* — Gmpfehlung glaubiger Geelen gegen HHTT, gebohrner Heyfridin, Hocchſeeligen und geſegneten ngedenckens/ s Dieſel Im Jahr Chriſti 1740. Dienſtags den 4 2 Jenner in dem 61ten Jahr Dero preißwuͤrdigen Alters durch einen Schlag⸗Fluß dieſer Zeitlichkeit ploͤtzlich, jedoch bey taͤglicher Vorbereitung auch ſeelig entriſſen/ und darauf den 18. dito in den Abend⸗Stunden in Dero neues Begraͤbniß in der Evangeliſchen Kirche zu St. Ulrich zu erſt und hochbedauerlich emgeſencket worden/ in der vorhero in dieſem GOttes⸗Haus in Gegenwart vornehmlich Einer Hoch⸗Adelichen, Hoch⸗und Wohl⸗Ehrwuͤrdigen und Hochanſehnlichen Trauer⸗Verſammlung 3 von dem Altar gehaltenen Frauer⸗Sermon vorgeſtellet von Hamuel Gidemann/ Pfarrer zu St. Ulrich Augſp. Conf A-GSPURG, Druckts Matthias Schoͤnigk. — 4 1 4 7 4 1 1 1 —— 6 * 1 1 4 1 8 —————— Hechwohlgebobrner Berr! hier zeigen ſich die chrifften/ In welchen Pflicht und Danck dem Sdelſten 1 Gemahl ein Bochverdientes Wob⸗und Dend. MWahl! ſollten ſtifften/ Als dieſes Beine Scel dem Schoͤpfer anbefahl: Bie faſſen zwar in ſch Roh⸗Meden und Gedichte/ Doch iſt die SBahrheit da/ nicht Schmeicheley der Grund: Der allgemeine Nuhm und voͤllig gut Seruͤchte/ So Wero thenrſter Bhat wcät auf dieſe b un Bezeugen innerhalb und auſſer Augſpurgs Mauren/ † 1Daß man der Gache hier wohl nicht zuviel gethan: Und weil Vie ſelbſten noch dis Rleinod hoch bedauren/ 1 Als nimmt man dieſe Traur zum Wahrheits Feugnuß an. X⁴2 Fſt 1 Sch/ dem die Seelen⸗Sorg von Ihr war üͤbergeben/ Geſtch/ daß ich hierob mit Freuden hab gewacht; 5und da Hie nun vom Todt gedrungen in das Leben/ 1 und Ihren Wlaubens⸗ Wauf zum Ende hat gebracht/ Heißt mich die Danckbarkeit 8 Ihr Gedaͤchtnis ehren/ Das mir auf manche Weis gewis hochſchäͤtzbar An eibt/ (Da Proben Hoher Huld auch nach dem Todt ſic mehren // Ddiie tiefe Wanckbarkeit fiſ 3 das Hertz ein⸗ DVo nehmen Hie mir denn die erſten Trauer⸗Bogen/ HGochtheureſter PatrOn mit vieler Gnade ab’ und bleiben ferner mir mit Hoher Huld gewogen/ Derich vor Dero Wohl noch dißzuwuͤnſchenhab: Der Hochſte troͤſte Sie/ Sr ſeegne und erquicke Kie in dem Trauer⸗Gtand undin der Sinſamkeit/ Das Dunckle kehre ſich in helle Sonnen⸗Blicke/ und GOttes Gnad und Wort bleib Ihnen 8 allezett. Der Verfaſſer der Leichen⸗Sermon. „Wn „ 1 1 4 5 „ H — As walte der allerhoͤchſte und allerguͤtigſte GOtt/ der ſich aller Menſchen/ ſonder⸗ lich ſeiner Glaubigen Wege laͤſſet empfoh⸗ len ſeyn/ ſo/ daß ſie nicht vor und von ſich ſelbſten/ ſondern durch ſeine Fuͤhrung auf die Wege des Lebens/ des Leidens und des Todes kom⸗ men darauf ohne Anſtoß wandlen/ und endlich den Lauff ſeelig vollenden; der fuͤhre dieſe gantze Trauer⸗Derſammlung, und ſonderlich das edel⸗ ſte Baupt derſelben, das er in dieſen Tagen auf eine ſo rauhe Bahn gefuhret/ da er Fhme einen getreue⸗ ſten Gefaͤhrten in dieſer Wallfahrt entzogen/ nun in dieſer Stunde zu den lebendigen Waſſer⸗Quellen des Goͤttlichen Worts/ und laſſe Wiedaſelbſt alſo erqui⸗ cket werden/ daß ſie von nun an/ zwar als Traurige, je dennoch aber in ſeiner Gnade allezeit Froͤliche wan⸗ deln vom Glauben bis zum Schauen/ ja er laſſe bis in den Todt uns alle ſeiner Pflege und Treu empfoh⸗ len ſeyn/ ſo gehen unſere Wege gewißlich Himmel ein/ Amen! .„u Chriſt⸗ 2 Die Empfehlung glaubiger Seelen gegen 6Ott. Thriſliche, Bochedle und Borzanſehnliche Trauer Berſammlung. On der Tauffe in den Todt! von dem Tauff⸗Stein zu dem Grab⸗Stein! von der Gezeugſchafft bey der NG — Tauffe, zu dem treuen Zeugen JEſu Chriſto, von dem Q4Ꝙ G neugebohrnen Kinde zu dem Erſtgebohrnen von den Tod⸗ ten; von dem Anſchauen der Reinigung fremder Suͤnden zur eignen und 2 letzten Rechtfertigung von der Suͤnde, von der Schenckung des geiſtlichen Lebens zu Erlangung des ewigen Lebens! Welche Wege, welche Gaͤnge 1 ſind das! Und gleichwohlen iſt nach der wunderbahren und verborgenen Fuͤh⸗ rung des Hoͤchſten dieſen Weg gegangen eine auserwaͤhlte Fraul/ die edelſte unter unſern Matronen/ deren ausnehmende Eigenſchafften Sie mehr unter allem Volck unſerer Stadt bekannt gemacht, als ihr Nahme, ich meyne, die Weiland Frey⸗Reichs Hochwohlgebohrne Frau, Frau Nnna Sibyllaven Garben/ des Heil Rom. Reichs Freyin/ auch Edle Frau von Gilbelli, gebohrne Hey iddin/ des Frey⸗ Reichs Hochwohlgebohrnen Merrn/ Werrn Facob Smanuel von Garben/ des Heil. Roͤm. Reichs Frey⸗Herrn/ auch Edlen Herrn von Gilbelli, Ihro Roͤm. Kayſerl. und Koͤnigl. Cathol. Mafeſtaͤt wuͤrcklich vergeliebdeten Raths und Reſidenten in bey⸗ den loͤbl. Reichs⸗Staͤdten Augſpurg und Ulm betrauteſte/ Hoch⸗ gehaltene und Hertzgeliebteſte Erau Bemahlin/ Hochſeeligen/ Gottſeelgen/ nnd geſeegneten Angedenckens. Man ſahe Dieſelbe letztern Dienſtag einer Tauffe bey dieſem Altar bey⸗ 1 wohnen, der nun in ſeine Trauer eingekleidet, da er damahls auf herrliche Weiſe geſchmuͤcket, man wurde gewahr Ihres ernſtlichen Gebets des Hertzens durch die Regung der Lippen, Sie legete ihre Finger dem zarten Knaͤblein auf, zum Zeichen, daß Sie ſich ſolches wolte empfohlen ſeyn laſſen; man hoͤrte Ihre freundliche und geiſtreiche Gluͤck⸗ und Seegens⸗Wuͤnſche; man begleitete Sie mit Danckſagung nach Hauß; und ſiehe! bald darauf ſtarb Sie. S Die Empfeduung glaubiger Seelen gegen GOtt 33 Sie. Sie gieng alſo von einer heiligen Handlung zu der andern; von Ubergebung einer andern Seele, zu der Ubergab des eignen Geiſtes in die Haͤnde des Schoͤpffers. O ein wunderbahrer und trauriger, aber doch auch heiliger und ſeeliger Gang! Einige der erſten Chriſten, und ſelbſten der erſte Chriſtliche Kayſer Conſtantinus, der Groſſe, ſchoben ihre Tauffe bis auf den annahenden Tode auf, weilen ſie, wiewohlen in Irrthum glaubten, daß nach empfangener Tauffe, keine weitere Vergebung der Suͤnden zu er⸗ langen; dieſe Tauffe aber war von dem HERRN, der dem Menſchen ein Ziel geſetzt, welches er nicht uͤbergehen ſoll, bis auf dieſen Abend verſpah⸗ ret, damit die Hochſeelige Frau, da Ihro bey dem ſchnellen Einbruch des Todes kein Troſt von den Dienern Chriſti mehr zukommen ſolte, durch den 4 Geiſt GOttes bey ſo erbaulicher Gelegenheit zu Erneurung ihres eignen 4 Tauff⸗Bundes in ihrem Hertzen kraͤfftig ermahnet wuͤrde; da ohne dem die Tauffe nach der Apoſtoliſchen Lehre ein Bild des Todes mit ſich fuͤhret, nemlich der Einſenckung in den verſohnenden Todt JEſu, und der Ertoͤd⸗ tung des alten Menſchen: Dann wir ſind mit Ehannd Gepraben durch 4 die Tauffe in den Todt, Sonſten zwar ſchencket die Tauff das eben dem Taͤuffling, nicht! das Leibliche, welches die Geburt giebet, ſondern das Geiſtliche, das iſt, das Leben im Glauben des Sohnes GOttes, und das Recht zum ewigen Leben; Sie machet auch auf ein neues leben Chriſtliche Eltern und gottſeelige Gevat⸗ tere, die ſich freuen, daß das Kind durch die Tauffe aus dem Todt in das Leben kommen; aber in dieſem Fall ſollte der Weg zur Handlung der Tauffe, wiewohl allen Menſchen unbekant, ein Weg zum Tode werden derjenigen Perſon, welcher Gebet nach dem Mittel des Lebens, welches die Tauffe iſt, dem Kind zum Leben geholffen: Dann ſehet welche Veraͤnderung! 1Hier iſt vor dieſen Altar geſetzet ein Leichen⸗Sarg; und darinnen lieget der in einer kuͤrtze erblaßte Leichnam einer edlen Frauen, welche wenige Tage zuvor vor dem demſelbigen in aller Lebhafftigkeit des Geiſtes geſtanden: Hier mangelt aber eine auserleſene Seele, die dabey den Leib bewohnet und belebet, dann ſie iſt in das ewige Hauß GOttes im Himmel, das nicht mit Menſchen Haͤnde gemacht, eingegangen, und vor dem Altar des Hoͤchſten, um den die dienſtbahre Geiſter, und die Geiſter der vollkommenen Gerechten ſtehem, erſchienen: Es war auch nicht anderſt, als wenn ihr der HErr JEſus Chriſtus eroͤffnet, wie ſie ihre Huͤtte bald ablegen wuͤrde, indem die vor dem Wochen⸗Bette der froͤlſichen Kinder⸗Mutter damals mit Ihr geſtandene Chriſtliche Frauen bezeugen, daß der erloͤſeten Seele Geſpraͤche daſelbſten vornehmlich auf die ſchnelle Todes⸗Faͤlle gegangen, dergleichen nicht nur vor Pwenigen Wochen eine wuͤrdige Prieſters⸗Frau betroffen, ſondern 2 A 2 au — „o- I auch vor etwa 15. Monaten in ihrem eignen Hauſe, in ihrem Wohn⸗Zimmer und vor ihren Augen, aus ihren naheſten edlen Anverwandten geſehen, dabey Selbige um ſo vielmehr an Sich ſelſten, und an das wahre Wort: Wer weißt/ wie nahe mir mein Ende! wird gedacht haben, als Sie ſeit letzterer Kranckheit abgewichenen Jahres vielfaͤltig gegen vertraute Gemuͤther bezeuget, wie Sie Sich eines ſchnellen Todes beſorge, als von welchem Sie auch die letzte Nacht ihres Lebens getraͤumet.„ Doch was hindert es Ihrer Seeligkeit, daß Ihr letzter Gang geweſen, von der Tauffe in den Todt/ Sie hatte ja alle Ihre Wege, die or⸗ dentliche und auſſerordentliche, die vermuthete und unvermuthete, die weite und kurtze dem HERRN befohlen, und ihn zum Fuͤhrer und Leiter erkieſet, erbetet angenommen und bekommen. Ihr koͤſtlicher Wahl⸗Spruch, das 1 theure werthe Wort Davids im Pſalm 37. v. 5. bezeuget ſolches, das alſo lautet: Befhhl dem BeNR deine Wege/ und hoff Welches uns vorhaͤt Glaubiger Geelen Smyfchlung gegen Hoehchä. Welch unſtem GOèè denn auch dieſe Wrauer⸗MRede zu Mitthei⸗ lung ſeiner Gnade empfohlen ſeye, Amen! dung des Gruſſes, welcher doch heiſſet ein Anwuͤnſchung alles Guten, vor Einfalt und Geringſchaͤtzung angeſehen wird; ſon⸗ derlich empfehlen ſich die Untern den Obern, und wollen ſich durch M empſihlet ſich zu unſern Zeiten einander, da eine bloſſe Vermel⸗ 3 ſolche Empfehlung dero Gnade, Schutz, Wohlthaten und Huͤlfe erbitten: 1 Vieler Misbrauch iſt in ſolcher Empfehlung, ob ſie ſchon in ſeiner Maaſſe l noch gelten mag; denn vielmals iſt ſelbige vergeblich bey denen, die zu un⸗l ſerm Beſten weder etwas beytragen konnen noch wollen, zuweilen wohl ſündlich, als die zum Zeugniß dienet, wie man ſich groſſer Leute Gnad und Gunſt, Gewalt, Macht, Reichthum, Witz und Kunſt gar laß zum Ab⸗ gott werden. 1 * Die Empfehlung glaubiger Seelen gegen GOtt. 3 Iſt nun des Empfehlens unter den Menſchen und gegen die Menſchen ſo vieles, wer muß es nicht loben, wenn ſich die Seele, von allen Menſchen abgewandt, GOtt allein, beſtaͤndig und vornehmlich empfihlet, dann ſolches ſchen wir im Anfang der Rede an alb ihre anbefohlne Ubung/ Beſihl dem HERRR/ ſpricht David, der ſo manche gute und boſe Weg ge gangen, deine Wege/ und hoffe auf Ihn: V Eine Ubung, die zwar insgemein befohlen, doch nur von denjenigen Seelen kan befolget werden, die geſinnet ſind, wie David, der Mann nach dem Hertzen und Willen GOttes: Dann, wie ſollen ſich die GOtt empfeh⸗ len, die von ſeinen Wegen nichts wiſſen, noch auf ihren eignen rechtmaͤßi⸗ gen und geraden Wegen einher gehen wollen: Die in keiner Gemeinſchafft mit GOtt ſtehen, die keinen Zutritt zu ihme in Chriſto haben, weilen ihre Miſſethat nicht verſoͤhnet, die einem andern nacheilen, und nach dem Wil⸗ len des Fuͤrſtens dieſer Welt, der in der Finſterniß herrſchet, wandeln: und befihlet ſich ihme ſchon Ihr Mund in dem Gebet der Lippen, ſo iſt doch das Hertz ferne davon, und folglich ihre Empfehlung kein Ernſt, ſondern Heucheley und untugend, auch vergeblich, weil GOtt die Suͤnder nicht bertt⸗ ſoldern ſie in ihrem Unglauben und Boßheit ſind ohne GOtt in er Welt. Aber glaͤubige, gehorſame, fromme Seelen koͤnnen ſich mit Nuten an dieſem Werck der Gottſeeligkeit uͤben, dann ſie wiſſen, GOtt habe Acht auf alle ihre Wege, Er zeige ihnen den rechten Weg, Er foͤrdere ihren Gang, Er bewahre ihren Fuß, daß er nicht ſtrauchle: Dannenhero wie ſich die Kinder empfehlen ihrem Vater, die Knechte den Herren, die Un⸗ terthanen den Regenten, die Clienten den Patronen, und die Arme den Wohlthaͤtern, alſo empfehlen ſie ſich GOtt, der alles dieſes und doch meh⸗ rers iſt. Die Wege aber die ſie ihme befehlen, ſind ihre Wege, niht die b ſie ſelbſt erwaͤhlet zu gehen, ſondern die ihnen von GOtt gebotten, in ſeinem Wort durch mancherley Gelegenheit gezeiget, und bereits von ihme gebahnet worden: Hieher gehoͤren alle ihre menſchliche und Chriſtliche Handlungen, alles Thun und Laſſen, alles Arbeiten und Leiden, alles Kaͤmpfen und Rin⸗ gen, und der gantze Beruf, indem ſie ſowohl als Menſchen, gleichwie als Chriſten ſtehen: Dieſe Wege ſind unterſchiedlich, wie vielerley Wege den Wanders⸗Mann zu einem Ort fuͤhren koͤnnen, Manche gehen mit andern einerley Wege in Geſellſchafft, andere haben ihre gantz beſondere Wege und Fuͤhrungen von Jugend auf, alle aber haben doch ihren Weg, den ſie gehen ſollen, und ſonſten weder zur Rechten noch zur Lincken: Folglich enhen B — —— 6 Dee Empfehlung glaubiger Seelen gegen GOtt. dem vorgeſteckten Ziel, dem Kleinod/ welches vorhaͤlt, die himmliſche I bincken auf beyden Seiten; ſondern ſie gehen alle ihren Weg, ihre Lebens⸗ Solches Befehlen geſchiehet nach der lateiniſchen Uberſetzung der Worte: Thun gelingen, wie ihre Anſchlaͤge fortgehen, was ihre Arbeit fruchte, 1 der Ausgang ihres Lebens von auſſen ſeyn werde, ſondern ſolche Sorgen alle ſich unter den wahren Kindern GOttes keine, die den ganten Tag des Le⸗ bens am Marckte ſtille ſtehen, dann ſie ſind alle gedinget mit dem Wort: Gehet ihr auch hin; keine, die zuruͤcke gehen, dann ſie jagen alle nach Beruffung GOttes in JEſu Chriſto unſerm HErrn/ keine die da Leidens⸗Berufs⸗Wege, ja ihre Buß⸗Glaubens⸗ und Heiligungs⸗Wege un⸗ ſtraͤfich. Aber damit ſie richtig vor ſich wandlen, ſo befehlen ſie ſelbige dem HERRN: Sie glauben alſo nicht, daß ſie aus eigner Vernunfft und Krafft gehen koͤnnen, das iſt, ausrichten, was GOE ihnen befohlen: Kevela Domino vias tuas, durch das anhaltende Gebet, welches iſt eine Rede des Mundes, und ein Geſpraͤch des Hertzens mit GOtt, darinn ſie ihr Anliegen dem HERRN entdecken, ihre Klage vor ihm ausſchuͤtten, und ihn um ſeinen Beyſtand angehen: Es geſchiehet nach der heiligen Spra⸗ che durch ein geiſtliches Hinwaͤltzen, welches iſt die von oben her erlernete Kunſt der Chriſten, ſich nicht mit unruhigen Sorgen zu plagen, wie ihr ihr Gottſeeligkeit nutze, ihre Leiden vor ein Ende gewinnen, und welcherley der Goͤttlichen Fuͤrſorge zu uͤberlaſſen: Bey welcher Wegwaͤltzung des Sor⸗ gens⸗Stein von der Thuͤr ihres Hertzens ſie auch bewahret werden vor al⸗ lerley verbottenen Mitteln, durch welche offt die Welt ihr Thun foͤrdern, ihre Rathſchlaͤge gluͤcklich machen, ihre Leiden verkuͤrtzen, ja