5 1. —yͤööEͤöͤnöͤͤͤſI — 1 NAT Coenanti bur c dcpit Heneu. tt 2 ch 0 Die Pflichten der Siſchgenoſſen des. H durch Sohann Rudolff Soſterwald, Pfarrherrn der Frantzoſiſchen Kirchen zu Baſel, Nunmehro aber Wegen ſeines erbaulichen Inn⸗ halts, nach der Zweyten, von dem Herrn Verfaſſer ſelbſt, corrigierten und verbeſſer⸗ ten Frantoͤſiſchen Auflag, ins Teuͤtſche uͤber ſetzt. 2 4 B Aà S EK1/ S6—Ü———————— Gedruckt, bey Johann Piſtorius ſel. Erben. M D CC XIV. b An Werrn Gſterwald Pfarrherrn der Kirchen zu Welſch⸗Meuenburg. Mein allerhertzliebſter Hr. Vatter! — N dem Augenblick, da Wich mich entſchloſſen, diß kleine Werck an den Tag zu geben; hab ich fuͤr gut befunden, daſſelbe, als ein Zeichen der kindlichen Ehr⸗ erbietung meinem Vatter zu uͤbergeben; mein Hertz und billiche Erkanntlichkeit, davon ich gantz durchdrungen bin, 4 2 haben ——jjjä ————— 23(O) 5 haben mich gleichfalls bewo⸗ gen, ſolch offentlich Zeichen mei⸗ ner zarten und tieffen Ehrer⸗ bietung bey Such abzulegen. Ich will hier nicht ins beſon⸗ dere melden, was Fhr an mir gethan habt von Jugend auff, waͤhrendem meinem Studie⸗ ren, und ſeit dem ich mein Pre⸗ dig⸗Ammt verrichte: Wuer ſo vielfaltig wiederhohlte Guͤ⸗ te, Suer Underricht, Anlei⸗ tung, Anfuͤhrung, Guer an⸗ daͤchtig und eyferiges Gebett fuͤr mich, ſind ſo viel Sachen, davon ich den Werth mehr em⸗ pfinde, als ausdrucken kan. So laſt Such dann grfal⸗ en/ (O) 8e len, mein hertzlieber Nerr Vatter, daß je nachdem ich Guch hier bezeuge, wie em⸗ pfindlich ich ſey gegen Guerer Vaftterlichen Zaͤrtlichkeit, ich mein Hertz gantz freymuthig ausſchuͤtte, und daß ich den HErrn lobe und preiſe wegen der Gnad, damit Er Such in Surem hohen Alter üͤber⸗ ſchuͤttet; Ihr arbeitet wuͤrck⸗ lich ſo viel und vielleicht mehr⸗ als Fhr euer Lebtag gethan, und das allezeit mit Leichtig⸗ keit, mit Freuͤden und aufge⸗ raumtem heiterem Gemuͤthe. Fhr vernuͤget Such nicht in den ordentlichen Verrichtun⸗ 4 3 gen, 28(O) 5e⸗ — Bñ,O— gen, Gurem Heil. Ammt ein Genuͤgen zu leiſten, Fhr fah⸗ ret auch noch fort Suere Lec⸗ tionen zu halten, oder der ſtu⸗ dierenden Jugend Underricht zu ertheilen, und leget Suere Hand an Wercker, die die Er⸗ bauung der Kirchen insgemein zum Zweck haben, und inſon⸗ derheit der Heerd, die der HErr Such faſt bey ſechtzig Jahren anvertrauet hat. Der Hrr ſey gelobt, der aufeine ſo ausnehmende Weiß Suren Eyfer und Frommkeit aus Gnaden delohnet, und der ugleich das Gebett und Wuͤn⸗ en einer Familien erhiutt un (O0)8 1 und erfuͤllt, die nichts als Freud und Vernuͤgen von Guch hat. 8 Es bittet dieſe Familien den HErrn, und ich kan wohl ver⸗ ſicheren, mein hertzlieber Nerr Vatter, daß ein groſſe Anzahl diter Seelen mit der Familien itten, daß Such GOtt noch lang erhalte, Suer Alter ver⸗ juͤngere und Suere Kraͤfften erneuere; daß Such GOtt in Wuerer Arbeit underſtuͤtze;z; daß GOtt Guch als ein theau⸗ res Verck⸗Zeug beſchutze,‚und in dem GOtt den Reichtlun ſeiner Gnad uͤber uns ausbrei⸗ tet; Er alſo erfuͤlle den Hert⸗⸗ a 4 begier⸗ 2(O) oe begierlichen Wunſch Guerer Kirchen und Buerer Kinde⸗ ren, biß der liebe GOtt gut findet, Such den Gnaden⸗ Lohn mitzutheilen, den Er ſei⸗ nen getreuen Dienern verheiſ⸗ en. Fahret fort, mein hertzlie⸗ ber Herr Vatter, und ich ver⸗ ſehe mich des mit kindlichem Vertrauen, daß Fhr mirs nicht abſchlagen werdet, fahret fort/ ich bitte Wuch innſtaͤndig darum, Suere Guͤte an mir zu beweiſen, und mir mit Sue⸗ rem guten Rath und Gebett ferner zu Huͤlff zu kommen. Das 20(O) 8 Das iſt mein hertzlich Ver⸗ langen und das iſt auch meine zarte kindliche Empfindlich⸗ keit, mit welcher ich wieder⸗ hohle die Verſicherung von al⸗ lem dem, was die kindliche Lie⸗ be zartes und underthaͤniges an ſich hat. Ich bin mit tieff⸗ ſtem Reſpect. Meines hertzliebſten HFerrn Vatters. Gehorſamſter Sohn Johann Rudolff Oſterwald. Zu Baſel den 17. April. M. D. CC. XIIV. Vorrede. 28(O) AAERa der eis “ Vorrede. darum finden, als da einfaͤltig und gemein, ſo wird diß eine Anzeigung ſeyn, daß der Urheber des Wercks zu ſeinem Zweck gelangt. Er hat ſich in der That befüi⸗ ſen, ſo viel es ihm imer moͤglich war, in einer Materie, die doch weitlaͤufftig genug, daß er ſie dem Leſer mit Klarheit, Einfalt und Kuͤrtze annehmlich mache. Zu dem End hat er ſich einge⸗ ſchraͤnckt nur das zu melden, was b Ann die welche diß Werck uͤber das Heil. Nacht⸗ mah bl leſen werdẽ/ nichts Vorrede. er fuͤr das Weſentlichſte uͤber dieſe Materie gehalten, ſo wohl in An⸗ ſehung underſchiedlicher Articul die ſie vorſtellt, als auch in Anſe⸗ hen deſſen, das man uͤber einen jeden Articul zu ſagen hatte. U⸗ berhaupt hat der Urheber in die⸗ ſer Abſicht alle Streitigkeit ausge⸗ wichen; es iſt auch darum nicht zu thun, wann wir zum Tiſch des HErrn gehen wollen; ſonſt wird der Irrthum wiederlegt, wann uani di Wahrheit gruͤndlich vor⸗ raͤgt. Siehe hier einen kurtzen Ent⸗ wurff oder Grundriß dieſes Wercks. Nachdem ich kuͤrtzlich durchgan⸗ gen die Einſatzung des H. Abend⸗ mahls, in der Abſicht davon einen rechten Begriff zu erwecken und zugleich empfindlich vorzuſtellen ie Vorrede. die Wichtigkeit dieſer Goͤttlichen Ceremonie oder Einſatzung, ſo werden folgende vier Stuck ver⸗ handelt. I. Wird geredt von der Pruͤf⸗ fung, die ein jeder Tiſchgenoß mit ſich ſelbſt fuͤrzunehmen hat, ehe er zu der H. Tafel hinzu nahet. II. Wird angedeutet die Zube⸗ reitung uͤberhaupt, darinn man ſich befinden muß, das H. Abend⸗ mahl fruchtbarlich und im Seegen zu genieſſen. III. Werden beruͤhrt die ſonder⸗ bahren Bewegungen, damit die Seel muß erfuͤllt ſeyn, wann man daß Heil. Sacrament empfangen 3 wi 4 IV. Endlich werden angezeigt die Pflichten, die man beobach⸗ teen muß nach dem Empfang des Heeil. Sacraments. Man * Vorrede. Man hat auch beygefuͤgt etliche Gebett⸗Formlen, die ſich auf die underſchiedlichen Zuſtaͤnd bezie⸗ hen, darinn die Tiſchgenoſſen ſich koͤnnen befinden: Man wird vielleicht ſinden, daß gewiſſe Gedancken und auch ge⸗ wiſſe Ausdruckungen offt wieder vorkommen, aber man hats mit Fleiß gethan, und in dem Vorha⸗ ben, die Sachen deſto mehr einzu⸗ ſchaͤrffen, und das Gedaͤchtnuß deſtoweniger zu beſchwaͤren. Der HErr wuͤrdige diß kleine Wercklein mit ſeinem Seegen zu begleiten, ohne welchen alle Ar⸗ beit des Menſchen umſonſt. ¹ 1 1 0(O) 5e⸗ NGMNGMGRM MGMMees Vorrede des Uberſetzers. Ch hielte mich nicht dafuͤr, daß ich etwas wuſte, ohne ICſum Chriſtum, den Gekreuͤtzigten, ſagte Paulus der hocherleuͤchte⸗ te Apoſtel 1. Cor. 2: 2. welcher ſeine Theologie in dem dritten Himmel ſtu⸗ diert hatte, und der ſein gantzes Wiſ⸗ ſen, in den fuͤr uns arme Suͤnder ge⸗ kreuͤtzigten Heyland geſest Die Menſch⸗ werdung des HErrn IEſu iſt Heilwerth, ſeine Auferſtehung ſiegreich, ſeine Him⸗ melfahrt triumphierend, doch kan der Heyland in keiner beweglichern Geſtallt vorgeſtellt werden, als in ſeiner bluti⸗ gen Geſtallt am Creuͤtz, da Er, nachdem zuvor ſein Heil. Leib durch unbarmher⸗ tzige Geiſſel⸗Streich gantz blutdruͤnſtig gemacht worden, an dem Creuͤtz mit ſpitzigen Dornen ſchmaͤhlich und ſchmertz⸗ hafft gekroͤntem Haupt, und gußgedehn⸗ ten Armen gn Haͤnden und Fuͤſſen, mit ſcharffen Naͤgeln durchſtochen, und da, mit zu dem Hertzen dringendem Gebluͤt, gehangen; als wolte Er gleichſam die gan⸗ tze ſuͤndige Welt mit ſeinem H. Blut traͤn⸗ cken, und ſie darinnen ihre Reiniaung ſu⸗ en, Vorrede des Uberſetzers. chen, und finden laſſen. Da nun dieſe Trauer⸗Geſchichte vor mehr als Sieben⸗ zehn Hundert Jahren ſich zugetragen, und wohl Vier Tauſend Jahr vorher, durch allerhand Verheiſſungen, Prophe⸗ zeyungen, und Fuͤrbilder 4 unſerm Heyl, als darnahls ſchon geſchehen, vorgeſtellt worden. Welches alles Herr Oſterwald als Verfaſſer dieſes Hochſt⸗erbaulichen Wercks ſehr tieff zu Hertzen gezogen, in⸗ deme Er die Blut⸗Theologie in Verhand⸗ lung des H. Abendmahls, auf das deuͤt⸗ lichſte, einfaͤltigſte, und mit unumſtoßli⸗ chen Grunden in tieffſter Andacht des Her⸗ tzens, ſummariſcher Weiſe als einen kur⸗ den Begriff der gantzen Chriſtlichen Re⸗ igion, und des wahren, lebendigen und thaͤtigen Chriſtenthums, vorgeſtellt, wie daß der arme Suͤnder ſein Heyl allein in dem Tode JEſu Chriſti, durch den Glau⸗ ben, ſuchen ſolle, und finden konne, und dadurch ſich ſolle bewegen laſſen, dieſem fiiyen biß in Tod getreuen Erloſer nach⸗ zufolgen. Weil nun dieſes Wercklein von ſonder⸗ bahrem Werth, und noch keines von ſol⸗ cher Art heraus gekommen, da entweder andere zu weitlaͤuffig, oder zu kurtz, oder nur fuͤr gewiſſe Leute(je nachdem der 5 ma Vorrede des Uberſetzers. ſchmack in geiſtlichen Dingen underſchied⸗ lich,) geſchrieben haben. Dieſes Werck⸗ lein aber dem Herrn Verfaſſer mehr aus dem Hertzen, als aber aus dem Gehirn ge⸗ floſſen, wie dann dieſer Eliſa von des Eliaͤ Geiſt ein reiches Maaß empfangen, und des Vatters Geiſt auf Ihme dem Sohn ruhet, und in demſelben wuͤrcket, als hat der Verleger es vor heilſamm und dien⸗ lich erachtet, daß ein ſolches wegen ſeines herrlichen Innhalts zur allgemeinen Er⸗ bauung in das Teutſche uͤberſetzet wurde, da man dann hauptſaͤchlich ſich befliſſen nach aller Moͤglichkeit, und ſo viel es ſich hat thun laſſen, beym Frantzoſiſchen Ori⸗ nal zu bleiben und vom Grund⸗Text nicht abzuweichen, ſondern bey dem Sinn und Ver⸗ ſtand des Herrn Verfaſſers zu bleiben, damit das Weccklein dadurch nicht veraͤnderet oder geſchwaͤ⸗ chet, verringeret und krafftlooſer gemachet wur⸗ de, wie es bereits in einer anderen Ausgabe ge⸗ ſchehen. Dieſe teutſche Ausgaabe aber iſt nach der zweyten Frantzoͤſiſchen Edition ſo von dem HErrn Verfaſſer ſelbſten corrigiert und mercelich verbeſſeret worden, auf des ſorgfaͤltigſte uͤberſetzet. Der HErr gebe, daß ſo wohl das Original als dieſe Uberſetzung zu vielem Seegen diene, IEſus Chriſtus aber in allweg verherrlichet werde. Amen. Die Die Pflichten der Tiſchgenoſ⸗ ſen des HErrn. Ann man einen rechten n und klaren Begriff von dem Heil. Abendmahl haben will, ſo muß man nur ſeine Augen werffen auf die Weis, wie JEſus Chriſtus daſſelbe eingeſetzt hat. Die Wahrheit kommt hier am deuͤtlichſten an Tag, ohne einige Veraͤnderung oder Verduncklung; u. zwar auf die begreiflichſte Weis eine Ehrerbietung bey uns zu erwe⸗ cken/ und des H. Abendmahls heil⸗ lanlin zu genieſſen. Man ſiehet in dieſer Einſatzung die Ceremo⸗ A nien, 2 Die Pflichten nien, deren der Heyland ſich be⸗ dienet bey Einſatzung dieſes Heil. Sacraments; das was Er geſagt, was Er vorgeſchrieben, ſo daß man leicht begreiffen kan, was das Heil. Abendmahl ausweiſe: Die Noth⸗ wendigkeit und die Manier daſſel⸗ be zu halten in der Chriſtlichen Kir⸗ che biß ans End der Welt, inglei⸗ hem auch die Zubereitung, mit de⸗ ren man hinzu nahen ſoll. Man findet dieſe Einſatzung in den drey erſten Evangeliſten, Matt. 26. v. 26. Marc. 14. v. 22. Luc. 22. v. 19. und ſiehe, wie der Heil. Paulus dieſelbe erzehlet und anfuͤhret. 1. Cor. 11. v. 23. Ich habe es von dem HErrn empfangen/ das ich euch gegeben habe. Denn der HErr IEſus in der Nacht/ da er verrathen ward/ nahm er das Brodt v. 24. danckete/ und brachs/ und ſprach: Nehmet eſſet/ das iſt mein der Tiſchgenoſſen. 3 mein Leib/ der fuͤr euch gebrochen wird: ſolches thut zu meiner Ge⸗ daͤchtniß. v. 25. Deſſelbigen gleichen auch den Kelch/ nach dem Abendmahl/ und ſprach: dieſer Kelch iſt das Neue Teſtament in meinem Blut: ſol⸗ ches thut/ ſo offt ihrs trincket/ zu meinem Gedaͤchtniß.— Siehe da die Einſatzung und auch was Paulus da beyfuͤgt v. 26. biß 30. Denn ſo offt ihr von die⸗ ſem Brodt eſſet/ und von dieſem Kelch trincket/ ſollt ihr des HERRUNTod verkuͤndigen biß daß er kommt. v. 27. Welcher nun unwuͤrdig von dieſem Brodt iſſet/ oder von dem Kelch des H̊Errn trincket/ der iſt ſchuldig an dem Leib und Blut des HErrn. v. 28. Der Menſch pruͤffe aber ſich ſelbſt/ und alſo eſſe er von dieſem Brodt, und trincke von dieſem Kelch. v. 29. Denn welcher unwuͤrdig iſſet und wincket/ der iſſet und trincket ihm A 2 ſelber 4 Die Pflichten ſelber das Gericht/ damit daß er nicht unterſcheidet den Leib des HErrn. v. 30. Darum ſind auch ſo viel Schwache und Krancke unter eucy⸗ und ein gut Theil ſchlaffen. Das iſt die Einſatzung des Heil. Abendmahls, und das ſind auch die rechtmaͤßigen natuͤrlichen Folgen und Schluͤß, und heilſame Un⸗ terweiſungen, welche der Heil. Paulus daraus ziehet. Nun eine kurtze und Summa⸗ riſche Erklaͤrung dieſer Einſatzung zu geben, muß man wiſſen, daß das Heil. Abendmahl in der Co⸗ rinthiſchen Kirchen mit einem groſ⸗ ſen Mangel der Ehrerbietung ge⸗ alten worden. Die Corinthier aben zu dieſer Tafel uneinige, wolluͤſtige und mit Hochmuth an⸗ gefuͤllte Hertzen gebracht, weß⸗ wegen St. Paulus ſie ernſtlich beſtrafft in denen der Einſatzung vorher⸗ der Tiſchgenoſſen. 5 vorhergehenden Verſen. Hernach hat dieſer Apoſtel dieſem ſchand⸗ lichen Mißbrauch abzuhelffen, der ſo viel traurige Folgen nach ſich zoge, die Corinthier wieder zu⸗ ruckgefuͤhrt auf die Einſatzung die⸗ ſer herrlichen und anſehenlichen Ceremonie, als auf etwas, das gar dienlich war, ſie grundlich zu unterweiſen, und ſie wieder zu Beobachtung ihrer Pflicht zu brin⸗ gen. Das, was ich euch gelehrt habe, betreffendt das Heil. Abend⸗ mahl, will der Heil. Paulus den Corinthieren ſagen, als ich unter euch ware, hab ich euch unter⸗ wieſen aus ausdrucklichem Befehl des HErrn IEſu Chriſti, und ge⸗ maͤß dem, das er ſeinen Juͤngern ſagt, thut und fuͤrſchreibt. Er iſts in der That, der dis Heil. Sacra⸗ ment in eben der ſo merckwuͤrdi⸗ gen Nacht, in deren er verrathen A 3 und —⸗—ꝛꝛꝛꝛꝛ———— 6 Die Pflichten und durch Judam ſeinen Feinden uͤbergeben worden, eingeſetzt; Er hats folglich, da es an dem wa⸗ re, daß er den gantzen Reichthum ſeiner Liebe offenbahrete, die ihn drang ſein Leben zu Erloͤſung der Menſchen dahin zu geben, einge⸗ ſetzt; Nun ſihe, was er in ſolcher Abſicht gethan. Als er mit ſeinen Apoſtlen zu Tiſch ſaß, das Oſterlamm zu hal⸗ ten, hat er ungeſaͤurt Brod genom⸗ men, dann es war kein anders vor⸗ handen unter den Juden, ſieben Tag lang, die zu dieſem groſſen Feſt beſtimmt waren, Exod. 12. 8⸗S. und nach dem JEſus Chri⸗ ſtus GOtt geſegnet und gebetten, und nach der Gewohnheit der Ju⸗ den † das Lobgeſang und die Danck⸗ † Die Juden aſſen und trancken niemahlw ſie haͤt⸗ ten dann zuvor ihr Gebett GOtt aufgeopffert, als einem Koͤnig der Welt, der das Brodt aus der Erden der Tiſchgenoſſen. 7 Danckſagung abgeſprochen hatte, brach er diß Brod/ oo aß davon/ und gab hernach ſeinen Juͤngern auch davon/ die der Ordnung nach/ zu⸗ folg dem ausdrucklichen Befehl ihres Meiſters/ davon aſſen. Zu End aber dieſer Magtzei nahm IEſus Sgriſtus ein 3 4 0 Erden herfuͤrgebracht, und der die Frucht des Weinſtocks erſchaffen, aber vor allem aus, tha⸗ ten die Juden ſolches bey dem feyrlichen Feſt des Oſterlamms, und ſiehe, nach einigen der Vor⸗ dehmſen Gelehrten, wie ihr ſegnen und Lob⸗ geſang gelautet: Der err unſer GOtt ſeye geprieſen/ der Koͤnig der Welt/ der aus Egyp⸗ ten uns und unſere Vaͤtter erloͤſet hat. Er M⸗ der uns zu dieſer Nacht hieher gefůhrt/ und der uns von ungeſaͤurtem Brodt zu eſſen verord⸗ net hat.. Es iſt weiter nicht zu zweiflen, daß der Hen⸗ land nicht einige Gebetter ſollte beygefuͤgt ha⸗ ben, die ſich auf ſeinen Tod bezogen, und auf das Heil. Abendmahl, ſo deſſen ein Gedaͤcht⸗ ni ſeyn ſollte, mit einem Wort, auf das Chriſt⸗ liche Oſterlamm, deß das Juͤdiſche ein Fuͤr⸗ bild und Entſchattung war. oo Dieſe ungeſaͤurten Brodt, deren die Juden ſich waͤhrender Oſterwochen bedienten, waren breit in die Ruͤnde gezogen, ſo daß man ſie leicht brechen konte, 8 Die Pflichten voll Wein, I dann ſo endigten die Juden die Mahlzeit des Oſter⸗ lamms, und als er dieſen Kelch in ſeinen Haͤnden hielte, hat er auch GOtt gelobt und gedanckt; Her⸗ nach tranck er aus dieſem Kelch, und da er denſelben ſeinen Juͤn⸗ gern zukommen laſſen, hat er ih⸗ nen befohlen denſelben unter ſich auszutheilen, und daß alle daraus trincken ſollen. Marc. 14. v. 23. Sehet da, was IEſus Chriſtus ethan; ſehet nun auch, was er agt, den Zweck dieſer Ceremo⸗ nien, und ihr Abſehen zu erklaren. Nehmet eſſet/ das iſt mein Leib/ der fuͤr euch gebrochen iſt. Thut ſolches 3u ti IEſus Chriſtus nennte das, was in dem Kelch war, die Frucht des Weinſtocks, Matth. 26. 29. wie es den Juden erlaubt war, ſich bey dem Oſterlamm, entweder puren Wein, oder Wein mit Waſſer vermiſcht, zu bedienen, als iſt es eigentlich ſchwer zu erweiſen, was IEſus Chriſtus bey ſolcher Gelegenheit gethan, aber es iſt auch nicht ſo gar noͤthig. —OVVVʒ⏑ꝛʒꝛ——ꝛ———— der Tiſchgenoſſen. 9 — zu meiner Gedaͤchtniß; und nach⸗ dem er den Kelch genommen hatte/ ſagte er: dieſer Kelch iſt das Neue Teſtament in meinem Blut/ thut ſol⸗ ches/ ſo offt ihrs trincken werdet/ zu meiner Gedaͤchtniß. Hiedurch macht der Heyland ſei⸗ ne Juͤnger begreiffen, daß das Juͤdiſche Oſterlamm bißher ein Denckmahl war der Erloͤſung aus Egypten, die Chriſtliche Oſtern läbig ein Gedenckzeichen ſeyn ollte, dieſer groſſen und vollkom⸗ menen Erloͤſung, die da ſollte ein Frucht und Wuͤrckung ſeyn des Tods, dem er entgegen gieng, ſelbigen auszuſtehen; daß das Oſterlamm vorſtellte ſeinen Leib/ der da auf den folgenden Tag ſoll⸗ te gebrochen und gecreutziget wer⸗ den, und ſein Blut, das er ver⸗ A 5 gieſ⸗ 3 1 2 3 10 Die Pflichten gieſſen ſollte, auszuſoͤhnen die Suͤnden der Menſchen. mm Nun in der That wollte GOtt eben durch dieſen Todt dieſen neuen Bund befeſtigen; dieſen Gnaden⸗ Bund der Barmherzigkeit und Vergebung, welchen er verſpro⸗ chen zur Zeit des Evangelii auf⸗ zurichten; ſo geſchahe, die Wort recht begreiflich zu machen, die IEſus Chriſtus allererſt ausge⸗ prochen. „» Es iſt dann eben als wann er „ geſagt haͤtte; diß Brodt, daß ich »eben gebrochen, von welchem „ich geeſſen, und von welchem „ ich auch euch befohlen zu eſſen, ſtellt mm Gantz wie der erſte Bund, deß, Moſes Die⸗ ner geweſen, durch das Blut beſtaͤtiget worden, wie ſolches zu ſehen Exod. 24. 8. Der andere Bund muſte auch durch Blut bekraͤfftiget wer⸗ den; nicht durch das Blut der geſaͤtzlichen Opfferen, ſondern durch das Blut, JEſu Chriſti ſelbſten, durch welches alle Glaͤubigen Vergebung ihrer Suͤnden erlangten. Seht uͤber dieſe Materie Hebr. 9. vom 11. v. an. der Tiſchgenoſſen. 11 ſtellt vor meinen Leib, der da„ ſoll gecreutziget werden. Ich„ nenne diß Brodt meinen Leib„ in eben dem Verſtand, daß der„ Hauß⸗Vatter ſagt bey Haltung„ des Oſterlamms; diß iſt das„ Brodt der Truͤbſaal/ welches un⸗, ſere Vaͤtter in Egypten geeſſen /„ ſo bedeutet, daß diß Brodt ein„ Denck⸗Zeichen und Vorſtellung„ davon ſeye. So haͤlt es ſich auch„ mit dieſem Kelch. Der Wein in„ demſelben/ und welchen ihr alle„ trincken ſollt/ ſtellt vor mein Blut/„ welches ſoll vergoſſen werden zur„ Verſoͤhnung der Suͤndern, wel⸗„ che folgen ſoll aus dieſem See⸗„ gens⸗und Gnaden⸗Bund, den„ GOtt verſprochen hat in den„ letſten Zeiten aufzurichten.„ Endlich ſiehet man aus dieſer Einſatzung das, was JEſus Chri⸗ ſtus ſeinen Juͤngern befohlen ün or⸗ 12 Die Pflichten vorgeſchrieben; thut dieſes/ ſagt er ihnen, meiner zu gedencken. Dieſe merckwuͤrdige und wich⸗ tige Wort erforderten zwey Ding von den Juͤngern. Erſtlich, daß ſie nun theilhaftig wurden des Brodts und des Kelchs; Weiters, daß, wann ihr Meiſter ſie wurde nerlaſ⸗ ſen haben, ſie unter ihnen eben die⸗ ſe Ceremonie begiengen, und daß ſie in der Chriſtlichen Kirchen, biß aans End der Welt, ein Gedenck⸗ Zeichen dieſes Tods waͤre, durch weecchen alle Menſchen ſelig wor⸗ den ſind, und das iſts, was das Heeil. Abendmahl eigentlich und furnehmlich vorſtellt. Sihe da, wases fuͤr 3eine Beſchaffenheit mit der Einſatzung des Heil. Sacra⸗ mments habe. So ligen auch die Schluͤß an dem Tag, ſo der Heil. Paulus daher macht, und die Vermahnungen, ſo er da beyfget. .26. der Tiſchgenoſſen. 13 v. 26. Alſobald erklaͤrt er ſich, daß ſo offt, als die Chriſten ſich verſammlen, diß Brodt zu eſſen, und aus dieſem Kelch zu trincken, oder, welches eines iſt, daß, ſo offt, als ſie das Abendmahl be⸗ gehen, ſie dadurch den Todt ihres Heylands verkuͤndigen; daß ſie feyerlich und offentlich deſſen ge⸗ dencken; daß ſie GOtt dafuͤr dan⸗ cken, und zu gleicher Zeit die veſte Hoffnung bezeugen, die ſie haben, daß IEſus nach ſeinen Verheiſ⸗ ſungen, am juͤngſten Tag wieder⸗ kommen werde, das Werch unſers Heyls zu vollenden, durch ſeine Aufferſtehung, und durch die voll⸗ kommene Verherrlichung unſerer Leibern und unſerer Seelen. v. 27. Weil nun diß die Bedeu⸗ tung des Heil. Abendmahls, ſo iſt leicht zu begreiffen, daß der, wel⸗ cher nicht mit Ehrerbietung und n⸗ 14 Die Pflichten Andacht, mit deren man zu einer ſo Heil. Handlung hinzunahen ſoll, diß Brod iſſet, und aus dieſem Kelch trincket, wie man bey einer gemeinen Mahlzeit iſſet und trin⸗ cket, und hun Tiſch des HErrn gobet, ſich einer groſſen Suͤnd ſchuldig macht, und wieder die Perjohn des HErrn JEſu Chriſti uͤndige, daß er ſeinen Tod ver⸗ achte, deſſen dieſe aͤuſſerliche Zei⸗ chen ein Denckmahl ſind. v. 28. Wann man ſich dann nicht in dieſe erſchrockliche und un⸗ vermeidliche Verdammnuß ſtuͤr⸗ ten will, ſo muͤſſen alle die, welche —;xxxxxx—ñ— zu dem Heil. Abendmahl gehen wollen, ernſtlich in ſich ſelber zu⸗ ruckkehren, und ſo gut ſie koͤnnen, den wahrhafften eigentlichen Zu⸗ ſtand ihrer Serhen und ihrer See⸗ len unterſuchen. Sie muͤſſen trach⸗ ———— ten GOtt zugefallen, und ihr Ge⸗ wiſſen der Tiſchgenoſſen. 15 wiſſen zuſtillen, damit ſie von der Heil. Tafel tragen die Gnaden, die IEſus Chriſtus da anerbietet, allen denen, die wie ſichs gebuͤhrt, hinzutretten. v. 29. Damit ſich nun niemand uͤber dieſen Artickul betriege, den der Heil. Apoſtel wiederhohlt, daß der/ welcher von dieſem Brodt iſſet/ und aus dieſem Kelch unwürdig trin⸗ cket/ ſein Gericht eſſe und trincke/ damit daß er nicht unterſcheidet den Leib des HErrn/ ſo dann bedeutet, daß die Verdammnuß oder das Ge⸗ richt, ſo der, welcher unwuͤrdig zu des HErrn Tiſch gehet, uͤber ſich ziehet, ſo gewiß und ſicher ſey, als gewiß und ſicher er aͤuſſerlich von dieſem Brodt iſſet, und aus dieſem Kelch trincket. „v. 30. Die Corinthier konnten uͤber diß die Groͤſſe dieſer Suͤnd aus dem traurigen und beiweili hen 16 Die Pflichten chen Zuſtand abnehmen, darinn ihre Kirchen ſich befande. GOtt traffte unter ihnen die Entheili⸗ gung des Heil. Abendmahls durch die Kranckheiten, die ein ſonder⸗ bahre und empfindliche Anzeigung ſeines Zorns waren, viel waren damit behafftet. Dieſe Kranchhei⸗ teean ſetten ſie in einen ſchwachen V und ſchmertzhafften Zuſtand, und hatten ſchon eine groſſe Anzahl Pperſohnen weggenommen. Die Corinthier empfunden dieſe Geiſ⸗ ſfel und Plage wohl, aber ihnen b ware die eigentliche Urſach davon verborgen; der Heil. Paulus gibt ihnen Unterricht davon, und leh⸗ ret ſie, daß GOtt dadurch die Verachtung, die ſie dem Abend⸗ mahl des HErren bewieſen, und ddie Unchrerbietigkeit mit welcher ſie ſich da einfunden, ſtraffen ———;—;—;ꝛꝛꝛꝛꝛ:—ÿ⏑ÿℳꝛ:—— Man der Tiſchgenoſſen. 17 Man kans leicht begreiffen durch das, was geſagt worden uͤber dieſe Vers des 11. Cap. der 1. Epiſt. an die Corinthier. 1. Daß IEſus Chriſtus das Heil. Abendmahl eingeſetzt habe, ſo dann, daß alle Chriſten unum⸗ gaͤnglich daſſelbe zuhalten ver⸗ pflichtet ſeyen. 2. Sihet man aus dieſer Ein⸗ ſatzung, daß diß Heil. Sacrament uns eigentlich und ſonderheitlich den Tod JEſu Chriſti vor Augen ſtellt, durch welchen wir allein Vergebung unſerer Suͤnden er⸗ langen koͤnnen, alſo daß wir bey des HErrn Tiſch bezeugen, daß wir glauben, daß dieſer durch wah⸗ ren Glauben ergriffener Tod uns mit GOtt verſoͤhne; auch daß ein wahrer Tiſchgenoß ihm dehmuͤti⸗ gen und feyerlichen Danck ſage. 3. Das, was der Heil. Plühe er 18 Die Pſlichten der Einſatzung beyfuͤget, zeigt gar deutlich, daß es ein gar groſſe Suͤnd ſeye, ohne Andacht und ohne Glauben zu des HErrn Tiſch gehen; daß man dadurch, biß⸗ weilen noch in dieſem Leben, die traurige Wuͤrckung des Zorns GOttes ſich uͤber den Halß ziehe. 4. Endlich, daß man diß groß naljc auszuweichen, ernſtlich in ſich ſelber gehen muͤſſe, und nichts verſaumen von allem dem, ſo uns in den Stand ſetzen kan, mit ſolcher Zubereitung zu dem Heil. Abendmahl zu gehen, wie es GOtt haben will. Daraus folgt, daß es gantz noͤthig ſey, wohl zu erkennen, in welchem Stand man ſeyn muͤſſe, heylſamlich zum Heil. Abendmahl gehen zu koͤnnen. Dieſe Beſchaffenheit iſt nicht bekannt genug; den meiſten Tiſch⸗ genoſſen manglet es an Antetfiiht uͤber der Tiſchgenoſſen. 19 uͤber dieſe Materie, ohneracht ſie eine von den Wichtigſten, und ſetzen faſt ihre gantze Pflicht in der aͤuſſerlichen Handlung des Heil. Abendmahls. Es gibt dann an⸗ dere, die wohl ein gut Abſehen haben, aber dabey einen undeut⸗ ichen und verworrenen Begriff; einige gehen gar zu weit, ſo ihnen dann den Muth nimmt, und ſie in Verwirrung bringt, dergeſtalten, daß ſie von der Heil. Tafel nicht den Troſt davon tragẽ/ den ſie daſuchtẽ. Dieſe Materie iſt dann etwas hawprſächliches, und wir wollen elbige gebuͤhrend zu verhandlen, ſolche in 4. allgemeine Puncten abtheilen. I. Erſtlich wird man reden von der Unterſuchung/ die ein jeder Tiſch⸗ genoß mit ſich ſelber vornehmen ſoll/ ehe er zu der Heil. Tafel hinzutrittet. B2 II. Wird 20 Die Pflichten II. Wird man anzeigen die Haupt⸗ Beſchaffenheit/ darinn man ſich befinden muß/ wann man heil⸗ ſammlich das Heil. Abendmahl halten will. III. Muß man beruͤhren die ſonder⸗ bahren Bewegungen/ damit die Seel muß erfuͤllt ſeyn/ wann man von Empfangung des Heil. Sacraments kommt. IV. Endlich wird man enden mit Anzeigung der Pflichten/ die man nach dem Empfang des Heil. Abendmahls zu beobach⸗ ten hat. 0) H5 9 der Tiſchgenoſſen. 21 Erſter Theil. „Von Unterſuchung ſeiner ſelb⸗ ſten, welche dem Genuß des Heil. Avendmahls vorge⸗ hen ſolle. Ss ſind wenig Menſchen, die nicht wiſſen, daß die Er⸗ forſchung ſeiner ſelbſt, beſtehe/ in ſorgfaͤltiger Unterſuchung/ in was fuͤr einem Zuſtand und Beſchaffen⸗ heit man ſich befinde. Dieſe Un⸗ terſuchung iſt beſtimmt, die, wel⸗ che dieſelben vornehmen) zu lehren, ob dieſer Zuſtand und dieſe Be⸗ ſchaffenheit deme gemaͤß, ſo GOtt erfordert, wann er uns zu dem Heil. Abendmahl einladet. Mit einem Wort, dieſe Unterſuchung hat zum Zweck, die Menſchen her⸗ auszureiſſen aus dieſer Zerſtreu⸗ B 3 ung 22 Die Pflichten ung und Vergeßlichkeit ſeiner ſelb⸗ ſten, darinn ſie ſo insgemein leben. Aber zu zeigen, was in Anſe⸗ bung deſſen, die Schuldigkeit derje⸗ nigen ſeye, welche zu des HErrn Tiſch gehen wollen, ſo muß man alſobald darthun, wie dieſe Unter⸗ ſuchung muͤſſe beſchaffen ſeyn, und elches eigentlich die Natur derſel⸗ ben feye, und hernach wird es darum zu thun ſeyn, daß man die unumgaͤngliche Nothwendigkeit der⸗ ſelben befeſtige. Das erſte Capitel. Von der Natur der Erforſchung ſeiner ſelbſt. Aß man nun einen rechten Veauif der Kaarerſichinde ſeiner ſelbſten bekomme, ſo iſt zu bemercken, daß ſie dieſe zwey Kennzeichen haben muͤſſe. I. Man der Tiſchgenoſſen. 23 I Muß dieſe Erforſchung auf⸗ richtig ſeyn, und aus einem Her⸗ tzen kommen, das da wahrhafftig verlangt zu einer heilſamen Er⸗ kanntniß ſeiner ſelbſten zu ge⸗ langen. II. Muß ſie genau ſeyn, und ein wenig umſtaͤndlich, weil, wann ſie nur ſo obenhin vorgenommen wird, ſie von ſchlechter Wuͤrck⸗ ung ſeyn wurde. T Beſtehet ſolche Aufrichtig⸗ keit einſeits in einem hertzlichen Verlangen ſich wohl zu erkennen, und anderſeits in einem veſten Ent⸗ ſchluß ſich aufzufuͤhren, nach dem es der Zuſtand erforderen wird, in welchem man augen⸗ſcheinlich ſich befindet. Nun wann man aufrichtig ver⸗ langt ſich ſelbſt zu erkennen, ſo wird man nichts verabſaumen von allem dem, was etwas bey⸗ 34 tra⸗ 24 Die Pſflichten —— tragen kan, und man wird zu Er⸗ forſchung ſeiner Wegen, die Zeit und Fleiß anwenden, die dieſe Un⸗ terſuchung erforderet. Man wird den Anfang machen damit, daß man von ſeinem Geiſtentfernt, und inſonderheit von ſeinem Hertzen austreibt, alles das, was zerſtreuen mag. Man wird ſich in die Stille begeben, und wie es der HErr befiehlt. Matth. 6. 6. Man wird in ſein Kaͤmmerlein gehen/ und die Thuͤr hinder ſich zu⸗ ſchlieſſen. Da wird man in der Gegenwart GOttes und zu ſeinen Fuͤſſen ligend in Dehmuth, GOtt um ſein Gnad und Beyſtand an⸗ flehen; Man wird GOtt bitten, daß er uns wuͤrdige zu zeigen, was wir vor ſeinen Augen ſind; Wann man alſo beſchaffen ſeyn wird, ſo wird man ſich nicht nur fuͤr den Verblendungen, welche aus der n⸗ der Tiſchgenoſſen. 25 Unerkanntniß ſeiner ſelbſten ent⸗ ſtehen, vorſehen, ſondern auch von derUUnerkanntniß ſeiner Pflich⸗ ten, aber uͤberhaupt wider die Verblendungen, welche ihren Ur⸗ ſprung haben in den Vorurtheilen/ in der Eigenliebe/ und in leichtſin⸗ nigen Meinungen/ da dieſe letſte⸗ ren die gemeineſten und gefahr⸗ lichſten ſind. Weiters begreifft dieſe Aufrich⸗ tigkeit einen unwiederufflichen Entſchluß in ſich, ohne Unterlaß alles das, was man in ſich ſelbſt Boſes und Laſterhafftes wird ent⸗ decket haben, zu verbeſſeren; daſ⸗ ſelbe nicht allei GOtt, worzu man allezeit beruffen, ſondern auch den Menſchen, wann es noͤthig iſt, zu bekennen; Endlichen es, ſo gut als moͤglich iſt, zu verbeſſeren; aauf dieſe Beſſerung des Lehens zweckt alles ab, das iſt die Wuͤrck⸗ B F ung, 1 26 Die Pflichten ung, ſo die Unterſuchung, von deren wir reden, herfuͤrbrin en ſoll, und ſo wird einig und allein die Ubung derſelben heilſam. Es iſt gar leicht zu faſſen, daß eine Erkanntniß ſeiner ſelbſten, die den Menſchen in ſeiner Verderb⸗ nuß und Unordnung ſeecken laͤßt, nicht nur unnuglich iſt, ſondern, das noch mehr iſt, daß dieſelbe einen Menſchen noch viel ſtraff⸗ wuͤrdiger mahee; dann ſo ſuͤndi⸗ get man wieder ſein Liecht der Er⸗ kanntniß, wieder beſſer Wiſſen 89 Gewiſſen, welches dann ein Haupt⸗Prob iſt, daß man nicht aufrichtig in Unterſuchung ſeines SKertzens gehandelt. Nun ohne die Aufri daer ſind alle Hand⸗ lungen der Religion nicht allein veergeblich, ſondern vielmehr eine G” iheweuche Heucheley. Il. Deeunierſnchungſeinerſelb der Tiſchgenoſſen. 