterdruͤckung der Unſchuld und der La⸗ ſter ſeyn, wie vaͤterlich wuͤrde er der Wittwen und Wagyſen Helfer werden: wie glaͤnzend dann ſeine Kro⸗ ne, wie edel ſein Purpur, wie zufrieden und gllͤck⸗ lich ſein Volk, und wie geſegnet einſt ſein Sterben werden? V „Wenn der Muͤßiggaͤnger, der Wolluͤſtige, der Verſchwender, und kurz jeder Laſterhafte an den dahin ſchwindenden Traum ſeines Lebens und an die ernſt⸗ hafte Stunde der Rechenſchaft denken wollte, mit welcher Gewalt wuͤrde das ſeine Seele ergreifen, ihn mit Abſcheu gegen jede Suͤnde erfuͤllen, und ihn auf⸗ merkſam nerk ſch zu d gebet fried hen. Jon Zub ten ſer ſer An thu Ehr An pr Hohelt und des Geiſtes, roͤmmigkeit glicher Tu⸗ den; wenn ck ihn der ner fuͤr Ab⸗ un der Al⸗ Auftraͤge at welchem was Glück, nuuch des ge⸗ ſam wuͤtde amung alle t und der(o vittwen um in ſeine Ko⸗ a und glch hin Sterhe lüſtige, d ain den dahn an die erih vollte, mi reifen, 1 und ihn u ntkor Betrachtungen in geſunden Tagen. 45 merkſam machen, noch jede Gelegenheit zu benutzen, ſich ſeines kuͤnftigen beſſern Zuſtandes nach dem Tode zu verſichern, die Summe ſeiner Seligkeiten in jenem Leben zu vermehren, und einſt mit entzuͤckender Zu⸗ friedenheit auf ſeine zuruͤckgelegte Laufbahn hinzuſe⸗ hen. Daher kommts, daß uns die wohlthaͤtige Reli⸗ gion Jeſu ſo oft, ſo nachdruͤcklich und ſtark auf die Zukunft hinweiſet, und dadurch den Suͤnder erſchuͤt⸗ tern und auf die guten Wege zuruͤckfuͤhren will: daß ſie uns ſo oft an die Erndte erinnert, welche auf un⸗ ſere hieſige Ausſaat folgen wird, an die Truͤbſal und Angſt, welche uͤber alle Seelen kommen, die Boͤſes thun, aber auch die Freuden und die Ruhe, Preis, Ehre und unvergaͤngliches Weſen fuͤr die, welche mit Ausharren im Fleiß der guten Werke nach dem ewi⸗ gen Lben trachten. Was ſorgſt du aͤngſtlich fuͤr dein Leben? Es Gott gelaſſen uͤbergeben, Iſt wahre Ruh und deine Pflicht. Du ſollſt es lieben, weislich nuͤtzen; Es dankbar als ein Gluͤck beſitzen; Verliehren, als verloͤhrſt dus nicht. Der Tod ſoll dich nicht traurig ſchrecken; Doch dich zur Weisheit zu erwecken, Soll er dir ſtets vor Augen ſeyn. Er ſoll den Wunſch zum Leben mindern Doch dich in deiner Pflicht nicht hindern, Vielmehr dir Kraft dazu verleihn. Ermatteſt du in deinen Pflichten: So laß den Tod dich unterrichten, Wie wenig deiner Tage ſind. Sprich: ſolt ich Gutes wohl verſchieben? Nein! meine Zeit, es auszuuͤben, Iſt kurz, und ſie verfliegt geſchwind. eul Der groſe Nutzen der oͤftern Todes⸗ Denk an den Tod, wenn boͤſe Triebe, Wenn Luſt der Welt und ihre Liebe, Dich reizen, und erſticke ſ ſe. Sprich: kann ich nicht noch heute ſterben? Und koͤnnt' ich auch die Welt erwerben, Begieng ich ein ſolch Uebel nie⸗ Denk an den Tod, wenn Ruhm und Ehren, Wenn deine Schätze ſich vermehren, Daß du ſie nicht zu heftig liebſt. Denk an die Eitelkeit der Erden, Daß, wenn ſie dir entriſſen werden, Du dann dich nicht zu ſehr betruͤbſt. Denk an den Tod bey frohen Tagen, 4 Kann deine Luſt ſein Bild ertragen, So iſt ſie gut und unſchuldvoll. d Sorich: dein Vergnuͤgen zu verſuͤßen: Welch Gluͤck werd ich erſt dort genießen, Wo ich unendlich leben ſoll? Denk an den Tod, wenn deinem Leben Das fehlt, wornach die Reichen ſtreben, Sprich: bin ich hier, um reich zu ſeyn? 1 Wol mir, wenn ich in Chriſto ſterbe! 1 Dann iſt ein unbeflecktes Erbe, 4 Dann iſt des Himmels Reichthum mein. Deenk an den Tod, wenn Leiden kommen, Sprich; alle Truͤbſal eines Frommen Iſt zeitlich, und im Glauben leicht. Ich leide; doch von allem Boͤſen 6 Wird mich der Tod bald, bald erloͤſen; Er iſts, der mir die Krone reicht. 1 Denk an den Tod, wenn freche Rotten Des Glaubens und der Tugend ſpotten, Und Laſter ſtolz ihr Haupt erhoͤhn. t Sprich bey dir ſelbſt: Gott traͤgt die Frechen⸗ Doch endlich kommt er, ſich zu raͤchen, Und ploͤzlich werden ſie vergehn./ h Denk mwin. in kommen, an 4 1 hi: 8 2 Rotten tten, n. Frechen: 4 Fen, Betrachtungen in geſunden Tagen. 47 Dcenk an den Tod zur Zeit der Schrecken, Wenn Pfeile Gottes in dir ſtecken; Du rufſt, und er antwortet nicht. Sprich: ſolte Gott mich ewig haſſen? Er wird mich ſterbend nicht verlaſſen: Dann zeigt er mir ſein Angeſicht. So ſuche dir in allen Faͤllen Den Tod oft lebhaft vorzuſtellen: So wirſt du ihn nicht zitternd ſcheun; So wird er dir ein Troſt in Klagen, Ein weiſer Freund in guten Tagen Ein Schild in der Verſuchung ſeyn. .—.—— 8.— A Die Vortheile, welche die oͤftern Betrachtungen der Ewigkeit den Frommen geben. — E⸗ iſt gewiß ein ſehr ungerechter und unbilliger Vor⸗ wurf, den einige Undankbare gegen das wolthaͤtige Licht des Evangeliums dem Chriſtenthum gemacht ha⸗ ben, daß es der tugendhaften und edlen Sorge fuͤr das Gluͤck der Welt eben dadurch ſchaͤdlich ſey, weil es uns ſo ſtark auf den Himmel und ein ewiges Leben weiſet. Dies gebe uns eine Abneigung und allzugroſe Kaltſinnigkeit und Gleichguͤltigkeit gegen unſere Pflich⸗ ten fuͤr die Welt, gegen die Geſchaͤfte des buͤrgerli⸗ chen Lebens und gegen die Sorge fuͤr unſer hieſiges Wol. Nein! eben dieſe Hinſicht auf die Zukunft vermehrt, ſtaͤrkt und veredelt die Triebfedern unſrer naͤzlichen Thaͤtigkeit fuͤr die Welt, und nimmt vol⸗ lends den Unmuth und Ueberdruß weg, welcher uns u derſelben untauglich macht, und den wir ſo leicht fuplen, wenn uns unſre Arbeit zu ſchwer wird, oder auch 48 Die Vortheile, welche die oͤftern Betr. auch nach unſter Meinung und nach dem erſten An⸗ ſehen vergeblich zu ſeyn ſcheint. Wenn ich weiß, daß meine anhaltenden, auch beſchwerlichen Bemuͤhungen, allenthalben und in jeder meiner Lagen Gutes zu wir⸗ ten, daß das, was ich fuͤr das Wol des Staats, der Kirche, meiner Mitbuͤrger, der Meinigen thue, was ich zum Flor nuͤtzlicher Kenntniſſe und Wiſſenſchaften, zur Sittenverbeſſerung, zur Befoͤrderung feiner Em⸗ pfindungen, zur beſſern Ausbildung der Jugend, zur Erleichterung und zum bequemern Leben des gemeinen Haufens, zur menſchlichen Behandlung der Unterge⸗ benen, zum edlen und feinen Menſchengefuͤhl der Gro⸗ ſen, zur gewiſſenhaften und uneigennuͤtzigen, nicht leidenſchaftlichen Behandlung der Gerechtigkeit, zur BVerbeſſerung der Geſetze und der Rechtspflege, zur Ausbreitung der wahren Religion, und ihrer begluͤk⸗ kenden und herrlichen Wirkungen nach meinem Amte, meinem Stande, in meiner Lage und Verhaͤltniß mit ſo unermuͤdetem Eifer unternehme, und ſo angelegent⸗ lich betreibe: wenn ich weiß, daß ich davon auch noch nach meinem Tode und durch ganze Ewigkei⸗ ten Freuden nnd Belohnungen einaͤrndten werde; wenn ich denken kann: du wirſt nicht allein ein Wolthaͤter der Welt werden, den noch die Nach⸗ welt ſegnen wird, ſondern dann, wann dein Nahme und Gedaͤchtniß verloſchen iſt, wird nie die Frucht deiner edlen und groſen Bemuhungen aufhoͤren, durch alle Ewigkeiten bleiben dir die herrlichen und koͤſtlichen Empfindungen und die unausſprechlichen Belohnungen deiner ruhmvollen Thaten; wird denn dies nicht unſern Eifer unterhalten, ſtaͤrken, ver⸗ mehren? iſt dies nicht mehr werth, als aller Nach⸗ klang groſer Heldenthaten und biendender Werke, die zwar auffallend genug aber ſo wenig wolthaͤtig waren, und wird nicht dieſer hohe Gedanke der Ewig⸗ 1. Jer. n Keſten on, ch Gwaiß, Baatunn Euia. gu 3 4 tzus ue, 1' iſeen ſchafta feiner Em ugend, zut s gemeinen der Uaterge⸗ ähl der Geo zen, nicht eki zur fege, zur rer begluͤk⸗ em Aunte, haͤltniß mit dangelegent⸗ ayavon auch 8 Ewigkei⸗ tten werde in allein ein 1 h we Nach⸗ a dein Naw) de die Fruch en aufhürm setrlichen u zusſprechlihn at; wird d r ſtaͤrken/ z aller M Aunder Wf a nig ral 2 Gau der Ewigkeit den Frommen geben. 49 Ewigkeit uns weit groͤſern und ſtaͤrkern Eifer geben? Wie ſehr verſuͤßt er die ſchlafloſen Naͤchte, in wel⸗ chen wir unſern ſchoͤnen Entwuͤrfen nachhiengen, die vielen Beſchwerlichkeiten und Hinderniſſe, die wir zu beſiegen hatten, die vielen Widerſpruͤche, die wir zu erdulden hatten, das viele Entgegenſtreben, das unſern Muth zum ſinken haͤtte bringen koͤnnen, und wobey wir ſtandhaft blieben, den vielen Verdruß, die Verfolgungen und den Undank, den wir end⸗ lich davon trugen? Was anders als die Religion Jeſu und der Hinblick auf jene Welt kan uns hier feſt und unerſchuͤttert erhalten? Es iſt ja nun einmal ſo in der Welt, und die Erfahrung lehrt es ja taͤglich, daß es immer ſchwe⸗ rer wird, dem Strohme der Unordnungen, einge⸗ riſſenen und einmal feſtgeſetzten Mis raͤuchen, ſchaͤd⸗ lichen und verderblichen Gewohnheiten entgegen zu ſtreben, und Wahrheit, Ordnung, Billigkeit, aͤchte Gerechtigkeit, und gute nuͤzliche Thaͤtigkeit auf den Thron zu ſetzen; als die alte Verwirrung zu unter⸗ halten, das herrſchende Uebel zu ſchuͤtzen ja ſelbſt Boͤſes zu befoͤrdern. Wie traurig iſt oft der vohn der edelſten und beſten Handlungen, der muͤhſamſten und beſchwerteſten Arbeiten fuͤr Menſchenwol? und wie oft wird der verdienſtvolle und redliche Mann, wenn er nun hofte, die ſchoͤnen Fruͤchte ſeiner Muͤ⸗ he und Arbeit und der ſteten Anſtrengung ſeiner Kraͤfte zu genießen, zu Boden getreten, in einen Winkel geworfen, das Opfer der Nichtswuͤrdigen, der Muͤßiggaͤnger, der Laſterhaften, die ihre Ehre, ihren Geiz, ihre Laſter und Untauglichkeit gekraͤnkt ſahen, und damtt faͤllt denn auch das ſo vortref⸗ liche Gebaͤude, an welchem der Redliche ſo lange gearbeitet hatte, uͤber den Haufen Was kan doch hey ſoichen nur allzuwahren Ausſichten, Entſchloſ⸗ D ſenheit f 50 Die Vortheile, welche die oͤftern Betr. ſenheit, feſten Muth, Standhaftigkeit, Geduld und Unverdroſſenheit geben, als die frohe Ueberzeugung: ich habe einen Zeugen und Waͤchter im Himmel, er bemerkt mich, er waͤget mich auf rechter Wage, und jene Ewigkeit wird mich ins rechte Licht ſtellen. Wenn auch hier meine Muͤhe und Arbeit nicht er⸗ kannt, nicht geſchaͤtzt, verlaͤſtert, und ich ſelbſt un⸗ ter die Fuͤße getreten werde, ſo wird mein Ende mir die erquickenden Empfindungen meines guten Lebens und meiner redlichen Abſichten, und die Ewigkeit die hinreichenden und vollen Belohnungen geben. Was iſt doch wahre Tugend, wenn nicht die Quelle jeder guten That, meine Liebe zum Guten ſelbſt und zu Gott iſt! Elende Tugend, die nur Stolz und Eigennutz erpreßt! Aber wo bliebe denn die unbemerkte Unſchuld und Reinigkeit des Her⸗ zens, wo das edle Gefuͤhl und der Sinn fuͤr Wahr⸗ heit und Guͤte, wo die im Stillen geuͤbte und deſto koͤſtlichere That, der Barmherzigkeit und des Wol⸗ thuns? Was haͤtte der ohne Geraͤuſch, aber auch im herrlichern Glanz vor Gott lebende Chriſt fuͤr Aufmunterung zur wahren Tugend, und was haͤtte er ſelbſt fuͤr Vortheile und Nutzen, wenn er nicht hin auf die Ewigteit blicken wuͤrde, wo er die Gar⸗ ben ſeiner reichen und guten Saaten binden wird? Jede gute That hat zwar ihre eignen Freuden, aber wie viel erfreulicher, reizender und glaͤnzender wird doch wahre Froͤmmigkeit und aller Eifer im Guten, wenn wir den erweiterten Strom ihrer Annehmlich⸗ keiten und Vergeltungen noch nach dieſen Lebensta⸗ gen dort in den Ewigkeiten erblicken? Fuͤr alles, V was gut und recht iſt in der Welt, iſt und bleibt die oͤftere Hinſicht auf die Ewigkeit Ermunterung, ia der beſte und ſuaͤrtſte Antrieb, er bildet die beſten Mnſ than, Relis Himt zuter laͤſſe gehe duu dnc Men⸗ neines gut n, und d. Velohnunge un nicht d zum Gutg nd, die nu i bliebe dem veit des Ha In fuͤr Wahr ate und deſto d des Woh⸗ t, aber aut the Chriſt f ntad was hit nwenn et nit zwo er die G) e binden wit i Freuden Glaͤnzender i ifer im Ghr er uns ieſen Leb *½ Füt 1 iſt und! ,4 Ernm „ bildet 9 der Ewigkeit den Frommen geben. 51 Menſchen, den beſten Fuͤrſten, den beſien Unter⸗ than, den beſten Diener, den beſten Hausvater. O Religion! wie wolthaͤtig biſt du, wenn du uns den Himmel aufſchließeſt, und uns dort die Kronen der guten und redlichen Sterblichen zum voraus erblicken laͤſſeſt. Hier iſt das Ziel, dem ich unaufhoͤrlich nach⸗ gehe, hier die ruhige und ſelige, nie geſtoͤrte Empfin⸗ dung von dem hohen Werth eines guten Bewußtſeyns, durchaus recht und gut gelebt zu haben. Ha ich bin dein Eigenthumum; Dein iſt auch mein eben! Mir zum Heil und dir zum Ruhm Haſt du mirs gegeben! 5 Vaͤterlich, Fuͤhrſt du mich Auf der Pruͤfung Wegen Meinem Heil entgegen. Einſt kommſt du mit groſer Kraft Zum Gericht auf Erden. Dann ſoll ich zur Rechenſchaft Dargeſtellet werden. Dein Gericht Schonet nicht, Richter aller Welten! Du, du willſt vergelten. Weh dann mir in Ewigkeit, Wenn ich deine Gabe Mieine Kraͤfte oft entweiht Und gemißbraucht habe! Weh dann mir, Hab' ich hier Meine Zeit verſchwendet, Uebel angewendet. Laß mir taͤglich dein Gericht, Gott! vor Augen ſchweben; Und Die Vortheile, welche die oftern Betr. Und mich eifrig meiner Pflicht Treu zu ſeyn, beſtreben! Daß ich nie 1 Thoͤricht ſie Auſſer Augen ſetze, E Nie mit Fleiß verletze. 12 5 Lehre mich gewiſſenhaft ihre Mieine Zeit verwenden, 1 Eingedenk der Rechenſchaft,. Jeden Tag vollenden! b doc Gieb, daß ich erfu Ernſtlich mich de Taͤglich und noch heute gen Darauf vorbereite. die Gieb, daß mir die Ewigkeit wo Stets vor Augen ſtehe, 3i „Damit ich die Gnadenzeit b n Laͤnger nicht verſchmähe: Eh' der Tod bot Mir noch droht, ſel Laß mich deinen Willen, ren Herr! getreu erfuͤllen. ſen Mein Gewiſſen ſtrafe mich, bel Gleich fuͤr jede Sunde, wü Daß ich, Mittler! bald durch dich I Gnade ſuch und finde! ki Rufe du ä Dann mir zu: b ld Alles iſt vergeben; ibe Suͤnder, du ſolſt leben! der Dann werd ich auch im Gericht, 4 Herr, vor dir beſtehe,“ Und vor deinem Angeſicht wo Freud und Wonne ſehen. e Ewig dein den Werd' ich ſeyn, Ech Und mich, dich zu lieben, ſi Ewig, ewig uben. 6 3 —õõõõõ ——. 4 1 ———.—— 1 n dich rericht, „ der Ewigkeit den Frommen geben. 53 * — e Jortſetzung. E⸗ hat dieſes Leben ſo mancherley Beſchwerden, und oft werden ſie ſo druͤckend und hart, daß wir unter ihrer Laſt erliegen wuͤrden, wenn es uns an maͤch⸗ tigen und ſtarken Troſtgruͤnden fehlte, und hier iſt doch kein ſichrer Grund der Beruhigung, als die erfreuliche Hofnung eines beſſern Lebens. So lange die guten Tage dauren, man einer feſten Geſundheit genießt; im Wolſtande und Gluͤcke lebt; fuͤhlt man dies wenig oder nicht: aber es kommt doch die Zeit, wo man es fuͤhlen muß, und alle keichtſinnigkeit und Fuͤhlloſigkeit uns gegen die Haͤrte unſerer Schickſale nicht ſchuͤtzen kann. Der groͤſte und erhabenſte Menſch, welcher hier auf der erſten Stuffe menſchlicher Gluͤck⸗ ſeligkeiten ſteht, muß es dennoch zu ſeiner Zeit erfah⸗ ren, daß er nichts anders, als ein ſchwacher Menſch ſey, und daß er in einer Welt lebe, worinn alles un⸗ beſtaͤndig, alles dem Wechſel unterworfen iſt, und worin wir auf ſo mancherley Art zu leiden haben. Jener Koͤnig Salomo erzaͤhlt uns alle ſeine Herrlich⸗ keiten, und nun ſeufzt er: es iſt alles eitel! Das koͤſt⸗ lichſte Leben iſt Muͤhe und Arbeit. Wir freuen uns uͤber ein Gut, aber bald entreißt es uns die Zeit und der Unbeſtand der Dinge. Wir genießen der Geſund⸗ heit, und in einem Augenblicke ſind wir unter den hef⸗ tigſten Schmerzen und unſaͤglichen Leiden dahin ge⸗ worfen. Selbſt das, was wir ſo eifrig und angele⸗ gentlich betrieben, und worin wir unſre groͤſte Zufrie⸗ denheit zu fuͤhlen glaubten, wird eine Quelle des Eckels und des Verdrußes. Unſere Freunde, die Un⸗ ſrigen werden uns weggeriſſen, da ſtoͤrt ein Feind und Verraͤther unſere Ruhe, und wenn wir Jahre D 3 b hin⸗ 6 za Die Vortheile, welche die oͤftern Betr. hindurch froh und heiter durchgelebt, ſo verbittert oft ein Tag, und noch mehr eine kleine Zeit von Tagen alle unſere vorigen Freuden. Weniger fuͤhlen wir das Gluͤck von laͤngerer Dauer, als den Schmerz ei⸗ niger Augenblicke. Der gute und redliche Freund Got⸗ tes, der mit reinem Gewiſſen ſeinen Weg durch die Welt geht, hat nicht weniger ſeine Leidensſtunden, als der Laſterhafte, ja oft iſt ſein Schickſal weit haͤrter als das Schickſal des Laſterhaften, welcher nicht ſelten heiter und froͤlich ſeinen Weg vollendet. Was giebt uns hier doch eine feſte und ſichere Beruhigung? Neh⸗ met alles von Troſtgruͤnden zuſammen, was nur die Vernunft uns davon geben kann, wie unzureichend iſt das? Es ſey darin auch manches gut, ſo iſt es doch nicht genug, in dem groͤſern und heftigern Sturm der Leiden uns aufrecht zu erhatten. Die wolthaͤtige Lehre des Erloͤſers aber oͤfnet uns die reichſten Quel⸗ len der Geduld, Gelaſſenheit, Beruhigung und Zu⸗ friedenheit. Die Ueberzeugung von der Wolmeinung und Guͤte Gottes, von der weiſen, maͤchtigen und treuen Vorſehung, welche uͤber die Angelegenheiten und Schickſale der Menſchen ſo unermuͤdet waltet, Und beſonders ein ſehr wachſames Auge uͤber diejeni⸗ gen hat, welche ein gutes Gewiſſen zu bewahren und in der Nachfolge ihres groſen Muſters, des Erloͤſers, ihre Laufbahn zu vollenden ſuchen; die untruͤgliche Wahrheit, daß wahre Gottesfurcht und redliche Ue⸗ bung ungeheuchelter Tugend unmoͤglich ungluͤcklich, ja nothwendig gluͤcklich machen muͤſſe, und das die guten und treuen Befolgungen der goͤttlichen Geſetze, die doch alle fuͤr unſer Wol gegeben ſind, ſowol wegen ihrer Heil⸗ ſamkeit als wegen der herrlichen und groſen Verheiſungen Gottes ihre unſehlbaren erquickenden Belohnungen ha⸗ ben muͤſſen; ſind uns freylich Buͤrge genug, daß jedes Lei⸗ den uns gut und nuͤtzlich, und ohn fehlbar ein Mittel zu unſerm N an et. ddattin Jent don T ger fuͤ 1 dleng en Schmen⸗ e Fteund „Weg dunt eidensſtund kſal weit z der nicht ſi Was higung? N. was nur unzureichn zut, ſo ſſte igern Stun iie wolthaͤt ichſten Qul ung und Zu Volmeinung raͤchgen und mgelegenheitn nnudet waltt ¹ uder dieſe bewahren u 9, des Erlſ Die untrüht und redliche! zungluͤclich rd das dieg zyeſetze, d Oegen jhrer j en Vetziß felohnung 2ig,daßjid kar ein Mi 4 4 der Ewigkeit den Frommen geben. 55 unſerm Gluͤcke ſeyn muͤſſe: aber worin beſteht dieſer Vor⸗ theil? wo wird die Treue und die Standhaftigkeit mei⸗ ner Froͤmmigkeit und unter ſo manchen Pruͤfungen geuͤbten Tugend endlich die gewuͤnſchte Belohnung ge⸗ wiß und voͤllig erhalten? Wo wird es ſich endlich voͤl⸗ lig aufklaͤren, daß die Leiden gut, die Beſchwerden und Bedraͤngniſſe vortheilhaft ſind, wenn ich den Ge⸗ danken und die Hofnung zur Ewigkeit wegnehme? Ohne ein kuͤnftiges Leben, ohne Vergeltung nach dem Tode, ohne Beſtrafung und Belohnung des Guten und Boͤſen in einer andern Welt, kann ich ohnmoͤglich eine weiſe, guͤtige und heilige Regierung Gottes erkennen: und wo ſoll denn der Nutzen meiner Leiden, der Vor⸗ theil meiner Geduld, meiner Gottergebenheit, meines Vertrauens einmal eintreten, wenn es keine Ewigkeit giebt? Alle wahre Troſtgruͤnde erhalten nur erſt ihr Gewicht von der Ewigkeit, aber auch die gewiſſe le⸗ bendige Hofnung eines kuͤnftigen, beſſern und ewigen Lebens ſtaͤrkt, erhaͤlt und beruhigt mich in allen Arten der Leiden, und auch in den heftigſten Stuͤrmen der Bedraͤngniſſe und des menſchlichen Elendes. Hier ſehe ich endlich das Ende aller meiner Thraͤnen, aller Sor⸗ gen, aller Unruhen: hier zu meinem Grabe, und dort zu jener heiligen Staͤtte reicht die Feindſchaft, der Haß und die Verfolgung des feinſten Boͤſewichts und des maͤchtigſten Tyrannen nicht. Ewige Stille, groſe und ewige Ruhe und Sicherheit ſieht mein Geiſt hier im voraus in der Naͤhe! So erquickend iſt kein Schlaf fuͤr den muͤden Wanderer, oder den beſchwerten Ar⸗ beiter, der des Tages Laſt und Hitze trug; ſo froh ath⸗ met kein Menſch nach ſchrecklichen und fuͤrchterlichen Stuͤrmen der Natur, nach toͤdtlichen und angſtvollen Erſchuͤtterungen der Erde, nach gewaltigen und zer⸗ ſchmetternden Blitzen und ſchwarzen Donnerwolken, die freye und reine Luft des ſtillen und heitern him⸗ mels 56 Die Vortheile, welche die oͤftern Betr. mels, als der Chriſt am Tage ſeiner ſeligen und groſen Ruhe, wohin ihn ſeine Sterbeſtunde fuͤhrt. Doch wie wenig waͤre dies, wenn es blos Ende der Leiden waͤre! Nein! dort entwickelt ſich endlich der weiſe und gute Rath der waltenden vaͤterlichen Vorſehung. Dort ſehe ich, was ich hier nur unvollkommen und ſtuͤckweiſe ſehen konnte, voͤlliger und zur freudigen Erhebung meines Herzens, zum frohen Lobe des Unendlichen ein, wie gut und nuͤzlich mir hier die wenigen Tage meiner Leiden waren, in welchen mich gleichwol ſeine allmaͤchtige Guͤte ſtaͤrkte: von wie vielem Boͤſen ſie mich abzogen und bewahrten, und wie oft ſie mich am Rande meines Verderbens und ewigen Gluͤcks eet⸗ teten; wie viel Weisheit, Klugheit und Vorſichtig⸗ keit, wie viel Liebe zur Lehre Jeſu, dieſer reichen Quelle des Troſtes, wie viel und ernſtliches Gebet, wie feſtes Vertrauen, welchen himmliſchen Sinn ſie mich lehrten; wie viel Gelegenheit ſie mir gaben, mei⸗ ne Geduld und meinen Glauben, meine Liebe und mein Mitleiden gegen meine Bruͤder zu beweiſen, und meine Lebenszeit zu einer weit beſſern Vorbereitungs⸗ zeit zur ſeligen Ewigkeit zu machen, mich meiner Be⸗ ſtimmung naͤher zu fuͤhren, und Sehnſucht und Hof⸗ nung der kuͤnftigen Wett in mir zu ſiaͤrken; ja ſeine Guͤte will ſelbſt meine Leiden verguͤten, und meine geuͤbte Treue und Geduld belohnen. Wie ſtark rich⸗ tet mich das, wenn die Laſt mich in den Staub beugt⸗ auf, wie unerſchuͤttert und feſte wird mein Geiſt, und wie ſuͤß mein Tod, wenn ich meine Augen dort hin richte, wo ich meine Vollendung erhalten werde! Wie leicht ſind uns dann die Truͤbſale der Zeit, und was ſind ſie werth gegen die groſe Herrlichkeit, die an uns ſoll offenbar werden! So fordert es die Gerechtigkeit Gottes, denen Truͤbſal zu vergelten, die uns Truͤbſale anlegten, uns aber, die wir Truͤbſale leiden, Ruhe mit hder diſen tſehung. d und fütn gen Ertenn s Unendl wenigen 1 leichwol ſen m Boͤſen ſ nufr ſie m Gl Gluͤcks 1 Bhn ieſer reichen 1 ches Gebet, ten Sina ſe aben, men Liebe und aeiſen, und abeteitungs a meiner Be att und Hiſ ſienz ja ſei 1, und wen Die ſtark iih „Staub beu un Geiſt, u gen dett e werde! U it, und w 3, die ahw 4 Gerecit 5 uns 1i 1leden, der Ewigkeit den Frommen geben. 57 mit uns, wenn nun der Herr Jeſus wird offenbar wer⸗ den vom Himmel ſamt den Engeln, die ihn verherr⸗ lichen. Und ich ſollte mir dieſen beſten Troſt entziehen, und nicht auf die Ewigkeit in meinen auch geſunden Tagen hinſehen? nicht auch in den frohen Stunden meines Lebens mich mit den Quellen meiner Zufriedenheit zum voraus bekannt machen, um mich dann, wenn mein Himmel verfinſtert wird, ihrer erfreuen, und damit aufrichten zu kͤnnen J. ſtiller Nacht wein ich oft denr Hinauf zu deiner Hoͤhe Mein ſchwaches Herz wird freudenl eer, Wenn ich den Morgen ſehe. Ein Blick zum Himmel troͤſtet mich Und meine Thraͤnen ſtillen ſich Einſt ganz in jenem Leben. Wenn mich der Zukunft Schich ſchreckt, Die Noth der fernen Tage, Wenn ſie in mir die Sorg' erweekt Ob ich ſie auch ertrage, So mildert mir die Ewigkeit Das kurze Elend dieſer Zeit, Daß nicht mein Herz verzage. Wenn einſt, der jetzt von ferne draͤut, Der Tod mir naͤher winket, Wenn nach der Arbeit dieſer Zeit Mein Haupt zum Schlummer ſinket: So ſterb ich froh; die Ewigkeit Zeigt mir des Himmels Herrlichkeit, Die alles uͤberſteiget. Herr! dieſen Troſt, der mich eſtee⸗ Vermehr in meinem Herzen, Mich ſtaͤrke jene Ewigkeit Bey 58 Was Vorbereitung und Anſchickung Bey meiner Wallfahrt Schmerzen; Siee ſey in meinem Tod mein Hel Und einſt mein laͤngſt gewuͤnſchtes Theil Wenn ich vom Tod erwache. *— Was Vorbereitung und Anſchickung zur Ewigkeit ſeh W as iſt Vorbereitung und Hinſicht zur Ewigkeit? Dies iſt doch wol einer genauen und ſorgfaͤltigen Un⸗ terſuchung werth. Waͤre ſie nichts weiter als eine Betrachtung meiner Nichtigkeit, meines Todes, mei⸗ ner Verweſung und eines noch folgenden Lebens, und ſetzte ich dieſe hohen und groſen Gedanken in keine Verbindung mit den Geſchaͤften und Pflichten dieſes Lebens, ſo waͤre es eine vernunftloſe und ſchaͤdliche Stupiditaͤt. Wolte ich mich von der Welt entfer⸗ nen, und in einem eingebildeten Schein von heiliger Einſamkeit und Verleugnung mich dem Mußiggange uͤbergeben, und fruͤher fuͤr die Welt ſterben, als mich die guͤtige und weiſe Vorſehung von der Welt abruft; ſo waͤre dieſe Unthaͤtigkeit geradezu das Mittel, mei⸗ nen Tod und meine Ewigkeit mir bitter und finſter zu machen. Nein, ſo lehrt mich der weiſeſte und be⸗ ſte Lehrer, mein Erloͤſer, nicht. Er zeigt uns jene Seligkeiten immer als eine geſegnete Folge und Frucht unſrer frommen Geſchaͤftigkeit und Thaͤtigkeit, und wenn er von dem kuͤnftigen Gericht, und der gaͤnzli⸗ chen Entſcheidung unſers ewigen Gluͤcks oder Ungluͤcks redet: ſo erklaͤrt er uns ſo deutlich und eindringend, daß es dabey auf unſer gutes oder boͤſes Betragen . b ankom⸗ ankot tahte Lebe Gott geie gel wet N. ſo! Ei 8c ickung zu zur Ewigtii egfaͤltigen Ue veeiter als eih Todes, ma ebens, und een in keine ichten dieſes an ſchaͤdüche Dalt entfer an von heilie 4 Miſßiggan aben, als mit Welt abryff Mittel, w ter und fitt rweiſeſte und zeigt uls iige und de datigken, und der oi oder Ui ad einde dyöͤſes W zur Ewigkeit ſey. 7 ankommen werde. Sammleten wir uns Schaͤtze der wahren Tugend, waren wir fruchtbar in Werken der Jiebe, hatte uns die goͤttliche Lehre Jeſu zur Liebe Gottes und dieſe zur wahren Liebe des Naͤchſten hin⸗ gezogen; ſind wir durch ſie mitleidige und willige Pfle⸗ ger, Ernaͤhrer, Beſchuͤtzer, Retter, Troͤſter der Wirt⸗ wen, der Wayſen, der Hungrigen und Duͤrftigen, der Nackenden, der Kranken und Verlaſſenen geworden: ſo werden wir auch geſegnete Erben ſeines Reichs. Erfuͤllen wir die Abſichten unſers Gottes in dieſem Leben, und richten wir ſein Werk, wozu er uns beſtimmt hatte, nach dem Beyſpiele Jeſu aus, wir⸗ ken wir in unſerm Stande, unſerm Berufe, und außer demſelben ſo viel als wir konnten, und als unſre Kraͤfte, Talente und die Gelegenheit, die wir hatten, moͤglich machten, zum gemeinen Wohl: ſo erwartet uns auch die Herrlichkeit der beſſern Welt. Und ſo redet er auch durch ſeine Apoſtel, durch welche er uns die Wege zum Himmel har vorzeichnen laſſen. Hier iſt unſer Thun und Laſſen nichts anders als eine Ausſaat, und ſo wie dieſe iſt, ſo iſt dort unſre Aerndte. Ein gutes Leben fuͤhrt zu einer freudigen Ewigkeit; Mangel guter Thaten und Geſinnungen, iſt Mangel, Armuth und Ausſchlieſung von Seligkeit, und Laſter und Boͤſes giebt dort das gewiſſe Ungluͤck und die un⸗ fehlbare Frucht des Verderbens. Truͤbſal kommt uͤber alle Seelen, die Boͤſes thun. Wer aber reich in guten und frommen Thaten wird, legt ſich hier einen gewiſſen und ſichern Grund des ewigen Lebens. b Jede Beſchaͤftigung meines Geiſtes, und jede Neigung iſt wie jede That ein Saame, den ich zur Ewigkeit ausſtreue. Alles hat in der Verbindung der Dinge Folgen fuͤr mich und fuͤr die Welt. Dieſe Gedan⸗ 60 Was Vorbereitung und Anſchickung Gedanken und Neigungen, die ich hege, denen ich nachgehe, und die ich unterhalte, geben meiner Seele eine gute oder boͤſe Ausbildung, und werden Geſin⸗ nungen, die mir heilſame oder ſchaͤdliche Empfin⸗ dungen, feſtere gute oder boͤſe Neigungen, mehr oder weniger gute Tuͤchtigkeit geben, und in meine Hand⸗ lungen einen unmittelbaren und ſtarken Einfluß ha⸗ ben. Die Art und Weiſe und auch der Ernſt, wo⸗ mit ich mich zu meinem Berufe in der Welt immer vollkommner mache, oder untauglicher werde; die Art, wie ich ihn ausfuͤhre, haben fuͤr mich und die Welt ihre gewiſſen Folgen, und dieſe flieſen bis zur Ewigkeit hin. Aber das alles iſt zugleich Sache der Religion und Sache Gottes. Gott bemerkt meine Geſchaͤfte des Geiſtes und mein ganzes aͤuſſeres Leben mit Wohlgefallen oder Mißfallen, und er will mich deshalb richten. Mit meinem Tode, und dem Ein⸗ gang in die Ewigkeit geht die eigentliche Zeit der gro⸗ ſen Vergeltung an. Ein jeglicher wird dann empfan⸗ gen nach dem er hier in ſeinem irdiſchen Leben gehan⸗ delt hat, es ſey gut oder boͤſe. Hier wird die Summe meines ganzen Lebens gezogen; und der Heilige, der Untruͤgliche, der Gerechte, der keine Perſon an⸗ ſieht, vor dem es keine Groſe, keine Gewaltige und keine Beherrſcher mehr giebt, vor welchem jeder Menſch nur Menſch, nur Staub iſt, wird unſere Thaten waͤgen, und das entſcheidende groſe Urtheil groͤſte Gerechtigkeit erblicken. Selbſt der Verwor⸗ fene wird den Richter rein und heilig preiſen muͤſſen, wenn er gerichtet wird. Herr! du biſt gerecht, und deine Gerichte ſind gerecht, muß ſelbſt der Ver⸗ dammte bekennen. Wenn wir uns hier nicht Zeit ließen, an unſer Leben zu denken, und noch weniger Geſetz unſrer Werke faͤllen. Und ich ſelbſt werde darin die es nach der Wahrheit und dem Rechte, nach dem Gen, mehre meine he in Einſuß 4 Ernſt, n Welt in ir werde; mich und! dlieſen bis i ich Sache i ewerkt man auſſeres Lebe mer will mih and dem Ein⸗ Heit der gro⸗ dnnempfan⸗ zeben gehaw⸗ die Suwwe nder Heilig e Perſon aw „ewaltige u Lvelchem ſa ¹ wird unſe groſe Unhe Herde darin n der Ven greiſen wiſ 1i gerecht, öſt der d miier nicht, a) noch w dte, nnt⸗ zur Ewigkeit ſſ. 6 Geſetz des Heiligſten zu unterſuchen; wenn wir uns unſere Grundſaͤtze, nach welchen wir handelten, den Werth und Unwerth unſrer Abſichten und Werke aus dem Sinne ſchlugen, uns durch unſre Leichtſin⸗ nigkeit, durch die Heftigkeit unſrer Begierden, und durch den hinreiſſenden Strohm uuſrer ſuͤndlichen Thaͤtigkeit taͤuſchten, und uns ſelbſt vergaßen: ſo kommt dort der ruhige Augenblick des Zuruͤckdenkens, das Gedaͤchtniß legt uns die gegangenen Wege vor Augen, es erhaͤlt ſeine ganze Staͤrke und Lebhaftigkeit wieder, unſer Gewiſſen tritt in ſeine ganzen Rechte wieder ein, und ſpricht nun laut und ſtark, es ver⸗ urtheilt oder beruhigt den Menſchen: und ſo haben wir unſern Richter ſchon in uns ſelbſt, den wir dort hoͤren werden und hoͤren muͤſſen, wenn wir ihn hier nicht hoͤren wollten. Eijn frommes, gutes und heiliges Leben das iſt alſo wahre und eigentliche Borbereitung zur Ewig⸗ keit. Je aufricht er und redlicher meine Gottſelig⸗ keit hier war, je mehr ich mein ganzes Leben ſo ein⸗ richtete, daß ich ſtets hin auf die Zukunft ſahe, und durch dieſen Hinblick Muth und Kraͤfte ſammlete, Be⸗ ſchwerden und Muͤhe getroſt ertrug, Eifer und Ernſt bewieß, immer reicher in guten Thaten zu werden, deſto mehr bin ich auf mein kuͤnftiges ewiges Gluͤck vorbereitet. Ein weiſes und gutes Leben giebt mir ja ſchon hier ſo viele frohe Stunden, ſo reine koͤſtli⸗ che Empfindungen, und jede fromme, edle, gute That belohnt mich mit dem frohen Bewußtſeyn des goͤttlichen Wohlgefallens, auch ſchon gleich in der That, und hinter her noch ſtets in dem Andenken derſelben, und es iſt nicht moͤglich, daß ſie mich je⸗ mals am wenigſten in der Stunde des Todes und vor dem Richter gereuen werde. Nein! dort wird ſie mir erſt die erhabenſten Freuden geben, wenn ich vor b dem 62 Was Vorbereitung und Auſchickung dem hintreten werde, der mein vollkommenſter Zeuge iſt, und dem mein ganzes Herz und alle meine Wuͤn⸗ ſche, Kraͤfte und Leben geheiligt waren. Froͤmmigkeit, Unſchuld und Ernſt der Gottſe⸗ ligkeit, iſt an ſich wahre Vollkommenheit. Gort iſt der ſeligſte in dem Bewußtſeyn ſeiner unendli⸗ chen Vollkommenheit, und ich werde es in der Maße ſeyn, als ich ihm in Heiligkeit und Rechtſchaffenheit aͤhnlich werde. Was iſt Tugend, Heiligkeit und Un⸗ ſtraͤflichkeit doch anders, als ein Leben zum Gluͤck und zur wahren ewigen Zufriedenheit? So war auch das Leben meines Erloͤſers: Er lebte ganz fuͤr die Ewigkeit: Leben, Leiden, Tod war alles Wirken fuͤr den Himmel: Gutes zu thun, Gu⸗ tes zu wirken, war die einzige Regel und die ganze Summe ſeines Lebens: als Wohlthaͤter, als Stif⸗ ter und Befoͤrderer des ewigen Gluͤcks der Menſchen, ſtarb er. So wie er erhoͤhet wurde zum Himmel nach einem ſo vortreflichen Wandel, ſo wollte er auch uns dahin fuͤhren. Er war und iſt unſer Mu⸗ ſter und Wegweiſer in ſeiner Lehre und in ſeinem Beyſpiel; und der ganze Auftrag an ſeine Boten war, Menſchen fuͤr den Himmel zu bilden. Und wenn mein Leben Hingang zur Ewigkeit iſt, und ich dort meine eigentliche Beſtimmung, meinen ewigen Aufenthalt finden werde, ſo muß ich doch hier auch die Sitten des Himmels und der Seligen ler⸗ nen, und dort bey Gott iſt doch vollkommene Heilig⸗ keit! mich in dem himmliſchen Sinne, in den himm⸗ liſchen Werten und Geſchaͤften uͤben: hier es lernen⸗ dort ſelig zu ſeyn. Und wann ſoll ich dies lernen, wann mich auf die Ewigkeit vorbereiten! Iſt wohl ein Tag meines Lebens nicht der Tag der Vorberei⸗ tung? Iſt nicht gerade die Zeit meiner Geſundheit, worin ich wirken kann, dieſe eigentliche Zeit? Dies hickung umenſter 9 eweine W — on. Erlöſets: en, Tod w du thun, Go and die gan de, als Siſ r Menſchen um Himmel do wollte er unſer Moo 9 in ſeinem Poten wa⸗ . Swigteit ſſ mung, meing n ich doch hi Seligen! Aumene Hei prin den hine⸗ hier es lenn dies lenn an! Jün dder Pout wer Geſun a)he Zat! zur Ewigkeit ſey. 63 ſey denn mein groſes Geſchaͤfte in dieſem Leben, im⸗ mer voͤlliger die Suͤnde abzulegen, immer mehr das wegzuſchaffen, was boͤſe und unrecht iſt, immer mehr gegen jede boͤſe Gewohnheit, gegen jede Unordnung und Taͤuſchung meines Herzens auf meiner Hut zu ſeyn und zu kaͤmpfen, immer reiner in meinen Ge⸗ ſinnungen, immer uͤbereinſtimmiger mit dem Geſetze meines Gottes und ihm ſelbſt immer aͤhnlicher zu wer⸗ den, immer mehr Schaͤtze der Weisheit, der guten frommen Werke und der wahren Gottſeligkeit zu ſamm⸗ len, und ſtets auf meinen Tod und die Ewigkeit hin⸗ zuſehen, daß ich daß koͤſtliche Zeugniß in mir erhalte; ich lebe ſo, wie ich dort wuͤnſchen werde, gelebt zu haben; dieſer Tag, dieſe Handlung, und dieſe Ge⸗ ſinnung wird mich nie gereuen, ich werde mich derſel⸗ ben nie ſchaͤmen, ja meine Freude und Ruhe wird durch das Andenken derſelben einſt vollkommner werden. O welch ein unſchaͤzbares Gut Iſt, Herr! ein gut Gewiſſen! Wer dieſes hat der hat auch Muth, Wenn andre zagen muͤſſen; Sein ruhig Herz erzittert nicht, Nicht vor dem Tod, nicht vorm Gericht; Denn mit dir hat er Friede. Sein Geiſt ſieht mit Zufriedenheit, Der kuͤnft'gen Welt entgegen; Die giebt ihm Muth und Freudigkeit Auf allen ſeinen Wegen. Denn dort macht ſelbſt, o Herr! dein Mund Den wahren Werth der Menſchen kund Da wird der Fromme ſiegen. So 64 Wie ein weiſer Menſch ſein ganzes So hilf denn, daß ich, mir zum Heil, Ein unverlezt Gewiſſen, Des Lebens allerbeſtes Theil Zu haben ſey befliſſeu. Mit dir Gott ausgeſoͤhnt zu ſeyn, Dein heiligs Recht nicht zu entweihn, Sey ſtets mein groͤſtet Eifer. ‿ Wie ein weiſer Menſch ſein ganzes Leben fuͤr Unſchuld und Reinigkeit des Herzens und un⸗ geheuchelte Froͤmmigkeit in Ruͤckſicht auf die Ewigkeit anzuwenden habe. Nar dann werde ich ruhig meiner lezten Stunde ent⸗ gegen ſehen, wenn ich mit den frohen Empfindun⸗ gen eines guten Gewiſſens auf meine verlebten Tage zuruͤckblicken kann. Je mehr ich dies kann, deſto unerſchrockner gehe ich meiner Zuunft entgegen. Dies iſt denn auch das rechte Mittel einer wuͤrdigen und guten Vorbereitung, wenn ich mich immermehr vor jeder Suͤnde bewahre, und auch von jeder Schwach⸗ heit, die mir noch anklebt, reinige. Laſter ſchließen mich von jener Staͤtte des Heiligthums aus, aber auch die Fehltritte, welche ich noch in meiner beſſern Geſinnung an mir wahrnehme, ſtoͤren meine Freu⸗ digkeit und mindern die Summe meiner kuͤnftigen Seligkeit. Sie ſind doch immer, ſo gering ſie auch ſeyn moͤgen, Suͤnde, immer Zeichen meiner Unvoll⸗ kommenheit und Krankheit meiner Seele, und wie leicht werden ſie die Vorboten meines Falles, wenn ich 's Leben zens und u ſicht auf Stunde ent⸗ empfindun⸗ nlebten Tage dkann, deſe agegen. Die wüͤtdigen umd mermehr w der Schbet iſter ſchlit ens aus/ Re aneiner biſſn 3 meine gi aner künfu erring ſte an reiner Un für Unſchuld und Reinigkeiti. 65 ich nicht ſorgfaͤltig genug bin, ſie zu bewachen. Wenn ich hinter her finde, wie manches Gute ich doch noch haͤtte thun koͤnnen, das ich nicht that: wie manches ſchaͤdliche und ſuͤndhafte ich haͤtte unterlaſſen koͤnnen, und doch nicht vermied; wenn ich die Quel⸗ len meiner Traͤgheit oder meiner Uebereilung auf⸗ ſpuͤre, und mich dabey ſelbſt anzuklagen ſinde; wenn ich bey meiner Tugend und meinen ſonſt guten und loͤblichen Thaten ſo manche ſtrafbare Quelle, ſo man⸗ che unlautere Abſicht entdecke; wenn ich es nicht ſo voͤllig, nicht ſo ganz that, was ich thun ſollte, niche ſo eifrig, nicht ſo voll von Gottes und Menſchenliebe uͤbte, als ich ſollte; wie unvollkommen, ſchwach und tadelhaft iſt dennoch immer meine Gottſeligkeit, wie unzufrieden wird mein Herz bey einer genauen Un⸗ terſuchung meiner ſelbſt, hier und auch noch dort werden. Zur wahren und vollkommnen Vorbereitung zu jenem Glluͤcke der kuͤnftigen Welt gehoͤrt es daher ſo nothwendig, die kleinſten Fehltritte ſorgfaͤltig zu bemerken, die kleinſten Suͤnden zu meiden, und immer reiner und unſchuldiger, immer ſtaͤrker und geſunder in der wahren Gottſeligkeit zu werden. Die wahre Tugend iſt nicht auf einmal, was ſie iſt und was ſie ſeyn ſoll. Sie iſt in ihrem erſten Ent⸗ ſtehen wie die Kraft eines Kindes, welches die erſten Schritte thut, oder eines Kranken, welcher nach ſei⸗ ner Geneſung erſt nach und nach die verlohrnen Kraͤfte ſammlet. Nur durch ſtete Uebung wird ſie was ſie ſeyn ſoll, und durch Beſtaͤndigkeit und Eifer waͤchſet ſie zu einer edlen Groͤſe hinan. Vom kindlichen Alter ſteigt der Fromme zu dem jugendlichen, und von die⸗ ſem zu dem maͤnnlichen hinan. Ohne ſteten Fort⸗ ſchritt gehen wir zuruͤck, und die glaͤnzendſte Tugend verliehrt ſich allmaͤhlig aus der Seele, und ſtirbt end⸗ lich ganz in uns. Aber je bewaͤhrter ſie wird, je 8 4 E voll⸗ 66 Wie ein weiſer Menſch ſein ganzes Leben vollkommner und lauterer ſie iſt, deſto glaͤnzender und herrlicher wird auch die Krone werden, womit ſie Gott einſt verherrlichen wird. Hier meine Kennt⸗ niſſe erhoͤhen, in Wahrheit und Recht mehr eindrin⸗ gen, und in der groſen Wiſſenſchaft von Gott und meiner Gluͤckſeligkeit beſſer gegruͤndet werden, giebt meinem Herzen eine edlere Richtung, und ich trete mit gewiſſen koͤſtlichen Borſchritten in jenes Land der Seligen, wo unſer Wiſſen nicht mehr Stuͤckwerk, ſondern Vollkommenheit ſeyn wird. Hier aus Ein⸗ ſicht und Ueberzeugung, nach guten und reinen, nach den beſten und lauterſten Abſichten, aus den beſten und edelſten Bewegungsgruͤnden handeln, macht meine Froͤmmigkeit und Tugend erſt zur wahren gott⸗ gefaͤlligen Tugend, und giebt ihr den eigentlichen Werth vor dem Gott, der auf das innere meiner Seele ſieht; hier ſtets ſeine Summe des Guten meh⸗ ren, und alle Gelegenheit, alle Mittel benutzen und auskaufen, Gutes zu wirken und Boͤſes zu hindern, ſammlet mir immer reichere Schaͤtze fuͤr die Ewigkeit: hier die Beſchwerden, die mit unſerm Ernſt im Gu⸗ ten nur allzuoft verbunden ſind, gerne ertragen, die Hinderniſſe der Tugend gluͤcklich beſiegen, die Un⸗ dankbarkeit der Welt großmuͤthig verachten, das Opfer und die Verleugnung, welche uns das Gute koſtet, gerne uͤbernehmen, nur immer in Ruͤckſicht auf Gott und die Ewigkeit dem Geſetze ſeines Got⸗ tes treu bleiben, und dem Bilde Gortes und Jeſu mehr aͤhnlich werden; das giebt wahren Ruhm vor Gott, und ſchafft uns die hoͤhern Grade der Wonne und der Seligkeit des Himmels. Die Summe und das Maas meinet Gottſeligkeit wird mir dann auch die Summe und das Maas meiner Freudigkeit im Tode und meiner Herrlichkeit im Himmel geben. Und was iſt dieſe Summe der — Tugend? albn linan 1 1n womit 1 meine Kenh ek mehr end von Gatt werden 1 und ich 1 jenes Land or Stäche Hier aus() ed reinen, u aus den biſt deln, thoc wahren aat eigentliche aanere meine Guten ma benutzen un a zu hindern wie Ewiskeit neryſt im Gy metragen, d ſen, die U tachten, d dins das GEr ar in ücſſt Aßze ſeines G Dttes und ocen Ruhn eede der Wr „ es Gottſtt nd das Iner deu I ſe Sum E 2 Hand des Armen ſo eiu und ſo bald dem Durſti⸗ fuͤr Unſchuld und Reinigkeit ꝛc. 67 Lugend! wornach berechne ich ſie? Nicht anders als nach dem Maaße der Kraͤfte und der Gelegenheit zum Guten, die mir die goͤttliche Weisheit gegeben hat, und nach der Treue und der Aufrichtigkeit, wo⸗ mit ich ſie benuzt und angewandt habe. Wer weni⸗ ge Talente hat, aber dieſe geringern Talente mit aller Redlichkeit anlegte, und nun in ſeinem Stande und Berufe, in ſeinen beſondern Verhaͤltniſſen und Um⸗ ſtaͤnden, ſo viel Gutes wirkt, als er kann, der iſt ſo reich an Tugend und ſo groß vor Gott, als der, wel⸗ cher mit hoͤhern Kraͤften in einem ausgebreiteten Kreiſe der Thaͤtigkeit mit gleicher Treue wucherte Der Arme, der Geringe und Schwache kann denn eben ſo ſeine Schaͤtze fuͤr das Gluͤck der Ewigkeit ſammlen, als der Groſe, Reiche, Weiſe und Starke. Die Guͤte Got⸗ tes handelt hier nicht nach Anſehen der Perſon, ſon⸗ dern breitet ſich mit gleicher Fuͤrſorge fuͤr das wahre und ewige Wohl uͤber alles was Menſch iſt aus. Jeder in ſeiner Art kann ſeine kuͤnftige Aerndte froh und herrlich machen: der Leidende in dem weiſen Gebrauch ſeiner Truͤbſale, der Gluͤckliche in der klu⸗ gen und rechten Anwendung ſeiner Vorzuͤge und Gaben. Mit Wohlgefallen ſieht das Auge Gottes auf jeden hin, welcher recht vor ihm thut, in jedem wirkt ſeine goͤttliche Kraft zu heilſamen und reichen Fruͤchten des Glaubens und der Gottſeligkeit. Eben das, wie maͤchtig muß es den Eifer ſtaͤrken, unſre Kronen fuͤr die Ewigkeit zu binden! Unſer Wunſch, unſre frommen Begierden und Beſtrebungen werden dann, wenn wir nicht mehr thun konnten, das ſeyn, was anderer Thaten ſind. Das Schaͤrflein jener Wittwe gilt bey dem, der unſre Herzen erforſcht und beurtheilt, ſo viel als das reiche Allmoſen des Be⸗ guͤterten. Der Trunk Waſſers, den die fromme gen 68 Wie ein weiſer Menſch ſein ganzes Leben gen reichte, iſt, wenn ſie nicht mehr konnte, eben das, was die großen Wohlthaten des Reichen ſind. Die mitleidige Thraͤne des Chriſten, die aus dem warmen Mitgefuͤhl ſich in die Thraͤnen des Leidenden miſchte, ſein Gebet fuͤr ſeine gebeugten Mitgefaͤhrten, ſein Troſtwort, womit er ſie aufrichtete und im Ver⸗ trauen auf die Huͤlfe des Allmaͤchtigen ſtaͤrkte, wird dort den Werth der erhabenſten Werke der Liebe ha⸗ ben, wenn er nicht mehr konnte. Iſt warmes leben⸗ diges Gefuͤhl von Gottes und Menſchenliebe in uns, ſo werden wir niemals unfruchtbar in Tugend und Gottſeligkeit ſeyn. Weuug in mir durch deine Liebe Den Hang zur Liebe dieſer Welt, Und gieb, daß ich Berleugnung uͤbe, Wenn mir was eitles noch gefaͤllt. Wie ſollte ich die Kreatur Dir vorziehn? Schoͤpfer der Natur! Laß mich um deines Namens willen Gern thun, was mir dein Wort gebeut. Kann ichs nicht, wie ich ſoll erfuͤllen So ſieh auf meine Willigkeit Und rechne mir nach deiner Huld 1 Die Schwachheit, Vateh! nicht zur Schuld. Der liebt dich nicht, der noch mit Freuden Das thut, was dir, o Gott! misfallt. Drum laß es mich mit Ernſt vermeiden, Geſiel es auch der ganzen Welt. Die kleinſte Suͤnde ſelbſt zu ſcheun, Laß Vater! mich behutſam ſeyn. Aus Liebe laß mich alles leiden Was mir dein weiſer Rath beſtimmt, der Liebe varmes lät rliebe in m Tugend u — u 9 ffa 1 dur Schudd. en Freuden 1 Seiden, 2 fuͤr Unſchuld und Reinigkeit ꝛc. Auch Truͤbſal fuͤhrt zu ew'gen Freuden. Wer ihre Laſt gern uͤbernimmt, Geduldig traͤgt und weislich nuͤzt Wird maͤchtig von dir unterſtuͤzt. In deiner Liebe laß mich ſterben; Dann wird der Tod ſelbſt mein Gewinn⸗ Dann werd' ich deinen Himmel erben, Wo ich dir ewig nahe bin. Da lieb' ich in Vollkommenheit Dich Vater der Barmherzigkeit! —y Wahre Froͤmmigkeit bleibt bey ihrer Unvollkom⸗ menheit doch als nothwendige Frucht un⸗ ſers Glaubens Vorbereitung zur Ewigkeit⸗ Wa⸗ iſt doch unſere Tugend auf Erden? Was die moͤglichſte Vollkommenheit derſelben? Je beſſer und rechtſchaffner der Menſch wird, deſto mehr klagt er ſich an, und fuͤhlt die Unvollkommenheit und die Maͤngel ſeiner Froͤmmigkeit. Wie viel, wenn ich mich ganz Gott und ſeinem Dienſte gewidmet hatte, wie viel entdeckte nur mein Auge hinterher von Fehl⸗ tritten, und wie viel mehr wird das Auge Gottes an mir ſehen? Ich beſtrebe mich zwar mit ganzem Ernſte gut und recht vor Gotr und Menſchen zu handeln, aber o wie vieles unterließ ich, was ich haͤtte thun ſollen, und ich kann es doch nicht ſagen, daß ich es nicht haͤtte thun koͤnnen: und noch mehr, wie vieles that ich, was ich mir ſelbſt nun vorwerfe P ban zu . aben, 70 Wahre Froͤmmigkeit bleibt bey ihrer haben, und ich haͤtte unterlaſſen ſollen. Mancher Fehler geſchah zwar aus guter Meinung, aber haͤtte ich nicht bedachtſamer handeln, nicht meine Kenntniſſe ver⸗ beſſern köͤnnen? Mancher aus Unbedachtſamkeit und Keichtſinnigkeit, aber war es recht, oder iſt es von mir zu entſchuldigen, daß ich unbedachtſam und leich ſinnig gehandelt habe? Pruͤfe ich die Quellen, die Antriebe, die Bewegungsgruͤnde, die Abſichten bey allen meinen guten Entwuͤrfen, bey allen guten Un⸗ ternehmungen, und wirklich guten, ja wohl gar von der Welt geruͤhmten Handlungen, o wie oft habe ich Urſache mich ihrer zu ſchaͤmen, und ſie ſind ſelbſt in meinen eignen Augen nicht einmal das, was ſie ſeyn ſollten. O wie viel Eigennutz, wie viel Stolz, wie viel falſches, unedles und unlauters miſchte ſich doch oft in meine beſten Tugenden! und was kann ich doch darauf bauen, wie darauf ein ewiges Gluͤck gruͤn⸗ den? Jal iſt es moͤglich, wenn ich auch ſogar alle meine Tugend voͤllig aͤcht und lauter faͤnde, daß ich dafuͤr Belohnungen aus der Hand Gottes erwarten koͤnnte? ein ewiges Leben? eine ewige Seligkeit? Wohin gieng denn alles Gute was ich that? doch auf nichts weiter als meine eigne Gluͤckſeligkeit und etwan auf das Wohl meiner Mitmenſchen, mit wel⸗ chen ich hier in Verbindung ſtand, und deren Wohl zu meinem eignen Wohl gehoͤrte. Welche Vorcheile hatte der Unendliche von meiner Tugend, und was konnte er verliehren, wenn ich ſie nicht hatte? Und daf r, ja fuͤr dieſe unvollkommne, ſo ſehr gemiſchte, ſo eigennuͤtzige, ſo geringe Tugenden ſollte ich eine ganze Ewigkeit von Gluͤck und Seligkeiten aus der Hand des Heiligen erwarten? Wie zweifelhaft ſcheint es alſo, daß meine Froͤmmigkeit und mein Ernſt der Gottſeligkeit das eigentliche Mittel einer guten Vor⸗ Ver⸗ bereitung zur Ewigkeit ſey. Und wozu habe ich einen en guten — d oft habei efind ſbſtr was ſie ſeh Stolz, wi dhte ſich dot nann ich doch Gluͤck gruͤn ahh ſogar ale de/ daß ich des erwarten ne Selägteit⸗ that! doc esſeligkeit un rhen, wit ve nd deren V. Tlche Vorth ai hatte! U dſehr gemiſ ¹ ſollte ich i R eeiten aus z ifelhaft ſte 3 nein Ernſt der guten? — habe Wihs ſeeng Unvollkommenheit doch als nothwendige ꝛc. 71 ſoͤhner? was iſt der Erloͤſer, wenn nicht er, ſondern meine eigne Tugend mich zur Seligkeit fuͤhren ſoll? Nimmt er meine Suͤnden weg, ergaͤnzt er meine un⸗ vollkommne Tugend, und wird er meine ganze Ge⸗ rechtigkeit, die vor Gott einſt gelten wird, ſo werde ich nicht ſo aͤngſtlich uͤber meine Schritte in dieſem Leben wachen, nicht ſo zweifelhaft und bedenklich in meinen Handlungen, nicht ſo furchtſam wegen der Ewigkeit ſeyn duͤrfen. Noch am Ende des Lebens, wenn ich auch noch ſo viel Luͤcken und Maͤngel darin finde, ſo viel Flecken und Fehler darin wahrnehme, ſo viel und ſo harte Vorwuͤrfe mir zu machen habe, werde ich in dieſem Verſoͤhner Troſt und Beruhigung finden, und er allein und mein Glaube an ihn wird mir die Seligkeit geben, die mir keine Tugend geben kann. Waͤre dieſe Tugend allein der Grund meiner kuͤnftigen Wohlfahrt, was wuͤrde denn aus dem Menſchen werden, welcher ungluͤcklicherweiſe dieſe Tage ſeines Lebens in der Suͤnde verlohren haͤtke, und nun noch an dem Ende ſeiner Laufbahn zu ſich ſelbſt kaͤme? Wuͤrde denn nicht derſelbe auf immer ungluͤck⸗ lich und verlohren bleiben? So kann es ja doch mei⸗ ne Tugend und Froͤmmigkeit nicht ſeyn, welche mir die Wohnungen des Himmels bereitet, und verſichert mich nicht die Schrift auf allen Blaͤttern, daß nicht meine eigne Tugend, ſondern allein die goͤttliche Barmherzigkeit und ſeine unendliche Gnade, in mei⸗ nem Berſoͤhner, mein Glaube und meine Hofnung auf ſeine Verſoͤhnung mich ſelig mache? DSo betruͤgt ſich mancher Menſch, und unter ſol⸗ chen Ausfluͤchten ſchlaͤfert er ſich in ſeiner Sorgloſig⸗ keit fuͤr ſeine Seele und fuͤr das Gluͤck der Ewigkeit ein. Guter Gott! wie ſehr wafnet ſich der arme Menſch wider dich, wider deine guten und heilſa⸗ men Abſichten, und wider ſein eignes Wohl. Iſt die 72 Wahre Froͤmmigkeit bleibt bey ihrer die Tugend und Froͤmmigkeit nun weniger werth, wenn ich ſie nicht zur hoͤchſten Vollkommenheit brin⸗ gen kann? Sorge ich nicht fuͤr meine Geſundheit, wenn ich auch zweiſlen muß, ob ich ſie auch zur vollkommnen Feſtigkeit bringen koͤnne? Verliehrt der Reichthum in meinen Augen allen ſeinen Werth, weil ich ihn nicht bis zum hoͤchſten Grade aufhaͤu⸗ fen kann? Und ich ſollte nicht eifrig nach wahrer Vollkommenheit, nach einer immer feſtern und rei⸗ chern Froͤmmigkeit ſtreben, wovon ich zwar hier nicht den hoͤchſten, aber doch einen immer hoͤhern f Grad erreichen kann. Iſt denn das nicht ein un⸗ ausſprechlich⸗ ſeliges Bewußtſeyn, wenn mir mein Gewiſſen und der Gott, der mein ganzes Herz erforſcht, das koͤſtliche Zeugnis giebt, daß ich mit ganzem Ernſte dem Guten nachſtrebte, und mein Herz bekuͤmmert war, wenn ich nicht alles ſeyn konnte, was ich wollte. Der Fromme fuͤhlt ſeine Maͤngel, und dies ſtoͤrt ſo oft ſeine Freuden in Gott, aber eben dies macht ihn um ſo viel wach⸗ ſamer uͤber ſich ſelbſt, ſo viel bedachtſamer in ſei⸗ nem Leben, ſo viel eifriger in ſeinem Gebete, und er gewinnt von Zeit zu Zeit mehr Staͤrke, und ſeine Froͤmmigkeit einen vollkommnern Glanz. Die Siege uͤber ſich ſelbſt und ſeine Leidenſchaften, uͤber ſeine Traͤgheit und ſeinen anwandelnden Schlum⸗ mer werden immer glaͤnzender. Ich halte mich nicht dafuͤr, daß ich es ſchon ergriffen haͤtte, ſagte Paulus, aber ich jage ihm nach, daß ich es ergrei⸗ fen moͤchte, nachdem ich von Chriſto Jeſu ergrif⸗ fen bin. Und dies iſt die Regel fuͤr uns, das doch immer mehr zu werden, was wir hier noch nicht vollkommen werden koͤnnen, immer naͤher zu dem Ziel zu kommen, welches wir hier noch nicht voͤllig erreichen, von den Jahren der Kindheit zu der ——yy öͤöͤöööWmnmm — — — —. — — 4 — — — — — —— —— S 2 S= —— — = S — —— — 1 aeſtern und — — —9 ½ — — — — — = —— — — — d, und mal d: alles ſeyg de fühlt ſein⸗ Freuden in n viel wach⸗ wawer in ſi Gebete, mn 9Staͤrte, uu dn Glanz. N g ſchaften, we oden Schle ch halte u † haͤtte, ich es am. a Jeſu ape Zür uns/ d zvir hier k mer nahe rier noch! — Kndzi ſtets vollkommner werden, und jede Verſuchung Unvollkommenheit doch als nothwendige ꝛc. 73 der Staͤrke des Juͤnglings, und endlich zu dem maͤnnlichen Alter hinanzuſteigen. Iſt meine Erkennt⸗ niß noch unvollkommen; gut, ſo ſuche ich ſie voll⸗ kommen zu machen, und lerne Gort und ſein Ge⸗ ſetz, mich und meine hohe Beſtimmung, die Welt und meine Pflichten in derſelben, und alles was mich zur mehrern Weisheit und zur vollkommnern Gluckſeligkeit fuͤhren kann, immer richtiger und voll⸗ kommner erkennen. Iſt die Summe des Guten, das ich that noch immer gering; gut, ich ſuche ſie zu vermehren, ich erforſche meine Kraͤfte, und dente nach, wie ich in meinen Verhaͤltniſſen, in meiner jedesmaligen Lage und in allen Umſtaͤnden meines Lebens immer fruchtbarer, nuͤzlicher, reicher in edlen Thaten werden, und mich des hohen Bey⸗ falls und Wohlgefallens Gottes und meines Erloͤ⸗ ſers mehr erfreuen kann. Miſcht ſich in mein Le⸗ ben noch ſo manche Suͤnde: ſo weiß es doch der Gott, der mich nicht nach dem aͤußern, ſondern nach dem innern beurtheilt, daß es nicht mein Wille und mein Vorſaz war, er ſieht die Be⸗ kuͤmmerniſſe, die ich daruͤber empfand, mein Be⸗ ſtreben, es gut zu machen, meine Sorge es abzu⸗ legen, und jede Suͤnde zu bekaͤmpfen: eben dieſe Flecken machen mich denn deſto eifriger fuͤr die Reinigung und Heiligkeit meines Lebens. Sind die Quellen meiner Tugenden, die Bewegungs⸗ gruͤnde und Abſichten nicht immer rein, ſo beuge mich das zwar vor Gott, aber deſto mehr ſorge ich fuͤr die Beſſerung meiner Geſinnungen. Ich pruͤfe und unterſuche mein Herz vor Gott, und werde ein ſtrenger Richter uͤber mich ſelbſt; um ſtets nach reinen und edlen Abſichten, aus guten und rechten Bewegungsgruͤnden zu handeln. So werde ich zur 74 Wahre Froͤmmigkeit bleibt bey ihrer zur Suͤnde, ſie ſey auch noch ſo groß, werde ich leichter und gewiſſer beſiegen, die Hinderniſſe und Beſchwerden werden meine Gottſeligkeit ſo viel er⸗ Habner machen, und ich werde dem Bilde meines Erloͤſers immer aͤhnlicher werden. Wie weit kann es doch ein wahrer Ernſt im Chriſtenthum bringen, wenn wir nur das fuͤr daſſelbe und auch mit dem Eifer thun wollten, was wir fuͤr das irdiſche mit ſo vieler raſtloſer Muͤhe und Entſchloſſenheit thun! Wie maͤchtig iſt Gottes Kraft in uns! Wie koͤſtliche Beyſpiele ſtellt mir Gottes Wort auf, und ſo ſelten es ſeyn mag, ſo finde ich doch noch immer einen Freund Gottes, der es beweiſet, wie weit wir es hier in einer wahren Gotrtſeligkeit bringen koͤnnen. Werde ich wohl dort dem Richter der Welt ſagen duͤrfen: weil ich nicht vollkommen in meiner Froͤm⸗ migkeit werden konnte, ſo wollte ich gar nicht fromm ſeyn? aber fuͤhle ich nicht das ſelige: wenn ich dann vor ihm das Zeugniß meines Gewiſſens habe, und er ſelbſt mein Zeuge iſt, daß ich mit ganzem Ernſte ſeine Gebote ſuchte? Kan nicht, mein Herz! wie ſchwer es ſey Hier als ein Chriſt zu wandeln, Und taͤglich Gottes Willen treu Zu denken und zu handeln. Wahr iſts, die Tugend machet Muͤh, Sie iſt der Sieg der Luͤſte, Doch richte ſelbſt, was waͤre ſie, Wenn ſie nicht kaͤmpfen muͤſte. Der Tugend Pfad iſt Anfangs ſteil, Laͤßt nichts als Muͤhe blicken; Doch weiter fort fuͤhrt er zum Heil Und endlich zum Entzuͤcken. Lern b hihter duß, wade Vindemiſen keit ſo di „Bilde me Vie weit t thum brim tauch mit d Lirdiſche tii tſenheit t und ſo ſeh h immer ein eweit wit ingen koͤnna aer Welt ſane meiner Fri te nicht ftom denn ich dam ſ habe, und unzem Eryſt ver es ſey Unvollkommenheit doch als nothwendige ꝛc. 75 Lern nur Geſchmack am Wort des Herrn Und ſeiner Gnade finden, Und uͤbe dich, getreu und gern Dein Herz zu uͤberwinden. Wer Kraͤfte hat, wird durch Gebrauch Von Gott noch mehr erhalten, Wer ſie nicht braucht, bey dem wird auch Das was er hat erkalten. Du ſtreiteſt nicht durch eigne Kraft, Drum muß es dir gelingen. Gott iſt es, welcher beydes ſchaft Das Wollen und Vollbringen. Dich ſtaͤrket auf der Tugend Pfad Das Beyſpiel ſel'ger Geiſter, Ihn zeigte dir, und ihn betrat Ja ſelbſt dein Herr und Meiſter. Sey ſtark, ſey maͤnnlich allezeit, Denk oft an deine Bahre; Vergleiche mit der Ewigkeit Den Kampf ſo kurzer Jahre⸗ Das Kleinod, das dein Glaube haͤlt, Wird neuen Muth dir geben: Und Kraͤfte der zukuͤnft’gen Welt, Die werden ihn beleben. Denk endlich zur Beruhigung, Daß Gott den Schwachen duldet, Der bey dem Ernſt der Heiligung Doch manches noch verſchuldet. Gott liebet Herzens Redlichkeit Und ſieht auf dein Beſtreben, Er iſt ein Vater der verzeiht Und giebt uns Troſt im Leben. Forb⸗ 76 Wahre Froͤmmigkeit bleibt bey ihrer Fortſetzung, beſonders wie Gottes Barmherzigkeit ein falſcher Troſt werden kann. Nit meine unvollkommene Tugend, und meine ſo befleckte Froͤmmigkeit, ſondern allein Gottes Barm⸗ herzigkeit und unendliche Gnade giebt mir die Selig⸗ keit. Wer kann vor ihm beſteben, wer ihm auf tauſend eins antworten, wenn er Gericht halten wird? Wo iſt der Fromme unter den Sterblichen, der ſich in ſeine Tugend einhuͤllen und vor dem Heiligſten ge⸗ recht erfunden werden kann? Waͤre er nicht ein barm⸗ herziger Gott; ach was waͤre ich! waͤre ſeine Barm⸗ herzigkeit nicht unendlich; haͤtte er nicht Geduld mit der Schwachheit der Menſchen; ſchonte er des Suͤn⸗ ders nicht; vergaͤlte er unſre Thorheiten, Fehltritte und Uebertretungen genau mit Gerechtigkeit, ſo wuͤr⸗ de die ganze Welt und alles, was Menſch iſt, ſchon lange nicht mehr ſeyn, oder ſich in ein ſchreckliches Denkmal ſeines verzehrenden Zorns verwandelt ſehen. Aber ſeine Barmherzigkeit iſt uͤberſchwenglich und ewig eine offene Zuflucht des ſchwachen ſuͤndlichen Menſchen und auch des erſchreckten Suͤnders. Hinge⸗ worfen vor ihm in den Staub, ſlehe ich um ſeine Er⸗ barmung, und er erhoͤrt den gebeugten und beſchaͤmten Suͤnder. Gnaͤdig, barmherzig, geduldig und von groſer Treue iſt er; er vergiebt Uebertretung, Miſſe⸗ that und Suͤnde. Das iſt die groſe, troſtvolle, ewig gewiſſe Wahrheit, und darauf allein will ich alle meine Ruhe in dieſem Leben, alle meine Hofnung und nem Staͤrke im Tode, und alle meine Zuverſicht vor ſei⸗ de ihn gkeit ein fal Gottes dn mir die E 2 wer ihm 1 at halten wil achen, derſ Heiligſten icht ein bam d ſeine Bam in Geduld mi ner des Suͤn 11 Fehltrite ch keit, ſo wi Fſch iſt, ſch rnn ſchrecklih * wandelt ſehn a wenglich ul a hen ſäͤndlit nders. Ni ah um ſeinth und beſcin wuldig undm getung, W Brollvoleſe u will ich 8 Hofnun zerſicht bo Seſtn Unvollkommenheit doch als nothwendige ꝛc. 77 nem Gericht bauen. Aber ſolte und koͤnnte mich dieſe goͤttliche Barmherzigkeit nun auch von meiner Pflicht und dem groſen Ernſte der Gottſeligkeit einen Augen⸗ blick frey ſprechen? will ich wol gar auf ihre Rech⸗ nung hinſuͤndigen, oder nun nachlaͤßiger in meiner guten Sorge fuͤr die Ewigkeit werden? Hier muß mein Geiſt nothwendig einen Augen⸗ blick ſtehen bleiben, denn wie ungluͤcklich waͤre ich, wenn ich mich fuͤr eine ganze Ewigkeit betroͤge. Gott iſt barmherzig. O welcher groſe, herzerhebende Ge⸗ danke! wie maͤchtig und gewaltſam, und doch auch wie ſanft zieht er mich zu dem Unendlichen hin? Staͤub und Aſche, ohnmaͤchtig und niches, alles allein durch ihn, voll Suͤnde und Maͤngel, bedeckt mit unzaͤhli⸗ gen Thorheiten, unwerth aller ſeiner Guͤte lebe ich ganz in ſeiner Liebe. Mein Leben, meine Sinne, meine Kraͤfte, meine Erhaltung, mein Geiſt und al⸗ les, was ich bin, was ich habe, was ich ſehe, was mich umgiebt, iſt unverdiente und dabey unausſprech⸗ liche Barmherzigkeit eines allmaͤchtigen und unendli⸗ chen Gottes! Wie viele Freuden gab er mir, wie viele Wohlthaten nahm ich jede Stunde, jeden Au⸗ genblick aus ſeiner Hand! O welch eine Tiefe! Wie theuer, o Gott! iſt deine Guͤte, daß Menſchenkinder ſich dem Schatten deiner Fluͤgel ſo ſicher anvertrauen. Deine Guͤte reicht ſo weit der Himmel iſt, und deine Wahrheit ſo weit die Wolken gehen. Und nun ſolte ich gegen ihn ſuͤndigen, nun ſeine Gebote uͤber⸗ treten, nun weniger bekuͤmmert ſeyn, recht und ihm gefaͤllig zu leben? O wie tief kann der Menſch fal⸗ len! welche Verblendung iſt es, auf die Barmherzig⸗ keit Gottes ſuͤndigen, oder nur kaltſinnig und nach⸗ laͤſſig fuͤr Gottes Geſez zu werden. Was denke ich von dem Kinde, das unbekuͤmmert um die Wuͤnſche und den Willen des Vaters die Guͤter deſſelben ver⸗ 1. ſchwen⸗ 4 78 Wahre Froͤmmigkeit bleibt bey ihrer ſchwendet, wider ſeine Ermahnungen und Vorſchrif⸗ ten handelt, oder ſo viel nur davon thut, als es ohne Abbruch ſeiner unordentlichen Leidenſchaften tbun tann, und nun ſagt: mein Vater iſt gut, und milde, er uͤberſieht und vergiebt mir gerne. Was dentke ich von einem Undankbaren, welcher von ſeinem groſen und guͤtigen Wolthaͤter immer neue, immer groͤſere Wohlthaten erhaͤlt, und nun, unbekuͤmmert um ſei⸗ nen Wolthaͤter eben das thut, was demſelben mis⸗ fäͤllt, und auf die Rechnung ſeiner Güͤte ihn taͤglich betruͤbt, und ſie mit Kraͤnkung und Verachtung ver⸗ gilt, weil er denkt: er iſt gut, und meine Undankbar⸗ keit ſchadet mir nicht. Was denke ich von einem Vater, der mit ſeiner fortgeſetzten Guͤte den Muthwillen und die Laſter ſei⸗ nes Kindes ſtaͤrkt? und was von einem Maͤchtigen, der durch ſeine uͤbertriebene und graͤnzenloſe Guͤte und Nachſicht die Bosheit und den Frevel der Guͤnſtlinge ſtuͤgt und erweitert? Und ſolte Gott, das weiſeſte und heiligſte Weſen, der Suͤnde und den Laſtern Vor⸗ ſchub geben! welche verkehrte und tadelnswuͤrdige Guͤte, welche ihn zu einem Befoͤrderer der Suͤnde machen wuͤrde! Nein, Gottes unendliche Heiligkeit kann durch ſeine unendliche Barmherzigkeit nicht aufgeho⸗ ben, nicht verdraͤngt werden. Dieſe ſeine Barm⸗ berzigkeit lockt mich vielmehr zur Buße, ſie ge⸗ winnt mein Herz fuͤr ihn, ſie erfuͤllt es mit Lie⸗ be und Dank und mit dem heißeſten Wunſch und dem eifrigſten Beſtreben, ihm, der mir ſo unend⸗ lich viel Gutes gab, auch mich ganz zu geben, ihm mein Leben und meine Kraͤfte zu heiligen, ihm wol⸗ zugefallen und ſeine Gebote zu halten, mich mit gan⸗ zem Herzen zu beſtreben. Und eben dieſe Barmher⸗ zigkeit, womit Gott mich ſo ſtark und maͤchtig zu ei⸗ nem weiſen, guten und heiligen Leben ermuntert, und immer d ihrer und Vorſch dut, als 4 enſdrſten ut, undma ⸗Was dente ſeinem g immer ai ammert un ademſelben dte ihn ti zzerachtung ine Undantie der mit ſein a die laſter nn Maͤchtiznn aloſe Guͤte u der Gänſtlin das weiſeftt laſtern Voh vuͤrdige Git wuͤnde wach eiligkeit ku a richt aufße r ſeine Ban zZuße, ſe 3t es wit h * Wunſch amir ſo unh a zu geben, a gen, ihm a mich mit rieſe Bauth 4 maͤchti aermuntet i Unvollkommenheit doch als nothwendige ec. 79 immer neue Antriebe dazu giebt, ſollte mich ſicher in der Suͤnde, nachlaͤßig in meinen Pflichten, undank⸗ bar und ungehorſam gegen ihn machen: Iſt Gott lauter Guͤte, ſo fließen ja auch ſeine Ge⸗ ſetze aus dieſer Quelle der Liebe; ſie ſind gut fuͤr mich, und aus vaͤterlicher Liebe gab er ſie mir. Er gebeut mir ja nur, was nuͤzlich iſt, er unterſagt mir ja nur, was ſchaͤdlich iſt, und doch wolte ich die mir ſo guten, die vortreflichen, die heilſamen und erquickenden Be⸗ fehle meines guͤtigen und beſten Vaters verkennen? Soll denn ſeine Barmherzigkeit darinn beſtehen, daß er wider ſeine eigne Natur und ſeine Heiligkeit das Boͤſe unſchaͤdlich, ja wol gar nuͤzlich, und das Gute unnuͤzlich und gleichguͤltig mache? O wie wenig Ver⸗ nunft und Nachdenken braucht es doch, das thoͤrichte und unmoͤgliche, in einem ſo falſchen Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit, oder vielmehr den gefaͤhrli⸗ chen Misbrauch derſelben einzuſehen! Wenn ich uͤber die Grenzen dieſes Lebens hin zur Ewigkeit gehe, ſo wird doch mein Geiſt, bey ſeiner ſo viel groͤſern Aufklaͤrung in jenem Leben, wo ich al⸗ les nach der Wahrheit erkennen werde, und wo mich die Blendwerke meiner Sinne und der Welt nicht mehr taͤuſchen koͤnnen, mein hieſiges Leben und mei⸗ ne Geſinnungen und Handlungen in dieſer Welt ſo einſehen, und ſo beurtheilen, wie ſie ſind; da werde ich doch das Boͤſe nicht fuͤr gut, und das Gute nicht fuͤr boͤſe halten koͤnnen, da werde ich vielmehr das Boͤſe nach ſeinem ganzen Umfang, nach ſeinen Quel⸗ len, nach ſeinen Folgen, in ſeiner ganzen Groͤſe und Abſcheulichkeit vor mir ſehen; und kann ich mir denn nun dabey eine Seligkeit denken, ohne mich zu ſchaͤ⸗ men, mir Vorwuͤrfe zu machen, und werde ich auf mich ſelbſt, und noch mehr auf den Richter hinſehen koͤnnen, ohne mich ſchon ſelbſt zu verurtheilen? Und wenn 80 Wahre Froͤmmigkeit bleibt bey ihrer wenn denn Gott mir Barmherzigkeit widerfahren ließ, und nicht ſeine gedroheten und gerechten Stra⸗ 8 fen an mir vollzog, kann ich denn gleichwol die Se⸗ fät II ligkeiten dort empfinden, die mir ein gutes Gewiſ⸗ ach ſen, das ich hier bewahrt hatte, und die Liebe meines Gottes, die mich hier belebte, und in Menſchenliebe und guten Werken ſo fruchtbar machte, verſchaffen wird! Iſt es nicht voͤllig widerſprechend, daß mir Gottes Barmherzigkeit eine ſo vollkommene Selig⸗ keit ohne Froͤmmigkeit und wahre Gottſeligkeit geben koͤnne?: b b Es iſt freylich wahr, daß hier meine Tugend noch voll Maͤngel, Unvollkommenheit und Flecken iſt, und daß dies Regiſter meiner Schwachheiten und Fehltritte, gar ſehr die Summe meiner Tugend uͤbertrift; und das ſchlaͤgt den Frommen, der die Furcht Gottes in ſich bewahrt, immer noch nieder, und miſcht in die Freuden in Gott ſo manche Betruͤbniſſe: aber wird es denn dem Gott nicht wolgefallen, der mein inner⸗ ſtes kennt, wenn er ſieht, wie ſehr mich das Bewußt⸗ ſeyn meiner Schwachheiten beuge, und wie redlich mein Wille ſey, ihm ganz zu leben? Bleibt nicht das Kind immer der Liebling ſeines Vaters, das nie an⸗ ders als aus Schwachheit fehlt, und mit zaͤrtlicher kindlicher Liebe die Freude ſeines Vaters zu ſeyn wuͤnſcht? und ſo kann ich dieſes auch von meinem Va⸗ ter im Himmel hoffen. Nun kann ich auf ſeine Barm⸗ herzigkeit rechnen, die mir meine Fehltritte, die ich haſſe, vergeben wird. Ja nun iſt mein Erloͤſer mir der ſichere Buͤrge, daß ich Gnade vor ihm und Se⸗ ligkeit bey ihm finden werde. Wenn ich auch noch fehlte, aber mein Herz aufrichtig gegen ihn war, ſo habe ich doch einen Fuͤrſprecher bey dem Vater, Je⸗ ſum Chriſtum. Dieſer iſt dann die Verſoͤhnung fuͤr meine Sunde. Ewig fern ſey es daher von mir, in dem d ihra ſit widernh herechten ichwol die gutes 6 die Liebe me Menſchenl dte, verſcin Jend, daßt Ammene 2 Etſeligkeit ae Tugendn Lecken iſt, u und Fehltui ertrift; m 1ot Gottesi aniſcht in d d aber wird mein inner⸗ dras Bewußt⸗ 4 wie redlch aͤbr wicht du —n das nie awit ärtiie aters zu ſin ameinem N cif ſeine Bam „ſtritte, dei an Erlöſet u Zihm und 9 ich auch ui aihn wat⸗ m Vate/ erſöhnung d von un Unvollkommenheit doch als nothwendige ꝛc. 81 dem Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit nur einen Augenblick zu verſaͤumen, mich zu einer ſeligen Ewig⸗ keit mit einem frommen und he ligen Ernſt, gut und recht vor Gott zu leben, anzuſchicken. Aufzuſtehn vom Schlafe, Nah iſt dir die Ewigkeit; Nahe Lohn und Strafe, Hoͤr', Gott ſpricht! Squme nicht, Seinen Ruf zu hoͤren Und dich zu bekehren. Noch toͤnt nicht zum Weltgericht Der Poſaunen Stimme: Noch ſinkt dieſer Erdball nicht, Von des Richters Stimme. Aber bald, bald erſchallt Gottes Ruf: zur Erden Sollſt du wieder werden. Schrer Menſch! noch iſt es Zeit, Koͤmmt nun, ehe du's gedacht, In der Suͤnde Freuden, Deines Lebens letzte Nacht, Was wirſt du dann leiden, Wenn dein Herz, von dem Schmerz Doner Schuld zerriſſen, Wird verzagen muͤſſen. Wenn vor deinem Antlitz ſich Jede Suͤnd' enthuͤllet, Wenn dann jede, jede dich Ganz mit Grauyn erfuͤllet; Dich nichts dann ſtaͤrken kann, Keine deiner Freuden: Was wirſt du dann leiden? Nach dem Untergang wirſt du An des Grabes Stufen, F Bang 32 Wahre Froͤmmigkeit bleibt bey ihrer Bang um Troſt und Seelenruh Dann vergebens rufen: Rette, Gott! mich vom Tod! Rette noch im Sterben Mich von dem Verderben. Noch, noch wandelſt du, o Chriſt! Auf des Lebens Pfade: Nahe zur Errettung iſt Dir noch Jeſu Gnade. Eil' ihr zu: du wirſt Ruh Fuͤr dein Herz empfinden, Und Vergebung finden. Fortſetzung, beſonders, daß man auch die Moͤglichkeit am Ende ſeines Lebens noch gerettet zu werden, nicht gegen die Nothwendigkeit der Vorbereitung zur Ewig⸗ keit durch wahre Froͤmmigkeit, anfuͤhren duͤrſe⸗ De goͤttliche Barmherzigkeit ſucht auch den Laſter⸗ haften zu retten, und fuͤr den Himmel zu gewinnen. Wer die Furcht vor Gott in ſich ſterben ließ, die gu⸗ ten und beſeligenden Wege zu ſeinem ewigen Gluͤcke verließ, die wolthaͤtige Lehre Jeſu und die vortreflichs ſte Wahrheit verachtete, ſich ſeinen Luͤſten und Lei⸗ denſchaften in die Arme warf; ja der Laͤſterer der Wahrheit des Evangeliums, der Spoͤtter der Reli⸗ gion Jeſu, und der Boͤſewicht bleibt doch hier noch ein Gegenſtand des goͤttlichen Mitleidens: und bleibt es Müra dh Fhriſt! akeit am Enl z nicht gegen ang bur Swiͦ fühten din — dhuuch den bh riel zu gewiu gen ließ, dg „ ewigen bit uo) die vottit a euͤſten un! a der käͤſten S oͤtter de n doch hie hens: m — — Unvollkommenheit doch als nothwendigeꝛc. 