ſelbſt den Todt uͤberwinden will: Dann ſie glauben und wiſſen, der HERR ſey ein Mei⸗ ſter zu helffen, ein GOTT zu ſeegnen, ein Erloͤſer zu erretten, und ein Licht zu erleuchten an allen Orten: Ihnen genuͤget ſchon an dem Wort des Be⸗ fehls, worzu er ſie in ihrem Stande fuͤhret, an dem Wort der Verheiſſung, nach welchem er weder verlaſſen noch verſaͤumen will, und alſo ſeyn ſie in GOTT zufrieden, weil auch ihre Wercke ſind in GOtt gethan. Dis Empfehlen hat zu einem Hauptſtuͤck die Hoffnung und das Ver⸗ trauen zu GOtt, darum ſetzt David darzu, Und hoffe auf Ihn/ oder vertraue ihm, und iſt alſo ein glaubiges Empfehlen, wie es auch allein von Glaubigen geſchiehet: Dieſe richten ſich in ihrer Arbeit und Muͤhe, und in all ihrem Werck nicht auf, etwa mit einem leidigen Troſt einiger Wei⸗ ſen der Welt, es gehe alles nach einer unveraͤnderlichen Nothwendigkeit, und muͤſſe man demnach es nur gehen laſſen, wie es gehe, nur willig leiden, was man nicht kan meiden; denn das hieſſe eben ſo viel, als das Schiff dem — Wind Die Empfehlung glaubiger Seelengegen GOtt. 7 Wind und Wellen uͤberlaſſen, ohne den Steurmann um Regierung deſſelben anzugehen, und waͤre bey all eingebildeter Vernunfft dennoch unvernuͤnff⸗ tig: Sie fallen nicht auf eine unglaubige Ungewißheit und wanckenden Zweiffel, ob auch der HERR Acht habe auf ihr Thun, zehle ihr Leiden, ſammle ihre Thraͤnen, oder dergleichen, als geringe Dinge verachte, und ſich darum nicht bekuͤmmere; am allerwenigſten verfallen in eine unſeelige Verzweiflung, als ſeye kein Rath noch Huͤlffe, weder von Aufgang noch vom Niedergang; ſondern ſie ſind voll Glaubens, Vertrauens und Hof⸗ nung zu GOTT; ſie hoffen das beſte von ihm, weil Ers nicht boͤſe meynen kan, ſie erwarten das Gute von ihm/ weilen, was GOtt thut, das iſt wohl gethan, und in ſolcher Hoffnung zu GOTT, darinn das Hertz durch die Gnade feſt wird, welches ein koͤſtlich Ding iſt, bleibt ihr Geiſt ruhig, ihre Gedancken richtig, ihr Gemuͤth froͤlich, und in allem ihre Seele ge⸗ troſt. Aber eine ſo edle Faſſung des Gemuͤths, eine ſo ſchoͤne Ubung an dem Empfehlen gegen GOtt/ hat auch einen feſten Grund; und dieſer iſt, wie der Fortgang der Trauer⸗Rede zeiget; die gegebene Verheiſſung: “ Ir wirds wohl machen. Puicht und Verheiſſung ſtehen beyſam⸗ men, wie ſie auch zuſammen gehoͤren, das glaͤubige Empfehlen bleibt nicht ohne das Goͤttliche Wohlmachen, und das Wohlmachen des Hoͤchſten of⸗ fenbahrt ſich allein bey dem glaͤubigen Empfehlen; darum fuͤget die heilige Sprache beydes zuſammen durch das Verbindungs⸗Woͤrtlein Und: Befihl dem BERRR deine Wege/ und hoffe auf Ihn/ Und Er wirds wohl machen: Denn wo jemand ſch nicht will GOtt befehlen und auf ihn hoffen, ſondern ſich ſelbſt verſorgen/ und das Wollen und Vollbringen von ſeiner Krafft nehmen, den laͤßt der HERR eine Zeitlang wandeln nach ſeinem Rath, und ſich ſelbſt viel ver⸗ geblicher Unruhe machen, ob er etwa ihne noch ſuchen und finden moͤchte, als den HERRN, von welchem alle Huͤlffe kommt/ die auf Er⸗ den geſchicht: Sonſten aber, und wo glaubige Empfehlung und Hoffnung e iſt, da bleibt das Goͤttliche Wohlmachen gar nicht aus; dann GOtt iſt ge⸗ treu, ſein Wort wahrhafftig, und was er zuſaget, das haͤlt er gewiß; Er macht es aber wohl einmahl vor ſich und ohne ſeine Werckzeuge, denn das iſt ſein Ruhm von Anfang aller Dinge: DOtt ſahe an alles/ was Er gemacht hatte/ und ſihe/ es war ſehr gut/ wann er foͤr⸗ dert was Menſchen hindert, hilfft, wo Menſchen Huͤlffe kein nuͤtze, und endet, wo kein Ausgange der Leiden ſich zelgen, daß alle muͤſſen ſagen, 2u 2 a hat GOES gethan, und mercken, daß es ſein Werck iſt. Vielfaͤltig macht 1 machen. Dann GOttes Machen iſt ein beſtaͤndiges Wohlmachen, er kans bes machen, daß das Werck gethan und nicht gethan, angefangen, und Die Empfehlung glaubiger Seelen gegen GOtt. er es auch wohl durch Menſchen und ihre Wercke, die er als Werckzeuge ſeiner Barmhertzigkeit an uns gebrauchet: da neiget er anderer Huld zu den Elenden, ſchicket den Unwiſſenden Lehrer, den Unberathenen Rathgeber, den Irrenden Wegweiſer!, den Thoͤrichten Zuͤchtiger, den Traurigen Troͤ⸗ ſter, und ſchaffet uͤber dis, daß denen, die GOtt lieben, muͤſſen alle Dinge zum beſten dienen; ja der HERR iſt ſo weiſe und guͤtig, daß er auch der Feinde ſich zum Wohlmachen an uns gebrauchet, eben ſo dann, wann ſie es uͤbel machen wollen, als Joſeph ſeinen Bruͤdern ſagte: Jhr gedachtets boͤſe mit mir zu machen/ aber BOTT gedachts gut zu ma⸗ chen. Bedencklich iſt dabey, daß die Heil. Sprache gantz kurtz redet: Er wirds machen/ ohne zuſetzen, welches doch richtig iſt, er wirds wohl nicht boͤſe meynen, er kans nicht boͤſe machen; er iſt vollkommen gut und al⸗ les, was er gemacht hat, das iſt auch gut: Unverſtaͤndige duͤncket es zwar bisweilen, GOtt habe es nicht gut gemacht, oder doch beſſer machen koͤn⸗ nen, weil er es nicht gemacht nach ihrem Willen; allein die auf ſein Werck mercken, erfahren es hernach, daß er es wohl gemacht: Der Menſchen machen iſt offtmahls ein Verderben und boͤſe machen, vielfaͤltig nur ein hal⸗ nicht vollendet; GOttes machen ein gutes, ein vollkommenes machen, daß nichts daran fehlet. Dis Goͤttliche machen hebt auf alles eigene machen: Die Menſchen ſollen zwar arbeiten/ leiden, ringen, aber daß es gelinge, kommt doch vom HERRN, der das Gedeyen gibt: Dieſer macht das Haupt⸗Werck, und gibt alle Krafft zu ihrem Werck, und ohne ſein Werck iſt der Menſchen Werck kein Werck, und darum bleibt es ein Wort des Glaubens: Er wirds machen/ Er wirds wohlmachen: Die erloͤſete Seele unſerer theureſten Frau Baronesſin von Garb/ die nun in dem Himmel triumphiret, gehoͤrete, ſo lange ſie auf Erden den wohlgebildeten, aber doch ſterblichen Leib belebte, und auch zwar vor andern, unter den Ausbund der Glaubigen, welche ſich GOTT empfohlen, und auf ihn gehoffet, mit denen er es aber auch beſtaͤndig wohl gemachet: Sie war der Gnade des Hoͤchſten durch die H. Tauff empfohlen, durch eine Gottſeelige Auferziehung dem HERRN dargeſtellet, und durch eine geiſtliche Erfahrung der Guͤte GOttes in dem innerſten des Hertzens — ver Die Empfehlung glaubiger Seelen ggen GOtt. 9 verſcchert, GOtt mache alles wohl, er mache es wohl mit Iro, er habe 5 es wohl gemachet, und werde es ferner wohl machen. 1 Rie aſete edeßs Wort in dem Glauben/ welcher iſt eine gewiſ⸗ ſe Zuverſicht des/ das man hoffet/ und nicht zweiffelt an dem/ das man nicht ſiehet; dann vor den Augen der Menſchen lieſſe es ſich vielfaͤltig gantz anderſt an. Vater und Mutter verlieſſen Selbige in einem Jahr, und zu einer ſolchen Zeit, da Ihr kaum die erſten Buchſtaben der * Goͤttlichen Lehre von der Empfehlung ſeiner in die Haͤnde GOttes, von der Hoffnung auf GOtt, und dem Goͤttlichen Wohlmachen konten beygebracht werden; aber der HERR nahm Sie auf, und verſorgte Sie durch Ihro vornehme Anverwandſchafft, und nach einiger Zeit durch eine gantz erwuͤnſch⸗ te Vermaͤhlung von vielem Seegen, und einer in die 44. Jahre fortgehen⸗ den Dauer: Es ſchiene, als wann ſich der HERR Ihre Wege des Ehe⸗ ſtandes wenig lieſſe befohlen ſeyn, da Sie Dero theureſt⸗ geachteten und innigſt⸗geliebten Herrn Gemahl eine groſſe Zahl der Jahre hindurch mu. ſte erkrancken ſehen, aber der HERR halff auch von dieſen allem, ſchenckte 4 Ihro dieſen edelſten Schatz, die Crone ihres Haupts und Hauſes im Leben 3und Geſundheit wieder, und machte ſein Alter beſſer als ſeine Jugend. Eine zarte Leibes⸗Conſtitution wolte nicht viel Jahre verſprechen, aber der HERR des Lebens ließ Sie doch an das Moſaiſche Ziel menſchlichen Lebens 5— anruͤcken: Eine harte Beangſtigung und feindliche Einſchlieſſung, zu der Zeit, da Fremde uͤber uns herrſcheten, konte Ihr Gedancken machen, als ſeye Ihr Schutz von ihr gewichen, aber Er trat zur rechten Zeit herfuͤr: und endlich der betruͤbteſte und in der Frembde geſchehene Verluſt eines eini⸗ gen Sohnes, eines Herrn von beſter Hoffnung, eines mit gantz ausneh⸗ menden Gaben, Eigenſchafften, Studien, und daraus folgenden Ehren und Dignitæten gezierten Hochadelichen Zweiges/ wolte dem Goͤttlichen Wohlmachen von auſſen eine gantz andere und widrige Geſtalt geben, aber 5 auch hier erquicketen die Goͤttliche Troͤſtungen Ihre Seele dermaſſen, daß Sie in Zufriedenheit des Geiſtes mit Hertz und Mund prach; Des SOSRS Wille geſceh: 7 Lber b 10o Die Empfehlung glaubiger Seelen gegen GOtt. Apber woher kam Jhro das alles? Sie hatte gelernet Ihre Wege GStt befehlen und auf ihn hoffen, und darum ward er ihres Lebens För⸗ derer, in der Finſterniß Ihr Licht, in der Einſamkeit Ihr Geſelle, und al⸗ lenthalben ihres Hertzens Troſt und Ihr Theil. Der Glaube, welcher zu⸗ vor, nach dem Vorgang der Heiligen, gewohnet hatte in ihrer Groß⸗Mut⸗ ter, und auch in ihrer Mutter, wohnete gewiß auch in Ihr, als von welchen Sie von Kind auf zum Wort vom Glauben, in der H. Schrifft verfaſſet, an⸗ gewieſen: Dahero bezeugte Sie ſich, nach allgemeiner Kaͤntniß, und zu vieler Erbauung in der Andacht Ihres Hertzens bey dem offentlichen Got⸗ tesdienſt, als eine gottſeelige Maria, die ſich zu den Fuͤſſen IEſu in dem Tem⸗ 7 pel ſetzte, und ſeiner Rede zuhoͤrete; In Ihrem wohleingerichteten Hauß⸗ 1 Gottesdienſt als eine andaͤchtige Judith, die betete in ihrem Kaͤmmerlein; In ihrem Wandel als eine erbare Ruth, von der die gantze Stadt unſers Volcks weiß, daß Sie ein tugendſame Frau iſt; In ihrem Eheſtand als eine Toch⸗ ter Sarah, die ihrem Mann gehorſam war, und hieß ihn Herr; In Ihrer 3 Gutthaͤtigkeit als eine freygebige Tabea, die war voll guter Wercke und All⸗ 3 moſen, die Sie thaͤt, wie Sie dann noch am letzten Lebens⸗Tag die Um⸗ ſchreibung ihres Armen⸗Regiſters ernſtlich befohlen; In Ihrer Arbeitſam⸗ keit als eine ſorgfältige Marcha, welche Ihr, aber zur rechter Zeit, viel * Sorge und Muͤhe machte, und uͤberhaupt war Sie geſchmuͤcket als eine der heiligen Weiber, mit ſanfften und ſtillem Geiſte, die ihre Hoffnung auf Gtt geſetzet. 1 Wie ſolte nun nicht das Hertz ihres theureſten Herrn Gemahls auf das empfindlichſte betruͤbet ſeyn, daß Ihme ſo ploͤtzlich ein ſo groſſer Troſt, eine ſo ſorgfältige Vorſteherin Seines Hauſes, auf die ſich ſein Hertz verlaſ⸗ 1 ſen konte, eine ſo liebreiche Pflegerin, und eine ſo auserleſene Gemahlin entriſſen worden? Wie ſolte nicht zur Erden gebeuget gehen Ihre edelſte 1 und ſo innig geliebte Frau Scchweſter/ welcher der beſchwerliche Witwen⸗ Stand durch den vertraulichen Umgang, Zuſpruch und Rath der Hoch⸗ ſeeligen Frauen mercklich erleichtert worden? Wie ſolte nicht in der u 1 tiefſten Die Empfehlung glaubiger Seelen gegen GOtt. I tiefſten Trauer ſtehen die geſmte Hochadeliche Anverwandſchafft/ ſo wenig Tage zuvor, nemlich mit dem Anfang des Jahrs, dieſe Crone ih⸗ . res Geſchlechtes in Ehrerbietung gegruͤſſet, mit hertzlichen Wuͤnſchen ge⸗ ſeegnet, und ſich uͤber ihren anſcheinenden Wohlſtand innigſt gefreuet? Ja theureſte/ Sie haben Urſache zu trauren, doch wann es Ihnen bey der Trauer um Troſt ſehr bange iſt, ſo laſſen Sie ſich den Wahl⸗Spruch ihres zu GOtt gegangenen Gemahls/ Frau Schhweſter und Frau Baſe tooſten: Befihl dem BWERRR deine Sege/ und hoffe auf ihn/ Er wirds wohl machen. Ja das Wort, wel⸗ ches bey der Vermählung dieſes nun durch den Todt getrenneten Edelſten Ehe⸗Paars von dieſem lltar verkuͤndiget worden: Die mit Thraͤnen ſaͤen/ werden mit Freuden erndten: Sie gehen hin und weinen/ und tragen edlen Saamen/ und kommen mit Freuden/ und brin⸗ gen ihre Garben. Durch ſolche glaubige Empfehlung und Hoff⸗ nung zu dem Goͤttlichen Wohlmachen werden Sie die Bitterkeit ihrer ge⸗ genwaͤrtigen ſchweren Leiden verſuͤſſen, ſich in der Einſamkeit ergoͤtzen, Ih⸗ re Seelen troͤſten, nach dem Ungewitter die Sonne wieder ſehen, und nach dem Heulen und Weinen uͤberſchuͤttet werden mit Freuden: Und ſo bleibe denn die letzte, großmuͤthige und Gottſeelige Entſchlieſ⸗ ſung des Hochbetruͤbteſten Herrn Wittibers/ der tief⸗gebeugten Frau Schweſter und der ſaͤmtlichen Leide tragenden Anverwand⸗ ſchafft dieſe: 2 Die Empfehlung glaubiger Seelen gegen GOtt. Has GOtt thut/ das iſt wohl gethan/ Dabey will ich verbleiben/ Es mag mich auf die rauhe Bahn Noth/ Todt und Elend treiben: Ho wird G Ott mich gantz vaͤterlich In ſeinen Armen halten/ Drum laß ich Ihn nur walten/ NRMEN Lut Deki. ſuldig Poöchſt verdientes Ruhn Gedächtnis der Weyland M Frey⸗ Reichs Bochwohlgebohrnen Frauen/ F RMGSK Bes Pai Roͤm. Reichs Freyin/ auch Edlen Prauen von Gilbelli, rsoöne Heyftidin Gochſeeligen Angedenckens,/ Welche An. 1679. den n. May in Augſpurg gluͤcklich gebohren/ und Anno 1740. den 12. Januar. durch ſchnellen Schlag⸗Fluß ſeelig verſchieden, Ihres Ruhm⸗ vollen Alters 61. Jahr weniger 4. Monat und 5. Tage⸗ Letzt⸗chuldig hochſtverdientes Ruhm⸗Gedaͤchtniß. B wohl das einſtimmende Lob⸗Gezeugniß und allgemeine Be⸗ trauren der Weyl. Frey⸗Rei 5 Hochwohlgebohrnen Frauen/ Frauen Mnna Hibylla von Garben/ auch Edlen Prauen von Gülbelli, gebohrnen Heyfridin/ mit friſchem Exempel beweiſet, daß wahre Tugend Ihre Verehrer mit unverwelcklichem Nach⸗Ruhm belohne und ziere; ſo ſoll doch um beſſerer Ordnung und Behalts willen, Derſelben Hoͤchſt⸗verdientes Ehren⸗Gedaͤchtniß aus letzt⸗ſchuldiger Veneration und Danck⸗Pflicht an Ihrem lolennen Beerdigungs⸗Tag offentlich verkuͤndiget, und das ungemei⸗ ne Wohlmachen des Hoͤchſten an Ihrer theuren Perſon, den merckwuͤrdigſten 1 Umſtaͤnden nach, angeprieſen werden. Gleichwie Sie nun von der Allweiſen Guͤte GOttes zu einem beſon⸗ dern Werckzeug ſeiner Gnade und Liebe erſehen worden, alſo ſollte durch Ihre Edle Herkunfft der Grund zu ſolch beſtimmter Wohlthat geleget wer⸗ den, da Sie Anno 1679. den 11. May von Hochangeſehenen Eltern erzeu⸗ get und gebohren worden; Ihr Herr Vater iſt geweſen, der Weyland Wohl Edel und Veſte Herr Lonhard Beyfried/ beribm⸗ ter Seiden⸗Negotiant; die Frau Mutter aber war die auch Weyland Wohl⸗Edle/ Hoch Chr⸗und Tugend⸗ geprieſene Frau Mnna Sibylla Thurmin/ des Ti. Wohlſeel. Heren Chriſtian Thurms/ ebenfalls berühmten Seiden⸗Haͤndlers allhier, aͤlteſte Prau Tochter; welche beyderſeits ſchon laͤngſtens, der Seele nach, in das himmliſche Freu⸗ den⸗Leben verſetzet, an erworbenem Tugend⸗Ruhm aber noch in unvergeß⸗ 1 licher Seegens⸗Erinnerung ſtehen. 