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Rbenſien weadhe. taas, Mhahanaa in rich anensahaana Jenwor hent,„wee ae eneheraeenree 5n wde-saeran eeea an e. d. ee—— Se, a Mue ease, hssreree 9 3 4 5 eae, ai aaeas-t r, e Seseaeesisnie eee an eeeen uh MaueRierra a.e nert nae,unn Seenveue ereren eer dese gee Fee Nen d g 4 Widieranaser. a aaen 1 vweee eeditate eed er e werne ö “ e ne a e Prwan aeeabar eespe eene,Seren reeen— Sedehen he a A eee2 aencs.“ ns ehnan 3 3 de ms,ine, pearr, p dee de d als werans 2ru. e eaen 4 5 aead weren r v“ eee e ieecJechew acr anen as hes Se 2 e eeeee.eeesaneeen e. ie aee er Aanee ee,e 1* ke. aese s2a. rier s rs as tie ³ 8 us,4 ges Aue 3 Se 3 4 eber erbeerereen eer 2⸗ eeaaßgan wmweimaramnreenwanee naexhitaeeiiwe N as. w.- H wreave aru 3 eeem⸗ an efdn eeezereTre derrmer⸗ a a3 ac naraeertte aane eawnRiag. eedenheenmer—— e wereeee erre Teraenae awreehht ehenr ere a hen, 1 weieh2i hie wn 2laas Ba as rrerr erneer eeneeaereeden jder errrwwerrreeeer Rode eeuees⸗ Beeereeerdee Sreete eeeh dee g n d se⸗ „ener 1 4 12 wee 2636,5 Peheenea e neernrereen en ent h een 2— e etneih ea — e 1 3 eae— m 4 nrsei N eSnsedr Mai S n aas n. 1 emn e.—. es o ar Aah 2 Br.*..; Nanes 1 29 Le. ee Sememnna. ee e vn e aeeneTheraeimemen eeite he za.—“ ““——— 2 weee een de — eeue e Ta de Ser. 5 e es. ⸗. Sſ⸗sehraeihe 2 3u ans auibs iahaerie A e ate-heMäs wMe.h e M w. ee e heewihe 1 ee derne Le — aunaeAdh ,Be nan-anece R er-en 2 3 wrareeinn verreneerireereehekee eee ee“ 8 eeeermee Eeeen Ahatise 2. 3 dSeans A matremneenes veeeerrers„wereen wrdeaee eree ee mee erS ere Seen ac2s es Sirer rder wiaeiege wrie, wer e 2„ 14, ne, auee 1 we.e er ede Aie ne berwr zerre adseig ve e Muen wen her e enetefere ennis Jee een feee Bee.— e 2 aeruisz Srwweren as.eersade de * “ e. 2 1 60 Weigand Deutsches Wörterbuch Erster Band A bis K Deutsches Wörterbuch VvO Fr. L. K. Weigand Fünfte Auflage in der neusten für Deutschland, Osterreich und die Schweiz gültigen amtlichen Rechtschreibung Nach des Verfassers Tode vollständig neu bearbeitet von Karl von Bahder Herman Hirt Karl Kant a. O. Prof. a. d. Univ. Leipzig a. 0. Prof. a. d. Univ. Leipzig Privatgelehrtem in Leipzig Herausgegeben von Herman Hirt Erster Band A bis K Verlag von Alfred Töpelmann (vormals J. Ricker) Gießen 1909 Druck von C. G. Röder G. m. b. H., Leipzig. Vorwort zur fünften Auflage. F. L. K. Weigands Wörterbuch hat eine lange Geschichte. Es ist ur- sprünglich eine Bearbeitung des„Kurzen deutschen Wörterbuchs für Etymologie, Synonymik und Orthographie“ von Friedrich Schmitthenner, 1834, 2. Aufl. 1837 gewesen. Aber wie schon Jacob Grimm dem Verfasser schrieb:„In Ihrem Wörterbuch ist nicht mehr Schmitthenner, sondern bloß Weigand“, so war es in der Tat, und so durfte und mußte mit Recht dieser Name auf dem Titel stehen. Das Werk hat dann zu Lebzeiten des Verfassers, dank dem aus- gezeichneten Inhalt, drei Auflagen erlebt; während des Druckes der vierten starb der Verfasser, es konnten aber noch die zahlreichen in seinem Nachlaß vorgefundenen Notizen für die neue Auflage benutzt werden. Daß es sich bei einer weitern Auflage nicht nur um einen etwas ver- besserten Abdruck handeln konnte, sondern, daß den Fortschritten der Wissen- schaft entsprechend eine gründliche Umarbeitung stattfinden mußte, war dem Verleger klar. Leider hat diese manche Schwierigkeiten gehabt. Zunächst hatte sie Prof. v. Bahder übernommen. Er hat nach mehrjährigen Vorarbeiten, die in umfangreichen Sammlungen bestanden, A bis Flecken geliefert und diesen Teil auch später bei der Drucklegung noch einmal durchgearbeitet. Dann ist, da er die Arbeit im Jahre 1896 aus Gesundheitsriicksichten aufgeben mußte, Dr. Kant, der längere Zeit neben Hildebrand am Deutschen Wörterbuche gewirkt hatte, eingetreten, und dieser hat die weitern Teile bis stark im Manuskript fertig- gestellt(mit Ausnahme des Buchstaben P). Leider hat Dr. Kant das Werk nicht so fördern können, wie man wohl hätte wünschen müssen. War doch das Buch schon seit langem vergriffen, und der Wunsch nach einer neuen Auflage dringend. Meine eigene Tätigkeit hat damit begonnen, daß ich mich auf Wunsch von Prof. v. Bahder und auf Veranlassung des Verlegers im Jahre 1902 verpflichtete, den etymologischen Teil des Werkes durchzusehen und zu er- gänzen. Es war dies um so mehr unbedingt nötig, als Dr. Kant auf dem Gebiete der indogermanischen Etymologie kein Fachmann war. Unter diesen Umständen hat der Satz begonnen. Bald darauf mußte aber auch Dr. Kant von der UÜberwachung der Herausgabe und der weitern Bearbeitung zurücktreten. Da ich bei der Bearbeitung der Etymologie und der Durchsicht des fertigen Manuskriptes den hohen Wert des bisher Geleisteten kennen gelernt hatte, so habe ich mich unter diesen Verhältnissen, namentlich VI Vorwort. um das Neuerscheinen des Weigand nicht wieder auf unabsehbare Zeiten zu verschieben, und um das bisher Geleistete bald zugänglich zu machen, ent- schlossen, im Einverständnis mit Prof. v. Bahder in die Bresche zu treten, und meinerseits die Herausgabe und Fertigstellung des Werkes zu übernehmen. Ich war mir sehr wohl bewußt, daß ich dadurch auf Jahre hindurch von mir lieb gewordenen Arbeiten Abschied nehmen mußte, aber ich habe das gern getan, weil ich auch der Wissenschaft einen Dienst zu leisten glaubte, wenn ich den Weigand wieder allgemein zugänglich machte. Durch diese verschiedenen Hände, die an dem Werke beteiligt sind, mögen namentlich im Anfang einige Ungleichmäßigkeiten in das Werk ge- kommen sein, die indessen, wie ich bestimmt glaube, seinem Wert keinen Ab- bruch tun. Im übrigen ist meine Arbeit an dem fertigen Manuskript im Laufe der Zeit immer stärker geworden. Ich habe es, namentlich in den Teilen, die Dr. Kant bearbeitet hat, noch einmal gründlich durchgearbeitet, Artikel ver- ändert und nach bestem Ermessen gestrichen und zugesetzt, und diese Arbeit wird vermutlich in den spätern Teilen immer noch zunehmen. Trotzdem wird vielleicht doch manches stehen bleiben, was, wenn ich es selbständig gemacht hätte, anders ausgefallen wäre. Während anfangs die Neuausgabe in einem Bande geplant war, hat es sich jetzt doch als wünschenswert herausgestellt, sie in zwei Bände zu teilen, namentlich da dies bei künftigen Auflagen, wo der Umfang wohl noch wachsen wird, doch nötig geworden wäre. Außerdem ist es dadurch möglich geworden, schon jetzt das Verzeichnis der Abkürzungen und die Angaben über die Ein- richtung des Werkes zu geben. Auch die Benutzung des nunmehr abgeschlos- senen bis zum Schluß von K reichenden ersten Bandes wird in gebundenem Zustand angenehmer sein als in den Lieferungen. Nach Erscheinen der einzelnen Lieferungen sind mir von den verschieden- sten Seiten Ergänzungen und Wünsche mitgeteilt worden. Sie sind, soweit es möglich war, benutzt worden, und ich kann den Schreibern hier nur meinen besten Dank aussprechen und die Bitte hinzufügen, mich durch weitere Mit- arbeit zu unterstützen. Über die Ziele und Einrichtung des Buches sei nun noch zum Teil unter Wiederholung des im Vorwort früherer Auflagen ausgeführten, folgendes bemerkt: 1. Weigands Werk war das erste, das die Etymologie genügend berück- sichtigte, und es hat sich dadurch hauptsächlich sein Ansehen erworben. Dieser Teil mußte natürlich besonders gründlich erneuert werden, um den Anforde- rungen der Zeit zu entsprechen. Man kann das sagen, ohne Weigand zu nahe zu treten, dessen etymologischen Scharfsinn und Takt man nur bewundern kann. Die Bearbeitung der Etymologie rührt, soweit andre indogermanische Sprachen heranzuziehen waren, von mir her. Mir schien es nun ein unabwendbares Be- dürfnis zu sein, anch die Literatur der etymologischen Forschung anzuführen. Die Rücksicht auf den verfügbaren Raum gebot mir aber, mich kur⸗ zu fassen, und so habe ich mich bemüht, solche Stellen zu geben, wo weitere Literatur ſiber die betreffenden Fragen zu finden oder wo ausführlich über die betreffende Etymologie gehandelt ist. Insbesondere genügten oft die Hinweise auf Waldes Vorwort. VII vortreffliches lateinisches etymologisches Wörterbuch. Vollständigkeit konnte schon wegen des Raummangels nicht durchgeführt werden. Die Etymologie wird freilich immer ein Feld bleiben, auf dem man oft nicht zur Sicherheit kommen kann. Bei der Aufklärung der aus dem Orient entlehnten Wörter hat mich mein Kollege Prof. Stumme auf das dankenswerteste unterstützt. 2. Was die aufgenommenen Wörter betrifft, so enthält das Werk die gegen- wärtigen gangbaren Wörter des neuhochdeutschen Sprachschatzes mit der durch den Umfang des Buches gebotenen Beschränkung, besonders in Hin- sicht der Ableitungen und Zusammensetzungen. Neben diesen gangbaren Wörtern aber hat Weigand eine große Zahl von weniger üblichen und seltnern, die in Luthers Bibelübersetzung und bei den mustergiltigen Schriftstellern aus der Blütezeit der neuhochdeutschen Literatur, namentlich bei Schiller und Goethe, sich finden, aufgenommen, auch bezeichnende, und zumal hier und da in Sechriften vorkommende mundartliche Wörter. In dieser Beziehung kann man, glaube ich, in einem solchen Werke gar nicht weit genug gehen. Schon Prof. v. Bahder und Dr. Kant haben sehr viel nach dieser Richtung hin getan. Ich selbst habe, namentlich in den spätern Lieferungen, noch manchen in der norddeutschen Umgangssprache üblichen Ausdruck hinzugefügt, wobei das reichhaltige Wörter- verzeichnis im Buchdrucker-Duden dankbar benutzt wurde. Das Verbreitungs- gebiet derartiger landschaftlicher Wörter ist nach Möglichkeit mit Heranziehung der Idiotika gegeben worden, ohne daß freilich Vollständigkeit erzielt werden konnte. Auf eine Angabe der Werke, aus denen geschöpft wurde, ist meist ver- zichtet worden, da die unten gebotene Liste(S. XI) die Quellen angibt. Die Aufnahme der Fremdwörter wird stets eine Schwierigkeit bleiben, da man dem einen zuviel, dem andern zu wenig bietet. Immerhin wird man bemerken, daß je länger, je mehr Fremdwörter aufgenommen sind, und es wird das Buch auch nach dieser Richtung hin nicht im Stich lassen. Die Zeiten sind ja glücklicherweise vorüber, in denen man die Fremdwörter in der Geschichte der deutschen Sprache ungestraft vernachlässigen zu können glaubte. Weigand hat auch die Vornamen berücksichtigt und auch oft eine Er- Klärung versucht. Da es meine feste Uberzeugung ist, daß die alten Namen keine bestimmte Bedeutung gehabt haben, so habe ich diese Erklärungen ge- strichen, und hätte am liebsten die Namen überhaupt fortgelassen. Da dies aber nicht mehr angängig war, so sind wenigstens keine neuen mehr aufge- nommen worden, und man hat infolgedessen einige vermißt. „Übrigens herrscht bei allen verzeichneten Wörtern alphabetische Ord- nung, und dieselbe wird selbst in den den Wurzel- und Stammwörtern gleich beigefügten abgeleiteten und zusammengefügten Wörtern nicht gestört, ausge- nommen, daß die abgeleiteten zuerst stehen und dann die zusammengesetzten.“ Man suche also Ableitungen und Zusammensetzungen unter dem Grundwort. Doch ist durch häufige Verweise an der richtigen alphabetischen Stelle dafür gesorgt, dabß man ein Wort auch dann findet, wenn man den obigen Grundsatz nicht beachtet. 3. Weigand hatte die Bezeichnung der Betonung durch den Akzent(), in Wörtern, die den Ton nicht nach deutscher Weise auf der Stammsilbe tragen, durchgeführt. Ich habe es gleichfalls getan. Da dies aber anfangs nicht be- VIII Vorwort. absichtigt war, so fehlt es im Buchstaben A und im Anfang von B. Die Wörter auf-ieren haben, da sie stets auf dem i betont sind, keinen Akzent bekommen. Ebenso habe ich die Länge der Vokale in deutschen Wörtern, wo diese nicht durch die Regeln der Rechtschreibung von selbst gegeben ist, nach den Vorschriften der deutschen Bühnenaussprache, vgl. Siebs Deutsche Bühnen- aussprache, 2. Aufl. 1901, durch einen- bezeichnet, allerdings auch nicht gleich vom Anfang an. Eingeklammerte Buchstaben bedeuten, daß die Schreibung mit ihnen und ohne sie erlaubt ist, z. B. Kram(me)tsvogel heißt, man kann Kramtsvogel und Krammetsvogel verwenden. Was die sonstige Umschreibung der fremden Sprachen betrifft, so habe ich für das Indische, Awestische, Altbulgarische, Russische, Litauische, Lettische, Armenische und Albanesische die einheitliche Umschreibung der fremden Alphabete durchgeführt, wie ich sie Indogermanische Forschungen 21, 145 ff. schon im Hinblick auf dieses Werk vorgeschlagen habe. Es bedeutet also: 1.— die Länge des Vokals. Nur in althochdeutschen und mittelhochdeutschen Worten ist beibehalten worden. 2.“ und auf einem Vokal bezeichnen die Stelle des Haupttons. 3.“ hinter einem Konsonanten drückt die Palatalisation(Erweichung) aus. 4. Abgesehen von den deutschen Dialekten bezeichnet s den stimmlosen Zischlaut (deutsch ss, 5), 2 den stimmhaften(deutsch s), S den scha-, 2 den entsprechenden stimm- haften Laut(franz. J), c ist gleich ks, G= kSch, J= dsch. 5. Die sonstigen Spiranten sind durch F(engl. stimmloses th),&(der entsprechende stimmhafte Laut), † und 5(deutsch 1⁰), æ und„(deutsch ch und ndd. 9) bezeichnet worden. 6.= dem gutturalen Nasal, deutsch ng. 7.. unter einem Vokal z. B. d drückt die Nasalierung aus, franz. on. 8.» ist ein unbestimmter Vokal(sog. schawa). 9. Im Litauischen bezeichnet“ den Stoßton;— auf Diphthongen,“ auf einfachen Längen den Schleifton.. 10. Im Indischen bezeichnet ein. unter dem Konsonanten, z. B die Zerebrali- sierung; g ist ein palataler Zischlaut, der etymologisch einem x entspricht. 4. Die Biegung der Wörter ist angegeben worden, bei den männlichen und sächlichen Substantiven mit, Angabe der Endung des Genitivs im Singular und des Nominativs im Plural, bei den weiblichen bloß des letzten, bei dem Pronomen, wo es nötig schien, durch alle Kasus des Singulars oder des Plurals, bei den starken Verben mit Anführung der Hauptformen, sowie des Präteri- tums im Konjunktiv oder des Imperativs, und bei den schwachbiegenden nur dann, wenn ihre Unterscheidung von gleichlautenden starkbiegenden hervorzu- heben war. Die Steigerung der Adjektive und Adverbien ist stets angegeben, wo sie in derselben den Umlaut bekommen, aber auch sonst gelegentlich angeführt. Wie schon in den frühern Auflagen ist auch in dieser auf die Entwicklung der neuhochdeutschen Wortbiegungen hingewiesen; diese Beiträge zu der immer noch fehlenden historischen neuhochdeutschen Grammatik werden willkommen sein. 5. Die Rechtschreibung ist natürlich die heute durchgeführte einheit- liche, und zwar geben die fettgedruckten Wörter diese wieder. Doch sind am Vorwort. IX Anfang die Abweichungen der bayrischen und österreichischen Schreibung, so- wie erlaubte Doppelschreibungen noch nicht regelmäßig mit angeführt worden. Später ist dies unter ausdrücklicher Hervorhebung der amtlichen Schreibung nach Dudens Orthographischem Wörterbuch geschehen. 6. Weigand hat außer auf die Etymologie besonderes Gewicht darauf gelegt, das erste Auftreten eines Wortes nachzuweisen. In diesem Punkt ist die neue Auflage dank den umfassenden Vorarbeiten Prof. v. Bahders, die sich auf das ganze Werk erstrecken, dank der Belesenheit Dr. Kants und infolge der Fortschritte, die das Grimmsche Wörterbuch in den letzten 30 Jahren ge- macht hat, iber das von Weigand geleistete hinausgekommen. Natürlich werden eine Anzahl der angeführten Belegstellen mit der Zeit noch durch ältre ersetzt werden können, weil eben hier das Wort gilt: dies diem docet. Ich selbst habe, da ich eine Reihe bisher unbenutzter Werke einsehen konnte, manchen Beleg, der früher war als die bisher bekannten, anführen können. Die Weigandschen Zitate sind natürlich, soweit sie wichtig waren, bewahrt worden. Bei der Um- schreibung dieser auf die neuern, jetzt maßgebenden Ausgaben— eine müh- same und zeitraubende Arbeit, die ich z. T. erst durchgeführt habe,— hat sich aber herausgestellt, daß sie nicht in allen Fällen zuverlässig waren, z. T. haben sich bei der Drucklegung der vierten Auflage Druckfehler gegenüber der dritten eingeschlichen, z. T. aber müssen direkte Versehen vorliegen. So waren einige Zitate bei H. Sachs nach den alten Ausgaben nicht auffindbar. Ich habe sie aber in l] stehen lassen, weil vielleicht ein andrer den Fehler ermittelt, der hier vorliegt. Ebenso ergaben sich bei dem Nachschlagen der Zitate, die Kant vielfach ohne Nachprüfen dem Grimmschen Wörterbuch entnommen hat, nicht nur unauffindbare Angaben, sondern auch direkt falsches, was natür- lich beseitigt wurde. Seitdem ich dieses bemerkt habe, ist der Nachprüfung der Zitate eine erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet worden, so daß nunmehr alles, was nur irgend zugänglich ist, nachgesehen werden wird. Nachträglich wird dies auch noch für die frühern Lieferungen geschehen, und es werden etwaige Fehler am Schluß berichtigt werden. Für den Nachweis irgendwelcher Versehen bin ich sehr dankbar. Im übrigen hat sich natürlich die überwiegende Menge der Anführungen als richtig ergeben. 7. Ein weitrer Vorzug des Weigand bestand in der genauen Angabe der Bedeutungen des Wortes. Hierbei hat Weigand meist auch die der gewöhn- lichsten Wörter angegeben, was nur durch etwas schwerfällige Umschreibungen möglich war. Man kann zweifeln, ob eine Erklärung des Auges als„Sehwerk- zeug des menschlichen und tierischen Körpers“ nötig ist; da aber die Bearbeiter diese Eigentümlichkeit Weigands beibehalten haben, so konnte ich nicht davon abgehen. Mancher wird vielleicht auch eine eingehendere Darstellung der Be- deutungsentwicklung vermissen. Da aber die meisten heutigen Bedeutungen, die selbständigen durch; getrennt, außerdem die mittel- und althochdeutschen genau angeführt sind, so wird man sich bei einigem Nachdenken die Be- deutungsentwicklung leicht klar machen können.— In den Ansichten über die Bedeutungsentwicklung scheint sich indessen gerade heute ein prinzipieller Fort- schritt zu vollziehen, und daher ist es vielleicht ganz gut gewesen, daß mit einer X Vorwort. gänzlichen Umarbeitung dieses Punktes noch gewartet wurde. Der Kundige wird erkennen, daß bei der Zurückführung auf die vorgeschichtlichen Sprach- stufen nur selten die früher so beliebten allgemeinen Bedeutungen der Wurzeln angenommen sind. Das Nacharbeiten und Durcharbeiten des fertigen Manuskriptes ist jedenfalls mühsamer und undankbarer gewesen, als die eigne Arbeit sein wird. Vorläufig muß ich es mir gefallen lassen, daß das Lob für den Weigand den beiden andern Bearbeitern dieses Bandes zuteil wird, der Tadel aber auf meine Schultern fällt. Ich werde das im Bewußtsein dessen, was ich an dem Werke getan habe, zu ertragen wissen. In Druck und Format hat sich die neue Ausgabe dem heute üblichen angeschlossen. Trotz allem, was bisher angeführt worden, ist die neue Auflage des Weigand eben doch der Weigand geblieben. Möge sie sich in der neuen Form die alten Freunde bewahren und viele neue gewinnen. Die weitern Lieferungen werden, wie ich bestimmt glaube, in demselben Zeitmaß wie bisher erscheinen können, so daß der zweite Band am Schluß des nächsten Jahres fertig vorliegen wird. Leipzig, im Februar 1909. Angeführte Quellen. Das Verzeichnis enthält die wichtigsten Quellen, soweit sie nicht im Text selbst ausführtich bezeichnet sind. Bei vielen ältern Werken, die kurz angeführt sind, gibt Goedekes Grundriß(s. u.) genauere Auskunft. Das weigandsche Verzeichnis zur 4. Auflage ist im wesentlichen wieder abgedruckt. Was Prof. v. Bahder benutzt hat, hat er mir kurz angegeben. In bezug auf die Kantischen Angaben war der Herausgeber auf die Sammlung aus dem Manuskript angewiesen. Es kann daher einiges übersehen sein, was am Schluß des 2. Bandes leicht nachgeholt werden kann. Dr. Kant hatte aber die Güte, die Korrektur durehzuschen und seine Ausgaben genau festzustellen. Abrahama Santa Clara Sämmtliche Werke. Passau 1835 ff. Auch nach den ersten Drucken. Adelung Versuch eines vollständigen gram- matisch-kritischen Wörterbuches der hoch- deutschen Mundart. Leipzig 1775—86. Zweite Auflage 1793—180l. Adrian Mitteilungen aus Handschriften und seltenen Druckwerken. Frankfurt 1846. AfdA.= Anzeiger für deutsches Altertum. Agricola oder Georg Agricola, Beschrei- bung des Bergwerks. Basel 1557. Bermannus sive de re metallica dialogus. Basileae 1530. 1546. Ahd. Gl.= Althochdeutsche Glossen, hrsg. von Steinmeyer und Sievers. Berlin 1879fg. Albertinus Der Kriegßleut Weckuhr. Mün- chen 1601. Landstörzer. München 1615, 1616. Weiblicher Lustgarten. München 1605. Lucifers Königreich und Seelengejaidt. Her- ausg. von Liliencron(Kürschner). Landleben, Contemptus vitae aulicae et laus ruris. Mün- chen 1610. Alberus, Erasmus, dict.= novum dictionarii genus 1540. Fabeln. Frankf. a. M. 1550. Neu- druck bei Braunce. Widder Jörg Witzeln. 1539. Aler, Paul, dictionarium germanico-latinum. Köln 1727. Alsfelder Passionsspiel, aus der Hand- schrift, die Weigand 1847 auszog. Ausgabe von Grein, Cassel 1874. Altd. Blätter. Altdeutsche Blätter von Moriz Haupt u. Heinrich Hoffmann. 2 Bde. Leipzig 1836. 1840. Altdeutsche Predigten und Gebete aus Handschriften. Gesammelt und zur Her- ausgabe vorbereitet von W. Wackernagel. Basel 1876. Altenstaig vocabularius, Basileae 1508. 1514. Amadis, hrsg. von Keller, Stuttgart 1857. Amaranthes nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmerlexicon. 1. Aufl. Leipzig 1715. 2. Aufl. 1739. 3. Aufl. 1773. Anzeiger des Germanischen Museums. Nürn- verg 1854 ff. Apherdianus tirocinium. 1581. Apinus Glossarium novum. Nürnberg 1728. Archenholtz Geschichte des siebenjährigen Krieges. Berlin 1793. Aventinus grammatica. H. Hirt. Arndt, E. M., Gedichte. Leipzig 1843. 1860. Arnim, Achim von, Sämmtliche Werke. Ber- lin 1839 ff. Augustin Lexikon der Studentensprache 1795. Neudruck Halle 1894. Norinberge 1513. Sämmtliche Werke. München 1881—1908. 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Nürnberg 1566. Postilla. Ebd. 1579. Sarepta oder Bergpostill. Ebd. 1562. 1571 u. 6. Syrach. Leipzig 1586(s. DW. 5, XXXIV). Matthisson, Gedichte. Zürich 1802. Megenberg, Konrad von, Buch der Natur, hrsg. von Pfeiffer. Stuttgart 1861. Melber, Johannes, vocabularis predicantium sive variloquus. Argentinæ 1482. 1486. Eine neue Ausgabe des Eychman(s. d.). Melissus s. Schede. Menantes, Die Allerneueste Art zur Reinen und Galanten Poesie. 1706. Quellen. Messerschmid Diekluge Narrheit. Die lustige Narrheit. Straßburg 1615. Meurer, Hermann, lexikalische Sammlungen aus Friedrich Rückerts Werken. Weimar 1872. Programm. Michaelis poetische Werke. Wien 1797. Micrälius, J., Sechs Bücher vom Alten Pom- merlande. Stettin 1639. Miller, J. M., Siegwart. Leipzig 1777. Bey- trag zur Geschichte der Zärtlichkeit. Ebd. 1776. 2. Aufl. 1780. Die Geschichte Gottfried Walthers, eines Tischlers. Ulm 1786. Milstäter Exodus und Milstäter Genesis. Genesis und Exodus nach der Milstäter Handschrift herausg. von Joseph Diemer. Wien 1862. Mone Anz. Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, herausg. von Mone. 1835 ff. Mone Zeitschr. Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. Herausg. von Mone. 1850 fg. Montanus, Martin, Schwankbücher. Herausg. von F. Bolte. Tübingen 1899. Monumenta Boica. München 1763 ff. Moerbeek, Ad. Abr. van, neues deutsch- holländisches Wörterbuch. Leipzig 1768. S. Kramer. Mörike Werke in 4 Bänden. Stuttgart 1899. Moritz, Karl Philipp, Vorlesungen über den Styl. Neue Ausgabe von Johann J. oachim Eschenburg. Braunschweig 1808. Moscherosch, Hans Michael, wunderliche und wahrhafftige Geschichte Philanders von Sittewald. 2 Teile. Straßburg 1646. 1650. Insomnis cura parentum. Neudruck von Ludwig Pariser. Halle 1893. Möser, Justus, patriotische Phantasien. 4 Teile. Berlin 1775— 1786. Vermischte Schriften 1797. 98. Müller und Weitz, die Aachener Mundart, Idiotikon. Aachen 1836. Müller, Johann Gottwerth, Siegfried von Lindenberg. 4 Teile. Leipzig 1790. Strauß- federn 1790. Müller, Maler, Werke. Heidelberg 1811. Bei einzelnen Schriften mit Vergleichung der ersten Drucke. Müller, Laur., polnische usw. Historien 1585. Münchhausen Reisen. Münster, Cosmographey 1567. 1628. Murner, Geuchmatt, hrsg. von Uhl. Luthe- rischer Narr, hrsg. von Kurz. Schelmenzunft. Narrenbeschwörung nach den Neudrucken. Musäus, Johann Karl August, Volksmährchen der Deutschen. 5 Teile. Gotha 1787. 1804. 1826. Moralische Kinderklapper. Ebd. 1788. Der deutsche Grandison 2 Feile. Eisenach 1781f. Physiognomische Reisen. 4 Hefte. Altenburg 1788. Muskatblut, Lieder. Hrsg. von E. v. Groote. Cöln 1852. Myst.= Mystiker, hrsg. von Pfeiffer. Leipzig 1845—57. Nas, J., Practica Practicorum. 1571. mdl. 1598. 1599.= Kilian. Nehring, Joh. Christoph, manuale juridico- politicum diversorum terminorum vocabu- weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. XVII lorum usw. Frankfurt u. Leipzig 1694, 1697, 1710, 1717. Nemnich, Wörterbücher der Naturgeschichte. Hamburg 1798. Polyglottenlexikon. 1793—95. Neues Teutsch-Frantzösisch-Lateinisches Dic- tionarium oder Wort-Buch. Genf, in Ver- legung Wiederholds 1669. Auch Wieder- holds Dicionarium genannt. Neues Dictionarium oder Wörter-Buch Für einen Reisenden. Teutsch-Frantzösisch- und Lateinisch. Genf 1683. Eine neue mit erst aufgekommenen Wörtern vermehrte Auflage erschien ebd. 1695. Neukirchs Sammlung= Herrn von Hoff- mannswaldau und anderer Deutschen auser- lesener...Gedichte erster Teil. Leipzig 1697. Dann noch 5 Teile 1703— 27. Nib. oder Nibel. Nibelungenlied. Ausg. von Karl Lachmann. Nicl. v. Wyle s. Wyle. Niebergall, Ernst Elias, des Burschen Heim- kehr, oder: der tolle Hund. Lustspiel in vier Aufzügen. In der Mundart der Darm- städter, Worms, 1837. Niebergall schrieb unter seinem Studentennamen Streff. Nieremberger, Benedikt Friederich, Deutsch- lateinisches Wörterbuch. Regensburg 1753. Nomenclator Latinogermanicus novus. Ex optimis quibusque authoribus, juxta varias rerum classes digestus. Tiguri 1556. Von Frisius(s. d.). Von S. 149 2— 203 b ist ein Nomenclator Germanicolatinus beigefügt. Noreen, Urgermanische Lautlehre. 1894. Notariat und teutsche Rhetorik. 1565. Notker, Ps.= Notker Psalmen. Notker Boethius, Martianus Capella, aristo- telische Abhandlungen, die Ausgabe von Graff. Nouveau dictionnaire Allemand-Frandois. Straß- burg 1762. Nürnberger Polizeiordnungen, hrsg. von Baader, Stuttgart 1861. Öheims Chronik von Reichenau, hrsg. von Barack. Stuttgart 1866. Olearius, Adamus, newe orientalische Reise- beschreibung. Schleßwig 1647. Angehangen mit eigner Seitenzahl„Ein Schreiben des Wol Edlen, Gestrengen und Vesten Hohen Albrecht von Mandelslow“. Schleßwig 1645. Moskowitische und Persianische Reisebe- schreibung, Hamburg 1696, darin: Persiani- sches Rosenthal. Persianischer Baumgarten. Ölinger, Albert, Vnderricht der Hoch-Teut- schen Spraach(Grammatica). Argento- rati 1574(am Ende 1573]), zitiert nach dem alten Druck, dessen Seitenzahlen im Neu- druck von W. Scheel Halle a. S. 1897 ange- geben sind, z. T. auch übertragen. Opel und Cohn, Der dreißigjährige Krieg. Eine Sammlung von historischen Gedichten. Halle 1862. Opitz, Martin, opera poëtica 1629. Amst.= Amsterdam. I. 1646. II. 1646. III. 1645. Das Buch von der teutschen Poeterey. Nach dem Neudruck bei Braune. Ein paar Mal nach Witkowski. Ordnungen, s. Reichsordnungen. b XVIII Orthographisches Handbuch. Bonn 1873. Ortnit, Im deutschen Heldenbuch III. Osthoff Etymologische Parerga. Leipzig 1901. Oswald v. Wolkenstein, hrsg. von Schatz. Göttingen 1904. Otfr. Otfried, Evangelienharmonie(Krist), Ausg. von Kelle. Regensburg 1856. Ottokars österreichische Reimchronik, hrsg. von Seemüller. Hannover 1890. Overbeck, Vermischte Gedichte. Lübeck 1794. Paracelsus, Opus chirurgicum. 1565. Passional, s. Hahns Passional und Köpke's Passional. Passionsspiel, s. Alsfelder Passionsspiel und Friedberger Passionsspiel. Paul, Jean, Sämmtliche Schriften. Berlin 1826 f. Auch nach den ersten Ausgaben. Pauls Grd.= H. Paul Grundriß der germani- schen Philologie. PBrBtr. s. Btr. Pegius Dienstbarkhaiten. Ingolstadt 1559. Persianischer Baumgarten. Hambg. 1696. Ein Teil des Werkes von Olearius, s. d. Peypus. Nomenclatura rerum domesticarum. Norimb. apud Fr. Peypus. 1530. Pfeffel poetische Versuche. Basel 1789—90. 4. Auflage. Tübingen 1802—9. Pfister, Chattische Stammeskunde. 1880. Picander, ernst-, schertzhaffte und satyrische Gedichte. 5 Bände. 1727—51. Pistorius thesaurus paroemiacus 1716. Platen, Aug. von, gesammelte Werke. Stutt- gart 1843. Platter, hrsg. von Boos. Leipzig 1878. Pomey(Pomai), Pranciscus, Das Grosse König- liche Wörterbuch, I. Teutsch-Frantzösisch- Lateinisch. Frankfurt am Mayn 1690. Etliche Beschreibungen(diverses descriptions), als Anhang zu„II. Frantzösisch-Lateinisch- Kassel Teutsch“. Auch 1709, zitiert als Grand dict. Prätorius Mägdetröster 1663. Preciosa, s. Wolff. Pudor, Christian, der Teutschen Sprache Grundrichtigkeit Und Zierlichkeit. an der Spree 1672. Cölln Rabener, Gottlieb Wilh., Satiren. 4 feile. Leipzig 1755. 1766. Rabenschlacht, im buch III. Rachel Sat.= Joachim Rachels Satyrische Gedichte hrsg. von K. Drescher. Halle 1903. Rädlein, europäischer Sprachschatz. Erster Teil. Leipzig 1711. Ramler, Karl Wilhelm, poctische Werke. Berlin 1800 u. 1801. Gedichte. Berlin 1779. Rauwolff, Beschreibung der Raiß... in die Morgenländer. Laugingen 1582. Rebhun, P. Susanna. Zwickau 1536. Dramen, hgb. von Palm. Stuttgart 1859. Regel, Karl, die Ruhlaer Mundart. Weimar 1868. Das mittelniederdeutsche Gothaer Arzneci- buch. Gotha 1872 f. Reichel, Eugen, Kleines Gottsched-Wärter- buch. Berlin 1902. deutschen Helden- Quellen. Reichsordnungen des Heyligen Römi- schen Reichs Ordnungen. Worms 1536. 1539. Mainz 1579. Reinwald, hennebergisches Idiotikon. Berlin 1793—1801. Renner, s. Hugo von Trimberg. Reuter, Christian, nach den Neudrucken bei Braune. 1696 erste Fassung, 21696 oder 1697 zweite Fassung des Schelmufsky. Richey, ldioticon Hamburgense. Hamb. 1743. 1755. Richthofen, Karl v., altfriesisches Wörter- buch. Ringwaldt, Christliche Warnung des Trewen Eckharts. 1590. Die lauter Wahrheit. 1586. 1598. Evangelia 1581. Robinson Crusoe, Leben und Begebenheiten des. Leipzig 1720. Vgl. Goedeke? 3, 263. Röding, J. H., Allgemeines Wörterbuch der Marine. Hamburg 1793 ff. Rollenhagen Froschmeuseler. Ein paarmal nach der alten Ausgabe von 1599 auf der Leipziger Universitätsbibliothek, dann nach Buch, Teil, Kapitel(Vers). Romanische Forschungen. Rondeau Neues Teutsch-Französisches Wörter- buch. Verbesserte Auflage. Leipzig 1765. Rößlin Kräuterbuch 1533. Rost, Johann Christoph, Versuch von Schäfer- erzählungen 1744. Als vermehrte Auflage: Versuch von Schäfergedichten 1768. Das Vorspiel 1742. Rot, Simon, Ein Teutscher Augspurg 1571. 1572. Roth, J. F., gemeinnütziges Lexikon. Auflage. Nürnberg 1791. Rothe Düringische Chronik, hrsg. von Lilien- cron 1859. rotwelsch, s. Kluge. Rückert Poetische Werke. Frankf. a. M. 1868. Gesammelte Gedichte. 6 Bde. Erlangen 1834. Rüdiger Neuester Zuwachs der teutschen Sprachkunde. Leipzig 1782— 93. Dictionarius. Neue Sachs, Hans, zitiert ohne Zusatz nach Keller. Ein paarmal sind alte Zitate Weigands, weil nicht auffindbar, stehen geblieben. W. be- nutzte I. Nürnberg 1590. II. 1591. III. 1588. IV. 1578. V. 1579. Die Fastnachtsspiele und Fabeln und Schwänke auch nach den Goetze- schen Neudrucken(Halle, Niemeyer), zit. Fastn., Fab. Sachsenspiegel, ud. hrsg. von Homeyer, ml. von Hildebrand. Salis, Gedichte. Zürich 1800. Sallust, übersetzt v. Pleningen. Worms 1513, 1515. Salomônis hüs, in Adrians Mitteilungen aus Handschriften usw. S. 417— 455. Sattler Teutsche Orthographey. Basel 1607. 1616. Schaidenreisser Odyssea. Augsburg 1538. Schambach, Georg, Wörterbuch der nieder- deutschen Mundart der Fürstentümer Göt- tingen und Grubenhagen. Hannover 1858. chede, Paul(Melissus), Die Psalmen Davids in teutische Gesangsreymen. Haidelberg 1572 8 Quellen. auch in den Neudrucken Nr. 144—148, hrsg. von Jellinek, Halle 1896). Scheible, Das Kloster. Stuttgart 1845. Das Schaltjahr. Stuttgart 1846. Scheibner Galant interprète. 1685. Scheidt Grobianus. Neudruck. Halle 1882. Schelmufsky s. Reuter, Chr. Scherffer, W. Gedichte. 1652. Der Grobianer. Brieg 1640. Schiller, Friedrich von. Es sind die ein- zelnen Werke und Gedichte zitiert und die Stellen den ältesten Drucken oder Karl Goedekes kritischer Ausgabe entnommen. Die Braut von Messina wurde, weil ohne Abteilung in Aufzug und Auftritt, nach der Seitenzahl des ersten Druckes(Tübingen 1803) zitiert. Schiller Karl, zum Thier- und Kräuterbuche des mecklenburgischen Volkes. 3 Hefte(Pro- gramme). Schwerin 1861— 1864. Beyträge zu einem mittelniederdeutschen Glossar. Schwerin 1867. Schiller und Lübben, Mittelniederdeutsches Wörterbuch. Bremen 1875—81. Schiltberger, Hans, Reisetagebuch. Heraus- gegeben von Langmantel. Tübingen 1885. Schiltbergers Reisen von 1394—1427. Hrsg. von Neumann. München 1859. Schmeller: Schmeller-Frommann, Bay- risches Wörterbuch. 2. Ausgabe. München 1872. Schmid, J. Chr. v., schwäbisches Wörterbuch. Stuttgart 1831. Schmidel Reise nach Südamerika(1534—54), hrsg. von Langmantel. Tübingen 1889. Schmidt(Prediger zu Werneuchen), Friedrich Wilhelm August, Gedichte. Berlin 1797. Almanach romantisch-ländlicher Gemählde. Ebenda 1798. Almanach der Musen und Grazien für das Jahr 1802. Ebenda 1802. Schmidt Klamer Eberhard Karl, poetische Briefe. Dessau 1782. Neue poetisch. Briefe. Berlin 1790. Ohne Beisetzung des Namens erschienene Erzählungen aus der Geschichte der Actäontischen Nachkommen. Berlin 1789. Komische und Humoristische Dichtungen. Berlin 1802. Schmidt westerwäldisches Idiotikon. mar 1800. Schnabel, Ludwig, Wunderliche Fata einiger Seefahrer. I. Nordhausen 1731. II. Halber- stadt 1772. III. Nordhausen 1739. IV. Ebd. 1743. Soweit der Neudruck, die Insel Felsenburg, hrsg. von H. Ullrich vorliegt, danach ange- führt. Schönsleder, Wolfgang, promptuarium ger- manico-latinum. Augustae Vindelicorum 1618. Monachii 1647. Dillingen 1663. Schöpf, tgirolisches Idiotikon. Innsbruck 1866. Schottelius, Justus Georg, Teutsche Sprach- kunst. Braunschweig 1641. Die 1663 er- schienene dritte Auflage, auch bloß Schotte- lius zitiert, unter besonderem Titel,„aus- führliche Arbeit von der Teutschen Haubt- Sprache“. Schrader, Otto, Reallexikon der indogerma- Hada- nischen Altertumskunde. 1901. XIX Schröer Vocab., lateinisch-deutsches Voca- bular von 1420. Presburg 1859. Beitrag zu einem Wörterbuch der deutschen Mund- arten des ungrischen Berglandes. Wien 1857 bis 1859. Gottscheewer Mundart. Wien 1869. Schubart, Christian Friedr. Daniel, Gedichte. 2 Bde. Frankfurt a. M. 1787. Schulze, W., Zur Geschichte lateinischer Eigennamen. Göttinger Ges. d. Wiss. (Schummel, Joh. Gottlieb), Spitzbart, eine komi-tragische Geschichte für unser päda- gogisches Jahrhundert. Leipzig 1779. Schupp ius), Balthasar, Schrifften. Hanau 1663. Schütz, Siegerländer Idiotismen, in den Jahres- berichten der höheren Bürger- und Real- schule zu Siegen 1845 u. 1848. Schütze, Johann Friedr., holsteinisches Idio- tikon. 4 Teile. Hamburg 1800 ff. Schwartzenbach, Leonhard, Synonyma. Frankfurt a. M. 1580. Schwarzenberg, J. v., der teütsch Cicero. Augsburg 1534. Schweinichen, Hans, Leben und Abenteuer, hrsg. von Büsching. Leipzig 1823. Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache. Bearbeitet von F. Staub u. L. Tobler. Frauenfeld 1881 ff. Scriptores rerum Silesiacarum, herausg. von Stenzel. Sebiz, Melch., Siben Bücher von dem Feld- bau. Straßburg 1580. Serapeum, Zeitschrift für Bibliothekswissen- schaft. Leipzig 1840. Serranus, dictionarium latino-germanicum, Norimbergae 1539. Synonymorum libellus, Norimbergae 1552. Sleidanus, übersetzt von Stamler 1557. Soltau, Ein Hundert deutsche YVolkslieder. Zweite Ausgabe. Leipzig 1845. Zweites Hundert. Hrsg. von Hildebrand. Lpzg. 1856. Soranus epitome quatuor librorum Conr. Gesneri de historia animalium. 1571. 1587. Spee Trutz-Nachtigal, hrsg. von G. Balke. Leipzig 1879. Sperander, à la Mode-Sprach der Teutschen Fremdwörterbuch). Nürnberg 1727, 1728. Der eigentliche Name des Verfassers ist F. Gladow. Städtechroniken s. Chron. d. d. Städte. Stalder, Versuch eines schweizerischen Idio- tikon. Aarau 1812. Steinbach, Deutsches Wörterbuch 1725. Voll- ständiges deutsches Wörterbuch 1734. Steinmeyer-Sievers Althochdeutsche Glos- sen. 4 Bde. Berlin 1879 ff. Stieler, C. Der Teutschen Sprache Stamm- baum und Fortwachs. Nürnberg 1691. Stolberg, Christian und Friedrich Leopold, Gedichte. Leipzig 1779. In 2 Bändchen. Leipzig 1821. Stoppe, Neue Fabeln. 1735. Stoer. Dictionarium Germanico-Gallico-Lati- num. Genevae, Stoer, 1662. 2. Teil des Dictionnaire François-Alleman-Latin et Alle- man-François-Latin, par Jacob Stoer. Geneve, Stoer, 1664. Gedichte 1728. Parnaß p* XX Straßburger Zunft- und Polizeiverordnungen. Zusammengest. von J. Brucker. Straßb. 1882. Streff, E., s. Niebergall. Strodtmann, Idioticon Osnabrugense. Leip- zig 1756. Stumpff, Joh., Gemeiner Eydgnoschafft Chro- nik. Zürich 1548. Zweite Ausgabe: Schweytzer Chronik. Zürich 1606. Stürenburg, C. H., ostfriesisches Wörter- buch. Aurich 1857. der sunden widerstrit, Gießener Handschrift von 1278. Nach der Seitenzahl derselben und auch zuweilen nach der Verszahl von Weigands Abschrift zitiert. Tabernämontanus Kräuterbuch. 1588. Teichner. Uber Heinrich den Teichner, von Karajan. Wien 1855. Teuerdank, herausg. von Haltaus. Quedlin- burg 1836. Teuthonista, G. von der Schueren's Teu- thonista of Duytschlender. 1477. Leiden 1804. In eene nieuwe bewerking uitgegeven door! J. Verdam. Leiden 1896. Teutscher Michel. Ein new Klaglied, Teutsche Michel genannt. o. O. 1617. Theatrum diabolorum, Frankf. 1575. 1587. Thomas(ius), Einleitung, Sittenlehre u. a. Schriften. Thümmel, Moritz August von, Wilhelmine, Leipzig 1769, auch mit Berücksichtigung der ersten Ausg. von 1764. Reise in die mittäg- lichen Provinzen von Frankreich im Jahr 1785— 1786. 10 Teile. Ebd. 1791— 1805. Thurneysser Onomasticon. 1588. Tieck gesammelte Novellen. Breslau 1847. Schriften. Berlin 1828—54. Tobler, appenzellischer Sprachschatz. Zürich 1837. Tristan, Ausg. von Maßmann. Leipzig 1843. Trochus, Baldassar, vocabulorum rerum promptuarium. Lipsiae 1517. Tscherning Deutscher Gedichte Frühling. Breslau 1642. Uhland, Ludwig, Gedichte. Stuttgart und Tübingen 1839. Volkslieder. Stuttgart 1844. Uhlenbeck, kurzgefaßtes Etymologisches Wörterbuch der gotischen Sprache. 2. Aufl. Amsterdam 1900. Der Unartige teutsche Sprachverderber. 1643. Veith Deutsches Bergwörterbuch. 1871. Vilmar Idiotikon von Kurhessen. 1868. Vintler Die pluemen der tugend. Herausg. von Zingerle. Innsbruck 1874. Virginal, Im deutschen Heldenbuch, V. voc. oder vocab. vocabularius, vocabularium. voc. ex quo, Eltuil 1469. voc. gemma gemmarum. Köln 1495. Breslau Marburg Straß- burg 1505. 1508. Hagenau 1510. Vgl. Gemma. voc. incip. teut., vocabularius incipiens teu- tonicum ante latinum. Gegen oder um 1500. voc. Opt.= vocabularius optimus, aus dem 14. Jh., hrsg. von W. Wackernagel. Basel 1847. Quellen. vocabularius optimus. voc. praed.= Melber. vocabula pro juventute scholastica 1517. voc. rerum s. Brack. voc. theut.= vocabularius theutonicus. Nürn- berg 1482. Voß, Johann Heinrich. Luise, Königsberg 1823. Idyllen, Leipzig. Gedichte, Königsberg 1802. Die tausend und eine Nacht, arabische Erzählungen. Aus dem Französischen(des Herrn Anton Galland) übersetzt. 6 Bände. Bremen, 1781—1785. Briefe. 1829—38. Liptzk 1501. Wachter, Georg, Glossarium germanicum. Leipzig 1737. Wächtler Commodes Manual oder Handbuch 1711. 1714.(Soeben wird mir eine ältere Ausgabe von 1703 zugänglich, die fast den gleichen Stoff zu enthalten scheint, so daß die meisten Belege auf dieses Jahr zu setzen sind). Wackernagel, Wilhelm, altdeutsches Lese- buch. Fünfte Aufl.(1873), auch die vierte Aus- gabe(1861). Wörterbuch zum altdeutschen Lesebuch. Die Umdeutschung fremder Wor- ter. Basel 1863. Altdeutsche Predigten, s. Altdeutsche Predigten und Gebete. Wagner, Heinrich Leopold, die Kindermör- derin. Neudruck Heilbronn 1883, in dem die Seitenzahlen des ersten Druckes ange- geben sind. Walde, Lateinisches etymologisches Wörter- buch. Heidelberg 1906. Waldis, Burkhard, Esopus, nach Buch und Nummer der Ausgabe von H. Kurz. Leip- zig 1862. Streitged.= Streitgedichte gegen Herzog Heinrich den Jüngern von Braun- schweig. Hrsg. von Koldewey. Halle 1883. Wallhausen, Corpus militare. 1617. Kriegs- kunst zu Pferde 1616. Kriegß Manual 1616. Walther, Walther von der Vogelweide, hrsg. von Karl Lachmann. Weber, Johann Adam, Teutsch-Lateinisches Universal-Wörter-Buch(Zweiter Teil des kurz gefaßten Lateinisch-Teutschen und Teutsch-Lateinischen Universal- Wörter- buches). Chemnitz 1734. Die Seitenzahlen sind nach dem deutsch-lateinischen Teil zitiert. Verglichen ist die dritte von Johann Daniel Heyde besorgte Ausgabe in 3 Teilen (Dresden 1770), deren dritter das deutsch- lateinische Universal-Wörterbuch enthält. Weckherlin, G. R., Gedichte, herausg. von Fischer. Tübingen 1894—1907. Wedels Hausbuch. Tübingen 1882. Weim. Jahrb.= Weimarisches Jahrbuch für deutsche Sprache. Hannover 1854. Weinhold, Karl, Die Deutschen Monats- namen. Halle 1869. Beiträge zu einem schle- sischen Wörterbuch. Gieſſen 1857. Weise, Chr., Die drei ärgsten Erznarren in der ganzen Welt. Abdruck der Ausgabe von 1673. Halle 1878. Politischer Näscher. Catharina bei Kürschner. Der betrogne Betrug. 1678. Weismann, Erycus, lexicon bipartitum, latino- germanicum et germanico-latinum. Stutt- gardiae 1715. Auch 1703 in der ersten Aus- Quellen. gabe des deutsch-lateinischen Teiles zitiert, mit welcher ganz der von 1713 stimmt. Weisth.= Weisthümer, gesammelt J. Grimm. Göttingen 1840 fg. Weibe, Christian Felix, Gedichte. 3 Bände. Leipzig 1772. Trauerspiele. 5 Teile. Ebd. 1776— 1780. Lustspiele. 3 Bände. Ebd. 1783. Komische Opern. 3 Teile. Ebd. 1777(ver- glichen die Ausg. 1768— 1772). Der Kinder- freund. 12 Teile. Ebd. 1780— 1782. Jagd. Weller Dichtungen des 16. Jh. Tübingen 1874. Welser-Werlichius Augsburgische Chronica. Frankf. 1595. Werlhof, Paul Gottlieb, Gedichte. nover 1749. Werner, Rechtschreibung 1629. Wickram, Rollwagenbüchlein, hrsg. von Kurz. Werke, hrsg. von J. Bolte. 8 Bände. Tübingen 1901—6. Wiedemann, Mich., hist. poetische Gefangen- schaften. Leipzig 1690. Monatsweise zitiert. wieland, Christoph Martin. Comische Er- zählungen. 1768. Dieselben sind einzeln mit der Verszahl zitiert. Idris. Leipzig 1768. Der neue Amadis. 2 Bände. Ebd. 1771. Die Abderiten. 2 Teile. Ebd. 1781. Oberon. Ebd. 1792. Nach Gesang und Strophenzahl zitiert. Horazens Briefe. UÜbersetzt. 2 Teile. Dessau 1782. Horazens Satyren, aus dem Lat. übersetzt. 2 Teile. Leipzig 1786. Ge- heime Geschichten des Philosophen Pere- grinus Proteus. 2 Teile. Ebd. 1791. Sämmt- liche Werke. Leipzig 1794 ff. Dazu 6 Supple- mentbände 1797—98. von Han- Wiener S. B.= Sitzungsberichte der K. Akademie der Wissenschaften in Wien. Phil.- hist. Klasse. wierstraat= des Stadt-Secretarius Christia- nus Wierstraat Reimchronik der Stadt Neuss. Herausg. von Grote. Köln 1855. Auch in den Chroniken der deutschen Städte XX, 479 ff. Wigalois, Ausg. v. Franz Pfeiffer. Leipzig 1847. Wilhelmi, Joh. Gerlacus, Lexicon Germanico- Latinum, als zweiter Peil seines Lexicon proso-metricum Latino-Graeco-Germanicum. Francofurti ad Moenum 1706. williram, Ausg. v. H. Hoffmann, Breslau 1827; von J. Seemüller, Straßburg 1878. Wilwolt von Sschaumburg. 1507. Hrsg. von Keller. Stuttgart 1859. Withof, Johann Philipp Lorenz, academische Gedichte. 2 Teile. Cleve und Leipzig 1782 und 1783. XXI Wolfdietrich, im deutschen Heldenbuch III. Wolff, Christian, Vollständiges mathemati- sches Lexicon. Leipzig 1716. 1734. 1746. Wolff, Pius Alexander, Dramatische Spiele. I(worin 59— 200 Preciosa). Berlin 1823. Wolfram v. Eschenbach Parzival, hrsg. von Lachmann. Berlin 1854. Wtbch. d. d. Syn. Weigands Wörterbuch der deutschen Synonymen. Mainz 1852. Württembergische Zollordnung von 1661. Wyle, Translationen von Niclas von Wyle, hrsg. von Keller. Stuttgart 1861. Zacharià, Friedrich Wilhelm, Scherzhafte Epische und Lyrische Gedichte. 2 Bändoe. Braunschweig und Hildesheim 1761. Die einzelnen epischen Gedichte sind mit Na- men und Verszahl zitiert. Die Tageszeiten. Zweyte Aufl. Rostock 1757. Die vier Stufen des weiblichen Alters. Ebd. 1757. Renommist. Poetische Schriften. Braunschweig 1772. Zauber-Lex.= Onomatologia curiosa artifi- ciosa oder ganz natürliches Zauber-Lexicon. 2. Aufl. Nürnberg 1764. Zehner Nomenclator 1622. Zeiller Episteln 1644. Zeit.-Lex.= Christian Weisens Curieuse Ge- danken von den Nouvellen oder Zeitungen . und dann Ein... Zeitungs-Lexikon. Frankfurth u. Leipzig 1703. Zeitschrift des Vereins für Volkskunde. Zernitz, Christian Friedrich, Versuch in mora- lischen und Schäfer-Gedichten. Hamburg u. Leipzig 1748. Zernitz starb am 1. Febr. 1745. Zesen, Deutscher Helikon 1641. 1649. Adria- tische Rosemund 1645. Neudruck von Jelli- nek. Halle 1897. Rosenmand. 1651. Ibrahim. 1645. Dégens Kriges Baukunst 1648. ZfdA.= Zeitschrift für deutsches Altertum. Zfhd Ma.= Zeitschrift für hochdeutsche Mund- arten. ZfdPh.= Zeitschrift für deutsche Philologie, hrsg. von Ernst Höpfner und Julius Zacher. Halle 1869 ff. ZfId W.= Zeitschrift für deutsche Wort- forschung. Zimmerische Chronik, hrsg. von Barack. 2. Aufl. Freiburg 1881. Zinegref Apophthegmata 1626. 1631. 1639. Auch Amsteldam 1653, fünf Teile. Zupitza, Ernst, Die germanischen Gutturale. Berlin 1896. Bei Anführung von Schauspielen deuten die beigesetzten Zahlen Aufzug und Auftritt an. Verzeichnis vorkommender Abkürzungen. A...= alt... a. a. O.= am angeführten Ort. ABL.= Ableitung. ab(ul)g.= altbulgarisch(auch altkirchenslavisch genannt). adj.= adjektivlisch). adv.= adverbial). afrfän)k. ä= altfräankisch afr(an)z.= altfranzösisch. afr(ie)s.= altfriesisch. agerm.= altgermanisch. ags.= angelsächsisch. ahd.= althochdeutsch(hoch- deutsch vom 7. bis ins 12. Jh.) ailnd).= altindisch. a(lt)ir.= altirisch. aisl. altisländisch. a(lt)kelt. altkeltisch. Akk.= Akkusativ. akymr.= altkymrisch. alb. albanesisch. alem.= alemannisch. älternhd. älterneuhoch- deutsch. an.= altnordisch. a(it)rom.= altromanisch. an. s. anord. and(d).= altniederdeutsch(die kleinern altniederdeutschen Sprachdenkmäler bezeich- nend). andfr(än)k.= altniederfrän- kisch. andl.= altniederländisch anord).= altnordisch. Anm.= Anmerkung. apers.= altpersisch(Sprache der pers. Keilinschriften). apreuf. altpreußisch(die Sprache der alten Preußen, s. 0O. Berneker). arab.= arabisch. aram.= aramäisch. arm.= armenisch. Art.= Artikel. asächs.= altsächsisch (Sprache des Heliand). awest). awestisch. Grdbed. bayr.= bayerisch. Bch.= Buch. bed.= bedeutet, bedeuten. Bed.= Bedeutung. Bedd.= Bedeutungen. bes.= besonders. Bez.= Beziehung, Bezug. bildl.= bildlich. Bl.= Blatt. bret.= bretonisch. chin.= chinesisch. czech.= tschechisch. d. vgl. s. d. d. i.= das ist. dän.= dänisch. Dat.= Dativ. dial.= dialektisch. dim.= diminutiv. ebd.= ebenda. eig.= eigentlich. els(äss.)= elsässisch. engl.= englisch. entl.= entlehnt. f., F(em).= Femininum. Fakt.= Faktitivum. .= folgende. flekt.= flektiert. flg.= folgend. fr(än)k.= fränkisch. fr(an)z.= französisch. fries.= friesisch. frühnhd.= frühneuhoch- deutsch. gall.= gallisch. Gen.= Genitiv. germ.= germanisch. gew.= gewöhnlich. gl(eich)bd.= gleichbedeutend. got.= gotisch. gr.= griechisch. Gramm.= Grammatik. Grundbedeutung. H.= Hälfte, z. B. 1. H. erste Hälfte. hd.= hochdeutsch. hebr.= hebräisch. hess.= hessisch. hochd.= hochdeutsch. holst.= holsteinisch. Hs.= Handschrift. Id.= Idiotikon. Imp.= Imperativ. impers.= impersonal. Inf.=« Infinitiv. insbes.= insbesondere. Interj.= Interjektion. intrans.= intransitiv. ion.= ionisch. ir.= irisch. isl.= isländisch. ital.= italienisch. Jh.= Jahrhundert. Kap.= Kapitel. kärnt.= kärntisch. kelt.= keltisch. Komp(ar).= Komparativ. Konj.= Konjunktion. Konj.—⸗ Konjunktiv. korn.= kornisch. kurhess.= kurhessisch. kymr.= kymrisch. lad.= ladinisch. laus.= lausitzisch. lat.= lateinisch. leipzig.= leipzigerisch. lett.= lettisch. Lex.= Lexikon. lit.= litauisch. m...= mittel... m.= Maskulinum. Mask).= Maskulinum. Ma.= Mundarten. md.= ĩ mitteldeutsch(Sprache Mitteldeutschlands vom 12. bis ins 15. Jahrhundert). mengl.= mittelenglisch. mhd. mittelhochdeutsch (hochdeutsch von 1150 bis gegen 1500). mlat. mittellateinisch. mnd(d).= mittelniederdeutsch (s. Schiller und Lübben, und Lübben). mndfrk.= mittelniederfrän- kisch. mndl.= mittelniederländisch. mrhein.= mittelrheinisch. mundartl.= mundartlich. n...= neu... n. N.= Neutrum. nass.= nassauisch. nd...= nieder... nd(d).= niederdeutsch(platt- deutsch). ndfränk.= niederfränkisch. ndl.= niederländisch. nengl.= neuenglisch. nfr(an)z. neufranzösisch. nhd.= neuhochdeutsch. nlat. u.(neul.)= neulateinisch. nnd.= neuniederdeutsch. nndl.= neuniederländisch. Nom.= Nominativ. nordd.= norddeutsch. Norddtschld.= Nordeutsch- land. norw.= norwegisch. npers.= neupersisch. n(eu)prov.=neuprovenzalisch. n(d)rhein.= niederrheinisch. Ntr.= Neutrum. obſer)d.= oberdeutsch. ober)hess.= oberhessisch. obsächs.= obersächsisch. od.= oder. omd.= ostmitteldeutsch. osk.= oskisch. oss.= ossetisch. öst.= österreichisch. ostfr(än)k. ostfränkisch. Abkürzungen. Part.= Partizipium. Pass.= Passiv. Perf.= Perfektum. Pers.= Person. Pl(ur).= Plural. polab.= polabisch. poln.= Polnisch. pomm.= pommerisch. port(ug).B= portugiesisch. Präp.= Präposition. Präs.= Präsens. Prät.= Präteritum. preuß.= preußisch(die Sprache der Provinz Preußen). prov(enz).= provenzalisch. RA.= Redensart. rätorom.= rätoromanisch. refi.= reflexiv. rhein.= rheinisch. rom.= romanisch. russ.= russisch. S.= Seite, auch sieh. s.= sSiehe. sächs.= sächsisch. SB.= Sitzungsberichte. schles.= schlesisch. schw.= schwachbiegend. schwäb.= schwäbisch. schwed.= schwedisch. schweiz.= schweizerisch. s. d.= siehe dieses. selt.= Selten. sem.= semitisch. serb.= serbisch. Sg.= Singular. skr.= sanskrit. slav.= slavisch. slov.= slovenisch. sorb.= sorbisch. span.= spanisch. spätahd.= spätahd. spr.= sprich. st.= statt. stk= starkbiegend. XXIII Subst.= Substantiv. südd.=— siddeutsch. Süddtschld.= Süddeutschland. Sup.= Superlativ. s. V.= sub v. ce(unter dem Wort). s. V. a.= SOviel als. s. v. W.= soviel wie. thür.= thüringisch. thrak.= thrakisch. tirol.= tirolisch. trans.= transitiv. tschech.= tschechisch. türk.= türkisch. u.= und. übertr.= übertragen. umbr.= umbrisch. u. o., u. 6.= und oft, und öfter. unpers.= unpersönlich. urspr.= ursprünglich. urverw.= urverwandt. usw.= und so weiter. = Verb. V.= Vers. Vb.= Verbum. verw.= verwandt. vgl.= vergleiche. wend.= wendisch. westfl.= westfälisch. wetterau.= wetterauisch. Wtbch.= Wörterbuch. Wz.= Wurzel. zgs.= zusammengesetzt. ZzUS.= Zusanunensetzung. Zss.= Zusammensetzungen. zuw.= zuweilen. *= erschlossene, nicht be- legte Form. ——= bis, z. B. 15.—18. Ih. (in Wortern, z. B. ahd. hlinén bedeutet, daß hlinén und linên vorkommt. Aas 2 a, der erste Buchstabe des Alphabets. Re- densart: das 4 und das O, das Erste und das Letzte»(Offenb. Joh. 1, 8), denn A ist der erste und das lange O der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets. -a,-ach, Endung bei Fluß- und danach bei Ortsnamen, 2. B. Fulda, Salzach. Mhd.-ã und ahe, ahd.-ũ und-aha. Urspr. ein selbständiges Wort(als Flußname Aa, Achef. noch erhalten), in der Bedeutung fließendes Quellwassers, mhd. ahe, ahd. ahaf. Wasser, Fluß; dazu asächs. aha, ags. éa, anord. 6, schwed. d, dän. aa, got. alba f. Flufß. Verwandt ist lat. aqua f.«Wassery; viel- leicht aind. agva- in ägvãvant-«wässerig» und kam Wassery. Vgl. Zupitza Gutt. 60, Walde s. v. aqua, dagegen Uhlenbeck Btr. 30, 257. Eine Nebenform ist-aff, 2. B. in Aschaff(ndd. -ep, 2. B. in Lennep), ahd.-affa, die auf ein kelti- sches apa(p für gu eingetreten) zurückgehen soll. Doch vgl. Bremer Pauls Grd. 21,774.801 f. ä, Interj. des Verabscheuens(Pfui! as ist das ein ã Geschmack, Goethe Satyros 1). Schon 1573 bei Ölinger Gramm. 165 dh als Adv.(Interj.) des Spottens, Höhnens neben pfuy, pfudich und bäh; ä als Interj. des Scheltens 1541 bei Frisius 399², auch des Nachrufens und Klagens bei Maaler 11. Aal, m.(s, Pl.-e), schon bei Dasypodius 1537 Aal. Aus mhd. ahd. ãl m.; dazu ndl. aal, ags. El, engl. eel, anord. ãll, schwed. dl, dän. aal m. Kaum nach E. Schröder ZfdA. 42,63 aus *õdlos«der eßbare Fisch» oder der Fresser», vielmehr besteht wohl Verwandtschaft zu dem 2. Teil von lat. angu-illa f. gr. Erx-Auc f.«Aaly. Der Pl. lautet älternhd. wie im mhd. gewöhn- lich Ale(so noch 1773 Goethe im Götz, d. j. Goethe 2, 344), doch Aale schon bei Henisch 1616, seit Adelung(der Ale nur aus der Schweiz kennt) Regel. Aalbaum,-“eere, s. Albaum, beere. Aalraupe, f.(Pl.): breitmäuliger und breitköpfiger aalähnlicher Fisch, gadus lota. Mhd. bloß rupe(rüpe?), ruppe, ahd. ruppa, da- neben mhd. rutte f., entlehnt aus lat. rubéta f. Prosch, Krötey, wohlwegen Ahnlichkeit in der weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. Kopfgestalt mit der Froschbrut. Zusammenges. Alrup bei Alberus Fab. 19, 144, Aalrupp 1563 in Forers Fischbuch 172 neben Rup, Raup, später wird Aalraupe herrschend(doch Aal- ruppe noch bei Adelung 1793). Im Ndd. gleich- bedeutend Aalquappe, s. Ouappe. Aar, m.(s, Pl.-e):(dichterisch) Adler. Aus mhd. ar, ahd. aro m.; dazu anord. are, got. ara, daneben(mit andrer Suffixbildung) mhd. ahd. arn, ndl. arend, ags. earn, anord. schwed. örn, dän. örn. Verwandt sind abg. orilä, lit. erélis, preuss. arelis, kymr. eryr, bret. er Adlery; das griech. öpvic m. f. scheint als Grundbedeutung«Vogel» zu erweisen(vgl. auch mnd. dũf-arne m. Täuber»). Luther ge- braucht das sonst im 16. Jh. häufige Wort (z. B. bei Hans Sachs, Aventin, Mathesius, Fischart, Arn bei Waldis, Ringwald, Rollen- hagen) nicht(nur das Komp. Fischar), daher wird esspäterungebräuchlich(Schottel, Stieler, Dentzler, Rädlein, Steinbach verzeichnen es nur in der schon im 15. und 16. Jh. auftre- tenden Bed.«Falke, Habicht, Sperberꝰ, oder Geier», Frisch 1741«jeder große Raubvogel, besonders Adler»), in der zweiten Hälfte des 18. Jh. lebt es(im Anschluß an das im Nd. erhalten gebliebene Arn) als poetisches Wort wieder auf, von Bürger, Voß u. a. gebraucht, während es Schiller nur 11, 295, Goethe im Faust 5462 verwendet. Vgl. v. Bahder Btr. 22, 520 f. Die ursprüngliche schwache Flexion ist fast ganz der starken gewichen(Adelung 1793 verlangt noch den Pl. Aaren). 1Aas, n.(Gen. Aases, Pl. Aser): verwesendes Fleisch; Schimpfwort. Aus ahd. mhd. ds n., dazu mnd. ds, ndl. aas, ags.&s n., altes f- Parti- zipium(εtto-) von essen, also eigentl.«Speise der Raubtiere und Vögel». Bei Luther aß mit gleichlautendem Pl., bei Dasypodius 1537 auf, bei Gueintz 1645 Aus. 48L. aasen, v.: das Fleisch von dem Felle schaben beim Gerben (bei Frisch 1741);(in etwwas a.) in unrein- licher Weise in etwas, z. B. einer Speise, herum- wühlen, es vergeuden(norddeutscher, von Heynatz 1775 verzeichneter Ausdruck). 1 3 Aas Abele 4 2Aas, n.(Gen. Ases; besser 46 zu schrei- ben): Viehfutter. Mhd. ahd. ãz n. ist allge- meiner«Speisey. Dazu asächs. anord. ãt n., ags. ct m.«Speisey Dehnstufige Bildung von essen, entspricht abg. jadi f., lit. édis m.«Speise?. Vgl. auch Walde s. v. jejunus. 4 BL. aaßen, v.: fressen(vom Wilde). Als weidmänn. Aus- druck bei Jablonski 1721. S. äsen. ab: weg von, nieder von. 1) Präp. mit Dat., veraltet und nur noch obd.(bei Hebel, Gotthelf) z. B. ab den Bergen«nieder von den Bergenv. Das kaufmännische Hambarg ist verkürzte Ausdrucksweise für von H. ab. In Zusammensetzungen: abhanden, abseiten (. d.). 2) Raumadv. In der verbalen Zu- sammensetzung bezeichnet es auch bloß die Vollendung der Tätigkeit, z. B. ablaufen, ableben, abschließen, die Erschöpfung der Tätigkeit in bezug auf ein Objekt, z. B. ab- engstigen, abfüttern, abprügeln, sowie die Ubertragung auf ein anderes, z. B. abhbilden, abdrucken. In der nominalen Zusammen- setzung kann 45- zur Bezeichnung des Ver- kehrten, Minderwertigen, Negativen stehen, so schon ahd. in abgot und weiter ausgebreitet im Mhd., indem es vielfach an Stelle eines ältern ã- tritt, so mhd. abegunst f.«Mißgunst» neben ãgunst, ahelcust f.«Schlechtigkeity neben ãäkust, abewitze f.«Torheite neben dwitze (vgl. aber-, after-). Viele Zusammensetzungen wie Abbild, Abdruch haben sich von den verbalen aus entwickelt. Mhd. abe, ab, ahd. aba; dazu asächs. ndl. af, ags. engl., anord. schwed. dän. a†, got. f«von», verwandt mit, skr. dpa«ab, hinwegy, gr. ânò«vons, lat. ab, alb. prapo«wieder, zurück»(aus*eαφe⁴ñꝙoñ), lit. in apaba«der untere Teil». Bei Luther und sonst im ältern Nhd. kommt auch noch die Form abe vor, die archaisierend auch Goethe, Faust 11 191(abestürzt), Pandora 762(mit abegewendetem Blick) braucht(aber abe als Ausruf bei Schiller Räuber 4, 3 ist dialektisch für abhin= hinab). Abart, f.(Pl.-en):(veraltet) herunterge- kommene Art(so noch Schiller Räuber 1, 1); Nebenart, Spielart(von Adelung 1774 als naturwissenschaftlicher Ausdruck angeführt). Von abarten, v.: aus der Art schlagen. Bei Comenius 1640. abäschern, v.: sich abmüden. Eig. sich beim Aschern(s. d.), cbeizen mit Asches müde machen. Bei Adelung 1774 abeschern. Abbild, n.(-es, Pl. er): Wiedergabe eines Bildes. Schon frühnhd. vorkommend(1515 Sallust N6 abpild), aber erst in der neuern Dichtersprache üblicher geworden. Von ab- bilden, v.: frühnhd.(auch bei Luther). Abbiß, m.(Gen. 45b5b sses): die Pflanze scabiösa succisa. Eig. Teufels A. Der Name, weil die unten wie abgebissen aussehende stumpfe Wurzel nach dem Volksglauben vom Teufel abgebissen ist. In frühnhd. Glossaren (Dief.-Wülcker 4). abblitzen, v.: ohne Erfolg abziehen, mit einem Anliegen schroff abgewiesen werden. Erst in der neuern Sprache. Bildlich aus der bei ältern Schießgewehren vorkommenden Bed.«aufblitzend ohne Erfolg verfliegenv(das Pualver duf der Pfanne, das Geuvehr hlitzte 45). abbreviieren, v.: Wörter in der Schrift abkürzen. Aus mlat. abhrevicre abkürzen?. In der frühnhd. Kanzleisprache. 4 BL. Ab- breviatur, f.: Abkürzung(Reichsordnungen 82² vom J. 1512), aus mlat. abbreviatra. Abbruch, m.(-es, Pl. Abbrüche): das Ab- brechen; Schädigung, Beeinträchtigung. Spät- mhd. abebruch m. Die 2. Bedeutung(jetzt nur noch in 4. lan) schließt sich an mhd. abebrechen, älternhd. abbrechen(mit Dat.) c«wegnehmen, entziehen, schädigen» an. Abe, n.(*J, Pl.-e): die(nach den drei ersten benannten) Buchstaben in ihrer Reihenfolge (1452 bei Janssen Frankf. Reichscorr. 2, 118); die Anfangsgründe einer Wissenschaft. ZUS. Abebuch, n.(in frühnhd. Glossaren). Abe- schütz, m.(-en, Pl.-en): Anfünger im Lesen- lernen(bei Stieler 1691). Im 15./16. Jh. wurden die jüngern Schüler, die von den ältern unter- richtet wurden, Schützen genannt(Schmeller* 2, 493 von 1418.) Abdachung, f.(Pl.-en): allmühliche Nei- gung einer Fläche wie bei einem Dache. 1616 bei Londorp Acta publica 1, 153 b. abdanken, v.: 1) intrans.(veraltet) eine Dankrede halten, bes. bei einem Leichenbe- gängnis; sein Amt(eig. dankend) niederlegen. 2) trans. jemand(eig. mit Danx) verabschie- den. Das ältere Nhd. kennt dies a. nur mit dem Dativ, der trans. Gebrauch tritt zuerst bei Comenius 1640 auf; a. sein Amt nieder- legen» bei Stieler 1691. Abdecker, m.(*s, Pl. wie Sg.): Schinder. Eig. der dem gefallenen Vieh die Decke d. i. Haut abzieht. Im 16. Jh. Von dem veralteten abdecken die Haut abziehen, schindens(Lilien- cron 4, 56, v. J. 1532). abdrieseln, s. abtröseln. Abéle, f.(Pl.-n): Pappel. Von Voß aus 5 Abend abermal 6 dem Ndd.(schon mnd. abele) aufgenommen. Verkürzt rheinfränk. Belle f. Mit ndl. aheel m., engl. abele aus afranz. quchel(auf lat. albellus für albulus«weib» zurückgehend) ent- lehnt. Vgl. Alber. Abend, m.(-o, Pl. e): Zeit, dann auch Ge- gend des Sonnenunterganges. Aus mhd. äbent, ahd. übant m.; dazu asächs. äband, ndl. avond, ags. Sfen und sfning, wovon engl. evening. Das Wort enthielt ursprünglich ein t hinter dem Labial, wie anord. aplann, schwed. afton, dän. aften m. zeigen. Vgl. Brugmann Idg. Forsch. 5, 376 f. Vielleicht zu gr. 5 ε«nachher, spät», ônd ο Nachsommer». Davon abends, genetivi- sches Adv.(bei Luther). 4BL. abendlich, adj., mhd. äbentlich, ahd. äbantlih. Z0S. Abendbrot, n.: Abendessen, in der nordd. Umgangssprache(schon spätmhd. ãbentbrötn.). Abendland, n.: Okzident, im ältern Nhd. nur im Pl. Abendländer(noch Adelung be- zeichnet den Sg. als ungebräuchlich). Abend- mahl, n., mhd. äbentmãl«Abendessen,, seit Luther Bezeichnung des am Abend eingesetzten Sakraments des Altars und im urspr. Sinn wenig mehr gebräuchlich. Abendrot, n., mhd. ãbentrõt m. und n., mit Anlehnung an rôt, nach dem bereits ahd. abgeleiteten tagaröt m., ags. dœgrédn. Morgenrots gebildet. Abendstern, m., mhd. ãbentsterne, ahd. äbantsterno. Abenteuer, n.(‧s, Pl. wie Sg.): wunder- bares Erlebnis; ritterliches Wagnis; dessen Eræählung;(erst frühnhd.) seltsame Gestalt, Mißgestalt. Aus mhd. ãventiure f., entlehnt aus frz. aventure, mlat. adventura f.(von ad- vendre«zukommen, sich ereignen»). Das ur- sprüngliche f. nur vereinzelt im ältern Nhd. (z. B. bei Gryphius, Grimmelshausen) erhalten. Altere nhd. Nebenformen sind Ebenteuer(so bei Luther und bei einigen noch im 18. Jh.) und(ausdeutend) Abendteuer. 4BL. aben- teuerlich, adj., spätmhd. ãuentiurlich. aben- teuern, v., mhd. ãventiuren. Abenteurer, m., mhd. ãventiurqœre m. aber, 1¹) Zeitadv. wiederum(veraltend), d. und a. fausend, 2) stärkern oder gelindern Gegensatz, auch bloß Fortführung der Rede bezeichnende Konjunktion. Diese als Subst. das Aber zentgegenstehendes Bedenken, zu bedenkende Schwierigkeit). Mhd. aber, aver (auch verkürzt abe, ave), ahd. abur, avar; dazu gehört got. afar Präp.«nach⸗, Adv. «nachhery, das als komparativische Bildung zu got. af«vons zu betrachten ist. Als Grundbed. ist«weiter weg», dann«späüter⸗ anzusehen, vgl. aind. dparas der Spätere» und asächs. abavro, ags. eafora m.«Nachkomme». Vgl. äfern. In der nominalen Zusammenset- zung mit Aber- sind aus der Bed.«wiederum, wiederholt⸗ folgende andere hervorgegangen: 1)«nach hinten, zurück in Abervater m.«Groß- vater»(bei Luther), Aberwandel m.«Rück- gang», Aberklaue f.(S. Afterklaue), mhd. aber- wette n. f. chinterlegtes Pfand»; 2) die Bed. des Verkehrten, Minderwertigen, Negativen(vgl. Aberglaube, Aberzwitz, älternhd. Abergunst Mißgunsto, Abername Beinamey, ferner Aber- glaube, Aberwitz), in dieser Bed. tritt aber- seit Mitte des 15. Jh. an Stelle von ab-(s. d., so- wie After-). Detter ZfdA. 42, 53 verbindet dies aber mit anord. ur-«miß-. aber, äber, äper, adj.: schneefrei. In obd. Mundarten(auch ostfrk. äfer, elsäss. afer). Aus mhd. äber, œher, ahd. dpiri. Das Wort, das auch zleer, trocken, mild(vom Wetter), sicher» bedeutet, kann nicht aus lat. apr cε⁸ «sonnig» entlehnt sein, auch Urverwandtschaft damit ist unwahrscheinlich. Vgl. Ebbe. Aberacht, f.: die über andrer Acht ste- hende kaiserliche, als vogelfrei erklärende Acht. Spätmhd. aberãähte,(unter Anlehnung an aber wiederums) hervorgegangen aus oberähte f., mndd. overdchte(Sachsenspiegel 3, 34, in der md. Passung diu bere dchte), 1437 md. obiracht (Jaussen Frankf. Reichscorr. 1, 419) f. S. Acht. Aberglaube, m.(-9ns, Pl.-n/): verkehrter Glaube. 1482 erscheint aberglauh im voc. praed. Cc 7a, ferner bei Brant(Narrenschiff 38, 37. Layenspiegel J 1 b) und Luther(neben Abglaube), wie es auch 1540 bei Alberus Dict. und 1541 bei Frisius auftritt. Aber- ist hier nicht entstellt aus ober- wie man nach lat. superstitio f., ndl. overgeloof n., dän. ouertro «Aberglaube», denken könnte, darf auch nicht mit dem anord. in Zusammensetzungen erschei- nenden afar-«sehr» zusammengebracht wer- den(etwa durch übermäßiges Glauben ver- kehrter Glaube), sondern bedeutet«vom rech- ten Glauben abweichender Glaube»(s. aber). 4BL. abergläubisch, adj., bei Luther, 1541 bei Frisius aberglénchisch, mit andrer Endung 1482 im voc. praed. abergloubig, noch bei Hage- dorn und Herder abergläubig. Aberklaue, s. Afterklaue. abermal, abermals, adv.: wiederum, beide bei Luther. Verbindung von aber mit dem Akk. Mal, woran weiter das adverbiali- sche- antreten konnte. 4BL. abermalig, adj., in der frühnhd. Kanzleisprache. 1* 7 Aberraute abgeführt 8 Aberraute, f.: die Stabwurz, artemisia abrétanum. Mit Anlehnung an Raute aus dem gr. at. abrotanum n. gebildet. Urspr. niederd. Form(im 15. Jh. averräte). Dagegen mit Ver- schiebung des t zu z ahd. avaruza, woraus mundartl. Afrusch m.(1538 bei Rößlin 131° Abrausch). Vgl. auch Ebheritz. aberweise, adj.: verkehrt weise(Goethe 38, 21). Wie aberklug u. a. Neubildung nach Aberglaube, Aberawitz(s. d.). Aberwitz, m.: Verkehrtheit des Geistes. Mhd. aberwitze neben früherm aberwitze f.«Un- verstand, Wahnsinn».(Vgl. aber und Aber- glaube.) Das ursprüngliche fem. erhält sich im ältern Nhd., z. B. Lohenstein Hyac. 46. 4B2. aberwitzig, adj., frühnhd.(Dief.- Wülcker 26). abeschern, s. abäschern. abfahren, v.: 1) intr. eine Fahrt antreten, weggehen; sterben(Ludwig 1716, als burschi- kos bei Kindleben 1781 und Augustin 1795 an- geführt); abgleiten, mit seinem Anliegen ab- gewiesen werden(Goethe 41, 153) vgl. ab- fertigen. 2) trans. durch Fahren wegschaffen oder lostrennen. Mhd. abevarn ist«weggehen, sein Besitztum abtreten, abfallen⸗, ahd. aba- varan«verschwinden). Abfall, m.(-es, Pl. Abfälle): das Nieder- und Wegfallen wovon, mhd. abeval; jähe Neigung, abschüssige Lage(1711 bei Rädlein); geringwertiges Abgefallenes wovon(1716 bei Ludwig); Sich-Lossagen und Trennung von einem Verbande(Esra 4, 19); Ubergang aus gutem in schlechten Zustand(bei Luther); Geringersein in Vergleich zum rechten Maß (1711 bei Rädlein); überraschende Verschie- denheit(Schiller Räuber 2, 3); Abstufung (Möser Verm. Schr. 1, 105); ungünstige Be- urteilung im Gegensatz zu Beifall(1663 bei Schottel 3)=; Mißerfolg. 4L. abfällig, adj. und adv.(jetzt nur in der Bed.«ungünstig beurteilends, die Adelung 1793 und Heynatz 1796 noch nicht kennen; bei Luther in der Bed. abtrünnig»). abfeimen, v.: den Feim(Schaum) wovon abnehmen, klüren(Goethe 7, 125), wie rafff- nieren(s. d.). Das Part. Prät. abgefeimt, wie raffiniert: abgeschäumt; geklärt; gewandt in schlimmen Streichen. Schon 1463 den abge- vaimpten schall(Beheim Wiener 285, 10), da- neben auch abgefaumt(Fastnachtsp. 202, 19), abgefeunpt(Montanus 291, 15), wie noch Les- sing 7, 154 eine abgefäumte Buhlerin schreibt. abfertigen, v.: zum Abgehen fertig ma- chen(frühnhd. z. B. Rhetorica 52 b); auf eine Fahrt entsenden(Sattler 1607); schroff zurück- weisen(Opitz 1, 137), vgl. abfahren. abfinden, v.: durch ein Abkommen be- friedigen. Eig. den Weg zur Seite jemandes finden, vgl. ein Ablommen treffen und mnd. afdrepen«sich vergleichen». Refl. sich a. cüber- einkommen, befriedigt seins. Als Rechtsaus- druck bei Sattler 1607. Davon Abfindung, f., zu Anfang des 17. Jh. in Wedels Hausbuch 226. abfolgen, s. verabfolgen. abführen, v.: 1) intr. zur Seite führen. 2) trans. wegführen, mhd. abevüeren, ahd. aba- vuoren;(Gelder) einer Kasse zuführen, eig. wohl als Zins usw. gegebene Tiere wegführen(im 17. Jh. z. B. Logau 3, 127); einem eine Nie- derlage beibringen, ihn ablaufen lassen(Les- sing 1, 416, als studentisch bei Kindleben 1781), vgl. abfertigen; abrichten, nur im Part. ab- gefiihrt«verschlagen?(1531 bei Franck Chron. 304 b), hier entstellt aus abgeviert(a. wie ein würfel), eig.«viereckigy. Refl. sich a.(in ver- ächtlichem Sinn)«weggehen?(1711 bei Räd- lein, Günther 530, Schiller Fiesko 1, 9). Abgang, m.(-s, Pl. Abgänge): das Weg- gehen wovon; was abgeht, Abfall; Abnahme, Verminderung; Mangel, Gebrechen; Absatz (von Waren). Mhd. abegance m. 4BL. ab- gängig, adj.(nach den drei letzten Bedd. von 45gang). abgeben, v.: weggeben, von sich geben; (etzwas a.) darstellen, sich zeigen als(im 17. Jh.). Refl. Sich a.«sich beschäftigen mit»(1755 von Gottsched Beob. 3 als ein seit weniger Zeit eingerissener Mißbrauch bezeichnet, von Ade- lung 1774 verteidigt). abgebrannt, adj.: aller Mittel peraubt. Eig. durch Brand um seine Habe gekommen. Nach Moscherosch Phil. 2, 685 zur Zeit des 30 jährigen Krieges aufgekommen. abgebrüht, adj.: sittlich abgestumpft (priapische abgebruete Ammen, Fischart Garg. 201). brühen geht hier auf das ndd. bräden, brüen«coirey zurück, vgl. DW 4, 1, 2342, doch wird jetzt an brühen sieden» gedacht, vgl. hartgesotten. abgedroschen, adj.:(von Erzählungen usw.) oft vorgebracht und daher für niemand von Wert(bei Rädlein 1711). Ursprünglich Part. Prät. von ahdreschen«ganz ausdreschen, durch Dreschen der Kerne(des Inhalts) be- nehmeny. Wohl nach lat. verba krita. abgefeimt, s. abfeimen. abgeführt, s. abführen. 9 abgeschmackt ablassen 10 abgeschmackt, adj.: reizlos widrig für den Geschmacksinn. Mit angetretenem t statt des ältern abgeschmack und so gleichsam in das Part. Prät. eines Verbums abschmecken «den Geschmack verlieren» umgebildet. Bei Duez 1664. Abgott, m.(es, Pl. Abgötter): Abbild eines Gottes, nachgemachter Gott; falscher Gott. im Gegensatz des wahren. Mhd. ahd. abgot n. (selten m.). Zu dem got. Adj. afgubs«von Gott abgewichen, gottlos»s. 4B L. abgöt- tisch, adj., sputmhd. abgötisch. Abgötterei, f., spätmhd. abgõterd. Abgrund, m.(-s, Pl. Abgründe): in die Tiefe hinabgehender Grund. Spätmhd. ab- grunt m. neben häufigerm abgründe n., ahd. abgrunti n., ndl. afgrond. Got. afgrundiha f. «Abgrunds mit andrer Ableitung. Abgunst, f.: die von jemand abgewandte freundliche Gesinnung. Mhd. abegunst, ge- wöhnlich abegünste f. 4BL. abgünstig, adj., 1482 abgunstig(voc. theut. a 32). abhanden, adv.: nicht zu Handen, weg, verloren. Mhd. abe handen, ahd. aba hantum. Aus der Präp. ab mit dem Dat. Pl. von Hand (s. d.). Alternhd. bei Mitteldeutschen selten und noch von Adelung und Heynatz Antib. 1, 30 als oberd. Redensart bezeichnet. Abhandlung, f.(Pl.-en), im 17. Jh. von Schottel gebildet für lat. tractatus. Abhang, m.(-S, Pl. Abhänge): nieder- würts gehende Seite einer Fläche. Wohl von Zesen(in Dögens Kriegsbaukunst) gebildet. Von abhangen, durch Vermischung mit dem tran- sitiven Verbum auch abhängen, v.: nieder- wärts hangen(frühnhd.); wodurch bestimmt werden, etwas zur Voraussetzung haben(nach frz. dépendre in der 1. Hälfte des 18. Jh. ent- wickelt, bei Nieremberger 1753 verzeichnet). 4BL. abhängig, adj.(um 1480 im voc. inc. teut. à 2 b abhengig,«acclivus⸗, in der über- tragenen Bed. bei Adelung). abhold, adj.: abgeneigt. Spätmhd. abholt. Urspr. oberd. Wort, aber seit 1700 allgemein in den Wörterbüchern, doch noch bei Hey- natz Antib. 1, 33 beanstandet. Abhub, m.(es, Pl. Abhübe): was wovon aufgenommen und weggetan wird. Von ab- heben. Im 18. Jh. erscheinende Neubildung (Jablonski 1721, übertragen bei Goethe 21, 259). äbicht, adj.: verkehrt. Nur mundartlich (auch äbisch, äbsch, entsprechend ndl. aafsch). Mit angetretenem f aus mhd. ebich, ahd. abuh; dazu asächs. qbuh, anord. öfugr, auch engl. auck- in aowlaward ungeschickt). Von ab abgeleitet, also eig.«abgewendety. Abiturient, m.(en, Pl.-en): der nach vollendeter Schulzeit von der Schule Ab- gehende. Aus abituriens(Gen. abiturientis), Part. Präs. von neulat. abitarire«abzugehen verlangen?. abkanzeln, v.: tüchtig ausschelten. Eig. von der Kanzel herab eine Strafpredigt hal- ten. Als Wort der Umgangssprache bei Ade- lung erwähnt und von Voß 1, 67 gebraucht. abkapiteln, s. kapiteln. abkappen, v.: zurechtweisen(Schiller Räuber 4, 3). Eig. tüchtig mit Kappen d. i. Ohrfeigen(s. DW 5, 193) versehen. Schon im 16. Jh.(Fischart Nacht Rab 3641). abkarten, v.: heimlich verabreden. Eig. die Karten nach heimlicher Verabredung mischen oder geben. Bei Rädlein 1711. Abklatsch, m.(-es, Pl.-e): genaue Nach- bildung ohne eigenen Wert. Moderne Bil- dung. Von abklatschen, v.:(bei den Buch- druckern usw.) eine Nachbildung durch Auf- klopfen herstellen. Abkomme, m.(-n, Pl.-n): Nachkomme. Zuerst bei Campe 1807 verzeichnet, von älter- nhd. abkommen cabstammen».— Abkömm- ling, m.(-S, Pl.-e). Bei Schottel 370 ab- kömling. Im Mhd. erscheint nächkomelinc. Abkommen, n.: Ubereinkommen. Zuerst bei Steinbach 1734. Urspr. subst. Inf. des V. abkonmen(mit einem a.«übereinkommen). abkonterfeien, s. Konter fei. abkratzen, v.: durch Kratzen wegbringen oder von etwas befreien; sich entfernen, ster- ben. In der 2. Bed., die der neuern Um- gangssprache eigen ist, geht Kratzen auf das Scharren mit den Füßen beim Weggehen, vgl. abschurren. Abkunft, f.: Abstammung(bei Stieler 1691); Ubereinkommenſerst bei Adelung 1774). abküpsen, v.:(der Feder) die Spitze ab- schneiden(Lessing 3, 308); küpsen ist eine Weiterbildung von küppen«die Kuppe, Spitze abhauens, obersächs. die Feder abkeippen. Ablaß, m.(-Sses, Pl. Ablässe): Erlassung der Sünden; Lossprechung von Kirchenstrafe. Mhd. abeläz, abläz m., seltener n.(auch bei Luther n.), ahd. ablãg m. neben abläzi n.; dazu mnd. aflãt n. und got. afléts m.«Erlaß, Vergebung» neben aflétan v.«erlassen», ags. ofltan, ahd. oblãgzan«entlasseny. ablassen, v.: 1) intrans. sich von der Fort- setzung einer Tätigkeit abwenden. 2) trans. 11 Ablativ Abriß 12 weglassen, gehen lassen;(Flüssigkeit) weiter laufen machen;(einem a.) überlassen. Mhd. ahelũzen, abelün. Ablativ, m.(-s, Pl.-e), der im Deutschen durch Präposition mit Dativ ersetzte Kasus der lat. Deklination. Aus lat. ablativus(näm- lich casus), zu auferre«wegnehmeno. Ablaut, m.(-es, Pl.-e): gesetzmäßiger Wechsel des Wurzelvokals bei Verben und Nominibus, z. B. binde band gebunden, Binde Band Bund. 4BL. ablauten, v.: diesen Wechsel des Wurzelvokals an sich haben. 1819 von Jac. Grimm eingeführte gramma- tische Kunstausdrücke. ablegen, v.: 1) trans. weg., beiseitelegen, mhd. abelegen;(eine Pflicht usw.) erfüllen (mhd.«Geld erstatten», also wohl eig. vom Niederlegen der überbrachten Zinse usw.); (Arbeiter) entlassen(mhd. und älternhd. mit Dativ, vgl. das Handhwerk legen). 2) intr. schwach werden, versagen(aus älternhd. einem a.«im Stiche lassen, nach Rüdiger 2, 63 einober- sächsischer Ausdruck, Adelung«m gemeinen Leben», Goethe 25, 165 l. H.). 45L. Ab- leger, m.(-s): durch Niederlegen in die Erde gebildeter neuer Pflanzentrieb. Bei Frisch 1741. ablehnen, v.: etwas von sich wegwenden, entfernt halten, zurückweisen; auf einen Vor- schlag nicht eingehen, ausschlagen(diese ab- geblaßte Bed. erst um die Mitte des 18. Jh., z. B. bei Nieremberger 1753). Das Wort, noch nicht mhd., erscheint in der frühmhd. Kanzlei- sprache, z. B. Reichsordnungen 68 als ableinen (mhd. leinen neben lenen, s. lelmen), daneben auch ablehnen, z. B. bei Luther; ableinen auch später bei Oberdeutschen(noch von Heynat⸗z 1796 erwähnt und von Wieland gebraucht). abluchsen, v.: einem etwas listig(mit Luchsaugen) abspähen; einem etwas listig ab- und sich zuwenden. Von Luchs, vgl. beluchsen. Bei Adelung 1774 fülschlich ablugsen(mit Anlehnung an lagen) geschrieben. abmachen, v.: wegmachen; fertig machen, festsetzen. Schon mnd. afmaken«fertig ma- chen», aber im Hochd. zuerst bei Dentzler 1709 angeführt(mit einem a.) und noch von Hey- natz 1796 als nicht edel bezeichnet. abmarachen, v.: abmatten. In der nordd. Umgangssprache(im bremisch-nieders. Wör- terbuch 3, 129 wird marahken«ermüden», bei Rüdiger 2, 116 als obersächsisch Schmarach m. cschmutzige, beschwerliche Arbeit» und da- von schmarachen aufgeführt), aus dem Rot- welschenaufgenommen. 1801 beiReinwald 2, 19. abmeiern, v.: den Meier(s. d.) d. i. Bauer von seinem Hof vertreiben. 1768 bei Möser (patr. Phant. 1, 145). abmergeln, v.: kraftlos machen. Frühnhd. (Franck teutsche Chronik 270 a). S. mergeln. Vgl. Liebich Btr. 23, 223. abmurksen, v.: heimlich umbringen. Aus der Studentensprache bei Heine 2, 324. Das md. marksen bedeutet«schlecht arbeiten, an etwas herumschneiden, würgenv. Anklingend abmucken, elsäss. abmuchese, s. mucken. abmüßigen, v.: von einer Beschäftigung frei(zur Muße bestimmt) machen. Im 17. Jh. Wohl in der Kanzleisprache entwickelt, vgl. mhd. miüezegen«befreieny. abnehmen, v.: 1) intrans. mehr und mehr schwinden, 2) trans. wovon tun; wovon her- unter tun; von jemand sich dargeben lassen, z. B. eine Rechnung; wovon als Erkenntnis ziehen, z. B. uus jemandes Worten abnehnen (in der frühnhd. Kanzleisprache, z. B. Janssen Frankf. Reichscorr. 2, 448 von 1486). Mhd. abenemen ist«geringer werden, abschaffen usw., ahd. abaneman«wegnehmen». abnorm, adj.: von der Regel abweichend. Aus lat. abnormis(s. Norm). Wohl erst im 18. Jh. entlehnt. 48L. Abnormität, f.(Pl. -en): Regelwidrigkeit. Aus neulat. abnormitas f.(Gen. abnormitatis). abonnieren, v.: worauf voraus bezahlend unterzeichnen. Aus dem gleichbed. franz. abon- ner, ital. abbonare(aus ad und bonne, einer Nebenform von borne«Grenzes). Kaum vor 1770— 80 entlehnt, bei Adelung 1793— Abon- nent, m.(-en, Pl.-en): der mit Vorausbezah- lung Unterzeichnende. Nach franz. abonnant, Part. Praes. von abonner, aber mit der sonst bei lat. Bildungen üblichen Endung-ent. Abort, m.(-es, Pl.-e): abgelegener Ort (Ludwig 1716), heimliches Gemach(erst Campe 1807, vielleicht aus dem Ndd., wo es 1755 Richey für Hamburg als Af-Ort verzeichnet). abrackern, refl. v.: sich abschinden(s. Racker). Aus der nordd. Imgangssprache bei Campe 1807. Abrede, f.(Pl.-n): Festsetzung durch Be- sprechung; Entgegensetzung durch Rede(na- mentl. in A. stellen). Mhd. aberede f. abrichten, v.: völlig gerade machen; eine Fertigkeit wozu beibringen. In der ältern Sprache überhaupt«unterrichteny; mhd. abe- rihten«gut, recht machen, abschaffens. Abriß, m.(Gen. Abrisses, Pl. Abrisse): nur in den Hauptlinien gemachtes Bild wovon 13 Absage abseiten 14 (1562 bei Mathesius Sar. 60 b). Von abreißen, v. in der Bed.«ein Bild im Umriß entwerfen⸗ (bei Luther). Vgl. reißen, Riß. Absage, f.(Pl.-n): Aufkündigung der Freundschaft und Ankündigung von Feind- seligkeit. Spätmhd. absag, aber erst neuerdings wieder in die Sprache aufgenommen(nach Heynatz Antib. 1, 46 ungebräuchlich). Von absagen, v.: Gesagtes widerrufen;(æinem d.) die Freundschaft auf. und Fehde ansagen; (bildlich) sich wovon lossagen. Mhd. abesagen. Daher ein abgesagter Feind:«einer der sich als Feind erklärt hatv. Absatz, m.(-es, Pl. Absätze): Aufhören und Wiederanfang wovon, dann das so Wieder- anfangende selbst(bei Luther); Zufernsein des einen vom andern bei Vergleichung(Wieland Idris 7); Abgeben von Ware gegen Bezahlung (bei Frisch 1741). Mhd. abesaz m. ist Ver- ringerungs. äbsch, s. äbicht. Abschach, n.(-*s): Schach, das den König beim Wegziehen eines Steines durch eine hinter diesem stehende Figur angreift(1616 bei Sele- nus Schach- oder Königspiel 111). Auch Aber- schach(vgl. ab- und aber-). Schon mhd. ab- schãch, Var. aberschãch n., und dann bei Lessing Nathan 2, 1. Vgl. v. Bahder Btr. 22, 522. abschätzig, adj. u. adv.: geringwertig; ge- ringschätzig. Frühnhd.(Wickram Rollw. 128) und auch später in oberd. Quellen; von Wie- land gebraucht(als erklärungsbedürftig bei Lessing 6, 32 erwähnt). Abschaum, m.(‧s, ohne Pl.): vonwallender Flüssigkeitausgestoßene, obenwegzuräumende Unreinigkeit; als zu schlecht und verächtlich ausgestoßener Mensch. Bildlich bei Brant Narr. 54, 19 abschũm, wie schun Murner Geuchm. 3774. Abscheu, m.(-es, ohne Pl.); das Zurück- schrecken vor etwas; Gegenstand, vor dem man zurückschreckt; heftige Abneigung, Wider- wille. Frühnhd. abschewo(Reichsordnungen 180 von 1531), abscheuch m., seltener f.(z. B. Harsdörfer Gesprächspiele 1, 2), daneben ab- schewen, n., vgl. Scheu. 4BL. abscheulich, adj. u. adv.: abschreckend(frühnhd., Z. B. Fischart Barfüßermönche 4557, zum abscheu-( lichen Erempel Carolina), Widerwillen erre-( gend(bei Maaler 1561 abscheüchlich). Abschied, m.(es, Pl.-e): das Weggehen aus der Mitte eines Kreises; die Beurlaubung bei diesem Anlaß; Dienstentlassung; richter- licher Ausspruch als Endurteil in einer Rechts- angelegenheit; Willenserklärung des Staats- oberhauptes zum Schlusse einer in öffentlichen Landesangelegenheiten gehaltenen Versamm- lung, 2z. B. Landtagsa. Spätmhd. abeschit, häufiger abescheit m.«Abschied, Tod, Ent- scheidung, Bescheid, Beschluß eines Reichs-, Städtetags», auch im ältern Nhd. oft 4b- scheid m. Abschlag, m.(-es, Pl. Abschläge): abge- hauenes Holz, mhd. abeslac; Zurückweisung eines Angriffs(im Teuerdank 82, 6 Zurück- weisung, abschlägige Antwort); Geringer- werden des Preises wovon(mhd. abeslac«Er- niedrigung der Forderung»); vorläufige Min- derung der Schuld(im 16. Jh., zu spätmhd. abslahen zabbezahlen»), 2. B. auf A. zahlen. 4BL. abschlägig, adj: entschieden von sich weisend(1562 bei Mathesius Sarepta 192 b). abschläglich, adj.: wie abschlägig; zahlend zu vorläufiger Minderung der Schuld(1509 bei Janssen Frankf. Reichscorr. 2, 767).— abschlagen, v.: 1) trans. dureh Schlagen wovon trennen; an einer Rechnung abziehen; zum Entfernen nötigen; entschieden von sich weisen, verweigern. 2) intrans. im Preise geringer werden. Mhd. abeslahen, abe- slän in allen Bedd., ahd. abaslahan«weg- schlagen. abschmieren, v.: tüchtig prügeln, eig. mit Schlägen salben. Bei Duez 1642. abschrecken, v.: einen durch eingeflößte Furchtvonetwasabbringen, mhd. aheschrecken, Warmes oder Kaltes durch Hinzutun von Kal- tem oder Warmen in der Temperatur um- springen machen(schon frühnhd.). Vgl. wegen dieser Bed. schrecken. abschurren, v.: hinweggleiten; abfahren, sterben(S. schurren). Aus der nordd. Um- gangssprache bei Voß 2,81. Vgl. abcratzen. abschüssig, adj.: stark abhängig. Erst bei Dentzler 1709 verzeichnet(doch früher ab- schießig, Opitz Poeterey 181). Von Abschuß m. in der Bed. jähe Neigung einer Erdfläche, daß sich darauf ein Körper schnell und heftig niederbewegt(bei Ludwig 1716). Abseite, f.(Pl.-n): überwölbter Neben- raum des Schiffes der Kirche; Nebengebäude Flügel) am Hauptgebäude. Aus mhd. abs'te mit Anlehnung an ab und Seite), ahd. absita, absĩda f., entlehnt aus gr. mittellat. absida, gr. äpic, Gen. dwidoc f.«Verbindung, Rundung, Gewölbey. abseiten, adv.(veraltet) abseits, vonseiten (mit Gen.). Spätmhd. absiten, Verbindung der Präp. ab mit dem Dat. Pl. sifen. 1 5 abseits abstoßen 16 abseits, adv.: weg zur Seite, auch mit Gen. verbunden. Erst bei Stieler 1691 verzeichnet, mit angetretenem genet.-S, früher abseit, vgl. diesseits, jenseits. Absicht, f.(Pl.-en):(veraltet) abrei- chende Richtung der Augen worauf, z. B. beim Zielen; Richtung des Geistes worauf, 2. B. in Absicht(mit Gen. oder auf) in Be- tracht; die als ein zu Erstrebendes gesetzte Vorstellung. 4bsicht(verzeichnet bei Frisch 1712, noch nicht bei Stieler 1691 und Rädlein 1711) ist in der 2. Hälfte des 17. Jh. für den subst. Inf. Absehen eingetreten; dies Wort bezeichnet auch konkret das Visieran Meßwerk- zeugen(bei Goethe 50, 107 l. H.) und Gewehren (daher sein A. auf elwas richten). 4B L. ab- sichtlich, adj. u. adv., erst bei Adelung 1793. Absinth, m.(-es, Pl.-e): Wermut; Brannt- wein daraus. Aus franz. absinthe m., auf gr. Jat. apsinthium, gr. uivéiovn.«Wermuty beruhend. absolut, adj. u. adv.: unbedingt; unum- schränkt. Aus lat. absolütus, Part. Perf. Pass. von absolvere s. u. Um 1700 in der phi- losophischen Sprache(Thomas Einleitung 195).— Absolution, f.(Pl.-en): Losspre- chung von Sünden. Spätmhd.(Liliencron 2, 205). Aus lat. absolãtio, Gen. absolkätionis. — absolvieren, v.: lossprechen von Sünden, beendigen. Mhd. absolwieren. Aus lat. ab- sblvere«ablösen, losmachen). absonderlich, adj.: getrennt von andern (frühnhd.); eigentümlich(Ludwig 1716), selt- sum(Eichendorff Taugenichts 74). Als Adv.: vor allem(1664 bei Duez). abspannen, v.: der Spannung benehmen, mhd. ahespannen; schlaff machen; von Fort- zuziehendem losmachen. S. spannen. dabspannen, v.: Gesinde durch Verlockung von jemand abziehen. Bei Luther. Vermischt mit dem vorigen Worte, während es spätmhd. abspenen, bei Hans Sachs abspennen heiht. S. spänen. abspenstig, adj.;: durch Verlockung eine Verbindung verlassend. 1566 bei Hans v. Schweinichen(Script. rer. Sil. 4, 74), häufiger erst im 18. Jh.(bei Frisch 1712 erwähnt). Zu- sammengesetzt mit dem ahd. Adj. Spenstig«ver- lockend, abgeleitet von Gaust f. Verlockungy. absprechen, v.: jemand etwas durch emtschiedene Erklärung entziehen, mhd. abe- sprechen; worüber sich entschieden erklären, daß es nicht so sei; worüber bis zu Ende und zu gegenseitiger Zustimmung sprechen (erst bei Adelung zbesonders in Nieder- sachsen üblich», von Heynatz 1796 empfohlen). — Absprache, f.(nach der 3. Bed. von ab- sprechen). Bei Ludwig 1716 Absprach, aber nicht bei Adelung und Campe. Abstamm, m.(res, ohne Pl.): Abstam- mung; Nachkommenschaft, Abkömmling(Her- der Cid 33). Jägerwort des 18. Jh. Abstand, m.(-es, Pl. Abstände): Weg- treten, Verzichtleistung auf ein Recht(früh- nhd., erhalten in A. nehmen); Entferntstehen wovon(Zesen in Dögens Kriegsbaukunst). abstatten, v.: an der dazu bestimmten Stelle anbringen. Frühnhd. Kanzleisprache. abstechen, v.: 1) trans. durch Stechen wovon entfernen oder trennen, mhd. abe- stechen;(Tiere) tot stechen, schlachten; über- treffen, eig. im Turnier beim Gegenrennen vom Pferde stechen; im Kartenspiel durch eine höhere Karte zum Untern machen; durch Stechen nachbilden. 2) intrans. in die See stechen(eig. mit der Schifferstange), fort- fahren(Fischart Garg. 117); sich merkbar unterscheiden(bei Ludwig 1716, gleichzeitig auch sich a.: diese Bed. scheint von der von a. oder abstecken«abgrenzen» aus entwickelt). Abstecher, m.(-s, Pl. wie Sing.): kurze Nebenreise. Nach Heynatz Antib. 1,35 zuerstvon Bode und Mylius gebraucht und aus dem Nie- dersächs. aufgenommen, wo es als dialektischer Ausdruck 1781 bei Dähnert verzeichnet ist. abstehen, v.: 1) intrans.(veraltet) wo- von niederstehen, z. B. vom Pferde, mhd. abestün, stén; wovon entfernt stehen; allzu lange stehen und dadurch schwächer werden, alle innere Kraft, die Lebenskraft verlieren, sterben, z. B. der Essig, Baum, Fisch ist abgestanden(bei Maaler 1561, mhd. mit dem lõde abestén);(von etwas a.) von etwas ab- lassen, darauf verzichten(mhd. eines dinges abestén). 2) trans. einem andern überlassen (nach Adelung 1774 besonders in Nieder- sachsen häufig). Abstich, m.(es, Pl.-e): Abgestochenes, z. B. von Torf, eines Bildes; Sich-Hervor- heben gegen anderes im Widerstreit mit die- sem, Kontrast(Wieland 9, 21, Schiller 10, 101). abstimmen, v. l)trans. gründlichstimmen, z. B. ein Instrument. 2) intrans. abweichend stimmen, eine andere Meinung haben(bei Luther, noch bei Adelung 1793); seine Stimme abgeben(nach Heynatz 1796 obd. Ausdruck). abstoßen, v.: 1) trans. weg- oder herunter- stoßen, mhd. ahestõzen:(Verpflichtungen usw.) beseitigen durch Erfüllung(erst bei Adelung 17 abstrakt Abwesen 18 cim gemeinen Leben»); einen unangenehmen Eindruck auf jemand machen(Gegensatz an- ziehen, also übertr. von den Wirkungen des Magnets); Redensart: das Herz a. d. i. brechen, eig. vom Henker durch das Rad (schon spätmhd.). 2) intrans.(vom Schiff) ab- fahren, eig. durch Stoßen mit der Schiffer- stange(schon mhd.). abstrakt, adj.: abgezogen in Gedanken, für sich allein betrachtet; nicht wirklich, bloß gedacht. In der 1. Hälfte des 18. Jh. aufgenommen. Aus lat. abstractus, Part. Perf. Pass. von abstrahere«weg-, abziehens. Abstreich, m.(-es, Pl.-e): öffentlicher Zuschlag auf Mindergebot(Schiller Räuber 1, 2). Gegensatz Aufstreich(s. d.). abstufen, v.: in Stufen abbauen(beim Bergbau); bestimmte Unterschiede festsetzen (nach Adelung 1793 neues Wort, von Heynatz 1796 empfohlen). Absud, m.(es, Pl.-e): Handlung des Absiedens; die durch Absieden gewonnene Flüssigkeit, s. Sud. Neues, von Adelung 1793 verzeichnetes Wort. absurd, adj.: lächerlich-widersinnig. Aus lat. absurdus. Um 1700 in der philosophi- schen Sprache(Thomas Einleitung 127). Abt, m.(es, Pl. 4be): Vorsteher einer Abtei. Mhd. abt, abbet, ahd. abbat von dem aus syrisch abba«Vater» in die kirchlich-lat. Sprache aufgenommenen abbas, Gen. abbatism. 4BL. Abtei, f.(Pl.-en): höheres klösterliches Stift; Gebiet desselben; Wohnung und Pfründe eines Abtes, mhd. ahtei, abheteie, ahd. abha- teia von mlat. abbatia f. Abtissin, f.(Pl. -nen): Vorsteherin einer Abtei, mhd. abtissin, eppetissin, ahd. abbatissa aus mlat. abbatissa f. abtakeln, v.: die gehörigen Taue, Segel, Blöcke, Rahen etc. vom Schiffe abnehmen (nach ndl. aftakelen bei Stieler 1691);(bild- lich) seiner Stellung entkleiden. Abtrag, m.(-es, Pl. Abträge): was als übrig geblieben wovon binweggetragen wird; Beeinträchtigung, Schmälerung; Beseitigung einer Verpflichtung durch Erfüllung, Ersatz, Genugtuung. Spätmhd. abetrac in der 2. und 3. Bed. Von abtragen, v.: wovon hinweg- tragen, mhd. abetragen; durch Ansichtragen abnutzen; etwas durch Wegtragen davon gleichmachen; durch Leistung einer Obliegen- heit genugtun(spätmhd. abetragen). abtreten, v.: 1) intrans. beiseite gehen, mhd. abetreten; weggehen;(von einen a.) abfallen(bei Luther, mhd. mit Dativ); vom weigand, Deutsches Wörterbueh. 5. Aufl. Pferde niedersteigend einkehren. 2) trans. durch Treten beseitigen, abnutzen oder wo- von trennen;(einem etwas a.) überlassen(mhd. eines dinges abetreten). Abtritt, m.(-es, Pl.-e): das Weggehen wovon nach ausdrücklicher Erklärung(früh- nhd.); Hinscheiden durch den Tod; einstwei- liges Weggehen wovon zur Seite; geheimer Ort zur Verrichtung natürlicher Bedürfnisse (Schon bei Krämer 1678); das Niedersteigenvom Pferde zur Einkehr; Vorrichtung daß etwas tiefer aufgetreten werden muß; Getrenntsein, bedeutsamer Unterschied(Haller Ged. 122). abtröseln, v.: faserartig abwinden(Thüm- mel Reise 4, 300). S. aufkröseln. abtrumpfen, v.: mit Uberlegenheit zu- rückweisen, eig. beim Kartenspiel eine Karte mit Trumpf stechen;(einem etaas a.) mit Gewaltsamkeit entziehen. Erst in der neuern Sprache. Vgl. auftrumpfen. abtrünnig, adj.: sich von einer Verbin- dung lossagend. Mhd. abetrünnec, ahd. aba- trunnig, mit mhd. trünne f.«abgesonderter Haufe, Schar» zu einem verlorenen starken V. trinnan, wovon auch trennen(s. d.), vgl. ent- rinnen. abwägen, s. abewiegen. abwamsen, v.: ein tüchtige Tracht Schläge geben, eig. das Wams(s. d.) vollschlagen. Bei Campe 1807. abwandeln, v.: verändern; abbüßen(nach der ältern Rechtssprache bei Wieland, zu mhd. wandel«Buße, Strafgeld),(in der Grammatik) flektieren. In dieser Bed. zuerst von Schottel (für dekxlinieren) gebraucht. 4BL. Abwand- lung, f., 1748 bei Gottsched für Konjugation, 1672 bei Pudor(Der Teutschen Sprache Grund- richtigkeit) für Deklination. abwärts, adv.: nach unten gerichtet; zur Seite. Spätmhd. abeverts. Abweg, m.(-es, Pl.-e): vom rechten ab- führender Weg. Mhd. abezwec m. Abwehr, f.: Fernhaltung durch Vertei- digung. Jung, noch nicht bei Adelung 1793 (gebraucht von Voß 2, 255); von ahawehren. abwendig, adj.: sich abwendend, abfal- lend(nur noch in a. machen). Frühnhd. (Diefenbach gloss. 60 b). abwerfen, v.: nieder- oder zur Seite wer- fen, mhd. abewerfen; Ertrag bringen, eig. wohl von dem Früchte tragenden und herabwer- fenden Baum(Weise Erzn. 52). Abwesen, n.(-s): das Nichtdasein. Spät- mhd. abezwesen, eig. subst. Inf. zu aberesen 2 19 abwiegen Acht 20 «fehlen, mangeln», ahd. bauwesan.— abwe- send, Part. Praes. zu diesem Verbum. 4B L. Abwesenheit(für Abhwesendheit), f.: wie Abibesen. Zuerst bei Hulsius 1596. abwiegen, v.: die Schwere wovon prüfen und bestimmen. Jüngere Bildung(Stieler 1691) neben abeodgen, mhd. aberwegen, bei Luther Sir. 42, 7 abtvegen. abzirkeln, v.: genau abmessen, eig. mit dem Zirkel. Bei Luther. Abzucht, f.(Pl.-en): Ableitung für un- reine Wasser(1562 bei Mathesius Sar. 211a). Auch Abzug m.(es, Pl. Abzüuge). Durch Umdeutschung(Anlehnung an abziehen) aus lat. aduαedackus m.«Wasserleitung) hervor- gegangen, vgl. Andauche. abzwacken, v.: kleinlich entziehen. Mhd. abezwachen, auch bei Luther. S. zuaoken. Acc-, s. Akk- u. Akz-. ach! Auferung der Schmerzempfindung, Anstrengung, Rührung, seltener der Freude. Mhd. ach, ahd. h; nach Grienberger Unter- such. z. got. Wortkunde 17 mit got. al«aber⸗ zu verbinden. Vgl. aber auch lat., ital., span., portug. ahl. Substantiviert: ACh n., wie schon mhd. Redensart: mit Ach und Krach, d. i. mit Stöhnen aus großer Anstrengung, mit genauer Not, kaum. ach, s.-g. Achat, m.(es, Pl.-e): ein Halbedelstein. Mhd. achat oder achates. Aus dem gleichbed. gr. Jat. achates, gr. dxúrnc m., von dem Fluß AcChates in Sizilien benannt, an dessen Ufern dieser Stein nach Plinius hist. nat. 37, 54 zu- erst gefunden wurde. Achel, f.(Pl.-n): Ahrenstachel(Voß 2, 255); abgefallener Khrenstachelsplitter; Sten- gelsplitter bearbeiteten Flachses oder Hanfes. Aus dem Nud., wo aggel mit(spirantischem 9) gesprochen wird. Adelung verzeichnet Achel als ndrsüchs. neben dem hd. Agel, das frühnhd.(z. B. 1537 pei Dasypodius agel oder egel«festuca») erscheint, auch noch bei Schu- bart 2, 211 die Ageln(in der 3. Bed. von Achel). Dazu ahd. ahil f.«Ahre», vgl. auch ags. egle Pl. «KAhrenspitzeny, engl. ail«Granney. S8. Ahne und Ahre. acheln, v.: essen. In der Juden- und Gaunersprache. Aus hebr. ãxhäl«essen». Schon bei Fischart(Pract. Großm. 50), als rotwelsch 1510 im Liber Vagatorum(Kluge 53). Achse, f.(Pl.-/): Stange, dann Linie, um die sich etwas im Kreise bewegt. Mhd. ahse, ahd. H⁵νsεα f.; dazu ndl. as, ags. eaæ f. und mit Weiterableitung anord. rl, schwed. dän. axel m. Achsey. Urverwandt mit lat. axis m., gr. dEw m., abg. 087 f., lit. ass f., preuß. dssis, kymr. echel, aind. ãxsas m.«Achse. Ob das Wort weiter auf die Wurzel ag(in lat. agere, gr. ãerv«bewegen», anord. aka«fahren, führen») zurückgeht, ist unsicher. Achsel, f.(Pl.-n): der Körperteil, der die bewegliche Verbindung des Armes mit dem Rumpf ausmacht. Mhd. ahsel, ahd. ahsala f.; dazu asächs. ahsla, ags. eaæl, anord. 5rl, schwed. dän. lσσ f.«Achseb, abgeleitet von Achse. Lat. arilla Achselhöhley(auch äla«Flügel» aus raxla) ist urverwandt. Aus dem Germ. gehört noch(mit Ablaut) ahd. uohsana, mhd. uohse, dehse f., schweiz. Mochs«Achselhöhles(dazu ndl. oxsel m.«Achsel?) hierher. Redensarten: über die A. ansehen, d. i. geringschätzig, stolz oder mit Hohn; uf beiden Achseln tragen csich zweideutig benehmen, um es mit keinem zu verderben⸗; die Achseln zucxlen unent- schlossen seiww. ZUS. Achselbein, n.: Schul- terknochen, mhd. ahselbein, ahd. ahsalbein n. acht, Zahlwort. Aus mhd. ahte, ahd. ahto; dazu asächs. ahto, udl. acht, afries. achla, ags. echta, engl. eight, anord. äãtta, schwed. atta, dän. otte. Urverwandt mit lat. octo, gr. ökrü, altir. ochtn, lit. astuond, abulg. osml, arm. uth, aind. ast=(ein alter Dual). Substantivisch: Acht f.(1556 bei Frisius 913 b eyn achte).— 4BL. achte, Ordnungszahl. Mhd. ahte, früher ahtode, ahd. antodo; dazu asächs. antodo, ndl. achtste, afries. achtunda, ags. eahtoda, anord. ãtti, schwed. dttonde, dän. ottende; 1540 bei Alberus Dict. rr 1² der achtest.— Achter, m.: die Zahl 8, Münze von 8 guten Groschen, von 8 Pfennigen, bei Stieler 1691. Z08. Achtel, n.(*s, Pl. wie Sg.), geschwächt aus chtteil: der achte Teil; ein aus 8 Teilen bestehendes Trockenmaß, mhd. ahtteil, ahtel. achtzig, s.-eig. 1Acht, f.: Richtung des Geistes worauf; Aufmerksamkeit, Fürsorge. Mhd. aht, ahte, ahd. ahla f.; dazu ags. echt f., got. anord. nicht vorhanden, doch erscheint hier die Ab- leitung cũtla(aus rahtilön)«meineny. Die gleiche Wurzel(Grundbed. wohl«sinnen»), zeigen got. aha m.«Verstand», ahjan«meinen? (zu gr. äccoua«im Geiste sehen), ahna m. Geisty. Die Verwandtschaft der germ. Worte mit lat. oculas, gr. öruro, wird von Uhlen- beck, Btr. 17, 115 bestritten, aber sein eigener Vergleich der Worte mit gr. öxvéw«zauderns- ist kaum richtig.— achten, v.: den Geist 21 Acht Adel 22 worauf richten; eine daraus hervorgehende Meinung wovon haben; in seiner Meinung höher oder tiefer stellen(ohne Adv.= hoch- achten erst bei Adelung 1774); Aufmerksam- keit und Fürsorge schenken. Mhd. ahten, ahd. ahtôn; dazu ndl. achten, ags. eahtian. 4 BL. achtbar, adj. und adv.: höhere Meinung ver- dienend, mhd. ahtbœre.— achtlos, adj. und adv.: ohne Aufmerksamkeit, bei Stieler 1691. — achtsam, adj. und adv.: Aufmerksam- keit und Fürsorge zeigend, mhd. nur in un- ahtsam.— Achtung, f.: Wendung der Auf- merksamkeit und Fürsorge worauf; aner. kennende Meinung wofür, spätmhd. ahtunge, ahd. ahtunga f. Acht, f. Ausschließungvom Rechtsschutz. Mit Kürzung des Vokals(doch Aacht noch Oelinger S. 34) aus mhd. ähfe, ahd. ühta f. Verfolgung»; dazu ags. öht. Als germ. Grund- form ist ranhto anzuschen, die kaum zu eng (s. d.), also eig.«Bedrängung», eher zu gr. àvdun, altir. écen wang», kymr. angen Notwendigkeit, Zwang', lat. necãre«tötenꝰ, nocẽre«schädigen» usw.(vgl. Walde s. v. neco) gehört. 4BL. ächten, v.: außer Recht und Heimat setzen; der Verfolgung preisgeben. Mhd. œhten, ahd. hten cverfolgeny; dazuasächs. ãhtian, ags. Ehtan«verfolgen».— Achter, m. (es, Pi. wie Sg.): der in der Acht steht(Uh- land Ernst von Schwaben 2, 1). Mhd. œhtcre, aber auch in der Bed.«Verfolger», ahd. ähfäri Verfolger). Achterdeck, n.(-s, Pl.-e): Hinterdeck des Schiffes. In der niederd. Seemannssprache; achter ist ndd. Form für after(s. d.). achtsam, Achtung, s. ¹Acht. ächzen, v.: ach schreien; tief aus der Brust gepreßte Schmerzenslaute ausstoßen. Mhd. achzen, echzen. Von ach. Acker, m.(-s, Pl. Aker): Pflugland; einem Eigentümer angehöriges abgegrenztes Stück Pflugland; ein gewisses Landmaß. Mhd. acker, ahd. acchar, ackar m.; dazu asächs. accar, ndl. aker, ags. œcer, engl. acre, anord. akr, schwed. äker, dän. ager m. Acker». Es stimmt der Lautverschiebung gemäß mit den gleich- bed. lat. ager, gr. rpöc m. und skr. djras «Flur, Ebenes und wird gewöhnlich zu der Wurzel gestellt, die sich in lat. go, gr. a⁶, ai. djämt ctreibe, tue», anord. aka«fahren?, zeigt, unter Annahme einer Entwicklung, wie in Trift zu treiben. Doch ist dies durchaus unsicher. Vgl. Hirt Idg. Forsch. Anz. 13, 9f. 4BL. ackern, v.: mittelst des Pfluges Land bauen, spätmhd. ackern(dafür früher ern, s. Ernte). ZUS. Ackerbau, m., frühnhd. (bei Luther).— Ackermann, m., mhd. acker- man, ahd. accharman, ags. æcermon. Dazu das Dim. Ackermännchen n, in vielen Gegen- den Benennung der Bachstelze, weil sie sich im Frühling ihrer Nahrung wegen beim Pflügen (Ackern) regelmäßig einfindet. 1517 bei Tro- chus H 4 b ckermenchen. Ackermennig, s. Odermennig. Ackerwurz, f.: der Kalmus, dessen Wurzel als Gewürz und Heilmittel dient. Mhd. acker- wurz. Acker- geht hier auf den gr. lat. Namen dieser Pflanze zurück: acorus, gr. äxopoc f. Adam, Eigenname, hebr. adam«Menscho. Redensart: der alte 4. d. i.: der alte sündige Mensch, die angeborne sündhafte Natur(häufig bei Luther). ZUS. Adamsapfel, m.: der vorstehende Teil der Luftröhre(bei Jablonski 1721). Früher dafür Adamsbiß; nach einem verbreiteten Volksglauben ist Adam beim Ge- nuß des verbotenen Apfels im Paradies ein Stück davon(meist wird an den Apfelbutzen gedacht) im Halse stecken geblieben. addieren, v.: zusammenzühlen. Von lat. addere(aus ad zu» und dare«gebens ge- bildet) chinzutunv. Schon 1514 bei Böschen- steyn A 33. adé, Interj.: lebe wohl! Substantiviert: Ade n.: das Lebewohl. Mhd. adé, verkürzt aus franz. adieu(eig. à dieu zu Gott! Gott befohlen»!). Diese franz. Form selbst wurde wieder seit 1600 üblich(volkstümlich in adjes entstellt), während ade der poetischen Sprache verblieb. Adebar, Adebär(Claudius 3, 66), m. (7n, Pl.-en): in Niederdeutschland verbreitete (früher allgemeinere) Benennung des Storches. Aus mhd. odehar, odeher, ahd. odobero, dazu mnd. odevare, ndl. ooievaar m. Gewöhnlich als Glückbringer(od«Glück», s. Allod, bero Träger, Bringer», s. gebären) erklärt. Adel, m.(-s, ohne Pl.): Geschlechts- und Standesvorzug; Gesamtheit der so Bevorzug- ten; Erhabenheit über das Gemeine als sitt- licher Vorzug. Aus mhd. adel n., seltener m., ahd. adal n.«Geschlecht, von dem man her- stammt, besonders ausgezeichnetes»; dazu asächs. adali n. Geschlecht, Gesamtheit der Edeln», ndl. adel m., ags. œdelu n. Pl.«natür- liche Anlage, vornehme Geburt», anord. adal n. cnatürliche Beschaffenheit, natürliche Anlage». Grundbed.«Geschlechty als Vorzug der im Stande höher Stehenden. Dazu noch(mit Ab- 2* 23 Adept 24 adoptieren laut) ahd. uodil uodal, asächs. Odil, ags. Edel, anord. Odal n.,«Erbgut, Heimat). 4 BL. adlig(eigentlich adlich zu schreiben, vgl. hillig), adj., mhd. adellich, ahd. adallih. adeln, v.: in den Adelstand erheben; über das Ge- meine erheben. Bei Dasypodius 1537, während mhd. dafür edeln erscheint. Mit Adel- zus.- gesetzt sind viele Eigennamen: Adalbert, ge- kürzt Alhert, Albrecht, ahd. Adalbert, ur- sprünglich Adalperaht(ahd. veraht,«glän- zend»); Alfons, ahd. Adalfuns(ursprüng- lich wohl Hadufuns, ahd. hadu,«Kampfꝰ, funs cbereity, vgl. H. Kern ZfdW. 9, I f.); Adelheid, ahd. Adalheit, franz. Adélaide (ahd. heit«Gestalt, s. heit); Adele, franz. Adele, geht zurück auf ahd. Adala«die aus- gezeichneten Geschlechtes ist»; abgeleitet ist der Familienname Adelung, ahd. Adaluenc. S. edlel. Adept, m.(-en, Pl.-en): der in die ge- heime Kunst des Goldmachens, der Bereitung des Lebenswassers usw. Eingeweihte. Von lat. adeptus«wer etwas erlangt hats, Part. Perf. von adipisci«erlangen». Bei Sperander noch in lat. Form adepti(Pl.). Ader, f.(Pl.-ʒ): den tierischen Körper durchziehender Gang, Sehne, Blutgang; sonst innerer Gang, z. B. des Erzes, im Holze; be- sondere Begabung wofür, z. B. dichterische 4. (die Adern galten früher als Organe des Seelen- und Gemütslebens). Mhd. äder, ahd. ädara f.; dazu ndl. ader, aar, ags. dre, schwed. äder, aͤdlra, dän. aare f.; anord. cõᷣ(T ist Nominativendung) entbehrt des ableitenden r. Das Wort, das im Got.*ꝶ ra lauten würde, gehört mit gr. irop n. Her⸗„ rpov n. Bauch? zusammen, also Grundbed.«Eingeweides(diese Bed. hat das mhd. incedere n. noch). 4L. äderig, adj., spätmhd. cderic. ädern, w.: dder Adern durch Herauslösen benehmen, mit Adern künstlich versehen, mhd. ædern. ZUS. Aderlaß, m., seltener n.,(Gen. Aderlasses, Pl. Aderlässe und Alasse): Ablassen von Blut durch Einschnitt in eine Ader, spätmhd. äder- läz f.(2), gewöhnlich äderlaæze f.(wie auch einfach lœze f., alem. la?); auch nhd. er- scheint ein fem. Aderlässe(bei Frisius 270a, Maaler, Henisch, Frisch, sogar noch bei Schu- bart 2, 78, Schiller 9, 377 u. andern Schwaben) oder Aderlasse, Jaß(noch bei Ludwig 1716), während Adelung für das Mask. eintritt(nach Analogie von Darch-, Einlaß usw.).— Ader- schlag, m.: Schlag der Pulsader(Schiller Kab. u. L. 5, 2), mhd. ädler slac. Adjektiv, n.(-es, Pl.-e): aus nlat. ad- jectivum«was sich wozu setzen läßty, von achicere chinzutuny. Von Helvicus durch«zu- ständiges Nennwort», von Zesen Helikon 1649 durch«beiständiges Wort», von Schottel durch cbeiständiges Nemmwort), von Gottsched durch Beiwort verdeutscht; in neuerer Zeit ist Eigenschaftswort» beliebter. adjes, s. ade. Adjunkt, m.(-en, Pl.„en): der beige- gebene Amtsgehilfe. Aus lat. adjunctus, Part. Perf. Pass. von adjungere«zu-, beifügen?. Bei Frisch 1741 Acjancke. Adjutant, m.(en, Pl.-en): Hilfsoffizier zur Beförderung der Befehle. Aus lat. ad- Jutans, Gen. adjutantis, Part. Praes. von ad- Jultare«helfen». Schon 1617 im teutschen Michel. Adler, m.(-s, Pl. wie Sg.): aus mhd. adelar, adlar, adler(Gen. adelarn etc.), auch adelarn m., wie ndl. adelaar, zusammengesetzt aus ahd. adali«edelꝰ und aro Aars(s. d.). Bei Luther auch adeler, was sich in der poeti- schen Sprache bis ins 18. Jh. erhält(bei Vot). Die urspr. schwache Flexion ist schon bei Lu- ther der starken gewichen, der Akk. Adlern je- doch noch bei Hoffmannswaldau Verm. Ged. 3. ZS. Adlerblick, m.: ausgezeichnet scharfer Blick(Gotter 1, 398).— Adlernase, f.: stark gebogene Nase(bei Henisch 1616 adlers nas). administrieren, v.: ein Amt verwalten. Von lat. administrare chilfreich an die Hand gehen, besorgen, verwalten⸗(von ad und ministrare sbedienen, besorgen»). In der früh- nhd. Kanzleisprache. 4L. Administration, f.(Pl.-en): Verwaltung(Ordnungen 80b). Von lat. administratio, Gen.-önis. Admiral, m.(-s, Pl.-e): Flottenführer. Aus afranz. miral, das auf arab. anur-almä «Befehlshaber des Wassers» beruht. Schon mhd. findet sich aniral, adkmirät als Titel des morgenländischen Kalifen, um 1500 erfolgte Neuentlehnung in der Bed. Flottenbefehls- haber?(1507 bei Wilwolt von Schaumburg 118 fg. amirall, amerall, bei Fronsperger Kriegsbuch 1, 159 b Admiral). 4BL. Admi- ralität, f.: die Gesamtheit derer, die die Oberaufsicht über das Seewesen haben. Im 17. Jh. Adolf, Mannsname, aus einem got. Namen, der latinisiert Ataulfus lautet und dessen alfus got. 2³α⁴†s«Wolf»(s. d.) ist. adoptieren, v.: an Kindesstatt annehmen. Von lat. adoptare«annehmen, bes. an Kindes- statto(von ad und optare ssich ausersehen). 25 Adresse after 26 Frühnhd.(Franck teutsche Chronik 262).— dän. abe m. Aus dem Germ. stammt slav. opica. Adoption, f.(Pl.-en): Annahme an Kindes- statt, frühnhd.(Sallust O 4). Von lat. adoptio, Gen.-onis. Adresse, f.(Pl.-n): Aufschrift auf einem Brief; feierliches Schreiben. Aus franz. adlresse in der 2. Bed. zugleich unter Einfluß des engl. address«Schreiben des Parlaments an den König».— adressieren, v.: wohin zum Emp- fang überschreiben. Aus franz. adresser, das auf dem mlat. directiare«wohin richten»(von directus, s. direlct) beruht. Advent, m.(-es, ohne Pl.): die Zeit vom vierten Sonntag vor Weihnachten bis zu diesem als dem Feste der Ankunft Christi im Fleische d. i. seiner Geburt. Mhd. advent, advente m. von lat. adventus m. Ankunft». Adverb, n.(-S, Pl. Adverbien): das Be- stimmungswort des Verbums und des Adjek- tivs. Aus lat. adverbium, das nach ad verbum zum Verbum(Zeitwort) gehörig» gebildet ist. Von Helvicus durch Beiwort», von Schottel durch«zuwort», von Gottsched durch«Neben- wort» verdeutscht, in neuerer Zeit durch«Um- standsworty(schon 1619 bei Helvicus allgem. Sprachkunde 10 Umbstandawort). Advokat, m.(-en, Pl.-en): wer als Rechts- gelehrter jemandes Sache vor Gericht zu führen hat, der Sachwalter, Anwalt,(schweizerisch) Fürsprech. Aus lat. advocatus m.«der zur Rechtsbilfe Herbeigerufene», Part. Praet. Pass. von advocare cherbeirufen». Im 15. Jh. entlehnt (Eyb 2, 98, Fastnachtspiele 821, Liliencron 2, 531). 4BL. Advokatur, f.: das Advo- katenamt. Aus nlat. advocatura f. Bei Spe- rander 1728. äfern, v.: wiederholen. Bei Luther Spr. Sal. 17, 9 evern, wobei am Rande«widerholen, wider anziehen, wider regen etc'. Mhd. ãveren, ahd. avaron von avar, s. aber. Noch jetzt bayr. schwüb. schweiz. äfern«wiederholt in Worten vorhalten, tadeln», dafür oberhess. äftern. aff, s.-a. Affäre, f.(Pl.-n): Angelegenheit, Sache; kriegerisches Treffen. Aus dem gleichbed. franz. affaire f., entstanden aus à faire«zu tun). In der 1. Bed. im 17. Jh. entlehnt(Weise Cath. 110); in der 2. z. B. bei Lessing(Minna v. Barnhelm 1, 12). Affe, m.(-n, Pl.-n): das Tier; wer etwas lächerlicherweise nachmacht; eitler, törichter Mensch. Mh. affe, ahd. affo m.; dazu ndl. aap, ags. apa, engl. ape, anord. api, schwed. apa, Zusammenhang mit gr. xfroc, skr. Kapis m. «Affe» ist sehr unsicher. Vgl. O. Schrader Real- lex. 19. 4 B L. äffen, v.: zum Toren machen, zum besten haben, mhd. effen. Davon Afferei, f.(bei Luther). Affin, f.(Pl.-nen), mhd. im 17. Jh. entlehnt(Weise pol. Näscher 34), äfpinne, effinne, effin; ahd. affinna; anord. apynja. äffisch, adj., bei Luther 1, 514 b ef- fisch. ZUS. Affenliebe, f.: blinde, verzär- telnde Elternliebe(Grimmelshausen Simpl. 347). Affenspiel, n.: Narrenpossen, mhd. affenspil. Affekt, m.(-es, Pl.-e): Gemütsbewegung. Von lat. affectus m.«Gemütsstimmung, er- regung» von afficere(s. affizieren). Frühnhd. (1534 bei Franck Weltbuch a 4b). 4BL. af- fektieren, v.: zum Schein annehmen, be- sonders auf gezierte Weise, erkünsteln. Aus franz. affecter, das auf lat. affectare beruht. Im 17. Jh. entlehnt, das Part. Praet. bei Günther 429 affectiert, während bei Schupp 2, 183, der lat. Form näher, affectat. äffen, Affin usw., s. Affe. affizieren, v.: angreifend erregen, Ein- druck machend berühren. Aus lat. afficere (von ad und facere«tun, machen» gebildet) chinzutun, Eindruck machen, in eine gewisse Stimmung versetzen». Schon bei Rot 1571 afficirn. Affodill, m.(-s, Pl.-e): lilienartiges Gar- tengewächs mit vielen kleinen Wurzelknollen. Spätmhd. afrodille m. Mit Anlehnung an Affe und Dill aus gleichbed. gr.-lat. asphodilus, gr. dcqdeNoc m. Affolter, m.(-“s, Pl. wie Sg.): Apfelbaum (fast nür noch in Ortsnamen wie Affolterbach erhalten). Von mhd. affalter, ahd. affoltra, apholtra(fdWf. 2, 210) f.; dazu ags. apulder m. und apuldre, œpuldre f., anord. apaldr m., schwed. apel(früher apald), dän. abild. Ab- geleitet von Apfel(s. d.); wegen der ange- tretenen Ableitung vgl. Hollunder, Maßhol- der, Wachholder. Afrusch, s. Aberraute. After, m.(-s, Pl. wie Sg.): der Ausgang des Mastdarms. Mhd. after(Gen. aftern), ahd. aftaro, substant. gebrauchtes M. des ahd. Adj. aftaro, mhd.(selten) after«der hintere, nachfolgende, anderes von after(s. d.). Vgl. Hintere. Die urspr. schwache Flexion(noch bei Ludwig 1716) ist jetzt ganz der starken gewichen. after(veraltet), Adv. und Präp. mit Dat., seltener Akk.: hinter, nach. Mhd. after, ahd. aftar chinter, nach»; dazu nd. und ndl. achter 27 Agel ah! 28 (s. Achterdeck), ags. æfter, engl. after«nachy, got. aftru«zurück, wiederum. Weiterbildung von got. af, s. ab und aber. In Zusammen- setzungen nimmt after- gern den Begriff des Scheinrechten und Schlechten an; es kommt in dieser Bed. des Negativen, Verkehrten schon mhd. neben den gleichbed. Präfixen ab- und aber-(s. d.) vor und verdrängt diese im nhd. bis auf einzelne Reste. ZUOS. Afterbürde (5. Mos. 28, 57 Affterbürt) f.: die Nachgeburt. Aftergröbße, f.(Schiller 11, 323): Schein- größe, falsche Größe. Afterklaue, f.(auch Aberklcuse): die kleine Hornspitze über dem Ballen an den Läufen des Wildes(bei Duez 1664). Afterkönigin, f.(vgl. Afterkönig bei Nieremberger 1753): unrechtmäüßige und Scheinkönigin(Schiller Maria Stuart 1, 6). Afterlehen, n.(bei Henisch 1616): das von einem Lehnsträger an einen Dritten vergebene Lehen. Aftermiete, f.(erst bei Campe 1807): Vermietung durch den zur Miete Wohnenden an einen Dritten. Aftermontag, m.:(im östl. Schwaben) der Tag nach dem Montag, der Dienstag, mhd. aftermäntac. afterreden, v.(vgl. mhd. afterrede f.): verleumderisch nachreden(bei Luther). Aftersabbath, m. (Luk. 6, 1): der Tag nach dem Sabbath. After- weise, m.(bei Aventin afterweis): Schein- weiser. Afterwelt, f.: Nachwelt(Hoffmanns- waldau Heldenbr. 51). Agel, s. Achel. Agende, f.(Pl.-n): Formularbuch für das, was der Geistliche bei seinen Amtshand- lungen vorschriftsmäßig zu reden hat. Aus lat. agenda, eig.«die vorzunehmenden Hand- lungen⸗, N. Pl. von dem Part. Fut. Pass. von agere«tun. In den Kirchenordnungen von 1582 agend. Agent, m.(-en, Pl.-en): Geschäftsbesorger. Aus dem gleichbed. ital. agente, franz. agent m., das auf lat. agens, Gen. agentis«tuend, aus- führend», Part. Praes. von agere«tun, aus- führen» beruht. 1586 bei Fischart Bodinus 336. 4B 2L. Agentur, f.(Pl.-en): die Geschäfts- besorgung als Gewerbe. Aus einem nlat. agenkurd. Agide, f.: kräftiger Schutz. Eig. der(mit einem Ziegenfell überzogene? oder aus Eichen- holz bestehende) schreckende Schild des Zeus. Nach franz. égiddef. aus gr. lat. aegis, Gen. degidis, gr. atfic, Gen. airidoc. Junge Entlehnung. agieren, v.: handeln, wirken; mit Ab- sicht sich benehmen als—. Aus lat. agere (s. Agenk). Schon bei Rot 1571 agirn. Agio, n.(spr. ãschjo): das Aufgeld beim Umtausche von Münzsorten oder Wechsel- briefen gegen bares Geld. Aus piemontesisch agio, ital. aggio m. eig.«Gemächlichkeit, gute Gelegenheit», dann«Erkenntlichkeity, die man dem Wechsler für den Umtausch gibt. Bei Nehring 1694 mit den Nebenformen lagio(mit dem Artikel*), lazo, von denen die letzte schon um die Mitte des 17. Jh. vorkommt, bei Krämer 1678 Laschi. agitieren, v.: erregend auf die Menge einwirken, bes. in politischer Absicht. Aus franz. agiter«erregen,(politisch) aufwiegeln», entlehnt aus lat. agitare,«in Bewegung setzen?, abgeleitet von agere(s. Agent). Erst in der neuern Sprache. 48. Agitator, m.(-s, Pl.-en). Mit der lat. Endung-ator nach franz. agitateur m. Aglei, f. eine glockenblumenartig blühende Gartenzierpflanze. Mhd. agleie, ageleie, ahd. agaleid, agleia f., aus ital. aquilegia d. i. die wasserziehende(?). S. Akelei. Agnat, m.(en, Pl.-en): Blutsverwandter von väterlicher Seite. Aus dem gleichbed. lat. agnatus m. d. i. ad-gnatus. In der früh- nhd. Rechtssprache(Liliencron 2, 531). Mhd. sagte man stertmäc. Agnes, Frauenname. Aus mlat. A9nes, dem Namen einer um 300 zu Rom enthaupteten jungfräulichen Heiligen, früher von lat. ag- nες m., agna f.«Lamm' abgeleitet, vielleicht zu gr. Tvn, Fem. des Adj. dvc,&rvöc srein, keusch, heilig?. Agraffe, f.(Pl.-n): die Hakenspange; Hutschleife. Aus dem gleichbed. franz. agraffe, agrafe f. von agrafer«zuhäkeln?, gebildet aus ad und einem v.*grafer aus ahd. Kräphön von kräpho«Hakeny, s. Krapfen. Im 17. Jh. ent- lehnt(1710 bei Nehring). Agrarier,(-s, Pl. wie Sg.): Mitglied einer auf Begünstigung der Landwirtschaft ab- zielenden Partei. Neues seit 1874 aufkom- mendes Wort von lat. agrarius adj. um Acker(ager) gehörig». Agtstein, m.(-s, Pl.-e): Bernstein. Aus mhd. agestein, agetstein«Bernstein, Magnet»; aget- geht wohl auf rom.(ital. span.) agata f. «Achat zurück, da Achat, Bernstein, Magnet hinsichtlich der größern oder geringern An- ziehungskraft verwechselt wurden. Bei Agri- cola de re metallica 1546 gagates, schwartzer agatstein oder aidstein. ah! Ausruf des Staunens und Wohlge- fallens. Mhd. ã. Vgl. franz. ital. span. ah. 29 äh ähneln 30 üh! Interj., s. ä. ahä! Ausruf der Uberraschung, mhd. ahã. Das an a(hier kurz) angehängte hã ist wohl Ausdruck des Lachens. ahi! Ausruf der lebhaften Freude und der freudevollen Verwunderung. Dichterisch (bei Goethe, Bürger, Hölty). Mhd. ah?, Aus- ruf des Schmerzes, des Verlangens, der Ver- wunderung. Aus franz. ital. ahi. Ahle, f.(Pl.-n): an ein Heft befestigter stählerner Stachel zum Vorstechen bei Leder- arbeit. Aus mhd. äle, ahd. ãla f.; dazu ndl. aal, ags.&l f.(daneben Guwel, engl. ao¹), anord. alr m. Ahle». Eine Weiterbildung zeigt ahd. alansa(daher schweiz. schwäb. Alse), vgl. franz. aléne aus alesne und ndl. els f.«Ahley. Verglichen wird aind. ärã f. Pfriem, Ahley, lit. Na, preuß. lo, lett. llens«Ahley. Vgl. noch Lidén Idg. Forsch. 18, 492. Die Schrei- bung Ahl bei Gueintz 1645, sonst im 17. Jh. auch oft Aal; Ahle erst bei Nieremberger 1753. Neben dem F. auch ein M. Akl(noch bei Heynatz 1775 und Adelung, daneben noch N.). Ahm, f., s. Ohm. ahmen, s. nachahmen. Ahn, Ahne, m.(/, Pl.-n):(veraltet) Großvater; Vorvater eines Geschlechts(1626 bei Zinkgref Apophth. 1, 339). Ahne, f.: Großmutter, Vormutter eines Geschlechts. Der Pl. Ahnen: Voreltern. Mhd. an, ane, ahd. ano m. Großvatery; mhd. ane, ahd. ana f. Großmutter». Nicht in den andern germ. Sprachen, vgl. Enkel. Verwandt ist lat. anus calte Frauy, apreuß. ane«Altmutterꝰ, lit. anita«Schwiegermutter», arm. han«avia», gr. Avvic«Schwester des Vaters oder der Mutter⸗ Hesych. Die urspr. schwache Flexion des M. weicht jetzt im Sg. z. T. der starken(Gen. Ahns, Platen 2, 246; Dat. Ahn Schiller Tell 2, 2, Uhland 254; Akk. Ahn Goethe 2, 249, Heine 1, 33). Davon abgel. das schweiz. Dim. Ahni (Ehni Schiller Tell 3, 1, schon 1384 eni, 1448 äng«Großvater», 1541 bei Frisius 697 der äne, des großwatters vatter). ZUS. Ahnherr, mhd. anherre m. Großvater, Vorvater». Ahn- frau, mhd. anvrouabe f. Großmutter, Vor- mutter». Dafür bei Voß Luise 3, 1, 636 Ahnin f. rahnden, v.:(veraltet) seinen Unmut über ein zugefügtes Ubel äußern, rügen; rächend bestrafen. Mhd. anden, ahd. andön, anadõn «strafen, rügenꝰ, mnd. anden auch«andeuten»; dazu ags. andian«zornig seiny. Abgeleitet von mhd. ande m.«erbitternde Kränkungy, ahd. ando, anado m. cheftige Erbitterung, Aufwallung über Kränkung, Eifer»; asächs. ando m.«Aufgeregt- heit, Zorn, ags. anda m. Haß, Arger, Eifero, alle zurückgehend auf got. anan chauchen, atmen? in usanan«sterbenꝰ vgl. anord. andi m., önd f. «Atem, Geisty(verwandt mit lat. animas Geisto, anima f.«Seeles, gr. ävenoc m.«Wind). Doch vgl. Brugmann Ber. d. sächs. Ges. d. W. 1897, 30, der gr. vécoc«Krankheitsmit dem germ. Wort verbindet, auch lat. nota, notãre«kenn- zeichnen, tadeln, rügen» läßt sich vergleichen. Das Wort lautet älternhd. meist anden(so noch Frisch 1741, während Nieremberger 1753 ahnden hat) und entstammt dem Obd., wo es auch noch in der ältern Bed.«sich über etwas beklagem(Schönsleder 1618),«seinen Un- mut über etwas äußerns(Dentzler 1709) vor- kommt(vgl. auch das in md. und obd. Mund- arten verbreitete es ist mir and es ist krän- kend für mich, tut mir leid», in Leipzig es tat mir ãnde); in der 2. Bed. ist es aus der Kanz- leisprache in die Schriftsprache übergegangen (z. B. bei Moscherosch Phil. 2, 917). 48 L. Ahndung, f.:(veraltet) Außerung des Un- muts, Zorn; Bestrafung. Frühnhd.(bei Franck Chron. 1762). zahnden, v.: wie ahnen(s. d.). Dazu ahndevoll, adj. und adv.: voll einer dunklen Vorempfindung wovon(Goethe 2, 65 u. ö.). 1Ahne, f.: Groß-, Vormutter, s. Ahn. 2Ahne, f.(Pl.-n): Stengelsplitter von Flachs oder Hanf; Stachelsplitter vom Barte des Getreides. Zusammengezogen(bei Alberus Dict. Qd 1 b und tt 1² unrichtig aus der wetterauischen Mundart verhochdeutscht dan statt an) aus mhd. agene, agen, md. auch äne, aine, ahd. agana f.«Spreus; dazu ags. egenu, anord. ögn«Spreuy, schwed. agn f. Granne», dän. awme«Spreus, engl.(entlehnt) aaon eAbfall von Ahrenspitzens», got. hana f. «Spreu». Aus der gleichen Wurzel wie Agel oder Achel(s. d.) und Are(s. d.). Verwandt sind lat. agna f. aus racna«Ahrenstachel, gr. äxvn f.«Spreuy, preuss. ackons«Granney und mit andrer Ableitung auch lit. alciotas«Granne». Ahne ist erst neuerdings schriftsprachlich; Stieler 1691 setzt Agen(daneben Aumnen) an, Adelung Age f. und bezeichnet Ahke als mundartlich. ähneln, v.: nur etwas ühnlich sein; einiger- maßen ähnlich machen(Goethe Faust 5079). Zuerst 1652 bei W. Scherffer Ged. 197, 1775 bei Heynatz als ein Wort aus dem gemeinen Leben angeführt, im ältern Nhd. dafür ähn- lichen. 31 ahnen Akkord 32 ahnen, v.: dunkel vorempfinden. Auch unpersönlich mit Dat. oder Akk.(oft bei Klopstock) verbunden. Mhd.(in md. Quellen) mir anet und mich anet, daneben auch andet, aus dem aber anet nicht hervorgegangen sein kann, vielmehr Ableitung von der Praep. ane also eig. ces kommt mich etwas an»; später mit anden(s. ahmden) vermischt. Im 16. Jh. bei Luther mir(mich) ahnt, bei Alberus Dict. V 22 es anet mir, daneben wird anden(Formen wie ant, andt als 3. Sing. sind zweifelhaft) auch in der Bed.«vorempfinden» gebraucht, z. B. bei Hans Sachs. Im 17. Jh. tritt ahnen ganz hinter ahnden zurück(in der Bed.«dunkel vorempfinden? bei Duez, Krämer; Stieler hat, ahnen und anden). Im 18. Jh. stehen lange ahnen und ahnden nebeneinander, Heynatz 1775 im Handbuch und noch 1796 im Antibarbarus zieht ahnden vor, Adelung verwirft noch 1793 ahnen(in ndd. Dialektwörterbüchern mehr- fach verzeichnet) als niedersächsisch, während Campe 1807 in der jetzt üblichen Weise zwischen ahnen und ahnden unterscheidet. Goethe gebraucht ahnden(s. ahndevoll), doch in der Ausgabe letzter Hand meist ahnen. Aus dem Deutschen schwed. ana, dän. ane. 4BL. Ahnung, f., bei Stieler 1691. ähnlich, adj. und adv.: der Überein- stimmung annähernd. Aus mhd. änelich, anelich, ahd. analih, gew. anagilih, abgeleitet von dna any; dazu got. analeilcõ adv.«ühn- lich». Mit diesem Adj.(bei Luther enlich, bei Frisius 1294, Maaler 12 b änlich, bei Dasypodius 296 Aenlichheyt) scheint ein md. einlich(z. B. voc. praed. X 8 b einlich vel Rich machen æsimilarey, einlicher Waldis 2, 22, 6, eynligkeyt Alberus Dict. o 2²) ver- mischt zu sein, abgeleitet von oder angelehnt an ein. Vergl. Z. f. hd. Ma. 1, 299, 2ZfdW. 6, 100. 43L. ähnlichen, v.: ähnlich sein oder werden, mhd. anellchen. Ahorn, m.(es, Pl.-e): Platane. Mhd. ahd. horn(die Quantität des a ist unsicher) m., eigentlich ein Stoffadjektiv, vgl. Osthoff Parerga 188. Verwandt mit lat. acern. Ahorm, gr. äkocroc vdavoc(LRüster, Ahorn») Hesych. 4BL. ahornen, adj., mhd. ahornin. ZUS. Ahornbaum, m.: spätmhd. ahorn- boum, früher ahornenboum. Ahre, f.(Pl.-/): der oberste Blüte- und Fruchtteil der Gras- und Getreidearten. Aus dem Pl. von mhd. äher, eher, ahd. ehir, ahir n. «Ahrey; dazu ndl. aar, ags. éar und œhher, engl. ear, ferner mit erhaltenem s der Ab- leitung, das sonst in r übergegangen ist, anord. schwed. dän. ax, got. ahs n.«Ahre». Verwandt ist lat. acus f., Gen. aceris Ge- treidestachelꝰ, lit. aküotas m.«Granne, und da als Grundbed. der Wurzel der Begriff des Spitzigen anzusehen ist, auch lat. acies f. «Schärfey, acuere«schärfeny, gr. äxwwv m. «Wurfspieß usw., s. Walde s. v. acus, vgl. Ecke. S. auch Achel und Ane. Bei Luther ist das Wort schon Fem.(die Ehr, Eher), ebenso bei Henisch(die Ar, Ahr) und Gueintz (die Ahre), während z. B. Dasypodius noch das N.(Aher) hat. Aiche, aichen, s. Eiche. Akademie, f.: Hochschule, Gelehrten-, Künstlervereinigung. Aus gr.-lat. Academia, gr. Axadnuia f., der angeblich nach einem Heros Akademos benannte, zu Leibesübungen bestimmte Platz zu Athen, auf dem Plato lehrte; dann die von Plato gestiftete Schule. Im 16. Jh. entlehnt(Mathesius Luther 70 Kcademie). 4 BL. akademisch, adj., 1586 bei Fischart Bodinus 39, nach lat. academicus, gr. âxodnuikc. Akazie, f.: der Schotendorn. Aus gr. lat. acacia, gr. àkoxid f. Akelei, f.: wie Aglei(s. d.). Spätmhd. ackelegs, ahd. ackeleig und acoleia(Stein- meyer-Sievers ahd. Glossen 3, 402, 53), dazu mnd. acoleie, nld. axelei. Aus spätlat. aculegiu statt aquilegig. Akklamation, f.(Pl.-en): Beistimmung durch Zuruf. Aus lat. acclamatio, Gen. accla- mationis f.«Lurufs, von acclamare(d. i. ad- clamare)«zurufens. Bei Sperander 1728. akkomodieren, v.: anbequemen. Aus lat. accomodare(d. i. ad-comodare)«anbequemenꝰ. Schon bei Rot 1571 accomodirn. akkompagnieren, v.: in der Musik mit- spielend begleiten. Aus franz. accompagner cbegleiten», s. Kompagnie. Um 1600 entlehnt (Albertinus Kriegsleut Weckuhr 485). Akkord, m.(-es, Pl.-e): Ubereinkunft, abgeredeter Vertrag, im besondern der Lohn- vertrag; der stimmende Zusammenklang in der Musik. Aus dem gleichbed. franz. accord m. von mlat. accordun(d. i. ad-cordumn) oder ac- cordlium n., das auf lat. cor, Gen. cordis,«Herze zurückgeht. Im 16. Jh. entlehnt. 43L. ak- kordieren, v. vertragsweiseübereinkommen; auf den Preis unterhandeln; in Lohnvertrag übernehmen. Aus dem gleichbed. franz. ac- corder. Im teutschen Michel 1617 erwähnt, auch bei Moscherosch Phil. 1, 322. 33 akkurat Akzise 34 akkurat, adj. und adv.: sorgfältig, ganz genau. Aus lat. accuratus, eig. Part. Perf. Pass. von accurare(d. i. ad-curare)«Sorgfalt worauf verwenden, pünktlich besorgew.. Im 17. Jah. entlehnt(Weise Erzn. 7). 4BL. Akkuratesse, f.: Sorgfalt, völlige Genauig- keit im Tun, Pünktlichkeit. Mit der franz. Endung-esse nach ital. accuratezza f. ge- bildet, das lat. accuratitia lauten würde. Bei Sperander 1728. Akkusativ, m.(-es, Pl.-): der auf die Frage wen? oder was? stehende Fall. Aus lat. accusativus«anklägerischer(Kasus)), von accusare anklagen», eine Ubersetzung des griechischen Grammatikerwortes airiarixi f. (nämlich wröcic). akquirieren, v.: erwerben. Von lat. acquirere(aus ad und quaerere gebildet)«dazu erwerben, erwerbeny. Schon bei Rot 1571 aeguirirn. Akt, m.(-és, Pl.-e): Handlung, Ver- handlung; Verhandlungsschrift(daher von einer Sache A. nehmen, d. i. zur Kenntnis nehmen, eig. schriftlich); Aufzug im Bühnen- spiel. Aus lat. actas, Part. Perf. Pass. von agere chandeln, tuny. In der 1. Bed. bei Al- bertinus Lustg. 61, in der 3. Bed. schon im 16. Jh. in lat. Form actus, bei Opitz Akt.— Akte, f.: Verhandlung, Verhandlungsschrift, namentl. eines Parlaments. Bei Wächtler 1711. Aus lat. acta, Neutr. Pl. von actus.— Akten, Pl.: Verhandlungsschriften, Gerichtsschriften. Aus lat. acta. In der frühnhd. Kanzleisprache (Reichs-Ordnungen 42 b von 1500 neben acta). Aktie, f.(Pl.-n): Anteilschein als Ver- sicherungsurkunde bei einem auf Gewinn gegründeten gesellschaftlichen Unternehmen. Aus ndl. actie, das auf lat. actio Handlung» beruht, zu agere. Bei Ludwig 1716. 4L. Aktionär, m(-S, Pl.-e): Inhaber eines solchen Anteilscheins. Aus franz. actionnaire, das auf mlat. actionarius beruht, von actio, Gen. actionis«Handlung».-Erst im Beginn des 19. Jh. aktiv, adj. und adv.: tätig, wirkend. Aus lat. activus«tätigs, von ackus, s. At. Bei Wuͤchtler 1711 actif. Dazu Aktivum, n:: die Form des Verbums, in der es eine Tätig- keit ausdrückt, Tätigkeitsform.— Aktiva, Pl.;: tatsächliches Vermögen, ausstehende Schulden. Im 18. Jh. Aktuar, m.(-s, Pl.-e): der zum Auf- schreiben amtlicher Verhandlungen oder Aus- sagen Angestellte. Aus lat. actuarius m.«Ge- Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. schwindschreiber, Rechnungsführer, von actus, s. Akt. In dieser lat. Form schon bei Rot 1571. Akustik, f.: Wissenschaft von Schall und Ton, Klang- und Gehörlehre. Aus gr. âxou- cruci«die zum Hören gehörige»(nämlich réxvn Wissenschaft»), F. des Adj. dxoucrixöc von àxobery chören). Im 18. Jh. entlehnt.— akustisch, adj.: der Akustik gemüß. Akzent, m.(-es, Pl.-e): hervorhebender Silben- oder Wortton; Redeton; Tonzeichen z. B. ã d ε. Aus lat. accentus m. von acci- nere(d. i. ad-cinere)«wozu singeny. Um 1500 entlehnt(Luther 3, 582 Jen.). 4 L. akzen- tuieren, v., aus mlat. accentuayre, im 18. Jh. entlehnt(Lessing 7, 37). akzeptieren, v.: anerkennend annehmen. Wie franz. accepter aus gleichbed. lat. accep- tare(d. i. ad-ceptare). 1403 acceptiren(Frankf. Reichscorresp. 1, 739). Akzeß, m.(-Sses, Pl.-esse): Zutritt zu einem Amt, um sich in Ausübung desselben vorzubereiten. Aus lat. accessus m. zugang» von accedere(d. i. ad-cedere) c«herzutreten, kommen». Bei Rot 1571 in der allgemeinen Bed.«zugang», unsre spez. Bed. erst im 18. Jh. 4BL. Akzessist, m.(-en, Pl.-en): der sich einem Akzeß Unterziehende(Gotter Ged. 1, 100). — Akzéssit, n.: dem Hauptpreise für eine Leistung fast gleichgeltender Nebenpreis. Aus franz. accessit«Nebenpreiss, d. i. lat. accessit, ces ist hinzugekommen), der 3. Pers. Sing. Perf. von accedere(d. i. ad-cedere) cherzutretenꝰ. Akzidenzien, Pl.: Nebeneinnahmen in einem Amte. Aus lat. accidentia Pl.«zufällig Zukommendes», eig.«Zufall, von accidens, Part. Praes. von accidere(d. i. ad-cidere) «zufallem. Bei Krämer 1678 verzeichnet. Akzise, f.(Pl.-/): Zehr- und Waren- steuer; Stelle, wo sie in Empfang genommen wird. Aus dem gleichbed. franz. accise f., das auf mlat. accisia von accisum, Part. Perf. Pass. von accidere«an-, einschneideny zurück- geht, also eig.«Einschnitt, nämlich in die Kerb- stöcke, auf denen der Steuerbetrag des Pfiich- tigen eingeschnitten wary(diese Stöcke wurden gespalten und dienten, indem die eine Hälfte in der Hand des Steuerpflichtigen, die andere in der des Erhebers blieb, auch zur Quittung und Kontrolle). Schon seit 1300 nrhein. assise, accise, accinse u. dgl., allgemeiner im 16. Jh.(Schupp 1, 512 hat Accis als m., Schottel 1663 dagegen 4ccis f., bei Fischart Pract. Großm. 1607 C 6 b Acciser m.«Steuer- einnehmer). 3 35 Alabaster Aldermann 36 Alabaster, m.(-s, Pl. wie Sg.): fein- körniger, harter, polierbarer Gipsstein. Mhd. alabaster n. aus lat. alabastrum, gr. Xdßacrpov n.(daher got. alabalstraun), früher ddτpoc m.«sinteriger faseriger Kalkstein, daraus ge- arbeitetes Gefäßy. Dies stammt vielleicht aus dem Orient. Vgl. Levy Sem. Fremdwörter 55. 4B. alabastern, adj.: aus Alabaster;(bild- lich) blendend weiß. „Alant, m.(-es, Pl.-e): in schnellfließen- dem Wasser lebender, dickköpfiger, wohl- schmeckender Fisch vom Karpfengeschlecht, cyprinus cephalus. Mhd. alant, ahd. alant, alant; dazu asächs. qland m. Dunkler Her- kunft, vielleicht mit Aal zusammenhängend. 2Alant, m.(-es, Pl.-e): bei uns wild- wachsende Pflanze mit gewürzhafter, bitter schmeckender Wurzel, die als magenstärkendes Arzneimittel dient, inula helenium. Mhd. ahd. alant m. Wahrscheinlich von dem vulgär- lat. und span. port. la(Isidorus orig. 17, 11, 9), vgl. Albeere; die Pflanze(lat. inula f., gr. (kéviov n.) hat im Mlat. schwankende Be- nennung, z. B. anzlla, elna, ellenius. Alarm, m.(-es): aufregendes Geschrei und Getöse. Aus dem gleichbed. franz. alarmeè f., span. allarma f., ital. allarme m. «zu den Waffenl» Seit dem 15. Jh. als Alerm, Alarm, Alarmen, s. Lärm. 4BL. alar- mieren, v.: durch Lärm beunruhigen oder aufschrecken. Aus franz. alarmer. Im 17. Jh. Alaun, m. und n.(-es, Pl.-e): weißes, halbdurchsichtiges, zusammenziehendes Erd- salz. Mhd. alün m., aus dem gleichbed. lat. ulimen n.(vgl. darüber Walde s. v.), woher auch franz. alun, ital. alume m. 4.B. alau- nen, v.: mittelst Alaun bearbeiten, mhd. dlünen. Alb, s. Ap. Albaum, m.(s, Pl. A bume): der Hecken- kirschbaum, die Hundsbeerstaude, lonicera xylosteum. Frisch 1741 hat als schlesisch Adlkirsche; die Frucht ist nach der Ahn- lichkeit mit der Albeere(s. d.) benannt. 1Albe, f.(Pl.-n): das weiße Chorhemd des Geistlichen. Mhd. albe, ahd. alba aus dem gleichbed. kirchlich-lat. alha f., zu lat. dlbas weiß?. „Albe, f.(Pl.-n): früher Albel, f.(Pl.-n): der kleine Weißfisch, cyprinus alburnus. Mhd. alhel m. aus dem lat. alhula, f. von albulus, Dem. von albus c«weißy. Albeere, f.: die schwarze Johannisbeere. In Niederdeutschland(schon mnd. albere, ndl. aalbes f.). Auch Alantbeere; der Name wegen der Ahnlichkeit im Geschmack mit der Alantwureel. Alber, f.(Pl.-n): die Weißpappel, populus alba. Mhd. alber, ahd. albari m.«Pappelꝰ, entlehnt aus ital. albero(aus lat. albalus) Weißpappelꝰ. Vgl. Abele. albern, adj. und adv.:(veraltet) natürlich- einfach und ohne verfeinernde Ausbildung; geistig unfähig, ungeschickt. Mit Antritt eines n aus mhd. alzocere«einfältigy, ahd. alazwũri aber«gütig, freundlich zugeneigt», im got. alawérei f.«volle. Aufrichtigkeit» (durch Konjektur hergestellt), zusammenges. aus einem verstärkenden ala- und-Wätri cfreundlichy, auf welche Bedeutung auch das got. unεrjan«unfreundlich werden, unwillig sein», schließen läßt. Vgl. DWB. 13, 689. Die älternhd. Form(auch bei Luther) ist alber(so noch bei Krämer 1678 und Stieler 1691, hier aber daneben albern, und selbst bei Frisch 1741), das auch im 18. Jh. noch vorkommt (albre Haller Ged. 71, Akk. albern Lessing 2, 231). 4B L. albern, v.: sich albern benehmen (bei Stieler 1691). Dazu Alberei, f.(bei Lessing). Albernheit, f.(dafür Alberheit bei Krämer 1678). Albert, Albrecht, s. Adel. Album, n.(*I, Pl.-s oder Alben): Stamm., Gedenkbuch. Aus lat. album n. das Weißes, hier das zu Beschreibende, subst. Neutr. des Adj. albus«weißy. Im 17. Jh. aufkommend, bei Nehring 1710 verzeichnet. Albus, m.(Gen. u. Pl. ebenso): Weiß- pfennig, seit 1360 geschlagene Münze in Westdeutschland, zuletzt im Kurfürstentum Hessen im Werte von 9 Pfennigen. Aus mlat. albus(näml. nuαιμς) xweiße Münze, Silberscheidemünze?. Alchimie, f.: die Goldmacherkunst. 1512 bei Murner Narrenbeschw. 6, 39 alchimey, mhd. alchemde, alchame aus mlat. alchimia f., dieses aus gr. xnueia(mit Aussprache des n= ¹)«die Chemiey(von xuuéc m. cSaft, Flüssigkeito gebildet, von xéerv gießeno) durch Vermittlung der Araber und daher mit dem arab. Artikel al, arab. alkimijä, woraus auch span. alquimia. 4L. Alchimist, m.: der die Goldmacherkunst betreibt, mhd. alchimiste von mlat. alchimista m. Aldermann, m.(-o, Pl.-männer): Alte- ster in seiner Würde als Ratsherr oder über- haupt als Vorstand. Schon mhd.(in mitteld. Quellen) aldirman, aber erst wieder in den 37 Ale Alkoven 38 70 er Jahren des 18. Jh. auftauchend, und zwar entlehnt aus engl. alderman«Ratsherr», ags. ealdorman«Fürst, Vornehmer», zusammenges. aus ags. ealdor«Xltester, Herry und man &Mannꝰ. Ale, n.(spr. él): das englische ungehopfte, süße Weizenbier. Das englische ale, ags. ealu n., asdchs. alo(in alo-fat n. Biergefdß), anord. schwed. dän. öl Bier⸗ gehört zu abg. olü csicera? lit. alus, lett. alus«Bier», Stamm alu-, von dem auch wohl lat. alamen«Alaun⸗ (. d.) abgeleitet ist, vgl. Walde s. V. Alemanne, m.(-n, Pl.-n): Name der am Oberrhein wohnenden Völkerschaft, die zuerst im Anfange des 3. Jh. n. Chr. genannt wird. Lat. Alemannus aus ahd. Alaman, zu- sammenges. aus ala-(in Zusammensetzungen) call, ganzy und man«Mann', vgl. got. alamans, Pl. alle Menschen, Menschheity. Daraus franz. Allemdnd, ital. Alamanno, span. Aleman (mit erweitertem Begriff)«Deutschery, danach auch mhd. Alman. Das Adj. alemannisch als Bezeichnung des am Oberrhein gespro- chenen Dialekts erst im Anfang des 19. Jahrh. (durch Hebel). alert, adj.: flink, munter. Aus franz. alerte, span. lerto«munter, wachsamꝰ, zu- sammengerückt aus franz. à l''erte, span. al erta«auf der Hut», eig. auf der Höhe, wo man von nahenden Feinden nicht überrascht werden kann. Im 17. Jh. entlehnt. Alexandriner, m.(-S, Pl. wie Sg.): aus 6 Jamben bestehender Vers mit einem Ein- schnitt in der Mitte. Nach franz.(vers) alexandrin, zuerst angewandt in dem franz. Heldengedicht Alexander der Große(roman d'Alixandre) und danach benannt(im 12. Jh.). Alfanz, m.(-es, Pl.-e): Possenreißerei; falsche Vorspiegelung, Betrug. Mhd. alefanz Betrug, Schalkheits; auch persönlich Schalb. — alfanzen, v.: Possen reißen, Betrug üben(bei Luther). Man vergleicht ahd. giana- venaon«Gespött treibeny, ganavenzòd«Spöt- terei»(vgl. hess.-thür. fanzen«Possen treiben?, bayr. fenzeln«zum besten haben», gefenz «Spotts), mhd. anwanz«Betrug», die zurück- gehen auf ein Masc. vanz«Schalk»(mhd. Dem. vänzelin cjunger Schalk», vgl. auch Fant), dazu anord. fantr«Vagabund, Gauklery. Alfanz erscheint aber zunächst in der Bed. Betrug»(bes. in der Redensart den alefanz slahen) und geht daher wohl auf ital. all' avanzo czum Vorteil, zum Gewinn» zurück, indem es zunächst ein betrügerisches Ver- fahren beim Handel bezeichnet, erst später erfolgte Anlehnung an Fanz. Vgl. Firlefanz. 4BL. Alfanzerei, f.(bei Luther). Alfons, s. Adel. Alfred, Mannesname. Aus ags. Elfiéd (ahd. Albräl), zusammenges. aus ags. œlf m. Alpy(s. d.) und réd, rd Raty. Algebra, f.: die Buchstabenrechnung. Nach span. ital. algehra, franz. algèbre f. aus arab.(mit dem Artikel al) al-jabr(bei den arab. Mathematikern)«Zurückführung gebro- chener Zahlen aufs Ganzes, eig.«Verbindung getrennter Teile zu einem Ganzen», von arab. abara Getrenntes an einander befestigen, verbindeny. Alizarintinte, f.: schwarze Tinte mit anfangs blaugrüner Färbung, unter Zusatz von Krapprot zuerst 1855 durch Leonhardi in Dresden hergestellt. Zusammenges. mit Alizarin n.«Krapprot», von span. alizari m. levantischer Krapp», einem aus dem Morgen- land stammenden Worte(arab. ogdra caus- gepreßter Safty von asara æauspressen»). Alkali, n.(-S, Pl. Alkalien): das(aus der Pflanzenasche gezogene) Laugensalz. Im 16. Jh. bei Paracelsus(Opera 1, 697) Alkali, 1594 bei Fischart Onomast. 389 Alcali. Nach franz. alcali, span. alcali m. aus arab.(mit dem Ar- tikel al) al-gäli«die salzhaltige Asche aus der bes. in Südspanien wachsenden Pflanze Glas- schmalz(salicornia), von arab. qäld m Tiegel kochen, rösten. Alkohol, n. und m.(-s, Pl.-e): der reinste Weingeist. Aus span. alcohol von arab.(mit dem Artikel al) alkcuhl«eines Spießglanzpulver zum Färben der Augen»(daher engl. allool «Antimonschminkey und frühnhd. bei Thur- neysser Onomast. 1583 alcofol Puder, 1574 in Fischarts Onomastica 388 Alcohol est pulvis subtilissimus), dann auf den feinsten Wein- geist übertragen(bei Fischart a. a. O. Alcohol vini). Vgl. Mahn Etymol. Unters. S. 107. Alkoran, m.(-s, Pl.-e): der Koran, die heilige Schrift der Mohammedaner. Nach span. franz. alcoran, ital. alcorano aus arab.(mit dem Artikel al) algur ãns Lesung, Buch», von arab. qura'a«lesen». 1562 bei Mathesius Sarepta 94 b Alcoran. S. Koran. Alkoven, m.(*J, Pl. wie Sg.): zum Schlaf- gemach bestimmte Seitenvertiefung eines Zim- mers. Aus franz. engl. alcove, ital. alcova, span. alcoba f.«Schlafgemach», entlehnt aus arab. (mit dem Artikel al) al-gobba«Wölbung, ge- wölbtes Gemach, Zelt»(daher afranz. aucube 3* 39 all allerhand 40 und daraus mhd. bei Wolfram Willeh. ekah legten Baumreihen?, urspr. allata, von franz. «Zelty) von arab. qabba«abschneiden, aus- höhlen». 1711 bei Wächtler als Alcove, Al- coven und 1716 bei Ludwig als Alcove m.; diese Form findet sich auch noch später, z. B. bei Uhland 78(bei Voß Luise 2 zu Alkov verkürzt). all, adj.: die einzelnen zusammengenom- men, so daß nichts fehlt; zuweilen auch wie ganz(alle Gegend Goethe 16, 47) und jeder (und so schläft nun aller Vogel Goethe 6, 220, allen Augenblick Goethe Egm. 1). Mhd. ahd. al(Gen. alles); dazu asächs. ndl. al, ags. eall, engl. all, anord. allr, schwed. dän. all, got. alls. Verwandt ist altir. uile«ganz, jeder, all, lit. al- in alwienas«ein jedery(Mikkola, Bezz. Btr. 25, 73). Da neben all auch ein ahd. ala- in Zusammensetzungen(S. albern) steht, wird das zweite! in all durch Assimilation eines suffixalen erklärt, vgl. Brugmann Die Aus- drücke für den Begriff der Totalität 66 ff. all flektiert stark, daneben kann wie mhd. ein un- flektiertes all in allen Kasus stehen. Außerdem gibt es(schon bei Luther) ein unflektiertes alle (auf das auch all z. T. zurückgeführt werden kann), dies ist aus dem urspr. nur nach Präp. gesetzten alten mask. und neutr. Instrumentalis mhd. alle, ahd. alle hervorgegangen, z. B. nae alle dem, mit alle dem Heere(1. Mos. 33, 8), der dann auch adverbiell(wie mhd. mit alle, bet alle«vollständig») verwendet worden ist, 2. B. alle dis volck(2. Mos. 18, 23) d. i.«voll- ständig, ohne Ausnahme dies Volky, dann ganz entsprechend dem unflekt. all verwendet. Auch in alle machen, alle sein, alle werden(seit Luther vorzugsweise bei Mitteldeutschen) geht alle auf den adverbiell gewordenen Instrumen- talis zurück, also eig.«vollständigy, dann«ab- geschlossen, vorbei, nicht mehr vorhandenp. Subst. All, n.(*s): die gesamte Schöpfung. Im 17. Jh. In Zusammensetzungen steht all- (mhd. al-, ahd. ala-) höchst verstärkend, z. B. allgegenzwrtig, allawissend, s. auch albern. allaf! es lebe hoch! Niederrheinisch, z. B. Allaf Köln/ Eig.«alles aby, wie mhd. 200ʃ ab, das in der Bedeutung«Hurra hoch» um 1280 bei einem schwäüb. Spruchdichter in einem gegen Rudolf von Habsburg gerichtetenSpruch begegnet(Kluge ZfdWf. 2, 71). allda, adv.: das demonstrative räumliche da, verstärkt durch all. Mhd. aldä. alldieweil, s. eeceil. alle sein, werden, s. all. Allee, f.(Pl.-n): Baumgang. Aus franz. allée f.«Lustgang zwischen zwei dazu ange- aller«gehen». 1644 bei Zeiller Episteln 4, 261. Allegorie, f.(Pl.-n): sinnbildliche Dar- stellung. Mit gleichbed. franz. allégorie aus gr. lat. allegoria, gr. dATopid f. eig.«was anders gesagt ist, als es verstanden werden solly (äMoc andrery und Gropeiv reden»). Schon frühnhd.(Luther 3, 76 b Jen.). allegorisch, adj., 1586 Fischart Bodinus Vorr. 13. allein, alleine(dichterisch, z. B. bei Goethe, Uhland), adj.(nur prädikativ): ohne ein anderes. Aus mhd. aleine(mit schwacher Flexion)«ganz für sich seiends(auch das un- verstärkte schwache eine, ahd. eino hat die Bed.«allein»); entsprechend ndl. alleen, engl. alone. allein, adv.: ausschließlich, nur; auch in allein daß=«nur daßs und(dem sondern auch voraufgehend) nicht allein=«nicht nurs. Als satzeinleitende Partikel bezeichnet allein Entgegensetzung und Beschränkung= doch, aber?(von Luther gebraucht, aber spüter nicht allgemein, noch 1755 von Dornblüth bekämpft). allemal, adv.: jedesmal ohne Ausnahme; so und nicht anders, gewiß; doch wohl, gleich- wohl(Gellert Fab. 1, 51). Gebildet aus den aneinandergefügten Akk. Pl. mhd. alliu mäl. allenfalls, adv.: eintretendenfalls, mög- licherweise. Mit angetretenem adverbialischen 's gebildet aus den aneinandergefügten Akk. Sg. allen Fall, also eig. cauf jeden Fall, ohne Ausnahme, alle möglichen Fälle ins Auge ge- faßty; bei Stieler 1691. 4B L. allenfalsig, adj.: nur in der Kanzleisprache; 1775 bei Heynatz. allenthalben, adv.: auf allen Seiten. Mhd. allenthalben, aneinandergerückte Dat. Pl. mit eingeschobenem t, ahd. allén-halbon. zu mhd. halbe, ahd. halha f.«Seite, Richtung', aller-, der zur Verstärkung vor den Super- lativ eines Adj. oder Adv. tretende Gen. Pl. von all, z. B. allererst, allerlichst, wie mhd. aller, das aber noch nicht mit dem folgen- den Wort fest verbunden ist. allerdings, adv.:(veraltet) in allen Stücken, gänzlich; gewiß und wahrhaftig, (konzessiv gebraucht) freilich. Mit, angetre- tretenem adv.-s aus den aneinandergerückten Gen. Pl. aller dinge(so bei Luther und noch im 17. Jh.); tritt um 1600 auf(Albertinus weibl. Lustgarte 179). allerhand, adv., auch attributiv mit einem Subst. verbunden: von jeder Art, mancherlei. Aneinandergerückte Gen. Pl. mhd. aller hande. aller hende, worin hende s. v. a. Art, eig. die 41 Allerheiligen Allotria 42 durch die Hand bestimmte Richtung(mhd. z. B. auch drier hande«dreierlei»). Allerheiligen(unverändert, weil eig. Gen. Pl.): das allen Heiligen gewidmete, hohe Fest der römisch-kath. Kirche am 1. Nov. Mhd. aller heiligen tac. allerlei, adv., auch attributiv mit einem Subst.: in Vielheit verschiedenartig. An- einandergerückte Gen. Pl., mhd. aller leige, aller lei, s. lei. Substantiviert: Allerlei, n. Allermannsharnisch, m.(es): die Pflanzen allium victorialis und androsaces. Benannt, weil sie nach dem Volksglauben unverwundbar machen. Schon bei Rößlin 1538 S. 292 d Allermannharnisch. allerorten, allerorts, adv.: an allen Orten. Die 1. Form(z. B. bei Albertinus weibl. Lustgarte 59 b) geht auf die aneinander- gerückten Gen. Pl. aller ort mit angetretenem adverb.-en, die 2.(erst junge) Form auf dieselbe Grundform mit angetretenem adv. - zurück. Allerseelen(unverändert, weil eig. Gen. Pl.): in der römisch-katholischen Kirche der Gedächtnistag der Verstorbenen(2. Nov.). Urspr. Aller Seelen Tag. allerseits, adv.: auf, nach, von allen Seiten oder Richtungen. Auf die aneinander- gerückten Gen. Pl. aller seiten(daher das veraltete Adv. allerseiten) zurückgehend, mit angetretenem adverb.-s. Um 1600. 4BL. allerseitig, adj., 1663 bei Schottel 3479. allerwärts, adv.: nach, in allen Rich- tungen. Verbindung des Gen. Pl. aller mit wärts(8. d.). Erst in der 2. Hälfte des 18. Jh. von Niederdeutschen, z. B. Klopstock ge- braucht, aber von Heynatz 1775 beanstandet. allerwegen, adv.: an allen Orten. Mhd. (in md. Quellen) aller wegen. Aus den an- einandergerückten Gen. Pl. aller wege mit angetretenem adverbialen-n. allewege, adv.: stets fort, immer. Die aneinandergerückten Akk. Pl. mhd. alle awege, von räumlicher Bezeichnung in zeitliche über- gegangen. alleweile, adv.: zu jedem Zeitpunkt, eben. Nur mundartlich(ober- und mitteld.). Aus dem Akk. Sg. mhd. alle a3le, s. Weile. allezeit, allzeit, adv.: zu jeder Zeit. Aneinandergerückte Akk. Pl. mhd. alle abte, ahd. allo züti. allgemein, adj. und adv.: Allen gemein- schaftlich. Mhd. findet sich nur das adv. algemeine«insgesamt, auf gemeinsame Weise». Das Adj. frühnhd.(1541 bei Frisius 180, 1561 bei Maaler). alliieren, refl. v.: sich vereinigen. Aus dem gleichbed. franz. s'allier, dessen allier aus lat. alligare d. i. ad-ligare«an-, festbinden, verpflichteny. Bei Krämer 1678.— Allianz, f.(Pl.-en): Bündnis. Aus franz. alliance f., das auf ein mlat. alligantia(vom Part. Praes. alligans, Gen. alligantis gebildet) zurückgeht. Schon 1617 im teutschen Michel. Alligator, m.(-*s, Pl.-s): das amerika- nische Krokodil. 1594 bei Frischlin Nomencl. Cap. 45 Allegarden, Crocodil. Aus franz. engl. alligator, entstellt aus span. el lagarto(eig. el lagarto de Indias), vom lat. lacertus m., lacerta f.«Eidechsey. Alliteration, f.(Pl.-en): der gleiche An- laut verschiedener Wörter. Nach dem gleich- bed. franz. allitération aus einem neulat. allite- ratio(aus ad-literatio), von litera«Buchstabe'. Allmacht, f.: Macht über alles. Ahd. alamaht f., aber mhd. nicht belegt, erst wieder bei Henisch 1616(nicht bei Luther). Wohl neu gebildet von dem Adj. allmächtig, mhd. almähtec, almehtec, ahd. alamahtig; dazu asächs. alamahtig, ags. clmihtig, engl. almighty, anord. almãttigr. allmählich, adv.: ganz bequem, ohne alle Geschwindigkeit. Aus mhd.(in einer mitteld. Quelle) almechlich, später auch algemechlich, aus al und gemechlich, woraus mit Anlehnung an Mal, die auch bei gemechlich vorkommt (gemühlig Moscherosch Phil. 1, 225), allgemäh- lich und allmählich(allmählig) wurde. Beide pei Stieler 1691 verzeichnet. Vgl. mäihlich. Allmende, f.(Pl.-n): gemeinheitlicher Grund und Boden zu Nutzung, besonders Gemeinweide, Gemeindebezirk(Goethe 16, 47). In Südwestdeutschland noch üblich. Aus mhd. almende, almeinde(daneben auch almeine, algemeine), hervorgegangen aus algemeinde f., zu gemeine«gemeinschaftlich»(vgl. bayr. die Gemein«Gemeinweide»). Allod, n.(-es, Pl.-e): das Ganzeigen, das echte(vererbliche) Eigentum, im Gegensatz zu Lehngut. Aus gleichbed. mlat. alloditene, das auf ahd. alöt, afränk. alödis zurückgeht, dies aus al«ganz» und öt n.«Besitzy(davon. ahd. ötag«reich», vgl. asächs. 5d, ags. éad n., anord. audr m.«Reichtum, Besitzo got. quda- hafts abeglückt»). 4BL. allodial, adj.: frei erb- und eigentümlich, aus mlat. allodialis. Allotria, Pl.: ungehörige Dinge. Aus gr. àMNörpia, N. Pl. von GMérpioc«fremdartig, 43 alls Alphabet 44 nicht zur Sache gehörigy, abgeleitet von älXoc sder andere. Im 18. Jh. aufgenommen(der j. Goethe 2, 449). alls, adv.: in einem fort, immer; wieder- holt. Nur noch mundartlich(in Südwest- Deutschland, Hessen, Thüringen, auch bei Schiller in Kab. u. Liebe 1, 1). Aus mhd. allez«immery, dem adverbiell gebrauchten Akk. Ntr. von al. Alltag, m.(-J, Pl.-e): der gewöhnliche Werktag, den Feiertagen entgegengesetat. In der ältern Sprache nur das Adv. alltag, alltags«täglichy(vgl. mnd. aldages) aus den aneinandergerückten Akk. Pl. alle tage mit angetretenem adv.-s entstanden, das dann in Zusammensetzungen wie Alltagsleidler(Stieler 1691) erscheint, daraus erst das Subst. Alltag. 4B L. älltäglich, adj.: werktäglich(aber all- käiglich ist das durch all verstärkte käglich). Allvater, m.(-s): Vater des Weltalls, Gott. Nach anord. alfadir(der Bezeichnung Odins) von Klopstock gebildet. allzumal, adv.: allinsgesamt. Mhd. alzemitl. Alm, f.(Pl.-en): Gebirgsweide. Neben- form von Aſpe(s. d.), mhd. albe, Gen. alben, woraus im Bayrischen der Nom. alm, der schon in frühnhd. Quellen des 15./16. Jh. erscheint. ZUS. Almrausch, m.(-s): Alpenrose. Bayrisch. Almanach, m.(-es, Pl.-e): Jahrbuch. Aus franz. almanach, das auf griech. AXuevixia«xd zurückgeht, wie nach Eusebius(† 340) prae- paratio evangelica 3, 4 mit Beziehung auf den Syrer Porphyrius(† 304) die ägyptischen Kalender genannt worden sind. Dies stammt vielleicht aus dem Koptischen. Almanach erscheint bei dem Astronomen Georg von Peurbach(† 1461) zu Wien in einer lat. Schrift für astronomische Beobachtungen und Jahresberechnungen und bürgerte sich im 16. Jh. in Deutschland ein. Almer, f.(*s, Pl. wie Sg.): Kasten, Wand- schrank in oberd. und md. Mundarten. Im 15. Jh. almerl, armer, meist weitergebildet almerei, vgl. Heyne Hausalt. 1, 262. Aus mlat. almaria f.«Gerüteschrank», hervorge- gangen aus dem Plur. des gleichbed. mlat. almarium, armarium n., von lat. arma pl. «Gerät, Waffenꝰ. Almosen, n.(-s, Pl. wie Sg.): Armen- gabe. Aus mhd. almuosen, ahd. alamuosan, almsan n.(daneben auch elemosyna, elimuo- sina, alamuasa f.); dazu ndl. aalmoes, ags. celmesse, engl. alnes(Pl.), anord. ölmusa, schwed. almosa, dun. almisse f. Aufgenommen aus dem in der Kirchensprache üblichen gr.- lat. eleemosyma, gr. exenocoyn durch Ver- mittlung des Romanischen, wo es afranz. almosne, nfranz. aumõne, prov. span. almosna, ital. limosina f. lautet. Die Form Almosen (bei Luther, aber sonst im 16. Jh. oft Al- müsen, Almuusen, Hulsius 1596 hat Allemosen) erklärt sich durch Einwirkung des Grund- wortes. Alternhd. auch an arm angelehnt Armüsen n.(Hug Rhetorica 1540). 4BL. Almosenier, m.(-s, Pl.-e): Almosenpfleger. Nach franz. aumönier gebildet, das auf milat. eleemosnarius zurückgeht. Aloe, f.(Pl. s,-n/), Name mehrerer aus- lündischer Pflanzen. Mhd. ahd. albe, aus gr.- lat. aloe, gr. dXön f., das auf hebr.'ahdälin Pl.«Aloeholzy, npers. däliwã zurückgeht. Alose, gekürzt Alse, f.(Pl.-n): der Mai-, Gangfisch. Aus franz. alose, und dies aus altkelt. lat. alausa f.(Ausonius Mosella 127). Alse schon 1563 in Forers Fischbuch 1795. Alp, m.(-es, Pl.-e): lastend aufliegende, brustbeklemmende Traumgestalt. Mhd. alp (Pl. elbe) bedeutet«gespenstiges Wesen, Nacht- gespensty, ebenso mnd. alfm., übereinstimmend mit ags. œlf, anord. ãlfy m.«Elfe«, das man zu skr. bhüs- ckunstreich, Bildner, auch Name von drei kunstreichen Elfen, gestellt hat. Vgl. Mogk Pauls Grd. ²2 3, 268. Ap ist md. und findet sich bei Luther und Alberus in der Bed.«Kobold, Dämon», die sich später auch in der Anwendung auf Menschen zeigt; jetzt hat sich nur die auch schon mhd. Bed. caufliegendes Nachtgespenst» erhalten. Alpe, f.(Pl.-n): Bergweide auf dep Alpen. Mhd. albe, Gen. alben(s. Alm), ahd. alpa f.(Pl. alpun«Alpen») choher Bergy, hän gt mit lat. A pes, gr.-gall. Areic zusammen. Diese sind kaum zu lat. albus«weißy zu stellen, sondern gehören zu einem wahr- scheinlich vorindogerm. Worte alb Berg, Höhe», das in zahlreichen Ortlichkeitsnamen wie Albion, ir. Alba«Schottlandy, ital. Alba longa, Allburnus«ein Gebirge in Lukanien» über Westeuropa verbreitet ist. Vgl. Walde s. V. albus. Im Nhd. erhielt sich die Bed. cGebirge» nur in den Namen(die rauhe Alb auch mit der ursprünglichen Lautform). 4BL. Alpner, m.(-s): Alpenbewohner, um 1480 im voc. inc. teut. a 5a albner. Daneben Alpler, Alpler m. Alphabet, n.(-s, Pl.-e): das Abc. Mhd. alfubéte aus dem urspr. von Kirchenschrift- 45 Alpranke Alter 46 stellern gebrauchten gr.-lat. alphabetum n., gr. AAodßnroc m. f., nach den Namen der beiden ersten griech. Buchstaben äkqa= A und ffra= b. 4BL. alphabetisch, adj. Alpranke, f.(Pl.-n): der strauchartig kletternde Nachtschatten(solanum qdulca- mara), der als Mittel gegen das Alpdrücken gilt. Bei Frisch 1741. In Schlesien Alpkraut n. Alraun, f.(Pl.-en) und m.(‧s, Pl.-e,-en): Pflanze mit rettigartiger, in Form verschränk- ter Beine gespaltener Wurzel, mandragora. Aus mhd. alrine, ahd. alrüna f. eig. Be- nennung des weissagenden teuflischen Geistes, der nach dem Aberglauben aus der Wurzel geschnitten wird. Zusammenges. mit ahd. rüna f.«Geheimnis, geheimnisvolles Zuflüstern?(. raunen). ꝛals, adv.: in einem fort, s. alls. zals, adv.; 1. vergleichend. So noch oft bei Luther und im älteren Nhd., jetzt aber durch wie(daneben als wie) zurück gedrängt; erhalten hat sich als in Bez. auf ein voraus- gehendes so(so unschuldig als ein Lamuan), auf ein vorausgehendes negierendes Wort (niemand als du, nichts als Kleinigkeiten), kerner wird es nach Komparativen(dafür älternhd. denn) und zur Einleitung von Ver- gleichssätzen(als wenn, als 0b) gebraucht. 2. demonstrativ, bei Aufzühlungen(die edeln Metalle als Gold, Silber usw.) und beim prädikaten Attribut(er kam als ein Bote, ich achte dich als einen Freund). 3. zeit- bestimmend, eig. vergleichend in der Zeit, als Satzeinleitung(als er kam, war es æölf Uhr). Mhd. als, alse, geschwächt aus alsõ, das durch al verstärkte Sô. alsbald, adv.: gleich nach dem Augen- plicke. Das Mhd. verwendet alsõ balde, als oder sb als Konj.= Sobald als, bei Luther findet sich alsbald in gleicher Verwendung, aber gewöhnlich als Adv. alsdann, adv.: verstärktes dann, aus also dann. Frühnhd.(als dann in den Ordnungen S. 73 v. J. 1512, als denn bei Luther). Alse, s. Alose. also, adv.: 1. hinweisend, z. B. Sprich z2ds ihm also. 2. folgernd, z. B. also ist er tot? Mhd. also, durch al verstärktes so; dazu ndl. alz00, ags. eals, engl. also. Alt, m.(es, Pl.-e): die tiefe Frauen- stimme. Spätmhd. Aus ital. gleichbed. alto und dies aus lat. altas hochy. alt, adj.(Komp. älter, Sup. ältest): hoch an Jahren; lünger der Zeit nach da als an- deres; an Jahren zühlend; vor langen Jahren; vorhergewesen(nach dieser Bed. z. B. auch in der Schweiz Altammann«gewesener Am- mannꝰ, in Baden Altbürgermeister usw.). Ahd. mhd. alt; dazu asächs. ald, ndl. oud, ags. eald, engl. old, anord. im Komp. ellri cälter»(sonst für calt) gamall), got. alpeis. Eig.«durch Nahrung groß geworden, aufgewachseny von dem starken V. got. alan«aufgenährt werdens, anord. ala«ndhren, hervorbringen»(das mit lat. alo, altir. alim«ernähre» übereinstimmt), von dem es(wie lat. altus«hoch) vermittelst des partizip. Suffixes-to- gebildet ist. Weiter sind verwandt gr. ävoxroc unersättlichs, ir. alt«Höhe; Ufer, Küste», kymr. allt«rupes», ir. altram cnutritio?. Vgl. Eltern. Altän und Altan(Schiller 11, 228) m.(*, Pl.-e), Altane, f.(Pl.-n): Austritt ins Freie hoch an einem Gebäude. Aus dem gleich- bed. ital. altana, von altus«-hoch». Das Fem. altan um 1470 in Osterreich von Beheim ge- braucht, später z. B. von Hans Sachs(Fab. 8, 280); das Mask. erscheint im 16. Jh., bei Pe- gius Dienstbarkhaiten(Ingolstadt 1557) 60, 1598 bei Hutterus Lexic. harmonicum 533 ein Althan. Altar, m., selten n.(-s, Pl. Alfäre): der Kirchentisch. Mhd. altäre, gewöhnlich aber mit deutscher Betonung älter, ahd. altari, alteri, aus lat. alfare n.«Opfertisch». Im Nhd. überwiegt die mit dem Lat. übereinstimmende Betonung Altär(so auch die Bühne), doch kommt auch(dichterisch und in der nordd. Umgangssprache) Altar vor. altbacken, adj.: trocken als Backwerk. backen ist hier das Part. Praet.(statt ge- backen). Mhd. zufallig nicht belegt(erst 1593 bei Colerus Hausbuch 1, 153), doch nach dem Gegensatz niubachen«neubackenꝰ als altbachen anzusetzen. S. backen. altdeutsch, adj.: den alten Deutschen eigen, nach Art der alten Deutschen. Erst nhd.(alt-teutsch 1648 bei Weckherlin 2, 261. 437 Fischer, alt teutsch 1588 bei Fischart Peter v. Stauffenberg V. 79). Altenteil, m. n.(9s, Pl.-e): der den Eltern nach Abtretung des Gutes verbleibende Teil, der Auszug. Norddeutscher, von Voß gebrauchter Ausdruck. 4 BL. Altenteiler, m.(-S): der Auszügler, Altsitzer. Alter, n.(-s, Pl. wie Sg.): höhere Lebens- zeit; Zeit des Daseins; Zeitabschnitt, Zeit- alter; vergangenes Zeitalter(in der Redens- art vor Alters). Aus mhd. alter, ahd. altar 47 alterieren Amberg 48 n.; dazu asächs. aldar«Lebenszeit, Leben), ags. ealdor«Lebeny, anord. aldr m.«Lebens- zeit, hohe Lebenszeity, schwed. dlder, dän. alder m., got. in framaldrs«in Jahren vor- gerückt» enthalten. Wie alt(s. d.) von got. alan abgeleitet. 4B L. altern, v.: alt werden. Erst bei Steinbach 1734, wührend älternhd. mhd. alten, ahd. altén gesagt wird. alterieren, v.: in schädigender Weise beeinflussen. Refl. sich.«sich in Unruhe des Gemütes versetzeny. Aus franz. altérer „Schädigen, eine Gemütsbewegunghervorrufen- usw., von lat. alterare«anders machen», von alter«der anderey. Im 17. Jh. entlehnt(Schupp Schriften 1, 567). Altermutter, f.(Pl.-mütter): Groß- mutter, Urahne. Mhd.(in md. Quellen) ellermüter f. Altervater, m.(-s): Groß-, Vorvater. Mhd. eltervater m. Beide zu- sammenges. mit dem Kompar. elter. Altertum, n.(-s, Pl. Altertümer):(im 17. Jh., bei Krämer 1678, jetzt veraltet, doch 2z. B. noch bei Klopstock Oden 75) Hoch- sein in Jahren;(seit etwa 1700, 2z. B. bei Günther Ged. 312) längst vergungenes, fernes Zeitalter; aus alter Zeit Herrührendes, mit dem Pl. Altertümer«Denkmäler jenes fernen Zeitalters(bei Steinbach 1734). 4BL. alter- tümeln, v.: die Art des Altertums haben oder diese zu geben suchen(Goethe 41, 1, 109). altertümlich, adj., erst am Ende des 18. Jh. gebildet(bei Kl. Schmidt und Nobß). Altervater, s. Altermutter. altfränkisch, adj.: veraltet u. der Gegen- wart nicht angemessen. Mhd. altfrensch d. i. altfrenkisch. Wahrscheinlich zur Ritterzeit in rheinischen Landen aufgekommen, wo man die an der einfachen Sitte der Vorfahren fest- haltenden Franken in Gegensatz stellte zu den durch die neumodischen, aus Frankreich kom- menden Sitten Beeinflußten, vgl. Hugos von 47, 93 1..). Eig. der unter den Meistern(einer Zunft) der älteste und deshalb erste ist. Altreiß, m.(en, Pl.-en): der alte Schuhe flickt; Trödler. Mit Ubergang von eu in ei aus mhd. altriage. Vgl. Riester. Altvater, m.(*s, Pl.-väter): ehrwürdiger, alter Vater, Patriarch. Mhd. altvater m. 4B2. altväterisch, adj.: nach Art der Vorfahren, altfränkisch. Frühnhd. altvettelisch, adj.: nach Art der alten Weiber. Bei Luther. S. Vettel. Altvordern, Pl.: die Urväter. Mhd. alf- vordern, ahd. altfordoron, Pl. zu fordoro adj. «der frühere», mit alt verstärkt. Der später veraltete Ausdruck ist in der 1. Hälfte des 18. Jh. durch die Schweizer Schriftsteller wieder aufgebracht worden(Schönaich ver- spottet ihn, Adelung 1793 führt ihn noch nicht an, Heynatz 1796 kennt ihn nur aus ceinigen Gegenden). Altweibersommer, m.(-s, Pl. wie Sg): die zur Herbstzeit im Freien fliegenden Spinnenfiden; schöne späte Herbsttage. Erst bei Campe 1807. Eig. Sommer, der den alten Frauen zufällt(ebenso bayr. ãänlsummer), der für die Jugend nicht gut genug ist. am vor einem Subst., aus an dem zusam- mengezogen. Mhd. ame, aus an deme. Amalgäm, n.(-es, Pl. c): die chemische Verbindung von Metall mit Quecksilber zu einer weichern Metallmasse(1594 bei Fisch- art Onomast. 390 Amalgama);(bildlich) Ge- menge durch Verbindung. Aus gleichbed. span. ital. amälgama f., von gr. uckaTua Er- weichungsmittel, weicher Körpers. Amarant, m.(¹es, Pl.-e): der Garten- V fuchsschwanz. Aus gr. Jat. amarantus, gr. dudpavroc m.«nicht welkende Blume, Papier- V blumey, dem als Subst. gesetzten Masc. des gr. Adj. dudpavroc«unverwelklich», dann wegen der Dauer der Blüten auf den Gartenfuchs- Trimberg Renner 22267. Vgl. ZfdWf. 7, 15. schwanzübertragen. Bei Maaler 1561 A maranth. Anders bei Leibniz Unvorgreifl. Gedanken 8 32 Amarelle, f.(Pl.-n): die Weinkirsche. das Alt-Fränchische und das Alt- Sächsische, Spätmhd. von dem gleichbed. mlat. amarel- ohne tadelnden Beisinn, von der Sprache. Althee, f., auch m.(s, nach Tee): das Ei- bischkraut, eine Malvenart. Aus gr. Jat. althaea, gr. G«Guid, eig.«Heilkrauty, von dXGetv cheilend. altklug, adj.:(veraltet) durch Alter klug; für frühes Alter zu klug. Rädlein verzeichnet. ältlich, adj.: Altmeister, lum n., dem Neutr. des mlat. Adj. amarellas, Erst 1711 bei fabelhaften Weiberstaates in Skythien; über- das, von lat. amarus«bitter» abgeleitet, zuerst cbitter» und dann etwa«weinsäuerlich» be- deutet. Amazone, f.(Pl.-n): Heldenweib eines haupt kriegerisches Heldenweib. Nach franz. ein wenig alt. Mhd. altlich. amazone aus gr. Jat. Amazon, gr. Auxthv f. m.(-s, Pl. wie Sg.): hervor- Schon mhd. amazöne f. ragender Meister(1807 bei Campe, auch Goethe Amberg, s. Anhöhe. 49 Amboß Ammer 50 Amboß, m.(-es, Pl.-e): der eiserne Häm- merblock einer Schmiede. Aus mhd. amböz, anbõz, anebõz, ahd. anabôz m., zusammenges. aus ana und mhd. 503 m.,«Schlag» von bözen, ahd. bzan«schlagen, stoßeny, wozu auch ags. béatan, engl. beat, aisl. bauta«schlagen, stoßen. Letzteres ist wurzelverwandt mit f in lat. con- futãre miederschlagem, refutäre«widerleger, fustis«Knüttely, s. Walde s. v. s. v. Die Länge des ö in der 2. Silbe nur noch landschaftlich. Ambra, m.(-s), Amber, m.(-S): ein wohlriechendes Erdharz. Mhd. amber, ämer m. aus mlat. ital. ambra f., das auf gleichbed. arab. mbar zurückgeht. Ambrosia, f.: Götterkost. Aus gr.-lat. ambrosia, gr. àußpocia, eig. die unsterblich machende Götterspeise, Fem. des Adj. ãußpöcioc unsterblichy. 4BL. ambrosisch, adj.: himmlisch süß. Ameise, f.(Pl.-n): Mit Entwicklung eines s aus B in zweiter Silbe aus mhd. ämeize, ahd. ãmeiza, dazu ags. cmette f., engl. emmel und ant. Dunkler Herkunft; wird gewöhn- lich zu ahd. emazig«emsig, Grundbed. also das geschäftige Tier» gestellt, was aber kaum das richtige trifft. Eher als Zusammensetzung zu ahd. meizan, got. maitan chauen, schneiden» (s. Meißel) zu stellen(wegen des Präfixes ö- s. Ohnmacht, vgl. auch mhd. ãschröt«Abge- schnittenes», äswinc«Abfall von Flachs»), so daß auf eine Bezeichnung des aus kleinen Holz- teilchen bestehenden Waldameisenhaufens zu- rückzugehen wäre. Im Frühnhd. erscheint obd. (mit Übergang des ã in ö vor Nasal) Omeis (noch im 17. Jh. z. B. bei Harsdörfer Ge- sprächsp. 1, 25 vorkommend), im Md. gewöhn- lich mit Umlaut(wie in Erbeit) Emeis und Emumeis, bei Luther(wahrscheinlich mit An- lehnung an ein, dessen n als assimiliert be- trachtet wurde) Eimmeis, worauf die Formen Amse(Wieland 18, 94), Emse und(mit dialekt. Verwandlung des umlautenden æ in 7) Imse (Goethe Faust 7585) zurückgehen. In den mundartlichen Formen(die z. T. auf a- in der 1. Silbe führen) vielfach durch Volks- etymologie umgestaltet. Amelmehl, n.(-s, Pl.-e): Kraftmehl. Mit Wandlung des r zu! aus mhd. amer (auch schon amel), ahd. amar n.«Sommer- dinkel», 1546 bei Bock 245 b Ammelkorn. Engl. amelcorn«Dinkel⸗ ist rein gelehrt, vgl. Murray New Engl. Dict. s. v. amen, als gewöhnlicher Gebetsschluß: wahrhaftig! so soll es sein! Subst.: Amen, n. Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. Mhd. ãmen, nach lat. dmén, dies aus gr. dunv aus dem gleichbed. hebr. Adv. amén. Amethyst, m.(-es, Pl.-e): ein violett- farbener Edelstein. Mhd. ametiste m. nach franz. amethyYste f. aus gr. Jat. ameth'ystus, gr. dấuegucroc f., eig. Adj. in der Bed.«nicht trun- ken, den Rausch stillend, da diese Eigenschaft dem Edelstein beigelegt wurde. Amiant, m.(-es, Pl.-e): der feinfaserige, biegsame, weiße Asbest. Aus gr. lat. amiantus, gr. duiavroc m., eig. Adj. in der Bed.«unbe- fleckt, rein» und als Subst. Name des Steines wegen seiner schimmernden Weiße. Ammann, m.(es, Pl. Ammänner):(in der Schweiz) höchste obrigkeitliche Person einer Gemeinde oder eines Landes. Mhd.(in alem. Quellen) amman Diener, niederer Be- amter, urteilsprechende Gerichtsperson?, zu- sammengezogen aus mhd. ambetman, ahd. ambahtmann, s. Amtmann. Amme, f.(Pl.-n): Aufnährerin und Mut- terstelle einnehmende Pflegerin eines Kindes. Mhd. amme, ahd. amma. Eig. wohl Mutter, wie noch jetzt schwäbisch(darnach Wieland 18, 127), vgl. auch anord. amma«Großmutter); weitverbreitetes Lallwort der Kindersprache wie Mama(s. d.), vgl. gr. àuudc, ähuta, duuia(bei Hesych)«Mutter, Amme», bask. ama«Mutter», altrom. amma, span. port. amdi «Amme» und mit Ableitung lat. amftfa«Vaters Schwestery. Ammeister, m.(-s, Pl. wie Sg.):(noch im 18. Jh. in Straßburg) der bürgerliche Obervorstand der Stadt. Mhd.(in elsäs- sischen Quellen) ammeister, ammemeister, ammanmeister, eig. der Meister, der Am- mann(s. d.) ist, der Obermeister(Vorsteher der Zünfte). Ammer, f.(Pl.-n): ein Singvogel, embe- riza citrinella. Mhd. amer, ahd. amaro m. Vielleicht von amer«Sommerdinkel», also Vogel, der gern Sommerdinkel frißt(wie Hänf- ling eig. Hanfsamenfresser, von Hanf) vgl. Liebich PBr. Btr. 23, 223. Mlat. amarellus stammt entweder aus dem Deutschen oder ge- hört zu span. amarillo, port. amarello«gelb». 4BL. Ammerling, m. wie Ammer. Mhd. (mit einfachererAbleitung) amerinc m. 2Ammer, f.(Pl.-n): die große säuerliche Kirsche, die schwärzliche wie die hellrote oder Amarelle(s. d.). Scheint gekürzt aus ital. amarisca f.«Weichselkirschey von ital. amaro(lat. amãrus)«bitter, herbꝰ, hier«säuer- lich». Vgl. Liebich PBr. Btr. 23, 223. Schon 4 51 Ammer Amt 52 im 14. Jh. amerboum, mlat. amarillus«Ama- rellenbaumy. 3Ammer, f.(Pl.-n): Funkenasche; in der Asche erhaltener Punke. Bei Luther, jetzt noch mundartlich. 1482 im voc. theut. f 74 der Plur. meren«heisze asche», mhd. einere, ahd. eimurja f., dazu ags. miyrje f., engl. embers, anord. eimyrja f., dän. emmer, zu anord. eimr m.«Rauch, Dampfy und an. Jsja f. Feuer?. Ammonshorn, n.(-es, Pl. Ammonshörner): das gleich einem(dem Jupiter Ammon bei- gelegten) Widderhorne gewundene, verstei- nerte, vorweltliche Schneckengehäuse(Schiller Tell 4, 3). Amnestie, f.(Pl.-n):(öffentlich erklär- tes) Vergeben und Vergessen eines Vergehens. Aus gr.-mlat. ammestia, gr. âuvncreia f.«das Nichteingedenksein, besonders eines erlittenen Unrechts«(à un-, nichty; uväcgai einer Sache gedenken»). Schon 1643 im unartigen teut- schen Sprachverderber. In der ältern Sprache dafür Undacht. Ampel, f.(Pl.-n): Hängelampe. Ober- deutsch. Mhd. ampel, ampulle, ahd. ampla, anpnella, mit ags. ampelle f., anord. ampli m. Gefäßz» aus lat. ampulla f.«Flasche, Gefäß,, vgl. Pulle. ampeln, v.: wonach strebend zappeln; überhaupt wonach streben. Ein ndd. Wort, schon mnd., im 18. Jh. mehrfach als dialektisch aufgeführt, auch von ndd. Schriftstellern wie Voß Briefe 2, 105 und Göckingk Ged. 2, 128 gebraucht. Vgl. Hampelmann. Ampfer, m.(-s, Pl. wie Sg.): eine sauer schmeckende Pflanze, lat. rumex. Mhd. ampfer, ahd. anpharo m., dazu ags. ampre, ompre f. Ampfery. Eig. subst. Mask. eines Adj., das ndl. anper«scharf, bitter, unreify, anord. apr(für anpr)«scharf, kalto, schwed. amper«scharf v, lautet. Wenn das p als eingeschoben zu gelten hat, so kann man lat. amrus cbitter(S. Walde s.V.), skr. anilãs«auery(als subst. Mask. Säure, Sauerklee»), alb. ↄ515!'«Süßo, tombl' Galle ver- gleichen. Anders Johansson Idg. Forsch. 3, 240. Amphihbie, f.(Pl.-n): beidlebiges(im Wasser wie auf dem Lande lebendes) Tier. Aus dem gleichbed. gr. lat. anphibium, gr. duqißiov, dem Neutr. des Adj. duꝓꝙißioc«beid- lebigꝰ(gr. àꝓꝙ- crundherum, von beiden Sei- ten?, Bioc m.«Leben»). Im 18. Jh. entlehnt. Amphitheater, n.(s, Pl. wie Sg.): halb- runde Schaubühne. Aus dem gleichbed. gr.- lat. amphitheatrum, gr. du†ꝓρεανενοεν n., zu- sammenges. aus duqi«rundherumꝰ und G6éarpov n.«Schauspielhausy. Im 18. Jh. entlehnt. amputieren, v.: ein Glied des Körpers abschneiden. Aus dem gleichbed. franz. am- puter von lat. amputare zabschneiden», aus am(bi) cherum» und putäre«schneidens. Erst bei Campe 1801. Amse, s. Ameisc. Amsel, f.(Pl.-n): die Schwarzdrossel, lat. merula. Mhd. amsel, ahd. amsala, amsila, amsla, auch amfsla(daher jetzt mundartlich anspel, wie wespe aus wefse) f.; dazu ags. (mit ausgefallenem Nasal) ösle f., engl. ousel Amsel». Verwandt ist vielleicht das gleichbed. lat. merula(für rmeesula) f. Fick I“ 515, Hirt Ablaut 132(Bedenken dagegen bei Kluges, Walde s. v. merula). Im ältern Nhd. und mundartlich erscheint auch die Form Amschel (vgl. Geischel neben Geisel). Amt, n.(-es, Pl. Amater): Inbegriff der Obliegenheiten, die eine Stellung mit sich führt; Gebäude zur Ausübung dieser Obliegen- heiten; Behörde zur Verwaltung und Recht- sprechung; gottesdienstliche Verrichtung des Geistlichen. Aus mhd. ampt, ambet, ambent, ahd. anabaht, ambahti n.«Dienst, Amty, dazu ein persönliches ahd. ambaht m.&Dienery; aus den verwandten Dialekten gehört hierher asächs. ambaht«Diensty(in ambahtman m. Dieners, ambahfskepi m.«Diensto), ndl. am- bacht n.«Handwerk», mbt n.«Amty, ags. ambiht, ombiht n.«Dienst(dazu ombiht m. «Diener»), got. andbahti n.«Diensto(dazu andbahls m.«Diener»), vgl. auch anord. am- bãtt f.«Sklaviny. Das persönliche Mask. geht zurück auf keltisch-lat. ambactus(Cäsar bell. gall. 6, 15, 2) eig.«Herumgesandter, Botey, ge- bildet von gall. amb- cherumy und einer Bil- dung von der Wurzel ag(s. Acker) ctreibenꝰ, hier«sendem(mlat. ambactia ambactiata«Auf- tragy, ital. anbasciata, franz. ambassade f. gehen erst wieder auf das germanische zu- rück). Vgl. Baist ZfdWf. 9, 33. Das Lehn- wort ist im Got. an die Bildungen mit der Vorsilbe and- angelehnt worden(nicht etwa selbständige Bildung mit einer Ableitung von germ. bak«Rückeny, also der im Rücken stehende). 43L amtieren, v.(dafür in der älteren Sprache amten): ein Amt verwalten. Junge, bei Campe 1807 noch nicht verzeichnete Bildung mit der fremden Ableitungsendung eren. amtlich, adj., spätmhd. ambetlich. ZUS. Amthaus, n., mhd. ambethus, ahd. ambahthüs n. Amtmann, m.: Vorsteher 53 Amulett Anarchie 54 eines landesherrlichen Amtes(Pl. amtleute bei Luther, aber 1532 bei Birck Susanna 474 fg. ampllüte«Gerichtsknechtes);(in Nord- deutschland auch) Vorsteher eines Gutes. Mhd. ambetman, ahd. ambahtman m.«Beamter, Auf- sehery. S. auch Ammann, Ammeister. Amts- genosse, m.: Verdeutschung des lat. collega m., 1579 bei Calepinus anpfgenossen. Amulett, n.(es, Pl.-e): am Körper ge- tragener Schutzgegenstand gegen Zauberei oder zukommendes Ubel. Mit franz. amulette, ital. amuleto m. aus dem gleichbed. lat. anlu- letum, auch amoletum und amolimentum n., als Nachbildung des gr. Gukoxtipiov von lat. amoliri«abwenden, entfernen, beseitigeny, also eig. Abwendungsmittel, Präservativ gegen das Böse. Vgl. Schrader Reallexikon 729, Walde s. v. Die deutsche Form Amalel wird erst im 18. Jh. üblich. amüsieren, v.: unterhalten, belustigen. Aus franz. amaser unterhalten, aufhalten, hinhalten», eig. adie Zeit vertrödeln lasseny, gebildet aus a-, lat. ad und muser«gaffenꝰ, eig.«das Maul aufsperrenꝰ, zu ital. maso, franz. museau«Maul, Schnauze», das noch unaufge- klärt ist und von Sainéan im 1. Beiheft der Zeitschr. f. rom. Phil. 75 zu masse, einem Namen der Katze, gezogen wird. Das Wort erscheint schon im 17. Jh. in der Bed.«aufhalteny, die auch im 18. Jh. anfangs herrscht(noch bei Nieremberger 1753 erscheint sie ausschließ- lich); später wird die Bed.«unterhalten» die gewöhnliche(Lessing 6, 15, Wieland Amadis 136, auch 1775 bei Heynatz). an: nahe zu oder bis zur Berührung mit—;(abstrakt) was betrifft. 1. Präp. mit Dat.(auf die Frage wo?) und mit Akk. (auf die Frage wohin?). 2. Raumadv. In der verbalen Zusammensetzung bezeichnet an auch den Anfang einer Tätigkeit, z. B. an- hohren, anbrennen, anreißen, oder eine nur geringe Tätigkeit, z. B. anfeuchten, ferner auch eine anhaltende Tätigkeit, z. B. anfiillen, anbauen, andauern oder eine erfolgreiche Tütigkeit, z. B. anblasen; vielfach ist es(na- mentlich in der Kanzleisprache) vor schon zu- sammengesetzte Verba verstärkend getreten, z. B. anbelangen, anempfehlen, angehören. In der nominalen Zusammensetzung kann an den Anfang oder einen geringern Grad be- zeichnen, z. B. Anbeginn, Anhöhe, viele Zu- sammensetzungen wie Anfall, Anklang haben sich von der verbalen aus entwickelt. Mhd. ane, ahd. ana; dazu asächs. an, ndl. aan, ags. engl. on, anord.(mit Tilgung des n) G, schwed. d, dän. au. Verwandt ist gr. dvä auf, an», avest. ana«über-hin», lat. an in an- heläre c«aufatmen», abulg. ꝗ-, vä-«uuf, unv. Vgl. Walde s. v. Neben der jetzt herrschen- den Aussprache mit Kürze findet sich auch gedehntes än(Zesen im Reimverzeichnis zun Helikon reimt an auf Wörter mit langem d). Anabaptist, m.(-en, Pl.-en): Wieder- täufer. Aus dem gleichbed. lat. gr. anabap- tista, gr. àvaßanricric m. zu âvaßonrilo«wie- derholt untertauchen». Daneben auch Anti- baptist(Schiller Wallensteins Lager 485), da die Wiedertäufer Gegner der Kindertaufe sind gr. ävri«gegen). Anagramm, n.(es, Pl.-e): Buchstaben- versetzung als Wortspiel, z. B. Regen in Neger, Dame in Made usw. Aus dem gleich- bed. gr.-mlat. anagramma, gr. dvdrpauHa n., zusummenges. aus dvd, in Zusammensetzungen cauf, aufwürts, wieder, zurücks» und Ipäpuo n. «Buchstabes». Im 18. Jh. aufgenommen, bei Jablonski 1721 noch Anagramma. analog, adj.: gleichförmig, wie ein an- deres sich verhaltend. Aus gr. âvdxoToc«der Vernunft(gr. Aöroc m.) entsprechend, über- einstimmend.) Im 18. Jh. erscheint dafür analogisch(Lessing 4, 117, noch bei Adelung 1798). Analogie, f.(Pl.-/): Ubereinstim- mung, Gleichförmigkeit. Aus gr.at. ana- logia, gr. àvaxofia f. vom Adj. àvdkhofoc. Bei Ludwig 1716. analysieren, v.: auflösend zergliedern. Aus dem gleichbed. franz. analyser v., ge- bildet von analyse f.«Auflösung», das auf gr. Avdhucic f.(von dvakbetv cwieder lösen, auflösens) beruht. Bei Wächtler 1711. Ananas f. Aus span. port. ananas, das aus deni Peruanischen stammt. Das Wort erscheint um 1600 in deutschen Schriften (z. B. bei Hulsius Schiffahrten 7, 155, neben Ananasos 7, 85, 1628 bei Münster Cosmogr. S. 1724 Anands). Anapäst, m.(es, Pl.-e): der Versfuß Aus lat. anapaestus, gr. dvdnoicroc zurückgeschlagener d. i. umgekehrter Dak- tylus, dem als Subst. gesetzten Mask. des gr. Adj. àvdεανoc«urückgeschlagen» von dvo- ndietv urückschlageny. Anarchie, f.(Pl.-n): Regierungslosigkeit. Nach franz. anarchie von gr.-mlat. andrchia, gr. dvapxiaf. Herrschaftslosigkeity von ävapxoc adj. cohne Oberhaupt»(àv-«un-, ohne?, dpxöc m.«Führer, Oberhaupt»). Bei Wächtler 1711. 4* Vo—. 55 Anatomie Andauche 56 4BL. anarchisch, adj. Anarchist, m. einem aufbinden(s. DW. 1, 622), was auf (-en, Pl.-en) schon im 18. Jh. das Aufsetzen und Festbinden des Helmes Anatomie, f.(Pl.-n): die Kunst Leichen von seiten dessen, der sich zum Kampf rüstet, zu zergliedern; das zur Leichenzergliederung geht(mit einem a. zuerst bei Krämer 1678); bestimmte Gebäude. Aus lat. anatomia f., dies kurz angebunden d. i. bald in Harnisch kom- aus gr. àvœroun f.(ävo- und roun«Schnitto) mend, leicht gereizt, zum Streite geneigt «Aufschneiden, Zergliederungy. Schon im(zuerst bei Schönsleder 1618). Aus der Bed. 16. Jh.(1565 bei Paracelsus Op. chirurg. 611 cfestbinden» geht die von«beschenken her- Anatome«*). 4BL. anatomieren, v., 1551 vor(z. B. bei Fleming 42), da Geschenke an bei Scheidt Grobianus 4270. anatomisch, den Hals, Arm usw. gebunden zu werden adj., bei Krämer 1678. anbahnen, v.: einer Sache den Weg be- reiten, sie ins Werk setzen und fördern. Bei Campe 1807, als landschaftliches Wort. Anbeginn, m.(-es): der erste Beginn. Mhd.(md.) anbegin m., gewöhnlich anbeginnen. anbei, adv.:(veraltet) zugleich, daneben; hiebei. Aus der Kanazleisprache von Stieler 1691 aufgenommen, von Adelung 1793 und Heynatz 1796 noch als oberdeutsch empfunden. anbelangen, v.: betreffen, eig. bis an et- was heranreichen. Aus der obd. Kanalei- sprache bei Krämer 1678 angeführt; bei Ade- lung und Heynatz 1775 noch beanstandet, 1796 aber im Antibarbarus zugelassen, vgl. belangen, anlangen. anbequemen, v.: anpassen. Eine am Ende des 18. Jh.(nach Heynatz 1796 cbei neueren Schriftstellerns) auftretende Ver- deutschung von franz. accomoder, vgl. be- quemen. anberaumen, v.: von etwas festsetzen, wann es sein soll. Mit Verwandlung eines äã in au(unter Einfluß von Raum) aus an- beramen, so noch Adelung 1793(wührend Heynatz 1775 und 1796 anberaumen vorzieht), spätmhd. berämen, von mhd. rämen, ahd. rämén czum LZiele nehmen, worauf hin sich richten?, dazu asächs. rämoôn«trachten, strebeny. Aus der Kanzleisprache bei Stieler 1691. anbeten, v.: aufs höchste verehren. Mhd. anebeten, ahd. anaheton. 4BL. Anbeter, m., mhd. anehetcre, ahd. anabetäri. An- betung, f., spätmhd. anebetunge f. Anbetracht, m.: erwägende Anschauung, Erwägung(nur in der Verbindung in 4.). Aus der Kanzleisprache bei Gottsched 1758, Adelung 1793, Heynatz 1796 angeführt, aber als oberdeutsch bekämpft. anbinden, v.: durch Binden anheften. Mhd. anebinden, ahd. anabintan. Redensarten: mit einem a.«mit jemand Streit anfangen, (abgeschwächt cüberhaupt sich mit jemand einlassen»), dafür in der ältern Sprache mit pflegten. Redensart: einen Biren a.«Schulden machen⸗(so 1781 bei Kindleben); früher heißt einem einen Bären a.«einen belügen»(so schon bei Grimmelshausen Simpl. 243 und noch bei Wieland) eig. einem eine erlogene Jagdgeschichte aufbinden, woraus dann wohl die Bed.«durch Vorspiegelungen Geld aus jemand herauslocken» hervorgegangen ist. Anblick, m.(-es, Pl.-e): worauf ge- richteter Blick; Angeblicktes. Mhd. aneblic m.— anblicken, v.: den Blick worauf richten. Mhd. anehlicken. anbrechen, v.: 1. trans. etwas wovon abzubrechen anfangen, z. B. einen Kuchen, eine Flasche. 2. intrans. als Zeit oder zeit- liche Erscheinung(mit Geschwindigkeit, mit Macht) anfangen zu sein, z. B. der Morgen, das Jahr, die Schlacht bricht an. Frühnhd. (auch bei Luther).— Anbruch, m.: der Anfang etwas wovon abzubrechen, sowie dieses Abgebrochene selbst; der Anfang des Uber- ganges zur Verderbnis an sonst Gesundem, z. B. Anbruch des Obstes, Weines; der Be- ginn einer zeitlichen Erscheinung. Frühnhd. 4BL. anbrüchig, adj.(bloß nach der 2. Bed. von Anbruch), bereits im 16. Jh. Anchovi, f.(Pl.-s): eine Sardellenart. Nach ndl. ansjovis f., engl. anchovy, aus port. anchova, span. anchoa, franz. anchois f., das aus dem Baskischen abgeleitet wird. Bei Anchinoander Gramm. Ital. Vocab. c 2 b 1653 Anschioven, bei Duez 1664 Anchove. Andacht, f.(Pl.-en): die feste betrach- tende Richtung der Gedanken, insbesonders auf Gott und Göttliches; inniges Gebet. Mit Kürzung des zweiten a aus mhd. anedäht, ahd. anadãhtf., von denken. 4 B L. andächtig, adj., mhd. anedcæœhtec, ahd. anadähtic. Andauche, f.(Pl.-n): überdeckter Ab- zugsgraben an Gebäuden, auch an nassen Ackern. Am Mittelrhein. Spätmhd. äãdnche (1304 fluxum et motum per aqueductum gui dicitur aedduche Böhmer cod. dipl. Francofur- tanus S. 360), ädächt, mit Anlehnung an das 57 Andenken Anfall 58 aus mhd. ahe f. zusammengezogene â(s.-a) aus lat. aquaeductus f. Wasserleitung». Vgl. Abzucht. Andenken, n.(-s, Pl. wie Sg.): Richtung der Gedanken auf jemand oder überhaupt einen Gegenstand, um ihn sich wieder vor- zustellen; was zum Andenken gegeben wird. Spätmhd. andenken n. Erinnerung, Wissen?, supstantivierter Inf. des V. mhd, anedenken, ahd. anadenken. Die 2. Bed.(nach franz. souvenir) bei Stieler 1691. ander, adj.:(veraltet) Ordnungszahlwort der Zweizahl; über bereits Bezeichnetes vor- handen; außer dem Bezeichneten vorhanden und davon verschieden. Mhd. ander, ahd. andar, dazu asächs. ãdar, ödar, ndl. ander, afries. öther, ags. öder, engl. other, anord. annar, schwed. annan, dän. ander, got. anhar. Eine komparativische Bildung, übereinstim- mend mit lit. aũtras, preuß. ãnters, lett. ötrs der andere», skr. antarãäs«ein andrer, verschie- dener(zu anjãs«er anderen). 4BL. ändern, v.: anders machen, mhd. endern, andern. anders, genetiv. adv.: auf andere Weise, sonst, mhd. anders, spätmhd. auch anderst, vgl. einst, was auch nhd. selbst schriftsprach- lich vorkommt(Haller Ged. 58. Wieland Aurora u. Ceph. 583. Schiller Räuber 3, 2). ZUS. anderseits, adv.(bei Gombert 5, 9 Belege von 1610 und 1618): mit angetretenem genetiv.-s aus mhd. andersit. Eine Neben- form, die auch den 1. Bestandteil des Wortes genetivisch gestaltet, ist andrerseits(bei Gombert mit Beleg von 1661). anderswo, adv.: mhd. anderswä, zusammenges. mit dem genet. Adv. anders. anderthalb, adv. Mit eingetretenem t aus mhd. anderhalp, auch anderthalp. anderwärts, adv.: anderswo- hin, anderswo, zum andern Male(in der letzten Bed. von Dasypodius 1537 angeführt); davon anderwértig, adj.(bei Gombert 7, 5 von 1618 anderwertig). anderweit, adv.: (veraltet) zum zweiten Male; an andrer Stelle, anders. Mhd. anderweide(ebenso dri weide dreimal» usw.) in der 1. Bed., wie anderwent bei Luther; daneben mhd. auch in der 2.(heil. Elisabeth 3774 anderweit anderwärtsy, 6526 cauf eine andere Arts). Davon anderweitig, adj.(bei Gombert 7, 6 vom J. 1641), in der Kanzleisprache, wo aber auch anderweit als Adj. verwendet wird, wie 1663 bei Schottel Vorr. u. S. 344. andeuten, v.: etwas durch einen Hin- weis zu verstehen geben; nur obenhin be- zeichnen. Im 16. Jh. aufgekommen(belegt z. B. bei Albertinus weibl. Lustgarte 246). Andorn, m.(-es, Pl.-e): die Pflanze marrubium. Mhd. ahd. andorn m. n. Dunkler Herkunft. Anekdote, f.(Pl.-n): unterhaltendes (neues) Geschichtchen aus jemandes Leben. Aus dem gleichbed. franz. anecdote f., das auf gr. Jat. anecdota, gr. âvéxdora, Ntr. Pl. von Aàvéxdoroc«nicht ausgegeben, nicht be- kanntgemachty(dv-«un-, nicht), didva«ge- ben*) beruht. Um die Mitte des 18. Jh. auf- genommen(Gottsched, Lessing 7, 225; Ade- lung hat noch die Bed.«eine unbekannte Be- gebenheit). Anemone, f.(Pl.-/): Windröslein, Wind- blume. Aus dem gleichbed. gr.-Jat. anemone, gr. äveuchvnf., abgeleitet vonäveuocm.&Wind?; die Benennung, weil sich die Blume nur bei wehendem Winde öffnet(Plinius hist. nat. 21, 94). Doch vgl. Levy Die semit. Fremdw. im Griech. 49. 1546 bei Bock Kreuterb. 49³ Anemonerößlin und Anemone. Anerbe, m.(-n, Pl.-n): der Erbe, der den nächsten Anspruch an ein hinterlassenes Gut hat. Mhd. anerbe m. Vgl. Ganerbe. Anerbieten, n.(-S, Pl. wie Sg.); an je- mand gerichtetes Erbieten. Im 17. Jh. aufge- kommen(Harsdörfer Gesprächspiele?, AIIb). Fig. substantivierter Inf. des V. anerhieten, pei Schönsleder 1618 verzeichnet, stammt wohl aus der Kanzleisprache. anerkennen, v.: etwas durch bestimmte Erklärung als richtig und giltig annehmen, insbesondere bei Gericht; etwas ausdrücklich billigen. Erst bei Adelung 1774. anfachen, v.: zum volleren Dasein auf- regen, eig. anblasen. Wie fachen(s. d.) erst der neuern Dichtersprache geläufig, bei Gott- sched, J. E. Schlegel u. a., von Wieland seit 1751(Suppl. 1, 145) gebraucht(bei Nierem- perger anfacheln). anfahren, v.: 1. intrans. zu Schiff oder Wagen dicht herankommen. 2. trans. zu Wagen heranbringen; sich mit harter Rede gegen jemand wenden(bei Luther). Mhd. anevarn ein Gut in Besitz nehmen?, ahd. anavaran cherangehen, jemand anfallen. Anfall, m.(-es, Pl. Anfälle): das plötz- liche Herankommen 2. B. von Feinden, mhd. aneval m.; plötzlicher Anstoß von Krank- heiten, Gemütsbewegungen; unvermutetes Zu- fallen von Eigentum und das Zugefallene selbst(auch schon mhd.). 59 Anfang angenehm 60 Anfang, m.(-es, Pl. Anfänge): das Erste wovon. Mhd. anevane, ahd. anafang m. Von anfangen, früher anfahen(s. fangen), v.: am Beginn wovon sein(eig. Hand woran legen zum Halten, woran tätig werden); im Beginn be- griffen sein. Mhd. anevãhen, ahd. anafähan. 4B. anfangs, genetivisches adv., frühnhd. anfänglich, adj. und adv.: bei Luther. ZUS. Anfangsgründe, Pl.: 1710 vom Philosophen Chr. Wolff gebraucht, s. Gombert 6, 3. anfechten, v.:(veraltet) mit Waffen wo- rauf eindringen; worauf empfindlich ein- wirken, beunruhigen; bestreiten. Mhd. ane- vehten, ahd. anafehtan. Anflug, m.(-es, Pl. Anflige): das Heran- kommen durch die Luft, sowie das Heran- gekommene selbst;(veraltet) eine äußerlich wahrnehmbare Krankheit, z. B. ein Gesichts- ausschlag; eine schwach ausgeprägte Eigen- schaft, vorübergehende Stimmung(erst bei Campe 1807). auführen, v.: an der Spitze stehend leiten; (veraltet) worin unterweisen,(dann) mißleiten, hintergehen(nach Gombert 6, 4 schon 1557 mit geschmierten Worten d.); zum Beweise tür Gesagtes beibringen, z. B. Worte eines andern(bei Gottsched). Mhd. aneviteren an sich tragen», ahd. anufuoren cherbeibringen». 4BL. Anführung, f.(nach der 1. und 4. Bed. von anführen). Damit zusammenges. Anfüh- rungszeichen, n., bei Adelung 1774. Anfurt, f.(Pl.-en) Landeplatz. Bei Luther als m. und f. Wie Fuart(8. d.) zu fahren. angeben, v.: 1. intrans.(beim Karten- spiel) zuerst geben; Töne hervorbringen(von Instrumenten). 2. trans. ansagen, vorbringen; veranlassen, anordnen; zur Bestrafung an- zeigen, mhd. anegeben. 4 BL. angeblich, adj. und adv.(nach der 1. Bed. des trans. V.), bei Frisch 1741, aber von Adelung 1793 noch beanstandet. Angebinde, n.(-s, Pl. wie Sg.): Fest- geschenk(eig. Geburtstagsgeschenk, das dem Feiernden an den Hals oder Arm gebunden wurde). Im 17. Jh. aufgekommen, vgl. anbinden. angedeihen, v.: zuteil werden, nur in der Redensart a. lassen. In der ältern Sprache ist an mich oder mir geddeihet es cgerät an mich, widerfährt mir, wird mir zuteil». Angedenken, n.(-S): wie Andenken (s. d.). Im 14. Jh. angedenken&Prinnerung» (bei dem Mystiker Eckhart). angehen, v.: 1. intrans. anfangen, in einen Zustand geraten, z. B.(vom Feuer und Brennbarem) entbrennen, mhd. anegãn, gén, ahd. anagãn, gangan; erträglich, hinreichend sein(bei Luther und im ältern Nhd. nur mit dem Dat.: mir gehet an«mir gelingt, meine Sache hat Fortgang). 2. trans. sich gegen jemand wenden, feindlich oder freund- lich;(von Dingen) jemand berühren, betreffen (beide Bed. auch mhd. ahd.). Angel, f.(Pl.-n; als m. nur noch mund- artlich«Bienen-, Wespen-usw. Stacheb): spitzer Haken zum Fischfange; Einhängehaken für Türe, Fenster usw. Mhd. angel m. f., ahd. angul m.; dazu asächs. angul m. Angelhaken 5, mnd. angel m.«Stachel, Fisch-, Türangel», ndl. angel m.«Stachel, Angel», ags. ongel m., engl. angle«Angelhaken», anord. öngull m., dän. angel«Angelhakenꝰ, aisl. ölI, all m. aus ranhulas «Keim»(Noreen Urgerm. Lautlehre 25); ent- spricht genau aind. aturäs m.«Sprößling, junger Schoßo, griech. c'†αοαο krumm. Das einfache Wort liegt vor in mhd. ange m. Fisch-, Türangel, ahd. ango m.« Spitze, Tür- angel», ags. onga m.«Stachel», anord. angji m.«Spitzey, verwandt mit lat. ancus«mit krummem Army, uncus m. Hakenꝰ, gr. ö†xoc m.«Widerhaken, diwm. Bug, Ellenboger, aärxoc n.«Bucht, Taly, skr. akäs m.«Hakeny. Luther gebraucht das Wort in der Bed.«Fisch- angelnals m., was auch später bis in die neueste Zeit nicht selten ist, z. B. Günther 873, Wieland Musarion 85, Goethe 1, 169, Schiller Picc. 1, Rückert 5, 51. 4 B L. angeln, v.: mit der Fischangel fischen, mhd. angeln, ahd. an- gilon; übertragen zu fangen suchen. ZUS. Angelstern, m.: Polarstern. Verdeutschung des 17. Jh.(bei Fleming 160. 625). angel- weit, adj. und adv.: so weit offen, als die Türangeln zulassen. Frühnhd.(1562 bei Ma- thesius Sarepta 2032). angelegen, Angelegenheit, s. anliegen. angemessen, adj. und adv.: so abge- messen, daß es einer Sache entspricht, passend, ziemlich. 1749 bei Gottsched. angenehm, adj.: gern angenommen; Wohlgefallen erweckend. Frühnhd.(im Tri- strant, ed. Pfaff 63, 21, Wormser Druck an- gendn, Sallust B 3 und Murner luth. Narr 3040 angenem, Luther 8, 513 Weim. und später angeneme). Im Mhd.(ohne an) genceme, um 1100 genãme(in ungenãme« unangenchm)), da- neben anncme, mnd. annüme und angenme, vgl. ahd. näml angenehm), got. andanénls cangenehm? zu andniman«entgegennehmen. Vgl. annehmlich. 5, 61 Anger Anhöhe 62 Anger, m.(-5, Pl. wie Sg.): wildgrünes Grasland, Grasfleck. Mhd. anger, ahd. angar m. ungepflügtes, wildgrünes Bauland, Gras- land; dazu anord. eng f., engi n. Wiesey und weiter zu griech. ã-α n.«Tab, vgl. unter Angel. Angesicht, n.(-es, Pl.-e,-er): worauf fallender Blick;(dem Blick zugekehrte) Vor- derseite des menschlichen Kopfes. Aus mhd. angesihte n.«Anschauen»,(in md. Quellen) «Antlitzy, daneben angesiht f.«Anschauen), ahd.(ohne ge-) anasiht f.«Anschauen, An- plick». S. Gesicht. 4BL. Angesichts, genetiv. adv.: im Anblicke; im Augenblick, sofort. Bei Luther. angreifen, v.: mit den Händen woran rühren, mhd. anegrifen, ahd. anagrafan; Hand anlegen, sich zu etwas schicken;(von Geldern) anfangen zu zehren(in diesen beiden Bedd. auch schon spätmhd.); sich feindlich gegen jemand wenden(bei Luther); die Kräfte in Anspruch nehmen(auch bei Luther). In dieser Bed. auch refl. sich a.— Angriff, m. (-es, Pl.-e): Beginnen, Unternehmen; Anfall. Mhd. angrif, ahd. anagrif«Betastung, Anfall). Angst, f.(Pl. Angste): das Engewerden in der Brust, beengendes Gefühl worüber. In unpersönlichen Redensarten mir ist, wird, macht angst, erscheint das Subst. A. adjekti- visch. Aus mhd. angest f., seltener m., ahd. angust f., wie mnd. angest m., abgeleitet von angi«engy. Entsprechend lat. angustia f. Enge» und angustus«enges von lat. angére szusammendrücken, beklommen machen, abg. qæosti«angustiaes. 4BL. üngsten, häufiger ängstigen, v.: mhd. engesten, ahd. angusten und engstigen, das von dem Adj. engstig (bei Luther), ahd. angustig abgeleitet ist. ängstlich, adj. und adv.: Angst habend, Angst verursachend, mhd. angestlich, engest- lich, ahd. angustlih. ZUS. Angstschweiß, m., bei H. Sachs. Angster, m.(-S, Pl. wie Sg.); hohe eng- halsige Trinkflasche oder Krug. Süddeutsch. Mhd. angster m. aus gleichbed. mlat. angu- strum, florent. anguistära, inguistãra, von lat. angastus engy. 2Angster, m.(—‧d, Pl. wie Sg.): alte kleinste Schweizer Scheidemünze,% Schilling. Seit dem 14. Jh. bezeugt. Wahrscheinlich aus lat. angustus«eng, schmal, klein, dünny. anhaben, v.: am Leibe haben(bei Luther); (einem etwas a.) an jemand Anhalt zur Schädigung gewinnen(mhd. einem anehaben csich an jemand halten, Hand an ihn legeno). anhalten, v.: 1. trans. festhalten; in der Bewegung aufhalten, zurückhalten;(zu etavas a.) andauernd zu etwas nötigen(bei Luther). 2. intrans. Halt machen; fortdauern;(um etwas a.) andauernd um etwas bitten(in beiden Bedd. bei Luther). Anhang, m.(-es, Pl. Anhünge): was sich anhängt; als unwesentlich Beigefügtes; eine zugetane in Tun und Treiben folgende Per- son oder eine Gesamtheit solcher Personen. Mhd. anehanc m.— anhangen, durch Ver- mischung mit dem trans. V. auch anhängen, v.: woran hangen; fest zugetan sein. Mhd. anehangen. 4BL. Anhänger, m.: der einer Person oder Sache zugetan ist(bei Luther). anhängig, adj.:(veraltet) zugetan; zu- gehörig;(von Prozeßsachen) schwebend, der Entscheidung entgegensehend(aus der Kanz- leisprache bei Luther).— anhänglich, adj.: dauernd zugetan. Bei Adelung 1793, aber von Heynatz 1796 als wenig üblich bezeichnet. — Anhängsel, n.: anhangender Gegenstand. 1733 bei Gottsched. anheben, v.: anfangen, eig. angreifen zum Bewegen. Mhd. aneheben. Nur in feier- licher Sprache. anheim, akkusat. adv.: eig. an das Haus (vgl. Heim); zu freier Verfügung. In der Kanzleisprache des 16. Jh. erscheint a. in festen Verbindungen mit Verben(vgl. a. 2iehen Reichs-Ordnungen 1365), von denen jetzt noch anheimfallen,-geben,-Stellen üblich sind(da- für bei Luther 3, 112 b Jen. heim fallen, 3, 1252 heimgehen). anheimeln, v.: heimisch anmuten. Bei Dentzler 1709 verzeichnet und durch Schweizer Schriftsteller ins Hochd. gekommen, aus dem es Campe 1807 anführt. heimeln ist mit einer diminut. Endung von heim gebildet. anheischig, adj.: durch Versprechen ver- pflichtet(nur noch in sich a. machen). Ent- standen durch Einwirkung von heischen(s. d.) aus mhd. antheigec«durch Versprechen schul- digy, abgeleitet von mhd. ahd. antheiz m. Gelübde», dazu got. andahait n. Bekenntnis» neben andhaitan«bekennen». 1576 bei Mathe- sius Luther 104 b anheischig(1566 anheschig). anher, adv.: hierher, bis hierher. Frühnhd. Kanzlei(Janssen Frankf. Reichscorr. 1, 913). anherrschen, v.: herrisch anfahren. Junges Wort, noch nicht bei Campe 1807. Anhöhe, f.(Pl.-n): mäßige Erhöhung. 1741 von Gottsched und 4748 von Klopstock (Messias 2, 43) gebraucht. Schon mnd., auch 63 Anis Anlaß 64 später bei Niederdeutschen erscheint Amberg (d. i. An-berg)«Hügelꝰ, eig.«mäßig ansteigen- der Bergy, wonach wohl Anhöhe gebildet ist. Anis, m.(Gen. Anises, Pl. Anise): eine Gewürzpflanze und ihr Same. Spätmhd. anis und(umgelautet) enis n. aus dem gleichbed. gr.-lat. anĩsun n., gr. ävicov n., einer Neben- form von gr. ävncov n., ävnrov, ävngov«Dillꝰ. In der Schriftsprache ist die mit dem Lat. übereinstimmende Formdurchgedrungen, wäh- rend älternhd. oft aneis und(mit Ton auf der 1. Silbe wie jetzt obd.) enis vorkommt. anitzt, anjetzt, adv.: Erweiterungen von itzt(s. d.) jetzty, aus der Kanzleisprache (anietzt bei Opitz 2, 265). „Anke, f.(Pl.-n): Nacken». In Thüringen, Franken, Schwaben und am Mittelrhein(Maler Müller 2, 67). Mhd. anke f.«Genick, Gelenk am Fußy, ahd. ancha f.«Genick», encha(mit Umlaut) f. Beinröhren. Urspr. S. v. a. Gelenk, Gliedkrümmung zur Bewegung. Vgl. auch got. halsagga m.(für überliefertes balsagga vermutet) Nacken»: zu gr. Txdv«Ellenbogen⸗ s. Angel. S. auch Eukel. „Anke, Anken, m.(Gen. und Pl. Anlen), selten f.: Butter. In der Schweiz, dem Elsaß, am Oberrhein. Mhd. anke m., ahd. anko m. und anka f., auch in Zusammensetzung anc- smero m. Buttery. Verwandt sind lat. un- gusre«schmierenꝰ, unguen, umbr. umen« Salbe, Fetts, altir. imb, preuß. anktan Butters, aind. ar.]«salbenꝰ, äſjam Opferschmalzo. 4 BL. anken, v.: buttern. 1Anker, m.(-s, Pl. wie Sg.): Eisen mit Widerhaken zum Auswerfen ins Wasser, wenn das Schiff stehen soll. Mhd. anker, spätahd. anchar m.; mit ndl. anxer n., ags. dncor, oncor m., engl. anchor, anord. arkeri n., Schwed. ankaare n., dän. anker n., entlehnt aus gr. Jat. ancora f., gr. ärxupa, Grundbegriff cdas Gekrümmte», zu der unter Angel be- sprochenen Sippe gehörig. Der eig. ahd. Ausdruck senchil m., sinchila f.«Senkel⸗(s. d.) wurde durch das von Norden her eindringende entlehnte A. verdrängt. 4B L. ankern, v.: mhd. ankxern, auch(umgelautet) enkern. „Anker, m.(-S, Pl. wie Sg.): ein etwa ½ Eimer haltendes Maß. Aus dem ndl. anker n. ins Hochd. aufgenommen(bei Frisch 1741 verzeichnet), das auf dem eine kleinere Tonne als Maß bezeichnenden mlat. ancheria, anceria f. beruht. Anklang, m.(-S, Pl. Anllänge): durch Anschlag hervorgerufener Klang; anhebender ¹ Klang; sich anschließender, verwandter Klang, (bildlich) entsprechende Empfindung usw.(in A. finden). Ein Adelung noch unbekannter Ausdruck der neuern Dichtersprache(in der 3. Bed. bei Voß 3, 169, dann auch bei Goethe). anklingen, v.(mit starker Flexion): mit dem Kluange woran rühren. Dagegen an- klingen(mit schwacher Flexion): Glas wider Glas anstoßen, daß es einen Klang gibt. Oft bei Voß(aber bei Goethe Faust 5276 mit starker Flexion angelclungen). ankommen, v.: wohin kommen um da zu sein; an jemand herankommen, über jem. kommen(jetzt noch im Ausruf komm an!, Schiller Braut v. Mess. 3, 2, Lessing Nathan 1, 3, früher wie mhd. anexomen, ahd. and queman mit trans. Akk.); etzwas Kommt mich an æich werde davon befallen»(jetzt auch mit Dat. wie schon bei Luther Weish. 16, 21), mit Adv. z. B. schaper«ich werde wovon er- griffen?(bei Luther); es darauf a. lassen das Herantreten, den Verlauf einer Sache ab- warten?(bei Stieler 1691); es komnt an auf— es tritt an— heran, um dadurch in seinem Verlauf bestimmt zu werden(bei Ludwig 1716). 4B2. Ankömmling, m.(-s, Pl.-e): wer ankommt. Bei Krämer 1678.— Ankunft, f.: (veraltet, doch noch bei Goethe 16, 50) Ab- stammung; Ankommen(so schon bei Luther). ankörnen, v.: anlocken, eig. Vögel durch ausgestreute Körner(Goethe Götz 2, 13). Bei Duez 1664. Anlage, f.(Pl.-n): Beilage; die dem Ein- zelnen auferlegte Steuerleistung(frühnhd.); Aufwendung von Geldern zu bestimmtem Zwecke; Entwurf eines Gebäudes, Gartens usw. und das Angelegte selbst(Frisch 1741); an- geborne Fähigkeit(erst um 1750, z. B. Lessing 7, 363). Mhd. anläge f.«Bitte, Anliegen». anlanden, v.: ans Land fahren. In der ältern Sprache dafür anländen(so noch bei Wieland 20, 260). anlangen, v.: 1) intrans. ans Ziel ge- langen, mhd. anelangen. 2) trans.(veraltet) bittend angehen(bei Luther Ap.-Gesch. 25, 24); betreffen(frühnhd., auch bei Luther). Anlaß, m.(Gen. Anlasses, Pl. Anlässe): das Bewegende zu einer Handlung. Mhd. aneld⸗ m.«Ort, von dem aus das Rennen losgeht; schiedsrichterlicher Austrag einer Sache»(die jetzige Bed. schon frühnhd). 4L. anläß- lich, adv.(mit Gen.): in der neuern Kanalei. sprache(noch nicht bei Adelung). 65 anlassen annektieren 66 anlassen, v.: wohin oder wozu los lassen, mhd. aneläzen, anelän, ahd. analäzan; an den Körper angelegt oder angetan lassen; harte Worte an jemand richten(Stieler 1691). Refl. sich a.«Fähigkeit und Tätigkeit wozu zeigen»(frühnhd.). Anlauf, m.(-es, Pl. Anläufe): ausholende geschwinde Bewegung woraufhin. Mhd. ane- louf m.«Anrennen, Angriffy, ahd. anahlouf m. Ansturz».— anlaufen, v. laufend wider etwas kommen, mhd. aneloufen, ahd. anahloufan; (bildlich, zunächst vom Wild, das gegen die Waffe des Jägers rennt) widerrennen, in seinem Tun durch übeln Erfolg abgeschreckt werden; anschwellen; von etwas Leichtem überzogen werden, z. B. der Spiegel, der Wein läuft an (1696 im Persian. Baumgarten 9, 19). Anlaut, m.(res, Pl.-e): der Anfangslaut eines Wortes. Grammatischer Kunstausdruck Jac. Grimms. anlegen, v.: woran legen, mhd. anelegen, ahd. qnaleggen; an sich legen als Kleid oder Schmuck(schon mhd. ahd.);(von Schiffen) sich ans Ufer legen;(von Gewehren) zum Ziele richten(daher es worauf d.«es worauf abgesehen haben?); zu einem bestimmten Zwecke nutzbringend verwenden(spätmhd.); anrichten, anstiften(bei Luther mit Dat. «einem etwas zufügen»); entwerfen und zur Ausführung bringen. Anlehen, n.(-s, Pl. wie Sg.): Hingabe von Geld gegen Zinsen. Mhd. anléhen, ahd. analéhan n.(s. Lehen).— Anleihe, f.(Pl.-n), in gleicher Bed., aber mehr von hohen Geld- summen. Erst bei Adelung 1774(«in Ober- deutschland). anliegen, v.: sich dicht woran fügen; einem andauernd bittend zusetzen; einem Nachdenken und Sorge verursachen. Mhd. aneligen, ahd. analiggen in diesen 3 Bedd. Substantiviert Anliegen, n.(*J, Pl. wie Sg.), nach der 2. und 3. Bed. von anliegen. Früh- nhd. Das Part. Prät. angelegen steht oft adjektivisch: Nachdenken und Sorge mit Eifer zur Taätigkeit verursachend(bei Luther). Da- von Angelegenheit, f.: was mit Nachdenken und Sorge beschäftigt(so noch Lessing Nath. 3, 2), daun überhaupt Geschäft(Gombert 7, 6 v. J. 1619), und angelegentlich, adv.: mit eifriger Fürsorge(bei Dentzler 1709 noch ohne das eingeschobene k angelegenlich). anmaßen, v.(mit refl. Akk. und Gen. der Sache oder Dat. und Akk. der Sache): nach Maß- gabe des Zustehendenin Anspruch nehmen; über Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. das Maß des Zustehenden in Anspruch nehmen. Mhd. sich anemũzen(mit Gen.) auch schon in der 2. Bed. 4 L. Anmaßung, f., frühnhd. Anmerkung, f.(Pl.-en): mündliche oder schriftliche Bemerkung(1663 bei Schottel als Verdeutschung des lat. observatio, noch bei Lessing, Goethe); gelegentlich angefügteschrift- liche Bemerkung. Anmut, f.:(veraltet) die Seelenstimmung z etwas, das Vergnügen macht, Neigung, Verlangen(so zuerst 1514 bei Liliencron 3, 147, aber als M., daneben schon im 16. Jh. als F.); Freude, Lust(noch bei Hagedorn, Werkes, 93); wohlgefälliges anziehendes Wesen (so zuerst bei Stieler 1691). Diese jüngere Bed. im Anschluß an das Adj. anmutig: Neigung hervorrufend, Verlangen erweckend, daher ge- fullig, lieblich(so schon bei Murner Schelmen- zunft 12, 20 anmietig red d. i. wohlgefällige).— anmuten, v.: ein Verlangen an jemand rich- ten, einem etwas ansinnen, mhd. anemuoten (mit Akk. der Person und Gen. der Sache, später mit Dat. der Person und Akk. der Sache); (mit Akk. der Pers.) das Gemüt ansprechen, Wohlgefallen erregen(noch nicht bei Adelung 1793, von Wieland 23, 341 für interessieren empfohlen und dann von Goethe in der jetzigen Bed. gebraucht). Anna, Frauenname. Aus der kirchlichen gr. Jat. Form Anna nach dem hebr. Frauen- namen Channãh(1. Sam. 1), urspr. Appellativ in der Bed.«Gnade, Flehen um Gnadev. Annalen, Pl.: geschichtliche Ereignisse ver- zeichnende Jahrbücher. Aus dem gleichbed. lat. annales(nämlich lihri«Bücher»), dem subst. Pl. des M. des Adj. annalis«das Jahr betreffend», von annus m. Jahry. Im 18. Jh. entlehnt. Annaten, Pl.: die im ersten Jahr an die päpstliche Schatzkammer fallende Hälfte des Zinses von einer geistlichen Pfründe. Aus dem gleichbed. mlat. Pl. annatae von annus m. «Jahry. Frühnhd.(Luther 8, 708 Weim.). annehmlich, Adj.: gerne angenommen und gefallend. Gebildet aus dem mhd. Adj. annceme angenehm, lieblich», mit der Ab- leitungsendung-lich. Frühnhd. annektieren, v.: sich ein Land anglie- dern; überhaupt«sich aneignen». Nach franz. annexer anhängen, einverleibeny aus lat. annectére(aus ad-nectere)«anknüpfen, ver- einigeny. Rot 1571 hat annectirn in der Bed. aneinander knüpfen», die auch Campe 1811 allein kennt. Die jetzige Bed. wurde nach 1859 üblich. Vgl. Ladendorf Hist. Schlagwb. 5 67 annoch Ansicht 68 annoch, Adv., mit an verstärktes noch. Schon in der Kanzleisprache des 15. Jh. Annonce, f.(Pl.-/); Ankündigung in der Zeitung. Aus dem gleichbed. franz. annonce f. von annoncer«ankündigen), das auf lat. annun- ciare d. i. ad-nunciare ankündigen» beruht. Gegen Ende des 18. Jh. entlehnt(1795 bei Campe Bereicherung besprochen). Anomalie, f.(Pl.-n); Abweichung von der gemeinen Regel. Aus dem gleichbed. gr.-lat. anomalia f., gr. dvwuakia f. eig. «Ungleichheity von dem Adj. dvuο«oOc un- gleich»(dv-«un-y, duoXéc gleich»). Bei Sperander 1728. anonym, Adj.: ungenannt(ohne Angabe des Namens). Aus gr. dvovuuoc namenlos» (dv-«un-, ohney und évuuafür évouan. Name»). Im 18. Jh. dafür auonymisch(Schiller 2, 381). anranzen, s. ranzen. Anrecht, n.(6es, Pl.-e): das Recht woran. Wohl in der Kanzleisprache gebildet, im 18. Jh. allgemeiner gebraucht(Herder 1, 2). anregen, v.:(veraltet) an etwas rühren, mhd. aneregen; berühren, erwähnen(früh- nhd.); den Anstoß zu etwas geben(schon bei Luther);(mit Akk. der Person) einen zu etwas bewegen oder auf etwas hinleiten. Anrichte, f.(Pl.-n); der Küchentisch, die fertigen Speisen zum Auftragen zu bereiten. Mhd. urihte f.— anrichten, v.: fertige Speisen zum Auftragen zurecht machen; über- haupt«zurecht machen; entstehen macheno. Mhd. anerihten. anrüchig, Adj.: in keinem guten Rufe stehend. In neuerer Zeit an Stelle des zuerst im 15. Jh. auftretenden anrächtig(noch bei Campe 1807) getreten. Dies bezeichnet etwas oder jemand, dessen Ruf, Geräücht(s. d.) an- fängt schlecht zu werden. Die Umgestaltung des Wortes(gleichsam canfangend übel zu rischen?) erfolgte unter Einffuß von Wörtern wie Geruch= Ruf, ruchbar(s. d.). ans, zusammengez. aus an das. Mhd. anz. ansässig, adj.: festen Wohnsitz habend. Gebildet von einem frühnhd. Anseß«fester Wohnsitzy, das entweder auf ein mhd. ansez (mhd. sez m. n.«Sitz) oder wahrscheinlicher mit Kürzung des Vokals auf ein mhd. an- scæze n.(vgl. mnd. ansete n. Besitz eines un- beweglichen Erbes») zurückgeht. Im 18. Jh. gebraucht(bei Apinus 1728 Anseßigkeit). Anschein, m.(-es): die Art, wie sich etwas den Augen zeigt, als Grundlage der Beurteilung. Mhd. anschin m. Erscheinung». — anscheinend, Adj.: den Anschein habend, eig. Part. Präs. eines V. anscheinen, mhd. ane schinen. anschicken, v.: anordnen, zurecht machen (noch bei Wieland 4, 113), mhd. aneschicken. Refl. sich a.«sich zu etwas fertig machen,» (Stieler 1691). anschlagen, v.: woran schlagen, mhd. aneslahen, aneslän, ahd. anaslahan; durch Schlagen festmachen; den ersten hellen Laut hören lassen; das Gewehr an die Wange nehmen; (danach vom Anschlagen und Zielen mit dem Gewehre) nach Berechnung oder Erwägung bestimmen(spätmhd.); gedeihlich sich zeigen (bei Rädlein 1711 und Ludwig 1716, schon mnd. anslãn).— Anschlag, m.(6es, Pl. Anschläge), nach den Bedd. des Verbums. Mhd. aneslac, im 15. Jh. auch«worauf zielender Gedanke, Plany. Davon anschlägig, Adj.: reich an Einfällen, frühnhd.(auch bei Luther). anschmieren, v.- durch Schmieren woran haften machen(Maaler 1561 anschmirwen); (einem etwas a.) einem betrügerisch aufhalsen (Ludwig 1716, während im 17. Jh. sich die Bed. «fälschlich eine Schuld beimessen» findet): (einen a.) betrügen(in der neuern Sprache). anschnauzen, v.: an jemand harte Worte heftig richten. Frühnhd.(Luther). Zusammen- ges. mit schnauzen von Schnauze(s. d.), das auf ndd. snaten bperuht. Eig. s. v. a. canschnauben, anfauchen», dann«ungestüm anfahren?. anschwärzen, v.: schwarze Farbe an etwas bringen; schlecht machen, verleumden (bei Stieler 1691). Ansehen, n.(-S, eig. subst. Inf. des V. ansehen): Anschauung, mhd. ansehen n.; äußere Erscheinung(mhd. ansehen«Angesicht»); Be- rücksichtigung, Wertschätzung(bei Luther). 4BL. ansehnlich, Adj.: in der äußern Er- scheinung hervorragend; allgemeine Berück- sichtigung, Wertschätzung findend. Frühnhd. (2. B. Carolina 158), doch daneben auch(vom V. ansehen aus gebildet) ansehelich. Anselm, Mannsname. Ahd. Anshelm, zu- sammenges. mit ahd. ans(nur als erstes Wort in Zusammensetz.), anord. dss, ags. 58 Ase, Gotty und helm. Ansicht, f.(Pl.-en): das Heften des Augenlichtes worauf; die Art der Auffassung wovon durch die Sehkraft oder(bildlich) den Geist; das Gesehene wiedergebendes Bild. Mhd. anesiht, ahd. anasiht f. ist«Anblick», später verschwindet das Wort im Hochd., erhält sich aber im Ndd., aus dem es bei 69 ansiedeln anstellen 70 Ludwig 1716 angeführt wird, dagegen be- zeichnet Frisch 1741 das Wort als nicht ge- bräuchlich und selbst Adelung 1793 kennt es in der Bed.«Art der geistigen Auffassung nicht. 48. ansichtig, adj., jetzt nur in ansichtig werden«im Bereiche der Augen haben, daß diese darauf fallen». Mhd. an- sihtec in ansihtec werden, aber auch s. v. a. can- sehnlichy, ahd. anasihtig«gesehen werdend. ansiedeln, s. siedeln. ansinnen, v.(mit Dat. der Person und Akk. der Sache): an jemand die Forderung einer Tätigkeit richten. Frühnhd.(Brant Layensp. L 2, mhd. nur an einen Sinnen cjemand angehen um etwas»). Der Inf. sub- stantivisch Ansinnen, n. frühnhd.(Nürn- berger Pol.-Ordn. 109. Brant Layensp. L 3). anspielen, v.: zuerst spielen und so das Spiel anfangen; spielend anklingen lassen; (daher) etwas in leiser Beziehung worauf sagen oder tun(Lessing 8, 71). Ansporn, m.(-s): Antrieb zu tatkräftigem Handeln. Neugebildetes Wort(noch nicht bei Campe 1807) vom V. anspornen, eig. das Pferd mit dem Sporn antreiben. ansprechen, v.: Worte an jemand richten, besonders um etwas, mhd. anesprechen, ahd. anasprehhan; ausdrücklich als sein erklären und sonach verlangen(auch schon mhd.); ausdrücklich wofür erklären(bei Goethe Wahlverw. 2, 2 und öfter); freundlichen Ein- druck auf jemand machen(noch nicht bei Adelung 1793, aber von Goethe oft gebraucht, der es 49, 1, 401 ein Wort der Konversations- sprache nennt). Anspruch, m.(-es, Pl. Ansprüche): die an jemand gerichteten Worte; das Erheben einer Forderung gegen jemand(in in 4. nehmen, vgl. mhd. anspruch«rechtliche For- derung»); eine für begründet gehaltene For- derung und deren Kundgebung;(Ansprüche) allgemeine Forderungen, die man ans Leben und andere richtet(erst in der neuern Sprache). ZUS. anspruchlos, adj. Seit dem 18. Jh. (Wieland Suppl. 4, 17), jetzt gewöhnlich an- spruchslos.— anspruchsvoll, adj., zuerst bei Campe 1807 als Neubildung. Anstalt, f.(Pl.-en): die Anordnung und Vorbereitung etwas auszuführen, namentlich in A. machen, Anstalten treffen(mhd. ver- einzelt anstalt f. Begründungo, in der jetzigen Bed. im 17. Jh. Diefenbach-Wülcker 72); in umfassenderer Weise zu körperlicher oder gei- stiger Pflege usw. Eingerichtetes(im 18. Jh.). Stalt ist Abstraktbildung zu stellen, die sich an das frühere Praet stalte anschließt. Anstand, m.(-es, Pl. Anstände): das Stillstehen, vorläufige Aufhören wovon(mhd. anstant m. Waffenstillstando); das Verweilen des Jägers auf einem Standorte, sowie dieser Standort selbst; der Aufenthalt in einer Sache mit Bedenklichkeit in dieser fortzufahren (Duez 1642); Außerliches schickliches Ver- halten(erst um die Mitte des 18. Jh. aus dem Adj. anständig entwickelt, z. B. bei Lessing 2, 94, Wieland Amadis 117). 48L. anständig, adj.: passend, schicklich. Seit dem 17. Jh.(unter Einfluß des V. anstehen, daher anfangs meist mit Dat. der Person, z. B. Grimmelshausen Simpl. 380). anstatt, Praep. mit Gen.: an Stelle von. Zusammengerückt aus an und dem Dat. Sg. von Statt, mhd. an stete, an stat, in der Kanzleisprache des 15. Jh. schon als Praep verwendet(1444 anstad Germania 28, 359). a. daß, Konj.: an der Stelle daß. anstechen, v.: woran stechen, mhd. ane- stechen, ahd. anastehhan; mit dem Stachel (Sporn) antreiben(noch in angestochen Kommen d. i. angeritten);(bildlich) reizen, mit emp- findlichen Worten auf jemand zielen(Luther); sinnlich reizen, in die Augen stechen(Goethe 16, 15);(durch Einstechen einer Röhre ein Faß) zum Zapfen öffnen(schon mhd.). anstecken, v.: durch Einstechen woran haften machen; wie anstechen, vom ffnen des Fasses;(dadurch daß Brand Hervor- bringendes an etwas stechend befestigt wird) in Brand setzen(so schon mhd. anstecken); zündstoffartig mitteilen(von Krankheiten, schon im 16. Jh.). Intrans.: zündstoffartig sich mitteilen. anstehen, v.: dicht oder nahe zu etwas hin sein, mhd. anestän, stén, ahd. anastän, stén, stantan; stehen bleiben, im gegenwärtigen Zustand verbleiben, namentlich in a. lassen (bei Luther); mit Bedenken innehalten;(mit Dat. der Person) passen, gemäß sein(schon mhd.). S. Austand. anstellen, v.: nahe woran stellen; an eine Stelle weisen; in ein Amt einweisen (von Gottsched bekämpft und noch von Adelung 1793 für oberdeutsch erklärt); ins Werk setzen, unternehmen(frühnhd.);(mit Akk. der Person) anstiften. Refl. sich a. (mit Adv.) sich in einer Tätigkeit zeigen (frähnhd.); ein Benehmen zur Schau tragen, namentlich zum Schein. Mhd. anestellen 5* 71 anstiften Antipode 72 caufschieben». 4BL. anstellig, adj.: sich gut anstellend, gewandt, vom refl. sich a. Nach Heynatz Antib. 1, 134 von Lavater empfohlen und danach auch von andern ge- braucht(Schiller Tell 1, 3). anstiften, v.: anregen, anreizen. Frühnhd. (Franck teutsche Chron. 110 b). Vgl. sfiften. Anstobß, m.(-es, Pl. Anstöße): auf etwas einwirkende, nach vorwärts drängende Be- wegung, mhd. anesto;, ahd. anastôz m.; Hin- derung in der Bewegung, sowie das unan- genehm Hindernde und damit Argernis Ge- bende selbst(so schon mhd., dann bei Luther); schnell zukommendes Ubelbefinden an Leib oder Gemüt; an Zeug angesetztes Zeugstück. — anstoßen, v.: widerstoßen, mhd. ane- stõzen, ahd. anastézan; durch Stoßen in Be- wegung setzen; an jemand empfindlich be- rührend kommen, z. B. das Fieber stieß ihn an(so schon mhd.); wider andrer Ansicht und Billigung tun; angrenzen; anfügen. 4B L. anstößig, adj.(nach der 2. Bed. von 4A., der 3. von anstoßen), frühnhd.(Fischart Garg. 168). anstrengen, v.: etwas mit Bemühung ins Werk setzen(jetzt nur eine Klage, einen Prozeß, mhd. anstrengen ist«inständig bitten); zur Anspannung der Kräfte bringen, ab- mühen. Mhd. strengen ist«stark machen, kräftig ausüben, bedrängeny, ahd. strengen»be- drüngen». Anstrich, m.(-es, Pl.-e): der Strich woran, auch der Strich mit dem Fiedelbogen zum Spiele(mhd. austrich m.); das An- und Überstreichen womit, sowie das woran Ge- strichene, um sich ein Aussehen zu geben (bei Maaler 1561« Schminken); eine zum Schein hervorgekehrte Eigenschaft(Günther 687). ansturen, s. sturen. ansuchen, v.: bittend angehen, ersuchen. Substantivisch Ansuchen, n.: frühnhd. Kauzleisprache(Reichsordnungen 17 b vom J. 1495). Vgl. mhd. etetcag an einen suochen. ant-, Vorsilbe mit der Grundbed. zu— hin, gegen, jetzt nur noch in Antlaß, Antlitz, Antwort, früher häufiger und als betonte Form mit dem unbetonten ent- wechselnd. Mud. ahd. ant-, dazu asächs. and-, ags. and-, ond-, anord. and-, got. anda-, and-, hier auch and als Präp.«an, worauf hin, lüngsv». Ver- wandt ist lat. ante«vory, gr. dvri«gegen, gegenüber, vor?, skr. änti«gegenübers, alit. antc auf, zuy, lit. aüt«aufs. Zur Bedeu- tungsentwicklung vergl. Delbrück Grundriß 3, 1, 740 f. antasten, v.: roh oder gewaltsam Hand anlegen. Mhd. anetasten«feindlich angreifen, angehend nötigens. Vgl. kasten. antediluvianisch, adj.: vorsintflutlich. Bei Herder 6, 111(um 1770), Wieland 47, 64 (Gruber) vom J. 1790. Von lat. ante«vor» und lat. dilavium n. UÜberschwemmungy. Anteil, m. n.(-es, Pl.-e): jemand zu- kommender Teil woran, mhd.(selten) anteil n.(häufiger seit dem 17. Jh.);(nur m. ohne Pl.) Mitgefühl(bei Adelung 1774). Anthologie, f.(Pl.-/): Blumenlese d. i. Sammlung kleiner Gedichte und dann auch andrer Schriftsticke. Aus dem gleichbed. gr. dvêokoria f. von dem Adj. dvéokéroc «Blumen lesendy(ävéoc n. Blume„, Noroc von Aéreiv lesen, sammeln»). Im 18. Jh. entlehnt. Anthropologie, f.: Menschenkunde, Wissenschaft vom Menschen. Aus gr.-neul. anthropolögia eig. die über den Menschen redende, die menschenkundige Wissenschaft, von dem gr. Adj. dvêpwrokéroc über den «Menschen redend»(ävépuroc m.«Meuschy, Xoroc von Xéreiv«reden»). Im 18. Jh. entlehnt. Antibaptist, s. Anabaptist. antik, adj. und adv.: altertümlich, in Geschmack und Geist des Altertums. Aus dem franz. Adj. antigae, ital. antico, das auf lat. antiquas zalte beruht. Bei Sperander 1728 noch in der franz. Schreibung. Schon im 16. Jh. kommt das von lat. antiquus ap- geleitete Adj. antiguisch vor(1558 bei Rivius Büxenmeisterey 3, a 1a, Gombert 6, 4).— Antike, f.: Kunstarbeit des klassischen Alter- tums und dieses selbst. Aus franz. antique f., das auf lat. antiqua, Pl. von autiquun(eig. opas Werk») beruht. Im 18. Jh. aufge- nommen(im Pl. bei Lessing 6, 436). Antimön, n.(-s, Pl.-e): Spießglanz, Spießglas. Aus mlat. antimonium n., span-- ital. antimonio, wohl vom gleichbed. arab. al-ithmid, al-uthmucl. Der griech. Nume da- für war crißi, criuEun., daher lat. stibium n. Antipathie, f.(Pl.-/): natürliche Ab- neigung wogegen. Aus gr. lat. antipathia, gr. dvrindHela f. Gegen-, Abneigungy, von dem gr. Adj. dvrrraonc«von entgegengesetzter Nei- gung seiend»(dvri«gegen, widers,-aenc von mdOoocn.«Leiden, Gefühly, zu aetv, Inf. Aor. von mdcXxeiv leiden?). Im 17. Jh. entlehnt. Antipõde, m.(-n/, Pl.-n): Gegenfüßler. Aus dem gr.-Jat. Pl. antipodes, gr. dvrinodec «Gegenfüßler, dem als Subst. genommenen Pl. des M. des gr. Adj. dvrinouc, Gen. dvri- 73 Antiquar Anvärter 74 nodoc die Füße entgegengekehrt habend, gegenfüfßig)(dvri«gegens,-ouc von mobc m. Fuß»). Noch 1710 bei Nehring in der lat. Form Antipodes. Antiquar, m.(-es, Pl.-e): Altertums- forscher; Händler mit alten Büchern. Aus lat. antiqucdrius m.«Altertumskenner, Alter- tümlery, dem als Subst. genommenen M. des Adj. antiquarius ædas Altertum betreffend, von antiquus«alt». Bei Nieremberger 1753 noch in der lat. Form, dafür 1595 bei Welser- Werlichius Chron. 4, 81 Ankiguitist m. 4B1. Antiquariat, n. Antiquitäten, Pl.: Gegenstände aus dem Altertum. Aus dem gleichbed. lat. antiqui- kates, Pl. von antiquitas f.«Altertumꝰ, von antiguus«alty. Schon im 16. Jh. gewöhnlich (Antiquitet in der Zimmerschen Chronik, 1548 bei Stumpf Schweizerchron. 1, 278 b, 1562 bei Mathesius Sar. 232, Rot 1571). Antisemit, m.(en, Pl.-en): Gegner der Semiten. Ein um 1879 von Wilh. Marr ge- prägtes Kampfwort. Aus gr. dvrr gegen? und Semit(s. d.). Antlaß, m.(-Sses, Pl.-Sse): Sündener- lassung, Ablaß; Lossprechung(Entlassung) von Kirchenstrafen und Wiederaufnahme in die Kirchengemeinde. Nur noch bayr. öst. Mhd. ahd. antlãz m., zu dem V. entlassen, ahd. ant-, intläzan. Antlitz, n.(-es, Pl.-e): Angesicht. Mhd. antlitze n.; dazu(aber mit andrer Suffix- bildung) ags. ancholita m., anord. andlit n. «Angesichty. Im Got. steht neben andazwleizn n.