27 muß genau, und etwas umſtaͤnd⸗ lich ſeyn, weil, wann ſie nur ſo obenhin geſchiehet, ſie gemeinig⸗ lich unfruchtbar bleibt. Daher iſt es unumgaͤnglich noͤthig, daß man ſich insbeſondere von Stuck zu Stuck da genugſam einlaſſe, daß man eigentlich wiſſe, wie au ſtepf. In der Wahrheit ſollen die Tiſchgenoſſen des HErrn nicht an alles das, was gewiſſe Nacht⸗ mahls⸗Buͤcher ihnen diß Orts vor⸗ ſchreiben, gebunden ſeyn; In der⸗ gleichen Buͤcheren findet ſich ein Teiviſe Gattung Regiſter beylaͤuf⸗ ig von allen Suͤnden, die man be⸗ ehen kan, auch von den allergroͤ⸗ ten Suͤnden; aber ſolche erſtaun⸗ liche Menge der Capitlen bringt einen nothwendig in Verwirrung, ſie erforderet nicht nur viel Zeit, ſondern uͤber alles aus, eine gewiſ⸗ ſe Staͤrcke der Gedaͤchtniß und Schaͤrf⸗ 2s Die Pſlichten Schaͤrffe der Uberlegung, deren die groͤſte Anzahl nicht faͤhig iſt. Inzwiſchen ſoll man nicht, un⸗ ter dem Vorwand, daß man auf ſolche Weis die Capitul nicht ver⸗ mehren muͤſſe, auf welchen die Un⸗ terſuchung ſeiner ſelbſten beruhen ſoll, in dem Gegentheil ſich zu weit hinaus laſſen, noch glauben daß es genug ſey nur ſo obenhin dieſer Pflicht obliegen, und alles auf die leichte Achſeln nehmen; Nun dieſes begreifflich zu machen, 8 ſo ſucht man die Artickul, darauf ddie Unterſuchung, davon wir re⸗ den, beruhen ſoll, auf vier Haupt⸗ Puncten zu bringen. I. Es muß ſich die Erforſchung beziehen auf die Gedancken/ Wort und Werck. II In Anſehung dieſer 3. Stucken muß man nicht nur auf das Gute, ſo b ſich in uns finden kan, Achtung ge⸗ Z—I—E der Tiſchgenoſſen. 29 geben, ſondern auf alles, und fuͤr⸗ nehmlich auf die ſonderbahren Suͤn⸗ den/ deren wir ſchuldig ſind. III. Muß man den Zuſtand, in welchem man ſich wuͤrcklich befin⸗ det, mit dem, darinn man zuvor ſich befand, vergleichen. IWV. Endlich muß man ſich in al⸗ ler dieſer Unterſuchung betrach⸗ ten, nicht allein in Anſehung der allgemeinen Pflichten/ die allen Chriſten obliegen, ſondern auch in Anſehung der ſonderbahren Pflichten/ die da ſind eine Folge des Zuſtands und der Beſchaffen⸗ heit, in welche GOtt uns zu ſetzen gefallen hat. 8 I. Ar⸗ * 30 Die Pflichten I. Artickul. Von der Unterſuchung ſeiner ſelbſt, in Anſehung der Ge⸗ dancken, Worten und Wercken. =Ch ſage alſobald, daß man ſich 29 ſelbs recht zu erkennen, auf ſeine Gedancken und auf die Be⸗ wegungen ſeines Hertzens Acht haben ſoll. Man vergißt faſt alle⸗ zeit dieſen Artickul, der doch von einer ſolchen Wichtigkeit iſt, daß er einen Einfluß auf alle andere hat, weil gemeiniglich die Wort undWerk ein Wuͤrckung und Frucht dder Gedancken ſind; man muß dann das Hertz wohl erforſchen in dieſem Stuck, ehe man zum Heil. beuͤmh eht, und ſiehe, was e man zu ſich ſelber ſagen ſolle.. Wo⸗ „ran dencke ich am meiſten iit — er —,————ͤ ☛‿—— 8 der Tiſchgenoſſenn. 31 der groͤſten Anhaͤnglichkeit, und„. mit der groͤſten Luſt? was hat GOtt fuͤr Theil an meinen Ge⸗„ dancken, wann ich allein bin?„ erfuͤllt ſeine Gegenwart ſein„ Wille, ſeine Wohlthaten, ſein„ Gericht, oft meinen Geiſt und„ mein Hertz? in was Stand iſt„ das Hertz, wann ich bette, und„ dem GOttesdienſt abwarte?„„ Durch dergleichen Betrachtun⸗ gen kan man am ſicherſten und leichteſten, was man iſt, erkennen. Man ſollte einer gleichen Lehr⸗ Art in Anſehung der Worten fol⸗ gen, indem man fleißig erforſchet, ob die Geſpraͤch, die man fuͤhret, nichts in ſich halten, das der Wahrheit/ wie auch der Liebe/ der Keuſchheit und der Weißheit/ ſo die Chriſtliche Religion vorſchreibt und eingibt, zuwider ſey. Siehe da ein Artickul, nach welchenn vie 32 Die Pflichten viel ihnen faſt alles erlaubtzu ſeyn, klauben nich allein ihre Geſpraͤch ind eitel, unnuͤtz und liederlich, wodurch ſie ihren leichten Sinn verrathen, der ſich mit nichts ernſt⸗ lich beſchaͤfftiget, ſondern laſſen dem Geiſt nochFreyheit zu noch au⸗ genſcheinlich ſchandlicheren Din⸗ gen. Dergleichen ſind zum Ex⸗ empel uͤbertriebene Vergroͤſſerungen/ l laͤcherliche und Satyriſche an Ehren angreiffende Stichel⸗Reden/(die im Fuͤruͤbergang zu ſagen, ein An⸗ 8 zeigung ſind von einem boͤſen, lieb⸗ loſen und hochmuͤthigen Hertzen) unkeuſche Augen/ unflaͤtige Wort/ ehrloſe Geſpraͤch/ leichtfertiges (Schwoͤrven/ boͤſe Wuͤnſch/ Luͤgen/ G falſche/ müßige Hinderbringungen/ Verleumdungen/ Laͤſterungen/ un⸗ billige Zulagen/ zornige Reden/ und veraͤchtliche Ausdruckungen. Und das noch mehr iſt, ſiehet man der Tiſchgenoſſen. 33 man nicht, daß ſie mit ihrer Zun⸗ 8 ſuͤndigen, und ſo dar das Aller⸗ eiligſte und das Alleranſehnlich⸗ te und Ehrwuͤrdigſte, ich will ſa⸗ den die Religion angreiffen, und as durch zotlloſe und ausgelaſ⸗ ſene Geſpraͤch, die ein foͤrmlich und offenbahres Auflehnen wie⸗ der den Himmel ſind, als eines der groͤſten Laſteren, ſo man bege⸗ hen kan, angeſehen ſeyn muͤſſen. Es ſind nur die, ſo die Welt nicht zu gebrauchen wiſſen, oder die, welche keine Gedancken uͤber nichts ſich machen, die nicht wiſ⸗ ſen konnen, daß das Ubel ſo wir beweinen, ſo weit ſich ausgebrei⸗ tet, und wie viel werden nicht die Prob davon in der Anklag ihres Gewiſſens finden, wann ſie es re⸗ den laſſen wollen. Diß iſt hier doch ein Haupt⸗ Punct, uͤber welchen hinfuͤhro ein C jeder . 34 Die Pſlichten jeder ſich mit groͤſter Sorgfalt erforſchen ſoll; Der hoͤchſte Rich⸗ ter wird darauff inſonderheit am Juͤngſten Tag Achtung geben, und wie ſoll man weiter daranzweiflen, nachdem er uns in dem Evangelio ſagt, Matth. 15. 18. Daß die Ge⸗ ſpraͤch/ die zum Munde heraus ge⸗ hen/ aus dem Hertzen kommen/ und daß dieſe Ding den Menſchen ver⸗ unreinigen; und anderſtwo Matth. 12. 36, 37. Icy ſage euch/ daß die Menſchen Rechenſchafft geben muͤß ſen am juͤngſten Gericht/ von einem jeglichen unnůtzen Wort/ das ſie geredt haben/(das iſt, boͤſen ſuͤnd⸗ lichen Wort) Aus deinen Worten wirſt du gerechtfertiget werden/ und aus deinen Worten wirſt du ver⸗ dammt werden. Der, welcher mit Fleiß dieſer Erklaͤrung nachdenckt, wird die Wichtigkeit und Nothwen⸗ digkeit der Ermahnung, welche / —————/· 2Qꝗꝑ— —— bn——— ,—,—y der Tiſchgenoſſen. 35 St. Paulus an die Epheſer erge⸗ hen laſſet, empfinden, da er ihnen ſagte: Eph. 4. 29. Laſſet kein faul Geſchwaͤtz aus euerem Nunde gehen/ ſondern was nutzlich zur Beſſerung iſt/ da es Noth thut/ daß es hold⸗ ſelig ſey zu hoͤren. und Epheſ. ſ. 4. Auch ſchandbahre Wort/ Narren⸗ theidung/ oder Schertz/ welche euch nicht geziemen/ wie es den Hei⸗ ligen zuſtehet/ d. i. den Chriſten, die durch den Geiſt JEſu Chriſti geheiliget, und hiedurch zur Hei⸗ ligkeit beruffen ſind. 1. Cor. 1. 2. Entlich muß man gar ernſtlich auf die Werck/ auf ſein Leben, und aufſeine Auffuͤhrung, Achtung ge⸗ ben; dann ein guter Baum gibt ſich an den guten Fruͤchten zu erkennen. Matth. 7. 17, 18. In Anſehung deſſen ſoll ſich ein jeder unterſu⸗ chen, ob er ſeinem Beruff gemas Fruͤchten bringe; ob er GOtt K2 durch 36 Die Pſlichten durch ein heilig Leben verherrliche; ob er ſeine Bruͤder erbaue; indem er vor ihnen das Liecht ſeiner guten Wercken leuchten laſſe; Matth.. 16. Ob er die Suͤnden, die das Goͤtt⸗ liche Geſatz verbietet, und welche dem Beruff der Chriſten ſo ſehr zuwieder ſind, meide; ob er die Tugenden, zu welchen dieſer Be⸗ ruff uns einladet, ausuͤbe; ob er in dieſer Welt in Maͤßigkeit/ Ge⸗ rechtigkeit und Gottſeligkeit lebt. Tit. 2, 12. Aber weil dieſer Punc⸗ ten durch die folgenden erklart werden wird, ſo 4. tman ſich nicht laͤnger dabey auf. II. Artickul. Von der Unterſuchung ſeiner ſelbſten, ſo zum Vorwurff hat, ein⸗ ſeits das Gute, ſo ſich in uns finden kan, und anderſeits die ſonderbahren Sun⸗ den, deren wir ſchuldig ſind. Gan muß in der Unterſuchung ie der Tiſchgenoſſen. 37 die man mit ſeinen Gedancken, Worten und Wercken fuͤrnimmt, weiter gehen, und in dieſer drey⸗ fachen unterſchiedlichen Abſicht muß man mit Fleiß betrachten, ein⸗ ſeits das Gute, ſo ſich in uns fin⸗ den kan, und anderſeits das Boͤſe/ oder die ſonderbahren Suͤnden, deren wir ſchuldig ſeyn koͤnnen. Es iſt mir nicht unbewußt, daß das, was ich hier von dem Guten und Boͤſen/ ſo ſich in uns finden kan, ſage, ſich nicht fuͤr alle Gat⸗ tung Leuthe ſchicket; es gibt deren nur allzu viel, welche, nachdem ſie ſich in eine vollkommene Ver⸗ ſtockung geſtuͤrtzt, gleich ſind de⸗ nen groſſen Suͤndern, von denen die Schrifft ſagt, daß nichts Gutes in ihnen ſey, und daß ſie gar nichts Gutes thun koͤnnen; daß ſie zum Boͤ⸗ ſen verkaufft/ daß von der Fußſoh⸗ len an biß aufs Haupt nichts geſun⸗ C3 des 4 38 Die Pflichten des an ihnen. Eſaj. 1. 6. Auf der⸗ leichen muß man dieſe Worte zie⸗ en. Kan auch ein Mohr ſeine Haut wandlen/ oder ein Parder ſei⸗ ne Flecken? ſo koͤnnet ihr auch Gu⸗ tes thun/ weil ihr des Boͤſen ge⸗ wohnt ſeyt? Jerem. 13. 23. Aber nicht alle ſind in dieſem klaͤglichen Suſtand, oo iſt diß auch, GOtt lob, nicht die groͤſte Zahl. Ich weiß wohl, daß es Leuth gibt, die glau⸗ ben, daß alle Menſchen, und auch die Glaͤubigen ſelbſten in allen Stu⸗ en t Des Uberſetzers Meynung iſt /) von Natur „» waͤren wir alle in ſolch flägüchem Zuſtand. „» Daß es aber um die Glaͤubigen anderſt ſte⸗ h„ het, haben ſie der unverdienten Gnade „» GOttes zu verdancken, welche man erken⸗ nen, und GOtt daruͤber preiſen und nicht »» verlaͤugnen ſoll; dann einmahl durch GOt⸗ G„» tes Gnad ein Unterſcheid unter den Leuthen » und nicht alle auf gleichem Fuß anzuſehen, „ ſonſt moͤchte es ein Anſehen haben, als ob » man alle Leuth gleich hielte, wodurch der „ Luſt zur Frommkeit einem manchen vergehen „» wurd, wann er doch den Gottloſen gleich » geachtet wurde, der Tiſchgenoſſen. 39 cken als groſſe und verſchreyte Suͤnder, in aller Gattung Laſte⸗ ren verwicklet, und von allem Guten gant entbloͤßt, ſich erken⸗ nen muͤſſen, und wollen haben, daß in dieſer Bekanntniß die Deh⸗ muth beſege⸗ aber behuͤt GOtt, daß alle Chriſten in einem ſo jaͤm⸗ merlichen Zuſtand ſich befinden ollten.. Erſtlich haben die wahren Glaͤu⸗ bigen in ſich das Gute, ſo GOtt in ſie gelegt, und obſchon es ihnen dazu kommt, daß ſie auch fallen, ſo ſuͤndigen ſie doch nicht, wie die Gottloſen. Dieſes begreiflich zu machen, ſagt die Schrifft, 1. Joh. 3. 9. Daß die/ welche aus GOtt ge⸗ bohren ſind/ nicht Suͤnde thun/ dann ihr Saamen bleibet bey ihnen/ und koͤnnen nicht ſuͤndigen/ dann ſie ſind von GOtt gebohren; und die Fruͤchten der Heiligmachung, die & 4 ſie 1 40 Die Pflichten ſie tragen, zeigen klaͤrlich, daß ſie von dem Joch der Suͤnden be⸗ V freyet ſeyen. Diß ſind die getreuen Knecht, die das Talent ihrer Gaa⸗ 1 ben anwenden, ſo ihr guter und machtiger Meiſter ihnen zugetheilt, Matth. 25. und hiedurch glaͤntzen ſie, wie das Geſtirn mitten unter dem ungeſchlachten und verkehrten Geſchlecht; Phil. 2. 157.. Man ſie⸗ G et in der That Leuth, die da ein ſuſter der Frommkeit/ des Glau⸗ bens/ der Maͤßigkeit/ der Deh⸗ muth und der Sanfftmuth ſind, und an denen herfuͤr leuchtet das Keñ⸗ zeichen der Kinderen GOttes, und dder Fuͤngeren IEſu Chriſti.. Die, welche ſich in ſolch gluͤckſe⸗ ligem Zuſtand befinden, müͤſſen mit Dehmuth und mitFreuden das Verck Gottes in ihnen erkennen, unnd dabey Anlaß nehmen ich auf⸗ zumuntern, und ſich je laͤnger 8 mehr der Tiſchgenoſſen. 41 mehr in dem Fleiß der Gottſeligkeit zu beveſtigen; ſich indeſſen ſtats erinnerend, ſich zu dehmuͤthigen, in Anſehung ihrer Maͤnglen, ihrer Unvollkom̃enheiten und Schwach⸗ heiten. Ubrigens, was von den wahren Gläubigen geſagt, laßt ſich auch in gewiſſer Maas auf die wahrhafft reuenden Suͤnder zie⸗ hen, und die ſich je länger je mehr bearbeiten, von ihrem unorden⸗ lichen Leben los zu reiſſen. Weiters ſind unter denen Suͤn⸗ dern, die noch nicht auf die We⸗ ge der Beſſerung getretten, nicht alle auf den hoͤchſten Gipffel der Verderbnuß geſtie en. Es gibt deren, in welchen ſich noch etwas Guts befindet; ſie erkennen und empfinden biß auf einen gewiſſen Grad ihre Schuldigkeit, und ih⸗ ren Zuſtand; ihr Gewiſſen erin⸗ nert ſie von Zeit zu Zeit, und laßt K/ ſie 42 Die Pflichten ſie erfahren Beiſſen, Streit, Schre⸗ cken und Unruh. Die koͤnnen Hoff⸗ nung ſchoͤpffen und glauben, daß GOtt ſie nicht verſtoſſen; aber ſie 1 haben groſſe Urſach ernſtlich an ſich ſelber zu gedencken, zu eilen, und ſich die Zeit und Gelegenheit G zu nutz zu machen, all dieweil ſie einen Gnadenblick wahrnemmen, daß ſte ſich nicht gaͤntzlich in das Uuagluͤck der Unbußfertigkeit ſtuͤr⸗ pen; dann wer halsſtarrig iſt/ wird in Ungluͤck fallen. Prov. 28. 14. II. Es iſt noch etwas weit we⸗ ſenutlichers und noͤthigers, und war auf das ſorgfaͤltigſte, uͤber ddem Boͤſen, oder uͤber den Suͤn⸗ dden, deren man ſchuldig iſt, ſich An erforſchen. Nun wohl davon u urtheilen, muß man nicht nur ddie Matur dieſer unterſchiedlichen b Suͤnden, ſondern uͤber diß die Um⸗ V ſtaͤnd/ die ſie begleiten, und die Weiß, der Tiſchgenoſſen. 43 Weis, wie man ſie begangen, be⸗ trachten.. Die vornehmſten Umſtaͤnd, die eine Suͤnd groß und ſchwer ma⸗ chen, ſind folgende, die man nur anzeigt, einem jeden die Sorg uͤberlaſſende, daruͤber zu geden⸗ cken, und ſich zuzueignen. Der erſte Umſtand iſt, wann man eſuͤndiget nichtnur wider ſeine Er⸗ euchtung, ſondern noch wieder vie⸗ le Wahrnungen und auch Drohun⸗ gen ſeines Gewiſſens. Der Andere/ wann man mit Suͤnden die Verheiſſungen und offentlich und vielfaltig wiederhol⸗ te Verbindungen gebrochen hat. Der Dritte/ wann man wieder in die Suͤnd gefallen, nachdem man eine Zeitlang auf dem guten Weg gewandlet. Der Vierdte/ wann man ſeinen Naͤchſten verfuͤhrt, und zur Suͤnd genoͤthi⸗ — 44 Die Pflichten b genothiget hat, es ſey gleich durch ein boͤs Exempel, oder daß man ihm ſonſtzugeſetzt, und etwas ſuͤnd⸗ liches zugemuthet habe. Endlich der letſte Umſtand iſt, wann man geſuͤndiget hat, nach⸗ deem man von Gott eine ſonder⸗ bbahre Gnad, oder eine auſſeror⸗ dentliche Erinnerung empfangen. Die Erwegung dieſer unterſchied⸗ lichen Umſtanden iſt etwas gantz weeſentliches, und etwas, ſo dem ESunder zu gewaltiger Dehmuͤthi⸗ gung dienen, und ihn mit einer ecechten Forcht erfuͤllen kan, er ſie⸗ bet aus dieſen unterſchiedlichen ummſtaͤnden, wie ſchuldig er ſey, und wie GOttgerechter maſſen ihn voan ſeinem Angeſicht verſtoſſen koͤnn⸗ te. Pſ. Fr. 13.. Es iſt dennach natuͤrlich, daß mmanaufdie Quelle der unterſchied⸗ lichen Suͤnden, deren man ſi u— der Tiſchgenoſſen. 45 ſchuldig findet, komme; das wird auf die Mittel, die man ihnen ent⸗ gegen ſetzen, oder wieder die Sun⸗ den gebrauchen muß, verleiten. Nun ſo wird man gemeiniglich dieſe Quelle entweder in dem Tem⸗ perament/ oder in der Lebens⸗Gat⸗ tung/ deren man folgt, oder in denen Verbindungen/ die man ge⸗ macht, finden, und das kan ein jeder erkennen, der nur ein we⸗ nig Achtung darauf gibt. Das hieſſe etwas gar Weſentliches un⸗ terlaſſen, wann man nicht bey⸗ fuͤgte, daß, wann man in der Un⸗ terſuchung ſeiner ſelbſten mit Fleiß auf alle Suͤnden Achtung geben muß, deren das Gewiſſen anklaget, man ſich vor allem aus, befleiſſen muͤſſe, wohl zu erkennen, was man herrſchende Sunden/ oder Gewohnheits⸗Suͤnden heiſſe. Hiedurch muß man Verſtehen .—— 1 46 Die Pflichten die Suͤnden/ denen man ſich am leichteſten/ oͤffteſten/ und mit ſtaͤrck⸗ ſter Zuneigung ergibt, wann man aufhoͤrt uͤber ſich ſelbſt zu wachen. Dite herrſchende Suͤnd laͤßt ſich unn dem erſten Anblick mercken, unnd es iſt ohnmoͤglich, daß mans icht wiſſe, es ſeye gleich/ daßman deren Sclav ſey, oder daß man aar leicht dahin kommen koͤnnte. In den Einten iſts der Hochmuth/ V in Anderen die Wolluſt/ oder die Saͤnden der Zungen/ oder der orn/ oder Geitz, oder andere dergleichen Gemuͤths⸗Neigungen. Man muß gar genau Achtung geben auf dieſe herrſchende Sün⸗ den/ nicht allein, weil ſie die Seel beflecken, wie alle andere Suͤn⸗ dden, die ſie von GOtt ſcheiden; aber ſiehe zwey ſonderbahre Ur⸗ ſachen, die uͤber dieſe Materie vwohl erwogen ſeyn muͤſſen. V I Die ——„— der Tiſchgenoſſen. 47 I. Die herrſchende Suͤnden ſind die, deren Handlungen gar offt wiederhohlt werden. Wie das Hert faſt ohne Aufhoͤren von der Paßion, die zu dieſen Suͤnden ver⸗ leitet, erfuͤllt ſt. Man ergibt ſich denſelben, ſo offt es Gelegenheit gibt, ſie zu begehen, und man es thun kan, ohne daß man einige Ungelegenheit davon zu befoͤrch⸗ ten hat; ja oft macht die Staͤrcke dieſer Paßion, daß man dieſe Ge⸗ legenheit ſucht. Auf dieſe Gewohn⸗ heits⸗Suͤnder laſſen ſich dieſe Wort Eliphas in dem Buch Hiobs. Cap. 15. 16. deuten, daß ſie das Unrecht in ſich ſauffen wie Waſſer/ will ſagen, daß ſundigen ihr Hand⸗ werck ſey. Dieſe herrſchende Suͤnden zeu⸗ gen immer noch mehr dergleichen andere, denen man ſich ergeben muß, ſeinen liebſten Begierden nachzuhaͤngen. Die 48 Die Pſflichten Die Erfahrung erweiſet dieſes mehr, als alle Vernunfft⸗Schluͤſſe; Wann zum Exempel, die, welche Sclaven ſind dieſer beyden Laſte⸗ l ren, die ſich am weitlaͤufftigſten ausbreiten, nemlich des Geitzes/ und der Wolluſt/ wollten in ſich ſelber gehen, ſo waͤren ſie ge⸗ l zwungen dieſer Paßiheit beyzu⸗ ſtimmen. Der Geitz iſt gar offt be⸗ gleitet mit Ungerechtigkeit/ Betrug unnd Hinderliſt/ und allezeit mit Un⸗ ” ruh des Geiſtes/ Mißvergnuͤgen mit ſeinem Zuſtand/ mit Haͤrtigkeit ge⸗ gen dem Naͤchſten, und bißweilen gegen ſich ſelbſten; und was die wWolluſt betrifft, in wie viel Suͤn⸗ dden, und zwar groſſe Suͤnden ſtuͤrtzen ſich nicht diejenigen, die 1 ſich derſelben ergeben, es ſey gleich ein ſchandliche Paßion zu erfuͤllen, oder das Laſter zu verbergen, wann man es begangen, es iſt ein er⸗ ſchroͤck⸗ der Tiſchgenoſſen. 49 ſchroͤckliche Folg und Ketten der Suͤnden; und wie viel Leuth gibt es nicht, die ſolches erfahren. III. Artickul. Von der Unterſuchung ſeiner ſelbſten, durch welche man den Zuſtand, darinn man ſich wuͤrcklich be⸗ findet, mit dem Zuſtand, darinn man zu vor ſich befande, vergleicht. 8an muß in der Erforſchung * ſeiner ſelbſt nicht vergeſſen, ein Vergleichung anzuſtellen zwiſchen dem Zuſtand/ darinn man ſich wuͤrck⸗ lich befindet/ und dem Zuſtand darinn man zuvor war; und das zwar, daß man ſehe, ob man in einem beſſern oder ſchlimmern Zuſtand ſich befinde? Es iſt dann um die Erforſchung zu thun, ob man in dem Guten, in der Liebe GOttes, und in der An⸗ D dacht 50 Die Pflichten 6 dacht zugenommen habe? Ob man ſeinen unordentlichen Neigungen Abbruch gethan, und inſonderheit den herrſchenden Paßionen? Man muß ſich ſelber fragen: Bin ich deh⸗ muͤthiger/ ſanfftmuͤthiger/ von der Welt und mir ſelbſten freyer/ als ich zuvor nicht war? Bette ich oͤffter und einbruͤnſtiger? In dieſem Fahl kan man ſich verſicheren, daß man in der Frommkeit zunehme, und daß man groͤſſeren Theil an der Gnade GOttes, an ſeinem Wohlgefallen und Frieden habe; aber wann b man im Gegentheil erkennet, daß 6 man ſchlimmer worden, daß die 1 boͤſen Gewohnheiten tieffer einge⸗ wurtzlet, daß man vielleicht deren 9 noch friſche an ſich genommen, ' alsdann hat man groſſe Urſach ſich V n zu foͤrchten, ſich zu dehmuͤthigen, und ſich unaufhoͤrlich zu bearbei⸗ ten, aus einem ſo traurigen Zu⸗ ſſcand zu kommen. Man 3. der Tiſchgenoſſen. 51 Man muß ſich auch vorſehen, daß man nicht glaube, daß man nicht viel ſchlimmer worden, weil das Gewiſſen uns nicht grobe La⸗ ſter, Ungerechtigkeiten/ oder aus⸗ brechende Suͤnden vorweißt. Man iſt ſchlimmer, wann man in einer boͤſen Gewohnheit, was fuͤr eine es immer ſey, verharret, als in der Lauigkeit/ Weichlichkeit/ Welt⸗ geſinntheit/ Pracht/ Schwelgerey/ und in der Manier ein ſchlecht Chri⸗ ſtenthum auszuuͤben. Alles das beweiſet nicht allein, daß man all⸗ zeit in einem ſeye, ſondern daß man taͤglich noch aͤrger werde, dann es haͤlt ſich mit den boͤſen Ge⸗ wohnheiten, wie mit den guten, ſie werden immer ſtaͤrcker, je nach⸗ dem man darinn verharret; Ja es iſt zu bemercken, und es iſt ein Betrachtung, die wohl zu erwe⸗ gen, daß die Bekehruͤng derer, D2 von 1 52 Die Pflichten von denen man eben geredt, gar offt ſchwerer ſey, als die Bekeh⸗ rung der groſſen und verſchreyten 1” Suͤndern, weil dieſe letſteren emeiniglich weniger verblendt ind; wenigſtens laſſen ſie gelten, ” wann ſie nicht in voͤlligem Unglau⸗ ben verſencket und verwicklet ſind, daß ſie ſchuldig ſeyen, und daß ſie mit ihren Suͤnden ſich dem Zorn GOttes unterwuͤrffig gemacht; anſtatt, daß dieſe offt nicht zuſtim⸗ V men, oder erſt-bemeltes nicht wollen gelten laſſen. In dieſem Verſtand ſagte JEſus Chriſtus zu 6 den Schrifftgelehrten, und Pha⸗ 6 riſaͤern, welche voll Hochmuth/ Geitz und Heucheley waren. Wahr⸗ lich ich ſage euch/ daß die Zoͤllner und Huren ehe in das Reich GOttes kom⸗ G men/ dann ihr. Matth. 21. 31. —-— IV. Ar⸗ ¹ 1 der Tiſchcenoſſent. 53 IV. Artickul. Von der Erforſchung ſeiner ſelbſt; die ſich nicht allein auf die allgemeinen Pflichten der Religion, ſondern auch und fürnehmlich auf die ſonderbahren bezeucht. S iſt uͤbrig zu reden von die⸗ ſer Erforſchung ſeiner ſelb⸗ ſten, die ihr Abſehen hat nicht nur auf die allgemeine Pflichten/ welche die Religion allen Chriſten ein⸗ ſchaͤrfft, wer ſie immer ſeyen, ſon⸗ dern noch und vor allem, auf dieſe ſonderbahre Pflichten/ die vorge⸗ ſchrieben ſind, nach dem Zuſtand und Beſchaffenheit, darinn man ſich befindet. In der erſten Abſicht muß man acht haben auf die allgemeinen Pflichten, ſo allen Chriſten auf⸗ erlegt, dergleichen ſind deeienigen 3 0 54 Die Pflichten ſo St. Paulus vorſchreibt in dieſen Worten: Tit. 2. 11, 12. Es iſt erſchie⸗ V nen die heilſame Gnade GOttes allen Menſchen/ und zuͤchtiget uns/ daß wir verlaͤugnen das ungoͤttliche We⸗ ſen/ und die weltlichen Luͤſte/ und maͤßig/ gerecht und gottſelig leben/ in dieſer gegenwaͤrtigen Welt. Zu⸗ folg dieſer Heil. Reguliſt die Pflicht aller Tiſchgenoſſen, ſich zu erfor⸗ ſchen, ob ſie ſich befleiſſen der Rei⸗ 0 nigkeit des Leibs und des Hertzens: 1 ob ſie ufrichtſg und redlich ſeyen? dereidt und bi ich; liebreich und 6 anfftmuͤthig? ob ſie GOtt von gantzem ihrem Hertzen lieben; ſo 6 wohl offentlich als abſonderlich Ihn im Geiſt und in der Wahrheit anruffen. Joh. 4. 24. Ob ſie ſei⸗ nem Heil. Willen ergeben? ob ſie mit Eyffer, mit Aufrichtigkeit und Beharrlichkeit betten? Sihe da, ſo viel Haupt⸗Artickul, welche die Pflich⸗ — ——— — der Tiſchgenoſſen. 55 ꝓflichten in ſich ſchlieſſen, ohn de⸗ ren Ausuͤbung es ohunö ich iſt ein Chriſt zu ſeyn. Was die ſon⸗ derbahren Pflichten betrifft, und die eine Folge ſind des Zuſtands und der Beſchaffenheit, darein uns GOtt geſetzt hat; obſchon man da⸗ ran nicht mehr, und etlicher gar nicht gedenckt, ſo muß man doch genau darauf mercken in der Un⸗ terſuchung ſeiner ſelbſt. Dieſe ſon⸗ derbahre Pflichten ſind gar man⸗ cherley, weil ſie von unterſchied⸗ lichen Umſtaͤnden, in denen man ſich befinden kan, herkommen. Es ſind Pflichten, die man als Obrigkeit erfuͤllen muß; es gibt deren, ſo die Prediger angehen, und die, ſo ſie lehren. Die Kauff⸗ leuth haben einen ſonderbahren Beruff; ſo auch die Handwercks⸗ Teuth und Baurs⸗Leuth. So ha⸗ ben Hauß⸗Vaͤtter und Hauß⸗Muͤtter D 4 ihre 56 Die Pſlichten ihre Pflicht; Kinder Herren und Bediente. Es gibt Leuth die im Wohlſtand, im Überfluß, in Ehr und Anſehen, und denen GOtt Geſundheit verliehen, ſtehen; an⸗ dere ſinden ſich in gant wiederwaͤr⸗ tigen Umſtaͤnden, ſind mit Creutz und Leyden, Armuth und Kranck⸗ heit heimgeſucht. Entlichen gibt es deren, die auf dem aͤuſſerſten ibhres Lebens, und andere, die noch jung, undin dem Bluſt ihres 1 Alters ſich befinden; dieſe alle ha⸗ vben ihre Pflichten auf ſich. MNan ſiehet leicht, daß hier der Ort nicht iſt, von dieſen unter⸗ ſchiedlichen Pflichten zu reden; Es iſt nur darum zu thun, daß man die, welche zum Tiſch des HLrrn gehen wollen, begreiffen mache, daß ſie ſich erforſchen ſollen nach allen dieſen unter⸗ ſchiedlichen Betrachtungen, ge⸗ ma —— —:— der Tiſchgenoſſelt. 57 maͤß dem Zuſtand, darinn ſie ſich befinden, und wozu ſie beruffen ſind. Dieſen Artickul auslaſſen, heißt auslaſſen, was zum Haupt⸗ Weſen dient, weil die Religion nicht weniger dieſe ſonderbahre Pfüichten ‚als die allgemeinen vorſchreibt, und daß ſonſt ohn⸗ moͤglich die letſteren recht zu er— fuͤllen, wann man die erſteren verſaumt. Auch ſehen wir, daß die ſeligen Apoſtel mit groſſer Sorgfalt die Ausuͤbung dieſer ſonderbahren Pflichten anbefeh⸗ len. Eben wie ſie wollen, daß ein jeder in dem Stand, darein ihn GOtt geſetzet hat, bleibe; ſie befehlen auch, daß ein jeder die flichten erfuͤlle, die dieſer Zu⸗ tand ihm auferlegt. Ich koͤnnte hiervon viel Proben anziehen, aͤber ich ſchraͤncke mich ein, zu weiſen auf das, was zu leſen: D F Epheſ. 88 Die Pflichten 6 Epheſ. 5. 22⸗25. Cap. VI. 1⸗9. Col. III. 18⸗25. Cap. IV. 1. 1. Petr. 2. 18. Cap. III. 1⸗8. So kommt aaauch von der Ubung dieſer ſonder⸗ 1 bahren Pflichten das Gluͤck und Frieden der Burgerlichen Geſell⸗ ſchafft her; ſo ein jeder, ſo viel an ihm zu verſchaffen ſchuldig iſt. Sihe dann was zu ſagen war, anu zeigen in was Anſehen man ſich ſelbſt vor dem Heil. Abendmahl V cerforſchen muͤſſe, aber wie es Zu⸗ faͤhle hat, da das Gewiſſen, An⸗ fuͤhrung und guten Raths bedarff, ſoo iſt noch noͤthig anzuzeigen, das, was man thun kan, ſich aus dieſer 6 Sorgfalt herauszuziehen. Es ſind nur die, welche nicht an ddeen Zuſtand ihres Gewiſſens ge⸗ ddencken, die nicht achten, daß daſ⸗ ſelbe ſich in Sorgfalt und Unge⸗ wißheit befinden koͤnne. Ohn all⸗ b hier dieſe Materie zu verhaudlen, eilen 11 der Tiſchgenoſſen. 59 weilen ſolche in bekannten Buͤ⸗ cheren zu finden, ſo wird es ge⸗ nug ſeyn, auf eine allgemeine Weis, folgende Betrachtungen anzuzeigen.. I. Daß dieſe Muͤh verurſachen⸗ de Faͤhl viel rarer waͤren, und daß man ſich viel leichter daraus ziehen koͤnnte, wann man in den Wahrheiten und Pflichten der Religion beſſer unterwieſen waͤre; wann man denen mehr nachdaͤchte, und vor allem aus, wann die Unterweiſung biß auf den Grund des Hertzens gedrungen waͤre. II. Muß man wohl in Acht neh⸗ men, daß dieſe Schwuͤrigkeiten nicht mehr ſtatt haben koͤnnen, wann die Frag von dem iſt, was die Religion grundliches in ſich haͤlt, will ſagen, von dem, was wir glauben, und von dem, was wir thun muͤſſen; um mͤhig ee recht 1 60 Die Pflichtenr recht und gottſelig zu leben; GOtt ” hat nach der Wuͤrckung ſeiner Weisheit und Guͤte ſich gar klar, in Anſehung alles deſſen, erklart. So unterſtuͤtzen auch ſo wohl die Vernunfft als das Gewiſſen die⸗ ſes Recht GOttes ſehr ſtarck und buͤndig, Rom. 1. 31. III. In dieſen beſchwerlichen Umſtaͤnden muß man ſein Zuflucht nehmen zu denen Perſohnen, die Erfahrung und Redlichkeit haben; denen man ſich vertrauen kan; Die Lehrer ſind inſonderheit dar⸗ au beſtellet, und die Leitung des Gewiſſens iſt ein weſentlicher Theil ihres Ambts. Man muß ſich ſo betragen, wie man thut, wanmm der Leib mit Kranchheit an⸗ ggeegriffen, deren man ſelbſt nicht abhelffen kan; alsdann berufft man den Artzt, man gibt ihm 85 rich . der Tiſchgenoſſen. 564 richt von ſeinem Zuſtand, und fol⸗ get ſeinem Rath. IV. Wannman nach allem dem, noch in der Ungewißheit iſt, was man zu thun habe, muß man erſtlich das ergreiffen, welches al⸗ lezeit das ſicherſte, nemlich das, was am wenigſten dem Fleiſch an⸗ genehm, denen ſuͤndlichen Zunei⸗ gungen und Eigenliebe zuwieder iſt, und folglich/ daß man veſt und aufrichtig entſchloſſen ſeyn ſoll, dem Willen GOttes und un⸗ ſerer Pflicht zu folgen, wann er uns die Gnad erwieſen, beydes zu begreiffen, und das muß man von Ihm begehren durch eyferi⸗ ges Gebett. 8 Das 62 Die Pflichten Das andere Capitel. Von der Nothwendigkeit der Erforſchung ſeiner ſelbſt. PAchdem man angedeuͤtet, F wie und woruͤber man ſich ſelbſt erforſchen ſolle, ſo muß man die unumgaͤngliche Nothwendig⸗ keit dieſer Erforſchung kraͤfftig darthun. Dieſe Nothwendigkeit erhellet gant deutlich, es ſey gleich, daß man betrachte die Natur der Re⸗ ligion insgemein, oder daß man dencke an die groſſe Anzahl der Ge⸗ botten, die ſie uns fuͤrſchreibt, oder endlich, daß man zu Her⸗ tzen zeucht, ſo viel Anlaß der Zer⸗ ſtreuung, ſo uns in dieſer Welt umgibt, und die einen ſo leicht verleiten, ſeiner ſelbſt zu vergeſ⸗ en. der Tiſchgenoſſen. 63 ſen. Aus allem dem iſt leicht und noͤthig zu ſchlieſſen, daß die Un⸗ terſuchung ſeiner ſelbſten ſo we⸗ ſentlich zu allen Zeiten ſeye; daß ohne die Ausuͤbung dieſer Pflicht, es gantz ohnmoͤglich iſt, Chriſt⸗ lich zu leben; aber es iſt nicht we⸗ niger klar, daß das Heil. Abend⸗ mahl auf eine ſonderbahre Weis, die, welche deſſelben heilſamlich genieſſen wollen, zu der Erfor⸗ ſchung des Zuſtands ihrer See⸗ len berufft. Ein jeder kommt darinn uͤberein, oder muß doch wenigſtens darinn uͤberein kom⸗ men, und wann man die Einfaͤl⸗ tigſten daruͤber fragte, was man vor Empfangung und Genuß des Heil. Abendmals thun muͤſſe? ſo wurden ſie antworten: daß man ſich ſelbſt erforſchen oder pruͤffen muͤſſe. Inzwiſchen, wie nicht alle ge⸗ nug⸗ 1 64 Die Pflichten nugſamen Bericht von der Natur dieſer Pflicht haben, ſo auch nicht in Anſehung der Nothwendigkeit derſelben. Es gibt deren wenig, die die Proben recht wiſſen, ſo die Erforſchung beveſtigen, und es ſind deren noch weniger, wel⸗ che recht Achtung darauf geben. V Es iſt dann hoch nothig, diejeni⸗ gen zu uͤberzeuͤgen, die man zu dieſer Pflicht vermahnt; daß es von einer unumgaͤnglichen Noth⸗ wendigkeit, und daß ſehr ſtarcke Beweg⸗Gruͤnd ſeyen, die Pflicht der Erforſchung zu erfuͤllen. I Indeſſen, ob gleich die Erfor⸗ ſchung ſeiner ſelbſt eine Pflicht, die alle Tiſchgenoſſen angeht, ſo iſt b ſie doch nicht allerley Gattung 1 Leuthen gleich nothwendig. Zum Exempel, die in der Frommkeit, - und in einer Chriſtlichen Wacht⸗ barkeit leben, haben nicht groß noͤthig der Tiſchgenoſſen. 