8 War es nun mit der leiblichen Geburt der Wohlſeeligen Frey⸗ Frau von Barben ſehr wohl gemeynet, ſo folgte auf ſorgfaͤltige Ver⸗ anſtaltung der Hochwerthen Eltern bald eine noch groͤſſer und heilſamere Wohlthat, da ſie vermittelſt der Widergeburt zu einem Kind GOttes und Erben der himmliſchen Guͤter gnaͤdigſt aufgenommen wurde. Es wurde es auch die unendliche Guͤte GOttes mit Ihrer Erziehung 3wohl gemacht haben, woferne nicht nach ſeinem verborgenen Rath Ihr beyde Hoch⸗Wertheſte Eltern Anno 1686. durch fruͤhzeitig⸗ doch ſengen S ied Letzt ſchundg hochſtverdientes Ruhm Gedächtnicß. ſchied waͤren entzogen, und Sie alſo ſchon in dem 7den Jahr Ihres Alters in den betruͤbten Waiſen⸗Stand waͤre geſetzet worden. Es hat Sie aber der Allerbarmende GOTT in Gnaden angeſehen, da Er es geſuͤget, daß Sie von Ihrer Frau Groß⸗Mutter Frauen Chriſtian Thurmin in das Hauß und Verpflegung gutigſt aufgenom⸗ men, und unter Dero liebreichen Aufſicht zu allem Guten, und Ihrem Stand und Geſchlecht nuͤtzlich und anſtaͤndige Wiſſenſchafften, vornemlich aber zu wahrer Erkaͤnntnuß und Forcht GOttes gnühſe angewieſen wor⸗ 3 den. Nachdem es aber dem in ſeinen Wegen unerforſchlichen GOTT gefallen, erſt Ehren⸗bemeldte Ihre Frau Groß⸗Mutter Anno 1603. ſeelig von der Welt abzufordern, hat die Wohlſeel. Srau Tbomanin, als Ihrer Srau Mutter leibliche Frau Schweſter/ Sie in Ihre recht muͤtterliche Vor⸗ ſorg und getreue Verpflegung aufgenommen, und ſich Ihre geiſt⸗ und leib⸗ liche Wohlfahrt ruͤhmlichſt angelegen ſeyn laſſen, und iſt auch bey ſolch guter Abſicht der Goͤttliche Seegen reichlich verſpuͤhret worden, ſo daß dieſe theur⸗ vertraute Pfleg⸗Tochter in allen Tugenden gedeylichſt zugenommen, und als 3 eine Zierde Ihres Geſchlechtes hervor geleuchtet: Welche ausnehmende 8 1 Gaben und Gemuͤths⸗Eigenſchafften auch die uſiche geweſen, daß der 5 SFrey⸗Reichs Hochwohlgebohrne Herr/ Herr Jacob Gmanuel 4 on Garben/ des Heil. Rom. Reichs Frey⸗Herr/ auch Edler MWVerr von Gilbelli, jetziger Ihro Roͤm. Kayſerl. und Koͤnigl. 4 KCathol. Maj. wuͤrcklich vergeluͤbdeter Rath und Reſident in des Heil. Roͤm. Reichs Freyen Staͤdten Augſpurg und Um/ und damahliger Kayſerl. Agent im Reich/ und Koͤnigl. Pohl⸗ niſcher/ auch Hertzog Lothringiſcher Kammer⸗ Factor, eiine eheliche Affection und Neigung gegen Sie verſpuͤhren laſſen; da es dann auch durch Goͤttliche Direction dahin gediehen, daß Sie Anno 1606. den 3. Septembr. in dieſer St. Ulrichs Pfarr⸗Kirchen durch Prieſterliche Ei⸗ ſeegnung mit Ihm vermählet worden. 5 Und gleichwie dieſes Hoch⸗Adeliche Ehe⸗Waar mit ſehr viel andern hohen Gluͤckes⸗Gaben beſeeliget worden, alſo wurde Es auch mit vier Ehe⸗ Pflantzen, nemlich einem Sohn und drey Fraͤulen Toͤchtern erfreuet, davon aber die drey Fraͤulen Toͤchtern in zarten Kindes⸗Jahren von GOtt ſeelig wie⸗ 5 D 2 der 5 Aen 5 4 —g⸗ö 15 rtzt ſchudighochſtverdientes Ruhm Gedächtniß. der abgefordert worden: Der einige Herr Sohn, der Weyland Frey⸗ Reichs Hochwohlgehohrne Herr/ Herr Chriſtian Bmanuel von Garben/ iſt nach ruͤhmlichſt und mit in Druck herausgegebenen vortrefflichen Speciminibus cum applauſu approbirt abſolvirten Studien und Ma- thematiſchen) Wiſſenſchafften, bereits Biſchoͤfflich⸗Coſtantziſch⸗ und Speyri⸗ ſcher Acual-Hoſ⸗Rath, zu hoͤchſter Conſolation ſeines Herrn Vaters declariret geweſen, nach Goͤttlich unbegreiflichem Willen aber, da Er eine Reiſe durch gantz Italien verrichtet, und nachgehends auch eine Tour durch die Niieder⸗Land in Engelland vorgenommen, und von dar nach Pariß ſich zu« 3 begeben, Willens war, unter Wegs zu Calais an denen Kindes⸗Blatern zu aͤuſſerſt und unbeſchreiblichem Leidweſen ſeiner Hochtheureſten Eltern und geſammten Hoch Adelichen F amilie, Anno 1723. den 5. Sept. in dem 23. Jahr ſeines Tugend und Ruhm vollen Alters ſeelig verſchieden. War nun dieſes eine hoͤchſt⸗ſchmertzliche Trauer⸗Verhaͤngnuß uͤber dieſes Hech⸗Adeliche Hauß/ ſo hat es auch an andern groſſen Fatalitæten, nach Göttlichem Rath⸗Schluß, nicht gemangelt, und die nun Hochſeelige Frey⸗ KFrau wegen der Ihrem Herrn Gemahl zugeſchickten ungemein ſchweren Leibes Unpaͤßlichkeiten ſehr vieles ausgeſtanden; welch gantz auſſerordent⸗ liche Pruͤfungen des Glaubens und der Gedult Sie unter Goͤttlichem Bey⸗ ſtand zu deſſen Creutzes Erleichterung und Gemuͤths⸗Erquickung hoͤchſt rühmlich üͤberwunden, ſo daß Er ſich auf Ihre unermüdete Vorſorg, liebe reiche Pflege, und kluge Verwaltung der Oeconomie gaͤntzlich verlaſſen, 8 und ſeinen hohen Functionen ungehindert abwarten koͤnnen; Dahero leicht 7 3 zu erachten, in was groſſe Beſtuͤrtzung der Hochbekuͤmmerte Herr Wittiber durch den Abgang ſo getreuer Aſſiſtenz und ſchnellen unerſetzlichen Verluſt einer ſo Hochſchaͤtzbaren Ehe⸗Conſortin ſeye geſetzet worden. Was vor Trangſal, Schroͤcken und Importunitat die ſeeligſt verblichene Frey⸗Prau von Garben in der Frantzoͤſiſch⸗Feindlichen Occupation, in Abweſenheit Ihres Herrn Gemahls/ ausgeſtanden, iſt dieſer Bur⸗ gerſchafft noch wohl erinnerlich, mit Worten aber anjetzo nicht zubeſchreiben; Jedoch hat der barmhertzige GOTè ſich Ihrer in dieſer groſſen Noth Vaͤ⸗ 1 terlich angenommen, und Sie ſeine maͤchtig und wohlmachende Hand und 1 Beſchuͤtzung kraͤfftigſt fuͤhlen laſſen. Nun ſollen wir noch auf die Ausbreitung Ihrer ſonderbahren Tugen⸗ 58. den bedacht ſeyn; es uͤberhebt uns aber ſolcher Pflicht und Muͤhe das all⸗ 3. gemeine Letzt⸗ſchuldig hoͤchſtverdientes Ruhm⸗Gedaͤchtniß. 7 gemeine Lob⸗Gericht, ſo von Ihren preißwuͤrdigen Eigenſchafften in unſerer gantzen Stadt erſchallet. In einem kurtzen Begriff vieles anzuruͤhmen, ſo hat Sie mit einem gantz rahren Exempel erwieſen, daß, wo wahre Gottes⸗ Forcht mit hohem Adel und Gluͤckes⸗Stand vereiniget, als aus einer reiche 3 3 Quelle ſich unerſchoͤpflich viele Wohlthaten nach Stand, Zuſtand, Anlie⸗ l gen und Nothdurfft auf andere ergieſſen koͤnnen. Vor andern Tugenden leuchtete eine ungeheuchelte Gottes⸗Forcht an Ihr hervor, und hielte Sie 6SOttes Wort vor Ihren groͤſten Schatz, und pflegte zu Bezeugung deſſen, nicht nur Ihrer Drivat-Andacht, ſondern funde ſich auch in offentlicher Kirch⸗ Verſammlung gar erbaulich ein, machte ſich dabey eine Freude, wann Sie ul izu Vermehrung der Ehre GOttes etwas beytragen, und durch die Hoch achtung ſeiner Diener das Licht Ihres Glaubens konte leuchten laſſen; wie dann zu realer Erweiſung hierinnen dieſer Altar mit einem koſtbahren Denck⸗ mahl des gecreutzigten Heylandes von Ihr gezieret ſtehet. 8 Was Sie gegen den Neben⸗Menſchen vor herrliche Proben der Auf⸗ richtigkeit, Sanfftmuth, Leutſeelig⸗und Mildigkeit erwieſen, und wie Sie Ihren hohen Stand und Vermoͤgen zum Nutzen, Troſt und Erquickung an⸗ derer unermudet angewendet, belehret, angeregter maßen, das danckbare Nachruͤhmen erkaͤntlicher Hertzen und beklagender Zungen, wordurch Ihr unter Vergieſſung vieler Thraͤnen das ſchoͤnſte Ehren⸗Mahl aufgerichtet wird. Bey al dieſem eifrigen Tugend⸗SFleiß erkante die nun in GOtt ſeelig 4 ruhende Frey⸗Frau von Garben Ihre groſſe Unvollkommenheit und 31 ſͤndliche Schwachheiten, in deren gewiſſenhafften Erwegung Sie ſich in. hertzlicher Bereuung vor GOtt demuͤthigte, und zu Staͤrckung Ihres Glau⸗l bens und Seelen⸗Kraͤfften ſich des Jahrs zum oͤfftern bey dem Genuß des l 3 Heil. Abendmahls in bruͤnſtiger Andacht einfunde; wie Sie dann ſolch hei⸗ 3 liges Werck erſt vor zehen Wochen in offentlicher Verſammlung LChriſt⸗zie⸗ mend verrichtet. Anreichend den ſo ſchnell und daher noch viel empfindlicher zu Hertzen dringenden Hintrit der in die ſeelige Ewigkeit eingegangenen Frey⸗Frauen 1 von Garben/ ſo iſt Sie zwar von keiner ſtarcken Leibes⸗Complexion ge⸗ weſen, und hat ſonderlich mit Anfang vergangenen Jahrs bis in den Monat Aprill eine ſehr ſchwere und ſchmertzhaffte Kranckheit ausgeſtanden; wovon Sie jedoch der Grundguͤtige GOtt Ihrem Herrn Gemahl zu ſonderbah⸗ rem Troſt voͤllig befreyet und wieder hergeſtellet, auſſer, daß ſie an der lrechten Seiten einige Unempfindlichkeit hinterlaſſen, und Sie mit Linst — E atar- b 18 Letzt⸗ſchuldig hochſtverdientes Ruhm⸗Gedaͤchtniß Catarrhoſen Zufaͤllen dann und wann incommociert geweſen. Endlich aber gefiel es dem in ſeinen Wegen verborgenen HERRN uͤber Leben und Todt, Sie verwichenen Dienſtag, war der 12. Jenner dieſes Neuen Jahrs, da Sie noch ſelbigen Nachmittag in dieſem GOttes⸗Hauß das Chriſtliche Werck einer Gevatterſchafft gantz wohl diſponirt verrichtet, und alſo bey die⸗ ſem heiligen Actu ſich ohne Zweiffel auch Ihres Tauff⸗Bundes und der Gna⸗ de GOttes troͤſtlich wird erinnert haben, bey Ihrer Nachhaußkunfft ploͤtz⸗ lich mit einem Schlag⸗Fluß laſſen befallen zu werden, wordurch Sie gleich der Sprach und aller Kraͤfften beraubet worden; Es wurde zwar der Hoch⸗ erfahrne Herr Medicus Ordinarius unverzuͤglich beruffen, und ſchiene es, auf die applicirte Artzneyen ſich in etwas zubeſſern; nach kurtzer Friſt aber erfolgte ein ſtarckes Erbrechen und gefaͤhrliches Anzeigen des heraneilenden Lebens Endes; wie Sie dann unter meinem und meines Herrn Special-Collegæ an⸗ haltenden Zuruffen und hruͤnſtiger Vorbitte Nachts zwiſchen 8. und 9. Uhr zu aͤuſſerſter Beſtuͤrtzung Ihres Herrn Gemahls gant ſtill, ſanfft und ſeelig eingeſchlafen, nachdem Sie alſo Ihre Ruhm⸗volle Lebens⸗Zeit gebracht auf 61. Jahr, weniger 4. Monat und 5. Tag. Shro Preyherrl. Excellenz dem höſtbetrübten Herrn Sittiber in ſeinem zugeſtoſſenen Weidweſen in etwas mit Sroſt aufzurichten/ werden folgende Reim⸗Weilen beyge⸗ fuͤget: 8 *% A Ann man den ſchnellen Todt nach der Natur einſiehet, Da d ein Edles Pfand und Theureſtes Gemahl In einem Augen⸗Blick den Seinigen entfliehet, So iſt auch ungemein der Schmertz und Trauer Quaal; Es will die ſchwere Laſt das Hertz zu Boden druͤcken, Und faſt ein jedes Ach im Thraͤnen⸗Bach erſticken. Wann aber ſich der Geiſt aus ſolchen Wolcken ſchwinget, So der Betruͤbnuß⸗Sturm gar dichte trieb empor, Und in das Heiligthum mit den Gedancken dringet, So kommt dem Glaubens⸗Aug die Sach gantz anderſt vor, Es findt ſich in Gedult in GOttes Wunder⸗Weiſe, Das ſo ein ſchneller Tod die groͤſte Wohlthat heiſſe. Letzt⸗ſchuldig hoͤchſtverdientes Ruhm⸗Gedaͤchtniß. 19 * X Wo ſeine Wege man im Glauben GO2E befohlen, Und auf denſelben ſtets geht mit Vorſichtigkeit, Daß ſtuͤndlich man gefaßt zu ſeeligem Heimhohlen, Da wird durch ſchnellen Todt man von viel Angſt befreyt. Und dieſes iſt nun auch der theuren Seel gelungen, Daß Sie durch ſchnelles End zum Leben eingedrungen. Drum welchen durch den Riß iſt ſchmertzlich Weh geſchehen, Die nehmen nun zum Troſt des Hoͤchſten Zuſag an, Daß wann bey dem Geſchick Sie nun mit Thraͤnen ſaͤen, Ein Freuden Erndte folg, ſo Sie erquicken kan, Daß auf das bittre Leid und Klag und Haͤnde ringen Sie mit viel Troſt erlabt Danck⸗Garben werden bringen. Hat Die Hochſeelige viel Jammer hier betroffen, Daß Sie in reicher Maas hat Thraͤnen ausgeſaͤt, ⸗ So wird durch ſchnelles End Ihr ſehnen, wuͤnſchen, hoffen, 2. Aufs herrlichſte erfuͤllt; der Saamen, das Gebet, 1 Hat unter der Gedult in Frucht ſo ausgeſchlagen, Daß Ihrem GOtt Sie nun Lob⸗Garben kan vortragen. GO2T, der diß Edle Maupt in tiefſtes Leid gebuͤcket, Richt Selbiges mit Troſt von neuem wieder auf, Das Es nach eignem Wunſch mit allem Heil erquicket, Sein Alter fuͤhre fort in ſtetem Gluͤckes Lauff, Bis Es nach ſpaͤtem Ziel Ihm ſeelig wird gelingen, GOtt Seine theure Seel als Garbe darzubringen. Hierauf wurde das gewoͤhnliche Sterbe⸗Gebet mit dem H. Vater Unſer geſprochen, Ginſeegnung nach dem Vater Unſer! un iſt es an dem, daß der zu dem Fuß des Altars geſetzte Leichnam der Hochſerl. Frau von Barben bald nach dem Trauer⸗Klang N 3 und Geſang ſolle in ſeine Kammer getragen, und in ein neu Grab — D und Todten⸗Grufft geleget werden, nachdem die Seele ſchon vor⸗ hero von den Engelen in Abrahams Schooß getragen worden, und zu dieſer E 2 Chriſt⸗ 20 Einſeegnung. 1 Chriſtlichen Beerdigung ſeegne ich dann, als ein Prieſter des HERNRN, denſelben im Namen des Dreyeinigen GOttes alſo ein: Der HERR/ deſſen Wort an die ſterbliche Menſchen iſt: Du biſt Erden/ und ſollt zu Erde werden Seegne 1 denn auch dieſen Leichnam in den Schooß der Erden/ die unſer Paller Mutter/ mit unzerſtoͤhrlicher Ruhe und Friede bis auf den Tag der Auferſtehung der Gerechten: und da dieſer Leib/ der ein Tempel und Wohnung des H. Geiſtes geweſen/ nun im Tode nach und nach zerſtoͤhret wird/ ſo baue Er ihn herrlich wieder auf an dem Tage der Zerſtoͤhrung aller Welt/ Er be⸗ wahre alle deſſen Gebeine/ die Er ſelbſten zubereitet/ und da ſie im Grabe nach und nach aufgeloͤſet werden/ ſo befeſtige und vereinige Er ſie auf ein neues am Tage der Widerbringung aller Dinge: Er ſammtle die Staͤublein dieſes ſchoͤnen Gebaͤudes wann der Leib nun in ſeine Verweſung gehet/ und laſſe ihn zu rechter Zeit in voͤlliger Ergaͤntzung und herrlicher Verklaͤrung vor ſeinem Angeſicht ſtehen und ewiglich leben; Er eroͤffne ſo dann die jetzt geſchloſſene Augen/ damit GOtt zu ſchauen/ Er ſchlieſſe wieder auf die im Sarg feſt gefaltene Haͤnde/ mit ſelbigen die Crone des Lebens zu ergreiffen/ Er richte auf die matten Fuͤſſe/ mit denſelben dermahleins einzugehen in den Himmel; ja Er waͤltze endlich durch ſein allmaͤchtiges Wort den Stein weg von Ihres Grabes Thuͤr/ und fuͤhre bey ſeiner Niederkunfft vom Himmel mit einem Feld⸗Geſchrey und Stimme des Ertz⸗Engels und mit der Poſaune GOttes den Leib heraus auls des Todes⸗ Kammer/ in den neu⸗erbauten Himmel/ vereinige Ihn daſelb⸗ ſten mit der vorangegangenen Seele zu unausſprechlicher Freude des ewigen Lebens/ und laſſe alſo den gantzen Menſchen mit Leib und Seele bey Ihme dem HERRR und in ſeiner Freude ſeyn allezeit/ Amen. 8 8 Hierauf empfahe aber auch die gantze Gemeine den Seegen des HERRN mit glaubigen Hertzen ꝛc. Stand o ☛* 8 5 5& 8 5— E⸗“ 3— Gkand⸗Rede, welche, nach ſolenner Veyſetzung der Mochſeeligen Krau Baroneſſin von Garben in Dero Hauſe gehalten M. Andreas Chriſtoph Graf/ P. L. C. Gymn. Collaborator& Rev. Miniſt. Candidat. Anno 1740. d. 18. Jan. Hoch⸗‚delgebohrne, Hoch und Wohl Lhrwuͤrdige/ alleſeits nach Stand und Muͤrden zu verehrende/ gnaͤdige/ hoch⸗ und werth⸗ geſchaͤtzte Anweſende, Gochanſehnliche Frauer⸗Jerſammlung! ‿ᷣ Chnell und ſeelia ſterben/ iſt eine Gluͤckſeeligkeit, die nicht alle S Frommen wiederfaͤhret. Der HERR befoͤrdert, und verzoͤgert B