83 es bis zum Ende ſeines Lebens. Wer mag ſeiner Er⸗ barmung Graͤnzen ſetzen? und wo hat er in ſeiner Of⸗ fenbarungslehre jemand aus ſeiner gnadenvollen Fuͤr⸗ ſorge fuͤr ſeine unſterbliche Seele ausgeſchloſſen? Wo⸗ zu gab er den Verſoͤhner der Welt, und ſtarb nicht Je⸗ ſus zum Heil der Suͤnder? Rief nicht ſeine Guͤte al⸗ les, was verlohren war? Breitete ſich ſeine Verſoͤh⸗ nung nicht auf alle Suͤnder aus? Und was thut er nicht, den Menſchen in dem Lauf der Suͤnde aufzu⸗ halten, ihn zum ernſthaften Nachdenken uͤber ſich ſelbſt zu bringen, und von ſeinen Abwegen zu einem weiſen beſſern Leben zuruͤckzufuͤhren. Seine ganze Regierung iſt ja doch ſo ganz dahin gerichtet, ernſte und feſte Entſchlieſung zum Guten, und weiſe Hinſichten auf das Schickſal der Ewigkeit in ihm zu erwecken. Ferne ſey es von uns, jemanden noch bis ans En⸗ de ſeines Lebens Errettung, Bekehrung und Selig⸗ keit abzuſprechen. Froh werden wir hier und dort die goͤttliche Barmherzigkeit preiſen, die den Suͤnder noch am Rande ſeines Untergangs ergriff und rettete, und mit dieſen Geretteten ihn und ſeine Guͤte anbeten. Aber nur muß uns dies nicht ſicher machen: am we⸗ nigſten betruͤge uns die Hofnung jener ſpaͤten Ruͤck⸗ kehr, und der groſen Barmherzigkeit Gottes, die wich⸗ tigſte unſrer Angelegenheiten bis zu unſrer letzten Stun⸗ de hinzuſchieben. Was koͤnnen wir arme Sterbli⸗ chen bey unſrer Hinfaͤlligkeit uns doch von der Zukunft verſprechen? wir ſetzen uns ſelbſt ein Ziel unſerer Beſ⸗ ſerung, oder den Zeiepunkt, worin wir Gottes Barm⸗ herzigkeit ſuchen wollen, und iſt denn dieſes Ziel, und dieſer Zeitpunkt in unſrer Gewalt? Haͤngt es denn von uns ab, morgen, oder noch einige Tage und Jahre zu leben? Kann ich denn vielleicht noch, wenn ich die Todesſtunde einbrechen ſehe, oder wenn ſie un⸗ erwartet und ploͤzlich konme noch an mich ſelbſt, noch b b. b an 8₰ 84 Wahre Froͤmmigkeit bleibt bey ihrer an Gott denken, noch ſeine Barmherzigkeit erflehen? Und wie will ich mir doch Gott, wie meine Bekeh⸗ rung, wie die Aufnahme in ſeinen Himmel denken? etwan blos als ein Gebet um ſeine Barmherzigkeit, als ein ſo uͤbereiltes fluͤchtiges Geſchaͤfte eines Augen⸗ blicks, und als eine Kleinigkeit, womit ich ſogleich werde fertig werden, und dann den Himmel oder den Ort der Seligen als eine Staͤte ſolcher Freuden, in welche man ſogleich aus dem Taumel ſeiner Luͤſte, aus den niedrigſten und ſirafbarſten Fertigkeiten in die gro⸗ ſen Geſchaͤfte der Heiligen uͤbergehen kann. Wenn man nun mit einigem Ernſt zum voraus uͤber die groſe Veraͤnderung, die uns im Tode bevot⸗ ſteht, nachdenkt, ſo muß uns ja ein ſolcher Vorwand, daß der Suͤnder noch Barmherzigkeit finde, uͤberaus bedenklich werden. Je reiflicher wir daruͤber nachden⸗ ken, deſto mehr werden wir uns huͤten, einen einzigen Augenblick die genaueſte und ſorgfaͤltigſte Vorbereitung auf die Ewigkeit aufzuſchieben. Gott laͤßt auch dem Suͤnder, ja dem groͤſten Suͤn⸗ der noch Barmherzigkeit widerfahren, und wir koͤn⸗ nen hier die Seligkeit, die wir in unſerm ſuͤndlichen oder laſterhaften Zuſtande verlohren hatten, durch die Gnade Gottes und die ewig preißwuͤrdige Verſoͤhnung Jeſu wieder gewinnen. Dies iſt das gewiſſe, wahre und theure werthe Wort, daß Jeſus Chriſtus in die Welt gekommen iſt, die Suͤnder ſelig zu machen. Dieſe Wahrheit bleibt der groſe und zugleich auch einzige Grund unſrer ganzen Seligkeit, und dann auch der Begnadigung und Errettung des Suͤnders, der ſie ſucht; aber verliehrt dadurch auch die Froͤmmigkeit ewas von ihrem Werthe! wird ſie dadurch weniger nothwendig zu meinem ewigen Gluͤck und zur weiſen Vorbereitung auf das kuͤnftige Leben; weniger drin⸗ gend? Die Zeit meiner Unbedachtſamkeit, meiner Leicht⸗ h ihrer kit, tetflehe eweine 35 Himmel den urmhen —— ie Freuden, liner kiſte n iiten in diy rann. V ſt zum von um Tode bah icher Vorb rinde, uͤbern ruͤber nachda weinen einzign Vorbereitun Vgroͤſten Sit nund wir a znem ſuͤndiiche geen, durch a he Verſohen riſſe, wahren aes in die U aachen. M At auch ain a dann auh =nders, R) e Froͤmmit durch win ind zur w a wenige Amkeit, m . 6' Unvonkkommenheit doch als nothwendige ꝛc. 85 Leichtſinnigkeit, meiner Suͤnden und aſter iſt doch einmal verlohren. Die Zeit von zehn, zwanzig oder mehrern Jahren, worin ich nicht fuͤr Gott und meine hoͤhere Beſtimmung lebte, und mich unter mich ſelbſt erniedrigte, iſt doch einmal aus der Summe mei⸗ nes Lebens weggeſtrichen, ſo viel weniger ha⸗ be ich im Grunde gelebt; denn was iſt ein Leben, das ich nicht nach ſeiner wahren Beſtimmung lebte, wor⸗ in ich ganz den großen Zweck von mir vergaß, und die groſe Wuͤrde meines Geiſtes verkannte! Noch mehr, es fehlt nun nicht allein das viele Gute, was ich in dieſer Zeit haͤtte wirken koͤnnen, was mir die angenehmſten, erfreulichſten und troſtvolleſten Erin⸗ nerungen und Empfindungen durch alle Ewigkeiten verſchafft, und was das Wolgefallen und die Guͤte meines Erloͤſers ſo herrlich belohnt haͤtte: ſondern es waren doch dieſe Tage und Jahre, wirklich eine Zeit der Wirkſamkeit und Thaͤtigkeit; nur daß ſie auf das Boͤſe und aufs Unrecht giengen, oder Suͤnde war; Gutes hinderte und Boͤſes befoͤrderte. Es hat ja doch alles ſeine Folgen, Folgen, welche durch ſo viele Zeiten fortlaufen, die ſich oft ſo weit ausbreiten: und wenn ich mich nun als den Stifter dieſes Uebels betrachten muß, wird denn das meine Freude nicht auch in dem Stande der Begnadigung verringern? Wird nicht in der Ewig⸗ keit, und dort wenn ich unter den Erretteten die Verſoͤh⸗ nung meines Erloͤſers mit hohem Dankgefuͤhl beſingen werde, meine ſelige Empfindung herabgeſtimmt werden, wenn ich dort jemand erblicke, der durch mich in der Zeit meiner Laſterhaftigkeit oder Gleichguͤltigkeit gegen Glauben und Gottſeligkeit geaͤrgert, verdorben, verfuͤhrt, und vielleicht um ſeine Seligkeit gebracht worden iſt? wenn ich dort den erblicke, dem ich Unrecht that, und dem ich ſeine Tage mit Kum⸗ b 8 mer 86 Wahre Froͤmmigkeit bleibt bey ihter mer und Sorgen truͤbe machte? dem ich meine Lie⸗ be, ja wol gar die Pflicht der Gerechtigkeit ver⸗ ſagte? Kann ich denn alles das Uebel wieder gut machen, das ich anrichtete, alles das Gute nachho⸗ len, das ich verſaͤumte, und bin ich nicht gerade, wie ein Menſch, der in einem Schiffbruch das be⸗ ſte, das mehrſte, oder doch ſehr viel verlohren, und nur etwan ſein Leben, oder doch nur mit demſel⸗ ben einen Theil ſeiner Guͤter gerettet hat? Und nun ſolte mein Ernſt der Froͤmmigkeit weniger nothwen⸗ dig ſeyn, und die Suͤnde weniger abſchreckendes ha⸗ ben, weil auch der Suͤnder Vergebung und Selig⸗ keit erhalten kann? Ewig ſey dieſer traurige Ge⸗ danke von allen Menſchen entfernt. Nothwendig, uͤber alles nothwendig iſt es zwar, daß der Laſter⸗ hafte oder der ungebeſſerte Menſch in ſich ſelbſt ein⸗ gehe, und das groſe Werk ſeiner Seligkeit mit gan⸗ zem Ernſt anfange, aber wenn er wie bey einem Schiff⸗ bruche noch erhalten wird, ſo wird er doch deswegen nicht alles, nicht das Ganze wieder erhalten, was er verlohren hatte. Er iſt ſelig, unausſprechlich ſelig, auch auf der niedrigſten Stufe der Seligkeiten, von welcher er in die Hoͤhe zu herrlichen Graden hinanſteigt, aber er wird doch jenen erhabnen Glanz der Himmels⸗ bewohner nicht erhalten, den ihin eine ſtete Treue, ein b groͤſerer Ernſt, ein redlicherer Fleiß der Gottſeligkeit gegeben haͤtte. Na⸗ meiner Seelen Seligkeit Laß, Herr! mich eifrig ringen. Solt ich die kurze Guadenzeit In Sicherheit verbringen? b Wie wuͤrd' ich einſt vor dir beſtehn? Wer in dein Reich wuͤnſcht einzugehn, Muß reines Herzens werden. 6 ihte: meite, dtigeit Hwiede, Bute tut nicht ge tuch das johren, mit den t? Undt ger notyt. rackendes und Sit caurige Gt owendih 8d dä ſich ſib feit mit i nem Sch cch desw ten„ ww rechlich gkeiten, en hinanſe der Him. tte Treuſi Gottſähi Sey meine groͤſte Sorge. Unvollkommenheit doch als nothwendige ꝛc. Erſt an dem Schluß der Lebensbahn Auf ſeine Suͤnden ſehen, uUund wenn man nicht mehr ſuͤnd'gen kann, Gott um Erbarmung flehen; Das iſt der Weg zum Leben nicht, Den deines Geiſtes Unterricht Uns hier ſo klar bezeichnet. Du rufſt zur ernſten Heiligungs Drum laß auch hier auf Erden, Des Geiſtes wahre Beſſerung Mein Hauptgeſchaͤfte werden. Herr ſtaͤrke mir dazu den Trieb, Nichts ſey ſo groß, nichts mir ſo be, Das ich ihm nicht aufopſt re. Gewoͤnn' ich auch die ganze Welt Mit allen ihren Freuden, Und ſollte das, was dir gefaͤllt, O Gott! daruͤber meiden: Was huͤlfe mirs? kann auch die Welt Mitt allem, was ſie in ſich haͤlt Mir deine Gnad erſetzen? Was fuͤhrt mich ſen Zufriedenheit Schon hier in dieſem Leben? Was kann mir Troſt und Freudigkeit, In Noth und Tode geben: Nicht Menſchen Gunſt, nicht irdiſch Gluͤck, Nur Gottes Gnade, und der Blick Auf jenes kebens Freuden. 5 Nach dieſem Kleinod, Herr! 35 mich Vor allen Dingen trachten, Und was mir daran hinderlich b Mit edlem Muth verachten. Daß ich auf deinen Wegen 99. Und im Gericht dereinſt beſteh 88 Unſer Glaube an eine Verſoͤhnung und Doch was vermag ich, wenn du nicht Vor Traͤgheit mich beſchuͤtzeſt, Und mich zur Treu in dieſer Pflicht Mit Kraͤften unterſtuͤtzeſt? O ſtaͤrke mich, mein Gott dazu, So find' ich hier ſchon wahre Ruh Und dort das ew'ge keben. Unſer Glaube an eine Verſoͤhnung und den Ver⸗ ſoͤhner macht die Vorbereitung durch wahre Froͤmmigkeit dringender und nothwendiger. Ue Seligkeit iſt das Werk des Erloͤſers. Durch ihn ſind wir von unſrer groſen Hofnung belehrt, und ſein iſt das Verdienſt derſelben. Mit unſrer Tugend und Froͤmmigkeit koͤnnten wir keinen Anſpruch auf den Himmel machen. Es iſt und bleibt bey uns ſo viel ſtrafbares, und in uns ſo viel mangelhaftes, daß wir mit keiner freudigen Zuverſicht auf die Ewigkeit hinſehen duͤrften. Hier allein finden wir die Schutz⸗ wehre gegen alle Verzweiflung, wenn uns unſer Herz anklagt und verdammt, und den einzigen Grund der Moͤglichkeit, noch im Tode Barmherzigkeit zu finden. Unſre Reue, unſer Schmerz, unſre Verwuͤnſchungen jener Suͤnde nehmen ſelbſt das Unrecht nicht weg, tilgen es aus dem Gedaͤchtniß des Heiligſten nicht, beben ihre Folgen nicht auf, und koͤnnen uns nicht gegen die Vorwuͤrfe unſers eignen Gewiſſens, und noch weniger vor dem Heiligſten und Gerechteſten in Schutz nehmen. Hier finden wir allein unſte Beru⸗ higung zung und du ncht ſücht d, Ruh nund den a d duuch vie avendiger. rs. Duard az'elehrt, und uſter Tugen, münſptuch au dabt bey vnsj orelhaftes, d die Ewiii gyit die Sch uns ünſet rren Grunde a zkeit zu fi erwuͤnſchun att nicht eiligſten ni Inen und 1 wiſſens,! Gerechteſt n in unſed 44 den Verſoͤhner macht die Vorbereitung ꝛc. 89 higung in der goͤttlichen Barmherzigkeit, nicht auf ein Vielleicht, auf einen bioſen Wunſch ſeiner Gna⸗ de, ſondern auf ſeine gewiſſe und untruͤgliche Erklaͤ⸗ rung, welche er uns in ſeinem goͤttlichen Worte ge⸗ geben, und womit uns unſer Erloͤſer aufgerichtet hat. Nicht eine Barmherzigkeit, die mit ſeiner Heiligkeit im Streite ſteht, und uns noch ſo wichtige Zweifel fuͤr unſer Herz zuruͤcklaſſen wuͤrde, ſondern dieſe Er⸗ barmung, die mit ſeiner unendlichen Heiligkeit und Gerechtigkeit in einer ſo weiſen Verbindung ſtehr. Sei⸗ ne unerforſchliche Weisheit und Guͤte hat das Mit⸗ tel erfunden und uns bekannt gemacht, wodurch fuͤr unſre Ueberzeugung, Gewißheit, voͤllige Beruhigung ſo vollkommen geſorgt iſt. Ein Mittel, wodurch ſei⸗ ne Gerechtigkeit und Heiligkeit, der hoͤchſte Abſcheu alles Boͤſen, das unverlezliche Anſehen der heiligſten Geſetze, die hoͤchſte Liebe zur Wahrheit und zum Rechte, und doch auch die bewundernswuͤrdigſte Guͤte und Barm⸗ herzigkeit, Langmuth und Fuͤrſorge fuͤr die Errettung des Suͤnders vereinigt iſt. Der goͤttliche Verſoͤhner traͤgt unſre Suͤnden, und tilgt die Strafen und die Verdammniß des gebeugten Suͤnders; aber er fuͤhrt ihn auch zuruͤck in die Wege der Gottſeligkeit, und zuͤndet in ihm das edle Feuer von Beeiferung zum wahren Guten an. Dies iſt die himmliſche Lehre, worauf wir unſere Beruhigung gruͤnden, Vergebung unſrer Suͤnden und ein ewiges Leben hoffen, und uns gegen die Verzweiflung ſchuͤtzen. Aber ſoll ſie nun wol gar eine Schutzwehre fuͤr den Laſterhaften werden? wird nun die ungeheuchelte Froͤmmigkeit uͤberfluͤſſig? oder entbehrlich, oder weniger nothwen⸗ dig? wird nun das Laſter, oder uͤberhaupt die Suͤnde unſchaͤdlich? Dann wuͤrde der Unglaube mit Recht dieſe erſte und himmliſche Lehre verwerfen, und die ganze geſunde Vernunft muͤßte ſich dagegen empoͤren. Sol⸗ . che 90 Unſer Glaube an eine Verſoͤhnung und che Lehre kann nicht von Gott ſeyn, und ſo lehrt uns Gott auch nicht. Koͤnnte denn der Heiligſte, das reinſte und voll⸗ kommenſte Weſen wol ſeine eigne Natur verleug⸗ nen, Suͤnden in den Schutz nehmen, und den Menſchen, den er zu ſeinem Bilde ſchuf, dem er die heiligſten Geſetze gab, und damit ſo groſe Dro⸗ hungen und Verheiſungen verknuͤpfte, furchtlos und ſicher ſuͤndigen lehren? Nein, em ſolches Evange⸗ lium kann es nicht geben, und es wauͤrde ſeinen Betrug ſchon an der Stirne tragen. So konnte un⸗ ſer Verſoͤhner nicht lehren, und wer kann frech genug ſeyn, ihm ſolche Abſichten ſeiner Erloͤſung anzudich⸗ ten. Der Erloͤſer iſt Gott, und er koͤnnte die Suͤnde geradezu unſchaͤdlich und den Suͤnder ſicher machen wollen? Er iſt das Ebenbild Gottes, und unſre Tugend und Froͤmmigkeit koͤnnte ihm ſo wenig am Herzen liegen? Er fuͤhrt ein ſo un⸗ ſtraͤfliches Leben, iſt der reinſte, beſte, vollkommenſte unter den Menſchenkindern, und wir ſeine Nachfol⸗ ger duͤrften ſicher ſuͤndigen? Er ſchaͤrft uns mit ſo vie⸗ lem Ernſte ſeine Gebote, die heiligſten Geſttze ein, und dringt ſo anhaltend und ſtark auf taͤglich groͤſere Bollkommenheit, und doch ſolte er es unſchaͤdlich machen wollen, ſie zu uͤbertreten? Er weiſet uns auf ſein Beyſpiel, und wir koͤnnten das Gegentheil von ihm ſeyn? Ein Chriſt ſeyn, und an Chriſtum glau⸗ ben, das waͤre dann ohne Gefahr nach ſeinen Luͤſten le⸗ ben, und dann nur dem Erloͤſer zutrauen, er werde uns bey dem allen ſelig machen. Was waͤre das fuͤr ein Himmel und fuͤr eine Seligkeit, die man bey ſei⸗ nen laſterhaften Geſinnungen ſo leicht genieſen koͤnnte. Nein! ſo lehrt mich Gott und mein Erloͤſer nicht. Er iſt der Verſoͤhner und Retter des Suͤnders, aber nur des Suͤnders, der es weiß und empfindet, wie ungluͤcklich die Suͤnde ——— ung und 2 7 Vnd o 6 eeinſte und 1 Natur ven nen, und chaf, dn V ſo groſe d d furctlan wuͤrde h So konnten 3⁄ ftech ga = ung anzude Ber koͤnnte * Süͤnder ſihe rbild Gotte könnte ihn it ein ſo un Wollkommenſte neine Nachfol as wit ſo vi ie Geſttze ein 2 taglich größn Zes unſchädde Vpeiſet uns i s zegentheil raühriſtum Dinen Lüſta e uen, er me — waͤre duſt eman bo m enieſen känt vrnicht. G — abet un — unglücki 1 den Verſoͤhner macht die Vorbereitung ꝛc. 91 Euͤnde macht, der mit Abſcheu und Haß jede ſeiner Ueber⸗ tretungen erblickt, der ſeine Wege aͤndert und nun mit groſem Ernſte Gott fuͤrchtet, und ſein Geſetz bewahrt. Glaube an ihn iſt nicht blos ein blindes Bertrauen auf ſeine Verſoͤhnung, ſondern auch zugleich die willige und freudige Annahme alles deſſen, was er gelehrt und befohlen hat, und eine redliche Verpflichtung, ſeine Gebote mit ganzem Herzen zu erfuͤllen. Dieſe Verſohnung ſelbſt, die den Suͤnder aufrichtet, iſt auch die ſtaͤrkſte und maͤchtigſte Verpflichtung, und wirkt die feſteſte Ent⸗ ſchlieſfung, mit groͤſerer Sorge die noch uͤbrigen Tage Gott zu heiligen. Darum kam er, daß er ſich nun unter den Menſchen reinigte ein Volk, das fleiſig waͤre zu guten Werken. Dies iſt allein der Glaube, der uns ſelig macht, welcher durch die Liebe thaͤtig iſt. O wie koͤnnte ich ſo thoͤricht ſeyn, die groͤſte aller Wohlthaten, die Verſoͤhnung Jeſu zu meinem Ungluͤck zu misbrauchen! ſo Got⸗ tes Gnadenwerk, ſo Jeſum und ſeine theure Erloͤ⸗ ſung verlaͤſtern, ſie als einen Vorſchub der Suͤn⸗ de, und als eine Beſchoͤnigung meiner Laſter zu gebrauchen? alt Glaube ohne wahre Froͤmmigkeit iſt ein leerer Ge⸗ danke, eine thoͤrichte Einbildung, ein elender Be⸗ trug! Durch Jeſum werde ich ſelig, und habe Recht und Hofnung dazu, aber doch nur dann, wenn ich mein Herz zugleich ſeinen Geboten oͤfne, und ſeinem Bilde aͤhnlich werde. Der Suͤnder, welcher die ſchrecklichen Folgen der Suͤnde empfindet und um Er⸗ barmung ſlehet, findet ſie in ihm, aber wenn zu⸗ gleich ſein Herz gebeſſert wird; und dann wird dieſe ſeine Seligkeit in dem Erloͤſer doch dem Grade ſeiner Froͤmmigkeit gleich ſeyn. Kann dann der arme Meuſch wohl glauben, daß mit ſeiner Bekeh⸗ rung 92 Unſer Glaube an eine Verſoͤhnung und rung und Begnadigung auch die erhabne Stufe der Belohnung verknuͤpft ſeyn kann, welcher ſich der ſtandhafte Sieger uͤber harte Verſuchungen und in Gefahren, der treue, redliche und beſtaͤndige Freund der Gottſeligkeit erfreuen kann? O wie koͤſtlich iſt und bleibt der Werth der Tugend, und wie norh⸗ wendig iſt ſie, ſich die Kronen der kuͤnftigen Herrlich⸗ keit zu bereiten, und reiche Garben vor dem Richter der Welt zu binden? W 8s hilft es mir ein Chriſt zu ſeyn, Wenn ich nicht chriſtlich lebe, Und heilig, fromm, gerecht und rein Zu wandeln mich beſtrebe?. Wenn ich dem ſeligen Beruſf, Zu welchem mich mein Gott erſchuf, Nicht wuͤrdig mich beweiſe, Und den, der mich erloͤſet hat, In Worten blos, nicht durch die That Und gute Werke preiſe. Was hilft der Glaub an Jeſum Chriſt, Den ich im Munde fuͤhre, Wenn nicht mein Herz rechtſchaffen iſt, Und ich die Frucht verliehre? Wenn mich die Eitelkeit der Welt, Mit ihrer Luſt gefangen haͤlt, Ich ihre Feſſeln liebe, Und fuͤhlbar fuͤr der Suͤnden Reiz, Stolz, Rachgier, Fleiſchesluͤſte, Geiz In Werk und Thaten uͤbe. Weit ſtrafenswuͤrd'ger bin ich dann, Ich, der ich Chriſtum kenne: Weiß, was er einſt fuͤr mich gethan, Ihn Herr und Heiland nenne; Als der, der in der Finſterniß Des Irrthums tappt, noch ungewiß, Ob er auch richtig wandle! den Verſoͤhner macht die Vorbereitung ꝛc. 93 Drum ließ der Herr ein Vorbild hier 6 alda ſt In der Apoſtel Schriften mir, 6 6 und Damit ich darnach handle. Jandige Ftan wie il Und ach, wo find ich Troſt und Ruh, Aind wie ne Wenn mich die Leiden druͤcken, 1in e M Und mein Gewiſſen kommt d igen Han Und mein Gewiſſen kommt dazu, eni Die Schuld mir vorzuruͤcken; t dem A Wo find' ich Troſt in jener Noth: Kommt hier der ſchauervolle Tod, Mein Grab mir aufzudecken, V Und meine Suͤnden lagern ſich Umher, gewafnet wider mich hn, Mit einer Hoͤlle Schrecken? Weh mir, was hilft es mir einſt dort, Erweckt aus meinem Grabe 4 Daß ich an Chriſtum und ſein Wort, Zum Schein geglaubet habe: Wenn keine fromme gute That Mein Leben hier bezeichnet hat, 1ru Den Glauben zu beſtaͤrken? Der Grund von meiner Seligkeit Jait Iſt Glaube und Rechtſchaffenheit Der Glaub mit guten Werken. Gott! dieſer Hofnung werth zu ſeyn, . Gieb, daß ich chriſtlich lebe, Und vor dir heilig, fromm und rein, Zu wandeln mich beſtrebe. 2. Gieb mir Erkenntniß, Kraft und Muth, 8 4 Damit ich Sunde, Fleiſch und Blut eiz Im Glauben uͤberwinde. 3— b Daß ich nach wohl durchlebter Zeit, Den Lohn in jener Ewigkeit Fuͤr meine Werke finde. 17 V 1 uenuneenetwnwe 94— ſich ſchon auf die Ewigkeit anzu⸗ ſchicken habe. Mein ganzes Leben, und alſo auch die Fruͤhſtunde deſſelben muß Gott geheiligt ſeyn. Gehoͤre ich ihm in den Jahren meiner Jugend weniger an 2 bin ich ihm weniger ſchuldig? und wozu gab er mir dieſe jugendlichen und muntern Kraͤfte? Auch dieſe werde ich ohnfehlbar einmal berechnen muͤſſen. Meine er⸗ ſten und beſten Kraͤfte, die Erſtlinge meiner Empfin⸗ dungen und meiner Thaͤtigkeit muͤſſen zu meiner Boll⸗ kommenheit, zur Verherrlichung meines Schoͤpfers und zum Gluͤck der Ewigkeit hervorſproßen. Ein Herz voll Unſchuld, noch durch keine vorſezliche Suͤn⸗ de entweiht, mit reinen und ungemiſchten Empfin⸗ dungen der goͤttlichen Liebe; froh in der Guͤte Got— tes zum Himmel gerichtet; ein Juͤngling, welcher an der Hand Gottes die Wege der goͤttlichen Gebote geht, und ſich uͤber Menſchengluͤck freut, und aus edlem Mit⸗ gefuͤhl in den Leiden ſeiner Mitmenſchen leidet, wie koͤſtlich vor Gott, und wie vortreflich in ſich ſelbſt! Eine Juͤnglingskraft, welche ſich fuͤr nuͤzliche und gute Thaͤtigkeit fuͤr die Welt ausbildet, Schaͤtze der Weisheit ſammlet, und mit ihnen wuchert, Laſter und Suͤnde flieht, und mit froher Bruſt und eilen⸗ dem Eifer ſeiner groſen und erhabnen Beſtimmung zugeht, wie ruhmvoll und ſchaͤzbar iſt ſie! Hier wird der Grund zu dem ganzen Gebaͤude des Lebens ge⸗ legt. Eine weiſe, gute, heilige Anwendung der Ju⸗ gendjahre, iſt maͤchtiger Fortſchritt, ſein wahres Gluͤck fuͤr die Welt und Ewigkeit zur Vollkommen⸗ heit Wie man in den fruͤhern Jahren des Lebens 4 ds b 2 die Frühin zehoͤre ich tir an? big d er mir uch dieſe ie 1ii. Meine Ageiner Enyi en meiner W anes Schöpſe awroßen. Er ſezliche Süͤn inten Empfin 3 Güte Got⸗ an welcherg at Gevote get dus edlem M aſu leidet, w rrin ſich ſebi r nizlichen 8., Schäͤhg zuchert, R — uſt und i ar Beſtiuna g ie! Hirth ddes Lebels, e ndung de i ſein vi a Pollon, 1 Wie man in den fruͤhern Jahren des Lebens ꝛc. 95 heit zu bringen, und Freuden und Segen uͤber die Welt in reichen Stroͤhmen auszuſchuͤtten: aber auch eine verwahrloſete Jugend, die erſte beſte Zeit des Levens ohne Ausbildung verſchleudert, ſchon von dem Wege der Wahrheit und der Tugend weggefuͤhrt, mit dem toͤdtenden Gift des Laſters angeſteckt, was fuͤr traurige und verwuͤſtende Folgen drohet ſie der Zu⸗ kunft, dem Menſchen ſelbſt und der Welt? Unniüͤtz, ja vielmehr gefaͤhrlich, ſchaͤdlich und verderblich geht er durch lauter Irrwege dahin, worauf er ſo ſelten wie⸗ der zuruͤckkommt: er wird ein Ball ſeiner Leiden⸗ ſchaften, ein Feind der Unſchuld, ein Veraͤchter des Glaubens und der Wahrheit, ein Vergifter der be⸗ ſten Seelen, ein Stoͤrer der Ruhe und des Friedens anderer, eine Peſt der Welt in jedem Stande, in jedem Verhaͤltniſſe und durch alle Zeiten. O welche unuͤberſehbare Kette von Elend folgt aus einer unbe⸗ wachten Jugend, aus einer unbewahrten Unſchuld des erſten Lebens, aus der Laſterhaftigkeit der Fruͤh⸗ ſtunde unſers Seyns! Fromme und geheiligte Jugendjahre legen den Grund zu fraͤhen und edlen Fertigkeiten und Gewohn⸗ heiten. Ungemiſcht iſt die himmliſche Freude eines Herzens, das noch die Laſter nicht kennt; leichter der Weg der Tugend, immer feſter das Herz gegen jede Verſuchung, und ſelige unausſprechliche Hei⸗ terkeit mit allen belohnenden Folgen eines unſchuld⸗ vollen und heiligen Jugendlebens besleiten ihn durch jede Stufe des Alters, ſeine Fruchtbarkeit in edlen guten Geſinnungen und ruhmvollen goͤttlichen Tha⸗ ten nimmt immer zu: und er wird der eigentlich gute und fruchtbare Baum in dem Pflanzgarten Got⸗ tes. O wie froh ſieht doch der Menſch, der als Juͤngling, als Mann und als Greis die Jurcht . Gottes 95 Wie man in den fruͤhern Jahren des Lebens Gortes und ein gures Gewiſſen bewahrte, in die Ewigkeir und in jenes Land ſeiner reichen Aerndte in. p Aber wie unbeſchreiblich traurig, wenn dieſe koͤſt⸗ lichen Jahre der Jugend, Jahre des Laſters und der Suͤnde werden! Hier wird der Grund gelegt zu dem toͤdtenden und entehrenden Muͤßiggange, zu der Ver⸗ ſtellung und dem Betruge, zur Unreinigkeit und zur viehiſchen Wolluſt, zur Ungerechtigkeit und Bosheit, und zu allen den Laſtern, die das Leben und den Tod und die Ewigkeit verwuͤſtend und elend machen. Wie geſchwinde eilt der Juͤngling von Suͤnden zu Saͤnden dahin, und mit welchen Rieſenſchritten fuͤhrt ihn die Munterkeit ſeiner Kraͤfte zum Rande des Verden⸗ bens! wie bald zehren ſelbſt die Laſter oft ſeine Ju⸗ gendkraͤfte auf, und er iſt fruͤh ein Greis, und eine Beute des Todes! Auch der Juͤngling iſt immer ſeinem Grabe nahe; der mehrſte Theil der Menſchen geht ſchon wieder an dem Morgen ſeines Lebens zu ſemnem Schoͤpfer zu⸗ ruͤck: und was iſt der Juͤngling auf ſeinem Sterbe⸗ berte, unter den Vorwuͤrfen ſeines Gewiſſens, das ihm die wenigen Tage ſo voll von Suͤnde und Schan⸗ de zeigt, und die Unſchuld und Tugend ſo fruͤh von ſich weggeworfen hat? Und wer iſt der Juͤngling, der nicht fuͤrchten darf, morgen wird meine Bluͤthe wel⸗ kten, und mein eitles Herz wird von dem Richter der Welt gepruͤft werden. O wie wichtig iſt fuͤr ihn der Ausſpruch des Weiſen: Gedenke an deinen Schoͤpfer in deiner Jugend. Aber wenn nun der Menſch auch zu hoͤhern Jah⸗ ren fortgeht, ſo bleibt ihm doch das Andenken ſeines fruͤhern Lebens, und er genießt der guten oder uͤblen Fruͤchte derſelben. Das Gebaͤude bleibt immer uͤbel, wenn es auf einem boͤſen Grunde ruher. Er ſieht zuruͤck/ V v——— 121 9 8 An i a benn dieſe 3Laſters 4 i gelegt zu 1e, urde knigkeit ung in fährt ihn en des Jme oft ſeine 4 is, und ei an Grabe nah — von wiederg 2 Schopfer hnem S 3 viſſens/ d 2 n üͤr ine inen Sth u hoͤher endenken ſer en oder ℳ nt immer het. E u er ſich auf die Ewigkeit anzuſchickenhabe? 97 zurüuͤck, und er finder in ſeiner Leichtſinnigkeit, ſeinen Ausſchweifungen und Thorheiten, ſeinen Zeitverder⸗ ben und Verſaͤumniſſen der Gelegenheit, ſeine Kraͤfte auszubeſſern und anzuwenden, ſeinen Ver⸗ ſchwendungen, ſeinen Lüſten, und kurz in der Un⸗ beſonnenheit der erſten Jahre, die Qu lle ſeiner Ver⸗ Fachtung, ſeiner Arnunth⸗ ſeiner Zaruͤckſtoßung, ſeines ſiechen Koͤrpers und ſeines mancherley Elendes, oder doch ſeiner groͤſern Einſchraͤnkung; und noch mehr der bittern Vorwuͤrfe ſeines Gewiſſens. Auch bey ſeiner Beſſerung und der Begnadigung durch ſeinen Erloͤſer ſteht er auf jene erſten Tage mit Schaam und Betruͤbniß hin, und noch in ſeinem Sterben erfuͤllt ihn das Andenken ſeines fruͤhen Lebens mit Weh⸗ muth, und ſeufzt: Gedenke nicht der Suͤnden meiner Jugend; ja deſto mehr mit Wehmuth und Schmerz, wenn davon noch manche Suͤnden fortdauren, die er nicht verbeſſern konnte, noch manche Zeugen ſeiner Suͤnden, manche verfuͤhrte und gekraͤnkte herumge⸗ hen, in welchen er ſich immer von neuem anklagt. Wie unausſprechlich erfreulich, herzerhebend und koͤſtlich iſt dagegen die Erinnerung einer in Reinigkeit und Unſchuld des Herzens, in Maͤßigkeit, in edler Betriebſamkeit, in Bedachtſamkeit, in eifrigem Be⸗ ſtreben nach wahrem Ruhm, und einer vor den Au⸗ gen Gottes und nach der Regel Jeſu durchgelebten Jugend! wenn uns das Andenken keiner ſchaͤndlichen That, keiner vorſezlichen Suͤnde, keiner Treuloſig⸗ keit gegen Gott beunruhigt? wenn wir die Warnun⸗ gen und Beſtrafungen unſers Gewiſſens achtſam hoͤr⸗ ten, und unſern Taufbund heilig bewahrten? wenn die Gnade Jeſu und ein unverleztes Gewiſſen unſer beſtes Gut und unſer erſter Wunſch war! wenn end⸗ lich unſer ganzes Leben dem Vorbilde Jeſu aͤhnlich und ein Wandel zum Himme war? Welcher Troſt in — 98 Wie man in den fruͤhen Jahren des Lebens iu den Leiden dieſer Zeit, und welche Freudigkeit im Vertrauen auf Gott! welche Heiterkeit der Seele im Leben, und welche Ruhe und Seligkeit im Tode. Das iſt der Tod der Gerechten, den unſre Seele wuͤnſchet. O wie ſchaͤßbar und wichtig iſt die Froͤm⸗ migkeit in den Jahren der Jugend, und von den er⸗ ſten Zeiten des Lebens an. Sie iſt und bleibt die beſte Vorbereitung zu einer vollkommnen und hoͤhern Seligkeit.. 4 W. eilt ihr hin, ihr Lebensſtunden? Zeit, edle Zeit! wie fliehſt du hin? Wie mancher Tag iſt ſchon verſchwunden, Seitdem ich leb' und ſterblich bin! Ein groſer Theil von meiner Zeit Iſt ſchon im Meer der Ewigkeit. Ermuntre dich aus deinem Schlummer, O meine Seel, ermuntre dich! Dies ſey dir jezt ein frommer Kummer, Daß mancher Tag umſonſt verſtrich. Denn der verſaͤumte Augenblick Zum Gutes thun kommt nicht zuruͤck. Der ſchoͤne Fruͤhling unſers Lebens, Perſchwindet, als ein leerer Traum; Es ſcheint, als lebten wir vergebens, Wir denken, und wir wiſſens kaum: Kein Vogel fliegt ſo ſorglos hin, Als unſre Junglingsjahre fliehn. Der Thor durchlebet ſeine Jahre, Eh er des Lebens Werth verſteht; Er nahet fruͤher zu der Bahre, Als er den Weg der Tugend geht. Was iſt ein menſchlich Leben werth, Das ungenuzt voruͤber faͤhrt. * des eden ſich auf die Ewigkeit anzuſchicken habe. 99 9 1„ 5. eruudiat Sey keinen Theil des Lebas muͤßig, ſat det e Daß du nicht ſeine Pflicht erfuͤlſſſtſtt: eligteit im a Du haſt den Tag nicht überfluͤßig, en unſte 6 w Den du ſo gern verſchwenden willſt. stig iſt de 1 Dies iſt der wichtigſte Verluſt, 2 eund von 5 Wenn du die Zeit bedauren mußt. und bleit Thu bald von jedem deiner Tage, nen und e. Vor dem Gewiſſen Rechenſchaft, Durchdenk ihn, leg ihn auf die Wage: Vollbrachteſt du ihn tugendhaft? Haſt du nach Moͤglichkeit gethan, Was Gott von dir einſt fordern kann. Dunden r. deg. Gott! meine Tage ſind verſchwunden, 7 wunden, Sie ſind als wie ein Dunſt verraucht. Ach! wie viel tauſend edle Stunden, 5 Heob ich nicht nuͤzlich gnug verbraucht! 5 Sie alle ſtehn in deinem Buch! Verzeih! und tilge ihren Fluch. Rmer, Herr meines Lebens, ſey doch kuͤnftig, d ver. Mein Heil, und meines Lebens Kraft; 4 Spo wandl ich als ein Menſch rernuͤnftig; t. Und leb als Chriſt gewiſſenhaft; uck. So dank ich in der Ewigkeit, Dir fuͤr den groſen Schatz, die Zeit. dai, m drns,“ 41 S * Die Pflicht dieſer Vorbereitung im Alter. ur ſehr wenige bringen ihre Tage uͤber die Haͤlfte des menſchlichen Lebensalters, und wie kurz und un⸗ 9h bedeutend iſt doch das laͤngſte Ziel, das wir hier er⸗ reichen koͤnnen? Was ſind Sha⸗ ſiebenzig und acht⸗ G 3 iig 400 Die Pflicht dieſer Vorbereitung zig Jahre, und wi unbemerkt und ſchnell ſchleicht man von dem Fruͤhling des Lebens zum Mittag und endlich zum Abend hin! ſo wie ein Traum des Nachts, wie eing Schatten, und wie ein Dampf verfliegt. Und doch aus wie vielen Tagen, Stunden und Au⸗ genblicken iſt es zuſammengeſezt? Wie viel koͤnnen wir darin thun, wie viel vernachlaͤßigen und verſai⸗ men, wie viel, unzaͤhlig viel Boͤſes und Suͤnde koͤm nen wir darin fuͤr die Ewigkeit ſammlen, und uns Schrecken und Elend auf die zukuͤnftige Welt haͤufen. Der Juͤngling iſt immer reif zum Tode, doch er kann noch zum Greiſenalter gehen, was kann aber der Menſch im Alter und was kann der Greis noch e⸗ warten. Er geht nahe an ſeiner Gruft dahin, ii ſein Fuß ſteht bereits zum Einſinken und zum Wer⸗ weſen auf dem Grabe. Heute rechnet er noch a einen oder einige Tage, und morgen iſt er nicht meht da. Strafbar und gefaͤhrlich iſt die Leichtſinnigtei der Jugend, die unbedachtſam die koſtbare Zeit des Lebens verſchleudert und nicht vor ſich hin, nicht weiter auf die Ewigkeit hinblickt: aber was iſt die Leichtſinnigkeit eines von Jahren gedruckten, an den Pforten der Ewigkeiten noch unbeſonnenen und von den Luͤſten der Welt trunkenen und dahin ſchlum⸗ von den Guͤtern der Welt geblendet iſt, noch hier ſeine Habſucht und ſein Geiz nicht geſaͤttigt, ſein Stolz nicht genug befriedigt, ſeine Eitelkeit und Wol⸗ luſt nicht genug genaͤhrt werden kann; wenn er hier noch Entwuͤrfe fuͤr dieſes Leben und auf viele Jahte machen, und ſein Auge vor der geoͤfneten Pforte des Todes und der Ewigkeit verſchlieſen kann. Iſt esſo nothwendig, ſo aͤuſerſt dringend nothwendig, ſtets und ſchon in den erſten Jahren des Lebens fuͤr die Ewigkeit zu ſorgen und auszuſtreuen: o wie 9. mehr mernden Menſchen? Wenn auch noch hier das Herz Ligen und w und Säͤn imlen, mhe tiige Welt de, doch a ds kann aba Greis noch euft dahin, und zum V dhet er noch anter nicht m Leichtfinnin bare Zeit! uch hin, u mer was iſ an uckten, an enen undw an dahin ſchen cch hier dash dr iſt, noch h. td eſättigt, ſe clteit und W an wenn et auf viele Jt äten Pfoun unn. Jſe t hwendig, V 9 8 Lbens aan: d k. —— — ⏑ↄ— 1 — arnim Alter. 105: webe bat der Greis Anſtalten fuͤr die Zukunft zu treffe!n! L Iſt das Leben bis zum Alter unſchuldig und bey einem guten Gewiſſen hingefloſſen; ſo ſucht der Fromme nun ſeinen groſen Beruf und Erwaͤhlung zum Himmel noch feſter zu machen, auch ſeine lez⸗ ten Tage durch Beyſpiel, durch maͤchtigere und eindringendere Ermahnungen und Beſſerung ſeiner juͤngern oder gleichguͤltigen Mitgefaͤhrten, durch fromme und edle Thaten, durch Gehet und Staͤrke ſeines Glaubens immer fruchtbarer zu machen, und ſeine Beylage oder ſeinen Schatz fuͤr die Ewigkeit immer mehr zu vermehren: iſt aber das Leben un⸗ ter den Befleckungen des Geiſtes, ohne Gott/ ohne Furcht vor ihm, in Suͤnden, in Ungerechtigkeit, in Laſtern dahin gefloſſen, und verlohren, fuͤr ewig verlohren; o ſoll auch noch der kleine Reſt des Le⸗ bens, noch dieſer kleine Theil unſrer Tage, noch der kurze Raum unſers Weges bis zum Richter verlohren gehen! Wer rettet doch, wenn die Flam⸗ me ſein Gut ergriffen, nicht ſo vigl oder ſo wenig,⸗ als er kann. Man kann im Alter nicht mehr ge⸗ winnen, was man in der Jugend verſaͤumt hat, man kann den Schaden nicht mehr ganz erſetzen, den man ſich durch ſein voriges Leben zugefuͤgt hat, aber ſoll man nun auch alles verliehren nun nichts mehr retten, nichts mehr ausbeſſern, was man et⸗ wan noch kann, nicht mehr erhalten, was noch zu Herhalten iſt? Wenigſtens muß doch noch der un⸗ ſterbliche Geiſt erhalten, und vor dem Untergange bewahret werden. Auch die lezte Stufe der Se⸗ ligkeit, iſt Seligkeit. Noch iſt die Zeit der Ge⸗ duld, der Langmuth und der Guͤte Gottes; noch am Abend des Lebens ruft die Stimme des Er⸗ barmenden zur Buße, noch da wird der Werrd .5229 er 102. Die Pflicht dieſer Vorbereitung Verſoͤhnung Jeſu gepredigt, noch da kann man Barmherzigkeit finden, noch ſo manches Boͤſe zuruͤck⸗ nehmen, ſo manches Gute noch beſchlieſen und aus⸗ fuͤhren, und das, was man denn im Alter kann, das muß dann deſto ernſtlicher geſchehen, je mehr vorher verſaͤumt war. e Warum laͤßt Gott manchen Menſchen ohn⸗ geachtet aller ſeiner Bosheit und aſterhaftigkeit gleichwohl ſo lange leben, wenn er dagegen den blu⸗ henden Juͤngling in ſeiner ſchoͤnſten Hofnung, die er der Welt gab, den Mann mitten in ſeiner be⸗ ſten Betriebſamkeit, in ſeinen Anſtalten und from⸗ men Eifer im Guten dahin ſinken laͤßt? Seine Wege ſind uns hier dunkel, und er zeigt uns, daß wir die Tiefen ſeiner Weisheit hier noch nicht erforſchen. Er entzieht einer undankbaren Welt oft den Segen, den ſie nicht erkennt, ſchaͤzt und nuzt; er eilet oft mit ſeinen Freunden, ehe ſie fab⸗ len und der nahen Verſuchung unterliegen, oder belohnt ſie mit beſſern Freuden, als ihnen die Welr geben kann, und weiß ſeine guten Abſichten auf andre Weiſe und durch andre Menſchen, oder nach andern und beſſern Abſichten auszufuͤhren: und ſo lebt der Suͤnder oft zum hohen Alter da⸗ hin, bald zum Zeugniß der Geduld und Langmuth Gottes, bald zur Zuͤchtigung andrer, bald zunt Beyſpiel der groͤſern Strafserechtigkeit, weil das Alter oft noch die Fruͤchte der Suͤnden der Ingend und des vorigen Lebens einaͤrndtet, aber vornem⸗ lich erhaͤlt Gott den Suͤnder um das Maas ſeiner Barmherzigkeit gleichſam bey ihm zu erfuͤllen. Es iſt Schonung zur Buße und zur Rettung. Gott! wie ſchrecklich iſt es, Fo. 60. 70. und mehr Jahte gelebt, ſo viel Zeit der Geduld und Gnade gehabt zu haben, und nun nicht gelernt haben, ſelig zu ſterben/ Menſchen 3 Kiſterdefet dagegen da N Hoſnung, a) in ſeiner drteu und fu lißt? Sa tner zeigt un erbaren Mi at, ſchaͤzt ud t ehe ſie ſi anliegen, dd uen die We an Abſchten d nſchen, w *9) auszufühte hen Alter sdund Langmu anr, bald zu att, weil d aan der Jüget ſterben 7 gehen. im Alter. Her der Zeit und Ewigkeit, 8 Gieb doch, daß ich bis ans Ende, So wie mir dein Wort gebeut, Kluͤglich meine Zeit verwende, Die mir noch dein weiſer Rath Auf der Welt beſchieden hat. Wie ein Traum ſo ſchnell verfleehnln, Unſre Jahre, Tag und Stunden. Doch mein Werk und mein Bemuͤhn, Iſt mit ihnen nicht verſchwundenz Der Vergeltung Ewigkeit, Folgt auf dieſe Arbeitszeit. Gott! wie ungenuzt ſind ſchon, Hier ſo manche meiner Zeiten,— Mir auf immerhin entflohn, Unter ſchnoͤden Eitelkeiten! Thoͤricht ward die Zeit vollbracht, Die mich jezt bekümmert macht. Doch erbarmend ſchenkſt du mir, Jezt noch Zeit und Raum zur Buße. Herr! ich komm und falle dir, Voller Schmerz beſchamt zu Fuße: Sey mir gnaͤdig! ach mich reus Meine hier verlohrne Zeit. 3 Wiederbringen kann ich nicht, Was auf ewig mir verſchwunden. Dooch ich bin der Zuverſicht; MNKuͤtz' ich nur getreu die Stunden, b Die du mir noch ferner ſchenkſt! Daß du gnaͤdig mein gedenkſt. 103 nun noch fuͤr die Ewigkeit verlohren zu Gluͤcklich! wer noch zur Weisheit des Evangelii zuruͤckkehrt, und doch wenigſtens an dem Abend ſeines Lebens gerettet wird. Lehre 104 Von dem Ungluͤck eines Menſchen, Lehre mich die kurze Friſt, „Die du mir hier zugemeſſen, Wie es dir gefallig iſt, Brauchen, und es nie baeſfen. Hier nur ſey die Uebungszeit, Zu dem Gluͤck der Ewigkeit. Saͤen muß ich hier mit Fleiß, Zu der Aerndte jenes Lebens. O wie gluͤcklich, daß ich weiß, Dies geſchehe nicht vergebens. Ewig freutſich ſeiner Saat, Wer hier treulich Gutes that. Gott laß deinen guten Geiſt, Mich zu dieſer Weißßheit fuͤhren, Und wie es dein Wort verheißt, Meinen Wandel ſo regieren: Daß ich Gutes hier ausſtreue, Und mich deſſen ewig freue Von dem Unglück eiues Menſchen, welcher un⸗ bereitet in die Ewigkeit geht. Wenn ich dad Leben d der mäbeſten Menſchen um mich her anſehe, ſo werde ich von der innigſten Weh⸗ muth durchdrungen. Gott! mit welcher Unbedacht⸗ ſamkeit, in welcher Trunkenheit der Sinne, mit wel⸗ cher unbeſchreiblichen Leichtſinnigteit lauft doch der groͤſte Theil der Menſchen durch dies Leben hindurch? Ganz fuͤhllos gegen Gott, Religion und alles was heilig , l——— ſhen, welcher w a ht. zenſchen ur an gſten Wi ach Unbedatt uſt doch! en hindur d alls 8. welcher unbereitet in die Ewigkeit geht. 105 beilig und wichtig iſt, wirft er ſich der erſten Begier⸗ die, dem erſten Triebe ſeiner Natur, der aufwallen⸗ den Luſt ſeines Herzens, jedem ſinnlichen Vergnuͤgen in die Arme, ohne zu denken, was daraus werden, was es fuͤr Folgen und Fruͤchte nach ſich ziehen werde: oh⸗ ne es je in Anſchlag zu bringen, daß er einen unſterb⸗ lichen Geiſt in ſich trage, daß Tod und noch mehr, Ewigkeit, auf ihn warte, und von hier die eigentli⸗ che Zeit der Vergeltung angehe, oder auch nur zu berechnen, was das alles fuͤr dieſes Leben ſelbſt, fuͤr dieſen Leib, fuͤr ſeine Ehre, ſein Fortkommen, und ſein irdiſches Gluͤck fuͤr Folgen haben werde, ja ha⸗ ben muͤſſe. Ohne einen vernuͤnftigen Zweck, und oh⸗ ne alle vernuͤnftige Abſichten geht ein Tag nach dem andern dahin, bis ſeine letzte Stunde mit einmal an⸗ bricht. Oder wenn ich auf den kluͤgern Theil hinſehe, der noch nach gewiſſen Grundſaͤtzen und Regeln, und zu gewiſſen Abſichten ſeine Begierden und Handlun⸗ gen ordnet, wohin eilt doch hier der groſe Haufe? So ganz fuͤr dieſe Welt, fuͤr die erſten Plaͤtze und Ehrenſtellen, fuͤr Titul und Spielwerk, fuͤr Ueber⸗ fluß und Samlung irdiſcher Schaͤtze, fuͤr Pracht und Freuden dieſes Lebens eingenommen, ſieht er vor ſich nicht hin; blos das Gegenwaͤrtige blendet und feſſelt ihn, und er vergißt daruͤber den groſen Zweck ſeines Lebens. Mit welcher Leichtigkeit ſtuͤrmt er wider Wahrheit und alles, was gut und recht iſt, wider alles Menſchengluͤck, Ruhe und Wol ſeines Naͤchſten, und haͤuft ſich die ſchrecklichſten Vorwuͤrfe ſeines Gewiſſens. Und ſo traumt er der Ewigkeit entgegen, die Stunde kommt, welche ihm die Decke von ſeinen Au⸗ gentzzieht, wo ſich der Nebel vor ihm zerſtreut, und er ſich in ſeiner wahren Geſtalt erblicket, und der Gedanke von Gott und ſeiner Gerechtigkeit ſeine ganze Seele erfuͤltt und erſchuͤttert; entweder noch hier, Wenn . ein 10 6 Mon dem Ungluck eines Menſchen ſein Juß uͤber die Schwelle der Ewigkeit eben hintreten will, oder erſt dann, wenn er vor dem Richter hingeſtellt iſt. Welche ſchreckensvolle Empfiffbung! welche Fol⸗ ter des Gewiſſens, wenn der Menſch zu ſich ſelbſt kommt. Nun ſieht er zuruͤck, wenn er ſonſt nie zu⸗ ruͤckſehen wolte, oder doch nur zuruͤckſahe, ſich ſeiner Suͤnden zu freuen, und zu neuen Suͤnden Triebe und Reize zu ſammlen, nun ſieht er zuruͤck, mit dem ernſten Gedanken: was war ich, wozu lebte ich, und was iſt die Summe meines Lebens? Und nun findet und fuͤhlt er es nach der ganzen Schwere und dem ganzen Gewichte: er habe zu nichts in der Welt ge⸗ lebt, als nur ſeine Triebe zu ſaͤttigen, ſeine Luͤſte zu befriedigen, und ſeine Sinne zu ergoͤtzen; er habe blos ein thieriſches Leben gefuͤhrt, und ſeine Vernunft ha⸗ be weiter kein Geſchaͤfte gehabt, als nur die Mittel zu erfinden und die Weiſe zu zeigen, die unordentli⸗ chen und verwerflichen, die ſuͤndlichen und ſtrafbaren Neigungen auszufuͤhren; ſeine hoͤͤhere Beſtimmung, ſein grofer Beruf fuͤr die Welt und die Ewigkeit ha⸗ be ihm nie am Herzen gelegen: ohne Gutes zu wirken, ohne nuͤzlich in der Welt geweſen zu ſeyn, ſey der ganze weite Raum ſeiner Hinreiſe zur Ewigkeit von ihm durchgegangen. Gott! welche ſchreckensvolle Nacht des Todes, welcher ſchaudervolle Morgen der Ewig⸗ keit! wo man die Fruͤchte ſeiner Werke aͤrndten ſoll. Ein leeres, ödes Feld des Lebens, ein unnuͤtzes ver⸗ hrnes Leben, das zu groſen, edlen, frommen und guten Thaten gegeben war. b lohrnes Leber Aber noch mehr! wenn nun in dem Gewiſſen alle die ungluͤckſelige Thaͤtigkeit erwacht, womit ein Jag nach dem andern bezeichnet war! Wenn nun die Jaͤhre der Jugend, und auch des folgenden Alters ihren In⸗ hait in ihrer ſchwarzen und ſchaͤndlichen Geſtalt vor Augen legen! wenn der Wolluͤſtige die Reihe ſeiner Schand⸗ ù ss d nun fine dire und de mer Welt ge eine Lüſte zu ther habe blos ernunft ha⸗ die Mittel unordentli⸗ an ſtrafbaren ſtimmung, cigkeit ha⸗ unt w wirken, mey der gan glit von ihn aavolle Nacht ann der Ewig⸗ Krndten ſoll. u nützes ver⸗ n nmen und 9 nwiſſen all nor ein 9 a m die Jär dls ihren *„Geſtalt de 1n Neihe ein Schm der Richter ſeine Ungerechtigkeiten, der Regent das das verſchuldete Elend und Verderben ſeiner Kin⸗ der; und kurz der Suͤnder nun alle ſeine Suͤnden in dem Buche der goͤttlichen Allwiſſenheit, die Thraͤ⸗ nen, die er vergießen machte, die Fluͤche der Ver⸗ fuͤhrten, Geaͤrgerten und Verdorbenen ſieht und hoͤrt? welcher Tag der Verzweiſlung iſt das. Und nun auf Gott hinblicken, ſeine Gerechtig⸗ teit und Heiligkeit, die gemißbrauchte Guͤte und Langmuth, die unterdruͤckten Regungen und Schlaͤ⸗ ge des Gewiſſens, die Verachtung des goͤttlichen Worts, die Verleugnung und Laͤſterung Jeſu, die Verſpottung oder doch den frevelhaften Misbrauch ſeiner Verſoͤhnung und der goͤttlichen Barmherzig⸗ keit fuͤhlen! nun auf die Ewigkeit hinblicken, und ſich ſelbſt jener Seligkeiten beraubt, jener Freuden verluſtig gemacht, und dieſen nagenden Wurm, dieſe verzehrende Glut der goͤttlichen Strafgerechtigkeit gegen alle Warnungen ſich ſelbſt geſchaffen haben? Beſſer waͤre es dann, nie waͤre der Menſch geboh⸗ ren; Berge und Huͤgel bedeckten ihn, und Meere erſaͤuften und verhuͤllten ihn vor dem Angeſichte des Allmaͤchtigen und Gerechten! Aber wer mag der Hand des Allgewaltigen entfliehen! Zittere beein eiſt 10 ½ Von dem Ungluͤck eines Menſchen, Geiſt! vor jener ſchreckensvollen Stunde, und ſlie⸗ he das Ende des Verworfenen! Stelle dich oͤfters zu deinem eignen Sterbebette, taͤglich denke an die Richterſtunde, um nicht unbereitet, nicht zu deinem Entſetzen des Weges zu gepen, den du nicht wie⸗ der tommen wirſt 3 een. dein kurzes Laben eie: HOhne Raſt und unverweilt Stroͤmet ſeine fluͤcht ge Zeit In das Meer der Ewigkeit. Hab auf deine Stunden acht; 8 Wieke gutes; denn die Nacht, Wo man nicht mehr wirken kann, 4 Bricht⸗ eh du es denkeſt, an. Jit noch waͤhrt der Tag des Heils. Triff die Wahl des beſten Theils; 3 Steell dich dieſer Welt nicht gleich; 2— Sey an guten Werken reich. Wiſſe: fuͤr die Ewigkeit, 13 Giebt der Herr auch dir die Zeit. usWeh dir, wenn du ſie veneßſta⸗ utind in deinen Suͤnden ſtirbſt! Die Verſäummiß deiner niche Straft ſein ewiges Gerichh, Und den Mißbrauch jeder Kraft Eine ſtrenge Rechenſchaft. 88 Ddiies empfindet, wer ein Ehrſt 5 Wer es in der Wahrheit iſt. Eingedenk der Ewigkeit Mih er welalich leins Seit. 8 welcher unbereitet in die Swigkeit zeht 109 4 ar Fede Stund, in der ſein Geſſt,. Sich der Erde mehr entreißt, n Geht zu ſeinem Vater hiiuiun i o 1 Wnd ihm ewiger Gewinn. 1 3 4. Jede Stunde, wo er nät, Waiſen hilft und Wittwen ſbu, Dauert unverlohren dort 3 Stets in ſeinem Lohne fort. Wobhl dem, der an Jeſum gläubt, Muthig kaͤmpft, ſein Fleiſch betaͤubt, Gott und ſeinem Naͤchſten lebt Und hinauf zum Himmel ſtrebt! Wohl ihm! Er entſchlaͤft im Heurn, Ruhig, und getroſt, und gern: Schaut, entriſſen dem Gericht, Ewig, Gott, dein Angeſicht. Von dem gefahrvoben Aufſchub ſeinet Buße auf die k lennen Stunden des Lebens. b Bo zu den lezten Stunden meines Lebens die aller⸗ wichtigſte Sache, die Sorge fuͤr meinen unſterbli⸗ chen Geiſt und die Vorbereitung zur Ewigkeit aufzu⸗ ſchieben, das iſt die groͤſte Thorheit, und fuͤr mich mit der groͤſten Gefahr, ewig ungluͤcklich zu werden, verbunden. Ferne ſey es von mir, einen Tag dieſes ſo kurzen und fluͤchtigen Lebens, und noch mehr das ganze Leben zu verliehren. Wenn man ſein. eigne Er fah⸗ 110 Von dem gefahrvollen Aufſchub ſeiner Buße Erfahrung zu Rathe zieht, ſo weiß man es, wie ſel⸗ ten ein Menſch erſt noch an dem Ende ſeiner Tage oder noch auf ſeinem Sterbebette gerettet werde; wie ſelten er in die genaue Unterſuchung ſeiner Geſinnun⸗ gen und Werke eingehe, wie ſehr er ſich noch am Rande der Ewigkeiten mit Vorurtheilen und unge⸗ gruͤndeter Meinung von dem, was zur Seligkeit ge⸗ hoͤrt, taͤuſche, wie uͤberaus ſelten ſich da die wahre Frucht der Beſſerung, die angelegentliche Sorge, ſeine Suͤnden zuruͤckzunehmen, das Boͤſe gut zu ma⸗ chen, und wo es noͤthig iſt, auch vor der Welt zu bekennen, zeige. Mehrentheils ſtirbt doch der Menſch, wie er lebte, und wie er ſich in ſeinem Leben betrog, ſo betriegt er ſich auch noch groͤſtentheils in ſeinem Tode. Und wie ungewiß iſt doch immer die Stunde der Aufloͤſung! der arme Menſch rechner auf mehrere Jahre, entwirft ſeine Plane auf laͤngere Zeiten, be⸗ ſchließt und veranſtaltet was kuͤnftig geſchehen ſoll, und in eben dem Augenblick ſinkt er, und zwar oft in ſeiner anſcheinenden ganzen Staͤrke und in voller Lebenskraft, und oft durch einen unvorhergeſehenen Zufall ohumaͤchtig in den Staub. Wie koͤnnen wir arme Sterbliche die groͤſte und erſte Angelegenheit des Lebens auf morgen, ja auf unſere Sterbeſtunde verſchieben?— b Doch geſezt, nicht ploͤzlich werde der Menſch in den Staub geworfen, und es aefalle der Vorſehung, ihm einige Tage vorher ſein Ende durch Krankheiten, dieſe Vorboten des Todes anzukuͤndigen: o ſind dieſe Krankheiten wohl immer dem Menſchen das, was ſie ſeyn ſollen, ſieht er ſie als die Vorlaͤufer ſeiner nahen Zerſtoͤrung an? Er war oͤfter krank und kam zu ſeiner Geſundheit zuruͤck, und warum ſoll er jezt gefaͤhr⸗ nicht eben! das hoffen? Sters ſieht er Kranke, ſehr entheils unde de mehrere en, he⸗ in ſol, ar oft voller thenen en wit genheit eſtunde nſch in ſehung, theiten ad dieſe 8, bas ſeiner auf die lezten Stunden des Lebens. It gefaͤhrliche Kranke um ſich, aber nicht alle werden durch dieſe Krantheiten, und dieſe Arten der Krank⸗ heiten hingeriſſen. Noch iſt die Gefahr nicht ſo groß⸗ und es ſcheint ein bald voruͤbergehendes Uebel zu ſeyn; es zeigen ſich eini e vortheilhafte Merkmale der Geneſung; man wuͤnſcht und alſo hoft man, ja man uͤberredet ſich feſte, daß man nichts zu fuͤrchten habe. Man rechnet auf ſeine gute Natur, auf die Kunſt und den Fleiß des Arztes, auf die Pflege und War⸗ tung: was uns umgiebt, troͤſtet uns mit baldiger Geneſung; der Arzt giet uns Hofnung, die Un⸗ ſrigen ſind ſorgfaͤltig, uns nur vom Tode keinen Arg⸗ wohn beyzubringen: und nun iſt nichts weiter von uns entfernt, als der Gedanke der Ewigkeit, die Pruͤfung unſers Lebens, die Borſtellung eines kuͤnf⸗ tigen Gerichts, die Anſchickung auf unſer Schick⸗ ſal nach dem Tode. Aber in einem Augen⸗ blick verſchwindet allee unſere Hofnung, zu ſchwach unterliegt unſre Natur dem Gift der Zerſtoͤrung, der Kampf des Todes bricht an, und nun öͤfnen ſich endlich die Augen; man hoͤrt endlich die gewaltige Stimme des Unendlichen, der unſern Leib zum Staube, und unſern Geiſt zum Gerichte ruft. Jezt dringen die Seufzer zu Gott, nun ſlehet der Sterbende um Erbarmung, nun ſoll Jeſus ſein Verſoͤhner und Retter ſeyn, nun erfuͤllt Angſt und Schrecken ſeine ganze Seele. Groſer Gott! iſt die⸗ ſer lezte Augenblick wohl geſchickt fuͤr eine Sache von ſo vielem, ſo reichem und groſem Nachdenken! Off fehlt es an Beſinnen und Bewußtſeyn, und die Schwaͤche oder Hitze des Stervenden hat alle Seelenkraͤfte, allen Gebrauch ſeines Verſtandes weg⸗ genommen; die Gewalt der Schmerzen hat ihm alle Faſſung und alles Nachdenken geraubt; und was ..“ kann 112 Von dem gefahrvollen Aufſchub ſeiner Buße kann der Menſch jezt fuͤr ſeine Rettung thun, wenn er nicht vorher darauf gedacht hatte Uim ſein Sterbebette ſieht er in ſeinem Todes⸗ kampfe die Seinen um ſich, und ihre Thraͤnen, ihre von Wehmuth erfuͤllten Herzen, ihre Klagen erfuͤllen ſein Ohr, und ſein Innerſtes wird von ihnen durch⸗ drungen; und dies waͤre die Zeit zur Anſchickung zur Seligkeit! Sein Beruf, das Wohl der zuruͤck⸗ zulaſſenden erfordern noch Beſtellungen, Anordnun⸗ gen, und Erklaͤrungen, welche die wenigen Augen⸗ blicke ſeines lezten Kampfs hinnehmen, und was bleibt doch fuͤr den Geiſt noch uͤbrig, an ſeine groſe Veraͤndrung zu denken! O wie ſchwer, ja faſt moͤch⸗ te man ſagen, wie unmoͤglich iſt es doch, in der Stunde des Todes oder auf ſeinem Sterbelager erſt den Anfang zu machen, das Wohl und die Erhal⸗ tung ſeiner Seele noch zu veranſtalten. Dann, und mehrentheils nur dann erſt, wann bereits der lezte Kampf der Natur eintritt, ruft man den Lehrer, wenn man ihn ſonſt nicht hoͤren wollte, oder mit Verachtung auf ihn hinſah, und warum? er ſoll ein Bote des Friedens ſeyn, die Seligkeit ver⸗ ſichern, und mit dem Himmel troͤſten, wenn gleich der arme Sterbende nach ſeinem eignen Gewiſſen, von dieſer groſen Hofnung ſo weit entfernt iſt; er ſoll Vergebung der Suͤnde ankuͤndigen, wenn der Ster⸗ bende ſchon das verdammende Urtheil ſeines Ge⸗ wiſſens hoͤrt; er ſoll nun fuͤr und mit ihm beten, und nun ſoll dieſes Gebet ſogleich den Himmel oͤfnen; er ſoll ihn mit dem Abendmahl des Herrn ſtaͤrken, und das ſoll nun alle ſeine Suͤnden wegnehmen: nun ſoll das genug ſeyn, und ſicher ihm die Seligkeit geben; nun ſoll der Prediger goͤttliche Macht haben, die Tho⸗ ren des Himmels aufzuſchließen. Oft hoͤrt der Ster⸗ bende nicht mehr, und liegt in Beraͤubung und Ohn⸗ 1p ineri — dan 7dem ſeinem di 2 hräͤnen, in 2 lagen erfüle * ihnen dun Aufc Whl der zuit 8, Anordme tmugen Anw⸗ t, und w dun ſeine gri zeſa faſt moch zoch, in der belager erſ a die Ekhah n b terſt, wann att, ruft man ahren wolte and waruy⸗ ateSeligkeit w n wenn glai an Gewiſen nut iſt; er ſal ann in der Ster⸗ an ſeines Ge⸗ beten, und mriarken, un en: nun ſo akeit gebe a dtt der O zubung — O amel öfnen; A Buße auf die lezten Stunden des Lebens. 113 Ohnmacht, und ſo raͤuſcht ſich der Menſch und Menſchen werden getaͤuſcht und gehen dahin mit ihren Suͤnden. Je groͤſer und gewaltiger der Kranke und Sterbende in ſeinem Leben war, deſto weniger wagt man es, ihn zur Erkenntnis ſeiner ſelbſt zu bringen, und ihm ſeine wahre Geſtalt zu zeigen. Es iſt Beleidigung, an ſeiner Tugend zu zweifeln, ihm ſeinen Geiz, ſeine Ungerechtigkeiten, ſeinen Stolz, ſeine Haͤrte, ſeine Suͤnden der Unkeuſ heit, ſeine Wolluͤſte, Verſchwendungen, lleppigkeiten, Unbarmherzigkeiten, kurz ſeine Suͤnden vorzuhalten, und ihm zu zeigen, wie er einem voͤllig unfruchtba⸗ ren Baum gleich war, von dem der Herr ſo lange vergeblich Fruͤchte gehoft, und den er nun umhauet, oder vielmehr dem boͤſen Baum der nichts als boͤſe Fruͤchte trug. Und ſo geht er dann hin mit allen ſei⸗ nen Suͤnden, unerkannten, unbereuten und unausge⸗ beſſerten Suͤnden und Unrecht. O wer Gott und ſeine Lehren nicht im Leben und in geſunden Tagen hoͤrte; wer die Stimme des Erloͤſers nicht da er konnte, zu Herzen nahm; wer nicht die Kunſt ſelig zu ſterben, fruͤher lernte: wie ſchwerlich wird er noch bey der einbrechenden Nacht des Todes ſeine Seele zur Beute davon bringen. b Noch eher laͤßt es ſich hoffen, daß ein langwieri⸗ ges Lager und langſam ſich verzehrende Kraͤfte, den Menſchen zuruͤckfuͤhren, aber doch ſchmeichelt ſich nur allzuoft der Menſch auch hier mit einem deſto laͤngern Leben, und auch da werden Gottes gnaͤdige Verſuche zu ſeiner Beſſerung und Rettung ſo vielfaͤltig ver⸗ geblich. O ewig ſey der Gedanke von mir entfernt, nur noch zulezt fuͤr meine Seele zu ſorgen, fuͤr die ich mein ganzes Leben zu wachen habe: und den großen Zweck meines Daſeyns bis auf meine lezten ſo unſichern H Stun⸗ 114 Von dem gefahrvollen Aufſchub ic. Stunden hinzuſchieben! Und wenn ich dann noch Gnade ſuchen und finden wuͤrde: o wie traurig und finſter waͤre doch mein Sterbebette, auf welchem ich mein ganzes Leben beſeufzen muͤſte, und wie viel, wie unendlich viel bliebe doch noch immer dabey fuͤr die Ewigkeit verlohren! Ne⸗ leb' ich in der Gnadenzeit, Noch hoff' ich auf Barmherzigkeit, Herr, laß mich nicht verderben! Erbarme dich, und laß mich nicht, Getaͤuſcht durch falſche Zuverſicht, In meinen Suͤnden ſterben, Gieb, daß die Buße redlich ſey, Der Glaube thaͤtig und getreu. Bewahre vor dem Wahne mich, Als werde meine Seele ſich Im Tode noch bekehren. Dir, Jeſu! dir, mein hoͤchſtes Gut! Dir ſoll entſuͤndigt durch dein Blut Mein Leben angehoͤren, Gieb mich in keines andern Hand: Du haſt zu viel an mich gewandt. Noch weil ich lebe, will ich mich, Erleuchtet und geſtarkt durch dich Zum Tode vorbereiten. Den nicht zu fuͤrchten will ich nun Mit Freuden deinen Willen thun, Will wachſam ſeyn und ſtreiten. Denn, bin ich, weil ich lebe, dein, So werd ichs auch im Tode ſeyn. fuͤhlen? 115 Die guten Erinnerungen Gottes an uns bey dem Sterben andrer und beſonders der Unſrigen. Tagich ruft die Stimme des Allmaͤchtigen Menſchen um mich her zur Ewigkeit: Kind und Juͤngling, Mann und Greis faͤllt in den Staub, der Groſe und Geringe, der Weiſe und Einfaͤltige, der Reiche und Arme, der Fromme und Gottloſe. Der Bereitete und der Unbereitete vollendet ſo bald, ſo oft wider alles Denken der Menſchen die Laufbahn ſeines Le⸗ bens, und iſt nicht mehr. Und ich, der ich in dem Tode aͤlterer und juͤngerer Menſchen mit Augen ſehe, wie hinfaͤllig und Nichts der Sterbliche ſey, ſollte nicht meine eigne Hinfaͤlligkeit, nicht die ungewiſſe und vielleicht nahe Stunde meines Todes fuhlen? Maͤchtig und gewaltig predigt mir der entſeelte Leib meines Mitgefaͤhrten, die Sterbeglocke die ſeinen Ruͤckgang zur Erde verkuͤndigt, und ſein Grab mein Ziel und die groſe Nothwendigkeit meiner Vorberei⸗ tung. Oft erblicke ich andere auf ihrem Sterbebette, ich ſehe ihre Leiden und hoͤre den Jammer und Schmerz, den ſie klagen, und meine ganze Seele wird verwundet und vom Gefuͤhl fremder Leiden durchdrungen; oder ploͤzlich und ſchnell eilt jemand von meiner Seite hin zur Ewigkeit: und ich ſollte da⸗ bey nicht in mir die Stimme Gottes hoͤren; bald wirſt du in eben ſolchen, oder groͤſern, oder aͤhnlichen Leiden darniederliegen, oder eben ſo ſchnell dahin geruͤckt werden; ich ſollte hier nicht mein eignes, viel⸗ leicht ſo nah bevorſtehendes Schickſal erkennen und vor⸗ 116 Die guten Erinnerungen Gottes an uns Ich ſehe und hoͤre den Schmerdz eines Vaters oder ei⸗ ner Mutter die von ihren Kindern und Geliebten fortge⸗ riſſen wird, und andre den Verluſt des Gatten, des Verſorgers, des Vaters, der Mutter, des Freun⸗ des, des Lieblings ihres Herzens beſeufzen, und mir, der ich immer und jeden Augenblick dem Tode nahe bin, ſollte es nicht einfallen, daß ich eben das viel⸗ leicht an mir ſelbſt und zwar vielleicht ſehr bald erfah⸗ ren koͤnne; dies ſollte mich nicht zu ernſtem Nachden⸗ ken auf meine Veraͤnderung und Anſchickung auf die Ewigkeit bewegen? Kalt und fuͤhllos ſollte ich hier ein Zeuge ſeyn, wie wichtig die Beraͤnderung ſey, welche die Stunde des Todes macht: und wie viel darauf ankomme, den Verluſt der Seinen gelaſſen in Gott ertragen, und die Seinen ſelbſt mit froher Ue⸗ berzeugung, daß wir die Pflichten gegen ſie treulich er⸗ fuͤllet, und mit Glaubensfreudigkeit fuͤr ſie beten und ſie ſegnen koͤnnen, einſt zuruͤcklaſſen zu koͤnnen. Ich ſehe und hoͤre, wie bitter und hart die Vor⸗ wuͤrfe eines erwachten Gewiſſens in den lezten Lebens⸗ ſtunden ſind; welchen tiefen Schmerz das Andenken jeder auch der ſo oft gering geachteten Suͤnde jezt rege mache; wie der Menſch nahe dem Richter und dem ſchrecklichen Tage des Gerichts die Menge, die Groͤſe, das Verdammliche aller ſeiner Unterlaſſungs⸗ und Begehungsſſuͤnden, der Suͤnden ſeines ganzen Lebens, ſeines Berufs, ſeines Standes, und aller ſeiner Ver⸗ haͤltniſſe ins Gedaͤchtnis rufe, wie er zittere vor dem Tage der Offenbarung; wie er nach Gnade und Er⸗ barmung angſtvoll kaͤmpfe und ringe; wie ſehr er jede Verſaͤumung ſeiner Pnicht, und der Gelegenheit Gutes zu thun, jede Suͤnde, jede Vernachlaͤßigung der Guadenmittel, jene ungluͤckliche Gleichguͤltigkeit gegen die Religion Jeſu und das goͤttliche Wort be⸗ ſeufze, und wie wichtig und groß ihm das alles wer⸗ de⸗ —A.3ö—— 3 an uns ¹ Jrrers den Leleedten forte 3 Gatten, 1 2., des Fri erem Nacha⸗ dkung auf 2rollte ich he Adderung ſen aund wie vit egelaſſen in it ſtoher Ue⸗ enie treulich e mie beten u az oͤnnen. art die Vm aesten Leben⸗ ans Andenin 2 uͤnde jezt u „ter und da a gſe, die Gtöſ nuſſungs⸗ und aanzen(ebens, an ſeiner Ver⸗ neere vor de Dade und C a ſehr er a d. Gelegenze 4 nachlaͤßigur b leichgälti 1 eiche Wor ) 5 alles bey dem Sterben andret und beſonders ꝛc. 117 de, was er vorher ſo gering ſchaͤzte: oder ich ſehe, wie er in Berzweiflung und zum Schrecken dahin faͤhrt, oder in ſeiner Sicherheit und dem falſchen Troſt der goͤttlichen Barmherzigkeit, oder gar ohne zu ſich ſelbſt zu kommen, ſich ſeiner bewußt zu wer⸗ den, und ſeinen Verſtand noch gebrauchen zu koͤnnen, zum ewigen Tode hinſchlummert: und ich ſollte nicht in dem Grunde meiner Seele erſchuͤttert werden, nicht das Ungluͤck fuͤhlen, wenn ich als ein Verworfener dahin gehen, oder in den lezten Stunden die unaus⸗ ſprechliche Angſt eines erwachten Gewiſſens fuͤhlen muͤſte, und nicht hier bey dem Sterben andrer einen heilſamen Eindruck fuͤhlen, auf meine Todesſtunde mich zu bereiten, damit mein Ende nicht ſchrecklich, und nicht bey den natuͤrlichen Leiden und Kaͤmpfen der Ratur, noch angſtvoller und finſterer werde? Ich ſehe und hoͤre das Ende des Chriſten, der ſchon laͤngſt die groſe und beſte Kunſt ſelig zu ſterben gelernt hatte; die Ruhe ſeiner Seele unter allem Druck ſeiner Leiden in Gott, den ſteten heiſen Dank, wovon ſein Herz und ſeine ſterbenden Lippen noch im Tode fuͤr alle Guͤre und Treue ſeines Gottes, fuͤr alle weiſe und vaͤterliche Fuͤhrungen, fuͤr alle heilſame und ſegnende Zuͤchtigungen und Truͤbſale durch den ganzen Weg ſeiner Wallfahrt uͤberflieſen, den hohen Troſt ſeines Gewiſſens, womit er auf ſein voriges Leben zuruͤckblickt, ohne vorſezliches Unrecht und Ein⸗ willigung in Suͤnde darin zu ſehen, das ſelige Be⸗ wußtſeyn, mit Aufrichtigkeit und Redlichkeit ſeines Herzens vor Gott gewandelt zu haben, den Frieden des verſoͤhnten Gewiſſens und der Begnadigung in ſeiner Seele, die goͤttliche Staͤrke in ſeinen auch gro⸗ ſen Leiden, die Geduld und Gelaſſenheit, womit er den bittern Kelch des Schmerzes aus der Hand ſei⸗ nes Vaters im Himmel und ſeines Erloͤſers anuimmes ie — 118 Die guten Erinnerungen Gottes an uns die lebendige Hofnung jener Herrlichkeit, die Freudigkeit des Glauvens in ſeinem Tode, die Gewalt ſeiner ſterbenden Zunge, womit er Troſt in die Herzen der Seinen und derer, die ihn umgeben, ſpricht, die dringenden maͤchtigen Ermahnungen und Erinnerun⸗ gen, die er ihnen auf ihren noch zu vollendenden Weg giebt; die ſtarke Zuverſicht, womit er fuͤr die ſeinen betet und ſie ſegnet: und endlich ſeine ſelige Stun⸗ de der Aufloͤſung, worin er zu ſeiner Verherrlichung dahin geht! Geſegnet ſeine Aſche, geſegnet ſein An⸗ denken auf Erden, und gluͤckſelig der Tod des Ge⸗ rechten! Und das alles ſollte mich nicht ruͤhren, nicht meine ganze Seele ergreifen, und Wunſch und Vor⸗ ſatz und Anſtalt in mir hervorbringen, auch ſelbſt den Tod des Gerechten zu ſterben? Warum trittſt du, Sterblicher! zu dem Sterbe⸗ lager und zu dem lezten Kampfplaz deines Mitgefaͤhr⸗ ten zur Ewigkeit? Ihn zu taͤuſchen, ihm den nahen Tod auszureden, damit er nicht an die Rettung ſei— ner Seele am Rande des Grabes denke? noch hier ihm fuͤr die Ewigkeit zu ſchaden, ſeine Gedanken, da er ſchon anfaͤngt ein Raub der Verweſung zu ſeyn, vom Tode und der Ewigkeit wegzufuͤhren, und noch da von eitlen und irdiſchen Dingen ihn zu unterhal⸗ ten? noch ſeine Rettung und Seligkeit zu hindern? O wie viele und ſchreckliche Suͤnden der Kranken⸗ Beſuche! moͤchten doch ſolche Feinde der Menſchheit ouf ewig von dem Sterbelager ihrer Mitgefaͤhrten zur Ewigkeit entfernt bleiben! Nein! gehe hin, oͤfters hin zu den Sterbenden, lehre ſie ſterben, und lerne ſelbſt ſterben. Fuͤhle hier, wer du biſt, und wer du ſeyn wirſt, und hoͤre hier die Warnung, die Beſtrafung/ die Erinnerung des Allmaͤchtigen fuͤr dich ſelbſt, dich zu ihm zu bekehren, und dich auf deine eigne Sterbe⸗ b ſtunde gefaßt zu machen; deinen Glauben und dene 2 dan ins jie uni Dewalt ſein 4 die Hen jſprich, 1 ¹d Ennnen Zendenden M Zfür die ſen * ſelige Sm erherrlihn eanet ſein lo 1 Tod des o dröhren, nit tlſchund Va at auch ſelb dem Sterbe 8 Nettung ſ ase? noch hi an Gedanken rseſung zu ſen znen, und mt n zu unterhe aut zu hindenn as der Kranken ater Menſchhei Im cgefaͤhtten i ghin, dſters und lerne ſ d wer duſ A ſe Beſtraf⸗ dich ſelbſt eigne 6 uben und bey dem Sterben andrer und beſon dersꝛc. 119 Tugend zu ſtaͤrken, um einſt mit freudiger Gewißheit und lebendiger Hofnung eines ewigen, beſſern und ſeligen Lebens die Welt zu verlaſſen. Lerne hier voraus zu leiden, deine lezten Stunden lehrreich und geſegnet fuͤr die Deinen und die Welt zu machen, und im Sterben ſchon die Freuden des kuͤnftigen Lebens zu empfinden. Da ihr eure Zeit vertraͤumt, Sie in traͤger Ruh verſaͤumt; Sie in eitlem Tand verderbt; Weh alsdenn euch, wenn ihr ſterbt. Die ihr Gottes Wort nicht ehrt, Keine Luſt dem Herzen wahrt, Weh! wenn ihr zum Richter geht, In ihm Zorn und Nache ſeht. Der Verſaͤumnis eurer Pflicht Folgt im goͤttlichen Gericht, Wenn der Tod euch hingeraft, Eine ſtrenge Rechenſchaft. Aber ſo iſt nicht der Chriſt, Der es in der Wahrheit iſt. Eingedenk der Ewigkeit, Kauft er ſorgſam ſeine Zeit. Jede Stunde, da ſein Geiſt Sich der Erde mehr entreißt, Bleibet, flieht ſie ſchon dahin, Ihm ein ewiger Gewinn, Jede Stunde, die er nuͤzt, Waiſen beyſpringt, Wittwen ſchüzt, Arme ſpeißt; die dauert dort Stets in ihrem Lohne fort. Wohl 120 Die gauten Erinnerungen Gottes an uns ec. Wohl dem, der an Jeſum glaͤubt, 6 Maͤnnlich kaͤmpft, ſein Fleiſch betaͤubt, Seine Zeit zu nuͤtzen ſtrebt, Gott und ſeinem Nachſten lebt. Wenn nun ſeine Stunde koͤmmt, Wird er nicht von Angſt beklemmt, Daß er nicht ſein Heil bedacht; Und ſein Lauf iſt wohl vollbracht. Wohl ihm! er entſchlaͤft im Herrn, Stirbt getroſt, gelaſſen, gern, Und ſchaut, Gott! in deinem Licht Ewig dort dein Angeſicht. Nimmſt du nicht in jedem Jahr Dies bey andrer Sterben wahr? Lern durch ſie die Wichtigkeit Deiner kurzen Gnadenzeit. Sieh! dies kurze Leben eilt. Ohne Raſt und unverweilt Eilt ſie hin, die kurze Zeit, Hin ins Meer der Ewigkeit⸗ Gieb auf jede Stunde acht! Wirke Gutes, denn die Nacht Kommt und ruͤcket ſchon heran, Wo man nicht mehr wirken kann. Jezt noch waͤhrt der Tag des Heils, Treff die Wahl des beſſern Theils, Stell dich dieſer Welt nicht gleich! Sey an guten Werken reich. 121 Die Gluͤckſeligkeit eines Chriſten, der in ſeinen geſunden Tagen ſtets zu ſeinem Tode bereit iſt. —— Nae immer ſcheint es, als wenn die Furcht Got⸗ tes und ein heiliger Ernſt der ſtrengſten Gewiſſen⸗ haftigkeit das Leben gluͤcklich mache. Wenig Glaͤn⸗ zendes vor der Welt hat mehrentheils der Fromme, und wie oft, wie ſehr oft ſind Mangel, Verfolgung, Bedruͤckung, Leiden und Truͤbſale von ſo mancherley Art das Loos ſeines irdiſchen Lebens: aber doch bleibt er auch hierbey der Geſegnete Gottes, und der wahr⸗ haftig begluͤckte Menſch, der ſelbſt in ſeinem Staube, in dem Druck ſeiner Leiden und in den Stuͤrmen, unter welchen er ſeinen muͤhvollen Weg fortſetzet, nicht mit allem Purpur, allem Glanz, allen Freu⸗ den, den herrlichſten Kronen des gottloſen und un⸗ begnadigten Menſchen tauſcht. Er hat ſeine Leidens⸗ ſtunden, und das Maas derſelben, das ihm die Vor⸗ ſehung zugedacht hat, iſt oͤfters ſehr groß, aber er weiß doch von allen denen Leiden nichts, die allein und eigentlich ungluͤcklich machen, nichts von denen ſeiden, die er als die Fruͤchte ſeiner Unbeſonnenheit und Suͤnden, oder die er als die Vorboten und Erſt⸗ linge der Strafgerichte des Allmaͤchtigen anſehen duͤrfte. Sie ſind alle aus der Hand und von dem Rathſchluß des weiſeſten, beſten und guͤtigſten Va⸗ ters im Himmel, alle nichts als Uebungen ſeines Glaubens und ſeiner Gottſeligkeit, alle nichts als Sicherheit und Bewahrung ſeines guten Gewiſſens und heilſame Foͤrderungen ſeiner kuͤnftigen Seligkeit. Der Troſt der goͤttlichen Gnade und eines guten Ge⸗ wiſſens 122 Die Gluͤckſeligkeit eines Chriſten, der in wiſſens giebt ihm einen unausſprechlichen Frieden in allen ſeinen Truͤbſalen, er findet in den haͤrteſten Pruͤfungen lauter Guͤte und Treue ſeines barmherzi⸗ gen und gnaͤdigen Gottes, und lauter Ermunterun⸗ gen zum Lob, Dank und Verherrlichung des Allmaͤch⸗ tigen und Guͤtigen. Unausſprechlich ſeliger ſind alle ſeine Truͤbſale, als die groͤſten Freuden des irdiſch geſinnten. Hinter her geben ſie ihm Erquickung und Wonne, wenn alle Freuden der Gottloſen Schaam und Reue und Verzweiflung zuruͤcklaſſen. Welche Seligkeit! ſich in ſeinen truͤben Tagen, und unter den harten Stuͤrmen dieſes Lebens mit kindlicher und freudiger Zuverſicht in die Arme Gottes werfen, und mit unſchuldigem und gutem Gewiſſen feſt den untruͤglichen Verheiſungen des treuen und guaͤdigen Baters im Himmel trauen zu koͤnnen! es zu wiſſen, untruͤglich und gewiß zu wiſſen: auch das iſt mein Gluͤck, was mich hier beugt, auch das iſt Weg zur hoͤchſten Seligkeit, was ich hier erdulde. Meine Thraͤnen ſind Ausſaat zu jener Aerndte von himmli⸗ ſchen Freuden. Heiter und mit hohem Muthe ſieht der Fromme zuruͤck in ſeine Tage. Wo iſt der Fromme, der es auf der Schwelle der Ewigkeiten beklagte oder bereute, fuͤr die Wahrheit und ein gutes Gewiſſen manches auch ſchwere Opfer gebracht zu haben, ſtets der ungeheu⸗ chelten Tugend treu geweſen zu ſeyn, lieber ein Gluͤck entbehrt und verlohren, und lieber Verdruß, Leiden und Widerwaͤrtigkeiten erduldet zu haben, als einen einzigen Schritt von Gottes Geſez gethan, in eine Suͤnde gewil⸗ ligt, oder eines ſeiner heiligen Pflichten verſaͤumt zu ha⸗ ben? Welche Belohnungen und Freuden hat nicht die Unſchuld und das Bewußtſeyn, guter und frommer Thaten, und was wird dann der Menſch empfin⸗ 7 detin In K en Frieden den haͤr teſt Jas wartnhe tmuntermy dn des Allit religer ſud 4 des indt uickung u 40)ſ en Schan an, und um ut kindlich ates werfen nſſen feſt den ennd gnaͤdigen ats zu wiſfen awas iſt mein zuſt Weg zuu uthe. Mein⸗ acvon himwe a der Froltt * znme, der d. 21 oder bereut aſen manches an der ungeheu⸗ ver ein Gluͤch 0 z Leiden und an inen einäioen 2r Sünde gen murſaumt zu den hat u = guler 4 der M eo ſeinen geſunden Tagen ſtets zu ſeinemꝛc. 123 empfinden, wenn er dort am Ende ſeiner Laufbahn zuruͤck in ſeine verfloßnen Tage mit einem freudi⸗ gen Gewiſſen ſehen kann: wenn ihn keine vorſezli⸗ chen Suͤnden, keine Unterlaſſung ſeiner Pflicht, keine Haͤrte, kein Geiz, keine Ungerechtigkeit, keine unkeuſche und unreine Wollaͤſte anklagen, ſondern er ſich ſeiner edlen Beeiferung, Gutes in allen ſei— nen Verhaͤltniſſen zu wirken, in ſeinem Stande, ſeinem Berufe und Umſtaͤnden ſtets fuͤr das Gute zu leben, Freund, Wohlthaͤter, Troͤſter, Beſchuͤtzer und Retter ſeiner Bruͤder zu ſeyn, bewußt iſt. Wie uͤberwiegt die Freude eines guten Gewiſſens ſo unendlich die Leiden ſeines Leibes, und welche Ruhe und Heiterkeit giebt ihm dies bey der ein⸗ brechenden Nacht und dem ſonſt auch harten Kampf des Todes? Wer kann ihn ſterben ſehen, ohne den hohen Werth der Gottſeligkeit und des wahren Chriſtenthums zu fuͤhlen? Lob und innerer freudiger Dank erhebt ſich aus ſeiner Seele zu dem Unendlichen und Allmaͤchti⸗ gen, der ihn die guten Wege des Rechts und der Wahrheit leitete, und Lob und Dantk ſind ſeine lezten Empfindungen, ſelbſt fuͤr alle Srunden ſei⸗ ner Leiden und Truͤbſale, die ſeine Froͤmmigkeit und ſeinen Glauben ſtaͤrkten, und weit reiner und koͤſtlicher als Gold machten. Sie zeugen ihm nun in der ganzen Groͤſe allen den herrlichen Segen und die koͤſtlichen Fruͤchte, wovon ſie die Quellen und Mittel wareu. 