55 noͤthig ſich ſelbſt zu pruͤffen, oder wenigſtens iſt dieſe Pruͤffung we⸗ der lang noch ſchwer. Die wah⸗ ren Chriſten(daß man ſich wohl erinnere, daß dis eins von ühren weſentlichen Kennzeichen iſt) den⸗ cken alle Tag, und mehr als ein⸗ mahl, an die Heiligkeit ihres Be⸗ ruffs, an die Pflichten, ſo ihnen deßwegen obliegen, und an das, was ſie thun, ſie zu erfuͤllen. Wei⸗ ters kennen ſie ſich ſelbſt genau ge⸗ nug, alſo daß ſie gleich ſind de⸗ nen Perſohnen, welche ihre Sa⸗ chen in guter Ordnung halten, und die allzeit im Stand ſind Rechen⸗ ſchaff zu geben. So waren be⸗ ſchaffen die erſten Chriſten, die der Eyfer, die Andacht und Wachtbahrkeit in Stand ſetzte, ſo offt zum Tiſch des HErrn zu ge⸗ hen. So iſt auch beyzufuͤgen, daß es Suͤnder, und Bwa groſſe Sun⸗ er 56 Die Pflichten der gibt, welche, obſchon ſie von dem Leben/ das aus GOtt iſt/ entfremdet ſind/ ſich doch erkennen, und iſt der wahre Zuſtand ihres Hertzens ihnen nicht unbekannt; das iſt der Zuſtand dieſer Suͤn⸗ dern, denen es an Erkanntniß nicht manglet: ſie ſind in der Reli⸗ gion unterwieſen; ſie erken⸗ nen deren Befehl und Grund⸗ Reglen; nachdem ſo erkennen ſie auch ſich ſelbſten, das Gewiſſen uͤberzeugt ſie offt, und erinneret ſie des traurigen Zuſtandes, da⸗ rinn ſie ſich befinden. Dieſe Gat⸗ tung Leuth ſind nicht ſo ſehr be⸗ ruffen, ſich ſelbſt zu erfor chen⸗ wie ſie beruffen ſind, ernſtlich auf ihren Zuſtand Acht zu haben, und mit groſſer Aufmerckſamkeit deſſen Unordnung und Gefaͤhrlichkeit zu betrgehten; aber weiters hernach b in Anſehung der Manier, wie die mei⸗ der Tiſchgenoſſen. 57 meiſten leben, denen es an Er⸗ kantnuß manglet, die faſt nie an ſich ſelbſt gedencken, die all ihr Zeit und Aufmerckſamkeit auf die Welt und ihre Neigungen richten, ſo iſt es etwas hauptſaͤchliches, daß man ihnen empfindlich die unumgaͤngliche Nothwendigkeit der Erforſchung ſeiner ſelbſten zeige. Man wird in dieſer Abſicht hier vier Betrachtungen vorbringen oder machen. b Die Erſte wird hergenommen ſeyn, von dem ausdrucklichen und foͤrmlichen Befehl des H. Pauli in Anſehung deſſen. 1. Cor. 11. 28. Die Andere wird hergenommen ſeyn von der Natur ſelbſten des Heil. Abendmahls. Die Dritte von der Verpflich⸗ tung, die uns in Anſehung der Erkanntniß und Empfindung un⸗ E 2 ſerer 58 Die Pflichten ſerer Schwachheit, und unſerer Verderbnuß auferlegt wird. Die vierdte Betrachtung wird endtlich hergeleitet von der Erfah⸗ rung aller Tiſchgenoſſen, ſo wohl deren, die ihre Pflicht in Acht neh⸗ men, als auch deren, die es un⸗ wuͤrdiglich genieſſen. I. Beweißthum der Nothwendig⸗ keit der Unterſuchung ſeiner ſelbſt. Ddie Ordnung des H. Pauli. Er H. Paulus gibt uns das er⸗ ſte Beweißthum von der Nothwendigkeit der Erforſchung ſeiner ſelbſt an die Hand. 1. Cor. 11. dann, nachdem er die Einſatzung des H. Abendmahls erzehlet, und den groſſen Fehler der unwuͤrdigen Tiſchgenoſſen, und die erſchroͤck⸗ liche Verdammnuß, deren ſie ſſich bloß ſtellen, vorgeſtellt, fuͤ⸗ get er bey v. 28. Ein jeder riſ e der Tiſchgenoſſen. 59 fe ſich ſelbſt/ und alſo eſſe er von dieſem Brodt/ und trincke aus dieſem Kelch.. Es iſt nichts klaͤrers noch foͤrm⸗ lichers als dieſer Befehl, und es iſt ohnmoͤglich, daß einer denſel⸗ ben nicht begreiffen ſollte. Man ſiehet auch gant klar, daß er ſich an ein jedes Glied der Kir⸗ chen ohn einige Ausnahm machet; er beruft ſie alle, ernſtlich ihren Zuſtand zu erforſchen, oder, wel⸗ ches auf eines hinaus kommt, ſich GOtt gefaͤllig zu machen, und ihrem eigenen Gewiſſen ein Ge⸗ nuͤgen zu leiſten; mit einem Wort, der Heil. Paulus will, daß ein jeder Tiſchgenoß in ſich ſelbſten gehe, ſeinen eigentlichen Zuſtand zu erkennen. Recht und eigentlich von der Sach zu reden, wann man den groſſen Hertzen⸗Kundiger aus⸗ E 3 nimmt 60 Die Pflichten nimmt, ſo iſt es nur der Menſch, der eigentlich wiſſen kan, wer er iſt; Wer iſt von den Menſchen/ ſagt eben der Apoſtel, der die Sachen der Menſchen wiſſen kan/ ohne der Geiſt des Menſchen/ der in ihm iſt? 1. Cor. 2. 11. Andere koͤnnen uns in unterſchiedlichen Stucken wohl erkennen, und in gewiſſer Betrachtung beſſer als wir uns ſelber nicht kennen; ſie koͤnnen durch ihre Vermahnungen und Erinnerungen uns die Er⸗ kanntniß unſers eigenen Hertzens arkeichteen, und uns von dem unterſchiedlichen Betrug und Ver⸗ blendung deſſelben helffen, und ſie vertreiben; aber, noch ein⸗ mal eigentlich zu reden, ſo iſt es nur der Menſch, der ſich ſelbſt erforſchen, und mit Gewißheit von ſeinem Zuſtand reden kan. Endlich muß man wohl bemete en, der Tiſchgenoſſen. 67 cken, daß erſt nach dieſer Erfor⸗ ſchung ſeiner ſelbſt, der Apoſtel den Zugang zu dem Heil. Abend⸗ mahl geſtattet; das iſts, was un⸗ wiederſprechlich dieſe Wort an⸗ zeigen, und daß er alſo eſſe von dieſem Brodt/ und trincke aus die⸗ ſem Kelch/ als wann der Heil. Paulus geſagt haͤtte, daß niemand ſich zum Heil. Abendmahl/ als nach ſolcher Průͤffung/ hinzunahe. Dieſer Befehl, wie man es aus den vorhergehenden, und den folgenden Worten ſiehet, iſt auf gar ſatte Proben gegruͤndet, wie es bey dem Eingang dieſes Wercks, durch das, was uͤber die Einſatzung des Heil. Abend⸗ mahls geſagt ware, erinneret wor⸗ den. Aber es iſt etwas daran ge⸗ legen, daß man hier die unter⸗ ſchiedlichen Folgen einer würdi⸗ gen, oder einer unwuͤrdigen Com⸗ E 4 munion e, ſ 62 Die Pflichten munion oder Genuſſes des Heil. Abendmahls wohl betrachte; es iſt nichts dienlichers, uns von der unumgaͤnglichen Nothwen⸗ digkeit zu uͤberzeugen, daß man ernſtlich in ſich ſelbſten gehen ſolle, ehe man zu der Heil. Gna⸗ den⸗Tafel hinzunahet. Durch einen guten Hingang zu des HErrn Tiſch vereiniget man ſich genauer mit GOtt. m So wird die Empfindung ſei— ner Liebe geſtaͤrckt und vermehrt, und die maͤchtige Huͤlff ſeines Heil. Geiſtes; eine wuͤrdige Commu⸗ nion oder Gemeinſchaft mit JEſu bey dem Heil. Abendmahl erfuͤllet das Hertz mit neuem Eyfer; ſie machet loß von der Welt und ſich ſelbſten; ſie machet, daß man mit mehrerer Einbrunſt bettet, weil ſie je mehr und mehr in dem Hertzen das Feur der Sottlicben Liebe b der Tiſchgenoſſen. 63 Liebe anzuͤndet; vor allem aus, tragt man von dem Heil. Abend⸗ mahl, wann man gebuͤhrend hin⸗ zugegangen, eine bruͤnſterige Lie⸗ be zu JEſu Chriſto; eine leben⸗ digere Erkanntlichkeit ſeiner un⸗ endlichen Baumherzigleit„ und einen veſten Entſchluß, fuͤr im⸗ mer und ewig ſich mit Leib und Seel dem zu ergeben, der ſie mit ſeinem eigenen Blut erkauft. Haben dann nun ſolche groſſe Guͤter nicht alles das, ſo eine Be⸗ gierd darnach reitzen kan? und kan man der Sach zu viel thun, ſich in Stand zu ſetzen, dieſelbe zu erlangen? Im Gegentheil; wann manzum Tiſch des HErrn unwuͤrdig und ohne Vorbereitung gehet, ſo macht man ſich einer gar groſſen Treuloſigkeit ſchuldig, und man ziecht ſich das erſchrocklichſte Ur⸗ E F theil v„vſ“zv¶[¶Lnn— 64 Die Pflichten theil uͤber den Halß. Man ſuͤn⸗ diget auf gewiſſe Weiſe ſchnur grad wieder JEſum Chriſtum ſelbſt/ wie⸗ der dieſen guten Erloͤſer, der ge⸗ ſtorben iſt, uns zu erkauffen; man verachtet dieſen Todt, und hie⸗ mit alle die Guͤter, die daher flieſ⸗ ſen; wenigſtens zeigt man, daß man ihnen die Welt, und ſeine ſuͤndliche Zuneigungen vorziehe; Man erkennet dieſen groſſen Er⸗ loͤſer nicht, da er ſich doch der Seele auf die beweglichſte Weiſe vorſtellt, will ſagen, gantz Blut⸗ ruͤnſtig, welches Blut er vergoſ⸗ ſen, der Seelen Vergebung ihrer Suͤnden zu erlangen, Wann aber die, welche un⸗ wuͤrdig zu des HErrn Tiſch ge⸗ hen, wieder JEſum Chriſt, in allererſt gemeldtem Verſtand, ſuͤn⸗ digen, ſo iſt es nicht wenſger ge iß. der Tiſchgenoſſen. 6 5 wiß, daß ſie wieder ſich ſelbſten fuͤndigen, ſo leicht zu begreiffen. Durch dieſe leichtſinnige und ulerhafte Auffuͤhrung berauben ſie ſich der Gnad und Seegens, den der Heyland bey ſeiner Tafel den wahren Glaͤubigen und reu⸗ enden Suͤndern darbietet; ſind ſie dieſer Gnad beraubt, ſo be⸗ finden ſie ſich in einem ſehr be⸗ truͤbten Zuſtand, ſie fahren fort unter der Tyranney ihrer ſuͤndli⸗ chen Zuneigungen zu leben; da iſt mit ihnen das Letſte aͤrger dann das Erſte; 2. Pet. 2. 20. und kan alle Tag der Tod in dieſem er⸗ ſchroͤklichen Zuſtand ſie uͤberfallen. Denen, die in ſolch verwirrtem Zuſtand ſich befinden, kan man die Wort Pauli zueignen. Wie viel aͤrger Straffe meinet ihr/ wird der verdienen/ der den Sohn GOttes mit Fuͤſſen tritt/ und da⸗ ut 66 Die Pſlichten Blut des Teſtaments unrein achtet/ durch welches er geheiliget iſt/ und den Geiſt der Gnaden ſchmaͤhet? Hebr. 10. 29. Man ſiehet ein Bild deß, ſo auf dieſe Undanck⸗ bare und Ungluͤckſelige wartet, an dem Zuſtand dieſes frechen Menſchen, der da zur Hochzeit⸗ Tafel ſich zu ſetzen, ohne Hoch⸗ zeit-Kleid kommt; Matth. 22. 11⸗13. Mercke da den erſchroͤck⸗ lichen und unwiederruflichen Be⸗ fehl, den der Koͤnig ſeinen Die⸗ nern ertheilet: Bindet ihm Haͤnd und Füß/ und werffet ihn in das Finſterniß hinaus/ da wird ſeyn heulen und Zaͤhn klappen. „Es iſt gar leicht, und gar na⸗ tuͤrlich diß auf den Fahl, davon nun die Rede iſt, zu deuten. Alles verbindet uns dann, ſich ſelbſt ernſtlich zu unterſuchen, ehe man des Heil. Abendmahls ſuuhe eil⸗ cpcp p 1 der Tiſchgenoſſen. 67 theilhaftig zu werden; alles be⸗ veſtiget die Billichkeit und Noth⸗ wendigkeit dieſes Befehls des H. Pauli; daß dann ein jeder ſich ſelb⸗ ſten pruͤffe/ und alſo eſſe von die⸗ ſem Brodt und trincke aus dieſem Kelch. II. Beweißthum der Nothwendig⸗ keit der Erforſchung ſeiner ſelbſten. Die eigentliche Beſchaffenheit der Communion. Je andere Prob der Noth⸗ wendigkeit der Erforſchung ſeiner ſelbſten vor dem Empfang und Genuß des Heil. Abendmahls, iſt nicht weniger grundlich als die Erſte, und hergenommen von der Natur ſelbſten des Heil. Abend⸗ mahls. 4 Das 2 7—-— 68 Die Pflichten Das Heil. Abendmahl iſt in der That, wie man es aus den Wor⸗ ten, welche IEſus Chriſtus bey deſſen Einſatzung geſprochen, deutlich begreiffen kan, ein Ge⸗ daͤchtniß ſeines Tods und ſeines Leydens; das machte den Heil. Paulum in dieſe Wort ausbre⸗ chen: Sooft ihr von dieſem Brodt eſſet/ und aus dieſem Kelch trincket/ ſollt ihr den Tod des HErrn ver⸗ kůndigen/ biß daß er kommt. 1I. Cor. XI. 26. Nun wie wir durch dieſen Todt mit GOtt verſuͤhnt worden, und weil er das einige Mittel iſt, da⸗ durch man konne ſelig werden, ſo hat unſer liebſte Heyland haben 1 wollen, daß derſelbe in der Kir⸗ che verkuͤndiget wurde, biß auf den Tag, an welchem er wieder kommen wird, das Werck unſe⸗ rer Erloͤſung zu vollbringen. Der, welcher der Tiſchgenoſſen. 69 welcher zu des HErrn Tiſch ge⸗ het, erklaͤrt ſich dann, wann er aufrichtig handlet; daß er JE⸗„ ſum Chriſtum als ſeinen Er⸗„ loͤſer anſehe; daß er in ihm die„ Vergebung ſeiner Suͤnden ſu⸗„ che, daß er veſt entſchloſſen,„ nicht mehr wieder darein zu fal⸗„ len; daß er von der Gnad die⸗„ ſes liebreichen Heylands den„ noͤthigen Beyſtand erwarte„„ ihm getreu zu ſeyn, und daß„ er von ſeiner Guͤte, Heil und„ Leben hoffe.„ Dieſer kurtze Entwurff der Be⸗ deutung des H. Abendmahlsiſt ge⸗ nugſam, einen Begriff zu erwecken, daß es vor Augen ſtelle das, was das Allerherrlichſte, das Allerhei⸗ ligſte, das Alleranſehnlichſte, und das Allernutzlichſte in der Religion iſt, und zwar in gewiſſem Ver⸗ ſtand die gantze Religion. Qie 3 iſt Rñã²l ñ ᷣ̈ALäA—— 1 3 70 Die Pflichten iſt in der That gantz in dieſer Wahrheit begriffen, daß JEſus Chriſtus fuͤr uns geſtorben; hier⸗ auf richtete der Heil. Paulus ſei⸗ ne ganse Predigt; er ſagt zu den Corinthieren. Ich hialte mich nicht dafuͤr/ daß ich etwas unter euch wußte/ als JEſum Chriſtum/ und zwar gecreutziget. I. Cor. 2. 2. Weil nun dem alſo iſt; wird man wohl freventlich, und ehe mman ein genaue Erforſchung ſei⸗ nes Hertzens vorgenommen, eine h ſolche Ceremonie oder Einſatzung von ſolcher Wichtigkeit halten? Kan man wohl wiederum den ” Bund mit GoOtt erneueren, ehe man ſich erforſcht, ob man auch wahrhaſtig entſchloſſen, die Be⸗ ding deſſelben zu erfuͤllen? Wird man in einem ſolchen Haupt⸗Ar⸗ ticul nicht thun, was man alle Tag in der Welt thut, wann man der Tiſchgenoſſen. 71 man zum Exempel vor den groſ⸗ ſen dieſer Welt erſcheinen muß, oder, wann es um eine Unter⸗ nehmung zu thun, davon der Fort⸗ gang oder Ruckgang uns von ei⸗ niger Wichtigkeit iſt? In Wahrheit nur die doͤrffen das, was das Heil. Abendmal hei⸗ liges und anſeynliches in ſich hat, wiederſprechen, die da nicht be⸗ greiffen koͤnnen, daß man, ehe man hinzunahet, ſich ſelbſt ſorg⸗ faͤltig pruͤffen muͤſſe III. Beweißthum der Nothwen⸗ digkeit der Unterſuchung ſei⸗ ner ſelbſten. Die Erkanntnuß und das Ge⸗ fuͤhl unſerer Schwachheit und Verderbnuß. Je Erkanntnuß und das Ge⸗ fuͤhl/ ſo wir von unſerer Schwach⸗ 72 Die Pflichten Schwachheit und Verderbnuß haben ſollen/ gibt uns ein drittes Be⸗ weißthum der Nothwendigkeit die⸗ ſer Pflicht an die Hand, und die⸗ ſe Prob dgt aus der vorgehen⸗ den natuͤrlich genug. Wann wir nur ein wenig an uns ſelber gedencken, ſo wird uns alſobald unſere Schwachheit, un⸗ ſere Nichtigkeit und Gebrechlich⸗ keit offenbar werden, aber vor allem, unſer Elend und Verderb⸗ nuß, und die Leichtigkeit, mit welcher die Suͤnd uns anfallet, und ſo gar uns zuſetzet, wann wir nur ein wenig in der Pflicht der Wachtbarkeit nachlaͤßig ſind; und wie viel ſind insbeſondere, die ein Prob davon haben, in dem Zuſtand, in welchem ſie ſich wuͤrcklich befinden? uͤber diß le⸗ bet man in einer gar verderbten Welt, und wo die Berſinungen, ie — der Tiſchgenoſſen. 73 die Gelegenheit zu ſuͤndigen, die boͤſen Exempel, die Verfuͤhrun⸗ gen, einen auf allen Seiten um⸗ geben. Man lebt auf dieſer Er⸗ den, wo die Fleiſches⸗Auſt/ Au⸗ gen⸗ Luſt/ und hoffaͤrtiges Leben ſo oft das Hertz vergifften, und da die Liebe GOttes, und hie⸗ durch alle Frommkeit und alle Re⸗ ligion zernichten. Iſt es dann ſchwer zu begreiffen, daß die, welche in dieſen niederſchlagen⸗ den und gefaͤhrlichen Umſtaͤnden ſich befinden, alle Urſach haben, ſich wohl zu pruͤffen, ein Miß⸗ trauen in ſich ſelbſten zu ſetzen, und nichts zu unterlaſſen, von dem, ſo ſie in Stand ſetzen kan, bey dem Heil. Abendmahl auf ſol⸗ che Weiſe zu erſcheinen, daß ſie GOtt ſeiner Gnad und Barm⸗ hertzigkeit nicht unwuͤrdig achte. F 2 IV. Be⸗ 74 Die Pſlichten IV. Beweißthum der Nothwen⸗ digkeit der Erforſchung ſei⸗ ner ſelbſt. Die Erforſchung aller Tiſchgenoſſen. E=Ch fuͤge noch eine vierdte und 89 letſte Voh der unvermei⸗ dentlichen Nothwendigkeit bey, darinn ein jeder dinbgenoß ſich efindet, ſich ſelbſt zu erforſchen, ehe er zu dem Tiſch des HErrn geht, und wie dieſe Prob von der Erfahrung gezogen, ſo dunckt ſie mich uͤberzeugend; Ich bitte die, ſo diß leſen werden, daß ſie in ſich ſelbſten gehen, und der Wahr⸗ eit die Ehre geben. Die meiſten aben ſchon oft communicirt, aber iſt es nicht wahr, da GOtt ihnen die Gnad wiederfahren laſſen, die⸗ ſe Pflicht mit Andacht zu beobach⸗ ten, der Tiſchgenoſſen. 75 ten, daß ſie Sorg getragen, zu⸗ vor ſich ſelbſt zu erforſchen, und zu unterſuchen, und ihren Wegen nachzuſpuhren? hatte ſie dieſe Un⸗ terſuchung mit dem Himmliſchen Seegen begleitet, erfuͤllt mit Deh⸗ muth, mit Reu, mit Glauben, Liebe und Erkanntlichkeit, und haben hernach auf dieſe uberei⸗ tung einen veſten Schluß gefaßt, entweder ſich zu bekehren und zu beſſern, oder ſich je mehr und mehr in der Frommkeit und An⸗ dacht zu beveſtigen? Im Gegen⸗ theil, wann das Gewiſſen, und das auf die Heil. Communion er⸗ folgte Leben zugleich gezeigt ha⸗ ben, daß man ſich da ohne Ey⸗ fer und ohne Aufrichtigkeit, oder ſchlechter dingen mit einer An⸗ dacht, die man einer Wolcken und einem Thau/ der fruͤh Morgens ſich ausbreitet/ vergleichen kan/ J 3 ein⸗ 76 Die Pflichten eingeſtellt? iſt es nicht wahr, daß man die Ausuͤbung der Pflicht, davon wir die Nothwendigkeit be⸗ veſtigen, verſaumt hat, oder, wann man ſie in Acht genommen, daß es kaltſinnig, hinlaͤßig und zerſtreut genug geſchehen? mit einem Wort aufſolche Weiſe, daß das Hertz wenig Theil daran hatte? ” Zeigt alſo die Erfahrung aller Tiſchgenoſſen, weil alle unter die⸗ ſen zwey Claſſen begriffen ſind, daß es noͤthig, und zwar unver⸗ meidenlich nöthig, ſich ſelbſt zu Weerforſchen, ehe man das Heil. Abendmahl empfangt. Ubrigens zeigen die vier Pro⸗ ben, die man allererſt angezeigt noch mehr, daß man dieſer Palcht mit aller Sorgfalt/ mit aller Zu⸗ eignung/ und mit aller Samm⸗ lung aus der erſtreuung/ deren man 1 der Tiſchgenoſſen. 77 man faͤhig ſeyn kan, obliegen muͤſſe.. Wird man weniger thun fuͤr das, ſo da iſt das einige Nothwen⸗ dige/ Luc. 10. 42. als man taͤg⸗ lich thut fuͤr das, ſo das Leben, Geſundheit, Gluͤck und Anſehen bey den Menſchen angehet? Ohneracht aber alles deſſen, ſo uͤber die Natur und Nothwendig⸗ keit der Erforſchung ſeiner ſelbſten, vor Empfangung des Heil. Abend⸗ mahls, geſagt worden, ſo hat es doch Leuth, die da ſich einbil⸗ den, eines theils/ daß man nicht zu allem dem insbeſondere beruf⸗ fen ſey; und anders Theils/ daß eine ſolche Pruͤffung ſeiner ſelb⸗ ſten von vielen nicht ins Werck geſetzt werden koͤnne, denen es an Zeit und Gaaben manglet, und dieſes iſt es, was noch uͤbrig, uͤber dieſe Materie zu unterſuchen. 5 4 Das 78 Die Pſlichten Das dritte Capitel. In welchem einige Einwuͤrff, ſo man wieder die Erforſchung ſeiner ſelbſten machet, beantwor⸗ tet werden. De⸗ welche ſich einbilden, daß man nicht gehalten ſey, ſich vor der Heil. Communion zu pruͤffen, auf die Weiſe, wie ſolches geſagt worden, glauben doch nicht, daß man nichts thun muͤſſe, ſich in Stand zu ſtellen, G bey dem Heil. Abendmahl ſi einzufinden, aber ſie bilden ſi eein, daß es genug ſey, etwas gutes zu leſen/ und den Predigten beyzuwohnen/ die vor der Oeil. Communion gehalten werden. Was die Leſung des Guten be⸗ trifft, ſo iſt ſol de aus gewiſſen Vorbereitungs⸗Buͤcheren, deren der Tiſchgenoſſen. 79 man gewohnt, gezogen, und man fuͤgt manchmal derſelben die Leſung einiger Capitlen der Heil. Schrifft bey; das iſt ungefehr die gantze Vorbereitung einer groſſen Anzahl Leuthen. Es ſey fern von uns, daß wir dieſe Le⸗ ſung verwerffen. Die Ubung davon iſt ſo nutzlich und Chriſt⸗ lich, daß die, ſo ſie unterlaſſen, ſehr Straff⸗ wuͤrdig ſind. Un⸗ terdeſſen iſt die Leſung,(wann man auch voraus ſetzt, das doch nicht allezeit geſchicht, daß ſie wohl auserleſen; daß man der⸗ ſelben mit Andacht obliege, und daß man das wohl begreiffe, was man lieſet), gewiß nicht genug⸗ ſam. Dann, wie waͤr es moͤg⸗ lich, daß jeder in dieſen Buͤche⸗ ren finden koͤnnte, das, was ſich auf ſeinen ſonderbaren Zuſtand ſchicket, in welchem er ſich befin⸗ F ſ det, 80 Die Pſlichten det, einen Zuſtand, der unendt⸗ lich mancherley, und der in un⸗ terſchiedener Abſicht nicht kan er⸗ kannt werden, als von dem, wel⸗ cher zu der Heil. Tafel hinzuna⸗ hen ſoll 1 Was die Predigten betrifft, die vor der Heil. Communion gehalten werden, wann ſie auch allezeit tuͤchtig waͤren, diejenige Wuͤrckung herfuͤrzubringen, wo⸗ zu ſie beſtimmt, ſo ſind doch zwey Sachen gewiß. Die Einte/ daß man von den Predigten, auch von den Beſten, ſagen muß, das, ſo eben von dem Leſen geſagt wor⸗ den, daß es unmoͤglich, daß dieſe Predigten alles das in ſi ſchlieſſen, ſo ſich fuͤr den ſonder⸗ baren Zuſtand eines jeden ſchickt, und auf die Noth einer ſo groſſen Maͤnge der Leuthen, die ſich in gant unterſchiedlichen Umſenden efin⸗ der Tiſchgenoſſen. 81 befinden. Die andere Sach, die nicht weniger gewiß, und die werth iſt, wohl betrachtet zu wer⸗ den, daß es zu ſpat ſey, nicht eher an eine Vorbereitung und nterſuchung ſeiner ſelbſt zu ge⸗ dencken, als erſt alsdann, wann man zu des HErrn Tiſch gehen will. Die Sach wohl zunehmen, ſo ſind die Vorbereitungs⸗Predig⸗ ten beſtimmt zu denen Betrach⸗ tungen, welche die Andacht der Gliederen der Kirchen befoͤrderen, erleuchten und ſtaͤrcken; vor gl⸗ lem aus, verſammlet man ſich, GOtt durch gemeinſchafftliches Gebett um Seegen und Bey⸗ ſtand ſeines Heil. Geiſtes anzu⸗ flehen, den wir in ſolchen Umſtaͤn⸗ den ſo hoch noͤthig haben. Andere behaupten, daß man von der Pruͤffung ſeiner ſelbſten frey ſey, weil es eine Pflicht 5 e 8² Die Pſlichten die piele nicht beobachten koͤnnten, es ſey gleich, daß ſie nicht tuͤch— tig dazu ſind, oder daß ſie nicht Zeit darzu haben. Man geſteht insgemein, daß die Ausuͤbung dieſer Pflicht denen leichter ſey, denen GOtt Gaaben verliehen, und die Gnad eine Sache recht einzuſehen, und die zugleich Zeit und Weil haben. Es ware nur zu wuͤnſchen, daß ſo viele Leuth, welche ſich in dieſen gluͤckſeligen Umſtaͤnden cbefinden, allzeit weiſe genug waͤren, ſich dieſelben zu Nutz zu maachen; aber eben die, welche die wenigſten Gaaben, und am wenigſten Zeit haben, koͤnnen doch ſich ſelbs pruͤffen, alſo, wie geſagt worden, und geſund von ihrem Zuſtand urtheilen, vann ſie nur redlich handlen. Was aber die anbetrifft, die 3 der Tiſchgenoſſen. 83 ſolche Redlichkeit nicht haben, und die nur allerhandZuͤrwand ſuchen, die wurd alles nichts nutzen, was man ihnen ſagte. Aber richtiger auf dieſe Aus⸗ nahm zu antworten, muß man dieſelbe auf zweyerley Weiſe be⸗ trachten, wie oben angezeigt worden. I. Was die noͤthigen Gaaben und Faͤhigkeit/ ſich ſelbſten zu er⸗ forſchen, betrifft, ſo iſt nichts in dieſer Erforſchung,(die Sach recht zu nehmen), daß da uͤber den Begriff derjenigen waͤre, die noch einige Vernunfft, und anbey nur einige Empfindung der Religion, und einige Erkanntniß GOttes und ſeines Willens haben. Es iſt hier nicht um eine weit herge⸗ hohlte Unterſuchung zu thun, die da einen durchdringenden Geiſt erfordere. 6 8 „ 84 Die Pflichten Es iſt nicht die Frag uͤber eini- gen Lehr⸗Puncten, oder eine Sitten⸗Lehr, die Schwerigkei⸗ ten unterworffen. Man muß einfaltig wiſſen; „ ob man GOtt liebe, und ihm „ trachte zu gefallen? Es iſt die „ Frag zu erforſchen, was man „ fuͤr ein Leben fuͤhre? ob man „Kan den HErrn gedencke? ob b „ man von gutem Hertzen bette? „ ob man ſeinen Naͤchſten liebe? „ob man ihm einigen Verdruß G„gemacht? ob man nicht in Un⸗ „ einigkeit und Kaltſinnigkeit mit » jemand lebe? ob man Liebe „ uͤbe? ob man keuſch und maͤßig U„lebe? man muß noch ſehen, ob „»einem ſeine Suͤnden reuen? „ob man entſchloſſen, ins kuͤnff⸗ „tig beſſer zu leben; und ſo gut „ man kan, die begangenen Feh⸗ „ ler zu verbeſſeren? endtlich. B„ O der Tiſchgenoſſen. 85 ob man aufrichtig ſeine Zuflucht„ zu der Barmhertzigkeit GOttes„ durch IEſum Chriſtum nehme?„ und ob man von der Liebe dieſes„ guten und liebreichen Erloͤſers„ gantz eingenommen und durch⸗„ gedrungen ſeye?“ Ich frage, ob etwas, in dem allem erſtgemeldtem, uͤber den Begriff auch deren ſeye, welche die wenigſten Gaaben haben? ſiehet man nicht alle Tag in den Verrichtungen dieſes Lebens, auch in denen, die einen Ernſt und Geiſt erforderen, Leuthe, die ſonſt nicht viel Verſtand noch Tuͤch⸗ tigkeit haben, fortkommen? wa⸗ rum ſollte es anderſt ſeyn, da es um die Erforſchung ſeiner ſelbſt zu thun? es muß wohl ein jeder der Erforſchung faͤhig ſeyn, weil ſie ausdrucklich allen denen oblie⸗ get, die zum Tiſch des HErrn ger en 86 Die Pflichten hen wollen. Es haͤlt ſich mit die⸗ er Pflicht, wie mit der Pflicht des Gebetts; es iſt kein Menſch, der nicht zum Gebett tuͤchtig ſey, weil kein Menſch iſt, der nicht ſeine Noth empfinden, und von GOtt die noͤthige Gnad, derſel⸗ ben abzuhelffen, begehren koͤnne; ſonſten wann man aufrichtig alles das thut, was man kan, ſich wohl zu erkennen, ſo thut man dadurch zugleich alles das, was von uns erforderet wird; dann GOtt erkennt vollkommen das unterſchiedliche Maaß der Gaa⸗ ben und Talenten, die er, ei⸗ nem jeden mitzutheilen, gut ge⸗ funden hat.. II. Iſt es nicht weniger leicht zu zeigen, was ein jeder haben kan, wann man ſeltene und auſ⸗ ſerordenliche Umſtaͤnd ausnimmt, daß, ſag ich, ein jeder die noͤhige Zeit 3 1 — „————— der Tiſchgenoſſen. 87 Zeit haben kan, ſich ſelbſt zu er— forſchen, wann er nur aufrichtig will? Dieſe Erforſchung erforde⸗ ret in der That nicht ſo viel Zeit, als man ſich einbildet, und es iſt kein Menſch, der nicht alſobald ſehen koͤnne, wo man Zeit hat in Anſehung unterſchiedlicher Ar⸗ ticklen, die angezeigt worden. Das Gewiſſen antwortet, ſo bald es ernſtlich gefragt wird, und ſei⸗ ne Antworten alle ſind bewaͤhrt. Aber ſonſt, geſetzt, daß man ei⸗ nen Theil dieſer Zeit uͤber ſeine Geſchaͤft und Ruh nehmen muͤß⸗ te, hieſſe das ein ſo groß Opffer lpnns Die allerbeſchaͤfftigſten Leu⸗ the wiſſen wohl allzeit Zeit genug fuͤr ihren zeitlichen Nutzen zu fin⸗ den, und ſich das Leben kommlich zu machen; und ſollte das unmoͤg⸗ lich ſeyn, wann man zu der aller⸗ wichtigſten Sach eruffen iſt? du er — 88 Die Pflichten der Sach, um welcher willen Bott uns fuͤrnehmlich in die Welt geſetzt? Aber es iſt inſonderheit viel da⸗ V ran gelegen, zu betrachten, und man bittet die, ſo dieſes leſen werden, ernſtlich der Sach nach⸗ G zudencken, daß wann wir unſe⸗ rer Pflicht gemaß, alle Tag ei⸗ nige Augenblick anwendeten, uns zu erforſchen, wie wir den Tag zugebracht, ſo wurden wir alſo⸗ bald wiſſen, in was Stand wir ſeyen; an ſtatt, daß, wann man ſich waͤhrender gantzen Zeit, aus dem Geſicht verliehrt, die von einer Communion zu der anderen ſich verlaufft, ſo muß man gelten laſſen, daß alsdann die Erfor⸗ ſchung ſeiner ſelbſt eine viel laͤn⸗ b gere Unterſuchung erfordere. Doͤrffte nun wohl jemand ſa⸗ h gen, daß es erlaubt ſey alſo zu b eben? 4 2 der Tiſchgenoſſen. 89 leben? und kan man diejenigen Communionen, fuͤr helſam anſe⸗ hen auf welche alſobald ein be⸗ ſtaͤndige Vergeßlichkeit ſeiner ſelbſt erfolgt? kan man nicht alle Tag ſterben? iſt daher ein einiger Tag an dem man ſich nicht in Stand ſetzen muͤſſe, vor GOtt zu erſchei⸗ nen, und ihm ſeines Lebens Rech⸗ enſchafft zu geben?. Es iſt noͤthig, daß man uͤber diß den Werth und Fuͤrtrefflich⸗ keit der Seele betrachte; ſie traͤgt das Ebenbild GOttes; ſie iſt durch das Blut Chriſti erloͤßt, und der Himmel, und die glor⸗ wuͤrdige Unſterblichkeit iſt ihro beſtimmt. Iſt dann dieſe Seele nicht werth, daß man in Anſehung deß, ſo ſie angeht, alle Muͤh, Sorgfalt und Zeit anwende, die da noͤthig ſind, ſie bey GOtt in Gnaden zu bringen, und darinn G 2 zu 90 Die Pflichten zu erhalten? das iſt ſo wahr, obſchon man es nicht mehr glaubt, daß ein Lebens⸗Gattung, wel⸗ che uns alle zeit wegnimmt, und die uns faſt keine uͤbrig laͤßt, die Seel und das Heyl zu beſorgen, um eben dieſer Urſach willen, gantz unerlaubt ſeye. Ubrigens, wie es eine Gattung Leuth gibt, die die Zeit nicht in ihrem Gewalt G ahem⸗ nemlich die in Dienſten ind, ſo iſt es der Herrſchafften Pflicht, ihren Haußgenoſſen, und denen, die unter ihnen ſtehen, die noͤthige Zeit, an ihrem Heyl zu arbeiten, und insbeſondere, ſich zu dem Heil. Abendmahl vor⸗ aAubereiten, zu verſtatten, die Herrſchafften aber, die es nicht thun, werden es vor GOtt zu verantworten haben. Der Schluß von allem dem be⸗ zeucht ſich dann auf dieſe Wort: A der Tiſchgenoſſen. 91 daß jeder ſich ſelbſten pruͤffe/ und alſo eſſe von dieſem Brodt und trin⸗ cke aus dieſem Kelch. Und das iſts, ſo uͤber die Pruͤffung, ſo ein je⸗ der wahrer Tiſchgenoß mit ſeinem Hertzen vornehmen ſoll, ehe er zu dem Tiſch des HErrn binzunahei⸗ zu ſagen ar. Ende des erſten Theils. 92 Die Pflichten Anderer Theil. Die Zubereitung uͤberhaubt, darinn man ſich befinden muß, heilſamlich zum Tiſch des HErrn zu gehen. SJeſer andere Theil iſt be⸗ ſtimmt, den Zuſtand uͤber⸗ haupt, in welchem man ſich be⸗ finden muß, heilſamlich zum Tiſch des HErrn zu gehen, an⸗ zudeuten. Man kandenſelben auf die zwey Pnuncten, welche die Summa der gantzen Religion ſind, bringen, naeemlich eine aufrichtige Buß/ und einen lebendigen und würckſammen Glauben. JEſus Chriſtus ſelbſt hat ſeine ſeine gantze Lehr in die⸗ ſen zwey Pflccten begriffen, wann er geſagt: Thut Buß und glaubet an der Tiſchgenoſſen. 93 an das Evangelium. Marc. I. 15. Wir wollen eins und das andere betrachten. Das erſte Capitul. Von der Buß oder Reu uͤber die Suͤnd insgemein. HS iſt unmoͤglich, daß der, welcher ſich ſelbſt aufrichtig erforſcht, ſich nicht vor GOtt auf vielerley Weiſe ſchuldig finde. Dann, wann man nicht aus der Anzahl der groͤſten und verſchrey⸗ teſten Suͤnderen waͤre, ſo hat man immer Urſach, ſich nur zu viel Verweiß zu geben. Nun die Erkanntnis, und vor allem aus, das Gefuͤhl der Suͤnden, die man begangen hat; verleiten einen nothwendig zu der Buß, ohne welche es unmoͤglich Theil zu ha⸗ G 4 ben i 94 Die Pflichten ben an der Wuͤrckung und Kraft des Todes JEſu Chriſti, oder, welches eines iſt, mit GOtt ver⸗ ſoͤhnt zu ſeyn; das iſt das, was die Schrifft durchgehends lehret, und das, was die Vernunfft und das Gewiſſen zugleich bekraͤff⸗ igen. Die Buß/ nach dem Ausdruck b 6 des Worts, beſtehet in einem Schmertzen und Reu/ GOtt belei⸗ diget zu haben/ und durch einen nothwendigen Schluß/ in einem peſten Vorſatz/ nicht allein der Suͤnd G abzuſagen/ ſondern zugleich ſo gut 6 man kan/ den Schaden/ ſo man mit der Suͤnd verurſacht/ zu verbeſſeren. Alles ſoll dieſe Empfindlichkeit in dem, der wahrhafftig Buß thut, herfuͤrbringen, und es iſt ein nothige Folge ſo wohl der Na⸗ tur der Suͤnde, als des, ſo die⸗ ſelbe nach ſich zeucht. Wann man der Tiſchgenoſſen. 