oͤffters den Todt der Gerechten, nachdem es ſeine Weißheit gut be⸗ findet; doch zeiget allemahl eine ſchnelle und ſeelige Veraͤnderung zwiſchen Todt und Leben von ſeiner gantz beſondern Vaters⸗Liebe, und von — einer auſſerordentlichen Gnade, deren ſeine Kinder zuweilen gewuͤrdigetwer⸗ den. Wer ſich niemahlen zum Tode bereitet, und nicht ſtirbt, ehe er geſtor⸗ ben, der wird ein Ende mit Schrecken nehmen, er mag ſchnell oder langſam erblaſſen. Nur denen, die taglich ſterben, ehe ſie ſterben muͤſſen, iſt ihr h ſchnelles Lebens⸗Ende ein erwuͤnſchter Anfang einer ewig daurenden Freude, und unausſprechlichen Gluͤckſeeligkeit. Den Kindern GOttes kommt der 1Todt niemalen zu fruͤhe, er mag kommen, wenn er will, weil er ihnen zu ei⸗ nem beſſern Leben befoͤrderlich, und ſie ihn taͤglich und ſtuͤndlich erwarten. W F Sie 22 Stand⸗Rede. Sie leben in dieſer Welt, als wenn ſie alle Tage dieſelbe verlaſſen müſten: Sie wiſſen, daß ſie hier keine bleibende Staͤtte haben; derowegen machen ſie ſich auch taͤglich zum Aufvruch fertig, und laſſen ſich niemals unbereitet an⸗ treffen, weil ſie nicht wiſſen koͤnnen, wenn es dem HERRN uͤber Todt und Leben gefaͤllig, ſie durch den Todt ins Leben einzufuͤhren. In ſolcher ſeeligen Verfaſſung hat der HERR auch ſeine Freundin an⸗ getroffen, deren Sarg allbereit ſo viele Thraͤnen benetzet, deren Todt ſo viele bedauret, und um Deren langes Leben erſt vor wenig Tagen ſo viele Hohe und Niedere den HERRN angeflehet, ich meyne die Weyl. Reichs⸗ 4. Frey⸗Hochwohlgebohrne Frau/ Frau Auna Hibylla/ Freyin von Garben/ Edle Frau von Gilbelli, gebohrne Geyfridin/ nunmehro Hochſeeligen Angedenckens/ daEr Ihr vor kurtzem durch einen ſeeligen Todt ſchnell, und uns allen unvermuthet, zum Leben geruffen. Sie muſte alſo, nach dem Willen des HERNRN, ſchnell von hinnen ſcheiden; doch geſchahe Ihr Abſchied aus dieſer Welt nicht unverſehens: Denn Ihr gantzes Leben war eine ſtete Vorbereitung zu einem ſeeligen Ab⸗ ſchiede. War Ihr gleich Ihr Lebens⸗Ende verborgen, ſo dachte Sie doch immer an daſſelbe, ehe es ſich noch wuͤrcklich eingeſtellet. Sie war unbekuͤm⸗ 3mert, wenn und wo Sie einmahlſterben ſollte; deſtomehr aber trug Sie Sor⸗ ge, daß Sie 94 ſterben moͤchte, damit es Sie nicht dermahleinſt gereue, in der Welt gelebt zu haben. 85 Sie ſtellte ſich nicht jedes Jahr oder Woche, ſondern jeden Tag und 1Stunde, als die letzte Ihres Lebens vor; dannenhero war Sie auch alle 1Augenblicke bereit, auf den Befehl des HERRN uͤber Tod und Leben, durch den Todt ins Leben einzugehen. b Sie verſparte Ihr Gebet, um ein ſeeliges Ende, nicht bis auf Ihr Sterbe⸗Bette, ſondern ſolches iſt ſchon lange von Ihr vorgenommen, und taͤglich mit groſſer Andacht des Hertzens fortgeſetzet worden. Sie wachete über ihre Seele beſtaͤndig, und alſo mochte Ihr Braͤutigam kommen, wenn erwolte, am Morgen, Mittag, Abend, oder um Mitternacht, ſo ſollte er Sie nicht ſchlaffend antreffen. Die Lampe Ihres Glaubens konte nie verloͤ⸗ ſchen, weil es Ihr nie an Andachts⸗Oele gemangelt. Sie wuſte, daß, ſo gewiß Ihr der Todt ſeye, ſo ungewiß ſeye doch die Stunde und Art des To⸗ des; derowegen ergriff Sie das gewiſſe fuͤr das ungewiſſe, und richtete Ihr Leben ſo ein, daß Ihr weder ein ſchnelles, noch ein langſames Lebens⸗Ende ſchaden konte. Ihr Seelen⸗Braͤutigam hat Sie am Abend abgehohlet, da Sie Sich 1 ihme noch am Morgen mit Leib und Seele zu ſeiner Liebe und Treue hertzlich empfoh⸗ Stand⸗Rede. 23 empfohlen. Er kam ſchnell, und meldete ſeine Ankunfft durch keine Kranck⸗ heit, ſondern der Todt war ſein Gefaͤhrte und Bote: Er kam zu Ihr, da Sie kaum vorhero noch bey ihme in ſeinem Hauſe eingekehret, und mit Freu⸗ den ihrem Hauſe wieder zugeeilet. Er kam mit der Ordre, daß Sie unver⸗ ſaͤumt dieſes Leben ſchlieſſen ſollte, da Sie kaum einem lieben neugebohrnen Kinde und Saͤuglinge das geiſtliche Leben erbeten helffen. Sie war eben mit dieſer heiligen Arbeit fertig, ſo war der HERR ſchon mit ſeinem Boten ge⸗ genwaͤrtig, und ruffte Sie vom Altare zur Bahre, vom Tauffe⸗Stein zum Grabe⸗Stein, vom Wochen⸗Bette zum Sterbe⸗Bette, vom Leben zum Tode, vom Tode zum Leben. Er kam mit ſchnellen Schritten, Sie eilte ihme entgegen, und ließ ſich auch nicht laͤnger, weder durch die heiſſe Thraͤnen des Hochbetruͤbten Herrn Gemahls/ noch durch das bewegliche Flehen der ſchmertzlich bekuͤmmerten Frau Scchweſter/ noch durch das klaͤgliche Haͤn⸗ de⸗Ringen und ſeuffzen der uͤbrigen hohen Freunde/ auf Ihrer ſchnell an⸗ befohlnen Himmels⸗Reiſe aufhalten. In wenig Stunden war Sie geſund, kranck, todt und lebendig bey dem HERRN in ſeinem Himmel. So ſtarb demnach dieſe Freundin des HERRN eines ſeeligen ſchnellen Todes, nachdem Sie ſich jederzeit ſorgfaͤltig vorgeſehen, daß Sie kein boͤſer ſchneller Tod uͤbereilen moͤchte. So war denn auch Ihr ſchnelles Sterben die groͤſte Gluͤckſeeligkeit in Ihrem Leben, deren nur wenige von dem HErrn gewuͤrdiget werden. Iſt dem alſo, Hochſchaͤtzbare Anweſende/ wie uns das Wort des HERRN verſichert, warum erblickt denn mein Auge noch ſo viele naſſe Wangen? Warum beklagen wir dann dieſe mit ſo vielen Thraͤnen, deren ſeelige Veraͤnderung wir uns doch alle, nach dem Willen des HERRN/ wuͤnſchen werden? Warum betruͤben wir uns denn uͤber unſere erfreute Freyin/ da Sie nunmehro ſo ſchnell von allem Ubel befreyet worden, und allbereit 4 zu der ſeeligen Freyheit der Kinder GOttes gelanget? Warum bedauren wir denn dieſe Warbe/ da ſie ja nicht verdorben, ob ſie gleich die Sichel des Todes abgemaͤhet, ſondern nur in die Scheure des Himmels eingefuͤh⸗ ret worden? Warum tragen wir Leide um dieſe Edle/ da Sie der aller⸗ hoͤchſte Monarch Himmels und der Erden nun erſt recht geadelt, und zu ei⸗ ner Reichs⸗Freyin in der Stadt⸗GOttes erhoben? Was reden wir vieles von Ihrem Tode, da Sie doch nicht geſtorben, ſondern gleichſam verwan⸗ delt worden? Wie kan Sie geſtorben ſeyn, da Sie ja den Todt nur uͤber⸗ wunden, nicht empfunden, und ehe Sie ihn geſehen, demſelben allbereit entgan⸗ gen war? Sie lebt alſo, ob Sie gleich im Tode entſchlaffen; Sie lebt dem Geiſte nach bey GOtt in ſeinem Himmel, dem Ruhme nach, hier in unſrer aller Hertzen. Was trauren wir denn nun, da Sie ein noch laͤngeres und beſſeres Leben erlanget, als wir Ihr erſt vor wenig Tagen zum neuen Jahr angewuͤnſchet? 1 e ⸗ F 2 Dochß .2„2. Stand⸗Rede. Doch Ihre Thraͤnen, Hochbetruͤbte/ ſind gerecht und billig. Sie haben Urſache genug gehabt, die Grufft unſrer liebenswuͤrdigen Frau Baronellin mit dieſem koſtbahren Waſſer einzuweihen. Sie weinen nicht uͤber die Gluͤck⸗ ſeeligkeit, ſo der Hochſeeligen zu theile worden, ſondern ſie bezeugen nur mit ihren Thraͤnen, daß ſie gerne die Gluͤckſeeligkeit noch laͤnger haͤtten ge⸗ nieſſen moͤgen, dieſe Edle im Leben zu lieben und zu verehren. Sie beiam⸗ mern nicht ſo wohl die ſchnelle Beraubung ihrer ſo getreuen Freundin und hohen Patronin, als vielmehr den unerſetzlichen Verluſt, ſo Deroſelben Hochſchäͤtzbarer Herr Gemahl erleben müſſen. Sie wiſſen, Hochzuehrende Andveſende/ wie zaͤrtlich dieſes hohe Paar einander geliebet, und wie unermudet eines vor des andern Wohler⸗ gehen beſorget geweſen. Ich wolte demnach faſt ſagen, daß vielleicht eben deswegen der HERR unſere Hochſeelige Frau von Warben ſo ſchnell zu ſich geruffen, damit Sie nur deſto unbekuͤmmerter ſterben könte. O wie be⸗ truͤbt, wie ſchmertzlich wuͤrde der Abſchied geweſen ſeyn, wenn Ihr der HRR noch eine Weile zur Unterredung gegoͤnnet haͤtte? War es alſo nicht beſſer, daß er Sie ſchnell von hiunen ziehen heiſſen, als wenn er Sie noch eine Zeitlang auf dem Sterbe⸗Bette haͤtte liegen und leiden laſſen, welches gewiß beeder Hertzen noch mehr gebeuget und gekraͤncket haben wuͤrde? Wer eerkennet nicht hieraus, wie gut es der HERR mit beeden gemeinet? Wer merckt nicht, daß eben darum der Abſchied ſo ſchnell geſchehen muͤſſen, damit unſere Hochſeelige ihre Himmels⸗Reiſe nicht mit naſſen Augen antretten, und Dero Herr Gemahl durch Ihr eilfertiges Ende zu einem noch laͤngern, ach! GOtt gebe ſehr langen, Leben aufbehalten werden moͤchte, da deſſen Hertze ja ohnedem durch den Todt ſeiner Geliebten ſo ſchmertzlich geruͤhret und verwundet worden, daß Ihme die Wehmuth nicht einmahl erlaubet, Ihnen, Hochgeſchaͤtzte Anweſende, den gebuͤhrenden Danck abzuſtatten, daß Sie die Beyſetzung ſeiner lieben Fraul Gemahlin/ durch Dero vor⸗ nehme Gegenwart ſo anſehnlich machen, und dadurch, auch nach dem Tode der Hochſeeligen/ zu erkennen geben wollen, wie groß die Hochachtung und Liebe, ſo Sie im Leben genoſſen, bey Ihnen allen geweſen. Da nun dieſer hohe Patron ſeinen devoteſten Diener gewuͤrdiget, ſol ches in ſeinem hohen Namen zu verrichten, ſo nehme ich mir demnach die Ehre Ihnen, Sochgeneigte Anweſende/ zu vermelden, und anzuzeigen, daß hunſerer Hochſeeligen Frau Baroneſſin von Barben/ hoͤchſtbetruͤbt undtiefgebeugter Herr Gemahl/ der Reichs⸗Frey⸗Hochwohlgebohrne A Herr/ 8. 5„* N“—* 9„ 4 f*“ 62. e 2 Stand⸗Rede. b 25 Heer/ Herr Facob Hmanuel/ Frey⸗Herr von Harben/ Edler Merr von Gilbelli, Sr. Roͤm. Kayſerl. und Koͤnigl. Cathol. Narfeſtaͤt Hochanſehnlicher Reſident zu Augſpurg und Ulm/ Mein gnaͤdig und Hoher Patron, nicht nur Deroſelben Hochſchatzba⸗ re Gegenwart/ als ein gar deutliches Merckmahl Dero gantz beſondern Gewogenheit, Freundſchafft und Liebe anſehe, ſondern auch ſolche hohe Ehre, Gunſt und Gefaͤlligkeit mit allem geziemenden Danck erkenne, und deswe⸗ gen auch nicht ermanglen werde, bey andern erfreulichen Veraͤnderungen, und Gelegenheiten ſeine Dienſtgefliſſenheit, Freundſchafft und Liebe, ſo willig, als ſchuldig an den Tag zu legen, mit dem hertzlichen Wunſche, daß bey dem vor Ihn ſo betruͤbten Anfang des Jahrs, Dero Wohl und Gluͤcke nicht nur dieſes Jahr hindurch dauren, ſondern auf ſpaͤte Jahre hinaus in ſchoͤnſtem Flore unveraͤnderlich bleiben, und ein jedes unter Ihnen, nach einem langen Leben, einmahl mit Freuden, ſo es dem Rath GOttes gemaͤß, ſchnell und ſeelig ſterben moͤge. Nun habe ich mit unberedten Lippen verrichtet, worzu ich beruffen wor⸗ den. Man beſchuldige mich keines Verſehens, daß mit keinem Worte der herrlichen Gaben und Qualitæten gedacht, womit doch der HERR unſere hochſchaͤtꝛbare Frau Baroneſlin in reicher Maße verſehen, und ausge⸗ ſchmuͤcket. Es iſt mit allem Bedacht geſchehen. Ich bin zu keinem Lob⸗Red⸗ 54 ner beſtellt worden, und waͤre auch viel zu unvermoͤgend, dergleichen abzu⸗ geben, ſondern habe nur des Todes dieſer Gerechten noch einmahl gedencken, und die aufrichtige Danck⸗begierde des hoͤchſt⸗bekuͤmmerten Herrn Barons mit wenigem entdecken ſollen. Der beredte Mund eines GOttes⸗Gelehr⸗ ten unter uns hat allbereit mit beſſerm Nachdruck gezeiget, was fuͤr ein edles Kleinod unſere Stadt verlohren, und wie unſchaͤtzbar der Verluſt deſſelben ſehe. Die Traur⸗Schriſſten, ſo unſerer Hochſeeligen zu Ehren verferti⸗ get worden, haben ebenfalls den Ruhm derſelben ausgebreitet, und nach der Wahrheit an den Tag gelegt, was hohe und niedere, reiche und arme an Ihr bewundert und verehret haben. Ich eile demnach vielmehr zum En⸗ 4 de meiner Rede, und ſtehe billig an, Sie, Hoch⸗ und werthgeſchaͤtzt⸗ Anweſende/ noch laͤnger in dieſen betruͤbten Umſtaͤnden auſzuhalten. Doch, 3 was hoͤre ich? wie? wer ſtoͤhret mich in meiner Rede, da ich ſie eben ſchlief ſen will? welch eine bewegliche Stimme erſchallet in meinen Ohren? iſt denn der Sarg noch nicht zugeſchloſſen, und der Stein auf dem Grabe? Stille! Iſt es nicht die Stimme unſerer erblaßten Frau Baronefſin? Stille! Laßt mich hoͤren! ſtille! was ihr letzter Wille: Rede,(faͤngt Sie gleich⸗ 3 1 ſam aufs neue, doch ſo, daß Sie ſo gleich wieder aufhoͤret, an zureden⸗) weel ich nicht mehr reden koͤnnen, in meinem Leben, da mir die Hand des G„ERRN 26 Stand⸗ Rede HERRN den Mund geſchloſſen, und mich ſchweigen heiſſen. Rede fuͤr mich noch ein paar Worte nach meinem Tode: Rede mit meinem lieben Herrn Gemahl/ rede mit meiner lieben Frau Schweſter/ rede mit meinen lieben Freunden. Was ſoll ich weiter reden, Hocchſeelige/ da ich doch kaum dieſe Rede vor Betruͤbniſſe ohne Verwirrung zu Ende bringen koͤnnen? Rede, was ich dich heiſſe in meinem Namen. Ich bin verbunden, Hochſeelige/ Dero Beſehl zu reſpectiren, und Sie Hochwerthgeſchaͤtzte/ werden begierig ſeyn, zu vernehmen, was denn unſere erblaßte Fraul Baroneſſin bey ihrer ſchnellen Himmels⸗Reiſe vergeſſen, daß ich noch hinterbringen ſolle. Sie will, ich ſoll am erſten mit Ihrem Herrn Gemahl/ ſo denn mit Ihrer Frau Schweſter reden; Ihnen allen aber in dieſer Traur⸗Ver⸗ ſammlung fuͤr Dero Liebe und Treue nochmahls hertzlich Dancken. Ich verrichte demnach, was Sie mir aufgetragen, und entdecke mit meinen Worten Ihren letzten Willen. 8.. I. 4.. 3 Lin Jacob mein Emanuel! Jrau Schweſter! Deine Redlichkeit 1( Mein Garb/ mein Schatz/ 3 Und deine Liebe, Huld und Treue, und mein Vergnuͤgen/ TWomit Du mich ſo lang erfreut, 8& Will, daß ich Dir auch danckbar ſeye. Der HERR iſt da mit dem Befehl, 8 We g Witw d nch don 5 Ich ſoll zu Ihme mich verfuͤgen.— Virwe, w⸗ Der Wagen iſt ſchon vor der Thuͤr, Sa Mann und Schweſter Dir gebricht! Die Engel hohlen mich von hier, Der HERR wird Dein und Deiner 31 Ich muß zu deinem Schmertz erblaſſen, 8 ayſen 3 Und dich, Geliebter Schatz/ verlaſſen.& Mann, Vater und Verſorger heiſſen. 2. F. 1Du weineſt und betruͤbeſt Dich, Ihr Freunde! die Ihr traurig ſeyd Da ich nicht mehr bey Dir im Leben, u ich nicht mehr b) Euch ugede Dein Hertze kuͤmmert ſich um mich 5 Hemmt eure groſſe Traurigkeit 3 und will ſich nicht zufrieden geben. Pünd weinet nicht mehr meinetwegen. Du weißt, wie ſehr ich dich geliebt, Mir iſt ſehr wohl, was trauret Ihr? Ich weiß, daß Dich mein Todt betruͤbt, T Ihr wuͤnſchtet ja erſt kuͤrtzlich mir Ich ſterb, und eile ſchon zu Grabe,& Beym Neuen⸗Jahre langes Leben, Eh ich Dir noch gedancket habe. GStt Lob! GOtt hat es mir gegeben. 3. 8 6 Der HERR, mein GOtt, vergelte Dir, Ich lebe, muß ich jetzo gleich Mein Schatz/ die groſſe Huld und Liebe/ 8 Von Euch, geliebte Freunde! ſcheiden, Die unveraͤndert gegen mir Ich lebe dort im Himmelrei Bis an mein Lebens⸗Ende bliebe.