2 Und nun ſiehet er hin vor ſich auf Grab, Berweſung, Gericht und Ewigkeit! aber er fuͤrch⸗ tet und zittert nicht. Was ſollte er fuͤrchten? der Tod hat ſeinen Stachel, die Hoͤlle ihren Gift fuͤr ihn 124 Die Gluͤckſeligkeit eines Chriſten, der in ihn verlohren. Er durchſchaut ſeine Tage, und Gott hat ſie, und ihren Inhalt auf ſein Buch 8 geſchrieben, aber ſein Herz verdammt ihn nicht, und er hat in ſeinem Verſoͤhner die Gerechtigkeit geſunden, die vor Gott gilt: ſeine Suͤnden ſind vergeben, und die Gnade ſeines Erloͤſers gab ihm uſt und Kraͤfte zum heiligen Wandel. Nichts verdammungswuͤrdiges iſt mehr an ihm. Er ſieht in dem Heiligſten nicht den ſchrecklichen Richter, ſondern den verſoͤhnten guͤtigen Vater, und in ſei⸗ ner Hand gnadenvolle Belohnungen ſeiner Treue, des Kampfs der Tugend und des ungefaͤrbten Glaubens: dort nicht die Staͤtte neuer Leiden, neuer Verſuchungen und Kaͤmpfe, neuer Muͤhe und Ge⸗ fahren, ſondern der ewigen Ruhe, des ſeligſten Troſtes und Friedens ſeines Herzens, und voͤllige Sicherheit gegen jede Gefahr ſeiner Seele; nicht mehr das Land der Wuͤnſche, ſondern wo ſeine Waͤnſche auf ewig befriedigt ſind, und wo er das beſitzen wird, wornach er ſich hier ſehnte; nicht mehr hoͤrt er dort die Klagen ſeiner leidenden frommen Bruͤder, ſondern ſeine Thraͤnen und die Thraͤnen ſeines frommen Mitgefaͤhrten ſind auf ewig getrocknet, und nun Stroͤhme der hoͤhern Freuden. Dort erblickt er den Freund, der vor ihm hin zu jener Ruhe gieng, und deſſen Herz an dem ſeinigen hieng, da findet er den Liebling ſei⸗ nes Herzens wieder, der ihm hier entriſſen wurde; da ſegnen ihn die Seligen, die er hier erquickte und troͤſtete; die er Gottes Wege lehrte, und auch die, welche ſie ihn lehrten; da die ungemiſchte und reine Kirche Gottes und die ſelige Gemeinſchaft der vollendeten Gerechten und der Engel Gottes, mit welchen er ganz ohne Suͤnde Gott preiſen und frohe anbeten wird. Dieſer Glaube, und dieſe gewiſſe d be ſ' m. Er 1 chen F an, und inſ⸗ asſeiner du at ungefärdtn meiden, neuk K he und Ge z'es ſeligſten tt und volliy eele; nich nn wo ſein an wo er de hnte; nich ianet leidenm A’nen und en ſind ai re der höhen und, der vot 6 en Hetz an aneliebling ſei⸗ unſſen wurde; ſa erauck 2 und auc 44 wiſchte 1 emeinſche mel Goth preiſen S deſ 7 ſeinen geſunden Tagen ſtets zu ſeinem ꝛc. 125 frohe Hofnung der Zukunft laͤßt ihn ſchon in ſeinem Tode einen Theil jener Herrlichkeit voraus empfin⸗ den: und vermehrt ſeinen Wunſch und ſein Gebet, bald aufgeloͤſet und bey Jeſu Chriſto zu ſeyn. Ge⸗ ſegnet iſt ſeine Todesſtunde und geſegnet ſein Anden⸗ ken auf Erden. We ſanft ſehn wir den Frommen Nun bald der Erd entnommen, Sich ſeinem Ziele nahn: Wo ſich des Lebens Freuden Vom frechen Suͤnder ſcheiden, Da gehn des Chriſten Freuden an. Er laͤchelt ſeinem Ende, Und hebt voll Dank die Hande Zu ſeinem Vater auf; Wenn Sinn und Leib verderben, Lehrt er ihn froͤlich ſterben, Nach einem wohl vollbrachten Lauf. Sein ruhiges Gewiſſen Bebt nicht vor Finſterniſſen Der Bahn, die er nicht kennt: Die ſchreckensvollen Pfade Erleuchtet ihm die Gnade Des Gottes, den er Vater nennt⸗ Hier flieſen keine Thraͤnen Der Angſt, hier aͤchzt kein Stoͤhnen Der Reu, die ihn zerreißt: Sein Herz zu Gott erhoben Empfaͤngt den Troſt von oben, Und Fried und Freud im heil gen Geiſt. e Er ſegnet froh die Seinen, Die um ſein Lager weinen, Ermahnt und troͤſtet ſie: 1 Und 126 Gluͤckſeligkeit eines Chriſten, der ſchon Und ſeiner Treue wegen Erfuͤllt Gott ſeinen Segen, Und weichet auch von dieſen nie. Die Engel ſteigen nieder. Voll froher Jubellieder, Die Seele zu empfahn: Er ſtimmt in ihre Choͤre Anbetung, Preis und Ehre Dem Mittler, ſeinem Heiland dar⸗ Laß, Hoͤchſter, mich beſtreben, So in der Welt zu leben, Wie man dies Gluͤck erwirbt: Damit ich einſt, als Erbe Der Seligkeit, auch ſterbe, Wie ein gerechter Frommer ſtirbt. Gluͤckſeligkeit eines Chriſten, der ſchon in ſeinen geſunden Tagen, und ehe er ſeinen nahen Tod befuͤrchten durfte, ſein Herz von der Verir⸗ rung zuruͤckzog, und weiſe Anſtalten fuͤr die Ewigkeit machte. G. vohnheiten und Fertigkeiten, welche man in den fruͤhern Jahrern ſeines Lebens geſammlet hat, legen ſich ſchwerlich, und nur mit vieler Muͤhe ab. Man nimmt ſie mehrentheils in ſeine hoͤhere Jahre mit hin, ja ſie wachſen mit uns, ſie verwandeln ſich endlich in feſte Grundſaͤtze, und werden uns ſo eigen, als wenn ſie zur Natur gehoͤrten. So iſt es mit dem Wüaln, 1 igen/ ahon in ſeine an nahen doh ader Verir, Nalten fuͤr — anhe wan ind enlet hat/ 3 he ab. 1 — Jahre wit 3n ſich erd jgen, alt Jügen, ann ait dem l in ſeinen geſunden Tagen, und ehe er ꝛc. 127 ſtigen, dem Geizigen, dem Trunkenbolde, dem Stol⸗ zen, und ſo mit allen Laſtern. Sie nehmen zu, und ſelten faͤllt es dem Menſchen ein, nur einmal daruͤber eine ernſtliche Betrachtung anzuſtelleu. Es liegt uns ohnehin das Boͤſe immer naͤher, als das Gute, wir werden mit einer ſtaͤrkern Gewalt zur Sinnlichkeit und zur Suͤnde hingeriſſen, und fuͤhlen einen ſo maͤchti⸗ gen Widerſtand, wenn wir uns davon los machen wollen, ja immer einen ſtaͤrkern Widerſtand, je laͤn⸗ ger wir darin geuͤbt waren. Aber dennoch iſt es moͤg⸗ lich, die Erfahrung ſelbſt beweiſet es, daß oft der Irrende ſich wieder auf den rechten Weg wender, daß auch der verdorbene Juͤngling oft mitten in der Trunkenheit ſeiner wilden und ungeſtuͤmen Leiden⸗ ſchaften, der Mann in ſeiner vollen Kraft, in ſeinen noch bluͤhenden Jahren und in der vollen Staͤrke ſei⸗ ner Geſundheit, mitten in ſeinen Planen und Ent⸗ wuͤrfen fuͤr ſeine allein und ganz irdiſchen und ſuͤndli⸗ chen Angelenenheiten ergriffen wird; ganz auf Gott und die Ewigkeit hinblickt, und nach heiligen und frommen Entſchlieſungen und Grundſaͤtzen ſein Leben einrichtet. Hier iſt die Kraft und die goͤttliche Staͤrke der Religion Jeſu, die uͤber alle Gewalt und Macht der Suͤnde ſiegt; die bewundernswuͤrdige Guͤte Got⸗ tes, welche ſo ſorgſam fuͤr die Rettung der Menſchen wacht; die ſtets geſchaͤftige und maͤchtige Treue des Erloͤſers ſo augenſcheinlich und ſo herrlich offenbar. Es iſt immer das Werk des lebendigen Gottes, im⸗ mer ſeine anbetungswuͤrdige Gnade und ſeine uͤber⸗ ſchwengliche Kraft, die uns hier vom Tode zum Le⸗ ben bringt, und gleichſam eine ganz neue Schoͤpfung, eine ganz neue Geburt, und der Menſch nun ein neues Geſchoͤpf und eine neue Kreatur. Hiter erſchuͤttert den einen der Tod ſeines Freun⸗ des oder auch Feindes, die beſondere Art, womit 1 jemand 128 Gluͤckſeligkeit eines Chriſten der ſchon jemand zur Ewigkeit hingieng, und die ihm einen tie⸗ fen Eindruck von Schrecken, oder Nachſinnen gab, oder das Hinſinken ſeiner Stuͤtzen; und da einen an⸗ dern das Gefuͤhl ſeiner eignen Hinfaͤlligkeit, und eine Krankheit, die ihm den Tod drohete. Hier ſind es Wohlthaten und Segnungen, die ihn auf die Va⸗ terhand ſeines Gortes, und die Geduld, die Lang— muth; das Verſchonen und die guͤtigen Abſichten des Retters aufmerkſam machten, und ihn beſchaͤmten und demuͤthigten, und da empfindliche Schlaͤge des ihn aus ſeinem Schlummer weckenden Waͤchters, und wohl auch ſelbſt die traurigen Folgen und Fruͤchte ſeiner Suͤnden. Hier ein Freund, der ihn durch Beyſpiel oder Erinnerung an der Hand nahm, und da ein Feind, der ihn in ſich ſelbſt zuruͤckfuͤhrte. Wie mancherley ſind doch die Wege des guͤtigen Auf⸗ ſehers uͤber die Menſchen, und was ſind alle ſeine Fuͤhrungen, was iſt ſeine ganze Regierung anders, als Mittel in ſeiner Hand uns zu bewahren, zu ret⸗ ten, Empfindung und Entſchlieſung fuͤr Froͤmmig⸗ keit, und fuͤr das Gluͤck der Ewigkeit rege zu machen? Lange wußten wir Gottes Wege und ſeine heilſamen Rathſchluͤſſe; lange kannten wir die Lehren der himmliſchen Weisheit und das begluͤckende Evan⸗ elium Jeſu; wir hoͤrten, wir laſen es, aber wir empfanden nichts fuͤr daſſelbe; kaltſinnig, gleichguͤl⸗ tig blieb unſer Herz, und es konnte unſre Geſinnun⸗ ggen, unſre Luͤſte, unſre herrſchenden Grundſaͤtze nicht hemmen, noch aͤndern: und nun ein Augenblick, den wir nicht erwarteten, darin wir wohl gar ſicher in unſern unordentlichen und herrſchenden Neigungen waren, und es trift uns geradehin dieſe ſo oft gehoͤrte, kaltſinnig erkannte, unempfundene Wahrheit ganz; ſie bekommt eben jezt eine Neuheit und Staͤrke/ 8 1 ir ſchon im anen achſinnen 4 8 da einen 3 keit, und i Hier fid 3 auf die— 2ld, die ga 22 6 1 beſchänn i Schlaͤgeſs en Wachte Folgen un aidd, der ihn d dand nahtn urüͤckfuͤhrte G zäͤtigen Ahf and alle ſeine mung andeng agen, zu we ar Froͤmni areit rege 2“ und ſene grir die Lehren H kende Evow⸗ ,/ aber wit an, gleichgüb⸗ am Geſinnuy⸗ dondſäͤtze nich enblick, d Jaat ſicher 8 Neigung Jooſt gehe⸗ Thrheit 9 *† Stite in ſeinen geſunden Tagen und ehe er ꝛc. 129 ſich unſrer ganzen Seele bemaͤchtigt, ſie verlaͤßt uns nicht wieder; wir ſuchen ſie zu entfernen, wir zer⸗ ſtreuen uns, aber ſie dringt ſich uns von neuem auf, ſie kommt aus der Entfernung wieder; ſie beſchaͤftigt uns in ſchlafloſen Naͤchten, ſie erſchreckt oder er⸗ ſchuͤttert uns in Traͤumen: ſie verfolgt uns in unſre Geſellſchaften, ſie miſchet ſich in unſre Freuden, wir fuͤhlen ſie in unſern Berufsgeſchaͤften, und ſie haftet feſt in unſrer Seele. In der fruͤhen Jugend ſammleten wir die koͤſtli⸗ chen Schaͤtze der Weisheit, und Unterricht, Erzie⸗ hung und unſer eignes Herz fuͤhrte uns zu den ſelig⸗ ſten Empfindungen der Religion Jeſu: aber ſie loͤſch⸗ ten ſich nach und nach aus der Seele aus, es ſtarb nach und nach die Froͤmmigkeit in unſerm Herzen, und wir verlohren uns ganz von dem ſchoͤnen Ziele unſers Lebens in die Sorgen fuͤr das irdiſche und oft auf gefahrvolle und verderbliche Wege der Suͤnden: aber dieſer ſo lange verborgene Same treibt nun wie⸗ der hervor; dieſer erſtorbene Baum ſchlaͤgt aus ſeiner Wurzel wieder aus, und bringt nun noch ſeine Fruͤchte. Es ſey nun, daß eine ſtarke Erſchuͤtterung des Gewiſſens den Menſchen auf einmal zu feſten und heilſamen Entſchlieſungen hinreiſe, oder daß nach und nach immer erneuerte Regungen ihn zuruͤckfuͤhren; daß er ſich jener Zeit der gluͤcklichen groſen Veraͤnde⸗ rungen genau erinnere, oder ſich nur ſeiner von Zeit zu Zeit beſiegten Leidenſchaften, von Zeit zu Zeit geſtaͤrkten Tugend, von Zeit zu Zeit befeſtigten Glau⸗ bens, und zunehmenden ernſtlichern Entſchlieſung zu einem Wandel fuͤr die Ewigkeit bewußt ſey: ſo iſt es immer fuͤr ihn entzuͤckende Freude; und Dank, Thraͤnen des Danks und Lobes Gottes feyren die ſegensvollen Stunden, in welchen er ſich aus ſeinen 86 5Aä Zer⸗ 130 Gluͤckſeligkeit eines Chriſten der ſchon Zerſtreuungen ſammlete, die Feſſeln der Suͤnde zer⸗ brach, und ſein Geiſt auf Gott und den groſen Zweck ſeines Lebens wieder hingeleitet wurde, wieder die goͤttliche Freyheit, und das Leben der Kinder Gottes erhielt. Nicht mehr jener elende Geiz nach Ehre, jene falſche Ruhmbegierde, jene elende Selbſt⸗ erhebung, die ihn verleitete, ſtolz und mit Verach⸗ tung auf ſeinen Naͤchſten zu ſehen, ein Verlaͤumder zu werden, und ſo manche Wege der Ungerechtig⸗ keit zu gehen; ſondern wahre Ehrbegierde groß in edlen und goͤttlichen Geſinnungen und Thaten zu wer⸗ den, Gottes Beyfall zu erwerben, jenen Seligen und Engeln Gottes aͤhnlich zu ſeyn, iſt ſein Beſtreben. Er fuͤhlt ſein Nichts, und. ruͤhmt ſich demuthsvoll der Gnade Gottes, und ſchaͤzt ſie auch in ſeinen Mit⸗ bruͤdern. Nicht mehr jener unerſaͤttliche oder unmaͤ⸗ ſige Durſt nach Gold und den Guͤtern dieſer Erde, der ihn ſo oft zur Niedertraͤchtigkeit, zur Ungerech⸗ tigkeit, zur Unbarmherzigkeit, zur Haͤrte gegen ſcch und andre verleitete, und ſeine Augen ganz von Gott auf den Staub, von dem Himmel auf die Erde heftete, ſondern das ſehnlichſte Verlangen, reich in Gott zu werden, Schaͤtze des ewigen Lebens zu ſammlen, jeden Tag fuͤr den Troſt und die Freuden der Zukunft etwas beyzulegen, hat ſein ganzes Herz eingenommen. Nicht mehr jene Zerſtreuung, jene Leichtſinnigkeit, jene Ueppigkeit, jene Begierde nach den Freuden und Wolluͤſten dieſes Lebens, ſondern der ernſthafte groſe Gedanke: wozu bin ich da? die wahren Freuden des Glaubens und — der Nachfolge Jeſu, die weiſe Bedachtſamkeit in allen ſeinen Handlungen, die ſorgfaͤltigſte Bewahrung vor jeder unreinen Begierde, vor jeder herrſchenden Sinn⸗ lichkeit liegen ihm nun ganz am Herzen. Er ſieht in jene Tage zuruͤck, entdeckt jede Fehler und Mißerie jede ———— ben der git ende Gii m Leelende E dd mit Va din Perliune dr Ungentt 6 gierde gi dhaten um dn Seligenu eſtreben. enuthsvoll d d ſeinen M ne oder unm aurdieſer En Rur Ungerg rte gegenit — gen ganz n enl auf die che angen, reich agen(ebens d die Frende ganzes hu S reuung, j ie Begierd nieſes Leben ane: wozu h laubens chumkeit in 10 a henden 6 . Er ſil 1und Ah in ſeinen geſunden Tagen und ehe er ꝛc. 131 jede Verirrung und Suͤnde, und das Andenken beugt ihn, der Verluſt ſchmerzt ihn, aber Dank und Preiß der goͤttlichen Gnade erhebt ſeine Seele aus dem Stau⸗ be, daß er jene Feinde gluͤcklich beſiegt, und dieſe Flecken ſo voͤllig getilgt ſieht. Gedanke des Verſoͤhners und der Verſoͤhnung, welche Seligkeit giebſt du uns! Barmherzigkeit, Vergebung der Suͤnden, Gerech⸗ tigkeit vor Gott, welche unausſprechliche Wonne fuͤr unſre Seele! Der Herr hat meine Suͤnden von mir genommen, und es iſt nichts verdammlichs mehr an mir, es ruhet keine Strafe mehr auf mir, ich habe nichts zu fuͤrchten, welcher Werth dieſes Glaubens! welches himmliſche Bewußtſeyn! Er ſieht zuruͤck ſeine Tage, aber er hat das Uebel ſo angelegentlich weggenommen, welches er darinn gethan; das Berſaͤumte und das Gute, was er nicht gethan hatte, ſo ernſtlich und ſorgfaͤltig nachgeholt; und noch iſt er damit beſchaͤftigt, jene Flecken zu til⸗ gen, ſeine Unbarmherzigkeit, ſeine Ungerechtigkeit, ſeine Kraͤnkungen, und welches nur immer ſeine Ver⸗ gehungen geweſen waren, immer mehr gut zu machen, und was er nicht kann, und in der Folge nicht thun kann, das wird ihn nicht verdammen, denn ſein Ver⸗ ſoͤhner iſt ihm die vollkommene Gerechtigkeit, die dort gilt. Je mehr ihm vergeben war, und je groͤſer Got⸗ tes Gnade an ihm ward, deſto groͤſer, lebendiger und eifriger iſt ſeine Liebe zu Gott, ſein Dank, ſeine Gottergebenheit, ſein Eifer im Guten. Jene Ta⸗ lente waren verlohren, mit dieſen gewinnt er deſto mehr. So viel iſt nun fuͤr den Himmel gewonnen, aber noch iſt es ihm zu wenig; eer eilt dieſe Schaͤtze zu vermehren. Stets ſieht er ſich an, als den, der es noch nicht ergriffen, und deſto begieriger jagt er nach, es zu ergreifen, und nun ſeine Berufung und Erwaͤhlung noch feſter zu machen. Und ſo mit freu⸗ J 2 den⸗ 132 Gluͤckſeligkeit eines Chriſten, der ſchon vollem Herzen, mit verſoͤhntem Gewiſſen, begnadigt, und als Freund Gottes, als Nachfolger Jeſu, als treuer Eiferer in der wahren Gottſeligkeit, voll hei⸗ ligen Glaubens und Zuverſicht ſieht er auf die Zu⸗ kunft. Ruhig und zufrieden in Gott, ſicher in ſeiner Gunade, getroſt bey allen Stuͤrmen der Widerwaͤrtig⸗ keiten, geleitet an der Hand ſeines Vaters weiß er von Furcht und bangen Sorgen nichts; er ſieht ſei⸗ nen Himmel heiter, und ſeinen Ausgang geſegnet. Nicht Furcht des Todes, nicht Schrecken der nahen Ewigkeit hatten ihm zuerſt die Augen geoͤfnet, nicht erſt dann, da er nicht mehr ſuͤndigen konnte, aber auch nicht mehr Zeit hatte reich in Werken der Gott⸗ ſeligkeit zu werden, richtete er ſein Herz auf die Wege zum Himmel: nein! noch da er ſich fern von ſeinem Grabe fuͤhlte, gab er Gott die Ehre, hoͤrte die Stimme ſeines Erloͤſers in ſeinem Worte, fuͤhlte den Werth der Froͤmmigkeit und des Glaubens, und ſuchte den Frieden ſeiner Seele. Er ruͤhmt nun mit dem Apoſtel, das iſt die ewig feſte Wahrheit, die mein Herz mit Freuden ergreift, daß Chriſtus Jeſus in die Welt kam, die Suͤnder ſelig zu machen, un⸗ ter denen ich einer der groͤſten biu, aber ich habe Barmherzigkeit erlangt, und an mir hat vornemlich Jeſus Chriſtus alle ſeine Langmuth bewieſen, und mich zum Beyſpiel fuͤr diejenigen geſezt, welche kuͤnf⸗ eig an ihn glauben, und durch ihn ewig leben wer⸗ den. Dem Beherrſcher aller Dinge in Ewigkeit, dem unvergaͤnglichen, dem unſichtbaren, dem allweiſen Gott ſey Lob und Anbetung in Ewigkeit. Jeder Morgen, jeder Abend bringt neues Gefuͤhl von in⸗ nigſter und freudigſter Dankerhebung fuͤr die Zeit ſei⸗ ner Rettung, und von neuem und groͤſerm Ernſte der Heiligung, die Stunde des Todes iſt feuriger Dank, und was wird einſt die Ewigkeit fuͤr ihn ſeyn, wo er .„—— ſhon 2 7 5 degnadi ger Jeſu, a Jaters weß C; er ſieht wang geſent 1 en der naar weöfnet, uch moune, ait ain der Gon i die Wege jvon ſänem 5 hoͤrte di Prte, fuͤhl Dubens, u mt nunm Jahrheit, i ariſtus Jii e nachen, w Zber ich hab tt vornemich vieſen, und an welche knſ aa leben wer⸗ uvigkeit, dem m alweiſen arteit. Jede 9 faͤhl von y die Zeit dſerm En — iſt feu eiaſem in ſeinen geſunden Tagen und ehe er ꝛc. 133 er vor dem Throne des Unendlichen anbeten, und jene Stunden ſeiner Bekehrung und die Tage ſei⸗ nes heiligen Wandels, die allein Tage ſeines wah⸗ ren Lebens waren, ſegnen wird. Welcher hohe Lobgeſang wird dort unter den Seligen den Erloͤſer erheben, der ihn nicht in ſeinen Suͤnden dahin nahm, ihm noch dieſe Zeit der Langmuth und Gnade ließ, und ſo viel, ſo unendlich viel Barm⸗ herzigkeit an ihm that. Du ,der Herz und Nieren kennet, Ewiger, erforſche mich! Ach! ich war von dir getrennet, Aber du erbarmteſt dich,— Höoͤrteſt mein Gebet, mein Sehnen, Sahſt die Innbrunſt meiner Thraͤnen, Schenkteſt mir nun neue Huld Und vergabſt mir alle Schuld. Als zuerſt von meinen Blicken Der Verblendung Nacht verſchwand, Und mein Auge voll Entzuͤcken Gott! dein Antlitz wieder fand, Wie war da der Reiz der Suͤnden Mir ſo leicht zu uͤberwinden! Ihre Schrecken ſah ich nur, Aber keiner Anmuth Spur. Wenn von Andacht hingeriſſen, Ich den Himmel offen ſah; Lag die Welt zu meinen Fuͤßen, Und, Gott, deinem Throne nah, Miſcht ich in der Engel Choͤre Den Geſang von deiner Ehre, Von der Huld die ewig liebt. Suͤnden deckt und ſie vergiebt. Von dem Wunſch des Welche Ruhe, welcher Friede t Wohnt doch nun in meiner Bruſt, den Eitelkeit, dein bin ich müde;— Welt, mir ekelt deine Luſt; büt Ich verſchmaͤhe deine Gaben, die Um nur Gottes Huld zu haben, ver Und ein Herz das ihn verehrt, gan Iſt mir uͤber alles werth⸗ 3 3 all Wenn die Menge der Verachter Meines frommen Wandels lacht, ä Aus der Andacht ein Gelaͤchter, I Aus dem Beten Thorheit macht: ne Wenn ſie ſpoͤttiſch auf mich ſehen, di Mich und meinen Glauben ſchmaͤhen, jt Bleib ich feſt an meiner Pflicht t Und vergeſſe Jeſum nicht. 6 d Wer getreu bleibt bis ans Ende, g Und nicht achtet Spott und Hohn, 4 Dem bereiten Gottes Haͤnde Eine ew'ge Siegeskron. 6 Kampf und Muth war nicht vergebens. 1 Gott giebt ihm vom Baum des Lebens in Und er kommt nicht ins Gericht, 9 Stirbt den Tod der Seele nicht. 1 u —— 7 ſ b Von dem Wunſch des Frommen zz b b ſterben. Wenn wir im Tode nichts verliehren, wenn wir 4 durch ihn ſo unausſprechlich viel gewinnen, wenn ul er uns die herrlichſten Ausſichten zu ſolchen vol⸗ er 1 komm⸗ „abens. redens nannen zu rann, wehn „ innen/ n lſolchen tnmh Frommen zu ſterben. 131 kommnen Seligkeiten und einem ungeſtoͤrten Frie⸗ den der Seele giebt, warum ſollten wir ihn nicht wuͤnſchen, und nicht mit heiliger Sehnſucht auf die Stunde unſrer Vollendung hinſehen? Was verliehrt der Chriſt im Tode? Und wenn er hier ganz im Schooße des Gluͤcks ſaͤße, wenn ſeine Wuͤnſche hiernoch ſo ſehr befriedigt wuͤrden, wenn ihm alles zu Gebote ſtuͤnde; wenn er wenig oder nichts von Leiden und Klagen wuͤßte, wenn er ſelbſt zu den Groͤſten der Erde gehoͤrte; iſt das genug ſei⸗ ner Seele dieſen hohen Frieden zu geben, den ihm die Ewigkeit verſpricht? iſt das mehr werth als jene Herrlichkeit zu ſeines Erloͤſers Rechten, zu welchen ihn die Stunde ſeines Todes fuͤhrt? Aber wo iſt auf Erden das Gluͤck zu finden, das nicht das Gepräͤge der Eitelkeit, der Muͤhe, der Sor⸗ gen, und der Beſchwerlichkeiten haͤtte? Ach! das köſtlichſte§eben iſt Muͤhe und Arbeit. Wie viel Gefahren umgeben uns, wie viel hat der Groͤſte und Gluͤcklichſte zu fuͤrchten, und wie leicht geht in dieſem Lande der Berſuchungen und Pruͤfun⸗ gen, ſein Glaube und ſeine geuͤbte Froͤmmigkeit verlohren, wenn er nicht ſtets auf ſeiner Hut iſt; und wir ſollten nicht mit innisſter Frende an die Stunde denken, die unſre Seele und unſer Gluͤck auf ewig in Sicherheit bringt? nicht mit dem innig⸗ ſten Wonnegefuͤhl hin zu dem Augenblicke uns ſehnen, wo alle Sorgen, alle unſre Gefahren, alle Kraͤnkun⸗ gen, alle Leiden und Beſchwerlichkeiten ein Ende neh⸗ men? Ein beſchwerter, muͤder Wanderer ſehnt ſich doch nach dem Ziel ſeiner Reiſe, und froh ſieht er ſich demſelben naͤher gebracht, wo er ſeinen Wanderſtab hinlegen, ſeine Laſt von ſeinen Schultern abwaͤlzen, und nach allen Stuͤrmen, Gefahren und Beſchwer⸗ den ſeiner Reiſe endlich ſeine erquickende Ruhe wie⸗ der 136 Von dem Wunſch des der finden wird. O wie viele und mancherley Laſten legt der Chriſt in ſeinem Tode nieder, und was iſt doch derſelbe anders als das gewuͤnſchte Ende aller Leiden, aller Furcht, aller Sorgen, aller Thraͤnen in dieſem Lande der Unvollkommenheiten? Und wie viel, wie unendlich viel gewinnt er? Nichts koͤſtliches, nichts vom Gluͤck und von Freuden, die er dort nicht mit beſſerm Gluͤck und beſſern Freuden vertauſchte: Er geht aus einem niedrigen und zerbrechlichen Hauſe, um eine beſſere und glaͤnzendere Wohnung einzuneh⸗ men: er verlaͤßt eine ſchoͤne Gegend, um zu einer ſchoͤnern und herrlichern uͤberzugehen; er verlaͤßt eini⸗ ge Freunde, in deren Armen und Umgang er ſo manche frohe Stunde durchlebte, um das Gluͤck der Freundſchaft in einem groͤſern Maaſe und vollkomme⸗ ner unter ſo viel Seligen und Heiligen zu finden: und auch dieſe, die er verlaͤßt, und die bey ſeinem Tode weinen, wird er nach wenig Augenblicken in einer beſſern Welt wieder ſehen, zu welcher ſeine Freudigkeit im Sterben ſie eifriger und verlangender machen wird. Sehr wenig wiſſen wir noch von jener Seligkeit. Hier iſt es noch nicht offenbar, was wir ſeyn wer⸗ den. Aber doch wiſſen wir genug, um mit ganzer Seele hinzuſtreben, und auf den Tag der Erſcheinung Jeſu und unſrer Verherrlichung uns zu freuen. Tag der Ruhe und Tag der Seligkeiten! Da ſoll ich den, den ich hier noch im Dunkeln ſehe, meinen Gott und meinen Erloͤſer, den der fuͤr mich ſtarb, meinen Verſoͤhner und goͤttlichen Lehrer, kennen und ſehen, da werde ich endlich tiefer in die Geheimniſſe ſeines Weſens, ſeiner Rathſchluͤſſe und Wege und ſeiner ganzen Regierung eindringen; da werde ich die gro⸗ ſen Werke meines Gottes im vollkommnern Lichte er⸗ ken⸗ ne ſt 1 G — — — y= 14 —— — verlaͤßt iin dgang er ſ ds Gluͤck de vollkomme in finden bey ſeinen Nenplicken i moelcher ſeie anverlangende aer Seligktl Soir ſeyn we mit ganze 8 Erſcheinung . an zu freuen. am Da ſol ich arneinen Get rb, meine aen und ſehl mniſſe ſähl e und ſäi as ich die 1 a hern Liht. Frommen zu ſterben. 137 tennen, ihn ohne Suͤnde anbeten und im heiligen Schmucke vor ihm ſtehen. 3 Ferne ſey es von mir, mein Leben gering zu ſchaͤtzen und das, was zu meiner Erhaltung gehoͤrt, zu verſaͤunien, oder auch die Guͤter und die Freuden⸗ ſtunden, die mir die gute Hand des Herrn fuͤr dieſes Leben giebt, deswegen zu verachten, nicht zu nutzen, oder doch nicht einen weiſen Gebrauch davon zu machen, weil ich nur das Unvergaͤngliche und Ewi⸗ ge, das Vollkommene und das Himmliſche wuͤnſche: ferne ſey es von mir, ſelbſt in meinen Leidensſtunden und bey dem Druck der Beſchwerden mir meine Tage durch Ungeduld und Muthloſigkeit abzukuͤrzen, mei⸗ nes Lebens uͤberdruͤſſig zu werden, und nur darum ſterben zu wuͤnſchen. Nein! dieſes Leben bleibt mir auch hier die erſte aller Wohlthaten Gottes, und ein Gut, das ich ſchaͤtze und zu erhalten ſuche, denn es iſt ja die gute Vorbereitung zur Ewigkeit, und die Zeit, worinn ich mir die Schaͤtze und Freuden fuͤr das kuͤnftige Leben durch den Wachsthum meines Glaubens und durch fromme Thaͤtigkeiten ſammle und vermehre, und die Guͤte meines Gottes hat ſie dazu beſtimmt, daß ich mich in denſelben geſchickter mache, jener groſen Seligkeit zu genieſen. Die Guͤter und die Freuden dieſes Lebens ſind zwar ge⸗ gen jene Herrlichkeit, die ich dort zu hoffen habe, ein unbedeutender Schatten; und viel zu nichtig, mein Herz zu feſſeln und meine Seele und ihr Beſtreben von meiner hohen Beſtimmung und den kuͤnftigen, ungemiſchten, reinen und erhabnen Seligkeiten weg⸗ zuwenden: aber dazu bleiben ſie doch gut, mich jener Seligkeiten durch ihren guten Gebrauch zu verſichern, und mit ihnen die beſſern und ewigen Freuden ein⸗ zutauſchen. Nur dann werde ich ſie verachten, wenn ſie mir zu meinem beſſern Gluͤcke ſchaͤdlich werden, und 138 Von dem Wunſch des und ich ſie nicht mehr beſitzen kann, ohne die Gnade Gottes und die Unſchuld meines Herzens zu verlieh⸗ ren; uunr ſolchen Gebrauch von ihnen werde ich ver⸗ werfen, der mir meine freudige Hinſicht auf die Ewig⸗ keit raubt, und nicht die groſe Hofnung zu derſelben ſtaͤrken und vermehren kann. Sie bleiben immer Gottes Wohlthaten, und fuͤr dieſes Leben, ſo lange ich es hier fortzuſetzen habe, gut. Sie ſind immer die ſchaͤzbaren Mittel, mein Herz mit Liebe und Dank zu ihrem Geber zu erfuͤllen, mich von ihnen zu Gott und dem, was himmliſch und unvergaͤnglich iſt, zu erheben, durch ihren guten Gebrauch, durch Wohl⸗ thaͤtigkeit und Werke der Liebe, die Summe meinet Seligkeiten zu vermehren. Meine Leiden und die Beſchwerden meiner Wallfahrt muͤſſen meinen Muth nicht niederſchlagen, und aus Ungeduld muß ich nicht den Tod wuͤnſchen; denn auch dieſe Leiden ſind mir nuͤzlich und bewahren mich vor Suͤnde, ſichern meinen Glauben und meine Tugend, ſtaͤrken und vermehren ſie, und ſind ſo herrliche Mittel die Macht der Religion Jeſu, den Werth eines guten Gewiſſens, meine Ergebung an Gott, meine Geduld, das was ſeine Weisheit und Guͤte mir auffegt, willig zu ertragen, meinen Glauben und das leben⸗ dige Vertrauen auf ſeine Huͤlfe, meinen Gehorſam gegen ſeinen Willen, zu beweiſen, und in meinen Gebeten mich anhaltender, inbruͤnſtiger und herzli⸗ cher zu machen. Sie ſind Quellen des Segens und der Freuden fuͤr den Chriſten, die in die Ewigkeiten uͤbergehen. Auch in den groͤſten Be⸗ ſchwerden will ich Gottes Guͤte preiſen und nur dahin ſtreben, daß die weiſen und guten Abſichten, die er an mir und durch mich in ihnen erreichen will nicht verfehlt werden. Ich — eo——/⸗B⸗= r === e die G 4 zu derlt verde ich . auf die di ig zu derſn ¹ leiben in — ben, ſo l 4 ſind inm dbe und d nen zu gn Vrulich iſ n ddurch Va ume meine en und oͤje theinen Mutz dald muß ich dieſe Leiden door Sänd abad, ſtättg dn Mittel h aa eines gut veine Gedah Zmir außeg. d das leber⸗ an Gehorſan in weinen aai und herzli⸗ mes Segens die in de piſten B man und ul m n Abſiche Aneichen. Frommen zu ſterben. 139 Ich lebe aus Gehorſam gegen Gott, ich gehe den Weg gerne den er mich fuͤhrt, ich ſetze meine Reiſe unter Leiden und Freuden ſo weit fort, als es meinem Fuͤhrer gefaͤllt, mich zu leiten, ich trage meine Laſten, die er mir beſchieden hat, mit kind⸗ licher und williger Ergebung in ſeinen Willen; nicht einen Augenblick von meinen Lebenstagen will ich abkuͤrzen und verliehren, ſie ſind alle wichtig, alle koſtbare Vorbereitungen zu meinem ewigen Gluͤck; aber ſtets in dieſer Hinſicht auf die Ewig⸗ keit muß ich dieſes Leben fortſetzen; es ſoll jeder Tag, jede Stunde als Vorbereitung, als Beyla⸗ ge zu meiner ewigen Beſtimmung angewandt und zuruͤckgelegt werden, alles ſoll Annaͤherung und Fortſchritt zu meinem groſen Ziele ſeyn. Nur dies ſicher zu erreichen, nur mich des ewigen Gluͤcks zu verſichern, nur ſtets in meinem Leben fuͤr den Himmel etwas zu gewinnen, das muß mein gan⸗ zer Wunſch und mein ganzes Beſtreben ſeyn. Dies iſt Sehnſucht nach dem Himmel, und Ver⸗ langen nach der Ewigkeit. Freudig ſehe ich mich dann dem Ende meiner Uebungs⸗ und Vorberei⸗ tungszeit und dem Tage meiner vollkommnen und himmliſchen Ruhe, meiner Verherrlichung und der Zeit der groſen Aerndte naͤher gefuͤhrt. Tritt die Stunde meiner Erloͤſung ein, und oͤfnen ſich mir die Pforten der Ewigkeit, ſo oͤfnet ſich auch meine Seele zu den Empfindungen der entzuͤckendſten Erwartungen und der nahen Seligkeiten vor Gott. Die Gewißheit, die lebendige Ueberzeu⸗ gung, und das uͤberwiegende Gefuͤhl meines un⸗ endlich beſſern Schickſals in der Ewigkeit beſiegt meine natuͤrliche Furcht vor meiner Zerſtoͤrung und meinem Tode; und je naͤher der Augenblick meiner Vollendung kommt, deſto mehr wuͤnſcht meine 140 Von dem Wunſch des meine Seele, aufgeloͤſet und bey Chriſto zu ſeyn, und ſehnt ſich nach ihrer ewigen Behauſung; denn wir wiſſen, daß wenn dieſe irdiſche Huͤtte zerbro⸗ chen iſt, wir einen Bau haben von Gott erbauet. Hier ſind wir Pilger, und dort iſt unſre Heimath, und von dort erwarten wir unſern Heiland. Wann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes Angeſicht ſchaue!. 7 8 reue dich, o meine Seele, Selig, ſelig ſollſt du ſeyn; Gottes, dem ich dich befehle, Sollſt du ewig dich erfreun. Aus der Truͤbſal dieſer Zeit Fuͤhrt er dich zur Seligkeit, Zu dem Throne ſeines Sohnes, Zum Genuſſe ſeines Lohnes. Dank ihm fuͤr dein Pilgerleben! Wie viel Gutes hat er ſchon Dir in dieſer Welt gegeben; Und wie groß iſt dort dein Lohn! O wie herrlich, wenn du Gott Auch im Kummer, auch in Noth Feſt vertrauſt, und freudig glaͤubeſt, Und ſein Werk nie laͤſſig treibeſt. Reine, ganz vollkommne Freuden Kennen Gottes Pilger nicht; Dennoch ſind ſie auch im Leiden Ruhig und voll Zuverſicht. Ihres Glaubens Laͤuterung Iſt die Frucht der Zuͤchtigung » Alle Dinge muͤſſen ihnen Endlich doch zum Beſten dienen. Frommen zu ſterben. Sey bey allen deinen Sorgen Gottes Willen unterthan. Bricht doch auch ein heitrer Morgen Auf die laͤngſte Nacht einſt an. Endlich ruht der Wandrer aus Und ſein vaͤterliches Haus, Troͤſtet nach den Pilgerleiden Ihn mit tauſend ſußen Freuden. Ringe, dich von allen Suͤnden Loszureißen, und die Welt Und dich ſelbſt zu uͤberwinden, Liebe nur, was Gott gefallt. Schmuͤcke dich mit Tugend; ſey Gott bis in den Tod getreu, Um, erſcheint die Zeit zu ſterben, Seines Sohnes Reich zu erben. Jeſu, den ich hier bekenne, Gieb, daß weder Luſt noch Schmerz Mich von deiner Liebe trenne: Wo mein Schatz iſt, ſey mein Herz! Mache du mich ſelbſt bereit Fuͤr das Heil der Ewigkeit! Ich, von dir erloͤſt zum Leben, Will mich ewig dir ergeben. In des Todes bittern Stunden Will ich deiner Huld mich freun; Sollen Heiland deine Wunden Meiner Seele Zuflucht ſeyn. In mein himmliſch Vaterland Wird mich deine treue Hand Hin zu deinem Vater fuhren, Um bey dir zu triumphiren. 142 Von dem Wunſch des Frommen zu ſterben. Sie, zu deiner Wonn erhoben, Wird mit neuen Kraͤften ſich Ewig uͤben, dich zu loben, Ewig, Gott, mein Vater, dich; Sicher, daß ihr Lob dereinſt, Wenn du zum Gericht erſcheinſt, Auferwecket aus der Erde, Auch, wie ſie, verherrlicht werde⸗ Darum freue dich, o Seele, Selig, ſelig ſollſt du ſeyn; Gottes, dem ich dich befehle, Sollſt du ewig dich erfreun. Aus der Truͤbſal dieſer Zeit Fuͤhrt er dich zur Seligkeit Hin zum Throne ſeines Sohnes, Zum Genuſſe ſeines Lohnes. —. Ende des erſten Theils. Hinſichten auf die ewigtet Zweiter Theil. 9 Kranke und Sterbende. Beurtheilung der Krankheiten. G hundhar, welches koͤſtliche Gut iſt ſie doch? das erſte unter allen Vergnuͤgen der Erde und auch wieder die erſte Quelle des mancherley Vergnuͤgens, das die Guͤte des Schoͤpfers fuͤr mich in die Natur legte. Meine Kraͤfte zu fuͤhlen, ſie zu gebrauchen und an⸗ zuwenden, der Guͤter und Gaben der Erde froh zu genießen, iſt ja doch ein weſentliches Stuͤck der Gluͤckſeligkeit. O wie ſelten wird ſie geſchaͤzt; und wie wenig denkt der Menſch daran, ſeinem Erhalter fuͤr ſeine Geſundheit, den Gebrauch ſeiner Kraͤfte, den frohen Genuß der Gaben Gottes taͤglich und ſo ſehr, als es dieſe Wohlthat gleichwohl verdient, Dank zu bringen? Wie ſelten fuͤhlt er die Pflicht, ſeine Geſundheit zu erhalten, oder doch nicht muth⸗ willig, nicht unbedachtſam, nicht durch ſeine eigne Schuld zu zerſtoͤren, den Bau ſeines Leibes zu ver⸗ derben, oder zu fruͤh einzureißen; aber dann auch dieſe ſeine geſunden Kraͤfte des Geiſtes und des dei⸗ bes zur treuen Ausrichtung ſeines Berufs und ſeiner heiligen Pflichten anzuwenden! Wie bald iſt ſie da⸗ hin! Ich fuͤhle mich kaum in meiner ganzen Staͤrke, und bin lauter Kraft und Pben⸗ ſo uͤberfaͤllt uich 1 au 146 Beurtheilung auf einmal ein Schaudern der Natur, eine Kraftlo⸗ ſigkeit und Ohnmacht, ein Schmerz, der meine ganze Natur durchdringt und zu Boden wirft. Keinen Augenblick bin ich meiner Geſundheit gewiß, und eben ſo wenig meines Lebens ſelbſt. Doch wenn ich mir nur nicht ſelbſt den Verluſt dieſes edelſten Gutes auf Erden zuzuſchreiben, und nur meine Krankheit nicht ſelbſt verſchuldet habe; wenn ich nur nicht durch mißtrauiſche Sorgen, durch heftige Traurigkeit, die noch uͤberdem ein irdiſches Herz, ein Herz ohne Gortes Ergebenheit verrathen, durch gegen Gott ſich empoͤrenden Gram, durch wilde Affekten von Zorn und Neid und dergleichen Auftrau⸗ ſungen meinen Koͤrper zerruͤtter habe; wenn ich nur nicht durch unmaͤßige Arbeit meine Kraͤfte erſchoͤpft, oder durch Unmaͤßigkeit in Speiſe und Trank; durch Unordnung und ſchaͤdliche Lebensart, durch ſtuͤrmi⸗ ſche Ergoͤtzungen, durch gefahrvolle Handlungen, oder auch verſchuldete Unterlaſſung der nothwendigen Pflege, Bekleidung und Fuͤrſorge meines Koͤrpers mein eigner Feind war. Wie oft legt nicht der Menſch ſelbſt den Grund zu der Zerruͤttung ſeiner Natur und untergraͤbt allmaͤhlig ſchon in der Jugend den oft ſehr ſtarken Bau ſeines Leibes. Auch hier ein gutes Ge⸗ wiſſen vor Gort zu haben, iſt kroͤſtlich und ſchaͤzbar; ſich nicht als einen freywilligen Stoͤrer ſeiner Ge⸗ ſundheit anſehen, nicht als einen auch nur ſubtilen Selbſtmoͤrder anklagen zu duͤrfen, iſt unausſprech⸗ liche Unterſtuͤzzung in den Leiden der Krankheiten. Weit geduldiger, ruhiger und ſtaͤrker, ertraͤgt der Chriſt die harten und ſchmerzhaften Zufaͤlle auf ſei⸗ nem Krankenbette, wenn er ſie als Schickungen Gottes anſohen kann, und in ihnen weiſe guͤtige und heilſame Abſichten des Vaters im Himmel erblicken darf. Denn dieſe hat er immer mit uns, ſelbſt ſo b gar Jen/ dan In ein ithſhe sheit verrah att durch wi ia hen Auföra Kvenn ich nu ffte erſchoyft an Trant; dur⸗ rn durch ſtuͤrm de Handlunga as nothwendi a ines Koͤryn ucht der Mani Ir ier Natur h eand den eſt t d ein gutes 6 a und ſchähe ter ſeiner 6 an d nür ſubtit unausſytet 4 Krantheit⸗ a., erträgt „ zufälle auf veiſe gütig immel eit n uns, 1 Augen hin. der Krankheiten. 147 gar mit den Menſchen, die ihn vergaſſen und ver⸗ leugneten. Alle unſere Leiden in der Welt ſollen uns nuͤtzlich werden, und vornemlich ſind die Krankheiten eine ſeegensvolle Schule der Weißheit und Gluͤck⸗ ſeeligkeit. b Wie viel Gutes lehrt uns die Guͤte Gottes wenn ſie uns Krankheiten zuſchickt, und wie viel gewinnen wir durch ſie, wenn wir wollen? Oft iſt ſie der erſte Anfang eines reifen Nachdenkens, einer richtigen Beurtheilung der Dinge dieſer Welt und unſrer ſelbſt, des Gefuͤhls unſrer hohen und lezten Beſtimmung und der erſte Schritt zu Gort. So lang wir ge⸗ ſund ſind, eilen wir mehrentheils unſern Leidenſchaf⸗ ten, unſern Gewohnheiten und alten Grundſaͤtzen nach; und handeln ohne uns darum zu bekuͤmmern, warum und wozu wir ſo denken, ſo thun, ſo ange⸗ legentlich unſre Plane verfolgen, ob das auch recht vor Gort ſey; und was endlich das alles fuͤr Folgen haben werde? Aber nun giebt die Krankheit unſern Beſtrebungen und Geſchaͤften dieſes Lebens auf ein⸗ mal einen Stillſtand. Die Kraͤfte des Leibes laſſen nach, damit die Seele ungeſtoͤrter, ruhiger und ſchaͤr⸗ fer ihre Kraft gebrauche. Die Welt, das irdiſche, das ſo genannte Erdengluͤck hatte den Menſchen ge⸗ blendet, und ſeine Begierden, Wuͤnſche und Arbei⸗ ten waren nur auf dieſe Freuden, dieſe Guͤter, die⸗ ſen ſcheinbaren Glanz und eingebildete Groͤſe gerich⸗ tet, aber jezt zeigt der goͤttliche§ehrer dem Kranken ſeinen elenden Betrug; er legt ihm das vergaͤngliche, das unbeſtaͤndige, das nichtige, den bloſen taͤuſchen⸗ den Traum dieſes Erdengluͤcks ſichtbar vor ſeinen Es verliehrt in dieſem Augenblick dies alles fuͤr ihn ſeinen Werth, und wenn ſich auch ſeine verwoͤhnte Seele jezt noch an jenen Guͤtern, jenen Freuden, jenen Vorzuͤgen e Hoͤhen ergoͤtzen wollte; 2 ſo 148 Beurtheilung ſo liegt ihm doch nun das Gefaͤhl allzu nahe: dieß alles kann dir nicht im mindeſten den Verluſt deiner Geſundheit und deiner Kraͤfte erſetzen, und noch we⸗ niger vor dem Staub und der Verweſung ſichern. Der Geizige hoͤrt hier in ſich ſelbſt den ſtaͤrkſten Red⸗ ner, daß ſeine Reichthuͤmer ihm kein wahres Gluͤck geben und den Verluſt des guten Geyiſſens nicht erſetzen; daß er ſich von ihnen nothwendig tren⸗ nen muͤſſe, und ihre Erwerbung und Verwaltung ihm nun eine ſehr ernſthafte Rechenſchaft auflege. Der Stolze, der Groſe, der Maͤchtige fuͤhlt nun auf einmal ſeine Ohnmacht, und daß er Staub und Nichts ſey; er faͤllt von ſeiner eingebildeten Groͤſe, von welcher er mit Verachtung auf ſeinen geringern Bruder blickte, ſo tief hinab, daß er ſich vor ſich ſelbſt ſchaͤmt. Die groſen Entwuͤrfe, die muͤhſam durchdachten Plane, die er fuͤr ſich und die Seinen erfand, und ſeine ſo weit ausſehende in die Zukunf tief hineingehenden Unternehmungen werden nun ploͤtzlich wie ein Spinngewebe zerriſſen. Gott, was iſt der Menſch! wie ſchwach und elend, wie nichts! und wo lernen wir es mehr, als wenn du uns, Gott! auf unſer Krankenlager dahin wirfſt? Dies iſt die Stunde, wo du uns, die wir alles Nachden⸗ ken auf das allerwichtigſte, auf dich, auf uns ſelbſt, auf den Zweck unſers Lebens, auf unſer wahres und ewiges Gluͤck, auf das, was gut und recht iſt, flie⸗ hen, und uns jeder ernſtlichen Ueberlegung, die wit uͤber uns ſelbſt und unſer Leben anſtellen ſollen, ent gegen ſetzen, oder ihr aus dem Wege zu gehen ſuchen; in uns ſelbſt zuruͤcke bringſt, und zur wahren eigent lichen Weisheit fuͤhren willſt. Hier liege ich nun unter deiner gewaltigen Hand. Ich fuͤhle die Zerruͤttung und Unordnung in dieſem Gebaͤude meines Leibes. Die Kraͤfte ſind dahin ge ſunten, eln wohe. 8 Dauſſ d ’ und wh Greſung ſtn n ſüttſenl en Genſ nthwendun 4 dent lnaſt außſg. Kheige fütlt 16 er Staub t deren Gri un gringe ſich dorſ die wißſ utd die Sän t die Zuh an werden m annd, wie ich aln wenn dun an wirfſt! A a alles Mi a auf uns ſti mm ſer wohtest techiſt Slezung len ſolen, ezu gehen t =: wahrin ewalign e anung u =: ſnd e der Krankheiten. 149 ſunken, und ſinken tiefer. Da iſt nun eine Hitze, die mich verzehrt, ein Schmerz, der in allen meinen Gebeinen nagt, der Schlaf flieht mich, und meine Sinne empfinden das nicht mehr, wasich ſonſt ſchoͤn, gut, vortreflich und koͤſtlich fand. Was mein Herz ſonſt erfreute, freut mich nicht mehr, und ich fuͤhle jezt Ekel und Ueberdruß da, wo ich in meinen geſun⸗ den Tagen lauter Ergoͤtzung und ſo gar mein einziges Bergnuͤgen fand. Wie ſehr kann doch ein einziger Augenblick, alle meine Grundſaͤtze, umſtoßen, mei⸗ nen ganzen Geſchmack veraͤndern, und meine Freu⸗ den und Entwuͤrfe vernichten. Was war ich geſtern oder vor einigen Tagen und was bin ich jezt, da mich die allmaͤchtige Hand meines Gottes auf dies Lager hinſtreckt. Wenn ich mir bisher ſo wenig Zeit ließe an Gott zu denken, wenn meine ſteten Zerſtreuungen keinen ernſthaften Gedanken an das Ende und den Erfolg meiner Thaten und meines Lebens aufkom⸗ men lieſen; wenn ich mich bald mit Geſchaͤften und Arbeiten entſchuldigte, bald ſtolz oder leichtſinnig uͤber meine Pflichten hinweg ſah; und ſelbſt nicht einmal diejenigen Tage, die dem Dienſt Gottes ge⸗ heiligt ſeyn ſollten, die Lehren zum Himmel hoͤren mochte; ſo giebt mir nun der Allmaͤchtige Zeit, ſo ſezt er mich auf einmal aus dieſen Zerſtreuungen und Arbeiten heraus, ſo legt er nun mit einmal meiner Leichtſinnigkeit Feſſeln an, und fuͤhrt mich gewaltſam in die Stille, um mein Gemuͤth auf das hoͤhere und wichtigere hinzuleiten; und ungeſtoͤrt nachzudenken, was es mit mir ſelbſt und meinem Leben werden, und wie es mit meiner Hofnung ausſehen muͤſſe. Du rufſt mich, Vater meines Lebens, zu mir ſelbſt, und zur Hinſicht auf die Ewigkeit; und ich will dir folgen. Ich will die Wege erforſchen die ich gieng, und an das Ziel denken, von welchem ich vielleicht nicht 150 Beurtheilung nicht mehr weit entfernt bin. Meine Krankheit ſol denn die Schule der Weisheit fuͤr mich werden; und vielleicht iſt ſie noch deine lezte Erinnerung, fuͤr meine Seele zu ſorgen. En Herz, o Gott! in Leid und Kreuz geduldig, Das bin ich dir und meinem Heile ſchuldig. Laß mich die Pflicht, die wir ſo oft vergeſſen, Taͤglich ermeſſen. Bin ich nicht Staub, wie alle meine Vaͤter? Bin ich vor dir, Herr! nicht ein Uebertreter? Thu ich zu viel, wenn ich die ſchweren Tage Standhaft ertrage? Wie oft, o Gott! wenn wir das Boͤſe dulden, Erdulden wir nur unſrer Thorheit Schulden, Und nennen Lohn den wir verdient bekommen, Truͤbſal der Frommen. „Doch ſelbſt, o Gott! in Strafen unſrer Suͤnden Laͤßt du den Weg zu unſerm Heil uns finden, Wenn wir ſie uns, die Miſſethat zu haſſen, Zuͤchtigen laſſen. Jag ich nur nach dem Frieden im Gewiſſen: Wird alles mir zum Beſten dienen muͤſſen. Du Herr! regierſt und ewig wirkt dein Wille Gutes die Fuͤlle. Ich bin ein Gaſt und Pilger auf der Erden, Nicht hier, erſt dort, dort ſoll ich gluͤcklich werden, Was ſind doch gegen jene ew'gen Freuden Dieſer Zeit Leiden? Wenn ich nur nicht mein Leiden ſelbſt verſchulde, Wenn ich als Menſch, als Chriſt hier leid und dulde: So kann ich mich der Huͤlfe der Erloͤſten Sicher getroͤſten. Ich ,ͤͤ ——— 3 Kaanthi ich wen 1 1 unenung, n dreuz gedlſh 5 din geduh ¹ ggeſſen, eine Väi 2etreter? 19 Tage 2as Biſe dden Dlidden, dn unen, maſrer Säng niden, 4 nen, 4 Gewiſen. an en. Wile p Erden, 132 hmſtverſth wid und d 1 4 gebrauchen. aich vwerden der Krankheiten. t Ich bin ein Menſch und deiden muſſen kraͤnken; Doch in der Noth an ſeinen Schoͤpfer denken, Und ihm vertraun, dies ſtaͤrket unſre Herzen Mitten in Schmerzen. Er zuͤchtigt uns, damit wir zu ihm nahen, Die Heiligung des Geiſtes zu empfahen, 4 Und mit dem Troſt der Huͤlfe, die wir merken, Andre zu ſtaͤrken. Das Kreuz des Herrn nirt Meachen und Ers ahrung; Erfahrung giebt dem Glauben Muth und Nahrung; Ein ſtarkes Herz ſteht in der Noth noch feſte, Hoffet das Beſte. Ueber die Abſichten Gottes bey den Krankheiten der Menſchen. , Wo hlehar und Barmherzigkeit meines Gortes iſt es, daß ich auf dieſem Krankenlager liege, und ſo will ich denn auch meine Leidenstage anſehen und Bielleicht ſind es noch die lezten Stunden meiner Vorbereitungszeit zur Ewigkeir und wie koͤnnte ich hier einen Augenblick, in wel⸗ chem ich noch denken kann, ungenuzt voruͤber gehen laſſen! Ploͤzlich haͤtte mein Ende kommen koͤnnen, und wie traurig wuͤrde das fuͤr mich ſeyn, wenn es mich unbereitet, oder wohl gar in ſuͤndlichen Anſchlaͤgen und Werken gefunden haͤtte, und ich ſo zum Richter der Welt haͤtte hingehen muͤſſen? benf b aber — 152 Ueber die Abſicht Gottes bey den aber auch mein Herz unſtraͤflich waͤre, und mich der Tod in einer gewiſſen Zuverſicht auf die Gnade meines Erloͤſers und in einer lebendigen Hofnung jener Seligkeit faͤnde: ſo wird ja doch fuͤr die Mei⸗ nigen, fuͤr andre, und uͤberhaupt in ſo manchen Ruͤckſichten, mein Lager nuͤzlich und heilſam ſeyn muͤſſen. Deſto ernſtlicher will ich denn mein Kran⸗ kenlager als eine Zeit meines Heils anſehen, und die guten Abſichten Gottes, die er fuͤr mich hierin hat, auch an mir erreichen laſſen. Die Guͤte Got⸗ tes, welche alle unſre Tage, welche jemals ſeyn und werden ſollten, gezuͤhlt, bedacht und berathen hat, die alle unſre Schickſale und gewiß vorzuͤglich die ſo wichtigen lezten Veraͤnderungen unſers(e⸗ bens nach der hoͤchſten Weisheit abgemeſſen und regiert, laͤßt gewiß, ich ſey gut oder boͤſe, niche ohne heilige Urſachen, und nicht anders als zum Beſten fuͤr mich und andre dieſe Stunde des Lei— dens und auch gerade dieſe Art deſſelben und eben dieſe Krankheit und dieſe Schmerzen mich erzrei⸗ fen. Freylich ergruͤnde ich hier den ganzen Nath Gottes bey meinen Schickſalen nicht, und das ge⸗ hoͤrt auch nicht nothwendig zu meiner Beruhigung und zu meinem Gluͤck, aber das, was dazu gehoͤrt, weiß ich. Ich weiß, alles Leiden, und auch dieſe Leidensſtunde kommt von Gott, und iſt gut, ſeine Abſicht iſt gut, es muß zu meinem Beſten dienen, wenn ich es nur dazu gebrauchen will. Vieles kann ich von den Urſachen und Abſichten Gottes aufſpuͤren, und die Natur der Krankheit lehrt ſie * —— mich: gegen dieſe heilſamen Abſichten will ich denn mein Herz nicht verſchlieſen. Es kann mich doch wohl nichts ſtaͤrker meine Ohnmacht und meine Nichtigkeit lehren, als wenn ich mich in einem und einigen Augenblicken dahin 7 worfen pol 1 he tand beratz t iß vorzuͤgli nuuunſers 9 emeſſen w 44 boͤſe, nich aners als zu önde des ven und 6 ann wich erui ad ganzen NM dr und das) a Beruhihw s dazu gehe dd auch d niſt gut, ſe peſten diene ewil. D alchten Get a theit lehn an wil ich s ſüüri Sen, äh b lccken d 1 Krankheiten der Menſchen. 153 worfen und dem Staube ſo nahe fuͤhle: und das fuͤhrt mich von meiner eingebildeten Hoheit, auf welche mich ſo leicht meine Eigenliebe und ein aͤußer⸗ licher Schimmer des Gluͤcks fuͤhrt, zu der niedrigen Stuffe, auf welcher ich als Menſch ſtehe, zur wah⸗ ren Demuth zuruͤck. Und iſt es nicht der erſte Schritt zur Weisheit, wenn ich mich ſelbſt kennen lerne, und es ſtets gegenwaͤrtig erhalte, daß ich alles allein durch Gott, und ohne ihn nichts bin? Vor wenigen Augenblicken, oder zu der Zeit, da ich mich geſund fuͤhlte, mich meiner Kraͤfte bewußt war, und mit allerley Anſchlaͤgen erfuͤllt war, fiel es mir wohl nicht ein, daß ich ein fliegendes Blatt ſey, daß der folgende Augenblick mich hinwerfen, und alle meine Borſaͤtze und Entwuͤrfe vereiteln, ja wohl gar mich druͤber zur Rechenſchaft fordern wuͤrde: O wie bald und wie gerne vergißt der Menſch, daß er Menſch iſt, und wie gar nichts doch alle Menſchen ſind, wenn ſie gleich noch ſo ſtark, noch ſo ſicher dahin gehen. Hier ſieht nun der Groſe und Gewaltige, der in ſei⸗ ner Selbſtkraft andere zittern machte, und ſtolz mit großen Thaten ſchwanger gieng, der ohne mit ſeinem Schoͤpfer zu Rathe zu gehen, ſeine Gewalt und ſein Anſehen geltend machen wollte, wie wenig oder wie nichts er ſey. Er gebiete nun ſeiner Krankheit, er trotze nun ſeiner Zerſtoͤrung: er zeige nun ſeine Kraft, oder vielmehr, er fuͤhle es nun: ich bin in jedem Augenblick nur das, was Gott will, daß ich ſeyn ſoll; fuͤr mich Nichts, und ohne Demuth vor Gott ein Thor. Hier fuͤhlt es nun der Geſunde, der Starke, der Stolze, wie wenig er ſich auf ſeine Staͤrke, auf ſeine Vorzuͤge, ſeine Guͤter und ſein Gluͤck verlaſſen koͤnne, und wie ein einziger Augen⸗ blick ihn und alles in den Staub lege; wie kurz und voruͤbergehend aller Unterſchied der Menſchen ſey, und — 154 Keber die Abſicht Gottes bey den und wie unbeſonnen und thoͤricht es ſey, ſich zu erheben. Eten ſo, wie mich meine Krankheit mein eignes Nichts lehrt, zeigt ſie mir auch die Nichtigkeit, Ver⸗ gaͤnglichkeit und Eitelkeit aller Dinge dieſer Welt. Mit welcher Heftigkeit geht doch der Menſch gemei⸗ niglich ſeinem Gluͤcke dieſes Lebens nach? Wie ſehr feſſelt es ſein Herz, wie ſtark empfindet er es, und wie ſehr bringt es ihn außer aller Faſſung, wenn er etwas davon nach der goͤttlichen Schickung verliehrt, oder wenn ſeine Wuͤnſche und Anſchlaͤge fuͤr ſie ver⸗ eitelt oder doch nicht voͤllig befriedigt werden? aber jezt, da unſre Kraͤfte hinſinken, und das Gebaͤnde des Leibes erſchuͤttert wird, fuͤhlen wir es, was wit zwar wußten, aber eben ſo wenig empfinden; daß wir fuͤr dieſe Welt nicht gehoͤren, daß das Gluͤck der Erde eine Taͤuſchung fuͤr den Menſchen ſey, der ihm ſein Herz und ſeine wichtigſte Sorge ſchenkte, daß wir ſie verlaſſen muͤſſen, daß ſie uns zwar einige hei⸗ tere Augenblicke, aber auch ſo manche Muͤhe und gaſt geben, und uns nun den Troſt und die Er⸗ quickung ganz verſagen, die wir jezt ſo noͤthig haben. Es ſchwindet der Glanz und die Freude dieſer Dinge vor unſern Augen dahin, und bey dem groͤſten Ue⸗ berſluß ſind wir doch nicht im Stande, ſie zu ge⸗ nießen, ja nun geben ſie uns groͤſtentheils Ekel und Ueberdruß. O wie voruͤbergehend iſt der Traum menſchlicher Herrlichkeiten: eben ſo voruͤbergehend/ als die Leiden, Muͤhſeligkeiten und Beſchwerden die⸗ ſes Lebens. Hier an dem Ziele meinet Wallfahrt, an welchem ich vielleicht jezt ſtehe, iſt es nichts weiter als ein angenehmer oder finſtrer Traum, und wenn ich nichts weiters habe, das mir troſtvolle Aus ſichten auf die Ewigkeit giebe, nicht etwas beſtaͤndiges und feſtes, daß ich dem Nichtigen und Vergaͤnglichen ent⸗ gegen 7 den ſa, ſin it main ein en dieſer R a Renſch gen. un: et es, m ong, wem aieing verſig an fuͤr ſie w perden? ahh dds Gebaäud an, was wit mnden; daß its Gluͤck de mey, der ihg entkte, dii mer einige he dm Muͤhe uh ſand die G Fhuͤthig haba enn dieſer Din *2 gröſten U ate, ſie zu g au Eel u n der Traut an aubergehend a werden d a zallfahtt, e zuchts wet an, und h mrile Ausſitt 41 lindiges V ainglichen 1 Krankheiten der Menſchen. 155 gegen ſetzen kann, wie beiammernswuͤrdig iſt dann mein Zuſtand! Vielleicht habe ich wenig an das ver⸗ gaͤngliche, fluͤchtige, raͤuſchende dieſes Erdengluͤcks ge⸗ dacht, vielleicht iſt der Gedanke ſeiner Nichtigkeit, wenn er mich ergriff, nie ſtark, nie feſt genug geweſen, um meine Waͤnſche fuͤr daſſelbe zu maͤßigen, oder ihren Verluſt und die Beſchraͤnkung derſelben zu ertragen, oder doch es dem wichtigern oder beſſern, dem ewi⸗ gen, beſtaͤndigen und unvergaͤnglichen nachzuſetzen: und dieſe Weisheit lehrt mich jezt die Guͤte meines Gottes. Sie laͤßt mir Zeit, uͤber mich und uͤber die Dinge dieſes Lebens nachzudenken, ihre Ungewißheit und ihren kleinen Werth abzuwaͤgen, und das beſſere gegen das geringere, das wahre gegen das falſche⸗ das vergaͤngliche und irdiſche gegen das unvergaͤng⸗ liche und himmliſche zu ſtellen. Dieſe hohe, vortref⸗ liche und zu meiner Seelenruhe ſo nothwendige Weis⸗ heit will ich denn jezt lernen, ich will ſie immer voll⸗ kommner lernen, und mich uͤber die Erde zur Ewigkeit hinanſchwingen. O was hilfts dem Menſchen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber dabey Schaden leider an der Seele! Aber wenn ich dich habe, und mich deiner Gnade erfreue, ſo frage ich nicht nach Himmel und Erde, und wenn mir Leib und Seele verſchmach⸗ tet, ſo bleibſt du mein Gott, und meines Herzens Troſt und Zuverſicht. b W. fleucht dahin der Menſchen Zeit! Wie eilen wir zur Ewigkeit! Wie mancher ſinkt eh' ers gedacht, Ins Todes Nacht! O Seele nimm dich wohl in Acht! 8 4 Ueber die Abſicht Gottes bey den ꝛc. Dies Leben iſt gleich einem Traum; Gleich einem leichten Waſſerſchaum Iſt alle ſeine Herrlichkeit. Der Strom der Zeit Reißt ſchnell uns fort zur Ewigkeit. Nur du, mein Gott, du bleibeſt mir Das, was du biſt, ich traue dir. Es falle Berg und Hügel hin! Mir bleibts Gewinn; Wenn ich dein todt und lebend bin. So lang ich noch auf Erden wohn, Erwecke mich, o Gottes Sohn! Verborgen iſt mein Todestag; Gieb daß ich wach, Und wenn er kommt, bereit ſeyn mag. Was hilft die Welt in Todesnoth? Was Ehr und Reichthum nach dem Tod? Bedenks, o Menſch, was eileſt du Dem Schatten zu? Kein irdiſch Gluͤck giebt wahre Ruh. Weg Eitelkeit, der Thoren Luſt! Mir iſt ein beßres Gut bewußt, Dahin allein geht mein Begier, Das bleibet mir. Herr Jeſu! mich verlangt nach dir. Wie wird mir ſeyn, wenn ich dich ſeh! Und froh zu deiner Rechten ſteh! O mein Erloͤſer ſtarke mich, Daß eifrig ich Bis an mein Ende liebe dich. ͤ—ͤ — Fortſetzung. Au⸗ Truͤbſale und Leiden ſind fuͤr unſern Glauben das, was das Feuer dem Golde iſt. Dies wird durch daſſelbe gelaͤutert, und mein Glaube oder mein ganzes Chriſtenthum wird durch die Leiden gepruͤft, geuͤbt und geſtaͤrkt. Die Selbſterkenntniß hat bey uns immer viele und große Schwierigkeiten, und ſelten wiſſen wir, was wir wirklich ſind, und noch weniger, was wir in dieſen und jenen Umſtaͤnden ſeyn wuͤrden. Wir ruͤhmen uns des Vertrauens auf Gott, wir preiſen den Werth der Geduld, der Erge⸗ bung an Gott, und der Hofnung zu ihm, ſo lange es uns wohlgeht, und wir entweder gar keine oder doch nur ſehr ſchwache Erſchuͤtterungen unſers Gluͤcks leiden. Aber jezt tritt die Srunde der Verſuchung ein; Gefahren, Verluſt, Bedruͤckungen, allerley Arten der Truͤbſale und Leiden treffen uns, und nun ſinkt oft aller unſer Muth dahin, unſre Standhaf⸗ tigkeit, unſer ruhiges Vertrauen, unſre Geduld und Hofnung ſchwinden von uns weg, und verlaſſen uns. Jezt entdecken wir, wie ſehr es uns an dem Chriſten⸗ thum fehlte, womit wir uns ſchmeicheln. Oder wir ſehen doch jezt, wie gering und ſchwach es war, und wie leicht wir auch noch dieſen Funken deſſelben haͤt⸗ ten verliehren koͤnnen. Aber welchen koͤſtlichen Frie⸗ den bringt es unſern Herzen, wenn wir in dieſer Pruͤfungsſtunde gefunden werden, wenn wir auch hier in unſern Leiden die gute Vaterhand Gottes er⸗ kennen, und ſeine Guͤte preiſen; wenn wir ſie als Gottes weiſe Schickung ertragen, und uns getroſt und ruhig ſeinem Willen unterwerfen; wenn wir zuverſichtsvoll die Unſrigen der treuen Fuͤrſorge Gor⸗ tes 158 Ueber die Abſicht Gottes bey den tes befehlen; wenn diejenigen, welche uns umgeben, mehr von uns, als wir von ihnen getroͤſtet werden, und wir freudig und bereit ſind zum Leben oder zum Sterben, nachdem es die Weisheit des Allguͤtigen beſchließen werde? oder doch welchen Gewinn haben wir in unſrer Leidensſtunde, wenn wir hier nun noch lernen, Gott geduldig unſre Wege zu befehlen, und andern den Werth des Vertrauens und der Hofnung der Chriſten zu zeigen? Und dazu ſoll denn meine Krankheit jezt meine Schule ſeyn, dies iſt Gottes gute Abſicht, da er mich hier auf dieſes Lager gewor⸗ fen hat. b Hier habe ich Zeit uͤber mich ſelbſt nachzudenken, den Grund meines Herzens zu erforſchen, und zu erkennen, welche Fruͤchte mein Glaube getragen habe. Hier lerne ich erſt den rechten und wahren Werth der ehre Jeſu und einer ungeheuchelten Froͤmmigteit: und meine Krankheit, dieſe Leidensſtunde iſt ſchon der Anfang der Aerndte von meiner Ausſaat in mei⸗ nem Leben. Ich ſehe nun, welche Macht zu tio⸗ ſten ein gutes Gewiſſen vor Gott habe, und welche Schrecken und welches Elend ein Leben ohne Gott auf unſre Leidens⸗ und lezten Lebensſtunden verbreite! Ich finde aber hier auch eine maͤchtige Erinnerung auf die Lehre Jeſu zu merken, ihren groſen Werth zu ſchaͤtzen, in ihr den Weg zu meinem ganzen Gluͤck wahrzunehmen, und mein ganzes Herz auf dieſe herr⸗ lichen und koͤſtlichen Guͤter zu richten. Wie ſelten ſchaͤt der Menſch den Werth der Religion Jeſu in ſeinen guten und geſunden Tagen, und wie oft wer⸗ den wir unter den Zerſtreuungen und Arbeiten dieſes Lebens von unſerm groſen Ziele abgezogen? Wie we⸗ nig empfindet man fuͤr die Schaͤtze des goͤttlichen Worts, und wie kalt werden unſre Gebete, wie ſel⸗ ten veden Dms umgehe S iſit veht E dſiet werde en der zu n Alziti ewinn hale n jer nun na wefehlen, w nn der Haſuun à denn neine 4 iſt Garts ——— —— ichzudenten in, und zu keagen habe. an Werth da tedͤmwigteit u de iſt ſche al ſaat in me acht zu t 10 hade, m man Leben a ebensſund .e Erinnen raſroſen A 2 aanen Gi ſa nuf dieſeſe We ſ Aigion Jiüi d wiefte ltbeiten = en? We des göltt. bete, Krankheiten der Menſchen. 159 ten die wahre und ernſtliche Erhebung unſers Her⸗ zens zu Gott! Aber meine Leidensſtunden und beſon⸗ ders meine Krantheit laͤßt mich den oft verkannten Werth dieſes goͤttlichen Unterrichts wieder empfin⸗ den, und in ihm die unentbehrliche und nothwendige Quelle meines Troſtes ſchaͤtzen. Alles andere wor⸗ auf ich meine Beruhigung und Hofnung ſonſt gruͤn⸗ den wollte, faͤllt dahin; und es bleibt nichts feſtes, nichts ſichres und gewiſſes zu meinem Troſte und meiner Erquickung als allein dieſer Schatz der gna⸗ denvollen Verheiſungen, dieſe Barmherzigkeit mei⸗ nes Gottes, die ſich auf meinen Erloͤſer und ſeine Verſoͤhnung gruͤndet; dieſe Ausſicht, welche mir die Lehre Jeſu fuͤr die Zukunft giebt. Wie ſchaͤr⸗ bar, wie erquickend und herzerhebend werden mir doch dieſe Troͤſtungen Gottes? Waͤre dein Wort nicht mein Troſt, ſo vergienge ich in meinem Elende: aber in meinen Bekuͤmmerniſſen ergoͤtzen deine Troͤ⸗ ſtungen meine Seele. Und was fuͤr Inbrunſt und Andacht belebt in dieſen Leidensſtunden mein Gebet! Die Gnade meines Gottes bleibt hier noch allein meine einzige Zuflucht, er allein iſt mein Helfer, und kein Menſch, keine Guͤter der Welt, kein Gluͤck der Erden koͤnnen mich vor dem Tode ſchuͤtzen, der Gewalt meiner Leiden widerſtehen, den Umſturz dieſes Ge⸗ baͤudes verhindern, meinem Herzen den uͤber alles hohen Frieden, und dem Gewiſſen Troſt geben, als allein Gott. Hier ſuche ich alſo das, was ich in der ganzen Welt nicht finden kann. Meine einzige Er⸗ quickung wird mein Gebet zu ihm. Kindlich und voller Zuverſicht iſt es, wenn ich mich eines guten Gewiſſeus und ſeiner Gnade bewußt bin, aber doch auch voll heiligen Eifers und mit tiefer Ehrfurcht und Demuth ſuche ich Erbarmung, Schonung, Verge⸗ bung und Rettung, wenn mich mein eignes Herz an⸗ 160 Ueber die Abſichten Gottes bey den klagt. Ich ſammle bier in meinem Flehen und Ge⸗ bete zu ihm die Schaͤtze der Erleichterung und des Troſtes in meinen Leiden, und wenn mich ſeine Guͤte wieder aufrichten will, Entſchloſſenheit und Kraͤfte zur Beſſerung, einem groͤßern Ernſte, in ſeiner Furcht und vor ſeinen Augen den Reſt meiner Wall⸗ fahrt zu wandeln, um jene Fehler zu verbeſſern, und mir eine geſegnetere Aerndte fuͤr die Ewigkeit zu bereiten. b AUnd dazu ſoll mich denn dieſes Krankenlager, oder dies Leiden meines Leibes fuͤhren. Dies iſt die gute Abſicht meines Gottes, die er dadurch an mir erreichen will. Wm mich, o Gott! hienieden Des Lebens Laſt ermuͤden, So ſtarke meinen Geiſt! Wenn mich die Leiden kraͤnken, So laß es mich bedenken: Auch das ſey gut, was Truͤbſal heißt. Dein vaͤterlich Bemuͤhen Will uns hier auferziehen Zu thun, was dir gefallt. Du willſt die Luͤſte ſchwachen, Den eignen Willen brechen, Bereiten fuͤr die beßre Welt. Du willſt den Eifer mehren, Gehorſam dich zu ehren Mit Glauben und Geduld; Daß, wenn uns Feinde haſſen, Und Freunde uns verlaſſen, Wir doch ſtets trau'n auf deine Huld. S zeh den V ilehen und ann um — nich ſane eit und. ſe, in ſi meiner N ieneſeme e Endin unte kerlun i Dies üd 4 4 durch an wi —— Krankheiten der Menſchen. Was will uns, Herr! auch ſcheiden, Von dir und jenen Freuden, Die du fuͤr uns erſehn? Man lebe oder ſterbe, So wird des Himmels Erbe Doch deinen Kindern nicht entgehn. Zu jenem beſſern Leben Willſt du mich auch erheben, Der Tod iſt mein Gewinn. Muß einſt mein Leib verweſen, Dann wird mein Geiſt geneſen; Er eilt zu ſeinem Schoͤpfer hin. DO druͤcke meinem Herzen, Auch unter Sorg und Schmerzen Dies, Herr! gewaltig ein: Der, den du Vater liebeſt, Kann auch, wenn du betruͤbeſt Nie anders, als recht glücklich ſeyn. Verſchiedenheit der Krankheiten, Gottes weiſer und guter Rath, und unſer Verhalten in denſelben. Heer in der Welt ſuchen wir vergeblich ein unver⸗ aͤnderliches und ſtetes Gluͤck. Es iſt hier noch der Ort unſrer vollkommnen Gluͤckſeligkeit nicht, ſondern wir ſind nur noch auf dem Wege zu demſelben, und le⸗ ben noch in dem Stande der Vorbereitung. Zwar iſt der Weg des einen hhiher um angenehmer, als des 162 Verſchiedenheit der Krankheiten, des andern; ſeine Reiſe geht durch ebnere Gegenden, wenn der andere ungebahnte, oͤdere und beſchwertere Wege zu gehen, manche Berge zu erſteigen, manche finſtere Thaͤler zu durchwandeln hat, und ſein Leben oft ein Zuſammenhang von ſtetem Kummer und im⸗ mer neuen Leiden iſt. Der eine genießt mehr einer heitern Luft, er traͤgt weniger Buͤrden, und der andre muß unter mehrern und oͤftern Stuͤrmen, und bey manchem heftigen Ungeſtuͤm ſeine Reiſe durch dieſes Leben vollenden. Eben ſo iſt es auch bey den lezten Leiden, und beſonders bey den Krankheiten un⸗ ſers Leibes. Sie ſind mehr oder weniger hart, mehr oder weniger ertraͤglich, mehr und weniger leidens⸗ voll: ſie laſſen uns mehr oder weniger Freyheit des Geiſtes, oder ſie druͤcken unſre Seelenkraͤfte nie⸗ der, und laſſen unſerm Verſtande oft keine Kraft zum Denken, und die nothwendigen Anſtalten fuͤr eine Ewigkeit, und einen auten und heilſamen Ab⸗ ſchied von der Welt zu machen. Immer traurig und ſchreckhaft, wenn uns fuͤr dieſe wichtigen Stunden, welche uns der Ewigkeit ſo nahe bringen, nicht ein⸗ mal der ſo nothwendige freye Gebrauch unſrer Ver⸗ nunft noch uͤbrig bleibt; wenn wir hier, wo wir ſo vieles zu bedenken, zu veranſtalten und vorzubereiten haben, uns unſrer nicht bewußt, und unſers Ver⸗ ſtandes nicht maͤchtig ſind. So iſt doch gleichwohl ſo manches Sterbelager, oder manche Kran heit, und oſt gar nicht, oft ſelten, ein und andrer Augen⸗ blick; wo wir unter den Betaͤubungen und Verfin⸗ ſterungen des Geiſtes noch einige ſchwachen Strahlen des Verſtandes und des Bewußtſeyns erblicken. Wie groß, wie unausſprechlich groß iſt doch dieſer Berluſt des Denkens ſelbſt fuͤr uns, und wie trau⸗ rig und niederſchlagend fuͤr die, die uns umgeben. Ohne Zuſpruch, ohne Troſt, ohne nderung geht 5 Viten, San Gege d beſchyi m igen, ma Aand ſein mmer und taßt mehr 4 men, und e Stürmen, n ie Reiſe ſauch bo in dantheiraw r harl, me M ger leiden Freyheit der as nkraͤfte vi in keine Kru m Anſtalten ſ eilſamen uner traurigu ucten Stune unn, vichts Lum) unſter 9 r, wo wl (n dvorzaberit n unſers N. och geechen rauche Kuneht 1Saandrer Au duer und W [*chen Stag „ uns un 2* 46nderung b Gottes weiſer und guter Rath ꝛc. 163 allerwichtigſte Zeit und oft der lezte ſo koſtbare Au⸗ genblick des Lebens dahin, in welchem wir gleich⸗ wohl ſo uͤberaus wichtige Angelegenheiten unſrer Seele zu beſorgen haben. Der naͤchſte Grund aller dieſer Verſchiedenhei⸗ ten, liegt zwar immer in der Natur ſelbſt, und die mancherley Arten der Krankheiten, ihre haͤrtere oder leichtere Beſchwerden haͤngen von ſo vielen Zufaͤllig⸗ keiten, oder von der Beſchaffenheit unſers Pluts, unſrer Saͤfte, der Luft und ſo manchen Nebenumſtaͤn⸗ den, oder von der ganzen Einrichtung dieſes unſers irdiſchen Baues ab: aber doch bleibt bey dem allen immer eine weiſe, uns oft verborgene und unerforſch⸗ liche Regierung des Herrn uͤber Tod und Leben und uͤber alle Schickſale der Menſchen. Ohne ihn ge⸗ ſchiehet nichts, und unter ſeiner Gewalt, Aufſicht und Regierung ſtehen unſre Kraͤfte, unſre Zufaͤlle und alle Umſtaͤnde der Menſchen. Je wichtiger die Angelegenheiten der Menſchen ſind, und wie wichtig ſind ja doch die Krankheiten und Leiden des Todes! deſto mehr zeigt ſich ſein wachendes Auge und ſeine vaͤterliche Leitung. Gewiß ganz beſonders ſtehen dieſe Leidensſtunden unter der ganz beſondern Auf⸗ ſicht des beſten und guͤtigſten Waͤchters der Men⸗ ſchenkinder. Mit weiſer und guͤtiger Vaterhand miſſet er einem jeden ſein Schickſal zu, wie es ihm fuͤr dieſes und jenes Leben, oder auch, wie es den Seinigen und andern am beſten iſt, er legt auf jedes Schultern die leichtere oder ſchwere Laſt, unter wel⸗ cher er am ſicherſten ſein Ziel erreichen, und zu ſei⸗ nem ewigen Heil vorbereitet werden kann, und ſo macht er es auch mit unſern Leiden in unſern kran⸗ ken Tagen. So will ich denn alles aus ſeiner Hand annehmen, und mit Geduld und Gelaſſenheit erwar⸗ ten, was er mir beſcheiden wird. Den Kelch, wel⸗ . 4 3 chen 164 Verſchiedeuheit der Krankheiten, chen er mir einſchenken will, will ich austrinken; er wird in die Bitterkeiten deſſelben auch immer einige Tropfen des Troſtes fallen laſſen. Nur will ich es lernen, nicht mein Nachdenken, meine Vorbereitung und Anſtalt fuͤr mein ewiges Heil in den Stunden zu vernachlaͤſſigen, wo ich noch Kraͤfte und Beſinnung habe, und nicht auf die Zeit hinſchieben, worin es mir daran fehlen moͤchte. Warnung ſey es fuͤr mich und jeden andern, die große Sorge fuͤr die Seele bis zum Sterben, oder bis zu der gefahrvollen Zeit der Krantheiten aufzuſchieben, welche ſo wenig fuͤr eine ſo wichtige Angelegenheit geſchickt ſind; aber wenn mein Herz mich nicht verdammt, und wenn ich mich der Gnade meines Erloͤſers verſichern kann; ſo wird und kann auch die harte Stunde meiner Leiden, worin ich mir meiner nicht bewußt bin, meiner Seligkeit, und meinem kuͤnftigen Erbe nichts nehmen. Dazu ſoll es mir dienen, daß ich bey Zeiten mein Haus be⸗ ſtelle, und meiner Seligkeit gewiß ſey. Du, o mein Gott! ſey mir nicht ſchrecklich in der Noth, und gieb mir eine frohe, ruhige und freudige Stunde meiner Aufloͤſung: laß mich im Preiſe deiner Gnade, in den ſeligen Empfindungen meiner Erwaͤhlung, und der frohen Hofnung jener Seligkeit einſt ſterben. Was iſts, daß ich mich quaͤle, Harr ſeiner, meine Seele, Harr, und ſey unverzagt,. Du weißt nicht, was dir nutzet, Gott weiß es und Gott ſchuͤtzet, Er ſchuͤtzet den, der nach ihm fragt. b 3 Uiten, 1 Auntina, *) immer 1 dur wil ih 3. Vrzatt run Stunde And Bein en, worin. es füt N die Sa bh Polen 3 Zä h enig fir i aber ben venn ich m mann; ſo wi an Leiden, wor an er Selite aun men. D anpnein Haus) Du, om d moth, undt 1 955tunde min 1* 1 Gnade, iuxd 1z elung, und ſerben. Gottes weiſer und guter Rath ꝛc. Er zaͤhlte meine Tage, Mein Gluͤck und meine Plage Eh' ich die Welt noch ſah; Eh' ich mich ſelbſt noch kannte, Eh' ich ihn Vater nannte, War er mir ſchon mit Huͤlfe nah. Die kleinſte meiner Sorgen, Iſt dem Gott nicht verborgen, Der alles ſieht und haͤlt. Und was er mir beſchieden, Das dient zu meinem Frieden, Waͤrs auch die groͤßte Laſt der Welt. Ich lebe nicht auf Erden, Ganz gluͤcklich hier zu werden, Die Luſt der Welt vergeht. Ich lebe hier im Segen, Den Grund zum Gluͤck zu legen, Das ewig, wie mein Geiſt, beſteht. Was dieſes Gluͤck vermehret, Sey mir von dir gewaͤhret, Gott, du gewaͤhrſt es gern. Was dieſes Gluͤck verletzet, Wenn's alle Welt auch ſchaͤtzet, Sey Herr, mein Gott! mir ewig fern. Sind auch der Krankheit Plagen, Iſt Mangel ſchwer zu tragen, Noch ſchwerer Hohn und Spott. Ich bin in allem ſtille Zu Gott: denn nicht mein Wille, Dein Wille nur geſchehe, mein Gott. 165 166 Ueber eine ſchwaͤchliche Geſundheit Du biſt der Muͤden Staͤrke, Und aller deiner Werke Erbarmſt du ewig dich.— Was kann mir widerfahren, Wenn Gott mich will bewahren? Und er, mein Gott, bewahret mich. Ueber eine ſchwaͤchliche Geſundheit und beſtaͤndige Kraͤnklichkeit. E⸗ iſt und bleibt immer eine unſchaͤtzbare Wohlthat Gottes, wenn man ſich einer feſten Geſundheit er⸗ freuen kann. Und doch wie ſelten wird ſie recht er⸗ kannt, wie wenig und ſelten erhebt ſich das Herz zum Dank und Lobe des Gottes, der uns Leben und Odem giebt, und wie noch weniger werden dieſe feſten Kraͤfte des Geiſtes und des Leibes zu ihrem groſen und edlen Zwecke angewandt? Der Geſunde genießt froh ſeines Lebens, er empfindet die Annehmlichkeiten und mannigfaltigen Freuden der Erden, und geht mit frohem Muthe den Geſchaͤften ſeines Berufs und Standes nach; auch das Schwere wird ihm leicht, und das Harte ertraͤglich; ſein Herz ſteht jedem ange⸗ nehmen Eindruck offen, den ihm ſeine Sinne in der ganzen Natur geben. Und was entbehrt nicht dage⸗ gen der arme Menſch, der in ſeinem Leben, oder doch in dem groͤſten Theile deſſelben dies koͤſtliche Gut ent ehrt, oft unter Schmerzen viele Stunden, Tage und Jahre verzehrt, das Vergnuͤgen der Sinne nicht b empfin⸗ =—ͤ——— „„ N——— ——.———— and befüm nre Wehlie 2 eſundhet um ſie recht⸗ t br das Het d ans(ebenai en dieſe fn ihrem gii 1* ſunde ganſ Wiehwlichkein (5n, und 94 [unn Berufs m. m dihm leich t af tjedem an arSinye in! uttt vicht du 1 1 1 0 föſlüche 7* unden, g1t Sinnett hungen. 1 Lden, en und beſtaͤndige Kraͤnklichkeit. 167 empfinden kann, die unſchuldiaſten Freuden ſich ver⸗ ſagen muß, oder ſie doch nicht genießen kann, ja noch mehr nicht einmal zu der Thaͤtigkeit, der Arbeit und den guten und nüͤzlichen Geſchaͤften aufgelegt und faͤhig iſt, zu welchen er Talente und auch wohl Neigung und Trieb bey ſich ſpuͤrt, oder auch Stand und Amt von ihm fordert, und daher die⸗ ſes Leben nicht ſo fruchtbar machen kann, als er wollte. So iſt es dem erſten Anſehen nach, und es ſcheint, daß ein ſolcher Menſch ſich mit Recht uͤber ſein Schickſal zu beklagen habe, und ſich un⸗ gluͤcklich nennen duͤrfe, einen ſo beſchwerten Koͤrper und in ihm ſo mancherley Leiden herumzutragen, und nicht einmal ſeines Lebens genießen zu duͤrfen. Doch auch hier offenbart ſich immer die fuͤr uns ſo mannigfaltige Guͤte und Weisheit des guten Gottes. Je mehr und tiefer wir in die Betrach⸗ tungen der goͤttlichen Regierung eindringen, deſto mehr finden wir auch hier Gruͤnde zu unſrer Be⸗ ruhigung. Wir koͤnnen zwar die Geheimniſſe der uns noch zu ſehr verborgnen Fuͤrſehung nicht er⸗ gruͤnden, aber doch finden wir darin immer ſo viel Licht, als wir noͤthig haben, zufrieden zu ſeyn, und demuths ja freudenvoll und dankbar die Hand des Baters der Menſchenkinder zu verehren. Oft ſind es natuͤrliche Folgen unſrer Verge⸗ Wir allein, wir ſelbſt haben uns oft unſer Uebel zugezogen, und wir wuͤrden, wenn wir nicht jezt die Fruͤchte unſers Leichtſinns, unſrer Uebereilung, unſrer Thorheiten, unſrer Luͤſte und Suͤnden truͤgen, wohl nicht einmal an jene uͤbel ge⸗ brauchten Tage, und an den Misbrauch und die Zerſtoͤrung unſrer Kraͤfte zuruͤck denken; aber nun erinnern uns ihre Folgen daran. Wenn der Meuſch endli 168 Ueber eine ſchwaͤchliche Geſundheit endlich die Suͤnden ſeiner Jugend traͤgt, oder wenn jemand endlich die Folgen ſeiner Verwegenheit, ſeiner Unachtſamkeit auf ſeine Geſundheit, ſeiner Unmaͤßigkeit, ſeiner eignen Zerſtoͤrung ſeiner Kraͤfte fuͤhlt, ſo hat er doch da nicht uͤber Gott, nicht uͤber die Natur, ſondern nur allein uͤber ſich ſelbſt zu kla⸗ gen: aber dabey noch immer mit dankbarem Her⸗ zen auf den Regierer der Tage hinzuſehen, der ihn in ſeinen koͤrperlichen Schwachheiten und Leiden in ſich ſelbſt zuruͤck fuͤhrt, ihn zum Nachdenken bringt, und ſeinen Unordnungen und Vergehungen ein Ziel ſetzee. Was moͤchte er geworden ſeyn, und wie tief waͤre er vielleicht gefallen, wenn die Guͤte Gottes nicht durch dieſe Beſetze der Natur ihn aufgehalten und zuruͤckgefuͤhrt haͤtte! Der Leib lei⸗ det, damit die Seele erhalten werde, und wie groß, ja unausſprechlich groß iſt der Gewinn dieſer klei⸗ nen Leiden? Je mehr man es fuͤhlt, daß man fuͤr die Ewigkeit lebt, deſto mehr muß es uns freuen, und deſto inniger muß unſer Dank zu Gott wer⸗ den, daß er den Lauf unſrer Luͤſte unterbricht, uns mitten in dem Werke unſers Verderbens ergreift, und uns auf den beſſern Weg zu unſerm Ziele zuruͤckfuhrt. Wohl dem, der dieſe Beſchwerlichkei⸗ ten ſeiner Pilgerreiſe, die er ſelbſt veranlaßte, ſo gebraucht! wohl dem, der bey Zeiten in ſeine vo⸗ rigen Tage zuruͤckſieht, und ſeine jetzigen Leiden, welche er als Fruͤchte ſeiner Suͤnden und Thorhei⸗ ten eingeſammlet hat, dazu anwendet, weiſe und ſelig zu werden. Was ſind ſie doch da anders als herrliche Wohlthaten Gottes, und wie dankbar muͤſſen wir die Ruthe verehren, die uns zuͤchtigt, und uns aus den Armen des Verderbens errettet. Des e Vergehun mien ſe yn/ m Dar Löb l 2 und wie gi aam dieſet i ndaß man Int uns ftuu Fnu Gott r ſr tteerbricht, 1G bens ermn. J 2 unſerm 1 SSeſchwallte 1 Feranlaßte nan in ſein 1. aetzigen i w und dch Atat, weſſel da ande⸗ A₰ wie d „= uns iit Im bens und beſtaͤndige Kraͤnklichkeit. 