95 man alſobald die Suͤnd an ſich ſelbſten anſiehet, ſo iſt ſie das al⸗ lerboͤſeſte und Ungerechteſte, und ſo kommt ſie vor, es ſeye gleich, wann man ſeine Paßionen ſiillet, oder die Suͤnd ohnpaßioniert an⸗ ſiehet, und in ſtillem Geiſt be⸗ trachtet, oder, wann man die Suͤnd in anderen anſiehet. Uber diß, wann man der Suͤnd den freyen Hang laſſet, ſo uͤbertrittet man die billichſten, heiligſten, liebreicheſten und anſehnlichſten Geſaͤtze; Man iſt ungehorſam dem, welcher zu Aeicher Zeit un⸗ ſer Schoͤpffer, unſer vollmaͤchtige Meiſter und Gutthaͤter. Nun ſich dem wiederſetzen, der ohne Unterlaß uns Gutes thut, zu Seel und Leib, und der inſon⸗ derheit ſeine unendliche Barm⸗ hertzigkeit bewieſen, in dem er uns durch das Blut ſeines Sohns G F erloͤßt; I 96 Die Pflichten erloͤßt; iſt das nicht ein ſchandli⸗ che Treuloſigkeit, und eine ab⸗ ſcheuliche Undanckbarkeit? Weiters, wann man die Au⸗ gen auf die erſchroͤcklichen Folgen wirft, ſo die Suͤnd, mit Unbuß⸗ fertigkeit und Verſtockung verge⸗ ſellſchafftet, nach ſich ziehe, ſo wohl in dieſem als jenem Leben; ſo wird man erfahren, daß allein die Liebe ſeiner ſelbſten, einen zu einem Reuen bringen ſoll, daß man der Suͤnd den Zaum hat ſchieſſen laſſen. In der That, was thun die Suͤnder durch ihre Ubertrettung und Ungehorſam? Sie ſcheiden von nun an uns und GOtt von einander. Eſ. 59. 2. Sie berauben ſich ſeiner Liebe und Gnad. Sie zwingen ihn, ſeine Ohren vor ihrem Gebett zu ver⸗ ſtopffen. Oft ziehen die Suͤnder ſelbſt uͤber ſich unterſthiedlihe uch⸗ —„— C,— 1 ——„——————— 1 1 1 1 der Tiſchgenoſſen. 97 Zuͤchtigungen in dieſer Zeit; dann, wann man es recht uͤberlegen will, ſo wird man ſehen, daß es vaſt allezeit unſere Suͤnden ſind, dle uns in dieſer Welt ungluͤcklich ma⸗ chen, und uns in Gefahr man⸗ cherley Ungluͤcks ſetzen; zum Exempel: der Armuth, Kranck⸗ heiten„Schand und unterſchied⸗ ich anderen desgleichen Ubels. Und wie wird es einem ſolchen in dem kuͤnfftigen Leben gehen, den der Tod in der Unbußfertigkeit uͤberfallen? Es iſt hinfuͤhro kein Opffer mehr fuͤr ſeine Sunden. Hebr. 10. 26. ſondern ſein Theil wird ſeyn in dem ewigen Feuer/ das dem Teuffel und ſeinen Englen bereitet iſt. Matth. 24. 41. So hat dann die Schrifft wohl Urſach zu ſagen, daß der Gottloſen Arbeit fehlen wer⸗ de; Prov. 11. 18. daß ſie huuhe 1 . s 66 Die Pflichten ſich ſelbſten/ und zu ewiger Schand ihres Angeſichts ſuͤndigen. Jer. 7. 10. Aber noch beſſer zu begreiffen, welches die Natur und Wuͤrckung der Buß ſeyen, ſo muß man drey ſonderbahre Kennzeichen davon betrachten. Dieſe Kennzeichen erſtlich/ der Reu und Schmertz/ daß man geſuͤndiget. Zweytens der veſte Entſchluß/ es nicht mehr zu thun, und drittens endtlich die Erſetzung des Schadens/ ſo man verurſacht, wenigſtens, ſo viel als dieſe Erſetzung moͤglich iſt. Das andere Capitul. Von den drey Kennzeichen der wahren Buß. Br wahre Buß ſchleußt alſo⸗ bald in ſich den Reuen und Schmertzen uͤber der Suͤnd, und a „⏑ά“äö»ef* der Tiſchgenoſſen. 99 das laßt ſich durch erſtgemeldtes begreiffen; aber wie dieſer Arti⸗ cul etwas gar Weſentliches iſt, ſo muß man die Natur dieſes Schmertzens etwas naͤher einſehẽ. 1. Dieſer Schmertz ſoll aufrich⸗ tig ſeyn, und die Betruͤbnuß iſt aufrichtig, wann ſie ihren Sitz in der Seel und in dem Hertzen hat; wie eigentlich in der Seel und in dem Hertzen die Suͤnd begangen worden iſt, ſo muß da auch der Reu ſich befinden, daß man in die Suͤnd gefallen. Und dieſe Aufrichtigkeit macht den Unter⸗ ſcheid zwiſchen der wahren Buß und der Traurigkeit nach der Welt/ von welcher der Heil. Paulus ſagt, daß ſie den Tod wuͤrcke; 2. Cor. 7. 10. Weil dieſelbe nur eitlich Ungluͤck zum Grund hat, ehme man ſich durch die Suͤnd bloß ſtellet; hiemit, recht von er 3 100 Die Pflichten der Sach zu reden, ſo entſpringt dieſe Buß nur aus der Eigenlie⸗ be, und GOtt kommt da gar in keine Betrachtung. Hernach un⸗ terſcheidet ſich auch durch dieſe Aufrichtigkeit die wahre Buß von der nur aͤuſſerlichen Schein⸗Buß, ddie den Menſchen in aller ſeiner Boßheit und Verderbnuß ſtecken 1 laſſet. So fern iſt es, daß eine ſolche Buß GOtt verſoͤhnen kan, daß ſie vielmehr GOtt erzoͤrnet, weeil alles das, was ſie aͤuſſerlich herfür bringt, nur ein Verſtel⸗ ung und Heucheley iſt. Die Schrifft beſtaͤtiget diß aller Orten; vor allem aus, macht es David gar faßlich und klar in dieſen Wor⸗ ten ſeines Buß⸗Pſalmens; Die 1 Opffer/ die GOtt gefallen/ ſind ein geaͤngſtigter Geiſt/ ein geaͤng⸗ ſtigtes und zerſchlagen Hertz wirſtu/ 0! GOtt/ nicht verachten/ Pſ. F1. v. 19 Il. Die b der Tiſchgenoſſen. 101 1I. Die wahre Betruͤbnuß iſt ein lebendige und bittere Betruͤb⸗ nuß, will ſagen, daß ſie einem ſeine Suͤnden, und alles das, was der Zuſtand und das Ungluͤck dehme ſie uns unterwirfft, trau⸗ riges und beſchwerliches in ſich haͤlt, ſtarck empfinden mache, da⸗ her kommen die Verwiß, die man ich uͤber ſeinen Suͤnden gibt; ein gerechter Zorn wieder ſich ſelber; eine Dehmuth, welche vor GOtt und ſeinem eigenen Gewiſſen ver⸗ nichtiget; ein heilſame Unruh uͤber dem, ſo man thun ſoll, mit dem HErrn wieder in Gnaden zu kommen, und endtlich ein ſteif⸗ fer Entſchluß, alle bequeme Mit⸗ tel dazu anzuwenden. Will man Exempel haben, die vor Augen legen, wie man denckt und wie man redt, wann die Zer⸗ knirſchung lebendig und bitter i 0 5—— I 102 Die Pflichten ſo muß man nur den F1. Pſalmen und das Gebett Manaſſe, des Koͤnigs in Inda, ſo ſich in den Apocryphiſchen Buͤcheren findet; leſen; Dieſe Bewegungen ſind da mit Krafft, und auf eine ſehr bequeme Weiß, ausgedruckt, ſel⸗ bige auch bey anderen zu erwe⸗ cken. Aber es iſt vielleicht noch ein kraͤfftiger Mittel, einen Be⸗ griff zu erwecken, was eine leben⸗ dige und bittere Betruͤbnuß ſeye. Man darf nur auf das, ſo man erfahrt, Achtung geben, wann man durch ſein eigen Schuld, in ein zeitlich Ungluͤck kommet; man ſollte von denen Suͤnden, die man begangen, ſich dergeſtalten bewegen und ruͤhren laſſen, wie man geruͤhrt und bekuͤmmeret iſt, wann man ſein Gut verliehrt, wann einem ein Veſchimpffung wiederfahrt, wann man ein he⸗ el⸗ —·ͤ— —.,— 1 der Tiſchgenoſſen. 103 leidigung oder Unrecht leidet; mit einem Wort, es ſollten die Kranck⸗ heiten der Seele den namlichen Eindruck machen, den aewuhn lich die Kranckheiten des Leibs ver⸗ urſachen. II. Das andere Kennzeichen der wahren Buß; iſt der Fuͤrſatz/ ſich zu bekehren/ und nicht mehr zu ſuͤndigen. Sich bekehren, heißt, ſein Leben und Auffuͤhrung aͤndern, ſich nicht mehr denen Laſtern er⸗ geben, denen man ſich zuvor er⸗ gab, und durch eine nothwendi⸗ ge Folge, die Tugenden ausuͤben, die dieſen Laſtern entgegen ſte⸗ hen. Dieſe Veraͤnderung gehet in allen denen vor, deren Schmertz und Bekehrung aufrichtig. Alſo, der zuvor zornmuͤthig und gaͤh war, wird ſich zuruck halten, und ſanfftmuͤthig ſeyn; der, welcher ein Heuchler und Betrieger war, 5 de⸗ „— 104 Die Pflichten befleißt ſich der Aufrichtigkeit und Redlichkeit, der da zuvor ein Sclav ſeiner Sinnen war, lebt maͤßig und keuſch, und ſo haͤlt ſichs mit andern Suͤnden, denen man zuvor unterworffen war; mit einem Wort, die wahre Buß be⸗ ſtehet darinn, daß man aus einem Suͤnden⸗Sclav/ ein Leib⸗ und Seel; eigener Knecht der Gerechtig⸗ keit wird; dann ſich einbilden, wie einige thun, einen Zuſtand, da der Menſch weder gut noch boͤß, heißt, auf eine ſehr grobe und zu⸗ gleich gefaͤhrliche Weiſe, ſich miß⸗ rauchen. Elihu empfande, was fuͤr ein weſentliches Stuck der wahren Buß es ſey, der Suͤnd abſagen, da er ſich auf dieſe Wei⸗ ſe ausdrucket. Ich muß fuͤr GOtt reden/ und kans nicht laſſen. Hab ichs nicht troffen/ ſo lehre du michs beſſer/ habe ich Unrecht Fehandſet⸗ ich der Tiſchgenoſſen. 105 ich wills nicht mehr thun. Job. 34. 31, 32. Doch iſt wohl zu beobachten, daß in dem Anfang der Bekeh⸗ rung, die boͤſen Zuneigungen nicht einsmahls aufhoͤren koͤnnen, vor allem aus, wann die Gewohn⸗ heits⸗Suͤnden auszuwurßblen ſind. In Anſehung dieſer letſteren ſind die Ruckfaͤhl am meiſten zu foͤrch⸗ ten, aber dieſe Ruckfaͤhl muͤſſen darum, wie in dem folgenden es noch eigentlicher ausgefuͤhrt wer⸗ den wird, den Muth eben nicht nehmen, weil dieſelben nicht all⸗ zeit ein Anzeigung ſind, daß der, welcher wieder in eine Suͤnd ge⸗ fallen, unbußfertig ſeye; zum Exempel, ein Menſch, der dem Zorn/ dem Schwoͤren/ oder an⸗ dern dergleichen Suͤnden unter⸗ worffen war, kan wieder einiger maſſen zuruck fallen, obgleich in H 2 dem — 106 Die Pflichten dem Grund ſeine Buß und Reu aufrichtig, und er ernſtlich zu beſ⸗ ſern ſich bemuͤht. Das kan in den Kranckheiten der Seel geſchehen, eben, wie es ſich zutragt, da es um leibli⸗ che Kranckheiten zu thun, oder obſchon ein Krancker wieder her⸗ geſtelli ſo erfahrt er doch von Zeit zu Zeit, daß ſich ſeine Kranck⸗ heit wieder anmeldet, alſo muß t man niemahls eine noch ſchwache/ fuͤr eine falſche und Heuchel⸗ Buß naehmen. UÜUbrigens ſind zwey Mittel, ſich zu verſichern, ob die Buß aufrichtig, ohneracht dieſer Ruckfaͤhlen. Eines/ wann die boͤſen Zuneigungen, welche Ge⸗ legenheit darzu gegeben, alle Tag ſchwaͤcher werden, und ſich G nicht mehr ſo offt in der That aͤuſ⸗ ſern. Und das andere Mittel, woann dieſe Ruckfaͤhl einen wacht⸗ Ch⸗ der Tiſchgenoſſeſt. 107 bahrer, dehmuͤthiger, und im Gebett eyferiger machen. III. Dasdritte und letſte Kenn⸗ zeichen der wahren Buß zeigt ſich in der Verbeſſerung all des Schadens, ſo man gethan, da dieſe Erſtattung moͤglich. Ich ſa⸗ ge, wann dieſe Erſtattung moͤg⸗ lich. Dann es gibt gewiſſe Suͤn⸗ den, die ſich nicht mehr verbeſ⸗ ſeren laſſen, ſo lebhafft der Schmertz uͤber die begangene Suͤn⸗ den auch immer ſey. Solche ſind zum Exempel, der Todſchlag, Ehebruch, GOttslaͤſterung, und andere dergleichen Laſter. Alles was die Suͤnder in dieſem trau⸗ rigen Fahl thun koͤnnen, iſt, daß man dieſe Suͤnden bekenne, ver⸗ abſcheuͤhe, ſeine Zuflucht zu der Gnad GOttes nehme, mit einem veſten Vorſatz ſich zu hekehren; Aber es gibt andere Suͤnden, die H 3 man s Die Pllichten man wieder verbeſſeren kan; zum Exempel, ein Verleumder kan der Wahrheit die Ehre geben; ein Menſch/ welcher in Verbitterung lebt/ kan ſich verſoͤhnen; ein Dieb und Ungerechter kan wieder erſtat⸗ ten; ein Geitziger kan ein gleiches thun zu Gunſt der Armen; indem er das Allmoſen, ſo er nach ſei⸗ ner harten Natur zuruck gehalten, lihnen zukommen laͤſſet; in allen ddieſen Zufaͤhlen und anderen der⸗ gleichen, iſt die Wiedererſtattung ddes Schadens ſchlechter Dingen nothwendig, weil ohne diß die wahre Buß nicht ſeyn kan. Es iſt gar wahr, daß ohngeacht die⸗ ſer Erſtattung, man nicht aufhoͤ⸗ ret, allzeit Schuld zu haben, daß man ſich dieſen Suͤnden ergeben hat, aber inzwiſchen legt man dadurch eine gantz uͤberzeugende Prob ab, von einer auftichtigen er⸗ der Tiſchgenoſſen. 109 Zerknirſchung; uͤber alles aus, hebet man gar offt die Aergernuß ſo man durch die Suͤnd gegeben hat, auf. Und ſoll das nicht ei⸗ ne groſſe Freud und angenehmes Vergnuͤgen ſeyn; fuͤr den, der wahrhafftig bußfertig, daß er durch dieſe Erſtattung ſeinen Suͤnden⸗ Schmertzen an Tag legen kan, und wie einbruͤnſtig er wuͤnſchte, auf andere Weis gelebt zu haben? Diß iſt eine Wahrheit, die ein jeder empfinden kan: Aber den Schaden nicht erſetzen wollen, ſo man verurſachet, wann man es thun kan, heißt, nicht nur zeigen, daß man unbußfertig ſeye, ſon⸗ dern, das noch mehr iſt, daß man entſchloſſen, in der Unbuß⸗ fertigkeit zu verharren; es iſt auch eine Prob, wann man die Be⸗ trachtung des Laſters, und das Verbott, ſo auf dem Gewiſſen 9 4 lie⸗ f— 1 4 110 Die Pflichten lieget, einem keine Forcht einja⸗ gen; mit einem Wort, ſeine Suͤnden nicht verbeſſern wollen, wann man kan, heißt zeigen, 6 daß man in einem Zuſtand ſey, 5 der nothwendig von der Gnad und Barmherzigkeit GOttes aus⸗ ſchleußt, ſo lang, als man da⸗ rinn verharret, die Sach iſt ſo klar, daß, wann man es nicht gelten laſſet, man entweder nicht aaufrichtig, oder unbegreiflich blind ſey. Die, ſo ſolches leſen wer⸗ dden, moͤgen es auf ihren Zuſtand unnd ihre Nothdurft deuten. Es ſiſt nichts mehr uͤbrig, als zu aeigen, daß das Abendmahl gar leeigentlich dieſe Buß erfordere, dderen Natur und Kennzeichen wir allererſt beſchrieben haben. 2X(0) 88 Das der Tiſchgenoſſen. 111 —˖:—ÿ—ỹ—ꝛ—õ;OõꝗU—— Das dritte Lapitel. Da gezeiget wird, daß, ſo das Heil. Abendmahl insbeſon⸗ dere die Buß erforderet, es auch gar tuͤchtig ſey, ſelbige zu erwecken. ees das, ſo einen Eckel ab der Suͤnd erwecken kan, und einen veſten Fuͤrſatz derſelben fuͤr ein und alle mahl abzuſagen, leitet uns gar kraͤfftig zu einer auf⸗ richtigen Buß; Nun der Tod un⸗ ſers Heylands, deſſen wir ein heilig und gluͤckſelig Gedaͤchtniß bey dem Heil. Abendmahl bege⸗ hen, iſt gar tuͤchtig, uns mit Buß⸗ Gedancken zu erfuͤllen. Wir ſe⸗ hen in der That, an dieſem Tod, den Haß, ſo GOtt wieder die Suͤnd tragt, und wie dieſelbe nothwendig der Verdammnuß un⸗ H 5 der⸗ 112² Die Pflichten derwuͤrffig macht; die, welche Sclaven derſelben ſeyn wollen. Der Todt iſt das ausgeſprochene Urtheil durch den vollmaͤchtigen Richter wieder die Ubertrettung und Ungehorſam; und um deß⸗ willen hat der, welcher unſere VDVerſoͤhnung uͤber ſich genommen, 1 dieſe Straff tragen muͤſſen, ſo dem Heil. Petro dieſe Wort aus⸗ preſſete: Daß Chriſtus unſere Suznden an ſeinem Leib auf dem Holtʒz getragen. 1. Pet. 2. 25. Aber dieſer Todt ladet uns ec unnd zwar gar ſtarck, zu der Buß eein, weil dieſe das einige Mittel, die daher flieſſenden heilſamen Fruͤchten davon zu tragen. JEſus CLCkriſtus hat durch ſeinen Tod unrs heiligen wollen, weil ohne ddie Heiligung es ohnmoͤglich, Frie⸗ dden mit Gött zu haben; Die Schrifft ſagt es uns ſo offt 1 ſo B ar, . der Tiſchgenoſſen. 113 klar, ſo ausdrucklich, daß ich zweifle, daß es moͤglich ſey, es nicht in Acht zu nehmen. Der Heil. Petrus iſt vor allem aus gar deutlich uͤber dieſen Articul, GOtt ſpricht, er hat ſeinen Sohn ge⸗ ſandt/ euch zu ſeegnen/ daß ein jeg⸗ licher ſich bekehre von ſeiner Boßheit. Act. 3. 26. Chriſtus hat unſere Suͤnd ſelbſt geopfferet an ſeinem Leib auf dem Holtz/ auf daß wir der Suͤnd abgeſtorben/ der Gerech⸗ tigkeit leben. 1. Pet. 2. 25. Diß Bolck, ſo Chriſtus erkaufft, iſt ein eyferig Volck zu guten Wercken. Dieſe Kirchen, die er mit ſeinem Blut erloͤßt, iſt eine herrliche Ge⸗ mein, und ihre Herrlichkeit beſteht darinn, daß ſie heilig und unſtraͤf⸗ lich ſey. Eph. F. 27. Glauben, daß JEſus Chriſtus diejenigen mit GOtt verſoͤhne, wel⸗ che unter der Sclaverey und Ty⸗ ranney 114 Die Pllichten ranney der Suͤnd leben wollen; und das noch mehr, hiebey Ge⸗ legenheit nehmen, in den Ban⸗ den der Verderbnuß ruhig zu ver⸗ bleiben; iſt wohl ein verkehrter Begriff. Es heißt, Gottslaſter⸗ liche Gedancken unterhalten, es heißt, IEſum Chriſtum, zum Suͤn⸗ den⸗Diener machen, und ſein Gewiſſen in eine Sicherheit mit Gewalt ſetzen, die in den Ab⸗ grund des Verderbens ſtuͤrtzt; Es machten auch dieſe Gedan⸗ cken dem Heil. Paulo ein Grau⸗ en; Sollen wir/ ſagt er, in der Suͤnde verharren/ auf daß die Gna⸗ de deſto maͤchtiger werde? Wie nun: Sollen wir ſuͤndigen/ dieweil wir nicht unter dem Geſaͤtz/ ſondern unter der Gnade ſind: das ſey fer⸗ ne. Rom. 6. 1, 15. Ich weiſe da meine Leſer zu ernſtlicher Leſung des 6. Cap. der Epiſtel an die Roͤ⸗ mer; der Tiſchgenoſſen. 115 mer; Ich bitte ſie inſonderheit dieſe ſtarcke und ernſtliche Erin⸗ nerung wohl zu erwiegen, wel⸗ che auf das Allerdeutlichſte die Pflicht und Beruff deren zeiget, welche Fruͤchten von dem Tod JEſu Chriſti einſammlen wollen. So laſſet nun die Suͤnde nicht herr⸗ ſchen in euerem ſterblichen Leibe/ ihr Gehorſam zu leiſten in ihren Luͤ⸗ ſten. Auch begebet nicht der Suͤn⸗ de euere Glieder zu Waffen der Un⸗ gerechtigkeit/ ſondern begebet euch ſelbſt GOtt/ als die da aus den Todten lebendig ſind/ und euere Glieder/ GOtt zu Waffen der Ge⸗ rechtigkeit: Dann die Suͤnd wird nicht herrſchen koͤnnen uͤber euch/ ſintemal ihr nicht unter dem Geſaͤtz ſeyt/ ſondern unter der Gnade. v. 12⸗14. Endtlich ladet der Gebrauch des Heil. Abendmahls ein zur Buß, d— 116 Die Pflichten Buß, und noͤthiget darzu die Be⸗ trachtung, hergenommen von der Gnade, und von dem Beyſtand, den ſie leiſtet denjenigen, denen 'es ernſt iſt, ſich zu bekehren. Da da erzeigt GOtt auf das allerklaͤr⸗ ſte ſeine Barmhertzigkeit undonad. Da, daerklaͤrt er ſich auf das aus⸗ b drucklichſte, daß er die Liebe ſeye; 6 1. Joh. 4. 8. Daß er keinen Gefal⸗ len habe an dem Tod des Gottlo⸗ ſen/ ſondern daß ſich der Gottloſe bekehre von ſeinem Weſen und le⸗ 4 be: Ez. 33. 11. Das iſts mit ei⸗ nem Wort, daß er da nicht nur V Gnad und erehung ſondern noch alle Huͤlff anerbietet, daß wir uns von den Suͤnden⸗Ban⸗ ” den los reiſſen, uns von aller Be⸗ V fleckung des Fleiſches und des Gei⸗ ſtes reinigen/ und in der Heiligung mn ſeiner Forcht fortfahren koͤnnen. 2. LKor. 7. 1. Dieſe 3 der Tiſchgenoſſen. 17 Dieſe Sachen ſind ſo klar; und fallen ſo deutlich in die Augen; ſo wohl durch das Wort GOt⸗ tes, als auch durch das Zeugnuß der Vernunfft und des Gewiſſens, alſo daß es nicht noͤthig, ſich laͤn⸗ ger mit Beveſtigung derſelben auf⸗ zuhalten. Das vierdte Capitul. Von dem Glauben; betrach⸗ tet als die Uberzeugung, und das Vertrauen in ſich ſchlieſſend. Je Buß, wie ſie bißher fuͤr⸗ geſtellt worden, iſt von dem Glauben unzertrennlich; ja der Glaube ſelbſt iſt der Grund da— von; auch iſt geſagt worden, daß dieſe Tugend die andere all⸗ gemeine weſentliche Vel haſfen⸗ eit 1 118 Die Pſlichten heit eines jeden wahrhafften Tiſch⸗ genoſſen ſeye. Der Glaube iſt nichts anders, als eine klare/ veſte und kraͤfftige Uberweiſung alles des/ ſo GOtt uns in ſeinem heil. Wort geoffen⸗ bahret/ und insbeſondere deſſen/ ſo IEſum Chriſtum/ und unſere Er⸗ loͤſung durch ſein Blut angeht. Die⸗ ſem zufolg beſtehet der, einem wahren Tiſchgenoſſen weſentliche Glaube, in dieſen zwey Stucken, da je eines aus dem anderen kommt. 1'. In einer veſten und klaren Uberzeugung. 2'. In einem ſanfften und ge⸗ gruͤndeten Vertrauen, ſo auch dieſe herrliche Hoffnung in ſich ſchleußt, welche iſt das Kleinod/ welches uns fuͤrhalt die Himmliſche Beruffung GOttes in Chriſto JE⸗ ſu.* 3. 14. Pb I. Die der Tiſchgenoſſen. 119 I Die Uberzeugung/ davon wir hie reden, beſtehet in einem veſten Glauben/ daß das Blut Chriſti/ und ſein Tod uns mit GOtt verſůh⸗ ne/ unter dem Beding des Glaubens/ aber eines Glaubens/ der thaͤtig iſt in guten Wercken. Wann eine Wahrheit klar und offt in dem Neuen Teſtament ge⸗ lehret und getrieben wird, iſt es ohne Zweiffel eben dieſe. Nun erfordert das Heil. Abendmahl auf eine gantz beſondere Weiſe dieſe Uberzeugung; weil diß Sa⸗ crament ein Gedaͤchtnuß und Ab⸗ bildung iſt dieſes Todes. Das iſt ſo wahr, und die Uberzeugung in Anſehung deſſen iſt ſo noͤthig, daß die, welche den Tod JEſu Chriſti nicht anſehen, als ein Ver⸗ ſoͤhn⸗Opffer, und die nicht glau⸗ ben, daß wir die Erloͤſung von Suͤnden in ſeinem Blut haben; J Eph. 2 4 1 120 Die Pſlichten Eph. 1. 7. auſſer Stand ſind, das Sacrament zu begehen, in der Abſicht deſſen, der es eingeſetzt: und dieſe Abſicht zeigt ſich deut⸗ lich genug in dieſen Worten. Das iſt mein Leib/ der fuͤr euch gegeben wird/ das thut zu meiner Gedaͤcht⸗ nuß. Das iſt der Kelch/ das Neue Teſtament in meinem Blut, das fuͤr euch vergoſſen wird. Luc. 22. v. I9, 20. So muß man ſich dann wohl erinneren, daß, wann man zu dem Tiſch des HErrn gehet, man ſich erklaͤre, und feyrlich bekenne, daß man von allen ſeinen Suͤn⸗ den durch den Tod Chriſti erkauft, und ohne dieſen Tod noch unter der Verdammniß waͤre. Das iſt ein Artikul, der darinn weſent⸗ lich beſtehet, daß der, welcher zu des HErrn Tiſch gehet, wohl uͤberzeugt ſeyn muͤſſe; und nur ein ————— u2n 2——³——— 5—— —— ,———e —2 2₰C—y der Tiſchgenoſſen. 121 eine ſolche Uberzeugung kan das Hertz reinigen, und da die brun⸗ ſtige Liebe zu JEſu Chriſto herfuͤr⸗ bringen. So kan man auch ſein Gewiſſen ſtillen, und allen Zwei⸗ fel und Forcht daraus vertreiben. II. Der Glaube, wie er erſt be⸗ ſchrieben worden, ſchleußt auch nothwendig das Vertrauen auf die Barmhertzigkeit GOttes in ſich. Solch Vertrauen macht, daß ein jeder Tiſchgenoß ſich als einen ſon⸗ derbahren Vorwurff der Gnade GOttes anſiehet. Das Vertrau⸗ en macht, daß der Tiſchgenoß den Tod des Heylands anſiehet, als darzu beſtimmt, daß er ihm dieſe Gnade, und allen darinn begrif⸗ fenen Seegen erlange, und ſiehe, in dieſen Gedancken ſagt der Tiſch⸗ genoß zu ſich ſelbſten. Ich bin das verirrte Schaaf/ ich bin der ar⸗ me und elende Suͤnder/ den JEEſus J2 Chri⸗ 2, 122 Die Pflichten Chriſtus kommen iſt zu ſuchen. Er hat ſich meiner erbarmet/ und mich alſo geliebt/ daß er ſein Blut fuͤr mei⸗ ne Erloͤſung dahingegeben. Ich ver⸗ laſſe mich dann auf ihn/ und im ve⸗ ſten Vertrauen auf ſeine Verheiſſun⸗ gen/ will ich mich mit demuͤthiger Zuverſicht vor dem Thron der Gna⸗ den darnieder werffen/ und ich hof⸗ fe/ gnaͤdig aufgenommen zu werden. Heb. 4. 16. Wann man den Tod ſeines Heylands in dieſer ſonder⸗ bahren Abſicht betrachtet, ſo greift er noch durchdringender an; Er macht einen lebendigern Eindruck in dem Geiſt, und in dem Hertzen, weil mann alsdann die unendli⸗ che Barmherzigkeit GOttes viel beſſer empfindet in der Gaab, die er uns in ſeinem Heil. Sohn hat zu Theil werden laſſen. Ubrigens hat diß Vertrauen, deſſen fuͤrtreflichen Werth die Fu⸗ pfin⸗ der Tiſchgenoſſen. 123 pfindung allein beveſtiget, das allerſatteſte Fundament. Was iſt in der That bequemers, eine Hochachtung gegen dem Vertrau⸗ en zu erwecken, als die Wort der Einſatzung JEſu Chriſti ſelbſt, in welchen er ſich erklaͤret, daß ſein Leib für uns gebrochen/ und ſein Blut vergoſſen/ zur Vergebung un⸗ ſerer Suͤnden. Sonſt offenbahret er inſonderheit bey dieſer Gelegen⸗ heit, das iſt, wann er uns zu ſei⸗ ner Heil. Tafel einladet, insbe⸗ ſondere ſeine Guͤte und Barmher⸗ tigkeit; Alsdann ſagt er einem wahren Bußfertigen: Ich will den nicht hinaus ſtoſſen/ der zu mir kommt; Joh. 6. 37. Und wie ſollte er ihn verſtoſſen, der, wel⸗ cher ihn mit ſo groſſer Barmher⸗ gigkeit berufft und einladet? Kom⸗ met her zu mir alle/ die ihr muͤhſee⸗ lig und beladen ſeyd/ ich will euch J 3 erqui⸗ 124 Die Pſlichten quicken. Matt. 11. 28. Kan man nicht naturlicher Weiß dieſen recht⸗ maͤßigen und troſtlichen Schluß daher leiten. So laſſet uns hin⸗ zugehen mit wahrhafftigem Hertzen/ in voͤlligem Glauben/ beſprengt in unſeren Hertzen/ und loß von dem boͤſen Gewiſſen/ und gewaſchen am Leib mit reinem Waſſer/ und laſſet uns halten an der Bekanntnuß der Hoffnung/ und nicht wancken; (dann er iſt Treu/ der ſie verheiſſen hat.) Heb. 10. v. 22. 23. Daher alle die, welche bey dem Heil. Abendmahl erſcheinen, mit einem aufrichtigen Glauben, und mit ei⸗ nem wahrhafften Fuͤrſatz ſich zu beſſern, und ſich je mehr und mehr zu heiligen, koͤnnen ſich voͤl⸗ lig auf die Barmhertzigkeit GOt⸗ tes verlaſſen, und den Frieden des Gewiſſens mit Freuden genieſ⸗ ſen; Auch erfahren ſie gar offt dieſen ——— n 1 —„₰——« der Tiſchgenoſſen. 125 dieſen Frieden, und das beweget ſie, den HErrn zu preiſen, und ſich in ihm zu erfreuen. Sihe, was der zu ſeiner Seelen ſagt, der ſich in einem ſolch ſeligen Stand befindet; Sey zufrieden meine Seel/ dann der HErr thut dir Gutes Pſ. 116. 7. Ich bin gewiß/ daß nichts mich ſcheiden wird von der Liebe GOttes/ die er uns in JEſu Chri⸗ ſto unſerm HErrn erzeiget hat. Rom. 8. 38. Es erhellt aus dem, was erſt von dem Vertrauen eines Glaͤu⸗ bigen gemeldet worden, daß es vergeſellſchafftet ſey mit einer ve⸗ ſten Hoffnung, durch welche der Glaͤubige ſich verſicheret, daß ihm GOtt alles das zutheilen werde, was ihm noͤthig iſt, zu der Be⸗ ſitung des Heyls zu gelangen. 1 Alſobald dann hofft der Glaͤu⸗ bige die Fortſetzung und Vermeh⸗ J 5 rung 2 6 126 Die Pſlichten rung des Beyſtandes, der ihm noͤM thig, biß in den Tod getreu zu ſeyn. 6 Apoc. 2. 10. Er iſt verſichert, daß der/ welcher ſein gutes Werck in ihm angefangen/ daſſelbe vollen⸗ den werde nach ſeiner Barmhertzig⸗ 6 keit; Pbit 1. 6. Daß, ohngeacht der Schwachheiten, ohneracht der Menge und Staͤrcke der Ver⸗ ſuchungen, die ihn hienieden um⸗ geben, dieſer grundguͤtige GOtt ihn veſt behalten wird/ daß er un⸗ ſtraͤflich ſey auf den Tag unſers HlErrn IEſu Chriſti. 1. Cor. I. 8. Und man kan dieſe veſte Hoffnung haben, ſo lang, als man GOtt, unnd ſeiner Gnade, getreu iſt. II Der, in dem der wahre Glaub ſich findet, hoffet mit glei⸗ cher Zuverſicht, einen ſeligen Tod. In dem er des Sacraments, des Todes ſeines Heylands, tbeilhaf⸗ tig wird, ergreifft er mit einem veſten der Tiſchgenoſſen. 127 veſten und unbeweglichen Glau⸗ ben die Kelheiſiuncen des Evan⸗ gelii, und iſt gewiß, daß der dem H Errn lebt/ auch dem HErrn ſter⸗ ben wird. Rom. 14.7. Er findet auch in dieſer Heil. Ceremonie, liebliche und ſtarcke Beweg⸗Gruͤn⸗ de, den Tod nicht zu foͤrchten, und denſelben anzuſehen, als ei⸗ nen Theil der Gleichfoͤrmigkeit, ſo er mit JEſu Chriſto haben ſol⸗ le. Die Krafft des Opffers die⸗ ſes groſſen Erloͤſers vertreibet al⸗ les das, was der Tod foͤrchterli⸗ ches an ſich hat, weil der Glaͤu⸗ bige hoffet die gantze Gleichmaͤßig⸗ keit beobachtet zu haben, zu ſter⸗ ben, wie ſein Heyland geſtorben, da er ſeinen Geiſt in die Haͤnde ſei⸗ nes Vatters befahl. Luc. 23. 46. Niemahl wird ein Kind GOttes den Tod foͤrchten mit einer Forcht, die ihren Grund in dem Unglau⸗ J ben, 6 128 Die Pflichten ben, in der Welt⸗Liebe, und in einem boͤſen Gewiſſen hat. So 6 fern, daß er den Tod auf ſolche Weiß foͤrchten ſollte, daß es den⸗ ſelben vielmehr alle Tag erwar⸗ tet, mit ſtillemm Gemuͤthe, und mit Ubergab, bißweilen auch mit Freu⸗ den, und Heil. Entzuckungen, weil er glaubt, daß die Todten ſelig ſind/ die in dem HErrn ſter⸗ ben; dann ſie ruhen von ihrer Ar⸗ beit/ und ihre Werck folgen ihnen nach. Apoc. 14. 13. III. Endtlich erfuͤllet die Genieſ⸗ ſung des Heil. Abendmahls die Glaͤubigen mit einer gar ſuͤſſen und veſten Hoffnung der Unſterb⸗ lichkeit/ und der Herrlichkeit. Sie haben davon die Verſicherung und Pfaͤnder in dem Todt ihres Heylands, mit ſeiner herrlichen Aufferſtehung begleitet. Ein je⸗ der aufrichtiger Tiſchgenoß kan ſich ieſe der Tiſchgenoſſen. 129 dieſe Wort des Evangelii appli⸗ cieren, oder zueignen. Wer mein Fleiſch iſſet/ und mein Blut trincket/ der hat das ewige Leben/ und ich werde ihn aufferwecken am juͤngſten Tag. Joh. 6.54. ſo fuͤr ihn ein Troſt und Frenden⸗Quelle, und zugleich eine gewaltige Aufmunterung, ſich je mehr und mehr einer ſo herrlichen Hoffnung wuͤrdig zu machen iſt. MNan darf nur den Glauben ſo anſehen, wie er vorgeſtellt wor⸗ den iſt, das iſt, als der die Über⸗ weiſung/ das Vertrauen/ und die Hoffnung/ in ſich ſchleußt, zu er⸗ fahren, daß dieſe goͤttliche Tu⸗ gend etwas gantz weſentliches ſeye, dem, der heilſamlich zu dem Tiſch des HErrn gehen will; aber es iſt auch mit gleicher Leichtig⸗ keit zu begreiffen, daß das, was das Heil. Abendmahl ankuͤndet, eine 130 Die Pflichten eine groſſe Kraft hat, ſolchen Glauben in der Seel herfuͤr zu bringen. Unterdeſſen, wie es daran gelegen, diß wohl zu em⸗ pfinden, ſo wird ein allgemeine Betrachtung beygefuͤgt werden, die da gantz uͤberzeugend ſcheint. Dieſelbe beſtehet darinn, daß man den Zuſtand und die Be⸗ ſchaffenheit deſſen, in welchem dieſer Glaub ſich nicht befindet, einſehe zu begreiffen, daß ſein HErrn Tiſch gehen, nicht heil⸗ ſam ſeyn koͤnnte. In der That, entweder glaubt ein ſolcher Menſch nicht, oder/ wann er glaubt, ſo handlet er nicht ſeinem Glauben emaͤß. Nun ſo iſt der Tod JE⸗ u Chriſti von keiner Wuͤrckung fuͤr die, ſo in ſo traurigem Zuſtand ſich finden. Sind ſie unglaͤubig, daß ſie nichts glauben, ſo ſuchen ſie nichts, und GOtt hat boinen ei —— der Tiſchgenoſſen. 131 —O— Theil an Piem Empfang des Heil. Abendmahls. Glauben ſie, was fuͤr eine Wuͤrckung ein Glaube haben kan, der die, in welchen er ſich findet, in aller Verderbnuß laßt. Es iſt auch nicht genug zu ſagen, daß ein ſolche Commu⸗ nion unnuͤtz ſeye, ſondern ſie kan nicht anderſt, als GOtt erzoͤrnen, und die, welche ſich deſſen ſchul⸗ dig machen, in groͤſſere Berdamm⸗ nuß ſtuͤrtzen. In der That, was fuͤr ein Frevel iſt doch das nicht, kommen, ſich zu der Heil. Tafel zu nahen, zu einer Zeit, da man nicht geneigt, zu JEſu Chriſto zu gehen? Sind ſolche Communi⸗ canten nicht Laͤſterer? Machen ſie ſich nicht einer Verachtung und offenbahren Heucheley ſchuldig? Man ſihet offt in dem Evange⸗ lio, daß, wann die Krancken ka⸗ men, den Heyland um Huͤlff an⸗ flehen, 1 1 4 4 132 Die Pflichten flehen, er ſie fragte, ob ſie glaub⸗ ten. Es verhaͤlt ſich gleich alſo, wann es um die Kranadeiten der Seele zu thun iſt. Dieſer himm⸗ liſche Artzt ſagt auch denen, die ihn um ſeinen Beyſtand anflehen. Glaubet ihr/ daß ich euch koͤnne helffen? Setzet ihr euer Vertrauen und Hoffnung auf mich? Marc. 9. 24. Vermittelſt eines ſolchen Glaubens, deſſen Schwachheit der HErr IEſus auch zu gut hal⸗ tet, erlangt man Geneſung, und dieſe geiſtliche Kranckheiten fuͤh⸗ ren gewißlich von dem Todt zum Leben. Ende des andern Theils. ———-—.—O———— —.——— der Tiſchgenoſſen. 