& Bey meinem Je imme kichrden. Leb wohl: Geliebter/ lebe wohl, Lebt hier ſo, wie Ihr ſterben ſollt, Da ich Dich nicht mehr ſehen ſoll. Wenn Ihr dort ewig leben wolt. GOTSD laſſe Dich, nach ſpaten Jahren, 8 GOtt laß es hier Euch wohl So ſanfft, wie mich, gen Himmel fahren. SUnd mich Euch dort 5r anneesehe Vas Bas im Sthe lleibenie Bedächtniß Der rſatpe Frau/ en Baroneſſin von Garben Sollten und wollten auf nachfolgende Weiſe verehren die Goch betrubcr Mnvervanderun, gehorſamſte Dienere und tief⸗verbundene Clienten. Die Frau von Garben und eilt ſehr ſua von hinnen. Der HSRR befiehlt es ſo, Sie giebt ſich willig drein; 1 Drum ſtellt ſich bey der Grufft mit gantz beſtuͤrtzten Sinnen und dieſem Srauer⸗Blat die treue Schweſter Barbara ummannuä. ——⸗-——iyygygye [8 r 4 1 Nanl Schweſter! warum wilt du mich im neuen Jahre ſchon betruͤbenrn: Ou weiſt ja wohl: ich liebe Dichh,/, wilt Ou mich denn nicht wieder lieben? Mein Auge weint/ das macheſt Du/ warum? Du ſchlieſt die Augen zu/ und laͤſſeſt Dich/ wie ſonſt geſchehen/ nicht mehr in meinem Hauſe ſehen. Wer hindert Dich an dem Beſuch/ den Du Dir doch ſchon vorgenommen? Wo bleibt Dein Wort und Dein Verſpruch: Du wolleſt heute zu uns kommen? Ach warum haͤlts dißmahl ſo hart mit Deiner lieben Gegenwart. Wie kommt es/ daß Du ausgeblieben? Wer hat die Freude hintertrieben? Die lieben Freunde freuten ſich/ die Deinetwegen bey mir waren. Der Wagen kommt/ doch ohne Dich/ in aller Eile hergefahren. Wir dachten Dich darinn zu ſehn/ und wolten Dir entgegen gehn; allein ein Schrecken⸗ volles Klagen ruft mich fuͤr Dich in deinen Wagen. Ich fuhr mit gantz beſtuͤrztem Sinn/ mit naſſem Aug und bangem Hertzen/ zu Dir/ geliebte Schweſter/ hin/ und traf Dich auch zu meinem Schmertzen/ ſchon leider! halb erſtorben an. S Wie weh mir dieſer Blick gethan/ iſt nicht mit Worten auszuſprechen; Du ſtirbſt/ mein Hertze wolte brechen. O was verliehrt mein Hertze nicht/ da Dir/ zu meinem groͤſten Leide/ Dein ſchweſterliches Herze bricht? Ach warum trennt der HErr uns beyde! So kommſt Du denn nicht mehr zu mir/ und muß ich nur darum zu Dirͤ/ daß ich/ zu meinem Ach und Wehe/ Dich leider! ſchon erblaſſen ſehe? Srch daß ich diß erleben muß! So geb ich Dir im neuen Jahre den allerletzten Liebes⸗Kuß/ Frau Schweſter! auf der Todten Bahre? Du weiſt/ wie hoch ich Dich geſchaͤzt/ wie Deine Liebe mich ergoͤzt/ wie viel ſie mir Vergnuͤgen brachte/ da mich der AErr zur Wittwe machte. So iſt denn auch mein Wunſch und Flehn/ worzu die Liebe mich getrieben/ im neuen Jahr umſonſt geſchehn/ und leider! unerhoͤrt huuben 7 KRein Herze wuͤnſchte Freuden⸗voll: Es gehe Dir von Herzen wohl/ GOtt laſſe Dich noch iange leben/ Dein Wohl wird mir auch Freude geben! Worauf ich mit dem Wunſche ſah/ das ließ der HERR zwar nicht geſchehen; Indeſſen laͤßt er Dir es ja von Herzen dennoch wohl ergehen. Du ſolt/ Bochſeel ge Grau/ Duſolt/ zwar nicht ſo/ wie mein Wunſch gewolt/ nein/ wie der HERR ſich vorgenommen/ ein langes Leben uͤberkommen. Wo wehe mir nun dieſes thut/ daß Du mich ſchon verlaſſen muͤſſen/ ſo meynt es GOtt mit Dir doch gut/ da er Dich uns ſo ſchnell entriſen. Kaum haſt Du noch die Chriſten⸗Pflicht bey einem lieben Kind entricht/ das man durchs Waſſer GOtt ergeben/ ſo ſtirbſt Du gleich zu Deinem Leben. Wie ſeelig meynt es GOtt mit Dir? Er laͤſſet Oich nicht lange leiden. Komm/ Freundin, rufft er/ komm zu mir/ geh ein zu deines HErren Freuden. Du haſt Dich ja ſchon lange Zeit auf deine Himmelfahrt bereit. Die Engel kommen/ mach Dich fertig/ der Wagen iſt ſchon gegenwaͤrtig. So halte denn die Himmelfahrt/ weil es der HErr ſo haben wollen/ mir hats der HErr nicht offenbahrt/ wenn ich Dir werde folgen ſollen. Wer weiß/ wie bald es GOtt gefaͤllt/ daß meine Himmelfahrt beſtellt/ da wird es mir ſo denn auch gluͤcken/ Dich wieder froͤlich zu erblicken. GOtt SOtt troͤſte Deinen Verrn Gemahl/ Den wir um Dich betruͤbet ſehen/ und mehre Seiner Jahre Zahl zu unſers Hauſes Wohlergehen. Iſt mir/ Vochwerthgeſchaͤtztes Baupt/ bey meiner Schweſter Grufft erlaubt/ noch eine Bitte vorzutragen/ ſo wird mein Mund noch dieſes ſagen: Sie goͤnnen/ hoher Honner/ mir die hochgeſchaͤzte Huld und Liebe/ die gegen meine Schweſter hier in Dero Herze uͤberbliebe. Die Gnade werde fortgeſezt/ die mich bißher ſchon offt ergoͤzt. Hierzu/ allein nicht ohne Weinen/ Empfehle mich und auch die Keinen. Ochſeelge 1 da dein Todt vor unſre Ohren kam, 4 e und auch Sibylla was betruͤbt davon vernahm; 9) So gab das liebe Kind mit Thraͤnen zu verſtehen, Wie weh auch ihm zugleich durch deinen Todt geſchehen. Weil es beym Tauffe⸗Stein ſchon deine Huld erquickt, So ſprach es wehmuths⸗voll, da Dich der HERR entzuͤckt: Ach ſoll mein Tallffe⸗Pat denn ſchon ſo ſchnell erblaſſen, Und ſeine Gnade mich nicht mehr genieſſen laſſen? So wars; Dein Todt entzog uns deine Huld mit Dir, Du eilteſt ſchnell von uns, und das bedauren wir. GOST laſſe Dir es nun im Himmel wohl ergehen, Da wir Dich hier nicht mehr bey uns im Leben ſehen. Jedoch, da dein Gemahl ſich noch im Leben find, Dem wir, und unſer Hauß, ſehr hoch verbunden ſind, So wuͤnſchen wir uns das von Ihme zugenieſſen, Was wir durch Deinen Todt bereits entbehren muͤſſen. So machet zweyer Hertz und Hand, Die Liebe, Treu und Pflicht bekant; durch Carl Wilhelm Welſer/ Alternirenden Zeug⸗und Proviant-Meiſter ꝛc. und Eliſabetha Welſerin, eine gebohrne Ammanin. H 2 So Oſchnell, Hochſeelge Prau/ hat es der HERR befohlen: Dich von der Welt zu ſich in Himmel abzuholen! Da kaum dein letzter Gang ein Gang zur Kirche war, So wartet ſchon zu Hauß auf Dich die Todten⸗Bahr. Du machteſt Dich bereit, und wolteſt nicht verweilen, Warum? Der HERR befahl dem Himmel zu zueilen. Dein Leiden war verkuͤrtzt; und eh man ſichs verſah, So war, Hochſeelge Frau/ Dein Lebens⸗Ende da. Wie ſehr uns dieſes nun betruͤbet und erſchroͤcket, Das hat bey Deiner Grufft das naſſe Aug entdecket. doch jetzt bedauren wir, wem iſt es unbewuſt? Weil wir Dich hochgeſchaͤtzt, den ſchmertzlichen Verluſt, Und ruͤhmen Deine Huld, die Du ſo wohl im Leben, Als nach dem Tode noch uns zu erkennen geben. Da unſer Mund Dir nun nicht ſelbſt mehr dancken kan, So zeigt diß Trauer⸗Blat die Danckbegierde an: Wir werden Lebens lang an Deine Huld gedencken, Und wird uns Dein Bemahl die Gnade ferner ſchencken, Die uns und unſer Hauß bißher ſchon offt erquickt, So ſchaͤtzen wir uns auch beſonders hochbegluͤckt. GOtt laſſe dieſen Herrn nun deſto laͤnger leben, Nach dem du Deinen Geiſt bereits ſchon aufgegeben! Hiemit empehlen wir das Ammaniſche Hauß/ Und bitten ferner uns Oeſſelben Gnade aus. So will ein BtuderPaar mit ihren lieben Frauen/ auch einen Danck⸗Altar. zum Angedencken bauen. Georg Chriſtoph Johann Jacob Amman. 2 Je Dauckbarkeit befihlt, und will es von uns haben, 7 Daß unſre treue Hand, obwohlen Wehmuths⸗voll, Ein Ehren⸗Denckmahl Dir noch auferbauen ſoll; Jedoch, da Du dir ſelbſt ein Denckmal aufgerichtet, Daß weder Zeit noch Roſt Lrwalnet und zernichtet, Indem Du ſo gelebt, und ſo geſtorben biſt, Daß Dein Gedaͤchtniß noch bey uns im Seegen iſt; So wuͤrden wir uns nur dismal umſonſt beſtreben, Den ſchon erworbnen Ruhm noch ferner zu erheben; Drum fuͤhren wir auch nichts zu Deinen Ehren an, Dieweil man dich doch nicht genugſam ruͤhmen kan. Ob man Dich leider! ſchon, Hochſeelge Frau/ begraben, Indeſſen werden wir doch noch ſo vieles wagen, Daß wir nur dieſes noch zu deinem Ruhme ſagen: Es ſtarb uns nicht allein nur eine Goͤnnerin/ Die andre Mutter ſelbſt zugleich mit Dir dahin. Die Huld und Gnade weicht, die uns bisher erquicket, Ach! daß, Hochſeel ge/ Dich der HERR ſo ſchnell entzuͤcket, Und uns nicht länger goͤnnt, nach unſerm Wunſch und Flehn, Zu Deines Hauſes Luſt/ und unſerm Wohlergehn! Da nun Dein Herr Gemahl/ der Dich von Hertzen liebte, Und uͤber deinen Todt ſich ungemein betruͤbte, Jetzt leider! ohne Dich, Hochſeel ge/ leben muß, So wolle Dieſem GOtt, nach deinem Lebens⸗Schluß, Ein deſto laͤngeres und Seegens⸗ volles Leben, Wie Du Ihm ſelbſt gewuͤnſcht, und wir auch wuͤnſchen, geben! Wird Deſſen hohe Huld uns ferner angedeyn, So werden wir dafuͤr ſehr hoch verbunden ſeyn. Dis hat aus Schuldigkeit und Pflicht zum Danck⸗und Denckmal aufgericht Maria Anna Anthonia Amman/ 1 und Peter Emanuel Amman. —— .7V=* d Daß umahl unvermuthete Ungluͤck/ Gefahrlichkeiten und Verluſt Betruͤbnuß/ Schroͤcken und Wehmuth in dem Hertzen und Sinnen erregen, ſit eine natuͤrliche Leidenſchafft, 7 und dahero unvermeidlich; noch ſchmertzlich⸗ und eindringender aber zeiget ſich ſolche Alteration wenn das Gemuͤth von den zwey widerwaͤrtigſten und dabey im hoͤchſten Grad ſtehenden Affecten durch ploͤtzliche Verwandelung — angegriffen wird, denn da muͤſſen in ſolchem RKampff auch die ſtandhaffteſte Gemuͤther unterliegen/. indem ſie vor Beſtuͤrtzung gantz unempfindlich und aus ſich ſelbſt geſetzt werden. J Ich ͤ 4 Ich rede leider aus der Erfahrung und ſcheue mich nicht, bey ſo harten Umſtaͤnden b ſolche Weichlichkeit zu bekennen, 1 ja wuͤnſche vielmehr die erſtaunende Bewegung b als ein Zeugnuͤß meines devoten Mitleidens V mit zulaͤnglichen Ausdruͤckungen vorſtellig machen zu koͤnnen. Ach wer ſollte nicht ſchlieſſen und glauben, b V daß die unverſehene Poſt 9 von der toͤdlichen Schwachheit der Weyland Frey⸗Reichs Pochwohlgebohrnen Frauen/ E RNR&& K Muna Bibyll Garb Res Meil. Noͤm. don Preyin/ auch Edler Prauen — br ☛☚ von Thu. 3 gebohrner Heyfridil ape b Gochſeeligen Angedenckens/ 1 b b auch mich Krafftloß gemacht, und mich bey dieſem erſten Anfall nichts anders noch aufrecht erhalten als die Unglaublichkeit dieſer ſchnellen Veraͤnderung. 3 Allein O klaͤglichſtes Schickſal! V 3 Der Glaube wurde mir zu meinem Hertzbrechen b bald in die Haͤnde gegeben, Da ich von dem Wochen⸗Bette einer froͤlichen 1 b Kinder⸗Mutter b zu dem Todt⸗Bett meiner Hochgeſchaͤtzten b Frau GBevatterm 2 beruffen wurde; 11 4. ich b——— ich fande diejenige in Todes⸗Noͤthen und gleichſam auf dem Traur⸗Altar/ welche noch kurtz vorher bey dem Tauff⸗Altar meinem Soͤhnlein als Tauff⸗Dot das geiſtliche Leben mit bruͤnſtiger Andacht zu erbitten bemuͤhet war, ich ſollte derjenigen theuren Verſon die Prieſterliche Hand zur Aus⸗Seegnung auflegen ſehen, . welche erſt meinem neugebohrnen Kind unter eifriger Erbittung und Anwuͤnſchung alles Seegens/ die Haͤnd auf die Stirne gelegt: ich wurde bey ſo betruͤbten Umſtaͤnden von der Heil⸗Quelle der ſeeligen Widergeburt dahin gehohlt, wo der wehklagenden Augen Thraͤnen⸗Guellen wurden, von mir erwartete man, daß ich die unter der Jammer⸗Laſt Erliegende mit Troſt aufrichten ſolte, da ich vor Leid ſelbſt zu Boden geſchlagen war. Unter andern drange mir nach natuͤrlicher Regung auch dieſes ſehr tief zu Hertzen, daß mein unſchuldiges Kind ſeine erleſene leutſeeligſte Frau Tauf⸗Vathin auf dieſer Welt mit Wiſſen und Erkaͤntnuß gar nie/ Selbige aber das zarte Kind nur einmal ſolte geſehen haben. Als dieſes Hochtheureſte Sugend⸗Pfand weder durch Vorbitten noch Artzneyen konte errettet werden, 4 ondern einem ſeeligen Tode immermehr entgegen eilete, ſolte ich den vor Schroͤcken erblaßten 4 und halb entſeelten Herrn Gemahl, da vor Unmuth alles verſtummt, oder ſtatt der Worte nichts als Seuffzen und Aechzen zu hoͤren war, durch unerſchrocknen Zuſpruch und geiſtliche Ermunterung J 2 bor “ 2*,. 2 ò vor dem hinſincken unterſtuͤtzen/ und zu Chriſtlicher Standhafftigkeit uͤber dieſem Unbeſtand irrdiſchen Vergnuͤgens 1 erquicken helſſen. Gleichwie nun der zu dieeem Traur⸗Verhaͤngnuß ebenfalls beruffene Mann GOttes, als welchem das Heil dieſer theurſten Seele auf ſeine Seele und Verantwortung gebunden, mir mit eifrigſter Sorgfalt vor die Erlabung dieſes verwundeten Hertzens vorgienge, alſo wendete auch ich die von oben herab verliehene und geſtaͤrckte Kraͤfften nach aͤuſſerſtem Vermoͤgen an, Und da bey den heſſtigſten Stuͤrmen und Anſtoͤſſen der Verſuchung das feſteſte Schiff der Großmuth an dem Kummer⸗Felſen zerſcheitert ſchiene, wurde es doch durch Goͤttliche Afſiſtenz auf unſere Anweiſung des Himmliſchen Leit⸗Sterns⸗ Ich verſtehe, den Allweiſen und allzeit guten Willen GOttes Den Wellen und Klippen der Ungedult und Kleinmuth entriſſen, und da die beywohnende Gottgelaſſenheit erwecket worden, an dem Port Chriſtgeziemender Ergebung zu ſtiller Ruh und Beſriedigung von uns eingeleitet. Und gleichwie der unbeweglichſte Troſt⸗Grund war/ daß die ſchnell entriſſene Frey⸗FGraulen Garb nun von h⸗ irrdiſchen Jammer auf ewig befreyet/ und mit himmliſcher Labſal getroͤſtet, da Ihr erworbener Kach⸗Ruhm welchen auch ich, wegen genoſſener Wohlthaten/ aus verflichteter Danck⸗Erkaͤntlichkeit/ zu erheben und auszubreiten, niemals vergeſſen werde, als als eine Fugend⸗Srone auf der Welt unverwelcklich gruͤnet/ und nach der milden Thraͤnen⸗Saat eine reiche Ehren⸗Erndte erfolget: alſo wende mich bey Entſtehung dermalen zurelchendes Troſt⸗Motiven/ zu eifrigem Gebet und hertzlichem Wuͤnſchen die Guͤte des Hoͤchſten eefächend, daß Er das anſetzo Hochſtbetruͤbte und in tiefes Leid gebuͤckte Haupt mit innerlicher Erquickung 14 und ſtaͤrcken, und Selbiges dem PUBLICO zum beſten auf ſpaͤthe Jahre in all ſelbſt deſiderirten Hohen Wohl⸗Weſen friſten, und mit erſinnlichſten Seegens⸗Guͤtern aus Gnaden begluͤcken wolle. Mit dieſen Klag⸗ und deoſt⸗„Zeilen wolte ſeine enfudlice Betruͤbnuß, zugleich aber auch ſeine chuldigſte Danckbarkeit vor alle, vor und nach dem Tode, empfangene Hohe Wohlthaten zu erkennen geben, und ſich Ihro Hoch⸗SFreyherrlichen Excellenz zu fernerer Gnade demuͤthig empfehlen M. Philipp Jacob Crophius Diaconus bey der Evangelichen Pfarr⸗Kirchen zu St. Ulrich. ochwohlgebohrne Frau! . mich dunckt Sie noch zuhoͤren: Gil Vanaid meine Ruh/ da ich nun ſchlafe/ ſtoͤren? Vernehmt doch meine Red:„Sch hab den Lauf vollbracht. b Der Glaub hat obgeſegt; SS8 hat es wohl gemacht. Dis Nebſt mir zu Deiner Hand/ die ich verehre, eilen. Dis iſt die Freuden⸗Stimm aus Dero Finſtern Grufft, Die Stimme Dero Geiſts, die uns nochmalen rufft: GOtt hat es wohl gemacht. Doch lernt auch liebſte Seelen! Aul eure Wege ſo/ wie Ich/ GOtt zu befehlen. b Aus devoteſt⸗und hoͤchſtſchuldig⸗danckbarſtem Gemuthe werden dieſe wenige Zeilen beygefuͤgt 1 von D. Joh. Siegmund Heider/ Com. Pal. Cæſ. Hochfuͤrſtl. Wuͤrtenbergiſch. Rath und Reichs⸗ tadt Kauffbeuriſchen Syndico und Raths⸗ Conſulenten. Bey dem ſeeligen doch ſchmertzlich betruͤbten Bintriitt Der 4 Hochwohlgebohrnen Bnädigen Grauen 5 S7 Muna Gibylla Frrey Frauen von Garb 1 Wwoollte Sein Pflicht⸗ſchuldiges Bey⸗Weid in ſo geringen als ſehr betruͤbten Zeilen zu Tage legen ein entfernter Verehrer/ Des bey dieſem Trauer⸗Fall ſehr gekraͤnckten Hoch Hreyherrlichen Gauſes. — 8 ☛ Ochwohlgebohrner Berr! SIA. V darf jetzo da Du traureſt; und der Semahlin Tod mit groſſem 3 eddo ſ3 Darf, da ſo Boy als Flohr Dich und Dein Hauß umhuͤllt, Da Schmertz und Traurigkeit aus Hertz⸗ und Augen quillt: Darf wohl dis ſchlechte Blatt von matt gereimten Zeilen, O woll⸗ IO wollte meinem Kiel dis Traur⸗Gedicht gelingen, Ich wuͤrde dieſen Sarg dem Canitz gleich beſingen, 4 Denn ſo wie Dieſer ſchrieb, da ſeine Doris ſtarb, Schrieb ich gewiß auch jetzt, da Eine Fraul von Garb 2 Die Helffte Deiner Bruſt der Todt dahin geriſſen, Um nur Dein groſſes Leyd mit Nachdruck zu verſuͤſſen. D Dooch ich beſcheide mich, bey ſo geſtallten Sachen Kan Dir wohl kein Gedicht den Kummer leichter machen, 1 4 O nein! Dein Geiſt ſucht mehr, Du wirſt wohl nicht vergnuͤgt, 5 Weil Deines Hertzens Luſt im finſtern Grabe liegt, Ach! ſprichſt Du/ ſollt Ich denn Mein ander Leben muͤſſen? Ach! hat Sie Mir der Todt doch allzu fruͤh entriſſen? Jetzt ſieht man Dich gekraͤnckt nach Ihrer Leiche gehen; Jetzt ſieht man Dich betruͤbt bey Ihrem Sarge ſtehen, 4 Der Glocken duͤſtrer Schall verraͤth Dein groſſes Leid, 3 Man ſieht und hoͤret nichts als ſtille Traurigkeit, Warum? Sie faͤllt,, und ſtirbt, jetzt traͤgt man Sie zur Erden, Dein Beſtes auf der Welt ſoll Dir genommen werden? D Dort, wo der Sand Sie deckt, da ſitzeſt Du und weineſt, Weil Du in dieſer Grufft den Troſt zu finden meyneſt, Der bey ſo ſchwerem Leyd Dir ohnentbehrlich iſt/ Da Deine Doris ſtirbt, Du aber lebend briſt Dort, dort, bey Ihrem Sarg/ da ſieht man Dich mit Thraͤnen, Wie vormahls Canitz that, nach Deiner Doris ſehnen. 