169 D.⸗ Leibes warten, und ihn naͤhren, Das iſt, o Schoͤpfer, meine Pflicht; Muthwillig ſeinen Bau verſehren, Verbietet mir dein Unterricht. Dein Wort ſchaͤrft mir es weislich ein, Stets dieſer Pflicht getreu zu ſeyn. Duͤrft' ich mit Vorſatz das verletzen, Was deine Weisheit ſelbſt gebaut? Duͤrft' ich gering das Kunſtwerk ſchaͤtzen, Das du, o Herr! mir anvertraut? Was iſt mein Leib? er iſt ja dein, Darf ich denn ſein Zerſtoͤrer ſeyn? Ihn zu erhalten, zu beſchuͤtzen, Giebſt du mit milder Vaterhand, Die Mittel, die dazu uns nuͤtzen, Und zum Gebrauch giebſt du Verſtand: Dir iſt die Sorge nicht zu klein, Wie ſollte ſie denn mir es ſeyn? Geſunde Glieder, muntre Kraͤfte, O Gott! wie viel ſind die nicht werth! Wer taugt zu des Berufs Geſchafte, Wenn Krankheit ſeinen Leib beſchwert? Iſt nicht der Erde groͤſtes Gut Geſundheit, und ein heitrer Muth! Wenn ich denn nicht mit Sorgfalt meide, Was meines Koͤrpers Wohlſeyn ſtoͤrt, Und wenn ich dann an Kraften leide, Und nun mein Geiſt den Vorwurf hoͤrt: Du ſelbſt biſt Stoͤrer deiner Ruh, Du zogſt dir ſelbſt dein Uebel zu: So Ueber eine ſchwaͤchliche Geſundheit So trag ich meine eignen Suͤnden, Und es iſt meine eigne Schuld, Wenn Leben, Kraft und Freuden ſchwinden; Doch Vater! ſchenke mir Geduld, Und gieb nur, daß es meiner Seel Jezt nicht an deinem Heile fehl. Mein groͤßter Fleiß auf dieſer Erde Sey ſtets auf meinen Geiſt gericht, Daß er zum Himmel tuͤchtig werde, Eh' dieſes Leibes Hutte bricht. Dazu, Herr, ſegne meinen Fleiß, So leb ich hier zu deinem Preiß⸗ Fortſetzung, 6 △☚ Ich will die Vorſehung nicht anklagen, wenn ich auch ohne meine Schuld die Laſt eines ſchwachen und tranken Koͤrpers tragen muß, und andre nicht beneiden, wenn ſie geſunder und ſtaͤrker ſind, wie ich. Was foͤr ein Recht hat doch der Menſch, alle Guͤter dieſes Lebens zuſammen zu fordern, und Geſundheit und alle Annehmlichkeiten in ſei⸗ ner Wallfarth zu erwarten? Die Weisheit des Un⸗ endlichen theilt jedem hier das zu, was zu ſeinem Gluͤcke und ſeinem ewigen Wohl noͤthig iſt. Ein vollkommnes Gluͤck koͤnnen wir in dieſer Welt noch nicht erwarten, denn hier ſoll nur die Vorbereitung zu demſelben, aber noch nicht der guten wirkliche Beſitz ſeyn. Iſt es alſo der Rath des ——— ——n— aen, wewgi 4 s ſchtrt d andre ni ter ſind/n o der Mut Uur zu fudm „ukeiten n Mheit deb as iu ſin dem hig it 9 dieſe? ſoll unt 6 och nict 4 Doer Aah 1 und beſtaͤndige Kraͤnklichkeit. 171 guten Gottes, daß ich das Gluͤck der feſten Ge⸗ ſundheit nicht genieße, ſo gehoͤrt es ohnfehlbar zu mei⸗ ner nothwendigen Vorbereitung auf die Ewigkeit, und gewiß iſt es Mittel meines ewigen Gluͤcks. Es ſey nun Geburt, es ſey Zufall, oder was es wolle, das das Gebaͤude meines Leibes mehr ſchwankend, und mehrern Schwachheiten und Schmerzen unter⸗ worfen hat, ſo iſt es mein Theil den mir die Guͤte Gottes beſchieden. Er hat mir dagegen manche andre koͤſtliche Wohlthaten geſchenkt, und von man⸗ chen andern Leiden, die wohl noch weit haͤrter gewe⸗ ſen waͤren, befreyet. Kann ich nicht ſo viel wirken, als ich wuͤnſchte, und als ich bey feſtern Kraͤften wir⸗ ken wuͤrde; warum ſollte mich das niederſchlagen? Genug, wenn ich ſo viel thue, als ich kann, und das mit einem redlichen Herzen, mit Treue und Gewiſſen⸗ haftigkeit. Mehr fordert Gott nicht von mir, und dabey werde ich mir eben ſo große Schaͤtze der goͤttli⸗ chen Gnade ſammlen, als wenn ich bey geſunden Tagen mehr gethan haͤtte. Noch immer bleiben mir Kraͤfte uͤbrig, Gutes zu wirken: und wie vieles edle, gute, nuͤzliche kann auch der Menſch, welcher leidet, vor dem, der geſund und ſtark iſt? Wer kann mehr Mit⸗ leiden mit ſeinen leidenden Bruͤdern fuͤhlen, als wer ſelbſt leidet? Dieſer troͤſtet mit dem Troſte, womit er getroͤſtet iſt, und ſeine Troͤſtungen und Aufmunte⸗ rungen ſind ſo viel maͤchtiger, denn ſie ſind aus dem innern Gefuͤhl ſeines Herzens und ſeinen Erfahrun⸗ gen, und nicht aus der Kunſt genommen? Wer kann doch mehr den Werth des Vertrauens, des goͤttli⸗ chen Worts und der Kraft ſeiner Verheiſungen empfinden, mehr Geduld und Gelaſſenheit beweiſen, mehr Lehrer, Wegweiſer und Fuͤhrer fuͤr andre wer⸗ den, als wer durch und unter den mancherley Be⸗ ſchwerden dieſes Lebens ſicherer und gewiſſer den Weg b zum 172 Ueber eine ſchwaͤchliche Geſundheit zum Himmel geht? Eines jeden beſondere Umſtaͤnde haben auch eben ſo viele eigne und beſondere Gelegen⸗ heiten und Veranlaſſungen zu einer geſegneten Thaͤ⸗ tigkeit. Man berechne doch nur immer, wie viel we⸗ niger die Summe des Guten moͤchte geweſen ſeyn, was wir bey einer feſtern Geſundheit gewirkt haͤtten. Wir koͤnnen es gewiß der goͤttlichen Guͤte zutrauen, daß ſie uns auch das Gluͤck eines feſtern Koͤrpers ge⸗ geben haͤtte, wenn wir in demſelben mehr fuͤr Men⸗ ſchengluͤck auf Erden und fuͤr unſre eigne Seligkeit wuͤrden gewirkt haben. Aber weit mehr werden wir mit unſerm Schickſal zufrieden werden, wenn wir bedenken, was wir viel⸗ leicht geweſen ſeyn wuͤrden, wenn wir geſunder und ſtaͤrker waͤreu. Wir wiſſen wohl, was wir ſind, aber wir wiſſen doch nicht, was wir ſeyn wuͤrden, wenn wir geſunder und ſtaͤrker waͤren. Wir denken oft noch ſo vortheilhaft von uns, aber wie ſehr be⸗ truͤgt ſich der arme Menſch. In ſeinem Mangel rühmt er ſeine Werke der Liebe, womit er, wenn er reich waͤre, ſein Leben ſchmuͤcken wuͤrde; und er wird reich, aber auch mit dem Augenblick unbarmherzig; der Kranke hat die ſchoͤnſten Vorſaͤtze, wenn er ge— ſund werden wuͤrde: er wird es, und ſeine geſunden Tage werden eine Kette von Verſuͤndigungen und Laſter. Nein! gerade der Stand, gerade meine Umſtaͤnde, worin ich lebe, ſind die beſten fuͤr mich. Waͤre ich ſtark und geſund, ſo wuͤrde ich vielleicht den Freuden, Zerſtreuungen und Taͤuſchungen der Sinne nachlaufen, und mich in die Eitelkeiten dieſes Lebens verliehren, ich wuͤrde große und weite Ent⸗ wuͤrfe fuͤr die Welt machen, und daruͤber mein Ziel und die Ewigkeit vergeſſen; ich wuͤrde nicht der mit⸗ leidige und guͤtige Menſchenfreund ſeyn, ich wuͤrde nicht ſo viel an Gokt denken, ich wuͤrde weniger das goͤttliche —— ꝙ ⏑ʃʃ——2˖—— dhei — dere Un ondere Gel — Mer, wie hig „geweſen gewirtt hit a Site zuttan Iin Körpetz nehr fuͤr R Nigne Seli an erm Schic ut was wir vi in geſünder u vpas wir ſin in ſeyn waͤrde 1 amh Wir deu nar wie ſehre du inem Mu rott er, wem. ae; und en t unbarmza 3 ☚&&, wenn 1u ſeine geſe In andizungme 3&☛ gerade n dn eſten fün pade ich n u Lauſchung aln üüättelkeitendt a und weni 1 vüber mih „e rict n u arn, ih! i ade nn 9 wunderbar, doch ſelig und gut. und beſtaͤndige Kraͤnklichkeit. 173 goͤttliche Wort ſchaͤtzen, und vielleicht mit dem Hau⸗ fen der Gottesveraͤchter ein Feind der Lehre Jeſu wer⸗ den, ich wuͤrde weniger Freude in dem Umgange mit Gott und im Gebete finden, weniger an meinen Tod und an eine kluge Vorbereitung zu demſelben denken, und mich weniger auf jenes beſſere Leben freuen. Es iſt freylich wahr, daß ich auch als ge⸗ ſunder Menſch vor dem Boͤſen haͤtte bewahrt hleiben koͤnnen, und daß es ja doch keine nothwendige Ver⸗ bindung damit habe, allein es iſt doch auch ewig wahr, daß der Vater meiner Tage nicht ohne weiſen Rath und nicht ohne vaͤterliche und gute Abſicht einem Menſchen Leiden zumißt, und daß eines jeden Schick⸗ ſal von ihm ſo abgemeſſen werde, wie es zu ſeinem wahren Heil, und zur gewiſſen und beſten Vorberei⸗ tung zum ewigen Gluͤck am beſten iſt. Ferne ſey es von mir, je muthlos bey irgend einem Leiden zu wer⸗ den. Getroſt und zuverſichtsvoll will ich die Laſt tragen, die mir die Hand meines himmliſchen Va⸗ ters auflegt: und den beſchwertern oder leichtern Weg gehen, den er mich fuͤhren will. Wenn ſch nur an ſeiner Hand gehe, ſo fuͤhrt er mich, wenn gleich Alles muß mir, wenn ich ihn fuͤrchte und liebe, zu meinem Beſten dienen. O Chriſt, in dieſen Leidenstagen, Wo jedes Morgen Plage draͤut, Bewafne dich, ſie zu ertragen, Mit Sanftmuth und Gelaſſenheit; Und zeige daß ein wahrer Chriſt Ein Held in allen Leiden iſt⸗ DS 174 Ueber ſchwere Krankheiten. Das kurze Leben hier auf Erden Iſt nur des Chriſten Probezeit: Hier muß er vorbereitet werden, Zu jenes Lebens Herrlichkeit. Hier iſt des Chriſten Pruͤfungsſtand, Dort erſt ſein wahres Vaterland. AA Laß nie den Gram dein Herz verzehren, Ergieb dich nicht der Traurigkeitz Erdulde willig, Gott zu Ehren, Die groͤſten Leiden dieſer Zeit. Belohnen nicht dies kurze Leid Die Freuden jener Ewigkeit? Mußt du im tiefſten Elend weinen, Quaͤlt deinen Leib der Krankheit Pein: Gott hilft ja vaͤterlich den Seinen, So wird er auch dein Herz erfreun. Er bleibt dein Vater, der dich liebt, Wenn er dich auch durch Leiden uͤbt. Wohl dir, o Chriſt, nach kurzen Leiden Ruft dir des Heilands Stimme zu: Geh' ein zu deines Herren Freuden, Nach Muͤh und Kampf zur ew'gen Ruh; Komm und empfang vor Gottes Thron, Der Ueberwinder groſen Lohn. Ueber ſchwere Krankheiten. B einem ſchwachen Koͤrper und einer wankenden Geſundheit werden gleichwohl unſrer Tage zuweilen viel. Bey der mehrern Vorſichtigkeit und Achtſam⸗ 4 eit d min keiden 1 1☛, 1 Nuh; Shron, 1 n an. Ua er wantt nſt Tage zute mn und Ac Ueber ſchwere Krankheiten. 175 keit auf ſich ſelbſt, bey der Maͤßigkeit und Enthalt⸗ ſamkeit, und bey der gewoͤhnlich mehrern Ruhe des Gemuͤths und weiſen Beherrſchung der Leidenſchaften, welche wie ein heftiger Sturm das Gebaͤude unſers Leibes zerſtoͤren, ſchleicht mancher Schwaͤchliche, Kraͤnk⸗ liche und Leidende zu einem hohen Alter hinan, wenn die Starken und Geſunden neben ihn in den Staub fallen; ja oft ſtaͤrken ſich ſeine Kraͤfte, und ſein Bau des Lebens erhaͤlt in der Folge eine deſto groͤſere Feſtigkeit: aber anders iſt es, wenn uns harte und ſchwere Krankheiten uͤberfallen, bie uns in wenigen Tagen, oder Stunden, oder Augenblicken den Tod drohen, wo die Gefahr des Lebens ſichtbar uͤber un⸗ ſerm Haupte ſchwebt, und wir dem Grabe ſo uͤberaus nahe ſind. Tage des ſchweren und harten Leidens, in welchen ſich unſre ganze Natur gegen ihre Zerſtoͤ⸗ rung ſtraͤubt, und alle ihre Kraͤfte zum Kampfe zu⸗ ſammennimmt; und wo das toͤdtende Gift ſich uͤber alle unſre Lebenskraͤfte verbreitet, alle unſre Adern durchdringt, in allen Gebeinen nagt; wo unſaͤg⸗ liche Schmerzen, wo ſo manche Bangigkeit und Angſt, oder heftige Betaͤubungen nicht einmal un⸗ ſerm Geiſte einige Ruhe und Erholung uͤbrig laſſen, oder doch uns das Denken in dieſen wichtigen Augen⸗ blicken ſo uͤberaus ſchwer machen. Da ſind die lei⸗ densvollen, ſchlafloſen und jammervollen Naͤchte, in welchen ich nach dem Morgen ſeußze, und dieſe ſchreckensvollen Tage, in welchen ich mich, wenn der Morgen kommt, ſchon wieder nach dem Abend ſehne. Zwar bringt nicht jeder dieſer heftigen An⸗ griffe den Tod, und bey manchen auch harten Krank⸗ heiten ſind der Beyſpiele mehr oder weniger, daß ſich die Kraͤfte der Natur wieder ſammlen, und uͤber die Gewalt des Uebels ſiegen: aber wie ungewiß iſt das? und wenn man es oft noch ſo leicht anſahe, wie 176 Ueber ſchwere Kraukheiten. wie bald und in wie wenigen Augenblicken tritt die groͤſte Gefahr und der Tod ein⸗ Es bleiben dabey doch immer die Krankheiten die Vorboten mei⸗ nes Todes, und ſie zerruͤtten dieſes ohnehin ſchwache Gebaͤude meines Leibes, und bringen mich meinem Grabe naͤher. Es iſt daher immer der natuͤrlichſte und erſte Gedanke: meine Krankheit iſt eine Erinne⸗ rung meiner Sterblichkeit, ſie iſt eine Stimme die mich zum Tode ruft, und mich auffordert, auf die groſe Veraͤnderung meines Lebens mich anzuſchicken. Sollte ich hier noch einen Augenblick warten duͤr⸗ fen, die weiſen Anſtalten fuͤr dieſe groſe Veraͤnderung zu treffen? warten, bis die Gefahr groͤſer werde? bis ſich meine Beſinnungskraft verliehrt, und mein ſtand und meine ganden Kraͤfte mich verlaſſen haben! Nein! ich, der ich ſtets und auch in den ge⸗ ſundeſten Tagen an mein Ende zu denken, und mich darauf vorzubereiten habe; der ich ſtets gleich⸗ ſam an meinem Grabe und an den Ufern der Ewigkeit herumgehe, ich ſehe in meiner anwan⸗ delnden Krankheit und in der ſtarken Erſchuͤtterung meiner Natur noch viel wichtigere und ſtaͤrkere An⸗ triebe, an mein Ende mit ernſtlicher Ueberlegung zu denken, und den vielleicht ſo nahe bevorſtehen⸗ den Tod in ſeiner wahren Geſtalt, und in allen ſeinen Folgen fuͤr mich und die Welt zu betrach⸗ ten. Hier verlaſſe ich die Welt; mein Amt, mein Beruf, mein Stand, meine Armuth oder mein Reichthum, meine Hoheit oder meine Nie⸗ drigkeit, meine Freuden oder meine Leiden die⸗ ſes Lebens haben nun ihr Ende. Ich verlaſſe die⸗ ſen Leib, und lege dieſe Huͤtte, womit mein Geiſt von dem erſten Augenblicke ihres Daſeyns verbun⸗ den war, und worinn er alle ſeine Geſchaͤfte und ſeine Arbeiten verrichtete, ſeine Neigungen zur Wirk⸗ lichkeit Gen. E blicken t à bleiben orboten hnehin ſchn an mich ma a der natiit nnſt eine En ee Stimme anrdert, auf nn) anzuſchic elgnk warten! an Peraͤnden : ungröͤſer weld hrt, und me i terlaſſen habe nu ich in den dlh denken, h nich ſtets gli aen Ufern nneiner an ran Erſchütmn 3 amd ſtaͤrker. 1† Jer Uebellg ſ e beberi 4 und ii ¹ Kelt zu he .; mein 1 Armu. , der men et um ine lede d aaſenns d Geſin — en zut. w n 1 b Ueber ſchwere Krankheiten. 177 lichkeit brachte, aber von welcher er auch die man⸗ cherley angenehmen oder unangenehmen Eindruͤcke dieſes Lebens empfieng; ich lege dieſe Huͤtte nun end⸗ lich ab, und ſie kann mir weder Freuden noch Leiden mehr geben, wenn ich erſt dieſen lezten Kampf noch werde gekaͤmpft haben; aber ich gehe auch in ein andres Leben, und was werde ich dort ſeyn? was wird mir nachfolgen? was werde ich dort zu erwarten haben? Unbegreiflich leichtſinnig, ja hoͤchſt unvernuͤnftig wuͤrde es ſeyn, wenn ich hier, da ich vielleicht, ja noch mehr, da ich wahrſcheinlich am Rande der Ewigkeit ſtehe, mir dieſe ſo wichtigen und nothwen⸗ digen Betrachtungen aus dem Sinne ſchlagen, und ſie nicht vielmehr nach aller ihrer Groͤſe, Wichrigkeit und Erheblichkeit abmeſſen wollte. Nein! dies ſoll denn jezt meine ganze Angelegenheit ſeyn. Herr und Gott meines Lebens! mein Schoͤpfer, Erloͤſer und Fuͤhrer, verlaß mich in dieſer Leidensſtunde nicht, und ſtaͤrke mich meine groſe Angelegenheiten fuͤr die Seele zu berichtigen. Man Gott, zu dem ich weinend flehe, Erbarme dich, erbarme dic! Noch einmal ſieh von deiner Hoͤhee 4 Mit gnadenvollem Blick auf mich! Erbarme dich, und geh noch nicht Mit mir, du Richter, ins Gericht! Wie oft haſt du mir ſchon vergeben, Wenn ich zu dir um Gnade bat! Wie oft verſprach ich, dir zu leben, Zu meiden jede Miſſethat! 1 Wie feyerlich war dann mein Eid Des Glaubens und der Froͤmmigkeit! M c, 178 Ueber ſchwere Krankheiten. Ach, aber bald ergriff mich wieder Die Suͤnd', und ihre Luſt mit ihr Riß meinen ganzen Vorſatz nieder Und herrſchte, wie vorher, in mir! Zum Widerſtande viel zu ſchwach, Entfloh ich nicht, und gab ihr nach. Wie viele ſuͤndenvolle Tage Durchlebt ich, Vater, als im Traum, Und haͤufte ſelbſt mir Plag' auf Plage, Und fuͤhlte dies mein Elend kaum! Verwundet blutete mein Herz; Betaͤubt empfand ich keinen Schmerz. Nun bin ich nah am Untergange, Den dein gereizter Zorn mir droht. Um Troſt wird meiner Seele bange, Um einen Retter aus der Noth. Mein richtendes Gewiſſen wacht, und alles um mich her iſt Nacht. Zu wem, o Vater, ſoll ich fliehen? Wo findet meine Seele Ruh? Wer kann ſie aus dem Abgrund ziehen, In dem ſie ſeufzet, als nur du? 3 Mein ganz Vertrau'n ſetz ich auf dich; Du Freund des Lebens rette mich. Fuͤr meine wiederhohlten Suͤnden Floß auch des Weltverſoͤhners Blut. Roch einmal laß mich Gnade finden, Durch meinen Glauben an ſein Blut! Noch einmal, Richter, ſage mir: 1 Auch dieſe Schuld erlaß ich dir! A Slihen? 31 og anehen, m in adich; ett n). hl wünden hn Pulut. nh den, atũ Buut! ſag: un! V Ueber ſchwere Krankheiten. 179 Gott ſey mein Zeuge, da ich ſchwoͤre: Mein Herz ſoll dir gehorſam ſeyn! 3 Dir, deinem Willen, deiner Ehre, Will ich mein ganzes Leben weihn! Der Suͤnde will ich widerſtehn, Und ſtandhaft deine Wege gehn! Vergiß nicht wieder, meine Seele, Wie oft du ſchon gefallen biſt. Vergiß nicht mehr des Herrn Befehle; Nicht mehr daß er dein Retter iſt. Ruf ihn im Glauben taͤglichan;z Erhalt mich, Herr, auf ebner Bahn. Ja, ich bin ſchwach; wer kann mich ſtaͤrken? Mein Helfer in Verſuchung ſeyn? Zum Glauben und zu guten Werken Mir Kraft und Freudigkeit verleihn? Du kannſt es meine Zuverſicht! Wenn du mich ſtaͤrkſt; ſo wank ich nicht. Von der Sorge des Kranken, ſeinen Abſchied von der Welt mit Heiterkeit zu nehmen, und ſein Haus zu beſtellen. Da Tod ruft mich von der Welt, von meinen Ge⸗ ſchaͤften, meinem Beruf und Arbeiten, meinem Ei⸗ genthum, meinen Wuͤrden, und allem, was ich hier war und that, ab, und nimmt mich denn auch aus den Armen der Meinigen weg. Kurz, er macht M 2 allen — 180 Von der Sorge des Kranken, ſeinen allen meinen Verhaͤltniſſen und Verbindungen, worin ich hier lebte, auf immer ein Ende. Und wie nahe bin ich in meiner Krankheit dem Tode? Ich ſchwebe in derſelben zwiſchen Leben und Tod. Der Gedanke, hier nicht mehr zu ſeyn, und eine Welt, in welcher ich mein ganzes Daſeyn lebte, zu verlaſſen, hat eine gewaltige Sraͤrke fuͤr mein Herz, und wel⸗ chen Eindruck macht es in meiner Seele, wenn ich ſehe und fuͤhle: bald iſt nichts von allem in der Welt mehr mein! alle dieſe Bande, die mich hier mit an⸗ dern knuͤpften, und mit denen, die meine ganze Seele liebte, mit den Meinen verbanden, ſind auf ewig geloͤſet; alle meine Geſchaͤfte ruhen und haben auf immer ihr Ziel erreichet, ich werde ganz aus dem Cirkel aller meiner Verhaͤltniſſe in der Welt wegge⸗ riſſen! Und ſo iſt es doch. Aber gleichguͤltig kann es mir doch nicht ſeyn, wie ich die Welt verlaſſe, und von dieſem Poſten, auf welchen ich hier geſtellt bin, abgehe; was die Menſchen auch noch nach dem Tode von mir denken werden; wie es den Meinigen, wenn ich nicht mehr ſeyn werde, nach mir gehen moͤchte; mit welcher Ueberzeugung recht und unrecht gehan⸗ delt zu haben, ich zu meiner eignen Beruhigung die Welt verlaſſe, und noch mehr, wie ich einſt dem Richter der Welt uͤber mein Tagewerk Rechenſchaft gebe. Zwar iſt das die Sache eines jeden Tages und jeden Augen⸗ blicks. Ein vernuͤnftiger Menſch und noch mehr ein Chriſt muß ſeine Rechnung ſtets bereit halten, ſie mit jeder Stunde ſchließen koͤnnen, und ſtets als ein Weiſer und als ein Chriſt leben. Aber wie ſelten geſchieht es, und dann iſt doch wohl am Ende unſre eigne Ehre, unſer Ruhm, das Wohl der Unſrigen, die Pflicht fuͤr die Welt, und unſer eisnes kuͤnftiges Gluͤck wichtig genug, noch zu thun was wir koͤnnen, und wenn wir auch unſre Rechnungen wirklich ſchon ge⸗ h jin verloſa 4, und 4 t, wenn jc in der Welh hier mitan⸗ eganze Selle ind auf edig d haben auf inz aus dem Welt wegge siltig kann verlaſſe, und geſtellt bin, h dem Tode igen, wenn den moͤchte; nrecht gehan zung die Wa m Nchter d gebe. Zverſt jeden Juan d9. meht it halten, d ſtets ab der wie ſ Abſchied von der Welt mit Heiterkeit ꝛc. 181 geſchloſſen haͤtten ſo iſt doch vielleicht noch eine und die andre vernuͤnftige und kluge Anſtalt zu treffen brig. Wir verlaſſen die Welt, worin wir bisher nur allein gelebt haben, und zu welcher wir allein gewoͤhnt waren, und was verlaſſen wir mit ihr? Ohnſtreitig viele Annehmlichkeiten und Freuden, welche wir in ihr genoſſen, aber doch auch viele Beſchwerlichkeiten, und ſo manche Leidensſtunden. Der muͤde Wande⸗ rer erreicht feine Heimath: der unter der Laſt der Ar⸗ beiten feufzende Tagloͤhner ſieht den Abend, und ſeine Ruheſtunde; der auf einem unruhigen Meere Herum⸗ geworfne den Hafen; der Verfolgte den Ort ſeiner Sicherheit, und nach den Stuͤrmen, Donnerſchlaͤgen und Regenguͤſſen folgt nun die groſe Stille der Natur. So verlaſſe ich die Welt, aber auch alle ihre Unru⸗ hen, alle ihre Beſchwerlichkeiten, alle ihre Leiden und Muͤhſeligkeiten; und dies macht mir den Abſchied aus der Welt ertraͤglich, ja mit heiterm Herzen, mit geoͤfneter Bruſt, mit frohem Gemuͤthe denke ich daran, ich werde die Welt verlaſſen, und die Stunde tritr ein, in welcher ich meine Laſt abwaͤlzen, und meinen Pilgerſtab niederlegen werde. Aber beſchliefe ich nicht auch die frohen Stunden meines Lebens? Hoͤren nicht auch die mancherley Freuden dieſer Welt, die koͤſtlichen Ergoͤtzungen auf meiner Reiſe, die zuwei⸗ len durch die angenehmſten Gefilde hingieng, und die ſchoͤne Hofnung die mich unter dem Druck der Tage immer auf den beſſern Wechſel hinſehen ließ⸗ auf? Schien denn nicht oft die Sonne durch den Nebel, und zerſtreute ihn? O wie manche Freuden⸗ ſtunden gab mir Gott in der Welt, die mir bey die⸗ ſer guten Abwechſelung auch mein beſchwertes Leben gleichwohl noch ſo werth machten? Dieſe Freuden werde ich verlaſſen! Doch unmoͤglich kann mir dieſer es 182 Von der Sorge des Kranken, ſeinen Gedanke, wenn ich Chriſt und Freund Gottes bin mei⸗ nen Abſchied von der Welt verbittern. Ich will denn meine Freuden gegen meine Leiden waͤgen, ach wie unvollkommen ſind ſie, wie ſehr wurden ſie mir nur zu oft verbittert, und wie lag doch in ihnen nur meh⸗ rentheils der Grund und die Quelle meiner Bekuͤm⸗ merniſſe? Jede Freudenſtunde wurde mir beynahe ein Vorbote harter Leiden, die ſchon vor der Thuͤre ſtunden, Geſegnet ſind ſie mir. Dank der Guͤte meines Gottes, die durch ſie meine matten Fuͤße ſtaͤrkte, und mich ſo maͤchtig aufrichtete, daß ich nicht unter meiner Laſt niederſank; aber ſterben denn mit meinem Tode eben ſo meine Freuden, als meine Lei⸗ den hinſterben werden! O was waͤre die Hofnung der Chriſten! Nein! zeitliche Freuden machen fuͤr den Chriſten nur den ewigen Platz. Nur das iſt der Tauſch, daß meine Thraͤnen nun ganz abgetrock⸗ net werden, daß ich hier ganz ausgeweint haben werde, daß ich beſtaͤndige, nie geſtoͤrte Freuden und Seligkeiten dort genieſen werde, daß nicht ein und anderer Strahl des Gluͤcks mich beleben, ſondern ich da ſeyn werde, wo zu der Rechten meines Gottes Freude und liebliches Weſen ſeyn wird ewiglich. Nein, wenn ich mich meines Chriſtenthums erfreuen kann, ſo iſt der Gedanke fuͤr mich Seligkeit: ich ver⸗ laſſe die Welt. Na⸗ einer Pruͤfung kurzer Tage, Erwartet uns die Ewigkeit, Dort, dort verwandelt ſich die Klage In goͤttliche Zufriedenheit. Hier uͤbt die Tugend ihren Fleiß, Und jene Welt reicht ihr den Preiß. Wahr dnen nurn einer Bi ir beynahe 8r der dh ink der Gi matten gi daß ich ui ben denn i als meine die Hofuun n machen Nur das ganz abgettac ſeweint gaben Freuden und ncht ein und ſcadern ich neines Gotti wird ewiglich hums erſteun gkeit ich d Abſchied von der Welt mit Heiterkeit e. 133 Wahr iſts, der Fromme ſchmeckt auf Erden Schon manchen ſel'gen Augenblick; Doch alle Freuden die ihm werden, Sind ihm ein unvollkommnes Gluͤck. Er bleibt ein Menſch und ſeine Ruh Nimmt, weil er lebt, bald ab, bald zu. Bald ſtoͤren ihn des Leibes Schmerzen, Bald das Geraͤuſche dieſer Welt: Bald kaͤmpft in ſeinem eignen Herzen Ein Feind, der oͤfter ſiegt als faͤllt; Bald ſinkt er durch des Naͤchſten Schulb In Kummer und in Ungeduld. Hier wo die Tugend oͤfters leidet, Das Laſter oͤfters gluͤcklich iſt, Wo man den Gluͤcklichen beneidet, Und den Bekuͤmmerten vergißt, Hier kann der Menſch nie frey von Pein, Nie frey von eigner Schwachheit ſeyn. Hier ſuch ichs nur, dort werd' ichs finden. Dort werdich heilig und verklaͤrt, Der Tugend ganzen Werth empfinden, Den unausſprechlich groſen Werth. Den Gott der Liebe werd' ich ſehn, Ihn lieben, ewig ihn erhoͤhn. Da wird der Vorſicht heil ger Wille, Mein Will' und meine Wohlfahrt ſeyn. Und lieblich Weſen, Heil die Fuͤlle Am Throne Gottes mich erfreun. Dann laͤßt Gewinn ſtets auf Gewinn Mich fuhlen, daß ich ewig bin. Da Von der Sorge des Kranken, ſeinen Da werd' ich das im Licht erkennen, Was ich auf Erden dunkel ſah, Das wunderbar und heilig nennen, Was unerforſchlich hier geſchah. Da denkt mein Geiſt mit Preis und Dank Die Schickung im Zuſammenhang. Da werd' ich zu dem Throne dringen, Wo Gott ſich ganz mir oſſenbart, Ein heilig, heilig, heilig ſingen, Dem Lamme, das erwuͤrget ward, Und Cherubim rnd Seraphim Und alle Engel jauchzen ihm. Da werd' ich in der Engel Schaaren, Mich ihnen gleich und heilig ſehn; Das nie geſtoͤrte Gluͤck erfahren, Mit Frommen ſtets fromm umzugehn. Da wird durch jeden Augenblick, Ihr Heil mein Heil, ihr Gluͤck mein Gluͤck. Da werd' ich dem den Dank bezahlen, Der Gottes Weg mich gehen hieß, Und ihn zu Millionenmalen Noch ſegnen, daß er mir ihn wieß. Da find' ich in des Hoͤchſten Hand Den Freund den ich auf Erden fand. Da ruft, o moͤchte Gott es geben! Vielleicht auch mir ein Sel'ger zu: Heil ſey dir! denn du haſt mein Leben, Die Seele mir gerettet, du; b O Gott, wie muß dies Gluͤck erfreun: Der Retter einer Seele ſeyn! — ͤ hatren, hn. Glück. Gzahſen, Abſchied von der Welt mit Heiterkeit ꝛc. Was ſeyd ihr, Leiden dieſer Erden, Doch gegen jene Herrlichkeit, Die offenbar an uns ſoll werden Von Ewigkeit zu Ewigkeit? Wie nichts, wie gar nichts gegen ſie, Iſt doch ein Augenblick voll Muͤh! Fortſetzung. Aber hier an der Gränze der Ewigkeit legt der Menſch ſeine Wuͤrden, ſeine Ehrenſtellen, ſein Ei⸗ genthum, ſein ganzes irdiſches Gluͤck zugleich auf im⸗ mer nieder. Es gehoͤrt zu den Annehmlichkeiten die⸗ ſes Lebens, und wer dieſen oder jenen Vorzug deſſel⸗ ben genießt, der hat der Guͤte ſeines Gottes, die ihm ſein Loos auf Erden ſo guͤnſtig beſchieden hat, deſto mehr zu danken. Ja! deſto groͤſer wird dieſe Wohlthat ſeines Gottes, weil er durch die Vorzuͤge ſeines Standes, ſeiner Wuͤrde, ſeines Amts, ſeiner Macht, ſeiner Guͤter, ſeinen Wirkungskreis erwei⸗ tern, und ſo viel mehr Gutes ſtiften, ſich ſo viel rei⸗ chere Aerndten fuͤr die Ewigkeit bereiten, und ſeine Ausſicht fuͤr jenes Leben ſo viel erfreulicher machen kann. Noch in dem Tode gehoͤrt dem unendlich guͤ⸗ tigen Gott auch fuͤr dies unſer Erdengluͤck inniger Dank und Preiß. Aber doch iſt der Geringe und der Arme in ſeinem Tode um nichts weniger oder gar ge⸗ ringer, als der Liebling des irdiſchen Gluͤcks. Sein Herz iſt nur weniger an das irdiſche gefeſſelt, und er verlaͤßt 186 Von der Sorge des Kranken, ſeinen verlaͤßt daher eine Welt weit ruhiger, worin er durch kein Gluͤck geblendet wurde: froher ſieht er von der Erde zum Himmel, weil ihn jener Schimmer und jener Ueberfluß nicht verfuͤhrte, und er ſeine Un⸗ ſchuld des Herzens deſto unbefleckter bewahrte, und immer behielte er in ſeinem geringern Gluͤck Gelegen⸗ heit und Mittel genug Gutes zu wirken, und einen guten Samen fuͤr die Ewigkeit auszuſtreuen. Doch auch der Gluͤckliche auf Erden hat keine gegruͤndete Urſache, den Verluſt ſeiner irdiſchen Vorzuͤge zu beklagen. Der Menſch lebt doch nicht fuͤr dieſe Welt, und nicht um ewig auf der Erde zu wohnen. Es iſt ja ein vor allemal das allgemeine Geſetz der Natur, daß wir ſterben muͤſſen, und wie unweiſe waͤre es, nicht bey dem Genuß der Guͤter der Erden zu beden⸗ ken, daß wir ſie nicht immer beſitzen werden. Sie waren nur fuͤr einige Zeit, und dieſe Zeit hat ihr Ende erreicht. Statt zu denken: ich hatte unver⸗ dient aus der Hand meines Schoͤpfers manche An⸗ nehmlichkeiten vor meinen Bruͤdern voraus, wollte ich mich beklagen, und es ſo anſehen, als wenn mir etwas, das doch nicht mein war, genommen werde. Was iſt es auch, was ich verliehre, gegen das, was ich als Chriſt gewinne? Wenn ich nicht thoͤricht, un⸗ donkbar und ſchaͤndlich fuͤr mich, das Gluͤck der Erde den Guͤtern der beſſern Welt vorgezogen habe, ſo kann es mich wohl nicht betruͤben, das irdiſche mit dem himmliſchen zu verwechſeln. Hier auf meiner Reiſe waren die Dinge gut, aber ſir haben keinen Werth mehr in der Ewigkeit. Die Zeit muß einmal kommen, und welcher Chriſt ſieht ſie nicht gern in der Naͤhe, wo dieſes vergaͤngliche irdiſche und nichtige aufhoͤrt, und das beſtaͤndige, unveraͤnderliche und ewige eintritt. Dieſe Verhaͤltniſſe die nur fuͤr dieſe Welt gehoͤren, dieſe Ehren ſowohl als dieſe Giter je inen drin er dunt — ter von dimmer uh er ſeine l. vahrte„l 1 Gelege und ein en. dah „gegruͤnden Vorzüge i dieſe Wel hnen. C. der Natur ſee waͤre e⸗ en wu beden⸗ erden. Se Zeit hat it hotte unver⸗ manche An⸗ dus, wollte s wenn wir nmen welde. en das, was thoricht, uw ick der Erde n habe, ſo irdiſche mit auf weiner bben keinen muß einmi ſcht gern und richif derliche 1 nur füͤr dieſe ſt Abſchied von der Welt mit Heiterkeit ꝛc. 187 die ſo manchen Menſchen zum Thoren machen, und ſo oft die Goͤtzen unverſtaͤndiger Menſchen ſind, muͤſſen ein Ende nehmen, damit Glaube und Gott⸗ ſeligkeit, dieſe wahren und einzig geltenden Vorzuͤge der Menſchen, alles allein werden. Die Zeit muß doch endlich kommen, in welcher ich die Fruͤchte von der guten Anwendung des irdiſchen Gluͤcks einaͤrndte. b Und was iſt es doch mit allen Herrlichkeiten der Welt? Guter Gott! wie wenig geben ſie dem Herzen den wahren Frieden, ja mit wie viel Unruhen und Sorgen plagen ſie doch den mehrſten Sterb⸗ lichen! Das Auge, das ſich nicht ſatt ſieht, das Ohr, das ſich nicht ſatt hoͤret, das Herz, das immer neue Wuͤnſche hat, findet mehrentheils mitten im Ueberfluſſe immer Mangel; fuͤhlt immer neue Be⸗ duͤrfniſſe, plagt ſich mit immer neuen Entwuͤrfen, Groͤſe, Reichthum und Glaͤck zu finden, zu ver⸗ mehren, zu befeſtigen; wird immer von Furcht ge⸗ quaͤlt; kaͤmpft mit Neid und Verfolgungen; und indem die Seele auf das irdiſche geheftet iſt, ſo verliehrt ſie das ewige aus den Augen. Nun ver⸗ gißt der Menſch den Gott, der ihn ſchuf, und den Zweck, wozu er da war. Das Gute, das er hier genoß, ſollte ein Talent ſeyn, womit er weiſe wuchern, Schaͤtze des Glaubens und der Gottſe⸗ ligkeit ſammlen, Menſchengluͤck befoͤrdern, und ſeine geringen und armen Bruͤder erquicken ſollte; aber ſie werden bey ihm Wertzeuge des Verderbens, die ſeine ſuͤndlichen Luͤſte naͤhren, die ihn zum Stolz, zur Ungerechtigkeit verleiten, und ihm ſeinen Tod nicht erfreulich, ſondern ſchauderhaft und entſetzlich machen muͤſſen. Ia hier iſt freylich fuͤr einen Gro⸗ ſen, Reichen und Gluͤcklichen das Verlaſſen einer Welt, womit er ſein ganzes Gluͤck endigt, und den 188 Von der Sorge des Kranken, ſeinen den Anfang einer martervollen Ewiakeit macht, im⸗ mer der fuͤrchterlichſte Gedanke, aber nicht ſo fuͤr den Freund Gottes. Bey ſeinem irdiſchen Gluͤcke war er immer einem Seefahrenden aͤhnlich, der zwiſchen lauter gefaͤhrlichen Klippen ſchiffte, welche ihm mit jedem Augenblicke Schiff ruch droheten. Wie viel koſtete es ihn doch immer, ſein Herz vor Uebermuth und Stolz, vor Haͤrte und Unbarm⸗ herzigkeit, vor Luͤſten, Ausſchweifungen und vor Gottesvergeſſenheit zu bewahren! Wie wenig waren ihm doch die groͤſern Pflichten ſtets vor Augen, die ſein Stand, ſein Amt, ſeine Wuͤrde, ſein Gluͤck von ihm forderten, und wie oft ſah ſein Auge von der Verantwortung weg, die er deßhalb dem Richter der Welt zu geben hatte? Hier muß nothwendig der Tod die Stunde der Erloͤſung ihm werden. Froh empfindet er die Guͤte Gottes, welche ihn hier vor tauſenden ſeegnete, und ſein Herz wird Lob und Dank fuͤr alle Barmherzigkeit, die der Herr an ihm that. Froh ſieht er ſich von ſei⸗ nem Erdengluͤck und ſeinem Poſten abgerufen, der ſo viel gefaͤhrliches fuͤr ihn hatte, und froh denkt er ſich den nahen Stand der Sicherheit fuͤr ſeine Seele; aber noch froher verlaͤßt er das Irdiſche, wenn er es weiſe verwaltet, und durch den guten Gebrauch und das Gute, welches er damit ſtiftete, es in ewige Guͤter verwandelt hatte. Da ſegnet ihn vor dem Angeſichte Gottes der Gedruckte, den ſein Arm ſchuͤzte; der Duͤrftige, den ſein Ueber⸗ fluß erquickte; der Wayſe, den ſein Anſehen und Reichthum vom Elende rettete, und deſſen Vater, Erzieher und Verſorger er ward; die Wittwe, welche ihr Armuth und ihr Elend durch ihn ver⸗ gaß. Da ſegnen ihn tauſende, die ſeiner Gottſe⸗ ligkeit und ſeinem frommen Eifer die Ruhe ihres irdiſchen nbarm : und por enig waren vor Augen, ürde, ſein ſt ſah ſen er deßhalt : Hier muß elöſung ihn etes, welche ſein Her igkeit, die ich von ſei⸗ erufen, der froh dentt t fuͤt ſeine ss Jddiſche den guten mit ſtiſtete/ Da ſegnet ruckte, den ein Ueber⸗ aſehen und ſen Vau e Wittu h ihn w ner Gu Abſchied von der Welt mit Heiterkeit ꝛc. 189 irdiſchen Lebens, Troſt, Sicherheit, Nahrung und Wohlſtand zu danken haben. Wer ſollte da nicht gerne eine Welt verlaſſen, wofuͤr man den Himmel eintauſcht! eine unvollkommene und mit ſo manchen Thraͤnen vermiſchte Gluͤckſeligkeit mit einer unveraͤn⸗ derlichen Freude verwechſeln, ja Kronen und Scepter hinwerfen, um jene unvergaͤngliche Krone des Lebens hinzunehmen. So freudig verlaͤßt auch der Niedrige und arme Chriſt dieſe Welt, er findet immer ſo manche Urſache, Gott fur manchen Sonnenſchein auf ſeinem Wege, und fuͤr manche Segnungen zu danken, aber er fuͤhlt es auch mit entzuͤckender Freude, daß er ſeine Th aͤ⸗ nen ausgeweint, daß ſeine Laſten und Beſchwerden dieſer Pilgerreiſe ein Ende haben, und legt nun ſei⸗ nen Wanderſtab hin, um der ewigen Ruhe und der ſeligen Erquickung bey Gott und ſeinem Erloͤſer zu genieſen. b Wen ich nur Gott gefalle, So lang ich hier noch walle, Und Menſchen nuͤtzlich bin; So ſeh ich voller Freuden Auch ſelbſt in ſchweren Leiden Auf meiner Lauſbahn Ende hin. Mir mag, o Gott, auf Erden Glͤck oder Ungluͤck werden; Ich nehm es dankbar an. Es kommt aus Gottes Haͤnden Der alles Leiden enden Und memen Geiſt erfreuen kann. Durch 190 Von der Sorge des Kranken, ſeinen Durch ungerechte Klagen Will ich nicht meinen Tagen Selbſt ihren Werth entziehn. Zur Freude meines Lebens, Soll keiner, Gott, vergebens Und ungenuzt voruͤberfliehn. „Ich will mich ſtets beſtreben Fuͤr Andrer Gluͤck zu leben, Will, wen ich kann, erfreun; Mit mitleidsvollem Herzen Gern lindern ihre Schmerzen. Das ſoll mein Gluͤck auf Erden ſeyn. Laß, weil ich leb auf Erden, Mich immer lautrer werden; Nie thun, was mich einſt reut. Einſt fuͤhre meine Seele, Die ich dir, Herr, befehle, Zu deiner Wonn und Seligkeit. Fortſetzung. Da Abſchied von unſern Freunden, und beſonders den Unſrigen ſcheint uns hart zu ſeyn; am mehr⸗ ſten erſchuͤttert uns der Gedanke; wir werden unſern Kindern oder Gatten weggenommen, und mit un⸗ ſerm Tode hoͤrt ihre Pflege, ihre Unterhaltung, ihr Schutz, ihre Erziehung, ihre Belehrung und ihr Troſt von uns auf. Ach was werden ſie ſeyn, wenn wir ſeinen n. nd beſonds ; am mi erden unſt und wit. haltung, ung und ſen 3 Abſchied von der Welt mit Heiterkeit ie. 191 wir ihnen entriſſen werden, und ſie nun unter Men⸗ ſchen allein leben, wo ſo wenige fuͤr ihr Wohl etwas thun koͤnnen, und noch wenigere es wollen? Muß das mir meinen Tod nicht ſchrecklich, und meine lez⸗ ten Stunden unausſprechlich bitter machen? Ach wenn ein ſterbender Bater, oder eine ſterbende Mur⸗ ter ihr Kind in Thraͤnen vor ihrem Lager ſieht, und es fuͤhlt: bald biſt du ein Wayſe, ein Verlaſſener, ein Troſtloſer! Wo wird nun der Arm ſeyn, der ſich nach dir ausſtreckt, wer wird foͤr deine Nahrung, oder doch fuͤr deine Erziehung, fuͤr dein Gluͤck mit einem zaͤrtlicheen Herzen Sorge tragen? welcher Schmerz muß das Herz durchdringen, groͤſer, als wie die Schmerzen des Todes ſelber ſind. Oder wenn der, der die Stuͤtze ſeiner Eltern und der Seinigen war, oder doch nun werden konnte, ſie in ihrer Hof⸗ nung, ihrer Freude, und ihren troſtvollen Erwartun⸗ gen geraͤuſcht ſieht, und ſie als Verlaſſene und Huͤlf⸗ loſe zuruͤcklaſſen ſoll? Doch auch das kann die Sterbeſtunde des Chri⸗ ſten nicht ſchrecklich machen. Wer ſind wir doch, daß wir glauben duͤrften, das Wohl der Unſrigen haͤnge von uns ſelbſt ab? Was nützt alle unſre Fuͤr⸗ ſorge, wenn uns die goͤttliche Regierung nicht zu Huͤlfe kommt? Wie viele Menſchen ſehen wir doch nicht um uns, welche die beſte Unterſtuͤtzung und die kluͤgſte und wachſamſte Erziehung genoſſen, fuͤr deren Gluͤck die beſten und dem Anſehen nach feſte⸗ ſten Plane entworfen waren; und ſie ſind alle verei⸗ telt, alle Hofnung iſt verlohren, und es ſcheint, als wenn ſie nur zu ihrem eignen Verderben mit Kunſt und Muͤhe waͤren vorbereitet worden: aber wir ſehen auch Menſchen, die freylich ihre Stuͤtzen verlohren, und die man fuͤr die bedaurenswardigſten Wayſen hielte; ſie ſind aber die beſten und gluͤcklichſten Men⸗ ſchen 192 Von der Sorge des Kranken, ſeinen ſchen geworden. Gott braucht zur Ausfuͤhrung ſei⸗ ner guten und weiſen Abſichten mit den Unſrigen unſers ſchwachen Armes nicht: es fehlt ihm an Mir⸗ teln nicht, ſie gluͤcklich zu machen, ja zu ihrem Beſten iſt es oft weſentlich nothwendig, daß wir nicht mehr ſind. Wie oft verdirbt nicht die groſe Zaͤrtlichkeit der Eltern das Kind, das ſonſt unendlich beſſer und auch gluͤcklicher geworden waͤre? Wie oft wird durch den Ueberfluß und die Sorgloſigkeit des Kindes und des Juͤnglings ſein Herz zur Weichlichkeit gebildet, lernt fruͤh den Stolz, der ihn immer zu ſeiner Zeit demuͤthigt, und verhaßt macht, flieht Arbeiten, eignes Nachdenken, und Anſtrengen ſeiner Kraͤfte; ver⸗ ſaͤumt die Kunſt, durch Gefaͤlligkeit und Dienſtfer⸗ tigkeit ſich Freunde zu machen, verlaͤßt ſich auf den Schutz und das Anſehen der Seinen? Aber eben dieß, daß er ſich von der Huͤlfe der Menſchen mehr entbloͤßt ſieht, wirft ihn in ſolche Haͤnde, die beſſer fuͤr ſein Wohi ſorgen, lehrt ihn Fleiß, Maͤßigkeit, Ordnung, Nachdenken, Vorſichtigkeit und Klug⸗ heit, macht ihn gefaͤllig, demaͤthig, nachgebend, treibt ihn an die wahre und alleinige Quelle des Gluͤcks, Gott und ſeinen Erloͤſer zu ſuchen, und fuͤhrt ihn auf die ſtets begluͤckende Bahn, die ihm die vortrefliche Religion Jeſu giebt. Wie vielfaͤltig find doch die ſchoͤnen und koͤſtlichen Beyſpiele hievon, wenn wir ſie nur bemerken wollen) Gewiß, wenn der Gort, welcher allein uͤber mein Leben und meinen Tod gebietet, mich von der Seite der Meinigen wegreißt; ſo meint er es mit mir und mit den Meinigen wohl. Seine Gedanken ſind nicht meine Gedanken, und ſeine Wege ſind nicht meine Wege, aber ſie ſind beſſer als die Meinigen, ſie graͤnden ſich auf ſeine hoͤchſte Weisheit und Guͤte. Es iſt gut, ſo hart es auch ſcheinen moͤchte, daß ich 1 von ſeinen sfährung ſae den Uuſtie in an Re it nich ne e Zärtlicte ch beſſer u t wird durh Kndes un keit gebildn a ſeiner Zi eiten, eigns räfte; den nd Dienſffe tſich auf z 7 Per g kenſchen mi de/ de hhſer 5, Nißigtel t und Kla— nachgebend, e Qull de ſuchen, und hn, die ihm die vieſfäͤltig iele hiepon, uͤber mein der Seit nit mir und anken ſih 4 eſind vit Meinign tund Gi hee, dit V U Abſchied von der Welt mit Heiterkeitꝛc. 193 von ihnen getrennt werde; dort werde ich es voͤlliger begreifen, und bald werde ich ihn mit freudigem Geiſte auch deswegen preiſen. Sind auch die Schritte, welche ſie hier ohne mich thun müuͤſſen, oͤfters muͤhſam und voll Beſchwerden, ſo werden ſie zu dem Plan, den die guͤtige Hand Gottes zu ihrem feſten und ewigen Wohl entworfen hat, gehoͤren, und wenn ſie ſeiner Leitung folgen, und die Furcht des Herrn in ſich bewahren, ſo wird es ihnen an kei⸗ nem wahren Guten fehlen. Er iſt Bater, Freund, Verſorger, Erhalter, Beſchuͤtzer und Begluͤcker der Menſchen; und fuͤhrt auch durch rauhe Gegenden zu den angenehmen Gefilden der Ruhe und des Segens. Dieſem Vater im Himmel will ich ſie befehlen, er, er iſt doch allein der rechte Vater uͤber alles, was Kinder heißt im Himmel und auf Erden. Er leiter die Seinen nach ſeinem Nath und nimmt ſie einſt zu Ehren an. Taͤglich muß und will ich fuͤr die Meinen zu ihm beten, und das auch noch in den lezten Stun⸗ den meines Lebens thun. So lange ihnen mein Le⸗ ben gut iſt, wird ers erhalten, und dann mich von ihnen ſcheiden, wenn fuͤr mich und fuͤr ſie mein Sterben beſſer iſt. Gluͤcklich der Menſch, der als ein Freund Gottes fuͤr die Seinen beten, und ſie noch in der Stunde des Todes mit glaubiger Zuver⸗ ſicht ſegnen kann! Gluͤcklich das Kind, welches den Troſt hat, daß es zu dem Samen der Gerechten ge⸗ hoͤre, und ſeiner Eltern Segen auf ihm ruhe! und noch gluͤcklicher, wenn es in den Fußſtapfen eines frommen Vaters und einer frommen Mutter, und noch mehr ſeines Erloͤſers unverruͤckt fortgeht, und dann ſagen darf: Vater und Mutter verlaſſen mich, aber der Herr nimmt mich auf! N Do 194 Von der Sorge des Kranken, ſeinen D., welchen keine Welt umſchließt, Der du allgegenwaͤrtig biſt Mit allem deinem Segen! Da wo die Meinen ſind, auch da Biſt du mein Gott, biſt ihnen nah Auf allen ihren Wegen. Du uͤberſiehſt, o Gott! ſie nie; Ach ſegne Vater! ſegne ſie, Trennt mich und ſie auch jezt der Tod, So bleibſt du ja ihr treuer Gott. Was koͤnnen Menſchen nuͤtzen? Nur du Allmaͤchtiger allein, Kannſt ihnen Rath und Huͤlfe ſeyn, Sie troͤſten, ſegnen, ſchuͤtzen. Und deiner Hand befehl ich ſie, Du Herr! verlaͤßt die Deinen nie. Erhoͤre mein Gebet, mein Gott! Sey ihnen Retter aus der Noth, Auf den ſie ſicher trauen. Laß ſie im Glanze deines Lichts, V Die Gnade deines Angeſichts, V So lang ſie leben, ſchauen⸗ Und gieb zu ihrer Pilgrimſchaft Bey jedem Schritte neue Kraft⸗ Bau ihnen Haͤuſer: dann ſchon hie Beglückt dein Segen ohne Muͤh, Der frommen Chriſten Samen, Geſegnet ſey durch ſie das Land, Wohin ſie deine Vaterhand V . Einſt fuͤhren will; und ihren Nahmen Laß herrlich ſeyn: im Wohlergehn b Laß ſie einſt Kindeskinder ſehn. dißt, Tod, men Abſchied von der Welt mit Heiterkeitꝛe. 195 Gieb, daß ſie ihrer Werke Ruhm, Ihr unverlezlich Eigenthum In ihrem Tod erfreue. Ihr Tod muͤß' als ihr Leben ſeyn, Sanft ruh ihr heiliges Gebein Bis einſtens uns aufs neue Wenn jener Aerndtetag erſcheint, Ein ewig's Gluͤck uns ganz vereint. O wie gedenk ich dein ſo gern, Du Tag des Lebens, Tag des Herrn! Wann wird dein Licht erſcheinen? Tag! der auch die mir wieder giebt, Die ewig meine Seele liebk, Die Seligen, die Meinen! Wie wird ſich unſer Herz dann freun, Gott! welch ein Anblick wird das ſeyn! Fortſetzung. Doch nicht genug, daß ich mit Ergebung in den Willen Gottes und mit Bereitwilligkeit eine Welr und in derſelben meinen Poſten, auf welchen ich von der Vorſehung geſtellt war, meinen Stand, meinen Reichthum oder meine Armuth, meine gluͤcklichen oder traurigen Umſtaͤnde, die Meinigen und alle meine Verhaͤltniſſe verlaſſe: ich muß auch mei⸗ nen Abſchied als ein weiſer und guter Haushaͤlter und Hausvater, und als ein Chriſt nehmen. Muͤſſen wir hier mit Treue und Redlichkeit die ganzen Tage N 2 unſers 196 Von der Sorge des Kranken, ſeinen unſers Lebens unſern hier angewieſenen Poſten beſor⸗ gen, unſer Tagewerk ſtets ſorgfaͤltig ausfuͤhren, und das Werk, das uns Gott gab, gewiſſenhaft vollen⸗ den: ſo muͤſſen wir denn auch unſre Rechnung am Abende unſers Lebens mit kluger Sorzfalt beſchlieſen. Wir ſind uns ſelbſt ſchuldig, daß wir noch fuͤr unſern guten Nahmen und unſern Ruhm nach unſerm Tode ſorgen. Wir ſind es der Welt ſchuldig, ſo zu ſter⸗ ben, daß unſer Tod ihr ſo wenig ſchaͤdlich werde, als moͤglich iſt, und daß wir unſre Geſchaͤfte, unſer Amt, unſer Gewerbe ſo verlaſſen, daß wir in unſerm Sterben ihr gleichſam noch eine Rechenſchaft ablegen; wir ſind es den Unſrigen ſchuldig, ſie durch unſern Abſchied in keine Verwirrung und Schaden zu ſetzen; und wir ſind es auch Gott ſchuldig, daß wir niemals etwas und auch am Ende nichts verſaͤumen, was nur das Beſte der Welt und der Unſrigen von uns ordert. Beſtelle dein Haus: dies iſt die Stimme, die am ſtaͤrkſten da redet, wo unſer irdiſcher Bau dieſes Lei⸗ bes erſchuͤttert wird, und wo wir vielleicht ganz nahe an der Ewigkeit ſtehen. Vielleicht ſind es nur noch wenige Tage, oder gar noch wenige Stunden, worin ich die nothwendigen und wichtigen Geſchaͤfte fuͤr die Welt beſorgen kann. Hier iſt vielleicht uͤber manches noch eine Erklaͤrung und Erlaͤuterung noͤthig, noch manches in Ordnung zu bringen, was meinen Stand,⸗ mein Amt oder auch mein Hausweſen angeht. Hier habe ich vielleicht noch uͤber mein Vermoͤgen Anord⸗ nungen und Einrichtungen zu treffen, und theils einen guten Gebrauch deſſelben zu machen, der mei⸗ nen Chriſtenpflichten und dem Geſez der Wohlthaͤ⸗ rigkeit gemaͤß iſt; noch damit in und nach meinem Tode das zu ſeyn, was ich hier ſeyn ſollte, ein Wohl⸗ thaͤter der Welt, beſonders der Armen und Schwa⸗ b hen ſeinen daſten iir Führen, m — w endit volh Rechnungr at beſchin aden au ſze iß wir nienae men, basm igen von uu it ume diac Bau diüſs(i⸗ eicht zunz naße and es wur wch unden, boii rſchäfte für d üßer manchs rrüthig, noch inen Stand, neht. Hier gen Anord und thil an, der ni per Wohlih d nach weud Abſchied von der Welt mit Heiterkeit ꝛc. 197 chen, oder um die große Pflicht der Dankbarkeit noch an meinen Wohlthaͤtern zu beweiſen; theils zu ver⸗ hindern, daß nicht die Meinigen nach meinem Ab⸗ ſchiede noch in Streit, Verwirrung und Feindſchaf⸗ ten gerathen. Hier habe ich noch darauf zu den⸗ ken, ſo viel an mir iſt, daß es an guter Pflege, an Erziehung und Fuͤrſorge denen nicht fehle, die ſolche vorz glich beduͤrfen. Ulnd dann, wenn ich nun das noch gethan, was ich fuͤr ſie und fuͤr die Welt thun konnte, wenn ich dieſe meine Angelegenhei⸗ ten beſorgt, und dadurch eine ſo erhebliche Pflicht des Chriſtenthums erfuͤllet, wenn ich mich auf dieſe Art gleichfſam zum voraus von der Welt los⸗ gemacht habe, fuͤhle ich mein Herz erleichtert, und erhebe mich weit froher zum Himmel. Mein Geiſt richtet ſich nun ganz hin auf Gott und die Ewig⸗ keit, und iſt allein mit den wichtigen Angekegen⸗ heiten meiner Seligkeit beſchaͤftigt. Meinem Gott, und dem Bater meines Lebens, deſſen gute und hei⸗ lige Fuͤhrungen ich auf meinem ganzen Wege zur Ewigkeit anbete, uͤberlaſſe ich nun allein die Mei⸗ nen, ſie ſind nicht mehr mein, ſondern ſein, und ſie fallen ganz ſeiner vaͤterlichen Fuͤrſorge wieder zuruͤck. Er, der ſtets mein Gott war, wird auch ihr Gott ſeyn, ihr Verſorger, ihr Fuͤhrer, ihr Hel⸗ fer, ihr Troͤſter, ihr Segens Gott!, Ich ſterbe, aber Gott wird mit euch ſeyn. So werde ich ſie troͤſten: ich will ihnen die Furcht des Herrn noch mit meiner ſterbenden Zunge predigen, und ihnen Gottes Wege befehlen; noch zulezt das hohe Gluͤck der Unſchuld und des guten Gewiſſens, des Glau⸗ bens und heiligen Vertrauens aus Herz legen, und will fuͤr ſie mein leztes Gebet auf Erden thun, und ſie ſegnen. Nicht ſo lange wird es ſeyn, daß ich ſie dort wieder ſehen, und mit ihnen in einer beſſern 198 Von der Sorge des Kranken, ſeinen beſſern Welt vereinigt ſeyn werde, wo kein Tod uns mehr trennen wird, wo keine Klage und keine Thraͤne unſre Tage mehr verfinſtern kann, wo wir gemeinſchaftlich Gottes Guͤte preiſen werden. Nicht ſo lange wird es ſeyn, wo ſie durch eben dieſes Todesthal dahin gehen werden, wohin ich einige Augenblicke vorausgegangen bin. Da zu leben, dir zu ſterben, Ewig, Vater! dein zu ſeyn Und mit deines Himmels Erben Deiner Wonne mich zu freun: Einſt mit ruhigem Gewiſſen Meine Augen, Gott! zu ſchlieſen, Dieſe Gnade wuͤnſch ich mir, Die erbitt' ich mir von dir. Allen will ich nuͤzlich werden, Ungehorſam keiner Pflicht, Nie ein Aergerniß auf Erden, Auch nach meinem Tode nicht! Seelen lange nach dem Sterben Durch ſein Beyſpiel zu verderben, Sie zu reizen dich zu fliehn: Welch ein Fluch, wie fuͤrcht' ich ihn! Aber welch ein hoher Segen, O wie ſehnlich wuͤnſch ich den Iſt es auf der Tugend Wegen Seinem Tod entgegen gehn! Auch nach ihm noch Bruͤdern dienen; Ein Beweis ein Denkmal ihnen, Welche Seligkeit es ſey, Gott zu folgen gern und treu. Dieſes Abſchied von der Welt mit Heiterkeit ꝛc. tpd kein o age den 3 Dieſes wuͤnſch' ich, und auf Erden, 5 tir Streb' ich immer gut zu ſeyn, kann, we Solch ein Denkmal einſt zu werden, verden. Deß ſich die Gerechten freun, h eben d Das den Suͤnder reiz' und locke, in ich 4 Damit er ſich nicht verſtocke, 1 Unvd ſich ſehne, Gott, dahin, Wo ich ewig ſelig bin. Daß auch das, was ich verlaſſe, . Erben nicht zu Zwiſt und Streit Reizen moͤge nicht zum Haſſe, 6 Noch zur Ungerechtigkeit, Will ich, da ich kann, noch ſorgen, Denn mein Tod iſt mir verborgen. 1 Hab' ich ſo mein Haus beſtellt, b Scheid' ich freudig von der Welt. In den lezten Augenblicken Nicht mehr ſorgen duͤrfen; dann Sagen koͤnnen voll Entzuͤcken, Vater, Vater! nimm mich an. Der ich dir nun meine Seele 1 Und die Meinigen befehle 4 b Komme, welch ein Ende! Gott, b Gieb mir einen ſolchen Tod. 200= Von den Pflichten in Anſehung unſers Leibes. S. lange ich bin, wohnte meine Seele in dieſer Huͤtte meines Leibes. Mein Leib ſtand in der ge— naueſten Verbindung mit meinem Geiſte, und beyde machten mein menſchliches Seyn aus. Ich kenne von meinem erſten Augentlicke an mich nicht anders als in dieſer Wohnung meines Leibes, und drohet der Tod mir die Trennung dieſes ſo vertrauten, ſo engen und ſteten Handes. Mit dieſem Augenblicke werden denn die mancherley ſinnlichen Freuden, die mir der Leib und meine Sinne geben, aufhoͤren, und mein Geiſt wird dieſe Wertkzeuge nicht mehr haben, durch welche er in dieſem Leben thaͤtig war. Zwar iſt dieſer Leib mir eine Quelle von manchen Leiden: wie viele Beduͤrfniſſe, und eben daher wie viele Sorgen, und wie vielerley Hinderniſſe verur⸗ ſachte er, daß mein Geiſt nicht immer frey und an⸗ haltend denken, in Wahrheit eindringen, und Ruhe und Zufriedenheit ungeſtoͤrt genießen konnte? Wie manche Leidenſchaft erregte, unterhielte und ſtaͤrkte er, die meinen Frieden ſtoͤrten, wie oft riß er mich auf Abwege dahn, verleitete mich zu manchen Suͤn⸗ den und Unordnungen und vereitelte die feſteſten Borſaͤtze und Entſchlieſungen, die mein Herz fuͤr Gott und fuͤr das Gute gefaßt hatte. Ich werde ihn able en, und freylich mit ihm auch manche Freuden, aber doch auch ſo manche Leiden, ſo manche Beſchwerden und Sorgen, ſo manche Unvonkommenhaiten ablegen. Und ſo iſt es im⸗ mer Gewinnſt fuͤr mich, wenn ich dieſe Huͤtte ver⸗ laſſe. Zwar empfindet meine Natur ein ewiſſer traͤu⸗ ertrauten, ein Auxeaèèt Freuden, uffhoren,n 1 meyr dih 2 war. u von nuchn den duher bie Cderniſe her⸗ a. frey ud u dn, und Ace ronnte! We ir und ſfäri nſ er mich achen Sin⸗ die feſteſten Hen fur „Ich werde nich mane 1 ſo manl e Hit. ¹ 2 ein gesſt G V 4 n, und du 1 6 Von den pflichten in Anſehung unſers Leibes. 201 Straͤuben gegen dieſe Trennung von meinem alten Freunde: aber wenn ich die Vortheile erwaͤge, die mir dieſe Veraͤndrung giebt, und noch mehr, wenn ich erwaͤge, daß ich ſelbſt, daß dieſer mein Geiſt noch ewig fortdauren wird, und nichts von ſeinem Seyn verliehrt; daß er zu ſeiner Freyheit hinuͤber geht, und gleichſam nun die Feſſeln ablegt, die er hier tragen muſte, nur die Sorgen, Unruhen und Schmerzen endigt, die er hier durch den Bau des Leibes erdul⸗ dete, ſo werde ich beruhigt; und die Wuͤnſche des Chriſten: Wer wird mich erloͤſen von dem Leibe die⸗ ſes Todes? werden an mir erfuͤllet. Ich werde im Tode mein eigentliches Leben finden, und wenn ich von den Banden dieſes Leibes aufgeloͤſet werde, ſo trift mich keine Feindſchaft, kein Haß, keine Verfol⸗ gung, kein Schmerz, keine Sorge mehr. Mein Leib ruht im Grabe, und meine Seele in Gott. Noch mehr! mein Glaube zeigt mir die herrlichſte und ſeligſte Ausſicht fuͤr die Zukunft. Dies Band, das die Suͤnde hier trennte, und deſſen Trennung zu mei⸗ ner Vollkommenheit, Erloͤſung und Seligkeit um ſo nothwendiger geworden war, ohne welche ich zu der großen Herrlichkeit und dem ungeſtoͤrten Genuß himm⸗ liſcher Freuden nicht gelangen konnte, ſoll und wird einſt wieder geknuͤpft werden. Mein Erloͤſer wird die Todten aus den Graͤbern, und wird auch meinen Leib einſt wieder hervorrufen. Bald wird er hinfal⸗ len in den Staub, wovon er genommen iſt, und man wird keine Spur dieſes ſo kuͤnſtlichen, bewun⸗ dernswuͤrdigen und ſchoͤnen Gebaͤudes, des groſen Meiſters und Schoͤpfers deſſelben mehr an ihm fin⸗ den. Bald faͤllt ſie hin, dieſe Maſchine, die der groͤſte Naturforſcher mit Erſtaunen und Bewunderung zergliedert und beobachtet: aber doch iſt ſie noch in ihren zerſtoͤrten und aufgeloͤſeten Staubtheilen da, und wird immer 202 VTon den Pflichten immer da ſeyn. Denn warum ſollte ſie des Allmaͤch⸗ tigen Wort zernichten? Nein, nicht vernichten, ſon⸗ dern wieder ſammlen und verbinden wird ſie der, der alles aus Nichts zuerſt hervorrief, und der dieſen meinen Leib ſo wunderbar im Mutterleibe bildete. Er iſt in der Erde nur dem Weizenkorne aͤhnlich, das nachher herrliche Pflanzen und Fruͤchte hervortreibt: Fuͤr dieſen Leib iſt es nichts weiter als ein Schlaf, der ihm den Morgen mit neuen und ſchoͤnern Kraͤf⸗ ten verjuͤngt: nichts als der einbrechende Winter, der den Baum entblaͤttert, und ihn traurig und oͤde dahin ſtellt, aber doch wieder einem ſchoͤnern Fruͤhling weicht, der ihn deſto koͤſtlicher ſchmuͤckt. Groſer und herrlicher Tag, an welchem die Guͤte, Groͤſe, Macht und Weisheit des Schoͤpfers ſo herrlich werden, und alles wiederherſtellen wird! Nicht mehr zum Sterben, ſondern ewig zu leben: nicht mehr zum Leiden, ſon⸗ dern zu ewigen Freuden: nicht mehr zu den Beduͤrf⸗ niſſen, Sorgen und Schmerzen dieſes Lebens, ſon⸗ dern dort werde ich geſaͤttigt werden, und Furcht und Sorge, Krankheit und Plage ruͤhrt mich nicht mehr an. Dies iſſt die Zeit meiner groſen und voͤlligen Seligkeit. Beſſer, verklaͤrt, unſterblich, ſo wie mein Geiſt ſelbſt unſterblich und dauerhaft werde ich hervor⸗ gehen. Gerne will ich denn dieſen Bau zerbrechen ſehen, denn ich erlange einen Bau im Himmel, von Gott erbauet, der ewig iſt: und Leib und See werden ſich freuen ewiglich in dem lebendigen ott. b Ich will in jene thoͤrichten Zweifel nicht eingehen: wie wird, wie kann das geſchehen? Genug, Gott iſt der Allmaͤchtige, der ewig Weiſe, der Wahrhaf⸗ tige! Er wills. Er will ſeine Schoͤpfung ganz wieder darſtellen, und den Menſchen mit Leib und Geiſt wieder herſtellen, wie er ihn erſchaffen hatte. Der Erloͤſer dedes Aün ternicten, 1 rdſ ſie den, n der d be* wenä e herdornn 4 lis ein St ichönern ſih hende P d lraurigt und 1 nern Fetſa l. Greſt ic Groͤſe, 8 4 werden zum en 1 1 1 keiden, a du den Ahuf es(elens, ou and furchrund rrich nict me an And tülid ey ſo wiewen Prde ich here⸗ mau zerheechen wim Hinme, 1d Leib und a lebendigen aht engän enug, 6r ſer S in Anſehung unſers Leibes. 203 Erloͤſer will das, was die Suͤnde verſtoͤrte, als Her⸗ ſteller unſers ganzen Gluͤcks, wieder zu ſeiner Voll⸗ kommenheit zuruͤckfuͤhren, und er beſiegt den Tod, den Gott nicht gemacht hatte. Aus dieſer Maſſe mei⸗ nes Koͤrpers, will er die Theile nehmen, die ſich fuͤr meine kuͤnftige vollkommnere Seligkeit ſchicken. Getroſt und glaubensvoll ſehe ich uͤber Grab und Verweſung zum ewigen Leben hin. Wanm⸗ einſt mein ſterbend Auge bricht, Mein lezter Hauch verſchwindet, gein Leib erſtarrt, und ſelber nicht, Daß er entſchlaͤft empfindet; Wenn meine Lieben um mich ſtehn, Unpd mich in dir entſchlummern ſehn, Und meinen Tod beweinen; Dann, Gott, empfange meinen Geiſt, Der ſich zu dir erhebet, Der dankbar deine Güte preiſt, Durch die er ewig lebet! Dann troͤſte, die betruͤbt um mich Mit Thraͤnen klagen: laß ſie ſich Mehr meiner Wonne freuen. Mein hingefallner Leib bleibt hier Ihn wird das Grab verſchlieſen. Heil mir, das Grab wird dennoch dir Ihn wieder geben muͤſſen! Du kommſt, Erwecker! Deine Macht Hat meinen Staub hervorgebracht; Kann meinen Staub erneuern. Was Von den Pflichten Wasß ſolle ich trauern, daß im Tod Miein Leib zu Staub vermodert? Ich weiß ja, daß ihn einſt mein Gott Vom Jode wieder fodert. O Hoffnung, daß nach kurzer Ruh Miein Leib erwacht! wie groß biſt du! AUInd welch ein Troſt im Tode? Des Todes Schmerzen, Gott, will ich, Wenn er nun kommt, verachten; Und, meinen Blick gewandt auf dich, Nach meinem Ziele trachten; Und mich dem Ziel freudig nahn, Mein himmliſch Kleinod zu empfahn, Das Jeſus mir bewahret. Fortſetzung. S. wenig ich auch als Chriſt verlieren werde, wenn ich mich von meinem Leibe trenne, ſo muß ich doch das Leben zu erhalten ſuchen, ſo lange ich kann. Denn das iſt Gehorſam gegen Gott, auch das be⸗ ſchwerteſte Leben nach ſeinem Willen gerne und willig fortſetzen, und es bleibt als Vorbereitungs⸗ und Gnadenzeit immer ein wichtiges Gut, das ich bewah⸗ ren muß. So willig und gerne ich auch, wenn der Herr des Lebens mich abruft, die Welt verlaſſe, ſo muß ich gleichwohl die Mittel der Erhaltung und der Herſtellung der Geſundheit gebrauchen, die er mir in der Natur gegeben hat. Warum ſchuf er ſie, b warum ljeren werde d ſo muß ih vee ich kann. uch das be⸗ e und wili dungs“ und s ich bewi h wenn h. verlaſſ tang unn u, die 49 V - e k6 n I in Anſehung unſers Leibes. 205 warum gab er ihnen die heilenden Kraͤfte, wenn es nicht auch ſein Wille waͤre, ſie zu nutzen? Pflicht iſt es daher ſie zu gebrauchen, und den Arzt zu Rathe zu ziehen, der durch Erfahrung und Einſicht ſie rich⸗ tig anzuwenden weiß. Vielleicht giebt mir Gott da⸗ durch meine Geſundheit und Kraͤfte wieder, und er⸗ haͤlt mein Leben noch einige Zeit. Oder ſie werden mir doch meine Leiden mindern, und meine Beſchwer⸗ den ertraͤglich machen. Von Gott erwarte ich den Segen dieſer Heilmittel, und in ſeine Haͤnde uͤbergebe ich Leben und Geſundheit, aber ich darf keine Wun⸗ der erwarten und fordern, ſondern in Demuth und Vertrauen auf ihn, in Geduld und Erzgebenheit in ſeinen Willen, die von ihm uns gezeigten Wege erwaͤhlen. Meine Krankheit hat ſo viel beſchwerliches und hartes, und iſt mit ſo manchen Leiden und Schmerzen verbunden; der Schlaf und die Ruhe fliehet mich, ein Feuer in meinen Adern verzehrt mich, ein mar⸗ terndes Gift dringt durch meine Eingeweide meine Glieder werden durch ſo manche heftige Schmerzen zerriſſen; mein Herz wird von Angſt und Banzigkeit ergriffen; aber ſo iſt der Wille Gottes, ſo bringt es das Geſetz der Natur mit ſich, und ich muß es ertra⸗ gen, was mir die hoͤhere Hand auflegt, und ſeinen heiligen Willen auch in meinen Leiden anbeten. Er iſt mein Vater und mein Gott. Doch ſuche und brau⸗ che ich auch die Erleichterung, die er mir anbietet, und giebt. Hebt auch die Kraft der Geneſungsmirtel die ſtaͤrkere Gewalt meiner Krankheit nicht, fuͤhrt mich dieſe mit maͤchtigerm Arm zu meinem Grabe: ge⸗ nug daß ich auch hier that, was Gott wollte, und daß ich ſo manche Linderung, ſo manche Erquickung dadurch fand, die ich mit demuͤthigſtem und freu⸗ digſtem 206 Von den Pflichten digſtem Danke und Lobe meines guͤtigen und treuen Gottes verehre. Wenn es denn der Wille meines Gottes, die⸗ ſes maͤchtigen und einzigen Gebieters uͤber mein Leben und meinen Tod ſeyn ſoll, daß ich dieſe meine ſterbliche Huͤtte verlaſſe, ſo will ich auch darauf denken, daß das Einſenken meiner Gebeine, und die Ruhe meines Leibes im Grabe bis zur Stunde der Auferſtehung auch noch andern näzlich werde. Fern ſey es, daß ich mit dieſem aͤuſern Reſte von mir noch Pracht und Ueppigkeit bewei⸗ ſen laſſe; dieſe in Moder und Verweſung hinge⸗ henden Gebeine, die oft traurige Werkzeuge man⸗ cher Suͤnden waren, noch in dem Anfang ihrer Verweſung Diener der Eitelkeit und Thorheit wer⸗ den laſſe; aber ſie ſind doch immer die heilige Reſte eines Menſchen und Chriſten, und nun die Prediger der Nichtigkeit dieſes Lebens, Erinnerer der Hin⸗ faͤlligkeit und Ohnmacht des Menſchen, Beſtrafer des Stolzes und des Misbrauchs ſeiner Glieder; und vielleicht wird der Anblick meiner Leiche, das Todtengelaͤute zu meinem Grabe, mein Sarg und meine Ruheſtaͤtte manchem aus ſeinem Schlummer erwecken, und aus ſeiner Unbeſonnenheit und Si⸗ cherheit hervorrufen, oder bey ſeiner Unentſchloſ⸗ ſenheit zu einem feſten guten Entſchluſſe bringen. Auch ſo ſoll meine Beerdigung ſeyn, daß ich an⸗ dern Warnung oder Beyſpiel, Troſt oder Erleichte⸗ rung, Beſſerung oder Staͤrkung und Erinnerung an die Ewigkeit werde; und ſo viel an mir iſt, will ich meine lezte Zeit noch darauf denken, daß mein Tod andern lehrreich und heilſam werde. In — — — — — — — weſung feh ertz zeuge 1 Anfang ſr Thothei vie heilgegi nhent zerer de rir then, Aſſteir iner Glehr er Leice do in Ser ud in Schlumner dheit und Ch Unen'ſchloß. aiſſe heingen. daß ich an⸗ Erleichte drinnerung am wir ſh venten, d an werde „ in Anſehung unſers Leibes. J, meiner Krankheit bitt' ich 3 Mit demuthsvollem Herzen, Erbarme du dich uͤber mich Und lindre meine Schmerzen: Erleichtre, was mich druͤckt, o Gott, Sey du mein Retter in der Noth, Erhalte mir mein Leben. Doch gieb, daß ich mich deiner Huld Auch freudig uͤberlaſſe, Und mich in Hofnung zur Geduld Ermuntre und mich faſſe. O moͤchte doch dein Will' allein, Mein Will' und meine Freude ſeyn, Was du mit mir beſchließeſt, Und wenn ich, Vater! ſterben ſoll, 4 So laß mich ſelig ſterben! Und eilen frey und glaubensvoll Zu deines Himmels Erben; Mein Geiſt, von Suͤnde ganz befreyt, Und zu des Sohnes Bild erneut, Geh ein in deine Freude. Mein Leiden meine Sterbensnoth, Mein Grab und meine Leiche Bereit auch andere zum Tod, Daß ſie in deinem Reiche Mit Ernſt und heil'ger Wachſamkeit, Nie mehr verfuͤhrt zur Sicherheit, Den Weg zum Himmel gehen. Hinblick auf die Zukunft. 56*⁸ „Ich verlaſſe dieſe Welt, und bald hoͤren alle meine Verbindungen mit ihr auf; bald iſt das alles nicht mehr mein. Ehre, Amt, Groͤſe, Reichthum, Freu⸗ den der Erde, und was ich hier nur bin und war, fliehen von mir im Tode, und verlaſſen mich und ich verlaſſe ſie: auch alle meine Leiden, die ich auf meiner Reiſe duldete, die Thraͤnen, die mir ein Feind oder die Noth und mancherley Elend der Erde erpreßte; der Kummer, der mich ſo oft niederdruͤckte, und jede Art der Bedraͤngniſſe und der Klagen neh⸗ men bald auf immer ein Ende. Stunde der groſen Ruhe und Erholung nach aller Ermuͤdung und Arbeit meines Lebenstages, du zeigſt dich mir in der Naͤhe! Stunde des Ernſtes, die du mir ganz nach dem Leben das Nichtige und Eitle, das Betruͤg⸗ liche und den falſchen Schimmer des Erdengluͤcks zeigſt, und fuͤhlen laͤßt, du biſt vielleicht gekom⸗ men! Hier nahe an meinem Grabe ſehe ich es weit ſtaͤrker, als ich es jemals geſehen hatte, wie unbe⸗ deutend doch aller Unterſchied der Menſchen auf ei⸗ nem Erdball ſey, wie alles einem ſo bald verſchwin⸗ denden Traume gleiche, und der Augenblick des To⸗ des uns zu der allgemeinen Gleichheit aller Menſchen fuͤhre. Aber ich gehe dahin, wo ich ewig ſeyn wer⸗ de, und wo keine Abwechſelung, keine Vergaͤnglich⸗ keit, kein Unbeſtand mehr ſeyn wird. Dort werde ich nicht ſagen koͤnnen: es wird ein Ende nehmen, dort werde ich den Wechſel des Gluͤcks und Ungluͤcks nicht mehr fuͤrchten oder hoffen. Dort iſt das Land, wo eine ewige Feſtigkeit der Dinge iſt. Und was werde ich dort ſeyn? Wartet auf mich in jenem keben, 1 wohin — Vas alles h dihum, g t bin und h ſſen mih wnir ein zi And dur g. h wir wx 5mir gan, ih 1 das Ari s GEhnlch elleich gn. hhe ich s dit Je, wie uhbe nſchen auf e⸗ 9 verſchwime alick des dos der Menſchen 7 n ſeyn wer⸗ Zergänglich „Dort wetze ade nehmen d Unglit iſt das 9. Und ijenen n ner ſelbſt, mit den Geſinnungen, den und der ganzen Gemuͤthsbeſchaffenheit, die er hier 8 Hinblick auf die Zukunft. wohin ich ſo gewaltſam hingefuͤhrt werde, Ruhe und Seligkeit, oder muß ich ein groͤſeres unveraͤnderliches Elend fuͤrchten? O Gott! welche Frage! wie wich⸗ tig und groß fuͤr mich, wie nothwendig dieſe Unter⸗ ſuchung, da ich nahe am Nande der Ewigkeit ſtehe. Ich werde ewig leben, und mein Geiſt wird das den⸗ kende Weſen bleiben, und mit dem Bewußtſeyn ſei⸗ Fertigkeiten, 209 hatte, dahin gehen. Mein ganzes Leben, meine Handlungsweiſe und der Inbegriff meiner Thaten hat hier die Grundlage von meinem kuͤnftigen guten oder boͤſen Schickſal gelegt. Hier ſaͤete ich, dort werde ich aͤrndten. So wie der Juͤngling durch die Ausbil⸗ dung ſeiner Talente, durch Fleiß, Ordnung und Dul⸗ dung, Reinigkeit ſeines Herzens, Richtung auf das⸗ was groß, edel, gut und nuͤzlich iſt, durch Bildung gefaͤlliger Sitten und Liebe zur Religion und wahren Tugend den Grund zu dem Gluͤcke ſeiner maͤnnlichen Jahre, und hier wieder ſeines Alters legt, und ſo wie der Mann die guren Fruͤchte einer wohl verlebten Jugend, und der Greiß dieſer und der maͤnnlichen Jahre genießt; aber wie auch der verdorbene, laſter⸗ hafte, leichtſinnige Juͤngling an dem Elende ſeines kuͤnftigen Lebens arbeitet, und wider ſein eignes Gluͤck ſtreitet; ſo iſt es mit Zeit und Ewigkeit Hier bauet der Menſch enrweder an ſeinem kunftigen Verderben, oder an ſeinem Wohl und er aͤrndtet dort die Frucht ſeiner Werke. Aus meinem Leben kann ich den Schluß auf die Ewigkeit machen; ich kann mein eigner Richter ſeyn, und ich muß es durch mein ganzes Le⸗ ben, aber doch wohl vornemlich auf meinem Kranken⸗ bette werden, wo ich mit jedem Augenblick ſo ſehr wahrſcheinlich fuͤrchten muß/ zu dem Richter der Welt hingerufen zu werden. Ganz, ganz muß nun meine O Seele 210 Hinblick auf die Zukunſt. Seele mit dieſen Gedanken beſchaͤftigt ſeyn? was werde ich ſeyn? was habe ich zu fuͤrchten oder zu hoffen? Der Augenblicke, und noch mehr der Tage ſind vielleiche gar zu wenig, in welchen mir die goͤttliche Geduld noch Zeit laͤßt, die Anſtalten und die Vorbereitung auf mein kuͤnftiges, oder vielmehr nahe bevorſtehendes Schickſal zu treffen. Gott iſt ein heiliger und gerech⸗ ger Gott, aber hier iſt noch nicht die Zeit der voͤlligen Vergeltung; ſondern ſeiner Geduld, ſeiner Vorbe⸗ reirung und Erweckung zu unſerm ewigen Gluͤck, doch muß ſie endlich kommen, und ſie iſt jezt nahe; was werde ich nun von ihm zu hoffen haben? und welches wird das Urtheil uͤber mein Leben werden? Dies ſoll nun ganz meine Sorge ſeyn, mich meines kuͤnftigen Gluͤcks und meiner ewigen Seligkeit zu verſichern. E⸗ eilt der lezte von den Tagen, Die du hier lebeſt, Menſch, herbey. Erkauf die Zeit! und ſtatt zu klagen, Sie ſey zu kurz, gebrauch ſie treu! Nimm mit erkenntlichem Gemuth Der nahen Stunde wahr; ſie flieht. Um Ewigkeiten zu beſitzen, Mußt du die kurze Lebenszeit Als deine Saatzeit kluͤglich nuͤtzen, Und thun, was dir der Herr gebeut! Er ruft dir menſchenfreundlich zu: Sieh, eins iſt noth! was ſaumeſt du O eil und rette deine Seele, Und ſaͤume keinen Augenblick, Sieh, was zu deinem Heile fehle, Und blick auf deinen Weg zuruͤck. Erforſche deine Lebenszeitf[(ł(⁰[[, UAnd denke an die Ewigkeit. gn 1 ¹ ☛ 2 — — — — —— —==ZV — 8₰ — — — — — Leben wan 1., wih m en Seligtei 1 Hinblick auf die Zukunft. Dies iſt die erſte deiner Sorgen, Erwecke dich zu dieſer Pflicht, Sprich: dir, o Gott, iſt nichts verborgen, Ich bin vor deinem Angeſicht. Dir muß, mich deiner Huld zu freun, Mein Leben ganz geheiligt ſeyn. Erleucht' und ſtaͤrke meine Seele, Weil ohne dich, ich nichts vermag. Du goͤnnſt, daß ich mein Heil erwaͤhle, Aus Gnaden mir noch dieſen Tag, Was iſt nicht eine Stunde werth, Die deine Langmuth mir gewaͤhrt? — 4 BV Unterſuchung des Zwecks von unſerm Leben und wie man demſelben nachgelebt. Ger⸗ rief mich durch ſeine allmaͤchtige Kraft zum Leben. Ich war nicht, und durch ihn wurde ich. Kann ich ihn denken, ohne ihn als ein weiſes Weſen zu denken, und iſt es wohl moͤglich, daß er mir ohne Zweck und ohne Abſicht mein Daſeyn gab, und mich dabey in die erſte Klaſſe ſeiner Geſchoͤpfe auf dieſen Erdball ſezte? Seine unendliche Guͤte iſt mir Buͤrge, daß er meine Gluͤckſeligkeit, mein wah⸗ res und ewiges Wohl will, und ſeine Heiligkeit und Vollkommenheit uͤberzeugt mich, daß ich nur durch ein weiſes, gutes und heiliges Leben dies koͤſtliche und ſelige Ziel erreichen werde, und dann, dann werde ich meinen Schoͤpfer verherrlichen, dann wird b 9 2 ſeine 212 Unterſuchung des Zwecks von unſerm Leben ſeine unendliche Guͤte, Weisheit, Macht, Wahrheit, und Heiligkeit auch an mir erkannt, Mein ganzes Leben iſt ſein, jeder Augenblick ſein Geſchenk, und ſoll zu dem groſen Ziel hinfuͤhren, zu welchem er mir meine Laufbahn oͤfnete. Jeder Fortgang auf dieſem Wege, den ich durch die Welt nehme, muß Uebung, Beſtreben, Hinangehen zu dieſem erhabenen und groſen Berufe ſeyn, und alſo mein Leben nichts an⸗ ders als Laufen nach jenem Ziele, Kampf um jene Krone, Vorbereitung und Anſchickung zu meiner herrlichen Vollendung dort in der Ewigkeit ſeyn. So bald ich denken, uͤberlegen, urtheilen kann, ſo bald ich mich und meinen Schoͤpfer weiß und kenne, iſt es die erſte Frage: warum und wozu bin ich da? Nicht dann, wenn ich die Laufbahn vollendet, und meinen Weg zuruͤckgelegt habe, muß ich unterſuchen wollen, welchen Weg ich betreten und zu welchem Ziele ich gehen ſoll? Nicht, wenn ich nicht mehr zu leben habe, erſt ausmachen wollen, wie ich leben ſoll? Nein, das iſt die Sache des Anfangs der Reiſe, der erſten Tage des Lebens und der fruͤhern Jugend. Keichtſinnig, unbeſchreiblich leichtſinnig eilt zwar der groͤſte Theil der Menſchen durch dieſes Leben dahin, unbekuͤmmert, was aus ihm werden werde, verlebt er ſeine Tage, und ſieht ſeine Wallfahrt nicht als Wallfahrt, ſondern als Heimath an, denkt nicht an das Ende, und auf die Folgen ſeiner Werke. Und o wie mancher Tag iſt mir ſo dahin gefloſſen, ohne auf mein Ziel hinzuſehen, wie manche Tage ſind in einer unbeſchreiblichen Un edachtſamkeit verlohren gegangen? was iſt der Inhalt meines Lebens? was war der Zweck, dem ich nachſtrebte, und wohin hat mich der Hang meines Herzens gefuͤhrt? Zwar biſt du BVater meines Lebens! ſtets mein treuer Waͤchter ge⸗ weſen, und wie kann ich es leugnen, daß du ui ni. 8. oft 1, muß U erhabeng jeben nicht, ampf ma dung zu an Swigkeirg syeilen fam eiß und 1 Cozu bin ich ollndet, u diich unterſuch dd zu welcha eicht mehr vvſe ich leben, ios der Reiſ, eer Jugend. neilt zwar der Lern dahin nverde, derlet Tahrt nicht a dentt nicht „Werke. Un efloſſen, the. n Tage ſyyi kelt verite s Lebens⸗” nund weßi b. 11 Zwit. uer Witeie 7, dn 1 — und wie man demſelben nachgelebt. 