133 Dritter Theil. Von der Zubereitung, in de⸗ ren man ſich finden muß, wann man zu des HErrn Tiſch hin⸗ zunahen will. SS iſt hinfuͤro darum zu thun, daß man eigentlich melde die fuͤrnehmſten Empfindungen, und hauptſaͤchliche Beſchaffenheit, da⸗ von die Seel durchdrungen ſeyn ſoll, zu der Zeit, da man ſich zu dem Tiſch des HErrn nahet; Die⸗ ſe Empfindungen und Zuberei⸗ tungen finden ſich nothwendig bey allen denen, deren Buß aufrich⸗ tig, und Glaube lebendig und wuͤrckſam: Man kan ſie auf die⸗ ſe 6. bringen. Die erſte Zubereitung iſt, ein leben⸗ A— X 2 4 134 Die Pſflichten lebendige und bruͤnſtige Erkannt⸗ lichkeit. Die Andere beſtehet darinn, daß einer von der unendtlichen Barm⸗ hertzigkeit GOttes/ in Schenckung ſeines Sohns durchdrungen ſeye. Die Dritte erfordert die aller⸗ groͤſte Liebe gegen JEſu Chriſto. Die Vierdte iſt in einer brennen⸗ den Liebe gegen alle Menſchen be⸗ griffen. Die Fuͤnffte iſt eine tieffe Dee⸗ muth. Endlich die ſechste und letſte Zubereitung iſt, ſich GOtt gantz zu ergeben/ und fuͤr immer zu ſei⸗ nem heiligen Dienſt ſich widmen. Die erſte Zubereitung. Eine lebendige und bruͤn⸗ ſtige Erkanntlichkeit. Leichwie das Heil. Abend⸗ mahl — 9.——ͤ—.— 1 „„— der Tiſchgenoſſen. 135 mahl eigentlich, und nach ſeiner Verordnung, eine Ceremonie der Lob⸗ und Danckſagung iſt, ſo ſe⸗ ßen wir die Erkanntlichkeit allen anderen Zubereitungen vor, wel⸗ che insbeſondere von denen, die zu dem Tiſch des HErrn nahen, erforderet werden. In der That dancken die Cbriſten bey dem Heil. Abendmahl GOtt, fuͤr die theure Gaab ſeines Sohns, eben wie die Juden ihm danckten bey dem Oſterlamm, daß er ihre Vät⸗ ter aus Egypten gefuͤhrt. Das iſts eigentlich, was der Heil. Pau⸗ lus nennt: den Tod des HErrn verkuͤndigen. Es iſt auch der Be⸗ griff, den man von dem Heil. Abendmahl in der erſten Chriſt⸗ lichen Kirchen hatte, wie man es ſiehet, aus dem, was man in Acht nahme, wann man zu dem Tiſch des HErrn gienge. Man K ſprach 136 Die Pflichten 8 ſprach feyrliche Danckſagungen ab durch JEſum Chriſtum/ welchem alles Volck entſprach, mit Amen; und das iſt auch die Urſach, daß die Alten dieſer Heil. Handlung, den griechiſchen Nahmen Euͤcha⸗ riſtj gaben, welches Danckſagung bedeutet. Es iſt genugſam zu begreiffen, daß dieſe erkanntliche Empfin⸗ dungen und Danckſagungen ins⸗ beſondere noͤthig ſind, wann man bey des HErrn Tiſch, die Fruͤch⸗ ten der Liebe, die uns GOtt in ſeinem Sohn bezeuͤget hat, zu ſu⸗ chen kommt. Aber es iſt etwas daran gelegen, ſich einen rechten Begriff von dieſer Pflicht zu ma⸗ chen, und zu dem End wohl be⸗ trachten, daß dieſe Erkanntlich⸗ keit vor allem aus folgende Be⸗ wegungen in ſich begreiffe, aus welchen man von dem Zuſtand hee ne . ——ye der Tiſchgenoſſen. 137 nes Hertzens in dieſem Stuck, oder dieſe Materie betreffend ur⸗ theilen ſolle. Die Erkanntlichkeit beſtehet vor allen Dingen in einer lebendigen Empfindung des Werths/ und der unendlichen Groͤſſe der Gaab/ die GOtt den Menſchen zugetheilt/ in Hingebung ſeines Sohns zum Tod fuͤr ſie. Alle dieſe fuͤrtrefliche Guͤ⸗ ter ſtellen ſich da dem Geiſ vor, und vor allem aus, dem Hertzen eines wahren Tiſchgenoſſen. Die Vergebung der Suͤnden; die Gnad des Heil. Geiſtes; die Hoffnung des Heyls. Sie ſehen in dieſen Gaa⸗ ben die groſſe Barmhertzigkeit GOttes, die Fuͤrtreflichkeit ihres Beruffs, und die Gluͤckſeligkeit und Herrlichkeit, die ihnen zu Theil werden ſoll. Die, welche dieſe Guͤter nicht zu Hertzen neh⸗ men, oder die nur ſo kaltſinnig K 2 ihren 138 Die Pflichten ihren Werth erkennen, koͤnten keine wahre Erkanntlichkeit haben. Man muß dann mit bruͤnſtiger Begierd verlangen, was der Heil. Paulus zu Gunſt der Epheſern 4 bate. Daß der GOtt unſers Hrrn 1 JEſu Chriſti/ der Vatter der Herrlichkeit/ uns gebe den Geiſt der Weißheit und der Offenbahrung/ 1 zu ſeiner Selbſt⸗Erkaͤnntniß/ und 4 erleuchtete Augen unſers Verſtaͤnd⸗ niß/ daß wir erkennen moͤgen/ welche da ſey die Hoffnung unſers Beruffs/ und welcher ſey der Reich⸗ thum ſeines herrlichen Erbes an ſei⸗ nen Heiligen. Epheſ. 1. 17. 18. II. Begreifft die Erkanntlich⸗ keit in ſich, eine brennende Begier⸗ de und feſte Hoffnung an dieſen theu⸗ ren Guͤteren theil zu haben. Ihr Werth und Fuͤrtreflichkeit reitzen und entzuͤnden dieſe Begierd, und ddie Guͤte und Barmherzigkeit GOt⸗ 3 1 der Tiſchgenoſſen. 139 GOttes nehren und unterhalten dieſe Hoffnung; daher kommen dieſe Bewegungen der Danckbar⸗ keit gegen dem, der noch viel mehr wuͤnſcht uns Theil zu geben an dieſer Gnad, als wir es ſelbſt nicht verlangen koͤnnen, ſolche davon zutragen. III. Iſt dieſe Erkanntlichkeit ei⸗ ne Folge der Empfindung unſerer Unwuͤrdigkeit. Wann man glaubt man verdiene etwas Guts, ſo koͤnnte man,(recht von der Sach zu reden) nicht erkanntlich ſeyn gegen dem, der es uns anerbietet, weil man diß Gut als eine Schul⸗ digkeit anſiehet; aber, wann man von ſeiner Nichtigkeit, und von ſeiner Unwuͤrdigkeit durchdrungen iſt, ſo betrachtet man den Werth und Fuͤrtreflichkeit der Gaab GOt⸗ tes; man empfindet, daß manes nur ſeiner groſſen Bariherdig eit 8 2 4 1 * 140 Die Pſlichten keit zu verdancken habe, und das erfuͤllet das Hertz mit einer gar S lebendigen und vollkommenen Danckbarkeit. Der Heil. Pau⸗ lus druckt das alles aus in dieſen Worten. Da ihr Todt waret durch Ubertrettung und Suͤnde/ hat GOtt/ der da reich iſt von Barm⸗ hertzigkeit durch ſeine groſſe Liebe/ n damit er uns geliebet hat/ uns ſamt Chriſto lebendig gemacht/ auf daß er erzeigete in den zukuͤnfftigen Zei⸗ 4 ten den uͤberſchwencklichen Reich⸗ thum ſeiner Gnade/ durch ſeine Guͤ⸗ te uͤber uns in Chriſto JEſu. Eph. 2. I, K, 7. G IV Endtlich, wann die Er⸗ kanntlichkeit bruͤnſtig und aufrich⸗ tig ſo bringt ſie herfuͤr, und ſchleußt in ſich alle die Empfin⸗ dungen und Bewegungen des Glaubens, der Liebe, der Freud, ddes Troſts, des Eyfers, und der Hoff⸗ der Tiſchgenoſſen. 141 ——— Hoffnung, damit ein Chriſt er⸗ fuͤllet ſeyn muß, wann er zu dem Tiſch des HErrn geht; und man erfahret mehr oder weniger dieſe Empfindungen, nach dem Fort⸗ gang in der Gottſeligkeit und An⸗ dacht. Vernimm die Sprach deß, der von der Gnad ſeines GOttes durchdrungen iſt: Wie ſoll ich dem Hrrn vergelten alle ſeine Wohl⸗ that/ die er mir thut? Ich will den heilſamen Kelch nehmen/ und des HErrn Nahmen predigen. Ich will meine Gelübd dem HErrn be⸗ zahlen fur alle ſeinem Volck. Pſ. 116. 12 ⸗14. Lobe denErrn meine See⸗ le/ und was in mir iſt/ ſeinen Heil. Nahmen. Lobe den HErrn meine . Seele und vergiß nicht was er dir gutes gethan hat. Pſ. 103. 1, 2. Der uns geliebet hat/ und gewaͤ⸗ ſchen von den Suͤnden mit ſeinem Blut/ und hat uns zu Koͤnigen und K 4 Prie⸗ 142 Die Pflichten Prieſtern gemacht fuͤr GOtt und ſei⸗ nem Vatter/ demſelbigen ſey Ehr und Gewalt von Ewigkeit zu Ewig⸗ keit. Amen. Apoc. 1. 6. Die andere Zubereitung. Von der Barmhertigkeit GOttes in Schenckung ſeines Sohns durchdrungen, und gantz eingenommen ſeyn. Je andere Bewegung, die natuͤrlicher Weiſe das Hertz G eines Tiſchgenoſſen erfuͤllen ſoll, cbeſtehet darinn, daß man von der unnendlichen Barmhertzigkeit GOt⸗ tes in Schenckung und Tod ſeines Sohns durchdrungen ſey. Das ſiſt das Gnaden⸗Geſchenck, und ddeer Todt, welcher das Heil. A⸗ bendmahl verkuͤndiget; und wie GSott eben dadurch auf das klaͤr⸗ G lichſte 1 3 der Tiſchgenoſſen. lichſte gezeigt, wie er die Men⸗ ſchen liebete, ſo iſt es auch das bequemſte, ſie kraͤfftig zu uͤber⸗ zeugen, von der Laͤnge und Breite/ von der Hoͤhe und Tieffe dieſer Lie⸗ be. Eph. 3. 18. Das Sacrament iſt ein uͤberzeugende Prob, daß GOtt die Welt alſo geliebt/ daß er ſeinen eingebohrnen Sohn gab/ auf daß alle/ die an ihn glauben nicht verlohren werden/ ſondern das ewi⸗ ge Leben haben. Joh. 3. 16. Es ſagt uns das Heil. Abend⸗ mahl in der That deutlich, daß, da wir todt waren durch Übertret⸗ tung und Suͤnde/ und auch Kin⸗ der des Zortzs von Natur/ GOtt/ der da reich iſt von Barmhertzig⸗ keit/ durch ſeine groſſe Liebe/ da⸗ mit er uns geliebet hat/ da/ ſag ich/ wir todt waren in Suͤnden/ er uns ſamt Chriſto lebendig gemacht/ aus deſſen Gnad wir ſelig worden. K5 Eph. 143 6 144 Die Pſlichten h Sdh 2, 1, 13. Kan man auch wohl die Liebe weiter treiben? Kan man auch wohl eine Barm⸗ ertzigkeit ſeinem Gemuͤth vorſtel⸗ en, die dieſe uͤbertreffe? Kan man auch wohl dieſe Barmher⸗ Agkei gantz begreiffen? Niemand/ agt IEſus Chriſtus, hat groͤſſere Xiebe/ dann die/ daß er ſein Leben laͤßt fuͤr ſeine Freunde. Joh. 15. 13. Indeß iſt die Liebe, die GOtt uns durch dieſen liebreichen Erloͤſer be⸗ 4 zeuget hat, noch weiter gegangen, welches dann den Heil. Paulum 6 in dieſe Wort ausbrechen machte. Kaum ſtirbt jemand um des Rechts willen/ um etwas gutes willen doͤrffte vielleicht jemand ſterben; da⸗ rum preiſet GOtt ſeine Liebe gegen uns/ daß Chriſtus fuͤr uns geſtor⸗ ben iſt/ da wir noch Suͤnder wa⸗ ren. So werden wir ja vielmehr durch ihn behalten werden fuͤr dem 6 vorn/ der Tiſchgenoſſen. 145 Zorn/ nachdem wir durch ſein Blut gerecht worden ſind. Roͤm. F. 7/ 8, 9. Dieſe Betrachtungen gehen in⸗ ſonderheit denen zu Hertzen, die ſich als ſonderbahre Vorwuͤrffe dieſer Barmhertzigkeit anſehen koͤnnen, und daher zu ſich ſelber ſagen;„Mit dir, omeine Seele, hat GOtt Mitleiden gehabt.„ Du biſts, deme GOtt einen„ Heyland und Erloͤſer geſandt.„ Du biſt geweſen, und biſt noch,„ ohneracht deiner Unwuͤrdigkeit,„ ein Vorwurf ſeiner Barmher⸗„ tzigkeit. Dieſer grundguͤtige Gott, rufft dir noch auf den heutigen„ Tag, und ſtellt dir einen Thron, der Gnaden fuͤr Augen, und„ wann du gebuͤhrend hinzu na⸗„ heſt, ſo wirſtu Vergebung dei⸗ ner Suͤnden, und die Gaaben„ des Heil. Geiſtes davon tragen.„ gir 146 Die Pflichten Wir ſetzen noch hinzu, daß die⸗ ſe Betrachtung abſonderlich de⸗ nen zu Hertzen gehen ſollte, bey denen ſie doch am wenigſten Ein⸗ druck macht, ich will ſagen, de⸗ nen groſſen und verſchreyten Suͤn⸗ dern, gegen welche GOtt ſchon ſo viele Jahr eine lange und un⸗ begreifliche Gedult geuͤbt. Die⸗ ſes allguͤtige Weſen wartet ihnen aus. Es rufft ihnen auf unter⸗ ſchiedliche Weiſe zur Buß; ſie 8 haben alle ordentliche Huͤlffs⸗ Mittel, ſich zu bekehren. Eben dieſer GOtt laßt ihnen aich offt ſonderbahre Huͤlff wiederfahren; 8 deſſen allem ohngeacht, wollen ſie ſich nicht biegen laſſen; ſie ver⸗ harren ſicher und ruhig in ihren alten, boͤſen, ſuͤndlichen Gewohn⸗ heiten, ja ſie werden von Tag zu Tag ſchlimmer, und vergelten 1 alle Tag dieſe Lagnuns des G HErrn der Tiſchgenoſſen. 147 HErrn mit einer neuen Undanck⸗ barkeit. Was fuͤr ein unſelige Ewigkeit waͤre es, in die ſie ſchon eingetretten waͤren, wann er ſie in ſeinem Zorn hingerafft, und dem Leben ein End gemacht haͤt⸗ te, das ſie ſo ſuͤndlich zugebracht! Inzwiſchen leben dieſe ſchwere Suͤnder nicht nur noch, ſondern eben dieſe Barmhertigkeit klopf⸗ fet noch an der Thuͤr ihres Her⸗ tzens an; ſie ſuchet ſie aufzuwe⸗ cken, und ihnen das Hertz u ruͤh⸗ ren; In dieſer Abſicht ſtellt ſie ihnen die Heil. Tafel vor Augen, da ſie ihnen unter dem Beding der Buß und Beſſerung, das Heil und Leben anerbietet. Es iſt leicht zu begreiffen, daß dieſe Betrachtung gar kraͤfftig ſey, dem Suͤnder einen Muth zu machen, und ihn zu uͤberzeugen, daß ein ſo guͤtiger GOtt ihnen ſeine Gnad wie⸗ ¹ 148 Die Pflichten wiederfahren laſſen werde, wann ſie ſich in Stand ſetzen, dieſelbe zu erlangen. Dritte Zubereitung. Eine groſſe Liebe fuͤr JEſu Chriſto. 8 Ann ein Zeit oder Umſtand 2ẽ iſt, da die Liebe JEſu Chri⸗ ſti das Hertz erfullen ſoll, ſo ge⸗ ſchicht es ohne Zweiffel, wann man bey des HErrn Tiſch dieſen liebreichen Heyland an dem Creutz ſterbend betrachtet, die Suͤnder mit GOtt zu verſoͤhnen. Wie waͤre es doch moͤglich, daß der, welche an dieſe unermeßliche Lie⸗ be, welche beſſer iſt/ dann alles wiſſen. Eph. 3, 10. ernſtlich ge⸗ denckt, nicht ſollte dieſe Bewe⸗ gungen der Liebe erfahren, die ich . der Tiſchgenoſſen. 149 —Oͦ—nX—O‧n˙ua Zʒ—ʒ——ę—ęV— ſich vielmehr fuͤhlen, als ausdru⸗ cken laſſen. Wann die Liebe JE⸗ ſu Chriſti die gantze Religion in ſich halt, ſo kan man auch ſagen, daß ſie alle Pflichten eines recht⸗ ſchaffenen Tiſchgenoſſen in ſich be⸗ greiffe, ſie begreifft in ſich alles das, was ein ſolcher ſeinem gu⸗ ten Heyland anerbieten kan, und ingleichem auch alles das, was dieſer gute Heyland von ihm er⸗ forderet. Nach dem Sinn des Apoſtels Paulj, iſt man unter dem Fluch/ wann man den HErrn JE⸗ ſum Chriſtum nicht lieb hat. 1I. Cor. 16. 22. aber man unterwirfft ſich dem Fluch inſonderheit, wann man zu der Heil. Tafel ein Hertz bringt, aus welchem eben der, deſſen Tod man verkuͤndigen ſoll, verbannet iſt; ein Hertz, mit ei⸗ nem Wort, das kalt, matt, und mit Welt⸗ und Eigenliebe ange⸗ uͤllt. 150 Die Pſlichten n fuͤllt. Dann, wann einer von allem dem, ſo den Tod des Hey⸗ lands verkuͤndiget, nicht geruͤhrt iſt, ſo muß er auf die allerſchaͤnd⸗ lichſte Weiſe, alles fuͤr gleichguͤl⸗ tig achten, und in eine vollkom⸗ mene Verſtockung gerathen ſeyn. So muß man dann wohl faſſen, daß die Heil. Communion ein Lie⸗ bes⸗Handlung, und eine gantz Heil. Einſatzung ſey, durch wel⸗ che man ſich erklaͤrt,„daß, wie „ JEſus Chriſtus uns bis in den „ Todt geliebt, wir auch unſer „Seits ihn von gantzem unſerem „Hertzen lieben wollen, und die⸗ „ ſe Liebe zeigen, in dem wir zu „ Leiber und dieſe Seelen, die er „ mit ſeinem eigenen Blut erkaufft „hat, aufopfferen:“ Der, wel⸗ cher mit einer anderen Zuberei⸗ V tung zu des HErrn Tiſch geht, 4 uns der Tiſchgenoſſen. 151 und ein, auf eine andere Seite ge⸗ wandtes Hertz hat, der weißt ent⸗ weder nicht, was er thut, oder er handlet vermeſſen und heuch⸗ leriſch. Das ſind dann die Ge⸗ dancken, und Bewegungen deſſen, der von der Liebe ſeines Heylands erfuͤllt und eingenommen.„Hrr du weiſt alle Ding/ du weiſſeſt„ daß ich dich lieb habe. Joh. 21. 17.„ Guͤtiger Heyland, ſtaͤrcke in„ mir dieſe Liebe, zuͤnde ſie alle„ Tag je mehr und mehr an, rei⸗ nige ſie und bekraͤfftige ſie im⸗„ mer mehr. Tilge zu dem End„ aus meinem Hertzen die Liebe., der Welt, welche eine Feind⸗„ ſchaft wieder dich iſt. Jac. 4. 4.„ Treibe aus demſelben die Eigen⸗ liebe, dis Hertz gehoͤrt dir zu,„ du forderſt es von mir, du al⸗ lein kanſt es erfuͤllen, und gluͤck⸗„ ſelig machen. Numman Hr. L as 152 Die Pflichten » das Opffer des Hertzens, ſo ich „ dir bringe, und beveſtige daa „ rinn deine Forcht, deine Liebe, „ und deinen Frieden ewiglich.“ Die vierdte Zubereitung. Eine aufrichtige Liebe gegen alle Menſchen. G Jeſe Seelen⸗Geſtalt ent⸗ &A ſpringt aus den zwey vor⸗ Fergebenden. Der/ welcher GOtt iebt/ liebt den/ der von GOtt ge⸗ bohren iſt. I. Joh. 5. I. Der, G welcher JEſum Chriſtum liebt, liebt auch nothwendig alle die, fur welche er ſo willig ſich in den Tod gegeben. So beſtehet auch in der Liebe des Naͤchſten, das Gebott dieſes groſſen Heylands, und Mbar ſein Gebott mit Nach⸗ druck. Ein neu Gebott Gebott geb ich der Tiſchgenoſſen. 153 ich euch/ daß ihr euch unter einan⸗ der lieb habet/ wie ich euch gelie⸗ bet habe/ auf daß auch ihr einan⸗ der lieb habet: dabey wird jeder⸗ mann erkennen/ daß ihr meine Juͤn⸗ ger ſeyt/ ſo ihr Liebe unter einander habet. Joh. 13. 34, 35. Siehe d was er ſeinen Apoſtlen kurtz vok ſeinem Tod ſagte, deſſen das Heil. Nachtmahl ein Gedaͤcht⸗ nuß iſt. Man iſt dann kein Juͤn⸗ ger IEſu Chriſti, oder, welches eines iſt, man iſt kein Chriſt, wann man nicht eine bruͤnſtige Liebe in dem Hertzen hat; dann es iſt wohl zu bemercken, daß der Heyland nicht nur zu ſeinen Juͤn⸗ gern ſagt, daß ſie ſich unter einan⸗ der lieben ſollen/ ſondern/ daß ſie ſich lieben ſollen/ wie er ſie geliebet hat/ welches dann die aller⸗ bruͤnſtigſte und lebhafftigſte Liebe vorſchreibt. Nun iſt es leicht zu L 2 faſſen, 4 1 1 1 154 Die Pflichten faſſen, daß das Heil. Abendmahl alles, was nur kraͤfftig ſeyn kan, das Hertz mit ſolcher Liebe anzu⸗ flammen, in ſich ſchlieſſe. Die erſten Chriſten hatten wohl begriffen, daß die Liebe es ſey, welche dieſe feyrliche Einſatzung des Heil. Abendmahls inſonder⸗ heit erforderte; Siehe da, wel⸗ ches ihre Ubung ware, wie Cyril⸗ lus zu Jeruſalem, der in dem vierd⸗ ten Jahrhundert lebte, ſolches er⸗ zehlet.„Nachdem die Sacra⸗ „mentliche Zeichen, oder das „»Brodt und Wein des Heil. e Abendmahls zubereitet waren, „»und der Helffer dem Biſchoff V» und den Prieſtern Waſſer ge⸗ „ bracht hatte, ihre Haͤnd zu wa⸗ „»„ ſchen,(eine Ceremonie oder „»Gebrauch, ſo die Reinigkeit „» andeutete, die in dieſer Heil. „ Handlung erforderet wurde, 0 1 1 der Tiſchgenoſſen. 155 ſo ruffte eben dieſer Helffer mit„ lauter Stimm denen zu, wel⸗„ che zu des HErrn Tiſch hinzu⸗⸗ naheten. Umfanget euch/ und gebt einander den Kuß des Frie⸗„ dens/ und das iſt eben das, ſo„ auch wir thun, will ſagen, ⸗ daß ein Bruder den andern,„ und eine Schweſter die andere„ umfaſſete. Dieſer Kuß, fuͤgt„ der Heil. Cyrillus bey, ſo wir„ einander geben, ziehlet auf die„ Vereinigung unſerer Hertzen;„ Iſt ein Anzeigung und Pfand„“ daß wir all das Leid vergeſ⸗„ ſen haben, das wir einander„ angethan haben moͤchten. Die⸗„ ſer Kuß iſt ein Anzeigung unſe⸗„ rer verſoͤhnten Hertzen, und„ daß wir aus demſelben alles„ Angedencken des Unrechts, ſo wir erlitten haben moͤchten, ver⸗⸗ tilget haben; Wir ſuchen alſo L 3 IEſu 4 156 Die Pflichten „» JEſu Chriſto zu folgen, wel⸗ » cher uns geſagt hat; Wann dau „ deine Gaabe auf dem Altar opf⸗ „ ferſt/ und wirſt allda eingedenck „daß dein Bruder etwas wieder „ dich habe/ ſo laß allda fuͤr dem „ Altar deine Gaabe/ und gehe zu⸗ »„ vor hin/ und verſoͤhne dich mit „deinem Bruder/ und alsdann „ komme und opffere deine Gaabe. „ Matth. F. 23. 24. Dieſer Kuß » iſt dann eine wahrhaffte Ver⸗ „ ſoͤhnung, und das iſt die Ur⸗ » ſach, warum St. Paulus den⸗ „» ſelben nennet, einen Heil. Kuß/ V» und St. Petrus einen Kuß der „ Liebe.“ 1. Theſſ. 5. 26. 1. Petr. F. 14. Dieſe Ubung iſt unter uns nicht mehr in dem Gebrauch; wann man nur den Geiſt behalten haͤt⸗ te, und die Bedeutung, aber GOtt weißt, wie weit es diß Orts kom⸗ 4 men der Tiſchgenoſſen. 157 men, und wie, uͤberhaupt davon zu reden, die Chriſten ſo groſſen Mangel dieſer Liebe von ſich mer⸗ cken laſſen, auch zu der Zeit, da ſie zum Tiſch des HErrn gehen, diß iſt ein ſolcher Haupt⸗ Punc⸗ ten, daß man ſich billich ein we⸗ nig bey deſſen Betrachtung auf⸗ halten ſoll, ſo wohl was die Na⸗ tur/ und eigentliche Beſchaffenheit dieſer Liebe angeht, als auch ihre billiche Ausbreitung. Sie beſtehet in dem Gefuͤhl des Hertzens/ und hat einen Einfluß in das Thun und gantze Auffuͤh⸗ rung. Dieſe Empfindlichkeit iſt gar wohl in dieſen Worten ausge⸗ druckt, ſeine Bruͤder lieben/ oder ſeinen Naͤchſten/ als ſich ſelbſten/ will ſagen, eine brennende und aufrichtige Liebe gegen ihnen tra⸗ gen; ihnen ſo wohl fuͤr den Leib, L 4 als 158 Die Pflichten als vor allem aus, und fuͤrnehm⸗ lich fuͤr die Seel, alles das an⸗ wuͤnſchen, ſo ſie wahrhafftig gluͤck⸗ ſelig machen kan, und entſchloſſen ſeyn, es ihnen zu verſchaffen, nach allem ſeinem Vermoͤgen; Dieſe Liebe macht, daß man von Derben an alle dem Guten und oͤhen, ſo ihnen begegnet, theil nimmt; oder, wie es der Apoſtel ausdruckt, daß man ſich freuet mit den Froͤlichen/ und weinet mit den Weinenden. Roͤm. 12. 15. Vor allem aus, bewegt uns dieſe Tu⸗ gend, unſerm Naͤchſten all das Ubel, oder all Unrecht, ſo er uns ethan haben moͤchte, zu verzey⸗ en; Und eben in dieſer Verzey⸗ chung,(deſſen man ſich dann wohl erinnern ſoll,) beſtehet fuͤr⸗ nehmlich die Nachfolg AEſu Chri⸗ ſti. Endtlich alles kurtz zuſammen zu faſſen, treibt uns die Vruder⸗ Liebe, der Tiſchgenoſſen. 159 Liebe, oder die Liebe insgemein, den Frieden zu lieben, zu ſuchen, zu erkauffen, und nichts zu un⸗ terlaſſen von allem dem, ſo den⸗ ſelben aufrichten, erhalten und beveſtigen kan. Der Heil. Pau⸗ lus ſchreibt alle dieſe unterſchied⸗ liche Pflichten in dieſer ſtarcken und beweglichen Vermahnung vor. So ziehet nun an/ als die Auserwehlten GOttes/ Heilige und Geliebten/ hertzliches Erbarmen/ Freundlichkeit, Demuth/ Sanfft⸗ muth/ Gedult/ und vertrage einer den anderen/ und vergebet euch unter⸗ einander/ ſo jemand Klage hat wieder den anderen/ gleichwie Chri⸗ ſtus euch vergeben hat/ alſo auch ihr. Über alles aber ziehet an die Liebe/ die da iſt das Band der Voll⸗ kommenheit/ und der Friede GOt⸗ tes regiere in eueren Hertzen/ zu L5 wel⸗ 160 Die Pflichten welchem ihr auch beruffen ſeydt in einem Leib. Col. 3. 12⸗15. Dergleichen Empfindungen zei⸗ gen ſich nothwendig in der gan⸗ tzen Auffuͤhrung; Aus einem al⸗ ſo beſchaffenen Hertzen kommt das Gebaͤtt/ ſo man fuͤr ſeine Bruͤder thut; das gute Exempel/ ſo man ihnen gibt; das Allmoſen; der Troſt und Rath/ damit man ih⸗ nen beyſteht; die Gunſt und Will⸗ faͤhrigkeit/ die man ihnen bewei⸗ ſet; mit einem Wort, alle dieſe koͤſtliche Fruͤchten, die ſich von der wahren Liebe nicht trennen laſſen. Indem man dieſe Sa⸗ chen anzeigt, ſo beweiſet man klarlich, daß eine ſolche Liebe et⸗ was gar rares unter den Chri⸗ ſten. Wie viel in der That ſie⸗ het man nicht unter denen, wel⸗ che dieſen ſchoͤnen Namen tragen, die eine gaͤntzliche Gleichguͤltigkeit haben, der Tiſchgenoſſen. 161 haben, in Anſehung alles deſſen, was ihren Naͤchſten angeht, ſo wohl, was den Leib, als die Seel betrifft. Es kommt ihnen niemahl in den Sinn, an das Heyl 9 Bruͤderen zu gedencken, noch zu ſeuffzen, wann man alle Ruchlo⸗ ſigkeit und Laſter uͤberhand neh⸗ men ſiehet. Sie ſehen faſt auf gleiche Weiſe das Gluͤck oder Un⸗ gluͤck anderer Leuthen an. Die welche in Uberfluß leben, ver⸗ eſſen gar offt ſo viel Ungluͤckſe⸗ ige, von denen ſie wiſſen, daß ſie im Elend verſuncken. Man freuet ſich der Geſundtheit, man bringt ſein Leben in der Ruh zu, und in Freuden, und denckt in⸗ deß nicht an ſo viel elende Leuth, die mit Kranckheit und Wieder⸗ waͤrtigkeit angefochten ſind. Mit einem Wort, die, von denen wir reden, leben nur fuͤr ſich ſelbſt; wie 8.. 162² Die Pflichten wie ſollte dann die Liebe Chriſti in ſo beſchaffenen Hertzen ſeyn? Andere gehen noch weiter; ha⸗ ben nicht nur in ihren Hertzen dieſe Kaltſinnigkeit gegen ihre Bruͤder, davon allererſt die Re⸗ de war, ſondern dieſe Hertzen ſind noch darzu von Haß, Zorn, und Rache eingenommen. Sie wiſſen nicht, was verzeychen ſey, und treiben mithin den Haß und Grimm ſo weit, daß ſie ſich mit Gewalt wiederſetzen, daß ſie es nimmermehr thun werden, daß ſie ſich, wegen des Schimpffs, ſo man ihnen anthun werde, raͤ⸗ chen werden, oder mans ihnen werde beweiſen koͤnnen. Alle die beweglichſten Vorſtellungen und Vermahnungen ſind gantz unnuͤtz; ihr Hertz bleibt immer voll bitte⸗ rer Gall/ und alſo mit Ungerechtig⸗ keit ver knuͤpfft/ ja ſo weit kommt es, der Tiſchgenoſſen. 163 es, daß es deren gibt, welche ſich frecher Weiſe auslaſſen, ſie wollen lieber nicht zu des HErrn Tiſch gehen/ als dem Naͤchſten ver⸗ zeyhen. Was koͤnnte man nicht hier wieder dieſe abſcheuliche und wiederchriſtiſche Grundſaͤtz ſagen, die aber ſo weit ſich ausgebreitet von dem falſchen und unſinnigen Ehrgeitz/ und uͤber die vermein⸗ te Schuldigkeit, die man glaubt, auf ſich zu haben, ſich wegen den Beleidigungen, die man einem angethan, zu raͤchen? Aber ne⸗ ben dem, daß diß zu weit fuͤh⸗ rete; was nußt es mit Leuthen zu reden, die alles Goͤttliche und Menſchliche Anſehen mit Fuͤſſen tretten, und welche gantz gewiß wieder alle Reglen der Vernunfft, der Menſchlichkeit und auch der wahrhafften Ehrbarkeit handlen? In⸗ 164 Die Pflichten Inzwiſchen iſt es nur allzuwahr, daß viel in erſt beruͤhrtem truͤb⸗ ſeligen Zuſtand zum Tiſch des HErrn gehen. In der That gibt es gar viel Uneinigkeit in den Haußhaltungen; ſo auch viel un⸗ ter den gemeinen Leuthen, die b lange Zeit einander nicht mehr ſe⸗ ben, noch ſehen wollen, die in 1 Feindſchafft, Streit⸗ und Rechts⸗ Haͤndlen leben, und die einander unbarmhertziger Weiſe aufreiben. Unterdeſſen doͤrffen dieſe Leuth freventlich beym Tiſch des HErrn ſich einſtellen, da man das Ange⸗ dencken dieſes Tods begehet, durch welchen man von JEſu Chriſto anderſt nicht Vergebung unſerer Suͤnden erkangt, als un⸗ ter dem ausdrucklichen Beding, daß wir, nach ſeinem Exempel, auch allen denen/ die uns werden beleidiget haben/ verzeyhen wollen. der Tiſchgenoſſen. 165 Es fragt ſich bey dieſer Gele⸗ genheit, ob die, ſo in Rechts⸗ Haͤndlen ver wicklet ſind/ dann nicht zum Tiſch des HErrn gehen ſollen. Dieſe Frag iſt nicht ſchwer auf⸗ zuloͤſen; dann, ſo iſt es gantz ge⸗ wiß, daß der Geiſt der Religion IEſu Chriſti kein Streit⸗Geiſt iſt. Im Gegentheil iſt ers, der alle Streitigkeiten abwendet und ver⸗ tilget; dann er zerſtoͤhrt den Hoch⸗ muth/ Geitz und Untreu/ als die gemeinen Quellen aller Troͤlerey⸗ en. Noch mehr, ſo will dieſe Religion, daß wir den Frieden erkauffen, will ſagen, daß wir vielmehr einigen Schaden und Unbill leiden, als den Frieden ver⸗ ſtoͤhren. Es iſt ſchon ein Fehl un⸗ ter euch/ ſagt Paulus zu den Co⸗ rinthieren, daß ihr untereinander rechtet. Warum laſſet ihr euch nicht viel lieber Unrecht thun? wa⸗ rum 166 Die PDflichten warum laſſet ihr euch nicht viel lieber vervortheilen? I. Co⸗ rinth. 6. 7. Deß ohngeacht, kan es doch auf mancherley Wei⸗ ſe geſchehen, daß man mit einem in Proceß kommen kan, und daß man auf einer und der anderen Seiten recht zu haben glaubt; (dann, was die betrifft, welche rechtigen, und in ihrem Gewiſſen uͤberzeugt ſind, daß ſie Unrecht baben⸗ ſo muß man ſie als die⸗ elbigen ungluͤckſeligen anſehen, welche kein Empfindlichkeit der Religion und Gerechtigkeit ha⸗ ben;) In dieſem Fahl kan und ſoll man auch mithin ſich zu de⸗ nen wenden, welche GOtt, die Streitigkeiten zu ſchlichten, geſe— tet hat. In dieſem Fahl, wenn man ohne Zorn rechtiget, und das Gewiſſen Zeugnuß gibt, daß das ertz der Tiſchgenoſſen. 167 ——ᷓ— Hertz ohne Haß und Zorn/ und ſonſt im Stand/ ſich zu erhohlen und vorzubereiten/ ſo hindert nichts, daß man nicht zum Tiſch des HErrn gehe. Man bittet alle die, welche in Haß, Kaltſinnigkeit und Gleich⸗ guͤltigkeit leben, mit wem und warum es ſeyn moͤchte, ernſtlich zu betrachten, das, was eben geſagt worden; Hiezu vermahnt man insbeſondere die, welche, ohn uͤber jemand boͤß zu ſeyn, von einem harten und ungeſtuͤ⸗ men Temperament ſind, oder et⸗ was hart, und gah von Natur; leicht Feur faſſen, ſich erzoͤrnen, und ereyferen, offt uͤber nichts werthige Dinge. Aber, was iſt von denen zu hoffen, die in die— ſem ſuͤndlichen Zuſtand veraltet, und welche gerüeiwigliid ſich nicht . M an⸗ 168 Die Pflichten aͤnderen, als daß ſie ſchlimmer werden? Man koͤnnte dieſen Articul nicht beſſer beſchlieſſen, als wann man den Leſer auf eine ernſtliche und andachtige Betrachtung der Gleichnuß, ſo Matt. 18. von dem 21. v. biß zu End des Capituls enthalten iſt, weiſet. Daß ſie ſich wohl erinneren, daß eben der, ihr Herr und Richter ſey, fuͤr den ſie ſich ſtellen, wann ſie zum Tiſch des HErrn gehen, welcher ihnen ſagt: Alſo wird euch mein Himm⸗ liſcher Vatter auch thun/ ſo ihr nicht vergebet von eueren Hertzen/ ein jeglicher ſeinem Bruder ſeine Fehler. Matt. 18. v. 35. Fuͤnffte Zubereitung. Eine tieffe Demuth. Sne fuͤnffte Zubereitung, de⸗ mi der Tiſchgenoſſen. 169 ——————— mit das Hert erfuͤllet ſeyn muß, wann man zu dem Tiſch des HErrn geht, beſteht in einer auf⸗ richtigen und tieffen Demuth. Es iſt nicht ſchwer zu faſſen, daß alles uns damit erfuͤllen ſoll. Wir haben nur einſeits zu betrachten, den, vor welchem wir erſcheinen, wann wir zum Tiſch des HErrn gehen, und auf der andern Seiten/ was wir ſind. Nan nahet zu dieſem groſſen Gott, welchen alle Kraͤfften des Himmels loben, und in deſſen Gegenwart die Engel ſelbſt nicht rein genug erfunden worden ſind. Man kommt zu erſcheinen vor ſei⸗ nem Schoͤpffer und Erhalter, vor ſeinem Konig und Richter. Man muß vor allem aus betrachten, daß man bey des HErrn Tiſch erſcheine vor dem, der uns von neuem erkaufft, durch das Blut M 2 des — 170 Die Pſlichten des Sohns ſeiner Liebe. Man kommt zu dieſem Sohn ſelbſten, zu JEſu/ dem Mittler des neuen Bunds/ in deſſen Nahme ſich bie⸗ gen aller deren Knie/ die im Him⸗ mel/ auf Erden/ und unter der Er⸗ den ſind/ und alle Zungen ſollen be⸗ kennen/ daß er der HErr ſeye zum Preiß GOttes des Vatters. Hebr. 12. 24. Phil. 2. 10, 11. Wann GOtt allgegenwaͤrtig iſt, wann man aller Orthen ſich vor ihm erniedrigen ſoll, ſo iſt man inſonderheit dazu verpflichtet, wann man zu dieſer Heil. Tafel hinzu nahet, die auf ſeinen Be⸗ fehl zubereitet iſt, und wo er ſon⸗ derbahre Zeichen ſeiner Gegen⸗ wart mercken laßt. Alsdann muß man ſagen. Gewißlich iſt der HErr an dieſem Ort/ wie hei⸗ lig iſt dieſe Staͤtte/ hier iſt nichts anders/ dann GOttes Hauß/ und ter ———, 2*— -—.,—————,——, der Tiſchgenoſſen. 171 hier iſt die Pforte des Himmels. Ich aber will in dein Hauß gehen auf deine groſſe Guͤte/ und anbet⸗ ten gegen deinem Heil. Tempel in deiner Forcht. Gen. 28. 16. 17. Pſ. 5. 8. lI. Aber um ſo vielmehr von der unumgaͤnglichen Nothwen⸗ digkeit ihrer Demuth, mit wel⸗ cher man zu dieſem Heil. Sacra⸗ ment kommen ſoll, uͤberzeugt zu ſeyn, muß man ſeine Augen auf ſich ſelbſten werffen. Wer ſind wir in der That? Wir ſind ſchwache und ſterbliche Creatu⸗ ren. Wir ſind nur Staub und Aſchen. Gen. 18. 27. Vor allem aus, und woran man gar ernſtlich den⸗ cken ſoll, ſind wir ſuͤndige und laſterhafftige Creaturen; man er⸗ kennt es bey dem Tiſch des HEr⸗ ren; man kommt die Anzahl und Groͤſſe ſeiner Suͤnden zu beken⸗ M 3 nen, VFV 1 — — — — 172 Die Pſlichten nen, man kommt, ſein unorden⸗ liches Leben zu beweinen, man kommt zu erkennen, daß, wann GOtt Suͤnden zurechnen wollte/ niemand vor ihm beſtehen koͤnnte. Pſ. 130. 3. Wie ſollte man nicht empfinden, daß dieſes die aller⸗ kraͤfftigſten Beweg⸗Gruͤnd ſeyen, ſich zu vernichtigen, ſo viel man nur immer kan, und dem Zoͤll⸗ ner nachzufolgen, welcher von ferne ſtund, und ſeine Augen nicht gen Himmel aufheben doͤrf⸗ te, und an ſeine Bruͤſt ſchlug, und ſchrye: GOtt ſey mir Suͤn⸗ der gnaͤdig! Luc. 18. 13. Ohne dieſe Empfindung iſt es ohnmoͤglich Gnade bey GOtt zu finden: Nun was kan doch mehr dieſe Empfindlichkeit zuwegen bringen, als wann man ernſt⸗ lich betrachtet, das, was das Heil. Abendmahl auf eine ſondderhahee nach⸗ der Tiſchgenoſſen. 