3 Fuͤrwahr Du leideſt viel, Du ſeuffzeſt nicht vergebens/ 1 Iſt die Gemahlin todt, die Helffte Deines Lebens/ Was wunder! wenn Du ſelbſt nicht länger leben willt, 2 Was wunder! wenn kein Troſt, die herbe Thraͤnen ſtillt, Was wunder daß Du Dich bey Ihrer Aſche kraͤnckeſt, Und Tag, und Nacht, an nichts als Deine Doris denckeſt. Fuͤrwahr Du leideſt viel, Dein Trauren iſt gegruͤndet, ch mercke was Dein Hertz bey dieſem Fall empfindet, Bald blickſt Du auf den Sarg, bald denckſt Du an den Todt, In beydem findeſt Du die Gruͤnde Deiner Noth⸗ 1 Dort, denckſt, und ſprichſt Du jetzt, liegt Die um Die Ich traure, 1Dort liegt Mein ander Ich/ Die Ich ſo ſehr bedaure. Dort liegt nun Die von Garb/ dort kan man jetzt beſehen, 1 Auf was vor ſchlechtem Grund der Menſchen Tage ſtehen, Sis lebte, doch, nicht lang! Sie ſtarb, doch, allzubald! 1 Sie war noch geſtern roth; heut iſt Sie todt und kalt: 1O!l ſprichſt Du/ welch ein Schmertz! O welch' ein bittres Leiden! Ach! rufſt Du, muß Ich dann von Meiner Doris ſcheiden. b K 2 Jedoch Z ZJedoch erhohle Dich, laß Die Erolaßte ſchlaffen, Der GOtt, der Dich betruͤbt, kan Dir auch Troſt verſchaffen: 8 Gedencke! hat Sie gleich der Todt ſchnell hingeruͤckt, Hat Sie Sich doch vorlaͤngſt zum ſterben anoeſchict. Im Leben ſtarb Sie ſchon, im Tode wird Sie leben, Wenn Ihr der Lebens⸗Fuͤrſt wird jenes Leben geben. Ja! Ihr Gedaͤchtniß wird auf dieſer Erde waͤhren, So lang man von dem Todt der Sterblichen wird hoͤren; Der Preiß der Ihr gebuͤhrt gruͤnt ewig in der Zeit, Sie ſelbſt ſteht vor dem Lamm und lebt in Ewigkeit. Der Geiſt iſt ſchon bey GOtt, der Leib ruht in der Erden, Wer kan wohl gluͤcklicher nach ſeinem Tode werden? Ermuntre Dich demnach, laß alles Trauren ſchwinden, Die Dich jetzund verlaͤ,, Die wirſt Du wieder finden, Sie iſt nicht todt, Sie ſchlaͤfft! und zwar in ſüſſer Ruh/ Vergoͤnne Ihr dis Gluͤck, und gib noch dieſes zu, Daß ich bey Ihrer Grufft darff eine Grab⸗Schrifft ſetzen, Daraus die Nach⸗Welt ſoll, was Du verlohren, ſchaͤtzen. Ein Denckmal will ich Ihr doch nicht in Marmor ſetzen, Nein, ich will dieſes Blatt ſo hoch als Marmor ſchaͤtzen, Wenn alles, was darinn von Ihr geſchrieben ſteht, Zu Ihrem ew'gen Ruhm bis auf die Nach⸗Welt geht: So muß dis ſchlechte Lied, mein ungeſchicktes Lallen, 3 Bochwohlgebohrner Herr/ Du doch zulett gefallen Johann Jacob Schwartz/ J. U. L. Hoch⸗Graͤfl. Lippiſcher Rath. In nachgeſetzten Klag⸗ und Troſt⸗Zeilen ſolten ihre ſubmiſſe Veneration, gehorſamſte Danck⸗Pflicht und aufrichtige condolenz wehemuͤthig vorſtellen Rector und ſaͤmtliche Collegæ des Gymnaſi Annæani allhier in Augſpurg. nnnnnnneen C JRſtaunens⸗ werthe Poſt! unglaubliches Geruͤchte! e Ein Scchauer ruͤhrt den Leib/ das Hertz erſtarrt als Stein/ X( Erblaſſen zeiget ſich gantz ſchnell in dem Geſichte/ Man ſieht die Tapferſte gantz aus ſich ſelbſt geſetzet Und ein unzehlbar Ach muß Zeug des Schmertzens ſeyn, Und durch den harten Schlag bis auf den Tod verletzet. Wo Wo nur von einer Seel zwey Leiber ſind belebet, und zwey Perſonen ſtehn in einer Harmonie, Wo ſtets nach einem Ziel der Beyden Abſicht ſtrebet, Mithin die Eintracht glaͤntzt in nie verwelckter Bluͤh, Da gibt ja die Vernunfft, ach leider! zu erkennen, Was Kummer bringen muͤß ein unverhofftes Trennen. Zumahl wann Knall und Fall die Sinnen heiſſet weichen Und ohne einig Wort und letzten Abſchieds⸗Kuß, Da keine Balſams⸗Krafft erweckt ein Lebens⸗Zeichen/ Man ſein geliebtes Theil erkalten ſehen muß, Wann lebend ſeyn und todt man zehlet nach Minuten/ Ach das nimmt Staͤrck und Troſt/ und macht das Hertze bluten. Weil nun ein ſolchjes Leid das theurſte Haupt verletzet, So hoͤchſte Majeſtaͤt als Rath und Reſident Aus gantz beſondrer Gnad erleſen und geſetzet, Und die getreue Dienſt mit hoͤchſter Huld erkennt, So ſcheint die Großmuth faſt bey Ihme gantz verlohren, Weil Fhm ſchnell iſt beraubt, was Ihm zur Luſt erkohren. Kont dort die Trauer nicht Timantis Pinſel zeigen, Und muſt ein Vorhang nur der Ohnmacht Decke ſeyn, So wird mein ſchwacher Kiel gwiß auch ſo hoch nicht ſteigen, Daß mit der tieffſten Klag ſein Ausdruck träfe ein, Weil der Verluſt zu groß/ zu ſchwer das Leid⸗empfinden/ Und das Betruͤbnuͤß⸗Meer durch Wort nicht zu ergruͤnden. Nur Seufzer koͤnnen hier den Traur⸗Affect vorſtellen, Das bange Schweigen ſelbſt heiſt da Wohlredenheit/ Auch durch das dunckle Aug muß doch der Glantz erhellen/ So als ein Tugend⸗Strahl zuvor das Hertz erfreut, und jede Mine gibt gar deutlich zu verſtehen, Wie durch den ſchnellen Riß dem Haupt ſo weh geſchehen. Da uns ohnmoͤglich fäͤllt zulaͤnglich anzufuͤhren, Deß Haupt⸗ und Hauſes Klag ob dieſem Todes Fall/ So wollen wir nur kurtz zu letzter Pſticht beruͤhren Den auſſerhalb erregt betruͤbten Ehren⸗Schall/ L Der 3 Der, weil er allgemein und gleiches Thons ſich weißet/ Macht, daß die Trauer ſelbſt des Traurens Labſal heiſeet. Wem nur die herbe Poſt zu Ohren iſt gekommen, Gab gleich mit dieſer Frag Lob und Leid zu verſteh'n: Ach! hat die Tugend dann den Abſchied ſchnell genommen, So unſer Auge kaum in ſchoͤnſter Bluͤh geſeh'n? Iſt die Leult ſeeligkeit ſo plötzlich uns entzogen, So zur Verehrung hat bey erſtem Blück bewogen? Wann Ihr wird aller Ruhm aufs praͤchtigſt beygeleget, So iſt der Kiel doch nicht mit Schmeicheley befeucht, Weil Sie mit allem Recht des Vorzugs Lrone träͤget Und kein Bered amkeit an die Verdienſte reicht; Der Neid muß ſelbſt ſein Gifft Zaͤhn⸗knirſchend in ſich ſchlingen, Und weiſt nichts Widriges mit Wahrheit aufzubringen.— So hoch der Hochſte Sie an Stand und Gluͤck erhoben, So ſtieg Fhr edler Geiſt doch nicht an Stoltz empor, Von Sanfftmuth gab vielmehr Sie wunderwerthe Proben/ Weil wahre Gottes⸗Forcht gefuͤhrt den Tugend⸗Chor/ Daraus als einer Quell all Gutes hergefloſſen, So ohne Ziel und Zahl der Neben⸗Mnſch genoſſen. In ſeinen Dienern GOtt aufs guͤtigſte zu ehren, War Ihres Hertzens Luſt/ es redet auch die That, 2 Da Ihre Lieb zu GOtt hoͤchſt ruͤhmlich zu bewaͤhren, 8 Sie in die Kirch geſtifft ein koſtbaren Ornat/ So als ein Monument der Gottes⸗Forcht wird bleiben Und der Nachkommenſchafft den Nahmen einverleiben. Sagt welche Unerfreut vor Ihre Augen kommen, Die ihr Verlangen Ihr geziemend angezeigt?. Es ſtimmten Hertz/ Mund/ Hand altzeit bey Jhr zuſammen, Ihr Chriſtliches Gemuͤth war ſtets zur Huͤlff geneigt; Und daß die Wahrheit werd hierinn von Ihr geprieſen, Zeigt bey ſehr groſſer Schaar das milde Thraͤnen⸗flieſſen. Doch, worzu dienet wohl das lange Ruhm beylegen/ So bey der Menge doch nicht reichet an das Ziel? Es bringt das hohe Lob nur neues Leid erregen/ Da Zeit und Blat zu eng, und der Verdienſt zu viel; Drum ö Drum wendet ſich vielmehr die Pflicht zum Troſt⸗ertheilen Und fleht zu GOtt, daß Er die Wunde Selbſt woll heilen. Der erſte Troſt⸗Grund iſt getroſt daher zu hohlen, Daß Sie ein ſchneller Tod hab ſchnell zu GOtt gebracht, Wie Ihre Wege Sie voll Hoffnung Ihm befohlen) oee So hat Ers auch im Tod ſehr⸗Wohl mit Ihr gemacht, Sie ſolt vom Tauff⸗Altar zur Bahr ohn Aufhalt ſchreiten, Diß heiſt zum Himmel ja den Weg Ihr ſchoͤn bereiten. Was in der Sterblichkeit wunſchwerthes zu erlangen, Begluͤckter Ehren⸗Stand/ erworbner Lugend⸗Preiß/ Das hat in hohem Grad die Seelige empfangen, So iſt Ihr Wechſel ja erwuͤnſcht auf alle Weiß; 3 Die Seele iſt zur Ruh in Himmel eingefuͤhret, 8 Der Leib ſchlaft in der Gruſſt/ der Nachruhm ſtets ſiorirett. Koͤnt die Hochſeel'ge Frau ſich nochmahls hoͤren laſſen, 1 Sie wieſ' den aͤchzenden auf den Stamm⸗Nahmen an, Und baͤte, daß Er Sichh doch in Gedult woll faſſen, 4 Weil GOtt, der, was Er thut, Wohl macht, den Riß gethan, Er ſolle, als Der nun von Klagen matt und muͤde, Sorg tragen, daß von Traur in ſeiner Bruſt ſey Friede. Und damit ſtimmet auch ein unſer Wunſch⸗abſchicken: 3 BO T richt das theurſte Haupt mit Troſt und Labſal auf, Daß Es fuͤhl neue Krafft durch himmliſches Erquicken, Und fuͤr Sein hohes Amt in Wunſch⸗begluͤcktem Lauff; 8 .“ — X△ 8 35 4 GOtt laß Ihn ſeyn geſetzt zu einem Seegens⸗Zeichen/ 1 und Seines Gluͤckes⸗Flor ſtets den Meriten gleichen. 3 o aAngſt und Grämen fuhlt mein Hertz/ Da mu die Frau von Garb muß ſcheiden? 2 Betruͤbnis/ Sehnſucht/ Kummer/ Schmertz/ D Ja unausſprechlich groſſes Leiden/ 4 Nebſt unermeßlich ſchwerer Pein/ Stellt ſich in meiner Seele ein. L 2 Der Der Monat iſt nicht voͤllig aus/ Da ich zum Thron des Hoͤchſten trate/ Und fuͤr das Goch⸗„KFreyherrlich Gauß Kit heiſſen Seuffzern ſehnlich bathe: O groſſer GOtt! ſchͤtz dieſes Jahr Daſſelbe ſtetigs vor Gefahr. Der Anfang war auch hoͤcſtbegluͤckt Ich kunt ein gutes Ende hoffen; Dopgh der/ ſo Kreutz und Leiden ſchickt/ Hat einen andern Tauſch getroffen; Dann ach! die neue Jahres Zeit Bringt ſtatt der Freude Traurigkeit. Der Herr Gemahl ſteht höchſt gebeugt/ Und laͤßt die Jammer⸗Klag erſchallen: Oer HERR hat mir ein harts erzeigt/ Ach! meine KLron iſt abgefallen. Es ſincket meiner Hoffnung Stab Und leget ſich nun in das Grab. Wer theureſten Frau Schweſter Mund Kan kaum vor Wehmuth ſeuffzend ſprechen: Iſt denn bereits die letzte Stund/ 5 In welcher Deine Augen brechen? Frau Schweſter bleibe doch bey mir! Ach! eilſt du denn ſo ſchnell von hier! Der hohen Mnverwandten Muth Weißt ſich faſt ſelber nicht zu faſſen/ Ihr Todt der Ihnen wehe thut/ Ihr ſnelles ſterben und erblaſſen/ Entreißet Ihnen Sinn und Geiſt; Weil Wie ſo ſchnell von hinnen reißt. Wer kennt/ was wahre Tugend ſey/ Und wie gar wenig ſolche haben/ Der leget Ihr das Zeugniß bey: Nun wird ein Tugend⸗Vild begraben. Wer ſollte denn nicht traurig ſeyn/ Die Pugend⸗Wonn verliehrt den Schein? Die/ ſo das hart und ſchwere Joch Der Duͤrfftigkeit und Armuth druͤcket/ Beklagen ſeuffzend: Ach! daß doch Die Grau von Garb/ ſo uns erguicket/ So eilend geht aus dieſer Welt/ Und ploͤtzlich ſincket/ ſtirbt und faͤllt! So iſt das Trauren allgemein/ So haͤuffen ſich die Jammer⸗Klagen. Wie? Sollt ich unempfindlich ſeyn? Soll ich nicht gleichfalls aͤchzend zagen? Was wunder/ wenn der Mund ſchon ſpricht: Dergleichen Schmertz verſchweigt man nicht. Daher ſoll auch ein Thraͤnen⸗Fluß Mir Aug und Wangen haͤufſig netzen; Weil der Verluſt/ O harter Schluß! Anthier nicht wieder zuerſetzen. Die Frau von Garb iſt nunmehr fort/ Ach aulzuhart Donner⸗Wort! Der Todt reißt Wie ſehr ploͤtzlich hin/ Ich kan und ſoll Wie nimmer ſchauen. Wer hilfft/ da ich verlaſſen bin? Auf wen darf ich in Zukunfft bauen? Vo find ich Huͤlffe/ Rath und That/ Die mich ergoͤtzte fruͤh und ſpath. R Fedoch Jedogh es iſt des Moͤchſten Will,/ Den wir ja alle folgen muͤſſen.; Darum halt ich gedultig ſtill/ Und werfſe mich zu ſeinen Fuͤſſen. Wobey ich/ zwar nicht ohne Weh/ Gelaſſen ſprich: Dein Will geſcheh! Allein mir wird vergoͤnnet ſeyn/ Ein Denck⸗ und Danckmal aufzurichten/ Das nicht geaͤtzt in Marmor⸗Stein/ Sonſt moͤcht es Staub und Roſt zernichten. Nein! Ich richt es im Hertzen auf/ Da ſtoͤhrt es keiner Zeiten Lauf. Dier ſcreib ih unauslöſchlid an/ Die Frau von Garb iſt zwar geſtorben/ Sie gienge ſchnell die Todes⸗Bahn/ Jedoch Ihr Ruhm/ den Bie erworben/ Der bleibet bis in Ewigkeiit; Ihn tilget weder Neid noch Zeit. Die Sdle Seel ſteht vor dem Taroan Des Wamms/ in ſteten Himmels⸗Freuden/ ie traͤgt die Sieg⸗ und Ehren⸗Cron/ Weißt nichts von Schmertzen oder Leiden. Gluͤckſeelig wer auch alſo ſtirbt/ Und ſolchen Nach⸗Ruhm ſich erwirbt. BOtt aber woll den Herrn Gemahl Nach dieſem Leid mit Freud ergoͤtzen. Er mehre Beiner Jahre Zahl/ Und laß Ihn keine Noth verletzen. Bis Gr auch endlich Lebens ſatt Eingehet in die Freuden⸗Stadt. Indeſſe Indeſſen blei/ O theures Gaupt! Mir/ Weinem Knecht/ forthin gewogen. Der Todt hat mir zwar viel geraubt Doch wird Dein Gnad mir nicht entzogen; So hab ich fort und fort in Dir 2 Die Gnaͤdig Frau ſeets eebend hier. Dieſer Hoͤchſt⸗ſchmertzliche Nach⸗Ruf an die Hochſeel. Frau von Garben/ wurde mit wehmuͤthiger Feder entworffen, von Des Hoch⸗Freyherrlichen Hauſes unterthaͤnig⸗verbundenſten Diener. Chriſtian Seyfried/§§. Theol. Cand. aus Ißni; nunmehriger Rect. der Schule zu Bibrach. H Schwohlgehohrner Herr Patront wie gern ich auch was moͤchte ſchreiben, odurch das Lob der Tugend⸗Cron nſterblich koͤnnt auf Erden bleiben, der Cron, die Sie von GOTTES Hand, als ein vortrefflich Himmels⸗Pfand zur Eh⸗Gemahlin einſt bekommen, das aber nun hinweggenommen, ſo hemmt doch Wehmuth Wort und Kiel, und haͤlt mich ab vom Zweck und Ziel. Sie haben dann mit mir Gedult nach DERO laͤngſt bekannten Guͤte, wenn ich aus Antrieb meiner Schuld und