213 oft aus meiner Leichtſinnigkeit, meiner Unbedachtſam⸗ keit, und meinen Verirrungen zuruͤckriefeſt, mich auf mich und meine Wege aufmerkſam machteſt, und dir allein, unendlich guͤtiger Gott, habe ich es zu danken, wenn mein Herz bewahrt, wenn es zuruͤckgebracht oder doch gehindert wurde, nicht tiefer zu ſinken, und mir ſelbſt allein habe ich die Vor⸗ wuͤrfe zu machen, wenn ich deine Erinnerungen nicht achtete. Wie oft erwacht nicht ſelbſt in dem Ver⸗, dorbenſten ein maͤchtiger Gedanke von dir? wie oft ſezeſt, verbindeſt und ordneſt du die Zufaͤlle unſers Lebens ſo, daß ſie uns gleichſam eine Nothwendig⸗ keit auflegen, in uns ſelbſt zu gehen, und bey aller Verfuͤhrung dieſer Welt, bey allen Hinderniſſen und Schwierigkeiten eines weiſen und ſtets guten Lebens mit groſem Ernſt und Entſchloſſenheit an unſer wah⸗ res und ewiges Wohl zu denken? Ja, du, o Gott! bleibſt untadelhaft, und deine Guͤte unerforſchlich, womit du auf unſre Erhaltung, Rettung, Beſſe⸗ rung, Beſtaͤndigkeit und Feſtigkeit im Guten be⸗ dacht biſt. Aber jezt beruhet doch meine ganze Ruhe darauf, daß ich es weiß, und zwar mit Gewißheit weiß, nach welchem Zweck ich hier gelebt, wohin mich mein Weg gefuͤhrt, und was ich nun davon zu erwarten habe. Hier ſich noch zu taͤuſchen, hier ſich noch zu betruͤgen, und noch mit falſcher Hofnung zu troͤſten, wenn man bereits an der Schwelle der Ewigkeit ſteht, und ſein ewiges Schickſal nahe vor ſich ſieht, ach das waͤre mehr als ſchroͤcklich. Wie geſegnet wird mein Tod ſeyn, wenn ich mit freudigem Gewiſſen nach der ge⸗ naueſten Pruͤfung den Schluß ziehen kann: ich habe Glauben und gut Gewiſſen bewahrt: doch wenn ich auch mein ganzes Leben verlohren, und an mich ſelbſt und an mein Ende bisher nicht gedacht haͤtte, ſo 2 doch 214 Unterſuchung des Zwecks von unſerm Leben doch nicht auch noch dieſer Augenblick verlohren ge⸗ hen. Ehe ich in jenes Land eingehe, und mich der Richter der Welt richtet, will ich noch auf meine Wege zuruͤck ſehen, und deſto ernſtlicher darauf den⸗ ken, daß ich noch etwas, es ſey ſo wenig als es wolle, gewinne, aber auch dann, wenn ich noch ſo vorſichtig gewandelt, und noch ſo ernſtlich fuͤr die kuͤnftige Seligkeit gelebt habe: ſo will ich doch noch einmal meine wichtige Rechnung, ehe ich ſie dort ab⸗ legen werde, durchſehen, und die Fehler, die ich hier oft uͤberſah, das Unrecht, das etwan noch an mir iſt, erforſchen, um es von mir zu thun. O pruͤfe mich ſelbſt, Gott! der du Herzen und Nieren er⸗ forſcheſt, pruͤfe mich ſelbſt und lehre mich, mich recht erkennen! W. bin ich? welche wicht'ge Frage! Allwiſſender, wie ſchwer fuͤr mich! Gieb, daß ich mir die Wahrheit ſage, Nur eitle Thoren ſchmeicheln ſich. Von wahrer Weisheit bleibt entfernt, Wer ſich nicht ſelbſt recht kennen lernt. f Ich bin ein Werk von deinen Haͤnden Geſchaffen, Gott! fuͤr deinen Preiß! Dazu mein Leben anzuwenden, . Will mein Beruf und dein Geheiß. Doch lebt auch ich dein Eigenthun, Wie mirs gebuͤhrt, fuͤr deinen Ruhm? Gehoͤrte ich zu deinen Chriſten? Bewies ich es auch mit der That, Daß meine Seele allen Luͤſten, Der Suͤnd' und Welt entſaget hat? Nahm ich den Sinn des Heilands an? Und folgt' ich ſeines Lebens Bahn. — 4 ich ſe s sler, die te mn noch an ayun. O nh tand Nieren auͤch, wich ·: Fu! — 9 und wie man demſelben nachgelebt. 215 O was zu meinem Heile fehlet, Laß Gott mich jetzo recht verſtehn, Hab' ich, Herr! deinen Weg erwaͤhlet, So kann ich freudig vor dir ſtehn, Nur taͤuſche mich Verfuͤhrung nicht; Und ſey du ſelbſt mir jezt mein Licht. Doch bin ich fern vom rechten Stege, Der mich zu deinem Leben fuͤhrt, So fuͤhre mich zuruͤck vom Wege, Der ins Verderben ſich verliehrt; Entreiß mich bald dem Selbſtbetrug, Und mache mich noch gut und klug. / Zuruͤckſicht in das vorige Leben nach den allge⸗ meinen Pflichten. , 4△ b Ich werde dem Richter der Welt von allen meinen Tagen des irdiſchen Lebens Rechenſchaft geben muͤſſen, und die Summe meiner Geſinnungen und Thaten wird dort meine Freude oder mein Schrecken in der Ewigkeit ſeyn. Was hier meine Pflicht war, das lehrt mich ſchon zu einem groſen Theil meine eigne Vernunft. Es braucht hier keine tiefe muͤhſame und gelehrte Kunſt, ſondern die gemeinſten Kraͤfte des Verſtandes ſind hinreichend, wenn ich uͤber die Na⸗ tur meines Schoͤpfers, uͤber die Kraͤfte, die er mir gab, uͤber die Verbindungen, worin er mich hier in der Welt ſezte, nachdente. Ich fuͤhle es/ daß ich gut 216 Zuruͤckſicht in das vorige Leben gut und recht leben ſoll, weil er ſelbſt nicht anders als in dem vollkommenſten Grade gut iſt, und nicht anders wollen kann, als daß ſeine Menſchen auch das Gure lieben und thun. Ich fuͤhle es, daß ich die Kraͤfte meines Geiſtes zur Erforſchung und Erkennt⸗ niß des Wahren und Guten und der Mittel, anwen⸗ den ſoll, es zu finden und auszuuͤben, und daß alle meine Thaͤtigkeit und mein ganzes Beſtreben dahin gehen muß, ſtets zu dem Beſten der Wtlt, zur Ord⸗ nung, zum Gluͤck und zu Vollkommenheiten mitzu⸗ wirken. Aber wenn ich auch durch dieſes eigne Licht meiner Bernunft nicht ſicher und gewiß genug gelei⸗ tet wuͤrde, ſo lehrt mich ja doch ſein goͤttliches Wort ſo vollſtaͤndig und deutlich, was der Wille meines Gottes an mich in dieſer Welt ſey: Es iſt dir geſagt, o Menſch! heißt es hier, was gut iſt, und was der Herr dein Gott von dir fordert. Von meiner Kind⸗ heit an, bin ich darin unterrichtet, ja noch mehr, es iſt dieſer Unterricht in meinen Haͤnden, und ich finde darin unwiderſprechlich die hoͤchſte Weisheit, die untadelhafteſten, die vortreflichſten und herrlich⸗ ſten Regeln meines Lebens, Geſetze des Unendlichen, und ewig geltende Vorſchriften, die allein zu mei— nem wahren Gluͤcke und zum Frieden meines Her⸗ zens fuͤhren. Gott muß mir alles ſeyn. Der erſte meiner Waͤnſche, die erſte meiner Freuden, der erſte und lezte Zweck meines Herzens muß ſein Wohlgefallen ſeyn. Seine Wohlthaten, ſeine Macht, ſeine Er⸗ habenheit; mein Dank, und meine ganze Abhaͤnglich⸗ keit von ihm, verbinden mich nur fuͤr ihn und zu ſeinem Gehorſam zu leben. Um ſeinetwillen zu leben, zu leiden, zu thun und zu ſterven, das iſt mein erſtes Geſetz, meine hoͤchſte Ehre und mein ganzes Gluͤck. Lebe, Furcht, Vertrauen, Anbetung gehoͤrt ihm ganz. unheiten i ſes eigne 2ß genug i nttliches An G Wille wae ſſt dir geſan Hund was de ateiner Kind noch wehr, an, und ich Weisheit, dod eerlich⸗ alnerdüchen, ellein zu mei G meines h S erſie weiur der etſte ud „Wohggifltn Oht, ſate, G iſt mint 1 gauzes. 39 gehäng 9. nach den allgemeinen Pflichten. 2¹7 ganz. Und dieſe Liebe meines Gottes muß mir erſt mein Daſeyn wichtig machen, und iſt der Wegwei⸗ ſer zu meinem eignen wahren Gluͤcke. Dieſe Liebe meines Gottes muß mir meinen Mitmenſchen ſchaͤzbar machen, mich treu und beſtaͤndig an ſeinem Wohl Antheil nehmen lehren, und meine Kraͤfte ſtets in Uebung und Thaͤtigkeit erhalten, Menſchen Gluͤck auf Erden zu verbreiten. So muß mein ganzes Leben Dienſt Gottes, und Beſtreben ihm wohlzugefallen, werden; ſo muß alles bey mir Thaͤtigkeit zum gemeinen Wohl ſeyn; und darnach allein beſtimmt ſich doch nur mein Werth kor Gott, und einſt meine ganze Seligkeit in jenem eben. Und iſt dies ſo auch der Inhalt meines Lebens, ſtimmt es ſo mit der Lehre meines goͤttlichen und meines groſen Erloͤſers uͤberein? War dies das groſe Ziel, wornach ich ſtrebte, nur Gottes Wohlgefallen und ſeinen Beyfall zu erhalten? Schroͤckte mich die⸗ ſer Gedanke von jedem Unternehmen, und jedem Vorſatz ab: das iſt nicht recht vor Gott? Trieb es mich zu den ſchwerſten, muͤhſamſten und ſelbſt mit Gefahr und Leiden verknuͤpften Vorſaͤtzen und Hand⸗ lungen an, ſo will es Gott, ſo iſt es ſein Geſetz, ſo iſt meine Pflicht? Wurden mir die Beſchwerlich⸗ keiten leicht, die Leiden ertraͤglich, die Verleugnung erfreulich, weil ich mich des Beyfalls Gottes und ſeiner Gnade dabey und dadurch erfreuen konnte? War ich ſo begierig, ihn und ſeinen Willen immer gewiſſer zu erkennen, damit ich auch in keiner, ſelbſt in der kleinſten Sache nicht ſuͤndigen, ſondern meine Gottſeligkeit immer vollkommner, mein Gewiſſen immer richtiger, und mein Leben immer fruchtbarer im Guten werden moͤchte! Unterhielte ich mich gerne mit ſeinen himmliſchen Lehren fuͤr mich, und im Hauſe 218 Zuruͤckſicht in das vorige Leben Hauſe Gottes? ehrte ich Gott durch mein Bekennt⸗ niß und erbauete ich mit meinem Beyſpiele auch andre in dem oͤffentlichen Gottesdienſt? war ich ein fleiſiger und andaͤchtiger Hoͤrer des goͤttlichen Worts? betete ich die Gnade der Verſoͤhnung im heiligen Abendmal oͤfters an, und ſtaͤrkte ich mich an dem Tiſche Jeſu in meinem Glauben, meiner Hofnung und meinem Eifer der ungeheuchelten Gottſeligkeit? ſezte ich mein Vertrauen ſo voͤllig auf ihn, daß ich jeden Weg zu meinem Gluͤcke verabſcheute, auf wel⸗ chem ich mein Gewiſſen verlezt haͤtte, aber auch keine Gefahr ſcheute, und weder Gluͤck noch Un⸗ gluͤck achtete, wenn Pflicht und Gewiſſenhaftigkeit mich aufforderte; weil ich mich auf die allmaͤchtige Guͤte, den hoͤhern Beyſtand, den Schutz und die Halfe meines Gottes verlies? Blieb ich in den be⸗ denklichſten Angelegenheiten, in den groͤſten Zwei⸗ feln wegen des Ausgangs meiner Bekuͤmmerniſſe, und wegen meines kuͤnftigen Schickſals feſte in meinem Vertrauen auf ihn, uͤberlies ich mich mit kindlicher Zuverſicht ſeinen heiligen obgleich dunk⸗ len Fuͤhrungen? Litte ich geduldig, wenn ich nach ſeinen heiligen Fuͤhrungen auch zu leiden, oder zu verliehren, oder zu fuͤrchten hatte, ja freute ich mich, wenn ich ſogar um des Gewiſſens willen, und weil ich ohne Menſchenfurcht und ohne Menſchengefaͤl⸗ ligkeit den Weg der goͤttlichen Gebote gieng, zu dulden hatte? Ich ſtehe jezt an der Schwelle der Ewigkeit, und trete vielleicht in wenig Augenblicken vor den Richter der Welt? Seine Erbarmung giebt mir noch die wenigen Stunden auf meinem Kranken⸗ bette, in welchen ich uͤber mich ſelbſt und uͤber meine Geſinnungen und Thaten dieſes Lebens nach⸗ denken, und den Schluß auf die Zukunſt und ſei⸗ nen 1 war ſch 5 ichen dan V * im heüt wich an d N net hofuug „Gotzſlg trihn, diß Tute, auf h Ce, ahtt anh 1 voch Un Eiſentefigtit I almaͤchtge hut und de ich in den he⸗ roͤſten Zei ummerniſt, is feſte in ) wich mit elach dunte ann ich nach en, oder zu zreute ich wih⸗ den, und rl „Nenſchengeſb⸗ dte gieng, 6. n der Eviit licken dorn rang giüt 1 enem Kur döſt ut es Lebenn tunſt b V V nach den allgemeinen Pflichten. 219 nen Nichterſpruch machen kann. Ach! wenn mich hier mein Gewiſſen verdammen ſollte; wenn es mir das Gegentheil von dem allen vorwerfen muͤſte: wie will ich denn meine Augen zu dir, heiliger und groſer Gott! empor heben, und deinem entſcheiden⸗ den Urtheile entzegen gehen! Hier noch am Rande meiner Gnadenzeit, pruͤfe, o mein Geiſt! mit gan⸗ zem Ernſte, was du bisher wareſt und was du nun ſeyn werdeſt! 8— Va⸗ ſind zu Gottes Heil In der beſſern Welt berufen; Viele koͤnnen einſt im Licht Erben mit dem Mittler werden, Aber ach nur wenige, Wenige ſind auserwaͤhlt. Bin ich in der kleinen Zahl? O du ſchauervolle Frage! Aller Fragen groͤſte du, Die mir Mark und Bein erſchuͤttert! Meiner Stunden lezte ruft, Mir auf dich die Antwort zu. Laß die Antwort Wonne ſeyn, Herr des Todes und des Lebens, Mittler, in mein Zittern miſcht Sich oft ſanfter Ahndung Schauer, Meiner Stunden lezte ſey Wonn' und mehr als Ahndung mir! 220 Zuruͤckſicht in das vorige Leben. Viele laufen nach dem Ziel, Einer nur erlangt das Kleinod. Um des Ueberwinders Haupt Strahlet nur des Himmels Krone, Er nur legt das Feyerkleid Deeiner Unſchuld, Jeſu, an. Wenn ich hieran denk, ſo muß Meine ganze Seele zittern: Doch dies Zittern, dieſe Furcht Iſt ja das, womit ich ſollte Schaffen meine Seligkeit Durch die ganze Lebenszeit. Fortſetzung dieſer Lebenspruͤfung⸗ Nache mehr weit, vielleicht ganz in der Naͤhe iſt die Zeit, die mein Schickſal auf ewig entſcheidet, und wo die Decke, die ich wohl oft meinen Augen ſelbſt vorzog, und der Betrug, womit ich mich ſelbſt oͤfters hintergieng, ſo ganz wegfallen wird. Gott erfor⸗ ſchet Herzen und Nieren, er durchdringt das innerſte meiner Seele, er kennet alle meine Wege, erforſcht alle meine Geheimniſſe, und das Verborgne meines Herzens und die geheimſten Thaten ſind vor ihm of⸗ fenbar, und werden ins Licht geſtellt werden. Armer Menſch! der ſich vor ſeinen Bruͤdern aus Schaam verſteckte, das Urtheil der Menſchen von ſeinen Thorheiten oder ſtrafbaren Werken ſcheute, und das uge mug. Mähe iſt die heidet, und arAugen ſebſt d ſelbſtofters Gott erfot⸗ as innerſte ge erforſct eane meins vor ihn h. nach den allgemeinen Pflichten. 221 Auge anderer betrog, was iſt es nun im Tode und im Gerichte, wenn du dich nicht vor dem Auge Gottes, nicht vor ſeinem Urtheil, nicht vor ſeinem Gericht ſcheuteſt, an welchem alles offenbar und alles abgewogen werden wird. Was hilft es, wenn du deine Fehler und Suͤnden klein machteſt, und ſtolz und leichtſinnig uͤber ſie hinblickteſt, da dich nun der Allmaͤchtige auf rechter Wage waͤgen wird! Was iſt es, wenn du dich durch deine Berfuͤhrer oder die Schmeicheleyen deiner Freunde oder deiner Sclaven taͤuſchen ließeſt? O welche ſelige, belohnende und un⸗ ausſprechlich koͤſtliche Empfindung des Chriſten, wenn er nun am Abende und bey der einbrechenden Kacht ſeines Lebens mit froher Heiterkeit zuruͤckſehen tann, und ſagen darf: Mein Gewiſſen beißt mich nicht meines ganzen Lebens halber; es wirft mir keine vorfazliche boͤſe That vor, es verdammt mich nicht wegen meiner Leichtſinnigkeit, ich vergaß mei⸗ nes Schoͤpfers und Erloͤſers nicht, ich ſtrebte mei⸗ ner groſen Beſtimmung nach; oder wenn ich mich und meine Pflicht ja einmal aus den Augen ver⸗ lohr, ſo kehrte ich doch bald auf die guten Wege meines Gottes zuruͤck: mein Beſtreben war doch gleichwohl ſtets gut und recht vor ihm zu handeln, und ich verlohr ſeine Furcht nicht aus meinem Herzen. Pruͤfen muß ich es jezt, und will meiner Sache gewiß ſeyn, was ich von der Barmherzig⸗ keit Gottes zu hoffen habe, oder ob ich von ſeiner Gerechtigkeit fuͤrchten muß. War es meine erſte und groͤſte Sorge, fuͤr meine Seele, und dieſen meinen zur Ewigkeit erſchaffenen Geiſt zu ſorgen, oder gieng in ſo viel Faͤllen die Sorge fuͤr meinen Leib und faͤr das Gluͤck dieſes Le⸗ bens vor? Wollte ich lieber groß ſeyn, oder von an⸗ dern dafuͤr gehalten werden, lieber weit uͤber meine Mit⸗ 222 Zuruͤckſicht in das vorige Leben Mitbruͤder hinausſehen, lieber dieſe Guͤter des Lebens zuſammen ſammlen, lieber dieſe Freuden der Welt genieſen; als reich in Gott und guten Thaten zu ſeyn, als Schaͤtze der wahren Weisheit, der ſeligen Er⸗ kenntnis und des Glaubens zu ſammlen, als bey Gott und in ſeinen heiligen Augen einen Werth zu haben, und in der Stille und Verborgenheit mein Gebet und meine Werke der Liebe zu üben, als die hoͤchſten und dauerhaften Freuden wahrer Tu enden und eines guten Gewiſſens zu genießen? Strebte ich nach der Erweiterung meines Erkenntniſſes, und be⸗ ſonders deſſen, was gut, nuͤzlich und fuͤr mich und die Welt beſonders in meinem Stande, vornemlich aber fuͤr mein ewiges Gluͤck war? ſuchte ich ſtets mein Herz zu beſſern, und war ich daher immer wach⸗ ſam auf mich ſelbſt, mein ſteter eigner Richter, und ſtaͤrkte ich mich im Gebet und Gottes Lehre in dem Fleiße einer wahren Tugend und Gottſeligkeit? O wie viel Antriebe, wie viele Gelegenheit, wie viele Mittel gab mir doch dazu die Guͤte Gottes! wie oft wies ſie mich hin auf meine groſe Beſtimmung und meinen wichtigen Beruf, zu welchem dieſes Leben nur Pruͤfung und Vorbereitung war? wie oft lies ſie mich das falſche und betruͤgliche dieſer Welt ſehen, wenn ſie mich an der groͤſern Sorge fuͤr meine Seele hin⸗ dern, und ſie beflecken wollte! Haͤtte die Sorge fuͤr den Leib und dieſes Leben mich von jener groͤſern Sorge je haben wegwenden ſollen? Groſer Gott! was iſt das ſchoͤnſte, beſte, laͤngſte Leben, wenn es mich und meinen unſterbli⸗ chen Geiſt ungluͤcklich macht? Was iſt der Leib und alle Pſlege deſſen, wenn er die Seele toͤdtet. Dieſes Leben zu erhalten, und zufrieden und froh zu genieſen; dieſen Leib zu erhalten, in welchem ich die Wohltha⸗ ten der Erde und die mancherley Segnungen Gottes b empfinde en. e des din den der de 4 haten zu ſh der ſeligeng nlen, ale en Veuh rgenheit ne ben, abd rer Tugin 2 Snarii ſes, udie Kifür michad n., vornmih hte ich ſer immer bach enRichter, und ehre in dem dwigkeit? O wie viele a! wie oft dang und Lben nur ies ſie wich when, wenn Seele hin⸗ ieſes Lebet aevegwenden 3j ſte beſſte ann unſterbl’ het Leib nh) att. d 4 e zu geciſt .e d V angen Ue 4 mß. nach den allgemeinen Pflichten. 223 empfinde und genieſe, das iſt freylich meine Pflicht. Ich bin mir ſelbſt, und noch mehr Gott ein Abſcheu, wenn ich meine Tage, die er mir giebt, und geben will, nicht annehmen, die mir verliehene Zeit abkuͤr⸗ zen wollte, und entweder aus Ungeduld und weil ich mir ſelbſt durch meine Schuld, durch Thorheit und Laſter das Leben unertraͤglich machte, die Hand an mich legte, oder durch mistrauiſche und aͤngſtliche Sorgen, durch Unmaͤßigkeit und Unkeuſchheit, durch allerley Ungerechtigkeiten und Suͤnden, oder auch woohl uͤbertriebene Arbeit, und Unterlaſſung der wich⸗ tigen Pflicht fur meine Geſundheit und mein Leben, meine Kraͤfte aufrieb, und mich fruͤher ins Grab ſtuͤrzte. Ja! ſein Wille iſt es, fuͤr meine Kraͤfte, fuͤr Geſundheit und Leben zu ſorgen, aber doch muß dieſe Sorge nicht der Sorge fuͤr meinen beſſern Theil vorgehen; nicht ſo weit gehen, daß ich nicht dieſes Leben gerne dahin geben ſollte, wenn es Gott ſo will; und noch weniger, daß ich meine Glieder zu Waffen der Ungerechtigkeit, zu Werkzeugen der Schande und Suͤnde brauchen ſollte. Dieſer mein Leib ſoll ja ein Tempel des heiligen Geiſtes ſeyn! und meine Glie⸗ der ſollen durch ihren weiſen Gebrauch meinen Schoͤpfer und meinen Erloͤſer ehren. Kann ich nun auch wohl meinem Richter mit freudigem Gewiſſen begegnen, vor welchem ich von allen meinen Wor⸗ ten und Thaten Rechenſchaft ablegen werde? Ach wenn meine Seele hier oft ein Tempel der Unreinig⸗ keit, und meine Worte und Reden die Verraͤther mei⸗ nes unkeuſchen Herzens und ein toͤdtendes Gift fuͤr die Unſchuld anderer geweſen waͤren, wenn ich dort ſo manche Werke der Finſternis aufgedeckt ſehen ſollte, wie fuͤrchterlich und ſchrecklich muſte mir dann mein Gerichtstag werden! Mein 224 Zuruͤckſicht in das vorige Leben Mein guter Name ſoll mir in der Welt heilig ſeyn, aber worauf beruher er? Wenn er nicht der Ausdruck des Guten, Loͤblichen und Nuͤhmlichen an mir iſt, ſo iſt es eine falſche Schminke, die mir nie einen Werth giebt, und nur deſto ſchaͤndlicher werde ich dann vor Gott ſeyn. Ich muß Lob und Beyfall bey andern verdienen, und nach meinem eignen Ge⸗ wiſſen auch bey der ſchaͤrfſten Pruͤfung recht und gut in meinem ganzen Leben handeln wenn man mich fuͤr gut und rechtſchaffen halten ſoll. Was iſt eine Ehre in der Welt, wenn ſie blos in Wuͤrden und Tituln beſteht, die ich nicht verdiene, oder die ich gar zum Deckel ſo vieler Suͤnden, Ungerechtigkeiten und Thorheiten, oder zu Mitteln des Boͤſen ge⸗ brauche, die ich etwan andern, die beſſer ſind, ent⸗ ziehe, und die doch nicht dazu gebraucht ſind, mehr Nutzen und Gutes in der Welt zu ſtiften? Ach die groͤſte Hoheit in der Welt, iſt auch die groͤſte Thor⸗ heit, und bey allem aͤuſern Glanze ein veraͤchtliches Gluͤck, wenn es dabey an der wahren Wuͤrde edler, guter und nuͤzlicher Tugenden fehlt. Der fromme, redliche Arme, der an ſeinem Bettlerſtabe dahin ſchleicht, o wie unendlich groͤſer iſt er nun im Tode und dort in jenem Lande der allgemeinen Gleichheit als der ſtolze Menſch in ſeinen Wuͤrden, deſſen Seele mit Laſtern befleckt und ohne Werth vor Gott iſt; als der groͤſte Monarch der Erden, der mit einem Schwarme von glaͤnzenden Muͤßiggaͤngern, die das Brod der Armen eſſen, umgeben iſt, und in Ver⸗ ſchwendung, in der Macht, die Bitten des Armen unbarmherzig zu verſagen, und ihn zuruͤck zu ſcheu⸗ chen, Ungerechtigkeiten und Gewaltthaͤtigkeiten zu uͤben, ſeinen Ruhm und ſeine Groͤſe ſezt, und in verheerenden und verderbenden Ausſchweifungen ſeine Ehre ſucht. Hier am Tage der groſen Rechenſchaft wird —— ☚—————y,= P lier ne und Ia imm eigun h. Krecht und g in man ii Dherechtigein ns Böſen ge er ſind, an at ſind, met ir? Ach die gröſte Thot⸗ tnerachtliches eurde edler, a fromme, ſtabe dahin m im Tode zan Gleichheit ac deſſnn Seele pror Gött iſ er mit einem eern, die de und in Vr an des Arnn 1 rück zu ſce datigkeite 3 ſct, un eifungn 1 5 1 .. nach den allgemeinen Pflichten. 225 wird es nun ſo unendlich wichtig, ob der Menſch hier in einer wahren Demuth gelebt, wahre Ehre geſucht, und auch ſein aͤuſeres Anſehen in der Welt wohl ge⸗ nuzt und zum Beſten ſeiner Bruͤder gebraucht habe. Hier iſt denn doch, wo alles aͤuſere Blendwerk dahin faͤllt, nur ein gutes Gewiſſen, nur der Name eines Gerechten, und nur die Ehre bey Gott mein einziger und ganzer Schmuck. Ich ſey arm oder reich: ſo war und bin ich es nach Gottes Willen, weil es ſo zum Gluͤcke meiner Seele gehoͤrte, und ich muß nun daruͤber meinem Richter Rechenſchaft geben, wie ich dieſe meine Lage, in welche er mich ſezte, gebrauchte. Ob ich in mei⸗ ner Armuth oder in meinem beſchraͤnkten Gluͤcke ge⸗ geduldig, zufrieden, arbeitſam war, mein Herz und meine Hand vor unrechtem Gute bewahrte, und auf dem Wege des Rechts und im Vertrauen auf Gott mein beſchiedenes Theil zu erwerben ſuchte: oder ob ich auf ungerechten Wegen nach den Guͤtern der Welt ſtrebte, ob ich mehr nach dem irdiſchen als je⸗ nem himmliſchen Gluͤcke trachtete ob ich die Wohl⸗ thaten, die mir ſeine Guͤte etwan gab, zum Geiz und zur Verſchwendung, zum Stolz und Muͤßiggang misbrauchte, oder damit mir durch Guͤte und Wohl⸗ thaͤtigkeit Schaͤtze des ewigen lebens ſammlete. Hier am Grabe legt der Arme ſeinen Bettelſtab, aber auch der Monarch ſeine Krone und ſeinen Scepter, und der Reiche ſeinen ganzen Ueberfluß auf ewig aus ſei⸗ nen Haͤnden, aber verantworten wird er nun den Ge⸗ brauch ſeines groͤſern odern kleinern Glucks, und nur Glaube und Gottſeligkeit bleiben die Schaͤtze, die er dorthin mitnimmt. Hier ruhen alle Freuden ſeiner Sinne, aber in Schrecken und Angſt verwandeln ſie ſich bey dem 840 P Eintritr 226 Zuruͤckſicht in das vorige Leben Eintritt in die Ewigkeit, wo die ganze Luſt der Welt vergeht, wenn ſie ſein Herz von ſeinem lezten Ziele, und dem Gluͤcke ſeiner Seele abzogen, er ſich hier in der Suͤnde ergoͤzte, oder die Freuden des Chriſten⸗ thums und der Gnade Gotrtes in ihnen verſcherite, und jene ewige und beſſere Freuden vor dem Ange⸗ ſichte Gottes daruͤber verlohr. Und was iſt es nun, mein Gott und mein Rich⸗ ter! was ich dir antworten kann? Bald werden die Buͤcher geoͤfnet werden, in welchen mein ganzes Le⸗ ben und alle meine Geſinnungen gezeichnet ſind, du weißt und kenneſt mich, und o was bin ich vor dir, und was werde ich dort vor dir, was werde ich ewig ſeyn? Alle meine Werke und meine Geſinnungen gehen mit mir hin zu deinem Richterſtuhle. O mein Erloͤſer, Gottes Sohn, Ich nahe mich zu deinem Thron, 1 Mein Heiland, meine Wonne! Du wirſt mein innerſtes gewahr; Denn dir iſt alles offenbar Und heller als die Sonne. Sehnlich wuͤnſch' ich, dir vor allen Zu gefallen noch auf Erden Deiner Huld gewiß zu werden. Dies iſt mein Schmerz, dies kraͤnket mich, Dafß ich, mein Heil und Retter, dihe Nicht liebte, wie ich wollte: Jed, der ich dich, mein Gott und Herr, Doch jeden Tag aufrichtigee— Und ſtarker lieben ſollte. Hilf mir, Jeſu! aus Erbarmen, Gieb mir Armen ſtaͤrk're Triebe, Mehr Gefuͤhl zu deiner Liebe. er ——— ben 4 der 8 a laten d er ſich h 6 de de jen verſche dor dem 4 —— ———— —— And wang 2ld wad ein Jalhs ahnet ſi d win ich parg. ² Geſinnung iuhle. nen ae wänket wich 95 u herr Du meiner Seel⸗ nach den allgemeinen Pflichten. O haͤtt i0, ſiets mit dir vereint, n beſter Freund, Mich deinem Dien ſt geweihet; Und nie ein Scheingluck dieſer Welt, Und nichts, was dir nicht auch gefaͤllt, Mein Herz weit mehr erfreust, Fehien mag mir Erd und Himmel: Erd' und Himmel köoͤnnen tröͤſten; Aber doch nur die Erloͤſten. Denn wer dich liebt, den liebſt auch dus Von dir empfaͤngt er Troſt und Kah, Und Muth in allen Leiden. Er weiß, du fuͤhreſt ihn gewis, Durch jeder Truͤbſal Finſternis, Zu deinen hoͤhern Freuden. Alles, alles was ihn kranket, 6 Führt und lenket deine Gnade. So fuͤr ihn, daß ihm nichts ſchade. In keines Menſchen Seele kams, Kein Auge ſahs, kein Ohr vernahms, Was du ihm dort bereiteſt. Der du ihn aus der Pilgerzeit Zur Wohnung deiner Herrlichkeit, Zu deinem Throne leiteſt. Nimmer ſaß ſichs hüer erreichen, Noch vergleichen eitlen Schaͤtzen, Was uns ſoll bey dir ergoͤtzen. Ach iſt nun dieſes Heil auch 85 Kann ich mich deines Hi immels freu'n, Und jener ew'gen Wonne? Liebt ich die Welt nicht, ſondern dich, DSo wie du es verdienſt um mich? „Warſt du mir Licht und Sonne? Herr erforſche ſelbſt und ſiehe, Forſch und ſiehe, was der Seele Foch zu lhrem Heile fehl c. 22 4 228 ‚2˖ Fortgeſetzte Lebenspruͤfung. E⸗ ſezte mich die Weisheit Gottes hier in Verbin⸗ dung mit meinen Bruͤdern in der Welt, und knuͤpfte mein eignes Gluͤck ſehr genau mit ihnen zuſammen. So verſchieden auch immer die Menſchen hier in die⸗ ſem Leben ſind, und ſo groß nur immer der Unter⸗ ſchied der Staͤnde und des aͤuſern Gluͤcks ſeyn kann; ſo liegt doch in dieſem Unterſchiede ſelbſt das Band, das ſie deſto genauer mit einander verbindet. Es ſind nur darum ſchwache, arme, geringe und niedri⸗ ge, damit ſtaͤrkere, groͤſere, reichere und maͤchtigere Gelegenheit haben, andere zu unterſtuͤtzen, zu erfreuen und ihnen Gutes und Liebe zu erweiſen. Es ſind nur darum maͤchtigere und groͤſere, ſtaͤrkere und er⸗ leuchtetere in der Welt, damit die andern auch hier in ihnen, ihren Bruͤdern, ihre Troͤſter, Helfer, Be⸗ lehrer, Rathgeber und Beſchuͤtzer finden, und ſie ſelbſt Gelegenheit und Antriebe zur Arbeitſamkeit, zur Ge⸗ faͤlligkeit, Dienſtfertigkeit und ſo manchen herrlichen Tugenden finden. Niemand kann und ſoll hier fuͤr ſich leben und nur auf das Seine ſehen, ſondern auf das, was des andern iſt. Der groſe Werth unſers Lebens iſt Gemeinnuͤtzigkeit. Alles ſoll auch nach der vor⸗ treflichen ſeligmachenden Lehre meines Erloͤſers zum allgemeinen Nutzen ſeyn. Wie wachſam und vaͤter⸗ lich iſt Gottes Regierung fuͤr das allgemeine Men⸗ ſchenwohl? Wie ernſtlich fuͤhrt mich die Lehre des Er⸗ loͤſers auf dieſen aroſen Zweck, und wie lehrreich iſt hierin fuͤr mich ſein Beyſpiel! Er iſt der erſte und beſte Menſchenfrund, der Lehrer der Unwiſſenden, der Troͤſter der Hekuͤmmerten, der Helfer der Elen⸗ den, der Freund und Wohlthaͤter ſeiner Feinde, und ſtirbt fuͤr die Rettung und die Seligkeit der Nen 1 en . i n' i Rund kni dn zuſamm n hier in de nder Unta ſeyn kann, Ras Band) ndet. Em in und niedry u naͤchtgere ſnerfreues . Eë ſinh ian auch hin helfer, Se anud ſieſelbſt ant, zur Ge⸗ am Rerüchen aal hietfüͤr ſch arwern auf das emamſers Leben amuch der von an Exläſers zu tem und vitz a eweine Nof Lhredes h, zrie kehtreih der etſt Unwiſ Jelfet der” eut Fan meert und e Zuruͤckſicht in das vorige Leben nach den ꝛc. 229 ſchen. Alles verbindet uns als Glieder eines Leibes. Wo iſt der Menſch, der nicht mit mir von einem ge⸗ meinſchaftlichen Vater ſtamme, und eben das Blut, wie ich in ſeinen Adern habe, und aus eben der Erde, wie ich, gebildet ſey? Wo iſt unter den niedrigſten und verachtetſten der Menſch, der nicht in den Augen des allgemeinen Schoͤpfers einen gleichen Werth mit mir habe, auf welchen nicht ſein Auge vaͤterlich herab⸗ blicke, den er nicht mit zu gleichen groſen Seligkei⸗ ten beſtimmt, und erloͤſet habe, der nicht gleiche Rechte mit mir zu den Wohlthaten des Evangelii habe? Wie lange wird dieſer geringe Unterſchied zwiſchen mir und ihm ſeyn, den der Menſch oft allzu⸗ kindiſch ſo groß traͤumt? Bald bin ich und er gleicher Staub, und dort vor dem Gerichte meines Gottes, gilt nur Glaube und Froͤmmigkeit, die ſich in wahrer Menſchenliebe hier bewieſen hat. Der iſt dort der Geſegnete des Herrn, der hier den Armen geſpeiſet, getraͤnket, gekleidet und erfreuet hat; und der wird der Verfluchte und Ungluͤckliche, der ihm ſein Herz und ſeine Hand entzog, und noch mehr, der ihn in Bloͤſe, in Mangel, in Elend und Jammer ſtuͤrzte; und unbarmherzig, oder gar ein Feind, Tyrann und Verfolger ſeiner Bruͤder war. b Und wie nahe ſtehe ich dieſem Gerichte? In wie wenigen Augenblicken fuͤhrt mich vielleicht meine jetzige Krantheit zu dem Richterſtuhle meines Erloͤſers, und wie bald moͤchte ich wohl die Stimme hoͤren, die mir Fluch oder Segen der Ewigkeit geben wird! Ach wenn ich dort Klagen meiner Bruͤder vor Gott hoͤren muͤſte, die bereits vor mir hingegangen ſind und dort meiner erwarten, oder die ich zuruͤcklaſſe, aber die doch ſchon ihre Seufzer uͤber mich von dieſer Erde hinaufgeſchickt haben, und die meinen Tod als den Tod eines Un⸗ barmherzigen oder eines Feindes, und als die dei ihrer 230 Zukuͤckſicht in das vorige Leben ihrer Erholung und Ruhe von meinen Verfolgungen anſehen. Wenn auch redliche und fromme Verehrer Gottes oͤber mich ſeufzen muſten! wenn ich Arme, Schwache und Hoͤlſloſe betruͤbt haͤtte, wenn ich die Bitte und das Flehen Duͤrftiger, Verlaſſener, ja der Wittwen und Wayſen nnerhoͤrt gelaſſen haͤtte! Wenn ich den Vorzug, den mir etwan die freye Güte meines Gottes ganz ohne meine Wuͤrdigkeit im irdiſchen vor andern gab, dazu gemisbraucht haͤtte, ſtolz auf andre hinabzuſehen, oder Unrecht und Ge⸗ walt gegen ſie auszuuͤben: und ihre Ehre, Gluͤck und Ruhe zu untergraben! Ja noch mehr, wenn ich durch mein Beyſpiel ſie geaͤrgert, durch meine Verfahrung oder durch meine Haͤrte und Ungerechtigkeiten, oder ſonſt auf irgend eine Art Theil an ihren Suͤnden und an dem Verluſt ihrer Seligkeit hätte! mit welchem Entſetzen wuͤrde ich denn auf meinen Richter, und ſein Gericht hinſehen! E Un doch noch nicht genug, wenn ich meinem Naͤchſten auch nicht geſchadet, und weder ſeine Ehre gekraͤnkt, ihm ſein Gut entzogen, ihn uͤbervortheilt oder ſonſt etwas ungerecht erworben, noch an ſeinem ewigen Gluͤck gehindert haͤtte: Nein, mir bruͤderlicher Liebe und mit Waͤrme ſoll ich auch an ſeinem Wohl arbeiten, alle meine Talente zum allgemeinen Nutzen anwenden, und alle meine Kraͤfte, meine Verbin⸗ dungen und Umſtande dazu gebrauchen, im Allgemei⸗ nen und Beſondern Gutes zu wirken. Den Stand, das Amt, das Vermoͤgen, das Gewerbe, das ein Menſch hat, ſoll er treulich zum Beſten der Welt nntzen, und denn auch ſo viel eines jeden einzelnen Noth erleichtern, jedes einzelnen Zufriedenheit und Gluͤck befoͤrdern, als nur die Gute Gortes Gelegen⸗ heit, Mittel und Kraͤfte giebt; dies iſt mein groſer Beruf; darin zeigt ſich Gottes Bild an mir, und dies an die ſta 1 te Winditte et braucht him J adt und G — w Glüͤck umd 1etbennich diuch Are Vurf beung rigkelten, oder Suͤnden und an mit welchen mücchter, un mnnſch meinem in ſeine Chre derdortheit cch an ſeinent t briderlichen an ſeinen Wahl eiden Nuhh eine Veti 1 at im Algen, an Den Stah ien der M aneden eintir vedenßeit — 7 yottts G iiſt mis nach den allgemeinen Pflichtn. 231 dies iſt Nachahmung Jeſu, und der aͤchte Beweis, die einzig wahre Frucht meines Glaubens. Dies ſind die Werke, die mich zur Ewigkeit begleiten, und die einzigen Schaͤtze, welche ich hier fuͤr den Himmel ſammlen, und aus den Truͤmmern des Todes fuͤr das kuͤnftige Leben retten kann. Verlohren ſind meine Tage, ja vielmehr ſchroͤcklich iſt die Summe meines Lebens: wenn ich nun, da ich die ſo noth⸗ wendige Unterſuchung anſtelle, wozu nuͤzte ich in der Welt! was ſind die Werke, die ich wirkte? mir ſelbſt antworten muß: ich ledte nur fuͤr mich, fuͤr meinen Eigenſinn, meine Leidenſchaften, meinen Eigennutz: ich war der Welt nicht das nuͤtze, was ich ſeyn ſollte und ſeyn konnte, ich ſchadete meinen Bruͤdern, ich war ein Menſchenfeind, ein Unbarm⸗ herziger, ein Wucherer, ein Betruͤger, ein Laͤſterer, ein Verfuͤhrer, ein Verfolger meines Naͤchſten: und nun gehe ich hin, wo er, der Heiligſte, meine Tha⸗ ten vergelten wird, und ich die Fruͤchte meiner Werke aͤrndten werde. O wie geſegnet und erfreulich iſt doch dagegen die Sterbeſtunde des Chriſten, deſſen Herz ſtets von warmer Liebe gegen ſeine Bruͤder ſchlug, des Men⸗ ſchenfreundes, der hier mit dem Weinenden weinte, und mit den Froͤlichen fröͤlich war, und Gluͤck und Ungluͤck ſeiner Bruͤder ſo herzlich mit ihnen theilte, der der Wayſen Vater, der Wittwen und Verlaſſe⸗ nen Helfer, der Bedraͤngten und Bekuͤmmerten Troͤſter, fuͤr den Hungrigen, Durſtigen und Nacken⸗ den der Verſorger, und der Verfolgten Retter und Beſchuͤtzer war. Geſegneter des Herrn! welcher ſtets ſeine erſte Blicke auf das Schwache, Niedrige und Huͤlſloſe warf, und deſſen herrſchende Geſinnung dahin gieng, nur Gutes zu thun. O dieſe koͤſtliche diebe, die, wenn Glaube und Hofnung nicht eh b eyn 23² Zuruͤckſicht in das vorige Leben ſeyn werden, ewig bleibt, wie erquickend iſt ſie in der Sterbensnoth und am Tage der Vergeltung! Und rroͤſtet ſie denn jezt auch mich? Giebt ſie mir jezt die Hinſidt in jenes Leben? und was habe ich zu thun, wenn ich mir hier ſo bittere und barte Vor⸗ wuͤrfe machen muͤſte? W.. wird, o Gott! die Wonne der Erloͤſten Nach dieſes Lebens kurzem Kampfe ir oͤſten? Wen ſchmuͤckt im Himmel einſt vor deinem Throne Der Sieger Krone? Nur den, o Gott, der, obgewandt vom Boͤſen, Sich von der Suͤnde Herrſchaft laͤßt erloͤſen; Der an den Sohn glaubt, ſeinen Herrn ihn nennet Und frey bekennet. Der deine Wahrheit unter Adams Kinder Verbreitet, ſie erleuchtet, und die Suͤnder Mit Beyſpiel reizt, mit einem beſſern Leben Dich zu erheben; Der, was er glaubt, gewiſſenhaft auch uͤbet, Die Menſchen all' als ſeine Bruͤder liebet, Nicht laͤſtert, ſie nicht kraͤnkt, nicht ſtolz ſich blaͤhet, Und keinen ſchmaͤhet. Der Suͤnden haſſet, und doch mit den Sündern Mitleiden fuͤhlet, und an deinen Kindern Die Gottesfurcht und ihre Gaben ehret, Hat, was er ſcoworet —:A N ···——— aaaach den allgemeinen Pflichten. 235 end iſt 9, 8 ſe, Der nicht der Bruͤder Ruhm und Gluͤck beneidet, 8 G tgeltnn Selbſt reich die Armeu ſpeiſt, die Nakten kleidee, 1 ſiedt ſe Froh, ohne Wucher auch mit muden Gaben as habe ſc Genuͤzt zu haben. hene u te ie d bart b Der zuͤchtig in Gedanken, keuſch auch lebet: Der ſeiner Hoheit nie ſich uͤberhebetet Im Gluͤcke maͤßig, gütig und beſcheiden, o der Eräſtn. nem Throne Nach dieſes Lebens kurzem Kampfe troͤſtetn; Den ſchmuͤckt im Himmel einſt vor deinem Throne Des Mittlers Kroooenn. Irom Jöſen 4 Nofen; 1 ihn nennet— n mdet Das Zuruͤckſehen auf die goͤttlichen Wohlthaten in unſerm Leben. 8 rn B b enach ihe⸗ Bald iſt mein Weg vollendet. Blicke nun, mein Kri blchet Geiſt, ſo nahe, am Ziel noch einmal auf die Lauf⸗ bahn zuruͤck, auf welcher dich die Hand deines Got⸗ 1 tes fuͤhrte; und erhebe dich zum Dank und zum Lobe aller Guͤte und Treue die der Herr an dir gethan hat. un den Sünden Wer kann doch die Menge ſeiner Wohlthaten zaͤhlen? mien I Wer ihre Groͤße ausmeſſen? wer kann ſie genug 2* loben und preiſen? Ewigkeiten hindurch reichen nicht b zu, mit Ruͤhmen und Danken die Groͤſe der goͤttli⸗ V chen Barmherzigkeit zu erreichen. Unendlicher, Ewi⸗ — d 3 ger, 234 Das Zuruͤckſehen auf die goͤttlichen ger, was biſt du, und doch wie vaͤterlich blickeſt du auf mich? und was iſt der Menſch, was bin ich, daß du ſo viel an mir gethan haſt? Ich Staub und Aſche, und du, der uͤber alles erhabne groſe Gott! Auf dem Thron und in der Huͤtte des Duͤrftigen iſt immer nichts als der ohnmaͤchtige ſchwache Menſch, der ſich in Nichts verliehrt, ſo bald er guf dich und deine Groͤſe hinblickt. Welche Wohlthat iſt mein Leben, das du mir gabſt! welche Wohlthat, daß du mir den ver⸗ nuͤnftigen Geiſt gabſt, und daß ich denken, empfin⸗ den, ja ewig mſch meines Daſeyns freuen konnte? Die Geburk, der Stand) die Talente meines Gei⸗ ſtes, das beſtimmte und beſondere Maaß meines Gluͤcks in der Welt, ſind nicht allein blos und le⸗ diglich dein Werk; und wer kann ohne Unſinn ſich von alle dem nur das mindeſte zuſchreiben? ſon⸗ dern ſie ſind auch das Werk deiner unendlichen Weis⸗ heit und Guͤte; und du ordneſt alles ſo, wie es fuͤr unſer wahres Wohl und unſre groſe und ewige Be⸗ ſtimmung bey einem klugen Gebrauch, und auch fuͤr das Gluͤck der Welt am beſten iſt. Denke ich an die beſondern Fuͤhrungen und an die ganz beſondern Wege, auf welchen du die Men⸗ ſchen leiteſt, o welche Tiefen und Geheimniſſe deiner Weisheit und Liebe entdeckt hier mein Auge, und was wird es noch kuͤnftig entdecken! Durch welche Kruͤmmen geht hier oft unſer Weg, und fuͤhrt uns dann hin zu erfreulichen und angenehmen Gefilden. Dort beweint man einen Wayſen und Verlaſſenen, er wird wie ein Ball hin und her geworfen, aber eben das lehrt ihn ſeine Kraͤfte ſammlen, macht ihn klug und vorſichtig, er lernt ſich in die Zeit ſchicken, Ge⸗ legenheiten und Umſtaͤnde nuͤtzen, bildet ſein Herz zur Gefaͤlligkeit, Menſchenliebe, Duldung, Stand⸗ haſtigkeit, Vergnuͤgſamkeit, zur wahren Veielruns ottes/ chen duüch blct eaß ich taub und Pöett 3 Eiſt immerne 2h, der ſit Pnd deine Gu 1 Gehen, das luir den pen aken, enpſi Archen ſoyute - weines Gen 1 Maaß meirs blos und b rnohne Unfm an hreiben ſo tylichen Wei n vwfe es ſ aun ewige Bo tnd auch fir an gen und an aädu die Me⸗ aimniſſe deine am Auge, un n Durch wlhe ad fiͤhtt un anen Geft an Werlaſſun amen/ aber dh acht ih 6 ae ſchicn,5 Ja „Cung, 8 el ruaad 9 tae Wohlthaten in unſerm Leben. 235 Mutterleibe an, und ſeine Wege und Wahrheit; und nur dann, wenn eich mich, Vater und Gott meines Lebens! von dir und deiner Hand verirrte, wenn ich nicht deine Wege wollte, ſondern die meinigen erwaͤhlte: nur dann folgte mir Ungluͤck auf meinen Fuͤßen nach. Doch auch hier warſt du Bater, Rerter, Erbarmer, und wandteſt manches von mir ſeloſt gerufne Ungluͤck, wandel⸗ reſt meine verdienten Leiden, Furcht und Unruhen in Freuden, und o was bin ich, den du bis zu dieſem Ziele gefuͤhrt haſt! Unbegreiflich gnaͤdiger Gott! Odem und Leben haſt du mir gegeben, ſo viele geſunde Tage, Heiterkeit und Kraͤfte. Nah⸗ rung und Unterhalt, ja wohl Uleberfluß hat mir deine unverdiente Guͤte geſchenkt, auch wenn ich dich nicht darum bat, noch dir dafuͤr dankte. Wie unerwarter und unverhoft lieſſeſt du mich oͤſters ein Gluͤck erleben; wie vaͤterlich wandteſt du oft Gefahren und Ungluͤck von mir, wie maͤchtig ent⸗ wafnete dein Arm meinen Feind und ließ ihn mit Schaam und Verwirrung zuruͤcktreten; wie treu⸗ lich unterſtuͤzteſt du mich in meinen Leiden und lin⸗ derteſt meinen Kummer, daß ich nicht unterlag; wie gut wandteſt du alles, was mich druͤckte ſo⸗ daß ich es ertragen konnte, oder daß es mir Freu⸗ de ſchaffen muſte! Wer kann erzaͤhlen, was der 8 Herr 236 Das Zuruͤckſehen auf die goͤttlichen Herr ſein Gott an ihm gethan hat? O wer mit redlichem Herzen in einem ernſtvollen Nachdenten, auf die verſoſſenen Jahre ſeines Lebens zuruͤckblickt, die allenthalben ſichtbaren Spuren der groſen Treue und alle Morgen neu gewordenen Barmherzigkeit hinſieht, der findet allenthalben ſo unzaͤhlige, ſo groſe und bewundernswuͤrdige Beweiſe der allmaͤch⸗ tigen und unverdienten Guͤte, daß er einmal uͤber das andere ausrufen muß: Ach Herr ich bin nicht werth aller deiner Barmherzigkeit und Treue, die du an mir gethan haſt. Hat ſie aber meine Seele empfunden? mit Dank und Ruͤhrung empfunden? Sehe ich wohl jeden Mor⸗ gen Gottes Sonne und mit ihr ſeine neue Guͤte mit frohem heitern Danke und Lobe des Allmaͤchtigen auf⸗ gehen? Endigte ſich jeder Tag mit entzuckender Freude und dem innigſten Lobe der groſen Guͤte, die ich die⸗ ſen Tag erfahren hatte! Beugte ich meine Knie vor ihm mit frohem Lobe und einem dankvollen Herzen fuͤr jede Wohlthat, die er an mir und oft vor tau⸗ ſenden that! Wandte ich jede nach dem Willen mei⸗ nes Wohithaͤters an, daß ich mich noch jezt uͤber den Genuß und Gebrauch derſelben erfreuen, und froh auf Gott hinſehen kann? Thraͤnen der Beſchaͤmung und Wehmuth beugen mich, und innerer Schmerz durchdringt meine ganze Seele, wenn ich die Vor⸗ wuͤrfe m ines Gewiſſens fuͤhle, die Guͤte meines Gottes ſo oft vergeſſen, und noch mehr, ſo wenig nach ihrem Zwecke angewandt und ſo oͤfters gemis⸗ braucht zu haben. Nochempfindlicher beugt mich der Gedanke der Undankbarkeit gegen dich, o Vater! als mein Unrecht ſelbſt: und ich gehe dahin, wo ich daruͤber Rechenſchaft geben ſoll. Gott! wie ſchroͤcklich und entſezlich iſt doch das Gefuͤhl der Undantbarkeit! Menſchen welche di mehr⸗ ſe der alna dr einmul ü d ch oin nich in drau de d un? wit Dan⸗ Chhljeden Mo⸗ neue Guͤtemt. nächtigen a arkender Freu , die ich die a ine Rnie vot nlen Herzen zut vor tau⸗ 8 MWen meis anſezt uber den un, und ſroh as Beſchäͤmanz anrer Schwer nnch die Ver⸗ ant züte meines an, ſö wenit⸗ d tets gemt meugt wichdt 39„0 PVan „gahin, we 1 a iſ doh! m wäht M 1 Wohlthaten in unſerm Leben. 237 mehrſten Wohlthaten aus deiner Hand erhielten, die du hier groß und herrlich machteſt, vergeſſen dich meh⸗ rentheils am erſten, und ihr Herz wurde nur deſto eitler, ſtolzer, laſterhafter und verdorbener. Noch mit meiner ſchwachen Zunge will ich deinen Nahmen preiſen. Mein Herz iſt voll von Danke und Ruhme deiner Guͤte. Lobe, lobe meine Seele den Herrn, und noch, noch will ich die Geluͤbde mei⸗ ner Seele jezt, da ich vielleicht nahe am Grabe bin, bezahlen, noch ſo viel ich kann, deine Wohlthaten zum Seegen meiner Mitmenſchen gebrauchen, und ſo dahin gehen zum Lobe des Heiligen vor dir! Ga mein Vater, deine Liebe Reicht, ſo weit der Himmel iſt. Deines Wohlthuns ſtarke Triebe Sind ſo ewig, als du biſt, Deiner Huld Unendlichkeit, Gott, erſchoͤpfet keine Zeit, Und wer kann die vielen Proben Deiner Guͤte wuͤrdig loben? Als ich noch der Welt verborgen In dem Schoos der Mutter lag, Wachteſt du, fuͤr mich zu ſorgen, Ueber mich ſchon jeden ag. Durch den Beyſtand deiner Macht Bin ich an das icht gebracht, Und was hat mein ganzes Leben Gutes, das du nicht gegeben. 238 Das Zuruͤckſehen auf die goͤttlichen ꝛc. 1 Es gedenket mein Gemuͤthe Miit aufricht ger Dankbegier e Jener unverdienten Guͤte, 6„Da du durch die Taufe mir Das erhabhne Recht gewaͤhrt: 1 Daß ich, fur dein Kind erklaͤrt 111 12— 9— Mich des Segens der Erloͤſten 47 Boller Zuverſicht darf troͤteen. an den zarten Jugend Jahren 4 i aſWarſt du meines Lebens Stabz;z(47 n Mein Beſchirmer in Gefahren,“ An dir hab ich bis ins Grab 1 1 Einen Vater der mich liebt; Einen Vater der mir giebt, b Und zum wahren Wohl mir nützet; 1 Einen Vater der mich ſchuͤtzet⸗ 4 d Sott, du machſts mit mir ſtets beſſer, Als wir wuͤnſchen, und verſtehhn Deine Guͤte iſt viel groͤſer, Als die Kraft, dich zu erhoͤhn.— Haͤtte ich nur ſtets mit Dank, Mit aufricht'gem Lobgeſang 1 Mein geruͤhrtes Herz erwieſen, Und in Werken dich geprieſen. 1 euch, o Herr, durch deine Liebe, Noch mein ganzes Herz zu dir, Weck und ſtaͤrke ſelbſt die Triebe b Wahrer Dankbarkeit in mir, Laß mich ganz dein eigen ſeyn, So mich deines Wohlthuns freun. 4 Daß mein lezt Gefuͤhl auf Erden Moͤge Dank und Jubel werden. V 1 Betrach⸗ , ——.“ 239 Betrachtungen der Wohlthaten Gottes⸗ die er uns in den Leiden dieſer Zeit erwieſen. „„* 8 — g“ * Nach das beſte Leben hat ſeine Leidensſtunden. So iſts der Wille, der gute Wille des Vaters der Men⸗ ſchentinder; denn ſie ſind fuͤr unſern Glauben, unſre wahre Tugend und unſre Seligkeit nothwendig⸗ Jeder hat ſein Maas von ſeiner weiſen Hand zuge⸗ meſſen; die Art, die Zeit, die Umſtaͤnde ſind ver⸗ ſchieden, aber ſie ſind immer in unſre Tage mehr oder weniger vertheilt. Dieſer traͤgt die Laſt mehr in der Jugend, und jener in ſeinen aͤl⸗ tern Jahren. Hier leidet jemand an ſeinen Leibe, dort an ſeinen Guͤtern oder ſeiner Ehre, oder in den Seinigen. Bald ſchlagen unſre Wuͤnſche, Er⸗ wartungen, Anſtalten, Arbeiten und Muͤhe fehl, wenn ſie auch noch ſo wohl uͤberdacht, oft mit dem beſten Herzen unternommen, ja dem gluͤcklichſſten Ausgange nahe waren, und bald ſtuͤrmen ploͤslich Leidensſtunden auf uns, und ein Kummer bietet dem andern die Hand. Auch der Erhabenſte und Gluͤcklichſte muß die Eicelkeit und den Unbeſtand des irdiſchen Gluͤcks er⸗ fahren, und wenn er an dem Ziel ſeiner Wallfahre zuruck auf ſeine vollendete Reiſe hinblicke, ſo iſt auch bey ihm ſein Leben Sorge und Muͤhe gewe⸗ ſen. Allenthalben erinnerte ihn der Allmaͤchtige, welcher allein der Herr der Menſchen und ihrer Schickſale iſt, an ſeine Ohnmacht, ſein Nichts, und an ſeine voͤllige Abhaͤnglichkeit von ihm. Durch welche Kruͤmmen geht doch der Weg durch dieſe Welt zur Ewigkeit hin, und wie iſt doch das menſchliche Leben ſo ofts eine Kette von Beſchwer⸗ den und Muͤhe. Noch einmal ſehe ich hin auf 1 240 Betracht. der Woͤhlthaten Gottes, die er uns Stuͤrme auf meiner Wallfahrt, auf die Laſten die mich⸗ beugten, auf den Kummer, der mich vor dir in de. Staub beugte; aber nicht mehr zu weinen, ſondern mit froher Seele deine Guͤre, mein Vater! anzu⸗ beten, und den Segen, den ſie mir brachten, mit Demuth und Freude zu preiſen. Der Tag meiner Erlöſung nahet heran, und auch meine lezte Thraͤ⸗ ne iſt und wird geweint, denn nun trockneſt du ſie auf ewig von meinen Außen; die ſaure Pilger⸗ reiſe endigt ſich, und ich wechſele bald dieſe Muh⸗ ſeligkeiten und Leiden dieſer Zeit mit jener voll⸗ kommnen Herrlichkeit, und was ſind doch jene Pruͤfungen gegen meine nun ſo nahe Ruhe, Freu⸗ de und Seligkeit? Aber noch mehr, mein Herz er⸗ hebt ſich im Danke und Lobe zu dir, uͤber jede Stunde, in welcher ich ſeufzte: ſie war eine Aus⸗ ſaat zu jener Freudenaͤrndte. Schon hier brachte ſie mir unausſprechlichen Segen, und noch mehr wird ſie mir vor deinem Throne geben, wenn ich ſie ſtets weislich und gut gebrauchte. Was waren doch die Leiden dieſer Zeit, und warum, warum mein Herz oft unzufrieden und aͤngſtlich? O wie oft betraf es Dinge, die nicht zu meinem Gluͤcke gehoͤrten, wie oft war es Eigenſinn und wie oft war es die Frucht meiner Thorheit, die Folge meiner Unbeſonnenheit, meiner Suͤnden ſelbſt, und mein eignes Wer?? O wie heilſam fuͤr mich, wenn ich nur dadurch lernte, meine Wun⸗ ſche zu maͤſigen meinen Eigenſinn zu brechen, meine horheiten einzuſehen, meine Fehler zu verbeſſern, klug zu werden, auf deine Vorſehung hinzuſehen, im eindlichen Vertrauen auf dich, mein Vater! zu wandeln, deine Furcht zu bewahren, und mit deiner reichen und unverdienten Guͤte zufrieden zu ſeyn? Wie konnte ich uͤber das Fehlſchlagen und je ,=—4 5=— ſener dob⸗ 1d doch ſa in Nuhe, zuw Anein Herz ak, üver fab Aar eine Aug att hier brache un Noch meht an wenn ich 4 Zäitt, und un ſtieden und an die vicht zu aues Eizenſinn an ꝛer Thorhet a ner Sindm a heilſem ſi ameine Wio an echen, men lzu verbeſen a hinmic enein Ia b b — a en/ und! * unnn ſſchlagn 1 1 8 in den Leiden dieſer Zeit erwieſen. 241 die anſcheinende Vergeblichkeit meiner Arbeiten, Ge⸗ ſchaͤfte und Entwuͤrfe klagen, wenn ich dabey nicht im Bertrauen auf dich, nicht mit wahrer Ueber⸗ legung, Anhalten und Treue handelte, oder mir oder auch der Welt wenig dadurch gennzt worden waͤre? und kann ich das unnuz und vergeblich nennen, wo⸗ von ich nicht ſogleich die Fruͤchte ſehe? iſt es nicht fuͤr mich ſelbſt immer heilſam und gut, wenn ich treu, redlich und gewiſſenhaft handelte? Warum klagte ich wohl uͤber einen Verluſt eines Gutes, von dem ich wußte, daß es nicht beſtaͤndig ſey, oder das meinem Herzen ſchaͤdlich war, oder doch werden wuͤrde, das mich vielleicht von Gott abzog oder abziehen konnte? Warum ſchlug mich doch der Verluſt meines Freun⸗ des, oder eines der Meinigen ſo tief nieder, da ich doch wußte, daß nothwendig Menſchen ſich trennen muͤſſen, und daß einer vor dem andern fruͤher zu ſei⸗ nem Grabe hingeht? Hoͤrt es denn auf ein Gut zu ſeyn, und verdient es nicht warmen und frohen Dank meines Gottes, wenn mich die Guͤte Gottes damit auch nur einige Zeit erquickte, ſo lange als es mir gur ſeyn mochte. O alle ihr Leidenstage, die ihr den Menſchen auf dieſer Wallfahrt treffen koͤnnt, Fehlſchlagung der Hofnung und Muͤhe, Armuth, Verfolgung, Krankheit, Verluſt der Unſrigen, und ſo viel und ſo groß auch Bedraͤngniſſe, Plagen und Leiden der Sterblichen ſeyn koͤnnen; was ſeyd ihr anders als ſegensvolle Fußſtapfen der Guͤte Gottes! Ihr be⸗ wahrt das Herz vor ſo mancher Suͤnde, ihr fuͤhrt es oft von Irrwegen zuruͤck, ihr gebt ihm ſo manche Staͤrke und erheot die Seele zu einer wahren Groͤſe und Feſtigkeit im Denken und Handeln, ihr zieht ſie hin zu Gott dem Vater der Freuden, ihr lehrt uns die guten Tage und die Blicke des Gluͤcks, welche Q zwiſchen 242 Betracht. der Wohlthaten Gottes, die er uns zwiſchen den boͤſen Tagen eintreten, erſt recht ſchaͤtzen, lehrt uns beten, dem Unendlichen vertrauen, und ſammlet uns auf die Wege der Gottſeligteit und des Himmels! Welcher groſe Gewinnſt! ach daß wir ſie nur ſo ſtets gebrauchen moͤchten, und daß ich ſie ſtets ſo gebraucht haͤtte! O wie oft ſind doch Gottes Zuͤchtigungen bey den Menſchen vergeblich. Du ſchlaͤgſt ſie und ſie fuͤhlens nicht. Eiſern iſt Herz und Stirne gegen deine Erinnerungen, und ſie werden verſtockter und ſchlimmer. Wie wuͤrde ich vor dich treten koͤnnen, wenn ich ſelbſt in den Tagen meines Leidens deine Seimme nicht gehoͤrt, und mir in ihnen noch gröſere Leiden der Ewigkeit geſommlet haͤtte. Lob und Dant mit meiner ſterbenden Zunge dir, Bater der Guͤte, fuͤr jeden Kelch des Leidens, den du mir gabſt, fuͤr jede Thraͤne die ich hier auf meinem Wege weinte, und fuͤr jede Truͤbſal, die mich zu dir fuͤhrte. Bald, bald werde ich dir ewig dafuͤr Preis und Dank bringen. Dan ihm fuͤr dein Pilger Leben! Qie viel Gutes hat er ſchon Dir in dieſer Welt gegeben, Und wie groß iſt dort dein Lohn! O wie herrlich, wenn du Gotk, Auch im Kummer und in Noth, Feſt vertrau'ſt und freudig glaͤubeſt, Und ſein Werk nie laſſig treibeſt! Reine ganz vollkommne Freuden, Kennen Gottes Pilger nicht: Deennoch ſind ſie ganz im Leiden, Ruhig und voll Zuverſicht. Jöres Glaubens Laͤuterung, Iſt die Frucht der Zuchtigung; Alle Dinge muͤſſen ihnen Endlich doch zum Beſten dienen. n teit geſonnit f benden June 37 des 8 e in hier ah S üübſal, diem⸗ tir ewig daſt 1 12 in den Leiden dieſer Zeit erwieſen. 243 Sey bey allen deinen Sorgen Gottes Willen unterthan; Bricht doch auch ein heitrer Morgen Auf die laͤngſte Nacht einſt an. Endlich ruht der Wandrer aus, und ſein vaͤterliches Haus Troͤſtet nach den Pilgerleiden Ihn mit tauſend ſuͤſen Freuden. Darum freue dich, o Seele! Selig, ſelig ſollſt du ſeyn: Gottes, dem ich dich befehle, Sollſt du ewig dich erfreun; Aus der Truͤbſal dieſer Zeit Fuͤhrt er dich zur Seligkeit, S zum Throne deines Sohnes, Zum Genuſſe ſeines Lohnes. Erinnerung an die Fuͤrſorge Gottes fuͤr das Wohl unſter Seele. B alten den Leiden und auch den Freuden mei⸗ nes Lebens, bey allen Veraͤnderungen meiner Schick⸗ ſale, die die weiſe und gute Hand meines Gottes fuͤr mich entworfen, und beſchloſſen hat, ſelbſt bey mei⸗ nen Pflichten hat die Guͤte meines Vaters nichts an⸗ ders, als mein wahres ewiges Wohl, die Seligkeit meines unſterblichen Geiſtes, die Bewahrung vor der Suͤnde, dieſer einzigen Quelle des Verderbens, die 9Q 2 Nieeinig⸗ 144 Erinnerung an die Fuͤrſorge Gottes Reinigkeit und Unſchuld meiner Seele, die ſtete Fruchtbarkeit im Guten, den groſen Frieden meines Herzens in dem koͤſtlichen Bewußtſeyn ſeiner Gnade zum Zweck. Ein Zeuge und ein Zeichen ſeiner Guͤte zu ſeyn, das war ſeine Abſicht, da er mich ins Le⸗ ben rief, auch mich von meinen Irrwegen zu ſamm⸗ len, und von der Suͤnde und ihren traurigen und ſchrecklichen Folgen wieder zu erloͤſen, gab er mir in Jeſu meinen Erloͤſer. Den ſichern Weg zu meinem Heil zu finden, richtig die Wege, worauf ich Gott gefalle, zu wandeln, und mein Herz zu beruhigen, wann es ſich verirrte, und ungluͤcklich gemacht hatte, Rettung von dem Verderben, und Gottes Barm⸗ herzigkeit zu erhalten; Troſt und Frieden bey den Lei⸗ den dieſes Lebens zu finden, dazu gab er mir ſein Evangelium: und Gottes Geiſt erinnerte und er⸗ weckte, trieb und leitete mich ſtets zum Guten. Wenn ich an deine gaͤtige Fuͤrſorge, mein Erloͤ⸗ ſer! denke, die du fuͤr meine Seele durch mein gan⸗ zes Leben bewieſen haſt, wie beſchaͤmt muß ich zu dei⸗ nen Fuͤßen fallen! Von meinen erſten Jahren her und in meiner feuͤhen Jugend, erhielte ich durch deine Gnade ſo manchen ſtarken und lebhaften Ein⸗ druck der ſeligmachenden Wahrheit; mit maͤchtiger Kraft zogſt du oft mein Herz zur Bedachtſamkeit⸗ klugen Ueberlegung und Nachdenken auf mein wah⸗ res Wohl, zur wahren Froͤmmigkeit und Sorge fuͤr die Seligkeit hin. An vaͤterlicher Warnung lieſſeſt du es nie fehlen, oft hinderte es deine Hand, wenn ich auf Abwege gerathen wollte, und wie dringend waren die Erinnerungen meines Gewiſſens, wenn ich ſtrauchelte und fehlte? O wie viel Geduld und Langmuth haſt du nicht, Gort! mir dem Menſchen? wie viel Gutes erwieſeſt du ihm, und wie manche vaͤ⸗ terliche Zuͤchtigungen gevrauchſt du, ihn zu bellern— adtts 2w,be ſie inde weing d ſaner Gnn 4 ſeine G6 nich jns gen iu ſam traurigen nd 1 goh a niri dg zu meinem ſauf ich Gor Ki derühjgen, 2 gemach hatt, Loottes Bam⸗ 3 ain beh den 6 mb er mir ſen an herte und o ann Guten. an mein Etle⸗ ath mein gan⸗ auß ich zu dei⸗ in Jahten her tn lte ich durd nebhaften Ey wit maͤchtr a 3edachtſati anauf mein wi in und Sorget arnung l fuͤr das Wohl unſrer Seele. 244 Wer kann und darf wohl ſagen: er ſey nicht ge⸗ nug gewarnet, erinnert und beſtraft worden, es habe ihm an Gelegenheit und Mitteln ſeiner Beſſe⸗ rung, an Erweckung und FJoͤrderung heiliger Geſin⸗ nungen und eines frommen Lebens gefehlt, und Gott habe nicht genug zu ſeiner Rettung und zu ſeinem Heile gethan? Dir, mein Vater! kann ich allein das Gute zuſchreiben, was etwa noch an mir war, und o daß ich nur immer treu und red⸗ lich vor dir gewandelt haͤtte! Am nahen Ziele ſei⸗ ner Wallfahrt und nahe an der Ewigkeit iſt es doch unausſprechlicher Troſt, wenn man ſich be⸗ wußt iſt: Gottes Gnade iſt an mir nicht vergeb⸗ lich geweſen, und ich habe einen reichen Samen auf die Ewigeeit geſtreut: ich bewahrte ſeine Furcht in meinem Herzen, und willigte in keine Suͤnde. Fehlte und irrte ich, ſo war doch mein Vorſatz, nicht zu fuͤndigen, und nie wider ſeine Gebote zu thun, und mein Beſtreben gieng dahin, nur mich ſeines Beyfalls zu erfreuen. Und kann ich mit dieſen ſeligen Empfindungen jezt auf dich hinſehen; und von dem, was du an meiner Seele thuſt, freudige Rechenſchaft ablegen? Oder kann ich doch die Macht deiner Gnade jezt preiſen, die mich aus dem Arme des Laſters heraus riß, mich von dem Verderben rettete und mich in meinem Erloͤſer Vergebung und Frieden finden ließ? Gelobet ſey deine Barmherzigkeit, die mir auch noch jezt, da ich vielleicht auf der Graͤnze der Ewigkeit ſtehe, Zeit laͤßt, an das Wohl meiner Seele zu denken. b 3 Erinnerung an die Fuͤrſorge Gottes Do Herr, und Vater aller Welt, Preiſt mein Geſang und dir mißfaͤllt Der Menſchen ſtammlend Danklied nicht, Mein Gott und meine Zuverſicht! Von Kindheit an warſt du mir es. Wie freut ſich meine Seele deß, Daß du auch jezt mein Vater biſt, Der ſeines Kindes nicht vergißt. Fruͤh ward ich in der Taufe ſchon Geweihet dir und deinem Sohn. Durch dein unſchatzbar Wort allein Weiß ich: die Ewigkeit ſey mein! Wer war der immer guͤtige, Der Langmuthvoll mich leitete? Und ſtuͤrmte Truͤbſal auf mich zu, Wer half mir uͤberwinden? Du! Herr, deſſen Augen ſtets mich ſahn, Du ließeſt auf der Pilgerbahn Durch Wohlthun mich zu dir zu ziehn, Fuͤr mich ſo viele Freude bluͤhn. Du biſt und wareſt immerdar, Mein Schutz und Retter in Gefahr, Der Stifter meines Wohlergehns Und der Erhoͤrer meines Flehns. Wie oft entfernt ich mich von dir? Doch du, du bliebeſt Vater mir, Der, ſucht ich ihn voll Reu und Scham, Mirr liebreich ſeloſt entgegen kam. — ᷣ—„———WUW — — zen dir! ri. 1.. 5cham, b 6 fuͤr das Wohl unſrer Seele Unwandelbar iſt deine Treu, Und immer reich und immer neu; Dir fließt, o Gott, der gern erſreut, Die Zaͤhre meiner Dankbarkeit. Verwirf mich auch im Tode nicht, O Herr, von deinem Angeſicht, Ich ſuche, o mein Heiland, dich⸗ Mit deinem Heile troͤſte mich⸗ Abwaͤgung des Lebens nach den beſondern Pflich⸗ ten des Standes und der Umſtaͤnde dieſes Lebens. Eh. ich meine Rechnung vor dem Allmaͤchrigen und Heiligen, dem Richter der Wele ablege, will ich ſie noch in den Stunden, die mir Gottes Barmherzig⸗ keit noch ſchenkt, mit der ſchaͤrſſten Beurtheilung durchgehen. Heilige und uͤberaus wichtige Augen⸗ blicke, die mir von der Zeit der Gnade und meiner Vorbereitung noch uͤbrig bleiben, wozu kann ich euch beſſer anwenden, als daß ich auf meine Wege zu⸗ ruͤckſchaue, und die beſſern Anſtalten zu einem ſeligen Tode treffe, die ich etwa noch treffen kann. Ja dazu ſchickte mir die Guͤte Gottes dieſe Krankheit zu, daß ich mich auf eine ſelige Sterbeſtunde wohl berei⸗ ten moͤge. Was iſt die Summe meines Lebens, 48⁸ wezu lebte ich in der Welt, und wie erfuͤllte ich Got⸗ 248 Abwaͤgung des Lebens nach den beſondern tes Abſichten mit mir? Dann habe ich wohl und gut gelebt, wenn ich das Meinige mit aller Treue zum Beſten der Welt beytrug, nicht ſchadete, ſondern Nutzen ſtiftete. Und dazu ſezte mich Gott in die Umſtaͤnde, in den Stand, in den Beruf oder das Amt. Hier iſt die beſondere Anweiſung, wie ich meine Liebe zu Gott, meinen Glauben und das Leben deſſelben beweiſen ſollte, und dieß ſind die beſondern Pflichten, die ich hier mit aller Gewiſſenhaftigkeit zu erfuͤlen hatte, und uͤber welche mich Gott nun auch richten will. Ein jeder Stand, jedes Amt, jeder Beruf, jede Lage meines Lebens iſt auch immer als ein beſonderer Auftrag meines Gottes anzuſehen, den ich ausrichten ſoll: und je groͤſer und glaͤnzender die Lage iſt, worin ich ſtehe, deſto groͤſern Einſluß hat ſie auch auf das Wohl oder den Schaden der Mitmenſchen, ja oft ganzer Nachkommenſchaften, 55 deſto groͤſer wird auch die Verantwortung vor Hott. Der geringſte Menſch, der ſein Leben im Dienſte ſeiner Mitbruͤder zubrachte, neigt ſein Haupt im Tode mit dem Frieden ſeines Gewiſſens, wenn er weiß, daß er ſich zu keinem Werkzeug der Suͤnde brauchen ließ, daß er keinen Betrug, kein Unrecht und keine Untreue ſich vorzuwerfen habe, daß er denen, zu deren Dienſte ihn die Vorſehung beſtimmt hatte, nuͤtzlich, und ſelbſt auch, wo er konnte, zu ihrer Gorrſeligkelt befoͤrderlich war; daß er mit ſeinem Zu⸗ ſtande aus Gehorſam gegen Gorr zufrieden, in ſeinen Leiden geduldig, und auch in den mancherley Ver⸗ ſuchungen zur Suͤnde ſtandhaft und unerſchuͤttert war. Der niedrige Landmann ſieht auf ſeine lezte Stunde mit froher Heiterkeit, als das Ende der Muͤhſeligkeiten und den Anſang ſeiner Verherrlichung hin, wenn er in ſeinem Berufe mit Fleiß und ree droſſen⸗ ——— und das g 7 die binn * viſenzriin *Crnich Git nn ) jeda lu r iſt auch in ttes anzuſche * und glamzene G roſern Einnh 6 Schaden de denmenſchaftn anwortung du anrin Dienſee mupt im Tod enn er weſ 2 de brauche al'cht und h zater denen, ſimmt hat as nte, zu ir n vit ſeinemg kanden, in ſ ancherler 1 mmeſſtir 1e auf ſeinet 9 n das Em — — zeiß und aiß w 1 1' 2„Verhert b * Pflicht. des Standes und der Umſtaͤnde ꝛc. 249 droſſenheit im ſteten Vertrauen auf Gott dahin gieng, und dankbar Gottes Segen einaͤrndtete, und auch da⸗ wenn ſeine Hofnungen und Waͤnſche vereitelt wur⸗ den, nicht muthlos und un eduldig wurde, nicht ge⸗ gen die Vorſehung murrete, ſondern im Vertrauen auf Gott und ſeine gnaͤdige Fuͤrſorge geſtaͤrkt, ge⸗ laſſen und ruhig dahin gieng; wenn er bey weniger Gefahr zu ſuͤndigen in Unſchuld ſeines Herzens, in feſter Zuverſicht auf ſeinen Erloͤſer ſich in jeder gerin⸗ gen, oder vielmehr geringſcheinenden, aber doch ſtets grofen Wohlthat ſeines Gottes freuet, und reine un⸗ gemiſchte Dankbarkeit fuͤr ſeine Wohlthaͤter empfin⸗ det, und dann in ſeinem Kreiſe, nach ſeinem Ver⸗ moͤgen ein Herz voll Liebe und Guͤte gegen ſeinen Naͤchſten in ſich traͤgt; willig, gern und herzlich Gu⸗ tes und Barmherzigkeit, wo er weiß und kann, uͤbt, und nichts von dem Verderben, den Sitten, der Zuͤgelloſigkeit, den Wolluͤſten und Thorheiten der Welt weiß. Im Frieden Gottes geht der Chriſt ſei⸗ nen herannahenden Tode entgegen, der ſich hier von ſeiner Haͤnde Arbeit oder ſeiner Kunſt ernaͤhrte, und von Tage zu Tage aus der Hand ſeines himmliſchen Baters ſein Brod nahm: der die Hitze des Tages und ſeine Muͤhe und Laſt im Vertrauen auf Gott, und aus Gehorſam gegen ihn, mit Luſt und Freude trug, eifrig, treu und ohne Eigennutz und Wucher ſeinem Berufe nachgieng, nicht ſowohl nach Regeln des Ge⸗ werbs, ſondern vielmehr des Gewiſſens handelte, ſtets dabey hin auf ſeinen hoͤhern Beruf zum Himmel ſah, und mit ſeinem Schickſal zufrieden, ohne auf Betrug und Unrecht zu denken, ſich des Segens Gortes, womit er noch manchen Schwachen, Ar⸗ men und Daͤrftigen erquickte, von Tag zu Tage er⸗ freute. Der Gelehrte blickt mit heitrer Miene auf die Stunde ſeiner Aufioͤſung, wenn er mit ſeinen Gaben zum 250 Abwaͤgung des Lebens nach den beſondern zum wahren Wohl ſeiner Mitmenſchen gewirkt hatte, nicht aus kindiſchem Stolz und thoͤrichter Ruhmſucht oder aus elendem und niedrigem Eigennutz ſeine Talente gebraucht: nicht durch ſeine Kuͤnſte, Unglau⸗ ben und Leichtſinnigkeit, Betrug, Unordnungen und Moͤſes befoͤrdert, ſondern Religion, Gottes Ehre, Glauben an den Erloͤſer und ſein Evangelium, wahre Froͤmmigkeit und Gewiſſenhaftigkeit, Ord⸗ nung, Gerechtigkeit, wahre Weisheit des Lebens und Gluͤck und Wohlſtand der Welt zu ſeinem ein⸗ zigen Zweck hatte: und dazu allein arbeitete. Als eine Stunde ſeiner gnaͤdigen Belohnung ſieht ein frommer Knecht Gottes ſeine Auflo ung an, deſſen eigentlicher, edler Beruf es war, die aoͤttliche Weisheit zu lehren, und das herrliche Evangelium Jeſu, dieſe Lehre des Friedens mit Gott, der wah⸗ ren Tugend und Froͤmmigkeit und der groſen Hof⸗ nung der Chriſten zu predigen; wenn er Gottes Werk nicht als Handwerk, als Gewerbe, als Nah⸗ rungszweig, ſondern als ein Bote Jeſu und in ei⸗ nem heiligen Eifer fuür wahre Froͤmmigkeit und Glauben, getrieben hatte; wenn er unermuͤdet ge⸗ ſchaͤftig war, den Strohm des Laſters außzuhalten, Menſchen zu beſſern, den Frommen zu erhalten und zu ſtaͤrken, Gottes Frieden in die Seelen der Menſchen zu bringen, ihre Herzen zu troͤſten, und ſie zu immer beſſern Nachfolgern Jeſu zu machen: und wenn denn ſein Beyſpiel ſelbſt die Moͤglichkeit, den Werth die Vortreflichkeit des wahren Chriſten⸗ thums zeigte; und ſein eignes Leben die Anleitung gab, wie man zu dem Gluͤck des Chriſtenthums komme. Welchen hohen Frieden empfindet der Richter, und der Diener des Staats, wenn er nichht zu den Ungluͤcklichen und Verworfnen ge⸗ oder hoͤrte, welche aus Unverſtand, oder aus Bosheit, ſorndern 1 wit bun ter Juhnf 1 ennag ſe uſte, Unge ednungn 1 Gottss 6 2 Chauxein ketzket, d Sit des lig azu ſeinm Itbeitete, 1h Qung ſeeht a Fug an in 2 die guttih le Cvangaln A jott, der ha t groſen Hyſ enn er Gotts Ae, als Nah⸗ u und in ei⸗ fmigiet und r nermaͤdet ge⸗ 5 aufzuhalte a zu erhalkn e Seelen d tröſten/ u nn Mäglihit a xen Chrſt die Anletul a Shriſtenthe mempfiudt! =t5, we erwotfue NA (al5 2 ℳ Pflicht. des Standes und der Umſtaͤnde ꝛc. 251 oder aus Stolz, Eigennutz und Wucher mit dem Gluͤck, dem Eigenthum, der Ehre und dem Gewiſſen der kenſchen ſpielen; nicht mit niedertraͤchtiger Schmei⸗ cheley, Menſchengefaͤlligkeit und Menſchenfurcht nur Druck und Unreche befoͤrderte; nicht dem Eigenſinn und den Leddenſchaften der Groſen ſchmeichelte: ſondern gerecht nach Gottes Beyſpiel, langmuͤthig, verſchonend und ſanft, wie er, allein zum Men⸗ ſchengluͤck, zur Beſſerung, Erhaltung, Sicherheit, zum Wohlſtande ſeiner Bruͤder, zum allgemeinen und jedes beſondern Wohl unermuͤdet wachte, und des allgegenwaͤrtigen Gottes und kuͤnftigen Richters der Welt jederzeit eingedenk war! Wie ſanft ſchlum⸗ mert der Groſe der Erden zur Ewigkeit ein, der hier Freund und Vater ſeines Volks, Beſchuͤtzer und Retter der Unſchuldigen, Verſorger der Ver⸗ laſſenen und Armen, und Segen ſeines Volks war, der die Laſten deſſelben erleichterte, und uberhaupt Gottes Bild an ſich trug? Wie ruhig und getroſt iſt ein Vater in ſeinem Sterben, der mit Beyſpiel und Lehren ſeinen Kindern Gottes Wege zeigte, und mit treuer Sorgfalt fuͤr ihr Gluͤck in dieſem und jenem Leben ſorgte. O kann ich jezt, wenn ich an dieſe Auftraͤge, die mir Gott fuͤr dieſes Leben gab, mit dieſem frohen Zeug⸗ nis denken, womit mein Erloͤſer ſeine Laufbahn beſchloß: ich habe das Werk vollendet, mein Va⸗ ter! das du mir gegeben haſt, daß ichs thue? Meine Sorge und mein Beſtreben gieng dahin, daß ich gewiſſenhaft und treu die Pflichten meines Beruſs und meines Standes erfuͤllte. Hab 252 Abwaͤgung des Lebens nach den beſondern 1 H ich in dem Beruf, Den Gott mir angewieſen, Durch Eifer und durch Fleiß Ihn, meinen Gott, geprieſen? Miir und der Welt gennzt, 1 V Und j den Dienſt gethan, Weil ihn der Herr gebot, Nicht, weil mich Menſchen ſahn? Wie hab ich bis hieher Mein eignes Herz regieret? Hat mich im Stillen oft Ein Blick auf Gott geruͤhret? Erfreut ich mich des Herrn, Der unſer Flehn bemerkt? Und hab ich im Vertraun, Auf ihn, mein Herz geſtaͤrkt? Dacht ich bey dem Genuß Der Guter dieſer Erden An den Allmaͤchtigen, Durch den ſie ſind und werden? Verehrt ich ihn im Staub? Empfand ich ſeine Huld? Trug ich das Gluͤck mit Dank, Den Unfall mit Geduld? Und wie genoß mein Herz Des Umgangs ſuͤße Stunden? Fuͤhlt ich der Freundſchaft Gluͤck? Sprach ich, was ich empfunden? War auch mein Ernſt noch ſanft? b Die Freude unſchuldsvoll? Und hab ich nichts geredt, Was ich bereuen ſoll? nondern “ Pflicht des Standes und der Umſtaͤndere. Hab ich die Meinigen Durch Sorgfalt mir verpflichtet? Sie durch mein Beyſpiel ſtill Zum Guten unterrichtet? War zu des Mitleids Pflicht Mein Herz nicht zu bequem? Ein Gluͤck, das andre traf, War das mir angenehm? 4 War mir der Fehltritt leid, So bald ich ihn begangen? Beſtritt ich auch in mir Ein ſtraͤfliches Verlangen? Und wenn auch heute noch Gott uͤber mich gebent, Bin ich vor ihm zu ſtehn, Auch willig und bereit? Gott! der du alles weißt, Wie kann ich dirs verhehlen? Ich fuͤhle nun zu ſehr Die Schwachheit meiner Seelen. Vergieb durch Chriſti Blut Mir die verlezte Pflicht; Vergieb, und gehe du Mit mir nicht ins Gericht. 