173 nachdruckliche Weiſe vor Augen ſtellt, nemlich JEſum Chriſtum/ der ſich ſelbſt erniedriget/ und ge⸗ horſam ward biß zum Tod/ ja zum Tod ans Creutz? Phil. 2. 8. Ladet uns das nicht auf das aller nachdrucklichſte ein, ſo viel wir koͤnnen, dem allervollkommenſten Muſter der Demuth zu folgen, und unſere Seele mit dieſer Tu⸗ gend zu zieren. Wann die ein⸗ mahl recht in das Hertz kommt, ſo wird ſie da allen Hochmuth, falſche Einbildung, und allzu gu⸗ te Meynung von ſich ſelber hin⸗ nehmen. Welcher demuthig iſt, iſt klein in ſeinen eigenen Augen, traͤgt aller Orten die Empfindung ſeines Elends, und ſeiner Nich⸗ tigkeit mit ſich. Dieſe Empfin⸗ dung offenbahret ſich von auſſen durch allerhand Ausbruͤch; in Geſpraͤchen, und in der gantzen M4 Auf⸗ 174 Die Pflichten Auffuͤhrung; dann, wann man nur einen Schein dieſer Tugend at, und wann man nichts an⸗ ers ſuchet, als vor den Augen der Menſchen demuͤthig zu ſchei⸗ nen, in dem Abſehen, deßwe⸗ gen gelobt zu werden, ſo iſt ſol⸗ cher Zuſtand vor GOtt gar ein groſſer Greuel, und GOtt ſiehet es an als eine abſcheuliche Heu⸗ cheley. Sechſte und letſte Zubereitung. Man muß ſich gaͤntzlich und fuͤr immer GOtt aufopfferen. Jeſe Beſchaffenheit iſt eine noͤthige Folge alles deſſen, ſo eben geſagt worden, und man kan anderſt ſich nicht verſicheren, daß die Andacht aufrichtig ſey, als wann man dieſe Zubereirung hat. der Tiſchgenoſſen. 175 hat. Nun ſich dem HErrn auf⸗ opfferen, heißt, ihme ſein Hertz geben, es heißt, veſt entſchloſ⸗ ſen ſeyn, ins kuͤnfftig nicht an⸗ derſt, als zu ſeiner Ehr, und zu ſeinem Dienſt zu leben. Und das iſt die Pflicht, welche der Heil. Paulus allen Chriſten vorſchreibt, wann er ſagt: Ich ermahne Euch/ lieben Bruͤder/ durch die Barmher⸗ tzigkeit GOttes/ daß ihr euere Lei⸗ ber begebet zum Opffer/ das da le⸗ bendig, heilig/ und GOtt wohl⸗ gefaͤllig ſey/ welches ſey euer ver⸗ nuͤnfftiger Gottesdienſt. Rom. 12. 1. Dieſe Aufopfferung iſt der Zweck des Evangelii, ſie iſt der Zweck des Beruffs, den GOtt an uns ergehen laſſet. Dieſe heilſame Gnade, die ſo klar allen Men⸗ ſchen erſchienen durch den Tod IEſu Chriſti, deſſen das Heil. Abendmahl ein Denckmahl iſt, M ſ zuͤch⸗ V — 4 ———— —— 176 Die Pflichten zuͤchtiget uns, daß wir ſollen ver⸗ laͤugnen das ungoͤttliche Weſen/ und die weltliche Luͤſte/ und in dieſer gegenwaͤrtigen Welt maͤßig/ gerecht/ und gottſelig leben. Tit. 2. II, 12. Darzu verpflichtete man ſich in der erſten Kirchen durch das Tauf⸗ Geluͤbd. Man ſagte ab dem Teuf⸗ fel/ und ſeinen Wercken/ der Welt und ihrem Pracht/ dem Fleiſch und ſeinen Luͤſten. Hernach begreifft dieſe Ubergab ſein ſelbſt an GOtt, ein aufrichtiges Verlangen, undve⸗ ſten Entſchluß, unſerm eigenen Willen abzuſagen, und nur dem Willen des HErrn ſich zu unter⸗ werffen; Der, welcher ſich GOtt aufopfferet, nimmt ihn an fuͤr ſeinen einigen Meiſter, dem er gantz und gar, immer und ewig⸗ lich, will unterworffen ſeyn; und wem ſollte oder koͤnnte man auch ſich zugeſellen, und nicht un⸗ treu ———ꝛ—ꝛ— der Tiſchgenoſſen. 177 treu und meineydig werden? Nie⸗ mand kan zweyen Herren dienen/ oder er wird einen haſſen/ und den anderen lieben; oder er wird einem anhangen/ und den anderen ver⸗ achten. Matt. 6. 24. Ubrigens muͤßte einer ungemein ſtock-Starren blind ſeyn, der nicht begreiffen ſollte, daß es gar nöthig, ſich auf ſolche Weiſe GOtt aufzuopfferen. J. Gehoͤren wir ihm nicht un⸗ ſtreitig zu? GOtt iſt unſer Schoͤpf⸗ fer, und er iſts/ in dem wir leben/ weben und ſind; Act. 17. 28. Er hat uns weiter durch Chriſti Blut erkaufft, und das heilige Sacra⸗ ment iſt ein Gedaͤchtnuß dieſer Erwerbung. Das Heil. Abend⸗ mahl ſagt uns dann, daß wir nicht mehr unſer ſelbſt ſeyen/ ſondern/ daß unſere Leiber und unſere Seelen GOtt zugehoͤren; daher muͤſſen wir hin⸗ 178 Die Pflichten hinfüro nur dem leben/ der fuͤr uns geſtorben und aufferſtanden iſt. I. Cor. 6. 20. 2. Cor.. 15. II. Wann aber das unſere Pflicht iſt, ſo iſt es eine Pflicht, die unſer eigene Nutzen erfuͤllt haben will; In der That, in dem wir uns GOtt aufopfferen, ſo er⸗ geben wir uns dem, der allein uns wahrhafftig gluͤckſelig ma⸗ chen kan und will; Dem, bey welchem alles wahre Gute ſich findet, und der es freygebig mit⸗ theilet, dann der HErr gibt Gnad und Ehre/ Er wird kein Gutes anglen laſſen denen Frommen. pfese 12. Im Gegentheil, wann man ſich von GOtt abwendet, und der Welt ergibt, und ſich ſelb⸗ ſten, ſo haͤngt man ſich nur an die Eitelkeit, man entfernt ſich von der Quelle des Lebens. Man ſtuͤrtzet ſich in das auſſerſte Un⸗ gluͤck, der Tiſchgenoſſen. 179 gluͤck, und man bereitet ſich zu einer grauſamen Ewigkeit, oder man geht einem greulichen ob⸗ ſchwebenden Ungluͤck entgegen. Die Welt⸗Menſchen doͤrffen, ſich davon zu uͤberzeugen, nur auf⸗ merckſam ihren wahren Zuſtand betrachten, nicht nur in Anſehung der Seele, ſondern auch oft und oͤffters, als man ſich nicht einbil⸗ det, in Anſehung des Leibs, ſo wurden ſie die traurigen und noͤ⸗ thigen Folgen ſehen, der leidigen Parthey, die ſie genommen, oder zu deren ſie ſich geſchlagen. Alles kommt dann darauf an, maͤniglichen zu uͤberzeugen, daß die Aufopfferung ſeiner ſelbſt an GOtt, die billichſte und heilſam⸗ ſte Sach ſey. Daß der HErr guͤ⸗ tig ſey, indem er diß Opffer von uns forderet! indem er uns in Stand ſetzet, ihm diß Opffer zu rin⸗ 180 Die Pflichten bringen, und daſſelbige gnaͤdig annehmen will, ungeacht un⸗ ſerer Unvollkommenheit und Schwachheit. Wer dieſes er⸗ wegen wird, wird in die Bewe⸗ gung kommen, die Aſſaph in dieſen ſchoͤnen Worten ausdruckt: HErr ich werde ſtaͤts an dir bleiben/ dann du haͤlteſt mich bey meiner rech⸗ ten Hand. Du leiteſt mich nach dei⸗ nem Rath/ und nimmeſt mich end⸗ lich mit Ehren an. Wann ich nur dich habe/ ſo frage ich nichts nach Himmel und Erden. Wann mir gleich Leib und Seel verſchmacht/ ſo biſt du doch/ GOtt/ allezeit meines Hertzens Troſt/ und mein Theil. Dann/ ſiehe/ die von dir weichen/ werden umkommen; Du bringeſt um alle/ die wieder dich huren. Aber das iſt meine Freude/ daß ich mich zu GOtt halte. Pſ. 73. 23⸗ 27. Das der Tiſchgenoſſen. 181 Das iſt die Haupt⸗Beſchaffen⸗ heit, damit das Hertz erfuͤllt ſeyn muß, wann man zum Tiſch des HErrn geht. Sie kommt unſe⸗ rem Gemuͤth gantz natuͤrlich vor, da iſt eine Gemuͤths⸗Beſchaffen⸗ heit mit der andern verknuͤpfft und verbunden. Dieſe Gemuͤthts⸗Ge⸗ ſtalt entſpringt von dem, ſo das Heil. Abendmahl vor Augen ſtellt; Über alles aus ſchließt dieſe Be⸗ ſchaffenheit in ſich die Gedancken und Bewegungen, die in das Gebett gehoͤren, das man zu GOtt verrichtet, wann man zu der Heil. Tafel hinzunaht, davon nun bil⸗ lich etwas zu beruͤhren iſt. Vom Gebett, ſo man thut, wann man zum Tiſch des HErrn geht. Gs gibt wenig Tiſchgenoſſen, die nicht betten, mann ſie om⸗ 6 182 Die Pflichten kommen, das Heil. Sacrament zu empfahen; Dieſe Ubung kan nicht anderſt, als gar heilſam ſeyn, wann mußman mehr mit den Geiſt des Gebetts verſehen ſeyn, als in dieſem Umſtand? Ich will jetz nicht unterſuchen, ob dieſe Gebetter allzeit einfaͤltig und klar genug ſeyen? Ob ſie das Gefuͤhl, davon man in dieſen Umſtanden durch⸗ drungen ſeyn muß, ausdrucken? Aber eine noͤthige Betrachtung hieruͤber iſt, daß, weil ein jeder Tiſchgenoß tuͤchtig iſt, wenigſtens in gewiſſer Maaß, ſeine Pflicht, Zuſtand, Noth und ſein Abſicht zu erkennen, er eben dadurch im Stand, ein GOtt angenehmes Gebett zu verrichten. Dann, man muß ſich nicht einbilden, daß es die Frag ſey, kunſtliche und nach einer gewiſſen Lehr⸗ Art eingerichtete Gebert⸗Zornin⸗ en ———y,— — — —„—n—.— ———, der Tiſchgenoſſen. 183 len zuſtellen. Das iſts nicht, wo⸗ zu der Eyfer und Andacht ver⸗ leitet; und wann die, welche am wenigſten Geiſt und Gaaben ha⸗ ben, doch ihre leibliche Noth aus⸗ drucken koͤnnen; warum ſollte es nicht eben eins ſeyn, wann es um die Seelen⸗Noth zu thun? Vor allem aus, wann man mit GOtt redt, der unſere Gedancken von ferne verſteht/ und da kein Woort auf der Zungen/ daß der HErr nicht alles wiſſe? Pſ. 139. v. 2, 4. Iſt zum Exempel wohl jemand der nicht im Stand ſey, dieſes kurtze Gebett zu thun, und GOtt aufzuopfferen? O Gött, ſey mir gnaͤdig!„ HErr, ſey mit mir armen„ Sunder verſoͤhnt! Verleyhe mir Gnad, o mein GOtt! um IEſu Chri⸗ N ſti 184 Die Pflichten „ ſti, meines Heylands willen! „ Ich ſage dir Danck, daß du » Ihn, mich von meinen Suͤn⸗ „» den zu erloͤſen, in die Welt ge⸗ „»ſandt, und in den Tod dahin „ gegeben haſt! „Verleyhe mir um meines Er⸗ „ loͤſers willen, deinen heiligen „ und guten Geiſt, und die noͤ⸗ „thige Gnad, meine Fehler zu „ verbeſſeren!— „HErr, ich opffere dir fuͤr im⸗ „mer und ewiglich mein Leib und „Seel auf! „ Erweiſe mir von nun an, „biß in die Stund meines Todes, „ und auf den Tag deiner herr⸗ „lichen Wiederkunfft zum Ge⸗ „richt, Barmhertzigkeit! Wann dergleichen Gebett mit Eyfer geſchicht, ſo iſt es von groſ⸗ ſer Wuͤrckung; es gehet gar ſehr zu der Tiſchgenoſſen. 195 zu Hertzen, und das um ſo viel mehr, weil, wann das Gedaͤcht⸗ nuß durch Herſagung einerGebett⸗ Formul nicht beſchwaͤret iſt, das Hertz ſich um ſo viel deſto mehr zu GOtt erheben kan. Das, ſo allererſt gemeldet wor⸗ den uͤber die Zubereitung, die man zu des HErrn Tiſch bringen ſoll, muß vor allem aus, auf 3. Gattung Leuth appliciert oder zugeeignet werden. Erſtlich auf diejenigen, welche ſich einbilden, ihrer Pflicht ein Genuͤgen gethan zu haben, wann ſie vor Empfa⸗ hung des Heil. Abendmahls die Leſung einiger Nachtmahls⸗Buͤ⸗ cheren, nebſt anderen heiligen Ubungen, mit einigem Fleiß, und mit wenigern Zerſtreuͤung, als gewohnlich geſchehen, vorgenom⸗ men; vor allem aus, wann die⸗ ſe Leuth alſo ſich einer groben N 2 Suͤnd 8 186 Die Pſflichten Suͤnd nicht ſchuldig finden, es ſeye gleich, daß es ihr Natur ſo mit ſich bringe, oder daß ihre Umſtaͤnd ſie eben dazu nicht ge⸗ noͤthiget, ſo bereden ſie ſich, es brauche weiters nichts mehr, ſich in erforderlichen Zuſtand eines wahren Glaͤubigen, oder wenig⸗ ſtens eines reuenden Suͤnders zu finden. Indeß kan man in dieſem Zu⸗ ſtand ſeyn, und doch der erwehn⸗ ten Zubereitung manglen. Nun ein Hero, das laͤhr iſt von Er⸗ kanntlichkeit, und daher den Werth des goͤttlichen Gnaden⸗Geſchencks nicht empfindet; Ein Hertz da kein aufrichtiger Glaub, und wah⸗ re Liebe gegen GOtt, und IEſum Chriſtum ſich findet; Endtlich ein Hertz ohne Deemuth, und in dem die Liebe der Welt und ihre Manieren annoch herrſchen, waͤre ein der Tiſchgenoſſen. 187 ein ſolch derdwoh in dem Stand Gemeinſchafft mit JEſu Chriſto zu haben? Die Verblendung de⸗ ren, die es glauben, iſt ſo gott⸗ loß und grob, daß ſie nothwen⸗ dig muthwillig ſeyn muß; Aber dieſe betriegen ſich nicht weniger, die ſich einbilden, dieſe Zuberei⸗ tung zu haben, lediglich, weil ſie dieſelbe erkennen, oder, weil ſie deren Nothwendigkeit und Fuͤr⸗ trefflichkeit begreiffen; Dann die Wuͤrckungen, ſo dieſe Zubereitung herfuͤr bringt, ſind ſo empfind⸗ lich, daß es unmoͤglich, ſie nicht zu bemercken, wann ſie da oder Es gibt noch ein andere Gat⸗ tung Leuth, welche auf gemeld⸗ tes wohl Acht haben ſollen; Das ſind diejenigen, welche von der Nothwendigkeit und Wuͤrckung einer guten Communion nicht ge⸗ N 3 nug 188 Die Pflichten nug uͤberzeuget ſind, es ſey gleich auf den Weg der Gottſeligkeit zu leiten, oder darinn zu beveſti⸗ en. Die Quell ihres Irrthums ommt von der Manier zu den⸗ cken uͤber die Wuͤrckung der Sa⸗ cramenten. Weil ſie glauben, es ſey genug, wann ſie zum Tiſch des HErrn gehen, ſo vergeſſen ſie, daß die Wuͤrckung des Heil. Abendmahls von der Zubereitung deſſen herruͤhre, der das Heil. Nachtmahl empfangt: wann die⸗ ſe Leuth ihr Gewiſſen Raths frag⸗ ten, ſo wurde es ihnen ſagen, daß ſie hingehen, ohne einige Frucht davon zu haben, weil ſie es mit unbereiteten Hertzen thun, die da von der weſentlichen Zu⸗ ruͤſtung zu einer rechtmaͤßigen Genieſſung des Heil Abendmahls laͤhr ſind. Will man dann glau⸗ ben, daß die Sacrament aufß die See der Tiſchgenoſſen. 139 Seel wuͤrcken, wie Artzney⸗Mit⸗ tel auf den Leib ihre Wuͤrckung haben, und daß ſie wuͤrcken ohne den Willen deß, der ſie empfangt, ein ſolcher Glaub waͤre ein gar grober und dummer Aberglaub? Die Wuͤrckung der Ceremonien der Religion, und inſonderheit des Heil. Abendmahls ruͤhret, das man nicht zu viel einſchaͤrffen kan, von zwey Sachen her. I. Von der Gnad GOttes, die er uns nach ſeiner Barmhertzigkeit in JEſu Chriſto erzeigt, und die allezeit bey Buß und Glauben ſich findt. II. Von der zubereitung deren, die des Heil. Nachtmahls theilhaff⸗ tig werden, und von deren Na⸗ tur man gehandlet, und deren unumgangliche Nothwendigkeit man auf das empfindlichſte vor⸗ geſtellet. Was die betrifft, bey wel⸗ N 4 chen 1 190 Die Pſlichten —OOO;’— chen dieſe Zubereitung ſich nicht findet, und die ſich keine Muͤhe geben, ſelbige zu erlangen, iſt es ſo unmoͤglich, daß ſie einigen Nutzen von des HErrn Tiſch ha⸗ ben, als unmoͤglich es iſt, daß GOtt ein Gebett erhoͤrt, ſo ohne Andacht und ohne Aufrichtigkeit geſchihet, oder, daß die Predigt es Evangelii, die anderſt nicht, als mit den Ohren des Leibs, an⸗ Benomunen wäͤr, koͤnnte frucht⸗ babrlich und heilſamlich ablauf⸗ en. Wie lang ſoll dann der Miß⸗ brauch des Heil. Abendmahls auf eine ſo unverantwortliche Weiſe ſtatt haben? Wann werden doch die Chriſten einmahl begreiffen, das, was GOtt ſchon ſo klar, und ſo nachdrucklich den Juden vorgeſtellt, daß aller Dienſt, und alle aͤuſſerliche Ubungen der eie⸗ igion der Tiſchgenoſſen. 191 ligion unnuͤt ſeyen, und GOtt nur erzoͤrnen, wann man nicht ein wohl zubereitetes Hertz dabey hat, gegen demjenigen, welcher., weil er ein Geiſt/ auch im Geiſt und in der Wahrheit ſich angebettet/ und gedient haben will. Pſ. F0. Eſaj. 1. Jeremie 7. Joh. 4. 24. Ende des dritten Theils. N F Vierd⸗ 4 w Die Pflichten Vierdter und letſter Theil. Von dem, ſo man nach Em⸗ 1 pfangung des Heil. Abend⸗ mahls zu thun hat. V Ex Articul, der uns naoch 1 uͤbrig iſt, zu derhandln iſt nicht weniger noͤthig, als die vor⸗ hergehenden; Es kan auchſeyn, daß die Pflichten, zu denen man nach Empfangung des heiligen Abendmahls verbunden, nicht nur am meiſten hindangeſetzt werden, ſondern noch am wenigſten be⸗ kannt ſind. Der meiſte Theil 6 glaubet, es ſey alsdann genug ein Gebett docer ſagen, etwas leſen, dem offentlichen Gottes⸗ dienſt abwarten, und an dieſem Tag um etwas weniger zerſtreut ſeyn, als gewohnlich. Detnach un 8 der Tiſchgenoſſen. 193 und Uber⸗morgen fahren ſie wie⸗ der fort nach ihrer Gewohnheit zu leben, biß die Zeit einer neuen Communion wieder kommt, da wenden ſie ſich wieder zu dem, das ſie nennen, ſich zum Heil. Abendmahl vorbereiten. Dieſe Leuth bringen ihr Leben ſo leicht⸗ ſinnig zu, ſie laſſen es ſo einwurtz⸗ len, und zu letſt glauben ſie ſich alſo wohl gegruͤndet, daß ihnen nicht einmahl in den Sinn kommt, den geringſten Zweiffel zu haben, oder den mindſten Anſtand uͤber dieſe Materie; Indeſſen brauch⸗ te es nur ein wenig Uberlegung, Treu, und Redlichkeit, ſich von ſolchem Leichtſinn frey zu ma⸗ chen, und ſich zu uͤberzeugen, daß gar nichts aufrichtiges und ver⸗ nuͤnfftiges ſeye, auf ſolche Ma⸗ nier zu leben. So iſt es dann etwas gang wwe⸗ ent⸗ 194 Die Pflichten ſentliches zu zeigen, wozu das Heil. Nachtmahl diejenigen ver⸗ binde, die dazu aufgenommen worden ſind. Zu dem End muß man zeigen I. Was man thun ſoll, nach⸗ dem man des Abendmahls des HErrn theilhafftig worden? Il. Hernach muß man zeigen, daß die, welche es hindanſetzen, ſich der groͤſten Gefahr bloß ſtel⸗ len, und um den Nutzen kommen, den ſie von Empfang des Heil. Abendmahls haͤtten ziehen koͤnnen, wann ſie ſich in rechtem Sinn da eingefunden haͤtten. UÜbrigens, was die betrifft, die zu der Tafel des HErrn ohn ei⸗ nige Zubereitung und unwuͤrdi⸗ ger und geiſtloſer Weiſe hinzu⸗ genahet, ſo hat man ihnen nichts anders zu ſagen, als nur, daß ſie in einem ſehr leidigen Suſtand 1 ——,—— 6— der Tiſchgenoſſen. 195 ſich befinden, und daß ſie noͤthig haben gar ernſtliche Buß zu thuͤn, wann ſie wieder loß werden wol⸗ len, aber in Wahrheit, es iſt dieſe Buß etwas ſehr rares und ſchweres, wann man allem dem wiederſtanden hat, was das Heil. Abendmahl vor Augen ſtellt, will ſagen, demjenigen, welches das kraͤfftigſte in der Religion iſt, uns mit Liebe und Erkaͤnntlichkeit zu erfuͤllen, und uns mit Gottesforcht und Andacht zu durchdringen. Man muß auf dieſe Leuthe und un⸗ wuͤrdige Tiſchgenoſſen, dieſe Wort St. Pauli zueignen, daß ſie ih⸗ nen ſelber das Gericht eſſen und trin⸗ cken/ daß ſie nicht unterſcheiden den Leib des HErrn. 8 Das 196 Die Pflichten Das erſte Capitul. Von den Pflichten, die man alſobald nach Empfangung des Heil. Abendmahls erfuͤl⸗ len muß. S= Je Pflichten, die man nach Empfangung des Heil. A⸗ bendmahls in Acht zu nehmen hat, ſind zweyerley. Es gibt deren die man ſo gleich nach dem Em⸗ pfang/ und an dem Tag ſelbſt, da man zu des HErrn Tiſch gegan⸗ gen, ausuͤben muß, und es hat wieder andere, die ſich auf den Tnnen Erfolg des Lebens erſtre⸗ en. Die Erſteren, davon in dieſem Capitul die Red ſeyn ſoll, ſind deſt 4. und zwar die Vornehm⸗ ten. I. Das Gebett. II. Das Leſen er der Tiſchgenoſſen. 197 der Heil. Schrifft, und dero ge⸗ maͤſſer Buͤcheren. III Gute Ge⸗ ſpraͤch. IV. Die Werck der Fromm⸗ keit und Liebe. I. Pflicht. Das Gebett. Je erſte Pflicht, zu deren uns der Tag des Heil. A⸗ bendmahls auf eine gantz ſonder⸗ bahre Weiſe einladet, iſt, GOtt dem HErrn ein einbruͤnſtig und aufrichtig Gebett aufopfferen. Durch das Gebett bringt man ihm das demuͤthige und billiche Opffer ſeines Lobs uͤber ſeinem Seegen; Auf dieſe Weiſe ergibt man ſich gantzzu ſeiner Ehr, und haltet an um den Beyſtand ſeines Heil. Geiſtes, und zwar inſon⸗ derheit um denjenigen, den wir noͤthig haben nach den Aunſſain⸗ en, 198 Die Pflichten den, darinn wir uns befinden moͤͤ gen. Und zwar wie GöOtt klaͤrlich durch Schenckung ſeines Sohns gezeiget hat, daß er wolle, daß allen Menſchen geholffen werde/ ſo iſt es billich, daß wir an den Heil. 6 Communions⸗Tagen ihm auf ſon⸗-⸗ 1 derliche Weiſe, Gebett und Danck⸗ ſagung bringen, fuͤr alle Men⸗ ſchen, fuͤr die Bekehrung der Suͤnder, und fuͤr Staͤrckung der Gerechten, und fuͤr das Wachs⸗ thum und Beveſtigung des Reichs IEſu Chriſti. Das ſind die Em⸗ pfindungen, welche das Hertz deſſen durchdringen, der mit Auf⸗ richtigkeit zu des HErrn Tiſch ge⸗ gangen, und welcher geſchmecket hat/ wie freundlich der HErr ſeye; b auch, die Sach recht zu nehmen, diß zu GOtt erhabene Hertz, diß Hertz, ſo GOtt ſucht, und 14 4 der Tiſchgenoſſen. 1⁰9 welchem ſolche unausſprechliche Seuffzen aufſteigen, Rom. 8. 26. iſt eine Gnade, ſo man von einer aufrichtigen Genieſſung des Heil. Abendmahls davon tragt. II. Pflicht. Die Leſung Heil. Nacht⸗ mahls⸗Andachten. An muß die Andacht unter⸗ 2 9 halten durch erbauliches Leſen mit geſammletem Gemuͤth, und mit einer klugen Einkehr in ſich ſelbſten.. Dieſe Leſung muß fuͤrnehmlich aus der Heil. Schrifft genommen ſeyn. Die Heil. Schrifft iſt die lau⸗ terſte und reichſte Quelle alles des, ſo die Frommkeit nehren kan, und alſo koͤnnte man nicht beſſer thun, als wann man nach empfangenem Heil. Abendmahl diß Goͤttliche O Buch e 5 Di Pilichten Buch lieſet, und die Schrifftſtel⸗ len auslieſet, die ſich am beſten ſchicken. Wir wollen die vornehm⸗ ſten anzeigen, denen zu Lieb, die diß Orths Anleitung vonnoͤthen haben moͤchten; So wollen wir uns vergnuͤgen mit dem, daß in 1 dem Buch der Pfalmen ſteht, und im N. Teſtament. Unter den Pſalmen koͤnnte man folgende erwehlen. Den 25. 32⸗34. G 42. SO. SI. 84. 95. 100. 103. 116. 117. 118. 145. In dem N. Teſtament muß man leſen das, ſo eine Verwandſchafft at, mit dem Feſt, ſo die Kirche An der Weyhnacht/ die Hiſtorie von der Geburt JEſu Chriſti. Luc. I. 2. 3. Tap. 1 An der Oſteren/ die Leydens⸗ Hiſtorie. Matth. 26. 27. Cap. mit Beyfugung der Hiſtorie von der uUf⸗ egebt.. der Tiſchgenoſſen. 201 Aufferſtehung Luc. 24. Cap. An der Auffarth das 1. Cap. der Apoſtlen Geſchichten. An der Pfingſten/ das 2. Ca⸗ pitul dieſes Buchs, und das 8te Cap. der Epiſtel an die Roͤmer. Man kan auch nutlich zu dieſer ſonderbahren Leſung beyfuͤgen, un⸗ terſchiedliche ſchoͤne und fuͤrtrefli⸗ che Capitel. Matth. das. 6. 7. 25ſte. St. Joh. das 13. 14. 15. 16. 17. Capitel. Roͤm. das ôte und 12te Cap. I. Cor. das I1te und 15te Cap. Epheſ. das iſte. Coloſſ. das 3te. I. Theſſ. das ſte Cap. Hebr. das 10te und 12te Cap. J. Petr. das iſte und 2te Cap. 1. Johan. das zte und Offenb. das IIte und 22te Cap. W Ubrigens will das eben nicht ſagen, daß man alle dieſe Anzuͤg der Heil. Schrifft bey jeder Com⸗ O 2 munion 202 Die Pflichten munion leſen muͤſſe; Allzu vie⸗ les leſen macht qhr dumm, ſon⸗ dern man muß eine Auswahl deſ⸗ ſen, ſo ſich am beſten auf den Zu⸗ ſtand und Umſtaͤnde, darinn man ſich befindet, ſchickt, machen; was man einmahl nicht lieſet, kan auf ein andermahl verſchoben werden; und zwar, wann man dieſe Schrift⸗ Oerter mit mehrerem Nutzen leſen will, ſo kan man ſich bedienen des Buchs, mit der Uberſchrifft: Be⸗ trachtungen und Anmerckungen uͤber alle Bücher und Capitel der Heil. Schrifft oder Bibel/ von HᷣErrn Pfarrer Oſterwald zu Welſch⸗ Neu⸗ enburg. Zur Leſung der Heil. Schrifft kan gar nutllichzukommen, die Le⸗ ſung der Andachts⸗Buͤcheren, die ſich fuͤr dieſen Umſtand ſchicken; unter welchen es gar nutliche hat. Die Anzahl deren iſt groß genug un der Tiſchgenoſſen. 203 und zwar ſo gibt es wenig Leuth, die nicht gewohnt ſind, ſich eines gewiſſen Buchs insbeſonder zu be⸗ dienen. Eswaͤre nur zu wuͤnſchen, daß dieſe Buͤcher allezeit wohl aus⸗ erleſen waͤren. Ohn deren eins an⸗ zuzeigen, iſt es genug zu ſagen, daß die klarſten/ einfaͤltigſten/ kuͤrtzſten/ und vor allem aus die/ welche das Hertz und Gewiſſen angreiffen/ die Beſten unter allen ſehen; Hieruͤ⸗ ber aber koͤnnen die Siſnenoſſen die Anleitung noͤthig haben, ihre geiſtliche Fuͤhrer Raths fragen. III. Pflicht. Gottſelige Geſpraͤche. Ghehe da, eine dritte Pflicht, an welche vielleicht viele nie⸗ mahl gedacht, und deren Ubung doch gar heilſam iſt. Sie beſtehet in gottſeligen Geſpraͤchen und andaͤch⸗ O 3 tigen 4 204 Die Pflichten tigen Unterredungen/ die ſich auf die Umſtaͤnd beziehen/ in welchen man ſich befjdet. Wann dieſe gottſelige Geſpraͤch insgemein ein weſentli⸗ che Pflicht der Religion ſind, ſo iſt die Ubung davon gewißlich von ei⸗ ner gar merckwuͤrdigen Nutzbar⸗ V keit, um in der Tugend zuzuneh⸗ men; über alles waͤren ſie von ei⸗ ner recht wunderbahren Wuͤrck⸗ ” ung nach dem Heil. Abendmahl. IEſus Chriſtus ſagt in dem Evangelio, daß, weß das Hertz voll/ der Mund davon uͤbergehe/ Matth. 12.34. Wann dann das Hertz wahr⸗ baffin von der Gnad Gottes durch⸗ drungen, in Schenckung ſeines Spohns, ſo werden es die Geſpraͤch zu erkennen geben, eben wie ſolches geſchihet, wann es um die Sachen der Welt zu thun. Was waͤre diß nicht fuͤr eine heilſame Ubung, wañ in einem Hauß, Mann und han e⸗ — —— ——— ———— ñ— 4 der Tiſchgenoſſen. 205 Elteren und Kinder, wann unter den Haußgenoſſen man, mit einem Wort, ſorg truge, inſonderheit an Communion⸗Tagen, ſich durch gu⸗ te Geſpraͤch zu erbauen, zu unter⸗ weiſen, zu ermahnen, und einan⸗ der aufzumunteren. Eben wie die, welche in einem Hauß, oder von einem Geſchlecht ſind, ſich gemei⸗ niglich kennen, wenigſtens in ge⸗ wiſſer Maaß, dis wurde ſie in Stand ſetzen, einander Bericht und rechtſchaffenen guten Rath mitzutheilen, welchen weder das Leſen noch die Predigten offt nicht erſetzen koͤnnten. Das, was zu dieſen gottſeligen Geſpraͤchen Anlaß geben ſollte, zeigt ſich von allen Seiten, und zwar, nach dem Begriff aller Leu⸗ then. Die groſſe Heils⸗Guͤter, die GOtt bey ſeiner Tafel anerbietet; Das, was man zu thun hat, ſie 9 4 davon 6 206 Die Pſlichten davon zu tragen; Die Verheiſ⸗ ſungen, welche dißorths geſchehen, das, was man zu foͤrchten, oder zu hoffen hat, je nachdem man GOtt getreu oder untreu ſeyn wird; Endtlich die Betrachtungen, wel⸗ che ſich insbeſondere auf den Zu⸗ ſtand und Noth, darinn ein jeder ſich befinden kan, beziehen. Alles diß fuͤrgebrachte ware in einem an⸗ daͤchtigen und liebreichen Gemuͤt ſehr kraͤfftig, wie ein jeder dur 6 die Erfahrung, ſich deſſen uͤberzeu⸗ gen koͤnnte; Ubrigens weiß ich wohl, daß nicht alle, auf gleiche Weiſe, im Stand ſeyen dieſe Pflicht zu erfuͤllen, in Anſehung pier Le⸗ bbens⸗Gattung; aber die, ſo allein leben, oder die niemand haben, mit 3 dem ſie ſich durch dergleichen gute Geſpraͤch erbauen koͤnnten, koͤn⸗ nen dieſen Mangel leicht durch goottſelige Betrachtungen erſeten 4 le⸗ der Tiſchgenoſſen. 207 dieſelben haben eine groſſe Wuͤr⸗ ckung, in der Frommkeit zu beve⸗ ſtigen, und die Andacht und Ey⸗ fer zu unterhalten, wie das Ex⸗ empel Davids allein, der offt die⸗ ſe Pflicht in acht nahme, deſſen eine Prob iſt. IV. Pllicht. Von den Wercken der Gott⸗ ſeeligkeit und Liebe. Jeſe Werck der Frommkeit und Liebe ſind insgemein, dieſe aͤuſſerliche Handlungen/ die da⸗ hin ziehlen/ daß wir unſerm Naͤch⸗ ſten zeigen/ daß wir ſie alle in JEſu Chriſto lieb haben/ und daß das/ ſo ihre Gluͤckſeligkeit angeht/ ſo wohl die Geiſtliche/ als die Zeitliche/ uns ſehr zu Hertzen gehe. Der Genuß des Heil. Abendmahls hat dieſeie⸗ be wieder anzuͤnden und kraͤfftig 9 5 ma⸗ 208 Die Pflichten machen ſollen. Dieſem Zufolg ſind die Communions⸗Tag juſt eben die Tag, da man insbeſondere glauben ſoll, beruffen zu ſeyn, in Anſehung derjenigen, mit denen man verbunden, die Pflichten zu erfuͤllen, zu denen der Heil. Pau⸗ lus die Theſſalonicher vermahnete in dieſen ſchoͤnen Worten: Wir ermahnen euch/ lieben Bruͤder/ ver⸗ mahnet die Ungezogenen/ troͤſtet die Kleinmuͤthigen/ traget die Schwa⸗ chen/ ſeyd gedultig gegen jedermann. I. Theſſ. F. 14. Vor allem aus, ſollen die Com⸗ munions⸗Tag zu dieſen Wercken der Liebe gewidmete Tag ſeyn, welche St. Paulus nennt, Werck/ wohl zu thun/ und mitzutheilen. Hebr. 13. 16. Wann man jeweilen dazu geneigt ſeyn ſoll, und mit Freuden und Großmuͤthigkeit Handreichung thun, ſoll es alsdan ge⸗ —,,y,—,———————: der Tiſchgenoſſen. 209 geſchehen wann man von feyr⸗ icher Begehung, oder Betrach⸗ tung der unendtlichen Barmher⸗ ßigkeit deſſen, der uns mit ſeinem theuren Blut erloͤßt, kommt. Eben der hat uns die Ubung dieſer Tu⸗ gend auf das nachdruckliche anbe⸗ fohlen, und noch die Verheiſſung der herrlichſten Belohnung beyge⸗ fügt. Der Heil. Paulus bediente ſich dieſer Betrachtung, die Co⸗ rinthier zu vermoͤgen, alles zu Auf⸗ hebung einer milten Beyſteur fuͤr die Kirchen des Juͤdiſchen Lands beyzutragen. Ihr wiſſet/ ſagt er zu ihnen, die Gnade/(oder die Barmhersigkeit) unſers OEErrn IEſu Thriſti/ daß/ ob er wohl reich iſt/ ward er doch arm um eu⸗ ertwillen/ auf daß ihr durch ſeine Armuth reich wurdet. 2. Cor. 8. 9. Die Weiſe, nach deren das Heil. Abendmahl in der elſten ir⸗ 210 Die Pflichten Kirchen gehalten worden, zeiget, w daß die erſten Chriſten diß gar wohl gefaßt.„Ehe man ſich da » hinzunahete, ſagt ein beruͤhm⸗ »„ ter Schreiber uͤber das unwie-⸗ „ derſprechliche Anſehen, ware „» die Gewohnheit, daß ein jeder „» nach ſeinem Vermoͤgen ſein Opf⸗ „ fer brachte, welches als die Erſt⸗ „» ling von ihrem Einkommen, „» durch die Prieſter auf den Altar b »» oder auf den Tiſch des HErrn „ gelegt wurde, und hielten ees „ fuͤr unanſtaͤndig, wer es auch b I„» immer waͤre, vor ihm mit laͤh⸗ „ ren Haͤnden zu erſcheinen. Aus » dieſer Urſach hat Cyprianus auf „ das ſcharffſte eine reiche Wittwe „ ſeiner Zeit beſtrafft, darum daß „ ſie vor ihm, ohn etwas in den b » GOttes⸗Kaſten zu legen, er⸗ „ ſcheinen doͤrffte, und daß ſie von » ihrem Opffer genoſſe, öbn ct a —— der Tiſchgenoſſen. 211 was von dem Ihrigen beyzu⸗„ tragen. Man wendete dieſe„ Opffer zum Gebrauch der Kir-„ chen, zu Unterhaltung der Prie⸗ ſteren, und zum Troſt der Armen„ an; Daher nahme man unter„ anderm auch das Brod und„ Wein fuͤr das Heil. Abendmahl. Ohneracht deß allem, iſt doch die Pflicht, davon die Red, ſo wenig bekannt, daß einigen es villeicht fremd fuͤrkommt, daß man die Werck, wohl zu thun, und mit⸗ zutheilen, unter den Reichen der wefentinhen Pflichten einer auf⸗ richtigen Communion ſetzet. Ich weiß wohl, daß es ſeyn kan, daß das, was man den Armen an die⸗ ſen Tagen bey der Thuͤr des Tem⸗ pels gibt, reichlicher ſey, als die gewohnlichen Allmoſen, aber das iſt nicht genug; Unſere Meynung iſt, daß die Tag des Heil. Abend⸗ mahls 212 Dil Pflichten mahls, Tag ſeyn ſollten, da man je nachdem man es vermag, ſich inſonderheit aus Liebe angreiffen ſollte. Die, welche von dem Geiſt der erſten Chriſten werden ange⸗ flammt ſeyn, werden alſobald Ge⸗ legenheit zum Mitleiden ſinden; ſie werden an arme und angefochtene Familien gedencken; an Kinder, zu deren Aufferziehung man Gutes beytragen koͤnnte; an Austheilung guter Buͤcheren; an gute Verord⸗ nungen zu machen, und zu unter⸗ alten, und an andere dergleichen Dinge. Wir haben allezeit arme bey uns/ und wann wir wollen/ koͤnnen wir ihnen Gutes thun. Marc. 14. 7. Diß ſind die 4. Pflichten, die wir in Acht nehmen ſollen, ſo viel wir koͤnnen, an dem Tag der Commu⸗ nion ſelbſten; Aber die Nothwen⸗ digkeit davon zu empfinden, auf ei⸗ ne Weiſe, die uns zu deren lübn reibe, .+— der Tiſchgenoſſen. 