«Angesicht» das nicht mit anda- zusammen- gesetzte aclits m.«Angesicht, Ansehen, Gestalty. Dies gehört zu einem verlorenen starken V. wleitan«seheny(dazu got. wlaiton«umher- blicken, spähen»), dem ags. ol7tan, anord. lita (für vlita) entspricht. Im Mhd. findet sich auch häufig antlitze n., ahd. antluzzi, unluzzi, mit Assimilation amnuzzi n.(die Form mit i erst im 11. Jh. belegt), Formen, die durch Ver- mengung mit dem gleichbed. ahd. antlutti n., mhd.(selten) antliütte n. entstanden sind, deren-latti, Alütte auf got. lacja f.«An- gesichty zurückführt. Luther bediente sich des Wortes in der Form Andlitz. Anton, Mannsname. Aus lat. Antoninus, des- sen Ursprung und Bedeutung dunkel ist. Vgl. W. Schulze Zur Geschichte lateinischer Eigen- namen 123 f. Danach der Frauenname Antönie. Antrag, m.(-es, Pl. Anträge): an jemand gerichtetes Erbieten, Vorschlag; förmlich ge- stelltes Begehren. Frühnhd., von dem V. antragen, mhd. auch in der Bed.«anstiften», frühnhd. anbringen, vorschlageny. Antrieb, m.(-es, Pl.-e): starke An- regung zu einem Tun. Frühnhd.(bei Nas Pract. A 2 Andrib). antun, v.: an sich legen(mhd. anetuon); mit Kleidern usw. versehen;(mit Dat. der Person) zufügen, namentlich Ubles(frühnhd.); mit Zauber schädigen(bei Krämer 1678). Antvogel, s. Ente. Antwort, f.(Pl.-en): das auf Worte eines andern Gesagte, insbesondere sofern es sich auf jene bezieht. Mhd. antawurt f. und antwürlte n., später(mit Anlehnung an bort) antwort f. n., ahd.(selten) antzwurti f., meist antwurti n.; dazu asächs. andevwordi n., ndl. antwoord n., ags. anchwyrde n., anord. andyrdi n., got. andawaurdi n. Dies ist gebildet von got. anda-(s. ant-) und einer Kollektivbil- dung von Wort, also urspr.«Gegenwort, Gegen- rede?. Luther gebraucht das Wort noch oft als N., daneben als F.; auf das alte N. weist auch noch Ankzworts genug(Lessing Em. Gal. 4, 3). 4BL. antworten, v.: mhd. ant- zwürten, autwurten, ankworten, ahd. antzurten; dazu asächs. ndzwordian, ags. andaoyrdan, got. andavaurdjan. Anwachs, s. Anzuchs. Anwalt, m.(es, Pl. Anzwälte): der für den andern eine Rechtssache führt, Advokat; (in Oberdeutschland früher auch) Gemeinde- vorstand(so noch jetzt schwäb.). Aus mhd. anzwalte, ahd. anwalto m., dazu ags. onzwealda m. eig. der Gewalt woran hat, von ahd. ana- zwalt f., ags. onaeuld m.«Gewalt woran, Macht» zu walten. Alternhd. begegnet häufig die Schreibung Amoald(im 16. und noch im 18. Jh., z. B. bei Klopstock, Schiller 12, 456). Die ursprüngliche schwache Flexion noch bei Luther(auch Klopstock im Pl. Anzbalden), sonst stark, Pl. Ambalte und(jetzt) Amwälte. 4BL. Anwaltschaft, f. bei Duez 1664. anwandeln, v.: herankommen; vorüber- gehend an Geist oder Körper zukommen(mit Akk., seltner Dat. der Person, z. B. Liscow 158. 341, Lessing 2, 49).. Anwürter, m.(-s, Pl. wie Sg.): der auf eine Stelle usw. Anspruch machen kann. Von mhd. anewwarten«worauf sehen, erwarten?. Frühnhd.— Anwartschaft, f.: Rechts- anspruch auf künftigen Besitz. 1641 bei Schottel 336. 75 Anweisung Apathie 76 Anweisung, f.(Pl.-en): Hinweis worauf, Unterricht(mhd. amasunge f.); Bestimmung, Zuteilung, insbesondere einer auszuzahlenden Geldsumme(dies schon frühnhd.). anwenden, v.: Richtung worauf geben, beziehen; zu einem bestimmten Zwecke ge- brauchen. Mhd. anewenden ist«ordnenꝰ, die jetzige Bed.«verwenden» bei Luther. Anwesen, n.(-s, Pl. wie Sg.):(veraltet) das Gegenwärtigsein; unbewegliches Besitz- tum(im voc. inc. teut. a 8a Auwesen mansio, habitaculum»). Der substantivierte Inf. des V. mhd. anewesen, ahd. andewesun darin- und dasein».— anwesend, Adj.: eig. Part. Präs. des V. Um 1600 gebräuchlich geworden(bei Duez).— Anwesenheit, f.: um 1600 ge- bräuchlich(bei Gombert 7, 7 vom J. 1618). anwidern, s. awider-n. Anwuchs, m.(-es, Pl. Amwüchse): stei- gende Zunahme und das in solcher Begriffene; an etwas Gewachsenes. Vom Prät. von an- wachsen aus gebildet; erst bei Adelung 1774. Klter ist Amwachs(bei Stieler 1691). Anwunsch, m.(-es, Pl. Amwünsche): Wunsch an jemand(Hagedorn Fab. 154). Von dem bereits älternhd. V. anzwiinschen. Anzahl, f.: die zukommende Zahl; über- haupt Zahl, Menge. Spätmhd. anaale, anzal f. von einer Menge dem Einzelnen zufallender Anteil, Verhältnis, zukommende Zahlo. anzapfen, v.: wovon durch Zapfen die erste Flüssigkeit auslassen;(bildlich, wie an- stechen) mit Worten auf jemand zielen, ihn zu einer Außerung zu reizen suchen. Im 15. Jh. anzepfen(so noch jetzt schwäb), auch schon in der 2. Bed. Anzeichen, n.(-s, Pl. wie Sg.): auf et- was hindeutendes Zeichen. Bei Krämer 1678. Körper oder einen Teil desselben zur Be- deckung oder zum Schmuck ziehen(im 15. Jh., Zz. B. voc. inc. teut. a 8a, auch bei Luther); mit Kleidern versehen; beispiels- weise oder belegend erwähnen(im 15. Jh., auch bei Luther). 2) refl. sich a.: sich an- kleiden(mhd. dagegen Anspruch worauf machen»). 3) intrans.(mit sein) im Zuge herankommen(frühnhd.); zu ziehen anfangen; in einen Dienst, ein Amt usw. eintreten. Von dem trans. V. das Part. Präs. anziehend als Adj.: durch sinnlichen Reiz oder geistig zu sich hin ziehend, für sich gewinnend(1760 Wieland Suppl.4, 163, vgl. abstoßend). S. Anzug. Anzucht, f.(Pl.-en): Abzugsgraben für unreines Wasser. Entstellt aus lat. aqude- dactus, vgl. Abzucht. Anzug, m.(es, Pl. Anzuge): das Ziehen, um in Bewegung zu setzen; das Herbei- kommen; das Antreten eines Dienstes, eines Amtes; Gesamtheit der Kleidung(Gellert 3, 284). Spätmhd. anzuc m. ist«Stellung eines Zeugen, Zugang von Kaufleuten zum Ein- kauf, Beschuldigung oder Vorwurfy. 4 BIL. anzüglich, Adj. und Adv.: sich worauf beziehend(worauf zielend), um unangenehme Empfindung zu verursachen(Stieler 1691, gleichbedeutend anzügisch bei Moscherosch Phil. 1, 589, anzügig bei Harsdörfer Ge- sprächssp. 1, 241, vgl. mhd. anzuc Beschul- digung, Vorwurfy); durch sinnlichen Reiz oder geistig zu sich hin ziehend(Lessing, Wieland, Goethe). anzwacken, v.: mittels Spitzen an etwas klemmen(Hagedorn Od. 99); mit Worten em- pfindlich zusetzen, angreifen(Günther, Voß). Apanage, f.(Pl.-/): standesgemäßes Leib- gedinge. Aus franz. apanage f., das auf mlat. Anzeige, f.(Pl.-n): Ankündigung; worauf apanagium, appanagium(d. i. ad-panagium) hindeutender Umstand. In der Kanzleisprache um 1500 für älteres Anzeigen n. eingetreten (z. B. Reichs-Ordnungen 382 vom J. 1500), daneben älternhd. auch Anzeig m., alle von dem V. anzeigen ausgehend. anzetteln, v.: den Zettel(s. d.) d. i. Aufzug zu einem Gewebe machen;(bildlich) durch kleine Mittel anstiften. Frühnhd. (Sallust S 33). n. Unterhalt des Nachgeborenen und so nicht Erbberechtigteny beruht. Dies neben dem gleichbed. apanamentum n. von mlat. apanare, appanare(d. i. ad-panare)«Brot(at. panis), Unterhalt gebeny. Im 17. Jh. entlehnt. apart, adj. und adv.: für sich stehend; sonderbar. Zusammengerückt aus franz. â Part, ital. a parte«bei Seite?. Im 17. Jh. ent- lehnt, zunächst aber nur als Adv. gebraucht anziehen, v.: 1) trans.(mit haben) zu(daher auch Schelmufsky 79 noch in zwei sich hin ziehen, mhd. aneziehen; durch Worten a parte), später auch als Adj.(bei Ziehen in Bewegung setzen(auch mhd.); Nieremberger 1753). durch Ziehen vom Flecke bewegen; zuerst Apathie, f.(Pl.-n): Stumpfheit des Ge- ziehen; straff ziehen, z. B. ein Seil; auf. fühles, Gleichmut. Aus gr. Jat. apathia f., diehen, groß ziehen, z. B. Hühner; an den gr. dndOeid f.«Unempfindlichkeit», von dem 77 aper Apotheose 78 Adj. dnaenc leidenschaftslos, unempfind- lich»(d- un-, naeic von mdeoc n. Leiden, Gefühl»). aper, s. aber. Apfel, m.(-s, Pl. Apfel): die bekannte Obstart, sowie dann manche andre dieser ähnliche rundliche Frucht und überhaupt rundlicher Gegenstand(schon in ahd. Zeit auch= Augapfel). Mhd. apfel(Pl. epfel), ahd. aphal, aphol(Pl. epfili) m., dazu ndl. fries. appel m., ags. œppel m., engl. apple, anord. epli n., schwed. äple n., dän. äble n. (got. raplus zu vermuten). Vgl. auch Affolter. Verwandt ist irisch aball, uball, lit. öbuolas m., abg. jablüko n. Apfel. Diese nordeuro- päischen Benennungen der Frucht führte man auf den Namen der von Virgil(Aen. 7, 740) als äpfelreich gepriesenen Stadt Abella in Campanien zurück; die Bezeichnung sei zuerst ins Keltische eingedrungen, von hier noch vor der 1. Lautverschiebung ins Ger- manische(darum ist hier das b der Grund- form in p gewandelt) und weiter ins Litau- ische und Slavische. Eher ist aber an Ur- verwandschaft zu denken, vgl. R. Much Z. f. österr. Gymn. 1896 S. 608, oder der Anklang ist nur zufällig, und pfel ist eine alte Be- zeichnung des Holzapfels. ZU0S. Apfelbaum, m.: mhd. apfelboum m.— apfelgrau, adj., mhd. apfelgrã, ahd. aphalgrä, anord. apal- grãr.— Apfelmus, n.: mhd. apfelmuos n. — Apfelschimmel, m.: grauweiber Schim- mel mit apfelrunden Flecken, bei Steinbach 1734.— Apfelwein, m.: mhd. apfelzln, auch epfelawin m., noch jetzt dialektisch Apfelwein. Apfelsine, f.(Pl.-n): Orange. Nach holländisch appelsina d. i. aus China(franz. Sine) herstammender Apfel, franz. pomme de Sine. Die Frucht wurde von den Portu- giesen(vgl. die ital. Benennung portogallo m.) bald nach 1500 aus dem südlichen China nach Europa gebracht. 1681 erscheint Chi- neser-Apffel(Gombert 7, 7), bei Ludwig 1716 Sina-ãpffel, Apffel-sina von Lissabon und Porto, bei Richey 1755 als hamburgische Form Appelsina; auch Appel de Sina kommt vor(noch leipzig. Appeldesine Albrecht 792); Apfelsine erst bei Adelung 1774. apodiktisch, adj. und adv.: von schla- gendem Beweise; unwiderleglich. Nach dem (i= gr. er) latinisierten gr. Adj. nodeixrixoᷣc cbeweisend⸗, eig.«fertig zum Vorzeigen, zur Schauy(dmò ab, los, von, wegꝰ, deicrixoc «zum Vorzeigen geeignety, von deixvUvci czeigen, vorzeigen»). Bei Sperander 1728. Apokalypse, f.(Pl.-n): die Offenbarung Johannis. Aus gr. lat. apocalgpsis, gr. dno- xdAuic eig.«Enthüllung»(dwo«von, wegy, xoXErewv um-, verhüllen»). apokryph, adj.: untergeschoben, unecht. Apokryphen, Pl.: biblische Bücher, die mit den kanonischen nicht gleiche Geltung haben. Aus dem gr. Adj. drxpuooc æverborgen, untergeschoben»(dr von, wegy, xpurreiv «verbergen). Apologie, f.(Pl.-n): Verteidigung; Schutz- rede, schrift. Aus dem gleichbed. gr. Jat. apolõgia, gr. droXoria zu dnokoTeichct csich herausreden, verteidigen»(dm cvon, wegy, XOreicéoi zu Rôoc«Wort, Rede, Erzühlung»). Bei Rot 1571 Apologel. Apostel, m.(-s, Pl. wie Sg.): Lehrbote. Mhd. apostel(Gen. apostels und aposteln, gewöhnlich dafür zuwelfbote), ahd. apostolo, schon got. apaustaulus. Aus kirchlich-lat. apostolus, gr. rcrokoc m.«Abgesandtery, kirchlich insbesondere«Lehrbote Christi?, vornehmlich aus den zwölf Jüngern, von Arocre Netv abschicken(dr von, wegy, créMeiv«schicken). Apostroph, m.(-es, Pl.-e): das Aus- lassungszeichen“. Aus dem gleichbed. gr.- lat. apõstrophus, gr. dãrroꝙoc f., dem sub- stantivisch genommenen F. des Adj. âcrpoqoc cabgewandts, dann«meidend», von recrpeqer ab-, wegwenden?(dr von, wegy, crpeqexv «wenden»). Das Zeichen ist 1572 von Schede und 1624 von Opitz in seinem Buch von der Deutschen Poeterey? nach dem Vorbild der Italiener und Franzosen verwendet worden, um Weglassung eines e am Schluß der Wörter anzudeuten. Apotheke, f.(Pl.-n): Arzneiladen, Heil- mittelladen. Mhd. apotéke, aus gr.-lat. apo- théca f. Haus zum Kraäuter- oder Spezerei- und Arzneiverkauf», eig.«Vorratsbehältnis jeder Art, Magazin, gr. droενn f. Weg- setzungsort, Aufbewahrungsort, Warenlager» (à«von, wegy, onkn Lagery von rigevat asetzen, legen, stellen?, s. Theke). 4BL. Apotheker, m.(-s, Pl. wie Sg.): Arznei- bereiter(bei Luther Hohel. 3, 6«Spezerei- händlers»). Mhd. apotéker m. Heilmittel- händlero, aus mlat. apothecãrius m., Eigen- tümer oder Vorsteher einer apothecav. Apotheöse, f.(Pl.-n): Versetzung eines Menschen unter die Götter. Aus gr. lat. 79 Apparat apolheosis, gr. dnobéwcicf. Vergötterung'», von gr. droHeöetv«vergöttern»(dmô drückt hier Verwandlung in etwas aus, Geéeiv zum Gott machen», von Geéc Gott»). Apparat, m.(es, Pl.-e): Zurüstung zu etwas Vorzunehmenden; Werkzeug zur Zu- rüstung. Aus lat. apparatus d. i. adparatus m. Zurüstung, Zubereitung», von apparare d. i. adparare«zubereiteny. Im 15. Jh. ent- lehnt(Wyle 293, 11). Appell, m.(¹es, Pl.-e): Zusammenrufungs- zeichen durch Trompete oder Trommel; Auf- ruf; Folgsamkeit des Hundes beim Herrufen. In der 1. Bed. bei Sperander 1728, in der 3. Bed. 1763 bei Heppe wohlred. Jäger 38. Aus franz. appel m., das auf mlat. appellum m. Vorforderung»(vor Gericht) zurückgeht, von appellare(s. d. folg.).— appellieren, v.: höhere Entscheidung anrufen. Mhd. appel- lieren, aus lat. appellare d. i. adpellare can- sprechen»,(in der Kaiserzeit)«anrufen, an je- mand Berufung einlegen», von appellere d. i. acpellere c«herantreiben». 4 I. Appella- tion, f., Berufung an ein höheres Gericht. Aus dem gleichbed. lat. appelatio f. Schon im 15. Jh.(vom Nom. gebildet) appela, später (Reichs-Ordnungen 18a vom J. 1495)appellation. Appetit, m.(es, Pl.-): Eßlust. Wie das gleichbed. franz. appétit von lat. appetitus d. i. adpetitus m.«Lust, Verlangen», von appelere d. i. adpetere«wonach langen, verlangen». Im Anfang des 15. Jh. entlehnt(1404 bei Eber- hard Cersne Der Minne Regel 2720 fg.). 4B L. appetitlich, adj. und adv.: Eßlust erweckend(Pischart Garg. 396). applaudieren, v.: Beifall klatschen. Von lat. applaudere d. i. adplaudere can etwas schlagen, Beifall klatscheny». Bei Rot 1571. — Applaus, m.(-es): das Beifallklatschen, der Beifallsruf. Aus gleichbed. lat. applausus m. Bei Amaranthes 1773 noch Applausus. applizieren, v.: anwenden, anpassen, bei- bringen, refl. sich mit Fleiß auf etwas legen.( Aus lat. applicare d. i. adplicare canfügen, wohin wenden, sich anschließen». Bei Rot 1571. apportieren, v.: herbeibringen(vom Hunde). Aus franz. apporter von lat. ap- Portare d. i. adportare cherbeibringen». 1778 bei Amaranthes(3. Aufl.). Apposition, f.(Pl.-en): bestimmender Beisatz durch ein Substantiv. Aus dem lat. appositio d. i. adpositio«zu-, Beisetzung» f. approbieren, v.: zu etwas seine Zustim- mung geben, gutheißen. Aus lat. approbare Aquator 80 d. i. adprobare cu etwas seinen Beifall gebeny. In der frühnhd. Kanzleisprache(Reichs-Ord. nungen 41 a v. J. 1500). 4L. Approbation, f.: Zustimmung, Billigung. Aus lat. appro- hatio(Gen. approbationis) f. Aprikose, f.(Pl.=n): Frucht des arme- nischen Pflaumenbaums. Zunächst aus ndl. abriloos f.(über diese Form s. Horn Beitr. 23, 254), das entlehnt ist aus franz. ahricot m., ital. albercocco m., span. albaricoque m. Diese Formen beruhen auf dem lat. Adj. praecoquus cfrühzeitig, frühreifs also Praecogua ædie früh- reife Fruchts, woraus im Mittelgriechischen ſpekxöxkiov Bépekxökkiov n. usw. wurde; daraus bildeten die Araber(mit dem Artikel al) ihr albargng, albirqũg, und auf diese Form gehen die der romanischen Sprachen zurück. In Deutschland zeigt sich das Wort um die Mitte des 17. Jh.(1647 bei Olearius 245 Adpricos), wird aber erst im 18. Jh. allgemeiner, ohne indes das schon früher auftretende Murille (. d.) ganz zu verdrüngen. April, m.(-s, Pl.-e): der vierte Monat im Jahr. Mhd. aprille, aberelle m. aus lat. aprilis m., unsichrer Herkunft, vgl. Walde s. v., nach Varro 6, 33 gleichsam aperilis d. h. der alles eröffnende Frühlingsmonat, wie mittel- und neugriech. der Frühling ävorgic f.«Pröff- nung' heißt. Der deutsche Name ist Oster- monat, ahd. östarmanoõt(s. Ostern). Die urspr. schwache Flexion hat sich bis ins 17. Jh. er- halten(jetzt nur noch in Zusammensetzungen Aprillen-), daneben schon im 16. Jh. die starke (Fischart Ehez. J 5 b), die später herrscht. Z0S. Aprilnarr, m.: der in den April Ge- schickte, d. h. der am 1. April Angeführte oder Getäuschte(Frisch 1741). Das April. schicken ist, aus Frankreich überkommen, schon im 17. Jh. bei uns üblich. April- wetter, n.: veränderliches Wetter, mhd. aberellen aweter. apropos(spr. apropö): bei Gelegenheit wie im Franz. auch mir Gen. bei Lessing 12, 324), da füllt mir ein, ehe ich es vergesse. Zusammengerückt aus gleichbed. franz. 6 pro- pos. Im 30. Kriege entlehnt(1685 bei Liebe). Aquarell, n.(-s, Pl.-e): Malerei mit Wasserfarben; Gemälde in Wasserfarben. Wie das gleichbed. franz. aquarelle aus ital. acque- rello m. Wasserfarbe», von lat. aqua«Wasser. Aquator, m.(“s): der Erdgleicher, die Linie, die die Erdkugel in zwei gleiche Teile (nördliche und südliche Halbkugel) teilt. Aus ¹ 81 Aquavit arg 82 lat. equator m.«Gleichmacher», von dequre cgleichmachen». Bei Rot 1571 verzeichnet. Aquavit, m.(·s, Pl.-e): Branntwein. Aus dem gleichbed. nlat. aquavita, eig.«Lebens- wassery(aqua«Wasserꝰ, vita«Leben»). Im 16. Jh. üblich(1562 bei Mathesius Sar. 2892). Ar, n.(-s, Pl. wie Sg.): Bodenflächenmaß in der Größe eines Vierecks, von dem jede Seite 10 Meter zühlt. Erst 1868 aufgenommen aus dem gleichbed. franz. are m., das auf lat. area f., cfreier Platz, Fläche, Flächeninhalt einer mathematischen Figur» beruht. Arabeske, f.(Pl.-/): phantastische, dem Pflanzenreich entlehnte verschlungene Ver- zierung nach Art der Araber, denen der Koran die Abbildung von Menschen und Tieren ver- bietet und die deshalb die Laubwerkverzie- rung der antiken Kunst weiter ausbildeten. Nach dem gleichbed. franz. Plur. arabesgues, vom adj. arahesque«arabisch». Noch bei Campe 1813 mit fremder Endung Arabesques. Arbeit, f.(Pl.-en):(veraltet) Mühsal, Beschwerde; Tätigkeit, Kraftanstrengung zu einem Zwecke; das dadurch Entstandene. Mhd. arbeit, arebeit, in md. Quellen auch erbeit (daher bei Luther Erbeit), ahd. arbeit, arabeit f. «Arbeit, Mühsal, Not»; dazu asächs. arbéd f. und arbẽdi n., ndl. arbeid m., ags. earfod und ecr fede n., anord. erfidi n., schwed. arbete n., dän. arbeide, arbeid n.(entlehnt), got. arbais f.«Bedrängnis, Noty. Die Etymologie ist nicht ganz klar. Es besteht Verwandtschaft mit apg. rabü m.«Knecht, Leibeignerv, dazu ra- bota f.«Knechtsarbeit, Frondiensts, lit. ar- bonas Ochse» und vielleicht auch mit gr. òpcοvòc«Waise», lat. orhes«beraubto, d. Erbe s. d.). Von einem vorauszusetzenden germ. arba-«Knecht» ist Arbeit vermittelst eines allerdings sonst ungewöhnlichen Suffixes ge- bildet(andre nehmen Zusammensetzung mit einem dem anord. id n.«Werk, Tat» ent- sprechenden Subst. an). Vgl. Uhlenbeck PBr. Beitr. 16, 562, 27, 115 f., Meringer Idg. Forsch. 17, 128, Bezzenberger in seinen Beitr. 27, 150, Grienberger Unters. z. got. Wortkunde 28. Die Grundbed. ist jedenfalls«Knechtsarbeitꝰ, woraus sich die von«Mühsal», anderseits die von«Arbeit» schlechtweg entwickelte. 4BL. arbeiten, v., mhd. arbeiten, arebeiten, ahd. arabeiten, got. arbaidjan, bei Luther erbeiten. Davon Arbeiter, m., mhd.(zuerst bei Bert- hold v. Regensburg † 1272) arbeiter. arbeit- sam, adj. und adv.: viel und gern arbeitend (so schon bei H. Sachs Fastn. 7, 153), mhd. Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. ahd. arbeitsam cbeschwerlich, mühseligy. ZUS. arbeitselig, adj.: mit zuviel Arbeit be- schwert, mhd. arbeitsclec. Arbeitshaus, n.: öffentliche Anstalt, in der man Arbeit- scheue oder Verbrecher zur Arbeit zwingt (1678 bei Krämer). Archäologie, f.: Altertumsforschung und Kunde. Nach lat. Vorbilde aus gr. dpxaroXoTia f. Altertumskunde», vom Adj. dpxoioXéoc m Altertum forschend(dpxcioc altertümlich?, Aoroc von AXéretv«erzählen»). Im 18. Jh. Arche, f.(Pl.-n): großer Kasten; kasten- artiges Schiff;(mundartlich auch) Bretter- verschlag, Holzstoß u. dgl. Mhd. arche, arlce, ahd. archa, arahha f.«Kiste, Noahs Schiffy; dazu ndl. ark f., ags. earce f., engl. ark, anord. örk f., got. arla f.«Kasten» entlehnt, aus lat. arca«Kasteny und in der Vulgata«Noahs Schiffy. Architekt, m.(-en, Pl.-en): Baukünstler. Aus lat. architectus m. gebildet aus gr. dpxt rexrwy m. Baumeistery(dpxr Haupt-?, réxrwv«in Holz arbeitender Handwerker oder Künstler»). Wohl schon im 16. Jh. entlehnt. 4B2. Architektur, f.: Baukunst. 1548 im Titel der Vitruv-Ubersetzung von Walther Riff. Aus dem gleichbed. lat. architectura. Architrav, m.(-S,-en, Pl.-e,-en): Unter-, Hauptbalken, bes. bei Säulenstellungen der über den Säulen fortlaufende Balken. 1558 bei Rivius Büxenmeisterey 3, a 12 Architrab. Aus franz. architravef. m., von gr. dpxt«Haupt⸗ und lat. kfrahs, trabes f.«Balken. Archiv, n.(-s, Pl.-e): Urkundensaal. Aus lat. archiwum n., gebildet nach gr. dpxeiov n. «obrigkeitliches Gebäude», zu doxn f.«Anfang, Spitze, Regierung». Im Anfang des 17. Jh. ent- lehnt(Gombert Anz. f. d. A. 4, 166 mit Beleg von 1618). 4BL. Archivar, m.(-s, Pl.-e): Beamter über ein Archiv. Aus nlat. archi- varins m. So noch Nieremberger 1753. arg, adj. und adv.(Komp. ärger, Sup. ärgst): nichtswürdig, schlecht, bösartig(als adv. auch nur: übermäßig, in hohem Grade). Davon substantiviert Arg n.(namentlich in xein Arg): Böses; böse Meinung wovon. Mhd. arc(Komp. erger, Sup. ergest) ist«nichts- würdig, geizig, ahd. arg, arag«nichtswürdig, geizig, feigen(dazu auch longobard. arga bei Paulus Diaconus 6, 24. Leg. longobard. 384 der Furchtsame, Feige, Nichtswürdige»); dazu ndl. arg, ags. eurh«furchtsam, feige, schlimm, anord. argr, auch ragr«träge, furchtsam, feige?, schwed. dän. arg. Die Bed.«nichtswürdig» ist 6 83 Arie Arm 84 die ursprüngliche und in den germ. Sprachen nach zwei Seiten hin entwickelt worden; Gei⸗ und Feigheit galten bei den Germanen als größter Schimpf. Die Wurzel ist dunkel; viel- leicht gehört das Wort zu lit. räãgana f. Hexey, air. orgim«verwüstes, gr. épéxeo czerreißes, Noreen Urg. Ltl. 89. 4 BL. ärgern, trans. und refl. v.: mhd. ergern, ahd. ergirõn, argirõn, gebildet vom Komp. ahd. argiro, mhd. erger; es bedeutet eig.«verschlechtern?, dann«um Bösen reizen, Anstoß geben», refl.«Anstoß nehmen»(beides oft bei Luther), woraus die jüngere Bed. von«verdrießen» entwickelt ist. Aus dem V. ist Arger m.(*6) hervorgegangen, das nach der Mitte des 18. Jh. aus dem Ndâd. in die Schriftsprache gekommen ist(oft gebraucht von Bode, z. B. Yorick 1, 111, auch von Les- sing 12, 405); Adelung 1793 bezeichnet das Wort als selten, Heynatz 1796 bekämpft es als überflüssig. ärgerlich, adj. und adv.: An- stoß gebend(1482 bei Eychman Aa 4 b erger- lich«scandalosus); Anstoß nehmend; Verdruß hervorrufend; verdrießlich. Argernis, n.: Anstoß(1482 bei Eychman Aa 4 ergerniß «Scandalum?); Arger. Alternhd. auch F., na- mentlich in der 2. Bed.(noch bei Goethe ZUS. Arglist, f.: mhd. argelist, ahd.(bei Notker) arclist f. Davon arglistig, adj. und adv.: mhd. arclistec. arglos, adj. und adv.: zuerst von Adelung 1793 angeführt. Arg- wohn, m.(-s): üble, nachteilige Meinung von jemand, Mißtrauen. Aus mhd. arczwün, ahd. argwn m., noch bei Luther und bis ins 17. Jh. Argwahn(s. Wahn). Davon argwöhnisch, adj.:(1482 im voc. theut. B 72 argwenisch, wührend mhd. arcwdœnec, ahd. arczwänig gilt, woraus älternhd. argwöhnig) undargwöhnen, V., wofür bis ins vorige Jh.(noch bei Wieland, Lessing, Goethe, Schiller) meist argwohnen gebraucht wird, mhd. arcweœnen. Arie, f.(Pl.-n): Lied mit durchgeführter Singweise; Opernlied. Aus ital. arid f.«Ge- sang, Melodiey. Im 17. Jh. entlehnt, doch noch im 18. Jh. auch oft in ital. Form Aria. Aristokrat, m.(-en, Pl.-en): Glied der Adelsherrschaft; Freund der Adelsherrschaft. Aus franz. aristocrate m., das nach gr. dpr- croxpdréiu gebildet ist(s. d. folg.).— Aristo- kratie, f.; Adelsherrschaft; Kreis der Vor- nehmen. Aus franz. aristocratie, das auf gr. dpicroxpdreic Herrschaft der Vornehmen? (äpicroc«der beste, vornehmsten,-xpareia zu xpareiv«herrschen») beruht. Wohl schon im 16. Jh. entlehnt. 4 B L. aristokratisch, adj. und adv.: bei Gombert 6, 5 Nachweis vom J. 1585. Arithmetik, f.: Zahlenlehre. Aus gr.-lat. arithmetica, gr. dpiονrin um Zählen oder Rechnen gehörigey(nämlich réxvn«Kunsto), F. des Adj. arithmelicus, gr. dpibunriwc, zu diειαςς‿2ahly. Am Beginn des 16. Jh. entlehnt (1531 bei Hedio Josephus Vorw. 7² Arith- metick).— arithmetisch, adj. und adv. (Luther 8, 115 Jen.), nach dem erwähnten Adj. arithmeticus gebildet. Arkade, f.(Pl.-n): Bogenwölbung;(im Pl.) Bogenhallen. Aus franz. arcade f., das auf ital. arcata f.(zu arcare«einen Bogen er- bauen», von arcus m.«Bogen) beruht. Im 18. Jh. entlehnt(Lessing 2, 177). Arkebusier, m.(-es, Pl.-e): Haken- büchsen-, Scharfschütz. Aus dem gleichbed. franz. argquebusier m., ital. archihusiere m., von franz. arguebuse f., ital. archibuso, archi- bugio m.«Hakenbüchsey, das mit Anlehnung an lat. archos m. Bogen» aus ndl. haulbas f. Hakenbüchsey(s. d.) umgestaltet ist. Im 16. Jh. entlehnt; 1616 bei Henisch. Arlesbaum, m.: der Mehlbeer- oder ) Sperberbaum, crataegus aria L.. Mhd. arliz- boum, ahd. arliz-, erlizboum, vielleicht mittelst der Ableitung-iz von ahd. erla, erila f., urspr. rarila Erley(s. d.), da die Blätter des Arles- baumes den Erlenblättern äühnlich sind. Die Frucht heißt Arlesbeere oder Arleskirsche f. Arm, m.(-es, Pl.-e): Glied des Ober- körpers zum Umfangen und Arbeiten; Vorder- bein bei aufrechtgehenden Tieren, wenn sie damit umfangen; armähnlich Ausgestrecktes. Mhd. arm, ahd. arm, aram m.; dazu asächs. ndl. rm, fries. erm, arm, ags. earm, engl. drm, anord. arr, schwed. dän. arm, got. arms m. Army. Urverwandt ist lat. armus m.«Schulterblatt, Oberarmꝰ, aslav. rame n. «Schulter, Army,(serb. räme), preuß. irmo «Arm?, ai. ids m.«Vorderbug», aw. aeπιν Arm?, arm. armiohen Ellenbogen, Arm). Wohl zu gr. âpapiccw zusammenfügen, ver- bindeny, wozu auch lat. artus m. Gelenk. Der Pl. lautet mundartlich Arme, älternhd. öfter Armen(bei den Schlesiern, noch bei Günther 199, Maler Müller Ball. 45 ff.). A4‚B L. armen, v. in umarmen. armig, adj. in kurz-, lang-, vielarmig. S. auch Armel. Z08. Armband, n. bei Hulsius 1596. Armvoll, m.: soviel man in einen Arm zu fassen ver- mag, mhd. armvol, im Schwäb.-Alem. ge- kürzt Arfel. 85 arm Arrest 86 arm, adj. und adv.(Comp. ärmer, Sup. ärmst): ohne Geld und Gut; hilfsbedürftig; pemitleidenswert. Mhd. arm, ahd. arm, aram; dazu asächs. ndl. arm, fries. erm, arm, ags. earm, engl. arm, anord. armr, schwed. dän. arm, got. arms cbemitleidenswert». Unsichrer Herkunft. Vgl. Osthoff Btr. 18, 252. Nicht unwahrscheinlich nach Johansson Btr. 15, 223 zu gr. Oꝙdvéc«Waisen.(Germ. Grundform rarbma-.) 4BL. armen, v.: arm machen (in Almosen geben armet nicht), dafür mhd. ermen(armen ist«arm sein oder werden», vgl. verarmen), ahd. ermen. ärmlich, adj. und adv.: Armsein kundgebend, mhd. erme- lich, ahd. armalih. armselig, adj.: be- mitleidenswert, jämmerlich. Im 15. Jh. auf- tretend, abgeleitet von mhd. armsal n.« Elend. Armut, f.: Mangel am Nötigen, mhd. armuot f. und armuote, arnuot n., ahd. armuot?, aramuoti; daau asächs. armodi, ndl. armoede schwed.- dän. armod n. Ableitung von arne (dazu das ahd. Adj. armuoti«unvermögend, dürftigs), doch trat frühzeitig Anlehnung an Mut ein. Luther gebraucht das Wort als F. und N., und als N. erscheint es auch später häufig(nur vereinzelt als M., z. B. bei Weise Drei klügsten Leute 8) und selbst gegen- wärtig noch in der Bed.«arme Leute»(Les- sing Nathan 4, 3). ZUS. Armeritter, Pl.: in Butter gebackene Semmelschnitten, schon mhd. arme ritter. Armesünder, Pl.: zum Tode verurteilte Missetäter. Armada, f.: Kriegsflotte. Aus span. ar- mada f.«Kriegsflotte, Kriegsheerꝰ, ital. armata f., franz. armée f.(S. Armee). Um 1500 ent- lehnt(Armad bei Liliencron 3, 38, Armada bei Fronsperger 157= Kriegsflotte, daneben die Bed.«Kriegsheer», z. B. bei Albertinus Kriegsleut Weckuhr 112, wofür später Armee). Armatur, f.(Pl.-en): Kriegsgerät zur Aus- rüstung. Aus ital. lat. armaltura f.«Rüstung, von lat. armare«bewaffneny. Rot 1571. Armbrust, f.(Pl. Armbrüste): aus Bogen und Schaft mit Drücker bestehendes Gewehr zum Abschießen von Pfeilen und Bolzen. Mhd. (eit dem 12. Jh.) armbrust n., selten f., durch Anlehnung an Arm volksverständlich gebildet aus mlat. arbalista, urcubalista f. Bogen-, Wurfmaschine»(schon im 4. Jh. bei Vegetius), einer Zusammens. aus lat. arcus m.«Bogen? und dem von gr. BdMeiv«werfen» abgelei- teten mlat. Dallista, balista f.«Wurfmaschiney. Armee, f.(Pl.-n): Kriegsheer. Aus franz. armée f.(S. Armada). Anfang des 17. Jh. ent- lehnt(1617 im teutschen Michel als modisches Fremdwort, auch bei W9allhausen Corp. mil. 63). Armel, m.(-é, Pl. wie Sg.): Armbeklei- dung. Mhd. ermel, ahd. armilo(mit schwacher Flexion), armil m., dimin. Ableitung von Arm. armen, s. arm. armieren, v.: ausrüsten, bewaffnen. Aus dem gleichbed. lat. armare, v. zu arn N. Pl.«Waffen. Frühnhd.(Liliencron 3, 38). ärmlich, armselig, Armut, s. arm. Arnold, Mannsname. Ahd. Aranolt, aus ahd. arn«Adlery und-olt aus-walt«Walten- der, Waltery. Koseform dazu Arno. Aröma, n.(-s, Pl.-s): würziger Geruch. Aus gr.-lat. röma, gr. äpwud n.(Gen. àpd- uœroc)«Gewürz». Frühnhd.(ein jetzt unüb- licher Pl. Arumaten bei Franck Weltb. 665). 4 BL. aromatisch, adj.: nach dem gleichbed. gr. lat. aromãticus, gr. dpuucixõc. Aron, m. n.: Natterwurz; deutscher Ing- wer. Aus dem gleichbed. gr. lat. aron n., gr. äpov n. In frühnhd. Glossaren. Arrak, m.(es, Pl.-e): Reisbranntwein. Aus arab. arag Schweiß, Saft, geistiges Wasser», woher auch engl. arrack, rack, franz. arack, rack, span. arac, daher auch bloß Rack (§. d.). Das aus Ostindien stammende Getränk wird um 1600 in Deutschland erwähnt(Hulsius Schiffahrten 11, 31), von Jablonski 1721 als eine art brantweins in Indien besprochen. arrangieren, v.: in Ordnung bringen. Aus franz. arranger, zusammengesetzt aus lat. ad zu, bei, any und franz. ranger cin Ordnung stellen, ordnen», abgeleitet von franz. rang m. Reihe, Zeile, Rang», das auf deutsch Ring zurückgeht. Bei Wächtler 1711. Arras, s. Rasch. Arrest, m.(-es, Pl.-e): gefüngliche Haft; gerichtlicher Beschlag. Aus afranz. arrest, nfranz. arrét m., ital. arresto m.«Rechtsspruch, Beschlagnahme, Verhaftung) von mlat. arre- stum m. zu arrestare(s. d. folg.). Schon in der Rechtssprache des 15. Jh.— arre- tieren, v.: gefänglich einziehen, verhaften. Aus franz. arréter, afranz. arrester, ital. arre- stare von mlat. arrestare d. i. adrestare cein- halten, hemmen, verhaften». Frühnhd.(². B. Janssen Frankfurts Reichskorr. 2, 878 von 1512) arrestieren, üblich bis ins 18. Jh.(noch bei Adelung 1793) und dann erst durch das dem Franz. angeschlossene arretieren(Hey- natz 1775 arrestiren und arretiren) ersetzt. Von jenem arrestieren kommt Arrestant. 6* 87 arrogant artig 88 m.(en, Pl.„en): gefänglich Eingezogener, Verhafteter(auch frühnhd.), das fälschlich statt des Part. Pass.(Arrestat) verwendete Part. Präs.(afranz. arrestant, ital. arrestanfe) von afranz. rrester, ital. arrestare. arrogant, adj. und adv.: anmaßend, dünkel- haft. Aus dem gleichbed. franz. arrogant von lat. arrogans(Gen. arrogantis), Part. Präs. des aus lat. ad«zu, anꝰ und rogare« verlangen, frageny zusammengesetzten arrogare v.,«sich an-⸗, zueignen, sich anmaßeny. Wohl schon im 16. Jh. entlehnt. 43L. Arroganz, f. Anmas- sung, aus dem gleichbed. franz. arrogance, lat. arrogantia f.(In der Zimmerschen Chronik). Arsch, m.(-es, Pl. Arsche): mit Deh- nung des a(vgl. bei Schottelius S. 1277 die Schreibung Aars und Ahrs) und UÜbergang des s in sch nach r, wie in birschen, herr- schen, Kirsche(doch hat noch Luther A* s, Pl. Erse und so bis ins 17. Jh.), aus mhd. arys(Pl. erse), ahd. ars(Pl. ersi) m.; dazu ndl. aars und(mit vorgetretenem n) naars, fries. ers(in ersknop m. Steißbein»), ags. ears, engl. arse, anord. ars und(mit Umstellung des r) rass m., dän. ars; genau entsprechend gr. öppoc m. aus dpcoc«Steiß, Bürzel, Steiß- beinendey. 4AB L. ärschlings, adv.(Goethe 15, 322; 16, 59): hinter sich, rückwürts, mhd. erslingen. ZUS. Arschbacken, m. (S. Backen), im 15. Jh. arsback(mhd. dafür arsbelle f.) Arschkerbe, f.: im voc. theut. b 7² arßlerbe. Arschkitzel, f.: Hagebutte, im voc. theut. a. a. O. ax†Skutzel. Der Name daher, daß die innern behaarten Kerne der Hagebutte mit dieser, die gefroren gegessen wird, genossen, im After kratzen(im Franz. entsprechend gratte-cul m.«kratze den Hin- tern»). Arschleder, n.: halbrundes Leder der Bergleute vor dem Hintern(1557 bei Agricola Bergw. 177 Arsledler, dafür bei Ludwig 1716 Arschfel!). Arschloch, n, mhd. ahd. arsloch. Arsenal, n.(-s, Pl..e): Zeughaus. Aus dem gleichbed. ital. arνεςsenale, span. arsenal m. Schiffszeughaus», mgriech. dpcnvcnc, abge- leitet von mlat. arsena f., auch altital. noch arsena, darsena, die hervorgegangen sind aus arab. dãr eccind'a Haus der Fabrikationy. Im 16. Jh. entlehnt(1594 bei Frischlin Nomencl. Kap. 171 Arsanal). Arsenik, n.(-s): aus gr.-Jat. arsenicum, gr. dpcevucôv, dppevixv n., dem Neutr. des adj. dppevixoc«männlichy, zu gr. äppnv, äpcnv «männlich, stark, kräftigy, also eig.«das stark wirkende Gifty. Doch vielleicht auch aus syr. zarnik«Arsenik», Levy Sem. Fremdwörter 55. Bei Dasypodius 1537. 1Art, f.(Pl.-en): Geschlecht; natürliche Beschaffenheit; Eigentümlichkeit nach Ange- hören oder Erscheinen; Gesamtheit dessen, was sich durch seine Eigentümlichkeit von anderm unterscheidet; gute Manier, Geschick (vel. Unart). Mit Dehnung des Vokals aus mhd. art m. f.«Geschlecht, Herkunft), dann ceigentümliche Natur und Beschaffenheit?, dazu mnd. ar! f.«Abstammung, natürliche Beschaffenheity. In den ältern Dialekten in dieser Bed. nicht vorhanden. Zusammenhang mit dem folg. Art ist möglich, da sich die Bed.«Abstammung», dann«angestammte Art» aus der von«angestammter Landbesitz» ent- wickelt haben kann, vgl. Meringer Idg. Forsch. 17, 123; andre knüpfen an lat. ars(Gen. artis)«Art und Weise, Kunst», skr. rtüm n. crechte Arty an. Wiedemann Bezz. Btr. 27, 221 verbindet Art mit abulg. rodi Ge- schlechto, arm. ordi«ohn». 4 BL. arten, v.: die natürliche Beschaffenleit wovon an sich tragen, in die Art schlagen, mhd. arten «angestammte Beschaffenheit haben, gute Art annehmen, gedeihen». artig, adj. und adv.: zum(tanzen passend und gefällig; gute Le- bensart zeigend;(mundartlich) auffallend eigentümlich, sonderbar(Wagner Kinder- mörderin 1, 1, häufiger in dieser Bed. art- lich). Dafür mhd.(umgelautet) ertic«edle Naturbeschaffenheit habend(bei Lutherartig). *Art, f.(Pl.-en): gepflügtes Feld, namentl. in Artacker, Artfeldl, Artland, eig. s. v. a. Bebauung, Bearbeitung mit dem Pfluge. Mhd. ahd. drt f.«Bepflügung»(davon ahd. artön chebauen, bewohnen»), asächs. ard m.«Auf- enthalt, mnd. art f.«Ackerbestellung, ge- ackertes Landz, ags. eard m.«angebauter Boden, Stammgut, Wohnort», gebildet von dem V. mhd. ern(noch jetzt alem. eren), ahd. erien, mudl. eren, anord. erja, got. arjan «pflüigen, das zu lat. arare, gr. dpöeiv, air. 1. Sg. airim, lit. ärti, abg. orati«pflügen- gehört. Vgl. noch gr. äporpov n., lat. aräãtrum, ir.«rathar, anord. ardr, lit. ãrklas, abulg. ralo, serb. ⁴ο, arm. araur«Pflug». Vergl. Schrader Idg. Forsch. 17, 32, Meringer ebd. 121 ff. Arterie, f.(Pl.*u): Pulsader. Aus lat.- gr. artéria, gr. äprnpia f.«Schlug-, Pulsader?. Im 16. Jh. entlehnt(Gombert 6, 5 mit Beleg von 1532). anrtig, s. 1Art. 89 Artikel Asbest 90 Artikel, m.(-s, Pl. wie Sg.): Abschnitt als Glied eines Schriftstückes; Hauptsatz; Handelsgegenstand; in der Sprachlehre das Geschlechtswort. Schon spätmhd. artikel in der 1. Bed.(doch später auch noch Articul), entlehnt aus lat. articulus m.«Gelenk, Glied, Abteilung, kleiner Redesatz, Geschlechtswort, dem Dimin. von lat. artus m.«Gelenk». 4 BL. artikulieren, v.: gegliedert, d. i. nach Silben bestimmt und deutlich aussprechen, aus lat. articulare, bei Sperander 1728. Artillerie, f.(Pl.-n): das schwere Ge- schütz; Geschützmannschaft eines Heeres; Geschützkunst. Aus franz. artillerie, provenz. artilharia, span. artilleria, ital. artiglier ia f. Geschütz» von franz. artiller, span. artillero, ital. artigliere m. eStückgießer, Geschütz- soldaty, die auf provenz. artilha Festungs- werk» zurückgehen, gleichsam lat. articula, eine Ableitung von lat. rs(Gen. artis)«Kunst', im Mittelalter auch s. v. a. Geschütz. Seit 1500 in Deutschland in verschiedenen Formen üblich (1510 bei Janssen Frankfurts Reichscorr. l, 815 artlerey, 1523 bei G. Rixner Teütscher Nation nodturfft E 3 b artalary, 1535 bei Liliencron 4, 120 artellerey, 1678 bei Krämer Artollerey, bei Hans Sachs 2, 392 arculey, bei Fronsperger Kriegsb. urkeley usw.). 4 B L. Artillerist, m.(en, Pl.-en): der schweres Geschütz bedienende Soldat. Mit der frem- den Ableitungsendung-ist in Deutschland gebildet(bei Nieremberger 1753 verzeichnet). Artischocke, f.(früher m., z. B. bei Duez 1664): in Gärten gezogenes Distelgewäüchs mit eßbaren Köpfen, welsche Distel. Aus ital. articiocco, franz. artichaut m., das wie neuprov. rquichaut entstellt ist aus span. alcarchofa(vgl. die ital. Nebenform careiofo m.), das auf arab.(mit dem Artikel al) alcharsuf zurückgeht, während das arab. arde- goke aus dem italienischen Worte umgestaltet ist. Zuerst 1556 bei Frisius Nomencl. 180³ Artischock, Wältschdistel, Cactos, dagegen 1546 Bocks Kreuterb. 327 b Strobildorn, bei den Walen Card choffil. Umgedeutet in Erd- schocke, bei Stoppe. neue Fab. 1, 189. Artist, m.(en, Pl.-en): Künstler. Aus mlat. artistg m. von ars(Gen. artis) Kunst. Bei Maaler 1561. artlich, s. Arf. Arve, f.(Pl.-n): Zirbelkiefer, pinus cembra L. In der Schweiz üblich, wo arbe, ayrve seit dem 16. Jh. vorkommt. Dunkler Herkunft, viel- leicht mit mhd. arf«Wurfspießy zusammen- hängend. Arznei, f.(Pl.-en): Heiltrank. Aus mhd. arzende und(mit Umlaut) erzende(daher bei Luther auch ertaney) f., abgeleitet von dem V. mhd. erzenen, ahd. erzinen und gi-arzinõn cheilen». Mit Unrecht wird an den berühmten, aus Apamea in Syrien gebürtigen Arzt r- chigenes angeknüpft(in Vokabularen findet sich allerdings Archigenes, Archienes, Arcienes geradezu mit Arzt glossiert); vielmehr sind arzinoön und arzende als Umbildungen von arzãtõn und arztie(was mhd. vorkommt) zu betrachten unter Einfluß der echtdeut- schen Ausdrücke lähhinön cheilen»(zu ahd. lähhin n.«Heilmittel», lähhi m.«Arzto, ent- sprechend ags. Ice, got. lékeis) und lächende f.«Heilung durch Besprechung oder Zauber». 4BL. arzneien, v.: Arznei eingeben(mit Akk.); Arznei einnehmen, mhd. aræenlen, erzenen. Arzt, m.(-es, Pl. Arzte): Heilkundiger. Mit Dehnung des aus Mhd. arzet, arat, arzãt, ahd. arzãt m., dazu mnd. arste, ndl. arts m. Nicht von mlat. artista m.«Künstler, Heilkünstler», sondern mit Wegfall des aus- laut. r von lat. archiater(archi- wie arci- gesprochen, vgl. era-)«Ober-Leibarzty, das auf gr. dpxiarpöc m. zurückgeht, zusammen- gesetzt aus dpxu s. erz- und tarpòc m.«Arzty. Die vollere Formen zeigen noch andd. ercetere, mnl. arsatre, ersatre m. Die Benennung war am fränkischen Hofe üblich und wurde später allgemein, indem sie die echtdeutsche Benen- nung(s. unter Arznei) zurückdrängte. 4L. ärztlich, adj. und adv., mhd. arzütlãch. As, n.(Gen. A8ses, Pl. Asse): die Eins auf Würfel oder Spielkarte; kleinstes Gold- und Silbergewicht; das Apothekerpfund von 24 Lot. Aus franz. as m. in der 1. Bed., aber zugleich aus lat. as m.(Gen. assis),«teil- bare Einheit in Mürz- und Gewichtssystem, Pfund». Mhd. dafür esse n.(aus dem dem lat. assis= as entsprungenen ital. asse), deshalb auch älternhd. 46(noch bei Nieremberger 1753 Eß neben 46). Asant, m.(es): Teufelsdreck, sowie Benzoe, jener stinkend, diese wohlriechend. Gebildet aus mlat. asa f.«starkriechendes Harzy». Ludwig 1716 hat Asand, Jablonski 721 Assandl. Asbest, m.(-es, Pl.-e): Steinflachs, woraus unverbrennliche Gewebe gearbeitet wurden. Aus gr.-lat. asbéstus, gr. äcßecroc f., 91 Asch assekurieren 92 dem subst. gebrauchten F. des gr. Adj. äcßecroc unauslöschlich)(d- cun-y,-cßécròc von cßBevvbeiv clöschen»). Im 18. Jh. aufge- nommen. Asch, m.(-es, Pl. Asche): tiefes topf- artiges Gefäß. Nur mundartlich(ostmd.). Mhd. asch m.«tiefe Schüssel»: der Name, weil das Gefäß ursprünglich aus dem Holz der Esche (G. d., md. asch, ahd. asc m.) gedreht war, wie denn auch noch bayr. 4sch, mhd. asch m., afränk.(latinisiert in der lex salica 21, 4) ascus, ags. œsc, anord. asker m. Wasserfahr- zeug, Schiffy(von Eschenholz). ZUS. Asch- kuchen, m.: in einer Form gebackener Kuchen. Bei Adelung 1774. Asche, f.(Pl.-n): der von verbrannten oder auch verwesten Körpern zurückbleibende Staub. Mhd. asche f. m.(alem. fränk. esche), ahd. asca f.; dazu ndl. asch, ags. asce, œsce, engl. ash, anord. schwed. aska, dun. aske, got. ς f. Ableitung von einem Stamme as, der in lat. rëοre«trocken, dürr sein», aind. dsas m.«Aschey, gr. äxery«dörren» u. a. vor- liegt, vgl. Osthoff Btr. 13, 396, Walde s. v. ãreo. Die gotische Form muß gegenüber denen der andern Dialekte einen Mittelvokal verloren haben, also aus*ango entstanden sein. Asche, f.(Pl.*): grauer forellenähn- licher Flußfisch, thymallus. Mit Wechsel des Geschlechts(doch thür. noch asch, äsch m. aus mhd. asche(im 15. Jh. auch äsche), ahd. asco m. Wohl nach der aschgrauen Farbe benannt, oder zu gall. esoæ Hechty. Aschenbrödel, m. n.(-S, Pl. wie Sg.): Küchenjunge, dann überhaupt zu allen schmutzigen, staubigen Verrichtungen im Hause verstoßener Mensch. Mhd. aschen- brodele m.(dafür 1482 im voc. theut. b 7 b ascherprudel«Küchenjunges), zu brodeln, v. «wühlen und stauben in der Aschev. Daneben hess. Aschenputtel, zu putteln cin Flüssigem oder Staub hin und her schütteln», schweiz.- elsäss. Aschengridel zu grüdeln«sScharren, wühlen» u. a. Formen. Ascher, m.(ds, Pl. wie Sg.): ausgelaugte Asche; gelöschter, mit Asche vermischter Kalk zum Gerben. Spätmhd. äsoher, escher m., von Asche abgeleitet. 48L. Ascherich, m.(-s): wie Ascher, bei Mathesius Sar. 120° Ascherich. äschern, v.: mit Asche beizen (vgl. abäschern); in Asche verwandeln(nur in Zusammens.); mit Asche bestreuen. Frühnhd. Aschermittwoch, m. und f.; der 7. Mitt- woch vor Ostern, an dem der katholische Priester die Gläudigen mit geweihter Asche bestreut, um sie an den Tod zu erinnern. Im 15. Jh. aschermitawoche m., daneben in gleicher Bed. schon im 14. Jh. aschtac(im 16. Jh. auch der äscherige mitwoch). Ascher- kann nicht auf das V. äschern zurückgeführt werden, sondern ist als Nebenform von Asche zu betrachten, die mhd. in Zusammensetzungen wie ascherknoche m., aschervar erscheint und der Ableitung ascheric, escheric, adj. zu- grunde liegt. äschern, s. Ascher. aschgrau, adj.: grau wie Asche. Bei Ludwig 1716. Redensart: das geht ins Asch- graue«in die graue Ferne, über den Horizont und so ins Unglaublichey. Aschkuchen, s. ASch. Aschlauch, m.(-es): die Lauchzwiebel, Schalotte. Bei Linné allium ascalénium, d. h. Lauch von der Stadt Ascalon in Palästina, bei den Römern caepa ascalonia. Auf asca- lonium geht mhd. aschlouch, ahd. asclouh zurück. äsen, v.: fressen(vom Wilde gesagt). Mhd. en. Vgl. aasen. Aser, Aser m.: Tasche zum umbängen, Speisesack, Jagdtasche. Bayr., schwäb.-alem., hess. Mhd. ãser, cser und(mit vorgetretenem n) nœser. Wahrscheinlich zu essen, von mhd. ) äz«Speise» gebildet. Asket, m.(-en, Pl.-en): strenge Fröm- migkeit Ubender. Aus mlat.-gr. asceta, gr. äcxnrhc m.«wer irgend eine Kunst, ein aus- schließliches Geschäft übty. Im 18. Jh. Aspe, s. Espe. Aspekt, m.(-es): Anblick;(Pl. Aspekten) Aussichten, Vorzeichen;(in der Sterndeutung) Anzeichen nach den Stellungen der Planeten gegeneinander. Aus lat. aspectus m.«Anblick, Aussichty, abgeleitet von dem V. aspicere(aus ad-Spicere)«ansehen, anblickeny. Bei Para- celsus(† 1541) Schriften(1616) 1, 712 Aspect. Asphalt, m.(-es, Pl.-e): Erd-, Juden- pech. Aus dem gleichbed. gr.-mlat. asphältum, gr. äcpokroc f. Neue Entlehnung. Aspirant, m.(-en, Pl.-en): Amtsbewerber. Nach lat. aspirans(Gen. aspirantis), Part. Präs. von aspirare(aus ad-spirare) eig.«an- haucheny, dann s. v. a.«wonach streben». Im 18. Jh. aufgenommen. assekurieren, v.: versichern zu Schaden- ersatz. Nach ital. assicurare, das auf mlat. assecurare«durch Unterpfand sicherstellen⸗ beruht, zusammenges. aus lat. ad zu» und 93 Assel Astrolog 94 dem von dem lat. Adj. securus«sichery abge- leiteten mlat. securare«sichern». Bei Wächtler 1711. 4 BL. Assekuranz, f.: Versicherung zu Schadenersatz. Assel, m.(-s) f.(Pl.-n): Kellerassel, oniscus. Spätmhd. assel m., bei H. Sachs 4, 408, 5 auch als«Fingerwurmy(Krankheit). Man knüpft gewöhnlich an lat. asellus m. an, das als Dim. von lat. asinus m.«Esel» eig.«Esel- chen» bedeutet, dann aber auf das Insekt wegen seiner grauen Farbe übertragen wor- den sein soll(vgl. die Benennungen Keller-, Maueresel, gr. Sviccoc). Da aber 1517 bei Trochus prompt. H 6 b die Form afazel er- scheint(auch bei Golius 1579 or-atzel), in andren Quellen Ossel und(mit vorgetretenem n wie auch in der Nebenform Nassel, 1563 in Gesners Fischbuch 157 b) Nossel, so dürfte als mhd. Form dæel und äzel anzusetzen sein (vielleicht zu essen, vgl. mhd. urmczec «wurmstichig»). Assessor, m.(-S, Pl.-en): beisitzendes Mitglied einer Behörde, eines Gerichtes. Aus lat. assessor Beisitzery, von assidere urspr. ad-Sidere cbei jemand sitzen». In der frühnhd. Rechtssprache(Reichsordnungen 40 vom J. 1500. Liliencron 4, 180). assimilieren, v.: ähnlich machen, ver- ahnlichen. Aus lat. assimilare, urspr. ad- similare cuhnlich macheny. Im 18. Jh. auf- genommen. 4 BL. Assimilation, f.: Ver- ühnlichung, Angleichung. Assisen, Pl. Gerichtssitzung, insbesondere Tagung eines Schwurgerichtshofes. Aus franz. assises, Pl. des F. des Part. Parf. assis csich gesetzt, niedergelassen habend», von assiνε csich setzen», das auf lat. assidére urspr. ad- sidere«sich setzen» beruht. Neue Entlehnung. assistieren, v.: beistehen, unterstützen. Von lat. assistére, urspr. ad-sistere cbei je- mand stehen, jemand unterstützen». Im 16. Jh. entlehnt.— Assistent, m.(-en, Pl.-en): wer jemand beisteht; Gehilfe. Aus lat. assistens (Gen. assistentis), Part. Präs. des V. assistére. assortieren, v.: mit Sorten versehen und in diese ordnen. Nach franz. assortir, das mit lat. ad von Sorte(s. d.) abgeleitet ist. Bei Sperander 1728. assoziieren, refl. v.: sich vereinigen. Aus gleichbed. franz. s'associer, von lat. asso- ciare«vereinigen, verbindenꝰ, urspr. adsociare zu socius m.«Gefährtey. Bei Sperander 1728. Ast, m.(-es, Pl. Aste): dem Stamm ent- sprossener Baumteil; Holzknoten als Ast- wurzel;(urspr. in der Gaunersprache) Buckel (namentl. in der Redensart sich einen A. lachen d. i. sich bucklig, krumm lachen). Mhd. ast(Pl. este), ahd. ast(Pl. esti) m.; dazu got. asts m.«Asts. Mit Vokalwechsel gehört hierher ndd. öst, ndl. oest(spr. 5st)«Knorren im Holzy, ags. öst m. Knoten, Knorren). Im Griech. entspricht özoc m.(aus öcdoc) «Ast, Knoten, Auge am Zweigy, arm. 08t«Ast), doch wird die Zugehörigkeit des griech. Wortes bestritten, zuletzt von Lagercrantz Zur griech. Lautgeschichte 139 f. Bartholomae Idg. Forsch. 5, 355 stellt noch ai. äãdgas m. «Rohrstab, Stengels, gr. 6coc m. Zzweig» als wurzelverwandt dazu. 4 BL. üsten, v.: Aste treiben, mhd. asten, esten. Davon ästeln, frühnd. ästig, adj.: Aste habend, spätmhd. astic, estic. ZUS. Astloch, n.: Loch im Brette von einer ausgefallenen Astwurzel, bei Stieler 1691. Aster, f.(PL.-n): die im Herbst blühende Sternblume. Mit UÜbergang zum F.(im Ge- danken an Blame) aus gr.-lat. aster m. gr. Acrhp m.«Sterny. Im 18. Jh. aufgekommen. Asthetik, f.: die Wissenschaft von dem Schönen und der Kunst, Geschmackslehre. Aus nlat- gr. aesthetica, gr. aiconruch(näm- lich rexvn«Kunsty), F. des gr.neulat. Adj. aestheticus, gr. aiconriwéc«zum Empfinden, zum Wahrnehmen geschickt», abgeleitet von gr. aicbdvecqchi«empfinden, durch die Sinne wahrnehmen». Das Wort geht auf den Philo- sophen Baumgarten zurück, von dem 1750— 58 4esthetica erschienen. Davon Asthetiker, m.: Geschmackslehrer.— ästhetisch, adj., durch Baumgarten und Meier(seit 1748) ein gern gebrauchtes Wort der Kunstrichter, von dem angeführten Adj. aestheticus. Asthma, n.(-s): Engbrüstigkeit. Aus dem gleichbed. gr. 6cOua n. Im 18. Jh. üblich. ästimieren, v.: wertschätzen, würdigen. Aus franz. estimer aschätzen, achten, hoch achteny und dies aus lat. destimare, mlat. estimare cabschätzen», dann auch cgehörig würdigen, anerkenneny. Danach schon 1403 estinieren, 1444 estumieren cabschätzeny. Dann 1571 bei Rot in der Bed.«schätzen, achten). Astrolog, m.(-en, Pl.-en): Sterndeuter. Aus gr. Jat. aströlogus, gr. àcrpoxoc«Stern- kundiger, Sterndeuter», subst. M. des Adj. acrpoXéroc«sternkundig»(äcrpov n.«Gestirn, Stern», Aoroc zu NeTewv, hnier«berechnen). 1573 in Luthers Tischreden 4144. 4BL. 95 AsyI 96 Attacke Astrologie, f.: Sternkunst. Aus gr.-Jat. astrologia, gr. âcrpoXoia f.«Sternkunde». 1531 bei Hedio Josephus, Vorw. 7² Astrolog, 1534 bei S. Franck Weltb. 235 a Askyologei, 1586 bei Fischart Bodin. 140 das Adj. astrologisch. Astronom, m.(-en, Pl.-en): Sternkundiger, Sternseher. Aus gleichbed. gr.-Jat. astronomaes, gr. dcrpovéuoc, subst. M. des Adj. äcrpovéuoc cdie Sterne in Sternbilder verteilend, ordnend (äcrpov'n. Gestirny, vouoc zu véuetv«ver- teilen»). 4BL. Astronomie, f.: Stern-, Himmelskunde. Aus gr. lat. astronomia, gr. dcrpovonia f. Schon mhd. astrouomie f., 1573 in Luthers Tischreden 4132 Astronomey, 1586 bei Fischart Bodinus 187 Astronom; und 139 das Adj. astronomisch. Asyl, n.(—s, Pl.-e): Freistatt. Aus dem gleichbed. gr.-Jat. asylum, gr. äcukov n., eig. N. des Adj. äcukoc«unberaubt⸗(à&‿ αᷣνν, cuXGv «wegnehmen, nach Kriegsrecht berauben)), dann cunverletzlich, sicher». Bei Heynatz 1775 noch in der lat. Form aslu*. Atem, m.(-s): die eingezogene und aus- gestoßene Luft. Mhd. ten, mitteld.(mit grammatischem Wechsel) auch ädem, ahd. ãtum, ädum m.; dazu asächs. athom, ndl. ãdem, afries. éthma, ags. Edm m. Verwandt sind ai. dtmä m.«Hauch, Atem, Geists, ir. athach«Hauch, Wind», aber nicht gr. Grc«Dunst, Rauch», da dies wohl auf deruéc zurückgeht. Luther bedient sich der Formen Athem und Adem, sowie(mit mund- artlichem oo= Gâ.) Odem, was als feierliche Form später im Nhd. verblieben ist(bei Dichtern auch abgeschwucht Oden, Dusch Schoßhund 73, Goethe 6, 43, aber schon 1440 olen bei Diefenbach gl. 547 b). 4L atmen, v., mhd. ãtemen(auch œtemen), ahd. ãtumon. atmig, aclj. in kurz-, scher- usw. atmig. 2.,0S. atemlos, adj., mhd. äãtemlõs. Atem- zug, m., mhd. ſtemauc. Atheismus, m.: Gottesleugnung. Aus neulat. atheismus m. Im Anfang des 17. Jh. gebraucht(Moscherosch Insomnis cura par. 126).— Atheist, m.(en, Pl.-en): Gottes- leugner. Aus neulat. atheista m., einer Fort- bildung von gr. ägeoc«gottlos, die Götter verwerfendo(à- un-y, 9e6c«Gott»). 1617 im teutschen Michel als modisches Fremdwort angeführt. atheistisch, adj., 1673 bei Chr. Weise Erznarren 151, dafür früher im 17. Jh. athęisch(Gombert 7, 7 vom J. 1622). Ather, m.(*s, Pi. wie Sg.): die Himmels- luft; ffüchtiger, geistiger Stoff(so 1730 von Frobenius gebraucht). Aus gr. Jat. aether m., gr. aionp m. f. die obere, reinere Luft, das reine Himmelslichty. In der poetischen Sprache von Bodmer und Klopstock zuerst verwendet (Gombert 6, 6. 7, 8). 4BL. ätherisch, adj. (1748 bei Klopstock). Athlet, m.(-en, Pl.-en): Wettkümpfer, körperkräftig ausgezeichneter Mann. Aus gr.- lat. athleta, gr. do«TTyc m.«Kämpfer, Wett- kümpfer», von de;ꝰoc m.«Kampf». Im 18. Jh. entlehnt. 4L. athletisch, adj.: die Körper- kraft betreffend, riesig groß. ¹Atlas, m.(Gen. Atlasses, Pl. Atlasse und Allanten): Landkartensammlung. Benannt nach einem mauretanischen König Allas(Gen. Atlantis), der als Freund der Astronomie be- kannt war. Nachdem Mercator 1595 das Wort für eine Sammlung von Landkarten verwendet hatte, setzte es sich in dieser Bed. fest und erscheint bei Ludwig 1716 als eingebürgert (dafür 1734 im math. Lex. Aflant). „Atlas, m.(Gen. Atlasses, Pl. Aflasse): glattes, glänzendes, rauschendes Seidenzeug. Spätmhd. Überkommen mit dem Handels- artikel aus dem Morgenlande, wo türkisch, persisch und ursprünglich arab. aflas« glattes seidenes Tuchꝰ, eig. s. v. a.«abgerieben, kahl), dann glatty 4 BI. atlassen, adj., im 16. Jh. atlassin. atmen, s. Atem. Atmosphäre, f.(Pl.-n): die Erde um- gebender Dunstkreis. Nach einem neulat. atmosphaera aus gr. drοcꝙᷣαε f., zusammen- ges. aus drm.«Dunsty und coaipaf.« Kugel, Erd-, Himmelskugely. Im 18. Jh. entlehnt (Zachari Renommist 3, 321). Atom, n.(-s, Pl.-e): Urstoffteilchen. Aus gr.-lat. atomus f., gr. ärouoc Urstoff, unteil- bares Körperchen», dem F. des Adj. ärouoc «uͦnteilbary(d- un-y, ropoc von réuvetv cschneiden»). Der Pl. wird auch als Afomen gebildet(Goethe Nat. Dochter 1494). Atout, n.(-s, Pl. s-)(im Kartenspiel): aus frz. à tout«für allesy, zur Zeit des 30 jährigen Krieges aufgenommen, für deutsch T'rrumpf. ätsch, Interj. der neckenden Verspottung. Im 17. Jh. etsch!/ Gewöhnlich mit der Ge- bärde, als wenn man eine Rübe schabte, da- her auch ätsch, schabe Fübchen Attacke, f.(Pl.-/): feindlicher Angriff. Aus dem gleichbed. franz. attaque f., von attaguer(s. d. folg.).— attackieren, v.: feindlich angreifen. Aus dem gleichbed. franz. attaguer, ital. atlaccare, eig.«anheften, be- 97 Atte Auditorium 98 festigen», von ital. facca, franz. fache f.«an- urspr. ad-tribuere czuteilen, beilegen». Bei haftender Fleckeny. Als modisches Fremd- wort(attaguieren) 1617 im teutschen Michel erwaähnt, auch bei Wallhausen Corp. mil. 220. Atte, m.(-n, Pl.-n): Vater. In oberd. Mundarten(alem. ätti) in der Kindersprache (in andern Gegenden nur jüdisch). Mhd. ätte m., eine dimin. Bildung zu atte, ahd. atto m., got.(das gewöhnliche Wort für «Vater») atta m., wovon als Dimin. der Eigenname Atkila, eig.«Väterchen»(ahd. Eazilo, mhd. Etzel). Dazu gehört lat. atta, gr. ärra m. NVater», ir. aite«Pflegevater), ablg. of⸗c m.(Demin.)«Vater», vgl. auch ai. attä f.«Mutter»(nur bei Lexikographen belegt). Attentat, n.(es, Pl.-e): gewaltsame Rechtskränkung des andern; gewaltsamer An- griff auf andrer Leben. Aus dem gleichbed. lat. attentatum n., dem N. des Part. Perf. Pass. von attfentare, urspr. ad-tentare«antasten, angreifeny. Schon in der Rechtssprache des 15. Jh.(attemptat Fontes habsburg. II, 2, 345, attentat Reichs-Ordn. 97b). 4BL. Atten- täter, m.(-S, Pl. wie Sg.): der ein Attentat begeht. Nach 1844 aufgekommene Bildung, mit Anlehnung an Täter, vgl. Hildebrand Sprachunterricht S. 116, Ladendorf Schlagwb. Attest, n.(-es, Pl.-e): schriftliches Zeug- nis, Bescheinigung. Im 18. Jh. gekürzt aus dem gleichbed. Attestat n.(noch bei Hey- natz 1775), das auf lat. attestatum«Zeugnis» beruht, eig. N. des Part. Perf. von attestari (s. d. folg.).— attestieren, v.: bezeugen, besonders schriftlich. Aus lat. attestari, urspr. ad-testari«bezeugen, durch Zeugnis kräftigen». Im 17. Jh. entlehnt. Attich, m.(-*J, Pl.-e): Ackerholunder, sambucus ebulus. Mhd. atich, atech, ahd. atah, atuh m. Mit Angleichung des ct au tt(vgl. Dattel) von dem gleichbed. lat. äcte(Plinius hist. nat. 26, 73), von gr. dxréa, zusammengez. dxrπ f. Holunderbaumy. attrapieren, v.: worüber ertappen. Aus franz. attraper, ital. attrapare, eig.«in einer Falle fangen», zusammenges. aus lat. ad und ital. trappare, franz. trapper, von franz. trappe, mlat. trappa f.«Falley, das auf dem gleichbed. ahd. trapa f.(auch trapo m.) beruht. Im 17. Jh. entlehnt. Attribut, n.(-es, Pl.-e): beigelegte Eigen- schaft; Beizeichen. Aus lat. attributem eig. Zugeteiltess, dann auch s. v. a. Eigenschaft, subst. N. des Part. Perf. Pass. von aftribaere, weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. Sperander 1728. Atzel, f.(Pl.-n): traulicher Name der Elster;(wegen der verschiedenen Farben der Elster, ursprünglich mehr im Scherz) falsches Scheitelhaar, Perücke(1788 bei Fulda). Mhd. atzel f., eine dimin. Ableitung von ahd. agazza f.«Elstery(s. d.). ätzen, v.: abweiden; zu essen geben(in diesen beiden Bedd. auch atzen; dies auch refl.); einfressen machen, von Säuren(schon zu Ende des 15. Jh.). Mhd. atzen und etzen, ahd. aabn und ezzen; dazu got. atjan in fraatjan«zur Speisung austeileny. Faktitivum von essen. Atzung, f.: was zu essen dargeboten wird. Mhd. atzunge f., von atzen. S. dtzen. au! Ausruf des Schmerzes. Mhd. ou⁴⁵, abgelöst von ollν aus οο. Au, s. Aue. auch, Conj., die eine Vermehrung anzeigt. Mhd. ouch, ahd. ouh; dazu asächs. Ok, ndl. 00Ok, afries. dk, ags. Sac, engl. eke, anord. auk dazuy, schwed. ock, dän. og, got. auf«denn, abery. Wahrscheinlich Imperativ(urgerm. aue) zu dem neben ahd. ouhhön, asächs. Okian, ags. ëacian stehenden st. V. got. aukan, anord. dula«mehrenꝰ, die der Lautverschie- bung gemäß stimmen mit lat. ugére, gr. adEeiy, dbEkdvery«mehren, vermehrenꝰ, vgl. lit. ãugti«wachsen», ai. Jas n.«Krafty. Oder auch zu gr. aò-Te«wiederum), lat. ault& oderꝰ, ai. utä und, aber, auch», zu stellen, vgl. Walde s. v. dut. Audienz, f.(Pl.-en): Gehör, das jemand gegeben wird; Verhör. Aus franz. audience, ital. audienza, lat. audientia f. Gehör, An- hörung», von audiens(Gen. audientis) chörendy, Part. Präs. von audire«hören». In der Rechts- sprache um 1500 eingebürgert(Reichs-Ord- nungen 61 b von 1507, Wilwolt von Schaum- burg 96, Liliencron 2, 331a von 1493). Auditeur, m.(-s, Pl.-e): rechtsgelehrter Richter beim Heerwesen. Aus dem gleiech- bed. franz. auditeur m., das auf lat. auditor m. «Hörer, Zuhörer, im Mlat. auch«Richter», beruht. Im Anfang des 17. Jh. entlehnt (1622 bei Londorp Acta publica des Teutschen Krieges 1, 1047). Auditorium, n.(Pl. Auditorien): Hör- zimmer, Hörsaal; Gesamtheit der Zuhörer. Aus dem gleichbed. lat. auditorium, subst. N. des von auditor m. Hörer, Zuhörer abge- leiteten Adj. auditorius«zum Hören gehörigy. Im 17. Jh. entlehnt. 7 99 Aue aufbinden 100 ¹Aue, Au, f.(Pl. Auen): wasserumflos- senes Land, Flußinsel; wasserdurchflossenes, feuchtes, gewächsreiches Gelände. Mhd. ouwe, Ou, ahd. ouawa f.«Wasser, Strom, Wasserland, wasserreiches Gelünde»; dazu ags. 9, 7g f., anord. eg f., schwed. dän. 6«Insely. Mlat. erscheint augia, avia(z. B. in Scadinavia). Das vorauszusetzende got.*aaoi(Gen.*ν⁵*ες) steht mit Verlust eines Gutturals für ragevi und kommt von got. a f.«Flußy, ahd. aha (s.-a), lat. aqua f.«Wassery. *Aue, f.(Pl.-n): Mutterschaf. In obd. Mundarten. Mhd.(selten) ouewe, ahd. ou, Ouν f.; dazu ags. 5O⁶³6, engl. euse f.«Schafy, got. nur in Ableitungen wie awistr n.«Schaf- stally, aο‿ν n.«Schafherdey. Dazu stimmen lat. obis f., gr. ôic m. f., air. 5, Oe, lit. ais f., aind. dvis m. f., abg. abgeleitet ouica«Schafy, lit. ãvinas«Widderꝰ, lett. uns, apreuß. awwins, abg. ovindi«Schafs, vgl. Walde s. v. ovis. Auer, m.(-s, Pl. wie Sg.): meist zu- sammengesetzt Auerochs m. Mhd. ahd. Nr m.(daher altertümlich VUr, s. d.), neben mhd. drohse, ahd. Srohso m; dazu ags. 5r, anord. urr m. Auerochsey. Man vergleicht skr. usräs m. Stiery, eig.«rötlichy, germ.-Jat. Frus m. Auerhahn, m.(-S, Pl. Auerhähme, früher Auerhahnen). Mhd. urhan neben orhan m., ahd. kommt orhuon, orrehuon f.«Auerhenne⸗ vor. Auch frühnhd. noch orhan(voc. inc. teut. p 1), urhan(voc. theut. 1482 mm 5a), 1616 bei Henisch uhrhan, ohrhan, selbst noch bei Voß Urhahn(daneben schon im 16. Jh. aurhan). Da im Altnord. Schwed. orre n. «Birkhuhn» als selbständiges Wort vorkommt, muß erst später Anlehnung an Ir, kKrohse eingetreten sein. Das nord. orre bringt man mit skr. vrsam«zeugungskräftig, männlichy, dann auch«Stiery, ferner lat. verres(für verses) m.«Ebery, lit. vefsis m.«Kalb», lett. vé'rsis«Ochs, Stier, zusammen, so daß die urspr. Bed.«männliches Tiery sein würde. Auf, m.(-es, Pl.-e): Nachteule, Uhu. Weidmännisch, 1763 bei Heppe wohlred. Jäger. Mhd. we, ahd. Afo, Quo m., dazu das gleich- bedeutende ags. Ff, anord. ifr, schwed. af m. auf, 1) adv.: zur Höhe; voneinander aus dem Zustand des Zuseins. In auf/ auf und davon! und in Zusammensetzungen wie frisch-, voll-, dar-, her-, hinauf, sowie in Verbindung mit Verben und Nomina. Bei der Verbindung mit Verben haben wir a) die ursprüngl. Bedeutung in aufbrausen. Dann die Bedeutungen b) anregen zu einer be- stimmten Tätigkeit, aufmuntern, c) Wider- herstellung eines frühern Zustandes, auf- ꝛwärmen, auf braten, d) die Beseitigung des Objekts durch die Tätigkeit, z. B. aufessen, aufreiben, und schließlich e) ganz abge- schwächt den Eintritt einer Handlung be- zeichnend auf bluhen. Die Nomina schließen sich in ihrer Bedeutung den entsprechenden Verben an. 2) präp. a) mit Dat.(auf die Frage«wo») in der Höhe von und zugleich in Berührung mit—; während. b) mit Akk.(auf die Frage«wohin») zur Höhe; über- hin; als Ziel habend; nach; die Art und Weise bezeichnend. Dies auch in den ad- verb. Verbindungen: ufs baldigste, aufs beste, aufs neue usw. Mhd. ahd. Af adv. u. präp.; dazu asächs. up, ags. Ap, upp, engl. up, got. (mit abweichendem Vokal) iup adv.«auf. würtsy. Verwandt mit oben und über(s. d.), doch vgl. Zupitza Die germ. Gutturale 29. aufbaumen, v.: auf einen Baum fliegen, klettern, springen. Weidmännisch, 1763 bei Heppe wohlred. Jäger. aufbäumen, refl. v.: sich(baumähnlich) zur Höhe biegen; sich auflehnen(urspr. von Pferden gesagt). Frühnhd.(1482 bei Eych- mann O 3 5b sich vff beymen cinsultarey, mhd. bloß sich boumen). Davon das Part. Prüt. aaf gebäumt«zur Höhe gerichtet, aufgehäuftꝰ. aufbauschen, v.: schwellend in die Höhe gehen machen;(bildlich) etwas größer er- scheinen lassen, als es in Wirklichkeit ist. Erst bei Campe 1807. S. bauschen. Früher dafür auf hausen(Kramer 1719) oder auf- pausen(Krämer 1678) s. d. aufbegehren, v.: trotzig auffahren. Erst im 19. Jh. durch schweizerische Schriftsteller aufgekommen(in der Schweiz in der Bed. «sich auflehnen» schon 1582 nachgewiesen, s. Schweiz. Id. 2, 404). Nicht zu gären. aufbieten, v.: kundmachen, namentlich Verlobte auf der Kanzel(mhd. Qfbieten æin die Höhe heben», dann, eig. durch Hochhalten, czur allgemeinen Kenntnis bringen»); zu einer Leistung auffordern, namentlich zur Heeres- folge(mhd. und älternhd. mit Dat.);(bildlich) zu Hilfe nehmen, z. B. seine Krüfte(Schiller 4, 38). aufbinden, v.: in die Höhe binden(mhdͤ. Af binden); worauf festbinden(auch mhd.); (bildlich) vom Aufbinden eines Geschenkes auf den Arm oder Armel Unwahres glauben machen(Schupp 394. 634 einem einen a., 1691 bei Stieler einem eins a.); aus dem Zu- stand des Gebundenseins befreien(auch mhd.). 101 aufbrechen Aufgebot 102 aufbrechen, v.: 1) intrans. sich gewalt- sam öffnen(z. B. 1. Mos. 7, 11); sich er- heben zum Weg- oder Weitergehen, mhd. Afbrechen, auch refl. sich uf brechen. 2)(ur- spr. mit Gewalt) öffnen(auch mhd.).— Aufbruch m.(nach allen Bedd. von a.). Mhd. Afbruch. aufbringen, v.: in die Höhe bringen, mhd. Afbringen, großziehen, pflegen(auch mhd.); durch Tätigkeit sich verschaffen(auch spätmhd.); finden und vorbringen(auch mh%.); in die Mode bringen; erregen, in Zorn bringen (im 15. Jh. z. B. bei Janssen Frankf. Reichskorr. 1, 459 v. J. 1487); aufgehen machen. Nach der vorletzten Bed. das Part. Prät. aufge- bracht als Adj.(nur prädikativ) cerzürnt⸗, bei Gottsched, Reichel 7). Aufbruch, s. auf brechen. auf daß, Absicht anzeigende Konj. Mhd. (in mitteld. Quellen des 14., 15. Jh.) † daz, urspr. Af daz dag(Mystiker 1, 376, 6), dann bei Luther uuff das. aufdonnern, refl. v.:(von Frauenzim- mern) sich aufputzen. Aus der Studentenspr. in die neuere Umgangssprache gekommen. aufdrieseln, aufdröseln(Goethe 18, 290. 24, 149), auch auftröseln(Goethe 6, 160), v.: auf und umwinden; abwindend lösen. dröseln geht zurück auf ein dialektisches ma. ndd. triseln(auch trüseln, z. B. schles. und in ndd. Mundarten) v.«im Kreise drehen, rollen», dazu krisel m. Kreisel»(schon mnd. triselen«rollen, kollern»), 1469 im mrhein. Voc. ex quo drisslichte«tornabilis»), die wohl gehören zu mnd. krisse, kritse f.«Tau, das sich um eine Drehscheibe windet und diese selbst, Winden, trissen, tritsen(vgl. trieren) cmit einer Winde aufziehen, hissen? (dazu die gleichbed. ndl. trijsen, engl. trise, dan. tridse). Vgl. abtrõseln. aufdunsen, s. aufgedunsen. aufeinander, Raum- u. Zeitadv., nach seiner Bildung s. v. a. cein auf das andere». Schon bei Luther zusammengerückt. Aufenthalt, m.(-s, Pl.-e): Verweilen; Ort des Verweilens. Spätmhd. Afenthalt m. Aufrechthaltung, Stütze, Unterhalt, Woh- nungy, von mhd. Afenthalten caufrecht halten, erhalten, Nahrung, Wohnung gewährenꝰ, sich Qfenthalten csich zurückhalten, verweilen?. auferstehn, v.: vom Tode oder aus tod- uhnlichem Zustand sich erheben. Mhd.« erstän sich erheben, entstehen, vom Tode erstehen», ahd. Afarstantan. Ebenso sind ge- bildet auferbauen, mhd. Aferbäaen, auf- erregen(Goethe 9, 278), auferwecken, mhd. Aferwecken, auferziehen(bei Luther), die alle das ausf- in der Flexion von dem übrigen Worte nicht trennen. Auffahrt, f.(Pl.-en): Fahrt zur Höhe, besonders die Himmelfahrt; feierliche Schau- fahrt. Mhd. Afpart f.«Himmelfahrt, Fahrt stromaufwärts», ahd. Affart f., zu auffahren mhd. Nfvarn, ahd. Affaran. auffallen, v.: 1) intrans. worauf fallen; (mit Dat.) Anstoß geben, die Empfindung des Ungewöhnlichen hervorrufen(erst bei Adelung 1774, doch schon 1753 bei Nierem- berger der Wein fällt auf«gewinnt Säure»). 2) trans. durch Fallen auf machen. 43L. auffällig, adj. u. adv.(nach der 2. Bed. von auffallen). Bei Campe 1807. aufflirren, v.: mit Flitterstaat aus- schmücken(Voß Werke 228). Von ndd. flirre f.«Flitter, Kopfschmuck einer Frau. auffretzen, v.: auffressen machen, ab- füttern; ganz abweiden. Bei Luther(z. B. 4 Mos. 22, 4). S. fretzen. aufführen, v.: in die Höherichten, ins Werk richten(mhd. Öfvieren cnach oben führen»); zur Schau, zum Sehen, Hören usw. bringen oder vorbringen(bei Maaler 1561 in der Bed. cfeierlich einholen»); zur Wahrnehmung an- führen(Schiller 4, 271, 14). Refl. sich a.: sich in den Lebensverhältnissen zeigen, sich betragen(bei Frisch 1712). 4B L. Auf- führung, f.(zu aufführen u. sich aufführen): Vorstellung eines Theater- oder Musikstücks (Lessing 7, 214); Betragen(Felsenburg 1, 87). Aufgang, m.(es, Pl. Aufgünge): Gang zur Höhe, besonders das Hervorkommen von Sonne, Mond, Sternen über den Gesichtskreis, Anfang von Tag oder Nacht; Ost; Anfang, vornehmlich erfolgreicher; Eröffnung. Mhd. ahd. fganc m. aufgeben, v.: zu erledigen, zu besorgen geben, z. B. ein Rütsel a.(frühnhd., auch bei Luther);(mit Dat.) ein Lehen usw. in die Hand eines andern übertragen, eig. bei der symbolisehen Handlung hochhalten und übergeben(mhd. Afgeben); sich entäußern, fahren lassen, unterlassen(auch schon mhd.). aufgeblasen, adj., eig. Part. Prät. von sich aufblasen: eine übertrieben hohe Mei- nung von sich zur Schau tragend. Schon mhd. Afgebläsen. Aufgebot, n.(-es, Pl.-é): öffentliche Be- kanntmachung z. B. einer zu schließenden 7* 103 aufgebracht aufkommen 104 Heirat(Lessing 1, 530); Einberufung von Heeresmannschaft und diese Mannschaft selbst (Luther 3, 355 b Jen. neben aufbot n. 356 b); (übertragen) Zuhilfenahme z. B. der Krüäffe. Zu dem älternhd. V. aufgebieten(bei Luther), = auf bieten(s. d.). aufgebracht, s. auf bringen. aufgedunsen, adj., eig. Part. Prät. des verlornen V. sich aufdinsen:(von innen) ge- haltlos ausgedehnt(Wieland 4, 102).-dinsen geht zurück auf mhd. dinsen æziehen», sich dinsen auch s. v. a. anschwelleny, dazu ahd. dinsan, asächs. thinsan, got. at-pinsan heran- ziehen» zu lit. tεꝓt αͥdurch Ziehen dehnen?, ai. tasdjati«er schüttelt, bewegt hin und her. Aus diesem aufgedunsen scheint ein V. aaf- dunsen«gehaltlos ausdehnen»(Maler Müller, Schubart) entwickelt, doch schon bei Stieler 1691 dumsen, ufdumsen«anschwellen. aufgehen, v.: in die Höhe gehen, mhd. agän, gén, ahd. Afgangan, ufgän;(von Ge- stirnen) hervorkommen, sichtbar werden;(mit Dat.) deutlich werden; sich öffnen;(von Geld) verbraucht werden(schon mhd.); völlig in ein größeres Ganze aufgenommen werden; (rechnerisch) sich heben(bei Schupp 59). aufgehoben, s. aufheben. aufgeklärt, s. aufklären. Aufgeld, n.(-es, Pl.-er): das bei Aus- wechslung von Münzen hinzugezahlte Geld, Agio; bei einem geschlossenen Handel oder Vertrag sogleich dargegebenes Geld, damit er fest ist und nicht zurückgehen kann. Spätmhd. Afgelt n. aufgelegt, Jart. Prät. von uflegen: in Stimmung etwas zu tun, wie ital. dispösto, franz. disps6. Um 1700 üblich geworden (Günther 315). aufgeräumt, adj.: in reiner, heiterer Seelenstimmung. Eig. Part. Prät. von auf- räumen, mhd. Afrümen,«wegschaffend Raum machen; alles Unangenehme und Beengende wegschaffeny. Bei Krämer 1678 mit Adv. übel, 100!. und urspr.(wie noch bei Stieler 1691) mit persönlichem Dat. aufgeweckt, adj.: lebhaften Geistes. Im 17. Jh. üblich(Fleming 136). Eig. Part. Prät. von aufwecken in der Bed.«geistig ermun- tern, anregen»(bei Luther). aufhalten, v.: in die Höhe halten, mhd. Afhalten; auf einem Punkte verweilen machen, zurückhalten, hemmen(auch schon mhd.); offenhalten. Refl. sich a.: verweilen(bei Luther, neben sich aufenthalten); sich mißliebig über etwas oder über jemand äußern(bei Nierem- berger 1753). aufhängen, v.: in die Höhe hängen, mhd. Afhengen neben Afhähen, s. hangen; als Last an jemand hängen; einem etaas a.: ihn zur An-, Ubernahme von etwas bringen(wie auf halsen, z. B. Lessing 3, 6), zum Glauben an etwas bringen(wie dufbinden, bei Kind- leben 1781). aufheben, v.: zur oder in die Höhe heben, mhd. Afheben, ahd. Afhefpen; auf- nehmen und wegbringen(mhd. Afheben er- greifen»); zur Bewahrung wohin tun; auk. hören machen, ungültig machen, abschaffen (im 15. Jh. ein urtel ufheben, bei Luther allgemein);(mit einem a.) abrechnen. Refl. sich d.: sich gleichkommen, eig. beim Wiegen zu gleicher Höhe heben. Das veraltete Part. Prät. u†gehaben(dafür jetzt aufgehoben, s. heben) kommt noch im 18. Jh. in der Bed. «zur Höhe gehoben, emporgehoben» vor(bei Klopstock, Wieland, Lessing). Der subst. Inf. Aufheben, n. hat auch die Bed.: schau- tragendes Hervorheben vor andern(nament- lich in Aufhebens machen), eig. Fechteraus- druck von dem(oft mit prahlerischen Reden verbundenen) Erheben der Waffen als Vor- spiel des Kampfes(bei H. Sachs 4, 213 wird das Aufheben als ein Teil der Fechtkunst er- wähnt, vgl. Lessing 10, 239). aufhören, v.: worauf hören(selten, 1691 bei Stieler); in einer Tätigkeit nicht fort- fahren. In der letzten Bed. im Mhd. zu- nächst bloß hœren, wohl im Sinne von ge- horchen, auf jemand hören», dann auch Öf- hœren, völlig durchgedrungen im 15. Jh. aufklären, v.: klar, hell machen(nament- lich refl., so bei Stieler 1691); verständlich und deutlich machen;(eine Gegend) aus- kundschaften(in der neuern Heeressprache nach franz. éclairer); im Geiste erleuchten. Nach dieser Bed. das Part. Prät. aufgeklärt als Adj.«erleuchtet im Geistey, namentlich in religiösen Dingen(1752 von Wieland ge- braucht, Suppl. 1, 414. 424, vgl. auch Reichels). 4BL. Aufklärung: bei Adelung 1774, vgl. Ladendorf Schlagwb. aufknüpfen, v.: eine Schlinge aufmachen; mittelst einer Schlinge, eines Stranges auf- henken(bei Duez 1664, Fischart hat auf- knipfen in beiden Bed., Garg. 76 u. 458). aufkommen, v.: in die Höhe kommen, mhd. Qfkomen, ahd. Afqueman; zum Wachs- tum, zur Gesundheit kommen(auch schon 105 aufkrampen aufrecht 106 mhd.); zum Dasein kommen; üblich werden (frühnhd.). aufkrampen, v.: die Krampe(s. d.) öffnen, um die Thür aufzumachen. Bei Voß Luise 3, 203 aus dem Nad. aufkrämpen(bei Goethe 26, 299 auf- krempen), v.: in die Höhe krümmen oder biegen, z. B. den Hutrand. Aus dem Nd. im 17. Jh. eingedrungen(bei Rädlein 1711). Mnd. upkrempen asich in die Höhe biegeny. 4B2L. aufkrämpeln, v.: in gleicher Bed., 1793 bei Adelung. aufkratzen, v.: durch Kratzen auf- machen; durch Kratzen frisch machen(früh- nhd.); aufputzen(namentlich sich a.); in gute Stimmung versetzen(aufgekratzt bei Kind- leben 1781 als studentisch). Auflage, f.(Pl.-n/):(im Kanzleistil) amt- licher Auftrag(frühnhd.); der Obrigkeit zu Entrichtendes, namentlich an Geld(frühnhd); Zusammenkunft der Handwerker, eig. inso- fern in ihr die Beiträge zu entrichten sind (Adelung 1774); Beschuldigung(bei Luther 6, 6 b Jen.); die zusammen gefertigten Abdrücke einer Schrift als aus der Presse hervorge- gangen und zum Verkaufe zur Messe auf- gelegt(bei Frisch 1712). auflassen, v.: in die Höhe lassen, mhd. Aflãzen; feierlich aufgeben(s. d.) und einem andern übertragen, z. B. ein Lehen(mhd., auch mnd. uplãten im Sachsensp.);(ein Berg- werk) zu bearbeiten aufgeben, verlassen(Frei- berger Bergrecht des 14. u. 15. Jh.). Auflauf, m.(-es, Pl. Aufläufe): geschwin- des in die Höhe Gehen; über und zugleich unter Kohlen in die Höhe gehendes Gericht; Zusammenlaufen von Menschen, besonders feindseliges, Aufruhr, mhd. Aflouf. auflaufen, v.: 1) intrans. sich mehrend anwachsen, mhd. Qfloufen; aufkeimen; an- schwellen(auch schon mhd.);(in der Schiff- fahrt) sich auf dem Grunde festfahren. 2) trans. durch Laufen öffnen, wund laufen. auflehnen, v.: von der senkrechten Rich- tung auf einen Halt Gebendes abweichen. Refl. sich a., auch in der Bed. sich zum Widerstand entgegenwenden». Mhd. Afleinen, in md. Quellen auch Qflenen. Bei Luther auflehnen, bei Obd. bis ins 17. Jh. auf leinen, vgl. ablehnen. aufmachen, v.: in die Höhe richten, mhd. Afmachen; aufspielen(frühnhd.); offen machen (bei Luther). Refl. sich a.: sich erheben, auf den Weg machen(schon mhäd.). aufmutzen, v.:(früher) reines schönes Aussehen geben, aufputzen, mhd. Afmatzen, wie auch das einfache matzen diese Bedeutung hat(frühnhd. namentlich von Waren, z. B. 1537 bei Dasypodius auffmutzen zum auff); (dann) als vorzüglicher(in die Augen fal- lender) nennen, herausstreichen, doch auch als ungut, zum Tadel herausstreichen(Luther Sir. 13, 27);(mit Dat.) einem etwas mit Nach- druck vorhalten oder zum Vorwurf machen (schon frühnhd.). S. mutzen. aufnehmen, v.: 1) trans. in die Höhe nehmen, mhd. Ufhemen(daher es mit einem a.«es auf einen Streit mit jemand ankommen lassen», eig. die Waffen erheben, um mit je- mand Kampf zu beginnen, vgl. 4uf heben); bei sich zulassen, Eintritt, Raum usw. ge- währen(auch schon mhd.); an sich nehmen, z. B. entliehene Gelder(mhd. Afnemen cin Besitz nehmen, einnehmen); angreifen, um zu beginnen, z. B. eine Arbeit; entwerfen, z. B. ein Bild, eine Urkunde; geistig auffassen und beurteilen, z. B. gut a.(bei den Mystikern ist Afnemen cerkennen»). 2) intrans.(ver- altet) zunehmen, gedeihen(auch mhd.). Da- von der subst. Inf. Aufnehmen, n., nament- lich in in 4. bringen, wofür jetzt gewöhnlich in Aufnahme bringen gesagt wird. äufnen, v.: aufbringen, in die Höhe bringen, bessern, mehren. Schweizerisch(bei G. Keller, schweiz. Id. 1, 123 seit 1424 be- legt). Alternhd. auch aufen, mhd. Afen, ahd. Affan und üfön neben kilffinön, ags. uppian. Zu ahd. mhd. ſj aufy. aufpassen, v.: 1) intrans. worauf acht- habend warten; worauf achthaben. Früh- nhd.(H. Sachs Fab. 196, 92). 2) trans. wo- zu passend machen. S. passen. aufpausen, v.:(die Backen) aufblasen 1678 bei Krämer. Zu pausen, oberd. pfausen cblasen, pustenꝰ. Vgl. auf bauschen. aufrappeln, refl. v.: sich von sitzender oder liegender Stellung emporrichten, auch bildlich. Seit dem 18. Jh. übliches Wort (bei Goekingk 2, 227) mit ndd. Lauten für hd. aufraffeln(bei Luther), abgeleitet von aufraffen(wofür Stieler 1691 ufrappen hat, das auf mnd. uprappen beruht). aufrecht, adj. und adv.: in die Höhe gerichtet, in die Höhe gerade, mhd. ahd. Ef- reht(s. recht); geradsinnig, offenherzig(auch schon mhd.). In dieser 2. Bed. aber schon im 18. Jh. völlig verdrängt durch aufrich- tig, mhd. Afrihtic, das auch zuerst jene 107 aufreiben Aufsehen 108 1. Bed. von auftecht hatte(mhd. und bei Luther Pred. 7, 30. Apostelg. 14, 10). aufreiben, v.: durch Reiben öffnen; durch Reiben verbrauchen;(dann, wie zermalmen) zugrunde richten, vertilgen(frühnhd., z. B. bei Murner Narr. 10, 31 und bei Luther). aufrichten, v.: zur Höhe, emporrichten, mhd. Afrihten, ahd. Afrihtan; ins Werk setzen, zu Dasein und Bestehen bringen; aus ge- drückter Stimmung in eine das Gemüt er- hebende versetzen. Refl. sich a.: sich empor- richten; sich aus gedrückter in gehobene Stimmung versetzen(J. Paul Hesp. 2, 168). aufrichtig, s. ufrecht. aufrücken, v.: in die Höhe rücken, höher rücken, mhd. Sfrücken, rucken, ahd.(Notker) Afrucchen;(mit Dat. der Person) beschwerend und empfindlich bemerkbar machen(in md. Quellen des 15. Jh. und bei Luther). Aufruf, m.(-es, Pl.-e): Ruf zur Erhe- bung, Meldung usw., sowie ein diesen Ruf enthaltendes Schriftstück. Erst bei Adelung 1774 als Handlung des Aufrufens, doch schon mnd. uprop m. Berufung. Aufruhr, m.(-s, Pl.-e): heftige Bewe- gung, besonders eine feindselige Unterge- ordneter gegen UÜbergeordnete. Im 15. Jh. ufruor f., zusammengesetzt mit mhd. ruore, ahd. hruora f. Bewegung», s. Ruhr und rühren. Alternhd. überwiegt noch das F. (das M. zuweilen bei Luther und bei Alberus Dict. dd 2² voll vffyrhurs), auch im 17. Jh. vorkommend(Gryphius Trauersp. 360) und noch 1755 von Dornblüth S. 323 verlangt. Bei Herder 24, 462 der seltene Plur. Auf rühre. 4 BL. Aufrührer, m.(um 1480 im Voc. inc. teut. b 2 b auffrurer). aufrüh- risch, adj.(bei Luther auffrurisch), wofür später dafrührerisch(Heynatz 1775). aufs, zusammengezogen aus ur das. Schon mhd. fez, Afz, zusammengez. aus † daz. aufsagen, v.: (frühnhd.); als aufhörend ansagen, aufkün- digen, mhd. Afsagen. aufsässig, adj. und adv.: feindselig ge- sinnt gegen jemand und nach seinem Schaden trachtend. Mit Kürzung des Vokals von einem nicht zu belegenden mhd. Afsãze f. «Hinterhalt, Lauern auf jemandy(vgl. das einfache säze f. in gleicher Bed. und mnd. upsãte f.«Anschlag, hinterlistiger Überfall»). Frühnhd.(H. Sachs 13, 150, 27), aber spä- ter durch aufsätzig(s. d.) zurückgedrängt; Adelung 1793, Heynatz 1796 und noch Campe 1807 erklären a. für unrichtig. Aufsatz, m.(es, Pl. Aufsätze):(veraltet) Nachstellung, lauernde Feindschaft, mhd. Af- saæ m.; auferlegtes Gebot(Luther Matth. 15, 2 usw., mhd. N/suaz ist«Gesetz, Festsetzung, Bestimmung, namentlich schriftliche»);(dar- aus abgeschwächt) in zusammenhängenden Sätzen schriftlich Verfaßtes(bei Ludwig 1716); zur Erhöhung und Verzierung aufgesetztes Ge- bilde(Kanft 7, 187 H.). 4 BL. aufsätzig, adj.: feindselig gesinnt(nach der 1. Bed. von 4d.). Spätmhd. Afsetzic chinterlistig, ver- schlageny, so auch 1482 im Voc. theut. c 1² autfsetzig, im 16. Jh. dann«Nachstellung be- reitend, feindseligy, vgl. au†sassig. aufschieben, v.: durch Bewegung zur Seite oder aufwärts öffnen; zeitlich hinaus- rücken, mhd. fschiehen.— Aufschub, m. (-es, Pl. Aufschübe): zeitliche Hinausrückung. Mhd. Efschup m. Aufschlag, m.(-es, Pl. Aufschläge): auf- treffender Schlag; klappenartig umgeschla- gener Teil eines Kleidungsstückes(Krämer 1678); rasch öffnendes Voneinanderlegen; schnelle mit Schlagen verbundene Errich- tung; rasche Bewegung in die Höhe; Stei- gerung des Preises; Auflage durch Besteue- rung, namentlich erhöhte(mhd. Afslac m. Erhöhung einer Abgabe, des Preises»). Aufschluß, m.(-sses, Pl. Aufschluüsse): Offmen mittelst eines Schliissels; Aufklärung über etwas(mhd. Afsluz m.«Auflösung eines Rätsels»). aufschneiden, v.: zum Offensein schnei- den; worauf einschneiden;(eig. mit dem großen Messer a. d. i. wohl cmit dem Weidmesser», übertreibende Jagdgeschichten erzühlen, oder s. V. W. große Stücke auftischen, vgl. Borchardt- Wustmann 32 mit Beleg von 1621, auch Mo- scherosch Phil. 1, 149) in Reden lügenhaft der Reit n großtun. Davon Aufschneider, m.: lügen- er Reihe nach hersagen hafter Großtuer(1646 bei Moscherosch 2, 107). Aufschneiderei, f. Opitz1, 251). aufschnei- derisch, adj.(Grimmelshausen Simpl. 114). aufschnoppern(bei Goethe 33, 168 auf- Schnobern), s. schnoppern. aufschrecken, v.: furchtsam auffahren. Mhd. Afschrecken aufhüpfen». Dagegen trans. aufschrecken, v.: furchtsam auffahren machen, mhd. fschreckcen, s. schrecken. Aufschub, s. aufschieben. Aufsehen, n.(-S), substantivierter Inf. des V. aufsehen: Schauen auf etwas, Auf- 109 aufsetzen aufwerfen 110 merksamkeit, Acht(Luther Weish. Sal. 3, 9, schon spätmhd. Afsehen n.); die durch einen auffallenden Vorgang hervorgerufene Aufmerksamkeit, staunende Verwunderung (namentlich in A. machen, bei Ludwig 1716). In der 1. Bed. ist Aufsehen jetzt durch Auf- sicht f. verdrängt, das erst im 16. Jh. vor- kommt(Ringwaldt laut. Wahrh. 311). aufsetzen, v.: in die Höhe setzen oder richten; worauf setzen, mhd. Ofsetzen, ahd. Rfsezzan; aufs Haupt setzen; aufs Spie! setzen(spätmhd., noch bei Schiller Picc. 4, 1);(nach der 1. Bed. von Aufsatz) verleiten, täuschen, eig. Nachstellung bereiten(Luther 2. Kön. 18, 29. 19, 10);(nach der 2. Bed. von Aufsatz) festsetzen, bestimmen, anordnen (Luther Mark. 7, 13 und schon mhd.); schrift- lich entwerfen(bei Ludwig 1716). Aufsicht, s. Aufsehen. aufspielen, v.: ein musikalisches Spiel beginnen(bei Stieler 1691). Refl. sich a.: sich in einer angenommenen Eigenschaft zei- gen(in der neuern Sprache, vom Schau- spiel ausgehend). Aufstand, m.(-es, Pl. Aufstände): Er- hebung vom Platz oder Lager, namentlich mehrerer, spätmhd. Sant m.; Erhebung gegen die Obrigkeit(bei Duez 1664). aufstecken, v.: in die Höhe stecken, mhd. Afsteclten; worauf stecken; ein Ende machen womit, aufgeben(in der neuern Umgangs- sprache, wohl eig. Handwerkswort, eine Ar- beit, die man nicht fortsetzt, in der Höhe befestigen, vgl. an den Nagel hängen, viel- leicht auch vom Aufheben der Eßgeräte, vgl. 1767 im Bremisch-ndsächs. Wörterb. den lepel upstecken«sterben, Löffel am Hut bei H. Sachs Fab. 355, 25). aufstöbern(bei Luther aufsteubern), s. stõbern. Aufstreich, m.(-es, Pl.-e): öffentlicher Zuschlag auf Meistgebot(Schiller Räuber 1, 2. 2, 1). Gegensatz Abstreich(s. d.). Von auf- streichen, v.: zu Mehrgebot ausrufen, ein Mehrgebot schlagen. aufstutzen, v.: àußerlich vor anderm zier- lich machen(bei Adelung 1774). S. stutzen. Bei Lessing 5, 324 usw. unrichtig aufstützen. Auftrag, m.(9es, Pl. Aufträge): was aufgetragen wird; Befehl. Dies im 17. Jh. (Zesen Jbr. 207) von auftragen in der Bed. anempfehlen»(mhd. Aftragen, bei den My- stikern, ist darbringen», dann in der frühnhd. Rechtssprache cübertragen, verleihen?, vgl. aufgeben, auf lassen). auftreiben, v.: in die Höhe treiben, mhd. aftriben; aus der Ruhe, von der Stelle trei- ben, z. B. Wild(mhd. Aftriben ist auch«auf- scheuchen, beunruhigen);(darnach) durch an- gestrengtes Suchen sich verschaffen(frühnhd., 1618 bei Schönsleder). auftreten, v.: 1) intrans. auf den Boden treten, mhd. Aftreten; sich öffentlich zeigen (auch schon mhd.); sich in einer Art und Weise öffentlich benehmen(im 18. Jh.) 2) trans. durch Treten öffnen. Auftritt, m.(-es, Pl.-e): Tritt in die Höhe(mhd. Aftrit«die Höhe selbst); Tritt auf den Boden; öffentliches Erscheinen; der Unterabschnitt eines Bühnenstückes, die Szene (seit Christian Weise f† 1708, vgl. Aufzug) und davon dann, wie franz. scene, cauffallender Vorgang»(Ew. v. Kleist). auftrumpfen, v.:(mit Dat.) durch ge- wichtige Reden einem zusetzen(Schiller Kab. 1, 1), eig. einen Trumpf auf eine niedere Karte werfen. Bei Rädlein 1711(schon im 16. Jh. aufärumpfen Crecelius 64). aufwägen, v.: in der Wage zur Höhe bringen; gegen andres schwerer ins Gewicht fallen. Dafür seit dem 18. Jh. auch aufiwiegen (s. wiegen). Mhd. Afowegen ist intrans. asich in die Höhe bewegen», trans.«in die Höhe heben, mittelst der Wage prüfend messenn. Aufwand, m.(-es): was aufgewandt wird, besonders insofern es viel ist. Bei Steinbach 1734. Junge Bildung von dem V. aufienden: zu einem Zwecke verwenden, vgl. Versand zu versenden. aufwarten, v.: urspr. in die Höhe oder auf etwas schauen, vgl. warten;(mit Dat.) des Befehls gewürtig bedienen(so schon spätmhd. Qfiwarten); zu Dienste sein, na- mentlich bei Hofe(Opitz Poet. 8, Chr. Weise Erzn. 113); besuchen, um seine Ehrerbietung zu bezeigen(Weise Erzn. 28). 4 BL. Auf- wärter, m.: Diener, namentlich bei Tisch (bei Fischart Garg. 201 auffearter chöfischer Diener, Hofmann). aufwärts, adv.: zur Höhe, in die Höhe. Mhd. Rfiwert, im 15. Jh. auch mit der ge- nitivischen adv. Endung-es Afuérts faarts. aufwerfen, v.: in die Höhe werfen, heben oder ziehen, mhd. ufiwerfen; durch Werfen öffnen(auch schon mhd.); aufstel- len, zur Erledigung vorlegen(häufig bei 111 aufwichsen Auge 112 Luther); zu hervorragender Stellung erhe-(Zincgref Ap. 2, 96); äußere Erscheinung, ben(spätmhd.) Refl. sich a.: sich zu hervor- Bekleidung(Krämer 1678). ragender Stellung erheben, namentlich in Augapfel,-braue, s. Auge. unberechtigter Weise(spätmhd.) Auge, n.(-s, Pl.-n): Sehwerkzeug des aufwichsen, v.: mit Wachs glänzend menschlichen und tierischen Körpers; Knospe machen, aufputzen;(in der Studentensprache, einer Holzpflanze(Hohelied 2, 13. 7, 12); übertragen vom A. der Kanonenstiefel, vgl. schwimmender Fettropfen; Zahlpunkt auf Wichs) in die Augen fallend herausputzen dem Würfel(daher die Redensart: auf (bei Augustin 1795);(ebenfalls studentisch) seinen 5, 9, 11 usw. Augen stehen bleiben, zu einem Zechgelage oder glänzender Be- gleichsam cbei der geworfenen Zahl recht- wirtung vorsetzen, auftragen lassen(bei J. M. haberisch, eigensinnig beharren*). Mhd. ouge, Miller Walther 148 ein Hospie aufiwixen, ahd. ouga n.; dazu asächs. öga, ndl. 0og, bei Tieck in Musäus' Straußenfedern 4, 5 afries. ãge, ags. éage, engl. eye, anord. auga, man brauche das Geld um aufeuwichsen und b schwed. õga, dän. 5iec, got. augo n. Für ur- er wichste auf, bis das G'eld alle war; schon verwandt hält man gewöhnlich abulg. oo n, bei Kindleben 1781). lit. axis f., arm. aln m., lat. oculus m., gr. aufwiegeln, v.: zur Erhebung gegen öcce(aus éxre) Dual(auch 6baXuéc), aind. jemand vermögen; nach und nach heftig aksi n.«Auge»; den für zu erwartendes a in aufregen. Wiegeln ist eine Ableitung von got. augo eingetretenen Diphthong au pflegt wegen(s. wügen) und bedeutet eig.«in Be- man durch Anlehnung an ausô n. Ohr» zu wegung bringen'; mhd. kommt einmal ein erklären. Doch befriedigt dies nicht, und intr. wiegelon«wanken,- vor, vgl. auch ahd. die Gleichung ist daher besser aufzugeben. kewigilit«instruity. Das Wort erscheint am Erklärungsversuche bei Osthoff Btr. 8, 362; Anfang des 16. Jh. und zwar zuerst in der Stokes KZ. 45, 151 f., Zupitza Germ. Gutt. 79 Kanzleisprache(aufooigler Reichsordnungen(stellen es tadellos zu ir. aag f.«Höhle, Grab 148 v. J. 1529, aufibigeln bei Liliencron 4, aus gaã), Uhlenbeck Got. WB. S. v.(zu 579, Mathesius Luther 49 b, verzeichnet bei aind. öhat«wahrnehmen, beachten, ebenfalls Maaler 1561), vgl. auch die Adj. aufivegig möglich), Hirt Btr. 22, 231(au gr. rν) (Franck Chr. 26 b, Aventin), aufioegisch auf- u. a. Eine Entscheidung ist nicht zu treffen, rührerisch». Gleichbedeutend mit aufiwiegeln doch sollte man sich von dem Wahn los- erscheint im 16. u. 17. Jh. auch aufiwickeln. machen, daß auge zu lat. oculus gehören aufwiegen, s. aufwägen. muß. Das Wort flektiert im Mhd. schwach, aufziehen, v.: 1) trans. in die Höhe doch im Sg. mit den Nebenformen Gen. ouges, ziehen, mhd. Ofziehen, ahd. Afziohan; her. Dat. ouge, danach schon älternhd. fast aus- anziehen, bei der Entwicklung leiten, 2. B. schließlich Auges, Auge. Der Pl. bewahrt Kinder(auch mhd.); zum Tanz auffordern die schwache Flexion. 4 B L. äugeln, v.: (16. Jh.); auf etwas ziehen; durch Ziehen freundlich, zärtlich zublicken, mhd. öugeln öffnen; hinziehen, aufhalten(schon mhd. und(als subst. Inf.)«Liebängeln»; trans. das bei Luther);(wohl nach der veralteten Bed. Auge eines Baumes in die aufgeschnittene foltern, eig. durch In die Höhe ziehen, vgl. Rinde eines andern setzen, okulieren»(bei triezen) necken, verspotten(Ayrer 4230, Stieler 1691 eugelen). Nach der 1I. Bed. Opitz 1, 186). 2) intrans. sich erheben, in Augeler, m.: Augendiener(Goethe Reineke der Höhe bewegen, z. B. der Mond zieht auf, 9, 76 nach mnd. ögeler). äugen, v.: blicken, einhergezogen kommen(Opitz Ps. 75). schauen(vom Wilde). Mhd. öugen ist trans. Aufzug, m.(-es, Pl. Aufeüge): das In die«sehen lassen, während mnd. Ogen auch csehen, Höhe ziehen und was dazu dient(mhd. Of. schauen» ist(bei Stieler 1691 auseugen). Vgl. 2uc Vorrichtung zum Aufziehen»); als Grund V auch eigen.-äugig, adj.: Augenhabend in ein-, eines Gewebes beim Weben aufpespanntos sclaware- blau-, triefäugig usw. Z0UOS. 1) mit Garn;(vom Aufziehen des Vorhanges der Aug-: Augapfel, m.: die häutige, das Licht Schaubühne) Hauptabschnitt eines Bühnen- empfangende Kugel im Auge; Liebstes, was stückes, Akt(im 17. Jh. oft im Sinne unseres man sor ältig schützt wie das Auge. Mhd. Auftritt, z. B. bei Harsdörfer Gesprächsp. 2, ougapfel, ahd. ougaphul, auch bloß aphael m.; 332. 3, 369, Andr. Gryphius); feierliches Auf. dazu ndl. oogappel, ags. éagappel m., engl. treten von Personen in einer Schauhandlung] eyeapple. Augbraue, punkt, s. Augen- 113 Auge Auktion 114 braue, Augenpunkt. 2) mit Augen-: Augen- arzt, m.: in Vokabularen des 15. Jh. Oug- arzet, augenarczt Diefenbach nov. gl. 270². Augenblick, m.: Blick der Augen; Kleinste, einem Blick der Augen gleiche Zeitdauer. Mhd. ougenblic m., im 12. Jh. noch ougön blich, also Zusammensetzung mit dem Gen. Pl. ahd. ougöno. Davon das genetivische Adv. augenblicks, frühnhd., und das Adj. augen- blicklich, mhd. ougenblicklich neben ougen- blickic. Augenbraue, Augenbraune, f. (beide Formen bei Goethe), selten Augen- brane f.(Herder krit. Wälder 1, 176), Augen- braun n.(Schiller Räuber 4, 3) und Augen- bran n.(Herder Humanität 6, 54), auch in älterer Zusammensetzung Augbraue, Aug- braune f. und Augbraun n.(alle drei Formen bei Goethe, die letzte Naturw. Schr. 1, XVI): Haarstreifen quer über den Augen. Mhd. ougebrã, ouchrã, ahd. ouchrã f.; dagegen anord. augabrän f.(s. Braue). Spätmhd. er- scheint auch ougenbrä und in frühnhd. Glos- saren neben aug-, augenbraa(mit Antreten des n der obliquen Kasus) oug-, ougenbrähen, hbrän,-brauwen, worauf die spätern Formen Aug-, Augenbraune,-brane f., Aug-, Augen- braun,-bran n. beruhen. Stieler 1691 führt auch Augenbrame f. an, was später z. B. Gesner gebraucht, aber schon 1615 bei Al- bertinus Landstörzer 379 Augenbräm(Ver- mischung mit Brame«Rand», s. d.). Bei Luther erscheint im Pl. die augbrün(Hiob 3, 9), an den Augbrunen(3. Mos. 14, 9). Augendiener, m.: Schmeichler. Frühnhd. (um 1480 Voc. inc. teut. b 2²). Augen- glas, n.: verschärfendes Glas für die Augen, Brille, im 15. Jh. aug-, augenglas n. Augen- licht, n.: Sehkraft;(dichterisch) Auge, im 17. Jh. Augenlid, n.: Augendeckel. Zu- sammenges. mit mhd. lit(Gen. lides), ahd. hlit n.«Deckel», mhd. ougelit n., engl. eyelid. Augenmerk, n., auch m.(bei Goethe): Ziel der Augen(Drollinger 66). Augen- punkt, auch Augpunkt(Goethe 49, 1, 80, schon bei Frisch 1712 verzeichnet), m.: Ziel- punkt des Sehens, Gesichtspunkt. Augen- schein, m.: das Voraugensein, Beschauen (im 15. Jh.). Davon augenscheinlich, adj. und adv.: vor Augen klar(1514 bei Keisers- berg Trostspiegel 87 b ougen scheinlich). Au- genstern, m.: der Sehfleck im Auge. Mhd. ougesterne m. Augentrost, m.: die Pflanze euphrasia, weil die Augen erfreuendes Wie- senblümchen und von heilkräftigem Saft für Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. dieselben. In der 2. Hälfte des 15. Jh.(1471 pei der Hätzlerin und in Vokabularen, z. B. Brack Voc. rer. 48²). Augenweide, f.: was die Augen dauernd anzieht und erfreut. Mhd. ougenweide, selten ougeweide f., eig. «Umherschweifenlassen der Augen», dann Erquickung der Augen». Augenwink, m.: (zunächst s. v. a. Bewegung der Augenwim- pern und danach dann) wie Augenblick als Zeitteil. Im 17. Jh. Dafür mhd. ougenzwanc m. Augenwinkel, m.: Eckpunkt, an dem das obere und untere Augenlid verbunden sind. In Vokabularen des 15. Jh., z. B. 1482 im Voc. theut. c 1b. Augenzahn, m., Be- zeichnung der beiden Hundszähne im obern Kinnbacken, deren Wurzeln nach dem Auge zu gehen. Bei Maaler 1561 Augzdn. Augen- zeuge, m.: wer das zu Bezeugende mit eigenen Augen wahrgenommen hat. Bei Stieler 1691. Augit, m.(-es, Pl.-e): schönglänzender, meist dunkel-lauchgrüner Stein aus dem Kieselgeschlechte. Aus gr. lat. augites m. f., von gr. aorH f.«Licht, Glanzy. 1Auügust, Mannesname. Aus lat. Augustus, dem Beinamen des ersten römischen Kaisers Octavianus seit seiner Alleinherrschaft und nach ihm aller römischen Kaiser. Das Wort ist das als Subst. gesetzte Mask. des lat. Adj. augustus«erhaben, geheiligt» von lat. augére «vermehren, erheben, verherrlichen?. „Augüst, m.(-es): der achte Monat im Jahr. Aus lat. augustus, d. i. mensis Augustus, wie der Monat sextilis nach dem Kaiser Augustus genannt wurde(Suetonius Octav. 31). Der ahd. von Karl d. Gr. eingeführte Name ist aranmanoth m., nhd. Erntemonat. An Stelle der dem Lat. angenäherten Form August findet sich älternhd. Augst, mhd. ougest(und ouwest) m.«Erntemonat, Erntay; ahd. kommt augusto m. vor. Augüste, Frauenname, abgeleitet von dem Mannesnamen August(s. d.), eig. aus lat. augusta, dem Fem. des Adj. augustas cerhaben, geheiligt». Davon das Dem. Augast- chen, gekürzt Gustchen(oberd. Gustel, Schil- ler Wall. Lager 124). Auktion, f.(Pl.-en): Versteigerung. Aus lat. auctio(Gen. auctionis) f.«Vermehrung, Versteigerung von augére vermehren). Schon bei Rot 1571. 48L. auktionieren, v.: versteigern. Im 17. Jh. Aus lat. auctio- näri«auf Mehrgebot ausbieten, versteigern?. Davon Auktionator, m.(-§): Versteigerer aus nlat. auctionãtor m. 8 115 Aurikel Ausdruck 116 Aurikel, f.(Pl.-n): Bergschlüsselblume. Aus lat. oricala f. Ohrchen,(Dem. von lat. auris f. Ohr»), wie man denn die von den Gebirgen der Schweiz und Steiermark stammende Pflanze, nach der Form ihrer Blätter, im Deutschen auch genauer Bären- öhrlein nannte. Im 18. Jh. aufgenommen (1736 bei Brockes 5, 32). aus, 1) adv. und damit auch interj.: von innen her, hervor, her(z. B. von Haus a., von Grund a.); hervor und fort(z. B. ein und a., Trumpf a.); fort, weg(2z. B. a. mit dir!); bis zu Ende, zu Ende(das Theater, das Stück ist a.). Dies Adv. steht in Ver- bindung mit andern Adv. wie hinaus, durch- aus, garaus und mit Subst. und Verben, wo es als erstes Wort den Ton hat. In der ver- balen Zusammensetzung bezeichnet a. auch die Beendigung einer Tätigkeit, z. B. aus- bläühen, austoben, ausarbeiten, eine anhaltende, zum Ziel kommende Tätigkeit, z. B. aus- dauern, ausreichen, daslachen, autsbilden, aus- prägen, sowie die Beseitigung des Objekts durch die Tätigkeit, z. B. ausblasen, aus- füllen, uslöschen, auszwischen. 2) Präp. mit Dat.: von innen hervor, von— her(im Ge- danken an das Innere); entnommen(2. B. einer a. dem Volke); hervorgegangen oder veranlaßt durch—(a. Gottes Befehl, bei Luther;. Kummer, a. Not). Mit Ubergang von z in s(älternhd. auch auß) aus mhd. ahd. dz adv. und(ahd. noch selten) präp.; dazu asächs. 5t adv., mnd. ät auch präp., ndl. t präp., ags. anord. ũt adv. cher-, hin- aus, außen, außerhalby, engl. out adv., schwed. ut adv. u. präp., dän. ud adv. u. präp., got. ät adv. Im präp. Gebrauch hat mhd. 3 das ahd. ar, ir, got. us verdrängt(s. er-); früher erscheint es zur Verstärkung vor an- dern Praäp., z. B. got. öt as, ags. ãt of, ahd. n fon. Verwandt ist vielleicht aind. 2⁴ als Verbalpartikel«in die Höhe, heraus», air. ud-, od- Verbalpräfix. ausbaden, v.: fertig baden. Redensart etwwas a.: unfreiwillig abbüßen, eig. wohl s. V. a.«das Bad austrageny, was dem letzten, der im Bad betroffen wurde, zufiel. Das Gleichnis ist schon im 15. Jh. geläufig, vgl. Hermann v. Sachsenheim Mörin 660 ich hoff es sol im wwerden laid e man das bad werd giessen uß, 4170 ich vorcht zuo Jangst es bring in pin, so man das bad usgiessen werd. ausbeißen, v.: durch Beißen wegschaffen, mhd. 5bizen; durch Beißen vertreiben, z. B. ein Huhn aus dem Korbe;(bildlich) durch Gehässigkeit verdrüngen(schon bei Luther). Ausbeute, f.:(ehedem z. B. Richt. 5, 29) dem Feind im Krieg Abgenommenes;(im Gegensatz zu Einbuße) Gewinst als Ertrag wovon, namentlich bergmünnischer(Auspeute 1556 bei Agricola de re metallica, Außbeute 1562 bei Mathesius Sar. 2). Ausbruch, m.(-es, Pl. Ausbrüche): ge- waltsames Hervor- und Durchdringen, mhd. ſabruch m.; vorzüglichster Wein, nämlich aus Beeren, die als die reifsten und besten vor den übrigen an den Stöcken ausgebrochen wurden(urspr. vom Ungarwein zu Anfang des 18. Jh., Brockes 5, 117). Ausbund, m.(-es, Pl.-e): das Muster, Höchste, Ausgesuchteste seiner Art, eig. das zur Probe, zum Muster für den Käufer her- ausgebundene Schaustück an einer Ware als das vorzüglichste Stück derselben. Frühnhd. (bei Keisersberg und Luther). Mhd. kommt dafür iiberbunt m. vor. 4BL. ausbündig, adj. und adv.: musterhaft, höchst(außbuündig Städtechron. 3, 171 vom J. 1488). Ausbürger, m.(-s, Pl. wie Sg.): wer an anderm Orte wohnt, als wo er erworbenes Bürgerrecht hat. Spätmhd. ußburger m. Ausdauer, f.: die Fähigkeit, eine An- strengung usw. auszuhalten. Junge Bildung, noch nicht bei Campe 1807, deren sich Goethe 1809 bedient. Von ausdauern. Ausdruck, m.(Des, Pl. Ausdrücke): dem Innern entsprechende bestimmte äußere Ge- staltung; bestimmte wörtliche Bezeichnung. Mhd.(bei Mystikern) äztruc m., das aber später unüblich wird; erst Ludwig 1716 ver- zeichnet wieder A. neben Ausdruchung(letz- teres schon bei Luther, aber spätmhd. n3- drüchunge«Ausdünstung»).— ausdrücken, v.: herausdrücken, mhd. azdrüchen; drücken bis das Innere völlig heraus ist, z. B. eine Zitrone; aufdrückend, äußerlich gestalten (mhd. vereinzelt); dem Innern entsprechend bestimmt oder doch erkennbar äußern, be- sonders s. v. a. bestimmt erkennbar, wört- lich bezeichnen(frühnhd. z. B. 1501 im Voc. opt. k 5 dußdrucken«exprimere, manifes- tare» und bei Luther). Alternhd. erscheint dafür auch ausdrucken(noch bei Goethe 2, 160 usw. und bei Campe 1807), jetzt nur noch in der Bed.«fertig drucken» oder«im Druck abnutzen». S. drucken. 4BL. aus- drücklich, adj. und adv.: bestimmt und entschieden. Frühnhd.(1514 bei Keisersberg 117 ausecken ausgeben 118 außtrücklich, ußtrucklich, 1482 im Voc. theut. c 22 ausgetrucklich). ausdrueksvoll, adj. und adv., Verdeutschung von franz. expressi† aus dem Ende des 18. Jh.(vgl. Gombert 7, 9). ausecken, v.: alle Ecken wovon ermessen d. i. untersuchen oder ausarbeiten; sorgsam (bis ins einzelnste) untersuchen oder über- denken. Im 15. Jh.(Eyb 1, 82). auseinander, ein die Trennung des einen vom andern bezeichnendes, aus aus ein ander statt ein aus dem andern, also mit vorge- rückter Präp. zusammengeschobenes Adv., das päufig in der Zusammensetzung mit Subst. oder Verben erscheint. auserlesen, v.: mit genauer Prüfung aus- wählen, mhd. üzerlesen. Davon das Part. Prät. qaüserlesen und auserlésen, auch s. v. a. ganz vorzüglich, mhd. nʒerlesen. Die Vor- silbe aus- ist hier untrennbar, z. B. ich das- erlese. Ebenso auserkiesen(im Präs. ver- altet), mhd. uzerkiesen nur im Part. Prät. nzerkoren, zauserkoren, auserwählt, vorzüg- lich»; ausersehen(bei Duez 1642); aus- erwühlen, mhd. 7zerweln usw. Dagegen in aaserzählen«bis zu Ende erzühlen» ist aus- trennbar, z. B. ich erzähle aas. ausfallen, v.: 1) intrans. aus einem Innern herausfallen, mhd. zvallen; wegfallen, unter- pleiben; einen Angriff nach außen machen; mit Worten empfindlich angreifen(bei Campe 1807); geraten, ausschlagen(bei Ludwig 1716), eig. von dem Herausgehen des Züngleins der Wage nach der einen oder andern Seite(8. Ausschlag). 2) trans. durch Fallen beschä- digen oder entfernen(auch schon mhd). 4 BL. ausfällig, adj.(nach der 4. Bed. von aus- fallen). Neue Bildung(Freytag Journ. 3). ausfenstern, v.: tüchtig ausschelten. Eig. mit Scheltworten abfertigen und zwar urspr. den nachts unter dem Kammerfenster eines Mädchens um Erhörung flehenden Liebhaber. S. fenstern. Erst bei Adelung 1793 verzeichnet, aber schon vorher in der Umgangssprache (Schelmufsky 90, Gottsched, Lessing 7, 289). ausfertigen, v.: zur Ausgabe, öffentlichen Verbreitung fertig machen, z. B. eine Schrift, eine Urkunde. Spätmhd. Qzvertigen cent- senden⸗, vgl. abfertigen. ausfilzen, v.: mit Filz besetzen oder aus- stopfen;(dann da bei den Hutmachern filzen «Filz walken,, auch bildlich) derb ausschelten, gleichsam mit Scheltworten völlig bearbeiten (schon bei Luther). ausfindig, adj. u. adv.: durch Nach- und Aufsuchen erkannt(besonders in der Redens- art etwwas a. machen). Richtiger ausfündig geschrieben(so noch Adelung 1793), 1482 im Voc. theut. c 22 ausfundig machen diffnire:, abgeleitet von älternhd. Ausfund m.«durch Nachforschen gemachte Erfindung». Ausflucht, f.(Pl. Ausflüchte):(veraltet) Flucht aus einem Orte(im 15. Jh. ußflucht); heimlicher Ausgang zur Entfernung;(ehedem im Rechte) Wenden an ein höheres Gericht um Recht zu suchen; Vorwand zur Verteidi- gung(schon um 1500 in der Kanzleisprache, z. B. Janssen Frankf. Reichskorr. 2, 625). Ausflug, m.(-es, Pl. Ausflüge): das erste Fliegen aus dem Neste, dann überhaupt aus einem Orte, mhd. dzvluc m.; kleine Reise von einem Ort aus. In letzter Bed. hat Adelung, auch Goethe 34, 1, 413 und schon 1731 Schnabel Insel Felsenburg 1, 7. 46 Ausflucht f. ausfolgen, s. verausfolgen. Ausfuhr, f.: das Verfahren aus einem Ort anderswohin, der Export. Bei Rädlein 1711; daneben(noch bei Adelung 1793) auch Ausfuhre. Von aasführen in der Bed. caus einem Orte führen», mhd. dzvüeren, ahd. uzfuoran. Ndl. uitvoer m. ausführlich, adj. und adv.: über alle Teile des Ganzen sich verbreitend. Frühnhd. (um 1480 im Noc. inc. teut. b 33 cusfurlich adivertilis). Von asführen in der Bed.«bis“ zu Ende führen. Ausgabe, f.(Pl.-q): das Von sich weg- geben an jemand;(im Gegensatz zu Ein- nahme) Betrag des Geldes, das man, ohne es wieder zu empfangen, von sich gibt, spät- mhd. Az9äbe f.; das Ausgegebene und so Aus- gahe eines Buches, insofern dieses als in be- stimmter Zahl von Abdrücken erschienen, zum Verkaufe geboten wird, vgl. Auf lage. ausgattern, v.: heimlich ausspähen, urspr. durch ein Gatter. Einsächs.-thür. Wort, bei Räd- lein 1711 verzeichnet, dann bei Weiße Jagd, 2, Lessing Nathan 1, 5 u. a. Vgl. ergattern. ausgeben, v.: von sich weg, aus seiner Gewalt geben, fortgeben, mhd. Sz9eben, ahd. azgeban; eine Tochter verheiraten(1. Mos. 29, 26);(eine Schrift, ein Buch) durch den Druck zum Verkauf bringen;(im Gegensatz zu empfangen) selbsttätig von sich geben, produzieren(Goethe 28, 208);(jemand, etwwas wofür a.) eine Bestimmung davon geben, deren Zuverlässigkeit nicht gesichert erscheint, (schon bei Luther). Refl. sich a.: durch 8* 119 Ausgeburt Ausland 120 Geben des Geldes sich von diesem entblößen (Lessing 1, 514, Goethe 36, 175). Intr. als in natürlicher Weise hervorgehenden Gewinst von sich geben(1697 bei Ettner unwürd. Doctor 5), z. B. das Mehl gibt gut(viel Brot) aus. Oberd., von Dentzler 1709 verzeichneter Ausdruck, nach Adelung 1793 nur im ge- meinen Leben einiger Gegenden. Davon das Adj. ausgiebig(bei Adelung 1793). Ausgeburt, f.(Pl.-en): Erzeugnis, Pro- dukt von etwas, namentlich im übeln Sinn. Bei Adelung 1793. Ausgedinge, n.(-s, Pl. wie Sg.): das von einem abgehenden Wirt ausbedungene Alten- teil(s. d.). Erst bei Campe 1807. ausgelassen, Part. Prät. von auslassen als Adj.: lebhaften Empfindungen unein- geschränkt hingegeben, eig. jedem Zwang entrückt, freigelassen(urspr. vom Vieh, das aus dem Stall auf die Weide gelassen ist, 1561 bei Maaler ausgelassen awerden laxari a vinculis»). Schon im 16. Jh.(Kirehhof Wend. 3335). ausgenommen, adj., dann präp. mit Akk. und adv.: nicht mitbegriffen. à. duß, wWenn, wo erscheinen als Konjunktionen. Mhd. d3. genomen ist zunächst Part. Prät. von d3 nemen, dann nach dem Vorbilde von mlat. exceplo, frz. eceplé, im 15. Jh. Partikel und zwar Präp. mit Akk., welchen Kasus bereits cusnehmen erfordert, oder auch starre Par- tikel, auf die jeder andre Kasus folgen kann. ausgepicht, s. pichen. ausgiebig, s. ausgeben. Ausgleich, m.(-es, Pl.-e): Vergleichung, Vereinbarung. Ganz junge Bildung von das- Reichen,«gleichmachen», eig. durch eine nach außen gehende Tätigkeit(bei Stieler 1691, der daneben auch eingleichen hat). ausgrätschen(Goethe[Egmont] 8, 246): auswärts spreizen. S. grütschen. aushalten, v.: bis zu Ende durchmachen (bei Luther); ausdauern; ausstehen, ertragen; Unterhalt gewähren, mhd. azhalten«ver- pflegenv. aushändigen, v.: aus der Hand geben, übergeben. Kanzleiwort, 1645 bei Zesen adr. Ros. 19. Vgl. einhändigen. ausheben, v.: durch Bewegung in die Höhe aus seiner Lage bringen(bei Luther); ausnehmen, z. B. ein Nest;(Soldaten) als geeignet zum Kriegsdienst auswuhlen(bei Adelung 1774); auswählen und vorbringen (J. Paul Plegelj. 1, 72). Intr. sich heben (vom Hammer der Schlaguhr). Mhd. nur refl. sich uzheben«sich aufmachen.» aushecken, v.: brütend aus den Eiern schlüpfen machen(so 1482 außhecken im Voc. theut. 2 b); dann überhaupt zahlreiche Junge zeugend sich fortpflanzen(Jes. 34, 15);(nach dem Sitzen des Vogels über den Eiern bild- lich) darüber heimlich sinnend hervorbringen (Stieler 1691). ausholen, v.: durch weithin reichenden Schwung oderweites Ausstrecken führen, z. B. die Axt(5. Mos. 19, 5), einen Schlag usw.; (eine Person, Gedanken) durch Herauslocken ausforschen(Sir. 13, 14). Mhd. O3holn ist causwählen. aushunzen, v.: jemand mit Worten be- handeln, daß nichts Gutes an ihm bleibt (Lessing 12, 47). S. hanzen. Auskehricht, n.(*s): das Hinausgekehrte. Frühnhd.(1482 im Voc. theut. c 2 b auſkerecht «Feilspäne, Hammerschlags). S. Kehricht. ausklauben, v.: mit den Fingern müh- sam auslesen(mhd. ã3 iben), auch bildlich (im 15. Jh., Fastnachtsp. 988, 17). S. Xlauben. auskneifen, v.: sich heimlich davon(hin- aus) machen(eig. indem man den Körper zu- sammenpreßt, um nicht gesehen zu werden, vgl. sich drücken), nd. Ethnipen. In der neuern Umgangssprache(urspr. wohl studentisch). auskommen, v.: aus einem Innern heraus- kommen, mhd. Somen, ahd. Agueman; sich nach außen verbreiten, z. B. von Feuer, einem Gerücht(auch schon mhd.); bekannt werden: bis zu Ende kommen,(mit Geldmitteln) reichen (Schon frühnhd.);(mit einem a.) mit ihm fertig werden, sich vertragen(frühnhd.). Dazu der subst. Inf. Auskommen, n.(nach der 4. und 5. Bed. von a.) und auskömmlich, adj.: ausreichend(von Adelung 1774 als obd. Wort angeführt, früher duskommenlich). auskratzen, v.: durch Kratzen austilgen, mhd. Azkratzen;(in der neuern Umgangs- sprache) rasch weglaufen, eig. mit scharrenden Füßen(bei Campe 1807), vgl. abkrratzen. Auskunft, f. Weg und Raum zum Heraus- kommen aus etwas, Ausweg(Goethe Götz 2); Bescheid, um sich in einer Sache zurechtzu- finden(bei Adelung 1774). 4 L. Auskunftei, f.: Auskunftsamt. In neuerer Zeit gebildet. Ausland, n.(-es): Land außerhalb der Heimat. Erst nach 1750 aufgekommen(2z. B. bei Klopstock Oden 272, Goekingk 1, 186); nach Adelung 1793 zwar im Ober- und Nieder- deutschen üblich, aber dem Hochd. fremd, 121 Auslaut ausputzen 122 dagegen von Heynatz 1796 empfohlen(mhd.] Schafe ausgesondert werden, nämlich von der azlant n. ist«außerhalb der Gemarkung ge- Kennzeichnung durch einen farbigen Strich, legenes Guty, mnd. Etland n.«Land außerhalb auf bayr. Schafe merken d. h. zeichnen, wozu des Deichs).— Ausländer, m.: Fremder, merzen die Iterativform wäre, verkürzt aus aus der Fremde stammender, spätmhd. dz. merkzen, wie blitzen aus blickæen, schmatzen lender m. ausländisch, adj., spätmhd. dz- aus schmackzen, vgl. auch engl. mark ouf lendisch. causmerzen). Auslaut, m.(-es): der Schlußlaut eines ausmitteln, v.: durch Mittel ausfindig Wortes. Wie Anlaut(s. d.) grammatischer machen, ermitteln. Bei Adelung 1774 als Kunstausdruck Jacob Grimms. oberd. verzeichnet, auch in der Bed.«aus- auslegen, v.: aus einem Orte nach vornen sondern». legen, mhd. ſalegen; aus zum Verkaufe legen ausmustern, v.: bei sorgfültiger Prüfung (auch schon mhd.); zum Verständnis bringen auswählen; bei sorgfältiger Prüfung ausschei- (mhd. nach lat. erponére); für einen andern den. Namtl. militärisches Wort. Frühnhd.(in bezahlen gegen Wiedererstattung(bei Ludwig der 1. Bed. schon 1507 bei Lilieneron 3, 8). 1716, älternhd. ist M. überhaupt s. v. a.«aus- ¹ geben, bezahlen», so schon 1501 im Voc. opt. R 4 b außgelecht cexpensus», auch mnd. At- leggen, die jetzige Bed. hat sich aus für einen a. entwickelt; dazu das Subst. Auslage f.: ausnehmen hers L des I ausgelegtes Geld(Gombert 7, 10 mit Beleg„ V.: heraus nehmen; des In- neruahſerüerardeienzanweien un dide nenvendumnwrnrtneneen eingegrabene Vertiefungen ausfüllen(im 15. Jh. ahlen: all 4; cheid und ahnnen eänrten eadenh, ee Anwenanen nni'enena, dnalen zen ausmachen, v.: zu Ende bringen, tertig,’ 1 1„ vollständig maehen mhd. izmachen(daher ahd. zneman cherausnehmen, ausscheiden und das Part. Prät. ausgemacht cvollkommen)); absonderny. Refl. sich a.: sich auszeichnen, zur Entscheidung bringen, namentlich durch sich b 2 borxortretenden Wigenahaft aa Kampf;(es mit einem a, später auch einem, Len(dai, Iemen v. workülwer— aus einen a.) an Vern— minge 2 Gei Luther dem Heere Wraustrbten um voraneilend sich vgl. Garaus); tüchtig ausschelten ühnhd..* nSch Tun 4, 411); durch deluen n fest- im Kampfe auszuzeichneny, Rolandsl. 209, 10, stellen(bei Stieler 1691); ergänzend zustande Parz. 72, 29);(abßesehnacht) üperhaud t edioh .; zeig Q“ erausbringen(Goethe an Knebel 369). e.. Den. 2. auemerrannerin bndzateenr, aemehneneen acetrnheaer machen. Frühnhd.(z. B. Hug Schapler 48)..„ 0T Vgl. Liebich Btr. 23, 223. S. mergeln. züglich. Seit der 1. Hälfte des 18. Jh. üblich, ausmerzen, v.:(urspr.) unter der Schaf- nach Adelung besonders in Obersachsen(2. B. herde als untauglich ausscheiden(1562 bei bei Liscow 144, Gellert 4, 288); von Dornblüth Mathesius Sar. 1532 außmertzen); dann über- S. 89 als Erfindung der Zeitungsschreiber be- haupt als untauglich ausscheiden und aus- kämpft. S. ausgenomumen. tilgen, vornehmlich Worte. Wohl von dem ausposaunen, V.: laut verkündigen, eig. Monat März, in dem die schwachen und die mit Posaunenschall(nach Matth. 6, 2). Bei zur Zucht untauglichen Schafe ausgeschieden Steinbach 1734. werden(vgl. bei Frisch Merzschaf als un- ausputzen, v. von allem, was hinweg muß, tauglich ausgeschiedenes Schaf»). So findet gründlich reinigen; mit Schmuck, Flitterstaat sich auch z. B. im Spanischen marzear(im ein völlig glänzendes Aussehen geben(So bei März, span. marzo m.) die«Schafe schereny. Luther); in wahren oder falschen Glanz setzen Dieser Erklärung steht jedoch entgegen, daß(die Unꝛwissenheit a. bei Goethe 23, 303); was das Ausmerzen der Schafe hauptsächlich im sich nicht gebührt, derb verweisen zu gründ- Herbst geschieht; deshalb verweist Neubauer licher Unterlassung(bei Keisersberg Bilg. 141 (Ztschr. d. Ver. f. Volkskunde 1903, S. 100), mit Dat. im ußbützen). 4 BL. Ausputzer, m.: von der Art und Weise ausgehend, wie die derber Verweis. Bei Henisch 1616 Außbatzer. S. mustern. Ausnahme, f.(Pl.-n); das Ausscheiden und Absondern; Ausgeschiedenes und Abge- sondertes. Bei Krämer 1678 Ausnahm. 123 ausrangieren ausschweifend 124 ausrangieren, v.: jemand, etwas aus der Ordnung ausscheiden. Das Part. Prät. aus- rangiert«ausgemustert⸗. Rangieren aus franz. ranger«ordneny. In der neuern Sprache. Ausrede, f.(Pl.-n): Rede, um sich aus einer Verlegenheit zu ziehen, Ausflucht. Bei Luther 7, 310 Weim. ausreißen, v.: 1) trans. durch gewalt- sames Ziehen aus seiner Lage bringen, mhd. dzrizen. 2) intrans. ausbrechen(frühnhd., z. B. 1501 im Voc. opt. K 2 b außreissen cerum- pere?); davonlaufen(bei Luther). 4 BI. Aus- reißer, m.: der davonlauft, flichtiger Soldat (Wallhausen Corp. mil. 131). ausreiten, v.: 1) intrans. anderswohin oder fortreiten, mhd. qzriten. 2) trans.(ein Pferd) ins Freie reiten; bis zu Ende reiten(Schiller Rätsel 15); mit Reiten auf der Tenne aus- treten machen, z. B. Hafer. ausreuten, v.: bis in die Wurzel weg- arbeiten und tilgen. Mhd. ſzriuten. S. reuten. Dasselbe bedeutet(mit md. ndd. d=) aus- roden, das aber nie abstrakt verwendet wird. Mhd. in md. Quelle ãzroden, mnd. troden, im 16. Jh. noch nicht bei Hochdeutschen, aber im 17. Jh. schriftsprachlich geworden und bei Stieler 1691 verzeichnet. S. roden. Dagegen ausrotten:(jetzt nur abstrakt) mit Gewalt völlig tilgen. Frühnhd. ausrutten(um 1480 im Voc. inc. teut. b 3 b au⁵utten ceradicare»), ausrotten(bei Luther) auch ausroden». aus- roden und ausrotten haben ausreuten allmählich zurückgedrüngt, Heynatz 1796 weist letzteres nur der edlern Schreibart zu; noch Dornblüth 1755 S. 64 wollte es nur allein gelten lassen. ausrichten, v.: durchaus gerade machen (Spätmhd. dzrihten aschlichten, in Ordnung bringen);(eine Geldschuld u. dgl.) berichtigen, bezahlen(mhd. und bei Luther); abfertigen (bei Keisersberg);(spätmhd.«loben, rühmen⸗, daher ironisch) verspotten, heruntermachen (schon spätmhd.); ausführen, ins Werk setzen, vollbringen(mhd. und bei Luther, mit subst. Objekt jetzt beschränkt, z. B. ein Mahl);(ab- geschwächt) als Auftrag bestellen(bei Ade- lung 1774). 4 BL. ausrichtig, adj.: gewandt auszurichten oder etwas zu verrichten(z. B. 1. Kön. 11, 28), anstellig. Mhd. Azrihtec. ausroden, rotten, s. ausreuten. Aussatz, m.(-es): im Spiele zu Gewinn oder Verlust gesetztes Geld; ansteckender Haut- ausschlag. In der 2. Bed. um 1300 Azsalz m. f.(Renner 21419), im 14. Jh. auch A3Ʒsekze f, gebildet von dem subst. Adj. in schwacher Form mhd. igsetze(auch A3setzel), ahd. N3sazo, d3sa3zeo m.: der mit dem Aussatz Behaftete, urspr. der wegen dieser ansteckenden ekel- haften Krankheit von den andern Menschen Abgesonderte, an einem besondern Ort Aus- gesetzte, weshalb ein solcher auch bezeich- nend mhd. sundersiech hieß und in dem vom Ort abgesondert erbauten siechhis«Haus für die Aussätzigen» leben mußte. Aussatz(bei dem später nicht mehr an aussetzen gedacht, wurde) verdrängte ältere Benennungen: mhd. miselsuht, ahd. misalsuht f., ahd. hruf m. und hriobsuht f., got. Prutsfill n. eig.«Verdruß- fell, Hautbeschwerde». 4 BL. aussätzig, adj. und adv.: mit Aussatz behaftet. Mhd. dasetzic, gebildet von zsetze. aussaugen, v. mit starker und schwacher Flexion und in bildlicher Anwendung schon im 16. Jh.(1557 bei Sleidanus übers. v. Stanller 26³). Ausschlag, m.(res, Pl. Ausschläge): was nach außen kommt; junger Baumschöß- ling; aus dem Körper herauskommende Haut- unreinigkeit(dafür bei Maaler 1561 auß- schlecht); Herausgehen des Züngleins der Wage infolge der schwerern Belastung einer Wagschale(schon im 15. Jh. großen oder cleinen ußschlag geben, s. Diefenbach-Wülcker 132, auch Luther gebraucht Ausschlag mit Bez. auf das Zünglein der Wage, ebenso ausschlahen);(danach bildlich) Entscheidung (im 16. Jh. 2. B. bei Maaler 1561, wie auch in dieser Zeit ausschlahen als«geraten, eine Wendung nehmen» vorkommt); Ergebnis, Ende(Opitz 2, 20). Aussehnitt, m.(-es, Pl.-e): das Aus- schneiden und Ausgeschnittenes; ellenweiser Verkauf gewebter Ware(Reichsordnungen 175 5 v. J. 1530), zu spätmhd. aufßsnden cellen- weise abschneiden und verkaufeny, davon Ausschnitter m.: Schnittwarenhändler,(da- für im 15. Jh. bei Beheim 16, 31 auseschnei- der des gewants). Ausschuß, m.(Gen. Ausschusses, Pl. Ausschüsse): das als vorzüglich oder minder- wertig Ausgeschiedene(in letzter Bed. bei Krämer 1678); eine Anzahl ausgewüählter Personen(schon im 15. Jh., Basler Chron. 1, 72 ußschutz). Zu ausschießen in der Bed.«aussondern»(spätmhd. von minderwer- tigen Geldstücken), eig. cherauswerfen», mhd. zschliezen. ausschweifend, Adj. eig. Part. Präs. von ausschweifen(s. schweifen): über die Grenzen 125 aussehen aussetzen 126 der Sitt- und Schicklichkeit hinausgehend, eig. unhäuslich umher schweifend(bei Maaler 1561, dafür im 15. Jh. ußschaweifig, älternhd. außschavweiffig); zu weit gehend, übertrieben. aussehen, v.: 1) trans. u. refl. mit den Augen auswühlen, ausersehen; durch Sehen verderben. 2) intrans. hinausblicken, mhd. qzsehen; sich in einer bestimmten äußeren Gestalt den Augen(übertragen dem Ver- stande) zeigen(bei Schönsleder 1618). Dazu der subst. Inf. Aussehen, n.(bei Duez 1642). S. Aussicht. außen, adv.: von dem Raume, der als innerer bezeichnet oder gedacht wird, hinweg. Aus mhd. dzen, ahd. zana, dzän; adv. und auch präp. in der Bed.«außerhalb, ohne», mit der Endung-ana von dz(s. us) ab- geleitet. Dazu asächs. ötan adv., ags. Mltan, 5ton adv. und präp., anord. Ftan adv. und präp., got. Mtana adv. und präp. Näl. hat sich das Wort mit vorgesetztem be- in dem Adv. und der Präp. buiten«außen, außer» erhalten.. erscheint in Zusammensetzungen wie Außending n., Außenseite f., Außenwwelt f. (Withof Acad. Ged. 1, 178 vom J. 1745), und mit Verben wie außenbleiben(Goethe 12, 90. 50, 256, jetzt gewöhnlicher ausbleiben), außenlassen, mhd. zen lägen(jetzt aus- lassen), außensein, mhd. Azen Sin. außer, präp. mit Dat.(mit Gen. nur in außer Landes, schon mhd. ũer landes): nicht in, sondern vor oder weg von—. Aus gleich- bed. mhd. ũzer, ahd. Mzar; dazu asächs. tar, afries. ater. Abgeleitet von((s. aus). Hier- her auch a. sich sein«vor Aufregung seiner nicht mächtig sein»(bei Ludwig 1716). a. wird auch als Konj. verwandt s. v. a. Kaus- genommen» und mit andern Konjunktionen verbunden: a. daß, a. wenn. außerdem, adv. und Konj., zusammenge- rücktes außer dem«mit Ausschluß davon nochy. äußere, adj.: außen befindlich(Gegensatz zu innere); das Ausland angehend, z. B. die äãußern Angelegenheiten. Aus mhd.(ohne Umlaut, der erst im 15. Jh. hervortritt, bei Luther eussere) lzere, ahd. ſzaro. Dazu der Superl. äußerste: entferntest(so daß räum- lich nichts weiter ist); dem Grade nach über alles gehend; mhd. dzereste, ahd. Azarösto. äußerst, als Adv.: in dem Grade, daß nichts darüber geht(bei Lessing 1, 20. 22); dasselbe bed. das adverbialische aufs dußerste(bei Krämer 1678); 2u äußerst, adv.: am ent- legensten Ende(bei Aler 1727). außerhalb, adv. u. präp. mit Gen., seltner Dat.: vor, an, auf der äußern Seite. Aus mhd. Kzerhalp, Präp. mit Gen. und Dat., ahd. (bei Notker) dzerhalb, auch getrennt Azara, deerun halb. äußerlich, Adj. und Adv.: bloß das Außere angehend, bloß im Kußern. Mhd.(früher ohne Umlaut) dzerlich«körperlich(im Gegen- satz zu geistig), außer der Ordnung, uner- laubt, fremdy. äußern, v.:(eig. außer sich geben, dann) zu erkennen geben, besonders mit Worten (erst bei Nieremberger 1753 verzeichnet, wohl aus der nordd. Kanzleisprache). Vgl. mnd. atern chinaustreiben, veräußern, herausfor- dern, äußern, dartun», engl. utter«äußern, entdecken, veräußern». Refl. sich a.:(ver- altet) von sich abtun(Philipp. 2, 7 sich eus- sern), sich wessen enthalten, spätmhd.(selten) sich Azern(auch schon sich eussern), neben sich üzenen,«sich entäußern, sich enthalten, sich entfernen»; zum Vorschein kommen(bei Ludwig 1716); mit Worten deutlich werden (bei Adelung 1774). Mnd. sik ätern ist«sich zeigen, versichern, sich entäußern, enthalteny. 4BL. Außerung f.(nach der 2. u. 3. Bed. von sich äußern). Bei Adelung, aber schon im 14. Jh. alemann. Izrige f. Kußerung, Redes und md. Azerunge f.«Entfernung, Ausweisungy, bei Luther eußerung«Lossagung, Trennungy. außerordentlich, adj. und adv.: außer der abgeschlossenen Ordnung und über die- selbe hinausgehend; über das, was Regel und Gewohnheit ist, sich erhebend. Bei Stieler 169. Außerung, s. dtßern. außerwärts, adv.: auswärts(Goethe an Frau v. Stein 3, 140). Schon 1540 bei Al- berus Dict. kk 3 b ausserwerts, mit genet.-S gebildet von mhd. Azerwert causwärtig, äußerlich. aussetzen, v.: von einem Orte nach außerhalb setzen, mhd. zsetzen;(Töchter) ausstatten und weggeben(Richt. 12, 9, schon mhd.); ans Land setzen;(ein Kind) ins Freie setzen und hilflos zurücklassen; preisgeben, bloßstellen; zu einem Zweck bestimmen, 2z. B. einen Preis oder anderes von Geldes- wert(älternhd. ist a. überhaupt«bestim- men); tadeln, rügen(bei Rädlein 1711), vgl. ausstellen; unterbrechen, ausfallen lassen(bei Ludwig 1716). Intrans. stocken;(bei Aus- führungen) von einem Punkte ausgehen (bei Lessing, Goethe). 127 Aussicht Ausweis 128 Aussicht, f.(Pl.-en): Blick nach außen; was vor Augen liegt; als bevorstehend zu Erwartendes. Um 1700 aufgekommen(bei Dentzler 1709 und Ludwig 1716 erwähnt.) aussöhnen, s. versöhnen. ausspintisieren, v.: durch Nachgrübeln ausfindig machen, nachgrübelnd herausbrin- gen. 1551 bei Scheidt Grobianus 4366 ufß- spuntesieren. S. spintisieren. aussprengen, v.: nach außen springen machen;(Gerüchte) überallhin verbreiten (schon bei Luther). ausstaffieren, v.: mit Zutaten versehen. Mnd. ãtstofferen, auch hd. schon am Ende des 16. Jh., bei Duez 1664. S. Staffieren. ausstaken, v.: ein mit Lehm zu ver- klebendes Fach vorher mit kurzen Stangen verbinden. Bei Adelung und Heynatz 1796 als niedersächs. Wort aufgeführt. S. Staken. Ausstand, s. ausstehen. ausstatten, v.: mit dem versehen, was dazu taugt oder gehört;(zur Heirat) als Vermögen geben, um den neuen Hausstand zu gründen. Zu statten. 1640 bei Comenius 593. ausstechen, v.: durch Stechen heraus- nehmen oder entfernen, mhd. zstechen; von seinem Platze verdrängen, um die früher inne- gehabte Stellung bringen, eig. beim Turnier mit der Lanze vom Pferde stechen(bei Krämer 1678). ausstehen, v.: 1) intrans. außerhalb sein, namentlich von Geldforderungen, die noch nicht eingegangen sind(vgl. spätmhd. 13- stant m. causständiges Geld); außerhalb des Dienstes sich befinden(dazu Ausstand m.: Entfernung vom Dienst», das Adelung und Heynatz 1796 nur als obd. Wort kennen, vor einigen Jahren nebst dem Adj. ausständig von Süddeutschland aus allgemein üblich geworden); öffentlich zur Schau stehen, sich öffentlich zeigen. 2) trans. aushalten, er- tragen(bei Luther). ausstellen, v.: nach einem Orte außer- halb stellen(frühnhd.); ausfertigen, z. B. eine Urkunde(bei Stieler 1691); zur Schau stel- len; der allgemeinen Beurteilung aussetzen; auf etwas hinweisend tadeln(dies nach Ade- lung, Heynatz 1796 und selbst Campe 1807 nur obd. Wort, doch bei Schiller Picc. 1, 4, jetzt allgemein). Aussteuer, f.: Mitgabe bei Verheiratung zu eigener selbständiger Einrichtung; über- haupt Mitgabe. Bei Ludwig 1716 Aussteur. Von aussteuern, v.: stiuren. S. Steuer. Auster, f.(Pl.-/): eßbare Seemuschel. Mhd.(bei Megenberg) öster, ahd. aostar(in aostarscala f.). Aus lat. ostrea f. und ostreum n.«Meerschnecke, Muschel», auf dem gleich- bed. gr. äcrpeov n. beruhend. Im Nhd. hält sich die Form Oster bis um die Mitte des 17. Jh.(z. B. noch bei Harsdörfer Gespr. 3, 4, Schupp 1, 302), daneben kommt im 16. Jh. nach ndl. oester m. die Form VUster auf(z. B. Fischart Garg. 393), auf der dann wieder das um 1600 auftretende Auster be- ruht(bei Hulsius Schiffarten 14, 29, auch bei Henisch verzeichnet). Austrag, m.(-es): Schlichtung einer Sache, wodurch diese zu Ende kommt, mhd. nztrac m; Schlußurteil, dem Folge gegeben wird;(mit dem Pl. Austräge, woraus der mlat. Pl. aaestregae) schiedsrichterliche Ent- scheidung, aber auch Schiedsmann, der einen Streit zu Güte oder Recht beendigt(Goethe Tasso 2, 4); ausbedungene Nutznießung(wie Auszug), daher Austrägler m.: Auszügler, Altsitzer. Von jenem aastregae die barba- risch-deutschen Wörter Austrägalgericht n.«Gericht zur Schlichtung der Streitig- keiten deutscher Fürsten⸗; Austrägalin- stanz f.«Anrufung selbstgewählter(Aus- tragungs-) Gerichtey. auswärts, adv.: nach außen hin; über den Grenzen dessen, was als das Innere an- gesehen wird; nach außen gekehrt, z. B. a. gehen. Mit angetretenem genetiv.-s für mhd. ahd. Azwert. Dies a. zuweilen als Adj. ver- wendet(z. B. bei Goethe Naturw. Schr. 7, 62, nach auswürtser Richtung).— auswärtig, adj.: außerhalb befindlich, mhd. 3:wertic, ahd. Uzwerlig. Ausweg, m.(-es, Pl.=e): nach außen führender Weg; Rettungsmittel. Mnd. Et- Wwech m. nach außen führender Wegy(bei Maaler 1561 ist außiwdg s. v. a. Abweg»), hd. seit Rädlein 1711(auch in der 2. Bed.) ver- zeichnet. ausweiden, v.: die Eingeweide heraus- nehmen. Frühnhd.(1501 im Voc. opt. K 4 auiweiden«exinterare?). S. Wweiden. Ausweis, m.(Gen. Ausweises, Pl. Aus- Wweise): deutliche Anzeige; schriftliche Aus- kunft über eine Person. In der Kanzlei- sprache(vgl. Gombert 7, 10 v. J. 1619) von auseisen gebildet, wie gleichbed. mhd. 73- zwistenge f. ausrüsten, mhd.- 129 auswendig 1 Auto- 130 auswendig, adj.: nach außen gekehrt; auf der Außenseite befindlich, äußerlich. Mhd. azwendec, worin oendec zu wende f., nhd. Wende(s. d.). Davon das Adv. a., cauf der Außenseite; aus dem Gedächtnisy. Diese Bed. erscheint frühnhd. in der Verbindung mit lernen(Murner Geuchm. 53), können(Luther) oder sagen(Maaler 1561). Ahd. entsprechend nzana«außen»(Otfrid1, 1, 109 3ana gisingan). auswerfen, v.: aus etwas(einem Innern) herauswerfen, sei dies durch Tätigkeit von außen(so z. B. vom Ausnehmen der Ein- geweide bei Wild) oder von innen, mhd. nzwerfen, ahd. Aauerphan; verwerfend aus- scheiden oder ausstoßen;(Geld) zu einem Zweck bestimmen, aussetzen(im 17. Jh.); intr.(vom Perpendikel) im Schwung einen weiten Zirkelbogen durchlaufen. auswirken, v.:(bei Handwerkern) durch Arbeit herausbringen oder fertig machen; (Wild) aus der Haut nehmen; erwirken, aus- richten. Mhd. Aauürken. auswischen, v.: durch Wischen besei- tigen; durch Wischen reinigen, mhd. düz- wischen; einen raschen Schlag geben(in einem eins a. eig. ein Auge auswischen?); intrans. davonlaufen, eig. rasch über den Boden dahingleiten(Schiller 1, 351). Auswuchs, m.(-ses, Pl. Austwüchse): krankhaft Herausgewachsenes an Körpern, Bäumen usw., auch bildlich. Für älteres Auswachs um 1750 gebildet. Vgl. Ambuchs. Auswurf, m.(es, Pl. Auszwürfe): die Handlung des Auswerfens(Apostelg. 27, 18); was ausgeworfen wird, spätmhd. au‿ανανντν m. cdas durch den After Ausgeworfenen; als verabscheut ausgestoßener Mensch oder als verabscheut ausgestoßene Menschen. 4 3L. Auswürfling, m.(nach der letzten Bed. von Auszwurf), spätmhd. Auurfelinc m. auszehren, v.: 1) trans. völlig verzehren (frühnhd.). 2) intrans. völlig verzehrt wer- den, erschöpft, im Schwinden begriffen sein; mit dem Verzehren zu Ende sein(Sir. 14, 17). Davon Auszehrung f.: völlige Ver- zehrung(1727 bei Aler); auszehrende Krank- heit, Schwindsucht(1774 bei Adelung). Auszug, m.(-es, Pl. Auszülge): Zug aus einem Orte, Lande usw., mhd. dzeuc m.; was herausgezogen wird, Kraftauszug(Extrakt) wovon, Feinstes, Bestes aus etwas(bei Opitz, Pleming), namentlich Wesentlichstes aus einer Schrift(bei Luther);(veraltet die recht- liche Bed.) Angabe, um sich aus etwas her- weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. auszuziehen(1. Macc. 8, 26), Aus- und Ein- rede, Einwand, Ausflucht(mhd. Azeuc m., lat. exceptio);(jetzt in der Rechtssprache) was beim Abtreten liegenden Gutes, vornehmlich eines Hauses(auf Lebenszeit) ausgenommen und vorbehalten ist(so schon spätmhd.). Davon Auszügler, m.: der diesen Vor- behalt gemacht hat. aut: etwas(Gegensatz naut«nichtsy). Nur in den mundartlichen Redensarten: aut oder naut(entweder)«etwas oder nichtse(in der Zimmerschen Chronik 1, 48, 31 aeder ut noch, nut); man spricht von naut, es kommt von aut. Vgl. engl. ought or nought. aut geht mit der westmd. Mundarten eignen Verwandlung von iu in à(Später au) zurück auf mhd. iut(für gewöhnliches iht), abgeschwächt aus iuaet, iuavweht, ahd. eowiht, eig. cirgend ein Ding?, ebenso naut auf mhd. nit(für gewöhnliches niht), abgeschwächt aus niuwwet, niuzoeht, ahd. neowiht, eig. cnicht irgend ein Dingy. S. nichf. authentisch, adj. und adv.: echt, glaub- würdig. Nach gr. lat. duthenticus, gr. adbev- rixc cbestimmten Urheber habend, gebildet von gr. abevrnc m.«unumschränkter Herr, Selbstherrschery. Schon im 16. Jh. entlehnt (Fischart Garg. 153). Auto-: erstes Glied vieler Zusammen- setzungen, die in deutscher Form erst seit dem 18. Jh. vorkommen und durchweg der ge- lehrten Sprache angehören. So Autochthone m.(-n, Pl.-n): Ureinwohner(2u gr. Xνν f. «Erde, Land), bei Campe 1813.— Auto- didakt, m.(en, Pl.-en): durch Selbstunter- richt Gebildeter. Aus gr.-mlat. autodidäctus, dem als Subst. gesetzten M. des gr. Adj. ετοdidoxroc«durch sich selbst unterrichtet» (von didoxroc zu didãcxeiv clehrenꝰ).— Auto- graph, n.(-es, Pl.-en): eigenhändige Schrift. Aus gr. Jat. autögraphum, gr. abrérꝓev Ur- schrift), dem als Subst. gesetzten N. des gr. Adj. abrérpaooc«selbst(eigenhändig) ge- schrieben»(zu paqoc von Tpdcety«schrei- ben*). Bei Nehring autographum.— Auto- krat, m.(-en, Pl.-en): Selbstherrscher. Aus franz. autocrat m., gebildet vom gr. Adj. abroxparnc æselbstherrschend»(-xparnc von xpureiv«obherrschen»). Davon Autokratie, f.: Selbstherrschaft. Ausgleichbed. franz. auto- cratie f.(-cratie nach gr.-oτeio f. Herr- schafts).— Automat, m. n.(-en, Pl.-en): sich von selbst bewegende Maschine, Selbst- triebwerk. Aus gleichbed. gr.-lat. austömatum, (gr. adréuorov, dem subst. gesetzten N. des gr. 9 131 Autodafé Adj. oréuaroc«von selbst handelndy. Bei Nehring 1710 Automata Pl.— Automobil, n.(s, Pl.-e): Selbstfahrer, zu lat. mobile N. des Adj. mohilis«beweglich», ganz junge Bildung.— autonom, adj.: selbständig (von gr. võuoc m.«Gesetzo, eig.«sich selbst Gesetze gebend»), bei Nehring 1710 dautonomia. Autodafé, n.(*, Pl. ·s): feierliche Hin- richtung von Ketzern, aus portug. aufo da 7, span. auto de ε d. i. Akte des Glaubens, lat. aclus fidei, ursprünglich nur die öffentliche Verkündigung der durch die Inquisition wegen Ketzerei erlassenen Urteile, dann deren Voll- streckung. Im 18. Jh. Autor, m.(-*J, Pl.-en): Urheber; Ver- anlasser; Verfasser, Schriftsteller. Aus lat. autor, früher auctor m., abgeleitet von augére «vermehren, vergrößern, befördern». Im 16. Jh. üblich(bei Nas, J. Nasen Esel 31 b author), auch bei Rot 1571 verzeichnet. 4 BL. autorisieren, v.: wozu die Macht geben, ermächtigen; gültig machen, gutheißen. 1524 bei Emser(Germania 29, 347) auclorisiren. Wie franz. autoriser aus mlat. duetoriecre, bekräftigen. Autorität, f.(Pl.-en): das persönliche gewichtige Ansehen; anerkannte Glaubwürdigkeit; bewährendes Zeugnis; ge- walthabende Behörde. Aus lat. auctoritas(Gen. utoritätis) f.«Gültigkeit, Gewühr, fördern- der Einflußy. Schon im 15. Jh. autforitet(Voc. ex quo) und auctoritet(1461 bei Nicl. v. Wyle 121, 3), mhd. auctoriteit f. Autorschaft, f.: Urheber-, Schriftstellerschaft. Erst bei Ade- lung 1774. autsch! derberes au! bei körperlichem Schmerze. Bei Alberus(Barfüßer Eulen- spiegel Nr. 558) ausch! Maaler 1561 kennt utsch als Spottwort, Frisius 52 b(1541) als Klageruf eines betrübten Weibes. auweh! Interj. des lebhaften, tiefen Klage- rufes. Aus mhd. lαανς, Nebenform von ꝛ (8. au). Das jüdische auweih! geht auf mhd. Ou⁴αν, b?, zurück. avancieren, v.: vorwärts kommen, na- mentlich in der Berufsstellung; vorwärts rücken. Aus franz. avancer« vorwürtskommen, vorwärts bringen», gebildet von avant«vor- Azur ¹³ wärtsy, das auf lat. ah ante beruht. 1617 im teutschen Michel als modisches Fremdwort. Aversion, f.(Pl.-en): Abneigung, Wider- wille. Aus dem gleichbed. franz. aversion f., das auf lat. aversio(Gen. aversionis) f. be- ruht, von avertere cab-, wegwenden». Im 17. Jh. entlehnt(1670 bei Leibniz 1, 225, Guhrauer). Avis, m. u.(Gen. Avises, Pl. Awise): An- zeige, Bericht, Meldung. Aus franz. awis, ital. auuiso m.«Ansicht, Gutachten, Meldun go, abgeleitet von altital. viso«Meinung, Ansichty, aus lat. ad«an, zuy und bisum Neutr. des Part. Perf. Pass. von widére«sehen». 1664 bei Duez 1, 562 Awis, 1, 471 b die avisen oder getruckte zeitunge. 4BL. avisieren, v.: anzeigen, benachrichtigen, aus franz. aviser, ital. auvisare. 1565 avisirn(Notariat und teutsche Rhetoric 16). Aviso, m.(s, Pl.*s): Eilschiff zur Mit- teilung wichtiger Nachrichten. 1712 bei Hübner Avis Jagd(d. i. Jacht), leichtes Postschiffy, ital. barca d'aviso. Axiom, n.(-s, Pl.-e): keines Beweises bedürftiger Satz, unbezweifelter Lehrsatz. Aus dem gleichbed. gr.-lat. axionα, gr. dEiwuα n., cunbezweifelter Lehrsatz», aber eig. Würde, «Ansehen», dann«xDafürhalten», von gr. dEiobv «würdigen, nachvoraufgegangener Würdigung anerkenneny. Im 17. Jh. entlehnt. Axt, f.(Pl. Arte): das aus einem schnei- denden metallenen(eisernen) Keile, mit lüngerm hölzernen Stiele, bestehende Hauwerk- zeug. Mit angetretenem t aus mhd. ackes, dæ, seit dem 13. Jh. auch aæt, ahd. acchas f.; dazu asächs. leus, ndl. aaese, ags. œx, engl. awvν, anord. öx, schwed.„ra, dän. ökse, got. agizi f. Verwandt ist gr. àgivn f.«Axt, Streit- axt und lat. ascia(wohl aus ac-Sscia) f. Zimmeraxt, Maurerkelley. ZUS. Axthelm, n.: Axtstiel, frühnhd., s. 2 Helm. Azur, m.(-s): die himmelblaue Farbe. Aus franz. dæur, span. dæul m., ital. aæzurro adj. mit Abfall eines(als Artikel betrach- teten) aus pers. Lãjpãrd«lasurähnlich», wo- raus arab. Iãzvärd. Im Anfang des 18. Jh. entlehnt, mhd. sagte man lãzur(s. Lasur). 4 BL. azurn, adj.: himmelblau. 133 1 b Bachstelze 134 B b, der zweite Buchstabe des Alphabets. Redensart: wer a sagt(oder gesagt hat), muß duch b sagen«wer einmal etwas anfängt, muß darin, komme auch, was da wolle, fort- fahren»(1716 bei Pistorius thesaur. paroem.). babbeln, v.:(von kleinen Kindern) die ersten Sprechversuche machen; viel und ge- haltlos sprechen. Das Wort geht lautnach- ahmend auf ba ba zurück, womit das früheste Sprechen und Plaudern des Kindes beginnt. Entsprechende Worte sind weit verbreitet, so ndl. babhelen, engl. babble, franz. babiller, ital. babholavre, lat. babulus«Schwätzer». Schon im 16. Jh. in der Form babbeln, bappeln, pappeln vorkommend; Henisch 1616 verzeichnet babelen. Babe, Bäbe, f.(Pl.-/): ein Backwerk. In Obersachsen, Schlesien und Posen ein Asch- kuchen, Gugelhopf, in einer Form gebackener Kuchen mit einem von oben bis unten gehenden Loche. Mhd. bäbe f. ist«Großmutter, altes Weib»(in letzterer Bed. noch bayrisch Bübenf.) und gehört zu slav. poln. baba«Frauꝰ lit. bõba caltes Weib», vgl. ahd. Baba als Eigenname neben dem männlichen Babo. Diese Bedeutung könnte zugrunde liegen, da das Backwerk viel- fach menschliche Formen nachahmt. Viel- leicht aber auch Kinderwort, vgl. schwäb. Babe Broty, schweiz. Babi Gericht aus Brotschnitten und Apfelny. Babusche, f.(gew. im Pl. Babuschen): leichter Hausschuh. Aus franz. babouche f., von türk. babadsch, pers. pãpüsch cleichter Pantoffel zum Gebrauch im Hausey. Bacchant, m.(en, Pl.-en): wüster, sich betrunken umbertreibender Mensch(so bei Rot 1571); wohlgenährter, vom Trinken im Gesichte roter Schwelger;(im 15. bis 17. Jh.) fahrender Schüler, ein nicht mehr zu den untersten Schülern(den Schützen), aber auch noch nicht zu den eigentlichen Studenten gehöriger junger Mensch(in Vokabularen zu Anfang des 15. Jh. bachant, bachante bei Diefenb. 65 b). Aus lat. bacchans, Gen. bac- chantis, Part. Präs. von bacchari«wild um- herschweifen», auch«sich übervoll saufen?, eig.«das Bacchusfest feiern». 4 BL. bacchan- tisch, adj., frühnhd.(bei Luther). Bach, m.(-es, Pl. Bäche): kleines fließendes Wasser. Mhd. bach m.(in md. Quellen auch f.), ahd. bal, m.; dazu asächs. beki, biki, mnd. hekce f., ndl. beek f., ags. becc m., engl. beck, anord. bekkr m., schwed. bäche, dän. bük. Bugge Btr. 13, 171 f. vergleicht gr. umfn f. «Quelley, doch stimmt die Lautverschiebung nicht. Nach Zimmer Z. f. kelt. Phil. 1, 98 zu air. büal(aus bhogläã)«Bachwasser». Von Uhlenbeck Aind. WB. zu russ. bagné, poln. bagno«Sumpfy, aind. bhagnas«gebrochen» gestellt. Am ehesten ist es eine Ableitung zu einem Verbum claufen⸗, das in alg. bezo cich fliehey, lit. bégu«laufey, gr. ꝓeßouai fliehes vorliegt. Das Geschlecht ist bei Luther über- wiegend Mask., seltner z. B. Hiob 6, 15 Fem., bei den mitteld. Schriftstellern des 16. und 17., selbst noch des angehenden 18. Jh. Fem.(noch bei Günther 141 und noch jetzt mundartlich md. und ndd.), während die Grammatiker seit Schottel das Mask. verlangen. Bachauner(auch Bachäüner, obersächs. Bachômer), m.(-s, Pl. wie Sg.): Schwein aus dem Bakonyer Wald im westlichen Ungarn. Bachbunge, f.: Name zweier in Bächen undstill fließenden Wassern wachsenden Ehren- preisarten. Im 14. Jh. bachhange cberulas Diefen- bach 72³, bei Dasypodius 1537 Bachpunge, im 15. Jh. nd. belebunge, woher neulat. becca- bunga, ital. beccabungia f.-bunge wohl wegen der Fruchtknöpfchen, denn mhd. bunge, spätahd. pungo m. ist«Pflanzenknolley; dies Wort ist verwandt mit skr. bahäs(für*bhaha), gr. naxòο(für*οφαα dichts, zu an. bingr«Haufem. Bache, f.(Pl.-n): das wilde Mutterschwein. Weidmännisch. Im Mhd. erscheint hachem., ahd. bahho m.«Speckseite, Schinken»(noch schweiz.- schwäb.-bayr. Bachen m.; aus dem Deutschen stammt afranz. bacon, engl. baον), im 16. Jh. auf das ganze Schwein übertragen(Eber oder Sau, doch zunächst noch als Mask., wie selbst bei Stieler 1691), im 17. Jh. dann auch das Fem. Bache«Mutterschwein»(Harsdörfer Gespräch- spiele 3, 115). Zur Etymologie vgl. 1Backen. 4BL. Bacher, m.(-s, Pl. wie Sg.): zwei- jähriger wilder Eber. Bei Stieler 1691. Bachminze, f.: die Pflanze mentha aqua- tica. Spätahd. hachminza(ZfdWf. 6, 189), 1482 im Nürnberger Voc. theut. pachmintz. Bachstelze, f.(Pl.„): dünn- und hoch- beiniges, an Bächen laufendes Vögelchen 9* 135 Back backen 136 mit langem, wippendem Schwanze, motacilla. Spätmhd. in md. Quellen(Schröers Voc. v. J. 1420 No. 1577) bachstelze(auch 1482 im Nürnberger Voc. theut. y 2 b pachsteltz und 1501 im Leipziger Voc. opt. R 3 5b), früher er- scheint wazzerstelze, ahd. αςαwstelzd f., das auch später im Obd. bleibt(noch von Adelung erwähnt).-Stelze ist eig.«Stelzengängerin» (im 15. Jh. stelz m.«einer der mit einem Holzbein gehen mußy), s. Stelze. Dafür mnd. quek-, qualestert«der Vogel mit dem beweg- lichen Schwanzen(s. queck und Sterz), jetzt nd. wipstert(engl. wagtall). Back, n.(*es, Pl.-e): tiefe, hölzerne Schüssel, in der einer bestimmten Zahl der Schiffsmann- schaft die Speise aufgetragen wird; Vorder- schanze(vorderer innerer Raum) des Schiffes (bei Ludwig 1716 angeführt). In der niederd. Schiffersprache. Nd. back«große tiefe(hnölzerne) Schüssel, Kumpf, Kasten, kastenartiger Be- hälter?; ndl. bakx m. Trog, Mulde, Kastenꝰ, (bei Kilian 22)«Kahn»; engl. back Kufe, niedriges Fahrzeugy; franz. bac« Trog, Bottich, Fährey. Als Grundlage wird spätlat. bacca Wassergefäßy(bei Isidor) angesehen, dessen Herkunft unbekannt ist. Backbord, n.(-es, Pl.-e):(vom Steuer- ruder aus gesehen) die linke Hinterseite des Schiffes(bei Ludwig 1716 angeführt). In der ndd. Schiffersprache. Der Name daher, daß der Steuermann beim Halten des Steuerruders mit der rechten Hand der linken Seite des Schiffes den Rücken(ndd. back, s. Backen 1) zukehrt(die rechte heißt nach dem Steuer- ruder Steuerbord). Über den Ort, an dem das Steuer angebracht ist, vgl. R. Werner Gött. Anz. 1897, 361, Liebich Btr. 23, 224. Bord(s. d.) ist hier Schiffsrand. Entsprechend ndl. bakboord n., woher franz. bãbord m. 1 Backen, m.(-S, Pl. wie Sg.), zuweilen Backe f.(Bürger II. 5, 66): die fleischige Erhöhung zu beiden Seiten des Afters, in Arsch-, Hinterbacken. Mhd. backe in arsbacke m.(das ck ist nicht ndd., sondern erklärt sich aus Assimilation eines*), das mit bache «Spéeckseite, Schinken»(s. Bache) zurückgeht auf ahd. Dach n.«Rücken, Rückseitey(mhd. nicht mehr vorhanden), dazu asächs. bak n., ags. bœν n., engl. back, anord. bak n., schwed. balc m., dän. bag«Rücken». Etymologisch gehört ahd. bach wohl zu air. bacc«Haken, Hacke, Krummstaby, abg. bokä«Seitey, vgl. Zupitza KZ. 36, 234. Eine weitere Anknüpfung bei Persson Wurzelerw. 190. ² Backen, m.(-8, Pl. wie Sg.) und Backe, f. (Pl.-n): Gesichtsfläche zwischen Auge, Nase, Ohr und Hals. Mhd. backe, ahd. bacho, hahho m. Backen», ursprünglich«Kinnladey(häufig zu- sammenges. mhd. iνeεacke,-bache, ahd. Kinni- bahho, dazu asächs. kinnibalco m., ndl. Kinne- bal f.). Mit dem vorigen Wort nicht verwandt; nicht zu lat. bucca f.«Mund, Backey, sondern zu gr. Pœrüäv Kinnbacken»(Hesych), R. Much Zfd W. 2, 283. Im ältern Nhd., auch bei Luther, herrscht das Mask. Backen(früher Backe, Back), daneben dringt vom Ndd. aus das Fem. Backe vor, schon bei Schottel(aber nicht bei Stieler, Ludwig, Frisch, Steinbach); bei Adelung und Heynatz als regelrechte Form. 4 B L. bäckig, adj. in dick-, rotbäckig. ZUS. Backenbart, m., erst bei Adelung 1793; dazu ndl. baleke- baard m. Backenstreich, m., frühnhd.(1482 im Vocab. predic. B 1 5b), dafür mhd. backen- slac m. Backenzahn, älter Backzahn, m.: einer der vier hintersten Zähne auf jeder Seite des Kinnbackens, mhd. backzan,-zant, ahd. bacchozan, dazu ndl. baktand. Backpfeife, f.: Ohrfeige(Immermann Münchh. 1, 203). backen, v.(Prät. huk, häufig backte, Part. gehacken): 1) intrans. durch Hitze(oder Frost) fest aneinanderklebend hart werden, 2) trans. durch Hitze inkurzer Zeit fest und hart machen. Mhd. backen(das ck erklärt sich durch eine Präsens-Verstärkung, wahrscheinlich assimi- liertes n) und bachen, ahd. bacchan und bahhan; dazu ndl. bakken und(der 2. hochd. unver- stärkten Form entsprechend) ags. bacan, engl. balce, anord. schwed. balca, dän. bage und mit Ableitung ndl. bakeren«wͤrmen». Ver- wandt ist gr. Grτſeiv«braten, rösten?, aber kaum lat. focus m. Feuerstatt, Herdy, vgl. Walde s. v. Im äültern Nhd. findet sich in obd. Quellen die Form bachen(noch von He- nisch und selbst von Krämer 1678 neben backen angeführt), backen ist durch Luther herrschend geworden. Das Prät. mhd. Baoch, erbält sich auch im ältern Nhd. als bach; diese Form gibt noch Bödiker als die regelrechte(auch noch bei Heynatz 1775), während sich Gottsched für buuclc, Adelung für bux entscheidet. Das Part. Prät. mhd. gebachen ist im Nhd. dem Präs. an- geglichen worden(schon bei Luther gebacken). Seit dem 18. Jh. kommt auch schwache Flexion vor(namtl. bei dem intrans. backen). 4 BL. Beck, m.(-en, Pl.-en): Bäcker. Nur noch süddeutsch(als Familienname verbreiteter). Mhd. becke, ahd. becko, beccho(in brothbecco). Dafür jetzt Bäcker, m.(-s, Pl. wie Sg.), im 137 Backpfeife Bagger 138 nltern Nhd. Becker. Mhd.(seit dem 12. Jh.) hecker; dazu asächs. bakkeri, ndl. babler, ags. bœcere, engl. baker, anord. bakari, schwed. ba- gare, dän. bager. Davon Bäckerei, f.(1482 im Voc. theut. y 4b peckerey). ZUS. Back- fisch, m.: Fisch zum Backen, aber zu jung zum Absieden; noch unausgewachsenes Mäd- chen(schon 1555 in Bebels facetiae 393, vgl. auch Alberus Fab. 40, 129, wo Backfisch für Baccalaureus gesagt wird). Vgl. Eickhoff ZfdU. 14, 213 f. Backofen, m.: gewölbter Ofen zum Einschieben und Backen von Brot, Kuchen usw., mhd. bachoven, backoven m. Backstein, m.: gebackener künstlicher Stein aus Lehm oder Ton, gebrannter Ziegelstein (Henisch 1616). Backwerk, n.: kleines fei- neres Gebäck, mhd. bacwerc. Backpfeife, eahn, s. Backen 2. Backschich, n.: Trinkgeld, in neuerer Zeit entlehnt aus pers. bachschisch«Geschenk», arab. bachschisch Trinkgeld». Bad, n.(-es, Pl. Bäder): Reinigung des Körpersdurch Hineinsteigen meine Flüssigkeit; diese Flüssigkeit selbst; Ort mit heilkräftigen Quellen und Anlagen zum Baden. Mhd. bat, Gen. bades, ahd. bad n.; dazu asächs. bach, ndl. bad, ags. bœd, engl. bath, anord. bad, schwed.- dän. bad n. Altes to-Partizip zu bäühen(s. d.); verwandt ist abg. banja«Bad», banjali «waschen, baden». Redensart: das Kind mit dem Bade ausschütten«etwas ganz Unbedachtes tun, das Gute mit dem Schlechten verwerfen). Daher der Orts- und Landesname Baden, eig. Dat. Pl., ahd. Badun, urspr. a badun zu den Warmbäderny». Vom Landesnamen abgeleitet das Adj. badisch, wofür auch hadenisch, badnisch; Badner, m.: wer aus Baden ist, auch mit fremder Endung Ba- dénser n. Vgl. ZfdW. 1, 60, 366; 3, 102.— baden, v. Mhd. baden, ahd. badön; dazu ndl. baden, ags. badlian, engl. bathe. 4 BL. Bader, m.(-‧s, Pl. wie Sg.): wessen Geschäft es ist, eine öffentliche Badstube zu halten und (zunächst in dieser) zur Ader zu lassen und zu schröpfen, dann auch Bart und Haare zu scheren. Mhd. badcere, bader; dazu asächs. bathere. ZUS. Badehre, f.: Schamtuch, Schürze beim Baden(Wieland 11, 221, schon bei Dasypodius 1537 Badehr; noch schweia. für«Badehemds). Ehre war in ältrer Zeit Be- nennung eines Schleiers oder Tuches, mit dem man Gesicht(Keisersberg Postill 3, 464) oder andre Teile des Leibes(Dasypodius 318°) sitt- Besuch eines Badeorts. Erst bei Campe 1807, mhd. dafür badevart, älternhd. Badenfart. Badestube, f.: mhd. badestuhe f., dazu anord. badkstofa f. Bafel, m. nutzloses Gerede; wertloses Zeug, oberd. Md. Babel. Vielleicht zu babbeln(8. d.). baff, s. paff. bäffen, v.: mit schwachem kurzen Tone bellen. Spätmhd. beffen«zanken, schelten, widerbellen», urspr. aber(wie 1541 bei Fri- sius 5792 und 388 b, danach bei Maaler 1561) cbelleny(vom Hund oder Fuchs). Zugrunde liegt die Schallinterj. baff vom bellenden Laute des Hundes, s. paff. Auch ndl. baffen cbelleny, mengl. baffen. 4 BL. häffzen, v. wie bäffen(1541 bei Frisius 5073 bäfptzen). Bagage, f.: Reise-, besonders Heergepäck; (nach dem übelbeleumdeten Heerestroß über- tragen) Gesindel, Pack. Aus franz. hagage, ital. bagaglio m., das auf dem gleichbed. mlat. bagagium n. beruht, von mlat. baga f.«Ka- sten, Sack», prov. bagua, afranz. bague f. Bündel*, span. baga f.«Packseil, Last des Saumtiers»(die vielleicht auf anord. baggi m. Bündel, Tracht, Lasty zurückzuführen sind, s. Johansson KZ. 36, 361, vgl. Pack). Ein um 1600 ganz geläufiges Fremdwort (vgl. Gombert 6, 9), das 1557 bei F. Platter 281 als bagaie, 1617 im Teutschen Michel nr. 33 als Bagaschi und bei Wallhausen Corp. mil. 131 als Bagage erscheint. Bagatelle, f.: nicht zu beachtende Klei- nigkeit. Aus dem gleichbed. franz. hagatelle f., nach ital. bagatella f.«Kleinigkeit, Ta- schenspielerei», was als diminutive Bildung zu roman. haga(s. Bagage) anzusehen ist, also eig.«kleiner Pack», dann«Lumperei, Kleinigkeity. Im 17. Jh. entlehnt(Fischer l, 575, Beleg von 1611. bägern, v.: quälen, plagen(Wieland an Merck 1, 108). Schwäbisch. Vielleicht als Ableitung zu mhd. bägen, ahd. bãgan« streiten, zanken» anzusehen, das Uhlenbeck Btr. 20, 37 zu air. bägim zich streite», skr. bãhaté «drängt, drückt» stellt; oder aus dem Rot- wälschen, wo sich pegern ckrepieren, tot machen»(zu hebr. peger Leichnam) findet (daher schweiz. beigere« plagen), ferner Päger «vergiftete Brocken zum Töten der Hunde?. Bagger, m.(-‧s, Pl. wie Sg.): Werkzeug zum Ausschöpfen und-werfen des Sandes und Schlammes aus einem Wasserbette. Bei Jablonski 1721 und Frisch 1741 Baggert. sam verhüllte. Badereise, f.: Reise zum Von baggern, v.: Sand und Schlamm von 139 bah Bake 140 dem Grund eines Wasserbettes ausschöpfen und werfen. Dies ist das ndd. baggern, ndl, baggeren von ndl. bagger f.«Schlamm auf dem Grunde des Wassersy, unsichrer Her- kunft. Vgl. Franck s. v. bah! Interj. der Geringschätzung und Abweisung(bei Voß). Auch pah?(bei Pla- ten 4, 197). Vgl. franz. bah bähen, v.: in Wärme erweichen; am Feuer gelind rösten. Mhd. bœjen, bœn, ahd. bäjan, bähan, bäen. Dazu Bad(s. d.), viel- leicht zu lat. fovére«wärmen, warmhalten, badeny, also aus*hawé, doch s. Walde s. v. Bahn, f.(Pl.-en): gemachte ebene Fläche zum Fortbewegen auf derselben; Linie, Rich- tung einer Bewegung. Mhd. baue, ban k. und ban m., dazu ndl. baan f., schwed. ban, band, dän. bane(entlehnt). Es gehört vielleicht zu bohnen(s. d.), dann mit der Grundbed. «Glätte, glatte Flächey oder zu einer germ. Wurzel ban«schlagen», ahd. bano«Mördery; dann wäre die Grundbed.«die festgeschlagenes. Luther hat ban, bann; sonst in ältern md. Quellen oft noch die vollere Form Bahne (2z. B. Zesen Helikons L. 7b, Fleming 342, Lohenstein Ibr. 45, Günther 152. 222). AB L bahnen, v.: Bahn machen, zur Bahn ma- chen. Mhd. banen, aber bei Luther benen, behnen, wie auch bei den schlesischen Dich- tern bähnen(noch bei Günther 393, auch 1775 von Heynatz und 1793 von Adelung als obd. noch erwähnt), aber 1642 bei Due⸗ bahmen(so auch bei Gryphius Trauersp. 410). ZUS. Bahnhof m., Bahnwart, Bahn- wärter m. und andre Eisenbahnwörter seit den 30 er Jahren dieses Jh. Bahre, f.(Pl.-n): langes wagerechtes Gestell zum Tragen für zwei oder mehr Personen; besonders ein solches Gestell, den Sarg zum Grabe zu tragen;(daher, aber selten) Sarg, z. B. bei Schiller Räuber 4, 6. Mhd. bäre, ahd. bära f.; dazu ndl. bacr, ags. bꝰre, bã᷑ꝝr f., engl. bier, schwed. bär m., dän. baare; mit abweichendem Vokal anord. Parar Pl.(weitergebildet auch in engl. barrow und ndl. berrie f.)«Bahre»; eine 3. Vokalstufe zeigt pbayr.'schwüb.-alem.-hess. Dére f.(daher franz. biéere). Gehört zu got. bairan, ahd. béran ctragen»(s. gebären), wie lat. feretrun n. Bahrey zu dem entsprechenden ferre« tragen», vgl. die gleichartige Bildung in aind. Dhãräs m. «Bürde, Lasty und auch wohl in lat. féralis adj. eig.«zur Bahre, zum Toten gehörig». Bei Luther bare; sonst im ältern Nhd. oft ohne e (Baar bei Duez, Krmer, Frisch, Bahr bei Lud- wig, Freyer). ZUS. Bahrrecht, n.: Art Got- tesurteil, das darin bestand, daß man, wenn der Totschläger unentdeckt war, alle Ver- dächtigen an die Bahre treten und den Leichnam berühren ließ, indem man glaubte, die Wunde fange bei dem Schuldigen an zu bluten(vgl. Nibelungen 984 fg.). Bahr- tuch, n.: Sarg-, Leichentuch, mhd. bärtuoch. Bai, f.(Pl.-en): weit in die Breite sich ausdehnender Meerbusen;(mhd. beie, jetet veraltet) vorspringendes Fenster an den Zinnen. Zugrunde liegt franz. baie, mit bei- den Bedeutungen, entsprechend ital. baja Bucht, Hafen», altrom.(bei Isidor) baja Bucht, Hafen», wahrscheinlich auf den Orts- namen Bajae zurückgehend, vgl. Schuchardt Btr. 19, 541 ff. Ins Deutsche gekommen aus engl. barν Meerbusen», vermittelt durch das Ndl.(baege«Bucht, Hafen» bei Kilian 29 2). Ndd.-Hochd. erscheint Bay am Ende des 16. Ih. bei Hulsius Schiffahrten 3, 9, daneben früher auch Baye. ZUS. Baisalz(auch Boi- Salz), n.: Meersalz. Nach engl. baysalt, 1546 bei Georg Agricola 484 Baisaltz(im 16. Jh. nd. 50180t). Bajäzzo, m.(-s, Pl.-s): der gemeine Lustigmacher umberziehender Spieler und Gaukler. Aus mailänd. pajaez(Cherubini, voc. milanese-ital. 3, 239 b), entsprechend ital. pagliaccio m.«Hanswurst, Gaukler», eig. «Strohsack», von mailänd. paja, ital. paglia f. «Strohy abgeleitet, das auf lat. palea f.«Spreu⸗ zurückgeht. Bei Campe 1811. Mundartlich, z. B. obersächsisch, Balatz, Baläs m. Bajonétt, n.(es, Pl.-e): Plintenspieß. Aus franz. baionette f., urspr. bayonnette, weil(im 16. Jh.) zu Bayonne in Südfrank- reich erfunden. Noch im 17. Jh. entlehnt. Bake, f.(Pl.-/): sichtbares Schiffer- zeichen zu Anfurt und Hafeneinfahrt oder zur Warnung vor Untiefen. Das ndd. bake f., ndl. bakx f., entlehnt aus fries. haken n., dazu asächs. b5Oan Zeichen?, ags. béacen n. Zeichen», engl. beacon«Bake, Signalfeuer, Leuchtturmy, ahd. boulnlhan, mhd. bouchen n. Zeichen, Signal?(noch jetzt schweiz. pauche, höche m. Bojey), das wohl zu gr. rioꝓραονν cerscheinen lassen, ein Zeichen geben ge- hört. Schon im Anfang des 17. Jh. auch im Hochd.(Wallhausen Corpus mil. S. 107 hat Fewwerbaacken, Stieler 1691 Bahle«pha- rus»). Der Wechsel des Geschlechts erfolgte vom Plur. aus(wie bei Wolke, mhd. wollcen n.) 141 Bakel Balg 142 Bakel, m.(-S, Pl. wie Sg.): Schulstock zur Züchtigung. In der Schulsprache aus lat. baculus m. Stock». Bei Krämer 1678 Backel. baken, v.: schlagen, z. B. Flachs nach dem Dörren, Gerste usw.(Brockes 7, 571). Aus mnd. boken aklopfen, schlageny. Bakkalaureus, m.; Gelehrter des nie- drigsten akademischen Grades. Mit Anleh- nung an laureus«Lorbeer» umgedeutet aus mlat. baccalarius«Ritter, der einem andern untergeordnet ist, Knappe», dann«Inbaber der dem Doktorgrad untergeordneten aka- demischen Würde»(1420 baccalerer Diefenb. 64°, 1482 im Voc. theut. c5 ι baccalari, chalb- meyster der freyn kunst»), woher franz. bachelier«Edelknappe, Bakkalaureus», engl. bachelor«Junggeselle, Bakkalaureus». 4BL. Bakkalaureät, m.(-es, Pl.-e): Würde des Bakkalaureus. 1520 bei Luther christl. Adel L 3²2 Baccalariat. balancieren, v.: das Gleichgewicht hal- ten. Aus dem gleichbed. franz. balancer, von balance f., mailänd. venetianisch span. balanza f.«Wagschale, Gleichgewicht, Schwebes, eig. Wage», mit Ubergang des ursprünglichen i in a(wie denn noch ital. bilancia f. Gleich- gewicht, Wage») hervorgegangen aus dem Akk. Sing. bilancem von lat. bi-lanæ zwei Wagschalen habends. S. auch Bilanz. Balbier, s. Barbier. Balche, s. Belche. bald,(dichterisch wie älternhd. auch) hal- de, adv.(Komp. bälder, Sup. bäldest): ohne Aufenthalt; in kurzer Zeit; in kurzer Ent- fernung; beinahe; ohne Mühe. Gebildet vom Adj. mhd. halt(Gen. baldes) crasch, schnell und(ursprünglicher)«kühn, tapfer, freimü- tig, dreisty, ahd. hat fast nur diese Bedeu- tungen, ebenso asächs. bald; dazu noch ndl. houd(aus*bald) ctrotzig, frech', ags. beald, hald, engl. bold, anord. ballr«kühn, tapfer, frechy, got. halps(im Adv. balpaba ckühn, dreists). Hierher der Name des westgotischen Adelsgeschlechtes der Balthae, d. i. got. bal- Hai und des Gottes anord. Baldy, ahd. Paltar (vgl. ags. bealdor, anord. baldr m.« Fürst»), auch der Eigenname Baldain, mhd. Balde- win, dessen zweiter Teil mhd. wine, ahd. wini«Freund, Geliebter» ist,«kühner, schnel- ler Freund»(im Tierepos der Name des Esels). Verwandt ist nach einigen lit. bältas «weiß», danach als Grundbed. wohl clicht, hell, offen, freimütig» anzunehmen. Vgl. aber Meringer IF. 18, 285, nach dem Verwandt- schaft mit Bild, Bohle, engl. bill usw. vor- liegt und von einer W. bel mit der Bedeu- tung chauen» auszugehen ist. Das Adv. mhd. balde, ahd. baldo bedeutet«ungestüm, keck- lich und schnell, sogleich». 4B L. Bälde f. (in Bälde«sogleich⸗). Der Form nach dem mhd. belde, ahd. bald, got. balpei f.«Kühn- heit, Zuversicht, Dreistigkeity entsprechend, in Wirklichkeit aber Neubildung zu bald (nach Heynatz 1796 nur in obd. Schriften). baldig, adj. Schon 1420(Schröer Voc. 2159) baldig«sich überstürzend, schnelly, als Ersatz des Adj. bald erst in der neuern Sprache üblich, von Adelung 1793 noch beanstandet. Baldachin, m.(-‧s, Pl.-e): Trag-, Thron- himmel. Mhd. baldekin m. ist kostbarer, sei- dener, mit Goldfäden durchwirkter Stoff, Teppich von Baldac, entsprechend mlat. baldakinus, ital. baldacchino. Baldac, ital. Baldãcco, ist aus arab. Bagdãd entstanden, dessen Seidenstoffe berühmt waren. Die nhd. Bed. daraus, daß die Thronhimmel mit sol- chen Seidenstoffen bedeckt waren, sie kommt schon im 14. Jh. vor(s. Diefenbach-Wülcker S. 152), das der ital. Form angenäherte Bal- dachin aber erst im 1. Jh. Baldrian, m.(-S, Pl.-): das Katzen- kraut. Mhd. baldrian, mit Einschiebung eines d aus dem mlat. Namen der Pflanze, vale- riana f., hervorgegangen. Im 15. Jh. finden sich die deutschen Namen katzenkerüt, Katzen- lieb, weil die Katzen dem Wasserbaldrian (valeriana officinalis) des Geruches wegen, der dem des Katzenharns ähnelt, nachgehen. Balduin, s. bald. Balg, m.(-es, Pl. Bälge): aufgeschwellte Fruchthülle; abgestreifte(aber nicht abge- zogene) Tierhaut;(ehedem auch) Menschen- haut,(dann verächtlich, auch als n. mit dem Pl. Bälger) Mensch, besonders unzüchtige schlechte Weibsperson, böses Kind(1564 pei Glaser Gesindteufel E 6 b); schwellendes Geräte zum Windausstoßen. Mhd. balc m. (Pl. belge)«Blumenhülle, Hülse, Haut, schlech- tes Weibsbild», ahd. balg(Pl. belgi) m. cGe- treidehülse, Haut, Blasebalg»; dazu ndl. balg m., ags. bœælg m.«Balgs, engl. bell«Bauch? und bellows Pl.«Blasebalg», anord. belgr m. «Balg»(auch auf Menschen angewandt), schwed.-dän. bälg Balg», got. balgs m.(Pl. halgeis)«Schlauch». Zu dem Verbum ahd. belgan caufschwellen», meist(refl.)«aufge- bracht, zornig sein», wie mhd. ndl. belgen, asäclis. belgan, ags. belgan, anord. Part. Prät. 143 Balge holginn cgeschwollen. Vgl. auch Polster. Verwandt ist lat. follis m.«lederner Schlauch, Blasebalg,, gall. lat. bulga f. lederner Ran- zen?, irisch bolg«Blasebalg», altir. bolgaim eschwelley, preuß. po-halso«fühl?, balsinis Kissen», slov. Blazina Federbett», serb. bla- zina«Kissen, Polstero, aind. barhis n. Opfer- streuy, apa-barhanam n. Decke, Polster. Vgl. Meringer Wiener SB. 144, 6 S. 102. 4 BL. bälgen, v.: den Balg abziehen. Refl. sich hilgen: die Haut oder Hülse von sich ab- gehen lassen. Balge, f.(Pl.-n): Waschkübel. Aus dem Ndd. balje, mnd. ballye, halge«Tonne, Kufe, Schöpfgefäßs», mit ndll. Palie f. Zubery, schwed. Dalja f. Eimery, entlehnt aus franz. haille f.«Kufen, und dies wohl aus bret. Dal dss., vgl. Hatzfeld- Darmsteter. balgen, v.:(veraltet, noch in obd. Mund- arten) zornig reden, zanken. Refl. sich b. cringend und zerrend die Leibeskraft aneinander ver- suchen⸗(bei Luther). Gebildet von dem ilternhd. Balg m.:«Streit, Zank, Handge- menge»(Pleming 112), zu belgen czornig seiny (s. Balg). 4B L. Balger, m.: Zänker, Raufer (bei Fischart Nacht Rap V. 1496). Davon Balgerei, f.(Fischart Garg. 306). bälgen, s. Balg. Balken, m.(-s, Pl. wie Sg.): mittelst der Säge oder Axt bearbeitetes Stück Bauholz, sowie diesem Ahnliches. Mhd. balle, ahd. h&olxo, balcho; dazu asächs. balleo, ndl. halk, fries.ags. halca m., engl. bal und(mit ab- weichender Ablautstufe) anord. bjalki m., schwed. Ljl!le, dän. hjelke m.«Balken». Hier- her auch ags. bolca m. Schiffsgangy, viel- leicht auch Bohle(s. d.). Zu gr. gdxars Holzstamm, Gliedy, lat. sufylämen aus*sup- Adgmen unter das Rad gelegter Balken?, lit. balꝝ éna«Lüngebalken an der Egge“, russ. holozno«großes Brettꝰ, ai. Phaurijäus«Schnitz- bank». Vgl. Walde s. v. und unter faclcio. Im Got. dafür ans m. Die urspr. schwache Flexion ist nhd. der starken gewichen; doch ilternhd. noch Balke(Freyer 263), Ball.. Balkön, m.(s, Pl.-e): erhöhter Balken- Vorsprung am Hause, zu Austritt und Sitz im Freien. Nach ital. balcone, venezianisch und paduanisch wie franz.(entlehnt) balcon m., gebildet aus ahd. balko m.«Balken», mlat. halco(Gen. balconis). Im 17. Jh. entlehnt. „Ball, m.(es): Anschlag der Jagdhunde. Weidmännisch. Spätmhd. hl(Gen. halles) m. Gebelle, Gekläffen, zu Lellen. 1 Ballast „Ball, m.(-es, Pl. Bälle): kugelrunder Körper. Mhd. bal(Gen. Palles), spütahd. Dal (häufiger in arsbelli Pl.«die Hinterbacken, der Hintere»), daneben das schwache M. mhd. balle, ahd. ballo(s. Ballen), aus dem aber bal nicht hervorgegangen ist, das vielmehr nach anord. Löllr m.«Kugel, Hode», schwed. boll, dün. bold«Ball m. als u-Stamm(got. hallus) anzusetzen ist. Verwandt ist noch Bolle(s. d.) und gr. Möc, air. Dall«mem- brum viriley. Weiteres bei Johansson PBr. Btr. 15, 225, Walde s. v. follis. Franz. balle, ital. balla f.«Kugely, ist aus dem Deutschen (ahd. balla f. neben ballo m.) entlehnt. ZUS. Ballspiel, n.: Spiel mit dem Ball. Zu An- fang des 15. Jh. ballespil. Davon Ballspieler, m., 1482 im Voc. theut. palspiler. „Ball, m.(-es, Pl. Bälle): Tanzfest. Schon mhd. vereinzelt für den mit Ballspiel ver- bundenen Reigen(Athis 105, 94), in der jetzigen Bed. im spütern 17. Jh. eingedrungen (Stieler 1691 verzeichnet das Wort als N., als M. wird es z. B. gebraucht von Hagedorn Oden 133). Aus ital. ballo, franz. bal m. Tanz, von ital. Dallare, afranz. Daller«tanzen⸗ Dies ist wahrscheinlich von germ. ball(§. 2Ball) abgeleitet, da im Mittelalter das Ballspiel ein mit Gesang und Tanz verbundenes Spiel war. Andre knüpfen an das in Großgriechenland und Sizilien übliche gr. BaMicetv«tanzen, hüpfen, springen»(von BdMetv«werfen») an. Ballade, f.(Pl.-n): mit lyrischer Emp- findung erzihlendes Gedicht. Aus franz. bal- lade f., das auf prov. halada, ital. pallata f. Tanzlied beruht, dem substantivisch ge- setzten F. des Part. Prät. von ital. Dallare ctanzen»(s. 5Ball!). Nach dieser Bed. bei Fischart Garg. 304. Der jetzige Begriff ist nach dem Vorbilde der englischen und schot- tischen ballads geltend geworden, aus denen Bürger und andre schöpften. Bällast und Balläst, m.(-es): Unter- ladung im Schiffe, damit es im Gleichgewicht bleibe und tiefer gehe; Untaugliches und Uberflüssiges(eig. fiber Bord zu Werfendes). Aus ndd. ndl. ballast m., woher auch engl. hallast, schwed. barlast, dun. haglast m.«Bal- lasty. Die Formen des Schwed. und Dun. bernhen auf einer Ausdeutung des Wortes; harlast(früher auch im Nad.) als«bare, bloße Lasty(im Gegensatz zur eigentlichen Schiffs- ladung) genommen, baglast(bag= ist ndl. bak, schwed. bach.«hinters, vgl. 1Backen) als «Hinterlast, Last hinter oder unter der eigent- —— 144 145 Ballei Balz 146 lichen Ladung. Mhd. sagte man bloß last m. Falls bal- ursprünglich ist, so ist dies zu ndd. ndl. bal-, asüchs. bala-, ags. bealus-, ahd. halu-, got. balwwa-(in Zusammensetzungen) cschlecht zu stellen, also«schlechte, gering- wertige Last»(im Gegensatz zur wertvollen Schiffslast). Hochd. erscheint das Wort schon in frühnhd. Glossaren(im md. Voc. ex quo, auch 1501 im Voc. opt. Aa 3¹), in der Lite- ratur seit Anfang des 17. Jh.(vgl. Hulsius Schiffart 9, 15). Ballei, f.(Pl.-en): ein Ordensbezirk der deutschen Ritter. Mhd. ballie aus mlat. bällia neben balliva, ballivia f.,«Bezirk eines ballévus» d. i. dem Rechtspflege und Verwaltung eines Bezirkes, einer Stadt usw. übertragen ist. Dies hallõvus(franz. hailli, ital. balivo) m. kommt von mlat. bälius m.(d. i. bajulus)«Träger, Geschäftsträger, Vorsteher, Vormundy. Ballen, m.(-s, Pl. wie Sg.): rundlicher an- einander haftender und meist weicher Körper; (mehr mundartlich) Spielball(Goethe 11, 22); rundliche Erhöhung an Hand und Fuß bei Menschen und Tieren; in einem Umschlag zusammengepackte Masse; Maß einer Waren- masse, z. B. ein B. Papier= 200 Buch. Mhd. halle m., ahd. ballo m. und balla f.(daher franz. balle, s. ²Ball!). Die ursprüngliche schwache FPlexion ist im Nhd. der starken mit dem N. Sg. auf-en gewichen. ballen, v.: zu einem Balle machen. Mhd. ballen. Meist refl. sich ballen. Ballett, n.(es, Pl.-e): Schautanz auf der Bühne. Aus ital. baletto m., dem Dim. von hallo m. Tanz, Tanzfest»(s.“ Ball). Im Anfang des 17. Jh. gebraucht, z. B. 1609 bei Gödeke Grundr. ²2, 61, Nr. 17 und bei Weckherlin. ballhornisieren, besser verballhornen v: (eine Schrift) durch vermeintliche Verbesse- rungen verschlechtern, verschlimmbessern. Das Wort kommt von dem Namen eines vom Jahre 1531 an tätigen Buchdruckers zu Lübeck (nach Schuppius Schriften S. 588 zu Soest in Westfalen) Johann Ballhorn, der in einem Abcbuche, das er oft herausgab, mancherlei ungeschickte Veränderungen anzubringen und auf dem Titel beizufügen pflegte«vermehrt und verbesserto,«auctior et correctiors, wes- halb er im 17. Jh. allgemein sprichwörtlich war. ballhornisieren zeigt die undeutsche Endung-iSieren, franz. iser. Ballon(Spr. Ballöng), m.(-s, Pl. ‧s): großer Ball, zum Schlagen usw.; mit Luft gefüllter Ball zum Aufsteigen in die Luft, weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. Luftballon. Aus franz. ballon nach ital. ballone m., dies mit der Vergrößerung ausdrückenden Endsilbe von balla f.(s. 2Ball!). Schon im 16. Jh. ndl. halloen, palloen(Kilian 695 a) und am 1600 auch hochd. z. B. 1616 bei Henisch und 1618 bei Schönsleder D 7²(als Pallon bei Fleming 117). ballotieren, v.: mittelst Stimmkugeln wählen. Aus dem gleichbed. franz. ballotter, von ballotte f. Sstimmkugel⸗, dem Dim. von halle f.«Kugel, Ball». Bei Duez 1664 in der Bed.«Ball spielen), in der jetzigen bei Adelung 1793(schweiz. Id. 4, 1156 Beleg von 1610). Ballspiel, s.*Ball. Balsam, m.(-s, Pl.-e): wohlriechender Saft aus destillierten Olen; Wohlgeruch; linderndes Heilmittel. Mhd. balsame, balsem, ahd. balsamo m., entlehnt aus gr. Jat. balsa- mum, gr. Bäkcahov n. Harz des Balsam- baumesy. Dies stammt aus arab. basnm, balsam Balsamstrauch». Got. balsan n. Balsam» zeigt auffallendes n. 4.L. bal- samen, balsamieren, v., mhd. balsemen, balsamieren. Balsamine, f.: das Springkraut, impatiens noli tangere, das zu einem Wund- palsam dient. Aus nlat. balsamina, das auf gr. Boxcauivn f.«Balsampflanze» beruht. bal- samisch, adj., bei Stieler 1691. baltisch, adj.: die Ostsee betreffend, im 16. Jh. Zu lat.-germ. Baltia(Plinius 4, 13, vgl. Belt). Balustrade, f.(Pl.-/): Brustlehne, Ge- länder. Aus gleichbed. franz. balustrade, ital. balaustrata f., von franz. balustre, ital. ba- laustro m.«Geländersäule», und dies von mlat. balaustium, gr. ßoaucriov«Blüte des wilden Granathaumes», nach der ähnlichen Form auf die Verzierung des Geländers übertragen. Im 18. Jh.(1778 bei Amaranthes ³ 1, 316.) Balz, f., seltener m.: Begattung des größern Federwildes; Ort und Zeit der Begattung. balzen, v.: sich begatten, vom größern Feder- wilde, als Auer-, Birk-, Haselgeflügel, Fasan, Kranich, Schnepfe usw. Daneben Fala, falzen (s. d.). Mhd. erscheint balze m. als Ort, wo das Federwild sich zu begatten pflegt(im Salbuch des Klosters Engelthal in der Wetterau 1340 der Flurname ame hanen baltzen, in einer Gerauer Urkunde v. J. 1355 bei Baur hess. Urk. 1, 425 vf den baltzen). Unsichrer Her- kunft. Die Ableitung von it. balzo«Sprungꝰ, balzare«hüpfeny würe der Bed nach mög- lich, doch wird balzare nie von der Begattung der Vögel gebraucht, auch bleibt dabei die 10 147 Bambus Nebenform Falz unerklärt. der urspr. Bed.«klopfen» zu dem 2. Teil von nld. aanbeld, mnd. anebelt, ambolt«Amboßy zu stellen(Falz zu dem gleichbedeutenden ahd. anafalz, ags. onfilt, engl. anvil). Vgl. ZfdPh. 38, 521. Bambus, m.(Gen. wie Nom. und Bam- busses, Pl. Bambusse): ost- und westindisches Knotenrohr zu Spazierstöcken; der Spazier- stock davon. Aufgenommen zunichst aus ndl. bambhoes m., dazu franz. bamhou, engl. bamboo, span. portug. hamha, aus dem gleich- bed. malayischen bambi. Im 17. Jh. entlehnt (Belege von 1668 und 1686 bei Gombert 6, 10). bammeln, v.: herabhangend hin- und her- schwanken. Dafür auch bambeln(Maaler Müller 1, 165) und pœmpeln(Luther 3, 374 b Jen. und Mathesius Sarepta 732 und 144), das man auf lat. pampinas, mlat. auch pampilzs m. Rebschoß, Rebrankey, älternhd. pampel, bampel m. zurückgeführt hat. Es ist aber wohl eher lautnachahmend neben bimmeln, bummeln, baumeln, vgl. auch himban! Krämer 1678 verzeichnet bammelen neben bonzmelen. bamsen, v.:(das Fell) durchklopfen. Nicht identisch mit wanisen(s. d.), sondern geht auf mhd. bamhas, bams(Germania 23, 308) «dickes, haariges Fell an einem Sattel» zu- rück(Frisch 1, 54⁵). banal, adj.: alltäglich= gemein. Aus franz. banal«der Zwangsgerechtigkeit unter- worfen, jedem zugänglich,(von Reden) ab- gedroscheny, beruhend auf mlat. bannalis cdem Bann unterworfeny, von hannus m., das das deutsche Bann(s. d.) zur Grund- lage hat. Erst um 1800 auftretend(Goethe 29, 85). Banane, f.(Pl.-n): Paradies-, Adams- feige. Aus franz. banane, engl.span.-port. hanana, dem eine afrikanische Benennung zu- grunde liegt. Als Bananas 1595 bei Hulsius Schiffart 1, 24, Bonanas bei Münster Cos- mogr. Asien Kap. 106. Banause, m.(Pl.-en): handwerksmäßig Arbeitender, gemein Denkender. Aus gr. Bvoucoc adj.«handwerksmäßig, gemein». Um 1800 aufgekommen, vgl. Zfd W. 5, 257. A B L. banausisch, adj. Band, m.(-es, Pl. Bände): zusammen- Vielleicht mit zubindender Teil eines Sechriftwerkes; Buch- schale, Einband. (unter ndd. Einfluß, mud. baut m.) und zu- erst bei Duez 1664 verzeichnet. Abgezweigt von Banden. Bandit ²Band, n.(-es), Pl. Bänder und(in der Bed. Fesseln) Bande: was zum Binden dient, Bindungsmittel, eigentlich wie bildlich; Bin- dungsmittel um Glieder des Gefangenen; langes, schmales Gewebe zum Binden. Mhd. bank(Pl. bant und bender, md. bande), ahd. bant n.(Pl. bant und bentir); dazu asächs. band(in höbidhand«Diadem), ndl. band m., afries. Dand n., engl. band, anord. band n., (Pl. bönd), schwed. band n., dän. baand n. Zu binden. Mit andrer Ableitung got. bancdli f., afr. bende f., ags.-engl. bend. Bandage, f.(spr. Bandäsche, Pl.„n): Verband einer Wunde. Aus franz. handage f. von bande f.«Binde, Band, Streif», das auf das deutsche Band zurückgeht. Bei Spe- rander 1728. ¹Bande, f.(Pl.-n): Rand(Einfassung), 2z. B. einer Billardtafel. Aus franz. bande f. (s. Bandage). „Bande, f.(Pl.-n): zu einem Zwecke in Verbindung stehende Personen, mit dem Nebenbegriff des Gemeinen und Schlechten. Im 18. Jh. aus franz. hande f., ital. handa f., hier in der Bed.«Schar», die auf die von«Fahnen- streifen, Fahney zurückgeht(vgl. Fühnlein). Schon langobard.- mlat. bandaum(bei Paulus Diaconus 1, 20 quod vexillum bandum apel- lanl), auf dem deutschen band(nach andern auf got. banduva f.«zeichen», das wohl zu gr. Paivw aus*oavj«scheine, zeigey, ge- hört) beruhend. Im 16. Jh. erscheint(mit Anlehnung an Band) Bände Pl.«Truppen- massen?, bei Henisch 1616 Bande als«fänlin, hande reuters». Vgl. Banner, Panier. Bandelier, n.(*s, Pl.-e): Schulterriemen, Wehrgehenke. Aus franz. handouliere, it. handoliera f., und diese aus span. bandolera f. Am Anfang des 17. Jh. auftretend, z. B. 1616 bei Wallhausen Kriegskunst zu Pferd 38. bändig, adj.: durch das Band, urspr. die Hundekoppel, festgehalten,(Günther 298), mhd. bendec. Jetzt nur noch in unbänclig. 4B L. händigen, v.: durch ein Band zwingen, durch Kraft bemeistern. Bei Henisch 1616. Bandit, m.(-en, Pl.-en): Straßenräuber, Meuchelmörder. Aus ital. bandito m., aus mlat. baunitus«Verbanntery, Part. Praet. von ital. bandire, mlat. bannire«des Landes verweisen», eig. wie mhd. ze banne tuon cin den Bann tun» d. i. vogelfrei erklären. (Andre verbinden bandire mit got. bandoojan «ein Zeichen geben» von banchoa f. Zei- 148 chen», also eig.«ͥdurch Ruf ein Zeichen 149 Bandmesser Bankeisen 150 geben», dann centbieten, vor Gericht laden, verurteilen, bannen»). Es zeigt sich zuerst in der Bed.«Verbannter» in schweizerischen Quellen(schweiz. Id. 4, 1282 mit Beleg von 1517, auch bei Frisius und Maaler verzeichnet), seit Ende des 16. Jh. allgemein. Die Bed. Verbrecher, Straßenräuber» tritt nebenbei hervor(z. B. bei Fischart Binenkorb 230, Zincgref 1, 356) und verdrängt später völlig die ursprüngliche Bed., die sich aber bis ins 18. Jh. erhalten hat. Bandmesser, n.: handbeilartiges Messer zum Behauen der Faßbänder(Reife). Bei Henisch 1616. Bandwurm, m.: ein langer, weißer Ein- geweidewurm mit vielen Gelenken, der die Form eines Bandes hat. Bei Adelung 1774. bang, bange(Komp. bänger, Sup. bängst, auch banger, bangst), adj. und adv.: be- engendes, beklemmendes Gefühl habend. Mhd.(in md. Quellen) bange, aber nur als Adv., aus be-ange, dessen ange das Adv. von enge(s. d.); dazu mnd.-ndl. bange. Auch Luther gebraucht bange nur als Adv., das sich später auch im Obd. ver- breitet. Die schlesischen Dichter verwenden das Wort dann auch als Adj.(wie schon früher im Ndd. üblich), und so wird es schon von Krämer 1678 aufgeführt. 4BL. Bange, f., mhd.(md.) bange m., auch benge, d. i. ahd. bengi f. bangen, v.:«bange machen; bange werden», dies auch unpersönlich mir(mich) bangt. Mhd. bangen in beiden Bedd., später aber verloren gehend und erst durch die neuere Dichtersprache wieder aufgekommen. Ade- lung 1793 kennt nur sich bängen(«in einigen gemeinen Mundarten»), erst Campe 1807 hat bangen. Dies scheint durch Wieland einge- führt, der es im Oberon in der Bed.«zagen) und(nach etwas b.)«sehnsüchtig sein» ver- wendet. Bangigkeit, f., spätmhd.(Bech Germania 18, 260) bangekeit. bänglich, adj. und adv., mhd. bangliche, nur adv. Bangert, m.(-s, Pl.-e); angelegter Obst- baumgarten. Mit UÜbergang des m in n aus mhd. boumgarte m. Vgl. Wingert. Banier, s. Panier. 1Bank, f.(Pl. Bänke): langer erhöhter Sitz(daher die Redensarten: durcCh die B. ohne Unterschied, nämlich der Daraufsitzen- den, schon mhd.; unter der B. liegen, als verachtet(16. Jh.); auf die lange B. schie- ben, im 17. Jh. bei Leibniz Unvorgreifl. Gedanken§ 109, wie uf die langen banck „ iehen u. dgl. bei Keisersberg, 1574 bei Hö- niger Narrenschiff 1132 duff die lange bancke sparen c«auf die Gerichtsbank, die lange Bank- truhe, in der man die Akten verwahrte, zu- rücklegen, den langen Weg Rechtens gehen lasseny, dann clang aufschieben überhaupt»; von der B. fallen, sowohl«mit einer Frauens- person ein uneheliches Kind zeugen», als auch «unehelich geboren werden? s. Bankert, die Bankk hier im Gegensatz zum Ehebett; sich hinziehende seichte Sandstelle im Meer; Tisch oder Gestell zu gewerblichen Zwecken (daher die Redensart durch die B. ziehen, eig. durch die Hechelbank, wie durchhecheln clästern), bei Schupp 535); Fleischertisch, das Fleisch zum Verkauf auszulegen(daher die Redensart zur B. hauen cöffentlich zer- hauen, nichts Gutes an jemand lassen, bei Luther); Brustwehr eines Walles(spätmhd.), daher über B. schießen, wenn keine Schieß- scharten in der Brustwehr sind(1757 in Eggers Kriegslex. 1, 216). Mhd. banc m. und f. (Pl. benke), ahd. banch m.(Pl. benchi); dazu asächs. Dank, ndl. hank, afries. benc, ags. benc f., engl. bench, anord. bekher m., dän. bänkc. Das M. ist noch jetzt im Schwäb.-Alem. üblich (darnach Mörike 2, 222). Dunkler Herkunft, vielleicht mit der Grundbed.«Erhöhung» zu anord. babci, schwed. backe, dän. batce m. «Hügel» zu stellen. Vgl. aber NMeringer Wiener SB. 144, 6, 97. 2Bank, f.(Pl. Banken): öffentliche Kasse für den Geldverkehr; das Gebäude dieser Kasse; der Spieltisch und das ausgesetzte Geld des Spielhalters im öffentlichen Geldwagespiel. Aus ital. banca(daraus franz. banque f.), das auf das deutsche Bank(vgl. mhd. wehsel- banc m. Tisch des Wechslers», in gleicher Bed. auch bloß banc m., schweiz. Id. 4, 1383 von 1409) zurückgeht. Bei Henisch 1616. Da- neben wurde auch ital. banco m. entlehnt in der Bed.«Wechselbank, öffentliche Geldnieder- lagey, dann auch«Münzfußy, nach dem bei der Geldbank gerechnet wird(daher hamburgisch Mark Banko). Banco Banky noch im Schelmufsky 61 und bei Ludwig 1716. Bankbruch, m., eine von Campe 1795 vorgeschlagene Verdeutschung von Banle- rott(s. d.). Das abgeleitete Adj. bank- brüchig wird schon im 16. Jh. bei Fischart Garg. 78 gebraucht. Bankeisen, n.: Eisen zur Befestigung einer Bank, dann auch eines Gestelles, Schrankes usw. an die Wand. 1741 bei Frisch. 10* 151 Bänkelsänger Bänkelsänger, m.(-s, Pl. wie Sg.): wandernder Sänger oder Dichter, der zur Belustigung vom Bänkel aus dem Stegreif singt oder dichtet. Bänkel ist mundartliches (südd. oder ost-md.) Dim. von Bank. Nach ital. cantambanco d. i. canta im banco«sing auf der Banklo Wohl im 17. Jh. gebildet, da nach Gombert 7, 11 schon 1709 Bänk- leinsänger in übertragener Bed.(Neukirchs Sammlung 6, 343 die gelehrten Bäncklein- Sänger); Bänkelsänger zuerst 1730 bei Gott- sched crit. Dichtkunst 13. 75. Bankerott, Bankrrott, m.(-es, Pl.-e): öffentlich erklärte Zahlungsunfährigkeit zum Verluste der Gläubiger. Aus ital. banco rotto (rotto aus lat. ruptus cgebrochen») m. oder hanca rotta f., franz. banqueroute f.(daher die Form Bankrutt); der Name deshalb, weil dem zahlungsunfähigen Wechsler auf dem Foro(öffentlichen Gerichtsplatze) sein Wechs- lertisch(Wechselbank) zerbrochen wurde. In der 1. Hälfte des 16. Jh., zunächst in ital. Form(z. B. bei Hans Sachs Fastn. 78, 242 panca rotta, 1533 bei Weller Dichtungen des 16. Jh. 97 banckarotten spilen), eingedrun- gen; Henisch 1616 hat auch Banckerott. Daher bankerott, bankrott, adj.: öffent- lich zahlungsunfähig, 1741 bei Frisch. 4 B T. Bankerottierer, Bankrottierer, m.: wer Bankrott macht. Bei Fischart Garg. 186, während 1562 pei Mathesius Sar. 2242 mit deutscher Endung Panckerotter, 1540 im Edikt Karls V. an die Flanderer a 3* Bancka- otter. Vom V. bankerottieren(1572 bei Fischart Prakt. Großm. 14), woneben mit deutscher Endung 1616 bei Henisch banckerotten. Bankert, m.(-s, Pl.-e): unchliches Kind, eig. auf der Bank(nicht im Ehebett) erzeugtes. Spötmhd. bankart, banchart, dessen-hart von Eigennamen wie Geb-, Reinhart übertragen ist, älternhd. bankart. Vgl. ndl. bankaard. Alternhd. kommt in gleicher Bed. auch Bank- Kind, Bänkling, Bankhein(Lessing 1, 212) vor, vgl. auch mlat. scaninifeg«spuriusy(2u scammnum n. Banky) und Fastnachtssp. 250, 32 mein valter machet mich auf einer penkx. S. Bastard. Bankett, n.(-es, Pl.-): festliches Gast- Aus franz. banguet und dies aus ital. mahl. banchetto m.«Gastmahlꝰ, eig.«Bank- Tisch— Gelage», abgeleitet mit dim. Endung von ital. banco m., auf das deutsche Bank zu- rückgehend. 1495 bancket bei Reuchlin De- mosthenes I. olynth. Rede S. 26 Poland, Banner dann bei Hans Sachs Fastn. 8, 346, Franck Weltb. 131. 4BL. bankettieren, v.: fest- lich schmausen(bancketieren Franck Chr. 85, banckatieren Waldis 4, 96, 59, dafür bei Luther 4, 440 b Jen. und im 15. Jh. bei Ehingen Reisen 27 fg. mit deutscher Endung bancketen). Nach franz. banqueter, ital. ban- chettare. Bankier, m.(-s, Pl.-s): Inhaber einer Bank(s. Bank²), Wechsler. Bei Henisch 1616 als Banckier verzeichnet. Banknote, f.(Pl.-n): schriftlicher, über- all zahlbarer Schein(Note) einer Geld-, Wechselbank, der statt baren Geldes dient. Erst bei Adelung 1774. banko, s. Bank. Bann, m.(-es, Pl.-e): Gebot oder Ver- bot unter Strafandrohung(z. B. der Heerb. Einberufung zum Heeren), sowie diese Strafe selbst(z. B. der Kirchenb. Ausschluß aus der Kirchengemeinschaft»); dem geistlichen oder weltlichen Richter ausschließlich zu- stehende Gerichtsbarkeit(z. B. der Blath. Recht über Leben und Tod), sowie deren Bezirk; abgegrenztes, gehegtes Gebiet;(über- tragen) Zwang, Fessel. Mhd. ban(Gen. hannes), ahd. han m.; dazu asächs. Dan, ndl. ban, afries. bon, ban, ags. bann, engl. bann «Aufgebot, Banny, anord.(entlehnt) bann n. «Verbot, Exkommunikation?, schwed. bann’n., dän. band. Mlat. bannus, bannun. Von ban- nen, v.: den Bann ausüben und mit dem Banne belegen(in allen Bedd. des Subst.). Mhd. bannen(Prät. bien), ahd. bannan; dazu ags. bannan, anord.(entlehnt) banna. Ins Mlat. entlehnt bannire, woraus franz. bannir, wohl auch ital. handire(s. Bandit). Ver- wandt ist anord. hön f.,«Bitte, Gesuchy; man vergleicht noch gr. ꝙnui, dcxu«sprecheny, lat. faãri, fänum, fäbula, arm. ban«Wortꝰ(un in bannan müßte dann Präsenssuffix aus nu-, n*νᷣ— sein). Im Germ. wäre das Wort auf feierliche Aussprüche von priesterlicher oder richterlicher Stelle aus beschränkt. Auch an Zusammenhang mit got. bandava f. Zeichen», wofür ital.-span. Dano m. Aufge- bot, Bann», ital. handire«entbieten, bannen? (s. Bandit) sprechen könnte, lüßt sich den- ken(bannan aus vhandnan). Banner, n.(-s, Pl. wie Sg.): Heerfahne. Spätmhd. banner, aus mhd. baniere f. n., hanier(s. Panier), zurückgehend auf franz. banniéere f., von afranz. ban«Falmey, eig. «Fahnenstreifen, Bande», vgl. 2Bande, ital. 153 Bannmeile Bär 154 bandiera f., span. bandera f., mlat. banderia f. ZUS. Bannerherr, m.: mit fremdem Banner belehnter oder ein eignes Banner zu führen berechtigter hoher Adeliger. Spätmhd. banyrherre vexillifer» Diefenbach Gl. 617 9. Bannmeile, f.: Weichbild(eine Meile große Umgebung) eines Ortes als Gerichts- pezirk; Stadtbezirk, innerhalb dessen kein Fremder Handel oder Gewerbe treiben darf. Mhd. banmile. Danach franz. banlieue f. Bannwald, m.: gehegter Wald, der der freien Benutzung entzogen ist. Frühnhd. (vgl. das mhd. gleichbed. banholz n. und mhd. banwart Forstaufseher, Flurschütze). Banse, f. m.(Pl.-n): weiter Scheunen- raum zur Seite der Tenne. Im 15. Jh. in md. Quellen banse m., später z. B. bei Tscher- ning Ged. Frühling 124 belegt, bei Stieler 1691 aus dem Thüringischen als Bans, Banse m. ver- zeichnet, auch im Nd. vorkommend. Dazu ags. bõs(aus*hans) m.«Krippe», nordengl. boose, anord. bãss(aus*hans) m. Krippe im Kuhstall», schwed. bäs, dän. baas m. «Ständerpfosten im Stall; got. abweichend bansts m.«Scheuney. Vielleicht urspr. Ge- flecht zur Aufnahme von Getreidey und dann zu binden zu stellen(band mit angetretenem Suffix-ta- konnte hansa- ergeben), vgl. franz. banse f. großer Korb». Windisch Idg. Forsch. 3, 76 stellt das Wort zu air. 5bss, bés m.«Gewohnheit, Sittey. Im aind. ist bei Lexikographen bhäsa-«Kuhstall» über- liefert. 4BL. bansen, v.: in die Banse schichten. Bei Stieler 1691. bar(früher gewöhnlich baar), adj.: unbe- deckt; den Blicken frei(z. B. bares Geld vor Augen aufgezähltes»); durch nichts andres ver- deckt, nichts anders als bloß(z. B. bare Er- findung); entblößt, gänzlich benommen(z. B. aller Ehren b. Schiller Tell 2, 2). Das Wort ist in der neuern Dichtersprache hauptsäch- lich durch Wieland(vgl. sein Glossar zum Oberon) wieder aufgekommen, während es älternhd. fast nur in bezug auf Geld gebraucht wird. Mhd. bar(flektiert barer, md. verein- zelt, durch Verwirrung der Schreibung, barzwer), ahd. har(flektiert barér); dazu asächs.(in Zu- sammensetzungen) bar, ndl. baar, ags. bœr, engl. bare, anord. berr, schwed.-dän. Dar. Das r geht auf s zurück(got. ist baza- zu ver- muten); verwandt sind abulg. Dosi, lit. bãsas «barfüßigs, urspr.«nackty, arm. box aus *osltos cnackty. Weiteres bei Walde s. v. fãnum. par, Suffix für Adjektive in der Bed. ctragend, an sich tragend, bringendo, dann auch die Möglichkeit bietend zu—, 2. B. achtbar, danlhar, fruchtbar, kostbar, lastbar. Mhd.—bœre, ahd.-bäri, urspr. ein selb- ständiges Adj., von ahd. beran«tragen»(s. gebären) gebildet, vgl. ai.-Phärin-«bringend. Die Form-bar(dafür älternhd. oft-ber, aber Luther-bar) hat sich unter Einfluß des Adv. mhd.-bäre festgesetzt. Die Endung tritt an Subst. und Verba, kaum an Adjektive an (offenbar geht von mhd. offen n., Kundhar von Kunde aus). Die Bildungen von Verben, wie brauehbar, eßbar, trinbar, zahlhar gehören zum großen Teil erst der neuern Sprache an. 1 Bär, m.(-es, Pl.-e): schwerer Klotz zum Einrammen der Pfähle, Rammklotz. Bei He- nisch 1616(mhd. erscheint ber f.«Schlag, Streich»). Ableitung von mhd. hern«stampfen, schlagenꝰ, ahd. berian«treten, stampfeny(dazu anord. berja«schlagen»), die zu lat. ferire «stoßen, schlagen, hauen» stimmen. ² Bär, m.(-en, Pl.-en): das vierfüßige Raubtier, lat. ursus; dichtbehaarte Raupe(1721 bei Frisch Insekt. 2, 38 Bürenraupe) und deren Schmetterling; die Sternbilder der große und der Kleine Bür, d. i. der große und der kleine Himmelswagen, 1616 bei Henisch Großbär, Nordbür nach griech.-röm. Überlieferung, schon bei Homer Apxroc«Bäry und duosa f. «Wagen⸗ für das größere Sternbild. In urspr. Bed. bei Dasypodius 1537 Bär, bei Luther Beer, mhd. bér(Gen. bern), ahd. bero m.; dazu ndl. beer(Gen. beers), ags. bera, engl. bear, anord. schwed.-dän.(mit ableiten- dem n, urspr. nu-) Ljörn m. Verwandt ist wohl lit. béras cbraun, Grundbed. also «der braune, wie der Bär auch im Tierepos den Namen Brün führt und weiter zu ai. bhallas aus*bharlas Bärs, russ. berlõga«Wild- lager, Bärenlager», vgl. Uhlenbeck Btr. 20, 37. Seit dem 17. Jh. kommt vereinzelt starke Flexion vor(besonders im Sg., Lessing 1, 108 auch Pl. Bäre). Redensart: einen Bären an- hinden, s. anhinden. 4 BL. Bärin, f., mhd. berin, aͤlter birin f. s Bär, m.(-, Pl.-e): Zuchteber. Mhd.- ahd. bêr m.; dazu asächs. bér(in bérszwwin n. Eber»), ndl. beer, ags. bär m., engl. boar Ebery. Vgl. auch longobard. pahir, pair als zweites Wort in einigen Zusammensetzungen. Dunkler Herkunft. 4 Bär, m.(-, Pl.-e): starkgemauerter Querdamm mit scharfem Rücken in oder an 155 Baracke Hießendem Wasser. Wohl nicht entstellt aus Wehr n., sondern eher aus mhd. bar«Riegel, Schrankey(s. Barre). Bei Henisch 1616 neben Barre angeführt(vgl. auch Schmeller 1, 257). Baracke, f.(Pl.-/): Feldhütte der Sol- daten; elendes Gebäude. Aus franz. baradPue f. «Feldlagerhüttey und dies aus ital. baracca f., abgeleitet von provenz.-span.-ital. barra f. «Querstangey». Im 17. Jh. entlehnt. Barbar, m.(-en, Pl.-en): roher, wilder Mensch. Spätmhd. barbar, barber(so auch noch älternhd.) aus gr. Jat. bärbarus«Aus- länder, Fremder?, gr. Bäãpßapoc Nichtgrieche, roher, ungeschliffener Menschy, dem substan- tivisch gebrauchten Mask. des Adj. Bdßapoc cnichtgriechisch». Im 17. und 18. Jh. ist B. in engrer Bed. Bewohner Nordafrikas»(bei Stieler 1691), dafür jetzt Berber(s. Barber- r06). Der Ton lag bis ins 18. Jh.(Uz, Ramler) nach gr. Jat. Vorbild auf der ersten Silbe, dann drang allmählich die französische Betonung auf der zweiten Silbe durch(bei Gellert 1, 139 W.) Dazu der Name Bärbara, volkstümlich Bärhel, Bärbchen. 4 BL. Barbarei, f. Aus lat. barbäria f. Ausland; Ungebildetheit, Roheit⸗. Spümhd. harbarie hat nur die 1. Bed., während 1558 bei Lindener Katzipori Kap. 49 Barbarey im abstrakten Sinne steht. Im 16. bis 18. Jh. in engrer Bed.«das Land der Berbern, Nord- afrika(1530 bei Seb. Franck Cron. d. Türkey L 2 b, 1561 bei Maaler), auchdie Barbaresken, pl.: die Raubstaaten Algier, Tunis und Tripolis (aus dem ital. Adj. barbaresco«berberisch»). barbarisch, adj.; ausländisch(spätmhd.); roh und grausam(1648 bei Kemnitz schwed. Krieg 1, 266 b). Nach gr. lat. barharicus, gr. 8opßapixõc snichtgriechisch, ausländisch, un- gesittet. Barbe, f.(Pl.-n): der Bartfisch aus dem Karpfengeschlecht. Mhd. harbe f.(?), ahd. barbo m. aus dem gleichbed. lat. barbus(Au- sonius Mosella 94. 134) von lat. Darba f.«Barty, denn die Barbe zeichnet sich durch vier Bart- füden aus. Aus jenem lat. Wort auch gleichbed. ital. barbo, barbio, span. barbo m. und franz. harbedu m.(aus dem mlat. Dim. barbellum). bärbeißig, adj.: zänkisch, auffahrend. Nach Adelung 1774 ein Wort des gemeinen Lebens. Wohl nicht zusammengesetzt mit Bär(«bissig wie ein Bär oder wie ein Bürenbeißer(2)), sondern entstellt aus bernbeißig, zu Bern m. Krippen, Nebenform von Barn(s. d.), also eig. vom Pferde gesagt und s. v. a. Krippen- heißer(s. d.). Bardiet 156 Barberroß, n.: Pferd aus der Barbarei (Schiller Jungfr. v. O. 5, 11). Barber ist iden- tisch mit Barbar(s. d.) und geht hier auf die Bewohner der nordafrikanischen Küstenstriche (dafür jetzt Berber). Heynatz 1775 kennt noch das einfache Barbar, Barber(mit Ton auf der 1. Silbe) für«Pferd aus der Barbareiv. Barbier, m.(-s, Pl.-e): Bartscherer. Aus franz. harbier, ital. harbiere m., das auf mlat. barbarius m.(von barba f.«Bart») beruht. Spätmhd. barbierer, das von dem ebenfalls spätmhd. V. barbieren abgeleitet ist, erst älternhd. Barbier. Im älternhd. und noch jetzt mundartlich auch sehr häufig Balbier m. und balbieren v. durch Dissimilation der beiden r. Barch, m.(-es, Pl. Bürche): verschnittenes männliches Schwein. Mhd. barc(Gen. barges) und barch, ahd. barug und barh; dazu udl. harg, ags. bearg und bearh, engl. barroto, anord. börgr m. Im Nhd. schwankt Barch und Barg und außerdem Borch und Borg. Nicht zu lat. porcas. Wie sich slav. brabu «Schöps» oder«geschnittener Eber» dazu ver- hält, ist unklar; beide gehören vielleicht zu einer Wurzel bher«schlagen», lat. ferlre, falls die Bedeutung«verschnittenes Tiery die ur- sprüngliche ist. Barchent, m.(-s, Pl.-e): auf der einen Seite rauhes Baumwollenzeug, dessen Kette Leinen ist. Mhd. barchant, harchent, barchat, haurchet, ursprünglicher barkän, aus mlat. bar- canus, barracandas«Art Zeug aus Kamelshaarem (Camelot), abgeleitet von arab. barrakdn«Art langen schwarzen Gewandes». bardauz,(bei Goethe 36, 112 1. H. Baradlauz) Interj. desschallenden Falles. Lautnachahmend, vgl. ndl. pardoes, perdoes, schwed. hurdas, dän. bardus und weiter zu bauz! gehörig. Bei Lauremberg 2, 693 pardues, bei Grimmels- hausen Vogelnest 1, Kap. 20 pordutz. Khnlich lit. burdingst(Idg. Forsch. 13, 190). Barde, m.(-n, Pl.-n): altkeltischer Dichter und Sänger. Aus kelt.-lat. barcdas, ir.-kymr. bard. Schon im 17. Jh. auch auf deutsche Dichter angewandt(vgl. Schottelius S. 1018 Barden sind die alten Tichtere oder Poeten bey den Teutschen gewesen), seit den 60er Jahren des 18. Jh. besonders durch Klop- stock üblich geworden.“ bärden, s. gebärden. Bardiet, n.(es, Pl.-e): altdeutscher Kriegsgesang. Durch Klopstock(und zwar als M.) mit der«Herrmanns Schlacht»(Ham- 157 Bärenbeißer barmherzig 158 burg u. Bremen 1769), wo zugleich auf dem Titel Ein Bardiet fur die Schaubühne(s. auch daselbst die Anmerkung S. 138), eingeführt (aber fälschlich als«Bardengesang» genom- men), aus germ. lat. barditus m.«Schlacht- gesang der alten Germanen mit dem zur Ver- stärkung des Schalles an den Mund gehaltenen Schilden(Tacitus Germ. 3). Bärenbeißer, m.(-S): Hund besondrer Art zur Bürenhatz. Bei Steinbach 1734. Bärendreck, m.(-és): Lakritzensaft. In der Schweiz, Elsaß, Schwaben usw. Nach der Farbe des Arzneimittels. Frühnhd. Bärenhäuter, m.(-s): fauler Nichtstuer; verächtlicher, fauler Mensch. Schon im An- fang des 16. Jh.(bei Bebel). Der Ausdruck beruht auf der Redensart auf der Bärenhaut liegen(1579 bei Hans v. Schweinichen 2, 14) cein tatloses Leben führen?, eig. von Kriegern, die, die kampflosen Tage auf Fellen hinge- streckt, mit Nichtstun verbringen. Bären- klau, f.: Pflanzenart mit einer Bärenklaue vergleichbaren Blättern oder bärenklauartiger Blüte. Mhd. bernkläuve, mlat.«branca ursinaꝰ. Bärenlappe(Wieland 20, 216), s. Bürlapp. Barett, n.(-es, Pl.-e): schirmlose runde oder eckige Kopfbedeckung bei Geistlichen, Doktoren usw. Im 15. Jh. barete(1469 voc. ex quo), auch birete, biret(1482 voc. theut. 229), aus mlat. barretum, eig. birrettum n., ital. berretta, franz. barrette f.«Mützey, von lat. birrus m., birrum n. Oberkleid, Mantel, Bi- schofskleid. Barfrost, m.: Frost ohne das Land be- deckenden Schnee. 1663 bei Schottel S. 1281 baarfrost. Zu bar. barfuß, adj. und adv.: an den Füßen bloß. Mhd. barvuoz und(mit Ableitungsendung) barvüeze; dazu mndd. barföt, afries. berfot, ags. bœærfot, engl. barefoot, anord. bar fctr. Eine schon altgerman. Zusammensetzung aus bar(s. d.) und dem adjektivisch verwendeten Subst. Fuß, vgl. ahd. einfaozi einfüßigy, fior fuozi cvierfüßig). 4 BL. Barfüßer, m. (—s, Pl. wie Sg.): in bloßen Füßen Gehender; Mönch vom Orden des heil. Franziskus. Von Luther gebraucht, mhd. dafür barviege m., 1482 im Voc. theut. c 62 barfuz m. barfüßig, adj., spätmhd. barviiezic. Barg, s. Barch. barhaupt, adj. und adv.: unbedeckten Kopfes. Spätmhd. barhoubet. Eine Zusammen- setzung, bei der wie in barfuß das Subst. ad- jektivisch steht.. Bariton, m.(-s, Pl.-e): Singstimme zwischen Tenor und Baß, tiefer Tenor, Hoch- baß;(um 1700 erfundene) Art Baßgeige. Aus dem gleichbed. ital. baritono m., dem M. des Adj. baritõno, das auf gr. ßapurovoc«tief, betont»(ßapöc«schwer, tiefy und-rovoc von reiveiy«spannen») beruht. Bei Adelung 1774. Barke, f.(Pl.-/): kleines Wasserfahr- zeug. Mhd. barke f., mit engl. bark und anord. barki m. aus spätlat. barca, barica (Ableitung von griech. Bâpic«Nachen», ent- lehnt aus dem gleichbed. koptisch bari), wo- raus auch ital. barca, franz. barque f. Bärlapp, m.(-s): die Moosart lycopo- dium, deren gelblicher entzündbarer Samen- staub Hexenpulver heißt. In Rößlins Kräu- terbuch 1533 als berlapp, bei Alberus Dict. EEAa als beerlapp verzeichnet. Zusammen- ges. aus Bär und ahd. lappo m. Ruder- schaufel, unterster breiter Ruderteil», eig. «Hand» und hier«vorderste Tatzey. Dem- nach s. v. a.«Vordertatze des Bären nach dem Aussehen der Pflanze, wie diese denn auch Löwenfußz, Drudenfuß und neulat.- copoclium«Wolfsfußy(dän. ulvefod) heift. Bärlatsche, f.(Pl.-n): plumper Filz- schuh. Obersächsischer Ausdruck, von Gel- lert 1, 342 gebraucht. Eig. Latsche«Pan- toffel», den man im Gehen am Boden hin- schleift, wie der Bär seine Tatzen, von latschen(s. d.)«ie Füße beim Gehen am Boden hinschleifen. Barlaufen, s. Barre. Bärme, auch Barme f.: Bierhefe; Bier- schaum. Niederd. Wort, frühzeitig auch schon im Hochd.(bei Schönsleder 1618 Bermen). Mnd. berm, barm m., ndl. berm m., ags. beorma (eo= ahd. 6), engl. barm. Entweder zu ahd. béran«tragen, tragen machen, sich heben⸗ (vgl. gebären), wie Hefe zu heben oder zu lat. fermentum n.«Gärung, Sauerteig». barmherzig, adj. u. adv.: mild gesinnt aus innigem Mitgefühl bei fremdem Leiden; solches Mitgefühl erregend(Lessing 1, 461). Mhd. barmherzec, mit dem adj. Suffix-ec abgeleitet von mhd. barmherze adj. Dieses ist nicht zusammengesetzt mit mhd.-ahd. barm«Schoß, Busen», sondern muß wegen ahd. armherzi, got. armahairts adj.«barm- herzigy(dazu auch got. arman sik«sich erbarmen») aus bi-armherzi erklärt werden (vgl. bange, binnen). Es liegen Nachbildungen lateinischer Ausdrücke in der christlichen Kirchensprache vor, got. arman silc ist zu 159 Bärmutter Barsch 160 aymès adj.«army gebildet, wie sich lat. miseréri cerbarmen» zu miser army verhält; ahd. armherzi gebildet nach lat. misericors. Vgl. erbarmen. 4B L. Barmherzigkeit, f., mhd. barmherzecheit. Bärmutter, f.: Gebärmutter; Mutter- beschwerde. Mhd. bérmuoter f., zu bérn«tra- gen, gebären. Barn, m.(-S, Pl.-e): Krippe, Raufe; Abteilung der Scheuer, wo das Futter auf- bewahrt wird. Nur noch in obd. und md. Mund- arten(s. auch Paar). Mhd. barn(in späten md. Quellen auch bern, vgl. bärheitig), barne, ahd. barno m.; dazu ags. bern n., engl. barn «Scheuery». Abzuleiten von dem im Adj. barizeins erhaltenen got. baris m. Gerstey, ags. bere m., engl. barley«Gerstey, die zu lat. far n.«Getreide, Speltꝰ, abg. brasino«Speise» stimmen, also eig.«Gerstenfutterbehälters, vgl. Banse oder einfacher zur Wz. her«tragen). 4BL. Barnbeißer, m.: s. v. a. Krippen- beißer(s. d.). Vgl. auch bärbeißig. barock, adj.: schiefrund; unregelmäßig, seltsam, wunderlich. «schiefrund(von Perlen), dann«sonderbar), von portug. barroco m.«rohe, ungleiche Perley, eig.«unebener Fels», span. barracco m.«ungleiche runde Perley, berrucco m., «Warze, Fels, nicht recht runde Perles, deren Herkunft bestritten ist(kaum zu lat. verruca f.«Warze, Auswuchs an Edelsteinen»). Zuerst in der 2. Hälfte des 18. Jh. als ba- rockisch. Barometer, m. n.(-s, Pl. wie Sg.): Wetterglas. Aus einem gr.-neulat. barome- trum n.(Luft-) Schwermessery, gebildet aus gr. Bäpoc n.«Schwere, Druck» und gr. uérpov n.«Maß, Maßstaby». Das Instrument wurde von Eyvangelista Torricelli(† 1647) zu Florenz erfunden. Baron, m.(-s, Pl.-e): Freiherr. Aus franz. baron, das mit ital. barone m. zunächst auf mlat. baro(Gen. baronis) zurückgeht. Dies ist nicht das altlat. baro m. Dumm- kopfs, dann«Troßknechto, sondern entstammt dem German., daher häufig in den Volks- rechten(auch bei Isidor durch Vermittelung des Westgot.) in der Bed.«Mann, Krieger, Lehensmann?, vgl. mhd. bar«Mann?, zu anord. berjask«streiten, abg. borjq«streiten. Vgl. Uhlenbeck Btr. 19, 329. Mhd. erscheint harin m., nur in ndrhein. Quellen barön; Baron ist unter dem Einfluß des Nfranz. seit dem 16. Jh. herrschend(z. B. bei Rollen- Aus franz. barogue hagen Froschm. 3, 1, 4). Der Pl. wurde früher auch schwach gebildet(Baronen bei Goethe Reineke 4, 100). Barre, f.(Pl.-n): Stange; Querstange, Riegel; Schlagbaum. Mhd. barre f.«Riegel, Schrankey mit mhd. bar f.«Stange, Balke, Schrankey, ndl. baar, im 16. Jh. ndl. bei Kilian 23 b baere f.«repagulumy, aus franz. harré f., ital. span. harra f., mlat. harra«Stange, Querstange, Schlagbaum). Dies wird von Walde s. v. als germanisch angesehen und zu lat. forus Schiffsgang, Sitzreihe, Gang um ein Beet, Spielbrett gestellt. 43I. Barlaufen, n.: ein turnerisches Spiel. 1618 bei Schönsleder parlouffen«cursum certarey, mhd. die b. loufen; dazu 1597 ndl. bei Kilian de baere jaeghen«cursu ad metas contendere?, baerenspel«ludus gymnicusy. Barren, m.(-s, Pl. wie Sg.): Stange; Metallstange;(durch Jahn eingeführt) ein Turngerät, das durch zwei Querstangen ge- bildet wird. Aus Barre f.(s. d.) entwickelt und schon frühnhd. vorhanden(Murner Narr. 11, 106). Barriere, f.(Pl.-n): Schlagbaum, Schutz- gatter. Aus franz. barriere, ital. barriera f. «Schlagbaumꝰ, dann«Pfahlwerk zum Schutz, aus dem F. eines auf lat.-arius ausgehenden Adj., das abgeleitet ist von franz. barre, mlat. bayra f.(S. Barre). Bei Wächtler 1711. Barrikade, f.(Pl.-/): Straßensperre mittelst Verschanzung. Aus dem gleichbed. franz. barricade, ital. barricata f.«Schlag- baum, Schutzgatter», span. barricada f. Ver- rammelung gegen feindlichen Angriffy, ab- geleitet von span. barrica f., franz. barrigue f.«mit Sand oder Erde gefülltes Schanzfaß zum Schutz im Kriege, großes Warenfaß?, das vielleicht von mlat. barra(s. Barre) aus- geht. Im spätern 17. Jh. entlehnt. Barsch, m.(-es, Pl. Barsche und Bärsche), selten Bars, Börs(obd. nur weitergebildet bärsich, bärsching usw.): ein schmackhafter Raubfisch, lat. perca. Mit Dehnung des a und Ubergang des s nach r in sch aus mhd.(in späten mid. Quellen) bars, berse und(abge- leitet) bersich, spätahd. bersih m.; dazu ndl. baars, ags. bœærs, bears m., engl. barse, aschwed. zusammenges. agborre(rr aus ·s, Vokal abweichend urspr. ²), uschwed. dän. aborre m. Man knüpft an die mlat. Be- nennung parca, perca an, gr. Jat. perca f., gr. méprn f. d. i. die Dunkelfarbige, denn gr. népaoc ist«schwärzlich, dunkelfarbigy, 161 barsch Base 162 welches Adj. mlat. zu persus, ital. perso, franz. pers wurde; doch ist das Wort wohl germ. Ursprungs und zu Borste(s. d.) zu stellen, der Fisch hieße also nach seinen stacheligen Floßfedern«der Borstigen. barsch, adj. u. adv.:(mundartlich) von scharfem Geschmack, ranzig; hart mit Wor- ten anfahrend. Ein ndd. Wort(mnd. im 16. Jh. basch aus barsch, noch bei Overbeck Ged. 155 basch im Reim auf rasch, ndl. barsch, schwed.-dän. barsk entlehnt), das hochd. zuerst von Stieler 1691, dann 1716 von Ludwig angeführt wird, während es Frisch 1741 und Adelung 1774(1793 führt er es als ein niedersächsisches Provinzial- wort in den Bedd.«scharf von Geschmack, rauh zum Anfühlen, mürrisch» an) noch nicht kennen. In übertragener Bed. wird es von Bürger 392 und andern Niederdeut- schen verwendet, aber von Heynatz 1796 noch als nicht schriftsprachlich bezeichnet. Die Grundbed. ist jedenfalls«scharfy, so daß Zusammenhang mit Borste, Bürste, wohl auch Barsch(s. d.), wahrscheinlich ist. Barschaft, f.: bares Geld. Mhd. bar- schaft f.(Germ. 28, 360 vom J. 1363). Bart, m.(-es, Pl. Bärte): Kinn- und Backenhaar; dem herabhangenden männlichen Kinnhaar Khnliches. Mit Dehnung des a aus mhd.-ahd. bart m.; dazu ndl. baard m., ags.- engl. beard m., afries. berd m.(anord. dafür skegg n.). Verwandt ist abg. brada, lit. barzdâ f. und(mit b für dh) lat. barba f. Barty». Vgl. noch Pedersen Idg. Forsch. 5, 72 f,, Walde KZ. 34, 505. Redensart: um des Kaisers Bart streiten d. h. um Dinge, die sich nicht entscheiden lassen. 1Barte, f.(Pl.-/): Beil mit breiter Schneide(Luther Ps. 74, 6, noch jetzt obd. und md.). Mhd. barte, ahd. barta f., dazu asächs. barda f., anord. barda f. Axty. Ab- leitung von Bart, weil das Eisen vom Stiel in Bartgestalt herabhängt(ebenso anord. skeggja f. Barten von skegg n.«Bart); andre Auffassung bei Walde s. v. fastigiun. Vgl. Hellebarde. 2 Barte, f.(Pl.-n): Fischbeinzahn in der oberen Kinnlade des Walfisches. Bes. im Pl. Barten, entsprechend ndl. baarden, schwed.- dän. barder. Auch franz. les barbes, span. las barbas zu franz. barbe f., span. barba f. Barty». Der Name, weil die aus der oberen Kinnlade herabhängenden Zühne den Bart- haaren verglichen wurden. weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. Barthel, Kürzung der Personennamen Bartholomãus oder Barthold(ndd. für Bert- hold, s. d.). Redensart: der eiß, 20 B. den Most holt(schon im 17. Jh.), d. h. er versteht sich auf alle Kniffe. Aus der Gauner- sprache vgl. DW. s. v. Most. Bartholomäus, Mannsname. Aus gr.- lat. Bartholomaeus, dies aus hebr. bar talmai «Sohn des Furchen- oder Landreichenn. bärtig, adj.: einen Bart habend. Dafür mhd. bartoht. Barütsche, Birütsche, f.(Pl.-n): halbbedeckter Wagen in Osterreich. Aus ital. barõccio m.«zweiräderiger Karren», aus dem gleichbed. mlat. bärrota f., lat. birota f. cleichtes zweiräderiges Fuhrwerk», eig. F. des als Subst. gebrauchten Adj. bérotus«zwei- räderigy. Bei Blumauer An. 2, 22 Pirutsch, 1, 14 Pierutsch n., bei Thümmel Reise 7, 250, 253 Perutsche f. Bas, m.:«Meisters als ehrende Anrede (des Gesindes an den Herrn, der Gäste an den Wirt), auch ndl. baas, dän. schwed.(ent- lehnt) bas-Obmann». Im Friesischen und Westnd. heimisch, 1597 bei Kilian als baes camicus, herus, paterfamilias» und 1767 im brem. Wb. 1, 58 als Baas Meister» ver- zeichnet, später z. B. bei Immermann Münch- hausen 2. Buch 5. Kap. Man bringt Bas mit Base(s. d.) in Verbindung, so daß es urspr. Kosewort für Vater oder Oheim würe. Basalt, m.(-es, Pl.-e): dichte, aus Augit, Labrador(einer Feldspatart) und Magneteisen bestehende vulkanische Felsart. Aus gr. lat. basaltes m.(Plinius hist. nat. 36, 11), urspr. afrikanisch. In deutscher Form erst im 18. Jh. Basär, m.(-J, Pl.-e),(früher Bazar ge- schrieben) auch Bäzar(Schiller Br. v. Messina V. 813): Reihe kostbarer Warenläden urspr. an orientalischen Handelsplätzen. Aus frz. bazar m., das auf persisch bãzãr«Marktplatz⸗ beruht. Schon 1582 bei Rauwolff Reise 36 Batzar, bei Hulsius Schiffart 15, 61 Basart; Jablonsky 1721 erklärt B. als eine aus Kauf- mannsläden und Gewölben bestehende Straße, später auch in erweiterter Bed. basch, s. barsch. Base, f.(Pl.-n): Verwandte, Tante(auch als ehrende Anrede üblich), Geschwisterkind. Mhd. base, ahd. basa f.«Vaterschwester», wäh- rend mhd. muome, ahd. mauoma f.(s. Wuhme) Mutterschwester». Doch schon 1482 im Voc. theut. cé ² und bei Keisersberg Base Vater- und Mutterschwester», bei Trochus E b eine medder 11 163 Base Bastard 164 oder wasze,«soror matrisy, bei Luther Wase Vaters- oder Mutterschwester(7, 230°₰ en.), Frau von des Vaters Bruder»(3. Mos. 18, 14), aber bei dem gleichzeitigen Alberus Dict. ee 35 Was f.«Vaterschwestery und überhaupt Ver- wandtey(lat. cognata), auch Fab. 46, 11 Wase, Was f. Dies Wase findet sich schon im 10. Jh. als wasa und mhd.(bei dem Hessen Herbort v. Eritzlar) als awase; später noch öfter bei Mittel- und Niederdeutschen(Gellert 3, 335, noch Heynatz 1775 erwähnt die Form). Base und Wase gehören urspr. wohl der Kinder- sprache an und sind vielleicht durch Kürzung aus ahd. faterswestar entstanden, vgl. ags. facli, afries. fethe«Vaterschwestery zu Vater, vgl. Bas. Anders, aber gar nicht überzeugend Wiedemann BB. 27, 225. Base, basieren, s. Basis. Basilikum, n.(-s): das Königskraut. Das gr.-mlat. basilicum n., eig. das als Subst. ge- brauechte N. des lat. Adj. basilicus, gr. Backixöc cköniglichs(von ßac-ebc m.«Königs). Der Name wegen des edlen, gewürzhaften Duftes, den das ganze Gewächs von sich gibt. Mhd. finden sich die Formen basilie f., basilig m. f. Basilisk, m.(-en, Pl.-en): die fabelhafte, Kopf, Flügel und Füße des Hahnes an sich tragende Schlange, deren Blick tötet. Mhd. basiliske aus gr.-lat. basiliscus, gr. Backicxoc m. cdie asiatische Königseidechsey(von Backebc m.«König») und der Name daher, weil man sie wegen eines weißen Flecks auf dem Kopf als gekrönt ansah(Plinius hist. nat. 8, 33). Basis, f.(Pl. Basen): Fußgestell, Grund- lage, Grundfläche, Grundlinie, Grund, worauf etwas beruht. Mhd. basis f. aus gr. Jat. basis f. «Fuß-, Untergestell, Grundmauery, gr. Bacic f. «Schritt, Gangy, dann«Fuß, Fußsohle, Grund- lage, Grundgestell, von ßaiverv ægehen». Dar- aus auch franz. base f.(das als Base«Schafft- Gesimse» 1716 in Wolffs math. Lex. und 1787 bei Goethe 31, 112 erscheint). 4 BL. basieren, v.: worauf gründen. Aus franz. baser, einer Ableitung von base. Erst um 1800. Baß, m.(Gen. Basses, Pl. Bässe): die tiefste Stimme; dieser Stimme gemäßes großes Streich-Tonwerkzeug. Aus dem gleichbed. ital. basso m., das auf mlat. hassus adick, fett», dann«niedrig» zurückgeht. Im 15. Jh. entlehnt. 4 BL. Bassist, m.(-en, Pl.-en): Baßsänger(1517 bei Trochus prompt. C 4 b bassiste m.). baß, altertümliches Adv.: besser; mehr, leichter, eher;(als Positiv genommen) tüchtig, sehr. Mhd. ahd. baz; dazu asächs. bat, bet, ags. bet, anord. betr; got.*hatis(nach dem Adj. batiza) ist nicht erhalten. Es ist(im Westgerm. mit abgefallenem Komparativ- suffix) das Adv. zu dem Adj. besser(s. d.), als Positiv gilt wohl. Dazu mit Ablaut Buße(s. d.). Als verwandt stellt man hin- zu skr. bhadräs«glücklich, vorzüglich», doch ist dies wenig wahrscheinlich, da das ind. a auf zuräckgeht. Bassin, n.(-*s, Pl.-5): Wasser-, Brunnen- becken. Aus franz. bassin m. Becken), das mit ital. bacino m. aus dem gleichbed. mlat. bacinum n.(s. Becken) beruht. Im 18. Jh. entlehnt. Bast, m.(-es, Pl.-e), selten n.(Bürger 246): die unter der äußern Rinde liegende innere, besonders insofern siezum Binden und Flechten dient; als Binde- und Flechtmittel taugliche Pflanzenhaut; Haut des Menschen, bei den Jügern des Hirsches usw. Mhd. bast m. n. (ahd. nicht belegt); dazu ndl. bast m. ags. bœst m., engl. bast, anord.-schwed. bast n., dän. bast m. Dazu mhd.-ahd. besten«binden, schnüren» und(mit Ablaut) buost«Baststrick», wozu auch gehört ital. imbastare, franz. bãtir (aus bastir)«mit weiten Stichen zusammen- nähen, heften, ferner wohl auch span.ital. hasto, franz. bãt«Saumsattelꝰ, vielleicht auch ital. bastone, franz. bãton m.(geschälter, ent- basteter) Stab». Vielleicht zu lat. fascia Binde, Band, Bandagey, fascis«Bund, Bündel, Paket,, ir. bask«Halsbandy, vgl. Walde s. v. Auch ist ganz entfernte Verwandtschaft mit binden denkbar. basta!: genug! genug davon! Der ital. Imp. basta des ital.-mlat. bastare, span.-port. hastar«genug sein, hinreicheny. Schon 1617 im teutschen Michel angeführt. Bastard, m.(-es, Pl.-e): außerehliches Kind, besonders das mit einer Uneben- bürtigen erzeugte. Mhd. bastart und basthart (diese Form auch noch älternhd.) m.«un- echtes Kindy, besonders einerseits von hoher Herkunft, dann auch unechtes Zeug. Das Wort ist aus dem Roman. entlehnt(afranz. hastard, jetzt bãturd, ital. span.-portug. hastardo m.). Mlat. bastardus m. kommt zuerst in der 2. Hälfte des 11. Jh. von Wilhelm dem Eroberer, dem natürlichen Sohne des Herzogs von der Normandie Robert II.(des Teufels) vor. Afranz. bastard zeigt in zweiter Silbe das auch sonst als Suffix verwandte deutsche hart, und hast erscheint als selbständiges Wort 165 Bastei Batzen 166 in dem in Urkunden des 13. u. 14. Jh. für B. vorkommenden Ausdruck Jils de bast. Dies afranz. bast«ungesetzliche Ehey geht zurück auf mlat. bastum, franz. bãt, ital. hasto(S. Bast) cSaumsattel?, also B. s. v. a. auf dem Saum- sattel Erzeugter, denn Saumsättel dienten den Maultiertreibern des Südens, wie z. B. Spaniens und der Provence, in Wirtshäusern zu Betten, auf denen Verkehr mit Mägden stattfand. Vgl. Bankert in seinem Ursprunge. Bastei, f.(Pl.-en): Bollwerk einer Festung. Spätmhd. bastie aus ital.-mlat. hastia f. von mlat. hastire, franz. bãtir(früher bastir) cbaueny. basteln, v.: Kleine Handarbeit machen, mangelhaft zurecht machen. Ein der Um- gangssprache angehöriges Wort(bei Adelung und Campe noch nicht verzeichnet), das aber schon seit dem 15. Jh. vorkommt(Schmeller? 1, 297), früher bästeln(bei Stieler 1691 bestelen), eig. wohl dimin. Bildung zu mhd. besten cbinden, schnüren»(s. Bast), also«notdürftig zusammenbinden, zusammenflicken, oberfläch- lich arbeiten?. Bastion, f.(Pl.-en): was Bastei(s. d.). Aus franz. bastion nach ital. bastione m., das gleichen Ursprungs mit ital. bastia(s. Bastei). Im 17. Jh. entlehnt. Bastonnade, f.(Pl.-n): Tracht Prügel, Stockschläge. Aus dem gleichbed. franz. bastonnade f., das auf ital. bastonata(von bastone, franz. bãton m. Stock) zurückgeht. Schon 1617 im teutschen Michel angeführt. Bataillon, n.(-S, Pl.-e): Kriegsschar als größte Abteilung eines Regiments. Aus franz. bataillon m. nach ital. battaglione m., abge- leitet von franz. bataille, ital. bataglia f. «Schlachty, das auf einem volksmäfiig lat. battalia, eig. batualia(Pl. eines Ntr. batuale als Kollektiv) beruht, von lat. batuére, mit Verdoppelung des t später battére(woraus franz. battre)«schlagen, kümpfen». 1616 bei Wallhausen Kriegsmanual 116. Batengel, m.(-S, Pl. wie Sg.): heilkräf- tiger Gamander; Lachenknoblauch(teucrium scordium); Schlüsselblume(primula veris) u. a. Umgestaltet aus mhd. batonie, batenie, batenge, das auf lat. betonica beruht, viel- leicht unter Einfluß eines Dim. betonicula. Die Form Bathengel schon im 16. Jh. Batist, m.(-es, Pl.-e): feinste Leinwand. Aus franz. batiste f. Der Name soll auf Batiste(Baptist) Chambray aus Cantaing zu- rückgehen, der im 13. Jh. die Leinwandweberei in Flandern sehr in Aufnahme brachte. batten, v.: wozu helfen, wozu dienlich sein, nützen. Unpersönl. es battet mich«es nützt mir. Nur noch mundartlich(in Nieder- und dem westlichen Mitteldeutschland, im schwäb.- alem. Gebiet, Bayern). Im 16. Jh. wird das Wort noch gebraucht von Alberus(auch im Dict. Il 42 es batt), Scheidt, Fischart. Mhd. baten, abgeleitet von bate f.(?)«Förderung, Nutzen?. Mnd.-ndl. baten chelfen, nützeny, mnd. bate f. n., ndl. baat f.«Vorteil, Gewinn» können nur unter der Voraussetzung berangezogen werden, daß das Wort aus dem Nd. ins Hd. eingedrungen ist, wofür spricht, daß es im Mhd. eine geringe Verbreitung hat(batten bei dem Sachsen Albrecht v. Halberstadt, bate bei Herbort, im Passional und sonst ver- einzelt, 1482 im Voc. theut. c 62 bathange «Nutzen) und daselbst q 2* das abgeleitete badmen). batten würde dann zu baß gehören. Doch erscheint schon ahd. unpata unbehilf- lich, langsamꝰ und das asächs. gibada f. Hilfe, Trost» scheint für eine Wurzel bad(mit hd. Verschiebung hat) zu sprechen, vgl. auch nass.- hess. unbdãden m.«Unheil⸗. batten wure dann mit den ndd.-ndl., in der Bedeutung über- einstimmenden Wörtern nicht verwandt. Ein mundartliches(ostfränk.) barten aus hearten «gedeihen) ist fernzuhalten. Batterie, f.(Pl.-n): Geschützstand; die Geschütze eines Geschützstandes; Pfannen- deckel am Gewehrschlosse; Flaschenreihe zu elektrischen Versuchen. Aus franz. batterie f. eig.«Schlägerei, Gefecht, schlagende Kriegs- schary, aus mlat. batteria von mlat. battére, franz. battre«schlagen?(s. Bataillon). 1617 bei Wallhausen Corp. mil. S. 210 Batterei und S. 215 Batterie, 1616 im Kriegsmanual 76 Batteria und Batterie. Bätz, s. Petz. 1 Batzen, m.(-S, Pl. wie Sg.): ehedem Münze von 4 Kreuzern rheinisch; Geld über- haupt, z. B. der hat B.«viel Geldy. Früher Batze, Gen. Batzen. Um 1492 als. kleine Münze zu Bern mit dessen Wappen, dem Betz(s. Petz) d. i. Bůren geprägt(1562 bei Mathesius Sar. 234 b Schaweitzer patzen haben vom bern oder petzen den namen), darum auch früher Betzen. Vgl. Kreuzer, Rappen. Doch ist fraglich, ob nicht eig. mit ² Batzen identisch als cdicke Münze», vgl. Groschen. ² Batzen, m.(-é, Pl. wie Sg.): Klumpen von Lehm oder sonst einer weichen, klebrigen Masse. Mundartlich(schon frühnhd.), dazu auch ein V. batzen cklebrig, weich sein, 11* 167 batzig Bauer 168 zusammenkleben». Vielleicht zu bachen(aus backzen, backezen). batzig, s. pataig. Bau, m.(-es, Pl. Baue, Bauten[s. d.): Bearbeitung des Bodens zu Ertrag und Ge- winst, Betrieb der Bergwerke, was gebaut, d. h. zum Aufenthalt errichtet oder gemacht wird; Handlung des Bauens usw.;(über- tragen) Anlage, Gestaltung. Mhd. ba(Gen. bios) m. n., ahd. hi m.; dazu asächs. DE n., ndl. boulo m., anord. bũ n.«Wohnungy, schwed.-dän. bo n. Von bauen(s. d.). Bauch, m.(-es, Pl. Bäuche): der den Magen, überhaupt die Eingeweide enthal- tende Körperteil; vortretende Wölbung. Mhd. buch(Pl. biuche), ahd. bah m.(Pl. bühhi); dazu ndl. buik m., ags. bãc m., anord. bükr m. Leib, Körpers, schwed. buf m., dän. bag «Bauchy. Die Herkunft ist unsicher. Viel- leicht ist gr. Pöcan«Magen, dicker Darmꝰ), aus*purckn verwandt. Anders Osthoff Bezz. Btr. 29, 254 f., der als Urbedeutung«Gefäß aus Buchenholz(s. Buche), rundes Gefäß⸗ an- sieht, vgl. zur Bedeutungsentwicklung Bottich, engl. body’"«Körper». 4 BL. bauchen, refl. v.: sich wie ein Bauch biegen. bauchig, adj.: bauchartig(in Zusammensetzungen bäuchig, z. B. dick-, großbäuchig), mhd. bücheht, bei Stieler 1691 bauchig, beuchig. bäuchlings, adv.: auf dem Bauche liegend, mhd.(mit der adv. Endung-en) biuchelingen. ZUS. bauch- bläsig, adj.: schweratmend mit Husten ver- bunden, von Pferden(1768 bei Moerbeek 38). Bauchfluß, m.: Durchfall(bei Maa- ler 1561). Bauchgrimmen, n.: Leib- schmerzen. Mhd. in gleicher Bed. grinme m., bei Luther grimmen n. Es liegt jeden- falls Vermischung mit mhd. Krimmen«knei- pen» vor, wie auch daneben Bauchkrimmen (noch bei Rückert 2, 141) vorkommt. Bauche, f.(Pl.-/): das Einweichen in Lauge. Frühnhd.(bei Montanus 397, 28 die Wäsche selbst). Von bauchen oder bäu- chen, v.: durch Lauge weichen. In Nieder- und dem westlichen Mitteldeutschland, so- wie im Schwäb.-Alemann. üblich. Spätmhd. büchen, biuchen; duzu mnd. Düken, engl. baack, schwed. bya, dän. byge, böge. Da das Wort den altgerm. Dialekten fehlt, denkt man an Entlehnung aus dem Roman. Vgl. afranz. buer(mit Verlust eines Gutturals)«-bauchen), eig.«durch ein mit kleinen Löchern ver- sehenes Tuch seihen», zu ital. bacare zein Loch(ital. buca f.) stechen»; dazu noch franz. buée f. das Langen»(durch Durch- laßlöcher),«Waschen mit Lauge», ital. bucato m.«Wäschen. Entsprechend gehört schweiz. sechten, bayr. sechteln claugen» zu seihen. Andre nehmen besser an, daß die roman. Wörter aus dem ndd. bäken entlehnt sind, und bringen dies mit Bauch in Zusammenhang. Neuer- dings geht Osthoff Besz. Btr. 29, 249 von einem urgerm.*bäk«Buche» aus(im Ablaut zu gr. onrc Eichey, lat. fägus stehend), dessen Bedeutungsentwicklung zu«Gefäß aus Buchenholz, Waschkübel» usw. führte. Bauchfluß,-grimmen, bäuchig, bäuchlings, s. Bauch. Baude, f.(Pl.-n): Hirtenhütte auf den Gebirgen von Schlesien, Böhmen und Sachsen. Nebenform von Bude(s. d.). Ein schlesisches Wort, das Gombert 6, 12 aus schlesischen Urkunden des 15. Jh. nachweist; verzeichnet 1734 bei dem Schlesier Steinbach. Vgl. noch Lohmeyer Mitt. der Litauischen lit. Ges. 5, 57. bauen, v.:(veraltet) wohnen, bewohnen; zum Aufenthalt errichten oder herstellen; durch Bearbeiten erzeugen, tragbar machen. Mhd. baννεn, biuwen, bouwen(Prät. schwach bute, bouwete, aber Part. stark gebsawen, ge- bouzwen), ahd. ban(Prät. büta, Part. gi- büan); dazu asächs. biäan, ndl. bourven, ags. bãan«wohnen», anord. bãa(Prät. noch stark bO), schwed.-dän. bo«wohnen?, got. bauan (Prät. bauaida, aber Part. stark bauans) «wohnen». Das V. stimmt mit lat. fuli ich bin gewesen), gr. ꝓberv chervorbringen, schaffeny,;ovoi entstehen, werden), lit. bäti, aind. bhü«sein». Uber die Grundbedeutung vgl. Meringer Idg. Forsch. 18, 263 f. Vgl. auch bin. Das Part.-Prät. lautet älternhd. auch noch gebauen(z. B. Moscherosch Phil. 1, 130), wie noch jetzt obd., doch hat Luther gebarwet. „Bauer, m. und n.(-s, Pl. wie Sg.): gegitterter Behälter für sonst wilde Vögel. Frühnhd. Baur. Mhd. bür m.(Pl. biure) schon in jener Bed., aber ahd. buür m.(Pl. buüri)«auf- erbauter Behälter, Kammer, LZelle, Haus»; dazu asächs. bäör, ags. bäãr n.«Wohnung', engl. bower Laube, Hütten, anord. bär n. Gemach, Speisekammer», schwed. bur m., dän. bur n.«Gemach, Käfigy». Mit ableiten- dem r von bauen. Das N., das wohl eig. dem kollektiven Gebauer(so z. B. schlesisch für Bauer) zukommt, tritt erst im 17. Jh. auf, doch bleibt das M. üblicher(Adelung hat das B. und erklärt das M. für mund- artlich). 