253 Tort⸗ 254 13 Heu — Fortſetzung. O wie erquickend iſt doch in den Leiden und bey den Schmerzen eines Krankenlagers der Troſt eines guten Gewiſſens! Wenn bey den groͤſten und ſchmerz⸗ lichſten Plazen, womit uns die Hand des Allmaͤch⸗ tigen belegt, und bey den heftigſten Beaͤngſtigungen, die wir durch den Kampf der Natur empfinden, nur unſer Herz mit einer kindlichen Zuverſicht auf Gort hinſehen kann, und wir ihn als verſoͤhnten Vater und als gnaͤdigen Gott anbeten duͤrfen, ſo uͤberwiegt die Freudigkeit unſers Glaubens die uͤber alles beru⸗ higende und aufrichtende Ueberzeugung der goͤttlichen Gnade und die feſteſte Hofnung einer beſſern Welt unendlich weit alle Schmerzen und Schrecken des Todes ſelbſt. Aber wie traurig und finſter wird es in der Seele des Menſchen, der Gottes anvertraute Pfunde gerade wider ſeine Abſicht gebrauchte, und ſtatt Gutes zu wirken, ſich und der Welt ſchadete! Was wird doch hier in ſeinen eignen Augen der Be⸗ guͤterte und Reiche, der ſtatt ſeinen armen Bruder zu erquicken, ihn noch aͤrmer machte; ſtatt Gutes auf Erden zu ſtiften, durch ſeinen Geiz, oder ſeine Ver⸗ ſchwendung, ſeine Ueppigkeiten und uͤſte, ſich und andern ſchadete; und nun die Worte Jeſu fuͤhlt: was iſts, du Narr! das du geſammlet haſt; oder ſich ſelbſt in dem Bilde jenes reichen Mannes er⸗ blickt! Wie martervoll iſt das Ende des Gluͤcklichen, des Gelehrten und auch des Groſen, wenn er ſich jezt als einen Feind der Menſchen, als einen Feind Gottes, der Religion Jeſu, der Rechtſchaffenheit und Tugend, als einen Stoͤrer der Ordnung, als b 4 einen Ieiden und Der doſin 2 nund ſhng * des Al eaͤngſuunn emdfindan rſicht auf ai Dähnten Du ſo lber a ber alles berg n der goͤrlich n beſſern Wel chrecken das ttier wird a anvertraute euchte, und adtt ſchadete! magen der Ve⸗ anmen Brude autt Gutes an ver ſeine We eſte/ ſich un ag Jeſu fhl rrrt haſtz a . Mannes 25 Gläͤcklih gf wenn b einen ichtſchaffr b addduus die Welt, als einen Bedruͤcker der Armen, als eine Geiſel ſeiner Bruͤder betrachten muß? wenn er ſtatt zu beſſern noch mehr verdorben hatte, ſtatt Wohlſtand und Gluͤck zu befoͤrdern, ein Schoͤpfer und Mehrer des Elends wurde, und ſtatt Zufriedenheit und Troſt, Jammer und Trauren um ſich her verbreitet hatte? Welche bittern und quaͤlenden Vorwuͤrfe entſtehen doch jezt in der Seele eines ſterbenden Vaters oder einer ſterbenden Mutter, welche ihre Kinder ſelbſt verdorben, unglecklich gemacht, und ein toͤdtendes Gift in ihre Seele gelegt hatten, die ſo groſe Sorge der guten, frommen Erziehung fuͤr dieſes und das kuͤnftige Leben verſaͤumt, ſie durch ihr eignes Bey⸗ ſpiel geaͤrgert, durch ihre Unordnung und Laſter um Gluͤck und Ehre gebracht, und ſie als ihre Verklaͤger vor Gott anſehen muͤſſen? Muͤſſiggaͤnger, Treuloſe, Meineidige, Ungerechte, Laſterhaſte, o was fuͤr eine ſchandervolle Nacht bricht uͤber euch in der Stunde der Noth und des Todes ein! Und was bin nun ich! zu welchen heiligen und groſen Pflichten riefen mich mein Stand, oder mein Amt, oder meine Verbin⸗ dungen in der Welt, mein Gluͤck und meine Um⸗ ſtaͤnde! Und wann ich mich nun genau nach ihnen gepreft, und mir dieſe meine Pflichten, und was der Richter der Welt von mir forderte, vorgelegt, und dann damit mein Leben ſelbſt verglichen habe; was empfinde ich in meiner Seele? Zuverſicht und Freude, oder Schrecken und Enrſetzen? Ach ſo nahe vor dem Nichterſtuhle meines Erloͤſers, und der Stunde der ewigen Vergeltung redet mein Ge⸗ wiſſen und reden ſo viel Zeugen fuͤr oder wider mich! Habe ich einen verſoͤhnten Gott, und Friede durch meinen Erloͤſer, dann iſt meine Sterbeſtun⸗ de mir himmliſche Wonne, und der Aiche ſtgt b nichts Abwaͤgung des Lebens nach den beſondern ꝛc. 255 einen Erſinder ſchaͤdlicher und verderblicher Dinge fuͤr 3 256 Abwaͤgung des Lebens nach den beſondern 8 nichts anders als Gnadenſtuhl; mit Loben und Danken trrete ich vor das Antlitz meines Erloͤſers. A Aber was kann ich hoffen, und was kann ich thun, 4 wenn mich der Anblick meines Lebens ſchon zum voraus verdammt? 3 We viel Zeit iſt nun dahin Ungenuͤzt von mir verſchwunden, Schnell wie Pfeil und Blitze fliehn Jahre, Monden, Tag und Stunden. Klug iſt, wer die ſchnelle Zeit Heiligen Geſchaften weiht. Führe mich nicht ins Gericht Fuͤr den Misbrauch jeder Gabe, Wiederbringen kann ich nicht, Was ich ſchon verlohren habe. Ach! auch nicht ein Augenblick Kehrt von ſeiner Flucht zuruͤck. Aber, o mein Gott, du ſchenkſt Mir noch Zeit und Raum zur Buße. Weil du meiner noch gedenkſt, Fall' ich reuig dir zu Fuße. Schone, ſchone, rette doch, Mich durch Jeſum Chriſtum noch⸗ 1 Ich, Verſchwender mancher Zeit, Sehe, Vater, und empfinde Meiner Thorheit Strafbarkeit. 3 Ach vergieb auch dieſe Suͤnde! do Laß mich jede Stunde nun ve Eifrig deinen Willen thun. eſonden it Loben 1 eihes Erlci ¹ kann ich Pflicht. des Standes und deren Umſtaͤnde ꝛc. 277 Laß zur Uebung meiner Pflicht Keinen Augenblick mich ſaumen, Niicht vergeſſen dein Gericht, Nicht in eitler Hofnung traͤumen! MNur fuͤr meine Seligkeit Giebſt du mir noch dieſe Zeit. Saͤen muß ich noch mit Fleiß Zu der Aerndte jenes Lebens, Saͤen will ich, denn ich weiß, Dieſe Saat ſey nicht vergebens, Ewig freut ſich ſeiner Saat, Wer hier wohl geſaet hat. Dieſe Weisheit lehre mich, Daß ich jezt mich dir ergebe, Und, weil ich noch bin, fuͤr dich Und fuͤr meinen Naͤchſten lebe; Denn ſo erb' ich nach der Zeit Deines Himmels Seligkeit! Gewißheit der kuͤnftigen Vergeltung nach dem Verhalten in dieſem Leben. Dem Menſchen iſt geſezt einmal zu ſterben, und dann folat das Gericht. Dies iſt das ewige und un⸗ veraͤnderliche Geſez deiner Regierung, o Gott! Hier ſind die Tage deiner Geduld und Langmuth, dort der Tag deiner Vergeltung. Hie iſt die Zeit der Vor⸗ berei⸗ 258 Gewißheit der kuͤnftigen Vergeltung bereitung und Gnade, dort die Frucht des Lebens. Was waͤre auch Froͤmmigkeit, Verleugnung, Ge⸗ duld, Glaube, Hofnung, wenn nach ſo manchen Leiden, Beſchwerden und harten Schickſalen des Freundes Gottes keine Erquickung und keine beloh⸗ nende Vortheile zu erwarten waͤren? und was waͤren alle die ſchoͤnen Antriebe zu den beſten, edelſten und oft ſo muͤhſamen, mit mancherley Gefahren, oft mit harten Aufopferungen und Leiden verbundenen Handlungen, die der Chriſt mit ſolcher Freudigkeit uͤbte, und was waͤren alle Verheiſſungen Gottes, wenn ſie keine ſeligen Belohnungen verſchaften, ja was waͤre das Leben ſelbſt, wenn es nun nicht zu ei⸗ nem beſſern hinfuͤhrte, wenn es umſonſt waͤre, Got⸗ tes Wege zu gehen, wenn kein Unterſchied des Gu⸗ ten und Boͤſen zu hoffen waͤre? Nein, mein Gewiſſen redet zu laut in mir, und ich ſehe dieſen Tag in der Naͤhe, wo ich anfangen werde, die Früichte meiner Werke zu genieſen. So wie das Leben meines Erloͤ⸗ ſers, ihn zu jener Herrlichkeit hinfuͤhrte, und ihn mit Preis und Ehre kroͤnte, ſo werden auch die Nachfol⸗ ger Jeſu auf dieſen von ihm uns vorgezeichneten Wege zu ſeiner Herrlichkeit erhaben, auch wie ſie ihm hier aͤhnlich waren; auch dort in ſeinen Freuden ihm aͤhnlich werden. So verheißt es auch mein Erloͤſer. Er will die, welche ihm hier nachgefolgt ſind, und ſich um ſeinetwillen verleugnet, und ſtandhaft auf dem Wege des Rechts gewandelt haben, dort erhoͤ⸗ hen, und herrlich machen, und zu ſeiner Zeit zu ſich ziehen. Er will die Geſegneten des Herrn in ſeines Vaters Freuden einfuͤhren, welche hier voll Liebe Gottes, voll Glauben an ihn, den aoͤttlichen Erlöſer, den Hungrigen ſpeiſeten, den Durſtigen traͤnkten, den Nackenden kleideten; und am Abend des Lebens wird er den treuen und bewaͤhrten Arbeitern nach ſei⸗ ner teiſſungen n I verſchaſe, 1s nun nich 1 ſonſt wau, erſchied desh. Ty, mein Geri J dieſen daf Feichte mn een meines C hrte und ihn n s ach de Maf — verzezechne dn auch wieſei e inen Freudeni a uch main Elt angefolgt ind and ſimnht dhaden, dolt ſeiner zaln 33 Hern iy 4 aſe hier ul 9 Laoͤttlichen e — — — — — urſtiten 1 e Ahend Arheitm — — — — —— — nach dem Verhalten in dieſem Leben. 259 ner unbegraͤnzten Guͤte lohnen. Dort nimmt der Erloͤſer den zu Ehren an, der ſich hier an ſeiner Hand leiten ließ. Unter allen Leiden, bey aller Muͤhe und Arbeit, in allen Bedraͤngniſſen dieſes Lebens beſeelte ihn hoher goͤttlicher Muth. Der Beyfall und das Wohlgefallen Gottes, das er fuͤhlte; die Kraft ſeines Erloͤſers, die ihn ſtaͤrkte, der Glaube, der ihn jene ſeligen Gegenden des Himmels ſchon voraus ſehen ließ, machten ihm ſeine Arbeiten zu wahren Ergoͤtzun⸗ gen, ſeine Kaͤmpfe, Leiden und Beſchwerlichkeiten, ſelbſt ſein erlittenes Unrecht zur Luſt, zur Freude und leicht. Und o welche Wonne, ſich nahe an dieſem herrlichen Ziele zu ſehen, ſchon an der Graͤnze jenes Landes, wo ewige Ruhe und ſteter Friede wohnt, zu ſtehen, und ſein Verlangen nach Gott, die Be. friedigung ſeiner ganzen Wuͤnſche, Gott zu erken⸗ nen, wie er iſt; auf ewig Suͤnde und Gefahr zur Suͤnde abzulegen, und ſo die Erfuͤllung ſeiner groſen Hofnung in der Naͤhe zu wiſſen, ja bereits ihren Vorſchmack zu empfinden! O welche Groͤſe, welcher Glanz, welche Seligkeit des Frommen, welcher auf ſeinem Krankenbette den Tod als den Boten der na⸗ hen Seligkeit betrachten und glaubensvoll beten kann: ja, komm mein Jeſu! komme bald, mein Jeſu! der vor Grab und Berweſung, Gericht und Ewigkeir nicht zittert, nicht erſchrickt, daß ihm ſeine Werke nachfolgen und offenbar werden, denn ſie waren in Gott gethan. Kann denn nun auch ich ſelbſt mit ſolchem hohen und frohen Muth hin auf jenes Land der Verheiſung und Ruhe ſehen! Erblicke auch ich in deiner Hand, mein Erloͤſer, die Krone der Ehren, womit du meine Scheitel kroͤnen wirſt? Sehe auch ich in jenen Buͤchern, die du nun oͤfnen wirſt, meine Werke und Thaten mit dem freudigen Bewußtſeyn deines Wohlgefallens, und werde ich gerne ihre Of⸗ R 2 fen⸗ 260 Gewißheit der kuͤnftigen Vergeltung fenbarung vor der Welt anhoͤren. Stehr mein Nahme in dem Buche des Lebens, und bin ich der Geſegnete, den du in das Reich deines Vaters ein⸗ fuhrſt? Bin ich durch dich verſoͤhnt, und habe ich Friede mit Gott? Sind meine Fehltritte und Suͤn⸗ den vergeben, daß ihrer nicht mehr gedacht werden wird; o ſo lobe jezt, meine Seele, den Herrn, und fange bereits jene Jubelgeſaͤnge an, die du bald in jenem Heiligthum mit Gortes Auserwaͤhlten und ſeinen En⸗ geln anſtellen wirſt. Mir iſt Barmherzigkeit wieder⸗ fahren, und ich bete bald an im heiligen Schmuck. Du haſt meine Seele vom Verderben errettet, und vor dem Untergange bewahrt, du haſt mich gnaͤdig⸗ lich zu meinem koͤſtlichen Ziele geleitet. Lobe nun meine Seele, den Herrn; ſein Lob ſoll immerdar in meinem Munde ſeyn. Preiß und Ehre und Anbe⸗ rung dir, mein Heiland in alle Ewigkeit. G welche Ruh der Seelen, Nach deines Worts Befehlen Einher im Leben gehhn! Auf deine Guͤte hoffen, Im Geiſt den Himmel offen Und dort den Preiß der Treue ſehn! Ich weiß, an wen ich glaube, Und nahe mich im Staube Zu dir, o Gott, mein Heil. Biin ich ich der Schuld entladen, AUnd nun bey dir in Gnaden, So iſt im Himmel auch mein Theil. —— —— ł ☛ ₰ und ſeinen 3 rritzigkeit bhär en Schut 1 erxetret, n t mich gni mlt. Lobe m immerdar te und An ereir nach dem Verhalten in dieſem Leben. 261 n O leite mich im Segen Deum groſen Ziel entgege,f Dahin dein Wort mich weiſt. Mein Lehen und mein Ende Ijſt dein, in deine Haͤnde 1 Befehl ich, Vater, meinen Geiſt. Fortſetzung. Ac„ wenn mein Herz und meine Thaten wider mich zeugen! Zwar iſt hier kein Menſch vollkommen rein und ohne Tadel. Will Gott mit ihm rechten, ſo kann er ihm auf tauſend nicht eins antworten. Wer mag vor dem beſtehen, vor welchem ſelbſt die Himmel nicht rein ſind! Aber er verlangt auch hier von uns noch nicht die Vollkommenheit der vollende⸗ ten Gerechten. Nur nachjagen ſollen wir der Voll⸗ kommenheit, ſtets das unſre Sorge ſeyn laſſen, voll⸗ kommen zu werden, wie er, und in Erkenntniß, im Glauben, in Gottſeligkeit und Heiligkeit zu wachſen und zuzunehmen. Dann wiſſen wir, daß wenn uns ja Schwachheit und Uebereilung ergreifen, und wir wider unſer Beſtreben und Wuͤnſchen doch etwan hin⸗ tenher merken ſollten, daß wir manches verſaͤumt⸗ manches nicht recht gethan, und nicht ſo gethan haͤt⸗ ten, als wir es ſollten, o dann wiſſen wir, daß wir einen Vertreter haben, Jeſum Chriſtum, der voll⸗ kommen gerecht und ohne Suͤnde war, und auch die Verſöhnung fuͤr unſre Suͤnde iſt. In ihm haben wir 262 Gewißheit der kuͤnftigen Vergeltung wir dann Freudigkeit, hinzuzutreten zu dem Gnaden⸗ ſtuhle, und wiſſen, daß wir Barmherjzigkeit erhal⸗ ten. Ja! auch dann, wenn ich in der Unterſuchung meines Herzens und Lebens Suͤnden und Vergehun⸗ gen entdecke, in welche ich ungluͤcklicher Weiſe wil⸗ ligte; wenn mich ſogar Gottes Vergeſſenheit und Laſter befleckten, aber wenn ich dabey weiß, daß ich ſie durch Gottes Kraft und mit heiligem Ernſte be⸗ ſiegt habe, daß mich die Barmherzigkeit meines Er⸗ loͤſers wieder aufgerichtet, und ich in ſeiner Verſoͤh⸗ nung Vergebung gefunden habe; wenn ich aus den guten Fruͤchten der Beſſerung meines Glaubens und der goͤttlichen Gnade gewiß bin, und mein Herz von der Suͤnde gereinigt, ich das Boͤſe von mir gethan, und deſto ernſtlicher ſeine Gebote bewahrt habe; ſo iſt dann nichts verdammliches mehr an mir, und ich zittre nicht, weil die Handſchrift, die wider mich war, getilgt iſt. Aber ach! wenn ich nun meine Beſſerung bis hieher verſaͤumt, wenn ich zwar manche gute Vorſaͤtze, gefaßt haͤtte, welche aber auch bald mit neuen Suͤnden abgewechſelt; wenn es mir mein Ge⸗ wiſſen vorwirft, daß ich nur nach meinem Eigennutz, meinen Luͤſten, meinem Eigenſinn, aber nicht genau und ernſtlich nach Gottes Geſetz gelebt habe, wenn Gleichguͤltigkeit gegen Gott und das Evangelium Jeſu, Verſaͤumung der Gnadenmittel, Widerſtreben gegen alle gute und treue Erinnerungen des Geiſtes Got⸗ tes, wenn Unempfindlichkeit oder Haͤrte bey der Noth meines Naͤchſten, wenn Menſchenfeindſchaft, Haß und Verfolgung anderer, wenn Untreue in meinem Berufe, wenn Verſaͤumung meiner heiligen Pflich⸗ ten gegen die Meinigen, wenn Verlaͤumdung und Laͤſterung, Kraͤnkung der Ehre meines Naͤchſten, wenn Ungerechtigkeit, Geiz, Unkeuſchheit und Werke der Finſterniß, wenn Lechn igket, e wen⸗ Zplang Aden Gi heriigtet r Uunſi ¹ und Verg ter Weſe ergeſſenzet . weiß, d gem Enſt Wait meine, ſeiner Wh enn ich as 8 Glaubens ta menn henn vahtt habe; Ru mr, undi oider mich we deine Veſerm een wanche guu Gr auch bald wit mi wan Ge⸗ dem Ogennuh aber vicht geno a yt habe/ be⸗ vongelium J erſtreb g. 6 Geiſts 6 SGe bey derde 4 mindſchai h E läͤunduns! r ines M A kauſchet) anigket, e 4 3 „ſon mit getha nach dem Verhalten in dieſem Leben. 263 ſchwendung und uͤberhaupt wenn Laſter und Bosheit mich anklagen; wenn ich hier ſtatt des Guten nur Boͤſes befoͤrdert, und dort Klagen gegen mich hoͤren, Verfuͤhrte und Gekraͤntte finden werde; wie kann ich meine Augen zu dir aufheben, o Gott! und wo⸗ hin kann ich mich wenden? Du willſt und wirſt ver⸗ gelten, und wer boͤſes thut, muß boͤſes empfahen. Mit dem Maaße, womit ich hier gemeſſen habe, wirſt du meſſen. Nun iſt die Zeit der Geduld und Langmuth voruͤber. Das leben des Menſchen iſt kurz⸗ aber aus wie vielen Jahren, wie vielen Tagen und Stunden beſteht es? Wie viel Boͤſes kann der Menſch in einer Stunde thun, und wie viele, wie groſe und wichtige Pflichten kann er darinn verſaͤumen. Wie viele boͤſe Anſchlaͤge, wie viele ſtraͤfliche Gedanken, wie viele ſchaͤndliche, ſchaͤdliche und verderbliche Re⸗ den, wie viele ſchwarze und boͤſe Thaten ſind denn der Inhalt eines ſolchen Lebens! Dort raͤuſcht der Suͤnder dein Auge und das Auge der Menſchen nicht mehr, denn du wirſt alles aus der Finſterniß hervor⸗ ziehen, und vor aller Welt offenbar machen. Dort werden wir den Inhalt unſers Lebens wieder finden, und in unſerm Gewiſſen ihn leſen. Jal ſchon leſe ich ihn, ſchon fuͤhle ich das Schroͤcken der Suͤnde⸗ ſchon hoͤre ich deine Richterſtimme, und mein eignes Herz empfindet das Urtheil des Gerechten. Werde ich dort nun noch einen Richter finden, den ich hin⸗ tergehen kann? Wird mich dort auch Klugheit, oder Stand oder Anſehen gegen die Folgen meiner Suͤn⸗ den ſchuͤtzen; Oder werde ich ſeiner Hand entfliehen koͤnnen? Werden mich Huͤgel und Berge bedecken, und Tiefen und Meere vor dem Allwiſſenden verber⸗ gen? Da bin ich dann ohne Retter und Helfer, allein in meinen Suͤnden vor dem Allmaͤchtigen! So viele Jahre der Geduld und Gnade Gottes find Lerlohren⸗ nn 3 264 Gewißheit der kuͤnftigen Vergeltung ſo viele Wohlthaten und Guͤte mit Fuͤßen getreten, ſo viele Heimſuchungen und Zuͤchtigungen verachter, ſo viele Macht und Gelegenheit zum Guten gemiß⸗ braucht, und das Maaß meiner Suͤnden, die Schaͤtze des goͤttlichen Zorns gehaͤuft. O Jahre meiner erſten Unſchuld, wie vergaß ich euch! Was ſeyd ihr, koͤſt⸗ lichen Jahre meiner Jugend und meines ganzes Le⸗ bens! Koͤnnte ich euch zuruͤckleben, und zuruͤckkaufen! Aber ſie ſind hin zur Ewigkeit, unwiederbringlich verlohren; und ich ſelbſt ſtehe nun dem Augenblicke nahe, wo ihre ganze Summe gezogen wird. Schrek⸗ kensvoller trauriger Zuſtand, wenn mich nun mein Herz am Ende verdammt, jeden Troſt, jede Erquik⸗ kung, jede Beruhigung in meinem harten Leiden aus der Seele verbannt, und meine Schmerzen und Be⸗ aͤngſtigungen noch groͤſer macht! W. fuͤrcht ich mich, mein Herz zu pruͤfen, Mich zu erforſchen, wie ich bin! Wie blick ich uͤber ſeine Tiefen Nachlaßig und mit Vorſatz hin! Mich warnet heimlich mein Gewiſſen: Betrieg, o Menſch, dich ſelber nicht. Geneigt mein Unrecht nicht zu wiſſen, Vertraͤum ich alles, was es ſpricht. So geht der Menſch gern auf dem Pfade Des Leichtsſinns und der Eitelkeit, Und durch den Mißbrauch deiner Gnade, Gott, mehrt ſich ſeine Sicherheit. Nach kauſend froh vollbrachten Suͤnden Denkt er einmal an Jeſum Chriſt, Und hoffet, dich verſoͤhnt zu finden, Weil er fuͤr ihn geſtorben iſt. „titung 7 dün gette * nagen verg 8 11 Guten 1 en, die Et te meinet fed i nes gangt, 9 1d zurüͤckenn f wiederben 7 em Augai wird. 6t * nich nann -, ſede e eten Leiden ierzen und h enz uprifen. 2 1 . — fen cht. en en, att. nach dem Verhalten in dieſem Leben. Ausſchweifend bleiben ſeine Triebe, Und unerleuchtet ſein Verſtand, Sein Herz iſt leer von deiner Liebe, Mit ſeinen Pflichten unbekannt; Sein Glaub iſt todt und ohne Fruͤchte, Sein Wandel ohne Beſſerung, Und dennoch hoft er im Gerichte, O Gott! vor dir Begnadigung. Jedoch, o armer Menſch, wie lange Wirſt du dich ſelber hintergehn? Du naheſt dich zum Untergange Und willſt doch die Gefahr nicht ſehn. Erwache bald aus deinem Schlafe, Und denk an deine groſe Schuld, Gott eilet nicht mit dir zur Strafe, Und hat noch Langmuth und Geduld. Willſt du dich auch vor dir verhehlen⸗ Verhehlſt du dich vor Gott doch nicht; Denn in der Tiefe deiner Seelen Iſt alles ſeinen Augen Licht, Reiß dich aus deinen Finſterniſſen, Entfalte du dein Herz vor dir, Und maͤchtig treibe dein Gewiſſen Zur Buße dich, und Gott zu dir. Der du die Herzen pruͤfſt, bekehre, Erleuchte, beßre, leite mich Auf deiner ebnen Bahn, und lehre Mich denn ein recht Vertrau'n auf dich. Dir will ich noch mein Leben weihen, Mach du mein Herz und Wandel rein, So darf ich nicht im Tode ſcheuen, Ein Erbe jenes Fluchs zu ſeyn. 265 Moͤglichkeit der Bekehrung auf dem Sterbebette unnd der Begnadigung des Suͤnders. — Ware es voͤllig unmoͤglich, noch auf ſeinem Kran⸗ ken⸗ und Sterbelager Vergebung und Gnade izu er⸗ halten, ſo bliebe dem Suͤnder nichts weiter als Ver⸗ zweiflung uͤbrig. Allein ich finde eine unbegraͤnzte Gnade meines Gottes fuͤr den Suͤnder in dieſem Le⸗ ben, ich ſehe nirgends die Schranken und das Ziel, das er ſeiner Barmherzigkeit in dieſer Zeit geſezt haͤtte. Ich weiß, daß die Erloͤſung meines Heilandes auf alle Arten der Suͤnden geht, und ſo lange ich hier noch lebe, und mein heute dauert, darf ich an Got⸗ tes Barmhelfigkeit nicht verzweifeln. Warum ließ mich Gott ſo nhe leben? kann immer der beunru⸗ higte Suͤnder zan; warum legte er mich auf dieſes Krankenbette, da er mich ploͤzlich haͤtte dahin reiſſen koͤnnen! Warum ließ er mich zum Nachdenken uͤber mich ſelbſt, zur Erkenntniß meines traurigen und ſchreckensvollen Zuſtandes kommen, wenn er nicht noch Gedanken des Friedens mit mir haͤtte? Iſt es nicht ſein Werk, daß endlich meine Augen geoͤfnet werden, als ich vor ſein Gericht hintrete, und daß ich nicht in einer Verſtockung, Unempfindlichkeit, oder einer falſchen Grosmuth dahin ſterbe? Wenn auch mein Uebel noch ſo gros waͤre, iſt denn Gottes Gnade nicht noch weit groͤſer als die Suͤnde! Nein! ich weiß es zwar wohl, daß ich aller Erbarmung und Gnade nicht werth bin, aber nicht mein Werth, ſon⸗ dern der Werth der Verſoͤhnung meines Erlboͤſers iſt der Grund aller meiner Hofnung, und ich hoffe Er⸗ rettung n Cterbe Fünders, e ſeinen gu ne unbegian ar in dieſen S äit geſettit Heilandes u langt ich te ufich an Gwh 9 Parum iß an der beunru⸗ nnch auf dieſes 3 dihe riſen hdenten uͤber e traurigen und wenn er vich rhaͤtte! Ni. nlugen pife zete, un d Impfindtt Perbe! Bn denn bat 5 uünde! Ni 1rbarmune an Wa tes Crlt Hich be 4 dl Moͤglichkeit der Bekehrung auf dem ꝛc. 267 rettung allein von Gottes Barmherzigkeit. Sollte er einen Wurm unter ſeinen Fuͤßen zertreten, einen Elenden, der um ſeine Rettung flehet, verwerfen; ein ohnmaͤchtiges Geſchoͤpf, das er aber doch zum ewigen Gluͤck erſchuf, durch ſeinen Sohn erloͤſen ließ⸗ und unablaͤßig bis hieher auf ſeine Wege zu fuͤhren ſuchte, verſtoßen? Sollten meine Thraͤnen der Weh⸗ muth und Reue, ſollte mein Flehen am Gnaden⸗ throne, ſollten meine Gebete und Seufzer alle ver⸗ lohren ſeyn? Ja, ſollten ſeine Verheiſſungen und ſollte meines Erloͤſers Werk an mir vergeblich werden koͤnnen? Nein, ſo zerriſſen meine Seele vor ihm iſt, ſo will ich doch hoffen. Ich komme ſpaͤt, da ſchon der Abend oder vielleicht die Nacht meines Lebensta⸗ ges einbricht, aber er will doch den nicht verſtoßen, der zu ihm kommt. Ich kann nicht zuruͤckleben, nicht mehr meine Werke und Thaten ungeſchehen machen, nicht das unzaͤhlig viele Boͤſe, das ich in der Welt anrichtete, wegthun; und wie wuͤnſchte ich, daß ich es thun koͤnnte! wie tief beugt und ſchmerzt mich das Andenken meines Lebens! aber eben darinn verherr⸗ licht ſich die unendliche Groͤſe der Verſoͤhnung und der goͤttlichen Barmherzigkeit, daß er ſeine Haͤnde, wie er mir in dem Bilde des guͤtigen Vaters gegen ſeinen verlohrnen Sohn gezeigt hat, auch nach mir ausſtreckt, und hier Gnade fuͤr Recht ergehen laſſen will. Liebte Gott die Welt ſo ſehr, daß er ſeinen eingebohrnen Sohn gab, damit die, welche ihre Zu⸗ flucht zu ihm nehmen, nicht verlohren gehen, ſondern das ewige Leben haben, ſo bin ja auch ich ein Gegen⸗ ſtand dieſer Liebe. Demuthsvoll, beſchaͤmt und in dem innerſten meiner Seele gebeugt, ſlehe ich: Ach Herr! gedenke nicht meiner Suͤnden, handle mit mir nicht nach meinen Suͤnden, vergilt mir nicht nach meinen Miſſethaten. Deine Darmbernigeeir und Gute, 268 Moͤglichkeit der Bekehrung auf dem Guͤte, die mich bis hieher getragen und nicht muͤde wurde, weiche jezt in dieſen vielleicht lezten Stunden meines Lebens nicht von mir. Ich werde dich nicht laſſen, du ſegneſt mich dann! O laß mich mit dem Troſte ſterben, daß auch mir Barmherzigkeit wider⸗ fahren ſey! Um Troſt iſt mir bange, aber du, Herr und Erloͤſer! der du fuͤr meine Suͤnden ſtarbſt und allein mein Retter ſeyn kannſt, nimm dich gnaͤdiglich meiner Seele an, und vertilge meine Suͤnden. Ge⸗ duldig, gnaͤdig, barmherzig, von groſer Guͤte und Treue biſt du, o Gott! daß du Miſſethat, lleber⸗ tretung und Suͤnde vergiebſt, darum hoffe ich auf dich, ja mein Herz freuet ſich, daß du ſo gerne hilfſt. * „Jh erhebe mein Gemuͤthe Sehnſuchtsvoll, mein Gott, zu dir, Denn ich kenne deine Guͤte, O wie theuer iſt mir! Gott der Liebe und des Lebens, Keiner harrt auf dich vergebens, Nur Verachter deiner Huld Stuͤrzet ihre eigne Schuld. Lehre mich, Herr! deine Wege, Zeige deinen Willen mir! Daß ich nicht verirren moͤge, Fuͤhre du mich ſelbſt zu dir! Gott du ſieheſt mein Vertrauen. Sicher kann ich auf dich bauen. Deine Vatertreue iit Ewig, wie du ſelber biſt. Ach gedenke an die Suͤndten Meiner Jugendjahre nicht,. 3 Laß mich Armen Gnade finden, Gott, vor deinem Angeſicht⸗ Alle Sterbeb. und der Begnad. des Suͤnders. 263 Alle Suͤnden, die uns reuen, Willſt du, Vater! ja verzeihen. 1 berde dic 1 O ſo hoͤre denn auch mich; 4 1 Mieine Seele hofft auf dich. erzigkeit n 2 aber du Gott, du willſt des Suͤnders Leben, Sden ſiatſ Seeine Seele iſt dir wertrh. t dich grät Gnaͤdig willſt du ihm vergeben, Sünd ſ Wenn er ſich zu dir bekehrt. en. Mitten auf dem Suͤndenwege, Boſer Gähah Machſt du ſein Gewiſſen rege, ſethat„h Wohl dem, der zu ſeiner Pflicht dam hofe ih Umkehrt, den verwirſſt du nicht⸗ ſo genece 4 Du erauickeſt die Elenden, Deeren Herz ſich dir ergiebt, Dite ſich flehend zu dir wenden, Ueber ihre Schuld betruͤbt. EFreude ſchenket deine Guͤte, — Dem geangſteten Gemuͤthe, Welchen du die Suͤndenlaſt Liebreich abgenommeu haſt. Dir will ich mich ganz ergeben, Gott, mein Gott, verlaß mich nicht. Tröͤſte mich und laß mich leben, Heerr, vor deinem Angeſicht. Laß mich Gnade vor dir finden, Und vergieb mir alle Suͤnden. Ach erhalt, ich bitte dich, Meinen Geiſt und ſtaͤrke mich⸗ ——— Fortſetzung. Das Becwußtſeyn, einen guten Wandel gefuͤhrt, und mit aufrichtigem Ernſt, mit feſter Entſchloſſen⸗ heit und immer neuem Eifer in der heilſamen Erkennt⸗ niß, im Glauben und in einer ungeheuchelten Gott⸗ ſeligkeit zugenommen, und ſeine Kraͤfte und ſeine Tage nuͤzlich und zum Wohlthun angewandt zu haben; dieſe koͤſtliche Ueberzeugung der wahren Gottes und der Menſchenliebe, mit welcher wir uns auf die zu⸗ kuͤnftige Welt vorbereitet haben, giebt uns in unſerm ganzen Leben und noch mehr in unſern kranten Tagen und nahe an der Ewigkeit nach dem Maaße unſrer Treue einen unausſprechlichen Troſt, und eine ſelige und beruhigende Hinſicht auf die Ewigkeit: aber doch bey dem allen muͤſſen wir, ſo bald wir in eine genaue und ſcharfe Unterſuchung unſrer ſelbſt eingehen, und auf uns ſelbſt hinſehen, ſagen: wenn du, Herr, mit mir rechnen willſt, ſo werde ich dir auf tauſend nicht eins antworten koͤnnen. Verzeihe mir auch die ver⸗ borgene Fehler! Bald fallen uns jene Jahre und Tage der Leichtſinnigkeit ein, bald jene Kaltſinnigkeit gegen das Evangelium, die Mittel der Gnade und unſre Pflichten, bald eine unzeitige Nachgiebigkeit und BVerſaͤumung deſſen, was wir ſchuldig waren, bald eine zu groſe Sorge fuͤr das Gluͤck des irdiſchen Le⸗ bens. Was wir laͤngſt vergeſſen hatten, oder nicht bemerkten, bietet ſich jetzt unſerm Gedaͤchtniß dar. Was wir unbedeutend und geringe hielten, ſtellt ſich in ſeiner ganzen Groͤſe, in ſeinem ganzem Umfange, in ſeinen wichtigen Folgen uns vor Augen; und jezt in der Stunde der Angſt und an der Graͤnze des 1167* Gerichts Vunde w eer Enrſhl ilſamen en heucheline Aräͤfte un wandt zuße Aren Getnzt Suns auf i. i uns in u ' k kaanfen da —*Maaße unt we und eine ſi keit. gher da in eine genan eingehen, und * du, Herr wit ii urſerd rich ir auch de de wiiene Jke w e Kaltinnizi ayer Gurde w 2 chgiebittet nneg warn, des irdſche geen, dart erzedächmſ v zelten, ſa pem Uni⸗ augen; 9 dy'er Gihs b b b b V b Moͤglichkeit der Bekehrung auf dem ꝛc. 271 Gerichts wird es wichtig und groß und ſchlaͤgt unſre Freudigkeit mehrmalen nieder. Was iſt der Menſch? wie ſchwach in ſeinen Vorſaͤtzen und Ausfuͤhrungen! Unter wie vielen Verſuchungen und Gefahren gehr er hier dahin! O wie viel haͤtten wir Gutes thun, wie vieles beſſer thun, wie vieles aus edlern und beſſern Grundſaͤtzen thun koͤnnen und thun ſollen, als von uns geſchehen iſt? Wer kann es ſagen, daß er auch das bey ſeinem redlichſten Beſtreben gethan habe, was er haͤtte thun koͤnnen? Und dann, wie viel thaten wir noch immer, was nicht recht iſt? Oft uͤbereilte und uͤberraſchte uns die Suͤnde, oft glaubten wir nach Recht und Pflicht zu handeln, und bald ent⸗ deckten wir die Fehlttitte und das Unrecht. Wenn wir daran denken, was die Liebe Gottes, was Men⸗ ſchenliebe, was unſer Stand, unſre Gluͤcksumſtaͤn⸗ de, was jede Lage, und jedes Verhaͤltnis, worin wir ſtanden, was unſer Beruf, Alter und Verbin⸗ dungen in der Welt von uns forderten, und uns dann ſelbſt in Gedanken darin zuruͤckſetzen: o wie mancher Tag iſt verlohren, wie manche vortrefliche Gelegenheit verſaͤumt, wie manche Kraft, manche unſrer von Gott verliehenen Gaben, Vermoͤgen und Waͤrden, womit wir uns Segen fuͤr den Himmel ſammlen konnten, ungebraucht und ungenuzt geblie⸗ ben, ja auch gemisbraucht und zum Schaden ange⸗ wandt? Kaͤme es allein bey meiner Seligkeit auf meine Tugend an, wie zweifelhaft, wie bekuͤmmert, wie hofnungslos wuͤrde mein Herz ſeyn? Aber ich baue nicht auf meine Gerechtigkeit, ſondern auf die Verſoͤhnung meines Heilandes und auf die goͤttliche Barmherzigkeit. Ich bin mir meines Glaubens in den herrlichen Fruͤchten deſſelben, und dem redlichen Streben nach Wahrheit und Recht, nach wahrer und reicher Tugend bewußt, und ſo iſt denn nichts ver⸗ 1 damm⸗ 272 Moͤglichkett der Bekehrung auf dem dammliches und ſtrafbares mehr in mir, weil ich in Jeſu Chriſto bin, und ich ſeine Ver oͤhnung genieſe; und ob ich gleich noch Suͤnde und Schwachheit an mir habe, ſo weiß ich doch, daß ich einen Fuͤrſprecher oder Vertreter habe, der ohne Suͤnde und auch die Verſoͤhnung fuͤr unſre Suͤnde iſt. Meine ganze Seele werde inniger Dank und freudiges Lob, daß er mir geholfen und mich gerettet hat. Wer will verdammen, Chriſtus iſt hier, der fuͤr mich geſtor⸗ ben iſt. Aber auch Lob und Dank ſteigt zu ihm empor, daß er mich noch jezt meine Fehler und Suͤnden erkennen laͤßt, damit ich ſie noch verbeſſere, ſeyn, wie ich auch dieſe Flecken abthue, und die Maͤngel noch erſetze, und was ich dann nicht ver⸗ beſſern kann, das wird die Gnade meines Erloͤſers, der auf mein Herz ſieht, bedecken. 6 We ſollen uns gewiſſenhaft In allem Guten uͤben, Und dich mit aller unſrer Kraft Von ganzem Herzen lieben. Nicht jede Handlung nur ſoll rein, Selbſt jede Neigung ſoll es ſeyn; Der ſtillſte Wunſch unſtraflich. Das forderſt du, doch, Gott, wer has Die Kraͤfte, deinen Willen So durch Gedanken, Wort und That, So heilig zu vollbringen? Wie kraftlos unſer Wille ſey, Wie groß der Suͤnden Tyranney, Das iſt dir nicht verborgen. Sterbeb. und der Begnad. des Suͤnders Wie koͤnnen wir dem Fluch entgehn? hnung gene Ach Gott, wer kann auf Erden hwachhei, 1 Mit ſeinem Thun vor dir beſtehn? en Färſita Durch Werke ſelig werden? 1 und au Du forderſt viel und wir ſind ſchwach; Meine Das Herz giebt leicht der Tauſchung nach, t attle hn und du, o Gott, wirſt richten. Iges oh t. a air wich gin Drum eil ich, Herr, vor deinen Thron ſteigt aig In Reu und Schaam verhuͤllete, 1 Ae J Zu deinem Sohne: Herr, dein Sohn fe Fehlat Zu denn füͤll Juch vet Hat dein Geſez erfüͤllet. iha Er thats, und hats fuͤr mich gethan! ne ganze en Nimm deines Sohns Gehorſam an, 3 zue, und Laß mich ſein Blut verſoͤhnen. lann nich th iines Elüſez— Daß Maaß unſrer kuͤnftigen Seligkeit richtet ſich 4 nach dem Maaße unſers Glaubens und unſrer 8 Froͤmmigkeit. a. Geu⸗ ſelbſt will dort unſre Treue und das Gute, 8 das wir hier thun, mit ſeiner gnadenvollen Beloh⸗ nung kroͤnen. Welche Ermunterung fuͤr uns in die⸗ b ſem Leben, ſtets in guten Werken fruchtbar zu ſeyn! wei wer hu Die guten Thaten, welche wir hier im verborgnen und in der Stille uͤben, unſre Gebete, die wir im a, yerborgnen zu Gott ſchicken, unſre innern Gott gehei⸗ ligten Begierden, unſre Entwuͤrfe und Anſchlaͤge, wo⸗ 6 mit wir fuͤr Gottes Ehre und den Segen der Welt er⸗ fuͤllet ſind, ſieht Gott, der 54 verborgene ſieht, und - 5 erdene Hren ie 274 Das Maaß unſrer kuͤnftigen Seligkeit die Herzen erforſchet. Er wird ſte einſt offenbar ma⸗ chen, und bey aller ihrer Unvollkommenheit aus Barmherzigkeit und Guͤte belohnen. Unſre guten und nuͤzlichen Bemuͤhungen und Werke, welche un⸗ dankbar von Menſchen verkannt, ja verlaͤſtert und verworfen werden, welche ganz vergeblich zu ſeyn ſcheinen, ja uns ſogar Haß, Verfolgung und Leiden zuziehen, werden nicht umſonſt ſeyn, und unſer redli⸗ cher Eifer, und die Leiden, die wir dabey in Geduld ertrugen, ohne uns von unſern guten und edlen Be⸗ ſchaͤftigungen und unſrer Laufbahn irre machen zu laſſen, werden dort gekroͤnt werden. O wie haͤtte dieſe koͤſtliche Verſicherung, die der Erloͤſer ſeinen Nachfolgern giebt, auch mich weit eifriger in meinen Pflichten machen ſollen? b Wir werden aͤrndten, nachdem wir hier ge⸗ ſäet haben. Eine fruͤhe Gottſeligkeit, ein thaͤtige⸗ res Leben fuͤr gute, nuͤzliche, wohlthaͤtige und Gott gefällige Handlungen, eine groͤſere Treue und Aus⸗ harrung auch unter Beſchwerden, Verſuchungen, Leiden, ja ſelbſt in den gröſten Gefahren, eine willige Aufopferung unſrer auch liebſten und beſten Wuͤnſche fuͤr dieſes Erdengluͤck um des Gewiſſens willen, wird auch herrlichere Belohnungen dort einaͤrndten. Es wird euch nicht unbelohnt bleiben, das iſt meines Er⸗ loͤſers Verheiſung. Und konnte ich auch nur wenig thun, aber that ich dies wenige dann mit willigem Herzen, ſo iſt es vor dem Gott, der auf mein Herz ſieht, eben das, eben ſo groß, eben ſo werth, als wenn der Reiche mit ſeinem ganzen Reichthum, der Groſe mit aller ſeiner Macht, und der Weiſe mit aller ſeiner Einſicht der Welt genuzt, und ſeine Talente gut und wohl angelegt haͤtte. Dann iſt bey dem Ar⸗ men, die Erquickung, die er mit einem Trunke Waſſers den Mitarmen verſchaffte, eben von bchen e⸗ 1gung und . 9 bie r Erliſer ſin 1 A friger in me zer wir zie it, ein thith aige und Gt une und Au erſuchungen, an dne willge eſten Vürſch iis wilen, wi naͤrndten. 6 iſt weines( tdauch nur wen 66 wit wiliyr zeauf wein he a ſo wetth/. r eichhum 3 Weiſe miu —) ſeine d iſt bey de⸗ r einem 5 hen done 41 s: gnadigung ſucht und findet. nach dem Maaße unſers Glaubens ꝛc. 275 Gewichte, und ſo belohnungswerth, als die glaͤn⸗ zenden Tugendwerke der frommen NReichen und Groſen. Wie viel verliehrt denn doch immer der arme Menſch, der nur erſt in ſeinen lezten Stunden Be⸗ Seine Zeit iſt voruͤber, und was kann er noch in den wenigen Tagen, Au⸗ genblicken und Stunden Gutes thun? Wie gering iſt ſeine Ausſaat fuͤr die Ewigkeit, und wie wenig Garben wird er dort ſammlen, wie wenig gewinnen koͤnnen? Ach wie traurig iſt es, bis zu den lezten Stunden die groͤſte Angelegenheit fuͤr ein ewiges Gluͤck verſchoben zu haben? Wer kann das verſaͤumte wieder einbringen, und wie viel, wie unendlich viel geht fuͤr die ganze Ewigkeit verlohren? Aber doch azich die lezte Stuffe der Seligkeit iſt unausſprechliche Se⸗ ligkeit, und unergruͤndliche Barmherzigkeit. Iſt man bis zu dem Ende ſeines Lebens undankbar, treulos, unbeſonnen und ein ungluͤcklicher Menſch geweſen, ſo muß man es doch nicht noch in ſeiner Sterbeſtun⸗ de ſeyn wollen. Iſt der Tag verloren, ſo muß doch noch der ſpaͤte Abend gewonnen werden. Iſt das groſe Feld, das mir hier der Wille und der Befehl des groſen Hausvaters zu bearbeiten und zu beſaͤen gab, nicht beſtellt worden; ſo ſey es denn noch ein ſo kleiner Theil deſſelben, als es meine Zeit und meine Kraͤfte verſtatten, ich will ihn fuͤr meine kuͤnftige Aerndte benutzen. So gering dieſe Aerndte ſeyn moͤchte, ſo bleibt ſie doch noch immer unendlicher Ge⸗ winn fuͤr mich. Aber, wenn ich hier auch fruͤher durch die Gnade meines Gottes fuͤr das Gluͤck meiner unſterblichen Seele bedacht war, ſo mindert doch immer das Anden⸗ ken jener verlohrnen Zeit, und jener Maͤngel und Fehler meine Freudigkeit: und dazu ſoll denn nun die S 2 lezte 276 Das Maaß unſrer kuͤnftigen Seligkeit Zeit, die mir von meiner Wallfahrt noch uͤbrig iſt, ganz geheiligt ſeyn, daß ich noch verbeſſere, was ich kann, und daß ich noch zulezt alle meine Kraͤfte, mein Vermoͤgen und die Gelegenheit gebrauche, mir mei⸗ nen Segen auf die Ewigkeit zu vergroͤſern. Dazu hat mir die Erbarmung des Erloͤſers dieſe Krankheit zugeſchickt, daß ſie meinen Eifer erwecke und anfeure, als ein Geſegneter des Herrn zu ſeiner Freude ein⸗ zugehen. Her⸗ ich hab' aus deiner Treu Noch die wen'ge Zeit in Haͤnden, Gieb, daß ich ſorgfaltig ſey, Sie getreulich anzuwenden. Denu wer weiß, wie bald zur Gruft Mich dein maͤcht ger Wille ruft. Unausſprechlich ſchnell entflieh'n Mir die zugezaͤhlten Stunden: Eh' mans denkt, ſind ſie dahin, Und auf ewig mir verſchwunden; Niemals kehrt ein Augenblick Mir zum Heil davon zuruͤck. aß bey ihrer Fluͤchtigkeit Mich, mein Gott, doch nicht vergeſſen⸗ Wie unſchaͤzbar ſey die Zeit, Die du mir noch zugemeſſen, Wie, was hier von mir geſchieht, Ew'ge Folgen nach ſich zieht. b Reiz Secke und an Ainer Fra rorgeſſen⸗ — nach dem Maaße unſers Glaubens ꝛc. 277 Reize mich noch jezt zum Fleiß, Eb die Zeit des Heils verlaufen, Mir zur Wohlfahrt, dir zum Preiß, Jede Stunde auszukaufen, Die zu meiner Seligkeit Deine Gnade noch verleiht. Deine ſchonende Geduld Trage mich, Gott, nicht vergebens, Ach vergieb mir meine Schuld, Daß ich manche Zeit des Lebens Nicht zu meiner Seelen Wohl So gebraucht hab' wie ich ſoll. Laß mich meine Beſſerung Für mein Hauptgeſchaͤfte achten, Und nach meiner Heiligung M5 Noch mit ſolchem Ernſte trachten, Als erwartete noch heut“ Mich Gericht und Ewigkeit. Deine Gunade ſteh mir bey, Daß mein Leben noch auf Erden Noͤg' an guten Fruͤchten reich Und dem Naͤchſten nuͤzlich werden⸗ Und iſt dann mein Ende da, O ſo ſey mit Troſt mir nah⸗ 278 Falſche Vorſtellung von der Bekehrung und Ver⸗ ſicherung ſeiner Seligkeit auf dem Kranken⸗ und Sterbebette. ——— W.⸗ werde ich jezt noch thun koͤnnen, mich meiner Seligkeit zu verſichern? Iſt meine Reue genug? konnen Thraͤnen der Wehmuth den Richter erwei⸗ chen! Iſt es hmreichend, wenn ich mich nur des Verdienſtes Chriſti troͤſte, und glaube oder mich uͤberrede, weil er fuͤr die Suͤnder und auch fuͤr mich geſtorben ſey, ſo werde er mir ohnfehlbar den Him⸗ mel geben, ja mich ſogar mit den erſten Seligkeiten uͤberſchuͤtten? Iſt es genug, wenn ich aus dem Munde des Dieners Gottes einen Zuſpruch und ein Wort des Troſtes auf eine Beichtformel, eine Verſiche⸗ rung der Vergebung meiner Suͤnden, und aus ſeinen Haͤnden dann das Abendmahl des Herrn erhalte? Iſt mir dann der Himmel aufgeſchloſſen, und kann der Diener Jeſu Segen und Fluch aus⸗ theilen. O wie wichtig iſt dieſer mein lezter Schritt des Lebens? wie viel ernſtvolles Nachdenken erfordert mein Hingang in die Ewigkeit, wenn ich mich nicht ſelbſt betruͤgen, und zwar den ſchroͤcklichſten und ge⸗ faͤhrlichſten Betrug an mir ſelbſt begehen will! Ge⸗ ſegnet ſey mir der Bote meines Erloͤſers, welcher mir auf meinem Krankenlager die Bruderhand rei⸗ chet, und mich auf den Weg leitet, worauf Gott meine Seele begnadigen und troͤſten will. Geſegnet ſey mir dieſer Freund des Erloͤſers und meiner Seele, der mit dem Geiſte des Mitleidens, der Liebe zu Gott, und —— ·—— ———— ——-—„— /— — ) niich nug aube oder m. *) auch für n en hlbar den h en Selixken (dus dem Mun nd ein Wo nne Verſich nd aus ſeinen an echalte! hhloſſen, und A Fluch au aler Schtitt d ktanken erfetd ann ich wich li arcchſten und a9 hen will. 6 D oſers, nt 2 ruderhand 3a vorolf a vlll. Gh dwmeinere 64 etleehe 1 — — belebt von eigner ſeliger Falſche Vorſtellung von der Bekehrung ꝛc. 279 und dem Eifer, Menſchen zum Himmel zu fuͤhren, Erfahrung der Kraft Jeſu Chriſti zu mir hintritt; und ſtets haͤtte er mir, der gute Freund, und ſein Unterricht zu meinem Heile ſchaͤbbar ſeyn ſollen: wenn er es mir aber auch nie war, ſo muß er mir es doch jezt werden. Ich brauche einen Freund, der mich belehre, mich zurecht weiſe, mir Troſt und Beruhigung in Gott und ſeinen heili⸗ gen und gnadenvollen Rathſchluͤſſen zeige. Aber was kann er mir helfen, wenn ich erſt dann ihn hoͤre und hoͤren will, wann ich bereits anfange, meinen Todes⸗ kampf zu kaͤmpfen, wann meine Beſinnung und meine Kraͤfte mich verlaſſen, und ich kaum hoͤren, noch weniger ihm den Zuſtand meiner Seele ent⸗ decken kann? Sieht er in mein Herz, weiß er meine Geſinnungen, mein Leben, was ich that, und was ich nicht that! Kennt er die innern Regungen meiner Seele und die Aufrichtigkeit und den Ernſt meiner Beſchaͤmung und Reue, meines Verlangens, Fle⸗ hens und meiner Hoſnung? Er kann mir meine Suͤn⸗ den nicht vergeben, und mir keine Rechte zur Selig⸗ keit ſchaffen, ſondern nur Gottes gnaͤdige Verheiſ⸗ ſungen bey einer wahren Reue, die auch noch jezt in der Wegſchaffung des Boͤſen und der aufrichtigen Beſſerung nach allen meinen Kraͤften, und in einer gegruͤndeten Zuverſicht beſteht, vorhalten. Sein Troſt, und die koͤſtlichen Verheiſſungen der goͤttlichen Gnade ſind fuͤr mich vergeblich, und gehen mich nichts an, wenn ich nicht die wahren Kennzeichen der aufrichtigen und herzlichen Bekehrung an mir trage, die das Auge meines Gottes allein ſieht. Der Genuß des koͤſtlichen Maales Jeſu kann mir auch da nicht nutzen, nicht meine Suͤnden wegneh⸗ men, nicht meiner Seligkeit mich gewiß machen, wenn ich nicht in der guten Faſſung ſtehe, Horidn b ich 280 Falſche Vorſtellun gvonder Bekehrung ich die Segnungen deſſlben erhalten kann? Selbſt dieſes Maal des Erloͤſers wird mich nur deſto ſtrafbarer machen, wenn ich es noch hier aus Aberglauben, oͤder zu meiner groͤſern Sicherheit und Unbußfertigkeit misbrauchen will. Aber wenn mein Herz mit Gott verſoͤhnt iſt, dann wird mir das Wort des Troſtes aus dem Munde des Die⸗ ners Jeſu ein koͤſtlicher Balſam ſeyn, er wird meine durch die Schwaͤche ſich ſo leicht zerſtreuen⸗ den Gedanken wieder ſammlen, er wird durch ſein Gebet, und durch Gottes gnaͤdige Verheiſſungen meinen Glauben und meine Hofnung ſtaͤrken, er wird in meinen Leiden mich aufrichten, in meinen Zweifeln mich ſtaͤrken, und in meinen lezten Stun⸗ den mich lehren, freudig zu ſterben. Und wenn ich noch nicht auf meine groſe Veraͤndrung berei⸗ tet war, ſo wird er mich lehren, mich genau zu erforſchen, und mir helfen uͤber den Gebrauch mei⸗ nes Lebens, uͤber den Zuſtand meiner Seele und uͤber mein bevorſtehendes Schickſal in der Ewig⸗ keit nachzudenken; damit ich noch gleichſam im Schiffbruch mich ſelbſt und alles rette was ich retten kann; und die Augenblicke oder Tage mei⸗ nes Lebens, die ich noch habe, zu meinem Heile zu gebrauchen, oder wenn ich laͤnger leben ſollte, mein kuͤnftiges Leben mit mehrerer Weisheit und Bedachtſamkeit, mit beſſerer Sorge fuͤr meine Seele, und mit groſem Ernſte fuͤr meinen binen⸗ liſchen Beruf und meine lezte und eigentlichſte B ſtimmung auszukaufen. — ——— ſeyn, a Seicht zerſte a witd dan 1 Terheiſt lus ſtäͤttm, ien, in ma =en lezten ot Armich genau e Hebrauch me anr Seele und inn der Evg⸗ de Klachſam im dette, was ic Säder Taze me s manem Haä deer loben ſolh⸗ 1. Weisheit w Sze für ma umeinen hiw egentlichted und Verſicherung ſeiner Sellgkeit ꝛc. 287 Den Rath der Herzen oſſenbar. We leben hier zur Ewigkeit, Zu thun, was uns der Herr gebeutz Und unſers Lebens kleinſter Theil Iſt eine Friſt zu unſerm Heil. Der Tod bringt Seelen vors Gerich Da bringt Gott alles an das Licht Und macht, was hier verborgen war. Weil denn der Tod dir ſtuͤndlich draͤut, So werde wacker und bereit, Und forſche nach, ob du ein Chriſt Durch Glauben und durch Tugend biſt. Ein Seufzer in der lezten Noth, Ein Wunſch, durch des Erloͤſers Tod Vor Gottes Thron gerecht zu ſeyn, Dieß macht dich nicht von Suͤnden rein. Ein Herz, das Gottes Stimme hoͤrt, Ihr folgt, und ſich vom Boͤſen kehrt, Ein glaͤubig Herz, von Lieb erfüllt: Das iſt es, was vor Gott einſt gilt. Du bringſt zwar keinen Augenblick Von der verlohrnen Zeit zuruͤck, Doch auch des Lebens kleinſten Theil Erkaufe noch zu deinem Heil. Schaff alles Unrecht weg von dir, Verbeßre treulich, was du hier Vermagſt, und noch der Reſt der Zeit Sey Ausſaat fuͤr die Ewigkeit. Dann 282 Was wir noch auf unſerm Sterbebette Dann hoffe feſt auf Jeſum Chriſt, Der deiner Seelen Heiland iſt; Setz alle deine Zuverſicht— Auf ihn. Der Herr verwirft dich nicht. Was wir noch auf unſerm Sterbebette zu thun haben, um uns der goͤttlichen Gnade zu 88 10 verſichern. enn ich an die verfloſſenen Tage meiner Wall⸗ fahrt und an die Irrwege denke, worauf ich wan⸗ delte, ſo kann ich von ihnen nichts zuruͤcknehmen. Meine Suͤnden bleiben immer Suͤnden und behalten immer ſo viele traurige Folgen, und ihre Schaͤnd⸗ lichkeit und Strafbarkeit bleibt. Alle meine Reue und meine Thraͤnen koͤnnen dieſen Flecken aus meinem Leben nicht tilgen, und jene Denkſaͤulen meiner Thor⸗ heit und Schande nicht zernichten, aber doch muß auch ich thun, was ich noch kann, und meine Reue uͤber meine Vergehungen muß wahrhaftig und auf⸗ richtig ſeyn: aber wie kann ſie das ſeyn, wenn ich meine Suͤnde noch auf meinem Krankenbette fortſetze, und ſogar noch im Tode ſuͤndige? Wenn ich andere aͤrgerte und verfuͤhrte, Irrthum nnd Unglauben aus⸗ ſtreute, und die Seelen meiner Bruͤder vergiftete, zu Laſtern und Geringſchaͤtzung des Evangelii verleitete, und mein Herz deßwegen zur innigſten Wehmuth ge⸗ beugt iſt, muß ich denn nicht mein geſtüftetes hebe ſo a bette zu t * Gnade a dumeiner Wal an auf ſch wan rücknepmen. mennd behalten tare Schaͤnd⸗ m une Neue und ap aus meinen an weiner Thw⸗ zer doch mu au) meine Na acrſtig und au an, wennit zanabette fotſſt Wan ich au englauben e aa vergff eli bult * Wähdru e rſſiftaus V zu thun haben, um der goͤttlichen Gnade ꝛc. 283 ſo laut zuruͤcknehmen, als ich es hier veruͤbte; nicht an⸗ gelegentlich den Verfuͤhrten und Geaͤrgerten warnen, und den Verſuch zu ſeiner Rettung auf meinem Sterbelager machen? Der Vater und die Mutter, welche an den Suͤnden und auch dem Elend ihrer Kinder ſchuld ſind, werden ſie wirklich ihre Suͤnden gegen ihre Kinder bereuen, wenn ſie nicht noch jezt mit dem eindringenden und ſo ſehr fuͤhlbaren Ton des Sterbenden ſie auf die Wege Gottes zuruͤckrufen? Der Groſe, der ſeine Gewalt misbrauchte, und das Gluͤck und den Wohlſtand ſeines Volks ſeinem Ei⸗ genſinn, ſeiner Habſucht, ſeinen Eitelkeiten, ſeinen Stolz aufopferte, oder ſie den Haͤnden ſtolzer, ge⸗ waltſamer, ungerechter, geiziger Tyrannen uͤberließ⸗ wie kann er Gnade bey Gott ſuchen, wenn er ſie ſelbſt nicht auch noch in ſeinen kranken Tagen und vor dem Anbruch ſeiner Vergeltungszeit ſeinem Volke beweiſet, nicht dem, den er Unrecht that, oder thun ließ, noch ſein Recht wiederfahren laͤßt, nicht noch den Frevler wegſchaft, der ſeine Bruͤder druͤckte und elend machte, und das thut, und die Anſtalten noch trift, die er kann, wodurch das Ue⸗ bel moͤglichſt verbeſſert wird? Wie kann der Reiche, der den Armen, den verlaſſenen Wayſen, die be⸗ draͤngte Wittwe ungetroͤſtet und ohne Huͤlfe ließ, und die heiligſten und erſten Pflichten der Barmherzigkeit verſaͤumte, wahrhaftig ſeine Suͤnde erkannt haben und dem Gerichte des Unendlichen entgehen, vor welchem niemand Barmherzigkeit empfangen, ſondern welches unbarmherzig uͤber den ergehen ſoll, der nicht Barmherzigkeit gethan hat? wenn er nicht noch in den Tagen der goͤttlichen Geduld, und jezt, da er noch kann, nachholt, was es verſaͤumt hatte, und nach ſeinem Vermoͤgen ein Schuͤler Jeſu in Wohlthun und Erbarmung wird? Wie kann der Ungerechte vor 284 Mas wir noch auf unſerm Sterbebette vor den Richter der Welt mit einer Hofnung der Gegnadigung hintreten, wenn er das, was er an⸗ dern mit Unrecht und Betrug entzog, nicht wieder zuruͤckgiebt, nicht das Geſtohlne, das durch Wucher geſammlete, das durch Kunſt der Proceſſe, das durch richterliche Ungerechtigkeiten oder irgend auf unrechte Weiſe, andern ja wohl armen Wittwen und Wayſen, die wohl noch gar an ihm einen Freund, Beſchuͤtzer, Stutze und Vormund haben ſollten, entzogen hatte, wieder nach Moͤglichkeit zuruͤck giebt? Iſt es nicht fortgeſezte Suͤnde, wenn der Laͤſterer und Verlaͤum⸗ der die Kraͤnkungen der Ehre ſeines Naͤchſten nicht zuruͤck nimmt? wenn der Beleidiger nicht ſein Un⸗ recht erkennt und Verſoͤhnung und Friede mit den Geleidigten macht, nicht der Beleidigte, welcher bey Gote Bergebung ſucht, wenigſtens noch hier, ſei⸗ nem Naͤchſten Bergebung wiederfahren laͤßt und ein verſöhnliches Herz zeigt, das er ihm ſtets haͤtte be⸗ weiſen ſollen? Wie kann der Menſch auf die Ver⸗ ſoͤhnung ſeines Erloͤſers bauen, wenn er hier in den unreinen Trieben der Natur Vater unſchuldiger Ge⸗ ſchoͤpfe war, von welchen er ſich, wohl gar durch ei⸗ nen Meineid, losſagte, und ſie dem Verderben uͤberließ, ohne noch fuͤr ihre Rettung zu thun, was er konnte, und die Pflicht, die ſchon die Natur von ihm forderte, zu erfuͤllen. Das iſt denn alſo meine groſe Sorge, die ich hier auf meinem Krankenbette auf mir habe, das von mir zu thun, was ich noch kann, und vergeblich troͤſte ich mich meines Erloͤſers, ſo lange ich nicht dieſe Pflicht erfuͤlle, ja mein Glaube iſt Laͤſterung und Ent⸗ ehrung Jeſu in meinem Tode, und ich erklaͤre den Heiligſten fuͤr einen Suͤndendiener und Beſchoͤniger der ſchaͤndlichſten Greuel, wenn ich von ihm in mei⸗ ner fortgeſezten Ungerechtigkeit und Suͤnde dech b gleich⸗ 3d, Sftt 4 fützogen 2 e Nächſten nicht ſein riede min ite, welchern Knoch hiet, dn läßt und d d ſtets haͤtte h drauf zir Ver aiu hier in den ſchudaer Ge⸗ en lgar durch h. am Wadere dſu thun, te toie Natur te potge, de in)abe, dom znergellih ri vrich nich de 1 tung undc gricch erklir d Peſi 8n 11 1 zu thun haben, um der goͤttlichen Gnade ꝛe. 285 gleichwohl die Seligkeiten des Himmels von ihm erwarten will. Und wenn ich denn auch ſchon laͤngſt mit Gote ausgeſoͤhnt bin, ſo muß und ſoll doch jezt bey der genauern Pruͤfung meines Lebens auf meinem Kran⸗ kenlager meine groſe Angelegenheit ſeyn, das, was ich etwan von Fehlern noch entdecke, und noch nicht verbeſſert habe, das, was ich nicht ſo gethan, wie ich ſollte, das, was ich noch verſaͤumt hatte, nach allen meinen Kraͤften nachzuholen. Vielleicht iſt noch et⸗ was Unrechts in meinen Haͤnden, das ich dafuͤr nicht erkannte; vielleicht noch ein Uepel von mir geſchehen, das ich wohl gar in meinem Irrthum fuͤr gut und recht hielte, ich will mich davon los machen. Wauche ſehr bald ſoll ich Von meinem ganzen Leben, Vom Denken, Reden, Thun, Dem Richter Rechnung geben. O feyerlicher Tag! Wie werd' ich da beſtehn“ Wenn du mit mir, o Gott, Jezt ins Gericht willſt gehn? Auf! meine Seele! komm, Dich ſelbſt vorher zu richten, Sieh auf dein ganzes Thun, Dein Denken und dein Dichten⸗ Schon deiner ſelbſt jezt nicht. Durchſuch dein Herz mit Fleiß; Bedenke, daß es Gott Und dein Gewiſſen weiß. 286 Was wir noch auf unſerm Sterbebette Wie mancher Jahre Zahl, Wie viele Tag und Stunden Sind bis auf dieſe Zeit Auf ewig dir verſchwunden! Haſt du des Morgens ſtets Zuerſt an Gott gedacht Und jeden Tag vor ihm Bedachtſam zugebracht? Steht noch dein Taufbund feſt, Und dachteſt du mit Freuden An Gottes Gnadengeiſt? Mit Dank an Chriſti Leiden? Haſt du Gott treu geliebt? Den Naͤchſten gleich als dich? Warſt du auch fromm gerecht Und keinem aͤrgerlich? Haſt du kein faul Geſchwaͤz, Kein Fluchen angefangen? Erwaͤge, wo du warſt, Mit wem du umgegangen? Haſt du auch Gottes Wort Geliebt und gern gehoͤrt, Dich ſtets darnach gerichtt Und Gott darnach geehrt? Haſt du im Glauben ſtets Vor Gottes Aug' gewandelt? Und wider ſein Geſez Nie wiſſentlich gehandelt? Wie? oder liebteſt du, Was du doch haſſen mußt? Vergnügte ſich dein Herz Auch an verbotner Luſt? Ktbebette V 1 zu thun haben, um der goͤttlichen Gnade ꝛc. 287 Haſt du mit Recht, und Dank Des Herrn dein Gluͤck empfangen? Iſt nicht dein Herz dem Geiz, Der Ehrſucht nachgegangen? Haſt du auch, die dir Gott Hier vorgeſezt, geehrt? Des Nachſten Fehler nie Zum Schimpf und Spott gekehtt dß Haſt du den Naͤchſten wohl Verleumdet und betruͤbet? Ihn um ſein Gut gebracht? b Dies mehr als ihn geliebet? Haſt du ihm treu gedient, Ihn nicht aus Haß gericht't? 5 Thatſt du dem Armen Guts? Verließt den Bruder nicht? Haſt du ſtets keuſch gelebt? Und ließt's in Wort und Werken Bekl eidung, Speiſ' und Trank Die Maͤßigkeit bemerken? Haſt Gottes Ehr' geſucht, Gerechtigkeit geliebt? Und Demuth in Geduld Zur Leidenszeit geuͤbt? 81 Denk, ob ſich auch dein Herz An Gott begnuͤget habe? Misbrauchteſt du die Huld, Zeit, Guͤter, Gluͤck und Gabe? Kurz haſt du fromm gelebt! Und immerdar gewollt, Daß dich der Herr ſo fand', Wenn er jezt kommen n plt 288 Was wir noch auf unſerm Sterbehette zc. O Herr! wer merket doch, Wie oft und viel wir fehlen; Und welcher Sterbliche Kann ſeine Sunden zahlen? Beſchaͤmt, gebeugt vor dir Fleh' ich: ach gehe nicht, Ach gehe, Vater, nicht Mit mir in dein Gericht. Herr, lehr' mich jezt noch thun Nach deinem Wohlgefallen, Verbeſſern, was ich kann, Und reinigen von allem, Was unrecht an mir iſt: Erſtatten, was ich kann, Verſoͤhnen meinen Feind, Und dem ich Leid gethan. Doch Herr, mein ganzer Troſt Iſt einzig dein Erbarmen, Und dei n Verſoͤhnungstod Die Rettung fuͤr mich Armen, Ich ſchlag' an Nimm mich zu meine Bruſt, Gnaden an, Weil hier die ganze Welt Mich nicht erretten kann. Ich troͤſte Erbarmer deines Gnade mich allein nthrones, Erbarmer, rein'ge mich Im Blute deines Sohnes: Der meine Schuld getilgt, Von meiner Miſſethat, Die hier mein Herz befleckt Und dich beleidigt hat. —— — 289 Das Gute, was man noch auf ſeinem Kranken⸗ und Sterbebette thun kann. Am Abend, ja noch mehr bey der einbrechenden Nacht, kann man nur noch ſehr wenig Gutes wirken, aber doch das wenige, was ich wirken kann, will ich mit deſto groͤſerm Ernſt thun. Wer ſeine vorigen vielen Tage verſaͤumt hat, muß denn doch nicht auch die lezten Augenblicke verliehren, und wer ſie wohl anlegte, kann auch das Ende nicht ungenuzt laſſen. Wie manches Gute ſteht doch nicht hier noch in mei⸗ ner Gewalt? Dank und Lob ſoll aus meiner Seele zu Gott hinauf ſteigen, fuͤr alle Barmherzigkeit und Guͤte, die er mir in meinem Leben erwieß und fuͤr alles, was er bis jezt an meiner Seele gethan hat. Erheben und anbeten will ich ſeinen heiligen Rah⸗ men, weil er mich in meinen Verirrungen und Suͤn⸗ den nicht hinriß, ſondern gnaͤdiglich vom Verderben errettete: und in meinem Erloͤſer Vergebung und Gnade finden ließ, und ich nun mit froher Zuver⸗ ſicht ſtatt ſeines Richterſtuhls den Gnadenſtuhl er⸗ blicken, und das Erbe des Himmels hoffen darf. Sein Lob ſoll immerdar in meinem Munde ſeyn, noch ſterbend will ich ihn preiſen und mit freudigem Lobe vor ſein Antlitz treten. Durch Geduld und Er⸗ gebung in ſeinen vaͤterlichen Willen, will ich ihn in meinen Leiden ehren, ich will des Herrn Kelch neh⸗ men, und dabey ſeine Guͤte verkuͤndigen. Iſt die Angſt meines Herzens groß, und wird mein Kampf herbe, daß ich beten muß; iſts moͤglich, ſo nimm dieſen Kelch von mir; ſo will ich mit meinem Erloͤſer 4““ hinzu⸗ 290 Das Gute was man noch auf ſeinem hinzuſetzen: Doch nicht mein, ſondern dein Wille geſchehe. Mein Leidensweg iſt ein Weg zu meiner ſeligen Vollendung und jener unausſprechlichen Se⸗ ligkeit! Mein Glaube an meinen Erloͤſer giebt mir Kraft und Muth, auch durch das Thal des Jam⸗ mers vollends hindurch zu gehen, und laͤßt mich am Ende, am baldigen Ende deſſelben die ſeligen Gefilde der Erwaͤhlten und der Sieger ſehen. Ich will es den Meinen und allen die mein Krankenbette umgeben verkuͤndigen, was Gott an den Menſchen thue und er an mir gethan habe, wie koͤſt⸗ lich das Wort des Lebens und dieſes herrliche Evan⸗ gelium ſey, das unſre Seelen ſelig macht, und wie groſen Frieden diejenigen haben, die im Glauben an ihren Erloͤſer und in der Nachfolge Jeſu ihre Lanf⸗ bahn enden. Noch mit meiner ſchwachen Zunge will ich ein Bote Gottes an meinen Naͤchſten werden, ſie warnen, ſie erinnern, ſie bitten und erwecken, die Wege des Herrn zum Himmel zu waͤhlen, und ſich fruͤh die Schaͤtze des Troſtes und der Freudigkeit auf ihr Sterbebette zu ſammlen. Ich will den Meini⸗ gen befehlen, die Geſetze des Herrn treulich zu be⸗ wahren, und nicht zur Rechten noch zur Linken von ihnen zu weichen. Mein Kranken⸗ und Sterbebette, ſoll eine Schule der Geduld, des Glaubens, des Gebets, der Sanftmuth und des ganzen Chriſten⸗ thums werden. Und kann ich denn noch etwas zur Ehre meines Erloͤſers thun, noch etwas Gutes und Nuͤzliches zuruͤcklaſſen, noch einen Armen erquicken, noch den Durſtigen ſegnen, ſo ſey mir dieſer Augen⸗ blick geſegnet. O vielleicht ſteigt fuͤr mich ſein Gebet zu dem Vater der Barmherzigkeit in meiner To⸗ desſtunde hinauf, und ich werde deſto freudiger ſter⸗ ben, wenn ich in den Geſchaͤften und Wauten der jebe Kranken⸗ und Sterbebette thun kann. 291 —₰„„. a 4 Liebe und Barmberigk⸗ir zu dem Thron ſeiner n rzigkeit hineile. Bhrchücn Barmherzigkeit h üſr gü * Thal des A noch im Tode will d laͤßt ue Ich mich dir treu beweiſen, 5 e ſeligeng Nit Eifer Gutes thun c. Und dich, mein Vater, preiſen, Auf das, was dir gefaͤllt, . Und Andrer Wohlergehn, Fralln die 1 Weil du es ſo gebiet'ſt, a was Gottg. Mit weiſer Sorgfalt ſeh⸗ n de bi, nd hett liche e Laß deinen guten Geiſt zuacht, une Mein ganzes Herz regieren, 1 6 Im Stillen laſſe mich 8 mm laube Sein troͤſtend Zeugnis ſuͤhren, Jeſu lhre 9 Erfreue mich in dir, chen Zungen Der du mein Flehyn bemerkſt rächſten vende b Und meine Zuverſicht nd erwecken, d Auf deine Huͤlfe ſtaͤrkſt. 4 9 ſ Gebet und Lob und Dank ³ Kranddhat a Erfuͤlle meine Seele, d wll Die Augenblicke, die men veulich zu Ich noch auf Erden zaͤhle, a) zur Gnten Sie fuͤhl' bey aller Noth d Stabtzt Nur deine Vaterhuld, rum Und preiſe jedem ſie ua Mit Stille und Geduld, zs ganzen Chhe 79 noch ſthä Die Freunde, welche um Gwas Guked Mein Krankenbette ſtehen, Armen ac ennit Laß unerbau't und kalt 4 dr dieſere Nuh ſeder von ni dehen: 4 elehrend ſey mein To mich ſnd⸗ Nicht Unmuth und Verdruß, 4 in wer Kein Wort betruͤbe den, ſo Bfeud Der mich umgeben muß. dm We 5 kaß 292 Von den Troſtgruͤnden Laß du die Meinigen Mich ernſtlich dir verpflichten, Sie durch mein Beyſpiel noch Im Guten unterrichten, Mitleidig, bruͤderlich, Sanft und barmherzig ſeyn Und herzlich ſich im Gluͤck Des Bruders zu erfreu'n. Noch Armen Gutes thun, Noch andern nuͤzlich werden, Sey noch, getreuer Gott, Mein lezt Geſchaft' auf Erden So bin ich glaubensvoll, Wenn es der Herr gebeut Vor ſein Gericht zu ſteh'n, Auch willig und bereit, Von den Troſtgruͤnden des Frommen in ſeinen Leiden. — Wache Bitterkeiten hat doch der Tod? Die Natur zittert vor ihrer Zerſtoͤrung, und Schwachheit, Schmerzen, Angſt loͤſen das Band der Seele und des Leibes allmaͤhlig auf. Welche Stunden des Jammers ſind doch mehrentheils die Stunden unſers Kranken⸗ und Sterbebettes. Unter Leiden trete ich in die Welt, aber doch zu eier Zeit/ wo ich mir meiner ſelbſt noch nicht ͤ—˖ * 5 men in ſa 12 8od? Den 1d Stuut Grer Seele ul anen des J ad unſers I9 aar ich in d aaeierſ— 0 des Frommen in ſeinen Leiden. 293 nicht bewußt bin, aber unter Leiden, die ich fuͤhle und denke, verlaſſe ich ſie wieder. Das Leben iſt durch ſo mancherley Bitterkeiten beſchwert, aber am Ende ſammlet ſich faſt alles, was ſchmerzlich und leidensvoll iſt. Zuweilen iſt zwar die Laſt des Ster⸗ benden leichter, und unter wenigern Schmerzen ſchlummert er zur Ewigkeit hin; aber doch immer ſchwer; und wie ſchwer, wie hart wird oͤfters und bey den mehrſten der Kampf der Natur? wie hef⸗ tig das Feuer, das in Adern und Gebeinen brennt? wie groß die Angſt und Beklemmung des Herzens? Am Tage wuͤnſche ich das Ende deſſelben, und doch fuͤrchte ich die einbrechende Nacht, die mir neuen Kummer bringt. In der Nacht ſehne ich mich nach dem Tage, und mit dem Anbruch des Tages nahet ſich mein Leiden und meine Plage⸗ ich wuͤnſche den Tag und fuͤrchte ihn doch auch. Ich zittere bey dem Gefuͤhl meiner Leiden, und doch fuͤrchte ich noch mehr den Stand des Nicht⸗ beſinnens und den Nichtgebrauch meines Verſtan⸗ des! Ach wie unausſprechlich ſind doch die Leiden der mehrſten Kranken und Sterbenden! Was uns umgiebt, verliehrt, wenn es auch noch ſo hart und unempfindlich waͤre, ſeine Haͤrte und unſer Jam⸗ mer durchdringt ſeine Seele, und unſre Freunde werden von Wehmuth und Mitleiden aufs tiefſte zur Erde gebeugt. Wir hoffen und es wird uͤbler⸗ wir glauben die hoͤchſte Stuffe des Elendes erreicht zu haben, und es ſteigt noch immer hoͤher. Schlaf⸗ loſe, martervolle Naͤchte! Schreckenvolle bange Tage! Es iſt immer bey aller Verſchiedenheit der Krank⸗ heiten und ihrer Leiden, das Ende deſſelben eine Zeit der Angſt und des Traurens. Und 294 Von den Troſtgrüͤnden Und ach! wenn ich da noch mit meinem Ge⸗ wiſſen zu kaͤmpfen habe! wenn ich in Gott den Raͤcher meiner Suͤnden, in meinem Erloͤſer den gerechten Richter, in meiner Seele Berurtheilung, im Tode und der Ewigkeit Verdammniß und Ver⸗ werfung ſehe, wo finde ich armer verlaſſener Menſch, dann Rubhe, Troſt, Frieden! Was helfen mir jezt alle die genoſſenen Freuden meines Lebens, die wie ein Traum verſchwunden ſind, ja deren Andenken doch mehrentheils dem Gewiſſen Vorwuͤrfe und neue Bitterkeiten macht? Was iſt doch hier Reich⸗ thum und Ueberfluß, wo der Reiche wie der Arme ſchmachtet und ihm ſein Gut keinen Genuß ſon⸗ dern nur Eckel verſchaft, und oft der Erwerb und Gebrauch deſſelben ſein Leiden vergroͤſert? Was iſt hier der Groſe und Maͤchtige, der ſich nun gleich einem Wurme kruͤmmet, und ſo ganz unter der gewaltigen Hand des Allmaͤchtigen liegt, und dem ſein Stand, ſeine Macht und Hoheit ſo oft in dieſen Stunden die mehrſte und groͤſte Unruhe verurſacht? Man beklagt uns, man weinet uͤber und mit uns, aber welcher Menſch kann unſern Jammer wegnehmen, und Troſt und Balſam in unſere Wunden geben! Wenn der Arzt alle ſeine Kunſt auffordert, ſo kann er doch das harte Geſetz der Natur, nicht den Tod, noch die Schmerzen des Todes aufheben? Aller Troſt, den menſchliche Weisheit uns geben will, kann die Seele an der Graͤnze der Ewigkeit nicht wahrhaftig befriedigen. Alle ſogenannte Großmuth, alle erzwungene Un⸗ empfindlichkeit iſt ein elender, ſchwacher und kindi⸗ ſcher Troz der Natur, ja ein Troz dem Allmaͤchti⸗ tigen, der mich deſto tiefer fallen, deſto tiefer und ſchroͤcklicher hinſtuͤrzen und nur deſto ungluͤcklicher machen wird. Nein! hier troͤſtet mich die Han Velt ———:*—— J9— miß und a aſſener Ma helfen ni Genuß r Erwerb — ſert? BWa ¹ ſcch nun ga Danz unter rpt, und dn r ſ ofn Geüſte Unrube r vanet dber 1=h kann unſen ad Balſemi 1.Antt ale ſe s harte Gt ddie Scutr een menſch id Seele mt aciig beftidhn a wungenelh an her und ih teem Alnit ſſoo tiefte 30) unglich zsnich die R des Frommen in ſeinen Leiden. 255 Welt nicht mehr! hier flieht mich alles, und ich fliehe alles, alles verliehrt fuͤr mich Werth und Geſchmack. Nur allein Gott iſt meines Herzens ganzer Troſt. Iſt mein Gewiſſen mit Gott aus⸗ geſoͤhnt, habe ich in meinem Erloͤſer Vergebung und Gnade gefunden, und iſt nichts verdammli⸗ ches mehr an mir, dann oͤfnen ſich fuͤr mich ganze Stroͤhme des Troſtes, und ſie fuͤhren den Frieden Gottes, der hoͤher als alle Bernunft und alles Denten der Menſchen iſt, in meine Seele. O wie herrlich iſt mir jezt die Religion Jeſu! Viele Bekuͤm⸗ merniſſe druͤcken mein Herz, aber deine Troͤſtungen, mein Heiland, ergoͤtzen meine Seele. Wenn dein Wort nicht mein Troſt waͤre, dann wuͤrde ich in meinem Elende vergehen. Wie freudig ſtarb mein Erloͤſer unter unnennbaren Schmerzen, da er beten konnte: Vater! in deine Haͤnde befehle ich meinen Geiſt. Wie getroſt litten Juͤnger und Freunde Jeſu, wenn ſie in ihren Leiden jene uͤber alle Maſen wichtige Herrlichkeit erblickten, und den Himmel fuͤr ſich glaubensvoll offen ſahen? Welche koͤſtliche Er⸗ fahrung giebt uns das Chriſtenthum, daß man in den ſchwerſten Leiden gleichwohl ſo viel Geduld, ja innere uͤberwiegende Freude in Gott empfinden kann, und empfindet. Hier in dir, mein Erloͤſer und mem Gott, will ich ſie ſuchen, und ich werde ſie finden? Elender Troſt: ſo iſt es das Geſez der Natur, der Menſch muß leiden und ſterben: Elen⸗ der Troſt: es kann nicht immer dauren, ſondern es wird ein Ende nehmen! wobey man doch auch das Beſſere nicht ſieht, was man dem llebel ent⸗ gegen ſetzen kann, und wobey man uns mit einem Geſez und einer Nothwendigteit ti jet, welche ge⸗ rade das iſt, was wir beklagen. Aber geſegneter Troſt, den ich in Gott finde, und den er mir in ſeinem 296 Von den Troſtgruͤnden Worte giebt! damit will ich meine Seele erquicken, dadurch werde ich ſiegen, und mein Herz findet darin eine Seligkeit, die mir alle meine Leiden leicht macht. Zu dir erhebt ſich meine Seele, mein Vater, in der Srunde meines Leidens, ſende mir den Geiſt deines Troſtes. Du haſt Gnade und Barmherzigkeit an mir erwieſen, laß mich jezt ihre Groͤße und Herrlich⸗ keit ſehen. Ich habe deine koͤſtlichen Berheiſſungen, die meine Seele ſo oft erfreuten, und noch nie haſt 8 dein Wort gebrochen, erfuͤlle ſie jezt an meiner eele. r Af deine Weisheit bauen, Auf deine Guͤte trauen: Das, Gott, giebt Troſt und Muth, Du fuͤhreſt ſelbſt durch Leiden, Zu wahren ſichren Freuden; Denn alles, was du thuſt, iſt gut. Vor dir iſt nichts verborgen, Was ſoll ich aͤngſtlich ſorgen Da du mein Vater biſt? Du gabſt mir ja das Leben, Und wirſt auch alles geben, Was mir im reben heilſam iſt. Dein Wille ſey mein Will, Laß in Geduld und Stille Mich deiner Huͤlfe freu'n, Es muͤſſe, Herr, mir Armen Dein Veyſtand, dein Erbarmen Stets mehr als alle Breide ſeyn. 3 erheiſee 4 noch nig leit an ne des Frommen in ſeinen Leiden. Erleicht're meine Leiden Durch deines Geiſtes Freuden Durch Muth und Hofnung mir. Beugt mich die Laſt von Schmerzen, So ſprich zu meinem Herzen: Ich, dein Erretter, helfe dir. Was ſoll ich mich betruͤben? Denn Menſchen, die dich lieben Muß alles Segen ſeyn. Ich bin ja dein Erloͤſter, Sonſt hab' ich keinen Troͤſter Und keinen Schutz, als dich allin. -— Der Troſt aus den Eigenſchaften Gottes. Da warſt es doch, mein Vater im Himmel, der mich in dieſes Leben rief: und dir allein danke ich mein Daſeyn, und alles, was ich bin, war und ſeyn werde. Dir gehoͤre ich, dir lebe ich, dir ſterbe ich. Ich bin dein, dein Werk und dein Eigenthum. Und du kannſt und willſt es nicht vergeſſen, daß du mein Vater, und ich dein Kind und dein Geſchoͤpf bin. Du bleibſt mein Gott und mein Vater auch in meiner Leidensſtunde, und wie koͤnnte ich nur eini⸗ ge Augenblicke zweifeln, daß du ein vaͤterliches Auf⸗ ſehen uͤber mich habeſt? In meiner Leidensſtunde, vergißt und verſaͤumſt du mich nicht. Wenn Vater und Mutter auf Erden mich verlaſſen, ſo Kienun⸗ do 298 Deer Troſt aus den doch der Herr mein Vater im Himmel, mich auf. Wenn eine Mutter auch ihres Kindes vergeſſen koͤnnte, ſo kann doch der Herr meiner nicht vergeſſen. Du, mein Gott! biſt gut und fromm; deine Guͤte waͤhret ewiglich. Alle Morgen wird ſie neu, der Morgen verkuͤndigt deine Gnade, und die Nacht deine Wahrheit und Treue. Du biſt nicht wandel⸗ bar, wie ein Menſch, nicht truͤglich, wie die Gunſt der Groſen, die morgen fuͤr uns das nicht mehr ſind, was ſie heute waren; Unveraͤnderlicher, ewiger, treuer und wahrhaftiger Gott, der du Bund und Zeugnis haͤltſt ewiglich, bey dem alles Ja und Amen iſt, der du das in meinen Leiden und in meinem Tode, ja ewiglich biſt, was du warſt, da mich deine allmaͤchtige Hand in meiner Mutterleibe bildete, du, du allein biſt meine ſtarke und feſte Zuverſicht, und mein Glaube kann nie zu Schanden werden. Wenn Berge weichen und Huͤgel fallen, ſo zage und fuͤrchte ich nicht. Der Herr iſt bey mir und mein Gott. Himmel und Erde moͤgen vergehen, aber dein Wort und deine Zuſagen vergehen nicht. Wandere ich im finſtern Thal, ſo biſt du mein Hirte, du erguickeſt meine Seele, du biſt mein Stecken und Staab, du troͤſteſt mich. Mit Dank und Freude werde ich es auch jezt empfinden! daß ich dich als meinen Pater, Helfer und Gott anbeten kann. Harre meine Seele auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angeſichts Huͤlfe und mein Gott iſt. Hier auf meinem Kranken⸗ und Sterbebette wird alles um mich her ohnmaͤchtig fuͤr mich. Kunſt und Gewalt der Menſchen ſinken dahin, und koͤnnen meinem Herzen nicht die Ruhe und meinem Leibe nicht die Kraft, Geſundbheit, ja ſo ſelten nur einige Erleich⸗ terung geben, aber in deiner Hand iſt Leben und Tod, Geſundheit und Krankheit; du ſprichſt und es ge⸗ ſchieht. S be hiber,N uverſicht, m verden. Va S e und filch Hein Gon ar dein Vort * andere ich im an du guückeſt 1 d Staab/ d an werde ich G. alieinen Par⸗ an meine oe anten, die att iſt. M 7 wird alts as iund Gwi anen weinth rreibe nit V 74 as einige Ci a tben und 3 1, 1 8 Eigenſchaften Gottes. 299 ſchieht. Menſchen Huͤlfe iſt von keinem Nutzen. Meine Huͤlfe kommt von dir, dem Herrn, der Him⸗ mel und Erde gemacht hat. Du weißt und kenneſt meinen Jammer und mein Leiden, und dein Auge hat bereits ihren Ausgang geſehen. Mit weiſer Hand leiteſt du auch deine Kinder durch die dunklen Thaͤler des Jammers und des Todes, und haſt bereits die Mittel geordnet, und alles veranſtaltet, was zu mei⸗ nem Troſt und einem ſeligen Ausgang aus meinen Leiden gehoͤrt. Ich habe einen Gott der da hilft, und einen Herrn Herrn, der vom Tode errettet. Wohl dem, dem der Herr ſein Gott iſt, wohl dem, der auf ihn trauet! Wohl mir, daß ich mit kindlicher Zuverſicht, dich meinen Bater nennen, und in dir Staͤrke, Kraft, Troſt und Huͤlfe finden kann. G.es Wille, Gottes Rath Soll auch meinen Willen lenken, Er, der mich erſchaffen hat, Kann nie ſeine Kinder kraͤnken. Wenn er Leidensſtunden giebt, Thuts ein Vater, der mich liebt. Willig folg' ich, wie er will, Fuͤhrt' er gleich durch rauhe Wege. Ohne Murren bin ich ſtill,. Treffen gleich mich ſeine Schlaͤge: Denn noch hat er ſtets gethan, Was mein Heil befoͤrdern kann. Wahr und heilig iſt ſein Wort. Was er zuſagt wird er halten. Ihn allein, den treuen Hort, Laß ich uͤber alles walten. Wer ſich ſeiner Huͤlfe freut, Schmeckt auch ſeine Seligkeit. Troſt aus der goͤttlichen Faͤllt ohn' ihn kein Haar vom Haupt: Sollt er dann mein Heil nicht waͤhlen? b Wer in Demuth an ihn glaubt, V Der wird nie des Troſts verfehlen⸗ Ihm vertrau'n iſt ſuͤße Pflicht⸗ b Er vergißt die Seinen nich. 1 Wein' ich oft im Leiden hier, Truͤgt mich dann und wann mein Hoffen: MNur Geduld: bald ſtehet mir Jenes Buch der Vorſicht offen. Dort ſeh ich, wie wunderbar Gottes gute Führung war. Alle Leiden dieſer Zeit, Alle Thraͤnen und Beſchwerden Sind nicht werth der Herrlichkeit, Die dort offenbart ſoll werden, Herr, du haſt, ruͤhm ich alsdann, Groſes ſtets an mir gethan. b Troſt aus der goͤttlichen Vorſehung nnd Regierung. b Ohne deinen Willen, Schoͤpfer, Erhalter und Herr der Welt, geſchieht nichts. Du ordneſt den Gang und den Wechſel der Dinge, und du leiteſt und regiereſt alles nach deiner hoͤchſten Weisheit und Guͤte. Die ganze Natur und alle Kraͤfte irſeten ind „ſehung und 4 und u Vorſehung und Regierung. 