aus treu⸗ danckbarem Gemuͤthe jetzt bloß, ſo gut es kan geſchehn, im kurtzen Grund⸗Riß laſſe ſehn, was ich, befreyt von Leid und Klagen, mit mehrern Worten koͤnnte ſagen. Zum Riß ſey alſo diß erwehlt: Maria Martha iſt entſeet. M 2 Maria hieß die Freyin nicht, Sie war es aber nach den Wercken. Was GOTTES Wort von jener ſpricht, ließ Sie an Sich hoͤchſtruͤhmlich mercken: Sie hatte Luſt am Wort des HERRN, Sie laſ' und hoͤrte ſolches gern, ſo hatte Hertz, und Aug' und Ohren ja wohl das beſte Theil erkohren, Eins, welches Noth, erwehlte Sie und ſah um ſolches ſpat und fruͤh. Hierauf erfolgten jederzeit die Fruͤchte, ſo daraus entſprieſſen: Was ließ die milde Guͤtigkeit den armen Nechſten nicht genieſſen? Wie war Ihr hoher Ehren⸗Stand mit wahrer Demuth nah verwandt! Wie treu war Sie Gemahl und Freunden! wie williglich verzieh Sie Feinden! wie trug Sie mit Gelaſſenheit das zugeſchickte Hertzenleid! Der Martha Nahme war dann auch 8 r Der Frau von Garben ucht gegeben doch hatte Sie es im Gebrauch nach Martha Sorg und Fleiß zu leben. Sie brach der GOttesfurcht nichts ab, indem Sie Sich zu ſchaffen gab, daß, wenn Ihr Herꝛ nach hohen Pflichten des Kayſers Winck hatt' auszurichten, durch Ihre Klugheit und Bemuͤhn Sein Hauß doch kunt' im Segen bluͤhn. Hiier denck ich auch an Ihre Treu mit der Sie Ihm ſonſt beygeſtanden: Kam Kranckheit, Reiſens⸗Zeit herbey, war die Gefahr des Kriegs vorhanden, ſo fand nach Deſſen Wunſch und Rath ſich allemahl Ihr Will und That. Mit wenig Worten viel zu ſagen: In guten und in boͤſen Tagen vermißte Herꝛ von Garben nicht der Frau Gemahlin Lieb und Pflcht. Als es dem weiſen GOTS gefiel des Stammes Edlen Zweig zu ſchwaͤchen, ja gar nach kurtzem Lebens⸗Ziel in fremden Land Ihn abzubrechen, nahm Sie,(ſo groß Ihr eignes Leid!) ſehr groſſen Theil der Traurigkeit aus dem gebeugten Vater⸗Hertzen. Ihr Troſt⸗Wort linderte die Schmertzen, worauf Sie dann hinfort allein Sein Troſt auf Erden kunte ſeyn. Ach! Gnaͤdiger Patron! Nun iſt der hoͤchſt⸗betruͤbte Tag gekommen, an dem Ihr Aug' auch Sie vermißt! Doch GOTT hat Sie dahin genommen, allwo Emanuel, Ihr Sohn, mit jener Freud⸗und Ehren⸗Cron Immanuels bereits geſchmuͤcket. Sie wird mit Wiederſehn erquicket, und iſt nunmehr mit Ihm zugleich, an aller Freuden⸗Fuͤlle reich. Sie wiſſen ſolches ohne mich, und koͤnnen Ihren Kummer ſtillen gewiß nachdruͤcklicher, dann ichthꝭ. Drum ſchweig ich auch mit gutem Willen, und bitte Sie im Gegentheil, wenn Sie von Ihren Wunden heil, Sie wollen mir ein Troſt-Wort ſagen, daß ich den Streich recht mag ertragen, der mein Gemuͤth zu Boden ſchlaͤgt, da man die Frau von Garben kar O! was verliehr ich auf der Welt! Denck ich an jene Zeit zuruͤcke, da ich zu OERO Dienſt beſtellt nach Augſpurg kam zu meinem Gluͤcke, ſo faͤllt mir bey wie hochgeneigt Sie mir viel tauſend Guts erzeigt, als ich fuͤnff Jahr im Hauſe diente! Da mir das Gluͤck des Amtes gruͤnte, verließ ich zwar Ihr Hohes Hauß, doch Ihre Gnade war nicht aus. N Kein Kein Jahr kam an, kein Jahr vergieng, in dem ich nicht der Guͤte Proben n5 von Ihrer milden Hand empfieng; Fuͤrnehmlich hab ich diß zu loben, daß Sie Sich dreymahl Muͤhe nahm und als Gevatterin Selbſt kam, die Kinder GOTT zu uͤbergeben, die nun mit Ihr im Himmel leben. Erweg ich ſolche Guͤtigkeit, ſo bringt Ihr Tod mir bittres Leid. Doch ſeh ich, Gnaͤdiger Patron, wie Sie die Hand, ſo ſchlaͤget, kuͤſſen/ und ſeh' auf Gnade, die Sie ſchon mich vielmahl laſſen ſeh'n und wiſſen, ſo giebt ſich auch mein Hertz in Ruh und rufft dem Hoͤchſten alſo zu: Mein GOTT/ laß Du dem Hochbetruͤbten dennoch als einem Hochgeliebten das Thraͤnen⸗Waſſer bald in Wein/ der Labſal giebt/ verwandelt ſeny Mit diſer Wehmuͤthigen Trauer⸗Ode wolte ſeine unterthaͤnige Condolenz ablegen des ANHrey⸗ Perllichen Pauſes. unterthaͤnigſt verpflichteſter Diener M. Michael Lebegott Marggraf, Gymn. Ann. P. P. Cl V. Die 4 von GOtt in ſeine himmliſche Friedens⸗nd Freuden⸗Scheune eingeſammelte Warbe, wurde in unterthaͤnigſter Devorion ʒu moͤglichſter Troſt⸗Aufrichtung Ihro Goch⸗Frey⸗Gerrlichen Gnaden fuͤrgeſtellet von 14 M. Johann Jacob Stromeyer, IV. Claſs. Gym. Ann. Præc. publ. als einem unterthaͤnigſten Diener* des Hoch⸗Frey⸗Herrlilchen Hauſes. ———õ§ℳ⸗--⸗y—-——e M Winter/ wann das Land den Harni ſch angezogen; das Eiß die Fluͤſſe hat mit Bruͤcken Mhn 5 der Silber⸗weiſſe Schnee auch iſt daher geflogen, hat Haͤuſer/ Berg und Thal mit Flocken zugedeckt: Da ————.— b Da ſieht man keine Garb im weiſſen Felde ſtehen Man ſieht den Ackers⸗Mann nicht auf dem Acker gehen. Man ſieht auch keine Ruth den Schnitteren nachwandeln, a) mch ſehn eine ziche von M das Serben 5* 1⸗3) Man ſieht nicht nach dem Traum die Soͤhne Jacobs handeln, b) daß Ihre Garb ſich neigt vor Joſephs; der zwar— 25 in ihren Augen war; doch endlich iſt erſchienen als ein gar groſſer Zerr/ dem Sie faſt muſten dienen. Man ſieht nicht vorm Altar die Prieſter Garben weben, o) als Leülnge des Lands/ in tieffſter Danckbarkeit: Die man dem Hoͤchſten GOTCT mußt in die Hoͤhe heben, lam Zeugnus/ daß Er geb das Brod zur Erndte⸗Zeit/ daß Er noch regnen laß das Manna aus der Hoͤhe/ daß keiner ohne Brod von ſeinem Tiſch weggehe. Wie kommts dann, daß der Tod/ als wie ein Garben⸗Binder/ d) aauch in der Winters⸗Zeit zu Fenſtern offt einfaͤllt, ja in Pallaͤſte kommt, zu wuͤrgen Mann und Kinder, e) Matronen/ Jungferen und Juͤnglingen nachſtellt?/ Daß Sie, wie Garben/ todt fuͤr Ihrem Schnitter liegen, und keinen Odem mehr in Ihre Leiber kriegen. Wer machts ſo, daß es kirrt/ wie Garben volle Wagen/ f) da doch zur Winters-Zeit es nur von Wagen kirrt/ 5 die uns das theure Holtz jetzt auf der Achs zutragen, 4 daß man von Kalt und Froſt im Winter nicht erfriert. 4 Es ſcheint, GOTT haͤuffe ſelbſt die Garben auf die Tennen/ g) —˙, daß weder Jung noch Alt, kan ſeiner Hand entrinnen. Ein Nebemias ſah am Sabbath Garben bringen h) in jene Woͤnigs⸗Stadt/ nach dem Jeruſalem: Das machte Ihm viel Gram und vieles Haͤnde ringen/ weil dieſer heilꝛge Tag zur Arbeit nicht bequem. Allein man ſieht allhier an Sonn⸗und Werckel⸗Tagen manch Garbe in die Rirch und auf die Kirch⸗Zoͤf tragen. Im AOcker dieſer Welt wird keine Garb vergeſſen i) der Todt kehrt ſelber um, und holet Sie noch ein; Fuͤr Ihme iſt kein Menſch zu groß/ zu hoch geſeſſen, es moͤgen Kayſere/ es moͤgen Koͤnig ſeyn: Unedle/ Burger/ Baur ſind Ihme gleich und eben, Lr rafft bald dieſen hin, bald jenen aus dem Leben.. N2 Wie 1 a) Ruth. c. 2, 7. b) Gen. 37, 7. c) Levit. 23. 10. d) Pſ. 129,7. o) Jer. 9, 21. fd. f) Am 2. 13. g) Mich. 4, 12. h) Nehem. 12, 15. i) Deuteron. 24, 19. Wie man die Garben auch zu ſeiner Zeit einfuͤhret, a) ſo kommt ein jeglicher zu ſeiner Zeit ins Grab/ b) der Todt mit ſeiner Sens ein'n jeglichen beruͤhret; Er nimmt den Zenegen auch Ihre Garben ab, doch ſind wohl einige/ die ihre Garben bringen nach Ihrer Thraͤnen⸗Saat mit Freuden und mit Singen. c) Darunter rechnen wir die Freye Frau von Garben/ die nach dem Stand und Geiſt ein Baroneſsin war; Sie hatte frey gelebt, eh Ihre Glieder ſtarben, Frey, ſag ich, von der Furcht in aller Tods⸗Gefahr; Frey war Ihr edler Geiſt von Sclaverey der Suͤnden, frey von des Satans Macht, der Sie nicht konte binden. und wie Sie Warbin hieß/ ſo brachte Sie die Garbe zu erſt dem hoͤchſten GOTT, der Sie gebunden hat; Sie bracht die erſte Garb ohn alle Heuchel Farbe/ die Garb des Chriſtenthums im Wort und in der That: . Die Garbe des Gebets/ die Garb der reinſten Liebe; mworzu Sie in der Tauf ſich namentlich verſchriebe. 15 Hernach ſo brachte Sie die Garb der Seltenheiten dem Hohen Herrn Baron, als Ihrem Eh⸗Gemahl/ — 4 die Garbe des Verſtands/ die Garb der Lieblichkeiten; des Friedens und der Treu ohn eiteles Gepral: 8 Sie war wie eine Ruth dem Schnitter nachgegangen, und hat die Arbeit fruͤh mit Freuden augefangen. Sie bracht dem Naͤchſten auch die Garb der Liebes⸗Wercke die Garbe groſſer Gnad und der Gutthaͤtigkeit; Mit Hiob ware Sie der Schwachen Brafft und Stärcke; d) Sie war des Armen Schatz mit Huͤlff und Troſt bereit; Sie war der Stummen Mund/ Sie war ein Fuß der Lahmen, des Bünden Aug war Sie/ und das in Chriſti Namen. Den Beener,hre arne hat Sie auch ausgeſäet, e) nicht ohne naſſes Aug/ und jammerendes Hertz; der rauhe Nord⸗Wind hat Sie oͤffters angewehet;.1 und des Frey. Herren Weh war auch Ihr Hertzens⸗Schmertz; Da gieng Sie oͤſſters hin in die verborgne RKammer/ und klagte Ihrem SOTT Ihr Creutzes⸗Noth und Jammer. Nun erndtet Sie mit Freud/ was Sie mit Leid geſaet; f) Ihr Weinen bringet Wein/ und Ihre Laſt bringt Luſt: Nun Sie auch Davids Spruch in ſeiner Arafſt verſtehet; was Ihr war unbekannt, iſt Ihr erſt recht bewußt: b Nun a) Hiob. 5, 26. b) Grab per Anagramma Garb. c) Pſ. 126, 6. d) Hiob. 2, 15. c) Pf. 126, 5. f) Pf. 126, 6. * Fe “ “ Nun ſiehet Sie erſt recht ohn Glaß der gaaee, Farben/) ſchwartzen was eigentlich das heißt: Mit Freuden bringen Garben. Kochwohlgebohrner Merr! Mein gnäͤd'ger Herr Baron!) weil SOtt/ der Garben⸗Binder/ die Baroneſsin hat in ſeine Scheur gefuͤhrt, wo alle Garben ſind der allerliebſten RKinder/ b und wo kein Winters⸗SFroſt die zarte Glieder ruͤhrt, ſo ſeyen Sie getr oſt/ und ſaͤen Ihre Thraͤnen b) ſo, daß die Thraͤnen⸗Saat zur Freuden⸗Erndt moͤg dienen. Sie wollen doch Ihr Hertz/ als eine Garb/ erheben, und weben Ihr Gemuͤth, wie man die Garben webt: Sie wolln als Prieſter es auf den Altar hingeben, dann Ihr Gemahlin dort beym Garben⸗Binder lebt: Fuͤr Ihrem 3een Sich als eine Garbe buͤcket/ der Sie als ſeine Garb mit Himmels⸗Glantz ausſchmuͤcket. Die Weligſte hat lang den Namn von Garb getragen; So nehm Ihr Excellenz den Namen Sey Fried an: Sie ſprechen: Meine Seel! laß ab von deinem Klagen, c) der HErre hat ꝛer) Guts durch dieſen Tod gethan: Er hat Sie aus dem Krieg zun reden m.) geriſſen, Feur wie einen B und laͤßt Sie Himmels⸗Freud im Frieden wohl genieſſen. Sie ſprechen: Meine Seel! ſey nur mit GOtt zufrieden: Dann die Zemun) ſchon zum Friedens⸗Fuͤrſten geht: 1 Sie iſt zwar gar zu ſchnell und gloͤtzlich gbgeſchieden; doch Sie nun Freuden⸗voll in Friedens⸗Huͤtten ſteht. SOë wird zu ſeiner Zeit/ mein Seele! Dich auch heiſſen ¹ zu tem esen) gehn; dn) ſollt Du Dich befleiſſen. Ich, der geringſte Knecht, ruf mit betruͤbter Seele: SFried ſey in Dero Seel/ die voller Unruh iſt! d) Wann auch die Truͤbſaals⸗Fluth gieng bis an Halß und RKehle/ c) f) So werd Ihr Excellenz mit Frieden ausgerüͤſt! GOtt reiſſe Oero Fuß heraus von allem gleiten/ g) Und laſſe Dero Hertz zum Frieden⸗Feſt bereiten. GOtt reiſſe Dero Aug und Wangen von den Thraͤnen; h) die Seele aus dem Tod; den Leib von Ungemach; Er gebe alles Wohl/ wornach Sie ſich ſtets ſehnen; Er gebe Gluͤck und Freud; und das zu tauſendfach; Daß Sie als Reſident des groſſen CAROLS ſitzen, und unſrer Vaters⸗Stadt viel Jahr noch vieles nützen.— 2), ad Gorinth. 13. 12. b) Pſ. 126, 5. 6. c) Pſ. 116, 7. d) Pſ. 42, 6. 12. c) Pf. 43, 5f. f) PG 60, 2. 3, 15. 16. g) Pſ. 116, 8. h) loco citato. — —,— — Zur Traur⸗Muſique ſetzte der Hochſeeligen Frauen bey Standes⸗maͤßigen Exequien folgende Text-Worte auſ des Frey⸗Herrlichen Hauſes unterthaͤnigſt verbundenſter Diener 3* M. Michael Lebegott Marggraf/ Gymn. Ann. P. P. Cl. V. Welche dann in compoſition brachte Philipp David Kraͤuter/ Gym. Ann. Cl. I. P. P. und Director Muſices. **—e Vor der Parentation. Pſalm AAXNVII. s. Befiehl dem Herrn deine Wege/ und hoffe auf Ihn/ Er wirds wohl machen. G ARIA. Liebſter GOTT! du haſt es wohl gemacht mit allen meinen Lebens⸗Wegen. Mein Glaub und Hoffnung ward mit Seegen an Seel und Leib, an Ehr und Gluͤck bedacht. Viel tauſendmahl hab ichs erfahren von Jahr zu Jahren, daß alles Deiner Vater⸗Treu am beſten anbefohlen. Choral ex hymno: Befiehl du deine Wege ꝛc⸗ v. 3. Dein ew'ge Treu und Gnade, O Vater, weiß und ſieht, was gut ſey oder ſchade dem ſterblichen Gebluͤt, und was du dann erleſen, das treibſt du ſtarcker Held, und bringſt zum Stand und Weſen was deinem Rath gefaͤllt. r. 4. Weg haſt du allerwegen, an Mitteln fehlt dirs nicht, dein Thun iſt lauter Seegen, dein Gang iſt lauter Licht, dein Werck kan niemand hindern, dein Arbeit darf nicht ruhn, wann du was deinen Kindern erſprießlich iſt, willt thun. II. 3...*... ¹ 1 Kach der Parentation. Pſalm CXVI. 7. Bey nun wieder zufrieden meine Seele/ denn der SEoR thut dir Guts. 2 A R 1 A. Mu. ich offt den Creutz⸗Weg gehen, Ey ſo lernt ich wohl verſtehen meines JESll Liebes⸗Zug, der ſein Creutz zum Opffer trug: Da rieff ich in ſtiller Ruh, meiner Seelen ſelber zu: Sey zufrieden/ ſey zufrieden/ GOTT hat dir was Guts beſchieden. Choral. Gs willt du dich betruͤben, 8 O meine liebe Seel? Ergib dich den zu lieben, der heißt Immanuel. Vertraue Ihm allein, Er wird gut alles machen und foͤrdern deine Sachen, wie dirs wird ſeelig ſeyn. — — III. eee Fach verleſenem Lebens Lauff. ARILA. OẽE ſey gelobt! nun iſt der Weg vollbracht zum Heyl⸗Genuß in jenem Leben! Nun iſt die Crone mir gegeben, die mir vorlaͤngſt mein Heyland zugedacht. HERR! lindre du die herben Schmertzen dem treuen Hertzen, aus dem jetzt Thraͤn' und Seuffzer dringt, bis es mit Freuden Garben bringt. Choral. Gocces Kinder ſaͤen zwar 5 traurig und mit Thraͤnen; Aber endlich bringt das Jahr, wornach ſie ſich ſehnen; Dann es kommt die Erndte⸗Zeit da ſie Garben machen; da wird all ihr Gram und Leid lauter Freud und Lachen. O 2 Zugabe Dugabe der vor dem Srauer⸗Hauſe abzuſingenden Ode uͤber eben die Worte des XXXVII. Pſalms, Welche vor gar vielen Jahren ſchon der Hochſceligen Grey⸗Grau⸗ nach Ihrem Tanepenunen vun M. M. L. M. verfertiget worden, Nach der Melodie: Wer nur den lieben GOtt laͤßt walten ꝛc. I. 6. ACh! liebſter GOT, du fuͤhrſt die Deinen I. meinen Stand⸗ und Gluͤckes⸗Wegen durch manchen Weg, und wunderlich, durch Schmertz und Schertz, durch Lachen, Weinen; Doch traut ihr Herß nur auf dich, ſo ha es ſichern Troſt dabey, daß, was du thuſt, erſprießlich ſey. 2.. Naeü man ſich nur zu dir im Glauben, ſo nahſt du dich mit Huͤlff und Schutz; Wer ſich die Hoffnung nicht laͤßt rauben, der beut mit dir den Teufflen Trutz; Denn geht gleich alles bund und krauß, fuͤhrſt du es doch ſehr wohl hinaus⸗ 4. Nun HErr, mein GOtt, laß meine Wege dir ſamtlich anbefohlen ſeyn, ſchleuß mich in deine Vater⸗Pflege mit deinen lieben Kindern ein, mein Geiſt und Leib ſey Tag und Nacht zu treuer Ohhut uͤbermacht. 