213 treibe, muß man ſich in die Stille begeben, und alles, waszerſtreuen kan, ausweichen. Diß wird beſche⸗ hen⸗ wann das Hertz von der Hei⸗ igkeit der Verbindung eingenom⸗ men, in die man bey des HErrn Tiſch ſich eingelaſſen. Das andere Capitel. Von den Pflichten, die uns die Communion auferlegt fuͤr das gantze Leben. G wir in die Unterſuchung der vornehmſten Pflichten eintretten, dazu uns das Heil. A⸗ bendmahl all unſer Lebenlang ver⸗ bindet, ſo muͤſſen wir von einer un⸗ wiederſprechlichen Wahrheit wohl uͤberzeuget ſeyn, weil man ohne die⸗ ſe Uberzeugung niemahl an deren Erfuͤllung denckt. Dieſe Wahr⸗ beit beſtehet darinn, daß, wann h . n⸗ 214 Die Pflichten Andacht/ ſo das Heil. Abendmahl erforderet/ ſich nur auf das erſtreckte/ was man an den Tagen/ da man zu des HErrn Tiſch gehet/ thun ſoll/ ſo waͤre die gantze Religion nur ein Spiel und Geſpoͤtt. Nun eine ſolche Religion koͤnnte den GOtt der Herrlichkeit nicht zum Urheber haben, weil ſie das Hertz in aller ſeiner Boßheit und Verderbnuß ſtecken lieſſe, obſchon dieſe Boßheit und Verderbnuß ſich an dieſen Tagen eben durch aͤuſſer⸗ liche Handlungen nicht auslieſſe, und iſt nicht die Fortſetzung, ja ſo gar die Verſchlimmerung des un⸗ ordentlichen Lebens ſo vieler Leu⸗ then, die doch 3. oder 4. mahl des Jahrs zu des HErrn Tiſch gehen, deſſen eine Prob, darwieder nichts einzuwenden. Man muß eben zu dem End zu des HErrnTiſch gehen, zu welchem Chri⸗ 4 4 J —VVʒÿ¾·—— der Tiſchgenoſſen. 215 Chriſtus geſtorben; Nun dieſer Zweck, darum Chriſtus geſtorben, iſt die Zerſtoͤhrung der Suͤnd; es iſt die Heiligung des Suͤnders; es iſt wahr, daß unſer Heyland ge⸗ ſtorben iſt, die Suͤnder mit GOtt zu verſoͤhnen, aber er verſoͤhnt ſie nicht, als unter dem Beding einer aufrichtigen Buſſe, welche beſte⸗ het, wie es erwieſen worden, in Verlaͤugnung des ungoͤttlichen We⸗ ſens/ und der Weltlichen Luͤſten/ und daß man in dieſer gegenwaͤrtigen Welt maͤßig/ gerecht und gottſelig lebe. Tit. 2. 12. Hiezu verbindet man ſich auch, wann man zu dem Tiſch des HErrn gehet. Waͤre es dann erlaubt, diß Verſprechen zu brechen, und waͤre diß Brechen nicht eine erſchroͤckliche Vergroͤſ⸗ ſerung der Suͤnd? Das iſt ſo em⸗ pfindlich, daß, wann mananderſt daͤchte, ſo wurde man nicht nur P einen 216 Die Pſlichten einen falſchen Begrif von der Sach haben, ſonderen es waͤren noch gar gottloſe Gedancken. So muß man dann ſeinem Gemuͤth wohl vorſtel⸗ len, daß GOtt dergleichen Com⸗ munionen,(da das Hertz kein Theil daran hat, und die in nichts anders beſtehen, als in einer kurtzen Auf⸗ haltiig des Ausbruchs unterſchied⸗ icher Suͤnden, denen man unter⸗ worffen,) nicht anderſt anſehe, als das Faſten, von welchem er durch den Propheten Eſajam ſagte: ſollt das ein Faſten ſeyn/ das ich erwehlen ſoll/ daß ein Menſch ſeinem Leib des Tags uͤbel thuͤe/ oder ſeinen Kopf haͤnge/ wie ein Schilf/ oder auf ei⸗ nem Sack und in der Aſchen lige? Wollt ihr das ein Faſten nennen/ und ein Tag/ dem HErrn angenehm? Eſaj. F8. 5. Es iſt gar leicht dieſe Wort auf vorhabende Materie zu ziehen, und zu begreiffen, und zu er⸗ ah⸗ der Tiſchgenoſſen. 217 fahren, daß dieſe Zueignung gantz natuͤrlich ſeye. Ja man muß noch weiter gehen, dann, recht von der Sach zu reden, ſo kan man nicht ſagen, daß die, welche diß angeht, wieder zu ih⸗ rem unordenlichen Leben zuruck⸗ kehren; dann ſie haben es nie⸗ mahlen verlaſſen; ſie haben es auch niemahlen im Siñ gehabt; dañ ſich nichts vornehmen, als nur ein eit⸗ lang ſeine Suͤnden zuruckzuhalten, heißt entſchloſſen ſeyn, wieder zu ſeinen Suͤnden zuruckzukehren. Nun kan man wohl einen trauri⸗ gen Zuſtand ſich vorſtellen? In⸗ zwiſchen ſind in einem ſolchen Zu⸗ ſtand diejenigen, welche ſich einbil⸗ den, daß der Genuß des Heil. A⸗ bendmahls nichts anders erfor⸗ dere, als eine aͤuſſerliche Hand⸗ lung der Communion, begleitet mit Ausuͤbung gewiſſer Pflichten, die P 2 an 218 Die Pflichten an ſelbſten gut und heilig ſind, aber aber wo das Hertz kein Theil da⸗ ran hat. Aus a endem iidgühlef ſen, daß man durch eine aufrichtige und andaͤchtige Communion ſich fuͤr immer JEſuChriſto aufopffere. Nun das, was man thun ſoll, ſein Verſprechen zu halten, und deſſen Ausuͤbung ſich auf das gan⸗ e Leben erſtreckt, laßt ſich in die⸗ b en zweyen allgemeinen Pflichten begreiffen. Die Erſte beſtehet darinn, daß b man ſich offt auf Unterſuchung ſei⸗ nes Gewiſſens lege. Die andere, daß man ohn Un⸗ terlaß an hertzhaffter Verbeſſerung ſeines Lebens, zufolg dem Zuſtand, b darinn man ſich finden moͤchte, ar-⸗ beite. Erſte der Tiſchgenoſſen. 219 Erſte Pflicht. Ofſt ſein Gewiſſen zu erforſchen. Er, welcher GOtt getreu ſeyn, und in der Frommkeit ſich be⸗ veſtigen will, wird es nimmer thun, als wann er ſich offt die Unterſuch⸗ ung ſeines Gewiſſens laßt angele⸗ gen ſeyn. Sich nur ſo von weitem erforſchen, iſt das Mittel, ſich nicht zu erkennen, und nicht nur ruhig zu ſuͤndigen, ſondern das noch mehr, gantz unvermerckt. Das, was den Menſchen von ſolcher be⸗ ſtaͤndigen Aufmerckſamkeit auf den Zuſtand ihres Hertzens abwendet, iſt die Welt und ihre Luſt. Siehe da, was faſt alle Zeit wegnimmt, und der meiſten Begierdenerfuͤllt; oder, wormit die meiſten ſich ver⸗ gnuͤgen; Laßt nun die Religion JEſu 220 Die Pflichtere IEſu Chriſti, nach ihren Grund- Reglen, nach denen man ſein Le⸗ ben einzurichten verſprochen, zu, alſo zu gedencken, und zu leben? und iſt es nicht offenbahr, daß die⸗ ſe Heil. Religion eben dadurch, daß ſie in einer beſtaͤndigen Liebe zu GOtt beſtehet, alle Tag die Ubung 1 alles deſſen, ſo dieſe Liebe unter⸗ halten, ſtaͤrcken und verhindern kan, daß ſie nicht ſchwach werde, und ſich vermindere, uns aufferle⸗ b get? Daher kommt es, daß die V Shriſeluhe Wachtbarkeit eine von dieſen allgemeinen Pflichten iſt, b die allen Menſchen vorgeſchrieben, zu allen Zeiten in Acht zu nehmen; unnd ſo koͤnnen wir nicht anderſt al⸗ le Pflichten der Frommkeit, Liebe, und Maͤßigkeit beobachten, als wañ wir uͤber uns ſelbſten wachen. Dieſe Wachtbarkeit iſt es, ſo uns in Stand ſetzet, mit Kuͤcllſchem ort⸗ b der Tiſchgenoſſen. 221 ———Q⏑—B——˖———.—·——:— 4 Fortgang unſere boͤſen Zuneigun⸗ gen zu beſtreiten, und denen Ver⸗ ſuchungen, damit wir umgeben ſind, zu wiederſtehen. Nun dieſe Wachtbarkeit und Auffmerckſamkeit auf ſich ſelbſten, davon wir reden, beſtehet darinn, daß wir die Augen der Seelen of⸗ fen halten uͤber den Zuſtand und Be⸗ duͤrfftnuß unſers Hertzens; uͤber die Pflichten unſers Beruffs, uͤber die Gelegenheit, Gutes zu thun, uns ſelbige zu Nutz zu machen; uͤber die Verſuchungen, ſelbige auszuwei⸗ chen, und zu uͤberwinden. Sohat man auch hier zu bedencken, daß nicht ein einiger Tag unſers gan⸗ Lebens ſeye, da unſere Schwach⸗ Heiten und Verderbnuß uns nicht in Gefahr ſetzen, traurige Faͤhl zu thun; daß wir alle Stund und Augenblick können beruffen wer⸗ den, vor dem groſſen Richter zu er⸗ ꝓ† 4 ſchei⸗ 222 Die Pflichten ſcheinen. Wer wollte doch gern von dem Tod uͤberfallen werden, ehe er ſich in den Stand geſetzt haͤt⸗ te, Rechenſchafft zu geben? Das einige Mittel, dieſem erſchroͤckli⸗ chen Ungluͤck vorzukommen, iſt noch einmahl die Ubung dieſer Chriſtlichen Wachtbarkeit. Das iſt auch die Urſach, daß JEſus Chriſtus ſo offt und ſo ſtarck alle ſeine Juͤnger vermahnet, allezeit zu wachen; Wachet/ dann ihr wiſ⸗ ſet nicht/ zu welcher Stund der oErr kommen werde. Das/ was ich euch ſage/ ſage ich allen/ wachet. Luc. 21. 36. Matth. 25. 14. Marc. 13.37. Zu dem End muß das Hertz deſ⸗ ſen, der in der Gemeinſchafft GOt⸗ tes bleiben will, ſeyn, wie der Al⸗ tar/ auf welchem das Feur ewig/ be⸗ ſtaͤndig brennen/ und nimmer verloͤ⸗ ſchen ſoll. Lev. 6. 12. Ubrigens muß man ſich nicht einbiſden, daß ad, 1 ſ — der Tiſchgenoſſen. 223 —Q——Q—Q——————· ·„ i·— das, ſo hie anbefohlen wird, gar ſchwer zu thun ſey. Die ſolche Ge⸗ dancken haben moͤchten, laſſen es nur auf die Prob ankommen, ſich davon loß zu machen; ſie werden ohne Verzug nicht allein die Nutz⸗ barkeit dieſer Ubung begreiffen, ſondern, das noch mehr iſt, ſo wird ihnen dieſe Ubung alle Tag ange⸗ nehmer und leichter ſeyn. Uber alles das, wann es einige Muͤh koſten ſollte, ſo iſt die Sach, um welche es zu thun, wohl werth, daß man ſich nicht durch eine ſo nichtige Betlachuuni abſchrecken laſſe. Man kan ſich ſchon verſtehen zu den allerſchwerſten und be⸗ ſchwerlichſten Dingen, wann es die Dinge der Welt antrifft; wird man dann weniger thun wollen fuͤr das einige Nothwendige? Luc. 1O. 42.. Ich laſſe mich uͤber dieſen Arti⸗ P cul 224 Die Pflichten cul nicht weiters aus, der ſchon unterſchiedlicher Weiſe erklaͤrt worden, durch das, was in dem erſten Theil dieſes Wercks uͤber die Natur und Nothwendigkeit der Er⸗ b forſchung ſeiner ſelbſten geſagt worden. Die andere Pflicht. Unermüdet und hertzhafft an Beſſerung ſeines Lebens zu arbeiten. Er, welcher uͤber ſich ſelbſten wacht, auf die Weiſe, wie ——— 1 allererſt vermeldet worden, wird ſich unermuͤdet/ und hertzhafft ange⸗ legen ſeyn laſſen, ſein Leben zu ver⸗ beſſeren, nachdem es der Zuſtand erforderet, darinn er ſich befindet. Da muß ein jeder auf ſich ſelbſt Achtung geben, einſeits ſich bear⸗ beiten, zu zerſtoͤhren, oder vorzu⸗ om⸗ —yy—·— der Tiſchgenoſſen. 225 kommen denen Suͤnden, denen er am leichteſten den Zaum ſchieſſen laſſen koͤnnte, und anderſeits, die Tugenden zu erlangen, die den Suͤnden entgegen geſetzt ſind, oder dieſelben in ihrem Hertzen zu be⸗ veſtigen. Ich ſage alſobald, daß man ohn Unterlaß daran grbeiten ſolle. Wann man es aufſchiebet, iſt das Vorhaben, ſich zu beſſeren, ge⸗ wohnlich von ſchlechter Aufrichtig⸗ keit; Das Werck wird allzeit ſchwe⸗ rer; es iſt allzeit zweifelhafftiger, wannn man es ernſtlich vornem⸗ men wird; und ungewiſſer, wann man Zeit hat, es auszuuͤben. Man muß uͤber diß hertzhafft ar⸗ beiten, wann die Arbeit nachlaͤßig iſt, hat das Hertz wenig Theil da⸗ ran, und eine ſolche Arbeit iſt insgemein unfruchtbar. Manuu ertz⸗ 226 Die Pflichten hershafft und mit Vertrauen, die Hand an das Werck legen; und man wird es thun, wann man dem zweyfachen guten Rath folget, den wir zu geben, geſinnet ſind. Der erſtere Rath beſtehet darinn, daß man den Muth nicht ſincken laſſe, wegen den Schwerigkeiten, die man antrifft, inſonderheit von Anfang, wann man ſich zu einem Chriſtlichen Leben verſtehen will. Der andere Rath/ ſich nicht ab⸗ treiben laſſen, wegen denen Ruck⸗ faͤhlen, deren man ſich ſchuldig ma⸗ chen koͤnnte. Der erſte Rath ſetzet zum vor⸗ aus, was die Erfahrung unwie⸗ derſprechlich machet, nemlich daß beſonders im Anfang der Bekeh⸗ rung, es Schwarigkeit hat, ſich ſel⸗ ber zu uͤberwinden, und von denen liebſten und offt tieff eingewurtz⸗ leten Affecten, oder Gemmiths⸗ ei⸗ der Tiſchgenoſſen. 227 Neigungen loßzu werden. Und es kan doch nicht anderſt ſeyn, in An⸗ ſehung des noͤthigen Gegenſatzes zwiſchen dem Geiſt JEſu Chriſti, und dem Geiſt der Welt; Un⸗- ſer Heyland hat dieſe Schwerigkei⸗ ten nicht verborgen, und zwar uns begreifflich zu machen, daß ſeine Religion nicht angenommen wer⸗ den kan, als von denen, die ſich entſchlieſſen, ſich ſelbſten zu ver⸗ leugnen/ ihr Creutz taͤglich auf ſich zu nehmen/ und ſich Gewalt an⸗ thun, der da, ſich verbluͤmter Red⸗ ÄArt bedienend, ſagte, daß, wann unſer Hand/ unſer Fuß/ oder unſer Aug uns aͤrgeren/ wir dieſe Glieder abhauen/ ausreiſſen/ und weit von uns werffen ſollen. Luc. 9. 23. Matth. F. 20. 30. Luc. 0. 43,45,47. Es iſt wahr, daß, als IEſus Chriſtus alſo redete, er inſonder⸗ heit ſein Abſehen gehabt auf die ie ̃— 228 Die Pflichten die Verfolgungen, denen die er⸗ ſten Chriſten unterworffenwaren,“ 1 aber es braucht nicht weniger Hertz noch weniger Veſtigkeit, der Welt und ſeinen Paßionen zu wiederſte⸗ hen; Daher muß man ſich ent⸗ ſchlieſſen, inſonderheit in dem An⸗ fang ſeiner Bekehrung, ſich ſelbe ſten zu beſtreiten, ohn ſich den Nuth nehmen zu laſſen, durch alles das, was dieſer Kampf peinliches und hartes in ſich hat. Alles verbindet uns, dieſe weiſſe und heilſame Parthey zu nehmen. Es iſt darum zu thun, daß man in dem Dienſt des beſten und recht⸗ maͤßigſten von allen Herren ver⸗ bleibe; Es iſt die Frag, ſich in ein anſtaͤndig und eintraͤglich Foch eina⸗ ſpannen zu laſſen; Man iſt gewiſ⸗ ſer Huͤlf, und Beyſtands in ſeinen Schwachheiten verſichert, durch die Allmaͤchtige und gantz Prwiſſe n⸗ der Tiſchgenoſſen. 229 Unterſtuͤtzung, wie alle die es wiſ⸗ ſen, die ſich deren bedienen wollen; Die Schwerigkeiten nehmen taͤg⸗ lich ab, und endtlich wird das, was peinlich, hart, beſchwerlich, leicht, ſuͤß und angenehm, und man em⸗ pfindet noch in dieſem Leben die Ruh/ welche der Heyland ver⸗ ſpricht denen, die ſein Joch werden auf ſich genommen haben. Matth. II. 29. Auf welches nach dem Tod fol⸗ en ſolle die allerherrlichſte Be⸗ ohnung. Es iſt noch inſonderheit eine Betrachtung, die man hier wohl erwegen muß, nemlich, daß das Joch der Welt und der Paßio⸗ nen, neben dem, daß es unrecht⸗ maͤßiges, ſchandliches und betruͤb⸗ tes in ſich hat, gewißlich von allen Jochen dgs beſchwerlichſte ſey. Die aſterhaffte Paßionen ſind wahr⸗ haffti nichts als Tyrannen; ſie erauben aller Ruh, ſie machen die Seel 230 Die Pſlichten Seel unruhig, verwirrt, forcht⸗ ſam, und geben ihro niemahl keim ſattes Vernuͤgen, weil ſie niemahl zufrieden zuſtellen, oder zu beſaͤnf⸗ tigen iſt. Das heißt dann ſich ſelber be⸗ triegen, wann man ſich laßt den Muth nehmen, durch die Schwe⸗ rigkeiten, die ſich in dem, ſo man zu thun hat, ſinden, GOtt und ſei⸗ ner Gnad treuzu verbleiben. Der, ſo dieſe Betrachtungen erwegen wird, wird erfahren die Sattigkeit dieſes erſten Raths, und ein Nach⸗ folger deren ſeyn/ die durch den Glau⸗ ben und Gedult die Verheiſſungen er⸗ erben. Hebr. 6. 12. Der andere Rath iſt, den Muth nicht verliehren/ wann man einen Fahl thut. Es haͤlt ſich mit den Kranckheiten der Seelen, als wie mit den Kranckheiten des Leibs; Wañ ein Menſch von einerFrade 3 ei A z 4 1 der Tiſchgen oſſen. 231 heit wieder aufſteht, ſo iſt er nicht in einem Tag wieder gantz geſund hergeſtellt; die Kraͤfften kommen nur nach und nach wieder/ und der Krancke empfindet mithin, daß ſich das alte Ubel wieder anmeldet, aber ohn den Muth zu verliehren, befleißt er ſich, alles das zu entde⸗ cken, ſo immer Anlaß giebt, daß ſich die Kranckheit wieder meldet, um da Mittel deyzubringen. So haͤlt ſichs auch mit dieſen Suͤndern, wel⸗ che, nachdem ſie von der Buß ge⸗ ruͤhret, wieder anfangen, auf dem Weg der Beſſerung einherzuge⸗ hen. Sie koͤnnen nicht alſobald gaͤntzlich die ſuͤndlichen Gewohn⸗ heiten uͤberwinden, ſie erfahren, daß ihre Paßionen ſich immer wie⸗ der mercken laſſen, und das kan nicht mehr anderſt ſeyn, aber ſie muͤſſen den Muth nicht fahren laſ⸗ ſen, noch darum das Werck ihres Heyls aufgeben. Q Sie⸗ 232 Die Pflichten Siehe die gantze Wuͤrckung, ſo dieſe Ruckfaͤhl herfuͤr bringen ſol⸗ en wn das iſt der Andacht wohl wer 4 1. Sollen ſie den Suͤnder de⸗ mithiden und zum Gefuͤhl ſeiner groſſen Schwachheit bringen, und die hohe Nothwendigkeit der Gnad und Warmherhigtei GOttes zu erkennen geben, weilen die Ruck⸗ faͤhl einer von denen Umſtaͤnden ſind, die die Suͤnden vergroͤſſeren. 2. In dieſem Zuſtand ſoll der ruckfaͤllige Suͤnder ſein Zuflucht zu dieſer Barmhertzigkeit nehmen, und durch ein demuͤthiges, bruͤn⸗ ſtiges, und oͤffteres Gebett GOtt um deren Huͤlff anflehen; das Ge⸗ bett, welches eine krafftige Artney iſt wieder die Ruckfaͤhl, iſt auch das ſicherſte Mittel, ſich von der Ver⸗ ſuchung wieder aufzurichten, wie der HErr ſich deſſen erklaͤret hat. 3. Muͤſſen 1 4. der Tiſchgenoſſen. 233 3. Muͤſſen die Ruckfaͤbl ein klu⸗ ges Mißtrauen in ſich ſelbſten ei⸗ nem beybringen; ſie eriñeren uns, daß wir nicht zu viel auf unſere ei⸗ gene Kraͤfften Rechnung machen, und beweiſen uns das, was FE⸗ ſus Chriſtus geſagt, daß der Geiſt willig/ aber das Fleiſch ſchwach ſey. Matth. 26. 41. Marc, 14. 38. 4. Endlich ſollen dieſe Ruckfaͤhl uns bewegen, beſtaͤndig uͤber un⸗ ſer eigen Hertz zu wachen, und uns niemahl den Verſuchungen bloß zu ſtellen; ſie vorzuſehen, mit al⸗ lem dem, ſo uns da hineinſtuͤrten koͤnnte; mit einem Wort, ſo laden uns dieſe Ruckfaͤhl ein, in ſolcher Wachſamkeit zu leben, deren Na⸗ tur und Nothwendigkeit angezeigt worden; Wann ſie dieſe Wuͤr⸗ ckung haben, ſo kan der Suͤnder ſich verſicheren, daß GOTT die⸗ ſelben ihm nach ſeiner Barmher⸗ OQ 2 tzig⸗ ////; 234 Die Pflichten keit um JEſu Chriſti willen ver⸗ zeyhen werde. Dieſe Betrachtungen koͤnnen uns auch lehren, daß man under dem Fuͤrwand, wie man den Muth wegen den Ruckfaͤhlen nicht ſin⸗ cken laſſen ſolle, ſie eben auch nicht mit einer Gleichguͤltigkeit, als ob ſie nicht ſo viel zu bedeuten haͤtten, anſehen, und ſich deßwegen nicht bekuͤmmeren ſolle; im Gegentheil ſollen ſie den Suͤnder vielmehr de⸗ muͤthigen, und ihn mit Betruͤbnuß und Forcht erfuͤllen: vor allem aus, wann die Suͤnd, darein er wieder gefallen, eine von den ſchweren Suͤnden iſt, die ein boͤß und faſt gar verderbtes Hertz an⸗ zeigen. Alles, was wir behaup⸗ ten wollen, gehet nur dahin, daß die, welche einen aufrichtigen Ent⸗ ſchluß gefaßt, ſich zu GOtt zu be⸗ kehren, nur den Muth nicht gar ſincken der Tiſch genoſſen. 235 incken laſſen ſollen, noch an ihrer Bekehrung verzweifeln, wann es ihnen dazu kommt, daß ſie eini⸗ gen Fahl thun. Das dritte und letſte Cap. Da gezeigt wird daß die, wel⸗ che dieſe Pflicht verſaumen, ſich in die Nolhwenoigkeit jetzen, GOlt ungetreu zu ſeyn. „S iſt noch zum Beſchluß uͤ⸗ 9 brig, wohl zu begreiffen, daß die, welche erſtgemeldte Pflich⸗ ten verſaumen, oder die ſie nur kaltſinnig thun JEſu Chriſto nicht getreu ſeyn koͤnnten, und daß ſie daher ſich in die erſchroͤcklichſte Ge⸗ fahr der Verdammnuß ſtuͤrtzen, die der Heil. Paulus denen an⸗ deuͤtet, die unwuͤrdig zum Tiſch des HErren gehen. Obſchon diß als etwas ſchon 03 auß⸗ Q̃—— 236 Die Pflichten außgemachtes anzuſehen, durch alles das, ſo geſagt worden, ſo muß man indeſſen, um mehrerer Uberzeugung willẽ, noch eine Prob erwegen, die ſolche Wahrheit noch mehr ins Licht ſtellet. Sie iſt von dem, ſo allen Tiſchgenoſſen begeg⸗ net, hergenommen, ſowohl denen, welche ihrem Heyland getreu ſind, als denen, welche ſich der Untreu ſchuldig geben. IJ. Was die erſteren anlangt, will ſagen, die, in welchem ſich die⸗ ſer wahre Glaub, der ſich durch ein heilig und chriſtlich Leben zeigt, efindet, durch was fuͤr ein Mittel beharren ſie in dieſem gluͤckſeli⸗ gen Zuſtand? durch was fuͤr ein Mittel haben ſie alle Tag einen heilſamen Fortgang? Ich weiß, daß dieſer Glaub eine Gaab GOt⸗ tes, der, nachdem er ſie beruffen, hiedurch ſie in den Stand ſetzt, ih⸗ rem der Tiſchgenoſſen. 237 rem Beruff gemaͤß, ſich zu verhal⸗ ten, ſo geben auch die Blänbigen ihm alle Lhr davon, und in die⸗ ſem Sinn ſagen ſie mit Demuth und Erkanntlichkeit. Dem aber/ der uͤberſchwencklich thun kan über alles/ das wir bitten und verſtehen/ nach der Krafft/ die da in uns wuͤr⸗ cket/ dem ſey Ehr in der Gemeine/ die in Chriſto Ilſu iſt/ zu aller Zeit/ von Ewigkeit zu Ewigkeit/ Amen. Epheſ. 3. 20, 21. Aber es iſt nicht weniger wahr, daß die Glauͤbigen ſich in dieſem gluͤckſeligen Zuſtand nicht anderſt erhalten koͤnnen, als durch die Wachſamkeit, durch Gebett, und rechten Gebrauch, daß ſie ſich die Huͤlffe, ſo ihnen die Gnade GOt⸗ tes an die Hand giebet, wohl zu Nutz zu machen wiſſen. GOtt will, daß wir auf unſerer Seiten arbeiten, und er hat uns in Stand 4 ge⸗ 238 Die Pflichten geſetzt, es zu thun; Es iſt gar ge⸗ t wiß, daß man mehr oder weniger in dem geiſtlichen Leben zugenom⸗ men, je nachdeme man mehr oder weniger eyferig und aufmerckſam in der Außuͤbung der underſchied⸗ lichen Pflichten, durch welche man G ſeinen Beruff und Erwehlung veſt d machen kan. 2. Petr. 1, 10. Das b iſts, das der HErr auf die aller⸗ deuͤtlichſte Weiſe lehret, in der Gleichnuß von den Talenten, und wann er ſeine Juͤnger vermahnt, dieſen getreuen und wachtbaren Knechten nachzufolgen/ welche ihre Lenden umguͤrtet haben/ und ihre Lichter angezuͤndet/ auf daß/ wann ihr Hlrr kommen wird/ er ſie mit dem Guten beſchaͤfftiget finde. II. Daß, wann die waßlen Tiſchgenoſſen verpflichtet ſind zu erkennen, daß man nicht anderſt, als durch die Ubung erſt gemeld⸗ . ter 4 ſg;çè,——,“„8»— —-O————— der Tiſchgenoſſen. 239 ter Pflichten, GOtt, und ſeinen Verheiſſungen getreu verbleiben koͤnne; ſo muͤſſen auch die, ſo das Heil. Sacrament mißbrauchen, nachdem ſie ſich bey des HErrn Tiſch eingeſtellt, zu ihrer eigenen Schand geſtehen, daß ſie ſich ſchul⸗ dig gemacht, und noch ſchuldig machen der Treuloſigkeit; Weil ſie verſaumt haben, und noch ver⸗ ſaumen die Ubung dieſer nemli⸗ chen Pflichten; ihr Leben iſt da⸗ von eine unwiderſprechliche Prob. Es haͤlt ſich nicht mit den Kranck⸗ heiten der Seelen, wie mit den Kranckheiten des Leibes; die wah⸗ re Urſach der Letſteren, iſt gar offt verborgen, an ſtatt, daß, wann die Frag iſt von den erſteren, es unmoͤglich iſt, wann man auch nur das geringſte Verlangen darnach hat, daß man nicht erkennen ſollte, woher ſie kommen. 95 Die, 240 Die Pflichten Die, von denen man redt, ha⸗ e ben nur Achtung zu geben auf ſich ſelber in ihrer gantzen Auffuͤhrung, ſo werden ſie bald die Urſach 3 rer Ruckfaͤhlen ſehen. Sie wer⸗ den ſehen, daß ſie ihr Verſprechen vergeſſen, daß ſie zu ihrer Zer⸗ ſtreuͤung zuruckgekehrt, zu ihrem unordentlichen Leben, und vor al⸗ lem aus, zu ihren herrſchenden Suͤnden; Sie haben aufgehoͤrt zu wachen, zu baͤtten, Uberlegung zu machen, ihre Wege zu under⸗ ſuchen, und zu erforſchen; oder ſie haben es nicht anderſt gethan, als mit Kaltſinnigkeit und Saumſe⸗ ligkeit; die geringſte Schwaͤrig⸗ keit hat ſie zuruck getrieben, und ſie haben nicht Luſt gehabt, ſich auch die geringſte Muͤh zu geben; Siehe da, warum ihre Tampen wuͤrcklich ohne Oehl/ alſo daß, wann der Braͤutigam kaͤme, zu erſchei⸗ ———õ—— der Tiſchgenoſſen. 241 erſcheinen, ſie das Looß der Thoͤrichten Jungfrauen treffen wurde. Und wann dieſe Proben die nicht uͤberzeugen, mit denen die Rede iſt, ſo bittet man ſie inn⸗ ſtaͤndig, es eine Zeitlang zu pro⸗ bieren, zufolg dieſem Rath, ſo werden ſie bald deſſen Goͤttliche Wuͤrckung wahrnehmen, die er hat, ſie auf den Weg des Heyls zu bringen, ſie darauf zu erpa⸗ ten, und alle Tag weiters zu fuͤh⸗ ren. Daher kommts, daß man an⸗ ſtatt dieſes heilſamen Raths, gant wiedrigen Grundſaͤtzen gefolgt, daß ein ſo groſſe Menge alle Tag zu der Heil. Tafel nahet, nicht nur ohne Frucht, ſondern noch zu ihrer eigenen Verdammnuß. Sie muͤſſen gewißlich daruͤber niemand anderſt anklagen, 3 1 242 Die Pflichten ſich ſelbſten. Die Gaab GOttes ſchleuͤßt in ſich Heil und Leben; aber nur denen zu lieb, welche es annehmen, wie ſichs gebuͤhrt; die allerkraͤfftigſten Mittel ſind, deren nicht auf eine anſtaͤndige d Weiſe gebrauchen wollen. t Alle die, welche diß leſen wer⸗ den, ſind gebetten, recht ernſtli⸗ che Uberlegung daruͤber zu ma⸗ chen, in der Gegenwart GOttes der Sach nachzudencken, und es mit Fleiß auf ihren Zuſtand und Beduͤrffnuß zu ziehen. Was iſt das fuͤr eine groſſe Liebe, die IE⸗ ſus Chriſtus uns bey dem Heil. Abendmahl bezeuget? O daß doch dieſe groſſen Heils⸗Guͤter, die er uns da anbietet und vor⸗ ſtellet, endlich eine ſolche Wuͤr⸗ ckung auf uns haͤtten, daß wir in dieſer heiligen Ceremonie dieſe innerliche Vereinigung mit Gintt un⸗ — ⏑—,— der Tiſchgenoſſen. 243 funden, durch welche das Blut ſeines Sohns IEſu Chriſti uns von allen Suͤnden reiniget. 1. Joh. 1, 7. 2— Ach! daß dieſes doch die Frucht dieſes Wercks waͤre, wozu es ge⸗ wwiedmet iſt. Ende des vierten und letſten Theils. Gebetter. 144 28(O) 50 Soναυκ‿⁴υ⁴μυιννε⁴μι⁴αμν ⁴ςμ‿ννεναμ‿ Ae A e. db Gebetter. b I. Von GOtt die Gnad zu d begehren, ſich wohl zu des HEr⸗ m ren Tiſch vorzubereiten. g Ch demuͤthige mich in deiner i H. Gegenwart, HErr mein do GOTT! um deine Barm⸗ 2 hertzigkeit und Beyſtand deines H. d Geiſies uͤber mich anzuflehen. Ich it hab deſſen inſonderheit zu dieſer Zeit ſ noͤthig, weil du mich zum Genuß i des H. Abendmahls beruffeſt. Kom⸗ u me mir zu Huͤlff, O grundguͤtiger i GOtt, und wuͤrdige mich um der i Liebe IEſu Chriſti willen, in Stand d zu ſetzen, meine Pflichten mit dinf richtig⸗ — Gebett. 145 richtigkeit, mit Eyfer, und auf eine dir gefaͤllige Weiſe zu erfuͤllen. Oh⸗ ne dich vermag ich nichts, aber wañ du mich ſtaͤrcken wilt, ſo werde ich im Stand ſeyn, zu thun, was du von mir fordereſt. Ach daß doch alles das, ſo ich thun werde, mich vorzubereiten, Omein GOtt, von mir beſchehe, als vor deinem An⸗ geſicht! Treibe aus meinem Hertzen alles das/ſo daſſelbe zerſtreuͤen, oder verblenden und unempfindlich ma⸗ chen moͤchte, gegen der unendlichen Liebe, die du uns in Schenckung deines Sohns bezeuͤget haſt. O daß ich mich ſelber underſuche, und auf ſolche Weiſe erforſche, daß doch mein Bekanntnuß, mein Gebett und Lobgeſang aus einem aufrich tigen und wahrhafftig angegriffe⸗ nen Hertzen komme; vor allem aus, daß alles begleitet ſeye mit einem veſten Entſchluß, mich fuͤr imner un ————o, 146 Gebetter. und ewig zu deinem heiligen Dienſt v zu ergeben! zu dem End, HErr! d laſſe nicht zu, daß die Stimm der it Welt und ihrer Paßionen, die Stimm des Fleiſches und ſeiner Luͤ⸗: ſten, meine Andacht zerſtoͤhren( moͤgen; vielmehr ſtehe mir alſo bey k durch deine Gnad, daß ich deinem l Willen und meiner Pflicht entſpre⸗ ſ chende, eine ſolche Communion halte, die mich mit dir in alle Ewig⸗ keit vereinige. AMEN. II. Nachdem man der Einſa⸗ tzung des Heil. Sacraments nachgedacht. (³⁴rr JEſu! wie groß iſt doch W. deine Liebe gegen uns ar⸗ 1 men und elenden Suͤnde⸗ J ren geweſen; Sie gehet uͤber alles, 6 was wir gedencken, und ausdru⸗- cken koͤnnen. Zu der Zeit, da ien ver⸗ X ρα⏑‿——— 1 Gebetter. 247 verdienten die Straff unſerer Suͤn⸗ den zu tragen, und von GOtt für immer und ewig geſcheiden zu ſeyn, haſt du dich freywillig zu einem Verſoͤhn⸗Opffer aufgeopffert, und GOtt dein Vatter hat uͤber dich kommen laſſen,(der du derſelbe Hei⸗ lige und Gerechte wareſt) alle un— ſere Ubertrettungen. Dein heiliger Leib iſt fuͤr uns gebrochen worden; dein koͤſtlich Blut vergoſſen zu Ver⸗ gebung unſerer Suͤnden; und ſo haſt du das Himelreich aufgeſchloſ⸗ ſen allen Glaͤubigen, und haſt uns in Stand geſetzt, dereinſt da aufge⸗ nommen zu werden. Odu guͤtiger Heyland! Ich prei⸗ ſe dich von allen Kraͤfften meiner Seelen, daruͤber, daß du in dei⸗ ner Kirchen diß Heil. Sacrament eingeſetzt, ſo uns alle dieſe Sachen wieder vor Augen ſtellt; und da⸗ rum, daß du, nachdem du uns R daſſel⸗ PBPBNVW 7§TU 248 Gebetter. daſſelbe zu halten verordnet haſt, ſo lang, als wir von dir abweſend ſind, den Gebrauch davon, allen denen heilſam macheſt, die mit ei⸗ nem von Buß, Liebe, und Glau⸗ ben angefuͤllten Hertzen hinzuna⸗ b hen. Erweiſe mir die Gnad, ſol⸗ chen heiligen Sinn anzunehmen, und ſo heilſame Betrachtungen zu haben, uͤber alles das, ſo du fuͤr uns gethan, in dieſer Nacht, in de⸗ ren du verrathen wurdeſt, und in welcher du das H. Nachtmahl zum Gedaͤchtnuß deines Todes einge⸗ ſetzt/ daß ich ſey aus der Anzahl de⸗ ren, fuͤr welche dein Leib gebrochen, und fuͤr welche dein Blut vergoſſen worden; und daß, was ich jetz im Fleiſch lebe/ ich im Glauben des. Sohns GOttes lebe/ der mich ge liebet/ und ſich ſelbſt fuͤr mich dar⸗ gegeben hat: AMEN. III. Von Gebetter. 249 III. Von GOtt Gnad zu er⸗ langen, ſich ſelbſt wohl zu un⸗ derſuchen. GOTT! der du das Hert aller Menſchen erforſcheſt, und der du mein Hertz un⸗ endlich beſſer kenneſt, als ich es ſelbſten nicht erkennen kan. Ich bitte dich demuͤthig, um der Liebe IEſu Chriſti willen, du wolleſt mich in Stand ſetzen, und mir ei⸗ nen ſolchen Sinn geben, den ich hahen ſoll, meinen verlohrenen Weg heilſamlich wieder zu ſuchen, und zu dir umzukehren von allen Kraͤfften meiner Seele. Nach deiner Verordnung, O HErr! ſoll ich mich ſelbſt erfor⸗ ſchen, ehe ich zum Tiſch des HEr⸗ ren gehe, hilff mir dieſe Pflicht vollbringen, ohne welche ich kein Gnad vor dir finden koͤnnte. Treib R 2 aus 250 Gebetter. aus meiner Seel alles das, ſo ſie zerſtreuen koͤnnte, und aus meinem Hertzen alle Eigenliebe und Leicht⸗ ſinn. Diß Hert iſt offt betruͤglich, und ſeine Tuͤcke haben mich mehr, als einmahl ins Garn gebracht. Du weiſſeſt es, O GOtt! und du kenneſt auch alle meine Schwach⸗ heit. Erzeige dann deine maͤchtige Krafft in allen meinen groſſen Schwachheiten. Ach daß ich mich nicht mehr durch dieſe Verblen⸗ V dung verfuͤhren laſſe, die mich hin⸗ derte, meine Suͤnden zu erkenyen, b deren Anzahl und Schwerigkeit zu fuͤhlen, und auf ihre Quelle zu kom⸗ men. HErr mein GOtt! lehre mich, was ich in deinen Augen ſey, daß ich empfinde, wie ich deiner Gnad, ſo hoch bedoͤrffe, und daß ich, in Erkanntnuß meiner Schwachheit, und wie ich fuͤrnehmlich mein 88 en —· Gebetter. 251 ben beſſeren ſolte, eine gantz be⸗ ſondere Sorge mitbringe, mich diß Orts zu beſſeren. NB. Man muß hier Meldung thun deren Suͤnden/ die man offt begangen/ und deren man ſich in⸗ ſonderheit ſchuldig findet. Bring in mir herfuͤr die Tugen⸗ den, die mir mangeln, ſtaͤrcke da dieſelben, welche deine Barmher⸗ zigkeit ſchon in mein Hertz gelegt. Erfuͤlle du ſelbſt, Omein GOtt! meine Seele, und ſetze ſie in den Stand, die koͤſtliche Fruͤchten des Todes ihres Erloͤſers davon zu tra⸗ gen. AMEN. IV. GOTT um die Gnad der Buß und Glaubens zu bitten. ERR, der du dem Suͤnder die Buß auferleget haſt, ich bitte dich demuͤthig, meine R 3 Seel „ 252² Gebetter. Seel gantz aufrichtig zu zerknir⸗ ſchen, und zu wahrer Reu zu brin⸗ gen uͤber die Suͤnden, mit denen ich ungluͤcklicher Weiſe dich beleidi⸗ get, daß ich ſie beweine, verfluche, verabſcheuͤhe, und ein veſten und ſtarcken Entſchluß faſſe, dieſelben nicht mehr zu begehen. Treibe aus meinem Hertzen dieſe Kaltſinnig⸗ keit und Gleichguͤltigkeit, mit de⸗ ren ich ſo offt mein unordentliches Leben angeſehen, und die under⸗ ſchiedlichen Suͤnden, deren mein Gewiſſen mich anklagte; oͤfne mir die Augen meines Verſtands, daß mir offenbahr werde die Haͤßlich⸗ keit der Suͤnde, und die Umſtaͤnde, welche die Laſter vergroͤſſeren, de⸗ ren ich moͤchte ſchuldig ſeyn. Durch⸗ dringe mich mit dem Schrecken dei⸗ ner Gerichten, und der erſchroͤckli⸗ chen Folg der Unbußfertigkeit, daß durch dieſe Betrachtungen mein Hertz 1 ————-—“ Gebetter. 