301 ſind dein Werk, und ſie thun, was du willſt, ru⸗ hen, wenn du gebeutſt, und ſie erfuͤllen immer zu⸗ lezt deine weiſen, guͤtigen und groſen Abſichten. Du biſt Aufſeher und Vater der Menſchenkinder, und du miſſeſt ihre Wege und Schickſale mit wei⸗ ſer Sorgfalt ab: alle unſre Tage ſind auf dein Buch geſchrieben. Vorzuͤglich freut ſich der Menſch, der deinen Nahmen fuͤrchtet, deiner gnadenvollen Lei⸗ tung; denn deine Augen ſehen auf die Gerechten. Du beſtimmeſt ihre Freuden, und ordneſt ihre Leiden, und in beyden ſegneſt du deine frommen und redli⸗ chen Anbeter. Denen, die dich lieben, muͤſſen alle Dinge zum Beſten dienen. Sind zwar deine Zuͤch⸗ tigungen, wenn wir ſie empfinden, nicht Freude, ſo flieſen ſie doch hin zu den ſeligen friedevollen Fruͤch⸗ ten der Gluͤckſeligkeit, und erhoͤhen unſern Glauben, kroͤnen unſre Geduld und Standhaftigkeit, ſtaͤrken und veredlen unſre Froͤmmigkeit und belohnen uns theils hier, theils dort mit dem herrlichſten Erfolg. Nur das kann mir von den Leiden begegnen, was du fuͤr mich gut und nuͤzlich findeſt; nur ſo weir kann das Uebel gehen, das mich trift, als du willſt: du ſetzeſt allem ſein Ziel, und wandelſt es in Freu⸗ den. Mit dieſer frohen Ueberzeugung demuͤthige ich mich unter deine Vaterhand, und bete in meinen Leiden deine Guͤte an. Du ſiehſt auf mich hin, wie auf deine ganze Schoͤpfung. Kein Haar faͤllt von meinem Haupte ohne deinen Willen. Keine Thraͤne dringt aus meinen Augen, du ſiehſt und zaͤhleſt ſie, kein Seufzer ſteigt aus meiner Seele hervor, du hoͤrſt und merkeſt ihn. Dies mein Leiden iſt von dir, du haſt es ſchon abgewogen, ſein Ziel ſchon geſteckt, und es iſt dein Weg, auf welchem du mich zu meinem Heile fuͤhreſt. Und ich ſollte hier nun meinen Muth verlieren, an deiner Huͤlfe und Gnade zweifeln, und 8 deine — 302 Troſt aus der goͤttlichen deine heilſamen Rathſchluͤſſe verkennen? Dich, der du nicht die Menſchen betruͤben und plagen willſt, ſondern Bater und Erbarmer biſt, nicht in Geduld und Vertrauen ehren? Wenn ich deine Fuͤhrungen und die Wege be⸗ trachte, die du mich bisher geleitet haſt, wenn ich daran denke, wie du von der Welt her gerichtet oder regieret haſt, ſo wird meine Seele getroͤſtet. Habe ich nicht auf meiner irdiſchen Wallfahrt unendlich mehr Freuden und Sonnenſchein gehabt, als truͤbe Tage, wenn ich nicht undankbar die vielen unverdienten groſen Wohlthaten verleugnen will, die du an mir von Kindesbeinen an thateſt? Und wenn ich die Be⸗ ſchwerden, die Laſten, die Hitze des Tages fuͤhlte, ward ich nicht bald deine gute Vaterhand gewahr, die mich erquickte, troͤſtete, und errettete? Sezteſt du nicht bald neben den boͤſen Tag auch den guten, ja mehrere gute und heitre Tage! Wie oft ſorgte ich den Morgen, wie der Tag voruͤber gehen moͤchte, wie oft im Anfange des Jahres, was mir dariun begegnen moͤchte, und ich pries dann am Ende des Tages und des Jahres deine wunderbare Guͤte und Furſorge, und ſehe es nun, daß du, getreuer Gott! mich gnaͤ⸗ diglich geleitet hatteſt? Wie oft ſtand ich etwan am Rande des Verderbens, und du erretteteſt mich? Wie oft zagte ich in meinen Leiden, und du halfſt wider mein Denken, ja bereiteteſt mir in dieſen truͤ⸗ ben Stunden zu meiner Beſchaͤmung und demuths⸗ vollen innern Freude Wohlthaten und Segnungen? Waren nicht jene Leiden, auf welche ich jezt noch hinſehe, meine geſegneteſten Stunden, die meinem Geiſte das rechte Leben und ſo oft meinem irdiſchen Wohl Erweiterung und Feſtigkeit gaben? Wann haſt du mich je verlaſſen, und wann iſt mein Gebet und Seuſzen zu dir vergeblich und umſonſt geweſen? Und ich, venn ic i s Tages ſiſt Land gewagt, rte! Sehteſt den guren, ſtſorgte ich a ucte, wiegj zaun begegnen ades Ves und und Fünſorgg zatt! wich gnt ich etwan w grretteteſt wih und du hat t in dieſen n und dewut ) Segnunxn ich jä u n, die weine. inem idſt 2n? Wam hein Gen. naniſal,* 1 Vorſehung und Regierung. 303 ich, der ich ſo viel Gutes, und ach oft ſo undankbar, von dir empfieng, ſollte nun nicht auch gehorſam den Leidenskelch nehmen, den deine Hand mir einge⸗ ſchenkt, und den deine Weisheit und Guͤte doch nun zu meinem Heile nur ſoweit angefuͤllt, als ich ihn trinken kann, und als er mir gut und nüuͤzlich iſt? Jezt ſollte ich kleinmuͤthig werden, und an dir verza⸗ gen“ jezt meinen Glauben an deine vaͤterliche Regie⸗ rung und Vorſehung hinwerfen? O wie viel Gutes haben mich dieſe Leidensſtunden auf meinem Kranken⸗ lager ſchon gelehrt und gegeben? Wie ſehr mich in mich ſelbſt gekehrt, wie dringend mein Herz zu dir erhoben, wie meinen Glauben geſtaͤrkt, wie voll von Hofnung zu jenen nahen Freuden des Landes der Ruhe gebracht? Erhebe dich, mein Herz! unter dem Gefuͤhl des Jammers zu Gott, deſto feſter hoffe auf ihn, deſto kindlicher und zuverſichtsvoller lege deine Leiden und Plagen in ſeinen Schoos, weine deine Thraͤnen in ſein Herz, predige Gottes Guͤte jezt dei⸗ nen Bruͤdern und hoffe auf ihn. Er wird dich er⸗ loͤſen aus dieſem allem und dir aushelfen zu ſeinem himmliſchen Reich; dein Mund wird voll Ruͤhmens und deine Zunge voll Jauchzens werden. *½ b Ich hab in Gottes Herz und Sinn Mein ganzes Herz ergeben. Was boͤſe ſcheint, wird mir Gewinn, Der Tod wird mir zum Leben. Gott iſt es, der ſchon laͤngſt vorher Mich zu den Seinen zaͤhlte, Eh' ich ihn hier erkannt und mir Zu meinem Theil erwahlte. Troſt aus der goͤttlichen Iſt, was ich bin, nicht alles ſein? Gab er mir nicht das Leben? Hab' ich mir Adern und Gebein, Mir meinen Geiſt gegeben? „Giebt er mir nicht, was mir gebricht? Wie kann ſch troſtlos weinen? Wer ſo viel thut, der meint es gut, Der kanns nicht boͤſe meinen. Was mich erhaͤlt und naͤhrt, hab ich Aus ſeiner Hand empfangen, Wie koͤnnt' ich leben: hielte mich Nicht ſtets ſein Arm umfangen? In Tag und Nacht half ſeine Macht Und gab mir manche Freuden, Und o wie oft und unverhoft Wandt er mir meine Leiden! Er hat Gewalt, er hat Verſtand Um alles zu regieren, Hat Zeit und Ort in ſeiner Hand, Sein Werk hinauszufuͤhren. Er weiß, wenn Freud, er weiß, wenn Leid Uns ſeinen Kindern diene; Und was er thut, iſt alles gut, Obs noch ſo traurig ſchiene. Druͤckt dich das Leiden, dulde nur, V Auf Leiden folget Segen. V Kein Baum tragt Fruͤchte, keine Flur Bleibt ohne Sturm und Regen; So dringt mein Herz auch unterm Schmerz Hindurch zu Gottes Freuden, Nimmt er mich dann zu Ehren an: Was ſchaden alle Leiden? uſtand 6 „ wenn ked 1 elr, 4. Fur 4. rn Schber⸗ Dein Leben auf Erden, mein Heiland! war Leiden V 2n: Vorſehung und Regierung. 305 So fall', o Vater, denn auch ich, Getroſt in deine Haͤnde. Du fuͤhrſt gewis mich vaͤterlich Zu einem guten Ende b Wie mild du ſeyſt, das wird mein Geiſt Zu ſeinem Heil erfahren, Du wirſt es einſt, wenn du erſcheinſt, Vollkommen ofſſenbaren. Du giebſt im Leiden Sonnenſchein, Ich nehm'’ ihn an mit Freuden; Und ſoll es Noth und Elend ſeyn, So will ichs willig leiden, Soll ich vor dir noch laͤnger hier Auf rauhen Wegen wallen, Wie du mich fuͤhrſt und fuͤhren wirſt, So laß ich mirs gefallen. Herr, meinen Geiſt befehl ich dir In deine Vaterhände, Kommt denn mein Tod, erwuünſcht iſt mir, Willkommen mir mein Ende, Du biſt mein Hirt, der mir dann wird Den Weg zum Himmel weiſen, Wie wonnevoll, mein Vater, ſoll Dich dann mein Jubel preiſen. Troſt aus der Erloͤſung Jeſu. — und deine lezten Tage Jammer und Plage? Was reicht doch an deine Schmerzen⸗ und wer wurde, wie 306 Troſt aus der Erloͤſung Jeſu. wie du, zerſchlagen und gemartert? Und du, der du ſelbſt die Unſchuld, der Heiligſte unter den Men⸗ ſchen, der Vollkommenſte und Gerechteſte warſt, in deſſen Munde nie ein Betrug erfunden wurde, der du Lehrer, Wohlthaͤter und Begluͤcker der Menſchen warſt, litteſt mit ſo vieler Geduld, giengſt mit ſo cher Bereitwilligkeit und Entſchloſſenheit die harte Leidens⸗ bahn, und beteteſt: nicht mein, ſondern dein Wille, mein Vater! geſchehe. Du haſt mir, mein Erloͤſer! ein Beyſpiel gegeben, und ich ſoll dein Nachfolger auch in meinen Leiden, und ſo geſinnet ſeyn, wie du auch warſt. Ich, der ſo manche Leiden verdiente, deſſen Herz ſo oft deine Rechte und Wege verlies, und mit ſo manchen Suͤnden Strafe und Zorn des All⸗ maͤchtigen auf mich zog, ſollte nicht willig eine Laſt tragen, die ich weit ſtaͤrker verdiente, da du, der ohne Suͤnde war, ſie ſo willig von der Hand des Vaters annahmſt? 15 8 1, Und ach! wie viel Troſt in meinen Leiden geben mir doch, mein Heiland, deine Leiden. Darum lit⸗ teſt du, damit ich Friede haͤtte. Anbetungswuͤrdige Liebe, wie vermag ich doch, die unbegreifliche, unbe⸗ graͤnzte und unendliche Erbarmung meines Erloͤſers genug zu preiſen! Du litteſt und ſtarbſt fuͤr mich, und durch dich habe ich Vergebung der Suͤnden und nun Friede mit dir, mein Gott! Hier iſt der Grund meiner groſen Hofnung, dadurch kann ich nun mit kindlicher Zuverſicht, Gott meinen Vater nennen, mit Freudigkeit ihn in meinen jetzigen Leiden anbeten, und dies mein Gebet in meines Erloͤſers Nahmen wird mein Vater erhoͤren. Was waͤre ich, wenn ich mich jezt nicht meines Verſoͤhners erfreuen, nicht durch ihn begnadigt auf ihn hinſehen, und in meinen Leidensſtunden, ſo nahe an der Ewigkeit auf ihn mei— nen Troſt, meine Errettung und Huͤlfe bauen tunnd 8 Wie ͤm p.— aon, wie dur 7) erdiente, — verlies, ¹ Zarn des. willig eine 1 da du, der o And des Yaug enn Leiden geben 1. Darum ſis⸗ atanesdüddge räſiche, unbe neines Erliſch tiarbſt ſüt mah aer Sinden w i iſt da Gm in ich um n uue un Leiden auhth üſets M Nahu yaͤre ich, n 1 eiuns 1 und in 1 keit auf h 1 bauen r’ 1 V V I V Troſt aus der Erloͤſung Jeſu. 307 Wie viele Beruhigung und Erleichterung, ſa wie viele Freudigkeit giebt es meinem Herzen bey allen mei⸗ nen noch ſo harten Leiden, wenn ich mich unter dem Aufſehen meines goͤttlichen Erloͤſers fuͤhle, und mich als den Gegenſtand ſeiner herzlichſten Liebe und Er⸗ barmung betrachte. Der, der ſein Leben aus Liebe für mich lies, der in die ee am, mich dom Slende dunlgen war, der, den bene zur zrſeheen ein es Vo⸗ ters, mit ſeiner goͤtktlichen Macht Veſch ther Helfer/ Troͤſter und Retter aller Seinen iſt, iſt auch jezt mein Erbarmer, und ſeine Seele fuͤhlt Mitleiden mit mir. Er iſt in allem verſucht, damit er Mitleiden haben koͤnne mit meiner Schwachheit. Auch ich werde die Macht ſeiner Liebe erfahren, die mich troͤſten wird. Ja, meine Leiden ſelbſt muͤſſen mich zur hoͤhern Se⸗ ligkeit bereiten. Er fuͤhrt mich durch dieſe rauhen Wege zu meinem groſen Ziele. Durch ihn ſehe ich glaubensvoll auf das baldige Snde meiner Laͤuterung und auf die Staͤtte meiner ewigen Ruhe. In der Welt haben wir Angſt, aber er hat die Welt uͤber⸗ wunden. Nichts von Leiden und Truͤbſal mag mich ſcheiden von der Liebe Gottes in Jeſu Chriſto. Die Gewißheit meiner Begnadigung und des kunftigen herrlichen Erbes der Kinder Gottes verſuͤßt mir auch die bitterſten Stunden meines Krankenlagers. Wenn ich auf dich, mein Erloͤſer, ſehe, ſo vwird meine Seele getroͤſtet. Wie 308 ETrcoſt aus der Erloͤſung Jeſu. We getroſt und heiter, Du mein Licht und Leiter, Machſt du meinen Geiſt; Der du, die dir trauen, Fuͤhrſt auf gruͤnen Auen, Und ſo gern erfreuſt. Niemals wird bey dir, o Hirt, Freund und Troͤſter unſrer Seelen, Mir Erquickung fehlen. Deinem Rath ergeben, Freu' ich mich zu leben,. Was du willſt, iſt gut, Nichts vermag ich Schwacher, Du, mein Seligmacher, Ruͤſteſt mich mit Muth; Wenn die Welt erbebt und fallt, Wenn Gericht und Hoͤlle ſchrecken, Willſt du mich bedecken. Ich kann ohne Grauen Graͤber vor mir ſchauen, Mein Erloͤſer lebt! Ich weiß, wem ich glaube, Weiß, daß aus dem Staube. Mich ſein Arm erhebt. Todestag! dein Schroͤcken mag Eines Frevlers Herz erſchuͤttern: Was brauch' ich zu zittern? Auch in mir iſt Suͤnde, Doch ich uͤberwinde Sie, mein Hort, durch dich, Sink' ich oft noch nieder, Du erhebſt mich wieder, Du begnadigſt mich. V Deine Huld tilgt meine Schuld, Nie entziehſt du deinem Knechte V Der Erloͤſten Rechte. V Troſt aus der Erloͤſung Jeſu. 305 — Daß ich Gott erkenne Und ihn Vater nenne, Und mich ewig ſein: Daß ich noch am Grabe Troſt und Hofnung habe, b Dank ich dir allein. 1 Daß dein Geiſt mich unterweiſt ¹ 4 Und Dich fuͤhrt auf deinem Pfade, u, Das iſt deine Gnade. Du haſt Blut und Leben Für mich hingegeben, Daß in meiner Roth Ich nicht huͤlflos bliebe. . Groß iſt deine Liebe, Staͤrker als der Tod! Herr, und ich, ich ſollte mich 7 Deiner Huld nicht dankbar freuen? 1 Dir mein Herz nicht weihen? Deinen hohen Frieden Schmeck' ich ſchon hienieden, und was hoff ich dort? Unbegraͤnzte Zeiten Voller Seligkeiten Hoff ich auf dein Wort. Sie ſind mein, durch dich allein Bleib ich dir getreu im Glauben: . Wer kann ſie mir rauben? Voll von deiner Guͤte Jauchzet mein Gemuͤthe Gott, mein Heiland, dir. Dieſer Geiſt der Freuden Staͤrket mich im Leiden, 8 Weichet nie von mir.. Laß mich ſo beherzt und froh 3 Auch durchs Thal des Todes dringen 1 V Dort dein Lob zu ſingen. 8 1 Troſt —õÿ—;— 310 Troſt aus den Betrachtungen der Ewigkeit. 8 b E⸗ iſt noch eine Nuhe fuͤr Gottes Volk vorhan⸗ den, und froh ſehe ich an den Graͤnzen dieſes Landes der Verheiſung dahin, wo ein ewiger Friede wohnet, und wozu ich ſo feſte Hofnung und ſolche gegruͤndete Rechte durch den Erloͤſer habe. Mein Leben iſt ja doch nur Wallfahrt und hier bin ich Gottes Pil⸗ grim, der noch keine bleibende Staͤtte hat, ſondern die kuͤnftige ſucht. Hier iſt das beſte und glaͤnzendſte Leben doch immer mit ſo vielen Beſchwerden und Elend durchflochten, es bleibt eine Reiſe durch Taͤu⸗ ſchungen, Unvollkommenheiten und Muͤhſeligkeiten; und wie froh ſieht der Wandrer ſeine Ruheſtaͤtte end⸗ lich nahe vor ſich; wo er nach allen Stuͤrmen und Un uhen erquickt und belohnt wird. Zwar iſt mein Ausgang leidensvoll, und die lezten Schritte einer be⸗ ſo werten Reiſe werden dem ſchon ermuͤdeten Wandrer immer haͤrter, aber ſeine ſo nahe Ausſicht des Endes erhaͤlt und ſtaͤrkt ihn deſto maͤchtiger. Ich wuͤnſchte freylich lieber uͤberkleidet als entkleidet zu ſeyn, und ohne dieſe Leiden zu meiner kuͤnftigen Wohnung des ewigen Friedens hinzugehen, aber doch gehoͤren ja auch dieſe Leiden, unter welchen ſich mein Geiſt von dieſer irdiſchen Huͤtte trennt, nach der weiſen und guͤtigen Regierung meines Gottes, zur Vorbereitung und gewiſſern Befoͤrderung meines ewigen Gluͤcks. Sie waren Segensquellen fuͤr mich und werden es noch mehr fuͤr die Ewigkeit ſeyn. Jene hoͤhern Seligkei⸗ ten ſind es wohl werth, auch durch einen beſchwerli⸗ chern Weg zu ihnen hinzudringen. Sie ſcheinen mir kang, aber was iſt doch ein Jahr, was ein Tag gegen mein de vig 88 Volt bt 1 zen dieſes 6 dr Friede 6 ol che gegen 1 (ein Leben e und glänn heſchwerden, Näiſe durc —Mthſelgzen 1 Nuuekir 6 1 Stürmen u Swar ſfe me ſcheitte einer he duten Vandte ſſcht des Cnd⸗ Ic vluſt et zu ſeyn, w a Wahnung) haehorenſa Geiſt von u iſen und gite orbereitung! en Gläͤckz. werden an hohern Eh einen beſc Sie ſchän as in 0 1 b Unendlichen,— der Erſcheinung meines Erloͤſers nahet ſich. Troſt aus den Betrachtungen der Ewigkeit. 311 mein ganzes Leben, worin mir Gottes Guͤte ſo viele Freuden gab, ja was ſind ſie gegen eine Ewigkeit? Bald werden ſich dieſe Sruͤrme legen, immer naͤher eilen ſie zu ihrem Ende, und je heftiger ſie werden, deſto naͤher ſind ſie ihrem Ziel. Die allmaͤchtige Hand meines Erloͤſers leitet mich unter denſelben, und bald, bald habe ich meine Sieger⸗Krone. Unſere Truͤbſale ſind zeitlich und leicht, und nicht werth der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden ſoll Sie ſind, je naͤher ich meinem Ende bin, auch deſto ſtaͤr⸗ kere Prediger, und freudigere Boten meiner baldigen Vollendung. Es ſind meine lezten Thraͤnen, bald weine ich ſie nicht mehr, und ich bin nun der Zeit nahe, da mein Erloͤſer alle meine Thraͤnen trocknen wird. Es ſind meine lezten Seufzer und Klagen, bald bin ich da, wo kein Leid und kein Geſchrey mehr ſeyn wird. Hier am Ziele ſollte ich noch kleinmuͤthig werden? Hier da ich bereits die Krone der Gerech⸗ tigkeit in der Hand meines Erloͤſers fuͤr mich erblicke, ſollte ich noch meinen Muth verliehren, und troſtlos zagen? Weiche ſelige Belohnung meiner Geduld, meines Glaubens und meiner Standhaftigkeit warten auf mich! O Tod, wo iſt dein Stachel! Grab und Berweſung, wo iſt dein Sieg! Gott ſey Dank, der mir den Sieg durch Jeſum Chriſtum gegeben hat. Es zittre, wer noch unverſoͤhnt, unbegnadigt, in einem verdammenden Gewiſſen dahin geht, aber mein Geiſt erhebe ſich im Lobe, Danke und Anbetung des denn der Tag meiner Erloͤſung und Wie 312 Troſt aus den Betrachtungen der Ewigkeit. W wird mir dann, ach dann mir ſeyn, Wenn ich mich ganz des Herrn zu freun, In ihm entſchlafen werde! Von keimer Suͤnde mehr entweiht, Entladen von der Sterblichkeit Nicht mehr der Menſch von Erde. Freu dich, Seele, ſtaͤrke, troͤſte Dich Erloͤſte, mit dem reben,“ Das dir dann dein Gott wird geben. Verachte denn des Todes Graun, Mein Geiſt, er iſt ein Weg zum Schaun, Der Weg im finſtern Thale. Er ſey dir nicht mehr fuͤrchterlich, Ins Allerheiligſte fuͤhrt dich V Der Weg im finſtern Thale. Gottes Ruh iſt unverganglich, Ueberſchwenglich, die Erloͤſten Wud ſie unausſprechlich troͤſten⸗ Herr, Herr, ich weiß die Stunde nicht, Die mich, wenn nun mein Auge bricht, Zu deinen Todten ſammelt; Vielleicht umgiebt mich ihre Nacht, Eh ich dies Flehen noch vollbracht, Mein Lob dir ausgeſtammelt. Vater, Vater, ich befehle Meine Seele, deinen Haͤnden, Jezt, o Vater, deinen Handen, Wie wird mir dann, ach dann mir ſeyn, V Wenn ich mich ganz des Herrn zu freun, b Ihn dort anbeten werde! Von keiner Suͤnde mehr entweiht, Ein Mitgenoß der Ewigkeit, Nicht mehr der Menſch von Erde. Heilig, heilig, heilig ſingen Wir dir, bringen Preiß und Ehre Dir, der war und ſeyn wird, Ehre. —— ¹ dam wir du ſteun aunhe rich ch, 3 Abh 313 Von den mancherley Erquickungen in den Leidensſtunden. 6 △υηά— In unſern bangen Stunden laͤßt es gleichwohl die Guͤte Gottes nicht an mancherley Erquickungen feh⸗ len Es iſt kein Leiden eines Freundes Gottes ſo groß, das nicht mit einigen Freuden gemiſcht ſey. Der gute Vater der Menſchenkinder verſaͤumt und verlaͤßt uns nicht, und wir ſehen gleichſam ſein Antlitz oͤfters zwiſchen den dunklen und truͤben Wolken, die unſern Himmel uͤberzogen haben. Schon das iſt ja uͤber alles erfreuend und das erſte und koͤſtlichſte unter allen Freuden, daß uns Gottes Geiſt das Zeugniß giebt, daß wir Gottes Kinder ſind. Dieſe unausſprechliche Seligkeit, welche uns das Bewußtſeyn des Friedens mit Gott giebt, der uͤber alles Denken der Menſchen geht, iſt einem Anblicke Jeſu aͤhnlich, wobey unſere Seele geneſet. Wie erquickend fuͤr mich bey allem meinem Jammer, der mich druͤckt, dieſe frohe Empfin⸗ dung meiner Erwaͤhlung und meiner Begnadigung vor Gott zu genieſen? In meinen Gebeten zu ihm, den Erhebungen meines Herzens zur Quelle meines Troſtes empfinde ich dann eine Erleichterung, die mir die ſchon uͤberwundnen Leiden vergeſſen, und die noch zu uͤberwindenden leicht macht. Aber dabey laͤßt es mir mein Erbarmer an man⸗ chen andern Erquickungen niemals fehlen. Treu und barmherzig iſt er, und er laͤßt in meinen Leidenskelch einen Tropfen des Troſtes nach dem andern fallen. Auch hier ſetzet er den uten Tag oder die gute Stun⸗ de neben den boͤſen. Wenn ich glaube, daß ich unter der * 8 4 —— 4 ————— 4 314 Von den mancherley Erquickungen gen fuͤr den Tag fuͤrchtete, ſo preiſe ich oft am Abend ſeine Barmherzigkeit, die ihn mir erleichtert hatte, — genieſe ich Pflege; Wartung und Liebe meiner guten Mitbruͤder oder der Meinigen, und hier fuͤhle ich das Gluͤck noch vor meinem Ende, daß meine Arbeiten, Geſchaͤfte und Beeiferung in meinen Pfiich⸗ ten nicht vergeblich waren. Da muß noch eine er⸗ freuliche Botſchaft mich aufmuntern, und ich ſehe meine Wuͤnſche und Gebete noch erhoͤrt und erfuͤllt, und hier wird ein Kummer, den ich noch fuͤr die Meinigen hatte, gehoben. O wie mancherley und groß iſt die Erquickung⸗ womit Gott uns auch in den haͤrteſten Leiden aufrich⸗ tet, wenn wir ihn fuͤrchten und auf ihn hoffen! Wie viele Urſache finden wir doch auch auf unſerm Kran⸗ ten und Sterbebette, unſer Herz mit Lob und Dank zu ihm zu erheben! Genoſſene, unzaͤhlige, groſe, und auch immer neue Wohlthaten legen uns das Lob des Barmherzigen in den Mund, bis wir hinkommen zu dem Lobe der Heiligen. Auch ich weiß es, daß du mir in meinen Leiden an meiner Seite ſteheſt. Ge⸗ kobet ſey dein Nahme, mein Gott und mein Vater, fuͤr jede Erquickung in meinen Leiden, fuͤr jeden Strahl der Sonne, der durch die truͤben Wolten zu mir hin⸗ durch dringt, fuͤr jeden Augenblick der Erleichterung und des Troſtes. Meine Seele erhebt den Heurng un 1 Wäh arerguickt. 2 9e Augen n teit und 8 dert ein 1Sn ² Schmenz. 1) Hebe lh : und pie 1 he, da deß n iweinen pi 1ß noch eine 2, und jch ſc dirr und erfäh hoch fur die 4 1e Grüichung Leden aafuch⸗ ſrhoffnn! We unſerm Kraw Lob und Da zige, groſe, n ans das dob d hinkomweng 6 es, diiy Sſt d d mein Vu eir ktden n zten zu wir Erleichte eht den„ I 4 in den Leidensſtunden. 315 und mein Geiſt freuet ſich Gottes meines Heilandes. Ich weiß, an wen ich glaube, und daß er mir die Krone der Gerechtigkeit beylegt. Und wenn ich wan⸗ dere im finſtern Thal, ſo fuͤrchte ich mich doch nicht, denn du, mein Hirte! biſt bey mir, dein Stecken und Staab troͤſten mich. Du fuͤhreſt mich zum fri⸗ ſchen Waſſer, und erquickeſt meine Seele. Voll ſchenkſt du den Becher der Liebe fuͤr mich ein; Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein ganzes Leben hindurch, und dann, wenn meine Wallfahrt dahin iſt, ſo werde ich in deinem Hauſe und zu deiner Rechten bleiben ewiglich. Was ſo ſoll ich angſtlich klagen, Und in der Noth verzagen: Der Hoͤchſte ſerßt fuͤr mich. Er ſorgt, daß meiner Seele Kein wahres Wohl je fehle. Genug zum Troſt, mein Herz, fuͤr dich. Auf deine Hand zu ſchauen, Dir kindlich zu vertrauen, Das, Herr, iſt meine Pflicht. Ich will ſie treulich uͤben, ÜUnd dich, mein Vater, lieben; Denn dn verſaͤumſt die Deinen nicht. Herr, alle meine Sorgen, Die Noth, die mich verborgen * In meinem Geiſte nagt, Werf ich auf deine Treue; Gewiß, daß ſie erfreue Den Frommen, der ſein Leid dir klagt. 316 Von den mancherley Erquickungen in ꝛc. Ja, wenn mein Auge thraͤnet, Und ſich nach Huͤlfe ſehnet, So klag ich dirs, dem Herrn. Dir Vater, dir befehle Ich jeden Wunſch der Seele. Du hoͤrſt, du hilfſt, du ſegneſt gern. Du haſt mir hier im Leben Mein groͤſtes Heil gegeben, Und deinen Sohn geſchenkt. Du wirſt mir alles ſchenken, Und mir zum beſten lenken⸗. Was mich zu ſorgen reizt und kraͤnkt. Du leiteſt, Herr, die Deinen Nie ſo wie ſie es meynen; Doch ſtets nach deinem Rath, Ob ich mich auch betruͤbe, Bleibt doch dein Rath voll Liebe. Das zeigt der Ausgang und die That. Wenn ich hier Tiefen ſehe, Nicht deine Bahn verſtehe, Die wundervolle Bahn, Kann ich doch deß mich troͤſten; Mein Gott nimmt mich Erloͤſten, Gewiß dereinſt zu Ehren an. Dort bey der Frommen Schaaren, Dort werd' ich es erfahren, Wie gut du mich gefuͤhrt. Da ſing auch ich mit Freuden, Nach uͤberſtandnem Leiden Den Dank, der deiner Huld gebuͤhrt. daßic ſet un wieſt zur Heile mein det wie ges! Schl nit thut; Seef Hafe Nut die Ewi ſicht ken, nes keben wir g ben! der? Wex 2 dunt enn⸗ aakt. daaren, — 317 Von der Sehnſucht nach einer ſeligen Vollendung. A, wann werde ich dahin kommen, mein Erloͤſer, daß ich dein Angeſicht ſchaue. Ich wuͤnſche aufgeloͤ⸗ ſet und bey meinem Heilande zu ſeyn. Ach Herr! wie ſo lange! Ich warte von einer Morgenwache bis zur andern, meine Seele verlangt nach deinem Heile. Komm, mein Jeſu! ja komme bald! Iſt mein Kampf bald gekaͤmpft, mein Lauf bald vollen⸗ det, und die Nacht des Todes bald voruͤber? O wie ſich der Arbeiter unter der Laſt und Hitze des Ta⸗ ges nach dem Abend ſehnet, und in die Arme des Schlafs froh dahin ſinkt; ſo wie der muͤde Wandrer mit hoher Wonne den Schritt in ſeine Wohnſtaͤtte thut; ſo wie nach den Stuͤrmen und Gefahren der Seefahrende mit unbeſchreiblicher Wolluſt in den Hafen eingeht: ſo ſehnt ſich meine Seele nach der Ruhe in Gott, und ſo freuer ſich mein Geiſt auf die bald anbrechende Morgenroͤthe meiner ſeligen Ewigkeit. Ich werde Gott von Angeſicht zu Ange⸗ ſicht ſehen: da nun meinen Erloͤſer ſehen und anbe⸗ ten, der meine Seele gerettet hat; da den Gott mei⸗ nes Heils in ſeinem Heiligthume preiſen, der mir Leben und Odem gab, und Gutes und Wohlthat an mir gethan hat; der meme Seele vor dem Verder⸗ ben bewahrt, mich aus der Suͤnde gerettet, mich aus der Angſt und dem Gericht genommen, und mich die Wege des Heils gefuͤhrt hat. Da werde ich die dunklen Wege ſeiner Vorſehung im hellen Lichte er⸗ tennen, und die Fuͤhrungen meines Gottes 4 hen/ 318 Von der Sehnſucht hen, die ich hier nicht uͤberſehen konnte. Wie voll wird da meine Seele von freudigem Dank und Lobe des Allmaͤchtigen und Gnaͤdigen werden. Lob und Dank und Anbetung, Preis und Ehre dir dem Unendlichen ewiglich, der du ſo viel an mir gethan haſt! Was bin ich, was iſt der Menſch, daß du ſein ſo gedenkſt? Bald leide ich nicht mehr, bald ſind alle meine Thraͤnen getrocknet, bald habe ich ausgerun⸗ gen, bald lege ich auf ewig Gram und Sorge, Kummer und Verdruß nieder. Bald taͤuſcht mich die Welt nicht mehr, bald drohet keine Gefahr mehr meiner Seele, bald ruht Neid und Verfol⸗ gung, Jammer und Leiden ewiglich. Dorthin dringt kein Feind, und dort raͤuſcht mich kein fal⸗ ſcher Freund. Stunde der Ruhe und Sicherheit, ſey mir geſegnet; Bote des ewigen Friedens zur Rechten meines Erloͤſers, o wie entzuͤckend iſt mir deine Stimme: Gehe ein zu deines Herrn Freude, woher dein Fuß nicht mehr zuruͤckkehren wird! Bald werde ich unter den Seligen und Miterloͤſeten, unter jenen reinen und heiligen Gei⸗ ſtern ſeyn, welche hier meine Waͤchter und dort die Theilnehmer meiner ewigen Freuden ſeyn wer⸗ den. Da finde ich den Freund meiner Seele wie⸗ der, deſſen Verluſt ich hier betrauerte; da ſegnet mein Geiſt den, der mich hier Gottes Wege fuͤhrte, da den Wohlthaͤter, der mir manche Erquickung, manchen Troſt, manche Ruhe ſchafte, und mir die Laſt meiner Pilgrimſchaft tragen half. Da finde ich den Gefaͤhrten meiner Wallfahrt dem ich Bey⸗ ſpiel Lehrer, Troͤſter, und Helfer war, und an welchem mir die Guͤte meines Gottes die erhabe⸗ nen Freuden der Woßhlthaͤtigkeit ſchmecken ließ. Da aͤrndte ich die herrlichen Fruͤchte meines Glau⸗ bens hens u he Ge berde Gelob Seele Gerec von d ſnte. We gem de reis un. du ſo 11 iſt der; M bald ſinde tich. a und S Ad tuſtn t keine Ge id und W. lich. Den tt nnich kein und Sichete i Fricens tzuͤcktnd fr 1 Han fech ren vid. . Scäͤza ud d heiligen Ge ichter und h euden ſern d. iner Setlew tere; da ſoe Wege li ee Erguitw *, und nit if. Daſt dem ichdh wwar, we tes die t wmecken meines— 4 W nach einer ſeligen Vollendung. 319 bens und meiner Rechtſchaffenheit, und binde nun die Garben von meiner Auſſaat. In Freuden werde ich aͤrndten, was ich hier in Thraͤnen ſaͤete. Gelobet ſey der Herr, der da kommt! Meine ganze Seele ſehnet ſich nach dieſer ſeligen Wohnung der Gerechten, ich ſinge bald in dieſen Friedenshuͤtten von dem Siege der Frommen. O wie unausſprechlich ſelig Werden wir im Himmel ſeyn! 46 Da, da aͤrndten wir unzaͤhlig Unſers Glaubens Fruͤchte ein. Da wird, ohne Leid und Zahren. Unſer Leben ewig waͤhren. Gott zu welcher Seligkeit Fuͤhrſt du uns durch dieſe Feir. Hier iſt zwar, was du den F Frommen Dort für Gluͤck bereitet haſt, Roch in keines Herz gekommen. Welcher Menſch auf Erden faßt Deines Himmels Herrlichkeiten? Doch beym Anbruch jener Zeiten Werden alle, die dir traun, Mehr noch als ſie hoffen, ſchaun. Neue Munder deiner Guͤte Werden da mein Gluͤck erhoͤhn. Mit erſtaunendem Gemuͤthe Wird es dann mein Auge ſehn: Deine Huld ſey uͤberſchwenglich Und die Wohlfahrt unvergaͤnglich, Die dem, der dich redlich liebt, Deine Vaterhand dort giebt. — Von der Sehnſucht b Da wirſt du dich meiner Seelen * DOffenbaren, wie du biſt. Keine Luſt wird da mir fehlen, Wo das Land der Wonne iſt. Zu vollkommnen Seligkeiten Wird mich dort mein Mittler leiten, Der mu dieſes Gluͤck erwarb, Als am Kreuz er fuͤr mich ſtarb. Da wird deiner Frommen Menge Ein Herz, eine Seele ſeyn, Dienſt und Dank und Lobgeſaͤnge Dir, erhabner Gott, zu weihn; Dir, und dem, der ſelbſt ſein Leben Willig fuͤr uns hingegeben. Mit ihm, unſerm groöſten Freund, Bin ich ewig dann vereint. O wer wollte ſich nicht ſehnen, Aufgeloͤſt und da zu ſeyn, Wo nach ausgeweinten Thranen Ewge Guͤter uns erfreun; Wo ſich unſer Kampf in Palmen, Unſer Klagelied in Pſalmen, Unſre Angſt in Luſt verkehrt, Die forthin kein Kummer ſtoͤhrt. Was iſt unſer Loos auf Erden? Wenns auch noch ſo koͤſtlich ſey, Iſts doch nie ganz von Beſchwerden Sorgen, Furcht und Kummer frey. Schnell folgt hier auf Luſt oft Weinen; Dort nur wird die Zeit erſcheinen, Wo kein Wechſel mehr uns beugt, Wo das Gluͤck beſtaͤndig ſteigt. Einig 3 voͤllig Erloſe meinel ung, den ſ mir? Dank Leben nach, und K Geele than. ftolic den? den rey. Weinen; en, gt, nach einer ſeligen Vollendung. Sey, o Seele, hoch erſbekernn Aeber das erhabne Gluͤck, Das dir bald dem Gort perlei iet! Nichte deines Glaubens Blick Ganz nach jener Stadt der Frommen, Wo du nun bald hin wirſt mmen. Ach vielleicht mein Heiland, heut 45 Schlnec ich jene Seügken. SfI; 5 A 2 Einige kurze Erhebungen der Seie des Stetende nu Goßt: Mein⸗ Krifte chwiiden. dahin. und ebald find ſie voͤllig verzehrt, aber mein Glaube an dich, meinen Erloͤſer, wird nur deſto herrlicher, und die Kraft meines Geiſtes waͤchſer, je naͤher ich deiner Erſchei⸗ nung, mein Heitand, komme. Schon ſchm d ich den ſeligen Frieden des Himmels, deſſen 9 Pforte du mir gedfnat haſt AAne —yj Noch ſetzend d dir, mein Erlöſer,„ Preiß u und Dank fuͤr alle Barmherzigkeit und Guͤte! Meine lezte Lebenskraft iſt Lob und Anbetung fuͤr alles, was du nach Leib und Seele an mir gethan haſt., Im Loben und Danken will ich vor dein Antlitz treten. Meine Seele erhebet den Herrn, er hat Groſes an mir ge⸗ than. Ich freue mich in Gott, und meine Secle iſt froͤlich in ihm. X Noh 222 Einige kurze Erhebungen der Seele Noch einmal flehet meine Seele, fuͤr meine Gefaͤhrten, die ich verlaſſe. Sey Vater der Mei⸗ E nigen, und bewahre ihre Seele; ſey Erbarmer und Retter der Verirreten, laß dein Reich auf Er⸗ ¹ den herrlich werden, erhalte die Deinen. Sey gnaͤ⸗ dig und Rathgeber dem Haupte des Landes, ſegne die, welche um mein Bette ſtehen, und fuͤhre ſie den guten Weg zum Leben: Mein Sterben ſey ihren Seelen heilſam und für die Ewigkeit nulich. — Ich bin wie ein duͤrres Land, aber deine Gnade erquicket mich. Meine Augen werden dunkel, aber 2 mein Geiſt ſieht dich, mein Heiland in deiner Herr⸗ b lichkeit, und die Staͤtte, die du mir bereitet haſt. Mein Gehoͤr wird ſchwach, aber ich hoͤre deine Kr? ich bin bey dir, ich helfe dich durch die ſtungen: ich bi ir/ Rechte deiner Gerechtigkeit. Meine Zunge wird— ſchwer; aber dein Geiſt vertritt mich mit unaus⸗ 4 ſprechlichen Seufzen. 65 6 In deine Haͤnde, Bater, befehl ich meinen Geiſt, du haſt mich erloͤſet, o du getreuer Gott! 4 A Ach Herr! ich warte auf dein Heil. Ich ſehne mich nach deinem Heiligthum. Komme mein Jeſu! 8 komme bald, mein Jeſu 88 deine Gnch duntel, ahn deiner Her bereitet haſ k deine di ih durch de dunge wid nit unaus ich weigen a Golt. Ic ſeth wein Jeſ „ In meinen lezten Stunden Stroͤm du mir Kraft und Ruh‧, Mir Heil aus deinen Wunden, Mir deinen Frieden z. Du biſts allein auf den ich trau, Staͤrk meine Seel im Tode,— Daß ich dich ewig ſchau. —ꝑ Bey dir allein, Herr! ſuch ich Huͤlf In meinen baͤngſten Stunden. Schmachtend, lechzend ſehn ich mich Nach dem Troſt aus deinen Wunden, Wie ein Hirſch nach Waſſer ſchreyt,„ Bis er meine Seel erfreut. Ach bald laß mich alle Noth Freudig ſterbend uberwinden. Nirgends muͤſſe mich der Tod Als bey dir, mein Heiland! finden Wer nur dich zuͤr Zuflucht macht Spricht getroſt, es iſt vollbracht. —— —— Staͤrke mich durch deinen Tod In den lezten Stunden. Wie du deine Todes Noth Siegreich uͤberwunden: O ſo hilf dazu auch mir! Laß mich froͤlich ſcheiden, O wie dank ich Jeſu dir Fuͤr die Todes Leiden. Wohl! ich weiß, worauf ich bau Und bey wem ich bleibe, Weſſen Fuͤrſprach ich vertrau Und an wen ich Ihube 22 des Sterbenden zu Gott. Jeſu⸗ 324 Einige kurze Erhebungen der Seele Jeſu du biſt es allein, Der mich jezt beſchirmet, 2 Wenn gleich Angſt und Lodespein Auf mich deingt und Kurma 4 — Nun, mein Heiland, ich b befehle Wenn ich kaum noch lallen kann, Die durch dich erloͤſte Seele Deinen treuen Haͤnden an. Und du, Heiland! ſtärkeſt mich, Rufeſt nun auch mir, daß ich In der Stunde, da ich ſterbe, Deine SHerrlichkeit ererbe. Ich danke dir von Herzen O du mein Seelenfreund! Fuͤr deines Todes Schmerzen. Wie gut haſt du's gemeint! 3— Ach gieb, daß ich mich hale Zu dir und deiner Treu, Und wenn ich einſt erkalte, Ganz nur der Deine ſey. Wenn ich denn nun ſoll beden Ach! dann verlaß mich nicht! Sey auch in Todes Leiden Mein Troſt, mein Heil, mein Licht! Wenn mir am allerbaͤngſten Wird um mein Herz hier ſeyn, So reiß mich aus den Aengſten Kraft deiner Angſt und Pein! Erhebe nun mein Hoffen,, Zur beſſern Welt zu gehn, 18 Und laß im Geiſt mich offen, Herr! deinen Himmel ſehn; des Sterbenden zu Gott. Alsdann mich glaubensvoll 5 in Nach dir, mein Heiland blicken, Wer ſo ſtirbt, der ſtirbt wohl. Herr, meinen Geiſt befehl ich dir Mein Gott! mein Gott! weich nicht von mir, Nimm mich in deine Hande, Getreuer Gott! aus aller Roth Hilf mir an meinem Ende. — Dein Geiſt ſpricht meinem Geiſte Jezt Troſt und Frieden zu, Wie Gott dem Huͤlfe leiſte, Der bey ihm ſuchet Ruh. Sie iſt von Gott erbauet. Die neue Himmels Stadt, 1 Wo meine Seele ſchauet, Was ſie geglaubet hat. Da iſt mein Theil und Erbe, Ich ſteh voll Zuverſicht. Wenn ich gleich fall' und ſterbe, Faͤllt doch mein Himmel nicht, und muß ich auch mit Zaͤhren Jezt meinen Weg beſtreu'n, Dort aͤrndt ich ohn Aufhoͤren Die Frucht des Friedens ein. eruneenn —— Gottes Tag! du biſt gekommen, An dem ich dieſer Welt entnommen, Zu dir, der Menſchen Vater, geh. Dank und Lob und Preis und Ehre! Nun ſing ich bald in jene Choͤre Der Sieger, Gott! in deiner Hoͤh; Denn Einige kurze Erhebungen der Seele Denn, Herr, du geheſt nicht Mit mir in dein Gericht, Vater! Vatey! du geheſt nicht In dein Gericht Mit dem, den Chriſti Lod verſöhnt. Ach ich freue mich mit Beben; Nach deinem mir verheißnen Leben, Verſoͤhner Gottes! duͤrſtet mich; Schaue, wie ich innig flehe; Wenn ich nicht hoͤre mehr, nicht ſehe; Erbarm, erbarme meiner dich! Wenn ich kaum athmen kann,— Nun nicht mehr ſtammlen kann, Jeſus Chriſtus, laß dann mich dein Auf ewig ſeyn Du Liebe, du Barmherhigkeit? Heilig, heilig, heilig ſin ingen Die hohen Engel; wenn ſie ſingen, Stroͤmt Seligkeit den Engeln zu Heilig, heilig, heilig ſingen Die Todten Gottes; wenn ſie ſingen Entzuͤckt ſie Jeſu Chriſti Ruh. Freu, meine Seele, dich, Nun ſinge hald auch ich: Heilig, heilig, und ſchau im Licht Deß Angeſicht, Der mich zum ewgen Leben ſchuf. Wie wird mir dann, ach dann mir ſeyn, Wenn ich mich ganz des Herrn zu kwenn. Ihn dort anbeten werde; Von keiner Suͤnde mehr entweiht, Ein Mitgenoß der Ewigkeit; Nicht mehr der Menſch von Erde, an mir ſeyt, u freun, ades Sterbenden zu Gott. Heilig, heilig ſingen Wir dir; bringen Preiß und Ehrez Dir, der war und ſeyn wird, Ehre. Mein ganzer Geiſt, Gott wird entzuͤckt, Wenn er nach deinen Himmel blickt, Den du fuͤr uns bereitet; Jgo deine milde Vater Hand Aus neuen Wundern wird erkannt, Die du daſelbſt verbreitet. Maͤchtig fuͤhl ich mich erhoben, Diich zu loben, Der zum Leben, Das dort iſt, mich will erheben. Godtt welche Schaar iſt dort vereint! Die Frommen, die ich hier bewein, Die find ich droben wieder. Dort ſammlet deine Vaterhand, Die deine Liebe hier verband, Herr, alle deine Glieder.. Ewig werd ich frey von Maͤngeln, Selbſt mit Engeln* Freundſchaft pflegen. O ein Umgang voller Segen ¹ — Bald leg ich Sorg und Schmerzen ab Und dieſen Pruͤfungs Stand. 4— Die Erde nehme was ſie gab, Ich ruh in Gottes Hand. Ich geh den Weg zum ewgen Licht, Er mag mir dunkel ſeyn. Den Todesſchlaf ſtoͤrt Plage nicht, Erwacht werd ich mich freun. 328 Einige Morgen⸗ Andachten ch werde durch des Todes Nacht Zum Auferſtehn bereit, Die unerforſchte weiſe Macht Fuͤhrt mich dur Seligkeit. Se iee e e 2 Einige Morgen⸗ Andachten eines Kranken. S. verkuͤndiat mir dann mein Gort und mein Vater! die aufgehende Sonne wieder einen Tag meiner Pilgrimſchaft durch dieſe Welt. Wie oft rief ſie mich aus einen erquickenden Schlaf, ihre wohl⸗ thaͤtigen Strahlen brachten Freude in mein Herz, und mit neuen Geiſtes, und Leibeskraͤften geſtaͤrkt ſezte ich meinen Weg unter dem Genuß deiner Wohlthaten und deines mancherley Segens fort. Der Morgen war mir neue Guͤte von dir, und der Inhalt des Tages war deine gnaͤdige Fuͤhrung, und vaͤterliche Leitung. O wie oft verkannte ich ſie? wie mancher Morgen meines Lebens gieng voruͤber, ohne dich fuͤr die neue Schoͤpfung, das neue Leben, die neuen Kraͤfte mit Demuch und Dant zu preiſen, ohne an den Zweck meines Lebens, an den Ort meiner Beſtimmung und das Ziel meiner Wallfahrt zu den⸗ ken, und es zu üͤberlegen, wozu mich die Sonne auf⸗ rufe und was der Tag von mir fordere, ohne mei⸗ nen Bund mit dir zu ernenern, ohne mich im kindli⸗ chen Gebete in deine Arme u werfen, und auf deine Wege hinzuſehen, die ich wandeln ſollte. Jezt fuͤhle ich die Geöſe jener ſo oft vertannten Wohlthaten, da ich ſie 4 un entbehre. Kein erqui⸗ ckender Schlaf hat meine Kräls⸗ geſammlet und ge⸗ ſtaͤrkt hten ht Q·— es Kranin Gott und der einen t. Wie oſte laf, ihre t in mein He kkraͤften geſtt Genuß dein Segens fon dir, und de Fährang, und te ich ſe? w. vorüber, ohh teue Leben, zupreiſen, o den Ort weit allfahrt zu i die Sonneu eere, ohne w wich im in , und auf pllte. voft veriw te. Keih ammlet w 1 V V 1 eines Kranken. 929 ſtaͤrkt. Ich ſehnte mich nach dem Morgen; er iſt da, aber er bringt mir keine Freuden, ſondern ruft mich auf eine Leidensbahn. Ich ſehe Thaͤler des Jammers vor mir, durch welche ich wandeln muß. Was war⸗ ket doch vielleicht heute auf mich? welchen Kampf werde ich zu kaͤmpfen, welche Laſt zu tragen haben? Doch mein Bater und Gott, getroſt und willig will ich den Weg betreten, den du mich fuͤhren willſt; an deiner Hand und unter deiner Leitung iſt er ein Weg des Segens fuͤr mich, und ſein Ende wird auch fuͤr mich Friede werden. Gelobet ſey dein Nahme fuͤr deine Barmherzigkeit, die mich noch leben laͤſſet; fuͤr dieſe Leidensſtunden, die mich zum Nachdenken uͤber mich ſelbſt, uͤber meine bisherigen Wege, und uͤber mein kuͤnftiges Schickſal bringen; fuͤr dieſe heilſamen Erinnerungen, fuͤr meine Seele zu ſorgen, und mich auf ein ſeliges Ende vorzubereiten. Ach dazu laß mich ihn gebrauchen. Ich weiß es nicht, wie oft die Sonne noch uͤber mich aufgehen werde, ob nicht heute oder morgen, oder doch in wenig Tagen mich, o du Herr meines Lebens, deine allmaͤchtige Stimme abrufen werde. Vielleicht iſt meine Vorbereitungs⸗ zeit noch ſehr kurz, und ich ſollte einen Augenblick ver⸗ ſaͤumen, auf mein Heil zu denken! Bin ich meiner Seligkeit gewiß, ſo fuͤrchte ich keine Leiden und kein Grauen des Todes. Du fuͤhreſt mich an deiner Hand, und wirſt mein Troͤſter und Helfer ſeyn! Ver⸗ laß mich nicht in meiner Noth, erhoͤre meine Gebete, lindere meine Leiden, bewahre mich, daß ich mich nicht durch Murren und Ungeduld verſuͤndige. Lehr⸗ reich und heilſam fuͤr mich und die, die mich umge⸗ ben, ſey mein Leidenstag, und ſoll ich heute meinen Lauf vollenden, ſo laß mein Ende ſelig ſeyn: und nimm die Meinigen in deine vaͤterlichen Obhut. Sey und bleibe du in und mit ihnen. Amen. 2. Barm⸗ Einige Morgen⸗Andachten Jarmherziger, gnaͤdiger, getreuer, ſtarker und heili⸗ ger Gott, ich bete dich an auf meinem Lager, und bringe dir bey dem Anfang dieſes Tages die Opfer meiner Seele. Noch lebe ich. Ein neuer Tag der Vorbe⸗ reitung zur Ewigkeit bricht an. Du haſt alle meine Tage gezaͤhlt, und auch dieſen findeſt du noch noͤtig, mich zu meiner groſen Veraͤnderung und meiner ewi⸗ gen Beſtimmung geſchickt zu machen. Er geht durch Leiden und Schmerzen dahm; aber auch dieſe finder deine Weisheit und Guͤte fuͤr mich heilſam: und du wirſt ihn mir uͤberwinden helfen. Wie mancher Tag meines Lebens, an welchem ich mit Sorgen und Be⸗ ſchwerden, mit mancherley Laſten und oft auch harten Leiden zu kaͤmpfen hatte, iſt uͤberſtanden? wie man⸗ cher unter meinen Mitbruͤdern iſt unter harten und ſchweren Kaͤmpfen hin zu ſeiner jetzigen Herrlichkeit gegangen? Ich ſehe hin auf meine vorigen Leidens⸗ tage, und mit frohem Herzen preiſe ich deine Hand, die mich geleitet hat, und jene deine Streiter ſingen nun ſchon in den Huͤtten der Gerechten von deinem Siege. So wirſt du denn auch mir die Laſt und Hitze des heutigen Tages tragen helfen. Du wirſt nicht mehr mir aufegen, als ich ertragen kann. Du, mein Erloͤſer! wiegeſt ja mit treuer Hand meine Leiden ab, und ſetzeſt allen Dingen ſein Ziel und ſeine Graͤn⸗ ze: darum fuͤrchte ich mich nicht. Getrroſt und voller Zuverſicht ſehe ich dem Tag entgegen, der mein Ver⸗ trauen, meine Geduld, meinen Glauben an dich, mein Heiland, und meine Ergebenheit in deinen Willen uͤben ſoll. Du wirſt es mir an Erquickung und Troſt nicht fehlen laſſen. Unendliche Quelle der Freude, mein Gott und mein Heiland, laß auch mich an den Baͤchen deiner Liebe heute weiden, un wir wift hand und ſer Gn bun⸗ das eto rnai dhin ie iſt de die ag herim will Du gehe Vie wiſt noch freue wit Eii zum o mir ch iſu ichd Wa biſt vwen Hül hten ſtarket un ager, und die Dpfet eTag der d haſt alen t du nocht und meinn Er geht auch dieſe ſeilſam: in die manchan Borgen und doſt auch ha den? wie m ter harten u ſen Herrlicht zrigen Leiden deine Hand, Srater ſuge ten von deine ie duſt undh Du wirſt ni u kann. d. end meineleie ind ſeineGh etroſt und iul der mendh auben au i aheit in di wan Erut Aliche Qud lland, lo tte weide 4 * eines Kranken. 331 wirf mir durch die Finſterniſſe, in welchen ich heute wandeln ſoll, einen Strahl deiner Barmherzigkeit und des Segens zu. O wie ſtaͤrkt mich, mein Erloͤ⸗ ſer, deine Verſoͤhnung! Wie erfreut mich deine Gnade und die hohe und ſelige Gewisheit der Verge⸗ bung meiner Suͤnden! Wie vielen Muth giebt ſie mir, das Kreuz zu tragen, das du mir auflegeſt, und wie erquickt die groſe Hofnung der kuͤnftigen Herrlichkeit meine Seele! Vieleicht bin ich ihr nahe, vielleicht bin ich noch heute in den Choͤren der Seeligen. Was iſt das kurze Leiden dieſer Zeit gegen jene Herrlichkeit, die an mir ſoll offenbar werden. Noch an dieſem Tage, und in den Stunden, die mir deine Barm⸗ herzigkeit und dein heiliger Rath hier auf Erden giebt, will ich mein Saamenkorn fuͤr die Ewigkeit ausſtreuen. Durch Gebet und Dank, will ich voraus zu dir hin⸗ gehen, durch Glauben und Geduld will ich dich ehren. Vielleicht iſt noch etwas, was ich von meinem Ge⸗ wiſſen zu waͤlzen und gut zu machen habe, vielleicht noch heute eine Gelegenheit und Zeit, andere zu er⸗ freuen, und ihnen Gutes zu thun; vielleicht kann ich mit meiner ſchwachen Zunge und durch Beyſpiel und Erinnerungen noch jemand beſſern und auf den Weg zum Himmel leiten? Ach wie ſegensvoll waͤre dieſer Tag, wenn noch eine gute That an demſelben von mir in jenes Buch des Lebens aufgezeichnet wuͤrde. Ich lebe nun ganz fuͤr die Ewigkeit, und meine Seele iſt und wandelt vor dir und mit dir. Wann vwerde ich dahin kommen, daß ich dein Angeſicht ſchaue! Was betruͤbſt du dich, meine Seele, und warum biſt du unruhig in mir? Harre auf Gott, denn bald werde ich ihm danken, daß er meines Angeſichts Huͤlfe und mein Gott iſt. 3 Wie⸗ “ 3 —“““ 5*. Einige Morgen⸗Andachten 3. Mieder ein neuer Tag, und mir ihm ein neuer Lei⸗ densweg. Noch ſehe ich hin auf rauhe und jammer⸗ volle Pfade. Ach Herr! wie ſo lange! Staͤrke mich, und verlaß mich nicht. Du biſt verſucht allenthalben wie wir, mein Heiland! damit du Mitleiden mit uns haben koͤnnteſt, und darum bete ich um deine Barm⸗ herzigkeit und deinen Troſt. Dein Pilgerleben gieng durch Elend und Jammer zu ſeinem Ziele, und du weißt und kenneſt den Weg, worauf ich jezt gehe: ach erquicke mich, mein Hirte. Dich ſtaͤrkten Engel in deinen groſen Leiden, und du wirſt auch mich nicht altein laſſen. Du ſelbſt biſt meine Staͤrke, du troͤſteſt meine Seele. Wer kann mir helfen? woher kann ich Troſt und Erleichterung hoffen? wer kann meinem Eiend ein Ende machen! doch allein du, mein Gott, und mein Heiland. Ich bin dein Geſchoͤpf und dein Werk. Du haſt mir leben und Odem gegeben, du haſt mich aus meiner Mutterleibe gezogen, auf dich bin ich geworfen, und du warſt allein meine Zuver⸗ ſicht, da ich noch an meiner Mutter Bruͤſten war; du haſt mich geleitet, und mich in meinem Leben nie verlaſſen: Du haſt meine Seele errettet, und mich aus den Stricken des Verderbens gezogen, du biſt mein Erloͤſer und Begnadiger, und auf wen kann ich nun hoffen, als auf dich? Wie kannſt du mich ver⸗ laſſen, und von mir weichen, wie kann mein Flehen und Gebet von dir unerhoͤrt bleiben! Nein! mein Gott, meine Seußzer ſteigen zu dir empor, und ich dringe mit Gebet hin zu deinem Gnadenſtuhl; und kaſſe nicht ab, bis ſie erhoͤret werden. Nimm mei⸗ nen Kelch bald von mir, doch nicht mein, ſondern dein Wille geſchehe! Reiche mir Kraft aus deiner Ich Hoͤhe, daß ich nicht verzage und kleinmuͤthig werde. hten hm ein nene ahe und en e Stärken acht allentie itleiden nit um deine I ziggerleben b Jiele, und d ſeit gehe. tärkten Enge auch mich n, eärke, du ti woher kanni t kann meime du, mein Gau ſſchöpf und da imn gegeben, di zen, auf dich nmäm Jader ir Bruͤſten war einem Lben ettet, und wi zezogen, du uf wen kanne ziſt du mihn in mein g d Nein. w. empor, uhe adenſtuhl:! 2. Nimn mein, ſ taſt aus! umäͤthige — V eines Kranken. 333 Ich bin ſchwach, ergreife mich und trage mich, und laß mich den Troſt deines goͤttlichen Worts erfahren. Du wirſt es thun. Du haſt die Leiden der vergang⸗ nen Nacht voruͤber gehen laſſen, und ſie ſind nun im Meere der Ewigkeit, ich leide ſie nicht mehr, und ſo werden auch dieſe dahin gehen. Du haſt mich bey ihnen nicht allein gelaſſen, und die Erquickung, die ich bey dir ſuchte, fand ich, ich werde ſie auch heute erfahren. Immer naͤher dringe ich zu meinem Lei⸗ densziele, und bald geht mir die Sonne deiner Freu⸗ de, oder der Ewigkeiten auf, wo ich nicht zum Leiden, ſondern zur ewigen Ruhe leben werde. Segne, troͤſte und erfreue die Meinigen. Ach wenn ich nicht mehr bey ihnen ſey werde, dann ſey du ihr Verſorger⸗ ihr Freund, ihr Beſchuͤtzer und ihre Freude. Amen. b nt.* Da neue Morgen erinnert mich an den Morgen der Ewigkeit, und meine Seele freut ſich auf den An⸗ bruch jenes herrlichen Tages. Die Nacht iſt mit al⸗ len ihren Leiden und Schroͤcken uͤberwunden, und deine Sonne, mein Vater, giebt Licht und Heiterkeit auf die Erde zuruͤck, und alles lebt und bewegt ſich nun wieder. So wird dann endlich alle Finſternis auf immer zerſtreut werden, und der groſe Tag anbrechen, wo neues Leben, neue Thaͤtigfeit, neue Heiterkeit und neue Freude nicht fuͤr einen vergaͤnglichen Tag, ſondern fuͤr die ganze Ewigkeit deiner frommen Ver⸗ ehrer erfuͤllen wird. Groſer herrlicher Tag der Freun⸗ de Gottes, wie entzuͤckt iſt meine Seele hier ſchon in der Hofnung jenes frohen Morgens, aber was werde ich dann ſeyn, wenn ſein Licht fuͤr mich wirklich auf⸗ gehen 334 Einnige Morgen⸗Andachten gehen wird. Vielleicht bricht die Morgenroͤthe der Ewigkeit fuͤr mich ſchon an: vielleicht habe ich hier keine Nacht mehr, keine Klage, kein Leiden. Jezt bringt zwar der Anbruch des Tages nicht in alle Her⸗ zen Freuden; o wie viele trift er unter Seufzen und Gefahren an, wie vielen ſteht heute Kummer und Noth bevor, bey vielen erwachen von neuem heute Sorgen und Muͤhſeligkeiten, und ſo iſt er auch mir. Er trift mich in meinen Leiden an, und erinnert mich meinen beſchwerten Weg wie in einer heißen Sand⸗ wuͤſten fortzuſetzen: aber wol mir, daß ich den beſſern Morgen weiß, der zu keinen Leiden mehr anbricht, ſondern mir den Tag verkuͤndigt, auf welchen keine Nacht folgen wird. Wenn ich auf ihn hinſehe, und mein Glaube mir ihn in der Naͤhe und gleichſam gegen⸗ waͤrtig macht, ach dann vergeſſe ich meine Beſchwer⸗ den, oder ſie werden mir doch uͤberaus leicht und er⸗ traͤglich. Wenn dieſer mein irdiſcher Bau zerbrochen iſt, ſo habe ich einen Bau von Gott erbauet, der ewig iſt, im Himmel, und nach dieſer meiner Behau⸗ ſung ſehne ich mich. Ich wuͤnſche aufgeloͤſet und bey Jeſu Chriſto zu ſeyn. Mein Vaterland und meine Staͤtte iſt im Himmel, und nach dieſer meiner Be⸗ hauſung ſehne ich mich. Ich wuͤnſche aufgeloͤſet und bey Jeſu Chriſto zu ſeyn. Mein Vaterland und meine Staͤtte iſt im Himmel, und von dannen warte ich meines Heilandes und Erloͤſers Jeſu Chriſti. Hier gehe ich hin, und ſaͤe in Thraͤnen, dort aͤrndte ich in Freuden. Durch mancherley Truͤbſale muſte ich ins Reich der Herrlichkeit eingehen. Wie freuet ſich meine Seele der herrlichen Offenbarung meines Herrn und Heilandes Jeſu Chriſti! Gelobet ſey, der da kommt, Preis und Dank ewiglich dem, der Leben und unſterb⸗ liches Weſen hervorgebracht: durch den meine Suͤnde getilgt, Vergebung und Seeligkeit erworben, und de 5 oͤſt⸗ füſt doch gn wein räck ſteer ihn lich herr der hien Narzenrz thabe 1 n Leiden. nicht in al ter Seufeg Kumma. on neuem g iſt er auche id erinnent : heißen e Fich den i mehr antit df welchen n glechſangge delne Beſchte ds leicht und Dau jerbroche derbauet, dn neiner Vehau aſet nd be dand und wein ſer meiner N aufgeläſet u Vatetland w mdannen vat. (Chriſi. he dort aͤrnikit ale muſteih zeeuet ſich ni nes Hern. der da mn en und wi u meinec vorben/ 7 eines Kranken. 335 toͤſtlichen Belohnungen meiner unvollkommnen, aber doch in Gott gethanen Werke mir bereitet ſind. Se⸗ gen und Friede ſey dieſer Tag und beſonders der Tag meiner Aufloͤſung meinen Bruͤdern, die ich hier zu⸗ ruͤcklaſſe, und beſonders den Meinen. Wenn ich ſterbe, dann zeige du, o mein Bater, daß du mit ihnen ſeyſt. O verherrliche an ihnen die uͤberſchweng⸗ liche Kraft deiner Liebe. Leite ſie gnaͤdiglich zu jenem herrlichen Ziel, und auch ihnen ſey die Morgenroͤthe der Ewigkeit erfreulich und ſelig. Gott Lob und Dank! die Nacht iſt hin, Es kommt der heitre Morgen. Auf ſchwacher Geiſt und matter Sinn, Es iſt dir nicht verborgen:— Wie du die finſtre Leidens Nactht In Gottes Schutze zugebracht, Und gluͤcklich uͤberſtanden. Als ich mich zu der Ruh gelegt, War ich mit Schmerz umgeben; Ich ſorgte, durch die Furcht bewegt: Werd' ich noch morgen leben? Die faſt verdorrte Zunge frug: So oft die Viertelſtunde ſchlug, Wann wird der Tag erſcheinen? Gott hat mir mein Gebet gewaͤhrt, Ich kann das Licht noch ſehen, Drum will ich ihn, der mich erhoͤrt, Mit Dank und Preis erhoͤhen, Und flehe, daß ers dieſen Tag Mit mir und meinem Kreuze mag Nach ſeinem Willen machen. 336 a2t. Einige Morgen⸗ Audachten Leb'ich nicht froͤlich, ſtark, geſund; So. bin ich doch zufrieden, Gott macht mir ſeine Treue kund, Und hat ers ſo beſchieden, So trage ich das harte Joch Auch dieſen Tag; ja weiter noch So lang es ihm beliebet. Mein Elend iſt um eine Nacht Nun gleichwol kuͤrzer worden, Gott, der mich ſo getreu bewacht, Wird durch der Engel Orden Auch heute mit und bey mir ſeyn, Und Huͤlfe, Kraft und Troſt verleihn, Er weiß 3, was mich druͤcket. Ihm will ich meinen ſchwachen een Und Fanken Leib befehlen, Was Jeſus, der mein Helfer heißt, Erwaͤhlt, will ich auch waͤhlen. So geht es mir im Leben wohl, Und wenn ich heute ſterben ſoll⸗ Kann mir der Tod nicht ſchaden. Wenn ich einſt von jenen Schl immer Welcher Tod heißt,— auferſteh, Und von dieſes Lebens Kummer Frey, den ſchoͤnern Morgen ſeh: O dann wach' ich anders auf, 35 Schon am Ziel iſt dann mein Lauf: Traͤume ſind des Pilgers Sorgen, Groſer Tag, an deinem Morgin. „Schlumme 1 Hilf, daß keiner meiner Tage, Geber der Unſterblichkeit, Jenem richtenden einſt ſage, Er ſey ganz von mir entweiht. Auch noch heute wacht ich auf: Dank dir! Herr, zu dir hinauf Fuͤhr' mich jeder meiner Tage, Jede Freude, jede Plage. Daß ich gern ſie vor mir ſehe, Wann ihr lezter nun erſcheint Wann zum dunklen Thal ich gehee, Und mein Freund nun um mich weint, Lindre dann des Todes Pein Und laß mich den ſtaͤrkſten ſeyn, Mich, der ihn zum Himmel weſſe Und dich, Herr des Todes! preiſe! Der Morgen kommt und meine Klage Wird auch mit dieſem Morgen neu! Wie traurig eilen mir die Tage In meiner Pilgerſchaft vorbey, Der Sonne neu geſchenktes Licht Erheitert meine Seele nicht. Noch immer bin ich auf der Erde, Wo mich Gefahr und Noth umringt: Und taͤglich haͤrtere Beſchwerlde Zu Klagen und zu Thraͤnen zwingt, Noch immer fleh ich unerhoͤrt Um Starkung, die mein Herz begehrt⸗ J Herr Einige Morgen⸗Andachten Herr, eile doch mir beyzuſtehen, Verlaß den muͤden Wandrer nicht! O neige, Vater! auf mein Flehen Zu mir dein freundlich Angeſicht, Gieb mir Geduld und bey dem Schmerz Ein hoſſend und gelaßnes Herz. Mir iſt mein Schickſal noch verborgen, Das dieſen Tag mich treffen ſoll. Doch bin ich ohne Gram und Sorgen, Du Vater, kennſt mein wahres Wohl. Und was dein Rath beſchließt und thut, Iſt heilig, iſt gerecht und gut. Soll ich die Laſt noch langer tragen? Ich halte deiner Fuͤgung ſtill, Dein Will' geſchehe, will ich ſagen: Herr, wie du willſt, nicht wie ich will, So, Vater! laß bey jeder Pein Geduldig mich, wie Jeſus ſeyn. Miit allen Schmerzenvollen Stunden, Ruͤckt doch ihr Ende auch herbey. Dann hab ich ewig uͤberwunden, Und bin von aller Truͤbſal frey Und du giebſt mir, o Gottes Sohn, Den theur erworbnen Gnadenlohn. Geſtaͤrkt durch dieſen hohen Glauben, Tret ich auf meinen Leidenspfad. Herr, ſtarke, ſtaͤrke meinen Glauben Auch dann, wenn ſich der Tod mir naht, Vielleicht erſcheint er heute mir, 8 Wohl mir! ich lebe, ſterbe dir! hten ha, 2)t in 1 3chme 8. Wt; n ve orgen, Wohl. 8 thut, 4 tborgen, a tragen en: cch wil, Paunda, 2 4 hn, am. Glauben, 5 Diben kur naht, 1 1 eines Kranken. *†** + X8 k Uter manchem Schmerz und Plagen Iſt auch dieſe Nacht vollbracht, Doch, Gott hat bey meinen Klagen Vaͤterlich an mich gedacht, Preis und Dank und Ehre dir, Daß du dieſen Morgen mir, Noch zu meinem Heil gegeben, Und ſo will ich ihn auch leben. Seeuufz ich gleich noch unter Leiden, Herr, es iſt dein heil'ger Rath, Und du kannſt mir nichts beſcheiden Was nicht Nutzen fuͤr mich hat. Und ſo trag' anch heute ich Meine Laſten williglich, Auf den harten Leidenswegen. Find ich immer Gnad und Segen. DDieſer Tag iſt angefangen, Werd ich auch ſein Ende ſehn? Wie du willſt! denn mein Verlangen Iſt allein den Weg zu gehn, Den du fuͤhrſt. Doch in der Noth Sey mein Beyſtand, Troſt und Gott⸗ Jeſu, meiner Seelen Sonne Sey mir heute Troſt und Wonne. Herr, dein Wille ſoll geſchehen; Ja dein Wille nur allein. Wie du willſt, ſo ſoll es gehen, Und ich will zufrieden ſeyn. Leben, wenn du willſt, daß ich Ferner leb; und rufſt du mich Zu dir hin zu jenem Leben; So hab ich mich dir ergeben. Einige Morgen⸗Andachten Vater! auch an dieſem Tag Bleibe bey mir in der Noth; Die Verkuͤrzung meiner Plage Durch Geneſung oder Tod, Und die Lindrung meiner Pein Laß dir heut befohlen ſeyn⸗ Dein bin ich mit Leib und Seelg, Du biſts, dem ich mich befehle. Gelrroſt, mein Geiſt, ermuͤde In deinem Kampfe nicht, Dich ſtaͤrket Gottes Friede Mit Kraft und Zuverſicht, Ermuntre dich und ſtreite! Des Sieges Lohn iſt nah! Getroſt! vielleicht iſt heute Des Kampfes Ende da⸗ Sprich, Herr, am letzten Ende Troſt deinem Kinde zu, Und reich ihm deine Hande Zum Eingang in die Ruh. Hoͤr deines Kindes Flehn: Laß mich in Friede fahren, Und mit erloͤſten Schaaren Zum Leben auferſtehn. Wie bald iſts uͤberwunden Das Leiden dieſer Zeit! Auf wenig bange Stunden Folgt Gluͤck in Ewigkeit. Dies ſtaͤrkt mich in der Noth, Daß ich nicht aͤngſtlich zage, Am lezten meiner Tage, Gibt dieß mir Muth im Tod Und 90de 44 1 b eines Kranken. Uund rafte mich auch heute Deer Tod zum Richter hin, So weiß ich, daß ich heute Bey Jeſu Chriſto bin. Nur fleh ich demuthsvoll Laß mich ihn nicht in Sunden Nein, nur im Glauben finden, So ſterb ich immer wohl⸗ — Abendbetrachtungen auf dem Krankenbette. S. iſt denn, mein Vater! auch dieſer Tag voruͤber⸗ Ich werde ihn nicht mehr leben, aber dort werde ich ihn wieder finden, und er wird wie alle Tage meines Lebens mir einſt Freude oder Traurigkeit geben, nach⸗ dem ich ihn gut und weiſe oder uͤbel gelebt habe. Auch ſeine Leiden ſind uͤberſtanden, und ein Theil von dem Maaße der Truͤbſaale, das du mir beſtimmt haſt, iſt uͤberwunden: Dank ſey deiner Guͤte fuͤr alle Barm⸗ herzigkeit, die ich darin aus deiner Hand erhielte, und fuͤr alles Gute, das es mich lehrte; durch deine gnaͤdige und maͤchtige Unterſtuͤtzung werden noch meine uͤbrigen Leiden uͤberwunden werden. Oft ſank unter Geſchaͤften und Arbeiten mein Leib des Abends in einen erquickenden Schlaf dahin; oft verſchwand er mir unter den Wohlthaten und Freuden, womit du mich ſegneteſt; und ach, wie oft vergaß ich den innern Dank meiner Seele, fuͤr alle die mir geliehenen Kraͤfte, fuͤr alle Wohlthaten und Treue, die du an mir thateſt, und fuͤr die Blumen, die du auf meinen Weg ſtreuteſt: oder kalt und empfindungslos brache G 10 v 4 342 Abendbetrachtungen ich mein Opfer des Lobes und Danks fuͤr alle deine ſo herzliche Guͤte, die du meinem Leibe und noch mehr meinem Geiſte erwieſen hatteſt, und fuͤr alle Fuͤrſorge und Wachſamkeit, die du fuͤr mein leiblich Wohl fuͤr meine Errettung und Be⸗ wahrung, und fuͤr das Wohl meiner Seele, fuͤr die Bewahrung vor Suͤnden, vor Unglauben und Gleichguͤltigkeit, fuͤr die Erinnerung meines Ge⸗ wiſſens und fuͤr das Erwachen deſſelben bewieſen hatteſt. Ach wie mancher Tag meines Lebens ging dahmn, an welchen ich nicht ohne zu erſchrecken denken kann! Jezt habe ich nun einen Tag des Leidens gelebt! der frohe Muth, den Geſundheit und Feſtigteit des Leibes gibt, iſt von mir„owichen, meine Kraͤfte ſind dahin geſunken, meine Geſchaͤfte ruhen, meine Freuden haben mich verlaſſen, und ich gehe einer Nacht entgegen, worin vielleicht der Schlaß mich fliehen, oder mir doch teine Erquickung geben wird, ja worin vielleicht haͤrtere Leiden mich erwarten. Deine Hand ſtellet mich auf die Grenze dieſes Lebens und der Ewigkeit, und ich weiß es nicht⸗ ob ich den Morgen erleben werde, und wenn ich ihn erlebe, was ich morgen ſeyn werde. Allmaͤchtiger, Fwiger, unendlicher Gott, du mein Erloͤſer und Troͤſter! ich beuge mich vor dir in den Staub, ſiehe erbarmend auf mich hin. Ich bete die Hand an, die mich ſchlaͤgt, ſie iſt die Hand des Barmherzigen und Gnaͤdigen. Selbſt dieſer Leidenstag iſt Wohlthat und Gnade, denn du erinnerteſt mich an meine Wege„ und ich lernte bedenken, was und wie mein Thun bisher vor dir war, und wohin es mich gefuͤhrt habe. Heilige und wichtige Stunden, die meinen Blick von der Welt auf die Ewigkeit hinrichteten, wohin ich ſel⸗ ten, oder doch ſelten mit dem groſen Ernſte, den je Heele, fire nglauben — meines elben bevi 8s Lebens u eeſchret einen dg en Geſuündht mir gewichen zeine Geſchiß derlaſſen, un z vielleicht de de Erquickun) elden mich die Grenze ich wäß es werde und a ſeyn wede. att, du wein nzen. Sc „Hnade di a und ich lan eebiher bri Wege hinſehen. auf dem Krankenbette. 343 die Wichtigkeit derſelben forderte, hinſah: und die mich ſo maͤchtig erinnerten mein Herz und mein Haus zu beſtellen. Was iſt doch meine Krankheit anders als die Zeit deiner Geduld und Langmuth, die mich zur Buße leitet und meine Seele zur beſſern Welt vorbereitet. Es fuhre mich denn dieſe Hinwerfung meiner Kraͤfte zum Leben oder zum Tode, ſo ſoll ſie mir das werden, wozu du ſie beſtimmt haſt, und ich will auf meine und deine Dieß ſoll, ſo lange ich durch deine Gnade, mein Verſoͤhner, noch denken kann, und auch in den ſchlafloſen Stunden dieſer Nacht mein groſes Werk werden. Dein Geiſt oͤfne mir die Augen und lehre mich, und ſey nicht ferne von mir. Ach hoͤre meine Gebete, die ich zu dir ſch cke, und ſey mir nicht ſchroͤcklich in der Noth. Troͤſte meine Seele mit deiner Gnade, wenn ich um Bergebung, um Friede in dir, um Troſt und Rettung ſiehe. In deine Haͤnde befehl ich meinen Geiſt und meinen Leib, und du, bey dem keine Imſterniß iſt, ſey mein Licht und meine Freude, und wenn ich den Morgen erlebe, ach ſo laß mir die Sonne jenes beſſern Tages der Ewigkeit auf⸗ gehen. Erguicke mur ſanftem Schlafe dagegen die Meinigen und ſey ihr Gott und ihr Troͤſter. Amen 2* * Nach einem heißen Tage ſehne ich mich, mein Hirte, nach dem Schatten der Nacht. Muͤde von der Laſt eines harten Pilgertages, entkraͤftet und gedruckt von Leiden deſſelben flehet mein Herz um eine Ruheſtunde. Der Abend iſt da, der 5 1 344 Abendbetrachtungen ſonſt ſo oft erquickte, aber die Ruhe ſinde ich nicht; und ich ſehe hin in eine Nacht, die Grauen und Furcht uͤber mich verbreitet. Wie werde ich ſie durchleben? Moͤchten doch ihre Schatten noch zerſtreut ſeyn, und die Sonne ſchon wieder ihre Strahlen auf mein Lager werfen! Hinauf zu dir weinen meine Thraͤnen, mein Erbarmer und mein Helfer! Menſchen Huͤlfe iſt hier kein Nutze, und wer vermag mich zu troͤſten? O ihr vorigen Freuden meines Lebens, was ſeyd ihr mir in dieſer Stunde Ihr ſo geprieſenen Guͤter der Erden, Hoheit und Macht, ach was ſeyd ihr doch dem Sterb⸗ lichen, wenn er allein unter die Hand des Allmaͤchti⸗ gen gebeugt, dahin in den Staub geworfen iſt, und an der Graͤnze des Todes und der Ewigkeit ſteht. Nur eines, nur das einzige bleibt von Troſt und Er⸗ quickung uͤbrig, ein gutes, ein verſoͤhntes Gewiſſen, ein gnaͤdiger, barmherziger Gott, ein goͤttlicher Er⸗ loͤſer und Verſoͤhner! O Schrecken Gottes, wenn uns hier unſer Herz verdamt, und unſere Seele vor Gott als einem grauſamen zittert, wenn wir dort, nicht den Gnaden⸗ ſondern Richterſtuhl ſehen, und uns unſer Gewiſſen Fluch und Verwerfung predigt. O Nacht des Schreckens, wobey Finſterniß die Seele bedeckt, und der Leidende die Furcht des ewigen Todes fuͤhlt. Mein Erbarmer und mein Heiland, gehe nicht mit mir ins Gericht, ſondern laß mich maͤchtig deine Gnade ſehen, zerſtreue die Zweifel und die Angſt meiner Seele, und ſtaͤrker rede deine Barm⸗ herzigkeit in mir, als meine Suͤnde. Du willſt nicht den Tod des Suͤnders; du biſt gekommen, uns ſelig zu machen von unſern Suͤnden. Das iſt das theure werthe Wort, daß du gekommen biſt, die Suͤnder ſelig zu machen; und auch mir, auch mir ſoll Barm⸗ herzigkeit wiederfahren. Unablaͤßig ſoll mein Fehler zu dir hinaufſteigen. Ich laſſe dich nicht, du ſezneſ finde ich 6 auen und 9 fie darchleſ rreut ſern 4 auf mein, dränen, en Hülfe ſſ tiiſten d ſerd ihrm iter der E och dem S des Almih orſen iſt, u Swigkeit ſin Tooſt und 6 ntes Gewiſen göttlicher En. Hottes, wem r Seale vol un wir dort chen und arfung gudal. miß die Selh ewigen The zeiland, geh. mich maͤchet: ifel und. deine Bat du wilſt nit ven, uns ſh Jiſt das th 1, die Sin aait ſoll n Il meint i, dußt 3 ſicht ſetze auf dich, den lebendigen Gott. auf dem Krankenbette. 345 mich denn. Dieſer Troſt meiner Seele wird die Lei⸗ den dieſer Nacht beſiegen, und getroſt werfe ich mich in deine Arme. Erleichtere mir meine Leiden, er⸗ quicke mich in meinem Jammer, und lehre mich un⸗ ter denſelben, mein Herz immer mehr pruͤfen und rei⸗ nigen. Gieb mir Geduld. Du wirſt meinen Lei⸗ denskelch nicht voller einſchenken, als ichs erdulden kann. Deine allmaͤchtige und gnaͤdige Hand wird mich durch dieſe Nacht, und endlich auch durch das Thal des Todes hindurch fuͤhren. Das iſt meine Freude, daß ich mich zu dir halte, und meine Zuver⸗ ebendige Wer auf dich hoffet wird nicht zu Schanden. So befehle ich dir meinen Geiſt und meinen Leib, und lege mit fro⸗ her Zuverſicht, und lebendigem Vertrauen, alle die Meinigen in deine Vaterhaͤnde, fuͤhre ſie, wie mich den Weg zum ewigen Leben. Amen. 3. Da, mein Waͤchter und Gott, du ſchlaͤfſt noch ſchlummerſt nicht. Bey dir iſt kein Wechſel von Nacht und Tag, du wohneſt im ſteten Licht. Dieſe Nacht kann dein Auge, das auf mich ſieht, nicht verdunkeln und verbirgt dich nicht vor mir. Du biſt mir nahe, du ſiehſt mich, und auch meine Augen erblicken im Glauben dich, gnaͤdiger und barmherzi⸗ ger Erloͤſer. Die Nacht bricht nach meinem Leidens⸗ tage zwar an, aber du machſt es Tag in meiner Seele. Allenthalben um mich her herrſcht Stille, und die Natur ſchweigt, aber meine Seele ſchreyer zu dir, mein Gott, und du erhoͤreſt mich, und auch in meinen ſtaͤrtſten, haͤrteſten und ſchwerſten Leiden bin 346 Abendbetrachtungen bin ich getroſt in dir. Du ſchweigſt nicht, dein Werk ruhet nicht, deine Gnade weicht nicht von mir. Ich pete hinauf zu dir, mein Erloͤſer, glaubensvoll ſehe ich nach deinen Bergen, von welchen mir Huͤlfe kommt; und meine Augen werden in dir meinen Heiland ſchauen. Dieſer Tag der Hitze iſt voruͤber, und auch dieſe Nacht wird dahin gehen. Unter dem Schatten deiner Fluͤgel fuͤrchte ich nicht, und bin ſicher und ru⸗ hig. Endlich kommt doch ein herrlichers und ſeli⸗ gers Ende. Vielleicht iſt ſie nahe, die geſegnete Zeit, wo meine Seele ewige Erquickung findet. Bielleicht iſt der Abend meines Lebens da, an wel⸗ chen ich zur beſſern Welt hinuͤber ſchlummere. Heil mir, wenn ich werde uͤberwunden haben! Iſt aber das Ende meiner Leidensbahn noch nicht da, ſo gieb mir Geduld und ſtaͤrke meinen Geiſt, zu ertragen, was du mir auflegen wirſt. Lindere uur meine Leiden, und laß deine Hand nicht zu ſchwer auf mir werden. Bewahre mich vor Murren und Ungeduld, und laß mich andre, die mich umgeben, und mit Liebe und Mitleiden mir Pflege und Erleichterung ſchaffen, nicht durch meinen Unmuth betruͤben oder kraͤnken, ſon⸗ dern mit Schonung und Dankbarkeit ihre Guͤte an⸗ nehmen. Und wo ich auch heute mich verſuͤndigt, gegen dich in der Macht meiner Leiden gemurret, ge⸗ gen die, die um mich waren, unrecht gethan, oder ſie beſchwert, betruͤbt und mit Undankbarkeit ihre Guͤte vergolten haͤtte, wo ich etwas fuͤr mein Heil und die Erreichung deiner gnadenvollen Abſicht mit mir in meinen Leiden verſaͤumt haͤtte, das vergieb mir nach deiner groſen Guͤte: und laß mich in dir, meinem Erloͤſer, Vergebung finden. Vermehre in mir auch in dieſer Nacht die erfreuliche Gewisheit meiner Erwaͤhlung zum Himmel, und ſey der Mei⸗ nigen Troͤſter und Helfer, und wenn ich nicht Mebe bey ——.,— e=—- Se — iie dind von wir. bensrol ſ „Hülfe fom neinen Hal über, unda dem Schmn ſicher unde tters und die geſeg euückung fm 1s da, an h ummere. den! Iſt ah ht da, ſo g 77 zu ertragen rweine deiden er wir werden uulb, und lah dut Ciebe und 1 ſchahen. wicht gtrinken Kod hre Güte gh th verſändi. eſemurret, y dethan, Re ukbarkeit h ait mein he Abſcht n das veth mich ini Permahn the Gens auf dem Krankenbette. 