169 Bauer baumstark 170 „²Bauer, m.(-s, Pl. wie Sg.): Bauender. Noch in Ackerbauer, Erbauer. Mhd. büwaere, ahd. bäri, mittels-er(s. 1-er) ahd.-üri abgeleitet von ahd. bian. Verschieden von dem folgenden Bauer. sBauer, m.(-n, Pl.-n): wessen Be- schäftigung ist Ackerbau zu treiben; Mensch ohne feine Sitten; eine der geringsten Fi- guren(der Soldaten) im Schachspiel. Früh- nhd. Baur(Gen. Bauren). Mhd. bür, früher gebur, gebiire(Gen. gebüren, auch gebures), ahd. gibüro und gibir Einwohner, Mitbür- ger, Landbewohner», gebildet von gi- hier mit-y und ahd. bür«Wohnung»(s. Bauer), also eig.«Mitwohner, Dorfgenossen(vgl. auch Nachbar). Die mhd. neben der schwachen vorkommende starke Flexion zeigt sich jetzt noch im Sg.(Bauers Logau 1, 3, Dat. Bauer Schiller Tell 2, 1). 4BL. Bäuerin, f., mhd. gebiurinne. bäuerisch, bäurisch, adj., mhd. gebiurisch. bäuerlich, adj., mhd. ge- biurlich. Später veraltet, aber von Heynatz 1796 empfohlen. Bauersame, f.: Gesamt- heit der Bauern als Gemeinde. Ein alem. Wort, um 1300 gebürsami(-sami wohl aus samni entstanden). Bauerschaft, f., mhd. geburschaft. ZUS. Bauersmann, m., mhd. gebürman und(Zusammensetzung mit dem Gen. des stark flektierenden Wortes) gebüres man, Pl. gebares liute. Jetzt erscheint Bauers- in der Zusammensetzung nur hier und in den verwandten Bauersfrau, Bauersleute, sonst Bauer- oder Bauern-, wobei letztere Form vorgezogen wird, wenn die Abhängigkeit be- zeichnet werden soll, z. B. Bauernhof(bei Da- sypodius 1537 baurenhoff), Bauernstand(Grim- melshausen Simpl. 12 Bauren-Stand), Bauern- stolz(bei Henisch 1616), dagegen Bauerbursche, Bauermädchen. Bauerwetzel, m.: eine(beim Landvolk häufige) Halsentzündung, die mit Geschwulst der Ohr- und Speicheldrüsen ver- bunden ist. betzel scheint eig. die Bed. von Schlagy zu haben(s. Watsche), vgl. mhd. rwetzeln n.«Ohrfeigen und im 15. Jh. fanne- wetzel m.(entstellt aus tinnewetzel? tinne Schläfe», also eig.«Schlag vor die Schläfep), ceine katarrhalische Seuchey. baufällig, adj. u. adv.: mit Einsturz dro- hend. Um 1400 pauwellig von Feldgut s. v. a. im Bau verwahrlost, aber 1482 bei Eychmann Aa 1² bufelliger ruinosusy. Bauflucht, s. Flucht. Baukunst, f. Bei Hulsius 1596. baulich, adj. u. adv.: gut im Bau, wohl er- halten(z. B. im baulichen Stand); das Bauen betreffend. Mhd. balich, biulich ist«zum Bauen geeignet, in gutem Bau stehend». Die 2. Bed. von baulich gehört erst der neuern Sprache an. 4L. Baulichkeit, f.: was aufgebaut wird, Gebäude, Gestelle(Goethe Faust 9027. 16, 43 usw.). Noch nicht bei Adelung und Campe. Baum, m.(-es, Pl. Bäãume): Holzstamm- pflanze; Holzstamm. Mhd. b0uν(Pl. boume, wie auch noch bei Harsdörfer Gespr. 1, 214 Baume, aber schon Luther mit Umlaut Bewme), ahd. boum m.; dazu asächs. böm, ndl. boom(auch Deichsel), afries. bäãm, ags. béam, engl. beam Balken, Deichsel, anord. (mit d für g) badmr, got. bagms m.«Baumꝰ, Die got. und westgerm. Form lassen sich vielleicht aus einer Grundform*bagwma- erklären, doch ist das nicht sicher; bauen wäre im letzten Grunde verwandt, wenn baum zu gr. öua n. Gewächs» gehört, vgl. Johansson Btr. 15, 224. 8. noch Grienberger Wiener SB. 142, 8, 44. 4BL. baumen, pbäumen, adj.: in birn-, kirsch-, nußbaumen usw. Mhd. ahd. bouman. Baumel, f.(Pl.-n): Schaukel; frei sich hin- und herbewegendes Ziergehänge, z. B. an der Taschenuhr, am Ohr usw.(im 18. Jh.). Von baumeln, v.: hangend sich hin und her bewegen(Weise Erzn. 32, bei Stie- ler 1691 baumelen). Wohl zu banmeln, bim- meln, bummeln(s. d.) gehörig, aber an Baum angelehnt, vgl. Damköhler ZfdW. 1, 271. bäumen, v.: baumähnlich aufwärts bie- gen(Schiller Kab. u. L. 5, 7), gewöhnlich refl. sich b. Mhd. sich boumen. Vgl. auf bäumen. hpäumen,-hbaumen, s. Baum. Baumgarten, m.: Garten mit Bauman- lagen, besonders Obstbaumgarten. Mhd. boum- garte m. Vgl. Bangert. Baumöl, n.: Öl aus Oliven d. i. der Frucht des Olbaumes gepreßt. Mhd. boumöl n., bei Luther(3. Mos. 24, 2) Baumöle n. Baumschlag, m.: eine Anzahl Bäume; die dußere Erscheinung der Bäume, des Laubwerks und ihre Wiedergabe bei Malern, Kupferstechern usw. In der 2. Bed. bei Adelung 1774. S. Schlag. Baumschule, f.: Anlage zur Zucht jun- ger Bäume. 1640 bei Comenius Sprachen- thür 93, 33223. baumstark, adj. und adv.: stark wie ein Baum. Frühnhd.(1482 bei Eychmann 2 82 baumstarck machen croburare»). 171 Baumwolle beben 172 Baumwolle, f.: die nach Herodot 3, 106 aus Indien stammende, auf einer baumartigen Staude wachsende Wolle. Mhd. im 12. Jh. boumawolle, boumaol(Prec 7703) f. 4L. baumwollen, adj., spätmhd.(1380 boum- Wwollen Germ. 28, 360). Bausback, s. Paushack. Bausch, m.(-es, Pl. Bäusche): ausge- dehnter Wulst; dickgelegte Verbandleinwand; Gebund Stroh. Redensart: in B. und Bogen ceins mit dem andern, ohne auf mehr oder weniger zu achtenv, eig.«mit auswärts sich dehnender Grenzfläche(B.) und mit einwärts biegender(Bogen)». Mhd. büsch m. ist stump- fer, schwellenmachender Schlag, Beule, Sat- telschwulsty. Von bauschen, v.: wulstartig schwellen machen. Mhd. bäschen, biuschen cschlagen, schwellen machen». Verwandtist viel- leicht russ. buchnuti«schwellen, sich werfen?, neuslow. buhnoti«anschwelleny, vgl. Wad- stein Btr. 22, 240. Spätmhd. und älternhd. er- scheint auch busen, bausen«aufschwellen, her- vorstehen, schwelgen»(dazu mnd. bäsen, engl. bouse«schlemmen, zechen»), baus f.«schwel- lende Fülley und auch später gehen bausen und bauschen nebeneinander(Stieler 1691 hat bausen und bausten, auch Adelung kennt noch bausen, vgl. auf bauschen). büschen steht neben bäsen wie mhd. krischen neben xrizen, lüschen neben läzen, Grundbed. wohl«schla- geny, wie jetzt noch vielfach mundartlich, vgl. noch mhd. bäzen«schwelleny, schweiz. büss«Schlag, Beule»y. 4BL. bauschig, adj.: frühnhd. bauschecht. Vgl. auch Bäuschel und Pauschal- Baute, f.(Pl.„n): Aufführung eines Baues; aufgeführter Bau. Adelung 1774 führt Bauten als niedersächsischen Pl. zu Bau an, ebenso Heynatz 1775 als ein kame- ralistisches Wort; Jean Paul gebraucht 1801 den Sg. Baute, ebenso Goethe im Faust 11157. Er geht auf mnd. blete f.«Bauy(blewete n. Gebäude») zurück, dagegen mhd. mit Verschiebung des t gebillweze n.«Gebäude». Bauwerk, n.: Erzeugnis der Baukunst, Gebäude. Mhd. bäwwerc n.(Altd. Pred. 1, 358, 30 Schönbach). bauz! Interj. des aufschlagenden Falls. Aus der mittel- und nordd. Umgangssprache 1781 bei Kindleben angeführt(1775 bei Goethe Götz 3, bei Voß 1, 282). baxen, refl. v.: ringend schlagen. Aus nd. haltsen d. i. bales(Schläge) geben. Aus der Umgangssprache bei Kindleben 1781 an- geführt(bei Bürger 59, Schiller Fiesko 5, 7, Blumauer An. 2, 153, hinausbaxen bei Voß 1, 277). Vgl. boxen. Bayer, m.(-n, Pl.-n), Volksname. Mhd. Beier, ahd. Baigari, Baigiri, mlat.-germ. (seit 6. Jh.) Bajoarius, Bajuvarius, der aus Baja oder Bohemum Stammenden, d. i. einer von den früher dort angesessenen Marko- mannen, auf die der Name des von ihnen aus dem Lande vertriebenen Volksstammes der Boji allmählich übergegangen war. Da- von der Landesname Bayern, mhd. Beiern für ze den Beiern, also Dat. Pl. des Volks- namens, und das Adj. baylelrisch, mhd. beierisch. be-, eine untrennbare stets unbetonte Zusammensetzungspartikel, die allseitige Ein- wirkung, volle Bewältigung, ein tätiges ein- wirkendes Nahesein, endlich bloß Verstär- kung des Begriffes des einfachen Wortes ausdrückt. Mhd. be-, ahd. bi-, als abge- schwächte Form neben bi- Präp. cbein; dazu asächs. bi-, ndl. be-, afries. bi-, ags. bi-, be-, engl. be-, got. bi-, im nord. urspr. fehlend. In manchen Wörtern erscheint be- zu bloßem b abgeschwächt, s. bange, barm- herzig, Beichte, binnen, bleiben, Block. Die mit be- zusammengesetzten Verba sind Tran- sitiva und gehen zunächst auf Verba, dann aber auch auf Subst. und Adjektive zurück, indem das vortretende be- hier einerseits das Vorhandensein oder Betätigen wovon oder das Versehen womit, anderseits das Wozumachen ausdrückt; viele der von No- minibus gebildeten Verba nehmen nach dem Muster der von Adj. auf-ig ausgehenden die Endung-igen an, z. B. beschädigen, be- kreuzigen, bekõstigen. Allen mit be- zu- sammengesetzten Substantiven liegen Verba gleicher Zusammensetzung zugrunde. Beamte, m.(mit adjektivischer Flexion ein Beamter, der Beamte, Gen. eines, des Beamten, Pl. Beamfte, die Beamten): wem ein Amt übertragen ist. Bei Henisch 1616. Von beamt, der verkürzten Form des Part.- Prät. beamtet, von dem frühnhd. V. beamten «mit einem Amt verseheny. bearbeiten, v.: Arbeit verwenden auf. Spätmhd. erscheint sich b.«sich bemühen'», was auch das ältere Nhd. noch kennt; Stieler 1691 hat auch beurbeiten labores subire», die jetzige Bed. bei Frisch 1741. beben, v.: in geschwinder Wellenbe- wegung sein, besonders starker und nach- 173 Becher bedeuten 174 haltiger. Das e der 1. Silbe wird jetzt teils offen(z. B. in Sachsen, danach bei Adelung), teils geschlossen gesprochen. Mit e für 1 (bei Luther, früher selten in md. Quellen) aus mhd. biben, ahd. bibén; dazu asächs. bidon, ags. beofian, anord. bifa, schwed. bäfba, qän. bäve. Verwandt ist ai. bhis f.«Furchty, dazu das dem Deutschen genau entsprechende reduplizierende V. bibhéti«er fürchtet. sichy, abg. bojq se«ich fürchte mich», lit. bijti-s csich fürchten», bãımé f.«Furcht. Luthers heben hat das frühere obd. bidmen(s. d.) ver- drängt. 48L. bebern, v.(bei Bürger): cheftig bebens. Iterative Bildung, entsprechend anord. bifra, dän. bãvre. Bebung, f.(Schiller Kab. u. L. 4, 2). Becher, m.(⁸s, Pl. wie Sg.): Trinkge- schirr. Mhd. becher, ahd. behhar, behhari m., dazu andd. bikeri, ndl. belcer, anord. bilkarr m., schwed. bägare n., dän. bäger n. Aus mlat. biccarium n.(ital. bicchiere m. «Glass), das auf gr. Bixoc m. Gefäß zurück- geht. Auch Kelch(s. d.) ist entlehnt. 4L. bechern, v.: den Becher weidlich leeren (im 18. Jh.). Beck, s. backen. Beckelhaube, s. Pickelhaube. Becken, n.: flaches scheibenförmiges Ge- fäß zum Aufnehmen einer Flüssigkeit; Me- tallscheibe zum Aneinanderschlagen in der Musik; rundliche Vertiefung zwischen erha- benen Stellen. Mhd. beckin, becken, becke n., ahd. becchin, becchi n. Aus spätlat. haccinum n.«Becken»(bei Gregor v. Tours 9, 28 bacchinon n. cflache hölzerne Schaley, ital. bacino, franz. bassin m. Becken»), ab- geleitet von bacca f. Wasserfaß, s. Backc. bedacht, adj., eig. Part.-Prät. von be- denken: gesammelter Gedanken worüber oder worauf seiend. Mhd. bedäht. Davon Be- dacht, m. Mhd. bedht f.(in vor- bedäht), im 15. Jh. auch bedacht m. 4L. bedäch- tig, adj. u. adv. Mhd. bedœhtic, ahd. bidãh. tic. bedächtlich, adj. u. adv. Als Adv. im 15. Jh. z. B. um 1480 im Voc. inc. teut. p. 3 b pedechtlich«premeditative». bedacht- sam, adv. u. adv. Frühnhd.(Fischart Binenk. 231²). Bedarf, m.(es): das wozu Erforder- liche. Aus dem Präs. von bedürfen gebildet. Schon mnd. bedarf, bederf, aus der Kanalei- sprache von Henisch 1616 angeführt, nach Adelung 1774 veraltet, doch von Campe Be- reicherung 1795 empfohlen. bedauern, v.: Leid worüber haben oder zußern. Aus mhd. betüren und(seltener) hetiuren(unpersönlich, mich betaret, betiuret eines dinges), das zunãchst«kiure(teuer) sein, viel kosten, schätzeny bedeutet, dann choch anschlagen, schwer drücken, verdrießen, Leid verursachen». S. 2dauern. Bei den Mittel- deutschen des 17. Jh. gewöhnlich bekauenen, betauern, so noch Lessing 2, 167. 4 BL. bedauerlich, adj., bei Stieler 1691. Bede, f.(Pl.-/): Abgabe, die ursprüng- lich Freie bezahlten. Mit ndd. und westmd. d für t entsprechend mhd. bete f.«Bittey, dann auch cerbetene Unterstützung, Abgabe', besonders der Freien, ahd. beta f.«Bittes zu bitten. Es erscheint z. B. 1417 als bedle, rente, stüre(Jansen Frankf. Reichskorr. 1, 305), 1540 bei Alberus Dict. G 2° als bed (doch beet pp 4 und X 4²b), dann im 17. Jh.(Stieler Beede und Behte), wührend hd. Quellen aufangs bet, bett(1537 Dasypo- dius) haben, das auch später noch vorkommt (Goethe Faust 10947 Beth'). bedenken, v.: von allen Seiten in Ge- danken betrachten;(einen) an ihn denkend begaben. Refl. sich b.: von allen Seiten Uber- legung anstellen. Mhd. bedenken, ahd. bidlen- chen(in der Bed.«beschenken» erst spätmhd., dann mhd. auch in der von«Verdacht auf — befallen werden», vgl. Bedeenken, bedenk- lich). Der Inf. als Subst. Bedenken, n.: Vber⸗ legung, zweifelnde Uberlegung. In der Kanz- leisprache des 15. Jh. 4BL. bedenklich, adj. u. adv.: in zweifelnder Uberlegung be- fangen; zweifelnde Uberlegung hervorrufend. Frühnhd.(Rollenhagen Froschm. 331). Z0S. Bedenkzeit, f. Frühnhd. bedeuten, v.: zum Verständnis bringen; wozu anweisen; Anzeichen wozu sein; Gel-⸗ tung haben; von Wichtigkeit sein. Mhd. pediuten«völlig zum Verständnis bringen, geistig worauf hinzeigen, klar anzeigeny». Das Part.-Präs. bedeutend bed. als Adj. auch «von erheblicher Wichtigkeit, ansehnlich» (in dieser allgemeinen Bed. namentlich durch Goethe aufgekommen, Adelung kennt es mur als aWichtiges anzeigend», wie auch noch oft bei Goethe). Davon(mit ausgefallenem —) Bedeutenheit f.(Goethe 46, 10 1. H.). 4B. bedeutsam, adj. u. adv. Um 1770 aufgekommen und von Adelung 1793 als neugebildetes Wort verzeichnet; Goethe ver- wendet daneben auch deutsam(27, 122). Davon Bedeutsamkeit(Goethe 22, 132. 174, 175 bedienen Beet 176 daneben Deutsamkeit N. W. 1, 266). Bedeu- tung, f. Mhd. bediutunge f. ist«Auslegungy, im 15. Jh. im jetzigen Sinn. bedienen, v.: durch Dienstleistungen sorgsam versehen. Frühnhd. Refl. sich wessen b.: cihn, es wozu gebrauchen». In dem älter- nhd. bedient sein«dienlich sein» hat bedient aktive Bedeutung. Daher Bediente, m. (mit adjektivischer Flexion): Diener. Im 17. Jh.(Zesen Ibr. 451). Auch Bediente f. (Gellert Lustsp. 273). 4 BL. Bedienung, f., bei Krämer 1678. Beding, n., auch m.(-s), fast nur in mit dem B.: beschränkende Bestimmung. Bei Luther, aus der Kanaleisprache(mhd. dafür gedinge n.). Von bedingen, v.: durch Ver- handlung oder als Unterstellung festsetzen; beschränkend bestimmen; als etwas Abhän- giges, damit Verbundenes, daraus Hervor- gehendes usw. notwendig machen. Mhd. be- dingen«Vertragsbestimmungen festsetzen, wo- für ahd. gidingon oder auch bloß dingõn, von mhd.-ahd. dine n. crechtliche Verhandlung, Ver- tragy. Die Flexion ist ursprünglich schwach, doch dringt seit dem 17. Jh.(bei der 1. Bed. des Wortes) auch starke ein, Prät. bedang, bedung, Part. bedungen, die Adelung ver- langt. 8. dingen. 4 BL. Bedingnis, n. und f.(Schiller Kab. 3, 1). Nach Heynatz 1796 obd., Adelung unbekannt. Bedingung, f. bei Luther. bedrängen, v.: allseitig, sehr drängen. Mhd. bedrengen und bedrangen. 4BL. Be- drängnis, f. und n. In der frühnhd. Kanz- leisprache bedrengnisse. beducht, s. betucht. bedünken, v.: den Umständen nach der Ansicht sein, fast nur unpersönlich mich bedunkt, bedeucht(s. dünken). Mhd. bedünken, bedunken. Früher, namentlich bei Oberdeut- schen, auch bedunken(Rückert 3, 126). Da- von der Inf. als Subst. Bedünken, n.(*s): Erachten, Meinung(schon mhd.). 4 BL. be- dünkeln, v. mit dimin. Endung(Goethe 6, 95). bedürfen, v.(Praäs. bedarf, Prät. bedur fte, Part. bedurft, s. dürfen): nötig haben, erfor- derlich sein, besonders insofern aus irgend einem Mangel der Zweck nicht erreicht werden kann. Mhd. hedirfen, bederfen, ahd. bidur fan. 4BL. Bedürfnis, n., früher auch f.(Les- sing 6, 258). Frühnhd.(1482 im Voc. theut. c 6 b bedar fnusse æindigentias). bedürftig, adj., abgeleitet von dem älternhd. Beclur ft, f.(vgl. Notdurft). Spätmhd. bedlur ftic. * beduseln, refl. v.: sich ein Räuschchen antrinken, s. daaseln. bedutzt, adj.: betroffen und bestürzt wovon(Goethe Clav. 4, 1). Eig. Part.-Prät. von dem mit Akk. der Person verbundenen mhd. betitzen(Prät. betutzte, Part. betutzt) cbetören, heimlich hintergehen. Vgl. verdutzt. beeidigen, v.: eidlich verpflichten. 1618 bei Schönsleder B 2 beaidigen, neben dem schon früher(1580 bei Schwartzenbach Sy- nonyma) vorkommenden heeiden. beeinträchtigen, v.:(in die Quere kommen und so) Eintrag tun. Von älternhd. Eintracht(Luther 3. Mos. 13, 48 usw.) statt Eintrag m.:«Querfäden des Gewebes». S. Eintracht und Eintrag. Zuerst 1641 bei Schottel S. 489; 1741 bei Frisch als ein «seltsames Juristencompositum,» verzeichnet, auch Adelung 1793 schreibt es nur der Rechtssprache Oberdeutschlands zu, dagegen empfiehlt es Heynatz 1796. beendigen, v.: zu Ende bringen. Bei Adelung neben beenden als Kanzleiwort an- geführt, von Heynatz 1796 noch beanstandet. beerdigen, v.: der Erde übergeben, begraben. 1663 bei Schottel S. 1310 be- erdigen. Beere, f.(Pl.-n): Kleinere fleischige Samenkapsel der Pflanzen. Aus dem Pl. des mhd. N. ber(Pl. diu ber, md. auch bere), ahd. beri n.; dazu asächs. beri(in winberi n.), anord. ber, schwed. dän. bär n., got. mit dem ursprünglichen s basi(in weinabasi n.), ebenso ndd. bes im Dim. besing, ndl. bes f.; ags. mit Ableitung berie f., engl. beyry, ndl. bezie. Vielleicht zu ags. basu croty, vgl. Lidén Idg. Forsch. 18, 416. Bei Luther er- scheint Beer, Beere meist als Pl., so noch 1741 bei Frisch, der einen Sg. Beer n. an- setzt(Beere als Pl. nicht selten im 18. Jh. und noch bei Uhland); daneben wurde(ver- einzelt schon bei Luther) Beer, Beere als Sg. eines F. genommen und später dann ein Pl. Beeren neugebildet(z. B. bei Lohenstein Rosen 100, dann 1716 bei Ludwig usw., Beere als Sg. verlangt Adelung). Beest, n.(es, Pl.-er), die ndd. Form für Bestie(s. d.). Beet, n.(nes, Pl.- e): abgeteiltes Stück Gartenland zur Anpflanzung. Das Wort ist eins mit Bett n.(s. d.), geht aber auf die in md. Quellen erscheinende Nominativform mhd. bet(gleich asächs. bed) statt bette zu- rück. Die Scheidung entstammt dem Md. 177 Beete Beffchen 178 und wird 1640 von Comenius und 1645 von Gueintz(Bette— Behte) gefordert(Beth in der angegebenen Bed. bei Opitz 2, 28, Beet bei Gryphius Tr. 482). Im 16. u. 17. Jh. kommt öfter Beth für Bett vor, während anderseits Duez, Krämer, Stieler und selbst noch Frisch für Beet auch Bett kennen (bei Schottel 1663 wird wie jetzt unter- schieden). Bett bleibt auch später im Obd. (bei Haller 63 Gartenbetter). Beete, f.(Pl.-n): Mangold, rote Rübe. Aus lat. beta f. Die mhd. Form des früh aufgenommenen Wortes war(mit Verschie- bung des lat. t in 3) bieze, ahd. bieza f., noch bayr. Bießen f., 1598 bei Colerus Behſß, 1517 bei Trochus K 5 b beißkoel. Die Form Bete stammt aus dem Nd.(bei Frisch 1741 angeführt), vgl. ndl. beet m., ags. hete f., engl. beet. befähigen, v.: wozu fühig machen. 1807 von Campe als von ihm gebildetes Wort angeführt. Das Part.-Prät. befähigt als Adj.: Fähigkeiten habend. befahren, v.(Prät. befahrte): in Gefahr, besorgender Furcht wovor sein. Refl. sich b.(mit Gen.): besorglich wovor sein, urspr. vor Nachstellung, Gefahr. Veraltet, aber noch bei Wieland, Bürger, Goethe, Schiller. Spätmhd. (in md. Quellen) bevären, zu vären, ahd. fãrén cnachstellen», s. Gefahr. Verschieden von b. (Prät. befuhr): cüber und durchfahren», mhd. bevarn«erfahreny. Befang, s. Bifang. befangen(Prät. befing, Part. b., s. fangen), v.: einschließend, engend umgeben; gefangen nehmen. Refl. sich b. womit: sich damit be- fassen, zu tun machen. Das Part. Praät. b. als Adj. bedeutet auch ceingenommenen, un- freien Geistes und dadurch verlegen»(früher nur mit Subst., z. B. mit Furcht b., Heynatz 1796 kennt b. cfassungslos», das Adelung 1793 noch nicht verzeichnet). Mhd. bevähen, bevän, ahd. bifähan«umfangen, einnehmen?. befassen, v.: dem Umfang nach um- schließen und in sich aufnehmen. Mhd. be- vazzen cbesitzen, befestigen». Refl. sich zo- mit b.«sich womit abgeben»(erst bei Ade- lung 1774). befehden, v.: mit Fehde, Krieg über- mehen, bekämpfen. Spätmhd. bevéhden, von Fehde(s. d.). Nach Adelung veraltet, aber durch die Dichtersprache wieder aufgekommen. Befehl, m.(es, Pl.-e): Willensäußerung zur Befolgung. Spätmhd. bevelch m., in md. Weigand, Deutsches wörterbuch. 5. Aufl. Quellen bevel«Empfehlung, Ubertragung, Ob- sorgey. Bei Luther befelh. Von befehlen, Imp. beftehl(befelh Luther Ps. 37, 5, befehle Goethe 13, 306), Prät. befahl, Konj. beföhle, Part. befohlen: übergeben, zu eigen und zu Gunst oder Geneigtheit; anvertrauen; als und zum Geschäft übergeben oder übertragen; seinen Willen äußern zur Befolgung, anheim- stellen; durch eine zu befolgende Willens- äußerung bestimmen. Bei Luther befelhen, obd. im 16. Jh. auch befelchen. Aus mhd. bevelhen, in md. Quellen auch bevelen, ahd. bifelahan, bifelhan, in einigen Quellen bifelan; dazu asächs. bifelhan, ags. beféolan(aus be- feolhan)«mpfehlen, anvertrauen?; im Got. ist anafilhan übergeben, empfehlen». Das mhd. ahd. Wort bed. auch«begraben»(vgl. mhd. bivilde für bivilhede f.«Begräbnis») d. i. gleichsam der Erde oder(beim Leichenbrande) den Flammen zu bedecken oder verbergen übergeben; auch asächs. bifelhan ist«der Erde bergend übergeben, begraben». Beide Begriffe aber«begraben» und«verbergen» sind die des einfachen ahd. felahan, got. filhan(auch af-, ga-, usfilhan). Auf den Leichenbrand geht ahd. valach er schichtete Holz»(zum Scheiter- haufen) und witufelah Holzschichte»(zur Totenverbrennung). Auch anord. fela bed. cverbergen, bedecken». Die Herkunft des Wortes ist unsicher, vgl. noch E. Schröder AfdA. 23, 156, Wiedemann Bezz. Btr. 28, 21ff. Das Prät. lautet ahd. bifelah, Pl. bifaoluhan, mhd. bevalch, Pl. bevulhen, in md. Quellen aber auch mit Übertritt zu einer andern Klasse (nach stehlen usw.) bevälen, im frühern Nhd. gewöhnlich befahl, Pl. befohlen(oaus mhd. 6), wie von Schottel S. 579 verlangt wird(noch bei Schubart 2, 52), später dann befahl, be- fahlen mit Ausgleichung, wührend der Konj. beföhle das umgelautete o festhält. befehligen, v.: den Oberbefehl haben; durch Befehl beauftragen. Wohl von Befelch, der obd. Form für Befehl, für die auch Be- fehlich erscheint. befehligen steht also zu- nächst für befehlichen(dies kommt im An- fang des 17. Jh. vor, s. Diefenbach-Wülcker 175), vgl. billig für billich. Noch Adelung bezeichnet befehligen als ein obd. Kanzlei- wort; Steinbach 1734 verzeichnet es zuerst. Befehlshaber, m.(—s, Pl. wie Sg.): Den Befehl Führender. Bei Luther Neh. 11, 24 Befelhhaber, mhd. dafür bloß bevelher m. Beffchen, n.(Ds, Pl. wie Sg.): die zwei länglichen weißen herabhangenden Läppchen 12 179 befinden begegnen 180 unter dem Kinne des Geistlichen;(danach seit 1812) auf beiden Seiten des Gesichtes steif emporstehender Halskragen, auch«Vatermör- dery genannt. In der 1. Bed. bei Voß Luise 2, 99, aus dem Ndd. Mund. beffe«Chorkappe, Chorhuty, im 16. Jh. ndl. bei Kilian 48 b befye cfellener Mantel, Kragen», neundl. bef m. «Kragen, Krägelchen». Vielleicht desselben Stammes wie bayr. Beffel m.«vorstehende oder überhängende Lippen», auch«Mundstück einer Klarinette», älternhd. Befze f.&Lippe?, ostfries. Beffe, Bef«über die Fensterrahmen vorstehendes keilförmiges Gesims». Worte mit solcher Bedeutung auch im Roman., span. befo«mit dicken Lippen, Unterlippe eines Pferdes», it. heffare«verspotten», frz. bafouer cbeschimpfeny. befinden, v.:(Prät. befand, Part. befunden): nach Untersuchung in gewissem Zustand oder Verhältnisse wahrnehmen; nach Untersuchun g dafür halten. Mhd. bevinden, ahd. bifindan cfinden, erlangen, lernen, durch das Gefühl wahrnehmen». Refl. sich b.«an einem Orte (Wo?) oder in einem Zustande(wie?) sein». Frühnhd. Der Inf. als Subst. Befinden, n. (s): Dafürhalten(in nach B.), mhd. bevinden n. Wahrnehmung»;(zu sich b.) Zustand, Ge- sundheitszustand(bei Ludwig 1716). 4 BL. befindlich, adj.: an einem Orte sich be- findend(im 17. Jh., vgl. Gombert 6, 13 vom J. 1644, wührend im 16. Jh. die Bed.«wahr- nehmbar, bemerkenswert» vorkommt, z. B. bei Maaler 1561). S. Befund. befleißen, v.(Prat. hefliß, Part beflissen): mit allem Fleiße worauf hin tätig sein. Nur in beflissen sein und sich b., meist mit Gen. der Sache. Mhd. dafür bloß vlizen, ahd. flzau. S. Fleiß. Daneben das auf das Adj. fleißig sich gründende üblichere sich befleißigen (bei Luther, wie auch b., mhd. dafür vlizigen). befremden, v.: fremdartig, sonderbar be- rühren, auffallend erscheinen. In der Kanzlei- sprache des 15. Jh.(Janssen Frankf. Reichs- korr. 2, 152 v. J. 1461). befrieden, gewöhnlich befriedigen, v.: durch Umhegen, Umzüunen gegen andre ab- schließen und so sicher stellen, schützen und schirmen; zufrieden stellen. Mhd. bepriden «Sicherheit, Schutz verschaffen, umzäunen», von vride m.; im 15. Jh. auch heuridigen. befugen, v.: Zuständigkeit wozu geben, besonders rechtskräftige(Fug), fast nur in dem Part. Prät. befugt. Mhd. bevuogen oder beviüegen(nur in md. Quelle sich bevugen Befugnis geben»).— Befugnis, f. selten n.(Goethe 47, 165). 1641 bei Schottel S. 334 Befigniß, aus Lehmanns Speyr. Chron. 1612. Befund, m.(-es): das Finden wie etwas ist. Neues Wort, nach Adelung nur«in einigen obd. Gegenden», das aber Heynatz 1796 als auch im nd. Geschäftsstil nicht ungewöhnlich bezeichnet. Zu befinden. begabt, adj.(eig. Part. Prät. von begaben, mhd. begäben«mit Gaben ausstatten»): mit Geistesgaben ausgestattet(in diesem Sinne bei Ludwig 1716 hochbegabet). Begüngnis, n.(Leichen-) Bestattung. Mhd. begancnisse, begenenisse n. S. begehen. begatten, refl. v.: sich geschlechtlich ver- einigen(bei Henisch 1616). Mhd. begaten ist cpassend machen, einrichten, verschaffen⸗, erst nhd.(unter Einwirkung von Gatte) asich ver- mählen, die Ehepflicht erfüllen». begeben(Prät. begab, Part. begeben, s. gehen), v.:(als Trans. veraltet) hin-, über-, aufgeben(Röm. 12, 1), mhd. begeben, ahd. bigehan«wovon ablassen, hin-, aufgebenꝰ. Refl. sich b.: sich hin-, dargeben(Röm. 6, 16);(mit Gen. der Sache) das Wollen, die Verbindung auf etwas hin aufhören lassen, aufgeben, mhd. sich b.«sich entäußern?, auch«in ein Kloster gehen» d. i. die Welt aufgeben; sich wohin bewegen und so daselbst gegenwärtig sein; in der Zeit wirklich werden(diese beiden Bedd. bei Luther). 4 BL. Begebenheit, f, von dem Part. Prät. begehen: das Wirklich- gewordensein in der Zeit(bei Duez 1664; mhd. hegebenheit f. ist dagegen«Hingebung»). Be- gebnis, f. und n. Im 15. Jh. begebnuss. Von Adelung als obd. Wort bezeichnet. begegnen, v.:(mit Dat., zuweilen Akk., 2. B. Lessing 6, 215. H. v. Kleist zerbr. Krug 72. Goethe 24, 219) entgegen- und so zusammen- kommen, zusammentreffen, eig. wie bildlich, (mhd. begegemen, begagenen, ahd. bigaganen), entgegenkommen, feindlich entgegentreten; gegenüber abhaltend tätig sein, entgegen- wirken; sich gegen jemand benehmen; zu- kommen in der Zeit, vorkommen(bei Luther mit Dat., seit Anfang des 18. Jh. auch ohne Dat., was Heynatz 1796 als obd. bezeichnet). In den 3 ersten Bedd. wird durch Einwir- kung von frz. rencontrer auch haben als Hilfs- wort verwendet, z. B. Schiller Karlos 3, 3. Jungfr. v. Orl. 3, 4(mit Akk.); Lessing 1, 283, Goethe 21, 258. 4 BL. Begegnis, f. und n., 1641 bei Schottel S. 334 Begegnis; nach Ade- lung und Heynatz 1796 obd. 181 begehen begnaden 182 begehen(Prät. beging, Part. begangen, s. gehen), v.: worauf, worüber, woran hingehen, mhd. begän, begén, ahd. bigän, bigangan;(eig. durch feierlichen Aufzug) verherrlichend ver- bringen, feiern(schon mhd. ahd.);(eine Leiche) feierlich zur Erde besorgen, bestatten(auch mhd.); vollbringen, ausüben(schon mhd. ahd.); (vom Hengste) bespringen. Refl. sich b.: sich zur Zeugung geschlechtlich vereinigen(im 17. Jh.); sich im Ungange benehmen. Mhd. sich begén, begän«das Leben führen, sich er- nähren». Vgl. Begüngnis. Begehr, n., früher auch m.(-S): die innere Regung wonach, sowie die Außerung dieser Regung. Mhd. beger f.(so auch älternhd., wührend bei Luther n.), in md. Quellen neben begir f. n. Von begehren, v.: innere Regung wonach haben oder äußern. Mhd. begern, neben einfachem gern, ahd. gerön. S. Gier, gern. 4BL. begehrlich, adj. u. adv.: Be- gehr erweckend; Begehr zeigend. Mhd. be- gerlich neben begirlich. In der 2. Bed. nach Heynatz 1796 ein sächsisches Wort; es er- scheint bei Gellert und Weiße. begeistern, v.: mit lebhaften Vorstel- lungen erfüllen, die Einbildungskraft er- regen. In diesem Sinne erst im Anfang des 18. Jh. aufgekommen(1755 von Dorn- plüth S. 154 noch angefochten), während im 17. Jh. begeistern«mit Geist erfüllen» ist(vgl. entgeistern), daneben begeisten(noch bei Goethe). Von dem Pl. Geister. 4L. Begeisterung, f., 1730 in Gottscheds crit. Dichtkunst 333(vgl. Gombert, 7, 11). Begier, f.: die innere sinnliche Regung wonach. Mhd. begir f. n., doch häufiger das einfache gir f.(s. Gier). 432L. begierig, adj. u. adv. Mhd. begirec neben dem ein- fachen girec. begierlich(Goethe 49, 1, 297), adj., wie begehrlich(s. d.). Begierde, f. (Pl.-n): wie Begier. Mhd. begirde f.(auch n.) neben girde, ahd. girida f., von gehren. Begine, f.(-n): Nonne ohne Gelöbnis, Laienschwester, auch mit übelm Nebensinn. Schon mhd. aus dem gleichbed. ndl. begijn nach franz. béguine, wohl penannt nach Lambert Le Bègue, dem Gründer derartiger Gemein- schaften(im 12. Jh.). Beginn, m.(-es): das erste Wirklich- werden. Mhd. begin m. n., ahd.(bei Isidor) bighin n. Von beginnen, v.:(in feierliche- rer Rede) anfangen. Mhd. beginnen(Prat. began neben begunde, begonde, md. auch be- gonste, Part. begunnen), ahd. biginnan(Prat. bigan, überwiegend bigunda, bigonda, bigunsta, Part. aber bigunnan); dazu asächs. biginnan, ndl. beginnen, ags. beginnan(neben ã-, on- ginnan), engl. begin, got. dafür duginnan. Da als urspr. Bed. im Ahd. bei biginnan (ebenso bei in-ginnan) noch«eröffnen, auf- schneiden, spalten»(vgl. franz. entamer«an- schneiden, anfangen») hervortritt, hat man das Wort zu gähnen(s. d.), ahd. ginén ge- stellt, also eig.«klaffen machen). Bugge Btr. 12,405 abg. pocinq m.«fange an»(mit Ver- schiebung eines idg. k zu germ. g im Wort⸗ inlaut). Ausführlich über unser Wort Wiede- mann Bezz. Btr. 27, 193ff, der es ansprechend zu alb. z2«berühre, fange, fange ano stellt. S. auch Walde s. v. recens. Das Prät. lautet im Alternhd. überwiegend begunte, begonte, bei Luther auch begunste, begonste. begunte erscheint oft im 17. und im 18. Jh., z. B. noch bei Freyer 1737, begonte, begonnte wird noch von Adelung bevorzugt vor began(das Gottsched verlangt), es ist auch bei den Klas- sikern sehr gewöhnlich(Gellert, Lessing, Wie- land, Goethe Faust 3176, selbst noch Rückertl, 342). Das starke Prät. begann hat im Pl. mhd. begunnen, älternhd. begonnen, daraus erklärt sich ein noch im 18. Jh. vorkommender Sg. begonn(Wieland 21, 19. Schiller Räuber 5, 1). Der Konj. mhd. begunne lautet noch jetzt be- gönne, seltener begänne. Das Part. fast nur stark begonnen(für begunnen). Das Wort gilt schon im 17. Jh. als veraltet, wieder auf- gekommen durch die neuere Dichtersprache. beglauben(Goethe 3, 6), häufiger be- glaubigen, v.: glaubwürdig machen, zu Glauben bestätigen. Das Part.-Prät. beglaubt: glaubwürdig gemacht, sicher zu glaubend; Glauben bestätigt; im Glauben seiend(Wie- land Idris 5, 115). beglaubigen schließt sich an das Adj. glaubig an. Beide Verba er- scheinen am Anfang des 17. Jh.(beglauben bei Henisch 1616, beglaubigen von Gombert 6, 13 v. J. 1618 nachgewiesen). begleiten, v.: mit und bei jemand oder etwas zugleich sich fortbewegen; musikalisch mitspielend ergänzen. Aus be-ge-leiten. Bei Henisch 1616, während in gleicher Bed. mhd. beleiten, ahd. bileiten, bei Luther geleiten. begnaden, haäufiger begnadigen, v.: mit, aus Gnade begaben; über jemand Gnade für Recht ergehen lassen. Das 1. Verb mhd. begnãden, jetzt namentlich noch im Part.- Prät. begnadet(Goethe 16, 324, hochbegnadet bei Schiller 11, 252). Für begnadigen er- 12* 183 begnügen behalten 184 scheint ülternhd. begnädigen, abgeleitet von dem Adj. gnädig(begnadigen bei Duez 1642). begnügen, v.(mit Dat.): genug sein; zufrieden stellen. Mhd. begeniegen, gewöhnlich aber einfacher bendegen(auch bei Luther noch häufig benägen). Jetzt fast nur refl. sich b.: für sich genug haben oder sein. begraben, v.: eingrabend mit Erde be- decken; verbergend zudecken. Mhd. begraben, ahd. bigraban, entsprechend asächs. bigraban, ags. bigrafan, aber got. bigraban ist«mit einem Graben umgeben». 4BL. Begräb- nis, n., selten f.(Joh. 12, 7): Leichenver- senkung in die Erde, Totenbestattung. Mhd. begrebnisse f. u. n. begreifen, v.: mit den äußersten Glie- dern des Leibes(Händen, Füßen) fühlend anrühren oder fassen(1. Mos. 27, 21); er- greifen; umfassen; in sich fassen; geistig fassen oder in sich aufnehmen. Mhd. be- grifen, ahd. bigrifan«fühlend betasten, um- fassen, in Worte zusammenfassen, in sich fasseny, mhd. besonders bei den Mystikern auch«geistig auffassen) und«in sich auf- nehmeny. begriffen sein: die Ausführung von etwas aufnehmen, daran sein es zu tun. — 4B. begreiflich, adj.: geistig auf- zufassend. Mhd. begrifelich. Begriff, m. (Ces, Pl.-): räumliches Umfassen, räumlicher Umfang, mhd. begrif; Zusammenfassung; gei- stige Auffassung; Umfang und Inhalt einer Vorstellung(so schon bei den Mystikern, in der neuern philosophischen Sprache wohl durch Christian Wolff, † 1754, üblich geworden); das Daransein etwas zu tun(im Begrifye sein, erst bei Steinbach 1734 verzeichnet. begünstigen, v.: einem seine Gunst zu- wenden. Ausgehend von dem Adj. günstig. Bei Henisch 1616, älternhd. auch begunsten. begüten(Goethe Faust 8276), häufiger begütigen, v.: in gute Stimmung versetzen, besänftigen. Mhd. begieten ist«gut machen, mit Gütern versehen»(wofür jetzt begütern), das von dem Adj. gütig abgeleitete begütigen erscheint frühnhd. zunächst in der Bed.«gut machenꝰ, bei Dasypodius 1537 in der jetzigen. behaart, adj.: mit Haaren bewachsen. Ahd. dafür gihärét. Das V. behären bed. im Mhd. der Haare durch Ausraufen be- raubeny, dagegen kommt behär in der Bed. von behaart vor. behaaret bei Duez 1642. behaben, refl. v.: sich verhalten auf jemand oder etwas hin, sich benehmen. Mhd. behaben, ahd. hihabén ist cin sich fassen, be- halten, fest halten, behaupten, in Bestand erhalten», mhd. sich b. an sich halten, sich behauptenv». Das nhd. sich b. gehört urspr. nur der Umgangssprache an(Campe, der es zuerst anführt, bezeichnet es als niedrig) und ist von Goethe(28, 38, 4, 286) in die Schrift- sprache eingeführt worden. behäbig, adj. u. adv.: sich wohl haltend, Wohlhabenheit zeigend. Von behaben. Spät- mhd. bloß das einfache hühig, hebig, auch gehebig cbesitzend, wohlhabend», ahd. in Zu- sammensetzungen-habig chaltend,-haft, vgl. auch ungahab«inops». Frühnhd. erscheint behebig(auch beheb) als fest-, zurückhaltend, karg»(doch bei Dasypodius 153 wolhäbig copulentus»), die jetzige Bed. von behäbig, die jedenfalls in der Umgangssprache lebte, zuerst bei Goethe 49, 1, 264, während sie Frisch, Adelung und noch Campe nicht kennen. behaft(Matth. 4, 24. Luc. 4, 38. Joh. 5, 4), jetzt gewöhnlich behaftet, adj.: fest- gehalten von etwas, eig. festgeheftet, dann besessen. Mhd. behaft(mit Rückumlaut) und beheftet(md. auch behaftet), ahd. bihaft und beheftet(bei Notker), sind das Part. Prät. von beheften, ahd. biheften«zusammen- heften, fest heften, fest halten, zu etwas verbinden oder verpflichten, womit beschwe- ren. behaftet(als Part. Prät. von behaften) schon bei Maaler 1561. behagen, v.:(mit Dat. der Person) zu- sagende, wohltuende Empfindung erregen. Mhd.(namentlich in md. Quellen) behagen, ahd. nicht vorhanden; dazu asächs. behagon cgünstig sein, mnd. behagen«gefallen» ndl. behagen, afries. bihagia, ags. in andrer Zu- sammensetzung onhagian«passen, gelegen sein, anord. bloß haga zeinrichten, geraten, passeny(vgl. auch hagr ageschickt) und das ablautende hãgr«behaglich, angenehm)). Das ahd. Part. Prät. kihagan«gehegt», mhd. behagen(urspr. starkes Part.-Prät.)«frisch, freudig, stattlich», weist auf ein starkes V. hagan in der Bed.«schützen, hegen» hin. Verwandt sind Hag, hegen(s. d.); behagen ist also eig.«sich geschützte, dann«bequem und fröhlich fühlen». 4L. behaglich, adj. Mhd. behegelich, auch älternhd. behäglich (behaglich bei Krämer 1678, doch wird be- häglich noch bei Adelung und Heynatz er- wähnt und von Goethe oft gebraucht). behalten, v.: innehalten, nicht weg- geben, in Bewahrung haben, geistig fest- halten, nicht vergessen. Mhd. behalten, ahd. 185⁵ behandeln Behör 186 bihaltan(dazu asächs. bihaldan, ags. bihealdan) sfür und in sich haben und bewahren, in Obhut haben, rein erhalten, hegen und pfie- gen, beobachten, bewachens, im Mhd. auch cbeherbergen, bewirten“, ndl. behouden abe- wahren», engl. behold«genau schauen, be- trachteny. Die Bed.«im Gedächtnis bewah- rens, erscheint bei Luther. 4L. Behälter, m.(—s, Pl. wie Sg.) selten n.(Goethe Faust 1473): Gerdt, Ort etwas aufzunehmen und auf- zubewahren. Spätmhd. behelter. Verschieden von Behalter«Bewahrery, mhd. behaltœre, ahd. bihaltäri m. Behältnis, n.: wie Be- nälter. Um 1480 im Voc. inc. tpeut. p 42 pe- haltniß«reservatorium, während mhd. behalt- nisse f. Prhaltung, Gewahrsam, Sicherheit», ahd. bihaltnissi n.«Wahrnehmung ist. be- haltsam, adj.: fühig etwas im Gedächtnis festzuhalten. Bei Henisch 1616, während mhd. behaltsam cheilsam» bedeutet. behandeln, v.:(veraltet) mit den Hän- den bearbeiten; überhaupt bearbeiten, sich womit beschäftigen; sich im Verkehr gegen jemand zeigen. Bei Krämer 1678 behandelen, v. Schaumburg 116, Janssen Frankf. Reichs- in der 3. Bed. bei Adelung 1774. behändigen, v.: einem andern eig. in seine Hand übergeben. Dafür mhd. behenden, abgeleitet von hant; gegen Ende des 15. Jh. erscheint in der Kanzleisprache behendigen, das 1524 von Luther(Bindseil 7, 315) als neues Wort angefochten wird. behaupten, v.:(Siegreich) abwehrend einen Besitz festhalten; beharrlich festhalten; eine Ansicht mit Entschiedenheit(und urspr. erfolgreich) vertreten. Mhd. behoubeten ist centhaupteny, aber im 14. Jh. auch cfest- halten»(vgl. das einfache houbeten«als Herrn anerkennen, ansehen). Eig.«sich als Herr (Haupt) von etwas zeigen». Das Wort ist von Oberdeutschland aus vorgedrungen, Luther gebraucht es nicht, dagegen hat es Maaler 1561. In der 3. Bed. findet sich im 16. Jh. ein- faches haupten(Fischart Binenk. 8 5), Maaler kennt behaupten in Beziehung auf Rechts- haändel(causam tenere), bei Schönsleder, Duez, Krämer erscheint es in der Bed.«dartun, be- weisen», abgeschwächt dann zu zaufrecht halten, verteidigen?. cpekräftigen vor Gerichta. Beheilf, m.: Hilfe Gewährendes in Er- mangelung von Besserm. Spätmhd. behelf m. Ausfucht, Vorwand, Zuflucht», auch mnd. behelp m. Hilfe, Vorwand, Ausreden. Noch von Adelung 1793 als Rechtsausdruck in der Vgl. mnd. behoveden Bed.«Ausfluchty angeführt, später dann all- gemeiner gebraucht. Von behelfen, v.: durch Hilfe fördern, mhd. behelfen, jetzt nur refl. sich behelfen: womit ausreichen in Ermange- lung von Besserm(mhd. sich behelfen csich einer Aushilfe bedienen). behelligen, v.: bemühen, beschwerlich fallen. 1616 bei Henisch. Zusammenges. mit helligen, mhd. helligen, von hellig(s. d.). behende, adj. u. adv.: geschwind mit Leichtigkeit und Gewandtheit. Mhd. behende (von Sachen) ebequem zu handhabend,(von Personen)«geschickt, gefügig, fertig wozu. Nicht entstanden aus bi hende cbei der Hand, woraus allerdings auch mhd. behende wurde, sondern wie mhd. gehende«bereit»(gleich zur Hand) zusammenges. mit einem von kant f. abgeleiteten, in Zusammensetzungen üblichen mhd.-hende, ahd.-henti. 4 BL. Behendig- keit, f., mhd. behendecheit, behendekeit, abge- leitet von dem Adᷓj. behendec, älternhd. behendig. beherzigen, v.: sich zu Herzen nehmen. In der frühnhd. Kanzleisprache von Herz mit angetretenem-ig- gebildet(1507 bei Wilwolt korr. 1, 772 v. J. 1509), aber 1524 von Luther (Bindseil 7, 315) angefochten. Alternhd. in gleicher Bed. auch beherzen. Mhd. beherzen aber ist«zu Herzen gehen, Herz haben, stand- haft seiny». Davon das Part. Prät. beherzt: ein unerschrockenes Herz, Mannheit besitzend. Spätmhd. beherzt, daneben beherze, geherze. behilflich, adj. u. adv.: wozu Hiilfe lei- stend. Spätmhd. erscheint in md. Quellen behulfelich, behulflich, dem behülflich bei Luther, Alberus(Fab. 18, 218) usw. ent- spricht, abgeleitet von frühnhd. Behülf n.(da- z mnd. behalp)«Beihilfen(in obd. Quellen dafür Behilf m., wahrscheinlich mit Vertau- schung von i und i). behilflich erscheint frühnhd. in obd. Quellen, findet aber in die Wörterbücher keinen Eingang und hat erst neuerdings behülflich(noch bei Adelung und Campe allein angeführt) zurückgedrängt. Behör, f.: wozu gehörige Sache. Im 16. Jh.— Behörde, f.(Pl.-/): wie Be- hör; was gehörig, angemessen ist(vgl. mnd. behörde f. Gebühry, in dieser Bed. bei Frisch 1741, auch bei Adelung u. Heynatz); Ort wo etwas hingehört; die zuständige Gerichts-, Verwaltungsstelle. Das Wort scheint sich im 18. Jh. von den nordd. Kanzleien aus ver- breitet zu haben; in der letzten Bed. ist es Adelung und Heynatz ganz geläufig, während 187 Behuf beide 188 es ältere Wörterbücher wie Ludwig und Steinbach noch gar nicht aufführen. Von älternhd. behören«gehören, gebührens», mhd. behœren in 2uo beheren zugehöreny. Behuf, m.(es, Pl.-e): Erfordernis zum Zwecke, fördernder Zweck, fast nur noch in zum B. Mhd.(in md. Quellen) behuof m. «das zum Gelingen einer Sache Nötige», dann Geschäfty(für einen Zweck Betriebenes), Nutzen, Vorteil, Zweck, Absicht, Förder- lichesy; dazu mnd. behöf f. n.«Notdurft», ndl. behoef n., ags. behõf-lic«notwendigy, engl. behoof«Vorteil». Zu dem V. mhd. beheben (früher behefen), ahd. biheffen cerlangen, er- werbenv. Vgl. Meringer Idg. Forsch. 18, 224. Das Wort fehlt im 16. Jh. bei Luther und in den obd. Quellen(doch kennt es Hans Sachs), dringt aber im 16. u. 17. Jh. vom Md. aus zunächst in die Kanzleien ein(1598 beim Herzog v. Braunschweig Susanna 4, 2 eu dero behuff), 1678 bei Krämer. Der Gen. Sg. behufs als Adv. und dann als Präp. mit Gen. ist durch den Kanæleistil eingeführt (Vvon Heynatz 1796 erwähnt). behülflich, s. behilflich. behutsam, adj. u. adv.: sich hütend, vor- sichtig. Frühnhd. Von dem älternhd. Subst. Bohuat, f.: Vorsicht. bei, Präp. mit Dat.: in der Nühe oder in der Gegenwart von—, unfern von—; ohne Entfernung und selbst ungetrennt von— (z. B. bei Gelde sein, Pfeiler bei Pfeiler zer- borst); in zeitlicher Verbindung mit—, wäh- rend; in Verbindung mit—, in fester Be- ziehung auf— Z. B. beim Kleide fassen, bei Gott schaören). In der Volkssprache und bei einigen nhd. Schriftstellern(Luther 1. Mos. 37, 18. 4. Mos. 1, 52. Matth. 26, 58 usw. Klop- stock Mess. 12, 173. Goethe 28, 38, 1. I. Weimar verändert, 43, 102) findet sich auch bei mit Akk.(auf die Frage wohin): in die Nähe oder in die Gegenwart von—. Bei Zahlen ist bei s. v. a. cungefähr, um und nicht ganz» (gleichsam nahe an), z. B. bei 10 Gualden; auch hier zuweilen mit Akk.(Apostelg. 19, 34) Mhd. bö(mit Dat., zuweilen Akk., nament- lich bei Md.), ahd. bõ(mit Dat. und Akk.); dazu asächs. b?(mit Dat. und Ak.), ndl. 5*7, ags. bi(mit Dat.), engl. by, got. bi«ringsum, in Beziehung auf, gemäß», selten cbei, an⸗ (mit Dat. und Akk.). Urspr. identisch ist das in der Zusammensetzung abgeschwächte be-, mhd. be-, ahd. bi-. Die Bed. des Wortes im Got. weist auf Verwandtschaft mit gr. dui, lat. ambi-«umher, umy hin und weiter mit un, ahd. umbi, skr. abhi zu, gegen, umo, wahrscheinlich auch mit lat. ob«gegen, auf— hiny, s. Walde s. v. amb. In Zusammen- setzungen ist bei Adv. und hat als erstes Wort in Subst., Adjektiven und Verben, so- wie als letztes in Adverbien den Ton. Beichte, f.(Pl.-n): Sündenbekenntnis. Aus mhd. biht, zusammengezogen aus begiht, ahd. bigiht, bijiht f. Bekenntnisy, vom 12. Jh. an vorzugsweise«Sündenbekenntnis». Zu mhd. bejehen, ahd. bijehan, bigehan«bekennen», von mhd. Jjehen, ahd. jehan;, gehah«sagen»(s. Gicht ³). Alternhd. meist Beicht; Beichte, schon bei Luther, dann von Stieler 1691 an- gesetzt und im 19. Jh. durchdringend(Ade- lung 1793 kennt nur Beicht), scheint dem abgeleiteten mhd. bihte, begihte, ahd.(einmal) bigihtꝰ f. zu entsprechen. 43L. beichten, v., mhd. bihten, für das veraltete bejehen ein- getreten. Beichtiger, m.(-s, Pl. wie Sg.): der Beichte Hörende, mhd. bihtegœre, abge- leitet von einem auf das Adj. bihtec, ahd. bijihtic«sündenbekennend» zurückgehenden Verbum. ZVS. Beichtkind, n.: der Beich- tende. Frühnhd.(um 1480 im Voc. inc. teut. p 4² peichtkind). Beichtstuhl, m., frühnhd. (Ringwald getr. Eckh. J 4). Beichtvater, m.: Beichtiger, mhd.(bei den Mystikern) bihtvwater m. beide, Pl.: zwei zusammen. Im N. auch ein Sg. beides, doch nur alleinstehend. Mhd. beide und béde, N. beidin und bédiu, ahd. M. béde und beide, F. bédo und beido, N. heidiu und bédiu. Eine einfachere Bildung zeigt got. bai, N. ba, ags. M. begen, F. bä, N. bã, dazu auch anord. Gen. beggja. Dies entspricht der 2. Silbe von gr. äuqu, lat. ambo, abg. oba, lit. abi, aind.(Dual.) M. ubhäu, F. N. ubhé«beide. Im deutschen beide ist dies Pronomen mit dem Artikel verbun- den(vgl. got. ba H0 skipa«beide Schiffe») und zwar geht beim M. bécdle auf bé de, beim N. beidin auf bei diu zurück, durch Ausgleichung dann auch beide, bédia; entsprechend(mit Verallgemeinerung der Mask.-Form) asächs. béthia, N. béthiu, engl. both(o aus), anord. M. bäãdir, F. bãdar, N. bœdi; ndl. wie nhd. beide. In Mundarten findet sich jetzt noch Unterscheidung der3 Geschlechter, z. B. wetter- auisch M. b?d, F. bãd, N. bäd, bayr. M. béd, F. 5d, N. beid. Während sich ein F. bode literarisch nicht nachweisen läßt, ist das M. in der ursprünglichen Form bede im älteren 189 beieinander beilegen 190 Obd. häufig, bei Olinger S. 28 angegeben, noch im 17. Jh. bei Harsdörfer Gespr. 2, 17, im 18. bei Schubart 2, 302; auch Dornblüth 262 gibt bede vor beide den Vorzug. ZUS. beider- lei, adv. in beider Art. Bei Luther. S. Bei. beiderseits, adv.: von, nach beiden Seiten. Mit angetretenem-(schon bei Luther) aus mhd. béder, beider sit, das gekürzt ist aus ze bẽéder, beider sit, auch in, üf beider sit, worin béder eig. der Gen. Pl. ist. Von dem ältern beiderseit das Adj. beiderseitig (Gombert 7, 11 aus dem 17. Jh. bei Lohen- stein und Caniz). Beiderwand, m.(Ö): Zeug aus zwei Stoffen, aus Leinwand, die den Zettel, und aus Wolle, die den Einschlag pildet. 1741 bei Frisch Beider- Wand, 1790 bei J. G. Müller Straußfedern 2, 16 Beier- wand, noch mundartlich entstellt in Hessen und Thüringen. Wand Tuch», wie in Lein- wand, Gewand. beidlebig, adj.: sowohl im Wasser als auf dem Lande lebend. Nachbil- dung des gr. Jat. amphibium. Bei Krämer 1678. beieinander, adv.: das zusammengescho- bene bei einander, mhd. ba einander, mit vor- gerückter Präposition(vgl. auseinander). beiern, v.: den Rand der ruhenden Glocken mit den Klöpfeln durch befestigte Seile takt- mäßig anschlagen. Bei Voß Ged. 1, 11. Aus dem Ndd., wo im 16. Jh. beyeren(LfdA. 3, 91), ndl. beieren«mit dem Klöpfel(ndl. beiaert) an die Glocke schlagen». Dunklen Ursprungs. Beierwand, s. Beiderwand. Beifall, m.(*s):(urspr.) das Sichweg- wenden von einer Partei zur andern; Zu- stimmung. In beiden Bedd. bei Luther. 48L. beifällig, adj. u. adv., im 17. Jh. Beifang, s. Bifang, m. Beifuß, m.(-es, Pl.-e): als Küchengewürz gebrauchte Wermutart, artemisia. Mhd.(seit dem 14. Jh.) b'ν⁴α, ahd.(11. Jh.) bivog, biouz(Zfd Wf. 3, 247), mnd. b†5t, ndl. bijvote m. Dagegen mhd. ahd. b’böz m., was wohl als die ursprüngliche Form anzusehen ist, zusammenges. mit dem auch in ahd. anabo Amboß(s. d.) vorkommenden b3 zu bzan schlagen; also biböz eig. als Gewürz an Speisen und Getränke zu schlagendes oder zu stoßen- des Kraut. Das; scheint(mit Anlehnung an Fuß, vgl. Schrader Reallex.) aus dem Ndd. eingedrungen. Die Form Bi-, Beifiß findet sich schon in den meisten hd. Glossarien des 15. Jh., ebenso bei Dasypodius(unter artemi- sia), Frisius 123 ², Maaler beyfuß, dagegen 1482 im Voc. theut. d 7² noch beypoß; diese Form setzt sich auch noch in Volksmundarten fort. Beige, ungut Beuge f.(Pl.-n): aufge- schichteter Haufe. Nur noch obd. Aus mhd. bige, ahd. biga f. und bigo m. Dunkler Her- kunft. 48L. beigen, v.: aufschichten. Im 16. Jh. schweiz.(bei Frisius, Maaler) bigen. beiher, adv.: nebenher. Bei Stieler 1691 beyher. Ein md. Dialektwort, das Lessing, Goethe u. a. verwenden.. Beikind, n.(es, Pl.-er): uneheliches Kind. 1663 bei Schottel. Beil, n.(es, Pl. e): keilartiges kurzge- stieltes Werkzeug zum Hauen des Holzes. Mit Auswerfung eines h(dial. noch beichel) aus mhd. hihel, zusammengezogen bil, ahd. bihal, bial n. Da im Anord. das gleichbed. bilda f.(für bidla) bäldr m. erscheint, muß das h von ahd. böhal, urspr. bihl auf 5 zu- rückgeführt werden, vgl. Gemahl. Verwandt ist wohl Bille(s. d.), vgl. Sievers Idg. Forsch. 4, 339(dagegen E. Schröder ZfdA. 42, 60) und weiter lat. findo«spalten», ai. bhinädmi «spalten, Grundform*bhid-klom. Beilage, f.: was anderm zur Vervoll- ständigung bei- oder zugelegt wird, spät- mhd. bilage f.;(ehedem auch)«das bei einem zur Aufbewahrung Niedergelegte»(2. Makk. 3, 15). Beilager, n.(—s, Pl. wie Sg.): Vollziehung der Ehe durch Beiliegen(Luther Tischr. 307 2); Hochzeitsfeier vornehmer Personen(bei Duez 1664). Mhd. dafür bileger n. S. Lager. beiläufig, adv. u. adj.: nebenhergehend, nebenbei;(oberdeutsch) annähernd, ungefähr. Das Wort erscheint um 1500 in der 2. Bed. (Jansen Frankf. Reichskorr. 1, 772), in gleicher Bed. auch beileufftig bei Luther und bey- leifftig bei Hans Sachs Fastn. 25, 147(noch Steinbach 1734 verzeichnet beileufftig). In der 1. Bd. erscheint beyleufig bei Stieler 1691. Die Bed.«ungefähr» noch bei Heynatz 1796, doch mit Beschränkung aufs Obd. beilegen, v.: neben ein anderes legen, zur Seite legen, mhd. bilegen;(veraltet) bei- seite, weglegen(bei Luther); beseitigen, schlichten, z. B. einen Streit(vgl. spätmhd. bilegunge«Schlichtung»);(das Schiff b.) die die Segel einziehen;(veraltet, vgl. Beilage) hinterlegen, zurücklegen(bei Luther);(mit pers. Dat.) zuweisen, zuerteilen. Intr. sich einer Sache hingeben, eifrig sein(Schiller Tell 1, 1 reit zu! wenn ihr frisch beilegt, holt ihr ihn noch ein). 191 beileibe beipflichten 192 beileibe, s. Leib. Beileid, n.(-s): mitempfundenes Leid, mitempfundene Trauer. Seit dem 17. Jh. in der Bed. Mitleid», aber nicht allgemein ver- standen(Dornblüth 288), bei Adelung in der jetzigen Bed. beilen, v.:(von den Jagdhunden) den Hirsch durch allseitiges Anbellen zum Stehen bringen, wobei er sich gegen die Hunde zur Wehre setzt. Mhd. bälen, jetzt nur noch in dem weidmännischen verbeilen. Der Augen- blick wann, und der Platz wo der Vorgang sich abspielt und das Jagdtier erlegt wird, heißt mhd. böl m.(namentlich in ze bile stén vom Wilde, schon im 10. Jh. pfl gipit«sub- stitity vom Eber, Steinmeyer-Sievers Gl. 2, 667), womit Ortsnamen wie Beil-, Bilstein zu- sammengesetzt sind. Diesem bil entsprechend wird franz. aboi, engl. baxyj, eig. das«Bellen? verwendet(in étre auæ abois, engl. fo stand at bag von dem von den Hunden umstellten Wilde), doch ist es nicht wahrscheinlich, daß wir im Deutschen von der Bed. cbellen» aus- zugehen haben. Vielmehr wird nach Sievers Idg. Forsch. 4, 339 bil von ahd. bôdan«warten» (bila- aus bidla-) abzuleiten sein, also eig. cdas Stehenbleiben des Wildes, die Erwartung der verfolgenden Hundey. Anders E. Schrö- der ZfdA. 42, 60, der es von beißen ableitet «Augenblick, wo die Hunde beißen». Ein Verbum bilen cbellen⸗(im 14. Jh. bayrisch, bei Hans Sachs, auch mndl., noch bei Heppe wohlred. Jäger 54 bailen) wird sich von bal aus entwickelt haben, da die Hunde die Um- stellung des Wildes durch Bellen kundtun. beim, zusammengez. aus bei dem, schon mhd. bime, zusammengez. aus bi deme. beimessen, v.:(mit Dat. der Person) durch Erwägung(geistiges Abmessen) einem zurechnen. Mhd. erscheint einfaches mezzen (mit Dat.) in der Bed. zuteilen, geben. Aus der Kanzleisprache(1616 bei Sattler). Bein, n.(-es, Pl.-e): Knochen(allgemein obd., schriftsprachlich namentlich noch in Zu- sammensetzungen und Redensarten); das ganze Geheglied(gleichsam die am längsten hervor- stehenden Knochen). Mhd. ahd. bein n. in beiden Bedd.; dazu asächs. ben, ndl. been, ags. bãn n.«Knochen», engl. bone, anord. bein, schwed. dän. ben n.«Knochen, Geheglied. Dunkler Herkunft. Vgl. Wiedemann BB. 28, 60. Zusammenhang mit lat. femur Ober- schenkely scheint möglich, da auch sonst i- und e-Reihe wechseln. Redensarten: es friert Stein und Bein«stein- und knochenhart?; Stein und Bein schabôren«auf Altar und Heiligen- knochen»(Reliquien). Der Pl. findet sich im ältern Nhd. auch als Beiner(namentlich obd., aber auch Gryphius Trauersp. 34 Menschen- Beiner). beinahe, adv.: nicht ganz. Frühnhd. vor- handen(Janssen Frankf. Reichskorr. 1, 750, auch bei Luther, aber noch getrennt bey nahe). Beiname, m.(-n, Pl.-n): Zuname. Mhd. biname m. Beinbrecher, m.: eine die Knochen ge- fangener Tiere brechende Adlerart, lat. ossi- fragus m., ossifraga f., 1482 im Voc. theut. y 32 dafür paynprech. beinern, adj.: aus Knochen(Bein) be- stehend. Mit dem bei Stoffadj. üblichen Suffix-ern(nach eisern, s. d.) für mhd.-ahd. beinin, auch bei Dasypodius und Maaler beinin, sonst älternhd. beinen, während Luther (1. Mos. 49, 14) beinern hat. Beinhaus, n.(Dses, Pl. Beinhd'user): Haus am Kirchhofe zur Aufnahme derausgegrabenen Totengebeine. Mhd. beinhüs n. Im ältern Nhd. findet sich auch in dieser Bed. Gerner (s. d.). beinig, adj.: knochig; Füße(Beine) habend in z2uvei-, langbeinig usw. Mhd.-beinec. Beinkleid, n.(-es, Pl.-er): Hose als Bekleidung der Beine. Der Ausdruck kommt schon im 16. Jh. vor(1557 bei Mathesius Syrach 3, 51 ²) und erscheint auch im 17. u. 18. Jh. in Wörterbüchern(z. B. bei Comenius, Rädlein, Frisch), aber ohne sich zunächst recht einzubürgern, da ihn noch Adelung 1793 als neugebildet bezeichnet. Beinling, m.(-s, Pl.-e): Hosenbein(im 15. Jh., s. Diefenbach-Wülcker 227); der obere Strumpf;(bei den Gerbern) der Teil der Tier- haut, der unmittelbar über den obern Beinen gesessen hat. Beinschwarz, n.: Schwärze aus ver- brannten Knochen. Bei Stieler 1691. Beinwell, m.(Jes): die Wallwurz, symphy- tum. Ahd. beinzwalla, heinwelle f.(Lfd Wf. 3, 281), zu wWallen, hier in der Bed.«zusammen- heilen von Knochen bei Knochenbrüchen»; die Pflanze heißt auch Beinheil n. beipflichten, v.:(mit Dat.) einem zu- stimmen, eig. sich mit jemand verbinden, sich ihm(seiner Meinung) anschließen. Mhd. bed. das einfache phlihten, mit den Präp. mit, an, zuo sich mit jemand verbinden», von phliht (s. Pflicht), hier in der Bed. Anteilnahme, Ver- 193 beisammen Beiwort 194 bindung. Jedenfalls in der frühnhd. Kanzlei- sprache vorhanden(Luther hat Beipflichter m.«zustimmender», das Adj. beipflichtig bei Diefenbach-Wülcker 223 v. J. 1553). beisammen, adv.: zugleich da. Mhd. selten besamen(aus bisamene). Frühnhd. (Liliencron 3, 338 v. J. 1519, auch bei Luther). Beisaß, m.(Gen. u. Pl. Beisassen): wie Hintersaß(s. d.); Ortsangesessener ohne Bür- gerrecht. Mhd. bõsãze, biscze m., zusammen- ges. mit dem als letztes Wort in Zusammen- setzungen stehenden mhd. sãze, ahd. s650, s. 2Sasse. beiseit, beiseite, auch mit angetretenem genet.-s beiseits, adv.: zur Seite. Mhd. bi sit. Bei Luther beiseid(Hiob 6, 18), ge- wöhnlich mit Abschwächung des bei- beseit, auch beiseits, beseits. beisetzen, v.: neben andres setzen; be- statten, eig. den Sarg in der Gruft neben andre setzen. In der 2. Bed. bei Krämer 1678. Beispiel, n.(es, Pl.-e):(veraltet) zur Belehrung erdichtete Erzählung, Fabel; Gleich- nis, Begebenheit zur Veranschaulichung oder Richtschnur des Verhaltens. Spätmhd. bäspil (mit Anlehnung an spil«Spiely, mit dem das Wort urspr. nichts zu tun hat), früher mhd. ahd. aber bõspel(Gen. bispelles) n.«belehrende dichterische Erzählung, Fabel, Gleichnis», zu- sammenges. aus bi«bei» und mhd. ahd. Spel n. cRede, Erzühlung, Sage», dazu asächs. ags. Spell n., engl. Spell, got. spill n.(wovon ahd. spellon, got. Willön cerzühlen»). Eig. eine neben der Lehre und zu deren Veranschau- lichung gegebene Erzühlung. Die Etymo- logie von spell ist unbekannt. Vgl. E. Schröder ZfdA. 37, 241, Kögel Idg. Forsch. 4, 318, Fröhde Bezz. Btr. 19, 241 f. beißen(Prät. biß, Part. gebissen), v.: mit den Zühnen fassen, durchdringen; die Emp- findung eines stechenden, scharfen Durch- dringens verursachen. Aus mhd. bizen, ahd. bizan, dazu asächs. bitan, ndl. bijten, ags. biĩtan, engl. bite, anord. bita, schwed. bita, dän. bide. In der ältern Sprache auch vom Einschneiden oder scharfen Durchdringen des Schwertes. Entsprechend lat. findére, Perf. fidi espaltenꝰ, aind. bhid«spalten, durchbohrens. Vgl. auch beizen, bitter. 4BL. beißig, adj: zum Beißen geneigt, mhd. bizec. S. bissig. Beißker, m.(-s, Pl. wie Sg.): ein kleiner, eßbarer, im Schlamm und zwischen Steinen lebender und an diese sich ansaugender Fisch, cobitis fossilis. Auch Peißker. Mit Anlehnung weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. an beißen(denn der Fisch beißt sich scheinbar an Steine an, heißt auch als von Schlamm oder darin Befindlichem lebend der Schlammbeißer) aus poln. piskore m., böhm. piskof m., russ. piskär m., d. i. eig. Pfeifer, von poln. piséé, böhm. piskati«pfeifeny, abg. piskcati«flöten», wohl nach einem Tone, den der Fisch mit dem Maule hervorzubringen scheint. Das Wort ist vom östlichen Mitteldeutschland ausge- gangen, ist aber im 15. u. 16. Jh. schon weiter bekannt, findet sich als peysker in einem Glossar des 15. Jh.(Diefenbach 330 ²), als Beißler bei Alberus Fab. 19, 151 und bei Forer Fischb. 160 b. In bayr.-österr. Quellen (auch bei H. Sachs) erscheint dafür Bißgurre. Beißzange, f.(Pl.-n): eine vorn scharfe Zange zum Kneipen und Festhalten kleiner Gegenstände. Bei Stieler 1691 Beißzänglein. Beistand, m.(-es, Pl. Beistände): Hilfe bei und für jemand; persönlich s. v. a. Hilfe bei und für jemand Leistender. Spätmhd. bistant m. in der 1. Bed. 45L. beiständig, adj.: hilfeleistend, behilflich. Mhd. bistendec. — beistehen, v.:(mit Dat.) Hilfe leisten, eig. neben jemand stehen(im Kampfe, vor Gericht), um ihn zu unterstützen. Mhd. bistãn, bistén, ahd. bistantan, bistän, auch noch in der ursprünglichen Bed. wie got. bistandan. Beistrich, m.(-es, Pl.-e): das Komma. Schottel Sprachk. S. 669 gab für dies die Verdeutschung Beystrichlein, was auch von Harsdörfer Gesprechsp. 4, 412, Bödiker u. a. gebraucht wird. Beitrag, m.(‧s, Pl. Beiträge): Beisteuer. Bei Stieler 1691. Von beitragen, v.: her- beibringen, dann abgeben zur Unterstützung, mhd. bitragen cherzutragen. beitreiben, v.: herbeitreiben;(übertragen von den herbeigetriebenen Zins-Tieren usw. auf geforderte Gelder) einziehen, beischaffen (bei Frisch 1741). Beiwesen, n.(-s): das Zugegensein. Eig. subst. Inf. zu mhd. b'wesen, ahd. bitesan ada sein, zugegen sein». Als Subst. in der Kanzlei- sprache des 15. Jh. vorhanden(Janssen Frankf. Reichskorr. 2, 161). beiwohnen, v.:(veraltet) bei einem an- dern wohnen; ehelichen Verkehr mit jemand haben; wobei zugegen sein;(von Dingen) wo vorhanden sein,(mit Dat.) innewohnen. Mhd. biavonen(in der 2. Bed. erst bei Luther). Beiwort, n.(es, Pl. Beiwörter): Adjek- tivum. Schon in der mhd. Schulsprache aus 13 195 Beize beklommen 196 dem Anfang des 14. Jh. begegnet bawort für Adverbium(Eckhart 271, 11), während sonst mhd. ahd. b'ort die Bed.«Sprichwort, Gleich- nisredey hat. Auch ndl. bı*ωοrd ist«Adver- bium»(schon 1719 bei Kramer). Dagegen schlug Helvicus 1619 Beiwort für Adjektivum vor, und diese Verdeutschung ist später viel- fach angenommen worden, auch von Gott- sched, aber schließlich doch durch andre zu- rückgedrängt worden. S. Adjektiv. Beize, f.(Pl.-n): Jagd mit abgerichtetem Raubvogel oder auch einem andern Fang- tiere; zur Zubereitung nötiges Durchdringen- lassen und Mürbemachen von einer scharfen Flüssigkeit, sowie diese selbst. Alternhd. meist(auch bei Luther, noch jetzt dialek- tisch) Beiße, mhd. beize, beize, ahd. beiza f. (auch Alaun). Von beizen, v.: beißen machen, sowohl einen Jagdvogel, einen Hasen usw. durch einen abgerichteten Fangvogel, als auch etwas durch scharfe Flüssigkeit zum Mürbe- machen usw. Alternhd. meist beißen. Mhd. beizen, beizen, ahd. beigzan; dazu ags. böεtan czäiumen», eig.«beißen machen, anord. beita «zäumen, füttern, beizeny(daher engl. bait), got. wäre*baitjan anzusetzen. beizen ist das Faktitiv zu beißen. Bei der Flexion mußten sich Formen mit z und solche mit z ent- wickeln, worauf dann Verallgemeinerung ein- getreten ist; im Mhd. überwiegen die Formen mit Z, in der Schriftsprache seit dem 17. Jh. die mit z. Vgl. heizen, reizen, Weizen, mhd. meist heizen, reizen, weize. beizeit und beizeiten, adv.: früh in Hinblick auf einen Zeitpunkt. Mhd. 57 zdte, auch mit Schwächung des bi bezite und be- ziten, bö mit dem Dat. Sg. oder Pl. von 24t. beizen, s. Beize. bejahen, v.: zu etwas ja sagen. Mhd. dafür das auch von mhd. jã abgeleitete be- Jjãzen(im 16. Jh. auch bejachzen), auch ein- fach Jãzen. bejahen zuerst bei Henisch 1616, aber in der Bed.«bewilligeny, später auf cja sageny(auf eine Frage) beschränkt. bejahrt, adj.: hoch in Jahren seiend. Mhd. bejäret, eig. Part. Prät. zu dem V. be- jären«die Jahre hinbringeny. Vgl. betagt. bekannt, adj.: zur Kenntnis gekommen; nicht fremd, vertraut. Eig. Part. Prät. von mhd. bekennen, ahd. bikennen in der im Nhd. verloren gegangenen Bed.«kennen, erkenneny. Davon das substantivische Bekannte, m. f. (mit adjektivischer Flexion). 4BL. be- kanntlich, adv. Im Mhd. erscheint bekant- lich und bekentlich(von den beiden Formen des Part. Prät. von bekennen gebildet) als Adj., ebenso im ältern Nhd. bekanntlich(noch bei Steinbach 1734); bekanntlich als Adv. zu bekannt wird von Adelung den Kanzleien zu- gewiesen, aber von Heynatz 1796 empfohlen. Bekanntschaft, f., bei Krämer 1678. ZU0S. Bekanntmachung, f.: Kundmachung, erst 1807 bei Campe. Bekassine, f.(Pl.-n): Wasserschnepfe. Aus franz. becassine f., von bec m.(gallisch- lat. beccus)«Schnabel». Neue Entlehnung. bekehren, v. vom Unrechten zum Rechten wenden, besonders in geistlicher Beziehung. Mhd. bekéren, ahd. bikéren«anderswohin wen- den, umkehren», besonders in Hinsicht des Glaubens und der Sitte. Nachbildung von lat. convertere. bekennen, v.: erkennen und seine Er- kenntnis aussagen; nach Bewußtsein aussagen; ein Geständnis ablegen; kundgeben. Refl. sich wozu b.: sich als Urheber oder als Zu- getaner erklären. Mhd. bekennen, ahd. bi- kennen ist zunächst«kennen, erkennen?(s. bekannt), mhd. belrennen aber auch schon zu erkennen geben, eingestehen»y. 4 BL. Be- kenntnis, n., selten f.(Liscow 446). Mhd. bekantnisse, bekentnisse f. n., abgeleitet von dem Part. bekannt, weshalb bis ins 18. Jh. auch Beklnnltnis geschrieben. bekleiben, v.: woran fest haften,-hangen. Veraltet, aber noch bei Lessing, Wieland, Goethe, Rückert, Platen. S. Kleiben. bekleiden, v.: am Körper mit Kleidung versehen; kleidartig überziehen oder bedecken; (ein Amt, eine Stelle b.) darin eingesetzt sein, eig. für dasselbe mit den Zeichen der Amts- würde bekleidet(investiert) sein. Mhd. be- kleiden. Die 3. Bed. bei Stieler 1691. beklemmen, v.: einengen und zusammen- pressen, eig. wie bildlich. Mhd. belclemmen zusammenpressen⸗, ahd. biklemmen ver- sperren, eindämmen, verstopfen»; dazu asächs. billemmian«einsperren?, ags. beclemman cein- schließen, einsperreny». Das Faktitiv zu dem ältern V. beklimmen(s. d. f.). beklommen, adj.: angstvoll wie einge- preßt. Mhd. in md. Quelle belclammen(vom Herzen), das Part. Prät. des starken V. be- klimmen, das wie das in md. Quellen er- scheinende einfache Klimmen und mnd. be- Klimmen einengend zusammenziehen be- deutet(vgl. auch mhd. verklummen«krampf- haft zusammengepreßty und klam m.«Krampfsé, 197 bekommen Beleg 198 s. Klamm). beklommen fehlt im ältern Nhd. (dafür in gleicher Bed. beklemmt) und ist erst im 18. Jh., nach Heynatz 1796 aus Nieder- sachsen, eingedrungen, es wird von Hagedorn, Klopstock, Bürger gebraucht. bekommen, v.: 1) intrans. zum Gedeihen gereichen, überhaupt s. v. a. gereichen, Wir- kung haben. 2) trans. durch UÜberkommen von außen haben. Mhd. fast nur intrans.«bei- kommen, gelangen, hervorkommen, wachsen, gedeihen,(mit Dat. der Person) begegnen, zukommen,(mit Gen. der Sache) erhalten, gewinnen⸗; dies bei Luther schon häufig mit dem Akk. Ahd. biquéman auch mit Akk. cüberkommen, ergreifen»; vgl. asächs. biſcei- man, ags. becuman æzu etwas kommen, ge- langen», engl. become«werden, zukommen?, got. bigiman«überfallen). 4 BL. bekömm- lich, adj.: was wohl bekommt; was zu er- langen ist. In der 2. Bed. bei Maaler 1561 bekommlich, die 1. gehört der neuesten Sprache an(noch nicht bei Campe). Mhd. bekomen- lich, gebildet von dem Part. Prät. bekomen, älternhd. bekommlich ist«passend, bequem. S. auch bequem. bekräftigen, v.: kräftig machen(Hiob4, 4); zuverlässig, sicher machen(auch bei Luther). Gebildet von dem Adj. kräftig. Mhd. be- kreften«stärken», gebildet von Kraft. bekümmern, v.: Kummer verursachen, mit Sorge quälen. Refl. sich b.: Kummer empfinden, sich sorgend mühen, sich umtun. Mhd. bekunlbern, bekcümbern«in Not bringen, belästigen, beschüftigen»,(in derRechtssprache) «mit Beschlag belegen, vgl. mndl. bekonrmeren. Gebildet und zum Teil entlehnt von dem aus lat. incumulãre gewordenen franz. encombrer, prov. encombrar, ital. ingombrare, mlat. in- cumbrare«(durch Schutthaufen) den Weg versperren, verhindern». S. Kummer. 4BL. Bekümmernis, f., mhd. bekumbernisse f. bekunden, v.: kundgeben, offenes Zeug- nis worüber geben. Erst bei Adelung 1793 als der Rechtssprache Niedersachsens angehörig. Belag, s. Beleg. belagern, v.: durch ein Lager einschließen und bedrängen. Spätmhd. belegern, auch Alternhd. belegern(bei Luther), belãgern(noch bei Stieler 1691). Belang, m.(-es): Bedeutung, Wichtigkeit, eig. was weit reicht(s. belangen). Verschieden von mhd. belang m.«das Verlangen, Sehnen wonach», dagegen ist mnd. belang(substant. Form eines Adj., das im Mndl. als belang«zu- gehörig, verwandt, gemäß, abhängig, darauf ankommendverscheint)«Bedeutung; das Wort dringt in die Kanzleisprache ein und wird nach der Mitte des 18. Jh. allgemein, von Heynatz 1775 noch beanstandet, doch schon vorher von Lessing und Klopstock gebraucht. belangen, v.: 1) impers. sich worauf er- strecken, etwas betreffen(häufiger anbelangen). 2) trans. klagend vor Gericht ziehen eig. mit der Klage erreichen. Mhd. mich, selten mir belanget«mich verlangt», doch auch intrans. «sich erstrecken» und trans.«erlangen, er- reichen,, älternhd. dann«betreffenꝰ und«jem. mit etwas angeheny. Vgl. ndl. belangen«be- treffen, anbelangen», engl. belong«zugehören, betreffen. belästigen, v.: lästig, beschwerlich fallen. Im 15. Jh. belestigen(Wyle 15, 1). Mhd. da- für belesten, gebildet von last. 1Belche, f.(Pl.-n), auch Belchen m.(—s, Pl. wie Sg.): eine Salmart, salmo lavaretus. Daneben auch Balche(schon mhd. balche), Bolche und mit anderm Anlaut Felchen(s. d.). Dunkler Herkunft. Belche, f.(Pl.-n): Wasser-, Bläßhuhn, fulica atra. Mhd. belche, ahd. belihha f., da- neben belinho m. Das lat. fulicaf. ist verwandt, auch gr. œœnpic f.«Wasserhuhn». Der Name von dem weißen Flecken auf der Stirn des sonst schwarzen Tieres, denn ahd. belihha gehört mit-ihha als Endung(vgl. Habicht, Kranich) zu gr. qœkéc, gäkoc, abulg. belä, lit. hältas«weißy; mhd. erscheint Belche auch als Name eines(weißen) Rosses. Vgl. Blesse. Beleg, m.(es, Pl.-e): beigefügte be- weisende Urkunde, beigebrachter Beweis, ur- spr. namentlich die unter die Grenzsteine ge- legten dauernden Zeichen der Markmeister und Feldgeschworenen. Belege, n.(—s, Pl. wie Sg.): an den Rand des Kleides gesetzter Streifen, um jenen steifer zu machen. Schon 1541 bei Frisius 502 b die belege eins Kleyds odeer leyste. Aus diesem Wort(urspr. über- haupt das Beigelegte, Beigefügte») geht auch Beleg hervor, bei Frisch 1741 und Adelung 1793 noch N.(doch kennt dieser das schon bei Rädlein 1711 angeführte M.«aus einigen Gegenden»); bei Heynatz 1775 Belege f. Da das meist im Pl. gebrauchte Wort auch Be- läge geschrieben wurde, so folgerte man da- raus auch fülschlich einen Sg. Belag, der schon 1673 bei Mühlpforth Leichenged. 155, sowie bei Lessing vorkommt. Von belegen: (ehedem) ringsum legen, belagern(2 Sam. 11, 13* 199 belegen Bellhammel 200 1), mhd. belegen, ahd. bileggen; auflegend über- decken(auch mhd.-ahd.); zu urkundlichem Beweise beilegen, beweisend beigeben(im 15. Jh. mit dem eide belegen); durch Auf- legen eines Zeichens in Anspruch nehmen; zu tragen bestimmen;(von Säugetieren) aus Geschlechtstrieb besteigen. belegen, adj.: gelegen, der Lage nach be- findlich. Eig. Part. Prät. von beliegen, mhd. beligen c«liegen bleiben, ruhen, fest woran haften», auch«beiliegend umfangen»(so ahd. biliggen). belehnen, v.: mit einem Lehen versehen, in ein Lehen einsetzen. Mhd. beléhenen. beleibt, adj.: feisten Leibes. Der Form nach Part. Pri dt., gebildet wie behaart, bejahrt. Alternhd. ist beleibt«mit einem Leib, Körper verseheny(so bei Stieler 1691) in der Bed. von cbeleibty erscheinen schawer b., ahl b. (dies aber bei Albertinus weibl. Lustg. 22 b von schönem Körper), das einfache beleibt, das Adelung nicht kennt, bei Campe 1807. beleidigen, v.:(veraltet) Leid zufügen, (dann) in Schmerzgefühl versetzen; durch Worte oder Handlungen verletzen. Mhd. beleidigen, zusammenges. aus be- und leidegen, ahd.(bei Notker) leidegön«betrübt machen, betrüben», abgeleitet von ahd.(bei Notker) leidig leidigs G. d.). 4L. Beleidigung, f.: beschwerendes, Besorgnis erregendes Ubel (Apostelg. 27, 10); Kränkung durch Worte oder Taten. Frühnhd. belemmern, v.; durch kleine Kniffe be- trügen, übers Ohr hauen. So zuerst bei Ludwig 1716. Die Angaben von Duez 1664 (belemmeln«sordidare) und Krämer 1678 (belemmeren«bedreckeny, in gleicher Bed. belampern bei Grimmelshausen Simpl. 3, 428, Kurz) weisen darauf hin, daß die ursprüng- liche Bed.«beschmutzen» ist(vgl. bescheißsen). Doch vgl. mnd.-ndl. belemmeren chindern, kraftlos macheny, verlemert«verspielty bei H. Sachs Fab. 246, 62. belesen, adj.: durch vieles Lesen viel wissend. Eig. Part. Prät. des ältérnhd. V. belesen«durchlesen, gründlich leseny. Bei Duez 1664, aber Wolbelesenheit schon bei Fischart Garg. 7. belfern, v.: schnell wiederholt bellen; (bildlich) sich in vielen Worten und wieder- holt scheltend auslassen. Mit der Frequen- tativendung-ern abgeleitet von belfen«bellen» (Goethe 2, 237), das durch Vermischung von bellen mit dem gleichbed. beffen(s. bäffen) entstanden zu sein scheint. 1542 bei Luther beluern(belvern) neben bellen. belieben, v.: 1) intrans.(mit Dat.) dem Gefallen entsprechend sein. 2) trans. nach Gefallen wofür geneigt sein; nach Gefallen ausführen. Davon das Part. Prät. beliebt: nach Gefallen getan(Günther 258); allge- mein gefallend(17. Jh.) und der subst. Inf. Belieben, n.: Gefallen. Mhd. dafür das ein- fache lieben(mit Dat.)«gefallenꝰ, auch gelieben: belieben ist erst frühnhd.(16. Jh., das Subst. im 17. Jh.). 4L. beliebig, adj.: nach Ge- fallen, behaglich, angenehm(bei Grimmels- hausen Simpl. 1, 78 Kurz); ganz dem Belieben überlassen(bei Rädlein 1711). bellen, v.:(vom Hund und Fuchs) den ihrer Stimme eignen schallenden Laut hören lassen;(bildlich) Worte und Tönée heftig und gellend herausstoßen. Mhd. bellen(Prät. ball, Pl. ballen, Part. gebollen), ahd. bellan; dazu ags. bellau(grunzen, vom Schwein), engl. bell (schreien, vom Hirsch). Als Grundbed. muß etwa«tierische Töne von sich geben» an- gesehen werden. Hierher noch ags. belgica, engl. bellow«belleny und anord. belja«bellen?; vgl. auch beilen. Man sieht aind. bhas(für bhals)«bellen», lit. batsas m.«Stimme» als verwandt an, dann müßte-A- aus-s- ent- standen sein. Der Ubergang zur schwachen Flexion beginnt im 17. Jh.; 1690 hat Bödiker S. 94 schon im Prät. bellete und boll, im Part. gebellet und gebollen, Gottsched setzt die schwachen Formen an und Adelung be- zeichnet sie als weit gewöhnlicher, die starke Biegung als obd.; doch kommt sie bei Dichtern des 18. Jh. noch häufig vor(bei Goethe 2, 208 billt, 28, 77 boll). Belletrist, m.(en, Pl.-en): wer sich mit den schönen Wissenschaften(franz. les belles-lettres), d. h. der Rede- und der Dicht- kunst beschäftigt und sie ausübt. Um die Mitte des 18. Jh. in Deutschland aufgekommen (bei Goethe 19, 92, Werther). 4B. Belle- tristik, f.: die auf die schönen Wissen- schaften bezügliche Literatur, Schönschrift- stellerei. belletristisch, adj.(Goethe 28, 177). Bellhammel, m.(“, Pl. Bellhämamel): Leithammel, d. i. der Hammel der Herde, der eine Schelle am Halse trägt. Zu thü- ringisch, ndd. belle«Schelley, ndl. bel, ags. belle f., engl. bell, altnord. bjalla f.«Glocken, das unsicherer Herkunft ist. Bei Henisch 1616. Auch ndl. belhamel m., dafür engl. bell-ꝛether. 201 Belt benamen 202 Belt, m.(es, Pl.-e): Meerenge der Ost- seèe zwischen Schleswig und Fünen, sowie zwischen Fünen und Seeland. Mhd. beltemer n. ist«Ostseen(noch P. Fleming und Ramler 1, 43. 63 meinen mit Belt die Ostsee). Kaum zu ags. belt m., anord. belti n.«Gürtel», son- dern dem lat.-germ. Baltia(bei Plinius 4. 18) entsprechend. S. baltisch. beluchsen, v.: hinterlistig(luchsartig spähend) übervorteilen. Am Anfang des 18. Jh. belegt(1706 bei Menantes allern. Art 588 und bei Rädlein 1711 beluxen, bei Adelung fälschlich belugsen). S. abluchsen. belustigen, v.: lustig, heiter machen, Vergnügen erwecken. Bei Dasypodius 1537 bellstigen. Belvedére, n.: Ort, von dem aus man eine schöne Aussicht genießt. Das ital. bel- vedére d. i.«schöne Aussicht». Um 1700 auf- genommen(Günther 728, auch bei Sperander 1728 verzeichnet), aber in der Bed. Schauspiel, Schaustück schon 1607 bei Scheible Schalt- jahr 5, 648 Bellvider n. bemächtigen, refl. v.: sich wessen mächtig machen, es in seine Gewalt bringen. 1616 bei Henisch 277. bemäkeln, s. meiceln. bemängeln, v.: Mängel in etwas finden. Junges, bei Adelung und Campe noch nicht verzeichnetes Wort, wohl aus der obd. Kanz- leisprache stammend. bemannen, v.: mit Mannschaft besetzen oder versehen. Mhd. bemannen. bemänteln, v.: einen Mantel(der im alt- deutschen Recht als Sinnbild des gewährten Schutzes gebraucht wird) um etwas hängen; verdecken und zugleich einen guten Anschein geben. Frühnhd.(vgl. Gombert 6, 14 aus Emser vom J. 1524, auch bei Luther), in gleichem Sinne vermenteln(Alberus Barfuser Münche Nr. 601, Mathesius Sar. 2292). bemeiern, v.: eig. ein Gut mit einem Meier besetzen; jemand betrügen. In der 1. Bed. bei Campe. bemeistern, v.: Meister werden über etwas. Refl. sich b.«sich bemächtigen». Bei Krämer 1678. bemerken, v.: durch festes Richten der Sinne auf etwas wahrnehmen; einen aussolcher Wahrnehmung hervorgegangenen Gedanken äußern. Mhd. bemerken c«beobachten, beob- achtend prüfen». 4L. Bemerkung, f,, bei Stieler 1691. bemitleiden, v.: Mitleid haben mit je- mand. Zuerst bei Rädlein 1711 aufgeführt, noch von Adelung 1793 den niedrigen Sprech- arten zugewiesen; nach Heynatz 1796 kommt es auch bei guten Schriftstellern in Aufnahme. bemittelt, adj.: die Mittel habend, um bequem leben zu können(bei Grimmelshausen Simpl. 4, 287 Kurz). Eig. Part. Prät. eines V. bemitteln«mit Mitteln wozu verseheny. (1677 bei Butschky Pathm. 25). Bemme, f.(Pl.-n): Brotschnitte, nament- lich in Buatterbemme«Butterbroty. Im öst- lichen Mitteldeutschland. Luther hat Putter- poname, Zehner 1622 Nomenclator S. 408, Duez 1664 und Krümer 1678 Butterbamme, dies auch bei dem Sachsen Weise(Erznarren 71) und dem Schlesier Stoppe, auch bei Ludwig 1716 und Steinbach 1734. Stieler 1691 hat das einfache Bamme, Bamm(daneben Bams Brei»). Etwa zu thüring. bammen essen), schweiz. bampen«wohlbehaglich und fast be- ständig essen», ein lautnachahmendes Wort, das eig. auf das Schmatzen mit den Lippen beim Essen geht. Nach Heyne WB. auf gr. Bduuo n.«Brühe» zurückgebend und in den Schülerkreisen der Humanistenzeit auf- gekommen. Vgl. noch E. Schröder AfdA. 23, 154. bemoost, adj.:(Studentisch in bemoostes Haupt u. dgl.) alt, eig. grau geworden wie ein mit Moos bewachsener Stein. Wohl nicht vor Anfang des 19. Jh. aufgekommen(bemooster Herr bei Goethe Faust 6638). bemüßigen, v.: Muße wozu geben, in- stand setzen, veranlassen Spätmhd. bemile- zegenist erledigen, frei(mhd. miezec) machenꝰ; dieselbe Bed. hat b. in der älternhd. Kanzlei- sprache(vgl. Schmeller ² 1, 1678), später ist das V. durch mälssen beeinflußt worden. Im 17. Jh. in der jetzigen Bed. benachteiligen, v.: in Nachteil bringen. Noch nicht bei Adelung. Nach Heynatz 1796 von einigen versucht(doch steht es schon 1663 bei Schottel S. 624). benamen, v.: mit einem Namen belegen. Mhd. benamen. Aufßerhalb der Dichtersprache veraltet. Im Ablaut dazu steht das von den schlesischen Dichtern(noch von Günther, Menantes) gebrauchte bemiemen, urspr. be- nümen, mhd.(in md. Quellen) benauomen, be- nüemen, ndl. benoemen. 4BL. benamsen: wie benamen. Frühnhd.(Franck Weltb. 59 b). Jetzt nur noch in altertümelnder Rede. Vgl. namsen unter Name. 20e3z3 benauen bequem 204 benauen, v.: in die Enge bringen, hart bedrängen, beängstigen. Aus dem Niederd. (mnd. benozaben) ins Hochd. gedrungen, bei Stieler 1691 verzeichnet. S. genau. Von Heine(6, 355 benaut«beklommen) gebraucht, bei dem auch 3, 179 das abgeleitete Subst. Benauigkeit, f.: Beklommenheit. Bendel, m. n.(-s, Pl. wie Sg.): das kurze Bindband, besonders das schmale. Mhd. bendel, ahd. bentil m., mit Suffix-iI von bant abgeleitet, dazu anord. bendill, mengl. bendel. bene, adv. in sich b. tun(Bürger 168), auch sich ein b. tan«sich etwas zu gut tun», ist das lat. Adv. bene«gut», das sich in der Studentensprache in bestimmten Wendungen festsetzte, wohl schon im 16. Jh.(vgl. Amadis ed. Keller S. 8 ein b. erlangen). benebelt, adj.(eig. Part. Prät. zum Verb. benebeln): von Nebel umhüllt(17. Jh.);(bild- lich) getrübt, trübe(bei Stieler 1691); trunken, leicht bezecht, wie sich benebeln sich be- trinkeny(im 18. Jh., z. B. bei Lichtenberg, vgl. Stieler der Wein hat ihm seine Vermunft b.). benebst, adv.: wie nebst. In der frühnhd. Kanzleisprache als benebenst, benebest. benedeien, v.: segnen. Urspr. kirch- licher Ausdruck. Mhd. benedien, entlehnt aus dem gleichbed. lat. benedicere eig.«wohl sagen, Gutes wünschen)y. Benediktenkraut, n.: die besonders in ihrer Wurzel heilkräftige Pflanze herba be- nedicta, d. i. gesegnetes Kraut. Spätmhd. benedictenkrüt n. Benefiz, n.(6es, Pl.-e): Vorstellung zu- gunsten eines Schauspielers. Aus franz. bénéftce m., das aus lat. beneficium n.«Wohl- taty stammt. Bei Campe 1813. benehmen, v.:(mit Dat. der Person und Akk. der Sache) hindernd oder abhaltend wegnehmen;(mit Akk. der Person und Gen. der Sache) durch Einwirkung erledigen. Mhd. benémen, ahd. binéman; dazu as. ags.-got. biniman«wegnehmen⸗. Refl. sich b.«sich aufführen»(erst bei Adelung 1793);(mit einem) sich mit jemand verständigen. Der Inf. als Subst. Benehmen, n.(nach Adelung cin den Kanzelleyen»). beneiden, v.: voll Neid auf jemand sein (mit Akk. der Person oder Sache, im 18. Jh. nach lat. oder franz. Vorbilde auch mit Dat. der Person und Akk. der Sache, z. B. Lessing 6, 224. Schiller Braut v. Mess. 1243). Mhd. (Selten) benöden, gewöhnlich in gleicher Bed. niden, s. Neid. benennen, v.: mit einem Namen belegen; namhaft machen; namentlich bestimmen. Mhd. benennen. Das Part. Prät. im ältern Nhd. auch benennt(Lessing 12, 11), benennet(Goethe 30, 211), s. nennen. Benennung, f., mhd. (Germ. 28, 360 mit Beleg von 1354). Bengel, m.(-s, Pl. wie Sg.): ein kurzes stangenartiges Holz; naturwüchsiger derber, dann grober Mensch. Mhd. bengel m., in der 1. Bed. als«Holz zum Schlagen», von einem nicht belegten V.»bangen(dazu mit Ablaut mhd. bunge f.«Trommel»), das dem engl. ko bang„schlagen, prügeln»(davon bangle Prügel»), anord. hanga«schlagen⸗ entsprechen würde. Dies vielleicht zu lit. büozé«Keule, Klöppel am Dreschflegel». Die 2. Bed. er- scheint frühnhd.(Liliencron 4, 32 v. J. 1531 Milchbengel von Schweizer Bauern, auch bei Hans Sachs Fab. 288, 112 Bengel von einem Bauern). Auch ndl. bengel m. Prügel⸗; dän. bengel, schwed. bängel(entlehnt) als Schimpfwort. beniemen, s. benamen. Benne, f.(Pl.-/): Wagenkorb, kasten, Sitzkasten eines Schlittens. Oberd.(bei Dasy- podius 1537 als benn angeführt). Nach franz. benne f.«Wagenkorb, Tragkorb», ital. bennd f. «Korbschlitten», die auf gall.-lat. benna«Art Wagen»(bei Festus) beruhen. Auch nd.. ben f.«Korb», engl. bin Kasten». Benno, Mannesname. Aus ahd. Benno, Koseform von Bernhard(s. d.), seltener von Berngér, Beringär. benötigen, v.: notleidend(mhd. aoœtec), bedürftig machen; nötig haben. Mhd. benô- tegen(neben bencœten) ist«in Not bringen, bedrängen, zwingeny. Das Part. Prät. be- nõligt«bedürftigꝰ(schon bei Luther),«nötig?. benschen, jüd. den Segen sprechen. Aus lat. benedicere. Als Gaunerwort 1737 belegt. Benzoë, n.(-S): gewürzhaftes Harz des Benzotbaumes. Bei Franck Weltb. 1534 S. 219 b Benzul, bei Lonicerus 1587 Benzoi, aus span. benjal m., franz. benjoin m., ital. belzuino, balgivi m., wohl aus arab. labdn dschauwe « javanischer Weihrauch». beobachten, v.: in Obacht nehmen; streng einhalten; anhaltend wonach sehen. Im 17. Jh. (Harsdörfer Gespr. 1, 287). bequem, dichterisch auch noch beguenne (Goethe 2, 268), adj. und adv.: zukommend, passend, nach Wunsch sich fügend; ange- messen zum Gebrauch ohne Beschwerlichkeit; Beschwerlichkeit scheuend. Mit Abfall eines 205 beramen bereuen 206 e aus mhd. bequcme(obd. meist bekœme, hekæme), ahd. biquãmi, dazu mnd. bequéme, ndl. bektaam, vgl. ags. geciwome«passendꝰ. Zu bekommen(Prät. ahd. biguam, Pl. biguãmun) in der Bed.«zukommen, passend sein». 4L. bequemen, v.: passend machen. Meist refl. sich bequemen, v.: sich leicht in etwas fügen. Frühnhd.(1482 im Voc. theut. d 22 bequemen, beguem machen captare*). bequemlich, adj., mhd. beguæmelich und Bequemlichkeit, f, mhd. begucæmelicheit. beramen, s. anberaumen. berappen, v.:(studentisch) bezahlen, eig. Rappen(s. d.) geben. Aus der Gaunersprache. beraten, v.(Prät. beriet, Part. beraten): womit versehen; worüber zu Rate gehen, etwas mit jemand besprechen; an jemand Rat erteilen. Mhd. beräten«mit rät(Gerät, Vorrat, Zurüstung) versehen, ausrüstens; in rät(erwägende Besprechung) ziehen, über- legen, ahd. birätan,«mit etwas vollauf ver- sehen, ganz anfüllen. beräuchern, v.: woran Rauch gehen lassen; schmeicheln. Bei Luther bereuchern, während mhd. ohne das ableitende-ern, be- rouchen. berauschen, v.: in einen Rausch ver- setzen. Refl. sich b., davon das Part. Prät. auch adjektivisch. Bei Krämer 1678. Berberis oder Berberitze, f.(Pl.-n): der Saurach, Sauerdorn. Aus neugr. lat. herberis f., das auf dem gleichbed. arab. her- bäris beruht. Im äülteren Nhd. dafür Berber- staude, während sich die Form Berberitze nicht nachweisen läßt(doch vgl. mnd. beve- ritte bei Diefenbach-Wülcker S. 230). Unter den Entstellungen von Berberis im Munde des gemeinen Mannes führt Adelung auch Berwitzen auf. berden(Jes. 61, 10), v.: sich benehmen. S. Gebüärde. berechtigen, v.: das Recht wozu geben. Bei Luther. Spätmhd. berehtegen neben dem gewöhnlichen berehten ist rechtlich anspre- chen; vor Gericht entscheiden, richten». bereden, v.: wovon reden; etwas durch mündliche Besprechung festsetzen; jemand durch mündliche Rede zu einem Glauben bringen oder wozu vermögen. Mhd. beredlen «worüber reden», dann in den angegebenen Bedeutungen, aber auch s. v. a.«beweisen, dartun, überführen?. Beredsamkeit, f.: Fertigkeit in der Rede; Redekunst. Von älternhd. beredsam, das von sich gebaren, hereden gebildet ist; früher auch(mit Anleh- nung an beredt) beredtsam und Beredtsambeit geschrieben, was noch Adelung zuläßt. Um 1600 auftretend neben Beredtheit, das 1599 bei Albertinus Sendschreiben 2, 4 ² steht. beredt, adj. und adv.: fühig zu bereden (wozu durch Redefertigkeit zu bestimmen), redegewandt. Eig. das Part. Prät. von beredden, aber in der älternhd. Form mit unterdrücktem e der Endung(auch oft mit kurzem Vokal gesprochen). Mhd. beredet, bei Luther beredt (früher auch bered, wie er auch gesand für gesandt schreibt). Bereich, m.(es, Pl.-e): Umkreis, Raum, so weit die Befugnis, die Macht reicht. Bei Campe 1807 noch nicht verzeichnet; nach Heynatz 1796 von ihm eingeführt und zuerst gebraucht, dann auch von Goethe. Von älter- nhd. bereichen«reichen bis an—, erreichen». bereichern, v.: reicher(mhd. richer) machen. Erst um 1600(Albertinus Kriegsleut Weckuhr 2, 187). Früher bereichen, mhd. berichen«reich macheny. bereit, adj. und adv.: gerüstet, gerichtet zur Tat: zu Diensten stehend. Mhd. bereite, bereit, ahd. bireiti. Urspr. wohl«weg-, reise- fertigꝰ, zu reiten gehörig(wie fertig zu fahwen). Vgl. in andrer Zusammensetzung ags. gercẽde, (woraus engl. ready cbereit, fertig), mhd. gereite, anord. greidr«bereitstehend, bequemꝰ, got. garaids cbestimmt, angeordnet». 4 BL. bereiten, v.: wozu richten, anordnen, mhd. bereiten. Bereiter, m.: wer Pferde zureitet(bei Henisch 1616), Kunstreiter; beaufsichtigender reitender Beamte(in Land-, Forst-, Zoll- bereiter). bereits, Gen. des Adj. als Adv.: schon (vgl. mit gleicher Bedeutungsentwicklung ndl. reeds, alreeds zu reede, engl. already zꝛu ready); in obd. Umgangssprache) beinahe. Bei Luther und bis gegen Ende des 17. Jh.(2. B. bei Lohenstein Hyac. 77) dafür bereit(auf das mhd. Adv. bereite zurückgehend), was auch Stieler 1691 noch anführt; bereits erst bei Krämer 1678. Bereitschaft, f., mhd. bereitschaft«Ausrüstung, Gerätschaft, bares Geld»(in der jetzigen Bedeutung bei Krämer 1678). bereitwillig, adj. und adv. Bei Krämer 1678. bereuen, v.: Reue worüber empfinden. Mhd. periuroen nur unpersönlich(mich beriuzwet eines dinges), was auch älternhd. vorkommt. Luther verwendet bereiwen auch als trans. V. 207 Berg Berg, m.(-es, Pl.-e): bedeutende Erd- höhe. Mhd. berc(Gen. berges), ahd. berg, berag m.; dazu asächs.-ndl. berg m., ags. beorh (Gen. beorges) m.«Grabhügel», anord. berg und bjarg n., schwed. berg, dän. Bjerg n., got. rbairgs m. zu erschließen aus bairgahei f. «Berggegendy. Berg vielleicht zu bergen (s. d.). Zunächst gehört es aber mit Burg, arm. ber]«Höhe», kymr. bry«hoch), altir. bri, Akk. breg«Berg», zu aind. byhant, awest. barozan-«Höhe», so daß als Grundbed.«das Hohe, Erhabeneanzunehmenwäre. Zu Berge: aufwärts, stromaufwärts(schon mhd. ze berge). Dazu die Adv. bergab, bergan, bergauf (schon mhd.). 4B2. bergig, adj., mhd. hergiht. ZUS. Bergknappe, m., mhd. hercknappem. Bergmann, m., 1482 im Voc. theut. y 5 b perchmann; dazu bergmännisch, adj., 1590 bei Albinus Meißn. Bergchron. 80. Bergwerk, n., mhd. bercwwerc. Bergamötte, f.(Pl.-n): eine Birnenart. Aus franz. bergamot, ital. bergamotta f. Aus türk. beg-armasda«Fürstenbirne». Im 17. Jh. üblich(1652 bei Rist Parnaß 81 Bergamotten- birne). bergen(Imp. birg, Prüt. barg, Part. ge- horgen), v.: wovor wahrnehmend in Sicher- heit halten; der Wahrnehmung enteiehen. Mhd. bergen(Prät. barc, Pl. burgen, Konj. hürge, Part. geborgen), ahd. bergan; dazu asächs. hergan, ags. beorgan, anord. hjarga, schwed. herga, dän. bjerge, got. bairgan«bewahren». Mit Ablaut gehört hierher ags. Pyrgan, engl. burg«begraben», asächs. burgisli, ags. Dyrgels uI., engl. barials(Pl.)«Begräbnis». Aus dem Slav. wird abg. bregqh«bewahre, behüte ver- glichen, das aber vielleicht entlehnt ist. Berg (s. d.) könnte verwandt sein, wenn das Verbum von dem Nomen abgeleitet ist. Vgl. noch Meringer Idg. Forsch. 18, 262. Bergfried, m.(-es, Pl.-e): Kampfturm, der bewegliche hölzerne, wie der steinerne zur Verteidigung. Mhd. bercvrit, mit Ausfall des c bervrit m.«hölzerne Verschanzung auf einem Berge, Bollwerk, Turms, zusammenges. aus mhd. berc und vricde«Schutz». Aus dem deutschen Worte das mlat. ber-, belfredus, afranz. berfroi, beffroit«Wachtturmo, ital.(mit Anlehnung an hattere«schlagen») battifedo m. bergig, Bergknappe,-mann,-werk, s. Berg. Bericht, m.(-es, Pl.-e):(veraltet) be- lehrende Zurechtweisung; mündliche oder schriftliche Darlegung worüber, namentlich Berserker 208 eines Untern an seinen Obern. Mhd. beriht m. und f.(dies auch noch bei Luther)«Mit- teilung, Belehrung, Versöhnungy. Von be- richten, v.: zurechtweisen, zurechtweisend belehren; Kunde wovon oder worüber geben; mündlich oder schriftlich darlegen. Mhd. be- rihten crecht machen, in gehörige Ordnung bringen, einrichten, bestellen, schlichten, unter- weisen, belehren?. berichtigen, v.: richtig machen. Zuerst bei Adelung 1774 verzeichnet. Früher erscheint in gleicher Bed. berichten(s. d.). Schon spät- mhd. berihtigunge f.«Vertrag, Vergleich». beritten, adj.: zu Pferde sitzend; mit einem Pferde zum Reiten versehen. Mhd. beriten. Eig. Part. Prät. von bereiten, mhd. beriten«(das Reittier) aufsitzend in Bewegung setzen,(eine Fläche) reitend durchziehen». Berkän, m.(-es, Pl.-e): Zeug aus Ziegen- haar und Wolle. Mhd. barkän m. s. Barchent. Berline, f.(Pl.-/): bedeckter Reise- wagen, der zurückgeschlagen werden kann. Im 18. Jh. aus dem gleichbed., bereits 1712 vorkommenden franz. berline f., eig.«Berliner (zuerst von Berlin nach Paris und da in Gebrauch gekommener) Wagen». Berlocke auch Brelocke, f.(Pl.-n): Uhrgehängsel. Im 18. Jh. aus franz. breloque, hennegauisch berloque f.,«zierliche Kleinigkeit geringen Wertes, Anhängsely, das man aus lat. bis und anord. löky m. etwas«Herab- hangendes» erklärt. Bernhard, Mannsname, mhd. Bernhart, ahd. Berinhart. Bernstein, m.(-s): gelbes brennbares Erdharz. Von ndd. bernen(mit Metathese, vgl. bersten) cbrennen, schmelzen», also eig. Stein, der im Feuer schmilzt, vgl. börnen. Alternhd. Nebenformen sind Bornstein, Barn- stein(auch ndl. barnsteen m.). Schon im 13. Jh. erscheint mnd. bornstén, 1475 im Teuthonista bern-, barnstein, auch in hd. Glossaren des 15. Jh. schon bernstein(selten brenn-, brennenstein). Bornstein im 16. Jh, z. B. bei Mathesius Sar. 61², Fischart Garg. 397, auch noch bei Henisch 1616 neben Barn- stein; 1598 bei Hutterus Dict. 792 Börnstein. Schottel S. 512 hat nur Bernstein. Im Ahd. heißt der Bernstein gismelzi n., von schmelzen, im Mhd. ageslein eig. Magnet, auch älternhd. oft Agstein(s. d.). Vgl. auch Glas. Bersérker, m.(-s, Pl. wie Sg.): von Kampfeswut erfüllter Krieger(bei Goethe 29, 87 Berserkerwuth.). Entlehnt aus dem 209 bersten Besanmast 210 gleichbed. anord. berserler m., eig.«Bären- Keid»(ber- Bär», serkr«Kleid»), dann «Männer in Bärengewand, die von tierischer Wut befallen und mit unwiderstehlicher Ge- walt sich auf alles Lebende stürzen, um es zu vernichten?. bersten(Imp. birst, Prät. barst, Part. geborsten), v.: auseinanderbrechen. Mit Um- stellung des r(entsprechend dem Md. Ndd.) aus mhd. bresten(Prät. brast, Pl. brästen, md. auch brusten, Part. gebrosten), ahd. brestan, unpers. anch«mangeln, gebrechen»(s. Ge- bresten); dazu asächs. brestan, anord. bresta und mit gleicher Umstellung wie im Nhd. ndl. barsten, afries. bersta, ags. berstan, engl. burst. Gehört zu brechen oder zu air. brissim cbreche», gr. mεο⁵αν αerstöre». S. Walde unter frustumn. Das Wort ist von Luther aus dem Md. eingeführt und dem Obd. urspr. fremd(bei Dasypodius, Maaler und selbst Dentzler nicht angeführt). Das Prät. lautet älternhd. auch borst(Schottel S. 581 erborst, auch noch Brockes 1, 151, Bürger 203), davon noch jetzt der Konj. börste. Imp. birst, Präs. birstet, birst auch schwach gebildet: berste, berstest, berstet. Pert, an Mannsnamen wie Adelbert, Albert (s. A el), Hubert usw., bed. s. v. a.«glänzend, leuchtend„. Aus mhd. berkht, ahd. beraht «glänzend, leuchtends; dazu asächs. berht, ags. beorht, engl. bright, anord. Ljartr, got. bairhts«offenbar». Weiter vergleicht man lit. bérsti«wird weißy, s. Wiedemann Idg. Forsch. 1, 512, gr. qopkév Aeuxév, oNv, bucév Hes., Grienberger Wiener SB. 142, 43. Vgl. auch ’hrecht. Davon der Frauenname Berta, mhd. Berhte, ahd. Berahta, Berhta. Zusammenges. mit bert ist auch der Mannsname Bertold, mhd. Berhtolt, ahd. Berahtolt, in dem-olt auf-walt zurückgeht. Bertram, m. oder n.(-es, Pl.-e): die Geiferwur,, lat.-gr. pyrethrum. Frühnhd. auch noch berchtram, brechtram, mhd. ahd. berhtram an den deutschen Mannsnamen Berhtram, Bertram d. i.«glänzender Rabe, Glanzrabe? angelehnt und so mit deutschem Klang aus dem gr. lat. Namen der Pflanze Pyrethwunn, gr. mpepov n., abgeleitet von nôp n.«Feuer⸗ und nach dem scharfen brennenden Geschmack der Wurzel benannt. Der Name Geifer- oder Speichelwurz, weil die Wurzel gekaut den Speichel stark zusammenzieht. berüchtigt, adj.: worüber übles Gerede (Gerücht) umläuft. Eig. das Part. Prät. von Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. berüchtigen«in übles Gerede bringeny, das aus dem Nͤd. stammt(mnd. beruchtigen, berochtigen neben der einfacheren Bildung beruchten), aber im 15. Jh. auch in md. Quellen zu finden ist(1469 beruchtigen im mittelrhein. Voc. ex quo«infamare?, 1501 im Leipziger Voc. optimus, vgl. auch Diefenbach- Wülccker 195). Uber rüchtigen s. ruchbar und Gerücht. berücken, v.: listig täuschend fangen, eig. das Netz über die gefangenen Vögel rücken(Pred. 9, 12); unvermutet überfallen und zu Schaden bringen, betören. Durch Luther eingeführt. berücksichtigen, v.: Rücksicht worauf nehmen. Zuerst von Campe 1807 als Wort der Umgangssprache angeführt. Beruf, m.(-es, Pl.-e):(veraltet) Ruf, spätmhd. beruof«Leumund; Stellung, in die man eingewiesen ist, Bestimmung, Amt(bei Luther); innerer Antrieb. Von berufen, v.: herbei, zusammenrufen, zu etwas rufen, mhd beruofen, ahd. bihruofen; zur Rede setzen, tadeln(mhd. beruofen mit Gen. oder von, umbe); etwas unzeitig und zum Unheil nennen (frühnhd., wie beschreien, eig. nur laut von etwas reden, vgl. mhd. beruofen claut aus- rufen»). Refl. sich berufen(mit auf): jemand anrufen, an jemand appellieren, jemand oder etwas zur Bekräftigung einer Behauptung heranziehen(mhd. sich beruofen mit an, in, auch intr. beruofen). Davon das Part. Prät. berufen auch s. v. a.«berühmt»(bei Luther); berüchtigt, verrufen(bei Fleming 586). berühmt, adj.: rühmlich bekannt. Bei Luther. Eig. Part. Prät. von berihmen, mhd. berüemen«rühmen?(später nur sich berühmen mit Gen.). Beryll, m.(-es, Pl.-e): ein meergrüner Edelstein. Mhd. berille(Gen. berillen), barille aus dem gleichbed. gr.-lat. berollus, gr. BupuxXoc m. f., das aus prakrit. velurijam, vérulijam, aind. vaidurja stammt. S. auch Brille. besabbern, s. sabbern. besage, präp. mit Gen.: nach Wortlaut. Im Kanzleistil, schon frühnhd., gekürzt aus spätmhd. nãch besage, woraus sich ein spätmhd. besage f. Wortlaut, ausdrücklicher Inhalt⸗ ergibt, abgeleitet von besagen, ahd. bisagén caussagen. Besänmast, m. Hintermast, Besänsegel, n.: Hintermastsegel. Jenes das ndl. bezaans- mast f., zusammenges. mit ndl. bezadn f. snächster Mast am Hinterteil des Schiffes». 14 211 Besatz Bescheid 212 Das Wort ist wohl schon im 16. Jh. ein- gedrungen, da Fischart im Garg. 117 besanet Schiff«mit der Besan ausgestattetes» hat; Ludwig 1716 verzeichnet zuerst Besaan f. Da- neben erscheint eine Form mit anlautendem m (im 16. Jh. bei Chytraeus Moysahn, bei Fleming 584 Meysan«Besansegel»), die dem ital. mezzana, franz. mizaine, engl. mizzen entspricht und als ursprünglicher anzusehen ist; zugrunde liegt lat. mediana die in der Mitte befindlichey. Besatz, m.(-es, Pl. Besätze): das womit etwas eingefaßt(besetzt) wird. Junge, bei Adelung 1793 noch nicht verzeichnete Bil- dung von beselzen(wie Verlag von verlegen, Versand von versenden). Besatzung, f.(Pl.-en): die in einem Orte liegende Mannschaft. Zu besetzen, mhd. besetzen«mit der nötigen Mannschaft ver- sehen, bevölkern?, wie Bestallung zu bestellen. Spätmhd. besatzunge(neben besetzunge) f. ist Befestigung»; Besatzung in der jetzigen Bed. erscheint bei Fronsperger Kriegsb. 1, 115, wüh- rend Luther dafür Besetzung hat(1. Makk. 4,2). besaufen, v.:(veraltet) völlig trunken machen. Mhd. besüfen(Prät. besouf, Part. besoffen)«versinken, ertrinkeny, vermischt mit dem Faktitivum besoufen(Prät. besoufke), ahd. bisoufen ertrinken machen, ertränken, eintauchen». Jetzt nur refl. sich b.(zuerst bei Krämer 1678). beschaffen, adj.: nach den Merkmalen erscheinend. Mhd. beschaffen, Part. Prat. von beschaffen«erschaffeny, ist«vorhanden, be- findlich, existierend, durch das Schicksal be- stimmt», während geschaffen, Part. Prät. des einfachen schaffen, auch die Bed. von sge- staltet, gebildet» hat, die bei beschaffen im 17. Jh. hervortritt. 43L. Beschaffenheit, f.: bestimmte Art des Erscheinens nach den Merkmalen. Bei Henisch 1616. Mhd. be- schaffenheit ist«Schöpfungy. beschäftigen, v.: tätig(geschäftig) ma- chen. Gebildet von einem unbelegten, aber nach ndd. bescheftich«geschäftig» vorauszu- setzenden md. Adj. bescheftic(belegt ist nur in md. Quellen scheftic«geschäftig, tätig» und gescheftic). Bei Krämer 1678. In mhd. Zeit erscheint dafür md. bescheften. beschälen, v.: dieStute befruchten. 4B 2. Beschäler, m.: Zuchthengst. 1482 bescheler im Voc. theut. d 3 b neben scheler ce 4², wofür mhd. einfacher schél, ahd. scélo m.«Schell- hengst»(s. d.). beschaulich, adj.: auf innere Betrachtung gerichtet. Spätmhd. beschouewelich(in der deutschen Theologia), von beschouoen, das bei den Mystikern(nach lat. contemplãri) von der inneren seelischen Betrachtung ge- sagt wurde. Bescheid, m.(-es, Pl.-e): genaue unter- scheidende Kenntnis; genaue Auskunft wor- über; schlichtende Erkenntnis in einer Rechts- sache; zukommende Erwiderung(auch beim Trinken, vgl. bescheyd thun bei Dasypodius 1537, Alberus Fab. 8, 60). Mhd. bescheit m. n. und bescheide f. Von bescheiden, v.:(ehe- dem völlig scheiden, dann) gehörig ausein- andersetzen; worüber genauen Bericht geben, bestimmt benachrichtigen; ein die Rechtssache schlichtendes Erkenntnis erteilen; vorladen; zuteilen. Refl. sich bescheiden«zur klaren Erkenninis wovon kommen, in einsichtsvoller Weise sich in seinen Wünschen und An- sprüchen beschränken». Mhd. bescheiden«völlig scheiden, entscheiden, schlichten, einrichten, bestimmen, benachrichtigen, zuteileny. Davon das alte Part. Prät. bescheiden als Adj. (aber sonst beschieden s. scheiden): 1)(ver- altet) Bescheid wissend, erkenntnis-, einsichts- voll(Schiller Tell 1, 4. 5, 1), mhd. bescheiden; 2) zum Refl.(ebenfalls veraltet) zurückhaltend, maßhaltend, zichtig(so zuweilen schon mhd., z. B. Wigalois 155, 1, dann in frühnhd. Glos- saren, z. B. 1482 im Voc. theut. d4 bescheydener ctranquillusꝰ, in andern Glossaren«modestus?, bei Maaler 1561«züchtig»); mäßig in Wunsch und Anspruch(im 17. Jh.). 43L. Be- scheidenheit, f.: Mäßigkeit in Wunsch und Anspruch. Mhd. bescheidenheit ist dagegen crichtige(alles wohl auseinanderlegende und haltende) Einsicht und Beurteilung, Verstän- digkeit»(so noch Luther, doch schon 1501 im Voc. opt. R 2 b«meßigkeit, modestia», bei Maaler 1561«moderatio, verecundia). be- scheidentlich, adj. und adv.: der Mäßigkeit in Wunsch und Anspruch gemäß. Mit ein- getretenem t aus mhd. bescheidenlich ver- ständig, den Umständen angemessen, ge- bührlich, deutlich». ZUS. Bescheidessen, n.: was man den Nachbarn von einem Schmause oder Schweineschlachten zuschickt, dann was Gäste beiseite legen und den Ihrigen nach Hause senden oder bringen, damit sie gleich- sam Bescheid tun d. h. nachessen. Im ältern Nhd. 1482 im Voc. theut. d 42 und noch 1717 Abrahamisches Bescheidessen des P. Abraham a. S. Clara. 21³ bescheinigen beschuppen 214 bescheinigen, v.: einen Schein worüber ausstellen. Bei Stieler 1691, aber noch in der ältern Bed. coffenbar machen, beweisen». Nicht von Schein ausgehend, sondern Neben- form(mit Anlehnung an das älternhd. Adj. scheinig, mhd. schinec cleuchtend, glänzend, in die Augen fallend, sichtbar») von älternhd. bescheinen, mhd. bescheinen sichtbar machen, sehen lassen, zeigen, beweisen, dem Faktitivum zu dem starken V. bescheinen(Prät. beschien), mhd. beschänen, ahd. biskinan cerleuchten, er- hellens ist. Die jetzige Bed. bei Ludwig 1716 (daneben bescheinen noch bei Adelung). bescheißen, v.: mit Kot beschmutzen; frech betrügen. Mhd. beschäzen auch schon in der 2. Bed., ahd. biscizan nur in der 1. bescheren, v.: ein Geschenk, als Geschenk zuteilen. Mhd. beschern(namentlich von gött- licher Schickung)«zukommen lassen, verleihen, bestimmen’, eig. czuteil geben», ahd. biscer jan abteilen» oder absondern, besonders zur Wegnahme cberaubens; dazu ags. bescyrian bescyrwan cberaubeny. Das einfache mhd. schern, ahd. scerjan, asächs. skerian, ags. scyrian ist cabteilen, zuteilen, bestimmen? usw., abgeleitet von Schar(s. d.). Ein andres Wort ist bescheren cbeschneiden», s. scheren. beschicken, v.: ihn holen lassen, mhd. beschicken; durch Ab- gesandte besuchen lassen; in Ordnung bringen, versorgen(mhd. beschicken ist cim Testament festsetzen»), vgl. geschickt. beschlafen, v.: beiliegend schwängern, mhd. besläfen; zum Uberdenken eine Nacht, verziehen(frühnhd.). Beschlag, m.(es, Pl. Beschläge): wider anderes Festgemachtes zu Festigkeit oder Zierde(spätmhd. beslac m., daneben auch beschläge n.); Hufeisen des Pferdes und dessen Befestigung; Außerer Ansatz und Anflug, der sich abwischen läßt; erhobener Anspruch auf etwas, um es zurückzuhalten(erst bei Steinbach 1734, wohl aus dem Ndd., schon mnd. das V. beslän«mit Beschlag belegen»). Von beschlagen, v.: wiger etwas schlagen; fest anschlagen an etwas; befestigend womit überziehen, einschließen, versehen z. B. das Pferd an dem Hufrand mit einem Hufeisen (in diesen Bedd. mhd. beslahen, ahd. bislahan); (weidmännisch) trächtig machen. Davon das Part. Prät. beschlagen auch adjektivisch: mit Kenntnissen wohl versehen, eig. durch Eisenbeschlag stark und dauerhaft, wie franz. ferré,(bei Duez 1664). nach jemand schicken, beschleunigen, v.: rasch fördern(bei Stieler 1691). S. schleunig. beschmaddern, v.: voll schmieren, be- schmieren, besudeln(Wieland Lucian 1, 331). Bei Stieler 1691 beschmaderen. Aus dem Ndd., zusammenges. mit ndd. smaddern«beschmut- zen, schmierens, wohl aus älterm smoddern, ndl. smodderen, das zu Schmutz(s. d.) gehört. beschnäufeln, v.:(von Jagdhunden) schnaufend beriechen, abgeleitet von be- schnaufen, s. schnaufen. Bei Adelung 1774. beschneiden, v.: ringsum abschneidend schneiden; wegschneidend der Vorhaut be- nehmen. Mhd. besnöden, ahd. bisnadan. 4 BL. beschneiteln, v.: wie beschneiden(früh- nhd.). S. schneiteln. beschnellen, v.: betrügen. Veraltet, aber noch bei Bürger, Voß. Wegen der Bedeu- tungsentwicklung vgl. prellen. beschnüffeln, v.: beriechend untersuchen. Bei Lessing 10, 176 chne Umlaut beschmuff eln. S. schnuffeln. beschnuppern, v. anetwasumherriechen. In einem md. Glossar des 14. Jh. besnoppern cnaschen». Bei Lessing 1, 126 beschnopern. S. Schnuppern. beschönigen, v.: durch Schönmachen verdecken und entschuldigen. Dafür mhd. beschœnen«schön machen, schmücken, ver- herrlichens, dann s. v. a. centschuldigen, recht- fertigen». Auch im ältern Nhd. beschönen(noch 1753 bei Nieremberger); das erweiterte be- schönigen bei Steinbach 1734. beschränken, v.: in Grenzen(Schranken) fassen, einschließen, einengen. Refl. sich b.: sich in Grenzen halten. Das Part. Prät. be- schränkt auch adj.: begrenzt, allzu eng, geistig unfahig(bei Goethe). Mhd. beschrenken ist«umklammern, einschränken, versperren, zu Fall bringen, überlisten», ahd. biscrenken «zu Fall bringen, verleumden?. beschreiben, v.: voll schreiben; schrift- lich aufzeichnen; schriftlich darstellen; über- haupt darstellen, schildern(in diesen Bedd. mhd. beschriben); eine Linie darstellen, eig. beim Zeichnen, dann aber auch durch eigene Bewegung. beschummeln, v.: in niedriger Weise betrügen. Bei Adelung als ndsächs. Ausdruck für«durch Geschwindigkeit oder List be- trügen» angeführt. S. schummeln. beschuppen, v.: anführen, überlistend betrügen. Das gleichbed. nd. beschuppen; eig. hd. wäre beschupfen. Zusammenges. mit schup- 14* 215 Beschwerde fen, md.-ndd. schuppen«durch einen kurzen Schwung schaukelnd in Bewegung setzen, hin und wieder stoßen, überstürzen»,(mundartlich dann) zübertölpeln, zum besten haben»(s. Schmeller²2, 441), vgl. auch mhd. underschupfen «ein Bein stellen und so zu Falle bringen, mit List verdrängen, überlisten». 1687 kommt in der Gaunersprache schuppen cbetrügen), Besitz 1 21 6 beseitigen, v.: auf die Seite, weg schaffen. Weiterbildung eines ältern beseiten, nach Hey- natz 1796 nur in obd. Staatsschriften, dann bei Campe 1807. beseligen, v.: in hohem Grade beglücken, eig. selig(s. d.) machen. Frühnhd.(auch bei Luther), aber in der Bed.«begaben»(noch bei Stieler 1691, doch daneben die jetzige Bed.). 1750 beschuppen vor; Adelung 1774 führt Besemer, s. Desem. den Ausdruck als ndsächsisch an. Besen, m.(-s, Pl. wie Sg.): Kehrwerkzeug, Beschwerde, f.(Pl. n): Schmerzempfin- Rutenbündel zur Zucht;(studentisch) Mädchen, dung, Betrübnis worüber, sowie Außerung, namentlich niedern Standes(seit Ende des Klage derselben; drückend Belästigendes. Mhd. 18. Jh. nachzuweisen, doch jedenfalls weit heswdærde f., zusammenges. mit ahd. sewdtrida f. älter, Haushäsem als Schimpfwort schon bei drückende Lasto, von schaoer, ahd. swäri.— Fischart). Mit Abschwächung des Suffixes zu beschweren, v.; schwer d. i. schmerzlich,-en(doch Besem noch bei Steinbach 1734, drückend, lästig machen und sein. Mhd. be- auch bei Goethe, z. B. 14, 308 auf Besmen) sircren, ahd.(bei Notker) besuwären. Refl. aus mhd. beseme(Gen. besemen, dann auch sich beschaweren: sich eine Last aufladen; als stark), ahd. besamo m.; dazu ndl. bezem, ags. Last empfinden(Sir. 7, 39); über Drückendes klagen(im 16. Jh. mit Gen. der Sache). 4 B L. beschwerlich, adj.; drückend lüstig. Früh- nhd.(bei Luther). Beschwernis, f.: drückend Belästigendes. Mhd. beswœyrnisse f. beschwichtigen, v.: durch Zureden ruhig machen. Aus dem Nd., mit ndd. cht für hd. ft, Ableitung von ndd. soichten, mhd. sewiften «stillen, dämpfen», das von mhd. Sewift cruhig» gebildet ist; ahd. gis:cirtοn«stille sein, schwei- geny. Der zugrunde liegende Stamm wohl auch in got. sweiban aufhören, nachlassen). Das von Adelung 1793 noch nicht angeführte Wort braucht 1778 Hermes Sophiens Reise 6, 636; 1795 wird es von Campe Bereicherung empfohlen; Wieland führt dann 1797 das schon 1774 von Klopstock gebrauchte schzwichtigen in die neue Bearbeitung der Belsora Suppl. 2, 65 ein(bemerkt aber S. 79, daß das Wort 1751 außerhalb Niedersachsens unbekannt ge- wesen sei), von da an wird b. oft gebraucht. beschwören, v.: mit Beteuerungen bitten; durch Zauberspruch vergewaltigen, schwörend bekräftigen. Mit Entwicklung eines e aus ö (S. schcören) aus mhd. beszwern, ahd. bisewerian; got.(ohne J-Verstärkung im Präs.) biszwaran. besebeln, v.: betrügen. In der Gauner- sprache. Schon frühnhd. auch literarisch(z. B. besebeln Mathesius Sar. 78 b, 224a, besefelen Fischart Garg. 302, davon dann Besebler Be- trüger? Mathesius Sar. 276a, Beseffler Mo- scherosch Phil. 2, 629). Eig. bescheißen(im Lib. vag. sefeln«scheißen») zu hebr. arm. zcbel «Mist, Kot⸗. Doch vgl. auch sabbeln, sabbern cden Speichel fließen lassen, beschmutzen). hesma m., engl. besom. Dunkler Herkunft. Redensart: neue B. kehren gut«wer neu im Amt oder Dienst, ist zu eifrig, ist übertätig» (schon bei H. Sachs 21, 80 die neiwen Besen Keren wwol und im Vridanc 50, 12 der niuwe beseme kéret wol!). Dim. Besenchen, n., bei Goethe auch noch Besemchen und gekürzt Beschen(31, 99). ZUS. Besenstiel, m., mhd. hesemstil, bei Goethe(Faust 2308) auch s. v. a. Hexenmeister, vom Ritt der Hexen auf Besen (Ebd. 3835). besessen, als Adj. gesetztes Part. Prät. von besitzen(s. d.): von einem innewohnen- den bösen Geiste ganz eingenommen oder geplagt. So schon mhd. besezzen. besichtigen, v.: in Augenschein(Sicht) nehmen. Im 15. Jh. tritt besichten, daneben auch schon das weitergebildete besichtigen (1507 bei Wilwolt von Schanmburg 80, auch bei Luther) auf. Besing, s. Beere. besinnen, refl. v.: etwas durch feste Richtung der Sinne im Geiste wieder gegen- wärtig machen. Mhd. besinnen(mit st. u. schwacher Flexion)«mit fester Richtung der Sinne in Uberlegung ziehen, zur Erkenntnis bringen, erachten, refl. sich b. cnachdenkend sich bewußt werdeny. Das Part. Prät. als Adj. gesetzt besonnen: gefaßten Sinnes und überlegt, mhd. besunnen und besinnet(daher auch älternhd. bis ins 18. Jh. besinnt). 4L. Besinnung, f.: UÜberlegung; Kraft der Über- legung. Erst bei Adelung 1793. Besitz, m.(-es): Innehaben einer Sache zu voller Verfügung. Im 15. Jh.(1482 im 217 besoffen Voc. theut. d 4*, aber in der Bed. Belagerung), dann bei Luther(5 Mos. 33, 23) in der Bed. Besitzung, besessener Grund und Boden» und später, doch anfangs noch selten. Mhd. dafür besez m. n. Im 18. Jh. im Besitz sein adie Macht wozu haben, in der Lage sein»(Schiller 4, 117). Von besitzen, v.: innehaben zu freier Verfügung. Mhd. besitzen, ahd. bisiazen, eig. cumsitzen», daher auch cbelagern), dann auch in der jetzigen Bed.; dazu asächs. bisittian, ags. besittan. S. auch besessen. 4BL. Be- sitztum, n., erst im 17. Jh.(Zesen Ibr. 427 Besitztuhm). Besitzung, f, mhd. besitzungef. besoffen, als Adj. gesetztes Part. Prät. von besaufen(s. d.): aus Unmäßigkeit völlig betrunken(1697 bei Ettner unw. Doctor 841). besolbern, s. besulbern. besonder, adj.: für sich als Teil eines Ganzen von anderm getrenntw; als eigentümlich auszuscheidend; vor anderm hervorzuhebend. Das Adj. taucht erst im 14. Jh. spärlich auf, gebildet aus dem mhd. Adv. besunder«in Ab- gesondertheit, im einzelnen, vorzüglich», ent- standen aus be- als Abschwächung der mhd. Präp. bi«bei» und dem Adv. sunder, ahd. suntar(s. sonder). Davon mit genetivi- schem s das Adv. besonders. Frühnhd. (bei Liliencron 3, 395 v. J. 1521 besunders, bei Luther besonders). besorgen, v.: mit Sorge bedenken, mit Sorge entgegensehn, mhd. besorgen, ahd. bi- soragén(auch refl. sich b. mit Gen.); Sorge um etwas tragen, die Sorge wofür über- nehmen(auch mhd. ahd.);(abgeschwächt) auszuführen übernehmen. Das Part. Prät. besorgt adjektivisch: Sorge habend worum, fürsorgend bedacht, angstbewegt, mhd. be- sorget. 4BL. besorglich, adj. u. adv., früh- nhd. Besorgnis, f., erst im 18. Jh.(Heynatz 1796 führt es als neues Wort auf, das von verschiedenen guten Schriftstellern gebraucht werde). Beide zu besorgen in der 1. Bed. besprechen, v.: geradezu ansprechen (Schiller Zerst. v. Troja Str. 48); in Anspruch, in Beschlag nehmen(Goethe 21, 253; 29, 252. Schiller Parasit 1, 5); verabreden(Goethe 36, 153); durch Hersagen von Spruch oder Formel einwirken auf—; mündlich be-, verhandeln. Refl. sich b.: sich miteinander unterreden, besonders worüber. Mhd. besprechen san- reden, bitten, beschuldigen, verabredenꝰ, auch sich b.«sich durch Sprechen miteinander beraten», ahd. bisprehhan auch cherabsetzen, tadeln, rügen, verurteilen». Die Bed.«zau- Bestand 218 berisch einwirken auf— erst bei Adelung 1774(doch schon mnd. bespreken), die Bed. «mündlich verhandeln» ist ganz jung(noch nicht bei Campe 1807). besser, adj. u. adv.: anderm vorzuziehend, vorzüglicher; noch mehr als anderes. Der übliche Komparativ des Begriffes gut. Mhd. bezzer, ahd. bezziro(mit schwacher Flexion); dazu asächs. betero, ndl. beter, ags. betera, engl. better, anord. betri, schwed. bättre, dän. bedre, got. batiag. Als Adverb steht mhd. baz(s. baß, auch wegen der Etymologie), nhd. aber besser. 4L. bessern, v.: besser machen, refl. sich bessern«besser werdenꝰ. Mhd. bezzern, ahd. bezzirõn. Davon Besserung, f., mhd. bezzerunge, ahd. bezzirunga. best, Superlativ zu dem Kompar. besser (s. d.). Mhd. begzest, bezzist, meist verkürzt (mit Schwinden des 3z vor s) best, ahd. bezzist: dazu asächs. betest, Detst, ndl. best, ags. betest, betst, engl. best, anord. beztr, schwed. büst, dän. bedst. Redensarten: zum Besten geben eig. cbei einem Fest als Preis(das Beste) aussetzen, dann«überhaupt für eine Gesell- schaft spenden, preisgeben»(im 17. Jh. bei A. Gryphius); zum Besten haben«verspotten, anführen», eig. wohl als Zielscheibe beim Preisschießen bestimmen», dann zum LZiel von Angriffen machen»(1715 bei Ettner Hebamme 196; im 17. Jh. dagegen um Besten haben als Gewinn davontragen). 4BL. bestens, adv., im 17. Jh. bestallt, adj.: in ein Amt eingesetat, namentlich in dem kanzleimäßigen Wohlb. Ein erstarrtes Part. Prät. mit Rückumlaut von bestellen(s. d.), denn mhd. bestellen bildet im Prät. bestalte, Part. bestalt und bestellet. Zuweilen wird zu bestallt ein Inf. bestallen gebildet(schon mhd. in md. Quelle bestallen cbesetzen»).— Bestallung, f.: Ubertragung einer Stelle; amtliche Stelle, sowie die damit verbundene Besoldung. Im 15. Jh. bestallange f. Gebildet von bestellen, wie Besatzung von besetzen. Bestand, m.(-es, Pl. Bestände): das Standhalten, Festbleiben, Dauer; alles zu- sammen was ein Ganzes ausmacht;(obd.) Pacht, Miete(das Sein worin für eine Dauer). Im 15. Jh. bestant m., namentlich«Waffen- stillstandy, dann auch«Dauer, anhaltendes Sein, Pacht, Miete». Zu bestehen. 4 BL. Be- ständer(obd., auch Beständner), m.: Pächter. beständig, adj. u. adv.: festbleibend, un- unterbrochen dauernd, mhd. bestendec. ZUS. 219 bestätigen Bestandteil, m., bei Adelung 1774 aus der philosophischen Sprache. bestätigen, v.: stetig(stätig) d. i. fest- stehend, beständig, dauernd machen(sich b. bei Goethe 35, 68); als giltig erklären, be- kräftigend giltig machen. Mhd. bestœtigen (daneben auch bestœten, s. Bestätter), ahd. bloß stãtigõn, von dem Adj. stätig«stetig»(s. d.). bestatten, v.: feierlich zu Grabe bringen. Mhd. bestaten urspr.«an seine oder überhaupt eine Statt bringen», dann«eine Statt geben, mit allem Nötigen versehen», besonders«zur Heirat ausstatten, zu Grabe bringen'. Bestätter, m.(-, Pl. wie Sg.): wessen Gewerbe es ist die Versendung von Gütern zu besorgen, der Spediteur. Am Rnein. Von bestätten«mit Leistung von Sicherheit ver- bundene Versendung von Gütern besorgen» mit Kürzung des Vokals aus mhd. bestœæten cbeständig machen, festgesetzt machen», dann «Sicherheit leisten für—». Schon im 15. Jh. in Frankfurt besteder(Diefenbach-Wülcker S. 209); Adelung hat noch richtiger Bestelter. bestechen, v.: rings um etwas stechen; in etwas stechen, einstechend versuchen(in der Bergmannsprache, schon mhd.); durch Geld zu einer unrechten Handlung verleiten, die Vorteil bringt;(übertragen) für sich ein- nehmen. Die 3. Bed. erscheint frühnhd.(Sallust R 2), daneben auch einfaches stechen(2. B. mit gelt gestochen Sallust 8 2, stechen mit geschenchen Luther 5, 418 b Jen., mit gelt stechen Franck Chr. 66 b); sie geht vielleicht von der 2. Bed. aus, bestechen also eig.«auf die Probe stellen, versuchen»(in diesem Sinn auch mhd. stechen). 4BL. bestechlich, adj., erst bei Adelung 1793. Besteck, n.(-Lels, Pl.-e): das Futteral, in das gewisse zusammengehörige Werkzeuge eingesteckt und in dem sie getragen werden, sowie diese Werkzeuge selbst; Messer und Gabel(die früher oft in einem Futteral ge- tragen wurden). Frühnhd.(Fischer 1, 937). Bei Stieler 1691 auch Gesteckc. bestehen, v.: 1) intrans.(worauf, worin) Stand halten, fest bleiben, woraus gebildet oder zusammengesetzt sein, überhaupt sein. 2) trans. feindlich entgegenstehen; kräftig (fest stehend) unternehmen oder durchdauern; stehend räumlich einnehmen. Mhd. bestãn, ahd. bistantan, bistän«Stand halten, stehen bleiben; bleiben; umstehen, stehend besetzen, feindlich angreifen, überfallen, mhd. auchs. v. a. «als Lehensträger oder Mieter übernehmens. Besuch 220 bestellen, v.: wohin zu festem Stand an- weisen(Jos. 10, 18; 2 Kön. 7, 17); in ein Amt einsetzen(2. Chron. 19, 5); wohin bescheiden oder zu kommen laden; beauftragen zu fer- tigen; in Stand setzen, bestimmt ordnen, zu- richten; zur Besorgung befördern. Mhd. be- stellen crings umstellen, besetzens(namentlich mit Bewaffneten),«einsäumen, in den Stand setzen, bestimmen, anordnen, ordnen, als Ei- gentum, zur Nutzung überweisen, zur Stelle bringen, besorgen», ahd. bistellen«rings um- stellen, umgeben». S. auch bestallt. bestens, s. best. bestiälisch, adj.: tierisch roh, viehisch. Aus lat. bestiäãlis«tierisch wild, viehischy, von bestia f.(s. d. f.). Frühnhd.(1538 bei Schaidenreißer Paradoxa 2 b, 1598 bei Albertinus Sendschr. 1, 207 b). Bestialität, f.: tierische, viehische Roheit. 1603 bei Albertinus Zeit- kürzer 50 b Bestialitet. Aus neulat. bestialitas f.— Bestie, f.: wildes Tier. Aus lat. bestia f.«wildes(Wald-) Tiers, bei Plautus auch Scheltwort. Schon mhd. bestie, frühnhd. auch als Scheltwort. Nd. früher Beest n., Pl. Beeste, jetzt auch Biest n., Pl. Biester. bestimmen, v.; durch die Stimme be- zeichnen, entschieden bezeichnen, mhd. be- stimmen«benennen, mündlich bezeichnen, fest bezeichnen⸗; einem Gebrauche oder einer Auf- gabe zuweisen; nach unterscheidenden Merk- malen genau abgrenzen(bei Ludwig 1716); entscheidend zu etwas veranlassen(bei Ade- lung 1774, zunächst aus der philosophischen Sprache). Davon das Part. Prät. bestimmt in adjekt. Gebrauch«fest bezeichnet; genau abgegrenzt; entschieden, wie franz. décidé (erst bei Campe 1807). bestreiten, v.: bekümpfen, mhd. bestriten; in der Rede entgegentreten; bewältigen, An- forderungen Genüge tun(bei Stieler 1691), namentlich in Bez. auf Kosten. bestricken, v.: berücken eig. im Stricke fangen. Mhd. bestricken. bestürzen, v.: durch Unerwartetes die Geistesgegenwart verlieren machen. Mhd. be- stürzen, ahd. bisturzen«überstürzen, umwen- den», dann«außer Fassung bringen, verwirrt machens». 4B1. Bestürzung, f., 1626 bei Zincgref Apophth. 1, 23. Besuch, m.(-es, Pl.-e): das Sichwohin- begeben, um dort eine Zeitlang zu verweilen, sowie die besuchenden Personen selbst. Mhd. besuoch m. ist«das Gehen nach einem Orte, um dort ein Recht(des Weidens, Holzsammelns 221 besudeln Betreff 222 usw.) auszuüben, sowie dieser Ort selbst»; ahd. besuoh(bei Notker)«Heimsuchung». Die jetzige Bed. bei Henisch 1616. Von besuchen, v.:(veraltet) durchforschen; wohin begeben, um dort eine Zeitlang zu verweilen. Mhd. be- suochen«suchen, aufsuchen, untersuchen, ver- suchen, feindlich angreifen; ahd. bisuohhen «versuchen, auf die Probe stellens. besudeln, v.: beschmutzen. In Glossaren des 15. Jh. besudlen, bei Luther besuddeln. S. Sudeln, besulbern, v. arg beschmutzen. Mit Uber- gang eines aw in b aus mhd.(in md. Quellen) besulavern, abgeleitet von mhd. besulaen, be- sülaen, dessen sulzen, sülwwen von ahd. sol n. Kotlaches(s. Suhle) abgeleitet ist. betagt, adj.: in hohem Alter stehend. Mhd. befaget«in ein gewisses Alter getreten». Eig. Part. Prät. von einem V. betagen«mit einem Alter versehen»(mhd. nur sich betagen calt werdeny, während betagen«Tag werden, als Tag bescheinen, ans Licht kommen usw.» ist). Vgl. bejahrt. betätigen, v.: tätig zeigen, durch Taten an der Tag legen. Refl. sich b.: sich tätig zeigen, namentlich in einer Eigenschaft. Zu- erst bei Heynatz 1796 als ein Wort der Aftergeschäftssprache, dann bei Campe 1807, seit 1805 oft von Goethe gebraucht. betäuben, v.: empfindungslos, gehörlos, unfähig zum Denken, dumpf an Sinn und Geist machen. Mhd.(meist ohne Umlaut) be- touben, eig.«taub machen», dann«besinnungs- los machen, betören, entkräften, vernichteny. 1 Bete, s. Bede. „Bete, f.(Pl.-n): Strafsatz im Karten- spiel. S. Labet. beteiligen, v.: Anteil geben, Teil nehmen lassen. Refl. sich b.: Anteil nehmen, dazu das Part. Prät. beteiligt. Erst bei Campe 1807 als obd. Wort angeführt. Alternhd. findet sich be- teilen«Anteil woran gebenꝰ, wie ndl. bedeelen. Betel, m.(s): ostindisches Rankengewächs, dessen rotsaftige, bittere, wohlriechende Blätter gekaut werden. Aus franz. betel m., engl. betle, portug. betere und betele m., das aus dem Ma- layischen abgeleitet wird. Es kommt als Betele schon 1595 bei Hulsius Schiffahrten 1, 22 vor, bei Münster Cosmographey Asien Kap. 88. 104 Betele, Bettele. beten, v.: eine Bitte an ein höheres Wesen aussprechen, überhaupt zu demselben feierlich sprechen. Mhd. beten, ahd. betön(mit Akk. der Person) eig. cbitten», dann«zu einem höhern Wesen bitten, zu demselben feierlich, sprechenꝰ, abgeleitet von mhd. bete, ahd. beta, got. bida f.«Bitte, Gebet. Entsprechend asächs. bedon. beteuern, v.: hoch und teuer versichern. Bei Henisch 1616. Nach den Lauten entspricht mhd. betiuren, das aber zu kostbar dünken» bedeutet, doch kommt spätmhd. beteurung schon in dem Sinne Beteuerung» vor. Betönie oder Betunie, f.(Pl.-n): Glied- kraut, Schlüsselblume. Mhd. batönie, ahd. be- tönia, nach dem lat. Namen betonica f., nach Plinius hist. nat. 25, 46 aus gallisch vettonica nach dem am Tajo wohnenden Volk der Vettones. Vgl. auch Batengel. Betracht, m.(es): Erwägung. Von Adelung als obd. Wort den Kanzleien zu- gewiesen, aber von Wieland 4, 10 gebraucht. Vgl. Anbetracht. Mhd. erscheint betrahte f. cBedachtsein worauf, Absicht, Erwägung, Überlegung. Von betrachten, v.: mit Auge und Geist hingezogen sein oder ver- weilen auf—. Mhd. betrahten, ahd. bitrahtön «woraufhin denken, worauf achten, bedenken, erwägen, ausdenkens». 4BL. beträchtlich, adj. u. adv.: was in Betracht kommt, er- heblich. Frühnhd., in der jetzigen Bed. aber erst im 18. Jh. üblich werdend(Lessing 7, 38) und von Adelung 1793 verzeichnet. Betrach- tung, f., mhd. betrahtunge f. Betrag, m.(-es, Pl. Beträge): die Summe. Bei Steinbach 1734(mhd. betrac m. ist«Ver- gleich»). Von betragen, v.: voll tragen, besonders mit edelm Metalle belegen, mhd. hetragen; zusammengetragen(berechnet) aus- machen(bei Duez 1664). Refl. sich b.: sich im äußern Verhalten zeigen. Mhd. sich be- tragen(aber mit schwacher Flexion Prät. betragete, Part. betraget) ist«sich nähren, sich behelfen, auskommen mit etwas», dann auch«mit einem auskommen⸗, diese Bedd. auch noch älternhd., die jetzige zuerst bei Nieremberger 1753. Davon der substantivierte Inf. Betragen, n.(Lessing 1, 430). betrauen, v.: Treu und Glauben zu- wenden;(einen mit etwas betrauen): es ihm auf Treu und Glauben übergeben. Mhd. be- triuwen, betrſuen dn Treue erhalten, schützen; in frühnhd. Glossaren ist betrauen«trauen?. Stieler 1691 und noch Adelung 1793 bezeichnet das Verb als unüblich bis auf das Part. Prät. betraut. Betreff, m.(-s): Beziehung auf—. Aus der Kanzleisprache bei Heynatz 1796 und 223 vetreten Bettler 224 schon 1755 bei Dornblüth S. 169 angeführt. Davon das genetivische Adv. betreffs(bei Campe 1807). Von betreffen, v.: bei etwas antreften, namentlich bei etwas Schlechtem, ertappen; befallen, zustoßen; angehen, Be- ziehung haben auf—. In der letzten Bed. ist das Wort frühnhd.(auch bei Luther). Das Part. Prät. betroffen auch adjektivisch cunangenehm berührt, betreteny. Im 18. Jh. (bei Gellert, Wieland, Lessing). betreten, v.: auf etwas treten; eintreten in etwas, beschreiten; bei etwas antreffen, ertappen, mhd. betreten«treffen, iiberraschen, ergreifen»; befallen, zustoßen(bei Luther). Das Part. Prät. betreten auch akjektivisch zunangenehm berührt, verwirrt»(bei Luther). Betrieb, m.(-es, Pl.-e): das Treiben auf etwas, z. B. des Viehes; Ausübung einer Tätigkeit(bei Adelung 1774); Antrieb(früh- nhd.). Zu betreiben. 43L. hetriebsam, adj., bei Adelung 1774. betroffen, s. betreffen. betrüben, v.: trübe machen;(bildlich) freudlos machen und schmerzlich bewegen. Mhd. betrüeben. Das Part. Prät. betribt auch adjektivisch. 4L. Betrübnis, f., spätmhd. (md.) betriebmisse f. n. Betrug, m.(-es): Täuschung zu Nachteil oder Schaden. Frühnhd. 1501 im Voc. opt. L. 5ᷓ bedruch«frausy, dann bei Luther Betrug). Mhd. dafür betroc m.«Betrugy, ahd. bitroc «Trugbilds.— betrügen(Prät. betrog, Part. betrogen), v.: zu Schaden oder Nachteil täu- schen. Mhd. betriegen, ahd. bitriogan. Alter- nhd.(auch bei Luther) betriegen und so noch bei Gottsched und Adelung und im 18. Jh. herrschend; bei Goethe in der Ausgabe letzter Hand durchgeführt. Daneben findet sich seit dem 16. Jh.(im Anschluß an Betrug und unter Einfluß von lügen) betrügen, das im 18. Jh. häufiger wird; Heynatz 1796 zieht es vor und Campe 1807 führt es allein an. S. trügen. 4BL. Betrüger, m., 1482 im Voc. theut. d 6u betrieger. Davon Betrügerei, f., spätmhd. betriegeri. betrüglich, adj. u. adv.: zum Betrügen geneigt; Betrug mit sich führend. Spätmhd. betrieglich, dann auch bei Luther, sich mischend mit betrigelich, be- trogelich, das von betroc(s. Betrug) gebildet ist, ahd. bitrogalih«seltsam, scheußlichs. Betschwester, f.: durch vieles Beten sich auszeichnende weibliche Person. Mhd. betschꝛwester f. ist«Nonne?, die jetzige Bed. im 16. Jh.(Nas Pract. E 75). Bett(-es, Pl.-en), mundartlich und in der Dichtersprache auch Bette, n.: Lager- und Schlafstatt, sowie Schlafgestell und-gerät; Gerinne für das Wasser. Alternhd. Bette (so bei Luther), Bett, obd. auch Beth(s. Beæt). Mhd. bette, bet, ahd. betti, beti n.«Bett und Beet»; dazu asächs. bed, ndl. bedde, bed, ags. bedd, engl. bed, afries. bed n., anord. bedh m. «Polstery, schwed. bädd m.«Bett⸗, dän. bed n. Beet», got. badi n.«Betty. Schwerlich ist die Bed.«Beety als die älteste zu nehmen, vgl. Braune Btr. 23, 250, aber man kann mit, Meringer Wiener SB. 144, 6, 107 doch an Ver- wandtschaft mit lit. bedéti, lat. fodére«graben⸗ (vgl. Walde s. v.), lett. bedre«Grufty denken: Bett wäre dann eig. die in die Erde einge- wühlte Lagerstätte(der Tiere). Die 2. Bed. liegt bei afranz. bied«Flußbett» zugrunde. Der Plur. lautet mhd. und älternhd. bette, wie noch Gottsched Sprachk. ³ 232 ansetzt, doch daneben schon im 17. Jh. Betten(Zesen Ibr. 498, Weise Pol. Näscher 190), was Adelung als herrschend bezeichnet, doch daneben noch Bette(= Gebett) und als obd. Better; diese Form wird auch 1772 von Goethe 39, 16 ge- braucht. 48L. betten, v.: die Stätte zum Liegen, Ruhen bereiten. Mhd. betten, ahd. bettõn. Bettel, m.(-à): das Bettelngehen; ärm- lich Geringfügiges. Im 15. Jh.(Wyle 161, 3). Von betteln, v.: anliegend demütig bitten; um eine Armengabe bitten. Mhd. betelen, ahd. betalön, betolön, abgeleitet von bitten; dazu ndl. bedeln. 4BL. Bettelei, f. bei Luther. bettelhaft, adj. 1691 bei Stieler. Bettler, m., mhd. betelœre, ahd. betaläri m. 2ZUS. bettelarm, adj.: bis zum Betteln arm. Bei Ludwig 1716. Bettelmann, m., mhd. betelman m. Bettelmönch, m., früh- nhd.(Brant Layensp. M 3 b bettelmünich). Bettelsack, m., mhd. bettelsac m. Bettel- stab, m., mhd. hetelstap m. Bettelvogt, m.: Bettelrichter, im 17. Jh. betten, s. Bett. Bettlade, f.: Bettgestell, bei Dasypodius 1537. bettlägerig, adj.: krank im Bette liegend, im 17. Jh.(Stieler 1691 hat dafür bettlägericht). Bettstatt, f.: Bettstelle, mhd. bettestat. Bettstelle, f. bei Adelung als niedersächsisch(Bedstelle) aufgeführt. Bett- stollen, m.: Bettpfosten, mhd. bettestolle m. S. Stollen. Bettzieche, f.: Kissenüberzug mhd. bettezieche f., ahd. betteziohha. S. Zieche. Bettler, s. betteln. 225 betuchen Beutel 226 betüchen und betücht, adj. u. adv.: still nachsinnend, still in sich gekehrt, ver- steckt verschwiegen. Urspr. Gaunerwort für cleise, still, verschwiegen, geheimꝰ aus hebr. bãtäach«Vertrauen habend, sicher», dem Part.(Pass.) von bãtach«vertrauen», von den deutschen Juden betäche ausgesprochen. Auch jüdisch-deutsch betũches(bei Hebel) astill in sich gekehrts, aus hebr. baftucho, einer In- finitivbildung aus bätach. In betucht ist- angetreten. Doch scheint auch Mischung eingetreten zu sein mit ndd. ndl. bedacht(cht aus ft) cbekümmert, besorgt, md.(wetterau- isch) bedãft, bayr.- österr. beduft, s. tüfteln. betulich, adj.: sich tätig zeigend, rührig; gewandt und entgegenkommend im Verkehr (bei Goethe z. B. Paldopbr. 45). Von sich betun: sich geschäftig zeigen(bei Stieler 1691 auch«sich bequem ausbreiten»); im Verkehr gewandt und entgegenkommend sein. Betzel, f.(Pl.-n): Haube oder Mütze, besonders weibliche. In Hessen, Franken, Preußen(thür. elsäss. betze). Mhd. bezel. Beuche, beuchen, s. Bauche, bauchen. Beuge, f.: Krümmung. Mhd. biacge f. beugen, v.: biegen machen; niederbiegen; niederbiegen zur oder in Demut;(gramma- tisch) flektieren(von Adelung 1774 als un- bequem abgelehnt). Mhd. bõugen, ahd.(bei Notker) bougen; dazu asächs. bõgian, ags. hẽgan, bigan, anord. beygja, schwed. böga, dän. böie; got. baugjan fehlt. Faktitiv zu biegen(s. d.). 4BL. beugsam, adj. Bei Krämer 1678. Beule, f.(Pl.-n): knotenartig aufgelaufene Erhöhung am Körper, besonders von Schlag, Stoß u. dgl. Mhd. biale f., ahd. biulla, bülla (aus*bulia) f. Blatter; dazu ndl. buil f., ags. byle, byl m. Geschwulsty, engl. bile«Ge- schwür», anord. böla(für*bühlon-) f. Diese Form erweist, daß ein Guttural vor! verloren gegangen ist; Beule gehört mit Bühel(s. d.) zu biegen. Verwandt ist wohl noch(mit Ablaut) got. ufbauljan zaufblasen. Doch sind auch andre Erklärungen vorgeschlagen, vgl. Uhlenbeck PBrBtr. 20, 327, Johansson KZ. 36, 364, E. Schröder ZfdA. 42, 62, Walde s. V. foliun, fugio, furunculas. Beunde, f.(Pl.-n/): umfassendes, urspr. eingefriedigtes, von den Rechten der Ge- meinde, besonders ihrem Viehtrieb befreites und so zu ausschließlicher wie jeder be- liebigen Nutzung des Berechtigten abge- schlossenes Grundstück. Mhd. biunt, biunde Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. ahd. biunt, biunta f. Da im mnd. bitbende entspricht, dürfte das Wort als zusammen- gesetzt aus mhd. bi und einer Ableitung von want anzusehen sein, eig. worum sich der Zaun windet. 1Beute, f.(Pl.-n): hölzernes Bienenfaß; (in Hessen) Backtrog, Backtisch; hohler Holz- kasten(in Leipzig Staarheute f.«Brütkasten für Staare»). Spätmhd. biute f.«Backtrog, Bienenkorb(1470 hd.-mlat. biota f.«weites tiefes langes Gefäß, Ständer» bei Diefenbach mlat.-hd.-böhm. Wb. 51), ahd. biatta f. Bienen- faßy. Dazu ahd. biot, afränk.-mlat. Deuudas, beodus(lex sal. 46, 2), got. biude m.«Tischy, (daraus abg. bljudo n.«Schüssel), ags. béod⁴ m.«Schüssel zum Auftragen», bayr. schwäb. biet f.«Kasten in der Kelter, schweiz. biet m. f. «Vorder- oder Hinterteil eines Kahns». Das Wort wird gewöhnlich zu bieten, got. biudan «dar-, vorlegen», gestellt. Vgl. indessen Meringer IF. 16, 159, Grienberger Wiener SB. 142, 8. Die Grundbed. ist vielmehr Holzblock; auf den Bienenkorb(urspr. ein ausgehöhlter Baumstamm) wegen der Xhn- lichkeit der Form übertragen. Für diesen findet sich übrigens im 15. Jh. auch pewonte f., entsprechend jetzt wetterauisch beune(aus beunde) f.«Backtrog»(Crecelius 156). ²Beute, f.: Kriegs-, Jagdgewinn. Mhd. in ostmd. Quellen bute, biute f., nebst dem V. büten, biuten cerbeuten, rauben, Beute verteilen», aber auch s. v. a.«Worte wech- seln, sich unterreden und tauscheny. Der Grundbegriff ist der des Wechsels, des Um- tausches, des Ubergehens in andre Hände. Das Wort ist aus dem Nâd. mit unverscho- benem t ins Hd. gekommen, mud. bute f. «ausch, Verteilung, Beutey und baten tau- schen, verteilen, erbeuten»; dazu ndl. buit m. Beutey, anord. bJti n.«Tausch, Beutey und byta«tauschen, verteileny. Franz. butin m. Beute» aus dem Inf. haten«erbeutenꝰ. Wahr- scheinlich zu air. bäaid n.«Siegy. Nhd. findet sich das Wort im Voc. theut. von 1482(e 4² bathen, peuten«wechßelny und y 8³ peꝛotnemer oder Pewtgeber predator*), dann 1517 bei Trochus bute«preda» und bei Luther, durch den es allgemein geworden ist. Obd. im 16. Jh. auch beugt, beigt mit Anlehnung an Beige. 1 Beutel, m.(es, Pl. wie Sg.): eine Art Meißel, auch in den Zusammensetzungen Lochbeutel, Stechbeutel. Mit ndd. t für hd. 6 und eu für ez(bei Frisch Beisel). Es ent- 15 227 Beutel bewegen 228 spricht ndl. beitel, mnd. betel, beitel m.«Meibel, Keil». Nicht identisch mit dem folgenden Worte, sondern zu beißen(s. d.), lat. findere zu stellen, da dies auch vom Eindringen einer Schneide, z. B. des Schwertes, Scher- messers gebraucht wird. Aind. entspricht bhiduräs æspaltendy, bhéduram n.«Donner- keil?. 2Beutel, m.(-s, Pl. wie Sg.): rundes Holz zum Mürbeschlagen des Flachses vor dem Brechen. Ins Hochd. aufgenommen(bei Adelung 1774) aus ndd. bötel, dessen ö hier zu eu wurde; dazu ags. bytel, engl. beetle, anord. begtill m.«Hammery. In hd. Form würde es Bößel lauten(vgl. mhd. bözel m. Prügel»). Zugrunde liegt mhd. bözen(mit urspr. starker Flexion)«schlagen, klopfen?, ahd. bõzan, ags. béatan, engl. beet, anord. haufta. Vgl. Amboß. 4BL. beuteln, v.: mürbe klopfen. 3Beutel, m.(-S, Pl. wie Sg.): Säckchen, besonders etwas darin zu tragen und aufzu- bewahren; als Mehlsieb in der Mühle dienender wollener Sack; der lang niederhangende Hoden- sack mancher Tiere. Mhd. biutel m. n.(auch vom Mehlbeutel), ahd. bFütil m.«Sack»; dazu ndl. baidel, zusammengez. buil m. Dunkler Herkunft, schwerlich zu bieten, auch nicht aus mlat. buletellum, das vielmehr aus dem Deutschen stammt. 4L. beuteln, v.: zum Durchstäuben des Mehles durch den Mühl- beutel sieben;(obd. auch) schütteln. Mhd. biuteln. ZUS. Beutelgarn, n.: sackförmiges Fischnetz(s. Garn). Beutelratte, f.: die ihre Jungen in einem Beutel am Bauche tragende Rattenart. Beutelschneider, m.: wer Geldbeutel abschneidet d. h. stiehlt, mhd. hintelsnãder; wer in die Beutel schneidet, d. h. unmäßig hohe Rechnungen macht. Beutel- tuch, n.: Siebleinwand zu Mehlbeuteln und Nähtereien, mhd. bPiufeltuoch. Beutheie, f.(Pl.-/n): Bötteherschlegel zum Antreiben der Reife. Bei Adelung 1774. Zusammenges. aus Beute f.«Ständer, hölzernes zuberartiges Gefäß»(s. 1Beucte) und obd. Heie f. cRamme, hölzerner Hammer», mhd. heie, ahd. heia f.«Sturmbock). Bevölkerung, f.(Pl.-en): die Besetzung eines Landes mit einer Volksmenge; die Volksmenge selbst. Bei Adelung 1774, der die 2. Bed. aber nur einigen Neuern zu- schreibt. Von bevölkern, v.: mit Volk besetzen. Bei Stieler 1691 neben dem ültern bevolken, gebildet von dem Pl. von Volk. bevor, adv.: vordem, vormals, zuvor; nahe zukommend; voraus. Dann im 17. Jh. auch als Konj. verwandt(cehe»), wobei eig. als hinter bevor zu ergänzen ist. Mhd. bevor, ahd. bifora, adv. u. präp.: angesichts, früher, in Zukunft. Zusammengerücktes bi cbei» (zu bi-, be- geschwächt) und fora«vory. Vgl. asächs. biforan, ndl. bevoren, ags. beforan, engl. before. bewahren, v.: worauf mit Sorge sehen, daß es erhalten oder behalten werde. Mhd. beꝛwarn, ahd. biwarön. S. wahren. Der Konj. bewahre auch als Ausruf«nicht doch, keineswegs», eig. Gott beꝛwahre mich. bewähren, v.: als wahr, wirklich, gut be-, erweisen. Refl. sich b. Mhd. bezocxren, ahd. bidren, biuwärran(aus biwürian)«wahr machen, als wahr, wirklich zeigen, beweisen). Das Part. Prät. bewährt als Adj. gesetzt in der Bed.«durch Erfahrung tüchtig ge- funden»(schon mhd. bezwcret). bewahrheiten, v.: als wahr erweisen. Im 18. Jh.(bei Lavater, Goethe), wohl nach ndl. bewwaarheden. 1793 von Adelung als albernes Wort einiger Neulinge für beweiseny ab- gelehnt. bewältigen, v.: sich einer Sache mächtig (geꝛwaltig) zeigen, überwältigen. Im 15. Jh. beꝛweltigen und(ohne Umlaut) beꝛwaltigen, mhd. dafüũr gerwaltigen, geweltigen«in seine Gewalt bringeny. bewandert, das Part. Prät. von bewan- dern als Adj. gebraucht: aus eigner Anschau- ung bekannt womit, eig. s. v. a. vielgereist. Frühnhd.(Froschmeus. unbetwandert, 1631 bei Zincgref 2, 41 bezwandert, dafür bei Maaler 1561 bewandelt). bewandt, als Adj. erscheinendes Part. Prät. von bewwenden(s. d.): endlich beschaffen, eig. zu Ende gebracht oder gekommen. Mhd. be- want«beschaffens, namentlich mit Adv. 2wol, haz, übele bewwant. 4L. Bewandtnis, f,, im 17. Jh.(Harsdörfer Gesprechsp. 1, 283 Bewwantni). ibewegen(Prät. bezoog, Part. berogen), v.: anregend den Willen bestimmen, zum Ent- schlusse bestimmen. Mhd. bewégen(Prät. be- wac, Part. belegen), fast immer refl. sich h.: sich wozu wiegen» d. i.«auf die Glückswage legen und somit wozu hinneigen, sich aufs Geradewohl wozu entschließen, seinen Willen bestimmenꝰ, dann auch mit Gen. s. v. a.«sich seitwürtsbewegen, abwenden, sich entschlagen, ahd. bicoegan«aus dem Zustand der Ruhe 229 bewegen bezeugen 230 bringen, wägend prüfen». Das nhd. stark flek- tierte beꝛwegen hat sich wohl nicht aus mhd. sich b. entwickelt, sondern vielmehr aus dem schwachen bewegen(s. d. folg.) abgezweigt, unter Einfluß des mnd. bezoegen, das stark und schwach flektiert. Luther hat ein starkes beuwegen«abwägen und zu einem Entschlusse bringen⸗, doch flektiert in dieser Bed. das V. auch schwach, wie öfter im ältern Nhd.(noch bei Schiller 11, 282); umgekehrt kommen von bewwegen ein Bewegung versetzen» ülternhd. auch starke Formen vor. Im Präs. ist die starke Flexion überhaupt nicht durchgedrungen(nur im 16. Jh. Formen wie bewwiegst, bewwiegt, be- wieg, auch bei Luther). Das Praät. lautet schon älternhd. beroog, das Part. bewwogen, s. wgen. zbewegen(Prat. beꝛwegte, Part. bewvegt), v.: aus dem Zustand der Ruhe bringen(daher refl. sich b. außer dem Zustande der Ruhe, in einer Veränderung im Raume sein»); in eine Stimmung versetzen, bei der das Gefühl ergriffen ist(daher das Part. Prät. bewegt «ergriffenen Gefühls»). Mhd. bewoegen«wozu aus der Ruhe bringen, antreiben», eig. be- wegen machen, also das Faktitiv des vorher- gehenden stark flektierenden b.; Refl. sich b. csich auf den Weg machen». 4BL. beweg- lich, adj. u. adv., mhd. bewegelich. Bewegung, f., mhd. bewegunge. ZUS. Beweggrund, m. Nach Gombert 7, 13 im Anfang des 18. Jh. auftretend(dafür im 17. Jh. Bewegungsgrund, z. B. 1663 bei Gryphius Trauersp. 386). bewehren, v.: mit Wehr d. h. Waffen zu Schutz und Trutz versehen. Bei Henisch 1616. Von Wehr(s. d.) gebildet, nicht das mhd. beꝛwern, ahd. biwerian, biwerran,«wovon be- wahrend abhalten, verteidigen, verwehren, das mit wehren zusammengesetzt ist. Beweis, m.(Gen. Beuweises, Pl. Bewweise): ausreichende Begründung und was dazu dient. Frühnhd. Von beweisen(Prät. beroies, Part. beꝛwiesen), v.: belehrend, begründend dartun, tätlich zeigen. Mhd. bewisen(urspr. m. Gen.) zurechtweisen, wessen kundig machen, be- lehren, dartun, bestimmtzeigen, aufweisen usw. Die Flexion ist urspr. schwach, wie noch bei Luther u. a., doch schon im 15. Jh. obd. auch stark; Schottel setzt die starken Formen an. bewenden, v., nur noch im Inf. gebräuch- lich in der Bed.«verbleiben» und«beruhen». Mhd. beuoenden, ahd. biwenten«völlig weg-, ab-, zum Ende wenden, zu Ende bringen und kommen, um-, anwenden, verwandeln, ge- stalteny. Vgl. bezwandt.— bewerkstelligen, v.: werkstellig d. h. ausführbar machen, zur Ausführung bringen. Im 17. Jh.(1677 bei Butschky Pathmos 611). Beruht auf einem mhd. ze werlce stellen«zur Ausführung bereiteny. bewilligen, v.: 1) intrans. sich willig erklären, einwilligen. Im 15. Jh. und oft bei Luther. 2) trans. sich wozu willig erklären, namentlich zur Erfüllung einer Bitte. Bei Maaler 1561. bewillkommen, v.: willkommen heißen, als willkommen begrüßen. Bei Krämer 1678. Gebildet von mhd. willexome(neben oille- komen), ahd. willikomo, s. willlommen. Da- für jetzt gewöhnlich(von eilllommen aus gebildet) bervwilllcommnen, das Campe 1807 noch nicht verzeichnet und Schiller, Goethe nicht gebrauchen. bewirken, s. irken. bewogen, s. bewwegen. bewußt, adj.: wissend, geistig gegenwär- tig. Das als Adj. gebrauchte Part. Prät. von ahd. biizzan«geistig inne haben», 1562 bei Mathesius Sar. 201° sich bewwissen«Bescheid wissen». Mhd. bezwist, beipest kommt wie das V. beꝛwigzen nicht vor; Luther hat betousst, S. Franck(Weltb. Vorr. à 22 u. ö.) u. A. beaoist. ZUS. bewußtlos, adj., zusammenges. mit dem substantivischen Beroußt m., älternhd. und noch bei Adelung 1793 angeführt. Be- wußtsein, n., 1720 bei Chr. Wolff Metaphys. § 797. bezühmen, v.: nach Willen oder Gefallen tun. Verschieden von bezähmen ewillfährig, lenksam machen». Bei Luther(der bezemen schreibt), z. B. 2. Sam. 16, 11 in bezühmen lassen. Schon im 12. Jh. in md. Quelle einen bezemen lãäzen, ndd. betemen laten«einen tun lassen was ihm ansteht, wie ihm gefüllta. Zusammenges. mit mhd. zemen(s. ziemen). bezecht, das als Adj. gesetzte Part. Prät. von bezechen: durch vieles Zechen trunken geworden. Frühnhd.(Wickram von guten Nachb., Hans Sachs Fab. 256, 15). bezeichnen, v.: das Zeichen wofür sein, sich als sinnliches Zeichen worauf beziehen; vorstellig machen; durch ein Zeichen merk- bar machen. Mhd. bezeichenen«mit einem Zeichen ausdrücken, bildlich vorstelleny, ahd. bizeihhenen und bizeihhinôn, wofür häufiger das einfache zeihhenen, abgeleitet von zeihhan n. bezeigen, v.: zu erkennen geben. Mhd. bezeigen anzeigen, bezeichnen, kund tun?. bezeugen, v.: durch Zeugnis bewähren. Mhd. beziugen«mit Zeug d. i. Waffen und 15* 231 bezichten Biberwurz 232 Wehr versehen, ausrüsten», dann«durch Zeug- nis erweisen»,(mit Gen. der Sache)«durch Zeugnis überführen. bezichten, v.: wie bezichtigen(s. d. folg.). Bei Goethe Reineke 9, 112 dafür(mit An- lehnung an Zucht) bezüchten. Abgeleitet von älternhd. Bezicht, mhd. biziht f.«Beschuldi- gung», ahd. biziht f.«Kennzeichen der Schuld, Verdachtszeichen», zu bezeihen, mhd. bedhen, ahd. bizhan æals der Tat verdächtig und schul- dig bezeichnen.— bezichtigen, v.(mit Akk. der Person und Gen. der Sache) als der Ur- heberschaft, der Vollbringung von Straffälligem verdächtig in Gedanken haben oder bezeichnen. Frühnhd., wohl zunächst in der Kanzleisprache (auch bei Luther), früh auch schon in der Schreibung bezüchtigen(1524 bei Emser Anm. z. N. Test. O 1²), wie bei Schiller Karlos 3, 10. Wohl auf ein ahd. Adj. bizihtic«beschuldigt zurückzuführen, wie ahd. ginzihligön mit vor- getretenem gi- auf ahd. inzihlic, mhd. inzihtec, von ahd. inzint(S. Inzicht), zurückgeht. beziehen(Prät. bezog, Part. bezogen), v.: zum Darübersein ziehen auf—, zum Bedecken ziehen über—, mhd. beziehen, ahd. biziohan; zum Dasein sich bewegen auf— oder in— (mhd.-ahd. kommen zu—, erreichen, got. bitiuhan«umherziehen in—, umherführen»); als regelmäßig sich wiederholende Einnahme empfangen(mhd. an sich nehmen, einziehen); woher durch Zusendung kommen lassen; wo- rauf hin in gewisse Verbindung denken(im 18. Jh.); überlisten, fangen, eig. mit Netzen überziehen(1690 bei Happel, noch 1770 bei Lessing 12, 248). Refl. sich beziehen:(auf, älter an einen) wofür beweisend usw. anführen (Seit dem 17. Jh., urspr. an einen Richter appellieren, dafür älternhd. sich ziehen auf einen, bei S. Franck Weltb. Vorr. a 4 b, mhd. an einen etav. ziehen); auf etwas hin in gewisser Verbindung oder in gewissem Zusammenhange stehen. Von dem Part. Präs. beziehend ist be- ziehentlich(erst im 19. Jh.) als Ubersetzung von crespective gebildet. 4 BL. Beziehung, f., bei Krämer 1678. Davon das Adv. be- ziehungsweise(von Gombert 1, 14 aus d. J. 1755 belegt, Stieler 1691 hat dafür bezieh- licher Weise). Bezirk, m.(-es, Pl.-e): das von einer Kreis- linie Umschlossene, Gebietsumfang. Spätmhd. bezirk m., zusammenges. mit mhd. zirc m., ahd. cirh in umbincirh, umbizirg m. Kreiss, dann Kreisgebiet, Umfang», entlehnt aus lat. circus m.«Kreis»; die Bildung geht zunächst von dem Verbum spätmhd. bezirken im Umfang bestimmen aus. bezüchten, bezüchtigen, s. bezichten, bezichligen. Bezug, m.(-es, Pl. Bezüge): Auf- und Darüberhinziehen; Ziehen zum Darauf- oder Darübersein(im Mhd. findet sich bezoc m. «Unterfutter»); das Stehen des Einen zum Andern in gewisser Verbindung und gewissem Zusammenhange. Erst bei Adelung 1774. 4BL. bezüglich, adj. Von Campe 1807 als neues Wort verzeichnet. bezwecken, v.: zum Zweck haben. Von Adelung 1793 als schlechte Bildung einiger Neuerer bezeichnet, auch von Heynatz 1796 getadelt mit dem Bemerken, daß das obd. Wort auch von vielen Niederdeutschen an- genommen werde; von Campe 1807 nicht mehr beanstandet. Bibel, f.(Pl.-n): die heilige Schrift alten und neuen Testamentes. Mhd. bibel, ursprüng- licher biblie f., aus dem gleichbed. kirchlich- lat. biblia f., das urspr. gr.-lat. Pl. von gr. BißXiov n.«Buch»(aus Blättern vom Bast der Papyrusstaude) eig.«Büchleiny. S. auch Fibel. 4BL. biblisch, adj., frühnhd.(1531 bei Hedio Josephus Vorr. 4°.) Biber, m.(-s, Pl. wie Sg.): das am Wasser lebende Bautier, gr. lat. castor;(schon im 16. Jh. auch) biberfellartiges Wollenzeug. Mhd. biber, ahd. bibar, bibur m.; dazu ndl. bever, ags. beofor, engl. beaver, anord. björr, schwed. bäfver, dän. bäãver m. Urverwandt mit lat. fiber, gall. in Bibraæ, korn. befer, bret. bieuzr Biberꝰ, lit. Döbrus, abg. bebrä m., aw. bauwra- Bibers; nach aind. babhräs«braun», als M. eine Ichneumonart bezeichnend, ist die Grundbed. cbraunes Tier» gewesen, s. braun, auch Bär. Bibergeil, n.(-es): starkriechende ölige Masse, die der Biber in zwei zusammenhängen- den Beuteln unter dem Schwanze hat. Mhd. bibergeil n., zusammenges. mit geil n.(neben geile f.)«Hode?, weil jene Beutel als die Hoden des Bibers angesehen wurden, von denen man glaubte, daß er sie bei Verfolgung abbeiße, um zu entkommen. S. auch Biebertourz. Biberklee,-Kraut, s. Bieber. Bibernell, Bibernelle, f.(Pl.-n): die Pflanze pimpinella L. Schon mhd. biberkelle, mit Anlehnung an Biber deutsch geformt aus mhd. bibinelle, ahd. bibinella f., die aus dem unverständlichen mlat. Namen jener Pflanze pipi-, pipenella f. Biberwurz, s. Bieber. 233 Bibliothek biegen 234 Bibliothék, f.(Pl.-en): Büchersammlung, Bücherei. Aus gr.-lat. bibliotheca, gr. Bißkoen f. Bücherbehälter, saal,-sammlung»(BißNiov n.«Buch, entn f.«Behälter»). Um 1500 auf- genommen(1531 bei Hedio Josephus Vorr. 41 Bibliothec). 4BL. Bibliothekär, m.(-s, Pl.-e): Aufseher einer Bibliothek. Aus lat. bihliothécãrius. Im 18. Jh. noch oft in dieser lat. Form. Bickbeere, f.(Pl.-n): Heidelbeere. Mund- artlich in Norddeutschl. Schon mnd. bickhere, auch 1599 bei Kilian. Unbekannter Herkunft. 1Bickel, Pickel, m.(-s, Pl. wie Sg.), auch Bicke, Picke, f.(Pl.-/n): Spitzhacke mit langem Stiel. Mhd. bickel«Spitzhacke» neben dem gleichbed. bicke m.; dazu ags. becca m.«Spitzhackes. Von mhd. bicken, auch bécken astechen, hacken, hauen), ahd. bicchan angreifen, wonach stechen». Die Schreibung Pickel, Pickesteht unter Einfluß von picken(s. d.), zu dem aber die Subst. nicht unmittelbar gehören. Diese schließen sich viel- mehr zunächst an gall.-lat. beccus, it. becco, franz. bec m.«Schnabel», it. beccare, franz. becguer«mit dem Schnabel hacken», franz. béche f.«Grabscheit), bécher«graben» u. a. „Bickel, m.(-S, Pl. wie Sg.): Schusser, Schnellkügelchen. Mundartlich, 2z. B. in Hessen. Mhd. bickel«Würfel» in Zusammensetzungen wie biekelspil n.«Würfelspiely, bickelstein Würfel, Fangstein von Knochen beim Spiel». Das nhd. Bickel also urspr.«Schnellküchelchen aus Knochen gedreht»; auch ndd. bickel m. cbeinerne Spielkugel der Kinder», mnd. bickel Knöchel», ndl. bikkel. Die Bed.«Knochen⸗ auch in den Zusammensetzungen bickelfest, adj.: knochen-, beinfest. bickelhart, adj.: knochen-, beinhart(bei Prisch 1741). Ob Zu- sammenhang mit 1 Bickeel besteht, ist zweifel- haft, dies müßte dann eig. ein aus Knochen hergestelltes spitzes Instrument bezeichnet haben und die Benennung dann auch auf andre aus Knochen hergestellte Dinge über- gegangen sein. Bickelhaube, s. Pickelhaube. bidérb, s. bieder. bidmen, v.: beben. Veraltet, aber von Goethe 2, 155 wieder gebraucht, nachdem Wieland 18, 18 erbidmen verwendet hatte. Mhd. bidemen, gewöhnlich auf ein mhd. bi- benen, ahd. bibinön zurückgeführt, einer Ableitung von beben(s. d.), was aber Be- denken unterliegt. Eher geht es auf das Subst. biden zurück, das eine Ableitung von der Wurzel bi«beben» sein könnte(schwäb- steht bisem neben bidem). Bieber, n.: Fieber, nur in Bieberklee m.«Bitterklee», Bieberkraut n. Tausend- güldenkrauts, Bieberwurz f.«Aron. Auch Fieberclee, Fieberleraut, Fieberwurz genannt (1482 bgferleraut«centhaurian im Voc. theut. d 8 b). Mhd. steht biever n. neben vieber (8. Fieber). Die Pflanzen dienten als Heilmittel gegen das Wechselfieber und sind davon be- nannt, also nicht von dem Tier Biber. Da- gegen heißt die Osterluzei nach dem starken widrigen Geruch Biberwarz, ahd. bibirurz, lat. castoreum, castorium(im 12. 13. Jh. auch bihergeile). bieder, adj. u. adv.: wahr und zuverlässig in Wort und Tat; edeldenkend und treuherzig. Aus mhd. biderbe und bidérhe, ahd. biderbi, bidarbi und bidérbi, von Sachen s. v. a. cnütze?, von Personen s. v. a.«wozu geschickt, tüch- tig, trefflich, edeldenkend», zusammenges. aus dem betonten und daher ungeschwächt ge- pliebenen bi- und-darbi, das zu ahd. darfan «woran Not, Bedürfnis haben, nötig haben» ge- hört, also eig. ceinem Bedürfnis entsprechend, ein Bedürfnis erfüllend». Die verkürzte Form bider schon spätmhd., dann bei Luther bidder (in biddermann, bidderleute), in der spätern Zeit selten. Erst nachdem 1759 Lessing 5, 309 in Anknüpfung an Logau das Schwinden des Wortes bedauert hatte, wird es wieder auf- genommen, 1767 von Bürger 25, dann nament- lich von Dichtern des Hainbundes(auch in Zusammensetzungen wie Biederstamm Joh. Fr. Hahn im Gött. Musenalm. 1773 S. 177, Biederzeit Fr. L. Stolberg Ged. S. 192, Bieder- seele, Biederton Bürger usw.), von Lessing selbst in der Em. Gal. 1, 4. Auch die auf mhd. bidérbe beruhende Form biderb wird wieder verwendet. Während 1775 Heynatz meinte, bieder sei kaum wieder einzuführen, konstatierte 1781 Kindleben, daß es wieder anfange Mode zu werden. 48L. Bieder- keit, f. Nicht die Fortsetzung des mhd. biderbekeit, ahd. biderbecheit, sondern ein neu- gebildetes Wort, das 1796 Heynatz aus Mode- schriftstellern neben Biederkeit kennt. US. Biedermann, m.(-es, Pl. Biedermänner), mhd. biderman aus biderbman, auch in der spätern Zeit üblich geblieben. biegen(Prät. bog, Part. gebogen), v.: von der geraden Linie abweichen oder abweichen machen; in seiner Wortform ändern zur Be- zeichnung gewisser Verhältnisse(flektieren). 235 Biene bieten 236 Refl. sich b.: von der geraden Linie abweichen. Mhd. biegen, ahd. biogan; dazu ndl. buigen, ags. bägan, engl. boνο, got. biugan. Urver- wandt sind, aber mit g an Stelle des zu er- wartenden k(s. Bühel), aind. bhu(J für g) cbiegeny, ferner gr. pevfetv, lat. fiugére sflieheny,«eig. den Rücken wenden, aus- biegens,(auch ags. bugon asie flohen»), lit. bügti«erschrecken», baugus«furchtsam». Im Präs. älternhd. Ind. Sg. 2. 3. beugst, beugt, Imp. Sg. beug, die auch Gottsched Sprachk. 344 (bis auf Imp. bieg) noch verlangt, doch treten schon früher die Formen mit ie öfters auf, die in der Mitte des 18. Jh. völlig durch- dringen. 4L. Biege, f.: Krümmung, bei Stieler 1691. biegsam, adj. u. adv., bei Stie- ler 1691. Biegung, f., bei Dasypodius 1537. S. auch beugen. Biene, f.(Pl.-n): Das Honig und Wachs bereitende Insekt. Bei Luther Biene, Gen. Bienen, sonst älternhd. auch Bien. Mhd. bin, bine f., ahd. aber bini n. Daneben ohne das ableitende n(aus der schwachen Dekl. herüber- genommen?) mhd. bie(noch jetzt alem. b5), ahd. ba f.; dazu ndl. bij, ags. 50 f., engl. hee, anord. bi(in b;-fluga), schwed.-dän. bi n. Endlich auch mhd. bin mit langem 7(bayr. hein neben beij). Mhd. bie n. ist«Bienen- schwarms, dafür jetzt schwäb.-hess. der Bien. Verwandt mit preufß. bitte, lit. bitis f.«Bieney, lat. fuäcus m. aus*bν⁴oμ ¶ Brutbiene, Drohne, ir. bech«Biene». Vgl. Walde s. v. ZUS. Bienenbrot, n.: von den Bienen bereitete Nahrung außer dem Honig. Mhd. biebröt n., auch andd. bibrot, ags. béobréad n., engl. bee- hread. Bienenkönigin, f.: Weisel, dafür spätmhd. bynenkunig. Bienenkorb, m., mhd. binkorp, auch binenkorpm. Bienenschwarm, m., spätmhd. binesearmm. Bienenstock, m., urspr. hohler Holzklotz zur Aufnahme eines Bienenschwarms, dann bevölkerter Bienenkorb, mhd. binestoc m. Bienenvater, m.: Bienen- pfleger, bei Frisch 1741. Biensaug, m. n.(-es, Pl.-e): die Pflanze stachys(Roßpolei). Mhd. binsüge, ahd. bini- süga f. d. h. Pflanze, an deren Blüte die Biene gern saugt, ist zunächst Benennung des Thy- mians, der als Lieblingspflanze der Bienen auch Immenkraut heißt. Bier, n.(-es, Pl.-e): aus Getreide und Hopfen gebrautes Getränk. Mhd. bier, ahd. bior n.; dazu andd. bior, ndl. bier n., ags. béor m., engl. beer; anord. entlehnt bjorr m., während das einheimische Wort öl n.(aus ralu, engl. ale zu lit. aluüs m.«Biers) ist. Die Etymologie ist sehr umstritten. Vielfach wird das Wort zu andd. beo, ags. béou, anord. bygᷣg n.«Gerste? gestellt, also eig.«Gerstensaft». Andre sehen eine Ableitung von brauen da- rin(ahd. bior aus*brior); nach E. Kuhn K. Zschr. 35, 313 ist es aus dem slav. pivo n. entlehnt, vgl. dazu O. Schrader Idg Forsch. 17„32. Nach Wackernagelgeht es auf einroman. bevere, lat. bibere«Trinken, Getränk» zurück. Alles nicht überzeugend. Z8. Bierbank, f, spätmhd. bierbanc f. Bierbrauer, m., spät- mhd. bierbriuwer, gewöhnlich bierhriuwe, m.(s. Bräu). Bierhaus, m., mhd. bierhüs. Biese, s. Bise. biesen, v.:(vom Rindvieh) mit aufge- recktem Schwanz wie toll hin- und herrennen, vornehmlich bei großer Sommerhitze, wenn es von Bremsen(Bieswürmern) geplagt und verfolgt wird. In obd. Mundarten(schweiz. mit?, entsprechend henneberg. beiern mit r aus s), auch ndd.(schon mnd.) bissen, dän. bisse. Mhd. bisen, ahd. bisön, bisen cin Brunst hin- und herrennen, voll Unruhe hin- und herrenneny. Biest, m.(mundartlich auch) f. n.(-es) oder Biestmilch, f.: die erste dicke un- reine Milch der Kuh unmittelbar nach dem Kalben. Mhd. biest, ahd. biost m.; dazu ndd. bést m., ndl. hiest f., ags. b508 m., engl. abgeleitet beestings Pl. Daneben erscheinen. Formen mit y, schweiz.-elsäss. briest, briesch, bayr.-schwäb. Briester, auch isl. ã-brystur Pl. «Biestmilch»; falls diese ursprünglicher sind, würde das Wort zu Brust(s. d.), andd. briost gehören. Doch sind auch die gleichbed. gr. rõc m., aind. piffsa- m. n.(vgl. Bugge FPBrBtr. 12, 421) zu bericksichtigen, mit denen aber nur ein indirekter Zusammenhang durch Ent- lehnung aus einer dritten Sprache bestehen kann. S. auch Brös-chen. biester, s. verbiestern. Bieswurm, m.: Eier in die Haut des Rindviehes und Rotwildes legende stechende Bremse. Spätahd. bisetwurm m., 1482 im Voc. theut. d 8b bißicurm. Zusammenges. mit biesen(s. d.). bieten(Prät. bot, Part. geboten), v.: dar- bringen, geben, legen; wofür als Preis dar- zugeben erklären. Mhd. bieten, ahd. biotan; dazu asächs. biodan, ndl. bieden, ags. béodan, engl. bid, anord. bjöda, schwed. hjuda, dün. byde, got. biudan(in anabiudan æbefehlen», farbiudan«verbieten). Verwandt sind gr. 237 Bifang Bill 238 nuvdvouai(m aus ꝙ wegen des folg. e) cfragen, forschen, erfahrens, abg. büdéti, lit. budéti, wachen», aind. budh«wachen, Acht haben, beschenken». Die Bedeutungsentwicklung ist nicht leicht klarzulegen. Wahrscheinlich hatte schon das Idg. eine verzweigte Bedeutung. Alternhd. erscheinen im Präs. Ind. Sg. 2. 3. die Formen beutst, beut, Imp. beut, die noch Gottsched Sprachk. 344 verlangt, wührend sie Adelung für obd. erklärt; in der poetischen Sprache auch später durchaus üblich. Bifang(-es, Pl. Bi-, Befänge), auch Be- fang, m.: das schmale erhabene Ackerbeet zwischen zwei Furchen. Mhd. bivanc, ahd. bifanc m. das Außere was einen Raum ein- füngt, Umfang, Umgrenzung, eingegrenztes Ackerbeets, zusammeng. aus dem wegen der Betonung ungeschwächten bi- und-vanc. Zu mhd. bevähen, ahd. bifähan cumfassen, be- grenzen?. Bigamie, f.(Pl.-n): Doppelehe. Aus mlat. bigamia von lat- bi(bis)«zweimal, doppelt» und dem gr. weiblichen Adj. vouic cehelich. Schon im 16. Jh. entlehnt. bigött, adj.: streng fromm. Aus franz. bigot«abergläubisch frommꝰ, dessen Ursprung bestritten ist; wahrscheinlich nachspan. hombre de bigote Mann von ernstem festem Charaktery, eig. der einen Knebelbart(Span. bigote m.) trägt. Vergl. Baist Roman. Forschungen 7, 407. Bei Adelung 1774. Bildnz, f.(Pl. en): Rechnungsabschluß in Einnahme und Ausgabe. Aus ital. biläncia f. eig.«Wage», dann s. v. a. Gleichgewicht, hier zwischen Einnahme und Ausgabe, von lat. bilanæ(Gen. bilancis) czwei Wagschalen habend», vgl. balancieren. Im spätern 16. Jh. entlehnt(Fischart Garg. 288). Bilch, f.(Pl.-e) oder Bilchmaus, f.: große Haselmaus, Siebenschläfer. Mhd. bilch, ahd. bilih f. Verwandt sind afranz. bele(wo- von nfranz. das Dim. belette)«Wiesel?, kelt. (kymrisch) bele«Marders, kaum aber russ. bellca Eichhorn». Vielleicht ist auch lat. félés«Katze, Marder, Iltis» verwandt, vgl. Walde s. v. Aus dem Deutschen stammt abg. plächl m. Bilchmaus». Bild, n.(tes, Pl.-er): sichtbare Dar- und Vorstellung wovon; sich darstellendes Wesen, Person, z. B. Frauen-, Manns-, Weihsbild. Mit Abstoßung eines e(doch kommt Bilde noch bis ins 17. Jh. vor, z. B. bei Harsdörfer, Gespr. 3, 256) aus mhd. bilde, ahd. biladi, bilidi n.; dazu asächs. bilithi, ndl. beeld, afries. bilethe n., im Engl. Nord. nicht vorhanden (schwed. bild, dän. billede n. sind aus dem Deutschen entlehnt). Wahrscheinlich ist in ahd. biladi, bilidi bil- als Stammsilbe anzu- sehen, sie hängt dann zusammen mit dem Subst., von dem billig(s. d.) gebildet ist und das urspr.«Ebenmäßigkeit, Gleichheit» bedeutet hat, so daß die Grundbed. von Bild cdas Entsprechende» wäre, vgl. Unbilde und das mnd. abgeleitete bildelik cbilligy. Vgl. Detter ZfdA. 42, 54. Anders Meringer Idg. Forsch. 18, 286, der, wie früher Weigand, eine Wurzel bil- mit der Bedeutung«spalten, be- hauenv» ansetzt. Bild wäre dann«das Gehauene⸗ Kluge sieht in bilidi eine Zusammensetzung aus bi- und einem Wort, das zu got. lipus m. «Glied» gehört. Der Pl. lautet bei Luther Bilde und Bilder, später nur die letzte Form. 4L. bilden, v.: zur Dar- und Vorstellung geeignet machen, ausgestalten, geistig ver- edeln. Mhd. bilden, ahd. bilidön. bildern, v.: in einem Bilderbuch blättern(bei Adelung 1774); sich in Bildern ausdrücken. bildlich, adj. u. adv., mhd. bildelich. Von bilden sind abgeleitet: Bilder, m.(Schiller 11, 318), gewöhmlich Bildner, m.: der zu sichtbarer Darstellung schaffende Künstler, der geistig Veredelnde. Mhd. bildœre, auch schon bildenaere m., ahd. bilidãri. Davon Bildnerei, früher Bilderei(bei Luther) f. und pildnerisch, früher bilderisch(bei Stieler 1691) adj. Bildnis, n.: wiedergebendes Bild, mhd. bildnisse n. bildsam, adj.: was sich bilden läßt. Erst um 1750 gebildet, Klop- stock hat 1748 im Messias 2, 387 unbildsand gebraucht, Wieland seit 1751 bildsam Ver- wendet(Gombert 7, 15). Bildung, f.: Ge- staltung; Gestalt(im 18. Jh., jetet veraltet); geistige Veredlung(bei Goethe). Mhd. bil- dunge f.«Bildniss, ahd.(bei Notker) bildunga „Vorstellung, Einbildung». Z0S. 1) mit Bild. Bildhauer, m., in frühnhd. Glossaren(1495 im voc. rerum f. 2° bildhauwer). Bildsäule, f., bei Luther bildeseul. Bildstock, m.: Stock, Säule mit der Statue eines Heiligen, spätmhd. bildestoc m. Bildwerk n., mhd. bildeꝛverc n. 2) mit dem Pl. Bilder. Bilderbuch, n., bei Stieler 1691. Bilderschrift, f. im 16. Jh. (Fischart Garg. 189). Bilderstürmer, w, bei Luther bildstürmer. Bill, f.(Pl.-s): vor das Parlament ge- brachter Gesetzentwurf. Das engl. bill«Zettel, Schein, schriftlicher Aufsatz, Parlamentsaktes, zurückgehend auf mlat. billa, bulla f. Blase, 239 Billard Binde 240 Knopf, Kapsel, Siegelkapsel, dann eine(urspr. mit einem Siegel versehene) Schrifty. Vgl. Billett. 1703 im LZeitungslex.(Bille) und bei Sperander 1728(Bill«Recht» bei Schottel 1663 und Stieler 1691 gehört nicht hierher, sondern ist aus Unbill erschlossen). Billard, n.(*s, Pl. s,-e): Spiel mit Ku- geln, die auf einer ebenen Tafel gestoßen werden; diese Tafel selbst. Aus dem gleichbed. franz. hillard m., von franz. hille, ital. biglia, span. billa f. cbeinerne Kugel», die vielleicht auf das deutsche Biekel(S. Bichel*) zurück- gehen. Bei Fischart Garg. 262. Bille, f.(Pl.-n): Hacke(Querbeil) zum Schärfen der Mühlsteine. Aus mhd. bil(Gen. billes) n.«Spitzhacke», ahd. hill n.«Schwert»; dazu asächs. bil, ags. Dill n.«Schwert», engl. bill«Axt, Hacken. Wahrscheinlich zu Beil (§. d.) zu stellen, so daß also bill- mit Assi- milation auf bidel- zurückginge, Sievers Idg. Forsch. 4, 339, dagegen E. Schröder ZfdA. 42, 60; s. auch Meringer Idg. Forsch. 18, 283. 4B2L. billen, v.: mit der Hacke Mühlsteine schärfen. Mhd. billen, ahd. billön«mit spitzem Werkzeuge hauen oder hacken». Billétt, n.(Gen.-es, Pl. Billette, Billets): Zettel, Handbriefchen. Aus dem gleichbed. franz. hillet m., das von mlat. hilla(. Bill) abgeleitet ist. Bei Henisch 1616. Schon im 15. Jh.(Diefenbach-Wülcker S. 246) begegnet ein gleichbed. Bollet(noch jetzt mundartlich im Obd.), das auf ital. bolletta f.«Zettel» zu- rückgeht, einer Ableitung von mlat. bulla. billig, adj. u. adv.: verbindlicher Anforde- rung, besonders der mildern des Rechtes eben- wäßig; im Verhältnisse des W9ertes mäßig. Mit Eintreten der Endung-ig(billig schon bei Stieler 1691, doch daneben hillich bis ins 18. Ih.) aus mhd. billich, ahd.(im 11. Jh.) billäch«eben- mäßig, angemessen, geziemend», mit der En- dung-lich von einem Subst. gebildet, das als bili- zu Anfang von Personennamen erscheint, auch dem ags. bilezwit ceinfach, unschuldig (dem mhd. bilezwiz, bileoiz m.«Kobold, eig. guter Geisty entspricht) zugrunde liegt und wahrscheinlich zu gr. pioc lieb» gehört. Ndl. billijlc. Vgl. auch Bild, Unbilde, Unbill, Weichbild. 4L. Dilligen, v.: der Anforde- rungebenmäßig, fürangemessenerklären. Mhd. billichen. Billigkeit, f., spätmhd. hillicheit f. Billion, f.(Pl.-en): eine Million million- mal. Das franz. nach million gebildete billion m. Im Anfang des 18. Jh. aufgenommen (Brockes ird. Vergn. 4, 382). Bilse, f.(Pl.-/): Pflaumenschlehe, dicke Schlehenart. Wetterauisch. 1540 bei Alberus im Dict. Gg. 2 b der Pl. Bilsen, aber schon 1471 im Grüninger Kirchenzinsbuch S. 13 No. 38 bylsenhecken. Dunkler Herkunft. Bilsenkraut, n.: das Tollkraut hyoscy- amus. Mhd. bilsenkerüt, auch bloß bilse, ahd. bilisa f. Das s gehört einer Ableitung an, wie sich aus der dialekt. Form Bilme mit anderm Suffix ergibt; dazu noch mnd. bilene (Steinmeyer-Sievers 3, 719, 36) und bille(in billensãt f.), mndl. beelde f., ags. beolene f., dän. bulmeurt, schwed. bolmört und weiter russ. belenã f., poln. hielun. Vgl. auch lat. felix, filix«Farnkrauty, s. Walde s. v. bimmeln, v.: in feinem, hellem Tone(bin! bim!) läuten. Ein lautnachahmendes Wort, schon mnd. bimmelen, dann bei Schottel 1663 verzeichnet. Bims, m.(Gen. Bimises, Pl. Bimse) oder Bimsstein, m.: leichte, löcherige Steinart. Mit ĩ für ı(schon bei Dasypodius 1537 Bimß- stein) aus mhd. bümez, ahd. Pumniz, die auf dem gleichbed. lat. pimex(Gen. pümicis) be- ruhen. 43L. bimsen, v.:(mit Bimsstein) reiben, abputzen. 1482 im voc. theut. d8a bimſen. bin, s. sein. Binde, f.(Pl.-n): Streifen zum Binden. Mhd. binde, ahd. binta f. Von binden(Prät. band, Part. gebunden), v.: zusammenfügen, woran fügen, wodurch festmachen; durch Bande unfrei machen. Mhd. binden, ahd. bintan. Daau asaächs.-ags.-got. bindan, ndl. bindlen, engl. bind, anord.-schwed. binda, dän. binde. Urver- wandt ist aind. bandh(für rbhandh) cbinden), lat.-fend- in offendimentum n. Binde», gr. revo-(fůr pevo) in neicuo(für*revcuo) n. Tau». Alternhd. lautet wie mhd. der Prät. Plur. bunden(auch zuweilen Sg. bamd), Konj. bünde, die jetzigen Formen bei Bödiker. Z0S. Bindewort, n.: die Konjunktion, das Sätze verbindende Wort. Schon im 17. Jh.(bei Stieler 1691), dann von Gottsched verwendet. Bindestrich, m.: der zwei zusammenge- hörige Wörter verbindende Strich. Erst im 19. Jh. aufgekommen. Bei Adelung 1774 Bindezeichen n. Bindfaden, m., frühnhd. (1491 im Voc. rer. 15 b bindtfaden clicium). Bindriemen, m. Mhd. bintrieme, ahd. bintriomo m. Redensart: es geht an die Bindyriemen«es wird Ernst mit der Sache?, eig. es wird die letzte Hand an die Kleidung, Rüstung gelegt. 241 Binetsch Bischof 242 Binetsch, m.(-es): Spinat(s. d.). Wie dies Wort aus mlat. spinacea f., ital. spinaccio m. Obd. In frühnhd. Glossaren(Diefenb. nov. gloss. 345 b vom J. 1466), dann auch 1537 bei Dasypodius und 1533 in Rößlins Kräuter- buch 290 b. Bingelkraut, n.: die Pflanze mercurialis. Bingel- mit i statt aus mhd. büngel, ahd. bungil n., das aber Name einer andern Pflanze, und zwar einer mit knolliger Wurzel, der Mauerraute, ist, von mhd. bænge, ahd. bungo m. «Knolleny. S. Bachbunge. Die Ubertragung auf mercurialis schon bei Maaler 1561, viel- leicht wegen der Fruchtknöllchen der Pflanze. binnen, Präp. mit Dat., selten Gen.: in den Grenzen von—. Fast nur noch zeitlich; räumlich jetzt als Adv. in Zusammens. wie Binnenland usw. Mhd.(vorwiegend md.) binmen, wie mnd. und mnl., dazu afries. binna, ags. binnan. Zusammeng. aus bi(mit Unter- drückung des Vokals, vgl. bange) und innen. Von Luther(aber nur räumlich) gebraucht, während es dem ältern Obd. fremd ist. Binse, f.(Pl.-n): Flechtpflanze mit mar- kigem Schafte, juncus. Mit s für 6 hervor- gegangen aus dem Plural des gleichbed. mhd. binez, bing, ahd. binuz m.; dazu asächs. binit (in dem Adj. binitin), ags. beonet, engl. bent. Alternhd. und jetzt in obd. Mundarten auch binz, binze; Schottel 1663 hat Bintz und Bins (Pl. Bintzen, Binsen), Stieler 1691 nur Binz m., Rädlein 1711 Binse neben Bintz(das Fem. Binse schon bei Rollenhagen Froschm. 3, 2, 5). Das Wort besteht wohl aus bi(wegen der Betonung ungeschwächt erhalten) und dem Worte naz, das aber kaum zu nass, sondern eher zu Netz, Nessel gehört. Nicht verwandt ist das gleichbed. ndl. bies f. 4L. Bin- sicht, n. Mit angetretenem t, da ahd. bi- nugahi, binzahi n. Z0S. Binsenwahrheit, f.: selbstverständliche Wahrheit. Erst in neuerer Zeit aufgekommen. Eig. wohl Wahr- heit wie eine Biuse dünn und dürftig. Zfd W. 5, 286. 6, 358. Biogräph, m.(-en, Pl.-en): Lebensbe- schreiber. Aus dem gleichbed. gr. Jat. bio- graphus, gr. Biérpaqoc m., zusammenges. aus Bioc m. Leben und poqoc«Beschreiber» zu Tpdqeiv«schreiben?. Im 18. Jh. aufgenommen (Lessing 6, 298). 4BL. Biographie, f. Lebensbeschreibungy. Aus gr.-lat. biogra- phia, gr. Biorpoqia f. Birke, f.(Pl.-n): der Waldbaum lat. bé- tula. Mhd. birke, birche, ahd. bircha, birihha weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. f.; dazu ndl. berk m., ags. beorc und birce f., engl. birch, anord. björk, schwed. björk, dän. birk f. Urverwandt ist aind. bharjas m. Art Birken, osset. bärz Birkey, abg. breza f., lit. bérzas m. Birke», vielleicht auch lat. fraæinus und farnus«Eschey. Auch Borke ist wohl verwandt. 4BL. birken, adj.(auch in Birkenholz usw.). Mhd. birkin, ahd. birchin. ZUS. Birkhuhn, n.: Birkenknospen und Zäpfchen gern fressendes Waldhuhn. Mhd. birkhuon, ahd. birchuon, birichhuon n. Birne, f.(Pl.-n/): die Kernobstfrucht lat. pirum. Hervorgegangen aus dem Pl.(mhd. birn) des mhd. bôre, bir, ahd. bira f., von dem Pl. des lat. pirum n. Vgl. auch got. baira- bagms m.«Maulbeerbaum». Während hier p zu b geworden, ist in dem auf roman.(ital.- span.) pera(franz. poire f.) beruhenden ndl. peer f., engl. pear das urspr. p festgehalten. Das ältere Bir findet sich im 16. Jh.(Luther hat Birn- in Zusammensetzungen) und noch jetzt mundartlich(alem.-schwäb. rheinfränk.), doch kommt Birne schon im 15. Jh. vor (Diefenbach-Wülcker S. 250). Die gewöhnliche älternhd. Form(noch bei Adelung) ist Birn. Ein Pl. Birn 1774 bei Goethe(D. j. Goethe 3, 295). ZUS. Birnbaum, m., dafür mbd. bir- boum, ahd. biraboum m. Birsch, f.(Pl.-en) oder Pirsch: Waldjagd mit Spürhunden. Im 16. Jh. Von birschen, v.: mit Spürhunden im Walde jagen. Mit Übergang eines s in sch nach r aus mhd. birsen, das auf dem noch unerklärten afranz. berser«mit Bolzen oder Pfeil jagen und schießeny beruht. Auch pirschen und bürschen (so bei Adelung), pürschen geschrieben. ibis, Imp.(altertümlich und dichterisch): sei, S. Sein. 2bis, den Zielpunkt in Raum oder Zeit be- stimmendes Adv., dann Konj. Mit s für 6½ aus mhd. biz, Adv. Präp. und Konj., von Mittel- deutschland aus vordringend und das echthd. unze, unz allmählich verdrängend. Zusammen- ges. aus bi und ahd. az zu», das dem asächs. at, ags. at, got. at, lat. ad entspricht, urspr. also bi-aæ. Im Alternhd. auch bitze, das ähnlich auf bi und ze zurückgeht. Bisam, m.(-s): Moschus. Mhd. bisem (so auch bei Luther), ahd. bisam, bisamo m., aus mlat. bisamam n., das auf hebr. bésem, syrisch besmõ«Wohlgeruch, Salbe» beruht. bis-chen, s. bißchen. Bischof, m.(-s, Pl. Bischöfe): höchster Geistlicher;(seit der Mitte des 18. Jh., z. B. 16 243 Bise bitzeln 244 1773 bei Amaranthes) eine Art Rotweinpunsch. Mhd. bischof(Pl. bischoue), auch(wohl durch Einwirkung von Namen auf-olf, wie Rudolf usw.) bischolf, ahd. biscof m., nach ital. ves- cowo aus dem gleichbed. gr.-lat. episcopus m. Dies beruht auf gr. emickomoc m. eig.«Auf- sehery, dann Obwalter», weiter kirchlich s. v. a. Obwalter als Geistlicher, geistlicher Vorgesetzter, zusammenges. aus gr. eri cauf, über» und cxonöc«Schauer, Aufseher, Acht- gebery von cxoneiv«schauen, spüheny. Auf dem Lat. beruht auch ndl. bisschop, ags. bis- Gop, engl. bishop, anord. schwed. biskop, dän. bisy m., got. mit engerem Anschluß an die Grundform aipiskaupus m. 4 L. bischöf- lich, adj., mhd. bischoflich. Bise, f.(Pl.-n): Nordostwind. Schweize- risch, mit erhaltenem 7(doch älternhd. Beis- Wwind) aus mhd. bise, ahd. bisa f., daher franz. bise f. Vielleicht verwandt mit biesen(s. d.) mit der Grundbed. Sturm). Biskuit, n.(*, Pl.-s,-e): Zuckerge- backenes. Aus franz. biscuit m. eig.«Zwie- back», das auf mlat. biscoctus«zweimal(bis) gebacken(coctus) beruht. Alternhd. ge- wöhnlich das auf ital. biscotto m. beruhende Biskott(z. B. 1601 bei Albertinus Kriegsleut Weckuhr 2, 164, Bißkotte 1598 bei Hutter Dict. 300, Biscott 1574 bei Fischart Onoma- stica 1184) oder das aus dem Dimin. bis- cottino m. hervorgegangene Biskotten(z. B. 1595 bei Hulsius Schiffart 1, 10, noch jetzt obd.), daneben seit dem Anfang des 17. Jh. auch Biscuit, 1613 bei Hulsius Schiffart 11, 2, 154, 1672 bei Grimmelshausen Vogelnest 2, 6 Bisquit. bislang, adv.: bisher. Norddeutsch, zu- sammengezogen aus älternhd. bissolang(bei Luther 8, 483 W. bissolange), das in der Kanz- leisprache schon am Ende des 15. Jh. vor- kommt, zusammengerückt aus bis so lange. Biß, m.(Gen. Bisses, Pl. Bisse): Hand. lung des Beißens; Spur vom Beißen. Mhd. biz, daneben mhd.-ahd. auch biz m. Zu beißen. bißchen: ein klein wenig. Eig. Dem. von Bissen(s. d.). Seit dem 16. Jh., anfangs ge- wöhnlich mit der obd. Dim.-Endung als biß- lein(Ludwig 1716 hat ein bißgen, das schon vorher von Weise u. a. gebraucht wird). Bissen, m.(-S, Pl. wie Sg.): soviel als man auf einmal abbeißen kann. Aus mhd. bizze, ahd. bizzo mit schwacher Flexion; da- zu ags. bita, engl. bit, anord. biti m. Von beiſen. bissig, adj.: gern beißend. dafür mhd. bizec«beißig»(s. d.). Bistum, n.(-s, Pl. Bistümer): Gebiet eines Bischofs. Mhd. bischtuom, bistuom, ahd. Frühnhd., biscetuom, gekürzt aus biscoftuom n. bisweilen, adv.: von Zeit zu Zeit. Mhd. biz ꝛwilen kommt noch nicht vor, dagegen in gleicher Bed. bi wilen und ze wilen, so daß vielleicht bisweilen aus bizzweilen zu erklären ist; aweilen ist der Dat. Pl. von Weile(s. d.). Das Wort tritt erst im 16. Jh., vorwiegend bei norddeutschen Schriftstellern(Mathesius Luther 90, Ringwald Eckh. E 7 5b, Rollen- hagen Froschm. 1, 2, 22), doch auch bei Fisch- art(Binenk. 58) auf. Bitte, f.(Pl.-n): ausgedrücktes Verlangen an jemandes Güte. Spätmhd. bitte(Wyle 19, 3) neben gewöhnlichem mhd. 5éte, ahd. selten bita neben béta, got. bida f. Von bitten, v.(Prät. bat, Part. gebeten): an je- mand ein Verlangen richten in Hoffnung gütiger Gewährung. Mhd. biten, bitten, ahd. bitten; dazu asächs. biddian, ndl. bidden, ags. biddan, engl. bid, anord. bidja, schwed. bedja, dän. bede, got. bidjan. Man stellt es zu gr. meiw( für wegen des folgenden 6) cdurch Zureden wozu bestimmen, überreden, erbitten», lat. fîdo vertrauey, so daß das V. urspr. der i-Reihe angehört hätte und zur e-Reihe übergetreten wäre(Osthoff Btr. 8, 140), besser aber zu ai. bädhats«drängt, verdrängt, bedrüngts, lit. bãdas m. Hungers- not, Hungery. Im letzten Grunde können allerdings beide Wurzeln zusammengehören. bitter, adj. u. adv.: beißend scharf. Mhd. bitter, ahd. bittar; dazu asächs. bittar, ndl. bitter, ags. biter, anord. bitr, engl.-schwed.- dän. hitter, got. mit Ablaut baitrs. Zu beißen, aber mit bewahrtem t, da t vor r nicht ver- schoben wird. 43L. Bitterkeit, f., mhd. bitterkeit f. bitterlich, adj. u. adv., mhd. bitterlich. Bitze, f.(Pl.-n): Baum-, Grasgarten. In der Schweiz, Schwaben, Hessen, der Wetterau, Nassau. Spätmhd. bitze f., abgeschwächt aus biziune n., ahd. biznni n. und biauna f.«ein- gezäuntes Grundstück», zusammeng. aus dem wegen der Betonungungeschwächtgebliebenen bi und einer Ableitung von zuln Zaun». bitzeln, v.: schnell wiederholte fein- stechende Empfindung haben. Frühnhd.(bei Keisersberg, H. Sachs), abgeleitet von mhd. ahd. biz m.«Beißen, Bißy. 245 Biwak Blase 246 Biwak, n.(-s, Pl.-s): militärische Feld- wache, Feldlager. Aus dem gleichbed. franz. bivouac m., das auf einem ndd. biake«Bei- wachey beruht. Im 17. Jh. entlehnt. bizärr, adj. u. adv.: auffallend seltsam und wunderlich. Aus dem gleichbed. franz. bizarre, dies aus span. bizãrro«tapfer, mutig, ritterlich, prächtig», dem baskisch bizarra Barty zu grunde liegt. Vgl. bigott. Im 17. Jh. entlehnt(1697 bei Thomasius Sitten- lehre 455). blach, adj.: weit und breit ohne Erhaben- heit, namentlich in Blachfrost Frost ohne Schnees, Blachfeld(bei Luther)«das flache Feld». Mhd. selten blach, identisch mit flach, dessen Anlaut; hier weiter zu b verschoben wurde. Blackfisch, m.(-es, Pl.-e): Tintenschnecke. 1563 in Forers Fischbuch 112. Aus ndd. blak- fisk; ndd. blak n. ist wie ags. blœc, schwed.- dän. blälc n.«Tinte»(auch älternhd. placke 1482 im Voc. theut. 2 3², ahd. blach n.), zu ags. blœc, engl. black, ahd. blah«schwarz», das vielleicht zu gr. uexac«schwarz» gehört, (germ. bla- aus mla-) Hirt PBrBtr. 23, 307. blaff, interj. Knall und Fall! Lautnach- ahmend, vgl. baff, paff. 4BL. blaffen, v.: bellen(Lessing 10, 231). Spätmhd., auch ndl. blaffen, vgl. bãffen. Blahe, f.(Pl.-n): großes grobes Leintuch (zur Bedeckung von Wagen, zum Trocknen von Früchten, als Fenstervorhang usw.). Spät- mhd. blahe f.«grobes Leintuch, dann über einen Wagen gespanntes Tuch». Auch Plache, Plane, Plaue(s. d.). Wohl nicht von lat. Paga f. Jagdnetz, ausgespanntesgroßes Tuch, Teppich, Bettvorhang. Die mundartlichen Formen (auch Blähe mit Anlehnung an blähen) führen auf ein got.*blahaba,*blazwa; verwandt ist anord. blcEja f.«gefärbtes Stück Tuchꝰ, schwed. blöja f.«Wickeltuch», dän. ble&Leintuch, Windel». blähen, v.: durch Luft ausdehnen. Refl. sich blähen: dick(stolz) tun. Aus mhd. blœjen, blœn, ahd. bläjan, bläen; dazu mit urspr. reduplizierendem Prät. ags. blãwan (Prät. blεο), hauchen, blasen». Das Wort stimmt der Lautverschiebung gemäß mit lat. fläre cbla- seny, vgl. blasen, Blatter. blaken, v.: flammen, qualmen. Ein ndd. Wort(mnd. u. mnl. blaken), das Heynatz 1796 aus der Berliner Sprache anführt und Campe 1807 verzeichnet. Verwandt mit gr. Aéfetv engl. blou(Prät. blezo)«wehen, cbrennen, leuchten⸗, hoös f.«Flamme», lat. flagräre(s. Walde s. v.)«brennens, fulgur n. und fulmen n.«Blitzy, aind. bhr) cleuchteny, vgl. blecken. 4BL. Blaker, m.(*s, Pl. wie Sg.): Wand-, Hängeleuchter. Das nd.-ndl. blalcer, von Frisch 1741 angeführt und von Voß 1, 117 gebraucht; vgl. auch ags. blœcern m. Leuchterꝰ. blamieren, v.: beschämen. Refl. sich b.: sich der Beschämung aussetzen. Aus franz. blãmer, ital. biasimare, altsp. blasmar«tadeln), das auf mlat. blasimãre, blasmãre beruht, einer Zusammenziehung des kirchlich-lat. blasphé- müäre, das selbst wieder auf gr. Bkacqnueiv von jemand ehrenrührig reden» zurückgeht, vgl. Blasphemie. Im 17. Jh. entlehnt, aber zundchst in der Bed.«beschimpfen⸗, die jetzige Bed. wohl nicht vor der Mitte des 18. Jh. 48L. Blamäge, f.(Pl.-n). Im 18. Jh. mit der franz. Endung-age im Deut- schen gebildet, vermutlich in der Studenten- sprache, vgl. Renommage. plank, adj. u. adv.: glänzend weiß; weib; glänzend rein. Mhd. blanc, ahd. blanch; dazu ags. blanc, ndl. engl. blank, anord. blalcker, schwed.-dün.(entlehnt) blank. Ins Romanische aufgenommen, franz. blanc, ital. bianco Weißy. Zu blinken. Mit Einfügung eines n zu der Wurzel, auf die blakcen, blecken zurückgeht. blänkeln, s. plänkeln. Blankétt, n.(-es, Pl.-e): leeres mit Namensunterschrift versehenes Papier zum Ausfüllen für einen Bevollmächtigten. Aus dem gleichbed. franz. blanguet m., von blanc weiß», eig. weißes Papier. Schon im Anfang des 16. Jh. entlehnt(Luther 7,358 b Jen. blanket). Blankscheit, n.(es, Pl.-é): linealartiges Miederbrettchen. Das durch Anlehnung deutschverständlich gemachte gleichbed. franz. planchette f.(gespr. plangschett), das Dim. von planche f. cPlanke». Um 1700 in Mittel- deutschland üblich(1715 bei Amaranthes Blanck-Scheit, bei Günther 537 Blanck-Scheit, pei Gellert Lustsp. 317). Blase, f.(Pl.-n): durch Luft oder Flüssig- keit rundlich aufgeblähte Haut oder haut- artige Fülle;(studentisch) freie Vereinigung. Mhd. bläse, ahd. bläsa f.«Harnblasey(jede andre Blase heißt mhd. blätere, ahd. blätard, s. Blatter); dazu ndl. blaas, schwed. blasa f. Von blasen, v.(Praät. blies, Part. geblasen): Luft forttreiben, stark, hörbar wehen. Mhd. bläsen, ahd. blãäsan; dazu ndl. blazen, anord. bläsa, schwed. bläsa, dän. bläse, got. blẽsan. 16* 247 blasiert blau 248 Im Ags. hat b’dzan, engl. 5!00ο(s. blähen) die Bed. von blasen; in diesem ist das s als ein Ableitungselement anzusehen, es gehört mit blähen zu lat. Hlãre. 4B L. Blüser, m.(‧s, Pl. wie Sg.), mhd. bläsœre. Z0S. Blasebalg, m. (vgl. Balg), mhd. bläsebalc m. Blasrohr, n., bei Schweinichen 1, 30 vom J. 1562. blasiert, adj.: abgestumpft, teilnahmlos. In neuerer Zeit aus gleichbed. franz. blasé umgebildet, dessen Herkunft unbekannt ist. blasonnieren, v.: ein Wappen kunst- mäßig ausmalend schmücken; ein Wappen kunstgerecht prüfen und erklären. Mhd. blasenieren aus franz. blasonner«Wappen maleny, von blason m. Schild, Wappen, Wappenkunde», dessen Herkunft unsicher ist. Blasphemie, f.(Pl.-n): Gotteslüsterung. Aus dem gleichbed. kirchlich-lat. blasphemia, gr. BAocqnuia f. ehrenrührige Rede, gottes- lästerliche Rede», von gr. acpnueiv(s. bla- mieren). Früh im 16. Jh. eutlehnt(z. B. 1524 bei Emser, vgl. Gombert 6, 17) und bei Rot 1571 verzeichnet. blaß, adj.(Komp. blasser, blässer, Sup. blassest, blässest): weißlich; schwach an Farbe. Mhd. blas(flekt. lasser), ahd. blas«weiß, weiß- lich, besonders an der Stirnen(ahd. blas 1 8); cpleich, farblosy(bei Nicolaus v. Jeroschin und Brun v. Schonebeck);«kahl, kahl an Ansehn, Wert, gering»(vereinzelt seit dem 18. Jh.), vgl. ndl. bles«kahl». In der jetzigen Bed. ist blaß im 16. Jh. selten(Luther hat nur er- blassen) und dringt im 17. Jh. von Mittel- deutschland aus vor, Schottel 1663 verzeichnet es. Der wahrscheinliche Grundbegriff«schei- nen, leuchten»(die Bedeutungsentwicklung wie bei bleich, s. d.) zeigt sich in mhd.-mnd. blas n., ags. blœse f., engl. blaze«brennende Fackel». 4B7. Blässe, f.: Farbenschwäche, erst im 17. Jh. zu blaß æbleich» gebildet und bei Stieler 1691 verzeichnet. Dlassen, v.: an Furbe schwächer werden oder machen. Im 17. Jh. Vgl. Blesse. Blatt, n.(-es, Pl. Blätter): dünner ebener Pflanzenteil, der sich aus Wurzel oder Stengel entfaltet; ähnlicher dünner breiter flacher Teil wovon; Papierblatt. Mhd. blat(Pl. blat u. Pleter), ahd. blat(Pl. bletir), n.; dazu asächs. blad, ndl. blad, ags. blœd, engl. blade«Blätt- chen, Hälmchen», anord. Plad, schwed.-dän. blad n. Das Wort stimmt in seiner Wurzel mit lat. foliun, gr. GoxXov n. Blatt»; es ist als eine partizipiale Bildung mit dem Suffix -ko- und schwacher Wurzelstufe zu blühen anzusehen, doch sind auch andre Verglei- chungen möglich, Hirt Btr. 23, 356. Luther hat Blat, Pl. Bletter, und die Form Blat mit gedehntem Vokal ist auch später sehr häufig, z. B. bei den schlesischen Dichtern (Logau 3, 50, Fleming 93, Günther 148), sie wird 1737 von Freyer S. 267 verlangt und noch 1775 von Heynatz erwähnt. Redens- arten: Kein B. vor den Mund nehmen agerade heraus reden», eig. wohl vornen in den Mund tun, um seine Sprache zu verstellen (Schon mhd.); das Blättlein wendet sich das Glück schlägt um», wohl von den Kunst- stücken der Gaukler ausgegangen(1534 bei S. Franck Weltb. Vorr. a 4² das blätlin wirt sich unbkõren). 4 B L. 1) mit Blatt. blatten, v.: Blätter zahlreich abpflücken, durch Ab- pflücken überflüssiger Blätter derselben ent- ledigen;(weidmännisch) Wild durch Pfeifen auf einem Blatt locken(bei Rädlein 1711, oft blaten geschrieben). Mhd. blaten. 2) mit dem Pl. Blätter. blätterig, adj., mhd. bleteroht. blättern, v.: Blätter umschlagen, mhd. bletern in uüberbletern; wie Platten. Z0S. Blattgold, n.: dünngeschlagenes Gold, 1678 bei Krämer. Blattlaus, f., 1730 bei Frisch Insect. 8, 34. Blatter, f.(Pl.„n): kranker rundlich aufgeblühter Hautfleck. Mit Kürzung des Vokals(bei Luther Blatter) aus mhd. Plätere, blãter, ahd. blãtara f.«Blases; dazu ndl.(mit ausgefallenem d) blaar, ags. bläsdre, engl. bladder, anord. bladra, schwed. blädra, dän. bläre f.«Blase, Blattery. Aus einer Wurzel mit blähen und blasen(s. d.). 43 L. blatterig, adj.: voll Blattern, mhd. Pläterec. blätterig, blättern, s. Blatt. blau, adj.: luftfarbig. Aus mhd. N(flekt. bläwer), ahd. blão; dazu ndl. blaauu, ags. blãu, engl. hlue(aus franz. bleu?), anord. hlãr, schwed. blä, dün. blaa. Zusammenhang mit bleuen(s. d.), so daß blau urspr. die Farbe der Haut infolge einer Quetschung ausdrücken würde, ist kaum möglich; ebensowenig der mit lat. flãvus cblond» wegen der ganz ab- weichenden Bedeutung. Am ehesten zu gr. ue«ac«schwarzy, lit. mélinas«blau», wenn b! aus ml entwickelt ist. Redensarten: der blaue Montag eig.«der(durch blaue Altar- umhängung in den Kirchen ausgezeichnete) Montag vor Aschermittwoch, an dem nicht gearbeitet wurde, dann jeder Montag, den die Handwerker zu einer Nachfeier des Sonn- tags machen»(1719 bei Kramer, dafür im 249 Bläuel Bleiche 250 16. und 17. Jh. der gute Montag); ins Blaue hinein reden eig. in die Bläue des Himmels, in die unbestimmte Ferne; einem einen blauen Dunst vor die Augen machen:(eig. von den Dampfen, die die Zauberer bei ihren Be- schwörungen aufsteigen ließen) ihn durch Vorspiegelungen betrügen(schon 1492 ain plaben tunst machen Liliencron 2, 197); eben- falls von den Gaukelbildern der Zauberer herrührend sein blaues Wunder sehen(1645 bei Zesen adr. Rosemund 97). 4BL. Bläue, f., mhd. blœwe f. blauen, v.: blau werden, bei Stieler 1691. bläuen, v.: blau machen, mhd. blœwen. bläulich, adj. u. adv.: ein wenig blau, frühnhd. Plaulicht. Bläuel, s. Bleuel. bläuen(schlagen), s. Pleuen. Blaustrumpf, m.(es, Pl. Blaustrümpfe): Angeber, Verräter. Im 17. Jh.(Weise Cath. 260). Bei Schiller Räuber 2, 3 der höllische Blaustrumpf«der Teufely». Eig. Spottname der Gerichtsdiener, die vielfach verpflichtet waren, blaue Strümpfe zu tragen. Erst im 19. Jh. B.«gelehrtes Frauenzimmer, nach engl. blue-Stockeing; blue-Stockings hieß ein Kreis, der sich um 1750 in London im Hause der Frau Montague versammelte, nach einem Mitglied, das blaue Strümpfe zu tragen pflegte, später besonders die weiblichen Teil- nehmer an den Zusammenkünften. Blech, n.: dünn geschlagene oder ge- walzte Metallplatte; Geld;(seit etwa 1840 im gemeinen Leben nach dem studentischen Blech reden) schlechtes Geschwütz. Mhd. hlech, ahd. bleh n.; dazu ndl. blik, blek, schwed. bleck, dän. blilc n.«Blechs, aber anord. blik n. leuchtender Glanzy, dann Gold, Gold- plech». Zu bleichen(s. d.), die ursprüng- liche Bed. also«das Glänzende». Die 2. Bed. nach den ehemaligen Hohlmünzen aus Gold- oder Silberblech; sie findet sich schon im 16. Jh., und zwar zunächst im Rotwelschen 1510, dann bei Fischart Garg. 70 vil Amter und wenig Plech. 4BL. blechen, v.: Blech d. i. Geld geben, zahlen(Goethe Götz 2, Schiller Kab. u. L. 5, 6 heraus blechen). Als idiotischer Ausdruck bei Adelung 1774 und Kindleben 1781(für die Studentensprache) angeführt. blechern, adj. und adv.: aus Blech bestehend. Dafür spätmhd. blechen aus urspr. blechön, 1616 bei Henisch blechin neben blechern, noch bei Voß Idyll. 16, 96 die blechene Dose. Blechner, m.: Klempner. In Südwestdeutschland. blecken, v.: sichtbar machen, bes. die Zähne. Mhd. blecken(Prät. blacte)«sichtbar werden, sich entblößeny, sowie chloßlegen, sichtbar machens, ahd. blecchen chervor- leuchten, blinken, schimmern». 5. gehört als Faktitiv zu einem nach der e-Klasse flek- tierenden nicht erhaltenen ahd. blehhan(vgl. bleichen), das zu gr. xeérerv«brennen, leuchten und weiter zu lat. flagräre«brennen», aind. bhrä)«leuchten gehört. S. blaken, blicken. 1Blei, n.(Jes, Pl.-e): sehr weiches, schwe- res, bläulich weißes Metall; Richtblei, Lot. Mnd. bl(Gen. bléwes) n. m., ahd. bl7o n.; dazu anord. bli, schwed.-dän. bi n. Dunklen Ur- sprungs; Persson Bezz. Beitr. 19, 273 vergleicht schwerlich mit Recht lit. blaivas clicht, klary, Braune Btr. 24, 195 stellt es wieder zu blaus. Vgl. noch Hirt Btr. 23, 354, der es auf rmliwom zurückführt und an einen durch Entlehnung vermittelten Zusammenhang mit gr. ueNoc, lat. plumbum. Bleiy denkt. 2Blei, m.(-Lels, Pl.-e): ein Fisch, s. Bleihe. pleiben, v.(Prät. blieb, Part. geblichen): an einem Orte verharren; in einem Zustand verharren; von Dauer, Bestand sein; außerdem da sein(übrigbleiben); unterlassen werden (in bleiben lassen); nicht mehr von der Stelle kommen(das Leben verlieren). Mit Unter- drückung des e in der Vorsilbe be- aus mhd. beliben, bliben, ahd. biliban; dazu asächs. biliban, ndl. Plijven, ags. belifan, got. bileiban, ent- lehnt schwed. blifva, dän. blive. Das einfache nicht vorkommende ahd.-Eban gehört wohl zu gr. Anoc n. Fett, Xrrapc cfett, glänzendy, abg. lipnati, lit. lipti«kleben bleiben», so daß sich also(wie in gr. Nurapedv cbeharren») die Bed. des Verharrens aus der des«Klebens» entwickelt hätte. Vgl. noch Leib, leben. Das Part. Prät. mhd. beliben im 17. Jh. noch sehr häufig bliehen(doch verlangt schon Schottel 1663 geblieben), auch noch im 18. Jh. dich- terisch(Goethe 1, 112. 295), selten in Prosa (Lessing 11, 84). pleich, adj. u. adv.: matt glänzend; schwach an Farbe, weißlich. Mhd. bleich, ahd. bleih; dazu ndl. bleek, ags. bläãc, engl. bleak, anord. bleilr, schwed. blek, dän. bleg. Zu bleichen. 4BL. Bleichsucht, f.: 1741 bei Frisch bleiche Suht. 1Bleiche, f.(Pl.-n): Kunst zu bleichen; Bleichplatz. Mhd. bleiche f. Zu 1 bleichen. WBleiche, f.: bleiches Aussehen. Mhd. pleiche, ahd. bleich? f.; dazu mndl. bleke f. Zu bleich. 251 bleichen Bleuel 252 ubleichen, v.(mit schwacher Flexion): worauf wirken, daß es bleich, weiß wird. Mhd. bleichen(entsprechend ags. blcan, anord. bleileja)«blichen machen», Faktitiv zu dem starkbiegenden bleichen(s. ¹hleichen). spleichen, v.(mit schwacher Elexion): bleich werden. Mhd. bleichen, ahd. bleihhén, abgeleitet von bleich. apleichen, v. Prät. hlich, Part. geblichen): matt glänzend, weiß werden. Mhd. blichen cglänzen?(aber erblichen ist«erblassen»), ahd. (bei Notker) in erblichen«erbleicheny und ferblichen«verbleicheny; dazu asächs. bliäkan «glänzeny, ndl. blijten cerhellen, offenbar werden», ags. blican«glänzen», anord. blcja (Prät. bleix)«erglänzen, glänzen, leuchteny. Die Wurzel gehört zu abg. bliskati aus*blig- skati«funkeln), bléskii m.«Glanzy. Vgl. auch Blech, bleich, blichen, blinken. Bleichert, m.(s, Pl.-e): rötlicher(blaß- roter, bleicher) Wein. Abgeschwächt aus Bleichart, Bleichhart(vgl.-ert in Bankert), bei Fischart Garg. 84 bleichart. bleiern, adj.: von Blei;(bildlich) schwer- füllig. Bei Luther, während sonst älternhd. auch bleien(noch bei Voß Shak. 2, 51), ent- sprechend mhd. biijin, ahd. Pliön, abgeleitet von Blei(s. d.). Bleifeder, f.: Bleistift. ranthes(3. Autfl.). Blei(h)e, f.(Pl.-/), auch Blei m.: eine Art breiter Weißfische. Aus dem Ndd., wo mnd. bleie f., dazu ndl. blei, ags. Pläẽge f., engl. blag. Der Ursprung des Wortes mit den Nebenformen(schweiz.) Bliegge(schon ahd. blie;ca), Blicke liegt im Dunkeln. Schwer- lich ist nach ahd. bleicha, dem das anord. bleilja f. entspricht, an bleich anzuknüpfen, vgl. dän. blege(-eg- aus-eik)«Bleihey. Bleilot, n.: Senkblei. Bei Frisch 1741. Bleischnur, f.: Schnur unten mit Blei- gewicht als Maß- und Richtschnur beim Bauen. Bei Luther. Bleistift, m.(-es, Pl.-e), südd. auch n.: Schreib-, Zeichenstift aus Reißblei. 1653 bei Harsdörfer mathem. Erquickstunden 3, 179 Bleystefft m. Bleiweiß, n.: ein aus Blei zubereitetes weißliches Pulver, als Farbe, Salbe usw. Spätmhd. bliuwiz. Bleiwage, f.: Setzwage mit einem Bleilot, um die senk- rechte Richtung der Mauer zu messen. 1495 im Voc. rerum f 2² blaag. Bleiwurf, m.: Bleilot, Senkblei. Bei Luther(Apostelg. 27, 28 Blenwirp). 1773 bei Ama- Blende, f.: Vorrichtung, den freien Blick zu benehmen; Scheuleder beim Pferde; vor- geschobene Anlage zur Verdeckung einer Be- festigung dahinter(bei Ludwig 1716); blindes Fenster, blinde Türe, Mauer-, Wandvertiefung, Nische(bei Frisch 1741); glünzendes Mineral ohne Erzgehalt(1546 bei Georg Agricola). Von blenden, v.: blind oder wie blind machen. Mhd. blenden(Prät. blante), ahd. blenten; dazu ags. blendan. Das V. ist ein Faktitiv, das wohl unmittelbar vom Adjektivum blind ge- bildet ist, da ein Verbum blindan nicht vor- liegt(got. ist gablindjan«verblenden», anord. blinda«blenden). Blendling, m.(-s, Pl.-e): Tier gemischter Rasse, Mischling; uneheliches Kind. In der 1. Bed. als Jüigerwort im 17. Jh. aufgeführt. Von mhd. blanden(Prät. blient), ahd. blantan canstiften, urspr.«mischen?, wie asächs.-ags. blanclan, engl. blend, anord. blanda, got. blan- dan«vermischen» zeigt. Blendwerk, n.: Vorrichtung zum Blen- den; Vorgespiegeltes zur Täuschung. Im 17. Jh. Blesse, f.(Pl.-/): weißer Stirnfleck; Pferd oder Kuh mit weißem Stirnfleck(vom Pferde 1691 bei Stieler Bläze f., 1575 bei Fischart Garg. 206 Plasse m., 1447 bei Janssen Frankf. Reichscorr. 2, 97 blessiger hengst); schwarzes Wasserhuhn mit einem weißen Fleck über dem Schnabel(auch Bläßhahn). Spätmhd. und im 16. Jh. blasse f.«(weiße) Stirno; dazu nd. bles, engl. blaze, anord. blesi m.«weißer Stirnfleck» und(mit Ubergang von s in T) ndl. blaar f.«weißer Stirnfleck, Bläßkuh). Ableitung von bluß, richtiger daher Blässe. blessieren, v.: verwunden. Aus dem gleichbed. franz. blesser, afranz. Dlecier, das vielleicht auf das deutsche bletzen(s. d.) zurückgeht. Im 17. Jh. entlehnt(bei Nehring 1710). 4BL. Blessür, f.: Verwundung. Aus dem gleichbed. franz. blessure f. bletzen, v.: handwerksgerecht flicken. Südd.(auch pletzen). Mhd. bletzen, abgeleitet von dem im Obd. erhaltenen mhd. bletz, ahd. blez m.(daneben mhd. hletze, ahd. blezzo m.) «leck, Lappen zum Aufnähen», das mit dem gleichbed. got. plats meist auf abg. plati m. «Tuchfetzen, Lappen» zurückgeführt wird. Doch ist eher das umgekehrte Verhältnis anzunehmen und got. plats von bletzen zu trennen. Vgl. Johansson KZ. 36, 372 f. Bleuel, m.(-s, Pl. wie Sg.): flaches Holz mit Stiel zum Schlagen. Alternhd. auch Blautel. 253 Blick Blitz 254 Mhd. bliuwwel, ahd. blhil m., dazu ndl. blouaoel m. Von bleuen, v.: heftig schlagen. Mit An- lehnung an blau auch oft bläuen geschrieben (bei Goethe 2, 89 bleien). Alternhd. findet sich namentlich in md. Quellen(wie brauen für bräuen, kauen für käuen) auch blauen (1691 von Stieler angeführt, 1773 bei Goethe Götz 1 plauen, d. j. Goethe 2, 244). Aus mhd. bliuaven(Prät. blou, Pl. blinven, Part. gebliawen), ahd. Dliurvan, dazu ndl. blouaven«Flachs schla- gen», engl. 5lOοο, got. bliggecan«schlageny. Zusammenhang mit blau(s. d.) ist unwahr- scheinlich, vielmehr ist das Wort zu lat. fligere aschlagens zu stellen, vgl. Walde s. v. An Stelle der starken Flexion ist die schwache getreten, doch kommt älternhd.(nicht bei Luther) noch das Part. Prät. geblauen vor. Blick, m.(-es, Pl.-e): schnell auskom- mender wie schwindender Schein(z. B. mit blicken des blitzes Luther Hab. 4, 1, den Blick vom Pulver Goethe 19, 190);(bergmännisch) Aufleuchten des Silbers beim Schmelzen und die Masse selbst; woraufhin schnell fahren- der Augenstrahl. Mhd. blic(Gen. Plickes) Glanz, Blick, Blitz», ahd. blicch, blic m. «schnelles Glanzlicht, Wetterstrahl, Blitzy. Dazu ndl. blifc m.«Blick»(früher«Blitzo). Von blicken, v.: Licht ausstrahlen, beson- ders schnell schwindendes. Mhd. blicken, ahd. blicchen cLicht ausstrahlen, leuchten, glänzen, plicken. Mit einer Ableitungsendung von der Wurzel des ahd. blihhan cleuchten»(s. ³ pleichen) gebildet, vgl. Blite. 4BL. Blick- feuer, n.: aufleuchtendes Feuer. Schon ahd. (bei Notker) bligfiur n. Blicksilber, n. (s. die 2. Bed. von Blick). Frühnhd.(1562 bei Mathesius Sar. 90 b Plicksilber, 196 2 Blick- silber). blind, adj.: aller Sehkraft unfähig; licht- los; bloß scheinbar, nicht wirklich, des rech- ten Wesens entbehrend, z. B. blindes Fenster, blinder Lärm. Mhd. blint(flekt. blinder), ahd. blint; dazu asächs.-ndl.-ags.-engl.schwed.- dän. blind, anord. blindry. Dazu blenden(s. d.). Verwandt ist anord. blunda aschlafen, die Augen zutun» und vielleicht got. blandan amischen, trüben, der Klarheit benehmen» (s. Blendling). Auch gehört lit. blista«es wird dunkely hierher. Weiteres bei Lidén Ups. Stud. 78. Vgl. noch blinzeln. 4BL. Blindheit, f., mhd. blintheit f. blindlings, adv., im 17. Jh.(Zesen Ibr. 490), dafür ahd. blintilingõn. ZUS. Blindschleiche, f.: eine früher für blind gehaltene Schlangenart. Mit Wechsel des Geschlechts(bei Luther 3 Mos. 11, 30 der Blindschleich und noch jetzt obd.) aus mhd. blintstiche, ahd. blintslähho m. blink, adj., als Ablautsbildung zu blank von Bürger geschaffen(blinkc und blank 354). blinken, v.: hellen Schein von sich geben; plickweise winken. Mhd. nicht vorhanden, aber mnl. mengl. Dlinkeen(daher engl. blink). Aus dem Ndd. zunächst ins Md. eingedrungen, wo es bei Luther und bei Alberus Dict. u 1² und Kk 35 erscheint; allgemein wird es erst im 17. Jh.(bei Stieler 1691 verzeichnet), fehlt aber noch den obd. Mundarten. b. ge- hört zunächst zu blank, beide gehen mit Einfügung eines a auf die Wurzel zurück, der blaken, blechen zugrunde liegt. Andere verbinden blinken direkt mit dem der i-Reihe angehörigen bleichen, asächs. blikan und be- trachten das schon altgerm. blank als Neu- bildung. blinzen, v. und mit dim. Ableitung blinzeln, v.: mit fast zugezogenem, win- kendem Auge blicken. Mhd. blinzen(daneben auch schon blinzeln) geht mit Unterdrückung des mittleren e zurück auf blindzen, blindezen (abgeleitet von blind) oder eher auf blinkzen (vgl. bayr. blinkezen Schmeller 1, 328). Blitz, m.(-es, Pl.-e): ausschießender Glanzstrahl; Wetterstrahl. Mit Ausfall eines k(doch älternhd. auch noch blirx, selbst bei Luther, vgl. schweiz. blitzg) aus mhd. blickeze, blikze, auch schon blitze m.«Blitz»(ahd., auch noch mhd. dafür blic, s. Blick). Dazu das weitergebildete asächs. blicsmo, ndl. bliksem m.«Blitzy. An Stelle der mhd. flachen Flexion ist die starke getreten, doch bei Luther im Sg. auch noch blitzen und durchgehend so im Pl., auch im 17. Jh. kommen noch schwache Formen vor(Hoffmannswaldau Held. 7 Akk. Sg. den blitzen, Gryphius Trauersp. 149 Pl. blitzen). Von blitzen, v.: glänzend aus- strahlen; den Wetterstrahl schleudern; unpers. es blitzt«der Wetterstrahl zuckt durch die Lufty. Mhd. blitzen, früher blikcezen, blekzen. ahd. blecchazzen, bleckazen«schimmern, leuch- ten, wetterleuchten, blitzen», ein mit der Endung-aazen, got.-atjan(vgl. lauhatjan cplitzen») gebildetes Frequentativ von mhd. blicken(s. blicken). ZUS. blitzblau, adj. ganz blau. Blitzbub, m.(Schiller Räuber 3, 2). Blitzmädel, n.(Lessing 1, 416). blit- ist hier nur verstärkend(wohl vom Fluch potz Blitz ausgehend), wie in vielen anderen Bildungen. 25⁵ Block Blume 256 Block, m.(-es, Pl. Blöcke): roher Holz- klotz; Holz zum Daranschließen der Füße; rohe, unförmliche zusammenhangende Metall., Steinmasse. Alternhd.(auch bei Luther) Bloch, mhd. bloch n., gewöhnlich hergeleitet mit Unterdrückung des e der Vorsilbe be- aus ahd. biloh, auch schon bloh n.«Ab-, Ein., Verschließung, Riegel», das zu ahd. bilkhhan (entsprechend asächs. bilakan, ags. belacan) «schließeny gehört. Die Grundbed. wäre also «Absperrung», dann zum«Absperren, Ein- schließen dienender Balken, schließlich über- haupt Balken, Klotz» und dem ähnliches. Doch erhebt E. Schröder AfdA. 24, 32 mit Recht dagegen Bedenken. Die Form Block (obd. meist bloch) braucht nicht aus dem Ndd.(mnd. block m. n.) aufgenommen zu sein, sondern kann sich durch eine angetretene Ableitungsendung erklären; sie begegnet schon vereinzelt mhd. und bei Hans Sachs(plock m. Fab. 308, 13). An Stelle des mhd. Neutr. herrscht seit Luther das M.(doch noch das Ploch Grimmelshausen Simpl. 56 und schweiz.- elsäss. Dloch n.). Blockäde, f.(Pl.-n): Einschließung durch Besetzung der Zugänge. Aus dem gleich- bed. ital. bloccata f., dem als Subst. gesetzten Part. Perf. von ital. bloccare, franz. blogquer (s. d. f.). Bei Stieler 1691, Simpl. 444 Ploc- Quada. blockieren, v.: belagernd ein- und durch Besetzung der Zugünge verschließen. Im teutschen Michel 1617 Nr. 7 bloguieren als modisches Fremdwort angeführt(auch bei Zincgref 1, 35). Aus franz. bloquer, abgeleitet von bloc m., das auf das deutsche Blocks. d.) zurückgeht. Blockhaus, n.: ein roh aus Baumstümpfen und Pflöcken gezimmertes Haus. Spätmhd. blochhs n.(Liliencron 2, 259). Blockwagen, m.: roh gearbeiteter Wagen mit großen un- beschlagenen Rädern. Spätmhd. Dlochwagen m. blöde, adj.: zurückhaltend an Tatkraft und Mut; schwach an Seh- oder geistiger Kraft. Mhd. blade«gebrechlich, schwach, zart, zaghafts, ahd. blõdi; dazu asächs. DOdi, ndl. b100de, ags. bléap, anord. blaupr«schwach, zart», schwed. 5lôt, dän. Plöd(got.*blaupus ist aus blaubjan«aufheben, abschaffen), eig. cschwach, ungültig macheny zu erschließen). Dunkler Herkunft, vielleicht zu aind. mlätds «erweicht», ir. mläãith, bläith«weich, sanftꝰ, wobei das germanische Wort bl- aus ml- hätte und das ganze eine au-Wurzel würe. 4BL. Blödigkeit, f., mhd. blœdecheit. ZUS. Blödsinn, m., bei Adelung 1774, während das Adj. blödsinnig schon am Anfang des 17. Jh. vorkommt(Gombert 7, 15 v. J. 1617). blöken, v.:(von Rindvieh, Ziegen, Schafen) schreien. Ein lautnachahmendes Wort, das dem Obd. anfangs fremd ist; in md.-ndd. Glos- saren des 15. Jh. blecken(auch vom Bellen des Hundes), bei Luther blecken und blöcken, auch bei Schottel 1663 noch bleeken und blõchen(die Form blecken, die von Gueintæ u. a. auf das Geschrei der Schafe beschränkt wird, bei Hoffmannswaldau Schäf. 6), Plöken bei Stieler 1691. blokieren, s. blockieren. blond, adj.:(vom Kopfhaar des Menschen) gelblich, hellfarbig. Aus dem gleichbed. franz. blond, ital. biondo, mlat. blundus, das deutscher Herkunftist undzu aind. bradhnäs rötlich gelb, falby gehört. Schon mhd. vereinzelt blunt, doch setzt sich das Wort erst im 17. Jh. dauernd fest, verzeichnet bei Krämer 1678. Blonde, f.(Pl.-/): feine seidene Spitzen. Aus dem gleichbed. franz. blonde f., nach der Farbe, denn das Wort ist Fem. des Adj. blond. 1773 bei Amaranthes(3. Aufl.) 1, 472. Blondine, f.(Pl.-n): blondhaarige Frau. Aus dem gleich- bed. franz. blondine f. Bei Rädlein 1711 ein Blondinigen. bloß, adj.: unbedeckt, unverhüllt; alles ausschließend, was noch da oder dabei sein könnte. Redensart: sich b. geben, Stellen, urspr. Fechterausdruck. Mhd. 5153; ahd. 503 ist«stolz»(diese Bed. könnte sich aus der von cleer» entwickelt haben, vgl. eifel); da- zu ndl. 5oot, afries. blãt«nackt, arm?, ags. bléat«arm, elend», anord. blautr«weich, frisch, zarty. Dunkler Herkunft, vielleicht verwandt mit blöde(s. d.), vgl. auch blatt. Davon das Adv. bloß: nichts weiter als(mhd. noch nicht vorhanden, erst in den Fastnachtsp. 284, 8 und bei Keisersberg). 4L. Blöße, f.: Unbedeckt-, Nacktheit, unbedeckte Stelle, mhd. bœze f. blößen, v.: bloß machen, mhd. blœzen. blühen, v.: die Knospe zur Befruchtung entfalten; sich zu voller, frischer Schönheit enfalten. Aus mhd. blüejen, blüen, ahd. 5lao- Jan, bluoen; dazu asächs. blöjan, ndl. bloejen und mit starker Flexion ags. blôrwan(Prät. 51E0⁰), engl. bloοσ(Prät. bleao). Der Laut- verschiebung gemäß stimmend zu gleichbed. lat. Hoörére, s. Blume, Blust, Blüte, auch Blatt. Blume, f.(Pl.-/): die für Auge oder Geruch entfaltete Knospe; Zierpflanze ihrer 257 Blumenkohl Blut 258 Blüte wegen;(bildlich) das Allerschönste, Allerbeste; feinster Weinduft;(weidmännisch) Schwanz oder Schwanzspitze des Wildes. Mhd. bluome m. f., ahd. bluomo m. und bluoma f. (im Alem.-Schwäb. noch jetzt vielfach m.); dazu asächs. blömo m., ndl. bloem f., engl. bloom, anord. blömi m. und blöm n.(auch weiter abgeleitet blomstr m., schwed.-dän. blomster n.). Neben diesen Formen stehen andre, in denen der Ableitungsendung ein s vorausgeht, ndl. bloesem m., ags. blösma, blõstma, blõstm m., engl. blossom; sie teilen diese Erweiterung durch s mit lat. flös m.(Gen. flõris aus*flosis) und flörére. S. auch Blust mit der gleichen Erweiterung, dagegen blühen, Blüte. 4 BL. blümen, v. mit Blumen versehen (davon geblümt), mhd. blüemen. blumig, adj., älternhd. auch blamicht, mhd. Deomeht. Blumenkohl, m.: Kohl mit eßbaren Blütenbüscheln. Nach ital. cavol fiore(cãvolo m.«Kohl»), span. coliflor, vgl. auch Karfiol. Pflanze und Name kamen nach Deutschland um 1600(1605 bei Hulsius Dict. Blumköl, 1616 bei Henisch Blumenköl), und zwar aus Italien, wohin jene im 16. Jh. aus der Levante gebracht worden war. blümeränt, adj. u. adv.: mattblau. Volks- tümliche, an Blume angelehnte Umbildung des franz. bleu mourant sterbendes Blau» d. i. blaßblau, die bis in die Mitte des 17. Jh. zurückreicht(bei Grimmelshausen Vogelnest 1, 2 plümerant). Redensart: mir wird blü- merant, d. h. schwindlig. blumig, s. Blame. Blumist, m.(-en, Pl.-en): Blumenzüchter und-kenner. Aus ndl. bloemist m., mit latini- sierender Endung von bloem«Blumey. Bei Adelung 1774. Blust, m. f. n.: Blüte. Obd., besonders alem.-schwäb. Mhd. bluost f., vgl. ags. blõstma m.(s. Blume). Blut, n.(-es): die Flüssigkeit in den Adern des tierischen Körpers;(bildlich) Geschlecht, Herkunft; Verwandtschaft; Mensch. Mhd. bluot n.(auch schon s. v. a. Mensch, z. B. daz un- schuldige bluot), ahd. bluot n.; dazu asächs. blôd, ndl. bloed, ags. blõd, engl. blood, anord. hlõd, schwed.-dän. P od, got. bloß(Gen. boßis) n. Dunkler Herkunft; Zusammenhang mit blühen ist denkbar. In Zusammensetzungen ist blat- vielfach verstärkend, wobei z. T. wohl an blutt«bloßy(s. d.) anzuknüpfen ist, vgl. mhd. blutnacket; ferner ist auch zu be- rücksichtigen, daß beim Blut(nämlich Christi) Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. geschworen zu werden pflegte, so daß das verstärkende kreuz-(Lreuzbrav, Kreuzfidel) zu vergleichen wäre. 4BL. bluten, v.: Blut von sich geben;(in der Umgangsprache) Geld hergeben(bei Kindleben 1781 als studentisch). Mhd. blaoten, ahd. bluotén. blutig, adj.: Blut an sich habend(dagegen in Zusammen- setzungen, wo die Eigenschaft des Blutes be- zeichnet werden soll,-blütig, z. B. kalt-, rot-, vollblütig). Mhd. blauotec, ahd. bluotag; dazu asächs. Dlödag, ndl. bloedig, ags. blödig, engl. bloodyY, anord. blodugr. S. auch blatt. Z0S. 1) mit Blut-: blutarm, adj.: arm bis aufs Blut, d. h. nichts als das Blut(Leben) habend, sehr arm(oder zu blatt?), frühnhd.; arm an Blut(noch nicht bei Campe). Blut- bad, n.: Metzelei, eig. Waten im Blut (mhd. im bluote baden), bei Luther. Blut- bann, m.: Gerichtsbarkeit über Leben und Tod, mhd. bluotban m. Blutdurst, m.: Drang nach blutiger Tötung(vgl. mhd. nãch bluote dursten). Bei Luther, nebstblutdürstig adj. Blutegel, m.: blutsaugender Wurm, mhd. einfach egele, egel f., ahd. egala f., mnd. egel m., bei Luther(Spr. Sal. 30, 15) Eigel f.; später im 16. Jh. Blutegel(bei Fischart 2, 9 Kurz Plutägel) und seit dem 17. Jh. durch Vermischung mit Igel Blutigel m.(Schupp 2, 52), was später allgemein geläufig wird, doch erhält sich daneben das z. B. von Ade- lung verlangte Blutegel, zuweilen selbst als Fem.(Agel f. Lohenstein Soph. 40). blut- fremd, adj.: gänzlich fremd, im 17. Jh. Blut- gang, m.: Abgang von Blut auf natürlichem Wege, spätmhd. bluotganc«geschlechtliches Abgehen von Blut», namentlich als Krank- heit(bei Luther). Blutgeld, n.: durch Blut erworbenes Geld, bei Luther. Blutgericht, n.: Gericht über Leben und Tod, bei Luther. Blutgier, f.: wie Blutdurst, erst bei Ade- lung 1774, während blutgierig adj. schon bei Luther erscheint. Bluthund, m.: Schweiß- hund; blutgieriger Mensch, Wüterich(im 15. Jh. bei Beheim Wien. 35, 26); dicke Blut- wurst(Fischart Garg. 77, noch schweiz.). blutjung, adj.; gar jung, bei Steinbach 1734. Blutrache, f.: Rache für vergossenes Blut, namentlich für Verwandtenmord, bei Stieler 1691(aber schon bei Luther Blutrecher m. «der für vergossenes Blut Rache nimmt»). blutrünstig, adj.: verwundet, daß das Blut fließt. Spätmhd. bluotrünstec(neben mhd. bluotrunsec), abgeleitet von mhd. bluotrunst neben bluotruns f.«Abrinnen des Blutes, blut- 17 259 Blüte bocken 260 fließende Wundey, zusammenges. mit Runs (s. d.). Alternhd.(auch bei Luther) meist blutrüstig, mhd. 1335 bluotristic(durch Ein- fluß von mhd. bluotrisec«blutrünstig,-risec zu risen«fallen»). blutsauer, adj.: sauer bis aufs Blut, bei Luther. Blutschande, f.: geschlechtliches Verbrechen bei Blutsver- wandtschaft. Bei Luther. Blutschreier, m.:(im mittelalterlichen Gerichtsverfahren) der Mordio hinter dem Totsehläger und vor dem Blutgericht ruft, 1741 bei Frisch. Blut- schuld, f.: Schuld durch verbrecherisches Blutvergießen. Bei Luther. blutwenig, adj. u. adv.: sehr wenig. Um 1700(Schel- muffsky 116). Blutwurst, f.: mit Blut ge- füllte Wurst. Frühnhd.(1517 bei Trochus Q1 bluetworst). Blutwurz, f.: plutstillen- des Kraut, tormentilla, ahd. Dluotaurz. Blut- zeuge, m.: Märtyrer, im 17. Jh. 2) mit dem Gen. Bluts-: Blutsfreund, m.: Blutsver- wandter, bei Luther Blatfreund. Blüte, f.(Pl.-/): Entfaltung der Knospe zur Fruchtbildung; eine solche aufgegangene Knospe;(bildlich) Zustand ganz nach Wunsch. Aus dem Pl.(bläete) des mhd.-ahd. Dluot f.; dazu ags. Dléd(aus*b˙O⁴i-) f. Zu bläühen. Bei Luther Blüet, landschaftlich noch vielfach Blat, z. B. obersächs. Baumblact. Blutegel,-gang,-geld usw., s. Blut. blutt, adj. u. adv.: bloß, entblößt, ohne alle Bedeckung, kahl(Uhland 318 blatt und bloß). Mundartlich(bayr.- schwäb.-schweiz.- elsäss., am Rhein und ndd.). Spätmhd. ver- einzelt blut, dann bei Keisersberg, Brant, Murner u. a., auch von Dasypodius und Maaler angeführt. Weiter scheint ein land- schaftliches blutig(Weise Erzn. 11, Schel- muffsky 80 Keinen blutigen Heller) hierherzu- gehören, wofür obd. bluttig vorkommt. Da- zu ndl. Blut, bluts, blutsch«kahl, leery, dün. (entlehnt aus dem Nd.) blot. Das Verhält- nis zu blo ist unsicher; wahrscheinlich ist blöde(mit Ablaut) zunächst verwandt, das ndd.-hd. blutt könnte aus*blanṕpa-(assimiliert aus*blaena-) erklärt werden. blutwenig, Blutwurst, Blutzeuge, s. Black. Bö, f.(Pl.-en): heftiger Windstoß. Aus ndd. böe, unbekannter Herkunft; dazu ndl. bai, schwed. by, dän. byge f.«Regenschauer, Sturm, Windstoß. Boberéll, Boberelle, f.(Pl.-n): Juden- kirsche. Spätmhd. boborel! aus dem uner- lclürten mlat. Namen boborella f. Bocher, m.(-s, Pl. wie Sg.): Jüngling, Student. Im Judendeutsch, aus hebr. bãchür «Jünglingy. 1Bock, m.(-es, Pl. Böcke): das Männchen der Ziege, dann auch der Gemse, des Rehes, Schafes; den steifen Beinen des Ziegenbockes vergleichbares Werkzeug oder Gerät; hoher Kutschersitz am Wagen(Zachariä Renom- mist 319); Balken oder Klotz zum Stoßen. Mhd. boc(Gen. bockes), ahd. bocch, bock m.; dazu ndl. bOk, ags. bucca, engl. bauck, anord. bobler und bokki, schwed. bock, dän. buk m. Frühmlat. baccus m. Entlehnung aus dem Kelt.(altir. bcc) ist ebenso möglich, wie um- gekehrt des Keltischen aus dem Germanischen (franz. bouc m. entstammt dem Kelt.). Doch vgl. auch awest. bäza Bock», armen. bac «Lamm», mit denen das Wort urverwandt sein dürfte. Vgl. auch Habergeiß. Bock, m.(-es, Pl. Böcke): unangenehmer Verstoß. Einen B. schießen«einen Verstoß, Fehler machen», aber auch, wie wohl urspr. zu Boden fallen», vgl. älternhd. Burzelbock wie Burzelbaum. Zu mhd. bocken zu Boden falleny, bac m.«Sturz?, die mit bücken zu biegen gehören. ¹Bock, m.(es) und Bockbier, n.: eine Art besonders starken Bieres in Bayern. Der Name findet sich hier schon zu Anfang des 16. Jh., gekürzt aus Aimbock, d. i.(mit Ver- derbnis des-beck in-bock) Bier aus Eim- beck in Hannover. Man führte nämlich ehe- dem von dort starkes Bier nach Bayern ein und braute es hier allmählich auch. Zur Entstehung mag mitgewirkt haben, daß auch sonst Biersorten und Getränke mit Tiernamen belegt werden, z. B. Broghan, Büfel, Ente, Kalte Ente, Gause(zu Gans?), Geiß, Hähn- chen, Hund, Kälberzagel, Kater, Schöps, vgl. die reiche Sammlung bei Kluge Deutsche Studentensprache 22. bockbeinig, adj. u. adv.: wie ein Bock die Beine steifend; starr widerspenstig. Schon im 16. Jh. in der 1. Bed. ibocken, v.: wie ein Bock springen; nach dem Bocke verlangen und von ihm besprungen werden; nach dem Bock oder wie ein Bock riechen(vgl. böckseln). Mhd. bocken«wie ein Bock stoßen. ²bocken, v.: den Flachs auf der Bock- d. i. Stampfmühle stampfen. Aus dem Nd., 1663 bei Schottel boken. Aus mnd. boken cklopfen, schlageny, das mit pochen(s. d.) identisch ist. 261 bockig Bogen 262 bockig, adj. u. adv.: wie bockheinig; nach dem Bocke verlangend; nach dem Bocke rie- chend oder schmeckend. Klternhd. bockicht, mhd. dafür böckisch(noch 1678 bei Krämer). Bockpfeife, f.: Dudelsack mit Bocks- hörnern. Bei Krämer 1678. Bocksbart, m.: herabhangendes Kinnhaar des Bocks;(nach der Ahnlichkeit) Name meh- rerer Pflanzen(in frühnhd. Glossaren). 1Bocksbeutel, m.: Hodensack des Bocks (bei Stieler 1691);(nach der Ahnlichkeit) Plasche zu Würzburger Steinwein. ²Bocksbeutel, m.: der steif bewahrte alte Brauch, das steife Kleben an einmal vor- handener Gewohnheit. Zurückgehend auf das ndd. holssbüdel(zusammeng. aus dem Gen. Sg. von bok Buch» und bädel«Beutel»), das als hamburgisch mehrfach in der Mitte des 17. Jh. bezeugt ist. Die Benennung stammt daher, daß früher die Hamburgerinnen an der Seite einen Beutel hängen hatten, wo- rin sie ihr Gesangbuch und andres trugen und diesen Beutel herkömmlich anbehielten, so daß er dann zum Sinnbild für das Haften an alter Gewohnheit wurde(vgl. Heitmüller in seiner Ausgabe von Borkensteins Bookes- peutel S. IX fg.). böckseln, auch böcksern, v.: bockartig riechen oder schmecken. Statt böckzeln, ab- geleitet von mhd. bockezen æstinken wie ein Bock»(noch bei Schottel 1663, Rädlein 1711 bölzen, bei Duez 1664 und bei Stieler 1691 dafür bockenzen, älternhd. auch böckeln, bei Maaler 1561 böckelen). Bockshorn, n.: Horn eines Bocks; Name mehrerer Pflanzen, namentlich des Johannis- brotes und der cassia fistula(beides schon spätmhd.). Redensart: ins B. jagen«in Angst versetzen, kleinmütig machen» zuerst bei Brant, Narrensch. 160 b, im 16. Jh. sehr gewöhnlich). Vielleicht eine Nachbildung der ital. Redens- art dar Perba cassia(dafür altital. auch caccia) a qualcheduno«jemand den Laufpaß geben, ihn wegjagen, mit Beziehung auf caccia Jagd (dergl. Wendungenmit AnspielungaufPflanzen- namen waren sehr gewöhnlich); im Deutschen wäre cassia(caccia) durch Bockshorn übersetzt, außerdem noch durch Jjagen wiedergegeben. Anders Borchardt-Wustmann 75. Zfd W. 4, 330. Boden, m.(-S, Pl. Böden): der unterste Raum wovon als Unterlage; Raum unter dem Dach als Aufbewahrungsort. Mit Abschwä- chung des Suffixes-em zu-en(schon bei Luther in der Bibel B., doch daneben Bodem pis ins 18. Jh., sogar noch bei Rückert, so- wie mundartlich) aus mhd. bodem, auch schon boden, ahd. bodam m.; dazu asächs. bodam, ndl. bodem und(mit Übergang des d in t) ags. botm, engl. bottom, ferner mit einem n- Suffix anord. botn, schwed. botten m., dän. bund(aus budn). Urverwandt sind(ebenfalls mit n-Suffix) lat. fundus, aind. budhnäs, sowie gr. rueunv( für ꝙ wegen des 6) m.«Grund, Boden». Im Pl. ist Umlaut eingedrungen (Luther hat noch B.), doch nicht durch- gängig; Adelung weist die Form B. haupt- sächlich dem Niederdeutschen zu. Bodmerei, f.(Pl.-en): An- und Darlehen auf den Kiel eines Schiffes oder auf dieses selbst zu hohen Zinsen, wenn das Schiff glück- lich den Ort seiner Bestimmung erreicht, aber zum Verluste der Anforderung des Darleihers im unglücklichen Fall. Aus dem gleichbed. ndd. bodmerle, ndl. bodemerij f., engl. bottomry, von ndd. ndl. bodem m., engl. bottom Kiel (unterster Boden, Grundbalken) des Schiffes». Bofist, Bovist, m.(-es, Pl.-e): zischend platzender Staubschwamm. Grundlage des mundartlich in verschiedenen Formen auf- tretenden Wortes ist wahrscheinlich das in Glossaren des 15. Jh. belegte vohenfist, zu- sammenges. aus vohen-(zu mhd. poOkhe f. Füchsins) und fist m. cleiser Bauchwind. Derselbe Schwamm heißt gr.-neulat. Iycoper- don n.«Wolfsfist»(ndl. wolfsueest f.). Das später unverständlich werdende vohen- wurde mehrfach umgedeutet, so entstand ndd. bo- fist(zu bove«Bube»), das später ins Hochd. eindrang, und pofist(zu po Pfau»), beide auch in hd. Form als Bubenfist(1546 bei Bock 3, 1 ⁵), Pfauenfist. Bogen, m.(-, Pl. Bogen u. Bögen): Krüm- mung als Abschnitt einer Kreislinie; Waffe mit solcher Krämmung; zusammengelegtes (gebogenes) Papier von einer bestimmten Größe. Aus mhd. boge, ahd. bogo m.; dazu ndl. boog, ags. boga, engl. boνο, anord. bogi, schwed. bäge, dän. bue m. Zu biegen. An Stelle der schwachen Flexion im Mhd. ist die starke getreten; doch älternhd. N. Sg. auch noch Boge(bei Luther, doch Hiob 20, 24 Bogen), Bog. Der Pl. nimmt jetzt Umlaut an, namentlich süddeutsch(auch bei Goethe, Schiller), doch steht daneben das nicht um- gelautete Bogen. 4BL. bogig, adj.: Bogen- form habend. Bei Stieler 1691 bögicht. Bog- ner, m.: Verfertiger von Bogen zum Schießen, mhd. bogencre m. 17* 263 Bohle vbold 264 Bohle, f.(Pl.-n/): breites dickes Brett. Mhd.(in md. Quellen) bole f.; dazu anord. bolr m.«Baumstamm, Rumpf». Dunkler Her- kunft, vielleicht mit Balken(s. d.) verwandt. 4 BL. bohlen, v.: mit Bohlen belegen. Böhmen, mhd. ahd. Béheim. Aus kelt.- lat. Boiohemum n. Wohnsitz des keltischen Volksstammes der Bojer. Davon Böhme m. und böhmisch, adj., mhd. béhemisch. Redensart: böhmische Dörfer cfremde, unver- ständliche Dinge», wie die slavischen Namen böhmischer Dörfer einem Deutschen vorkom- men(schon bei Rollenhagen Froschm. 1 2, 15). Bohémerweib, n.: Zigeunerin(bei Schiller Jungfr. v. Orl. 1, 3), nach franz. Bohémien m. Zigeuner», eig. Böhme. Bohne, f.(Pl.-/): längliche Schotenfrucht. Mhd. böne, ahd. böna f.; dazu ndl. boon, ags. béan, engl. bean, anord. baun f. Das Ver- hältnis des Wortes zu den anscheinend ver- wandten lat. faba f., abg. bobi m.