4. Am erſten ſey dir anbefohlen der Weg, den ich zum Himmel thu. Kan ich bey dir Erquickung hohlen, ſo nehm ich ſtets im Glauben zu, und geb als wohl⸗gerathner Baum der Lieb und ihren Fruͤchten Raum. f. Oonſt muß man mit Bedingung bitten. hier aber ruff ich unbedingt: Vergib mir, was ich uͤberſchritten, ieb, was der Seele Nutzen rint Achi machs um meiges JESu Blut mit meinem Himmels⸗Wege Gut. ſollſt du, mein GOtt, der Meiſter ſeyn, ſo mangelt mir gewiß kein Seegen, ſo bricht kein Ungemach herein. So ſeh ich, wie mein Rath beſteht, und wie die That von ſtatten geht. 7ä. Bo allen, die mir angehoͤren, verhoff ich deine Lieb und Treu, die mich durch manches Werck wird lehren, daß uͤber dich nichts beſſers ſey, und daß nichts Gutes in der Welt, als was ein Menſch von dir erhaͤlt. . 3. Ins aber 64 bey dir beſchloſſen, daß ich den Creutz⸗Weg gehen ſoll, ſo laß Gedult im Hertzen ſproſſen, und mache mich recht Hoffnungs⸗voll. Sonſt walte, wie es dir gefaͤllt, der Ausgang iſt dir heim geſtellt. 2a, gich ndes 2,. Läst ſich mein IEſus Creutz aufbuͤrden, eh er das Leben von ſich laͤßt: ſo zehl ichs unter hohe Wuͤrden, wenn mich das Creutz auf Erden preßt, ich weiß, daß Er offt nach mir blickt, daß mich die Laſt nicht unterdruͤckt. 10. Las dir denn auch an meinem Ende den Todes⸗Weg befohlen ſeyn! Nimm meine Seel in deine Haͤnde, und fuͤhre ſie ins Leben ein. Ach! mach es ja um Chriſti Blut, mit meinem Abſchieds⸗Wege gut. II. An dieſem allerletzten Gange liegt ewigs Wohl und ewigs Weh; Gib, wenn ich Todes⸗Poſt empfange. Nun daß ich zur Reiſe fertig ſteh, Harr ich hoff; Ach! ſteh mir treu auf allen meinen Wegen bey. Bey Bey denen ſolennen Exequien Der Sochſeelgen Frau, Frau Baroneſſin von Galbhcen, legte ſeine devoteſte Condolenz in folgenden Reim⸗Zeilen an den Tag, des Frey⸗Verrlichen Hauſes unterthaͤnigſt verpflichteſter Diener M. Paulus Romanus Geiger. ::=—————u-yõyyyn 8 Ode. X☛ Nachricht/ die mein Hertz erſchreckt! O„Poſt/ die Angſt und Schmertz erweckt! die Erau von Garben itt verſchieden! Wie? glaub ichs/ oder glaub ichs nicht? Ja/ ja kommt naͤherer Bericht/ Sie ſchlaͤfft bereits in Ruh und Frieden. Kaum trat Sie froͤlich in Ihr Hauß/ So loͤſcht Ihr Lebens⸗Licht ſchon aus. Mein GOTT! ſo iſt es dann gewiß? Wie kraͤnckt/ wie beugt mich dieſer Riß! Dir muß ich meinen Jammer klagen. Dir iſt es gar zu wohl bekannt/ Was Du durch Sil mir zugewandt/ Hilff Du dann auch mein Leid mir tragen. Steh' Ihrem Herrn mit Troſte bey/ Daß Er mein Troſt anf Erden ſey. Aus Lieb und Treu auf das bedacht/ Was Sie/ das theure Tugend⸗Bild/ Sich offt gewuͤnſcht/ das iſt erfuͤllt: Ein ſchneller Tod hat Sie ins Leben Zu Ihrem JESll hingefuͤhrt/ Ber Sie mit weiſſer Seide ziert/ Weil Sie Sich Ihm als Braut ergeben. Es war Ihr deſſen Huld bewuſt/ Drum hatte Sit zu eilen Luſt. Sie ſchrieb nicht Zeit noch Stunde fuͤr/ Und blieb gar gern auf Erden hier/ 3u Ihres Sh⸗Herrn droſt und Frade: Da war Sit fleißig Tag und Nacht Was Geine Seel und Augen⸗Weyde. Ich habe/ ſprach Sie/ in der Welt Sonſt nichts/ das mich zuruͤcke haͤlt. Inzwiſchen bat Sit offt und viel O! HErr! kommt meines Lebens Ziel/ So gib mir ein geſchwindes Ende/ Und nimm die Seele/ die dich liebt/ (Doch deinem Willen ſich ergiebt) Bald in die treuen Vater⸗Haͤnde! Demnach war Sit zu jeder Zeit Auf einen ſchnellen Tod bereit. Wie war daher der eitlen Welt Und dem/ was dieſer wohl gefaͤllt/ Von gantzem Hertzen abgeſtorben. Ihr hoher Stand erhub Sit nicht, Wer iſt/ der Ihr den Ruhm abſpricht/ Den Ihre Demuth hat erworben? Wer iſt/ der Ihrer Freundlichkeit Nicht ein unſterblich Lob verleyht? GOT und ſein Wort war Ihrer Bruſt Die allerangenehmſte Luſt: Was foͤrderlich zu GOttes Ehre/ Das uͤbte Sie von Hertzen gern/ Und freute Sich das Sie vom HERRN Zum Werckzeug auserſehen waͤre. Wer hat nicht Willigkeit verſpuͤhrt/ Wenn Sie GO?TT Laͤmmlein zugefuͤhrt? GO?T hat Sie auch zu guter Letzt/ Mit der Gelegenheit ergoͤtzt/ Ein zartes Kind Ihm zu zutragen. Mit was vor Andacht Ihr dabey Ihr Tauff⸗Bund neu geworden ſey/ Das kunten Wort' und Wercke ſagen. Wie gieng darauf ſchnell aus der Zeit Und ward ein Kind der Seelggkeit. Mit Ihr hat es GOtt wohl gemacht/ Da Er Sie in ſein Reich gebracht. Ach! aber was vor bittre Schmertzen/ Ach! was vor Seuffzer ohne Zahl prezt Ihrem kheuren Sh⸗Gemahl Der ſchnelle Gang aus Seinem Hertzen! p Was 88ſ8E3Eoſſſ 1 m. Eistier Aeerdeeehrnre e r de WVas vor en Leid bringt ſolcher Fall Den Anverwandten uͤberall! Wie ſteh'n/ die Ihre Huldd ergoͤtzt/ Als wie vom Donner⸗Streich verletzt! Welch Klag⸗Geſchrey iſt bey den Armen! Mit dieſen ruff auch ich zugleich An Wehmuth und Beſtuͤrtzung reich: Wer wird ſich unſer nun erbarmen? Die Armuth waͤchſt zu dieſer Zeit/ Und was nimmt ab? Freygebigkeit. Doch aber wie? Was thu ich hier? Warum bring ich die Klagen fuͤr? Will ich dann nicht an GOTT gedencken? Ja/ ja ich will von Hertzen fleh'n GOTS wolle Troſt und Wohlergeh n Dem höchſt betruͤbten Greyherrn ſchencken. Sr wird, ſo lang Er hier wird bluͤh'n Uns Benn Dnade nicht entziih n. 41 8 . 85 N 5 7 3 * 8 89 2 Letzt⸗ſchuldigſte Gbren⸗Traur und Troſt⸗Zeilen aufgeſetzt und ſubmilfeſt uͤberreicht von 1 Des Hoch⸗Grey⸗Gerrlichen Gauſes unterthaͤnigſt verbundenſtem Diener und Clienten M. Tobia Lotter/ Rev. Min. Cand. „— 1 — t t Hochwoblgebohrner Gerr! da GOtt Sie ſehr gebeuget/ Und JONEM unvermuth't ein hartes hat erzeiget/ Indem ER von der Seit geriſſen das Bemahl/ 1So haͤuffen billich ſich die Thraͤnen ohne Zahl. Wer unter Menſchen ſoll nun JHREN Kummer ſtillen/ b Zu lindren JOREN Sma, vaß JHRER Sinn und b illen? Darzu reicht Cicero, noch kein Boëtius, 4 Mit ſeiner Redner⸗Kunſt/ bey ISORER Thraͤnen⸗Fluß/ Noch iegend eine Schrifft/ ſo Weltweiſe geſchrieben/ Sie ſind zu ſchwach darzu/ ſo hoch ſie es getrieben/ MKiit Schluͤſſen der Vernunſſt/ die Salb in Gilead* Reeicht auch dahin nicht zu/ was dann? nur SOttes Raht/ Dem es alſo beliebt/ dann Der& FE hat geſchlagen/ 4 Am beſten JHNEN weißt das Pflaſter anzuſagen/ Das JHRE Munde heilt/ die BIE ſo hart verletzt/ 3 Wann S nur dieſes Wort: Ich habs gethan/ ſelbſt ſetzt † In ſeinem Tractat de tranquillitate animi. Tief in IJOR Hertz und Sinn/ ſo muß bald wieder heilen Die Wunde/ die noch friſch/ das halbe Hertz will theilen/ ScIE wiſſen Selbſt es wohl/ Hochtheurer Reſident! Daß alles/ was DOtt thut/ gereicht zum guten End/ 1Auf Den verlaſſen SJE Sich in dem Wittwer⸗Stande/ So JONéEN BOtt auflegt/ nach dem getrennten Bande Einer ſo uiebuchen/ als lang gefuͤhrten hh Darinnen eintzig nur JOR STod gemacht das Weh. Es iſt de Frau Gemahl/ die FONEN BO gegeben/ Vor vier und viertzig Jahr/ wohl ducch JOR gankzes Leben Ein ſolches Tugend⸗Bild/ und Formular gewveßt/ Dergleichen wenig ſich anheute ſinden laͤßt/ So wohl was Dottesforcht/ als Haͤußlichkeit anlanget/ b Anmuth/ und Freundlichkeit/ wo diß Geſchlecht mit pranget/ Anna Sibyllla ſie darinnen uͤbertraff/ Die Sdle Frau von Garb/ ac! O der harten Straff! Daß SE ſo unvermuth't der Todt hinweg geriſſen/ 1 Jacob Smanuel Sie nunmehr ſollt vermiſfen/ Shr theureſter Gemahl/ Eh⸗Kchatz und andre Seel/ Wer tritt an dieſen Platz/ verwaltet JHRE Stell? So koͤnnen billich SJE in JORER Wehmuth fragen/ Und Jeremia gleich anſtellen dieſe Klagen/ O wehe/ daß ſo bald/ und ſchnelle dahin fiel/ Die Wrone meines Mauſ's! dn mhes iſt BOTTES ill. b Zer wird inskuͤnfftige SIE wiſſen ſchon zu heilen/ Und XHNE N Rath genug/ und Beyſtand mit ertheilen/ ER iſt derjenige/ der heißt IZmmanuiel Verdollmetſcht/ BOT mit uns/ Er hilfft an Leib und Seel. Dem 1 Bem laſſen SJE Sich gantz mit Seel und Leibe uͤber/ Und harren in Gedult/ biß die Creutz⸗Wolck voruͤber/ Es kommt auf Donner/ Blitz und Regen Sonnenſchein/ Zum oͤfftren wiederum/ das ſoll IJHR Troſt auch ſeyn. SIE goͤnnen JORERM Schatz/ dem Preiße der Matronen/ 1 Jn unſrer Vater⸗Stadt die aufgeſetzte Bronen/ Die ſchoͤne Gebens⸗Bron/ die Wron der Merrlichkeit/ Die BOtt JHR aufgeſetzt/ das ſchoͤne Hochzeit⸗Kleid/ 1 Womit vor jetzo RJE bey IORER JESll pranget/ 1 Bey Dem SJE Freuden⸗voll nunmehro angelanget/ Vo IE vor JHHRNERN GOTTin voller Freud nun ſpringt/ Ein Halleluja Ihm/ und Ehre ſey BOtt/ ſingt. Vor Sie/ Hoch⸗Sdler Werr!— GO auß ferner b ſorgen/. Wie bißher allezeit/ ſo heute als auch morgen/ Und weiter fernerhin/ daß SIFE in Alters⸗Ruh/ Noch weiter 3ONE Jahr vergnuͤglich bringen zu. Das wuͤnſch bey dieſem Riß ich JH N E N recht von 8 Hertzen,/ Nacc dieſem Trauer⸗Fall/ ſehr tiefem Leid/ und Schmertzen/ Der Koͤchſte mache es an JHNEN reichlich wahr/ unrd ſetze JONE N zu noch viele Lebens⸗Jahr; Der Theuren Sh⸗Gemahl. ich zur Grab⸗Schrifft 4 ſetzen/ Weil S IE es wohl verdient/ IOR dieſe Wort einaͤtzen dauf J99R Lachen⸗Sien: Hier rht ein Tugend Bild, Die Woͤl Erau von Garb, gotkſeclig, bäußlich, mild! Q2 Bey r dem Grabe hd Weyland Nachs⸗ Bn Brchwohighenen Frau/ Nuna Gibylla Freyin von Galbill, Oole Frau von Gilbelli, gebohrnen Ie yfridin,. Hoſeeligen Aheine., ſuchten Dero Gohen Principalen Und Gnäͤdigen Herm Ihre ſchuldigſte Condolen durch dieſes Traur⸗Zlat in tiefſter Demuth an den Cag zulegen Hoch⸗Deſſelben unterthaͤnigſt getreu⸗verpflichteſte Diener Jacob Emanuel Kleinert/ Secret. und Joh. derdui Vogt/ Canc. — — Och⸗ Wohlgebohrne Fraue eszttert Hand und 1 7 Kiel/ da Dero Diener heut die Pfucht entrichten will. 4 Der zugefuͤegte Schmertz durchdringet alle Glieder/ und Dero Todes⸗Fall ſchlaͤgt mich zugleich mit nieder/ weil das/ was mir der QErr zu meinem Troſt ertheilt/ ſo ſchnell und unvermerckt bereits von hinnen eilt. Die Hoffnung iſt umſonſt/ die Thraͤnen ſind vergebens/ 1 kein Flehen hufft nicht mehr/ das zu dem QErrn des Lebens um um Vero Lebens Friſt/ Gochſcel ge Frau/ geſchah: 1 Das Ende bricht herein/ das Grab iſt leider! da. 1O welch ein herber Scmertz/ den wir zu dieſen Stunden/ mit Dero Hohen Hauß/ erblaßte Frau/ empfunden! Welch eine Bangigkeit/ die unausſprechlich iſt/ befiel uns dazumahl/ da wir Wie eingebuͤßt; Die Ehrfurcht heiſt mich nun auch meine Wemuth zeigen/ die Huld und Gnade laͤßt mich dieſesmahl nicht ſchweigen/ die Sie ſchon lange Zeit mir zum Genuß erlaubt/ 1 und deren leider! mich nun Dero Tod beraubt. 1Die Pflcct befiehlt es mir/ nach aͤuſſerſtem Vermoͤgen die ſculd'ge Condolenz demuͤthig abzulegen; Und dieſe macht demnach auch ſchriftich meine Hand dem Hohen Verrn Gemahl durg dieſes Baat bekannt/ Der mich ſchon dazumahl mit ſeiner Huld erquicket/ da ich kaum dieſe Welt das erſtemahl erblicket. Mein Tauſſe⸗ Nahmen zeigt von dieſem noch die Spuhr/ was mir damahlen ſchon an Gnade wiederfuhr. 1 abnd das war nicht genug/ was mich damahls ergoͤtzet/ das wurde hochgeneigt bißhero fortgeſetzet/ ſo/ daß mein Mund es nicht genugſam ruͤhmen kan/ was Deſſen Buͤtigkeit und Auld an mir gethan. Sie ſeibſt/ Vochſeel ge Frau/ Sie wiſſen/ was geſchehen/ und lieſſen ebenfalls mich Huld und Gnade ſehen. Wie groß war ehedem auch Dero Guͤtigkeit/ die meine Eltern ſchon gelabet und erfreut? Welch eine Gnade war auch in ſo vieien Fahren mir und den Meinigen von Ihnen wie derfahren? R Wie [O— Wie hat ſich Mund und Hand ſo guͤtig und geneigt 3 auch den Geſchwiſtrigen von meinem Hauß erzeigt? Wie manche Wohlthat iſt auch dieſen zugefloſſen? Ihr Hertze dancket noch fuͤr das/ was ſie genoſſen. 4 Wie wurde nicht mein Wohl durch Dero Huld gebaut/ da Sie vor dieſem mir Ihr Liebſtes anvertraut/ und dem Hochſeel gen Sohn/ ach waͤr Er noc im Leben; zu der Bedienung mich auf Reiſen zugegeben/ Dem meine treue Hand/ da GOtt es ſo geſchickt/ 1in einem fremden Land die Augen zugedruͤckt? Wie gnaͤdig haben Sie mir noch vor wenig Tagen vor Dero Gerrn Gemahl die Sorgfalt aufgetragen: 1 Sorgt/ ſprach der holde Mund/ ſorgt/ wie ihr koͤnnt und wißt/ fuͤr Den/ Der in der Welt mein allerliebſtes iſt/ daß mein Smanuel/ den ich von Hertzen liebe/ in ſeinem Alter ſich nicht ohne Noth betruͤbe. So ware Sie beforgt fuͤr dero Werrn Gemahl/ 1 Den Dero Liebe mir zur Sorgfalt anbefahl. Nun aber wollen Sie zu ſeinem groͤſten Leiden/ weil es der HERR befiehlt/ von ſeiner Seite ſcheiden. 1 Das ſchmertzet ungemein die treusergebne Bruſt/ und mich kraͤnckt ebenfals der ſchmertzliche Verluſt. Der HERN/ der Sie ſo ſchnell dem Tode uͤbergeben/ s Dero Berrn Gemahl nun deſto lͤnger leben/ ſo bluͤhet ferner noch/ nach unſerm Wunſch und Flehn/ mein und der Meinigen erwuͤnſchtes Wohlergehn. Die Gnade/ ſo uns nun durch Dero Tod entriſſen/ laß Dieſer hochgeneigt uns lange noch genieſſen/ weil polche/ wie bekannt/ und jeder leichtlich ſchließt/ mir und den Meinigen gantz unentbehrlich iſt/ die ſich mit mir zugleich/ da Sie uns leider! fehlen/ dem theuren Berrn Gemahl zu neuer Huld empfehlen. 1( Hochwohlgebohrne Fraul daes auch mir gegluͤckt/ 1 daß Dero Gnade mich ſo manches Jahr erquickt/ ſo geb' ich ebenfals mit Thraͤnen zu verſtehen/ wie weh auch mir bereits durch Dero Tod geſchehen. 1 Die Huld/ ſo mich gelabt/ iſt leider! nun dahin/ iſts Wunder/ wenn ich auch daruͤber traurig bink Der fchnelle Abſchied muß auch mich mit andern kraͤncken/ 1 die Wemuth hindert mich auf Worte zu gedencken/ daraus man das/ was mir der HOERR durch Sie gethan/ und meine Traurigkeit mit Nachdruck ſchlieſſen kan.— 1 Kaum will der herbe Schmertz/ den wir nicht bergen koͤn⸗ . nen/ 1 1 bey Dero Sarg und Brufft ein Bunſch⸗Wort noch ver⸗ 4 goͤnnen/ das fuͤr den Berrn Gemahl und Deſſen hohes Wohl 3 zu guter Letzte noch zu BOT ergehen ſoll. 1Der KERR/ der Dieſem Herrn manch Leiden zugeſchickt/ und Ihn auch/ leider! jetzt empfindlich hart gedruͤckt/ doch Fhme immer noch mit Huͤlffe beygeſtanden/ 1 geh Ihm auch dieſesmahl mit ſeinem Troſt an Handen. Da die Gehuͤlffin fehlt/ de BOT entriſſen hat/ ſo ſeye ſelbſt der RERR ſein Helffer/ Troſt und Nath. Der Hoͤchſte laß es Ihm noch lange wohlergehen/ ich werde mich bemuͤhn/ BOT darum anzuflehen/ 3 N 2 weil weil Deſſen hohes Wohl mich ungemein vergnuͤgt/ und mir ſehr vieles auch an Deſſen Leben liegt. 4 ANun muß ich meinen Wunſch mit einer Bitte ſchlieſſen⸗ b Was hab ich noͤthiger bey meinen Kuͤmmerniſſen/ als daß/ Pochſeel ge Frau/ mein Mund um b fleht/ b weil Dero Gnade mir durch Dero Tod entgeht? Beliebt der Gerr Gemahl mir ſolche zu zuwenden/ ſo wird ſich auch ein Theil von meinem Kummer enden. Gnade 0 cm