347 ihnen ſeyn werde, dann verherrliche du an ihnen deine Vatertreue. So falle ich dann in deine Haͤnde: ſegne mich mein Gott und behuͤte mich. Dein gnaͤ⸗ diges Antlitz leuchte uͤber mich, daß ich mich deiner Gnade erfreue. Sey mir mit deinem Troſte gegen⸗ waͤrtig, und gieb meiner Seelen deinen Frieden⸗ Amek I oennen b 4 S. iſt denn, mein Erbarmer! auch dieſer Tag und das Leiden deſſelben uͤberwunden. Mein Herz zagte bey ſeinem Anbruch, und fuͤhlte Bekuͤmmernis und Sorge, wie ich ſeine Laſt ertragen wuͤrde, du aber mein Erloͤſer haſt mich maͤchtig und gnaͤdig ge⸗ ſtaͤrkt, und mich in meiner Noth nicht verlaſſen. Demuchsvoll erhebe ich meine Seele zu dir, und bringe dir in meiner Schwachheit Preis und Dank fuͤr alle deine Barmherzigkeit, die du mir in meinem ganzen Leben und auch heute erwieſen haſt: fuͤr allen Troſt, den ich in dir fand, fuͤr alle die Zuverſicht, womit ich auf dich hofte, fuͤr alle Zeugniſſe der Be⸗ gnadigung, die dein Geiſt meinem Geiſte gab, und fuͤr die Erhaltung und Vermehrung meiner groſen Hofnung des beſſern freudenvollern Lebens und der kuͤnftigen Herrlichkeit, ja auch fuͤr jeden Freund, durch welchen du mich heute ſtaͤrkteſt, und fuͤr alle Erleich⸗ terung und Pflege, die ich heute von meinen treuen und guͤtigen Mitgefaͤhrten erhielte. Du wirſt denn auch dieſe Nacht mein Gott ſeyn, und meinem Her⸗ zen Troſt und Huͤlfe ſchaffen. Ich liege ganz unter deiner Hand. Alle Kunſt des Arzts, alle Kraft der Heil⸗ 348 Abendbetrachtungen Heilmittel iſt ohne dich umſonſt, keine menſchliche Macht, und keine Liebe der Meinigen kann mir hel⸗ fen. Du allein biſt meine ganze Zuverſicht, auf dich hoft meine Seele, laß du meine Hofnung nicht zu Schanden werden. Auch du kaͤmpfteſt mein Heiland, in einer angſtvollen ſchroͤcklichen Nacht, und biſt ſelbſt in den harten Leiden verſucht worden: du kannſt denn auch Mitleiden haben mit meinem Elende. Dich ſtaͤrkte ein Engel, und du ſelbſt ſtaͤrkeſt mich. Durch dich werde ich uͤberwinden, die Tage meines Leidens und die Naͤchte des Schroͤckens werden bald ein Ende nehmen. Du wirſt bald mein Leben vom Tode erretten, oder mich bald durch die Thaͤler des Todes zur ewigen Ruhe fuͤhren. Vielleicht ſehe ich heute zum leztenmal die Sonne in dieſem Pilgerleben untergehen, zulezt die Nacht hereinbrechen, und mein lezter Abend iſt endlich da. Ach vielleicht iſt mein Morgen dort in jenem Lande, wohin meine ganze Seele verlangt: und ſchon die Morgenroͤthe im An⸗ bruch, welche mir die ewigen Freuden des feſtlichen Tags ankuͤndigt, auf welchen kein Abend und keine Nacht mehr folgen wird. Sey mir geſegnet, Bote des himmliſchen Friedens, und jener ſeligen Ruhe! Sey mir geſegnet, Stunde meiner Aufloͤſung und Tag des Heils! Laß mich, mein Heiland, mein Haupt froͤlich aufheben, wenn ſich meine Erloͤſung nahet. Und nun, mein Heiland! lege ich alle meine Leiden und meine Sorgen an dein Herz, die Mei⸗ nigen ſind nicht mein, du biſt ihr Gott, und ihr Helfer, du der rechte Vater uͤber alles, was Kinder heißt. Ach halte deine Hand uͤber ſie, leite ſie auf den guten Wegen deiner Gebote, bewahre ſie, daß ſie nicht ſuͤndigen, und fuͤhre ſie mit ungefaͤrbtem Glauben und unverleztem Gewiſſen durch dieſe Welt zur Ewigkeit: damit ich mich dort ihrer freuen, ſicht, an „nung nict, jmein Hela 2 und biſtſa — du kannſtdn 1 ende. dh dage mei ds werdenu in eben wn die Thaͤlerd Llacht ſeheit in Pilgerlehe ‚en, und meit Feicht jſt mein meine gane wiche in Au⸗ des feſtlichen 1 und bene rnet, ote agen Rahe! öſung und nd mein de Eklöſung u) alee wein 1 die Mä' tt, und was Kihdt j zleite ſe alkt ſir, R durch d 1 ugeüt V 1 ne wenſche freuen, und dir ewig Pre Zum Licht der Ewigkeit. auf dem Krankenbette. Amen. 8 Sat ich nun in jenen Schlummer, Aus dem keiner mehr erwacht; Geh ich aus der Welt voll Kummer, Todesruh, in deine Nacht; O dann ſchlaf ich anders ein, Weg aus dieſes Lebens Pein Wall ich hin zu deren Huͤtten, Die, nun ſelig, hier auch litten. Vielleicht werd ich nicht erwachen, Fuͤr die Tage dieſer Zeit! Drum will ich bereit mich machen, Vater! zu der Ewigkeit! Daß ich Wanderer dann ſey Freudig, glaubensvoll und frey Von den Feſſeln dieſer Erde; Weil ich jezt unſterblich werde. Gerne laß den Tag mich ſehen, Der als Retter mir erſcheint, Wenn mit vielem ſtarkem Flehen Wer mich liebet, um mich weint! Starker, als mein Freund im Schmerz, Sey mein Gott verlangend Herz! Voll von deines Nahmenspreiſen, Laß mich ihn gen Himmel weiſen. ***†**† *½* Vielleicht iſt dies die lezte Nacht In meiner Pruͤfungs Zeit: Dann fuͤhre mich durch deine Macht is und Dank bringen Abendbetrachtungen Ich lebe dir, ich ſterbe dir, Ja, dein bin ich auch todt! Du, mein Erretter, biſt bey mir Und hilfſt aus aller Noth. Herr, der du mir das Leben Noch dieſen Tag gegeben, Dich bet ich kindlich an! Ich bin viel zu geringe Der Treue, die ich ſinge, Und die du heut an mir gethan. Mit dankendem Gemuͤthe Freu ich mich deiner Gute, Ich freue mich in dir; In allen meinen Leiden Wich doch der Geiſt der Freuden Und deines Troſtes nicht von mir. Gott! welche Ruh der Seelen, Nach deines Worts Befehlen Einher im Leben gehen! Auf deine Guͤte hoſſen, Im Geiſt den Himmel offe, ÜUnd dort den Preis des Glaubens ſehn! Ich weiß, an wen ich glaube Und nahe mich im Staube Zu dir, o Gott! mein Heil; Ich bin der Schuld entladen, Ich bin bey dir in Gnaden Ünd in dem Himmel iſt mein Theil. edeckt auf dem Krankendette. Bedeckt mit deinem Segen Geoh ich der Nacht entgegen; Dein Nahme ſey gepreißt! Mein Leben und mein Ende Sey dein, in deine Haͤnde, — Befehl ich, Vater! meinen Geiſt. — Wie ein Geſchwaͤz des Tags verfließt Die Zeit, die mir verliehen iſt, So rauſcht vorbey ein ſchneller Bach, Und dein Gericht, Gott, folgt ihr nach. Die Ewigkeit, die Ewigkeit Ergreift mich nach vollbrachter Zeit, Ich, wenn ſie kommt, ſey was ich ſey: Ein Suͤnder oder Gott getreu. Da wall ich hin, da wartet mein 1 Das Anſchaun Gottes, oder Pein, 1* Ach Gott, mein Heil und mein Vertraun, Laß mich dein ſelig Antlitz ſchaun. Du traͤufelſt auf die Muͤden Ruh, Und wenn wir ſchlummern, wacheſt du, Ach wie viel Seelen wallen nicht Im Schlummer hin vor dein Gericht. 4 Wir ſind nur wie ein Schlaf vor dir, Wie Gras, ſo bluͤhn und welken wir 8 Oft ſtrafſt du ſo die Miſſethat, 4 Die deinen Zorn entzuͤndet hat. Ich zittre, Herr, und mein Gebeitz Durchaͤngſtet dein gewaltia Draͤun. V Denn, denkſt du ins Gericht zu gehn; 4 4 Wer kann, wer kann vor dir beſtehn? b Gedenks Abendbetrachtungen Gedenke meiner Suͤnden nicht, Und geh nicht mit mir ins Gericht, Verſoͤhner, Gottes Sohn, mein Heil, Sey meine Zuflucht, ſey mein Theil. und kommt mein Tod, ſo ſey durch dich Mein Sterben mir nicht fürchterlich, Gieb mir den Geiſt der Freudigkeit Zum Hingang in die Ewigkeit. So fuͤrcht ich nicht, von dir bewacht, Den Pfeil des Tags, das Graun der Nacht So zittr' ich, wenn der Tod kommt nicht, Denn Gott iſt meine Zuverſicht. Auch dieſen Tag hab ich vollbracht Mit aller ſeiner Noth: Nur deiner Vaterlieb und Macht Verdank ich es mein Gott. Wirſt du nicht meines Lebens Kraft, Mein Retter und mein Heil: So wird in meiner Wanderſchaft Kein Troſt mir je zu theil. Auch ohne dich, Allguͤtiger, Vergieng ich in der Noth; Von Troſt und aller Hofnung leer Waͤr ohne dich mein Tod. Doch welche Staͤrkung fuͤhlt mein Herz! Du biſt, du bleibſt mein Gott, Dein Wort verſuͤßt mir jeden Schmerz Und lindert jede Noth. 4 Froh auf dem Krankenbette. 313 N. Froh kann ich mich der Nacht vertraun, hel, Du wirſt mein Waͤchter ſeyn. rheil. VDor keinem Unfall ſoll mir graun, Du wirſt mein Retter ſeyn. durch dic 16, und ſoll, o Vater, dieſe Nacht keit Fuͤr mich die lezte ſeyn, Wohl mir! mein Lauf iſt dann vollbracht, Pollbrachr des Lebens Pein. Jewacht, ader Nacht em nict,—— . Jeſu! ſchleuß in deine Hänte Auch in dieſer Nacht mich ein, Und! laß bis zum ſelgen Ende In dir meine Ruhe ſeyn. rach Heerr! ich bleibe, wie im Leben, 3 Auch im Sterben dir ergeben. 3 Segne und erquicke mich, Treuer Heiland, gnaͤdiglich. Kuft Ich befehl in deine Haͤnde W Meinen Leib und meinen Geiſt, EStaͤrke mich bis an mein Ende. Wenn des Lebens Band zerreißt,* Dann laß mich an jenen Hoͤhen 1 Herr! dein gnadig Antlitz ſehen. v Und nach dieſer Leidenszet Gieb mir deine Seligkeit. — gyein Hen er 354 Bey dem Genuß des heiligen Abendmahls auf dem Kranken⸗ und Sterbebette. I. Vor dem Genuß und zur Zubereitung auf denſelben. 1. Seonlich wuͤnſchteſt du, mein Erloͤſer, ehe du die lezte Leidensbahn antratſt, und den Kampf deines Berſoͤhnungstodes kaͤmpfteſt, mit deinen geliebten Hausgenoſſen ein Freundſchaftsmal zu feyern. Mich hat herzlich verlangt, ſprichſt du zu ihnen, mit euch das Oſterlamm zu eſſen, ehe denn ich ſterbe: und nun werde ich von dem Gewaͤchs des Weinſtocks nicht mehr trinken, bis ichs neu trinken werde in mei⸗ nem Reiche. Noch einmal ſollte ſich dein Herz gegen ſie ergießen, und dieſe Freude, die du in den Armen deiner geliebten Juͤnger und in ihrer herzlichen Liebe empfandeſt, ſollte dich dann auch in deinen Leiden ſtaͤrken. Noch einmal wollteſt du hier fuͤr ihr kuͤnfti⸗ ges Leben Erinnerer und Lehrer werden, ſie durch die Beweiſe deiner Liebe in ihren bevorſtehenden Leiden ſtaͤrken, und zu ihrem Amte muthig und eifrig machen. Dein Andenken ſollte bey ihnen unvergeßlich und ge⸗ ſegnet bleiben, und der Eindruck von dir unausloͤſch⸗ lich erhalten werden. Aber noch mehr, du wollteſt hier ein Feſt der Verſoͤhnung fuͤr alle deine Glaubi⸗ gen bis ans Ende der Welt ſüüften. Du ſezteſt hier dein Abendmahl ein, wodurch nicht allein das Ge⸗ daͤchtnis deines Verſoͤhnungstodes ſtets erneuert, ſondern auch aller Segen und alle heilſamen Fruͤchte b b deſſelben ———— ͤͤ=——=——r mahls au hette. zubereitung ler, ihe dan Kampf di deinen gelielt t fehern. M nen, mit ent nch ſttebe: mn des Weinſoch werde in may n Rach gegen in der Newen henlichen do e deinen Lh fir ihr iub e, ſie durch henden doh eiftig wah zeßlich un dir unzuslt Bey dem Genuß des heil. Abendmahls ꝛc. 355 deſſelben, Vergebung der Suͤnden, Gottes Frieden und Hofnung des ewigen Lebens in uns beſiegelt wer⸗ den ſollten. Ehe konnteſt du die Welt nicht verlaſſen, bis du dieſes ſchaͤzbare Denemal deiner Erloͤſung ge⸗ ſtiftet, und noch fuͤr den Troſt und den Frieden un⸗ ſers Herzens dein Abendmahl eingeſezt hatteſt Goöttlicher Erloͤſer! Stifter meines Heils! ſo voll iſt deine Seele von Liebe und Guͤte, denn was du deinen Juͤngern warſt, die du liebteſt bis ans Ende, das biſt du auch mir. Du wilſtt auch bis zu meinem Ende und in der Stunde meines 81 eines Todes ſelbſt mein Herz mit den hohen Troͤſtungen deiner Liebe und Barmherzigkeit erfuͤllen, und mich in meinen baͤng⸗ ſten Stunden mit deiner Gnade erquicken. Auch fuͤr mich ſezteſt du dein Abendmahl ein, zum Gedaͤchtnis deines Todes, und zur freudenvollen Theilnahme an allen den groſen Wohlthaten deſſelben. Du willſt auch meinen Glauben darinn ſtaͤrken, die Bergebung meiner Suͤnden, und die groſe Hofnung des ewigen Lebens beſiegeln, und mir mein himmliſches Erbe ver⸗ ſichern. Meine ganze Seele ſehnet ſich jezt nach dieſem deinem Male, und herzlich verlangt mich noch nach deiner Gnadentafel, ehe denn ich ſterbe. Meine lezke Stunde iſt vielleicht ganz in der Naͤhe, und es moͤchte wohl das leztemal ſeyn, das ich dieſes dein Verſoͤh⸗ nungsfeſt hier feyre, und deinen Tod unter meinen Bruͤdern verkuͤndige. Bald gehe ich vielleicht zu dei⸗ nem groſen Abendmahl, und ſehe ich dort, mein Erloͤſer, von Angeſicht zu Angeſicht, und dieſen Glauben wird dein Abendmahl in mir ſtaͤrken Bald kaͤmpfe ich vielleicht meinen lezten Lebenskampf, und Muth und Freudigkeit wird mir dazu die Verſiche⸗ rung deiner Liebe und die Theilnehmung an deiner Erloͤſung und den Wahlähaen derſelben geben. Du 4— 2 3 wirſt 356 Bey dem Genuß des heil. Abendmahls wirſt deine Liebe auch in meine Seele ergießen, und wenn ich deinen fuͤr mich geopferten Leib, und dein fuͤr mich vergoſſenes Blut genieße, ſo werde ich in dir, und du in mir ſeyn. Mit froher Seele ruͤhme ich dann, daß nichts verdammliches mehr an mir iſt. Wer will verdammen? Chriſtus iſt hier, der fuͤr mich geſtorben iſt. Iſt Gott fuͤr mich, wer kann wider mich ſeyn? Und was kann mir dann fehlen? Hat mir Wott ſeinen Sohn geſchenkt, ſo wird er mir mit ihm auch alles ſchenken. Leiden und Bitterkeiten des Todes, alle Dunkelheiten, unter welchen ich meine lezte Bahn gehen werde, werden mich nicht erſchroͤk⸗ ten. Nach dieſem deinem Heile ſehne ich mich, laß mich in deinem Abendmahl ſehen und ſchmecken wie freundlich du biſt. Stets muſte mir dein Andenken heilig ſeyn, und o was konnte meinem Herzen jemals wichtiger ſeyn, als das Gedaͤchtnis deiner Verſöh⸗ nung und deiner Liebe gegen mich, aber doch iſt mir jezt, da ich an den Graͤnzen der Ewigkeit ſtehe, dies Andentken deiner Erloͤſung und meiner Begnadigung und Seligkeit durch dich die groͤſte und einzige Quelle meiner Freudigkeit und meines Muths. Mit dem Segen, den du mir in dieſem Mahle bereitet haſt, mit dem Frieden, den du darin in meinem Herzen befeſti⸗ gen wirſt, mit der groſen Hofnung meiner Erwaͤhlung und Seligkeit gehe ich auch dem Tode ſelbſt getroſt entgegen. Auf! mein Herz! feyre das Feſt deiner Erloͤſung, und freue dich deines Heilandes! Be⸗ reite dich wuͤrdig zu dieſem Mahle, daß es dir eine ſelige Vorempfindung jenes groſen Abendmahls werde, zu welchem du vielleicht jezt ſo nahe biſt. Ja, bereite mich ſelbſt, mein Erloͤſer, es zur freudigen Gewisheit meiner Seligkeit zu empfangen. Ich endmahſs 1 ctoißen 1 Leid, und ſo werde i Rr Seelen meht an mi jer, der ſ wer kann n ſchlen? wird er mi Pitterkeiten Alchen ich n ch nicht erſ eich wich, d ſchmecken. dein Anden⸗ an Herzen jime a deiner Vetſ dher doch ſtm ſeit ſehe/ du an Nanadigung a einxae Ducbe ats. Mt de gerätet haſh an Henzen biſ wenerEwiͤt eode ſelbſt o das Feſtde feilonde! d. daß eb di zendtaßbt Muͤhſelig und beladen. In metner Leidens Hoͤhle auf dem Kranken⸗ und Sterbebette. 86 Ich komme, Herr, und ſuche dich Gote, mein Erbarmer, wuͤrd'ge mich Des Siegels deiner Gnaden. 2 Hier liege ich vor deinem Thron, Sohn Gottes und des Menſchen Sohn, Mich deiner zu getroͤſten. Ich fuͤhle meiner Suͤnden Muͤh; Ich ſuche Ruh, und finde ſie Im Glauben der Erloͤſten. Dich bet ich zuverſichtlich an, Du biſt das Heil der Sünder; Du haſt die Handſchrift abgethan Und wir ſind Gottes Kinder. Ich denk an deines Leidens Macht Ünd an dein Wort: es iſt vollbracht! Du haſt mein Heil verdienet. Du haſt fuͤr mich dich dargeſtellt, Gott war in dir, und hat die Welt In dir mit ſich verſoͤhnet. So freue dich, mein Geiſt, in mir! Er tilget deine Sunden, Und laͤßt an ſeiner Tafel hier Dich Gnad um Gnade finden. Du flehſt ihn an; er hoͤret dich, b Spricht: ſey getroſt, dein Heil bin ich Und giebt dir ſeinen Segen, In aller deiner Leibes Noth Erquickt er dich; und bleiht dein Gott Auf allen Leidenswegen. Nach dieſem Troſte ſehnet ſich Jezt meine ganze Seele. In dieſem Male ſuche ich 358 Bey dem Genuß des heil. Abendmahls Muth, Staͤrke, Hofnung, Freudigkeit Zum Hinga ng in die Ewigkeit Und jenen beſf ſern Freuden. Laß deinen Geiſt, mein Heiland mich, Dich glaubensvoll und wuͤrdiglich, Jezt zu napſahanen hereſten 145.7 Ae Wa gehoͤrt dazu, wuͤrdiglich und zum Segen den Leib und das Blut Jeſu zu empfahen? Doch nicht mehr, als daß ich ſein Freund und Nachfolger bin, und mich ſeiner Verſöhnung als des einzigen Grun⸗ des meiner Seligkeit refreue! Und iſt das nicht der ganze Beruf eines Chriſten? Freund und Retter meiner Seele, mein Heiland und mein Gort, wie kann der Menſch deiner vergeſſen, und das Anden⸗ ken deiner unausſprechlichen und geheimnisvollen Liebe aus ſeiner Seele verliehren? wie kann er deine heilſamen und vortreflichen Gebote und Lehren ver⸗ laſſen? Und doch, wie oft geſchieht das, und wie oft iſt es von mir geſchehen? Wie leicht ſtoͤrt in uns das Geſchaͤfte dieſes Lebens, die Freude der Welt, und bald dieſer bald jener Gegenſtand die beſſern Freuden in dem Erloͤſer und dem nothwendigen Ernſt im Chriſtenthum? Wie oft erloͤſchen nach und nach alle guten Boeſihe und alle Regungen des Gewiſſens? Und wie norhig iſt es daher, bey der Feyer des Ver⸗ ſohnungätoder Jeſu ſich vorzubereiten, und ſein Herz zu vrüfen⸗ damit man den Leib und das Blut ſeines Erloͤſers nicht zum Tode, ſondern zum Leben empfan⸗ ge. Wenn der vernuͤnftige Menſch jede Handlung, und zumal wichtige Handlung mit Bedachtſamkeit und ——„——— —2. 1 Lum Segen n Doch ſ 1 d und Ien rein Gatt, d das Ande Geheinnisvalen ana deine end Lehredber dwe und wiecf Pitt in uns d a-er Welt, w igen Ernſt heſſern Freude hund ucjt nes Gewiſtte yner ds eund ſcnſß rus Vlſis eben mi iide Hulch Vargin b ) Nachfolger weinzigen Cn iſſt das nicht anf dem Kranken⸗ und Sterbebette. 355 und Ueberlegung unternimmt, wie vielmehr muß ich, wenn ich mich zum Abendmahl Jeſu nahe, an die Worte des Apoſtels denken: der Menſch pruͤfe ſich ſelbſt, und alſo eſſe er von dieſem Brodte und trinke von dieſem Kelche. Noch mehr fuͤhle ich dieſe Wichtigkeit, da ich jezt der Ewigkeit ſo nahe bin, und vielleicht noch zum leztenmal an dieſer Gnaden⸗ tafel meines Heilandes erſcheine. Wenn ich es oft in meinem Leben nicht bereit genug, ja wohl gar un⸗ wuͤrdig genoß, o ſollte ich noch jezt unwuͤrdig und unbereitet zu dem Heiligthume treten: jezt da ich viel⸗ leicht ſehr bald zum Richter trete, und in meinem vielleicht nahen Todeskampf ſeines Segens ſo ſehr bedarf! Nein, ich will mit heiligem Ernſte uͤber dieſe wich⸗ tige Handlungen nachdenken, ihre Abſichten und Wir⸗ kungen uͤberlegen, und mich erforſchen, mit welchem Herzen und Geſinnungen ich dieſes groſe Feſt ſeiner Verſoͤhnung feyre, aber auch feyren muß, wenn ich davon die reichen und toͤſtlichen Fruͤchte einaͤrnd⸗ ten will. b Es iſt hier nicht blos leibliche Speiſe und leibli⸗ cher Trank, es betrift hier keine Nahrung und Er⸗ quickung meines Leibes, ſondern es betrift meinen Geiſt. Ich ſoll den Leib und das Blut meines Hei⸗ landes unterſcheiden. Mein Erloͤſer opferte ſeinen Leib und vergoß ſein Blut zur Vergebung meiner Suͤnden: und dieſer himmliſchen Gaben, dieſer gro⸗ ſen Wohlehaten, der ganzen Fruͤchte ſeiner Verſoͤh⸗ nung ſoll ich rheilhaftig und mit meinem Verſoͤhner vereinigt werden. Er will ſich mir ganz, und mit ihm Gerechtigkeit und Frieden geben. Ohne dieſe Abſicht, ohne dieſe Beſchaͤftigung meines Geiſtes mit dem Zweck und dem Nutzen des Abendmahls, misbrauche ich dieſe heilige Stiftung meines Erlöſers. Blos . aus 360 Bey bem Genuß des heil. Abendmahls aus Gewohnheit dieſes Mahl genieſen, oder auch in dem Wahn, daß es an ſich, ohne daß meine Seele ganz meinem Erloͤſer geheiligt waͤre, ſchon mir Vor⸗ theile fuͤr Leib und Seele, Vergebung der Suͤnden und Seligkeit geben werde, es genießen, das waͤre doch der ſchaͤndlichſte Aberglanbe und Laͤſterung Jeſu ſelbſt. Ferne ſey jezt von mir der Gedanke, als ob es ein leibliches Geneſungsmittel fuͤr mich ſeyn, oder meine Krankheit zur Geſundheit oder zum Tode ent⸗ ſcheiden werde; ferne ſey von mir der Gedanke, als wenn das Abendmahl meines Erloͤſers alle meine Suͤnden ſchon fuͤr ſich tilgen und mir den Himmel oͤfnen werde, wenn ich gleich mein Herz und meine Haͤnde noch nicht von der Suͤnde und dem Unrecht losgemacht, und keine wahre Fruͤchte der Beſſerung und meines Glaubens bewieſen habe! das waͤre doch nichts anders als ob ich in demſelben und mit dem Genuß des Leibes und Blutes Jeſu mein Gericht und meine Verwerfung noch im Sterben beſiegeln wollte. MNein, meine Seele erhebt ſi ch zu dir, und mein Geiſt dringt in die heilſamen und groſen Abſichten und Fruͤchte deines geſtifteten Abendmahls ein Du willſt, ich ſoll hier das Gedaͤchtnis deines Todes feyern, und deinen Tod verkuͤndigen, durch welchen ich Vergebung der Suͤnden und meine ganze Selig⸗ keit habe. Hier erneuerſt du in mir das Gefuͤhl mei⸗ ner Suͤnden und auch meines Elendes ohne deine Gnade: und ſo beuge ich mich vor dir. Ich bin ein ſ indiger Menſch, und ich gedenke an meine vorigen Tage und den Inhalt derſelben. Ich forſche nach meinen Geſinnungen und Thaten, ich erwaͤge, was ich durch Thun und Unterlaſſen verſchuldet, ich ſehe auf die Menge und Groͤſe meines Unrechts, und ſo klage ich mich ſelbſt vor dir an, und gehe d uß/ ——2———————— Idnahſ 4 29 Fer auc uß mens E. P nene 8. chon wir I 31 de Sin Lum Toden Gedante, rietz und man u dem Unna Ader Beſſerm e das vwäͤre doh 1r und mit dim d wein Gerich rhen heſegeln i ud mee zſen Aoſchen Chls ein de danes Todes Aduch welch 2 gane Suh 2s Gefttem Dies ohne dit 3 Ich iin dmene tonit auf dem Kranken⸗ und Sterbebette. 361 Schluß, wie ungluͤcklich und elend ich war und bin, und welches Verderben und gerechtes Urtheil in dei⸗ nem Gerichte mir folgen muſte. Mein Herz wird von Bekuͤmmernis und Reue durchdrungen, meine Suͤnde iſt immer vor mir und vor meinen Augen, und es ſchmerzt meine Seele, Kraͤfte und Leben ſo ver⸗ lohren und gemisbraucht zu haben. Hier bekenne ich dann vor dir meine Suͤnden, und verheele dir meine Miſſethat nicht. Ich weiß, daß ich vor dir ſtrafbar bin, und wollteſt du mit mir rechten, ſo wuͤrde ich dir auf tauſend nicht eins antworten. Aber ich wende mich zu deiner Erbarmung. Du, der du Herzen und Nieren erforſcheſt, du kenneſt auch den Ernſt, womit ich alles, was Suͤnde iſt, haſſe, und mich von allem Unrecht losmachen will. Habe ich etwas Unrech⸗ tes in meinen Haͤnden, ſo gebe ich es wieder; habe ich meinen Feind beleidigt, ich will ihn verſoͤhnen; habe ich jemand geaͤrgert oder verfuͤhrt, ich will ihn noch verbeſſern, was und ſo viel ich kann, aber das kann noch mein Unrecht und meine Verdammnis nicht wegnehmen. Nur allein deine Verſoͤhnung troͤſtet mich, und dieſe preiſeſt du an mir in deinem Abendmahl, mein Heiland! Du haſt dein Blut fuͤr mich vergoſſen, und deinen Leib fuͤr mich dahin gege⸗ ben zur Vergebung meiner Suͤnden; und indem ich von dem geſegneten Brodte eſſe, und von dem ge⸗ ſegneten Kelch trinke, ſo ſoll ich auch dieſer herrli— chen und erquickenden Frucht deines fuͤr mich geopfer⸗ ten Leibes und Blutes genieſen. Du willſt mir meine Suͤnden vergeben, nichts ſoll mehr verdamm⸗ liches an mir ſeyn, weil ich in dir, mein Heiland, bin und lebe. Preis und Aubetung bringe ich dir. Du willſt nicht den Tod des Suͤnders, ſondern, daß er lebe, und auch ich ſoll und werde⸗leben. Wer an dich glaubt, ſoll nicht verlohren gehen, b ſon⸗ 362 Bey dem Genuß des heil. Abendmahls ſondern das ewige Leben haben. In dem Abend⸗ mahl haſt du; mein Erloͤſer, das Denkmal dieſer deiner Verſoͤhnungsgnade geſtiftet; und hier finde ich daher Staͤrkung meines Glaubens, Troſt mei⸗ nes Gewiſſens und freudige lleberzeugung meines gewiſſen Antheils an deiner Erloͤſung. Eben dieſe Gnade, und dieſe frohe 1leberzeugung meiner Kindſchaft Gottes und meines groſen Erbes im Him⸗ mel giebt mir neues Leben. Meine ganze Seele huldigt dir nun auch von neuem, und meine ganze Kraͤfte heilige ich dir; dir allein zu leben und zu ſterben. Mit ſolchen Geſinnungen trete ich zu deinem Tiſche, und ſo werde ich dir wohlgefallen, und wohl bereitet ſeyn. Hier ſchwindet alle aͤngſtliche Furcht ans meinem Herzen, und ich freue mich auf das Siegel meiner Erloͤſung und den groſen Troſt deiner verſoͤhnenden Gnade. Staͤrke nun, du Geiſt aus Gort, in mir dieſe kindliche Reue uͤber meine Suͤnde, und dieſen groſen Ernſt der Beſſerung und Heiligung; und laß meinen Glau⸗ ben an meines Erloͤſers Tod immer gewiſſer und lebendiger, und ſo die geſegneren Fruͤchte und Wirkungen dieſes Abendmahls recht herrlich in mir werden. Deidensvolle muͤde Seele, Mach dich auf, erloͤſte Seele, Komm Vergebung zu empfangen, Denn dein Licht iſt aufgegangen Und der Herr voll Heil und Gnaden Hat dich zu ſich eingeladen. Deinen Bund ſollſt du erneuen, Und dich ſeines Todes freuen. Eil, 6 amaͤ dn den A ꝛdentmal A zund hier ſ 188, Treſth Sengung 1 8. Cben ii wugung ui Erbes in i e ganze en dd meinen deben unn 8 ich zu deim tgefallen,. alle aͤngſäi riich ſteue wi Aund den gwiſc 2 Stürte nn aliche Na 2 n Eryſt der wnen Glals ein zeviſer ud Früche und a henlich is h auf dem Kranken⸗ und Sterbebette. 362 Eil, wie Gottverlobte pflegen, Glaubensvoll dem Herrn entgegen, Denn Vergebung Gnad und Leben Will er dir barmherzig geben. Schoöͤpfe nur aus ſeiner Fuͤlle; Denn es iſt ſein treuer Wille: Dir Vergebung, Heil und Leben, Troſt und Gnad um Gnad zu geben. Gottmenſch! laß mich wuͤrdig nahen, Deine Gaben zu empfahen, b Sieh' wie ich mit heilger Thraͤne Mich nach deinem Mahle ſehne. Und wie meine Seele duͤrſte, Gott mein Heiland nach dir duͤrſte, Um mit deinen Gnaden Gaben Meinen matten Geiſt zu laben. Dir, dem jene ſeel'gen Schaaren, Die wie wir erſt Suͤnder waren, Dafuͤr Dank und Ehre bringen, Daß ſie hier dein Mahl empftengen, Dir, Sohn Gottes, Licht von Lichte, Der ſich fuͤr uns dem Gerichte Willig hingab, dir, der Suͤnder Freund und Todesuͤberwinder! Dir, dem treuen Hirt und Lehrer, Meinem goͤttlichen Bekehrer, Der du williglich dein Leben Fuͤr mich haſt dahin gegeben: Dir fall ich zu deinen Fuͤßen; Laß mich wuͤrdiglich genieſen Dieſer deiner Himmelsſpeiie Mir zum Heil, und dir zum Preiſe Bey dem Genuß des heil. Abendmahls⸗ Zum Gedaͤchtniß deiner Leiden Und zum Vorſchmack jener Freuden 4 Die du, Heiland, mir erwarbeſt, 1 Da du fuͤr die Menſchen ſtarbeſt. ſ Zur Verſicherung im Herzen ſinter allem Leid und Schmerze, b Ich ſey dein, und ſey dein Erbe, G Wenn ich leb, und wenn ich ſterbe. 1 3. b S⸗ gehe ich dann zum Heiligthume Gottes, und meine ganze Seele iſt auf dich mein Erloͤſer, gerich⸗ tet. Du biſt mir nahe und bey mir, und mein Geiſt empfindet den heiligen Eindruck deiner Gegenwart. war bin ich ein ſuͤndiger Menſch, und wie viele Urſache habe ich zu zittern, wenn ich an dich den Heiligſten und den Richter der Menſchen denke? aber du biſt der Heiland und Selismacher der Welt, und nicht meine Wuͤrdigkeit, ſondern deine Gnade und Barmherzigkeit giebt mir Hofnung und neues Leben. Du kannſt und willſt ſelig machen alle, die zu dir kommen, und du gibſt Gaben und Gnade auch ———„————— — den Abtruͤnnigen. Muͤhſelige und Beladene willſt du erquicken, und die zerſchlagenen Herzen verbinden. Demuthsvoll, doch freudig, trete ich denn zu deinem Mahle; du kenneſt mein Herz und die Aufrichtigkeit meines Geiſtes womit ich nach dem Troſte der Ver⸗ b gebung meiner Suͤnden und nach deiner Gnade mich b ſehne; aber auch womit ich meinen Bund mit dir erneuere. Hier vor deinem Altar, mein Heiland, 1 beweine ich noch einmal von neuem jede Suͤnde, jede verlohrne Stunde meines Lebens, jede Verſaͤumung und auch Mißbrauch deines Evangeliums und deiner Gnade. * a Gotts, w itlöſtr, ger ad wein Gii 4 Gegenwer. Aind wie viel man dich den Lchen denke! dr der Yal r one Gnade er und len erin ale, de a Gnude auch lddene wiſt Senberbinden eu zu denen 3 luftichtneet ſſeder Iw Gnadeic und mi 9 in Heich Sände, 1 Derſdum 14 und dn G auf dem Kranken⸗ und Sterbebette. 365 Gnade. Ich habe mein Herz erforſcht, und Geſin⸗ nungen und Thaten meines Lebens unterſucht, und fuͤhle jede Abweichung meines Herzens von dir mit einem Schmerz, der meine ganze Seele durchdringt; Sey du, mein Heiland, mir nun das, was du den Suͤndern, die zu dir kommen, ſeyn willſt. Du ſtarbſt fuͤr mich, damit ich lebe. Hier vor deinem Altar heilige ich noch mein Herz. Iſt etwas unrech⸗ tes in meinen Haͤnden, ſo will ich es vorher von mir thun. Habe ich jemand beleidigt und betruͤbt, ſo will ich ihm noch vorher meine Hand reichen, und ſeine Verzeihung und Lebe ſuchen und das Unrecht er⸗ ſetzen. Iſt mein Herz gegen irgend einen Feind lieb⸗ los geweſen, ich will ihm vergeben, und die Bruder⸗ hand reichen. Wie ſollte ich zu dieſem heiligen Mahle gehen, das ein Feſt der Liebe meines Heilandes und aller Erloͤſeten iſt, wenn noch Unrecht, Haß, Un⸗ verſoͤhnlichkeit oder Kaltſinnigkeit mein Herz regierte, ohne ſtatt des Segens den Fluch zu erhalten. Dank meinem Erloͤſer, der mich bis hieher mit ſo vieler Geduld und Langmuth getragen hat, mich zur Erkenntniß meiner Suͤnden gefuͤhrt, und mich auf den Weg des Heils gebracht hat! Dank ihm fuͤr alle Guͤte und Treu, die er mir durch mein ganzes Leben erwieſen, und womit er mich zu ſich gezogen hat! Dank ihm fuͤr alle Barmherzigkeit, womit er mich in meiner Irre aufſuchte und rettete! Dank ihm fuͤr dieſe Krankheit und Leiden, die mich zur Gene⸗ ſung meiner Seele, und zum groͤſten Ernſte, meiner Seelen Heil zu ſuchen, ermunterten! Hier in dem Mahle Jeſu will ich froh ſeine Barmherzigkeit und Guͤte preiſen, womit er mich in meinem ganzen Leben getragen, geſegnet und errettet hat. Deine uͤber⸗ ſchwaͤngliche und unbegraͤnzte Barmherzigkeit laß mich nun deine Liebe ganz empfinden, und die himmliſche Freude 366 Bey dem Genuß des heil. Abendmahls. Freude der Begnadigung und Kindſchaft Gortes ſchmecken. Ganz ſterbe in mir alles, was Suͤnde iſt; Schaden und Koth ſey mir alles und die ganze Welt gegen die Freuden eines verſoͤhnten Gewiſſens, und der groſen und lebendigen Hofnung jener ſeligen Ewigkeit. Gott als meinen Vater und Erbarmer anzubeten, ach wie koͤſtlich iſt das! So verſchmachte mir Leib und Seele, ſo ſey der Leidenskelch noch ſo bitter, ſo ſey mein Krankenlager noch ſo ſchmerzlich, es wird die lebende Gnade meines Erloͤſers, es wird die Liebe Jeſn, es wird die freudige Hofnung der Seligkeit mich aufrichten, ſtaͤrken, und rroͤſten. Wenn ich des Leidens viel habe, ſo werde ich reich⸗ lich getroͤſtet, und mein Hirte wird es mir nicht an Geduld und Muth fehlen laſſen; er wird mir nicht mehr auflegen als ich ertragen kann, er wird mich er⸗ löͤſen aus dem allen und mir aushelfen zu ſeinem himmliſchen Reich. So nimm denn, mein Heiland, die Opfer meines Herzens, und gieb mir in deinem fuͤr mich geopferten Leide und deinem fuͤr mich ver⸗ goſſenen Blute deine Gerechtigkeit und dein Heil. He du wollſt mich vollbereiten Zu deines Mahles Seligkeiten, Und dei nem Kinde gnadig ſeyn. Leben von dir zu empfahen, Laß jezt zu dir mich wuͤrdig nahen Und tilge in mir Suͤnd und Tod; Mach du mich Suͤnden— rein, Und ganz, mein Mittler, dein Hier und ewig. Laß jezt mich ſehn In deinen Hoͤhn Don fern der Ueberwinder Lohn⸗ Nimm ten Geviſa i fener eüd und Erbem d berſchn iskelch noh eſo ſchmenz ſert, es 1 „Hafnum h 1 und krifn. derde ich n G wir nich dind mir nich tr vwird wich ceen zu ſeiteb ertein Heilan wir ih deinm erſu wich ber⸗ aa dein Hale auf dem Kranken⸗ und Sterbebette. Nimm nun und iß zum ewgen Leben! Nimm nun und trink zum ewgen Leben! Der Friede Chriſti iſt mit dir. Nimm hin und iß zum ewgen Leben! Nimm hin und trink zum ewgen Leben! Exerbe deines Heilands Reich Und ſey nun Seele, ſey Ihm bis in Tod getreu! Amen! Amen! Der Weyg iſt ſchmal, 4 Und klein die Zahl Der Sieger; kaͤmpf und wanke nicht. —— Nach dem Genuſſe des heiligen Abendmahls. 1. S. erhebt ſich denn mein Glaube in jenes Heilig⸗ thum Gottes, und ich ſchmecke ſchon einen Theil jenes Friedens in den Huͤtten der Gerechten. Da, wo mein Erloͤſer iſt, ſoll ich auch ſeyn, und dort werde ich das groſe Abendmahl mit ihm halten, und aus dem vollen Becher ſeiner Liebe auf ewig erquickt werden. Vielleicht iſt die Stunde meiner Vollen⸗ dung und meiner Herrlichkeit nahe. Wohl mir, daß ich weiß, an wen ich glaube, und daß er mir meine Beylage auf jenen groſen Tag erhalten wird. Er iſt mein Erloͤſer und Verſoͤhner, durch ihn habe ich Vergebung der Suͤnde, und ſo gewis ſch jezt an ſei⸗ nem fuͤr mich geopferten Leib und ſeinem fuͤr mich vergoſſenen Blut Antheil genommen habe, und nehme: ſo gewis weiß ich nun auch, daß nichts ver⸗ damm⸗ 366 Nach dem Genuſſe dammliches mehr an mir iſt, und daß ich ein Erbe ſeines Himmels bin. Auch mir iſt Barmherzigkeit widerfahren, und der Herr hat meine Suͤn⸗ den von mir genommen. Gelobet ſeyſt du, mein Erloͤſer! daß du mich noch jezt dein Verſoͤhnungs⸗ feſt auf Erden feyern laſſen, und mein Herz unter meinen Leiden erquickt haſt. Wie geſtaͤrkt fuͤhlt ſich meine Seele, die Bahn zu gehen, welche du mich fuͤhren willſt! Wie froh blicke ich jezt uͤber Tod und Grab auf jenes Land der Verheiſung hin: froher als dein Volk in der Wuͤſten auf ſein ver— heiſenes Canaan hinſah. Ach wann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes Angeſicht ſchaue! Bielleicht iſt mir noch einer und der andre ſaure Schritt dahin uͤbrig, aber die Guͤte und Liebe mei⸗ nes treuen und allmaͤchtigen Vaters iſt mir Buͤr⸗ ge, daß er wir nicht mehr auflegen werde, als ich ertragen kann, und daß die Berſuchung einen ſol⸗ chen Ausgang nehmen werde, daß ich ſeine Barm⸗ herzigkeit und Guͤte preiſen werde. Ja, die Liebe meines Erloͤſers iſt mir Buͤrge, daß er mich in meinen Leiden nicht allein, nicht ohne ſeinen Troſt und Huͤlfe laſſen werde. Nichts, nichts wird mich ſcheiden von der Liebe Gottes, und die frohe Ge⸗ wisheit meiner Herrlichkeit, die mir mein Elloͤſer geben wird, der Hinblick auf jene Krone, die mei⸗ nen Siegen folgen wird, und der Geiſt Gottes, der in mir iſt, wird mich mit Muth und Freudig⸗ keit, mit Huͤlfe und Unterſtuͤtzung ſegnen: Tod, wo iſt dein Stachel? Hoͤlle, wo iſt dein Sieg? Gott ſey Dank, der mir nun den Sieg in Chriſto Jeſu gegeben hat. Und ſollte ich auch laͤnger le⸗ den, ſo wird dann mein Leben noch neue Samm⸗ lung von Schaͤtzen fuͤr die Ewigkeit werden. Ich habe meinen Bund mit meinem Erloͤſer erneuert, . und r2⸗²(—————y— 1 iic ein d Darnzeriit meine Ei yſ du, m N geſtärkt ſt dn, welche 1 1 4 4 dtheiſung 7 auf ſein un werde i 1 h z eſccht ſch Cet andre ſan a und(iebe wi 2 iſt wit We⸗ erde, als ich eing einen ſc min Vorm⸗ a die(ehe zd wich 2 eſänen Tyſ dt witd vih de frohe G — wem Sül 5 s werdel- ſu ie d neule V 6 „ 1 des heil. Abendmahls. 369 und bey ſeinem Altare geſchworen, die Rechte der Gerechtigkeit zu halten. Dieſen Bund will ich hal⸗ ten, und mein Gott wird mir Kraͤfte dazu geben, er wird mich ſtark machen, aber auch als ſein Kind und ſein Erwaͤhlter heilig und unſtraͤflich zu leben, und Glauben und gut Gewiſſen bis auf den Tag meiner Erloͤſung zu bewahren. Lobe nun, meine Seele, den Herrn und vergiß es nicht, was er dir Gutes gethan hat, der dir deine Suͤnden vergeben, und deine Gebrechen geheilet hat. Wie ſoll ich dem Herrn vergelten alles, was er an mir gethan hat? Heilig ſey dir, mein Erloͤſer! jeder Augenblick mei⸗ nes Lebens, den ich noch lebe, und auf dich ſey meine ganze Seele gerichtet. Preiſen will ich dich in meinen Leiden, und in dem Kampfe, den ich hier noch kaͤmpfen werde, deine Barmherzigkeit ruͤhmen. Mit Geduld will ich dich ehren, und dem Vorbilde, das du mir in deinen haͤrtern Leiden! die du fuͤr mich duldeteſt, gabſt, treu bleiben. Preiſen und ruͤhmen will ich deine Gnade fuͤr jede Erquickung, die du mir auf meinem Krankenlager und meinem Leben geben wirſt, und im Tode ſollſt und wirſt du mir Wonne und Freude ſeyn. So wie hier meine Huͤtte zer⸗ bricht, meine Kraͤfte dahin ſinken, und mein Leben erſchoͤpft wird: ſo wird auch das Leben in dir, die Morgenroͤthe jener Seligkeiten, die Freude des Him⸗ melr aufgehen und ſtaͤrker werden. Lebend und im Tode bin ich dein. 18 G iſt mein Hirt! Im Schatten ſeiner Guͤte „ Sinkt mein laut jauchzendes Gemuͤthe, Und dankt, weil mir nichts mangeln wird⸗ A Er Nach dem Genuſſe Er fuͤhret mich Auf ewig gruͤne Weiden. Hier bluͤhen mir die reinſten Freuden Und meine Seele ſattigt ſich. Er traͤnket mich, Wenn Hitz und Durſt mich ſchwaͤchen, Auf friſchen angenehmen Bachen, Und meine Seel erſchoͤpft ſie nicht. Wenn er gebeut, Muß aller Sturm ſich legen; Er fuͤhrt mich ſeines Nahmens wegen Den Fußſteig der Gerechtigkeit. Mit dir will ich In finſtern Thaͤlern wallen! Ich fuͤrchte nichts, ich kann nicht fallen; Ich troͤſte deines Stabes mich! Du rufeſt mich, Damit ich mich erfriſche, Zu deinem wundervollen Tiſche, Und meine Feinde ſchaͤmen ſich. Herr, du biſt mein, uUnd dein iſt meine Seele! Du ſalbſt mein Haupt mit deinem Oele; Du ſchenkſt mir volle Freuden ein. Mir folgt dein Heil; So lang ich auf der Erde, Herr, deinen Nahmen preiſen werde, Sey deine Vaterhuld mein Theil. p4¼ͤSe ͤr n————————„ i e: des heil. Abendmahls. Hiier ruh' ich gern In Gottes Heiligthume, Der Ruheſtatt von ſeinem Ruhme, Einſt wohn ich ewig bey dem Herrn. — 2. Noch nie empfand meine Seele, mein Erloͤſer, ſo ſehr und ſo lebhaft deine Erquickungen in deinem Abendmahle, als jezt auf meinem Lager. Noch nie iſt mein Herz ſo geruͤhrt und durchdrungen bey dei⸗ nem Tiſche geweſen, als jezt. Jezt da mir auf mei⸗ nem Krankenbette die Welt ſchon abgeſtorben iſt, meine Begierden und Wuͤnſche von dieſem Irdiſchen, Bergaͤnglichen und Nichtigen zuruͤckgekommen ſind, mein Herz von den mancherley Zerſtreuungen mit der Welt nicht mehr leidet: hier empfindet meine Seele ganz deine Guͤte und Barmherzigkeit. Ach, wie werden mir doch jezt deine Wohlthaten ſo groß, die du mir in meinem Leben von meinen erſten Jah⸗ ren und Tagen erwieſen haſt! wie ſehr empfinde und fuͤhle ich jezt in ihnen deine unverdiente Gnade, und deine vaͤterlichen und guͤtigen Abſichten in allen Fuͤh⸗ rungen meines Lebens fuͤr mein wahres und ewiges Wohl, fuͤr meine Beſſerung, meinen Glauben, meine Tugend und ihre ſeligen und herrlichen Belohnun⸗ gen! Schon ſehe ich es ein, und bald werde ich es vollkommner einſehen, daß ſelbſt alle Truͤbſale die ich hier duldete, alle Fehlſchlagungen der Wuͤnſche, uͤber welche ich hier klagte, alle Sorgen, die mich druͤck⸗ ten, alle Bekuͤmmerniſſe, unter welchen ich hier ſeufzte; die weiſen und guͤtigen Wege zu meinem Gluͤcke waren. Ich empfinde deine Liebe, und bald werde ich ſie noch mehr erkennen und preiſen. a Aa 2 Aber 372 Nach dem Genuſſe Aber vornehmlich, wie iſt mir jezt deine Verſoͤh⸗ nung ſo koͤſtlich, deren Andenken ich jezt gefeyert, und wovon du mich heute Troſt und Segen empfinden laſſen. Ich ſtehe vielleicht noch einen kleinen Schritt von deinem Richterſtuhl, und bald wirſt du mein Leben, meinen Glauben und meine Werke richten, Was bin ich denn, und was werde ich ſeyn, ohne dich? Wo finde ich die Gerechtigkeit, die vor dir gilt? Worauf gruͤnde ich meine Hofnung und die Vergebung meiner Suͤnden? Was kann mich in mei⸗ nem Sterben und ſo nahe an dem Tage der groſen Vergeltung mit Gewißheit beruhigen? Wie bekla⸗ genswuͤrdig iſt doch hier der Menſch, welcher dich verwarf, und ſich deiner Erloſung ſchaͤmte? Ach kaͤme es bey meiner Seligkeit allein auf meine Froͤm⸗ migkeit und Tugend an, ſo wuͤrde ja, wenn ich mir auch keine vorſezliche Suͤnde vorzuwerfen haͤtte, doch mein Herz mit unbeſchreiblicher Furcht und Bekuͤm⸗ merniß zu kaͤmpfen haben. Wer darf und kann ſagen, ich habe gethan, was ich zu thun ſchuldig war. Sollte meine Reue hier genug ſeyn, ſo wuͤrde ich mich dabey nimmermehr beruhigen koͤnnen. Denn woher weiß ich, daß meine Reue genug ſeyn werde! Wie kann ich glauben, daß die Suͤnde, die mein Ge⸗ muͤth ſo tief bekuͤmmerte, durch bloße Reue abgethan werde? Wie kann Gott wohl als ein heiliger, weiſer und gerechter Gott den Suͤnder und Laſterhaften ſelbſt ſo ſicher machen, daß eine bloße Reue alles wie⸗ der gut zu machen, im Stande ſeyn koͤnne. Nein! das iſt dein heiliger, weiſer, ewig anbetungswuͤrdiger Rath, daß dein Sohn in die Welt kam, damir er die Suͤnder ſelig machte; daß wir durch den Tod deines Sohns verſoͤhnt werden, und unſer Glaube an ſein Blut uns Gerechtigkeit und Friede geben ſolle. O wie troſtvoll, mein Heiland, daß meine Seligkeit mir 41 meinem 2—ſſũúgyq‚g.—————— 1 daine Pen (tgefehert, n gen empfnn lleinen Soh 5 witſt du 1 Merte uie Sich ſeyn, ., die don — ſmung und Sin wich ing Sage der gu 1 Pie h. 8, welcher 1 d ſchämet) h kuif meine Ftid benn ichn rreen häͤtte, di⸗ drt und Beiib eannd fann ſagen a(chuldis Gar. 1 ſo wade ich ringen. Damh a uſen ve⸗ 1 dee menG 21 Neue abehe elliger, 1 a nd Laſtete — 9 a Jeue alesn knne. M. des heil. Abendmahls. 3273 meinem Glauben verbunden iſt! Wie bernhigt das meine Seele, daß ich dich kenne, und mich deines Heils freuen kann! Ich bin nun in deinem Frieden, und mit dem Troſt meiner Begnadigung warte ich auf mein Ende. Mein Nahme iſt in dem Buche des Lebens eingezeichnet ja du haſt mich in deine Haͤnde gezeichnet. Als dein Erwaͤhlter und dein Erbe freue ich mich aufgeloͤſet und bey dir zu ſeyn. Hier giebſt du meiner Seele ſo viel Freude, und ach was werde ich dort in deinen Huͤtten des Friedens empfinden? Mit der Stunde und dem Augenblick meines Ab⸗ ſchieds von der Welt genieße ich deiner Herrlichkeit, und im Tode hoͤre ich deine Stimme: komme, Ge⸗ ſegneter des Herrn, und ererbe das Reich deines Va⸗ ters. Muth und Freudigkeit, Staͤrke und Feſtigkeit hat mir dieſes dein Mahl gegeben, und der Geiſt der Kindſchaft wohnet in mir, dieſer Geiſt, der mir das Zeugniß giebt, daß ich dein Erwaͤhlter und dein Erbe ſey. Ich freue mich in Gott, und bin froͤlich in meinem Heilande, denn er hat mich angezogen mit Kleidern des Heils, und mit dem Rock der Gerech⸗ tigkeit bekleidet. We groß iſt meine Seligkeit! IFn allen Leiden dieſer Zeit Bin ich nun voll Vertrauen. Der Weg aus dieſem ſinſtern Thal, Fuͤhrt mich zum groſen Abendmahl; Ich werd' dein Antlitz ſcauen, Wo ich bey dir, nach den Leiden Mich mit Freuden herrlich labe Ewig volle Gnuge habe. b Betrachtungen Ich habe jezt, o Gottes Sohn, Das Pfand des ew'gen Lebens ſchon. Die Hofnung kann nicht trugen, Mich ſcheidet, Heiland, nichts von dir, Wenn ich nur kampf', ſo werd' ich hier In jedem Kampfe ſiegen. Amen, Amen, du giebſt Freuden, Troſt in Leiden, Muth im Sterben. Hilf auch mir dein Reich zu erben. Betrachtungen für die Geneſenden. Bey anſcheinender Beſſerung. 5 — 2 1 2 An den Graͤnzen der Ewigkeit ſtehen und ſchon in der Naͤhe in das Land der Verheiſung hinuͤberſehen und nun in dem ſeligen Bewußtſeyn der kuͤnftigen Herrlichkeit in die Wuͤſte dieſes Lebens noch einmal zuruͤcktreten ſollen, wie traurig iſt dieſer Gedanke! Der Kampf iſt mehrentheils ausgekaͤmpft, die Furcht des Todes uͤberwunden, und die Gefahr und die Klippen, an welcher unſre Seele ſcheitern koͤnnte, beſiegt. Und nun noch einmal auf dieſe gefaͤhrliche Wege zuruͤcktreten, noch einmal ſeinen Wanderſtab, den man bereits niederlegte, wieder in die Hand neh⸗ men, noch einmal die Buͤrden und die Laſten auf ſeine Schultern legen, und vielleicht manchen neuen muͤhſamen und beſchwerten Schritt durch dieſe Welt thun, manchen neuen Kampf kaͤmpfen, beugt den Freund Gortes, der nahe ſeinen ewigen Frieden war: und ſo ſcheint es faſt mit mir. Meine hingeſunkenen Kraͤfte ſcheinen ſich zu ſammlen, die Natur ſcheint b ein 2ͤ——— —————. E enden. 2½ wärutd ſchonii ii Hinibenihen rada känſtigen 1s hoch anal ſer Gedante e ſt, die Furch ffahr und d itern fine a iſe gefthi 2 Wanduit — 6 die Handn a de Laſtn! a unchen nal ch dieſed ra, beugt 2 Frieden” dr hugeſin 1NMatur ſ 1 8 fuͤr die Geneſenden. 375 ein neues Leben zu erhalten, und ich komme mir als ein Licht vor das ſchon erloͤſchen wollte, dem aber neues Oel zufließt. Das iſt die Hand des Allmaͤch⸗ tigen, der auch aus dem Grabe erwecken kann, und von dem alle Geneſungsmittel ihre Kraft und Ge⸗ deyen haben, ich will ſie in Demuth anberen, und wenn er mir noch einmal meinen Wanderſtab in die Hand geben will, ſo will ich ſeinem Rath mit Ge⸗ horſam und Willigkeit folgen und ſeine Wege gehen. Er hat mich dann in dieſen Leidensſtunden und in dem nahen Hinblick auf meine Verweſung an das Ziel erinnern wollen, das ich beſtaͤndig in meinem Leben vor Augen haben ſoll, und welches der arme Menſch in dem Geraͤnſche dieſer Welt und ſeiner Lei⸗ denſchaften ſo gerne vergißt. Er hat mich lehren wollen, wie ich ſtets fuͤr die Ewigkeit leben muͤſſe, und mit groſer Klugheit handeln; er hat mir einen tiefen Eindruck von der Vergaͤnglichkeit, der Eitel⸗ teit und Truͤglichkeit alles Erdengluͤcks, aber auch der Nichtigkeit und Strafbarkeit aller unruhigen Sor⸗ gen geben wollen: er hat mir zeigen wollen, wie un⸗ gluͤcklich die Suͤnde, und wie gluͤcklich und froh ein gutes Gewiſſen mache: wie ſchaͤzbar und uͤber alles wichtig die Religion Jeſu ſey. So fuͤhrte mich die Baterhand Gottes in eine Schule der Weisheit, da⸗ mit ich das, was ich etwan noch zu leben habe, beſſer und heiliger lebe, als bisher geſchehen iſt, die bishe⸗ rigen Fehltritte vermeide, und viel ernſtlicher in den Pflichten meines Berufs und des Chriſtenthums wer⸗ de. Gelobet ſey die Guͤte und Barmherzigkeit Got⸗ tes fuͤr den heilſamen Kelch des Leidens, den er mir darreichte, und fuͤr alle Wohlthat und den reichen Segen, den ich in dieſen harten Stunden ſammlete. Nie will ich es vergeſſen, was der Herr an meiner Seele gethan hat. Mit Dantk will ich dem Erhalter 8 meines 376 BDeeteachtungen meines Lebens mein Leben heiligen, wenn ich wieder von ihm in die Welt zuruͤckgefuͤhret werden ſollte. Mit den Meinigen will ich ihn anbeten, und deſto ernſt⸗ licher darauf denken, daß ich ſie auf den groſen Zweck ihres Lebens und auf das Ziel der menſchlichen Wall⸗ fahrt hinweiſe, dem ich ſo nahe war. Doch wenn mich auch der Schein meiner Gene⸗ ſung blenden ſollte, und derſelbe nichts weiter als einige Erholung, und voruͤbergehende Erquickung unter meinen harten Leiden waͤre, ſo ſey auch dafuͤr die Guͤte meines himmliſchen Vaters geprieſen. Mit kindlicher Unterwerfung unter ſeinen Willen, froh und mit glaubensvoller Zuverſicht will ich ſeine Hand ergreifen, die mich zu meiner Vollkommenheit hin⸗ fuͤhren, und mir die Krone der Seligen geben wird. Ja mein Erloͤſer! dir will ich leben, und dir auch ſterben, dein will ich todt und lebend ſeyn. Amen. Gs. Herr, iſt deine Guͤte! Wer ſie nicht achtete; Welch fuͤhllos Herz verriethe, Der Unerkenntliche! Sie rettet mich aus Noth; Erquickt in allen Leiden, Und miſchet ſie mit Freuden, Verſuͤſet ſelbſt den Tod. Du wirſt mich ferner leiten, So unwerth ichs auch bin. Treu bleibt zu allen Zeiten Dein milder Vaterſinn. Ich hoffe ſtets auf dich, Du wirſt in Kuͤmmerniſſen Mir wohl zu helfen wiſſen; Dir uͤberlaß ich mich. tweiner 6 4 auch d. eyrieſen. * Milen f 1ich ſeine hm 2 unrnheik ſ9 1an geben bi a und di un ſeyn. Amen. M fuͤr die Geneſenden. Ja, deine Huld iſt groͤſer, Als wir verſtehn; auch iſt Dein weiſer Rath ſtets beſſer, Als was der Menſch beſchließt. Herr meine Zuverſicht! Dir froh mich zu ergeben, Dich dankbar zu erheben Sey meine liebſte Pflicht. Bey zunehmender Beſſerung. Weache Erquickungen nach harten Kaͤmpfen, wel⸗ che Stille nach ſchroͤckensvollen Stuͤrmen, welche Ruhe nach den harten Arbeiten und der Angſt und Muͤhe! Meinen Leiden ſezt die Vaterguͤte Gottes ihr Ziel, und ein neues Leben, neue Kraͤfte ſtroͤmen durch alle meine Gliedmaſen. Noch ſind meine Kraͤfte zwar ſchwach, und ich bin einem Kinde aͤhn⸗ lich, das noch wankend die erſten Tritte verſucht, aber doch ſammlet ſich von Zeit zu Zeit meine Slaͤrke, und der Schlaf der mich zuvor floh, oder nur noch mehr betaͤubte, iſt fuͤr mich Erquickung und Labſal. Mit innerer freudiger Empfindung erwache ich aus demſelben, und froher, heiterer Dank ſteigt zu dem Vater der Guͤte empor, und meine Seele bringt ihm die heiligen Geluͤbbe. Nun fehe ich die Nacht vor mir, aber ich fuͤrchte ſie nicht, weil ein ſanfter Schlummer mich aufnimmt, um neue Kraͤfte in meine Glieder zu bringen. Gelobet o Gott! ſey deine unausſprechliche Barmherzigkeit. Nie vergeſſe meine Seele, was du an mir gethan haſt. Du haſt mein Leben vom Verderben errettet, und meinen Odem bewahret. Ich werde nun noch leben, und b deine 378 Betrachtungen deine Werke verkuͤndigen. Zwar werde ich noch manche neue Beſchwerden auf meiner Pilgerreiſe erfahren, und vielleicht noch manchen rauhen Weg betreten, aber doch an der Hand meines Erloͤſers, und unter dem Schatten und Schutz des Allmaͤchti⸗ gen, und da wird mir jeder muͤhſame Schritt Seegen und Heil bringen, und mich deſto mehr in meinem Glauben und meiner Gottſeligkeit üben und ſtaͤrken. Ich werde unter denſelben die Reichthuͤmer und Schaͤtze jenes Lebens vermehren. Der, der mich unter Gefahren des Todes erhalten, geſtaͤrkt und erfreut hat, wird mich in meinen kuͤnftigen Lebens⸗ tagen nicht verlaſſen. Mein Leben iſt Weg und Hingang zu jener ſeligen Ewigkeir, und dieß Ziel will ich nicht aus meinen Augen verliehren. Erhalte mich dabey, daß ich deinen Nahmen fuͤrchte; und nicht weiche von meiner Froͤmmigkeit bis meine Veraͤn⸗ drung kommt. Ich kann nun noch manchen Samen auf die Ewigkeit ausſtreuen, und meine Erwaͤhlung deſto feſter machen. Mein Leben und meine Kraͤfte ſollen ganz dazu geheiligt ſeyn, meine vorigen Fehler zu verbeſ⸗ ſern und nun deſto mehr Fruͤchte meines Glaubens zu tragen, reicher in guten Werken zu werden, und keine Gelegenheit voruͤber gehen zu laſſen, meinen Bruͤdern in der Welt nuͤtzlich zu werden. Ich will nun nach der Weiſe leben, die ich in den Vorhoͤfen des Him⸗ mels gelernt habe, und in Wort und Wandel die uͤberſchwaͤngliche Kraft Jeſu Chriſti ruͤhmen, die ich auf meinem Krankenbette erfahren habe. Hier, mein Vater! vor dir im Staube hingeworfen, erneure ich meine heiligen Vorſaͤtze, meinen Bund mit dir; es iſt mein Ernſt, deine Wege zu wandeln, und ich ſchwoͤre es und wills halten, daß ich die Rechte deiner Gerecheigkeit halten will. Mein Wandel ſoll hier gleichſam ſchon im Himmel ſeyn, und in deiner d Gnaden e——— Sberde ich r Pia⸗ 3 trauhen ines Erlt 2 eſtirit d ſigen Lein Siſt Weg dieß Jeelt — Shaltenit ae; und hiche e eeine Wri en then Sawen en Eriyhlung a räfte olen n lerzuetee e Gloubensſt er und keie r den rüdm etil nn h zo ſin des hw 1 Pandele . nen/ heit Hj n 8 enmi 1 wit 5 i, wn e n, n 3 Kactedie für die Geneſenden. 379 Gnaden Gegenwart will ich jeden Schritt durch die Welt thun. Deine Kraft wird in meiner Schwach⸗ heit maͤchtig an mir werden, und durch dich vermag ich alles. Sey mein Hirte und mein Fuͤhrer, erinnere mich ſtets, wenn ich ſchwach werde, erwecke mich, wenn ich kalt werde. Dein heiliger Geiſt lehre mich ſtets thun nach deinem Willen und Wohlgefallen, an leite mich auf die rechte Bahn zum ewigen Leben. men. b 4 8 L. Ehr und Preis dem hoͤchſten Gut! Dem Retter meiner Seele! Dem Gott, der alle Wunder thut! Dem Gott, der meine Seele, Mit ſeinem reichen Troſt erfuͤllt! Dem Gott, der allen Jammer ſtillt! Gebt unſerm Gott die Ehre! Dort ſingt die Schaar der Selgen dir, Beherrſcher aller Thronen! V Und die wir noch an Grabern hier In deinem Schatten wohnen, Wir preiſen, Gott, auch deine Macht! Auch uns hat ſie ſo wohl bedacht! Gebt unſerm Gott die Ehre! Ich rief dem Herrn in meiner Noth: Vernimm, vernimm mein Weinen! Da half mein Helfer mir vom Tod, Und ließ mir Gnad erſcheinen! Ich danke Gott, ich danke dir! Ach danket, danket Gott mit mir! Dankt ihm mit Freuden Thranen. Wenn Huͤlfe nicht mehr helfen kann, Die nur die Welt erzeiget, So hilft, der ewig helfen kann, Der Schoͤpfer ſelbſt, und neiget Sein Vater Angeſicht uns zu; Denn auſſer ihm war keine Ruh, Nicht Huͤlf nicht Troſt zu finden. 380 Boey hergeſtellter Geſundheit. Ich will mein ganzes Leben lang Und ewig, Gott, dich ehren! Dann ſollen meinen Siegsgeſang Auch deine Himmel hoͤren; Mein Geiſt, mein Geiſt erhebe dich! Mein ganzes Herz erfreue ſich! Gott iſt mein Gott auf ewig. Kommt laßt uns vor ſein Angeſicht Mitit Freud und Zittern dringen! Bezahlen die gelobte Pflicht, Gebuͤckt im Staube ſingen: Du haſt es, Gott, vorher bedacht, Und alles, alles wohl gemacht! 1 Du biſt der Erſt und Letzte. Die ihr des Vaters Namen nennt, Gebt ihm, gebt ihm die Ehre! Die ihr des Sohnes Tod bekennt, Gebt ihm, gebt ihm die Ehre! Der Suͤnden Goͤtzen macht zu Spott, Der Herr iſt Gott! der Herr iſt Gott! Gebt unſerm Gott die Ehre! Bey hergeſtellter Geſundheit. S. trete ich denn noch einmal zu meinen Pflichten in der Welt zuruͤck, und bin den Meinigen von neuem gegeben. Ich fange von neuem meine Wall⸗ fahrt in der Welt an. Noch ganz mit dem hohen Gedanken der Ewigkeit erfuͤllt, und von der Wich⸗ tigkeit meiner Pflichten durchdrungen, uͤbernehme ich denn aus der Hand meines Gottes mein neues Tage⸗ werk: ach daß ich es freudig vollende, und die Tage, welche mir Gottes Langmuth und Guͤte nun noch ge⸗ ben 5————— e——— geit en nen Pfits Neinigen. „ meine it dem i on det 3 a üdernedn n neues und die nan 1 die Beſchwerden und Hinderniſſe ſollen meinen Muth Bey hergeſtellter Geſundheit. 381 ben will, in heiliger Furcht vor ihm verlebe, und in einer ſtrengen Gewiſſenhaftigkeit zubringen moͤge! Beſſer als jene vorigen Tage muͤſſen nun die folgen⸗ den angewandt werden, fruchtbarer im Guten, als vormals muß mein Leben nun hinflieſen, und keine wiſſentliche Suͤnde jemals mehr mein Gewiſſen be⸗ flecken. Ich habe es nun erfahren, wie viel daran gelegen ſey, am Ende ſeines Lebens und bey der An⸗ naͤherung ſeines Todes den Troſt zu haben, daß man treulich und aufrichtig Gottes Wege gegangen ſey. Ich bin nun den Meinigen doppelt ſchuldig, fuͤr ſie alles zu ſeyn, was ich ſeyn muß, nachdem ſie mich mit ſo vieler Zaͤrtlichkeit und Liebe gepflegt, und nach⸗ dem mich die Guͤte Gottes ihnen wieder in die Arme geworfen hat: damit ich mir, wenn die Zeit kommt, wo ich ſie endlich verlaſſen muß, nichts mehr vorzu⸗ werfen habe. Mein Gebet, meine Liebe, meine Wachſamkeit und Sorgfalt fuͤr ihr irdiſches und ewi⸗ ges Wohl ſoll nun meine angelegentliche Beſchaͤfti⸗ gung ſeyn, damit mein laͤngeres Leben ihnen Woyl⸗ that und Freude werde. Mit neuem Ernſte gehe ich nun zu meinem Be⸗ rufe zuruͤck, und die Welt erwartet von mir, da ich jezt von den Graͤnzen der Ewigkeit zuruͤckkomme, mit groͤßerer Treue und Gewiſſenhaftigkeit meinen Bey⸗ trag zu dem allgemeinen und jedes beſonderm Wohl. Mein Amt, meine Geſchaͤfte, mein ganzes Thun und Laſſen ſoll nun unter den Augen des Allgegen⸗ waͤrtigen und Heiligſten geſchehn. Mit Gott und unter demuͤthiger Anrufung um ſeine Unterſtuͤtzung, Segen und Heiligung meines Herzens, im Vertrauen und Zuverſicht zu ihm will ich es unternehmen, mit kluger Ueberlegung und Hinſicht auf den Zweck und den Nutzen meiner Werke will ich es ausfuͤhren, und nicht 382 Beh hergeſtellter Geſundheit. nicht niederſchlagen. Gutes in der Welt zu wirken, das ſoll der groſe Antrieb meines Thuns werden, und nach dieſem Zwecke gelebt, Gottes gute Abſichten er⸗ reicht zu haben, das ſoll meine Frende und der Troſt meines Herzens werden. Ich will mir in dem Reſte meines Lebens, das mir Gottes Guͤte noch geben will, reichere Schaͤtze ſuͤr die Ewigkeit ſammlen. Jeder Menſch ſoll mein Freund, mein geliebter Mitgefaͤhrte zu der Ewigkeit werden, und es ſoll immer der herr⸗ lichſte Gewinnſt fuͤr meine noch uͤbrigen Erdentage wer⸗ den, wenn ich hier jemand mit Beyſpiel, Erinnerung oder ſonſt auf irgend eine Weiſe auf Gottes Wege hinleiten, dort jemand in ſeiner Sorge fuͤr ſein ewiges Gluͤck ſtaͤrken und aufrichten, und da ſein Wohl und irdiſches Gluͤck befoͤrdern, oder ſeine Laſt erleichtern tann. Das Leben Jeſu ſoll mein Beyſpiel und Muſter ſeyn, und dieſem groſen Urbilde will ich mit ganzer Seele nachſtreben. Was mir auf meiner Pilgerreiſe noch zuſtoßen wird, weiß ich zwar nicht. Aber getroſt gehe ich an der Hand meines Hirten den Weg, den er mich fuͤh⸗ ren will. Mit Dant und Demuth will ich von ihm jede Freude dieſes Lebens annehmen, und jede Wohl⸗ that nach ſeinem heiligen Willen gebrauchen, aber auch mit Gehorſam und Ergebung an ihn die rauhere Bahn betreten, auf die er mich rufen moͤchte. Er wird dabey mein Schutz, mein Helfer und Troͤſter ſeyn, und jede Leidensſtunde wird mich zu einer deſto groͤſern Herrlichkeit hinfuͤhren, ſie wird mir Wonne und Segen fuͤr jezt und die Ewigkeit bringen. o haſt du mir mein Leben Noch einmal, Herr, gegeben; Mit Inbrunſt dank ich dir! Wui haſt, aus Huld bewogen, Mich aus dem Nichts gezogen, Durch deine Guͤte bin ich hier⸗ käit. delt zu A us werden 1 ebſche *und der! kin dem g a och geben mlen. 4 e Nitgeſt dumer der ſ —— 4 v Crinner — Guns. A afär ſein enig 44 Wohl n ralaſt erleichen r eitl und Muſit zaich wit goyyr Noch zuſcßen an gehe ich in au wih ſäb a ich von ihn. d ſede Wi hen abet a 8 nuhere h aante. Ern an Kriſtet = rdeſto gii Wonne 1 Bey hergeſtellter Geſundhelt. Du Herr, haſt mich bereitet, Mich vaͤterlich geleitet, Bis dieſen Augenblick. Du gabſt mir frohe Tage, Und auch der Leiden Plage Verwandelteſt du in mein Gluͤck. Ich bin, Herr aller T Dinge Der Treu viel zu geringe, Mit der du mich bewacht. Damit ich Staub und Erde Auf ewig gluͤcklich werde, Haſt du ſchon ewig mein gedacht. Du höoͤrteſt ſchon mein Sebitn Und zaͤhlteſt meine Thraͤnen. Eh' ich bereitet war; Eh' ich zu ſeyn degonnte Und zu dir rufen konnte, Da wogſt du ſchon mein Heil mir bar Du ließt mich Gnade finden, Und ſahſt doch meine Suͤnden Vorher von Ewigkeit. O Hoͤchſter! welch Erbarmen! Du ſorgeſt fuͤr mich Armen, Und biſt ein Vater, der verzeiht. Fuͤr alle deine Treue, Fuͤr das, deß ich mich freue, Lobſinget dir mein Geiſt. Es iſt dein groͤßt Geſchenke, Daß ich durch ihn dich denke; Dein iſts, daß er dich Vater heißt. Daß du mein deben friſteſt, Mit neuer Kraft ausruͤſteſt, Dies, Vater, dank ich dir. Laß deine Hand mich fuͤhren, Und deinen Geiſt regieren Und weiche niemals weg von mir. Groſe Pflicht der wahren Dankbarkeit Was mir in dieſem Lehen Noch nuͤzt, wirſt du mir geben: Du giebſts, ich hoff auf dich⸗ Dir, Vater, dir befehle Ich meinen Leib und Seele, Herr, ſegne und behuͤte mich. — Groſe Pflicht der wahren Dankbarkeit und der taͤglichen Heiligung. We viel, wie unausſprechlich viel, mein Vater und mein Gott! haſt du an mir gethan, und wie gros iſt die Wohlthat, daß du mich gleichſam aus den Armen des Todes riſſeſt, mir ein neues Leben gabſt, und gleichſam noch einmal geboren werden ließeſt. Welche Wohlthat fuͤr mich, wenn ich auf die Meinigen hinblicke, denen ich auf mancherley Weiſe nuͤzlich werden, und an denen ich auf eben ſo mannigfaltige Art mir Segen fuͤr die Ewigkeit ſamm⸗ len kann! und welche Wohlthat, wenn ich uͤberhaupt auf meine Nebenmenſchen hinſehe, an denen, wenn ich in meinem Stande und Umſtaͤnden fuͤr ihr Wohl lebe, ich mir ſo manchen Reichthum guter edler Tha⸗ ten haͤufen kann;z aber vornehmlich fuͤr mich ſelbſt! Nun kann ich meinen Glauben und meine Gottſelig⸗ keit zu mehrerer Reife bringen: nun noch ein groͤſers Feld fuͤr die Freudenaͤrndte des kuͤnftigen Lebens be⸗ ſtellen, nun meinen Glauben an meinen Erloͤſer und meine Gottſeligkeit und Treue bewaͤhrter machen. Wie kann ich dir genug danken fuͤr alles, was du an mei⸗ ner Seele gethan haſt und noch thuſt? Werde ich aber auch deiner Guͤte nicht vergeſſen? Wie bald ſch Arkii und ₰, wein Ve an, und a gleichſam an n neues ſebeg Vrhoren berder Kdvenn ich auf a ancherley erah ad A ſe na cvigteit ſann „ eiſch ibethan hdenen, he zaiſir ihr N grlter aͤlerh drir ni G üne Getih gich ein giß aen 6bgs 2 ren Erlſe w 9 A a ermachen. 8 34 1 88 n. — K und der taͤglichen Heiligung. 385 ſich doch in dem Gemuͤthe des Menſchen der gute Eindruck aus? wie bald vergißt er deine Wohlthaten, und wie leicht wendet er ſie gegen dich oder vielmehr gegen ſein eignes Wohl an? Bewahre mich, mein Gott! daß ich ſie nie aus meiner Seele verliehre: ſtets bleibe mir die frohe Empfindung gegenwaͤrtig, mit welcher ich gleichſam aus meinem Grabe hervor⸗ gieng, und das neue Leben, und die neue Kraͤfte aus deiner Hand erhielte. Und in aller ſeiner Staͤrke fuͤhle mein Herz, wozu du mich von den Graͤnzen der Verweſung zuruͤckfuͤhrteſt, wie viel Barmherzigkeir du auf meinem Krankenlager an mir thareſt, und daß ich in einiger Zeit wieder an dieſem Ziele ſeyn und endlich nicht mehr zuruͤcktehren werde; wie ſchwer und wie ſchroͤcklich mir dann die Sterbeſtunde ſeyn werde, wenn ich mein neues Leben nun gebraucht haͤtte, dieſe koͤſtlichen Schaͤtze deiner Gnade zu verliehren und den Wegen des Verderbens nachzugehen! Je groͤſer deine Wohlthaten ſind, deſto ſchwerer iſt auch unſre Ver⸗ antwortung, und deſto ſchwaͤrzer unſre Undankbar⸗ keit. Ewig fern ſey es von mir, dieſe koſtvaren Tage meines von dir ſo gnaͤdiglich gefriſteten Lebens zu ver⸗ liehren. Aber worin beſtehr mein Dank? Doch niche allein in Worten und Lobpreiſungen, ſondern in Er⸗ weiſung eines treuen Gehorſams, und in einer red⸗ lichen und heiligen Anwendung meiner ganzen Le⸗ benskraft. Nie rufe mich der Morgen aus dem Schlafe, ohne meine ganze Seele in Lob und Dank zu dir zu erheben, und meinen Bund mit dir zu er⸗ neuren, deine Wege zu gehen, Samen fuͤr die Ewig⸗ keit auszuſtreuen, nuͤtzlich zu werden, wo ich kann, Gutes zu wirken, ſo lange ich noch lebe, und mich vor jeder Suͤnde zu huͤten. Stets begleite mich der Gedanke an dich und meine heiligen und groſen Pflich⸗ ten auf allen meinen Wegen, zu allen meinen Unter⸗ B h nehmun⸗ 386 Groſe Pflicht der wahren Dankbarkeit nehmungen und Anſchlaͤgen, und allem meinem Thun und Geſchaͤften. Er ermuntre mich, und lehre mich recht thun, er ſtaͤrke mich unter Schwierigkeiten, er erfreue mich unter den Leiden, er heilige meine Freu⸗ den, und ſchroͤcke mich von jeder Suͤnde zuruͤck; und wo mein ſchwacher Fuß ſtrauchelte, und mein Herz fehlte, da fuͤhre er mich bald zuruͤck auf deine Wege, damit ich das Boͤſe ablege, und beſſere. Und ſo laß denn jeden Abend meines Lebens Freude und Wonne in meine Seele bringen, einen Tag gelebt zu haben. Nie muͤſſe mich an demſelben ein Vorwurf des Gewiſſens niederſchlagen, nie mein Herz es be⸗ reuen, dieſen Tag gelebt zu haben. Scharf und ge⸗ nau laß aber ſtets die Unterſuchung meines Lebens ſeyn, und nie laß mich ohne ein frohes Bewußtſeyn deiner Gnade in die Arme des Schlafs fallen. Mein Beruf iſt ſtets vollkommner zu werden, immer mehr meinem Erloͤſer aͤhnlich zu werden, und mit jedem Tage weitere Schritte in meiner Erkenntniß, meinem Glauben, meiner Gottſeligkeit und Hofnung zu thun. Nie ſey mein Herz mit ſich ſelbſt zufrieden, ſondern immerwaͤhrend ſey es meine Frage: bin ich beſſer, und dem hohen Urbilde, meinem Erloͤſer, naͤher gekom⸗ men. Ermuntere mich jeden Tag zu dieſem heiligen Eifer, und alles was um mich iſt, und was ich bin, und was ich habe und erfahre, werde mir Antrieb, ſtarke Fortſchritte auf den Wegen des Heils zu thun. Dann werde ich froh meinen lezten Abend einbrechen ſehen, mit hoher Zufriedenheit meine Wallfahrt beſchlieſen und zu den Freuden der Ewigkeit uͤbergehen. — 2 Laß Herr, im Guten meinen Fleiß zu ſtaͤrken, Mich nutzen Zeit und Ort zu edlen Werken Und hilf, daß ich der Suͤnden Reiz und Freude Vorſichtig meide. Gieb —nkbarke nweinen And lehr — vierigkeite — ge meine „Oünde zu —n, und urick auf d heſſere. l das Freude! en Tag g 1n in Vom nn hen a. charf un i weines(ehan 2 8s Veruftſen da falen. Ner * inmer mq dd nit ſoher tniß, migem ad ug zu than. kennan ſder 1 duſa m uer geiw ua ieſem heillt adichbin n. 5 alntrieb, h e thun. Aw 1 dbrechen th hſchlihna 1 44 und der taͤglichen Heiligung. 387 Gieb mir Gelegenheit, dich, Herr, zu preiſen, Und daß ich dein ſey, andern zu beweiſen: Laß denn auch mich, weils ſchwer iſt, nicht verweilen, Sie zu ereilen. 4 Daß ich im traͤgen Schlummer eitler Traͤume Die edle Zeit der Ausſaat nicht verſäume, Daß ich ſie mir zum ewigen Beſitze Mit Eifer nütze, Ich weiß, daß dein Gebot enſchloßnen Eifer heiſche. Drum gieb, daß mich der Freiheit Wahn nicht tauſche; Als fehl es mir zu goͤttlichen Geſchaͤften An Zeit und Kraften. Niein, laß mich ſtandhaft, laß mich muthig ringen, Schnell naͤher zu dem Ziele fortzudringen; Daß meinen Glauben ich zu deinem Preiſe Der Welt beweiſe. Daß ich des Laſters Täuſchung mich entziehe, Schnell, wo Gefahr zu fallen droht, entfliehe Und muß ich ſtreiten für der Zukunft Freude, Treu kaͤmpf und leide. Mich reize nur des guten Beyſpiels Nuͤhrung Und nie des Beyſpiels ſchimmernde Verfuͤhrung; Daß ich, der ich allein dir angehoͤre, Nur dich auch ehre. Hiilf, ſoll ich leiden, daß ich nicht verzage Und ſtrahlt der Glanz des Lichts auf meine Tage; So laß mein Herz in meinem frohen Leben Sich nicht erheben. Ich muͤſſe ſtets mich mehr beherrſchen lernen, Freywillig ſelbſt, was reizt, von mir entfernen; Damit ich taͤglich uͤber meine Sinne Mehr Macht gewinne. Bb 2 b Daß Von der Gefahr, wieder Duf Leidenſchaften nicht auf meinen Wegen Mich hin und her wie Stuͤrme werfen moͤgen; So werd ich immer edler, lihrer, freyer, Dir ſtets getreuer. So wird mich nichts in meinem Laufe hindern Und ich empfahe dann mit deinen Kindern, Wenn du ſie kroͤnen wirſt, von deinem Sohne Auch meme Krone. Von der Gefahr wieder in Suͤnde zu fallen. ie traurig wuͤrde mein Zuſtand werden, wenn ich wieder zur Suͤnde zuruͤckfallen ſollte? und o wie oft werden bey den Menſchen die ſtaͤrkſten Entſchlieſun⸗ gen, die ſie auf ihrem Krankenbette machten, die heiligſten Buͤndniſſe, die ſie mit ihrem Erloͤſer errich⸗ teten, und die ſchoͤnſten Entwuͤrfe, die ſie fuͤr ihr neues Leben machten, vergeſſen; ja wie mancher iſt in der Folge ſchlimmer, eitler, laſterhafter und verkehrter ge⸗ worden, als er vorher war? Meine ganze Seele ſchau⸗ dert bey dem Gedan en, auch ich koͤnnte vielleicht in einiger Zeit, dieſe koͤſtliche Krone meines Glaubens und meiner Heiligkeit verliehren! auch ich koͤnnte in einiger Zeit dieſe Buͤndniſſe, die ich mit Gott an den Pforten der Swigkeir ſchloß, brechen, und dieſe ſo ſchaͤtzbare Ruhe meiner Seele wieder verliehren! Was fuͤr Gefahren drohen mir nicht? Die Begierden und Leidenſchaften, die Luͤſte und Suͤnden, die ich beſiegt hatte, danen w n mir, aber noch immer werden ſie wieder erwachen, und nach ihrer vorigen Herr⸗ ſchaft ſtreben In mir ſelbſt iſt einmal ein Geſeß der Slrelten und Sünde, das gegen das Geſetz des 65 8 ———— —õ—õ— ☛— Ader nen Pene ¹ ſreyer, e Andern, cm Soßne 8 1 Seu filn den, went i 1 nd wie ie rutdiſn machten, de 2 Lunfe hinde — erfilhſer mnitb nült ihr neuus amet Kide ar pertehtut Secle ſtw Su hieleichf ar nes Glaulb, ar ich omt V tt Gott ahn 1 und di ehren. W an dee ch W 6 S inner ae z tetigen O un ein Gh 4 4 u — 389 ſtes und die beſſern Geſinnungen ſtreitet; und wie ſehr werde ich ſtets auf meiner Hut ſeyn muͤſſen, nicht zu neuen Fehltritten und Verirrungen hingefuͤhrt, nicht in Traͤgheit und Kaltſinn gkeit eingeſchlaͤfert, und in Saͤnde zu fallen. nicht auf die Wege der Suͤnden verleitet zu werden. Ich lebe wieder in der Welt, worin es mir an Ge⸗ legenheit, Reizungen und Verſuchungen zur Suͤnde nicht fehlen wird. Freuden und Leiden koͤnnen mir gleich gefaͤhrliche Klippen werden, woran meine Tu⸗ gend ſcheitert. Es giebt immer neue Verhaͤltniſſe, die mich auf Abwege bringen koͤnnen, und das Leben geht unter lauter Gefahren dahin. Nur durch ſtete Wachſamkeit und Wahrnehmung meiner ſelbſt, durch Unterdruͤckung und Beſiegung der erſten unordentli⸗ chen Regungen, durch ſtete Staͤrkung in Gott, durch Gebet und Unterhaltung mit ihm kann ich ſicher auf dem Wege des Heils fortgehen. O wie wuͤrde ich meine Geneſung zu beſeufzen haben, wenn ich leben ſollte, um mein Gewiſſen zu beflecken, und die Gna⸗ de Gottes zu verſcherzen. Wie unendlich beſſer waͤre es dann, wenn ich meine Wallfahrt bey meiner Krank⸗ heit beſchloſſen, und mein Ziel erreicht haͤtte. Vor⸗ ſichtig will ich denn meinen Weg fortſetzen. Ich will ſtets meine Gefahren uͤberſehen, und den Verluſt be⸗ rechnen, den mir die Kaͤlte in dem Geſchaͤfte meiner Seligkeit und meine Abweichung von dem Geſetz mei⸗ nes Gottes zuziehen wuͤrde. Dieß ſoll mich deſto ernſtlicher machen, meine uͤbrigen Tage auszukaufen. Gottlob! daß mich die Gnade meines Gottes ſtark genug macht, gegen alle Verſuchungen der Welt und meines Herzens, feſte und unerſchuͤttert zu ſtehen. Der, welcher in mir iſt, iſt maͤchtiger als der, der in der Welt iſt: und mit der Gotteskraft, die ich von meinem Erloͤſer habe, werde ich Glauben und gut Gewiſſen bewahren bis an den Tag meiner Slbſung, 390 Von der Gefahr, wieder Ich werde immer neue Reichthuͤmer und Schaͤtze fuͤr die Ewigkeit ſammlen, und mit jedem Tage feſtere Schritte thun, und jener großen Vollkommenheit naͤher kommen. Das goͤttliche Wort ſoll mein Weg⸗ weiſer werden, und die Tage und Stunden ſollen mir geſegnet ſeyn, in welchen ich oͤffentlich und in der Stille es hoͤre, leſe und betrachte. Oft will ich in dem Abendmahl Jeſu meinen Glauben ſtaͤrken, oft will ich mich zum Voraus zu meinem Grabe hinſetzen, und das Ende aller Dinge betrachten, damit ich klug werde. Steets ſoll Gottes Andenken in meiner Seele herrſchend bleiben, und mein Herz ſich zum Himmel erheben. Jezt erneuere ich bey einem neuen Leben meine heiligen Buͤndniſſe mit meinem Erloͤſer, und raͤglich will ich ſie erneuren. Genau will ich ſtets mein Leben pruͤfen, und auch die kleinſte Suͤnde ver⸗ abſcheuen. Was will mich ſcheiden von der Liebe Gottes, die da iſt in Chriſto Jeſu? Ja ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fuͤr⸗ ſtenthum, noch Gewalt, weder gegenwaͤrtiges noch zukuͤnftiges, weder hohes noch tiefes noch keine andere Creatur mag mich ſcheiden von der Liebe Gottes in Chriſto Jeſu, meinem Herrn. He hoͤre mein Gebet, Unnd laß es dir gefallen! Es iſt mein ganzer Ernſt, Auf deiner Vahn zu wallen; Ergreife, leite, Herr, Den Schwachen, der dir fleht, Weil ſeine Bitte nicht Aus falſchem Munde geht. (Gieeb, daß ich redlich mich In jeder ZLugend uͤbe. Der Glaube den du willſt, Soll fruchtbar durch die Liebe ttliche 4* age u un S. 6 1 in 3. 96 8 e arälöſr, uh ) gull ij fuß 65 diet 8 Sinde 2 der g 5 da 89 in uf Aro 1 Hach 1 4 N es nech neſes mrime ade on der an Gettes in in Süͤnde zu fallen. u.⸗ In 1 wahpes Heiligkeit In guten Werken ſeyn: FSch wills, ich will dir, Gett Mein ganzes Leben weihn. Doch taͤuſcht mein Heri ſich ef. Mir immer unergruͤndlich; Bleibt nach der Heiligung Durch deinen Geiſt, noch undlid; Das Wollen hah ich wohl, Zum Thun auch Licht und Kraft: 3 Wie unvollkommen bleibts Dennoch, wie mangelhaft. Du kennſt mich ganz, du taunſf Mich reinigen und lautern: Den Geiſt, wenn Licht ihm fehlt, Mit deinem Licht erheitern. Wenn eine Pdenhaft Erwachen will, kannſt du Durch mein Gewiſſen ihr Gebieten, daß ſie ruh. Ach! 1 darum wollſf du Mich laͤutern und belehren; Der Traͤgheit des Gemuͤths, Der Luſt zur Suͤnde waͤhren; Mich, wo Gefahren ſind, Erſchroͤcken, mich zum Streit Ermuntern, wo dein Wort Zu ſtreiten mir gebeut. Erhalte meinen Gang Auf deinem Fußſteig; leite Mit deiner Rechten mich, Damit mein Fuß nicht gleite; Mein Auge laß allein Auf deine Wege ſchaun: So hilf mir, denn du biſt, Mein Heiland, mein Vertraun. Ich 392 Von der Gefahr/ wieder in Suͤnden zu fallen. Ich bin dein Pilger hier, Umringt von vielen Suͤndern; Ihr Beyſpiel könnte leicht Der Tugend Eifer mindern; Bewahre du mich ſelbſt Vor ihnen; ihre Luſt Verfuͤhre, Vater, nie „ Die dir geweihte Bruſt. A Bewahre mich, wenn ſie, 9 Verſtrickt in eitlen Luͤſten, Sich ihrer Sunden freun, Si u. Mit ihren Laſtern bruͤſten. 1el Des Suͤnders Lachen wird In Weinen einſt verkehrt, 1 13 In Trauren ſeine Lutftft. Wenn er ſich nicht bekehrt. Ich aber werde, Gott, Dir nicht umſonſt vertrauen, Einſt wenn ich ren dir bin, Dein ſelig Antlitz ſchauen; Und wenn mein Staub erwacht, Von deiner Wonne ſatt— Frohlocken, daß mein Herz Sich dir geheiligt hat. ———— ————.— ————————y ——— »o