«Bohney oder gr. quxéc m.«Linsey ist schwierig zu be- urteilen, vgl. Hirt Btr. 22, 235, E. Schröder ZfdA. 42, 71. bohnen, v.; mit Wachs glänzend reiben. Dafür mhd. büenen«glänzend machen, mit Glanz überziehen». Die nhd. Form kann aus dem ndd. bõönen abgeleitet werden; dazu ndl. boenen, ags. bönian eine Holzfläche blank reibeny». Doch kann auch nach obd. Laut- gesetzen(s. versöhnen) bohnen aus einem nicht umgelauteten mhd. buonen hervorgegangen sein(ponen schon bei Hans Sachs Fab. 30, 229, bone«Getäfel⸗ 1482 im Voc. theut. e 1⁵). Die Wurzel stimmt der Lautverschiebung ge- mäß mit gr. Paivetv«leuchten», aind. Dhdnus m.«Licht, Strahl?, air. bãn«xweiß»; vielleicht ist Bahn(s. d.) verwandt. Bohnenlied, n. Redensarten: einem das B. singen ihm sagen, daß er sich entfernen soll, weil man seiner nicht mehr bedarf; das geht übers B.«weit über Gebühry. Schon in der 2. Hälfte des 15. Jh.: es ist mir übers bohnenlied(Mone Schausp. 2, 406, 78. Fast- nachtssp. 845, 28) d. i.«zu argy. Das Bohnen- lied ist ein weit verbreitetes Volkslied, in dem allerlei Torheiten geschildert werden, mit dem Kehrreim au gang mir aus den Bohnen(vgl. Uhland Volksl. 2, 614 fg.). bohren, v.: stechen, daß es ein Loch gibt; drehend stechen. Aus mhd. born, ahd. borôn; dazu ndl. boren, ags. borian, engl. dän. bore, anord. schwed. bora. Der Lautver- schiebung gemäß stimmt lat. foräre cbohreny, gr. Gopdeiv«pflügenꝰ, aind. bhuri f.«Scheeres. 4BL. Bohrer, m.: Bohrwerkzeug. 1482 im Voc. theut. e 1 b borer. Boi, m.(6es, Pl.-e): Wollenzeug, feiner als Fries und gröber als Flanell. Aus dem ndd. baje f., ndl. baai f., engl. bay und baize, schwed. 507 n., dän. b0¹, bai n., die alle auf franz. boie, afranz. baie f. zurückgehen. Bei Henisch 1616 Bayh, Bay, bei Duez, Krämer und Ludwig Bay und Boy. Boie, f.(Pl.-n): Wiege. In Mitteldeutsch- land, 1663 bei Prütorius Magdetröster 406 Boije, 1752 bei Frisch teutsch-frantz. Wb. 136 Boy*e f, obersächsisch auch Boheie f. Dazu boien, v.: wiegen, 1711 bei Rädlein boyen. Boileine, s. Boje. Boisalz, s. Baisalz. Bojär, m.(-en, Pl.-en): adeliger Guts- besitzer in der Walachei. 1585 bei Laur. Müller polnische etc. Historien M. 42 Boiar. Rumänisch boiarin«Edelmann», aus serb. boljär der«Vornehme, Grofßes, von bolji«besser». Boje, f.(Pl.-n): schwimmendes, mit einem Seil an einen Anker befestigtes Stück Hol⸗ oder Tönnchen, zum Zeichen, wo der Anker liegt; dann auch wie Bake(s. d.). 1720 im Robinson 1, 420 Boxh. Aus dem gleichbed. ndd. boje f., ndl. boei f., engl. buoy, die aus dem Romanischen entlehnt sind, wo franz. b0266, afranz. Doxye, span. boy*α, port. boie f. Diese aber stammen urspr. wie auch das bereits entlehnte mhd.-mnd. boie s. v. a.«Seil, Kette, Fessel, aus altlat. boôja f.«Lederriemen, Fessely. Z0S. Boileine f., Boiseil, n.: Leine, Seil, woran die Boje befestigt ist. ¹Bolch, m.: Belche(s. 1Belche) ‧Bolch, m.(-es, Pl.-e): Kabeljau. Ais Fisch- name begegnet bollich bereits 1329(Diefen- bach-Wülcker S. 275), ebenso in frühnhd. Glossaren ballich(1482 im Voc. theut. e 4a cpolipus), baclich, bolich, bolch mit verschie- dener Bestimmung; 1561 bei Maaler Bolch Kableny. Dazu mnd. basllik, baclilc, bulle m. cKabeljauy, ndl. ballc m.«eine Art Schell- fisch». Kaum zum vorausgehenden zu stellen; vielleicht von Bolle(s. d.) abgeleitet wegen der rundlichen, massigen Form des Fisches, vgl. engl.-dün. ballk«Klumpen, Masse». Pold bezeichnet in Zusammensetzungen die Person, die dem in dem ersten Worte Ausgedrückten nachhüngt oder so ist, wie jenes anzeigt, z. B. in Rauf-, Trunken-, Tücke-, Witzbold. Mhd.-bolt in trunkenbolt, wankelbolt «Wankelmütiger», hetzebolt«Hetzhundo, ent- 265 Bole spricht dem in Namen erscheinenden-bolt und geht zurück auf das Adj. mhd. balt, ahd. bald kühnn. Daraus ist von Dichtern ein Subst. Bold, m.: kleines Wesen(Rückert 3, 145) geschaffen worden. Bole(bei Voß), f.: Kumpf für Speise oder Getränk, nach engl. bowl(s. Bowule).“ bölken, v.: schreien, brüllen(vom Rind- vieh usw.). Aus dem gleichbed. mnd. bolken, auch ndl. balken und in Mitteldeutschland im 15. Jh. bällcen; Henisch 1616 verzeichnet hollcen und bölken. Lautnachahmendes Wort, wohl Nebenform zu blöken. Vgl. auch mhd. pullen, büllen, ahd. bullön æbrüllen, bellenv. boll, bollig, adj. steif, ungeschmeidig(bes. pei den Lohgerbern vom Leder). Aus dem Ndd.(mnd. bol«hohl»), aus dem Henisch 1616 hol und Schottel 1663 bolt chohl, geschwollen, aufgeblasen» verzeichnen. Wohl zu Bolle(s. d.). 2Z0S. Bolleisen, n.: ungeschmeidiges, sprödes Stangeneisen. Bei Adelung 1774. Bolle, f.:(Pl.-/): Zwiebel, überhaupt Wurzelknollen; Blütenknopf der Pflanze; Samenknopf des Flachses; langrundes, mul- denartiges Gefäß. Mhd. bolle f. m.«Knospe und oben wie unten enges, in der Mitte weites Gefäß zum Auffüllen und Abziehen des Weines», ahd. bolla f.«Fruchtbalg oder Knoten des Flachses» und in hirnibolla f. Hirnschales; dazu ndl. bol m.«Kugel, Ball, Blumenzwiebel⸗, ags. bolla m.«Gefäß, Becher“ und in héafodbolla f.«Hirnschale, engl. Pozol Gefaß, Napf, Bechery, anord. bolli m.«Schalev. Das Wort gehört zu mhd. boln, ahd. bolön«wäl- zen», dann«schleudern»y und bezeichnet urspr. überhaupt einen rundlichen Gegenstand. Ver- wandt ist Ball(s. d.). Bolleisen, s. boll. Böller, m.(-s, Pl. wie Sg.): Kleiner Mörser zum Schießen. Alternhd. auch Böler(noch bei Ludwig 1716, bei Duez 1664 und Krämer 1678 Böhler), obd. Pöller. Spütmhd. boler m. Wurfmaschine, Schleudery, zu mhd. boln, ahd. holõn in der Bed.«schleudernꝰ, urspr.«wälzen). bollig, s. boll. Bollwerk, n.(-es, Pl.-e); Wall und Schanze zur Verteidigung; Festungswerk vor dem Hauptwalle. Mhd. bolezwerc, bolaberc n. Gerüste(Werk) zum Werfen oder Schleudern, Wurfmaschine», dann Gerüst oder Befesti- gungsanlage zur Verteidigung einer Festenusw., gebildet von mhd. boln«schleudern, werfen» und werc n. hier«Vorrichtung zur Arbeit, Maschine, Gerüsty. Daher franz. boulevard m. Bombe 266 Bolz, m.(-es, Pl.-e) und Bolzen, m. (+H, Pl. wie Sg.): kurzer dicker Pfeil(danach auf ähnlich gestaltete Eisen übertragen, z. B. Schließnagel, Plättstahl). Mhd. bolz, selten bolze m., ahd. bolz m.; dazu mnd. bolte«Pfeil, Fußeisen?, ndl. bout Bolz, eiserner Schließ- nagel», ags. bolt m., engl. bolt«Pfeil, Riegel, Fessels, schwed. balt, isländ. bolti m. eiserner Schließnagel», dän. bolt«Bolz». Man ver- mutet Umdeutschung von lat. catapulta f. «Wurfmaschiney, dann auch«Wurfgeschoß, doch kann das Wort auch germanischen Ur- sprungs sein, vielleicht zu ahd. bolön«schleu- dern, abschnellen»(s. Böller), doch macht da- bei die Ableitung Schwierigkeiten. Lit. eldec anklopfen, anpochen» ist kaum verwandt, da dies zu poltern(s. d.) gehört. Bolzen hat sich aus dem mhd. schwach flektieren- den bolze entwickelt und hat Bola jetzt fast ganz verdrängt(dies z. B. bei Heine 1, 311). Bombärde, f.(Pl.-n): großes Steinge- schütz, Donnerbüchse. Aus afranz. bombarde, einer Ableitung vongr.-lat. bombus m.(8. Bombe). Bei Wächtler 1711. 4BL. Bombardemént, n.(-S, Pl. s): Beschießen mit Bomben. Aus gleichbed. franz. bombardement m. Bei Spe- rander 1728. Bombardier, m.(-s, Pl.-e): Feuerwerker. Aus franz. bombardier, mlat. bombardarius m. Bei Rädlein 1711 Bombardir- Gesellen. bombardieren, v.: mit Bomben beschießen. Aus franz. bombarder, mlat. bombardare. Bei Stieler 1691. Bombasin, m.(-s): Art baumwollen- seidenes Zeug. Aus dem gleichbed. franz. bombasin m., das mit ital. ombagino m. auf ein mlat. bombacinium n. zurückgeht, einer Ableitung von mlat. bombaæ(Gen. bombacis) m. f.«Baumwolle», das seine Grundlage in gr. lat. bombyæ(Gen. bombycis), gr. Böhßue «Seidenraupey hat. Schon 1556 bei Frisius S. 14252 Bombasin cxylinum»(mhd. kommt dafür wammasin vor). Bombast, m.(-s): Wortschwall, Schwulst. Aus engl. bombast«Wortschwall, aufgeblähte Redey, eig. mit Baumwolle ausgestopftes Zeug, von mlat. bombaæ m. f.«Baumwolle⸗ (s. Bombasin). Im 18. Jh. entlehnt(Gott- sched, Liscow 77). Bombe, f.(Pl.-n): große gefüllte Hohl- kugel zum Schießen. Bei Krämer 1678. Aus franz. bombe, ital.-span. bomba f., gleichsam summendes Geschoßy, von gr.-lat. bombus, gr. é ßoc m.«dumpfer, tiefer Ton, Summen, Rauscheny. 267 Bonbon Bordell 268 Bonbon, n.(Pl.-s): eine Art Zucker- werk, aus franz. bonbon, dem doppelgesetzten bon«guty. Im 18. Jh. entlehnt. Bonmot, n.(-s, Pl.-s): Witzwort, wit- ziger Einfall, aus franz. bon«guty und mot «Worty. Anfang des 19. Jh. entlehnt. Bönhase, m.(-n, Pl. ·n): Pfuscher, Un- berechtigter zum Handwerk. Aus ndd. bön- hase m. Handwerker, besonders Schneider, der, weil er nicht Meister ist, heimlich auf dem obersten Hausboden(ndd. böne f.) ar- beitet, wo ihn die Zunftmeister aufsuchen oder wie man sagt, jagen(deshalb Hase). Schon im 16. Jh. vorkommend(1568). Ent- lehnt ndl. beunhaas, schwed. bönhas, dän. bönhase m. Vgl. Walther ZfdW. 8, 191. Bonne, f.(Pl.-n): dienendes Mädchen, namentlich zur Kinderwartung. Aus franz. bonne f.«Dienstmädchen», eig. F. des Adj. bon«gut», urspr. trauliche Anrede der Kinder. Neue Entlehnung. Boot, n.(-es, Pl.-e, auch Böte): kleines leichtes offenes Wasserfahrzeug. Wie andre Seemannsausdrücke(s. Flotte, Tau) aus dem Ndd. entlehnt. Mnd. bot m. n., mndl. boot, entlehnt aus mengl. Dot n.(nengl. boat), dies aus ags. bãt n.; dazu anord. beit n., häufiger aber(nach dem Ags.) bäãty m., schwed. bat m., dän. baad. Auch franz. bateau m.«Fahr- zeug, Boote beruht auf dem ags. Wort. Das anord. beit gehört vielleicht zu biti m. Balken und weiter zu arm. phait«Balken», Lidén Uppsalastudier 34. Im Hochd. zuerst 1595 in Hulsius Schiffart als Boot m. n., z. B. 1, 19, dann auch bei Henisch 1616 ver- zeichnet, ferner 1657 bei Bellin S. 119 als Bool n.«ein kleines schifleiny, bei Schottel 1663, bei Stieler(als Bot m. n.), bei Ludwig 1716(als Bot, Boot, Both n.) usw.; in der Literatur z. B. bei Fleming 580 Both, häu- figer im 18. Jh. Der Pl. zuweilen als Böte gebildet(wohl von dem älternhd. M. Boot aus). Für die Zusammensetzungen Boots- knecht, Bootsmann usw.«Schiffer» er- scheint schon im 16. Jh. Boßknecht, Boß- gesell, Boßleute, deren Boß-(beruhend auf ndd. bös- aus 5ts-) allmählich durch Boots- verdrängt wird(Potsgesell bei Fischart Binenk. 103, Bootsmann bei Henisch 1616, doch kennt noch Stieler 1691 auch Bosmann, daraus entlehnt das gleichbed. frz. bosseman m.). Borax, m.(es, Pl.-e): die natürlich vorkommende Verbindung der sogenannten Borsäure mit Natron. Alternhd. Boraß(1562 bei Mathesius Sarepta 80 b Borros), schon spätmhd. buras, aus mlat. boraæ f.(woher ital. borace m.), das auf arab. bäãzurag beruht. Borch, s. Barch. 1Bord, m.(-es, Pl.-e): umfassender oberer äußerer Rand; Schiffsrand und damit bildlich auch s. v. a. Schiff. Mit d durch ndd. Einfluß(Adelung hat noch Bort). Mhd.- ahd. bort m. n. ᷑Rand, Schiffsrandy; dazu asächs. bord m. Rand, Schiffsrand, Schild- rand, Schildy, ndl. boord m.«Rand, Schiffs- rand, Ufer, Saumꝰ, ags. bord n.«Schiffsseite, Schildy, engl. board Rand, Schiffsrand', anord. bord, schwed.-dän. bord n. Rand, Schiffsrand. Damit berühren sich Worte mit br- im Anlaut, ahd. brort und brart m. cRand, Schiffsrand, Vorderteil des Schiffs?, ags. brord m.«Spitze, Khrenstachel» und breord m., anord. broddr m.«Spitzey. Wahr- scheinlich sind zwei Wörter zusammenge- fallen, ein bord, das eigentlich«Bretty be- deutet und mit diesem verwandt ist, und ein durch Schwund eines aus brord«Rand entstandenes bord, das zu abg. brazda f. «Furchey gehört und«Rand» bedeutet. Vgl. noch Borte. 2²Bord, n.(es, Pl.-e): Brett. Rheinisch, auch ndd., hd. eigentlich Bort. Aus dem gleichbed. mhd. bort n.(selten, vgl. auch Diefenbach-Wülcker S. 278 u. Alberus Dict. BB 2 bort«asser»); dazu ndl.-ags. boyd, engl. board, anord. bord’, schwed.-dän. hord n.«Brett, Tisch, Tafelꝰ, got.-baurd in fötubaurd n.«Fuß- brett, bank». Jedenfalls zu Brett gehörend, dem gegenüber B. Umstellung des und ab- weichende Ablautstufe zeigt. Vgl. 1 Bord. Borde, s. Borte. Börde, f.: sich hinziehende fruchtbare Ebene, besonders an einem Fluß, eine Fluß- ebene, z. B. Soester, Magdeburger Börde. Aus mnd. borde, boerde, auch geboerde f., das wohl nicht zu ndd. bord«Rand»(Fluß- rand) gehört, sondern zu mnd. boren, bœren «gebühren», also eig.«Gebührlichkeit, Kom- petenz⸗, dann Gerichtsbezirky. Bordéll, n.(-es, Pl.-e): öffentliches Haus zur Unzucht. Aus dem gleichbed. franz. bordel, ital. bordello m., einer dimin. Bildung von afranz. bordé, span. borda f.«Bretterhütte, Bude», die auf das deutsche ²Bord(s. d.) zurückgehen. 1475 findet sich klevisch im Teuth. bordeel, dann bei Fischart Garg. 90 bordél, 1615 bei Albertinus Landstörzer 401 Bordel, Henisch 1616 verzeichnet Bordeel. 269 bordieren Borst 270 bordieren, bortieren, v.: den Rand besetzen, einfassen. Aus dem gleichbed. franz. border, von bord m.«Rand, Saumꝰ, dem das deutsche Bord, Borte(s. d.) zu- grunde liegt. Bei Krämer 1678 bordiren, bei Erasm. Francisci 1668 bortiren. 1Borg, m.(-es, Pl. Börge): Schwein, s. Barch. „Borg, m.(-es): Dargabe oder Annahme auf Zurückgabe(in der Redensart auf Borg, bei Schiller und Hebel auf Borgs durch Vermischung mit einem adv. borgs. Mhd. borc(Gen. borges) m.: was auf Zurückgabe dargegeben oder angenommen wird. Von borgen, v.: dargeben oder annehmen auf Zurückgabe; auf spätere Bezahlung geben oder nehmen. Mhd. borgen«bürgen, Bürge seiny, daneben aber in ursprünglicherer Bed. Nachsicht haben, schonen, Acht worauf haben», ahd. boragén«sich wovor hüten, Acht, worauf haben, schonen»; dazu ndl. borgen, ags. borgian, engl. borrow«borgen». Zu bergen und abg. brégq cich sorge für etwas», falls dies nicht aus dem Deutschen entlehnt ist. Borke, f.(Pl.-/): die rauhe äußere Baum- rinde. Aus dem Nâd., wo mnd. borke f.; dazu engl. bark, anord. börkr m. Dunkler Herkunft. Häufig zu Birke gestellt, was aber keineswegs sicher ist. Bei Henisch 1616 Borcke, Barekce. Borkirche, f.: erhöhter Zuhörerraum oder Chor in der Kirche. Spätmhd. borkirche f., zusammenges. mit ahd.-mhd. bor f.«xHöhe, oberer Raumꝰ, das mit mhd. bürn, ahd. baurian erheben» wohl zu ahd. beran«tragen» gehört; ebenso Borscheune, f.: der Scheunenboden über der Tenne, Borwisch, m.: runder Kehrbesen mit langem Stiel, um damit hoch hinauf wischen zu können. Vgl. empor. Born, m.(-es, Pl.-e): wie Brunnen, Quell; Quellwasser. Dichterisch, auch mund- artlich in Mittel- und Niederdeutschland. Mit Abfall eines-e aus mhd.(in md. Quellen) burne, borne, dann auch born(so 1469 im Voc. ex quo, 1482 im Voc. theut. e lb neben prun); entsprechend mnd.-mnl. borne m., ndl. born f., afries. burna m., ags. burn f., burna m. und burne f. Identisch mit Brunnen(s. d.), nur mit Umstellung des r. Luther gebraucht Born neben Brun, auch ist es verzeichnet 1540 bei Alberus, dann 1616 bei Henisch. Die urspr. schwache Flexion ist der starken gewichen; Luther bildet den Pl. Börne. börnen, v.: brennen. Bei Luther(Hiob 30, 28) und mundartlich in Mitteldeutschland. Mhd. in md. Quellen burnen, börnen, auch 1482 im Voc. theut. e 1⁵ bornen oder brennen, 1540 bei Alberus Dict. Pp 4² ich börn æbrenney; entsprechend mnd. burnen(neben bernen), ags. byrnan, engl. burn«brennen). Gegenüber brennen(s. d.) zeigt b. Umstellung des r und abweichende Ablautsstufe. Vgl. auch Bernstein. borniert, adj.: beschränkt. Eig. Part. Prät. von bornieren«begrenzen, beschränken?, das aus dem gleichbed. franz. borner von franz. borne f.«Grenzzeichen, Ziel». Im 18. Jh. ent- lehnt(von Campe 1795 besprochen). Borretsch, m.(-es): als Salat und Ge- müse dienendes Gartenkraut mit behaarten Blättern und hellblauer Blüte, Gurkenkraut, borago officinalis. Spätmhd. burretsch, bor- retsch m., aus ital. borragine, franz. bourrache f., die auf der spätmlat. Benennung borãgo, borrãgo f. beruhen; dieser liegt das lat. burra f. czottiges Gewand’, ital.-prov.-span. borra, franz. bourre f.«Scheerwolley zugrunde. Der Name wegen der haarigen Beschaffenheit der Blätter. Börs, s. Barsch. Borsdorfer, m.: eine aus dem meißnischen Dorfe Borsdorf stammende veredelte Apfel- art. Schon bei Luther. Bei Musäus(Kinder- klapper 79) verkürzt Borsterapfel. Börse, f.(Pl.-n): Geldbeutel; Versamm- lungsort und Gebäude zur Besprechung im Geldhandel usw. Spätmhd. burse f. ist«Geld- beutel, Kassey(1385 die Nebenform borse, borsen Gombert6, 19), auch«zusammenlebende Genossenschaft und deren Haus», ahd. burissa f.«Taschey, dazu mndl. burse, ndl. beurs f. Vgl. auch Bursche. Zugrunde liegt mlat. bursa, ital. borsa, franz. hoursef.«Beutel»(von Leder), diese aus gr. Bpca f.«abgezogenes Fell⸗, dann Leder». B. beruht in seiner Lautform zunächst auf dem Ndl.(in Brügge bezeichnete B. zuerst das Versammlungshaus der Kauf- leute, vgl. WB. d. Volkswirtschaft ²21, 500) und wird in dieser Bed.(aber auch als Studentenhaus) als Börs zuerst von Schottel 1663 und Krämer 1678 verzeichnet, während Henisch in gleicher Bed. noch Bars hat. Börse«Geldbeutel» wird zuerst von Adelung 1774 angeführt. Vgl. Bursche. 1Borst, m.(-es, Pl.-e): auseinanderge- brochene Stelle. Aus dem Md. Ndd., mnd. burst, borst m.; dazu ags. byrst m., engl. burst«Riß, Bruchy. Zu bersten. Dafür bei Luther Borste f. 2²Borst, m.(-es, Pl.-e): Gesamtheit starrer Haare. Oberdeutsch(Schubart 2, 53 mit den 271 1 Borste bhosseln 272 B. der Wimper). In diesem Kollektiv hat sich mhd. ahd. borst erhalten(s. d. folg.). Borste, f.(Pl.-n): ein starres Haar. Mhd. borste, auch bürste, ahd. bursta f., da- neben mhd. borst m. n., ahd. borst, burst m. n.; dazu ags. byrst n., anord. burst f., schwed. borst m. und mit weiterer Ableitung ndl. horstel m., ags. brystl f., engl. bristle. Urver- wandt ist aind. bh'stis f.«Spitze, Zacke, Eckey, lat. fastigium aus*farstigium Giebel, Spitzen. Das M. N. Borst verschwindet im ältern Nhd. 4BL. borsten, weiter gebildet horsteln, v.: vorstenartig emporrichten; refl. sich borsten, horsteln: die Borsten sträuben. Bei Frisch 1741. borstig, adj., im 16. Jh. borstig, börstig, mhd. horstoht. Bort, s.*Bord. Borte, f.(Pl.-n): starkes, aus Seide und Goldfäden gewirktes Band, zunächst ein den Rand eines Kleides usw. zum Schmuck um- fassendes Band. Mit Wechsel des Geschlechts aus mhd. borte m. Einfassung, Rand, aus Seide und Goldfäden gewirktes Band für sich oder als Besatzy, ahd. Porto m. Besatz, Saum, stark- und dichtgewirktes Bandy, zu mhd.- ahd. bort m.«Rand»(s. 1Bord). Bei Luther noch als M. Borte, ebenso bei Henisch 1616 und oft im 17. Jh. Borte, Borten, bei Stieler 1691 Borte f. In der Bed. Einfassung gern Borde geschrieben(z. B. Schiller Räuber 2, 3), vgl. bordieren. bös, s. bösc. böschen, v.: abhängig machen. Davon Böschung, f. schrüge Senkung, Abdachung. b. ist urspr. s. v. a. mit Rasen belegen von schweiz. Bösch, Pösch m.«Rasen, Rasenstück» bei Maaler 1561(auch graspõsch), zu busch gehörig. Böschung ist am Anfang des 17. Jh. als militärischer Ausdruck geläufig(1599 bei Speckle Architectura). In nordd. Aussprache und auf der Bühne jetzt mit 5. böse, gekürzt bös(Goethe Iph. 1877), adj. u. adv.: gehalt- und haltlos; nichts wert; unnütz; nachteilig zuwider seiend; feindlich mißgestimmt. Mhd. bœse, ahd. bösi; dazu mnd. u. mndl. bOse, nndl. 500s, afries. Däse. Vergl. ferner engl. to boast«prahlen, sich rühmen», norw. baus chitzig, heftig, über- mütigy, schwed.-dial. bös«wild, verwegen daherfahrend(Wadstein Btr. 22, 238). Für lie Grundbed. ist ahd. bs8a f. und gibõsi n. Possen, Dösön clüstern, scherzen», sowie das entlehnte prov. bauza f. Betrug» zu beachten. zu ahd. 503zan, engl. fo beat«stoßen, schla- gen, aus bauttjo(S dann aus tt). Wadstein geht von einer Bedeutung«schwellen» aus, die in einigen Fällen im Slavischen vorliegt, russ. bahnut aschwellen, sich werfen» u. a. 4 BL. boshaft, adj. u. adv., 1535 bei Schwartzenberg Cicero 134, 1, älternhd. ge- wöhnlich boshaftig(auch bei Luther, schon 1470 im mlat--hochd.-böhm. Wb. 175 bohafftig). Bosheit, f., mhd.-ahd. bösheit f., auch in der Bed.«Nichtigkeit, Gehalt-, Wertlosigkeit». böslich, adj. u. adv.: auf böse, d. i. schlechte, tadelhafte Weise, mhd. bœsliche adv., selten bœslich adj. ZUS. bösartig, adj. u. adv., bei Dentaler 1709 bösärtig. Bösewicht, m. (-es, Pl.-e und-er): nichtswürdiger Ver- brecher. Mhd. bæsewiht(auch noch mit Flexion von bæse) m., zusammenges. mit zwiht «Wesen», dann Elender»(s. Wicht). Der Pl. lautet schon bei Luther auch Böseiwichter. böswillig, adj. u. adv., spätmhd. Dœsrwillic. Boskétt, n.(-es, Pl.-e): Lustgebüsch. Aus dem gleichbed. franz. bosquel, ital. boschetto m., von ital. bosco m., das auf Busch(s. d.) zurückgeht. Im 18. Jh. entlehnt. böslich, s. böse. Boße, m.(·n, Pl.-n) u. f. Gebund Strohes, Flachses u. dgl. Mhd. 503e, ahd. 5636, mnd. bote m. Büschely», dann s. v. a.«Gebund Flachss. Davon Bößel, m.: kleines Gebünd- chen Flachs, deren eine Anzahl einen Boßen ausmachen, und bößeln, v.: den gerafften Flachs in Büschel(Bößel) binden. Wohl zu ahd. bzan«stoßen», in Hinsicht auf festes zusammenstoßendes Binden, vgl. Sto Haufey. bosseln, v.: Kegel schieben, kegeln. Mit Kürzung des Vokals aus älterm boßeln(bei Stieler 1691 boselen), von dem dialektischen Boßel m.«Kegelkugel», abgeleitet von mhd. bõözen«Kegel schieben?, eig.«stoßen?(s. Am- b%). Davon Bosselleich, m.: Kegelbahn. Bei Luther Bosseleich, Bosleich. S. Leich. *posseln, v.: in Kleinigkeiten arbeiten, zusammenflicken, künsteln. Vielleicht mit Kür- zung des Vokals aus spätmhd. 563eln, bazeln cklopfen, schlagen», Iterativ zu bözen«schla- gen»(s. 4boß), im 16. Jh. auch in der Bed. «künsteln, ausbessern, zusammenflicken, klein- lich arbeiten?(z. B. Hans Sachs Fab. 193, 24. Scheidt Grob. 1528). Doch ist auch nd. pöseln csich mit Kleinigkeiten beschäftigen» zu be- rücksichtigen. Davon Bossel, m.: Haus- knecht, eig. der kleinliche Arbeit macht Herkunft noch nicht aufgeklärt. Vielleicht(Hans Sachs Fastn. 85, 143), 273 bosseln sbosseln, v.: halb oder ganz erhabene Arbeit machen. Aus dem gleichbed. franz. hosseler, von bosse f.«Beule, Erhabenheit» (§. d. folg.). bossieren, v.: in weicher Masse(Wachs, Gips) erhaben formen. Mit fremder Endung gebildet von franz. bosse, ital. bozza f.«Beule, Erhabenheit», die mit ahd. bõözan«schlagen» als«durch Schlagen entstandene Geschwulst» zusammengebracht werden. Schon frühnhd. böswillig, s. böse. Botänik, f.: Pflanzenkunde. Aus nlat. botanica, gr. Boravui«Pflanzen betreffende? (nämlich émicrüun«Wissenschafty), von Bordvn f.«Pflanzey. Im 18. Jh. aufgenommen. Davon Botäniker, m.(-s, Pl. wie Sg.): Pflanzen- kundiger.— botänisch, adj.: pflanzenkundig, zur Pflanzenkunde gehörig. Nach dem gr. Jat. hotanicus, gr. ßoravicéc. botanisieren, v.: Pflanzen suchen zu wissenschaftlichem Zwecke. 1728 bei Stoppe Ged. 1, 151 botanisiren. Bote, m.(-/, Pl.-n): der zum Uberbringen oder Ausrichten Abgeschickte. Mit Dehnung des Vokals(doch heißt es älternhd. im Obd. Bott, noch bei Dentzler 1709) aus mhd. bote, ahd. boto m.; dazu asächs. bdo, ndl. bode, ags. boda, anord. bodi m. Zu bieten. 4 BL. Botin, f., erst im 18. Jh. gebildet(z. B. Lessing 3, 316), bei Adelung 1793 noch nicht, verzeichnet. Botschaft, f.: übersandte Mit- teilung, aus mhd. boteschaft, ahd.(bei Notker) hotoscaft, früher botascaf f.; dazu asächs. hodsepi, ags. bodscipe m. Dazu Botschafter, m.(*8, PI. wiesg.): der im Auftrag eines Staates Abgesandte. Von mhd. boteschaften ceine Botschaft ausrichten oder verkündigeny. Bei Krämer 1678 Bottenschafter, allgemein Bote, seit 1700 als«Staatsgesandtery, dem franz. ambassadeur entsprechend, üblich werdend. botmäßig, adj.: zu Dienst unter- oder ploß ergeben. Spätmhd. potmæzzig(in der Kanzleisprache)«sich nach den Geboten zu halten verpflichtet, untertany, zusammenges. mit mhd. bot n. Gebot, Befehl). 4 8L. Botmäßigkeit, f.: die Macht zu gebieten. Botin, Botschaft,-schafter, s. Bote. Böttcher, m.(-s, Pl. wie Sg.): wer hölzerne Gefäße mit nur einem Boden macht. (ekürzt aus Bötticher, spätmhd. botecher. Von Bottich, m.(-es, Pl.-e): hohes höl- zernes, oben offenes, aus Dauben zusammen- gesetztes Gefäß beim Bierbrauen. Aus mhd. hotech, boteche m., boteche, botege, botige f., ahd. botahha f., das auf mlat. butica zurück- Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. brach 274 geht, gebildet von buta f.(S. Bouteille). Der Ubergang zum M. erfolgte unter Einfluß von mhd. botech, ahd. botah m.«Rumpf, Körper', dem ags. bodig m., engl. body; entspricht. Bottelier, m.(-S, Pl. wie Sg.): der die Mundvorräte auf den Schiffen verteilt. Aus ndl. bottelier, das mit engl. butler auf franz. houteillier m.«Kellermeister(s. Bouteille) zurückgeht. Bei Adelung 1774. Bouillon, f.(Pl.-s): Fleischbrühe. Das franz. Pouillon m., das eig. s. v. a. Aufkochen, Wallen, von franz. bouillir(aus lat. bullire) asieden, aufkochen». 1715 bei Amaranthes 246. Boutéille, f.(Pl.-n): gläserne Flasche. Das franz. bouteille f., das auf das gleichbed. mlat. huticzla f. zurückgeht, das Demin. von mlat. bufa, bota, span. port. bota, franz. houte f. Faß, Kübel, Schlauch, Wassergefäß», die wahrscheinlich gr. Boric, ßodric«Flaschey zur Grundlage haben. Vgl. auch Bottich, Bütte. Im 17. Jh. entlehnt. Bowle, f.(Pl.-n): Punschnapf; Punsch. Aus engl. boul«Kugel, Schüssel, Napfs. S. Bolle. Bei Voß(Horaz. Sat. 2, 8, 86) in deutscher Schreibung Bole. boxen, v.: mit geballter Faust zu Leibe gehen. Aus dem gleichbed. engl. box, einer Ableitung zu dem unter pochen behandelten Verbum für«schlagen, stoßen; entsprechend wird zu mhd. buc m.«Stoß, Schlag» spätmhd. buxen astoßeny» gebildet. Vgl. auch baxen. Boykott, m.(*s, Pl.-s): Verruferklärung, dazu boykottieren, v.: in Verruf erklären. Nach James Boykott, einem Gutsverwalter in Irland, über den im J. 1880 die irische Landliga zuerst den Bann verhängte, was die Folge hatte, daß jedermann den Verkehr mit ihm abbrach. brach,(sprich bräch) adv.: nach der Ernte umgebrochen ruhend, ohne bestellt zu werden. Zuerst bei Henisch 1616, sonst ülternhd. ge- wöhnlich brache. Von Brache, f.(Pl.-n): erstes Umgebrochensein und Ruhen des Bodens nach der Ernte; Land, das nach der Ernte umgebrochen ist und unbesäet ruht. Mhd. bräche, spätahd. brächa f.; dazu mnd.-mnl. brake f., zu brechen. Aus in der Brache oder im Brach liegen hat sich das Adv. brach entwickelt; entsprechend ndl. Praakc, dän. brak. 4BL. brachen, v.: den Boden pflügen zum Ruhen nach der Ernte. Bei Luther dafür brochen(Hiob 39, 10). Mhd. brächen, ahd. brühhön. ZUS. Brachfeld, n., mhd. u. spätahd. brächvelt n. Brachmonat, m.: Juni(Zeit 18 275 Brachse Brand 276 des Brachlegens), mhd. brächmänöt, ahd. bräh- mãnot m. Im Schwäb.-Alem. noch volks- üblich, daneben Brachet m. Brachvogel, m., Name mehrerer sich gern auf Brache und Saatfeld aufhaltender Vögel, mhd. Präch- vogel, ahd. brähvogel m. Brachse, s. Brasse. Brack, n.(-es, Pl.-e): Ausschuß, als un- tauglich Abzusonderndes. Mit Ubergang eines a in b aus ndd. wralc«untauglich, beschädigtꝰ, als Subst. jedes Untaugliche, als untauglich Ausgeschossene, besonders durch Schiffbruch untauglicher Schiffsrumpf(s. Wrack), Schiffs- trümmer; entsprechend ndl. 1 rax, afries. wrak c«schadhaft geworden, untauglich», entlehnt ins Engl. als Subst. reck«Schiffbruch, Wrack» und schwed. vrak, dän. vrag n.«Ausschuß, Wracb. Zuerst bei Steinbach 1734 verzeichnet. 4BL. bracken, v.: als untauglich ausson- dern, z. B. Schafe. Aus mnd. zwraken cfür untauglich erklüren, ausschießen, verwerfen»; entsprechend ndl. wraken, schwed. vräka, dän. vrage. ZUS. Brackschaf, n.(dafür bei Auerbach Brack m.). Brackware, f. Bracke, m.(-n, Pl.-n): Leit-, Spürhund. Mhd. bracke, ahd. braccho; dazu andd. bracka (Eigenname eines Jagdhundes), mnd.-mnl. bracke. Daraus entlehnt mlat. bracco, ital. bracco, franz. brache m. Dunklen Ursprungs. Die alte Vergleichung mit lat. fragrãäre stark riechen, dufteny, vgl. Walde s. v., scheint nicht überzeugend. Brackwasser, n.: in einen Fluß einge- brochenes Seewasser, durch welches das süße Flußwasser verdorben wird. Aus ndd.ndl. bralwater n., zusammenges. mit ndd. hrak (1475 im Teuthonista) cbittersalzig, salzige, dazu ndl. brak«salzigy, engl. brack Salzy. Bei Ludwig 1716. Kaum zu brechen(dann urspr. s. v. a. eingebrochen vom Seewasser und später auf den Geschmack übertragen), sondern eher zu Meer, also aus mrak-, Hirt Idg. Forsch. 1, 475. Doch unterliegt auch diese Ableitung Bedenken. brägeln, v.: mit hörbarem Geräusch sieden, schmoren; prasseln. Mundartlich in Ober- und Mitteldeutschland. Auch prägeln geschrieben (bei Maaler 1561 präglen, 1562 bei Mathesius Sar. 136 pregeln). Schon mhd. breglen braten, schmoren», auch«schwätzen», später nament- lich bei Obersachsen, auch bei Rädlein 1711. Vielleicht verwandt mit mhd.-ahd. braht m. Lärm(s. Pracht), doch wohl eher lautnach- ahmendes Wort. Brahne, s. Brame. Braktedt, m.(-en, Pl.„en): Hohlmünze von Gold- oder Silberblech. Aus mlat. brac- teatus(nämlich nummus«Münze»), abgeleitet von lat. bractea f. dünnes Metallblech, Blechy. Bei Adelung 1774. Bram, m.(-es, Pl.-e) und Bramen, m. (*, Pl. wie Sg.): Besenginster, Pfriemkraut. Aus ndd. brdm«Ginster», entsprechend ags. brõom m., engl. broom Ginster, Beseno, während mhd. bräme m., ahd. brämo m. und bräma f. «Dornbusch» bedeutet, s. Brombeere. Bramärbas, m.(Gen. Bramarbasses, Pl. Bramarhasse): Großprahler mit Heldentaten. Urspr. der Name eines Großsprechers in einem anonymen satirischen Gedichte, das Philan- der von der Linde(Burkhard Menke) im An- hang seiner„Vermischten Gedichte“ 1710 mit- teilte; danach gab Gottsched in der„Deut- schen Schaubühne“ der Dethardingschen Uber- setzung des Holbergschen Lustspiels„Jakob von Tyboe“ den Titel„Bramarbas oder der großsprecherische Offizier«w. Bei Pfeffel 4, 136 der Pl. Bramarben. 4 BL. bramarbasieren, v.: mit Heldentaten großtun(Schiller 2, 36). Brame und Bräme, f.(Pl.-n): Rand, Randbesatz; mit Laubholz bewachsener Wald-, Feld-, Wiesenrand. Brúme mit Wechsel des Geschlechts(Stieler 1691 hat noch Bräm n., Schottel 1663 aber Bräm f.) aus spätmhd. bréns n.«Randbesatz, Einfassung, RandH(jetzt obd. bram, bräm); dazu ags. brinme m., engl. brim Randy und(mit Ablaut) anord. barmr m. cRand, Kante, Ufer. Vgl. auch verbrämen. In der 2. Bed. erscheint meist Brame oder Brane (Brahne), deren Verhältnis zu Bräme nicht aufgeklärt ist; vielleicht ist das seit dem 17. Jh. auftretende Brane ganz von Brúme zu trennen (kaum durch Einfluß von Brane Braue» auf Brãm, Bräme zu erklären, während allerdings die Nebenform Augenbrame, s. d., auf Ver- mischung mit Brame zurückzuführen ist). Bramsegel, n.: Segel an der Bramstange. Aus dem gleichbed. ndl. bramzeil n. Bei Apinus 1728. Bramstange, f.: der kleine spitzzulaufende Mast, der auf der ersten Ver- lüngerung des Mastes steht. Aus ndl. bram- stang f. Beide sind zusammenges. mit ndl. bram n. Bramsegel, Segel am Obermast, d. i. dem Mast auf dem großen Mast», dessen Herkunft dunkel ist. Brand, m.(-es, Pl. Brände): brennendes Stück Holz; verwüstendes Feuer; Zustand eines Gegenstandes, daß dieser brennt;(bild- 277 Brassen 278 lich) zerstörende Entzündung; zerstörendes Schwarzwerden an Pflanzen. Mhd. brant(Pl. brende), ahd. brant(Pl. brenti) m. in den bei- den ersten Bedd.; dazu ndl.-afries.-ags. brand m., engl. brand, anord. brandr(brennendes Holzstücks), schwed.-dän. brand m. Mit einer Ableitungsendung zu brennen(8. d.) gebildet. 4BL. branden, v.:(von Meeres- und Land- seewellen) aufbrausen und sich brechen. Aus dem Ndd., vgl. ndl. branden cin Brand stehen, flammen, in Feuerwellen sich bewegen»; in der jetzigen Bed. von den ndd. Dichtern Klopstock(Oden 2, 54) und Voß eingeführt, aber Adelung 1793 noch nicht bekannt. Schon früher findet sich das abgeleitete Brandung, f.: Aufbrausen und Brechung der Wellen an der Küste oder verborgenen Felsen. Aus ndd. brancdung f., entsprechend ndl. branding f. Im Robinson(1720) 1, 420 und bei Steinbach 1734 verzeichnet. Brander, m.(*s, Pl. wiesg.): mit, Brennstoffen angefülltes Schiff zum Anzünden feindlicher Schiffe. Aus dem gleichbed. ndl. prander m. Bei Krämer 1678(1613 bei Hul- sius Schiffart 10, 38 begegnet dafür Bränner oder Brandschiff). brandig, adj.: brand- artig, älternhd. brandicht; den Brand habend (prandig 1562 bei Mathesius Sarepta 176 vom Brand im Getreide). ZUS. Brandbrief, m.: Brief, der mit Schädigung durch Brand droht, spätmhd.(vom J. 1402) branthrief m.;(bild- lich) dringlich gehaltener Brief(Goethe Br. 1, 104); Bettelbrief, eig. mit Berufung auf er- littenen Brandschaden(als studentisch bei Kindleben 1781 angeführt). Brandfuchs, m.: Fuchs mit schwarzem Bauche, schwarzer Schwanzspitze und schwarzen Läufen; dunkel-, fuchsrotes Pferd(1644 bei Duez 153); Student im zweiten Halbjahr(bei Kindleben 1781 neben Brander). Brandmal, n.: Zeichen des Bran- des. Bei Luther. Brandmark, n. u. Brand- marke, f.: eingebranntes Zeichen. Dafür älternhd. Brandmerk(1616 bei Henisch, auch noch 1678 bei Krämer Brandmärck, aber Brandmarck bei Ludwig 1716), vgl. ndl. brand- merk n.; Brandmarcke bei Steinbach 1734. Davon brandmarken, v.: mit einem ein- gebrannten Zeichen kenntlich machen, insbe- sondere als einen Verbrecher. Bei Krämer 1678. Brandmauer, f.: feuerfeste Mauer. Bei Stieler 1691. Brandopfer, n.: ein bis auf die Eingeweide zu verbrennendes Tieropfer. Bei Luther. brandschatzen, v.: eine Geld- auflage festsetzen zur Abwendung feind- lichen Niederbrennens, spätmhd. brantschatzen. Brandsohle, f. innere Sohle unter deräufßern. Bei Ludwig 1716 Brandsole. Brandstifter, m.: der einen Brand erregt. Frühnhd.(1501 im Voc. opt. N5 2 brantstiffter«incendiariuss), entsprechend ndl. brandstichter m. Branke, s. Pranke. Branntwein, m.(-es, Pl.-e): aus Wein- hefen, Früchten oder Gewächsen abgezogene geistige Flüssigkeit. Spätmhd.(zuerst 1360 in Frankfurt a. M. erwäbnt, s. ZfdA. 6, 269) brantwin, zusammengerückt aus brant(ge- kürzt aus gebrant) win«der gebrannte Wein», urspr. mit Flexion des ersten Wortes(noch bei Schiller Räuber 2, 3 gebt mir ein Glas Brandtenwein), dann in fester Verbindung Branntewein(Goethe 12, 93) oder Brannt- wein. Die Nebenform Brandaein erklärt sich aus dem Part. Prät. gebrand bei Luther, sie findet sich im 16. Jh.(z. B. bei Rollenhagen Froschm. 3, 1, 13) und wird noch von Frisch 1741 angesetzt. Bei Adelung Branntwein. Entlehnt ndl. branderwijn m., dän. brändeviin m., schwed. brännvin n. Brante, s. Pranke. Braß, m.(Gen. Brasses): Masse wertloser, lästig fallender Dinge. Aus dem Nd., wo mnd. bras m.«Schmaus»(s. prassen), dann Lürm, Geprängen; das Wort dringt gegen Ende des 15. Jh. auch ins Hd. ein und nimmt hier auch die Bed.«Gemengsel», dann«Haufe wertloser Dinge, Wusts an, bei Stieler 1691 verzeichnet und in der Umgangssprache des 18. Jh. sehr gewöhnlich. Auch nicht selten Praß geschrieben(z. B. Weiße Lustsp. 1, 197, Lessing 7, 234, Goethe Faust 10322). Ferner findet sich in gleicher Bed. Brast(Lessing 8, 168), Prast(Günther 698), wohl mit ange- tretenem t aus Braß entwickelt(schon 1482 im Voc. theut. e 3² brast«pompa»), zugleich auch peeinflußt durch älternhd. und mund- artlich Brast m.«Kummer, Sorge», zu mhd. bresten auseinanderbrechen, gebrechen, er- mangeln». In gleicher Bed. ndl. bras m. Brasse, f.(Pl.-n): Seil an dem Ende der Segelstangen, um sie nach dem Winde zu richten. Aus dem gleichbed. ndl. bras m., das auf das ebenfalls gleichbed. franz. Dras m., urspr.«Arm» zurückgeht. Bei Adelung 1774. brassen, v.: die Brassen oder(das Segel) vermittelst der Brassen anziehen und so richten. Aus dem gleichbed. ndl. brassen, von dem gleichbed. franz. brasser, eig.«mit den Armen oder einer Stange rühren». Brassen, m.(-S, Pl. wie Sg.) u. Brasse, 18* 10 79 Braten f.(Pl.-n): ein karpfenähnlicher Fisch, cy- prinus latus. Urspr. und noch mundartlich im Obd. Brachsen, Brachsem(bei Dentzler 1709 Brachsmen), mit Abschwächung des m der Endung zu n aus mhd. brahsem, brasme m. und brahsme, brahse f., ahd. brahsena, brahsa f.; dazu andd. bressemo, ndl. brasem m., engl. brasse, schwed. braxen, dän. brasen. Aus dem Deutschen entlehnt franz. bréme f. Dunkler Herkunft, kaum zu mhd. brehen «glänzen). 1Braten, m.(-S, Pl. wie Sg.): zu braten- des oder gebratenes größeres Fleischstück. Aus mhd. brüte(Gen. bräten) Pleisch, Weichteile am Körper», ahd. bräto m.(auch von Teilen des menschlichen Körpers, 2z. B. den Lenden), lat.(entlehnt) brãdo«Schinken», andd. brädo«Wadey, daneben mhd.-ahd. brät n.; dazu ags. hräde m., anord. Draäd f.«rohes Fleisch». Wahrscheinlich hat dieses Braten nichts mit dem folgenden zu tun. Grundbed. zunächst«Weichteily. Die urspr. schwache Flexion ist der starken gewichen, doch N. Sg. älternhd. noch Brate, Brat(Pl. im 17. Jh. öfter Bräter, zu dem N. Brat?). Redensart: den B. riechen«einen Anschlag merken?, mhd. den braten smecken. ZUS. Braten- rock, m. Rock, der bei Festlichkeiten ge- tragen wird, wohl nach engl. roastmeetclothes. ¹braten, v.(Prät. briet, Part. gebraten): über, an, in Feuer durch äußeres Hartwerden oder Hartmachen mürbe und genießbar wer- den oder machen. Mhd. bräten, ahd. brätan; dazu ndl. braden, ags. brodan. Hierher ge- hört noch anord. brãdr«hitzigy, sowie Brodem (s. d.); verwandt mit brühen(s. d.), das Ab- laut zeigt, brüten, und weiter vielleicht lat. firetum«Brausen, Wallen, Hitzey, fretãle«Brat- pfanney, gr. Bpdccu«siede, brausen mit an- derem Wurzelauslaut, wenn germ. br- aus me entstanden ist. 48L. bräteln, v.: langsam braten. Bei Voß. Z0S. Bratspieß, mn., zusammenges. mit Spie(8. 2Spieß), urspr. Spibz, mhd.-ahd. spiz m.«Spitze, auch Brat- spießy(verschieden von Spie m.«Stechwaffe»). Bratwurst, f., mhd.-ahd. brätacurst f. Bratsche(mit G), f.(Pl.-n): Arm.-, Alt- geige. Aus ital. viola da braccio, braccio ist das lat. brachium n. Army. Bei Krämer 1678. Bratspieß,-wurst, s. braten. Bratze, s. Pratzc. bratzeln, s. brotzeln. Bräu, n.(-es, Pl.-e): eine bestimmte Menge gebrautes Bier; Brauhaus. Aus mhd. priutoe f. n.«das Brauen und was auf einmal gebraut 280 wirdy. Alternhd. auch Brau; Bräu ist die obd. Form, die sich von Bayern aus ver- breitet hat. Von brauen(s. d.). Brauch, m.(¹es, Pl. Bräuche):(veraltet) Verwendung wovon; herkömmliches Üblich- sein. Ahd.(einmal bei Notker) prüh m., mhd. nicht nachzuweisen und erst im 15. Jh.(bei Nic. v. Wyle) auftauchend. Von brauchen, v.: im Genusse wovon sein; wozu verwenden; wozu nötig haben(im 17. Jh., bei Logau 3, 4, 92). Aus mhd. brächen, ahd. brühhan; dazu asächs. brükan, ndl. bruilten, ags. bräcan mit starker Flexion,«genießen, sich einer Sache erfreuen, ertragen», engl. brook cer- tragen, sich begnügen mit», schwed.(ent- lehnt) bruka, dän. bruge, got. brükjan«wo- zu anwenden, gebraucheny. Urverwandt ist lat. frui, fructus«genießeny». 4BL. brauch- bar, adj. Bei Henisch 1616. bräuchlich, adj.: wie brauchhar; im Gebrauch. Bei Luther breuchlich. Praue, f.(Pl.-n), auch Branne, f.(Pl.-n): Haarstreifen über dem Auge; Wimper. Aus mhd. Brοα, brä, ahd. bräzwa, brã f. Augen- braue, Augenlid»; dazu asächs. Dräwd, bräha, ags. brcô, anord. brã f. Mit abweichendem Vokal ags. brä, anord. DPrün f., die der Laut- verschiebung gemäß mit aind. bhrds, gr. ôgpöc, abg. brüvi f.«Brauey übereinstimmen. Ahd. bräwa zeigt Ablaut zu ags. bri usw. Uber die Nebenform Braune, sowie Bran(beiSchottel 1663), Brane, selbst Brame s. Augenbraue. brauen, v.: über Feuer bei aufsteigendem Wasserdampfe bereiten, zunächst Bier(auch bildlich vom wallenden niedrigen Nebel, bei Gökingk, Goethe). Mit Übergang eines iu in O, später us(doch älternhd. auch oft breuen, noch jetzt obd.) aus mhd. briuaben(Prät. brouv, Part. gehrlawen), ahd. briuwan; dazu ndl. brou- Wen, ags. bréowan(mit starker Flexion), engl. breuc, anord. Drugga, schwed. brygga, dän. brygge. Auf die gleiche Wurzel gehen zurück ahd. brod, ags. broß n., engl. broth«Brühe, Suppen; dazu lat. defrutum n.«Mostsafto, phryg.thrak. Spôrov«Bier, Obstwein», air. bruthe«Brühe». Der urspr. Begriff des Wortes scheint also ckocheny gewesen zu sein, vgl. auch Brot. Man könnte auch braten, brüten, Brühe, Brei u a. im letzten Grunde mit un- serm Worte verbinden, da der gleiche Anlaut einer Reihe von Worten, die alle auf die Speisebereitung gehen, kaum Zufall sein kann. Die starke Flexion findet sich ülternhd. nur noch vereinzelt beim Part. Prät. gebrauen 281 braun brav 282 (Logau 1, 51). 4BL. Brauer, m.: der Bier braut, mhd. briuwer m., daneben briuabe m. (daher jetzt bayr. Bräu m.). Davon Brauerei, f., bei Duez 1664. braun, adj.: aus Rot und Schwarz ge- mischt. Aus mhd. ahd. brün; dazu ndl. bruin, ags. brün, engl. browon, anord. brünn, schwed. brun, dän. bruun. Ins Romanische aufge- nommen als ital. bruno, franz. brun. Auch lit. br änas nebst slav. brunatint«caeruleus, fuscus» dürften entlehnt sein. Dagegen geht auf die gleiche Wurzel zurück lit. béras( cbrauny, aind. babhrä-g cbraun»(dem das deutsche Biher entspricht, s. d.), vermutlich gr. ꝙpòvn f., ꝙpòvoc m.«Krõteꝰ, vgl. auch Bär. 4BL. Bräune, f.: braunes Aussehen, mhd. briune; erstickende(braunrote) Entzündung der Luftröhre(bei Hans Sachs Fab. 144, 135 Preun). bräunen, v.: braun machen, mhd. briunen. bräunlich, adj. u. adv.: etwas braun, bei Luther bräunlicht. ZUS. Braunkohle, f., 1781 bei Jacobsson technol. Wb. 1, 283. Braune, s. Braue. Braus, m.(Gen. Brauses): rauschendes Getöse. Mhd. brüs m.«Brausen, Lärm». Von brausen(s. d.). Ndl. bruis n.«Schaum, Gischt». Brausche, f.(Pl.-n): mit Blut unter⸗- laufene Beule. Mhd.(selten) bräüsche f., ndd. bräs, brüsch. Vielleicht mit schwäb. brausch «sprõde, brüchig, ndl. broos(aus mndl. brõsch), anord. breysur«gebrechlich, schwach» zu ags. brjsan cbrechen, engl. bruise«quetschen?; die ursprüngliche Bedeutung müßte«schla- gen» gewesen sein. 4L. brauschig, adj.: (Goethe 18, 324) geschwollen, wulstig. Brause, f.(Pl.-n): der das Wasser brau- send durchlassende seihartige Aufsatz am Rohr der Gießkanne und diese selbst; Dusche. Mhd. vereinzelt brüschef. Dusches, älternhd. kommt Brause nur in der Bed.«Gärung» vor, die jetzige bei Voß Ged. 1, 44. Von brausen, v.: als heftig bewegte Luft oder Flüssigkeit stark hörbar sein. Aus mhd. bräsen(auch bräschen); dazu ndl. bruisen(früher bruischen, auch ndd. brüsken)«schäumen, brausen, aschwed. brüsa einherstürmen». Die Bed. rauschen» hat sich wahrscheinlich aus sieden, wallen» entwickelt, so daß brausen eine s-Er- weiterung der Wurzel von brauen wäre. Braut, f.(Pl. Bräute): durch Ehever- sprechen Gebundene. Aus mhd. brüt(Pl. briute), ahd. brüt f. Verlobte, Neuvermählten; dazu asächs. bräüd, ndl. bruid, ags. bryd, engl. bride«junge Frauy, anord. bräãdy, schwed.-dän. brud f.«Verlobtey, got. brßps f.«Schwieger- tochtery. Ins Mlat. entlehnt bruta f., woher afranz. Druy, franz. bru f.«Schwiegertochters. Die Etymologie war umstritten, vgl. Wiede- mann Bezz. Btr. 27, 205 ff. Nach den Auseinander- setzungen von Braune aber, Btr. 32, 30 ff. ist lat. frũtis zBeinahme der Aphroditeyzu vergleichen. 4BL. bräutlich, adj., mhd. briutelich, ahd. brutlihn. ZUS. Brautbett, n., mhd. brätbette, ahd. brütbetti n., entsprechend ags. brydhed, n., engl. bridebed. Brautführer, m., frühnhd. Albertinus weibl. Lustg. 99 b). Bräutigam, m.(-S, Pl.-e): Mann der Braut. Bei Luther Breutigam, Breutgam, aus mhd. Priutegome, entstellt briutegoume, briutegame(daraus Bräu- tigam, da e vor g in unbetonter Silbe zu wird), ahd. brütigomo m.; dazu asächs. brädi- gumo, ndl. bruidegom, bruigom, ags. brydguma, engl. bridegroom(mit Anlehnung an groom cjunger Mann»), anord. brüdgumi, schwed. brudgum, dän. brudgom, zusammenges. mit ahd. gomo, asächs. gumo, anord. gumi, ags.-got. gumda m.«Mann»(verwandt mit lat. homo m.); im Got. dafür bräpfaps m.(-faps stimmt der Lautverschiebung gemäß mit gr. nöcic(aus *öric) Gatte», aind. pätis«Herr, Gattes, lit. patis m. Ehemann»). Der Pl. wird zuweilen als Bréutigams(Goethe Götz 1) gebildet. Brautlauf, m.(Schiller Tell 4, 3 nach dem Schweiz.): Vermählungsfest, Hochzeit. Mhd. brütlouf m. f., brũtlouft m. f. n., ahd. brstlouftm. n., bratloufti f., dazu ags. brydhlop n. anord. bradlaup n., schwed. bröllop n., dän. Dryllup n. Hochzeit», ein gemeingerm. Wort, das wohl urspr. die feierliche Einholung der Neuver- mühlten bezeichnet. brav, adj. u. adv.: tatkräftig, tüchtig; sitt- lich vorwurfsfrei. Aus franz. brave, ital.-span. bravo(daher bravo! als Ausruf, aus der ital. Oper stammend)«tapfer, wacker», die wahr- scheinlich auf lat. bärharus«barbarisch⸗, dann «wild, unbändigy zurückgehen. Das Wort ist in den ersten Jahrzehnten des 17. Jh. auf- genommen worden(ndl. schon 1599 bei Kilian), und zwar zunächst in der Bed.«tapfery,(1617 bei Opitz Aristarch 93) auch«ungestüm, un- bändig»(z. B. Logau 1, 100), dann auch«wacker, tüchtig»(vereinzelte Belege aus dem 16. Jh. bei Fischer 1, 1376). 4BL. bravieren, v.: Trotz bieten, mit Verachtung begegnen. 1615 bei Albertinus Landstörzer 470 braviren. Aus ital. bravare, franz. braver«trotzeny. Davon Braväde, f.(Pl.-n): Großsprecherei. Aus franz. bravade, ital. bravata f. eig.«Trotz- 283 bravo bieten». Im 17. Jh. entlehnt. Bravöur, f.: Tapferkeit. Aus dem gleichbed. franz. bra- voure f. Bei Wächtler 1711. bravo! s. brav. Breche, f.(Pl.-n): Werkzeug zum Brechen des Flachses oder Hanfes. Mhd. breche f., von 1 brechen. ¹brechen, v.(Prät. brach, Part. gebrochen): sich auseinandertun; entzweigehen oder ma- chen; auflösend vernichten. Refl. sich h.: sich mit Gewalt zerteilen; aus dem Magen durch den Mund gewaltsam von sich geben. Mhd. bréchen, ahd. bréhhan; dazu asächs. bre- Kan, ndl. brelen, ags. brecan, engl. break, schwed.(entlehnt) bräcka, dän. bräkke, got. brikan. Es stimmt der Lautverschiebung ge- mäßz mit dem gleichbed. lat. frangére, dessen m, wie das Perf. frégi zeigt, Präsensverstärkung ist. S. brach, Brocken, Bruch. ZUs. Brech- stange, f., 1663 bei Schottel 532. *brechen, v.(Prät. brechte, Part. gebrecht): brechen machen(Flachs, Hanf brechen). Früh- nhd.(1482 im Voc. theut. e 3a brechen, flachs- prechen), abgeleitet von Breche. brechlich, adj.(Claudius 6, 52 u. 6.): gebrechlich. Aus dem Ndd., wo mnd. brelcelix «gebrechlich). precht in Eigennamen, eine Nebenform von-bert, s. d. Bregen, m.(-s): Gehirn. Niederdeutsch, namentlich in Bregenwurst«Hirnwursty. Aus mnd. bregen n., dazu ndl. brein n., ags. brœgen n., engl. brain. Man vergleicht gr. gpexuoc m. Vorderkopf» unter Ansatz von rniregh, vgl. Osthoff Morph. Unters. 5, 92. Brei, m.(-es, Pl.-e): dick ge- und zer- kochte Speise. Aus mhd. brie, bra(Gen. brien, spätmhd. auch mit starker Flexion), ahd. Prio, bri m.; dazu ndl. brij, ags. brio m. Die Her- kunft läßt sich nicht sicher ermitteln, da ein genau entsprechendes Wort in einer andern idg. Sprache fehlt. Man kann es zu lat. fiiure «zerreiben, zerbröckeln» stellen, aber auch zur Wz. von lat. firigo crösten, dörreny. Da neben diesem gr. pofw in derselben Be- deutung steht, also ein Wechsel von 7 und 7 vorliegt, so kann man auch brauen, brühen, brãten heranziehen. Im Nhd. nur mit starker Flexion, doch bayr. mit Eintreten des n der schwachen Dekl. in den Nom. Brein. 1 B L. breiig, adj., älternhd. breiicht. breit, adj. u. adv.: ausgedehnt im Gegen- satz der Länge. Mhd.-ahd. breit; dazu asächs. bréd, ndl. breed, ags. brãd, engl. broad, anord. Breitling, m.: 284 Bremse breidr, schwed.-dän. bred, got. braips. Dunkler Herkunft. 48. Breite, f., mhd. breite, ahd. breit‘, dazu got. braidei f. breiten, v.: auseinanderdehnen, mhd. ahd. hreiten; dazu asächs. brédian, ags. bräödan, anord. breida, schwed. breda, dän. brede, got. braidjan. eine Art Weihfische(1564 Forer 167 b ist Breittele die Bleie»); eine Kpfelart(1517 bei Trochus J6 b breydeling). Bremse, f.(Pl.-/): dié große Stechfliege. KAlternhd. Breme(auch bei Luther, noch bei Adelung und Campe als Bräme erwühnt, mundartlich obd. und md. erhalten) f., mit Wechsel des Geschlechts aus mhd. bréme, brém m.(selten f., wie andd. bremmia mit Umlauts-e, auch brceme ist vorauszusetzen, vgl. schweiz. Id. 5, 605), ahd. bremo m., zu brummen, ahd. breman und verwandt mit lat. fremére dss., gr. ßpeucw«brause», vgl. Osthoff Morph. Unters. 5, 93 ff, wonach dann Breme s. v. a.«Brummer, Brummfliege» aus- drückt, vgl. elsäss. Brums. Es kann aber auch zu ai. bhramaräs m.«Bieney zu bhrämati cer schweift umher» gehören. Die weiter abgeleitete Form Bremse stammt aus dem Ndd., wo andd. brimissa, dazu ags. brimse f.; in ndd.-md. Glossaren des 15. u. 16. Jh. er- scheint bremse, bromse(1517 bei Trochus H 5 b bromsæen), brumse, während die obd. Wörter- bücher die Form noch nicht kennen; 1616 verzeichnet aber Henisch B. neben Bremme und 1663 Schottel neben Bräm Brümse, Broömse, Brumse, auch Duez, Krümer haben B.(Stieler, Ludwig dagegen nicht). 2Bremse, f.(Pl.-n): Nasenklammer zur Bändigung wilder Pferde; Vorrichtung zum Hemmen an einem Räderwerke mittelst eines Kurbelrades. Alternhd. auch Bremes(Alberus Dict. R 3³), Brems n. Spätmhd. bremse f. in der 1. Bed., zurückgehend auf mnd. premese f., Premes n., das mit einer s-Ableitung gebildet ist von mnd. ndl. pramen«pressen, klemmen», dazu mnd.-mndl. prame f.«Druck, Zwangy, das weiter mit got. anapraggan«bedrüngen», mhd. pfrengen«in die Enge bringen, zwängen» verwandt ist. In gleicher Bed. findet sich bei Kilian bremer, bei Maaler 1561 bremen. Die 2. Bed. zunächst im Bergbau(1673 bei Berward Berg-Phrases 13 Brems f., Brems- rad, 1556 bei G. Agricola prembsschuch char- pago?), im 19. Jh. auf Maschinen und Eisen- bahnwagen angewendet. 4L. bremsen, v. Spätmhd.(bei N. v. Jeroschin) prempeen(für bremsen)«zwängen, bändigen». 285⁵ Brenke Brett 286 Brenke, s. 1Brente. brennen, v.(Prät. brannte, Part. gebrannt): durch Feuer versehren; durch Feuer ver- zehren machen; Empfindung wie von Feuer mitteilen; von Feuer oder wie von Feuer ergriffen sein; flammend oder feuerglänzend sein. Mhd.-ahd. b. ist nur Faktitiv; dazu and. brennian, mnd.(mit Umstellung des T) bernen, ags.(ebenso) bœrnan, anord. brenna, schwed. bränna, dän. brände, got. brannjan. Nhd. b. hat aber auch das Intransitivum mhd. brinnen(Prät. bran, Part. gebrunnen), ahd. brinnan in sich aufgenommen; dazu asächs. brinnen, ags.(mit Umstellung beornan, anord. brinna(dafür meist brenna), schwed. brinna, got. brinnan. Das zweite n ist präsens- bildend und wohl aus ꝛw entstanden, Grund- form also*brinzoo. Es gehört vielleicht zu air. brennim esprudeley und im letzten Grunde (mit /-Infix) auch zu lat. fervére. Vgl. auch börnen. Während Luther brennen auch als Intrans. gebraucht(unter ndd. Einfluß, schon mnd. ist bernen auch intrans. verwendet, ver- einzelt auch md. 2. B. Plisabeth2239), findet sich sonst im 16. u. 17. Jh. noch oft brinnen, namentlich bei Oberdeutschen(verbrunnen Opitz 1, 42, entbran Logau 2, 243, gehrunnen 2, 69, selbst noch entbronnen bei Goethe ew. Jude). Das Prät. von brennen lautet pei Luther brandte, Part. gebrand, später brannte, gebrannt, daneben aber bis gegen Ende des 18. Jh. auch brennte, gebrennt (brennte Wieland 18, 123, verbrennt Bürger 132, gebrennt Goethe 8, 177). 4BL. Brenner, m.(-⁶s, Plur. wie Sg.): der absichtlich Feuers- brunst verursacht, mhd. brennœre; der etwas brennt, z. B. Branntwein; Hirschkäfer(Luther 2. Mos. 8, 21 am Rande), weil er angeblich Kohlen auf seinen Hörnern in Gebäude trägt; Brand in Getreide, an Pflanzen, Büumen(auch bei Luther); Gegenstand an Beleuchtungskör- pern. S. auch brenzeln. ZUOS. Brennglas, n., bei Stieler 1691. Brennessel, f., bei Brunfels 1530, mhd. dafür eiternezzel d. i.«Giftnessel?. Brennpunkt, m., von Harsdörfer gebildet (Mathemat. Erquickstunden 1651 1, 301). 1Brente, f.(Pl.-n/): kufenartiges hölzernes Gefäß mit niedrigem Rande. Spätmhd. brenfef. (auch um 1480 im Voc. inc. teut. d 2 b brenten oder potung[Bottich],«Faß, Kufe, Maß), ent- lehnt aus ital.-mlat. brenta f.«Art Weinfaß. Daneben auch Brenke f. und Brenkel(im Voe. inc. teut. c 2 bals«vulgariters neben Brente) n., jetzt am Mittel- und Oberrhein. „Brente oder Brinte, f.(Pl.-n): vier- eckiges, aus gerösteten Mandeln und Zucker, Mehl und Eiweit bereitetes Gebäck mit ein- gedruckter Figur, in Frankfurt a. M. An- gelehnt an brennen«rösten»; aber in Aachen (Müller-Weitz 188) Prent, Print f. Abdruck von Blumen oder Figuren», wie ndl. und engl. print, dann Pfefferkuchen, der eine Figur darstellt, zu aach. prente«Leinwand druckeny, ndl. prenten, engl. print, aus afranz. preindre, von lat. premére dͥdrückeny. brenzeln, v.: nach Brennen schmecken oder riechen. 1537 bei Dasypodius brentzelen und brenselen, das Dimin. von älternhd. brenzen (1664 bei Duez), das von brennen gebildet ist. Daneben bei Stieler 1691 brinzelen. 43 L. brenzlich, adj. u. adv.: dem Geruche, Geschmack nach angebrannt. Bei Stieler 1691 brenzelicht und brinzelicht. Bresche, f.(Pl.-n): gewaltsamer Mauer- oder Wallbruch einer Befestigung. Aus franz. bréche f. Bruch, Lücke, Schartey, das auf ahd.-brehha in märbrehha f.«Mauerbrecher? zurückgeht. 1617 bei Wallhausen Corp. mil. 189(vgl. auch Gombert 6, 21); daneben im 17. Jh. Presse f. Brestel, f.: Erdbeere(Rückert Ges. Ged. 4, 301). Schwübisch Bröstel f. und Bräst- ling m., spätmhd. bresteling«Gartenerdbeeres 1616 bei Henisch Breßling«weiße Erdbeere»; bei Schmeller* 1, 46 Pröbstling m.«große Erdbeere». bresthaft, adj.: mit Leibesgebrechen be- haftet. Auch preßhaft(s. d.). Mhd. bresthaft amangelhafty, gebildet von mhd. brest m. «Mangel», das auf mhd. bresten«gebrechen⸗ beruht. Vgl. Gebresten. Brett, n.(es, Pl.-er): aus einem Baum- stamm geschnittenes Holz, das mehr breit als dick ist; Tisch(in den Redensarten: ans B. kommen, hoch am Brett sein); Brett- spiel(daher die Redensart einen Stein im B. haben, d. h. zu seinem Vorteil). Mhd.-ahd. bret n.; dazu ags. bred n., dän.(entlehnt) brœt. Von gleicher Wurzel, nur mit andrer Ab- lautsstufe gebildet, 2Bord(s. d.). Daneben mit Dehnung des Vokals Bret(Goethe Tasso 3199. 12, 93. Schiller 11, 362. Wall. Lager 1036 im Reim); die Form ist früher nament- lich bei Mitteldeutschen sehr häufig und findet sich bei Stieler, Rädlein, Steinbach, Adelung angegeben, dagegen hat Luther Bret, aber Bretter, die südd. Wörterbücher Brett und im 18. Jh. wird diese Form auch 287 Breve Brille 288 verlangt von Freyer 1737, Gottsched Sprachk. 3240 und Heynatz, bei Campe erscheint sie als die herrschende. L. bretteln(Schiller Räuber 2, 3): den langen Puff spielen. bret- tern, adj., spätmhd. breterin(Germ. 28, 361 von 1432), bei Luther(2. Kön. 4, 10) brettern und(Sir. 29, 29) bretern. ZUS. Brettspiel, n., mhd. bretspil n. Breve, n.(-s, Pl.'n und-s): minder förmlicher päpstlicher Erlaß. Im 15. Jh. aus mlat. breve«kurzes Schreibeny, besonders cein päpstliches», dem als Subst. gesetzten N. des lat. Adj. brevis«kurzy. Vgl. Brie. Brevier, n.(-S, Pl.-e): Betformelbuch des katholischen Geistlichen. Im 15. Jh. breviere n., aus lat. brevidãrium n., eig.«kurzes Verzeichnis», dem als Subst. gesetzten N. des lat. Adj. breviãrius«kurz gefaßty, ab- geleitet von dem auf lat. brevis«kurzy zu- rückgehenden lat. brevidre«kurz fasseny. Brezel, f., Prezel, Bretzel(Pl.-n): Back- werk in der Gestalt zweier armartig zueinander geschlungenen länglichen Ringe. Mhd. brezel (auch gedehnt brzel?), prezel, ahd. pricella f. daneben auch breze f.(daher bayr. die Bretzen, schwäb. Bretz, Bretzg) und brœzte, ahd. brezita, precita f.(daher schwäb. die Bretzet, Bretzget), sowie ahd. prezitella f.(daher elsäss. die Brettstell). Zugrunde liegt lat. Prachiolum n.«Armchen», Demin. zu brachiun n.«Army, das im Mlat. zu bracellum, sowie bracitum und bracitellum(vgl. ital. bracciatello m. «Brezel, franz. bréchetelles Pl.) umgebildet worden sein muß. Neben Bretzel steht mit langem e Brezel, wie von Heynatz Handb. und Adelung verlangt wird, außerdem nordd. mit anlaut. Pyretzel(so von Freyer 381 verlangt), Prezel. Südd. und westmd. nur mit kurzem Vokal. Bricke, f.(Pl.-"/): Art Neunauge. Auch Pricke. Aus dem Ndd., wo mnd. Pprioke f., dann auch 1469 im mrhein. Voc. ex quo pryeckhe«cirtis?, 1475 im Teuth. prycke, ndl. prik m. Dunklen Ursprungs. Brief, m.(-es, Pl.-e): schriftliche Ur- kunde; Zuschrift; zusammengefaltetes Papier- blatt. Mhd. brief(Gen. brieves)«Brief, Ur- kunde», überhaupt«Geschriebeness, ahd. briej, briaf, mit einem(aus lat. e hervorgegangenen) ie aus lat. breve n.(s. Breve). Entsprechend ndl. brief m., anord. brefn.«Urkundey, schwed. bref, dän. brev n. 4 BL. brieflich, adj. u. adv.: mittelst eines Briefes. Ahd. brieflin «in Form einer Urkunde, eines Schriftstückes» (ebenso 1616 bei Henisch), in der jetzigen Bed. aber erst im 18. Jh. Briefschaften, Pl. mehrere Briefe oder Schreiben. Bei Frisch 1712. ZUS. Briefsteller, m.: der Briefe entwirft(bei Stieler 1691); Anweisung zum Briefschreiben(Volck v. Wertheim der auf neue Manier abgefaßte und allezeit fertige Briefsteller 1722). Brieftasche, f., 1491 im Voc. rerum e 5a. Briefträger, m., mhd. brieftreger, m. Briefwechsel, m.: Aus- tausch von Briefen. 1644 bei Harsdörffer Gespr. Bd. 1, Schutzschrift S. 22. Bries, s. Brös-chen. Brigäde, f.(Pl.-/): größere, von einem besondern Generale befehligte Heeresabteilung von zwei Regimentern(so zuerst in Gustav Adolfs Heer). Aus franz. brigade f. und dies aus ital. brigata f., eig.«Gesellschaft», dann Trupp, Rotte, Heerschar⸗, gebildet von ital. briga f.«Zank, Streit, Ungelegenheit, Mühey, brigare zanken, streiten, eifrig streben, woraufhin bemüht seiny. Zur Zeit des 30jährigen Krieges entlehnt(Gombert 6, 22 vom J. 1639). Brigänt, m.(en, Pl.-en), s. d. folg. Brigantine, f.(Pl.-n): leichtes Schnell-, Jagdschiff. Aus ndl. brigantine(1599 bei Kilian), engl. brigantine, franz. brigantin, zu- rückgehend auf ital. brigantino m., urspr. wohl«Raubschiffy, von ital. brigante(daraus franz. brigand m.)«unruhiger, gefährlicher Mensch, Räubery, das im 18. Jh. ins Deutsche entlehnt wurde, Part. Prät. von brigare(s. Brigade). Im 16. Jh. entlehnt(1596 bei Fronsperger Kriegsb. 1, 128 die Bergandten, 1, 135 b Bergantin, 1567 bei Schmidel Reis. 55, 12 Bergentinschiflein). Brigg, f.(Pl. s): zweimastiges Kriegs- und Lastschifft. Aus dem gleichbed. dän.- schwed. brigg m., engl. brig, das aus brigantine gekürzt ist. brillänt, adj. u. adv.: glänzend; prächtig, ausgezeichnet. Als Subst. Brillant, m.(-en, Pl.-en): eckig geschliffener Edelstein, Glanz- edelstein. Aus dem franz. Adj. brillant, eig. Part. Prät. von briller, ital. brillare«glänzen, funkeln», von gr. Jat. beryllus(S. auch Brille), dem Namen eines Edelsteines, dessen Glanz und Durchsichtigkeit gerühmt wurde, gr. BüpoMoc m. f.«ein meergrüner indischer Edelstein». Das Adj. und das Subst. 1717 bei Nehring. Brille, f.(Pl.-n): verbundene Sehgläser für beide Augen. Alternhd. bis ins 17. Jh. 289 Brimborium Brodem 290 (z. B. Schupp 1, 72) und noch jetzt mund- artlich auch Brill m. Brille f. ist aus dem Pl. hervorgegangen und kommt schon seit dem 15. Jh.(auch bei Luther neben dem M.) vor. Mhd. berille, barille m., im 15. Jh. auch brille, brill, ist zunächst der Name eines durchsichtigen Edelsteines(s. Beryll und brillant). Dazu ndl. bril m. ZUS. Brillen- schlange, f.: giftige Schlange mit brillen- ähnlicher Zeichnung auf dem Halse. Bei Adelung 1774. Brimbörium, n.(-s, Pl.-s): nichtswerte Kleinigkeit, Lappalie(Goethe Faust 2650). Mit latinisierter Endung aus dem gleichbed. franz. hrimborion m., nach Hatzfeld-Darmsteter Umbildung von lat. brevicrium, s. Brevier. bringen, v.(Prät. brachte, Part. gebracht): von einem Orte zum andern schaffen, an einen Ort tragen oder führen. Mhd. bringen (Prät. auch stark branc, Pl. brungen, Part. gebrungen, häufiger Prät. brähte, Part. brähl), ahd. bringan; dazu asächs. bringan, ags. bringan (Prät. brang und bröohte), engl. bring, schwed. (entlehnt) bringa, dän. bringe, got. briggan (Prät. brähta). Daneben mit abweichender Präsensbildung asächs. brengian, ags. brengan, ndl. brengen, auch md. bis in die nhd. Zeit brengen, von dem das schwache Prüt.(got. brähta aus*branhta) ausgegangen zu sein scheint. Zu kymr. he-breong herbeibringen», he-bryngiad der Herbeiführer», korn. hem- bronk«er wird herbeibringeny. Nach Brug- mann Idg. Forsch. 12, 154 eine Vermischung der Wurzeln idg. bher«tragen?, lat. fero, gr. Pépu, got. basran und enk, gr. eEverxetv cbringen». Das Part. Prät. lautet bei Luther und noch sehr häufig im 17. Jh. bracht(doch verlangt Schottel gebracht), dann auch wieder bei Rückert 1, 541. Brink, m.(es, Pl.-e): erhöhter Gras- platz; Grasrain; feuchte Stelle auf einer Wiese. Aus dem Ndd., wo mnd. brink m. grasiger Hügels, überhaupt«Hügel, Gras- platz, Grasrain»; dazu engl. brink«iußerster Rand, Ufery, schwed.(entlehnt) brink m. csteiler Bergy, dän. brinkc«sanft angehender Hügel», anord.(mit Assimilation des n an k) brehka f.«Hügel» neben bringa f.«grasiger Hügel». Da br auf mr zurückgehen und der Nasal eingeschoben sein kann, läßt sich gall. brogae«Ackery, Allobroges, ir. mraig, bruig«Mark, Landschaft) und mit Ablaut lat. margo«Rand, d. Mark Grenze? ver- gleichen, vgl. Walde s. v. Anders Wiede- Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. mann Bezz. Btr. 27, 231. Verwandt ist noch Brunkel(s. d.). Goethe gebraucht die Form Brinken(in Sandbrinken). ZUS. Brink- sitzer, m.: Angerhäusler, Halbbauer, Hinter- sasse. Aus nd. Brinksitter m. In gleicher Bed. Brinkckeöter, Brinklieger, Brinksasse. Brise, f.(Pl.-n): kühler(Nord)wind. Aus dem gleichbed. franz. brise, span. brisa f., ital. brizza, engl. breeze, deren Herkunft un- sicher ist. Moderne Entlehnung. Brite, m.(-n/, Pl.-n): Einwohner Eng- lands. Mhd. Britte, ahd. Prétto, aus lat. Brito, Britto und diese aus dem Keltischen, kymrisch Prydain, selten Bryt oder Brydein, Stammesname, davon das Adj. britisch, englisch. 4L. britten, v.: die Engländer nachahmen(Goethe 6, 110), dafür im 18. Jh. auch brittenzen. Britsche, f., s. Pritsche. Brocke, f.(Les ing 1, 394), meist Brocken, m.(-S, Pl. wie Sg.): abgebrochenes dickeres Stück. Aus mhd. brocke(Gen. brocken), ahd. broccho m., dazu ndl. brok m., mit Ablaut zu brechen gebildet. Im Got. das gleichbed. gabrulta f. An Stelle der schwachen Flexion im Mhd. jetzt starke, doch Nom. Sg. älternhd. noch Brocke, Brock. 4B. brocken, v.: in Brocken brechen. Mhd. brocken, ahd. procchõn. Davon die dimin. Bildung bröckeln, v.: zu kleinen Brocken brechen(bei Frisch 1712), mit dem Adj. bröckelig, alternhd. bröckelicht(1616 bei Henisch bröcklet). Brod, s. Brot. brodeln, brudeln(Wieland 19, 362), auch prudeln(Goethe Faust 5255) v.: kochend auf- wallen; langsam kochen(intrans.). Aus mhd. brodelen, brudelen, das zu spätmhd.(noch jetzt bayr.) prod n., ahd. prod, prot n.«Brühes, früh- nhd. brod«aufsteigende Wasserblase»(1429 lib. ord. rerum Bl. 3³) gehört, dazu ags. brod n. Brühe», engl. broth«Fleischbrühes. Ahd. prod entspricht ziemlich genau lat. defrtum ader eingekochte Most, Mostsafte, thrak. pOroc, Bporov eine Art Gerstenbier» und gehört wohl zu der unter brauen bespro- chenen Sippe. B. kann aber auch mit Sprudlel, sprudeln verwandt sein(vgl. Siebs Kuhns Zeitschr. 37, 307), wie denn auch im 17. Jh. Brudel als«Sprudel⸗ vorkommt. Ablautend schließt sich dann schweiz. bradle«wallen, schmatzen, schwätzen» an. Brodem, auch Broden, m.(-S, Pl. wie Sg.): dicker Dunst aus heißer, kochender Flüssigkeit; dicker Dunst überhaupt. Die 19 291 Brokat Bruch 292 Form Broden mit Schwächung des-em zu -en auch bei Goethe 1, 214. Nat. Tochter 1985 u. ö. Mit Verwandlung des d in ö (doch wird Bradem noch 1722 von Freyer S. 268 verlangt) aus mhd. brädem Dunst», ahd. bräãdam m.«Hauch, Hitze?. Verwandt ist zunächst ags. bräöd f.«Dunst, Hauchy, engl. breath«Atem» und weiter braten(s. d.). 4BL. bradmen, v.: dick dunsten, mhd. brãdmen, ahd. brädamön. Brokät, m.(-es, Pl.-e): mit Gold. und Silberblumen durchwirktes schweres Seiden- zeug. Aus ital. broccato m.(daher franz. brocat, brocart m.) von broccare, franz. brocher«stechen, sticken, das auf ital. brocca, franz. broche f.«Spieß, hölzerne Nadel, Stick- nadel» zurückgeht. 1717 bei Nehring Brocat, 1721 bei Jablonski Byroccat. 4BL, bro- katen, adj. Brombeere, f.(Pl.„n): schwarzblaue Frucht des Brombeerstrauches; dieser Strauch selbst, rubus fruticosus. 1537 bei Dasypodius Brombeer. Mit Verwandlung des ã in(später gekürztes) oaus mhd. brümber N. Pl.(S. Beere), ahd. bränberi«Beere des Brombeerstrauches (mhd. bräme m., ahd. brümo m. und brüma f., die auch überhaupt«Dornstrauch» bedeuten, dazu ndl. braam m. und mit weiterer Ab- leitung ags. brémel m., engl. bramble«Brom- beerstrauch»). Vgl. auch Bram. Bronnen, Bronn, m.(-s, Pl. Bronnen): wie Brunnen. In der Dichtersprache seit dem Ende des 18. Jh. gebraucht; die Laut- entwicklung wie bei Sonne mhd. Sunne, ge- ronnen mhd. gerunnen. Bronze, f.(Pl.-n): bräunliche Metall- mischung aus Messing, Zinn und vornehm- lich Kupfer; Kunstwerk aus Bronze. Aus franz. bronze und dies aus ital. bronzo m., das man auf aes Brundisium d. h. Erz aus Brindisi, dessen Metallarbeiten berühmt waren, zurückführt. Vgl. Berthelot Revue archéo- logique 1888, 294, Schrader Reallexikon 203. Im Anfang des 18. Jh. entlehnt(1734 bei Wolff math. Lex.). Brosam, m.(-es, Pl.-e), Brosame, f. (Pl.-n): das inwendige Weiche vom Brote. Obd. und dichterisch, fast nur im Pl.(das M. Brosam von Klopstock u. a. gebraucht). Mhd. brösme(die mundartlichen Formen er- weisen langes 0), ahd. brösama, brösma f., dazu asächs. brösmo m. Brockeny. Zu ags. brisan«zerreibeny, brosnian«gebrochen wer- deny, also eig.«Bröckcheny und weiter zu lat. frustum n.«ein Brocken, Stückchen, Bissen», s. Walde s. v. Brosche, f.(Pl.-/): Vorstecknadel. Aus franz. broche f.«Spieß, Nadel»(s. Brokat). Moderne Entlehnung.— broschieren, v.: ein Buch nur heften. Aus franz. brocher cstechen, durchstechen). 4L. Broschüre, f.(Pl.-n): bloß geheftetes Buch mit Um- schlag; Schrift von einem oder wenigen Bogen. Beide gegen Ende des 18. Jh. entlehnt. Brös-chen, n.(-S, Pl. wie Sg.): Brust- drüse des Rindes, Kalbes, Lammes. Aus dem Md., dafür schwäb. Brüsle, bayr. Brüsel, Briesel n., auch nur Bries und verkleinernd Bries-chen. Vgl. auch die gleichbed. dän. brissel, schwed. bress in kalwbress. Falls à der ursprüngliche Vokal ist, vielleicht mit Brosameè zu ags. brjsan nach dem bröckeligen Aussehen der Drüse. Bröselein, n.(Goethe 1, 178. Faust 9592): Brotbröckchen. Aus dem Obd.(1616 bei Henisch Brösele), das Dim. zu Brosame, mhd. brosemlin n., bei Luther Brosemlen. bröseln, v.: bröckeln. Schon im 16. Jh. Brot, n.(es, Pl.-e): der aus Mehl und Wasser bereitete und gebackene Teig als tägliches Nahrungsmittel des Menschen;(bild- lich) Nahrungsbedarf, Nahrungspflege; Bienen- brot(s. d.). Auch häufig Brod geschrieben; das d kann aus westmd. u. ndd. Mundarten erklärt werden, beruht aber vielleicht auch auf grammatischem Wechsel. Luther hat Brot, was auch sonst im Alternhd. über- wiegt(doch Brod 1540 bei Alberus Dict.); Brod steht bei Rädlein, Frisch und dann bei Adelung, bei andern Brodt. Mhd. bröt, ahd. brôt, brõth n.; dazu asächs. bröd, ndl. brood, ags. bréad, engl. bread, anord. brand, schwed.-dän. bröd n., im Got. dafür Alaifs (s. Laib). Wahrscheinlich zu brauen(s. d.) zu stellen und im Ablaut zu dem unter brodeln besprochenen Brod stehend. ZUS. brotlos, adj., bei Henisch 1616. Brotneid, m., bei Adelung 1793. brotzeln, s. brutzeln. Broyhan, m.(-s, Pl.-e): Art Weißbier, aus Weizen gebraut. Angeblich von Kurt Broyhahn oder Brühan 1526 in Hannover erfunden. Fischart Garg. 86 führt Brühan als ein werdisches Bier auf. brr! Interj., Laut zum Stillstehen der Pferde; Laut des Schauders. Bruch, m.(es, Pl. Brüche): Handlung des Brechens; Gebrochensein; Stelle, wo et- 293 Bruch brüllen 294 was gebrochen ist; Abgebrochenes; Teil eines Zahlenganzen(schon 1514 bei Böschensteyn). Mhd. bruch, ahd. bruh m., zu brechen. 4 BL. brüchig, adj., mhd. brüchic. „Bruch(mit), n., häufigerm.(-es), Pl. Bräü- cher und Brüche): Sumpfboden; Sumpfwiese. Mhd. bruochn. m., ahd. bruohn., dazu mnd. brok n., ndl. broekc f., ags. broc«Bach, Gießbach, engl. brook«Bach». Dunkler Herkunft; kaum zu brechen, als Ort wo Wasser hervorbricht oder zu brack(s. d.). Redensart: in die Brüche gehen«verloren gehen», eig.«in den Sumpf geraten⸗(vgl. in die Pilze gehen). 4BL. bruchig, adj., spätmhd. bruochig und bruocheht. s Bruch(mit ⁷), f., auch n.(Pl. Brüche): Art Hosen. Nur noch mundartlich(Schweiz). Mhd. bruoch f. n., ahd. bruohha f. und bruoh n.; dazu mnd. brök, ndl. broekc, ags. brõc f., engl. breeches(ein Pl.), anord. brök f., schwed. brok, dän. brog«Hose). Dazu ags. bréc«Steißy. Übereinstimmend mit gall. lat. brãca f.«Hosey, afranz. braies, ital. brache Pl., das wahrschein- lich auf das deutsche Wort zurückgeht. Weiter vergleicht Schrader ZfdW. 1, 238 lat. Se†frägines«Hinterbug der Tierey, so daß die Bedeutung des ags. Wortes am ur- sprünglichsten wäre. Unsicher. Brüche, f.(Pl.-n): Vergehen(Gesetzes- bruch); Buße in Geld dafür. Nach dem ndd. Pröke f., mnd. broke m.(bei J. Möser Brüchte m.)«Vergehen, Geldstrafe dafürs, das zu 1 Bruch gehört. Bei Schottel 1663 bruchig. brüchig, s. 1Bruch. Bruchstück, n. Als Verdeutschung des lat. fragmentum in den ersten Jahrzehnten des 17. Jh. aufgekommen; schon bei Duez 1642. Brücke, f.(Pl.-n): über einen Fluß, Graben oder eine Schlucht gebauter Weg von Holz oder Stein. Mhd. brugge, brucke und brügge, brücke, ahd. brucka f.; dazu ndl. brug, ags. brycg, engl. bridge, anord. Pryggja Landungsbrücke, Hafendammꝰ, schwed. brygga f., dän. brygge«Brückey». Im Nord. existiert außerdem eine Form ohne Guttural anord. brã f.«Brücke», schwed.-dän. bro. Diese ist zu abg. bräüwi«Brücke, Augenbrauen zu stellen, wozu weiter gr. öqpòc m. Augen- braues, und führt auf eine Grundform*prulo-; die Form mit Guttural(got.*braga) hat sich aus dieser entwickelt. Das Wort ist also mit«Brauen zu verbinden, wobei aller- dings die Bedeutungsentwicklung nicht klar ist. Oder es ist als Grundbed. nach dem verwandten schweiz. brügi(brüge bei Maaler 1561)«er- höhter Bretterboden, Brettergerüsty, die von chölzernes Gerüst» anzunehmen(obd. Bruck auch cbreite Liegestatt von Brettern am Ofen, Gestell» u. dgl.), vgl. noch Prügel. 43L. brücken, v.: eine Brücke oder als Brücke bereiten; mit einer Brücke versehen. Mhd. brüchen, ahd. bruckön; ags. brycgian ist «pflastern?. brudeln, s. brodeln. Bruder, m.(-S, Pl. Brüder): Person männlichen Geschlechts, die mit einer andern dieselben Eltern oder denselben Vater, die- selbe Mutter hat; Person gleichen Amtes oder Ordeus. Mhd. bruoder(Pl. bruoder, erst spät brüeder), ahd. bruodar; dazu asächs. bröthar, ndl. broeder, ags. brödor, engl. brother, anord. brothir, schwed.-dän. broder, bror m. Über- einstimmend mit lat. frãter, gr. pdrup(Mit- glied eines Geschlechts), ir. bräthir, aind. bhrãtã, abg. bratu, lit. bröterélis, arm. esbair m. Neben der starken Flexion findet sich älternhd. auch die schwache, noch häufig bei den Dichtern der schlesischen Schule. 4B8 L. brüderlich, adj. u. adv., mhd. bruoderlich, brüederlich, ahd. bruodarlih; dazu Brüder- lichkeit, f., 1778 bei Lavater Aussichten 4, 22. Brüderschaft, f. Klternhd.(vom Sing. gebildet) Bruderschaft, mhd. bruoderschaft, ahd. bruodarscaf f., dazu asächs. bröderskepi m. Brühe, f.(Pl.-n): zusammengesetzte Flüssigkeit, besonders gekochte. Mhd. brüeje f. Von brühen, v.: mit heißer Flüssigkeit be- gießen, daß sie einbrennt;(älternhd.) brüten (bei Luther ausbrüen causbrüten» Hiob 39, 14, auch bei Alberus Dict. Hh 2 b und HH 2⁵). Mhd. brüejen, brüen«mit heißem sengen?; dazu ndl. broeijen«erwärmen, brüten». Ver- wandt mit braten(s. d.), Brodem und brauen. S. auch Brut. Brühl, m.(-és, Pl.-e): mit Gras und Büschen bewachsene tiefe Fläche; bebüschte tiefe, nasse Sumpfwiese; Sumpflache. Mhd. brüel, ahd. pruil, proil m., dazu mnl. proiel «Tiergarteny. Aus dem Romanischen, wo ital. broglio m.«Kũüchengarten?, prov. bruelh, franz. breuil m.«Gebüsch», mlat. broilus, brogilus umzäuntes Gebüsch oder Baumstück, Wäld- cheny, die wahrscheinlich aus dem Keltischen (vgl. breton. bro«Gegend») stammen. brüllen, v.: erschütternd schreien, in tiefem Ton erschütternd schallen. Mhd. bräelen, daher auch älternhd.-obd. brülen und noch jetzt mundartlich: im Ablaut zu dialek- 19* 295 brummen Brüsch 296 tischem brallen«schreien»(s. prahlen) stehend. Die Form mit kurzem d stammt aus dem Md.(1470 in Diefenbachs mlat.-hochd.- böhm. Wb. Sp. 186 prüllen, 1482 im Voc. theut. t 3⁸ prullen, bei Luther brüllen), dazu ndl. brullen. Nach Bugge Btr. 21, 421 zu lit. blicau «brülleny, indem r aus durch Dissimilation entstanden ist. brummen, v.: dumpfen Ton von sich geben;(in der neuern Umgangssprache) im Gefüngnis sitzen. Mhd. brummen, dazu ndl. brommen, das zu dem starken V. mhd. brimmen (Prät. bram, Part. gebrummen) gehört, zu dem es urspr. nur eine abweichende Präsens- bildung darstellt, weiter auch zu dem ein- faches m zeigenden mhd. brémen, ahd. bröman sbrummen, brüllen»(s. 1Brensse). Man ver- gleicht damit lat. fremere«brummen, dumpf töneny, gr. Bpéueiv dumpf, hohl tönen, rauschen?, ai. marmaras rauschendy, indem man mr als Anlaut annimmt. Vgl. Osthoff Morph. Unters. 5, 93 ff. S. auch Brunft. 4BL. brummeln, v., frühnhd. brumlen. brum- mig, adj., 1691 bei Stieler brummicht. ZUS. Brummeisen, n.: die Maultrommel. Bei Rädlein 1711. Brunélle, f.(Pl.-n): Braunwurz oder Gottheil, ein Heilmittel, namentlich gegen die Bräune. Spätmhd. brunelle aus franz. brunelle f., von ital.-span. brano, franz. Druan cbrauny. brünétt, adj.: braunhaarig, eig. bräun- lich. Substantiviert Brünette, f.(Pl.-n): Braune, Bräunliche von Gesichtsfarbe und Haar. Aus dem franz. brunet(F. brunette), ital. brunetto, das mit Diminutivendung ab- geleitet ist von franz. bran, ital. bruno«braun. In der 1. Hälfte des 17. Jh. entlehnt(1646 bei Moscherosch Philander 2, 208 Brunette). Brunft, f.: Außerung des Begattungs- triebes beim Rot- und Schwarzwilde. Mhd. brunft f.«Brunstzeit des Hirschesz(ein an- dres brunft«Brande gehört zu brennen). Mit Entwicklung eines(vgl. Zunft, Kunft, Vernunft) zu dem unter brummen erwühnten mhd. bremen, ahd. breman«brummen, brüllen, hier vom verlangenden lauten Schreien des Wildes zu verstehen. 4L. brunften, v.: den Begattungstrieb äußern. Brunkel, m. n.(-S): wässeriges Gelände mit Graswuchs. In Hessen, am Rhein, im Elsaß. Verwandt mit Brink(s. d.). Brunn, m.(-es, Pl.-en), meist Brunnen, m.(-s, Pl. wie Sg.): aussprudelnde, zutage kommendeQuelle; Quellwasser; Behälter, worin sich ausbrechendes Quellwassersammelt; Harn. Mhd. brunne(Gen. brunnen), ahd. brunno m.; dazu asächs. brunno, ags.(mit Umstellung des T) burna, got. brunna m. Vgl. auch Born. Wohl zu brennen zu stellen, als das Wal- lende, Siedendey(vgl. mhd. söt m.«Brunnenꝰ, zu sieden), oder wurzelverwandt mit gr. qpédp, Gen. qpécroc«Brunneny, aus*ꝓpefo. Das urspr. schwache M. hat sich frühnhd. in Brunn, Gen. Brunns und Brunn, Brunne, Gen. Brunnen geteilt, Luther hat überwiegend die starken Formen(auch mit dem Pl. Briunne), seltener die schwachen(im Pl. als Mischform auch Brünnen). Sonst überwiegt älternhd. Brunn, Gen. Brunnen oder Brunnens, in den andern Kasus Brunnen; die Form Brunnen im Nom. Sg. dringt erst im 18. Jh. durch und ist bei Adelung allein angegeben. Jetzt ist Brunn, Gen. Brunns(aber im Pl. nur Brunnen) fast nur poetische Form. IZUS. Brunnquell, m.(-s, Pl.-en): Quell, woraus ein Brunn entsteht;(bildlich) Ursprung. Da- für spätmhd. brunnengçuelle, bei Luther brunne- quelle f., dagegen um 1480 im Voc. inc. teut. 0 3 b brunquel«scaturigoy. Brünne, f.(Pl.-n): Harnisch. Im 19. Jh. wieder aufgenommen aus mhd. brünne, brinje, brünege, ahd. orunna, brunnia f.; dazu ags. (mit Umstellung des r) byrne, anord. brynja, got. branjõ f. Wahrscheinlich aus air. brainne Brust» entlehnt. Bruno, Mannsname. Ahd. Brüno cder Braune», das schwach dekl. Mask. des Adj. br aun(s. d.). Brunst, f.(Pl. Brünste): großes verzehren- des Feuer; innere Glut, Hitze im Menschen; Heftigkeit des Geschlechtstriebes. Mhd.-ahd. brunst f.; dazu ndl. bronst, got.(nur in Zu- sammensetzung)-brunsts f. Zu brennen mit Entwicklung eines inneren s(vgl. Gumst, Kunst!). 4BL. brünstig, adj. u. adv., mhd. brünstec. brunzen, v.: den Harn gehen lassen. Nur noch südd. Mhd. brunzen aus ülterm brunnezen, einer verstärkenden Ableitung von mhd. brunnen charnen», von branne m., hier in der Bed.«Wasser, Harn?. Brüsch, m.(-es, Pl.-e): der Mäusedorn, ruscus aculeatus. Spätmhd. bräsch, aus franz. brusc, ital.-span. brusco m., die wohl mit vor- gesetztem 5(vielleicht unter Einwirkung von lat. bruscus, bruscum, s. unter brüsk) neben ital.-span. rusco m. aus dem lat. Namen ras- 297 brüsk Bube 298 cun n. neben ruscus f. hervorgegangen sind (andre denken an Zusammenhang mit anord. bruskr m.«Haarbüschel»). brüsk, adj. u. adv.: barsch, heftig, rück- sichtslos. Aus dem gleichbed. franz. brasque, ital. brusco, die auf ein lat. Adj. bruscus cknollig zurückgeführt werden, das aus brus- cum n.«schwammiger Auswuchs am Ahorn- baumꝰ erschlossen wird. Bei Sperander 1728 brusque. Brust, f.(Pl. Brüste): Vorderteil des Leibes vom Halse bis zum Magen; die Milch- drüse der Frau. Mhd.-ahd. brust f.; dazu mnd. haust, borst, ndl. borst f., got. brusts f. Pl.(mit konsonantischer Flexion). Ferner mit andrer Ablautform asächs. breost, ags. brõost n., engl. breast, anord. brjõst, schwed. bröst, dän. brystn. Das Wort scheint urspr. die Form eines Duals gehabt zu haben. Her- kunft unsicher; häufig, aber kaum richtig, stellt man Brust zu mhd. briezen an- schwellen, knospenv, ags. bréotan, anord. brjõöta cbrechen», asächs. brustian«knospen», Grund- bed. danach die schwellend Vorbrechende». Eher ist air. brä, Gen. bronn(aus*brusõ) Bug, bruinne Brusty verwandt. 4.31. brüsten, refl. v.: eig. die Brust vorstrecken, dann(wie«sich in die Brust werfen») stolz tun. Mhd. sich brüsten. brüstig, adj. in eng-, hoch-, vollhrüstig. Brüstung, f.: bis zur Brust reichende Schutzwand. Erst bei Adelung 1774. ZUS. Brustbild, n.: Bild bis zur Brust, 1557 bei Sleidanus übers. v. Stamler 2024. Brustfleck, m.: Brustleder, Schurzfell. Ahd. brustflech m.«ein die Brust bedeckendes priesterliches Gewand», mhd. nicht zu belegen, dann bei Henisch 1616 im jetzigen Sinn. Brustkern, m.: der stoff- haltige, ausgesuchteste Teil an der Brust des geschlachteten Rindviehes. Bei Henisch 1616. Brustwehr, f.: Schutzwehr, die den Mann bis über die Brust, also bis an die Zuhne deckt. Mhd. brustawer f. n., ahd. brustaberi f., zusammenges. mit Wehr(s. d.). Brut, f.: Hitze zur Ausbildung des Jungen im Eie, dann das belebende Sitzen über dem Eie; das Ausgebrütete. Mhd. bruot f.(auch überhaupt Hitze»); dazu ndl. broed n., ags. brõd f., engl. brood«Bruty. Von brühen(s. d.) mit Dentalsuffix gebildet. 4L. brüten, selten bruten(auszubruten Uhland 73), v.: wärmen, belebend erwärmen d. h. in Hitze zur Belebung des Eies über diesem sitzen. Mhd. briüeten, ahd. bruoten; dazu ndl. broeden, ags. brõdan, engl. breed«erzeugen» und brood cbrüten». Alternhd. und mundartlich dafür auch brühen(s. d.). brütig, adj.; brütend, bebrütet; dumpf, schwül. Mhd. brüetic heißt centbrannt», ags. brõdig, engl. broodyi cbrütendh. brutäl, adj. u. adv.: ungeschliffen, roh und grob im Benehmen. Aus dem gleich- bed. franz. brutal, ital. brutale eig.«viehisch, unvernünftig», aus vulg.-lat. brütãlis, abge- leitet von lat. brülus«unvernünftig„. Um 1600 entlehnt. 4BL. Brutalität, f.: Roh-, Grobheit, Flegelei. 1598 bei Albertinus Send- schreiben 2, 5 b. Nach mlat. brutalitas(Gen. brutalitatis) f. brüten, brütig, s. Brut. brutzeln, v.: 1. intrans. langsam kochend oder bratend leise tönen, 2. trans. in leisem Tönen langsam kochen oder braten. Mund- artlich in Mitteldeutschland und Schwaben, auch prutzeln(Weise Cath. 267 und schon im 16. Jh.), brotzeln(Goethe Urfaust 1431, Rückert 2, 220), protzeln. Das Wort hängt mit brodeln(s. d.) zusammen, wie schmitzen mit schneiden. Im Obd. dazu das ablautende bratzeln(Mörike 2, 154), bretzeln«prasseln?. bst! Interj., durch die Aufmerksamkeit er- regt(Lessing 1, 236) oder Stillschweigen her- vorgerufen werden soll(Maler Müller 1, 301). bubbeln, v.: Blasen aufwerfen. Bei Voß Ged. 1, 179. Scheinbar lautnachahmendes Wort, entsprechend nddl. bobbelen, engl. bubhle, schwed. bubbla, dän. boble, wahrscheinlich aber eine reduplizierte Bildung zu bullern. Bube, m.(-h4, Pl.-n): noch nicht aus- gewachsene männliche Person; zuchtloser Mensch; nichtswürdiger Mensch. Mhd.(noch selten und erst gegen 1300 auftauchend) bzobe, in md. Quellen auch buofe(auch bei Luther früher Bufe und noch im 18. Jh. Büfchen, z. B. Hagedorn Od. 100) m.«Knabe, Diener, Troßknecht, zuchtloser Mensch, Spielery; früh- nhd. in der Bed.«zuchtloser, schlechter Menschs sehr gewöhnlich(auch bei Luther), in obd. Quellen außerdem in der Bed.«dienen- der Knabe», später auch(z. B. bei Fischart) in der Bed.«Knaben schlechtweg, Sohn», die jetzt in der südd. Umgangssprache herrscht (mundartlich auch«Geliebter»). Dazu ndl. boef m.«Schelm⸗, engl. box&«Knabe», schwed. bof m.«Spitzbubes. Das Wort muß trotz seines späten Auftretens als germanisch an- gesehen werden(im Ahd. erscheint Buobo als Eigenname), es ist urspr. Kosewort der Kindersprache und steht im Ablaut zu mhd. 299 Buch Buchstab 300 hähe alte Frauy, schweiz. bãbi« Mädchen», engl. babY;«Kind, Grundform 50„5 oder bãbd. 4BL.(von Bube zuchtloser Menschy aus- gehend) buben, v.: sich wie ein Bube be- nehmen, namentlich in haren und baben. Frühnhd.(spätmhd. in verbuoben), auch bei Luther. Davon das Demin. bübeln, v.: (Schiller 1, 344). Frühnhd., z. B. Murner Schelm. 17, 39 bieblen, bei Seb. Brant mit fremder Endung babelieren. Bühin, f., spät- mhd. bäüebin. bübisch, adj., spätmhd. büe- bisch. Büberei, f., mhd. buoberde. Z08. Bubenstück, n., frühnhd.(z. B. Murner Geuchm. m 1 ⁵(V. 1645), Luther 8, 348 W). Buch, n.(es, Pl. Bücher): zu einem Ganzen zusammengeheftete Pergament- oder Papierblätter; Hauptabteilung eines Werkes; 24 Bogen Papier. Mhd. buoch(Pl. buoch, erst später bäecher) n., ahd. baoh n., auch f.; da- zu asächs. bö f. n., ndl. hoekx n., ags. bc f. (Pl. béc), engl. book, anord. bO ¼ f.(Pl. bœker), schwed. bok f., dän. bog. Im Got. bedeutet der Sg. bõôka f.«Buchstab» und der Pl. böxos «Buch, Schrift, Brief»; auch im Ahd.-Asächs.- Ags.-Anord. hat öfter der Pl. noch die Bed. «Buch», die dem Sg. urspr. nicht zukommt. Dieser bezeichnet vielmehr das aus Buchen- holz geschnitzte Stäbchen zum Einritzen von Runen(s. Buchstab), dann auch das Schrift- zeichen, den Buchstaben selbst; der Pl. nimmt die Bed.«Schriftstück» an, die später auch auf den Sg. übergeht. Nach Tacitus Germ. 10 wurden in der ältesten Zeit unseres Volkes die zunächst zu Los und Weissagung ge- brauchten geheimnisvollen Runenzeichen in Zweigstücke eines fruchttragenden Baumes eingeritzt, und zu den fruchttragenden Büumen gehörte der Eckern wegen ganz vorzüglich die Buche. 48L. buchen, v.: in ein Buch eintragen. Neues, erst bei Campe 1807 ver- zeichnetes Wort(vielleicht nach dem gleich- bed. engl. bo). Mhd. buochen«durch ein Buch lehreny». Bücherei, f.: Büchersamm- lung. Bei Krämer 1678, wohl in den Sprach- gesellschaften für«Bibliotheke aufgekommen. 2ZUS. 1) mit dem Sg. Buch: Buchbinder, m. Buchdrucker, m. Beide in der 2. Hälfte des 15. Jh.(z. B. puchpinter Städtechron. 11, 641, SVom J. 1501, buchtrucker Mone Zeitschr. 1, 311 vom J. 1478). Buchführer, m.:(früher) Buchhändler(so schon 1489, Germ. 28, 361); (jetzt) Führer des Geschäftsbuches. Buch- halter, m., im 16. Jh.(1562 bei Mathesius Sar. 2382). Buchhandel, m., im 17. Jh. (Gombert 7, 16 v. J. 1627). Buchhändler, m., 1575 im Theatrum diabolorum am Schluß der Vorrede. Buchmacher, m.: der die Aufforderung zur Eingehung von privaten Wetten bei Pferderennen(das Buchmachen) gewerbsmäßig betreibt, in neuester Zeit nach engl. boolcmaker. 2) mit dem Pl. Bücher: Bücherwurm, m., auch Mensch, der sich immer mit Büchern beschäftigt(1668 bei Erasmus Francisci Oriental. Staats- und Lust- garten 1, 1617²). Buche, f.(Pl.-n); der Waldbaum fagus. Mhd. buoche, ahd. bauohha f.; dazu ndl. beuk m., ags. böc(in böckreouo) und(mit einer Ableitung und damit verbundenem Umlaut) béce n, engl. beech, anord. böx f., schwed. bo f., dän. bög. Der Lautverschiebung gemäß übereinstimmend mit lat. fãgas f.«Buchey, gr. rfföc und ꝓofôéc f.«Speiseeiches. Weiter gehört dazu wahrscheinlich kurd. biæ«Ulmey?, abg. biüzi«Holundery und bäuchen, vielleicht auch Bauch. Vgl. Osthoff Bezz. Btr. 29, 249 ff. 4B!. Buchel oder Büchel, f.: Frucht der Buche, Bucheichel, mhd. bäechel f. Vgl. Eichel. buchen, büchen, adj.: aus Buchen- holz bestehend. Mhd. baochin, büechin, ahd. buohhin. Auch in den Zusammensetzungen Buchenholz, Buchenlaub, mhd. baochin loup. Z0S. Buchecker, f.: Buchel. In Glos- saren des 15. Jh., bei Diefenbach nov. gl. 339 ² bacheckir vom J. 1420, um 1480 im Voc. inc. teut. t 7à pachacker(s. Ecker). Buchfink, m.: der sich gern in Buchenwäldern auf- haltende Fink, spätmhd. buochwinke m. Buchs, m.(es, Pl.-e): immergrünes Gartengewächs zur Einfassung der Beete; Buchsbaumholz. Mhd. buhs m., aus gr.-lat. bacus, gr. nεoc f. Buchsbaum und Buchs- baumholz». ZUS. Buchsbaum, m., mhd.- ahd. bahsboum m. Büchse, f.(Pl.-n): walzenförmiges hohles Gefäß als Behälter; Feuergewehr mit ge- zogenem Laufe. Mhd. bühse(in der Bed. Feuerrohr zum Schießen erst in der 2. Hälfte des 14. Jh.), ahd. bahsa f., aus mlat. baœxis f., gr.-lat. pfxis, gr. nukic f.«Büchse aus Buchsbaumholzy, von gr. nο‿εoc, s. Bachs. Buchstab und Buchstabe, m.(Gen. Buchstabens, Pl. Buchstaben): Lautzeichen. Mhd. buochstabe(Gen. Staben), meist aber stark buochstap m., ahd. buohstap m.; dazu asächs. bõöstaf und bölestabo m., ndl. boelcstaf f., ags. bõöcstœf, anord. bökstafr m., schwed. boxstaf m., dän. bogstau n. Urspr. nichts 301 Bucht Bückling 30² anderes als Stab(Zweigstück) der Buche, auf denen ein Runenzeichen zu Los- und Weissagung eingeritzt war. Solche Stäb- chen wurden aufs Geratewohl über ein aus- gebreitetes weißes Gewand gestreut, sodann aufgelesen und jenen Zeichen gemäß gedeutet, entweder indem man, wie die Stäbchen nach und nach aufgelesen wurden, aus ihnen ein Wort zusammensetzte oder auch dem Namen jedes Zeichens(Buchstabens) einen Bezug auf den fraglichen Gegenstand gab. Im Anord. findet sich neben bökstaf auch das einfache stafr, wie im Ags. stœf für Buchstabe. Vgl. Buch, lesen. Das zugrunde liegende schwache M. wird durch Antreten eines s im Gen. Sg. zur starken Dekl. übergeführt, der Nom. Sg. erhält sich im ältern Nhd. meist mit, abgeworfenem e als Buchstah(für diese Form tritt noch Adelung ein), während jetzt Buch- stabe das Gewöhnliche ist, nur selten mit Antreten des a von den andren Kasus als Buchstaben(doch schon vereinzelt bei Luther 2. Kor. 3, 6); starke Flexion von Buchstab kommt vereinzelt vor. 4BL. buchstabieren, v.: die Buchstaben einer Silbe, eines Wortes einzeln aussprechen und zusammensetzen. Schon frühnhd.(z. B. bei Luther 8, 294 b Jen.), doch daneben ohne die fremde Endung auch buchstaben, wie schon mhd. buoch- staben. buchstäblich, adj. Bei Ludwig 1716, älternhd. dafür buchstabisch. Bucht, f.(Pl.-en): Einbiegung des Meeres oder eines Sees ins Land; hohlrunde Ein- biegung. Aus dem Ndd., mnd. bucht, mul. bocht Einfriedigung fürs Viehy. In der 1. Bed. erscheint das Wort zuerst bei Apinus 1728 und wird dann im 18. Jh. mehrfach, zu- nächst als ndd., dann von Adelung als hd. (doch vorzüglich in Niedersachsen übliches) Wort verzeichnet; die Bed.«Krümmung, Biegung», dann(urspr. runder)«Verschlag» (namentlich in Schaeineb.) ist noch jetzt ndd. Dazu ndl. bocht f. Bucht, Krümmungy, engl. bougkt und bight«Bucht, Bug, Krümmung, schwed. bukt, dün. bugt m. Krümmung, Buchts. Zu biegen mit Dentalsuffix gebildet, wie Flucht zu fliehen. 4BL. buchtig, adj. Buchweizen, m.(-S): Mehlfrucht aus dem Geschlechte des Wegebreites, das Heide- korn(s. d.). Die Pflanze kam erst im 15. Jh. nach Europa und wurde Buchaveizen genannt, weil die Frucht in ihrer Gestalt der Buch- ecker und nach ihrem Geschmacke dem Weizen ähnelt. Die Benennung stammt aus dem nördlichen Deutschland, sie kommt schon im 15. Jh. in Urkunden vor(v. Fischer-Benzon altd. Gartenflora S. 170), 1517. verzeichnet Trochus zuerst Buchabeiß, 1537 Dasypodius Butzweyß, 1561 Maaler Butznweissen, im 17. Jh. steht BPuchweitzen bei Duez, Krämer u. a. 1Buckel, f.(Pl.-n): erhabene Metallver- zierung. Mhd. buckel f. m.«erhabener Erzbe- schlag in der Mitte des Schildes, aus dem gleichbed. afranz. bocle, nfranz. boucle f., die zurückgehen auf lat. buccula«Backen», dann Erhabenheit, Erhöhung», das Dimin. von lat. bucca f. der(volle, aufgeblasene) Backens. ²Buckel, m.(-s, Pl. wie Sg.): Rücken- auswuchs; der Rücken selbst. Früher auch Puckel geschrieben, namentlich bei nordd. Schriftstellern. Zu bucken= hücken cbiegen), also eig.«Krümmung»(nach andern aus 1Buckel geflossen). Erst frühnhd., zunächst in der 1. Bed.(um 1480 im Voc. inc. teut. d 4 b hickel, verdruckt für buckel«Höckery, 1515 bei Hüpfuff buckel, 1561 bei Maaler das Dim. bügkele n. ckleiner hoger»), dann auch in der 2.(1546 bei Liliencron 4, 391 der puckel hat sie gejückt). Das Wort scheint aus dem Obd. zu stammen, hat sich später auch im Norden festgesetzt, wobei für das anl. stimmlose b p gesetzt worden ist. Vgl. auch Büúhel. 4B L. buckelig, bucklig, adj., alternhd. bucklig(um 1480 im Voc. inc. teut. t7 b) und buckelicht, spätmhd. pugklocht chöckerig. Buckelörum, m.: Bueckliger(Goethe 13,300). Aus der rheinischen Umgangssprache, eig. Gen. Pl. von einem halblat. buckelas. bücken, v.: vorwärts niederbiegen. Mhd. backen, bücheen. Als Intensivum zu biegen gebildet. Bücking, Bückling, m.(“s, Pl.-e): ge- räucherter Hering. Spätmhd. bücking(Nürnb. Polizeiordn. 168 päücking, 14. Jh.), auch schon bückling(um 1480 im Voc. inc. teut. d4 b buckling), wie das ndl. bokking m. abgeleitet von Bock, weil der Fisch einem Bockshorn ahnelt, weshalb er mnl. neben buckinc auch boxhoren heißt. 1616 bei Henisch 440 Böck- ling(auch Gargantua 80), Bockshering. Mit geschwächtem Vokal 1537 bei Dasypodius Bicking, 1616 bei Henisch 368 Bickling, Pick- ling, in md. Mundarten auch Bittling und Bittlich. Vgl. Pickelhering. bucklig, s. Buckel. Bückling, m.(-S, Pl.-e): Verbeugung. Von sich büchen. Erst im 17. Jh.(bei Grim- melshausen Simpl. 304). 303 buddeln Buhle 304 buddeln, s. putteln. Bude, f.(Pl.-/): Bretterhütte; Kramladen; Zimmer(student.). Mhd.(in ostmd. Quellen) bade, buode; dazu mnd. bôde, mengl. hôpe, nengl. boolh«Budes, schwed.-dun. hod f.«Kramladen). Lu bauen, aber mit auffallendem germ. 6 für d, dagegen anord. bad f.«Wohnung, Aufenthalt, Zelt, Hütte». Im Nhd. anfangs wenig üblich, zuerst bei Krämer 1678. Vgl. auch Baude. 4B. Büdner, m.(-s, Pl. wie Sg.): Inhaber einer Bude;(in Norddeutschland) Häusler. Büfétt, n.(*s, Pl.-): Kredenztisch, An- richte. Schon 1556 schweiz. puffet n.«An- richt mit silbernen und goldenen Geschirren» (Frisius 1347 b, Dictionariolum 182, bufyet No- menclator 109 b), aus dem gleichbed. franz. huffet, ital. buffetto m. Unbekannten Ur- sprungs, kaum von ital. Duffare caufblasen?, also eig. pomphaftes, prunkhaftes Ding. Büffel, m.(-s, Pl. wie Sg.): eine Art wilder Ochsen. Spätmhd. büfel m., aufge- nommen aus franz. bafle, das aus ital. 5u/olo, hüfalo stammt, mlat. büfalus, gr. lat. bübalus, gr. B00ßokoc m., welches letzte eig. eine afrika- nische Gazellenart, später eine Art wilder Ochsen bedeutet. 4BL. büffeln, v.: sehr angestrengt arbeiten. Wohl eigentlich Dim.- Bildung zu mhd. bufyen(s. Puffen)«schla- gen?(vgl. 1571 bei Mathesius Sar. 40 b hart und lang püflen und schlagen), später aber au Büffel angelehnt, was dann auch die Nach- bildung ochsen hervorgerufen hat. Schon bei Luther büffelerheit charte, mechanische Arbeity. Bug, m.(es, Pl. Büge und Buge): Stelle, wo eine Krümmung ist; Körperteil mit Wirbel- knochen; breites Vorderteil des Schiffes. Mhd. buoc(Pl. büege), ahd. buog m.«das obere Ge- lenk des Armes(die Achsel) und der Vorder- beine bei den Tieren, das obere Gelenk des Schenkels(die Hüfte); dazu ndl. boeg«Schiffs- bug», ags. bõg, böh«Schulter, Arm, Asto, engl. bough«Asty und b0«Schiffsbug, anord. bôgr«Bugy, schwed. bog, auch«Schiffs- bug»y, dän. bov und boug m.«Schiffsbugy. Ubereinstimmend mit aind. bahüs(fürphägha) Arm), aw. bãzab-«Army, gr. nfxuc m.(für ꝙꝓnxu)«Bug zwischen den beiden Hörnern des Bogens, Pllenbogen, Unterarm», armen. hazukt«Ellenbogeny. Die Bed. Schiffsbug» stammt aus dem Nl.(sie beruht wohl auf einem Vergleich des Schiffes mit einem Pferde) und ist von hier aus ins Deutsche, wie Eng- lische und Skand. gedrungen, sie findet sich hd. schon bei Duez 1642. Bügel, m.(-s, Pl. wie Sg.): ringförmig Zusammengekrümmtes. Dem Hd. urspr. fremd, mhd.(vereinzelt) bügele f.«Steigbügel, dann um 1480 im Voc. inc. teut. c4 a baugel«armillus 5, bei Luther bägel und bögel m. Reif eines Kranzes», bei Henisch 1616 bügel, bigel usw. Dazu mnd. bogel, ndl. beugel m.«großer me- tallner Ring, Steigbügel». Zu biegen. 4 B L. bügeln, v.:(Wäsche, Zeug) glätten durch Darüberhinfahren mit dem heißen Glätteisen (Bügeleisen). Bei Krämer 1678 bögelen, pögelen, bei Stieler 1691 biegelen(biegeln auch noch bei Goethe 1, 304), bei Steinbach 1734 bigeln. Bei Krämer 1678 auch Bögel- oder Põgeleisen Bügeleisen», nach der ringförmigen Krüm- mung des Glätteisens benannt. bussieren, v.:(ein Schiff) durch Ruder- bote an Tauen vorwärts ziehen. Aus dem Ndl., wo jetzt boegseeren, aber bei Kilian 1599 boechscerden, entlehnt aus portug. puxar cziehen, schleppen», Liebich Btr. 23, 226. Bei Ludwig 1716 bogsiren. Bugspriet, n.(-es, Pl.-e): die über dem Vorderteile des Schiffes schräg in die Höhe ragende Stange. Aufgenommen aus ndl. boeg- spriet f.(auch ins Engl. entlehnt als Powo- sprit, ins Schwed. als bogspröte n.), das zu- sammengesetzt ist aus boeg«Vorderteil des Schiffes»(s. Bug) und spriet f.«schrüg gehende Segelstange am Maste»(s. sprießen). Im Hd. erscheint das Wort als Buchsbred bei Hulsius Schiffarten 11, 85 und ist bei Ludwig 1716 als Boogspret und Bugspreet verzeichnet. Bühel, Bühl, m.(-s, Pl. wie Sg.): natür- liche Erhöhung des Bodens in einer Ebene, mäßiger Hügel;(bildlich) Auswuchs an Leibes- gliedern(bei Musäus Volksm. 4, 106 UYlrich mit dem Bühel d. i. der mißwachsenen ver- renkten Schulter; schon mhd. Flore 6911). Oberdeutsch; Luther und den meisten Wörter- büchern fehlend, aber von Wieland gebraucht (auch von Goethe 2, 36). Mhd. bithel, ahd. hauhil m. Mit grammatischem Wechsel zu hiegen gehörig, s. auch Beule und Buckel. Eine oberd. Nebenform ist Pöhl m. Buhle, m.(-n, Pl.-/): Geliebter. Mhd. buole m.«geliebte männliche Person, z. B. naher Verwandter, Bruder, Gatte, lieber Freund, dann auch auf eine Person weiblichen Ge- schlechtsbezogen, Geliebte, Beischläferin»(hier- für erst spätmhd. auch buole f.); dazu mnd. bõöle m. trauliche Bezeichnung von Verwandten oder sonst durch Beruf nahestehenden oder befreundeten Personen, Dim. Polercen«leib- 305 Buhne bumbst bums! 306 liche Geschwistery. Man sieht in B. eine Koseform zu Bruder, die später überhaupt in der traulichen Anrede verwandt wurde und schließlich die Bed.«Geliebter»(im ge- schlechtlichen Sinn) annahm. Entsprechend ndl. oel m. und lett. bãlelin s, bãlin& Brüder- chens. 4BL. buhlen, v.: mit jem. ein Liebesverhältnis haben, dann sich um eine Gunst bewerben. Mhd. buolen(auch umb eine buolen«sich um ihre Gunst bewerben). Davon Buhler, m. mhd. buolcre, Buhle- rin, f.(pei Luther Bulerin) und buhlerisch, adj.(bei Luther bulerisch), sowie Buhlerei, spätmhd. buolrie f., Buhlschaft, mhd. buol- schaft f. ZUS. Buhldirne, f., 1730 bei Gott- sched crit. Dichtkunst 14. Buhne, f.(Pl.-n, Goethe Faust 11 545): gegen das Wasser errichtete Schutzwehr aus Holz, Reisig u. dgl.(danach Ufermauerwerk, Kai und in Seestädten ein umschlossener Hof, in dem die gelöschten Waren so lange auf- gehoben werden, bis man sie in den Speicher bringt, 1793 bei Röding Wb. der Marine 1, 411). Mittel- und norddeutsch. Zu hd. Bühne Brettergerüst. Mnd. bune f.«Fischwehry, ndl. bun f., im Hd. vor dem 17. Jh. nicht zu belegen(1641 bei Zesen D. Helikon J. 4, 1781 bei Kindleben aufgeführt). Bühne, f.(Pl.-n): erhöhter Fußboden von Brettern; Brettergerüste; erhöhter Schau- platz im Theater und dieses selbst;(dialek- tisen auch) Zimmerdecke, Bodenraum, Spei- cher. Mhd. büne, bün f. cerhöhter Fußboden, Decke eines Zimmers», um 1480 im Voc. inc. teut. t Sa pun«solarium», 1482 im Voc. theut. aàa 2 b puny«solarium, puny in einem schiff ctabulatay; dazu mnd. bone f.«Fußboden, Decke, Söller, Speicher, ndl. beun f.«Fuß- boden, Fischbehälter». Vielleicht mit Boden verwandt, falls Ausfall eines d vor ange- nommen werden darf. Vgl. Bönhase. 4 BL. bühnen, v.: mit Brettern belegen. Mhd. in verbiinen. Bukétt, n.(*s, Pl.-s): Blumenstrauß. Das franz. bouquet m. Blumenstraußo, eig. ckleiner Buschy, Demin. von franz. bois, ital. bosco m.«Busch, Wald, Holz», die auf das deutsche Busch(s. d.) zurückgehen. Bei Wüchiler 1711. Bulge, f.(Pl.-n): Wasserbehälter von Leder. Mhd. bulge, ahd. bulga f.«lederner Sack»(mhd., ebenso mnd. und noch bei Luther auch«Woge»). Nicht entlehnt aus dem gleich- bed. gall.-Jat. bulga, sondern mit diesem Worte „ Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. urverwandt und zu Balg(s. d.) zu stellen; also eig.«Schwellung». Dazu noch engl. bulge, hilge Bauch eines Fasses, Schiffsbauch, anord. bylgja, schwed. bölja, dùn. bölge f. Wogev. 1 Bulle, m.(-n, Pl.-n): Zuchtstier. Nord- deutsch. Aus dem Näd., wo mnd. bulle m.; dazu ndl. bul, engl. bull(erweitert bullocke cjunger Ochsey, ags. bullacc), altn. boli m. Lit. Pul'us m. stammt wohl aus dem Deutschen. Weitere Anknüpfungen bietensich mannigfach. Von Schulze KZ. 29, 293 zu gr. koc Glied gestellt, vgl. ferner Bezzenberger Bezz. Btr. 19, 248, Johansson Btr. 15, 225, Uhlenbeck Btr. 26, 290. Abgeleitet ist wohl mhd. ballen, ahd. bullõn cbrüllen». 1616 bei Henisch verzeichnet. Bei Schiller Fiesco 2, 8 Bulle für Bullenbeißer(8. d.). 2 Bulle, f.(Pl.-n): angehängte Siegel- kapsel, dann die damit versehene Urkunde; Verordnung mit dem päpstlichen Siegel. Mhd. bulle f., aus lat. bulla f. eig.«Wasserblase?, dann «Knopf, Kugel, Kapsely. Vgl. auch Bill. 3 Bulle, f.: Flasche, s. Pulle. Bullenbeißer, m.(-S, Pl. wie Sg.): Art großer Hunde, die gegen Stiere gehetzt wird (bei Steinbach 1734 Bullenbeißer, 1719 bei Pleming teutscher Jäger 170 Boll-Beißer), nd. bullenbiter; bildlich auf einen grimmig bissigen Menschenangewandt(bei Lessing 1, 286, Bollen- beißer 1729 bei Stoppe Ged. 2, 161). Bullenfinke, m.(-n, Pl.-n): Ochsen- ziemer. 1779 bei Schummel Spitzbart 168. Schles. Bullfinke f., zusammenges. aus Bulle Zuchtstier» und nd. Finke«männliches Gliedp. bullern, v.: Blasen werfend geräuschvoll aufwallen; ein dumpfes Geräusch machen. Wohl nicht entlehnt aus lat. bulldre«Blasen werfeh, aufsprudeln», sondern lautnachahmen- des Wort, zu poltern(s. d.) gehörig, spätmhd. bollern neben boldern. Erst bei Heynatz 1795 und Campe 1807 verzeichnet. Bult, m.(en, Pl.-en) und Bülte, f. (Pl.-n), Bulten, m.(—p, Pl. wie Sg.): be- wachsener Erdhaufe. Aus dem Ndd., wo mnd. bulte m.«Haufe, Hügel, Bündel», ditmars. und müärk. Bült, Bülten; dazu ndl. bault m.«Höcker, Geschwulst, Erdhügels. Dunkler Herkunft. Ins Hochd. von Voß eingeführt. bumbs! bums! Interj. des dumpf schal- lenden Aufschlagens oder Falles auf etwas(bei Schiller Kab. 1, 2 bumbs, 1767 im Brem. Wb. 1, 162 bums). Lautnachahmend. Vergleichen läßt sich gr. Jat. bombus, gr. Boͤußoc m. ctiefer, dumpfer Ton», das aber nicht als Grundlage anzusehen ist. Vgl. pump, Pumpes, auch plump. 20 307 bummeln Burg 308 bummeln, v.: hangend hin und her schwe- ben; im Nichtstun umherschlendern. Ablaut- bildung zu bammeln(s. d.). In der 1. Bed. von Ludwig 1716 und Frisch 1741 verzeich- net, von Voß Ged. 1, 13 gebraucht. Die 2. Bed. findet sich im 18. Jh. mehrfach in ndd. Dialektwörterbüchern und ist erst in neuerer Zeit allgemein geworden. Davon Bummel, f.(Pl.-n): hin und her schwe- bendes Anhängsel und Bummel, m.: ge- mächlicher Spaziergang, beide der neueren Sprache angehörig, wie auch Bummler, m. «umherschlendernder Nichtstuer. Bund, m.(1es, Pl. Bünde): Vereinigung zu einem Zwecke; Bindemittel, Kopfbinde; Kuchen in Form eines Turbans;(gewöhn- lich als n.) miteinander Verbundenes. Mhd. bunt m.(Gen. bundes)«Fessel, Zusammen- gebundenes, Bündnis⸗; dazu ndl. bond m. Zu binden. 4BL. Bündel, m. n.(-s, Pl. wie Sg.): Zusammengebundenes zum Tragen. Mhd. bundel n.(auch gebündel, ahd. gibunkili n.); dazu ndl. bundel m., ags. byndele f., engl. hundle. Alternhd. auch m.(1541 bei Prisius 776 b der püntel, auch Stieler und noch Hey- natz 1775 setzt das M. an, das Adelung auf das Obd. beschränkt, bei Goethe der und das Bündel), bei Luther dafür das Bündlin. bündig, adj.; verbindend, fest überzeugend, kurz zusammengedrängt und kräftig. Mhd. bündec«verbündet», frühnhd. bündig«ver- bindend, kräftig». Bündnis, n.: feste Ver- bindung zu einem Zwecke. Spätmhd. bänt. nisse n. Bundschuh, m.(es, Pl.-): grober derber Schnürschuh mitlangen Riemen(Bundriemen), Bauernschuh; Meuterei, Empörung. Mhd. bunt- schuoch m.; da dieser Schuh schon um die Mitte des 15. Jh. von den Bauern bei Auf- ruhr als Standes- und Feldzeichen aufge- hangen wurde, so entstand die Bed.«Em- pörung» schon am Ende des 15. Jh. Bunge, f.(Pl.-/): Trommel; trommel- ähnliche Fischreuse. Mhd. bunge, auch mnd. humge, aschwed. bunga f.«Pauke, Trommel. Im Ablaut stehend zu engl. bang, anord. banga «schlageny. S. Bengel. Bunge, f.(Pl.-n): Pflanzenknolle, s. Bachbunge. Bunkel, m.(-s, Pl. wie Sg.): gedrungene, kurze, dicke Person. Mhd. bunkel m. Schlag, Stoß, Beule, woraus sich die Bed. cbauschige Masse, Bündel» und«Kind von kurzem, dickem Körperbau»(schweiz. Id. 4, 1380, Schmeller 21, 394) entwickelten. Von obd. bunken cklopfen, stoßen, paukeny. Dafür schwäb. Bunkes. bunt, adj. u. adv.: mannigfarbig. Bei Luther und sonst älternhd. bund, bundt. Mhd. bunt(flekt. bunter, nicht bunder)«schwarz und weiß getüpfelt oder gefleckt, schwarz und weiß gestreifty; dazu nd. bant, ndl. bont. Wegen des in der Flexion beibehaltenen als entlehnt anzusehen, und zwar aus lat. Punckus, Part. Perf. Pass. von pungere æste- chen», also eig.«gestochen», dann«punktiert, getüpfelty; ein entsprechender Ausfall eines c vor t auch in Tinte(s. d.) aus tincta. Nach Heyne stammt es aus den Klöstern, wo punctus das mit verschiedenen Farben Gestickte bezeichnete. Als Subst. bezeichnet Imhd. hunt n.«mehrfarbiges Pelzwerk»(ebenso mnd. bunt n.) im Gegensatz zu grã n.«graues, einfarbiges Pelzwerk», weshalb häufig grä unde bunt verbunden vorkommt. ZUS. bunt- scheckig, adj.: überladen bunt. Gegen Ende des 17. Jh.(bei Weise Erzn. 33 bund- scheckigt), zunächst wohl von einem mehr- farbigen Pferde(Stieler 1691 hat Buntschack cbuntes Pferd neben dem Subst. Bunt- schückigkeit, Ludwig 1716 Buutfschäch«buntes Pferd»). Buntwerk, n.: geflecktes Pelzwerk, mihd. buntewere n. Bunzen, s. Punzen. Bürde, f.(Pl.-/): Hebe-, Traglast;(bild- lich) Schwerzutragendes. Mhd. bürde, ahd. burdã f.; dazu anord. byrdy, schwed. börda, dän. byrde, got. baurpei f. und mit weiterer Ableitung asächs. burthinmig, ags. byrden, engl. burden f. Mit Dentalsuffix zu ahd. béran«tra- gen gebildet, s. Bahre und gebiren. 4 B L. bürden, v.: als Last aufladen, mhd. Dürden. Büre, f.(Pl.-n): Bett-, Kissen-, Polster- überzug. Aus dem Ndd., wo mnd. bure cKissenziechey. Das Wort wird 1775 von Heynatz als Büre verzeichnet und von Voß (z. B. Ged. 1, 45) öfter gebraucht. Bureau(spr. Bürö), n.(s, Pl.-s): Schreib- tisch oder-pult zur Besorgung der Geschäfte; Schreib- und Geschäftsstube. Ausfranz. baureau, afranz. burel m., urspr.«grobes wollenes Tuch, Teppich», dann«ein mit einem solchen Tep- piche gedeckter Tisch⸗, weiter«Geschäfts- tisch und“stube», abgeleitet von franz. Dure f. «grobes, wollenes Tuchs, das auf lat. bura (für burra) f. beruht. Um 1700 entlehnt. Burg, f.(Pl.-en): befestigter Ort;(früher) Stadt(vgl. Bürger). Mhd. bure(Pl. bürge), ahd. Baurieg, burg f.«mit Mauern umschlossener 309 Bürge Bursch 310 Ort, Stadt; dazu asächs. burug, burg, ndl. burg, ags. burh(Pl. byrg), engl. borough, anord. schwed.-dän. borg, got. baurgs f. Das spätlat. burgus m. nebst ital. borgo, franz. bourg ist aus dem German. entlehnt. Burg entspricht den Lauten nach genau air. bri, Akk. brigh Berg, Hügel», das wieder in der Bedeutung zu d. Berg stimmt, so daß also Berg und Burg im Ablaut stünden. Der Bedeutungs- wandel erklärt sich daraus, daß man die Niederlassungen gern auf Bergen des Schutz- bedürfnisses wegen anlegte. Andre, vgl. Heyne Deutsche Hausaltertümer 1, 66, stellen burg zu bergen, es wäre dann eine Abstrakt- bildung mit der Bedeutung«Schutz, Bergung». Der Pl. lautet älternhd. wie mhd. Bürge, noch Adelung verlangt diese Form, doch kommt schon früher das von ihm als obd. bezeichnete schwach flekt. Burgen vor. Bürge, m.(-n, Pl.-n): der wofür Sicher- heit Leistende. Mhd. bürge, ahd. burigo, burgo m.; dazu ndl. borg, ags. borg m. Mit horgen zu bergen gebildet, Bürge daher urspr. wer wofür stehend schont, erhält, vor Schaden hütets. 4BL. bürgen, v.: wofür Sicherheit leisten, mhd. bürgen. Bürgschaft, f., mhd. bürgeschaft f. Burgemeister, s. Bürgermeister. Bürger, m.(-S, Pl. wie Sg.): Vollbe- rechtigter einer Stadt(Burg), Ortschaft, eines Staates; Staatsangehöriger außer dem Adel und der Geistlichkeit. Mhd. bürgœre, burgcœre, ahd. burgäri m.«Stadtbewohner»; aus dem Deutschen entlehnt ndl. burger, schwed. bor- gare, dän. borger m. Got. mit andrer Endung paurgja m.«Stadtbewohnery. Alternhd. auch oft(obd.) Burger(noch bei Frisch 1741). 4B. bürgerlich, adj., spätmhd. burgerlich. Bürgerschaft, f., spätmhd. burgerschaft f. Bürgertum, n., erst im 19. Jh. gebildet. 2Z08. Bürgerkrieg, m., im 17. Jh.(Gry- phius Trauersp. 424) nach lat. bellum civile. Bürgermeister, m., spätmhd.(auch bei Luther) burgermeister, daneben aber mhd. (mit Burg zusammengesetzt) bürge-, burge- meister, die auch älternhd. oft vorkommen (Stieler 1691 führt Burgemeister, Rädlein 1711 Burgemeister an) und noch von Goethe (Burgemeister Faust 846, Herm. u. Dorothea 4, 21) gebraucht werden. Entlehnt ndl. baurgemeester, engl. burgomaster, schwed. borg- mästare, franz. bourgmestre m. Bürgerrecht, n., mhd. burgerreht n. Bürgerschule, f., bei Campe 1807 als ein neugebildetes Wort, die erste Leipziger Bürgerschule wurde 1804 eröffnet. Bürgerworthalter, m.: Stadt- verordnetenvorsteher. In Holstein. Burgfriede, m.(-us, Pl.-n): Vertrag zu Sicherheit und Ruhe des Burggebietes, sowie diese Sicherheit und Ruhe selbst; der nach seinen Grenzen bezeichnete Burgbezirk. Mhd. burcvricee m. Burggraf, m.(en, Pl.-en): erwählter Oberherr eines Ganerbenschlosses; Schloß- pfleger;(ehedem auch) Stadtvogt. Mhd. burcgrãve, ahd. burcgrãvo m. ZUS. Burg- grafschaft, f., mhd. burcgräveschaft f. Bürgschaft, s. Bürge. Burkhard, Mannesname. Ahd. Burchart. burlésk, adj.: possen-, spaßhaft, kurz- weilig. Aus franz. burlesque und dies aus ital. burlesco, von ital.-span. burla f.«Posse, Spaß, Spott», das auf einem lat. burrula f. beruht, Dimin. zu burra«zottiges Gewand', Pl.«lüppisches Zeug, Posseny. Bei Sperander 1728 burlesque. Burnus, m.(Gen. Burnasses, Pl. ohne Endung und Burnusse): Mantel ähnlichen Schnittes wie die maurischen weißen wollenen Müäntel mit Kappe. In den dreißiger Jahren dieses Jh. entlehnt aus franz. burnous m., dies mit span. port. albornoz(al ist der arab. Artikel) aus arab. burnus«längliche Kappe muhamedanischer Mönche, Kleid mit Kapuze. Bursch(-en, Pl.-en und-e), Bursche (=n, Pl.-n), m: junger lediger Mensch; Student nach dem ersten Studienjahre. Früher auch Pursch(Günther 162, Schiller 11, 314). Mit Ubergang des s in sch nach y, in ähnlicher Begriffsentwicklung wie bei Frauenzimmer (s. d.) hervorgegangen aus Burs, Bursch f. cbeisammen wohnende Genossenschaft männ- licher Personen», das aus mlat. bursa f.(aus gr. Böpca«Fell, Ledery, s. Börse, mit dem Bursche eig. identisch ist)«Geldbeutels, dann «Stiftungskasse zu gemeinsamem Unterhalte vornehmlich der Schüler in den königlichen Schulen, der Hochschule in Frankreich»(ein solcher Stipendiat hieß deshalb ein bursarius), endlich s. v. a. zusammenlebende Genossen- schaft, besonders eine solche, deren Mitglieder aus gemeinsamer Stiftungskasse Unterstützung empfangen. Daraus dann schon in der 2. Hälfte des 13. Jh. mhd. baurse f.«Geldbeutel, dann «Kassey, im 15. Jh. auch zusammenlebende Genossenschaft, namentlich studentische, und gemeinschaftliches Haus derselben»; im 16. Jh. bezeichnet Burs überhaupt eine Schar zu- 20* 311 Bürste Büse 312 sammenlebender oder auch nur gelegentlich zusammengekommener, namentlich junger Leute(Dasypodius 1537 hat Burß contu- bernium, kriegsleuty, ebenso Maaler 1561, Berghurß bei Mathesius Luther 105 b, sonst ist Burs auch oft«eine Zechgesellschaft»). In der 2. Hälfte des 17. Jh. wird das kollektive die Burs, Bursch auch mit dem Prädikat im Plural verbunden, z. B. bei Opitz Judith 2, 4, Moscherosch Phil. 1, 383, Grimmelshausen Simpl. 84, und daraus dann ein Sing. der Bursch gefolgert, z. B. Moscherosch Phil. 2, 203, neben dem aber die Bursch sich lange er- hält; Duez, Schottel und Krämer kennen nur das kollektive Burs, Bursch(doch verzeichnet letztrer Burschgen n.«giovanetto»), während Stieler 1691 Burs vulgo Bursch als Ehren- name der Studenten, dann aber allgemein für junger Mensch in Handawerks-, Jäger- bursch etc. anführt. Die Flexion ist anfangs stark und schwach, Pl. meist Bursche, wie auch von Adelung und von Heynatz 1775 verlangt wird(noch bei Goethe Faust 2150), jetzt häufiger Barschen. 4L. Burschen- schaft, f., die 1815 zur Pflege vaterländischer Gesinnung geschlossene Studentenverbindung. Davon Burschenschafter, m. burschikös, adj. u. adv.: studentisch-flott. Um 1700 zu- nächst als Adv. mit griech. Endung-ucoc als halbgelehrte Bildung aufgekommen(dältester Beleg von 1720 bei Meier Studentenspr. S. 27, bei Heynatz 1775 besprochen), dann auch als Adj. gebraucht; früher mehr in übler Bed. «studentisch-liederlich», Wallensteins Lager 459, wie stadenticos leben bei Rädlein 1711. Bürste, f.(Pl.-n): Reinigungswerkzeug aus Borstenbüscheln. Mhd. bürste f., von Borst, Borste(s. d.) abgeleitet. 4B L. bürsten, V, auch s. v. a. trinken, gleichsam die Gurgel putzen, zugleich unter Einfluß von Bars= Zechgesellschafty. Schon im 16. Jh., dann bes. schwübisch, z. B. bei Uhland 53. 270. Eine obszöne noch jetzt übliche Bed. bei Kindleben 1781. Z0S. Bürstenbinder, m. Redensart: saufen wie die Bürstenbinder(im Anschluß an bürsten ctrinken»), schon bei Fischart Barf. 2255. bürtig, adj.: woher der Geburt nach seiend(Goethe 11, 66). Noch in eben-, voll- bürtig, sonst üblicher gebürtig. Mhd. bürtec, ahd. baurtig von mhd. ahd. bart f. Geburty. 1Burzel, m.(-s, Pl. wie Sg.): die Pflanze portulaca. Mit Wechsel des Geschlechts aus mhd. burzel, purzel, ahd. hurzela, purzela f., von lat. portulaca, das auch umgestaltet zu porilaca(an porcus«Schwein» angelehnt), Porcellana(so ital.) erscheint. Burzel, m.(-S, Pl. wie Sg.): kleiner dicker Mensch, s. Purzelbaum. Bürzel, m.(-s, Pl. wie Sg.:) Steißende mancher Tiere. Bei Luther 8, 85 Jen. Piytzel, bei Maaler 1561 Bürtzel. Von südd. borzen, bei Hans Sachs pürtzen«hervorstehen», wahr- scheinlich abgeleitet von mhd. bürn, ahd. burian«in die Höhe halten oder recken». (Daher bedeutet B. mundartlich auch«Erd- erhöhungo). Busch, m.(-es, Pl. Büsche): Strauchwerk, sowie diesem vergleichbares. Alternhd. auch Pusch(bei Luther, den schlesischen Dichtern des 17. Jh., Steinbach 1734, noch jetzt im schles. Dialekt). Mhd. busch, bosch, md. auch Pusch m., ahd. nur in brämalbusc m.«Brom- beerbuschy; dazu ndl. bosch n. und bos m., engl. bush, schwed. busce m., dän. busk. Ent- lehnt aus mlat. buscus, boscus m. Strauch- werk», woher ital. bosco, span. port. bosque, franz. bois m.«Gehölz, Waldy. Redensart: auf den B. klopfen Nachrichten etc. aus jemand herauszulocken versucheny, eig.«das Wild durch Klopfen aus seinen Schlupf- winkeln auftreiben). 43L. Büschel, m. (-s, Pl. wie Sg.), bei Luther auch Pusschel (2. Mos. 12, 22), mhd. büschel m. buschicht, buschig, adj., spätmhd. puscheht. Z0US. Buschklepper, m.: wegelagernder Räuber. Bei Zesen Ibr. 1, 417 mit ö für e Busch- Klõpper(so noch bei Frisch 1741), bei Schupp 1, 305 mehr hd. Buschklöpffer. Es bezeichnet eig. den, der durch den Wald reitet, den Heckenreiter, denn Klepper(s. d.) ist urspr. sowohl Pferdy als Reitery. 1 Buse, f.(Pl.-n), auch Dim. Bus-chen, n.: feine kurze wollige Härchen wie Flaum; Pflanzenwolle an den Weidenkätzchen. Ober- sächsisch, dazu das gleichbed. schweiz. hasi, büseli(schweiz. Id. 4, 1740) und wohl auch nd. Pose f. Federy. ²Buse, f.(Pl.-n): Katze. Mundartlich, so schweiz. das Demin. Busi, Buüsi n., schwäb. Busi f. Dazu ndd. pFs, ndl. poes, engl. puss, dän. paus, norw. puse. Nach dem Lockruf für die Katze. ZUS. Busekatze, f. Büse, f.(Pl.-n): leichtes Fahrzeug, bes. zum Heringsfange. 1703 im Zeitungslex. Aus ndl. buis f.«Fischerboot»; dazu engl. bass, altnord. bũza, auch schon mhd.(im Rolands- lied) baze f.«eine Art Schiffy, ahd. bzo m. 313 Büsel Butte 314 «Seeräuberschiffy. Zugrunde liegt mlat. buza «größeres Fahrzeug», woher afranz. buce, busse f., altspan. buzo m.«Ruderschiffy. Büsel, n.(-s, Pl. wie Sg., Goethe Dicht. u. Wahrh. 27, 265): Kleines Geldstück. Für Biesel, Bezeichnung einer franz. Silbermünze im Elsaß, aus franz. piece f.«Stückv. Busen, m.(-s, Pl. wie Sg.): Vorderteil des menschlichen Leibes vom Halse bis zum Magen; Offnung und bauschiger Teil des Kleides davor; Meer-, Seearm. Bei Luther hosam, bosem, bosen, bei Alberus Dict. Dd 2 b buosam, im 17. Jh. häufig Busem(so noch bei Ludwig 1716). Mhd. buosem, auch schon huosen, ahd. buosum, buosam m., auch«Schoßy; dazu asächs. b58om, bösm, ndl. boezem, afries. boösm, ags. bõsm«Schoß» m., engl. P0SO, im Nord. u. Got. fehlend. Dunkler Herkunft. Zusammenhang mit Bug ist kaum möglich. 4 BL. busig, adj. in hoch-, vollbusig. ZUS. Busenfreund, m.: vertrauter Freund. Bei Ludwig 1716 Busemfreund. Buß, m.(Gen. Busses, Pl. Busse): Kuß. In der Kindersprache. Bei Luther 5, 268 b Jen., schon etwas früher begegnet bussen cküsseny». Im Bayr. ist Kuß durch Buß ganz verdrängt worden. Vgl. engl. buss, schwed. puss«Kußy. Mit lat. bãsidre, franz. baiser besteht kein Zusammenhang, vielleicht aber mit ir. bus Lippe», gäl. bus«Mundy. Bussard, m.(-s, Pl.-e): der Mäusefalke. Mit engl. buzzard, ndl. buizert m. aus franz. busard m., das von lat. bãteo m., dem Namen einer Habichtsart, mit der dem deutschen -hart nachgebildeten Endung-ard abgeleitet ist. Im Mhd. dafür büsant m. Bei Maaler 1561 in halbdeutscher Form Bußhart(so noch bei Rädlein 1711), bei andern in An- lehnung an Aar Bußaar(bei Henisch 1616 Bußarn, noch Adelung setzt Bußaar an). Buße, f.(Pl.-n):(kirchliche oder recht- liche) Genugtuung wofür. Mhd. buoge, baoο, ahd. buoza f.«Besserung, Heilung, Abhilfe, Vergütung, Buße, Strafen; dazu asächs. böta «Besserung, Heilung», ndl. boete, afries. böte, ags. böt f.«Besserung, Ersatzy, engl. bool «Nutzen, Vorteily, anord. böt f.«Besserung, Bußey, schwed. bot m., dän. bod, got. böta f. «Nutzen»y. Im Ablaut zu baß, besser, best (s. d.) stehend. 4BL. büßen, v.: ein Ubel heben oder wegschaffen; wieder gutmachen, bessern(z. B. die Lücken büßen); genugtun, namentlich durch Erduldung von Strafe; zur Genugtuung mit Strafe belegen. Mhd. büezen, ahd. baozen, auch ausbessern, flicken, heilen?; dazu asächs. bötian, ndl. boeten, ags. bétan, anord. bãta, schwed. böta, dän. böde, got. bõtjan«nützeny. Davon Büßer, m., spät- mhd. biezer, auch«Flicker, schon ahd. scuoh- buozãri«Schuhflicker). ZUS. bußfertig, adj. u. adv.: Buße zu tun bereit; über Be- gangenes mit der Absicht dafür genugzutun, schmerzerfüllt, mhd. buozvertic. Bußtag, m., bei Stieler 1691. Bussöle, f.(Pl.-n): Magnetbüchs-chen, Seekompaß. Das franz. boussole, ital. büssola f., welches aus mlat. bauoula Büchs-cheny, von mlat. bauwis statt gr. lat. pyæis, gr. nuẽic f. Büchses. 1716 in Chr. Wolffs math. Lex. 268. Büste, f.(Pl.-n): aus Stein, Gips, Wachs usw. geformtes Brustbild; Oberkörper bis zur Brust. Aus dem gleichbed. franz. buste, ital.- span. basto m., die, wenn das Wort urspr. das auf dem Grabmal aufgestellte Brustbild bedeutet hat, aus lat. bustum n.«Leichenbrand- stätte, Grabmal» abgeleitet werden können. Im 18. Jh. entlehnt(Wieland Am. 2, 27). Butike, f.(Pl.-n): Bude; elende Hütte. Das franz. bouligue f.«Kramladenꝰ, ital. bodega f., mit Abfall des anlautenden Vokals aus gr. Jat. apothéca f.«Vorratskammer»(s. Apo- thelce). Im 17. Jh. entlehnt. butt, adj.: stumpf; kurz und dick; unan- sehnlich klein; stumpfsinnig, dumm. Aus dem Ndd., wo butt«stumpf, plumpy und das Subst. Butt ckurzes, dickes Kind»; ndl. bot «stumpf, plump, dumm). Fischart gebraucht bott von den Holländern, ebenso führt Henisch bot als ndl. Wort an, dagegen Stieler 1691 und Rädlein 1711 batt als Hd. Wohl zu ahd. bözan, ags. béõatan«schlagen»(S. Amboß) zu stellen, eig. also abgeschlagen, abgestoßens. Vgl. noch Meringer Idg. Forsch. 16, 155, Zupitza KEZ. 36, 243. Die bedeutungsverwandten span. boto«stumpfꝰ, franz. botte f.«Klumpen), ital. bottone, franz. bouton m. Knopf, Knospe? gehen auf das Germ. zurück. S. auch Butzen. 4B2L. butten, v., auch verbutten(Voß Horaz Sat. 1, 3, 46) cim Wachstum zurückbleiben, verknorzen, verkommen?. 1Butte, f.(Pl.-n/): plattleibiger stumpf- köpfischer Seefisch. Bei G. Agricola patte, bei Forer S. 50 b Meerbutt, aus der ndd. Be- nennung butte f., ndl. bot f., engl. baat. Wohl von ndd. butt, ndl. bot«stumpf?. 2 Butte in Hagebutte, s. d. s Butte und Bütte, f.(Pl.-n): oben offenes Daubengefäß; hohes Rücken-Traggefäß von 315 Buttel büxen 316 Dauben. Die umlautlose Form jetzt nament- lich in Mitteldeutschland(bei Luther Butten); zuweilen wird zwischen Bütte«größrer Zuber und Butte«kleinres Daubengefäß mit Hand- griffy, namentlich«Rücken-Traggefäß) unter- schieden. Mhd. bäte, gekürzt aus büten, ahd. bulin, butinna f.; dazu ags. byden f., daneben bytt f.«Schlauch», engl. batt«Faßy, anord. bytta«¶Buttey, schwed. bytta f., dän. hölte. Mit ital. botte f.«Faß, span.-port. bofa f. «Schlauch», franz. botfte f.«Weingefäiß» aus gr.-mlat. bactina f.«Flaschen; gr. nurivn, taren- tinisch Burivn f. Vgl. dazu Meringer Idg. Forsch. 16, 155. Vgl. auch Bottich, Bouteille. Buttel, f.(Pl.-n): Flasche. Aus dem Ndd., wo Buttel, Buddel; wohl mit ndl. bottel f. aus engl. bottle, das auf mlat. botilia f. (Statt*buticula) beruht, woher auch franz. bouteille f. S. auch Bottelier. Büttel, m.(-S, Pl. wie Sg.): niedriger Gerichtsbote, Häscher. Mhd. bütel, ahd. batil m. Gerichtsbote, entbietende Gerichtsperson; dazu ndl. beul(aus beudel), ags. by'del m., engl. beadle. Mit Bote zu bieten. butteln, v.: schäumend sprudeln(Goethe 33, 73). Aus dem Nd.(1767 im bremisch- ndsächs. Wörterbuch verzeichnet), vielleicht lautnachahmend. Butter, f.: das aus Milchrahm durch Ab- sonderung des Wässerigen gewonnene Fett. Im Obd. Batter m. Mhd. buter m. f., spät- ahd. butera f., dazu ndl. boter f., afries. butera, ags. butere f., engl. batter. Entlehnt wohl durch Vermittlung der Klöster aus dem gleich- bed. gr. Jat. bautyrun n.(zuerst bei Columella 6, 12), gr. ßourupov, das nach Plinius hist. nat. 28, 9 aus dem Skythischen stammt und an Boòc f.«Kuhy und rupöc m. Käsey an- gelehnt wurde. Ins Hd. drang das Wort von Norden ein und verdrängte die echtahd. Benennungen anko m., anka f.(s. Anke), kuosméro m.«Kuhschmeer», mhd. auch milch- smalz n. 4. buttern, v.: Butter machen. 1482 in außputtern(Voc. theut. aa 1²). ZUS. Butterbemme, s. Bemme. Butterbrot, n., bei Duez 1664. Buttermilch, f., mhd. butermilch f. Butterschnitte, f., von Gom- bert 7, 16 aus dem J. 1627 belegt. Butter- vogel, m.: Schmetterling, von dem man glaubte, daß er Butter stehle(1517 bei Tro- chus H 6 hottervogel); vgl. ndl. botervlieg f., engl. butterſiyj. Butterweck, m.: Butter in Weck- d. i. Keilform. Mhd. baterwecke m. Butterwoche, f.; die fette Woche vor den Fasten;(übertragen) Flitterwoche der Neuvermählten. Büttner, m.(-S, Pl. wie Sg.): Böttcher, Küfer. In Thüringen, Franken, Oberpfalz usw. Mhd. bütenœre m., von büten f.«Bütte»(s. d.). Butzen, m.(-s, Pl. wie Sg.): Klumpen; verdickte Feuchtigkeit in Nase, Auge, einem Geschwüre; Schnuppe am Licht; Kerngehäuse im Obst. Mhd. batze m.(selten)«Klumpenꝰ», dazu auch gebütze n.«Eingeweide», dann 1482 im Voc. theut. 2 8b putz in der nasen, putz am obß. Wohl mit der hochd. Verschiebung zu ndd. batt«abgestumpft, stumpf, kurz und dick». Vgl. noch Zupitza KZ. 36, 243. Z0S. Butzenscheibe, f.(Pl.-n): runde, gewöhn- lich grüne Fensterscheibe, die in der Mitte eine ziemlich starke schlackenartige Erhöhung (einen Butzen) hat. Urspr. in Nürnberg ge- bräuchliche Bezeichnung. Butzenmann, m.(-es, Pl. Butzenmänner): gespenstische, vermummte Schreckgestalt. Mhd. das einfache batze m. Polter-, Klopf- geist, ausgestopfte Menschengestalt, Larvey; das zusammenges. Wort erscheint bei Luther als Potzmann, bei Alberus Dict. p 1 b butzen- man und Hh 3² botzenman. Mhd. bactze viel- leicht zu ahd. bözan«schlagen»(s. 4b 3), also«Klopf-, Poltergeist oder wohl eher mit dem vorausgehenden identisch, also eig. kurze, dicke, verkrüppelte Gestalt⸗(auch das schweiz. hök ist«Butzenmann» und«Butzen?) wie noch nhd. Bützel m., obersächs. und schweiz. Bãæ m. ckleines, unvollkommen ge- staltetes Geschöpf», mhd. bitzel m.«Wichtel, Zwergleiny. butzig(Rückert 1, 110), s. putzig. Butzkopf, m.(-es, Pl. Butzköpfe): der Nordkaper(Walfisch). Benannt nach der ab- gestumpft aussehenden Schnauze, zu ndd. batt«stumpfy. Buxe, f.(Pl.-n): Hose. Aus dem Ndd., wo boxe, büxe, ndl. bokse f.; daraus entlehnt isländ.(im Pl.) baxar, schwed. byx, dän. buce. Von Boock abgeleitet, also eig.«Hose von Bocksleder», vgl. engl. backslcins«bock- lederne Hosey. Helvig 1611 hat Bachsen als ndsächs. Wort, ebenso verzeichnet Adelung Büchse als ndsächs., 1616 bei Henisch Bixen «Pluderhosen, Schifferhosen. büxen, v.: behende heimlich entwenden. Aus dem gleichbed. ndd. baxen, ndl. boksen, eig. wohl s. v. a.«behende ungesehen in die Hose(Hosentasche) stecken». Bei Schiller da- für bixen in weggehict(Ruuber 2, 3). 317 Café Charivari 318 C Wörter, die man hier nicht findet, suche man unter K und Z. Café, s. Kaffee. Candille, f.(Pl.-n): niedriger Pöbel; ver- ächtlicher Mensch. Aus dem gleichbed. franz. canaille nach ital. canaglia f., eig.«Hunde- volk», Kollektiv zu lat. canis«Hundy. Im 17. Jh. ganz geläufig(bei Schupp, 427 Canalie, bei Stieler 1691 Kanalje); die persönliche Bed. schon bei Wächtler 1711. Cancan, m.(-s): ein unzüchtiger Tanz. Aus franz. cancan, das aus lat. quanqudm obwohl». Zunächst wurde es in der Be- deutung einer«Universitätsanredey gebraucht, weil diese meist mit quanquam begannen. Neue Entlehnung. Cerevis, n.: kleine runde Studentenmütze, die bei Bierkommersen getragen wird. Aus lat. cerevisia, urspr. cervisia f. Bier». In der neuern Studentensprache, abgekürzt aus Cerevismitze. Chaise, f.(Pl.-n): Halbkutsche. Aus franz. chaise f. eig.«Stuhl», das urspr. Pariser Aussprache statt chaire f.«Lehrstuhl, Stuhl, Sessel» aus gr. Jat. cäthedra f.(s. Katheder). Im 17. Jh. entlehnt. Chalzedön, m.(-s, Pl.-e) oder Chalce- dõnier, m.(*s): milchbläulicher Halbedelstein. Mhd. calcedôn, aus gr. mlat. chalcedonius, d. i. lat. achates chalcedonius«Achat von Chal- cedon» in Kleinasien. Chamäleon, n.: farbenwechselnde Ei- dechse;(bildlich) ungetreuer Verstellungs- künstler. Aus gr.-lat. chamaeleon, gr. xauar- ACGy m. d. i.«Erdlöwes(Xuoi«an der Erdes, Rewy m.«Löwe»). Im 16. Jh. entlehnt(1571 bei Heyden Plinius 173 Chameleon m., 1595 bei Hulsius Schiffahrten 1, 17 Chamelion). Früher auch als M.(Hagedorn Oden 55, Goethe 1, 62). Champägner, m.(-s): Schaumwein aus der Champagne. Nach franz. vin de Cham- pagne, auch bloß Champagne m. Um 1750 eingebürgert(Goethe Br. 2, 105, bei Aler 1727 Champagnier wein). Champignon, m.(-S, Pl.-s): eßbarer Feld-, Rasenschwamm. Das franz. champignon m., aus neulat. campinio m., von lat. campus m. Feld». 1715 bei Amaranthes Sp. 1474. Champion, m.(*s, Pl.-s): Kämpe, Meister. Aus gleichbed. franz. champion, das auf ein vulg. lat. campio«Kämpfer, abgeleitet von campus m. Feld», zurückgeht. 1710 bei Nehring. Chaos, n.: verworrene gestaltlose Urmasse zur Weltbildung; Wirrsal. Das gr. Jat. chaos, gr. Xdoc n. eig.«der gähnende leere maßlose Raumy, von gr. Xoiverv«gähnen». Im 17. Jh. entlehnt. Vgl. Gas. Charäkter, m.(-s, Pl. Charaktére):(auf- geprägtes) Kennzeichen; eigentümliche Ge- sinnungsweise; Gesinnungsfestigkeit; Titel, Rangstellung. Aus gr.-Jat. charäcter, gr. xopokräp m. Eingegrabenes, Eingeprägtes, Kennzeichen, aufgeprägte Eigentümlichkeit⸗, von gr. Xopdcceiv ceinritzen, einprägen»; da- her schon mhd. karacter m. Buchstabe, Zauberschrift, Gepräge, Merkmal». In der 2. und 4. Bed. bei Wächtler 1711. 43. charakterisieren, v.: kennzeichnen; be- titeln. Aus franz. caractériser, von gr. Napoktnpikerv«mit einem Merkmal oder Ge- prüge versehen, schildern». charakteri- stisch, adj. Nach dem gr. Adj. Xaavrnpi- criwéc bezeichnend. Beide im 18. Jh. auf- genommen(1749 bei Pyra und Lange 400 characteristisch). Charge, f.(Pl.-n): dienstliche Stellung. Aus franz. charge f. eig.«Lasto, zu charger (s. d. folg.). Im Anfang des 17. Jh. ent- lehnt. 4BL. chargieren: laden; belästigen; einen Angriff unternehmen. Aus dem gleich- bed. franz. charger, von einem mlat.*carri- care auf den Wagen laden, belasten?, das auf carrus m. Wagen» zurückgeht. Schon 1617 im teutschen Michel 8 als charschieren angeführt. Das Part. als Subst. der Char- gierte, studentischer Würdenträger, bei Kluge Wb. d. Studentenspr. aus dem J. 1831 belegt, dafür 1795 Chargenträger. Chariväri, n.: Katzenmusik. Aus dem gleichbed. franz. charivari m., eig. s. v. a. Polterabends, afranz.(14. Jh.) caribari, chali- vali, mlat. charivarium, chalvaricum n.«un- harmonische Musik, die einer zur zweiten Ehe schreitenden Person gebracht wurdey. 319 Chaussee Chor 320 Dunklen Ursprungs(1664 bei Duez franz. charivari«Kopfschmerz», aus dem gleichbed. gr. apnßapia f., eig.«vschwere des Hauptes»). Bei Wächtler 1714. Chaussée, f.(Pl.-n): Kunststraße. Das franz. chaussée aus mlat. calciata«xmit Kalk gemauerte Straße», dem als Subst. gesetzten F. des Part. Perf. Pass. von mlat. calciare «mit Kalk(lat. calæ, G. calcis) aufmauern?. Um die Mitte des 18. Jh. aufgenommen(1779 bei Goethe Br. 4, 94) und bei Adelung 1793 verzeichnet. Chauvinismus, m.: übertriebener Natio- nalstolz. Nach franz. Chauvinisme m., ein Aus- druck der eig. die Schwärmerei für Napoleon bezeichnet; er soll auf den Veteranen Nic. Chauvin aus Rochefort zurückgehen. Chef, m.(-s, Pl. s): Oberhaupt, Vorge- setzter. Das franz. chef m., von lat. caput n.«Kopf, Haupty. Im Anfang des 17. Jh. entlehnt(1616 bei Wallhausen Kriegsmanual). Chemiſe, f.: Scheidekunst. Aus gr. xnueia, Nebenform von xuueio f. Vermischungy, das auf xuuc m. Saft, Flüssigkeit zurückgeht. Alternhd. meist Chimie, Chymie(dies noch bei Adelung). Vgl. auch Alchimie. 4BL. Chemiker, m. Aus gr. Xunixc«die Säfte betreffendy. chemisch, adj. Chemisétte, f.(Pl.-n): Vorhemdchen. Das franz. chemisette f., Dem. zu chemise f. «Hemd» aus lat. camisia f. 1773 bei Ama- ranthes 1, 717. -chen, Verkleinerungsendung des Sub- stantivs. Nach ch und g steht, um den Miß- klang zu vermeiden,-elchen, z. B. Büchelchen, Trögelchen, vgl. Wilmanns Deutsche Gramm. 2, 319. Im 16., 17. Jh. auch-ichen,-ichin, mhd.-ichin, aber nur in md. Quellen. Da- neben auch hd. das unter flämischem Ein- fluß eingedrungene-ekin, z. B. geburekrin «Bäuerlein». Im ältern Nhd. tritt-chen über- all hinter lein zurück, Luther hat in der Bibel nur Caninichen und Saltzirichen(Rand- glosse zu 4. Mos. 7, 14)«Salzfäßcheny, häufiger Bildungen auf-ichen in seinen Briefen. Auch sonst bei Mittel- und Norddeutschen erscheinen anfangs solche Bildungen nur ausnahmsweise (Opitz Seelichin, Wäldichin, die Schlesier haben sonst fast durchaus lein, öfter-chen, -en bei Rist, Dach, dann bei Chr. Weise u. a.); unter den Grammatikern hält sie Schottel(S. 320-ichen mag etawa Spielweis oder sonst im gemeinen Reden schertzuegen gebrauchet awerden) noch fern, während 1690 Bödiker S. 132-chen für die im Hd. üb- lichste Endung erklärt. Chenille, f.(Pl.-n): Samtschnürchen. Das franz. chenille f. Raupen, dann wegen der Ahnlichkeit jene Schnur. 1715 bei Ama- ranthes Sp. 344 Chenellen, deutsch Schönellgen. Cherub, m.(-s, Pl. Cherubim): Thron- träger Jehovas. Das hebr. cherlb. Mhd. ent- lehnt(aus dem Pl.) cherubin m. Chiffre, f.(Pl.-n): Namenszug; Geheim- schrift. Das franz. chiffre m.«Zahlzeichen, (s. Ziffer), Geheimschrift. Bei Nehring 1710. Chignon, m.(—J, Pl.-s): hinaufgeschlagenes Nackenhaar; Haarwulst. Das franz. chignon m., das auf franz. chaime aus lat. caténa f. cKettey zurückgeht. Im spätern 18. Jh. auf- genommen(1773 bei Amaranthes 1, 720). Chiragra, n.(Schiller Wall. L. 488): Hand- gicht. Aus gr. Jat. chiragra, gr. xeipντa f. Handgicht. Chirürg, m.(-en, Pl.-en): Wundart. Aus gr. Jat. chirurgus, gr. xeipoupréc m. eig. «mit der Hand arbeitender Arzty, das als Subst. gebrauchte M. des Adj. Xeipougröc «mit der Hand arbeitend»(xeip«Hand» und eine Bildung von Eprov«Werk»). Im frühern Nhd. meist in lat. Form. 4L. Chirurgie, f.: Wundarzneikunst. Aus lat.-gr. chirurgia, gr. Xeipoupria f.«Arbeit mit der Hand, Wund- arzneikunst?. Schon frühnhd.(Murner Narr. 30, 1 Cirurgy). chirürgisch, adj., nach gr. lat. chĩrurgicus, gr. xXsipoupixòc zur Hand- arbeit, Wundarzneikunst gehörig oder ge- schickty. Bei Fischart Bodinus(1586) 137. Chlodwig, s. Ludoig. Chlothar, s. Lothar. Cholera, f.: Brechruhr. Das gr. Jat. cholera, gr. xoképa f.«Galle, Gallensucht⸗, von gr. xoN-h f. Galley. Schon spätmhd. colera f. «Ruhr», 1727 bei Aler Choler f., vgl. auch Koller. 4BL. cholérisch, adj.: zornsüchtig. Nach gr. Jat. cholericus, gr. xoXepixòc«gallen- süchtig). Bei Henisch 1616 cholerisch, 1615 bei Albertinus Landstörzer 440 kolerisch. Chor, m.(-es, Pl. Chöre): Sängerkreis; vollstimmiger Gesang; hintrer Teil der Kirche; Emporkirche; Schar. Aus gr. Jat. chorus, gr. xopöc m.«Rundtanz, Reigen, Sängerschar», im Mlat. auch«Kirchensitz der singenden Geistlichen», woraus schon mhd. kôr, ahd. chõr m.«Sängerschar, Geistlichenschar in der Kirche, der Kirche hintrer Teil als Sitz der singenden Geistlichen». In der neuern Sprache 321 Chrestomathie Cour 322 auch zuweilen Neutr., namentlich in der letz- Dekl. übergetreten. ten(übertragnen) Bed. 43L. Choräl, m. (-S, Pl. Choräle): Weise eines Kirchenliedes. Aus mlat. choralis zum Chor gehörigy. Früh- nhd.(Ringwald getr. Eckh. D 4 b), auch bei Rot 1571 verzeichnet. Als Neutr. bei Hage- dorn Fab. 185. Dazu Choralbuch, n., 1562 bei Mathesius 147 b Coralbuch. Chorist, m. (ren, Pl. en): zum Singechor eines Theaters Gehöriger. Aus mlat. chorista m. Chor- sängery. Bei Adelung 1774. ZUS. Chor- rock, m.: langes geistliches Amtskleid, ur- spr. im Chore der Kirche getragen. Mhd. körroc m. Chrestomathie, f.(Pl.-n): Mustersamm- lung aus Schriften. Aus gr. XoncroudOeic f. «Sammlung des Brauchbarsten aus Schrift- stellern», vom gr. xpncrc«brauchbary und HcHeiv«lerneny. Im spätern 18. Jh. aufge- nommen. Chrisam, n. m.(-s): geweihtes kirchliches Salböl. Mhd. Krisem, Krésem, ahd. chrisamo, chresamo m. aus kirchlich-lat. chrisma n. Sal- bung», im Mlat.«geweihtes Salböl), gr. xpicho n.&Salböly. ¹Christ, m.(6es): Christus; Weihnachts- geschenk(als Geschenk von Christus). Mhd. nach der Aussprache Krist, ahd. Christ, asächs. Krist, ags. Crist, anord. Kristr«Chri- stusy, aus dem kirchlichen gr.-lat. Christus, gr. Xpicréc eig. der Gesalbtey, d. h. der vom Königsstamme Davids hervorgegangene König, von xpierv«salben». ZUS. Christ- abend, m.: der Abend vor Weihnachten, mhd. Kristäbent m. Christkind, n.: Chri- stus als neugebornes Kind; Weihnachtsge- schenk. Bei Luther. Christmette, f.: Messe, dann Gottesdienst zur Feier der Geburt Christi mit Anbruch des Christtages. Spätmhd. krist- mettin f. Christmonat, m.: Monat des Festes der Geburt Christi, Dezember, spätmhd. christ- mãn,-mãnet. Christtag, m.: Tag zur Feier der Geburt Cbristi, mhd. Kristtac m. ²Christ, m.(-en, Pl.-en): der in Christi Namen Getaufte. Alternhd. auch Christe (noch Lessing 4, 59, Schiller Räuber 4, 2), um 16. Jh. mitunter noch Christen(1. Petr 4, 16). Mhd. kristen, kristœne, ahd. christüni m., eig. Adj. aus dem kirchlichen gr.-lat. christidnus gr. Xpicriavòc«Bekenner Christi? (daher die Eigennamen Christian und Chri- stine), abgeleitet von gr. Xpicrôc(s. ¹Chris!). Als Adj. asächs. Kristin, ags. cristen, anord. kristinn. Das Wort ist im Mhd. zur schwachen Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. 43L. Christenheit, f., mhd. Kristenheit, ahd. christanheit f., dazu andd. cristinhéd f. Christlichkeit, Taufey. Christentum, n., mhd. kristentuom m. n., dazu anord. Kristindömr m. Christin, f. Mhd. dafür Kristen f., doch auch schon Kri- steninne f. christlich, adj. u. adv., älter- nhd. auch christenlich. Mhd. Kristenlich, ahd. christanlih. Chronik, f.: Zeitbuch. Mhd. krönike. krönik f., aus dem gr.-lat. Pl. chronica, gr. xpovixd(wobei Bißkia«Bücher», zu ergänzen ist)«Zeit- d. i. Geschichtsbücher», Pl. des Neutr. von xpovixéc die Zeit betreffendꝰ, abgeleitet von xpövoc m. Zeity.— Chronist, m.(en, Pl.-en): der die Zeitereignisse ver- zeichnet. Aus nlat. chronista m. Frühnhd. (Albertinus weibl. Lustg. 35).— Chrono- logie, f.: Zeitkunde. Aus gr. Xpovokoria f. «Leitrechnung?, abgeleitet von xpovokéroc «die Zeit berechnend»(Noroc zu Xérew hier cberechnen»). Bei Wuchtler 1711. Davon ehronolõgisch, adj. Chrysolith, m.(-es, Pl.-e): gelblich- grüner Edelstein. Mhd. chrysolit, crisolit, erisolt mn. aus gr. Jat. chrysolithus m. f., gr. xpucéXiOoc f. Goldstein, zusammenges. aus xpucéc m. Gold» und Xieoc m. Stein). Chrysopräs, m.(-es, Pl.-g): apfelgrüner Halbedelstein. Eig. gold-, lauchgrüner Stein. Mhd. crisoprassis, crisoprasse, crisopras m. n. aus gr.-lat. chrysoprasus, gr. xpucònpacoc, zusammenges. aus gr. Xpucéc m. Gold» und einer Bildung von npdcov n. Lauchy. Clique, f.(Pl.-/): Spießgesellschaft. Das franz. clique f., das von cliquer æ«klatschen» (wie claque von claquer). Im spätern 18. Jh. aufgenommen. Coupé, n.(*s, Pl.-S): Halbkutsche; Wagen- abteilung. Das franz. coupé m., von couper «schneiden, abteilen, hauen», abgeleitet von coup m. Streich, Schlagy, das auf gr. lat. colaphus, gr. xokagoc m. Faustschlag, Backen- streich» zurückgeht.— Coupõn, m.(-, Pl.-s): Zinsschein, Linsleiste. Das franz. coupon, ital. cupone m., von couper«schnei- deny. Beides neue Entlehnungen. Cour, f.: Hof, Hoftag, Aufwartung bei Hofe; höflichkeitsvolle Gunstbewerbung(die C. machen). Das franz. cour f., dies wie ital. corte m. Hofy zeigt, aus mlat. cortis f. cfürstlicher Hof,, lat. cors(Gen. cortis)«Hof- raum, Hofy, für älteres cohors f. Bei Wächt- ler 1711. 21 323 Courage Couräge, f.: Herzhaftigkeit, Mut. Das franz. courage, ital. coraggio m., das eine Ab- leitung von franz. coeur, ital. cuore m.(aus lat. cor n.)«Herz» ist. Um 1600 entlehnt Dackel 324 Cousin, m.(-s, Pl.-s): Vetter. Das franz. cousin, ital. cugino m., zusammengez. aus lat. consobrinus. Cousine, f.: Base. Das franz. cousine, ital. cugina f., aus lat. consobrina f. (Wallhausen Corp. mil. 67, Coruß in einem Lied Beide in der Mitte des 17. Jh. aufgenommen von 1619 bei Hartmann hist. Volksl. 1, 122).(Cousin bei Schupp 1, 274). D ida 1) demonstratives räumliches Adyv.: an dem Orte. 2) relatives rüumliches Adv.: wo, nur noch altertümlich und dichterisch. Mhd. dã, mit Abfall des ausl. aus där (wie in 6 cehe», ã wo), ahd. där; dazu asächs. thar, ndl. daar, afries. ther, ags. Pãꝝr, engl. here, anord. par, schwed. ther, dän. der, got. Har. Von dem Stamme des Demonstr. der; in der Bildung ist zu vergleichen aind. tär-hi«amals». Alternhd. auch do(durch Vermischung mit dem folg. Wort); eine Form dar(unter Einfluß der Zusammensetzungen daran, darauf usw., in denen sich vor Vokal das urspr. r erhielt) findet sich nicht nur im 17. Jh., z. B. Gryphius Trauersp. 41. Lohenstein Rosen 97, sondern noch im 18. in hier und dar(Drollinger 44, auch bei Rückert Ged. 3, 478), ferner von dar(Lessing 3, 35. Bürger 194). 2da 1) demonstratives Zeitadv.: zu der Zeit. 2) relatives Zeitadv.: zu welcher Zeit, im Anschluß an Substantive und dann auch als Konj.: indem, als. 3) als kausale Konj.: weil. Mhd.-ahd. dö und dao; dazu asächs. thä, ags. anord. 5ã, schwed. da, dän. da. Von dem Stamme des Demonstr. der. Die Form da setzte sich fest, weil Zusammenfall mit dem lokalen ¹da eintrat, älternhd. aber auch do, noch im 17. Jh. bei Tob. Hübner. dabei, Adv., das auf ein Nahesein hin- weist. Klternhd. auch darbei(noch bei Steinbach 1734), mhd. dãrbi, dãbé, ahd. dörh', asächs. ärb?, ndl. daarbij, engl. thereby. Zusammengerückt aus ¹da und bei. Dach, n.(-es, Pl. Dächer): Bedeckung, unter der man sich aufhalten kann. Alter- nhd.(noch oft im 17. Jh.) auch Tach, mhd. dach, später tach, ahd. dah n.; dazu ndl. dacc, ags. Hœc, engl. thatch«Strohdach», anord. Hak, schwed. tak n. Zu lat. tegere«decken?, wozu tectum n.«Dach» und(im Ablaut mit Dach übereinstimmend) toga f. eig. Hülles, gr. réroc Dachy, air. tech n.«Hauss», ferner von einer anlaut. s zeigenden Wurzel, gr. créreiv«bedecken), créroc n. crérn f.«Dach?, lit. stögas m.«Dachy. Redensart: einen zu Dache, aufs Dach steigen(bei Kindleben 1781 als studentisch verzeichnet)«ihm zu Leibe gehen»(früher 2u Dache sein oder sitzen). 4BL. dachen in ab-, bedachen, mhd. dachen. S. auch decken. ZUS. Dachreiter, m:: auf dem Dache sitzendes Türmclien. 1781 bei Jacobsson techn. Wb. 1, 3852 Dachreuter. Dachstuhl, m.: Dachgebälke. Frühnhd. Dachtraufe, f., mhd. dachtroufe f., meist dachtrouf m. n. Dachs, m.(Gen. Dachses, Pl. Dachse und seltner Dächse). Mhd.-ahd. dahs, ndl. das m. Ins Mlat. entlehnt als tacus, daher ital. 1asο, span. texon, franz. taisson m. Ge- wöhnlich zu mhd. dehsen«den Flachs schwin- gen), urspr. aber«schlagen, haueny gestellt; dazu ferner aind. fales«behauen, zurecht ma- chen?, käksd m. zvimmermann), gr. rékruv m. ZLimmermanny. Das Tier würde dann seinen Namen von seinen kunstvollen Bauten erhalten haben. Doch kann natürlich auch etwas ganz andres darin stecken. Vgl. auch Palander Mémoires de la soc. néophil. à Helsingfors 2, 99. Dächsel, m.(-s, Pl. wie Sg.): Hundeart zum Dachsfange. 1719 bei Fleming teutsch. Jäger 185 b, bei Adelung 1774 Tüchsel. Von dächseln, v.: nachts den Dachs hetzen und fangen. 1763 bei Heppe wohlred. Jäger 912. Dachstuhl, s. Dach. Dachtel, f.(Pl.-n): Schlag mit flacher Hand an den Kopf. Frühnhd.(Uhlands Volksl. 41, 23), auch Tachtel. Das mhd. ktahtel, Nebenform von kattel f.«Dattel», in spottender Anwendung, wie Feige in Ohr- feige, Nuß(wenn auch nur im Anklang an die Frucht) in Kopfnuß, ndl. muilpeer f. (Maulbirne),«Maulschelle?. Dachtraufe, s. Dach. Dackel, s. Teckel. 325 dadurch Dambock 326 dadurch, adv. Mhd. dar darch, dã durch, ahd. där durh. dafür, adv., bis ins 17. Jh. auch noch darfur. Mhd. dar vur, der vir, dã vur, ahd. dara furi, dr furi. ZUS. d. halten, v.: von etwas meinen, wie es sei. In der frühnhd. Kanzleisprache(Janssen Frankf. Reichskorr. 1, 764). Der Inf. als Subst. Dafürhalten, n. dagegen, adv., älternhd. auch dargegen (noch bei Steinbach 1734). Mhd. dar-, der- gegene, dã gegen, ahd. dara gagani. daheim, adv.: zu Hause. Alternhd. auch noch daheime, erweitert daheimen(1. Sam. 18, 10). Mhd. däã heime, ahd. där heime, s. heim. Nach Heynatz 1796 veraltet und nur für die scherzhafte Schreibart zu empfehlen, jetzt aber wieder durchaus schriftsprachlich, wenn auch in der Umgangssprache nicht überall gebräuchlich. daher, adv.: zu dem Orte her(in daher! und in der Verbindung mit Verben, aber oft mit Zurücktreten der lokalen Beziehung, z. B. daherfahren); von dem Orte her; in- folge und durch Wirkung dessen. Mhd. dã her«bis zu diesem Orte, Zeitpunktey; das auf den Ursprung und Grund hinwei- sende daher bei Luther. Alternhd. auch dahero, s. hero. dahier, adv.: hier am Orte. Nach Adelung 1774 oberdeutsch, im Hochd. ungewöhnlich. dahin, adv.: von dem Orte weg, mhd. dä hin(nur noch in der Verbindung mit Verben, meist mit Zurücktreten der lokalen Beziehung, z. B. d. sein«weg, verloren sein), d. schwinden, sterben usw.); zu dem Orte hin; zu dem Ziele. dahlen, v.: einfältig, albern reden; spiel- haft tun, zwecklos tändeln(Goethe 19, 64). In der 1. Bed. frühnhd. dalen(Hans Sachs Fastn. 83, 109), auch dallen(Seb. Franck Sprichw. 2, 80 b); hochd. urspr. mit anlaut. t, kallen bei Seb. Franck mor. encom. 29 ⁵, Tallmann und Tallmatz m.«inaniloquusy 1727 bei Aler 18732, schles. thalen(Günther 241. 436) und fallen(Scherffer Grob. 84. 213, Steinbach 1734); daneben älternhd. im 16. Jh. talmen, bei Stieler 1691 dalmen, schweiz. talmen, dalmen neben talen, dalen«einfältig redenꝰ, thüring. dalmen«tändelny. Vgl. engl. dallg ctändelny. Dazu im Ablaut ein tillens tellens und unnite gepleuder bei Luther 3, 446² Jen. Vielleicht wurzelverwandt mit got. dawals «törichty, dowalipa f. Torheity, dawalmön ctöricht, verrückt seiny, ahd. gitzwola f.«Be- törung, Ketzereiy, ahd. tol, asächs.-ags. dol ctöricht»(s. toll). Daktylus, m.(Pl. Dälctylen und Daktylen): der Versfuß—OC. Das gr. Jat. däctyYlas, gr. ddxruNxoc m. eig.«Fingery, weil der Vers- fuß den drei Fingergliedern verglichen wurde. 4BL. daktylisch, adj. Dälle, s. Telle. Dalles, m.: Unglück, Verderben, Armut. In der Judensprache. Eig.«das Totenkleid⸗ (als talles schon 1534 bei Franck Weltbuch 153 b), das am großen Versöhnungstage an- gelegt wurde. Aus hebr. talith, oder von hebr. dalläth«Armuts. Dallinger, m.(auch Dollinger, Dalcher): Henker, Scharfrichter. Ein bereits im An- fange des 16. Jh. im Liber vagatorum vor- kommendes Gaunerwort, von hebr. fäãläh «aufhängen». damalig, adj. Im 17. Jh.(bei Grimmels- hausen Simpl. 10). Von dem älternhd. Adv. damal«au der Zeity, wofür jetzt damals, mit mals, mhd. mäles, dem adverbiell ge- brauchten Gen. von mhd. mãl n.«Zeitpunkt»; schon in der frühnhd. Kanzleisprache(domals Reichs-Ordnungen 140²* vom J. 1527). Damast, m.(-es, Pl.-e): Zeugstoff mit eingewebten Bildern. Aus ital. damasto neben damasco m., franz. damas m., d. i. geblümtes Seidenzeug von Damaskus(ital. Damasco, franz. Damas) in Syrien. Danach im 15., 16. Jh. die Formen Damast(dammast Murner Narr. 19, 63), Damasch(schon um 1400), Damascht(bei Mathesius), Damask(mnd., bei Ringwald Wahrh. 92 Damaschlce), 1596 bei Fronsperger Kriegsb. 3, 214 2 Damaßhlcat, noch bei Schottel 1663 Damaskt. Auch be- tont Dmast(Däumast bei Voß Luise 2, 82. 107). 4L. damasten, adj. Im 16. Jh. auch damasken. Damaszéner, m.(-s): Stahlvon Damaskus. Abgeleitet von gr.-lat. Damascénus damas- zenisch», von Damaskus in Syrien.— da- maszieren, v.:(vom Stahl) flammend ätzen. Nach dem gleichbed. franz. damasquiner, ital. damaschinare, abgeleitet von Damascenus, da in Damascus zuerst Stahl flammig geätzt wurde. Bei Henisch 1616 damaskeneren, bei Duez 1664 damaßlcieren und damahßkenieren (bei Fischart Garg. 295 Damascanirer m.). Dambock, m.(es, Pl. Damböcke): Männ- chen des Damwildes. Dam- ist mhd. fäme m. und täm n., ahd. fämo m. und täm n., verkürzt ags. dd f., engl. doe«Rehkuh», dän. 21* 327 Dambrett daa. Von gleichbed. lat. dama m. f., woraus mit Wandlung des m in a afranz. daine m. (nfranz. daine f.«Damhirschkuhs), ital. daino m.«Damhirsch» und daina f.«Damhirsch- kuhy. Auf diesen roman. Formen beruht mhd. tenisch n.«Leder von der Haut des Damwildsy, im 16. Jh. Tänlein, Dänlein (Schmeller² 1, 512)«Damhirschy, sowie das zusammenges. Denbock, auch Dannbock, später durch Dambock verdrängt. Dambrett, auch Damenbrett, n.(-es, Pl.-er): Brett zum Damenspiel(s. Dame). Bei Duez 1664 Dambrett, bei Rädlein 1711 Damenbret. Dame, f.(Pl.-n): vornehme weibliche Person; zwei übereinander gesetzte Steine im Spiel auf einem in 64 Felder abgeteilten Brett(bei Duez 1664 daher D. Spielen, eig. in oder auf der D. Spielen, Goethe 37, 53, bei Duez im dam Sspielen); die Königin in der Karte und im Schachspiel. Aus franz. dame f.(woraus ital. dama f.), das auf lat. domina, mlat. domaa beruht. Das Wort kommt im Anfang des 17. Jh. auf, wird schon 1617 im teutschen Michel 19 als mo- disches Fremdwort aufgeführt, 1629 von Opitz Ged. 2, 217, 1638 von Zincgref 2, 126, 1642 von Homburg Clio C6, dann von Rist, Logau u. a. gebraucht und von Schottel 1663 als deutsch verzeichnet. Anfangs daneben auch das ital. dama(madama bei Albertinus weibl. Lustg. 131). dameln, dämeln, v.: sich kindisch, töricht benehmen; im Kopfe verwirrt, unklar sein. Aus dem Ndd. In den Wörterbüchern vor Campe nicht verzeichnet, aber schon im 16. Jh. als dammeln belegt, kommt dann seit der Mitte des 18. Jh. durch die nordd. Umgangs- sprache auf(dõmeln, auch Dömelei bei Hermes Sophiens Reise 1, 413, ausanmendämmeln bei Goethe Jery u. Bät. 18, 20, dammeln bei Voß Ged. 2, 218; in Norddeutschland unterscheidet man heute dämeln in obiger Bed. und dammeln «Spielen, tündeln, scherzen, schäkern»). Ver- glichen wird aind. tãmjati«ermaiten, betäubt werdeny, lat. témulentus«trunken», abg. fomaiti «mühen, abquälen», ir. famaim ruhey. 4.L. dämelig, dämlig, adj.: töricht, gedankenlos. Bei Frisch 1741 dämlich. ZUS. Dämelack, m.(-s): Dummkopf, Träumer. Verstärkend statt der einfachen Bildungen Dämel m. und Lack m.«dummer Mensch»(Fulda Id. 249), fränk. Lacks m.«ungeschickter großer junger Menschy, westf. Lachs m.«Laffey, östr. Lackl m.«unbeholfner Menschꝰ. Dämmer 328 Damenbrett, s. Dambrett. Damhirsch, m., wie Dambock(s. d.). Bei Maaler 1561 Damhirtz, sonst älternhd. auch Dannhirsch(noch 1773 von Goethe im Götz gebraucht, d. j. Goethe 2, 316). dämisch, adj.: betäuben, unklaren Geistes seiend(dann in übertragener Bed.«unbe- holfen, plump und großy ein dümischer Kerl). Im 15. Jh. im Oberd. erscheinend(Osw. v. Wolkenstein 122, 24 kämisch, Schmeller 1, 603 lämisch, temisch neben daumisch, um 1480 im Voc. inc. teut. r 6 b tamisch chebes, ineptus, stultus»), noch jetzt im Bayr. als cbetäubt, schwindelig, nicht recht bei Sinneny, daher wohl nicht zu dem md.-ndd. dämeln, démelig gehörig, doch frühzeitig damit ver- mischt, deshalb auch dämlich geschrieben. Abgeleitet von mhd.-ahd. foum m.(ou zu d, vgl. Rahm, mhd. οαιι)f, vgl. Taumel. damit 1) adv.: mit dem, mit welchem, womit, mhd. dã mite, ahd. dür miti 2) konj.: in der Absicht daß(bei Luther). Alternhd. auch darmit. dämlig, s. dameln. Damm, m.(-es, Pl. Dämme): in die Länge aufgeschüttete Erde usw., besonders zum Abhalten des Wassers. Alternhd. meist Tanm(1507 bei Wilwolt von Schaumburg 80 tam, tamb, bei Luther Tham, bei den schle- sischen Dichtern Thamm, Tamm, diese Form auch bei Stieler 1691, während Schottel 1663 Damm hat); die Form mit d wird hier aus dem Ndd. stammen, findet sich aber auch obd. im 16. Jh. Redensart: auf dem Damme sein«sich wohl befinden», eig. geschützt sein gegen Wassergefahr. Mhd. fam(Gen. tammes) m., dazu mnd.-fries. engl. damπνεεbammꝰ, anord. dammr m. Von E. Schröder ZfdA. 42, 66 aus dahma- erklärt und zu fapfer(s. d.) gestellt. 45 L. dämmen, v.: durch einen Damm aufhalten, hemmen, hindern. Mhd. temmen, dazu ags. demman, got. in faurdammjan cverhindern»y. ZUS. Dammerde, f.(dem Damme Festigkeit gebende) fette Erde zu Pflanzenwuchs. Bei Frisch 1741. dammeln, s. dameln. dämmen, s. Damam. Dämmer, m.(-S), selten n: Ubergangs- zustand von Licht zu Dunkel oder von Dunkel zu Licht, Zwielicht. Mit dem urspr. e entspricht mhd.(bei Nic. v. Jeroschin) démere f., ahd. démar n.; das nhd. Wort setzt indes wohl nicht diese Formen fort, sondern ist in der neuern Dichtersprache 329 Dämon dappeln 330 von dämmern neu gebildet(Goethe hat das bei Adelung und Campe noch nicht ver- zeichnete Wort seit 1776 gebraucht Id. j. Goethe 3, 142, Faust 395], Morgendämmer bei Claudius 4, 121). Verwandt ist zunächst asächs. himm dunkel» und mhd. dinster, ahd. dinstar æfinster»(s. d.), weiter noch aind. tamrds«finster», füämas n.«Finsternis», tãmisrã f.«Nachtꝰ, lit. tamsd f.«Dunkelheit, ir. temel Dunkelheit», lat. tenebrae(aus rtfenesrae) Pl.«Finsternis». dämmern, v.: Zwielicht werden. Bei Schottel 1663 demmern, früher nicht zu belegen. Davon Dämmerung, f. Mhd.(bei Nic. v. Jeroschin) demerunge f., ahd. dafür demenunga f. Dämon, m.(*s, Pl. Dämönen): böser Geist. Von gr. Jat. daemon, gr. daiucwy m. Geisty, besonders kirchlich s. v. a.«böser Geisto. Bei Sperander 1728. dämönisch, adj.: von einem bösen Geiste besessen, teuflisch. Nach gr. Jat. daemonicus. Dampf, m.(-es, Pl. Dämpfe): dicker Rauch; dick aufsteigende nebelartige Feuch- tigkeit;(bildlich) Bedrängnis, Pein, Angst. Mhd. dampf, tampf, ahd. damph m.; dazu ndl. damp, engl. damp«Feuchtigkeit, Dunstꝰ, anord. dampi m., dän. damp. Mit Ablaut zu dem starken V. dimpfen(Prät. dampf, Part. gedumpfen) crauchen», von Brennendem, wie auch von erhitzten Menschen, Tieren usw. Die Herkunft ist unsicher. Das deutsche Verb könnte man auf idg.*temb zurückführen und zu gr. âréußo«betöre, schädige stellen. Dann müßten aber die nicht hochdeutschen Worte davon getrennt oder als entlehnt an- gesehen werden. Ist der Anlaut germ. d, idg. dh, so ließe sich aind. dabhnöti«beschädigt, versehrt, betrügt» vergleichen(aus*dhabh), doch stimmt danm der auslautende Konsonant nicht. Vielleicht liegt eine Vermischung zweier Wurzeln vor. 4BL. dampfen, v.: Dampf von sich geben; Dampf hervorbringen; mittels eines durch Dampf getriebnen Schiffes oder Wagens fahren. In der 1. Bed. mhd. dempfen, älternhd. dãmpfen. Davon Dampfer, m.: Dampfschiff. dampfig, adj., spätmhd. temphig(um 1480 tampfig«vaporosus» im Voc. inc. teut. r 6). ZUS. Dampfnudel, f, bei Stieler 1691 Deumpfnudel. Dampfschiff, m. Dampfwagen, m. Neue Bildungen. dämpfen, v.: rauchen oder(Feuer) er- löschen machen; ersticken machen; unter- drückend schwächen; durch Dampf kochen. Mhd. dempfen, tempfen, ahd. demphen, temphen cerlöschen, ersticken machen, den Atem be- nehmen, würgen?. Das Faktitiv zu dem starken V. mhd. dimpfen(s. Dampf). Davon Dämpfer, m.: Hornspitze oder Blechnapf mit Stiel zum Löschen der Lichter(bei Adelung 1774); ein Werkzeug, den Ton musi- kalischer Instrumente zu mildern, zunächst die auf den Steg der Violine gesteckte kleine Klammer(1781 bei Jacobsson techn. Wb. 1, 396 4), daher bildlich einen Dämpfer aufsetzen. dämpfig, adj.: engbrüstig, schweratmend. In frühnhd. Glossaren. Von mhd. dempfe f. Engbrüstigkeit», wofür frühnhd. auch dampf Dampfnudel, schiff,-wagen, s. Dampf. Damwild, n.: Rotwildart mit etwas schau- feligem Geweih. S. Dambock. danach, darnach, adv.: nach diesem. Mhd. dar näch, dã nãch, ahd. dara nũh, dür nüh. danieder, darnieder, mhd. däã nidere, derwider, ahd. dãr nidlare. Daniel, Mannesname, aus hebr. Däãnél, d. i.«mein Richter ist Gott», zusammenges. aus hebr. dänd«mein Richtery und el«Starker, Gott». Dank, m.(es, Pl.-é): anerkennender Ausdruck der Verpflichtung wofür. Mhd.- ahd. danc m.; dazu asächs. fhank, ndl. dank, afries. thank, ags. Hanc, engl. thanks Pl., anord. Halckir Pl., schwed. fack, dän. tak, got. agles m. Die urspr. Bed. ist«Gedanke, Meinung, Ab- sichty(noch in der veralteten Redensart ohme meinen D. d. i. Willen), wie sie bei denlcen zugrunde liegt, vgl. noch düunken. 4B L. danken, v., mhd. danxen, ahd. danchõn; dazu asächs. fhankcõn, ndl. danken, ags. Pancian, engl. thank, anord. Palcka, schwed. tacka, dän. kalle. dankbar, adj. u. adv., mhd. danchcere, ahd. danchäri. ZUS. danksagen, v., zu- sammengeschoben aus mhd. danc sagen. dann, adv., weist auf eine Folge in der Zeit, der Ordnung. Mhd. danne und denne, gekürzt dau, den, ahd. danne und denne, selten denni; dazu ndl. dan, ags. Ponne, Pœænne, engl. then«damals». Von dem Stamme des demonstrativen Pron. der gebildet. Von denn (s. d.), das mit dann urspr. eins ist, scheidet sich dieses genauer um die Mitte des 18. Jh. dannen, demonstr. Pronominaladv., nur noch in von d.«weg von dem Orte, weg von day. Mhd. dannäũn, meist dannen, danne, dan, ahd. danana, danãn; dazu asächs. thanan, ags. panon, engl.(weitergebildet) thence. Von dem Stamme des demonstr. Pron. der. dappeln,(Goethe 1, 180), s. tappen. 331 dar ¹dar, altertümliche Nebenform von 1da (C. d.). Außerdem in der Zusammens. mit vokalisch anlautenden Lokaladv., z. B. dar- aus, mhd. där d3, dã d, ahd. där uz; darin, mhd. där in, däã in, ahd. där in; darunter, mhd. dar under, ahd. där untari. Dies dar- erscheint dann auch vor konsonantischem An- laut, z. B. älternhd. darhei, darmit. 2dar, adv.: dahin, jetzt nur noch in Zu- sammensetzungen. Mhd. dare, dar, ahd. dara, dazu asächs. thar, engl. there. Von dem Stamme des demonstr. Pron. der. Mit Verben zusammenges.: darbieten,-bringen,-geben usw. (mit ausgelassenem V. bei Schiller Räuber 1, 2 auf mich dar). Mit Lokaladv. zusammenges.: daran, mhd. dar ane, ahd. dara anç; darein, mhd. dar in, ahd. dara in; darüber, mhd. dar über, ahd. dara ubiri. Vor konsonan- tischem Anlaut ist meist da- dafür einge- treten(durch Mischung mit da= 1dar), so dagegen, danach, dawvider, dazæu, dazwwischen, die älternhd. aber noch mit dar- begegnen, wie noch jetzt darnach. darben, v.: das Notwendigste entbehren, Mangel leiden. Mhd. darben, ahd. darbén; dazu asächs. tharbön«entbehren), ags. Pear- fian«ermangeln), got. in gabarhan sich wo- von enthalteny, neben dem Adj. Harhs be- dürftig. Zu dür fen. Darge, f.(Pl.-n): Angel von Messing, an die zum Fange der Hechte ein roter Lappen gesteckt wird, den dieselben für ein Rotauge halten(1692 bei Canitz 118. 59). In der Mark Brandenburg. Auch Derge, Terge. Von dar- gen, v.: mit der blinkenden Angel und dem roten Lappen reizen und fangen, das aus ndd. kargen, tergen, hd. zergen reizen, necken), von zerren abgeleitet. darinnen, drinnen, adv. Am Ende des 15. Jh. weitergebildet aus drinne, mhd. dar inne, ahd. dãr inne. darlegen, v.: wohin legen, offen wohin legen, mhd. dar legen, auch noch bei Luther; eröffnen, klarmachen(bei Luther). Darlehen, Darlehn, n.(-v, Pl. wie Sg.): zu Wiedergabe in Benutzung gegebenes Geld. 1663 bei Schottel 626 Darlehn. Von dar- lehnen, wofür jetzt gewöhnlich darleihen, das schon in der frühnhd. Kanzleisprache vor- kommt(Janssen Frankf. Reichskorr. 1, 781 vom J. 1509), aber von Adelung 1774 noch für obd. erklürt wird. Darm, m.(-es, Pl. Därme): häutiger Schlauch im Leibe zur Aufsaugung des Nah- 332 dasig rungssaftes und Abführung des Unrats. Mhd. darm, ahd. darm, daram m.; dazu ndl. darm, afries. therm, ags. Hearm, anord. Pl. Harmar, schwed.-dän. tarm m. Verwandt ist gr. rpffua n. Lochy, rpdic f.«Aftery. ZUS. Darm- gicht, f.: Leibgrimmen. Mhd. darmgiht f. S. Gicht. darnach, s. danach. darob, drob, adv.: dar-, worüber, des-, weshalb. Mhd. dar obe, dä obe, ahd. thär oba darübery. Darre, f.(Pl.-n): Ort und Vorrichtung (Horde) zum Dörren; Handlung des Dörrens; Krankheit des Ausdorrens(Darrsucht). Mhd. darre, ahd. darra f. S. Dörre. darstellen, v.: offen wohin stellen(auch refl. sich d.«sich öffentlich zeigen»); vor Augen stellen(refl. vor Augen sein); zum Ausdruck bringen; vergegenwürtigen, schil- dern. Bei Luther in der 1. u. 2. Bed. dartun, v.:(veraltet) wohin tun; auf- wenden, ausgeben(bei Luther); beweisen, klarmachen(auch schon frühnhd.). darüber, adv., s. 2dar. darum, adv.: im Kreise von etwas; in Beziehung dar- oder worauf; aus dem Grunde. Mhd. där undbe, dä umbe, ahd. där umbi in Beziehung darauf, deshalby. darunter, adv., s. 1dar. das, Neutr. zu der, eig. identisch mit der Konj. daßß(s. d.). Dase, f.(Pl.-/): Bremse, blinde Stech- fliege. Niederdeutsch. Auch Dassel f. Dunk- ler Herkunft, vielleicht zu mhd. däse f.«Un- holdin). Dasein, n.: Gegenwart, dauernde Wirk- lichkeit. Der substantivische Inf. sein mit 1da. Von Christian Wolff gebildet. daselbst, adv.: an dem Orte. Spätmhd. dã selbes, daselbs, vereinzelt auch schon dä selbest, um 1480 im Voc. incip. teut. d 2² daselbst(Luther hat noch daselbs). dasig, adj.: an dem Orte befindlich. Von der Partikel da mit einem zwischen den Vo- kalen eingeschalteten s gebildet, vgl. hiesig. Die Bildung tritt gegen Ende des 15. Jh. auf(Decameron 272, 19; 406, 30, vgl. Gom- bert 7, 17), bürgert sich aber wenig ein, da sie von Stieler 1691 und noch Frisch 1741 als neugeschaffen bezeichnet wird; Adelung und Campe weisen sie den gemeinen Sprech- arten, Heynatz 1796 in der schon früher vorkommenden Bed.«derselbey den hochd. schreibenden Juden zu. Daneben auch daig. 333 daß Daum 334 daß, konj. Mhd. daz, ahd. daz, dazu asächs. that, ags. Pœt, engl. that, got. Pata mit angetretener Pronominalpartikel ei Hatei. Die mit dem Neutr. das(zu der) identische Konj. wird auch in der Schreibung von ihm frühnhd. nicht gesondert(für beide das oder daß). Die Grammatiker Clajus und Ölinger haben ohne Unterscheidung das. Dagegen unterscheidet 1561 Maaler das Pronomen und den Artikel das von der Konj. daß in der Schreibung, die dann entschieden für dieses mit und jenes mit 1629 von Werner Rechtschreibung S. 74 und 1641 von Schottel Sprachkunst S. 212 in der Grammatik fest- gesetzt wird. datieren, s. Datum. Dativ, m.(-s, Pl.-e): Fall auf die Frage wem? Aus lat. datzvus(nämlich casus) eig. «Geben anzeigender Fally. Dattel, f.(Pl.-n): süße Frucht einer Palmenart. Mhd. katele, fatel f. Wie ital. dattilo, span. datil m. aus gr.-lat. dactylus, gr. Sdxruxoc m. eig.«Finger» und dann der fingerartigen Gestalt wegen die«Dattel». Im 16. Jh. auch Dactel(z. B. 1574 bei Fischart Onomastica 85 b Dattilen, Dacteln) und mhd. kahtel, woraus unser Dachtel(s. d.). dattern, s. tattern. Datum, n.(-s, Pl. Daten): Zeitangabe eines Schreibens. Im 14. Jh. mhd. datzuns n. m. aus lat. datem«gegeben», das ehedem in gerichtlichen Aktenstücken vor die An- gabe des Tages gesetzt wurde. 4 BL. da- tieren, v. Aus franz. dater, mlat. datare. Bei Rot 1571. Daube, f.(Pl.-n): Seitenbrett eines höl- zernen Gefäßes. Aus franz. douve, mailändisch dova, ital.-mlat. doga f., die auch Graben?, sowie«Fassung des Grabens, Seitendammꝰ, im Ital. selbst«rings als Einfassung des Kleides umlaufender Streifen» bedeuten. Danach wäre Daube zunächst«Einfassung des Gefäßesy, urspr. aber ist mlat. doga geradezu«Gefäß und geht so wohl auf gr. doxy f. Behälter, Gefäßy zurück. Auf ital. doga geht mhd. däge, schweiz.(bei Maaler 1561) Dauage, schwäb. Faßtauge(württemb. Zollordn. von 1661 Tit. 10, vgl. auch Fischer 2, 111), ndl. daig f.«Faß- daubes zurück, auf franz. doutve Daube» (schon bei Luther, aber bei Keisersberg fauaoe, bei Mathesius Sar. 1192 kaube, bei Aventin 5, 290, 20 nach dem Bayr.-Ost. taufel f.) unser Daube. Die Ableitung von mlat. doga be- zweifelt Fischer a. a. O. däuchten, v.: dünken. Hervorgegangen aus dem Konj. Prät. von dünken, mhd. diuhte, gekürzt diaht, was dann als Ind. Präs. ge- nommen wird. So schon spätmhd. mich(mir) deucht und häufig im 16. Jh.(bei Luther in der Bibel nur Sir. 33, 14), zuweilen sogar deuchtet. Der Inf. deuchten, däuchten 1616 bei Henisch und dann häufig in Gramma- tiken und Wörterbüchern, da der Zusammen- hang mit dänken nicht mehr empfunden wird. Daudistel, f.: Gänsedistel. 1429 dudistel (lib. ord. rer.), spätahd. ddistel m., dazu ags. Huhistel m. däuen, v.(Claudius 4, 47): verdauen(s. d.). 1 Dauer, f.: Fortbestand. Mhd. vereinzelt (bei Nic. v. Jeroschin) dür f., bei Krämer 1678 Daur, bei Stieler 1691 dagegen Taure, bei Christian Wolff Daure. Von dauern, v.: fortfahren zu sein. Mhd.(zuerst im 12. Jh. und nicht allgemein) kdoren, düren, wie ndl. duren, afries. duria, engl. dure, schwed. dura entlehnt aus lat. düräre«fortbesteheny. Im ältern Nhd. nicht häufig, 1562 bei Mathesius Sarepta 284 b ußtauren, von Henisch 1616 als dauren verzeichnet, von Stieler 1691 als kauren, auch Ludwig 1716 kennt noch kauern. 4B L. dauerhaft, adj., bei Stieler 1691 fauer- haft, dafür 1562 bei Mathesius Sar. 2 b thauer- hafptig, bei Henisch 1616 dauurhafftig. 2Dauer, f.: mitleidige Stimmung worüber. Nhd. ungewöhnlich(bei Maler Müller 1, 299), mhd. färe f. Von dauern, v.: zu Unlust und mitleidiger Stimmung bewegen, unper- sönlich mich dauert. Mhd. mich küret, ver- wandt mit kiure ckostbary, also eig.«vie! kosten, kostbar sein, allzu kostbar sein), was dann in die Bedeutungen des«An-dem-Herzen- liegensy und dann des«Schmeralichseinsy hin- überspielt. Ndd. duren, mengl. douren, sonst im Germ. nicht vorhanden. Bei Luther noch tauren, während schon Maaler 1561 dauren hat; tauern hält sich namentlich bei Schle- siern und Obersachsen und wird noch von Lessing(1, 133; 6, 107) gebraucht. Daum, m.(-es), gewöhnlich Daumen, m.(-S, Pl. wie Sg.): der erste Finger. Mhd. dume, ahd. dimo m.; dazu ndl. daim, afries. thüma, ags. Pima, engl. thamb, schwed. fanme m., anord. abgeleitet Suümall, Pümalfingr m. (dän. tommelfinger). Gewöhnlich als«derstarke, dickey erklärt, zu lat. ftumére schwellen?, tumulus m.«Hügel», aind. fütumas æstark', ktunurds«fetty. Das urspr. schwache M. hat im Nom. Sg. angenommen, daneben mit Ver- 335 Daune kürzung und Übergang zur starken Flexion Daum, das im ältern Nhd. häufiger, jetzt wesentlich auf die poetische Sprache be- chränkt ist. 4BL. Däumling, Däumer- ling(Goethe 16, 64 u. ö.), m.: Daumen(früh- nhd.); Uberzug über den Daumen, Einger- hut(bei Henisch 1616); daumengroßer d. i. allzukleiner Mensch; Zaunkönig. Entsprechend ndl. duimeling, anord. püumlungr m. Daune, f.(Pl.-n): weichste Flaumfeder. Aus ndd.(schon mnd.) dune f., das mit engl. down auf anord. dünn m.(schwed. dan, dän. dan n.) zurückgeht. Bei Schottel 1663 noch mit dem ndd. Vokal Dunen(und Donst), das noch heute in der bayrischen und öster- reichischen Rechtschreibung gilt, bei Stieler 1691 auch als Daunen. S. Eiderdaune. 1Daus, m.: in Redensarten wie ei der Haus!, was der Daus, awie ein Daus, bei denen die Bed.«Teufel» durchschimmert. Entsprechend nd. de Düs! der Teufell?, engl. the deuce!(deuse), dieo man entweder auf lat. deus«Gott» oder auf gall.-mlat. dusius caufliegender drückender Geist» zurückführt; vielleicht ist das Wort aber wie dithmars. Deusen, ud. Dalces, Dulcs, Düer, Deuker, hd. Deuster, Deixel u. ähnl. nur eine ver- hüllende Entstellung für Teufel. Zuerst im 16. Jh. bei Ringwald(laut. Warh. 368 gleich- wie ein D.) vorkommend. 2Daus, n.(Gen. Dauses, Pl. Däuser): je ein Auge auf einem Würfel; die Zwei der deutschen Spielkarte; das As. Alternhd. auch Taus. Mhd. IHs, düs, spätahd. das n., entlehnt aus afranz. doues, prov. duas, nfranz. deuæ«zweiy. David, Mannsname, aus hebr. Dãνν⁶ d. i. Geliebter». davon, adv. Alternhd.(noch bei Stein- bach 1734) auch darvon, mhd. dã von. Dazu ndl. daarvan. Däz, m.(es, Pl.-e): Kopf. Niedriger Ausdruck in Nord- und Mitteldeutschland, bei Kleist zerbr. Krug 980 Detz. Wohl aus ital. testa, frz. téte f.«Kopfy. dazumal, adv.: wie damals(s. d.). Aus einem mhd. dd ze mülc. In der frühnhd. Kanzlei- sprache(dozemal Janssen Frankf. Reichskorr. 1, 284 v. J. 1473), auch von Luther gebraucht. -de, Ableitungssilbe für Substantiva. Schon mhd.-de, das entspricht 1. einem ahd.-ida in den Fem. Begierde, Behörtde, Beschiwerde, Fyreade, Gebärde, Gefährde, Liebde. 2. einem ahd.-idi in den Neutr. Gebäude, Gehfte, Ge- lübdle, Gemächte, Gemüdlde, Getreidde. Decke 336 Debätte, f.(Pl.-/): Wortgefecht. Aus dem gleichbed. franz. débat m., von débattre cbestreiten, verhandeln». Im Zeitungslex. 1703 (noch bei Nieremberger 1753) erscheint wie im Franz. Debat, bei Sperander 1728 aber mit dem Pl. Debatten, aus dem der Sg. De- hatté als F. gebildet ist. 4L. debattieren, v.: in Worten hin- und herstreiten. Schon im 17. Jh. z. B. Weise Erznarren 154. Debit, m.(-S): Warenabsatz, Vertrieb. Aus franz. déhit m.«Verkauf», von lat. de- bitum«verpflichtety, im Mlat. s. v. a. Be- trieby. debitieren, v.: verkaufen, vertreiben, absetzen. Aus franz. débiter. Bei Nehring 1694. Debüt, m. n.(-5, Pl.-s): das erste Auf- treten auf der Bühne usw. Aus gleichbed. franz. debut m. Schon bei Nehring 1710 der erste Schuß oder Anfang zu schießen nach der Scheibey. Dechanei, f.: Amtsbezirk, Wohnung des Dekans. Mhd. techante, techende f., aus mlat. decaniaf.«Amtswürde eines Vorgesetzten über 10 Mönche», von lat. decãnus(s. Dekan).— Déchant oder Dechänt, m.(-en, Pl.-en): Obergeistlicher eines Stiftes, Bezirkes. Mhd. dechent, techant, ahd. techant m., mit ange- tretenem t aus lat. decãnus. Dechärge, f.: Entlastung, Anerkennung der Richtigkeit einer Rechnung. Aus franz. gleichbed. décharge f., zusammengesetzt aus dé hier soviel wie«ent» und charger claden». Bei Campe 1813. Decher, m.(-s, Pl. wie Sg.): 10 Stück Felle(aber 40 Stück bei russischen Rauch- waren). Mhd. fecher, mnd. deker, engl. dicker m., aus lat. decuric f.«LZehnty. Dechsel, f.(Pl.-/): Breitbeil, Queraxt, Krummhaue. Mhd. dehse und dehsel, ahd. dehsa und dehsala. Obd. meist mask., nd. Dessel f. Die Formen Deichsel, Dächsel und Dachsbeil beruhen auf falscher Anlehnung an Deichsel und Dachs(daher deichseln, v.: mit der Dechsel bearbeiten, zurecht hauen). Zu mhd. dehsen den Flachs schwingeny eig. «schlagen», ai. käkesati«behaut», lat. texo æwebey, gr. réxruv m. ZLimmermanny. Deck, n.(-5): Verdeck(s. d.). Aus dem Ndd.-Ndl. Zuerst 1716 bei Ludwig verzeichnet. Decke, f.(Pl.-n): über etwas Befindliches, das es dem Blicke, der Kenntnisnahme ent- zieht. Mhd. decke, ahd. decch, decki f. Von decken, v.: zu Entziehung für Wahrnehmung, zum Schutz etwas darüber oder davor machen. Mhd. decken(Prät. dacte, Part. gedact, gedeckelt), 337 dedizieren degradieren 338 ahd. decchen, decken; dazu ndl. dekcken, afries. thekka, ags. peccan, engl. thatch, anord. Helja, schwed. fäcka, dän. dälcke. Zu Dach(s. d.), mittelst eines-Suffixes gebildet. Das Prät. dackte(bei Luther deckte, decheet) kommt noch im 16. u. 17. Jh. zuweilen vor; das Part. geclackct hat sich als technischer Ausdruck(bei den Orgelbauern) erhalten. 4L. Deckel, m. (, Pl. wie Sg.), spätmhd. Deckung, f., von Adelung 1793 noch nicht angeführt. 2ZUS. Deckbette, meist Deckbett n., 1482 im Voc. theut. e 7 b deckpet. Deckmantel, m., mhd. deckemantel m., auch schon über- tragen(vgl. bemänteln). dedizieren, v.: widmen, jemandem zu- eignen. Aus dem gleichbed. lat. dédicdre. 1531 bei Hedio Josephus Ant. 188 b dedliciern. 4BL. Dedikatiön, f. Widmung, Zueignung. Im 16. Jh. bei Fischart 2, 284(Kurz) dedi- cation, aus lat. dẽdicãtio f. deduzieren, v.: durch Schlußfolgerung herleiten und dartun. Aus lat. déedäcere, eig. cherabführen». Schon bei Rot 1571 dedacirn. 4B2L. Deduktiön, f.: Herleitung durch Schlüsse; Beweisführung(Script. rer. Siles. 4, 256 vom J. 1579 decuction). Aus lat. dẽductio f. Defékt, m.(-es, Pl.-e): Mangel worin. Aus dem gleichbed. lat. défectus m., von défi- cere«fehleny». Bei Rot 1571 Defect(Ger- mania 28, 364 ein Beleg von 1531).— De- flzit, n.: Ausfall an Geld, Fehlsumme. Aus der 3. Sg. Präs. Ind. déficit von déficere. 1729 in Stoppes Ged. 2, 121 bereits in bildlicher Anwendung(Mangel an Körperfülle). defensiv, adj.: der Verteidigung dienend. Aus dem gleichbed. mlat. defensibas, abge- leitet von lat. défensio f.«Verteidigung, von défendere«verteidigen. Frühnhd.(1541 bei Liliencron 4, 180 defensiven"eis). Defen- sive, f.: Verteidigung, 1626 bei Stettler Schweizerchronik 2, 1894. Defensivkrieg, m., 1617 bei Wallhausen Corp. mil. 4. defllieren, v.: reihen-, zugweise vorbei- marschieren. Aus franz. défiler«in einer Reihe hintereinander gehen», von fle m.«Fa- den, Reihe?, das aus lat. filum n.«Fadenꝰ. 1703 im Zeitungslex. Davon Defllée, n.(-s, Pl.-s): Enge, Engpaß. Aus franz. defilé m. 1703 im Zeitungslex. defilées«enge, verhauene, schlammigte Wege». definieren, v.: unterscheidend erklären, einen Begriff bestimmen. Aus lat. déftuire ab-, begrenzen, im Begriffe bestimmen», wor- Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. aus schon mhd. diſſmnieren«bestimmen, fest- setzeny. Definitiön, f.: Begriffsbestimmung. Aus lat. définitio f. Frühnhd.(Luther 5, 276 b Jen.). definitiv, adj.: abschließend, unwiderruflich. Aus lat. dé ινενι bestimmt, begriffsbestimmty. Bei Wächtler 1711. Deflzit, s. Defelrt. deftig, adj.: tüchtig, trefflich. Aus dem Ndd. in die hd. Umgangssprache eingedrungen, auch ndl. deftig. Zu ags. gedcft«passend?, engl. deft«niedlich, geschickto, abgeleitet von dem V. got. gadaban«passen». Bei Schottel 1663 verzeichnet. 1 Degen, m.(-S, Pl. wie Sg.): tüchtiger Kriegsmann. Mhd. degen, ahd. degan m. «männliches Kind, Knabe, Diener, Gefolgs- mann, tapfrer Kriegsmann, Held; dazu asächs. thegan m.«Knabe, Diener, Mann), ags. Hegn «Diener, Mann, Rittery, engl. thane Frei- herr», anord. Hegn m.«freier Untertan, freier Manny. Das Wort bedeutet urspr.«Knaben und stimmt der Lautverschiebung gemäß mit gr. réxvov n.&Erzeugtes, Kindy, zu rikreiv cerzeugen, gebäreny. Nicht zu 2Degen. Es wurde im 15. bis 18. Jh. nur selten gebraucht und Stieler, Steinbach, Frisch führen es nur als veraltet auf; 1759 wurde es aber von Lessing im Anschluß an Logau empfohlen und von ihm(Em. Galotti 1, 4), sowie von Wieland, Bürger, Goethe, Schiller(Jungfr. v. Orl. Prol. 3), Uhland, E. M. Arndt usw. wieder als edler Ausdruck aufgenommen. Aus der Anlehnung an 2Degen erklären sich Bildungen wie Haui-, Raafdegen. ²Degen, m.(₰, Pl. wie Sg.): Ehren- und Standeswaffe. Zuerst im 15. Jh., aber in der Bed. Dolchy, 1507 bei Wilwolt von Schaum- burg 124 langer tegen; auch von Luther ge- braucht, aber nicht in der Bibel(Richt. 3, 16 änderte er stoßdegen in schawert), bei Dasy- podius 1537 als dägen«gladiolusy verzeichnet. Entsprechend franz. dague, ital.-span. daga, engl. dag, mlat. dagga f., deren Herkunft un- sicher ist. Im Alternhd. auch Dege, Deg (Täg Gryphius Trauersp. 40). degenerieren, v.: ausarten. Aus dem gleichbed. lat. dégenerãre, vom Adj. dégener centartet). Schon bei Rot 1571. degradieren, v.: der Würde entsetzen. Mhd. degradieren, digradieren der Würde entsetzeny, namentlich bei Geistlichen,«der Weihe benehmeny, aus dem gleichbed. mlat. degradare, dessen gradare von lat. gradlus m. «Stufe, Rangy. 22 339 dehnen dehnen, v.: in die Länge ziehen, ausein- ander ziehen. Mhd. demen, auch dennen, ahd. dennen; dazu asächs. fhenian, ags. Henian, anord. penja, schwed. fänja, got. panjan(in uf Panjan). Verwandt mit gr. reiveiv«spanneno, aind. fanöti«dehnt, spannty, lat. kendere, cspannen» usw. mit reicher Verzweigung. S. auch dinsen, Dohne, dünn. 4BL. dehn- bar, adj., bei Adelung 1774. Dehnung, f., bei Henisch 1616. Deich, m.(es, Pl.-e): Schutzdamm gegen Wasser. Mhd. fiöch, dich m. aus dem gleich- bed. mnd.-mul. di m.(schon andd. ν), da- zu afries. dik, ags. dik m., engl. dixce(auch ditch«Abzugsgraben»), anord. dikà n., dän. dige. Eig. identisch mit Teich(s. d.), aber in halbndd. Lautform(doch älternhd. auch oft Teich, so noch bei Ludwig 1716 und Frisch 1741, während das reinndd. Diex bei Schottel 1663 steht und auch Ludwig 1716 bekannt ist). 4L. deichen, v.: einen Schutzdamm errichten. Mndl. diken. ZUS. Deichgraf, Deichgräfe, m.: Oberaufseher über das Deichwesen einer Landschaft, Deichhauptmann. Norddeutsch, 1591 bei Spangenberg Adelsspiegel 1, 323 Teichgrave. Mud. dilgreve m. S. Graf. Deichsel, f.(Pl.-n): Wagenstange zwi- schen den Zugtieren. Mhd. dähsel, ahd. döh- sala f.; dazu andd. thisla, ndl. dissel m., ags. Fiæl, Fisl, anord. Fisl f. Grundform Sinhsld und daher zu lat. fémo(aus stenaæmo) m. pr. feansis«Deichsel», aus*tenksis. Vgl. noch Osthoff Idg. Forsch. 8, 36. Im ältern Nhd. die Nebenformen Deistel(auch bei Luther) und Deisel. deichseln, s. Dechsel. ldein, erweitert deiner: Gen. Sg. von du(s. d.). Mhd.-ahd. dén, asächs. afries. Ihin, ags.-anord. Hin, got. Heina. Seiner Bildung nach zu dem possessiven ²dein gehörig. Das erweiterte deiner, schon mhd. vereinzelt diner, ist bei Luther noch selten(in der Bibel nur 5. Mos. 13, 17), doch führen es die Gram- matiker Olinger und Clajus neben d. an und Schottel gibt der längern Form den Vorzug. 2dein, besitzanzeigendes Pron. der 2. Per- son. Mhd.-ahd. din, asächs.-afries. hin, ags. Fin, engl. thy, thine, anord. pinn, schwed.-dän. din, got. Heins. Von da(s. d.) abgeleitet. deinesgleichen, erstarrte Genetivform, mhd. dines gelichen. Im Mhd. ist in din geliche «der dir gleich isty sowohl das Possessiv als das substant. geläche mit Flexion versehen, z. B. er vant dinen gelichen. 340 deinet- in deinethalben,-wegen,-willen, hervorgegangen aus dem im Frühnhd. noch vorkommenden deinent-, mit angetretnem f aus deinen, das in deinethalben(aus deinen halben) und deinetzwegen(aus deinen wwegen) als Dat. Pl., in deinetzillen(bei Luther noch vmb deinen willen) als Akk. Sg. anzusehen ist. deinig, adjektivische Bildung, die immer den Artikel vor sich hat. Am Ende des 16 Jh. entstanden; 1663 bei Schottel S. 541 an geführt. Deise, f.(Pl.-n): Gestell im oder am Schornsteine zum Trocknen von Holz oder Fleischwaren. Im 15. Jh. thüring. und 1469 mittelrhein.(Voc. ex quo) deyse, auch mnd. deise(Crecelius 260). Jetzt in Hessen, Elsaß, Kärnten usw. Deist, m.(en, Pl.-en): Gottgläubiger ohne Offenbarungsglauben. Aus engl. deist, franz. déiste m., abgeleitet von lat. deus m. Gotty. Bei Sperander 1728. Vgl. Ladendorf Hist. Schlagwb. 44. 4 B L. deistisch, adj. Deixel, m., Entstellung aus Teufel(s. d.) Schon im 17. Jh. Dekäde, f.(Pl.-n): Zahl von 10. Aus dem gleichbed. franz. décade f. von gr. dexdc (Gen. dexddoc) f.«Abteilung von 10». Im spätern 18. Jh. entlehnt. Dekagramm, n.: 10 Gramm. Deka- meter, n.: 10 Meter. Durch Reichsgesetz von 1868 eingeführte Benennungen, entlehnt aus franz. décagramme m. und décamètre m., deren déca aus gr. déxa«zehn). Dekän, m.(1s, Pl.-e): Obergeistlicher; Fakultätsvorstand. Mhd. und spätahd. dechan, kechan m., aus lat. decãnus m.«Vorgesetzter von 10, z. B. 10 Mönchen⸗. S. auch Dechant. 4BL. Dekanät, n.: Amt und Amtsbezirk des Dekans. Aus mlat. decauatus m. Bei Wächtler 1711. deklamieren, v.: im Redeton laut vor- tragen. Aus lat. déclämäre. Schon bei Rot 1571 declamirn. 4BL. Deklamatiön, f.: Redevortrag. Aus lat. déclãmdtio f. deklarieren, v.: sich worüber erklären. Schon mhd. declariren(Mon. Boica 43, 401 vom J. 1381), von lat. décläräre. 4BL. De- klaratiön, f. Aus lat. déclärãtio f. 1495 Declaration(Reichsordn. 19 b). deklinieren, v.: nach Zahl(Numerus) und Fall(Kasus) biegen. Schon mhd. de- cliniren, aus lat. déclindãre eig.«abbiegen?. 4BL. Deklinatiön, f. Aus lat. déclndtio f. Frühnhd.(Luther 7, 20 ⁄ Jen.). 341 dekolletieren Demut 342 dekolletieren, v.: den Hals entblößen. Aus franz. décolleter, zusammengesetzt aus dé, lat. dis«weg von, ent- und collet«Kragenꝰ, von lat. collun n.«Halsy. Neue Entlehnung. dekorieren, v.: veraieren, schmücken. Aus dem gleichbed. lat. decorãre. Schon bei Rot 1571. 4B E. Dekoratiön, f.: Verzie- rung; Ehrenzeichen. Aus dem lat. decordtio f.«Ausschmückung».— Dekörum, n.: Wohlanständigkeit, Anstand. Das lat. de- cõrum n., das Neutr. des Adj. decörus«zier- lich, fein, wohlanständigy. Im spätern 18. Jh. üblich geworden und bei Campe 1811 ver- zeichnet. Dekrét, n.(-es, Pl.-e): gerichtlicher Be- scheid; obrigkeitliche Verordnung. Schon mhd. decret n., aus lat. décrétum n. Ent- scheidungy, dem Neutr. des Part. Perf. Pass. von décernere c«entscheiden». 4L. dekre- tieren, v.: Bescheid erteilen, beschließen. Aus mlat. decretare. Frühnhd. decretiren (Script. rer. Siles. 4, 252 vom J. 1579). delektieren, refl. v.: sich woran erfreuen. Aus dem gleichbed. lat. déleckäre. 1643 im Sprachverderber als modisches Fremdwort angeführt. delikät, adj.: fein und wohlschmeckend; zartfühlend; heiklig. Aus dem gleichbed. franz. délicat, das auf lat. délicãtus«üppig, verzärtelt, wühlerisch» beruht. In der 1. Bed. 1653 bei Harsdörffer mathem. Erquickstun- den 3, 563, in der Bed. cheikel» 1598 bei Al- bertinus Sendschreiben 1, 1142. 4BL. Deli- katésse, f.: Leckerei(1668 bei Erasmus Francisci ost- u. westind. Staats- und Lust- garten 1, 318²⁴); Zartgefühl(bei Weise Erz- narren 123). Aus franz. délicatesse f. Delinquént, m.(-en, Pl.-en): verhafteter Verbrecher. Aus lat. délinquens(Gen. délin- guentis), dem Part. Präs. von délinguere«sich vergehenꝰ. 1626 bei Stettler Schweizerchronik 2, 496à Delinquant, 1655 bei Abele Gerichts- händel 252 Delingçuent. Delle, s. Telle. Delphin, m.(-s, Pl.-e): eine Walfisch- art. Schon mhd. delfin, telf’n, aus gr. dat. delphinus, gr. dekqiv m. Bei Schiller 11, 270 Neutr. Demagög, m.(-en, Pl.-en): Volksführer, Volksverführer. Aus gr. dnuœruröc(doc m. Volky, ofurfoc zu éreiv«führen, leiten»). Im 18. Jh. entlehnt(bei Heynatz 1775). 4BL. Demagogie, f. Aus gr. dnucfuria f.«de- magogischy, adj. Demant, s. Diamant. demnach, adv., das eine Folge anzeigt. Frühnhd., zunächst wohl in der Kanzlei- sprache(im 15. Jh. pei Nicl. v. Wyle 352, 27, ferner 1509 bei Janssen Frankf. Reichs- korr. 2, 763), auch in temporaler«nachher, nachdem» und kausaler Verwendung«weil?, doch bei Luther schon in der jetzigen des- halb, mithin, folglich). demnächst, adv.: unmittelbar danach; in kurzer Zeit. Im 16. Jh. aufkommend (Galmy 1588 demnechst). demohngeachtet, s. demungeachtet. Demokrät, m.(-en, Pl.-en): Anhänger der Volksherrschaft. Aus dem gleichbed. franz. démocrate m., das aus gr. dnuoxpdreia (s. d. folg.) gebildet ist. Im 18. Jh. ent- lehnt(Klopstock Oden 171).— Demokratie, f.: Volksherrschaft. Aus franz. démocratie. das auf gr. dnuoxpdreio(dHoc m. Volk), Xporeia zu xporeiv«herrschen») beruht. Bei Wächtler 1714. demokrätisch, adj. demolieren, v.: niederreißen, schleifen. Aus dem gleichbed. franz. démolir oder auch wie dieses aus lat. dεmõ lire. Bei Krämer 1678 und früher. demonstrieren, v.: hin-, erweisend ver- anschaulichen. Aus lat. démonsträre«vor Augen stellen, dartun, zeigen, weisen, be- haupten». Schon bei Rot 1571 demonstrirn. 4BL. Demonstratiön, f.: Darlegung; Droh- bewegung. Aus lat. démonstrdtio f. Im 18. Jh. entlehnt. demonstrativ, adj. Aus lat. dẽõmonstrãtivus. Im 18. Jh. entlehnt. Daher das Demonstrativ, lat.(pronomen) démon- strãtrwum, das hindeutende Fürwort. demungeachtet, Koni., die einen Gegen- satz anzeigt«trotzdemy. Alternhd. auch in der entstellten Form demohngeachtet(noch bei Lessing 2, 559). Wohl früh im 17. Jh. aufgekommen. Demut, f.: Selbsterniedrigung. Mhd. die- miiete, diemuot, déomuot(mit demselben Laut- übergang wie in Demant, s. Diaman!), ahd. diumuoli, deomuoti f., von dem Adj. ahd. dius- muoti, deomuoti, mhd. diemiiete, dienaut, de- maot, eig.«die Gesinnung eines Dienenden habend, demütig, herablassend', das zusammen- ges. ist aus ahd. deo, got. Hius m.«Knecht, Diener»(s. dienen, Dirne) und dem von ahd. muot«Muty abgeleiteten Adj.-moti«-mütig. Das Wort ist durch das Christentum ge- schaffen worden. Die Form Demut(für De- müte, Diemlite) dringt unter Einfluß von Ar- 22* 343 denen mut durch. 4BL. demütig, adj., mhd. diemiietic, démüetic, spůtahd. diemuotig. Da- von demütigen, v., mhdâ. diemüetegen, dé- mlietegen(neben den von dem Subst. abge- leiteten diemäeten). denen, Dat. Pl. des demonstrativen und relativen der, die, das. Eine im 15. Jh. auf- gekommene Erweiterung des mhd. den, ahd. dém, an das die Endung des Dat. Pl. noch- mals angetreten ist. Vom Demonstr. wird jetzt nur noch denen gesetzt, wenn der Dat. allein, also substantivisch steht, während älter- nhd. bis tief ins 18. Jh. auch mitunter denen als Dat. Pl. des Artikels erscheint. dengeln, v.: kaltes Eisen durch wieder- holtes Hämmern schärfen. Mhd. fengeln, auch überhaupt«zuschlagen, klopfen», ahd. begegnet tangeläri m.«Kaltschmiedv. Zu ahd. fangol m. Hammery, ferner mhd. fengen(in widertengen) «schlagen, klopfen»?, ags. dencgan«stoßen?, engl. ding«schlagen?, anord. dengjc«schlagen), aschwed. diunga, schwed. dänga«heftig Klop- feny, dän. dänge«bläuen, prügeln?, aus denen ein starkes V. ahd. dingan zu erschließen ist. Die zu erwartende Form tengeln noch bei Frisch 1741, dengeln(mit der üblichen Vertauschung von d und?: wie in Daus usw.) schon frühzeitig im Obd. Denkart, s. denken. denken, v.(Prät. dachte, Konj. dächte, Part. gedacht): geistestätig sein. Mhd. denken (Prät. dähte, Konj. dœhte, Part. gedäht), ahd. denchen, denkcen; dazu asächs. Thenkian, ndl. denkcen, afries. Ihenkia, ags. Hencan, engl. think, anord. Henkeja, schwed. fänka, dän. fänke, got. Hagkjan. Mit einem J-Suffix zu derselben Wurzel gebildet, zu der auch dünken(s. d.) gehört und genau entsprechend lat. fongére cnosse, scirey, osk. tangindid«sententiay. 4 L. denkbar, adj. Erst bei Adelung 1793 an- geführt. Denker, m. Bei Adelung 1774, aber als gezierter Ausdruck empfunden. 20S. Denkart, f.: Eigentümlichkeit des Denkens über die sittlichen Verhältnisse. Um 1750 aufgekommen(Wieland Suppl. 2, 106. Her- der 1, 15 u. a.), daneben auch Denkungsart (1739 bei Liscow 803, bei Lessing 1, 283), das von Heynatz 1775 als gewöhnlicher be- zeichnet wird, und im 18. Jh. Denkxensayrt (Gombert 7, 18). Denkfreiheit, f., 1739 pei Liscow 809 fg. Denkmal, n.(Pl. Denk- mäler), bei Luther. Denkmünze, f., bei Adelung 1774. Denkschrift, f., im 17. Jh. gebildet(1716 bei Ludwig verzeichnet). denk- Depositen 344 würdig, adj., frühnhd.(Rollenhagen Froschm. 3, 1, 4). Davon Denkwürdigkeit, im 17.Jh. gebildet(vgl. Gombert 7, 19). Denkspruch, m., 1663 bei Schottel S. 428. Denkzettel, m. Bei Luther Denkzedel noch im urspr. Sinn, daneben im 16. Jh. auch schon bildlich. denn, Konj., die 1) die Gedankenfolge, den Erläuterungsgrund anzeigt, 2) zur Ver- gleichung dient, wie«als» nach Kompara- tiven, 3) eine Ausnahme bezeichnet in Sätzen wie es sei denn. Eig. eins mit danz(s. d.) und daher urspr. die Zeitfolge bezeichnend. Von dann wird denn um die Mitte des 18. Jh. geschieden. dennoch, eine den Gegensatz nachdrück- lich hervorhebende Konj. Mhd. dannoch, den- noch, zusammengeflossen aus ahd. danne noh cnoch zu dem Zeitpunkt, dann noch, da nochy, woher schon in mhd. dannoch die Bezeichnung des Gegensatzes. denunzieren, denunziieren, v.: zur Anzeige bringen. Aus lat. dénzncidre an- zeigen. Frühnhd.(Reichsordnungen 71 v. J. 1512). 4B L. Denunziänt, m.(-en, Pl.-en): Angeber. Aus dem lat. Part. Präs. dénun- cians(Gen. dénunciantis). Ein Beleg von 1703 bei Gombert 8, 3. Denunziatiön, f.: Angeberei, aus dem J. 1554 belegt bei Gom- bert 8, 3. Aus lat. dénzncidtio f. Depésche, f.(Pl.-n): Eilbotschaft, Eil- schreiben. Aus dem gleichbed. franz. dépéche f., ital. dispaccio m., von franz. dépécher, ital. dispacciare«losmachen, abfertigen?. Bei Nehring 1710; 1703 im Zeitungslex. Depéches. deponieren, v.: niederlegen, bes. zur Auf- bewahrung. Aus lat. dépönére«ab-, nieder- legen». Schon bei Rot 1571. Deponieren und Deposition f. waren Ausdrücke für die ehemals auf Universitäten übliche Einweihung der jungen Studenten in das akademische Leben, schon im 16. Jh. als alter Brauch be- zeichnet(O. Schade im Weim. Jahrb. Bd. 6). — Depositen, Pl.: in gerichtliche Ver- wahrung niedergelegte Gelder; gegen Zinsen aufgenommene Handelsgelder. Aus dem Pl. von mlat. depösitem, subst. Neutr. des Part. Perf. Pass. dẽpésitas von déponere. Bei Wächt- ler 1714 Depositen-Gelder. Deportatiön, f.: Landesverweisung, Ver- pannung. Aus lat. déportätio f., von dépor- täre«verbannen», eig.«wegschaffeny. In der frühnhd. Rechtssprache(Brant Layenspigel dd 10). Depositen, s. deponieren. 345 deputieren dermalen 346 deputieren, v.: abordnen. Aus lat. dépu- täre«einem etwas bestimmen». Im 16. Jh. entlehnt(kursächs. Schulordnung von 1580). 4BEL. Deputät, n.: als Anteil Zukommen- des, besoldungsmäßiges Einkommen. Aus lat. députãtum, dem substantivisch gesetzten Neutr. des Part. Perf. Pass. von dépatäãre. Im 16. Jh. Deputatiön, f.: Abordnung; Gesamtheit von Abgeordneten. Im 16. Jh.(Germania 29, 350 ein Beleg vom J. 1569), aus mlat. depastatio f. der, die, das, demonstratives und rela- tives Pronomen, sowie bestimmter Artikel. In der 1. Anwendung mhd.-ahd. der, diu, daz; dazu asächs. thie, thiu, that, ndl. die, die, dat, afries. thi, thiu, thet, ferner mit abweichen- der Form des Nom. Sg. M. und F. ags. Se, séo, thœl(engl. für alle Geschlechter und Kasus unverändert that), anord. sd, siü, Hat (schwed.-dän. den M. F., det N.), got. sa, 85, Hata(in relativer Verwendung mit-ei ver- bunden: saei, sõei, Hatei). Wie in diesen Sprachen ergänzen sich verschiedene Stämme in gr. 5(für*S0),(für*86,*Sa), ré(aus *r6), awest. hauο, hä, tat, aind. sa, Sd, tad, da- gegen wird wie im Deutschen der eine Stamm durchgeführt in lit. fäs ta ta, abg. tü, ta, to, auch lat. i8s-ke, ista, istud. S. auch das, denen, deren, dero, dessen, deß. derart, adv., Zusammenrückung der Gen. «der Art» erst neuerdings als ein Wort er- scheinend. 4. derartig, adj. Am An- fang des 19. Jh. aufkommend(vgl. Gombert 7, 19), bei Campe 1807 noch nicht ver- zeichnet. derb, adj. und adv.: zusammengedrängt und fest;(bildlich) voll Gewicht und Kraft, einwirkend. Mhd.-ahd. derp ist«ungesäuert», ebenso meist ags. Peorf, anord. Ejarfr; da- gegen ist afries. fherf«heftig»(von Schlägen). Die jetzige Bed. stammt aus dem Nœd.(mnd. derf ist«schlichty), und erklärt sich durch Vermischung mit einem Wort, das dem asäüchs. derbi feindlich, ruchlosy entspricht, sie findet sich bei Schottel 1663, dann bei Rädlein 1711 und Ludwig 1716, dagegen bei Adelung 1774«nur im gemeinen Leben». dereinst, adv.: in später Zukunft. Ver- bindung des Gen. der mit einst, wohl unter dem Einfluß von dermaleinst, derweil, derzeit, oder aus dar eins mit Beschränkung des Sinnes auf die Zukunft. Schon bei Luther als dereins(auch noch 1722 bei Freyer S. 81), dann dereinst(Gryphius Trauersp. 384). Vgl. ZfdU. 11, 211. 4BL. dereinstig, adj., bei Adelung 1793 als obd., 1761 bei Moser Herr u. Diener 315. deren, Gen. Sg. F., sowie Gen. Pl. des demonstrativen und relativen der, die, das. Daneben im Gen. Pl. demonstrativ derer. Schon in der 2. Hälfte des 15. Jh. erschei- nende Erweiterungen von der, die aber Luther noch nicht gebraucht; derer steht bis ins 18. Jh. auch für den Artikel, jetzt werden beide Formen nur substantivisch gesetzt, und zwar steht derer für den Gen. Plur., an den sich ein Relativpron. anschließt, und in Wendungen wie derer von Quitzow, deren in den übrigen Fällen. derenthalben, derentwegen, adv., Zu- sammensetzung der erweiterten Form des Gen. Sg. F. und des Gen. Pl. von der, an die t angetreten ist, mit den Präp. halben und wegen. Schon im 16. Jh. derer, s. deren. dergestalt, adv.: in der Weise, Ver- bindung der Gen. Sg. der Gestalt, zunächst wohl in der Kanzleisprache(z. B. Janssen Frankf. Reichskorr. 2, 802 von 1510). dergleichen, Verbindung des Gen. der mit dem Adv. gleichen(mhd. gelöche mit an- getretnem n), demonstrativ und relativ, als Adv. sowie unbiegbares Adj. gebraucht. Seit dem 15. Jh.(früher auch dergleich), auch bei Luther. derhalben, Verbindung des Gen. Pl. der mit der Präp. halben(s. d.). Frühnhd.(auch derhalb). Mhd. derhalb, derhalben«auf dieser Seite» ist Verbindung des Artikels mit dem Dat. Sg. von mhd. halbe f. Seite?. derivieren, v.:(ein Wort ab., herleiten. Aus lat. déruäãre. Schon bei Rot 1571. 4 BL. Derivatiön, f.: Herleitung. Aus lat. déri- vãtio f. der-, die-, dasjenige, Verbindung des Artikels mit dem von Jener abgeleiteten jenige. In der frühnhd. Kanzleisprache(Reichs- ordnungen 67 v. J. 1507), dann auch bei Luther. Das einfachere derjene findet sich im 15.(z. B. bei Nic. v. Wyle) und 16. Jh. derlei, aneinandergerückté Gen. Sg. F. oder Pl., in dem Sinne von dergleichen», doch etwas geringschätziger. Schon mhd. der leie(s. lei). dermaleinst, Verbindung der Gen. Pl. der male mit einst. Bei Luther der mal eins und der mal einst(Sir. 6, 3). Vgl. noch dereinst. dermalen, adv.: zu gegenwärtiger Zeit, zusammengerückte Gen. Pl. der male mit 347 dermaßen angetretenem a. Bei Ludwig 1716. dermalig, adj., 1757 in Meiers Metaphysik 3, 126, häufig bei Wieland. dermaßen, adv.: in der Weise, in dem Grade, zusammengerückte Gen. Sg. der maßen (in schwacher Flexion), mhd. der mäze. In der frühnhd. Kanzleisprache(Janssen Frankf. Reichskorr. 1, 624) und bei Luther üblich. dero, in höfischer Anrede erhaltner alter- tümlicher Gen. Pl. von der und die. Ahd. dero, im Alemann. in dieser Form erhalten und um 1500 in die allgemeine Kanzleisprache eingedrungen(z. B. Janssen Frankf. Reichs- korr. 1, 908), anfangs demonstrativ und relativ, später in seinem Gebrauch beschränkt. der-, die-, dasselbe: der, die, das und kein andrer, keine andre, kein andres. Mhd. der Selbe, diu selbe, daz selbe, ahd. der Selho, diu Selba, daz selba, got. das Neutr. Hata Silb. Die erweiterte Form derselbige kommt seit dem 15. Jh. und bei Luther vor. derweil, adv.: während der Zeit, zu- sammengerückte Gen. Sg. mhd. der ewlle. Derwisch, m.(es, Pl.-e): mohammeda- nischer Mönch. Das pers. derwésch, das eig. arm) bedeutet. Bei Hagedorn moral. Ged. 154 Dervis, wie ndl. derwis m., aber schon 1530 bei Seb. Franck Cronica der Türckey H 3². J2²a Dermschler. derzeit, adv.: zu der Zeit, zusammen- gerückte Gen. Sg. mhd. der zlle. 43L. derzeitig, adj., erst im 19. Jh. Desem(auch Désemer), m.(*5): Schnell- wage. Aus dem Ndd. bei Voß 1, 165. Da- neben und urspr. besemer, mnd. auch bisemer, mit altn. bismari m., schwed. besman, dän. bismer aus dem gleichbed. russ. bezmén m. desertieren, v.: fahnenflüchtig werden. Aus dem gleichbed. franz. deserter von mlat. desertare, abgeleitet von lat. déserére«ver- lasseny. Im 17. Jh. 432. Desertéur, m.(-s, Pl.-e): Fahnenflüchtiger. Das franz. deserteur m. aus lat. désertor m. Desertin, f.: Fahnenflucht. Aus franz. desertion, f. von lat. désertio f. desfalls, adv.: in diesem Fall, zusammen- gerückte Gen. Sg., von Gombert 8, 4 aus dem J. 1545 nachgewiesen. 4L. desfallsig, adj. In der neuern Kanzleisprache. desgleichen, Verbindung des Gen. des mit dem Adv. gleichen(mhd. geliche mit an- getretenem ꝛ), als Adv. und(wie dergleichen) auch als Adj. verwendet. Schon im 15. Jh. des glichen. 4BL. desto 348 deshalb, adv.: eig. von seiten(s. halb) des im Vorhergehenden Ausgedrückten, in der Rücksicht. Alternhd. deshalben(Nicl. v. Wyle 352, 28). Die Form deshalb kommt schon im 15. Jh. vor(Janssen Frankf. Reichs- korr. 1, 149), dringt aber erst im 18. durch. designieren, v.: jemand wozu bezeichnen. Aus lat. désignäãre«bezeichneny. Im 17. Jh. despektierlich, adj. und adv.: gering- schätzig, verächtlich. Zusammenges. mit despelctieren«schimpfen, verachten», das im 17. Jh. aus lat. déspectäre cherabsehen» ent- lehnt wurde(bei Nehring 1694). Bei Spe- rander 1728. desperät, adj.: verzweifelt. Aus lat. dẽspér ãtus, dem Part. Perf. Pass. von déspérãre cohne Hoffnung sein». 1575 bei Fischart Garg. 266. 43L. Desperatin, f.: Ver- zweiflung. Aus lat. déspérdtio f. Bei Rot 1571. Despöt, m.(-en, Pl.-en): Gewalt-, Zwangs- herrscher. Aus gr. decnrnc m. Gebieter, Herr, unumschränkter Gebietery. Bei Henisch 1616, als Herrschertitel 1562 bei Mathesius Sarepta 116 b. 431. despötisch, adj., bei Leibniz deutsche Schriften 1, 231 vom J. 1670. deß, Gen. Sg. von der, in der poetischen Sprache öfters gesetzt, wo sonst dessen(s. d.) gebraucht werden muß. Eig. identisch mit, des, aber mit Rücksicht auf dessen mit 6 geschrieben. Früher auch meist deßhalb, deßawegen usw. und indeß, unterdeß(s. d. d.). dessen, Gen. Sg. des alleinstehenden und so substantivische Geltung habenden demon- strativen und relativen der, das. Im ältern Nhd.(noch nicht bei Luther) eingetretene Verlängerung der Form des. Auch in den Zusammenschiebungen dessenthalben, dessent- wegen, dessentwillen mit eingeschaltetem t. Dessért, n.(-S, Pl.-s,-e): Nachtisch. Das gleichbed. franz. dessert m. von desservir «die Speisen abtragen). In der 2. Hälfte des 18. Jh. eingedrungen und bei Kindleben 1781 aufgeführt. destillieren, v.: flüchtige und flüssige Teile wovon durch Wärme in verschlossenem Gefäße absondern. Aus lat. déstilldre ab- träufeln». Im 15. Jh.(wie auch noch später) distillieren(bei Nicl. v. Wyle 88, 9, im Voc. ex quo 1469 distileren). 4BL. Destillatin, f. desto, den Verhältnisgrad vor Kompa- rativen bezeichnend: um so. Mhd. deste (mit komparativischer Endung dester), auch noch des de, des die, ahd. des diu, was der das Verhältnis des Grundes anzeigende Gen. 349 deswegen Dezember 350 des und der das Verhältnis des Maßes ein- schließende Instrumental diu ist. Während Luther sich noch der Form deste bedient, findet sich sonst im 16. Jh. auch desto, das Henisch 1616 aufführt. deswegen, adv.: aus dem Beweggrunde, Verbindung des Gen. Sg. des mit dem prä- positionellen wegen(s. d.). Bei Henisch 1616. Deube, f.: Diebstahl. Veraltet. Mhd. diuhe, ahd. diuba f., im Got. Hiubi n. S. Dieb. Deut, m.(es, Pl.-e): kleinste Münze. Aus dem ndl. dait m. ⅛ Stüber(in Cleve % Pfennig preuf.), das auf anord. Pveit ceine kleine Münzen(von Softa«schneiden) zurückgeführt wird. Zuerst bei Ludwig 1716 (Schottel 1663 hat Dütge, Rädlein 1711 Dütgen). Vgl. Scherf. Deute(Goethe Herm. 7, 202), f., s. T'üte. deuten, v.: etwas verständlich machen; (erklärend) zeigen. Mhd.-ahd. diuten; dazu ndl. quiden, afries. Ihioda(in bithioda), anord. Böda, schwed. tõda, dän. k„αͥe. Urspr. s. v. a. volksverständlich machen, in der Volkssprache auslegen, abgeleitet von ahd. diot m. n., diofa f. «Volky(s. deutsch). 4B L. deuteln, v.: mn gekünstelter Weise auslegen. Bei Luther, wie auch Deutelei f. Deuter, m. in Stern-, Traumdeuter usw. Mhd. diutœre m. deutlich, adj. und adv.: leicht zu erkennend und zu verstehend. Mhd. nur als adv. diutliche(auch diutecliche), dazu ndl. daidelijt, während Luther auch das Adj. verwendet. Deutung, f., mhd. diutunge f. deutsch, adj. und adv., dazu substantivisch Deutscherm., Deutsche f, sowie Deutsch n. die deutsche Sprache». Mhd. diutisch, diutsch u. kiutisch, tiutsch, tiusch, dazu asächs. Ihiudisk, ndl. daitsch(daher engl. dutch cholländisch), ags. Fẽodisc, schwed.(entlehnt) tis, dän. idskr. Im Got. findet sich das Adv. Fiadiskõ cheid- nisch»(nach gr. egvucchc). Abgeleitet von ahd. diot m. n., diota f., asächs. thiod, thioda f., ags. Fοο f., got. Siuda f.«Volk, Volksstamm?; dazu lit. fautd f., air. fuath, osk. fouto f.«Volko. Die ursprüngliche Bed. des Wortes ist daher: dem Volke eigen, volksmäßig, national, und zwar steht es im Deutschen von dem, was unserm Vaterland angehört, zunächst von unsrer Sprache als der Volkssprache gegen- über der in der Kirche und bei den Ge- lehrten gebrauchten lateinischen, dann auch von unserm Volke(asächs. fhiudisca liudi «Germania»). Das auf ahd. diutisc beruhende mlat. theodiscus, theotiscus kommt schon seit 788 vor. Vgl. J. Grimm Gramm. 13, 13 ff., H. Fischer Btr. 18, 203 fl. Im ältern Nhd. wird deutsch(bei Luther deudsch) und teutsch geschrieben, dies besonders bei Oberdeutschen, doch auch bei Mitteldeutschen; keutsch wird von Duez, Krämer, Stieler, Ludwig, Frisch angesetzt, während Schottel, Gottsched und Adelung sich für deutsch entscheiden. Die Schreibung feutsch erhält sich bis ins 19. Jh. hinein, verschwindet aber dann, nachdem sie J. Grimm(irrtümlich, da doch mhd. tiutsch zugrunde liegt) als falsch bekämpft hatte. 4B2L. deutschen, v.: auf deutsch sagen (mhd. fiutschen, noch bei Stieler 1691 teutschen, dann durch verdeutschen verdrängt; bei Goethe 6, 110 feutschen= deutschtümeln). Deutsch- heit, f. Bei Stieler 1691, aber erst nach 1750 in der Bed.«deutsche Art» recht üblich geworden(im 15. Jh. bei Osw. v. Wolken- stein kiutschecheit). Deutschtum, n. Erst nach 1815 aufgekommen. Dazu(in herab- setzendem Sinn) deutschtüumeln v. und Deutsch- tümelei f. ZUS. Deutschland, n. Im 15. Jh. als Zusammensetzung Tiutschland(früher daz kiutsche lant, daneben der Plur., z. B. diutsche lant im Annolied), doch auch öfter noch mit Flexion des 1. Bestandteils(auch bei Luther). Vgl. Hildebrand Kleine Schr. 217. Devise, f.: Wahl-, Sinnspruch. Aus franz. devise, ital. divisa f.«Abteilung, Wahl, Wahl- spruch, Unterscheidungszeichen⸗, von lat. diwisus, dem Part. Perf. Pass. von lat. drvidére «teilen, unterscheiden». Im 16. Jh. entlehnt (1564 in der Zimmerschen Chronik; bei Fischart Garg. 185 nach dem Ital. Divis). devöt, adj.: fromm, ergeben. Aus dem gleichbed. lat. dévötus, eig. Part. Perf. von déẽvovére«als Opfer weihen, dahingebeny. Im 17.Jh. entlehnt. Devotiön, f.: Frömmig- keit, Hingebung. Aus lat. dévotio f. Im 17. Jh.(Grimmelshausen Simpl. 101). Dezem, m.(-s): der Zehnte als Abgabe an den Geistlichen. Aus mlat. decimum n. «Zehntabgabe), dem Neutr. des lat. Adj. decinzus«der zehnte». Schon ahd. dezemo m. Daher md. Däzen m. Anteil. Dezémber, m.(-s): der letzte Monat im Jahre. Aus lat. Decencber d. i. der zehnte Monat vom März an, von lat. decem «zehny. Dafür ahd.(nach der Benennung Karls d. Gr.) heilagmänôth, spätmhd. christmün Christmonaty, auch hartmän«Hartmonat⸗ (wegen des gefrornen Erdbodens) slahtmeün «Schlachtmonat»(wegen des Schlachtens der 3 51 Dezennium dicht 35² Schweine) und wolfmän«Wolfmonat»(weil die Wölfin im Winter läufig ist). Dezénnium, n.(-*I, Pl. Dezennen): Jahr- zehnt. Das lat. decennium n. Bei Nehring 1694. dezént, adj.: geziemend, wohlanständig. Von lat. decens(Gen. decentis), dem als Adj. gesetzten Part. Präs. von lat. decére æge- ziemen, gebühren, wohlansteheny. Im 18. Jh. entlehnt. Dezenz, f.: Wohlanständigkeit. Aus dem gleichbed. lat. decentia f. Dezigramm, n.(-s, Pl.-e): ⁄0 Gramm. Durch Reichsgesetz von 1868 aufgenommen aus franz. décigramme m., dessen deci- nach lat. decinus æder zehntey. dezimäl, adj.: die Zahl 10(lat. decenl) betreffend. Aus mlat. decimalis. 1716 bei Wolff math. Lex. Sp. 172 Decimal-Rechnung. dezimieren, v.: den zehnten Mann töten. Aus dem gleichbed. lat. decimäre von lat. decimus æder zehnte». Im 18. Jh. entlehnt. Diadém, n.(-s, Pl.-e): Kopf., Stirnbinde als Zeichen der höchsten Würde. Mhd. diadém m. Aus gr. Jat. diadéma, gr. diddnua n. Binde, Band, persische Binde um den Turban, diese Binde als Zeichen königlicher Würdes, von gr. diadeiv umbinden?. Diakön, m.(-S oder-en, Pl.-en): Hilfs- prediger. Aus dem kirchlichen gr. Jat. diiconus m. cKirchendiener,-gehilfey, gr. didxovoc m. Diener». Schon mhd.(mit Abschwächung) diälten m. 4BL. Diakonissin, f.: Kirchen- dienerin zu(Armen- und) Krankenpflege. Aus kirchlich-lat. diaconissa f.«Kirchendienerin. Dialékt, m.(es, Pl.-e): Mundart. Aus gr.-lat. dialéctus f.«Mundarty, gr. diexroc f. Unterredung, Ausdruck, Landessprache, Mundart», von dioXerecbai sich unterreden, redegewandt seins». 1634 bei Spee Trutznachti- gall Vorr. der Pl. Dialecten.— Dialéktik, f.: die Kunst gelehrten Streites; Wissenschaft der Denkformen. Mhd. dialectilte f. aus gleich- bed. gr. lat. dialectica(zu ergänzen ars«Kunsto), gr. dickékricn(nämlich réxvn«Kunsty), dem Fem. des gr. Jat. Adj. dialecticus, gr. diokek- rixoc zur Unterredung, zum Disputieren gehörigy. Davon Dialéktiker, m.: Kenner und Lehrer der Dialektik. Dialög, m.(-*s, Pl.-e): Wechselgespräch. Aus gr. Jat. diälogus m., gr. dickhoroc f.«philo- sophische Unterredung, Zwiegespräch», von dickéreceor(s. Dialelct). Beleg von 1621 bei Gombert 8, 4. Diamänt, m.(-s oder-en, Pl.-en), ver- altet und dichterisch Démant, m.(-s, Pl.-e): der härteste Edelstein. Mhd. diamant, diemant (woraus démant hervorgegangen, wie dénuot aus diemuot) aus ital.-span. diamante, franz. diamant m., die auf gr.-lat. äãdamas(Gen. adamãntis) beruhen, woher auch mhd.'ahd. adamant m. Bei Luther Demand, später setzte sich wieder die dem Franz. näherstehende Form Diamant durch. 48L. diamanten, demanten, adzj. Diârium, n.(-s, Pl. Diarien): Tagebuch, Kladde. Aus lat. didrium n. Tagebuch», einer Ableitung von diés Tagy, 1703 im Zeitungslex. Diarrhöe, f.(Pl.-n): Durchfall. Aus dem gleichbed. gr.-Jat. diarrhoea, gr. dipboic f., von diaßpeivædurchfließen». Bei Wächtler 1711 Diarrhée. Diät, f.: Lebensordnung; schmale Kost. Mit franz. diete, ital. dieta f. aus gr. Jat. diaeta, gr. diorra f.«Lebensart, ärztliche Vorschrift zur Erhaltung der Gesundheity». Schon früh- nhd., in Brants Narrenschiff 38, 3 dyget, im Grobianus 3904 Diet, auch bei Rot 1571 ver- zeichnet. Auch adjektivisch ein didtes Lehen bei Nehring 1710, hervorgegangen aus diät lehen«nach der Diät leben»(1719 bei Fleming Jäger 1, 925). Diäten, Pl.: Taggelder, Taggebühren. Mit franz. diete, ital. dieta f.«Reichstag» von mlat. diccta oder deta f.«Tagreise, Tagsatzung, Tag- geldy von lat. diõs«Tag»(vgl. mlat. dietim ctäglich»). 1773 bei Amaranthes 1, 862. dibbern, v.: reden, angelegentlich be- sprechen. Auch döbern. Jüdisch-deutsch aus hebr. dibbér reden?. dicht, poetisch auch noch dichte(Goethe 1, 115. 4, 101), adj. u. adv.: eng zusammenge- drängt. Mhd.(bei Nic. v. Jeroschin) dihte (daher bei Burkhard Waldis 3, 94, 165 deicht, jetzt noch preuß.-livländ.-estländ.), häufiger (auch in obd. Quellen) gedihte als adv. cin einem fort, häufigs, daraus dann mit ge- kürztem Vokal(aus dem Md.) dicht, bei Luther ticht; dazu mnd.-mnl. dichte æstark, tüchtigy, anord. 5éôttr(aus Pihtr), dän. fEæt, engl. fight«dichty. Ob das Wort zu ahd. dhan agedeihen» gehört, das wie gediegen (8. d.) zeigt, auch die Bed. creif, fest, hart und so eng beisammen(dicht) werden, trocknen? hatte, scheint zweifelhaft. Nach Stokes Bezz. Btr. 25, 47 zu ir. fécht«geronnen». Gewöhnlich vergleicht man auch lit. fänkas«dicht, dicht zusammenstehendy, arm. fhanyr«dichty und stellt diese zu ai. tandkti«zieht zusammen, 353 dichten Diemen 354 gerinnt). 4BL. Dichte, f., bei Krämer 1678. dichten, v.: dicht machen, im 16. Jh. Dichtigkeit, f., bei Henisch 1616. dichten, v.: Verse machen; überhaupt schöpferisch hervorbringen; worauf sinnen (in d. und trachten). Mhd. tihten cschriftlich abfassen, schriftlich in Verse fassen, ersinnen und zwar künstlerisch», ahd. dihtön, tihtön «in Versen erfinden und schaffend hervor- bringen»; dazu ndl. dichten, schwed.(ent- lehnt) dikcta, dun. digte. Aus lat. dictãre«zum Nachschreiben vorsagen(diktieren), nieder- schreiben lassen, vorsagend anfertigen, dich- teny. Bei Luther noch mit ursprünglichem t tichten, ebenso bei den schlesischen Dich- tern(noch bei Günther). 4BL. Dichter, m.(-S, Pl. wie Sg.), mhd. tihtgre. Davon dichterisch, adj. u. adv.(von Zesen ge- praucht, z. B. 1645 in der Adriat. Rose- mund 123, s. Gombert 7, 20) und Dichter- ling, m.: schlechter Dichter(von Christian Wernicke 1697 gebildet). Dichtung, f. mhd. tihtunge f. ZUS. Dichtkunst, f., bei Schottel S. 447 Tichtekunst. dick, adj. u. adv.: stark an Masse. Ver- kürzt aus dicke(so noch gewöhnlich bei Luther), mhd. diche(das Adv. auch coftꝰ, wie noch jetzt mundartlich), ahd. dicchi, dicki; dazu asächs. fikki, ndl. dik, afries. thilcke, ags. Picce, engl. thilc, anord. Pyteler, Eolckr, schwed. tjok, dän. fyx. Verwandt ist altir. tiug(aus*tigu)«dick». Kaum zu gedeihen, ahd. Tihan, also etwa zu größerer Körper- lichkeit angewachseno, was wegen der Form Schwierigkeiten macht. Auch Verwandtschaft mit dicht ist nicht sicher. 4L. Dicke, f., mhd. dicke, ahd. dicchi, dichi f. dicken, v.: dick werden, mhd. dicken, ahd. dicchén, dickén; dick machen(auch in er-, verdicken). Dickicht, n. Nach Frisch aus der Jäger- sprache aufgenommen, aus der es zuerst 1719 bei Fleming(teutsch. Jäger 1, 42 Dickigt) erscheint, anfangs auch als M. gebraucht, (Hagedorn poet. W. 2, 231, noch 1775 bei Heynatz); eig. substantivierte Form eines Adj. dickicht«etwas dick», bei Henisch 1616 dickigt. 2ZUS. Dickkopf, m. Kopf großen Umfangs (bei Duez 1664); Mensch oder Tier mit solchem Kopfe; geistig beschränkter Mensch(im 17. Jh. bei Weckherlin 1, 511); unnachgiebiger, störri- scher Mensch. Dickbein, n.: das Bein von der Hüfte pis zum Knie. Bei Stieler 1691. Mit An- lehnung an dick entstellt aus Diechbein(im Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. 14. Jh. diechpain bei Megenberg 144, 35 ist &Schenkelknochen»); mhd. diech, ahd. dioh n.«Schenkel» ist sonst veraltet, aber noch im Bayr. vorkommend, entsprechend nd. dé, ndl. di, afries. thiach, ags. Séoh, engl. thigh, anord. 55. Es gehört zu lit. faulaõ Fett), apr. taulcis«Schmalz?, abg. tuâ m. Fetty. Didäktik, f.: Lehrkunst; Lehrdichtung. Von gr. didaxrich(nämlich rexvn«Kunsto), Fem. des Adj. didaxrixc um Unterricht gehörig, belehrend, von diddckeiv«belehren». Im 18. Jh. entlehnt. didäktisch, adj.: lehr- haft(Lessing 6, 254). Dieb, m.(es, Pl.-e): heimlicher Ent- wender fremden Eigentums. Mhd. diep, ahd. diob, diub m.; dazu asächs. tiof, ndl. dief, afries. thiaf, ags. péof, engl. thief, anord. Fjfr, schwed. Hjuf, dän. I„ο%, got. Hiufs, Piubs m. Dunkler Herkunft. S. auch Deube. 4 BL. Dieberei, f., mhd. dieberie f. diebisch, adj., frühnhd.(bei Kaisersberg), mhd. dafür dieplich. diebjo! als Ausruf: haltet den Dieb! Mit angetretener Interjektion wie mhd.-6, Z. B. in wäfenã«Waffen herbeib Im 15. Jh. ZUS. Diebstahl, m., mhd. da- für diepstãle, diupstäle f., zusammengesetzt aus Dieb(ahd. und mhd. dialektisch auch diup) und dem im Ahd. erhaltenen stäüla f. von Stelan«stehleny». Das Mask. Diebstah 1482 im Vocab. predicantium A a 22(geist- licher diebstal) und bei Luther. Diech, s. Dickbein. Diele, f.(Pl.-n): langes Brett; Fußboden; Zimmerdecke; Hausflur; Dreschtenne. Mhd. dil m. f. und mit j-Suffix abgeleitet dille, ahd. dil, dilo m., dili n. und dilla(aus*dilja) f. Brett, Bretterwand, Seitenwand des Schiffes, bretterner Fußboden», mhd. dille auch s. v. a. obere Decke des Hauses; dazu mnd. dele f. Brett, Fußboden, Flur, ndl. deel n.«Brett, ags. Hel n. und abgeleitet HSille f.«Brett, anord. Fil, Hili n. Bretter-, Scheidewand, Getäfel» und Filja f. Ruderbank». Verwandt sind lit. Eile f.«Kahndielen, abg. fâlon.«Boden), die man weiter zu aind. talam n.«Fläche und lat. fellãs f. Erde» stellt. Die Bedd. Hausflur, Dreschtenne» sind aus dem Ndd. aufgenommen; zuerst bei Ludwig 1716. 48L. dielen, v.:(den Fußboden) mit Dielen be- schlagen. Mhd. dafür dillen, ahd. dillön(in gadillõn), abgeleitet von mhd. dille, ahd. dilla f. Diemen, m. oder Dieme, f.: Haufen von Stroh oder Getreide. Ndd.(bei Schottel 1663 Diem f.). S. Feim. 23 355 dienen diesseit 356 dienen, v.: jemandes Befehl untergeben sein; zu jemandes Zweck oder Nutzen tätig sein; als Mittel wozu brauchbar sein. Mhd. dienen, ahd. dionön; dazu asächs. thionön, ndl. dienen, afries. thiania, anord. Hjöna, schwed. tjäna, dän. fjene. Es ist eine Ab- leitung von ahd. dio, deo(Gen. diures), ags. Fõöc, got. Hius(Gen. Hiwis m.)«leibeigner Diener, Knecht, Sklaven, wovon mhd. dia, ahd. diu(Gen. diuuν), asächs. thiu, thiuavi, ags. Hõοoe, Pöowen, anord. Pfr f.«Magd, Sklaviny. S. auch Demat und Dirne. 4BL. Diener, m., mhd. dienœre. Davon Diene- rin, f., mhd. dienærinne, und Dienerschaft, f.(bei Henisch 1616). dienlich, adj.: nütz- lich. Bei Luther. Dienst, m., mhd. dienest m. n., ahd. dio- nost n.; dazu asächs. ionost n., ndl. dienst m., anord. Sjönusta f., schwed. änst m., dän. Ujeneste. Von ahd. dionön abgeleitet(wegen des Suffixes vgl. Angsk). Mhd. dienest be- zeichnet auch die Dienerschafty und den einzelnen Diener», wie noch jetzt schweize- risch(Plur. Diensten, auch nd. Denst m. Dienery, bei Voß Dienstin f.). 4 L. dienst- bar, adj., mhd. dienestbœre. dienstlich, adj. u. adv.: dienstbeflissen, mhd. dienestlich; den Dienst betreffend(noch nicht bei Ade- lung). ZUS. Dienstbote, m.: Knecht oder Magd. In frühnhd. Glossaren(Diefenb. 127, auch Reichs-Ordnung. 72 5 v. J. 1512). dienst- fertig, adj., bei Krämer 1678. Dienstmann, m.(-s, Pl.-en), in der ältern Sprache mhd. dienestman, ahd. dionostman der dem Ge- folgsherrn zu Dienst Verpfliichtete, Vasall, Ministerialey; dagegen erst nach 1860(Pl. Dienstmäãnner oder Dienstleute)«Packträger). dienstwillig, adj., im 16. Jh.(1640 bei Comenius 878, aber Dienstwilligkeit schon bei Fischart 2, 285 Kurz). Dienstag, m.(-J, Pl.-e): der dritte Tag der Woche. Mh. spät und selten dienstac, dinstac, gewöhnlich zĩstac, zlestac(daher bei Hebel Zistig); dazu afries. fiesdei, ags. F- Wweésdœg, engl. tuesday, anord. I-σsdagr, schwed. kisdag m., dän,(entstellt) kirsdag. Dies pe- deutet: der dem Kriegs- und Siegesgott, ahd. Eio, ags. Tu, anord. Tyr geweihte Tag und ist eine Nachbildung des lat. dies Martis(wo- her franz. mardi). Zio gehört zu gr. Zevc, lat. Juppiter, aind. Djãus«Himmelsgott»(zu aind. diu ᷣHimmel»). Nach früherer Annahme ist Dienstag aus der ndd. Form tiesdag für ziestac entstellt(mit Anlehnung an dienen, wie auch schon mhd. ziestac zu ainstac ent- stellt wurde), doch sprechen dagegen die Formen mnd. dingsedach, dinschedach, mnl. dinæendach, dinsendach, mit denen D. jeden- falls in Verbindung zu bringen ist. Man führt das Wort auf einen Beinamen des Zio zurück, den er als Beschirmer der Ge- richtstage führte, in latinisierter Form Thingsus (zu ahd. dinc sgerichtliche Verhandlungy, s. Ding), dann also aus Dingestag, Dingstag (was auch in md.(Quellen des 14. bis 16. Jh. erscheint). Es hätte sich dann zunächst Dins- kag entwickelt, wie auch Luther hat, weiter mit Anlehnung an dienen Dienstag. Dafür bayr. Ertag, Erchtag, nachweislich im 13. Jh. eritac, heritac und erigtac, bei Berthold v. Regensburg 1, 54, 16 ergetac, im 14. Jh. eretac, ertac und ergntag(mon. Zoll. 3, nr. 187). dienstbar, Dienstbote usw., s. Dienst. dieser, diese, dieses oder dies(auch dieß), das Demonstrativ-Pronomen. Mhd. diser(durch Assimilation meist dirre), Fem. disiu, Neutr. ditze oder diz(im 15. Jh. auch schon dises), ahd. desér(und therér, disér), desin(disiıν), dizi, diz; dazu asächs. these, thius, thit, ndl. deze, dit, afries. Imis(thes), khius, thit, ags. es, 5ο, His, anord. Hessi, Helta, schwed. denne, denna, detta, dun. denne, dette. Aus zwei Stämmen zusammengeflossen, dem Demonstrativstamm, der auch in der ent- halten ist und einem ebenfalls demonstrativen Stamm ga- in got sa, sO ͥder, diey usw.(s. dey). diesfalls, adv.: in diesem Falle. Zusammen- gerückt aus dies Falls, worin dies aus dieses gekürzt(wie auch mhd. dis, diss für dises steht). 1570 disfals, 1531 ditzfals bei Gom- bert 8, 6. diesfällig, adj., ein Kanzleiwort, von Gombert 8, 6 aus dem J. 1708 belegt. diesjährig, adj.: von diesem Jahre seiend. Abgeleitet von dem Akk. Sg. dies Jahr. Schon 1537 bei Dasypodius dißjärig. diesmal, adv., aus dem Akk. Sg. dies Mal. Frühnhd., bei Luther dis mal. 45L. dies- malig, adj., bei Adelung 1774 als obd. Wort (doch schon bei Stieler 1691 dißmalig). diesseit, diesseits, adv., dann präp. mit Gen.: auf dieser Seite. Mhd. dissit, der Akk. Sg. von Seite mhd. site mit dem Demonstr. diese zusammengeschoben; spätmhd. auch schon mit angetretenem genetivischen-S dis- seils. Bei Luther disseid(als Präp. mit Gen., seltener mit Dat.) und disseids. 4L. diesseitig, adj., 1626 bei Londorp acta publica 2, 13163. 357 Dietrich dingen 358 Dietrich, m.(-s, Pl.-e): Nach-, Diebs- schlüssel. Schon spätmhd. dieterich, bei Luther dietrich, bei Alberus Dict. Bb. 2 b dietherich. Wohl von dem Mannsnamen Dietrich, mhd. Dieterich, ahd. Diotrih, latinisiert Theoderi- cus(zusammengesetzt aus mhd. diet, ahd. diot Volk», s. deutsch und-rich«Herrschery, s. rich), zumal da der Nachschlüssel im Ndd. neben Dierken(von Dierk, der ndd. Diminutiv- und Koseform von Dietrich, daher schwed. dyrlc und dän. dirk m.«Nachschlüssel») auch Peterkxen, d. i. Peterchen heißt. Spätahd. sagte man afterslazel m., mhd. miteslitzzel m., auch im 14. Jh. diebslissel. dieweil, adv. u. konj.: in der Zeitdauer daß; aus der Ursache daß. Die zusammen- gerückten Akk. Sg. die wile, ahd. dia wila, die zunächst als Adv. der Zeitdauer gebraucht wurden. Verstärkt mhd. alle die zwile, al dlie w3le, woraus unser veraltetes alldiezweil. differieren, v.: verschieden sein. Aus dem gleichbed. franz. différer, das auf lat. difperre«auseinandertragen» beruht. Im 16. Jh. entlehnt(Rot 1571 hat diferirn in der Bed. caufschieben»). 4BL. Differénz, f.: Unter- schied. Aus lat. differentia f. Schon spätmhd. diktieren, v.: in die Feder sagen, zum Nachschreiben vorsagen; befehlendzuerkennen. Aus lat. dictäãre«wiederholt sagen, vorsagen, befehlen», abgeleitet von dicere«sprechen». Frühnhd.(Reichs-Ordnungen 822 v. J. 1512). 4BL. Diktätor, m.(-S, Pl.-en): unum- schränkter Machthaber. Aus lat. dactãtor m. Frühnhd.(1534 bei Franck Weltb. 75 ²2). dik- tatorisch, adj., Beleg von 1735 bei Gom- bert 8, 5. Diktatür, f.: Machthaberwürde, Hochgewalt. Aus lat. dickäãtũra f. Frühnhd. (Sallust M 2a). Dilettänt, m.(en, Pl.-en): Kunstlieb- haber. Aus ital. dilettante, eig. Part. Präs. von dilettare«ergötzen, vergnügeny, das aus dem gleichbed. lat. déleckäre. Um 1750 auf- gekommen(bei Wieland Amadis 257, Idris 8 Dilettante, bei Hermes Soph. Reise 3, 52 als «neumodisch» bezeichnet). Dill, m.(-es, Pl.-): starkriechende, als Zutat an Speisen dienende, in Gärten gezogene Doldenpflanze, anethum. Mit d für ursprüng- liches t(bei Luther noch Till) aus mhd. tille f. m.(n.*), ahd. tilli n.; dazu ndl. dille f., ags. dile f., engl. dill, schwed.(entlehnt) dill m., dän. dildd. Dunkler Herkunft. Im 18. Jh. meist Dille f.(1722 bei Freyer 271 noch T'ille), so bei Heynatz 1775 und Ade- lung, der das Mask. Dill(das bei Frisch 1741 angesetzt ist) für dialektisch erlärt. Das Fem. ist heute noch bayr.-österreichisch. Dille, f.: Schloßbeschlag um das Schlüssel- loch, s. T'älle.’ Dimensiön, f.(Pl.-en): Ausdehnung. Aus lat. dmensio f.«Abmessung». Bei Wächtler 1711. Dinér, n.(-*s, Pl.-S): Mittagsmahl. Aus dem gleichbed. franz. diner, eig. subst. Inf. des V. diner, afranz. disner, disgner, ital. disinare, desinare zu Mittag esseny, das wahrscheinlich auf ein mlat.*disjejunare«das Fasten brechen»(von lat. dis- und Jéjtnus «nüchtern) gebildet) zurückgeht. 4 BL. dinieren, v.: ein Mittagsmahl einnehmen. Von franz. diner. Beide im spätern 18. Jh. entlehnt. Ding, n.(-és, Pl.-e, auch-er):(veraltet) rechtliche und gerichtliche Verhandlung; An- gelegenheit; Gegenstand. Mhd.-ahd. dinc(Gen. dlinges) n.; dazu asächs.-afries. fhing, ndl. ding, ags. Hing n., engl. thing, anord. Hing nur Gerichtsverhandlung, Volksversammlungy, schwed. fing, dän. king, thing n.