253 Hertz gedemuͤthiget und veraͤnderet werde. Es reuet mich, O mein GOtt! es reuet mich, daß ich dich belei⸗ diget habe, und ich bitte dich, um der Liebe willen deſſen, deſſen Tod ich verkuͤndigen ſoll, du wolleſt mei⸗ ne Buß wuͤrckſam machen, und deren Unvollkomenheit verzeyhen. Daß ich doch ſo ungluͤcklicher Wei⸗ ſe ſo vielen Mitteln, die du in ſo viel Jahren deiner Gedult ange⸗ wendet haſt, mein Hertz zu erwei⸗ chen, wiederſtanden. Ich ſchaͤme mich deß, O mein GOtt! und ich bin daruͤber gantz beſtuͤrtzt, und reuet mich, und es gruͤndet ſich nur auf deine unendliche Barmhertzig⸗ keit, daß ich meine Augen gen Himmel aufheben darff, GOtt ſey mir armen, groſſen und ſchwaͤren Suͤnder gnaͤdig. Luc. 18, 13. Erfuͤlle auch meine Seele mit ei⸗ R 4 nem 254 Gebetter. nem heiteren, veſten und ſtarcken Glauben. Treibe darauß die Un⸗ wiſſenheit, Verblendung, und Un⸗ glauben. HErr vermehre dieſen Glauben, und ſtaͤrcke ihn alſo, daß ich durch denſelben die Welt, und mich ſelbſten uͤberwinde; daß, in dem ich das Gluͤck habe, deinen Willen zu erkennen, ich denſellb3en auch die einige Regul meiner gan⸗ tzen Auffuͤhrung ſeyn laſſe. O GOtt, ich nehme alle meine Zu⸗ flucht zu der Krafft des Tods meines Erloͤſers, der troſtlichen Verſiche⸗ rung, daß du um ſeinetwillen al⸗ len Glaͤubigen Gnad erzeigen wer⸗ deſt, und daß du mir alle meine Suͤnden vergeben, und mit allen deinen Außerwehlten mich in dein Himliſches Reich aufnehmen wer⸗ deſt. AMEN. V. JFuͤr Gebetter. 255 ——Oℳ—:—C—C—⸗—ꝛ—⸗—-- V. Fuͤr einen Suͤnder, der nach beſchehenem Examen ge⸗ zwungen iſt, zu erkennen, dat er nicht in dem Stand des Heyls; aber der doch noch einige Empfindlichkeit der Reu und Umkehr zu GOtt habe. ☛RR, ich werffe mich zu dei⸗ nen Fuͤſſen, zu bekennen, und zu beweynen die Anzahl und Groͤſſe meiner Ubertrettungen. Die Erforſchung meines Hertzens und Gewiſſens uͤberzeuͤgen mich, daß ich, ohngeacht alles deſſen, was deine Barmhertzgkeit zu mei⸗ ner Bekehrung beygetragen, biß dahin in meinem unordentlichen Leben fortgefahren, und daß eben darum auf underſchiedliche Weiſe mein Zuſtand deſto betruͤbter und beweynlicher iſt. Was wird aus mir werden, O mein GOtt! wann du von mir deine Gnade gaͤnzlich zuruckhalteſt, und du mir deinen R 5 gereck⸗ 256 Gebetter. gerechten Zorn dem Leben ein End macheſt, das ich ſo gar uͤbel ange⸗ wendet? Ich gebe mich der Ver⸗ dammnuß ſchuldig vor dir; Ich erkenne zu deiner Ehr, und zu mei⸗ ner Beſchaͤmung, daß ich verdie⸗ nete, fuͤr immer und ewig vor dei⸗ nem Angeſicht verſtoſſen zu ſeyn; Ich hab dich ſo ſehr verſchmaͤhet, und insbeſondere, hab ich ſo offt das H. Sacrament entheiliget, daß ich mich unwuͤrdig erkenne, mich von neuem da einzufinden. Iſt es moͤglich, Omein GOtt! daß deine Barmherzigkeit noch kein End ge-⸗ nommen, und ach koͤnnte doch mein Hert noch erneuͤeret und veraͤndert werden? Lieſſeſt du noch in dieſem undanckbaren und wiederſpenſti⸗ gen Hertzen einige Fuͤncklein und verborgenen Saamen, durch den ich bekehrt werden koͤnnte? Es dunckt mich, HErr, ich erfahre in mir /·——je————.——— 1 —————-——— Gebetter. 257 mir ſelbſt einige Empfindung, ſo mir wieder zu dir ruffe; Aber mei⸗ ne vergangene ntreu hindert mich, darauf einige Rechnung zu machen. Durchdringe mich, HErr, je mehr und mehr mit allem dem, was der Zuſtand, darein mich meine Suͤn⸗ den geſetzt, trauriges und foͤrchter⸗ liches in ſich hat; daß ich betrach⸗ te, weil noch da zu helffen iſt, die traurigen Außgaͤng des Wegs, dar⸗ auf ich biß dahin gewandelt habe. Und weil du geneigt biſt, den groͤ⸗ ſten Suͤnderen Gnad zu erzeigen, wann ſie ſich bekehren; Wirffe auf mich, HErr, wirffe doch auf mich die Augen deines Mitleidens; Ich fuͤhle mein Elend/ ich beweyne mein unordentliches Leben, und die Ver⸗ derbnuß meiner Seele: Beveſtige mich in dem Entſchluß, mich zu beſſeren: daß ich doch in dem Blut meines Erloͤſers mit der Verge⸗ bung 258 Gebetter. bung meiner Suͤnden, auch finde die noͤthige Kraͤfften, aus dem Grab meiner Laſteren herfuͤrzugehen, und ohn Unterlaß mich wieder zu dei⸗ nen Gebotten zu wenden. Lamm GOttes! das du die Suͤnden der Welt hinnim̃ſt, erbarme dich mein! Hoͤre doch an meine Bekanntnuß und Seuͤffzen, und raffe mich nicht hin, ehe ich Frieden mit dir gemacht habe; daß doch der Entſchluß, ſo ich glaube genommen zu haben, mich zu bekehren, endlich einmahl kraͤfftig ſey! Du, der du biſt kom⸗ men, die verlohrene Schaafe zu ſuchen, ſuche mich HErr, und bring mich wieder in dein Schaafſtall. Ich hab deine Gebott nicht gar ver⸗ geſſen, obſchon ich dieſelbe uͤbertret⸗ ten habe. Ich erkenne annoch dei⸗ nen Willen, und die Abſicht deiner Barmhertzigkeit uͤber mir. Ich ſehe das, ſo mir mangelt, mich zu bekeh⸗ z ——„„—— Gebetter. 259 bekehren, und mein Gewiſſen noͤ⸗ thiget mich, es ins Werck zu ſe⸗ ten. Komme mir nur zu Huͤlff, Omein Vater l und daß nach allem deinem Mittleiden, dein Unwill und Zorn von mir abg wandt werde; HErr erhoͤre, HErr verzeiche, HErr mercke auf meine demuͤthige Bit⸗ te, um dein ſelbſt und IEſu Chri⸗ ſii willen. AMEN. VI. Fuͤr eine Perſohn, die nach der Pruͤffung ihrer ſelb⸗ ſten, ſich verſicheren kan, daß ſie in der Gottſeligkeit zugenommen. G GOTTlder du biſt die Quell alles Guten, und von dem alle vollkommene Gaaben herkom̃en, ich dancke dir dafuͤr, daß ich, ohneracht ſo vieler Schwach⸗ heiten und Unvollkommenheiten, die ich an mir habe, Urſach hab zu glauben, daß du mir ein Gefuͤhl deiner 260 Gebetter. deiner Forcht ins Hertz gegeben, und daß ich aus der Zahl deiner Kinderen ſeye. Du biſt es, O grundguͤtiger GOTT, der du mir durch den Beyſtand deines Geiſtes zuvor gekommen. Du haſt mir die Augen geoͤffnet, mich aus der Verderbnuß der Welt zu ziehen, und auf den Weg der Gottſeligkeit zu verleiten. Ich dencke offters an dich. Ich ruffe dich mit mehre⸗ rer Einbrunſt an; meine Seele ſu⸗ chet dich mit einem neuen Eyfer, und ich fuͤhle in mir eine ſtarcke Be⸗ gierd, dir ewig zugehoͤren. Da⸗ rum lobet dich, O GOtt, mein Hertz, und erhebet die Groͤſſe dei⸗ ner Barmhertzigkeit. Vollende das Werck deiner Gnade, ſo du in mir angefangen. Beveſtige mei⸗ ne Tritte auf deinen Wegen, daß ich niemahlen muͤde werde, noch meiner Schwachheit vergeſſe, noch deren —— SO==——— Gebetter. 261 deren Verſuchungen, die mich um⸗ geben. Daß ich, O mein GOtt, neue Huͤlffe finde in der Gemeinſchafft deines Sohns, und daß ich dieſem Goöoͤttlichen Haupt ſtandhafft folge, und dermahleins in der ewigen Herrlichkeit wieder mit ihm verei⸗ niget werde. AMER. VII. Ehe man zu der Heil. Tafel hinzu nahet. ERR, der du mich nun zu dem Heil. Nachtmahl ein⸗ — ladeſt, ich ruffe demuͤthig uͤber mich an, die Goͤttliche Wuͤr⸗ ckung des Bluts, ſo mein Heyland vergoſſen, fuͤr die Vergebung meiner Suͤnden. Sende mir von dem heiligen Orth deiner Woh⸗ nung dein Licht und deine Wahr⸗ heit, daß ſie mich begleiten zu deiner 262 Gebetter. deiner heiligen Tafel, allda die Empfindung deines Friedens und Beyſtand deines Geiſtes zu em⸗ pfangen. Reinige mein Hertz von allem dem, ſo dir mißfallen, und mich verhinderen koͤnnte, die Heil. Pflicht, in die ich mich einlaſſen ſoll, zu erfuͤllen; Und weil JE⸗ ſus Chriſtus fuͤr mich gegeben iſt, daß ich mich auch Ihm gantz und ewig ergebe. Zuͤnde je laͤnger je mehr in mir an, und inſonderheit in dieſem Angenblick, das Feuer dei⸗ ner Liebe. Erfuͤlle meine Seel mit Buß, Glaub, Liebe, Eyfer, Freuͤd, und Danckbarkeit; O GOTẽT! mein Herz ſagt mir deinetwegen: Suche mein Angeſicht; Ich ſuche es, HErr, eroͤffne deine Ohren meinem demuͤthigen Gebett, und hilff deinem Knecht, der auf dich hoffet. AMNEN. VIII. Wann Gebetter. 263 VIII. Wann man von der Heil. Tafel gehet. (S erhoͤbe und preiſe deine Barmhertzigkeit und Guͤ— ☚ te, O mein GOtt! und er⸗ kenne danckbarlich deine unſchaͤtz⸗ bahre Gnade, die du mir willt zu⸗ theilen. Du haſt mir bey deiner Tafel die koͤſtlichen Fruͤchten des Todes meines Erloͤſers angebotten. Nimm nun an alles das, was ich dir bringen kan, mein Lob, mein Gebett und Opfer meines Hertzens und meiner Seele, ſo ich dir fuͤr ewig bringe. O grundguͤtiger GOtt! du GHOtt meines Heyls und meiner Freüd; beveſtige meine Tritte auf dem Weg, auf welchem ich mich befinde, oder allererſt zu wandeln angefangen, und gib mir die noͤthige Gnade, darauf zu wan⸗ deln biß an mein End. Sey du S mein 264 Gebetter. mein Gleits⸗Mann, und meine Staͤrcke; Sey du mein Licht und meine Hoffnung, alldieweil ich in dieſem ſterblichen Leib bin, und daß ich, wann du vom Himmel kommen wirſt, uns allen zu ver⸗ gelten nach unſern Wercken, aus der Anzahl deren ſeye, welche Gnad vor dir finden werden. Dem/ der mich geliebet hat/ der mich von meinen Suͤnden durch ſein Blut gewaſchen/ der mich GOtt ſei⸗ nem Vatter zum Koͤnig und Prieſter gemacht; dem ſey Ehr und Krafft von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. IX. Ein ander weitlaͤufftiger Gebett nach empfangenem Heil. Abendmahl, welches dem ge⸗ wohnlichen Abend⸗Seegen beyge⸗ fuͤgt werden kan. Armhertziger GOtt, nimm in Gnaden an, mein demuͤ⸗ thige Gebetter. 265 thige Danckſagung fuͤr alle die olthaten, die du mir die gantze Zeit meines Lebens, und fuͤrnem⸗ lich an dieſem Heil. Tag erzeiget. Du haſt mich zu deiner Tafel auf⸗ genommen; du haſt mir da die koͤſtliche Fruͤchten des Tods deines Sohns, und die unausſprechliche Gaaben deines Heil. Geiſtes an⸗ gebotten. Deine Liebe gegen mir hat ſich gar reichlich und uͤberfluͤſ⸗ ſig geoffenbahret. Groſſer GOtt! dein Heil. Nahme fehe deßwegen gelobt, und geprieſen von nun an biß in Ewigkeit. O HErrl ich kan nicht beſchrei⸗ ben alles das, ſo du mir zu gut gethan, vielweniger bin ich in dem Staäͤnd, meine ſchuldige Erkannt⸗ lehten dagegen an Tag zu legen. Ich kan es anderſt nicht, als mit Preiſung deiner Guͤte, und in dem ich mich fuͤr ein und allemahl zu S 2 dei⸗ 266 Gebetter. deinem Heil. Dienſt ergebe. Ach daß dieſes doch, Omein GOtt! die heilſame Wuͤrckung des HErrn Tiſches bey mir waͤre, und daß ch in meinem gantzen Leben zeige, daß ich gantz dein, und nicht mehr mein ſelbſten, ſeye. Komme zu dem End in meinem Hertzen zu wohnen. Komme doch die Tugenden darinn zu beveſti⸗ gen, worinn all mein Ruhm und Heil beſtehet, den Glauben, die Reinigkeit, Demuth, Sanfftmuth, Eyfer und bruͤderliche Liebe. Daß ich beſtaͤndig nach der Vollkom⸗ menheit trachte, und mich je mehr und mehr reinige von aller Befle⸗ ckung des dench und des Gei⸗ ſtes, und fortfahre mit der Heili⸗ gung in deiner Forcht. Gnaͤdiger Vatter! du weiſſeſt meine Schwachheiten, und ſtar⸗ cke Verſuchungen, die mich ſcon mehr 3 Gebetter. 267 mehr als einmahl, zu Hindanſe⸗ gung meiner Pflicht gebracht. Ach daß doch diß Ungluͤck mich nicht mehr treffe, daß ich durch Wacht⸗ barkeit und Gebett, mich in Stand ſetze, alle meine boͤſen Zuneigun⸗ gen zu beſtreiten, und zu zernich⸗ ten! daß ich offt wieder meine vo⸗ wigen gute Wege ſuche, und daß ich mich nimmer zur Sicherheit verleiten laſſe. Vor allem auß, O mein GoOtt! laſſe nicht zu, daß ich meine Ohren verſtopfe vor dem, das mein Gewiſſen mir von deinet⸗ wegen zuſpricht, noch daß ich ver⸗ achte die beſtaͤndige Huͤlffe, die du mir auf ſo mancherley Weiſe an⸗ bieteſt; daß ich wohl begreiffe, daß du dich nicht ſpotten laſſeſt; und daß dein Heil. Bund nur die angehe, die denſelben getreuͤlich halten; daß dein Heil. Geiſt nie⸗ mahl von mir weiche; ſondern S 3 mich 268 Gebetter. mich durch ein heilig Leben zu ei⸗ nem ſeligen Tod begleite; erwei⸗ ſe eine gleiche Gnad allen denen Kinderen, und inſonderheit denen, die heuͤt der Gemeinſchafft des Leibs und Bluts deines Sohns theilhafftig worden. Vermehre ihren Glauben und Heiligkeit, in dem du je mehr und mehr ihre Tritte gewiß macheſt auf deinen Steigen der Gerechtigkeit. Woh⸗ ne in uns allen, HErr, durch dei⸗ nen Geiſt, und daß unſere Hertzen immerdar ein geweychtes Heilig⸗ thum ſeyen, da du von Frieden, Gnad und Verſoͤhnung predigeſt. Erbarme dich uͤber die verſtock⸗ ten Suͤnder, und raffe ſie nicht hin in deinem Zorn. Verſchaffe auch, daß die, deren Andacht nur in einer aͤuſſerlichen Frommkeit be⸗ ſtehet, ihre Augen dergeſtalten aufthun, uͤber den traurigen Zu⸗ ſtand, —— 2 1 „—ͤ—ℳ———.,———— 9——.,———— Gebetter. 269 ſtand, darinn ſie ſich beſinden, daß ſie ohnermuͤdet an ihrem Frieden mit dir arbeiten. Ich opfere dir auch, O mein GStt! an dieſem Tag, nach dei⸗ nem Heil. Befehl, mein Gebett fuͤr alle Menſchen in der Welt auf. Erleuchte mit deiner Erkanntnuß ſo viel Voͤlcker, die derſelben be⸗ raubt ſind, und gieb, daß die, wel⸗ che dich kennen, in ihrem Beruff wuͤrdiglich wandeln moͤgen. Seg⸗ ne deine Kirchen ins gemein, und inſonderheit die, deren Glied zu ſeyn ich das Gluͤck habe. Heilige unſere Lehrer, und laſſe ihre Heil. Arbeit alſo fruchtbar ſeyn, daß ſie ſich ſelber ſelig machen, und auch viel deren, welche ſie hoͤren. Regiere durch deinen Heil. Geiſt die Koͤnige, Fuͤrſten und Obrig⸗ keiten, und vor allen die, unter deren Anſehen und Schutz du uns S 4 leben Renn 270 Gebetter. leben laſſeſt. Seye ein Troſt der Angefochtenen, und hilff der Ar⸗ men, Krancken, und Sterben⸗ den. Segne alle die, ſo mir zu⸗ gehoͤren, und gieb ihnen nach dei⸗ ner Barmherzigkeit alles das, ſo ihnen noͤthig, ſo wohl fuͤr den Leib als vor allem aus, und fuͤrnem⸗ lich fuͤr die Seel. Halte, O Gott, den erſchroͤck⸗ lichen Lauff der Atheiſterey, des Unglaubens und der Laſteren auf; und ziehe von dem Todes⸗Pfad ſo viel Suͤnder, die ihrem Ver⸗ derben zueylen, zuruck. Gieb den Elteren Gnad, ihre Kinder in dei⸗ V ner Forcht zu auferziehen, und daß die neue Geburt beſſer ſey, als die leibliche Geburt. I Endlich verzeiche mir, O gnaͤ⸗ diger GOtt! die Schwachheit und Unvollkomenheit meines Gebetts; Erhoͤre —„——————·—— Gebetter. 271 Erhoͤre mich, unangeſehen mei⸗ ner uͤbergroſſen Unwuͤrdigkeit; daß ich meine Tag in deiner Lie⸗ be zubringe; daß ich an dem En⸗ de meines Lauffs meine Seel in deine Hand befehle, mit einem rechten Vertrauen, und daß ich an dem Tag der herrlichen Wie⸗ derkunfft meines Heylands, Barm⸗ hertzigkeit finde vor deinem Thron, und daß ich mit allen Auserwehl⸗ ten in dein Heil. Paradeiß einge⸗ hen moͤge. AMNER. 9 Ende der Gebetteren. recg⸗ S F Erinne⸗ 272 Erinnerung. Erinnerung. il es viele Leute giebt, die nicht in dem Stand ſind, ſich vieles Leſen zu Nutz zu machen, die ſonſt wenig Zeit haben oder nehmen, ſo wollen wir noch einen gantz kurtzen, ſummariſchen Begriff der vor⸗ nehmſten Pflichten der Tiſch⸗ genoſſen beyfuͤgen, wie ſie in dieſem Werck ins beſondere vorgeſtellet ſind. Ein — —́,=—.,,——— 1=S„ A 9 3(0O) 883 273 360 GM ☛REE 58 Ein gantz kurtzer Begriff der vornehmſten Pflichten der Tiſchgenoſſen. — unger denen GOtt die ) Gnad erzeiget, ſie zu des 8‿ HErrn Tiſch zu beruffen, muͤſſen vor allen Dingen ſich in die Stille beyſeits begeben, Phren Um⸗ ſtaͤnden, darinn ſie ſich befinden, nachdencken, ſich in die Gegenwart GOttes ſetzen und den Herrn um ſeine Huͤlff anflehen, und mit ei⸗ nem reinen und demuͤthigen Her⸗ den GOtt den HErrn alſo anre⸗ en. Hoͤre, O mein GOtt! doch gnaͤ⸗ dig an, um IEſu Chriſti willen, mein einbruͤnſtiges Gebett, und wuͤrdige mich du ſelber in Stand zu ſetzen, heilſamlich zu dem Tiſe des HErrn zu gehen. Treibe do b wei 274 Kurtzer Becriff weit von meinem Hertzen hinweg alles, ſo daſſelbe zerſtreuͤen koͤnn⸗ er te, oder verblenden, oder an die Welt haͤngen, und daſſelbe unem⸗ d pfindlich machen gegen dem Gna⸗ d den⸗Geſchenck, ſo du uns in dei⸗ g nem lieben Sohn wiederfahren ſo laſſen; Vatter der Barmhertzig⸗ keit, nimm an meine Bekanntnuß, un Demuth, Lobpreiſung, und erhö⸗ v re mein Gebett. Zeige mir, was ſe ich ſey in deinen Augen, und was ich zu thun hab, von der Heil. Ta⸗ 3 fel Vergebung meiner Suͤnden ſi hinzunehmen, und die Gaaben ſi des Heil. Geiſtes, die mich mit er dir fuͤr immer und ewig vereini⸗ li gen. AMEN. Nach dieſem Gebett muß man ſi andaͤchtig leſen die Einſatzung des 1 Heil. Abendmahls, und das was der Heil. Paulus da beyfuͤget. Man findet es im Anfang dieſes t Buchs. pag. 3. und4. Man der Tiſchgenoſſen. 274 Man ſiehet klaͤrlich, wann man es lieſet. I. Daß IEſus Chriſtus es ſey, dem man allen Gehorſam ſchul⸗ dig, der das Heil. Nachtmahl ein⸗ geſetzt, und der es zu halten be⸗ fohlen oder geordnet hat. II. Daß dieſe Heil. Ceremonie uns ſeinen Tod verkuͤndige, durch welchen wir allein Vergebung un⸗ ſerer Suͤnden erlangen. III. Daß man wol und im See⸗ en zum Tiſch des HErrn zu gehen, ſch ſelbſt examinieren muͤſſe, und ſich dahin bearbeiten, daß man cerrkenne, den wahren und eigent⸗ lichen Zuſtand ſeines Hertzens. IV. Denn die, ſo es ni lthum ſich gar groſſe Schuld aufladen, und zu ihrer Verdam̃nuß das Heil. Abendmahl mißbrauchen. Ein ſolches Ungluͤck zu verhuͤ⸗ ten muß man aufrichtig und ge⸗ nau e 276 Kurtzer Begriff nau den Zuſtand ſeiner Seelen er⸗ forſchen; Erſtlich und fuͤrnemlich in Anſehen der Gedancken, dann der HErr ſiehet das Hertz an; und hernach in Anſehen der Geſpraͤ⸗ chen und Handlungen. Wann man ehrlich handlet, ſo wird man bald ſehen, wie es um die Seele ſtehe, ob man in der Gottſeligkeit zunehme; ob man auch einige boͤ⸗ ſe Zuneigungen aufgehaben oder underbrochen; oder endlich, ob man durch Ungluͤck ſchlimmer wor⸗ den, wie das allen denen begeg⸗ net, die in den Laſteren verhar⸗ ren. Siehe wo man hauptſaͤchlich auf die herrſchenden Suͤnden Ach⸗ tung geben muß, und daß man ſie aus Gewohnheit begehe; ne⸗ ben dem, daß deren eine groſſe Menge, und ſie die Quelle vieler anderen, ſo ſind es die Suͤnden, davon der Tiſchgenoſſen. 277 davon man am wenigſten und mit groſſer Muͤhe laſſet. Die unum⸗ aͤngliche Nothwendigkeit eines olchen Examens zu erfahren, muß man nur dencken an die Wichtig⸗ keit der Pflicht, zu deren man be⸗ ruffen under die Zerſtreuung, in deren man gewohnlich nur zu viel lebt; Sie verbirgt den Zuſtand der Seele und ſo ihre Nothdurfft. Wann man na underfuching ſeines Gewiſſens ſich auſſer Stan zu communicieren findet, es ſeye darnach von gewiſſen ſonderbaren Suͤnden, daruͤber man noch nicht genug Buß gethan hat, oder weil insgemein das Hertz ohne Eyfer und Andacht, ſo muß man in ſolch traurigem Zuſtand ſich von der H. Tafel entfernen, aber uͤber alles auß iſt es die Frag ſich vor GOtt zu demuͤthigen, uͤber ſeinen Zu⸗ ſtand zu ſeuͤfzen, und ſich zu bear⸗ ei⸗ 278 Kurtzer Begriff beiten geſchwind wieder daraus zu kommen; dergeſtalten, daß man ſich auf die erſte Communion mit einem rechten Vertrauen ein⸗ ſtellen moͤge. Was die betrifft, die nach einer aufrichtigen Unter⸗ ſuchung Urſach haben zu glauben, wo nicht daß ſie unter der Zahl der Glaubigen ſeyen, wenigſtens der wahren Bußfertigen; die ſol⸗ len verſichert ſeyn, daß ſie bey des HErrn Tiſch mit Vergebung ihrer Suͤnden das ſinden werden, was ihnen noͤthig iſt, ſich in der Gnad GOttes zu beveſtigen und darin immer mehr zuzunehmen. b Es ſind zwey Haupt⸗Beſchaf⸗ fenheiten in allen wahren Tiſch⸗ genoſſen.. V Die erſte iſt die Buß, ſo in ſſch ſchleußt, erſtlich, eine Betruͤbnuß, einen ſo guten GOtt beleidiget zu haben. Zweytens, einen veſten Ent⸗ —e — ————. der Tiſchgenoſſen. 279 Entſchluß nicht mehr zu ſuͤndigen. Endlich iſt die wahre Buß erfolgt aus der Verbeſſerung deren Suͤn⸗ den, die koͤnnen verbeſſeret wer⸗ den; zum Exempel, von der Wie⸗ dererſtattung des mit Unrecht an ſich gebrachten Guts, von einer aufrichtigen Verſoͤhnung mit ſei⸗ nem Naͤchſten; denn nicht wollen das Ubel verbeſſeren, wann man kan, heiſt zeigen, daß man ent⸗ ſchloſſen in der Unbußfertigkeit zu verharren. Der Glaube iſt die andere Be⸗ ſchaffenheit, und beſtehet in einer klaren und kraͤfftigen Uberzeuͤgung von allem dem, was uns GOtt in ſeinem Heil. Wort geoffenbahret bat; vor allem was unſere Erloͤ⸗ ung betrifft, durch das Blut JE⸗ ſu Chriſti. Daher kom̃t das Ver⸗ trauen, auf die Barmherzig⸗ keit GOttes, und die Hoffnung T(wann 280 Kurtzer Begriff der Tiſchg. (wann man aufrichtig Buß thut) t die Gnad davon zu tragen, wel⸗ a b che von dem Tod unſers Heylands flieſſet, und die nun ſind die Ver⸗ gebung der Suͤnden, und die Gaa⸗ ben des Heil. Geiſtes, und in das kuͤnfftige, das ewige Leben. t Uber dieſe zwey Haupt⸗Be⸗ ſ ſchaffenheiten, ſiehe, ſo muß die Seel noch von ſonderbaren Be⸗ wegungen durchdrungen ſeyn, wañ man zu dem Tiſch des HErrn komt. Eine lebendige und demuͤthige Er⸗ kanntlichkeit gegen GOtt, der un⸗. eracht unſerer auſſerſten Unwuͤr⸗ digkeit uns durch das Blut ſeines Wohnd erloͤſet hat. Eine brene nende und thaͤtige Liebe gegen dieſem liebreichen Erloͤſer und eine aufrichtige Liebe gegen alle V Menſchen, auch gegen ſeine Fein⸗ de. Endlich ein unwiederruffliche b Ergebung ſeiner ſelbſt an GOtt, durch Gebett vor der Z. Communion. 281 durch welche man Ihn von nun an, fuͤr einen vollmaͤchtigen HErrn ſeines Leibs und ſeiner Seel erkennt. Ein jeder Communicant muß ſich examinieren, ob dieſe Zube⸗ reitungen und Bewegungen in ſeinem Hertzen ſeyen. Gebett vor der Heil. Com⸗ munion. GOtt! der du mich nun zu dem Heil. Abendmahl be⸗ ruffeſt, ich ruffe uͤber mich an die Goͤttliche Wuͤrckung des Bluts, ſo mein guͤtiger Heyland zu Vergebung meiner Suͤnden vergoſſen. Sende von dem Heil. Orth dei⸗ ner Wohnung, dein Licht und dei⸗ ne Wahrheit; daß ſie mich beglei⸗ ten zu der Heil. Tafel, da ein zu⸗ — T 2- neh⸗ · 282 Gebett nach der Communion. nehmen die Empfindung deines Friedens, und den Beyſtand dei⸗ nes Geiſtes. Reinige mein Hertz, daß ich daſſelbe dem gufopferen koͤnne, der ſich ſelbſten fuͤr mich da⸗ bin gegeben. Erfuͤlle je mehr und mehr meine Seele mit Buß, Liebe, Eyfer, Freuͤd und Danckbarkeit. O Go“tt! mein Hertz ſagt mir von deinetwegen, ſuche mein Antlitz; Ich ſuche es HErr, hilff deinem Knecht, der auf dich hoffet. Amen. Gebett nach der Comunion. erhoͤhe und preiſe deine — — —)ͤ——— —— Barmhertzigkeit, O mein GOtt! Ich lobe dich we⸗ gen der unſchaͤtzbaren Guͤte, die du mir allererſt bewieſen, in dem du mir die koͤſtlichen Fruͤchten des 6 Todes meines Erloͤſers dargebot⸗ ten. Nimm nun an alles, was i 1 Gebett nach der Communion. 283 — ich dir geben kan, mein Lob, meine Danckſagung, und das Opfer mei⸗ nes Hertzens und meiner Seele, ſo ich dir fuͤr immer und ewig brin⸗ ge; O grundguͤtiger GOTT! du GOtt meines Heyls und meiner Freüde, gib mir die Gnad, die mir noͤthig, biß an meinen Tod getreu zu ſeyn. Seye mein Gleits⸗Mann und meine Staͤrcke, ſeye mein Licht und meine Hoffnung, ſo lang ich in dieſem ſterblichen Leibe bin, und daß ich, wann du vom Himmel kommen wirſt, Gnade vor deinem Richterſtuhl finde. AMEN. Die welche glauben moͤchten, daß ſie nach der Communion zu nichts verbunden ſeyen, wurden eben dadurch an Tag legen, daß ihre Communion nicht rechter Art geweſen. Da praͤſentieren ſich gleich ge⸗ wiſſe Pflichten, die man am Tag T 2 ſelbſt 284 Nach⸗Errinnerung. ſelbſt erfuͤllen muß, an deme man zudes HErrn Tiſch gegangen. Auſ⸗ ſer denen, welche man Gött in ſei⸗ nem Tempel abſtatten muß; Die Comunions⸗Taͤg muͤſſen insbeſon⸗ dere ſeyn, Tage des Gebetts, und Heil. Betrachtungen, darin man etwas gutes lieſet und Gottſelige Geſpraͤch fuͤhret, und endlich Liebe uͤbet und Allmoſen außtheilet. Es ſind noch weiter zwey andere allge⸗ meine Pflichten,zu denen man all ſein Lebenlang verbunden. Die erſte erforderet daß man al⸗ le Tag, inſonderheit auf den bend, ſein Gewiſſen erforſche. Und das iſt eine fuͤrtrefliche Vor⸗ bereitung zum Gebett; und weil keAein Tag nicht iſt, da der HErr nicht kom̃en koͤñe, ſo iſt auch keine/ da man ſich nicht nothwendig underſuchen muͤſſe, ob man im Stand ſeye vor Ihm mit einẽ rechtſchaffenen Ver⸗ trauen zu erſcheinen. Die Nach⸗Errinnerung. 285 Die andere Pflicht beſtehet in un⸗ ermuͤdeter Arbeit an Beſſerung ſei⸗ nesLebens/ je nach deme man es auf underſchiedene Art noͤthig hat; und man muß ſich den Muth nicht neh⸗ men laſſen weder durch die Schwe⸗ rigkeiten, die man antrifft inſonder⸗ heit im Anfang, und auch wegen den Ruckfaͤhlen; die Wuͤrckung/ die ſolche Ruckfaͤhl haben ſollen, iſt, wann man ſich demuͤthiget, und wachtbarer und emſiger in Ubung des Gebetts ſich erzeiget. Dieſem Rath nicht folgen, heiſt ſich in Nothwendigkeit ſetzen, GOtt unge⸗ treu zu ſeyn, und ſich ſo der Gnad be⸗ rauben, die IEſus Chriſtus uns be dem Heil. Abendmahlanerbietet, ſo wir man je mehr und mehr ein Vorwurff der Himmnliſchen Gnade; man ſtehet taͤglich in einer genaueren Gemeinſchafft mit GOtt, und das Blut ſeines Sohns rei⸗ niget uns von aller Suͤnde. KE ND E. Tafel oder Vorſtellung der Materien, die in dieſem Werck verhandlet werden. Je Einſatzung des Heil. Abend⸗ mahls. 1. Cor. 11,23. 30. Pag. 2 Erklaͤrung der Einſatzung. p. 4 Folgen, die der Heil. Paulus daraus zeuͤcht. p. 13 Erſter Theil. V Von der Underſuchung ſeiner ſelbſt, ſo dem Genuß des Heil. Abendmahls vorgehen ſoll. p. 21 A. Von der Natur und Underſuchung ſeiner ſelbſt. P. 22 Vier Haupt⸗Puncten, darauf dieſe Erforſchung ſich gruͤnden ſolle. p. 28 1. Die Gedancken Wort und Werck. p. 30 2. Das Gute und Boͤſe, ſo da in uns iſt. p. 36 Die Tafel der Materien. Die Umſtaͤnd, ſo die Suͤnd vergrdſ⸗ ſeren. Pag. 43 Die Gewohnheits⸗Suͤnden. p. 46 3. Den Zuſtand, darinn man ſich wuͤrcklich befindet, verglichen mit ſeinem vorigen Zuſtand. p. 49 4. Nicht nur der allgemeinen Pflich⸗ ten Rechnung tragen, ſondern auch der ſonderbaren. p 53 Was man thun ſoll, wann das Ge⸗ wiſſen in Aengſten. p. 59 B. Von der Nothwendigkeit der Erfor⸗ ſchung ſeiner ſelbſt. p. 62 1. Prob, die Ordnung St. Pauli 1. Cor. 11, 28. p. 58 2. Prob, die Natur ſelbſt der Heil. ommunion. p. 67 3. Prob, die Erkanntnuß und Ge⸗ fuͤhl unſerer Verderbnuß. p. 71 4. Prob, die Erfahrung aller Tiſch⸗ genoſſen. P. 74 Etliche Außnahmen wieder die Erfor⸗ ſchung —„cc—· Tafel der Materien. ſchung ſeiner ſelbſten werden beant⸗ wortet. Pag. 78 Das viel nicht im Stand dieſer Er⸗ forſchung obzuliegen. p. 83 Das viel nicht der Weil haben oder nehmen. p. 86 Zweyter Theil oder Abſchnitt. Die allgemeine, einem wahren Tiſch⸗ denoſſen nothige Zubereitung, ſo a ſind, Buß und Glauben. p. 92 V I Von der Buß insgemein. p. 93 ” Drey Kennzeichen der wahren Buß. p. 98 1. Die Betruͤbnuß uͤber die begange⸗ ne Suͤnden. p. 99 2. Der Vorſatz nicht mehr zu ſundi⸗ gen. P. 103 3. Die Verbeſſerung der Suͤnden, die konnen verbeſſeret werden. p. 107 Daß, wann das Heil. Abendmahl ins⸗ beſondere die Buß erforderet, es ar tuͤchtig ſey, ſolche herfuͤr zu ringen. p. 111 II. Von . Tafel der Materien. II. Von dem Glauben, ſo fern er Uber⸗ c. zeugung und Trauen in ſich ſchleuͤſt. Pag. 117 Das Vertrauen ſchleuͤſt auch die Hoff⸗ nung in ſich. p. 121 b Dritter Theil oder Abſchnitt. Die Zubereitung, darinn man ſich fin⸗ den muß, wann man des Heil. Sa⸗ craments theilhafftig wird. p. 133 1. Zubereitung, eine lebendige und bruͤnſtige Erkanntlichkeit. p. 134 2. Zubereitung, wann man von der zarmhertzigkeit Gottes in der Gaab ſeines Sohns durchdrungen. p. 142 3. Zubereitung, eine groſſe Liebe ge⸗ gen IEſu Chriſto. p. 148 4. Zubereitung, eine aufrichtige Lie⸗ be gegen alle Menſchen. p. 152 5. Zubereitung, eine tieffe Demuth. p. 168 6. Zubereitung, eine gaͤntzliche und unwiederrufliche Ergebung ſeiner ſelbſt an GOtt. p. 174 Gebett, Tafel der Materien. Gebett, ſo man in dem Hingehen zu des HErrn Tiſch verrichtet. Pag. 181 Vierter Theil oder Abſchnitt. Was man nach der Heil. Communion thun ſoll. p. 192 I. Die Pflichten, die man gleich nach dem Empfang des Heil. Abend⸗ mahls erfuͤllen ſoll. p. 196 1. Pflicht. Das Gebett. p. 197 2. Pflicht. Das Leſen. p. 199 3. Pflicht. Gottſelige Geſpraͤch. p. 203 4 .Die Werck der Gottſeligkeit und Liebe. p. 207 II. Pflichten, dazu wir all unſer Leben⸗ lang durch das Heil. Abendmahl verbunden. p. 213 1. Pflicht, wann man ſein Gewiſſen offt erforſchet. p. 219 Von der Chriſtl. Wachtbarkeit p. 221 2. Pflicht, wann man ohne Under⸗ laß und hertzhafft an Verbesſennng eine Tafel der Materien. ſeines Lebens arbeitet. p. 224 Ein doppelter allgemeiner Rath, ſich in der Gottſeligkeit zu beveſtigen. Pag. 225 1. Rath, daß man den Muth nicht ſincken laſſe wegen den Schwerig⸗ keiten. pp. 226 2. Rath, daß man den Muth nicht fahren laſſe, uͤber einigem Fahl. p. 230 Dieſe Pflichten verſaumen, heiſt ſich auſſer Stand ſetzen IEſu Chriſto getreu zu ſeyn. p. 235 Gebetter. 1. SOtt um Gnad bitten, ſich zu dem Heil. Abendmahl wohl vorzu⸗ bereiten. 6 P. 244 2. Nachdem man uͤber die Einſatzung des Heil. Abendmahls ſeine Be⸗ trachtung gemacht. p. 246 3. Von GOtt Gnad zu erlangen, ſich ſelbſt wohl zu erforſchen. p. 249 4. Von GOtt Gnad zur Buß und Glauben zu bitten. p. 271 5. Fuͤr Tafel der Matexrien. 5. Fuͤr einen Suͤnder, der, nachdem er ſich erforſchet, nothwendig er⸗ kennen muß, daß er nicht im Stand des Heyls ſeye, aber doch einig Ge⸗ fuͤhl der Buß und Umkehr zu Gott habe. Pag. 255 6. Fuͤr eine Perſohn, die nach der ruͤfung ihrer ſelbſt, ſich verſiche⸗ ren kan, daß ſie in der Gottſelig⸗ keit zugenommen. p. 259 7. Ehe man zum Tiſch des HErrn hinzu nahet. p. 261 8. In der Ruckkehr von des HErrn Tiſch. p. 263 9. Ein ander weitlaͤufftiger Gebett nach der Communion, welches dem ewoͤhnlichen Abend⸗Gebett beyge⸗ uͤgt werden kan. p. 264 Ein gar kurtzer ſummariſcher Entwurff der fuͤrnehmſten Pflichten eines Tiſchgenoſſen. pP. 273 Ende der Vorſtellung deren Mate⸗ rien/ die in dieſem Werck ver⸗ handelt werden. —— 7———————ᷓʒ— ——— — ——