(auch in Storthing und Folkething«Reichstag in Nor- wegen und in Dänemark»); dazu auch lango- bard. thinæ«rechtliche Schenkungy. Das Wort wird zu got. Heihs n.(aus*inhs)«Zeity zu stellen sein, so daß die Bedeutungsentwick- lung: Termin, Tagsatzung, rechtliche und ge- richtliche Verhandlung gewesen sein wird. Es würde dann zu lat. tempus n. gehören können, wenn man das unregelmäßige p(für gu) durch Entlehnung des Wortes aus dem Sabinischen erklären könnte. Die Bed.«Verhandlung, schimmert noch bei dingen(s. d.) durch. Wegen der weitern Bedeutungsentwicklung vgl. Sache. Vgl. auch Dienstag und verteidigen. Der Pl. lautet bei Luther auch Dinger(Luk. 20, 26), jetzt nur, wenn das Wort die Bed.«gering- wertiger Gegenstando hat oder herabsetzend von Menschen(bes. Mädchen) gebraucht wird, 2. B. Lessing 1, 222, Wieland 21, 203, Goethe 6, 258, Schiller 13, 368. Das Dimin. lautet meist Dingelchen(bei Rädlein 1711 Dingelgen), im Pl. auch Dingerchen. S. Dings. dingen, v.: worüber verhandeln, insbe- sondere über den Preis von etwas; vertrags- mäßig für Lohn in Dienste nehmen. Mhd. dingen, ahd. dingon und dingen«vor Gericht wofür reden, gerichtlich verhandeln, unter- handeln, besprechend einen Vertrag schließen, vertragsmäßig festsetzen, vertragsmäßig für 23* 359 dingfest diskret 360 Lohn in Dienste nehmen»; dazu asächs. tingon «verhandeln», ndl. dingen(Prät. dong, Part. gedongen«dingen), afries. thingia«gerichtlich verhandeln», ags. Pingian besonders«schlich- ten, einen Streit beilegen» und Hingan«einen Vertrag schließen», anord. Pinga«verhandeln?, besonders«gerichtlich». Abgeleitet von Ding (8.d.). Das V. hat früher nur schwache Flexion, im 17. Jh. dringt nach der Ahnlichkeit von singen, Springen usw. auch starke ein, die aber Schottel 1663 noch nicht kennt, Stieler 1691 indes verzeichnet ich dunge und dingte, gedungen und geddingt, Adelungsetzt diestarken Formen(Prät. dung, jetzt auch dang) als regel- mäßig an, doch haben sich die schwachen daneben erhalten. dingfest, adj.: rechtlich(gerichtlich) in Haft gesetzt; überhaupt s. v. a. haltbar fest. Wie es scheint, nicht vor 1830 und aufge- nommen im Gegensatz zu dem Adj. Aing- flüchtig«sich durch Flucht dem Gericht oder einer Vertragserfüllung entziehendy, mhd. dineflühtic. dinglich, adj.: was einer Sache zukommt im Gegensatze der Person. Erst bei Ade- lung 1793. Mhd. dingelich, ahd. dinclih ist «gerichtlichy. Dings, In. f. n., als unbestimmte Bezeich- nung einer ungenannten Person oder Sache, eines ungenannten Ortes. Hervorgegangen aus dem Gen. Sg. von Ding, wenn dies bei einem andern Subst. steht, z. B. ein stück dings, vil dings. Schon bei Henisch 1616 als selbständiges Wort angesetzt. dinieren, s. Diner. Dinkel, m.(-S, Pl. wie Sg.): eine Weizen- art, Spelz. Mhd. dinkel, ahd. dinchil, dinkil m. Dunkler Herkunft. Dinte, s. Tinte. Diözése, f.(Pl. Diozesen): Kirchsprengel, Bezirk. Aus gr.-lat. dioecesis f.«Landbezirky, im 5. Jh. n. Chr. auch s. v. a.«Kirchsprengelꝰ, gr. dioixncic f.«Land-, Gerichtsbezirky. 1703 im Zeitungslex. Dioeces. Diphthöng, m.(es, Pl.-e): Zweilaut. Aus gr. lat. diphthongos, gr. diqr˙oc f.«LEwei- laut, Doppelvokaly, dem als Subst. gesetzten Adj. digorroc«zweifach lautend»(dic&wei- mal⸗ und einer Ableitung von oérrec9or ceinen Laut von sich geben»). Schon um 1522 in Ickelsamers Grammatik p. 44 der Pl. Diphthongen nach der früher üblichen schwa- chen Deklination, 1478 bei Nicl. v. Wyle 351, 14 des diptongons al. Diplöm, n.: Ernennungs-, Bestallungsur- kunde. Aus gr. lat. diplôma, gr. dinkwua n. «Beglaubigungsschreiben, Gnadenbrief» eig. «doppelt Zusammengelegtes», von gr. dinXobv «ͥdoppelt zusammenlegen, falteny. Bei Wächt- ler 1711, früher Diploma. 4BL. Diplomät, m.(en, Pl.-en): Staatsgeschäftskundiger, eig. der mit Urkunden umzugehen weiß. Aus franz. diplomate m. Davon Diplomatſe, f., aus franz. diplomalie f., and diplomãtisch, adj. nach franz. diplomatique. Alle im 18. Jh. aufgenommen. Diptam, m.(-s, Pl.-e): zitronenartig riechende Pflanze. Mhd. diptam neben dictam m. Aus mlat. déptamaus m., verderbt aus gr.- lat. dictämnas m., dictämnum n., gr. dixrouov n., dicravov n. und dixrouvoc f. dirékt, adj. u. adv.: in gerader Richtung worauf, stracks, geradezu. Aus lat. Aréctus, dem Part. Perf. Pass. von drigére gerade richten, lenken, leiten». Bei Rot 1571(bei Fischart Garg. 29 direcht). Direktiön, f.: Richtung, Leitung. Aus lat. drectio f. Dirék- tor, m.(-s, Pl.-en): Leiter, Vorsteher. Aus neulat. director m. Bei Rot 1571. dirigieren, v.: lenken, leiten. Aus lat. dri˙eére(s. oben). Bei Rot 1571 dirigirn. Dirne, f.(Pl.-n): dienende weibliche Person; junge unverheiratete weibliche Per- son; leichte, feile Weibsperson. Mit Kürzung des Vokals(schon bei Luther) aus mhd. dierne, ahd. diorna f.; dazu asächs. thiorna, ndl. deern, anord.(aus dem Deutschen) Perna f. Jeden- falls von ahd. deo, got. Fius m. Knecht⸗ (s. dienen) abgeleitet; ein vorauszusetzendes got.*izairnõ(nach idauwairna m.«Waisey, eig.«Witwensochny, zu widuενο f.«Witwe) könnte die Bed.«Knechtstochtery gehabt haben. Nach Adelung im Hochd. fast ver- altet, aber von Niederdeutschland und Bayern aus, wo es volksüblich ist, gegen Ende des 18. Jh. wieder in die Schriftsprache einge- drungen. Diskänt, m.(es, Pl.-): höchste Sing- stimme. Mhd. discante m. aus mlat. discan- kus m., ursprünglich wohl Gesang von zwei Stimmen und damm auf die obere beschränkt. Diskönt, m. und Diskönto, m.(es), Abzug bei Zahlung vor dem Ziele. Aus ital. disconto, jetzt sconto m.«Abrechnung, Ab- zugy, aus einem mlat. discomputus m.(S. Konto). In der 1. Hälfte des 17. Jh. entlehnt. diskrét, adj. u. adv.: besonnen unter- scheidend, rücksichtsvoll, zurückhaltend. Aus 361 diskurieren dito 362 lat. discrétus, dem Part. Prät. Pass. von dis- cernére«absonderny. Wohl schon im 16. Jh. entlehnt(im 17.z. B. bei Logau 2, 14). 4BL. Diskretiön, f.: Rücksichtnahme; Zurück- haltung; Gutbefinden. Aus lat. discrétio f. «Absonderung». Im 16. Jh.(Script. rer. Siles. 4, 274 vom J. 1581 Discrelion). diskurieren, v.: hin- und herreden. Aus franz. discourir, das aus lat. discurrere«aus- einanderlaufen, sich worüber ergeheny. Um 1600 gebraucht(Albertinus Kriegsleut Weck- uhr 2, 16², aber das Adj. diskurierlich schon bei Fischart Garg. 275).— Diskürs, m. (Gen. Diskurses, Pl. Diskurse): Unterredung. Aus franz. discours m. Unterhaltungsge- spräch», das aus lat. digcursus m.«Hin- und Herlaufen„y. Um 1600(Albertinus weibl. Lustg. 200 b). Dispéns, m.(es, Pl.-e): Erlassung. Aus franz. dispense f. Erst im 18. Jh. dispen- sieren, v.: austeilen, wovon freisprechen, entbinden. Schon mhd. dispensieren, aus lat. dispensãre eig.«austeilend abwägen». 48L. Dispensatiön, f.: Erlassung. Aus lat. dis- pensãtio, woraus schon im 14. Jh. dispen- säcie, bei Luther christl. Adel 60 Dispen- sabion. disponieren, v.: anordnen, bestimmen. Aus lat. dispönèére«in Ordnung bringen, ein- richten, bestimmen». Schon bei Rot 1571. 43L. Dispositiön, f.: Anordnung; Stim- mung, Geneigtheit. Aus lat. disςpositio f. Im 16. Jh.(Fischart Garg. 169). Dispüt, m.(-es, Pl.-e): Wortwechsel, Wortstreit. Aus franz. dispate, ital. dispula f. 1694 bei Nehring(früher erscheint dafür Disputat, z. B. Albertinus weibl. Lustg. 196). disputieren, v.: wissenschaftlich besprechend kämpfen; Worte wechselnd streiten. Schon mhd. disputieren aus lat. disputdãre«mit Worten auseinandersetzen». 4 L. Disputatiön, f.: gelehrtes Streitgespräch. Aus lat. disputätio f., woraus schon mhd. dispatäzie f. und in Ottokars Reimchronik 91 352 dispztacion. Dissertatiön, f.(Pl.-en): Erörterungs-, gelehrte Streitschrift. Aus lat. dissertãtio f., abgeleitet von dissertäre«auseinandersetzen». Bei Rot 1571 Dissertation clange redy. Dissidént, m.(-en, Pl.-en): der nicht der Staatskirche angehört. Aus lat. dissi- dens, Part. Präs. von dissidére«nicht über- einstimmen, getrennt sein?. Zuerst 1573 von den beiden sich streitenden Religionsparteien, seit 1632 Benennung der Nichtkatholiken. Dissonänz, f.(Pl.-en): Mißklang. Aus lat. dissonantia f., woraus im 15. Jh. dissonantz f. Distänz, f.(Pl.-en): Abstand. Aus lat. distantia f. Bei Rot 1571. Distel, f.(Pl.-n): eine stachlige Pflanze. Mhd. distel m., ahd. distil m. und distila f.; dazu ndl. distel f., ags. Pistel m., engl. thistle, anord. Fistill m., schwed. tistel m., dän. fidsel. Wenn distil aus*dihstil entstanden ist, könnte man es zu aind. kiktäãs«scharfy, gr. crierv stechen» d. stechen stellen. Got. dafür deinõ f.(in wigadeinõ«Wegedistel»). Alternhd. auch als Mask.(bei Luther, sowie Rollenhagen Froschm. 3, 1, 5). ZUVS. Distelfink, m.(-en, Pl.-en): der Distelsamen fressende Fink, mhd. distelvinke, ahd. distilvincho, distilvinko m., dazu ndl. distelvink f. Distelkolben, m.: Blüte und Samenkapsel der Distel, mhd. distel- kolbe m. Distichon, n.(-s, Pl. Distichen): aus einem Hexameter und einem Pentameter be- stehendes Verspaar. Das gr.-lat. distichon, gr. dicrixov, N. Sg. des Adj. dicrixoc«wei- zeiligy. Im 18. Jh. distinguieren, v.: mit Auszeichnung be- handeln. Aus lat. distinguere absondern, ausschmückenv. Im 16. Jh.(1524 bei Emser Annot. Ji 7 b in der Bed. unterscheiden», 1593 bei Helber 16 das Part. Prät. distinguirt«unter- schiedens). Distinktiön, f.: Unterscheidung; Auszeichnung, Rang, Stand. Aus lat. distinc- tio f.«Absonderung, Unterscheidungy. Bei Luther 8, 1352 Jen. Distinction«Unterschei- dungy,(vom J. 1543) und schon 1524 bei Emser Annot. R 5. Distrikt, m.(es, Pl.-e): Gebiet, Land- bezirk. Aus mlat. districtus m. Gerichts- zwang, gebiet», abgeleitet von lat. distrin- gére. Schon bei Rot 1571. Disziplin, f.(Pl.-en): Lehrzweig, Wissen- schaft; Zucht und Ordnung, besonders Manns-, Schulzucht. In der 1. Bed. 1520 bei Luther christl. Adel L 2², in der 2. Bed. schon mhd. discipline f.«geistliche Züchtigung, geistliche Zucht⸗. Aus lat. disciplina f. Lehre, Wissen- schaft, Zucht. Dithyrämbe, f.(Pl.-/): begeisterungs- voller Lobgesang. Aus gr.-lat. dithyYrümbus, gr. diG6òaßoc m., urspr. ein Gesang, dessen Gegenstand Bacchus war. Im 18. Jh.(Wil- lamov Dithyramben 1763). dito, adv.: desgleichen, als Subst.: das eben Genannte. Mit franz. dito aus ital. detto eig.«das Gesagte», Part. Perf. Pass. von dire 363 divers Docke 364 csagen). Am Anfang des 16. Jh. üblich(in der Augsburger Chronik des W. Rem). divérs, adj.: verschieden, mancherlei. Aus lat. Gvwersus eig.«nach mehreren Richtungen gekehrty, von divertére. 1703 im Zeitunglex. Dividénde, f.: Verhältnisanteil an dem zu teilenden Gewinste. Aus franz. dividende m., das beruht auf lat. dvidendus, dem Part. Fut. Pass. von Kvidere zerteilen»y. Im spätern 18. Jh. entlehnt. dividieren, v.: eine Zahl durch eine andre teilen. Neben addieren, maltiplizieren 1514 in Böschenstayns Rechenbuch A 42(schon spätmhd. dividieren als musikalischer Ausdruck). Aus lat. divi- dére. Divisiön, f.: Zahlenteilung durch Untersuchung, wievielmal eine Zahl in einer andern enthalten ist; Heeresteil. Aus lat. dvisio f.«Teilungy, von dwidére«teilen. Die 2. Bed.(nach franz. division f., das am Anfang des 18. Jh. aufkam) bei Ludwig 1716. Diwan, Divan, m.(-é, Pl.-S,-e):(per- sischer) Gerichtshof; geheimer Staatsrat des Sultans;(morgenländischer) Polstersitz, Sofa. Aus franz. divan, ital. divano m., dies aus arab.- pers. Gdn ᷣBuch von mehreren Blättern, Rechnungsbuch, Schriftensammlung(Samm- lung von Gedichten pei Goethe), Ratsver- sammlung, Prachtzimmer mit niedrigen Sofasꝰ. Im Zeitungslex. 1703 in der 2. Bed., bei Neh- ring 1710 großes Zimmer», die 3. findet sich erst im 19. Jh. 1Döbel, m.(-S, Pl. wie Sg.): dickköpfiger Weißfisch. Bei Alberus Fab. 19, 154. Im Altpreußischen kommt schon im 15. Jh. dabe- lis«Halbfisch» vor. Vielleicht verglich man den dicken Kopf des Fisches einem Zapfen (s. d. folg. Art). 2Döbel, m.(-S, Pl. wie Sg.): eingefügter Pflock, Zapfen;(mundartlich) Klotz. Obd. dafür dübel, bayr. dupel. Mit d für ur- sprüngliches f und md. 5 für aus mhd. tübel m., ahd. tubila f., tubili n.(auch in gitubila, gitubili n.)«zZzapfen, Zapfenverbin- dung»; dazu engl. dowel und(mit anderm Suffix) ndl. deubile m., vgl. auch schwed. dabh m. Zapfeny. Verwandt mit gr. röꝓoc(für *u†oc) bei Hesych m.«Keily. Ins Lit. ent- lehnt als däbelis m.«Nagel». döbern, s. dibbern. doch, Adv. u. Konj. zur Hervorhebung einer Entgegensetzung. Mhd. doch, ahd. doh mit Kürzung eines urspr. langen Vokals; da- zu asächs. thoh, ndl. doch, ags. Péah, engl. though, anord. 5ö, dän. dog(entlehnt), got. Saiten. c«Reisehut», span. foca f. ᷣHaubey. Hauh«wenigstens, etwa, wohly. Dies ist aus der Partikel Hau oder, doch, wenig- stens» mit angehängtem h entstanden, das dem lat. que, gr. re, ai. Ca undy entspricht. Docht, m.(-es, Pl.-e): der zum leuch- tenden Brennen mit Fett getränkte Körper im Lichte. Mit Verkürzung des zu o ver- dumpften Vokals aus mhd.-ahd. täht n. m.; dazu anord. Pättr(tt aus ht) m. Faden, Lichtfaden». Man erwartet daher ahd. däãht. Dazu vielleicht schweiz. tägel, dägel«brennen- der Docht, Licht, Lampey. Dunkler Her- kunft. Bei Luther Tocht n.(auch noch bei Zachariä Renommist 2, 12), bei Günther Dacht, Tacht n., auch jetzt noch zuweilen Docht n. Auch die Lautform ist im ältern Nhd. schwankend: die Länge zeigt sich noch in Daacht bei Henisch 1616, auch jetzt noch mundartlich Döcht; mit dem ursprünglichen a noch im 18. Jh. Dacht(Brockes 9, 55; Lessing 1, 171; 2, 562; Thümmel, Göckingk) und Tacht (Günther 379; Haller 5; Voß Ged. 2, 59; Bürger 124); noch Heynatz 1775 entscheidet sich für Dacht, während Adelung nur Docht zuläßt, Dacht, Tacht, Tocht aber für mund- artlich erklärt. Dock, n.(-s, Pl. s): gemauerter Wasser- behälter in einem Hafen oder bei einer Schiffs- werft zum Bauen und Ausbessern der Schiffe. Das engl. dock, ndl. dolc, dun. doke, schwed. docka f., das vielleicht zurückgeht auf mlat. doga, doha f.«Graben, Grabenmauer, Ein- fassung eines Wasserbehälters), von gr. doxi f. Wasserbehälter, Gefüß(vgl. Daube). Auch als Fem. Dockce(bei Adelung). 1Docke, f.(Pl.-/): Puppe;(übertragen) junges Mädchen; puppenartiges Gewundenes, Bündel; rund Gedrechseltes, kurze dicke Säule, Zapfen. Mit d für ursprüngliches t aus mhd. tocke(auch in der 3. u. 4. Bed.), ahd. koccha, tocka f.«Puppey; dazu mnd. docke, schwed. docka f. Dunkler Herkunft; auch die Grund- bed. des Wortes ist unsicher. 2 Docke, f.(Pl.-en): Art eines sehr hohen weiblichen Kopfputzes. Mhd. focke f. aus franz. foque f.«Haube, Mütze», ital. focco m. Ob das gleichbed. kymrische foc die Grundlage oder nicht vielmehr selbst aus dem Franz. entlehnt ist, bleibt unklar. 3 Docke, f.(Pl.-n): Tastenhammer des Klaviers. Wohl von ital. tocchare, älterfranz. toguer berühren, hier vom Anschlagen an die Bei Adelung 1774. 365 Dogge Dolman 366 Dogge, f.(Pl.-n): Art großer englischer Hetzhunde. Aus engl. dog, woher auch ndl. dog, schwed. dogg, dän. dogge. In der 2. Hälfte des 16. Jh. entlehnt, anfangs als schwach- flekt. Mask.(Docke bei Fischart Garg. 295, 341, Dogg' m. noch bei Voß Id. 16, 151) und in der Schreibung schwankend(Docke noch bei Adelung 1793, auch z. B. bei Schiller 11, 277, während Henisch 1616 dog, dogg, doggen m., Schottel 1663 dogge neben dokk m. hat und Heynatz 1775 Dogge verlangt). Dogma, n.(‧s, Pl. Dogmen): Lehrmeinung, Lehrsatz. Das gr.-lat. dogma, gr. dorua n., abgeleitet von doxeiv«meineny. 4 L. Dog- mätik, f.: Gebäude der Lehrsatzungen, bes. des christlichen Glaubens. Aus gr. lat. dog- matica, dem Fem. des gr. lat. Adj. dogma- licus, gr. douoricc«die Lehrsätze betreffendꝰ. Beide im 18. Jahrh. Dohle, f.(Pl.-n): ein krähenartiger Vogel. Mit d für ursprüngliches t aus mhd. tahele, zusammengez. fäle, ahd. tahala f.(davon ital. tãccola f.«Elstery zu obd. dachel), abgeleitet von dem einfachen(in obd. Mundarten er- haltenen) mhd. tahe, ahd. faha f., das wohl zu apreuß. doacke«Stary gehört. Daneben erscheint mhd. tul, auch frühnhd. häufig Tul, Dul. An Zusammenhang von mhd. ful mit dem zweiten Bestandteil von lat. moné- dula darf man nicht denken, vgl. Niedermann Idg. Forsch. 10, 235. Das nhd. Dohle scheint beiden Formen zu entsprechen, es kommt schon im Spätmhd. als tole, dole f. vor, bei Luther als Thole, Dole, 1537 bei Dasypodius 88 b doll und 316² Dohl, 1540 bei Alberus Dikt. 2 2 b dol. Doch erhält sich daneben die Form mit a(bei Schottel 1663 als Dale, Duez 1664 als Thale, Dahle, bei Ludwig 1716 als Dale, bei Steinbach 1734 als Dahle). 1Dohne, f.(Pl.-n): Bügel mit Schlinge zum Vogelfange. Eig. gespannter Zweig; die Zweiggeschosse an Waldbäumen werden zu Bügeln umgebogen, in die man Schlingen hängt. Mhd. done, don f. ist«Spannungy, spätahd. done f.«Spannader, Nervy(davon donen, ahd. donén«sich spannen, streckeny), ahd. dona f.«Rebschoß, Schoß, Rankey; da- zu ags. Pona m, Hone f.(in œlfona m., œlf- Hone f.«Alpranke, Geißblatty). Zu dehnen (s. d.). Vgl. die zu gr. reiveiv«spannen? ge- hörigen gr. révwy m. Sehney, lat. fenaus n. causgespannte Schnur, Dohney, aind. länftus m. Schnury, abg. teneto«Strick), lit. tinklas &Netz?. 2Dohne, f.(Pl.-n): Zimmerdecke und bes. Tragebalken derselben. Nur mundart- lich(wetterauisch, oberhessisch usw.). Von mhd. don, ahd. dono m.«Ausgespanntes, Decken in mhd. Aberdon, ahd. ubardono m.«überge- preitetes Tuch, Totentuch». Mit mhd. don f.«Spannung»(s. 1Dohne) zu dehnen. Doktor, m.(-s, Pl.-en): mit der höchsten von einer Fakultät erteilten Gelehrtenwürde Bekleideter; Arzt. Aus lat. doctor m.«Lehrery, von docére«lehreny. In der 2. Bed. schon im 16. Jh.(Scheidt Grob. 1259). 4BL. dok- torn, v.: den Arzt gebrauchen; ohne Arzt zu heilen versuchen. Dokumént, n.(-s, Pl.-e): urkundliches Beweismittel, Beweisschrift. Aus lat. docu- menlum n. Beweis», von docére. 1703 im Zeitungslex., der Plur. bei Ludwig 1716 Documenten. Dolch, m.(-es, Pl.-e): messerartige zwei- schneidige Stichwaffe. Um 1500 tolch, tolchen (bei Dasypodius 1537 dolch, bei Hans Sachs dollich), dazu ndl.-dän.-schwed. dolk m., nicht entlehnt aus dem gleichbed. böhm. und poln. (veraltet) tulich m., vgl. Mikkola Bezz. Btr. 25, 74, vielleicht aus lat. dolo«Art Stockdegen», das ins Niederländ.(mndl. dol!) und von da weiter vordrang. Doch macht auch das Schwierigkeiten. Eher vielleicht unter dem Einfluß des lat. Wortes aus einem deutschen umgestaltet, das in aisl. dãlkr m.«Nadel um den Mantel über der Achsel zu befestigen; Dolch Messery, ags. dalc, dolc m. vorliegt. Alternhd. auch mit schwacher Flexion. Dolde, f.: Blumenbüschel. Mit d für ursprüngliches t aus mhd. folde f. m., ahd. toldo m. Wohl eines Stammes mit ahd. fola f. «Weintraubenkammy, das-d ist also ableitend. Verglichen wird noch gr. 66Xoc f.«Kuppel- dach» oder Gdu«blühey, Ockoc n.«junger Sprößling, Zweigy. Frühnhd. häufig weiter- gebildet tolder, dolder m.(jetzt schwüb.-alem.). Dole, f.(Pl.-n/): unterirdischer Abzugs- graben, Kanal. Im 15. Jh. dol(1482 im Voc. theut. f 1²)«Miney, ahd. dola f.«Röhre, Erd- röhrey. Zu gr. cu-v m.«Rinne, Röhre, Kanal), abg. fulu m.«Köchery, ai. nas m.«Köcherꝰ, vgl. Ehrismann Btr. 20, 60. Dolman, m.(s, Pl.-s): schnürenbesetzte Jacke unter dem Pelze des Husaren. Aus türk. dölãmãn Unterkleid von Tuchy. 1645 bei Zesen Ibrahim 3 Doliman, aber schon um 1500 in Quellen zur Geschichte Sieben- bürgens(s. Gombert 8, 7). 367 Dolmetsch Donner 368 Dolmetsch, m.(-en, Pl.-en,-e): Uber- setzer. Mit d für ursprüngliches k aus spät- mhd.(schon gegen 1300) tolmetsche, kulmet- sche m., aufgenommen aus dem gleichbed. poln. Kumacz, böhm. flamaé, abg. flämadl, das auf das Türkische zurückgeht. dol- metschen, v.: aus fremder Sprache in eine bekannte übertragen; durch Rede verständ- lich machen. Spätmhd. folmetschen, tulmet- schen. Davon Dolmetscher, m.(schon bei Luther). Das gleichbed. mhd. folke m. geht auf lit. iulkas m. Dolmetscher», abg. ilülch m. Dolmetschung» zurück. Dom, m.(es, Pl.-e): bischöfliche Haupt- kirche; Kuppelturm. Wie franz. dome, ital. duomo m. entlehnt aus lat. domus f.«Haus, hier von Gottes Hause(domaus dei), dem Tempel, verstanden. Die echtdeutsche Form ist Thum, mhd. ahd. fuom, ebenfalls aus lat. domus entwickelt, aber schon in ahd. Zeit. Im ältern Nhd. wechseln Thunz und Dom (Luther hat nur Thum, aber Henisch 1616 Dom), noch Freyer 1722 S. 273 setzt Thum an. ZUS. Domherr, m. Dafür mhd. fuom- herre m. Dompfaffe, m.:(veraltet) Dom- geistlicher, mhd. iumpfaffe m.; Blutfink oder Gimpel(wegen seines schwarzen Scheitels, der der Kappe eines Domgeistlichen ähnelt). 1557 bei Heußlin 21 b Thäümpfaff. Domäne, f.(Pl.-n): landesherrliches Gut, Krongut. Aus franz. domaine m., das aus lat. dominium n.«Herrschaft worüber, Eigen- tum, abgeleitet von dominus m.«Herr, Ge- bieter, Besitzer». Im Zeitungslex. 1703 Domaline. Domestik(e), m.(-n, Pl.-n): Diener, Dienstbote. Aus franz. gleichbed. domestigue, das des lat. domesticus«um Hause gehörigy ist. Im 17. Jh. Domherr, s. Dom. dominieren, v.: beherrschen. Aus lat. dominãri, von dominss m. Herr. Schon bei Rot 1571. Dominikäner, m.(-5, Pl. wie Sg.): Mönch von dem 1215 gestifteten Orden des heil. Dominicus(von lat. dominus Herrꝰ», d. i. dem Herrn[Jesu] gehörig). Domino, m.(-s, Pl.-s): das lange Mas- kenkleid; eine Art Spiel. Das ital. und span. domino m.«seidener Mantel zum Maskieren, eig. verhüllende Winterkleidung des Geist- lichen?, von lat. dominzs m.«Herry, im Mlat. auch s. v. a. höherer Geistlicher. Um die Mitte des 18. Jh. aufgenommen(Zacharià poet. Schr. 1, 135). Domizil, n.(-s, Pl.-e): Aufenthaltsort, Wohnsitz. Aus lat. domicilium n., von domus f.«Hausy. Bei Wächtler 1711, Sperander 1728 noch in lat. Form. Dommel(Goethe Faust 4334), s. Rohr- dommel. Dompfaffe, s. Dom. Donlage, Donlege, f.(Pl.-n): abhängige Richtung eines Ganges, einer Fläche. Berg- männischer Ausdruck 1562 bei Mathesius Sarepta 522 danleg, 51 b danlag, 204 2 dohnlege, bei G. Agricola 1546 donlege). Zusammen- gesetzt aus 1) dan, don, das wohl mhd. dane, ahd. dana in danatrib m.«Forttreiben, Schei- dungy, dananumf! f.«Hinausnehmen, tragen?, das mit dannen zusammenhängt. 2) mhd. lege f.«Legung, Lage, Niedersenkung»(bei Stieler 1691 Lüge f. Bodenneigung» und das Adj. Adv. läge«abwärts sich neigen», mnd. lége). Donner, m.(-s, Pl. wie Sg.): heftig schallende Lufterschütterung. Mhd. doner, ahd. donar(auch als Name des heidnischen rotbärtigen Blitz- und Donnergottes Donar) m.; dazu asächs. fhuner(nur als Name des Gottes Thuner belegt), ndl. donder, afries. thuner, ags. hunor, engl. thunder, anord. porr (nur als Name des Donmnergottes), dän.(ent- lehnt) dander m. Von einem V., das im Ags. als unian«donnern» erscheint; verwandt mit lat. tonãre«donnerm, dazu tonitrus m.«Donneroꝰ, weiter aind. tan«tönen, rauschen»y. 4BL. donnern, v., mhd. donern, ahd. doncrön. ZUS. Donnerbart, m.: Hauswurz(die, auf das Dach gepflanzt, vor dem Einschlagen des Gewitters schützen soll). 1538 in Rößlins Kräuterbuch 114 und 1546 bei Bock 142² donderbar«barba Jovis». Donnerbesen, m.: auf Bäumen gewachsenes(angeblich vom Blitz erzeugtes) wirres Strauchwerk, im 17. Jh. Donnerguge, m.: Hirschkäfer, nach dem Aberglauben, daß in ein Haus, in das ein solcher Käfer(schweiz. guege) getragen wird, der Blitz schlägt. Donnerkeil, m.: keil- förmiger Stein, den das Volk sich vom Blit⸗ geschleudert denkt; Blitzstrahl. Bei Luther. Donnerschlag, m., mhd. donreslac m. Donnerstag, m.: der fünfte Wochentag, eig. der dem Gott Donar geweihte Tag. Mhd. donerstac, ahd. toniris(d. i. donares) tac m.; dazu ndl. donderdag, ags. Hunresdog, engl. Tharsdarh, schwed.-dän. torsdag m. Eine Nachbildung des lat. dies Jouis. Dafür bayr. Pfinztag m., im 13. Jh. bei Berthold v. Regens- 369 doppel Dörre 370 burg 1, 58, 4 phinztac; durch kirchlich-byzant. (got.) Einfluß aus gr. réeunrn(nuépa) der fünfte(Tag). Vgl. Gründonnerstag. doppel: eins und das Gleiche mitein- ander verbunden(s. doppelt), nur noch in Zusammensetzungen wie Doppeladler, m. (bei Adelung 1774); Doppelbier, n.: stärker gebrautes Bier(im 17. Jh.); Doppelgänger, m.: ein an verschiedenen Orten zugleich er- scheinender Mensch(von Jean Paul gebildet, Siebenkäs 1, 66); Doppelhaken, m.: große Hakenbüchse, Wallbüchse, die beim Abfeuern aufgelegt wurde, im 16. Jh.(bei Fronsperger 2, 106 2); Doppelpunkt, m.: das Satzzeichen: (1641 bei Schottel Sprachkunst 526); Doppel- sinn, m.: mehrfacher Sinn(bei Adelung 1774, aber das Adj. doppelsinnig schon bei Gry- phius Trauerspr. 57); doppelzüngig, adj.: von mehrfacher, sich widersprechender Rede (bei Henisch 1616). Davon doppeln, v., 1475 clevisch dubbelen(Teuthonista 84), 1537 bei Dasypodius doppeln, bei Luther u. a. dupeln, duppeln. doppeln, v.: mit Würfeln im Brett spielen; im Spiele betrügen. Mhd. foppeln«würfeln», von foppel m.«Würfelspiel», das aus franz. doublet m.(von double«doppelt», s. d.)«Wurf mit gleichen Augen». Entsprechend ndl. dob- belen, aisländ. dabla, dän. doble. doppelt, adj., älternhd. doppel(s. d.). Aus franz. double, das auf lat. duplus zweifach? beruht; mhd. vereinzelt daraus dablin(in Wolframs Willehalm 410, 21). 1475 clevisch im Teuthonista dobbel, dabbel und sonst in niederrhein. Quellen, am Anfang des 16. Jh. auch hd. dopel, doppel, dupel, dappel(so auch bei Luther 6, 346 W), doppel bei Murner Schelm. 5, 29. Auch in der Kanaleisprache(Reichs- Ordnungen 783 v. J. 1512 dappel). Daneben findet sich die Form doppelt(wohl unter Einfluß des Part. gedloppelt) schon 1537 bei Dasypodius und wird dann z. B. von Ring- wald, Rollenhagen, Albertinus gebraucht. Die peiden Formen doppel(duppel) und doppelt (duppelt) erhalten sich lange nebeneinander; die schlesischen Dichter gebrauchen meist duppel, auch duppelt; Rädlein 1711 führt noch doppel an, Ludwig 1716 dagegen nur doppelt, doch ist doppel auch noch später, z. B. von Voß, gebraucht worden. Dorf, n.(-es, Pl. Dörfer): Ortschaft ohne höhern Rang. Mhd.-ahd. dorf n.; dazu asächs.- afries. thorp, ndl. dorp, ags. Horp(auch Prop, Brep), engl. thorp(in Eigennamen) Dorfy, Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. in der Bed. abweichend anord. Horp Ge- höfty(auch«Menschenmenge»), schwed. forp Landgut»; got. Haurp n. ist«Bauland, Feldy. Verwandt sind lat. trabs f.«Balken», osk. tritbum m.«Gebäüude», air. Ireb«Dorfy, umbr. trebeit«er verweilt), lit. trõbã f.«Gebäude» mit ganz gewöhnlichen Bedeutungsübergängen, nämlich von«Haus⸗ zu Niederlassungy, dann die Menge im Dorf). 4BL. Dörfer, meist Dörfler, m.(-s, Pl. wie Sg.): Dorfbewohner. Mhd. dorfœre, im 16. Jh. auch dörfler. Vgl. auch Töↄpel. dörflich, adj., frühnhd. dorflich. Dorfschaft, f., mhd. dorfschaft. dorlen, v.(Goethe 5, 179): sich im Kreise herumdrehen. Aus dem Thüringischen. Wahr- scheinlich mit Ausfall des m aus mhd. tur- meln(auch schon kurlen), kürmeln«schwin- deln, taumeln». Davon Dorl, m.(-s, Pl. -e): Kreisel, bei Goethe Drehdor!(5, 193). Dorn, m.(-S, Pl.-en): stechende Spitze an einer Holzpflanze; stachlige Holzpflanze; jener Spitze Khnliches. Mhd.-ahd. dorn m; dazu asächs.-afries. thorn, ndl. doorn, ags. anord. Forn, engl. thorn, dän. torn, got. Haurnas m. Der Lautverschiebung gemäß entspricht abg. tründi m. Dornꝰ, aind. ꝓ†na- m. n. Grashalm». Der Pl. mhd. dorne, ahd. dorna lautet im Nhd. seltner Dorne(namentlich in der poetischen Sprache, z. B. bei Uhland, Rückert); Luther, der einmal(Micha 7, 4) den Sg. Dorne hat, bildet den Pl. Dornen (vereinzelt Dörnen) und diese Form bleibt auch später gewöhnlich; daneben tritt im 16. Jh. Dörner auf(Hans Sachs Fastn. 8, 392; Ringwald tr. Eckh. B 6 ²; Opitz 2, 17 und die andren Schlesier). 4B L. dornen, adj., mhd. dürnin, ahd. durnin; dazu ags. Hyrnen, got. Haurneins. dornicht, adj. mhd. nur weitergebildet dornehtic, ahd. dornohti. Bei Luther dörnicht, jetzt durch dornig ver- drängt. dornig, adj., mhd. dornec, ahd. dornac, dazu ndl. doornig. Dornicht, n.: Dorngebüsch. Mit angetretenem t aus mhd. dornach, spütahd. hornahe n. Dorothéa, Frauenname, aus gr.-lat. Doro- thead, gr. Xupodéo Geschenk Gottesy, von gr. däpov Gabe, Geschenk» und eec m.«Gotty. Verkürzt Dortehen. Dörre, f.(Pl.-n): Vorrichtung zum Trock- nen. 1469 derre(voc. ex quo). Von dörren, v.: dürr, d. i. ausgetrocknet machen. Mit 5 für ursprüngliches e(bei Luther noch derren) aus mhd. derren, ahd. derren, darren(aus darjan); zugleich geht aber dörren auch auf 24 371 Dorsch Douane 372 durren zurück, das in md. Mundarten dörren ausgesprochen wird. dörren erscheint obd. schon im 16. Jh. und findet sich bei Henisch 1616 angegeben, während Stieler kein dörren kennt und Rädlein und Ludwig unter dörren auf dürren verweisen; Schottel 1663 und Frisch 1741 aber setzen dörren an. Ahd. derren ist Faktitiv zu einem starken V., das im Got. als Hairsan(in gahairsan) causgetrocknet seiny erscheint. Dies stimmt zu gr. répcecbar ctrocken werden?, auch lat. torrére(aus tor- sere)«dörreny. Weiter sind verwandt aind. krajati«dürstety, awest. tarsav-«trocken', ir. kẽr, lrim«trocken» u. a. S. auch Darre und Durst.— dorren, v.: dürre werden. Mhd. dorren, ahd. dorrén; dazu asächs. fhor- rõn, ndl. dorren, im Got. dafür gabaursnan, eine Inchoativbildung. Dorsch, m.(-es, Pl.-e): Art Schellfisch in der Ostsee. Aus dem Ndd., schon mnd. dorsch, dors, 1610 bei Colerus Hausb. 3, 260 dorst m.; dazu ndl. dorsch, anord. Horskr, schwed.-dän. forsk m. Dunkler Herkunft, viel- leicht zu russ. freskä Stockfisch». Dorsche, f., auch m.(Pl.-n): Kohl-, Salat- stengel. Mundartlich am Rhein, Schwaben, Bayern. Mhd. forse, turse, ahd. Toxο, turso m.«Stengel», wohl entlehnt aus roman.(ital.) korso m.«Strunk», das aus gr.-lat. yrsus, kursus, gr. Gupcoc m.«Stengel, Strunko. Dort, m.(-es): ährentragendes Unkraut im Getreide. Mit d für ursprüngliches t aus mhd. furt, ahd. turd m.; dazu asächs. darth n. dort, verlängert dorten, demonstratives Pronominaladv.: an jenem Orte. Mhd. doyt, ahd. dorot, in älterer Form darot(tharot im Ludwigslied)«dorthin, dahiny; entsprechend asächs. tharod, afries. thard«dorthiny, sonst nicht vorkommend. Das Adv. mhd. dar, ahd. dara«dorthiny mit angetretenem-o!, das vielleicht zu lat. uld in aliuta«irgend anders» gehört. Die verlängerte Form dorten kommt schon um 1500 vor(Fasinachtssp. 4, 22). 45 L. dortig, adj. Frühnhd.(Aven- tin 1, 448, 18 vom J. 1511), aber erst bei Adelung 1774 verzeichnet. Dose, f.: Büchse mit Deckel zu Tabak, Zucker usw. Aus dem Ndd.-Xdl.; schon 1475 clevisch im Teuthonista dose f.«Behälter zum Tragen, Lade, Koffer», ndl. doos und dooze f., dazu dän. daase. Schottel 1663 führt Doos ccapsay als ndd. an, Stieler 1691, Rädlein 1711 usw. als schriftdeutsch Dose. Daneben gibt Frisch 1741 Dese«Waschfaß auf drei Füßen) an, Adelung Döse; die Form findet sich in bayr. öst. Mundarten für«Holzgefaßy. In ostmd. Dialekten deise, teuse«Schachtel, Dosey. Ursprung und Entwicklung der For- men dunkel. dösen, v.: in Betäubung sein, gedanken- los dasitzen, schlummern. Mit d für urspr. t. Frühnhd. dosen(Schmeller ² 1, 548), schon im 14. Jh. verdœsen cüberhören»; dazu ndd. dösen, dän. döse, engl. doze«schläfrig sein, schlummern». Obd. dosen, auch doseln, dos- men. Verwandt mit Dusel(s. d.). In den Wörterbüchern ist das nur der Umgangs- sprache angehörige Wort nicht verzeichnet. 4BL. Döserei, f.(bei Lessing 10, 86 Töse- rer*). dösig, adj. gedankenlos, halb im Schlafe. Dosis, f.(Pl. Dosen): Gabe Arznei. Aus gr. lat. dosis, gr. döcic f.«Gabey, von didévon cgebeny. Im 17. Jh. Dost, m.(-es) und Dosten, m.(-s): eine majoranartige Pflanze, gr.-lat. origanum ge- nannt. Mhd. doste, ahd. dosto, tosto m. und kosta f. Urspr. wohl s. v. a. buschartig wach- sende Pflanze, denn spätmhd. doste m.«Strauß und bayr. Dosten«Busch, buschartig sich Ausbreitendes» sind wohl verwandt. Dote, s. Tote. dotieren, v.: ausstatten; mit Einkünften versehen. Schon mhd. dotieren, aus lat. dô- käre«ausstatten), abgeleitet von dõs f.(Gen. dõtis)«Gabe, Mitgifty. 4L. Dotatiön, f.: Ausstattung durch Schenkung; Schenkung. Aus mlat. dotatio f. 1Dotter, m.(-s, Pl. wie Sg.), seltner n.: das Gelbe im Ei. Mit d für ursprüngliches t(bei Luther noch kotter) aus mhd. fofere, ahd. totoro m. und zusammengesetzt kutarei, dazu andd. dodro, ndl. dooier, ags. abgeleitet dydringm. Die Grundbed. scheint«Verdickung, Klumpen⸗ zu sein; dazu gehört ndl. dot f. «Knäuely, ags. dott m., engl. dot«Punkt, Fleck» und wohl auch mhd. kutte m. f., ahd. kutto m. und tutta f.«Brustwarzey. ZU0S. Dotterblume, f., Name mehrerer dotter- gelb blühenden Pflanzen, der Caltha palustris (1546 bei Bock 54²), des Löwenzahns(bei Bock 100 b), der Trollblume. 2Dotter, m.(-S): flachsartiges Unkraut. 1482 im Voc. theut. gg 7² todter. Dazu engl.- dän. dodder, schwed. dodra f. Kaum mit 1Dotter verwandt(etwa wegen des kleinen gelben Samens). Douäne, f.: Maut; Zollhaus, Zollamt; Ge- samtheit der Zollwächter und-beamten. Das 373 dozieren Drang 374 franz. dozane, ital. dogũna, span. port. aduana f., das zurückgeht auf arab. dyãn, addivdn Rechnungsbuch, Bureau, Kanzlei, Maut- bureau». Bei Sperander 1728. dozieren, v.: vortragend lehrend. Aus lat. docére«lehreny. Bei Rot 1571. 4BL. Dozént, m.(-en, Pl.-en): vortragender Lehrer einer Hochschule. Aus lat. docens (Gen. docentis), dem Part. Präs. von docére lehreny. Drache, m.: fabelhafte fliegende Schlange; Kinderspielzeug. Mit d für ursprüngliches ⁵ (durch Einfluß des gr. lat. Grundwortes) aus mhd. frache, ahd. frahho m., auch mhd. tracke, ahd. fraccho m.; mit ndl. draak, ags. draca, schwed. dralce m., dän. drage, entlehnt aus gr. lat. draco(daneben dracco), gr. dpdxuv m.«fabelhafte große Schlange», lat. auch «Kohortenzeicheny in Form eines Drachen, vgl. Dragoner. Drachme, f.(Pl.-n): ¼ Lot(4 Gramm). Aus gr. dat. drachma, gr. dpaxun f. Be- nennung eines sehr kleinen Gewichtes». Dragoman, m.(-s, Pl.-S,-e): Dolmetscher bei den Türken. Aus franz.-span. dragoman, ital. dragomanno, mlat. dragumanaus, droga- mundaus(woraus mhd. Trougemunt), die zu- rückgehen auf arab. fardschumdn«Ausleger, von tardschama übersetzen, dolmetschen». Bei Sperander 1728. Gleichen Ursprungs, aus roman. trucheman, im 14. und 15. Jh. krützel- mann m. Dolmetscherꝰ. Dragöner, m.(-S, Pl. wie Sg.): Art leichter Reiter, urspr. ein Fußsoldat, der das Pferd zum schnellen Fortkommen braucht. Gebildet von franz. dragon m. Drache»(s. d.), also D. eig. Angehöriger einer Schar, in deren Standarte sich ein Drachenbild befand. Um 1600 aufgekommen(1617 bei Wallhausen Corp. mil. 10 Dragoens, im teutschen Michel 22 Tra- goner), während in Frankreich die Arkebusiere zu Pferd schon im 16. Jh. dragons hießen. Dragün, m.(-J§): Kaisersalat, Schlangen- kraut, eine als Gewürz an Speisen dienende Pflanze. Mit wallon. dragonn, franz. forgon (daneben estragon m. aus port. estragao m.), ital. targone m., span. taragona, laragontea, dragontea von lat. draco m.«Drache» in der Bed. dracunculus wie unsre Pflanze bei Plinius heißt. 1712 bei Hübner Naturlex. 430. Draht, m.(es, Pl. Drähte): zusammen- gedrehter dicker Faden;(Gaunersprache) Geld. Mit Dehnungs-h zu mhd.-ahd. drät m.; dazu ndl. draad m., afries. thréd, ags. Prcd m. Faden», engl. thread, anord. Prãdy m., schwed. kräd m., dän. traad. Zu drehen, formell ge- nau gr. rpnréc durchbohrty entsprechend. 4B. drähtig, adj., in zuei-, dreidrähtig. drall, adj.: wohlgedreht; elastisch fest (Lessing Nathan 2, 5); hurtig; rasch, munter, kräftig und gedrungen aussehend. Aus dem Ndd.(schon mnd. dral«rasch sich drehend, rasch»), in die Schriftsprache von Lessing eingeführt; Adelung erwähnt das Wort nur gelegentlich als ein niedersächsisches, Hey- natz 1796 spricht sich dagegen aus, während Campe es empfiehlt. Früher erscheint, das auch von Adelung verzeichnete ndd. Trell, 2. B. bei Caniz 124 beyf deiner liebsten Drellen, wobei in einer Anmerkung gesagt wird, daß man in der Mark z. B. sage eine drelle Dirne, das ist cein frisches, derbes Mädchen», auch bei Hermes Sophiens Reise 4, 166. Zu idrillen. Drama, n.(—*N, Pl. Dramen): Bühnenspiel. Aus dem gleichbed. gr. Jat. drüma(Gen. drä- matis), gr. dpâua n., das urspr. s. v. a.«Tat, Handlung», abgeleitet von dpdâv«tuny. In der Mitte des 18. Jh. aufgekommen. 43L. dramätisch, adj. Nach gr.-lat. drämaticus, gr. dpauarixéc. Bei Gödeke Grundriß ² 3, 226, 75 vom J. 1676. dran, gekürzt aus daran, wie drauf, draus, drein, drin, drob, drüben, drüber, drunter usw. aus darauf, daraus, darein usw. Alle diese Adverbien sind urspr. Zusammenschiebungen des dar, mhd. dar«dahiny, oder des dar, mhd. där(vor Adverbien geschwächt day), dã, da mit einem Präpositionaladv. Jene dar- gingen mhd. auch in tonloses der- über und wurden endlich bloßes d-. So findet sich bereits mhd. drane, dran aus derane, darane, ahd. därana und dara ana; drfe, drüf aus dar afe, dar if, ahd. dãr f usw. Drang, m.(-es): Zudringen, Bedrängnis; starkes Getriebensein wozu. Mhd. dranc m. Gedränge, Bedrüngnis»; dazu ndl. dGrang m. Gedränge, Drangy, ags. Prong(in geprong n.), engl. throng«Gedränge, anord. Hröng f. Gedränges, dän. frang«Gedränge, Bedräng- nisy. Zu dringen. Die 2. Bed. erst bei Ade- lung. 4BL. Drangsal, f., seltener n.(Bürger, Schiller, Goethe usw.), spätmhd. drancsal m., wohl von dem später verschwundenen mhd. drangen«drüngen» abgeleitet. Davon drang- salieren, v. Neue Bildung mit der fremden Endung-ieren(nach dem Muster von kribu- lieren u. dgl.). 24* 375 drängen drei 376 drängen, v.: dringen machen, Drang aus- üben. Alternhd. drengen(wie Freyer 1722 vorschreibt und noch Lessing 2, 180 hat), mhd. drengen(häufiger drangen, ahd. drangon, engl. throng). Wie anord. Prengja, schwed. frünga, dän. fränge das Faktitiv zu dringen. 431. drängeln, v. in frequentativer Bed. Bei Campe 1807. drapieren, v.: mit Gewändern bekleiden. Aus dem gleichbed. franz. draper, von drap, spätlat. drappus m. Tuch». 4BL. Dra- perie, f.: Bekleidung der Figuren. Aus franz. draperie f. Naturlex. 430. Ursprünglich Malerausdruck. drastisch, adj. u. adv.: kräftig wirkend. Mit-isch gebildet nach dem gr.-neulat. Adj. drasticus«geschwind wirkend, kräftig wir- kendy, gr. èpacrixôc urspr.«tätigs, dann«kräf. tig, wirksam», abgeleitet von dpv tuny. Früher(noch bei Campe 1811) nur von Arz- neien gebraucht. dräuen, s. drohen. drauf, draus, s. dran. dräuschen, v.: heftig rauschen, besonders von Regen u. dgl. Ein md.ndd. Wort, ober- sächs. dréschen, Prov. Sachsen dräãschen, schon bei Hans Sachs dreussen cheftiges Geräusch macheny, auch ndl. druischen rauschen». Viel- leicht zu got. driusan, asächs. driosan, ags. drõosan«fallen, niederfalleny, so daß das V. urspr. das durch Fallen(z. B. der Regen- tropfen) verursachte Geräusch bezeichnete. Doch wohl eher laut nachahmend, vgl. trat- schen. Bei Stieler 1691 dreuschen. draußen, adv.: außerhalb. Gekürzt aus daraußen, mhd. dar zen, ahd. dr zzana, daneben mhd. dar Aze, ahd. där Aza, woher unser drauß(auch zusammengezogen mhd. däze, daher das volksitbliche dauß, 1593 bei Helber 30 daussen). drechseln, v.: Dreherarbeit machen. Mhd. drhseln, mit gekürztem Vokal drehseln, ab- geleitet von drœhsel, drehsel, ahd. drähsil m. cDrehhandwerkery. Dies kann nicht zu dehen gestellt werden, dem, wie mhd.-ahd. drãt zeigt, urspr. kein à zukommt, sondern gehört zu einer sonst nicht im Germanischen vertretenen, aus drehen erweiterten Wurzel, die lat. tor- quõre«drehenꝰ, gr. rpénecdoi«wenden» zeigen. 4BL. Drechsler, m., spätmhd. drehsler m. Dreck, m.(es, Pl.-e,-er): Unreinigkeit; als wertlos Verachtetes. Mhd. drec(Gen. dreckes) m. ausgeworfener Unrat von Men- schen oder Tieren; dazu ndl. drek m., anord. Beides 1712 bei Hübner Brewkr m., schwed. träck m., dän. dräk n. Vielleicht verwandt mit gr. rpo?(Gen. rpurõc) f.«Hefe, Unreinigkeit». Sehr ansprechend vergleicht Sommer Idg. Forsch. 11, 91 spätlat. kroia«Sauy aus*trogja mit unserm Wort. Doch hat gr. rpdroc«Bocky fernzubleiben. Redens- art: Dreck am Stechen haben: Unsauberes, Hinterhaltiges in geheimer Absicht. 4BL. dreckig, adj. Frühnhd.(bei Dasypodius 1537, Alberus AA 22 hat deckicht, 1475 cle- visch im Teuthonista dreckich). drehen, v.: im Kreise bewegen; mittelst Kreisbewegung eines Werkzeuges und durch Meißel rund formen(drechseln). Mit e für urspr. s(schon bei Luther drehen, obd. an- fangs dafür dräjen, dräen, drühen, noch bei Ludwig 1716 drähen), aus mhd. draæjen, drœn, ahd. dräjen, dräen; dazu ndl. draaijen, ags. Sräwan(mit starker Flexion), engl. throus, schwed.(aus dem Deutschen) dreja, dän. dreje. Verwandt sind gr. cvvrpfcau«ͥdurchbohren?, rpflld n.«Loch), repeiv«bohren, drechseln), lat. térebra f.«Bohrery, ir. farathar«Bohrer?, abg. treti creiben». 43L. drehbar, adj. Junge Bildung, noch nicht bei Campe 1807. Dreher, m.(-s, Pl. wie Sg.): Drechsler(in frühnhd. Glossaren des 15. Jh. bei Diefenb. 588); Türgriff(ndd.); langsamer Walzer. drei, Zahlw. Mhd. drô(Neutr. driu), ahd. drö, drie(F. drdo, N. driu); dazu asächs. thria, ndl. drie, ags. Pri, Hrõo, engl. three, anord. brir, schwed.-dän. tre, got. Freis(F. prijös, N. Frijc). Der Lautverschiebung gemäß stim- mend mit lat. trνs(N. riνο), gr. rpeic, aind. tri-(Nom. M. trjas), abg. trije, lit. tris, altir. fri. Bei substant. Gebrauch wird das Wort flektiert N. A. drei, seltner dreie, G. dreier, D. dreien; steht es attributiv ohne Artikel vor einem Subst., so ist beim Gen. die flektierte Form üblich, beim Dat. dagegen jetzt veraltet(zu dreien malen Schiller Jungfr. Prol.). Davon Drei, f.: Dreizahl; 3 Augen im Würfelspiel; die Ziffer für drei. Schon mhd.(in den beiden ersten Bedd.) Ayle f. 4B21L. Dreier, m.(-s, Pl. wie Sg.): Drei- pfennigstück. Im 15. Jh. Dreiheit, f., mhd. driheit f. Dreiling, m.(-s, Pl.-e): ein Maß, der dritte Teil von etwas oder das Dreifache von etwas(Luther zu Jes. 40, 12«ein Maß dreier Finger breit»), spätmhd. dréälinc m.; Dreipfennigbrötchen. Vgl. auch Drell, Dril- lich, Drilling, dritte. ZUS. Dreieck, n. Mhd. dräecke als Adj. dreieinig, adj.: als ein Wesen, in drei Personen bestehend. Im 377 drein drillen 378 17. Jh., während das dazu gehörige Dreieinig- keit schon mhd. als drleinekeit vorkommt. dreierlei, aneinandergerückte Gen. Pl. als Adv.(s. ei). dreifach, adj., bei Luther. dreifaltig, dreifältig, adj., mhd. drival- tec. Davon Dreifaltigkeit, mhd. drawalte- keit f. Dreifuß, m.: dreifüßiges Gestell, mhd. drivuoz m. Dreimaster, m.: Schiff mit drei Masten; steifer länglich dreieckiger Hut(bei Campe 1807). dreißig, Zahlw. (s.-ig), mhd. dréizec, drizic, ahd. drazuc; da- zu asächs. thritig, ndl. dertig, afries. thritich, ags. pritig, engl. thirty, anord. prjãtigi, schwed. trettio, dän. tredive, got. Preis tigjus. Davon dreißigste, Ordinalzahl, mhd. drizigeste, ahd. drizugõsto. dreizehn, Zahlw., mhd. drizehen, ahd. drizehan, ndl. dertien, ags. Préotyne, engl. thirteen, anord. Prettãn, schwed. treton, dän. treten. Davon dreizehente, Ordinalzahl, mhd. drizehende. drein, adv. dara in. dreißig, s. drei. dreist, adj. u. adv.: aus Zuversicht und Selbstvertrauen furchtlos. Aus dem Nd., schon mnd. dyriste, dyist, asächs. thristi, ndl. driest, ags. Priste. Von Kluge unwahrschein- lich zu lat. tristis«traurig» gestellt, vgl. dagegen Osthoff Parerga 1, 168. Im Hochd. erscheint das Wort zuerst 1616 bei Henisch 760, 59 als dryste, driest, 751, 57 fg. als drieß, dries, driessig, 1663 bei Schottel als driest, dreist, 1691 bei Stieler als drüst, dreist, driest (dies ndd. driest noch bei Frisch 1741). Im 18. Jh. häufig in der Form dreust(zuerst 1711 bei Rädlein), die von Lessing 3, 307, Herder 1, 23, Weiße, Thümmel, Musäus, Schiller Fiesko 4, 14 gebraucht wird(auch noch bei Goethe Faust 6688 im Reim er- dreusten); Adelung 1774 und Heynatz 1775 haben dreist. 4L. Dreistigkeit, f. Mnd. dristicheit, gebildet zu dem von drast ab- geleiteten Adj. dristich. Stieler 1691 hat Driestigkeit, Rädlein 1711 Dreustigkeit. dreizehen, s. drei. drell, s. drall. Drell, m.(-s, Pl.-e): leinenes Gewebe aus dreifachen Fäden. Aus dem Nd.(mnd. im 15. Jh. drel). Vgl. Drillich. D. ist nach Brugmann Abh. Sächs. Ges. d. Wiss. 25 No. 5 S. 34 aus drinal entstanden, entsprechend einem ahd. zwinal, zainel, zenel«gemellus». dreschen, v. Prät. drasch und dvrosch, Part. gedroschen: mit dem üblichen Werk- Mhd. drin aus dar in, ahd. zeuge die Frucht aus den Hülsen schlagen. Mhd. dréschen, ahd. drescan; dazu ndl. dor- schen, ags. Ferscan(beide mit Umstellung des T), engl. thrash, thresh auch æprügeln», aisl. Pryskug, schwed. fröslca, dän. tärske, got. Brislan. Verwandt sind lit. kresinti «schlagen» oder traskéti«rasselny, abg. trésku cKrach». Vgl. auch die entlehnten ital. Eres- care, afranz. trescher«tanzeny, span.-port. triscar«mit den Füßen unruhig sein». Die Grundbed. scheint also clärmend mit den Füßen stampfen⸗ gewesen zu sein; das Ge- treide wurde früher ausgetreten. Das V. wird von Voß dröschen geschrieben. Das Prät. lautet mhd. drasch, Pl. dräschen, da- neben(vgl. das im Ahd. belegte dhruscun) druschen, nach diesem Pl. schon ülternhd. neben drasch, drusch(drusche Schupp 1, 397) und drosch, Schottel S. 582 setzt drasch und drosch an, ebenso Stieler und Bödiker, Gott- sched und Adelung geben der Form drosch den Vorzug, doch hat sich drasch daneben erhalten. Zuweilen auch schwache Flexion des V., bei Luther im Präs.(Imp. dresche Mich. 4, 13), später manchmal im Prät.(dreschte Haller Ged. 106). 4 BL. Drescher, m.(s, Pl. wie Sg.), spätmhd. drescher m. ZUS. Dreschflegel, s. Flegel. dressieren, v.: abrichten, einschulen. Aus franz. dresser, ital. dirizzare, eig.«gerade richten, wohin richten», abgeleitet von einem aus lat. direckus«gerade» abgeleiteten, aber nicht nachweisbaren mlat. directiare. Bei Sperander 1728. 43L. Dressür, f. Bei Campe 1813. Driesch, m. n. f.(-es, Pl.-e): 2u Gras- wachs und Hutung ungepflügt liegendes Acker- land, auch als Adj. driesch«brach». Ein ndd. u. rhein. Wort mit anlaut. d für hochd. und schwankendem Vokal. Mndl. driesch, 1475 clevisch dryesch, mnd. drésch, drisch, auch in mrhein. Quellen(Diefenbach-Wülcker 369, Crecelius 297) drisch, dris, jetzt hessisch dreisch(ei aus ie), drisch, schwäͤb. dreisch, nd. drésk, drésch(im brem. Wb. 1, 263 drusk). Dunkler Herkunft. 4L. Drieschling, m.: Champignon. 1475 clevisch dryeslyng. Häufiger Drüschling(1546 bei Bock Druschling«darumb das sie auff den druschen gern wachsen). drieseln, s. auch aufdrieseln. Drift, s. Trift. ldrillen, v.: kreisend herumbewegen. Frühnhd. Ein mhd.*drellen ist aus dem starken Part. Prät. gedrollen«xrund gedreht, 379 drillen drohen 380 drally zu erschließen; es ist wahrscheinlich aus dredl- entstanden und gehört zu drehen. Doch ist in drillen wohl noch ein andres Wort eingeflossen, das dem dän. trille, schwed. krilla«rollen, wälzen», engl. krill entspricht (s. Tyriller); dies ist wahrscheinlich aus triel- entstanden und gehört zu nd.-md. kriseln, S. Gufdrieseln. Häufig krillen geschrieben (bei Bürger, Voß, Schiller, Rückert). S. auch drall und drollig. 2drillen, v.: bohren; überlästig plagen, quälen, necken. Auch frillen(bes. in der 2. Bed.). Aus ndd.-ndl.(schon mndl.) drillen chohren?, dazu engl. thrill«bohren?, dän. (aus dem Nd.) drille, schwed. drilla. Eig. mit 1dyillen identisch. Die 2. Bed. schon im mnd. dyrillen(auch ndl. und däün.-schwed.); sie könnte auch aus drillen«drehen» abge- leitet werden, indem sie vielleicht urspr. eine Strafe für geringe Vergehen, das Ge- drehtwerden im Drehkäfig, dem Driller (Triller), bezeichnete. Z0S. Drillbohrer, m.(-5): mittels einer Schnur in Bewegung gesetzter Bohrer der Stein- und Metallarbeiter. Aus dem Näd., auch ndl. drillboor f. sdrillen, v.: zum Soldaten einüben. Wohl aus ldrillen hervorgegangen. Schon am An- fang des 17. Jh.(Soltau Volksl. 2, 298 v. J. 1606.) So auch ndl. dyrillen. Drillich, Drilch, m.(*J, Pl.-e): leinenes Gewebe aus dreifachen Fäden. Spätmhd. drillich m., aus dem mhd. Adj. Trillich, drilch, ahd. drilih«dreifach, dreifädmigy, das Nach- bildung des gleichbed. lat. trilig(Gen. tri- Icis) ist, vgl. Zwillich. S. auch Drell. Drilling, m.(-S, Pl.-e): zu gleicher Zeit mit zwei andern Kindern von einer Mutter geborenes Kind; dreiläufiges Jagdge- wehr. Nach Zwilling gebildet, bei Stieler 1691, während früher Dreiling gesagt wurde, vgl. ndl. drieling. Schwed.-dän. trilling wird direkt von anord. Prennr dreifach» abgeleitet. ²Drilling, m.(-s, Pl.-e): zweischeibiges Triebrad einer Mühle. Von 1drillen. Bei Adelung 1774. drin, adv. Mhd. drin, gekürzt aus dar in, ahd. dar inne. Vgl. drein. dringen, v.(Prät. drang, Part. gedrungen): mit treibender Gewalt sich bewegen, dann sich bewegen machen(wie drängen). Mhd. dringen, ahd. dringan; dazu asächs. dringan, ndl. dringen, ags. Pringan, anord. Prymgva, got. Breihan(aus*prinhan). Der Lautver- schiebung gemäß übereinstimmend mit lit. krenkti ædröhnend stoßen», franksmas m. «dröhnendes Getümmel». Das Prät. mhd. dranc, Pl. drungen kommt im 17., 18. Jh. auch als dyung vor. 4BL. dringentlich (von dem Part. Präs. gebildet), bei Wieland 18, 64, von Adelung 1793 noch nicht er- wähnt. dringlich, adj. u. adv. Frühnhd. (1482 im Voc. theut. f 2). drinne, adv.(Luther Jer. 32, 43. Goethe 31, 208). Mhd. drinne, gekürzt aus dar inne, ahd. dãr inne. Vgl. dar und inne, sowie drin. drinnen, adv.(schon bei Luther), ge- kürzt aus darinnen. Vgl. ldar und innen, mhd. innen, ahd. innanç, inndn. Drischel, m.(-s, Pl. wie Sg.) und f. (Pl.-n): Dreschflegel. Veraltet(noch jetzt obd.). Mhd. drischel, ahd. driscila f., dazu ags. Serscel m. Von dyeschen. dritte, Ordnungszahlwort zu drei. Mhd. dritte, ahd. dritto; dazu asächs. thriddio, ndl. derde, ags. Pridda, engl. third, anord. Fride, schwed.-dän. frediie, got. Pridja. Es entspricht genau lat. fertius(aus*tritzjos)(gr. rpiroc, aind. krtijas weichen etwas ab), oder lit. trébas, abg. tretil«drittery. Davon drittens, adv. Hervorgegangen aus dem schwachen Gen. dritten mit angetretenem adverbialischen s. Zuerst bei Nieremberger 1753, von Adelung aber noch als ein Wort des gemeinen Lebens bezeichnet. ZUS. drittehalb, dritthalb 2 ½, spätmhd. drithalp. Dritteil, gekürzt Drittel, n., mhd. dritteil n. droben, Raumadv., gekürzt aus dar oben (voc. ex quo 1469, daroben noch bei Herder zur Lit. 15, 77). Bei Luther, Goethe(I, 93 da d., 16, 59 dort d.). Dafür mhd. dar ohe, drobe(s. oben). Droge, f.(Pl.-n): Spezereiware. Aus dem gleichbed. franz. drogace, ital.-span.-port. droga f., das gewöhnlich mit engl. drug auf das ndl. droog ætrocken» zurückgeführt wird, also eig.«getrocknete Ware». Um 1600 entlehnt(Hulsius Schiff. 9, 42 Drogen). 43L. Drogist, m.(-en, Pl.-en): Spezereiwaren- händler. Aus franz. droguiste, ital. droghista m. Um 1600(Drogist Hulsius Schiff. 3, 19, Trugist Moscherosch Phil. 1, 344). drohen, v.: zu erkennen geben, daß man etwas Übles antun wolle. Mit der Nebenform dräuen, mhd. dröueben, dreuaben, drouwben, ahd. drewwen, droulben; dazu asächs. thröön (in githrõõn), ags. Préan. Die alte Verbindung mit lat. torvus«wild, finster» ist unsicher. Eher gehört das Wort zu gr. Trrpiückeiv 381 Drohne Drossel 382 «verwunden, schädigen». Vgl. noch Karsten Beiträge zur germ. Wortkunde 1 ff. Neben dieser ältern Form wurde auch in engrer Anlehnung an das Subst. mhd.(neben drοεαν) drõ, ahd.(neben draroa, drouaoa) drõ, drõa f. (danach bei Rückert 1, 458 altertümelnd Drohe f.), mhd. drn, auch schon ahd. dröan geschaffen. Luther gebraucht nur drewen, draawen, was auch sonst im 16. Jh. das ge- wöhnliche ist; dron, drohen sind selten(bei Dasypodius, Maaler nicht angeführt); Henisch kennt auch drohen und im 17. Jh. wird diese Form die übliche, doch erhält sich drüuen in der poetischen Sprache. 4B L. Drohung, f. Mhd. dafür dröuwwunge f., ahd. drazwunga, drõunga f. Drohne, f.(Pl.-n): Bienenmännchen, Brutbiene. Mit o für ursprüngliches a aus dem Nd., schon asächs. dräün, ags. drn f., engl. drone, dän.(aus dem Ndd.) drone. Das Wort kommt schon im 16. Jh. bei Nord- deutschen vor(Thronen Rollenhagen Froschm. 2, 3, 7) und wird von Schottel 1663 als Drone f. angesetzt; Stieler, Ludwig, Rädlein, Frisch aber kennen diese Form nicht und noch Adelung bezeichnet sie als ndd. Die urspr. hochd., noch in Osterreich und Sachsen üb- liche Form des Wortes ist Trene f.(bei Dasypodius 1537 kren, bei Maaler 1561 trän m., noch bei Adelung Thrane), mhd. tréne, trén, ahd. tréno m., mit asächs. drdãn im Ablaut stehend. Zu griech. revépnvn f. und revêpnddv m.«eine Bienen- oder Wespenarty, âvêpvn f. und dvôpnddhv m.«wilde Biene?, lakon. pdvos m. Drohney. dröhnen, v.: erschütternd tönen. Aus dem Ndd., schon mnd. dronen; dazu ndl. dreunen, anord. drynja, das zu drynr, got. drunjus m.«Schally gehört. Weiter ver- bindet man gr. opfvoc m.«Totenklage, Klage- lied, aind. dhränati«tönty(im Dhaätupatha). Das Wort dringt im 17. Jh. ins Hochd. ein (dͤrönen bei Schupp 1, 20, auch von Schottel 1663 verzeichnet), ist aber im 18. noch nicht völlig eingebürgert; nach Adelung ist es nur im Niedersächsischen einheimisch, und Kindleben 1781 nimmt es als mundartlichen Ausdruck mit auf. Drohung, s. drohen. drollig, früher drollicht(Lessing 1, 106), adj. u. adv.: wegen Sonderbarkeit ergötzlich. Aus dem gleichbed. ndd. drullig, ndl. drollig, abgeleitet von ndl. drol m.«Kegel, Klumpen, Knirps, Possenmacher», zu ¹drillen drehen?. Daraus sind auch entlehnt engl. droll«Schalky, franz. drõle«possierlich». Zuerst bei Schottel 1663 und Krämer 1678 verzeichnet. Ein älteres nhd. drollicht(drollet bei Hans Sachs) bedeutet«rund gedreht, rundlich, drall»(so noch bei Gellert 3, 279). Das mhd. trolle, trol m.«plumper Mensch, Tölpel, Ungetümy, dazu anord. kröll, troll n.«Dämonꝰ scheint nicht dazu zu gehören, s. auch Tyrulle. Dromedar, m. n.(*J, Pl.-e): einhöckeriges Kamel. Mhd. tromedär, dromedar m., aus lat. dromedãrius m. eig.«Schnelläufer» von gr. lat. dromas(camelus) Dromedary, gr. dpoudc«laufend. S. Trampeltier. Dromméte, f.: Trompete. Alt und dichtérisch, bei Luther Dromete, s. Trompete. 4B L. drommeten, v.: die Trompete blasen. Bei Luther. Droschke, f.(Pl.-n): vierräderiges Miet- fuhrwerk. Aus gleichbed. russ. droski, poln. droëélca f. um 1800 übernommen. Vgl. Zfd W. 8, 124. 379. Dröselei, f.(Goethe 5, 178): Tiftelei. Von dröseln, s. aufdrieseln. Drossard, m.(-s): Drost(s. d.). ndl. drosscard m. Bei Schiller 7, 217. Drossel, f.(Pl.-n): Art größerer Sing- vögel. In der jetzigen Form aus dem Ndd. Rhein., schon im I1. Jh. in andd. Glossen drossela, mittelrhein. im 11.— 12. Jh. drosla (ZfdA. 6, 331. 277), im 15. Jh. im Voc. ex quo drossel, drussel, druyssel, 1475 elevisch droissel. Die gewöhnliche mhd. Form ist dlroschel, ahd. drõscala f., abgeleitet von ahd. drõsca f.; hierzu mit abweichendem Vokal ags. Prysce f., engl. Ihrush. Eine 3. Form ist mhd. drostel(1482 im Voc. theut. f 32 trostel) f., dazu ags. prõstle f., engl. throstle(aus Sramst) und ohne das ableitende!(mit abweichendem Vokal) anord. Sröstr(aus Srastu-) m. Im Nhd. überwiegt zunächst Drostel(bei Oberdeut- schen) und Droschel, Henisch 1616 hat auch Drossel, Schottel 1663 und Stieler 1691 Drossel neben Droschel, Ludwig 1716 Drossel neben Droschel, Drostel; doch setzt noch Frisch 1741 Drostel(bei einigen Drossel, Droschel) an, das auch noch von Voß(Horaz Ep. 1, 15, 41) gebraucht wird, wührend Adelung nur Drossel zuläßt. Es besteht wohl Ver- wandtschaft mit lat. fardas m., mlat. furdela f. Drossel», lit. sträzdas m.«Drossely. Ver- wandtschaft mit gr. crpoοoc m.«Sperling» ist zweifelhaft. Doch vgl. Solmsen Idg. Forsch. 13, 138. Indes ist nicht völlig klar, in welchem Das 383 Drossel drum 384 Verhältnis die deutschen Formen zu diesen Worten und untereinander stehen. 2 Drossel, f.(Pl.-/): Kehle. Veraltet. Mhd. drugzel, drüzzel m., von dem gleichbed. mhd. drτοe f. m., ahd. drαa f.; dazu ags. Brotu f., engl. throat, auch wie im Hd. weiter- gebildet throttle«Kehle». Daneben steht mit anlaut. s mhd. strozze f.«Kehley, dazu andd. strota, ndl. stroot f., auch entlehnt ins Ro- manische(ital. strozza f.«Kehlen»). 4BL. drosseln, v.(Lessing 2, 237, Goethe 16, 176. 49, 1, 88), häufiger erdrosseln, v.: an dem Halse würgend töten. Um 1480 im Voc. inc. teut. d 5 droßlen. Drost, m.(-en, Pl.-en): Amtshauptmann, Landvogt(früher in Hannover). Das ndd. droste, spãt-altndd. drosséte, ndl. drost, afries. drusta, latinisiert drossatus, auch anord. drõttseti m., übereinstimmend mit dem hd. Truchseß(s. d.). S. auch Drossard. 4 BL. Drostei, f.: Bezirk oder Wohnung eines Drosten. drüben, adv., zu dem gleichbed. ältern drüber gebildet nach dem Verhältnis von drunten zu drunter. 1711 bei Rädlein. drüber, adv., gekürat aus daruber(s. 2dar). Druck, m.(-es, Pl.-e): Wirkung durch Schwere, drängende Kraft; das Auftragen einer Schrift mittels der Presse, sowie das Aufgetragene selbst. Mhd. druc(Gen. druckes, Pl. drücke), ahd. druc(Gen. drucches) m.; dazu ndl. drux m., ags. Erycc m., schwed. tryck, dän. frol n. Von drücken, v.: durch Schwere, drängende Kraft einwirken. Refl. sich drüchen auch s. v. a.«sich zurückziehend gering machen»;«sich still wegbegeben»(aus der Studentensprache bei Augustin 1795). Daneben drucken, jetzt nur noch vom Auf- tragen einer Schrift, von Figuren, Bildern u. dgl. mittels einer Presse(also Bücher, Zeuge u. dgl. druclcen). Beide Verba gehen zurück auf mhd. druchen(obd.), drüclcen, spätmhd.(wie älternhd.) auch trucken, trücken ahd. Grucchen; dazu ndl. drulrken, ags. Pryccan, anord. Prywja, schwed. irgcka, dän. tr-lire. Drucken ist eine Intensivbildung(vgl. schmui- cken zu schmiegen) zu anord. Fraüga drücken?, das wohl mit lit. frülcti centzweireißen, entzweigeheny, kträukiti zerren» zu ver- binden ist. Von Büchern steht drucken seit 1460— 70 und hat sich in dieser Bed. in der obd. Form festgesetzt(daneben anfangs drücken), weil die ältesten Druckorte meist auf obd. Gebiet gelegen sind. Auch in andrer Bed. wird obd. anfangs druchen(trucken) gebraucht, md. aber meistens drücken. So hat Luther in der Bibel meist drücken, aber Prät. druckte, Part. gedruckt, wie auch Clajus Gramm. 162 ansetzt. Drucken in der Bed. von drücken erscheint noch bei Rädlein 1711, Ludwig 1716 und Nieremberger 1753, wührend Frisch 1741 und Adelung wie jetzt unter- scheiden. Doch hat noch Goethe öfters drucken= drücken gebraucht, altertümelnd auch noch Rückert(z. B. 1, 297. 3, 13). 4BL. 1) von drücken: Drücker, m.(-s, Pl. wie Sg.): Werkzeug zum Drücken. Bei Stieler 1691. 2) von drucken: Drucker, m.(-s, Pl. wie Sg.). Bei Brant im Narrenschiff 65, 64 drucker. Davon Druckerei, f.(bei Brant 103, 99 truckery f.). Drucker, m., als Malerausdruck: Pinsel- strich von tiefer, starker Farbe zur nachdrück- lichen Hervorhebung, aufgesetzter Schatten. Bei Sulzer 1773. drucksen, v.(Goethe Jery 12): zurück- haltend langsam wozu sein. Als Frequen- tativ. von druchen= drücken gebildet. Von Adelung 1774 als neues Wort aufgeführt. 4BL. Druckser, m., bei Goethe 1, 143. Drude, f.(Pl.„/): Hexe, Zauberin, Un- holdin. Spätmhd. frate f.(dazu dän. drude, gotländ. Truda æliederliches Frauenzimmer»?), älternhd. drute, drutte. Falls das anlaut. t des mhd. Wortes auf d zurückgeht(wie in kausend) könnte Verwandtschaft bestehen mit anord. Sräch f.«göttliches Wesen, Walkyre, Jungfrau», eig.«gewaltigen, zu Hräd-(in Zusammensetzungen)«Kraft, Machty, Prächuagr «gewaltig», ags. Pryd f.«Kraft, Stärken(auch in Zusammensetzungen). Verwandtschaft mit ktraut ist nicht recht wahrscheinlich. ZUS. Drudenfuß, m.: dreifaches ineinander ver- schlungenes Dreieck als Fünfwinkelzeichen. Spätmhd. frutenvuoz m. Druder, f.(Pl.-n): wie eine Latte zu gebrauchende Stange; Dachlatte; Querlatte im Weinberg. Am Mittelrhein. Mit d für ursprünglichest aus mhd. fruoder(auch drudel Weisth. 1, 453 v. J. 1449, bei Alberus Dict. Nn. 3 b der Pl. trucdkelz). Vielleicht aus lat. trudlis f.«Stangey. Druide, m.(-n/, Pl.-n): altkeltischer Priester. Aus dem kelt.-lat. Pl. drüidae und driüides, von keltisch(gälisch) draoi, draoidh, druidh«Druide. drum, adv., gekürzt aus darum(s. d.), schon mhd. drumbe, drumme. 385⁵ drunten Duckmäuser 386 drunten, adv., gekürzt aus darunten(bei Luther 6, 393 ² Jen. darunden, Jes. 14, 9 drun- den), mhd. derunden und ohne auslautendes n dar unde, spät.-ahd. diruntini, s. 1dar. drunter, adv., gekürzt aus darunter(s. idar), schon mhd. drunder. Drusch, m.(-es, Pl.-e und Drüsche): Handlung des Dreschens; das Ausgedroschene. 1776 bei Krünitz 9, 563. 1Druse, f.(Pl.-n/): löcheriges, verwittertes Erz, leerer Raum im Gestein, dessen Wände mit Kristallen bedeckt sind. In der Berg- mannsprache des 16. Jh.(1546 bei Georg Agricola drusen«Höhlchen der Adern und Klüftey, 1562 bei Mathesius Sar. 45 b usw.). Wohl zu Drüse gehörig, vgl. Liebich Btr. 23, 226. 4 L. drusig, adj. 1557 bei Bechius vom Bergkwerck 56 drußig. 2Druse, f.(Pl.-n): in Gestalt kleiner Kristalle angeschossenes Gestein, czech. druza f. 1727 bei Hübner. sDruse, f.(Pl.-n): Geschwür; Drüsen- geschwulst mit Nasenausfluß des Pferdes(so auch ndl. droes m.). S. Drüse. Drüse, f.(Pl.-n): schwammiger Körper- teil zur Absonderung gewisser Feuchtigkeiten. Mhd. ahd. druos f.(daher unser Druse) und mhd. drüese, ahd. druos? f., auch s. v. a. ceichelartige Geschwulst, Beule, Geschwür» (daher die Verwünschung daß dich die Druäs cdaß dich die Pestbeule, die Pest befalle!»). Dunkler Herkunft. 4BL. drüsig, adj. Drusen, Pl.: Bodensatz, Hefe. Veraltet, noch im Alem. Mit d für ursprüngliches t aus mhd. kruosen, ahd. fruosana f.«beim Keltern zuerst abfließender Schaum», dann Bodensatz, Hefe»; dazu ndl. Troesem m., ags. drõösne f.«Bodensatz, übriggebliebner Rest von Gekeltertem, Trestery». Verwandt mit Trester, s. d. Das gleichbed. engl. dregs, apreuß. dragios scheint Ausfall eines h zu erweisen. Eine 3. Ablautstufe neben Druse und Trester zeigt schweiz. trost berreste im Bienenstock», schwäb. tros, trost«Hefe, preuß. dross, drost«Hefe, Wachs». drusig, s. Druse. drüsig, s. Drüse. Dschonke, f.(Pl.-n): Schiff. Aus dem Chines. 1703 im Zeitungslex. Juncke. Dschungel, m.(-S,-n), eigentlich nur im Plural Dschungeln. In neuster Zeit durch das Englische aus dem indischen Jangalas m. cmenschenleere Gegend» entlehnt. du, Personalpronomen der 2. Person. Mhd. da(betont da, dao), ahd. du; dazu Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. asächs.-afries. fha, ndl. du, ags.-anord.-got. pu, engl. thou, schwed.-dän. du. Der Lautver- schiebung gemäß stimmend zu lat. tu, gr. co (dorisch ro), aind. tvam, lit. tu, abg. tij. Die übrigen Kasus sind: Gen. dein(s. d.); Dat. dir, mhd. ahd. dir(mit aus s), got. us; Akk. dich, mhd. dich, ahd. dih, got. Fux. Dual, m.(-s, Pl.-e): Bezeichnung des Numerus, der die Zweizahl ausdrückt. Aus lat. dudlis«von zweien, zwei enthaltendy, zu ergänzen numerus Zzahl). Neuere Ent- lehnung. Von lat. duälis ist abgeleitet Dualismus, m.: Herrschaft von zweien. Bei Kant. Dublétte, f.(Pl.-n): Doppelstück, z. B. zweimal in demselben Besitze befindliches Stück(Buch usw.), zwei auf einmal erlegte Stück Wild. Aus dem gleichbed. franz. doublet m., von double(s. doppel). Im 18. Jh. entlehnt. Dublöne, f.(Pl.-n): eine Goldmünze, Doppeldukaten. Aus dem gleichbed. franz. doublon, und dies aus span. doblon m., von double(S. doppel). Um 1600 entlehnt(Do- blone Albertinus weibl. Lustg. 46, Dablone Zincgref 1, 309). Goethe gebraucht dafür auch Double(12, 8) oder Dubbel(12, 35). Ducht, f.(Pl.-en): Ruderbank. See- männischer Ausdruck, aus dem Niederd. ent- lehnt, wo er im mnd. belegt ist. Das cht ist aus ft entstanden. Die hd. Form ist Duft, aus ahd. doſta f.«Ruderbank»(mhd. nicht belegt); dazu mndl. dofte, dochte, anord. Hopta f. und die Zusammensetzungen ahd. gidofto, ags. gehofta, an. Pofti m.«Genosse auf der Ruderbank, Genossey. Nach Schade zu lit. ftupéti chockeny. Unsicher. ducken, v.: jemand niederdrücken; sich niederwärts zusammenbiegen. In dieser Bed. häufiger refl. sich d. Mit d für ursprüng- liches k(noch bei Frisch 1741 kucken) aus mhd. tucken, kücken zeine schnelle Bewegung machen, besonders nach unten). Verwandt mit mhd. tüchen«tauchen»(s. d.), zu dem d. Intensivbildung sein wird. Luther ver- wendet duchen und tücken, und auch sonst erscheint älternhd. oft ein umgelautetes däcken, kücken; noch Freyer 271 verlangt düchcen, Adelung hat nur ducken. Duckmäuser, auch Tuchmänser, m.(-s, Pl. wie Sg.): hinterlistig Heimlicher; Kopf- hänger. Bei Brant Narrenschiff 105, 19 dackel- muser, von dem spätmhd. Verb tockelmhsen «Heimlichkeit treiben», zusammenges. aus 25 35 87 Duekstein dem mit tuckeln(s. d.) zusammengehörigen tockel- und einem mhd. mäsen«langsam und leise gehen»(s. 2mdusen). Im 16. Jh. er- scheinen die Formen dockmeuser(z. B. bei Hans Sachs Fastn. 6, 183) und(mit Anleh- nung an Tücke) kückemeuser(Alberus Dialog. E35b), Henisch 1616 hat duchemausser; duckel-, dockelmäunser u. à. noch jetzt im Schwüäb.- Alem. 4B L. duckmäuserig, auch duck- méiusig, adj.(1669 bei Grimmelshausen Simpl. 476 dockmäusig). Dafür duchmäusisch bei Fischart die Gelehrten 638, tockmeuserisch 1697 bei Thomasius Schriften 1, 367. duck- mäusern, v., frühnhd. dackmausen(dock- maosent bei Hans Sachs Fab. 204, 104). Duckstein, m.: Tuffstein, s. Taff. dudeln, v.: auf einem Blasinstrumente schlecht blasen. Wohl gebildet nach poln. dhaclic«dudelny, von dem Pl. dudy/«Sack- pfeife». 1651 bei Mich. Franck dücdeln, bei Stieler 1691 dadeln. 4BL. Dudelei, f. Im 18. Jh. Dudeldei, m.(-s): unbedeutende Kleinigkeit, Spottgeld. Im 18. Jh. Z0S. Dudelsack, m.: Sackpfeife, bei Stieler 1691. Duéll, n.(-s, Pl.-e): Zweikampf. Aus dem gleichbed. lat. duellum. In der 1. Hälfte des 17. Jh. entlehnt(Moscherosch Phil. 1, 109; bei Schottel 1267 als m.). 4. duellieren, refl. v. Aus mlat. daellare. Bei Krämer 1678. Duellänt, m.(en, Pl.-en): Kämpfer in einem Zweikampf. Aus duellans(Gen. dael- lantis, dem Part.-Präs. von dauellare. 1694 bei Nehring. Duétt, n.(-es, Pl.-e): Gesang zu zweien. Aus dem gleichbed. ital. duetto m., abgeleitet von due weiy. Bei Adelung 1774. duff: matt, glanzlos, dumpf. Bei Campe. Niederdeutsch. Dazu ndl. dof. Wahrschein- lich mit foben verwandt(s. d. und Dufl). Düffel, m.(-s, Pl. wie Sg.): ein zottiger Wollenstoff. Neue Entlehnung aus dem gleichbed. ndl.-engl. deffel, das von dem Orte Duffel bei Antwerpen seinen Namen hat. Duft, m.(es, Pl. Düfte): gefrorner Dunst; feine Ausdünstung; feiner Geruch. Mit d für ursprüngliches t(Rädlein 1711 kennt noch kufft f.) aus mhd. kuft m., seltener f. Dunst, Nebel, Reif, an Bäumen usw. han- gender gefrorner Dunst», ahd. einmal dufſt «Frosty; ins Ndd. eingedrungen daft übler Geruch», woher dän. daft«Geruch». Dazu anord. dapt n.«Stauby, norweg. daft, dyft f. «Mehlstauby. Das Wort ist wohl weiter verwandt mit aind. dhüpas m.«Räucherwerk, dumm 388 Rauch»; kaum gehört das Wort zu ndl. dof, ndd. dasfhig dumpfig, feucht, matt». Vgl. Much ZfdW. 2, 286. 43L. duften, früher auch duften, v. Mhd. tüften(noch bei Rädlein 1711 küften). duftig, adj. Frühnhd. fäflig, düftig. düfteln, s. tüfteln. Dukäten, m.(-s, Pl. wie Sg.): Gold- münze. Aus spätmhd. ducate mn., von mlat. ducatus, ital. ducato m.; der Name daher, weil ein italienischer Herzog(ital. daca m.), man sagt der König Roger II. von Sizilien, als Herzog von Apulien zuerst, und zwar 1140 diese Münze mit der Inschrift sit tibi, Christe, datus, quem tu regis, iste ducatus prägen ließ. Früher auch Dacat f.(Grimmels- hausen 4, 134 Kurz). dulden, v.: willig oder ergeben zu- oder auf sich lassen. Mhd. dalden, dalten, ahd. dulten, dazu ndl. dalden; abgeleitet von mhd.- ahd. dult f.(s. Gedlald). Dies geht zurück auf mhd. doln, ahd. dolôn, doloön dulden); dazu asächs. fholian, tholon, afries. tholia, ags. Holian, engl. thole, anord. Pola, schwed. käͤlc, dän. kaale, got. pulan. Diese stimmen in der Wurzel überein mit lat. kolerãre er- tragen», tali«ich habe getrageny, gr. NXFvar cauf sich nehmenꝰ, aind. taldjati«hebt aufy, lit. filéti«schweigen»; die Grundbed. ist ctragen, ertragen». 4L. Dulder, m.(-s). Exrst in der Dichtersprache des spätern 18. Jh. (bei Klopstock), bei Adelung 1793(noch nicht 1774) als von einigen neuern Schrift- stellern versuchtes Wort angeführt. duld- sam, adj. Bei Henisch 1616 dultsam. Dul- dung, f. Bei Henisch 1616. Dult, f.: Jahrmarkt. Bayrisch. Urspr. durch irgend ein örtliches Fest(z. B. Kirch- weih) veranlaßt oder mit einem solchen in Verbindung stehend. Mhd. tault, ahd. tald f., dazu got. dulps f.«Fest, Feiery. Wie sich apreuß. tuldisnan«Fest» dazu verhält, ist unklar. Dulzinéa, f.(Pl. Daulæineen und“): Liebchen, Geliebte, eigentlich der Name der Geliebten des Don Quichotte Dalcinea von Toboso. Im 18. Jh. eingebürgert. dumm, adj.(Komp. dümmer, Sup. dümmst): an Verstand unkräftig, zu Einsicht und Kenntnis unfähig; kraftlos, verdorben(Matth. 5, 13); ürgerlich, unangenehm. KAlternhd. meist mit ursprünglichem t tunem(kumb) und thunem(tunth, bei Luther fhamn); Stieler, Steinbach, Frisch setzen tumm an, das auch noch bei Günther 18, Brockes 1, 158, Haller 67 389 dumpf dunkel 390 und zuweilen selbst bei Lessing steht. Da- gegen spricht sich Bödiker Sprachl. für dunum aus, dem Rädlein, Ludwig usw. folgen. Mhd. tump(flekt. tumber)«unklug, unerfahren (ohne Welt- und Menschenkenntnis), unge- lehrty, ahd. fump«stumm, taub, stumpfsinnig, töricht»; dazu and. dumb«dumm, unnütz', ndl. domb, ags. engl. damb, anord. dumbr, schwed.- dän. dam, got. dumbs(stumm). Die vertretenen Bedd.«taub, stummꝰ lassen an«stumpfsinnig? als Grundbed. denken; als verwandt haben zu gelten kaub, toben(s. d.). Aus dem Griech. wird ruoᷣαe(für eou†ρα᷑χαs)«blindy verglichen (Vgl. dazu anord. dumba f.«Nebel, Finsternisy, eig. Blindheit?). Doch sind auch andere Er- klärungen möglich, vgl. J. Schmidt Kritik 65, Siebs KZ. 37, 311. 4BL. Dummheit, f. Mhd. tumpheit f., and. dumphéd. Dümmling, m.(s, Pl.-e). Spätmhd. fummeling m. Z08. Dummbart, m.: Dummkopf(Bürger 323). Aus dem Ndd.(1755 bei Richey Idiot. 46 ange- führt). Dummerjan, Dummrian, m:: Dummkopf. Bei Seb. Franck Sprichw. 2, 49 b noch in zwei Worten dummer Jan. Jan ist die ndd. Form von Johann. Dummkopf, m. Bei Nieremberger 1753. dumpf, adj. u. adv.: feucht moderig; den Schall beengend, tief und gedümpft;(bezüg- lich des Gefühlslebens) ohne klare Besinnung. Erst im 17. Jh.(1678 bei Krämer der Komp. dumpffer, aber noch nicht bei Schottel 1663 und Stieler 1691), hervorgegangen aus dem ältern Adj. dnfig, dumpficht, schon im 15. Jh. dumpfig«engbrüstig», 1663 bei Schottel, 1691 bei Stieler s. v. a.«schimmelig», 1711 bei Rädlein«engbrüstig, feucht, schimmelig», 1716 bei Ludwig betäubt, feucht, muffig, heiserꝰ, auch ndl. dompig enge, finster, feuchty. Dies Adj. gehört zu mhd.(bei N. v. Jeroschin) dumpfe m. pampf»(vom warmen Blut), mnd. dunpe«catarrhus», bei Schottel, Stieler Dampf m.«Schimmelb, sowie zu mlA⁴. denpfen, dumpfen ædampfen, ersticken»y. Zu mhd. dimpfen, timpfen und dampf, tampf(s. Dampf). Die Grundbed. ist wohl«durch Rauch, Dunst beengend, feucht riechend, feuchty, dann eng- brüstig», weiter mit Ubertragung auf das Gehör cheiser, hohl»; diese Bed. ist Adelung bei dumpficht geläufig, während er sie bei dampf nur aus der neuern Dichtersprache kennt. 4BL. Dumpfheit, f. Noch nicht bei Adelung 1793, aber von Goethe öfter gebraucht. dumpfig, früher auch dumpficht, adj., s. oben. Dune, s. Daune. Düne, f.(Pl.-n): Sandhügel an der Meeresküste. 1616 bei Henisch Duni. Auf- genommen aus dem ndd. däne f., mnd. sant- dune f., ndl. dain m.«Sandhügel; dazu ags. dün f.«Hügel», engl. dowon Sandhügely. Schon ahd. aus dem Nd. entlehnt dina f. Vorgebirgy. Verwandt ist air. dün«Hügel» (aus dem dann zaun ſs. d.] entlehnt wird) und vielleicht gr. Gic, Gen. 0Tvéc f. Sand- hügel am Meer⸗. Dünung, f.(Pl.-en): starke Wellenbe- wegung des Meeres bei verhältnismäßig stillem Wetter. Aus dem ndd. und weiter aus fries. dining«starker Wellengang der See», ndl. deining f.«Brandung, heftige Bewegung der Seey. Herkunft unbekannt. Dung, m.(-és, Pl.*e): Stoff zur Besserung des Bodens und zur Pflanzennahrung. Alter- nhd. auch mit dem ursprünglichen t kung. Mit Wechsel des Geschlechts aus mhd. funge(auch künge f.), ahd. tunga f. und tungin f.«Düngung», vgl. auch mhd.-ahd. tunc f.«im Winter mit Mist bedeckte unterirdische Webstätte; dazu afries.-ags. deng f., engl. dang«Düngery. Her- kunft unsicher. Vielleicht zu gr. rdο αrab» (aus*d.ꝓροσα]), lit. dengti cbedecken», vgl. Zu- pitza Gutt. 99. Das M. erst bei Steinbach 1734(neben dem F. Dung) und Frisch 1741, früher Dung f.(bei Henisch 1616, bei Grim- melshausen Simpl. 31 Tung) und das um- gelautete Dünge f.(1540 bei Alberus Dict- AA 2 b düng, noch Rädlein 1711 hat Däng, Ludwig 1716 Dünge, das noch von Heynat⸗ 1796 angeführt wird). Auffallend ist die obd. Nebenform Dumm. 4.BL. düngen, v., älternhd. auch füngen(Lohenstein Cleop. 6), mhd. tungen, kungen; dazu ags. dngan, engl. dung. Dünger, m.(-s), spätmhd. funger. dunkel, adj. u. adv.: des Lichtes er- mangelnd. Bei Luther und sonst älternhd. mit dem ursprünglichen t kunkel(z. B. bei den schlesischen Dichtern, noch bei Ludwig 1716). Mhd. funkel, ahd. funchal, tunkal; dazu anfr. dunkal, schwed.-dän.(entlehnt) dankel. Daneben mit andrem Suffix älter- mhd. tunker wie asächs. dankar, mnd. decnker, ndl. donker, afries. diunker, und ohne Ab- leitung und mit abweichendem Vokal afries. diunk, anord. dotler(urspr. dinkawa-). Dunkler Herkunft. Vielleicht wurzelverwandt mit aind. dhbäntäãs dunkel, gr. Odvaroc m. Tod. Davon substantiviert Dunkel n., bei Luther kunckel n., mhd. dafür tunkel f., ahd. tunchal?, 25* 391 Dünkel düpieren 392 kunkali f. 4BL. Dunkelheit, f., mhd. kunkelheit f. dunkeln, v.: dunkel werden, mhd. kunkeln, ahd. lunchalén. Dünkel, m.(-s): herabsehende hohe Meinung von sich. Bei Luther däünckel und dunckel, tunckel«Bedünken, Einbildung»; auch bei Henisch 1616 Dunckel. Die jetzige Bed. zuerst bei Schottel 1663, aber erst um die Mitte des 18. Jh. allgemein üblich. Ge- pildet von mhd. dunc m. Bedünken»(da- neben auch dinkel- in düunkelbilde n., vgl. mnd. dunlcelgõd«dünkelhaft»), zu dünken(s. d.). 4B2L. dünkelhaft, adj. u. adv. Noch nicht bei Adelung 1793, aber 1774 von Klopstock gebraucht. dünkeln, v.(Goethe Faust 2630). Dunkelheit, dunkeln, s. damnkel. dünken, v.(Prät. auch däzchte, Part. gedlüucht): nach Ansehen und Bedenken wahr- scheinlich sein, nur unpers. mich(mir) dünket und refl. sich d.: von sich der Meinung sein. Mhd. dunſten(im Obd., auch noch frühnhd.), dünken, ahd. dunken; dazu and. ian, ndl. dunken, ags. Pyncan, engl. think, anord. Pykeleja, schwed. fycka, dän. yνα, got. Pugkjan. Mit mhd. dunc m.(s. Däünkel) im Ablaut zu denken und Dank(s. d.) stehend; verwandt ist lat. tongére«kennenꝰ, pränest. tongitio«Kenntnisy, osk. fanginäd«Meinungy. Das Prät. lautet mhd. dahte, Konj. diuhle, Part. geduht, daneben auch dan3cte, gedunkt Nhd. entwickelt sich aus dem Konj.-Prät. deuchte ein Präs. deuccht (S. däuchten); als dessen Prät. gilt dauchte, das im 18. Jh. veraltet, aber noch von Klopstock, Voß, Bürger gebraucht wird, da- für dann däzchte, das auch noch als Prät. von dünken(neben diünkcte) empfunden wird, und das Part. gedéiucht. dünn, unverkürzt(bei Luther, jetzt na- mentlich noch poetisch) dünne, adj. u. adv.: von geringer Dicke, von geringem Umfang;(von Flüssigkeiten) leicht fließend. Mhd. dinne, ahd. danni; dazu and. thunni, ndl. dan, ags. ynne, engl. thin, anord. punnr, schwed. fann, dän. kynd. Der Lautverschiebung gemäß über- einstimmend mit lat. tenuis«dünn, zarty, gr. rovu-(in Zusammensetzungen)«gestreckt, lang, schlank», ravdc«langy, air. ftana, abg. kinüki, aind. fanis lang, schmal, dünn». Zu dehnen(s. d.), also Grundbed.«ausge- dehnty. 4BL. Dünne, f., mhd. dünne, ahd. dunn? f. dünnen, v., mhd. diunnei«dünn machen»(daneben dünn sein», ahd. dunnén). Duns, m.(-es, Pl.-e): von Gelehrsamkeit Aufgeplasener, eig. sich in Grübeleien und überfeinen Spitzfindigkeiten gefallender Ge- lehrter. Wohl von dem Philosophen Joannes Duns Scotus(† 1308), der die auszeichnende Benennung doctor subtälis erhielt. Vgl. engl. dunce«Dummkopfy», das ebenfalls auf Dans Scotus zurückgeht. Erst gegen die Mitte des 18. Jh. vorkommend. dunsen(Voß Ovid Nr. 49, 201), s. auf- gechuunsen. Dunst, m.(-es, Pl. Dünste): feine auf- steigende in der Luft schwebende Flüssigkeit; dicke verdorbene Luft; feinstes Schrot(1727 bei Hübner); feinstes Mehl. Selten Dunst f. (Gellert verm. Schriften 1, 23). Mhd. dunst, ursprünglicher tunst m., md. auch f.«Aus- dünstung, feuchter Dampfy, aber ahd. kanist, danist, dunst m.«Ungewitter, Sturm»(noch schweiz. dunst, däst, füst«jWind durch Er- schütterung, z. B. von einer Kanonenkugel, Lawine, vom Einsturz eines Hausesy). Da diese Bed.(Staubwind) als die ursprüngliche anzusehen ist, wird das Wort auf dieselbe Wz. zurückgehen wie aind. dhuos zerstieben?, dhwastis f.«das Zerstiebeny. Vgl. Dust. Daß Duft dazu gehört(wie mhd. vernunst neben vernunft, vernuft steht) ist wegen der ahd. Formen nicht wahrscheinlich. 48. dunstig, früher auch dünstig(noch bei Wie- land Idris 2, 53), adj. Mhd. dunstec dampfend'ꝰ, ahd. dunistig«stürmisch». dunsten, dünsten, v.: Dunst von sich geben, dampfen; zum Dampfen bringen. Mhd. dansten, dunsten nur als Intrans. ZUS. Dunstkreis, m.: der einen Himmelskörper zunächst umgebende Luftkreis, Atmosphäre. 1754 bei Reimarus vornehmste Wahrh. d. natürl. Rel. 259. Dunzel, f.(Pl.-n): lebhaftes, munteres, ausgelassenes Mädchen: leichtfertiges Mädchen. Aus franz. donzelle(und dies aus ital. donzella), span. doncella f., das auf mlat. domli)nicella, eine diminutive Bildung von domina f.«Herrin, Frau» zurückgeht. Am Mittelrhein(Maler Müller 1, 229). Duodéz, n.(-es):(urspr.) Format, wenn der Bogen in 12 Blätter gefalzt ist, die Zwölftelgröße,(jetzt) kleines Format; in Zusammensetz. lächerlich klein. Aus lat. in duodecimo(duodecimus«der zwölfte). Bei Sperander 1727. dupfen, s. tupfen. düpieren, v.: täuschen, überlisten. Um- bildung von gleichbed. franz. duper, das un- bekannter Herkunft ist. Bei Roth 1791. 393 duplieren Durchlaucht 394 duplieren, v.: verdoppeln. Aus dem gleichbed. lat. dupläãre. 1478 bei Nicl. v. Wyle 349, 20. Dazu Duplik, f.(Pl.-en): die Entgegnung des Beklagten auf die Replik des Klägers. Aus franz. gleichbed. dupligue f., einer Ableitung von dupliquer, das aus lat. duplicdre«verdoppeln» stammt. 1710 bei Nehring noch in franz. Form. Duplikät, n. (, Pl.-e): Abschrift eines Schriftstücks. 1728 bei Apinus duplicata. Duplum, n. (s, Pl. Dapla): das Doppelte. Aus gleichbed. lat. duplum. Davon in duplo: doppelt. Beides 1728 bei Apinus. Dur, s. Moll. durch, adv. sowie präp. mit Akk.: So, daß Trennung da ist: in— hin und aus— (z. B. er geht durch die Tur= in die Tür hin und aus ihr); von einem Ende bis zum andern hin; auf Ursache oder Wirkung von—. Mhd. durch, dur, ahd. daruh, darah durh; dazu asächs. tharh, ndl. door, deur, ags. Purh, engl. through und thorough durchausy, da- neben mit anderm Ablaut got. airh, dem ahd. dérh durchbohrt(vgl. derha«Offnung) entspricht. Wegen der Bed. ist noch got. Pairkõ f.«Loch, Ohr und ahd. durhil, mhd. diirhel, dürkel«durchlöcherty heranzuziehen. Falls der auslaut. Guttural in d. als ableitend petrachtet werden kann, ist gr. repeiv, ropeiv durchbohrem, gr. rpüτ/ f.«Loch, Höhley als verwandt anzusehen. In der Zusammen- setzung hat d. mit Substantiven verbunden den Hauptton, z. B. Dürchgang, Dürchlaß; mit Verben verbunden nur dann, wenn es von diesen in der Flexion getrennt werden kann, z. B. dürchbrechen, ich breche dürch, dürchgebrochen usw.; ist es aber untrennbar, so ruht der Hauptton auf der Stammsilbe des Verbums, das dann im Part.-Prät. ge- nicht annimmt, z. B. durchbréchen, ich durch- bréche, darchbröchen usw. Auch als erstes Wort in der Zusammensetzung mit Partikeln, hat darch den Hauptton nicht, sondern diese erhalten ihn, z. B. durchätes, darchhin usw. durchäus, adv.:(veraltet) hindurch und auf der andern Seite heraus; bis zum Ende (bei Luther); ganz und gar; unter allen Um- ständen, schlechterdings(bei Ludwig 1716). durchbrennen, v.: mit Brand durch- dringen oder durchdrungen werden; davon- laufen. Diese Bed. taucht um 1840 in der Studentensprache auf(zunächst die Univer- sität verlassen») und ist wenig später auch in die Umgangssprache eingedrungen. durcheinander, adv., Zusammenrückung von durch und einander(s. d.). Schon bei Keisersberg. Davon Durcheinander, n. (Schiller Räuber 2, 3). Durchfall, m.(-s): die bekannte Krank- heit. 1711 bei Rädlein. Von durchfallen, v.: durch eine Offnung fallen;(bei einer Bewer- bung usw.) nicht bestehen. Diese Bed., die Lessing 8, 413 aus der gemeinen Sprache anführt(auch Adelung 1774 verzeichnet sie) geht zurück auf die schon frühnhd. Redens- art durch den Korb fallen, was eig. auf den Liebhaber, der im Korbe zum Gemach seiner Geliebten emporgezogen wird, geht(vgl. DW. 5, 1802) und die Bed.«bei der Liebes- werbung keinen Erfolg haben» hat. Durehgänger, m.(s, Pl. wie Sg.): Aus- reißer. Ursprüngl. von Soldaten, so 1691 bei Stieler. Jetzt von Pferden und flott lebenden Menschen gebraucht. durchgängig, adj. u. adv.: von Anfang bis zu Ende, ohne Unterschied. Bei Nierem- berger 1753 als Adv.«überally, bei Adelung 1774 auch als Adj. Nicht das mhd. darch- gengic, ahd. daruhgengic einen Durchgang habend», abgeleitet von mhd. durchganc, ahd. daruhganc m., sondern eine jüngere Bildung, die sich an durchgehen anlehnt. Alter ist das gleichbed. durchgehends, genetivisches Adv. Bei Krämer 1678. Durchlaucht, f.: fürstliche Person. Als hoher Titel schon zu Anfang des 16. Jh. Substantivierung des Adj. darchlaucht: fürst- lich erhaben. Dies ist urspr. Part. Prät. von durchleuchten, mhd. durchliahten durch- strahlen», Part. darchliuhtet, gekürzt durch- liuht, das seit dem 14. Jh. als Ehrenbeiwort fürstlicher Personen für das lat. illustris(das in derspätern römischen Zeit Ehrenbezeichnung von Beamtenwürden war) steht; daneben namentlich mdâ.(mit Einführung des Rück- umlauts) durchläht. Alternhd. findet sich- durchleucht und durchlaucht, entsprechend beim Subst.; Durchleucht, das noch 1741 von Frisch angesetztwird, während es Adelung 1774 nur caus einigen Gegenden» kennt, noch bei Schiller Kab. 1,6. 4. durchlauchtig, adj. Mhd. durchliuchtec«durchscheinend, strahlend, hellglänzendy, spätmhd. darchliuhtig, durch- luhtig als Titel, älternhd. auch durchläuchtig (1722 bei Freyer 47), durchleuchtig(1741 bei Frisch). Davon Durchlauchtigkeit, f. Spätmhd. derchlähtigkeit als Ehrentitel. Später durch das einfache Darchlaucht zurückge- 395 Durchmesser dürr 396 drängt, nach Adelung nur Kanzleiwort(doch noch bei Schiller Wall. Lag. 11). Durchmesser, m.: eine gerade Linie, die eine Figur in zwei gleiche Teile teilt. Als Ubersetzung von Diameter m., gr. did- Herpoc f. 1670 bei Joh. Christoph Sturm teutscher Archimedes. durchs, zusammengezogen und verschleift aus durch das. Mhd. durchz, durchez aus darch daz. Durehschlag, m.(-es, Pl. Darchschläge): siebartiges Gerät zur Absonderung des Flüs- sigen, Feinern vom Gröbern; Kopie der Schreib- maschine. Spätmhd. durchslag m., von darch- slahen, ahd. daranslahan«durchlöchern, durch- drückeny. Durchschnitt, m.(es, Pl.-e): Durch- schneidung(1561 bei Maaler); eine durch- schneidende Linie(Beleg von 1684 bei Gombert 8, 9), im 17. u. 18. Jh. Durchmesser(1853 bei Harsdörffer mathem. Erquickstunden 3, 394); Darstellung eines durchschnitten gedachten Gegenstandes(bei Ludwig 1716); Mittelzahl, Mittelwort(Brockes 3, 233). 4L. durch- schnittlich, adj. u. adv.(nach der letzten Bed. von Durchschnitt). In der neuern Sprache. Durchsicht, f.: Blick durch etwas hin- durch; zu einem solchen Blick geeigneter Ort; prüfendes Durchlesen. Erst bei Stein- bach 1734. Gebildet von dem Adj. durch- sichtig, mhd. durchsihtec. durchstankern, durchstänkern, v.: in kleinlicher Weise durchsuchen, eig. durch- schnüffeln, durchriechen. S. stankern. Im 17. Jh. in Mitteldeutschland(z. B. bei Weise Hauptverd. 28), aber von Gellert 4, 20 als nicht schriftsprachliches Wort gerügt. Durchstecherei, f.: in heimlichem Ein- verständnis mit andern bewirkte Betrügerei. Bei Frisch 1741 aus älterer Quelle belegt. Von dem älternhd. mit einem durchstechen (noch bei Lessing 10, 209): mit einem andern Betrügerei heimlich verabreden, eig. wohl «die Karten durch Durchstechen kenntlich macheny, vgl. abkarten. Andre knüpfen an die betrügerischen Kniffe der Riemenstecher (s. d.) an, die sich auf Jahrmärkten produ- zierten. Schon mnd. dorchstelcen hat den Sinn cbetrügen». durchtrieben, adj.: von Anfang bis zu Ende bewandert und ausgelernt; aller Schlau- heit voll und unermüdlich darin. So in Bez. auf Böses schon mhd. durchtrihen, das Part. Prät. von durchtriben ædurchstreifen, durchwandern», dann s. v. a.«geistig durch- dringenꝰ. durchwamsen, s. v. wie abzwaꝛsen(s. d.). durchwég(und dürcheoeg), adv.: ohne Ausnahme; allemal. Zusammenrückung der Präp. durch mit dem Akk. Sg. Weg, vgl. himweg. Das von Adelung 1793 noch nicht verzeichnete Wort wird von Heynatz 1796 als niedersächsisch aufgeführt. dürfen, v.(Präs. darf, Pl. dürfen, Prät. durfte, Konj. dürfte, Part. gechurfk): nötig haben(noch häufig bei Luther, auch später altertümelnd, z. B. Claudius 3, 130, heute dafür bedlürfen); Ursache haben; Freiheit wozu haben. Mhd. dürfen, durfen«nötig, Ursache, Freiheit haben», ahd. darfan Not leiden, Not habeny; dazu asächs. Hardan, ndl. durven, ags. pur fan, afries. ihurua, anord. purfa, schwed. karfva, dän. tarve, got. Haurban(Präs. arf, Prät. Paurfta)«nötig haben». Die Grundbed. ist entbehren, wie sie auch in darhen(s. d.) erscheint, vgl. noch bieder, verderben. Mit älternhd. kitrren(s. d.)«sich getrauen, wageny, das durch dirfen völlig verdrängt wurde, hat dieses Wort nichts gemein. Das Prät. lautet mhd. dorfte, Konj. dörfte, Part. gedlorft, im Nhd. ist meist(schon bei Luther) nach dem Inf. dürfen u eingedrungen, doch haben andre in umgekehrter Ausgleichung dörfen, Praät. dorfte, Part. gedörft, so 1574 Olinger Gramm. 89 und noch bis ins 18. Jh.(1741 bei Frisch dörfen). Das Part. lautet schon frühnhd.(anch bei Luther) in Verbindung mit einem Inf. irfen. Durft, nur in Notdurft(s. d.). dürftig, adj. u. adv.: wie bedürftig; Mangel an Unentbehrlichem leidend, arm; armselig, unzureichend. Mhd. dürftic, ahd. darflic; dazu asächs. fhurftig, anord. Hurftugr. 43 L. Dürftigkeit, f., mhd. dürflicheit f. dürr, unverkürzt(bei Luther) dirre, adj. u. adv.: der innern lebenskräftigen Feuchtig- keit günzlich benommen; mager. Mhd. dürre, ahd. durri; dazu asächs. thurri, mndl. dorre, ndl. dor, ags. Pyrre, anord. purr, schwed. torr, dän. för, got.(mit der ursprünglichen Laut- verbindung /s) Haursus. Zu dem bei dorren (8. d.) angegebenen got. Wurzelverbum Hairsan, vgl. auch Durst. 4BL. Dürre, f., mhd. därre, ahd. durri f. ZUS. Dürrfleisch, n., auch (mit der md. Form dörr= dirr) Dörrfleisch n.: in Rauch gedörrtes Fleisch. Schon bei Hans Sachs 1, 330°. 397 Durst Düte 398 Durst, m.(-es): Verlangen zu trinken; (bildlich) heftiges brennendes Verlangen wo- nach. Mhd. ahd. durst m.; dazu asächs. thurst, ndl. dorst, ags. Pyrst m., engl. thirst, anord. horstim., schwed.-dän. först, got. weitergebildet haurstei f.«Durst». Abgeleitet mit Erhaltung des ursprünglichen s von der Wurzel des got. Bairsan(s. dorren und dürr). Es weist also urspr. auf Därre im Schlunde, die zum Trinken reizt. 4B L. dursten und(nament- lich in übertragenem Sinn) dürsten, V.: Durst empfinden. Mhd. dursten, dürsten, ahd. dursten; dazu asächs. thurstian, ndl. dorsten, ags. Byrstan, engl. thirst, anord. Hyrsta, schwed. första, dän, törste. Im Got. ohne ableitendes- Paursjan«dürsteny, das der Lautverschiebung gemäß mit aind. tysſati dürsten» übereinstimmt, vgl. auch aind. frsüs cdurstig, verlangend», den Lauten nach das deutsche dürr(s. d.), eig.«verlangend nach etwas». durstig, adj., mhd. durstec, ahd. durstac; dazu asächs. fhurstig, ndl. dorstig, ags. Pyrstig, engl. thirsty, schwed.-dän. törstig. dürstig, adj.: verwegen, s. kürstig. dürstiglich, durstiglich, adv., s. fiürstig. dus, adj.: in sich gekehrt, schüchtern, still; glanzlos matt. In ober- und mitteld. Mundarten, auch bei H. L. Wagner Kinder- mörderin Akt 5 sie war immer 30 daß, S0 fromm aie ein Lamm. Nicht aus franz. douæ «sanft, mild, ruhig», das allerdings eingewirkt haben kann. Vielmehr zu dösen(s. d.) und Dusel(s. d.) gehörig, s. auch düsseln. Frühnhd. und noch jetzt mundartlich erscheint auch ein abgeleitetes dusam, dusmig, adv.«schüch- tern, still; trübe», das schwerlich aus doucement hervorgegangen ist. Dusche, f.(Pl.-n): Brause; Sturzbad. Aus gleichbed. franz. douche f., das aus ital. doccia f. stammt. Dies setzt ein vulgärlat. quctia voraus, das von däcere«führen» ab- geleitet ist und eigentlich«Wasserleitung⸗ bedeutet. Neue Entlehnung. Düse, f.(Pl.-n): Mündung des Gebläses in Hüttenwerken. Aus czech. duse f.«Höhlung des Geschützesy, abg. dusa f.«Hauch, Seele, Kerny. 1562 bei Mathesius Sar. 211 b küsel, 2132 thäsel m. Dusel auch Dussel, m.: Schwindel; Geistesbetäubung; Geistesdumpfheit; Glück. Daneben Dusel, Däsel, m.: dummer Kerl. Zunächst ndd., aber auch in ober- u. mitteld. Volkssprache(im 16. Jahrh. dusel, dussel Dämmerungy, obd. auch«Qualm, ansteckende Krankheit»). Mit d für ursprüngliches t wie in dus, dösen(s. d.), dösig. Vgl. noch ahd. tusic«geistesstumpf, unverständig, töricht», mnd. dusich«betäubt, schwindelig», ndd. däsig (mit Unrechtjetzt diesig geschrieben), ags.-εig ctöricht, engl. dizzy,«töricht, schwindeligꝰ. Verwandt ist auch noch mit Übergang des s in r Tor m.(s. d.). 45 L. duselig, dusselig (Goethe 27, 371), adj. Dazu ndl. duizelig «schwindeligy. duseln, dusseln, v.: betäubt sein, schlummern: geistesbetäubt, geistesdumpf handeln. Dazu ndl. duizelen«schwindelig seiny. 20S. Duseltier, n.: Schimpfwort in Nordd. düsseln, v.: leise reden(Schiller 1, 343); sich still verhaltend worauf sinnen(Schiller Räuber 1, 2). Aus dem Schwäb.-Alem., wo düsle neben düseme steht, vgl. dus. Mhd. täz astill», küzen estill seins, tützen, ahd. kutzen rum Schweigen bringen?(s. verdutzt) sind wohl fernzuhalten. Dust, m.(-es): Staub. Bei Goethe Faust 1116 und 6758. Aus dem Nâd.(mnd. dast m.«Staub, Spreu», daher bei Schottel 1663 dust«Dampf, Rauch»); dazu ndl. duist n., ags. däüst, engl. dust, anord. dust n.«Staubs. In allen diesen Formen ist vor weg- gefallen, das Wort ist also eig. mit Dunst (§. d.) identisch. düster(mit F), adj. u. adv.: dunkel, trübe, lichtlos. Aus dem Ndd., schon mnd. daster; dazu asächs. fhiustri, ndl. duister, afries. fhius- tere, ags. Pistre, Péostre«dunkel). Kaum entsprechend dem von thimm(s. Dämmer) abgeleiteten asächs. thimstar, ahd. dimstar(s. finster), wiewohl sich ein Übergang zeigt in älternhd. dünster(von dumpfem Geklingel, Simpl. 3, 98, 31 Kurz). Das Wort ist im 16. Jh. hochd. noch selten, Luther hat ver- einzelt duster, Mathesius tuster, Henisch 1616 duster, im 17. wird es häufiger(z. B. Mo- scherosch Phil. 2, 585), auch von Schottel und Stieler verzeichmet, doch weist es noch Adelung 1793 den gemeinen Mundarten zu. Jetzt ins Pfälz. und Schwäb.-Alem. als duster eingedrungen, hess.-nass. mit regelrechter Ent- wicklung des alten i zu eu deuster. Davon Düster, n. Am Ende des 18. Jh.(Voß 2,233). 4BL. Düsterheit, daneben Düstern- heit, f. Bei Stieler 1691. düstern, v.: düster werden(Goethe 6, 182, unpersönlich 3, 19), düster machen(Goethe 16, 352). Nâd. im 15. Jh. dustern. Düsternis, f. Ndd. u. md. im 15. Jh. düsternis. Düte, s. Tüte. 399 Düttchen Eber 4⁰0 Düttehen, s. Deut. Dutzend, n.(-s, Pl.-e): zwölf an der Zahl. Spätmhd. fotzen, tutzen n., woraus mit angetretenem Dental zutzend, dutzend, früher auch tutzet, datzet. Aus dem gleichbed. franz. douzainc, ital. dozzina f., woraus auch ndl. dozijn n., engl. dozen. duzen(mit 7), v.: mit du anreden. Mhd. duzen, düzen(woraus älternhd. auch dauzen), abgeleitet von dt. ZUS. Duzbruder, m., frühnhd.(Ringwald getr. Eckh. F 4). dwatsch, s. hoatsch. Dynamit, n.(-s): sehr starker Spreng- stoff. Ein 1867 von A. Nobel gebildetes Wort, abgeleitet von gr. dvapuic f.«Kraft, Gewalt, wirkendes Vermõgen», das auch sonst noch in vielen wissenschaftlichen Fremdwör- tern wie Dynämilc, Dynamomuaschinen usw. auftritt. Einzelne davon schon im 18. Jh. Dynäst, m.(en, Pl.-en): abhängiger Machthaber eines kleinen Landes. Aus gr. Jat. dynastes, gr. duvdcc m.«Machthabery. Bei Roth 1791. 481. Dynastie, f.: Herr- schergeschlecht. Aus gr.-mlat. dynastia, gr. dovacreia f.«Macht, Herrschafty. Bei Wächtler 1711. Dys-, aus gr. duc-«schlecht» entlehnte Vorsilbe, mit der viele Fremdworte zusammen- gesetzt sind, z. B. Dysenterie, f.(Pl.-=): Ruhr. Aus gleichbed. griech. du‿evrepia f., dessen zweites Glied«Inneres» bedeutet. 1710 bei Nehring. Dyspepsie, f.: schlechte Ver- dauung. Aus gr. duc-nepia f.«Unverdaulich- keity. 1727 bei Hübner. E Ebbe, f.: regelmäßig weichende Meerflut; ibnjan(in ga-ibnjan) andere Ableitung zeigt. (bildlich) Leere nach Abfluß. Aus dem Ndd., mndl. ebbe f., andd. in ebbiunga f.; dazu nal. ebhe f., afries.-ags. ebha m., engl. ebb,(entlehnt) schwed. ebb m., dän. ebbe. Das echtnor- dische Wort in dän. euje, aisl. efja f.«Moor, Schlammy. Da das e umgelautet, vielleicht zu ahd. aba«weg von)—(s. ab), abun cabgewendet»(s. äbicht), also«die abge- wendete, zurückweichende Fluts», oder zu aber, äber«leer, trockeny. Vielleicht aber auch eine alte Zusammensetzung ap-iſcd das Zurückgehen des Wassers». Vgl. auch Wiede- mann Bezz. Btr. 28, 74. Jedenfalls ist das Wort alt. Bei Henisch 1616 als sächsisch, dann bei Schottel 1663 als hd. verzeichnet. 4BL. ebben, v., mnd. ebben, and. in firebben «verwallen, wallend weichen(von Zorn)y, mhd.(vereinzelt im Md.) eppen, ags. ebbian. eben, adj.: geradlinig, ohne merkliche Er- hebung und Vertiefung. Mhd. eben, ahd. eban; dazu asächs. eban(and. emnia), ndl. even, ags. efen, engl. even, anord. jafn, schwed. jämn, dän. Jävn, got. ihns, vielleicht aus ios(mn wird zu bn) und zu lat. aemaulus«nacheifernd, imitor«komme gleichy, imãgo Ebenbildy, gehörig, vgl. Walde s. v. Davon das Adv. eben: gleichmäßig; genau; in diesem Augen- blicke. Mhd. ebene, ahd. ebano. 4 BL. Ebene, f., mhd. ebene, ahd. eban, ebenè f. ebenen, ebnen, v., mhd. ebenen, ahd. ebanön; dazu anord. jafnd, schwed. Jämna, während got. Vgl. auch neben. Ebenbaum, m.: ein Baum, der ein feines steinhartes schweres schwarzes Holz hat, das Ebenholz. Mhd. ebhoum, meist in lat. PForm ebenus, aus gr.-lat. ébenus f.«Ebenbaum und Ebenholzy, gr. éßevoc f., dies aus hebr. hob- ninè, dem Pl. von hobni statt obnã«steinern», von oben d. i. eben Stein. Ebenbild, n.: genau Entsprechendes. Mhd. ebenbilde n.— ebenbürtig, adj.: aus gleichem Stande geboren. Mhd. eben- bürltic.— ebenfalls, genetivisches Adv.: in übereinstimmender Weise mit dem Vorher- gehenden. Bei Stieler 1691 ebenfalls, 1598 bei Albertinus Sendschreiben 3, 158 5b ebens- falls, 1652 bei Gombert 8, 10 cebenes Falls. Ebenmaß, n.: Gleichmaß. Mit Wechsel des Geschlechts(s. Maß) aus mhd. ebenmäe, ahd. ebanmäãza f. 4B, ebenmäßig, adj. u. adv., mhd. ebenmezec, adj. Ebenholz, s. Ebenbaum. Ebenist, m.(en, Pl.-en): Tischler, der ein- gelegte Arbeit(urspr. Ebenholzarbeit) macht. Aus franz. ébéniste, ital. ebanista m., von lat. ehenus f.(s. Ebenbaum). Bei Roth 1791. Ebenteuer, s. Abenteuer. Eber, m.(-s, Pl. wie Sg.): männliches Schwein. Mhd. eber, ahd. ebar, ebur m., dazu and. evur-, ags. eofor, anord. jõfurr m.(über- tragen«Fürst, König») und weiter lat. aper, abg. vepri m.«Wildschwein». Vgl. Walde s. v. 401 Eberesche eckig 402 Eberesche, f.: Vogelbeerbaum, der der Esche ähnlich ist. Eberasch bei Cordus 1534, Ehberaschen 1588 bei Camerarius 161, Eber- esche 1599 in Colers Hausbuch 15, 22. Eber- könnte hier auf Aber- zurückgehen, wie auch mundartlich Aberesche vorkommt(1652 schle- sisch bei Scherffer Abresch), d. h. unechte, geringwertige Esche, doch vgl. auch im 15. Jh. eberboum, es hängt daher das Wort eher mit ir. ibar Eibe, Eberesche, zusammen, vyl. Schrader Reallexikon S. 784. Eberhard, Mannesname, ahd. Ebzarhart, zusammengesetzt aus Eher und hart«stark?. Eberwurz, f.: die auf den Bergen wach- sende Kreuz-, Karlsdistel. Mhd. und spät- ahd. eberwuarz f. Ebritz, m.(-és): die Aberraute(s. d.). 1482 eberitz(Voc. theut. f 5 b) neben eber- wurz. Mit Anlehnung an Eber aus der gr.- lat. Benennung abrötanum, gr. âßpöôrovov n. ebsch, s. äbicht. echappieren, v.: entwischen. Aus gleich- bed. franz. échapper, zusammenges. aus é, lat. ec ausy und chape aus mlat. cappa Be- deckung», also aus der Bedeckung, dem Ge- füngnis herauskommeny. 1710 bei Nehring. echauffieren, v.: erhitzen. Meistens refl. sich e. Aus gleichbed. franz. échduffer, das auf lat. excalfacere cerhitzen» zurückgeht, zusammenges. aus eg und cal-facere«warm machenn. 1710 bei Nehring. Echo, n.: Widerhall. Aus gr. lat. écho, gr. ixch f. Schon im 16. Jh. entlehnt, zu- nächst als F.(Fischart Garg. 63), was bis ins 18. Jh. noch vorkommt(Schiller 6, 303), dann im 17. Jh. auch Mask. und Neutr.(s. Gombert 8, 10). 4BL. echoen, v.: wider- hallen(von Goethe gebildet, Faust 9598). Echse, f.(Pl.-n): eine den Schlangen verwandte Art von Reptilien. Ein von den Naturforschern um 1840 aus Eidechse fülsch- lich abstrahiertes Wort. echt, adj. u. adv.: ehelich; probehaltig als das, was es sein soll. Aus dem Nad., mnd. und mudl. echte(daher nndl. echt m. «Ehe»), dann auch ins Ostmitteldeutsche ein- gedrungen, wo es durch die aus dem Sachsen- spiegel abgeleiteten Rechtsbücher mehr und mehr in Umlauf kam. Es entspricht(mit Zusammenziehung und Ersatz des ft durch cht) dem mhd. and. haft«gesetzlich, rechtsgültig, ehelich geboren?, afries. äãft(daher dfte f. Ehe»), abgeleitet von à f.«Gesetz»(s. Ehe). Das Wort fehlt noch bei Luther und in den Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. Wörterbüchern des 16. Jh., erscheint 1616 bei Henisch in der Rechtsformel e. und recht, im 17. Jh. sich dann weiter verbreitend. Stieler 1691 schreibt(mit Anlehnung an achten) ächt, was auch später üblich bleibt, dagegen er- klären sich Freyer und Adelung für e. 4BL. Echtheit, f., erst bei Adelung 1793. Eck, n.(-es, Pl.-en), meist Ecke, f. (Pl.-n): hervorstehender scharfer oder spitzi- ger Teil eines Körpers; innerer Raum, wo Flächen zusammenstoßen;(in nordd. Um- gangsspr.) eine geringe Entfernung(ein Ecke- chen bei Weiße Jagd 1, 11). Mhd. ecke, egge f., selten ecke n., ahd. ecka f.; dazu asächs. eggid, ags. ecg f., engl. edge, anord. egg f. chervorstehende Spitze wovon, Schneide der Waffey. Das Wort entspricht genau lat. aciés f.«Schneide, Schärfes, zu dem viele andere Worte gehören wie acuére«spitzen, schürfeny, acus f.«Nadely, gr. dxij f., dxic f. «Spitzey, s. auch Ahne, Ahre. Das N. Eok kommt, wie auch Adelung angibt, wesentlich dem Obd. zu(daher auch 1561 bei Maaler, während es Stieler u. a. nicht kennen), all- gemein jetzt in Drei-, Vereck usw. 4 BL. ecken, v.: Ecken bilden; an die Ecke stoßen, z. B. in anecken. Spätmhd. ecken auch als Ecke hervorstehen, in eine Ecke bringeny. eckig, früher eckicht, adj., mhd. eckeht. ZUS. Eekstein, m.: Stein einer Ecke; ein ein Bauwerk tragender Stein unter der Ecke; in der Spielkarte das franz. carreau. Mhd. eckestein m. in der 1. Bed.. Ecker, f.: Eichel; Spielkarte mit dem Zeichen der Eichel; Buchel(in Buchecker). Mhd. eckern und ecker n.«Frucht der Eiche oder Buchey, md. und ndd. auch ecker f., daneben ohne Umlaut(der eig. dem Pl. an- gehört) ackeran, ackeram n. m.(Pl. eckern); dazu ndl. aker m., ags. œcern n., engl. acorn Eichel», anord. axarn n., dän. agern Wald- frucht», got. alcran n. schlechtweg«Frucht», zu kymr. deron«Früchtey, eirynen«Pflaume?, korn. deran Pflaume?, ir. ãirne«Schlehe» (Zimmer bei Zupitza Gutt. 213), aber nicht zu Acker, also eigentlich«wilde Frucht», sondern zu einer Wurzel dg«wachsen», zu der noch lit. Aoga«Beere, Kirschey, abg. vin-jaga f. «Weinbeere» gehört. Vgl. Lidén Idg. Forsch. 18, 503. Von Karten gesagt findet sich noch die Form Eckern, auch in Zusammensetzungen wie Eckerndaus; sonst ist(vom Pl. die Eckern aus) das F. Ecker durchgedrungen. eckig, Eekstein, s. Eck. 26 403 edel Egge 404 edel, adj. u. adv.: von Geschlecht mehr als bürgerlich(von Adel); anerkannt ausge- zeichnet vor anderm seiner Art. Mhd. edele, edel, ahd. edili, durch Umlaut aus adali; da- zu asächs. edili, afries. ethele, ags. cœdlele, schwed.-dän.(aus dem Deutschen) ädel. Ab- geleitet von Adel(s. d.) in der Bed.«aus- gezeichnetes Geschlechty. 4BL. edeln, edel machen. Mhd. edelen, vgl. auch adeln. 2US. Edelknabe, m.: adeliger Knabe, der dient um Ritter zu werden. Mhd. edlel- knappe m. Edelknecht, m., mhd. edelkneht m. Hier hat Knecht die Bedeutung wie Knabe (s. d. und Knecht). Edelmann, m., mhd. (erst im 15. Jh.) edelman m., das Adj. edel- männisch 1598 bei Albertinus Sendschreiben 1, 134 b. Edelmut, m., erst bei Stieler 1691, während das Adj. edelmütig schon mhd.(in der Ableitung edelmüetecheit f.) vorkommt. Edelstein, m.: der zu Schmuck verwendete Stein, mhd. edelstein m., bei Luther mit Flexion von edel. Edelweiß, n.: Edelraute, filago leontopodium, eine Pflanze der Alpen. Fdgar, Mannesname, engl. Edgar, ags. Fadgar; dafür ahd. Otkxer(daher franz. Ooier). Von ags. 6.Hd, asächs. öd. ahd. öt n.«Besitztum, Vermögen,, und Ger(s. d.)«Wurfspießy. Edikt, n.: landesherrliches Ausschreiben, Verordnung. Aus lat. édictun n. urspr.«Aus- sage, Befehlo, dem als Subst. gebrauchten N. von odictus, dem Part. Perf. Pass. von lat. éclicére«aussageny. In der frühnhd. Kanazlei- sprache(Reichs-Ordnungen 119 b vom J. 1522). edieren, v.: herausgeben, bekanntmachen. Aus gleichbed. lat. édére. Schon in der 1. Hälfte des 16. Jh. geläufig(Schwartzen- bach Syn. 12²). Editiön, f.: Herausgabe, Ausgabe(eines Buches). Aus lat. éditio f. 1572 bei Rot. Edmund, Mannesname, engl. Ednuumd, ags. Fadmund, von ags. zad, asächs. öd n. Besitztum, Vermögen', und Mund(s. d.) &Schutzy. Eduard, Mannesname, engl. Edeward, ags. Faduweard, Vermögenswart 6. d. vor.). Efeu, m.(-s): Wintergrün, ein Ranken- gewüchs. Selten Neutr., 2. B. 1615 bei Alber- tinus Landstörzer 364 und 1735 bei Stoppe Parnass 32, noch seltener Fem.(1521 bei Judas Nazarei 26). Mhd. ephöu, ebehöu n., ahd. ebeherwi, ebihouavi n., daneben aber auch ebah, m., ebahhi, spätahd. ebeloe, ehowe n. und andere Formen(vgl. Björkmann Zfd W. 2 226), so daß die erstern Formen wohl An- lehnung an mhd. höu, ahd. heawi, houwi er- fahren haben werden; dazu mnd.(mit löf Laub» zusammenges.) 7/†löf, ndl. eiloof, ags. ifegn, dijſig n., engl. iu,«Wintergrüny. Dis Grundlage des Wortes, das nicht mit Eppich (s. d.), mit dem es vermischt worden ist, aus lat. apiuns abgeleitet werden darf, ist v.: dunkel. Hoops Idg. Forsch. 14, 484 vergleicht lat. iber«Steinbock» unter der Annahme einer Grundbedeutung«Kletterery. Alternhd. findet sich die Form Ebheu(noch bei Schottel 1663), Epheu, und in dieser Form drang die Aus- sprache ph= f durch im 17. Jh., wie die Schreibung Efeu(Harsdörfer Gespr. 3, 406) zeigt. Sie stammt aus dem Ostmd., während sich Ebhez n. im Obd. erhalten hat. Effeff, n., s. FF. Effékt, m.(-es, Pl.-e): Wirkung, Er- folg. Aus lat. effectus m.«Ausführung, Wir- kung, Erfolgy, von efficére«ausführen, be- wirkeny. Bei Rot 1571, ein Beleg von 1540 bei Gombert 8, 11. Effékten, Pl.: Hab- seligkeiten; Staatspapiere. Nach franz. les effets, aber im Laut an lat. effectus ange- schlossen. Von Gombert 8, 11 aus dem J. 1680 belegt. egaãl, adj.: gleichförmig; gleichgiiltig. Das franz. égal aus lat. aequlis. 1694 bei Nehring. Egart, f.: ungebrochenes Grasland, Brach- land. Aus mhd. egerde, egorte f., ahd. egerda f.«Brachlandy. Unbekannter Herkunft, vgl. Lexer mhd. WB., Schweiz. Id. 1, 129. In Oberdeutschland noch volkstümlich. Egel, s. Blutegel. 1 Egge, f.(Pl.-n): gewobene Leiste des Tuches, Selbende(s. Salband). Aus dem Ndd., mnd. egge f., nl. egge, eig. mit egge «Spitze, Kantey(s. Eoke) identisch. 1716 bei Ludwig angeführt, auch im 18. Jh. von nord- deutschen Schriftstellern gebraucht. 2Egge, f.(Pl.-n): Zinkengerät zum Acker- bau. Spätmhd. ege f., so auch bei Luther, 1537 pei Dasypodius(aber das V. eggen), 1540 bei Alberus Dict. L 2à, auch noch häufig im 17. Jh.(z. B. Lohenstein Hyac. 69); bei Stieler 1691 Ege und Egge, ebenso bei Ludwig 1716, bei Frisch 1741 dagegen nur Ege und auch Adelung erklärt sich für Ege, da er in Egge eine niedersächs. Form sieht, wäh- rend Campe Ege, das noch vielfach in den Mundarten lebt, nicht mehr hat. Die Form Egge ist im Anschluß an eggen= egen(s. „unten) geschaffen, schon mnl. egghe f.(nnl. egge, eg f.), egge 1495 in der Kölner Gemma, 405 Egoismus Ehehaften 406 ebenso hd. 1462 bei Mone Anz. 7, 154 fg., auch 1561 bei Maaler aus dem Schweize- rischen, Egken 1577 bei Junius 194 b. Mhd. dafür gewöhnlich egede, eide f.(das 1. noch alem.-schwäb., das 2. hess.), mnd. ebenso, md. 1517 bei Trochus Q5 b eyden, ahd. egida, and. egicha, ags. egede, egdte f. Verwandt ist lat. occa f.(aus*otela)«Egges, occãre eggen», lit. akéti«eggen», dazu ke οs Pl.«Eggen, preuß. aketes, korn. oket, kymr. oged Eggey gr. ökivn. 4BL. eggen, v. Alternhd. auch egen. Mhd. egen und eggen, ahd. egen, ecken (beide Formen aus vagjan). Egoismus, m.: Selbstsucht. Mit lat. En- dung aus franz. 6goisme m., abgeleitet von lat. ego«ichy. Bei Roth 1791.— Egoſfst, m.(en, Pl.-en): der Selbstsüchtige. Aus franz. égoiste m. Zu Anfang des 18. Jh. bei Chr. Wolff vernünft. Gedanken§ 944 Egoiste m. als philosophischer Ausdruck. Davon egofstisch, adj.: selbstsüchtig. eh, Interj. des Aufforderns, leichten Stau- nens. Wohl aus der franz. Interj. eh! Bei Nicl. v. Wyle d. ehe, eh, 1. adv.(jetzt fast nur mit kom- parativischer Endung eher): früher; lieber. 2. konj.: früher als, bevor. Mit Anfügung eines adverbiellen e(h ist dann hiatusfüllend zwischen getreten) aus mhd., geschwächt aus ér, ahd. ér, adv.(auch konj. und präp.) cfrühery; dazu asächs.-afries. ér, ndl. eer, ags. Eyr, engl. ere, got. airis«frühery». Dies ist das Adv. des Komp.(mit abgefallener Komp.-Endung außer im Got.) und steht neben dem adjektivischen got. airiza, ahd. ériro, mhd. érre, erre«der frühere». Der Positiv findet sich als got. air, ags. Er, anord. ãr, adv.«frühen. Vgl. auch erst und ehest. ehe gehört weiter zu gr. äpicrov n. (aus*Giepicrovy)«Frühstück», ſipi«in der Frühey, aw. ajaro am Tagey. Die Form ehe in md. Quellen des 15. Jh., dann der Kanzleisprache geläufig, wird auch von Luther gebraucht(Dasypodius 1537 hat eh, Maaler 1561 cc). In dem Adv. eher ist die Komp.-Endung angefügt, bei Luther noch selten neben ehe, Stieler 1691 hat(S. 359) für das Adv. eher. Als Präp. ist ehe- nur noch in ehedem, ehedessen, ehegestern, ehemals (s. d.) erhalten. Ehe, f.(Pl.-n): gesetzliche Verbindung von Mann und Weib. Mit Anfügung der Endung-e(h ist hiatusfüllend zwischen- geschoben) aus mhd. 5, früher éece f., ahd. bwa, ba f.«Ewigkeit, endlos lange Zeity, (eig. seit undenklichen Zeiten geltendes?) Recht, Gesetz, Vertrag»,(dann, zuerst bei Notker)«Rechtsverhältnis zwischen Mann und Weib», asächs. 60 m. Gesetzy, afries. Seα f.«Gesetz»(unser Ehe ist im Afries. äfte f. wie ndl. echt m., s. echk), ags., εινν f. Leben, Gesetz, Ehe», got. aiwos m. Zeit, Ewigkeity. Es entspricht lat. aevum n.«Zeit, Lebenszeit, Ewigkeit⸗, aetas(aus aevitas) f. Zeitaltery, aeternus(aus aeviternus)«ewig», gr. dichv m. Ewigkeit», diei, aiéc«immery, aind. djus n.«Lebensdauery». Die Bed.«Ge- setz, Vertrag, Ehey kann im Germ. entwickelt sein, vgl. Ding, doch trennen manche das Wort in dieser Bed. ganz und stellen es so zu aind. 5vas m.«Gang, Wandel, Sitte» oder recht unwahrscheinlich zu lat. aequus«gleichy, wobei dann ein Guttural im Germ. ausge- fallen sein müßte. Vgl. Meringer Idg. Forsch. 18, 295. 48. ehelich, adj. u. adv. Mhd. &lich; ahd. éolih, élih ist«gesetzmäßigy. Da- von ehelichen, v., spätmhd. élichen. ZU0S. Ehebett, n. Bei Luther. ehebrechen, v.: die eheliche Treue verletzen, mhd. ébrechen. Davon Ehebrecher, m., mhd. ébrechcre, und Ehebruch, m., spätmhd. ébruch m. Ehefrau, f., mhd. evrouwe f. Ehegespons, m. n.(-Ses, Pl.-): s. Gespons. Ehehaften, Pl.: rechtsgültiges Hindernis. Mhd. éhafte, ahd. éhaftli f. ist«Recht, Pflichty, abgeleitet von mhd.-ahd. éhaft gesetzmäßig, rechts- gültigy, s. echt. Ehehalt, Ehalt m.: Person, die vertragsmäßig der Dienstbote eines an- deren ist; Pl. Ehehalten«Hausgesindey. In Schwaben, Bayern, Osterreich. Mhd. éhalte, ahd. éhalto m.: der das Gesetz Haltende,(a) das göttliche:«Priester»,(b) das eines andern: Dienstbote). Ehekrüppel, m.: gebrech- licher Ehemann. Bei Henisch 1616. ehelos, adj. u. adv. Bei Luther, mhd.&lõs ist«außer- halb des Gesetzes stehendy. Ehemann, m., mhd. émon m. Ehepakten, Pl.: gegen- seitiger Heiratsvertrag. Bei Ludwig 1716. Vgl. Pakt. Ehestand, m. Bei Luther. ehedem, adv.: vor dieser Zeit. Erst bei Adelung 1774. Früher dafür ehecdles, ehe- dessen(Gellert verm. Schr. 1, 24), mhd.-ahd. 5 des. ehe hier als Präp. wie häufig mhd. 6. ehegestern, adv.: vorgestern. Mhd. égester, spätahd. ér-, égestere, égesteren, d. i. 6, ér als Präp. mit dem Dat. gestere, gesteren; dazu ndl. eergisteren, ags. Srgistranddœg. Ehehaften,- krüppel, lich usw., s. Ehe. 26* Ehre 408 407 ehemals ehemals, adv. Mhd. 5 mäles, d. i. é als Präp. mit dem Gen. von mäl Zeitpunkty (S. Mal), bei Luther noch getrennt ehe mals, sonst auch älternhd. cehemal. 43. ehe- malig, adj. Bei Stieler 1691. Ehemann, s. Ehe. ehender, adv.: eher. Oberdeutsch(älternhd. auch in der Literatur, z. B. bei Albertinus, Grimmelshausen). Mit Anlehnung an ehe und angetretener Komparativendungzurückgehend auf mhd. end, ent, konj.«ehe, bevors, ahd. enti «frühery; dazu ags. end, anord. ãdry«vorher», lat. aute«vory usw. Ehepakten, s. Ehe. eher, s. ehe. Vgl. auch zwannehr. ehern, adj.: aus Erz bestehend. Bei Luther ehrn und(unter Einfluß von kupfern, steinern usw.) ehern. Aus mhdâ.-ahd. érin, abgeleitet von ér, s. Erz. ehest, Superlativbildung zu eche. In der Kanzleisprache des 16. Jh. Davon ehestens, adv.: in nächster Zeit. Entstanden mit an- getretenem s aus dem Gen. des ehesten(da- neben auch älternhdl. ehestes). Ehestand, s. Ehe. Ehre, f.: das Ansehen, das jemand auf Grund seiner Stellung oder seiner Vorzüge genießt, sowie die Bekundung dieses Anschens durch andere, Auszeichnung; das auf dieses Anschen begründete Selbstbewußtsein. Schon bei Luther und Dasypodius 1537 mit dehnen- dem h Ehre. Mhd. ére, ahd. éra f.; dazu asächs. éra f.«Ehre, Schutz, Gnade, Gabey, ndl. eere f., ags. dr f.«Ehre, Glanz, Gnade, Hilfen, anord. eir f. Gnade, Barmherzigkeity, (entlehnt) schwed. ära, dän. ärye f. Got. wäre diza f. anzusetzen, zu dem aistan«sich vor jemand scheuen, ihn achten⸗ gehört, das mit lat. aestimäre«würdigens» verwandt ist. Dazu weiter gr. didonar«scheue, verehre?, didic«Ehrfurcht, Scheu, Scham», und viel- leicht auch ai. 7d5 verehre, preise, flehe any. Doch bleiben lautliche Schwierigkeiten. Vgl. Walde s. v. Ehren, Ehrn vor Namen(z. B. Ehren Loth Bürger 226) gehört urspr. nicht hierher, sondern geht zurück auf mhd. ern (zum Nom. er), abgeschwächte Form aus herren(au herre). 4B. ehrbar, adj. u. adv. Mhd. érbœre, dazu ndl. eerbaar. ehren, v., mhd. ëren, ahd. érén, éron; dazu asächs. érön, ags. drian. ehrlich, adj. u. adv. Mhd. érlich, ahd. érlih canständig, herrlich, ehren- hafty; dazu asächs. érläk, ags. drlic. Ehrlich bedeutet im ältern Nhd., z. B. bei Luther, noch«ansehnlich, vornehm; redlich, ohne Falsch; ziemlich, anständig», während heute neben der allgemeinen Bedeutung zuver- lässig in bezug auf fremdes Eigentum) die von«tüchtig, ordentlich, ziemlichy vorliegt. ehrsam, adj. u. adv., mhd.-ahd. ersam ehr- bary, so auch im ältern Nhd., besonders in Titeln üblich und dann im Gefühlswert sinkend. ZUS. 1) mit Ehr-: ehrerbietig, adj. u. adv. Schon im 15. Jh., wie auch Ehrerbietung, f.(Germania 28, 365), Ehr- erbietigkeit, f. 1562 bei Mathesius Sa- repta 131 b. Von mhd. eineyz ére erbieten. Ehrfurcht, f., am Ende des 17. Jh. auf- gekommen(1698 bei Chr. Gryphius poet. Wälder 303), aber noch 1759 von Dornblüth 139 als neu ersinnt bezeichnet. Dagegen das Adj. ehrfürchtig schon im 16. Jh. Ehr- geiz, m. Bei Luther, während sonst im 16. Jh. noch oft Ehrgeit(Alberus Dict. cc 3²), s. Geiz. Davon ehrgeizig, adj., bei Luther, daneben ehrgeitig, wie bei Alberus und Maaler. ehrlos, adj. u. adv. Mhd.-ahd. érlös, ags. arléas. Ehrsucht, f. Bei Luther. Ehr- würde, f., im Pl. Ehrwürden, Titel geist- licher Personen. Im 16. Jh. Davon das Adj. ehrwürdig, mhd. érewirdic, auch als Ehr- bezeichnung für geistliche Personen üblich. 2) mit Ehren-: Ehrenamt, n., 1536 bei Polychorius Sueton 48 b ehrenämpter. ehren- fest, adj. Spätmhd. érenvest als auszeich- nendes Beiwort. Ehrengericht, n.: Ge- richt, das in Ehrensachen entscheidet. Bei Adelung. ehrenhaft, adj. u. adv., 1598 bei Sebiz Feldbau 404 ehrnhafft, dafür mhd. érhaft. Ehrenmann, m., frühnhd. (Murner Narr. 13, 74). Ehrenpreis, m., die (vor andern heilkräftige). Pflanze veronica. 1500 in Brunschwygs Kunst der Destillirung und 1540 in Bocks Kräuterbuch 762 erenbreiß, 1571 in Carrichters Kräuterbuch und 1574 bei Fischart Onom. 42 Erenwerdt, auch Grund- heil(Grundthegl bei Fuchs 1542) und Heil aller Schadden, Heil aller Welt(schlesisch). ehrenreich, adj., mhd. érenrich. ehren- rührig, adj., frühnhd. Ehrensold, m., von Campe gebildet. ehrenvoll, adj., 1616 bei Henisch 811. ehrenwert, adj. u. adv., bei Luther. Ehrenwort, n.: Aussage, für die man seine Ehre zum Pfande setzt, 1789 bei Ludwig; früher in der Bed. chöfliche Redensarty, 1561 bei Maaler Kerenaort, wäh- rend Henisch 1616 Ehrwort hat und schon 1512 Murner Narrenbeschw. 88, 17 Erwort. 409 Fi Eichhorn 410 Ei, n.(Jes, Pl.-er): sich aus dem weiblichen Organismus ablösender, den Keim zu einem jungen enthaltender runder Körper. Mhd. ei (Pl. auch eiger), ahd.-and. ei, Pl. eigir n.; da- zu ndl. ei, ags.&g, engl.(aus dem Nord.) egg, anord. egg, schwed. dgg, dän. eg n., got. nur im Krimgot. als ada belegt. Als verwandt sieht man an lat. öwam n., griech. Giov, qpov n., altir. og, altbulg. jaje n., obgleich die Laut- verhältnisse nicht ganz klar sind. Das germ. Wort geht auf ajom oder ajom zurück, wäh- rend im gr. und lat. ein w in dem Worte steckt. Vielleicht ist idg. geschwunden. Redensart: sich um ungelegte Eier kämmern schon im 16. Jh.(Gombert ZfdW. 1, 354). -ei, betonte Ableitungsendung weiblicher Substantiva, die eine Eigenschaft des Grund- wortes, das Gewerbe der Person oder den Ort, wo es betrieben wird, eine Gesamtheit eine Wiederholung(oft mit tadelndem Sinn) usw. bezeichnen, z. B. Kinderei, Bäckerei, Reiterei, Bettelei. Aus ülterm-eie, mhd. e, entlehnt aus der altfranz. Endung e, die von fremden Wörtern auch auf deutsche Bildungen übertragen ist. Erweitert-erei und-elei(z. B. Zankerei, Liebelei). ei! Interj. der Verwunderung, der Freude, des Spottes. Mhd. ei, daneben eia, vgl. das gleichbed. lat. eia, gr. eia, eio. Dazu eia popeia. eien, v.: liebkosen. In der Kinderspr. Eibe, f.(Pl.-n): der Taxus. Mit Ver- wandlung eines av in b aus mhd. Jave Eibey, auch«Bogen aus Eibenholzy, ahd. NMoa und iga f., igo m., dazu and. Ich, ags. Tw und Oh m., engl.„ezw, anord. sr m. Diese Formen führen auf eine germanische Grundform Mꝛοο mit Guttural, der auch noch in schweiz. Iche, ige vorliegt. Die Wörter der verwandten Sprachen zeigen dagegen nur o, altir. 60, kymr. 9oo Eibe», abulg. iva f.«Weide, lit. jiévã f.«Faulbaum», preuß. iuais Eibe. Sind also die Worte nicht aus dem Germa- nischen entlehnt, was unwahrscheinlich ist, und hängen sie überhaupt zusammen, was man kaum wird ablehnen können, so muß der Guttural des Germanischen sekundär entstanden sein, vgl. Jugend. Ins Romanische wurde das Wort aufgenommen als franz. † m., span.-port. ua f., mlat. 1ν⁴. 4BL. eiben, adj. Mhd. aoνι. Auch in Eiben- baum, mhd. Aoinboum m. Eibisch, m.(-es, Pl.-e): eine malven- artige Pflanze. Mhd. ibesche, ahd. õbisca f., aus griech.-lat. ibiscum n., griech. ißickoc m. 1Eiche, f., der Waldbaum lat. quercus. Mit Anfügung eines e(bei Luther) aus mhd. eich, selten eiche, ahd. eih f.; dazu and. ék, ndl. eik, eek, ags. ãc, engl. oal., anord. eik(all- gemein«Baum), schwed. ek, dän. eg f. Auf die gleiche Wurzel gehen wohl zurück griech. cir εipoc f.«Schwarzpappel»(?), airug m. Eichenart mitsüßen Früchten», lat. aesculas f. Bergeichey. Vgl. Walde s. v. 4BL. Eichel, f.: Frucht der Eiche; eichelähnlicher Körper; Karte mit dem Bilde der Eichel. Mhd. eichel, ahd. eihhila f.; dazu ndl. eikcel, exel m. Ge- wöhnlich als diminutive Bildung erklärt, weil die Frucht der Eiche gleichsam Kind des Baumes ist, vielleicht aber aus aiki-kila und letzteres zu lit. galé, abg. Zeldcdli, lat. glans, gr. gcavoc f.«Eichely. Als Farbe im Karten- spiel Eicheln, 1575 im Theatrum diabolorum 43924 Eycheln(von 1561), 1559 bei H. Sachs 23, 167 Aicheldaus. eichen, adj. Mhd. eichin, ahd. eihhên, ndl. eileen. Auch in ZUS. wie Ei- chenholz. Eichicht, n.: Eichenwald. Mit an- getretenem t aus mhd. eichach, ahd. eihhani n. *Eiche, f.(Pl.-n): Handlung, Amt des Eichens; Eichzeichen. Spätmhd. Iche f. Von eichen, v.: ein Maßgeschirr von Obrigkeits- wegen abmessen und dem gesetzlichen Maße gleichmachen. In der 1. Hälfte des 15. Jh. chen, daneben auch chten, kaum aus ächten, Nebenform von aohten«bestimmen, abschät- zeny, mit dem das Wort nur zusammenge- worfen wurde. Mnd. 7ke f. ist«Eichzeichen, Eichinstrument», aber auch Lanzey, daher wohl als Grundbed.«spitzes Instrumenty an- zusehen, ndl. ijt m.«Eichzeicheny und ijken. Entlehnung aus lat. aegudre«eichen» ist un- wahrscheinlich. Somit unbekannter Herkunft. Die Schreibung Aiche, aichen erst bei Frisch 1741. Adelung verlangt Eiche, eichen. Eichel, s. Eiche. Eichhorn, n., das von Baum zu Baum springende Waldtier, lat. sciurus. Mhd. eichorn, ahd. eihhorn m.; dazu ndl. eehoren m., ags. dãcwern n., ãcweorna, anord. Morni m., schwed. ekorre, ilorn, dän. egern m. Im Hd. an Eiche und Horn angelehnt; die Grundform war wohl raik-wern, dessen zweiten Bestand- teil Much ZfdA. 42, 166 mit Recht zu abg. veverica, preuß. veuare, lit. voveré f.«Eich- horn», lit. vaivaras m. Männchen vom Iltis und Frettchen», lat. viverra f.«Frettchen» gestellt hat. Vgl. noch Zubaty Arch. f. slav. Phil. 16, 418f. Gewöhnlich als Dim. Eich- hörnchen n., auch Eichkltzchen. 411 Eid eigen 412 Eid, m.(-es, Pl.-e): feierliche Ver- sicherung bei etwas, was uns heilig ist, zu voller Bekräftigung; die Formel dieser Ver- sicherung. Mhd. eit(gen. eides), ahd. eid m., dazu altsächsisch éth, ndl. eed, ags. dh, engl. oath, anord. eich, schwed.-dän. edd m. Es entspricht air. oeth. Vgl. über weitre Er- klürungen Uhlenbeck Btr. 30, 258, Meringer Idg. Forsch. 18, 295. 43. eidlich, adj. u. adv. Bei Stieler 1691. ZUS. eidbrüchig, adj. Bei Henisch 1616. Eidgenoß, m. (ISsen, Pl.-Ssen): Eideshelfer, Schwurgenosse; einer durch einen Eid verbundenen staat- lichen Gemeinschaft Angehöriger. Mhd. eitgenõe, eitgenöô; m. Davon Eidgenossen- schaft, f. Späütmhd. eifgenoßschaft f. Eid- schwur, m. Bei Dasypodius 1537, ahd. dafür eidszwart f. Eidam, m.(-S, Pl.-g): Tochtermann. Bei Luther auch Eidem, sonst älternhd. Eiden(Alberus Dict. Hh 4² eydden, 1537 bei Schaidennreiszer 12 b ayden). Mhd. eicem m. Tochtermann, auch Schwiegervater», ahd. eidum, eidam m.; dazu mnd. eidum, afries. ãthom, ags. ddum m. Schwiegersohn». Ge- wöhnlich zu Eid gestellt, also«urch Eid Verbundenery, vgl. engl. son-in-larν, aber dabei wird die Ableitung nicht erklärt, und der Ursprung ist daher wohl anderswo zu suchen. eidbrüchig, s. Eid. Eidechse, f., nach dem Obd. auch Eidechs, m.(Wieland Oberon 11, 19): vierfüßiges Amphibium mit langem Schwanze. Mit Auf- lösung eines g aus mhd. egedehse, ahd. egi- dehsa f.; dazu and. egithassa und etwidehsa, mndl. eggedlisse, nndl. hagedis, haagdis, ags. ãdexe f., engl. ask. Der 1. Teil ei- des zu- sammengesetzten Wortes gehört kaum zu mad. ege, ahd. egã f., got. agis n.«Furcht, Schrecken»(wie ahd. egetier n.«Ungeheuer, eig. Tier des Schreckens»), sondern eher zu griech. öꝙic, skr. ahis f.«Schlangey, der 2. Teil ist dunkel. Indem man fälschlich Eid-echse teilte, kam man zu dem Wort Echse(s. d.). Eider, m.(*s, Pl. wie Sg.), f.(Pl.-n): Eidergans, anas mollissima.(Das Mask. bei Voß Luise 3, 2, 604). Durch das Nd. aus dem Nord. entlehnt, isländ. pr(gesprochen eiper) f. Eiderganso, vgl. engl. eider, eiderduck, schwed. ejder m., dän. derfugl. Eider, f.(Haller Alpen 2) und Eider, n.(Schiller Räuber 1, 3): Flaumfeder der Eidergans. ZUS. Eider- daune, f. Aus dem nd. eiderdune,(entlehnt) schwed. ejderchuon, dän. ederduun n. Bei Hübner 1727 Eicderdune, auch noch bei Voß a. a. O.; Eiderdaun n. bei Göckingk 2, 55, Eiderdon n. bei Wieland 18, 87. Eidgenoß, schwur, s. Eid. Eierklar, n.: Eiweiß. Mhd. eierklär n. «das Helle(Klare) des Eies». Eierkuchen, m., spätmhd. eierlkuoche m. Eierweck, m.: Weck(Gebäck) aus Teig, der mit Eiern mürbe gemacht ist. Bei Wagner Kinder- mörderin 1. Eierweiß, s. Firbeiß. Eifer, m.(-s): leidenschaftliche Erregung, besonders aus Streben wonach; Fleiß. Bei Luther eiuer, wie auch sonst älternhd. bei Mitteldeutschen, z. B. Gryphius. Zuerst 1494 Yfer m. Eifersuchty(Brant Narr. Nr. 89, 19), schon früher begegnen obd. eifern, Eifrer, eiffig s. u. Bei Luther zuerst allgemein für leidenschaftliche Erregung(namentlich Zorn) gebraucht, vgl. darüber die Stelle bei Dietz 1, 492. Aus dem Hd. entlehnt nd. iver, ndl. jjver, schwed. i2ſver, dän. wer m. Grund- bed. wohl«Herbigkeity, da ahd. eibar, eivar, ags. ãfor cherby verwandt zu sein scheint. — eifern, v., im Anfang des 15. Jh. iferen als Subst. Eifersuchty, um 1480 im Voc. inc. teut. d 65 eifern æzelotiparey, 1482 im Voc. theut. f6 b eyffern, auch später obd. in der Bed.«eifersüchtig sein»(Albertinus Lustg. 17 b), bei Luther in der jetzigen. S. auch äfern. 4BL. Eiferer, m., schon im 14. Jh. bei Megenberg eifrcr m. Haustyrann, Eifer- süchtiger», auch öfter im 15. Jh. eifrig, adj. u. adv.: leidenschaftlich, heftig; fleißig. Im ältern Obd.«eifersüchtig», wie nhd. bei Keisersberg und Luther. ZUS. Eifersucht, †. Bei Hans Sachs(z. B. Fastn. 17, 27), eig. «Krankheit des Eifernsy(entsprechend bei Hans Sachs lastersaucht u. a.), sonst älternhd. dafür oft Eifer(Fischart Ehez. G 2 b). Davon eifersüchtig, adj. Bei Stieler 1691. eigen, adj.: angehörig; ausschließlich an- gehörig; sonderbar(Adelung«im gemeinen Leben»). Mhd. eigen, ahd. cigan; dazu asächs. égan, ndl. eigen, ags. ãgen, engl. on, afries. eigin, anord. eiginn, schwed.-dän. egen. Eig. das starke Part. Prät. des V., mhd. eigen, ahd. eigan, asächs. égan, ags. dgan, got. aigan (Präs. aih, Prät. aihta) chaben, besitzen?. Verwandt ist aind. 7«besitzen mit dem Part. gaãnas, aw. isan-«Herr über etwasy. Davon Eigen, n. Mhd. eigen, ahd. eigan n.; dazu asächs. égan n., anord. eign f., got. aigin n.«Eigentum, Vermögen. eigens, 413 eignen ein 414 genitivisches Adv. Bei Adelung 1774. 4BL. eignen, v.: zu eigen machen, mhd. eigenen, ahd. eiganen; eigen sein(frühnhd., jetzt nur poetisch). Refl. sich eignen«wozu passeny (von Campe für sich gualifizieren gebildet). Eigenheit, f.(zu eigen in der 2. u. 3. Bed.), mhd. eigenheit f. Eigenschaft, f., mhd. eigenschaft, spätahd. eiginscaft f.«Eigentum, Eigentümlichkeity. Damit zusammengesetzt Eigenschaftswort, n., bei Adelung 1793. eigentlich, adj. und adv. Mit eingeschobe- nem k aus mhd. eigenlich«eigentümlich, aus- drücklich, bestimmt»; in der letzten Bed. namentlich das Adv. eigenliche. Eigen- tum, n., mhd. eigentuom, n. Davon Eigen- tümer(spätmhd.) und eigentümlich, adj.: als Eigentum angehörig(frühnhd.); überhaupt«eigen, sonderbar»(noch nicht bei Campe 1807). ZUS. eigenartig, adj. Bei Campe 1807. Eigenbrötler, m.: Son- derling, eig. der eigenes Brot backt, einen eigenen Haushalt führt. In dieser Bed. schon im ältern Nhd. Vgl. mhd. einbrœtec «der sein eigenes Brot hatv. Eigenliebe, f., bei Stieler 1691. Eigenlob, n., bei Luther als eigen lob. eigenmächtig, adj., im 16. Jh. Eigenname, m., bei Luther als eigen name. Eigennutz, m., im 15. Jh. (Liliencron 1, 558), bei Luther getrennt eigen nutz. Davon eigennützig, adj. Eigen- sinn, m., bei Luther als eigen sinn, während das Adj. eigensinnig schon im 14. Jh. vor- kommt als«freiwilligy, im 15. in der jetzigen Bed. Eigenwille, m., im 15. Jh. als eigen will, während das Adj. eigenwillig, schon mhd. erscheint. neignen, v.: zu eigen machen, s. eigen. zeignen, refl. v. in es eignet sich«zeigt sich geisterhaft an⸗(Musäus Volksmärchen 2, 79, Goethe Faust 11417). Mit ei für eu aus mhd. öugenen, gewöhnlich öugen zeigeny, ahd. ougan, augan«vor Augen bringen, zeigeny, ags. 5owan, got. augjan«zeigen»; refl. mhd. sich öugenen sich zeigen», bei Luther sich eugen. S. ereignen. Eigner, m.(*s): Eigentümer, Besitzer. Bei Logau 2, 7, 98, Eigener 1663 bei Schottel 333. Eiland, n.(es, Pl.-e): wasserumflossenes Land, Insel. Mhd.(erst in der höfischen Poesie) eilant, meist einlant, n.«Inselꝰ, gleich- sam«isoliertes, abgesondert liegendes Land), aber wohl nur angelehnt an ein und entlehnt aus mndl. eiland(das selbst aus dem Fries. entnommen ist), mnd. eiland, eland, oland, ags. éaland, égland, igland, engl. island, anord. eyland, dän. eiland n.«Insel), die zusammen- gesetzt sind mit einem Worte, das unserm Aue(s. d.) entspricht, also eigentlich s. v. a. cim Wasser liegendes, von diesem umflossenes Land). Eile, f.: Eifer, Geschwindigkeit wozu. Mhd. le, ahd. Ma f. Von eilen, v.: auf ein Ziel hin geschwind sein, mhd.-ahd. ilen; dazu asächs. Ilian, ndl. ijlen«sich strebend bemühen, wonach mit Eifer tätig seiny, aus dem Deutschen schwed. da, dän. ile. Viel- leicht mit ags. e m., anord. u. noch norw. il f. «Fufßsohle), afries. ile«Fußballe, Schwieley, zur Wurzel aind. ĩ gehen», lat. ire, griech. léeva. Von Sievers Idg. Forsch. 4, 340 aus dlã erklärt, und zu anord. 7d, id f.«studiumꝰ gestellt. Davon eilends, adv., eigentlich Genitiv des Part. Präs. von eilen. Im 15. Jh. bei Tucher Baumeisterb. 128, 8 ellentz, bei Luther auch eilend. 4L. eilig, adj. u. adv. Mhd. Aec, ahd. Mläc«eifrig, eiligy, Z0S. Eilbote, m. Nach Kindleben 1781 ein neu- gebackenes Wort. eilfertig, adj. u. adv. Im 17. Jh.(Schottel 349). Eilwagen, m., Nachbildung von Eilpost, das Campe für Diligence vorschlug. eilf, s. elf. Eimer, m.(-S, Pl. wie Sg.): Wasser- gefäß mit übergehendem Bügel zum Tragen und Schöpfen; ein Flüssigkeitsmaß. Mit Assimilation des mnb aus mhd. eimber, einber, auch eimer, ahd. eimbar, einbar m., und abge- leitet eimberd, einbr? n.; dazu and. Enzbar m. n., ndl. enamer m. Scheinbar zusammengesetzt aus ein und-bar von ahd. beran«tragen), also eig. Gefäß mit einem Griff, einträgiges Wassergefäßy, im Gegensatz zu Zuber(s. d.). Formen wie ahd. ambar, ember, ambri, ags. amber, omber m.,(entlehnt) schwed. ãnmbar n. lassen indes einbar als volksetymologische Umdeutung eines auf gr.-lat. amphora f. «zweihenkeliger Krugy beruhenden Wortes erscheinen. lein, zunächst Zahlwort, dann in den Pronominalbegriff übergehend, um Gleichheit zu bezeichnen(ein und derselbe); unbestimmtes Pronomen= irgend einer, jemand; das N. ein mit Gen. Sg. des Subst., z. B. ein Leides, ein Wesens; das N. eins als unbestimmtes Objekt in eins trinken, eins plaudern; un- bestimmter Artikel(auch in Wendungen wie ein langes und ein breites sprechen, es ist un ein gutes besser); demonstr. Pronomen 415 ein Einbuße 416 zur nachdrücklichen Hervorhebung(öfter bei Luther, z. B. ich bin ein guter Hirte und in kanzleimäßigen Wendungen wie ein hohes Mindisteriuem schon im 15. Jh. Weisth. 4, 517, Uhland Volksl. 10). Vor Zahlen steht ein zur ungefähren Angabe, z. B. ein Eimer zwanzig Wein(Schiller Räuber 4, 3), ein zabanzig Louis(Schiller 3, 553). ein; dazu asächs.-afries. En, ndl. een, ags. Gn, engl. one, anord. einn, schwed.-dän. en. Ver- wandt ist lat. unzs(altlat. oenus), griech. oivöc, altir. öin, abg. ink, lit. vienas, apreuß. ains. zein, adv.: in das Innere(auf die Frage wohin), z. B. Feld ein und aus Bürger 234. Mhd. in, auch noch in, ahd. in, wie asächs.- ndl.-afries.-ags. in, anord.-got. inn. Mit Deh- nung des Vokals zur Präposition in(s. d.). In Zusammensetzungen mit Substantiven und Verben erhält ein den Ton, z. B. Eingang, eingehen, auch wenn es mit Adverbien zu- sammengerückt ist, z. B. hinein, oder mit Substantiven, z. B. jahrein, feldein, waldein. einander, unflektiertes Zahlwort, in dem ander einen Dativ oder Akkusativ vertritt. Schon mhd. meist unflektiert einander, da- neben aber auch mit Flexion des ander, 2. B. b einandern, ahd. zeizanderén, oder mit Flexion beider Wörter, z. B. zuoο einon anderén. einäschern, v.: in Asche legen. Von der Nebenform 4Ascher zu Asche gebildet, s. Aschermittwoch. Um 1600(1618 bei Schönsleder einaschern, bei Opitz eineschern), sonst älternhd. auch eineschen, wie mnd. in- eschen. Dagegen 1562 bei Mathesius Sar. 184 5b eineschern«einbeizen»(s. Ascher). Einback, m.: einmal gebackenes feines Brot, im Gegensatz zu Zwiebach(s. d.). Bei Campe 1807. Einband, m., s. einbinden. Einbaum, m.(-s, Pl.-bäume): Kahn aus einem ausgehölten Baumstamm. Aus dem Oberd. in die Schriftsprache eingedrungen. Einbeere, f.: die jedesmal eine Becre tragende Pflanze paris quadrifolia. Ahd. einbere(Steinmeyer-Sievers Gloss. 3, 568, 38), mhd. einbere, embere, mnd. enbere f. einbilden, v.: in etwas als Bild hinein- drücken, einprägen. Mhd.(bei den Mystikern) inbilden. Refl. sich e.«im Geist in sich als Bild entstehen machen», jetzt meist von un- begründeten Vorstellungen, wie schon 1495 bei Reuchlin Demosthenes 1. olynth. Rede S. 12 Poland einbilden ceinem etwas einredeny. Mhd. ahd. 4B2. einbildisch, adj. Im 17. Jh., dafür jetzt eingebildet, das 1759 von Dornblüth 32 noch bekämpft wird. Einbildung, f.: bloß durch Seelentätigkeit und in derselben Da- seiendes, insbesondre wenn es unbegründet ist. Mhd.(bei den Mystikern) Enbildange, f. Damit zusammengesetzt Einbildungskraft, f. Schon 1640 bei Comenius 343. einbinden, v.: in etwas bindend befe- stigen, zusammenbinden; Bücher mit einem Bande versehen; als Pate dem Tauf kinde ein Geldgeschenk geben, eig. nach früherer Sitte in die Windeln des Kindes binden(da- her Eingebinde, n.: Patengeschenk);(über- tragen) einem etwas einschärfen, eig.«in den Eid(Weisth. 1, 369), in die Pflicht binden,⸗ (Reichsordnungen 37 5 von 1500). Bei Luther z. B. 1. Mos. 43, 3(denunciavit sub attesta- tione juris jurandi, Vulgata), noch bei Lessing 1, 297 heilig einbinden. 4BL. Ein- band, m., zu der 2. Bed. von e. Einblatt, n.: Pflanze mit einem einzelnen Blatt am Stengel. 1536 bei Brunfels 2, 72. einbleuen, v.: durch Schläge(Bleuten) beibringen. Bei Luther einblewwen. einbrechen, v.: 1) intrans. gewaltsam in etwas dringen, mhd. Inbrechen; als Zeit oder zeitliche Erscheinung mit Geschwindig- keit, mit Macht anfangen zu sein, zunächst von der Nacht, dann auch vom Tage(Goethe 8, 283), vom Morgen(ebenda 292). 2) trans. gewaltsam nach innen öffnen; brechend zu- sammenreißen(Micha 1, 6). 43 L. Ein- brecher, m. Bei Junius 550a.— Ein- bruch, m. Mud. inbruch m.«gewaltsames Eindringeny. einbringen, v.: in ein Lmeres bringen, mhd. Inbringen(davon das Eingebrachte, was die Frau mit ins Haus bringt); Ertrag geben(eigentlich von eingeführten Früchten); einen Schaden wieder gutmachen(bei Luther). einbürgern, v.: meist refl. sich e.«sich wo eingewöhnen, eig. sich an einem Ort als Bürger aufnehmen lassen». In der ursprüng- lichen Bedeutung bei Leibniz, in der über- tragenen am Ende des 18. Jh. Davon das Part. eingebürgert. Einbuße, f.: Verlust durch Tätigkeit bei etwas. Im ältern Nhd. Ersatz, Entschädi- gung»(in der jetzigen Bed. bei Rädlein 1711). Von einbüßen, v.: Verlust an und bei et- was haben, eig. zur Besserung hinein-, zu- geben. Im 15. Jh. ein pißen«durch Neues bessern»(s. büßen). Vgl. Ausbeute. 417 eindächtig eingefleischt 418 eindächtig, adj.(1. Thess. 2, 9): einge- denk. Im 15. Jh. indcchtig, vgl. andächtig. Eindruck, m.(-es, Pl. Eindrücke): das Hineindrücken in eine Masse und die da- durch bewirkte Vertiefung; Einwirkung aufs menschliche Gemüt. Mhd. indruc m., bei den Mystikern auch in der 2. Bed.; nhd. erscheint das Wort erst wieder bei Ludwig 1716. einen, v.: eins machen, vereinigen. Mhd. einen, ahd. einön, and. giénôn. einer, das unbestimmte persönliche Pron., s. ein. Für beide Personen(die männliche und die weibliche) kann das sächliche eins gesetzt werden. Unser einer, s. unser. Einer, auch Einser, m.(-, Pl. wie Sg.): das Zahlzeichen 1; am Würfel das As; in der Rechenkunst einziffrige Zahl aus Ein- heiten bestehend, im Gegensatz zu Zehner, Hunderter usw.(1774 bei Adelung, dagegen bei Adam Ries 1529 eins). einerlei, adv., auch als Subst. gesetzt Einerlei n. Aneinandergerückte Genitive, mhd. einer leige, einer leie(s. dei). einerseits, genitivisches Adv. mit ange- tretenem s; dafür mhd. die Akkusativver- bindung einsit auf der einen Seite, im Gegensatz zu andersit(s. anderseits). Noch nicht bei Adelung 1793. einfach, adj. u. adv.: nur einmal ge- nommen, nicht zusammengesetzt; schlicht; leicht zu fassen oder auszuführen. In der 1. Bed. 1495 im Voc. rerum g 1 5b und bei Luther. einfädeln, v.: den Faden durchs Nadel- öhr ziehen; auf feine Weise ins Werk setzen. 1678 bei Krämer einfädelen, einfademen. Das V. fädeln mit Übergang des n in l aus fädenen und dies aus fädemen, mhd. vedemen, ahd. fadamõn«mit dem Faden arbeiten, nähen. Einfall, m.(-S, Pl. Einfälle): das Fallen in etwas; Einbruch; unerwarteter Gedanke. Mhd. jnval m., bei den Mystikern auch in der 3. Bed. Einfalt, f.: Einfachheit; sittliche Ein- fachheit; ungekünstelter treuer Natursinn; Beschränktheit und Ungeschicktheit des Geistes. Mhd. einvelte, ohne Umlaut des a einvalte, einvalt f., ahd. einfalti f. Dazu got. ainfalpei f.«Gutmüũtigkeito, schwed.(aus dem Deutschen) enfald f.; ndl. eenvoud m.«Ein- heit, Singular). Abgeleitet von dem Adj. mhd. einvalt, ahd. einfalt, asächs. enfald, ags. ãnfeald einfach», got. ainfalbs aschlicht, arglos». S.-falt. Damit zusammengesetzt Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. Einfaltspinsel, m.: geistig beschränkter Mensch. Bei Günther 467. S. Pinsel. 4 L. einfältig, adj.: mhd. einvaltec, umgelautet einveltec«einfach, schlicht, leichtgläubigy, ahd. einfaltig, ndl. eenvoudig, schwed. enfaldig, dän. enfoldig. einfangen, v.: fangen und eintun; ab- grenzen, mit etwas umgeben. Mhd. inbahen, invän. einfließen, v.: in einen Ort fließen(mhd. in vliezen); einlaufen(von Geldern); mit auf oder in, Einfluß, Wirkung haben(im 18. Jh.); beiläufig erwähnen(18. Jh.). einflößen, v.: in etwas fließen machen (1640 bei Comenius); einem etwas beibringen, Z. B. Wissenschaften(so noch bei Adelung), jetzt nur von Gefühlen, die erweckt werden. Einfluß, m.(-Sses, Pl. Einflüsse): das Fließen in etwas und Ort des Einfließens; von außen kommende Einwirkung. Mhd. vnvlaz m., auch in der 2. Bed. einfrieden, meist einfriedigen, v.: zum Schutz mit einem Zaun umgeben. Zu- sammenges. mit mhd. vriden«um Frieden (s. d.) bringen, in Schutz und Schirm nehmen, mit einem Zaun umgeben». In der letzten Bed. häufiger bevriden, woneben frühnhd. auch bevridigen steht. Adelung hat nur einfriecdden, Heynatz 1795 auch einfriedigen, beide beanstanden aber noch das Wort. Einfuhr, f.: das Hereinführen von Ge- treide in die Scheune, von Waren in das Land, Import. Alternhd. ist E.«das Her- einfahren, kommen oder der Ort, wo man hereinfäührty; die jetzige Bed.(im Anschluß an einführen) bei Frisch 1741, Adelung hat Einfahre. Vgl. Ausfuhr. Eingebinde, n., s. einbinden. eingeboren, adj.: einem Lande oder Ort der Geburt nach angehörig. Mhd. ingeborn, neben inborn, imborn, zusammengesetzt mit dem Adv. ein. Dagegen eingeboren, adj.: einzig durch Geburt. Mhd. eingeborn neben einborn, zusammenges. mit dem Zahlwort ein. eingebracht, s. einbringen. eingebürgert, s. einbürgern. eingedenk, adj.: im Innern gedenkend. Mhd. Ingedenke neben indenke. Vgl. gedenkt. eingefleischt, adj.: in fleischlicher Ge- stalt erscheinend; in oder zu Fleisch und Blut geworden; in Körpergestalt wirkend, leibhaftig. Verdeutschung des kirchlich-lat. incarnãtus, Part. Perf. Pass. von incarnãre. Bei Luther. 27 419 eingemacht Einkorn 420 eingemacht, s. einmachen. eingenommen, s. einnehmen. Eingeweide, n.: die Körperteile im Innern der Brust- und Bauchhöhle. Klter- nhd. auch Ingewweidde(z. B. bei Luther 1, 260 b, noch bei Adelung erwähnt, aber in der Bibel immer E.). Mhd. ingerweice n.«Ge- därme», ursprünglich bloß gewweide n.(noch älternhd. Gewaid n. bei Gäbelkhover 4 u. 213). Kollektiv von weiche, ahd. weida f.«Futter, Speise, genossene Speise», dann die innern Körperteile, die die Speisen in sich auf- nehmen, das Gedärme», vgl. auch weicen, ausweiden. Das in- wie bei gleichbed. spät- mhd. ingedärm, ingereite, mhd. ingeriusche n. (8. Geräusch 2). Wohl aus der Jägersprache übernommen. eingezogen, s. einziehen. einhändigen, v.: in die Hand über- geben. Bei Duez 1664, aber schon 1618 bei Londorp acta publica 1, 375 b Einhändigung. Vgl. aushändigen. einheimisch, adj.: dem Land, Ort, Haus als in ihnen lebend angehörig. Im 15. Jh. inheimisch zvu Hausey, zu ahd. inheima f. «Heimaty». Bei Luther einheimisch. einheimsen, v.: von außen nach Hause bringen. Bei Stieler 1691 vom Einbringen der Feldfrüchte(im Simplicissimus einheim- schen). Zusammenges. mit spätmhd. heimsen cheimbringen, an sich nehmen?, abgeleitet von heim n. Einheit, f.(Pl.-en): das Einssein; Eins an der Zahl. Als philosophisches Wort häufig bei Jak. Böhme(f 1623), dann mehrfach bei Angelus Silesius, Leibniz und Wolff, doch auch schon in Glossaren des 15. Jh. einheit cunitasy. Aus dem Hd. ndl. eenheid, schwed. enhet, dän. eenhed. 43. einheitlich, adj. Wort der neuern Sprache. einhellig, adj. u. adv.: übereinstimmend, in eins zusammenstimmend. Mhd. einhellec, abgeleitet von dem gleichbed. Adj. einhel, ahd. einhelli. Zu ahd.(bei Notker) in ein hellen, mhd. enein hellen«übereinstimmen», s. Hall. einher, adv.: herzu, zunächst nach dem Innern, wo der Sprechende sich befindet. Mhd.(selten) inher chereiny. Bei Luther oft in Verbindung mit Verben, wo aber e. meist wie daher die Beziehung auf ein ört- liches Ziel verloren hat, z. B. einherfahren. Einhorn, n.: vierfüßiges Tier mit einem Horne. Mhd. einhorn n., neben einhirne, ahd. einhurno m. Einhorn, Nashorny, wo -hurno als Ableitung von horn n. den Ge- hörnteny bedeutet. Dazu ags. ãnhyrne déor «das eingehörnte Tiery, auch dnhorna, dn- horn m. einhotzeln(Bürger Kaiser und Abt), besser einhutzeln, v.: einschrumpfen. Zu hutzel«getrocknete Birney, s. d. ieinig, adj.: nur ein(in dieser Bed. jetzt durch einzig verdrängt, doch noch bei Lessing, Goethe, Schiller);(auch veraltet) allein; in eins zusammengehörig; ganz gleichen Sinn, Willen usw. habend(diese Bed. bei Luther). Mhd. einec, einic, ahd. einac, dazu asächs. nag, ndl. eenig«einzig, alleiny; dafür got. (mit schwacher Flexion) ainaha ceinzigy. Abgeleitet von ein. 4L. Einigkeit, f.: mhd. einecheit, ahd. einigheit f.«Einzigkeit, Einheit, Einsamkeity. Bei Luther auch die jetzige Bed. S. auch einigen. zeinig, pron.:(veraltet) irgend einer; nicht viel, im Pl. etliche(auch in einige zwanzig usw., d. i. ceinige über zwanzig»). Ahd. einig; dazu asächs. énig, ndl. eenig, ags. cmnig«irgend einer». Abgeleitet von ein. Im Mhd. erscheint einic«irgend einery nur in md. Quellen des 13.— 15. Jh. und ist dann auch von Luther gebraucht worden. Die Bed.«nicht viely und im Pl. cetliche? ist erst um 1700 allgemein geworden; an- geführt bei Ludwig 1716. einigermaßen, adv., 1699 bei Leibniz Deutsche Schr. 2, 122. einigen, v.: in eins verbinden. Mhd. einigen, einegen, ahd. einigen(in geeinigen), abgeleitet von einig. Einigkeit, s. einig. Einkehr, f.: das sich worein Begeben zu kurzem Aufenthalt; das in sich Gehen. Mhd. inkére f., daneben inkér m. in der 2. Bed.(bei den Mystikern). Von ein- kehren, v.: zu kurzem Aufenthalt sich worein begeben, mhd. inkxéren. Einklang, m.(-es): in eins zusammen- stimmender Klang; Gleichförmigkeit; richtiges Verhältnis. Im 15. Jh. einklang; die 2. Bed. kommt aum 1750 auf(Wieland Suppl. 2, 160). einkommen, v.: wo hineinkommen; sich mit einer Bitte usw. an eine höhere Stelle wenden(im 17. Jh.); wohin übergeben werden; in den Sinn kommen; in die Kasse kommen. Mhd. Inkomen, ahd. ingueman in der 1. Bed., die 5. ist frühnhd. So auch als Subst. Einkommen, n., s. LEinkünfte. Einkorn, n.(-es): wilder Dinkel, triticum monococcum. Mhd. einxorn n., ahd. einchorn n. 421 Einkunft eins 422 und einachorno m., weil man dieser Art Dinkel nur ein Korn in jeder Hülse zuschrieb. Einkunft, f., jetzt nur im Pl. Eincunfte: das an Geld oder Nutzung für sich zu Be- ziehende. Mhd.(bei Jeroschin) inkumft f. Eintreffeny, die jetzige Bed. erst im 17. Jh. bei Logau(3, Zugabe 201 Einkunft), der Plural 1691 bei Stieler. Von einkommen. einladen, v.: wohin zur Teilnahme bitten. Mhd. inladen, ahd. inladõön. Urspr. nur mit schwacher Flexion, wie noch zuweilen im 18. Jh., aber durch Vermischung mit lladen in starke Flexion übergegangen. einländisch(1. Makk. 11, 38), s. inländisch. Einlaß, m.(-Sses): das Hineinlassen und Ort desselben. Bei Dentzler 1709, von ein- lassen, v.: hineinkommen lassen oder machen, mhd. inläzen, ahd. inläzan; refl. sich ein- lassen: sich womit abgeben(frühnhd., z. B. Luther 7, 165 b Jen.). einlegen, v.: in etwas legen, mhd. in- legen; mit eingelegtem Zierat versehen;(Lanze e.) unter den Arm nehmen und gegen jemand richten;(Ehre, Spott us. e.) erwerben(im 15. Jh., z. B. Liliencron 2, 92, vgl. mhd. gelt vnlegen czurücklegeno). einleuchten, v.: als Licht in etwas dringen; klar und deutlich werden. Aus der neuern Sprache bei Adelung 1774. Davon das Part. Präs. einleuchtend als Adj., klar und deutlich(Lessing 6, 374). einlullen, s. lallen. einmachen, v.: Frucht, Gemüse u. a. zu längerer Aufbewahrung herrichten, eig. hineinlegen, hineintun in ein Gefäß. Da- von das Part. Prät. das Eingemachte, n. Bei Henisch. Früher auch in der Bedeu- tung von«ausgemacht. einmähren, s. mähren. einmal, Zahladv. Auf einmal; auf einen Zeitpunkt; zu unvermutetem Leitpunkte, plötzlich. Zusammenrückung des Zahlworts ein mit dem Akk. Mal Zeitpunkty. Mhd. dafũr eines mãles oder zeineme mäle. 4B L. einmalig, adj. Bei Stieler 1691. einmäl, Zeitadv.: zu irgendeiner Zeit, dann als hervorhebende Part. gebraucht. Zu- sammenrückung des Artikels ein mit dem Akk. Mal. Bei Keisersberg(Emeis 14 ²) und Luther. Einmaleins, n.: Rechentabelle. 1529 bei Adam Ries Rechnung auff der Linihen 8 das ein mal eins. einmummen, s. mummen. Einmut, f.: Obereinstimmung der Ge- sinnung. Mhd. einmuote, einmuot, ahd. vein- muοtt f., von dem Adj. einmuote, ahd. ein- muoti. 4BL. einmütig, adj. u. adv. Mhd. einmiietec, ahd. einmuotig. Davon Einmütig- keit, mhd. einmiletecheit f. einnehmen, v.: in etwas hineinnehmen; bei sich aufnehmen(in diesen Bedd. mhd. vnnemen, ahd. inneman); in sich nehmen; in Besitz nehmen(bei Luther); für sich ge- winnen(im 17. Jh.). Nach dieser Bed. das Part. Präs. einnehmend als Adj.«gewin- nendy(Klopstock Mess. 88; Gellert 4, 288; Lessing 4, 126) und das Part. Perf. einge- nommen. 43L. Einnehmer, m.(v, Pl. wie Sg.): der Geld, Steuern usw. einnimmt. Im 15. Jh.— Einnahme, f. Im 15. Jh. einnisteln, s. nisteln. Einöde, f.: unbewohnte, leblose Gegend. Mit Anlehnung an öde aus mhd. eincte, ein- œde f. n., ahd. einõti n.; dazu asächs. nödi f. n., ags. Cndd n. Mit der Ableitungssilbe ahd.-öti von ein«einsam, allein» gebildet. einpaschen, s. paschen. einpauken, v.: einbleuen. . Paulken. einpferchen, s. Pferch. einpökeln, s. pökeln. einprägen, v.: Zeichen oder ein Bild einpressen(s. Prägen); zu festem Haften et- was in das Gedächtnis bringen. 1691 bei Stieler einpregen. einquartieren, v.: in Quartier legen, Einlager geben. Bei Krämer 1678. einräumen, v.: in einen Raum stellen; einen Raum zum Einnehmen gewähren; zu- gestehen. Bei Luther, auch in der 3. Bed. Einrede, f. Frühnhd.(Brant Narr. Nr. 111, 27 jnred). Von einreden in der Bed. cin eine Rede einfallend Widerspruch erheben». einreißen, v.: nach innen reißen, zer- stören; überhand nehmen, eig. von Fluten, die ins Land eindringen. Die 2. Bed. im 15. Jh. und bei Luther. Eins, f.: Zahl oder Ziffer 1. Im 18. Jh. teins, n.: Neutrum des Zahlwortes ein, adverbialisch in eins sein, eins werden cgleiches Sinnes»(bei Luther). eins, adv.: einmal. Mit eins ceinmal, plötzlich». Mhd.-ahd. eines, dazu ndl. eens, ags. ãnes, engl. once«einmal», der zum Adv. gewordene Gen. des sächlichen Zahlworts eins. Im 18. Jh. veraltet, doch noch bei Lessing, Wieland, Voß, vgl. auch einst. 27* Studentisch, 423 einsam Einstand 424 einsam, adj. u. adv.: mit sich allein; von anderm Lebenden entfernt. In Vokabularen des 15. Jh.(Diefenbach gl. 541 b), dann bei Luther. Aus dem Deutschen ndl. eenzam, schwed. ensam, dän. ensom. Gebildet von ein«allein, für sich abgesonderty». 4 BL. Einsamkeit, f. Im 15. Jh. einsamcheit f. (Diefenbach a. a. O.). einschalten, s. schalten. einsehärfen, v.: scharf, entschieden sagen. Im 17. Jh.(Moscherosch ins. cur. par. 26). Vgl. bei Stieler 1691 einem das Gesetz schürfen «eindringlich ermahnen⸗. Einschiebsel, n. Von Gottsched Sprachk. ³ 504 für Parenthese gebildet. einschläfern, v.: in Schlaf bringen. Bei Krämer 1678. Alternhd. einschläfen(noch bei Wieland), zu mhd. slœfen(in entslœfen «schlafen machen). Einschlag, m.(-es): das Hineinschlagen und was eingeschlagen wird; bei den Webern der in den Aufzug, Zettel, eingeworfene Fa- den, auch Einschauß, Eintrag(s. d.). In dieser Bed. schon mnd. Inslach, auch 1599 bei Kilian 214 inslagh. Hd. pei Stieler 1691. einschlägig, adj.: in Betracht kommend. Von Campe 1807 als landschaftliches Wort an- geführt. Von einschlagen: sich in ein Gebiet hineinerstrecken, betreffen(bei Frisch 1741). einschließlich, adv. Von Campe für lat. inclusibe gebildet. einschreiten, v.: gegen Ungeseteliches die gesetzlichen Maßregeln treffen. Noch nicht bei Adelung 1793, aber bei Heynatz 1795 als ein Wort des Reichskanzleistils erwühnt. einschüchtern, v.: schüchtern machen. Bei Campe 1807 als neues Wort. einschürig, adj.: nur einer Schur jähr- lich unterworfen. Bei Frisch 1741 einscherig, das auch Adelung und Heynatz noch kennen. einschustern, v., im Schustern(Schuh- flicken) zusetzen; überhaupt aus eignem Ver- mögen zusetzen; in Vermögensverfall kommen. Bei Stieler 1691. Vgl. zuschustern. einschwärzen, v.: Waren heimlich über die Grenze bringen;(übertragen) unvermerkt hineinbringen. Urspr. obd. Wort, 8. schabärzen, aber in der 2. Bed. im 18. Jh. auch in Nord- deutschland üblich(Hermes Sophiens Reise 3, 389). Einsicht, f.: das Hineinsehen; Erkennt- nis, Verständnis. Um 1700 aufgekommen (Günther 734), aber noch 1759 von Dorn- blüth 65 bekämpft. Alternhd. dafür Ein- sehen, n.(jetzt noch in ein Einsehen haben), schon mhd.(bei den Mystikern) insehen n. 4B2. einsichtig, adj.: verständig. Von Adelung als Wort des gemeinen Lebens an- geführt. Einser, m., s. Einer. Einsiedel, m.(-S, Pl. wie Sg.): entfernt von Menschen, still, einsam religiöser Betrach- tung lebender Mensch, Eremit. Mhd. ein- sidlele, einsidel, ahd. einsidilo m., zusammen- ges. aus ein callein, für sich abgesondert» und sidilo m.«der sich wo ansässig macht», s. Siedeln. Nachbildung von lat. monacus, s. Mönch. 4 BL. Einsiedelei, f. Bei Stieler 1691, in der Bed.«Einsiedlerleben schon 1622 bei Londorp acta publica 2, 1258 b. ein- siedeln, v. Erst im 18. Jh. Einsiedler, m. Spätmhd. einsidelcere, das das ältere Einsiedel verdräͤngt. einsilbig, adj.: nur eine Silbe habend; karg an Worten. In der 2. Bed. erst im 18. Jh.(Hagedorn Fab. 61 eynsilbigt). einsmals, s. einstmals. einspannen, v.: ein Pferd usw. in die Deichsel spannen; einziehen(die Nase ein- gespannt bei Schiller). 4BL. Einspänner, m.: ein Wagen mit einem Pferd; ein geringer Fuhrmann, der einen solchen Wagen hat; wer allein lebt. In der letzten Bed. im 18. Jh. einspännig(vom Bergbau, wer allein baut). einst, adv.: zu einer(vergangenen oder zukünftigen) Zeit. Bei Luther(Richter 16, 28) noch einest. Mhd. einest, ahd.(bei Notker) einést, unter dem Einfluß superlativischer Bildungen hervorgegangen aus dem adver- bialen Genitiv eines(s. eins)«einmal», im Mhd. auch zu irgendeiner(vergangenen oder künftigen) Zeit. Vgl. ahd.(bei Notker) anderést«wiederumꝰ?, mhd. anderst, das eben- so aus dem adverbialen Genitiv ahd. anderes hervorgegangen ist. Weiter gebildet zu einsten (schon spätmhd., auch noch nhd., z. B. bei Schiller 1, 107. 211) und mit angetretenem adverbialischen s einstens(bei Gellert 1, 65. 196). 48. einstig, adj. Erst bei Campe 1807. ZUS. einstweilen, adv.: bis zu fester Bestimmung bestehend. Zusammenges. mit Wweilen, mhd. w¹len, s. weiland. Von Adelung 1774 und Heynatz 1775 noch getadelt. Bei Wieland auch einsweilen. Davon einstweilig, adj.(bei Heynatz 1796). Einstand, m.(-es, Pl. Einstände): Amts-, Dienstantritt; Eintritt in die Rechte eines Käu- fers; Eintrittsgeld, Eintrittsleistung(Goethe 425 einstehen Einwurf 426 31, 71; bei Stieler 1691 Eintrittsschmaus»). Mhd. instant m. Vorrecht beim Kaufen, Näher- kaufy. einstehen, v.: in eine Gemein-, Genossen-, Mitgliedschaft eintreten(frühnhd.); in einen Dienst eintreten; gewährleistend eintreten, gewährleisten(bei Adelung 1774);(vom Züng- lein an der Wage) nach keiner Seite neigend stehen(Goethe 1, 131, schon bei Stieler 1691); bevorstehen(Goethe 49, 1, 109, schonim 17. Jh.). einstellen, v.: hineinstellen, namentlich zur Aufbewahrung oder Rast, zur Arbeit, mhd. instellen;(mit Ergänzung von Pferd) einkehren; unterwegen lassen, aufgeben (Spätmhd.). Refl. sich, e.: sich einfinden. Frühnhd.(Luther 3, 492 Jen.). einsten, einstens, einstig, s. einst. einstimmen, v.: in den Klang einer Stimme einfallen; beifallen, zustimmen. In der 2. Bed. bei Luther.— einstimmig, adj. und adv.: mit éiner Stimme; überein- stimmend. Bei Ludwig 1716. einstmals, adv.: zu einer(vergangenen oder künftigen) Zeit. Früher einsmals(noch bei Schiller Räuber 4, 5), mhd. eines müles, Gen. Sing. von mãl zeitpunkt»(s. mal), mit unbestimmtem Artikel. Stieler 1691 hat einst- mals, doch läßt Adelung eins- und einstmals nur im gemeinen Leben zu. einstweilen, s. einst. einsuckeln(Goethe 39, 243), s. suckeln. einte, Ordnungszahlwort zu ein; einer von mehreren. Gebildet nach zweite usw. Bei Schweizern(Lavater, Pestalozzi). eintönig, adj. u. adv.: nur mit éinem Ton;(in tadelndem Sinne) einförmig. In der 2. Bed. bei Adelung 1793. 1Eintracht, m., s. Eintrag. 2Eintracht, f.: Zusammenstimmung der Gesinnung. Mhd. eintrahte, eintraht f.«Ver- bündnis, Mitangehörigkeit»(md., namentlich in Rechtsquellen, aus nd. eindracht), wohl mit nd. Ubergang von ft in cht entstanden aus eintraft, vgl. ahd. eintraft«einfach», ein- trafti f.«Einfachheity, zu treffen, also eig. cdas Treffen eines Zieles». Eingewirkt hat wohl die Redensart mhd. äber ein tragen cübereinstimmen?; später erfolgte Anlehnung an trachten. Aus dem Deutschen nl. een- dracht, schwed. endrägt f. 4BL. einträch- tig, adj. Mhd.(in md. Quellen) eintrehtic. S. Qowietracht. Eintrag, m.(-es, Pl. Einträge): die in den Aufzug des Webers zur Verbindung ein- getragenen Querfäden;(bildlich hiernach?) Abbruch woran, Nachteil(durch etwas in die Quere Kommendes, Abhaltendes), vgl. beein- träãchtigen; Handlung des Eintragens und Eingetragenes(in ein Buch usw.), erst in der Neuzeit. In der 1. Bed. bei Keisersberg intrag, bei Luther eintracht m., die über- tragene Bed. ist in der Rechtssprache des spätern 15. Jh. gewöhnlich= Einwand, Ein- rede, Schaden, Nachteil(namentlich in Ein- trag kun«widersprechen»). Daneben im 16. und 17. Jh. die Bed.«Ertrag, Einnahme, Ge- winny, wovon das Adj. einträglich Ge- winn bringend). eintränken, v.: zugefügtes Ubel ver- gelten, eig. einen schädlichen Trank eingießen. So schon mhd. inkrenkxen. eintreiben, v.: wo hinein treiben; in die Enge treiben(Apost. Gesch. 9, 22), zwingend belästigen(Richter 14, 17); durch Treiben, drängend einbringen, z. B. Gelder(bei Lud- wig 1716). Es einem e.«ihn büßen lassen» (frühnhd.). Einung, f.(Pl.-es): das Einigwerden wo- rüber, Beschluß. Mhd. einange, ahd. einunga f., von einon ceinigen. einverleiben, v.: in éinen Körper(Leib), ein Ganzes bringen. Nachbildung des lat. incorporäãre. Im 16. Jh., schon früher be- gegnet einleiben und verleiben. einverstanden, adj.: übereinstimmend, Part. Prät. von sich einverstehen(Lessing 2, 262),«u einem übereinstimmenden Verständ- nis gelangen). 4BL. Einverständnis, n., bei Adelung 1774 als Kanzleiwort. Einwand, m.(-es, Pl. Einzände). Von Zesen 1648 in Dögens Kriegsbaukunst ge- bildet. Von einwenden, v.: gegen eine Behauptung, Forderung usw. einschränkend richten. In der Rechtssprache des 17. Jh. einwärts, adv.: nach innen gerichtet. Mhd. mmwertes, genitivisches Adv. zu inawert, in- wart, ahd. inwart, inwarlti, inwerti«der innere, inwendigey, adv. inzert. einwohnen, v.: worin Wohnsitz haben. Bei Dasypodius 1537. 4BL. Einwohner, m.: durch festen Wohnsitz Orts-, Landesan- gehöriger. Mhd.-, inwoncre m., auch älternhd. Imwohner(noch bei Adelung 1774 erwähnt). Einwurf, m.(-es, Pl. Einwürfe): das Hineinwerfen und was hineingeworfen wird; Einrede. In der 2. Bed. in der frühnhd. Rechtssprache(Brant Layensp. R. 1²). . 427 einwurzeln eitel 428 einwurzeln, v.: Wurzel worin fassen. Frühnhd.(Murner Schelm. 13, 24). Einzahl, f.: der Singular(s. d.). Von Campe eingeführt für das frühere die einzelne Zahl. Im lib. ord. rer. von 1429 Bl. 195b dinczal«Einzahl» neben czuooczal«zZweizahly. Einzelheit, f. Im 17. Jh.(bei Lohen- stein Armin. 2, 1294, dagegen bei Stieler 1691 Einzelkeit) für«Einheit, Alleinsein», in der jetzigen Bed.«Detail» erst bei Campe 1807. Bei Goethe dafür Einzelnheit. Zu einzeln. — Einzelwesen, n. Von Campe für In- dividuum gebildet. einzeln, adj. u. adv.: eins oder jedes für sich abgesondert. Mhd. einzeln, énzeln, auch verstärkt alénzeln(in md. Quellen), adv., eig. Dat. Plur. der seltenen Adj. einzel«für sich abgesonderty. Abgeleitet von dem gleichbed. seltnen mhd. Adj. einez, einz, ahd. einaz(ab- geleitet von dem Zahlwort ein), dessen Dat. Pl. mhd. einzen, ahd. einaæén als Adv.«einzeln ausdrückt. Darauf geht auch mhd. einzeht (noch jetzt obd.), einælich, einzelinc«einzeln), sowie einsig zurück. Bei Luther lautet das Adj. noch einzel, doch tritt in der prädika- tiven Stellung dafür auch das Adv. einzelen ein(Jes. 49, 21. 51, 2). Die Form einzel, im 17. Jh. häufig, erhält sich von Adelung als obd. bezeichnet noch im 18. Jh.(einzle Haller 146, einzler Lessing 8, 47) und wird noch von Uhland und Rückert gebraucht(z. B. einzlen 3, 140). einzig, adj.: ausschließlich einer; vor allem seiner Art vorzüglich. Mhd. einzic, einzec ceinzeln), der Dat. Plur. einzigen als Adv. «einzelmy. Abgeleitet von mhd. einez, ahd. einaæ, dem Ntr. des Zahlworts ein ceinzeln). Der ältre Ausdruck für einzig ist einig, s. d. Eis, n.(Gen. Eises): gefrorne Flüssigkeit. Mhd.-ahd. ĩs n.; dazu ndl. ijs, afries.-ags. 78, engl. ice, anord. 186 m., schwed. is m., dän. is n., zu aw. 18aν- Adj.«frostig, eisigy, afghan. asa& Frosty, Pamirdial. 18 Kälte». ZUS. Eisbahn, f. 1691 bei Stieler. Eisbär, m.: Bär der Eismeere. Bei Adelung 1774. Ndl. ijsbeer, schwed. isbjörn m. Eisbein, n.: Hüftbein. Aus dem Nd., and.-mnd. 78Sbén, ndl. ijsbeen n.,(nach Kluge auch[wo belegt?]) ags. isbän. Der 1. Teil der Zusammensetzung ist dunkel. Bei Henisch 1616. Wahrscheinlich liegt volksetymologische Umgestaltung eines äültern Wortes unter An- lehnung an Bein vor. Aber daß gr. icxiov n. «Hüftgelenk» verwandt sei, ist nicht sicher. Eisen, n.: das bekannte Metall und daraus Verfertigtes. Mhd. isen, ahd. Ssan n., mit Ausstoßung eines r statt des ebenfalls ge- läufigen mhd. isern, ahd. sarn; dazu asächs. sarn, ndl. ijzer, afries. Isern, ags. Isern, iren, engl. iron, anord. Isarn, got. eisarn n. Wahr- scheinlich entlehnt aus dem Keltischen, wie bei dem anord. jarn, schwed. Järn, dän. jern n. eine Entlehnung aus dem jüngern Kel- tischen(altir. iarn) stattgefunden hat. In der Wurzelsilbe kaum verwandt mit ahd. 5r, got. aiaæ n.«Erz»(s. d. und ehern). Eine nicht wahrscheinliche Etymologie bei Much ZfdA. 42, 164. S. auch eisern. ZUS. Eisen- bahn, f. Um 1830 erscheinend. Eisen- beißer, Eisenfresser, m.: einer, der sich seiner Kriegstaten rühmt, Prahlhans. Eisen- beißer bei Murner Schelmenz. 11, mhd. isen- biz; Eisenfresser bei Luther 1, 388² u. ö. Nach mhd. isen ezzen, isen frezzen, von Kriegern, die sich selbst vor dem Härtesten nichtscheuen. eisen, v.: zu Eis erstarren, mhd. 7sen, ahd. 7sOn; das Eis auf-, abschlagen(bei Adelung). Eisenhut, m.(-es): eine Giftpflanze. 1546 im Dioscorides 127 b eisenhüttle. Mhd. isen- huot m. ist«eiserner Helmy. Eisenkraut, n.(-es): die Pflanze verbena. Mhd. Isenkrdt n., ahd. dafür esarna und isandina f., eig. die Eiserney, gemäß der lat. Benen- nung ferrdria(herba), gr. cudnptric f. eisern, adj.: von Eisen; eisenhart. Mhd. sernin, daneben von der Form iser gebildet lserin, isern und von isen aus lsenn, ahd. sarnin, isanin; dazu asächs. 7sarnin, ndl. ijreren, ags. Isen, iren, got. eisarneins. Alter- nhd. auch eisen(zuweilen bei Luther). eisig, adj.: voll Eis, beeist; eiskalt. Mhd. isec; dazu ndl. jzig, ags. ISig. Eiß, m.(-es, Pl.-e), auch Eiße, f.(Pl. =n): Blutgeschwür, s. Eiter. Eisvogel, m.: Art smaragdgrüner Wasser- vögel. Mhd. ĩsvogel, ahd. Isfogal m. Der Name, weil der Fische fressende, an Bächen nistende Vogel nach der Sage zur Winterzeit brütet. eitel, adj.: leer; gehalt-, wertlos; gehalt- lose, hohe Meinung von sich oder Eignem habend; nichts seiend als. Davon das Adv. eitel«nichts als, nichts mehr alsy; vielfach Vor Substantiven, z. B. eitel Brod und in dem Eigennamen Eitelfritz allein Fritz». Mhd. ’tel, ahd. ital«leer, ledig, nichtig, rein, nichts als— seiend»; dazu asächs. 7dal, ndl. ijdel, äjl, ags. idel, engl. idie«leer, nichtigy. Als 429 Eiter -el 430 ursprüngliche Bedeutung nehmen viele aglän- zend, nur scheinend» an und vermuten dann Zusammenhang mit gr. aleer cbrennen), aind. idh cleuchten. Doch ist das wenig wahr- scheinlich. Die Bed.«eingebildet» erscheint erst im 18. Jh. 4BL. Fitelkeit, f., mhd. ztelkeit«Nichtigkeity, auch schon cleerer Hochmuts, auf ein von itel abgeleitetes Adj. ſtelec zurückgehend. Eiter, m.(-s): sich beim Schwären bil- dende Flüssigkeit. Alternhd. meist Neutr. (bei Luther, noch bei Opitz[Amst.] 3, 150), dagegen bei Schottel und Stieler Mask. Mhd. eiter, ahd. eitar n; dazu and. éttar, ndl. etter m., ags. ãttor, engl. atter, anord. eitr n., schwed. etter n., dän. edder m. Gift, Eiter?. Mit unverschobenem t wegen der ursprüng- lichen Lautfolge tr wie in bitter, lauter, Otter. Daneben ohne ableitendes r und mit ver- schobenem t mhd. ahd. eiz, eize m. Eiter- beule, Geschwür», noch jetzt obd. Eiß, Eiße. Verwandt sind wohl lett. idra f.«das faule Mark eines Holzesy oder gr. oidoc n., oidua n. Geschwulst. Vgl. Bezz. Beitr. 27, 172 und Walde, s. gemidus. 4BL. eiterig, adj. Mhd. eiterec, ahd. eitarig«giftigy, and. Ettarag. eitern, v. Mhd. eitern«vergiften». ZUS. Eiternessel, f.: die kleine Brennessel, urtica minor. Mhd. eiternezzel, ahd. eitarnezæila f., ursprünglich s. v. a.«Giftnessel, Geschwür erzeugende Nessel». Eiweiß, n.(-es): das Weiße des Eis. Bei Adelung 1793, wührend früher Eierweiß n. (1557 bei Heußlin Vogelbuch 135) vorkommt. Vgl. Eierklar. Ekel, m.(-s): widrige(urspr. Brechreiz anregende) Empfindung wovor; Gegenstand des Abscheus. Dazu das Adj. ekel,«Ekel empfindend; kleinlich wühlerisch im Genuß. Von ekeln, unpers. Verb.(mit Dat., seltner Akk.): Ekel erwecken, zum Dkel stimmen. Zuerst 1517 bei Trochus Prompt. Q 3 b eckel, dann bei Luther Ekel(Eckel), das Adj. ekel und ekeln. Dafür im Obd. ercken(1541 bei Frisius 362 b und 5732, und 1561 bei Maaler, auch abgeleitet erckelen(noch jetzt schweiz. erkele)«Unwillen und Abscheu vor etwas haben», schon mhd. erklich cleidig, zuwider?; dazu engl. irk«verdrießen, unangenehm sein?, irksome«verdrießlich. Luthers Formen stehen wohl mit obd. erkeln in Zusammen- hang, sind aber beeinflußt durch mnd. egelen, echelen(eichelen) everdrießen». Dies steht wieder in einem, allerdings lautlich nicht klaren Zusammenhang mit dem urspr. ober- deutschen heikel(s. d.). Vgl. noch Schroe- der Btr. 29, 557, der ekeln auf ein aiilon (zu got. aüwiski Schande») zurückführt. Andre ziehen kaum mit Recht ags. dãcol«be- stürzt, erregt» heran. Helvig 1611 hat noch Eckel und Egel, auch Eickeln(Ekel als sächsisch), auch Henisch 1616 Eckel, Eickel und Egel. Die Form Eckel(Schottel 1663 Ehkel, Duez und Krämer Eckel, Stieler aber 1691 Pkel) erhält sich bis ins 18. Jh.(noch bei Lessing und Herder). 4L. ekelhaft, adj.: Ekel gegen sich erweckend; zum Ekel geneigt. Bei Henisch 1616. eklig, adj.: leicht Ekel erweckend, widerwürtig; leicht empfünglich für Ekel. Bei Henisch 1616 elclicht(schon thüringisch im 15. Jh. echlig, Thür. Rechtsd. 1456, vgl. oben erklich). Ekelname, m.: Beiname zur Beschim- pfung. Mit Anlehnung an Ekel entstellt aus nd. õkelname, mnd. oelname m.; dazu anord. auxanafn, schwed. öknamn, dän. ögenaun n. Beiname. Zusammenges. mit asächs. ökian, anord. auka, got. auan«mehren»(s. auch). eklatänt, adj. u. adv.: laut und öffent- lich; glünzend; Aufsehen erregend. Das gleich- bed. franz. éclatant, eig. Part. von éclater czerspringen, ausbrechen, ruchbar werden, glänzen». Bei Sperander 1728. ekléktisch, adj.: auswählend, prüfend. Aus gr. ExXeKkruxòc auslesendy, von EkXGYTeV auslesen». 1710 bei Thomasius Hofphilo- sophie 50. eklig, s. Ekel. Eklfptik, f.: die sog. Sonnenbahn, der Tierkreis. Aus lat. ecliptica f.(nämlich linea), dem Fem. des gr.-lat. Adj. eclipticus, gr. exXerrricéc«mangelhafty. 1668 bei Erasm. Francisci ost- u. westind. Staats- u. Lust- garten 3, 1659 b. Das Wort wurde von der Sonnenbahn deshalb gebraucht, weil in ihr die Ehklipsis, gr. EMeupic f. das Abnehmen oder Verschwinden(gr. exxeineiv eig.«aus- lassen5) des Sonnen- oder Mondlichts, d. h. Sonnen- oder Mondfinsternisse, vorkommt. Ekstäse, f.: Ent-, Verzückung. Aus dem kirchlichen gr.-lat. ecstasis, gr. Ekcrocic f. Entzückung», urspr.«das Rücken von der Stelley. Im 18. Jh. entlehnt(Schubart 2, 30). Dazu das Adj. ekstätisch, 1759 bei Wie- land Cyrus 1, 402. -el, die oberd. Verkleinerungssilbe d. Subst., mit doppelter Verkleinerung-elchen(s. chen) bei Subst., die auf ch(aber nicht sch) und 431 Elaborat Elend 432 auslauten, z. B. Büchelchen, Sprüchelchen, Dingelchen, Juüngelchen, Trõgelchen, Wägel- chen, oft mit einem gewissen Anstrich des Vertraulichen, z. B. Hänselchen(Voß Luise 1, 669). Mhd.-ele,-el, ahd.-ili, in ältrer Zeit auch beim Mask.-ilo, beim Fem.-ila, got. beim Mask.-ila(z. B. in Attila, s. Atte), beim Fem.-ilo, beim Neutr.-lꝰ. Vgl. õein. Elabordt, n.(-Lels, Pl.-e): Ausarbeitung, Vorlage, mit etwas verächtlichem Nebensinn. Aus neulat. elaboratum n.«das Ausgearbeitetes, dem Part. Perf. Pass. von lat. Ölaböräre caus- arbeiteny. Noch nicht bei Campe. Elän, m.(-s): Schwung, Ungestüm. Aus gleichbed. franz. 6lan m. Neue Entlehnung. elästisch, adj. u. adv.: spann-, feder- kräftig, prall. Nach franz. élastigue, das auf einem neulat. elasticus beruht, gebildet von gr. e«veiv«antreiben, in Bewegung setzen». 1716 in Wolffs mathemat. Lexik.— Flasti- zität, f.: Schnell-, Spann-, Federkraft. Nach franz. Glasticité f., nlat. elasticitas(1727 bei Hühner). Elbe, f.: Name eines deutschen Flusses. Mhd. Elbe f., germ.-lat. Albis m., czech. Labe n., Poln. Laba f. Vgl. anord. eff f., schwed. älf, dän. ely m.«Flußy, gr. Mœetoc. Elch, m.(-es, Pl.-e), bei Rückert Elk: Elentier, eigentümliche Hirschart, bos cervi figura(Cäsar). Aus mhd. elhe, elch, ahd. elaho. Dazu ags. eolh, anord. elgr, schwed.-dän. elg m. und weiter kelt.-lat. alces, gr. äxtn f., russ. l08 m.«Elentier», aind. ygjas m.«Anti- lopenbock», pamir. rus«wildes Bergschafy. Da das Tier aus Deutschland im wesentlichen verschwand, wurde das Wort durch das slavische Elen(s. d.) verdrängt, aber in neurer Zeit wieder aufgenommen. Eldorädo, n.: fabelhaftes Goldland; Land des Glückes, Paradies. Das span. el dorado d. i. das vergoldete, seit der Conquistadoren- zeit im 16. Jh. das in Venezuela am sagen- haften See Parime gesuchte Goldland. Elefänt, m.(den, Pl.-en): das größte Landtier, lat. elephas. Mhd. elefant, elfant (mit Anlehnung an helfen), helfant, ahd. ela- fant, helfant m.; mit ags. lpend, elpend m. entlehnt aus gr.-lat. elephas(Gen. elephantis), gr. ekéqac(Gen. XEqovxoc) m. Bei Luther und sonst oft nhd. nach dem gr. Elephant. S. Elfenbein und Kamel. elegänt, adj. u. adv.: auserlesen, zierlich, geschmackvoll. Aus franz. Elégant nach lat. glegans(Gen. blegantis)«wählerisch, fein, ge- schmackvolly. Erst im 18. Jh.— Elegänz, f.: Auserlesenheit, Zierlichkeit. Aus dem gleichbed. franz. élégance, lat. élegantia f. Schon bei Rot 1571. Elegie, f.(Pl.-n): Gedicht, dessen Grund- ton Wehmut und TZürtlichkeit ist; Klagege- dicht. Aus gr. Jat. elegia, gr. eTeia f.«Ge- dicht in Distichen». Schon 1517 elegi(Voca- bula pro juventute 234).— elégisch, adj.: wehmütig, zürtlich, in der Empfindung weich, empfindsam. Nach dem gleichbed. gr.-lat. Adj. eleglacus. Im 18. Jh. eléktrisch, adj.: das Vermögen besitzend, infolge des Reibens leichtere Körper anzu- ziehen und bei Annäherung andrer einen knisternden Funken zu erzeugen. Nach franz. 6lectrique, neulat. electricus, das auf gr.-lat. electrum, gr. Xexrpov n. Bernsteins, zurück- geht. 1721 bei Jablonski. Elektrizität, f. Nach franz. Glectricité f. 1744 bei Picander 5, 176. elektrisieren, v.: Elektrizität er- regen oder mitteilen;(bildlich) durchblitzen, lebhaft befeuern. Aus dem gleichbed. franz. &lectriser. Bei Picander a. a. 0. Elemént, n.(es, Pl.-e): Urstoff, Grund- bestandteil; Lebensstoff. Der Plur. Elemente «Anfangsgründe». Schon mhd. element n., aus lat. elementum n. Urstoff, dessen Ur- sprung dunkel. Vgl. Diels Elementum. Alter- nhd. im Plur. auch Elementen(Brockes 3, 37). 4B2L. elementär, früher elementärisch (17. Jh.), adj.: urstofflich, uranfünglich; den Anfangsgründen gemäß. Nach lat. elemen- kärius zu den Anfangsgründen gehörig. Bei Heynatz 1775. PElen, m.(-es, Pl.-e), Elentier, n.: größte Hirschart. Alternhd. Elend(Luther 5. Mos. 14, 5), Ellend und zusammenges. Elendthier; dazu ndl. eland m. Mit angetretenem d(das in Mlentier später wieder unterdrückt wurde) aus lit. élnis, abg. jelen? m.«Hirschy, die verwandt sind mit gr. eʒôc aus*e;véc m. Hirschkalb, kymr. elain«Hindey. Elend, n.(6es):(veraltet) Land der Ver- bannung, wie diese selbst; hilfloser Zustand; größte Bedrängnis und Beschwernis. Von elend, adj.: ganz verlassen; völlig hilflos und beklagenswert. Das Subst. älternhd. auch noch Elende(Logau 1, 46). Das Adj. ist mhd. ellende, auch enelende, ahd. elilenti, urspr.«im andern Land, fern von der Hei- maty, dann«fremd, verbannt, hilfsbedürftig, jammervolly; dazu asächs. elilendi, ags. ellende cfremdy. Zusammenges. aus ahd. eli-, ali-, 433³ elendig Ellipse 434 das zu got. aljis, ags. elles(«anders», engl. else), lat. alius, gr. äMoc, altir. aile cein andrer) gehört(auch in Elsuß, mlat. Alisatia, zu ahd. Elisägzo ader drüben, am andern Ufer Wohnende») und dem von lant gebildeten Adenti. Davon substantiviert mhd. ellende, ahd. elilenti, asächs. elilendi n., ndl. ellende f., urspr.«Fremde, Aufenthalt in der Fremde?, dann«Bedrängnis, Noty. 4BL. elendig, adj., mhd. ellendec, dazu ndl. ellendig. elendig, s. Elend. Fleonôre, Frauenname, verkürzt Lenore, Lore. Aus mengl. Alienor, Eleanor mit ge- lehrter Anlehnung an gr. Aeoc m. Erbarmen, Mitleid, gleichsam die Barmherzige. Elephant, s. Elefant. Elf, m.(-es, Pl.-e): Nachtgeist, böser Neckgeist. Die neben dem deutschen 4 p (8. 4.) eingeführte engl. Form elf, s. Elfe. elf, Zahlwort. Iteruhd. eilf(noch bei Adelung, während Freyer 1722 elf verlangt, das schon Schottel 1663 kennt). Mhd. eilf, zu- sammengez. aus einlif, eilif, ahd. einlif; dazu asächs.(mit Angleichung des) elleban, ndl. elj, afries. andlova, ags. endleofan, engl. elleven, anord. ellifu, schwed. ellofba, elfoa, dän. elleve, got. ainli«;(Gen. ainlibé). Zusammenges. aus ein und dem nur noch in 2ublf(s. d.) vor- liegenden-lif, das eine Entsprechung im Lit. hat, wo die Zahlen von 11—19 mit-ika gebildet werden(vienölila 11); dies gebört zu lat. linquere«übrig lassen, also eig. (zehn und) eins darüber. Das f ist aus dem Guttural wegen des in zubölf entstanden und auf elf übertragen. 4B L. Elfer, m die Zahl oder Ziffer 11; Mitglied einer aus 11 Männern zusammengesetzten Behörde, mhd. einlifer; der 1811 gewachsene vorzügliche Wein. elfern, v.: zu Zweien mit(40) deutschen Karten ein Spiel spielen, bei dem der, welcher 11 Stiche und darüber macht, gewinnt. Bei Weiße kom. Opern 2, 128 eilfern. elfte, Ordnungszahlwort. Alternhd. eilfte, mhd. eilifte, einliſte, ahd. einlifto, asächs. ellifto, ndl. elfde, ags. endlyfta, œndlyfta. Elfe, f.(Pl.-n): leicht im Reihentanz über Blumen und Gras schwebendes geistiges Wesen. Neben mhd. elbe f., weibliche Bildung zu 4 p(s. d.), entlehnt aus engl. elf, ags. œlf f. Zuerst bei Wieland in der öbersetzung von Shakespeares Sommernachtstraum 1764 und dann öfter von ihm gebraucht. Elfenbein, n.(-s): Masse der Stoßzäühne des Elefanten. Bei Luther(Hohelied 5, 14) Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. Elphenbein, mhd. dafür helfenbein, mit aus- gestoßenem t für ahd. helphantbein, s. Elefant. 4BL. elfenbeinen, elfenbeinern, adj., mhd. helfenbeinin, ahd. helphantbeinin. Elfer, elfte, s. elf. Elisabeth, Frauenname, schweiz. Elsbeth. Mhd. Elizabéth, md. Elsebét, aus dem bibli- schen gr. Jat. Namen Elisabeth, biblisch-gr ENcdßer, von hebr. Elischeba 2. Mos. 6, 23 d. h.«Gott der Eid=«der(die) bei Gott schwört, Gott verehrty, von hebr. El der (die) Starke, Gotty», und schäba(hiph.) «schwörenn. Im Nhd. gekürzt Elise; im Mhd. tritt seit dem 14. Jh. als Koseform zu jenem Elsebét der Name Else auf, Dim. Elslin, später auch Elßlin(s. Ilse). Elixir, n.(-s, Pl.-e): Kraft-, Heiltrank. Aus spätmhd. elixdre, elicirium n., das zu- rückgeht auf arab. el sir«Stein der Weisen» u. ä.(aus gr. Enpöv n.«trockenes Mittel»). Schon 1562 bei Mathesius(Sarepta 433). Ellbogen, s. Ellenbogen. Elle, f.(Pl.-n): Längenmaß von 2 Fuß. Mhd. elle, assimiliert aus elne, auch elen, ele (woraus dienhd. Nebenform Ehle, nach Adelung obd.), ahd. elina, elna, elin f.; dazu and. elina, ndl. elle, el, ags. eln, engl. ell, anord. öln, schwed. aln, dän. alen(aus raluna), got. aleina f.«Elley, urspr. aber die Länge des Vorder- arms. Verwandt ist gr. d«évn f.«Ellenbogen), lat. ulna f.«Ellenbogen, Ellen, altir. uile n. Ellenbogen», npers. dran Elley. Weitres bei Walde s. v. ulna. Ins Roman. eingedrungen als ital. alna, franz. aume f. Elley». ZUS. Ellen- : bogen, m., auch Ellbogen(Goethe 44, 387): Gelenk zwischen Ober- und Unterarm. Mhd. ellenboge, elenboge, ahd. ellinbogo und elinbogo m., auch elinboga f.; dazu ndl. elleboog, ags. elnboga, engl. elbou, anord. öInbogi, dän. albue m. Zusammenges. aus ahd. elina, hier«Unter- army, und bogo m. Biegungy. Eller, f.: Erle(s. d.). Aus dem Md.- Ndd., mnd. elre f., auch 1663 bei Schottel (Ellern, Ellerbaum) angeführt. Ellipse, f.(Pl.-n): Auslassung von Worten, die der grammatischen Vollständig- keit wegen in Gedanken zu ergänzen sind; Langkreis, d. h. ein in Hinsicht der strengen Rundung mangelhafter Kreis. Von gr. Meupic, eig.«das Ermangelny, dann Auslassung im Satzey, so auch lat. ellipsis f. Im 18. Jh. — elliptisch, adj., nach gr.onlat. ellipticus, gr. éMermrixöc, eig.«mangelhafty. 1653 bei Harsdörffer mathem. Erquickstunden 2, 266. 28 435 Eloge Emeute 436 Elöge(spr. elöze), f.(Pl.-n): Lob, Lobes- erhebung. Aus gleichbed. franz. éloge m., das aus mlat. eulogium n., gr. ebhoria f. stammt, zusammenges. aus ed gut», und Xoria von Aöoc«Rede». Bei Roth 1791. Elritze, f.(Pl.-n): ein fingerlanger, bittrer Backfisch. 1563 in Forers Fisch- buch 159²«in Meyssen und Saxen Elderite, Elritzy. Abgeleitet von Eller= Erle, wie der Fisch auch daneben Erlitze(um 1480 im Voc. inc. teut. c 2² erlitz) und Erling, mhd.-ahd. erlenc heißt; er hält sich gern unter den an Bachufern stehenden Erlen auf. Elsbeere, f.(Pl.-n): schwarze oder schwärzliche Beere mehrerer Baumarten, namentlich von prunus padus. In Luthers Briefen Elsbeer. Wahrscheinlich aus dem Ndd.; mnd. else f., eig. Erle(s. Else), be- zeichnet auch mehrere andre Baumarten, z. B. den Faulbaum. Vgl. franz. alize f.«Elsbeere). 1 Else, f., ein Fisch, aus Alose(s. d.). ² Else, f.(Pl.-"): Erle. Aus dem Nd. (schon mnd. else f., auch ndl. els f., elzen- boom m.), von Norddeutschen(Schmidt von Werneuchen Ged. 53, 146) gebraucht. Ein andd. alisa, felisg, das mit ursprünglichem s zu Eller(s. d.) gehört, ist ins Romanische gedrungen, span. aliso m. Erle?, vgl. auch Elsbeere. sElse, Frauenname, s. Elisaheth und IIse. Elster, f.(Pl.-n/): weiß und schwarzer, langgeschwänzter Vogel vom Rabengeschlecht. Mhd. elster, zusammengez. aus egelster, da- neben agelster, aglaster, agelaster(noch 1642 die Agelaster bei Tscherning Ged. Frühl. 138), ahd. agalstra, agalstera, agelstra f. nebst andern Nebenformen. Nicht zu trennen sind davon ahd. agazza, and. agastria, mnd. egester, nd. aalester und elster, ags. agu f. und mhd. atzel. Vergleiche über die verschiedenen Formen Bruinier KZ. 34, 344. Die etymologische Ableitung des Wortes ist noch dunkel, ins- besondere ist es zweifelhaft, ob man von einem ursprünglichen Wort auszugehen hat, das lautlich oder volksetymologisch umge- staltet ist, oder ob verschiedene Ableitungen von einem Stamme vorliegen, oder ob sich schließlich verschiedene Worte beeinflußt haben. Vielleicht liegt eine Form*agarstria zugrunde, dessen y teils zu! wurde, teils schwand. 4Atzel ist dazu Koseform und ags. agu, das auch mhd. als age belegt ist, Kurz- form. Neben der Form mit vokalischem Anlaut stehen auch solche mit h wie obd. hätz, hetzel, ndd. häkster, heigster, heister. Bei Luther finden wir Aglaster, sonst älter- nhd. oft Alster, worauf die Schreibung Alster (bei Adelung) beruht. ZUS. Elsterauge, n.: Leichdorn. 1716 bei Ludwig. Elter, f.: Großmutter; Hebamme. Im Hessischen, wo mit Lautangleichung eller gesprochen wird. Wohl Kürzung aus Elter- mutter, mhd. eltermuoter f. Auch Eller m. Großvater, gekürzt aus mhd. eltervater m., kommt vor. Eltern, pl.: Vater und Mutter. Mhd. eltern, meist altern, ahd. eltiron, altiron, der Nom. Plur. von altiro cälter», Komparativ von alt, der hier substantivische Bed. ange- nommen hat, vgl. Jünger; dazu asächs. eldiron, ndl. oudern, ouders, afries. aldera, ags. eldran, Vldran(im Sing. Mdra m. Vaterz) Plur. Eltern». Der Umlaut ist hier in ältrer Weise durch e bezeichnet(Adelung verlangt Altern). 4B2. elterlich, adj. Bei Stieler 1691. Elysium, n.: Wohnort der Seligen im Totenreiche. Das gr.-lat. elysium n. Davon elysisch, adj., 1575 bei Fischart Garg. 216 elisisch, 1694 bei Leibniz Deutsche Schr. 2, 463 elyseisch. Emäil, n.(-s), Emäille, f.: Schmelz, Schmelzglas. Aus gleichbed. franz. 6mail m., das aus dem Germanischen stammt, vgl. ags. smelt, d. schmelzen. 1727 bei Hübner. 48L. emaillieren. Bei Nehring 1710. emanzipieren, v.: freilassen zur Gleich- berechtigung. Aus lat. Smancipäre. Im 17. Jh. entlehnt. Emanzipatiön, f.: Freilassung. Aus lat. émancipäãtio f. Schlagwort für die Frauenemanzipation seit 1831. Vgl. Ladendorf. Emblém, n.(-s, Pl.-e): Sinnbild, Kenn- zeichen. Aus lat. emblema, gr. éußXnuo n., ceingelegte Metallarbeit), zusammenges. aus ev«iny und Bäfua, einer Ableitung von 8GMXerv«werfeny». 1703 im Zeitungslex. em- blema«ein Sinnbild mit einem kurtzen Spruch begleitetꝰ. emendieren, v.: berichtigen, bes. Fehler in einem Buche. Aus lat. 5mendäre. Im 18. Jh. entlehnt(Heynatz 1775). emeritieren, v.: für ausgedient(lat. ömeritus) erklären. Im 18. Jh. Emeß, n.(-es, Pl.-): lederner, dann auch eiserner Ring unten am Joch, der die Deichsel daran festhält, Jochring. Am Mittel- rhein und in Hessen. Dunkler Herkunft. Emeüte, f.(Pl.-n): Aufstand, Meuterei. Aus gleichbed. franz. 6meute f. Bei Campe 1813. 437 emigrieren Emphase 438 emigrieren, v.: auswandern. Aus dem gleichbed. lat. migräre. Bei Roth 1791. Emigränt, m.(-en, Pl.-en): Vaterlands- flüchtiger. Aus dem Part. Praes. lat. Smigrans (Gen. emigrantis). Bei Heynatz 1775. Emil, Mannsname, aus franz. Emile, dies aus dem lat. Namen Aemilius, aus dessen Fem. Aemilia der franz. Frauenname Emiilie, woraus bei uns Emilie. Eminénz, f.: Erhabenheit, als Titel bei Kardinälen usw. Aus lat. éminentid f., von éminére«hervorrageny. Schon 1617 im Teut- schen Michel 49. Emir, m.(-S, Pl.-e): arabischer Fürst. Das arabische emir,(amir)«Befehlshabery, von amara cbefehlen. Bei Sperander u. Apinus 1728. Emissär, m.(-, Pl.-e): Geheimbote, Kundschafter. Aus franz. émissaire, von lat. émissãrius m., eig.«Ausgeschicktery. Bei Sperander 1728 noch Emissaire. Emissiön, f.(Pl.-en): Ausgabe von Wertpapieren. Aus franz. émlssion f. und dies aus lat. émissio f. «das Heraussenden», abgeleitet von à aus» und missio von mittere«sendeny. Neuere Entlehnung. Emma, Frauenname. Ahd. Emma; wie Imma assimiliert aus Erma, Irma, der Kose- form zu den mit Irm- gebildeten Namen (Irmgard, Irmtrud). Emmerling, veraltete Schreibung für Ammerling, s. Ammer. empfahen, s. empfangen. Empfang, m.(-es). Mhd. enpfanc, ge- wöhnlich anpfanc, antvanc, ahd. antfanc m. Von empfangen, v.(Praet. empfing, Part. empfangen): entgegennehmen, an sich nehmen, in sich ein oder aufnehmen. Mhd. dafür enpfähen, enpfän, mit Assimilation aus ent- fähen, entfän(Prät. enpfilenc, enpfie, Part. enpfangen), ahd. intfãähan; dazu asächs. ant- fãhan, ndl. ontfangen, ags. onfon. Alternhd. im Präs. empfahen, empfahn, was sich als poetische Form erhalten hat(oft bei Klopstock, Wieland, Goethe, Platen, Uhland, Rückert); die Form empfangen stammt aus dem Nd.(schon mnd. entvangen neben entvän) und kommt vereinzelt bereits bei Luther vor. Vgl. fangen. 4BL. Empfänger, m.(-s, Pl. wie Sg.). Dafür mhd. enpfähære m. empfänglich, adj., mhd. enpfenclich, früher anpfanclich, ahd. ankfanclih. Davon Empfänglichkeit, mhd. enpfenclicheit f. Empfängnis, f., mhd. enpfencnisse, ahd. intfancnissa f.«Entgegen- nahme». Die jetzige Bed. bei Luther. Empfehl, m.(-es, Pl.-e). Im 18. Jh. aus dem Obd. aufkommend(schon bei N. v. Wyle 232, 9. 274, 2 enpfelch). Von empfehlen, v. (Prät. empfahl, Konj. empföhle, Part. empfohlen): zu Sorge, Gunst oder Geneigtheit über- oder dargeben. Mhd. enpfelhen, mit Assimilation aus entfelhen, md. auch enpfelen, zusammenges. aus ent und felhen, ahd. felahan(s. Befehl), urspr. also s. v. a. zur Bewahrung(Verbergung) dargeben, zur Besorgung übergeben; dazu mnd. entfelen«übertrageny. Das Prät. lautet mhd. empfalch, Plur. empfulhen(auch empfälhen), Konj. empfiälhe, danach nhd. empföhle, und auch im Indik. früher empfohl(Lessing 6, 1, Schiller 7, 56). 4BL. Empfehlung, f., spätmhd. enpfelhung f. empfinden, v.(Prät. empfand, Part. empfunden): mittels der Nerven wahrnehmen; Gefühl wofür haben. Mhd. enpfinden, mit Assimilation aus entfinden, ahd. intfindan; dazu asächs. antfidan, antfindan, ags. onfindan. 4BL. empfindbar, adj.: sich empfinden lassend;(früher auch) empfindend, empfindsam. In 18. Jh.(Lessing 3, 337). empfindeln, v.: in kleinlicher Weise, übertrieben empfindsam sein. Bei Adelung 1774. Davon Empfindelei, f. empfindlich, adj.: zu empfinden fähig, mhd. enpfintlich, ahd.(bei Notker) inphintlich «der Empfindung leicht zugänglich; zu übler Empfindung geneigt(bei Stieler 1691); an- greifend auf die Empfindung wirkend»(bei Frisch 1741). Davon Empfindlichtkeit, f. Mhd. enphintlicheit f.«Wahrnehmung». Emp- findnis, f.: Empfindung(frühnhd.); angrei- fende, auf den Körper wirkende Seelenbe- wegung(Schiller Räuber 2, 1). empfindsam, adj.: zartfühlend, überzärtlich empfindend, sentimental, um die Mitte des 18. Jh. auf- gekommen, schon vor Bodes Ubersetzung von Yoricks empfindsamer Reise? 1768, in einem 1771 gedruckten Briefe der Frau Gottsched aus dem J. 1757 und öfter in der 1762 zu Leipzig bei Weidmanns Erben er- schienenen Landbibliothek. Davon Empfind- samkeit, f., öfter 1762 in der Landbibliothek (s. Gombert 8, 16 fg.). Empfindung, f. Spätmhd. inphindunge f. Erfahrungy. Emphäse, f.(Pl.-n): Nachdruck im Reden, Gewicht des Ausdrucks. Aus lat. emphasis, gr. Eüugocic f.«Schein, Verdeut- lichung, Nachdruck». Bei Sperander 1728 noch in der lat. Form. emphätisch, adj. Nach gr. éuqorixöc«veranschaulichend, nach- drucksvoll. 1700 bei Zeidler Sieben Teufel 105. 28* 439 Empirie Endivie 440 Empirie, f. Erfahrung, Erfahrungswissen. Aus gr. eureipic f.«Erfahrungy. Im 18. Jh. empirisch, adj.: erfahrungsgemäß. Nach Campe bei Moritz. Nach gr. euneipixoc, von diesem auch Empiriker, m.(-s, Pl. wie Sg.): Erfahrungsarat, einer, dessen Wissen und Han- deln auf Erfahrung beruht. 1710 bei Nehring enpiricus«ein Marktschreyer, Storgery(von Kurpfuschern). empor, adv.: in die Höhe, zur Höhe. Bei Luther, aus dem sonst im ältern Nhd. häufigen entbor. Mhd. enbor, enbore, ab- geschwächt aus ahd. in bor, in bore cin der Höhe, in die Höhe», einer Verbindung der Präpos. in mit dem Akk. und Dat. von mhd.-ahd. bor f.«Höhe, oberer Raum?, das mit mhd. bürn, ahd. barian erheben» wohl zu ahd. beran«tragen» gehört. Vgl. Borkirche. Empöre, f.(Pl.-n): erhöhter Raum, namentlich in der Kirche. Erst bei Campe 1807, wohl abgekürzt aus Emporkirche, s. Borkirche und empor. empören, v.: erheben; aufbringen im Gemüte. Refl. sich e.: sich erheben, bes. feindlich gegen Obere. Mhd. enbœren, urspr. entbœren, zusammenges. aus ent-, gekürzt en-, und einem von mhd. bör m. Trotz, Wider- setzlichkeity abgeleiteten bæren, das auch in spätahd. anebõren aufstehen wider—, sich findet, und mit mhd. bor«Höhey(s. empor) in Ablaut steht. 4BL. Empörer, m.(-s, Pl. wie Sg.), bei Henisch 1616. Empörung, f., bei Luther. Emporkömmling, m.(-S, Pl.-e): eine in den 80er Jahren des 18. Jh. geprägte Verdeutschung des gleichbed. franz. parvenu, und seit dieser Zeit als Schlagwort beliebt. Vgl. Ladendorf. Emse, s. Ameise. emsig, adj u. adv.: beharrlich, ununter- brochen tätig. Mit s für S(ältermhd., auch zuweilen bei Luther noch emßig) aus mhd. emezzic, emzic, ahd. emezzig, emazig, emizzig, amzigefleißig, fortwährend, ununterbrocher, das zurückgeht auf das Adj. ahd. emiz, emaz, mhd. emez(in dem Adv. emezliche, emezlichen) cbeständig, immerwährend». Von Kluge ZfdW. 7, 170 zu lat. amdre clieben» gestellt unter Hinweis auf die Bedeutungsentwicklung von lat. däligens, Rligenter. Eher zu anord. ma belustigen, bemühen», aind. ämiti«dringt an, bedrüngt, versichert eindringlich», aind. amdas, aw. a- m.«Kraft, Stärke, Machty, wozu dann auch lat. andre gehören kann. Zusammenhang mit Ameise besteht nicht. 4B. Emsigkeit, f., spätmhd. emzicheit f. Ende, n.(-S, Pl.-n): das Letzte von etwas, in Raum oder Zeit; Zacke am Hirsch- geweih; Letztes einer Erstrebung. Mhd. ende, ahd. enti m. n.; dazu asächs. endi m., ndl. eindle n., ags. endde m., engl. end, anord. endir, enchli m., schwed. dnde m. und ända f., dän. ende, got. andeis m. Verwandt ist aind. antas m., antam n.«Endeꝰ, vgl. antjas«der Letzte?, gr. dvrioc«gegenüberbefindlich», lat. antiae «Haare in der Stirn», ir. Et«Ende, Spitze?, étan«Stirn). Der Plur. lautet älternhd. Ende, seit dem 17. Jh. Enden(Fleming Ged. 664, bei Stieler 1691 Tuchenden). 4 B L. enden, v. Mhd. enden, ahd. enteon, entõn; dazu asächs. endiön, endön, ndl. einden, ags. endian, anord. enda, schwed. ända, dän. ende. — Ender, m., in Sechs-, Acht- usw.-ender. Bei Stieler 1691. endigen, v. In Glossaren des 15. Jh., abgeleitet von spätmhd. endec «zu Ende kommend». endlich, adj.: am Ende kommend; endgültig; ein Ende habend. Das Adv. endlich: am Ende, zuletzt; nach durchgeharrter Zeit. Mhd. endelich, ahd. entlih,(in unentlêh), s. auch endelich. End- schaft, f., spätmhd. endeschaft f. Endung, f. Spätmhd. endung ist«Beendigungy; in die Grammatik hat Schottel den Ausdruck ein- geführt. ZUS. endgültig, adj.: zuletzt gültig bleibend. Neues Wort, bei Campe 1807 noch nicht verzeichnet. endlos, adj. u. adv., mhd. endelbs. Endschluß, m.: Endurteil, 1670 bei Zesen Assenat 164, mit andrer Schreibung bereits 1626 in Stettlers Schweizer- chronik 1, 398 b Entschluß. Endzweck, m.: letzter Zweck, zu Anfang des 17. Jh. bei Joh. Arndt wahr. Christenthum(s. Gombert 8, 19). endelich, adj. u. adv.: zum Ende strebend und eilend, ohne Säumen. Bei Luther(Spr. Sal. 21, 5 und Luk. 1, 39), später veraltet, aber von Goethe Faust 10067(endlich vor- geschritten!) wieder angewandt. Eig. iden- tisch mit endlich(s. Ende), mhd. endelich zum Ende strebend, eilig, eifrig, tüchtigy. Endivie, f.(Pl.-n): zu Salat dienende Züchorienart. Aus ital.-span.-port.-mlat. en- divia f., von einem lat. intibea, dem Fem. eines von lat. intibas, intybas, intubus Oi- choriey abgeleiteten Adj. intibeus. Mnd. andivien, endivien(Regel Arzneibuch S. 8), seit dem 15. Jh. auch im Hd. nachzuweisen, z. B. um 1400 enduvie Diefenb. gl. 202 ², 1460 441 Energie Enkel 442² bei Pfolsprundt 11 antify, 1546 bei Bock 102 b Endivwie. Energjſe, f.: Tatkraft. Aus franz. énergie, von gr. evépyeio f.«Tatkraft). Im 18. Jh. entlehnt(Wieland 21, 331). 4L.enérgisch, adj.: tatkräftig, durchgreifend. Nach franz. énergique. Nach der Mitte des 18. Jh. eng, früher auch enge, adj. u. adv.: wenig Raum bietend. Mhd. enge, ahd. engi, angi; dazu asächs. engi, ndl. eng, ags. enge, ange, anord. öngr, got. aggewus. In der Wurzel übereinstimmend mit lat. angustus geng», angére«zusammendrückeny, gr. ãrNery«zu- schnüren», aind. qhüs engy, aw. qzah n. «Bedrängnisy, abg. qæukcu«eng», vgl. Angst. 4BL. Enge, f., mhd. enge, ahd. engi f. engen, v., mhd.-ahd. engen, got. aggijan (in gaaggiujan). engern, v.: enger machen (5. Mos. 27, 17). Von dem Komparativ ge- bildet. ZUS. Engbrüstigkeit, f., 1541 bei Frisius 504 b. engagieren(spr. agaatren), v.: verbind- lich machen; anwerben; in Sold und Dienst nehmen. Aus franz. engager, eig.«verpfän- den),(davon engagement m., woraus Enga- gemént n.) zusammenges. aus en ciny, und dem von gage m. abgeleiteten afranz. gager «pfänden». Beide 1694 bei Nehring. Engel, m.(-s, Pl. wie Sg.): Gott oder dem Teufel dienstbarer Geist. Mhd. engel, ahd. engil, angil m.; dazu asächs. engil, ndl. und ags. engel, engl. angel, anord. engill, got. aggilus m. Entlehnt aus gr.-lat. angelus, gr. G ekxoc m.«Bote, Gesandter». 43L. eng- lisch, adj., mhd. engelisch, nach gr. Jat. an- gelicus. ZDS. Engelmacherin, f.: Weib, das neugeborne Kinder in Pflege nimmt, um sie langsam verkommen zu lassen(zu Engeln zu machen). Im 19. Jh. Engelsverstand, m.: äußerst heller, durchdringender Verstand. Bei Campe 1807. Engelsüß, n.: eine Farrnkrautart mit sehr süßer Wurzel, polypodium. Spätmhd. engelsieze n.; dazu ndl. engelzoet n., dän. engelsõd. Der Name wohl, weil die süße Wurzel als Mittel gegen Schlaganfall im Volksglauben von den Engeln gegeben schien. engen, s. eng. Engerling, m.(-s, Pl.-e): Maikäferraupe; Hautmade, die Larve der Viehbremse(oestrus bovis). Mhd. engerinc, auch bereits mit ein- getretenem! engerlinc, ahd. engirine m.«Korn- made», abgeleitet von dem gleichbed. ahd. angar, angari, mhd. anger, enger m., noch jetzt alem. enger(neben engerig etc.). Viel- leicht zu poln. 2dᷣν«Schweinfinnen», lit. ankstiras Pl.«Finnen, Engerlingey. engern, s. eng. England, gekürzt aus Engelland(Schiller Maria St. 1, 7), mhd. Engellant, ahd. Engillant, ags. Engla land, d. i. von den Angeln(ags. Angle, Engle) bewohntes Land. 4L. Eng- länder, m., auch noch Engelländer(Schiller Jungfrau v. O. 2, 1. 3, 10), mhd. Engellender. engländisch, adj.(engelländsch bei Schiller J. v. O. 1, 5 u. ö.), wofür üblich englisch, schon mhd. englisch. Englischleder, n.(-s): starkes Baum- wollgewebe. 1834 belegt. enhinder(Luther 2. Mos. 3, 1), abge- schwächt aus mhd. hinhinder urück, rück- würtsy. Enke, m.(-n, Pl.-n); unter dem Groß- knecht stehender Vieh- oder Ackerknecht. Mhd. enke, ahd. encho m. In Mittel- und Norddeutschland noch üblich. Verwandtschaft mit lat. anculus«Dienery, ancilla«Magdy ist unwahrscheinlich, da jenes zu gr. âuoꝓιποεοo «Diener» gehört, auch stimmt die Lautver- schiebung nicht. Formell mit ahd. anihho cavusy übereinstimmend, doch besteht kaum ein Zusammenhang. 1 Enkel, m.(-S, Pl. wie Sg.): Fußknöchel. Mhd. enkel m., ahd. enchil, anchal m. und enchila, anchala f., ferner weitergebildet an- chläo; dazu mnd.-ndl. enkel m. und weiter- gebildet enklauzy m., wie auch afries. onxlef n. und ags. ancléo f., engl. ankle, anord. öklcla n., schwed.-dän. ankel. Zu ahd. encha f.«Schenkel, Schienbein, Knöchel» und ancha f.«Nacken»(s. Anke) und weiter mit Wechsel von g und gh zu gr. övus, lat. unguis m. &Nagel», lit. nagà«Huf, abg. noga f.«Fußo, aind. dõam n. Glied, Körpery. uοgalis f. «Finger, Zehey. 2 Enkel, m.(-s, Pl. wie Sg.): Kindeskind. Alternhd. auch Enickel(Enicklein), mhd. enilcel, mit Ausfall des zweiten* aus enenktel, eninkel, spätahd. eninchli n., das in ähnlicher Weise wie ahd. Iewwinchilt n.«Löwchen» von leuο LLöwe? und huonichlin n. Hinkel»(s. d.), von huon«Huhny, zweifache Diminutivbildung von ahd. ano m. Großvater»(s. Ahn) ist und so urspr.«kleiner Großvatery bedeuten wird. Entsprechend gebildet ist lat. auunculas m. Oheimy, zu awus m.«Großvatery. Ver- wandt sind noch lit. anzkas(aus dem Slavi- schen) m., abg. vänalcii m. Enkel». Vgl. 443 Enklave entbrennen 444 W. Schulze KZ. 40, 408, Hirt Idg. Forsch. 22, 84. 4AB L. Enkelin, f., bei Ludwig 1716. Enkläve, f.(Pl.„n): von fremdem Ge- biet umschlossenes Land. Das gleichbed. franz. enclave f., eig.«eingenageltes»(en, lat. in, clawe zu lat. cläãvus m. Nagel»). Erst im 19. Jh. ennuyieren, v.: langweilen, belästigen. Aus gleichbed. franz. ennuyer, das auf ein volkslat. inodicre, zusammengesetzt aus in und einer Ableitung von odium n. Haß, Abscheuy zurückgeht. Im 18. Jh. Verdeut- schungsversuche bei Campe 1813. enõrm, adj. u. adv.: ungemein, über- mäßig. Aus franz. énorme«ungeheuery, das auf lat. 5normis«unregelmäßig, unverhältnis- mäßig großy(ẽ, ex«ausy, normis von norma f. „Winkelmaß, Richtschnur, Regel») beruht. Bei Sperander 1728, aber Enormität f. be- reits 1699 von Gombert 8, 19 nachgewiesen. Enquéte, f.(Pl.-n): Untersuchung, Er- mittlung. Aus gleichbed. franz. enquéte f. Neuere Entlehnung. ent- Vorsilbe, mit der Grundbedeutung cgegeny. Danach bezeichnet ent in vielen Verben das Werden, Hervorkommen eines neuen Zustandes, z. B. entbluhen, entsprießen, sowie das Versetzen in einen solchen, z. B. enthrennen, entzünden, anderseits in einer noch größern Anzahl von Verben das Aus- treten aus dem alten Zustand(«wegy, ent- Kommen, entweichen, entgleiten, entaachsen, entführen) und gewinnt so beraubende(pri- vative) Bed., z. B. entarten, entdeckeen, ent- fesseln, enthaupten in Verben, die oft vom Substantiv aus gebildet sind. Vor Labialen geht einigemal ent- in emp- über, s. enapören, enpfangen, empfehlen, empfinden. Den Sub- stantiven, in denen die Vorsilbe ent- erscheint, liegen Verba gleicher Zusammensetzung zu- grunde, während bei ursprünglicher Zu- sammensetzung mit Substantiven noch die ungeschwächte Form amt-(s. d.) sich erhielt. Mhd. ent-, gewöhnlich gekürzt en-, ahd. ant-, int-, gekürzt in-, unt-; dazu asächs. and-, ant-, ndl. ont-, ags. on(aus ond-, and-), anord. and-, got. and-, vor Substantiven auch anda-. Als selbständiges Wort erscheint die Vorsilbe in der got. Präp. and«worauf hin, entlang, entgegen», asächs. and«bis». Uber die Urverwandtschaft s. ank-. Z. T. liegt dem heutigen ent aber auch die Vorsilbe in zugrunde, namentlich bei den Verben der zweiten Klasse, wie entbrennen. entäußern, v.: von sich geben, meist refl. sich e. Spätmhd. entiuzern, daneben entiugen, entuzenen, s. ãußtern. entbehren, v.: nicht haben und es ver- missen; ermangeln. Urspr. mit Gen.(noch bei Goethe 50, 220), später auch mit Akk.(schon bei Luther 6, 16 b Jen.). Bei Luther entberen, auch mit Assimilation(Sir. 38, 36) emperen, bei Stieler 1691 entbären, sonst im 17. Jh. e. Mhd. enbern, ahd. inberan«ermangeln», mit starker Flexion, die auch älternhd. noch vor- kommt; dazu mnd. entberen, ndl. ontberen, (entlehnt) schwed. undvara, dän. undvüäre. Das Wort gehört wohl zu ahd. beran«tragen,- und bedeutet ursprünglich«nicht tragen», andre denken an Zusammenhang mit har, s. d. 4L. entbehrlich, adj. Bei Stieler 1691 entbärlich. Entbehrung, f. Bei Stieler 1691 Entbärung. entbinden, v.: losbinden, von einem Bande freimachen(insbesondre durch die Geburt, bei Luther Hauspost. 221 a, bei Mone Ztschr. 8, 55 vom J. 1379 e dius frouo von ir arbait enbunden wirt). Mhd. enbinden, en- pinden, ahd. intbintan, got. andbindan. 4 B Entbindung, f. Frühnhd. Freisprechung von Sünden. 1741 bei Frisch Gebären. entblöden, v.: der Blödigkeit benehmen, in Beherztsein versetzen. Meist refl. sich e.: sich außer Blödigkeit setzen, sich getrauen, sich erkühnen. Im 17. Jh.(Harsdörfer Gesprächssp. 2, 105), daneben in gleicher Bed. sich nicht e., in welchem sich e. kaum in der Bed.«in Blödigkeit geraten, blöde seiny», genommen werden darf, vielmehr nicht als Zusatz anzusehen ist. Ludwig 1716 hat sich nicht e., während Steinbach 1734 und Frisch 1741 Sich e. verlangen, das auch von Wieland, z. B. Amadis 2, 171, gebraucht wird. entbrechen, v.: hervorbrechen. Mhd. enbrechen. Meist refl. sich e.«sich wovon losmachen oder zurückhalten», jetzt nur ne- giert sich nicht e.(Lessing 1, 350)«sich nicht enthalteny». Mhd. sich enbrechen. entbrennen, v.: 1) trans. in Brand setzen, zum Brennen bringen, 2) intrans. in Brand kommen, eigentlich wie bildlich. Mhd. en- brennen, ahd. intbrennan, nur in der trans. Bed., während in der intrans. das stark flektierende mhd. enbrinnen, ahd. intbrinnan steht, das auch noch im 16., 17. Jh. obd. als entbrinnen vorkommt(bei Goethe ew. Jude 166 noch das Part. Prät. entbronnen). S. brennen. 445 entdecken enthalten 446 entdecken, v.: unbedeckt machen;(bild- lich) Unbekanntes zur Kenntnis bringen. Mhd. endecken, entecken, ahd. intdecchan«der Decke benehmen, aufdecken, offenbaren); dazu ndl. onddelken. 4BL. Entdeckung, f. Im 14. Jh. inkteckunge f. Offenbarungy. Ente, f.(Pl.-n): der bekannte Wasser- vogel; Zeitungslüge. Mhd. ant(Gen. ente), auch schon ente, ahd. anut, anit(Plur. enti) f.; dazu ndl. eend, ags. ened, anord. önd(um- gelautet aus*anud), schwed.-dün. and f. Verwandt ist gr. vicco(aus*nãtjGã), lat. anas (Gen. anatis), aind. ãtig, lit. ãntis, abg. qti f. Entes. Die Bed. Lüge, Zeitungslüge» geht bis ins 15. Jh. zurück, wo die Redensart von blauen Enten reden(auch von blauen Gänsen) im Sinne von«von Fabelhaftem, Prlogenem erzählens üblich war. Schon bei H. von Sachsenheim Mörin 2197 ein Entemär, Tempel 757 ein Entenmär clügen- hafte Geschichtes, auch bei Murner Schelm. 1, 1 von blauven Enten predigen. Ahnlich gebrauchen die Franzosen un canard. 4BL. Enterich, m.(-S, Pl.-e): die männliche Ente. Dafür mhd. antreche m.(noch 1540 bei Alberus Dict. y 4 antrech), ahd. antrehho, antrahho m., zusammenges. aus ant Ente» und einem urspr. selbständigen Worte, das im Nd. drake, engl. dralce«Enterich» lautet (schwäb. trech scheint erst aus antrech her- vorgegangen zu sein). Die Zusammensetzung lautet im Mnd. und Mndl. antdrake m., ent- sprechend auch in hd. Mundarten(wetter.) andrach und endedrach. Bei Stieler 1691 Entrech. Im Nhd. hat Anlehnung an die Bildungen mit-rich stattgefunden, schon spätmhd. kommt antreich, entreich vor. S. Täuberich. Alternhd. war auch Antwogel, mhd. antuvogel m., aber bloß von der zahmen Ente üblich. S. auch Erpel. enteignen: durch ein öffentliches Ver- fahren des Eigentums benehmen. 1807 bei Campe als neu und dichterisch, sowie als Ver- deutschung von expropriieren vorgeschlagen. entern, v.:(ein Schiff) feindlich mit Haken heranziehen, um es zu ersteigen und zu nehmen. Aus dem gleichbed. nd. entern, ndl. enteren, engl. enter, die auf das aus lat. intrãre gewordene span. entrar chineingehen, einfallen, einnehmen» usw. zurückgehen. Bei Stieler Zeitungslust 1695. ZUS. Enter- haken, m., bei Ludwig 1716. entfachen, v.: entflammen. Neugebildetes Wort, s. anfachen. entfalten, v.: aus den Falten, auseinander legen; entwickeln. Frühnhd. In übertragner Bed. erst bei Adelung 1774. entfernen, v.: machen, das etwas fern wird, Refl. sich e.: sich zur Ferne begeben, sich wovon ab-, wegwenden. Mhd. entverren, in md. Quellen auch entvernen. 4BL. Ent- fernung, f., bei Krämer 1678. entgegen, adv. u. präp.: in der Richtung hin oder her zu—: gegenüber; feindlich in der Richtung oder in Beziehung zu—; im Verhältnis zu—. Als Adv. dann auch in Zusammensetzungen verwendet. Bei Luther entgegen, sonst in md. Quellen auch(mit Assimilation des f) enkegen, wobei ent für früheres en, d. i. abgeschwächtes in, wie in entznwei(s. d. und empor) eingetreten ist. Mhd. engegen, ahd. ingagan, ingegin als Präp., aber mhd. engegene, ahd. ingagani, ingegini als Adv.; dazu asächs. angegin, ags. ongéch, engl. again, weiter gebildet against, anord. 7 gegn, schwed. igen, dän. igjen, s. gegen. entgegnen, v.: entgegen kommen, insbes. begegnen,(mhd. engegenen, ahd. ingaganen), noch bei Goethe Epimenides 17, Pandora 695; sich gegenüberbefinden(Goethe 27, 270); widerstehen(Goethe Elp. 2, 2); Worte an jemand richten(Schiller 11, 284); dagegen sagen, antworten(bei Campe 1807). 4BL. Entgegnung, f., bei Campe. entgeistern, v.: des Geistes, der Be- sinnung berauben. Bei Stieler 1691. Mhd. dafür engeisten. Entgelt, n. Spätmhd. in ön engelt«oüne Kosteny. Das Wort ist urspr. Mask., das Neutr.(nach Geld) schon bei Ludwig 1716. Vgl. unentgeltlich. Von entgelten, v.: als Schuld und Nachteil tragen. Mhd. engelten, ahd. intgeltan; dazu and. and-, indgeldan cent- gelten». Bei entgelten lassen steht der Akk. der Person und gewöhnlich auch Akk. der Sache(auch mit Dat. der Person und Akk. der Sache, z. B. Lessing 1, 537), wäührend mhd. engelten län Akk. der Person und Gen. der Sache bei sich hat. enthalten, v.: Halt gewähren, aufrecht- halten, stützen(bei Luther, mhd. enthalten «Aufenthalt, Bewirtung usw. gewähren); zurückhalten wovon(Luther Weish. 1, I1, auch mhd.); in sich halten(erst bei Ludwig 1716). Refl. sich e.: sich aufhalten(im 18. Jh. veraltet, doch noch bei Wieland), mhd.«sich aufhalten, behauptens, vgl. Aufenthalt; sich nähren von—(2. Makk. 5, 27); sich zurück- 447 enthaupten entrinnen 448 halten wovon, den Gebrauch wovon unter- lassen(auch schon mhd.). 4BL. ent- haltsam, adj. u. adv., nach der letzten Bed. von sich e. Erst bei Steinbach 1734. Davon Enthaltsumkeit, f., 1774 bei Adelung als neu. enthaupten, v.: durch Abschlagen des Hauptes töten. Mhd. enthoubeten, daneben auch behoubeten und bloß houbeten, ahd. koubitõn. Davon Enthauptung, f., im 15. Jh. bei Diefenb. gl. 91 enthouptung. Enthusiäsmus, m.: Begeisterung, Hoch- gefühl, Geistesrausch. Aus dem gr. evéou- ciccuòc m. Begeisterung», von évboucidzetv cein Gottbegeisterter(évgeoc) sein». Bei Luther«Schwärmerei». Enthusiäst, m.(-en, Pl.-en). Aus gr. evéoucickijc m. Bei Luther «Schwarmgeist). 4B L. enthusiästisch, adj. Nach dem gr. neulat. enthusidsticus, gr. eévoovcicrixc. entlang, adv. u. präp.: nach der Länge, der Länge nach. Als Präp. zunächst dem regierten Substantiv nach-, dann auch vor- gestellt. Auch bei Zeitbezeichnungen, z. B. manchen zu jugendlichen Tag e.(Goethe 7, 154); vereinzelt mit dem Gen., z. B. entlang des Waldgebirges(Schiller Braut v. M. l, 7). Zuerst bei Frisch 1741, der das Wort für niedersächs. erklärt und endlang schreibt; nach Adelung 1793 und Heynatz 1796 nur im gemeinen Leben üblich. Es ist das mnd. endlang, asächs. andlang, afries. ondlenge, ags. andlang, ondlong, engl. along, anord. aber endilangr, endlangr, eig. als Adj. centgegen- reichend, entgegengewendets, aus ent-(s. d.) und lang, das zu gelingen gehört. Vgl. Sievers Festgruß an Böhtlingk S. 110. Wie afries. ondlenge, ags. ondlong, engl. along ist auch das durch adverbialisches s erweiterte mnd. entlanges als Präp. verwendet; daneben mit angetretenem t(gleichsam superlativisch) ent- langest, daher zuweilen nhd. entlängst. entlarven, v.: der Larve, d. h. Maske, benehmen. Bei Krämer 1678, in übertragenem Sinne im 18. Jh. entlassen, v.: von sich weg-, fortlassen; von Bindendem, Verpffichtendem usw. frei- geben, z. B. aus dem Dienste entlassen, oft mit Gen. der Sache(bei Krämer 1678, Lessing 2, 288). Refl. sich e.(mit(ien.): sich wovon freimachen(Lessing Lackoon 199). Mhd. entlãzen, entlãn ist«fahren lassen, loslassen, lösen». S. auch Antlaß. 4BL. Entlassung, f.(Schiller Kab. 3, 2). entlegen, adj.: in weiter Ferne gelegen, weit abgelegen, eig. Part. Prät. von entliegen, mhd. entligen«nieder liegens, in md. Quellen auch«fern liegen». entlehnen, v.: auf Wiedergabe nehmen; (bildl., z. B. von Schriftstellern) nicht als sein Eigen anführen. Mhd. entléhenen, ahd. intléhanòn, ndl. ontleenen. Zu leihen(s. d.). entleiben, v.: des Lebens(vgl. Leib) berauben, töten. Mhd. entliben. entleihen, v.: auf Wiedergabe nehmen. Mhd. entlihen hat auch die Bed.«auf Wieder- gabe dargeben», ahd. intléhan nur diese Bed. entloben, v.: die Verlobung aufheben. 4B L. Entlobung, f. Beides junge Bil- dungen, die die Wörterbücher nicht ver- zeichnen. entmannen, v.: der Mannheit berauben, gänzlich schwächen. Bei Krämer 1678, mhd. entmannen ist«der Mannschaft beraubeny. entnehmen, v.: wegnehmen, mhd. ent- nemen, ahd. intneman entgegen, zu sich nehmen»(mhd. Geld aufnehmen, leihen);(mit Akk. der Person) entledigen(bei Luther); erschließen, erkennen(von Adelung 1774 noch als selten bezeichnet). Entoutcas(Sspr. dtuxã), m.(Pl. mit ge- sprochenem s): Schirm gegen Regen und Sonne. Aus franz. en tout cas cin jedem Fally. In der neuern Sprache. entpuppen, refl. v.: aus der Puppe (Schmetterlingslarve) hervorgehen. Bei Campe 1807, in übertragner Bed.«sich als den zeigen, der man eigentlich ist erst in der neuern Sprache. entraten, v.: entbehren, nicht haben. Mhd. zuweilen enträten(häufiger seit dem 16. Jh.), öfter geräten«Mangel habens(auch rãt hũn eines Dinges, wo rãt«Abhilfe, Be- freiung, Unterlassung, Entbehrung). Entrée, n.(Pl.-s): Eintrittsgeld; Vor- zimmer; Vorspeise. Aus franz. entrée f. von enkrer v.«eintreteny, das dem lat. inträre ceintreteny entstammt. Im 17. Jahrh. entrichten, v.:(fülliges Geld) bezahlen. Im 16. Jh.; mhd. entkrihten, ahd. intrihten dagegen ist«in rechte Ordnung bringen, schlichten, entscheiden»(so noch bei Luther), daneben mhd. auch«vom rechten Wege ab- bringen. entrinnen, v.: entfliehen. Mhd. entrinnen, ahd. intrinnan, zusammenges. mit einem als einfaches Verbum nicht erhaltenen frinnen, ahd. krinnan, s. trennen. 449 entrüsten entwenden 450 entrüsten, v.: außer Fassung(Bereit- schaft) bringen; aufbringen, zornig machen. Refl. sich e.: aufgebracht, zornig werden. Mhd. entrüsten«der Rüstung entkleiden, der Rüstung benehmeny, bildl. s. v. a. Kaußer Fassung bringen», bei Luther und H. Sachs (Fab. 232, 6) s. v. a. cerzürnen». 4L. Ent- rüstung, f. Bei Rädlein 1711. entsagen, v.:(mit Dat., seltener Gen.) sich lossagen von—, auch refl. sich e. (Lessing 2, 484). Mhd. entsagen(auch auf- kündigen, Fehde ansagen»), ahd. intsagén; refl. mhd. sich entsagen mit Gen., Dat. oder Präp.«sich wovon losmachen, entziehen?. 4BL. Entsagung, f. Bei Stieler 1691 in der jetzigen Bed. Entsatz, m.(-es): gewaltsame Befreiung von einer Belagerung; Mannschaft zu solcher Befreiung. In der 1. Bed. um 1600 auf- kommend, auch bei Comenius 1640 verzeichnet (früher Entsatzung). S. entsetzen. Entscheid, m.(-es, Pl.-e). Im 15. Jh., daneben auch entschid m. Von entscheiden, v.: richterlich zum Austrag bringen; endgültig bestimmen. Refl. sich e.: zur endgültigen Bestimmung gelangen. Mhd. enkscheidlen ist cunterscheiden, sondern, entscheiden, beschei- denv. Das Part. Prät. entschieden als Adj.: festbestimmt, ausgemacht; fest im Entschluß. Am Ende des 18. Jh. entschlagen, refl. v.(mit Gen.): sich entschieden entäußern. Mhd. sich entslahen, sich entslän; trans. entslahen, entslän cbe- ginnen, wovon losmachen, befreien». entschließen, v.: des Schließens(Ge- schlossenseins) benehmen, mhd. entsliezen, ahd. intsliozan. Refl. sich e.: aus dem Geschlossen- sein heraustreten, mhd. sich entsliezen; den festen Vorsatz an den Tag legen(in der frühnhd. Kanzleisprache, auch bei Luther). Davon das Part. Prät. entschlossen als Adj.: den festen Vorsatz habend(Fischart Ehez. 028).— Entschluß, m., bei Krämer 1678, während Entschließung, f., schon bei Opit⸗ Argenis 1, 707 steht. entschlüpfen, v.: und unbemerkt entgehen, entgleiten. entslüpfen, ahd. intslupfen. entschnicken(Goethe 4, 46), s. Schmick. entschuldigen, v.: der Schuld benehmen, nam. durch Worte. Bei Luther enkschuildigen. Mhd. entschuldigen, auch entschulden von einer Schuld freisprechen. entsetzen, v.: aus dem Besitz einer Sache Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. mit Geschwindigkeit Mhd. bringen, mhd. entsetzen, ahd. insetzen«durch Hilfe wovon befreien, bes. von feindlicher Belagerung»(auch schon mhd.), s. Entsatz: (bildl.) vor Furcht oder Abscheu außer sich bringen(mhd. vereinzelt«außer Fassung bringen»). Refl. sich e.: vor Furcht oder Abscheu außer sich kommen», mhd. sich enk- setzen«sich scheuen», üblicher entsitzen«in Furcht sein?, eig.«aus dem Sitz, der Ruhe kommen», wovon entsetzen das Faktitiv ist. Der Inf. als Subst. Entsetzen, n. Bei Luther, mhd. dafür entsetzunge f. 43L. entsetz- lich, adj. u. adv.: außer sich bringend und verabscheuenswert. Bei Luther. entspinnen, v.: zu spinnen anfangen. Refl. sich e.: den Anfang nehmen. Bei Luther. entsprechen, v.(mit Dat.): gemäb sein. Mhd. entsprechen«entgegnen, antwortem usw., in der jetzigen Bed. bei Keisersberg und spätern Alemannen. Das von Wieland, z. B. Suppl. 4, 56 gebrauchte Wort wurde 1759 von Lessing 6, 31 als empfehlenswert be- zeichnet und kam danach bald in Aufnahme. Davon das Part. Präs. entsprechend, zu- erst im DW. ohne Beleg. entspringen, v.: hervorspringen; den Ur- sprung haben;(durch Springen) entkommen. Mhd. entspringen, ahd. intspringan. entstehen, v.: wegstehen, fernbleiben, ermangeln, mhd. entstän, entstén, in md. Quellen, und bis ins 18. Jh. üblich bleibend, 2z. B. bei Wieland, Lessing(Minna 4, 8), Voß, Schiller, doch von Adelung als selten be- zeichnet; zu stehen, zu sein beginnen(auckh schon mhd.). Offenbar liegen bei e. Zusammen- setzungen mit den Präp. ent- und in- vor. entstellen, v.: aus der rechten Stelle bringen, verunstalten. Mhd. entstellen. entweder, nur mit nachfolgendem oder: das eine von beiden. Mhd. eintweder, auch schon entweder, der Akk. des Zahlpron. eint- weder æeins von beiden», als Partikel einem nachfolgenden oder gegenüber; hervorge- gangen aus eindeweder, d. i. ein mit dem bei Notker vorkommenden deweder«irgendeiner von zweien», ahd. steht in gleicher Bed. ein- wedlar. S. weder. entweichen, v.: sich forteilend entziehen; unvermerkt von der Stelle weichen. Mhd. entaichen, ahd. intechhhan, ndl. ontzwijlcen. entwenden, v.: wegwenden, in dem refl. sich e.(5. Mos. 23, 15); entziehen, von je- mand sich heimlich aneignen, mhd. entwen- den abwenden, abwendig machen, entziehenꝰ. 29 451 entwerfen Epigramm 452 entwerfen, v.: bildend leicht(in Um- rissen) von sich geben(hinwerfen). Mhd. entwerfen zunächst von der Bildweberei ge- braucht, dann s. v. a.«zeichnen, malen, ge- stalten».— Entwurf, m. Im 17. Jh., bei Philander(Frankf. 1645) 3, 238; Zesen Ibr. 153. entwickeln, v.: auseinander wickeln(bei Krämer 1678); aus verworrenem, unvoll- kommenem Zustand genauer im einzelnen gestalten(erst im 18. Jh., bei Adelung 1774). 4BL. Entwicklung, f. Bei Adelung 1774, in der Bed.«Erklärung, Deutung» schon 1645 bei Zesen adriat. Rosenmund 240. entwischen, v.: mit größter Geschwindig- keit entgehen. Mhd. entischen, ahd. inttoisken. entwohnen, v.(mit Gen.): aus der Ge- wohnheit kommen, nicht mehr in Gewohn- heit haben(Goethe Faust 4405, Schiller Picc. 1, 3). Mhd. entwonen, ahd. inkwonén, zu- sammenges. mit dem in gewohnen stecken- den ohnen. entwöhnen, v.: von der Gewohnheit, pes. von der Mutterbrust abwenden und sie vergessen machen. Bei Luther entabehnen und entwenen; im 17. Jh. meist enkzoöhnen (Krämer 1678). Mhd. enkzwenen, ahd. int- wennen. S. gerwwöhnen. Entwurf, s. enteoerfen. entziffern, v.:(Schriftzeichen usw.) ent- rätseln. Nach franz. déchiffrer, zu Zifper, das hier wie franz. chiffre die Bed.«geheimes, rätselhaftes Schriftzeichens hat. Bei Adelung 1774 entziefern, 1771 bpei Wieland Amadis 9, 27 entkziffern. entzücken, v.: im Geist oder Gefühl hinreißen. Mhd. entzucken, entzlchen ist«wo- von wegzucken, wegreißen»; die jetzige Bed. bei Luther. 48L. Entzückung, f. Früh- nhd.(bei Trochus Prompt. O 1b entzuchang cextasis»). entzünden, v.: in Feuer setzen. Mhd. entzinden, ahd. intzunten. Bei Th. Körner (Schreckenstein V 63), A. Grün und H. Heine im Part. Prät. nach der Volkssprache stark flektiert entzunden. entzwei, adv.: zerbrochen, zerrissen. Mit ent für frühres en aus mhd. enzoei, ahd. in zxbei, d. i. in mit dem Akk. Plur. des neu- tralen zuwei, urspr.«in zwei Teiley. 4.5.L. entzweien, v.: uneins machen, refl. sich e.: uneins werden, spätmhd. sich enaweien. -enzen, Ableitungsendung an Verben, bei denen sie ein Khnlichsein, ein Hingeneigtsein zu oder ein Riechen und Schmecken nach 8 dem mitteilt, was das Stammwort ausdrückt (S. faulenzen). Mhd.-enzen, ahd. enzön. Material für diese früher häufigere Bidung bei Kluge ZfdW. 6, 40. Enzian, m.(-S, Pl.-é): die Bitterwurz, lat. gentiana. Im 15. Jh.(Diefenbach. Gl. 260 b, 1491 bei Brack 47); aber schon ahd. encian, genciane. Aus lat. gentiãna f. Enzyklika, f.(Pl.-en): Rundschreiben des Papstes. Fem. des nlat. Adj. encyclicus, das auf gr. Efxuxxoc(s. d. f.) zurückgeht. Enzyklopädie, f.(Pl.-n): Lehrkreis der Wissenschaften, auch nur der zu einem Fache gehörigen. Aus dem gleichbed. franz. ency- clopédlie, das auf gr. erxuxkonaideio f.(Erxuxxoc ckreisförmigy und noideia Unterricht») zu- rückgeht. Im 18. Jh. entlehnt(in lat. Porm 1727 bei Hübner), in kürzrer Form bereits 1582 bei Hayneccius Hans Pfriem 3322 Cyclo- pede f., wie engl. cyclopaedia. 4BL. enzy- klopädisch, adj., nach franz. encyclopédique. 1772 in den Frankf. Gel. Anzeigen 583. Epaulétt, n.(-s, Pl.-en), Epaulétte, f. (Pl.-n): Achselstück. Das gleichbed. franz. épaulette f., Dim. von épaule f.«Achsely. Im 18. Jh. entlehnt(Wagner Kinderm. 289). ephemérisch, adj.: einen Tag dauernd, eintägig, von Campe mit dauerlos ver- deutscht. Aus gr. éqnuépioc, zusammenge- setzt aus eq-(emi)«füry und einer Ableitung von epa f. Tagy. Im 18. Jh. Epidemie, f.(Pl.-/): herrschende Krank- heit, Seuche. Aus mlat. epicemia, dem Fem. des Adj. epidemiues, gr. émidmuioc«über ein Volk verbreitete(gr. eni«darauf, darüber?, duoc m.«Volk»), näml. võcoc f.«Krankheit». Bei Sperander 1728. 48L. epidémisch, adj.: seuchenartig. Von Gombert 8, 20 aus dem J. 1681, epidemlalisch vom J. 1574 nach- gewiesen. Epigönen, Plur.: Nachgeborene, Nach- kommen. Von dem gleichbed. gr. enirovor (éxi darauf, danach?, vTvor Pl. von †évoc«Ge- borenery zu rifveiv«gebären»). Bei Adelung. Epigrämm, n.(-s, Pl.-e): Sinngedicht. Von gr. Jat. epigramma, gr. entrpauua n., eig. «Aufschrift⸗(von emi[s. oben] und vpdua zu Tpdceiy«schreiben»), dann«Sinngedicht». Im 18. Jh., meist mit dem Plur. Epigrammen (Lessing 12, 119. 8, 469 u. ö.). 4BL. epi- grammätisch, adj. Nach gr.-lat. epigram- maticus. Bei Lessing 5, 60. Aber epigram- matisieren bereits 1668 bei Erasm. Francisci ost- und westind. Staats- u. Lustgarten 1, 185 2. 453 Epilepsie er- 454 Epilepsie, f.(Pl.-n): Fallsucht. Aus gr.-Jat. epilepsia, gr. ennuwia f.«Anfassen, Anfall, bes. Fallsuchty. Bei Wächtler 1711. 4BI. epiléptisch, adj.: fallsüchtig. Nach gr. Jat. epilepticus, gr. enunnruxoc. Epilög, m.(-es, Pl.-e): Schlußrede, Nach- wort. Aus gr. lat. epilogus, gr. erikoroc m. «Schluß, Schlußredes, aus emi(s. o.) und Névoc Redey. Im 18. Jh., aber epilogisieren bereits 1581 bei Joh. Nas examen concordiae 417. episch, adj.: das Heldengedicht betreffend, ihm angehörig. Nach dem gleichbed. gr. Jat. epicus, gr.&micòc, von enoc n.«Wort, Er- zählungy, dann wie gr. Jat. epos«Heldenge- dicht?. Im 18. Jh. Episöde, f.(Pl.-n): Zwischenhandlung in etwas, Zwischenspiel. Aus dem gleich- bed. franz. épisode m., das auf gr. éreicôdiov n., eig.«von außen hinein Gekommenes, Ein- schiebsel, zwischen den Chorgesängen ein- geschaltete Handlung» beruht, zusammenge- setzt aus eni(s. o.), eic«in und einer Ab- leitung von ôdöc f.«Weg». Im 18. Jh.(Les- sing 3, 95; 1727 bei Hübner Episodlium). 4BL. episödisch, adj., nach dem franz. épisodique. Bei Campe 1813. Epistel, f.(Pl.-/): Sendschreiben, Brief. Als biblisches Wort bei Luther, schon spät- mhd. epistole f., aus gr.-lat. epistola, gr. eri- croxy f., eig.«Ubersandtes», von gr. emicreh- Xeiv zu-, hinschicken?. Epöche, f.(Pl.-n): bedeutsamer Zeit- punkt(in E. machen); Zeitabschnitt. Bei Hübner 1727 Epocha. Aus gr.-mlat. epocha; gr. enoxy f., eig.«Anhalten», dann(bedeutsamer) «Haltpunkt in der Zeitrechnungy. Daraus franz. époque f., wonach bei Klopstock 12, 186 und Musäus Volksm. 4, 120 Epoke. Epopöe, f.(Pl.-n): Heldengedicht. Aus gr. énonolia, eig.«Verfertigung eines Eposy, (roc s. Epos und noiid zu roigiv«machen») dann dieses selbst. Im 18. Jh.(Lessing 5, 56). Epos, n.(Plur. Epen): Heldengedicht, s. episch. Eppich, m.(-s, Pl.-e): die auch die Petersilie und den Sellerie umfassende Dol- denpflanzenart, lat. apium, woher das deutsche Wort. Mhd. epfich, ahd. ephih m., daneben ohne die Ableitung ahd. ephi, mhd. epfe, auch eppe, effe m.(jetzt obd. epf, epfich). Schon am Anfang des 16. Jh. wurde das Wort auch für Efeu(s. d.) gebraucht. Equipãge, f.(Pl.-n); Schiffsbesatzung; Kriegsgepäck; Ausrüstung zur Reise(Schiller Br. 1, 87); Reisegerät, Kutsche und Pferde. Aus franz. équipage m., von éguiper(s. das Folg.). Im 17. Jh. entlehnt, zunächst in den drei ersten Bedd., doch bei Sperander 1728 auch schon das zur Reise nötige Fuhrwerk und Geräte».— equipieren, v.: ein Schiff ausrüsten oder bemannen; ausrüsten, aus- statten, mit allem Nötigen(zunächst Reise- gerät) versehen. Aus dem gleichbed. franz. éguiper, afranz. esquiper, von franz. esquif, span. Port. esquife, ital. schifo m.«Boot», die auf unser Schiff, nd. skip zurückgehen. 1643 bei Harsdörffer Gesprächsp. 3, 430. Er, verkürzt aus Herr(bei Luther), in Titel und Anrede, z. B. Glück zu, Er König (2. Sam. 16. 16). Mit Flexion Ern, worauf unser Chren vor Namen(s. Ehre) zurückgeht. er, sie, es, Pronomen der 3. Pers. Mhd. er, Fem. Siε³, Si, Neutr. ez, ahd. ir, er(fränk. auch her, hé), Fem. siu, Si, Neutr. 13, e;; dazu asächs. hé, hie, Fem. Siu, Neutr. it, ndl. hij, zν, het, afries. hi, he, hiu, hit, ags. hé, hëo, hit, engl. he, she, it, anord. hann, Fem. hon, hun(Neutr. fehlend), schwed. M. han, P. hon, dän. han, hun, got. is, si, ita. In er, es liegt die Wurzel à zugrunde, die auch in dem verwandten lat. is, ea, id, lit. Jis, abg. Ji, aind. N. id-ãm erscheint; sie geht auf eine andre Wurzel zurück, gr. αdiey(aus *§6), aind. Sjc, apers. 7¹ã«siey. Schon mhd. auch substantiviert der er. Der Nom. Sing. er in der Anrede kam(mit dem F. Sie) im 17. Jh. durch Einfluß der französischen und italie- nischen Gesellschafts- und Höflichkeitssprache auf und zwar in Vertretung von Herr oder einer andern männlichen Benennung, sinkt aber im Lauf des 18. Jh. zur Anrede an eine Person geringen Standes herab, indem der Plur Sie als ehrende Anrede an eine Person von Stand dafür eintrat. ter-, unbetonte, untrennbare Partikel, in Zusammensetzungen von Verben, woraus dann Substantiva usw. abgeleitet werden können. Sie hat den Grundbegriff chervor, ausy, woraus sich die Bed. des cherauf, auf», z. B. erbauen, erzwecken, des«Beginnens und Werdens», z. B. erblassen, erblinden, des«wieder?, z. B. er- innern, ersetzen, des æzu sich her», z. B. er- borgen entwickeln, sowie die Bezeichnung des Beginnes der auf einen Gegenstand hin er- gehenden Handlung, z. B. ergreifen, erzeigen, und endlich die Fähigkeit, transitiven Begriff zu bewirken oder doch hervorzuheben, und das momentane Eintreten der Handlung an- 29* 455 er- Erbe 456 zudeuten, z. B. erblicken, erlauben. Die urspr. mit der Partikel zusammengesetzten Subst. und Adj. wahren’ dagegen die betonte, ur- spränglichere Form ur-, z. B. Urahn, uralt, urbar, Urbild, Urheber, Urkunde, Urlaub, ur- plõtzlich, Urquell, Ursache, Urschrift, Ur- sprung, Urteil usw. In neuern Bildungen hat aur-, mit Substantiven verbunden, den Be- griff des Anfänglichen, Ersten. Mhd. er-, ahd. ur-, ar-, ir-, er-; dazu asächs. d-(aus ar-), betont ur-, ags. d-, betont or-, anord. nur vor Substantiven und Adjektiven or-, got. us-, uz-, ur-. Im Got. und Ahd. auch für sich stehend, und zwar als Präp. mit Dat. in der Bed. c«hervor, aus, von). zer-, gekürzt aus ker-, bei Luther erab (2. Mos. 11, 8)«herab», erauf(2. Kön. 3, 23) cheraufy, eraus(2. Mos. 8, 18; Jos. 8, 5)«her- ausy, erein(1. Mos. 27, 5) cherein usw. 1-er, an Namen von Orten, Gegenden, Län- dern, z. B. Frankfarter Bürger, das Mecklen- burger Land, Pfälzer Weine. Es ist urspr. der Gen. Plur. männlicher Substantiva auf -er(mhd.-œre,-ere, ahd.-ari,-ari), z. B. Thuringer Marle, ahd. Duringãrõ marca, d. i. Grenzland der Thüringer. 2-er, Komparativendung der Adjektiva, mhd.-er, ahd.-iro und„öro, asächs.-iro (-ero) und öro, ags.-ra, anord.-ri und-ari, got.-iza und-öza. Die Endung ahd.-irο bewirkt Umlaut des Wurzelvokals. erachten, v.: dafür halten. Mhd. er- ahten, ahd. irahtön«ermessen, erwägen, be- stimmen». Davon der Inf. als Subst. Er- achten n., in meines Erachtens, 1535 bei Micyllus Tacitus 340³, 1545 in Schertlins Briefen 38. eräugen, eräugnen, s. ereignen. erbarmen, v.: zu tätigem Mitgefühl be- wegen. Refl. sich e. und unpers. es erbarmt mich mit Gen. des Gegenstandes(bei Luther, 2. Mos. 33, 19). Mhd. erbarmen(mich oder mir erbarmet ein dinc, auch refl. sich er- barmen und trans. cbemitleiden, selten unpers.), ahd. irbarmén, zurückgehend auf ir-bi-armén, got. arman, s. barmherzig. Davon der Inf. als Subst. Erbarmen n., auch schon mhd. 4BL. Erbarmer, m., mhd. erbarmcœre m. erbärmlich, adj. u. adv. Mhd. nur als Adv. erbermeliche, ahd.(bei Notker) erbarmellh «zu bejammernd». Erbarmung, f., mhd. erbarmunge f.; dazu and. erbarmunga f. erbauen, v.: baulich bearbeiten, anbauen; durch Bau hervorbringen oder gewinnen; durch Bau auf-, errichten;(bildlich) geistig aufrichten oder erheben; durch Fortpflanzung oder Nachkommenschaft bestehen machen (1. Mos. 30, 3, 5. Mos. 25, 9). Mhd. erbätwen, erbiuaven, erbouswen«an-, bebauen, durch Bau hervorbringen, baulich aufrichten(eig. wie bildlich), bereiten, ausrüsteny. Refl. sich e. «sich geistig aufrichten oder erhebeny. Bei Ludwig 1716. 4B. erbaulich, adj. u. adv.(zu sich e.). Bei Stieler 1691. Er- bauung, f. Bei Stieler 1691. Erbe, m.(-u, Pl.-n): wer ein Erbe zu erwarten hat oder überkommt. Mhd. erbe, ahd. erbo, eribo, erbeo, drbeo m.; dazu anord. arfl, got. arbja m. Von Erbe, n.(-): nachgelassenes Grundeigentum, hinterlassenes Stammgut; was auf den Sterbfall an einen andern übergeht. Mhd. erbe, ahd. erbi, arbi n.; dazu asächs. erbi, ndl. erf, ags. Yrfe n., anord.(ohne J-Suffix) arfr m., schwed. arf, dän. arv n., got. arbin. Da man mit Sievers Btr. 12, 174 von dem Ntr. Erhe«be- wegliche Hinterlassenschaft) ausgehen mub, so kann man lat. orbus m. Waise?, orbäre cverwaist machen, beraubeny, gr. öpqpovoc m. Waisen(ohne Ableitungssuffix in ôpꝙoßörne &Waisen erziehend), altir. comarpi«Miterbes vergleichen; die Grundbed. von Erhe würe, cwas zum Verwaisten gehörty. Ob die Bedeu- tung«Vieh?, anord. arf m.«Ochse», ags. yrfe orf n.«Vieh», aus der von«Erbe» entwickelt ist, oder umgekehrt, ist nicht ganz sicher. 4B2L. erben, v.: eine Nachlassenschaft zum Besitz erhalten; als Nachlassenschaft auf jemand übergehen. Mhd.-ahd. erben, ndl. erven, schwed. drfva, dän. arve. erblich, adj. u. adv. Mhd. als Adv. erbelichen, im 15. Jh. auch als Adj. erblich. Erbin, f. Bei Pomey 1690, wührend vorher der Erbe auch von der Erbin gesagt wird, z. B. Spr. Sal. 30, 23. Erbschaft, f., mhd. erbeschaft f. ZUS. Erbfall, m.: Anfall eines Erbes, mhd. erbeval m. Erbfeind, m., mhd. erbe- vint m. Erblasser, m.: wer beerbt wird. 1663 bei Schottel S. 333. Vgl. mhd. daz erbe län«das Erbe hinterlassen». Erbschichter, m.: wer ein Erbe ab-, einteilt(Luk. 12, 14). Mhd. erscheint erbeschichtunge f.«Erbteilungy, vgl. schichten. Erbschleicher, m.: der sich in unredlicher Weise um ein Erbe bemüht. 1696 bei Thomasius Ausübung der Sitten- lehre 292. Erbsünde, f.: die angeborne Neigung zur Sünde als Erbe Adams. Mhd. erbesunde f. 457 erbittern Erde 458 zu Bitterkeit, Zorn und 48L. Er- erbittern, v.: Haß treiben. Mhd. erbittern. bitterung, f. Bei Duez 1664. erblässen, v.: blaß werden(bei Luther); sterben. Erblasser, s. Erbe. erbleichen, v.(Prät. erbleichte, Part. er- bleicht): bleich werden; totenbleich werden, sterben. Mhd. erbleichen, ahd. irbleinhén. S. 2 hleichen. In gleicher Bed. erbleichen, Prät. erblich, Part. erblichen, mhd. erblichen«den Glanz, die natürliche Farbe verlierens. erblich, s. Erbe. erblicken, v.: den Blick wohin richten und mittelst Blickes wahrnehmen. Mhd. er- hlicken, auch intrans s. v. a. erglänzen, vgl. blicken. erbosen, v.: böse machen; böse werden. Dafür meist refl. sich e.: böse werden, in Bosheit kommen. Mhd. erbösen ist wie das einfache mhd. bösen, ahd. bõôsôn«schlecht wer- den», auch«Böses tun?; die jetzige Bed. bei Stieler 1691. Für das trans. erbosen wäre eig. erbõsen zu erwarten, das auch bei Schottel S. 630 steht. erbötig, adj.: sich erbietend. In der frühnhd. Kanzleisprache erbötig, erbütig, ab- geleitet von frühnhd. erbot n.«Anerbietens, daneben auch urbütig(Brant Laiensp. V 4²), abgeleitet von mhd. urbot n.«Anerbieten». Erbschaft,-schichter, schleicher, s. Erbe. Erbse, f.(Pl.-n): die Schotenfrucht lat. pisum, sowie die Pflanze selbst. Alternhd. Erbs(Erbse erst bei Frisch 1741), früher noch Erbes, Erbeis(so bei Luther), mit b für ursprüngliches eo aus mhd. arrweiz, ereiz, eruε;, ahd. arauoeiz, arauo f.; dazu and. erit, ndl. eraot, ert, anord. ertr f. Plur., schwed. ärt m., dän. ert. Dazu auch ohne Ableitungs- endung ags. earfe«Erbsey, das wohl direkt aus lat. ervum stammt. Zu lat. ervum n. Hülsenfruchty, gr. épéßivéoc m., öpoßoc m. «Kichererbsey. Es handelt sich dabei um ein uraltes Kulturwort, bei dem aber die An- nahme einer unmittelbaren Entlehnung auf lautliche Bedenken stößt. Vgl. Hoops Wald- bäume S. 464. Erbsünde, s. Erbe. Erchtag, s. Dienstag. Erdapfel usw., s. Erde. Erde, f.(Pl.-n): der Weltkörper, worauf wir wohnen; die Oberfläche desselben, worauf man wandelt; die von Meer umgebene Ober- fläche; der Stoff dieser Oberfläche. Mhd. erde, ahd. erda f.; dazu asächs. ertha, ndl. aarde, ags. eoryde, engl. earth, anord. jörd, schwed.-dän. jord, got. airba f. Der Dental ist ableitend; dazu das einfache ahd. ero, anord. jörfi m. Sand, Grass, die zu gr. êpa in épake«zur Erde» stimmen(aber nicht zu lat. aruum Pflugland»). Bei Luther flektiert Erde vielfach schwach, wie noch jetzt in der poetischen Sprache. 4. erden, adj.: aus Erde(Ton) gebrannt. Bei Luther, jetzt nur irden(s. d.). erdig, adj.: Erde ent- haltend. Im 15. Jh. ZUS. Erdapfel, m. (, Pl. Erdäpfel): Knollenfrucht; Kartoffel. Mhd. ertapfel, ahd. erdaphul m. Melone, Gurke», im 16. Jh. von verschiedenen Knollen- wurzeln, die aus der Erde gegraben wurden; im 17. Jh. die Kartoffel(P. J. Becher närr. Weisheit 5, bei Adelung 1774 als meißnisch); jetzt findet sich E. besonders im Süden, in Mitteldeutschland wird Erdbirne oder Grund- birne vorgezogen; ags. eorpœæppel m., sowohl «Gurkey als«Knollenwurzel(Mandragora)». Erdball, m., 1774 bei Adelung als dichterisch. Erdbeben, n.(-s, Pl. wie Sg.): Beben der Erde. Bei Luther, in ältern md. Quellen erthiben n. Dafür gewöhnlich mhd. ertbidem m.(noch jetzt obd.). Daneben mhd. ertbibe, ahd. ertbiba f. und mhd. ertbibunge, ahd. erd- bibunga, ags. eorpbifung f. S. beben und bidmen. Erdbeere, f.: die gewürzhafte, nah an der Erde wachsende Beere, lat. fragum. Mhd. ertber, erdeber, ahd. ertberi n.(s. Beere); da- zu ndl. aardbezie f., schwed.-dän. jordbär. Vgl. Böhtlingk Idg. Forsch. 7, 272. Erd- beschreibung, f., 1561 bei Maaler für Geographie. Erdfloh, m.: ein kleiner, floh- artig springender Käfer. 1546 bei G. Agricola. Erdgalle, f.: 1) Tausendgüldenkraut, wegen der sehr bittern Wurzel(s. Galle ¹), mhd. ertgalle, ahd. ertgalla f., ags. eorpgealla m., engl. earth-gall. 2) ein unfruchtbarer Platz in einem Acker. Erdgeschoß, n.: unterstes Stockwerk eines Hauses. S. Geschofß 2. Noch nicht bei Heynatz 1796(Adelung schlug Erd- bau, Campe u. a. Erdraum für Parterre vor). Erdkreis, m. Bei Luther Erdenkreis. Erd- kunde, f.: Verdeutschung von Geographie. 1774 bei Adelung. Erdnähe, f.: nächster Stand der Sonne, des Mondes zu der Erde. 1716 bei Wolff math. Lex., mit dem Gegen- satz Erdferne. Erdrauch, m.: der Tauben- kropf, fumaria L. Mhd. ertrouch m., auch mnd. ertrôk m. Auch im Griechischen Rauch 459 erdreisten ergeben 460 (korvöc) genannt, weil der scharfe Saft der Pflanze wie der Rauch Tränen aus dem Auge lockt. Erdreich, n.: Gebiet der Erde (im Gegensat⸗ zu Himmelreich); Erde als menschlicher Wohnort; Erde als wasserum- flossenes Land; Erdboden; Erde als Stoff. Mhd. ertriche, ahd. erdrähhi n.; dazu asächs.- afries. erthraiki, ndl. aurdrijlc, ags. eordrice n. Bei Luther auch mit Kürzung des mhd. 1 der zweiten Silbe Erdrich. Erdteil, m. Junge Bildung des 19. Jh. Erdzunge, f:: zungenartig in Wasser sich erstreckendes, langes, schmales Stück Land. Bei Hübner 1745 für Isthmusy. erdreisten, refl. v.: sich erkühnen. 1599 bei Schütze Preußen 62 b, aber erst im 18. Jh. im Hd. allgemeiner geworden. Früher mit der Nebenform erdreusten, s. dreist. erdrosseln, v.: durch Zudrücken der Kehle(Drossel, s. d. ²) töten. Bei Stieler 1691. Erdteil, Erdzunge, s. Erde. ereignen, refl. v.: als zeitliche Erscheinung vor Augen treten. Mit Anlehnung an eigen aus mhd. eröugen, erougen, ahd. irougen csehen lassen, erscheinen?, zusammengesetzt mit dem von Auge abgeleiteten ahd.-mhd. ougen, got. augjan, afries. auaoa, ags. ĩeiwan, échan«vor das Auge bringen, sehen lassen?. Schon am Anfang des 16. Jh. findet sich ereigen(bei H. Sachs, Mathesius, Fischart), durch das aber ereugen, eräugen nicht ver- drängt wird; ereignen neben erüugnen bei Duez 1652, allein angeführt bei Krämer 1678, doch hat noch Stieler 1691 auch sich ereugen, Ludwig 1716 eräugnen neben ereignen, selbst Adelung 1774 erãugenen, ertiugnen, entscheidet sich aber 1793 für ereignen, das er schon früher als vorherrschend bezeichnet hatte, ebenso Heynatz 1796. Doch findet sich er- ãugen noch bei Lessing 3, 39, Justus Möser Patr. Phant. 2, 177, erdugenen bei Lessing 2, 160. 225. 302. 6, 327, eräugnen mitunter bei Goethe 3, 284, Faust 5917, an Zelter 2, 454. 4BE. Ereignis, n. Ahd. araucnissa f., arougnessi f.«das Sichzeigen», mhd. nicht belegt. 1774 Eyreignis f.(Klopstock Gelehrten- rep. 140, auch bei Musäus, Miller usw), 1793 bei Adelung Ereignis n., Heynatz 1796 spricht sich noch gegen die Bildung aus. Früher wurde Eräugnung(Steinbach 1734), Ereuge- mang(Stieler 1691), Ereignang(Krämer 1678) dafür gebraucht; Eräugung bei Lessing 7, 203 ist«Vor-Augen-Bringung, Darstellung einer Handlung zum Schaueny. Eremit, m.(-en, Pl.-en): Einsiedler, Klausner. Aus dem gleichbed. gr. Jat. eremita, gr. épnuirnc m., abgeleitet von épnuoc cein- samy. Bei Rot 1571, Heremit schon 1521 bei Judas Nazarei 58. 4BL. Eremitäge, f.: Einsiedelei. Mit Anlehnung an lat. erémita aus dem gleichbed. franz. ermitage m. Im 17. Jh.(Grimmelshausen Simpl. 510). Eren, s. Ern. erfahren, v.: fahrend erwerben;(bildl.) durch eigne Anschauung zukommende Kunde vernehmen. Mhd. ervarn, ahd. irfaran«durch- ziehen, durchwandern, erforschen, erreichen». Das Part. Prät. erfahren, als Adj.: be- wandert. Im 15. Jh.(Voc. theut. g 7²). 4B L. Erfahrung, f. Mhd. ervarunge f., eig.«Dureh- wanderung», dann Erforschung; Wahrneh- mung; Kenntnis»(so in E. bringen). erfinden, v.: aus-, auffinden; durch Ver- such erkennen, als ein bisher Unbekanntes hervorbringen. Mhd. ervinden, ahd. irfinddan, causfinden, gewahr werdens». 4 BL. Erfin- der, m., frühnhd. Davon erfinderisch, adj. Bei Adelung 1774. erfindlich, adj. Bei Luther. Erfindung, f. Im 15. Jh. ervindang f. Erfolg, m., 1619 bei Helvicus Sprach- kunst 35. Vom älternhd. erfolgen in der Bed. erreichen», mhd. ervolgen«erreichen, erlangen, erfüllen»(mit Dat.«zuteil werden). erfordern, v.: verlangen, bedürfen, nötig haben. Mhd. ervordern ist«fordern, gericht- lich verfolgen». 4L. erforderlich, adj.: nötig. 1741 bei Frisch. Nach Adelung obd. und im gemeinen Leben. Erfordernis, n. f. Bei Frisch 1741. Früher nur f. erfrören, v.: erfrieren machen. Mhd. ervrœren. Jetzt nur noch obd., während in der Schriftsprache das intr. erfrieren dafür eingetreten ist. erfüllen, v.: voll machen; zu Ende bringen, ausführen, verwirklichen. Mhd. ervillen. 4 BL. Erfüllung, f., mhd. erviüllange f. ergattern, v.: heimlich, spähend aus- findig machen und in seine Gewalt bekommen. Urspr. wohl vom Geier, der seine Beute durch das Hühnergatter erspüht. Im 16. Jh.(D. W. 3, 894 vom J. 1594). S. gattern und ausgattern. ergeben, v.: aus-, herausgeben; einträg- lich sein, eintragen(urspr. wiedergeben, Auf- gewandtes vergelten). Refl. sich e.: sich in jemandes Gewalt geben; als Folge her- vorgehen. Mhd. ergeben, ahd. i-*geban; da- zu asächs. ãgeban, ags. dgifan, got. usgiban 461 ergötzen Erker 462 causgeben, wiedergeben, vergelten, bezahlen, erweisen». Mhd. sich ergeben auch sich zeigen, zum Vorschein kommeny. Das Part. Prät. ergeben als Adj.: hingegeben, sich hin- gebend. Bei Maaler 1561. Davon Ergeben- heit, f., bei Steinbach 1734. 4 BL. Er- gebnis, n.(zu sich ergeben): was sich als Folge ergibt. Bei Campe 1807 als neues Wort verzeichnet. Ergebung, f.: Ubergabe einer Stadt usw., frühnhd.(bei S. Franck Weltb. 18²); Gesinnung eines Ergebenen, Hin- gebung, Geduld, 1691 bei Stieler. ergiebig, adj. Bei Stieler 1691(doch«sich ergebend), bei Frisch 1741 wie jetzt, älternhd. dafür ergiblich(Albertinus Lustg. 5 b), ergeblich (Maaler 1561). ergötzen, ergetzen, v.:(mit Gen.) ent- schädigen(Jer. 8, 18); zu einem innerlich behaglichen Wohlgefühle stimmen. Mhd. er- getzen, ahd. irgetzen«eines Dinges vergessen machen, wofür entschädigen, vergüten, Ge- nüge tun, vergnügen, vergnüglich stimmen», das Faktitiv zu ahd. irgezzan«vergessen. Die Schreibung ergötzen kommt schon im 16. Jh. bei Oberdeutschen vor, im 17. Jh. auch zuweilen bei Mitteldeutschen, z. B. Fle- ming Ged. 218, und ist im 18. Jh. sehr ge- wöhnlich, doch schreibt Adelung ergetzen, während Heynatz 1796 sich für ergötzen ent- scheidet; bei Goethe ist in der Ausgabe letzter Hand ergetzen durchgeführt. 4BL. ergötz- lich, adj. u. adv., bei Luther ergetzlich. Da- von Ergötzlichkeit, f. Schon im 15. Jh. ergetzlichait f.«Vergütung, Belohnungy. erhaben, adj. und adv.: hervorragend; (abstr.) unerreichbar und so zu Ehrfurcht und Bewunderung stimmend. Mhd. erhaben, das Part. Prät. von mhd. erheben, ahd. ir- heffen, asächs. ãhebbian, ags. dhebhan, got. ushafjan,«zur Höhe heben, anheben». Dies Part. ist sonst im Nhd. durch erhoben er- setzt(doch kommt e. noch im 17. Jh. 2. B. bei Harsdörfer, Schupp, Gryphius vor), während sich im adjektivischen Gebrauch e. erhalten hat. Das Prät. von erheben lautet erhob und erhab(s. heben), früher auch erhebte, Part. erhebt(Luther Randglosse zu Richt. 11, 35 hoch erhebt). 43L. Erhabenheit, f., mhd. erhabenheit f. erhalten, v.: aufrechthalten; in einem Zustand bewahren; Unterhalt geben; erlangen, bekommen. In allen diesen Bedd. bei Luther, mhd. noch nicht nachzuweisen. Erhart, Mannsname, ahd. Erhart. erhärten, v.: hart, fest machen; bekräf- tigen. In der 2. Bed. schon mhd. erherten, doch noch von Adelung dem Obd. zugewiesen. erheben, s. erhaben. erheblich, adj. u. adv.: von Gewicht, von Belang. Frühnhd.(Albertinus Lustg. 2032). 4BL. Erheblichkeit, f., bei Stieler 1691. erholen, v.:(veraltet) heraus-, herbei- holen; erwerben(es erholen Lessing 3, 62). Refl. sich e.: sich verschaffen(in sich Rats e.); Verlorenes, Versäumtes zurück-, nach- holen, wieder einbringen, gutmachen; frische Kraft gewinnen, eig. wohl«wieder Atem holeny. Mhd. erholn, ahd. irhalön, irholön, refl. mhd. sich erholn. 4BL. Erholung, f. Bei Luther. erinnern, v.: machen, daß jemand wessen wieder inne wird; jemand auf etwas auf- merksam machen, bes. tadelnd. Refl. sich, e.: wieder inne werden. Frühnhd., auch bei Luther, mhd. dafür bloß innern, ahd. innarn, abgeleitet von innaro der Inneres, daneben mhd. erinnen inne werden?. 4B L. erinner- lich, adj. Bei Stieler 1691. Erinnerung, f. Im 15. Jh. erkalten, v.: kalt werden. Mhd. erkalten, ahd. irkaltén. Dagegen erkälten, v.: kalt. machen, mhd. erkelten. 4BL. Erkältung, f., bei Rädlein 1711. erkennen, v.: durch Sinn oder Geist wahr- nehmen, sich eines bereits Wahrgenommenen wieder bewußt werden; seine Uberzeugung wovon dartun, vgl. anerkennen; sich richter- lich äußern; beiliegen(oft in der Bibel). Mhd. erkennen, ahd. ar-, irchennan in den obigen Bed.; ags. dcennan zeugen», got. uskannjan «jemand etwas kundtun, empfehleny. 4BL. von dem Part. Prät. mhd. erkennet, erkant: erkenntlich, adj. u. adv.: erkennbar; Dank- barkeit an den Tag legend. Mhd. erkantlich «erkennbar, bekannt, frühnhd. erkentlich(voc. inc. teut. e 2 5), älternhd. oft erkännflich; in der 2. Bed. im 17. Jh.(erkantlich bei Grimmels- hausen Simpl. 2, 147, 12 Keller). Davon Er- kenntlichkeit, f., bei Stieler 1691. Er- kenntnis, f. n. Mhd. erkantnisse f. n.«Hand- lung, Begriff des Erkennens», bei Luther Er- kentnis f. n., auch im 18. Jh. noch oft als Neutr., z. B. bei Haller, Klopstock, Schiller, Kant, während jetzt(nach Adelung) Erkennt- nis n. nur«nach Untersuchung und Befund sich ergebende und ergehende Bestimmungy. Erker, m.(-s, Pl. wie Sg.): vorspringen- der Ausbau oben an einem Hause oder an 463 erkiesen Erlkönig 464 der Vorderseite einer Mauer. Mhd. ärkeer, erker m., mnd. auch arkener, erkener m., aus mlat. ärcora f. von lat. arcus m. Bogen?, im Mlat. auch s. v. a. Limmerwölbung, bogen- förmiges Zimmer?. erkiesen, v.: erwählen. Mhd. erkiesen, ahd. irkiosan; dazu asächs. Gkiosan, ags. ãceosan, got. uskiusan. Die Flexion ist wie bei Kiesen(s. d.) stark(Prät. erkor, Part. erkoren) und schwach. erklären, v.: klarmachen; der Einsicht öffnen; bestimmt kundgeben. Mhd. erklœren cklar, hell, deutlich machen»; die 3. Bed. frühnhd.(in Glossaren des 15. Jh. bei Diefen- bach 168²). 43L. erklärlich, adj. Bei Rädlein 1711. Erklärung, f. Im 15. Jh. (Lexer Nachtr. 157 vom J. 1497). erklecken, v.: wozu ausreichend sein; zum Vorteil, zum besten gereichen, förder- lich sein. Mhd. erklecken. 4BL. erkleck- lich, adj. Frühnhd. S. klecken. erkobern, v.: für verlorene Kraft frische sammeln. Sprache der Bienenzüchter. Mhd. erkeoberen, erkoveren«erlangen, gewinnen, zusammen- halten, zu frischer Kraft anregen), refl.«sich erholen», ahd. irονoro«erlangen, erreichen». Wie mhd. xoberen, koveren, ahd. koboron ent- lehnt aus lat. recuperäre«wiedererlangen?, refl.«sich wieder erholen», mlat. cuperare cerwerbeny, woher auch afranz. coubrer«be- kommeny, recourer und recouvrer«wieder- bekommen, genesenꝰ, prov.-span. cobrar æ«be- kommeny, prov. recobrar und span. recobrarse «sich erholeny, sowie mndl. koeveren er- werben», ags. dcofrian«wieder genesen», engl. recover«sich wieder aufraffens, schwed. förkofra«aufhelfen. erkoren, s. erkiesen. erküren, neuere Bildung(um 1730) statt des ülteren erkiesen, s. küren. erkundigen, v.: Kunde wovon erwerben. Mhd. dafür erkenden, dies noch bei Luther und bis ins 18. Jh. neben erkuündigen. erlangen, v.: abreichend woran kommen; strebend erhalten. Mhd. trans. erlangen«er- reicheny. Erlaß, m.(*sses, Pl.-Sse): Nichtanrechnung; zur Befolgung Verfügtes oder Befohlenes. Bei Adelung 1774(dafür ahd. urläz m.«Entlas- sung»). Von erlassen, v.: nicht anrechnen, von Anzurechnendem befreien; von sich aus- gehen lassen. Mhd. erläzen, erlün, ahd. ir- lãzan«wovon freilassen»; dazu asächs. ãläãtan, Noch oberdeutsch und in der( ags. ãlcõtan, got. uslétan«ausschließeny. Die 2. Bed. bei Adelung 1774. erlauben, v.: Recht und Freiheit geben, etwas zu tun oder zu lassen. Bei Luther, auch sonst früher bei Mitteldeutschen, erleuben. Mhd. erlouben, erlöuben, ahd. irlouben; dazu ags. lgfan, got. uslaubjan. Vgl. glauben. 4BL. Erlaubnis, f. Frühnhd.(um 1480 im Voc. inc. teut. e 2 b erlaubn“). erlaucht, adj.: hoch und herrlich, als Titel, im besondern bei Reichsgrafen, er- habeny. Davon als Subst. Erlaucht, f.: Erhabenheit, Titel der Reichsgrafen. Das zum Adj. gewordene Part. Prät. von er- leuchten, mhd. erliuhten, ahd. irliuhten, mhd. (mit Finführung des Rückumlauts) erlähtet (für erliuhtet), erläht, das schon im 14. Jh. als fürstliches Titelbeiwort verwendet wird. 4BL. erlauchtig, adj., mhd. erliuhtic, er- lahtic(auch als Titel). Vgl. durchlaucht. erläutern, v.: erklären, klarmachen. Mhd. erliutern«hellmachen, erkläreny, von lauter s. d.). nA. f.(Pl.-n): der auf Sumpfboden wachsende Baum, lat. alnus. Mhd. erle, ahd. erila, umgestellt aus elira f.(s. Eller); dazu ags. alor, engl. alder, anord. ölr m., elrir m., elri n. und mit Erhaltung des sonst zu gewandelten s ndl. els(s. Else). Verwandt ist lat. alnus aus talsnas f., abg. jelicha f. Erley, lit. e:ksmis m. Erley. 43L. erlen, adj., inhd. ahd. erlin. Auch in Erlenholz usw. erledigen, v.: ledig, d. i. frei, leer machen, mhd. erledligen«völlig zu Ende bringen»(erst von Adelung 1774 als obd. angeführt). erlegen, v.: niederlegen, zu Falle bringen, mhd. erlegen«bezahlen», eig.«auf den Zahl- tisch legen⸗(frühnhd.). erleiden, s. leiden. erlesen, adj.: ausgesucht, ganz vorzüglich. Frühnhd., eig. Part. Prät. von erlesen, mhd. erlesen, ahd. ir-lesan«auslesen, das Beste her- ausleseny. erliegen, v.: danieder liegen, völlig bis zum Nichtwiederaufstehen entkräftet werden wovon. Mhd. erligen, ahd. irliggan, irligan, ags. ãlicgan. Erlkönig, auch Eyrlenkönig, m.: Elfen- könig. Beide 1779 von Herder in seinen Volksliedern gebildet als Ubersetzung des dän. ellekonge, ellerlonge, d. i. elvekonge, elver- Konge«Elfenkönig, Beherrscher der Elfen», in welchem Wort er elle aus Mitverständnis für ell, in Zusammensetzungen elle«Erley nahm. 46⁵ Erlös Ernte 466 Erlös, m.(-es): das gelöste oder einge- nommene Geld. Erst bei Campe 1807 als obd. angeführt. Von erlösen, in der Bed. Geld gewinnen», schon mhd. erlcsen auch cerzielen, gewinnen». erlöschen, v.(Prät. erlosch, Part. er- loschen): aufhören zu leuchten;(bildl.) auf- hören sichtbar, wirksam, tätig zu sein. Mhd. erleschen(Prät. erlasch), ahd. irlescan. Da- gegen erlöschen(Prät. erlöschte, Part. er- löscht): erlöschen machen. Mhd. erleschen (Prät. erlaschte), ahd. irlescan, irlesken, das Faktitiv von irlescan. S. lõschen. Erlöser, m.(-, Pl. wie Sg.): Befreier, nam. von Christus als Befreier von der Sünde. Mhd. erlœscœre(auch bloß lœscre), ahd. ir- lõsari m. erlustieren, refl. v.: sich in Wohlgefühl, heitere Stimmung versetzen. Bei Luther, mit fremder Endung, dagegen mhd. erlausten, wie neben erlästen bei Luther; bei Maaler 1561 erlustigen. 4BL. Erlustigung, f., 1538 bei Schaidenreißer Paradoxa 83. ermächtigen, v.: wozu Macht, Vollmacht geben. Bei Wieland, wohl aus dem Obd. (noch nicht bei Adelung). Dagegen refl. sich e.: sich bemächtigen. Von Adelung 1774 als obd. angeführt, noch bei Schiller (Jungfr. v. Orl. 1, 10. Tell 2, 2). ermannen, refl. v.: Mut fassen, eig. zum Mann werden. Mhd.(chne sich) ermannen. ermessen, v.: ausmessen, mhd. ermezzen, ahd. irmezzan; erwägen, beurteilen. In der 2. Bed. in der frühnhd. Kanzleisprache(Janssen Frankf. Reichskorr. 1, 317), von Adelung und Heynatz noch als obd. empfunden. Davon das Subst. Ermessen, n. ermitteln, v.: feststellen, ausfindig machen, ausmitteln(s. d.). Erst um 1800, bei Campe 1807 noch nicht verzeichnet. Früher in der Bed. «durch angewandte Mittel möglich machen), 1619 bei Londorp acta publica 1, 6982. ermuntern, v.: munter machen, erwecken, anregen. Mhd. ermuntern aufwecken)y. Ern, Eren, auch Ahren, m.(-s, Pl. wie Sg.): der Hausraum zwischen der Haustür und den Zimmern desselben Stockes. Im westlichen Süd- und Mitteldeutschland, auch Thüringen üblich(bei Schiller Räuber 4, 4 Ohrn, schweiz. u. schwäb. auch Erm). Mhd. eren, ern Fußboden, Tenney, ahd. arin, erin m. Fußboden, Altar»; dazu ags. drn n. Hauso, anord. arenn, dän. arne m.«Herd'. Wohl urverwandt mit lat. drea f.«Tenne, innerer Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. freier Hofraum). Weiteres bei Walde s. v. area, Meringer Idg. Forsch. 17, 122. Zu- weilen auch Ahre f.(Klopstock Messias 20, 144 und 152, auch bei Adelung). ernennen, v.: zu einer Stelle bestimmen. Mhd. ernennen«namhaft machenꝰ; die jetzige Bed. bei Krämer 1678. 1Ernst, das Appellativum Ernst(s. d.) als Mannesname, ahd. Ernast. 2Ernst, m.(-es): Festigkeit des Willens- entschlusses; Festigkeit der Gesinnung. In es ist, wird Ernst, mhd. mir ist ernest, in adjektivische Bed. übergehend, dann auch attributiv verwendet«im Willensentschlusse fest; scherzlos»(schon bei Luther). Mhd. ernest, ernst(auch«Kampf), ahd. ernust f. n.; dazu ags. eornost f. Kampf, Zweikampf», ndl. ernst m., engl. eurnest(auch Adj.). Ver- wandt ist mit Vokalablaut got. arniba adv. cfest, sichery; ferner vielleicht aind. ãrnas n. swallend, flutend, Woge, Kampfgewühl, Strom, arnäüväs«wallend, flutenda, aw. aronav- m. Kampf, Wettkampf», Bartholomae Zfd W. 6, 355. 4BL. ernsthaft, adj. u. adv. Mhd. ernesthaft(auch«kampfbereit»), ahd. ernust- haft. Davon Ernsthaftigkeit, f., mhd. ernesthafticheit f. ernstlich, adj. u. adv., mhd. ernestlich auch«streitbar», ahd. ernustlöh, and. ernustliko(ernstlich, wirksam). Ernte, f.: Einsammlung des Boden- oder Baumertrags; die eingesammelten oder ein- zusammelnden Früchte; die Zeit der Ein- sammlung;(bildl.) Gewinn, Ertrag wovon. Bei Luther ernd, erndte, sonst älternhd. meist Ernd, Ernde, erst bei Adelung 1793 Ernte. Mhd. ernede, ernde f., hervorgegangen aus dem Plur. arnõdi des ahd. arnõd m., das eine Ab- leitung von dem Verbum ahd. arnön, mhd. arnen, ags. earnian, engl. earn ist, vgl. Mond aus mhd. münöt. Das gewöhnliche Wort für Ernte ist mhd. erne f.(auch noch älter- nhd. und jetzt dialektisch), hervorgegangen aus dem Plur. erni des ahd. aran m. Erntey; dazu got. mit dem ursprüngl.§ asans f. «Erntezeit, Erntefeld», anord. önn(aus razn«) f.«Erntezeit, Arbeitszeit, Arbeity. Dazu ge- hört noch got. asneis m. Mietling, Tage- löhnery, ahd.(mit bewahrtem s) asni m. &Mietling», ags. esne m.«Knecht, Jünglingy, and. asna f.«Lohn, Abgaben. Nicht zu lat. annöna f. Jahresertrag an Getreidey, das nur auf vatnona zurückgehen kann, vygl. Walde s. v., vielmehr zu apreuß. assanis Herbsty(aus dem Gotischen?), abg. Jesen 30 467 erobern m.«Herbsty. 4L. ernten, v. Bei Luther erndten, dafür mhd. arnen, 1482 im Voc. theut. h 1² ernen. ZUS. Erntemonat, m.: August. Ahd. aranmänoth m., die von Karl d. Gr. eingeführte Benennung. erobern, v.: durch(Waffen-) Gewalt zum Herrn wovon werden. Eig.«der Obere wo- von werden», mhd. auch einfach obern, ahd. oharõn, spätmhd. erobern«übertreffen, über- winden, erübrigeny, intr. cübrigbleiben», frühnhd. dann«behaupten, erwerben» und bei Luther(auch eröbern) in der jetzigen Bed. erörtern, v.: von allen Enden(Seiten) betrachten, darlegen. Im 15. Jh., daneben auch bloß örtern«genau untersuchen», ab- geleitet vom Plur. Örter des mhd. ort n. m. «Spitze, Ende, Seiten, also eig. cbis an die äußersten Spitzen verfolgen», vgl. ausecken. ertisch, adj.: die Liebe betreffend. Nach dem gleichbed. gr. épwricéc, von épuc m. Liebe». Im spätern 18. Jh. Erpel, m.(-s, Pl. wie Sg.): Enterich. Ndd., schon mnd. erpel, arpel m. Vgl. anord. Jarpr Haselhuhn), eig.«der Braune», ahd. erpf«fuscusꝰ, russ. jabä«bunts, lett. ierbe f. «Haselhuhny. erpicht, adj.: durch Leidenschaft woran gefesselt. Eig. vom Vogel, der am Pech (Vogelleim) hängen geblieben ist. Seit dem 17. Jh.(Fleming Ged. 390), daneben auch verpicht(Gryphius Trauersp. 483). erpressen, v.: durch Zwang erlangen, 1595 bei Pistorius anatomia Lutheri Vorr. 54 erbressen. erquicken, v.: zu frischem Leben er- wecken. Mhd. erquicken, auch erkücken, er- kicken, ahd. irguicchen, auch irchuechen«wie- der lebendig machen, vom Tode erwecken», dann cerneuern», dessen quicchen abgeleitet von dem Adj. quec«lebendig», s. auch Keck; dazu asächs. aouoν, ags. ãcwician. 4 B1. erquicklich, adj. u. adv. Frühnhd. Er- quickung, f. Frühnhd. errätisch, adj.: verirrt, zerstreut, bes. in der Verbindung erratischer Block: Wander-, Findlingsblock. Aus lat. erräticus«umher- irrend) von errdre«irreny. Kunstwort der neuen Geologie, durch Scheffel allgemein be- kannt geworden. erregen, v.: rege machen, in Bewegung bringen;(von Gefühlen usw.) hervorrufen. Bei Luther. 43L. Erregung, f. erreichen, v.: bis woran reichen; wozu gelangen. Mlid. erreichen. erschrecken 468 erretten, v.: einer Gefahr oder Not ent- ziehen. Mhd. erretten, ahd. irretten, ags. hredl- dan, urspr.«heraus-, wegreißen, entreißenꝰ, s. retten. 4BL. Errettung, f. Bei Luther. Errungenschaft, f.: Erwerbung, Vor- teil. Urspr. Rechtswort, 1663 bei Schottel 380 nur i. d. Bed.«in der Ehe erworbene Gütery, so auch bei Adelung als Kanzlei- ausdruck, die allgemeine Bed. gehört der neusten Zeit an, s. Ladendorf. Ersatz, m.(-es). Im 15. Jh. in der Schweiz ersatz m.«gleichgeltende Strafey, erst nach 1750 in der jetzigen Bed. allgemein gewor- den. Von erseteen, s. d. ersaufen, v.: zum Verderben saufen (Jesaia 28, 7); in Flüssigkeit das Leben ver- lieren. Bei Luther; dagegen mhd. erstfen. ahd. irsbfan æsich volltrinkeny. Dazu als Faktitiv das schwach flektierende ersäufen, v.: ersaufen machen, mhd. ersoufen, ersöufen, neben mhd.-ahd. soufen certränkeny, Faktitiv von ahd. sufan saufen»(s. d.). erschallen, v.: einen starken, weithin gehenden Laut zurück- oder von sich geben; in solchem Laute sich kundgeben. Dafür mhd. erschellen(Prät. erschal, Plur. erschullen, Part. erschollen), ahd. irskellan als intr. Ver- bum, das ein trans. erschellen(Prät. erschalte), ahd. irskellen Schall hervorrufen, und ein seltenes von schal gebildetes mhd. erschallen cdurch Schall erwerben» neben sich hat. Bei Luther im Präs. erschallen, Prät. erschall, seltener erschallte(1. Sam. 4, 5), Part. er- schollen, soust älternhd. auch erschellen im Präs., 3. Sing. erschillt, im 17. Jh. von den Schlesiern gebraucht und noch bei Adelung angeführt(auch ein trans. erschellen, s. zer- schellen). Das Prät. erscholl 1663 bei Schottel 584(aber Konj. noch erschülle). erscheinen, v.: zum Vorschein kommen, sichtbar werden, mhd. erschinen, ahd. irskinan; deutlich werden, erhellen(frühnhd.); in einer gewissen Gestalt sich zeigen. 4BL. Er- scheinung, f., mhd. erschinunge f. erschöpfen, v.: ausschöpfen(mhd. er- schepfen, 1541 bei PFrisius erschöpfen); zu Ende bringen; vollständig behandeln. Refl. sich e.: zu Ende gelangen. Im 17. Jh.(1696 in Lokmans Fab. 16). erschrecken, v.(Prät. erschrak, Part. erschrochen): infolge einer heftigen Wirkung auf die Seele auf-, zusammenfahren. In nordd. Umgangssprache auch refl.(ich habe mich er- schrocken, besser ich bin erschrocken). Mhd. 469 erschüttern ersuchen 470 erschreclcen, daneben erschrichen, ahd. ir- scricchan«aufspringeny, dann cerschüttert auf-, zusammenfahrenꝰ, s. Schreck. Die starke Flexion dringt erst vom 11. Jh. an durch, daneben noch mhd. erschricken mit schwacher Flexion. Dazu erschrecken, v.(Prät. er- schreckte): erschrecken machen, in Schrecken setzen. Mhd. erschrecken(Prät. erschrahle, erschracte), ahd.(bei Notker) irscrecchen, das Faktitiv von irscricchan. 48L. er- schrecklich, adj. u. adv. Mhd. erschrecke- lich. KAlternhd. oft erschröcklich, das auf mhd. erschrockenlich(vom Part. Prät. er- schrocken) zurückgeht. Erschrecknis, f. n. Mhd. erschrecknis f. erschüttern, v.: in Bewegung geraten (noch im 18. Jh.; bei Luther erschuttern); in Bewegung versetzen. Mhd. ohne Ableitung erschütten, ahd. irscutten«erschüttern, er- schüttert werden). erschwingen, v.: schwingend in Bewe- gung setzen, mhd. erswingen; im Schwunge reichen(so mhd., auch bildlich);(von Kosten) caufbringen“(Hans Sachs 4, 343). 48L. erschwinglich, adj., nach der letzten Be- deutung des Verbs, 1774 bei Adelung. ersetzen, v.: wiedersetzen, d. h. den gleichen Wert erstatten. Mhd. ersetzen, ahd. irsetzen in dieser Bed., dagegen ags. dsettan czusammensetzen, errichten, einrichten», got. ussattjan«aussetzen, ausschicken, draufsetzen, pflanzen, gründen, zeugen). ersprießen, v.: wachsend zur Höhe sich heben; förderlich sein. Mhd. erspriezen. 4BL. ersprießlich, adj. u. adv.: gedeihlich, förderlich. In der frühnhd. Kanzleisprache (Janssen Frankf. Reichskorr. 1, 502), 1524 von Luther noch bekämpft(Bindseil 7, 315). erst, mit dem bestimmten Artikel der, die, das erste: Ordnungszahlwort von eins. Mit Präp. in aufs erste, fürs erste, am ersten, zum ersten adverbial. Davon Akk. Sing. des Neutr. erst als Adv.: vor allem andern, vor allen andern; vor allem; vor allem einmal; anfangs; nicht früher; nicht weiter oder mehr als. Mhd. érest, érst, ahd. érist; dazu asächs. érist, ndl. eerst, afries. Srost, ags. Srest, der Superl. zu eher, s. ehe. Davon erstens, genitivisches Adv. für früheres am, zum ersten. Erst bei Adelung als Wort des ge- meinen Lebens angeführt. ersterer, der erstere. Mit Komparativendung von erst gebildet. Im 17. Jh., zunächst ohne strenge Scheidung von der erste, dann zum Hinweis auf das erste von zwei genannten Personen oder Dingen gebraucht. 4L. erstlich, adv.: am ersten, zum ersten. Bei Luther. Erstling, m.(-S, Pl.-e): das zuerst Her- vorgebrachte. Bei Luther. erstatten, v. ergänzend geben(bei Luther); schadlos machend geben; überhaupt geben (in Bericht e.). Mhd. erstaten ersetzen». S. statten. erstaunen, v.: in Staunen versetzt wer- den(1541 bei Frisius 818 b); in Staunen ver- setzen(zundchst das Part. erstaunend«staunen machend» bei Steinbach 1734 und Frisch 1741, danach die übrigen Formen, z. B. bei Goethe, Schiller usw.). S. staunen. 4 BL. erstaun- lich, adj. u. adv.: Staunen erregend. Bei Stieler 1691. erstecken, s. ersticken. erstehen, v.: sich erheben, mhd. erstän, erston, ahd. irstantan, ebenso asächs. dstan- dan, got. usstandan; überstehen, aushalten (frühnhd.); am Auktionstisch stehend er- werben(mhd. durch Stehen vor Gericht er- werben); überhaupt erwerben, kaufen. erstens, ersterer, s. erst. ersticken, v.: 1) intr. mit sein: aus Mangel an Luft aufhören zu leben. 2) trans. mit haben: durch Entziehung der Luft auf- hören machen zu leben. Mhd. ersticken, ahd. irsticchen ist intr.«ersticken), urspr. wohl durch Steckenbleiben des Atems zum Tode benommen sein. Ein transitives mhd. erstichen findet sich in der Bed.«aus-, vollstopfenꝰ, dann im Mitteldeutschen des 14. Jh. wie unser transitives ersticken, so auch von Luther ge- praucht. Es verdrängte das üblichere mhd. erstechen(Prat. erstahte), das noch im 17. Jh. bei den schlesischen Dichtern und noch jetzt dialektisch im Bayr. vorkommt. erstlich, Erstling, s. erst. erstummen, v.: stumm werden(Luk. 1, 20). Mhd. erstummen, ahd. irstunmén. erstunken, adj.: übelriechend geworden, in erstunkcen und erlogen«verabscheuenswert gelogen»(bereits bei Murner Geuchm. 46 und bei Luther). Das Part. Prät. von älternhd. erstinkeen, mhd. erstinken«in Gestank oder Fäulnis übergehen, stinkend werdeny. ersuchen, v.: aussuchen(1. Sam. 13, 14); inständig bitten(bei Luther); in förmlicher Weise bitten(aus der Kanzleisprache). Mhd. ersuochen ist«ausforschen, ergründen, unter- suchen, heimsucheny, ahd. irsuochen ver- suchen, erprobenꝰ, got. ussölan untersuchem. 30* 471 ertappen ertappen, v.: wobei überraschen, eig. mit der Hand fassen, s. fapen. Frühnhd. erteilen, v.: zuteil werden lassen. Mhd. erteilen, ahd. irteilen ist«ein Urteil sprechen, urteilend zuerkennen, zusprecheny, ebenso asächs. ddéelian, ags. ãdiòlan. Vgl. Urteil. Ertrag, m.(-es, Pl. Erträge): Gewinn vom Boden und dem, was auf demselben wächst. Bei Stieler 1691(bei Maaler 1561 ist Ertrag das Ertragen, Aushalten?). Von ertragen in der Bed.«eintragen, einbringen» (bei Maaler 1561), der die Bed.«nach Körper- kraft tragen» und«mit gefügigem Aushalten tragen»(bei Luther) vorausgeht. 41. er- träglich, adj. u. adv.: erduldbar, leidlich. Nach der letzten Bed. von ertragen. Bei Krämer 1678. Bei Maaler 1561 dafür ertragen- lich. Erträgnis, n.: Ertrag. Neues, bei Campe 1807 noch nicht angeführtes Wort. ertränken, v.: ertrinken machen. Mhd. ertrenken, ahd. irtrenchen, das Faktitiv von ertrinken, mhd. ertrinken, ahd. irtrinchan «in Flüssigkeit untergehend sterbeny. erwägen, v.: nach Wichtigkeit und Ge- halt prüfen. Veraltet ist refl. sich e.: sich durch Entschluß unterfangen; sich wessen be- geben, es preisgeben(noch bei Luther). Mhd. erwõgen(Präs. erwige, Prät. erwac, Part. er- ꝛwégen)«aufwärts bewegen, emporheben, in Bewegung setzen, im Geiste hin und her be- wegen, wägend prüfen»; refl. sich erwégen csich erheben, sich wagend entschließeny; aber auch s. v. a.«sich von etwas zurück- bewegen, sich wessen begeben, es preisgebenv. Die starke Flexion ist im Präs. aufgegeben (doch noch im 18. Jh. erwigt bei Drollinger 18, erwieget bei Breitinger Forts. der crit. Dichtk. 97), Prät. eriwog, Part. erwogen(bei Luther noch erwwegen), zuweilen auch schwach erwwlgte, erwägt. S. Wägen. erwähnen, v.: gedenken, andeutend zur Kenntnis bringen. Erst im 17. Jh.(bei Duez 1642 erwehnen, schon 1607 bei Sattler erlwent = gemelt), im Mhd. dafür gewlähenen, ge- wehenen, ahd. gitwwahannen, giwahinen cein- gedenk sein, gedenkeny, mit dem Prät.(chne das dem Präs. angehörende Nasalsuffix) mhd. gewwuoc, ahd. giwuog. Nicht mit wéähnen von Wahn gebildet. Das für sich nicht vor- kommende Verbum gehört zu lat. vocdre crufeny, vöôæ(Gen. võcis) f.«Stimme?, gr. ö/(Akk.)«Stimme», und mit Ablaut érocn. «Wort», elnov«ich sagte», aind. vaG«sagen, reden?, aor. dνεαρν, ir. faig«dixity, apreuß. 472 zwackitwei«rufen, wackis«Geschrei». 4 B L. Erwähnung, f., 1607 bei Sattler. erwehren, v.:(älternhd. mit Dat. der Pers.) wovon abhalten(1. Sam. 25, 33), refl. sich e.(mit Gen.): abhaltend(sich wehrend, verteidigend, schützend), standhalten gegen- über—. Mhd. erwern, auch erwerjen, er- ꝛwerigen, ahd. irwerian, irwerran(mit Gen. oder Dat.)«verteidigen, behaupten gegen, verwehren»; dazu ags. Gãwwerian. Erweis, m.(-es, Pl.-e). Bei Ludwig 1716. Von erweisen, v.: durch Wort oder Tat kundtun, mhd. erwisen«anweisenv, refl. «sich kundtunn. Die Flexion ist im Mhd. schwach, so auch bei Luther und sonst älter- nhd.(noch bei Hagedorn), doch gibt schon Schottel 1663 die starken FPormen erwies, er- wiesen an. S. Weisen. Erwerb, m.(-es). Bei Stieler 1601. Von erwerben, v.: durch Handeln erreichen oder erlangen, mhd. erwerben. erwidern, v.: wogegen durch Wort oder Tat zurückgeben. Mhd. erwideren, auch S. V. a.«ersetzenꝰ), ahd. irzwidarön«verwerfen», eig.«entgegen sein», widaroön von widar «wider» abgeleitet. 4BL. Erwiderung, f. Im 17. Jh. Erwin, Mannsname, ahd. Eyrwwin. erwischen, v.: mit Geschwindigkeit fan- gen. Mhd. erwischen, daneben erzwischen. Erz, n.: metallhaltiges Gestein, rohes Metall; Metallgemisch, Kupfermischung; Metallgerät. Alternhd. auch mit angetre- tenem t Erzt(am frühesten 1429 ercet im Lib. ord. rer. 184, auch bei Luther und Mathesius zuweilen Erat), was sich noch manchmal im 18. Jh. findet, z. B. bei Hagedorn Werke 1, 34, Klopstock Hermann u. d. F. 83, Lessing 6, 466. 8, 496, Wieland Idris 2, 36, Schubart Ged. 2, 82, selbst noch 1799 bei Schiller 11, 296. Mhd. erze, arze, ahd. erizzi, ærizzi, aruzzi, aruz n.«Metallschlacke, un- gereinigtes, unbearbeitetes Metall, dazu and. arut m. Stückchen Erzy. Unverwandt mit mhd.- ahd. ér n.«Erz», ags. ür, cr Eisenꝰ?, engl. ore, anord. eir n.«Metall, Mischmetally, got. aiz n. Erz, Geld», die mit lat. aes, Gen. geris n.«Mischmetall⸗, aind. ãjas, aw. ajah- n. Eisen⸗ verwandt, s. chern. Es gehört viel- leicht zu lat. raudas m.«formloses Erzstück als Münzey, lat. rudis«rohy, abg. ruda f. Erzy. Weiter klingt sumerisch urud«Kupfer» an. Vgl. noch Schrader Reallex. 203. Erz- es 474 Erz-, erz- als untrennbares erstes Wort einer Zusammensetzung bezeichnet das Ur- sprünglichste, Erste, Vorzüglichste des durch das 2. Wort Ausgedrückten. Mhd. erze-, erz- geht, wie ndl. aurts-, zurück auf mlat. arci-, lat. archi-, gr. pxtr, von äpxeiv«der Erste sein, anfangen?. Es steht zunächst in den Wörtern, die den lateinischen Bildungen mit archi- nachgebildet sind, z. B. Erz- bischof, mhd. erzebischof, ahd. erzibiscof, aus gr.-Jat. archiepiscopus m.; Erzengel, mhd. erzengel, aus gr.-lat. archangelus m., denen sich andre kirchliche Worte wie 2. B. Erzvater nach lat. patriarcha m. anreihen; später auch bei Hofämtern, z. B. Erzkanzler, aus mlat. archicancellarius m. und wegen der Gleichstellung mit den Kurfürsten, die als Verwalter der Reichserzämter auch Erz- fürsten hießen, Erzherzog(mlat. archidux) als Titel der Fürsten und Prinzen von Oster- reich, der erst 1453 auf Anordnung Kaiser Friedrichs III. allgemeine Anerkennung fand. Im spätern Mhd. werden mit erz- auch Spott- und Scheltnamen gebildet, zunächst für das Hofgesinde, z. B. erzbuobe archi- scurra», und dergleichen Bildungen sind bei Luther sehr gewöhnlich, z. B. Erzketzer, Erznarr, Erzschalk. Schließlich wird Erz- auch zur Bildung von Adjektiven, namentlich von solchen übler Bed., verwendet, z. B. erzböse(bei Luther), erzdumm usw. Im Got. findet sich arkaggilus m. Erzengel», das die Aussprache des c in mlat. arci- als Verschlußlaut voraussetzt, entsprechend ags. arce-, anord. erki-, z. B. ags. arcebiscop, anord. erkibiskup m. Erzbischofy, schwed. arke-, dän. erke. erzählen, v.: in Worten darstellen, bes. Begebenheiten. Früher(noch bei Lessing) meist erzehlen. Mhd. erzeln, erzellen ͥder Zahl nach darlegen, aufzählen»(noch bei Luther), dann«auseinandersetzen, ausdrücken, in Worten darstellen»; dazu ags. ãtellan aus-, aufzählen». 4 BL. Erzählung, f. Im 15. Jh. eræelungef.(Frankf. Reichskorr. 2, 186 von 1461). erzeigen, v.: hervor-, darzeigen, sehen lassen(Sir. 36, 7); sichtbar zukommen lassen, in die Sinne fallend zu erkennen geben. Refl. sich e. Mhd. erzeigen. lerzen, adj.: von Erz. Im 16. Jh. ertzin. Dafür meist ehern, s. d. zerzen, v.: mit Er anreden. Gebildet wie duzen, ihrzen. Denkm. 402, 14). Im 15. Jh.(Eschenburgs ags. incer, anord. Mlcar, got. iggara. erziehen, v.: fort-, wegziehen; unter leiblicher oder geistiger Pflege aufwachsen machen(vgl. lat. édäcäre cerziehen», zu dũcere«ziehen»). Mhd. erziehen, ahd. irziohan cherausziehen, aufziehen, leiblich großziehen, aufnähren, unter geistiger Pflege heranwachsen lasseny, auch s. v. a.«wegziehen»; dazu asächs. ãtiohan cheranziehen, gebären», ags. dtéοn cheraus-, wegziehen, behandeln, sich wohin begeben», got. ustiachan«hinausziehen, hinaus- führen, vollkommen machen, endigeny. Auch das einfache ahd. zichan bed.«säugen, auf- nähreny, dann auch«geistig nähren», d. h. «lehren?, asächs. tiohan aufziehen). 4. Erzieher, m.(-F, Pl. wie Sg.), bei Stieler 1691. Davon erzieherisch, adj. u. adv., erst in der neuern Sprache. Erziehung, f., bei Stieler 1691. erzielen, v.: erzeugen, hervorbringen, mhd. erziln; als Frucht, Ergebnis gewinnen; zielend, als Ziel abreichen Schiller(Br. v. M. 1, 7). Erzt, s. Erz. les, Nom. und Akk. Sing. des neutralen Pron. der 3. Pers., in Verkürzung angehängt's, s. er. In gewissen Verbindungen ist es als Gen. Sing. dieses Pron. anzusehen, entspre- chend mhd. es, ahd. is, es, asächs.-got. is, ags. Eis, z. B. Gott walte es, ich bin es über- drüssig, ehe ihr es euch verseht(Wieland 1, 252), Sie sollen mir es noch Dank wissen (Lessing 2, 400), er hat es nimmermehr Ge- winn(Bürger Leonore Str. 8), du hast's auch Ursache gehabt(Goethe Bürgergeneral 2. Auftr.), er hat es gar keinen Hehl(Schiller Parasit 5, 3). Sonst wird dies es jetzt durch dessen oder seiner vertreten. 2es,'s, in Volksliedern gekürzt aus älterem sich, z. B. meister Paul ist ers genant(Soltau 1, 146), mhd. der kere was sich Morolt genant (Eilhart Trist. 292); auch auf die I. und 2. Person bezogen daß das es ſdich] Willst scheiden vonm mir(Erk Liederh. 28, vgl. Grimm Gramm. 4, 319). 3es, ös, im Bayr.-Ostr.(z. B. es habts cihr habty) Nom. u. Akk. des alten Duals der 2. Person, jetzt auch für den Plural gebraucht, mhd. az, ahd. vermutlich i3, alt- sächs.-ags. git, anord. it, später Pit, nordfries. jat, lit. judiu. Dazu der Dat. und Akk. Dualis bayr.-östr. enkc«euch», mhd. enkx, alt- sächs. ink, ags. inc, anord. r, got. iggis, sowie der Gen. bayr.-östr. enker euer»(zu- gleich Possessivpronomen ceuer»), mhd. enker, 475 Esch Esch, m. n.(-es, Pl.-e): Ortsflur; Gesamt- heit aneinander liegender Acker, die zu ein und derselben Zeit entweder bebaut und ab- geerntet oder als Brachfeld benutzt werden. Obd., auch im westlichen Niederdeutschland (ostfries. est«fruchtbares, zum Getreidebau sich eignendes Land auf der Geest). Mhd. esch, zusammengezogen aus ezzesch, ezzisch m., ahd. ezzisc m.; dazu got. atisk n.«Saat- feld, das vielleicht zu lat. ador m.«Getreide- art, Spelty gehört. Anders Walde s. v. Esche, f.(Pl.-n): der Laubholzbaum lat. fraxinus; Eschenlanze. Mhd. selten esche f., meist asch m., ahd. asc(Plur. esci) m.; dazu ags. Ese m., engl. ash, anord. asker m., schwed.- dän. ask f. S. auch 4sch. Verwandt ist abg. Jasika f., lit. tosis m., preuß. ³sis «Eschey, alb. ah m.(aus faska)«Buchey, gr. öron f. Buche» und weiter lat. ornas cwilde Bergesches, kymr. onnen(aus*osnen) Eschey, arm. haçi Eschey. Literatur bei Walde s. v. 4 B. eschen, adj., mhd. eschin, auch in Eschenholz, Eschenlaub usw. Esel, m.(-s, Pl. wie Sg.): das Grautier lat. asinus; dummer Mensch. Mhd. esel(auch als Schimpfwort), ahd. esil m.; dazu asächs. esil, ndl. ezel, ags. esol, eosol, got. asilus m. Entlehnt mit Wandelung des n in!, wie in Kümmel, Orgel(s. d.), aus dem gleichbed. lat. asiπιs m., das mit gr. 6voc m. f. unsichrer Herkunft ist. Vgl. Brugmann Idg. Forsch. 22, 197. Aus dem German. stammt abg. 0Oslld, lit. dsilas m. Redensarten: Einem einen E. bohren«im Spott den Zeige- und kleinen Finger gegen ihn ausstrecken(wührend die übrigen drei eingebogen werden), um die Eselschren anzudeuten⸗(schon mhd. einem eselören machen). Dem Esel zu Grabe läuten cdie hangenden Beine vor- und zurückbaumeln lasseny(nach Jer. 22, 19). 4L. Eselei, f. (Pl.-en), mhd. eselle. eselhaft, adj., bei Comenius 1640 eselhaftig, mhd. dafür eselbœre, eselisch. Eselin, f.(Pl.-nen): mhd. eselin, eselinne, ahd. esilin, esilinna, got. dafũr asilus f. Z.S. Eselsbrücke, f.(Pl.-n): Hilfsmittel für Träge, um Schwierigkeiten zu überwinden. Bei Günther 462(ein Schulfachs, der die Eselsbrücke tritt). Der Ausdruck stammt aus der scholastischen Philosophie, wo mit pons asinorum ein logischer Mittelbegriff bezeichnet wurde. Darauf geht auch die Bed.«Schwierig- keit für Unwissende»(bei Adelung) und «selbstverständliche Sache», wie franz. ponl- aunes zurück. Eselsohr, n.(-es, Pl.-en), Esse 476 mhd. eselõre, esels öre n. In der Bed.«ein- geschlagene Ecken in Büchern» schon bei Duez 1664. Eselswiese: Die Sprechsaal- artikel der Zeitungen. Etwa seit 1870. Eskadrön, f.(Pl.-en,-s): Reiterschar, Schwadron(s. d.). Aus franz. escadron, span. esquadron, ital. squadrone m.(daher bei Wallhausen Kriegskunst zu Pferd 1616 S. 13 fg. Squadron m.)«Heeresabteilung, von ital. squadrare«viereckig machen», das ein mlat. exquadrare(guadrare von quadrus «viereckigy) voraussetzt. Zur Zeit des 30- jährigen Kriegs entlehnt(belegt bei Homburg Clio C5). Vgl. auch Geschabader. eskamotieren, v.: verschwinden lassen, durch Kunstgriff beiseite schaffen. Aus franz. escamoter, nach span. port. escamotar, das wohl zurückgeht auf span.-port. escamar«ab- schuppen?, im Port. auch«betrügen», mlat. exæsquamare von lat. squäma f. Schuppey. Bei Campe 1801. Eskörte, f.(Pl.-/n): Schutzgeleit; Be- deckungsmannschaft. Aus dem gleichbed. franz. escorte, ital. scorta f. von ital. scorgere «wahrnehmen, begleiten», das auf ein mlat. excorrigere«xegieren, zurechtweisen, geleiten⸗ zurückgeht. 1703 im Zeitungslex. Espe, f.(Pl.-n): hochstämmiger Baum mit zitterndem Laube, LZitterpappel. Im 15. Jh. espe(1469 im Voc. ex quo und 1482 im Voc. theut. h 3⁴) neben aspe, mhd. aber aspe, ahd. aspa f.; dazu ags. cespe, engl. asp, anord. öSp f. und lit. pesis, pr. abse, lett. apse, abg. osina f.«Espey. Vgl. noch Lidén Idg. Forsch. 18, 490. 4BL. espen, adj., mhd. espin. Auch in den ZUS. Espenlaub, mhd. espon loup, Espenholz, mhd. espin holz. eßbar, s. essen. 1 Esse, f.(Pl.-n): Schmiede-, Feuerherd; Feuermauer(Rauchfang) über dem Herde. Mhd. esse, ahd. essc f.(mit Umlaut aus*ssi) Herd der Metallarbeiter»; dazu schwed. äsja f., dän. esse. Vgl. auch mnd. ase f.«Rauch- kammery. Herkunft unsicher; vielleicht mit, Asche zu lat. Grickus(aus as-)«trocken»(eig. durch Hitze) zu stellen. In der 2. Bed. bei Ludwig 1716. 2Esse, n.: ein Sein nach Herzenswunsch, in der Redensart in seinem Esse sein. Der lat. Inf. esse als Subst. Schon bei dem Mystiker Eckhart entlehnt isse«das Sein»(er sitzet in sum isse, allez in sich, mergen dzer sich 121, 14), mnd. so lange dat kloster in eße(Wohlsein, Wohl- stand) gewesen Schiller-Lübben 1, 748. 477 essen Etikette 478 essen, v.(Prät. aß, Part. gegessen): Nah- rungsmittel in sich aufnehmen. Mhd. ezzen (Prät. ãz, Part. gezzen), ahd. ezzan; dazu asächs.-ags. etan, ndl. eten, afries. eta, engl. eat, anord. eta, schwed. dãta, dän. äde, got. ſtan. Der Lautverschiebung gemäß stimmend mit dem gleichbed. lat. edere, gr. édeiv, abg. 1. Sg. Jam(aus*em⁷), lit. édmi cich fressen, aind. ddmν«ich esse». Das Part. Prät. lautet bei Luther vereinzelt schon mit nochmals vorgetretenem ge- gegessen(Pred. Sal. 2, 25), meist geessen, gessen, wie auch Clajus an- setzt; im 17. Jh. dringt gegessen durch, doch hat noch Goethe aus der Volkssprache gessen. Davon der Inf. als Subst. Essen, n.(-J, Pl. wie Sg.): Handlung des Essens, aufge- tragene Speise; Mahlzeit. Mhd. ezzen, ahd. ezzan n. S. auch Aus. 43L. eßbar, adj.: zum Essen tauglich oder dienlich. 1482 im Voc. theut. h 32 eßper. ZUS. Eßlaube, f. (Pl.-nõ): Speisesaal, Speisezimmer. Bei Luther 1. Sam. 9, 22 Esseleube, mhd. ezzeloube f. «Speisehalle, Vorratskammer. S. Lauhe.— Eßlust, f. Bei Stieler 1691, aber schon 1475 clevisch ctensluyst(Theuton. 93). Ver- deutschung von Appetit, die am Schluß des 18. Jh. noch nicht durchgedrungen war (Kindleben 1781 führt Eßlust unter den Provinzialwörtern auf).— Eßware, f. (Pl.-n). Bei Henisch 1616, wohl nach dem Ndl.(1599 bei Kilian 107 eetzwaere. Essénz, f.(Pl.-en): Kraftauszug, eig. das Wesentliche, aus Kräutern, Früchten usw. Aus lat. essentia f. das Wesen einer Sache, von lat. esse sein», danach schon mhd. essenzje (Germ. 18, 272), in der jetzigen Bed. im 16. Jh. Essig, m.(-S, Pl.-e): mittelst Verwesung (Oxydation) des Weingeistes(Alkohols) oder mittelst Zersetzung durch Hitze unter Ab- schluß der Luft aus Pflanzenkörnern ge- wonnene Flüssigkeit. Spätmhd. ezzic, auch im 15. Jh. und bei Luther Essig, mhd. aber ezzich(danach älternhd. Essich, noch bei Steinbach 1734), ahd. ezæik, ezalh, wie mnd. ettil, ndl. edlik m., schwed. äãttila f., dün. eddlile mit Versetzung der Konsonanten (gleichsam ratecun) aus dem gleichbed. lat. acꝰtumn n., abgeleitet von acére«sauer sein», das unversetzt dem asächs. ecid, ags. eced, got. akeit n., sowie auch abg. ocitäé m. zu- grunde liegt. ZUS. Essigmutter, s. Mutter. -est, Superlativendung, mhd.-est, ahd. und altsächs.-ist und-öst, ags.-est und-ost, anord. bei Adj.-str und-astr, bei Adv.-St und-ast, got. bei Adj. ists und-ösks, bei Adv.-ist. Das Suffix-ist bewirkte Umlaut. Esträde, f.(Pl.-n): mäßig erhöhter Teil eines Raumes. Aus gleichbed. franz. estrade, das über provenz. estrada auf ein vulg.-lat. *strata(lat. strãtum n.«Lager, Polster») von sternere chinbreiten» zurückgeht. 1813 bei Campe. Estrich, m. n.(-es, Pl.-e): mit Steinen ausgelegter oder mit Gipsüberzogener Zimmer- boden; ähnliche Zimmerdecke. Mhd. esterich, esterich, estrich, ahd. astraih, esterih m. and. estrih«mit Steinen ausgelegter Fufßboden», mit ndl. estrik m. aus mlat. astricum, astra- cum n.«Steinboden, Pflastery, von dem gleich- bed. mlat. astrum, n.; dies, im Klassischen Lat. s. v. a.«Sternbild, Gestirn», geht wohl zunächst auf die den Fußboden verzierenden sternförmig zusammengesetzten Steinplatten. Vgl. Heyne Hausalt. 1, 78. 251. etablieren, v.: gründen, errichten; in rechten Stand bringen. Aus franz. éfablir, das auf lat. stabilire«festmachen, befestigen zurückgeht. Bei Wächtler 1711, 1703 im Zeitungslex.«feste setzeny. Etäge(spr. etäze), f.(Pl.-n): Stockwerk. Aus franz. étage, ital. staggio m.«Aufenthalt, Wohnung, Stockwerk», das auf ein mlat. staticum n., von lat. stüre«stehen, sich auf- halteny zurückgeht. Bei Sperander 1728. Etäppe, f.(Pl.-n): Verpflegungsort durch- ziehender Truppen; Rastplatz; Abstand von einem Rastplatz zum andern. Aus franz. étape f., urspr.«Ort des Mundvorrates beim Marsche, Warenniederlage, Stapelplatzy, afranz. estaple f., von ndl. stapel. S. Stapel. Bei Sperander 1728 in der 1. Bed. Etät(sprich etäh), m.(—s,-s): Voranschlag, namentlich des Staatshaushalts. Aus franz. état m. Staat, Zustand und Beschaffenheit einer Person oder Sachey, in welcher Be- deutung es im 17. Jh. ins Deutsche entlehnt wurde. Die jetzige Bedeutung 1791 bei Roth. Ethik, f.: Sittenlehre. Aus lat. ethice, ethica, dem substantivierten Fem. des Adj. gr. lat. ethiczus, gr. leixc«sittlich», abgeleitet von ſeoc n.«Gewohnheit, Sittey. 1663 bei Schuppius 955 u. 974.— ethisch, adj.: sittlich. Um 1700(bei Thomasius philosophia aulica 126).; Etikétte, f.(Pl.-/): Bezeichnungszettel einer Ware; Höflichkeitsförmlichkeit. Aus franz. étiquette f., eig.«aufgeheftetes Zettel- cheny, hennegauisch estiguete«zugespitztes 479 etlich Eule 480 Hölzchen», gebildet von nd. sticke«Stiftchen». In der 1. Bed. in einem bayr. Generalmandat vom 26. Nov. 1701 Arzneietiquetten, in der 2. Bed. im spätern 18. Jh. entlehnt. etlich, pronominales Adj. Mhd. etelich, ahd. etalih, ettalsh, etilih, ettilih«irgendeiner, irgendwelchery, im Pl.«einigey». Daneben, dem veralteten etzlich entsprechend, mhd. eteslich, ahd. eteslih, etteslih, eddesliäh. Das mit-Vh,(s. lich) zusammengesetzte ahd. eddes-, etes-, eka- gehört wohl zu got. diphau oder». In Verbindung mit Zahlen etliche 20, 30 usw. cetliche über 20», statt des frühern etlich und zubanzig usw. etsech, s. dätsch. Etter, m. n.(-s): Zaun, mhd. ëter m. n., ahd. étar«zaun»y m. n., asächs. dor, ags. eodor, an. jadarr m.«Zzauny. Verwandt ist noch abg. odrä m. Bettgestell», czech. odr m. Pfahlꝰ, odrν Pl.«Gerüst in der Scheune». Vgl. Meringer Idg. Forsch. 18, 256. Noch obd. Etui, m.(-s, Pl.-s): Behältnis. Das franz. étui, afranz. estuis, span. estache m., dessen Herkunft unsicher ist. Im 18. Jh. entlehnt(Hermes Sophiens Reise 5, 439). etwa, adv.: irgendwo; irgend wohl; irgend einmal. Mhd. etezod, etzã, früher etezwur cirgendwoy, dann æirgend wohl, vielleicht?, daneben mhd. etes'oã, zusammenges. aus et- in etlich(s. d.) und aw, wär, s. 0%o. 4 B L. etwaig, adj., bei Heynatz 1796 als Wort der Geschäftssprache. etwan, adv.: irgendwann, manchmal; sonst mitunter, vormals; irgend einmal. Mhd. etwan, etwen, gekürzt aus etewwanne, etewwenne, ahd. etterbanne, eddezwanne, daneben auch mhd. etesienne, ahd. eddeszwanne, zusammenges. aus et- in etlich(s. d.) und anne, nhd. Wann. 4BL. etwanig, adj. Im spätern 18. Jh. aufgekommen(bei Lessing, Kant, Klopstock), namentl. in der Geschäftssprache. Der Bed. nach auch zu etawa gehörig. etwas, Pron.: irgendein Ding; irgend- einiges;(adverbial) ein wenig. Mhd.-ahd. etenwaz, das Neutr. zu mhd.-ahd. etezwér, zu- sammenges. aus ete-(s. etlich) und aaz, nhd. was. Daneben auch mhd. etesza, ahd. etteszoaz, eddeswaz. Substantivisch Etwas, n., 1698 bei G. Arnold geistl. Liebesfunken 149. etwelch, Pron.: irgendwelch, irgendein. Erst bei Stieler 1691, mhd. erscheint dafür vereinzelt in md. Quelle eteswilch. etwo, adv.(Sir. 24, 11): irgendwo. Mhd. eteꝛvã, ũblicher eteswã. S. ehwa. Etymologie, f.(Pl.-n): Wortforschung, Wortableitungslehre; Wortableitung. Aus gr.-lat. etymologia, gr. eruuokovrid f., zurück- gehend auf das aus gr. Eruuov n.«die wahre Bedeutung und Erklärung eines Wortes nach seiner Abstammung», dem Neutr. des Adj. érvuuoc«wahr, echt, gewißy, und einer Ab- leitung von Xéreiv«reden» gebildete Adj. eruoXνé oc«Wortableitung treibendy. 1521 bei Emser Quadruplica C 1 b ethimologey, 1538 bei Franck Germaniae chronicon 296 b Ethi- mologi, im 17. Jh. Etymologie und Etymologey (Moscherosch Phil. 2, 512). 4BL. etymo- logisch, adj., 1631 bei Comenius Sprachen- thür L 5 b. Nach gr. Jat. etymologicus, gr. eruuokofuéc. etymologisieren, v., 1673 bei Grimmelshausen Teutscher Michel Kap. 7. etzlich, s. etlich. euch, Dat. u. Akk. Plur. des substanti- vischen Pron. der 2. Pers. Urspr. nur Akk., mhd. iuυαeν, iuwich, ahd. inmwih, dann aber auch für die Dativform mhd.-ahd. iν einge- treten. Dazu ags. Dat. 50 G, Akk. 5olwic, aber ndl. u, asächs.-afries. iu, anord.„dr, got. izwbis für beide Kasus. euer, Gen. Plur. des substantivischen Pron. der 2. Pers. Mhd. iuwer, ahd. iu‿; dazu asächs. iutoar, ndl. awer, afries. iuοer, ags. gower, engl. ours, anord. QMdeovar,„dar, got. iznbarg. Davon euer als besitzanzeigendes Pron. Mhd. iuνr, ahd. iu‿α; dazu asächs. iuwar, ndl. ulε, ags. éoer, engl. our, anord. Hdar, got. iztwar. In ehrender Anrede in Euer(älternhd. Eawer, daher gekürzt Eao.) Wohlgeboren, Euer Hochwürden usw. erhalten, sonst durch Ihr verdrängt. euert-, euret-, in euerthalben, wegen, willen und eurethalben usw., s. deinet-. Eule, f.(Pl.-n): der Nachtraubvogel, lat. ulula; dickköpfiger Nachtschmetterling (1721 bei Frisch Insecten 3, Vorbericht S. 3, auch schon mnd.); Borstwisch(nach nd. klc, z. B. bei Klopstock, wohl nach dem Aus- sehen). In 1. Bed. mhd. iuνele, iule, ahd. mwila f.; dazu ndl. uil m., mnd.- ags. äle f., engl. oul, anord.-schwed. ux‿la f., dän. ugle. Daneben steht ahd.(bei Notker) hiuzwela, huwwela f., das als diminutive Ableitung von ahd. Nuιιο, haoο, asächs. hüo, mhd. hlawe m. Ohreule, Uhu» zu betrachten ist; ferner noch ahd. A/o, Awo, mhd. Gue m., nhd. 4uf «Uhuy. Wahrscheinlich ist die ganze Gruppe lautnachahmenden Ursprungs. Siehe Uhu, heulen. 481 Eulenspiegel exequieren 482 Eulenspiegel, m.(-s, Pl. wie Sg.): Schalksnarr, possenhafter Mensch. Von dem bekannten Schalksnarren Till Ulenspiegel, der zuerst 1515 erwähnt wird. Der Name be- deutet nach Jeep«verre podicem»(zu eulen reinigen» und Spiegel übertr. für«Hinterer). Davon Eulenspiegelei, f.(Pl.-en): aus- gelassen lustiger Streich. Eunüch, m.(-en, Pl.-en): Verschnittener. Aus gr. lat. eunuchus, gr. ebvooxoc m. Im 18. Jh. entlehnt(Wieland Amadis). euret-, s. euert-. eurig, adj. Frühnhd.(bei Luther). Vgl. deinig. Euter, n., selten m.(-s, Pl. wie Sg.): Milchdrüse der Säugetiere. Mhd. Ater, iuter m. n., ahd. Star, Rtaro, êtir m.; dazu and. ãder m., ndl. uider, uijer n., ags.-afries. Ader n., engl. udder, ferner mit Ablaut mnd. jeder, afries. iader n. Der Lautverschiebung gemäß stimmend mit dem gleichbed. gr. oöGap n.(mit Ablaut), lat. Aber(mit b für d) n., aind. Adhar u. Vgl. auch lit. ãdrüoti«trächtig sein, Milch ins Euter bekommen», abg. vyme n.(aus admen) Eutery. Evangélium, n.(-s, Pl. Evangelien): Lehre Jesu; apostolisches Buch von Jesu Leben und Lehre; sonntäglicher Abschnitt daraus. Mhd. evangéljum, meist evangélje, evangéli n., ahd. evangéljo m., got. aiνοαα‿geli f. und airvaggéli n. Aus dem kirchlichen gr. lat. evangelium, gr. soœrréNov n.«Freuden- potschaft», zusammenges. aus ed gut, wohl» und einer Ableitung von ãrexoc m. Bote, Verkündigery. Der deutsche Ausdruck dafür war ahd. gotspel, engl. gospel d. i.«Erzühlung (Spel s. Kirchspiel) von Gotty. 4BL. evan- gélisch, adj. Mhd. evangélisch, ahd. evangélisc nach kirchl. lat. evangelicus, gr. ebaTr'enxc. Evangelist, m.(-en, Pl.-en), mhd. evangéliste m., von kirchl. lat. evangelista, gr. edꝓ†icr m., gebildet von eborrektzecda«frohe Bot- schaft, das Evangelium verkündigen. eventuéll, adv.: eintretendenfalls. Aus dem franz. Adj. éventuel«zufällig, möglichy, das auf mlat. eventualis beruht, von lat. gventus m.«Ausgang, Begebenheity». Bei Heynatz 1775, früher dafür eventualiter, z. B. bei Wächtler 1714. evidént, adj. u. adv.: augenscheinlich, sonnenklar. Aus gleichbed. lat. Suidens(Gen. gviddentis). Bei Nehring 1710. Ewer, m.(-s, Pl. wie Sg.): kleines flaches Fahrzeug, Fischerkahn. An der Nordsee- weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. küste. Mnd. ever, wahrscheinlich aus énvare (én«ein), var n.«Fahrzeug»), eig.«Fahr- zeug mit einem Mastv. Die vorgeschriebene Schreibung mit v ist also falsch. 1703 im Zeitungslex. angeführt. ewig, adj. u. adv.: der Zeit nach endlos. Mhd. éic, éuec, ahd.*g; dazu asächs. éwig, ndl. eeuwig, schwed.-dän.(aus dem Deutschen) evig. Abgeleitet von ahd. α f.«Ewigkeity, s. Ehe. 4L. Ewigkeit, f., mhd. éwicheit, ahd. 5wigheit f. exükt, adj. u. adv.: genau, pünktlich. Das franz. exact, aus lat. ecactus, von exigere chinausführen, vollendem. 1703 im Zeitungslex. exaltieren, v.: die Begeisterung wofür erhöhen, überspannen, überreizen. Aus franz. exalter, von lat. exaltäre«erhöhen»(altäre von altus«hoch»). Im spätern 18. Jh. Exämen, n.(-s, Pl. wie Sg. u. Exãmina): Prüfung. Das lat. exãmen n.«Untersuchung, Prüfungy, von exagere, exigere«untersuchen». Frühnhd.(Luther 3, 4112 Jen.). 43L. examinieren, v.: prüfen; richterlich aus- forschen. Schon im 14. Jh. examinieren, aus lat. exãminare. Exegése, f.: Schrifterklärung. Aus gr. eEnfnécic f., von ernreicdo«ausführen, aus- legen, erklären». 1813 bei Campe.— Exegét, m.(n.): Schrifterklärer. Aus gr. eEnTnrüic m. 1728 bei Sperander exegeta. Exekutiön, f.(Pl.-en): Vollziehung eines Urteiles, einer Leibes- oder Lebens- strafe; gerichtliche Zwangshilfe. Aus lat. erecitio, eig. exsecãtio, von exsequi etwas verabfolgen, vollziehen». Frühnhd.(Liliencron 2, 205 5b, Reichsordnungen 17² von 1495, von Gombert 8, 24 aus dem J. 1453 nachgewiesen). Exémpel, n.(-S, Pl. wie Sg.): Muster, Beispiel. Mhd. ewempel n., aus lat. exenplaum n.«Muster„. 4BL. Exemplär, n.(-es, Pl.-e): Vorbild; einzelner Bild-, Schrift- abdruck. Mhd. exemplar n. in der 1. Bed., die 2. Bed. 1531 bei Hedio Josephus Vorr. 5². Aus lat. exemplar n.«Muster, Vorbild, Ab- schrifty. Davon exemplärisch, adj. u. adv.: musterhaft; Beispiel gebend. Um 1600(Alber- tinus weibl. Lustg. 62b). Exequien, f. pl.: Totenfeier. Aus gleich- bed. lat. rexseguiae f. Im 17. Jh. exequieren, v.: einen Befehl usw. voll- ziehen; eine Schuld beitreiben; auspfänden. Aus lat. exsequi, s. Erekution. In der frühnhd. Rechtssprache(Schwartzenbach Syn. 84²). 31 483 exerzieren Extrakt 484 exerzieren, v.: einüben; Kriegs-, Waffen- übung halten. Aus lat. exercére«üben, hand- haben, betreiben». Bei Rot 1571(belegt bei Fischart Garg. 288).— Exerzitien, Plur.: Ubungen, Waftenübungen. Aus lat. exercitic, Plur. von exercitiun n.«Übungy. In der 2. Bed. 1617 bei Wallhausen Corp. mil. 83. Exil, n.(es, Pl.-): Landesverweisung; Verbannung; Verbannungsort. Aus lat. exi- lium n. Im 18. Jh. Aber schon ahd. ihsili, ihseli. Existénz, f.(Pl.-en): Dasein, Bestehen. Aus franz. existence, nlat. existentia f., von dem Part. Präs. existens(Gen. existentis) des lat. existére, eig. egsistere«heraustreten, entsteheny. In der philosophischen Sprache des 17. Jh.(Thomas Einleit. 36).— exi- stieren, v.: ein Dasein haben, bestehen, leben. Aus lat. existere(s. o.). 1714 bei Wächtler. exkommunizieren, v.: aus der kirch- lichen Gemeinschaft ausschließen, in den Bann tun. Aus lat. eccommunicäre. Früh- nhd.(bei Schönsleder 1618). Exkremént, n.(-es, Pl.-e): Auswurf des Leibes; Auswurfstoff, Kot. Aus lat. excrémentum n., von excernére aussondern». 1563 bei Forer Fischbuch 114²° Excrement. Exmissiön, f.(Pl.-n): gerichtliche Aus- weisung aus einer Wohnung. Aus lat. ex- missio f.(ex«aus» und missio f. von mittere «schickeny. 1710 bei Nehring in lat. Form. exorbitänt, adj.; übertrieben. Aus lat. exorbitans, Part. Präs. von er-orbitäre ab- weicheny». 1710 bei Nehring. exötisch, adj.: ausländisch, fremdartig. Aus gr.-lat. exôoticus, gr. eEurrixéc auslän- dischy. 1727 bei Sperander. expedieren, v.: abfertigen, absenden. Aus lat. expedlire. Bei Rot 1571(belegt bei Fischart Garg. 270). 4BL. Expeditiön, f. (Pl.-en): Abfertigung; Unternehmung, Feld- zug. Aus lat. expeditio f. Frühnhd.(Janssen Frankf. Reichskorr. 1, 770 vom J. 1509). Experimént, n.(-es, Pl.-e): Versuch, Erfahrungsversuch. Aus lat. experimentum, von experiri«versuchen«. Bei Rot 1571. explizieren, v.: entwickeln, auseinander- setzen. Aus lat. eæplicãre«auseinanderfalten). Bei Rot 1571. Explosiön, f.(Pl.-⁴ο): Losknallen, Spren- gung. Aus franz. explosion f., von lat. ex- plõsio f.«Ausklatschen?, zu explödére cklat- schend hinaustreiben». Bei Campe 1801. exponieren, v.: auslegen; ins Deutsche übersetzen(Schiller Räuber 1, 2); aussetzen, der Gefahr aussetzen. Aus lat. expönèére caussetzen, ausstellen, vorlegen, beschreiben?. In beiden Bed. frühnhd.(in der ersten bei Luther 4, 349 b Jen., in der zweiten Fast- nachtsp. 804, 10). Expört, m.(-es, Pl.-e): Warenausfuhr. Aus engl. export, das auf lat. exportäre chinausschaffen» zurückgeht. Bei Campe 1801. expréß, adj. u. adv.: ausdrücklich, pe- sonders. Aus lat. expressus(als Adv. expresse) causgedrückt, deutlichy». Im 17. Jh. Davon der Expresse: der eigene Bote. Nach franz. eæprès«besondrer Botey. Bei Krämer 1678 ein Erpresser. Expropriatiön, f.(Pl.-en): Enteignung. Aus gleichbed. franz. exproprialion f., von eæpropiier v., wovon expropriieren, zu- sammenges. aus lat. ex«aus» und proprius «eigen». Beide bei Campe 1813. exquisit, adj.: ausgesucht, vorzüglich. Aus lat. eæguãsitus, Part. Prät. von exquꝰrere causforschen, untersuchen». Bei Wächtler 1714. extemporieren, v.: nach Zeit(lat. ex tempore) und Gelegenheit aus dem Stegreife tun oder machen. Neue Bildung. extern, exern, v.: kleinlich quälen, necken. Md. und nd. Wort. Bei Kindleben 1781 angeführt. Vermutlich ausgegangen von ecken(vgl. die Zusammensetzung hohnecken und das engl. edge«schärfen, erbittern reizen), weitergebildet zunächst echsen, wie neclesen aus necken, dann ecksern(thür. auch eckseln), eckstern. Andre knüpfen an nd. exster«Elsters, dann«schwatzhafte, zanksüchtige Person» an. extra, adv.: nebenbei, besonders; außer- ordentlich. Das lat. extra«außerhalb, außery. Auch adj., z. B. etewas Ertraes, und in ZUS. z. B. extrafleißig, Extrapost außerge- .wöhnliche und schnelle Post»(bei Aler 1727). Es erscheint zuerst in der Verbindung extra- ordlinari, z. B. Albertinus Lustg. 201 ², auch bei Henisch 1616 angeführt, dann als Subst. in der Bed.«besondre Kosten»(Moscherosch Phil. 1, 432, Schupp 1, 456), ferner als Adv. in extra gehen zauf Nebenwege geraten? (Fleming 162), bei Sperander 1728 exrtra brauchen«was man nicht an ordentlichen Ausgaben vertutv». Exträkt, m.(-es, zogene; Kraftauszug. Aus nlat. extractum, dem substantivierten Neutr. von eæxtractus, Part. Perf. Pass. von lat. ectrahére«heraus- zieheny». Von Gombert 8, 25 aus dem J. 1585 Pl.-e): das Ausge- 485 extravagant Fach 486 bei Cureus Chronik Vorr. nachgewiesen; vgl. noch Zfd W. 1, 356. extravagänt, adj. u. adv.: ausschweifend, phantastisch, seltsam. Aus mlat. extravagans (Gen. extravagantis). Nach Kluge 1599 bei Heß Judengeissel k 6. Extrém, n.(es, Pl.-é): Ubertreibung. Aus lat. extrémum das Außerstey, dem sub- stantivisch gesetzten Neutr. des Superlativs extrémus«der Außerstey. extrém, adj. u. adv. Aus lat. extrémus. Im 17. Jh. 48 L. Extremität, f.(Pl.-en): Endpunkt; Ent- scheidungspunkt, letzte Zuflucht; äußerstes Glied, nämlich Hand und Fuß. Aus lat. extrémitãs f.(Gen. extrémitãtis)«das Außerste, Endey. 1694 bei Nehring in der 1. und 2. Bed., 1626 Ertremitet äußerste Note(Londorp acta publica 2, 13173²). exzellént, adj. u. adv.: sich auszeichnend, herrlich. Aus franz. eæcellent, von lat. excellens (Gen. excellentis), Part. Präs. von excellére chervorragen, sich auszeichnen». Um 1600 üblich(H. v. Braunschw. 227). 48L. Ex- zellénz, f.(Pl.-en): Herrlichkeit, Ehren- titel von Ministern usw. Aus lat. excellentia, franz. excellence f. Bei Rot 1571, als Titel 1617 im Teutschen Michel 49 angeführt. exzéntrisch, adj.: eig. vom Mittelpunkte (lat. centrum) abweichend, dann irre kreisend, alle Regel überspringend. Nach franz. excen- trique«ausschweifend, überspannty. 1714 im Math. Lex. eccentrisch, als astronomisches Wort in der eigentlichen Bed., dann im 18. Jh. auch übertragen. exzerpieren, v.: schriftlich ausziehen. Aus lat. excerpére«pflückend auslesen, aus- wähleny. Um 1700(Günther 778). Exzerpt, n.(-és, Pl.-e): Auszug. Das Part. Perf. Pass. lat. excerptum n. von excerpere. 1791 bei Roth der Plur. Excerpte. ExzéB, m.(-es, Pl.-e): Herausgehen aus den Grenzen einer Sache; Unfug. Aus lat. excessus m.&ᷣHerausgehen, Abschweifungy, von excedére«abschweifen». Frühnhd. als rechtliches Wort(Luther 5, 102 b Jen.), auch bei Rot 1571 verzeichnet. F f, der sechste Buchstabe des Alphabets. Die Redensart«aus dem ff(effeff), tüchtigy, rührt von dem Zeichen ff für ital. fortissimo «sehr stark», in der Musik her. Fabel, f.(Pl.-n): erdichtete Erzählung, insbes. auf Grund eines allgemeinen mora- lischen Satzes. Mhd. fabele f.«( unwahre) Erzühlung, Märchen, Unterhaltungy, aus lat. fãbula f.«Rede, Erzählung, Sage, Märchen», von lat. fãri«kundtun, sagen». 4L. fabel- haft, adj. u. adv.: der Fabel angehörig; er- dichtet; unglaublich. Bei Rädlein 1711 in der 1., 2. Bed. Dafür im 16. Jh. fabelisch, fabulosisch(Gombert 8, 25). fabeln, v.: Fabeln machen; überhaupt erdichten; phanta- sieren(Goethe Faust 2962); mhd. fabeln. Da- neben fabulieren, v., frühnhd.(1516 bei Altenstaig), aus lat. fdbulãri«sich unter- halteny. Fabelei, f., mhd. fabelle, favelie. ZUS. Fabeldichter, m., 1495 in der Kölner Gemma 71². Fabelhans, m.: Erfinder un- wahrer Geschichten, Aufschneider, Schwätzer. 1617 im teutschen Michel 29. Fabrik, f.(Pl.-en): Werkstätte, Werk- anstalt, in der Arbeiter in größerer Anzahl einander in die Hände arbeiten. Aus franz. fabrigue f., von lat. fabrica f.«Kunst, Kunst- übung, Ausübung der Baukunst, Werkstätte?, gebildet von lat. faber m.«arbeitender Künst- lery. 1721 bei Jablonski Fabric, schon 1714 bei Wächtler in franz. Form Fabrigue, im 15. Jh. fabriche f. Gewerkskasse». 4L. fabrizieren, v., aus lat. fabricãre«verfer- tigen, bildeny, bei Wächtler 1714. Fabri- känt, m.(-en, Pl.-en), aus dem Part. Präs. lat. fabricans(Gen. fabricantis), bei Ludwig 1716 Fabricant. Fabrikäat, n.(-es, Pl.-e), aus dem Neutr. des Part. Perf. Pass. lat. fabricãtum. Neue Bildung. fabulieren, s. Fabel. Facétte, f.(Pl.-n): geschliffene Rauten- oder Seitenfläche. Aus gleichbed. franz. facette f., abgeleitet von face f.«Antlitz, vordere Seite», das dem lat. facies f.«Angesicht» ent- stammt. 1791 bei Roth. Fach, n.(-es, Pl. Fächer): durch Balken u. dergl. gebildete Abteilung der Wand; um- schlossene Abteilung wovon, eig. wie bildl.; Fanghürde, Fanggeflecht für Fische und Vögel. Mhd. vach n.«Abteilung einer Räumlichkeit; Behälter; Mauer; Mauerteil; Heerteil; Art Be- kleidungs-, Rüstungsstück; Falte des Schleiers, 31* 487 fach fade 488 Hemdes; Fanggeflecht im Wasser; Schwelle im Wasser zum Stauen», ahd. fah n.«Mauer?; dazu asächs. fax in jukfakk n.«Umzäunung eines Joches Landes», ndl. vak, afries. felr, ags. fœæc n.«Raum, Zwischenraum, Zwischen- zeity, anord.-got. fehlend, dän. fag n. aus dem Deutschen. Es stimmt zu gr. ŕν f.«Schlinge, Fischreuse, Schlagbauer, Fangkäfigy und gr. nnvbvoi, lat. pangere«festmachen, befestigen?, weiter gehört fügen(s. d.) hierher. Die Grund- bed. der Wurzel war wohl«in die Erde ein- rammeny, vgl. Meringer Idg. Forsch. 16, 176. Die übertragene Bed.«begrenztes Wissen- schaftsgebiety kommt erst um die Mitte des 18. Jh. auf und wird noch 1755 von Dorn- blüth 86 bekämpft. fach, in Verbindung mit Zahlwörtern: in soviel Abteilungen genommen, als das Zahlwort anzeigt, z. B. ein-, zwei-, mannig-, vielfach. Mhd.-vach in zwνvach, manecvach (in spätern md. Quellen) ist erstarrter Akk. Plur. des Subst. vach, s. Fach(eine geniti- vische Verbindung ist mhd. drier vacher cdreimal, dreifach). Verwandt ist gr. ok in äãnc einmaly. Vgl.-falt. Fachbaum, m. Baum, der bei einer Mühle oder einem Wehr das Wasser vor dem Gerinne in der vorgeschriebenen Höhe hält. Mhd. vächboum m., zu wühen«fangen». fächeln, v.: gelind an-, zuwehen. 1537 bei Schaidenreißer Odyssea 22², bei P. Fleming 363 fächeln(144 das Fecheln), bei Stieler 1691 als fecheln verzeichnet. Abgeleitet von älternhd. Fechel,«Fücher»(s. d.), kaum direkt von fachen gebildet. ifachen, v.: erregend anwehen. Zuerst bei Hagedorn Werke 2, 101 dann in der poetischen Sprache häufig geworden. Es ist (mit a für urspr.°) das frühnhd. fochen cblasen»(Fastnachtssp. 1454), das wohl auf mlat. focare«in Feuer setzen, entzünden» zurückgeht, s. Fächer. Vgl. auch anfachen, entfachen. fachen, v.: kurze Wolle mit einem Bogen schlagen, daß die Flocken fliegen; dazu ndl. vacht f.«Wollenfell, Wollenflockey. Vielleicht zu Fach(s. d.), bei den Hutmachern Ab- teilung von Haaren, die zu Filzstücken be- arbeitet werden, oder eher zu stellen zu gr. nokoc m.«Schafwolle, Flockey, nexery«Wolle rupfen, kämmen), lat. pectere«kämmen», lit. pèsti«kümmen, raufeny, wozu auch ahd.-mhd. fahs m. n.«Haupthaary gehört. Fächer, m.(-s, Pl. wie Sg.): Werkzeug zum Windmachen durch Hin- und Herbe- wegen. Zurückgehend auf ein frühnhd. ſocher (1482 im voc. theut. 2 3²), focker(ebenda i 1b und 1470 in Diefenbachs mlat.-hd.-böhm. Wb. 128, 382), noch 1562 bei Mathesius Sarepta 208 b Focher, 1663 bei Schottel Fokker«Blase- balg», dann auch«Wedel», das entlehnt scheint aus einem lat. focärins(follis)«zum Herde gehöriger(Blasebalg), Blasebalg zum Feuer- machen», oder auch wie Focke f.«Fächer» (1678 bei Krämer) von fochen cblasen?(s. fachen) abgeleitet ist, s. Focke. Im 17. Jh. erscheint das Wort umgebildet zu Fechel (Logau 2, 141), das auch von Stieler 1691 neben Focker, Fucker angesetzt wird; end- lich erscheint 1715 bei Amaranthes und 1734 bei Freyer 276 Fecher. Adelung 1793 und Heynatz 1796 entscheiden sich für Fächer, das schon Rädlein 1711 und Frisch 1741 neben Föõcher, Fechel anführten. Die Form Fechtel bezeichnet Heynatz 1796 als märkisch(Fäch- kelchen bei Brockes 2, 1, 217, 1858 bei Scham- bach fechtle f.). Aus Hessen und Nassau wird Focht angegeben. 4BL. fächern, v., dafür älternhd. fochern(noch 1734 bei Stein- bach), fecheln, fächeln(s. d.), das sich mit besonderer Bed. abgezweigt hat, 1678 pei Krämer focken. Fackel, f.(Pl.-/): flammend brennender Stab als Licht. Mhd. vackel, ahd. facchala. faccala f. Mit asächs. fakla, ndl. fabkel, ags. fœcele und Hœcele entlehnt aus dem gleich- bed. lat. facula(vulgärlat. facla) f., dem Dimin. von gleichbed. lat. fa(Gen. facis) f. fackeln, v.: hin und her schwanken, zu- nächst von der Flamme(noch bei Adelung vom Lichte); Umstände machen, zaudern, in nicht f.(bei Nieremberger 1753); im Reden un- zuverlässig sein, flunkern(Goethe 1, 204). Ge- wöhnlich wird das Wort von Fackel abgeleitet, also«Fackel gleich bewegen». Doch hat sich wohl damit ein echt germanisches Wort in der Bedeutung sich hin und her bewegen», vgl. ahd. falclen«schütteln»(vom Rohr beim Winde), fries. faclen«hin und her bewegen», schwed. falcla«pfuschen», adän. fagle«in Un- ordnung bringen vermischt. Mhd. vackelen cwie eine Fackel brennen) stammt natürlich von Fackel. Nhd. zuerst in Fackelei«Um- herschweifen»(Moscherosch 1, 439). Vgl. auch Faxen und fichfacken. Facçön, s. Fasson. fade, adj.: ohne Saft und Kraft, Sinn oder Geist, geschmacklos. Aus franz. fade, das 489 Faden Fahne 490 neben fat«närrisch, läppischy, von lat. fataus calbern, unschmackhafty kommt. Um 1700 entlehnt(Günther 457). Faden, m.(-s, Pl. Fäden): Faser zum Binden, Núhen, Weben;(Plur. wie Sing.) Maß der beiden ausgespannten Arme. Mit Abschwächung des m zu n(Fadem noch bei Lohenstein Ibrahim 51, dagegen vaden schon voc. opt. 13, 11) aus mhd. vadem, vademe, ahd. fadum, fadam m. in der 1. Bed.; dazu asächs. Plur. fathmös«beide Arme», ags. fœdm m. die umspannenden Arme, Um- armung, Schutz und Schirm, Schoß, Elle (Längenmaß des Unterarms)», engl. fathom als«Maß», anord. fadmr m.«beide Arme, Umarmung, Schoß⸗, auch das Lüngenmaß der ausgestreckten Arme», schwed. famn m. Busen, Lüngenmaß, dän. faun«Umarmung, Längenmaßy. Als Grundbed. ergibt sich Um- spannung der Armey, dann«dem entsprechen- des Längenmaß», die Bed.«Faser, Garnꝰ, eig. insofern es zur Abmessung dient, beschränkt sich auf das Deutsche, mnd. vadem hat diese Bed. und die von Längenmaß, ndl. vadem m. nur die letztere. Faden als Längenmaß ist aus dem Näd. ins ältere Nhd. eingedrungen. Das Wort ist(mit got. faba, mhd. vade f. «Zaun, Umzüunung»?) zu stellen zu gr. ne- rœvvbvor ausbreiten», eroxoc ausgebreitet?, lat. patéere«ausgebreitet sein, offenstehenꝰ, patulus«ausgebreitety». Der Plur. lautet schon spätmhd. uideme, bei Luther aber Faden, wie auch im 18. Jh. noch vorkommt(Hagedorn Fab. 5, Wieland Gold. Spieg. 4, 159). 4BL. fädeln, v., ursprünglicher fädmen(noch bei Frisch 1741 ausfäcmen, im j. Goethe 3, 261 abfädmen die Randfasern der Schoten ab- ziehenv, in den Werken 19, 39 geändert in abfädnen), mhd. vedemen; ahd. fadamön da- gegen ist cnähen». ZVS. fadenscheinig, adj.: von durchscheinenden Fäden, weil von Wolle oder Farbe entblößt. Von einem bei Keisersberg Brösamlin 2, 54 sich findenden gleichbed. Adj. fadenschein. Fagött, n.(-es, Pl.-e): ein tieftoniges Blasinstrument, Baßpfeife. Aus ital. fagoftto, franz. fagot m., eig.«Reisigbündel», unbe- kannter Herkunft. Bei Henisch 1616. Fähe, auch Fehe, f.(Pl.-n): weidmän- nisch) das Weibchen des Hundes, der vier- füßigen Raubtiere. Aus mhd. vohe, ahd. foha f.«Füchsin, im Voc. theut. 1482 i 1² fochin, II7 b vohin, im Voc. 1419 vöhin. Vgl. Fohe. fahen, v.: altertümlich für fangen(s. d.). 4BL. fähig, adj. u. adv.: eig.«fangend, fassend, in sich aufnehmend», dann ceiner Sache mächtig, zu etwas geschickty. Mhd. nur in gevghic«fähig», ahd. in widarfählg cwiderhallend»; häufig in der frühnhd. Rechts- sprache, auch von Luther zuweilen gebraucht, dann von Dasypodius 1537 und Maaler 1561 verzeichnet. 48L. Fähigkeit, f., bei Henisch 1616. fahl, adj.: gelblich; gelblichgrau. S. falb. Mhd. val(flekt. valeoer)«bleich, gelb, blondy. ahd. falo(flekt. falauvér); dazu and. falu, ndl. vaal, ags. fealu, engl. falloso, anord. fölr. Zu lit. pavas«weibßlich gelb, abg. plavi«weißy, ferner lat. pallidus«bleich», pullus«dunkel?, gr. o¹c αweißlich, grauy, aind. palitäs«grauy. Mlat. falwus, ital. faloo, franz. fauve sind aus dem Deutschen entlehnt. fahnden, v.: drauf aus sein zu fangen, zu verhaften. Mit Anlehnung an fahen zu- rückgehend auf ahd. fantön«durchforschen, aufsuchen, ausspüren», asächs. fandon, ags. fandian, afries. fandia«sucheny, wohl zu finden gehörend. Im Mhd. nicht nachzu- weisen, daher wohl aus dem Nd.(mnd. van- den«besuchen, aufsuchen», auch 1475 klevisch, 1599 bei Kilian 576 vanden«besuchen, einen Kranken besuchen», jetzt ndl. vanden ceine Wöehnerin besuchen») in die Kanzleisprache eingedrungen. 1788 bei Fulda vanden, fahn- den, bei Campe 1807 als obd. angeführt. Fähndrich, s. Fähnrich. Fahne, f.(Pl.-n): an einem Schaft be- festigtes Zeugstück als Zeichen irgendeiner Art; dem Ahnliches, die Strömung der Luftanzeigen- des bewegliches Blech; schlechtes Kleid. Mit Wechsel des Geschlechts aus mhd. vane, van m., nur md. auch f., ahd. fano m.«Fahney, urspr. «Zeugstück», was die Zusammensetzungen ougafano«Schweißtuch, Schleier», hantfano «Handtuch», tischfano Serviette, deutlich zeigen, während Fahne meist durch gundfano, eig.«Kampfzeichen»(daher franz. gonfalon m.) gegeben wird; dazu and. fano, ndl. vaan, afries. fona, asäãchs. fano m. noch«Tuch⸗, ags. fana m.(häufig gädfana), engl. fane, vané«Dachfahney, got. fana m. Zeugstück, Schweißtuch». Die Grundbed. Tuch liegt auch in dem Dim. Fähnchen n.«leichtes Frauen- kleidy vor. Gewöhnlich wird lat. pannas m. «Stück Tuch, Lappen, Binde», als verwandt angesehen. Doch ist das unsicher. Dagegen läßt sich abg. opona«Vorhang», ponjava f. 491 Fahr Fährmann 492 «Umhang, Kleid», peti«spanneny, lit. pifti cflechteny(vgl. Sinnen) vergleichen. Das ursprüngliche Mask. erhält sich im Obd. im 17. Jh.(Zincgref 1, 164), daneben auch als Neutr.(noch bei Haller 105). 4B L. Fähn- lein, n.(-s, Pl. wie Sg.), das Dimin., mhd. venelin. Die Bed. unter einer Fahne ver- einigte Schar Kriegery zuerst 1475 in dem schweizerischen venli(Liliencron 2, 63). Fähn- rich, m.(-s, Pl.-e): Fahnenträger. Dafür mhd. vanere, vanre, venre, ahd. faneri m., wo- her schweizerisch Fenner m., später mit An- lehnung an die Bildungen auf-rich venrich und mit eingeschobenem d vendrich(Lilien- cxon 2, 562), dazu ndl. vaundrig m.(1599 bei Kilian 574 2 vaendkigh). ZUS. Fahnen- junker, m.: dem Fähnrich beigeordneter Fahnenträger. 1664 bei Duez. Fahnen- schmied, m.: Hufschmied bei einer Reiter- schwadron, im 17. Jh. Fahnenträger, m., 1482 im Voc. theut. h 5 fantrager, im 15. Jh. bei Diefenbach gl. 617 ²2 vanendreger, fanetreger. Fahr, f.: Gefahr, nur noch altertümlich und poetisch(von Wieland Oberon 2, 16 ge- braucht und im Glossar erklärt, dann z. B. von Schiller Tell 3, 1; Rückert 2, 237). Bei Luther fahr. Mhd. vöre f., vär f. m.«Hinter- list, Gefahr, Furcht», ahd. fära f.«Auflauern, Nachstellung, Hinterlisty; dazu asächs. fãr m. Hinterlist, ndl. vaar m.(veraltet)«Ge- fahry, ags. ſr m. Furcht, Gefahry, engl. feur«Furchto, anord. für n. Not, Unglück, dän. fare«Gefahr», got., wohl nach ferja m. Auflauerer, Aufpassery zu schließen,“*féra f. Das Wort, von dem mhd. vären, ahd. färén (8. befahren), asüchs. färon auflauern, nach- stellen», ags. cran, engl. fear«fürchten» abgeleitet ist, geht zurück auf die Wurzel von fahren(s. d.), indem aus der Bed.«hin- überbewegen, durchdringen? die von«ver- suchen, in Gefahr bringen» hervorgegangen ist, vgl. die zu der gleichen Wurzel gehörigen lat. experiri«versucheny, periculum n. Ge- fahrꝰ, gr. weĩpa f.«vVversuch, Probe, Anschlagy. 4B L. Fährde, f.: Gefahr, Arglist(Goethe 1, 121). Mhd. œrde(in gevcrde f. n.)«Hinter- listy, ahd. färida in bifärida f. Aufruhry. Fährlichkeit, f.: Gefahr. Mhd. vcœærlicheit, abgeleitet von mhd. vœrlich c«hinterlistig, ge- führlich», ahd. fürlih, auch älternhd. fürlich, voc. 1482 verlich periculosus». Fahre, f., nordd. Form für Furche(s. d.). Fähre, f.(Pl.-n): flaches Fahrzeug und Ort zur Flußüberfahrt. Mhd. vere, ver f. n.; dazu ndl. veer n., anord. ferja f., schwed. färja f., dun. fœrge, engl. ferry. Zu mhd. vern, ahd. ferian, ferran, asächs. ferian, ags. ferian, anord. ferja, schwed. färja«schiffen, übersetzen, überführen», abgeleitet von fahren. S. auch Ferge. fahren, v.(Prät. fuhr, Konj. führe, Part. gefahren): sich fortbewegen; sich mit Ge- schwindigkeit wohin bewegen; auf einem Werkzeug zum Fortbewegen fortbewegt wer- den oder fortbewegen; sich befinden, leben (z. B. fahr wohl). Der Ausdruck fahrende Habe(schon mhd. varndin habe)«bewegliches Eigentum», wofür auch Fahrhabe(schweiz.) und Fahrnis(s. d.). Mhd. varn, ahd. und got. faran; dazu ndl. varn, asächs.-ags. faran, engl. fare, afries.-anord-schwed. fara, dän. fare. Verwandt ist gr. nepdv durchdringen, durchgehem, öpoc m. Durchgango, ropebetv cfahren, übersetzem, wopebecbar«reisen, geheny, lat.(übertragen) peritus«erfahrer, abg. prati cfahren, springen», aind. piparti«führt hin- über», aw. par- chindurch-, hinübergehenv. S. auch Fahr. Fährgeld, n.(-es, Pl.-er): Lohn des Schiffers für die Überfahrt. Bei Luther(Jon. 1, 3 fehrgeld), dafür mhd. verlön, zusammen- ges. mit mhd. vern«übersetzen», s. Fähre. fahrig, adj.: nicht gehalten, unbeständig. Dialektwort, das Adelung 1793 noch nicht kennt, von Goethe oft gebraucht, abgeleitet von fahren.(Bei Maaler 1561 ferig churtig', mhd. veric«fertig»). fahrlässig, adj. u. adv.: aus Unachtsam- keit unterlassend, aus Säumigkeit unachtsam. Im voc. praed. q 2 b varlessig«negligens»(aber bei Eychmann 1483 m 7 b verlesig), dann bei Keisersberg bilgerschafft 142 d farlessig, später als Rechtswort oft gebraucht. Kaum ge- bildet von fahren lassen«geschehen lassen, nachlassen, aufgeben», sondern wohl mit An- lehnung an fahren entstellt aus einem mhd. verlãẽzec, vürlczec, abgeleitet von verlz, vürläz m.«Lässigkeit, Versäumnis», vgl. die Bildungen hinlässig, nachlässig usw. 43L. Fahrlässigkeit, f., im voc. praed.— 2 b var- lessigkeit(dagegen bei Eychmann 1483 n 7 b verlassigkey-t), bei Keisersberg sünd. d. munds 78 b farlessigkeit, in Wedels Hausbuch 281 u. o. fahrlosigkeit. Fährlichkeit, s. Fahr. Fährmann, m.(-, Pl--männer): Ferge. Zusammenges. mit mhd. vern«übersetzen?, s. Fähre. Bei Comenius 1640. 493 Fahrnis Falke 494 Fahrnis, f.: fahrende Habe, bewegliches Eigentum. Bereits im 16. Jh.(Luther Tischr. 420 ²). Fahrt, f.(Pl.-en): die Fortbewegung wohin; Durchgang, Weg für Fuhrwerk. Mhd. vart, ahd. fart f.; dazu asächs. fard f., ndl. vaart m., ags. fyrd, ferd f., anord. ferd f., schwed. färd m., dän. ſœrd. Abstraktbildung mit t-Suffix zu fahren. S. auch Fährte. Fährte, f.(Pl.-n): Wildspur. Aus dem Gen. Dat. Sing. oder Plur. verte des mhd. vart f. in der engern Bed.«Weg des Wildes, Wildspury, wie noch weidmännisch auch Fahrt gesagt wird, ahd. fart f.«Weg, Spury. Bei Stieler 1691 Färte. Fahrzeug, n.(-es, Pl.-e): von Holz ge- machtes hohles Werk zum Fahren auf dem Wasser; auch Fuhrwerk zu Lande. Im 17. Jh., 1703 im Zeitungslex. und 1711 bei Rädlein. Faksimile, n.(-S, Pl.-s): Nachbildung einer Handschrift. Das nlat. ſacsimile(fac, Imp. von facere«machenv, Simile, Neutr. von similis cähnlich»). Im 18. Jh. Faktiön, f.(Pl.-en): Partei, politische Meinungsgenossenschaft. Aus lat. factio f. 1538 bei Franck Chron. d. Teutschen 194³ u. o., bei Rot 1571.— faktisch, adj. u. adv.: tatsächlich. Gebildet von lat. factum n. & Taty, eig. Neutr. des Part. Perf. Pass. factus von facere«machen». In der neuern Sprache, pei Heynatz 1796.— Faktor, m.(-s, Plur. Falctõren): Vervielfältigungszahl; eine im Pro- dukt wirkende Kraft; Geschäftsführer. Auslat. factor m.«Verfertigery, im Mlat. auch s. v. a. Geschäftsvorstehery und in dieser Bed. ist Factor im 16. Jh. geläufig(Cod. dipl. Siles. 20, 178 von 1510). Davon Faktorei, f. (Pl.-en): Wohnung und Geschäft eines Fäk- tors, dann Handelsniederlassung; bei H. Sachs. — Faktöõtum, n.(-S, Pl.-): der alles in allem ist, namentl. allseitig nützlicher Diener. Das nlat. factotum(fac, Imp. von facere, kotum zalles»). Schon im 16. Jh.(Wedel Hausbuch 246 u. 313, Fischart Barf. 3523). — Faktum, n.(-S, Pl. Fakta): Tatsache. Das lat. factum, s. o. 1703 im Zeitungslex. — Faktür, f.(Pl.-en): Warenverzeichnis nebst Preisberechnung; Rechnung. In der 1. Bed. bei Krämer 1678. Fakultät, f.(Pl.-en): körperliche oder geistige Kraft zu tun; Vermögen wozu; Fähig- keit, mhd. fakaltét f., Gesamtheit der Profes- soren von einer der vier Hauptwissenschaften einer Universität(im 15. Jh.). Von lat. facal- tãs(Gen. facultãtis) f.«Vermögen, Kraft, Be- fähigung), im Mlat, auch s. v. a. 2unft, usw. 4BL. fakultativ, adj. u. adv.: be- fähigend, ermächtigend wozu; beliebig. Aus franz. facultati«f, nlat. facultativus. Noch nicht bei Campe 1813. falb, adj.: blaßgelb, weißlichgelb. Der Falbe, ein Falber(Goethe[?] 4, 355),«blaß- gelbes Pferd, s. auch 1alke. Eig. identisch mit fahl(s. d.), und aus der flektierten Form des mhd. val(flekt. valzwer), ahd. falo(flekt. falaér) mit UÜbergang des" in b hervor- gegangen. Frühnhd. alb, z. B. um 1480 im voc. incip. teut. f 6 b, danach von Luther 3. Mos. 13, 31. 37 neben falh(Off. Joh. 6, 8) gebraucht, bei Alberus Dict. E 2 b, nebenein- ander fal, falb. 4.3 L. falben, v.: falb wer- den, aus mhd. valzpen, ahd. falazwén. Falbel, f.(Pl.-n): Faltenbesatz an Frauen- kleidern. Bei Nieremberger 1753(1715 bei Amaranthes 523 noch Falhala). Aus franz. falbala m., ital. falbald f., span. falbala, auch farfala f. falben, s. falb. Fälber, s. Felber. Falge, s. ²elge. Falkaune, f.(Pl.-/): Geschütz zu 4. bis 5 pfündigen Eisenkugeln. Aus mlat. falcona f., von lat. falco m.«Falkey, welchen Raub- vogelnamen man wie Drache, Schlange auch auf ein schweres Geschütz anwandte. Im 16. Jh. Falkelan(Liliencron 3, 384 v. J. 1521), Falcon(ebend. 4, 367 v. J. 1546), Falchana (bei Fronsperger 1, 592). ¹1 Falke, m.(-n, Pl.-n): blaßgelbes Pferd, blaßgelber Ochse, blaßgelbe Kuh. Oberdeutsch. Von obd. falch, Nebenform zu den gleichbed. fahl, falb(s. d.), die mit lit. pälsas«fahl» übereinstimmt. ² Falke, m.(-n, Pl.-n): eine Art Raub- vögel. Auch gekürzt Falk, dann zuweilen im Sing. stark flektiert(Dat. Falk Herder Cid Nr. 7, Akk. Falk Schiller 13, 329). Mhd. valke, ahd. falcho m.; dazu ndl. valk, engl. falcon (aus dem Deutschen), anord. allci, schwed.- dän. fallkm. Wahrscheinlich echt deutsch und daraus entlehnt das um 340 vorkom- mende lat. falco m. Der deutsche Ursprung wird namentlich durch die alten Eigennamen, Falchovarii, ahd. Falco, ags. Westerfalcna wahrscheinlich. Das Wort gehört am ehe- sten zu falch(s. d.)«fahly und weiter zu lit. pälsas, abg. pelesu«grauy. Vgl. Baist bei Kluge EWB. s. v., Kluge Zschr. f. franz. 495 Falkonett falsch 496 Spr. u. Lit. 13, 2, 185, Körting Lat.-roman, WB. s. 4 BL. Falkner, m.(-s, Pl. wie Sg.), mhd. valkengre. Aus mlat. falconarius m. «Falken zur Jagd übender und abrichtender Jägery. Daneben auch mit engerm Anschluß an das lat. Wort Falkenier m. Falkonétt, n.(-S, Pl.-g): kleine Fal- kaune. Aus franz.-engl. falconet, ital. falco- netto m. mit verkleinerndem-etto von mlat. falcona f., s. Falkaune. Im 16. Jh.(Lilien- cron 3, 474), daneben auch Falkenet(ebend. 3, 74). Fall, m.(-es, Pl. Fälle). Mhd. val(Gen. valles), ahd. fal m.; dazu asächs.-afries. fal m., ndl. val m., ags. eal m., engl. fall, anord.- schwed. fal n., dän. fald n. In der gram- mat. Bed. für lat. cãsus hat Fally zuerst der Gießner Professor Christophorus Helvicus (Helwig) in seinem 1619 erschienenen Werke Sprachkünste. S. auch falls. Falle, f.(Pl. =n): Fangwerkzeug mittelst Zufallen von et- was. Mhd. valle, ahd. and. falla f.; dazu ndl. val, ags. feall f. Von fallen, v.(Prät. fiel, Part. gefallen): vermöge seiner Schwere sich nie- derbewegen; mit Geschwindigkeit, gewaltsam sich wohin bewegen; tot niederfallen; Exi- stenz, Ehre usw. verlieren; an Umfang, Wert verlieren; wozu kommen; wohin geraten. Mhd. vallen, ahd. fallan; dazu asächs. fallan, ndl. vallen, afries. falla, ags. feallan, engl. fall, anord.-schwed. falla, dän. falde. Ver- wandt ist lit. püoln«falley, Inf. pulti, aber kaum lat. fallere«betrügen, täuschen?, gr. cqdXeiv«fällen, zu Boden werfenꝰ, cdeceau csich täuschen, fehlen», aind. Sphal-«wanken». Vgl. Walde s. v. ZUS. Fallbrücke, f., 1626 bei Opitz Argenis 2, 58. fällen, v.: fallen machen; zu Boden-, niederwerfen. Mhd. vellen, ahd. fellan; dazu asächs. fellian, ndl. vellen, afries. fella, ags. fella, engl. fell, anord. fella, schwed. fälla, dän. fälde, Faktitiv zu fallen. fallieren, v.: öffentlich zahlungsunfühig werden. Aus ital. fallire«betrügen, fehl- schlagen, bankrott werdeny», das auf lat. fallere chetrügen, täuschen» zurückgeht. Bei Rot 1571 falliren«betrügen», sonst im 16. Jh. auch in der jetzigen Bed. fällig, adj.: zu Falle kommend, z. B. in bau-, fußfällig; zu festgesetzter Zeit zu fallen (zahlen) bestimmt. Mhd. vellec cfallend, pau- füllig, gerichtlich verfallend, vor Gericht im Kampfe überwundeny, ahd. fellic zu Falle pringend, in Trümmer fallends. Fallimént, n.(-s, Pl.-e): öffentlich er- klärte Zahlungsunfäbigkeit. Aus ital. falli- mento m., von fallire, s. fallieren. Bei Fisch- art Garg. 79 Fallement, bei Krämer 1678 Falliment. Fallreep, n.(-s, Pl.-e): türartige Offnung in der Bordwand des Schiffes. Seemanns- ausdruck und daher nd.ndl. Ursprünglich eine Imperativbildung aus fall«laß fallen, und reep«Tauy, mit der Bedeutungsentwick- lung Tau, Strickleiter, Leiter, Treppe, Trep- penöffnungy. Bei Röding. Bei Campe Fall- reif«Falltau?. falls, bedingende Konjunktion, eig. Gen. Sing. von Fall m.: im Falle daß. Bei Stieler 1691, nach Adelung und Heynatz 1796 nur im gemeinen Leben. Fall hat hier die Bed. ceintretende Möglichkeit», die vom Fallen der Würfel ausgegangen ist. Häufig in Zusammen- setzungen-falls. Fallstrick, m.(-es, Pl.-e): worüber fal- lender Strick, Schlinge zum Fang von Wild; Nachstellung. Bei Luther, auch bildlich. Fallsucht, f.: die fallende Sucht, Hin- fallen unter Zucken und Schäumen. Mhd. vallensuht f., aus vallende suht, ahd. fallendiu suht. Im 16. u. 17. Jh. dafür auch Fallübel, zusammengez. Falbel n. Falltor, n.(-s, Pl.-e): von selbst zu- fallendes Zauntor über einem Fahrweg. Mhd. valletor n., abgeschwächt valtor, valter. falsch, adj. u. adv.: anders scheinend, als wirklich ist; innerlich feindselig. Mhd. pals, meist valsch, mit ndl. valsch, ags.-anord. fals, engl. false, entlehnt, trotz E. Schröder AfdA. 23, 156, aus dem gleichbed. lat. falsas, eig. das Part. Perf. Pass. von fallere«täuschen, betrügeny. Davon substantiviert mhd. vals, valsch m. Fehl, Bosheit, Unrecht, Betrug⸗, jetzt noch in ohne Falsch, mhd. üne valsch. Das sch in valsch kann rein lautlich entstan- den sein wie in feilschen; da aber auch mnd. valsch neben vals, ndl. valsch, dän.(entlehnt) falskk vorkommt, so wird es erklärt aus dem Einfluß des schon im Ahd. vorhandenen Ver- bums fälschen, v.: falsch machen, d. h. verfälschen, der Richtigkeit benehmen. Mhd. velschen verfälschen, für falsch erklären), ahd. felscen, falskn, meist gifelscen, gifalscon «für falsch erklären, zurückweisen, wider- legeny, wahrscheinlich eine Umbildung des lat. gleichbed. falsiftcãre(alsicare, fals- care?). 4L. Fälscher, m.(-S, Pl. wie Sg.), mhd. valschœre, velschere. Falsch- 497 Falsett famos 498 heit, f., mhd. valschheit. fälschlich, adj. u. adv., mhd. valschlich, velschlich. ZUS. Falschmünzer, m.(-s, Pl. wie Sg.). Bei Campe 1808. Goethe 34, 1, 369 sagt noch falscher Münzer. Falsétt, n.(-Lels, Pl.-e): Fistelstimme, Kopfstimme. Aus ital. falsétto m. Fistely. 1791 bei Roth. falt, jetzt altertümlich(z. B. mannigfalt, vgl. auch Einfalt), häufiger das abgeleitete faltig(z. B. mannigfaltig, dreifaltig in Drei- faltigkeit f.), am üblichsten mit durchge- drungenem Umlaut-fältig(z. B. ein-, zwwei-, drei- usw., vielfältig) wird mit bestimmten und allgemeinen Zahlwörtern zusammengesetzt und bed.«soviel mal genommen(urspr. ge- faltet), als das als erstes Wort der Zusammen- setzung stehende Zahlwort anzeigty. Mhd. alt, ahd.-falt; dazu asächs.-fald, ags.-foald, engl.-fold(nur in twofold), anord.-faldr, got.-falps; mit den davon abgeleiteten mhd. valtic,-veltic, ahd.-faltic ebenso von falten (s. d.) entsprossen, wie das in gleichem Sinne stehende lat.-plex, z. B. simplex, duplex usw. von lat. plicäre«falten. Im Griech. ent- spricht-/†dcioc aus-kdrioc, dieαoc&wie- fach geschwungen?. Falte, f.(Pl.-n), mhd. valte f., daneben valt m., ahd.(bei Notker) vald m.; dazu ndl. (mit Ausfall des d) vouoo f., ags. feald m., anord. faldr m., dän. fold. Von falten, v.: mit- telst einer Ubereinanderbiegung zusammen- legen, mhd. valten(Prät. vielt, Part. gevalten), valden, ahd. faldan, faltan; dazu ndl. voutben, ags. fealdan, engl. fold, anord. falda, schwed. fälla, dän. folde, got. falban, Praät. faifalp. Verwandt ist aind. pufas m., pafam n.(mit t aus It)«Falte, Tüte, Taschey, gr. dircroc und dinXdcioc«zweifachy, ohne t-Ableitung alban. palo f.«Falte, Reihe, Joch, Paary. Die urspr. starke Flexion ist im Nhd. der schwa- chen gewichen, doch findet sich noch zu- weilen das Part. gefalten, in der Redensart mit gefaltenen Händen(Claudius 4, 39; Schiller Räuber 1, 1; Goethe 2, 101). 4 BL. fälteln, v.: in Fältchen legen. Spätmhd. velteln. Falter, m.(-s, Pl. wie Sg.): Schmetter- ling. Mhd. nur in vvadter m.; daneben auch pfiwalter, pfivolter(s. Pfeifholter) und zuwi- valter(s. Zweifalter), ahd. fifaltra f., das ein- fache valter(aus diesen Zusammensetzungen entnommen) erst bei Adelung 1774, aber noch jetzt obd. Feifalter; dazu and. vivoldara f., ndl.(umgestaltet) vifeouter m., ags. fif- Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. fealde f., anord.(umgestaltet) fifrildi n. Eine reduplizierte Bildung(wie z. B. mhd. adeint «Wirbelwind» zu wwink), mit der lat. pãpilio m.(aus*paptilio), vespertilio(aus—ptilio) zu vergleichen ist. Wahrscheinlich zu einer Wurzel pel«flattern», die wir mit t erweitert, in flattern, Fledermaus haben. Vgl. Detter ZfdA. 42, 55, Walde s. v. faltig, adj.: Falten habend oder werfend. Bei Dasypodius 1537. S. auch-falt. 1Falz, m.(-es, Pl.-e): regelmäßig ge- brochene und geglättete Umbiegung; zum Anfügen mit dem Hobel abgestoßene Kante. Mhd. valz(Plur. valze und welze), valze m. «geschlagene längliche Offnung; rinnenartige Vertiefung längs der Fläche oder dem Rücken des Schwerts; Riefe, z. B. einer Wunde; Fuge, zusammengebogene Offnung», ahd. falz nur in anevale m. Amboß»; dazu ags. anfilte, engl. anvil, ndl.(umgebildet) aunbeeld n. Hier- her gehört auch das starke Verbum mhd. valzen (Part. gevalzen)«biegen, krümmen», und mit Ablaut mhd. velze m.«Riefe, sichtbarer Lang- streifen an der Schwertklinge, Rücken der Klingey. Die Bed. der Wurzel wird schlagen, hämmern, durch Schlagen zusammenfügen» sein; als verwandt wird angesehen lat. pellere (aus*peldere) stoßem. 4 BL. falzen, v.: regel- mäßig umschlagen und fügen; Fugen hobeln. Dafür mhd. umgelautet velzen krümmend schlagen, verbinden, einfassen⸗, ahd.(ohne Umlaut) falzen«befestigen, zur Krümme biegen, sichelförmig biegen». ZUS. Falz- bein, n.(-S, Pl.-e): zum Falzen dienendes Gerät aus Knochen. Bei Duez 1664 faltbein oder falzbein. ² Falz, falzen, s. v. a. Balz, balzen(s. d.). Mhd.(bei Hadamar von Laber 212) valz m. Begattung wilder Vögel», bei Aler 1727 Faltz der aurhanen. Daneben auch Pfalz. Famiilie, f.(Pl.-n): Hausgenossenschaft; Geschlechtsverwandtschaft. Aus dem gleich- bed. lat. familia f., urspr.«Gesindey». Im 17. Jh., zugleich unter Einfluß des franz. famille f. eingebürgert(Schupp 152). 48L. familiür, adj. u. adv.: wie heimisch; ver- traut. Aus lat. familiäris zum Gesinde, Hause gehörigy. 1601 bei Albertinus geistl. Spiegel 153 b familiar, substantivisch schon in der Zimm. Chron. 1, 318. Familiarität, f., 1703 im Zeitungslex. famös, adj.: berühmt, berüchtigt(schon im 16. Jh., z. B. Nas Pract. B 1 b); prächtig, herrlich(in der neuern Studentensprache). 32 499 Famulus Farce 500 Aus lat. fãmôsus«berühmt, berüchtigt», von lat. fäma f.«Leumund, Gerüchts. Famulus, m.(Pl. Famüli und Famuü- lüsse): Diener, Gehilfe. Aus gleichbed. lat. famulus m. Bei Sperander 1728. Fanätiker, m.(*s, Pl. wie Sg.): schranken- loser Glaubensschwärmer. Aus dem lat. Adj. fändlkicus, abgeleitet von fänum n.«gottge- weihter Ort, Tempely. Im 18. Jh.— fanâ- tisch, adj.: glaubenswütig. Nach lat. fänã- kicus. 1588 bei Joh. Nas(Wackernagels Kirchenlied 548²).— fanatisieren, v.: zur Glaubenswut aufregen. Aus dem gleichbed. franz. fanatiser.— Fanatismus, m.: Glau- benswut. Mit lat. Endung nach franz. fana- tisme, ital. fanatismo m. gebildet. Im 18. Jh. Fanfäre, f.(Pl.-n): Trompetensignal. Aus dem gleichbed. franz. fanfare f., das mit franz. fanfaron m.«Prahlery, ital. fanfano, span. fanfarron«prahlerisch» urspr. lautnach- ahmend ist. Bei Roth 1791. Fang, m.(-es, Pl. Fünge): Habhaftwer- den und Halten sowie das Gefangene selbst; Einrichtung zum Fangen der Tiere; Raub- tierzahn, Raubvogelklaue; letzter tötender Stich bei gejagtem Wilde(schonfrühnhd.). Mhd. vanc(Gen. vanges) m.«Fang, das Auf., Um- fangendes, ahd. and. fangin Zusammensetzungen wie anafang«Anfangs; dazu ndl. vang m., ags. ſeng m. Griffy, engl. fang«Fangzahn, Klaue», anord. fang n., schwed. fäng m., dän. fang. Von fangen, v.(Prat. fing, Part. ge- fangen): festnehmend oder-haltend in seine Gewalt bringen. Alternhd. fahen, mhd. vähen, vän(Prät. vienc, vie, Part. gevangen, gevũn); dazu asächs. fähan(Prät feng), auch(in den Psalmen) fangan, ndl. vangen, afries. fän, ags. föon, anord. fã, auch fanga, schwed. fa, dän. faa, got. fähan. Das Präs. fangen erklärt sich durch Ausgleichung mit dem Prät., noch nicht mhd., wohl aber öfter mnd. und mnadl. vangen, bei Luther vereinzelt neben gewöhn- lichem fahen, im 17. Jh. schwankend(Schottel und Bödiker setzen beide Formen an), bei Gottsched nur fangen, doch verbleibt fahen der poetischen Sprache(Klopstock Mess. 2, 6; Goethe Rein. 6, 38, Schiller Tell 4, 1; Uhland 269). Das Prät. älternhd. fieng(noch bei Gottsched, während Adelung sich für fing erklärt) hat Verkürzung erfahren, wie schon in ältern md. Quellen, sowie mnd. und mndl. vinc erscheint. Verwandt ist aind. päcas«Strick», lat. pacisci«einen Vertrag schließen, ferner wohl auch, da die Wurzel idg.*palt und'pag lautete, die bei Fach (s. d.) angeführten Wörter. 4BL. Fänger, Fanger(Schiller Räuber 4, 1), m.(-s, Pl. wie Sg.): fangende Person, Hund zum Fang auf der Saujagd, Waffe zum tötenden Stich bei Wild. Mhd. dafür väher, bei Luther in der 1. Bed. fenger. Fant, m.(-es, Pl.-e): junger, bes. flatter- hafter oder eitler Mensch. Mhd. dafür vanz (so noch jetzt obd. neben Fant), im Dimin. venzelin n.«junger Schalk»(s. Alfanz, Fürle- fanz); dazu anord. fantr m.«Gauklery. Die Form Fant erklärt sich aus dem Einfluß eines ndd. Wortes, mnd. vent m.«Knabe, Knecht»(auch im Dim. venkeken), das eben- so wie ndl. vent m.«Knabey zurückzuführen ist auf veim-genõt, eig.«Mitglied einer Ge- sellschafto(s. Fehme), was mit Verkürzung vemnot und das noch jetzt im Näl. vor- kommende vennoot m. ergeben hat(Bedeu- tungsentwicklung wie bei Bursche, s. d.). Dies Fent vermischt sich in der Bedeutung mit Fanz. Vgl. von Bahder Btr. 22, 527. Henisch 1616 setzt Fante(diese Form wohl unter Einfluß des ital. fante m. Knabe, Knecht»), Stieler 1691 Fante, Feute, Fenk Knabe, leichtsinniger junger Mensch» an, in der Literatur findet sich öfter Fäntchen, das von Kindleben 1781 als niedersächsisches Wort bezeichnet wird(auch Adelung kennt nur das Dim., das er von Fänt ableitet), Fant gebraucht Wieland im Oberon 4, 47 und erklärt es im angefügten Glossar. Farbe, f.(Pl.-n): die durch Brechung der Lichtstrahlen hervorgebrachte Empfindung des Auges. Mit b für w aus mhd. varzwe, ahd. farçza f.; dazu and. farawi, ndl. verf, ags. fœrbu f., aus dem Deutschen schwed. fürg, dän. farve. Dunkler Herkunft. 43 L. farb, mhd.-var(flekt. varaer), ahd. faro(flekt. faravér), and. missivaro«verschiedenfarbigy, weiter gebildet-farben(bei Luther), farbig (älternhd. auch farbicht), fürbig(Goethe Faust 3901 fausendfärbig), bei Luther ferbig. färben, v., mhd. verwen, ahd. farawen. Da- von Färber, m.(-s, Pl. wie Sg.), mhd. ver- wdœre m., und Färbung, f.(1482 im voc. theut. h 6 b ferbung). Farce, f.(Pl.-n): Füllsel; Mengstück, Possenspiel. Das franz. farce f., aus lat. farsus causgestopftꝰ, von farcire astopfen». In der 1. Bed. 1715 bei Amaranthes, in der zweiten 1600 bei Albertinus Sendschreiben 3, 692 Farsse. 501 Farinzucker faseln 502 Farinzucker, m.(-S): Mehl-, Küchen-, Speisezucker. Zusammenges. mit lat.-ital. farina f.«Mehl». Farin 1715 bei Amaranthes. Farm, f.(Pl.-en): Meierhof, Landgut (in Amerika). Das engl. farm, das zurück- geht auf afranz. ferme f.«feste Rente, sicherer Besitz», von lat. firmaus fest». Im 19. Jh. Farn, m.(-es, Pl.-e), meist Farnkraut, n.(falsch Farrenkraut): die Pflanze flix. Mhd. farm und farn m. n., ahd. faram, faran n.; dazu and. farn, ndl. varenkruid, ags. fearn m., engl. fern. Verwandt sind aind. parna- m. n.«Flügel, Feder», dann«Laub, Blatty, also eig.«federförmiges Blatts; dazu wohl noch russ. pãporoti, lit. papãrtis m., Pl. papãrò ai «Farnkrauty. S. auch Rainfarn. Farre, m.(-n, Pl.-n): unverschnittener Ochse. Mhd. varre, ahd. farro m. neben dem stark flektierenden mhd. uar, ahd. far(Plur. farri); dazu ndl. var, ags. fearr, anord. farri m. Mit Ir aus rs, vgl. Färse; verwandt ist gr. nöpic, nöpric f.«junges Rind, Kalb, junge Kuh?. Färse, f.(Pl.-/): das noch nicht träch- tige erwachsene Rind. Aus dem Nd., mnd. (in Glossaren des 15. Jh.) verse, mndl. verse, ndl. vaars f., im 15. Jh. auch in einem hd. Glossar(Diefenbach Gl. 313 b) kalbes verse, im 17. Jh. wird Fährse von Zesen im Heli- kon 74 als in Meißen sehr üblich angeführt. Abgeleitet von ahd. far(s. Farre). farzen, v.: einen lauten Bauchwind lassen. Spätmhd. varzen neben dem stark flektierenden mhd. verzen, ahd. ferzan; dazu ags. feortan, engl. fart, anord.(mit Umstellung des 7) freta, schwed. ſjerta, dän. ſjerte, und weiter dazu die gleichbed. gr. mpdeiv, russ. perdéti, lit. pérdæzu, pérsti, aind. pard nebst den Worten, die auf idg. pezd zurückgehen, lat. pédeere, slow. pezdeli, lit. bezdéti, gr. Bdeuο, mhd. visten. Idg. Grundform peræad. Fasän, m.(-S und-en, Pl.-e und-en): ein schöner fremder, hühnerartiger Vogel. Mhd. fasãn, fasant m., ahd. fasän m., ndl. fazant m. Durch franz.'span. faisan, prov. fassan, ital. fagiano m. überkommen aus gr.- lat. phasidnus m. d. i.«Vvogel vom Flusse Phasis in Kolchis». Mhd. auch volksver- ständlich gemacht als vasehan, vaselhan; da- zu dase-, vaselhuon n. 4BL. Fasanerie, f.: Fasanengehege, nach franz. faisandlerie f., bei Frisch 1741. Schon Henisch 1616 hat Fasaner der die Fasanen zeucht und er- nehrtv. Fasch, m.(-es, Pl.-e): eine Elle breites und zwei Ellen langes Stück Sohlleder. Mhd. (um 1400) vasch f. Bindes. Aus franz. fasce, ital. fascia f.«Binde, Zeugstreifen», und diese aus dem gleichbed. lat. fascia f. Fäs-chen, n.(Goethe Herm. u. Dor. 9, 18, bei Aler 1727 Füäsichen), Dim. von Fasen, s. d. Faschine, f.(Pl.-n): Reis- oder Strauch- welle bei Wasser-, Feldschanzen-, Batterien- bau. Aus franz. fascine, ital. fascina f.«Reis- bündel», von dem aus lat. fascis m. Bund» abgeleiteten ital. fascio m. Bündely. Bei Krämer 1678. Fasching, m.(-s, Pl.-e): Fastnacht(s. d.). Bes. in Osterreich üblich. Mit Abschwächung des zweiten Wortes aus mhd. vasnaht, vasch- nanht entwickelt, indem die häufige Ableitungs- silbe-ing eingetreten ist; spätmhd. vassang, vaschang zeigt noch das ursprüngliche a der zweiten Silbe. Kaum entspricht vaschang dem mnd. vastgang(neben vasting), anord. föstu- gangr m. Beginn, eig. Herannahen der Fastenzeity. Fase, s. Fasen. Fasel, m.(-S): Junges, Zucht wovon. Auch in Faselhengst m. Zuchthengsty, Fasel- ochse m. uchtochsen, Faselschewein n. Lucht- schwein», Faselwieh n. ZLuchtvieh». Mhd. vasel m.«Zuchtstier,-ebery, überhaupt männ- liches Tier, um zu befruchten(auch in Zu- sammensetzungen, wie vaselkalp, vaselswin, vaselvihe), daneben ahd.(bei Notker) fasel m. Junges wovon, Nachkommenschaft»; dazu ags. fœs! n.(?), anord. fösull m.«Nachkommen- schafty. Vgl. auch frühmhd. fesil«fruchtbar. Verwandt mit mhd.(mit Ablaut) wisel m. cpenisy, das zu lat. penis(aus*pesnis) m., gr. méoc n.(aus*pesos), aind. päsas n.«penis⸗ gehört. Vgl. Osthoff Btr. 20, 94; Prusik KZ. 35, 601. 4BL. faseln, v.: Junge werfen, sich fortpflanzen(frühnhd.); gedeihen(im Sprichwort unrecht Gut faselt nicht Luther Tischr. 143). Faséle, s. Faseole. ifaseln, v.: tändelnd, ausgelassen, leicht- sinnig gebaren(Goethe 3, 193); unüberlegt, verwirrt reden. In der 2. Bed. von Frisch 1741 als neues Wort bezeichnet, gebraucht z. B. von Hermes Sophiens Reise 2, 601. Ab- geleitet von dem älternhd. fasen(bei Stieler 1691)«mit dem Geist irr umherschweifen, ohne Uberlegung und wie träumend denken und reden, Albernheiten, Possen treiben?, das auf ahd. fasön suchen, aufsuchen, auf- 32* 503 faseln Faste 504 spüren» zurückgeht(mhd. nicht belegt). S. auch Fastnacht. 4BL. Faselei, f., 1734 bei Weber 255 b. ZUS. Faselhans, m. Fasel-Hanß ebend. faseln, v.: sich fortpflanzen, s. Fasel. Fasen, m.(-s, Pl. wie Sg.), Fase, f. (Pl.-n): sich absondernder Faden oder Faden- artiges. Mhd. vase m. f.«Faser, Franse, Ein- fassung, der Saum eines Gewandes», ahd. faso m. und fasa f.; dazu mnd. vese, vesen f.«Fasery, ags. ſs n.«Fransey. Auch er- weitert zu Fasel(Alberus Dict. Q3 b, noch bei Ludwig 1716), entsprechend ndl. vezel f. Dazu das Dimin. Fäs-chen(s. d.). Hierher wohl auch(mit Ablaut) mhd. vese, ahd.-and. fesa f.«Fruchtbalg, Spreu, unenthülster Spelts. Weitere Anknüpfungen bei Osthoff Btr. 18, 249(unwahrscheinlich), Pedersen Idg. Forsch. 5, 67 zu russ. päsmo n. Gebinde, Fitze, Strähney, Prusik KZ. 35, 601, Uhlenbeck Btr. 26, 290. 481. fasen, auch faseln, v.: Fäden aus- und abzupfen, refl. sich fasen: Füden, die sich lostrennen, gehen lassen. Spätmhd. vasen. ZUS. fasennackt, fasel- nackt, adj.: nackt bis zum letzen Fasen am Leibe. Im 17. Jh. Faseöle, f.(Pl.-/): eine Art Bohnen. Mhd. phasöl, vasöl, vasæl f., aus gr.-lat. Phaseolus, gr. qachiokoc, GocioXoc, Nebenform von gr. lat. phasélus, gr. dchXoc m.«Schwert- bohnes. Auch Faséle und Fisöle(s. d.). Faser, f.(Pl.-n): sich ablösender Faden; Fadenartiges, z. B. an Pflanzen; fadenförmiger Körperteil. Spätmhd. vaser f.«Fransey. Ab- geleitet von Fasen, s. d. 4 B. faserig, adj.: sich ablösende Fasern an sich habend. Bei Krämer 1678 fasericht, bei Rädlein 1711 fäsericht. fasern, v.: Fasern ausziehen, refl. sich f.: sich ablösende Fasern gehen lassen. Bei Krämer 1678. Fasnacht, s. Fastnacht. Faß, n.(Gen. Fasses, Pl. Fässer): hohler, tiefer, beweglicher Behälter zur Aufnahme von etwas. Mhd. vaz, ahd. fag n.«Faß, Ge- füß, Schrein, Bienenkorb» usw.; dazu asächs. fat, ndl. und danach engl. vat, ags. fot, anord.-schwed. fat(Plur. föt«Kleider»), dän. fad n.; dazu das Koll. mhd.(mit Ablaut) gevcze, ahd. givãzi n.(S. Gefüßz), das in seinem Vokal mit ags. fchtels n. Gefäßy, ſcνted«ge- schmückt», und got. fétjan«schmücken', eig. «umhülleny übereinstimmt. Verwandt ist lit. püodas m. Topf, Gefäßs. Weitere Vermu- tungen bei Walde s. v. patro. Die ursprüng- liche Bed. war allg.«Hülle, Umschließungy, vgl. fassen. ZUS. Faßbinder, m.: Büttner, spätmhd. uazbinder. Fassäde, f.(Pl.-n): Stirn⸗, d. i. Giebel- seite. Aus dem gleichbed. franz. fagade f., von franz. face f.«Gesicht, Vorderteil eines Gebäudes⸗, das auf lat. facies f.«Antlitz» beruht. Bei Wächtler 1714. fassen, v.: worein zusammenpacken; wo- rein befestigend umgeben;(körperlich oder geistig) zusammen in sich aufnehmen; wo- mit(abstrakt mit einem Sinne oder dem Ver- stande) festnehmen und-—halten; in seine Ge- walt bekommen oder bringen. Refl. sich f.: sich zusammennehmen, sich zu festem Sinne sammeln. Davon das Part. Prät. gefaßt als Adj.: gerüstet, mit festem Sinne bereit. Mhd. vazzen, ahd. fazzön zusammenpacken, auf-, beladen, umschließen, in sich aufnehmen, kleiden, bekleiden, rüsten», refl. sich vazzen auch«gehen», eig.«sich wohin fertigmachen?; dazu ndl. vatten, fries. fatia, ags. fatian, engl. to fetch,(entlehnt) schwed. fatta, dun. fatte. Abgeleitet von Faß(s. d.), also eig.«mit einer Hülle versehen und in eine Hülle, Um- schließung aufnehmen, in einer Hülle zu- sammenhalten machen, woraus sich die Bed. von«ergreifen» usw. entwickelt hat. S. auch Vessel, Fetzen. 4L. Fassung, f.: Hand- lung des Fassens;(zum refl. sich f.) Samm- lung und Haltung des Gemütes. Mhd. vaz- zunge f.«Umkleidung, Bekleidung, Schmuck». Die 2. Bed. erst bei Adelung. faßlich, adj. u. adv.: im Geiste aufnehm- bar, der Fassungskraft angemessen. Bei Stieler 1691. Fassön, f.(Pl.-s): Gestalt, Form; An- stand. Aus franz. façon f.«Art und Weise des Tuns», ital. fazione f.«Gestalt), das auf lat. factio f., das«Machen» zurückgeht. Bei H. Sachs 7, 187 kleidung seltzamer art und faction; 1562 bei Mathesius Sarepta 14² u. 69 b Fazon, auch noch bei Moscherosch 2, 113. fast, adv.: stark annähernd. Alternbd. auch in der Bed.«sehr, tüchtig»(oft bei Luther, altertümelnd noch bei Schiller Tell 2, 2). Mhd. vaste, ahd. fasto, fest«eng sich anschließend, dicht, hart an, nahe an?(wo- her der heutige Sinn von«peinahe»),«sehr, schnelly, ist das Adv. von mhd. veste, ahd. festi, s. fest. Faste, f., meist im Plur. Fasten: Ent⸗ haltung von aller Speise oder doch von Fleischspeisen, sowie die Enthaltungszeit, bes. 505 Fasteltag faul 506 die 40 Tage unmittelbar vor Ostern. Mhd. vaste, ahd. fasta f.; dazu asäãchs.- anord.-schwed. fasta f., dän. faste, und mit abweichender Bildung asächs. fastunnia, ndl. vasten, ags. fœsten f., got. fastubni n. Von fasten, v.: sich der Speise enthalten, mhd. vasten, ahd. fastén; dazu ndl. vasten, ags. ſcœstan, engl. fast, anord.-schwed. fasta, dän. faste, got. fastan, das auch noch die ursprüngliche Bed. cbeobachten, halten, bewahren, festhalten? hat. Abgeleitet von fest, s. d. Fasteltag, s. Fasttag. fasten, s. Faste. Fastnacht, f.: der Tag vor Aschermitt- woch, Beginn der großen Fasten. Alternhd. auch sehr häufig Fasenacht, Fassenacht(Al- berus Fab. 193), Fasnacht, Faßnacht(Schiller Wall. Tod 4, 7, Tell 1, 3), so im 16. Jh. bei Luther, Seb. Franck, H. Sachs, Fischart, auch vielfach in den Wörterbüchern(noch Ade- lung führt Fasenacht als Form des gemeinen Lebens an) und noch jetet fast in ganz Ober- deutschland. Mhd. steht vasenaht, vasennaht, vasnaht, vaschnaht(s. Fasching) neben vast- naht f., auch vastelnaht, diese Form ist aber, wie mnd. vastavend, vastelavend m. Tag vor der Fastenzeity(s. Sonnabend) zeigt, die ursprüngliche und hat nur verschiedentlich (nachdem mundartlich das t in vastnacht viel- fach ausgefallen war) eine Umdeutung er- fahren, namentl. mit Anlehnung an fasen cumherschweifen, sich albern benehmen)?, s. faseln. Redensart: kommen wie die alte Fastnacht: hintennach, zu spät kommen, weil wer zur alten Fastnacht(so hieß der erste Fastensonntag, der sechste Sonntag vor Ostern) noch kam, um zu tanzen und zu springen, zu spät kam, denn da war laute Lustbarkeit nicht mehr erlaubt. Fasttag, m.(-es, Pl.-e): Tag, an dem gefastet wird. Mhd. vastetac, vasttac, ahd. fastatag m.; dazu anord. föstudagr m., schwed.- dän. fastedlag. Zusammengesetzt mit Faste, s. d. Daneben Fasteltag(Jer. 36, 6), schon mhd. auch vasteltac, mnd. vasteldach. Faszikel, m.(-, Pl. wie Sg.): Bündel, Heft. Aus lat. fasciculus m. Bündel», dem Dim. von fascis m. Bund»(s. Faschine). Bei Wächtler 1714 Fascicul. fatãl, adj.: verhängnisvoll, unheilbringend; widrig, unselig. Von lat. fãtãlis«vvom Schicksal bestimmt, verhängnisvoll, verderblich», abge- leitet von fätum n.«Götterspruch, Schicksal, Verhängnis». Schon im 17. Jh. in der 2. Bed. (Schupp 245). 4BL. Fatalität, f.(Pl.-en): unvermeidliches Schicksal, Mißgeschick. Aus dem gleichbed. lat. fãtalitas f. 1634 in den Mitteil. d. Ver. f. Gesch. d. Deutschen in Böhmen 7, 223. Fata Morgäna, f.(Pl. F. morganen und morganas): Luftspiegelung. Schon mhd. fã- murgän als Eigenname. Aus ital. fata morgãna f., dessen erster Bestandteil«Feey bedeutet (S. d.), während der zweite der arab. Frauen- name Morjäna, Morgäna ist. fatzen, v.: scherzen, Possen treiben; zum besten haben; plagen, foppen. Seit dem Ende des 15. Jh. Von FatzZz f.«beißender Witz, Spöttereiy, bei Stieler 1691, Plur. Fatzen Lotterbuberei», bei Duez 1664, und dieses gekürzt aus lat. facétia f.«Witz, Scherzy, Pl. facétiae«witzige Reden». Vgl. auch ital. fazio m.«Possenmacher„. 4BL. Fatzke, m.(-4, Pl.-n): läppischer Mensch. In der neuern Berliner Umgangssprache, mit der bei Eigennamen häufigen Endung-ke gebildet. Im ältern Nhd. bestand Fatzmann, Fatzbub, Fatznarr m. Possenreißer, Hansnarr?. Fatzenétlein, s. unter Schnupftuch. fauchen, v.:(von Katzen, Eulen usw.) blasen, schnaufen. Mhd. dafür pfüchen, das auch nhd. noch als pfauchen vorkommt und in Osterreich und Bayern noch so geschrieben wird. Lautnachahmend. faul, adj. u. adv.: sich in Verwesung auf- lösend; Mangel an Kraftanwendung äußernd; nichtsnutzig. Mhd. vhl«verwesend, träge, schwachs, ahd. fal nur in der 1. Bed.; dazu ndl. vuil«schmutzigy, ags. fül, engl. foul, anord. füll, schwed.-dän. ful, got. fäls, urspr. s. V. a.«Verwesungsgeruch von sich gebend, stinkend. Die Wurzel zeigt sich ohne das k-Suffix in anord. füůi m. Fäulnis», füinn «verfaulty, fegja«verfaulen lassen), füna cfauleny. Es gehört zu aind. päj«verwesen, stinkeny, aw. pufeiti«wird faul», arm. ha ceiteriges Blut», lit. püwi, päti«fauleny, pülai m. Pl.«Eitery, lat. pätére«faul riechen, stinkens, püs n. Eiters, gr. müßeiv«faulen macheny, moöov n. Eitery. 4L. Fäule, f., mhd. viule, ahd. fnll f. faulen, v.: faul- werden, mhd. vülen, ahd. falén. faulenzen, v., mit dem Suffix-enzen gebildet(s. d.), urspr.«nach Faulsein riechen», dann der Neigung zum Faulsein sich hingeben». Nach Heynatz 1796 obd., frühnhd.(auch bei Luther), schon spätmhd. erscheint wülezen cfaulicht schmeckeny(vulazen im Voc. Schröer 32), 507 Faum fechten 508 dann auch faulenzen; früher auch faullenzen geschrieben, indem das Wort als zusammenges. mit dem Eigennamen Lenz betrachtet wurde, vgl. der faul Lenz bei H. Sachs Fab. 48. Davon Faulenzer, m., auch Hilfsbuch,-tafel zum mühelosen Rechnen usw.. Bei Luther, sonst frühnhd. auch Faulenz. Faulheit, f., mhd. vnlheit f. faulicht, faulig, adj., mhd. dafür vällich, mit-lich gebildet. Fäulnis, f., ahd. fulνιsse, dann erst wieder im Nhd. aufkommend(bei Frisch 1741 Füulniß). ZUS. Faulbaum, m.: die Holzpflanze rhamnus frangula, nach dem fauligen Geruch der Rinde bei ihrem Absud zur Gewinnung eines Heilmittels benannt; ahd. falboum m. Faul- bett, n.: Bett, worauf man sich der Un- tätigkeit hingibt; bei Luther. Faulpelz, m.: der Faulheit hingegebener Mensch, urspr. der Pelz, die Haut, die Faulendes überzieht. Bei Campe 1807 noch nicht verzeichnet, aber in der Schweiz schon in alter Zeit belegt, vgl. Schweiz. Id. 4, 1224. Faultier, n.: ein außerordentlich träge sich bewegendes Säugetier. 1775 bei Adelung. Faum, s. Feim. Faun, m.(-es, Pl.-e): bocksfüßiger Feld- und Waldgott; Lüstling. Aus lat. Faunas m. Im 18. Jh. in deutscher Form, aber im lat. Gewande schon im 14. Jh. bei Megenberg 157, 25. 4BL. faunisch, adj. u. adv., bei Wieland Idris 5, 83. Fauna, f.(Pl. Faunen): die Tierwelt eines Landes. Von Faunus. Im 18. Jh. Faust, f.(Pl. Fäuste): geballte Hand. Mhd. vüst, ahd. fnst f.; dazu ndl. valst, ags. ſyst f., engl. fist, nord. nicht vorhanden. Als Grundform wird* fanhsti- anzusetzen und Verwandtschaft mit dem gleichbed. abg. pęstꝰ f. anzunehmen sein, weiter dazu Finger(s. d.); andre vermuten unwahrscheinlich Zusammen- hang mit gr. uꝓ*τν f., lat. pugnaus m.«Faust». 4BL. Fäustel, m.(-s, Pl. wie Sg.): schwerer eiserner Hammer der Bergleute. Bei Agricola und Mathesius Sar. Fäustling, m.(-, Pl. -e): Handschuh ohne Finger, mhd. viestelinc, ahd. fêstilinc m.; Sackpuffer, Pistole, bei Stein- bach 1734. ZUS. Fausthammer, m.: Streit- hammer, im 16. und 17. Jh.; Gerichtsdiener, früher am Oberrhein, benannt nach der Waffe, die er führte, noch bei Wagner Kinder- mörderin(5. Akt). Faustpfand, n.: in die Hand gegebenes Pfand. Noch nicht bei Campe. Faustrecht, n.: bloßes Recht des Stärkern, bei Luther. jemand F. schneiden). Fauteüil(-s, Pl.-s): Lehnsessel. Aus gleichbed. franz. fauteuil m., afranz. faldestuel, das auf ein germ.*faltstuol(s. Feldstunl) zurückgeht. 1727 bei Sperander. Favorit, m.(en, Pl.-en): Liebling. Aus dem franz. Adj. favort, favorite, das aus ital. favorito stammt, von lat. füvor m. Gunstꝰ. Schon 1601 bei Albertinus geistl. Spiegel 13 5b. Davon Favorfte oder Favoritin, f., 1791 bei Roth. Faxe, f.(fast nur im Pl. Faxen): spaß- hafter Einfall; Narrensposse; närrische oder wunderliche Gebärde(Goethe 31, 209 hinter Späte Bildung(im Bremischen Wbch. 1767, bei Adelung 1775), die wie die gleichbedeutenden Firfac m. und westfal. hess. Fiksefalse f. zeigen, auf fichfacken(s. d.) zurückgeht. Fayénce, früher Faiénce, f.: Halbporzellan. Das franz. falence, früher fagence f., genannt nach dem Fabrikorte Faenza(lat. Faventia) in der heutigen Romagna. Bei Jacobsson techn. Wb.(1781) Fajanze, fajanzer Geschirr. Fazit, n.(-S, Pl.-s): Ergebniszahl einer Rechnung. Das lat. facit«es machty. Be- reits 1514 in Böschensteyns Rechenbuch A 42. Februar, m.(-s, Pl.-e): der zweite Monat im Jahre. Aus lat. februdrius m., benannt nach dem jährlichen Reinigungs- und Sühn- fest(februa, Pl.), das in der 2. Hülfte des Monats stattfand. Der deutsche Name ist Hornung, s. d. Fechdistel oder Fehdistel, f.: Marien- distel, carduus marianus. Mhd. véchdistel m., zusammenges. mit véch«mannigfaltig»(s. Fehe), der Name wegen der schönstreifigen gefleckten Blätter. Fechser, m.(-s, Pl. wie Sg.): Rebzweig als Setzling. Frühnhd.(1482 im voc. theut. b5 b fechser), bei Luther mit md.-nd. Schwinden des ch Feser. Wohl zu mhd. dehsenen ceinernten, heimsen, nehmen», bayr.-öster. fechsen«ernteny. fechten, v.(Prät. focht, Part. gefochten): mit der Waffe tätlich entgegen sein; über- haupt Kampfbewegungen machen;(von den Handwerksburschen) betteln. Die 3. Bed. (schon bei Krämer 1678 angegeben) stammt wohl noch aus der Zeit, wo, namentl. zu Nürnberg und Breslau, eigne Fechterspiele und Fechtschulen für Handwerker bestanden, zu denen diese hin- und herreisten. Mhd. véhten, ahd. fehtan; dazu asächs. fehtan, ndl. vechten, afries. fiuchta, ags. feohtan, engl. fighl, 509 Feder Fehde 510 anord.-got. fehlend. Verwandtschaft mit gr. nd?«mit der Fausty, urpi f., lat. pugnus m. Fausty, ist möglich auch ohne die Annahme, daß das Verb urspr. der u-Klasse angehört habe und vom Prät. Plur. und Part. aus zur e-Klasse übergetreten sei, wenn man idg. *pewelc ansetzt. Beziehung zu lat. pectere, gr. néxeiv«kämmen)y, lit. pesti«rupfen? ist unwahrscheinlich. Vgl. Osthoff Parerga 1, 369 ff., Beitr. 27, 343, Lagercrantz KZ. 34, 401, der gr. eukdx«Oο;c, exeneuxéc vergleicht. Das Prät. flektiert ahd. faht, Plur. fahtum, mhd. vaht, vahten, aber auch vühten, im ältern Nhd. facht, fochtest, Plur. fochten(so bei Clajus), dagegen später focht, z. B. Fischart Garg. 297, Zesen Ibr. 1, 527, bei Schottel fochte. Das Präs. gibt zuweilen den Vokalwechsel auf und bildet fechtest(schon bei Schottel neben fichtest), Imp. fechte. 4BL. Fechter, m. (N, Pl. wie Sg.), mhd. vehtœre, ahd. fehtérti m. ZS. Fechtboden, m., im 17. Jh.(Schupp 268). Fechtmeister, m., bei Dasypodius 1537. Fechtschule, f., 1540 bei Alberus Dict. J 22 fechtschuol und 1521 bei Emser(Neudruck Nr. 83) S. 9 fechtschul. Die Redensart es stinket in der Fechtschule bed.«die Sache geht übel, es ist nichts dahintery, eig.«es entspricht der Ankündigung oder Erwartung nicht». Feder, f.(Pl.-n): einzelner Teil der natürlichen Körperbekleidung des Vogels; zum Schreiben bereiteter Gänsekiel, dann dessen Ersatz von Stahl; elastisches Stück Stahl. Mhd. vedere, veder, ahd. fedara f.; dazu asächs. fethara, ndl. veder, ags. feder, engl. feather, anord. Hödr, schwed. jäder f., dän. ſjär und weiter mit Ablaut gr. mrepov n. «Flügel», zu rerechoi fliegen», aind.-patra in gatãpatras OO Federn habend, pãtatram n. « lügel⸗, zur Wurzel*pat«fliegen, akymr. atar«volucresy, abg. pero n.«Federy, viel- leicht auch lat. penna f. Feder» aus rpetna vgl. Walde s. v. 4BL. federn, v.: elastisch sein, bei Adelung; älter ist fledern in befiedern usw. ZUS. Federbett, n., mhd. véderhette, ahd. fedarbetti n. Feder- busch, m., bei Dasypodius 1537. Feder- fuchser, m.(bei Schiller Kab. u. L. 1, 2 Federnfuchser): Schreiber, eig. wohl der an- gestrengt mit der Feder arbeitet, s. fuchsen. federleicht, adj., im 17. Jh.(Harsdörfer Gesprächsp. 2, 372). Federkraft, f.: Ela- stizität, bei Adelung. Federlesen, n.: niedrige Schmeichelei, eig. das Ablesen an- geflogener Flaumfedern von den Kleidern höherstehender Personen. Schon mhd. veder- lésen als substantivierter Inf. Jetzt nur noch in den Wendungen ohne Federlesen ohne Rücksicht), nicht vwiel Federlesens machen cnicht viel Umstände machen». Feder- messer, n.: Messer mit kleiner Klinge, eig. zum Federnschneiden, bei Henisch 1616. Federpose, s. Pose. Federspiel, n.: zur Beize abgerichteter Vogel, mhd. vederspil, vgl. Spiel. Federvieh, n.: Geflügel, 1551 bei Petrarca Trostb. 56 b Federvieh, im 15. Jh. bei Diefenbach nov. gl. 182 vederve. Feder- weiß, n.: Federalaun, Asbest(1562 bei Ma- thesius Sarepta 173 b. Vorr. a 7⁴); am Rhein der schäumende milchig-trübe Most. Feder- wisch, m., mhd. véderzwisch m., vgl. Fleder- Wisch. Fee, f.(Pl.-n): geisterhaftes, Schicksal bestimmendes weibliches Wesen. Aus dem gleichbed. franz. ſεe, ital. fata, span. fada, hada f., zurückgehend auf das im 3. Jh. n. Chr. vorkommende lat. fäãta«Schicksals- göttin, Parze?, Plur. von fätum n. Götter- ausspruch, Schicksalꝰ. Schon mhd. nach einer afranz. dialektischen Form feie, auch feine f., auch älternhd. noch Fei, Feie, bei Adelung als mundartlich neben Fee. Vgl. feien. 4BL. feenhaft, adj., bei Campe 1807 als neugebildetes Wort. fegen, v.: schön, glänzend, rein, sauber machen; schnell laufen(im 16. Jh.). Mhd. vegen, and. vegon«putzen, plätten», mnd.-ndl. vegen, sonst nicht vorhanden. Dazu das Fak- titiv anord. fœõgja«glänzend machen, reinigen', schwed. féja«poliereny, dän. feie«kehren», ferner mhd. vager, ahd.-asächs. fagar, ags. fœger, engl. fair«schön, glänzend, lieblichy, got. fagrs«passend, geeignet», sowie viel- leicht auch mhd. dagen, ahd. fagön ewill- fahren, ahd.-got. faginön sich freuen». Weitre Vermutungen bei Walde s. v. paciscor. 4B L. Feger, m.(-s, Pl. wie Sg.): wer fegt; Schläger, Raufer, tüchtiger Kerl. In der 1. Bed. im 17. Jh., in der 2. Bed. bei Campe. ZUS. Fegefeuer, n.: das Feuer der Rein- machung von Sünden nach dem Tode, mhd. vegeviur n. Feh, s. Fehe. Fehde, f.(Pl.-n): erklärte, nach Genug- tuung trachtende Feindschaft; Zwietracht. Mhd. véhede, zusammengezogen véde, ahd. féhida in gaféhida f.«Haß, Feindschaft, Streit; dazu ndl. veede f.«Fehdey, ags.*hct f.«Streit, Rachey. Dies ist abgeleitet von dem Adj. 511 Fehe 1 Feifalter 512 mhd. véch(in gevéch), ahd. feh,(in giféh) cfeindselig», ags. fäãh«verfehmt, der Rache und Verfolgung ausgesetzt», engl. foe«Feindy, dazu das abgeleitete Verbum mhd. véhen cfeindselig sein, hassen, verfolgen», ahd. féhen, asächs. a-fehian«verurteileny. Weiter gehört got. faih n. Betrug» hierher. Verwandt ist altir. oech(aus*poixos)«Feindy, lit. piklas chösey, peskti«tadeln, paölcas«töricht, dummꝰ, aind. picunas«böse gesinnt, verräterisch, ver- leumderisch», lat. piget«es verdrießt michy, s. Walde s. v. Im ältern Nhd. ist das Wort (das z. B. in der Carolina vorkommt) wenig gebräuchlich(doch führen es die Wörter- bücher meist an), und erst in der Lit. des 18. Jh. wird es wieder aufgenommen. 4L. fehden, v., in befehden, mhd. véhedden be- kriegen». ZUS. Fehdehandschuh, m., s. Handschuh. Fehe, Feh, auch Fähe f.(Pl.-/): das sibirische graue Eichhörnchen, sowie sein Fell, dessen Haar verschiedene Farben- schattierung hat. Die neue Orthographie wirft Fehe und Fähe(s. d.) zusammen. Mit Wechsel des Geschlechts aus mhd. véch n. cbuntes Pelzwerk», eig. das substantivisch gesetzte Neutr. des Adj. mhd. véch, ahd.-and. féh, ags. fãh«verschieden-, mehrfarbig, buntꝰ, got. faihs in filafaihs«mannigfachy. Ver- wandt ist gr. roucikoc cbunt», aind. puru-pégas «vielgestaltig, bunt», peçalãs«künstlich ver- ziert» und lat. pingo mit seiner Sippe. Vgl. Walde s. v. Fehl, m.(-es, Pl.-e): Mangel, Mangel- haftigkeit, Versehen, Vergehen. Mit Wechsel des Geschlechts(nach Mangel) aus mhd. vœle, vœl f.(namentlich in ãne, sunder vœl), zurückgehend auf afranz. faille, ital. falla, altital. faglia f.«Fehlery(abgeleitet von lat. fallere«täuschen»). Luther hat die Form feil, die auch noch im 17. Jh., z. B. bei Gryphius, vorkommt, dagegen Alberus Dict. y 1 b fecl, Dasypodius und Maaler fäl m. Dies Fehl erscheint bereits frühnhd. auch in Zusammensetzungen mit Substantiven, z. B. Fehlbitte(bei Luther feilbitte), Fehlgriff (bei Luther feilgrif), Fehlschuß(bei Luther feilschuß), Fehltritt(Mathesius Luther 74 5b feiltritt), dann auch mit Verben, z. B. fehl- gehen, fehlschlagen(bei Krämer 1678). — fehlen, v.: ohne Erfolg woraufhin tätig sein, nicht treffen; unrecht für recht handeln oder tun; nicht dasein, mangeln. Mhd. vcœxlen, selten veilen(auch unpersönl. ez vclet eines dinges«es mangelt»), wie mnd. veilen, ndl. feilen, engl. fail, schwed. fela, dän. feile, ent- lehnt aus franz. faillir«irren, mangeln, fehl- schlagen?, das mit ital. fallire auf lat. fallere ctäuschen» zurückgeht. Luther hat feilen, aber Dasypodius 1537 fehlen. 4BE. fehlbar, adj., bei Stieler 1691. Fehler, m.(-s, Pl. wie Sg.), urspr. s. v. a. Fehlschuß im Gegen- satz zum Tyreffer(so fäler bei Keisersberg, Fischart Garg. 285, bei H. Sachs Fastnachtssp. 24, 174 Fehler), dann in der jetzigen Bed. bei Maaler 1561 fäler, später das ältere Fehl zurückdrängend. Davon fehlerhaft, adj., 1763 bei Nieremberger 2b. ZUS. Fehl- schluß, m., 1739 bei Liscow 771. Fehm, m.: Heuschober, s. Feimen. 1 Fehme, f.: Buchen- und Eichelmast. Aus dem N., schon mnd. veme f. Da das Wort sonst nicht belegt ist, läßt sich seine Her- kunft nicht ermitteln, gr. noisfvy m. Hirt? könnte verwandt sein. 4BL. fehmen, v.: in die Buchen- und Eichelmast treiben. ² Fehme, Freigericht, s. Feme. Fehwamme, f.: Bauchfell des sibirischen Eichhörnchens. Zusammenges. aus Fehe(s. d.) und Wamme(s. d.). Bei Adelung. feien, v.: Körper oder Waffen durch Zauber fest machen. Von Feie, mhd. feie, s. Fee. Erst seit Anfang des 19. Jh.(Rückert 1, 199). Vgl. mhd. feinen«mit Zauberkraft begabeny. Feier, f.: durch Ruhe von Arbeit be- gangene und ausgezeichnete Zeit; Festlichkeit. Mhd. vore, ahd. fira, förra f.«kirchliches Fest, Ruhe von Arbeit», mit 7 für verlängertes e aus mlat. ferid(lat. im Pl. feriae)«Ruhe- tag(s. Ferien),«mit gottesdienstlicher Hand- lung begangener Tag). 481. feierlich, adj., mhd. virelich. Davon Feierlichkeit, f., bei Adelung. feiern, v.: 1) intr.: von Arbeit ruhen; arbeitslos sein;(mit Dat.) Verehrung, rücksichtsvolle Höflichkeit be- zeigen(noch im 18. Jh.). 2) trans.: arbeitslos lassen; durch Ruhe von Arbeit begehen und auszeichnen; verherrlichen. Alternhd. feiren, mhd. viren, ahd. firön, and. firion, aus mlat. feriare feierlich begehens, lat. féridri«Ruhe-, Feiertag habem. ZUS. Feierabend, m., mhd. vräbent m. Vorabend eines Festes», früh- nhd. auch«Beginn der Ruhezeit am Abend» (Liliencron 3, 408), dazu ndl. vieravond m. Feiertag, m., mhd. viõretac, ahd. firatag m., ndl. vierdag. Feifalter, Schmetterling, s. Pfeifolter. Piget. 513 Feifel Feim 514 Feifel, f.(Pl.-/): Speichel-, Drüsen- krankheit der Pferde. Spätmhd. vövel f., bei Duez 1664 feibel, aus ital.(Plur.) vivöle, mlat. vivolae(neben viuae). feig, feige, adj. u. adv.: mutlos aus Furcht. Mhd. veige bedeutet wie asächs. fégi, nd. veege, ndl. veeg, ags. fïge, engl. foxy, anord. feigr«vom Verhängnis zum Tode, zum Unglück bestimmt, sterben sollend und müssend», dann auch«verhängnisvoll, unheil- bringend, verflucht, nichtswürdige(so auch vereinzelt ahd. feigi), im 16. Jh. auch«frech; spät und selten erscheint die Bed.«furcht- sam(eig.«der Todesfurcht hingegeben»), «schüchtern»(auch in überveigen ceinschüch- tern*). Herkunft unsicher; vielleicht besteht Verwandtschaft mit den bei Fehde angege- benen Worten, so daß die Grundbed. den Göttern verhaßty, dann zum Tode, Ver- derben bestimmt» sein wird. Anders Zupitza Germ. Gutt. 189 zu féch«bunts, eig.«mit einer Marke versehen»; Bezz. Beitr. 27, 176(zu lit. palkas«dumm). Die Verbindung mit aind. pakvãäs creif»(Osthoff Kuhns Ztschr. 23, 427) ist lautlich unmöglich. Vgl. noch Walde s. v. Auf die Grundbed.«dem Tode ver- falleny führt die beim Bergwesen übliche Bed. cnicht fest zusammenhaltend, den Ein- sturz drohendy(vom Gestein) zurück. Bei Luther häufig in der jetzigen Bed., die dem Obd. urspr. fremd ist, dann aus der Bibel- sprache allgemein geworden. 4L. Feig- heit, f., mhd. veicheit f. bedeutet«Unselig- keit, Unheil. Feigling, m., erst gegen Ende des 18. Jh. gebildet, bei Campe 1807 als neues Wort verzeichnet. Feigbohne, f.(Pl.-n/): die Pflanze lupinus. Mhd. vichöne, ahd.-and. †i„höna f., d. i. Bohne, die, gepulvert auf die Feigewarze(s. d.), mhd. vic m. n., gelegt, diese vertreibt. Feige, f.(Pl.-n): die süße Frucht des Feigenbaums. Mhd. vige, ahd. figa f., dazu asächs. figa, ndl. viig f., durch das Romanische (franz. figue f., span. port. figo m.) aus lat. ficus f. Im Got. dafür smalcka m., das zum abg. smokä f. gehört. Vgl. Schrader Real- lexik. 238. Redensart einen die F. weisen cdie Gebärde machen, daß man die zwischen dem Zeige- und Mittelfinger vorgestreckte Spitze des Daumens sehen läßty, zur Abwehr böser Zauberei und zu Spott und Verachtung (schon mhd. die wigen bieten, zeigen), nach dem ital. far le fiche; ital. fca f. bedeutet «das weibliche Glied und bildete sich neben Weigand, Deutsches wörterbuch. 5. Aufl. fico m.«Feige, wie gr. cOkov n. beide Bedd. vereinigt. ZUS. Feigenbaum, m., mhd. vigenboum, auch in eigentlicher Zusammen- setzung vichoum m. Feigenblatt, n., mhd. vigenblat n. Weidmännisch ist Feigenblatt, auch Feigblatt, das Geburtsglied des Wildes oder Jagdtieres; zusammenges. mit Feige «weibliches Glied», s. oben. Feigwarze, f.: geschwüriger Blutknoten am After, mhd. vicwarze, zusammenges. mit dem gleichbed. mhd. vic m. n., aus der lat. Benennung icus m., urspr.«Feigen, weil der Knoten feigen- äbhnlich schien. feil, adj. u. adv.: käuflich, verkäuflich. Mhd. veile, veil, ahd. feili, in ältern Quellen fali(oder fãli), feli, mit altem Ablaut, vgl. Meringer Idg. Forsch. 16, 151; dazu ndl. veile, aber anord. falr, schwed.-dän. fal. Verwandt ist gr. wheiv«Waren gegen Waren umsetzen, verkaufeny, ruhn f.«verkaufy, aind. pänas (aus*palmas) m.«der versprochene Lohn, Einsatz, Wettey, abg. pleni«Beute», lit. petnas m.«Verdienst). 43L. Feilheit, f.: leichte Käuflichkeit wozu, 1794 bei Friedr. L. Stolberg (9, 186). feilschen, v.: um etwas kleinlich in betreff des Preises handeln. Wohl mit sch für s nach ¹ aus feilsen, das noch älter- nhd. vorkommt, mhd. veilsen, veilschen. Feile, f.(Pl.„n): eisernes, stählernes Werkzeug mit schräg gezahnter Oberfläche zur Bearbeitung metallner usw. Körper durch Hin- und Herreiben. Alternhd. auch Feiel, Feihel(bayr. Feichel), mhd. vihele, zusammen- gez. vile, ahd. fihala, fila f., dazu and. fila, ndl. vijl, ags. fεo³ f., engl. file, anord. aber mit an- derm Spiranten 5 ã² f., schwed. aus dem Deut- schen fil f., dän. fil. Herkunft unsicher. W9egen des anord. pé! wird man von urgerm.*Piohla ausgehen müssen. Vgl. zur Etymologie Mik- kola Idg. Forsch. 6, 312, Zupitza Gutt. 64, Meringer Idg. Forsch. 16, 161. 4B. feilen, v., mhd. vihelen, viheln, vlen, ahd. Fihalön, filön. Feilicht, n.: Abfälle beim Feilen, bei Henisch 1616 für älteres Veilich. ZUS. Feilenhauer, m.: Feilenmacher, weil die Zähne der Feile eingehauen werden. Bei Stieler 1691. Feilheit, feilschen, s. feil. Feim, m.(-S, Pl.-e): obenauf sich setzender Schaum, Unreinigkeit. Mhd. veim, ahd. feim m.; dazu ags. fäm n., engl. foam. Nebenform Faum, 1605 bei Hulsius, Faumlöffel im 15. Jh. bei Tucher Baumeisterb. 289, 2. Verwandt sind,(mit idg. Wechsel von m und n) lit. 33 515 Feimen Feleh 516 pienas m. Milch»(eig. wohl«Milchschaum), abg. pena f., aind. phénas m.«Schaum⸗ und mit s im Anlaut lat. späma f. Schaum, Gischty(dazu pümex«Bimsstein»), apreuß. spoaumo«(Schaum»y, lit. späiné«Schaumstreifem. 4B E. feimen, v.: den Schaum abnehmen, mhd. veimen, ahd. feimon in H=feimön. Neben- formen faunen(1691 bei Stieler) und feumen (1616 bei Henisch). Vgl. abfeimen. Aus dem älternhd. faumen, feumen, hat sich dann ein Subst. Faum(s. o.) entwickelt. Feimen, m.(-s, Pl. wie Sg.), Feim, m. (*s, Pl.-e): aufgeschichteter Haufe von Garben oder Heu. Zunächst aus dem Nd., mnd. vinte m. f., mit der Nebenform vine, dazu ahd. pina in awitufina, ags. ⁴duafin f.«Holzhaufe?; ferner das mnd. gleichbed. dome m.(jetzt landschaftlich Diemen), das auf Wechsel des Spiranten im Anlaut(s. Feile) hinweist. Un- klar ist das Verhältnis zu ndl. vim f.«Haufey, mnd. vimme m. f. aus asächs. fimba in dran- fimba f.«Getreidehaufe»). S. auch Feme. Unbekannter Herkunft. Im Hd. findet sich Feimen bei Comenius 1640, dagegen bei Schottel 1663 Fime, Adelung hat Fehm, Fehmen und weist Feim, Feimen den ge- meinen Mundarten zu. fein, adj. u. adv.: dünn, zart; zart in Wahrnehmung oder Empfindung; ausgezeich- net an Reinheit und Vorzüglichkeit bis ins kleinste. Mhd.(seit dem Ende des 12. Jh. aufkommend) vin dünn, zart, kunstreich, schöny; mit ndl. vijn, engl. fine, anord. finn, schwed. fin, dän. fiin entlehnt aus franz. fin, ital.-span. fino, urspr.«vollkommen, echt, lauter», zurückgehend auf ein mlat. finas, das für lat. finätus, Part. Perf. Pass. von Finire«endigen» eingetreten ist und die Bed. cvollendet, vollkommen» angenommen hat. 4B2. feinern, v., in verfeinern, gebildet vom Komp. feiner. Feinheit, f., 1482 im Voc. theut. h 62 feynheit. ZUS. feinfühlig, adj., 1808 bei Campe. Feind, m.(es, Pl.-e): Gegner aus Haß. Dann auch adjektivisch feind in prädika- tivem Gebrauch. Mhd. vönt, zusammengez. aus went, viant, ahd. flant m.; dazu asächs. Frund, ndl. vijand, ags. féond, engl. fiend, afries. fĩand, anord. ſãndi, schwed.-dͤn. fiende, got. fijands, eig. das als Subst. erhaltene Part. Präs. von ahd. †lοn, ags. féon, got. fijan chasseny, vgl. Freund, Heiland, Weigand. Dies gehört mit got. faian«tadeln» zu aind. pi-«schmähen, hasseny». 4BL. feinden, v.: in an-, be-, verfeinden, mhd. venden. Feindin, f., mhd. vondin, viendin, ahd. fiantin. Feindio, Interj.: Feinde da! Mhd. würde wentä ent- sprechen, vgl. Feurjo, Mordio. feindlich, adj. u. adv., mhd. voõntlich, wentlich, ahd. plantlih, ags. feondlic. Feindschaft, f., mhd. vintschaft, ventschaft, ahd. flantscaft f., asächs. frundscepi, ags. féondscipe m. feind- selig, adj. u. adv. Auf ein mhd. nicht er- haltenes vontsal n. zurückgehend, erst frühnhd. (bei Brack 1495, auch bei Luther). Feinsliebehen, n.: zartes, schönes Lieb- chen. Im 16. Jh. Feinslieh, Zusammenschie- bung mit dem Nom. Sg. feins, der in andern Kasus unverändert bleibt. Das Dim. F. wurde in der 2. Hälfte des 18. Jahrh. ge- läufig. feist, adj.: fett, dick. Im ältern Nhd. auch feißt, mhd. veizet, veizt, ahd. feizit, and. feitit, ein ohne gi- gebildetes Part. Prät. von dem seltenen mhd. veizzen, ahd. feigzen, anord. feita«fett machen, mästenꝰ, das abgeleitet ist von dem mhd. Adj. veize, veiz gemästet, beleibt, fetty(noch jetzt in obd. Gegenden feiß), ahd. feig, and. feit, anord. feitr. Ebenso wie ahd. feizit ist ge- bildet ags. fcted, ſctt, daraus engl. gekürzt fat, ebenso ndl. vet, schwed.(entlehnt) fet, dän. fed, das aus dem Nd. ins Hd. aufge- nommene fett(s. d.). Verwandt ist viel- leicht gr. midbeiv aufquellen». Vgl. noch Walde s. v. opimus. 4 BL. Feistigkeit, f., spätmhd. veiztecheit f. feisten, v.: einen leisen Bauchwind gehen lassen. S. Fist, fisten. feixen, v.: grinsend das Gesicht ver- ziehen, urspr. wie ein Blödsinniger. Von Feix, Nebenform von Fex(s. d.), urspr. « Blödsinnigery. Erst im 19. Jh. Felbel, m.(-S), auch f.: Halbsamt von Seide und Garn. Von dem gleichbed. ital.- span.-port. felpa f., das nicht aufgeklärt ist. Bei Jacobsson technolog. Wb. 1784 Velpen, Velpel, Felbel. Felber, m.(-s, Pl. wie Sg.), bei Voß (Id. 12, 25) Fülber, f.: hochstämmige Weide, salix alba. Spätmhd. velzwer, spätahd. velare, felwar Weide, sambucus, paliurus, vibix, vincus, abgeleitet von mhd. velenwe, velzce, ahd. felawa, felioca f.«Weidey, und dies zu osset. färz, farawe&Erle. Felch, Felchen, m.(-s, Pl. Felche, Felchen), auch Felche, f.: eine im Bodensee vorkommende Salmart. Mhd. velche m. Da- 517 Feld Felleisen 518 neben auch Belch, Belchen, mhd. balche. Dunkler Herkunft. Vielleicht mit 1 aus r wie in dem alem. Kilche aus Kirche aus Ferch zu Forelle(s. d.). Feld, n.(es, Pl. Felder): Erdfläche; Fläche zum Fruchtbau; Schlachtfeld; Fläche in etwas. Mhd. velt(Gen. veldes), ahd. feld n.; dazu asächs. feld, ndl. veld n., afries.-ags. feld m., engl. field; ferner gehört hierher mit Ablaut asächs. folda, ags. folde, anord. fold f. Erde, Erdboden, Land. Verwandt ist aind. prthiut f.«Erde⸗, das Fem. zu aind. Prthlg „breity, gr. Xoruc, lit. platis æbreit», kelt. Letavia, ir. Letha, kymr. Litau«Armorica?, eig.«breites Land. Auch abg. polje n.«Feld» ist vielleicht wurzelverwandt. ZUS. Feld- bett, n.: in Feldlagern übliches, sägebock- artiges Bettgestell, bei Henisch 1616 Feldbeth. Feldflasche, f., im 16. Jh.(Fischart Garg. 317). feldflüchtig, adj.: fahnenflüchtig, im 15. Jh., während Feldflucht, f. früh im 16. Jh. vorkommt. Feldgeschrei, n.: er- mutigendes Geschrei beim ersten Angriff in der Schlacht(Jos. 6, 10. 16, 20); Losungs- wort der Soldaten als Erkennungszeichen untereinander. Feldgeschütz, n., im 15. Jh. bei Ehingen 27 und 1546 in Schertlins Briefen 91 als Kollektiv. Feldherr, m., bei Dasy- podius 1537. Feldhuhn, n.: Rebhuhn, mhd. velthuon, ahd. feldhuon n. Feldkümmel, m.: wilder Kümmel, mhd. veltkrümel m., auch s. V. a. Quendel, für das mhd. veltkonele, veltquenel, ahd. feldkonala, feldguenela f.(s. Cuendel) eingetreten. Feldmarschall, m. Im 16. Jh. dafür Feldmarschalk(Liliencron 4, 612, vom J. 1554, Schertlins Briefe 134 u. 164 von 1546), s. Marschall. Feldmesser, m. Verdeutschung des lat.-gr. geometer. 1616 bei Henisch neben Landmesser, was heute als amtlicher Ausdruck durchgedrungen ist. Feldprediger, m., 1617 bei Wallhausen corp. mil. 98. Feldscher, m.: Wundarzt beim Heer. Gekürzt aus dem schon im 16. Jh. vorkommenden Feldscherer(IH. Sachs Fab. 161, 83). Feldstuhl, m.: Stuhl zum Zu- sammenklappen. Entstellt aus Faltstuhl, mhd. valtstuol m., worauf das franz. fauteuil m. zu- rückgeht, and. faldistöl m. Feldwebel, m.: erster Unteroffizier. Im 16. Jh. dafür Feld- weihel(1535 bei Micyllus Tacitus 295 b), 1583 Felchoähel(Mone Anz. 8, 169), s. Weibel. Feldweg, m., bei Henisch 1616. Feld- weges bei Luther, mit vorstehender Zahl, z. B. 1. Mos. 38, 19, 2. Kön. 5, 19, gehört nicht hierher, sondern ist durch Anschieben des abhängigen Gen. Weges an Feld ent- standen, das hier, wie mhd. veld im Anno- lied 796, ein Bodenflächenmaß bedeutet.(in der griech. Bibel crddiov). Feldzeichen, n.: Fahne. Bei Luther. Feldzeug, n.: Ge- schütz, 1663 bei Schottel 486; bei Krämer 1678 als Mask. Daher Feldzeugmeister, m.: Artilleriegeneral, im 16. Jh. bei Frons- perger 2, 36 b, noch jetzt in Osterreich. Feld- zug, m., 1545 in Herbersteins Selbstbiographie Fontes rer. austr. I, 1, 366. 1Felge, f.(Pl.-n): eins der krummen Holzstücke des Radkreises; Ring des Metz- gers zum Ausspannen des Darmes beim Wurststopfen. Mhd. velge, ahd. felaga, felga f., auch and. felga, ndl. velg, ags. felg f., engl. fellg, dän.(entlehnt) fälge in der 1. Bed., 1482 felg(voc. theut. h 5 ²) in der 2. Bed. Vielleicht mit Ablaut zum folgenden, indem man von der Bedeutung«Krummholzy ausgeht, vgl. Wiedemann Bezz. Btr. 28, 20. 2Felge, f.(Pl.-n), Falge: das zweite oder dritte Pflügen; Auflockern des Bodens mit der Hacke; Brachland, das zum zweiten- mal gepflügt ist. Das ahd. felga f.«Eggey, dessen e durch Umlaut entstanden ist; dazu mnd. valge f.«Eggen des Brachfeldes, Brach- feldy, ags. fealh f. Eggey, mengl. falge f. Brachfeldy. 4 L. felgen, falgen v., zum zweiten- oder drittenmal pflügen, den Boden auflockern, mhd. velgen(Prät. valcte), valgen «umackerny; dazu engl. fallow«nach der Brache zum erstenmal pflügen. Fell, n.(es, Pl.-e): Tierhaut, im ver- ächtlichen Sinne auch Menschenhaut. Mhd. vel(Gen. velles), ahd. fel n.«Haut, auch vom Menschen»; dazu asächs. fel, ndl. vel, ags.-engl. fell, anord. ſjall(in Zusammen- setzungen), got. fill in Frutsfill n.«Aussatzy. Ubereinstimmend mit lat. pellis f.«abgezogene Tierhaut», und weiter zu gr. reXu n.«Sohle am Fußy(vgl. ags. flmen n.(ᷣHäutchen auf dem Auge, Vorhauto, engl. film). Vgl. Walde s. V. Pellis, J. Schmidt Kritik der Sonanten- theorie 102. Felleisen, n.(“s, Pl. wie Sg.): lederner Reisesack. Angelehnt an Fell und Eisen, älternhd. aber meist Felles, Fellis, Felleis (Co noch bei Stieler 1691, neben Felleisen, schon bei Comenius 1640), mhd. vel?s, ver- einzelt auch schon velisen. Mit ndl. valies aus dem gleichbed. franz. valise, ital. valigia f., deren Herkunft noch dunkel ist. 33* 519. Felonie fergen 520 Felonie, f.(Pl.-n): alles, was gegen Rittersitte verstößt; Bruch der Lehnstreue von seiten des Lehnsmannes, Treubruch am Herrn. Aus franz. ſélonie f. Verletzung der Vasallenpflichty, ital.-altspan. fellonia f. Ruchlosigkeit», von ital. fellone m., altspan. fellon«großer Bösewicht⸗, abgeleitet von ital. fello, afranz. fel«grausam, gottlos, treu- los», eig. wohl«Schindery, von ahd. fillen c«schinden, geiselny. Bei Nehring 1710. Fels, m.(Gen. u. Pl. Felsen), Felsen, (-s, Pl. wie Sg.): große Steinmasse. Mhd. vels, ahd.-asächs. felis m.(umgelautet aus falis) mit starker Flexion, daneben mhd. velse, ahd. feliso m.(auch felisa f.) mit schwacher Flexion. Ob anord. fjall n.«Bergs(mit Ablaut aus*filza-), schwed. äll n., dän. fjeld«Gebirg, hoher Felsy, hierher gehört, ist zweifelhaft. Herkunft unbekannt. Viel- leicht zu aind. pãsanäs m. Stein, Probier- stein» aus*pãlganas, gr. n-lœο«Stein,- (Hesych), falls aus*re¼ca. Vgl. J. Schmidt Kuhns Ztschr. 32, 387. Bei Luther steht Fels mit starker Flexion neben dem schwach flektierenden Felse, Felsen(im Pl. nur Felsen); jetzt sind von F. starke Kasusformen außer dem Dat., Akk. Sg. Fels nicht mehr üblich, während Felsen einen Gen. Felsens bildet, doch auch noch öfter Felsen. 4 BL. felsig, felsicht, adj., mhd. velseht. Felüke, f.(Pl.-n): kleines Ruderschiff ohne Verdeck. Aus franz. félouque, ital. feluca, span. faluca f., das auf arab. folk «Schiffy, zurückgeht. Bei Krämer 1678 Fe- lucque f., bei Aler 1727 Falacke. Feme, f.(Pl.-n): auf roter, d. h. west- fälischer oder sächsischer Erde gehegtes heimliches Freigericht. Mhd. veime, in md. Quellen auch veme f.«Strafe, Strafgericht», aber auch mnd. veme, veime f. Vielleicht zu lat. poeua, gr. notwi f.(mit p aus kao), aw. kaend Strafes zu stellen(dazu auch gr. riveiv«rächen»), oder auch zu mhd. véhen cfeindselig behandeln», asächs. a-féhit«straf- fälligy, s. Fehde. Andre sehen mit Rück- sicht auf mndl. veime, veme f., nndl. veem f. n. «Vereinigung, Zunft»(s. auch Fant) als urspr. Bed. die von Vereinigung an(woraus die Bed.«Vereinigung um Ubeltaten zu rächen» hervorgegangen wäre) und vergleichen Feim Haufey, s. d. Das Wort ist im ältern Nhd. fast verschollen(Stieler 1691 hat nur Feym- stat locus supliciiy, Frisch 1741 verzeichnet es als Fehm) und wird später durch die Ritterstücke wieder bekannt. 4 L. femen, v., in verfemen: einen als außer allem Ge- richtsschutze stehenden Missetäter erklären mhd. vervemen, verveimen. Femel, s. Fimmel. Fench, m.(-S, Pl.-e): Art wilder Hirse, mhd. pfenech, fenech, ahd. phenih, fenih m. mit and. penik n., aus mlat. panicium n., von lat. pãnicunm n. citalienische Hirse. Fenchel, m.(-s): eine Dillart, anethum foeniculum. Mhd. venechel, ahd. fenahhal mit ags. finol m., engl. feunel aus der lat. Be- nennung féniculum, foeniculum n., die auch ins Rom. übergegangen ist(franz. fenouil, ital. finocchio m.). Fenn, auch Fehn, n.(-es, Pl.-e): Sumpf- land mit Graswuchs; Moorkolonie. Mhd. in rheinischen Quellen venne n., aus mnd. afries. fenne n.«Moorland, weidey, ndl. veen n., ags.-engl. fen, anord. fen n.«Sumpf, Morast», zu got. fani n.«Koty, vgl. die entlehnten ital. fango, franz. fange m.«Schlammꝰ. Auch ahd. kommt fenni, feuna f., and. feni«sumpf⸗ vor. Diese gehören weiter zu apreuß. panneaun «Moorbruch», gall. ana-«Sumpfy. Vgl. Lidéen Bezz. Btr. 21, 93. Fenster, n.(-s, Pl. wie Sg.): das Tages- licht einlassende Offnung, bes. mit Glas- scheiben, von Zeesen mit Tageleuchter) verdeutscht. Mhd. venster, ahd. fenstar n., ndl. venster n., mit Wechsel des Geschlechts (durch Einfluß der ältern Benennung ahd. augatora, got. ugadauro n.) eig. Augentor» (s. dazu Meringer Idg. Forsch. 16, 125) aus lat. fenestra f., das auf gr. qaiveiv«sichtbar macheny zurückgeht oder mit diesem urver- wandt ist. 4BL. fenstern, v.: vor dem Fenster der Geliebten stehen. Frühnhd. (H. Sachs Fastnachtssp. 9, 109), jetzt meist (bayr.) fensterln. S. ausfenstern. Ferdinand, aus span. Fernando und dies aus span. Hernando, d. i. ahd. Herinand (zu got. nanfjan in anananpjan«wagen, sich erkühnen). Ferge, m.(-n, Pl.-n): Fährmann. Mhd. verje, verige, verge, auch vere, ver, ahd. ferio, ferigo, ferro, fero, zu ahd. ferian, ferran, mhd. vern, asächs.-ags. ferian, got. furjan c«schiffen, überführen zu fahren, s. d. In der Bibel(Hes. 27, 27) und wieder bei neu- ern Dichtern; landschaftlich z. B. am Mittel- rhein immer üblich geblieben. fergen, v.: mit Anstrengung fortschaffen, fördern; abfertigen. Schweizerisch, auch * 521 Ferien Fes 522 schwäbisch. Schon im 15. Jh. vergen, dann 1541 bei Frisius 252 b, 342 b ferggen, ferchen, zusammengez. aus vertigen. 4L. Ferger, m.(Gen.-, Pl. wie Sg.): Fertiger, Abfertiger, Mittelsperson. Schweizerisch. Im 16. Jh. belegt. Ferien, Pl.: arbeitsfreie Tage. Aus lat. fériae, s. Feier. Schon in der frühnhd. Rechtssprache(Reichsordnungen 1002 vom J. 1521) als Tage an denen nicht Gericht gehalten wird, im 17. Jh. auch in allgemeiner Bedeutung. Ferkel, n.(-*I, Pl. wie Sg.): junges Schwein. Mhd. värkel, värhel, ahd. farhill neben mhd. värkelin, värhelin, varhelin, ahd. farhilin, diminutive Ableitungen von mhd. varch, ahd. farah, farh n.«junges Schwein»; dazu ags. fearh m., engl. farroww. Ubereinstimmend mit lat. porcus m., gr. rõpxoc«junges Schweinꝰ, altir. orc(aus*porc), lit. pafsas(Dim. parsélis) m., abg. prase n.«Schwein». ZUS. Ferkel- stecher, m.: Winkeladvokat. Am Mittel- rhein. Im 17. Jh. Ferkxenstecher cunzünftiger Metzgery. Ferken, n.: Ferkel. Bei norddeutschen Schriftstellern(1678 bei Krämer). Aus mnd. verlcen«Ferkels, dazu ndl. varkenn.«Schwein», wie Ferkel diminutive Ableitung von farh (asächs.* farhin). Ferman, m.(-s, Pl. ·s): schriftlicher Befehl des türkischen Kaisers. Spät im 18. Jh. Ferman, Firman, aus pers. fermãn Befehl, königlicher Erlaßy. Fermäte, f.(Pl.-n): Halt, Ruhepunkt, Ruhezeichen. Aus gleichbed. ital. fermata f. Fermént, n.(-, Pl.-e): Gärungsstoff, -mittel. In der zweiten Hälfte des 18. Jh., aus lat. fermentum n.«Gärung, Sauerteigy, des zu d. Bärme gehört. 4BL. fermen- tieren, v.: gären. Bei Nehring 1710 ver- dauenꝰ. fern, ferne, adj. u. adv.: durch bedeu- tenden Raum oder bedeutende Zeit wovon getrennt. Mhd. verre(noch älternhd. bei Oberdeutschen ferr), ahd. ferro sind zunächst Adv., dann Adj.; dazu asächs. fer, adv. u. adj., ags. feor, engl. far, anord. jarri, adv., got. fairra, adv. u. präpos. Das nhd. fern geht wohl zurück auf das ahd. Adv. ferrana, asächs. ferrane, ags. feorran«fernhery, wofür mhd. meist verren, in md. Quellen aber auch verne, wie auch mnd. verne. Die ursprüngl. Bed. wäre dann erhalten in von ferne, mhd. von verren, dafür bei Luther auch von fernen und von ferns. Verwandt sind lat. porro «in die Ferne, in der Fernen, gr. nöppuo &VOrwärtsy, épav«jenseits», aind. parãs cent- fernty, mit dem Adv. pard«weg, ab, fort, hiny. Der Komp. ferner drückt die Fort- dauer oder Fortsetzung von etwas aus. 4L. Ferne, f., dafür mhd. virre, ahd. ferrà f. fernen, v.: fern machen, in Raum oder Zeit wovon trennen; fern sein; von fern vorteil- haft auffällig sein(bei Goethe, vielleicht nach dem wetterauischen gleichbed. fernsen). Mhd. verren, selten vernen, ahd. ferrén. 2Z0S. Fernglas, n., 1643 bei Harsdörffer Gesprächsp. 3, 378(erfunden 1608 von Johann Lippersheym in Middelburg). Fernrohr, n., 1676 bei Er. Francisci Lusthaus der Ober- u. Niederwelt 389. Fernsicht, f., bei Campe 1808. Fernsprecher, m., seit 1876. fernig(Hobelied 7, 9. 13), adj.; vorjährig. Abgeleitet von dem mhd. Adv. verne, vern, auch vernent, vert«im vorigen Jahre», das zu firn(s. d.) gehört. Ferse, f.(Pl.-n): hinterer, hervorragender Teil des Fußes. Bei Luther fersen, auch ferschen, mhd. versene, versen, auch schon verse, ahd. fersana, fersna f.; dazu and. fersna, ndl. verzen, ags. fyrsn, got. falrena f. Uber- einstimmend mit aind. pärsnis m. f., aw. pãgna n. Fersen, gr. nrépva f.«Ferse, Schinken», lat. perna f.«Hinterkeuley. ZUS. Fersen- geld in Fersengeld geben«davonlaufen, schon mhd. versengelt geben. Fersengeld scheint urspr. ein Rechtsausdruck zu sein, der die Strafe dessen, der dem Feinde die Ferse zeigte, d. h. im Kampfe floh, bezeichnete; mnd. versnepenninkc(Sachsenspiegel 3, 73, 3) ist die Buße, die der Wende an die ver- lassene Ehefrau zu zahlen hatte. Anders Borchardt-Wustmann 139. fertig, adj. u. adv.: zur Fahrt bereit; zu Ende gebracht; zu einer Tätigkeit geschickt (gewandt). Mhd. vertic, vertec«gangbar, fahrbar, in Ordnung befindlich, gut, geschickt, ahd. fartig, fertig, ndl. vaardig, abgeleitet von ahd. fart f.«Fahrt, also urspr. s. v. a. «sich auf die Fahrt begebend, zur Fahrt ge- rüstet», vgl. bereik. 4B. fertigen, v.: fertigstellen. Mhd. vertigen, vertegen zur Fahrt bereit machen, zustande bringen, fort- schaffen, entsenden⸗. S. fergen. Fertigkeit, f.(nach der 3. Bed. von fertig), 1541 bei Frisius 404b. Fes, m. n.(Gen. u. Pl. wie Nom. oder Fesses, Fesse): rote, wollene Mütze. Nach dem Namen der Stadt Fez in Marokko, wo 523 fesch fett 524 diese Mützen hergestellt werden. Neuere Entlehnung. fesch, adj.: elegant und flott. Aus der Wiener Umgangssprache etwa seit den sieb- ziger Jahren vorgedrungen. Gekürzt aus dem seit den zwanziger Jahren des 19. Jh. verbreiteten engl. fashionable«fein, modisch?, abgeleitet von engl. fashion«Lebensart, Modes, das gleichen Ursprungs wie Fasson ist. Vgl. Ladendorf. Fesen, m.(-s), auch Fese, f.: Getreide- hülse; Spelt, Dinkel. Mhd. vese, ahd. fesa f. Noch obd. Das Wort gehört zu aind. pindsti zerreibt), abg. piseno n.«Mehl», lat. pinsere cstampfen», gr. mricco«stampfe, schrotey. Feser, s. Fechser. 1Féessel, f.(Pl.-n): von der Köte bis zur Krone des Hufes reichender Teil des Fußes beim Pferde. Mhd. vezzel m.(Lrec 7361 handschr. fissel), 1588 bei Seuter Roß- arzn. fissel und füuszl, dazu die koll. Bildung mhd. vizzeloch, viszlach n. Hinterbug des Pferdefußes), noch schweiz. fiüsloch. Im Ab- laut zu Fuß stehend. 2Fessel, f.(Pl.-n): hemmendes Band. Mhd. pezzel, ahd. fezzil m. Band, woran etwas getragen oder gehalten wirdy, namentl. das Schwert. Dazu ags. fetel m.«Schwert- gehenk», anord. fetill m. Binde, Schwert- gehenk», abgeleitet von fassen(s. d.). Das nhd. Fessel trat aber auch für ein älteres Fesser f.(z. B. noch bei Alberus Dict. i 4⁵) ein, das mhd. vezzer, ahd. fegzara f. lautet; dazu asächs. feter m.(im Pl. feterõôs), ndl. veter m.«Schnürriemenꝰ», ags. fetor f., engl. fetters Pl., anord. ſjõturr m. Fessel, Bandey. Dies stimmt in der Wurzel überein mit gr. nedn f. Fessel, Schlingey, lat. pedica f. «Schlinge?, compes f.«Fußfessely. Fessel in der jetzigen Bed. findet sich in Glossaren aus dem spätern 15. Jh., fehlt aber anfangs dem Obd. Bei Luther noch Mask., wie auch später häufig(selbst noch Adelung 1796 be- kannt), namentl. im Pl. die Fessel(Günther 299. 850). 4B L. fesseln, v. Dafür mhd. vezzern, ahd. fegzarön, ags. feterian, anord. fjötra; vessehn erst im 15. Jh.(1420 im Voc. Schröer). Fest, n.(es, Pl.-e): mit Verherrlichung begangene Zeit. Mhd.(seit dem 13. Jh.) fest n., aus dem gleichbed. lat. festum n., auf das auch ndl. feest n., ital. festa, franz. féte f. zurückgeht. Das alte deutsche Wort ist Dalt, s. d. 431. festlich, adj. u. adv., bei Henisch 1616. Davon Festlichkeit, f., erst bei Adelung 1796. ZUS. Festtag, m., bei Luther. fest, poetisch auch noch feste, adj. u. adv.: unbeweglich; unveränderlich; durch Zauber unverwundbar. Klternhd. oft vest geschrieben. Mhd. veste, ahd. festi, fasti; dazu asächs. fast, and. fesli, ndl. vast, ags. †œst, engl. fast, anord. fastr, schwed.-dän. fast, und weiter zu arm. hast festy. Vgl. noch Walde s. v. postis. Dazu fasten, s. d. Das Adv. lautet ahd. fasto, mhd. vaste, unser fast(s. d.), das aber in eine andre Bed. übergegangen ist. 48L. Feste, f.: Zustand des Festseins, dann bes. gegen feindlichen Angriff sichernder Ort; das Himmelsgewölbe. Mhd. veste, ahd. fest? f. «Festigkeit, befestigtes Schutzwerk», daneben in der 2. Bed. auch mhd. vesten, ahd. festina f. festen, v.: befestigen, mhd. vesten, ahd. festen, daneben auch mhd. vestenen, ahd. festinbn. Davon Festung, f., mhd. vestunge, häufiger vestenunge f., auch«Bekräftigung, Festigkeit, Grundfeste». festigen, v. Frühmhd. Festig- keit, f., mhd. vestecheit f. Festivität, f.(Pl.-en): Festlichkeit. Aus lat. festzvitas(Gen. festawitãtis)«Vergnügen, Festlichkeity, abgeleitet von dem Adj. festrvas cvergnüglichy, von festus festlich, feierlichy, dessen Neutr. festum(s. Fesk) ist. Im 17. Jh. festlich, Festlichkeit, Festtag, s. Fest. Fete, f.(Pl.-/): Fest. Aus franz. fte f. (s. Fest). 4BL. fetieren, v.: jemand be- sonders gut bewirten; jem. ehren mit einem Fest. Beide bei Campe 1813. Fetisch, m.(-es, Pl.-e): als Götze ver- ehrter Gegenstand der irdischen Natur. Aus franz. fétiche m., welches Wort namentlich durch die 1760 erschienene Schrift von Des Brosses Dau culte des dieuæ fétiches in Um- lauf kam; es geht zurück auf port. feitigo Zauber, Zaubermittely, eig.«künstlich», aus einem lat. facticius«pnachgemachty. Danach erscheint früher Fetisso oder Fetissus(1606 bei Hulsius Schiffahrten 7, 23). fett, adj.: voll öliger Masse; gemästet, dick. Aus dem nd. fett, das seit dem 14. Jh. auch in md. Mundarten erscheint, namentl. im Obersächsischen, z. B. im Leipziger voc. opt. x 12(vet«pinguis»), auch im Fränk.(1469 im mrhein. voc. ex quo feyt, fet), dann von Luther gebraucht und durch ihn allgemein geworden. Eig. identisch mit feist(s. d.). Davon das substantivierte Fett, u.(Jes, Pl.-e). Die Redensarten sein Fett kriegen«tüchtig 525 Fetthenne Feuer 526 gescholten oder gestraft werdeny, Jemand sein Fett geben gehen vielleicht eig. auf die ausgeteilten Schläge, wie auch schmieren, abschmieren«prügeln», doch scheint zugleich eine Nachbildung des franz. donner â Quel- gu'un son fait jem. sein Teil geben, ihn abführeny vorzuliegen. 43L. Fette, f., bei Luther. fetten, v.: fett machen, mnd. vetten, dann bei Stieler 1691. fettig, adj., bei Luther. Davon Fettigkeit, schon im Md. des 14. Jh. vettikeit. Fetthenne, f.: Bezeichnung des Haus- lauchs und andrer Pflanzen, bes. von sedum telephium. Schon im 16. Jh. Unklarer Her- kunft. Vgl. schweiz. feißti henne, schweiz. Id. 2, 1312. Fettmännchen, n.: ehemalige kölnische ½ Stüber(2 ½ Pfennig deutscher Reichs- währung) geltende Kupfermünze. Volks- tümlich umgebildet aus der im 17. Jh. vor- kommenden Benennung Fettmönch, die von einem auf die Münze geprägten Brustbild eines wohlgenährten Kurfürsten herrührt. Fetzen, m.(-s, Pl. wie Sg.): wovon abgerissenes Stück. Alternhd. Fetze(noch Lessing Nath. 2, 5), mhd. vetze m. Es ge- hört zu mhd. vaz n.(s. Faß), in der nach frühmhd. vagzen ckleiden, bekleiden» anzu- nehmenden Bed.«Kleid), anord. ſöt, Plur. Kleider). 4BL. fetzen, v.: in Fetzen reißen. Im 16. Jh. feucht, adj. u. adv.: ein wenig naß. Mhd. viuhte, ahd. fühti, füht; dazu and. füht, ndl. vocht, ags. füht. Vielleicht zu anord. fjüka, st. v.«von dem Winde dahin getrieben werden, fliegen, stürmen, stöbern», fjäk n.«Schnee- gestöber?, füki m.«Gestank», dän. fog«Ge- stöber», daher engl. fog«dicker Nebel» oder mit Lidén Bezz. Btr. 21, 93 zu aind. papka- m. n.«Schlamm, Schmutz, Sumpfy und weiter zu got. fani«Schlammꝰ, s. Fenn, also aus funhtuz herzuleiten. Noch anders Osthoff Btr. 18, 247. 4 BL. Feuchte, f., mhd. viachte, ahd. fühti f. feuchten, v., mhd. viuhten, ahd. fühten, and. fühtian. Feuchtigkeit, f., mhd. viuhtecheit, vom Adj. vinhtec gebildet. feudal, adj.: ein Lehen oder das Lehns- wesen betreffend; vornehm. Aus dem gleich- bed. mlat. feudalis, von dem im 9. Jh. vor- kommenden feudum, feodum n. Lehngut, Leheny, das mit eingeschobenem d(durch Anlehnung an allodiun?) aus einem ültern mlat. feum hervorging, daher ital. fio, prov. feu, afranz. fieu, nfranz. fief m.; zugrunde liegt das got. faihu n.«Vvermögen, Haben, ahd. fihu, fehu n.«Vieh». Im 17. Jh. ent- lehnt. ZUS. Feudälrecht, n.: Lehnsrecht. Feuer, n.(-“s, Pl. wie Sg.): das leuch- tende und wärmende Element. Alternhd. Feur, mhd. viur, viuwer, ahd. fiur, älter fuir n.; dazu asächs.-afries. fiur, ndl. vncar, ags. fyr n., engl. fire, anord.(poet.) füry m., fFri n., got. dafür fön, Gen. funins. Uber- einstimmend mit gr. rop n., umbr. pir, arm. nur«Feuer„. 43L. feurig, adj., mhd. viurec. feuern, v., mhd. viuren, ahd. viurén «feurig sein». Feuerung, f., spätmhd. vinrunge«Feuerz, mnd. varinge f. auch «Feuermaterialꝰ. ZUS. 1) mit Feuer-. Feuereifer, m., bei Luther(Hebr. 10, 27) fewereiuer. Feuerfalter, m.: Schmetter- ling mit feuerroten Flügeln, bei Nemnich. Feuerkugel, f.: Feuergeschoß. Im 16. Jh. Feuermauer, f.: Schornstein, 1517 bei Trochus P 2, auch bei Luther. Feuerprobe, f., in der Wendung die Feuerprobe bestehen, nach biblischem Bilde(z. B. Sprüche Sal. 17, 3) von der Läuterung des Goldes her- genommen. Feuerrohr, n., bei Comenius 1640. Feuerschiff, n.: Brander(so im DWB.); ein Schiff mit Feuer, um den Schiffen den Eingang in den Hafen anzuzeigen(in neuerer Zeit). Feuerspritze, f., 1586 bei Ruland dictionariolum 489 Feurspritzen(die erste in Deutschland wurde 1518 zu Augs- burg gebaut). Feuerstatt, Feuerstätte, f., mhd. viurstat«Herd, Brandstätte». Feuer- stein, m.: eine Quarzart, die zum Feuer- anschlagen diente. Schon mhd. viurstein m. Feuertaufe, f.: nach Matth. 3, 11, jetzt (noch nicht bei Adelung) auf das erste Uber- stehen der Gefahr im Feuer, im Kriege be- zogen. Feuerwehr, f., im 19. Jh. gebildet. Feuerwerk, n., spätmhd. virwere«Brenn- material, auch bei Luther; im ältern Geschütz- wesen bezeichnet feuwerwerck die Feuer- kugeln, Bomben, Pechkränze usw.y, z. B. bei Fronsperger 1, 109 fg., 2, 1382 fg., danach das Kunstfeuerwerk zur Lustbarkeit, schon bei H. Sachs 2, 391, Fronsperger 1, 111². Feuerwerker, m.: höherer Unteroffizier der Artillerie. Im 18. Jh. Feuerzauber, m.: Kunstfeuer. Im 18. Jh., aber erst durch R. Wagner wieder bekannt geworden. Feuerzeug, n., mhd. viurziuc m. n. 2) mit Feuers-. Feuersbrunst, f., bei Comenius1640, daneben im 17. Jh. Feuerbrunst. Feuersnot, f., mhd. viarnõt f. 527 feuerjo fickfacken 528 feuerjo(Schiller Räub. 2, 3), feurio: nachdrücklicher Feuerruf, im 15. Jh. viterd, fiuriõ(Gesamtabenteuer 2, 308. 688). Im Mhd. wird zum Nachdruck ä an Substantive, Imperative und Partikeln angehängt, z. B. wüfenã auch fen6«Waffen herbeily, hilfä chilfl), neind«nein!?. Gleicher Bildung sind die Hilferufe diebjo, feindjo, mordjo, nach- barjo, sowie der dem Fährmann geltende Ruf holla chol über!). Feuersbrunst, Feuertaufe usw., s. Feuer. Feuilletön(spr. fãjete), n.(-S, Pl.*s): Unterhaltungsteil einer Zeitung. Das franz. feuilleton, eig. Blättchen», von feuille m. «Blatt), das von lat. folium n. stammt. Bei Campe 1813. Fex, m.(-es, Pl.-e): Blödsinniger(Goethe Faust 6199 Hexenfe); närrischer Kerl; Spaß- vogel; wer durch Sonderbarkeiten Aufsehen erregen will(Bergfex). In Bayern und Osterreich ist Fex(dazu das Fem. Feckin) zunächst s. v. a.«Kretin». In der Literatur des 17. Jh. erscheint Feia m. als«Stuben- hocker, einfältiger Mensch», dann«angehender Student»(s. Fachs und feixen). In Wien bedeutet das Fem. Fex die Hexe⸗(Loritza 42 ²). Ein schon im 15. Jh. übliches(Sachsen- heim Mörin 263), auch im 16. vorkommendes narrifer scheint nicht hierher zu gehören, sondern Nachbildung lateinischer Formen wie artife; zu sein. ff, s. f. fl, interj. des Abweisens, Abscheus, Ekels. Mhd. vi, das aus dem franz.-ital.«pfui⸗ aufgenommen ist. Fiaker, m.(“J, Pl. wie Sg.): Lohnkutscher; Mietkutsche. Nach dem franz. am Ende des 17. Jh. üblichen facre. Von dem heiligen Piacre(latinisiert Fiacrius), dessen Bild das Zeichen des in der Straße St. Antoine zu Paris gelegenen Hauses war, in dem man solche Mietkutschen haben konnte, und das der Franzose Sauvage, dem 1650 das Privi- legium zur Einrichtung öffentlicher Kutschen verliehen wurde, bewohnt haben wird. 1728 bei Sperander nur der Plur. Fiacres, im Sinne von Mietkutschen auf den Straßen von Paris». Fiäsko, n.(-S, Pl.-s), in der Redensart F. machen«Mißerfolg haben». Nach dem ital. far fiasco, eig.«eine Flasche macheny. Uber den Ursprung vgl. Hildebrand Vom deutschen Sprachunterricht 156. Fibel, f.(Pl.-n): Abcbuch. Mnd. Ahel, auch in md. Glossaren des 15. Jh., z. B. 1469 Phihel im voc. ex quo, seit Luther allgemeiner gebraucht; da daneben in gleicher Bed. auch bibel vorkommt, ist Entstehung aus diesem Worte anzunehmen. Die ältesten Fibeln ent- hielten Lesestücke aus der Bibel. Fiber, f.(Pl.-n): Faser, Muskelfaser. Aus lat. fibra f.«Fasery». 1766 bei Lessing 6, 516. Fichte, f.:(Pl.-/): Nadelholzbaum mit vierkantigen rings um die Zweige herumge- stellten Nadeln und hängenden Zapfen, in Norddeutschland Rottanne genannt. Mit Kür- zung des Vokals(im ältern Obd. noch Fiechte) aus mhd. viehte, ahd. flohta und fiuhta f.(da- nach bayr. Feuchten), and. fiuhtia f., sonst im Germ. nicht vorhanden. Es gehört mit ableitendem Dental zu dem gleichbed. gr. reuxn, lit. pusis f., preuß. peuse. 4 BL. flch- ten, adj., mhd. viehtin, auch in Zusammen- setzungen wie Fichtenbaum, Fichtennadel usw. Ficke, f.(Pl.-n): Tasche an einem Klei- dungsstücke. Niederdeutsches Wort(schon im 16. Jh. belegt), auch im östlichen Mittel- deutschland verbreitet(Weise Erzn. 103, Gün- ther 166, Weiße Op. 3, 6), von Schottel 1663 (Filkte) und Stieler 1691 angeführt. Jetzt auch obd.(schweiz. figge). Aus dem Nd. auch schwed. ficka f., dän. filcce. Wohl urspr. s. v. 2. ins Kleid ein- oder angehefteter Beutel, vgl. mlat. ficacium Tragbeutel», von prov.- altspan. port. jicar, ital. ficcare, franz. ficher can-, einheften», woraus auch mhd. vicken chefteny. ficken, v.: kurze, rasche Bewegungen hin- und hermachen; Rutenstreiche geben. Alter- nhd. ficken«jucken, kratzen, scharren, reiben» (Schon 1558 auch obszön), 1475 clevisch vgcken «mit Ruten schlagen»(Teuthonista), im 14. Jh. niederrheinisch vicken«reiben», ahd. mich vifchit«mich juckty. Vielleicht verwandt mit anord. fiᷣᷣ«eileny, schwed. fica«streben nach etwasy, daher engl. fidge«unruhig seiny, ags. ficol, engl. fichle«unbeständigy und weiter wolll zu lat. piget«es verdrießt mich, erregt Widerwillenꝰ, vgl. schweiz. figgen«verdrießen?. fickfacken, v.: ohne Absicht hin- und wiederlaufen; geschäftig sein; Böses anzetteln; Rünke schmieden; Blendwerk machen; unzu- verliüssig handeln oder reden; mit Ruten schlagen. Gebildet von ficken, s. d., das sich in fickfachen ablautend wiederholt, vgl. Kling- klang, Schnickschnack, Wirrwarr. Aus dem 529 Fickmühle fillen 530 Nd., wo es schon im 16. Jh. erscheint, eben- so im Ndl., jetzt ndl. fxfalcken«Possen, Albern- heiten treiben). 43L. Fickfacker, m.: unbeständiger Mensch, Windbeutel(Bürger 225); Ränkemacher. Mnd. schon im 16. Jh. Davon Fickfackerei, f., bei Stieler 1691. Vgl. Fiæfax. Fickmühle, f.(Pl.-n): im Mühlenspiel eine solche Stellung der Steine, daß man durch Offnung der teinen Mühle immer die andere schließen kann. Aus ficken chin- und herfahren) und Mühle zusammenges. Schon bei Keisersberg Seelenparad. 101 fichmül. Dafür auch Zoichmlhle. Fideikommiß, n.(-Sses, Pl.-sse): durch Vermächtnis anvertrautes Gut zur Heraus- gabe an einen Dritten, der nicht selbst Erbe sein kann; unveräußerliches Stammgut. Aus lat. fideicommissum in der 1. Bed., eig. auf Treu(fides) und Ehrlichkeit Anvertrautes (commissum)». In der frühnhd. Rechtssprache. fidél, adj.: lustig. Aus der Studenten- sprache. Zugrunde liegt lat. idélis«getreu. Die jetzige Bed. ist um 1750 in der Studenten- sprache üblich(auch bei Goethe Urfaust S. 23), vgl. Kluge Studentensprache 34, während 2. B. 1710 bei Nehring angeführt wird fidel«treu, aufrichtig, hold, ohne Falsch. Fidibus, m.(Pl.-Sse): Papierstreifen zum Anzünden des Tabaks. Schon um die Mitte des 17. Jh. aufgekommen, scheint es urspr. Studentenausdruck, dessen Entstehen aber nicht sicher ermittelt ist; vgl. Kluge Stu- dentensprache 39. Nach M. Haupt Dat. Plur. von lat. fides«Saitev, entstanden durch Um- deutung von Horaz Od. 1, 36, 1 et ture ek fidibus juvat placare deos«mit Weihrauch und Saitenspiel die Götter besänftigeny. Fidüz, n.: Vertrauen(in der Redensart: ich habe kein F. dazu). Norddeutsch, lu- xemb., hess., elsäss., schweiz. aus lat. fidãũcia f. Vertrauen. Fieber, n.(s, Pl. wie Sg.): hitzige Krank- heit. Mhd. vieber, ahd. fehar n. Mit Ge- schlechtswechsel und aus lat. e hervorge- gangenem ie(wie span. fiebre, franz. fieure f.) aus dem gleichbed. lat. febris f., woraus auch ags. fefor n., engl. fever, schwed.-dän. feber m., wie auch das äülternhd. Feber n. Das urspr. deutsche Wort für Fieber ist Ritten G6. d.). 43. fleberhaft, adj. u. adv., bei Rädlein 1711. fieberisch, adj. u. adv., bei Ludwig 1716. flebern, v., spätmhd. viehern. Fiedel, f.(Pl.-n): Geige, namentlich in Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. verächtlichem Sinn. Früher auch Fidel ge- schrieben, bei Luther Fiddel. Mhd. videle, ahd. fidula f.; dazu ndl. vedel, veel, ags. fideele, engl. fiddle, anord. fidla f., dän. fiddel. Wahr- scheinlich entlehnt und mit ital. viola, franz. viole f.(S. Violine) eines Ursprungs; als Grund- wort gilt mlat. vitaula f.«streichbares Saiten- instrument), das zu lat. vrtuläri«sich lustig gebärden» gehört. 4EL. fiedeln, v.: die Fiedel spielen, mhd. videlen. Davon Fiedler, früher auch Fiedeler(bei Goethe Faust 4339 Fideler) m., mhd. videlaere m. Z0S. Fiedelbogen, m., mhd. videlboge m. fiedern, v.: Federn ansetzen, Federn woran befestigen. Bei Luther 5ddern, mhd. videren, ahd.(bei Notker) fideren, ags. ge- fiderian«befiedern, beflügelny». Abgeleitet von Feder(s. d.). Fiek, m.(-S, Pl.-e): Eingeweidewurm; Wurm am Finger. Aus dem Núd., schon mnd. vi m. In Zesens Helikon 4. Aufl. Ix als fieg angeführt. Fiekehen, ndd. Abkürzung von Sophie. flepen, v.: schreien der Rehe; einen dünnen schwachen Ton von sich geben. Lautnach- ahmend. Figür, f.(Pl.-en): Gestalt; Linienum- riß; Notengruppe mit bestimmter Anordnung; Wortbild; mhd. fignre, figür f., aus lat. iuura f.«Gestalt). 4 BL. figurieren, v.: im Bilde darstellen; vorbilden; mhd. figurieren. figürlich, adj. u. adv.: durch Übertragung auf dem Grund einer Ahnlichkeit angewandt. 1469 im Voc. ex quo figuerlich. Filiãl, n.(—, Pl.-e): Tochterkirche, Neben- kirche. Aus neulat. filiale, dem Neutr. des mlat. Adj. filialis ckindlich⸗, im Verhältnis der Tochter(filia) und des Sohnes(llius) zu Mutter und Vater stehend. Schon im 16. Jh.(1562 bei Mathesius Sarepta 195, von Gombert 8, 30 aus einem Schreiben Luthers von 1539 nachgewiesen). Filiäle, f.(Pl.-n): Zweiggeschäft, Nebenstelle. Im 19. Jh. Filigrän, n.(-Lels): feine Arbeit aus Gold- und Silberfäden. Aus gleichbed. ital. filigräna f., zusammengesetzt aus lat. Tlam n.«Faden⸗ und gränum n.«Korny. Bei Campe 1813 filigrain. fillen, v.: die Haut(das Fell) abziehen, schinden; wund geißeln. Nur noch ndd., wo schon mnd. mnl. villen, ehedem auch hd. ge- läufig, mhd. villen, ahd. fillen, abgeleitet von ahd.-mhd. vel«Fell⸗(s. d.). 34 531 Film EFinänzen 532 Film, m.(Jels, Pl.-e u. s): dünnes Blättchen aus Zelluloid, Ersatz für Glasplatten beim Photographieren, junge Entlehnung aus engl. film, s. Fell. Filöu, m.(-S, Pl.-s): Spitzbube. Im 17. Jh. aufgenommen aus gleichbed. franz. filou m., das vermutlich aus engl. felloꝛo «Bursche» entlehnt ist. filtrieren, v.: durchseihen. Aus franz. filtrer, ital. feltrare. Im Anfang des 17. Jh. entlehnt(Moscherosch Phil. 1, 486). Urspr. cdurch Filz laufen lassen, um alle Unreinig- keit abzusondern»; das Stammwort ist mlat. feltrum, filtrum n., ital. feltro, franz. feutre m. cdichtes Gewebe von Haaren», die aus dem Germanischen, ags. felt, ahd. filz m.«Filz» (s. d.), entlehnt sind. 48L. Filter, m.(-s, Pl. wie Sg.): ein Mittel zum Filtrieren, der Seiher. Junges Wort. Bei Campe 1813 noch filtrum. Fiktiön, f.(Pl.-en): Erdichtung, An- nahme. Aus gleichbed. franz. ckion f. Bei Sperander 1727. Filét(spr. Filé), n.(-s, Pl. s): feines Netzwerk; Lendenbraten; Handschuhe aus feinem Stoff. Aus franz. filet m. mit den- selben Bedeutungen, eig.«dünner Faden», einem Dim. von lat. fllam n.«Fadeny. Im 18. Jh. Filz, m.(es, Pl.-): dichtes Gewebe von Haaren oder Wolle oder dem Ahnliches; im Geben züher Mensch, Geizhals(in dieser Bed. auch mit schwacher Flexion, Schiller Räuber 1, 2); grober harter Verweis. Mhd. vilz, ahd. filæ m.; dazu ndl. vilt n., ags.-engl. felt, schwed.-dän. filt n. Auch ins Roma- nische übergegangen(s. filtrieren). Von A. Erdmann Upsala skrifter 1, 3(1891) zu ahd. anevala, ags. anfilt«Amboßy, lat. pello«stoßend in Bewegung setzen» mit der Grundbedeu- tung Gestampftess» gestellt. Das Wort ist aber kaum von abg. pläst? f.«Filzo, lat. pilleus &Filzmützey, gr. nAoc m. Filz⸗ zu trennen. Vgl. aber Walde s. v. Spätmhd. vile ist auch cbäurischer, grober Mensch»(wegen der Kleidung des Bauern in Filz? daher mhd. vilzgebsr), woraus wegen des sprich- wörtlichen Geizes der Bauern die 2. Bed. hervorgegangen ist; die 3. Bed. erklärt sich vom Verb. filzen(s. u.) aus und erscheint auch schon im 16. Jh. 4 B. filzen, v.: zu Filz machen, mhd. vilzen«einen groben, derben Verweis geben»; eig. wohl«walken wie einen Filz, schlagen»(frühnhd., vgl. auch ausfilæen). filzig, adj., früher filzicht, mhd. vilzeht, frühnhd. auch schon s. v. a. geizig- (Hans Sachs 19, 134). ZUS. Filzlaus, f., spätmhd. vilalas f. ¹Fimmel, m.(-S, Pl. wie Sg.): starker eiserner Keil der Bergleute; großer Hammer. Bei Agricola Bergwerkbuch(1557) 83 feim- mell, 1562 bei Mathesius Sar. 196² und 1594 bei Frischlin Nomencl. Cap. 110 Fimumel. ²Fimmel, m.(-S, Pl. wie Sg.): die männ- liche Hanfpflanze. Schweizerisch(auch Fim- melef.), bayr.-hess. Iuxemb. Femel, elsäss. Fœml, Feml. Aus lat. fémella f.«Weibcheny, dem Dim. von fémina f.«Weib». Man verwechselte nämlich vor der Erkennung des wahren Ge- schlechtes bei dem Hanfe die Geschlechter und hielt die männlichen Stengel, weil sie kleiner und zarter sind, für die Weibchen, diese dagegen, wie die für sie in der Schweiz übliche Benennung Mäsch, Mäschel außer Zweifel setzt, ursprünglich für die Männchen. Schon 1546 bei Bock 132 b Femel, 1561 bei Maaler Fimmel«kurtzer hanffy. Dazu engl. fimble-hemnp. 4 BL. fimmeln, v.: die eher reifenden männlichen Hanfstengel besonders ausrupfen(1561 bei Maaler fimlen); dann über- haupt tastend aussuchen, herausklauben usw. Dazu ndd. fimeln(fimmeln), ndl. femelen und fijmelen. Finäle, n.(-S, Pl.-s): Schlußstück, bes. eines Musikstückes, einer Oper. Aus gleichbed. ital. finale. final als Adj. 1727 bei Sperander. Finänzen, Pl.: Staatseinkünfte, Staatsver- mögen; Vermögen an Geld. Der Sg. Finanz nur noch in Zusammensetzungen, 2. B. Finanz- rat. Alternhd.(zu Ende des 15. Jh., im 16. und zu Anfang des 17. Jh.) Finanz f.«un- redliches Geldgeschäft, Wucherei, Wucher- kniff, Betrug,(noch 1727 bei Sperander Finantien callerhand Betrügereien und Unter- schleifey). Unter Einfluß von ital. finanza f. «Quittung», franz. finance f.«Barschaft» geht es mit dem bereits aus der 1. Hälfte des 14. Jh. mehrfach nachgewiesenen kölnischen Pl. ſinantie zurück auf mlat finantia f. öffent- liche Leistung, besonders an Geld», urspr. «Schlußleistungy, gebildet von dem Part. Präs. des von lat. finis m.«Ende, Endzweck» abgeleiteten romanischen Verbums finare c«be- endigen, aufhöreny, im Ital. s. v. a.«quit- tieren(eine Sache abschließen)», im Afranz. s. V. a. 4bezahleny». Unser heutiger Pl. Fi- nanzen hat mehr die Bed. des franz. Pl. finances, ital. finanze«staatseinkünftey. So bei 533 Findelhaus Fink 534 Sperander 1728 Financen, 1703 im Zeitungs- lex. Finances. Findelhaus, n.: Haus für Findlinge. Findelkind, n.: Findling. Urspr., zuerst im 15. Jh. erscheinend Fündelhaus, Fündel- kind, zusammengesetzt mit dem von Fund abgeleiteten südd. Dim. Fündel, Fündele(1556 bei Frisius Bl. 1071 b), neben dem auch im 15. Jh. Fündel f.«Findelhaus». Schon im 15. Jh. erscheint auch(mit Anlehnung an finden) Findelhaus, Findelkind(auch 1537 bei Dasypodius), doch kommt daneben die Schreibung mit ä bis nach Mitte des 18. Jh. vor. Vgl. Findling. finden, v.(Prät. fand, Part. gefunden): erstrebend oder unabsichtlich gewahr wer- den, auf etwas als ein Erstrebtes oder un- absichtlich kommen. Mhd. vinden, ahd. fn- dan; dazu asächs. findan, fithan, ndl. vinden, ags. findan, engl. find, afries. finda, anord. finna, schwed. finna, dän. finde, got. finpan «erkennen, erfahren». Wahrscheinlich zu ahd. Funden, ags. fundian«eilen», ahd. fendo, mhd. vende m.«Fußgänger», so daß die ursprüng- liche Bed. die«des Gehens nach einer Seite» wäre. Vgl. zur Bedeutungsentwicklung lat. invenire«finden», eig.«hineinkommen. Ver- wandt ist noch die altir. Wurzel et(aus penk) in con-état assequuntur» und weiter lat. pons m. Brücke, Steigy, gr. toréu«tretey. Anders Sütterlin Btr. 18, 261. S. auch fahnden. Das Prät. flektiert mhd. vant, Pl. vunden, und dieser Wechsel hat sich bis ins 17. Jh. erhalten, von da an wird fand und fund(noch bei Haller 142) gebraucht, bis die letztere Form ganz verschwindet. Das Part mhd. vunden ohne ge- lautet auch älter- nhd. noch sebr häufig so, daneben gefunden (bei Luther seltner als funden), von den Grammatikern seit Clajus angesetzt; die poe- tische Sprache bewahrt fianden, nicht allein im 17. Jh., sondern auch später, z. B. Gün- ther 844, Lessing 2, 304, Uhland 306, Rückert 2, 69. 4 BL. Finder, m.(-S), mhd. vindœre. findig, adj.: gewandt im Finden oder Erfinden. Aus mhd. vündec erfinderischy, abgeleitet von vunt m. in der Bed. Er- findungy, neben dem schon im 16. Jh.(an finden angelehnt) findig steht; doch erhält sich daneben fündig bis ins 18. Jh.(noch bei Steinbach 1734). 4BL. Findigkeit, f., namentlich der Reichspost. Schlagwort seit den 70 er Jahren des 19. Jh. almanach 1776 S. 205. und gefundenes Kind; von Gletschern ver- schleppter erratischer Block. Aus mhd. vundelinc(entsprechend ndl. vondeling, engl. foundling) abgeleitet von vunt m.(s. Findel- haus); gleichbedeutend auch vantkint und vanden kint. Schon im 15. Jh. erscheint auch(an finden angelehnt) findling und diese Schreibung wurde allmählich herrschend, doch Fündling noch im 18. Jh., z. B. bei Justus Möser patriot. Phant. 2, 14. 308, Wieland, A. W. Schlegel poet. Werke 2, 123. Finésse, f.(Pl.-n): Verschmitztheit, feine List, Pfiff. Das franz. finesse f., urspr.«Fein- heit», von fin«fein(s. d.), listigy. Bereits im 17. Jh. geläufig. Finger, m.(-s, Pl. wie Sg.): eins der fünf Handglieder zum Greifen. Mhd. vinger, ahd. fingar m.; dazu asächs. fingar, ndl. vinger, afries.-ags. engl. inger, anord. fingr, got. figgrsm. Herkunft unsicher; vielleicht zu Faust(s. d.) oder fünf(s. d.) gehörig. 4. fingerig, adj., in awεi-, drei-, langfingerig. Finger- lein, n., Dim., ehedem auch«Ringy, mhd. vingerlin, ahd. fingarlin, daneben fingeri, fingerin n. fingern, v.: die Finger bewegen, mhd. vingern. ZUS. fingerfertig, adj. Jung(noch nicht bei Campe 1808). Finger- hut, m., ahd. vingerhuot m.(Gl. 3, 399), über- tragen die Waldpflanze mit roten fingerhut- artigen Blüten», digitalis purpurea, 1542 bei Fuchs Kreuterb. 893(1546 bei Bock 335 b Fingerkraut). Fingerreif, m., bei Luther. Fingerring, m., bei Dasypodius 1537. Fingerzeig, m.: Hindeutung mit dem Finger; überhaupt Hindeutung, mhd. vingerzeic m., häufiger der substantivierte Inf. vingerzeigen n., auch vingerzeige f. fingieren, v.: erdichten, lügnerisch vor- geben. Aus dem gleichbed. lat. fingére. Um 1600 entlehnt(Albertinus weibl. Lustg. 154⁴). Fink, Finke, m.(-n, Pl.-n): der Sing- vogel; loser Mensch(so frühnhd. und noch 1808 bei Campe, daher noch heute Mistf., Schmierf., Schmatzf. In mrhein. Mundarten Finke f., z. B. bei dem Pfälzer Maler Müller in Voß Musen- Mhd. vinke, ahd. fincho, finko m.; dazu ndl. vink, ags. finc, engl. finch, schwed. fink, dän. finke m. Im Skandinavischen erscheinen auch Formen mit sp im Anlaut, wie schwed. spink«Sperlingy, norw. spikke«kleiner Vogel», die zu gr. criτ- Toc m. bei Hesych, crico f.«Fink» gehören. Das Wort ist klangnachahmend, und daher Findling, m.(-s, Pl.-e): ausgesetztes erklärt sich auch die abweichende Lautstufe 34* 53⁵ Finkeljochem Firlefanz 536 in der romanischen Benennung(ital. pincione, franz. pinson). Im Sg. geht das Wort öfter zur starken Flexion über. In der Studenten- sprache«Student der keiner Verbindung an- gehört), seit den 20 er Jahren des 19. Jh. in Halle und Jena aufgekommen, vgl. Götze, ZfdW. 8, 100. Finkeljochem, m.: Branntwein. Bei Günther 925. Aus der Gaunersprache, wo es 1687 belegt ist, s. Jochem. Zu rotwelsch finkceln, fankeln«kochen», Funkert«Feuery. 1Finne, f.(Pl.-n): fleischige Floßfeder großer Seefische. Aus dem ndd. finne f.; dazu ndl. vin f., ags. ſinn m., engl. fin, schwed. fena, wohl verwandt mit dem gleichbed. lat. pinna f.(s. Pinne), air. ind«Ende, Spitzen. Weitere Anknüpfungen bei Walde s. v. Bei Trochus 1517 J 2 b ein vinne von dem fische. 2Finne, f.(Pl.-n): Bläschen mit Würm- chen im Fleische, besonders der zahmen Schweine; kleine spitzige Blatter im Gesicht. Mhd. pfinne, vinne f., auch«fauler, ranziger Geruch»; dazu mnd. vinne, ndl. vin f.«Blattery. Dunkler Herkunft, vielleicht dem vorigen gleich. Nach dem Ndd.-Ndl. ist die Form mit f ursprünglich, mhd. pfinne erklärt sich wohl durch Einfluß von pfinne«kleiner spitziger Nagel»(s. den folgenden Art. und Pinne). Auch das ältere Nhd. kennt Pfinne (noch bei Frisch 1741). 45L. finnig, fin- nicht, adj.: voll Finnen, mhd. pfinnec, vinnec, auch vinneht; dazu mnd. vinnich, ndl. vinnig. sFinne, f.(Pl.-n): kleiner spitziger Nagel oder Pflock. Mhd. pfinne f.; dazu mnd. pin, pinne, ndl. pin f. Mit Ubergang des Begriffes aus lat. pinna f.(s. Pinne). Finnfisch, m.: eine Art Walfisch, dän. finneftsk, schwed. finnfisk m. Der Name wegen der 3— 4 Fuß hohen Fettfinne(s. 1Finne) auf dem hintern Teil des Rückens. dinnicht, finnig, s. 2Finne. finster, adj. u. adv.: des Lichtes erman- gelnd. Mhd. vinster, ahd. finstar, ein nur hochd. und noch asächs.(asächs. finistar, n., finistri f.«Finsternis?) auftauchendes Wort, scheint eins mit ahd. dinstar, mhd. dinster, indem wie auch sonst(s. F'eile) f an Stelle eines ursprünglichen F(daraus hd. d) ge- treten ist, das noch asächs. Himm dunkel» zeigt; finster entspricht dann genau lat. fene- brae f.«EFinsternis», aind. famisräã f. dunkle Nacht», s. Dämmer und auch düster. 4B L. Finstere, f.(Schiller Räuber 2, 3): Finster- nis, mhd. vinster, ahd. finstard, finstri neben dinstri(Hoffmanns Williram 32, 17 thimstre) f.; dazu asächs. ſinistré f. Finsterling, m.: Gegner geistiger Aufklärung. 1788 von Wie- land(29, 23) gebraucht und bei Campe 1808 verzeichnet. Vgl. Gombert Zfd W. 2, 66 und Ladendorf. finstern, v.: finster machen, in verfinstern, mhd. vinstern, ahd. finstarren, früher auch«finster werden», mhd. vinstern, ahd. finstarén. Finsternis, f.(früher auch n., so bei Luther 1. Mos. 1, 4. Math. 4, 16). Mhd. vinsternisse f. n., ahd. finstarnessi, fin- starnissi n. Finte, f.(Pl.-a): Trugstoß beim Fechten; Verstellung, Kniff. Zunächst in der 1. Bed. übernommen aus ital. finta f. Listy, franz. feinte f.«Verstellung, Trugstoßy, das urspr. das Fem. des Part. Prät. von lat.-ital. fngere cerdichten, fälschlich vorgeben, täuschen', franz. feindre ist. 1644 bei Duez 182 in der 1. Bed.«ictus simulatusy, 1648 bei Kemnitz schwed. Krieg 1, 344 b und bei Schottel 1663 in der 2. Bed.(inte machen«callide aut insidiose agere»). finzelig, adj.: überfein. In der Schweisz, aber auch in Norddeutschl. Herkunft un- bekannt, vgl. schweiz. Id. 1, 877. fippern, v.: ängstlich und rasch umher- tasten. So bei Hermes Sophiens Reise 1, 427. Schon im 16. Jh. hochd. u. ndd. in der Bed. «sich in raschem Zittern bewegen», auch s. V. a.«xrasch zitterndes Licht von sich geben, glitzerny. Wohl aus lat. vibräãre in der Bed. «sich zitternd bewegen, zittern, schimmern, funkeln), s. auch wibrieren. Fips, m.(-es, Pl.-e): Schneller mit dem Mittelfinger an die Nase, Nasenstüber. Wohl die substantivierte Interj. ſips!(Hermes So- phiens Reise 1, 683), die lautnachahmenden Ursprungs ist. Firlefanz, m.(-es, Pl.-e): gebärden- volles, überhaupt unnötiges albernes Tun und Wesen; ein sich lächerlich Gebärdender (Goethe Faust 11670). Mhd. firlifanz, firla- famz(bei Wolkenstein), in ursprünglicherer Form firlafei, ferleifei, firlei«ein lustiger rascher Springetanz der Dorfbewohner», be- ruht auf franz. virelai«Ringeltanz?; die Form Firlefanz erklärt sich durch Anlehnung an md. Firl Kreisely, auch«hurtiger behender Menschy, und obd.-md. Fanz«Possen, Possen- macher», vgl. auch Alfanz und Weise Zfd W. 3, 122. Die übertragene Bed.«geckenhaftes, al- bernes Zeugy findet sich schon im 16. Jh.(1582 bei Fischart Garg. 181 Firlefans). 4BL. 537 firm Fisimaténten 538 firlefanzen, v.: sich albern benehmen, bei Luther firlefentzen. Davon Firlefanzerei, f., bei Stieler 1691 Firlfantzereg. firm, adj.: fest. Aus lat. firmas fest, zuverlässigo, 1727 bei Sperander.— Firma, f. (Pl. Firmen): Handlungsname, Name, unter dem ein kaufmännisches Geschäft geführt wird. Eig. s. v. a.(sichere) Handlungsunter- schrift, denn diese Bed. hat der ital. Kunst- ausdruck firma, mlat. firma f., das als Subst. gesetzte Fem. des lat. Adj. firmus(s. o.). Im 18. Jh. entlehnt. Firmamént, n.(-s, Pl.-e): Himmels- feste. Mhd. firmament n., aus dem gleich- bed. lat. frmãmentum n., gebildet von firmäre cfest machen?. firmen, häufiger flrmeln, v.: die Taufe durch Gebet, Handauflegung und Salbung bestätigen. Mhd. firmen, ahd. firmön cbe- festigen, bestätigen», aus lat. firmäre(s. Fir- mament), kommt schon in diesem Sinn vor, daneben spätmhd. das abgeleitete firmeln(aus fir melungef. zu entnehmen). 4 L. Firmung, Firmelung, f., mhd. firmunge f. firn, adj.: alt, hauptsächlich vorjährig. Mhd. virne calty, auch«geübt, schlauy, ahd. firni«alt⸗; dazu asächs. fern«vergangen(vom Jahr), ags. fyrn calt⸗, got. fairneis æalt, in der Zeit ferngerückt, vergangeny». Uber die Verwandtschaft, s. fern, vgl. auch anord. forn calty, ahd. forn, asächs. forn, furn, ags. fyrn adv. ehmalsy». Für die Bed.«vorjährigy, die sich aus Luther und dem spätern Mhd. belegen läßt, ist auch das Adv. mhd. verne, vernent, vernt, vert«im vorigen Jahre» her- anzuziehen; vgl. dazu auch gr. népuci, aind. parut«im vorigen Jahrey, air. onn-urid «vom vorigen Jahrey, lit. pPérnai«im vorigen Jahrey. Firn, m.(-es, Pl.-e), auch Eirne, f. (Pl.-n) oder Firner, Ferner, m.(*s, Pl. wie Sg.): firner, d. h. vom vorigen Winter oder auch noch länger her, überhaupt alter auf Berghöhen liegen gebliebener Schnee; Berg mit solchem Schnee und Eis bedeckt im Hoch- gebirg. Alle die Wörter sind auf das Adj. firn(s. d.) zurückzuführen. Firn als Subst. findet sich in der Schweiz 1548 bei Stumpf 2, 248 b und ist von Schiller im Tell(1, 1 usw.) gebraucht. Firner, Ferner(mit Aus- lassung des Subst. Schnee) gehört dem bayr.- öst. Gebiet an. Firnewein, m.: der firne, d. h. der«vor- jährige» alte Wein. Bei Dasypodius 1537 Firnoein, auch schon mhd., aber getrennt, virner win. Firnis, m.(-sses, Pl.-sse): glänzender Uberzug; Anstrich; lackartige Flüssigkeit. Mhd. virnäs, vernis(danach älternhd. auch Firneis), aus franz. vernis, ital. vernice, die unbekannter Herkunft sind. 4L. firnis- sen, v., mhd. virndsen. First, m.(es, Pl.-e) und f.(Pl.-en), auch Firste, f.(Goethe 19, 224): die oberste Längenlinie des Daches, Dachgiebel; Gebäude, z. B. Haus, Scheune;(Berg-) Gipfel. Mhd. virst m., seltener f., ahd. first m., in md. Quellen(seit dem 15. Jh. belegt) auch vorst (mit Ablaut), wie mnd. vorst, ndl. vorst f., ags. fyrst, first m. Verwandt sind aind. prsthäm«Rücken, Gipfel, Berggipfel», aw. parsta m. Rücken, Rückgrat) und wahr- scheinl. auch lit. pifstas, abg. prusti m.«Fingery. Die Form Firste bei Adelung und Heynatz 1796(hier neben Forst, Förste, noch jetzt hess.-thür. forst). Fis, n.: die Tonstufe, die ½ Ton höher ist als †f. Redensart: ins Fis kommen fls statt f greifen, in schlechte Verhältnisse kommeny. Fisch, m.(-es, Pl.-e): Wassertier mit rotem, kaltem Blute. Mhd. visch, ahd. fisc m.; dazu ndl. visch, asächs.-ags.-afries. fisc, engl. fish, anord. fisker, schwed.-dän. fisk, got. fisles. Verwandt mit lat. piscis m., air.(mit geschwundenem p im Anlaut) lasc. 4. B L. fischen, v., mhd. vischen, ahd. fiscön; dazu asäãchs. fiscn, ndl. visschen, ags. fiscian, engl. fish, afries. fiskia, anord.'schwed. fiska, dän, fiskce, got. fiskon und lat. piscãri. Davon Fischer, m.(-s, Pl. wie Sg.), mhd. vischœre, ahd. fscäri m. und Fischerei, f., mhd. vischerèe f. ZUS. Fischaar, m.: auf Fische stoßender Adler, bei Luther Fischar, Fissch- ar. Fisehbein, n.: Walfischknochen. Erst frühnhd.(Hulsius Schiffarten 4, 5 Visch- bein, 1628 bei Münster Cosmogr. S. 1725 Fischbein), wohl aus dem Ndd. In andrer Bed. 1574 bei Fischart Onomast. 3802 Fisch- bein«ossa sepiey». Fischotter, m. und f. (§. Otter), bei Henisch. fiseln oder flsseln, v.: fein regnen. Ndd. Vielleicht eine Ableitung von mhd. viseln, Pl.«Franseny. Vgl. die Redensart«es regnet Bindfaden. Fisimaténten, Pl.: Flausen, Ausflüchte. In nordd. und südd. Umgangssprache. Er- scheint zuerst im 16. Jh. im Hochd. und im 539 Fiskaàl fix 540 Mnd. als wisipatent, visepetent, fisipotent«Al- bernheit, Alfanzerei» und ist Entstellung des mhd. visament Gesicht, Aussehen», dann Einteilung und kunstgerechte Beschreibung eines Wappens» und danach Liedersaal 1, 579, 75 fisiment«unverständliche leere Zie- raten», von mhd. visieren«bilden, die Wappen- figuren ordnen und beschreibeny und dieses nach franz. viser, von lat. visére«genau be- sichtigeny. Fiskäl, m.(-S, Pl.-e): Vertreter des Fiskus; öffentlicher Ankläger. Aus mlat. fiscalis, von lat. fiscus(s. u.). In der Rechts- sprache des 15. Jh.(Janssen Frankf. Reichs- korr. 2, 321). 4BL. flskälisch, adj.: den Fiskus oder den Fiskal betreffend. Reichs- Ordnungen 572(v. J. 1507). Dafür ahd. fis- cilih(Steinmeyer-Sievers Gl. 2, 739, 35).— Fiskus, m.: der öffentliche Schatz, Staats- schatz, Staatskasse; Strafkasse. Das lat. fiscus m. cgeflochtener Korby, dann Geldkorb, Kassey, endlich öffentliche Kasse, Kasse der Staatsgelder». Im 16. Jh. geläufig. Fisöle, s. Faseole. fispeln, flspern, v.: zischeln, flüstern. Frühnhd., bei Schottel 1663 als fispen, fisperen verzeichnet. Wohl lautnachahmend, vgl. fli- Spern, flüstern, wispeln. Fist, m.(es, Pl.-e): leiser Bauchwind. Mhd. vist, vist(daher dialektisch Feist) m.; dazu mnd. vist, ndl. veest m., abgeleitet von einem starken Verbum, das in anord. lsa, schwed. fisa, dün. fise«farzen(auch in einem hd. Glossar des 15. Jh. feysen) erhalten ist. 4BL. fisten, v., mhd. visten; dazu mnd. visten, visten, ndl. vijsten und veesten. Trotz des abweichenden Vokalismus verwandt mit lat. pédo aus pezdo, slow. pezdeti, lit. bezdéti cfarzen?. Vgl. auch Boflst. Fistel, f.(Pl.-n/): eiterndes Geschwür mit Röhre; erzwungene hohe Stimme, wie durch eine Rohrpfeife. Mhd. vistel f. eitern- des Geschwüry, ahd. fistul f.«Röhrey, auch mnd. vistel f.«Geschwüry. Aus lat. fistula f. «Röhre, Rohrpfeife, eiterndes Geschwüry. Die 2. Bed. erst im 18. Jh., aber schon im 17. Jh. fistalieren«die Singstimme höher als natürlich zwingenn. fitscheln, v.: hin- und herfahrend reiben, schneiden u. dgl. Frühnhd. Wahrscheinlich aus einem mhd. fick(e)zen, abgeleitet von fichen(s. d.), zu erklären. Fitschepfeil, s. Flitzbogen. Fittich, m.(-s, Pl.-e): befiederter Flügel; Zipfel des Gewandes(4. Mos. 15, 38; 5. Mos. 22, 12, vgl. einen beim F. nehmen, s. auch Schlafittich); leichtes geringes Obergewand (Goethe 22, 53); liederlicher Mensch(md.- elsäss.). Früher auch Fittig geschrieben, schon bei Luther(vgl. Essig). Mhd. vitfich, vit- tech, früher vetteche, vettache(noch jetet alem. Fettich) m. f., ahd. fettäh, bei Isidor fethdhüh m., eine kollektive Bildung von einem Worte, das sich von Feder(s. d.) durch die Stammbildung unterscheidet; zu letzterm gehört unmittelbar mhd. vedkrach, ahd. fedcrrah, asächs. fetherac m. Flügel. Fitze, f.(Pl.-n): Binde zum Zusammen- binden einer Anzahl Garnfäden beim Auf- haspeln; ein solches Gebinde Garn. Mhd. vitze f. und viz m., ahd. fizza, eig. die Fadenenden des alten Aufzuges zum An- knüpfen des neuen»(lat. licium),«Anzahl Fäden, die beim Haspeln durch einen quer darum gebundenen Zwischenfaden von den übrigen geschieden sind; dazu asächs. fttea, ags. fitt f.(in übertragenem Sinn)«Abschnitt eines Gedichtesy, engl. ſt«Abschnitt, Krank- heitsanfall», anord. ſit f.-die Haut zwischen den Klauen von Vögeln und Ochsen, der Rand an Gestricktemy, dän. fed Gebinde Garny. Auch obersächs. Fitz m.«Wirrwarr von Fäden» gehört hierher(daher bei Lessing herausfitzen«aus dem Wirrwarr lösen). Die Lautform führt auf idg.*pedſd, das gleich gr. néza f.«Fuß, äußerstes Ende, am Kleide Saum, Vorstoß⸗ ist. 4 B L. fitzen, v.: mit der Fitze oder zu Fitzen binden; fadenweise abteilen oder ablösen(bei Lessing); in Falten legen, runzeln(Lichtwer Fabeln 1, 12), rümpfen. Mhd. vitzen in vervitzen, «zusammenbinden», spätmhd. vitzen«webenꝰ, ahd. Rzzeön«umgeben»; dazu anord. fitja «weben, stricken, rümpfen». Dazu Fitz- nase, f.: eine die Nase rümpfende Person (Weiße Lustsp. 3, 380). fitzen, v.: hin- und herfahrend reiben; mit Ruten streichen. Frühnhd. Wohl auf ein mhd. fick(e)zen, abgeleitet von Hicken (s. d.), zurückgehend, vgl. auch fitscheln. Oder zum vorausgehenden, das im Alem. auch die Bed.«Rute, Gertey hat. 1fix, adj. u. adv.: sicher, gewandt in der Tat, rasch entschlossen; rasch, hurtig, be- reit zu etwas, in der Redensart J. und fertig. Wohl aus dem folg. fiæ entwickelt. Henisch 1616 verzeichnet fic als«richtig, bewehrt», ebenso Schottel 1663, während Stieler 1691 541 fix Flader 542 auch die Bed.«gewandt, raschy kennt. Als Adv. findet sich viæ«rasch» bereits im 15. Jh. (Hätzlerin 2, 69, 38), sehr häufig im 17. Jh. (viæ tantzen Moscherosch Phil. 2, 633), auch als Adj. In Norddeutschland ist Fir auch Name eines Hof-Schäferhundes. 2fix, adj. u. adv.: fest, bleibend, unbe- weglich. Zuerst in der Sprache der Al- chimie(schon bei Paracelsus), auch 1562 bei Mathesius Sar. 49 b und bei Rot 1571 ver- zeichnet. Aus dem lat. Adj. figus cfest, bleibend», eig. Part. Perf. Pass. von figere ceinheften, befestigen). 4L. fixen, v.: an der Börse Papiere in die Höhe treiben. Junger Ausdruck. ZUS. Fixstern, m.: feststehen- der Stern, Sonnenstern. Bei Comenius 1640. Fixfax, m.(-es, Pl.-e): Gaukelei, Blend- werk. In der nordd. Umgangssprache. Zu fichfachen(s. d.), vgl. Faxe. fixieren, v.: festsetzen, bestimmen; starr (und forschend) ansehen. Aus mlat. fixare zu fixus(s. 2fiæ). In der 1. Bed. schon im 16. Jh. vorhanden(Rot 1572 hat Fiwirung). In der 2. Bed. bei Campe 1813. Fjord, m.(-Lels, Pl.-e): Meerbusen. Junge Entlehnung aus gleichbed. dän.-norw. fjörd. Desselben Stammes wie Furt. Flabbe, f., auch Flappe, f.(Pl.-n): herabhängende Unterlippe, offenstehender Mund. In der nordd. Umgangssprache, schon mnd. vlabbe f.; dazu ndl. flab, fleb f., isl. flipi«untere Pferdelippen; vgl. engl. flabb, «schlotterig, schlaff. Ablautformen mit ĩ u. ei bei Falk-Torp unter flœhe. Bei Schottel 1663 als flabbe, flappe. flach, adj. u. adv.: nach der Ausdehnung in Länge und Breite ohne merkliche Er- habenheit wie Vertiefung; seicht;(bildlich) nicht geistestief. Der Komp. lautet flacher (bei Goethe 30, 51 u. 35, 7 flächer), Sup. flachst. Mhd. vlach, ahd. flah; dazu ndl. vlak, schwed.(entlehnt) flach und mit Ablaut ags. flõc n., engl. flule«Flundery, eig.«Flach- fisch». Urverwandt ist lat. plaga f. Gegend), gr. rXroc n. Meer», eig.«ͥdie Flächey, abg. ploskä breit» und weiter mit Wurzel- variation, gr. nXdE f.«Fläche, Ebene, Blach- feld, Platte, Tafely, Xaxoöc m. cflacher Kuchen», lat. placenta f.«flacher Kuchen» usw. S. auch blach, das in der Verbindung Blachfeld aus flach dissimiliert ist. 4 B L. Fläche, f., mhd. leche f. Damit zusammenges. Flächeninhalt, m., von Zesen in der Uber- setzung von Dögens Baukunst gebildet. Flachs, m.(-es, Pl.-e): die blau blühende Pflanze linum usitatissimum, deren zube- reiteter Bast gesponnen wird. Bei Justus Möser(patr. Phant. 2, 39. 85; Osnabrück. Gesch. 1, 103) nach dem Ndd. das Flachs. Mhd. vlahs, ahd. flahs m.; dazu ndd.-ndl. (mit Schwinden des h) vlas n., afries. faæ n., ags. fleqæ n., engl. lax. Gewöhnlich mit ableitendem-s, zu gr. mkéxeiv«schlingen, flechten, lat. plicäre zusammenwickeln, falten gestellt, die Grundbedeutung würe dann«Bündel». Doch befriedigt das nicht. Ein andrer Name für den Flachs ist mhd. har, ahd. haru, s. Haar. 4BL. flächsen, auch flächsern, adj.: von Flachs, spätmhd. vlahsin, vlehsin, bei Luther flechsen. IZUS. Flachsader, s. Flechse. flacken, v.: faul, ohne aufzustehen da- liegen. Bei Wieland aus dem Obd. Zu Flack m.«träger Menschy, dessen Herkunft unsicher ist. flackern, v.: flammend sich hin- und her- bewegen. Mhd.(spät und zuerst in rhein. Quellen) vwlackern, ahd. dagegen flagarön, (= anord. flögra), neben häufigerm flogäron cflattern, flackern», das ebenso wie ein gleich- bedeutendes flogezen m. zu got. fliugan cfliegen gehört. Dem mhd. blackern steht am näch- sten ndl. flakkeren«flackern», ags. flacor«flat- ternd», anord. flökra«flattern»; weiter dann (mit Ablaut) ndl. flikckeren, ags. flicorian, engl. flicher æflattern, schimmern, glitzern. flackern ist wohl aus lat. flagräre cflackern» entlehnt, hat sich aber mit einheimischen Worten vermischt. Ohne das ableitende 7 erscheint 1482 im Voc. theut. i 12 focken «flackern?, 1599 bei Kilian uwlacken(neben vlaggheren), anord. flakka«fackern», schwed. flacka, dän. flalcke, auch schweiz.-elsäss. flacken lodern). Fladen, m.(-, Pl. wie Sg.): dünner flacher Kuchen. Mit angetretenem v(älter- nhd. auch noch Flade) und Ubergang zur starken Flexion aus mhd. vlade m., ahd. flado m. und flada f., ndl. vlade, vla f. Das Wort stimmt der Lautverschiebung gemäß mit dem Adj. aind. prthäs, gr. nkoruc, lit. platus«platt, breit» und gr. röxyroc m., lat. pals f. dicker Brein. Flader, f.(Pl.„n): hin- und herlaufende Holz-, Steinader. Spätmhd. vlader m. Maser, geädertes Holz»(vom Ahorn, von der Eibe, Esche), dazu auch das Adj. vlader'n, wlederin, z. B. wlederin holz(bei Luther Hes. 27, 5 543 Fladuse Flasche 544 Radernholtz), ferner mnd. vlader m. geädertes Holz, Ahorny. Zu mhd. Mledern«flattern⸗ (s. Fledermaus) und bladern cflattern, flak- kerny; die hin- und hergehende Ader wurde der flackernden Flamme verglichen(äderiges Holz heißt auch Rammig). 4BL. fladerig, adj. Bei Maaler 1561 fladerechtig. Fladuse, s. Flöte. Flagge, f.(Pl.-n): große Schiffsfahne. Aus dem ndd. flagge f., ndl. vlag f., engl. flag, dän. flag(entlehnt) n., schwed. lagg m. und flagga f. Im Hochd. zuerst von Come- nius 1640 als Flagge aufgeführt, sonst im 17. Jh. meist Flache(aber Schottel 1663 Flagge). Wohl abgeleitet von einem Stamm, der in engl. fag v.«schlaff hangen⸗ vorliegt. 43L. flaggen, v., das ndd. faggen, dän. flage, schwed. flagga, erst bei Campe. Flakön, m.(-s, Pl.*s): Riechfläschchen. Das franz. flacon aus flascon, mlat. flasco m.(Gen. flasconis), s. Flasche. Im 18. Jh. entlehnt. Flamberg, m.(*, Pl.-e): breites Schlacht- schwert(Th. Körner Leyer u. Schw. 78 ff.). Frühnhd.(Aimon B 45), urspr. Flamberge f. (Gargantua 179), aus franz. amberge f. Dies ist unter volkstümlicher Anlehnung an flambe «Flammey entstanden aus Floberge, dem Eigennamen eines Schwertes. Weitere Ab- leitung unklar. Fläme, f.(Pl.-n), s. Flome. flämisch, adj. u. adv.: verdrießlich, mür- risch. Urspr. s. v. a. Alcmdrisch, die jetzige Bed. läßt sich seit dem 17. Jh. nachweisen. Der französische Einfluß, der sich seit dem 12. Jh. in Sitte, Tracht und Sprache Deutsch- lands geltend machte, wurde hauptsächlich durch das halb romanische, halb germanische Flandern vermittelt, weshalb dann ein fein- gebildeter Mensch auch als Vlœminc be- zeichnet wurde. Die Nachahmung der vlä- mischen Sitte und Sprache(vlæmen, eig. «vlümisch sprechen?) drang selbst in die nie- deren Stände, bei denen sich die Zierlich- keit übel ausnahm und ins Läücherliche fiel, daher dann das Adj. vlœmisch«fein gebildet in die Bed.«auf rohe Art prunkend, an- maßendꝰ, überspielt, woraus wohl die weitere Bed.«nach Herrenart verdrießlich, mürrisch) hervorgegangen ist. Flamme, f.(Pl.-n): zur Höhe schlagen- des Feuer. Mhd. vlamme f., auch m., wie andd. flamma, ndl. vlam f. entlehnt aus dem gleichbed. lat. amma f. Dadurch wurde der eig. deutsche Ausdruck ahd.-mhd. louc m.(s. leuchten) verdrängt. 4BL. flammen, v., mhd. Vlammen, auch ndl. lammen. Da- von mit frequentativer Endung(vgl. Himmern) flammern(Bürger Des Pfarrers Tochter von Taubenhain Str. 2), auch mit Umlaut flämmern(Goethe Faust 3651), schon im Mrhein. des 14. Jh. flammeren. flammig, adj., mhd. vlammic. Flammeri, m.(-s, Pl.-s): kalter Pud- ding. Neue Entlehnung aus engl. flummer Hafermehlbrei?. Flanéll, m.(-S, Pl.-e): ein leichtes Wollenzeug. Zunächst aus engl. lannel, das auf dem gleichbed. franz. flanelle f., ital. fiamella f. beruht, einer dimin. Ableitung von afranz. flaine«Wollzeug». 1715 bei Ama- ranthes 547 Flannell. Flanke, f.(Pl.-n): Seite, Seitenlinie wo- von; Weiche, Bauchseite bei Tieren. Mit Geschlechtswechsel aus franz. Hlanc, ital. fianco m., das vielleicht auf ahd. hlanca (F für k eingetreten), mhd. lanke f.,(noch 1678 bei Krämer Lancken f. Weiche, Lende) zurückgeht. Zuerst als Seitenwerk einer Festung(bei J. v. Wallhausen) belegt, von Krämer 1678 als Flancke angeführt; Speran- der 1728 hat Flanquen auch als«Seitenflügel eines Regiments» und später erscheint es in der allgemeinen Bed. des franz. flanc. 4L. flankieren, v.: mit Seitenwerken versehen; einem Heere die Seite abgewinnen; sich umherbewegen, eig. an der Seite wovon. Aus franz. flanguer. Schon 1599 ndl. bei Kilian, dann 1617 bei Wallhausen Corp. mil. 221 flanguiren, bei beiden als militärischer Ausdruck verzeichnet. Flaps, m.(es, Pl.-e): einfältiger Mensch (Kleist zerbroch. Krug 444). Aus dem Ndd.; Kindleben 1781 verzeichnet Flabbs«grober Mensch, Danneil Flabbs Laffe». Wahr- scheinlich mit ableitendem-s(vgl. Taps, Schnaps, Klecks) zu Flabbe, Flappe«Maul»⸗ (s. d.) gebildet. Flasche, f.(Pl.-n): bauchiges Gefäß mit engem Halse für Flüssigkeit. Mhd. vlasche, alem. u. rheinfränk. vlesche, ahd. flasca f.; dazu ndl. vlesch, ags. flasce, engl. flask, anord.- schwed. flaska, dän. flaske f. Aus mlat. flasca, ital. fiasca, afranz. flasche, dem Fem. zu mlat. Hlasco, ital. fiasco. Vgl. Roethe AfdA. 23, 157. 4BL. Flaschner, m.: Hand- werker, der blecherne Flaschen macht;(in Süddeutschland) Klempner. Spätmhd. ZU0S. 545 Flaser Flause 546 Flaschenfutter, n.: tragbares Flaschenbe- hältnis zu Reisen. Im 17. Jh.(Fleming 582). Flaschenzug, m.: Hebewerkzeug aus zwei Flaschen oder Kolben. Bei Dentaler 1709. Flaser, f.(Goethe NW. Schr. 9, 60): wie Flader(s. d.). Um 1480 flasir am schuch «Schuhriemen» Voc. incip. teut. g 22. Das lautliche Verhältnis zu Flader ist dunkel. 4B. flasern, v.: in geflasertes Holz, bei Lohenstein Armin. 2, 317. Flatschen, m.(-, Pl. wie Sg.): breites Stück wovon, Haufen, Fetzen. Bei Lessing 12, 518. 522. 523. In ndd. und md. Mund- arten, auch als Flatsche, f. Mhd. vlatsche, vletsche f.«Schwert mit breiter Klinge», wohl zu ahd. flaz cflach». Vgl. auch Hletschen. Flatterie, f.(Pl.-n): Schmeichelei. Bei Schiller Kab. u. L. 1, 5. Das gleichbed. franz. Hatterie f., von flatter(s. fattieren). flattern, v.: mit schnellem Aufundnieder- schlagen sich durch die Luft oder in ihr bewegen; sich unbeständig schnell hin- und herbewegen. Alternhd. fadern, bei Luther (Jer. 51, 27, Weish. 2, 3) fladdern, 1482 im Voc. theut. i1* fladern chell auflodern»(so noch schweiz.), spätmhd.(Fastnachtssp. 1277) Hlatern; daneben erscheint mhd. in gleicher Bed. Medern(s. Fledermaus) und vlodern (S. flodern), im 16. Jh. auch Hlitteren, vgl. engl. fitter clattern, flatter cflattern, flackern (aber ags. flotrian ist zu fléotan«fließen? zu stellen). Der Stamm gehört mit Falter(s. d.) zusammen, s. auch Flader. Stieler 1691 und Steinbach 1734 führen noch fladern, Schottel 1663 und Ludwig 1716 fladdern an, daneben findet sich bei Maaler 1561 floderen, Hotteren. flutteren, auch bei Schottel 1663 HAotteren, flutteren und noch bei Ludwig 1716 Hottern, flüttern. 4L. Flatterer, m.(-s, Pl. wie Sg.), im 16. Jh. flatterhaft, adj., im 17. Jh. flatterig, adj., im 16. Jh. adericht. ZS. Flattergeist, m., bei Luther Flad- der geist. flattieren, v.: schön tun, schmeicheln. Aus dem gleichbed. franz. flatter, das auf ein mlat.*flatitare, eig.«anblaseny zurück- geführt wird, abgeleitet von lat. fdtus m. «Hauch». Schon 1556 bei Frisius 443. 1272. 4BL. Flattierer, m.: Schmeichler, 1556 bei Frisius a. a. O. flau, adj. u. adv.: matt, schlaff, schwach (auch von Waren hinsichtlich ihres Absatzes). Aus dem gleichbed. ndd. flau(1767 im Bre- mischen Wörterb. als«lau, schal, kraftlosy, Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. nunn als Kaufmannsausdruck angeführt), ndl. flaudo(1599 bei Kilian)«ohnmächtig, schwach, blaß, bleich, gleichgültigy, das auf afranz. (picardisch und hennegauisch) flau, floi, nfranz. flou zurückgeht; dies leitet man von dem deutschen lau 6. d.), ahd. Jãäo, früher Aläo (mit Übergang des h in, s. Flankce) ab. Im Hd. zuerst im 18. Jh. bei Winckelmann († 1768) 5, 193 in der Bed.«matt von einer Farbe, 1775 von Adelung ins Wörterbuch aufgenommen; Heynatz 1796 führt es aber noch als ndsächs. Ausdruck an. 4. flauen, v.: flau sein, werden. Flauheit, f., ndl. 1599 bei Kilian aucawheyd. Flaum, m.(-s): die weichen Bauchfedern, der erste zarte Federwuchs der Vögel; erster Bartwuchs; weiche Wolle an Obst. Auch Flaume,(Pl. ⸗n): weiche Bauchfeder der Vögel. Mhd. pflüme, in md. Quellen plüme f.«Flaumfeder», wie ndl. pluim, ags. pläm in plamfedere f. entlehnt aus dem gleichbed. lat. plöma f. Im 16. Jh. findet sich neben Plaum, Pflaum auch(durch den Einfluß von Feder?) Flaum(neben andern Formen bei Dasypodius, Maaler); doch erhält sich Pflaum bis ins 18. Jh.(Frisch 1741 verzeichnet es noch) und wird z. B. von Weiße, Wieland Ob. 10, 22, Hölty 17, 82, J. M. Miller, Göckingk (2, 51), H. L. Wagner, Schiller(Räub. 1, 2) und Goethe 6, 43,(vgl. die Anmerkung) ge- braucht, auch jetzt noch obd. 4L. flaumig, adj., im 18. Jh., bei Keisersberg Bilg. 10 ³ pflumig, noch bei Schiller 13, 56 pPflaumicht. 2ZUS. Flaumfeder, f., mhd. pflumveder f., ags. plämfedere, noch bei Kant 8, 191 und Herder zur Rel. 5, 385 Pflaumfeder. flaum- weich, adj.: weich wie Flaum. Flaus, Flausch, m.(-es, Pl.-e): Büschel Wolle; dickwolliger Rock. Aus mnd. vlüs, vlüsch«Schaffell, zottiges Fell», 1475 clevisch fluesch(Teuthonista). Zu Vlies(s. d.). Frisch 1741 und Adelung kennen Flausch nur in der 1. Bed., Kindleben 1781 führt aus der Studentensprache Flausch als«eine Art be- quemer Uberrock»(auch bei Heine 1, 26) an, daneben ist auch die Form Flaus gebräuch- lich. ZUS. Flausrock, m., bei Voß 2, 188. Flause, f.(meist im Pl.-n): unrichtiges, irreführendes Vorgeben, Vorspiegelung, ins- besondere schwankartige. Die ältre Form ist das im 17. Jh. mehrfach belegte, auch jetzt noch mundartliche Fausen«Torheiten, Albernheiten, Schnurren»(bei Krämer 1678 und Rädlein 1711 seine Fausen haben«mond- 3⁵ 547 Flaute Fledermaus 548 süchtig sein»); dies berührt sich wieder mit dem nordd. Fusen, Kunkcelfusen«Ausflüchte, Spiegelfechtereien, Schikanen», bei Stieler 443. Die Grundbedeutung von Fause(Flause) dürfte«Büschel Haare oder Wolle, Flocke, Zotte» gewesen sein(vgl. Zote und schweiz. fausel m.«Büschel von Haaren oder Fasen), daraus hat sich die Bed.«Narrheit, Albern- heit, Vorspiegelung» entwickelt. Flause neben Fluse 1781 bei Dähnert und bei Adelung. Im Schweiz.-Elsäss. ist Flaus auch Ohrfeige». Flaute, Nebenform von Plöte(s. d.). Fläz(mit d), m.(-es, Pl.-e): dummgrober Mensch. In der Umgangssprache. Zuerst 1611 bei Helvig 124 Flôetz als pommersches Dialekt- wort aufgeführt, dann bei Schottel 1663 Flote, bei Stieler 1691 Flätz, Flötz«unverschämter Mensch». Vielleicht zu mhd. Uletzen cbreit da liegen oder lagern», abgeleitet von vletze n.«Fußboden»(s. Fletz und Flôz), also eig. «der sich in flegelhafter Weise breit macht», bei Mathesius Luther(1576) 136 b sich fletz- schen, noch obersächs.-ndd. sich hinfläzen«sich breit hinsetzen oder legeny. Flechse, f.(Pl.-n): spannende Muskel- und Gelenkfaser im Fleische. Erst im 17. Jh. (bei Henisch 1616 Flechs), früher dafür Flachs- ader. Also von Flachs wegen der Feinheit des Fadens und des Bindenden. Flechte, f.(Pl.-n/): biegbares ineinan- der Geschlungenes; geflechtartig sich aus- dehnendes Laubmoos; geflechtartig um sich greifender Hautausschlag. Mhd. vlehte f. in der 1. Bed.; dazu got.(mit Ablaut) flahta f. «geflochtenes Haar, Zopfy. Von flechten, v.(Prät. flocht, Part. geflochten): ineinander schlingend verbinden oder hervorbringen. Mhd. vlehten, ahd. and. fehtan; dazu andl. ulehten, anord. flétta. Übereinstimmend mit dem gleichbed. lat. plectere, abg. plesti und ohné das ableitende t lat. plicdre«zusammenbiegen, falten, gr. nXékeiv«schlingen, flechten», aind. pracgnas m. Geflecht, Korby, vgl. auch Flachs. Das Prät. lautet mhd. Mlaht, Pl. vlähten, md. aber vlahten, mnd. vlohten, darauf geht der nhd. Sg. focht zurück, dessen sich schon Luther bedient(Hochte), wührend im Obd. anfangs flacht bleibt. Vereinzelt Ubergang zur schwachen Flexion. 1 Fleck, m.(-es, Pl.-e): Stück eines Ganzen; Stück Zeug, Lappen; Raumpunkt (selten als n. z. B. Schiller Turandot 2, 4, Goethe 18, 29). Mhd. elec, auch vlecke m. Zeugstück, Lappen, Fetzen, Stück Land, Platz, Raumpunkt», spätmhd. auch Stück vom Magen oder Eingeweide»(s. Kuttelfleck), ahd. flec(Gen. flecches) m. Stück Zeug, Lappeny. Das Wort gilt als identisch mit dem folgenden, doch sind vielleicht ver- schiedene Worte zusammengeflossen. Dazu mit Ablaut anord. Hl f.«Lappen). 48L. flecken, v.: durch einen aufgesetzten Fleck (Lappen) ausbessern; vom Flecke kommen, von statten gehen. Mhd. vlecken«vom Flecke schaffen, förderny. S. auch flicken. 2 Fleck, m.(-es, Pl.-e), meist Flecken, m.(-s, Pl. wie Sg.): andersfarbige Stelle; andersfarbige Stelle als Fehler. Mhd. ulec und mit schwacher Flexion wleche, ahd. fleccho, flecko m.; dazu ndl. vlex f., engl. fleck, anord. fleller, schwed. fläck m. S. das vorige Wort. Luther hat Fleck und Flecke, woraus später mit angetretenem n und Ober- gang zur starken Flexion Flecken(Flecke noch Herder Cid Nr. 11); daneben erhält sich die kürzere Form Fleck, namentlich in Zu- sammensetzungen wie Schand-, Schmute fleclc. 4BL. flecken, v.: Flecken geben, durch andersfarbige Stellen zeichnen. fleckig, fleckicht, adj.: Flecken habend. Mhd. vleckic und Bleckeht(bei Boner Edelstein 96, 34 Hds. B flekig)«andersfarbige Stellen habend, beschmutzt»(bei Luther mit geschwundenem ch fleckel). Flecken, m.(-S, Pl. wie Sg.): Dorf städ- tischen Ansehens. Mhd. Nlecke m., eins mit dem vorigen Flecken, mit angetretenem /. Die jetzige Bed. kommt im 15. Jh. und bei Luther vor(marktfleck schon am An- fang des 14. Jh. bei Ködiz 87, 24); sie ist ebenso wie bei Ort(s. d.) entstanden. Auch ndl. wle3 n. Fledermaus, f.(Pl.-mäuse): fliegende Maus. Bei Luther F. und Fleddermaus, mhd. vledermus, ahd. fledarmhs f., daneben fledaremustro; dazu ndl. uledermuis f., engl. flittermouse, im Ags. dagegen hréade- oder hréremus f. Zu ahd. fledirön, mhd. ulederen, bayr. fledern«flattern(s. d.), mit den Flügeln schlagen» und Maus trotz Koegel Idg. Forsch. 4, 319. Auch auf den Schmetterling über- tragen, mhd. vledermũs Nachtschmetterling, Mottey, 1469 im Voc. ex quo fledder musche, aber von der Maus fleddermuße, bei Alberus dict. X X 32 fledermausz, odder zuweyfalter, fleugt inns liecht, noch in der hess. Provinz Starkenburg, wo dann für die eigentliche Fledermaus die Benennung Speclemaus gilt 549 Flederwisch Fleib 550 GG. d.). Dazu elsäss. Fledermäusel, tirol. fäãttr- maus«Schmetterlingy. Flederwisch, m.(-es, Pl.-e): Gänse- flügel zum Abwischen. Mhd. vederaisch m., bei Keisersberg federwüsch, bei Luther fedder- wüsch; dazu ndl. vederwisch f. Das I ist eingeschoben(wie in Flause, Geflügel) mit Anlehnung an fledern, gleichsam«Wisch zum Abfächeln», zuerst im 15. Jh.(Fastnachtssp. 73, 9). Bei Goethe Faust 3706 verächtlich für Degen. Flegel, m.(-s, Pl. wie Sg.): Stab mit Klöpfel zum Ausschlagen;(bildlich) derber, grober Mensch(vgl. Bengel). In der eig. Bed. mhd. vlegel(Nebenform phlegel noch 1615 bei Messer- schmid lust. Narrheit 175, ndd. plégel), ahd. flegil m.; dazu ndl. vlegel, ags. fligel m., engl. flail, wahrscheinlich entlehnt aus lat. flagellam n. «Peitsches, um 400 n. Chr. auch Dresch- stabo, woher auch franz. fléau, afranz. flael m. cDreschflegel». Das ältre deutsche Wort dafür ist Drischel(s. d.). Die Bed.«Grobian» (1551 bei Scheidt Grob. 3129) urspr. wohl vom Bauern, der den Dreschflegel handhabt, bei H. Sachs 14, 61, ist Flegel Bauern- name. 43L. Flegelei, f., 1678 bei Krämer. flegelhaft, adj., 1691 bei Stieler. Z08. Flegeljahr, n., gewöhnlich im Pl.; die Jahre jugendlicher Ungesittetheit, 1804 durch J. Pauls gleichnamiges Werk eingebürgert, Zfd W. 9, 280 aus dem J. 1788 belegt. flegeln, v.: dreschen, mhd. wlegelen, im 16. Jh. in übertrag. Bed.«schlagen?, 1716 bei Ludwig «jem. Flegel heißen»; intr.«Flegeleien be- gehen), bei Voß 4, 44; refl.«sich bäurisch benehmen). flehen, v.: angelegentlich, inbrünstig, de- mütig bitten. Mhd. vléhen, wlégen, ahd. fléhön, Hléhan«schmeicheln, freundlich zureden?, dazu and. fléhon liebkosen, schmeichelny, got. gaplaihan«freundlich zureden, liebkosen, trösteny, gaplaihts f.«freundliches Zureden, Trost», anord. fdr, ags. Hdh«falsch, hinter- listig). Unbekannter Herkunft, kaum mit Osthoff Btr. 13, 399 zu gr. Naixdc Hure», lat. léna f.«Kupplerin», vgl. Walde s. v. Die Person, zu der man fleht, steht mhd. im bloßen Dat. oder Akk., dies hat sich bei Dichtern bis in neuere Zeit erhalten, der Dativ z. B. bei Klopstock Mess. 4, 182, Wie- land 28, 7, der Akk. bei Schiller Karlos 1, 2. 4BL. flehentlich, adj., mhd. vléhelich, auch féhentlich, bei Luther flehlich, 1616 bei Henisch Heh-, flehenlich, 1691 bei Stieler flehendlich. Aus dem Part. Präs. gebildet(wie hoffentlich, wissentlich).. flei(h)en, v.: in Ordnung bringen, putzen, dialektisch im Nordd., besonders in der Zu- sammensetzung sich auffleien. Aus nd. len, as.(gi)flthan den Sinn auf etwas richten, ndl. vlijen, fries. lie«ordnen». Fleisch, n.(-es): die weiche Masse des tierischen Körpers, dann die saftige Masse der Pflanzen. Mhd. vleisch, ahd. fleisk n., dazu asächs. fsc, ndl. vleesch, afries. fläsc, ags. fcοσsc(n., engl. flesh. Die urspr. Bedeutung scheint«fettes Fleisch» zu sein, da anord. flesk n.«Schinken, Speck», schwed. fläsk, dän. flesk n.«Speck» bezeichnet. Weiter sind wohl verwandt anord. flitchti n., ags. flicce n., engl. flitch«Speckseite». Denselben Stamm ent- halten möglicherweise lit. pältis«Speckseite, abg. pläütä m.«Fleisch). 4 BL. fleischen, v.: Fleisch ablösen; Fleisch abschaben; mit Fleisch versehen; fleischliche Gestalt an- nehmen; mhd. vleischen, ahd. fleiscön in zu- fleiscon«zerfleischen». Fleischer, m.: der handwerksmäßig Vieh schlachtet und das Fleisch zum Verkauf aushaut. In Norddeutsch- land(süddeutsch Metzger). 1470 fleischer in Diefenbachs mlat.-hd.-böhm. Wbch. 61, da- gegen bezeichnet mhd. im 14. Jh. vleischer cden Henker⸗, während man den Schlächter vleischhouver, fleischouwer oder vleischhacker, auch fleischel m. nannte. Dazu Fleischer- gang, m.: vergeblicher Gang(weil der Fleischer nach Kälbern oft vergebens über Land geht), 1711 bei Rädlein. fleischern, adj.: aus Fleisch bestehend, bei Luther(Hesek. 11, 19. 36, 26), mhd. dagegen vleischin, ahd. fleiskin. fleischig, adj., auch fleischicht, spätmhd. vleischic cfetty. fleischlich, adj.: körperlich; sinnlich; mhd. pleischlich, ahd. fleisclich, dazu and. flεskolik, afries. ldsklic, ags. flẽõscic. ZUS. Fleischbank, f.: Schlacht- bank, Schlachthaus, mhd. vleischbanc. Fleisch- brühe, f., 1482 im Voc. theut. h 7 b flaischpru, bei Steinhöwel 221 flaischbrü. Fleischfarbe, f., 1616 bei Henisch. fleischfarben, adj., 1711 bei Rädlein fleischfarb. Fleischtopf, m., bei Luther(2. Mos. 16, 3). Fleiß, m.(-es): worauf verwandte eifrige sorgfältige Tatigkeit. Mhd. uli;, ahd. ullz m. Eifer, Sorgfalty; dazu asächs. Hft m.«Kampf, Kampfeifery, ndl. vlijt f.«Fleiß», ags. flit n. «Argernis, Streit». Vielleicht mit lat. I2s, lztis f., alat. Stlis«Streit, Zank» zu verbinden mit s-losem Anlaut und anderm Auslaut(aus-tn?). 35* 551 flektieren fliehen 552 Dazu fleißen, v.(Röm. 15, 20), jetzt befleißen G. d.), mhd. vllzen, ahd. flizan«Sorgfalt woran wenden», and. andflätan«sich bemühen, streben?, ags. flitan«kämpfen, streiten?, engl. flite«zanken, streiten». 4B. fleißig, adj., mhd. vlizec, ahd. flizgic, mndl. vlitech. Davon älternhd. fleißigen, v. refl., bei Luther, mhd. vlizigen, heute sich hefleißigen. flektieren, v.: biegen, insbes. ein Wort. Erst spät im 18. Jh. Aus gleichbed. lat. Hlectere. flennen, v. mit verzogenem Munde weinen (Schiller Räub. 1, 2). Eig. den Mund ver- ziehen, zum Hohnlachen(Lohenstein Ibra- him 2) oder zum Weinen, ahd. fannen den Mund verziehen», neben mhd. vlans m.«Maul?. Unbekannter Herkunft. 1540 bei Alberus dict. Ji 3 b ich flenn«strecke die Zunge heraus», 1559 bei S. Franck verbütschiert Buch 145 b flannen«weinen?, in gleicher Bed. 1691 bei Stieler fennen neben dem Subst. Flanner m. S. Flansch. Flet, n.(-es, Pl.-e), auch Flete f.(Pl.-n/): schiffbarer Kanal der Stadt. Aus mnd. vlek n. «Fluß, Rinnsal, von mnd. vleten cfließenp. Bei Adelung flethe f. S. Fließ. fletschen, v.: ins Breite dehnen; flach, breit schlagen; die Zähne zeigen. Mhd. uletschen «die Zähmne zeigen», vletzen causbreiten», zu ahd. flaz«flach, platté. S. Flöz, Fläeæ. ZUS. Fletschzahn, m.: hervorstehender, von der Lippe nicht bedeckter Zahn. Fletz, n., selten m.(es, Pl.-e): Fuß- boden, Hausflur. Alternhd. und noch in Bayern. S. Flöz. Flexiön, f.(Pl.-en): Biegung, insbes. Veränderung eines Wortes zur Bezeichnung grammatischer Verhältnisse. Erst spät im 18. Jh., aus lat. flecio f.«Biegung»(nur in 1. Bed.), von lat. flectere«biegen». S. flelctieren. Flibüstier, m.(-s, Pl. wie Sg.): See- räuber. In der zweiten Hälfte des 17. Jh. auf den Antillen so benannt nach den leichten Schiffen, den Flibusten, deren sich diese Prei- beuter bedienten. Flibuste, f., aus engl. fly-boat«fliegendes Eilboot», franz. flibot m., holl. vlieboof. Flicken, m.(-S, Pl. wie Sg.), daneben Flicke, m.(-hn, Pl.-n): Stück Zeug zum Ausbessern. Aus nd. flikke. 1775 bei Adelung. Von flicken, v.: eine schadhafte Stelle aus- bessern, mhd. vlicken«einen Fleck(Lappen) aufsetzeny, s. 1Fleck. Dazu Flicker, m., bei Luther Tischr. 200; Flickerei, f., 1664 bei Duez. Flickwerk, n., im 15. Jh. in den Fastnachtsp. 793, 10. Flickwort, n., 1641 bei Schottel 360. Flieder, m.(-s): der Holunder, sambucus nigra. Aus dem Núd. 1616 bei Henisch Fleder baum und Fliederbeer, 1574 bei Fischart Onomast. 192 Flidder, Flier, Vlierbaum, mnd. vleder, 1420 bei Diefenbach Gl. 509 vlieder, 1599 ebenfalls als nd. bei Kilian 626 b vledder, ndl. vlier. Dunklen Ursprungs. Auch auf die Syringe übertragen, 1741 bei Frisch spanischer Flieder. Fliege, f.(Pl.-/): das geflügelte Insekt lat. musca. Mhd. liege, ahd. flioga, fliega, and. fliega, ndl. ulieg, ags. flõoge f., engl. y; aber auch ahd. als Nebenform fliuga, mhd. Hiuga, fleuge, älternhd. fleug, 1537 bei Dasy- podius T 1 flüg, mit kurzem Vokal anord. flaga, schwed. fluga f., dun. flue. Von fliegen, v.(Prät. flog, Part. geflogen): sich schwingend und schwebend durch die Luft bewegen und von derselben getragen werden. Mhd. vliegen, ahd. fliugan, fliogan; dazu ndl. vliegen, afries. fliaga, ags. fléogan, engl.;„ anord. fjäga, schwed. flyga, dän. fyuve. Obwohl infolge ihrer Begriffsverwandtschaft bis in neuere Zeit oft miteinander vermengt(Luther 5, 294 b, Spr. Sal. 23, 5, Schiller 3, 167), sind fliegen und fliehen etymologisch nicht verwandt, wie der urspr. Anlaut im got. Fliachan cfliehen⸗ und im got. Faktitiv usflaugjan«emporfliegen macheny zeigt. Etymologisch ist das Wort nicht sicher aufgeklärt. Einige stellen es zu lat. plüma f.«Flaumfeder, Flaumꝰ», lit. Plunksna f.«Feder», vgl. Walde s. v. Andre denken an Ableitung von einer Wz. plau cfließen?(s. d.). Das Präs. flektiert in der 2. und 3. Sing. älternhd. bis in die 2. Hälfte des 18. Jh. und noch dichterisch im 19. Jh. fleugst, fleugt(Wieland Idr. 114, Schiller Tell 3, 1), der Imp. fleug(Lessing 1, 101, Uhland 173), entsprechend dem mhd. Nliugest, vliuget, vliuc; das Prät. mhd. vlouc, Pl. vlaugen, md. vlõc, vlög, danach die nhd. Formen log, Pl. flogen gebildet. ZUS. Fliegengott, m.: Bezeichnung des Teufels nach der Ubersetzung von Beelzebab in der Septuaginta. fliehen, v.(Prät. Hoh, Part. geflohen): sich schnell wovor fortbewegen, davonmachen (mit sein, doch trans. mit haben). Mhd. bliehen, ahd. fliohan; dazu asächs. fliohan, ndl. vlien, gewöhnlich wlieden, afries. la, ags. fléon, engl. flee, anord. Hs⁴ρ, schwed. fly, dän. lνi, got. mit urspr. im Anlaut Sliuhan 553 Fliese Flinte 554 (&. fliegen). fliehen ist von Osthoff Btr. 13, 412 2u lit. lekin, Iékti cfliegen», lett. lecu, lékt aspringen, hüpfen), lat. Iocusta«Heuschrecke» gestellt, bei denen ein Dental im Anlaut ver- loren gegangen sein kann. Der abweichende Vokalismus(auch in got Flahsjan zerschrecken?) beruht entweder auf germanischer Neuerung oder ist im Idg. entstanden. Die beiden Worte verhielten sich wie gr. éßohoi zu ceofw. Die 2. und 3. Sing. des Präs. lautet älternhd. und dichterisch bis in die Neu- zeit fleuchst, fleucht(Klopstock, Voß), der Imp. fleuch(Schiller Räub. 3, 1) entsprechend dem mhd. vliahest, vliuhet, vliuch; das Prät. mhd. ulöch, Pl. vlahen, noch älternhd. im 16. Jh. floch und flouch, ältermd. vloö und danach die nhd. Formen Aok(daneben flohe, bei Luther und noch bei Schiller Karlos 1965), Pl. Hohen. Fliese, f.(Pl.-n): dünne viereckige Stein-, Tonplatte zur Bekleidung von Fußböden und Wänden. 1681 bei Scriver Seelenschatz 1, 700, aus dem gleichbed. nd. fise, ndl. vlijs, anord. flis f., schwed.-dän. flis«Splitter, Stück». Vielleicht verwandt mit ir. sliss«Schnitzel» aus*(p)lissi. Fließ, m. n.(es, Pl.-e): kleiner Flufß. Mhd. uliez m. n., mnd. blét(s. Fleet), ndl. vliet m. Von fließen, v.(Prät. fo, Konj. Hlõsse, Part. geflossen): 1) mit sein: bei eigner Beweglichkeit in den Teilen zusammenhangend sich fortbewegen; von solchem sich Fortbe- wegenden mitbewegt werden. 2) mit haben: solches sich Fortbewegende von sich ausgehen lassen(sein Auge hat von Tränen geflossen). Mhd. uliezen, ahd. fliozan; dazu asächs. fliotan, mnd. vléten, ndl. vlieten, afries. Niata, ags. fléotan, engl. fleet, anord. ljôta, schwed. fyta, dän. flyde. Das Wort gehört zu lit. plästu Prät. plüdau ich gerate ins Schwimmen), lett. plädit«ergießen, strömenꝰ, air. im-Nuadi cexagitaty und weiter zu gr. Xéuw«schiffe, fahre», lat. pluit«regnet usw. Das Präs. flektiert in der 2. und 3. Sing. älternhd. und noch altertümlich fleußsest, fleußt(Hagedorn 0d. 47, Wieland, Bürger), der Imp. Hleuß, entsprechend dem mhd. vliuzest, vliuzet, vliuz; das Prät. mhd. vlöz, Pl. uluzzen, nach dem Sing. der nhd. Pl. flossen. Fließpapier, n.: fließendes, empfangene Tinte sich ausbreiten lassendes Papier. 1541 bei Frisius s. v. bibalas Flüßpapyr, 1561 bei Maaler Fließpapyr. Fliete, f.(Pl.-n): scharfes Eisen zum Aderlassen. Spätmhd. vliete, flieten, im 12. Jh. Hieddeme, ahd. liedema, fliodema f., dazu ags. flytme f. aus gleichbed. gr.-mlat. fleotomum n., gr. Jat. phlebotomus m., von gr. ꝙXép, Gen. qXéßôc f. Blutader», réuverv«schneideny. flimmen, v.: zitternden Schein, Lichtblitze von sich geben. Erst im 18. Jh. im Ablaut zu flammen entstanden(Zacharid, Bürger 237: es flimmt und flammt). Dazu das gleichbed. flimmern, v., 1696 bei Reuter Schelmufsky 65 (es flimmerte und flammerte); ferner Flimmer, m.: beweglicher Glanz, zitternd glänzendes Metallteilchen, 1734 bei Steinbach in Gold- flimmer, 1741 bei Frisch ceine glänzende Berg-Art, die taub und ohne Halt ist». Flinder, m.(-s, Pl. wie Sg.): dünnes flimmerndes Metallplättchen. Zuerst nach- weisbar in einem Bericht von 1473(Neue Mitteilungen des thüring.-sächs. Vereins 2, 84); mit bei Goethe W. Meister 2, 4 Flinter. Wie flandern neben flattern(Schmeller 1, 792), so Flinder neben Plitter(s. d.), flindern (Cflattern, in kleinen Stückchen umherfliegen», H. Sachs 9, 448, mhd. verulindern«verflat- tern, verlöschen») neben flittern, s. d. flink, adj.: munter und mit Leichtigkeit geschwind. Aus dem Nd. 1691 bei Stieler, ndl. flink; aber 1716 bei Ludwig in der urspr. Bed. glänzend». Von flinken, v.: flimmern, glänzen, 1663 bei Schottel(dazu mhd. Kupfer- vlinke m.«flimmerndes Kupferschüppchen», bayr. flanke, flunken m.«Funkey). Daraus erweitert flinkern, v.: Lichtblitze von sich geben(und so ins Auge fallen), 1640 bei Zesen Helicon R 3 b, 1796 von Heynatz als niedersächs. bezeichnet, bei Schiller Wallenst. Lag. 3; vgl. flankern. Dazu Flinker, m. (J, Pl. wie Sg.): flimmernder Schmuck, bei Wieland 18, 140, Dim. Flinkerchen n. Flins, m.(-es, Pl.-e): Name mehrerer Steinarten. Mhd. wlins m., ahd. fins m. «Feuerstein, Kiesel, Fels», s. Flinte. Flinse, f.(Pl.-n): Läppchen als Abfall beim Zuschneiden. Aus dem gleichbed. nd. Flinse m., auch Schnitzel). Flinte, f.(Pl.-n): Schießgewehr mit langem Rohre. 1663 bei Schottel. Von engl. flint, ags. flint, mnd. vlint, mhd. vlins, ahd. fins m. Feuerstein, Kiesel», die zu gr. rkiveoc m., air. slind«zZiegel», aind. pindas m.«runde Masse, Klumpen» gehören, vgl. Lidén Stud. 18. Der Name kam auf, nach- dem das Schießgewehr, das man sonst mittels eines mit einer Lunte versehenen Rades los- 5⁵⁵ flirren Floh 5⁵6 gebrannt hatte, mit einem Steinschlosse ver- sehen worden war, in das ein Feuerstein (Hornstein) eingefügt war, eine französische Erfindung um 1630, franz. fasil â silex, engl. Aint-lock, flint-musket. flirren, v.: in Zitterlicht, lichtblitzend auf- und abschweben. 1663 bei Schottel in der Bed.«hin- und herflattern». Zu diesem Stamm Flirt, m.(-*s): Courmacherei, Liebelei; Lehnwort aus engl. lirt. Um 1890 aufge- kommen. Vgl. Ladendorf. flispern, v.: flüstern, von Adelung er- wähnt, bei Tieck romant. Dicht. 2, 474. Vgl. fispern. flistern, s. füstern. Flitter, m.(-s, Pl. wie Sg.), auch f. (Pl.-n): leichtes(fliegendes) dünnes, Zitter- licht werfendes Gold-, Silber-, Messingblech- stückchen; gehaltloser Schimmer fürs Auge. Vgl. Flinder. Die urspr. Bed. ist unruhig glänzendes Metallblättchen?(Nammule, flittern 1517 bei Trochus L 4², die flittern als heubt- schmuch bei Luther Jes. 3, 20), dann vom Ende des 16. bis ins 18. Jh. ckleine blinkende Blechmünzey, im 17. Jh. auch Benennung des Zittergrases(Flittern, Flittergras 1663 bei Schottel 1318), endlich abstrakt im 18. Jh. (Klopstock 12, 186); dän.-schwed. flitter v. aus dem Deutschen. Von flittern, v.: sich unstät hin- und herbewegen(im 15. Jh. flyttern«flatterny, von Schwänen, Altd. Wälder 1, 133, vom LZittern des Espenlaubs 1595 bei Rollenhagen Froschm. 2, 4, 2, dazu mengl. fliteren aflattern»), daher unruhig glänzen (im 18. Jh.). In der ältern Sprache Rlittren «flüstern»(Diefenbach mlat.-hochd.-böhm. Wb. 266 vom J. 1470), im 14. Jh. md. flettern cleise lachen, kichern»(Mone altd. Schausp. 154, 344), wovon md. gevlitter n. cunterdrücktes Gelächter»(Jeroschin 7884); ahd. mit weitrer Ableitung flitarazzan cliebkosen, schmeichelm, wonach flittern vielleicht urspr. auch s. v. a. «mit einem dem LZittern ühnlichen Bewegen der Flügel schöntun, noch bei H. Sachs(1, 320 b) flĩttern cliebkosen, schmeichelm. ZUS. Flitter- gold, n.(-es): in dünne Blättchen geschla- genes Messing, Rauschgold. Bei Stieler 1691. Flitterpappel, f.(Pl.-n/): Zitterespe. 1775 bei Adelung. Flitterstaat, m.(-es): mit Plittern besetzter, eitler Putz. Bei Lessing 6, 238. Flitterwoche, f.(Pl.-n): die erste Woche Vermählter nach ihrer Hochzeit, die Kosewoche». Zu Aittern cliebkosen?(s. o.). Bei H. Sachs(1, 388). Ahnliche Benennungen sind Kußaooche, Zärtelwoche, bayr. Kuder- woche, von kudern«kichern, schweiz. Trütler- woche, von trüteln æliebkosen. Flittich, m.(-s, Pl.-e): Flügel, Fittich (sächs. Weichbildrecht 165, 40); Rockaipfel. In Mittel- und Oberdeutschland aus Fittich unter Einfluß von fliegen, Flügel. Flitzbogen, m.(-S, Pl. wie Sg.): Bogen zu leichten Pfeilen. Alternhd. flischbogen (Zimm. Chron. 2, 474, 10, flitschbogen 1556 bei H. Stade 187), auch pflitsch-, pflitzbogen, nd. Nitebagen bei Chyträus 1582, ndl. flitsboog, zusammengesetzt mit älternhd. mnd. flitsch, flitsche, flitz, älternhd. auch pflitsche f., ndl. flits m.«Pfeil(auch tautologisch flitzenpfeil H. Sachs bei Liliencron 4, 168, flitzepfeil Fronsperger Kriegsb. 1, 1382, Fitschepfeil Rückert Ged. 3, 267), das auf franz. flèche, afranz. flesche f.«Pfeil» zurückgeht, dessen Herkunft nicht bekannt ist. flitzen, v.: sich pfeilschnell bewegen. Erst in der neuern Sprache. Von älternhd. Hitz f. Pfeilꝰ(S. Fliteæbogen). Schweiz. flitschen «schwirren wie ein Pfeil, wie ein Peitschen- schlag»(schon bei Frisius und Maaler), hess. flitschen(schon 1556 bei H. Stade 172), flitzen cmit Pfeilen schießeny. Flocke, f.(Pl.-n): Büschel leichten Stoffes, 2z. B. der Wolle, des Haares, Schnees usw. Noch bei Steinbach 1734 und bei Frisch 1741 Mask., mhd. uloche, ahd. floccho m.; dazu ndl. vlol f., engl. flockc,(entlehnt) dün. fokkre, schwed. flocka. Vielleicht aus gleichbed. lat. Hloccus m., mõglicherweise aber echt germanisch und dann wohl zu fliegen. 4 BL. flocken, v.: in Flocken niederfallen, sich absondern usw., 1616 bei Henisch. flockicht, flockig, adj. u. adv.: flockenförmig. Bei Henisch 1616 floclcig, bei Steinbach 1734 Hockicht. flodern, v.(1517 bei Keisersberg Brösamlin 2, 91², noch bei Schiller 1, 230), s. flattern. Floh, m.(-es, Pl. Flöhe): das springende Insekt lat. pulex. Bei Luther 1. Sam. 24, 15 und noch 1722 bei Freyer 251 Floch, mhd. vlöch m. und mit geschwundenem Auslaut vlõ f.(noch nhd. bei Dusch sowie schweiz. Floh f.), ahd. flöh m.; dazu mnd. wlo f., ndl. vloo f., ags. fléah, fléa f.(?), engl. flea, anord. flo f. Das Wort wird gewöhnlich abgeleitet von ahd. fliohan, got. Fliuhan cfliehen», die urspr. Bed. also der Flüchtige, schnell Fort- springendes. Eher wird man aber lat. piälex m. vergleichen, das allein steht und auf ein *poule« zurückgeht, wührend das germ. Wort 557 Flom Floß 558 auf*plou weist. 4 BL. flöhen, Aohen, v.: Flöhe suchen und fangen. Bei Henisch 1616 flöhen, bei Krämer 1678 flohen. ZUS. Flöh- kraut, n.(-es): Polei, mentha pulegium, und andre Pflanzen, weil sie zur Vertilgung der Flöhe dienten oder die Samen wie Flöhe aussehen oder die Blätter wie mit Flohstichen besprengt erscheinen. 1495 bei Brack 53 b Hohenkr aut, 1516 bei Pinicianus A 8 flöchkeraut. Flom, m.(-els, Pl.-en), auch Flaum und Flomen(-S): Bauch- und Nierenfett des Schweines. In Norddeutschland. Da- neben md. fleme, mhd. flœme f.«innere Fett- haut», schweiz. flamme f.«Seite Schwein- schmalz, wie man sie vom Tier abaieht». Dunkler Herkunft. 1Flor, m.(-és): Blüte, Blütenzustand, Blumenfülle. Im 16. Jh. in aller flore sein Zimm. Chr. 4, 256, 29, in bester Florn stehn 1588 bei J. Nas Glocke z. Erfurt 46, 1616 bei H. Ulr. Krafft 71 in flors Zeiten, bei Krämer 1678 im F. gehen, aus lat. in flõre, Ablativ von flos m. Blume, Blüte». All- gemeiner erst im 18. Jh. Aber schon mhd. floôre, Höraãe, flöri f. aus dem Französ. ent- lehnt(Wolfram Parz. 796, 5). Auch im Plur. in Floribus:«im Blütenzustand, im größten Wohlleben»(Fischart Garg. 149, Moscherosch Phil. 2, 235), ursprünglich studentisch, wie man denn 1690 in der Studentensprache, wenn bei Biergelagen das Bierglas nach dem Trinkkomment so geschickt ausgetrunken wurde, daß es«vonunten bis oben voller Schaum und kleiner Blümlein geblieben, einen solchen Trunk in Floribus nannte(Wurm-Logia 62); dann allgemein 1728 bei Sperander. 2 Flor, m.(es, Pl. Flöre, Flore): ein dünnes durchsichtiges Gewebe, besonders schwarz zum Zeichen der Trauer(schon bei P. Fleming 309). 1650 bei Moscherosch Phil. 1, 44 Flur, nach dem gleichbed. ndl. foers n., das, wie es scheint, auf den franz. Plur. fleurs f. Blumem, bildlich«die feinste, dünnste Sorten (aus lat. flos m., Gen. floris m.) zurückgeht, vgl. auch 1 Florett. 4 BL. floren, adj.(bayr. Hõren): aus Flor bestehend, erst im 18. Jh. ZUS. Florband, n.(-es, Pl.-bänder): flor- üuhnliches gestreiftes Band, 1716 bei Ludwig. Flora, f.(Pl. Floren): die Blumenwelt eines Landes. Aus lat. Flora f.«Name der Blumengöttin». 1813 bei Campe. Florbesen, m.(-v, Pl. wie Sg.): Mädchen vornehmer Eltern. Zu student. Flor m. vor- nehme Damen». Aus der Studentensprache 1825 nachgewiesen, gleichzeitig bei Hauff Memoiren des Satan 51. ¹1 Florétt, m.(-é, Pl.-e): das obere grobe Gespinst des Seidenwurms; Abfall von guter Seide. 1678 bei Krämer Floret, wohl aus gleichbed. ndl. floret f.(bei Henisch in der Form Floröte), das aus dem gleichbed. franz. fleuret m.(1466 mlat. florétum n.) aufge- nommen wurde, von franz. fleur f. Blume» in der Bed.«Abfall und Ausschuß des Ge- spinstes der Seidenraupes. ZUS. Florétt- band, n.(-es, Pl.-bänder): Band von Florett- seide, bei Ludwig 1716 Floretband. Florétt- seide, f.: Flock., Rauhseide, 1678 bei Krämer Floretseide. 2 Florétt, n.(*S, Pl.-e u.-s): Stoßdegen zu Fechtübungen. 1678 bei Krämer Flöret, 1742 bei Trichter Reitlex. 804 Floret. Aus gleichbed. franz. Hleuret, ital. fioretto, span. florete m., so benannt wegen des blümchen- ahnlichen Knöpfchens an der Spitze, zu lat. flos m.(Gen. flõrıs)«Blumev. Floribus, s. 1lor. florieren, v.: blühen, in Aufnahme, ge- feiertem Ansehen sein. 1639 bei Micrälius 1, 92, ndl. floréren bei Kilian 1599. Aus lat. flörére«blühen, von lat. flos m. Blütey; daneben mlat. florare«mit Blumen ieren?, woraus mhd. flôrieren-blühen machen, zieren, noch bei H. Sachs 9, 160. Florin, m.(-s, Pl.-e u.-): Gulden. Aus mlat. florénus, florinus m.(woher ital. fiorino, franz.-span. florin m.), die zuerst in Florenz mit dem Wappen der Stadt, der Lilie(ital. fordaliso m., dessen fior aus lat. flos m.«Blume») geprägte Goldmünze, mhd. am Anfang des 14. Jh. phenninge guldin, die dã heizent florin Ottokar 34665. Von F. das Kürzungszeichen fl. Floskel, f.(Pl.-n): Redeblume, zierliche Redensart. Aus der Studentensprache(1781 bei Kindleben) allgemeiner geworden. Von lat. flosculus m. Blümchen», dann Rede- zierlichkeity, dem Diminutiv des lat. Hos m. Blume». 1 Floß, n.(es, Pl. Flöße mit langem 5), auch m.(Schiller 11, 297): zusammengefügte Baumstämme zum Weiterführen auf fließen- dem Wasser;(dichterisch) Schiff. Mhd. vlöz m. und n. Fluß, Strömung, Wasserfahrzeugy, ahd. lz m. Fließendes, Boot, Barke?, Hlöz- scef«Eloßschiff. Daneben Flotz m. 1537 bei Dasypodius, noch 1678 bei Krämer. Zu hließen(s. d.). 559 Floß Flotille 560 ²Floß, n.(Gen. Flosses, Pl. Flösser, mit kurzem 0): kleines fließendes Wasser;(wetter- auisch) Straßenrinne, Gosse. In der 1. Bed. 1540 bei Alberus, md. 1326 vloz Baur hess. Urk. 1, 289. Zu fließen(s. d.). Flosse, f.(Pl.-n): grätenvolle federartige Schwimmhaut des Fisches; schwimmender Kork am Saume des Zugnetzes; burschikos auch«Handy. In der 1. Bed. mhd. vlozze, ahd. flozza f., von fließen«aschwimmeny. 208. Floßfeder, f.(Pl.-/): Fischflosse. Spätmhd. im 15. Jh. Mlozvedere, and. bloß vethera f. Flöße, f.(Pl.-n): Floß, zusammengefügte Baumstämme als Wasserfahrzeug; Anstalt zum Fortschaffen von Holz auf fließenden Gewässern und das Recht dazu. Bei Luther Flösse«Floßy, um 1480 Floße«Floß Voc. inc. ieut. g 2 b, aber 1482 Flose«Gewässer zum Fortschaffen der Flößen», mlat. traduc- torium Voc. theut. i 1², nd. föte f. Von flößen, v.: fließen machen,(Holz) auf dem Wasser befördern, mittelst Floßes fortschaffen. Mhd. vlœνzen, ahd. flõsan, nd. flöten, Faktitiv zu fließen(s. d.). Daneben älternhd. Hötzen (Hiob 14, 19), wie Flote neben Floß. 48. Flößer, m.(-s, Pl. wie Sg.): Floßknecht, spätmhd. vlzer, daneben älternhd. und noch schwäb. Flötzer. Floßfeder, s. Flosse. Floßgalle, s. Galle. Flöte, f.(Pl."n): Querpfeife mit Klappen; in Norddeutschland Trinkglas mit langem unten zugespitzten Kelche. In der 1. Bed. 1616 bei Henisch Flöte, älternhd. Fleute(wie noch nd.), mhd. vploite, flöute f., dazu 1475 clevisch fleute, mndl. flute, ndl. fuit f. Aus dem gleichbed. afranz. Hauüte, später fte f., ital. flauto m.(daher bei Günther 588 und Platen Gas. 119 Flaute f.), zu afranz. flatter cdie Flöte blasen»(daher das gleichbed. mhd. vloitieren), das von lat. flätus m.«Blasen» stammt. Das mundartliche Flödüse, Fladuse «Schmeichelei», nd. Fleidäs, bei Campe 1813 Flöte duse, bei Amaranthes 1715 fleute douce f. ist das franz. Hlüte douce clieblich klingende Flöte»v. 4.BL. flöten, v.: die Flöte blasen, Flötenton hören lassen. 1616 bei Henisch Aoten, älternhd. fleuten, mhd. föuten; dazu mnd.-mndl. floiten, nd. fleuten, ndl. fluiten. Flötist, m.(Jen, Pl.-en): Flötenbläser. Mit fremder Endung erst im 19. Jh., dafür früher Flöter(bei Henisch 1616, Flõulter bei Maaler 1561), mhd. floytere(Var. zu Parz. 19, 11), sonst floitierœre, floitierre n. flöten in. gehen: verloren gehen; sich aus dem Staube machen. Erst im 18. Jh., zunächst nd. fleuten gahn(1743 bei Richey 9), dagegen in der Wetterau plete gehn. Um- deutschung des jüdischdeutschen pleite gehn cflüchtig sich fortmachen», dessen pleite(spr. pläite) das jüdische plétõ«Fluchty ist, von hebr. pãlät«er ist entwischty. flott, adj.: schwimmend(vom Schiffe), (bildlich) reichlich aufwendend, d. h. gleich- sam obenauf schwimmend, lebensfroh, flink. In der 1. Bed. 1716 bei Ludwig Hlott seyn, floß seyn«nicht am Grunde festsitzen?, 1695 in Stielers Zeitungslust«flott werden, aus nd. fot, ndl. vlot«auf dem Wasser treibend, schwimmend, fließendy, von fließßen(s. d.), nd. fleten, ndl. lieten. Die 2. Bed. aus der Studentensprache in der 2. Hälfte des 18. Jh. allgemein geworden(1769 bei Bode Yorick 4, 100). 42. flotten, v.: flott machen; schwimmen, fließen. Zu mnd. vloten«flößen, zu Wasser befördern, flott machen, fördern⸗, anord. flota«flott machenꝰ. Flott, n.(6es): Milchrahm(als Obenauf- fließendes, 1763 bei Zacharia Hercynia Ges. 1); auf stehendem Gewässer schwimmende Wasser- linsen(Immermann Münchh. 2, 12). Aus dem gleichbed. nd. fot m., von fließen(vgl. flott). Auch schwed.(entlehnt) fott n., ags. flẽt und SMhte f.«Rahm», engl. to fleet cab- rahmeny. Flotte, f.(Pl.-n): Anzahl Schiffe unter einem Befehlshaber. Erst seit dem 17. Jh. verbreitet(dafür im 16. Jh. Armada, Schiffs- zeug), 1663 bei Schottel Flotte, 1618 bei Schönsleder Flott, 1599 bei Hulsius Schiff. 4, 5 Flotta(als Fremdwort 1617 im Teutschen Michel 29 verspottet), aber schon um 1560 bei Ulr. Schmidel 24, 27 floet, 1507 ein ganze flut französischer schiff Wilwolt v. Schaum- burg 121; dazu mndl. vlote, ndl. oloot, schwed. flotta, dän. flode f. Aus dem gleichbed. franz. Aotte(das erst im 16. Jh. statt des ältern navire, estoire üblich wird), ital. fotta, span. Hota f., die wahrscheinlich aus der Normannen- zeit auf anord. foti f.«Wasserfahrzeug, Floßo, dann Flotte zurückgehen, abgeleitet von anord. H́ta cfließeny, wie ags. Hlota und léot m.«Schiff, engl. fleet«Flottey von ags. fléotan æfließenꝰ. flotten, v., s. 5ott. Flottille, f.(Spr. Flottillje; Pl.-n): kleine Flotte. 1728 bei Sperander. Aus gſeichbed. span. flotilla f. 561 Flöz Flügel 562 Flöz, n.(-es, Pl.-e): breites flaches Erz-, Stein- oder Kohlenlager im Bergbau. Bei G. Agricola 1546 fletze n., im Cod. dipl. Siles. 20, 158 aus dem Anfang des 16. Jh. und 1562 bei Mathesius Sar. 307 b fletz; da- neben bereits im 16. Jh. flötz. Aus mhd. pletze«geebneter Boden, Tenne, Hausflur, Stubenboden, Lagerstatts, ahd. flazzi, flezæi n. «Tenne, Hausboden»; dazu asächs. fletti, flet «Saal, Wohnung», nd. flet«Bodenfläche für die Betten im Hause», ags. flet«Estrich, Saaly, anord. flet n.«Fußboden des Hausess. Abgeleitet von ahd. flaz, and. flat, anord. flatr«flach, platty. S. Fläz. Fluch, m.(-es, Pl. Flüche): Anwunsch eines UÜbels; Böses anwünschendes Schwur- wort. Mhd. wlaoch, ahd. fuoh m.; dazu nd. fok, ndl. vloelc m. Von fluchen, v.: Böses anwünschen; mhd. vlochen, ahd. fluochön mit einem erhaltenen starken Part. ahd. arflaahhan, farfluahhan«verworfen, bösey, asächs. far- flöcan«verfluchty, mndl. vloeken, ags. flõöcan «schlagen». Wurzelverwandt mit dem nur im Prät. Plur. faiflökun erhaltenen got. flökan cbeklagen), der Lautverschiebung gemäß zu lat. plangere«schlagen(an Brust und Arme), laut trauern), pläãga f.«Schlag», gr.-XTTTvõvar und nkijccerv«schlageny, hnff f.«Schlagy, und mit Tenuis im Auslaut wie häufig abulg. plakcati cklagen, weinenꝰ, lit. laki«schlage, züchtige» u. a. Aus dem Germ. stellt Holt- hausen Idg. Forsch. 17, 295 noch hinzu mengl. filchen creißen, schlagen», engl. filch«stehlen, rauben). 1 Flucht, f.: eiliges Sichwegbewegen wo- vor. Mhd. wluht(Gen. plähte), ahd. fluht f.; dazu and. fuht, mnd.-mndl. vlacht, ndl. vlugt f., engl. flight, aus dem Deutschen entlehntschwed. ut m., dän. flugt«Flucht». Zu fliehen(s. d., sowie 2Flucht). Davon flüchten, v.:(trans.) eilig wovor fortbewegen;(intr. und refl.) eilig wovor fliehen. Mhd. 5üchten(nur als Intrans. und selten, dafür als Trans. und Refl. mhd. vlœhen, wlœhenen, älternhd. flöhen, flöhnen), mndl. vlachten, ndl. lagten, schwed. fykta cfliehens; aber ahd. Auhten cfliehen machen, in die Flucht treiben». flüchtig, adj. und adv.: auf die Flucht sich begebend, auf der Flucht seiend, leicht oder schnell fliehend; danach schnell wie ein Fliehender, rasch vorübergehend, schnell verfliegend(1562 bei Mathesius Sar. 50 ⁴); oberflächlich. 1. Bed. mhd. wlähtec, vlühtic, ahd. Suhtig; dazu as. and. fluhtig, ndl. vlagtig. Davon Weigand, Deutsehes Wörterbuch. 5. Aufl. In der Flüchtigkeit, f., 1691 bei Stieler. Flücht- ling, m.(-s, Pl.-e): der Fliehende, 1691 bei Stieler. ² Flucht, f.: zusammenffiegende Schar Vögel, zusammenhängender Flug;(übertragen) zusammenhängende Reihe, die Richtung einer geraden Linie, z. B. in Bauflucht f. Im 18. Jh. Zu fliegen(s. d.). Aus dem gleichbed. nd. flugt(brem. Wb. 1, 411), mnd. vucht f.«Flug, Flügel, Geflügel»; dazu ndl. vlugt f., ags. flyht m., engl. Night«Flugy, die, abgesehen vom ags., zugleich die Bed. von ¹ Flucht(s. d.) haben, wie sich auch AFiegen(s. d.) und fliehen vermengen. ZUS. Fluchtlinie, f. Zu der 2. Bedeutung von F. Im 19. Jh. Fluder, m. n.(-S, Pl. wie Sg., bayr. auch f.): breites viereckiges Brettergerinne zum Durchlaufen des Wassers im Berg- und Mühlenbau. Mhd. dlöder, flüder n. m. f. Mühlengerinne», auch das Fließen, Fluteny, und ædas Holzfloßy(so noch bayr. Flader f.), ahd. flöder«Strom von Schweißy, Aüdar loBy. Desselben Stammes wie Flat, fließen und anord. flaumr m. Strömung, Fluty. 4B L fludern, v.: Holz mittels eines Wetterbaches in einen beständigen Fluß flößen. Bayrisch. Flug, m.(-es, Pl. Flüge): Schwung und Schweben durch die Luft; zusammenfliegende Schar Vögel(1711 bei Rädlein). In der 1. Bed. mhd. vlac(Pl. vlüge), ahd. flug m.; dazu and. flugi, ags. fiuge m., anord. flugr m., flag n. Zu Niegen(s. d.). Vgl. 2Flucht. ZUS. Flugblatt, n. (-es, Pl. blätter): fliegendes, schnell verbreitetes Blatt mit Nachrichten usw., 1808 bei Campe. Flugsand, m.(-es), 1775 bei Adelung. Flugschrift, f.(Pl.-en): wie Flughblatt, 1808 bei Campe. Flügel, m.(-S, Pl. wie Sg.): Flugglied und ihm Khnliches(z. B. die Seitenteile oder Enden einer Truppe, eines Heeres[nach lat. ala] eines Gebäudes); großes Klavier in Flügel- gestalt(zu Anfang des 18. Jh.). In der urspr. Bed. mhd. vlügel, md. vlasgel, nrhein. im 14. Jh. vYlogel, mndd. vloghel, ndl. vleugel m. Abge- leitet von Flug(s. d.). ZUS. Flügelhorn, n.(-s, Pl.-hörner): Signalhorn der Infanterie, urspr. Horn der Jägermeister, die die Flügel der Treibjagd kommandierten(1741 bei Frisch in urspr. Bed., ein einfach altväterisch Horn 1719 Fleming teutscher Jäger 106). Flügel- kleid, n.(-es, Pl.-er): Kinderkleid mit zwei breiten flügelartig hangenden Streifen auf dem Rücken(1735 bei Günther 439, bei Ama- ranthes 1715 Flügelkappe); wie zum Fliegen 36 563 flügge Plut 564 leichtes Gewand(Schiller Jungfr. 5, 14). Flügelmann, m.(-es, Pl.-männer): der am Anfang oder Ende einer Truppenreihe stehende Soldat, 1741 bei Frisch. Flügeltür, f. (Pl.-en): Tür mit zwei auseinandergehenden Hälften oder Flügeln, im 18. Jh.(1772 bei Hölty Ged. 18 H.). flügge, adj.: befiedert zum Ausflug aus dem Neste;(bildlich) heiratsfähig, mannbar, auch heiratslustig. Der Form nach entlehnt aus nd. flügge(schon bei Luther Br. 2, 521 ugg), dafür älternhd. ftücke, füch(noch bei Maaler Müller 2, 78, Rückert Rostem Nr. 16), mhd. ulücke, ahd. fucchi; dazu clevisch 1477 vlaugg, vlugge, mndl. olugghe, ndl. vlug, engl. fedge. Abgeleitet von Flug(s. d.). flugs, adv.(in der Bühnensprache fugs): in Flugesschnelle, im Fluge. Bei Luther Luk. 16, 6, aber mhd. vlages, der adverbial gebrauchte Gen. von Flug(s. d.). Alternhd. auch fluchs, flucks, fluæ geschrieben(z. B. bei Luther) und als Adj. verwendet(bei H. Sachs 14, 173 der Komp. flüchser). Fluh, f.(Pl. Flühe, ungebräuchlich Fluhen): Felswand, Felsabsturz(Schiller Tell 4, 1). Schweizerisch. Mhd. vluoch, gekürzt vluo, ahd. fuoh f.; dazu ags. flôh(in floh stänes «Steinmasse). Verwandt mit gr. nXàdE f., Gen. maxc«Fläche, Bergfläche, Plateauy. Flunder, m.(-s, Pl. wie Sg.), auch f. (Pl.-n): Art Scholle, pleuronectes flesus. Nhd. Nebenformen Flander, Flonder, Flinder. Spätmhd. Anfang des 15. Jh. flunder, flander neben fluoder, fläder; dazu engl. flounder (entlehnt aus dem Nord.), dän. fynder, dlter flundra, schwed. flundra f., anord. Hydra f. Zu einer Wurzel plat«breit, flach», die noch in Fladen(s. d.), lat. planta«Fufsohle», gr. mdroc cbreity vorliegt, also eig.«Plattfischn. flunkern, v.: Zitterschein von sich geben, schimmern(Voß Id. 11, 71, ndl. flonkeren); sich einen Schein geben, aufschneiden(Münch- hausen 95). Im 18. Jh. aus dem Nd., im Ablautsverhältnis zu flinkcern(s. d.) stehend. 4BL. Flunkerei, f.(Pl. en): Aufschneiderei. Flunsch, m.(-es, Pl.-e): aufgeworfener schmollender Mund. In Mittel- und Nord- deutschland. Nebst mhd. plans m.«Maulꝰ, bayr. flenschen das Gesicht verzerren», zu ennen(s. d.), schwäb. Pflenne. Flur, f.(Pl.-en): Landfläche voll Wachs- tum, Saatfeld, Landgebiet eines Ortes;(auch) m.(Gen.-S, Pl.-e): geebneter fester Vorplatz im Hause. Mhd. wluor m.(noch bayr. Fluer m.)«Saatfeld, statoluor, vluore f. astädtische Feldfluro, md. vlãr f.«Saatfeld, Bodenfläche, Landgebiety. Die 2. Bed., die von dem Be- griff«ausgedehnte geebnete Bodenflächey aus- geht, ist mittel- und norddeutsch: nd. floor f.«gepflasterter Fußboden»; dazu ndl. Noer f.«Fußboden, Diele, Tenne», ags. Hlor f. Estrich, Vorplatzy, engl. floor Estrich, Tenney, anord. forr m.«Estrich, Stallfuß- bodeny. Zu lat. plänus«platt, eben, flach), ir. Iãr, kymr. Nauor«Boden, Estrich⸗, apreuß. plonis«Tenne⸗ u. a. Wechsel von n und r wie in gr. dcpov, lat. dönum Gabes. Z0S. Flurschütz, m.(-en, Pl.-en), mhd. vluor- schütze. fluschen(mit), v.: rasch und gut von- statten gehen. Im 19. Jh.(Chamisso 6, 139) aus dem nd. füschen, das im Ablaut zum gleichbed. nd. Haschen steht. Fluß, m.(Gen. Flusses, Pl. Flüsse): Fort- bewegung oder Lauf dessen, was fließt; Zu- stand des Fließens, Strömung(mhd. dlaz, ahd. flug m.); stark fließend sich Dahinbe- wegendes, Metallguß(schon mhd.); fließendes Wasser von beträchtlicher Breite(erst nhd., z. B. 1522 bei Luther, für das ältere Ache «Wasser», s.-a); Gliederreißen(schon mhd., nach gleichbed. gr. bedua n.). Abstraktbil- dung auf zu fließen. 43. flüssig, adj., mhd. vluzzic, ahd. flugzig. Davon Flüs- sigkeit, f.(Pl.-en), mhd. vlüzzicheit. Z0S. Flußgalle, s. ²Galle. Flußpferd, n.: Nil- pferd(s. d.), hippopotamus, 1777 bei Ade- lung. Flußspat, m.(-es, Pl.-e): aus Kalk und Fluorwasserstoffsäure bestehendes Mine- ral, nach G. Agricolas Zeugnis(1546) von den Berg- und Hüttenleuten darum Fluß genannt, weil sie diesen Spat(s. d.) ge- brauchten, um strengflüssige Erze in Fluß zu bringen. flüstern, v.: leise, heimlich reden. 1482 im Voc. theut. bb 5²2 flistern und so noch bei Adelung, Lessing, Schiller; dagegen f. bei Wieland, Goethe, von Heynatz 1796 als be- sonders nsächs. bezeichnet. Die urspr. Bed. zeigt sich im ahd. flistiran liebkosen, schön, zärtlich tun», 1482 im Voc. theut. i 12 Ain- stern clibekosen?. Dazu noch ndl. Huisteren aus dem Nad. Flut, f.(Pl.-en): zuströmende, anschwel- lende, sich ausbreitende Wassermasse; Gegen- satz der Ebbe. Mhd. pluot f.(Pl. vlüete, noch 1613 bei Colerus Hausbuch 420 2 Flüte) und m., md. vlät, ahd. flaot f.; dazu asächs. 565 Fock Foliänt 566 Hlöd m., ndl. vloed m., ags. lOd n. m., engl. flood, anord. flõd n., schwed.-dän. lod m., got. Nõdus f. in gleicher Bed. In dem germ. Wort sind wahrscheinlich mehrere idg. Stämme zu- sammen gefallen. Mit Ablaut zu gr. nknouc f. Fülle, Menges, Mcun, nMun f., nuuupic f., lut des Meeres», und zur Wz. pleu cfließen, schwimmen), s. fießen, gr. Xurrc«schiffendy. 4B L. fluten, v., mhd. vluoten. Fock, Focke, f.(Pl.-n): dreieckiges Vordersegel, Segel am Vordermast. Im 17 Jh. aus dem gleichbed. nd. fokke f. entlehnt(bei P. Fleming 80), aber schon 1507 bei Wilwolt von Schaumburg 121 vockensegl; dazu mndl. focke f., anord. focka f., dän. fok, schwed. fock m. Zurückgehend auf clev.(1477) vocken «wehenn, älternhd. ochen«wehen, blasenꝰ, foche f.«Fächer(s. d.), Wedel, Blasbalg», anord. fox in foksandr m.«Flugsand», die wohl zu an. aa(s. feucht) gehören. ZUS. Fockmast, m.(-es, Pl.-e): Vordermast. Aus dem Nd. 1716 bei Ludwig Fockemast. fodern, s. fordern. Fohe, Föhin, f.: Füchsin, s. Fuchs. Fohlen, n.(-‧d, Pl. wie Sg.): junges Pferd. Norddeutsch für das hochd. Füllen(s. d.). Mnd. volene, volne, vole n. u. m., mhd. vole, vol, ahd. folo m.; dazu ags. fola w., engl. foal, anord. fole, got. fula m. 1716 bei Ludwig Fohl, Folen n., 1611 bei Colerus 4, 23 Fahle n. Bei Schiller Aneide 4, 94 Fohle f.«weibliches Füllens, erinnernd an schweiz. Fohle f.«Stuten, das auch 1616 Henisch verzeichnet; aber schon mhd. vülhe, ahd. fulihha f.«weibliches Füllen. 4BL. fohlen, v.: ein Füllen werfen. 1716 bei Ludwig. Föhn, m.(-S, Pl.-e): der Süd-, Regen- wind in der Schweiz, wo neben Fön, Fö, Fü, auch Pfön, Pfé gesprochen wird und in der ältern Literatur das Fem. vorherrscht, 2. B. 1556 bei Frisius Fön f.(das Mask. schon im 16. Jh. bei Paracelsus). Entsprechend mhd. fönne, ahd. phönno m. Wirbelwind, fönne f.(Mone Anz. 8, 504)«Westwind. Nebst churwälsch. favougn, favoign, fuogn, schweiz.-franz. Jo, foén, tess. fogn hervor- gegangen aus lat. favonius m.«Westwind. Fohre, f.(Pl.-n): Forelle, s. d. Föhre, f.(Pl.-n): die Kiefer, pinus sil- vestris. Bayrisch Forchen, schweiz. Forch, mhd. vorhe, ahd. foraha, forha f.; dazu ags. furh- ꝛwudu, engl. fir(aus dem Dän.), anord. schwed. fara f., dàn. ſyr. Verwandt mit lat. quercus f. Eiche»(aus*perquas), ahd. fereheih f.«Eichey, langob. fereha æaesculusy, nhd. Vereiche f. (quercus roburs, Nemnich 2, 1106), schweiz. Ferch Eichenholz?. Weiter gehören wahr- scheinlich dazu aind. parkatig«Feigenbaums, nind. pargãi«Steineiche⸗, got. fairguni n. Gebirgen, eig.«Eichenwald, mhd. Virgunt, kelt. Hercynia aus*perkänia, lit. Perkünas, eig.«Eichengott». Vgl. Hirt Idg. Forsch. 1, 479, Hoops Waldbäume 118. 4L. föhren, adj.: aus Kiefernholz, kiefern; mhd. vorhin, vörhan. Föhricht, n.(-s, Pl.-e): Föhrenwald; mhd. vorhach. Folge, f.(Pl.-n): das Hinterdreingehen nach jem., Reihenfolge; Befolgung; Erfolg; Folgezeit; Folgerung(Lessing 6, 438), Konse- quenz(Goethe Wahlverw. 1, 4). Mhd. volge f.«Gefolge, Heeresfolge, Leichenbegängnis, Verfolgung, Befolgung, Gehorsam, Bei-, Zu- stimmung, besonders bei Abfassung des Ur- teils im Gerichts, ahd. selbfolga f.«Partei; dazu mit andrer Stammbildung anord. fylg? n., schwed. följe, dän. fölge. Von folgen, v.: begleitend mitsein; hinterdrein kommen, nach- kommen; sich woraus ergeben. Mhd. volgen, ahd. folgén und folgön; dazu asächs. folgön, ndl. volgen, afries. fulgia, folgia, ags. folgian, fylgean, engl. follouo, anord. u. norw. fylgja, schwed. o⁵‿a, dän. fölge. Die gewöhnliche Ansicht, daß folgen mit gehen zusammenge- setzt ist, wofür man ahd. folagén, andd. fuul- gangan anführt, ist kaum haltbar, vgl. Wiede- mann Bezz. Btr. 28, 22, aber auch von den andern vorgebrachten Etymologien ist keine unmittelbar einleuchtend. 4BL. folgern, v.: als Folge woraus ableiten, bei Luther neben fölgern(dies in den Fastnachtsp. des 15. Jh. 491, 10 in der Bed.«folgen»); davon Folgerung, f., 1711 bei Rädlein(1735 bei Stoppe Parnaß 49 in der Bed.«Folge»). folg- lich, adv. und konj.: wie daraus folgt, in Folge davon, 1691 bei Stieler, ahd. folglächo. folgsam, adj.: willig folgend, 1716 bei Lud- wig(dafür älternhd. folgig, bei Luther, mhd. gevolgic, ahd. gefolgig); als Adv.«folgerichtig» 1691 bei Stieler,«folglich» 1691 bei Abraham a. S. Clara Judas 1, 295. ZUS. folgerecht, adj., als Verdeutschung von Konsequent, 1788 bei Knigge Umg. 1, 53. Ebenso folgerichtig, adj., 1808 bei Campe. Foliänt, m.(-en, Pl.-en): Buch in Bogen- form(Folio). Im 17. Jh. Folie, f.(Pl.-n): Glanzblatt von Metall zur Unterlage unter Spiegeln und gefaßten Edelsteinen;(bildlich) hebende, Glanz wirkende Unterlage(Schiller 36* 56 7 Folklore fördern 568 Kab. 4, 7). In der urspr. Bed. 1506 in Dürers Briefen 27 Folig, Folg f. und 1562 bei Mathe- sius Sar. 81 b Folie, aus dem mlat. Plur. folia «Metallblättchen», ital. foglia f., woraus 1678 bei Krämer Folia f. Folio, n.: Blattform des Papierbogens, Papierbogengröße,(bild- lich) größte Form. 1678 bei Krämer in Folio, aus lat. in folio«in Blattgrößey. Ital. foglio m. Bogen Papiery. Folklore, f.: Wissenschaft von der Volks- kunde; Volkskunde. Aus engl. folklore, 1846 von William T. Thoms vorgeschlagen und bald aufgenommen. Follikel, m. u. n.(—s, Pl. wie Sg.): kleiner lederner Sack; Drüsenbläschen;(botan.) Balg- frucht. Aus lat. folliculus m.«Sack, Schlauchy. Folter, f.(Pl.-n): Marterwerkzeug. Erst nhd.(1616 bei Henisch Folter, bei A. Gry- phius 1, 30 Folder, aber schon 1468 wolter- gerüst«eculeus» Diefenbach nov. gl. 144²). Aus mlat. poledrus, poletrus, puledrus m. «Fohlen, Füllen?(s. d.), woraus auch span.- port. potro m. junges Pferd und Marter- gestelly. Jenes Marterwerkzeug war urspr. ein scharfkantiges Gestell mit vier Füßen nach der Gestalt eines Pferdchens, wie schon bei den Römern, die daher ihre Folter equuleus m. 4Pferdchen, Füllen nannten. Davon foltern, v.: auf der Folter martern. 1466 foltren Diefenbach nov. gl. 368 2, 1470 fultern Hätzlerin 2, 25, 160, dann 1526 bei Luther foltern. Fond, m.(spr. †%): Grund, Hintergrund, und Fonds, m.(spr. 70): Grundvermögen; Grundgeld, Geldvorrat. 1714 bei Wächtler Fond und Fondo, 1703 im Zeitungslex. Vond, aus franz. fond und fonds m., ital. fondo, von lat. fundaus m.«Grund, Bodenv. Fontäne, f.(spr. fotäne, Pl.-n): Spring- prunnen. 1477 clevisch fonteine, mhd. fontäne, im 17. Jh. Fontäne, aus franz. fontaine, von mlat.-ital. fontana f., dies von lat. fons m. (Gen. fontis)«Quelley. Fontanélle, f.(Pl.-n), auch Fontanéll, n.(-es, Pl.-e): künstliches kleines Ableitungs- geschwür. 1593 bei Helber 18 fontanell. Aus mlat. und ital. fontanella f.«Quellchen, Brünn- lein», dem Dim. von fontana(s. Fontäne). foppen, v.: zum besten haben, neckend plagen. Aus dem Rotwelschen(Gaunersprache), wo am Anfang des 16. Jh. vopen, voppen cbetrügen, lügen» im liber Vagatorum(Kluge Rotwelsch 35, 78) vorkommt. Schon 1343 begegnet im Augsburger Achtbuch fopperin cdie nement sich unsinne an und versagens» (Kluge 2), um 1450 vopper(Kluge 13) in den Basler Betrügnissen, 1457 bei Matthias von Kemnat wopper, wapper(Kluge 26), 1561 bei Maaler vwoppen«praevaricariy, 1618 bei Schönsleder foppen«vexirn), aber noch 1691 von Stieler als«vocabulum plebejum et sordidumy, von Adelung 1775 als niedrig und niedersächsisch bezeichnet. 4 BL. Fopperei, f., 1561 bei Maaler vopperey. Force, f.: Kraft. 1714 bei Wächtler aus franz. force f., gleichzeitig die volkstümliche Aussprache Forsche. S. forsch. 4BL. for- cieren, v.: mit Gewalt nehmen oder durch- setzen, überanstrengen. 1673 bei Weise Erzn. 152. Aus gleichbed. franz. forcer. Förde(mit langem ö), f.(Pl.-n): lang- gestreckter Meerbusen. Nd. aus dem Norden entlehnt, anord. ſördr m., dän.-norw. jjord, schwed. Härd, schott. firth«Meeresbuchty(aus dem Nord.). Es gehört mit deutsch Furt zu lat. portus m. Hafen u. a. fordern, v.: zu erkennen geben, daß es womit vorwärts kommen solle, dann daß es man haben wolle oder müsse. Mhd. vordern, ahd. fordarön, abgeleitet vom ahd. Adj. for- dar cvordery, Adv. mhd. vorder«vorwärts». Daneben mit Ausstoßung des r, die auf Dissi- milation beruht(wie im 14. Jh. bei Megen- berg das Adj. voder«vordery, bei Luther das Adv. fodder«vorwärtsy und wie Köder aus mhd. guerder), urspr. ostmd. fodern (beim Volke mit kurzem, im spätern Nhd. mit langem 0), schon im 14. Jh. bei Megen- berg vodern, bei Luther gewöhnlich foddern, selten fordern, bei Henisch, Duez, Stieler, Ludwig fordern und fodern, letzteres nament- lich in der Dichtersprache festgehalten(Les- sing 1, 4, Schiller 12, 366, Goethe Tasso 1273, Rückert 1, 359). 4BL. Forderung, f.(Pl. -en), mhd. vorderunge, ahd. fordarunga f. fördern, v.: vorwärtsbringen;(bergmän- nisch) in und aus dem Schacht fortschaffen (1562 bei Mathesius Sar. 1962 födern, s. u.). Alternhd. fürdern, mhd. vuürdern, ahd. furdiren, abgeleitet vom Adv. ahd. furdir, mhd. vir- der, nhd. fürder, förder«vorwärts». Daneben mit Ausfall des r(wie schon spätmhd. fisder, füder statt fürder, vgl. auch fordern) md. födern bei Ayrer 2049, 31, Opitz, Logau, Lessing Nathan 1, 1, spätmhd. 1445 füldern (Schmeller 1, 753), 1429 füederen(Lib. ord. rer. 25). 4 BL. Förderer, m., spätmhd. furderer, daneben fudrer. förderlich, adj., 569 Forélle Forst 570 bei Keisersberg Pred. 45a, mhd. viirderlich, daneben viderlich. Förderung, f., mhd. vürderunge, vurderunge, daneben im 14. Jh. fuderunge. Forélle, f.(Pl.-n): der Süßwasserfisch salmo fario. Ahd. forhana, and. forhna, mhd. vorhen, vorhe, nhd. Fohre(Ambraser Ldb. 182, noch bei Musäus VM. 1, 33), bayr. Förch f.; durch Weiterbildung mit dem diminutiven e und Betonung der Mittelsilbe(wie bei lehendig, Schlaraffe) entstand aus vorhe(n)le die Form Forelle(1549 bei Ebner-Peucer Voc. D 4 b, 1562 bei Mathesius Sarepta 201 ²), gekürzt Forell(Alberus Fab. 42, 53, Forer Fischb. 173²), andrerseits mit Wahrung der Stammsilben-Betonung mhd. vorhel, vörhel f. (1537 bei Dasypodius forhel, noch oberd. Förchel) und älternhd. Forel(Dasypodius, Schottel). Ahd. forhana wird meist zu gr. nepxvéc«schwarzblau, dunkelfarbig), aind. prgnig«gesprenkelt, bunty gestellt, so daß die urspr. Bed.«die bunte, getüpfelte» wäre, vgl. russ. pestrjüga f. zu péstruj bunts. Außerdem gehören dazu ir. orc m. Lachsy, ir. erc«Forelle?, gr. tepun f. Barschy. Forke, f.(Pl. n): große Gabel. Mhd. fuarke, ahd. furka f.; dazu mnd. vorke, nd. forke, ndl. vork, afries. furlte, forke f., ags. forca m., engl. fork, anord. forlr m. Ent- lehnt aus lat. farca f.«Gabely. Forkel, f.(Pl.*), weidmännisch: Gabel- stange zum Aufstellen der Tücher und Netze. 1719 bei Fleming teutscher Jäger 106 Forkel, 1763 bei Heppe Jäger Forkel, Forchel, Furchel, 1482 im Voc. theut. i 6. 8b furckel do mit man die netze stellt, ahd. furcula f.«Haken». Aus lat. furcala f.«gabelförmige Stütze, Dim. von furca f. 6 Gabel». Form, f.(Pl.-en): Gestalt, Weise der äußern Erscheinung; Muster, wonach etwas gestaltet wird. Mhd.(erst um 1250) und noch bei Luther forme f. aus gleichbed. lat. forma f. 4B L. formen, v.: gestalten, bilden; mhd. formen. förmig, in ein-, gleich-, kegel- förmig, 1469 mrhein. formig«gestaltet, ge- bildet»(Voc. ex quo). förmlich, adj. u. adv., mhd. formelich, förmelich, Adv. forme- liche; davon Förmlichkeit, f., 1691 bei Stieler. formlos, adj. u. adv., mhd. forme- lös.— Ferner hierher gehörig: formäl, adj. und adv.: auf die Form bezüglich, 1678 bei Krämer, aus dem gleichbed. lat. Adj. formälis; dazu Formalität, f.(Pl.-en): Formwerk, 1694 bei Nehring, aus mlat. ſormalitas f. Formät, n.(-es, Pl.-e): Höhe und Breite eines Buches usw., 1594 bei Frischlin Nomencl. Kap. 78, 1558 bei Rivius geometr. Büxen- meisterey 3, 1, 292, aus lat. formätum, dem substantivisch gesetzten Neutr. des Partiz. Prat. Pass.(formãtus) von formãre. Formel, f.(Pl.-n): im Worte gefaßte Vorschrift, 1571 bei Rot formel, 1616 bei Henisch noch Formal, aus lat. formula f.«Gestalt, Vorschrift, vor- schriftsartige Fassung», dem Dim. von form. forméll, adj. u. adv., im 18. Jh. aus dem franz. Adj. formel, von lat. formãlis(s. formal). formieren, v.: gestalten, formen(s. d.); mhd. formieren, vom gleichbed. lat. formäre. Formulär, n.(-F, Pl.-e): als Vorsehrift geltende Abfassung wofür, 1571 bei Rot; dazu ndl. 1599 bei Kilian formulaer n. formu- lieren, v.: in eine Formel(s. d.) bringen, erst im 19. Jh., wie es scheint. forsch, adj. u. adv.: kräftig, derb. Erst im 19. Jh., besonders durch die Studenten- sprache verbreitet, mit md. sch aus dem nd. fors, mnd. fors, von franz. force f.«Krafty. S. Force. forschen, v.: eifrig und genau wonach fragen oder suchen. Mhd. vorschen, ahd. forscõön. Verwandt mit lat. poscere(aus porscere)«fordern, verlangenꝰ, aind. pradοh- cfrageny, mit Verlust eines Gutturals aus *forhsk- und zu fragen gehörig, s. d. Sk war eigentlich Präsenssuffix. 4BL. Forscher, m.(-S, Pl. wie Sg.), mhd. vorschcere m. Forschung, f., mhd. vorschunge, ahd. for- scunga f. Forst, m.(-es, Pl.-e), in Norddeutsch- land auch f.: bewirtschafteter Wald. Mhd. forst, vorst m.(selten vorste f.), ahd. forst m.; dazu afranz. forest f.(woraus entlehnt mhd. forest, fores, foreist, foreis, foreht n.), nfranz. forét, ital. foresta, span. port.(an flor angelehnt) Horesta f., aus mlat. forestis f. (zuerst in einer Urkunde des fränkischen Königs Childebert I. von 556 forestis nostra im Pariser Gau, bei Pertz Dipl. 1, 7), später forestus m., foresta, forasta f., forestum, fora- stum n. der dem Herrscher vorbehaltene, dem Wildbann unterworfene, nicht einge- zäunte Waldy. Dies wird abgeleitet von dem lat. Adv. foris, foras außerhalby, wo- von auch das spätlat. Adj. forasticus äußer- lichy; demnach die urspr. Bed.«was außer- halb liegt, ausgenommen ist, nicht betreten werden darf». Meringer Idg. Forsch. 18, 259 und Wiedemann Bezz. Btr. 28, 18 erklären 571 Fort Frage 572 forst als echgerman. Wort aus*forhst und stellen es zu oskpestlum templum?. Das Wort kann auch zu ahd. forha f. Föhre,? gehören. 4B8L. forsten in durchforsten, v.: forstmäßig von auszuhauenden Bäumen befreien. Förster, m.(-s, Pl. wie Sg.), mhd. vorstare, spätahd.(12. Jh.) forstari, aus- malt. forestarius m.; davon Försterei, f., 1413 forsterge, 1406 vorsterie(Germania 20, 31. 28, 366). ZUS. Forstmeister, m.: höherer, über eine Anzahl Förster gesetzter Beamter; mhd. forstmeister«Förster». Forst- wart, m.(-és, Pl.-e): niederer Angestellter zum Schutze des Forstes, erst im 19. Jh., früher Holzwwart(1580 bei Sebiz 563). Fort, n.(Spr. för, Gen.-s, Pl.-s): kleine Festung, Beifestung. 1616 bei Henisch Fort (ebenso 1616 bei Wallhausen Kriegsmanual 78 mit dem Plur. die Forten), nach dem ndl. fort aus dem gleichbed. franz. fort m. urspr. «Stärkey, abgeleitet von dem lat. Adj. fortis «Stark». fort, adv.: von einem Orte weg; ohne Aufhören in Bewegung. Urspr. in Nord- und Mitteldeutschland heimisch, mit der Grundbed.«vorwürts». Mhd. und vorzugs- weise md. vort«vorwärts, voran, weiter, fortany, mit der Nebenform furt, wie noch älternhd. ſurt und fürt; dazu asächs. ford, ndl. voort, afries. forth, ags. ford, engl. forth. Abgeleitet von vor(s. d.). Vgl. fürder. ZS. fortan, adv., forthin, adv., beide bei Luther. fortfahren, v.: gerichtlich weiter verfahren, lat. procedere(Schiller 9, 19); weiter fahren, in übertragner Bed. fortsetzen. Bei- des bei Luther. fortpflanzen, v.: pflan- zend weiter verbreiten. In eigentl. Bed. bei Luther Tischr. 251 b, in übertragner 1691 bei Stieler. Davon Fortpflanzung, f., 1619 bei Albertinus Lustg. 124 b. Fortschritt, m.(-es, Pl.-e): das Fortschreiten(Wieland 30, 285); in übertragner Bed. um 1750 auf- kommend. Seit den dreißiger Jahren des 19. Jh. politisches Schlagwort. Vgl. Laden- dorf. fortsetzen, v., in übertragner Bed. 1616 bei Henisch. Fortepiano, s. Pianoforte. Fortifikatiön, f.(Pl.-en): Befestigung; Befestigungswerk. Festungsbauamt. Ausfranz. gleichbed. fortification f., und dies aus lat. fortificatio f., zusammenges. aus forte«stark? und ficatio von facere«macheny. Bei Wall- hausen corp. mil. Schon bei Rot 1572 forti- ficirn sterken, krefftigen?. Fossil, n.(-Lels, Pl. Fossilien): Bergt Grubengut; Versteinerung. Im 18. Jh.(1775 bei Adelung) aus nlat. fossile(Pl. fossilia), dem substantivisch gesetzten Neutr. des lat. Adj. fossilis ausgegraben», von lat. fodere cgrabenv. Fötzel, Fetzel, m.: elender Kerl, Lump. In der Schweiz und im Elsaß. Von Gott⸗ helf und von Keller gebraucht. Wohl Ab- leitung von fotz, s. Hundsfott. Goethe braucht als Schimpfwort Matzfotz. Foyér(spr. foajé), m. u. n.(-S, Pl.-s): Herd; Vor-, Wandelhalle(bes. im Theater). Aus franz. foyer m.«Vversammlungszimmer», eig. cheizbarer Raum»y aus lat. focdrius zum Herd gehörigy von focus m. Herd». Bei Campe 1813. Fracht, f.(Pl.-en): Verdienst(Fahrlohn) für Güterverführung; Wagen-, Schiffsladung. 1616 bei Henisch aus gleichbed. nd. fracht, ndl. vracht f.(1599 bei Kilian); dazu engl. fraught, freight. Eins mit ahd. fréht f.«Ver- dienst, Lohn»(auch freiht in pa unfreihti cunverdient», eig. cbei Unverdientheit»), and. frelhti](?)«Verdiensty, das zu eigen(s. d.) zu stellen und dessen aus ahd. far-, got. fra-«ver- gekürzt ist(vgl. fressen, Frevel). Auch ins Romanische gedrungen, franz. fret, port. frete, span. flete m.«Schiffsmiete. Doch werden diese auch anders erklärt. Davon frachten, v.: wohin verfahren, mit Ladung beschweren, Frachtschiffahrt ausüben. 1616 bei Henisch, aus gleichbed. nd. frachten, ndl. vrachten(1599 bei Kilian); eins mit ahd. fréhtõn in gafréhtön«verdienen?. Frack, m.(-es, Pl. Fräcke, Fracks): an den Vorderschößen ausgeschnittener Leibrock. 1774 bei Goethe Werther(6. Sept.). Um die Mitte des 18. Jh. durch franz. frac, frague anglais m. aus engl. frock(leichter vorn ausge- schnittener Reitrock) entlehnt, das aus mlat. Froccus, floccus m. Kutte, Rock», urspr. cflockiger Stoffy(siehe Flocke), franz. froc «Mönchskuttey entnommen ist; andre wollen das franz. froc nach mlat. hroccus auf ahd. hroch m.«Rock» zurückführen. Frage, f.(Pl.-n), mhd. vräge, ahd. fräga; dazu ndl. vraag f. Von fragen, v.: durch Worte zu einem dieselben ergänzenden Gegen- wort oder Gegenurteil auffordern. Mhd. vrägen, ahd. frägén und frähén; dazu asächs. frãgön, mndl. vraghen, ndl. vragen mit schwacher Flexion, zu gleichbed. starkflektiertem got. fraihnan(Prät. frah, Pl. fréhun), ags. frignan, 573 Fragment frankieren 574 anord. fregna(erkunden, Prät. frrã, Pl. frãgum), auch asächs. Prät. fragn, 3. Pl. frugnun. Aus der nd. Volkssprache machte sich bei nord- deutschen Schriftstellern im 18. Jh. das starke Praät. frug geltend(1732 bei Liscow 69, 1758 bei Ew. v. Kleist neue Ged. 57, auch bei Goethe venez. Epigr. 34 b, Schiller Karlos 2, 8 und Picc. 4, 6), sowie der Ind. Präs. frägst, frägt (du frãgest, er frget, wie die Nieder-Sachsen gern sprechen Freyer 1722), auch bei Goethe, der auf Analogiebildung nach tragen, schlagen beruht(nicht auf der schwach flektierten mhd. und besonders md. Nebenform vregen), und den schon Freyer Orthographie 279 ver- wirft, ebenso Gottsched Grundlegung 271 und Adelung 1775, die sich auch gegen frug er- klären. Verwandt sind lat. precãri«bitten?, preces f.«die Bitten», procus m. Freier, lit. prasiti«fordern, bitten, pifsti«den Frei- werber machen», abg. prositi«bitten», aind. pragnãs Frages, aw. porosaiti«er fragts, apers. aparsam cich fragtey, arm. harç«Frages, harçanem cich fragey». 4L. fraglich, adj.: in Frage stehend. Bei Campe, ahd. fragelicho adv. in fragender Weise»v. ZUS. Frage- wort, n.(-es, Pl. örter), 1691 bei Stieler. Fragezeichen, n., um 1522 bei Ickelsamer 48 fragzeichen. fragwürdig, adj.: zweifel- haft, zuerst bei A. W. Schlegel Hamlet 4, 1 als UÜbersetzung des engl. questionable. Fragmént, n.(-S, Pl.-e): Bruchstück. 1571 bei Rot, aus gleichbed. lat. fragmentum n. 4B2. fragmentarisch, adj.: in Bruch- stücken. Im 18. Jh. Fragner, m.(-S, Pl. wie Sg.), eigentlich Pfragner: berechtigter Kleinhändler in Mehl, Gemüse u. a., in Bayern und sterreich. Mhd. pfragener, pfragner, pfregener, pfregner, vragener, fragner«Kleinhändlery, ahd. pfrage- nari m. Marktmeistery, abgeleitet von ahd. pfragina f.«Schrankes(im 11. Jh.), mhd. pfragen m.«Markt, Handel, Wuchery». Dies gehört wohl zu got. anapraggan«bedrängen», ndl.-ndd. prangen, mhd. pfrengen«drücken, presseny. Dazu schwed. prang enge Gasse, Schlund, das Johansson KZ. 36, 346 mit gr. gprXoc&Luftröhre, Schlundy verbunden hat. Fraisen, Pl., auch Sg. Frais u. Fraisch f.: krampfhafter An- und Zufall; Fallsucht; Schaueranfall bei einem Kinde; peinliches Gericht. In Franken, Bayern u. Osterreich. 1616 bei Henisch fraiß, freiß Epilepsiey, bei Musäus Volksm. 1, 96 Fräâsch n., 1578 bei Lonicerus Freislich n. Aus mhd. vreise, ahd. freisa f.«Gefhrdung, Gefahr, Schrecken, Verderben»; dazu asächs. frésa f.«Gefahr, Lebensgefahr», ndl. vrees, früher vreese f. «Angst, Kummer, Furcht, Schreckeny, zu got. frãisan«versuchen, in Versuchung führen', das vielleicht zu aind. prégas m.«Antrieb, Be- strebungy, prés-Adj.«vordringend, drängend gehört. Fraktiön, f.(Pl.-en): Teil einer poli- tischen Partei. Bei Campe. Aus lat. fractio f. Brechung. Fraktür, f.(Pl.-en): Knochenbruch; ge- brochene Eckschrift, gewöhnliche deutsche Druekschrift. 1571 bei Rot, aus lat. fractära f. Bruch» von lat. frangere«brecheny. Redens- art F. mit jemand sprechen«derb, grob mit ihm reden); über F. schreiben vgl. Gombert ZfdW. 7, 139. Franje, f., s. Franse. frank, adj.: unabhängig, frei. 1482 im im Voc. theut. i 22 franck, franchto. Aufge- nommen aus franz. franc, ital.-span. franco, von dem ums J. 400 vorkommenden deutsch- lat. francus æ«fränkisch». S. Franke. Frank, auch Franlcen, m.(-en, Pl.-en): französische Silbermünze im Werte von 80 Pfennigen. Bereits im 17. Jh. aus der franz. Benennung franc, von franz. Franc Franzoses; aber schon 1385 in deutschen Reichstagsakten kommt frankte m. als Bezeichnung einer 21 ½ Weißpfennig geltenden Münze(Germania 20, 31), 1393 als Goldmünze(Städtechron. 9, 998, 27) vor. Franke, m.(-n, Pl.-n), Volksname, der bei lat. Schriftstellern seit der zweiten Hälfte des 3. Jh. n. Chr. hervortritt; auch für Franzose (1616 bei Henisch, besonders seit der Revo- lution von 1789). Mhd. Franke, ahd. Francho; dazu ags. Franca, anord. Fralki m. Die Annahme, daß das Volk nach seiner Lieb- lingswaffe, ags. franca, anord. fraba, dann westgot. im 7. Jh. francisca, benannt sei, ist kaum haltbar. Vielmehr heißt die Waffe wohl nach dem Stamm. Franken, n., deut- scher Landesname, mhd. Vranken, Franken, ahd. in Frankon, ist Dat. Pl. des Volksnamens. 4B L. fränkisch, adj., mhd. vrenkisch, fren- kisch, ahd. frenkisg. ZUS. Frankreich, n.: Landesname, mhd. Francriche, Frankenriche. frankieren, v.: versendungs-, postfrei machen. Im 17. Jh.(bei Schupp 256). Aus ital. francare«frei machen», von franko, adj.: versendungs-, postfrei. Im Anfang des 17. Jh. aus ital. franco cfreiy, s. fron. 575 Franktireur Fratz 576 9. Franktireür, m.(-s, Pl.-s): französi- scher Freischärler. Aus franz. franckireur, abgeleitet von franc«frei u.-kireur«Schützey. 1870 aufgenommen. Franse, f.(Pl.-n): Faden-, Troddelsaum. Bei Luther Franße, um 1480 im Voc. incip. teut. e Sb fransen«Stirnband, spätmhd. franze f.(noch 1739 bei Amaranthes Frantzen); da- zu ndl. franje n., nd. franje f. Aus franz. frange, ital. frangia, von mlat. fringia, das aus lat. fimbria f.«Faser, Fransey, durch Wandlung in frimbia hervorgegangen ist. 4BL. fransen, v.: mit Fransen besetzen; (intrans. und refl.) ausfasern. In der 1. Bed. mhd. franzen, aus gleichbed. franz. franger. fransig, adj., 1691 bei Stieler franzicht. Franz, Mannesname. Gekürzt aus mlat. Franciscus der Frankey». Dazu das Dim. Fränzchen. Franze, m.(-9n, Pl.-n): Franzose(s. d.). Mhd. Franze. ZUS. Franzband, m.(-es, Pl.-bände): französischer Ledereinband eines Buches. 1775 bei Adelung. Franzbrannt- wein, m.(-s, Pl.-e): aus Weinhefe destil- lierter Branntwein, urspr. französischer Brannt- wein. 1716 bei Ludwig. Franzbrot, n. (es, Pl.-e): Mundsemmel, urspr. eine fran- zösische Semmelpastete, 1715 bei Amaranthes. Franzmann, m.(-es, Pl.-männer): Franzose, 1678 bei Krämer; dazu ndl. Fransman vom Adj. frans sfranzösisch». Franzobst, n. (-es): an Zwergbäumen nach französischer Art gezogenes Obst, 1773 bei Amaranthes (3. Aufl.). Franzwein, n.(-es, Pl.-e): französischer Wein, 1691 bei Stieler. Franziska, Frauenname. Aus mlat. Francisca, dem Fem. von Franciscus Frankey (s. Franz). Dazu das Dim. Fränzchen(Goethe 1, 43). Französe, m.(-n/, Pl.-n): Angehöriger Frankreichs. Mhd. Franzois, Franzeis, auch Franzoise, Französe, aus franz. Frangols, heute Français«Franzose», hervorgegangen aus mlat. Franciensis(woher auch ital. Francese, span. Frances), das von lat. Francia Frankenland»(woraus franz. France«Frank- reich») abgeleitet ist. Plur. die Franzosen: Lustseuche, Syphilis, so benannt seit der Belagerung Neapels durch die Franzosen 1493, in deren Lager die Krankheit epidemisch auftrat und sich von da rasch durch Italien 1495 nach Süddeutschland und dem Rheine ausbreitete(1519 bei Murner in Böckings Hutten 5, 400). 4L. Französin, f., mhd. Franzoisinne. französisch, adj., spätmhd. franzõsisch(die falsch Beicht, Münchner Hs. Bl. 215 b), 1507 bei Wilwolt von Schaum- burg 84 fg. franzõisisch, franzosisch. Abgeleitet von dem mhd. Adj. franzois, franzeis. Im Volksmunde franzöõsch(1671 bei Leucoleon Galamelite 149), 1646 bei Moscherosch Phi- lander 1, 112 und 1691 bei Stieler franzoisch. frappant, adj.: auffallend. 1774 bei Goethe Werther(d. j. Goethe 3, 298). Aus gleich- bed. franz. frappant, Part. Präs. von frapper c«schlagen, klopfen, Eindruck machenꝰ, woraus frappieren, v.: stutzig machen, in der 1. Hälfte des 18. Jh. Fraß, m.(-és, Pl.-e): Fresser(bei Luther, jetzt nur noch in Vielfyußß); das Fressen, die Fresserei; Tiernahrung. Mhd. vräg(Pl. vräze und vreze) in den beiden ersten Bed., ahd. frdäz m. Fressery; dazu mndl. vraet, ndl. vraat m. Vieifraß). 43L. fräßig, adj.: vielfressend(Lessing 1, 90), häufiger gefräßig. Mhd. vræzic, ahd. fräzig; dazu ndl. vratig. fraternisieren, v.: Bruderschaft schlie- Ben. Aus gleichbed. franz. fraterniser, ab- geleitet von lat. fraternus«brüderlichy». Zur Zeit der französ. Revolution als politisches Schlagwort entlehnt. Vgl. Ladendorf. Fratschler, Frätschler, m.(-, Pl. wie Sg.): Trödler, Zwischenhändler, Mäkler. Osterreichisch-bayrisch. 1482 im Voc. theut. y 8 pfretznerin«Frätschleriny. Von österr.- bayr. frätscheln, v.: sich als Unterhändler, Mäkler, zum Aufkaufen von Eßwaren usw. brauchen lassen(urspr. wiederholt fragen, ausfrägeln, dann unterhandeln). fratt, adj.: wund durch Reiben. Neben- form frät 1678 bei Krämer. Mhd. vrat. Da- von fretten(s. d.). Klternhd. auch in der Bed.«zerbröckelnd, halbfaul, abgerieben, durchtriebeny». Noch obd. Fratz, m.(en, Pl.-en): abenteuerliche, alberne, kindische Person, Narr; ungezogenes Kind. Zuerst älternhd.(bei Fischart Garg. 251). Von Fratze, f.(Pl.-n): lächerlich- abenteuerliche Erzählung, Geschwätz; ins Lächerliche verzogenes, entstelltes Gesicht, Zerrbild(Fratzengesicht 1741 bei Frisch). Zuerst älternhd.(1521 bei Luther 3, 523 W. in der Bed.«Posse(so noch Goethe Faust 1739), albernes lächerliches Gerede», Waldis 1, 50 fratzen reißen); aus dem Deutschen ent- lehnt ndl. fratsen Pl.«Possen, Albernheiten. Wunderlichkeiten». Wohl aus dem ital. Pl. 577 Frau frei 578 frasche«Possen, Albernheiten»,(dessen Sg. frasca f.«belaubter Ast, Bierzeichen», dann cleichtsinniger Fratz»), dem auch franz. frasgque f.«Possey entstammt. Frau, f.(Pl.-en): Herrin; Verehelichte (Hausherrin); erwachsene Person weiblichen Geschlechts. Im Gen. und Dat. Sg. noch mit Bewahrung der alten schwachen Flexion Frauen bei Dichtern(Wieland Oberon 12, 25, Goethe Iph. 1965, nat. Tochter 2289, Faust 9221) und in dem formelhaft erstarrten Genitiv unserer lieben Frauen(Jungfrau Maria), selten im Akk.(Goethe Pater Brey 31). Alternhd. frauwe(altertümelnd noch bei Eichendorff Taugenichts 13 Fraue), mhd. vrouewe, gekürzt vrou, vor Namen als Ehrentitel ver, fer, ahd. frouaa f.; dazu andd. fräa, mndl. vrozoe, ndl. vrou, afries. frowe, anord.(der Name der Göttin) Fregja. Weibliche Form von ahd. frõ, got. frauja, asächs. fräãho, fröho, frjo, ags. fréa und frigea m.«Herrꝰ(s. fron), anord.(Name des Gottes) Freyr, abgeleitet vom Stamme fra vorn:, wie ablautend aind. pärvas, purujäs«vorderery, aw. pourva-, abg. präüvã«vorderer, erster) stimmen. Vgl. Furst. ZUS. Frauenbild, n.(-es, Pl.-ey), in eig. Bed. und in übertragener für Frau schon mhd. vroweenbilde n. Frauensperson, f.(Pl.-en), 1616 bei Henisch frauenperson, ndrrhein. 1474 vrauuen persoen(Wienstraat S. 9 Groote), köln. im 15. Jh. vrauavenper- schone(Frommann 3, 57²). Frauenzimmer, n.(*§, Pl. wie Sg.): abgesondertes Gemach für die Frauen und Dienerinnen am Hofe(spät- mhd. im 15. Jh. vrouwenzimmer), dann(vom Anfang des 16. bis gegen Ende des 18. Jh.) Gesamtheit der darin wohnenden Frauen, weib- liches Gefolge(Liliencron 3, 74 vom J. 1512), Gesamtheit von Frauen(Teuerdank 20, 123), endlich(seit Anfang des 17. Jh., 1622 bei Opitz 2, 257 Amst., 1648 bei Zesen Ibr. 478) Person weiblichen Geschlechts von Stande, heutzutage in Norddeutschland Frauens- persony mit verächtlichem Nebensinne.— Frauen- in Tier-, Pflanzen- und Mineral- namen ist fast immer gekürzt aus unserer lieben Frauen(s. o.), z. B. Frauendistel, f.: Mariendistel, spätmhd. frowendistel(Diefen- bach Gloss. 393). Fraueneis, Frauen- glas, n.: Marienglas, ersteres 1612 bei Thur- neisser, letzteres 1741 bei Frisch. Frauen- haar, n.: die Pflanze Adiantum capillus Veneris, spätmhd. vrouwenhär(Diefenbach Gloss. 97²). Frauenkäfer, m.: Marienkäfer, Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. lat. coccinella. Frauenschuh, m:: die Pflanze Cypripedium calceolus, Marienschuh. Fräulein, n.(-s, Pl. wie Sg., auch-): unverheiratete weibliche Person von Stande; Ehrenbezeichnung einer noch Unverheirateten (Schiller Picc. 3, 8). Im Gedanken an das natürliche Geschlecht auch Fem.(Opitz 1, 206 Amst., A. Gryphius Lustsp. 450 P., Goethe 19, 257), abgeschwächt Fräulen f.(Hagedorn neue Fab. 128), oberd. Fräuale f.(Goethe 2, 229), wetterauisch(auch bei O. Ludwig) Fräle f. Alternhd. fräwelin, mhd. vrouawelin, vrõuzwelin, vrüulin n.(Dim. zu vrouabe f.) «Herrin, Frau oder Jungfrau von Stande, Dame», aber auch als schmeichelnde Anrede an Kinder, sowie an Mädchen niedern Stan- des, endlich sogar in der Bed.«feile Dirney; im 14. Jh. bei Megenberg 116, 7 u. 9 Tier- weibchen», so noch bei Luther Frewlin 1. Mos. 6, 19, aber 1. Mos. 1, 27 und Mark. 10, 6 auf den Menschen angewandt«Weibchen». frech, adj.: sich vordrängend wozu, allzu frei. Mhd. vrech«mutig, kühn, keck, leb- hafty, ahd. freh«ungezähmt begierig wonach, habsüchtig»; dazu got. friks«gierig»(nur in faëhufrils«geldgierig»), ndl. vrek«frech?, ags. frec«begierig, kühn, verwegen», anord. freler chabsüchtig, begierigy; schwed. fräck, dän. fräls(aus dem Deutschen). Auch ins Romanische gedrungen: afranz. frique, prov. fric, nprov. fricaud«munter, lebhaft. Ver- wandt sind ferner asächs. frökan«wild, ver- wegen, frechy, ags. frécen n.«Gefahr, fyéche cgefährlich, schrecklich, kühn», anord. frön, frökcinn«mutigy und außerhalb des germ.- kymr. Theioyjdd Geilheit», gr. cnapydetv «schwellen, strotzen, voll sein», lett. spirgt «frisch werden». 4 BL. Freche, f.: Ver- wegenheit(Goethe 1, 119); Geilheit, Brunst (bayrisch). Mhd. vreche«Kühnheit, Keck- heity, ahd. frech«Habsucht», got. frikei f. Giery(nur in fahufiikei«Geldgiers). Frech- heit, f., mhd. vrecheit f.«Kühnheit. Fregatte, f.(Pl.-/): dreimastiges schnelles Kriegsschiff. 1573 bei Fronsperger Kriegsb. 157 b fg. Fragatte, Frogate, Frugatte, Fre- gatten, 1616 bei Henisch Fregat«navigium exploratorium». Aus franz. frégate, ital. fre- gata, span.-port. fragata f., urspr.«kleines Ruderschiff). Dunkler Abstammung. frei, adj.: unabhängig, selbständig, durch nichts anderes beschränkt; die Schranke der Sittsamkeit übertretend. Mhd. vrd(flektiert auch vrijer, vriger), ahd. fri(flektiert auch 37 579 frei freien 580 friger); dazu andd. fri, mndl. vri, ndl. vrij, afries. fri, ags. frĩ und fréo, frig, engl. free, anord. in fria«freimachen», frian f. Be- freiung, Schonung», frjals«frei, eig.«einen freien Hals habend,(da der Ring um den Hals den Sklaven kennzeichnete),(entlehnt) schwed.- dän. fri, got. freis, Akk. Sg. frijana. Der Lautverschiebung gemäß stimmend mit aind. prijãs«liebend, geliebt, lieb, wert, als Subst. Liebhaber, Ehemann», Fem. prijt«Gattin», auch Tochter», denen wieder anord. ν m. Liebhaber, Freiery, asächs. fri n., ags. fiεο f.«Weiby, got. frijön çlieben»(s. freien) entsprechen. 43. freien, v.: freimachen oder geben. Mhd. vrien, vrigen; dazu ndl. vrijdlen, ags. fisogan, engl. free, afries. friaia, fria, anord. fria, schwed. fria, dän. fri. Frei- heit, f.(Pl.-en): Freisein; öffentlich aus- gesprochene Befreiung wovon als Sonder- recht, Privileg; von benannten Lasten und Beschränkungen freie Ortlichkeit(Möser patr. Phant. 1, 33); von einer größern Herrschaft ab- getrennter gefreiter Herrschaftsbezirk, öffent- licher Schutzort geflüchteter Verbrecher, Asyl; Ungezwungenheit, Anmut(Goethe Wahlverw. 1, 2). In diesen Bed. mhd. vriheit, ahd. fri- heit f.«Freisinn, Privilegy; dazu afries. fr- héd, ndl. vrijheid f. ZUS. Freibeuter, m.: plündernder Soldat, Seeräuber. 1579 bei Fischart Binenk. 29. Freibrief, m.: Frei- heitsbrief; Privileg; Reisepaß. 1775 bei Ade- lung. Freidenker, m., als Übersetzung des engl. free-thinker 1715 von Gombert 5, 11 nachgewiesen(bei Guhrauer Leibniz 2, 487). Freifrau, f.: Gattin eines Freiherrn, 1678 bei Krämer, mhd. vröwrouwe f. Freifräu- lein, n.: unverheiratete Tochter eines Frei- herrn, 1691 bei Stieler; für beide 1678 bei Krämer auch Freiin, f.(Pl.-nen), Ende des 14. Jh. bei Königshofen Städtechr. 9, 748, 13 frugin«Baronin», freigebig, adj.: gern und bereitwillig(mhd. mit vrier hant) gebend. 1534 bei S. Franck Weltb. 63 b. Freigeist, m.(-es, Pl.-er): PFreidenker; Religionsver- chter. 1663 bei Schottel S. 448(vgl. Laden- dorf), bei Luther 1, 74° in gleicher Bed. der Pl. die freien geiste; anders im 14. Jh. die valschen frien geiste(Vorrede der Theologia deutsch) mit Bezug auf die Sekte der Brüder des frien geistes. Freiherr, m.(-en, Pl. -en): Baron, mhd. vriherre m.«Edelmann, der nicht in einem Dienstverhältnis steht wie die Ministerialen). Freimaurer, m.: Mit- glied einer Gesellschaft zur sittlichen Hebung der Menschheit, unter symbolischen Formen, die dem Maurerhandwerk entlehnt sind. Im 18. Jh. als Übersetzung des engl. free-mason aufgekommen, 1775 bei Adelung Freymäurer, 1780 bei Lessing 10, 288 Freymaurer. Frei- mut, m.(es): freier offener Sinn, mhd. vrimuot m.; davon freimütig, adj., mhd. vrimüͦetic. Freischar, f.(Pl.-en), erst in den 40 er Jahren des 19. Jh.; älter Frei- korps, n., 1775 bei Adelung. Freisinn, m.: freie Gesinnung, bes. in religiöser und politischer Hinsicht; davon freisinnig, adj., von Campe 1808 als neue Wörter bezeichnet, aber schon 1643 bei Moscherosch Insomnis cura 20 Freysinnigkeit; anders bei H. Sachs 5, 305 freisinnig«geistig gesundy im Gegen- satz zu unsinnig. Freistatt, Freistätte, f.: öffentliche Schutzstätte für flüchtige Ver- brecher. 1678 bei Krämer Freystatt. Ahn- lich bei Luther Jos. 21, 27 Freistadt f. Asyl- stadt für Totschläger». Freistuhl, m.: west- fülisches Freigericht, spätmhd. 1420 vristuol. freiwillig, adj., bei Luther. freidig, adj. u. adv.: mutig, kühn, zu- versichtlich, wohlgemut, getrost und fest. Bei Luther 1. Sam. 18, 17, Weish. 11, 18, 2. Makk. 10, 28, aber allmählich nicht mehr verstanden und bereits 1604 an manchen Stellen durch das völlig verschiedene freudig ersetzt. Noch mundartlich in Bayern, Tirol, Kärnten, Elsaß und Schlesien. Mhd. vreidec, vreidic«abtrünnig, flüchtig, leichtsinnig, wild, trotzig, übermütig, keck, mutig, wohlgemut, muntery, ahd. freichig abtrünnig, flüchtigy, asächs. frédig«flüchtig, verbannty, abgeleitet von dem ahd. Adj. freidi«abtrünnig, flüch- tigy, mhd. vreide«flüchtig, kühn, verwegen), andd. fréthi«abtrünnig, flüchtigy. Dieses ist wohl das aind. prétja-«nach dem Tode, jen- seitsy von pra-«fort) und einer Ableitung von i gehen», vgl. auch prétig f.«Weg- gehen, Flucht». Davon Freidigkeit, f.: Mut, Kühnheit, Zuversicht, fester getroster Sinn und Entschlossenheit. Bei Luther 4. Mos. 23, 22, Apostelgesch. 4, 13. Mhd. vreidicheit f. Ubermut, Wohlgemutheit, Kühnheit». ifreien, v.: freimachen, s. frei. ²freien, v.: zu ehelicher Verbindung werben für sich selbst oder für einen andern. Dem Oberd. fremd, aus dem Nd. und Md. durch Luthers Bibelübersetzung zur Geltung gekommen. Im ältern Md. vrien um ein Frauenzimmer aus Liebe werben», urspr. «lieben»; dazu mnd. vrien, ndl. vrijen«Liebes- 581 Freifrau Frett 582 verkehr haben, umwerben», ags. fréogan, anord. fyia«lieben»,(entlehnt) schwed. fria, dän. fri cheiratenꝰ, got. frijön. Der Lautver- schiebung gemäß stimmend mit aind. prindti, aw. fyinãiti«er befriedigt, abg. prijati«sorg- lich beistehn, günstig seiny, prijazni f.«Liebey. 4B. Freier, m.: heiratslustiger Bewerber. Md. im Voc. ex quo 1469 fryher, im 13. Jh. friére m.; dazu Freiersmann, m.: Braut- werber für einen andern. 1741 bei Frisch. Freite, f.(Pl.-n): Liebes-, Heiratswerbung. In Mitteldeutschland. Bei Lessing Freig. 2, 5 Freihte, bei Weiße Lustsp. 1, 164 Freyde, Op. 3, 205 Freide, im 16. u. 17. Jh. Freiet, im ältern Md. vrlät, friöte, friete f. ZUS. Freiwerber, m.(-s, Pl. wie Sg.): Braut- werber für einen andern. 1616 bei Henisch. Freifrau, Freigeist usw., s. frei. freilich, adv.: ohne Beschränkung, Be- denken; wohl. Mhd. vriliche, vrilich adv. «in freier Weise, frei heraus, ohne Zaudern, Bedenken, Vorbehalt⸗;(im Loher und Maller 15. Jh.)«sicherlich, allerdings, freilich?; ab- geleitet von dem mhd. Adj. vrilich, ahd. fralih«frei. Freimut, Freisinn usw., s. frei. Freitag, m.(-s, Pl.-e): der sechste Wochentag. Mhd. vrätac, vrietac, vrigetac, ahd. fraadag, frajetag; dazu mndl. vridach, ndl. vrijdag, afries. frigendei, ags. frigdcœg, frigedœæg, engl. fricag,(entlehnt) anord. frjd- dagr, schwed.-dän. fredag. Es ist der der Ge- mahlin Wotans und Vorsteherin der Ehen, ahd. Fria, anord. Frigg, geheiligte Wochen- tag, eine Ubersetzung des lat. dies Veneris. Fria bedeutet«die Liebendey, der Lautver- schiebung gemäß entsprechend aind. prijd f. «Gattin, Geliebtey(s. frei und freien). Freite, Freiwerber, s. Freien. fremd, unverkürzt fremde, adj.: anders- woher gebürtig oder kommend, nicht ein- heimisch, nicht angehörig, nicht eigen, nicht vertraut, unbekannt, ungewöhnlich, seltsam. Bei Luther frembd, mhd. vremede, vremde, daneben vrömede, vrömde, ahd. framadi, fra- midi, remidi; dazu asächs. remidi, ndl. vreemd, ags. fremede, got. framaßs,(entlehnt) schwed. frümmad, dän. remmedl, abgeleitet von ahd.- got.-ags. und anord. fram, präp. und adv. «Vorwürts, weiter, entfernt von, von— forty. 4BL. Fremde, f., mhd. vremede, vremde, daneben vrömede f. Fremdling, m.(-s, Pl.-e), mhd. fremdelinc, bei Luther Frembd- ling und Frembdlinger; dazu Fremdlingin, f., 1648 im Don Kichote 164. Fremdheit, f., 5. 6. 1780 bei Goethe an Lavater 84, dafür früher Fremdigkeit(bei Opitz), mhd. vremdec- heit, vrömdileit f. ZUS. Fremdwort, n. (-es, Pl.-wörter), 1819 bei J. Paul Vorr. zur 3. Aufl. des Hesperus. frenétisch, s. phrenetisch. frequént, adj.: zahlreich besucht. Im 18. Jh. entlehnt aus gleichbed. lat. requens, Gen. frequentis. frequentieren, v.: zahl- reich, häufig, fleißig besuchen, 1571 bei Rot und schon md. im 14. Jh. frequentiren, aus gleichbed. lat. frequentäre, von dessen Part. Perf. Pass. Frequentäãtus das Adj. frequentã- lvus, Neutr. frequentãtzvum und aus letzterem Frequentativ, n.(-s, Pl.-e): Veröfterungs-, Wiederholungswort, abgeleitet ist. Fre- quénz, f.(Pl.-en): zahlreicher Besuch, Zu- lauf, 1694 bei Nehring aus gleichbed. lat. frequentia f. Fresko, n.(-s, Pl. Fresken): Malerei auf frischen, d. i. nassen Kalk. 1775 bei Adelung. Das Adv. fresco schon 1727 bei Sperander. Aus ital. fresco«frisch». Daneben auch Freske, f., von dem Plur. Fresken ausgebildet. fressen, v.(Präs. fresse, frissest, frißt, Prät. fraß, Konj. fräße, Part. gefressen, Imp. frißz): völlig essen, daher bes. unmäßig, un- anständig, unvernüuftig essen, gewöhnlich von den Tieren gebraucht; verzehren, verzehrend eindringen. Mhd. vrezzen(Präs. ich vrizze, Prät. vraz, Pl. vräzen), ahd. frezzan; dazu ndl. vreten, ags. fretan(engl. fret«zerfressen»), got. fraĩtan caufzehren⸗(Prät. frét, 3. Pl. frétun), entlehnt schwed. frassa, dän. fraadse. Das Wort ist zusammengesetzt aus der Par- tikel got. fra-, ahd. far-, nhd. ver- und got. itan, ahd. ezzan, ags. etan«essen», wie auch das Part. Prät. ahd. frezzan, mhd. vrezzen ohne ga-, ge- zeigt. In gleicher Bed. ein neugebildetes mhd. verezzen. Substantivisch Fressen, n., derber Ausdruck für Nahrung, Mahlzeit(bei A. Gryphius 1, 820). 4 BL. Fresser, m.(-s, Pl. wie Sg.): der viel Fres- sende, mhd. vrezzer m.; davon Fresserei, f., mhd. vrezzerle f. ZUS. Freßsack, m.: Fresser, urspr. Speise-, Futtersack, 1775 bei Adelung. Frett, n.(-es, Pl.-e), gewöhnlich im Dim. Frettehen, n.(-s, Pl. wie Sg.): Art Wiesel zum Kaninchenfange. Bei Fischart Ehez. L 1² Frettel n., 1561 bei Maaler Frett n., 1546 bei G. Agricola frette, furette f.; dazu clevisch 1477 fret, mndl. foret, fret n. 37* 583 fretten Friede 584 Entlehnt aus franz. faret, ital. furetto m., von lat. für m.«Dieb» abgeleitet. fretten, v.: wund reiben;(bildlich) quälen, plagen, hudeln. Noch obd. Mhd. vreten, vret- ten, vraten, ahd. fratön, von ahd.-mhd. fratt «wund aufgerieben», bayr. frat, schweiz. fratt. Vielleicht aus ital. fretiare c«reiben», das von lat. frictäre stammt. fretzen, v.: fressen machen, weiden, mästen. Bei Luther. Mhd. vretzen und veretzen ab- weiden, füttern, jagen?, got. fraatjan um Essen verteileny, zusammengesetzt aus der Partikel got. fra-, ahd. far-, mhd. ver- und mhd. etzen, s. äãtzen und auffretzen. Freude, f.(Pl.-/): durch angenehmes Gefühl erregte Gemütsheiterkeit. Bei Frisius 1541 und Maaler 1561 fröud, mhd. vröucdle, vreude, frõuaede, ahd. frauwwida, freuwida, frowida f. Von freuen, v.: froh machen, mhd. vröursen, vreuzwen, vröun, vreun, ahd. fraiojan, freujan, frouwwen, abgeleitet von froh(s. d.). 43L. freudig, adj.: Freude empfindend oder erregend, 1540 bei Alberus Dict. Qd 3² freudig, 1541 bei Frisius fröudig, vgl. freidig; dazu Freudigkeit, f., bei Al- berus Qd 3 b freudigkeit, bei Frisius fröudig- keit. ZUS. Freudenhaus, n.: Haus voller Freude(bei Luther und Schiller), mhd. vréuden- has n.); in üblem Sinne Bordell(im 18. Jh.). Freudenmädchen, n.: feile Dirne, nach franz. fille de joie in der zweiten Hälfte des 18. Jh. aufgenommen(bei Schiller 7, 307), aber schon spätmhd. im 15. Jh. freudenweilb. Vgl. noch Gombert ZfdW. 7, 141. Freund, m.(-es, Pl.-e): durch Liebe, Zuneigung Verbundener;(in der Volkssprache) Verwandter. Mhd. vriunt, ahd. friunt, friont, asächs. friund, ndl. vriend, afries. friond, friund, ags. fréond, engl. friend, anord. frcœndi, schwed.-dän. frdãnde, got. frijônds m.«Freund, Verwandtery, ist das als Subst. erscheinende Part. Präs. von got. frijon«lieben»(s. reien). Gleiche urspr. Partizipien sind Feind, Hei- land(s. d.). 4 L. Freundin, f.(Pl.-nen), mhd. vriundinne, ahd. friuntinna f. freund- lich, adj. u. adv., mhd. vriuntlich und Adv. vriuntliche, ahd. friuntlih, und Adv. friunt- licho; dazu ndl. vriendelijſc, ags. fréondlic, engl. friendl’"; davon Freundlichkeit, f., spätmhd. vriunllicheit f. Freundschaft, f. (Pl.-en): Freundesverhältnis;(in der Volks- sprache) Verwandtschaft. In beiden Bed. mhd. vriuntschaft, vriwentschaft, ahd. friunt- scaf f.; dazu asächs. friundskepi, afries. friond- skip, ags. fréondscipe m.; davon freund- schaftlich, adj., 1734 bei Steinbach. Frevel, m.(-s, Pl. wie Sg.): gewaltsame Rechtsverletzung. Bei Luther freuel(u= p), 1561 bei Maaler Fräfel, ältermd. vrevel, da- neben vorevele, vorebele, vorebel, vorebyl, virehel m., mhd. vrevel, vrävel, vraval, da- neben frefue und frefin, meist f.(selten m.), ahd. fravali, fravili, frabar? f.«rückhaltlose Kühnheit, schrankenloser gefährlicher Uber- mut»,(in der ältern Rechtssprache) cgeringeres durch Geld sühnbares Vergehen, Geldstrafe. Von frevel, adj.: rückhaltlos kühn, gefähr- lich übermütig, gewaltsam das Recht ver- letzend. Mhd. vrevel, vrävel, vrebel, vrabel, daneben vreven, md. vorevil, vorebil, virebil (noch 1469 im Voc. ex duo eymn frebeler), ahd. fravali, fravili, frafali und Adv. fraba- licho; dazu(entlehnt) ndl. wrevel, ags. frœfele. Zusammengesetzt aus der Partikel got. fra-, ahd. far-(selten fra- in frabald«verwegero), mhd. ver-, md. vor-, vir-, nhd. ver-, und einem Stamm, der noch vorliegt in md. ebel «stolz vermessen»(Jeroschin 9122 Var.), ahd. avalõn, afalön æin eifriger Arbeit tätig sein), anord. afl n.«Kraft, Stürkey, got. abrs«stark). Vgl. Fracht, fressen. 4L. frevelhaft, adj. u. adv., spätmhd. vrevelhaft. freveln, v., mhd. vrevelen, daneben vrevenen, md. virebeln. freventlich, adj. u. adv.: frevel- haft, mit eingeschobenem!t aus mhd. vreven- lich neben vrevellich(md. virebilich), wie vreven neben vrevel, 1561 bei Maaler früfen- lich, bei Luther freuelich, freuenlich und (Tischreden 3 ²) freuentlich. Frevler, m., mhd. vreveler, mrhein. im Voc. ex quo 1469 frebeler. Friede,(-ns, Pl.-en), seit dem 18. Jh. auch Frieden, m.: Vereinigung in Liebe mit Entfernung aller Entzweiung; feste Uber- einkunft zu Einigkeit und Sicherheit; Sicher- heit vor und Freisein von Widerwärtigem. Bei Luther Fried und Friede noch mit der alten starken Biegung Gen. Friedes, Akk. Eriede, aber auch schwach Dat. und Akk. Frieden. Die starke Flexion noch bei Logau 1, 1, 4, Fleming 189, Zesen Ibrahim 1, 146; die schwache Flexion zeigt sich vereinzelt schon mhd., besonders md., zuerst im 12. Jh. am Niederrhein; der gemischte Gen. Fridens am frühesten im Anfang des 16. Jh. bei Keisersberg(Predigten 68 d). Mhd. vride(Gen. vrides), ahd. frida, frido m.(daneben frida f.); dazu asächs. fridu, ndl. vrede, afries. fretho 585 Friedhof Frikandeau 586 m., ags. frin, fryß m., n.(daneben freodo, friodo, frido f.), anord. fridr, schwed. frid, fred m., dän. fred m. und f., got. nur im Eigennamen Fribareilcs«Friedrich» und in gafripon«versöhnen». Zugrunde liegt der- selbe Stamm fri«schonen» wie in got. frijön clieben»(s. freien und Freund). 48L. friedlich, adj. u. adv., mhd. vridelich, Adv. vridelãche. vridesam, ahd. ridusam, asächs. adv. friche- samo. ZUS. Friedensfürst, m.(-en, Pl. -en), bei Schiller Wall. Tod 5, 1, dagegen Friedens- richter, m.(-S, Pl. wie Sg.), 1691 bei bei Luther Jes. 9, 6 Friedflirst. Stieler, aber 1703 im Zeitungslex., 1741 bei Frisch Friederichter. Ursprünglich Bezeich- nung einer englischen Einrichtung. fried- fertig, adj., bei Luther Matth. 5, 9. Friedhof, m.(-S, Pl. Friedhöfe): Kirch- hof, Gottesacker. Nicht«Hof zu Friede und Ruhe», sondern aus mhd. vréthof, ahd. frit- hof, asächs. frädhof, mnd. vrithof m.«der vor einem oder um ein Gebäude zu Schonung und Sicherheit eingefriedigte Raum, Vorhof eines Tempels, Palastes oder einer Burg, Vor- hof der Kirche als öffentlicher Schutzort ge- flüchteter Verbrechery, endlich«Kirchhof, Gottesacker», älternhd. und noch oberd. Freit- hof. Zu ahd. vriten cbegünstigen, hegen, anord. frida«schmücken», got. freidjan«schonen», einer Ableitung von einem Adjektiv, das in ags. frid, anord. fradr«hübsch» vorliegt, und das genau aind. pritäs«vergnügt, befriedigt, geliebt entspricht. Der Stamm ist derselbe wie in freien, Fyriedle. Friedrich, Mannsname, mhdl. Friderich, ahd. Fridurih, got. Fripareils, ags. Freoderic, anord. Fridreler«Friedensfürsty). Mlat. Fri- dericus, daher der zugehörige Frauenname Friederilce. S. Fritz, Fritee und-rich. Friedrichsdor, m.(-s, Pl.-e u.-s): ehe- malige preußische Goldmünze im Werte von 17 M., zuerst 1713 unter Friedrich Wilhelm I. geprägt. frieren, v.(Prät. fror, Konj. fröre, Part. gefroren): Kälte empfinden; durch Kälte er- starren;(unpersönlich) es friert«entsteht Eisy(schon mhd.), es friert mich«ich emp- finde Kälte»(mhd. mich vriuset); das Part. gefroren durch Zauberei fest gegen Hieb und Schuß»(seit dem 30 jähr. Kriege nach- gewiesen). Mhd. vriesen(Prät. vrös, Pl. vrurn, Part. gevrorn), ahd. friosan, freosan (Part. gifroran); dazu mnd. vrésen, ndl. vriezen, Lautverschiebung prusvã f.«gefrornes Wasser, Reifs, lat. prurna friedsam, adj. und adv., mhd. ags. frsosan, engl. fyeeze, anord. f'†jõsa, schwed. frysa, dan. fryse. Das urspr. s hat sich im bayr.-hess. fiesen, fieusen, luxemb. friselen, sowie in Friesel und Fyost(s. d.) erhalten. Die 2. und 3. Präs. lautet älternhd. freurest, freuret(noch 1726 bei Freyer freuret). Der gemäß entspricht aind. f.«Reify(aus*prusvina). Fries, m.(-es, Pl.-e): in der Säulen- ordnung ein mit Laubwerk und andern krausen Zieraten versehener Teil des Hauptgesimses, der den Kopf des auf dem Hauptbalken ruhen- den Balkens bildet(dann herumlaufender Zier- streifen an Wand und Fußboden); krauses ungeschorenes tuchartiges Wollenzeug. In der 1. Bed. 1616 bei Henisch Frisen, 1618 bei Schönsleder Fries m., 1691 bei Stieler Friese n., bei Winkelmann und Schiller Friese f.(Pl.-n); dazu mndl. 1599 bei Kilian frise. In der 2. Bed. 1691 bei Stieler Fries, 1678 bei Krämer Frieß, 1663 bei A. Gryphius Peter Squenz 9 Früß, mndl. vries, frise 1599 bei Kilian. Beides aus gleichbed. franz. fyise, afranz. frese f., woher auch engl. frieze, zu franz. friser«kräuseln, verzieren, das wie span. friso, freso m. in 1., frisa f. in 2. Bed., frisa«Tuch aufkratzen», ital. fregio m.«Ver- brämung, Schmuck, Gesimsfries», fisa f. crauher Wollstoffy, aus dem Germanischen entlehnt ist: ags. frise«kraus, gelockt», engl. friz, frizzle«kräuseln», afries. frisle, fresle «Haupthaar, Haarlockey. Dagegen das afranz. drap de Frise, paile de Frise, mlat. pannus frisius, ist ein kostbarer Seidenbrokatstoff und deutet auf den Orient, vielleicht Phrygien (Schultz höf. Leben 1, 337). Friese, m.(-n/, Pl.-n): Volksname, mhd. Vriese, ahd. Frieso, Friaso, Friso m., dazu nd. Frése, mndl. Vriese, ndl. Vries, afries. Freso, Friso, ags. Frysa, Friesa m., bei den röm. Schriftstellern Frisit, Frisones, mlat. auch Fresones. Dunkler Herkunft. Friesel, n. u. m.(*I, Pl. wie Sg.): Fieber mit hirsekornähnlichen Bläschen. 1686 bei Liebe als Mask., 1734 bei Steinbach als Neutr. Zu frieren(s. d.), md. im 14. Jahrh. bei Ködiz 96, 26 frisen n.«Fieberschauer, kaltes Fiebery, ebenso 1429 im Lib. ord. rer. 17² friesen n. Frikandeaü(spr. Frikand), n.(-s, Pl. “): gespickte gebratene Kalbsschnitte. Aus gleichbed. franz. Fricandeuu m. Neue Ent- lehnung. 587 Frikandelle froh 588 Frikandélle, f.(Pl.-„): Buttergebackenes aus zerhacktem Fleisch, Fleischklößchen. 1715 bei Amaranthes, aber 1721 bei Jablonsky und 1741 bei Frisch Frickeddellen, 1727 bei Sperander Fritadelle, Frickedellen, aus gleich- bed. ital. frittadella f., von fritto«in der Pfanne gebackeny, Part. von friggere, lat. frĩigèére«rösten?. Frikassée, n.(⁸s, Pl.-): Schnittfleisch mit einer Brühe. Bereits im 16. Jh.(Zimm. Chron. ² 2, 164, 4) entlehnt aus dem gleich- bed. franz. fricassée f. Dazu frikassieren, v.(Zimm. Chron. ² 2, 163, 29):(in übertragener Bedeutung) übel zurichten(erst im 19. Jh.). frisch, adj. u. adv.: erstkräftig, munter, rüstig; noch ungenutzt; anregend kühl. Mhd. vrisch, früh am Niederrhein virsch, ahd. frisc in der 1. Bed.; dazu mnd. vrisch, nd. firisk, mndl. versch, afries.-ags. fersc, engl. fresh; anord. ferskr, schwed. färsk, frisk, dän. fersk, frisk sind entlehnt. Auch ins Romanische gedrungen: ital.-span.-port. fresco, franz. frais. Der Lautverschiebung gemäß entspricht abg. préesinũ«frisch, ungesäuert(lit. priéskas cungesäuerty ist aus dem Slaw. entlehnt). Dim. von Frieckrich, bei Luther auch Fritzsch, 4BL. Frische, f., mhd. vrische f. Frischling, m.(*I, Pl.-e): junges Wild- schwein. Aus mhd. vrischinc, später auch vrischlinc m.«junges weidefähiges Schwein oder Lammꝰ», ahd. friskinc, friscing mit den Nebenformen fruscing, friuscing, frinscing, frunscing m. auch«Opfertier»; dazu andd. ferscang, verscung m. junges Tier, Ferkel, Lammy. Die romanischen afranz. fresange, fraissengue, sizil. frisinga«junges Schwein»? stammen nicht direkt aus dem Deutschen. Abgeleitet von frisch(s. d.), also urspr. «Frischgeborenes, Jungesy. Daher weidmän- nisch frischen, v.: junge Wildschweine ge- bären, 1746 bei Döbel Jäger practica 1, 24. frisieren, v. kunstgerecht Haare kräuseln; wollene Zeugstoffe in der Frisiermühle auf- kratzen. In der 1. Bed. 1673 bei Weise Erzn. frisiren, in beiden Bed. 1691 bei Stieler friesiren, 1616 bei Henisch friseren, nach ndl. friseren aus franz. friser(s. Fries). 4.B L. Frisierer, m.(s, Pl. wie Sg.): Haarkräusler. 1691 bei Stieler Friesirer, heute in der franz. Form Friséur. Frisür, f.(Pl.-en): Haar- tracht, 1694 bei Nehring, aus franz. frisure f. Frist, f.(Pl.-en): bis wohin freigegebene Zeit, Aufschubszeit; abgegrenzte Zeit über- haupt. Mhd. vrist, ahd. frist f.; dazu mnd. verst, mndl. verste, worste f., afries. ferst, first n., ags. first m., anord. frest n., schwed. frist m., dän. frist. Das Wort ist nach Brug- mann Idg. Forsch. 13, 164 zu vergleichen mit aind. purah-Sthitas«bevorstehendꝰ(puras«vor Augen»= germ. fris und sthitas«stehend. 4B2. fristen, v.: Frist geben, unverletzt und noch für längere Zeit erhalten. Mhd. vristen, ahd. fristjan, fristan und fristõn, mnd. versten, afries. fersta, ags. fyr stan, anord. fresta, schwed. frista, dän. friste, Fritt, m.(-es, Pl.-e): kleiner Hand- bohrer, bes. der Böttcher. 1775 bei Adelung, aus nd. fyit m., ndl. vret n., vom gleichbed. franz. foret m., mlat. forétum n., zu lat. fordre, franz. forer«bohren. Fritte, f.(Pl.-en): in der Glasmacher- kunst Gemeng aus Sand oder Kieselerde und alkalischem Salz(Laugensalz). 1775 bei Ade- lung, aus gleichbed. franz. fritte, ital. fritta f., d. i. lat. fricta, Fem. des Part. Prät. frickus von frigere«rösten?, urspr.«geröstete, ge- sottene Masse», weil durch Schmelzen jenes Gemenges Glasfluß entsteht. 4. fritten, v.: zusammenschmelzen. Fritz(Gen.-ens, Pl.-e,-en), vertrauliches mhd.(und noch mundartlich) Fritze. Fritze(Gen.-ns, Pl.-n), diminutive Kose- form fůr Fyiederike. frivõl, adj. u. adv.: gehalt- und wertlos, sehr leichtfertig. 1686 bei Liebe, aus gleich- bed. frivole, von lat. fravolus«wertlos, arm- selig, abgeschmackty. 4BL. Frivolitüt, f. (Pl.-en): Leichtfertigkeit; leichte Spitze, durch ein Schiffchen mit der Hand gefertigt. Aus franz. frivolité f. In der 1. Bed. 1768 bei Wieland Idris 15. froh, adj. u. adv.: von Wohlgefühl be- wegt; aus Wohlgefühl lebhaft. Bei Luther fro, mhd. vrõ(Gen. vrowes, vrouaoes, vrohes), ahd. frao, frõ(flektiert frawer, frõwer, frouwser) auch«schnelly bedeutend; dazu asächs. fräh «froh, mndl. vrö, afries. frõô, anord. frdr churtig, flinky. Die nordische Bedeutung «flink» scheint die ursprüngliche zu sein, und man kann daher die germ. Grundform*frazαe zu aind. prävatsé«springt auf, hüpft, eilt», pravãs«flatternd, schwebend, fliegend stellen. Vgl. Ostboff Parerga 336. 4L. fröhlich, adj. u. adv., bei Luther frölich, mhd. vrœ- lich und Adv. vrœliche, ahd. frawalih, frölih und Adv. fravwalöcho, frölicho; dazu Fröh- lichkeit, f., mhd. vrœlicheit f. ZUS. froh- locken, v.: laute Freude äußern. Bei Luther 589 frohn Fronde 590 und noch bis ins 18. Jh. frolocken, mhd. vrõlocken, 1352 bei Merswin wiederholt für- löcken; lockcen ist vermutlich entstanden aus mhd. und älternhd. lecken chüpfen, springen?, s. lecken, Intensivbildung zu mhd. leichen «aufspringen», got. lailan chüpfen, froh- locken», ags. lãcan«springen»; die urspr. Bed. wäre also«vor Freude springen». frohn, Frohne usw., s. fron, Frone. fromm, adj. u. adv.:(im ältern Nhd. wie im Mhd.) förderlich, nützlich, tüchtig, vor- trefflich, tapfer, brav, rechtschaffen;(im ältern wie jüngern Nhd., besonders durch Luthers Bibelübersetzung verbreitet) tüchtig in Be- ziehung auf die Gottesverehrung, gottgefällig; (bildlich) ohne Arg und gut geartet, fügsam. Bei Luther from, ülternhd.(zumal obd.) auch frum, frumm, daneben frumb, fromb, mhd. vrum, vrom, ältermhd. im 12. Jh. frum:; dazu mnd. vrome«tüchtig, brav, fromm), afries. fremo, from«nützlich, ags. fyom, fram, ctapfer, tüchtig». Zugrunde liegt der gleiche Stamm wie in got.- ahd. fram«vorwärts, weiter» (s. fremd), got. fruma, ags. forma æder erste?, lit. Pirmas der ersten, gr. pꝑμοc der vor- derste, Vorkäümpfer»; ferner in vor, fürder, fördern, Fürst(s. d.). RA. frommer Wunsch, der nicht in Erfüllung geht, nach Phil. Speners Schrift pia desideria 1675. 4BL. Fromme, f.: Vorteil, Nutzen, Gewinn, nur noch in dem Dat. Pl. 2u.(Nutz und) Frommen«zum Nutzen, zugutey. Alternhd. Frumme f., mhd. vrume, vrum, vrome f. u. m., ahd. ruma, froma f.; dazu asächs. fruma f. Daher mhd. ze vraumen, ze vromen, ahd. zi frumum, ze fromon. frommen, v.: Förderung, Nutzen bringen, zur Förderung dienen. Mhd. vrumen, vromen, vrümen«vorwärts kommen, förderlich sein, nützen, helfem, ahd. frumjan, frumman, asächs. frummjan«vorwärts schaffen, befördern, voll- bringen, verrichten, tuny. Nach Heynatz 1796 ist das Wort«von einigen neuern» wieder her- vorgesucht. frömmeln, v.: äußerlich ein gottesfürchtiges Wesen annehmen, 1786 bei Schiller 4, 105. Frömmigkeit, f.: religiöse Tüchtigkeit, ülternhd. frumleit(altertümlich noch bei Goethe 16, 124 Frummeit), früm- keit, frömkeit, mhd. vrümecheit, vrümbeit, vrumkeit, im 12. Jh. frumilcheit«Tüchtigkeit, Bravheit, Tapferkeit, Trefflichkeit⸗, zu dem von vrum abgeleiteten Adj. mhd. vrümec, vrumec, ahd. frumig nützlich, tüchtigy. fron, adj.: herrlich und heilig. Nur noch altertümlich bei Pfeffel u. a. frohn, älternhd. fron, mhd. vrõne, vrön adj.«den Herrn be- treffend, ihm gehörend, heilig, herrschaftlich, öffentlich», ahd. frõno, fraono adjektivisch, aber undeklinierbar gebraucht, urspr. Gen. Pl. von ahd. fr, got. frauja m.«Herry(s. Frau),«der Herren» d. h. nach christlicher Anschauung Gottes und der Heiligen». ZUS. Fronaltar, m.(-s): Gottes-, Hochaltar, mhd. vrõnalter,-altär m. Fronbote, m.(-n, Pl. n): Gerichtsbote, Büttel, mhd. vrönebote, älter bote vrne, ahd. boto vröno cheiliger unverletzlicher Bote, Gerichtsbote». Fron- dienst, m.(-es, Pl.-e): herrschaftlicher Handdienst, den der Unfreie leisten mufß, spätmhd. vröndienest. Fronfasten, plur.: die Quatemberfasten, mhd. vröne-, vrnvaste f. Fronfeste, f.: öffentliches Gefängnis, mhd. vronveste f. Fronhof, m.(-es, Pl.-höfe): Herrenhof, bes. insofern die zu Handdiensten Verpflichteten da erscheinen müssen, mhd. vrone-, vrönhof m. Herrenhof, Kirchhofy, ahd. frnohof Fiskus». Fronleichnam, m.(), 1482 im Voc. theut. q 2 2 fronleichnam, mhd. vrönlicham m. der heilige d. h. Christi Leib, Hostie»(s. Leichnam). Fronvogt, m. (-es, Pl.-vögte): herrschaftlicher Amtmann, bes. zur Beaufsichtigung der zu Frondiensten Verpflichteten. Bei Luther(2. Mos. 1, 11). 1Fron(-en, Pl.-en), m.: Gerichtsbote, Büttel, Scherge. Volkstümliche Kürzung für Fronbote(s. d.), spätmhd. vrön, vröne m. „Fron(e), f.(Pl.-n): dem Herrn zu leistender Zwangdienst. Mhd. vröne f.«Herr- lichkeit, Gewaltherrschaft, Gefängnis, Herren-, Frondienst(s. fron), gerichtliche Beschlag- nahme». Von fronen, frönen, v.: unfrei Herrendienst tun(frönen auch bildlich ceiner Sache sklavisch unterworfen sein?, seit der ersten Hälfte des 18. Jh.). Mhd. vrœnen, vrönen zum Herrn machen, verherrlichen, als Abgabe geben, in gerichtlichen Beschlag nehmen, Herren-, Frondienst leisten», ahd. frõnen«in Beschlag nehmen». 4L. Fronde, f.(Pl.-n) in gleicher Bed. wie Frone f., spät- mhd. vrœnde f.«frondienstiges Land, Fron- arbeit», das ein ahd. frönida voraussetzt. Da- von fronden, v., in gleicher Bed. wie fronen. Fronde, f.: Oppositionspartei von Vor- nehmen gegen die Regierung. Aus franz. fronde f.«Name einer Oppositionspartei wäh- rend der Minderjährigkeit Ludwigs XIV., die die Politik Mazarins stark bekämpftey. Das Wort bedeutet eigentlich«Schleuder» aus lat. funda f. und wurde zum Spottruf. 43L. 591 Fronfasten früh 592 Frondeur, m., aus franz. frondeur m. fron- dieren, v., aus franz. fronder. Alle im 18. Jh., aber allmählich zurückgetreten. Neu belebt nach dem Rücktritt Bismarcks. Vgl. Ladendorf. Fronfasten, Fronfeste usw., s. fron. Front(Pl.-n), f.: Stirn-, Vorderseite. 1616 bei Wallhausen Kriegsmanual 119 Fronte, Front f., aus ital. fronte f.«Stirn, Angesicht, Vorder- teily, von lat. frons(Gen. fronltis) f.«Stirny. Frontispiz, n.(-es, Pl.-e): Vordergiebel- seite. Im 18. Jh. aus franz. frontispice m., mlat. frontispicium n.«Giebel eines Gebäudes», von lat. frons f.«Stirn» und spicere«sehen, schauen?. Frosch, m.(-es, Pl. Frösche): die hüp- fende Amphibie, lat. rana;(übertragen) Feuer- werkskörper; Geschwulst an der Zunge einiger Tiere; Schuljunge. Mhd. vrosch, ahd. frosec m.; dazu mnd.-mndl.-'ndl. vorssch, ags. frox m., engl. dial. fyosk m., anord. frosler m., dän. froslc. Daneben stehen Formen wie ags. frogga, engl. frog, dial. frock mit Guttural, und solche mit Dental anord. frauc, schwed.- dän. frõö, anord. frauler(aus*fraudier). Ls ist kaum möglich, alle diese Formen auf eine gemeinsame Grundform zurückzuführen. Am ehbesten ist noch fraup,*frup möglich und dies dürfte nach Osthoff Parerga 344 zu den unter froh behandelten Wg.«springen» gehören, vgl. aind. plavas m. Eroschy zu plu-, pru-«springen» und die deutschen Aus- drücke hopper, hoppschel, grashüupfer u. a. ZUS. Froschblut, n.: kaltes Blut, bei dem der Mensch nicht in Aufregung kommt(bei J. Gotthelf Schuldenbauer 364). Frosch- laich, m.(-s): Froscheier, 1575 bei Fischart Garg. 56 Fröschleych, im 17. Jh. auch n. Froschlöffel, m., ein Sumpflöffelkraut, 1533 bei Rößlin 116 d. Frost, m.(-es, Pl. Fröste): starren machende Kälte. Mhd. vrost, ahd. frost m.; dazu mndl. vorst, afries.-ags. forst, engl. frost, anord.- schwed.-dän. frost. Abgeleitet von frieren G. d.). 4BL. frösteln, v.: ein wenig Frost empfinden, 1541 bei Frisius fröstelen. frostig, adj. und adv.: kalt, frierend, mhd. vrostec, vrostic, ahd. frostag; dazu ndl. vorstig, ags. fyrstig, engl. frosty. ZUS. Frostbeule, f., 1716 bei Ludwig. frottieren, v.: reiben, scheuern. 1773 bei Amaranthes. Aus gleichbed. franz. frotter. Frucht, f.(Pl. Früchte): Bodenerzeugnis, insbes. Getreide; Erzeugnis der Fortpflanzung; (bildlich) Ertrag, Erfolg. Mhd. vruht, ahd. fruht f.; dazu asächs. fruht m., ndl. vrucht f., afries. frucht f.; später entlehnt anord. frulctr m., schwed. frakt, dün. frugt m. Aus gleich- bed. lat. fructus m. 4L. fruchtbar, adj.: fruchttragend, fruchtbringend, nutzbringend, mhd. vrahtbœre, ndl. vruchtbaar. Frücht- chen, n.(-s, Pl. wie Sg.): kleine Frucht; auch leichtsinniger, ungeratener junger Mensch, 1750 bei Lessing 1, 471, im gleichen Sinne bei Luther 8, 672 fyüchtlin. fruchten, v.: fruchtbar machen(Goethe 1, 83); Frucht bringen, Erfolg haben(1644 bei Harsdörffer Gesprächsp. 1, Vorr. B 1²), mhd. vrühten, vruhten«Frucht tragen, als Frucht zur Folge haben, fruchtbar machen, den Fruchtgenuß haben». ZUS. Fruchtbaum, m.: frucht- tragender Baum, Obstbaum, mhd. vruhtbounm. fruchtlos, adj. u. adv.: unfruchtbar(1786 bei Herder zerstr. Blätter 2, 8); erfolglos (1678 bei Krämer). Fruchtschlag, m.(-s): auf- oder abschlagender Fruchtpreis, süd- westdeutsch(bei Hebel). Fruchtspeicher, m.(*, Pl. wie Sg.): Getreidelagerungsspeicher, 1541 bei Frisius Fruchtspycher. frugal, adj. u. adv.: sparsam eingerichtet, mäßig, einfach-genüglich. Im 18. Jh. ent- lehnt aus gleichbed. franz. frugal, von dem lat. Adj. frügälis, zu lat. fruæ(Gen. fragis) f.«Frucht, Tauglichkeity. früh, adj.: der gewöhnlichen oder be- stimmten Zeit vorausgehend. Bei Luther früe, mhd. vrüeje, vruoje, vruowe, ahd. fruoji. Von früh, adv.: mit Anbruch des Tages; mit Anfang und selbst vor der bestimmten Zeit seiend. Auch frihe(bei Goethe, Schiller, Uhland), älternhd. früe, frü(mit dem 17. Jh. früh), mhd. vrüeje, vriüe neben vruo, ahd. fruo, frua, daher noch nhd. fruh(Goethe 13, 105, Rückert 2, 395, Heine 1, 232). Der Lautverschiebung gemäß stimmend mit gr. npu adv.«frühy, apc‿ioc adv.«frühe, npuia f. «ͥdie Morgenfrühe», aind. präãtär adv.«früh morgens», zu gr. ρο αvor», aind. pra-«vor-? (8. vor). 4BL. Frühe, f.: erste Morgen- zeit, bei Luther früe, im 15. Jh. frue, ahd. fruoi f. Frühling, m.(-S, Pl.-e): erste Jahreszeit, Jahreszeit des Grünwerdens und Blühens der Pflanzen(älternhd. im 16. Jh. früling bei Dasypodius, Frisius usw., bei Luther nur einmal neben Lenz, spätmhd. im 15. Jh. vräelinc); früh im Jahr geborenes Tier(1. Mos. 30, 42 früeling); zu früh nach der Hochzeit geborenes Kind(1691 bei Stieler). 593 Frumkeit Fug 594 ZUS. Frühgeburt, f.: vorzeitige Geburt. Bei Opitz(nach Adelung). Frühjahr, n. (es, Pl.-e): erste Jahreszeit(vom 21. März bis 21. Juni), 1678 bei Krämer. frühreif, adj.: vor der gewöhnlichen Zeit reif, 1663 bei Schottel(von Menschen), von Früchten ndrrhein, in der Kölner Gemma von 1495 vrorijp, von 1507 vrorijff, ahd. fruo rifl. Frühstück, n.(-, Pl.-e): Morgenbrot, Zwischenmahlzeit vormittags, spätmhd. vrao- stücke, vrüestüc n.(Minnesinger 3, 309 ⁵, 2. 310², 3); davon frühstücken, v., 1470 bei Diefenbach mlat.-hochd.-böhm. Wb. 138 fru- stücken. frühzeitig, adj. u. adv.: vor der gewöhnlichen Zeit, um 1480 im Voc. inc. teut. g5 b fruezeitig, in der Straßburger Gemma von 1508 fryegeytig«frühreify. Frumkeit, s. fromm. Fuchs, m.(Gen. Fuchses, Pl. Füchse): das listige Raubtier, lat. vulpes;(übertragen) rötlich-braunes Pferd(1556 bei Frey Garten- gesellsch. Kap. 75, vgl. Rappe); Mensch mit rotem Haar(1556 bei Frey Kap. 71); Student im ersten Halbjahr(bei Günther 581, ver- ächtlich 1697 bei Ettner unwürd. Doktor 639, von Abiturienten 1679 bei Riemer polit. Maulaffe 51, aber schon im 16. Jh. Foß, Gen. Fossen, als Schimpfwort für Studenten und Gelehrte, z. B. 1552 bei H. Sachs Fasnachtsp. 40, 348 fg., 1571 bei Rot Phos, offenbar von einer nd. Universität ausgegangen); Gold- stück(1669 bei Grimmelshausen Simpl. 278), früher auch kleine nrhein.-westfl. Kupfer- münze im Werte von 1 ¼ Pfennig deutscher Reichswährung; listiger, verschlagener Mensch (bei Luther Luk. 13, 32). In der urspr. Bed. mhd. vahs, ahd. fuhs m.; dazu mnd.-mudl.- ndl. vos, ags.-engl. fox; anord. foæ n. Betrug. Daneben ein älteres Fem. mhd. vohe«Fuchs, Füchsin⸗, ahd. foha, anord. föa, got. fauhõ. Die bisher aufgestellten Erklärungen der Herkunft befriedigen wenig. Vgl. aber Uhlen- beck Btr. 22, 538. Alternhd. zeigt sich schwache Flexion(1550 bei Alberus Fab. 48, 178 des Fuchssen), die noch oberd. vorkommt. 48L. füchseln, v.:(Schlau) stehlen, 1618 bei Schönsleder füchßlen. fuchsen, v.: fuchs- schlau berücken; hudeln, peinlich, empfind- lich plagen oder ärgern(vielleicht aus der Studentensprache, doch vgl. Weise ZfdW. 3, 243 eig.«einen wie einen Fuchs behandeln?); Geilheit üben(1664 bei Duez); sich fuchsen, v.: sich ärgern. fuchsig, adj.: durch Ab- blassen gelbrötlich, 1741 bei Frisch füúchsig We igand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. «roty. Füchsin, f.(Pl.-nen): weiblicher Fuchs, spätmhd. im 15. Jh. fuchsinne(Diefen- bach Gloss. 632), md. im 14. Jh. füchsin, spätahd. im 11. Jh. fuchsin f.; dazu ags. fiæen, engl. vigen. ZUS. Fuchsbau, m.(-es, Pl.-e): Lagerhöhle des Fuchses, 1775 bei Adelung. Fuchsmajor, m.: ältrer Student, der die Füchse im studentischen Brauch unterrichtet. Fuchspelz, m.(-es, Pl.-e), mhd. vuhsbel⸗ m. fuchsrot, adj.: feuerrot, 1616 bei Henisch. Fuchsschwanz, m.(-es, Pl.-Schwänze): Schwanz des Fuchses, 1494 bei S. Brant Narrenschiff 40, 36, dafür mhd. vuhszagel;(in übertragener Bedeutung auch Name von Pflanzen, einem Vogel, einer kurzen Säge); davon fuchsschwänzen, v.: einem den Fuchsschwanz streichen oder mit dem Fuchs- schwanz streichen, d. h. in niedriger Weise schöntun, schmeicheln, zu Gefallen reden, seit dem 16. Jh.(bei Luther, H. Sachs), gleichzeitig Fuchsschwänzer, m.: nach Gunst strebender, heuchlerischer Schmeichler (bei Luther), Fuchsschwänzerei, f.,(1562 bei Mathesius Sar. 117²). fuchswild, auch fuchsteufelswild, adj.: wild wie ein Fuchs, über die Maßen aufgebracht(bei H. Sachs Fasnachtsp. 49, 350). Fuchtel, f.(Pl.-n/): unscharfer breiter Degen; Schlag damit(bei Lessing Minna 5, 14). Im 16. Jh. Fuchtel(Ringwald Warnung des tr. Eckart H 6 b) und Fochtel(Fischart Garg. 122. 409, noch 1734 bei Steinbach). Zu fechten (s. d.). Davon fuchteln, v.: die Fuchtel hin- und herschwingen, mit ihr schlagen, (übertragen) rasch in der Luft herumfahren. Im 16. Jh. fuchteln(schon in übertrag. Bed. bei H. Sachs) und fochteln(Fischart Garg. 78, bildlich 1541 bei S. Frank Sprichw. 1, 26 b. 2, 55 fochtlen). Fuder, n.(-s, Pl. wie Sg.): Wagenladung; nach Umfang oder Schwere einer Wagenlast bestimmtes Maß. Mhd. vuoder, ahd. fuodar n.; dazu andd. föther, mndl. voeder, ndl. voer, ags. föder n. Wagenlast», engl. fother, fodder (als bestimmtes Maß in Bergwerken). Wohl abgeleitet von derselben Wurzel wie Faden (§. d.). Aus dem Deutschen das gleichbed. franz. foudre m. Fug, m.(-es): Zuständigkeit wozu, ins- besondere mit dem Nebengedanken an Rechts- kräftigkeit derselben(in der RA. mit Fug und Recht). Mhd. vuoc, md. vãc m.«Schick- lichkeit, Angemessenheit, passende oder er- wünschte Gelegenheit, Geschicklichkeity; dazu 38 595 Fuge füllen 596 mnd. võch m. f. Fuge, f.(Pl.-n): Stelle eingreifender Verbindung zueinander. Mhd. vuoge, md. vige, võge f.«feste Vereinigung, Verbindungsstelle, Paßlichkeit, Schicklichkeit, Geschicklichkeit, Bewerkstelligungy, dafür ahd. fuog? f.«Verbindung»; dazu mnd. voge, mndl. voeghe, ndl. voeg, voege f.«Paßlichkeit, Fuge». fugen, v.: in einer Fuge anschließend verbinden(1616 bei Henisch Part. gefigt). Zu fügen, v.: zu- und widereinander ver- binden; als angemessen, zweckdienlich be- stimmen; refl. sich fugen: wozu paßlich sein; sich schicken; dem Zusammenhang mit an- derm gemäß geschehen. Mhd. vüegen, wuogen, md. vigen, ahd. fuogan; dazu asächs. fögjan, mnd. vögen, mndl. voeghen, afries. föga, ags. fégan, engl. fag«passen, verbinden?. Abge- leitet von derselben Wurzel wie das got. Adj. fagrs cpassend, geeignets(s. fegen). Die Grund- bedeutung ist passend machen). 4 BT. füglich, adj. und bes. adv.: passend, an- gemessen, geeignet, spätmhd. vuoclich, viec- lich adj. Das Adv. 1467 in den Städtechron. 5, 316, 21; dazu Füglichkeit, f., um 1480 bei Melber b 4² fuglicheit, 1482 füglichleit. fügsam, adj. u. adv.: sich gern und leicht fügend, unterordnend, 1616 bei Henisch, aber spätmhd. vuoc-, viecsam«passend, schicklichy. Fügung, f., mhd. vüegunge. ZUS. Füge- wort, n.(-es, Pl.-wörter): Konjunktion, bei Helvicus 1619 Fügwort. Fuge, f.(Pl.-n): mehrstimmiges Ton- stück, in dem eine Stimme nach der andern eintritt und dasselbe Thema, nur in ver- schiedener Tonlage, wiederholt. 1691 bei Stieler Fuge, 1616 bei Henisch Fuga. Aus gleichbed. ital. fuga f., von lat. fuga f.«Flucht». fühlen, v.: prüfend berühren, betasten; inne werden, wovon innerlich erregt werden. In Süddeutschland nicht volkstümlich, des- halb in der Basler Bibel von 1523 durch cempfinden» erklärt. Mhd. vielen, md. vilen, ahd. fuoljan, fualen; dazu asächs. följan in giföljan«wahrnehmen», mnd. volen, nd. fölen, ndl. woelen, afries. fela, ags. félan, engl. feel; ferner anord. falma æunsicher tasten». Ab- geleitet von demselben Stamme wie ahd. folma f., asichs. folmos m., ags. folm f.«Hand, welche der Lautverschiebung gemüß mit lat. palma f., palmus m., gr. mœkdun f.«flache Hand», ir. läm Hand» stimmen. Weiter dazu aind. pänis m.«Handꝰ, aw. poronã- f. chohle Hand). 43L. fühlbar, adj.: was gefühlt werden kann, lebhaft gefühlt wird (1691 bei Stieler fülbar);(im 18. Jh.) zum Fühlen fähig, gefühlvoll(Weiße Lustsp. 2, 83). Fühler, m.(-S, Pl. wie Sg.): der Fühlende (1691 bei Stieler); Fühlhorn der Insekten (1773 bei Müller Linnés Natursystem 6, 103), danach bildlich. Fühlung, f., noch 1691 von Stieler als selten bezeichnet, 1550 bei Jac. Schöpper Synonyma Nr. 12 Fälung für lat. tactas, schon frühmd. vlaunge f.«Gefühl, Empfindung»(ZfdA. 10, 91, 29). ZUS. Fühl- horn, n., 1720 bei Frisch Insekten 1, 28, dafür bereits im 14. Jh. hörner(der Schnecke) bei Megenberg 303, 3. Fuhre, f.(Pl.-n): das Fahren mit be- spanntem Fuhrwerk; Wagenladung. Mhd. vuore f.«Fahrt, Fahrweg, Begleitung, Fahr- gelegenheit, Reiseunterhalt, Futter, Lebens- weise, Art und Weise», md. vãre, ahd. fuora: dazu mnd. võre, ags. för f.«Fahrt, Fuhrwerk. Zu fahren(s. d. und das folg.). 4L. Fuhr- weg, n.(-s, Pl.-e): Fahrweg, 1594 bei Frischlin Nom. Kap. 125. Fuhrlohn, m. n. (*s, Pl. Jöhne), mhd. vuorlön m. n. Fuhr- mann, m.(-*s, Pl. Fuhrleute), mhd. vuorman, Pl. vuorliute. Fuhrwerk, n.(-s, Pl.-e), md. 1380 fürwerc n. führen, v.: fahren machen, die Richtung bestimmend wohin bewegen machen; bei oder an sich haben(schon mhd., auch Waren, urspr. von umherziehenden Krämern, Par- zival 531, 13); refl. sich führen: sich be- nehmen(im 18. Jh.). Mhd. vieren, md. vüren, vören, ahd. fuorran, förran neben fuoren; dazu asächs. förjan, mnd. võren, nd. fören, ndl. voeren, afries. féra, ags. féran(reisen), anord. föra(bringen), schwed. föra, dän. före. Faktitiv zu fahren(s. d.). 4L. Führer, m.(-s, Pl. wie Sg.), mhd. viüerer m. Füh- rung, f., mhd. vierunge f. Fülle, f.: den Raum einnehmende Menge von Dingen, Vollheit; Füllsel. Mhd. välle, ahd. full? f.; dazu in der 1. Bed. ags. ylla, anord. fyllr, fylli f., dän. fyld, fylde, got. fullei f.(in ufar fullel). Abgeleitet in 1. Bed. von voll(s. d.), in 2. Bed. von füllen(s. d.). 2ZUS. Füllhorn, n.(-s, Pl. hörner): mit Blumen und Früchten gefülltes Symbol des Oberflusses, 1723 bei Günther 215, eine Über- setzung des lat. corna copide. füllen, v.: vollmachen. Mhd. vülllen, ahd. fallan; dazu asächs. ficlljan und fullon, ndl. wllen, afries. fullia, folla, fella, ags. fyllan, engl. fill, anord.-'schwed. folla, daän. fylde. Abgeleitet von voll(s. d.). 4 B1. 597 Füllen fünf 598 Füllsel, n.(*s, Pl. wie Sg.): das, womit eine fundieren, v.: gründen, stiften. Mhd. Speise gefüllt wird, 1650 bei Moscherosch Philander 2, 87 Füllsall, 1540 bei Alberus Dict. Aa 3 b Fülsel, 1420 in Schröers Vocab. valsel, volsal; dazu ndl. vulsel, valzel n. Füllung, f.(Pl.-en): das Vollmachen(bei Luther); Füllsel(1714 bei Kirsch); umrahmte füllende Wandfläche, füllendes Bogen- oder Leistenwerk(1691 bei Stieler). Mhd. vül- lunge«Völlerei». ZUS. Füllwort, n.(¹es, Pl. wörter): ausfüllendes Wort im Satze, 1760 bei Lessing 6, 209. Füllen, n.(-s, Pl. wie Sg.); Junges vom Pferd oder Esel. Mhd. viäl?, vüle, vül und vülin, vuln, ahd. fali und fulin n.; dazu anord. fil n. Mit Suffix-in abgel. von Fohlen(s. d.). fulminänt, adj.: blitzend, donnernd; tobend, drohend; gewaltig. Aus franz. fal- minant cblitzendy, das dem lat. fulminans, dem Part. Präs. von fulminäre den Blitz schleudernd» entstammt. Bei Campe 1813, aber fualminieren cblitzen, donnern; lästern, toben» schon 1710 bei Nehring. Fummel, f.(Pl.-n): ein Holz, mit dem der Schuhmacher reibend die Ränder der Sohlen poliert; auch liederliche Weibsperson; (meißnisch) hohles Backwerk in Gestalt eines halben Mondes. In der 1. Bed. 1775 bei Adelung Fummelholz; in der 2. und 3. Bed. bei Adelung 1796. Von fummeln, v.: woran reiben, durch Reiben glätten oder reinigen; tasten(Bode Tristr. Schandi 2, 16), flüchtig arbeiten, müßig umherstreichen(1755 bei Richey), auch obszön. Aus dem Niederd.; dazu engl. fumble«tappen, betasten, stümperm. Fund, m.(-es, Pl. Fünde): das Finden; das Gefundene;(älternhd. und noch bei Musäus Volksm. 3, 168, ausgedachter) pfiffiger An- schlag, Kniff, Rank. In diesen Bed. mhd. vunt m.; dazu mndl. vont, ndl. vond, anord. fundr, fimdr m., schwed. fynd n., dän. fand m. Von finden mit Suffix-i, Grundform also fundiz. ZUS. Fundgrube, f.(Pl.-n): berg- männisch der Fundpunkt sowohl als das Grubenfeld, wo zuerst das gemutete Mineral bloßgelegt wird. 1476 in Mones Zeitschr. 1, 46, bildlich bei Luther. Fundamént, n.(-es, Pl.-e): Grundfeste, Grundlage. Schon mhd. fundament, fuanda- mint n., aber auch umgedeutscht fundamunt, fallemunt, vollemunt m. n., ahd. fundament, fundement, fundiment n. Aus gleichbed. lat. fundamentum n., von fundäre den Grund (lat. fundus m.) wozu legeny. fandieren, aus lat. fundãre(s. Fundament). fünf, Zahlwort, alleinstehend auch noch Nom. u. Akk. fünfe, Dat. fünfen, der Gen. fünfer in fünferlei(s. Jei). Bei Luther funff, md. funf, fumf, mhd. vünf, vunf, auch fiunf, fiumf, vinf, mit ausgestoßenem Nasal vif, fiuf(1552 alem. feuf), ahd. fimf, finf, funf; dazu got. fimf, asächs.-nd.-afries.-ags. †νν, ndl. vijf, engl. five, anord. fimm, schwed.-dän. fem. Der Lautverschiebung gemäß entsprechend gr. revre und äolisch relrre, lat. guingue(aus rpengue), aind.- aw. pam da, arm. hing, alb. peso, lit. penki, abg. peti, air. cõic, kymr. pimp. Als Subst. Fünf, f., die Fünfzahl oder Ziffer (bei Goethe 6, 265 als Neutr.): die Fünfzahl; 5 Augen im Würfelspiel; die Ziffer 5. Spät- mhd. vünfe f., noch bei Schiller Piec. 2, 1 Fünfe f. 4BL. Fünfer, m.(*v, Pl. wie Sg.): die Zahl fünf(1539 bei Serranus Dict. u 6 b); Mitglied einer aus fünf Männern bestehenden Behörde(mhd. im 14. Jh. vünfer); Münze im Werte von fünf Pfennigen, Kreuzern, Hellern(1561 bei Maaler) usw. fünfte, Ordinalzahl, mhd. vinfte, vunfte, fümfte, ahd. fimfto, finfto; dazu got. imfta, asächs. fifto, ndl. vijfae, afries. fta, ags. fifta, engl. fifth, anord. fimmti, schwed.-dän. femte; ent- sprechend lat. quintus(aus*ouinckus), gr. né8roc, altir. cõôiced, kymr. pimphet, lit. penk- tas, abg. Petú, aind. pauo dathas, pau damas, aw. puæda- Davon fünftehalb, 4 ½, mhd. vunfte-, vümphte-, vunfthalp; dazu and. fifte- half; Fünfteil, gekürzt Fünftel, n.(, Pl. wie Sg.), mhd. vünfteil n., 1691 bei Stieler Fünftel; Fünftelsaft, m.: für Quintessenz 1779 von Bürger gebildet. fünftens, Zahl- adv. gebildet wie drittens(s. d.). fünfzehn, Zahlw., bei Luther funffzehen. Daneben stehen in modernen Dialekten noch Formen mit ch, schwäb.-bayr. fuchze und fuchzk 450», die den Guttural von idg. penkwe bewahrt haben, vgl. Kauffmann Btr. 12, 512. Mhd. vunfzehen, vunfeén, ahd. finfzehen, fin fzön: dazu and. Fftein, ndl. vijftijn, afries. fkine, Ffténe, ags. fiftéon, fiftyne, engl. fifteen, anord. fimtäãn, schwed. femtäm, dän. femten, got. fimftaihun; davon das Ordnungszahlwort fünfzehnte, mhd. vünfzehende, ahd. funf- zendo neben älterm finftazehendo(d. i. fünfte- zehnte); dazu ndl. vijfliende, afries. fiftinda, fifténdesta, ags. Fftéoda, fiftegda, engl. fif teenth, anord. fimtändi, schwed. ſemtonde, dän. femtende. fünfzig, Zahlw., bei Luther 38* 599 fungieren fürbaß 600 fanffæig, mhd. vünfzec, vunfzic, md. vumfzec, ahd. fimfzuc, finfeug; dazu asachs. Fftich, viftech, and. fiftich, ndl. vijftig, afries. ffkich, faftech, ags. fiftig, engl. fifty, anord. fimmligir, schwed. femtio, dän. femti, got. fimftigjus; davon fünfzigste, Ordinalzahl, mhd. väünf- æigiste, ahd. finfæugösto. ZUS. Fünfkamm, m.(-S): in Norddeutschland ein aus Lein- wand und Wolle gewebtes Zeug, bei dessen Anfertigung zum Aufzug 3 Kämme Leinen und zum Durchschuß 2 Kümme Wolle ge- nommen werden, im Farbebüchlein(1685) C 7 b Fünfpkam, 1790 bei J. Gottwerth Müller Siegfr. v. Lindenberg 1, 166, nd. fifkanum. fungieren, v.: ein Amt verwalten, aus- richten. 1728 bei Sperander. Aus gleichbed. lat. fungi. S. Funktion. 1Funke, m.(-n, Pl.-n): feurig schimmern- der Punkt. Daneben Funken(-s, Pl. wie Sg.), z. B. bei Schiller Räuber 3, 2, bereits um 1480 im Voc. inc. teut. f 72(fancken, vulgariter funcken), aber wieder verdrängt. Mhd. vunke neben vanke(daher noch bayr.- östr. Fankten), ahd. funcho m.; dazu mnd. funke m., ndl. vonk f., meng. funke, engl. funlc«Gestank». Man sieht in funke eine Ableitung von got. fon(Gen. funins) n.«Feuery, oder man stellt es zu aind. päjas n.«Glanz» und mit anlaut. s lit. Spingéti«glänzens, lett. Suogalas m. Glanz»y. Vgl. Zupitza Gutt. 162 und Uhlenbeck aind. WB. 4 B. funken, v.: Funken von sich geben, funkenartig blinken, bei Voß, Rückert(1, 448) usw., mhd. vunken. Dazu das Iterativ funkeln, v.: wie Funken leuchten, im Voc. ex quo 1469, daneben mit Umlaut fünkeln(Hiob 16, 9, Goethe 6, 95); damit zusammengesetzt funkelneu, adj.: glänzend neu(1678 bei Krämer), gewöhnlich funkelnagelneu, 1789 bei Gotter Erb- schleicher 72(s. nagelneu). ² Funke(in, Pl.-n), auch gekürzt Fumk, m.: unsteter, leichtfertiger Mensch(1646 bei Moscherosch Philander 2, 108); ehemals köl- nischer Stadtsoldat(bereits in der ersten Hälfte des 18. Jh., so genannt wegen der roten Uniform). Aus der Gaunersprache, wo Funkck«Flamme? bedeutet. Funktiön, f.(Pl.-en): Verrichtung, 1663 bei Schuppius 727, aus gleichbed. lat. functio f.(s. fungieren). Funse, Funsel, f.(Pl.-/): geringe, düster brennende Ollampe. Die erste Form im öst- lichen Mittel- und Süddeutschland, die zweite im östlichen Nord- und Mitteldeutschland. Daneben Formen mit 2z Funzel. Bei Günther 1100 Funze. Mit Schwund eines Guttural aus funkesel und zu Funke zu stellen, vgl. bei Kilian 1632 voncksel«Lündstoff, Zunder?, bayr. funkezen, finkezen«funkelny. für, Präp. mit Akk., und Adv.:(àlter- nhd. und noch oberd. ebensowohl mit Dat.) vor, auch nach der Folge vorn an, folgend auf(in den Wendungen Mann für Mann, Schritt für Schritt, Tag fur Tag, als Adv. für und für); aus(Ursache, noch bei Goethe 3, 4; 45, 172 1. H., Schiller Maria St. 2, 3 für Erstaunen); an der Stelle von; zum Vor- teil oder Besten von; zum Schutze gegen; als ob... wäre(Scherz für Ernst nehmen) nach zühlender Stelle betreffend(Fürs erste, fürs zweite). Bei Luther fur, für, mhd. vür, md. Veare, ver, vore, ahd. furi; dazu asächs. furi«vory, anord. fgyri, schwed. för. Vor (s. d.) und für hatten urspr. dieselbe lokale Bedeutung, nur daß ersteres die Ruhe be- zeichnete und somit den Dativ regierte, letzteres dagegen die Bewegung bezeichnete und mit dem Akk. verbunden wurde. Aber mit dem Beginne des Nhd. entstand Ver- wirrung, und man fügte vor auch mit dem Akk., für ebensowohl mit dem Dativ, zumal da beide im Md. und Nd. in der Form dor sich vereinigten. Später suchten die Gram- matiker wieder feste Regeln in betreff der Rektion aufzustellen, indem sie vor mit dem Dat. und Akk. beließen, für aber auf die Verbindung mit dem Akk. und auf weiter abgeleitete Bedeutungen beschränkten. Furäge, f.(spr. furäãsche): Futter, beson- ders beim Heere. 1711 bei Rädlein Ferasche, 1678 bei Krämer Foraschi, Forraschi, 1644 in der Teutschen Sprach Ehrenkrantz 4 Fou- rage, volksmäßig an Fuactter angelehnt 1694 bei Nehring Futtrasche und schon 1617 im teutschen Michel 33 Fouteraschl. Entlehnt aus gleichbed. franz. Fourrage m., das nebst ital. fodero m.«Kleiderfutter, Futteraly und mlat. foderare«Futter auftreiben, Futter in Lieferung einfordern», von einem Stamme abgeleitet ist, der im Deutschen Futter vor- liegt(s. d.). Davon fouragieren(nach der franz. Aussprache auch furaschieren), v.: Futter auftreiben und holen. 1678 bei Krämer foraschiren. Aus franz. fourrager«verfüttern, auf Futterholen ausgeheny. fürbaß, adv.: mehr vorwürts, weiter fort. Nur noch altertümlich(Schiller Jungfr. v. Orl. Prol. 2). Mhd. vürbaz, md. auch vorbaz, zu- 601 Fürbitte Furnier 602 sammengesetzt aus dem Adv. für«vorwärts, darüber hinaus» und dem Adv. baß(s. d.) cbesser, mehry. Fürbitte, f.(Pl. n): Bitte zum Besten eines andern. Bei Luther furbit, bei Alberus fürbitt, furbitt, md. im 13. Jh. farbete f. Furche, f.(Pl.-n, urspr. wie noch bayr. Fürche): mit dem Pfluge gezogene Vertie- fung. Bei Luther Furche, mhd. varch, vurich, ahd. furh, furuh f.; dazu ndl. voor, ags. furh f., engl. furrow, anord. for f.(Abzugsgraben). Der Lautverschiebung gemäß entspricht lat. porca f.«Erdaufwurf zwischen zwei Furchen, Ackerbeet», abret. rec«sulco?, kymr. Thych urchey, ir. rech«Furche?, arm. herk cfrisch geackertes Brachlandy. Mit antretendem? md. im 15. Jh. forchte, elsäss. im 16. Jh. und noch jetzt Furcht, auch wetterauisch Forcht f.; schweiz. mit Schwinden des Gut- turals Fure(1541 bei Frisius farhen), ober- rhein.(Weisth. 4, 480) furre, mnd. vore, vare, nd. Fahre(Schmidt v. Werneuchen Ged. 54 u. 122). Der Plur. lautet mhd. vurhe, vurch, vürhe, fürhen, bei Luther Furchen, Hiob 31, 38 Fürche, wie noch bayrisch. 43L. furchen, v.: Furchen ziehen, mit Furchen durchziehen, mhd. vurhen, bayr. fürchen. furchig, adj.: mit Furchen versehen, 1691 bei Stieler fur- chicht, ahd. furhig in euwivurhig. Furcht, f.(Pl. ehedem Furchten): un- angenehmes, wovor fernhaltendes Gefühl. Alternhd. seit dem 15. Jh. Furcht neben Forcht, das sich bis ins 18. Jh. erhält, bei Opitz, Fleming, Lohenstein, Hoffmannswaldau auch Farchte, mhd. vorhte, vorht, ahd. forahla, forhta. Dazu asächs. forahta, forhta, mnd. vrochte, mndl. vruht, afries. fruchte, mit an- derer Bildung got. faurhtei f., ags. rhto f., daher engl. fright. Abgeleitet von dem Adj. ahd. foraht, asächs. foraht, forht, ags. forht, got. faurhts«furchtsam»; wovon auch fürch- ten, v.: Furcht haben, mhd. vürhten, vurhlen und vörhten(daher älternhd. bis ins 18. Jh. förchten), vorhten, ahd. furihtan und forahtan, forhtan, dazu asächs. forahtian, forhtian, mnd. und mndl. vruchten, afries. fruchta, ags. forh- kian, engl. fright, got. falrhtjan. Herkunft unbekannt. Vgl. Zupitza Gutt. 6, Johansson Idg. Forsch. 8, 106. Das Prät. lautet mhd. vorhte, noch im 18. Jh. forchte(daher alter- tümelnd bei Uhland Ged. 367 forcht), bei Luther furchte(noch pei Lessing 4, 94. 6, 378, Zachariä Renommist 4, 211). 4BL. furcht- bar, adj. und adv.: Furcht erregend, mhd. selten vorhtebcœre, dann erst 1691 bei Stieler farchthar. fürchterlich, adj. und adv., 1716 bei Ludwig, mit unorganischem-er (wie leserlich, weinerlich) an Stelle des ver- alteten fürchtlich(1616 bei Henisch, furcht- lich 1691 bei Stieler, mhd. vorhtlich, ahd. forahtlih). furchtlos, adj., bei Luther 7, 11 Jen. furchtsam, adj. und adv.: für Furcht empfänglich, von Furcht befangen, älternhd. furchtsam(bei Luther) und forcht- sam(bis ins 18. Jh.), aber mhd. vorhtsam, vorhtesam«Furcht erregend, Furcht emp- findend)y. fürder, adv.: weiter nach vorn, vorwärts, weiter. Bei Luther fürder und förder, mhd. vurder, vurder, mit Ausfall des r füder, fiudler, md. forter, förter, ahd. furdir, furdar; dazu asächs. fardor, afries. further, ags. furdor, engl. further. Komparativ zu fork(s. d.). Furie, f.(Pl.-n): ausgelassene Wut; schlangenhaarige und mit Schlangen bewaff- nete Rachegöttin; wütende Person. Im 16. Jh. (in der 1. Bed. 1575 bei Schweinichen 1, 123) aus gleichbed. lat. furia, von furére«wütenꝰ. Furier, m.(-s, Pl.-e): Unteroffizier, der die Aufsicht über das Quartierwesen seiner Kompagnie hat und zum Quartiermachen auf Märschen gebraucht wird. Alternhd. im 16. und 17. Jh. Furierer(1533 bei Weller Dich- tungen des 16. Jh. 96, noch 1711 bei Rädlein) «Quartiermacher des Hofes oder des Heeresꝰ, im 18. Jh. verdrängt durch Furier, 1664 bei Duez Furrier, 1616 bei Henisch Forier, Forir, Furier, Furir, 1566 bei Aventin bayr. Chron. 97²2 Farier, bereits im 14. Jh. md. forir m. (Bruder Hans Marienlieder 907). Die Schrei- bung Fourier 1713 bei Kirsch 2, 118 b. Ent- lehnt aus gleichbed. franz. fourrier, ital. fo- riere m., von mlat. fodrarius m. der das Futter zu besorgen und im Krieg einzutreiben hat, einer Ableitung von mlat. foderare(s. Fourage und Futter). fürlieb in f. nehmen: sich womit freund- lich genügen lassen. Gebildet wie mhd. für guot, verkürzt verguot. Erst im 17. Jh.(1659 bei Butschky hochd. Kanzellei 263 füur 145), auch vworlieb(Lessing 12, 402, s. für), im täglichen Leben sogar verlieb. Furnier, n.(-S, Pl.-e): dünne Holz- platte, Holzblatt, von furnieren, v.: mit feinem Holz belegen(bei Tischlern). 1587 bei Mathesius Sar. 542 die stuben mit dinnem flader furniren(1562 formiren, s. u.). Dazu bei Kilian 1599 fornieren, furnieren. Aus 603 Furore franz. fournir«womit versehen, versorgen, ausstatteny, afranz. formir, fornir, ital. for- nire, sard. frunire, prov. fromir, formir, die vom ahd. frumjan(s. frommen) abgeleitet sind. Furöõre, f.: tobender, rasender Beifall. Um die Mitte des 19. Jh.(1854 bei H. Heine Lutezia 2, 278) in Künstlerkreisen entlehnt aus ital. furore m.«Raserei, Ungestüm), von lat. furor m. Wuts. Fürsehung, f., zuweilen statt Vorschung (s. d.), bei Schiller Tell 4, 1. Bei Luther fursehung, spätmhd. im 15. Jh. fuürsehang. Fürsorge, f., statt Vorsorge(s. d.), 2. B. bei Wieland 38, 189, 1556 bei Frisius fär- sorg, mhd. virsoyge f. Fürsprach, m.(es, Pl.-e): rechtskun- diger Vertreter oder Verteidiger(Lessing Nathan 4, 7); zu Gunsten, zur Empfehlung Sprechender(Schiller Turandot 5, 1). Seit dem 13. Jh. md. vorspräãche, mnd. vorspralce m. Vgl. Fürsprech. Fürsprache, f.(Pl.-n): gute Worte an der Stelle und zum Besten jemandes. 1716 bei Ludwig Vorsprache u. Fürsprache, ersteres noch bei Lessing 11, 514, Goethe 26, 281. Ahd. forasprãhha f. ist«Vorwort, Vorrede?. Fürsprech, m.(-en, Pl.-en): Fürsprecher, Advokat, Rechtsbeistand. Heute fast nur noch schweizerisch. Mhd. virspreche, vor- spreche, ahd. furisprehho m., zusammenges. mit ahd. sprehho m.«Sprechery, unter Ein- fluß von fürsprechen, ahd. faurisprehhan. Fürst, m.(-en, Pl.-en): Staatsoberhaupt; im besondern) der zunächst Höhere über dem Grafen. Bei Luther Fürste(noch bei Weise Erzn. 115, Gryphius Trauersp. 49, Hagedorn neue Fab. 85), mhd. vürste, md. vurste, vorste, ahd. furisto, fursto m.; dazu mnd. vorste, ndl. vorst, afries. forsta m. Eig.«der Vor- derste, Erste, Höchste», denn Fürst ist der substantivisch gebrauchte, zum ahd. Adv. furi, got. faur vory, gebildete Superlativ ahd. furist, mhd.(absterbend) vürst, furst, asächs. furist, ags. fyrst, engl. first, anord. fyrstr «der erste, vorderste». Vgl. Fron, Herr. Im 16. bis 18. Jh. auch der Gen. Fürstens (bei Luther Tischr. 345², Ettner medicin. Maulaffe 723); mitunter im Dat. und Akk. Sg. Fürst(Schiller Jungfrau v. Orl. 1, 2, Demetrius 2, 1), bes. in formelhafter Stel- lung(von Fürst zu Fürst). 4BL. fürsten, v.: mit Fürstenrang bekleiden, mhd. virsten, md. vursten, vorsten, vurstenen, vorstenen. Fürstin, f.(Pl.-nen), mhd. vürstinne, vürstin, fuscheln 604 vürstin f. fürstlich, adj., mhd. vürstlich, viir stelich, fürstenlich, md. faurstlich, förstlich. ZUS. Fürstenhaus, n.(-es, Pl.-häuser), bei Luther. Fürstentum, n.(-s, Pl.-tümer), mhd. virsttuom, vürstentuom m. n. Furt, f.(Pl.-en): seichte Stelle im Wasser zum Durchkommen. Bei Luther Mask. und Fem., älternhd. und noch oberd. Mask., mhd. vart und ahd. fart m., md. fart, fort m. und f.; dazu asächs. ford(in Ortsnamen wie Heri- ford), mnd. voörde, vört m., mndl. voord, afries. foyda m., ags. ford m., engl. ford. Zu derselben Wurzel wie fahren(s. d.); der Laut- verschiebung gemäß stimmend zu lat. porta f. Tory, portus m.«Hafenv, aw. posus m. cDurchgang, Furty, porotus m.«Durchgang, Gangy, gall. ritu-«Furty in Ritu-magus, Augusto-ritum, akymr. rit«Furty, wozu auch anord. fjördry m. Bucht, schwed.-dän. jord, schwed. Härd(aus dem Nord. engl. firth). fürtrefflich(bei Goethe, Schiller), s. vorkrefflich. Fürtuch, n.(-es, Pl.-kücher): Schürze. In Süddeutschland. Spätmhd. im 15. Jh. vorkuoch, 1482 im Voc. theut. i 82 fuartuch. Furünkel, m.(-s, Pl. wie Sg.) und f. (Pl.-n, bei Musäus Kinderklapper 40): Blut- schwär. 1588 bei Tabernämontanus 724 Fürunckel. Aus gleichbed. lat. furunculas m. fürwahr, adv.: in Wirklichkeit, in der Tat. Mhd. viür zwär, vür wäre, md. vorir, vorzdre. Fürwitz, s. Vorroitz. Fürwort, n.(-es, Pl.-wörter): Schein- grund, Ausflucht(1540 bei Alberus Dict. H 2 5, 1541 bei Frisius ſobtentus], noch schweizerisch); gutes Wort an der Stelle und zum Besten jemandes(1691 bei Stieler); das Substantiv vertretendes Wort, Pronomen. In der letzten Bed. 1748 von Gottsched(Grundlegung 120) gebildet, dafür 1727 bei Aler Vorzorl, 1641 bei Schottel Vornennwort, Stieler 1691 Für- wort für Präposition. Siehe Vorwort. Furz, m.(-es, Pl. Fürze): Bauchwind. Mhd. vurz, spätahd. firz, dazu nd. furt, fort, mndl. vort m. Zu farzen(s. d.). 4BL. furzen, v., spätmhd. im 14. Jh. furzen, md. forzen. fuscheln, v.: mit den Händen regsam an etwas hin- und hertasten; durch heim- liche Handgriffe petrügen(so beim Karten- spiel). In Nordostdeutschland. Davon Fu- schelei, f.(Pl.-en): Anwendung verdecken- der betrügerischer Handgriffe(Lessing 10, 61). 605⁵ Fusel Futter 606 fuschern, v.: pfuschern(Claudius 4, 173), s. Pfuschen. Fusel, m.(-S, Pl. wie Sg.): geringster Branntwein(auch schlechter Tabak, in der Chemie das bei geistiger Gärung nebenbei sich bildende flüchtige 6l1). In der ersten Hälfte des 18. Jh. in Norddeutschland auf- gekommen(1743 bei Richey, auch Insel Felsenburg 3, 458). Dunkler Entstehung. Füsilier, m.(-, Pl.-e): mit der Bajonett- flinte bewaffneter Fußsoldat. 1703 im Zeitungs- lex. Aus gleichbed. franz. fusilier m., von franz. fusil m.(ital. focile, fucile, von lat. focus m.«Feuerstätte, Feuer»)«Feuerstahl, Feuergewehr,(s. Flinte). Fuß, m.(-es, Pl. Fäße): unterster Teil des Gehgliedes;(bildlich, schon mhd.) das Unterste, worauf etwas ruht;(Pl. Fuß, Dat. bei Verbindung mit einem unbestimmten Zahlwort Fußen, mhd.) Maß nach der Manns- fußlänge(½ Elle), im heutigen Reichsmaß ½ Meter;(nach dem Maß übertragen) Grund- lage, Verhältnis, Art und Weise(erst im 17. Jh., bei Dietr. v. d. Werder Gottfr. 5, 54 auff gutem Fuß); Versfuß(schon ahd., wohl nach lat. pes). Mhd. vαο⁵, ahd. fuos(Pl. fuozi), md. vã;, vog m.; dazu asächs. fõt, fuot, mnd. võt, mndl. poet, afries. ſöt, ags. 7!, engl. foot, anord. fötr, schwed. fot, dän. od, got. fötus m. Der Lautverschiebung gemäß entsprechen lat. pes(Gen. pedis) m. Fußy, gr. rouðc(Gen. odôc) m. Fußꝰ, mediov n. SOhley, nedov n.«Fußboden», eca f.(aus nedjc.)«Fuß, Unterstes an etwasy, lit. pãdas m. Fußschley, péda«Fußspur, Fuß als Maßy, arm. olmn Fuß, aw.-aind. päd m. Fuß. RA. stehenden Fußes«augenblicklich, sogleich», dem alten Rechtsleben entnommen (wer mit seinem Urteil nicht zufrieden war, mußte es gleich auf der Stelle anfechten, ständes fußes õ er hinder sich trede Grimm. Rechtsaltert. 866 vom J. 1430). 4L. füßeln, v.: die Füße eilig fortbewegen, namentlich in kurzen oder zierlichen Schritten(bei Eichendorff Taugenichts, im 15. Jh. fußiln zu Fuß gehen» Diefenbach Gl. 420 b); mittels der Füße einander zürtlich oder um ein Zeichen zu geben berühren(Goethe Faust 6342, bei Aler 1727 fußzlen). fußen, v.: den Fuß fest aufsetzen, Fuß fassen(1540 bei Alberus Dict. II 3²); sich stützen auf etwas(md. im 14. Jh. üssen, vom Aufliegen der Dachsparren auf einer Mauer, in über- tragner Bed. bei Luther Tischr. 2); zu Fuß gehen(schweizerisch, 1420 mnd. vueten Diefen- bach Gl. 420 b, vgl. bayr. sich fußen im Gehen eilen»). Füßling, m.(es, Pl.-e): der untre, den Fuß bedeckende Teil des Strumpfes(im 15. Jh. fueßling Diefenbach Gl. 420 o%. ZUS. Fußangel, f.(Pl.-n): angelartiges Cisen mit 3 bis 5 Zoll langen Spitzen, von welchen beim Hinwerfen oder Legen immer eine in die Höhe steht, im Voc. ex quo 1469 fußangel(eig. ein Brett mit durchgeschlagnen Nägeln), 1414 fanger Diefenbach Gl. 420 b. Fußboden, m.(-, Pl.-böden), 1640 bei Comenius Fußbodem. Fußbreit, m.(-es): Raum, den die Fuß- sohle auf dem Boden einnimmt, bei Luther 5. Mos. 2, 5, als Neutr. bei Schiller Picc. 2, 7. fußfällig, adj.: einen Fußfall tuend, mit einem Fußfall verbunden, 1616 bei Henisch. Fußgänger, m.(-s, Pl. wie Sg.): zu Fuß Gehender(bei Keisersberg Postill 3, 773²), Fußsoldat(mhd. vuozgenger, daneben vεαν gengel m.). Fußknecht, m.(es, Pl.-e): Fußsoldat, spätmhd. im 15. Jh.(1440 bei Diefenbach Gl. 420 2 fußlenecht). Fußpfad, m.(-es, Pl.-e), spätmhd. uM⁴οphat m. n. Fußreise, f.(Pl.-n), 1802 in Gotters lit. Nachlaß Vorr. S. 62. Fußstapfe, m.(ns, Pl.-n): Abdruck des Fußes im Boden, bei Luther Hiob 13, 27 fusstapffe, mhd. ud⁴ο⁵- staphe, md. vistappe, ndl. voetstap m.(s. Stapfe). Daraus hervorgegangen und an Tappe(s. d.) angelehnt Fußtapfe, m., bei bei Gellert, Lessing, Herder usw., bei Luther einigemal fustapffe, spätmhd.(md.) vuogtaphe, fueßtanpe m.; auch Fem. bei Schiller Fiesko 1, 1, Kabale 3, 4, bei Stieler 1691 Festappe f., ebenso in Grimms Weisth. 1, 217 schweizerisch fuszstapffe f. Fußvolk, n.(-es, Pl.-völker): Heer zu Fuß, mhd. uoe n. Fußweg, m.(es, Pl.-e), späütmhd. vuogwec m. futsch, interj.: in größter Schnelligkeit; hin und verloren, zunichte. Im 18. Jh. süd- wie norddeutsch. Dunkler Herkunft. 1Futter, n.(-s, Pl. wie Sg.): Nahrung, bes. Tiernahrung. Alternhd. Futter(bei Luther) und Futer, mhd. vuoter, md. viter, ahd. fuotar n.; dazu ags. födor, engl. odder, anord. födy n. Aus derselben Wurzel ab- geleitet wie mhd. vuoten, väeten, md. uüten, ahd. fuottan, fotan, asächs. födian, mnd. voden, afries. föda, fõda, ags. fédan, engl. feed, anord. fœda, got. födjan«nähren, ernähren?, nd. võde f., ags. föda m., engl. /οd, anord. fãda f. Nahrungy, ahd. vatön«weiden, 607 Futter Gackelchen 608 nährenꝰ, fatunga f.«Futterung, Mästung», de- aind. pätram n. Behälter, Gefäßy». Auch nen der Lautverschiebung gemäß entsprechen ins Romanische eingedrungen: ital. fodero m. gr. naréouai«ich esse, verzehre», abg. pitati«Kleiderfutter, Scheide, span.-Port. forro m. «nähren, aufzieheny, aw. pitu und aind. pitä; m.«Unterfuttero, afranz. fuerre, franz. fourreau m. «Speisey». Auch ins Romanische gedrungen:«Scheide», fourrure f. gefütterter Rock, Pelzy, ital. fodero m., franz. fourrage m.«Futtery, mlat. focrum, fotrum n. 4 L. Futteräl, n. feurre m. Futterstrohy, span. forraje m.(-S, Pl.-e): Scheide, Kapsel. Im Voc. von «Viehfutter. dem Md.) futtern, v.: Futter geben, älternhd. fuotern, fulern, mhd. puotern, väetern, md. fätern, ahd. fuotiren; dazu mnd. voderen, anord. fõdra, schwed. fodra, dän. fodlre. Da- von Fütterung, f., mhd. vuoterunge, viete- runge, ahd. fuotrunga f. „Futter, n.(*s, Pl. wie Sg.): Bekleidung, Besatz worunter, urspr.«Uberzug, auswendig oder inwendig». Mhd. vuoter n.«Unterfutter, Futteral», ahd. fuoter, fötar n.«scheiden- artiger Behälter, Futteral, Uberzugy; dazu got. fõdr n.«schwertscheide, ags. ödder n. «Hülle, Futteral). Wohl urverwandt mit 4B21 füttern, auch(nach 1419 futral(Schmeller? 1, 799), im 16. Jh. fueteral, aus gleichbed. mlat. fotrale, fuctrale n., von mlat. fotrum(s. oben). füttern, v.: mit Unterfutter versehen, mhd. vuotern, md. fätern; dazu anord. fõödra, schwed. fodra, dän. focdlre, mlat. foderare. futtern, auch fatern, v.: fluchen und schelten, fluchend lärmen. Nach dem volks- üblich franz. Ausruf foutre Canailley ge- bildet, von franz. foutre«beschlafen», das aus dem gleichbed. lat. futuére stammt. Futürum, n.(-s, Pl. Futura): die zu- künftige Zeitform aus gleichbed. lat. futsrum (nämlich tenpus n.«Zeit». G Gabe, f.(Pl.-n): das Gegebene; Bega- bung, Talent(1514 bei Keisersberg). In urspr. Bed. mhd. gäbe f.; dazu mud. gabe, ndl. gauf, anord. gâfa, schwed. gafba f., dän. gaveé. G. ist unter Anlehnung an den Vokal des Präteritums mhd. gäben eingetreten für mhd. gebe, ahd. geba f.; dazu asächs. geba, ags. gifu, anord. gjõf†, got. giba f. gäbe, adj.: als dargegeben annehmbar. Mhd. gœbe«annehmbar, lieb, gut,(von Münzen) Annahme habend, im Umlauf seiendꝰ; dazu mnd. géve, mndl. ꝗdvve, ndl. gaaf«tauglich, gutꝰ, afries. gęve, Jeve, anord. gνt cheilsamꝰ, dän. Gäv. Verbaladjektiv zu geben(s. d.), wie genehm zu nehmen. Vgl. gänge. Gabel, f.(Pl.-n): Werkzeug mit(urspr. zwei) auseinandergehenden Zinken an einem Stiele; einem solchen Werkzeug Ahnliches. Mhd. gabele, gabel, ahd. gabala f.; dazu mnd. gaffele, geffele, nd. und ndl. gafpel f., ags. geaflas pl. m.,(entlehnt aus dem Ndd.) schwed.- dän. gaffel m. Das Wort bezeichnet ur- sprünglich das Gerät der Landwirtschaft (schon ahd. mistgahala) und erst im Anfang des 16. Jh. das Eßgerät. Verwandt sind noch ir. gabal, gohbul«gegabelter Ast, Gabel', gabla«Scherey, kymr. gafl«Gabel, Schenkel» (aus dem Keltischen entlehnt lat. gabalus m. «Kreuz, Galgen») und vielleicht aind. gä- bhastis m.«Army, lit. gaband f.«Armvoll?, vgl. Brugmann Idg. Forsch. 18, 129. Die ursprüngliche Bedeutung der Wurzel, die dem Wort zugrunde liegt, dürfte«fassen, ergreifen» sein. Das Suffix A* bildet häufig Werkzeugbezeichnungen, vgl. Hobel, Meißel, Beil, Beutel. RA. in die G. ziehen: im Schachspiel mit der Königin oder mit dem Läufer auf ein Feld ziehen, von wo aus zwei feindliche Figuren zugleich angegriffen wer- den(Lessing Nathan 2, 1). 4L. Gab(e)ler, m.: Gabelhirsch(s. u.). Bei Frisch 1741 gabelig, gabelicht, adj., mhd. gabeleht, bei Fischart Garg. 263 gabelig. gabeln, v., frühnhd. bei Brant Narr. 70 Uberschr. Davon Gabelung, f., neue Bildung. ZUS. Gabel- frühstück, n., UÜbersetzung des franz. dé- jenner à la fourchette. Gabelhirsch, m. (-es, Pl.-e): Hirsch, dessen Geweih aus zwei gabelförmigen Stangen(im ganzen 4 Zacken) besteht, 1719 bei Fleming t. Jäger 1, 91. Gabelweihe, m. f. Weihe mit gabelförmigem Schwanze, falco milvus, 1793 bei Nemnich als Fem. gach(Lessing Nathan 5, 8), s. Jach. Gackelchen, n.:(in der Kindersprache) das Ei, 1586 bei Mathesius Syrach 3, 10³ 609 Gackenest Gagat 610 Kackelein n. Von gackeln, gebräuchlicher gackern, v.: vom Schreien des Huhnes, der Gans;(auf Menschen, besonders Frauen angewandt) schwätzen(bei Wieland 18, 27). 1595 bei Rollenhagen kackeln, 1663 bei Schottel 1131 2 kakelen, nd. kalceln(auch bei Voß Luise 1, 289), ndl. gagelen, gaggelen, engl. gaggle: 1711 bei Rädlein gackern, aber schon md. um 1300 gägern in übertragner Bed.«be- wundernd anschreien, schwätzen, schnattern). Beide sind Iterativa zu tonnachahmenden gacken«gag schreien», 1414 bei Diefenbach Gl. 267 b von Hühnern, 1517 bei Trochus 03² von der Gans, gagen wie ein Gans 1541 bei Frisius 392 b, mhd. gägen«schreien wie eine Gans, krächzen wie ein Rabe»(lib. ord. rer. 24°). Gackenest, n.(-es, Pl.-er): das letzte, schwächlichere Küchlein im Nest, Nesthäk- chen,(bildlich) das jüngste Kind, Schoß- kindchen, Muttersöhnchen. 1566 bei Mathe- sius Luthers Leben 153, 8 Gackennestle, 1711 bei Rädlein Gacke-Nestgen; dazu ndl. bei Kilian 1599 kack-in-nest, Kackert, vläm. Kalcke- nest m., Kakenestje n. Vgl. Frommann Mund- arten 5, 416. gacksen, v.: vom Schreien des Huhnes, seltener der Gans; tief aus der Kehle unarti- kulierte Töne ausstoßen. In der 1. Bed. vom Huhn älternhd., im 16. Jh. und noch 1734 bei Steinbach gachsen, 1605 bei Hulsius gäcksen, 1561 bei Maaler gaxen, 1541 bei Frisius gagwen, 1517 bei Keisersberg Evan- gelibuch 672 gackzen(sonst gaxen), mhd. gagzen und gahzen(Mone Anz. 8, 396), ahd. gaccizon(in irgaccizön«in abgestoßenem Laute schreien»), gagizön«schnattern wie eine Gans»(Steinmeyer-Sievers Gl. 2, 699, 2). Abgeleitet von gacken(s. gackeln, auch gatzen). Gaden, m., dialekt. n.(-S, Pl. Gaden, auch Gäden): für sich abgeschloßnes Gemach, Zimmer, Kammer, Stall, Scheune, Hütte, Laden, Werkstatt, Stockwerk. Mhd. gadem, gaden, ahd. gadum, gadam n. aus einem Raum bestehendes Haus(auch Saalbau einer Burg, daher in Ortsnamen wie Berchtesgaden, urspr. Berchtoldesgadem), einzeln stehende geschloßne Räumlichkeit, geräumiges Ge- mach, Stockwerk», ins Nd. eindringend gadem n.«Stockwerk»(Sachsenspiegel 3, 66, 3). Ein eig. hochdeutsches Wort, das bis ins 17. Jh. in der Schriftsprache lebte und noch in Süddeutschland und in Teilen Mitteldeutsch- lands geläufig ist, auch vereinzelt von Dichtern Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. noch gebraucht wird(Wieland Oberon 4, 15, in Rückert brahm. Erzähl. 257, Uhland, Scheffel). Dunklen Ursprungs. ¹Gaffel, f.(Pl.-n): große Gabel(s. d.) von Holz;(seemännisch) Segelstange, die mit, gabelartigem Ausschnitte um den Mast liegt, besonders Besangaffel, an der die National- flagge aufgehißt ist. In der 1. Bed. bei Voß (Luise 1, 753), aus dem Nd. und mit Gabel identisch, aber schon 1691 bei Stieler Gafel f., noch jetzt luxemburg. gãfel, westfäl. gaffel. In der 2. Bedeutung bei Röding 1794. ²2 Gaffel, f.(Pl.-n): Abgabe, Zins, Steuer, insbesondere Abzugsgeld;(am Niederrhein) Gilde, Zunft, eig. Verein zu gleicher Abgabe. In der 1. Bed. 1775 bei Adelung(in einigen oberd. Gegenden), 1616 bei Henisch Gabelle, bei Kiechel Reisen 282 Gabell, clevisch 1477 gaffel, ndl. 1599 gabelle f.; dazu ags. gafol n., engl. gavel, und ins Romanische gedrungen mlat. gablum, gabalum n., ital. gabella, prov.- span. gabela f.«Abgabe, Steuery, franz. ga- belle f.«Salzsteuer). In der 2. Bed. 1575 bei Fischart Garg. 296, 1477 clevisch gaffel im Teuthonista, im 14. Jh. gaffel in den Köln. Chron. 1, 277, 8; 2, 56, 30 usw. gaffen, v.: offenen Mundes sehen. Md. (selten mhd.) gaffen, ahd. nur in geffida f. «Betrachtungy; dazu mnd.-mndl.'ndl. gapen, (entlehnt aus dem Nord.) engl. gape, anord.- schwed. gapa, dän. qabe,«den Mund aufsperrenꝰ. Das in neurer Zeit auch bildlich für koffen- stehen, gähnen»(bei J. Paul, Thümmel, Voß Il. 14, 518) verwendete Wort trat durch die Sprache Mitteldeutschlands an die Stelle des gleichbed. und fast gleichklingenden, aber ganz verschiedenen mhd. affen, kapfen, kaphen, ahd. chaphén, kapfén, cafén eig. umherschauen, Umschau halten»(daher bei Luther gaffen canhaltend und eifrig, hoffnungsvoll blicken»); 1482 im Voc. theut. i 8b gaffen, kaffen cvmb- schen» zeigt sich die Mischung der beiden Wörter. Aind. jabh«schnappen» ist nicht ver- wandt, wohl aber Zioplis m.«wer mit offnem Munde gaffty. Das deutsche Wort also aus gja-. 432. Gaffer, m., bei Luther, nd. gaper, dagegen mhd. kapfœre, kapfer, md. kaffãre. gagägen, v.: als Gans schreien(Schiller Xenien Nr. 83). Schon im 16. Jh.(Thomas Platter 24 B.), von dem Schrei der Gans gagag(bei B. Waldis 1, 50, 41), spätmhd. gãgäg. Vgl. mhd. gägen unter gackeln. Gagät, m.(-es, Pl.-n): schwarzes stein- 39 611 Gage Galeasse 612 festes Erdpech. Mhd. gagätes m.(Parzival 791, 15) ein Edelstein, aus gr. Jat. gagãtes m. Glanzkohley, benannt von Fluß und Stadt Gagas in Lykien. Gage, f.(Spr. gäãze, Pl.-n): Gehalt, Be- soldung, Löhnung. 1616 bei Wallhausen Kriegsmanual Löhnung,, 1653 bei Laurem- berg 3, 180(als gazie) verspottet. Entlehnt aus franz. gage, ital. gaggio m. Pfand, Gewähr- leistung, Sold, diese aus mlat. vadicum n. «Bürgschaft, Pfand, von got. wadi, ahd. Wweti, wetti n.«Pfand»(s. Wette). gäh, gähling, s. Jah. Gähnaffe, m.(-n, Pl.-/): Maulaffe. 1718 bei Kirsch Gähnaffen feil haben. Dafür älternhd. Ginaſfe, noch 1741 bei Frisch Gien- affe. Noch am Ende des 18. Jh. war Gahnaffe bei den Bauern der sächs. Schweiz der Name des primitiven Leuchters zum Festhalten des Leuchtspans. gähnen, v.: den Mund aufsperren, be- sonders krampfhaft;(bildlich) weit und tief geöffnet sein. 1616 bei Henisch gähnen, 1664 bei Duez und 1711 bei Rädlein gehnen, 1691 bei Stieler gänen, 1722 bei Freyer(auch bei Gottsched und Herder 1, 9, 268) jähnen, 1741 bei Frisch gienen, mhd. ginen, geinen, md. genen, ahd. ginen und ginön, auch geinôn, einmal genén; dazu asächs. ginon, clevisch 1477 gheenen, ags. töginan«klaffen», anord. gina«gähnen», gin n.«aufgesperrter Mund. Eine n-Erweiterung von dem gleichbed. ahd. gén, gijén, giwén, geawôn, mhd. gieben, gewwen, bayr. gezsen, der Lautverschiebung gemäß ent- sprechend gr. Xoiveiv, Xdckeiv, lat. Niare, hi- scére, abg. zuijati, zinchi«gähnen, klaffenꝰ, lit. gäöti«den Mund aufsperren». gähstotzig, adj. und adv.: senkrecht- abschüssig(Schiller T'ell 4, 1). Schweizerisch, 1556 hei Frisius und 1561 bei Maaler gäch- stotzig, zusammenges. aus gäch jäh» und schweiz. stotzig«wie senkrecht ansteigend» (bei Frisius und Maaler),«abschüssigy, von Stotz m.«fast senkrechte Ansteigung oder Abschüssigkeit des Bodens oder Felsens» (1541 bei Frisius). Gala, f.: Hofpracht, prunk(1706 bei Elisabeth Charlotte v. Orl. 2, 447, Galla 1727 bei Aler), Hoffest(Schiller Fiesko 2, 14); Hofkleid, Prachtanzug. Um 1700, wahr- scheinlich durch das spanische Hofzeremoniell am Wiener Hofe, entlehnt aus span. gala f. &Kleiderpracht⸗(1555 i im Wbch. des Antonius Nebrissensis gala elegantia vel lauticia vesti- um)), ital. gala f.«Staatskleidy, afranz. gale f. «Ergetzlichkeit, Freudenfests, galer, auch waler«Feste feiern». 48. Galakleid, n. (-es, Pl.-er), 1691 bei Abraham a S. Clara Judas 2, 57. Galän, m.(-S, Pl.-é): Liebhaber, Buhle (Goethe Faust 2946). Um 1600(Hoffmann Gesellschaftslieder 45 vom J. 1611) entlehnt aus span. galano m. der Artige gegen ein Frauenzimmer(1555 bei Antonius Nebri issensis galan celegans»), abgeleitet von Gala(s. d.). Galänder, m.(-s, Pl. wie Sg.): die an- genehm singende Ringlerche der pyrenäischen Gebirge; Haubenlerche. Mhd. Jalander m., später auch f., mndl. calander, aus mlat.(ital.) calandra f., von gr. koxcivdga f., xavdpoc m. eine Lerchenart. galänt, adj. und adv.: fein, artig und gefällig, besonders gegen Frauenzimmer, der neuesten Mode entsprechend. 1663 bei Schup- pius 1, 471, Grimmelshausen Simpl. 157, aus franz. galant, ital.-span. galante«artig), eig. «fein und geschmackvoll aufgeputzty. Von Gala(s. d.). 4BL. Galanterſe, f.(Pl.-n): feine Höflichkeit;(im Pl.) Putz, Schmuck- ware. Im 17. Jh.(bei Weise pol. Näscher 100, Galanterey in beiden Bed. 1678 bei Krämer, Galanteri- Wahren 1693 im ital.- teutsch. Wb. 1081 5b) aus gleichbed. franz. galanterie, ital. galanteria f. Davon Galanteriehändler m 1765 bei Rondeau, dafür 1716 bei Ludwig Galanterielcrämer. Galanterieware, f., meist im Pl.: Nippsache. 1678 bei Krämer. Galban, m.(-, Pl.-e): das starkriechende Harz einer doldentragenden syrischen Pflanze. Bei Luther Galban und Gtalben, mhd. im 14. Jh. galban n., aus gleichbed. gr. lat. gal- banum n., gr. XoXßBdvn f., von hebr. chelbnã (Syr. chalbã clilch, Gummi')is s. Exodus 30, 34. Galeässe, f.(Pr.=n): dreimastiges Ruder- schiff(1703 im Zeitungslex. Galeuzze), aus gleichbed. franz. galéace, galéasse f., dafür im 16. Jh.(Fischart 3, 374 Kurz) Galeatze f. aus ital. galcazza. Galéere, f.(Pl.-n): zwei- mastiges Ruderschiff mit niedrigem Borde. 1612 bei Hulsius Schiff. 9, 22 Galere, aus gleichbed. ital. galeara, galera, span. und port. galera, franz. galére f. Galeõne, Galiöne, f.(Pl.-n): großes Ruderschiff, 1616 bei Henisch (taleon, Gallion, im 16. Jh. Gallion m.(Zimm. Chron. 3, 262, 10), aus gleichbed. ital. galeone, span. galeon, franz. galion m. Im Nd. Gallion n. «Schiffsschnabel»(schon 1594 bei Chyträus Kap. 33). Galeõte, Galiöte, f.(Pl.-n): 613 Galerie SGalle 514 einmastiges leichtes Ruderschiff, 1616 bei ZUS. Galgenfrist, f.: kurzer Aufschub, der Henisch Galcotte, aus dem gleichbed. ital. galeotta, span. qaleota, franz. qaliote f. Galeot, Galiot, m.(-en, Pl.-en): Galeerensklave, böser Schelm. 1616 bei Henisch Galiotte, mhd. galiot m.«Schiffer, Fährmann, Seeräubery, aus ital. galeotto, span. galeote, franz. galiot m. Galeerensklave, Schelmy. Alle diese Wörter sind abgeleitet von ital.-altspan. galed, prov. galéa, gale, galega, afranz. galée, galie f. «Galeerey, aus gleichbed. mgriech. fakéo, ToXeia, mlat. galea und galeida f., woher auch mhd. galle, galé, galide, galeide, galine, galdn f. Galeerey, bei Luther Jes. 33, 21 Galehe, älternhd. und noch mundartlich Galee f. Wahrscheinlich von gr. käxov n. Holzy, im Lakedämonischen auch Schiffy. Alle behan- delten Wörter sind ursprünglich im Italieni- schen heimisch. Galerie, früher auch Gallerie, f.(Pl.-n): Gitter- oder Geländergang(1616 bei Henisch alerei); im Festungs- und Belagerungswesen lange schmale verdeckte Gänge zu den Außen- werken(1616 bei Henisch und bei Wallhausen Kriegsmanual); Säulengang mit Wandge- mälden(bei Fischart Garg. 446); Gemäldesaal (1727 bei Aler); der obere oder oberste Zu- schauerraum im Theater(bei Lessing 13, 143 vom J. 1768). Aus gleichbed. franz. galérie, ital. galleria f., von mlat. galeria«bedeckter umschlossener Orty, im 9. Jh. in Italien wohl einfach«Holzbau» bedeutend und wahrschein- lich gleicher Abstammung wie Galeere(s. d.). Galgant, m.(-es, Pl.-e): Wiesenpflanze mit gewürzhafter Knollenwurzel, urspr. ost- indische aromatische Wurzel. Mhd. galgan, galgän, spͤter auch galgant, ahd. galgan, galangan, galegan m., aus mlat. galanga, später- gr. To-dyva f., gebildet nach gleichbed. arab.- pers. chalandschän. Galgen, m.(-S, Pl. wie Sg.): Pfahl oben mit einem Querholze zum Hängen; drei oben zmum Hängen mit Querhölzern verbundne Säulen. Schon im 14. Jh.(Diefenbach Gl. 416) galgen, aber andrerseits bis ins 18. Jh. (bei Frisch) Galge, mhd. galge, ahd. galgo m. «Galgen, Kreuz Christi, Gestell über dem Ziehbrunnen»; dazu asächs. galgo m., mnd. galge m. f., mndl. galghe f., ndl. galg f., afries. galga m., ags. galga, gealga m., engl. galloo, anord. galgi m., schwed. galge m., dän. galge, got. galga. Wahrscheinlich verwandt mit lit. Zalga f., arm. dzazlc«stanges, welche Be- deutung auch in anord. gelgja f.«vorliegt». nichts nützt, eig. der dem Verurteilten unterm Galgen gewährte. 1539 bei Alberus wider Witzeln B 32 bildlich. Galgenhumor, m. (“s): verzweifelter Humor, wie er dem Ver- urteilten unterm Galgen beikommt. Erst im 19. Jh. Galgenschwengel, m.(-S, Pl. wie Sg.): gehenkter Bösewicht, galgenreifer Schelm, mhd. galgenszengel m., wie denn der Galgen bei den Gaunern die Feldglocke heißt (H. Sachs 14, 117 ein Schwengl in einer Feldtglocken). Galgenstrick, m.(-es, Pl.-e): Henkerstrick;(bildlich) für den Galgen reifer Schelm. In der 1. Bed. mhd. galgenstric m., in der 2. bei H. Sachs 1, 57. Galgenvogel, m.(-s, Pl.-vögel): wie Galgenschzwengel, 1542 bei Herold christenl. Ee Hh 4², 1572 bei Fischart Pract. 11. Gal(!)imäthias, m. n.: verworrnes Gerede. Im 18. Jh.(Lessing, Weiße, Wieland) aus franz. galimatias(1664 bei Duez Dictionn. frang.-allem.-lat.). Unbekannter Herkunft. Daneben das ebenfalls unerklärte galimaf' ée f. Gericht von durcheinander gehackten Fleisch- stücken verschiedener Art, verworrne Erzäh- lung»(auch altengl. gallimazofrey,«Gericht aus allerlei klein gehackten Speisen, Mischmasch). Gall, m.(ees, Pl. Gälle): Gesang, Stimmen- schall, Schrei. Alternhd., noch 1762 bei Gottsched Sprachk. 207, jetzt veraltet. Mhd. gal m.(Gen. galles), anord. göll, gjöll f. «durchdringender Schally, zu ahd.-ags. galan, anord. gala«singen, Zauberworte sprechenꝰ, galinn«bezauberty, norw.-adän. galen, dän. gal«verrückty. Vgl. Falk-Torp s. v. gal, s. a. gellen, Nachtigall. Gallapfel, m.(-s, Pl.-äãpfel): vom Stich der Gallwespe usw. verursachter Laubapfel der Eiche. Im 15. Jh. galöpfel(Diefenbach Gl. 641 b), abgeleitet von lat. galla f.«Gall- apfely». Früher Eichapfel, 1400 aichapfel (Pflanzenglossar,(tieß. Hds. 134²), im 13. Jh. mdl. der Pl. eichenepele(Sumerlaten 57, 15). S. auch Galle 2. 1Galle, f.(Pl.-n): grüngelbe bittre Flüssig- keit, die sich von der Leber in eine Blase absondert;(als Sitz des Zornes aufgefaßt, daher schon mhd.) Zorn, Erbitterung, Ge- hässigkeit, Arger, Neigung zum Zorn usw.; (biblisch 5. Mos. 32, 33, Hiob 20, 16) Gikt und danach eine bitter schmeckende betäu- bende Giftpflanze(Hos. 10, 4, s. Erdgalle). In eig. Bed. mhd. galle, ahd. galla f.; dazu asächs. galla, ndl. gal f., ags. gealla m., engl. 39* Galle 615 gall, anord. gall n., schwed. galle m., dän. galde. Wohl aus*galn⸗- entstanden. Der Lautverschiebung gemäß entsprechen gr. XoMh f. und Xxoc m. Galle, Zorn'ꝰ, lat. fel n., abg. Zlu Galle» f. Eigentlich wohl die gelbey. 4 BL. gällen, v.: gallig, erbittert werden(Schiller 8, 276, 32), mhd. gellen «cbitter machen, vergällen), dann«dem Fisch die Galle ausnehmen». gallig, adj.: Galle habend(1691 bei Stieler, gallicht bei Ludwig 1716); bitter wie Galle(um 1480 im Voc. inc. teut. g 1², dafür mhd. gellic); zum Zorn geneigt, zornig(Wieland 5, 16, bei Maaler 1561 gällig). ZUS. Gallsucht, f.: Gallen- krankheit, Gelbsucht(1719 bei Kramer, spätmhd. gallensunt f.); bildlich) Neigung zu Zorn, Grimm, Erbittrung(1718 bei Kirsch). ² Galle, f.(Pl.-n): geschwulstartige Stelle. In: Floß- oder Flußgalle f. Geschwulst über dem Knie an den Beinen des Pferdes», mhd. vlözgalle; Harzgalle f.«angesammeltes Harz zwischen den Jahrwüchsen im Nadel- holze?; Steingalle f.-hühneraugenartige Stelle am Fuße des Pferdes». Spätmhd. galle f. «Floßgalley, dazu ndl. gal f., engl. gall«Ge- schwulst, Schramme, Gallapfely. Nebst franz. gale f.«Krätze», ital. galla, span. agalla f. «Geschwulst, Beule(am Pferdefuß), Gall- apfelꝰ, aus lat. galla f.«Gallapfel»(s. d.). Im Volksmunde übertragen auf ähnliche Fehler an Naturdingen: Galle f. cunfrucht- barer, zu trockner oder zu nasser Fleck auf Acker und Wiese»(auch Brd-, Acker-, Brand-, Sand-, Wassergalle); Wassergalle f.«ein Stück Regenbogen»(bei Lohenstein, auch Wetter-, Regengalle); Stelle am Wolkenhimmel, Wind anzeigend?. Gallerie, s. Galerie. Gallerte, f.(Pl.-n) und Gallert, n. (es, Pl. e): zu einer durchsichtigen schlei- migen Masse eingedickter oder geronnener Saft von tierischen oder Pflanzenstoffen, Gelee. 1691 bei Stieler Gallerte, 1734 bei Steinbach Gallert, 1741 bei Frisch Galert f., 1727 bei Aler Gallert n.(auch bei Voß Idyll. 13, 137), 1678 bei Krämer Gallarte f., 1562 bei Matbe- sius Sarepta 47 b Galhart f., bei Luther Gal- redle f., mhd. galreide f.(mit den spätern Nebenformen galréde, galrat, galhart, galhert) und gekürzt galrei f.(daher älternhd. Galrey, Gallrey und noch bei Stieler Gallereyf). Viel- leicht eine Ableitung von lat. geläre«ge- frieren, gefrieren machen», zu lat. gelu n. Eisy, vgl. Gelee, Gelatine. Windgalle f. cauffallend helle Gamander 1 616 Gallöne, f.(Pl.-n): ein Hohlmaß. 1741 bei Hübner. Aus gleichbed. engl. gallon. Galmei, m.(-es, Pl.-e): Kieselzinkspat. 1616 bei Henisch Galmey f., 1474 galmey m. (None Ztschr. 1, 44), aber 1546 bei G. Agri- cola Calmei, 1482 im Voc. theut. p 8b kalmel, md. um 1329 calmei(Böhmer Urkbch. v. Frankfurt a. M. 505), mhd. Kalemine f., aus gleichbed. span.- port. calamina, franz. cala- mine f., umgebildet aus gr.-lat. cadmia, cäd- mia, gr. xodueid, aduio(daher bei Henisch Gadmeyj,«vngeschmeltzt Ertz, Cobald). Galöne, f.(Pl.-n), auch Galön, m.(-, Pl.-s): Randschnur, Borte, Tresse. 1678 bei Krämer Galone, 1694 bei Nehring Galaun, 1595 Gallone f.(bei Breuning v. Buchen- buch 82). Aus gleichbed. ital. galone, gallone, franz.'span. galon m., abgeleitet von ital.-span. gala(s. Gala). Davon galonieren, v.: mit Borten besetzen, verbrämen. Im 18. Jh. (Zacharin Ren. 130) aus ital. gallonare, franz. galonner. Galôpp, m.(es, Pl.-e): Sprunglauf des Reittiers; rascher, dem Sprunglauf ähnlicher Tanz(auch Galoppãde f., im J. 1824 auf- gekommen, R. Voß Tanz 340). 1616 bei Wallhausen Kriegskunst zu Pferd 8 Galop, 77 Galopp, aus franz. galop, ital. galoppo m., aber schon mhd.(neben galopeiz m.) walap m. aus nordfranz. ³lop; dazu engl. wallop. Galoppade f. aus franz. galopade, ital. galoppataf. «Ritt im Galoppy.. 1727 bei Hübner. Dazu galoppieren, v.: sich in raschen taktmäßigen Sprüngen fortbewegen, 1616 bei Wallhausen Kriegskunst zu Pferd 11 galoppieren, schon mhd. galopieren, Kalopieren(daneben walo- pieren, walapieren), aus gleichbed. franz. galoper, ital. qaloppare, prov. gqalaupar. Galösche, daneben auch Kalosche(in Bayern und Osterreich) f.(Pl.-n): Überschuh. Aus gleichbed. ital. qaloscia, franz. galoche, span. galocha f.: 1517 bei Trochus M 32 calotzchen, im 15. Jh. der Pl. cloczen(«fuß- solchin, qui induuntur in hyemey Diefenbach Gl. 156(), wahrscheinlich schon 1292 in dem Namen Heinrich genant Kaloze(Baur Arnsb. Urk. S. 168, 243). galst(e)rig, adj.: faulschmeckend, ranzig. Nd. 1755 bei Richey. Zu ndrrhein. gol«ver- dorben, ranzig, sauer geworden», neben gleich- bed. ndl. goor(vgl. gar stig). galt, s. gelt. Gamänder, m.(-s, Pl. wie Sg.), Name der Pflanzen Teucrium chamaedrys und 617 Gamasche Gans 618 Veronica chamaedrys. 1482 im Voc. theut. k 1 b gamander, mhd. gamandrô f., mnd. gam- mandere. Aus ital. calamandréa f.«Vergiß- meinnicht», franz. germandrée f.(woraus engl. germander), span. camedrio m., von gr. Jat. chamaedryYs, gr. Xuudidpuc. Gamäsche, f., bayr. östr. auch Kamãsche, (Pl.-n): Überstrumpf mit Knõpfen. Bei Goethe 30, 140 l. H.(Camasche(Weimar 33, 138 Gamasche ohne YVariante). 1714 bei Wachtler gamachen Oberziehstrümpfe der Soldaten», aus franz. gamache f.«Beinbeklei- dung», das über prov. garamacha, galamacha, aus span. guadamarci«Leder von Gadames» (Stadt in Tripolis) stammt. Gambe, f.(Pl.-n): Kniegeige(mit den Knien gehaltene Geige). Im 18. Jh. aus ital. viola di gamba(viola f.«Altgeige?, gamba f. Beiny. Ganasche, f.(Pl.-n): Unterkinnbacken des Pferdes. Aus franz. ganache, ital. ganascia f. Kinnbacke», das auf gr. Tvddoc f.«Kim- backen⸗ zurückgeht. 1727 bei Hübner Ga- naches oder Ganasses. Gänerbe, m.(-n, Pl.-n): Miterbe einer Gemeinbesitzung mit dem Rechte zum Eintritt in die Verlassenschaft aussterbender Mitglieder. Heute nur noch herkömmlicher Ehrentitel, mhd. ganerbe, ahd. ganerpo m., d. i. Ge-an- Erbe(Mitanerbe). Davon Ganerbschaft, f. (Goethe 29, 77), 1400 ganerbschaft(Maurer Hesch. d. Markenverf. 482). ganfen, v.: stehlen. Jüdisch-deutsch. Bereits zu Anfang des 16. Jh. im Liber vagatorum genfen stehlen, aus hebr. gãnabh «stehlen„y. 48L. Ganfe, f.: Kleinigkeits- diebin, oberhessisch. Ganfer, m.(-s): Dieb (oberhessisch), im 16. Jh. ganfer«plündernder Nachzügler»(Aventin Werke 4, 509, 1 Var.). Gang, m.(-s, Pl. Gänge): das Gehen, die Fortbewegung; Waffengang mit einem Gegner(1618 bei Schönsleder, bildlich bei Luther Briefe 1, 525), auch der einzelne Auf- tritt oder Abschnitt desselben(B. Waldis Es. 4, 72, 27); Tracht Essen(im 16. Jh. bei Ayrer Dramen 3145, 19); Ort des Gehens, Weg, Kanal usw.(schon ahd.); Erzader(mhd.). Mhd. ganc(Gen. ganges), ahd. gang, ganc m.; dazu asächs. gang, mndl. ganck, gangh, ags. gang m., engl. gang, anord. gangr m.«das Gehen», gang n.«Wegy, schwed. gaͤng, dän. gang, got. gaggs m. Gassey. Zu ahd. gangan, got. gaggan«gehen»(s. d.). 4 L. gang- bar, adj., mhd. ganchœre(in ungancbœre 14. Jh.). ZUS. Gangspill, n. und Gang- spille, f.: große Winde zum Lichten der Anker, auf großen Schiffen, eig. der Wellbaum der Winde. 1794 bei Röding. S. Spill. gänge, adj.: unter den Leuten umgehend, verbreitet und üblich, heute meist in der Formel gänge(gäng) und gäbe(mhd. genge und gœhe Schwabensp. 254). Mhd. genge, ahd. gengi; dazu mnd. genge, ginge, selten gange, mndl. ghinge, ghenge, afries. genzie, ghinse, ganse, ags. genge, anord. gengr, schwed. gängse, dän. gängs. Verbaladjektiv zu ahd. gangan«gehen», wie gäbe(s. d.) zu geben. güngeln, v.: beim Gehen leiten, führen, eig. gehen machen(auch tändeln, schlendern, d. j. Goethe 1, 372). Bei Luther gengeln. lIterativ zu mhd. gengen«gehen machen). Davon Gängelband, n.: Band, an dem man ein Kind gehen lehrt, 1716 bei Ludwig. Gangspill, s. Gang.. Gans, f.(Pl. Gänse): der Schwimmvogel lat. anser. Mhd. gans(Gen. gense), ahd.-ndl. gans, cans f.; dazu mnd.-mndl.-fries.-ags. 9õs, engl. goose, anord. gãs, schwed. gàs f., dun. gaas. Der Lautverschiebung gemäß stimmend mit lat, anser m.(aus*hanser), gr. Xiy m. f., lit. 24s 5 f., aind. hqsãs m., hqst f.«Gans»; abg. 9as f. ist wohl aus dem Germanischen entlehnt. Neben gans steht ein Stamm ohne auslautendes s und mit einer Dentalerweiterung in dem vom Plinius hist. nat. 10, 22 erwäühnten ganta f., dem mnd. gante«Gänserich», ags. ganot m.«Wasservogel», engl. gannet«Rot- gansy, ahd. ganazo, ganzo, mhd. ganze, ganzer (nhd. noch als Eigenname)«Gänserisch» ent- spricht(s. u.). Dieser Stamm ist auch ins Romanische gedrungen, prov. ganta, ganto, afranz. gante, jante. Ein dritter Stamm liegt in ags. gandra m., engl. gander Gänserich» vor. 4BL. Ganser,(-s, Pl. wie Sg.), ge- bräuchlicher Gänserich(-s, Pl.-), m.: männliche Gans, 1408 in Grimms Weisth. 1, 573 Ganser, im 17. u. 18. Jh. auch Gänser, älternhd. auch Gansert, Gänsert, Gansart, Ganshart, im 16. Jh. noch Ganßer, mhd. ganzer neben älterm ganze, genz, ganiz(Mone Anz. 3, 50, 8), ahd. ganazo, ganizo, ganzo m.: dazu mnd. gante, nd. ganter, gantert und gante, mnudl. ghent, ndl. gent m.«Gänserich?, ags. ganot, ganet m., engl. gannet«Rotgans». Gänserich, eine Erweiterung von Ganser nach Enterich, im 16. Jh. Genserich(Kirch- hoff Wendunmut 234 b). Als deutscher Name der Pflanze potentilla anserina entstand im 619 Gant gar 620 16. Jh. genserich(bei Alberus Dict. EE 4²) aus grenserich(1470 bei Diefenbach mlat.- hochd.-böhm. Wb. 219, auch bei Lonicerus), das Kraut heißt auch Grensing, mhd. gren- sinc, grensich, aber schon ahd. gensinc neben grensinc m. ZUS. Günseblume, f.(Pl.-n): Maßliebe, 1561 bei Maaler gensblúme, aber mhd. gensebluome m. f.«ligustrum?(weiße Glocken- blume). Gänseei, n.(-es, Pl.-er), 1522 bei Luther Genßey, mhd. gansei n. Gänse- fuß, m.: das Kraut chenopodium, Melde, gr. xnvérouc, im 16. Jh. gänsfuß(Diefenbach Gl. 77²; im Buchdruck Anführungszeichen, im Pl. Gänsefüäße 1800 bei J. Paul Titan 1, 57, Dim. Gänsefüßchen 1805 bei Täubel Wb. d. Buchdruckerkunst 1, 100, dafür bei Geßner Buchdruckerkunst(Leipzig 1743) 438 Günse- augen, 1775 bei Adelung Hasenéhrchen. Günse- haut, f.:(bildlich) Menschenhaut, die durch Kälte oder Schreck schaudert(bei H. Sachs 5, 151). Gänsehirt, m.(-en, Pl.-en), 1470 in Diefenbachs mlat.-hochd.-böhm. Wb. gans- hirt, 1517 bei Trochus G 1a genßeherte. Gänse- kiel, m.: Schreibfeder. S. Kiel. Gänse- klein, n.(-s): die edlen Eingeweide, Flügel und Füße der Gans, 1775 bei Adelung, süd- ostdeutsch Gänsejung n.; wenn mit dem Blute der Gans gekocht, Gänseschwarz n.(1741 bei EFrisch) oder Gnsepfeffer m.(1691 bei Stieler). Gänsemarsch, m.(-es): Marsch, wo einer einzeln hinter dem andern geht, um 1830 auf- gekommen, dafür 1808 bei Campe Gänsegang, schweiz. Katzenschwanz(Pestalozzi Lienhart 2, 27). Gänsewein, m.(-es): scherzhaft für Wasser, schon im 16. Jh.(1572 bei Fischart Pract. 5 günßwein). Gant, f.(Pl.-en): gerichtlicher Verkauf an den Meistbietenden, Zwangsversteigerung. Oberdeutsch; mhd.(im 14. Jh. am Oberrhein) gant f., aus gleichbed. ital. incanto m., von lat. in quantum«für wieviel? wie hoch?». „Ganter, ndd. Form für Ganser(s. d.). 2Ganter, Kanter, m.(-S, Pl. wie Sg.): Kellerlager, Gestell für Bierfässer. Zurück- gehend über das Romanische(ital. cankiere m. «Werft, Stapel⸗, franz. chantier m.«Stapel- block, Stütze») auf lat. canthériunm n. Joch- geländer, jochartiges Gestell). In Oberdeutsch- land seit dem 16. Jh. belegt und noch heute in Osterreich, Bayern, Schwaben und der Schweiz lebendig. ganz, adj. u. adv.: unverletzt, ungeteilt, unverkürzt, vollkommen;(dann) gesamt, voll- ständig. Mhd. ganz, ahd. ganz, kanz, Adv. ganzo; vorgedrungen ins Mnd., Mndl. und Afries. gans, nfries. gantsch, entlehnt schwed. ganska, dän. ganske. Trotz verschiedner Ver- suche(vgl. Brugmann Idg. Forsch. Anz. 5, 18) dunklen Ursprungs. 43L. Gänze, f.(Pl. =n): ganzes, festes Gestein, im Bergbau be- reits im 16. Jh.(1562 bei Mathesius Sarepta 89 b). Mhd. genze, ahd. ganz? f.«Ganzheit, Vollständigkeit). gänzen, v.: ganz machen. Bis ins 17. Jh., mhd. genzen, ahd. genzan(in gigenzan), nur noch in ergänzen(bei Luther). Ganzheit, f., mhd. ganzheit und ganzenheit f. gänzlich, adj. u. adv.: vollständig, völlig, mhd. ganzlich, genzlich, im Adv. ganz-, genæ- Uche, genalichen. gar, adj.: bereit, bereitgemacht, fertig; vollständig, völlig fertig gekocht(mhd.); fertig geerbt(mhd.);(als Adv.) vollständig, vollends. Im 16. Jh. garb(II. Sachs 9, 105) mit b aus, mhd. gare, gar(flekt. garezwer, garwer, Adv. auch gariwe), ahd. garo(flekt. garaνν, Adv. garo, garaνο); dazu asächs. garu, garo, ags. gearo(Adv. gearuave, gearwe), engl. are, anord. görr, Adv. görva. Da neben asächs. gartz, ugs. gearo æbereit» ein gleichbed. asächs. ar³⁵³, ags. ecra, isl. örr er- scheint, hat man das 9 als Rest der Partikel got. ga, nhd. ge aufgefaßt. Der Stamm a gehört vielleicht zu gr. àâpopickeiv«zusammen- fügen?, lat. artus m. Gelenk, Gliedy und deren Sippe. Auch aind. äãrpam«passend, zu- gegen, zurecht, genugy, ja lat. rvum n.«Saat- feldy, eig. das Zubereitetey könnten ver- wandt sein. 4L. Gare, f.: das Garsein, Zu- bereitetsein, z. B. des Kupfers in der Schmelze (bei Hübner 1712 Gar), des Leders(1775 bei Adelung), die Besserung, die man an den Acker durch Düngung und Bearbeitung wendet (1731 in Zincks öcon. Lex.). Mhd. garroe, ahd. 9aνιασισν f. Zubereitung, Zurüstung». S. Gäre. ZUS. Garaus, m.: völliges Ende (einem den garaues machen bei Fischart Garg. 355). Bei Luther neben garauß m. auch garaus n.(noch bei Günther 512 Neutr.), urspr. im 15. Jh. garauß m.(Tucher Bau- meisterb. 60, 5 fg., Städtechr. 2, 11, 8) die letzte Tages- oder Nachtstunde und das Ge- läute am Schluß derselben nach der alten Nürnberger Uhr, welche die Stunden von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zühlte, sich also nach der Läůnge des Tages ver- änderte»; noch heute wird in Nürnberg Abends der Garaus geläutet. Garkoch, m.(es, Pl.-köche): Koch, der gewerbsmäßig zu jeder 621 Garant gären 622 Zeit zubereitete Speisen feilhält, 1540 bei Alberus Dict. p 3² und im 15. bis 16. Jh. aus Nordhausen garkoch m. Garküche, f. (Pl.-n): öffentliche gewerbsmäßige Speise- wirtschaft, 1540 bei Alberus garküch, im 16. Jh. auch jarkäche(jarkuchen f. 1517 bei Trochus 0 54, 1537 bei Dasypodius, in Würz- burg bis ins 18. Jh.). Garänt, m.(-en, Pl.-en): Gewührsmann, Bürge. Im 18. Jh. aus gleichbed. franz. garant, span.-portug. garants, ital. guarento m., ent- lehnt aus ahd. werento m. der Gewührlei- stendey, afries. werand, warend, mnd. warent m., engl. warranter«Gewährsmann, dem substantivisch gebrauchten Part. Präs. von ahd. werén, afries. werd, woy'a, nd. waren «Gewuähr leisten»(s. gewähren). Garantie, f.(Pl.-n): Gewährleistung, Bürgschaft. 1688 bei Liebe, 1691 bei Stieler aus gleichbed. franz. garautie, mlat. warandia f., dem Ger- manischen entlehnt, afries. warande, aarende f.«Gewähr». garantieren, v.: Gewähr leisten, bürgen, wofür haften, 1691 bei Stieler aus gleichbed. franz. garantir. Garaus, s. gar. 1Garbe, f.(Pl.-n): Getreidebund. Mhd. garbe, md. auch garwe, ahd. garba, karpa f.; dazu and. garva, mnd. mndl. garve, ndl. gar f. Ins Romanische aufgenommen: franz. gerbe, älter garbe, prov.-span. garba f. Daneben im 15. Jh. grabe, grape, grappe, nd. grave f. (Diefenbach Gl. 258 usw.). Urverwandt mit aind. grbhudti cergreift», gräbhäs m. Hand- voll), aw. grah- cergreifen», abg. grabiti craffen», lit. grébiu chacken». Zur Bedeu- tungsentwicklung vgl. ags. gripa m.«Korn- gabey zu graipan ergreifen». 2²Garbe, f.: die Pflanze millefolium, Schaf- garbe(s. d.). 1482 im Voc. theut. k 2 garb, mhd. garzwe, ahd. garwa, garawa, garuoa f.; dazu mndl. garwe, ndl. gerwo, ags. gearwe, garuue f., engl. arroww. Herkunft dunkel. Garde, f.(Pl.-n): Schutz-, Leibwache. 1474 am Niederrhein garde(die burgundische Truppe im Heere Karls des Kühnen, Wier- straat S. 9 Groote), dann zu Ende des 15. Jh. in Süddeutschland gard f.(Liliencron 2, 419), im 16. Jh. durch Einfluß der Heere Karls V. guardi f.(bei H. Sachs Fastn. 44, 181 guarti, bei Rollenhagen Froschm. 2, 3, 7 gaαιeσα⁴dm). Aus franz. garde, ital.-span. guardia f.«Wache, Hut», von ahd. warta f.«Wache»(s. Warte). Garderöbe, f.(Pl.-n): Kleiderkammer, Schrank, vorrat; zugleich Bedientenzimmer (bei Hübner 1712, Schiller Kabale 5, 6), da- nach Dienerschaft(eb. 4, 9). Im 16. Ih. gardenrobbe m.«Gemach für Silbergeschirr- (Zimm. Chron. ² 3, 161, 29). Aus franz. garde- robe f.«Kleiderkammer?, zusammenges. aus dem Imp. garde«bewahre!» und robe, ital. roba, prov. rauba f.«Kleid, Geräte», mlat. raucba f.«Kriegsbeute, Raub», von ahd. rouba m.«Raub, Beute, Rüstung, Kleid», asächs. girobi n.«Kleidungy. Gardian, m.(-S, Pl.-e): Vorsteher eines Barfüßerklosters. Mhd. gardiän m., aus ital. guardiano m., eig.«Hüter», von guardia f. (s. Garde). Gardine, f.(Pl. n): Bett-, Fenstervor- hang. 1598 bei Hutter Lexic. harmonicum 668 Gardine(aber 1716 bei Ludwig noch Gordine), 1477 clevisch im Teuthonista und 1495 in der Kölner Gemma F 2 gardymn, nach mndl. gordyme f. aus ital.-span.-mlat.(um 600) cortina f. Vorhang», zu lat. cortina f.«Run- dung, Kreis, Vorhangy. ZUS. Gardinen- predigt, f.(Pl.-en): Strafrede der Gattin hinter der Bettgardine, 1796 bei J. Paul Siebenkäs 3, 22, 1791 bei Roth; vgl. dem Mann die Gardinen oder Umbhangs Messen lesen 1693 Zincgref Apophthegmata 4, 141. Gardist, m.(-en, Pl.-en): Soldat der Garde(s. d.). 1791 bei Roth. Gare, f., s. gar und gären. güren, v.(Prät. gor, Konj. göre, Part. gegoren, in bildlicher Bed. schwachflektiert Prät. gärte, Part. gegärt): innerlich bewegt zur Zersetzung schäumend aufbrausen. 1678 bei Krämer gähren, 1718 bei Kirsch gehren, 1722 bei Freyer geren(aber noch bei Günther 542 Part. gejohren), 1482 im Voc. theut. 1 8 /b geren oder jeren, mhd. jesen(mit g statt j nur in den Formen mit:, 3. Pers. Präs. gist und girt, aber md. bereits im 14. Jh. bei Megenberg 8, 30 die 3 Pl. Präs. gerent; ferner Prät. jas, Pl. jären, Part. gejesen, das drang aus dem Prät. ins Präs., in den Inf. jern und ins Part., im 15. Jh. gejeren), ahd. jesan. Durch Anlehnung an gar(s. d.) hat sich g in allen Formen durchgesetzt. Die starken ulternhd. Formen des Sg. Präs. gier, gierst, giert, die noch im 16. Jh. geläufig sind und teilweis noch 1691 von Stieler(gierst, giert), 1716 von Ludwig(gieret) verzeichnet werden, sind seit dem 16. Jh. durch die zum schwach- biegenden Faktitiv ahd. jerjan, gerjan«gären machen» gehörigen Formen gäre, gärst, gärt verdrängt worden. Ahd. jesan entspricht 623 Gargel Garten 624 genau aind. Jdsati, Jäsjati«wird heif, siedet?, aw. jah-«sieden?, gr. Zéeiv(aus ecetv, vgl. Tecrôc)«sieden», kymr. iãs«fervor, ebullitioy. S. gäschen, gischen, Gäscht, Gischt. 43L. Gäre, auch Gare, f.: Gärung, der gehörige Grad der Gärung, im Gebiet des Backens und Brauens frühzeitig mit Gare(s. d.) vermengt. 1678 bei Krämer Gähre, Gehre, 1598 bei Colerus 2, H 1a Gehr, Gahre(des Mostes), md. im 13. Jh. gœre f.(in ubergœre). Gargel, f.(Pl.-n): bei den Böttchern Rinne in den Dauben zum Einsetzen des Bodens, Kimme. Rheinisch, schon im 13. Jh. gargele f.; daneben mhd. gargöle f.«Rinne mit Mundstück», aus franz. gargouille, span. gargola f. Traufröhre, Wasserspeier der Dachtraufey». Herkunft unsicher. Garkoch, Garküche, s. gar. 1Garn, n.(-es, Pl.-e): gesponnener Faden; Gestrick, Netz zum Fange(daher die RA. ins Garn gehen aus der Jugersprache). Mhd. garn, ahd. garn. karn n.; dazu mnd. garn, ndl. garen, ags. gecrn n., engl. yarn, anord. garn n., schwed.-dän. garn. Urspr. die aus getrock- neten Därmen gedrehte Schnur?, s. ²Garn. ZUS. Garngabel, f.: Gabelstange zum Stellen der Jagdnetze, Forkel. 1741 bei Prisch. 2Garn, n.(-es, Pl.-e): der zweite Magen, Netzmagen der Wiederkäuer. Schwäb. gärn n. Ochsengedärm, ahd. mittigarni, mittila- carni, and. micgarni n., ags. micegern«Fett- netz inmitten der Därme»(noch erhalten in schwäb. miggär n.«Ochsengedärm?), anord. görn f.«Darmꝰy, Pl. garnar Eingeweidey. Urverwandt mit lit. Zärna f.«Darmo, aind. hirã f.«Aderꝰ, häras m. Band, Gürtel», alban. 20 f. Gedärme», lat. haru- in haruspeæ «Eingeweideschauer, Wahrsager aus den Ein- geweiden der Opfertiere», gr. xopd f.«Darm, Darmsaitey(davon lat. chorda, franz. corde, ital. corda, cordella f.«Strick, Schnur, starker Faden). Garnéle, f.(Pl.-n): Art kleiner See- krebse ohne Scheren. 1716 bei Ludwig der Pl. Garneelen, 1556 bei Frisius Nomencl. 61 b und 1561 bei Maaler Garnat oder Garnol m., 1563 bei Forer Fischb. 127 fg. Gernier m. Aus gleichbed. ndl. garneel f.(1599 bei Kilian) neben garnaat f. garnieren, v.: einfassen, verbrämen; aus- schmücken, auszieren. 1712 bei Hübner gar- niren die Kleider mit güldnen oder silbernen Tressen auszieren?, im 16. Jh. vergarniren bei Fischart Garg. 175, Part. garnirt oder meublirt 1716 bei Ludwig. Nebst ndl. garnieren zu Schutz befestigen»(1599 bei Kilian), aus franz. garnir, afranz. guarnir, ital. guarnire«mit et- was versehen, ausstattenꝰ, aus gleichbed. germ. ooarnjan zu ahd. warnön, warnén. Garnisön, f.(Pl.-en): Besatzung, Be- satzungsmannschaft. Um 1600(bei Henisch 1616 Gaarnison, 1616 bei Wallhausen Corp. mil. 175 Garnison) entlehnt aus gleichbed. franz. garnison f., von garnir(s. garnieren). Garnitür, f.(Pl.-en): Besatz, Einfassung; Ausstattung, Auszierung. 1712 bei Hübner, aus gleichbed. franz. garniture, ital. guarnitura f., von franz. garnir(s. garnieren). garstig, adj. u. adv.: verdorben schmeckend oder riechend; schmutzig(1678 bei Krämer, bei Lessing 3, 41);(übertragen) widerwärtig, häßlich, abscheulich(bei Luther). In der 1. Bed. 1420 md. garstig(Schröers Vocab. 31 ²), mnd. garstich, garsterich(vgl. galsterig) und gasterich, gastrig, mndl. gherstich, 1599 bei Kilian garstigh, gherstigh. Weiterbildung des Adj. mhd.-mnd. garst«ranzig, verdorben?, anord. gerstr«mürrischy, zu mhd.(14. Jh.) garst m., ahd. gerst? f.«ranziger, stinkender Geschmack oder Geruch». Wohl zu lit. grasuùs cekelhaft, widerwärtig», grasd f.«Abscheu, Ekely. Außerdem kann lat. fastidium n.«Ekeb (aus*farstidium) oder horrére«schaudern, sich entsetzeny dazu gehören. Vgl. Walde. Garten, m.(-s, Pl. Gärten): umzkuntes Land zum Anbau. 1439 in den Weisth. 6, 165 Garten, aber noch bis ins 18. Jh. Garlte (bei Weismann 1703), bei Luther meist Garte (Gen. Garten), nur vereinzelt Garten, mhd. garte, ahd. garto, carto m.; dazu asächs. gardo, afries. garda m.«Garten», got. garda m.«Ge- hege, Hürdey. Daneben die ältre starkflekt. Form mhd.(selten) gart, ahd. gart, cart m. «Kreis, Garten», asächs. gard m.«eingefrie- digtes Grundstück», im Pl.«Wohnung, Haus», ags. geard m. Umfriedigung, Garten, Woh- nungy, engl. ard«Hofraumꝰ», anord. gardr m. cumschließender Wall, Zaun, Mauer, Hof- raum, Gehöft», in Zusammens. Garten», got. gards m.«Haus», in Zusammens. Garten, Kreis», urspr. Einzäunung eines Grundstücks, zu got. gaërdan«gürten, umschließeny. Da wir nicht entscheiden können, ob der Dental auf idg. dh oder t zurückgeht, so ist über die Verwandtschaft nicht sicher zu urteilen. Auf dh weisen lit. zafdis m.«großer um- zäunter Weideplatz», aind. gyhäs m., grhäm n. Hauss, aw. gorsda- m.«Höhle»(bei denen 625 Gas Gasse 626 aber die Gutturale nicht stimmen), auf t lat. hortus m. Gehöft, Gehege, Garten), cohors f. Gehege, Hofs, gr. Xiproc m. Ge- hege, Viehhof, Weideplatz». Aus dem Ger- manischen entlehnt sind abg. gradu m. Garten, Stall, Stadt, Mauerꝰ, russ. gorod«Stadtꝰ, poln. grod, böhm. hrad«Burg», ferner rumän. gard ZLaunꝰ, ital. gicrdino, prov. jardin, gardin, franz. jardin m.«Garteny, aus dem afranz. gardlin wiederum engl. garden. Der Plur. lautet mhd. garten, noch bei Luther Garten, vereinzelt Gerten, der Umlaut schon 1439 in den Weisth. 6, 167 Gärten, daneben vom 16. bis ins 18. Jh. der starkflekt. Plur. Gärte (Gryphius 1663 S. 199, Lohenstein Rosen 106, Günther 269, Kleist Frühling 43). 4.8L. Gärtner, m.(-s, Pl. wie Sg.): Gartenkünstler; (in Nordostdeutschland) Kossat, Hintersasse (1422 im Voc. Vrat.). Im 16. Jh.(bei Luther) bis ins 17. Jh. oft ohne Umlaut Gartner, mhd. gartenœre, spüter auch gertencre(Fundgr. l, 372 b), ahd. gartinäri neben ülterm gartari m. (das erste von der schwachen Form, das zweite von der starken oder vom Stamme ge- bildet), aus dem Germanischen entlehnt abg. gradinar! und gradarl m.«Gärtnery». Davon Gärtnerei, f.(Pl.-en), 1716 bei Ludwig, dagegen 1678 bei Krämer Gärterey’; gärt⸗- nerisch, adj., 1718 bei Kirsch; gärtnern, v.: Gartenpflanzung treiben, 1808 bei Campe, für das frühere gartnen(1556 bei Frisius und noch schweiz., gärtnen bayr.-alem.), gärteln (1703 bei Weismann gärtlen), nd. gardenéren, garnéren, daher in Norddeutschland Gärtnierer m. Gärtner». Gas, n.(Gen. Gases, Pl. Gase): luftförmig entwickelte Flüssigkeit. Ein von dem Alchi- misten Johann Baptista van Helmont aus Brüssel(gest. 1644) zur Bezeichnung der durch Kälte erzeugten feinen(wässerigen) Ausdünstung willkürlich erfundenes Wort, bei dem ihm das gr. Chaos(s. d.) vorschwebte. 1712 bei Hübner, 1779 bei Krünitz, 1796 bei Adelung verzeichnet, durch die Luftballon- fahrten seit 1783 aufgekommen und beson- ders durch die Gasbeleuchtung seit 1826 ver- breitet. Bei Helmont als Neutr., am Mittel- rhein als Fem., in Obersachsen als Mask. gebraucht, mit langem Vokal, aber in Nord- deutschland im Nom. Sg. meist kurz aus- gesprochen(daher im Plur. bei Immermann Münchh. B. 6, Kap. 10 Gasse), während die Bühne Gäs fordert. gäschen, v.: aufbrausen, schäumen. 1691 Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. bei Stieler das Subst. Geschung, 1741 bei Frisch gäschen(aber 1734 bei Steinbach Jjeschen, Prät. josch, Part. gejoschen), fränkisch im 14. Jh. geschen(Buch v. guter Speise 6, 14), zu mhd. jesen, ahd. jesan«gäͤren»(s. d.). Vgl. gischen. Davon Gäscht, m.(-es): Gärschaum, Schaum. Bei Lohenstein in Hoffmannswaldaus usw. Ged. 6, 14 Gäscht, 1562 bei Mathesius Sar. 1522 Gescht(neben Gesch 212 b), aber bei Lohenstein Ros. 88 und Günther 496 Jäscht, 1711 bei Rädlein Jescht oder Gäst, im 15. u. 16. Jh. gest(Diefenbach Gloss. 548), mhd. jest m.; dazu ndl. bei Kilian 1599 ghest, ghist m. Vgl. Gischt. Gasél, n.(-Lels, Pl.-e) und Gaséle f. (Pl.-n): Name einer bei den Persern sehr beliebten Form lyrischen Gedichte. Aus arab. ghazal«Liebesliedy. Durch Platen, Rückert u. a. eingeführt. gassäten gehen: müßiggängerisch auf der Gasse umherschwürmen, besonders des Nachts. Im 16. Jh.(1574 bei Höniger Narrensch. 99 ²), aus dem gleichbed. studentischen gassatim gehen(bei Grimmelshausen Simpl. 348), dessen gassatim halblateinisches Adv.; dafür gassatun gehn(bei Fischart Garg. 271, noch 1703 bei Weismann). Gasse, f.(Pl.-n): zwischendurchgehender Weg, enge Straße(von letzterm Worte, das urspr. die breite Land- und Heerstraße be- zeichnet, in neurer Zeit in Norddeutschland mehr und mehr verdrängt). Mhd. gazze(stark- und schwachbiegend), ahd. gazza, gaaa f.; dazu mnd. gate,(entlehnt) engl. gate«Tor, Wegy, anord. gata f.«Pfad, schmaler Gang, Gasse, schwed. gata, dän. gade, got. gataoο f.«Gassey. Vielleicht gleichen Stammes wie ältermd. gat, gaz, asächs.-mnd. ndl. gat n.«Offnung, Lücke, Loch, Höhle», ags. geat n. Tür, Tory, anord. gat n.«Höhle», dän. gat«Loch»(da- her Kattegat«Katzenloch») oder mit Falk- Torp aus Präfix ga- und*teuoon Reihe?, das zu nhd. Zeche gehört; Grundbedeutung wäre dann das Gereihtes. ZUS. Gassen- hauer, m.(-S, Pl. wie Sg.): gemeines Gassen- lied. Im 16. Jh. Gassenhauaer, zunächst s. v. a. Gassenläufer(1586 bei Mathesius Syrach 1, 52 ³), von älternhd. und bayr. hauen «laufen⸗, dann Tanz auf der Gasse mit der Tanzweise(1536), endlich 1517 bei Aventin 1, 542, 12 gassenhawer die man auf der lauten schlecht, 1556 bei Frisius ein gemein und schlächt gassenlied, ein gassenhauwer, um 17. und 18. Jh. auch ohne tadelnden Nebensinn 40 627 Gast Gatte 628 s. v. a. Volkslied(s. d.). Gassenjunge, m. (7n, Pl.-n), 1728 bei Stoppe Ged. 1, 71. Gast, m.(-es, Pl. Gäste): besuchender, beherbergter, beköstigter Fremder; auf frem- der Bühne auftretender Schauspieler(im 19. Jh.); überhaupt Mann, Gesell(1589 bei Rhau geistl. Gesangb. Vorr.). Mhd. gast Fremdling, landfahrender Krieger, Held, auch bewirteter Fremder», ahd. gast«Fremd- lingy; dazu asächs.„ndl. gast, ags. gœæst, gast, gest, gist, giest«Fremder, Feind, Gasto,(aus dem Nordischen) engl. guest, anord. gestr, schwed. gäst, dän. gjest«Gasty, got. gasts m.«Fremder», der Lautverschiebung gemäß stimmend mit lat. hostis«Feind ursprüng- lich«Premder», vgl. hospes aus*hosti-pes Gastfreundy, abg. gostil«Gast, Genosse, Freund». 4BL. Gasterei, f.(Pl.-en): Gast- mahl. Im 16. Jh.(H. Sachs Fastn. 16, 253, Scheidt Grob. 3164), bei Luther mit Umlaut Gestereſ. gastieren, v.: zu Gaste haben, bewirten(bei Goethe, 1691 bei Stieler, dafür bereits im 16. Jh. gasten, das im 18. Jh. bei Bürger auch in der Bed.«zu Gaste sein» erscheint); von Schauspielern, als Gast auf- treten, Gastrollen geben(Anfang des 19. Jh.). gastlich, adj. und adv., mhd. gast-, gesl-, gästlich, ahd. durch ungastlichi f.«Ungast- lichkeity bezeugt, ags. gastlic; im 17. und 18. Jh. nicht mehr gebraucht, kam das Wort in den letzten Jahrzehnten des 18. Jh. durch Voßens Homerübersetzung wieder in Umlauf. Gastung, f.(Pl.-ο): Bewirtung, Gasterei, mhd. gastunge f. ZUS. gastfrei, adj. und adv.: freigebig gegen Gäste, bei Luther. Gastfreund, m.(-es, Pl.-e), 1561 bei Maaler als UÜbersetzung des lat. hospes, dafür 1537 bei Schaidenreißer Odyss. 75 ain gast vnd freünd; das Wort fand aber keine Aufnahme, erst durch Voßens Odyssee-bersetzung 1781 hat es Verbreitung gewonnen; davon Gast- freundschaft, f., 1616 bei Henisch. Gast- geber, m.(—s, Pl. wie Sg.): Gastwirt(mhd. gastgeber neben gastgebe m.); der ein Gast- mahl gibt(1711 bei Rädlein). Gasthalter, m.(“s, Pl. wie Sg.): Gastwirt(1433 bei Diefenbach-Wülcker gasthelder, um 1480 im Vocab. praedicant. 1 2 b gasthalter); der eine Gasterei gibt(1718 bei Kirsch). Gasthaus, n.(hauses, Pl. häuser), ahd.-mhd.-mnd. gast- hhs; dazu ags. gasthäs n., engl. guest-house, anord. gestahas n., aber ndl. gasthuls n. Spitalh. Gasthof, m.: vornehmeres Gasthaus, 1420 bei Diefenbach-Wülcker; dazu ags. gasthof m. Gastmahl, n.(*s, Pl.-mähler), 1561 bei Maaler. Gastrecht, n.: Recht der Gast- freundschaft. 1616 bei Henisch. Gastwirt, m.(-es, Pl.-e), 1635 bei Heydenreich Leipz. Cron. 351. Davon Gastwirtschaft, f.: Wirts- haus. Erst im 19. Jh. gastrisch, adj.: den Unterleib, Magen betreffend. Ende des 18. Jh., von gr. Tacrup f.«Unterleib, Magen». Gastronom, m.(-s, Pl.-en): Feinschmecker, Kenner der Koch- und Tafelkunst. Bildung der neusten Zeit. Aus gr. facrip(s. gast- risch) und-vouoc von véuetv«zuteileny». Dazu Gastronomie, f., aus gr. Tacrpovopia f. «Vorschrift zur Pflege des Bauchesy. gäten, s. Jäten. gätlich, auch gättlich, adj. u. adv.: sich wohlfügend, passend, schicklich, gleichmäßig, nach Paßlichkeit und Bequemlichkeit groß, mittelgroß. Md. auch bei Goethe 30, 114. Früher auch oberd., mit den Nebenformen gättlich, gettlich(Murner Gäuchmatt 5285), göttlich, götleich(Nürnb. Pol.-Ordn. 153 aus dem 14. Jh.) und gattlich(Frankf. Ref. 6, 4, 5, auch bei Goethe Wilh. Meist. Wanderj. 2, 5); nd. gãdlix, ndl. bei Kilian gadelick, 1477 clev. ghedelgk. Gleicher Abstammung wie Gatte(s. d.). Gatt, n.: Loch, s. Gasse. Gatte, m.(n, Pl.-n): der ehelich Ver- bundene(1652 bei Rist himml. Lieder 3, 161). Der Bedeutung nach eine Spezialisierung (genauer die Ehegatten Garg. 93) aus mhd. gate neben gegate m. der Gleiche, Genosse), selten«der zur Zeugung Verbundeney; dazu asächs. gigado m. Seinesgleichen, mnd. gegade, ags. gegada m. Genossen, urspr. schwache Form zum Adj. ahd. gegat«verbunden, gleich, wozu passendy. 4BL. gatten, v.: zusammen verbinden(trans. und refl. bei S. Franck Para- doxa 158 und moriae encom. 15b); sich paaren (Fastnachtsp. des 15. Jh. 1160); Waren sor- tieren(1691 bei Stieler). Ahd. gatön(in begaton«erreichen, wofür sorgen»), mhd. gaten intr.«zusammenkommen, tr.«Gleiches zu Gleichem gesellen, vereinigeny». Gattin, f.(Pl.-nen): die ehelich Verbundene. Erst im 18. Jh. bei Günther 661. Gattung, f. (Pl.-en): das durch Verwandtschaft Zusam- mengehörige. Erscheint zuerst im 15. Jh. (Nürnb. Pol.-Ordn. 222, Nicl. v. Wyle 282), bei Luther Matth. 13, 47; die älteste Be- deutung ist zueinander passendes Paar» (Fastnachtsp. 517, 26), spüter bedeutet das 629 Gatter gankeln 630 Wort auch s. v. a. Gatte; im 16. u. 17. Jh. und noch schweiz. wird es wie«Art und Weise» gebraucht. Gatter, n.(-s, Pl. wie Sg.): verschränkte Stäbeverbindung als Tor, Schranke oder Zaun. In den Wörterbüchern des 17. und im Anfang des 18. Jh., sowie noch alem. und bei Goethe 34, 1, 266 Mask., mhd. gater m. n., im 15. Jh. auch Fem.(schwachbie- gend), ahd. gataro m. Da das Wort ahd. mit valvae ᷑Türflügel» glossiert wird, und sonst nicht in den germanischen Sprachen vorkommt, so könnte es mit Kluge eine Zusammensetzung aus ga-«gey und tor sein. 4BL. gattern, v.: mit gatterähnlichem Muster versehen(mhd. gatern): durchs Gatter spähend belauern, gierig blicken(1691 bei Stieler). Gattung, s. Gatte. gatzen, gätzen, v.: gackern, schreien wie ein Huhn nach dem Fierlegen(König vom Odenwald und Fastnachtsp. des 15. Jh. 259, 22). Aus gleichbed. mhd. gagzen, wie mhd. blitzen aus bliczen; im 15. Jh. schwäb. (Diefenbach Gl. 161 b) und noch 1703 bei Weismann 141 ² gatzgen. Vgl. gacksen. Gau, m.(-es, Pl.-e): abgegrenztes Land- gebiet, Landesabteilung. Aus md. 9ouabe, gou, mhd. gôuroe, göu, ahd. gauwi, geuwi, gowi n.; dazu afries. 9ã, 9, ags. an Namen-9é, ebenso and.-95, got. gawi n.(Gen. gaujis). Ahd. auch das Fem. gawa, gowa und gauwia, gowla, mnd. 9 f., nd. gohe f. Herkunft unsicher. Vgl. Feist Btr. 15, 54 f.(aus*ga-wih, wih zu lat. vicus m.«Dorf), Schrader Idg. Forsch. Anz. 9, 172(aus*ga-qwia zu gr. oin«Dorf), Uhlenbeck Btr. 30, 282. Der Plur. bisweilen Gauen(Schubart 2, 328, Goethe 2, 33; 34, 1, 3), bereits 1663 bei Schottel 4622, und zwar als Plur. des Fem. Gau. Das Mask. zuerst im 17. Jh.(1612 bei Lehmann Speyr. Chron. 4, 9), wie es scheint in Gelehrtenkreisen nach dem Genus von lat. pagus(der Pagus oder Gauo ebd.). Das veraltende Wort wurde im letzten Viertel des 18. Jahrh. wieder aufgefrischt, während sich in oberd. Mundarten das Neutr. Gäun in den Bedd.«Land im Gegensatz zur Stadt, flaches Land im Gegensatz zum Ge- birgey erhalten hat. Gauch, m.(-es, Pl.-e und Gäuche): einfältiger, dummer Mensch, Narr, Schelm. Mhd. gouch, ahd. gouh m.«Kuekuck, Tor, Narr; dazu ags. géac,(aus dem Nordischen) nordengl. gazok, anord. gauler, schwed. gök, dän. gjög, norweg. gaukc m.«Kuckuck». Ur- sprung nicht ganz klar. Wahrscheinlich zu anord. geyja«spotten, ausschelten», aind. hävati «rufty, abg. zubali«rufen. Gauehheil, n.(-S. Pl.-e): die Pfanze anagallis. 1432 gochail(Petters Vocabular 292 a), als Fem. 1540 bei Alberus Dict. CC 2 b ghochenl, gauchegl. Der Name daher, daß man dem Kraut Kraft beilegte, den Wahn- und Blödsinn(vgl. Gauch) zu heilen(Grimm Gesch. d. deutsch. Spr. 204), auch sein Saft als Mittel diente, den Biß eines tollen Hundes unschädlich zu machen(Lonicerus 2042, vgl. Schiller z. mecklenb. Kräuterb. 2, 30 ²). Oft vermengt mit dem Namen der Schafgarbe gachheil«schnellheilendes Wundkraut(im 14. Jahrh. Mone Anz. 4, 247). Gaudieb, m.(-es, Pl.-e): listiger, ver- schlagner Dieb; pffffiger, verschlagner und gewandter Schelm. Im 17. Jh.(1657 bei Schuppius Freund in der Not 92) aufge- nommen aus gleichbed. nd. gaadéf, ndl. gauzo dief m., zusammenges. mit nd. gau, ndl. gauao «geschwind, gewandt», 1691 bei Stieler und 1716 bei Ludwig gau«schnell auf etwas». Das Wort gehört wohl zu Jäh(s. d.). gaudieren, verb.(refl.) sich freuen;(trans.) erfreuen. 1617 im teutschen Michel 21, aus lat. gaudére«sich freuen).— Gaudium, n (J): große Freude. Gegen Ende des 18. Jh. allgemeiner geworden(Schiller Räuber 1, 2, Kabale 5, 5), aus gleichbed. lat. gaudium n., bayr.-österr. Gaudi, f. nach Freude. gaukeln, verb.: Zauberei, trügerisches Blendwerk treiben; sich närrisch, possenhaft, oder leicht, schnell und spielend hin- und herbewegen. Mhd. goukeln, gougeln, ahd. gougelan und goukelõn, gougolön, mit Umlaut md. gäukeln, bei Luther geuckeln neben gauckeln, im 15. Jh. gewokeln(Diefenb. Gl. 48 ²); dazu mnd. gokelen, gökelen, mndl. golelen. Abgeleitet von ahd. goucal, couxcel, mhd. goulcel, gougel n. auberei, Taschenspielerei, närrisches Treibens, nhd. Gaulrel m.(Adelung), selten f. (Steinbach 1, 563),(aus dem Ndd. entlehnt), schwed. gyckel, dän. gjögl. Dazu gibt es ab- lautende Formen mhd. giege und giegel m. Narr, Betörtery, gogel m.«ausgelassner Scherz, Possen?, gogelen«sich ausgelassen gebärdeny, ndl. guig f.«Spottmaul⸗, giegelen lachen?, so daß das Wort alt sein wird. Wahrschein- lich zu derselben Wurzel wie Gauch(s. d.). 4BL. Gaukelei, f., bei Luther Gauckeley, Geuckeley, Geugeley, dazu mnd. gochelie, mndl. 40* 631 Gaul Gaze 632 gokelle f. Gaukler, m.(-S, Pl. wie Sing.): Taschenspieler, Jahrmarktskünstler; mhd. goukelœre, gougelœre, ahd. coucaläri, gougulãri, mit Umlaut bei Luther geuckler, geugler; dazu mnd. gokeler, mndl. gokelere, entlehnt anord. Kallari m.; im 15. Jh. rhein. jawukxeler, jeukeler(Diefenb. Gl. 307) und nd. joxeler mit dem sachlich übereinstimmenden mlat. Jjoculãrius, joculãris, joculãtor in Berührung gebracht. Davon Gauklerin, f., 1541 bei Frisius 525 2 gaucklerin, im 15. Jh. geufrlerin (Diefenb. Gl. 307), und gauklerisch, adj., 1541 bei Frisius 1622 gaugglerisch, gaucklerisch 5512. ZUS. Gaukelbild, n.: trügerisches Bild, mhd. goukelbilde n. gaukelhaft, adj., 1775 bei Adelung. Gaukelspiel, n., mhd. goukel-, gougelspil n. Gaul, m.(-es, Pl. Gäule, unüblich Gaule Lichtwer Fab. 1, 5, Rückert 1, 22): geringes Pferd, aber auch stattliches Roß(Luther Jerem. 8, 16, Goethe 8, 102, Voß II. 4, 500). Frühmhd. gol m.«Ungetüm»(vom Teufel, gale von einem Götzen, urgl von einem Eber), seit dem 14. Jh. verächtlich vom Pferde gebraucht(Liedersaal 3, 619, 14, im Pl. giule), daneben schon mnd. gãl, güle ni. vom starken Streitroß, 1429 im Lib. ord. rer. 14 gaul«Beschälhengsty. Dazu ndl. guil f. «Stuten, die noch nicht geworfen hat, im 17. Jh. ghuyl alter Hengst», 1599 pei Kilian guyle«Pferd; in schwed. Mundarten gule, kule m. caltes Pferdy, gula, kula f.«alte Stute, Mähre». Die Etymologie ist ganz unsicher. Von Charpentier KZ. 40, 441 zu aind. ghölas«Pferd» aus*ghöltas gestellt. Vgl. noch Wood Btr. 24, 528. Gaumen, m.(-s, Pl. wie Sg.): die als Geschmacksorgan geltende obere Wölbung im Munde. Die Nebenform Gaum(-es, Pl. -e,-en), noch bei Goethe, Schiller, Bürger usw., ist auf die Dichter- und Volkssprache be- schränkt. Mhd. goume, goum neben guome, guom, md. gome, gom und gime(letztres noch bei Luther Hiob 29, 10), ahd. goumo neben guomo und giumo m.; dazu mnd. gumè, ags. gôma(engl. gums«Zahnfleisch»), anord. gomi und gomr, schwed. gom m., dân. gumme«Gaumen. Verwandt lit. gömurls m. «Gaumen), lett. gãmurs Luftröhres. Vom gleichen Stamme auch wohl lat. faux f. «Schlund, Kehlen, gr. xaovoc auseinander- klaffendy. Aus der schwachen Deklination tritt schon das gekürzte mhd. goum und guom in die starke über, bei Ickelsamer 12 findet sich der Gen. gumens. 4 L. gäumeln, v.: lüstern sein wonach(1754 bei Rost schöne Nacht 2). Vgl. kärnt. gaimen oder gämen (d. i. gäumen, gaumen) clüstern sein», 1808 bei Campe Gaumelei f.«Lüsternheit, Leckereiy. Gauner, m.(-s, Pl. wie Sing.): listiger Betrüger. 1753 bei Lessing d. junge Ge- lehrte 1, 6 Gauner, bei Frisch aus einer Biberacher Pürschordnung von 1722 Jauner (noch bei Schiller 1, 209), rotwelsch im 15. und 16. Jh. und noch heute joner m.«Spieler, im Land umherstreichender Falschspieler“ (Weimar. Jahrbuch 4, 98, auch pei Fischart Großm. 50, Philander v. Sittewald 2, 634), von rotwelsch jonen«spielen»(im 15. Jh. und noch heute), 1494 bei Seb. Brant Narrensch. 63, 46 junen, aus hebräisch Jänã(bei den Juden jono gesprochen)«Gewalttätigkeit üben, übervorteilen, betrügen, überlisten». 4 BL. Gaunerei, f., gaunerisch, adj., gaunern, verb., sämtlich 1803 bei Jagemann, 1787 bei Kramer Jaunereg, jaunerisch, jaunern. Gaupe, f.(Pl.-n): Giebelvorbau mit Offnung, aber auch Dachöffnung mit vor- springender besondrer Bedachung und be- weglichem Verschlusse, Dacherker. In Franken, Oberhessen, am Mittelrhein, im 15. Jh. gpe f. Nach der Nebenform Gaulce f. zu schließen, wohl s. v. a. Ausguck, von gauken aus- spähen, gucken?, 15. Jh., Liliencron 1, 432²), obersächs. gäxen«gaffeny, hess. geipen cgaffenꝰ, engl. schott. gou, goulc«spähend oder starr blicken?. gauzen, verb.: bellen; bellend reden: scheltend anfahren. In der Schweiz, am Rhein und im westl. Mitteldeutschland. 1540 bei Alberus Dict. Q 1² gautzen, im 15. Jh. kautzen(Diefenb. Gl. 70 b). Zusammenhangend mit ags. géad f.«Torheit, Leichtsinns, anord. geuja(Prät. 95)«bellen, ausschelten», gaud f. «das Belleny, dän. gjé«bellen, scheltenꝰ. Weiter sind vielleicht stammverwandt aind. häãvati«rufty, abg. zubati«rufeny. Gavötte, f.(Pl.-n): eine Art Tanz; Musikstück. Über gleichbed. franz. gavotte aus provenz. gavoto. 1791 bei Roth. Gaze, f.(sprich Gäãse, Pl.-n): Flortuch, Schleiertuch. 1649 bei Spee Trutzn. B. 113 Silbergaßß, 1715 bei Amaranthes Gaze oder Gage(spr. Gasche), bei Wieland Klelia 1, 85 Gase f. Aus gleichbed. franz. gaze, span. gasa f., benannt nach der Philistäerstadt Gaza in Palästina, woher das durchsichtige Gewebe bezogen wurde. 633 Gazelle Gebarsch 634 Gazélle, f.(Pl.-n): Hirschziege, eine Art Antilope. Im 18. Jh.(1727 bei Hübner Gazella) aufgenommen aus gleichbed. franz. gazelle, span. gazela f., das dem gleichbed. arab. ghazãl entstammt. ge-, unbetonte, untrennbare Vorsatzpartikel in Zusammensetzungen, ursprünglich zur Be- zeichnung des Zusammenseins, des Zusammen- gehörigen, vor Subst. auch das Ergebnis des im zugehörigen Verb ausgedrückten Vor- ganges, vor Adj. das Zueigensein dessen, was das zugehörige Subst. oder Verb ausdrückt, vor Verben das Geraten in einen Zustand oder den Abschluß eines Vorganges, die Dauer und Vergangenheit(bes. im Part. Prät.) bezeichnend, endlich aber oft nur den Begriff des einfachen Wortes verstärkend. Mit Vor- silbe ge- und Suffix Jo, das Umlaut bewirkte, wurden seit alter Zeit neutrale Kollektive gebildet, vgl. viele der folgenden Artikel. Mhd. ge-, ahd. gi-, ga-; dazu asächs. gi-, mnd. ge-, mndl. ghe-, afries. ge-, gi-, ie-, ags. ge-, gi-, anord. nur spurweise g-, schwed.-dän. ge-, got. ga-. Gewöhnlich wird lat. co-, con-, cuν «mit, zusammen» als verwandt angesehen. Die Sinnesübereinstimmung ist in der Tat vollkommen, aber die Lautverschiebung stimmt nicht. In manchen Wörtern erscheint ge- vor Vokalen oder I, n, r zu bloßem g- ge- kürzt(Ganerbe, gönnen, Gunst, Glaube, gleich, Glück, Gnade, grob usw.). In nominalen Zu- sammensetzungen lag ursprünglich der Ton auf dem ga-, und es mufßte dann das à er- halten bleiben, wie z. B. Gastein. In einzelnen verdunkelten Zusammensetzungen scheint sich dies ga- erhalten zu haben, vgl. Gau, Gatter. Geäder, n.(-s): Gesamtheit der Adern. Mhd. geœder n., Kollektiv von Ader. Geäß, n.(-es, Pl.-e): Nahrung des Wildes. In der 1. Hälfte des 15. Jh. gecze(Pl. ge- —szer Schiltberger Reise 110), Kollektiv zu Aas, 4;6 n. Viehfutter?. Geäste, bayr. auch Geäst, n.(-es, Pl.-e): Astwerk. 1774 beim j. Goethe 3, 23. Geback, m. n.(-es, Pl.-e): Gesamtheit des miteinander Gebackenen, z. B. ein Geback Brot. Im 14. Jh. md. gebac m.; Verstärkung des gleichbed. Back m., md. im 14. Jh. back m. Gebäck, n.(-es, Pl.-e): das Backen, Gebackenes, Backwerk. Im 15. Jh. gebäck (Weisth. 6, 536 aus der Moselgegend), bei Fischart Garg. 158 das gebäch. Verbalsubst. zu backen(s. d.). Gebälk, n.(-es), unverkürzt Gebälke (Rückert 3, 39): Balkenwerk. Im 15. Jh. rheinisch gebelke n., Kollektiv zu Balken(s. d.). Gebände, n.(—*J, Pl. wie Sg.): Bandwerk, Kollektiv zu Band n. Mhdamnd. gebendle, ahd. gibenti n.«Fessel, Riemen», dann Band, Kopfputz der Weibers, insbes. die Stirn- und Wangenbinden. Noch wetterauisch mit Schap- pel und Gebende«mit allem, mit der ge- samten Haben; vgl. Schappel. gebaren, verb.(Goethe 28, 36. 6, 33), jetzt meist refl.: sich betragen. Mhd. gebären, ahd. gibärén, gebãrön; dazu mnd. gebãren, mndl. ghebaren, ags. gebcẽran. Verstärktes gleichbed. mhd. bären, zu mhd. bär f.«Art und Weise, wie sich etwas zeigt⸗, mit mhd. gebär m. Benehmen, bes. schickliches und freundlichess(s. Gebärde), von ahd. beran ctragen». 4BL. Gebärde, f.(Pl.-n): Art, wie jemand sich äußerlich zeigt in Bewe- gung und Handlung. Bei Luther Geberde f. und n., 1561 bei Maaler Gebärd f., mhd. gebœrde f. und n., ahd. gibãrida f.; dazu mnd. geberde f. gebärden, v. refl., bei Luther. gebärdig, adj.: sich schön oder froh ge- barend(Goethe 4, 170), 1582 bei Fischart Garg. 225, s. ungebärdig. gebären, verb.(Präs. gebäre, gebierst, ge- hiert, Prät. gebar, Konj. gebäre, Part. ge- boren, Imp. gebier und gebãre): zur Welt bringen. Bei Luther und noch 1734 bei Freyer Orth. geberen, bei Maaler, Fischart, Henisch gebären, 1664 bei Duez gebähren und gebehren, mhd. gebern, ahd. giberan; dazu mnd.-mndl. geberen, asächs. giberan, ags. ge- heran, got. gabairan. Zusammengesetzt mit mhd. bern, ahd. beran, afries. und anord. bera, ags. beran, engl. bear, got. bairan ctragen?, durch die Zusammensetzung mit ge- drückt das Verbum den Abschluß der Handlung des Tragens aus. UÜbereinstimmend mit lat. ferre ctragen, bringeny, gr. Gépew, kelt. berim ctragen, abg. birati«pnehmen, sammeln), aind. bhärati«trägt». Von diesem Stamm sind ferner abgeleitet-bar, Bahre, Bärme, Bürde, empor, entbehren, gebühren(s. d.). 4BL. Gebärerin, f.: Mutter, frühmhd. ge- bererinne f., zu mhd. geberer m. Erzeuger, Vater». ZUS. Gebärmutter, f.: Fruchtsack der Beckenhöhle, 1597 bei Wirsung Arzneib. 501 Gebeermutter, älter Bärmutter(s. d.). Gébarsch, m., in der(Kinder-) Redens- art Gebarsch Nehmarsch Schenkender und das Geschenkte gern Zurückfordernder», 1540 bei Alberus Dict. Tt 3 b geb ars nem ars, bei 635 Gebäu gebildet 636 Luther 5, 3982 usw. im Pl. Gebers Nemers, sogar 7, 262 b ein rechter Gebers Nemers. Wohl eine grobwitzige Umbildung der mhd. Bedeutungsnamen Gebhart und Nemhart. Gebäu, n.(-es, Pl.-e), üblicher Ge- bäude, n.(-s, Pl. wie Sg.): kunstgerecht Aufgebautes. Bei Luther gebero und gebenvde, mhd. gebiuze, md. geblae und gebäzbede, ge- bitide(daneben gebieze, geblze), ahd. ge- hiuwe und gabhid n.(daneben ahd. gebiuaveda, gebleda f.); dazu mnd. gebiuve und gebwete, gebiawte, gabnete n. Beide von bauen(s. d.). Gebauer, n., seltner m.(-S, Pl. wie Sg): Vogelkäfig. 1659 bei Butschky Kanl. 438. Verstärktes Bauer(s. d.). gebe, s. gäbe. Gebeier, von beiern(s. d.). Gebein, n.(-es, Pl.-e): Gesamtheit von Knochen(Beinen). Mhd. und md. gebeine, ahd. gibeini n., Kollektiv von Bein. Daneben md. gebeinde, geheinte, im 15. Jh. köln. ge- beinze, im 14. Jh. nrhein. gebenze, mnd. ge- bénte, gebeinte n. Gebelfer, n.(-vs): anhaltendes Belfern. Bei Stieler 1691 Gebelfere, bei Schuppius 847 Gepelver, beim j. Goethe 3, 524 Gepelfere. Gebell, n.(-es): wiederholtes Bellen. Im 14. Jh. gebelle n.(Monumenta boica 39, 278). geben, verb.(Präs. gebe, gibst, gibt— die früher übliche Schreibung giebst, giebt ist beseitigt—, Prät. gab, Konj. gäbe, Part. gegeben, Imp. gib): zu Annahme, Empfang bieten. Mhd. geben, ahd. geban; dazu asächs. geban, mnd. und mndl. geven, ags. gifan, engl. give, afries. geba, jeva, anord. gefa, schwed. gifva, dän. give, got. giban. Das ge- meingermanische Wort, das die in den übrigen Sprachen auftretende Wurzel do geben» ver- tritt, ist in den andern Sprachen noch nicht nachgewiesen. Man stellt es zu lit. gabénti cherbeischaffen, bringeny, air. gabim aich nehme?, womit nichts gewonnen ist. Vgl. noch Walde s. v. habére. Das Präs. bei Luther gibst, gibt, Imp. gib, daneben seit dem 17. Jh. die Formen mit ie(Schuppius, Fleming, Gottsched). Das unpersönliche es gibt mit dem Akk. der Sache(im 16. Jh. es giht, mhd. eg gibt Märe vom Feldbauer 239) bed. es bringt hervor, es wird werden, dann es ist oder sind vorhandeny». 4B L. Geber, m.(-s, Pl. wie Sg.): der Gebende. Mhd. geber, ahd. gebari, mnd. gever m. Ur- sprünglicher mhd. gebe, ahd. gebo, asächs. gebo, ags. gifa m.«Geber)ꝰ. Gebet, n.(es, Pl.-): Bitte, Rede an ein höhres Wesen. Mhd. gebet, ahd. gihet, gabet n.; dazu asächs. gibed, ags. gebed, ge- bedd n. Das zugrunde liegende ahd. bet, mhd. het, bete n.(noch bei Luther Bet, Bett n.) Bitte, Gebety, ist mit ahd. beta, mhd. bete f.«Bittey abgeleitet von bitten(s. d.), nicht von beten, das erst von ahd. bet sich bildete. Die Nebenform Gebete n. bei Luther und noch Wieland Amadis 2, 166, Rückert 1, 122, mhd. gebete f. Gebettel, n.(à): wiederholtes Betteln. 1741 bei Frisch. Gebhart, Mannsname. Mhd. Gebehart, ahd. Gehahart(geba«Gabey, hart æstarko). Gebiet, n.(-es, Pl.-e): Bereich des Be- fehlens. Mhd. gebiete, gebiet n. f., md. ge- bike, gebit n.«Befehl Gebot, Territorium, Gerichtsbarkeit, Botmäßigkeity; die Form Gebiete noch bei Fleming 120, Haller 224, Lessing 6, 476, Schiller Demetr. 2, 2. Von gebieten, v.(Präs. Prät. gebot, Konj. ge- höte, Part. geboten, Imp. gebiete): wozu hin seinen Willen bieten, zur Befolgung nötigend seinen Willen kundtun. Im Präs. älternhd. du gebeutst, er gebeut, Imp. gebeut(mhd. gebiutest, gebiutet, Imp. gebiut), bei Luther und noch altertümlich bei Goethe, Schiller, H. v. Kleist. Mhd. gebieten, ahd. gabiotan, gibiotan; dazu asächs. gibiodan, mnd. gebéden, nnd. gebéen, mndl. ghebieden, nndl. gebiedden, ags. gebéodan, zusammenges. mit bieten(s. d.). 452. Gebieter, m., mhd. gebietcœre, ge- bieter m.; davon Gebieterin, f., mhd. ge- bietœrinne, gebieterinne, gebieterin f. gebie- terisch, adj., 1711 bei Rädlein, dafür 1678 bei Krämer gebietisch. Gebietiger, m.: Befehlshaber, mhd. gehietegœre, md. gebrtegére m., jetzt nur noch altertümlich gebraucht. Gebilde, n.(-s, Pl. wie Sg.): zusammen- gesetztes Bild; feine Leinewand mit einge- wobenem Bildwerk(am Nieder-, Mittel- und Oberrhein. In der 1. Bed. mhd. gebilde n. «Form der äußern Erscheinung, Gestalt, Stern- bildy, ahd. gebiliche n.; dazu mnd. gebilde, ge- belde(auch Vorbild, Beispiel) n.; im ältern Nhd. ist das Wort entschwunden, bis es 1766 bei Klopstock Oden(1771) S. 213 in dem auffälligen Pl. Gebilder, sowie S. 241 in ihr Gebild aus dem J. 1767 wieder auftaucht und bald in Aufnahme kommt. gebildet, adj., eig. Partizipium vom v. bilden«mit Bildern verzieren; ein plastisches Kunstwerk hervorbringen»(so noch in wohl- 637 Gebinde Gebrech 638 gebildet). Auf das Geistige übertragen erst bei Herder. Subst. der Gebildete seit der zweiten Hälfte des 18. Jh. Gebinde, n.(-s, Pl. wie Sg.): Zusammen- gebundenes, als Garnmaß 20 oder 40 Fäden (1715 bei Amaranthes, schon mnd. bindt n. 60 Fäden»); Gefäß, Faß, bes. im Wein- und Bierhandel(1734 bei Steinbach). Mhd. ge- hinde n.«Bandꝰ, gebint n.«Verbindungy. Von binden(s. d.). Gebirge, n.(-S, Pl. wie Sg.), gekürzt Gebirg: Gesamtheit von Bergen. Mhd. ge- birge, ahd. gibirgi, gabirgi n., Kollektivum von Berg(s. d.). Die Schreibung Gebürge bei Wieland, Herder, Schiller, Goethe usw., Gebürg bei Fischart, Grimmelshausen usw., schon 1401 gebürge(Frankf. Reichskorr. l, 92), darauf beruhend, daß in mhd. und früh- nhd. Zeit bei Orts- und Burgnamen haäufig Berg und Burg wechseln und sich vermengen. Davon gebirgig, adj., 1616 bei Henisch ge- hürgig. gebirgisch, adj.: aus dem Gebirge stammend, ihm eigentümlich, bei Gellert ge- bürgisch, 1590 bei Albinus Bergehron. 86 alpgebirgisch, im 15. Jh. gepirges bei Schilt- berger 105 N., neben pirgesch 87. Gebiß, n.(Gen. Gebisses, Pl. Gebisse): Mauleisen des Zaumes; Gesamtheit der Zähne als Werkzeug zum Beißen(Ende des 15. Jh. bei Harff Pilgerfahrt 137, 14 gebyss);(rhein.- wetterauisch) vieles wiederholtes Beißen(schon ahd. gabiz«mordacitas»). In der 1. Bed. mhd. gebiz, ahd. gabiz, gibiz, mnd. gebit n. Subst. zu beißen(s. d.). Gebläse, n.(-s, Pl. wie Sg.): die Blase- bälge eines Ofens oder einer Orgel; Venti- lationsapparat. In beiden Bed. 1562 bei Ma- thesius Sarepta 100 b geplese und 208 5 geblese, 211 b gebleß. Subst. zu blasen(s. d.). geblümt, adj.: mit Blumen geschmückt. Mhd. geblüemet, Part. von blüemen und ge- blüemen«mit Blumen schmücken), dann über- haupt schmücken, verherrlicheny. Geblüt, n.(-es), unverkürzt Geblüte: Gesamtheit des Blutes im Körper(spätmhd. geblüete n.); Blutsverwandtschaft(bei Luther); Volksabstammung, Volksart(bei Luther Stücke in Esther 6. 8);(md. und schweiz.) monat- liche Reinigung. Kollektivum von Blat. Gebot, n.(-es, Pl.-e): Willenserklärung zur Befolgung, Befehl; Anerbietung bei Kauf und Versteigerung. Mhd. gebot n.«Befohlenes wie Angebotenes»(auch Einsatz im Spiel), ahd. gabot, gibot n.; dazu asächs. gibod, mnd. gebodl, gebode, mundl. ghebot, afries. ebod, ags. gebod n.«Gebot, Befehly, neben gleichbed. mhd.-mnd. bot, ags. 50d, anord. bod n.(auch Einladung, Aufforderung). Subst. zu hieten und gebieten(s. d.). Vgl. botmäßig. Gebräme, n.(s, Pl. wie Sg.): Rand- besatz, Besatz am Kleide. Bei Luther Jes. 3, 20 gebreme, mhd. gebrœme und gebreme n., von mhd. brœmen, bremen(s. Brame). Gebrau, n. m.(-es, Pl.-e): einmaliges Brauen; das durch éin Brauen gefertigte Ge- tränk. Nürnbergisch im 14. Jh. gebrazo n. (Nürnb. Pol.-Ordn. 212, 7), md. im 14. Jh. gebrie n. m. Subst. zu brauen(s. d. und Gebrãude). Gebräu, n.(-es, Pl.-e): auf éinmal Ge- brautes. Im 15. Jh. bei Wolkenstein Nr. 91, 32(Schatz) gepreu, bei Rosenblut gepreü n. Abgeleitet von brauen(s. d. und Gebräude). Gebrauch, m.(es, Pl. Gebräuche), statt des nur noch altertümlichen Brauch(s. d.). Mhd. gebräch m. Benutzung⸗, dann Ge- wohnheit, Sittey; dazu mndl. ghebrüc Ge- nußy. Subst. zu gebrauchen und brauchen. gebrauchen, v.: in bestimmter Beziehung brauchen, mhd. gebrüchen, ahd. gabrhchan cbenutzen genießen⸗; dazu mnd. gebraäkcen, mndl. ghebrälcen, nndl. gebruilcen, ags. stark- biegend gebräcan(völlig genießen). ge- bräuchlich, adj.: in Gebrauch(Gewohn- heit) befindlich, gewöhnlich gebraucht, 1482 bei Melber Ff 6a gebruchlich, bei Luther ge- breuchlich«zum Gebrauch dienend», mhd. in der Bed. genießend gebrhchlich, Adv. ge- brachliche. Gebräude, n.(-S, Pl. wie Sg.): wie Ge- hräu(s. d.). Md. 1457 gebrinbedde, 1438 ge- kwmauodde n.(Germ. 28, 366). Abgeleitet von brauen(s. d.). Gebrause, n.(-s, Pl. wie Sg.): ein wie- derholtes Brausen. Md. im 14. Jh. geprüse n. Subst. zu brausen(s. d.). Gebrech, m. n.(es, Pl.-e): hörbares Brechen; Gebrechen(Klopstock Mess. 4, 198 Gebrech n.). Mhd. gebrech n. und gebyeche m., ahd. gapreh, gipreh n. Gekrache, lautes Ge- töses. Gebreche, n.(-s, Pl. wie Sg.): von Wildschweinen umgebrochener Boden, auch der Rüssel der Wildschweine, weidmännisch 1763 bei Heppe Gebräch, mhd. gebrechen. umge- brochenes Bauland, Brachland. Gebrechen, n.(8, Pl. wie Sg.): fühlbarer Mangel. Md. im 13. Jh. und 1385 gebrechen n. Mangel, Fehler?(Städtechr. 1, 240, 22), der subst. 639 Gebreit Geburt 640 Inf. des Zeitworts gebrechen(s. d.), vermengt mit mhd. gebreche m. Abgang, Mangel, Be- schwerde, Krankheit», Mitte des 15. Jh. ge- hrechen m. Städtechron. 2, 329, 11, älternhd. Gebrech m.(Luther 1, 66 ², Duez 1664), Ge- hrechen m.(Luther 4, 108 b, Schuppius 242). gebrechen, v.: fühlbar mangeln. Mhd. ge- brechen intr.«brechen, mit Gewalt dringens, gegen einem«von ihm abfallen, ihm untreu werdeny, gebrechen an einem«von ihm weichen, ihm mangeln», ebenso mir gebricht ein dine oder unpersönl. eines dinges oder an einem dinge; dagegen trans. mhd. gebrechen«brechen, wegbrechen, Abbruch tun, verwehren, unter- werfen», ahd. gibrechan, gaprechan und asächs. gibrekan«zerbrechen», got. gabrikan zer- brechen, niederwerfen». gebrechlich, adj.: mangelhaft; mit einem Körperschaden be- haftet, in beiden Bed. mhd. gebrechlich; dazu Gebrechlichkeit, f., mhd. gebrechlicheit f., 1274 gebrechlickeit(Germ. 28, 366). Gebreit, n.(-s. Pl. wie Sg.): sich aus- breitendes Gelände(Goethe 13, 24; 50, 219 Gebreite). Daneben Gebreite, f.(Pl.-n): ein Feld von gewisser Größe. Mhd. gebreite f. «Ackerbreite, sich ausbreitendes Ackerge- länden, ahd. gibreitta f. neben gabraite, ge- breite n. Subst. zu breiten(s. d.). Gebresten, n.(-s, Pl. wie Sg.): Mangel, Gebrechen; herzbrechender Kummer, Brast (s. Braßß). Der subst. Inf. des älternhd. Zeit- worts gebresten(mhd. gehresten, ahd. gibrestan «fühlbaren Mangel woran haben»), schon im 14. Jh. md. gebristen n.«Mangel», vermischt mit älternhd. Gebresten m.«Mangel»(1537 bei Dasypodius), 1578 bei Olinger 51 gepräst, mhd. gebreste m. und gebrest m. n. cBruch als Schaden, fühlbarer Mangel», md. im 14. Jh. gebrist, ahd. im 11. Jh. gibrist m., neben einfachem mhd. brest und breste, ahd. Dresto m.«Mangely, Subst. zum mhd. Verbum hresten, ahd. brestan(s. bersten). Gebrüder, Pl.: Brüder als zusammen- gehörig. Mhd. gebruoder und gebrüeder, md. gebrädere, ahd. gibruoder Pl.; dazu asächs. gibrõdar, ags. gebrõdor, gebrõdra, gebrõch'u Pl. Vgl. Gescheoister. Gebrüll, n.(-es), unverkürzt Gebrülle: wiederholtes Brüllen. Mhd. gebrülle n., Subst. zu brüllen(s. d.). Gebrumme, n.(-S), gekürzt Gebrumm: wiederholtes Brummen. 1595 bei Rollen- hagen Froschm. 3, 3, 12, 89 Gebrum, 1663 bei Schottel 1004, 17 Gebrümme. gebschnitzig, adj.: gern gebend, frei- gebig. Im westlichen Mitteldeutschland(auch gebschnützig, gebschnetzig). Spätmhd.(hess.) in einer 1428 vollendeten Handschr. der h. Elisabeth gebesnytzig, im 14. Jh. gebesnitz (Elisabeth 7930) vverschwenderisch mit Geben'. Gebücke, n.(-es, Pl.-e): zur Grenze, besonders aber zur Schutzwehr gegen den Feind angelegte dicht verwachsne hohe Hecke. Am Mittel- und Oberrhein(Gebucke, Gebücke, Gebicke, Gebick). 1469 aus Nassau gebucke n. ineinander gebognes und verflochtnes Gebüsch als Waldgrenze»(Arnoldi Beitr. 110), ebenso 1320 aus dem Unterelsaß(Weist. 1, 670) und im 14. Jh. ndrrhein. gebucke n.(v. d. Hagens Germania 6, 260, 337), aber in der Bed.«ver- flochtne Heckenschutzwehr 1366 gebucke n. (Gudenus Cod. dipl. mogunt. 2, 1159), Subst. zu mhd. büchen, md. backen«biegen, nieder- biegen»(s. bäüchen). Davon im 15. Jh. das Adj. gebuckt, gebickt«von einem Gebllck umgeben»(Weist. 3, 488 und 5, 319, 4). Gebühr, f.(Pl.-en): was sich gebührt (spätmhd. gebir n.); gebührender Anteil (westfäl.rhein. im 14. Jh. gehur n. Germania 20, 36, mrhein. im 15. Jh. gepürre, gepurre n.), schuldige Abgabe(Gebir f. bei Luther), ge- bührende Zahlung, Kosten(1583 bei Mone Anz. 8, 166, bes. im Plur., 1691 bei Stieler). Ahd. giburi f. in andrer Bed.«casus, sors, eventusy, aber got. gabaur n.«Steuer». Vgl. Meringer Idg. Forsch. 18, 205. Von ge- bühren, v.: als angemessen zukommen. Bei Luther gebiren, mhd. gebürn, aber fast nur md. vorkommend geburn, geborn, trans. cheben), intr.«sich erheben für jem., wider- fahren, zuteil werden, rechtlich zukommen?, refl.«sich ereignen», ahd. giburjan, giburren cals angemessen zukommen, sich ereignen?; dazu asächs. giburian«sich zutragen, statt haben, den Verlauf haben, mnd. geboren czukommen», ags. gebyrian«sich begeben, ereignen, als angemessen zukommen», anord. byrja æ«sich ziemen». Das einfache mhd. bürn, md. burn, born, burren, ahd. bar.jan, barren erheben, hervorbewegen, in die Höhe halten, mnd. boren cheben?, ist gleichen Stammes wie mhd. bern, ahd. beran, zum Vorschein bringen, tragen»(s. gebären). gebührlich, adj., mhd. gebürlich, md. gebor- lich, and. giburilic«gebührend, gelegen, recht»; davon Gebührlichkeit, f., spätmhd. gebürlichkeit, md. im 15. Jh. giborlichkeil. Geburt, f.(Pl.-en): das Zurweltbringen; 641 Gebüsch gedenken 642 das Zurweltgebrachte. Mhd. geburt, ahd. giburt, gaburt f., dazu asächs. gibard, mnd. gehort, geburt, ags. gebyrd f., engl. birth, anord. burdr m., got. gabaurps f. Wie das einfache mhd.-ahd. bart f.«Geburte zu ahd. beran (s. gebären). Urverwandt mit aind. bhytig f. cdas Tragen, Unterhalt, Pflegey. 4BL. gebürtig, adj.: örtlich herstammend, mhd. gebaurtich, ahd. giburtig neben einfachem mhd. bürtec, ahd. burtig(s. bürtig). ZUS. Ge- burtstag, m. bei Luther, mhd. gebarttac, ahd. giburtitag, giburtdag und giburtitago m. Gebüsch, n.(-es, Pl.-e): Gesamtheit von Büschen. Unverkürzt Gebüsche(Wie- land 23, 292, Goethe 2, 89). Mhd. gebüsche, md. 1375 gepusche(Schäfer Sachsenchronik 1, 385). Kollektiv von Busch(s. d.). Geck, m.(ten, Pl.-en): alberner einge- bildeter gefallsüchtiger Mensch. Md. im 14. und 15. Jh. gec, gecke, ndrhein. im 14. Jh. geck m., oberd. Ende des 15. Jh. gecke, gück m.«Narry, ebenso mndl. gheck,(entlehnt aus dem Ndd.) däün. gjälc, schwed. gäck, isländ. gilcker m., mnd. geck adj.«töricht, närrischy, urspr. wie es scheint«drehbar, verdreht», daher mnd. geck m. drehbarer Deckel eines Gefäßes, die Stange, woran das Hauptsegel befestigt ist, verdrehtes gestörtes Gehirn der Kälber». Starkflektiert bei Lessing 6, 502; 7, 27. Im 16. bis 18. Jh. nordd. Jeck(1505 Rö- moldt Laster d. Hoffart 4, 4, Homburg Clio F 4, Hoffmannswaldau Ged. 6, 342). Nicht verwandt mit mhd. giege m.«Narry, giegen cäffen», wohl aber mit schwäb.-östr. gagg m. «einfältiger Mensch, Tölpel». Weitere Her- kunft unbekannt. Vgl. aber Uhlenbeck Btr. 26, 290. 4BL. gecken, v.: empfindlich zum besten haben, narren, ndrhein. im 14. Jh., spätmhd. im 15. Jh. und mnd. gecken, mndl. ghecken. geckenhaft, adj., 1796 bei Adelung geckhaft, bei Goethe 7, 146 Adv. geckenhaft. Geckerei, f., spätmhd. im 15. Jh. geckerie f. geckisch, adj., 1482 im Voc. theut. Pb 43. Gedächtnis, n.(-hisses, Pl.-nisse): das Denken woran; Fähigkeit im Geiste festzu- halten(im 14. Jh. bei Megenberg 4, 31 ge- dœchtniss). Bei Luther Gedechtmis n. f., mhd. gedcœhtnisse, nüsse n. f.,«Andenken, Erinne- rung», ahd. githehtnissi«Andacht, Gelübde». Von gedacht, ahd. gidãht, Part. von gedenken und denken(s. d.). gedackt, von Orgelpfeifen: mit einem Deckel bedeckt. 1691 bei Stieler, aus mhd. gedact, dem Part. Prät. von decken(s. d.). Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. Gedämmer, n.(s): das Dammern. Mhd. gedemer n.«Dämmerung, Dunkel», zu ahd. demar m.«Dämmerung». Gedanke, m.(-ns, Pl.-n): mit Urteil verbundene Vorstellung. Bei Luther Luk. 9, 46 ein gedlancken, bei Lessing 3, 21 u. ö. Gedanke f., mhd. gedanke m. und starkflekt. gedanc m., ahd. gadlanc, gidanc m.; dazu asächs. githanco m., ags. geponc m. n. Gedankes. Zu denken. ZUS. Gedankengang, m., bei Campe als neu. gedankenlos, adj., 1755 bei Rabener 4, 110. Gedankenstrich, m., 1775 bei Adelung. gedankenvoll, adj., im 17. Jh. bei S. Dach 865 Osterley. Gedärm, n.(-es, Pl.-e): Gesamtheit der Darme des Körpers. Mhd. gederme, md. auch gedirme, ahd. gidermi n., Kollektiv zu Darm. Gedeck, n.(tes, Pl.-e): das vollständige Tischzeug. 1775 bei Adelung. Mrhein. im 14. Jh. gedeck n.«worüber schützend zu Deckendes⸗(Weist. 4, 622, 25), ahd. gideki ctectumy, mnd. gedecke n. zLimmerdeckes. Davon verschieden spätmhd. gedecke f.«Decke worübery. Beide Subst. zu decken(s. d.). gedeihen, v.(Prät. gedlieh, Konj. gediehe, Part. geclichen): vorwärts, in einen vollkom- meneren Zustand kommen. Mhd. gedlihen (Prät. gedéch, Plur. gedigen, Part. gedigen), auch gedien, ahd. gidihan; dazu asächs. gi- thahan, mnd. gedien, gedligen, ags. gebéõon, got. gapeihan. Das einfache nhd. nur noch dich- terisch vorkommende deihen, mhd. dihen, ahd. dähan, asächs. thahan(nebst dem Faktitivum thengjan in a-, anthengjan«vollbringen, vol- lenden»), ags. Fon, got. peihan«wachsen, zu- nehmen, vorwärts kommeny gehört zusammen mit lit. tenka, Inf. tetti«hinreichen, sich hin- erstrecken», tänkaus«dicht, dicht zusammen- stehendyꝰ, air. co-técim«coagulo», tõöcad, kymr. tymged«ᷣGlück, aw. tawma-«tapfer, tüchtig», Superl. tanéista-. Es hätte also im Germa- nischen ein Ubertritt von der e- in die i- Reihe stattgefunden. Vgl. noch Zupitza Gutt. 140 und Osthoff Idg. Forsch. 8, 140. Dazu Part. asächs. githungan, ags. gebungen voll- kommen»(s. gedliegen). Aus dem Germani- schen entlehnt ital. tecchire, afranz. fehir «wachsen). 4L. gedeihlich, adj., 1648 bei Weckherlin 2, 189, 44 F. gedeylich, 1663 bei Schuppius 725 gedä'ulich. gedenk, adj., dichterisch für eingedenk 6. d.), bei Schiller, Goethe. In den Wörter- büchern fehlend. gedenken, v.(Prät. gedachte, Konj. ge- 41 643³ Gedicht Geest 644 dãchte, Part. geddacht): denken(Hagedorn Od. 50, Lessing 11, 113); lephaft, innig an jem. oder etw. denken, eingedenk sein, im Sinne haben(mit Gen., aber auch mit Dativ der Person und Akk. der Sache, Goethe Tasso 3, 2). Mhd. gedenken(Prät. gedähte, Part. gedäht) intr. denken», dann ceingedenk seiny mit Gen.,«zudenken, bestimmeny mit Gen. und Dat., trans.«auf einen Gedanken kommen, ausdenken, zu Ende denken» mit Akk. oder Inf., ahd. gadenchan, githenken; dazu asächs. githenkean«denken, erdenken?, ags. gepencan, gehencean«denken, gedenken, bedenken, be- sorgen, worauf denken». Auch substantivisch Gedenken, n.: das Denken(mhd. gedenken n.); Erinnerung(bei Luther). Gedicht, n.(-es, Pl.-e): geistiges Er- zeugnis in Versen. Unverkürzt Gedlichte (Gellert 4, 80, Lessing 3, 15, Uhland 104), mrhein. 1469 gedichte n.(Voc. ex quo), mhd. getihte, getint n.«schriftliche Aufzeichnung, niedergeschriebenes dichterisches Erzeugnis, Erdichtung, Betrug(Fälschung), Dichtkunst, Kunstwerk». Subst. zu dichten(s. d.). gediegen, adj.: durch Austrocknung, durch Ausscheidung fremder Bestandteile rein, zusammengedrängt und fest;(bildlich) lauter, rein, echt, gehaltvoll, vollkommen, vortrefflich. 1482 im Voc. theut. K 4a ge- diegen, mhd. gedigen, ahd. gidigan, gadigan cvorwärts gekommen in der Zeit, ausge- wachsen, reif, fest, hart, trocken, lauter, rein, gehaltvoll, tüchtig», asächs. githigan, das als Adj. gebrauchte Part. Prät. von gedeihen (s. d.). Von Edelmetallen 1546 bei Agricola interpret. rer. metall. 474 fg. und 1557 im Bergbuch 80. 43. Gediegenheit, f., mhd. gedigenheit f.«Tüchtigkeity, ahd. ge- digenheit f.«Wachstumꝰ. Gedinge, n.(*s, Pl. wieSg.): endliche Uber- einkunft worüber; Mietwohnung(Apostelg. 28, 30). Mhd. gedinge, ahd. gidingi n.«Ge- richt, Ubereinkunft, Vertrag, Versprechen, Bedingung», von ahd. dingbn dingen»(s. d.). Verschieden von mhd. gedinge m. f. n., ahd. giclingo m. und gidingi f. n.«das Rechnen worauf, Zuversicht, feste Hoffnungy, von ahd. dingén«worauf rechnen, hoffen», das aus gleichem Stamme wie dingön entsprossen ist. Gedöber, n.(-s): angelegentliche Be- sprechung. Jüdisch-deutsch. 1584 bei Ma- thesius Hochzeitpred. 202. Subst. zu döbern s. dibbern. Wetterauisch Gediwwer n. Gedrang, n.(-es): das Sichdrängen. Mhd. gedranc m. n.«Gedränge, Drangsal?, mud. gechrang Bedrängung». Verstärktes Drang. gedrang, früher gedrange, adj.: eng bei- sammen(gedrängt), enge. Bei Wieland 18, 99. 22, 233, Schiller 11, 241. Mhd. gedrenge «gedrängty, Adv. gedrange«mit Drängen, fest, innigy. Von dringen(s. d.). Gedränge, n.(-s, Pl. wie Sg.): das Sich- drängen, die sich drängende Menge. Mhd. gedrenge, ahd. gidrengi n., Kollektiv von Drang. Gedresche, n.(*s): wiederholtes Dreschen oder Draufschlagen, spätmhd. gedresche n., Subst. zu dreschen(s. d.). gedritt, adj.: aus drei bestehend, drei- fach. Anfang des 16. Jh. gtrytt bei Lenz Schwabenkrieg 112 fg., abgeleitet von dritt (§. d.). Dafür mhd. gedriet, Part. von dyien «verdreifachen». gedrungen, adj.: fest zusammen, dicht, vom fleischigen Körper 1511 bei Keisers- berg Granatapfel 11² getrungen, eig. Part. Prät. von dringen(s. d.). Davon Gedrungen- heit, f., im 19. Jh. Geduld, f.(ohne Pl.): ertragende Seelen- milde. Bei Krämer 1678 und Stieler 1691 Geduld, älternhd. bis ins 19. Jahrh. Gedult (Günther 21, Haller 192, d. j. Goethe 2, 462), mhd. geckelt, geclalde, gedolt, ahd. gidult f.; dazu asächs. githuld, ags. gepyld f. Wie ein- faches mhd. dalt, ahd. dalt, thult und thalts f. Substantiv zu dulden(s. d.). Davon gedulden, v. refl., mhd. gedalden, ahd. githalten. ge- duldig, adj., 1664 bei Duez geduldig, älternhd. gediltig(bei Luther), mhd. gedultec(auch ge- lassen, nachsichtig), ahd. gidaltic, ags. gepyldig. gedunsen, vgl. aufhedunsen. geeignet, partiz. Bildung zu eigen, sich eignen, erst 1801 von Campe eingeführt statt geeigenschaftet(16. Jh.), gualificiert. Geescha, f.(Pl.-s): Teemädchen. In neurer Zeit aus dem Japanischen durch eng- lische Vermittlung entlehnt. Geest, f.(Pl.-e): hohes trocknes Sand- land. Niederdeutsch. Altfries. göst, gäst, mnd. 1139 gést, sonst geesl, gãst f., aus fries. gäst unfruchtbar». Dazu ags. güsne cun- fruchtbary, ahd. Keisenl, Keisinl f.«Unfrucht- barkeit, Keisen«Bedürftigkeity(Notker Ari- stotel. Abhandl. 73, 128). Diese Formen weisen auf urgerm. gais. Daneben stehen aber Ahn- liches bedeutende Formen mit u-Vokalismus: nd. guüst plõgen«brach ackerny, güst, göst, gost«unfruchtbar»(von der Kuh), mnd. gaste, ndl. gust, ebenso schweiz. gust, güst«unfrucht- 645 Gefach gefallen 646 bar, keine Milch gebendv. Wie sich diese Formen zueinander verhalten, ist unklar. ZS. Geestland, n., 1663 bei Schuppius 607, afries. gést-, gãstlond n. Gefach, n.(‧HI, Pl.-e): Fach. Westdeutsch. 1678 bei Krämer. Gefahr, f.(Pl.-en): überkommendes Ubel, drohender Nachteil. Spätmhd. geuväre f.«Hinterlist, Betrug, böse Absicht?, in der heutigen Bed. bei Luther 1, 405 b und im Teuerdank 98, 156, zusammenges. mit Fahr (s. d.). RA. G. laufen«sich einer Gefahr aussetzen», eig.«hineinlaufen», 1716 bei Lud- wig, aber noch bei Steinbach 1734 in G. laufen. Kaufmännisch 1678 bei Krämer auf euer G. cauf euer Risiko und Kosten». Gefährde, f.(Pl.-n): Hinterlist, böse Absicht; Gefahr(Goethe 1, 248, röm. Eleg. 12). Mhd. gevcxærde f. n., md. gevérde, geuérd «Hinterlist, Betrug, böse Nebenabsicht», neben gleichbed. mhd. gevœre f. n., md. gevére, gevér (vgl. ohngefähr), älternhd. im 16. u. 17. Jh. Geferde, Geftirde f.«Gefahrs, seit dem 18. Jh. nur noch altertümlich; dazu mnd. gebéörde n. &Hinterlist, Gefahr», mndl. gheveert. Ver- mittelst-de(s. d.) abgeleitet von ahd. färéyn, mhd. vären«nachstellen»(s. befahren, Fahr). gefährden, v.: in Gefahr bringen. Mhd. (md.) selten gevérden(Kulm. Recht 5, 21), dann erst wieder bei Stieler 1691 gefärden, seit Adelung 1777 aufgekommen für das im 16. und 17. Jh. gebräuchliche gleichbed. ge- fehren, gefähren, mhd. geuœren chintergehen, betrügen⸗, neben ahd. gifärén«nachstellen, streben», mhd. gevären(auch gefährden), noch schweiz. gefahren Gefahr laufeny. gefährlich, adj.: mit drohendem ÜUbel verbunden(1537 bei Schaidenreisser Odyss. 52 b gefärlich). Mhd. geucxærlich chinterlistig, verfänglich», neben mhd. vœrlich, md. vérlich chinterlistig, mit Gefahr verbundeny, älter- nhd. fehrlich, fährlich, ahd. im Adv. färlihho cheimlich, plötzlich, ags. fcνέrlic, Adv. feνrllce «plötzlich». Wie das mhd. Adj. gevcere, md. gevére, gevér«heimlich nachstellend, hinter- listig, feindselig, versessen worauf»(so noch wetterauisch gefér), ahd. giväri, abgeleitet von ahd. färén, mhd. vären cnachstellen» (. befahren, Fahr). Dazu Gefährlichkeit, f., 1517 im Teuerdank 98, 179 geferlichait f. Gefahr, im 15. Jh. gevärlichait, geverlichait f. «Feindseligkeit, Betrugo, md. im 14. Jh. vér- lichkeit f.«Bedrohung durch Ubel», bei Luther 2. Kor. 11, 26 Ferligkeit. 1Gefährte, m.(-n, Pl.-n): Fahrt-, Weg- genosse. Mhd. geverte, ahd. gafarto, giferto, giverto m., bei Luther Geferte, noch im 18. Jh. Geferte, Gefehrte, 1678 pei Krämer Gefährte, schwankend im 17. Jh. Geferde, Gefehrde, Gefährde. Abgeleitet von Fahrt(s.d.). Dazu mnd. geverde m., mit andrer Bildung mndl. gevaer und ags. geféra m. 4BL. Gefährtin, f., mhd. gevertin f. ²Gefährte, Gefährt, n.(*I, Pl. wie Sg.): Fuhrwerk(1616 im bayr. Landrecht); Fahr- zeug(Huber bei Schiller 4, 166, 8); Aufzug. Mhd. geverte, gevert n.«Fahrt, Weg, Zug, Reise, Gesinde, Aufzug, Erscheinung, Be- nehmen, Lebensweise, Lebensverhältnisse, Schicksal, Umstände», spätahd. geverti n. «Gang, Benehmeny, abgeleitet von ahd. fart «Fahrt»(s. d.) als dessen Kollektiv. Dazu mnd. geverde, gevere n.«Gefährt, Fahrt, Zug, Aufzug, Ereignis», mndl. geveerde, geveerte und gevaerde, gevaert. Weidmännisch Ge- fährt n. und f.«Fährte», 1719 bei Fleming t. Jäger 95¹, zusammenges. mit Führte(s. d.). Gefalle, m.(-ns), gewöhnlich Gefallen, m.(-s): was einem gefällt, angenehmes, zu- neigendes Gefühl wovon, gefälliges Tun. Der Nom. Gefalle(bei Lessing 1, 591 u. 8, 196, Goethe an Riemer 2. April 1829) ist noch mitteldeutsch; der Akk. Gefallen m. ist seit dem 16. Jh. belegt(Amos 5, 22), offenbar hat das älternhd. Gefallen n.(bei Alberus 1540 und Maaler 1561) seinen Einfluß geübt. Mhd. geval(Gen. gevalles) m.«Fall, Zufallꝰ, dann«Wohlgefallen» näch gevalle(einem ze gevalle leben, aber spätmhd. ze gevallen Kumen cgefällig werden» Vintler 8582), ahd. gival m. cdas Fallen der getöteten und verwundeten Krieger». Von Fall(s. d. und gefallen). Gefälle, n.(-s, Pl. wie Sg.): das Fallen; Baumsturz d. i. vom Baume herabgestürztes Gehölze; wovon zu Entrichtendes, Abgabe; stark trinken können. Mhd. gevelle n. das Fallen, Fall des Wassers, Absturz, Baum-, Felssturz, Geklüfte, guter Fall der Würfel, Glück, im 14. Jh. gefelle n. die einem zu- fallende Abgabe, fälliger Zins»(Städtechron. 9, 601, 28), ahd. gefelli n.«Einsturz», mud. gevelle n. Zufall, glückliches oder böses Schicksal». Substantivbildung zu Fall(s. d.). gefallen, v.(Präs. gefalle, gefällst, gefällt, Prät. geftel, Konj. gefiele, Part. gefallen): an- genehmes, zuneigendes Gefühl für sich er- wecken. Mhd. gevallen, ahd. ga-, gifallan cfallen, zufallen, sich fügen, angemessen sein, 41* 647 gefällig geflissen 648 dann in der heutigen Bed.(mhd. immer mit dem Zusatz wol, baz, beste, übele), die von der Beute- oder Erbteilung durchs Los aus- gegangen ist, urspr. mir gevellet eg wol oder übele«mir fällt ein gutes oder schlechtes Los zu, ein willkommenes oder unwillkommenes». ZUS. Gefallsucht, f., von Campe als Ver- deutschung von Koketterie gebildet(s. Hey- natz Antibarb. 2, 16), ebenso das Adj. ge- fallsüchtig für kokett. gefällig, adj.: wohlgefallend, gelegen; Gefallen erweckend, freundlich, anmutig. Mhd. gevellec, gevellic, ahd. gefellig«zufallend, an- gemessen, passend, schicklich, günstig, an- genehm; dazu mnd. gevellich«gefallend, paß- lich⸗, ndl. gevallig. Adjektivbildung zu ge- fallen und Gefallen. 4L. Gefälligkeit, f.: gefälliges Tun(1691 bei Stieler); gefälliges Wesen, Anmut(Günther 177); Wohlgefallen (Goethe 24, 67). Mhd. gevellekeit f.«göttliches Wohlgefallen, Huld», 1482 im Voc. theut. k5 b gefelligkeit, bequemkeit«Paßlichkeity. Gefangenschaft, f.: das Gefangensein, mhd. 1383 gevangenschaft f.(Mone Ztschr. 6, 111). gefänglich, adv.(und dann adj.) zum Part. gefangen, mhd. im Adv. gevangen- liche, gefenglichen«nach Art eines Gefangenemw, als Adj. 1519 bei Murner Gäuchmatt v. 943. Gefängnis, n.(-nisses, Pl.-nisse): Ent- ziehung der Freiheit; Ort der Gefangenen (1476 bei Kriegk Bürgertum 2, 353 gefengnis). Mhd. gevancnisse, gebencnisse, gebancnusse f. n.«Gefangenschaft, Gefangennahme», neben gleichbed. vancnisse, venchisse f., dazu mnd. gevenlenisse n., mndl. gevancnesse, undl. ge- vongenis f. Von fangen(s. d.). Gefäß, n.(-es, Pl.-e): Geschirr, Behälter; Wasserfahrzeug(auf der Weichsel, wie 1464 foss n. Lastschiff auf dem Rhein», bei Mone Ztschr. 9, 29); am Degen die Stelle, wo man ihn faßt(1616 bei Henisch); Riemen, womit man den Falken faßt und hält, das Geschühe, die Fessel(1580 bei Sebiz Feldbau 570, mhd. gevazzede n.). Ursprünglich Substantivbildung zu fassen in verschiedenen Bed., wie ahd. givãzi n.«Proviantladungy, noch bayr. Ge- fäß n. die Ladung eines Isarfloßes»(schon im 17. Jh.), neben ahd. givagzidi n. Lasty, und md. geuéze n.«Schmuck, Ausrüstung» (h. Elisabet 904) zu mhd. vagzen, ahd. fazzön caufladen, beladen, ausrüsten, schmücken. Die wie ein Kollektiv zu Faß(s. d.) er- scheinende Bed.«Geschirr» ist mitteldeutsch, im 13. Jh. gevéze n.«Speise- und Trinkge- (holtes Flattern. schirr als Gesamtheit», ebenso im 14. Jh. gefése n.«Böttchergefüß»(Michelsen Rechts- denkm. 270), vom einzelnen Geschirr gevéeze n. 1343 bei Beheim Evangb. Marc. 7, 4; dazu mnd. gevete n. Die unverkürzte Form Gefäße n. noch bei Brockes 3, 195 und Goethe 2, 106. gefaßt, adj.: bereit(1642 bei Duez, im 16. Jh. gerüstet); innerlich vorbereitet(P. Fleming 341 gefast). Eig. Part. Pass. zu fassen und sich fassen. Gefecht, n.(es, Pl.-e): Kampf mit Waflen. Mhd. gevehte, im 15. Jh. auch ge- vicht, ahd. ga-, gifeht, einmal gifiht, ags. gefeoht n. Unverkürzt Gefechte n. noch bei Lessing 5, 32. Zu fechten(s. d.). Gefieder, n.(—s, Pl. wie Sg.): Gesamt- heit von Federn am Vogel, am Pfeil usw.; Gesamtheit von Vögeln(Schiller Tell 3, 3); Vogel(Lessing 1, 112). In der 1. Bed. mhd. gevidere, gevider, selten geveder n.&Gesamt- heit der Federn am Vogel, am Pfeil, auf einem Helm, im Federbett»; in der 2. Bed. Federvieh? 1482 gefieder(Voc. theut. k 4⁵). Kollektiv zu Feder(s. d.), wozu das Adj. md. geveder, ahd. gafedar«befiederty. gefiedert, adj.: mit Federn zum Fluge versehen. Bei Luther gefiddert, mhd. ge- vidert, ahid. gefideret, Part. Prät. von fiedern. Gefilde, n.(*s, Pl. wie Sg.): Gesamtheit oder Gebreite des Feldes. Mhd. gevilde, ahd. gifildi n.«freies Feld, Flachland. Kollektiv von Feld(s. d.). Der Plur. Gefilder bei P. Fleming 17 usw. und Wieland 31, 53 schon ahd. bei Notker Kefilder. Geflatter, n.(-S): unmittelbar wieder- 1741 bei Frisch. Im Ab- lautsverhältnis Geflitter und Geflatter bei Goethe 2, 89, md. im 14. Jh. geblitter n. cheimliches Lachen, Gekicher?. Geflecht, n.(es, Pl.-): Flechtwerk. 1482 im Voc. theut. K 5 b geflecht. Unverkürzt bei Goethe Faust 8367 Geflechten. Zu flechten(s. d.). geflissen, Part.: unausgesetzt woraufhin tätig, entschlossen; absichtlich. Mhd. ge- vlizzen, ahd. giflizan, giflizzan, Part. Prät. von ahd. lizan, giflizan, mhd. vllzen, gevlizen «Fleiß anwenden, sich befleißen»(s. Fleiß und befleißen). Davon Geflissenheit, f., im 15. Jh. bei Wyle 311, 17 geflissenhait und 294, 16 gefliessenhait f. geflissentlich, adj. eifrig, bestrebt, absichtlich, urspr. Adv. zu geflissen, 1741 bei Frisch, ohne eingeschobenes t im 16. Jh. geflissenlichen(Limm. Chron. ² 3, 391, 11). 649 Geflügel Geflügel, n.(-s, Pl. wie Sg.): Gesamt- heit von Flügeltieren; Vogel(Opitz 1, 61, selten); Gefieder(Maler Müller 1, 37). In der 1. Bed. spätmhd. geflugel n., von Fligel als dessen Kollektiv. geflügelt, Part.: mit Flügeln versehen, 1537 bei Dasypodius gefläglet. Geflüster, n.(-s): anhaltendes Flüstern (Maler Müller 1, 31). 1777 bei Adelung Ge- flister n. Von flüstern(s. d.). Gefolge, n.(-s, Pl. wie Sg.): Gesamtheit der begleitenden Personen, Hofstaat(1616 bei Henisch Gefolg); dann bildlich Begleitung (bei Gellert). Ahd. im 9. Jh. gafolgi n.«das Folgen»; dazu ndl. 1598 ghevolgh Gefolges, anord. ſlgi n. eUnterstützung, Beistand», fylgd f.«Begleitung, Gefolge». 4L. Ge- folgschaft, f., im 19. Jh. Gefräß, n.(tes, Pl.-e): Speise als derber Ausdruck; Schlemmerei; Maul(1582 bei Fi- schart Garg. 337, noch in der Volkssprache). Mhd. geurcœze n. ͥdas Fressen, Schlemmen, Lüsternheity. Kollektivum zu Fraß(s. d.). gefräßig, adj.: viel fressend, 1616 bei Henisch, mhd. vrczic. Gefreiter, der Gefreite(-n, Pl. n): vom Schildwachestehen befreiter Soldat. 1617 bei Wallhausen Corp. mil. 109 Gefreyter. Part. Prät. von freien, mhd. urien«wovon frei- machen, befreien(1596 bei Fronsperger Kriegsb. 1, 18² so sol ein jeder under das- selbig Fendlin gehõrig auff die Wacht ziehen und deß miemandt gefreget seyn). gefreund, adj.: als Freund d. h. durch Verwandtschaft verbunden. Nur noch alter- tümlich. Mhd. gevriunt, substantivisch Pl. gevriunde, md. gefrunt, ein zu mhd. vriunt m. Freund, Verwandter' gebildetes Adj., auch bei Luther als Substantiv der und die Gefreundte, bestimmter die Gefreundin(Werke 8, 127 Jen. von 1543); davon verschieden das gleichbed. Part. gefründet im 14. Jh.(Städtechron. 8, 379, 8), bei Luther 8, 41 b gefreundet, zu mhd. vriunden, gevriunden«zum Freunde d. h. durch Verheiratung zum Verwandten machen. gefrieren, v.: zusammen:, fest-, anhaltend frieren. Mhd. gevriesen, ahd. ga-, gifriosan. Von frieren(s. d.) und ge, das hier noch die alte Bedeutung czusammen» hat. Dazu das Part. gefroren: durch vermeintliche Zauberei unverwundbar, fest(Schiller Wallen- steins Tod 5, 2), 1626 im Fadingerlied und 1648 bei Kemnitz schwed. Krieg 1, 174° ent- sprechend ahd. gafroran c«in Eis verwandelt». Gefüge, n.(-s, Pl. wie Sg.): Verbindung oder Zusammensetzung eines Körpers, 1734 bei Steinbach. Im 17. Jh. in der Bed.«Schick- salꝰ. Zu fügen(s. d.). gefüge, gefügig, adj.: sich leicht an- passend, wozu schickend. Mhd. geviege, md. geväge, auch«fügsam, schicklich, höflichy, ahd. gafögi«zusammenhangend, passend, ge- eignet»; davon abgeleitet spätmhd. im 15. Jh. gefügig«die Schicklichkeit beobachtend, 1734 bei Steinbach in der Bed.«sich einfügendꝰ. Gefügigkeit, f.: Biegsamkeit, 1808 bei Campe, spätmhd. gevuegecheit«Wohlanständig- keit neben gleichbed. mhd. geveocheit f. Gefühl, n.(-S, Pl.-e): Sinn des prüfen- den Berührens; Seelenbewegung und stim- mung. 1678 bei Krämer Gefühl n. in beiden Bed., 1691 bei Stieler Gefiile n., aber schon md. im 14. Jh. gevaälen«fühlen», gevillich cfühlendy, gefulichkeit f. Gefühl»(Myst. 1, 26, 27), gevülunge f. das Fühleny». Z0S. gefühllos, adj., bei Gottsched. gefühl- voll, adj., 1769 bei Herder. gegen, präp. mit Akk.: in der Richtung auf.. hin oder her;(nhd.) annähernd, bei- nahe. Mhd. gegen, zusammengezogen gein, gén(s. gen), früh am Niederrhein gagen, ahd. gagan, gegin, md. auch jegen, kegen, kein, kén; dazu mnd. jegen, mndl. jeghen. Ur- sprünglich mit dem Dativ verbunden, der noch im 17. Jh. und selbst 1767 bei Lessing 7, 135 vorkommt, daneben im Mhd. und Mnd. bereits mit Akk., ebenso ags. ongéan mit Dat. oder Akk., géan mit Dat. Dazu das mhd. Adverb gegen, gegene, gagen, gagene, ahd. gagani, gagene«entgegen⸗, ags. géan, ongéah, engl. again«wieder»; nur adverbial in Zu- sammensetzungen steht asächs. gegin, anord. gagn. Vgl. entgegen. Die Herkunft ist dunkel. Seit alter Zeit versucht man es mit gehen zu verbinden, vgl. G. E. Karsten Btr. 16, 564, doch ist das sehr unsicher. 4L. Gegend, f.(Pl.-en): sich ausdehnende Richtung, aus- gebreitete Landfläche, Landschaft. Mhd. ge- gende, gegent, spätahd. gegende f., aber md. gegenõte, geinõòte, génõte und geinde f., mnd. jegenõde und jegenet f., mndl. jeghenode. Da- neben mhd. gegene, früh gegine, mnd. jegene, gegene f. Gegend, Landschaft», älternhd. Gegenheit f. Gegend»(z. B. bei Luther 3, 96 ²). Von gegen, wie ital. contrada f. und franz. contrée f.«Gegend» von dem lat. Adv. contra«gegen», also urspr.«das entgegen- liegende Gelände und Nachbildung des Ro- 651 gegen Gehasi 652 manischen. gegnen, v. in begegnen, ent- gegnen(s. d.), mhd. gegenen, gagenen, ahd. gaganan«entgegenkommen,-tretew. Gegner, m.(5s, Pl. wie Sg.), 1641 bei Schottel 313 ⁴ Gegener, 1691 bei Stieler 634 Gegner, mnd. im 14. Jahrh. gerichtlich jegenére m.; dazu Gegnerin, f., 1691 bei Stieler; gegnerisch, adj., 1775 bei Adelung als oberdeutsch; Gegnerschaft, f., erst im 19. Jh. ZUS. mit gegen: Gegenbild, n., bei Luther 6, 231. Gegendienst, m., mhd. gegendienst m. Gegenfüßler, m., als Verdeutschung von Antipode(s. d.) 1648 bei Zesen Dögens Bau- kunst, aber schon bei Fischart Pract. Großm. .1607 A 3 b die Gegenfäßigen und 1586 in der Daemonomania 31 Gegenfißling. Gegen- gift, n., 1638 bei P. Fleming 220. Gegen- liebe, f.: erwidernde Liebe, 1541 bei Frisius 569a. Gegenpart, m.(-S): Gegenpartei, 1437 in Homeyers Richtsteig 308. Gegen- satz, m., 1541 bei Frisius 614b. Gegen- schwäher: Väter von Verlobten oder Ehe- leuten. Schon 1561 bei Maaler. Noch jetzt schweizerisch und durch G. Keller allgemein bekannt geworden. gegenseitig, adj.: ent- gegengesetzt, der Gegenpartei angehörig(bei Thomasius kl. Schrift. 289); wechselseitig(1711 bei Rädlein). Gegenstand, m.: als Uber- setzung des lat. objeckum(s. Objekt), eig. «das Entgegenstehende», 1691 bei Stieler, vom philosophischen Gebrauch der Chr. Wolffschen Schule aus im 18. Jh. allmählich verbreitet (s. Gegenzwurf); die ältre Bed. ist«Wider- stands(1581 bei Fischart Bienenk. 2⁵), Gegen- satz»(1663 bei Schottel 145), wie schon ahd. gaganstentida f.«entgegenstehendes Hinder- nisy. Davon gegenständlich, adj. statt objektiv, 1808 pei Campe als neu. Gegen- stück, n., 1775 bei Adelung. Gegenteil, n.: Gegensatz, 1537 bei Dasypodius, aber mhd. im 14. Jh. gegentail m.«Gegenpart vor Gerichty, noch bei Ludwig 1716 als Mask. und bei Lessing 3, 308 als Neutr. in der Bed. Gegenpartei. gegenüber, Präp. und Adv., 1537 bei Dasypodius gegen über, der abhůngige Dativ stand in der ältern Sprache dazwischen (1540 bei Alberus dict. Hh 4 b Saxenhausen ligt gegen Frankfurt über, vgl. Goethe 8, 40 und 19, 188). Gegenwart, f., mhd. gegen- w᷑rt und gegenwurt, ahd. gagan-, geginwerte und gaganzwurti f., asächs. geginwirdi f., ab- geleitet von dem ahd. Adj. gaganzwarti, gagen-, geginwerti, geginwart, mhd. gegemwart ent- gegen gewendet, gegenwärtig», mit Dativ der Person; dazu asächs. geginward, doerd Adj., anord. gagnvart,-vert Adv. αgegenüber». Gegenwart als grammatischer Ausdruck für das Präsens erst im 19. Jh., dafür noch 1808 bei Campe wie bei Gottsched und im 17. Jh. bei Gueinz und Schottel die gegenwärtige Zeit. gegenwärtig, adj., mhd. gegenwertic, würtic, ahd. gagenwartig, gagen-, geginvertig und gagenwurtig. Gegenwehr, f., 1447 bei Haltaus 615. Gegenwurf, m., als philoso- phischer Ausdruck für lat. ohjeckam, Gegen- stand(s. d.), schon mhd. gegenwurf, dworf m., bis zur Mitte des 18. Jh. gebraucht. Gegitter, n.(-*I, Pl. wie Sg.): Gitter- werk(Goethe 37, 265). Spätmhd. im 15. Jh. gegiter n., von Gitter(s. d.). gehaben, v. refl.: sich in irgendeinem Zustande befinden und benehmen; sich übel anstellen. Mhd. gehaben, ahd. gahabén, gi- habén chalten, sich befinden», auch refl.«sich benehmen, sich gebaren»; dazu mnd. gehebben chabenꝰ, ags. gehabban chaltens, got. gahaban chalten, haben, festhalten», refl.«sich ent- halteny(s. haben). Als Anwunsch an einen Abschied Nehmenden schon mhd. gehabe dich wol(Iwein 6566). Gehalt, m.(-es, Pl.-e): körperlicher Ge- samtinhalt(1775 bei Adelung); innerer Wert (1477 bei Würdtwein diplom. magunt. 2, 368 fg.); Amtseinkommen an Geld, Besoldung(1741 bei Frisch, seit dem 18. Jh. auch Neutr., z. B. Gleim bei Lessing 13, 69[was jetzt durchgedrungen ist], mit dem Pl. Gehälter neben Gehalte). Sonst spätmhd. gehalt m. «Gewahrsam, Gefängnis», wie ags. geheald m. Bewahrungy, schweiz. Gehalt m. n.«Schrank, Fach, Aufenthaltsraumy. Gehänge, n.(s, Pl. wie Sg.): Vorrichtung zum Umhängen des Degens(1618 bei Schöns- leder Wehrgeheng); angehängter Schmuck(bei Schönsleder); Bergabhang(1517 im Teuer- dank 31, 29 geheng); Eingeweide(1476 bei Diefenbach nov. gl. 302 2 gehenge); die Ohren des Jagdhundes(1763 bei Heppe). Substantiv- bildung zu häüngen und hangen. In der 1. Bed. die Nebenform Gehenk n., 1727 bei Aler Ge- henck des Degen, 1664 bei Duez Wehrgehenck n., mhd. gehenke n.«LZierat am Brustriemen des Pferdes», wie gehange(Erec 7752), 1482 im Voc. theut. k5a gehench an einer in fel. Gehasi, m.: naseweiser Mensch. Im 17. Jh. gebräuchlich bis ins 19. Jh., umgeformt aus dem Wort Hase in der älternhd. Bed.«wunder- licher Mensch, Geck, Schalk mit scherzhafter 653 gehässig gehen 654 Anlehnung an den biblischen Namen 2. Kön. 4 fg.(Schuppius 1663 1, 530). Vgl. Haselant. gehässig, adj.: Haß hegend; dem Hasse ausgesetzt, hassenswert. Mhd. gehezzic, ge- hazzic in der 1. Bed., abgeleitet von mhd. gehaz cfeindselig, voll Haßy(s. d.). In der 2. Bed. 1691 bei Stieler, wie hässig(im 15. Jh.) und häßlich(mhd.). Gehässigkeit, f., 1741 bei Frisch. Gehäuse, n.(‧s, Pl. wie Sg.): Behälter. Im 15. Jh. gehuse, geheus n., auch in der urspr. Bed.«Häusermenge, Haus, Hüttes. Kollektiv zu Haus(s. d.). Gehege, n.(-s, Pl. wie Sg.): umschließen- der Zaun u. dgl.; das durch den umschließen- den Zaun Geschützte, abschließende Einfrie- digung(2. Mos. 19, 12 u. 23). Mhd. gehege n. Einfriedigung, Schutzwehr, Verhau, dichtes Gebüschy, das Kollektiv von Hag(s. d.). In der 2. Bed. als Jagdrevier im 14. u. 15. Jh. gehege, geheige, schon in den langobard. leges Rotharii 324 fg. de gahago oder gahagio«Wald des Königs», in den leges Baicar. 21, 6 de kaheio. RA. einem ins Gehege gehen, Kommen «in sein wirkliches oder vermeintliches Recht eingreifen(1672 Köhler Kunst über alle K. 43, 19); gemeint ist der Hofzaun und Hof- raum um das Wohnhaus, wie 1562 bei Ma- thesius Sar. 13 b dem andern in sein Gehege fallen im eigentl. Sinne und 1656 bei Prätorius Storchs Winterquartier 314 ins Gehege fallen bildlich. geheim, adj.: vertraulich; verborgen vor andern(1664 bei Duez). Spätmhd. im 15. Jh. geheim«vertraulich, vertraut», d. h. zum Hause gehörig. Gebildet zu heim(s. d.), wie mhd. geheime f.«Vertraulichkeit, Heimlichkeity und geheimde f.«Heimlichkeit, Geheimnis». 4L. Geheimnis, n., 1528 bei Luther Postill 43 2 und 310 b; dazu Geheimniskrämer, m., bei Schiller Parasit 2, 1, und geheimnisvoll, adj., 1711 bei Rädlein. ZUS. Geheimrat, m.(‧LS, Pl.-räte), unverkürzt Geheimerat, 1664 bei Duez Geheimer rath(dagegen 1616 bei Henisch Gehaime rath«Ratskollegium»), bei Luther der heimliche Rat, im 14. Jh. Innerister rat des chüniges(Gesta Rom. 38), mhd. heim- lichgœre m. und im 14. und 15. Jh. geheimer m.; dazu im 18. Jh. die kanzleimäßige Neben- form geheimder Rath, Geheimderath, 1663 bei Schuppius 10 geheimter Rath(1684 geheimbder Rahk), in Anlehnung an das älternhd. Kanz- leiwort Gehaimbd f., mhd. geheimde f.«Ge- heimnisy. Geheiß, n.(es, Pl.-e): mündliche Kund- gebung zur Befolgung. Mhd. geheize n., neben mhd. geheiz m., ahd. gaheiz m.«Versprechen, Befehl, Gebot»; dazu mnd. gehéte, geheite und mndl. geheit, gheheet n.«Gebot», ags. gehdt n. und got. gahait n.«Verheißung». gehen, v.(Prät. ging, Konj. ginge, Part. gegangen, Perf. mit sein, in md. Mundarten mit haben): sich mittels der Füße fortbe- wegen, überhaupt sich fortbewegen; sich wo- nin begeben. Wie che aus eh erweitert ist, so bei Luther gehen aus gehn, mhd. und ahd. gén, gün, neben ahd. gangan, was einem an- dern Wortstamm zugehört(s. unten). Das Präs. lautet mhd. ich gän, gén, auch gange wie älternhd. und noch oberd. ich gang, du gãst, gést, er gãt, gét, ahd. ich gün, gén und gangu, Prät. mhd. gienc und gie, vereinzelt im 15.—17. Jh. gung, ahd. giang, Part. Pass. mhd. gegangen, meist gangen wie häufig älter- nhd. und noch beim j. Goethe 2, 94 gangen, ahd. gigangan, Imperativ ahd. gang wie älter- nhd. und noch bayr.-alem. gang, Plur. 96t, günt. Das Prät. hat im Md. und Mnd. Ver- kürzung des Vokals erfahren, md. ginc, später ginc, mnd. genk, gink, bei Luther ging neben gieng, bei Steinbach 1734 und Adelung 1775 ging mit Berufung auf die kurze(md.) Aus- sprache; der Konj. Prät. bei Lessing auch gunge, wie noch oberd. In den übrigen ger- manischen Sprachen entspricht asächs. gangen (Präs. il gangu, Prät. géng, Part. gegangan), mnd. gan, mndl. gaen, afries. gunga und gän, ags. gangan, gongan(Präs. gange, gonge und gã, Prät. géong, giong, geng, aber auch schwach- biegend gengde, Imp. gang, gong und gã, Part. gangen, gongen und gän), engl.%, anord. ganga(Präs. geng, Prät. gekk, Pl. gengu, Part. genginn), schwed. ga, dän. gaa, got. gaggan (Prät. schwachflekt. gaggida), aber krimgot. geen. Uberbleibsel eines dritten Wortstamms ist das got. Prät. iddhja, ags. éode«ging», ent- sprechend dem aind. Impf. äjäm, q́jät zu jãti, aw. jãiti«geht, führty, urverwandt mit lat. eo«ich gehe»(Inf. ire), gr. eiun(Inf. ievor), lit. eim?, abg. idd, air. Ethaim, aw. aeimi, aind. émi«ich gehe», während der germ. Stamm gang- gemäß der Lautverschie- bung mit lit. Zengiu cich schreiten, prazanga f. Ubertretung', aw. zanga m.«Knöcheb, mpers. zang Fußy, osset. züngü Unterschenkel?, aind. jänghc f.«unteres Bein, Fuß» stimmt. Der Stamm gã-, gé- ist dagegen noch nicht aufgeklärt. Nach Kluge soll es aus ga-&ge? 655 1 Gehenk Gehülfe 656 und der Wz. ei- gehen» zusammengesetzt 3, 696); gebührend(1711 bei Rädlein). Nur sein, vgl. dagegen Streitberg Idg. Forsch. 6, 148. Am ehesten ist es mit aind. hã«gehen, schreiten» zu verbinden, vgl. Walde s. v. eo, anders Karsten Btr. 16, 565. Gehenk, s. Gehänge. geheuer, adj.: sich sicher fühlend, pe- sonders vor Unheimlichem. Mhd. gehiure csanft, anmutigy, auch ohne Zauberei zu- gehend, mit Unheimlichem nicht behaftet», zusammengesetzt mit dem ahd. und asächs. Adj. hiuri in unbiuri«grausig, schrecklich», ags. héore, hyfre«freundlich, sanft, mild, will- fährigy, unhifre, unhéore«grausig, entsetzlich, anord. hfrr«froh, muntery», Ahyrligr«wild aussehend»; dazu mnd. gehdre, mndl. ghehuer cheiter, frohy. Stammverwandt mit ahd. Aé'on, hon Pl.«Hausgenosseny, hüuvisi n. «Familie, Hauswesen, Haushaltung», anord. Wjon, Mjdn n. pl. Hausleute?, Hyfski n.«Haus- genossenschaft), genau wie unheimlich und heimlich«einheimisch, vertraut» zu Heim ge- hören. Vgl. auch aind. gévas, giväs ver- traut, lieb?. Gehilfe, s. Gehüülfe. Gehirn, n.(6es, Pl.-e): Hirn, eig. Gesamt- heit des Hirnes. Unverkürzt Gehirne bei Klop- stock Mess. 93, Wieland 18, 165, Rückert 1, 10. Mhd. gehirne n., Kollektiv von Hirn(s. d.). Gehöft, in Osterreich auch Gehöfte, n. (-es, Pl.-e): Gesamtheit der Hofgebäude. 1410 md. gehofte, 1400 gehoffte, 1309 gehuäfte n. (Höfer Urk. 79). Kollektiv zu Hof(s. d.). Gehölz, n.(es, Pl.-e): kleiner Wald, Waldung. Mhd. gehllze, gehölze n. Kollektiv von Holz(s. d.). Gehör, n.(-s): das Hören, der Hörsinn. Mhd. selten gehœre n., häufiger gehœrde f. n., bei Luther Gehöre und Gehör, bei Logau, Lohenstein und vereinzelt noch im 18. Jh. Gehöre n. Substantivbildung zu hören(s. d.). gehorchen, v.: worauf hörend, folgsam sein. Md. im 13. u. 14. Jh. gehorchen, auch zuhören». Von horchen(s. d.). gehören, v.: nach dem Verhältnisse der Abhängigkeit oder mit Grund zukommen. Mhd. gehœren, md. gehõren c«hören, worauf hören, bes. mit Nachfolgey, dann«zukommen„, ahd. gahõrran, gihöran chören, gehorchens; dazu in gleicher Bed. asächs. gihõrian, ags. gehéran, gehßran, got. gahausjan hören». 4B. gehörig, adj.: zugehörig(1486 in Fraukf. Reichskorr. 2, 432); erforderlich(1507 bei Wilwolt v. Schaumb. 119); angemessen, zweckentsprechend(Adelung 1798, d. j. Goethe in der Bed. folgsam, gehorsam, mhd. gehœrec, md. gehõrec, ahd. gahdrig, asächs. gihörig. Gehörn, n.(‧I, Pl.-e): Geweih, die Hörner. Mhd. gehürne n., 1534 bei Franck Weltb. 492 Gehörn. Kollektiv von Horn(s. d.). ge- hörnt, part. Adj. Hornhaut habend, Hörner habend. Mhd. gehurnt, Part. Prät. von mhd. hürnen«mit Hörnern versehen, auf dem Horne blaseny, got. haurnjan das Horn blasen?, asächs. Nurnid«mit Hörnern versehen». gehorsam, adj.: auf den Willen des an- dern hörend und zugleich folgend. Mhd. gehörsam, ahd. ga-, gihörsam; dazu asächs. gihorsam(in ungihörsam), mnd. gehörsam, ags. gehyjrsum, neben ahd.-mhd.-mnd. horsan, ags. hyrsum. Jetzt oberd. und westmd. mit kurzem, aber norddeutsch und ostmd. mit erhaltenem 5. Davon Gehorsam, m.(-s), ahd. gihõrsamꝰ f. neben hôrsam f., mhd. und älternhd. gehörsame, gehörsam f., aber md. im 13. Jh. gehörsan m., auch bei Luther meist Mask. gehorsamen, v.: gehorsam sein, mhd. und mnd. gehörsamen, ahd. gihör- samon und hörsamön, ags.(ge)hyrsumian. Gehre, f.(Pl.-n): Zwerchfuge der Tischler. Niederdeutsch(1767 im Brem. Wb., 1727 bei Hübner Gehrung, Gehr-Hohel, Gehrmaß). Eins mit Gehren, m.(-s, Pl. wie Sg.): keil- förmiges Stück, Zwickel im Kleid oder im Hemd; der damit besetzte Kleiderteil unter den Hüften, Schoß; keilförmig zwischenliegen- des Ackerbeet. In diesen Bed.(die sich nach der Form des Wurfspeereisens entwickelt haben) mhd. gére m., urspr. Wurfspießo, ahd. géro m.«Spieß, Meerzunge, Seebucht»; dazu afries. gãre f.«Rockschoß, Gewand», ags. gãra m.«Landzunge», anord. geiri m.« dreieckiges Zeugstück», abgeleitet von dem starkflekt. Ger(s. d.), ahd. ger m.«Wurfspieß, Wurfspieß- eisen, Pfeil). Aus dem Ahd. entlehnt franz. giron, ital. gherone m.«Schoß, Schleppes. Gehrung, f.: Fläche oder Richtung schräg im rechten Winkel verlaufend, bei Tischlern und Zimmerleuten, 1757 in Eggers Kriegslex. Gehülfe, m.(-n, Pl.-n): dienender Mit- helfer; Helfer. Mhd. gehilfe, gewöhnlich ge- helfe, ahd.(bei Notker) gehelfo m., gebildet zu ahd. helfa f.«Hilfey. Der md. Form hulfé f. Hülfey aber entspricht md. im 14. Jh. ge- lulfe m., bei Luther Gehülffe. Davon Ge- hülfin, f., bei Fischart Garg. 100 Ehgehülffin, dafür bei Luther Gehülffe f., mhd. gehelfe, 657 Geier Geisel 658 gehilfe f. Die Schreibung Gehilfe ist nicht mehr zulässig. Geier, m.(-s, Pl. wie Sg.): der Raub- vogel, lat. vultur; in Verwünschung und Aus- ruf verhüllend für Teufel(1660 bei A. Gry- phius Dornrose 51, 5). In der 1. Bed. bei Luther Geyer und Geir, md. 1470 geier, mhd. und ahd. gir m., mnd. gire m. Zusammen- hängend mit ahd. geri gierig»(in hoveglri m.«ᷣHofschmarotzer») und girheit f.«Gierig- keity, mhd. gèor(in schatzgir), gier, frühmd. gire«gierig, begierigy, im 15. Jh. md. und nd. geyrich gierig»(Diefenbach gl. 4115), 1540 bei Alberus dict. Vu 4² geyerheit«Gierig- keity und 1550 in den Fab. 29, 20 das Adv. geierlich«gierigy, daher noch ostmd. geier «nach Wohlgeschmack wählerisch-begierig in Speisen»(schon 1540 bei Alberus dict. Vu 4² und in den Fab. 4, 5 geier speisegierig, gierig») und Geiermaul n.(1612 bei Taubmann Plautus 1110 b Geyermaul«Feinschmecker»). Die romanischen Wörter ital. girfalco, franz. gerfaut, span. gerifalte sind nicht die Quelle des deutschen Wortes, sondern aus dem Germ. entlehnt. Geifer, m.(-s): ausfließender Speichel. Mhd. im 14. Jh. geifer m., mit den Neben- formen gefer, gever im 15. Jh., Gäfer 1691 bei Stieler, wetterauisch Gäwer m. Ver- mutlich zusammenhängend mit isländ. geipr coffenen Mundes, gähnend», älternhd. im 16. Jh. geifen«gaffen, verlangend blicken» (Pauli Schimpf 123 Ost.) und geifferig«gierig» (Franck Paradoxa 199 a), bayr. gaifen«klaffen, auseinanderstehen», tirol. Geffe f. Maul), oberhess. geipen«Maulaffen feilhalten, gähner, nd. gipern«verlangen) und weiter zu der unter gähnen behandelten Wurzel. Davon geifern, v.: Speichel fließen lassen, mhd. geifern; geiferig, adj., 1561 bei Maaler, aber bei Stieler 1691 geifericht, gäfericht; Gei- ferer, m., bei Luther, im 15. Jh. gifferer m.; Geiferlätzchen, n.: Lätzchen für geifernde Kinder, 1775 bei Adelung, Geifertüchlein 1741 bei Frisch, Geiffertuch 1664 bei Duez(s. Schlabbertuch); Geiferwurz, f.: Bertram (§. d.), 1561 bei Cordus. Geige, f.(Pl.-n): Violine. Mhd. im 12. Jh. gige f., mndl. ghighe, anord. gigja f. Wahr- scheinlich ein einheimisches Wort, benannt nach der gaukelnden Bewegung des Streich- bogens, zu mhd. gugen gagen«von der Wieges, anord. geiga«schräg gehen(von Geschossen)y. Die Neuerung an der Geige war das Griff- Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. brett, das der ältern Fiedel(s. d.) fehlte. Die Etymologie ist unbekannt. Vgl. Meringer Idg. Forsch. 16, 128. Aus dem Germanischen entlehnt afranz. gigue, ital. und provenz. giga f. Geigey». 432L. geigen, v.: auf der Geige spielen, mhd. gigen, auch bildlich einem die wörheit gigen«einem derb sagen» von dem Hin- und Herfahren des Bogens; dazu anord. gigja. Geiger, m.: Geigenspieler, mhd. gigœre, giger m. geil, adj.: zu üppig(von Pflanzen); all- zuviel von Geschlechtslust in seiner Natur getrieben. Mhd. und ahd. geil«von wilder Kraft, sich allzuviel fühlend, übermütig, mut- willig, üppig, überaus freudigy, die Bed.«un- keuschy vereinzelt schon im 13. und 14. Jh. (Renner 3108, Keller Schwänke 7), ahd. im Substantiv keil? f.«petulantia carnis»;«üppig wucherndy vom Weinstock 1527 bei Luther, «fruchtbary vom Acker und von Tieren 1482 im Voc. theut. K 6 b. Dazu asächs. gél«über- mütig, üppig, leichtfertigy, ndl. geil«brünstig, ags. gäl cüberaus freudig, voll Geschlechts- lusty, got. in gailjan cerfreuen». Urverwandt mit lit. gailus«jähzornig, scharf, Schmerz empfindend, mitleidig, abg. 26lâ«heftigy, vielleicht auch aind. héld Leichtsinn, Sorg- losigkeit⸗, vgl. v. Bradke KZ. 28, 298. S. aber auch E. Schröder ZfdA. 42, 644. 4BL. Geile, f.: Geilheit, im Pl. Geilen schon mhd. die Hoden⸗. Mhd. geile, ahd. geil? f.«Obermut, Lustigkeito, daneben spätmhd. geil m.«Uber- mut» und mhd. geil n.«Fröhlichkeit, lustiges Wachstum, Wucher, Hode»(s. Bibergeil), mhd. geilheit f.«fröhliche Tapferkeit, Aus- gelassenheit». geilen, v.: ausgelassen, über- mütig sein(Schiller 1, 221, Fiesco 1, 9), mhd. geilen, ahd. geilén; trans. mhd. geilen«fett, üppig machen», noch bayr. östr. düngen». Dagegen gehört Geiler, m.: Bettler, Land- streicher, bayr. von frechen Bettlern Geiler, Bettelgeiler, mhd. gilcœære, giäler m., zu mhd. gilen«betteln», bei Luther und noch im 18. Jh. bei Hamann und Blumauer geilen. Geisel, m.(-s, Pl. Geisel und Geiseln): Leibbürge. Häufig im Nhd. auch Fem., vereinzelt bei Luther, Rädlein, Steinbach, Heine Romanz. 93. Mhd. gisel m. u. n., ahd. gisal m., ags. gisel, anord. gisl m.«wer sich im Kriege gegen seinen Feind gefangen und in die volle Gewalt seines Besiegers hingibt, dann überhaupt, wer mit seinem Leibe wo- für bürgty. Urverwandt mit altir. giall m. Geisel». Dazu Geiselschaft, f.: Bürgschaft 42 659 Geiser Geist 660 mit dem Leibe(Herder Cid Nr. 17), mhd. giselschafl f. Geiser, m.(-s, Pl. wie Sg.): heiße Quelle, Sprudel, bes. auf Island. In neurer Zeit aus dem islünd. geysir, eig.«Wüterich» von anord. geisa«wüten»(s. Geisk) entlehnt. Geiß, f.(Pl.-en): Ziege. Oberdeutsch. Mhd. und ahd. geiz f.(der Pl. ahd. geizi, mhd. geige, schon im 16. Jh. bei Fischart Garg. 414 Geisen); dazu mndl. geit, ags. gdt f., engl. goat, anord. geit, got. gaits f. mit dem Dim. gaitein, ahd. geizzin, ags. geẽεten n. Zicklein), übereinstimmend mit lat. haedus m.«junger Ziegenbocky. Abg. kozd f.«Ziege, koziluü m. Bock» dagegen ist urverwandt mit mnd. hõöken, QGeen, mndl. hoelcijn, ags. hécen n. XZickleiny. Vgl. Kitzlein, Habergeiß. ZIUS. Geißbart, m.: Pflanze mit langen, einem weißen Bart ähnlichen Blumenzasern(Spiraea aruncus und ulmaria), 1546 bei Bock 107 5, bei Dasypodius 1537. Geißblatt, n.: wohl- riechende Pflanze(Caprifolium), deren deutsche Art(Waldrebe) die Ziegen fressen, im 15. Jh. bei Diefenbach gl. 98 b gaißblat. Geißbock, m.: Ziegenbock, mhd. geigboc m. Geißfuß, m.: Pflanze mit ziegenfußartigem Blatte(Aego- podium podagraria), 1588 bei Tabernämon- tanus. Mhd. geigwuoz m.«Ziegenfuß», Mitte des 15. Jh. geißfaß m.«vorn gespaltenes Brecheisen). Geiß-, Geißenmilch, f.: Ziegenmilch, mhd. geizmilch, aber Geißen- milch ist zusammenges. mit dem mhd. Adj. geizin, älternhd. geyssen, schon frühmbd. geizinin milch. Geißel, f.(Pl.-n): Schlag-, Züchtigungs- werkzeug mit Riemen zum Schwingen;(west- md.) Deichsel. In der 1. Bed. mhd. geisel, ahd. gaisala, geisila f., im 15. Jh. vereinzelt geißiel(Diefenbach. gl. 237°), elsäss. im 14. Jh. geischel, im 17. Jh. bei Duez und Krämer Geissel, im 18. Jh. bei Rädlein und Gottsched Geißel zur Unterscheidung von Geisel(s. d.). Dazu mud. geisel, mndl. gesele, ndl. geesel f. Peitsche», anord. geis! m.«Stab beim Schnee- schuhlaufen zum Beschleunigen des Laufes». Demnach urspr. wohl der Geißelstock mit Schnur, seit dem 15. Jh. allmählich durch die zum Teil aus Leder hergestellte Peitsche (s. d.) zurückgedrängt, aber noch in Ober- deutschland, Hessen, Luxemburg, Westthü- ringen u. im Erzgebirge. In der Bed.«Deichseb 1540 bei Alberus dict. Bb 22 geissel, noch wetterauisch Gaisiln f., in Hessen Geischel, Gischel f., mrhein. im 15. Jh. gysel(Diefenb. gl. 576 b). Da man von der Bedeutung«Stab, Rutey ausgehen muß, so ist Ger(s. d.) ver- wandt. Vgl. auch noch E. Schröder ZfdA. 42, 64. 48L. geißeln, v., mbd. geiseln. Geißler, m., mhd. geiscler, elsäß. im 14. Jh. geischeler m. Geist, m.(-es, Pl.-er): bewegender be- lebender Hauch; der Gotteshauch; die in einem Wesen wirkende Grundkraft, daß es denkt; unkörperliches überirdisches Wesen; (nhd.) bildlich von Stimmungen und Rich- tungen des Menschengeistes(1525 bei Zwingli vom Touf r 32 Geist der Einträchtigheit, bei Luther 3, 26 b der zornige Geist); der geistige Inhalt oder Sinn im Gegensatz zum Buch- staben(2. Kor. 3, 6); aus Körpern entwickelte Kraftflüssigkeit, Quintessenz(1582 bei Fischart Garg. 294 Geist m. als Alchemistenwort, vor- her pei Paracelsus Opera 1, 2² die Geist der Kreuter und Wurzen, vom schäumenden Wein 1685 bei Grimmelshausen Simpl. 2, 53, 18 Kllr. daß er im EBinschenchen rauschet und seine Geisterlein uũber das Glas hinausspringen). In Bed. 1—4 mhd. geist m.(Pl. geiste und im 14. Jh. auch geister), ahd. geist m.(Pl. geista); dazu asächs. gést, geist, mnd. geist, nnd. geest, mndl. gheest, afries. gãst, ags. gãst, gdst m.(engl. noch ghost Gespenst» und vom heiligen Geist, s. u.), dafür im Got. ahma m.(s. Atem) und im Anord. andi m., önd f.«Geisty. Verwandt mit got. usgaisjan cerschrecken, von Sinnen bringen?, usgeisnan caußer sich gerateny, anord. geisa«wüten)?, engl. aghast«aufgeregt, zornig», aind. hédati «er ärgert, kränkt, hädas n.«zZorny. Vgl. v. Bradke KZ. 28, 295. Insbesondere der bösé Geist, mhd. der bœse geist«der Teufely; guter Geist«Schutzgeisty, 1540 bei Alberus dict. BB 2 b guter Geyst, guter Engel nach Ps. 143, 10(ahd. pei Notker don guote geist); der heilige Geist, ahd. zuerst wihér älun, dann heulagéèr geist, mhd. der heilige geist, verkürzt heiliggeist, heili-, heile-, heilgeist, asächs. hélag göst, ags. hãlig gäst, engl. the holy; ghost, dafür anord. heilagr andi, got. ahma weins. 4BL.-geistern, s. be-, entgeistern. geistig, adj., mhd. geistic, mnd. geistich. geistlich, adi.: im Gegensatze von zweltlich, und fleischlich, in der ältern Sprache auch für geistig, mhd. geistlich, ahd. geistlich, bei Notker auch geislich, asächs. géstlikc, afries. gästlikc, jéstlir, ags. gästlec, engl. ghostl;; subst. Geist- licher, m.: Priester. Seit dem 15. Jh.; dazu Geistlichkeit, f., mhd.(md.) geistlichlceit, 661 Geiz Gelage 662 mnd. geistlicheit f.«geistliches Leben, Fröm- migkeity, dann«geistlicher Stand, Gesamt- heit der Geistlichen». ZUS. 1) mit dem Pl. Geister: geisterbleich, adj., bei Schiller Fieseo 5, 12 u. Wallenst. Tod 4, 11. geister- haft, adj., bei Goethe 20, 310. Geister- stunde, f., bei Gotter Ged. 1, 155. Geister- welt, f., bei Haller Ged. 172, Hagedorn 1, 59. 2) mit dem Gen. Geistes: Geistesabwesen- heit, f., bei Campe 1808, daraus gebildet im 19. Jh. geistesabwesend. Geistesgegen- wart, f., bei Herder Ideen 4, 320. geistes- krank, adj., bei Campe 1808. 3) mit Geist: geistlos, adj., md. im 14. Jh. geistelös. geist- reich, adj., bei Luther sowohl«voll religiösen Geistes» 3, 282 a, als auch in weltlichem Sinne 3, 72 b geiskreicher Kopff und in Bindseils Bibelausg. 7, 417 geistreicher Poet. geist- voll, adj., 1741 bei Bodmer. 1Geiz, m.(-es, Pl.-e): zu entfernende wuchernde Nebentriebe an Pflanzen, bes. zwischen Blattstielen am Weinstock, am Tabak. 1721 bei Jablonsky. Im Rheingau auch Fem. Eins mit dem folg. Wort, eig.«der den Saft gierig saugende und den fruchttragenden Zweigen entziehende Schoßy. 2Geiz, m.(+es): allzu große Begierde, Geld und Gut zu haben und zu behalten. Alter- nhd. Geit, mhd. und ahd. gft m.«Heißhunger, ungezügelte Gier, Habgier», woneben mhd. gite f., Ende des 13. Jh. giee(j. Titurel 3338), im 14. Jh. geitz, gei m.«Habsuchty; dazu afries. gãäd etwas Erwünschtes», ags. 9ãd, gãν⁴ n.«Mangel, Armut, Verlangen, Begierdey, got. gaicaw n.«Mangelꝰ, asächs. meti-gédea f. &Nahrungsmangels, urverwandt mit lit. geice d cich begehre»(Inf. geisti), abg. Zidch«ich er- warte»(Inf. 2dalti). Da mhd. t nicht zu nhd. z wird, so ist G. erst wieder eine Rück- bildung von geizen, v.: Geiz üben, bei Luther geiteen, mhd. von git abgeleitet gitesen, gitsen cgierig, habgierig sein» neben gleichbed. giten, ags. giĩtsian«begehren» nebst gitsung f.«Hab- gier). 4L. geizig, adj.: allzusehr mit Geld und Gut zurückhaltend, im 15. Jh. gilzig, gentzæig, geicæig, im heutigen Sinne, mhd. gêtec, gitic, ahd. gitag«gierig, habgierigy. Z0S. Geizhals, m.: der Geizige, bei Luther, urspr. älternhd. gieriger Hals oder Schlund. Geiz- kragen, m.: Geiczhals, 1808 bei Campe, zusammenges. mit Kragen im Sinne von &Halsy. Gejaid, n.(es): Jagd. Bei Uhland 410 aus älternhd. Gejaid, mhd. gejeide, gejegede n. neben gejaget, gejeit und gejege n., Substantiv zu jagen(s. d.). Geklüft, n.(-es), wie es scheint, von Klopstock gebildet. Geköse, n.(s): wiederholtes Kosen. Mhd. gekõse, ahd. Lichösi und chösi n.«Gespräch, Geschwätz», abgeleitet von kosen(s. d.). Gekreisch, n.(es, Pl.-e): starkes, wie- derholtes Kreischen. Md. im 15. Jh. gekrische, gelcriesch, ndrhein. im 15. Jh. gelerisch. Un- gewöhnlich Gekreusche n.(Lessing Em. Gal. 4, 3), 1691 bei Stieler. Gekritzel, n.(-s): Kritzelei. 1678 bei Krämer. Gekröse, n.(-s, Pl. wie Sg.): das kleine Gedärme; vielgefältelte Krause(1562 bei Ma- thesius Sar. 69 b Gekröse, 1590 bei Fischart Garg. 3 Gekröß neben älternhd. Krõß n.). In der 1. Bed. mhd. gekrœse n. neben Krœse n. (ahd. chröse«Krapfengebäck»); dazu mnd. gansehroese, goselros, mndl. Kroos, kroost, Kroes, Kroest«Gänse- und Entenklein». Eines Stammes mit kraass(s. d.). Gelache, n.(-es, Pl.-e) und Gelächter, n.(-S, Pl. wie Sg.): starkes, wiederholtes Lachen. Närhein. im 14. Jh. gelach, spätmhd. 1412 gelech(Diocletians Leben 2172), Sub- stantiv zu lachen. Gelächter, mhd. gelehter n., ist Kollektiv zu mhd. lahter n., im 15. u. 16. Jh. lechter, ahd. hlahtar, lahter n. ædas Lachen»(dazu ags. Rleahtor, hlehter m., engl. laughter, anord. hlätr m., dän. latter), einer Ableitung von lachen(s. d.). In übertragener Bed. östr. hölzernes Gelächter«die Strob- oder Holzfiedel», schon im 16. Jh. bei Schade Sat. 2, 238, stäühlern Gelächter in Mozarts Zauberflöte, wofür später Glockenspiel. Gelage, n.(-s, Pl. wie Sg.), verkürzt Gelag: Zusammensein zu lustigem Trinken oder Speisen. Im 18. Jh. durchgedrungen für ältres Gelach(1501 im Leipz. Voc. opt. Bb 42, allgemein im 16. und 17. Jh., noch bei Wieland und Lichtwer) neben Geloch, Gloch und Gelack, vereinzelt bereits im 16. Jh. Gelag(Froschmeus. 1, 2, 6), Glag(Waldis Es. 4, 68, 18), aber schon im 14. Jh. ndrhein. gelõch, gelogg, 1435 in einer Düsseldorfer Schützenurkunde gelaich, mnd. gelach neben lach(auch md. 1517 bei Trochus 0 3² contu- bernium, societas, ein laech), mndl. gelach und gelage, undl. gelag n. Die ältre Bed. ist«Zeche, Zusammengelegtes zu Trunk oder Schmaus, Gesellschaft, Gildey. Abgeleitet von legen(s. d.), vom Zusammenlegen des 42* 663 gelahrt gelb 664 Geldes, ähnlich wie got. gabaur m.«Schmaus» und gabaur n.«Steuery zu got. gabairan«zu- sammentragen)y. gelahrt, statt gelehrt. Nur noch alter- tümlich. Md. im 14. Jh. gelärt(für mhd. geléret), im 15. und. 16. Jh. auch oberdeutsch. S. lehren. Gelahrtheit, f., im 17. Jh. bei Rachel 8, 422. Gelände, n.(-s, Pl. wie Sg.): Landschaft. Mhd. gelende, ahd. gilenti n.«Land, Gefilden. Kollektiv zu Land(s. d.). Geländer, n.(-s, Pl. wie Sg.): Stangen-, Latten-, Eisenstabgerüste zum Einfriedigen oder Daranlehnen. Mhd. im 14. Jh. gelanter, im 15. Jh. gelenter, gelender n. Kollektiv zu mhd. lander n. Stangenzaun, Zaunstange, Lattey(noch oberd. Lander f.), wohl urver- wandt mit lit. lentä f.«Bretty. Der Neben- form Geldnde n.(schon 1580 bei Sebiz Feld- bau 50 Gelänt, zu bayr. alemann. Lande f. Lattey, das bereits im 16. Jh. bei Fron- sperger bezeugt ist) entspricht 1477 clevisch gelymt, mnd. glint, nnd. glind n.«Umfriedung mit Brettern oder Latten». Davon gelän- dert, adj.: mit Geländer versehen(Schiller Spaziergang 39), 1616 bei Henisch ein ge- lenderter Steg. gelangen, v.: sich bis wohin erstrecken; bis wohin kommen. Mhd. gelangen, ahd. gi- langon. Verstärkung von langen(s. d.). Gelärr, n.(-es, Pl.-e): schlechtes, der Ausbesserung bedürftiges Gebäude; unfest ge- wordnes Gerät. Noch wetterauisch Gelirr; dazu östr. Glär n. Platz, Geliegery». Ahd. gilãri n.«Wohnungy(z. B. bei Otfrid 1, 11, 11 alt giläri calter Wohnsitz»), abgeleitet von dem in Ortsnamen(Goslar, PFritzlar) vor- kommenden ahd. lär«Niederlassung, Wohn- sitzy, als dessen Kollektiv. Unbekannter Herkunft. Gelaß, n., auch m.(Gen. Gelasses, Pl. Gelasse): Raum zum Aufbewahren, Bequem- lichkeit im Hause(bei Frisch 1741). Mhd. gelcze n.«Niederlassung, Niederlassungsort», auch das aus dem Nachlasse des verstorbnen Eigenmannes dem Herrn Gebührende»(auch läz m.) und«Benehmen, Gebaren», geläz m. n.«Verleihung, Benehmen»; dazu mnd. lät, mndl. ghelaet«Gebärde, Benehmen». Sub- stantiv zu lassen(s. d.). gelassen, Part. als Adj.: mäßig bei Gemütsbewegung, schon mhd. geldzen, urspr.«gottergeben», Part. Pass. von mhd. gelãzen, ahd. giläzan cer-, unter-, niederlassen», im Ahd. auch«zugesteheny. Davon Gelassenheit, f., mhd. geläzenheit f. Gottergebenheit, Ergebenheit». Gelatine(spr. zelaténe), f.: Gallertstoff. Aus gleichbed. franz. gélatine f., gelehrte Ab- leitung von lat. geläãtus«gefroren», Part. Pass. von geldre«gefrieren macheny. 1727 bei Hübner Gelatina. geläufig, adj.: sich leicht und schnell bewegend(Opitz Ps. 45); wohlerfahren, wohl- bekannt(1734 bei Steinbach, geläuftig bei Leibniz). Eine Verstärkung von läufig(s. d.). 4BL. Geläufigkeit, f., 1745 bei Weber. Geläute, n.(-s, Pl. wie Sg.): das Läuten der Glocken, mhd. geliute n., auch allgemein «Schall, Getösey(ahd. gilti n., ags. gehlgd, gehlyde n.). Substantiv zu lauten, lüuten(s. d.). gelb, adj., bei Luther und noch in md. Mundarten gel, wie fahl neben falb, mhd. gel(Gen. gelzwes), ahd. gelo(mit o aus o, Gen. gelawes), mit b aus o bereits im 14. Jh. gelb; dazu asächs. gelo, in schwacher Form gelowo, mud. gel, geel, mndl. ghela, gheluao, ndl. geluro neben geel, ags. geolo(Gen. geolabes), engl. ſellouo; dazu ablautend anord. gulr, schwed.-dän. gul. Mit i aus mit J gebildeten Formen mbd. gilioez neben gelwez, gilꝛven «gelb fürbeny», gilweht, gilweleht«gelblich», gilioe f., ahd. giliwvꝭ f.«gelbe Farbes, noch nhd. gilblich, vergilbt. Der Lautverschiebung gemäß stimmend mit lat. helvus(entlehnt aus dem Keltischen(?) gilvus) chonig-, hell- gelby, gr. xxôoc m.«grüngelbe Farben, xkön f.«erster grüngelber Pflanzentrieby, xXuw chellgrün, gelblich», lit. 2alias«grün», abg. zelenui«gelb, grün, awest. zuiri-«gelb, gold- farbenꝰ, aind. häri-«gelb, blond». Lit. gelsvas «gelblich, fahl, geltas«fahlgelb» bieten Schwierigkeiten im Guttural. 43L. gelben, v.: gelb werden, spätmhd. im 14. Jh. gelben (Megenberg 39, 14). gelblich, adj., 1616 bei Henisch, gelblicht 1562 bei Mathesius Sar. 41², mhd. gelbloht(s. gilblich). Z0S. Gelbgießer, m.: der Geräte aus Messing gießende Handwerker, 1741 bei Frisch aus älterm nd. geelgeter(1594 bei Chyträus), ndl. 1598 gheelghieter. Gelbschnabel, m.: zu- nächst der noch nicht oder doch kaum flügge Vogel, weil er zu beiden Seiten des Schnabels gelb ist, dann bildlich ein junger unerfahrner, noch unselbständiger junger Mensch(1586 Mathesius Syrach 1, 33² der Pl. Geelschnebel, ebenso franz. bec-jaune, béjaune m., vgl. geel umb den Schnabel Luther 7, 223 b J., ich welt dirs gelb vom snabel wiüschen Sachsenheim 665 Geld Gelenk 666 Mörin 548). Gelbsucht, f., mhd. gelsuht f. Gelbwurz, f.: Pflanze mit inwendig safran- gelber Wurzel zum Färben(curcuma longa) oder gelbem Safte(chelidonium majus). In der 1. Bed. 1721 bei Jablonski, Gilbzwertzel 1588 bei Tabernämontanus. Geld, n.(es, Pl.-er): als allgemeines Zahlungsmittel anerkannter Gegenstand. Bei Luther und im 17. Jh. noch Gelt, mhd. gelt n. und m.(Gen. geltes und geldes, Pl. gelt wie noch im 16. Jh.), ahd. gelt n., seinem Stammworte gelten(s. d.) gemäß zunächst «Zahlung, die geleistet wird, Ersatz, Ein- kommen, Rente, Schuldforderungy, dann«ge- prägtes Geld und dessen Ersatz in Papier»; dazu asächs. geld n.«Vergeltung, Zahlung, Opfer», mndl. geld und afries. geld, jeld n. cgeprägte Münze?, ags. gild n.«Vergeltung, Ersatz, Opfery, anord. gjald n. Erstattung, Steuer», schwed.-dän. gjcld«Bezahlung', got. gild n.«Steuer, Zins». ZUS. Geldbeutel, m., 1663 bei Schottel 5072. Geldbrief, m.: Brief mit Geld, in dieser Bed. noch nicht bei Campe. Im 15. Jh. Schuldverschreibung. geldgierig, adj., bei Fischart Ehez. B 6. Geldkatze, f.: hohler Gürtel als Geldbeutel, 1741 bei Frisch(s. 2 Katze). Geldsack, m., bei Luther, ndl. 1598 geldsak bildlich«der Reiche». Geldschneiderei, f.: Betrügerei mit Geld, Prellerei, 1787 bei Kramer, im eig. Sinne Geldschneider«Münzbeschneider? 1616 bei Henisch. Geldstrafe, f., 1541 bei Frisius 565 2 Gältstraaff. Gelée, n.(spr. Zelé,-s, Pl.-S): Sülze, Dicksaft, eig. Gefrornes, kalte geronnene Brühe. 1715 bei Amaranthes. Das franz. gelée f., aus lat. gelãta, dem Fem. des Part. Prät. von lat. geläre gefrieren macheny. gelegen, Part. als Adj.: der räumlichen Ausdehnung nach befindlich; nach Paflich- keit erwünscht, passend(bei Luther). Mhd. gelegen, ahd. gilegan«in Beziehung worauf Lage habend, nah angrenzend, nah verwandt, benachbart), Part. Prät. von liegen und ge- liegen(s. d.). Dazu Gelegenheit, f., mhd. gelegenheit f.«Art und Weise des Liegens, Lage, Beschaffenheit, Angrenzungy, älternhd. im 16. Jh. Gegend, bequeme Nähe, bequeme Sachlage». gelegentlich, adj., mhd. gelegen- lich«gelegen, sich darbietendo, im Adv. ahd. gelegenlicho«wie mein Nächstery, mhd. ge- legenliche angrenzend», 1734 bei Steinbach gelegentlich«bei Gelegenheit, bei angemeßner Verbindung von Umständen). gelehm, adj.: leicht sich fügend und biegend. Im westl. Mitteldeutschland(wetter- auisch gellm). Md. im 14. Jh. geleme als Adv. bildlich«zutunlich, sich schmiegend traulichy. gelehrig, adj.: leicht und gern sich lehren lassend. 1420 gelerig, aber schon im 13. Jh. md. ungelérich. Eine Verstärkung des gleich- ped. ahd. lérig, noch im 16. u. 17. Jh. lehrig, mnd. lérich. Gelehrsamkeit, f., im 17. Jh. bei Leibniz, von gelehrsam(1578 bei Fischart Ehz. E 2²), gebraucht als Substantiv zu gelehrt, Part. als Adj., mhd. geléret, gelért, ahd. galérit, gilert, Part. Prät. von lehren(s. d.), wovon das mhd. Verbum geléren, ahd. ga-, giléran. Geleise, s. Gleis. Geleit, n.(es, Pl.-e), unverkürzt Ge- leite(Schiller 11, 35), mhd. geleite, geleit n. Leitung, ehrende Begleitung, Begleitung mit Schutz, insbes. zu landesherrlichem Schutzy, mnd. und ndl. geleide n. Von geleiten, v.: mit jem. auf dem Wege sein, bes. zu seiner Sicherheit, mhd. geleiten, ahd. gileitan«mit-, wohin leiten?(s. d.), ags. gelẽdan. ZUS. Geleitsmann, m.: Führer, Begleiter, mhd. geleitesman und geleitman, md. leitesman, leit- man. Geleitswoche, f.: die Vorwoche der Messe(in Frankfurt a. M.), zu mhd. geleite n. «die Begleitung, die der Herr des Landes dem reisenden Kaufmann zum Schutze gibto, dann auch der Zoll für diese Begleitungy. Gelenk, n.(-es, Pl.-e): Zusammenfügung zweier Körper, mittelst welcher diese bewegt werden können(im 16. Jh.). Mhd. gelenke n. ader biegsam schmale Leib zwischen Hüfte und Brust, die Taille, Biegung oder Falte (des Kleides), Beugung, Verbeugung». Kol- lektiv zu mhd. und noch bayr. lanke, ahd. hlancha, lancha f.«Weiche, Lendey, d. i. die Stelle über der Hüfte wo der Körper sich biegt (s. Flanke), ags. Menca m., hlence f., anord. Nlekkr m. cRingy, im Plur.«Kette?, schwed. länke m., dän. Iänkce«ineinander greifendes Glied, engl. link Kette, Kettenglied»(auch nhd. 1517 bei Trochus Q52 gelenck«Kettenringy, ebenso bei Sturz 2, 108). Dann aber auch als Substantiv zum Adj. gelenk md. im 14. Jh. gelenkte«Gewandtheity, und als Verbalsub- stantiv zu lenlcen, Lenkung(bei Luther 1, 491² Jen.) cdie richtige Lenkung bei einer Wegebiegung»(in Sachsen und Thüringen). Daneben mhd. gelanc m.«Gelenky. Weiter gehört das Wort zu lat. clingo bei Festus cumgürte», aind. grwkhald f.«Kette, Fessel». 667 gelfen geloben 668 Weitre Verwandtschaft unsicher. Vgl. Walde s. v. gelenk, adj.: biegsam und gewandt. Mhd. gelene wie Gelenk(s. d.), abgeleitet von mhd. lanke f.«Lendey. Davon das gleich- bed. Adj. gelenkig, 1664 bei Duez. Da- von Gelenkigkeit, f. im 18. Jh. gelfen gelfern, v.: zu laut und daher widerlich laut werden. In Franken gelfen, gilfen, bei Adelung 1775 gälfern, nd. galfern, gaßpern, 1595 im Froschmeus. 1, 2, 2 gilfern, im 16. und 17. Jh. gelfen, gilfen(Wunder- horn 4, 182), gilpfen(Weller Dicht. 84), mhd. gelfen, gelpfen(Prät. galph)«laut werden, schreien, bellen, übermütig sein, prahlen), refl.«worüber fröhlich seiny, nebst dem Subst. mhd.-ahd. gelf, gelph, asächs. gelp m.«Hohn», gelpquidi Hohnredes, spütmhd. gilfm.«Schrei; dazu ahd. gelbön einem etwas weis machen», asächs. galpon«laut rufen, sich rühmen», ags. gilpan, gelpan«sich rühmen», anord. gjalfr n. «Brausen, Brandung», mnd. gelbe«Wasser- wogey. Wohl Ableitung von gellen. Man vergleicht noch aind. pra-gälbhati«ist mutig, entschlossen, pragalbhäs«mutig, entschlossen⸗ (mit g aus gh wegen des’h). Gelichter, n.(-*s): Gleichheit des Wesens; Inbegriff von Personen gleichen Wesens. Im 15. Jh. bei Beheim Ged. 9, 936 glihter, 1562 bei Mathesius Sar. 97 2 Gelichter, in Wörter- büchern erst bei Steinbach 1734, mit ver- ächtlichem Nebensinn seit dem 17. Jh.(Simpl. 3, 12 Kurz); Nebenformen Gelächter(1648 bei Harnisch aus Fleckenland 74), Glifter (bei Abr. a. S. Clara Judas 1, 298, noch bayr.- tirol.), siebenbürg. Geläfter«eins von einem Paary. Davon mhd. im 14. Jh. gelichtergit m. «Angehöriger derselben Familien, im 13. Jh. Rihtride f.«Geschwisterschaft»(Berthold v. Regensburg 1, 93, 7), im 12. Jh. gliherte f. «Geschwisterlichkeit»(2). Man faßt jetzt Ge- lichter als Kollektivbildung zu ahd. lehtar, lehter und gilehter«Gebärmuttery. Dies ist abgeleitet von liegen, eig.«Ort des Liegens», vgl. and. lãtr n. Liegestätte? und entspricht gr. XExrpov n. Bett, Ehebetty. Dabei bleiben die Formen mit f unaufgeklärt. gelieben, v.: lieb sein, belieben. Nur noch altertümlich. Mhd. geliehen cangenehm sein oder werden», mnd. geléven; trans. mhd. gelieben, ahd. giliuhan lieb, angenehm machem, ags. gelufian«lieben». Geliebte, m. und f., das Part. Prät. von lieben(s. d.) als Sub- stantiv, in allgemeiner Bed. bei Luther(im Predigtstil Geliebte in dem Herrn 1678 bei Krämer), im engern Sinne 1541 bei Frisius 63 b die Geliebte«amica?. geliefern, v.: aus dem flüssigen Zustand in einen festern übergehen. 1562 bei Mathesius Sar. 80 à geliefern, mhd. gelibern, liberen; dazu das Part. Prät. ahd. im 11. Jh. giliberbt«geronnen?, mhd. gelibert, md. im 14. Jh. gelibbrit und im 15. Jh. geleffert, 1595 im Froschmeus. 1, 2, 11 gelebert(spätere Var. gelievert, geliewert); dazu mnd. leveren«gerinnen machen». Gleichen Stammes wie Lab und Lebermeer(s. d.). geliegen, v.: niederliegen, zu liegen kommen, niedersinken, fallen; niederkommen, ins Kindbett kommen(1. Sam. 4, 19). Mhd. geligen, ahd. giligan«daniederliegen, sich niederlegeny, im Mhd. auch vom Kindbett. gelind, adj.: unverkürzt gelinde, mhd. selten gelinde, verstärktes lind(s. d.). Ge- lindigkeit, f., bei Luther. gelingen, v.(Prät. gelang, Konj. gelänge, Part. gelungen): gut vonstatten gehen, ge- wünschten Erfolg haben. Verbunden mit sein, bei Luther(1. Makk. 2, 47) mit haben. Mhd. gelingen, ahd. gilingan; auch das ein- fache mhd. und mnd. lingen bed.«vorwärts gehen, glücken». Gleichen Stammes wie ahd.-asächs. Taungar, mhd. langer, ags. lungre crasch, schnelly; dazu gr. eX†οœ0᷑ñꝗο˙t«schnell, aind. laghäs, raghüs«rasch, schnell, leicht» u. a. Weiter aind. πνο‿nati, lawoghäjati«springt auf, verletzt, beleidigty, auch rqhaté«rinnt, eilty, awest. ronjaiti«macht Glück», ir. léi «Sprungy. Auch gr. eérxeiv«schmähen, ver- achteny könnte verwandt sein. Grundbedeu- tung aufspringen), auf der andern Seite könnte auch lit. linkti«sich biegen?, leflcki «biegen herangezogen werden. gell, adj.: gellend. 1482 im Voc. theut. K 6 b gell, mnd. ghel. Zu gellen, v.: hell, scharf durchdringend schallen. Jetzt schwach-, ehedem starkbiegend, mhd. gellen(Präs. gille, Prät. gal, Plur. gullen)«die Stimme laut hören lassen, klingenꝰ, ahd. gellan; dazu mnd. gellen, gillen, ndl. gillen, ags. gellan, gillan«klingen, die Stimme ertönen lassen», anord. gjalla, gella«ertönen». Die Wurzel gel«töneny auch vielleicht in gr. xe²idy f.«Schwalbe». geloben, v.: sich mit Worten feierlich wozu verbindlich machen. Mhd. geloben, ahd. gilobön æbeifällig erhebeny», dann Beifall gebend sich wozu verbindlich machen, ver- sprechen, verlobeny». Zusammenges mit loben (s. d.). Davon Gelöbnis, n., im 15. Jh. gelobe- nisse, gelobniß, 1616 bei Henisch Gelöbnuß. 669 Gelos Gelze 670 Gelos, n.(-es): Exkremente des Wildes. Weidmännisch, 1582 in Feyerabends Weid- werkbuch 37 b Gelo66, 1580 bei Sebiz Feldbau 573 Gloß, im 15. Jh. gose n.(Schmeller 1, 977). Kollektivbildung zu 1Los(s. d. und Losang). Gelse, f.(Pl.-n): Schnake, Mücke. Bayr.- österreichisch. 1687 bei Hohberg 1, 453 b Gelsse, bei Abr. a S. Clara Etwas f. Alle 2, 626 Gölsen f., 1678 bei Krämer Golse, um 1480 im Voc. inc. teut. k 1 b golsen f. Von gelsen«summen, schreien», noch bayr.-elsäss., einer Ableitung von gellen. igelt, das zur Interjektion gewordene Präs. des Konj. von gelten(es gelte):«nicht wahrꝰ als Aufforderung zur Bejahung, wohl auch zur Mitverwunderung. Im 14. Jh. mhd. gelte(Königshofen 261, 16, zu lat. mem in der Vulgata 2. Mos. 2, 14). Aus der Rede der Wettenden entnommen, wie gleichbed. zas gelt's im 16. Jh. und wie der Plur. geltet als Interj., 1558 im Katziporus L 7 b, bei Fi- schart Garg. 143, noch schles. und oberdeutsch. zgelt, adj.: keine Milch gebend, nicht trächtig, unfruchtbar. Mhd.-ahd. und noch obd. galt, md. im 14. Jh. gelde; dazu ags. gelde, nordengl. geld, schott.„eld), anord. geldr, norweg. gjeld, altschwed. galder, dann gaalt, jetzt gall. Die einmalige ahd. Glosse gialta, «sterilem»(Steinmeyer-Sievers 2, 656, 45) knüpft das Wort an alt(s. d.) und ahd. gial- tinön neben alten, elten«aufschieben, ver- zögernꝰ, gialtinõti f.«Hindernis»; Hildebrand im D. Wb. aber vermutet Zusammenhang mit anord. galdr ZLaubersang, Zauberei» und als urspr. Bed.«verhextn. Gelte, f.(Pl.-/): kleineres eimerartiges hölzernes Schöpf-, Aufbewahrungsgefäß zu Flüssigkeiten. Mhd. gelte, älter gellete, gellite, ahd. gelta früher gellita, gellida f., mnd. gelte, ndd. auch gilte, wie ags. gellet n.? großes Trinkgefäß⸗ entnommen aus mlat. galleta, gallida f.«Gefäß, Kübel». gelten, v.(Präs. gelte, giltst, gilt, Prät. galt, Konj. gälte und gölte, Part. gegolten): Dargeliehenes oder dessen Wert zurückgeben, vergelten(nur noch dichterisch); einen ge- wissen Preis haben; wofür gehalten werden; abzielend richten nach..„ abzielend betreffen (mit Dat., früher auch mit Gen. oder Akk.). Mhd. gelten(Präs. gilte, Prät. galt, Plur. gulten, Konj. gulte, gülte, Part. gegolten, da- her ülternhd. Prät. golt, Konj. gülte, gölte), md. auch gelden, ahd. geltan«zurückerstatten, bezahlen, opfern, vergelten», im Mhd. auch ceintragen, kosten, wert sein⸗; dazu asächs. geldan,«zahlen, vergelten», ndl. gelden«kosten, wert seiny, afries. gelda, jelda vergelten», ags. gieldan, gildan, geldan«bezahlen, zurück- erstatten», engl. vield ceintragen, zugestehen?, anord. gjalda, altschwed. gjalla, dän. gjälde cpbezahleny, got. in fra-, usgildan«vergelten». Ursprünglich hängt das Wort mit dem heid- nischen Opferdienst zusammen und bed.„dem verleihenden Gott in Dank oder Sühnung darbringen, gleichsam als Gegenwert geben“, daher ags. gieldan«opfern, weihenꝰ, gielcl, gild n. und asächs. geld n. Opfery(s. Geld, Gilde, Gülte). Aus dem Germanischen ent- lehnt abg. Zled;«ich zahle, büßey. Die Ver- wandtschaft mit altir. geil n.«Pfandꝰ, gellaim cich verspreche?, gr. rãAéoc n. schuldige Gebühry ist sehr unsicher. Vgl. Osthoff Idg. Forsch. 4, 268. Sichere Anknüpfung fehlt. 4BL. Geltung, f.: Wert, 1616 bei Henisch, aber 1470 geldungk«censusy. Gelübde, n.(-S, Pl. wie Sg.): feierliches Versprechen. Mhd. gelähede, gelubde f. n., md. gelubde n. und gelobede, gelobde, gelõbde n., ahd. gilubeda f., von geloben(s. d.). Gelüng, n.(-s, Pl.-e): das Geschlinge 1540 bei Alberus dict. Ee 2² Geläng, md. im 15. Jh. gelunge n., Kollektiv von Lunge(s. d.). Gelüst, Gelüste, n.(es, Pl.-e), älter auch Gelust m.: mit angenehmer Empfindung verbundene Begierde. Mhd. gelust m. f. und geluste m., ahd. gilast f., Nebenform von Last (§. d.), als dessen Kollektiv aber mhd. ge- lüste n. Als Verbum zu Gelast gelüsten, v. impers. mit Akk.(seltner Dat.) der Person und Gen. der Sache oder mit Präp.(nach, wider) oder Inf. mit au. Mhd. gelästen, ge- lasten, ahd. gilusten, ags. gelystan. Gelze, f.(Pl.-n): verschnittenes weib- liches Schwein. Mhd. galze, gelze f.«ver- schnittene Sau», ahd. galza, gelza f.«junge Sauy; dazu mnd. gelte und 1477 clevisch gylte f.«verschnittenes Mutterschweiny, ags. gilte f. und engl. gilt«junge Sauy, anord. galti, göltr m., gyltr, gylta f. und schwed.- dän. galt«verschnittener Ebery, desselben Stammes wie anord. gelda«kastrieren», geldr «entmannty. Doch stimmt die Lautverschie- bung nicht, und man müßfte für gelze eine Grundform geldnö-«voraussetzen». Dann könnte auch gelt verwandt sein. Man ver- gleicht aind. Iᷣs m.«Widdery, falls dies für hydus steht. 4BL. gelzen, v.: ein Tier durch Verschneiden unfruchtbar machen, md. 67 1 Gemach gemein 672 um 1400 gelzen(Rothe Dür. Chr. 565). Gelzer, m.(-s, Pl. wie Sg.): der Schweineschneider. In der Schweiz und im Elsaß. ZUS. Gelzen- leichter, m.(-s, Pl. wie Sg.): Schweine- schneider. Noch in der Wetterau und am Vogelsberg. Md. um 1400 gelczenlichter m., zu mhd. lhten glätten, kastrieren»(noch bayr. leichten), von mhd. Mhte«glatty, Uchen, ahd. Uchön æglatt machen, polierenꝰ. Gemach, n.(-es, älternhd. auch Pl. Gre- mach): Ruhe, Wohlbehagen, Bequemlichkeit; (Pl. Gemächer, seltner Gemache) Bequem- lichkeitszimmer. In der 1. Bed. mhd. gemach m. n., ahd. gimh n., mnd. gemack, gemalce n., mndl. Semack, in der 2. Bed. mhd. gemach n. «Ort der Ruhe und des Sichpflegens, Zimmer, Wohnung», dann auch Abtritt(1316 ein haimlächer gemach), ebenso mnd. Von ge- mach, adj., wohl sich fügend, bequem, mit Bequemlichkeit langsam, mhd. gemach, ahd. gamah, gimah, Adv. gimahho, ags. gemcœc(eig. «womit verbunden, wozu sich fügend, wozu gehörigy, wie anord. maler«passend), zu- sammengehörig mit machen(s. d.). Davon gemächlich, adj.: zu Bequemlichkeit ge- neigt, nach Bequemlichkeit langsam, mhd. gemeéechlich, ahd. gimahläh, mndl. ghemackelick; dazu das Adv. ahd. gamahlihho, mhd. gemech- liche, im 15. Jh. auch gemélich, bei Rachel Sat. 4, 111 Var. gemählich(vgl. allmählich). Gemächlichkeit, f., bei Fischart gl. Schiff 623 Gmachlichlait. Gemächt, Gemächte, n.(-es, Pl.-): Zeugungsglied. Im mrhein. Voc. ex quo 1469 gemechte n., spätmhd. gemecht n., weiterge- bildet aus dem gleichbed. mhd. gemaht f. und Pl. gemehte, ahd. gimaht f. und n. Dazu and. gimaht«penis» mndl. ghemahte. Zusammen- gesetzt mit ahd. maht f.(S. Macht), also zu- nächst«das Zeugungsvermögen des Mannes’. ²Gemächte, n.(-s, Pl. wie Sg.): das Gemachte, bes. Kunst- oder Handwerksarbeit; letztwillige Bestimmung, Testament(diese Bed. im 18. Jh. veraltet). Mhd. gemechte, gemecht n., von machen(s. d.). Gemahde, m. f. n.(-n/, Pl.-n): Reihe niedergemühten Grases. Im westl. Mittel- deutschland(1208 bei Kehrein Nassau Nachtr. 17 gemãd f.«xwas ein Mann an einem Tage mähen kann»). Zsgs. mit mhd. mäde f.«Mahdy. Gemahl, m.(-s, Pl.-e): der ehelich Ver- bundene. Alternhd. im 16. Jh. Gemlahel, mhd. genzahele und gemahel, ahd. gimahdalo m.«Verlobter, Bräutigam, ehelich Verbun- denery, zu ahd. gimahalan und mahalen zu- sammensprechen, verloben», abgeleitet von ahd. mahal n.«Vertrag, Ehevertrag, eig. Ver- sammlung, Gerichtsversammlung, Gerichis- verhandlung, Gerichtsstättey(s. Mahl 1). Gemahl, n.(s, Pl.-e): ehelich verbun- dene Person, vorzugsweise die weibliche, spätmhd. im 15. Jh. genachel n.(Städtechron. 4, 123, 1), gemechel n. Fontes rer. austr. 2, 18, 493 von 1405), dann bei Luther Gemahl n. Gemahlin, f.(Pl.-“en): Gattin, 1468 ge- mahelin(Germania 28, 367), dafür mhd. ge- mahele, gemahel f., ahd. gimahala, gimüla f. Verlobte, Braut, ehelich Verbundene?(eig. cdie Zusammengesprochene»); vgl. auch and. gimehlida f.«Gattin?. gemahnen, v.: nachdrücklich oder stark erinnern. Mhd. und mnd. gemanen, ahd. und asächs. gemanön, ags. gemanian, zusammenges. mit mahnen(s. d.). Gemälde, n.(—s, Pl. wie Sg.): gemaltes Bild. Mhd. gemclde, md. gemélde, ahd. gimã- lidi n. neben gimali n., mhd. gemcle, älternhd. Gemal, im 17. Jh. Gemäãhl n. Von malen(s. d.). Gemarkung, f.(Pl.-en): Gemeindegrenze und-gebiet, im 18. Jh.(Maler Müller 1, 304 von 1775). Nebenform zu Markung(s. d. unter Mark 1). Gemäß, n.(¹es, Pl.-e): tiefes Maß; Mabart. 1543 bei Michelsen thüring. Rechtsdenkm. 50 Gemeß n., Kollektiv von Maß(s. d.). gemäß, adj.: nach Verhältnis(urspr. nach dem Muß) übereinstimmend. Mhd. gemceze «Maß haltend, mäßig», dann mit Dat.«ange- messeny, md. geméze, ahd. gemdze ange- messen»y von messen(s. d.), wie genelim (s. d.) von nehmen; dazu mndl. gemaet, ags. gemcꝰte und mcꝰοte neben gemet, dem ahd. ginez, mez(in ungimez und unmez, asächs. ungimet) entspricht. 4 L. Gemäßheit, f., im 16. Jh. pei Kirchhoff Wendunm. 1, 539 Gemeßheit (zu gemäß entsprechend), aber mhd. gemcez- heit f.«Mäßigungy. Gemäuer, n.(-s): Mauerwerk, bes. altes (bei H. Sachs Gemenwer). Mhd. gemiure n., Kollektiv von Mazer(s. d.). gemein, adj.: mehr als einem, dann der Menge zusammen eigen oder zukommend; allzu vertraulich(bei Luther 1, 3632 J.); zur großen oder niedern Menge gehörig(mhd.), sowie derselben gemäß(in geringschätzigem Sinne 1616 bei Henisch, verächtlich in mora- lischer Beziehung 1775 bei Adelung, jedoch schon mhd. gemeine awip«allen ohne Unter- 673 gemein Gemüse 674 schied gemeinsam»). In der 1. Bed. mhd. gemein, ahd. gimeini, Adv. gimeino; dazu asächs. giméne, afries. geméne und méne, ags. gamcne(engl. mean«niedrig, verächtlich»), got. gamains«gemeinsam, aber auch cpro- fany im Gegensatz zu cheilig», aus ga- und main. Übereinstimmend mit lat. commanis (altlat. comoinis)«gemeinschaftlich, allgemein, gewöhnlich, leutselig, niedrig», osk. mäülnikad «communiy». Das Grundwort moin gehört einer weitverbreiteten Wurzel an, vgl. Me- ringer Idg. Forsch. 18, 270, commändis am besten mit ihm zu moenia Pl.«Mauernꝰ, d. h.«wer mit mir die Mauern teilt», vgl. Geselle. 43L. Gemeine, Gemeinde, f., mhd. gemeine, ahd. gimein?, got. gamainei f.«Anteil, Ge- meinschaft, Mitgenossenschafte, im Mhd. auch «zusammengehörige Ortsgenossenschaft und deren gemeinschaftlicher Grundbesitz»; da- neben mhd. gemeinde, ahd. gimeinida f., andd. gimẽntho m.«Gemeinschaft»(lat. communio f.), im Mhd. die Ortsgenossenschaft in bürger- lichem oder kirchlichem Sinne und deren Grundeigentum, vgl. got. gamainps f.«Ge- meinde, Versammlung. Gemeinheit, f., mhd. gemeinheit f.«Gemeinde, Gemeinde- besitzy, im 15. Jh.«Gemeinsamkeity, in der Bed. sittliche Niedrigkeit» erst am Anfang des 19. Jh. gemeiniglich, adv., mhd. ge- meinecliche neben gemeinliche, ahd. gimeinliho (zum Adj. mhd. gemeinlich, ahd. gemeinlih). gemeinsam, adj., mhd. gemeinsam, ahd. ga- meinsam. Gemeinsamkeit, f., 1482 im Voc. theut. 13 b, mnd. ménsamheit f. Gemein- schaft, f., mhd. gemeinschaft f.(auch«Ge- meinde, fleischliches Beiwohnen»), ahd. gimein- scaf f. gemeinschaftlich, adj., 1691 bei Stieler. ZUS. Gemeingeist, m., zuerst bei Herder, dann bei Schiller als UÜbersetzung des engl. public spirit, franz. esprit public. Gemeingut, n.: gemeinsamer Besitz, bei Bürger II. 1, 124, geistig bei Schiller 10, 383, 22. gemeinhin, adv.: gewöhnlich, bei Adelung 1796, gemeine hin 1734 bei Weber, dafür im 16. Jh. in der gemeine hin(Luther 4, 262 Jen.). gemeinnützig, adj., bei S. Franck Chron. 1482 gemein matzig, Paradoxa Nr. 180 gemeinnützig. Gemeinplatz, m., 1770 von Wieland 14, 293 als UÜbersetzung von lat. locus communis gebildet, wofür sonst Gemein- ort(Lessing 10, 190 von 1778). Gemeinsinn, m.: der gemeine Menschenverstand(lat. sen- sus commaunis, 1691 bei Stieler); Gemeingeist (bei Herder und bei Voß 2, 233). Anders Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. mhd. im 14. Jh. der gemeine sin(Mystiker 2, 538, 10 f.), entsprechend in der mittelalter- lichen Philosophie sensus commaunis, bei Ari- stoteles xotvi icéncic«der sechste allgemeine Sinn, in dem sich die Wahrnehmungen der fünf Sinne zur Einheit sammeln». Gemein- wesen, n., 1663 bei Schottel 442 b für lat. respublica. Gemeinwohl, n., im 18. Jh. bei Voß nach engl. common weal. gemessen, Part. Pass. von messen(s. d.) als Adj.: genau abgemessen(Lessing 7, 67), kurz und knapp(Goethe 8, 124 gemessene Ordre). Gemisch, n.(es, Pl.-e): Mischung, 1616 bei Henisch, aber schon ahd. gimisgi n. neben gimiskida f., mhd. im 14. Jh. gemischt n. Gemme, f.(Pl.-n): Edelstein; geschnittner Stein, Ringstein. Mhd. gimme, ahd. gimma f., gegen 1200 ndrhein. gemme f., aus gleichbed. lat. gemma f. Gemse, f.(Pl.-n): wilde Bergziege. 1537 bei Dasypodius Gems f. und bei Luther der Pl. Gemsen, mhd. gemeze, ahd. gamiza f. und das Dim. gamicin n., alemannisch Gamsch (bereits im 14. Jh.), Gemsch f., daneben mhd.- ahd. gamz m., im Teuerdank gembs m. mit schwacher Flexion, noch oberdeutsch Gems m., bayr.-tirol. auch Neutr., wie schweiz. Gemschi n. Ein Alpenwort, entlehnt aus gleichbed. ital. und welschtirol. camozza, chur- welsch comuotsch, chamotsch, ladin. gamoud, neuprov. camous, franz. chamois, span. gamuaa, camuaa, port. camuça, camurça f. und lat. im 5. Jh. n. Chr. amox(vgl. Much ZfdA. 42, 168, Lidén KZ. 40, 260). ZUS. Gems- bart, m.: Schmuck am Hute aus Gems- haaren. Erst im 19. Jh. in die Schriftsprache aufgenommen. Gemsbock, m., 1537 bei Dasypodius. Gems-, Gemsenkugel, f.: Ballen im Magen der Gemse, 1697 bei Ettner unw. Doctor 801 Gemsulgel. Gemüll, n.(-s): durch Zermalmen Ent- standenes, aufgehäufter Staub, Kehricht. Mhd. gemülle, gemül, ahd. gamulli n., von mhd. mulllen, ahd. muljan, mullan zerreiben, zer- malmen»; dazu md. gemolle, mnd. gemulle, gemul n. S. Müll. Gemüse, n.(-S, Pl. wie Sg.): aus Garten- oder Feldgewächsen gekochte Speise, eig. breiartige; dann jene Garten-, Feldgewächse selbst. In der 1. Bed. bei Luther 2 Kön. 4, 38, in der 2. Bed. bei Spee Trutznachtigall 30 B. Spätmhd. gemäese, mnd. gemôöse n. «Speise, Brei?, Kollektiv von Mus(s. d.). 43 675 gemüßigt geneigt 676 gemüßigt, s. 2müßigen. gemut, adj.: in der Seele gestimmt. In wohlgemaut. So mhd. gemuot, md. genlde, aber ahd. ginati«angenehm, lieb, gütigy, von Mut(s. d.) gebildet. Gemüt, n.(es, Pl.-er): Gesamtheit der eigentümlichen Seelenstimmungen. Die un- verkürzte Form Gemüthe n. noch bei Lessing 3, 285, Goethe 50, 263 und Faust 176. Mhd. gemiele, gemuote n. in obiger Bed., aber auch Herz, Inneres, Stimmung, Verlangen, Lust, Begehren, Ansinnen», ahd. gimauati n. das Angenehme, Gnade, Vortrefflichkeity; dazu mnd. gemöde, gemote, gemôt, mndl. gemoeldle, nnld. gemoecl n.«Gemüty. Kollektivbildung zu Mux(s. d.). Der Plur. im 16. Jh. Gemite, RVemüt(noch bei Goethe 6, 191 Gemüthe), aber bereits bei Fischart Nachtr. 1382 und Garg. 453 Gemüter. 4 BL. gemütlich, adj.: das Gemüt betreffend(1572 bei Wirsung Arzneib. 513), mhd. gemauotllich der ange- nehmen Seelenstimmung entsprechend, ge- nehmꝰ, md. im Adv. gemätläche«gern, frei- willig»(zu ahd. gimuati n.«das Angenehme, ILiiebeꝰ, gimuati Adj. cangenehm, lieb»), noch im 16. Jh. gemiitlich«lieb, willkommen), dann 1723 bei den Herrnhutern in der Bed. ge- mütvoll, in dieser tiefern Bed. von Goethe in die Schriftsprache eingeführt, im 19. Jh. jronisch verflacht. Gemütlichkeit, f., 1775 bei Adelung. ZUS. Gemütsart, f., bei Gellert 3, 39. Gemütsbewegung, f., 1654 bei Olearius pers. Rosenthal 7, 20. gemüts- krank, adj., 1691 bei Stieler. Gemüts- krankheit, f., 1727 bei Aler. Gemüts- ruhe, f., 1691 bei Stieler, Gemüthesruhe bei Lohenstein Hyac. 83, Gemütsrurwigkeit 1596 bei Hulsius. Gemütsstimmung, f. Ende des 18. Jh. aufgekommen. gen, präp.: gegen. Ublich nur noch von Weltgegend, und in gen Himmel. Mhd. gén, gein, zusammengezogen aus gegin(s. gegen), im 16. Jh. auch geku, ghen geschrieben, jetzt kurz gesprochen. genänt(spr. Zenänt), s. genieren. genäschig, adj.: naschhaft, in den Fast- nachtsp. des 15. Jh. 857, 22 geneschig, nebst mhd. genesche, genasche n.«Nascherei» abge- leitet von naschen(s. d.). genau, adj.: sich fest anschließend; selbst im Kleinsten übereinstimmend; sehr sparsam. Md. und selten mhd. genouzwwe, genäwe«sorg- fältig», im 15. Jh. bei Diefenbach gl. 412° genauie, gnauoe, gnau æsparsam?, als Adv. mhd. genoulbe, 1482 genaue ckaumy. Wie das einfache mhd. Adj. 2ou, nouoe, nbe «eng, sorgfältigy, Adv. nouν⁵νe, nautse«knapp, kaumy, ebenso mnd. nοααμινςε, nar Adj. und Adv., mndl. nauεν, undl. nauνν αng, pünkt- lich». Die Etymologie ist schwierig. Früher stellte man das Wort zu nahe(so Hilde- brandt im DWB.) mit Ausfall eines Guttu- rals. Doch weisen die bedeutungsverwandten ags. Anëõazο, an. nöggr«karg, geizig»y auf ein h im Anlaut. Dazu weiter an. hnoggoe «schlagen, stoßen», die nebst ahd. hniuwan wohl mit gr. kvôõeiv«kratzen» verwandt sind. Anderseits haben ahd. garltan«stoßeny, anord. gnia, schwed. gno, dän. gmu ækratzeny, got. hmauudn(aus hi-nauαν*⁵)«zerreiben», zu denen genau auch gehören könnte, kein h im An- laut gehabt. Davon Genauigkeit, f., 1664 bei Duez. Gendärm(spr. 2adärm), m.(-en und-s, Pl.-en): bewaffneter Schutzmann zur öffent- lichen Sicherheit. Bei Roth 1791 noch Geus d'armes, Campe 1813 Gendarme, aus franz. gendarme m., urspr. gens d'armes«Leute der Waffen, Waffenmänner», in Frankreich seit Karl VII.(15. Jh.). Name der schwergepan- zerten Reiter in den Ordonnanzkompagnien, dann seit 1660 einer Eskadron der königl. Haustruppen und seit 1791 des Straßenpolizei- korps beim französ. Heere. Gendarmerjie, f. 1703 im Zeitungslex., aus franz. gendarmerie f. Gene, f.(spr. 2ꝰ5 ν6), s. genleren. Genealogie, f.(Pl.-/): Geschlechtskunde, folge, register. Md. im 14. Jh. genealogye f. (Hans Marienlieder 789), 1538 bei S. Franck Chron. d. Teutschen 75 νb Genealogy, aus gr.- lat. geneulogia, gr. reveckovia f.«Geschlechts- herleitungy, zusammenges. aus gr. Yeved f. «Geburt, Geschlecht⸗, und Nofia von dem der Richtung nach einem Orte oder einer von Aéreiv abgeleiteten Nofoc«kundig. genealögisch, adj., nach gr. Teveokoiòc. genehm, adj.: gern genommen, annehm- bar; wohlgefällig, angenehm. Mhd. genœme, md. genéme, 1429 gensm, ahd. nur nämi, ont- sprechend got. nεms in andanéms angenehm?; dazu mnd. genéme, mndl. ghename. Zu nehmen (s. d.), wie gäbe(s. d.) zu geben. Davon genehmigen, v., 1775 bei Adelung, dafür im 17. Jh. genehm halten. Genehmigung, f., 1747 bei Reichard Historie d. deutschen Sprachkunst 441, wofür im 17. Jh. Genehm- haltung und Genehmhabung. geneigt, Part. Pass. von neigen(s. d.) 677 general generös 678 als Adj.: günstig, wohlwollend, mhd.(md.) geneiget. Davon Geneigtheit, f., bei Besser Schriften 334 vom J. 1717. generäl, adj.: allgemein(1548 bei Waldis Esop 4, 4, 72 Capitel general, heute General- kapitel); in Zusammensetzung namentlich bei kriegerischen und geistlichen Begriffen und Amtern Ober-, Haupt-(s. General). Aus lat. generälis allgemein», eig.«die Gattung (lat. genus n.) betreffend, woher das franz. Adj. général. ZUS. Generalbaß, m.: Haupt-, Grundbaß, 1626 General-Baß(Germania 29, 352), 1638 bei H. Albert Arien Vorr. S. 2. Generalbeichte, f.: umfassende Haupt- peichte, bei Grimmelshausen Simpl. 2, 173, 2 Kllr. General Beicht. Generalmarsch, m., allgemeiner Heeresaufbruch, 1691 bei Stieler. Generalprobe, f.: Hauptprobe, 1595 bei Prätorius Anatomia Lutheri 3, 84 Generalprob. Generalversammlung, f. Erst im 19. Jh. General, m.(‧s, Pl.-e und Generäle, im 17. u. 18. Jh. Generals, z. B. Moscherosch Phil. 1, 288 und noch bei Schiller Pikk. 2, 7): Heerführer. Kirchlich bereits im 13. und 14. Jh. mhd. general m.«Haupt eines Mönchs- ordensy, aus mlat. generãlis(s. general). Als deutsche Kriegswürde im 17. Jh.(1616 bei Wallhausen Kriegsmanual 135 fl.), von fran- zösischen Heerführern vereinzelt schon 1510 bei Weller Zeitungen 17, aus gleichbed. franz. général m., gekürzt aus schon 1349 bezeugtem capitaine général(bei Weller 55 übersetzt durch Hauptman general). Der höchste Be- fehlshaber des Kriegsheeres hieß mhd. houbet- man, im 16. Jh. der oberst Hauptmann(1556 bei Frisius 1057 b), 1535 oberster Veldhaupt- man(Mone Anz. 8, 301), 1596 bei Fronsperger Kriegsb. 1, 47 5bff. General Oberst Hauptmann, General Oberster, General Oberst, im 17. Jh. General(1648 bei Kemnitz schwed. Krieg 1, 9b nebst Generalat n.«Feldherrnamt, Ober- befehl» 1, 294 b) und Generalissimus, m. (1665 bei Böckler Kriegsschule 37, franz. im 16. Jh. généralissime m.), ein neugebildeter Superlativ des lat. generãlis. Dazu Generâ- lin, f., bei Grimmelshausen Simpl. 2, 315, 16 Kllr. Generalität, f.: Gesamtheit der Feld- herren, 1651 in Möhners Reise 86 Generalitet, im Simpl. 153 und 444 Generalität. ZUS. Generaladjutant, m.: Adjutant im un- mittelbaren Dienst des Oberfeldherrn, 1651 in Möhners Reise 89, nach span. ayudante general, woher auch franz. adjudant général (K. Adjutank). Generalauditeur, m.: der oberste rechtsgelehrte Richter im Heerwesen, 1665 bei Böckler Kriegsschule 54 General Auditor neben Generalgeiwaltiger m.«General- profoßy 58, General-Auditeur im Anfang des 17. Jh. bei Besser Schriften 352(s. Auditeur). Generalfeldmarschall, m., 1665 bei Böckler Kriegsschule 47 General-Feld-Marschall«Ober- befehlshaber des Heeres»(s. Feldmarschall, eig. der oberste Reiterführer). General- feldzeugmeister, m.: der oberste Befehls- haber über das Geschützwesen(Feldzeug), 1678 bei Krämer, 1646 Generalreichsfeldzeug meister(Germ. 28, 367), 1535 der oberste Zeugmaister bei Mone Anz. 8, 301. General- leutnant, m., 1617 bei Wallhausen Corp. mil. 10 General Leuttenampt, 1648 bei Kem- nitz schwed. Krieg 1, 96 b General Lieutenant «Stellvertreter des Generals, des obersten Feldherrn»(s. Leutnan!). Generalmajor, m., jetzt der Nächste im Range nach dem Generalleutnant, im 17. und 18. Jh. General Major oder General Wachtmeister«der oberste Befehlshaber der Wachen»(1665 bei Böckler Kriegsschule 51, Generalmajeur 1663 bei Schuppius 1, 249, General- Wachtmeister 1632 bei Opel und Cohn 30 j. Krieg 420, 121), s. Major. Generaloberst, m., 1565 in Fron- spergers Kriegsbuch General Oberst, General Oberster«oberster Heerführer», 1632 bei Opel und Cohn 420, 124 General-Obrister der Oberstkommandierende einer Waffengattung?. Generalquartiermeister, m., 1665 bei Böckler Kriegsschule 52 der Oberste über das Quartier-, sowie über das Festungs- und Belagerungswesen». Generalstab, m., die Gesamtheit der zum Stabe eines Generals gehörigen, insbes. der mit dem Kriegsplan und der Ausführung der Anordnungen des Oberfeldherrn betrauten höheren Offiziere, 1665 bei Böckler 37. generalisieren, v.: verallgemeinern. Aus gleichbed. frz. généraliser, abgeleitet von general. 1813 ziemlich eingebürgert(Campe). Generatiön, f.(Pl.-en): Zeugung(1712 bei Hübner); Geschlechtsfolge, Menschenge- schlecht, d. h. die Menschen aus der LZeit von 30 Jahren(1728 bei Sperander). Aus lat. generãtio f.«Leugung», von lat. generdre czeugen, erzeugen. generéll, adj.: allgemein, im allgemeinen. Mit der Endung ell umgebildet aus lat. gene- rãlis(s. general). 1813 bei Campe. generös(spr. Zeneröôs), adj.: großmütig, freigebig. Aus gleichbed. frz. généreug und 43* 679 genesen dies aus lat. generôsus edely. genesen, v.(Präs. genese, genesest, genest, Prät. genas, Konj. genäse, Part. genesen): ge- rettet werden, heil davon kommen, in den Zustand des(Gdesundseins übergehen, von einem Kind entbunden werden. Mhd. ge- nesen(Präs. genise, genisest, geniset, daher noch im 16. und 17. Jh. geniesest, geniest, Prät. genas, Part. genesen), ahd. ginesan und einmal die 3. Sg. Präs. nisit; dazu asächs. ginesan, mnd. genesen und nesen, ags. genesan, got. ganisan cerrettet, erhalten werden?, wo- zu das Kausativ got. ganasjan, ahd. ginerjan «gesund machen, heilen, erretten»; vielleicht auch got. gansjan«verursachen aus ga-ns-jan chervorkommen machen». Gleichen Stammes wie nähren(s. d.) und urverwandt mit gr. véouot«ich kehre zurück», vcroc m.«Heim- kehr», aind. näsaté«er gesellt sich zuy, Näsatjãu«Götterärzten, aw. nd́ihaipja«Name eines Geistes». Aus dem Germanischen ent- lehnt abg. gonisti, gonlznqti«gerettet, wer- den». 4BL. Genesung, f., 1616 bei Henisch. geniâl, adj.: starkgeistig, schöpferisch, geistig schwungvoll. Gegen Ende des 18. Jh. (1797 bei Schiller 11, 141), etwas früher genialisch(bei Wieland 10, 243, Goethe Briefe 2, 25). Zu Genie(s. d.), der Form nach zu dem lat. Adj. geniälis«seinem genius d. i. seinem eingebornen Geiste gütlich tuend. Genialität, f., 1797 bei Schiller 11, 177. Genick, n.(-es, Pl.-e): die Gegend der Halswirbel. Die vollere Form Genicke noch bei Wieland 22, 158, Riückert 1, 530. Mhd. genic, geniche n., im Ablautsverhältnis zu gleichbed. Nacken(s. d.), um 1480 im Voc. inc. teut. i 8b genach neben genacken h 8 als Mask., bayr. Gendch und tirol.-österr. Gnack n. ZUS. Genickfang, m.: Stich ins Genick mit einem spitzen Messer, weid- männisch 1719 bei Fleming Jäger 2, 107² Genück-Fang. Genickfänger, m.: Nick- fänger(s. d.). Genickstarre, f.: Krank- heit, die sich in einem Steifwerden des Nackens äußert. Neuere Bildung. Genie(spr. zend), n.(*s, Pl.-s): Schöpfungs- kraft, feuriger Schöpfergeist(bei Gtellert 5, 79 vom]J. 1751); Person voll feurigen Schöpfer- geistes(1739 bei Liscow 741, 10). In der Bed.«natürliche Anlage und Geschicklichkeit wozuy schon 1706 bei Menantes Allerneueste Art a 6 b und 1715 bei Elis. Charlotte 2, 630. Auch als Mask. bei Wieland, Schiller Künstler 1727 bei] 255. Sperander genereuæ«großmüthig, adelich». Genieß 680 Nach der Aussprache mehrmals bei Herder, bei Schiller Wall. Lager V. 209 Schenie geschrieben. Aus dem gleichbed. franz. génie m., urspr.«Schutzgeisto, von lat. genius m.«Schutzgeist, Geist»(s. Genius). Z.US. Geniestreich, m., 1782 im Almanach der Bellettrist. 100. Dagegen Genietruppen, Pl., Geniewesen, n., in der Militärsprache seit dem 18. Jh. nach franz. génie m.«In- genieurkunst, Ingenieurkorps», von mlat. geniun für ingenium n.«Maschine, kunst- volles Werkzeug», im Lat.«Erfindungsgeist, geistreiche Erfindung»(s. Ingenieur). genieren(spr. zen-), v.: Zwang antun, beschweren, lästig fallen. Beim j. Goethe 3, 498 geniren und nach der Aussprache 3, 563 scheniren, ebenso bei Hermes Soph. 2, 651 schenieren. Aus franz. géner«martern, quälen, belästigeny, afranz. gehine, ufranz. géne f.«Folter, Qual, Zwang', abgeleitet aus kirchenlat.-hebr. gehenna f.«Hölley, hebr. géhinnöm Tal des Gewimmers» auf der Südseite von Jerusalem, dem Götzen Mo- loch geweiht. genänt(spr. Zenänt): be- lästigend. Aus franz. génant. Part. Präs. von géner. Noch nicht bei Campe 1813. Gene (pr. Z0ne), f.: Zwang, den man sich auf- erlegt. Aus gleichbed. franz. géne f.(s. o.). Bei Campe 1813. Genieß, m.(-es, Pl.-e), mhd. geniez, md. gen?z m. sdas Genießen, Benutzung, Nutznießung, Ertrag, Nutzen, Vorteil, Lohn, Genußy, neben gleichbed. mhd. niez m., Älternhd. Nioß(s. Nießbrauch); dazu mnd. genét m. n., mndl. geniet n. Bayrisch. Von genießen, v. (Prät. genoß, genossest usw., Konj. genõsse, Part. genossen): zu guter An.-, Verwendung haben; angenehm empfinden; Speise oder Trank zu sich nehmen. Mhd. geniezen(Präs. genlugest, geniuzet, daher älternhd. bis Ende des 18. Jh. geneußest, geneußt und Imp. geneuß, Prät. mhd. genõz, Konj. genuzze, Part. genozzen), md. genizen, ahd. giniozan; dazu mnd. genéten, mndl. genieten, aber got. ganiu- kan«˖fangeny nebst naule m.«Fänger, Fischer». Zusammengesetzt mit mhd. niegen, ahd. niozan, älternhd. nießen(noch bei Wieland an Merck 16. Jan. 1777 und schweizerisch), asächs. niotan, afries. nieta, niata, ags. néotan, anord. njota, got. niutan, gleichbed. mit genießen, urverwandt mit lit. nauda f. Nutzeny, nasdy-ti cbegehreny, pantsti«sich gelüsten lasseny. Aus dem Deutschen noch Natzen und Ge- n088e(s. d.). Die Zugehörigkeit von lat. 681 Genist genng 682 natrire ernähren) ist zweifelhaft. Vgl. lat. genus(Gen. generis) n. Geschlecht, Art. Walde s. v. 4 B. genießbar, adj., 1691 ZUS. Genrebild, n.: bildliche Darstellung bei Stieler. Genist, Geniste, n.(-es, Pl.-e): Abgang von Stroh, Reisig usw., eig.«was der Vogel zum Nestbau brauchty. Mhd. geniste, genist n. «Nesty, Kollektiv von Nest(s. d.), bereits im 14. Jh. in der heutigen Bed. Noch obd. Genitiv, Genetiv, m.(-s, Pl.-e): Fall auf die Frage wessen? Zeuge-, Besitefall. Aus lat. genitovus, nach den besten Hand- schriften genetivus«Angeborensein, Zeugung anzeigender»(zu ergänzen casus, s. Kasus), gebildet nach gleichbed. gr. Tevixi f.(nämlich mrücic« Fall. Genius, m.(Pl. Genien): Schutageist, Flügelgeist. Als Schutzgeist des Dichters schon bei H. Sachs 1, 437 ff., im 18. Jh. durch Winkelmann, Lessing, Wieland in der Lite- ratur heimisch geworden. Der Pl. Genien bei Klopstock Od. 193. Aus glbd. lat. genius m. Genõsse, m.(-n, Pl.-n), verkürzt Genoß- Gefährte, Teilhaber, eig. der Mitgenießende, ähnlich wie gleichbed. got. gahlaiba m., eig. Brotgenosse»(s. Laib), und Kompagnon(s. d., abgeleitet von lat. pãnis m.«Broty. Etwas anders Meringer Idg. Forsch. 18, 234 der zum Vieh(ahd. nõz, anord. naut, ags. naften) gehörts. Mhd. starkbiegend genôz, gnög, ahd. ga-, ginõ; m. neben schwachflekt.(selten) mhd. genôze, gnõöze, ahd. ginõôzo m.; dazu asächs. u. mnd. genõt, ndl. genoot, ags. genéat, anord. nautr m. 4BL. Genossame, f.(Pl.-n): Verein von Teilhabern(Schiller Tell 2, 2), mhd. genöz- samé f. Genossenschaft, Gesamtheit von(freien oder hörigen) Standesgenossen, Gemeinde Gleichberechtigter, Vereinigung, Ausglei- chungs, ahd. ginõzsem f.«Verbindung», ab- geleitet von dem ahd. Adj. ginözsam cin Gesellschaft zu reden wissend, geselligy, mhd. genozsam«ebenbürtigy. Genossenschaft, f., 1648 bei Zesen Ibr. 210, aber Gnoßschafft 1654 bei Logau 3, 1, 20, mhd. genözschaft, gnõözschaft, ahd. ga-, ginõscaf, ginõzscapht f., nndl. genootschap n. Genossin, f.(Pl.-nen): Gefährtin, mhd. genözinne, genczinne, ahd. ginozinna f., wo neben mhd. genõze f.«Gattin». Genovéfa, Frauenname, ahd. Génovéfa. Ursprünglich fränkisch. Dunklen Ursprungs. Genre(spr. Zewr), n.(*8, Pl. s): Gattung, Art(1797 bei Goethe an Schiller 3, 148 u. 239, 1813 bei Campe nicht verzeichnet);(in der Malerei) das Gebiet des allgemein Mensch- lichen. Aus gleichbed. franz. genre m., von aus dem gewöhnlichen Leben, erst nach 1800. Gentleman(spr. déentlman), m.(-S, Pl. Gentlemen): Mann von Bildung und Anstand. Aus dem gleichbed. englischen gentleman. 1791 bei Roth. genug, adv.: so viel als erfordert wird. Mhd. als Adv. genuoc, gnuoc, ahd. ginuog, gnuog, md. genãc, gench, gnãc, das unflekt. Neutrum des mhd. Adj. genuoc chinreichend, manch, viely, ahd. ginuogi, ginuoc, md. genaãc, genãch; dazu als Adj. und Adv. asächs. ginõg, mnd. genõch, ennòch, nöch, afries. enoch, anoegh, noch, ags. genõg, genõh, engl. enough, anord. Adj. gnögr und nõgr, Adv. gnöga, nõgu, nog, got. Adj. ganõhs. Gleichen Stammes wie die Prät. Präs. got. ganah, ahd. ginah«es genügt⸗ und got. binah es darf, es muß⸗, sowie anord. 2⁴ erreicheny. Der Stamm nah ge- hört einer weitverbreiteten Sippe an, die ctragen? bedeutet. Hierher gr. eveyketv cbrin- gen»?, Gfkxoc m. Tracht, Last», lit. nesti, abg. nesti«trageny, daraus dann die weitere Be- deutung«erlangen», in aind. agnöti, aw. as- naoiti«erreicht, erlangty, armen. hasanem ckomme an, komme zu etwas», lat. nancisci «erreichen», ir. at-chöm-naic caccidit), cõim- nactar«potuerunt). Got. ganah bedeutet also er hat getragen, ertragen». Vgl. Me- ringer Idg. Forsch. 18, 218. Mit Nasal ge- nung, mundartlich in Mitteldeutschland, da- her bei Goethe und früher bei Gryphius und H. Sachs, bereits im 15. Jh. genang und im 14. Jh. genunk. 43. Genüge, f., mhd. genüege, md. gennge, gnãge, ahd. ginuogi, gi- nõgi f.«Fülle, Uberfluß⸗, dazu asächs. ginõgi f. Befriedigung», mnd. genoge f. Durch Ver- mischung mit Genügen n.(schon mhd. ge- müegen n.) entstand im 17. Jh. das Neutr. Genüge(noch bei Wieland und Schiller), verschieden von ahd. ginaagi n. das Aus- reichende, die Genüge». Dafür got. ganauha m. Genüge, Genügsamkeity», genügen, v.: Genüge leisten, hinreichend sein, mhd. gendtiegen, genuogen, md. genãgen, ahd. ginuogan; dazu mnd. genõgen, nôgen, ndl. genoegen, anord. gnœgja, got. ganohjan«Genüge leisten, be- friedigenꝰ, ganõôlman«genug sein oder wer- den». genüglich, adj., mhd. genliegelich, mnd. genõchlik, mndl. ghenoeghelijl. genug- sam, adj. mhd. genuocsam, gewöhnlich aber genuhtsam, ahd. ginuhtsam, asächs. in ginuht- samitha f.«Fülley(von mhd. genuht, ahd. 683 Genus Ger 684 ginuht, ags. genyYht, anord. gnôtt f. Genüge, Menge, Überflußs). genügsam, adj. zu genügen: æleicht zu befriedigen», im 15. Jh. bei Nicl. v. Wyle 315, 18; dazu Genügsam- keit, f., 1741 bei Frisch, in der Bed.«Genüge⸗ 1691 bei Stieler. ZUS. Genugtuung, f., 1482 im Voc. theut. 13 b genugtuung, 1429 bei Diefenbach nov. gl. 327 b genugtunteng. Genus, n.(Pl. Genera): Sprachgeschlecht. Das lat. genus n. Geschlecht», insbes. auch (nach gr. Tévoc n.)«das grammatische. Genuß, m.(Gen. Genusses, Pl. Genüsse): das Genießen, bes. mit Lust(1716 bei Ludwig). Seit dem 17. Jh. allmählich eingebürgert für das ältere Genieß(s. d.). 1664 bei Duez, aber vereinzelt vielleicht schon im 13. Jh. im Berliner Heldenbuch 5, 40 b näch genugze. Mnd. bereits im 15. Jh. genzt m. häufig neben genét m., mndl. genot n. ZUS. Genuß- mittel, n., 1663 bei Schottel 532 Genos- mittel(wie 1678 bei Krämer Genoß m.«Ge- nußy und bei Lohenstein Armin. 1, 554 u. 1081 genoſbar«genießbar»). Genußsucht, f. und genußsüchtig, adj., 1808 bei Campe als neu. Genüssel, n.(-S, Pl. wie Sg.): Gewürm. Bei Goethe 3, 251 Schlaungen-Gendsseln. Ab- geleitet von mhd. genisse n. Gewürm», Kol- lektiv von ahd. Nesso m.«Wurm). Geogräph, m.(-en, Pl.-en): Erdbe- schreiber. 1595 bei Welser-Werlichius Chron. 4, 81. Nach gr. Teurpäãcoc«erdbeschreibend», dann als Subst., von gr. Téa, VI f. Erde? (mit der in der Zusammensetzung auftretenden Form Teur aus Tno-) und einer Ableitung von Tpdceiv«schreiben». Dazu Geographie, f.: Erdpeschreibung, Erdkunde, 1534 bei 8. Franck Weltb. 62 b Geographe f., aus gr. lat. geõ- graphia, gr. Teurpapia f., geographisch, adj., nach dem gr. Adj. Teurfpoouc. Geo- logie, f.: Lehre von der Beschaffenheit der Erde. 1727 bei Hübner. Geométer, m. (es, Pl. wie Sg.): Landmesser, 1540 bei Al- berus dict. Vu 2, als Eigenname eines Bau- meisters mhd. Géometras, aus gr.-mlat. geo- meter statt des ülteren gr. Jat. geömetres, gr. fecuérpnc m., von gr. Téa, ü f.«Erdey und einer Ableitung von uerpov n.«Maß, uerpedv «messeny. Dazu Geometrie, f.: Feldmeß- kunst, mhd. géometrie, jéometrà f., aus gr. lat. gesmetria, gr. Teuerpio f.; geométrisch, adj., 1558 bei Rivius geometrische Büxen- meisterey, nach dem gr.-lat. Adj. geõmetricus, gr. Teuwuerpic. Georg, Mannsname. Ahd. Georgjo, Gorjo. Aus gr. Jat. Georgius, gr. Techpfroc, zu gr. Jewpföc m. Landbauer, Ackermanny, nebst gr. Teupfedv Land bauen» zusammenges. aus gr. Té, Fff f.«Erdey und einer Bildung von Epfov n.«Werk, Arbeity. Dazu als Frauen- name Georgine, nach franz. Georgine; die gleichnamige, aus Mexiko stammende Pflanze (Dahlia, bez. Georgina) dagegen ist zu An- fang des 19. Jh. nach dem Petersburger Professor Joh. Gottlieb Georgi benannt. Gepäck, n.(-es, Pl.-e): die zusammen- gepackten Sachen, Kollektiv von Pack. Im 18. Jh. auch unverkürzt Gepäcke n.(Lessing 10, 79), 1540 bei Alberus dict. R4 Gepeck, ndrhein. im 14. Jh. und mnd. gepack n. Vom Gepäckh des Heeres seit dem siebenjährigen Kriege(Jahn deutsches Volkstum 375), für das im 17. und 18. Jh. übliche Bagage f., aber schon 1617 bei Wallhausen Corp. mil. 213 Gepäche, in den Landsknechtsheeren Plander. Gepflogenheit, f.(Pl.-en): Art und Weise, wie man seither zu tun gepflogen hat, Brauch. Im 19. Jh. aus der österreichischen Geschäftssprache übernommen. Geplärr, n.(-es, Pl.-e): Gelärm, Ge- schwätz. Mhd. geblerre, geplerre, geblär n. Substantiv zu plärren(s. d.). Anders älternhd. Geplärr n. Blendwerk», 1482 bei Melber B 5 b gepler(Var. geplerr), zu älternhd. Plärr, Plerr n. f.«Nebel vor den Augen, falsches oder doppeltes Sehen. Gepolter, n.(-s): wiederholtes Poltern (s. d.). Bei Luther 3, 532 ⁰b, im 15. Jh. md. gebulder bei Diefenbach gl. 601 c. Gepräge, n.(*I, Pl. wie Sg.): aufgepreßtes Zeichen oder Bild. Bei Luther 8, 2502 Ge- prege, bei S. Franck Chron. 193 b Gebräge, im 15. Jh. geprege, gepreche(Voc. 1482), ge- prech, mhd. gebrcæche, geprœche, geprüche, md. gebréche, gebréch n. in der heutigen Bed., ahd. gibrãchi n. cerhabenes Bildwerk». Sub- stantiv zu prägen(s. d.). Gepränge, n.(-5): feierliche Pracht, Prunk. Spätmhd. im 15. Jh. gepräng(Wolken- stein Nr. 59, 49 Schatz), geprench n. Sub- stantiv zu prangen(s. d.). Ger, m.(-es, Pl.-e): Wurfspieß. Nur noch altertümlich. Mhd. gér und gére, ahd. gér und géro m. Spieß, vorn mit breitem Eisen, zu Wurf und Stoßy, im 12. Jh. durch die Ritterwaffe, den Speer(s. d.) verdrüngt; dazu asächs. gér, ags. gãr, anord. geirr m. Mit ursprünglichem s lat. gaesum n. und gr. 685⁵ gerad Geraufe 686 Tœicoc m., Tœicov n. cleichter gallischer und spanischer Wurfspieß», ebenso in altgerma- nischen Eigennamen wie Radagaisus usw. Gleichen Stammes wie Geisel(s. d.), urver- wandt mit altir. gae«Spießy und vielleicht mit gr. xœooc m. Hirtenstab», aind. högas n. «Verwundungy. Mit ahd. géer zusammenge- setzte Personennamen sind: Gerbert, ahd. Gérperht, Gérpraht, der zweite Bestandteil zu ahd. brehan glänzen»; Gerhard, ahd. Gérhart; Gerlind, Gerlinde, ahd. Gérlint; Gertrud, Gertraud, ahd. Gertrüt, der zweite Teil vielleicht zu anord. Prüdr f.«Wal- kyren, später angelehnt an mhd. Erftt«traut». igerad, gerade, adj.: gleichpaarig, ohne Bruchteil durch 2 teilbar. Mhd. gerat, geradle, ahd. gerad(nur von Zahlen). Zu got. rapi f. Zahl», garapjan«zühlen, rechnen», demnach eig.«gleichzählend. ²gerad, gerade, adj.(Komp. gerader, Superl. geradest): in einer und derselben Richtung fortlaufend oder-gehend nach keiner Seite abweichend; in übertragner Bed. offen und ehrlich(vom Charakter 1616 bei Henisch, von Worten 1566 bei Mathesius Luther 203, 22 Neudr.). Mhd. gerat, gerade geschwind, schnell bei der Hand, gewandt, tüchtig», dann im Md.(14. Jh.)«schnell aufgeschosseny, frisch und lang aufgewachsen(Ködiz 18, 12), der Länge nach ausgestreckt(ebd. 97, 21), der Länge nach ununterbrochen und zu- sammenhängend(ebd. 83, 22), ahd. giradi velocissimus, ags. gercöähe«rasch». Zu- sammenges. mit dem ahd. Adj. hrat, rat«ge- schwind, schnell», mhd. rat, mnd. rat, rade, nndl. rad, ags. hrœd, hrœd und lœde, anord. hradr, im Adv. ahd. hrato, hrado, rado, mit dem Komp. hradõr und Superl. hradõst. Das Adv. gerade«eben, justo, mhd. gerade«rasch, schnell, sogleich», bei Mone Schauspiele des MA. 2, 392 u. 397 grad genau, eben», ahd. girado für das lat. ecce. Substantivisch in der Geometrie Gerade, f.: gerade Linie, wahr- scheinlich um 1830 von Jak. Steiner einge- führt, wie schon bei Galilei retta f. als Ab- kürzung von linea retta. 4BL. Geradheit, f., 1482 im Voc. theut. 18² geradheit das Wohlgewachsensein, Wohlgestalt». Geräde, f.(ohne Pl.): die fahrende Habe der Frau, deren Hauptteil der weibliche Schmuck und Zierat ist. Norddeutsch im Gebiet des sächsischen Rechts bis ins 18. Jh. (bei Gellert und Rabener). Im Sachsen- spiegel gerãde f., mnd. rade f. und geradte f. n. (mit Anlehnung an Gerät). Die Verbindung mit anord. reida f. Schmuck), reidi n.«Schiffs- und Roßzierat»(Tlildebrandt DWB.) scheitert am Vokalismus. Das Wort muß u Rat (s. d.) gehören. Geräms, n.(tes, Pl.-e): Gitterwerk. Bei Goethe 26, 12, Geremß, 1537 bei Dasypodius, ndrhein. im 14. Jh. geremzen., Kollektivbildung von mhd. ram, ahd. rama Gestell»(s. Rahmen). Gerânium, n.(8, Pl. Geranien): eine Pflanze, Storchschnabel. Aus gleichbed. gr. Tepdviov von Jépuvoc f.«Kranichy». 1727 bei Hübner. Gerät, n.(es, Pl.-e): bewegliches Be- sitzatum in Werkzeugen usw. Bei Schiller Kab. 2239 und Goethe Faust 676 unverkürzt. Geräte n., Kollektiv zu Rat(s. d.). Mhd. gerœte, md. geréte, geréde, ahd. girãti n. Be- ratung, Beirat, Uberlegung, Fürsorge, Hilffe, Ausrüstung, Vorrat, Fülle, Reichtum», im Md. Hausrat, Zeug»; dazu asächs. giräddi n. &Hilfe, Vorteil», mnd. gerede n.«Geräty». 4L. Gerätschaft, f. 1507 bei Wilwolt v. Schaumb. 152 geretschaft, mnd. geratscap(Diefenbach nov. gl. 387 a). geraten, v.(Präs. gerate, gerdtst, gerät, Prät. geriet, Konj. geriete, Part. geraten): von erwünschtem Fortgang sein; glücklicher, dann zufälligerweise wohin gelangen. Zusammen- gesetzt mit raten(s. d.). Mhd. gerãten(Präs. gerãtest, gerãtet, umgelautet gercætest, gerctet und gercht, Prät. geriet), ahd. girätan(Präs. girãtis, girütit, Prät. giriat)«uanraten, guten Rat halten und geben», hieraus dann im Mhd. auch die heutigen Bedeutungen und centbehren, entraten»; dazu asächs. girddan cratend bewirken», ind. geraden gelingen, zu etwas kommen», got. garédan«worauf bedacht sein». Mit dem Imperativ ist zu- sammengesetzt: Geratewohl, n., bei Luther Geratol n., 1561 bei Maaler Geradtewol m., dafür 1574 bei Horscht Geheimnisse der Natur 4, Q2*¾ f ein Be ahtewol. Geräüuch, n.(-es, Pl.-e): Räucherwerk. Bei Luther Gereuch. Spätahd. im 11. Jh. gerouche n.«Räucherung». Substantiv zu oberd. rãuhen, ahd. rouhan«rüuchern, rauchen machen», dem Faktitiv von ahd. riohhdn ausdünsten»(s. riechen). Geraufe, n.(-I, Pl. wie Sg.): Streit mit, Rauafen an den Haaren; Streit mit Tätlich- keiten, bes. im Durcheinander. 1678 bei Krämer Gerduff, bei Luther Gereuffe, bereits um die Mitte des 14. Jh. gereuffe n., Sub- stantiv zu raufen(s. d.). 687 geraum Gericht 688 geraum, adj.: viel Raum enthaltend; lange Zeit(im 15. Jh.). Im 15. Jh. geraum, mhd. gertme, gerim, ahd. nur im Adv. gi- rmo«bequem, günstigy; dazu mnd. gerüme, ags. gerüme. Zusammengesetzt mit dem gleichbed. mhd. Adj. rüm, älternhd. raum, ahd. rumi und rii, asächs.-mnd.-afries.-ags. rüm, ndl. ruim, anord. rümr, schwed.- dän. rum, got. rüms gerüumigy, das zum Subst. Raum(s. d.) gehört. 48 L. geräumig, adj., 1711 bei Rädlein, geraumig 1640 bei Comenius, mhd. gerümeclich. Geräumte, auch Geräumde, n.(-s, Pl. wie Sg.): zu Ackerland abgeholzter Wald- platz; ausgehauner Richtweg im Walde. In der 1. Bed. in der brandenburg.-kulmbach. Waldordnung von 1531 Geräumd; in der 2. Bed. 1763 bei Heppe Jger Geräumt. Ab- leitung von räumen(s. d.). Geräusch, n.(es, PI.-e): wiederholtes Rauschen(s. d.). Unverkürzt Gerdusche bei Weiße Opern 3, 60. Bei Alberus dict. 1540 r 32 Gereusch, bei H. Sachs Gerausch, mhd. geriusche, md. gerische n.; dazu mnd. geräsch, mndl. gheruysch. Geräusch, n.(-es, Pl.-e): das Einge- weide geschlachteter Tiere, bes. Herz, Lunge und Leber. 1557 bei Montanus Wegkürzer 27² Gereüsch, 1482 im Voc. theut. p 6 in- gerewosch, mhd. ingeriusche n., wo in- wie in älternhd. Ingeweide(s. Eingewweide); dazu mnd. rusch. Dunklen Ursprungs. gerben, v.: durch Beizen zu Leder und dgl. bereiten. Im 15. Jh. gerben, mhd. gerwen, geretoen, clevisch 1477 gheriwen, mnd. geren cgerbeny, ahd. garqwen gar d. i.«bereit machen, zubereiten, rüsten»; in diesem all- gemeinern Sinne auch mhd. gerwen, garwen, asãchs. garuzian, gerwean, and. wig-gi-gerꝛwi n.«Streitausrüstung», ags. gearwian. Abge- leitet von gar(s. d.). 43L. Gerber, m.; Leder bereitender Handwerker, mhd. gereawer, gerwer, 1302 gerber, ahd. ledergerwere neben lederqaraoο, mhd. ledergerwe m.; dazu mnd. gerwere, gerer, nnd. garwer m. Davon Ger- berei, f., 1691 bei Stieler. Gerbert, Mannesname, s. Ger. Gerd, Mannesname, Kürzung aus Ger- hart(s. Ger). Geréb, n.(-es, Pl.-e): die obern Ein- geweide(Lunge, Leber, Milz, Herz) des ge- schlachteten eßbaren Tieres. Westmd. Gerab, Geräb, Geraub, bayr.-döstr. Gereb mit den Nebenformen Greb, Kreb, 1424 gereb n. (Schmeller), in der Zimm. Chron. ² 3, 412, 41 krebe m.; dazu mndl. gheroof, vläm. geroof. Wohl zu Rebe, ahd. reba, ahd. hirnireba «Hirnschaley, eig.«was sich um das Hirn schlingt). G. also soviel wie Geschlinge. gerecht, adj.: geradlinig, gerade; ohne Schmälerung und Beugung des Rechts. Mhd. gereht in beiden Bed., auch cleiblich geschickt, tauglich, schuldlos, richtig, rechts», ahd. girent, greht«gerade, geradlinig»; dazu got. garalhts «mit dem Recht übereinstimmend, rechtlich gesinnt); im Adv. got. garaihtaba«gerecht, mit Recht», ahd. grehto«gerade, also, dennꝰ, mhd. gerehte«bereit, rechts). Zusammen- gesetzt mit dem Adj. recht(s. d.). Davon Gerechtigkeit, f., mhd. gerehtikceit, gerehte- keit f.«sittliche Paßlichkeit, Rechtspflege, rechtlich gegründete Befugnis, Gerechtsame, Vorrecht, rechtlich begründeter Anspruch oder Abgabe». Gerechtsame, f.: Recht, Vorrecht, 1594 bei Frischlin Nomencl. 425. gereichen, v.: wohin seinen Ausgang nehmen, zu etwas ausschlagen(bei Luther), namentlich in der RA. zur Ehre g. Mhd. gereichen«reichen(s. d.), erreicheny. gereuen, v.: reuen(s. d.). Mhd. geriuwen «in Reue versetzen, Reue empfinden). Gerfalke, Gierfalke, m.(-n, Pl.-n): größte Art der Jagdfalken, im äußersten Norden heimisch. Mhd. gerfalle, gerfalk, girfalco(Mone Anz. 8, 396, 188); dazu ndl. giervalle, engl. ger fauwcon, gerlin. Entlehnt aus anord. geirfalki m.«der isländische Jagd- falkey, eig.«Speerfalke, dessen Sitzstange ein Ger(s. d.) ist». Aus dem Germanischen im 12. Jh. entlehnt franz. gerfaut, prov. gir- fales, ital. girfalco, ger falco m., mlat. girfalcas, gyrofalco m., umgedeutet auf gr. Jat. gyrus m. Kreisy, weil dieser Falke im Kreise fliegend die erspähte Beute verfolgt, daher im 15. Jh. bei Mynsinger 8 girofalck durch zuwirbelfalck verdeutscht(von md. 2wirzwelen«wirbeln»). Gerhard, s. Ger. mGericht, n.(-es, Pl.-e): angerichtete Speise. Mhd. gerihte n. Subst. zu richten(s. d.) im Sinne von«anrichten, zur Schüssel ordnen?. *Gericht, n.(-es, Pl.-e): Handlung, Amt, Ort, Bezirk, Entscheid des Richtens d. i. Rechtsprechens. Mhd. gerihte, geriht, ahd. girihti n.; dazu mnd. gerichte n.(auch Richtung, Lage), ags. geriht n.«gerade Rich- tung, Rechty. Substantiv zu richten(s. d.). 4 BL. gerichtlich, adj., 1482 in Nürnb. Pol.-Ordn. 48 Baader. Gerichtsbarkeit, f., 689 gerieben gern 690 1691 bei Stieler Gerichtbarkeit(gerichtbar 1591 bei Haltaus Gloss. germ.). ZUS. Ge- richtsamt, n., bei Luther Gerichtampt. Gerichtsdiener, m., 1519 in Tirol. Weist. 1, 132, 1. Gerichtshalter, m.: Gerichts- verwalter. 1691 bei Stieler. Gerichtshof, m.: Gerichtsversammlung, bes. ein höhres Gericht, 1738 bei Hayme jurist. Lex., eig. der Ort der Gerichtssitzung(Weist. 6, 586, 2). Gerichtsrat, m.: Ratsmitglied eines Ge- richtshofes(Goethe 10, 327), in der Bed. ge- richtliche Beratung 1566 bei Fronsperger Kriegsb. 1, 7 b, Schäffenkolleg 1658 in den Weist. 1, 607. Gerichtsschreiber, m., 1457 in Nürnb. Pol.-Ordn. 178 gerichtschreiber. Ge- richtsstätte, f., im 15. Jh. gerichtstat bei Diefenbach gl. 311 b, clevisch 1477 gerichtstede. Gerichtsvollzieher, m., neugebildet in der deutschen Zivilprozeßordnung von 1877. gerieben, Part. Pass. von reiben(s. d.) als Adj.: schlau, durchtrieben, verschmitzt, 1482 im Voc. theut. m 1³². gerſeren, v. refl.: sich aufführen, be- nehmen, wofür ausgeben(Goethe 2, 200 u. 5, 1, 139). Aus lat. gerére cführen, verrichten, refl.«sich betragen», woher franz. gérer. Gerill, s. Geritll. gering, adj.: unschwer, unwichtig; niedrig an Wert. Unverkürzt geringe bei Rückert 2, 538. Mhd. geringe cleicht, nicht schwer an Gewicht, beweglich, behende, schnell⸗, md. im 14. Jh. in der heutigen Bed., ahd. nur in ungiringi«gewichtigy und im Adv. giringo cleicht⸗; dazu mnd. geringe und mndl. gheringh«schnell, hastigy. Zusammengesetzt mit dem gleichbed. mhd. Adj. ringe cleicht, behend, unbedeutends?, ahd. rinki, ringi«leicht, an Gewicht und Wert klein». Vielleicht zu gr. iuga deicht, schnelb(ausringho-). 4L. geringfügig, adj., 1616 bei Henisch, dafür im 16. Jh. geringfüg; Geringfügigkeit, f., 1691 bei Stieler. geringhaltig, adj., in der württemb. Zollordnung von 1618 Einl. geringschätzig, adj., 1507 bei Wilwolt v. Schaumb. 138 geringschatzig, 1468 im Cod. dipl. Sax. II, 12, S. 251, 7 geringeschetzig. Geringschätzung, f., 1482 im Voc. theut. m 1² geringschetzung. Gerinne, n.(-s, Pl. wie Sg.): künstlich angelegter Wasserlauf. Spätmhd. im 15. Jh. gerinne n. Substantiv zu rinnen(s. d.). gerinnen, v.(Prät. gerann, Part. geronnen): zusammenrinnen, dicklich oder fest werden, sich zersetzen. Mhd. gerinnen(Prät. geran, Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. Part. gerunnen), ahd. ga-, girinnen; dazu and. girinnan, got. garinnan zusammenlaufen(von Menschen)⸗. Zusammenges. mit rinnen(s. d.) und ge in der alten Bedeutung«zusammen). Gerinnsel, n.(-s): Zusammengeronnenes, 1546 bei Bock Kräuterb. 286 b Gerinsel n. Laby. Gerippe, n.(-S, Pl. wie Sg.): Knochen- gerüst des Körpers. 1669 bei Grimmelshausen Simpl. 305. Kollektiv von Rippe(s. d.). gerippt, Part. als Adj.: mit Rippen ver- sehen, gestriemt, 1616 bei Henisch. Germäne, m.(-n, Pl.-n): urdeutschem Stamm Angehöriger. Im 15. Jh.(1469 in Städtechron. 4, 347, 22 German m.) als ge- lehrte Ubertragung aus lat. Germänus m., dem Namen der deutschen Völker bei Kelten und Römern. Eine Deutung des Namens hat sich trotz aller Mühe nicht geben lassen und ist auch, wie bei den meisten Volks- namen, aussichtslos. Wir haben es wahr- scheinlich mit dem auch sonst vorkommen- den Namen eines kleinen Stammes zu tun, der dann auf das größere Volk übertragen worden ist. Literatur über die Deutungs- frage bei Bremer Grd. d. germ. Phil. ² 3, 738ff. Germänien, das Land der Germanen, Deutschland, im Anfang des 15. Jh.(fdPh. 5, 288) aus lat. Germänia. germänisch, adj., 1775 bei Adelung. germanisieren, v., bei Herder 1, 407. Germanist, m.(-en, Pl.-en): Kenner oder Forscher der alten deutschen Sprachen, der deutschen Alter- tümer, des deutschen Rechts(schon im 18. Jh.), der deutschen Geschichte. In der ersten Hälfte des 19. Jh., ebenso das davon abgeleitete Adj. germanistisch. Germer, m.(-S): die weiße Nieswurz, veratrum album. Mhd. germer(Voc. opt. 43, 77), ahd. germarrun(noch schweiz. Ger- meren f., vgl. Schweiz. Id. 2, 418). gern, unverkürzt gerne, adv.: dem Wunsche gemäß, mit Freude; leicht möglich. Mhd. gerne in beiden Bed., ahd. gerno«mit Ver- langen, mit Freude, aus freien Stücken?, dazu asächs. gerno, mndl. gherne, nndl. gaarne, geerne, afries. jerne, gerne, ags. georne, anord. gjarna, schwed. gärna, dän. gjerne. Das zu- gehörige Adj. ahd. gern, gerni cbegierig», asächs. gern, ags. georn, anord. gjarn, got. in faihugaërns chabgierigy, mhd. in Zusammen- setzung niu-, miete-, wipgerne«auf Neues, nach Lohn, nach Weibern begierig», ist im Beginn des 16. Jahrh. erloschen. Gleichen Stammes wie das mhd. und ahd. Adj. ger 44 691 Gerner geruhen 692 cbegehrend, verlangend, mhd. geren, gern, ahd. gerõn, gerén«begehreny, und Gier(s. d.). Urverwandt mit gr. Xaiperv«sich freuen), Xopd f. Freude?, osk. herest, umbr. heriest «er wird begehren oder wollen», aind. härjati cer hat gern, begehrt», aw. zara- m.«Streben, Ziely. Statt des Komp. und Superl. mhd. gerner, gernest, ahd. gernõr, gernõst) wird in der Schriftsprache seit dem Anfang des 18. Jh. (Frisch 1741) lieber, liehst gebraucht, aber aus der Volkssprache noch bei Schiller Räuber 4, 3 am gernsten. ZUS. Gernegroß, m.: wer gern über andre hinaus will, 1575 bei Fischart Garg. 56 Gerngroß. Gerner, s. Karner, Kerner. gerochen, s. rächen. Geröll, Gerölle, n.(-S, Pl.-): fort- rollende Steine in Flußbetten und an Berg- hängen, 1734 bei Steinbach Gerölle n. S. Gerull. Gerste, f.(Pl.-a unüblich): die Getreide- art hordeum. Mhd. gerste, ahd. gersta f. mit schwacher Flexion; dazu asächs. gersta f., mnd.-nd. gerste f., mndl. gherste, ndl. gerst, garst f. Urverwandt mit lat. hordeum (aus horzd-) n., gr. xpi n., xpie f., armen. gari, iran.-pehlew. Jartäk, zurtäk, balutschi zurt. Vgl. Hoops Waldbäume 364. Urbe- deutung des Wortes ist unklar. Die Gerste gehört jedenfalls zu den ältesten Kultur- pflanzen, die schon die Indogermanen an- bauten. Dafür im Ags. bere m., engl. Parley, anord. barr m.«Gersten, got. barizeins aus Gerste bereitet», urverwandt mit lat. far n. «Spelt, Dinkel», lat. farina f.«Mehly, abg. buri m.«Hirsey, brasino n.«Speisen, kymr.- korn.-bret. bara m., air. bairgen, nir.-gaäl. bairghean«Brot, Kuchen). ZUS. Gersten- brot, n., mhd. gerstenbröt und girstin brot, ahd. Pl. girstonu bröt, also zusammenges. mit dem Adj. mhd.-ahd. girstin, im 14. Jh. gerstein «von Gerste bereitet», and. gerstin. Gersten- korn, n., mhd. gerstenkorn, ahd. gerstun korn in eig. Bed., im 13. Jh. auch als kleinstes Gewicht und Längenmaß(Basler Bischofs- recht§ 8, 10 gerstenchorn); dann wegen ähn- licher Gestalt«Geschwulst am Augenlide?, 1540 bei Alberus dict. T2 b. Vgl. Hoops a. a. O. 374. Gerstensaft, m.: Bier, 1748 bei Brockes ird. Vergnügen 9, 145, in der Bed. Gersten- schleim» 1540 bei Alberus dict. tt 12. Gerte, f.(Pl.-n): dünner biegsamer Holz- schößling. Mhd. gerte, ahd. garti, gardea, gerta f.«Rute, Zweig, Stab»; dazu asächs. gerda, and. gerdia, mnd. garde, gerde, mndl. gaerde, gheerde, ndl. garde, afries. Ierde, ags. gerd, geard, gyrd f., engl. ard. Entweder zu mhd. ahd. gart m.«Stachel, spitzer Treib- stecken», got. gazds m.«Stachel»(wie Hort zu got. huad n.«Hort, Schatz), anord. gaddy m.«Stachel, Spitzes, urverwandt mit lat. hasta f.«Stange, Spießy, vgl. Sievers Zum ags. Vocalismus 25. Oder auch zu abg. Erid f. russ. Zerdi f.«dünne Stange». Walde s. v. hasta. Gertrud, s. Ger. Geruch, m.(-es, Pl. Gerüche): durch die Nase empfundene Ausdünstung, Duft; der Riechsinn. Mhd. geruch m. in beiden Bed., im 15. und 16. Jh. auch geroch, mudl. gherolce. Zusammenges. mit mhd. ruch m. Dunst, Dufty(s. Ruch), von riechen(s. d.). ²Geruch, m.(es, ohne Pl.): Leumund, Ruf. Gleichzeitig mit dem Eindringen des nd. Wortes Gerücht(s. d.) neben obd. Ge- rüft n. erscheint in der hochd. Schriftsprache des 15. und 16. Jh.(zuerst 1475 in den Monu- menta Habsburgica 1, 1, 453) das Neutr. ge- rueche(1487), geruche, gerüech(1518), ge- rüch(H. Sachs Fastnachtsp. 32, 371), geruch (Schmeller) neben obd. gerüfe, gerüf, md. (14. Jh.) geräfe n.«umhergehendes Gerede, Leumund, Ruf»; dieses Neutr. Geruch tritt durch Vermischung mit der bildlichen Ver- wendung von 1Geruch(2. Mos. 5, 21) im 17. und 18. Jh. in das mask. Geschlecht über; Luther 1, 3624 und Logau 3, 92 verbanden sogar Gerücht(s. d.) mit riechen. Gerücht, n.(-es, Pl.-e): umlaufendes Gerede wovon, Leumund; rühmendes Ge- rede, Ruhm(Schiller 5 ¹, 76, spätmhd. gerucht Boner Edelstein 96, 52 Var.). Mnd. geruchte, gerochte n.«das Rufen, Lärm, Hilfsgeschrei?, dann Gerede, Leumund, guter Rufy, ent- sprechend dem mhd. geruofte, gerüefte, ahd. gehruafti n.«das Rufen, Geschrei, Hilfs-., Klagerufy, md. im 14. Jh. gersfſte n.«rühmen- des Gerede, hoher Ruf». Das nd. Wort drang zunächst ins Md.(1493 geruchte n. «Lürmꝰ bei Liliencron 2, 325 b, 1495 gerüicht Weist. 1, 648) und von dort in die hochd. Schriftsprache(bei Luther Geriichte, Gerlcht n. in den heutigen Bed., noch bei Wieland Oberon 12, 39 und Lessing 2, 182 Gerüchte n.). geruhen, v.: huldvoll genehmigen, gnädig belieben. Von hohen Personen und mehr im Hofstil(1431 in den Städtechron. 5, 375, 13 vom Kaiser, 1334 ebenda 1, 419, 14 vom Burg. 7 Vgl. noch 693 geruhig Geschäft 694 grafen, mhd. im Iwein 4773 von Gott, bei Luther geruaven, 1616 bei Henisch geruhen). Mhd. geruochen, md. gerlchen, älternhd. ge- ruochen, geruchen, geruohen seinen Sinn worauf richten, Rücksicht nehmen, bedacht, besorgt sein?, dann«sich angelegen sein lassen, gerne wollen, belieben, gewähren», mnd. ge- rõken, gerülen. Dieselben Bedeutungen hat das einfache obd. ruechen, mhd. ruochen, md. rüchen, rõchen, ahd. ruochan æsorgen, be- achten, besorgt sein); dazu asächs. rökian, ags. réẽcan, engl. reck, anord. rãlja. Abge- leitet von mhd. ruoche, ahd. ruohha f.«Uber- legung, Berücksichtigung, Sorgfalt, Sorge», ahd. ruoh, mhd. ruoch m.«Sorgen, verwandt mit ahd. rahha f.«Rede, Rechenschaft»(s. rechnen). Völlig verschieden von älternhd. geruhen, mhd. geruowen, geruon ruhen», mnd. gerouben. geruhig, adj.: völlig ruhig; gelassen, ruhig-behaglich. Mhd. geruowec, gerüewbec, md. geriwec, bei Luther gerügig, bei Fisch- art Garg. 398 geruhig, im 16. Jh. auch geruig. Zusammengesetzt mit ruhig(s. d.). geruch- sam, adj.: Ruhe habend; Ruhe gewährend. 1429 gerabsam, md. im 15. Jh. gerägesanm, bei Melanchthon geruhsam. Zusammenges. mit ruhsam(s. d.). Gerüll, n.(-s, Pl.-e): Zusammen- und Durcheinandergerolltes, bes. lockres Gestein (1562 bei Mathesius Sarepta 100 2 Gerkülle, bei Goethe 6, 157 Gerill); alter unbrauchbarer Hausrat(1715 bei Amaranthes Gerülle n.). Substantiv von rollen, nd. rullen. S. Geröll. Gerumpel, n.(*5): wiederholtes Rumpeln. Mhd. gerumpel n. Substantiv von rumpeln (s. d.), ebenso mit Umlaut Gerümpel, n. (*s): rumpelndes, mit dumpfem Geräusche wackelndes und zusammenbrechendes, also altes schlechtes Gerät, 1537 bei Dasypodius Gerümpel, mhd. gerumpel n.(Suso Briefe 35). 4BL. Gerümpler, m.(—8, Pl. wie Sg.): Trödler. Im Elsaß. Vermischung mit. Krempler 6. d.). ZUS. Gerümpelmarkt, m.: Trödel- markt, 1577 bei Fischart Flöhh. 1371 Grünpel- markt, angelehnt an das ültre Grempelmarlt (Ausgabe v. 1573 v. 1358.)(s. Krempel). Gerüst, n.(es, Pl.-e): leicht aus Balken oder Stangen und Brettern aufgerichtetes Bauwerk oder Gestell. Unverkürzt Gerüste, n. bei Schiller 6, 384. Mhd. gerüste, ahd. gahrusti, girusti n.«Lu-, Ausrüstung, Waffen- rüstung, Gerät, Werkzeug, Gestell, erbaute Vor- richtung wozu, Schmuck». Von rüsten(s. d.). Gesäme, n.(-*J, Pl. wie Sg.): Sämerei. 1616 bei Henisch, ohne Umlaut Gesame bei Luther 2, 111 b Eisl. Kollektiv von Same. Da- für 1562 bei Mathesius Sar. 169 b Gesemicht n. gesamt, adj.: ohne Unterschied in eins begriffen. Mhd. gesament, gesamnet, md. ge- samt, ahd. gisamanõt«gesammelt, vereinigt, verbunden), Part. Pass. von mhd. samenen, samnen, samen, ahd. samanön sammeln⸗ (s. d.). Davon Gesamtheit, f., 1797 bei Heynatz Antib. Gesandte, m.(-n, Pl.-n/): mit einer Sen- dung in Staatsangelegenheiten förmlich und feierlich betrauter Staatsbeamter, dann als ständiger Vertreter seines Staates bei einer auswürtigen Regierung. Im Anfang des 16. Jh.(bei Luther), dafür im 15. Jh. un- gekürzt gesanter pote(Voc. 1482 m 1 b) s. Boke. ZUS. Gesandtschaft, f., 1656 bei Olearius pers. Reis. 1, 4, ndl. 1598 ghesandschap. Gesang, m.(es, Pl. Gesänge): das Singen; das gesungene Gedicht. In beiden Bed. mhd. gesanc m. und n.(auch älternhd. und noch bayr. Neutr.), aber ahd. gisanch n.«stimmen- des Zusammensingeny. Zusammenges. mit Sang(s. d.). In der Bed.«Abschnitt oder Teil eines Epos» 1626 bei Dietrich v. d. Werder Gottfr. v. Bulljon als UÜbertragung des ital. canto, das schon bei Dante vorliegt. ZUS. Gesangbuch, n., um 1480 im Voc. inc. teut. i 2 b gesangbuch. Gesänge, n.(-s): vieler, wiederholter Ge- sang. Bei Luther Luk. 15, 25 das Gesenge, mhd. gesenge n. Kollektiv von Sang(s. d.). Gesäß, n.(-es, Pl.- e): Stuhlsitz(1. Kön. 10, 19); Sitzteil des Körpers, der Hintere. In der letzten Bed. mhd. gesœze, gescz, md. geséze, aber meist wie ahd. gisãzi n.«Sitz, Niederlassung, Wohnsitz, Wohnungs, im Mhd. auch Lager, Belagerung»; dazu mnd. gesate n. Besitztumy, gesete n.«Sitz, Stuhly, mndl. ghesate n.«Wohnstätten. Zu sitzen(s. d.). Gesäufte, n.(-s): Sauferei. Bei Goethe Faust 4864 und schon im 16. Jh. bei Schwei- nichen 1, 200. Nebenform zu Gesäufe n., im 16. Jh.(z. B. Schweinichen 1, 101), jetzt Gesaufe n. Geschäft, n.(es, Pl.-g): Geschaffnes, Werk(Ps. 92, 5, veraltet); was zu schaffen ist, Beschäftigung, Verrichtung, obliegende Tätigkeit, Angelegenheit; Anordnung(Apostel- gesch. 7, 53, veraltet). In diesen Bed. mhd. geschefte, gescheft n. und gescheffede f. n., auch Geschöpf, Beschaffenheit, Gestalt⸗, so- 44* 695 geschehen Geschichte 696 wie cletztwillige Verfügung, Testament, ge- richtlicher Vertrag», geschaft f. n.«zeugungs- glied'(noch md. und schweiz. Geschüft n.), aber ahd. gascaft f. u. gescaffeda, gescephededa f. &Schöpfung, Geschöpf»(gascaft auch«Schick- salsbestimmung»), wozu and. giskaft f.«Her- vorbringungy, ags. gesceaft f. n., got. gaskafts f. Substantivbildungen zu schaffen(s. d.). Die un- verkürzte Form Geschäfte n. noch bei Wie- land Idris 260, Goethe Faust 10451 und Tasso 672 usw. 4 B L. geschäftig, adj.: eifrig tätig, md. im 14. Jh. gescheftig neben mhd. gescheffic; davon Geschäftigkeit, f., 1541 bei Frisius 236 b. geschäftlich, adj., ebd. 576»b, aber ahd. gascaftlih«vom Verhängnis herbeigeführt, verhängnisvoll). ZUS. Ge- schäftsfreund, m., 1808 bei Campe. Ge- schäftsführer, m., ebd. Geschäftsmann, m.(Pl. Geschäftsleute), bei Goethe, aber 1478 in den Monumenta Habsburgica 1, 2, 617 gescheftman Testamentsvollstreckery. Ge- schäftsträger, m., 1775 bei Adelung Ge- schüftträger, gebildet nach franz. chargé d'affaires. geschehen, v. imp.(Präs. es geschieht, Konj. geschehe, Prät. geschah, Konj. geschähe. Part. geschehen): wirklich werden, insbes. durch höhre Schickung; zuteil werden. Mhd. geschehen, md. geschén, geschin, ahd. gascehan: mnd. geschén, clevisch 1477 geschyen, mnäl. geschien, ndl. mit eingeschobnem d geschieden, ags. gescõon. Daneben das einfache Verb ahd. scehan«durch höhre Schickung sich ereignen), mhd. schehen, afries. skia, ags. scéon,(entlehnt) isländ. sé, dän.-schwed. sxe. Die Grund- bedeutung ist«springen, sich plötzlich wen- deny, und das Wort ist daher verwandt mit abg. skoki m.«Sprungo, abg. skaati«springe, lit. gökti«springen, tanzen», air. scén(aus Iskwano)«Schreck», derscaigim(aus*de-pro- skalb)«trenne mich». Aus dem Germ. ge- hören noch hinzu als Intensivum schicken (vgl. zucken zu ziehen), ags. sceacan ceilen), anord. saga«hervorrageny. Das Präs. lautet ahd. giskihit, bei Notker gesciehet, geschiehet und vereinzelt keschiet, mhd. geschiht, ge- schieht und geschiet, im 14. Jh. geschicht, md. auch geschäht, geschét, älternhd. bei Luther und noch bei Lessing 4, 138, Goethe Jery 7, 28 und Rückert 1, 200 geschicht. Das Prät. starkflektiert ahd. giscah, vereinzelt gescahe, Pl. gescãhen, mhd. geschach und ebenso älter- nhd. bis ins 17. Jh., woneben im 15. Jh. ge- geschahe); das Part. Prät. ahd. gescehan, ge- scehen, mhd. geschehen, älternhd. geschechen. Im Niederländ., Altfries., Ags. und im Nor- dischen jedoch ist bei diesem Worte nur die schwache Flexion üblich, die auch im Mnd. (Prät. geschude, geschede neben geschach) und im Md. auftritt(Prät. geschide, Part. geschit, geschiet und geschicht). Mhd. auch ich ge- schihe«gelangey. 45 L. Geschehnis, n.; Ereignis, im 19. Jh. neu auftretend, aber schon im 15. Jh. geschanufß Schickung- (Diefenbach gl. 186 b); dazu nndl. geschieddenis n. Geschichtey(s. d.). Gescheid, n.(-es, Pl.-e): Trockenmaß von%, Malter oder Metze. Am Mittel- rhein, in Oberhessen, Schwaben. 1494 in Weist. 6, 44 geschaide n., wohl eins mit ahd. geskeite n.«Teilung, Scheidelinie, punkt», mhd. gescheide n.«Grenze» neben ahd. gascait, gisceid m.«Unterscheidung, Ab-, Einteilung» und sceit m.«Scheidung, Trennungy. Von scheiden(s. d.). Gescheide, n.(-es, Pl.-e): Gedärm des Wildes. Weidmännisch, 1721 bei Jablonsky, 1727 bei Hübner. Von scheiden(s. d.), eig. cdas aus dem erlegten Wild Auszuscheidende oder Auszuwerfendey. Geschein, n.(-s, Pl.-e): am Weinstock, erscheinende Traubenknospe. Rheinisch(1838 bei Weber öc. Lex.) wie gleichbed. Schein m. In der Bed.«Geschlechtsteily 1585 in Ari- stoteles Probl. 111b. gescheit, adj.: gesunden Menschenver- stand habend, sowie diesem entsprechend, geistig scharf, schnell und gewandt. Bei Luther gescheid und geschiede, 1488 gescheit (Städtechron. 3, 142, 7), mhd. geschide. Von scheiden(s. d.), also urspr.«geistig sondernd, geistig durchdringendy. Aus falscher Ab- leitung seit dem 17. Jh. gescheut, 1663 bei Schuppius 1, 550, noch bei Lessing 1, 319 und Schiller Räuber 5, 1. Davon Gescheit- heit, f., 1716 bei Ludwig. Geschenk, n.(-es, Pl.-e): freiwillige Gabe. Unverkürzt Geschenke n. bei Gellert 3, 83, Rückert 1, 147. Md. im 14. Jh. ge- schenke n. in heutiger Bed., im 12. Jh. aber neben geschinkte n.«Lingeschenktesy. Sub- stantiv von schenken(s. d.). Geschichte, f.(Pl.-n): was(von selbst- tätigen Wesen) geschieht; Folge und Inbe- griff geschehner Dinge; Erzühlung von Ge- schehnem(im 15. Jh. geschicht f. Städtechron. schahe, geschache(noch bei Lessing 10, 5 5, 175, 30, abstrakt 1644 bei Moscherosch 697 Geschick Geschlecht 698 Philander 804). Mhd. geschiht und ahd. ge- scihnt f.«Schickung, Zufal!, Ereignis, Vorgangy, im Mhd. auch Angelegenheit, Sache, Ding, Zukommendes, Eigenschaft, Weisen, im j. Titurel 4220, 1 geschichte f., woneben md. im 14. Jh. geschichte n. Begebenheit», mnd. ge- schicht f. und n., auch bei Luther Geschicht n. und f., seit dem 17. Jh. gewinnt das Fem. Geschichte die Oberhand mit dem Pl. Ge- schichten, der sich zuerst 1507 bei Wilwolt v. Schaumb. 5 u. 113 nachweisen läßt, aber noch bei Lohenstein Soph. 7, Günther 170, Brockes 2, 261 der Pl. Geschichte. Zusammen- gesetzt mit ahd. sciht(nur in Zusammensetz.), mhd. schiht, md. schicht f.«Schickung, Er- eignis, Begebenheit, Sache, Eigenschaft, Ord- nung, Reihe»(s. Schicht), einer Ableitung von ahd. scehan«geschehen»(s. d.). Davon geschichtlich, adj.: historisch, 1691 bei Stieler, aber mhd. das Adv. geschichteclichen zufälligy. ZUS. Geschichtsbuch, n.: Hi- storienbuch, mhd. im 14. Jh. geschichte-, ge- schichtbuoch n.(Walther v. Rheinau 2, 20 fg.). Geschichtschreiber, m., 1414 bei Diefen- bach gl. 2792 geschichtschriber. Geschick, n.(-es, Pl.-e): höhre Schickung, Schicksal(frühnhd., z. B. bei Luther); rechte Art, wie sich eins zum andern ordnet, dann rechte Art sich leicht worein zu finden, gute Angemessenheit zu gesellschaftlichen Verhält- nissen; wiederholtes Hin- und Herschicken (1741 bei Frisch, aber schon 1535 bei Micyllus Tacitus 522 Geschich n. Geschenksendung). Mhd. geschicke n. Anordnung, Vermächtnis, gute Beschaffenheit und Gestalt des Leibes, Benehmen», mnd. geschich n., 1429 bei Diefen- bach nov. gl. 180 a geschickt chöhre Schickungy. Von schicken. 43L. geschicklich, adj.: geziemend, geeignet, geschickt, älternhd. im 16. Jh. und noch bei Goethe 50, 63; davon Geschicklichkeit, f.: Fähigkeit, bei Luther 1, 379 b, am Ende des 15. Jh. auch«gute Beschaffenheit, Paßlichkeity. geschickt, adj.: paßlich beschaffen; der guten Sitte gemäß. Ursprünglich Part. Pass. von schicken(s. d.). Mhd. geschicket«passends, doch zuerst«geordnet, bereit, gerüstet, fertig, gestaltety. Geschiebe, n.(, Pl. wie Sg.): durch Wasser fortgeschobne Gesteintrümmer, Ge- röll. 1601 bei Uttmann Bergbericht 29 Ge- schieb, 1562 bei Mathesius Sar. 140 3 Geschühe, 1557 bei Agricola Bergwerk Index 293 Ge- schube. Zu schieben(s. d.). Geschirr, n.(Jes, Pl.-e): Werkzeug jeder Art zum Gebrauche; Gesamtheit der Gefäße; Bespannung des Wagens und dieser selbst (spätmhd. im 14. u. 15. Jh.). Mhd. geschiyre, ahd. giscirri n.«Werkzeug, Gerät, Gefaßo, im Mhd. auch Geschlechtsgliedy, bes. das männliche. Von schirren(s. d.). Da das Wort isoliert steht, ist eine sichre Anknii- pfung nicht möglich. Es könnte zu scharren (s. d.) gehören. RA. gut Geschirr machen: «ausgelassen lustig sein, gut empfangen und bewirten», nhd. vom Ende des 15. bis ans 18. Jh. umgedeutet aus gleichbed. franz. faire bonne chere, zu afranz. chiere, span.-prov. cara f.«Gesicht, Antlitz, Miene»(das auf gr. kdpo f.«Haupt, Antlitz» zurückgeführt wird), woher auch mudl. goede sier, goed chiere(ciere) malten und nhd. 1507 bei Wil- wolt v. Schaumb. 154 guet schier machen, noch kurhess. wienderliches Geschirr machen «seltsam reden oder handeln», schles. das macht ein bõses Geschirr, d. h. cböses Bluty. geschlacht, adj.: geartet; gut geartet, gleichartig, fein, edel. Mhd. geslaht, ahd. gislaht«zugehörig» zu ahd. slahta f. Ge- schlechty(s. d.). geschlank, adj.: ebenmäßig lang und biegsam. 1566 bei Mathesius Luther 168, 22 Neudr., noch bei Voß und Lichtwer. Neben- form geschlang 1597 bei Colerus Hausb. 10, 4. Zusammenges. mit schlank(s. d.). Geschlecht, n.(-es, Pl.-er): die Gesamt- heit der von einem Wesen Herstammenden, Familie, Nachkommenschaft; Adelsfamilie (Lessing Nathan 2, 7), Adel(Goethe 3, 164, schon um 1400 bei Liliencron Volksl. 1, 167); Gesamtheit der Menschen in einem Zeitalter, Generation(14. Jh. im Cod. Tepl. Matth. 11, 16); Menschenklasse(Schiller Picc. 5, 1, schon ahd.); der natürliche Geschlechtsunterschied, das männliche und weibliche Geschlecht(mhd.); das grammatische Geschlecht der Wörter(als Ubertragung des lat. genus n. 1640 bei Schottel im Erzschrein 250); Art, Gattung überhaupt (mhd.). Unverkürzt Geschlechte n. noch bei Schubart 2, 80, Uhland 144 u. 264. In der 1. Bed. mhd. geslehte, geslähte, geslehl, ahd. gislahti n.(für ältres wunni n., s. unter König), auch«natürliche Eigenschaft, angeborne Be- schaffenheity. Kollektiv von ahd. slahta f. und slaht n., mhd. slahte f.«Art, Geschlecht, Nachkommenschaft, Verwandtschafty, abge- leitet von ahd. slahan in der Bed. arten, nachschlagen»(Notker Boeth. 122, 132 näh 699 Geschlinge Geschoß 700 kien forderon slahan). Der Plur. mhd. ge- slehte, bei Luther Geschlechte und so noch Günther 437, Klopstock Mess. 1, 110, aber bereits im 16. Jh. Geschlechter(Zimm. Chron. ² 3, 211, 41, Fischart Garg. 31). 4L. Ge- schlechter, m.(-s, Pl. wie Sg.): reichs- städtischer Patrizier, 1507 bei Wilwolt v. Schaumb. 107, von geslaht n.«ratsfähige Pa- trizierfamiliey(1386 bei Mone Zeitschr. 15, 43), geschlecht n. Gesamtheit der Patrizierfamilien⸗ (1517 bei Trochus E 3⁴). geschlechtlich, adj., 1808 bei Campe. ZUS. Geschlechts- register, n., bei Luther Geschlechtregister. Geschlechtsteil, m., 1794 bei Nemnich neben Geschlechtsglied. Geschlechts- trieb, m., 1775 bei Adelung. Geschlechts- wort, n.: grammatisch der Artikel, 1640 bei Gueintz und Schottel im Ereschrein 248 fg. Geschlechtawort, 1690 bei Bödiker Geschlechts- ꝛwoyt. Geschlinge, n.(*, Pl. wie Sg.): der Schlund des geschlachteten Tieres mit Lunge, Leber und Herz, welche daran hangen. Md. 1462 geslingk, geslyncht und 1466 gesling im Cod. dipl. Sax. 2, 8, 339, 1616 bei Henisch Geschling, aber 1691 bei Stieler Geschluüng, 1716 bei Ludwig Geschlünche, bayr. Ge- schlünkel, Geschlunkceln. Das Wort ist Kol- lektivbildung zu Schlunke m., einer Neben- form von Schlund. geschmack, adj.: schmackhaft. gesmac, gesmach, ahd. gismag, gasmah. schmecken(s. d.). Geschmack, m.(-es, Pl. Geschmäckce, burschikos Geschmächer): Empfindung mittels Zunge und Gaumen; Geschmackssinn; das Schmecken als Eigenschaft eines Dinges(mhd.); Wohlgefallen(1541 bei Franck Sprichw. 1, 112 b einen Gschmack abgewinnen); Gefühl für das Schöne(vereinzelt schon 1651 bei Harsdörffer die Fortpflanzung der Hochlöb- lich Fruchtbringenden Gesellschaft, mit einer Rede von dem Geschmacke vermehret, allge- meiner seit Anfang des 18. Jh. der gute Ge- schmack oder kurzweg Geschmach als Uber- tragung des franz. bon golt, das sich nach span. buen gusto gebildet hatte). In den bei- den ersten Bed. mhd. gesmac, gesmach, ahd. gesmah und gismaho m., auch«ausströmender Geruch»(s. schmechen); dazu mnd. gesmae m. Geruchy. Zusammenges. mit Schmack(s. d.). ZUS. geschmacklos, adj.: ohne Schmecken (1716 bei Ludwig); ohne Schönheitssinn(1775 bei Adelung nebst Geschmacklosigkeit, f.). Mhd. Zu geschmackvoll, adj.: guten Geschmack, Schönheitssinn besitzend, bei Herder. Geschmeide, n.(*s, Pl. wieSg.): Schmiede- werk, bes. als Schmuck. Im 15. Jh. gesmeide, mhd. gesmdde, gesmit n.«Metall, sowie daraus Ge- schmiedetes, Metallgeräte, Metallrüstung, Me- tallschmuck», ahd. gasmice n.«Metally, mndl. ghesmyde. Kollektiv von ahd. smida, mhd. smidle f.«Metally, mit langem Stammvokal wie ahd. Smidäöri, smeidar m. Metallarbeiter⸗ neben smid m.«Schmied»(s. d.). Dazu ge- schmeidig, adj.: leicht zu bearbeitend; nach- giebig gestaltbar(1616 bei Henisch); leicht nachgiebig. Mhd. gesmidec cleicht zu schmie- dendy, dann«mit Gefälligkeit nachgebendy, um 1480 im Voc. inc. teut. i 3a geschmeidig «nachgiebig weichy, mndl. ghesmydigh und ghesnwd. Geschmeidigkeit, f., 1590 bei Paracelsus Schriften 6, 381. Geschmeiß, n.(es): belästigende In- sekten; dann bildlich von Menschen und als Schimpfwort(Luther 4, 319²). Unverkürzt Geschmeiße n. bei Goethe Xenien 240, Schiller 11, 128. Mhd. gesmeize n. Auswurf aus dem After, Unrat, Schmetterlings-, Eidechseneier, Bruty. Von schmeißen(s. d. ²). Geschöpf, n.(-es, Pl.-e): geschaffnes Wesen. Unverkürzt Geschöpfe n. noch bei Wieland Amadis 168. Bei Luther Geschepffe, Geschepff, 1482 im Voc. theut. m 2² geschopff, 1515 bei Hüpfuff Voc. 723 geschöpff n. Sub- stantiv zu mhd. schepfen, scheffen«schaffen), wovon auch älternhd. im 16. Jh. Geschöpft, Geschopfde f., mhd. geschephede, geschöpfede, ahd. gescephedla f.&Schöpfung, Geschöpf»(s. Geschft). 1Geschoß, n.(Gen. Geschosses, Pl. Ge- schosse): Waffe, die fortgeschossen wird; Werkzeug, mit dem man schießt. Mhd. ge- schoz m. n. und geschöz n. in beiden Bed., ahd. giscoz n. Wurfspieß, Pfeily; dazu mnd. ge- schöt, mndl. geschöt, ags. gescot n.«Wurf- spießy. Wie das gleichbed. mhd. schoz, schöz, ahd. scog n. zu schießen(s. d.). Im Mhd., Mnd. und Alternhd. auch in der Bed.«Ab- gabe, Steuer, Zinsy, zu schießen im Sinne von&zuschießen, beisteuern?. 2Geschoß, n.(Gen. Geschosses, Pl. Ge- schosse): Stockwerk eines Hauses. Mhd. ge- schôz n., zu schießen in der Bed.»schnell emporwachseny, woher auch älternhd. Ge- Scho6«Schößling an Pflanzen, Knopf oder Jahrwuchs an Rohrgewächsen», mndl. gescot n.«Schößling, Stockwerk. 70¹ geschraubt Geschworne 702 geschraubt, Part. von schrauben(s. d.) als Adj.: gekünstelt, eig. künstlich hochge- dreht. Bei Luther Tischred. 413²2, Fischart Garg. 342. Geschrei, n.(-es, Pl.-e): wiederholtes Schreien; Gerede, Gerücht(um 1480 im Voc. inc. teut. i 3 b, bei Schiller Kab. 1, 1). In der 1. Bed. mhd. geschreie, geschrei, auch geschreige, ahd. giscreigi n.; dazu mnd. ge- schrige n. neben geschricht m. n., mndl. ghe- schrey n. Kollektiv zu ahd. screi m.(Gen. screiges), von schreien(s. d.). Geschütz, n.(-es, Pl. ·e): große, schwere Schußwaffe, Kanone(1512 bei Soltau Volksl. 2, 66); Gesamtheit solcher Schußwaffen. Mhd. geschütze, geschütz, früh geschuzze, md. ge- schutze n.«Schießzeug, Gesamtheit von Schieß- waffen,(im 14. Jh.) von Feuergeschützen», mnd. geschutte n. Kollektivbildung zu mhd. schuz, schutz m.«Schuß»(s. d.). Geschwader, n.(*N, Pl. wie Sg.): Reiter- schar; Flottenabteilung; langgedehnter Zug von vielen einzelnen. In der 1. Bed. 1537 bei Dasypodius und der Pl. Geschawdder 1532 bei Busteter ernstl. Bericht 29, 36, älternhd. auch vom Fußvolk; dazn mndl. gheswadder; in der 2. Bed. 1775 bei Adelung; in der 3. Bed. bei Schiller Kraniche v. 18 und schon 1575 bei Fischart Garg. 376 ein Geschaader Merchen(Tauchervögel). Wie mhd. swader «Heerhaufey, älternhd. Schaader m. n. und mnd. S:udle, schaace m., geszwat n. Reiter- schary, entlehnt aus ital. squadra, span. es- quadra f.«Viereck von Reitern, Rottey, urspr. Winkelmaß), franz. escadye, älter esquadye f. & Flottenabteilung», von ital. squadrare«vier- eckig machen»(s. Eskadron, Schoachon). Geschwätz, n.(-es, Pl.-e): wortreiches oder trauliches Gespräch; gehaltloses Spre- chen. Mhd. geswwetze n. Zu schawätzen(s. d.). geschwätzig, adj.: gesprächig, schwatzhaft, bei H. Sachs Fab. 348, 8 geschweczig, zu- sammeng. mit spätmhd. stwetzic(s. Schadtzig); davon Geschwätzigkeit, f., 1577 bei Fischart Flöhh. C 7² v. 1292 Gschaetzigkait. geschweige, konj.: abgesehen von, um wieviel mehr, eig. ich schweige still in Be- kreff, lat. ne dicam. 1517 im Teuerdank 109, 81 geschzeig, bei Luther geschweige, geschweig neben schweige, schaweig und ich geschweig, im 15. Jh. im Buch der Beispiele der alten Weisen 148, 27 ich geschayg als steigernder Zusatz. Von dem intrans. Zeitwort älternhd. geschaeigen, mhd. geszwigen, ahd. giszwigén und giswigan«stillschweigen, stumm sein». Dazu transitiv geschweigen, v.(Prät. geschweigte, Part. geschweigt): schweigen machen, zum Schweigen bringen, mhd. gesteigen, ahd. gi- sweigan u. geszeigén, geszweigön(s. schweigen). geschwind, adj.: in kurzer, selbstkürzester Zeit sich fortbewegend. Um 1480 im Voc. inc. teut. k 4 b geschinde, mhd. geswinde ckühn, ungestüm, schnell», im ältern Nhd. auch«klug, schlau, arglistigy. Zusammenges. mit älternhd. schawind, md. Swinde, swint «stark, gewaltig, heftig, gescheit, listig, be- trügerisch», ahd. in Eigennamen wie Adal- saind, Irminswinda; dazu asächs. stidi, sewich, ags. Sν stark, heftig», anord. svinn«klug, verständig», auch«starkströmends, got. Seinps «stark, kräftig, gesund» und in Eigennamen, z. B. Reccasuinth, Amalasuintha. Vielleicht verwandt mit air. fétaim, sétaim«ich kann). Der Vergleich mit lit. Sve3tas, abg. sugläü, aw. Spanta-«heiligy(Johansson Btr. 15, 238) hat eine Parallele an gr. iepéc cheiligy, aind. igirãs«kräftigy. 4L. Geschwindigkeit, f.: Schnelligkeit, 1516 bei Pinicianus N4, älternhd. im 16. Jh. auch Ungestüm, Klug- heit, Schlauheit. Geschwister, n.(-S, Pl. wie Sg.): Kin- der von einerlei Eltern. Mhd. geszwister Pl. «Schwestern», dann mit Einschluß der«Brü- der), ebenso ahd. und asächs. gisewester Pl. sleibliche Schwester», mhd. geszwester, ags. ge- soeostor, eine alte Pluralbildung zu Schwester, genau wie Gebrüder(s. d.). Jedoch später als Kollektiv von Schoester aufgefaßt, daher im Sing. als Neutr. sowohl von der Gesamt- heit der Brüder und Schwestern(im 16. Jh. bei Schweinichen 2, 202, bei Lessing Nathan 1, 2) als von einzelnen Personen(Weist. 1, 654 von 1384, beim j. Goethe 1, 261). Mit andrer Bildung mhd. der Pl. geszwisterde, ge- soistrice(noch schweiz. Gesehwisterte, Ge- schwusterte) und das Neutr. geswistergit, meist im Pl. geszwistergide. 4. geschwister- lich, adj., 1514 bei Keisersberg Eschengrüdel a 32 geschewusterlich. ZUS. Geschwister- kind, n., 1429 im Liber ord. rer. 5 b ge- swisterchind, neben mhd. gesewisteride kint, gesꝛvister gidkint; ander Geschwisterkcind«deren Großeltern Geschwister waren», bei Luther Tischred. 315 b. Geschworne, m.(-n, Pl.-n): eidlich wozu Verpflichteter. Mhd. geswworne m., die schwache Form von mhd. gesworn, Part. Prät. von schwöõren(s. d.). ZUS. Geschwornenge- 703 Geschwulst Gesind 704 richt, n.: Schwurgericht, gleich nach An- fang des 19. Jh. für engl. und franz. juryg. Geschwulst, f.(Pl. Geschwülste): krank- haft geschwollne Körperstelle. Mhd. geszwulst, ahd. giszulst f. Von schawellen(s. d.). Geschwür, n.(*I, Pl.-e): eiternde Körper- stelle. Bei Luther 3. Mos. 13, 10 u. 28. Neben- form zu älternhd. Geschoär(noch bei Lessing 7, 282), mhd. geseber, ahd. gistoer n. Von schbären(s. d.). gesegnen, v.: zum Wohl, zum Gedeihen werden lassen; Abschied nehmend segnen oder mit Anwunsch von Wohlergehen verlassen (Tobias 5, 24), überhaupt Abschied nehmend verlassen. Mhd. gesegenen, gesegen, in diesen Bed. md. geseinen, ahd. giseganbn«segnen, einsegneny, zusammenges. mit segnen(s. d.). Geseier, n.(-s): unnützes Gerede, schelten- des Geschrei, Wirrwarr von Stimmen. Aus dem Judendeutsch, von hebr. gezerd Be- hauptung,(erregte) Disputation». Gesell, m.(-en, Pl.-en), unverkürzt Ge- selle: Mit- und Gleichtätiger; ausgelernter Handwerksgehilfe. Mhd. geselle, ahd. giselljo, gisello m. urspr. Saal-, Hausgenossey, dann Gefährte, Freundy, im Mhd. auch«Freundin, Geliebte, Standesgenosse, Partner», im 14. Jh. Hilfsgeistlicher, Handwerksgeselly(neben älterm Knecht, nappe). Abgeleitet von Saal (s. d.). Davon gesellen, v., mhd. gesellen, ahd. gisellan«zum Gefährten machen». ge- sellig, adj.: zu Verbindung und Umgang gern geneigt, mhd. gesellec«zugesellt, ver- bunden, nach guter Kameraden Art freund- lich, lebenslustigy. Geselligkeit, f., mhd. gesellekeit, gesellikeit f. das freundschaftliche Verhältnis der Genossen zueinander, höfisches Betrageny». Gesellschaft, f., mhd. geselle- schaft, geselschaft f.«Genossenschaft, freund- schaftliches Verbunden- oder Beieinandersein, Freundschaft, Liebe, Gesamtheit der Gäste (Tristan 585),«Handelsgenossenschaft»(Ber- thold v. Regensb. 1, 216, 26), ahd. gisellascaf, giselliscaft f.«Genossenschafty; dazu mnd. geselschop, mndl. gheselschap. In der Bed. «das Menschengeschlecht in seiner sozialen Ordnung» 1482 bei Melber Bb 5² societas humana, burgerlich geselschafft, im 18. Jh. allgemeiner geworden als UÜbertragung des franz. société f. Gesellschafter, m.: Mit- glied einer Handelsgesellschaft(1560 bei Diefenbach-Wülcker 616); guter Unterhalter (1691 bei Stieler). gesellschaftlich, adj., 1716 bei Ludwig. Gesetz, n.(es, Pl.-e): zur Befolgung Festgesetztes. Unverkürzt Gesetze n. bei Gellert 1, 46. Mhd. gesetze n., mit den Neben- formen gesatz n., gesatzt f. n., gesetzede n. f., ahd. gisezzida f.; dazu mnd. gesette und ge- sate n. Von setzen(s. d.). 43L. gesetz- lich, adj., Anfang des 15. Jh. gesetzlich bei Diefenbach gl. 322 c. ZUS. Gesetzbuch, n., bei Luther, gesetztpäch, 1327 in Nürnb. Pol.⸗-Ordn. 22, gesatzbüch in St. Galler Stadtb. des 14. Jh. Gesetzgeber, m., zu Anfang des 15. Jh. gesetzgeber bei Diefenb. gl. 323a. gesetzmäbßig, adj., 1691 bei Stieler, gesatz- mäsig 1581 bei Fischart Bienk. 208. gesetzt, Part. von setzen(s. d.) als Adj.: ruhig, ernst, 1751 bei Klopstock Mess. 4, 614. Schon mhd. gesetzen bedeutet«sich setzen machen, beruhigen, stilleny. In der Bed. «vorausgesetzt, den Fall gesetzty mit folg. Nebensatz 1607 bei Sattler Phraseologey 216, gesetzt daß 1612 bei Albertinus Lustg. 215. Gesicht, n.(-es): Sehkraft;(Pl.*e): Bild der Einbildungskraft;(Pl.-er): Vorderseite des menschlichen Kopfes. In den beiden ersten Bed. mhd.-ahd. gesint f., md. gesichte, gesicht n., auch«Ansicht, Anblicky, im Mhd. auch Aussehen, Gestalt); in der Bed.«Ant- litzy 1494 bei Brant Narr. 92, 60 gsiecht und schon einmal ahd. gesiht in der St. Galler Hdschr. von Notkers Ps. 104, 4, der Plur. Gesichter 1520 bei Keisersberg Narrenschiff. Dazu and. gisiht f.«Ansehen, Anblick», mnd. gesichte n.«Anblick, Aussichty, mndl. ghe- sicht n., ags. gesiht, gesillh f. Sehkraft, Traumgesicht, Anblick». Von sehen(s. d.). Z0S. Gesichtskreis, m., 1648 bei Zesen Dögens Baukunst. Gesiechtspunkt, m.: der Standpunkt des Beobachters, im 17. Jh. bei Leibniz, 1538 bei Dürer Underweisung K 2 b des gesichts punckt, nach mlat. punctum visus. Géesichtszug, m., 1753 bei Lessing 3, 386 der Pl. Gesichtseüuge. Gesims, n.(es, Pl.-e): vorstehender Rand an Bauwerken usw. Md. im 14. Jh. gesimse n., Kollektiv von Sims(s. d.). Gesind, m.(-es, Pl.-e), nur im gewöhn- lichen Leben ein zu Hausdienst Dienender oder eine solche Dienende. Bei Goethe 6, 128. Mit starker Flexion mhd. gesint, ahd. gasint, asächs. gisid, ags. gesih m., schwachbiegend mhd. gesinde, ahd. gisindo m.«Gefolgsmann, Gefährte», im Mhd. auch«Hausgenossey, eig. «Weggenosse», anord. sinni, got. gasinpja, Hasinba m.«Reisegefährte». Abgeleitet von 705⁵ Gesindel Gespenst 706 ahd. sind m.«Reise, Heereszugy, asächs. sich, ags. 55 m. Reise, Weg», anord. sinn n., got. sinps m.«Gang, Mal», urverwandt mit air. sét, bret. hent, akymr. hint,«Wegy. Das Kollektiv zu Gesind m. ist peinäe n.(*, Pl. wie Sg.): Dienerschaft, bqs. die niedrige des Hauses. Mhd. gesinde n. Dienerschaft, Hofdienerschaft, Gefolgey, ahd. gisindi n. Reisegefolge, bes. bewaffnetesy; dazu asächs. gesidi n.«Gefolg., Gesellschaft, Hausgenossen- schaft, Volk», ags. gesip n. Gefolgschaftv». ZDS. Gesindestube, f.: Stube für die Haus- dienerschaft, bei Grimmelshausen Simpl. 57 Gesind-Stube. Gesindel, n.(-s, Pl. wie Sg.): schlechte, verachtete Leute. Kollektiv von Gesindle (§. d.), mhd. gesindelin n.«Reisegefolge», bei Luther Gesindlin«Hausgenossenschafty, dann Leutehen, Völkchen», verächtlich 1550 bei Alberus Fab. 20, 59 l Gesindlin, bei Kirch- hoff Wendunm. 5, 96 roh, wwild wüst Gesindle, 1734 bei Steinbach Gesindel. gesinnen an einen, v.: ihn darum an- gehen. Mit Akk. oder einem Satz. Im Kanaleistil, höflicher als befehlen und vor- nehmer als bitten(vgl. ansinnen). Schon mhd. an einen etwag gesinnen. Ahd. gisinnan ceine Richtung nehmen, gehen, reisenn, dann cseine Gedanken worauf richten, woran denken, wonach streben⸗, mhd. gesinnen«worauf denken, begehren, verlangeny. Zusammenges. mit sinnen(s. d.). Im Part. Prät. gesonnen sein entschiednen Sinnes und Willens sein, im 17. Jh. bei P. Fleming 77. gesinnt, partizip. Adj. zu Sinn(s. d.): den Sinn, die Entschließung habend. Mhd. gesinnet«mit Weisheit und Kunst begabt», dann ceine Ge- sinnung habend». Gesinnung, f., 1751 bei Lessing 3, 244. Davon gesinnungstüchtig. Schlagwort seit den vierziger Jahren des 19. Jh. Vgl. Ladendorf. gesittet, Part. als Adj.: Sitte habend, besonders gute; guter Sitte gemäß. Mhd. gesitet«geartet, nach Ublichkeit gewohnts, ahd. gasitöt gehörig eingerichtet oder ge- ordnet, angeboren, Part. Prät. von ahd. Sitôn, gasitõn«einrichten⸗, got. sidôn«sich als Sitte aneignen, übeny, dazu mnd. gesedet. Mit mhd. gesitet mengte sich das ebenfalls von Sitte abgeleitete Adj. mhd. gesite, gesit, ahd. gesit«geartet, gewohnt». Gesittung, f., bei Campe unter Ziwilisation Nachweis von 1773. gesonnen, s. gesinnen. 1Gespan, m.(-S, Pl.-e): Gefährte; Mit- Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. geselle, Mitknecht. Mhd. gespan m.«eng- verbundner Genosse». Nicht zu dem in Spanferkel(s. d.) vorliegenden Span«Mutter- brust» gehörig(wie mhd. Spunnebruoder, ahd. spunnipruoder«Milchbruder» zu mhd. spünne, ahd. spunni f. n.«Mutterbrust»), sondern aus der Sprache des alten Fuhr- und Fracht- wesens weiter verbreitet, eig.«der die gleiche Spannarbeit Verrichtende», da zur Bedienung eines Frachtwagens mindestens zwei Mann nötig waren(1540 bei Alberus dict. Hh 3² Gespan ouorexvoc, carpentarii vocabulo Ge- span se invicem salutanty, als Bezeichnung des Fuhrmanns 1557 bei Waldis Esopus 4, 73, 21, Mathesius Luther 1566 S. 438, 6 Neudr., Fischart Garg. 458 usw.), dann überhaupt Mitgesell in einem Handwerk(Eulenspiegel Kap. 39). Anders got. gajukö m.«Genossey, eig.«der Mitangespannte». ²Gespan, m.(-S, Pl.-e): ungarischer Be- zirksoberster. Aus magyar. ispan, das dem slav. 2ðρn«Burggraf» entnommen ist. Da- von Gespanschaft, f.: einem Gespan unter- gebner Bezirk, 1695 bei Ziegler tägl. Schau- platz der Zeit S. 1430 b, Spanschaft 1691 bei Stieler. Gespänge, n.(-s, Pl. wie Sg.): Spangen- werk, mhd. gespeng9e n., Kollektiv von Spange s. d.). Gespann, n.(es, Pl.-e): vor ein Fuhr- werk zusammengespannte Tiere. 1541 bei Franck Sprichw. 2, 131 b Gespan neben um- gelautetem Gespün 2, 10 b, dazu clevisch 1477 gespenne«perde». Von spannen(s. d.). Gesparr(e), Gespärre n.(*S, Pl. wie Sg.): Sparrenwerk, Gebälk. Mhd. gesperre, ahd. gisperri n., Kollektiv von Sparren(s. d.). Gespenst, n.(-es, Pl.-er): Truggebilde, bes. geisterhaftes; umgehender abgeschiedner Geist. Mhd. gespenste n. Trugbild», bes. steuflisches», neben mhd. gespanst, gespenst f. Lockung, Verlockung, Trug, Phantom, Gei- stererscheinungy, ahd. gispanst f. Lockung». Dazu and. gispensti n., mnd. gespenst n. Ver- lockungy. Abgeleitet von ahd. Spanst, mhd. spenst f. Verlockung», mhd. spanen, zu ahd. spanan«locken, reizen», and. Spanandelik clockend», das zu gr. cndeiv«ziehen» gehört. In der Bildung ist lat. Abl.(mea) sponte f. cfreier Wille, Antrieb» verwandt. 48L. gespenstig, adj.: unheimlich, geisterhaft, bei Goethe Faust 9980, aber mhd. gespenstec «verführerisch», ahd. spenstig verlockendo. gespenstisch, adj., bei Schiller 13, 176. 45 707 Gespiele Gestein 708 Gespiele, m.(-9n, Pl.-n): Spielgenosse, insbes. in der Jugend. Mhd. gespile, gespil m., mndl. ghespele. Von Spiel(s. d.). Dazu Gespielin, f., 1587 bei Mathesius Diluvium 420 b Gespilin, für mhd. gespile, gespil f. Gespilde, n.(-“s) und Gespilderecht, n.: das Vorkaufsrecht des Nachbars an früher zu- sammengehörigen, später abgespaltnen Grund- stücken. Thüring.-westfälisch. Bei Musäus Volksm.(1826) 4, 54 Gespilde n., ebenso 1491 in den Rastenberger Statuten§ 46. Zu spalten (s. d.), vgl. gespält Gut«pars praedii divisi? bei Frisch 2, 289 ² und das mhd. Adj. u. Adv. zuwispilde«in zwei Teile geteilt, zwiefach). Gespinst, n.(-es, Pl.-e): Gesponnenes. Mhd. gespunst n. und f. neben spätmhd. gespinn, mnd. gespin n., im 15. Jh. auch gespinß n. Gespons, m. n.(-en, Pl.-en): der Bräuti- gam, die Braut. Veraltet. Spätmhd. gespzuntze, gespunse, gesponse m. und f., aus lat. sponsas m. und sponsa f. der, die Verlobte». Gespött, n.(Jes, Pl. wie Sg.): vieler, wieder- holter Spott. Mhd. gespötte, gespõt, md. ge- Spofe n., Kollektiv von Spott(s. d.). Gespräch, n.(-és, Pl.-e): Unterredung. Unverkürzt Gespräche n. bei Lessing 1, 212. Mhd. gesprœche n.«Sprachvermögen, das Sprechen, Besprechung, Unterredung, Bera- tungy, md. gespréche, ahd. gisprächi n. Bered- samkeit, Redey, dazu mnd. gesprake, gesprelce, mndl. ghespraechen. Abgeleitet aus Sprache (s. d.). Davon gesprächig, adj., mhd. im 12. Jh. gespréchig(Sumerl. 8, 40), aber meist mhd. gesprœche, md. gespréche, ahd. gisprãchi cberedt», wie noch oberd. und md. Gest, f.: Hefe. Aus dem Nd., s. Gäscht. Gestade, n.(-s, Pl. wie Sg.): Landrand eines größren Gewässers. Im 17. Jh. Gestade (Fleming 76), mhd. gestat n., zusammenges. mit mhd. stat m. n.«Ufery(s. Staden). gestalt, adj.: beschaffen, im Außern vor Augen stehend. Bei Lichtwer Fabeln 1, 9, ferner in der Wendung bei so gestalten Sachen (Wieland, Schiller usw.) und in Zusammens. wie zwohle, ungestalt, feingestalt(Goethe 2, 143), schöngestalt(Schiller eleus. Fest 36). Mhd. gestalt(auch wolgestalt, ungestalt), ahd. gistalt cbeschaffen, eingerichtet»(auch ungistalt«häß- lich»), mnd. gestalt, eig. Part. von stellen(s. d.). Aus dem Adj. bildete sich das Subst. Gestalt, f.(Pl.-en): das Aufere, wie ein Ding sich vor Augen stellt und eingerichtet ist. Mhd. gestalt f.«äußres eigentümliches Aussehen, Beschaffenheit⸗, im 14. Jh. auch der Träger der Gestalt, Person»(Megenberg 470, 18); dazu mnd. gestalt n. f. Beschaffenheit, Ver- hältnisy. Vgl. dergestalt. Von Gestalt abge- leitet gestalten, v.: bilden, formen, 1537 bei Dasypodius, refl. 1525 bei Zwingli Touf f 2 b; Gestaltung, f., bei Dasypodius. geständig, adj.: zugestehend, einräumend. Bei Luther 1, 344 b gestendig. Mhd. gestendec cbeständig, unveränderlich, beistehendy, dann «zustimmend, einwilligend»(Haltaus 690 vom J. 1326). Abgeleitet von mnd. gestant n., altjülisch gestant m.«Geständnis, Bekenntnis» zu gestehen(s. d.). Dazu Gestündnis, n., 1663 bei Schottel 376² aus Carpzov 1638. Gestünge, n.(-s, Pl. wie Sg.): im Bergbau Stanzenwerk zum Auspumpen des Wassers usw. (1562 bei Mathesius Sar. 145 b), sowie das Schienengleis für die Förderkarren im Schacht (1408 im Schladminger Bergbrief). Kollektiv von Stange(s. d.). Gestank, m.(-es, Pl. Gestänkxe): übler Geruch. Mhd. gestanc m.(Pl. md. gestenkke), zusammenges. mit Stank(s. d.), als dessen Kollektiv mhd. gestank n.(Megenberg 163, 23), im 16. Jh. Gestänck, Gestenck n. gestatten, v. stattgeben, geschehen lassen. Mhd. gestaten, ahd. gistatön, zusammenges. mit ahd. statön einen Standpunkt, festen Stand gebeny, dann«zulassen», abgeleitet von ahd. stata f.«Standpunkt, bequemer Ort oder Zeitpunkt, gute Gelegenheity. S. Statt. Geste, f.(Pl.-/): ausdrucksvolle Hand- oder Körperbewegung. Um 1500 bei Diefen- bach gl. 261 gesten machen, von einem Gaukler oder öffentlichen Spaßmacher, ebenso 1495 in der Kölner Gemma J 8e, dazu ndl. 1598 geste. Aus lat. gestus m. Gebärdenspiel der Redner und Schauspieler», eig. die Art, wie man den Leib trägt, von lat. gerére«an sich tragen, verrichten». gestehen, v.: sich stellen, insbes. zu- sammenrinnend fest oder dicklich werden (im 14. Jh. bei Megenberg 81, 17 u. 477, 28); ein Bekenntnis ablegen, eig. aussagend hin- stehen. Mhd. gestän, gestén, ahd. gistantan, gistän stehen bleiben, sich stellen, stand- halten, beistehen, zugestehen, bekennen, zu stehen kommen, kosten»; dazu asächs. gistan- dan, gistãn æfeststehen, zukommen, wider- fahren, gereicheny, ags. gestandan æstehen, standhalten, sich wogegen erheben. Gestein, n.(-s, Pl.-e): Steinmasse, Ge- birgsart(1562 bei Mathesius Sar. 63 b Ge- steine n.). Mhd. gesteine n.«die Edelsteine 709 Gestell Gesuch 710 und Schmuck davon», noch dichterisch bei Rückert. Kollektiv von Stein(s. d.). Gestell, n.(-s, Pl.-e): aufgestellte Vor- richtung. Unverkürzt Gestelle n. bei Goethe 1, 178. Mhäd. gestelle n. Mühlengestell, Rahmenwerk», auch äußre Gestalt», ahd. gistelli n.«zZusammenstellung, Stellung, Stand- orty, Kollektiv von ahd.mhd. stal m. Stelle, Gestell, Stütze, zu stellen(s. d.). gestern, adv.: vorhergehenden Tages. Mhd. gester und gestern, md. gesteren, ahd. gesteron, gesteren und gestre(auch zusammen- ges. égestra, égestere«übermorgen»); dazu mnd. u. ndl. gisteren, clevisch 1477 gisteren, ags. giestran-dœg, gurstan-dœ, engl. yesterdays cgestern», got. gistradagis«morgen»(anord. ⁊ ger«gestern, morgen», schwed. igär, daän. igaar«gestern geht auf eine Form mit Länge zurück), also urspr.«den andern Tag von heute aus». Dazu lat. heri«gestern), hesternus ægestrig», gr. xeεc, albg. dhe, aind. Ejäs«gestern». 41. gestrig, adj., mhd. gest(e)ric, ahd. gesterig, dazu ndl. 1598 ghisterigh. Gestikulatiön, n.(Pl.-en): Gebärdenspiel, im 18. Jh. aus lat. gesticulãtio f. gesti- kulieren, v.: Gebärden, Handbewegungen machen, 1694 bei Nehring gesticuliren, aus gleichbed. lat. gesticalãri, von lat. gesticulas m., dem Dim. von gestus m.(s. Geste). Gestirn, n.(-es, Pl.-e): Sternbild, heller Stern. Mhd. gestirne, gestirn, auch gestirre, ahd. gistirni und gistirri n.«die Gesamtheit der Sterne, Konstellation(Zusammenstand) von Sternen», im Mhd. auch«großer Stern. Kollektiv von Stern(s. d.). igestirnt, partizip. Adj. zu Stern(s. d.): mit Sternen besetzt, sternvoll. Mhd. gestirnet, ahd. gestirnõt. zꝛgestirnt, partizip. Adj. zu Stirne(s. d.): mit einer Stirne versehen. Mhd. gestirnet. Gestöber, n.(-s, Pl. wie Sg.): wieder- holtes Stöbern(s. d.); Durcheinanderstieben. Md. im 13. u. 14. Jh. gestobere, gestubere n. «staubaufwirbelndes Getümmel, Auflauf», im 15. Jh. bei Osw. v. Wolkenstein Nr. 78, 5(Schatz), gestõber n.«aufwirbelnde Staubmassey. Gesträuch, n.(-es, Pl.-e): beieinander- stehende Sträuche. Unverkürzt Gesträuche n. bei Bürger 23, Goethe Faust 3892. Md. im 14. Jh. gesträche n., im 15. Jh. gestrüch, 1420 bei Diefenbach gl. 501 gestreuge. Kol- lektiv von Strauch(s. d.). gestreng, adj.: streng(s. d.). Mhd. ge- strenge«stark, gewaltig, tapfer», als Ehren- prädikat des Ritterstandes schon um 1300 (bis ins 18. Jh., Schiller Räuber 5, 1, Tell 3, 3), dann auch in der Bed.«keine Nach- sicht übend). Gestrick, n.(-es, Pl.-e): Geschling oder Gewinde von Stricken; Netzgeffecht; Strick- arbeit. In der 1. Bed. 1590 bei Fischart Garg. 241, in der 2. Bed. bei Brucker Straßb. Verordn. 183 von 1425, in der 3. Bed. Ger- mania 18, 377(15. Jh.). Kollektiv von Strick. Geströhde, n.(-S): Strohmenge, Stroh- gewirre(Goethe 31, 99 u. 145). Bei Luther Gestrõde, Gestrod, 1487 in den Tannrodaer Statuten geströde n. Kollektivbildung zu Stroh(s. d.), wie gleichbed. mhd. gestrorve, gestroe, ahd. gistraui, gistrowi n. Gestrüpp, n.(-es, Pl.-e): durcheinander gewachsenes, rauh hervorstarrendes niedriges Gebüsch. Im 16. Jh. bei H. Bullinger Refor- mationsgesch. 3, 87 Gestrüpp, unverkürzt bei P. Fleming 118 Gestriüpe, bei Goethe 36, 53 Gestrippe. Kollektiv von mhd. struppe«strup- piges Gewächs». Mit verdünntem Vokal bei Henisch 1616 und Adelung 1775 Gestrippe, bei Goethe 34, 1, 22 Gestripp. Andrerseits mit langem Stammvokal(wie mhd. sträp«strup- pig») und umgelautet Gestreuppig 1616 bei Henisch, gestreupich neben gestrüppich 1508 in Weist. 6, 43, 10 fl. Vgl. struppig. Gestühl, n.(-s, Pl.-e): Stuhlwerk; Ge- stell, worauf etwas ruht(bei Luther 1. Kön. 7, 27 ff.). Mhd. gestäele, gestuole, md. gestäle, gestöle n.«Stuhlmenge, Stuhl, Thron», ahd. gastuoli n., Kollektiv von Stuhl(s. d.). gestunden, v.: Aufschub gestatten, Frist geben. 1691 bei Stieler. Zusammenges. mit gleichbed. stunden, von Stunde(s. d.). Gestüppe, n.(-s, Pl. wie Sg.): fliegender Staub; Staubähnliches. Mhd. gestüppe, md. gestuppe n.; dazu mnd. gestubbe n.«Staub. Kollektiv von mhd. stuppe, stüuppe, ahd. stuppi n.«Staub, Staubähnliches» wie Sand, Asche, got. stuhjus m.«Staub», zu stieben(s. d.). Gestüt, Gestüte, n.(-s, Pl. wie Sg.): Pflegeort für Zuchtpferde. 1582 bei Fischart Garg. 280 Gestud, bei Pugger Gestüterey 1584 Gestit n., Kollektiv von mhd.- ahd. Stuot f. «Herde von Zuchtpferden»(s. Stute). Gesuch, n.(-es, Pl.-e): angelegentliche Bitte, insbes. an eine Behörde. 1616 bei Henisch. Dagegen mhd. gesuoch m., md. ge- süch m. ͥdas angelegentliche Suchen, Auf- suchen, Spüren auf Wild, Recht des Auf- und Besuchens eines Weideplatzes, dann 45* 711 gesund Getrümmer 712 «Erwerb, Gewinn, Geldzins, welche letzteren Bedeutungen schon ahd. gisuoch m. hat, bei Luther Gesuch n. das Streben nach Gewinn). Das heutige Neutr. ist Substantiv zu suchen (s. d.), das Mask. der ältern Sprache aber eine Zusammensetzung mit mhd.-ahd. Suν m. das Suchen, Erwerb, Zinsertrag?. gesund, adj.(Komp. gesunder und ge- sinder, Superl. gesundest und gesündest): un- verletzt oder ungestört am Ganzen der natür- lichen Lebenstätigkeit und Lebenskraft; der natürlichen Lebenstätigkeit zuträglich oder förderlich. Mhd. gesunt in beiden Bed., nur in der ersten unverletzt, heil» ahd. gisunt und gisunti, asächs. gisund, mnd. sund, ndl. gezond, afries. sund, ags. gesund, engl. sound. Verwandt entweder mit lat. sänus«gesund» oder mit got. suinps«stark, gesund»(s. ge- schwind). 48L. gesunden, v., mhd. ge- sunden, gesunten, tr.«gesund machen, am Leben erhalten», intr.«gesund werden, am Leben bleiben», ahd. gesunten«gesund machenꝰ. Gesundheit, f., mhd. gesuntheit f. In der Bed.«Trinkspruch auf die Gesundheit Jmds.). 1646 bei Philander 4, 206. ZUS. mit dem mhd.-ahd. Subst. gesunt m. Gesundheity: Gesundbrunnen, m.: Heilquelle, 1595 bei Welser-Werlichius Augsb. Chron. 13, 81 vom J. 1551. Getäfel, n.(-S, Pl. wie Sg.): Bretterbe- kleidung. Mhd. getevel, n., Kollektiv von Tafel(s. d.). Getier, n.(—s, Pl.-e): Tierwelt, Tiere. Mhd. getier n., Kollektiv von Tier(s. d.). Getöse, n.(-s, Pl. wie Sg.): wiederholtes Tosen(s. o.) 1537 bei Dasypodius Getöß, ndrhein. im 14. Jh. gedlois, gedoys n., mhd. gedoze n.«starkes Geräusch, Wasserfally, Kollektiv von mhd.-ahd. döz m. Geräusch. Getränk, n.(-es, Pl.-e): Trank. Unver- kürzt Getränke n. bei Goethe Tasso 2890, Faust 223. Md. im 14. Jh. getrenke n., auch Trinkgelagey. Dafür mhd. getranc n., auch bei Luther 4. Mos. 6, 3. Zusammensetzungen mit Trank(s. d.). Getratschſe], Geträtschſe], n.(-s): ausplauderndes Gerede. Beim j. Goethe 2, 385 und Kindleben 1781. Von kratschen, trätschen«plaudern, klatschen»(s. d.). Ver- wandt mit geträsch n.«Geräusch»(15. Jh. in Städtechron. 5, 106, 15), schles.-schweiz. Trasch m. Lärm, Geschwätzy, Drasch 1531 bei Hedio Josephus Vorr. getrauen, v. refl.(ich getraue mir oder mich): sich seiner Kraft und des Erfolges ihrer Anwendung bewußt sein. Mhd. ge- trüwen, getrouaven, ahd. gatrhén, gitrien «worauf trauen, sich worauf stützen?, pes. «mit Hoffnung des Erfolges, glauben, anver- trauen, zutrauen», dazu asächs. gitrlõn, gi- krüoian, ags. getréoan, got. gatrauan ver- trauen». Zusammenges. mit trauen(s. d.). Getreibe, n.(*s): wiederholtes Treiben. 1641 bei Schottel 499. Entsprechend mhd. getrip n.«Getreibey. Von treiben(s. d.). Getreide, n.(-s, Pl.-e): Mehl gebende Körnerfrucht. Mhd. getregede, getréägedle, ge- kreide n. calles, was getragen wird, Kleidung, Gepäck, Lasty, auch Gestell zum Tragen, Tragbahre, was der Erdboden als auf ihm gewachsen trägt?, z. B. Gras, Blumen usw., überhaupt Nahrung, Lebensmittel», spätahd. getragide n.«Einkünfte, Besitzy. Von tragen (s. d.). In der Bed.«Prucht, die der Baum trägty 1546 bei Bock Kräuterb. 2, 66 b das getreid, das sind die runde zepflin am Bircken- baum... das Erlen getreid. Die Bed. «Körnerfrucht» zuerst md. im 14. Jh. gekreigede, getreide n.(Freiberg. Stadtr. Kap. 42, 12 und 49, 15) und von da im 14. und 15. Jh. nach Oberdeutschland vorgedrungen, auch als Mask. bayr. östr. fraid und getreid bereits im 15. Jh. getreu, adj.: treu. Mhd. Hetriuaoe, getrinwe, getriu, ahd. gitriuwi, gitriäowi; dazu asächs. gitriuavi, ags. getréoe. Zusammenges. mit treu(s. d.). Davon getreulich, adj., mhd. getrinwelich, ahd. getriuavelih, im Adv. gitriu- licho, mhd. getriuwe-, getrinee-, getrheliche, bei Luther getrenclich. Getriebe, n.(*, Pl. wie Sg.): das Be- treiben, Antreiben wozu; Triebwerk. In der 1. Bed. bei Luther, vgl. ahd. nagatrip m. Antrieb»; in der 2. Bed. spätmhd. im 15. Jh. getribe n.«Triebwerk der Mühley, im Berg- bau 1562 bei Mathesius Sar. 139 b Getribe «stützendes Holzgerüst» und 1557 bei Agri- cola Bergw. S 2² Getriebe«Riderwerky». Zu Trieb und treiben(s. d.), vgl. Getreibe. getrost, adj.: ruhig und zuversichtlich vertrauend. Mhd. getröst, ahd. gitrõst, gidlrõst; dazu mnd. getrost. getrösten, v. refl.(mit Gen. der Sache): verzichten in ruhiger Zu- versicht eines Ersatzes. Mhd. getrœsten tr. «zuversichtlich machen», refl. in heutiger Bed., ahd. gitröstan«trösten. Getrümmer, n.(-s): Masse von Trüm- mern. 1776 bei Bürger 206. Kollektiv zu Trümmer(S. d.). 713 Getto gewähren 714 Getto, m. n.(-s, Pl. s): Judenviertel. Aus ital. ghetto m. Judengassey, das von talmudisch ghet«Absonderung» stammt. Getümmel, n.(-s): verworrnes unge- stümes Sich-durcheinander-bewegen. Bei Luther Getümel, Getúumele, mhd. getumele, getummele n. Zu ahd. tumilon sich drehen?, s. kummeln. geuden, s. vergeuden. Gevatter, m.(-s, Pl.-n): geistlicher Mit- vater als Taufpate. Mhd. gevatere, gevater, ahd. gevatero m.; dazu mnd. gevaclder, mndl. ghevadere, ags. gefcedera, dem kirchlich-mlat. compater m. nachgebildet. Die schwache Flexion des Sg. noch im 17. Jh. Abgeleitet von Vater(s. d. und vgl. Gote, Pate). Als trauliche Anrede unter Freunden und Be- kannten bereits im 15. Jh.(Dekameron 583, 9 K.). RA. Gevatter stehen: Taufzeuge sein (im 16. Jh. bei Ayrer Dramen 2469, 34 K. zu Gfatter stehn);(bildlich)«verpfändet seiny, burschikos 1744 bei Melissus Salinde 167, au Gevattern stehn bei Günther 167, eig. vom Bürgen gemeint Bürgschaft leisten»(Gott- helf Uli d. Pächter 310). 4BL. Gevatte- rin, f., im 15. Jh. gevatterin, gevätterin(De- kameron 462, 12 u. 17 K.); dafür mhd. ge- vatere, ahd. givatara f., ags. gefcœdere f. Gevatterschaft, f., mhd. gevaterschaft f., mnd. gevadderschap. ZUS. Gevattersmann, m.: Gevatter, 1691 bei Stieler Gevattermann, aber bei H. Sachs Fastnachtsp. 82, 1 fl. Gfatter- mann der Ehemann der Gevatteriny. geviert, partizip. Adj.: als regelmäßiges Geviert(Quadrat) erscheinend, regelmäbßig viereckig. Mhd. gevieret, geviert, ahd. geſierot, dem lat. quadrätus nachgebildet. Zu mhd. vieren, das nur in der refl. Bed.«sich zu Vieren scharen, sich vervierfachen» belegt ist. Substantivisch ins Geviert, im Geviert (Viereck, Quadrat), bei Luther ins, im Ge- vierde. ZUS. Geviertmeile, f.: Quadrat- meile, von Campe 1808 neugebildet. Gevögel, n.(-*s, Pl. wie Sg.): Gesamtheit von Vögeln; Geflügel. Mhd. geviigele, gevügel, gevägele, md. gevugele, gevogele, ahd. gifugili n., Kollektiv von Vogel(s. d.). Gewächs, n.(-es, Pl.-e): Wachstum, Art des Wachsens, Wuchs(Lessing 1, 465); Gewachsnes, Pflanze; Ertrag an und von Pflanzen(bei Luther); bildlich, Nachkommen- schaft(Jes. 48, 19); Auswuchs an einem Körper, bes. einem tierischen(1516 in Städte- chron. 25, 56, 14 gervechs). Bei Luther Ge- wechs, Geubechse, mhd. gewwehsen.«Gewachsnes, Pflanze»(nur als letztes Glied in Zusammen- setzungen), im 15. Jh. getwachs, geuwechs n., in der Bed.«Wachstum des Holzesy 1506 in der Bamberg. Waldordnung gezwächß n. (östr. Weist. 6, 417, 32); dafür mhd. das Fem. gewahst, gerwähste«Wachstum, Gewachsnes, Pflanze, Wuchs», ahd. giwahst, giawahsti f. Wachstum, Wuchs». Abgeleitet von wachsen (s. d.), wie gewächsig, adj.: Wachstum fördernd, fruchtbar, 1604 bei Colerus Hausb. 3, 126 geiwechsich, bei Opitz Ps. 65 gewächsig, noch wetterauisch, daneben bei Colerus 3, 121 gewechsicht in der Bed.«schnell wachsend. ZUS. Gewächshaus, n., 1712 bei Hübner Gezbächs-Hauß, dafür 1691 bei Stieler Ge- wüchsstube. gewahr, adj., in geiwahr werden: mittels der Sinne zum Bewußtsein von einem Dinge usw. kommen. Mhd. gerwar werden, ahd. guwar werdan, asächs. giwwar werdan zansich- tig, bewußt werden, bemerken», mit Gen. das Adj. mhd. gewar, ahd. und asächs. giwar cbeobachtend, bemerkend, aufmerksam, sorg- fältig, vorsichtig, scharfsichtig», ndl. geiwaar, engl. aware, zu mhd. war, ahd. zard f. adas sorgende Sehen worauf, Acht, Aufmerksam- keity(s. wahren, awahrnehmen). 1Gewähr, f.(ohne Pl.): das Einstehen wofür zur Sicherheit. Mhd. gewer f. neben wer f.(S. Währmann). Zum Zeitwort mhd. wern, ahd. werén(s. geuwähren). ²Gewähr, n.(-es, Pl.-e) und f.: einem Bergbauer zum Lohne gegebnes Stück Feld, in bestimmtem Maße 14 Lachter lang und 7 breit(Adelung). 1562 bei Mathesius Sar. 29 b ff. Geuver, Gewehr f. Entweder aus mhd. gewer f. Gewährung» hervorgegangen oder aus mhd. gewere, gezwer f.«förmliche Ein- kleidung, Einsetzung in den Besitz eines Grundstücks(mlat. inbestitura f.), Besitzüber- gabe, rechtskräftig gesicherter Besitz, tat- sächliche Innehabung desselben, Besitzrechty, ahd. gerweri n. Einkleidung in den Besitz», von ahd. giwwerjan und werjan, ags. werjan, anord. verja, got. wasjan«kleiden, bekleiden?, urverwandt mit lat. vestére«kleiden, gr. évvucdat aus*fecvucdoi«kleiden?, aind.-aw. västé«er kleidet sich», armen. 2-gemum ziehe an, kleide mich an). gewahren, v.: gewahr werden, bemerken. Mhd. gercarn, zu mhd. war, ahd. wra f. «Aufmerksamkeit»(s. gezbahr).. gewähren, v.: für Geltung und zur 71⁵ Gewahrsam gewarten 716 Sicherheit einstehen(Thümmel Reise 6, 309); zuteil werden lassen, bewilligend zukommen lassen; gewwähren lassen: unbehindert tun lassen. In der 2. Bed. bei Luther gerveren, 1561 bei Maaler gewären, 1616 bei Henisch gewwehren und gewähren. Mhd. gewern zu- gestehen, was einer zu fordern hat, leisten, bezahlen, durch Leistung wozu bringen, woran gewöhnen, wofür einstehen, gewährleisten?, ahd. giwerén, giwerön, giweran æleisten?, zu- sammenges. mit gleichbed. mhd. wern, ahd. werôn(auch afries. wera, wara gewuhr- leisteny) woher entlehnt die unter Garant (s. d.) behandelten romanischen Wörter. Die weitere Verwandtschaft des deutschen Wortes ist unklar. Vgl. v. Bahder DW. 13, 786. 4BL. Gewährung, f., 1616 bei Henisch. Gewahrsam, m.(-s): Aufsicht, Obsorge; leichtes Gefüngnis;(veraltet) sicherer Aufent- halt, Wohnsitz(Mathesius Luther 64, 18 Neudr.). Mhd. gewarsame f.«Aufsicht, Sicher- heit, sicherer Ort, Gefängnis-»(1499 bei Halt- aus 709). Das Fem. bis ins 18. Jh., noch bei Adelung und Schiller. Zum mhd.(md.) Adj. gewarsam«vorsichtig, sorgsam», von gewahr(s. d.). Gewährschaft, f.: das Einstehen wofür zur Sicherheit. Mhd. gewerschaft f.«réchts- kräftig gesicherter Besitz, Innehabung mit rechtlicher Sicherheity). Zusammenges. mit Gerwähr f.(s. d. 1), ebenso Gewährsmann, m.: der wofür Einstehende, Bürge, 1663 bei Schottel 290 Gewwehrmann, 1691 bei Stieler Geꝛwärmann neben WMärmann, mhd. erman m., noch bei Lessing 4, 90 Wehrmann. Gewalt, f.(Pl.-en): zwingende Macht; gesetzlose Macht. Mhd. gezwalt m. und f., im Md. überwiegend f., ahd. gialt m. und f. (auch bei Lutber und Henisch 1616 Mask. und Fem., letzteres in Luthers späteren Schriften vorwiegend, bei Duez 1664 und Stieler 1691 nur Fem., aber noch Dornblüth 1755 verlangt das Mask.); dazu asächs. girald f., mnd. gezwalt, gewwelde f. n., ags. geweald m. n. Von Walten(s. d.) 4BL. gewaltig, adj., mhd. geꝛwaltec, gewwaltic, selten gewweltic, md. geuweldic, ahd. giwaltag, giaweltig, im Adv. geꝛwaltigo, mnd. gewvweldlich, gewwaldich; davon gewältigen, v.: unter seine Gewalt bringen, bewältigen(Goethe Wahlverw. 1, 13 usw.), mhd. gewaltigen, geꝛweltigen; in der Bed. «bevollmächtigen) gewaltigen bei Adelung. gewaltsam, adj., im 15. Jh. in der Rechts- sprache, mhd. nur in den abgeleiteten Subst. gewaltsam m.«Macht, Vollmachty und gerwalt- same f.«obrigkeitliche Gewalt, herrschaft- liches Gebiety, älternhd.«widerrechtliche Gewalt»(bei Henisch). Gewaltseligkeit, f., bei Lessing 7, 135. ZUS. Gewalthaber, m., frühnhd. Gewaltstreich, m., 1808 bei Campe. Gewalttat, f., zuerst 1663 bei Schottel 1230, dann erst wieder 1775 bei Adelung. gewalttätig, adj., bei Zesen. Gewand, n.(-es, Pl. Gewdänder): anzu- legendes Kleid; Tuch zu Kleidung. Mhd. gerwant n.«Kleidung, Kriegskleid, Rüstung, Zeugstoffy, ahd.(12. Jh.) nur in badegiꝛwant; dazu mnd.-mndl. getwant(entlehnt?), nach Wunderlich DW. dasselbe wie ahd. giwant f. «Grenzey», d. h. Ort, wo man sich wendet. Völlig verschieden von gleichbed. mhd. ge- zœte, ahd. giwäti n., dem Kollektiv von zwãt f.(S. Wat). ZUS. Gewandhaus, n.: Ge- bäude zum Verkaufe von Tuch, Leinwand u. dgl. auf Jahrmärkten und Messen, spätmhd. und md. 1365 gerbanthäs n. Gewand- schneider, m.: Tuch- und Leinwandhändler im Kleinen, Schnittwarenhändler, mhd. ge- wantsnider m., eig.«Tuchausschneidery». ge- wandsweise, s. quantsweise. gewandt, adj.: sich leicht bewegend und helfend. 1678 bei Krämer von Pferden und Schiffen. Mhd. gewant angewandt, aus- schlagend wozu, zuteil geworden, beschaffen, bewandt, sich verhaltendy,(mit Dat. der Person)«jmds. Verhältnissen angemessenv. Part. Prät. von wenden(s. d.) und geiwenden, mhd. gewenden, ahd. giwentan«umwenden, umkehreny. Davon Gewandtheit, f., 1779 bei Lessing Nath. 3, 4. Gewann, f.(Pl.-en): die aus ähnlich liegenden Ackern, Wiesen oder Gärten be- stehende, ein Ganzes bildende Unterabteilung der Flur. Entstanden(in Westdeutschland) aus Gezwwand f., noch in Nürnberg«Acker- beet⸗, d. h. Pflugland bis zu den Pflug- kehren, die seine Grenze bildeny, mhd. ge- wande f.«Acker, Ackerbeet, Grenze, Umkreisy, aber ahd. girwanta f., gitcwant m.«Bewandtnis», eig.«Wendungꝰ»; dazu asächs. giwwand n.«Ende, Zweifel, Bewandtnis». Vgl. Gewende. gewarten, v.: warten(Schiller, Bürg- schaft 111). Veraltet. Mhd. gewwarten«worauf schauen,(mit Dat.) wonach ausschauen,(mit Gen.) schauend achthaben, sich wessen zu jmd. versehen, sich bereithalteny, ahd. gi- wartéen(mit Gen.)«sich wessen versehen, achthaben auf,(mit Dat.) sich bewahren, 717 Gewäsch gewieft 718 sich hüten». Davon gewärtig, adj.: etwas erwartend(mit Gen., selten Akk.); zu Befehl stehend, zum Dienst bereit(mit Dat.). Mhd. gewertic in beiden Bed. gewärtigen, v., pei Lessing Nath. 2, 1. Gewäsch, jetzt überwiegend gegenüber Gewäsche, n.(-s, Pl. wie Sg.): geist- und gehaltloses Gerede. Bei Luther Gewesch, Gewesche n. Von spätmhd.(15. Jh.) waschen, weschen aschwätzen»(s. waschen). Gewüsser, n.(J, Pl. wie Sg.): Wasser- masse, Wasserlauf. Spätmhd. gerwezzere n. Kollektiv von Wasser(s. d.). Gewebe, n.(‧H, Pl. wie Sg.): fortgesetztes Weben; Gewobenes. In letzter Bed. mhd. gewehe n., ahd. gauwep, giwwehe n. Von weben. Gewehr, n.(-s, Pl.-e): Kampfwaffe; Feuerwaffe; die untern Eckzühne des männ- lichen Wildschweins, die Hauer(1719 bei Fleming Jäger 2, 107, dafür 1582 bei Feyer- abend Weidwerkb. 1, 59 das Gewäff, 3, 88² das Gewerf). Mhd. gewer n., geuere f.«Wehr, Verteidigung, Waffe, Verteidigungs-, Befesti- gungswerk», ahd. giwer n.«Kampfwaffe, (Treib-)Stachel». Von Wehr(s. d.). Geweih, n.(es, Pl.-e): die Hörner des Hirsches. 1562 bei Spangenberg Jagteuffel 04 Geweihe n., mhd. gerwige, gewwihe(Kolm. Meisterl. 190, 57), auch hirzgerwige, hirzgeuwic, md. hirsgeute n. Ursprünglich«Kampfwaffe des Hirsches», Kollektiv von mhd. wic m. n., ahd. wig, awic m., asächs. 3g m., ags. z¹9 n., anord. vig n.«Kampf, Schlacht, Krieg», zu ahd. wlgan, mhd. wigen, ags. W¹gan, got. weihan«kämpfen, streiten». S. 1Gewwicht. Gewende, n.(-s, Pl. wie Sg.): Stelle der Pflugwende oder Pflugkehr, Ackergrenze; Acker seiner Länge nach bis zur Pflugkehr.( Mhd. gewende f.«Wendung, Abgang» und gewende n.«Ackermaß einer Landgebreite, bis der Pflug gewendet werden muß?, 1482 im Voc. theut. bb 2 b und m 62 gervende, ge- wendt«Maß der Weite, soweit ein Roß läuft» (roßlauff, stadium). In Ostpreußen ehemals ein Flächenmaß von ½10 Morgen oder 30 Quadratfuß(Baczko Preußen 2, 134) und ein Lngenmaß von 60 Ruten oder ⅛, Meile (Frischbier preuß. Wb.). Von wenden(s. d. und vgl. Gewann). Gewerbe, n.(-s, Pl. wie Sg.): Dreh-, Bewegungspunkt wovon; Betrieb und Be- schäftigung als Nahrungszweig(Erwerb). Mhd. gewerbe n.«Wirbel, Gelenk, Geschäft, Tatigkeits, dann 1403 Truppenwerbung, neben mhd. gezerp m.(auch gerwerf, gezwerft) «aufgetragnes Geschäft, Tätigkeit um des Erwerbes willen, Bewerbung, Truppenwer- bung, Verhandlung vor Gericht, Vertrag, 1451 gewerbe Pl. die Drehachsen der Tore». Von werben(s. d.). 43. gewerblich, adj., bei Campe 1808 als neu. Gewere, f., s. Gezwähr 2. Gewerk, n.(-es, Pl.-e): Gesamtheit der einerlei Werkgeschäft Betreibenden; Gesamt- heit der Meister eines Gewerbes oder Hand- werks. Unverkürzt Gewerke n., hervorge- gangen durch Anlehnung an das Mask. Ge- werke(s. d.) aus md. gewerke n.«vollendete Arbeit, Gewebe, Bau?, 1616 bei Henisch «Gewerck, Tagarbeit⸗, ahd. giwirchi«Bau- arbeit», asächs. girwirki n.«Tätigkeit, Arbeit, Werk», einer Ableitung von ewirken(s. d.), verschieden von ahd. girverch n.«Werko, asächs. giwerk n. cun, Handlung, Werk, Bauwerk), ags. geweorc, gewerc n.«Werk, Bauwerk, Burg, einer Zusammensetzung mit Werk. Gewerke, m.(-n, Pl.-n): Bauhandwerker; Inhaber von Kuxen eines Bergwerks. Ein mitteldeutsches Wort, schon im 13. und 14. Jh. md. gewerke m.«Handwerks-, Zunftgenosse, Teilhaber an einem Bergwerk». Von Werk (s. d.). 4B L. Gewerkschaft, f.: die sämt- lichen Gewerken einer Bergzeche, 1562 bei Mathesius Sar. 98 b u. 1392 Gewerckschafft; Arbeiterverband, 1868 aufgekommenals Gegen- bildung gegen die von M. Hirsch ins Leben gerufenen Gewerkvereine. Gewicht, n.(-es, Pl.-e): Geweih des Hirsches. Weidmännisch. 1587 im Faust- buch 76, bei Gilhusius Grammatica 1597 S. 64 u. 83. Mit ableitendem t von ahd. wWigan s. Geweih). ²Gewicht, n.(es, Pl.-e): Schwere; Maß der Schwere; festbestimmtes Metallstück als Norm beim Abwiegen oder als Anhängsel zum Beschweren. Unverkürzt Gewichte n. bei Haller 38. Mhd. gezwihte, gewwiht n.(auch bildlich); dazu mndl. gewichte, ndl. gervigt, ags. gewiht n., engl. weight, mnd. wicht f., anord. vtt f.,(entlehnt) schwed. wigt, dän. vegt. Von Wwiegen(s. d.). In der Bildung ent- spricht lat. vectis m.«Hebel, Hebebaumy. 43L. gewichtig, adj., 1561 bei Maaler, elevisch 1477 gerwichkich. gewieft, adj.: gewiegt; gewandt, schlau. In den Wörterbüchern nicht verzeichnet. Wohl von wiebeln(s. d.)«sich hin- und herbewegen». Mundartlich götting.-waldeck. gezwipt. 719 gewiegt Gewissen 720 gewiegt, partiz. Adj.: worin wohlerfahren, gleichsam von Kindesbeinen an. 1561 bei Maaler gewieget in gerichtshendlen chomo fori alumnusy. Part. Prät. von mhd. zwigen swiegen, in der Wiege schaukeln). gewierig, adj.: gewährend, zustimmend. In der Kanzleisprache. 1612 bei Diefenbach- Wülker 619 b gerwierig. Von gervähren(s. d.). Gewild, n.(-es): Gesamtheit von Wild; ein Wild(Jagdtier). Spätmhd. gevilt n. kollektiv, 1541 bei Frisius 364a ein Gezvild. Kollektivbildung von Wild n.(s. d.). Aber mhd. gerwilde n.«Wildnis, Wildheity, vom Adj. zwild(s. d.). gewillt, in geuwillt sein: den Willen, Ent- schluß wozu haben. Schon mhd. gewwilt s'n. Mhd. geuwillet, gewvilt ist Part. Prät. von mhd. willen«willig machen», refl.(mit Gen. der Sache)«sich wozu entschließen, wozu neigen», alid. zvilleön, ꝛvillön u Willen sein, will- fahren, geneigt sein), abgeleitet von Wille. Gewimmel, n.(-s), mhd. gerwimmel n., von wimmeln(s. d.). Gewinde, n.(-s, Pl. wie Sg.): Gewun- denes; sich Windendes. 1616 bei Henisch «Gewind, Schrauben, Waltzeny. Von winden. Gewinn, m.(es, DPl.-e): das Gewonnene. Mhd. geiwin m. Erlangung, Erlangtes, Erwerb, Vorteil, Nutzenꝰ, ahd. ga-, giuwin m., zunächst Kampf, Anstrengung, Arbeity, dann Erlan- gung durch Sieg, Erlangtes, Erwerb»; dazu asächs. giuvin n.«Streit, Feindschafty, mnd. gewwin m. n.«Erwerb, Pachtungy, ags. getoin n.«Kampf, Anstrengung, Mühe, durch Mühe Lrlangtes». Von gewinnen, v.(Prät. gercann, Konj. geiwnne und gezwönne, Part. geuvonnen): durch Arbeit und Mühe, dann überhaupt durch Tätigkeit oder durch Glück wozu gelangen oder es erstreben, erlangen; ein Mehr im Vergleiche zu dem Aufgewandten erlangen; ringend gegen Widerstand zum Obern werden. Mhd. gewwinnen«siegen, durch Sieg, Mühe, Arbeit wozu gelangen, anschaffen, verschaffen, erwerben, in die Gewalt be- kommen, durch Rechtsverfahren erlangen, gerichtlich überwinden», abd. ga-, giwinnan (Prät. giwan, Pl. guwunnun, Konj. girbunni, Part. giicunnan)«durch Kampf, Mühsal, An- strengung erlangen, dann«überhaupt erlangen, in Besitz nehmen»; dazu asächs. girvwinnan durch Arbeit erreichen», afries. gerwinna cerlangen», ags. gerwinnan«kümpfen, durch Kampf erlangen, erobern, erringen?, got. gawinnan æleideny. Von ahd. winnan ain geivizzen, ags. gervitan«wisseny. Leiden sein, laut klagen, angestrengt und mühevoll arbeiten, kümpfen, erlangen», mhd. zwingen«sich abarbeiten, wüten, streiten»; dazu asächs. und ags. winnan æleiden, er- tragen, ringen, kümpfen, kämpfend oder ar- beitend erringen», engl. zwin, afries. winna cerlangen, erreichen», anord. vinna, schwed. vinne, dän. vinde«ausrichten, vollführen, arbeiten, bearbeiten, überwinden, über- treffen, got. innan«Sschmerz empfinden, leideny. Die Wurzel cen kehrt in gleicher Gestalt, aber in abweichender Bedeutung in den verwandten Sprachen und im Germ. wieder. Meringer Idg. Forsch. 16, 181 geht von einer Grundbedeutung«ackern» aus, unter der sich die verschiedenen Bedeutungen von«sich mühen», wohnen(s. d.), Wonne (s. d.), gerwöhnen«sehr wohl vereinigen lassen. Vielleicht entspricht lat. cönor aus*covenor dem germ. Wort genau. 4B L. Gewinner, m., mhd. geiwinner m. Gewinst, m.(es, Pl.-e), bei Luther W. 6, 449 und Weish. 15, 12. 2ZUS. Gewinnsucht, f., 1711 pei Rädlein; gewinnsüchtig, adj., bei Luther 2, 3732 J. geꝛwinssüchtig, bei Henisch 1616 gervinsichtig «der nur allein auff gewin sihet?. Gewirr, Gewirre, n.(⁶s, Pl.-e): Ver- wirrung; Verworrenes. Bei Luther Gercirre und Geiwerre, mhd. gewerre m. und n., spät- mhd. gervier n., mnd. genverre, gewer n. Von wirren(s. d.). Gewissen, n.(-s, Pl. wie Sg.): das sitt- liche Bewußtsein. Mhd. geuoizzen n. das Wissen, die Kenntnis, Erkenntnisy, der als Substantiv gesetzte Inf. des mhd. Zeitwortes In dieses Neutr. aber ging völlig über das mhd. Fem. geꝛwizzene, meist geiwizzen(auch schon ge- wissni, gelwissen)«Wissen, Kenntnis, Mit- wissenschaft, Erkenntnis des sich Schickenden, inneres Bewubtsein und so in der heutigen Bed.⸗, ahd. geiwizzen? f.«sittliches Bewußt- seiny, in Bedeutung und Bildung dem lat. conscientia f. entsprechend und von dem ahd. Adj. giuwizzan, mhd. gervizzen«bewußt, verständig» apgeleitet, zu wissen(s. d.) ge- hörig. Gleichbedeutende andere Bildungen im Ahd. sind die Fem. gitwisza, giivwigzida, giuwizzell und das Neutr. giwizzi, dafür got. mihiissei f. 45L. gewissenhaft, adj., 1641 bei Schottel 315. gewissenlos, adj., ebd. 357 aus Luthers Schriften. ZUS. Ge- wissensbiß, m., 1691 bei Stieler, vgl. Hiob 27, 6. 721 gewiß Gewürm 722 gewiß, adj.: wirklich, außer allem Zweifel; zuverlässig; bestimmt, festgesetzt; keinen Zweifel hegend, sicher; irgendein. Mhd. geuwis «wirklich, zuverlässig, sicher», ahd. givis und ꝛwwis(in unzwis), im Adv. mhd. gerwisse, ahd. gibisso; dazu asächs.-afries. awis, and. gitwisso, ndl. ⸗is, getis, ags. getwiss, anord.-schwed.-dän. viss«sichery und unviss«unsichery, got. nur in umciss ungewißy. Alte Partizipialbildung zu wissen(s. d.), urspr.«gewußt, sicher ge- wußty. 4BL. Gewißheit, f., mhd. gezwis- heit, ahd. giuwisheit f. gewißlich, adv. bei Luther, mhd. gewislich Adj., geuwisliche, ge- ꝛwisselichen Adv., ahd. giwislicho Adv. Gewitter, n.(-s, Pl. wie Sg.): Wetter mit Blitz und Donner. Mhd. gervitere, gerviter, ahd. giuwitiri n.«Unwetter», noch bei Luther Gewitter im Sinne von«Wetter, Witterung»; dazu ags. geiveder, geiwider n.«Unwetter. Kollektiv von Wetter(s. d.). 4L. ge- wittern, v., bei Campe aus Schiller. Gewoge, n.(-s): das Hin- und Herwogen. Ende des 18. Jh. bei Matthisson Ged. 122. Von wogen(s. d.). gewogen, Adj.: wohlwollend zugeneigt. 1593 bei J. v. Braunschweig ungerat. Sohn 4, 3. Eigentlich Part. Prät. von wägen(s. d.) im Sinne von«zuwägen». 4L. Gewogen- heit, f.: Zuneigung, 1616 bei Henisch. gewohnen, v.: gewohnt werden, sich gewöhnen. Noch bei Luther, Alberus und Frisius 1541 genonen, jetzt veraltet. Mhd. geivonen, ahd. gievonén, asächs. giuonön, ags. gezwunian«an einem Orte sich dauernd auf- halten, bleiben, verweilen, verharren?(s. Wwohnen), dann«gewohnt seiny. Abgeleitet vom älternhd. Adj. geꝛcohn, mhd. genwon, auch gerbone, genvan, ahd. giiwon(in der nhd. Schrift- sprache verdrängt durch gewohnt, aber noch in md. Mundarten genohne; dazu asächs. giwono, ginuno, mnd. getvone, geivonen, getwanen, ndl. getwoon, ags. gerwuen, anord. vanr«gewohnt». Von diesem Adj. stammen auch die folgenden Wörter: gewöhnen, v.: gewohnt machen, bei Luther und Henisch 1616 gewwenen und geibehnen, 1541 bei Frisius getwennen und ge- ꝛwenen, 1618 bei Schönsleder gerwönen und geiwenen, 1664 bei Duez gerbuhnen und ge- wehnen, aber noch bei Stieler 1691 bloß ge- wenen. Mhd. gewenen, ahd. giecennan; dazu and. gitvennian«sich gewöhnenꝰ», ndl. geawennen, ags. gervenian und wenian, anord. venja(Prät. vanda). Gewohnheit, f., mhd. gewwone-, gewonheit, im Schwabenspiegel und 1482 im Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. Voc. theut. m 5 gerbanheit, ahd. giwona-, giwoneheit f.; dazu and. giewonohéd, ndl. ge- woonheid f. In gleicher Bed. ahd. girwona, mhd. gerwone, gesbon, geiwan f., mnd. gerbonte, gewante f. gewöhnlich, adj., mhd. gerwone- lich, gewon-, geivönlich«der Gewohnheit gemäß, hergebracht»; dazu ags. genwunelic, aber mnd. geꝛwontlile. gewohnt, Nebenform des alten Adj. geivohn, an dessen Stelle es tritt, der Form nach zugleich Part. Prät. von gezwohnen(s. d.), bei Luther gewonet, 1482 im Voc. theut. m 5a geicanet, vereinzelt schon md. im 14. Jh. gewonet(Jeroschin 21723), mnd. gewant. Ge- wöhnung, f., 1541 bei Frisius 99 b Gewenung. Gewölbe, n.(-s, Pl. wie Sg.): hohlrund gemauerte Decke, sowie der darunter be- schlossene Raum; Kramladen, urspr. mit ge- wölbter Decke(Leipz. Urkundenbuch 1, 435 vom J. 1484). In der 1. Bed. bei Luther Gerbelbe, Geꝛwelb, 1664 bei Duez Gewwelb, 1678 bei Krämer Gezwölb, wie bereits im Laurin (Straßburg 1509) getvölb neben gewwelb, mhd. geꝛvelbe, ahd. giwelbi n. Zu wölben(s. d.). Der Plur. bisweilen Gezcolber(Lessing 10, 66, Haller 61, Zacharid Phaeton 1, 54). Gewölk, n.(-es, Pl.-e): Mehrheit von Wolken. Gezvolch 1616 bei Henisch, unver- kürzt Gewlke n. bei Goethe Iph. 1753, Schiller 11, 82, bei Luther Geirolcke, Gewwölcke, Ge- wülche, auch Geuwvolcken n. Mhd. gerwülke, geꝛwöllce n., älter gezwulkene n., Kollektiv von mhd. zwolken, wulken n.«Wolke»(s. d.). Gewölle, n.(-S, Pl. wie Sg.): Auswurf, den die Raubvögel täglich in der Frühe aus dem Kropfe speien, aus Unverdaulichem wie Haaren, Federn usw. bestehend. 1558 bei Heuslin Vogelbuch 1334 Gezwäll, 1582 bei Feyerabend Weidwerkbuch 2, 53 b Gerwöll, aber noch 1741 bei Frisch Gerwell n. Mhd. gerwelle, gewel n.«Brechmittel für den Falken und Gebrochenes(Gewölle)?, von mhd. ewiüillen, md. acollen, zwillen, ahd. zwullön und illön Ekel empfinden, Übelsein oder Erbrechen haben», aber wohl mit Anlehnung an mhd. wellen, ahd."wellan«wälzen, rollen»(ahd. givel n.«zusammengerolltes», wie Schlangen- geringel, hohle Wogenkämme, Pechklumpen). Gewühl, n.(-s): anhaltendes Wühlen; wirres Durcheinander. Unverkürzt Gerouühle n. pei Schiller 11, 372. Bei Henisch 1616 Gezbuel Gemenge des Volcksy. Von wühlen(s. d.). Gewürm, n.(-s, Pl.-e): Würmermenge; dann der Wurm(bei Luther, Schiller). Bei Luther Gewirm, mhd. gewürme n. Menge 46 72³3 Gewürz Gicht 724 von Würmern, von kriechenden Tieren über- haupt, von Schlangen oder Drachen». Kol- lektiv von Wurm(s. d.). Gewürz, n.(-es, Pl.-e): scharfen ange- nehmen Geschmack mitteilende Speisezutat aus Pflanzenstoffen. Bei Luther Gewürtz, im 15. Jh. bei Wyle 279, 3 gewäürtz n. Kollektiv von Wurz(s. d.), aber in seiner weitern Ent- wicklung als Substantivbildung zu würzen (s. d.) empfunden. ZUS. Gewürzkrämer, m., 1616 bei Henisch. Gewürznelke, f., 1741 bei Prisch 2, 6 b der Pl. Gerwirz-Nelen neben Wärz-Nelken 461°, 1691 bei Stieler Gewwrznäãgelein(s. Näglein, Nelke). Gezüh, Gezähe, n.(-s): das gesamte Werkzeug des Bergmanns. 1693 bei Schönberg Berg-Inform. 2, 44 Gezdhe, 1669 in der kurköln. Bergordn. 7, 25 Gezeu, in einem alten sächs. Bergreien bei Döring 2, 60 Gezdiue, 1562 bei Mathesius Sar. 196 Gezato n. Mhd. gezoube, gezowe n. Gerät, Werkzeugs, im 14. Jh. gezawe, md. im 14. Jh. gezöu, thüring. 1447 gezauge, dazu mnd. getouaoe, getono n.«Ge- schirr, Gerät jeder Arty. Von mhd. 20 ⁶0Gen, 26uονε᷑ tun, machen, fertigmachen, bereiten, ahd. zau)jan, zoujan«machen, bearbeiten, ver- fertigen“; dazu mnd. touren«Leder bereiten, weben?, ags. fauwian«bereiten, zurichtenꝰ, auch«übel zurichten», engl. faw«weißgerben, durchprügeln», anord. tœja, tgja chelfen, nützenꝰ», got. faujan«tun, bewirkeny. Weitre Anknüpfung in den verwandten Sprachen ist unsicher. Vgl. Osthoff Idg. Forsch. 5, 282, Lorentz ebd. 342. Gezänk, n.(-es, Pl.-e): vieles, wiederholtes Zanken. Mhd. gezenke n. Von zanken(s. d.). Gezeiten, Pl.: der Wechsel von Ebbe und Flut. Norddeutsch, mnd. getide n.«Flut- zeity, entsprechend mhd. gezit f. n. Zeit, festgesetzte Gebetstunde(horae canonicae), Zeitlauf, Begebenheity. Zgs. mit Zeit(s. d.). Gezelt, n.(-es, Pl.-e): das Zelt(s. d.). Mhd. gezelt, ahd. giaelt n. Gezerre, n.(-s): vieles, wiederholtes Zerren. Bei Luther 7, 266 b Jen. Md. im 13. Jh. gezerge n., im 14. Jh. gezarre n. das Reißen, Zerreny. Kollektiv von zuar m.«Riß und Substantivbildung zu zerren(s. d.). Gezeug, n.(-es): das gesamte Werkzeug des Bergmanns(vgl. Gezäh); Gestein- und Wasserhebemaschine im Schacht. In der 1. Bed. 1617 bei Löhneyß Bergwerk 10, in der 2. Bed. 1557 bei Agricola Bergwerkb. 122f. Mhd. geziuc m. u. n.«Gerätschaft, Werkzeug, Maschine zum Kriegsgebrauch», zusammen- ges. mit Zeug(s. d.). Geziefer, n.(-S, Pl. wie Sg.): Kleines unansehnliches Getier(Goethe 17, 19). Früh- nhd. Gezifer(Schmeller? 2, 1087). S. Un- geziefer. geziemen, v.(Präs. es geziemt, Prät. geriemte, Part. geziemt, mit Dat. der Person): nach gebildeter Ansicht passend sein. Bei Luther gezimen, gezymen, 1522 bei Murner Luth. Narr 3384 gezimmen, aber mhd. stark- flekt. gezemen«angemessen seiny. S. ziemen. geziert, Part. Prät. von sich zieren als Adj.: allzu zierlich. In der äültern Bed.«mit. Auszeichnung verschönerty um 1480 im Voc. ine. teut. i 7a gezyrt. S. zieren. Dazu Ge- ziertheit, f.: überzierliches Benehmen, im 19. Jh., aber 1628 bei Münster Cosmogr. S. 1122 Gezierdtheit f.«Zieraty. Gezimmer, n.(-S): Gesamtheit bearbei- teten Bauholzes; aufgeschlagner Holzbau; im Bergwerk die Zimmerung, Holzstützen, Trag- stempel(1617 bei Löhneyß Bergw. 9); vieles, wiederholtes Zimmern. Mhd. gezimber, ge- zimmer und ahd. gazimbari, gizimbiri n.«Bau- materialien, Bauholz, Bau, Gebäudey. Ab- geleitet von Zimmer(s. d.), in der obigen letzten Bed. aber von zimmern(s. d.). gezogen, Part. Pass. von ziehen(s. d.) als Adj.: mit schwachgewundnen Zügen oder Lüngsfurchen versehen. 1590 bei Fischart Garg. 286 geschraubte oder gezogene Büchsen. Gezücht, n.(-es): aufzuziehendes oder aufgezognes Gezeugtes. Nur in verächtlichem Sinne. Bei Luther 8, 268 Weim. Getzichte und Matth. 3, 7 Ottergezichte, mhd. selten gezühte n., Kollektiv von Zucht(s. d.), mhd. ahd. zuhtf.«Aufzuziehendes, aufzuziehende Junge. Gezwatzer, n.(*s): wiederholtes Zowatzern (. d.), bei Goethe 16, 3. Gezwerg, n.(-es, Pl.-e): Gesamtheit von Zwergen(Goethe Gezwerge n. als Kol- lektiv 25, 1, 151); Zwerg. Mhd. getwerc n. (md. m.) und ahd. gitzwerc n.«zwerg», zu- sammenges. mit tzwerc Zwerg(s. d.). Gezwitscher, n.(-s): das Zwitschern (s. d.). 1664 bei Duez 1, 471 b Gezwitser der Vögel. 1Gicht, f.(Pl.-en): im Hüttenbau, auf den Hochofen führender Gang zum Hinauf- schaffen der Kohlen und Eisensteine. 1712 bei Hübner. Nach Weigand von gehen wegen mhd. giht f.«Gang, Reisey und in Zusammensetz. kirchgiht f.«Kirchgang», sunne-, sunngiht f. 725 Gicht Gienmuschel 726 «Sonnengang, wende»(Johannistag), neben ahd. gäht(in bettegäht f.«Bettgehzeit), got. gähts f.»Gang»(nur in framgãnts f.«Fort- gango, innatgãhts f.«Lingangꝰ), wie ahd. gingén cnachfolgen) neben ahd. gangan gehen. Bei dieser Erklärung müßte mhd. giht an- gesetzt werden, was nicht möglich ist. 2Gicht, f.(Pl.-en): Aussage, Bekenntnis, Geständnis. Noch bei Frisch 1741, aber be- reits 1775 bei Adelung als veraltet. Mhd. giht, ahd. jiht f., mnd. gicht f., abgeleitet von ahd. jehan, gehan sagen, aussageny, mhd. jehen, gehen, asächs. gehan(vgl. Beichte). 4BL. gichtig, adj.: eingestehend, geständig. Veraltet, aber noch 1741 bei Frisch. Mhd. gihtic, ahd. jihtig, gihtig, mnd. gichtich, Jichtich. 208. Gichtzettel, m.: ärztlicher Fundzettel, Bericht über den Befund der Wunde usw., 1741 bei Frisch, noch in pommerischen Akten des 19. Jh. sGicht, f.(mundartlich n., Gen.-es, Pl. er): Gliedersucht, krampfhaftes Gliederreißen. Mhd. giht n.(selten f.) neben dem Kollektiv gegihte n., md. gicht f.(einmal m.), bei Luther, Alberus, Duez, Stieler Fem., bei Weckherlin 1, 494 Neutr.; dazu mndl. und nndl. Jicht f., ags. gicha, gihpa m.«Gliederlůhmung». Spät- mhd. und älternhd. auch im Sinne von«Schlag, Schlagflußy(1421 bei Diefenbach nov. gl. 280 a, 1664 bei Duez), ebenso mnd. gicht f.(auch Diefenb. gl. 412*), vgl. gichtbrüchig. Die Herkunft ist unaufgeklärt. Im oberd. Volks- mund der Pl. Gichter Krämpfe, Zuckungen, bes. bei Kindern», 1756 bei Albr. v. Haller Onomatologia medica 1, 474, bei Schiller 1, 162, 384. 4B. gichtisch, adj.: gichtartig, 1775 bei Adelung, dafür 1691 bei Stieler gichtig, mhd. gihtic«gichtbrüchig. gichterig, gichterisch, adj.: gichtartig, von der Gicht oder von Gichtern befallen, 1725 bei Bräuner Thesaurus sanitatis 49 und bei Schiller Rüuber 2, 1 gichtrisch, bei Grillparzer Ahnfrau 3 gichtrich. ZUS. gichtbrüchig, adj.: glieder- lahm mit Schmerzen verbunden. Bei Luther gichtbrüchig«vom Schlage gelähmt», ebenso in der Bibel 1483 Bl. 497 b(Luk. 5, 18) gicht- brüchig, md. im 14. Jh. gichtbruchig, von md. gichtbroch f., bei Luther Gichtpruch f.«Läh- mung mit Gliederreißen», vgl. md. im 14. Jh. di gicht hatte di frouwe gebrochin wol sibin jär(Ködiz 77, 32). Gickelgackel, m.: kicherndes Lachen mit ernstlosem Benehmen. Bei Lessing 1, 357. Bildung mit Ablaut von gickeln neben gicheln(s. kichern) und gackeln, 1616 bei Henisch gichlen, gicheln oder gachlen«cachin- nari, d. h. schallend oder roh lachen?. gicksen, kicksen, v. feinre unartikulierte Töne aus der Kehle ausstoßen. 1537 bei Dasy- podius gigtzen, mhd. gigzen, gichzen, gichsen, gekzen, ahd. giccazan, noch um 1480 im Voc. inc. teut. i 75b gilatzen. Im Ablaut zu diesem Wort steht gacksen(s. d.), bei Fischart Nachtr. 3645 gichsen und gachsen, wie schon mhd. bei Gottfr. v. Neifen 52, 13 u. 22 gigen gagen als interjektionelles Lautspiel. Dazu die BRA. er weiß weder Gichs noch Gacks(Wieland 18, 150),«er ist tümmer als eine Ganß'(Räd- lein 1711), 1691 bei Stieler weder Gigs noch Gags, 1589 bei Paracelsus Schriften 2, 80 weder guktes noch gagkes, sowie der mund- artliche Ausdruck Gickgack m.«Gans', mhd. gigã als«Schrei der Gans». Gicksgacks, m.: inhaltleeres Gerede, albernes Geschwätz, als Titel eines obd. Flugblattes um 1620 Sieben läãcherliche Geschnälz oder Gikes gales Ofenloch, 1663 bei Gryphius Horrib. 68 Kicks- kacks m., 1510 bei Keisersberg Has im Pfeffer Ce 7 ½ gickerliß geckerliß. Gickshusten, m.: Keuchhusten. Giebel, m.(-S, Pl. wie Sg.): oberste Raumspitze zwischen den Dachseiten. Mhd. gibel, md. auch gebel(noch 1517 bei Trochus P 1² gebbel), ahd. gibil m.«Stirn- oder Vor- derseites, auch«Erd- oder Weltachse(Pol)s; dazu and. gibilla f., mnd. und ndl. gevel, anord. gafl m.«Giebel», got. schwachflekt. gibla m. coberste Spitze, Zinne». Gleichen Stammes wie mhd. gebel, ahd. gebal m.«Schädel, Kopf⸗ neben ahd. gibilla f.«Schädel», urverwandt mit gr. xeꝓευmν f. und makedon.(bei Hesychius) Taßokd f. Kopf. ZIUS. Giebelwand, f., mhd. gibelawant, md. gebelewant. „Giebel, m.(-S, Pl. wie Sg.), auch f. (Pl.-n): die Steinkarausche, Cyprinus gibelio. In Norddeutschland. 1615 bei Colerus Hausb. 5, 295 Gybel, dafür 1563 bei Forer Fischb. 166 b Gilblichen(nach der gelben Farbe). Neben- form Gieben m., ahd. guva, aus lat. gobio m.; dazu franz. gibele f. Gienmuschel, f.(Pl.-n): eine Art See- muscheln, auch Gaffer oder Venusmuscheln genannt. 1775 bei Adelung. Zusammenges. mit spätmhd. gienen(1429 im Lib. ord. rer. 28⁰), mhd. ginen, ahd. ginén«gähnen»(s. d.). Xhnlich ist die gr. lat. Benennung chäma, gr. Xun f. cGienmuschel, urspr. das-Gähnem, zu gr. xaiveiv«gühnen). 46* 727 Gier Gimpe 728 Gier, f.(ohne Pl.): starkes, heftiges, sinn- liches Streben wonach. Mhd. gir und ger f., auch frühmhd. kiôr, ahd. gir', kird f.; dazu asächs. girt f.(in fehogiri«Gier nach Reiech- tum), mnd. gir m. Abstraktbildung aus dem Adj. ahd. ger und giri, mhd. ger und gire«verlangend, begehrend, gierig», noch ostmd. geier(s. Geier), mnd. ger und gir, verwandt mit gern(s. d.) und dem Zeitwort mhd. gern, ahd. gerön cbegehreny. Ebenfalls aus diesem Adj. gebildet ist Gierde, f., mhd. girde, auch schon gierde, md. gerde, ahd. girida f.(woneben selten girid f.) hef- tiges Verlangen, im Ahd. auch Habsucht», and. giritha f. Begierde, Verlangen». 4 BL. von Gier: gieren, v., spätmhd. girn, im 15. Jh. gieren, mnd. giren. gierig, adj., mhd. giric, ahd. girig, afries. gyrig, mnd. das Adv. girichlixen; davon Gierigkeit, f., mhd. und mnd. giricheit, md. girexeit, afries. girichédl f. gießen, v.(Prät. 3o, Plur. gossen, Konj. gusse, Part. gegossen): als Flüssigkeit laufen; Flüssigkeit oder flüssiges Metall laufen machen. Mhd. giezen, ahd. giozan; dazu asächs. giotan, mnd. geten, ndl. gieten, afries. giata, ags. qéotan, got. guwtan«gießeny, anord. gjõta«Junge werfen. Urverwandt mit gr. Xéeiv«gießenꝰ, XDhd n. Guß, Flüssigkeit», lat. fundére(Perf. fudi)«gießenꝰ, aind. hu«gießen, opferny, aw. 2aoοera- n.«flüssige Opferspende, Opferguß?, arm. Jjaunem«weihe, bringe dar». Alternhd. und noch altertümlich lautet der Sg. Präs. du geußest, er geußet, geußt, der Imp. geuß, mhd. giuzest, giuget, giuz. 4 BL. Gießer, m., 1537 bei Dasypodius. Gießerei, f., 1678 bei Krämer. ZUS. Gießbach, m.: Bach durch Regen-, Schneewasser, 1616 bei Henisch. Gießkanne, f., 1640 bei Comenius Gieß- Kann f. ¹Gift, f.(Pl. Sen): Gabe, Schenkung. Bei Bürger 50, ferner in Braut-, Mitgift, Giftbude (in den Nordseebädern). Mhd. und ahd. gift f.; dazu mnd. gifte, gift f., mndrhein. gichl f., afries. jeft m. f. n.«Gabes, ags. gift f.«Mit- gift», im Pl.(f. und n.)«Hochzeity, engl. gift «Mitgifty, anord. gipt f.«Gabe», got. gifts f.(in framgifts, fragifts Verleihung, Verlobung»). Abgeleitet von geben(s. d.). *Gift, n.(-es, Pl.-e): verderbliches, töd- liches Mittel. Mhd. und ahd. gift f., daher noch bei Opitz, Gryphius, Lohenstein, Weise und Günther 106 Fem., dagegen das Neutr. erst nhd.(1595 bei Rollenhagen Froschm. 1, 1, 5 lv. 73% Opitz usw., schon mhd. vergiſt f. und n. m. Gift»); daneben auch Mask., bei Luther, P. Fleming 388, Günther 6 und 381, Haller 155, j. Goethe 2, 29 und 3, 334, Schiller Kab. 5, 7, bes. in der Bed. Bos- heit, tötlicher Haß, Zorn»(bei Luther Gifft and Galle). Es ist dasselbe Wort wie 1(Fift. wie auch vergeben(s. d.) schon mhd. und ahd. in der Bed.«vergiften» gebraucht wird. Die ältern Ausdrücke für Gift waren ahd. eitar n.(S. Eiter) und luppi n.(s. Lab). 4 BL. giftig, adj., mhd. giftic, bei Luther in der Bed.«boshaft. ZUS. Giftmischer, m., 1741 bei Frisch. Gigänt, m.(-en, Pl.-en): ungeheurer Riese. Mhd.-ahd. gigant m.; dazu ags. gigan? m. Aus gr. Jat. Gigäs(Gen. Gigantis), gr. Tifac m.«himmelanstürmender Riese», woher auch afranz. und aengl. geant, nfranz. géant, engl. giant, ital. gigante m. Davon gigan- tisch, adj., bei Wieland, Schiller. Gigerl, m.(-s, Pl. s): Stutzer. In den 90 er Jahren des 19. Jh. von Wien aus ver- breitet, von mhd. giege, giegel m. Narr. Vgl. Ladendorf. Gilbe, f.(ohne Pl.): gelbe Farbe. Mhd. gilioe, im 14. Jh. gilbe, ahd. gelaavl, giliuwi f. Von gelh(s. d.). gilben, v.: gelb fürben, gelb werden, mhd. gileben, frühnhd. gilben. gilbig, gilbicht, adj.: gelblich, spütmhd. 1420 gilevecht, abgeleitet von Gilbe. gilb- lich, adj.: gelblich, sputmhd. 1470 gilblicht. Gilbert, Mannsname. Ahd. Gilabert, Gil- bert, Gilperht. Gilde, f.(Pl.-/): zu gleichem Geschäft und Zweck verbundene Körperschaft, Innung der Kaufleute und Handwerker. Erst nhd., bei Luther, Fischart Bienk. 28 b, aufgenommen aus mnd. gilde f. n.«Innung, Gildeschmaus', clevisch 1477 ghylde, mndl. ghilde(auch«ge- meinsame Mahlzeit»), nndl. gild n.; dazu afries. ieldle, iold anord. gildi n.«Bezahlung, Ab- gabe, Steuer, Gelage, Schmaus, Gilde(1 1. Jh.), schwed. gille, dun. gilde,(aus dem Nord.) engl. guild«Gildey. Von gelten(s. d.) im ältern Sinne von«opfern», daher eig.«Opfer, Opfer- schmaus, Festversammlung, geschloßne Ge- sellschafty. Vgl. Geld. Z07S. Gildebrief, m.: Aufnahmezeugnis in eine Gilde, bei Ade- lung 1775 aus Niedersachsen. Gilte, s. Gelte. Gimpe, f.(Pl.-n), nd., dagegen hd. Gimpf in.(-es, Pl.-e): vom Knopfmacher gearbeitete Rundschnur zum Besatze. 1767 im Brem. Wb. der Pl. Gimpen, bei Adelung 1775 Gimf 729 Gimpel Gitarre 73⁰ m., entlehnt aus engl. gimp, guimp«Art Seiden- spitzen oder Seidentressen, von franz. guimpe f., afranz. guimple«Schleier, flatternder Stoffy, das auf ahd. wimpal(s. Wimpel) zurückgeht. Gimpel, m.(-s, Pl. wie Sg.): der Blut- fink;(bildlich) einfältiger Mensch. In urspr. Bed. spätmhd. gümpel m., 1616 bei Henisch und 1664 bei Duez Gimpel, aber bei Logau 1, 221 und Weise Erzn. 26 Gümpel. Nebst mhd. qumpel m. ustiges mutwilliges Springen, Possen» abgeleitet von mhd. älternhd. gumpen chüpfen, springen», engl. to jump«springen», das man mit gr. dgeußobca(Hesych)«aus- gelassen» vergleicht. Gimpel bedeutet also eig.«-mutwilliger Hüpfer, Springer,, wie mhd. gumpelman(Pl. gumpelliute) und gumpelkneht m.«Springer, Possenreißer, Narry. Andre Namen des Vogels sind Dompfaff(s. d.), schwüb. Goll m., thüring. Liebig m. Gingang, m.(-s, Pl.-s): ein feines Baum- wollenzeug, urspr. ostindisches, angeblich aus javanisch ginggang«verbleichendy. 1775 bei Adelung. Ginst, m.(-es, Pl.-e) und Ginster, m. (N, Pl. wie Sg.): das Pfriemenkraut(s. d.). 1485 bei Diefenbach gl. 259 ginst, 1489 bei Brack i 5 b ginster, clevisch 1477 gynster, 1694 pei Tabernämontanus Genst, Genster m., schon ahd. im 10. Jh. geneste. 1678 bei Krämer Ginstern f. Aus gleichbed. lat. genista, genesta f., woher ital. ginestra f., franz. genét m. Gipfel, m.(-s, Pl. wie Sg.): höchste Spitze des Baumes, Berges u. dgl. Spät- mhd. im Anfang des 15. Jh. gipfel und güpfel m., auch älternhd. Güipffel(S. Franck mor. encom. 61², Calepinus 1579 S. 808 a), Gippel (1630 bei Lehmann Flor. 159). Nach Wad- stein Btr. 22, 241 entlehnt aus afranz. cepel «Schoß, Schößlingy, das von lat. cippas m. «Spitzsäule» stammt. Doch kann es auch von mhd. gupf, gupfe m. chöchste Spitze» abgeleitet sein, das, von Kopf, Koppe, Kuppe (s. d.) nicht zu trennen, ebenfalls romanischen Ursprungs ist. Davon gipfeln, v., 1808 bei Campe. gipfelig, adj., 1691 bei Stieler gipfelicht. ZUS. Gipfelpunkt, m., im 19. Jh., eig.«der Kulminationspunkt, der Gestirne», bei Campe 1801 Gipfelschzwung m. Gips, m.(-es, Pl.-e): eine kalkige Erd- art. Mhd. und spätahd. gipe m., bayr-schwäb. und im Odenwald Ips m.(bei Hebel). Vgl. über Ips Horn Btr. 22, 218. Entlehnt aus gleichbed. gr.-lat. gupsum n., gr. Twoc f. Davon gipsen, v.: mit Gips überziehen, spät- mhd. 1463 gipsen, nach lat. gypsäãre. gipsen, gipsern, adj., bei Goethe 20, 248 ghpsen, bei J. Paul 31, 34 gipsern. Giräffe, f.(Pl.-n): der Kamelparder in Afrika. Ende des 15. Jh. bei Harff Pilg. 102, 11 der Pl. geraffen, 1534 bei S. Franck Weltb. 216 b der Pl. Zirafen, 1562 in Reis- buch des heil Lands 1, 366 Gieraffa, 1606 bei Gesner Icones animalium quadruped. 125 Girafpa, im Index Giraff. Aus ital. girafa, franz. girafe f., von der arab. Benennung zarãfa(vulgäürarab. dschräfa). Girant, Girat, s. Giro. Girlände, f., in Bayern und ésterreich auch Guirlande(Pl.-n): Blumengewinde, gehänge. Im 18. Jh.(Schiller 3, 476) aus franz. guirlande, altfranz. garlande, aspan. guarlanda, ital. ghirlanda f.«Geflecht, Ranke, Kranz», unsichrer Herkunft, nur vermutungs- weise abgeleitet von mhd. wieren«mit Gold umflechten oder einfassen. Giro(Spr. Ftro), n.(s, Pl.'s und Giri): das Umschreiben, Ubertragen des Wechsels oder eines Bankguthabens auf einen andern. 1712 bei Hübner, aus gleichbed. ital. giro m., von gr. Jat. gyrus m., gr. Tôpoc m. Runde, Kreis). Dazu girieren, v., Ende des 17. Jh. bei Nehring, nach ital. girare. Von dem Ver- bum abgeleitet als Part. Präs. Girãnt, m. (-en, Pl.-en): der Ubertragende, als Part. perf. Pass. Girät, m.(en, Pl.-en): der, auf dessen Namen die Ubertragung lautet. Beide 1813 bei Campe. girren, v.: den Liebeston girr von sich geben. Bei Luther von den Tauben, bei Schupp 2, 10 von Menschen, aber bei Dasy- podius 1537 und Hulsius 1596 in der Bed. «seufzen»(statt Kirren, s. d.), bei Schubart 1, 25 stöhnen, 1512 bei Murner Schelmenzunft 25, 5 von der Tür. Mhd. girren und gurren von lautem wie girr, gurr tönendem Tier- geschrei, z. B. des Esels(Freidank 140, 7 gurren mit den Var. gürren, girren), im Ab- laut zu mhd. garren witschern, pfeifen?. gischen, v.: aufbrausen, schäumen, üb- licher als gäschen(s. d.). Bei Goethe 3, 276. Md. 1470 gischen, frühmhd. ergischen auf- schäumen?, zu mhd. jesen, ahd. jesan«gären? (s. d.). Davon Gischt, m.(-es, Pl.-e): brausender Schaum. Bei Adelung 1775, Goethe 34, 1, 357 f., Schiller Taucher 35, statt des ältern Gäscht(s. d.), mhd. jest m. neben gis f., mundartlich Gisch m. Gitärre, in Bayern und ésterreich auch 731 Gitter Glast 732 Guitarre, f.(Pl.-n): die spanische Zither. 1714 bei Wächtler, Kitarre 1615 bei Alber- tinus Landstörtzer 453. Aus span. guitarra, franz. guitare, ital. chiĩtarra f., von gr.«ibdpa f., nicht von dem aus dem Griechischen ent- lehnten lat. cithara f., das zu ital. cetera, cetra, prov. cidra, citola, afranz. citole f. wurde, woraus mhd. aitöôle, zitöl f. Gitter, n.(*s, Pl. wie Sg.): Werk aus verschränkt verbundnen Stäben. Spätmhd. im 15. Jh. giter, gitter, mhd. geter n., Neben- form von Gatter(s. d.). Vgl. Gegitter. 4 L. gittern, v., spätmhd. in vergitern. Glacéhandschuh, m.: Glanzhandschuh, Handschuh aus feinem Leder. Aus gleich- bed. franz. gants glacés pl. in der neuern Zeit. Racé ist Part. von franz. glacer, abgeleitet von lat. glacies f.«Eis⸗, also eig.«übereisen), dann«glänzend machen». glacieren, v.: gefrieren machen; glünzend machen, aus franz. glaser s. o. Mit glasieren(s. d.) zusammen- gefallen. Glacis(spr. Glaßi), n.(Gen. u. Pl. eben- so, spr. Glaßis): sanfte Abdachung der äußern Brustwehr, die Feldbrustwehr. 1712 bei Hübner, aus franz. glacis m. Gleite, Ab- dachungy, von afranz. glagoier, glacier cgleiten», zu lat. glacies f.«Eis, Eisflächey, mlat. 1270 Ratia f.«Flüche, Abdachungy. Glander, f.(Pl.-/): Gleitbahn auf dem Eis, Eisscholle. Ober- und niedersächsisch, 1775 bei Adelung, 1767 im Brem. Wb., zu spätmhd. Alinden«gleiten». Thüring. Gländer, Glenner, hess. Glãner f. Anders mhd. lander m. Glanz, Schimmer», Abstraktbildung zum mhd. Adj. gander«glänzend, schimmerndy, das mit Glanz(s. d.) verwandt ist. 4BL. glandern, v.: auf dem Eise schleifen, 1781 bei Kindleben. Glanz, m.(-es): in hohem Grad aus- strömendes oder zurückgeworfenes Licht. Mhd. glanz m., nebst dem Adj. mhd. und ahd. glanz«glänzend»; ins Ndl. entlehnt glans m., bei Kilian 1598 glants. Stammverwandt mit den gleichbed. mhd. Substantiven glanst m., glins m., Ninster n. m., linstere f., glander m.(s. Glander), sowie Glast(s. d.) und den Verben mhd. und älternhd. glinzen«glänzen, schimmern», glintzern(1562 bei Mathesius Sar. 140 b, gelinzern bei Harff 158, 18 um 1500), mhd. glanstern, glinsten, glensten, glin- stern, glinsen, glunstern«glänzen, strahlen. Zu dieser Sippe gehören wahrscheinlich eine große Anzahl mit gl anlautender Worte, ohne daß man über ihr gegenseitiges Verhältnis ins klare kommen könnte. Zu der Basis gland zunächst wohl abg. gledati«sehenꝰ, zu einer nasallosen Form glast(s. d.), vielleicht, auch Glas(s. d.). Von einer Wurzel mit i-Vokalismus stammen gleißten(s. d.), glitzern (8. d.), Gleimchen(s. d.), Glimmer(s. d.), Rimumen(s. d.), von einer é-õ-Wurzel glühen G. d.). 4BL. glänzen, v.: leuchten, mhd. Renzen(auch glünzend machem), ahd. glanzen, lenzen, ndl. bei Kilian glantsen. glänzig, adj., im 15. Jh. glantzig(Diefenb.-Wülcker). Glas, n.(es, Pl. Gläser): aus dem mit, Pottasche oder Soda geschmolznen Kiesel ent- standne harte durchsichtige Masse; Gefäß daraus. In beiden Bed. mhd. und ahd. glas n.(im Ahd. auch Bernstein»); dazu and. glas, gles, ndl. glas, ags. glœs n.(woneben glœr n.«Bernstein, Baumharzs), engl. glass, anord. gler n.«Glas»; ins Lat. aufgenommen glesunm n. Bernstein». Vielleicht zu Glast und Glanz(s. d.). 4BL. glasen, v., mhd. in er- und verglasen. Glaser, m., mhd. glasœre, glaser, 1517 bei Trochus F 4 b gleßer. gläserig, adj., 1562 bei Mathesius Sar. 275 b Resericht. gläsern, adj., bei Luther glesern, ebenso im 15. Jh. bei Diefenbach gl. 624a, mhd. gleserin, aber gewöhnlich mhd. und ahd. Aesin. glasig, glasicht, adj., um 1500 Nlaßig(Diefenbach gl. 624 ²), ndrhein. 1495 gasich(Kölner Gemma R 1²). ZUS. Glas- fenster, n., mhd. glase-, glasvenster. Glas- fluß, 1775 bei Adelung. Glasglocke, f., 1808 bei Campe. Glashütte, f., spätmhd. Anfang des 14. Jh. glashütte(Habsb. Urbar- buch 44, 21). Glasmaler, m., im 16. Jh. in der Zimm. Chron. ² 2, 606, 4. Glasscheibe, f., spätmhd. 1495 glasschöbe. glasieren, v.: mit einer Glasmasse über- ziehen. 1562 bei Mathesius Sar. 1442 und schon spätmhd. Hasieren, mit fremder Endung statt glasen. Dafür bei Luther Sirach 38, 34 und 1678 bei Krämer glasuren, von Glasür, f.(bei Krämer), das ebenfalls von Glas mit fremder Endung gebildet ist. Glast, m.(-es): Glanz. Nur noch obd. und dichterisch(Goethe 6, 218). Mhd. last m.(woneben gleichbed. gleste f. und glester m.), gleichen Stammes wie Glanz(s. d.) und anord. glœsa«glünzend machen», glcæsiligr «glünzend, leuchtendy. Dazu glasten, v.: glänzen, mhd. glesten, spätmhd. glasten, im Ablaut stehend zu glosten(s. d.) und spät- mhd. glusten(Fastnachtsp. des 15. Jh. 1302). 733 glatt Glaubersalz 734 glatt, adj.(Komp. glatter, glätter, Sup. glattest, lttest, in Osterreich nur die erstern): glänzend eben; zum Gleiten eben. Mhd. und ahd. glat in beiden Bed., im Ahd. auch«leuch- tend» von der Sonne(Otfrid 2, 1, 3); dazu asächs. gladmõd cfrohmütig», ndl. bei Kilian glad aglühend, glänzend», glat cglatt, fröh- lich, angenehm», afries. gled«glatt» ags. œd«glänzend, dann«froh, angenehm,o, engl. glad«fröhlich, anord. gladr«glänzend, froh, erfreulich», schwed.-dän. glad. Gleichen Stammes wie Glast und Glanz(s. d.), ur- verwandt mit abg. gladüki«glatt», lat. glaber «glatt», vielleicht auch mit lit. glödäs«glatt anliegendy, apreuß. glosto«Wetzstein. Der Komp. ohne Umlaut bei Luther glater, der Superl. bei Goethe 31, 70 glattest, wie ahd. glatest, aber schon 1555 bei Wickram mit Umlaut glettest. Das Adv. glatt, ahd. glato«gläůnzend, mhd.-at ceben», nhd. in übertragner Bed.«ohne daß auch nur etwas bleibt, ganz und gar», bei Frisch mit Beleg aus dem 16. Jh. 4B L. Glätte, f.: Ebenheit, mhd. glete f., aber ahd. glati Klte, Frost⸗(Steinmeyer-Sievers Gl. 1, 6, 6); in der Bed.«glasartige glänzende Bleischlacke, die sich fettig anfühlt⸗ bereits 1482 im Voc. theut. 1 12 glett f., 1557 bei Agricola Bergw. S 22 Glette, die rotgelbe heißt Goldglätte, die hellgelbe Silberglätte(bei Duez 1664 Golde, Silberglette). glütten, v.: glatt machen, 1482 im Voc. theut. 112 gletten; davon Glätter, m.: Hobel(glatt machendes Werkzeug), 1662 bei Stoer 210 b. ZUS. Glatteis, n., 1616 bei Wallhausen Corp. mil. 221 Gladey’ß, 1598 bei Colerus Hausb. 2, 33(E 1) Glateis. Glätt- holz, n., 1678 bei Krämer Glättholtz«Buchs- baumglättholz des Schuhmachers». Glatze, f.(Pl.-n): haarlose Stelle auf dem Kopfe. Bei Luther. Mhd. glaz, glatz m. Kahlkopf», auch obere Kopffläches. Im Ablaut dazu das gleichbed. älternhd. Glitze f. (1624 bei Opitz Poet. 12, 1664 bei Duez), mhd. glitze f.-Glanz»(neben gliæ m.), dann Glatze. Vgl. gleißen. 4 BL. glatzig, adj., im 15. Jh. Aatzig bei Diefenbach gl. 91, bei Dasypodius 1537 glätzig, mhd. glatzeht, glatzet. 2ZUS. Glatzkopf, m., 1517 bei Keisersberg Emeis 46 b. glau, adj.: geistvoll, scharfsichtig, klug. Nur noch in Niederdeutschland. und gilau(flekt. glauér), mhd. nur in glou- heit f., asächs. glau(Akk. glauawon); dazu ags. éaw ceinsichtsvoll, klugs, anord. qöggr«sorg- Ahd. glau fältig, genau, deutlich», norw. glögg«scharf- sinnigy, got. Adv. Nlaggev, laggwuha«genau, sorgfältigs. Zusammenhang mit ahd. gluoan, ags. gloôwan«glühen», anord. glõôga cleuchten, glühen», dän.-schwed. glo«scharf anblicken, glotzen ist möglich. Brugmann Ber. der sächs. Ges. d. W. 1897, 23 vergleicht lit. Evilgéti aglänzen, blicken». Vgl. Glaacbrecht. Glaube, m.(-n/s, Pl.-n), seit dem 18. Jh. auch Glauben, m.: Fürwahrhalten aus Hin- geneigtsein; die Gott zugeneigte Gesinnung; Inbegriff der einer Religionsgemeinschaft eignen wesentlichen Lehren von Gott und dem, was mit ihm in Verbindung steht. Mhd. geloube, gloube, ahd. giloubo m., woneben das Fem. mhd. gelouhe, gloube, ahd. gilouba, gloubaf.: dazu asächs. gilobo m., mnd. gelove, gelõf, ndl. geloof, ags. geléafa m. Im Alternhd. und Mnd. auch kaufmännisch«Kredit»(noch 1678 pei Krämer auf Glaub auf Borgo), vgl. Gläu- biger. Von glauben, v.: für wahr halten, mhd. gelouben, glouben, auch gleuben(daher bei Luther gleuben und im 17. und 18. Jh. bei Lohenstein, Freyer, Haller 17 und 208 gläuben), ahd. gilouban, galauban, glouben; dazu asächs. gilöbian, mnd. geloven, ndl. ge- looven, ags. gelyfan, gelé fan, got. galaubjan; daneben das Adj. galaufs«schätzbar, wert- volly, so daß glauben also wohl bedeutet «für wertvoll halten). Anders Kluge Zfd W. 7, 169. Gleichen Stammes wie erlauben(s. d.), und wie Lob und lieb(s. d.). gläubig, adj., bei Luther gleubig, ohne Umlaut glaubig bei Henisch 1616 und als Adv. bei Schiller Räuber 2, 1, mhd. geloubec, glouhic, im 14. Jh. gläubig, ahd. giloubig, gloubig, asächs. gilobig(in un- gilõbig); daher Gläubiger, m.: Kreditgeber, der auf Treu und Glauben(s. d.) Verborgende, Glauben Habende, um 1480 im Voc. inc. teut. h 6 b gleubiger, 1510 im Cod. dipl. Siles. 20, 178 gelaubiger, 1420 bei Schröer Vocab. 605 glouber. 4 BL. von Glaube: glaubhaft, adj., mhd. geloubehaft, gloubhaft. glaublich, adj., 1537 bei Dasypodius glaublich, bei Luther gleublich, wie 1426 gleꝛwblich(Germania 28, 368), mhd.-ahd. geloublich, Adv. ahd. gilaup- Uihho, gloublicho. ZUS. glaubwürdig, adj., bei Luther 8, 150 W. glauhwirdig, im 15. Jh. glaubwurdig(Nürnb. Pol.-Ordn. 135); davon Glaubwürdigkeit, f., 1541 bei Frisius 698° Glaubꝛwirdigkeit. Glaubersalz, n.: weißes abführendes Salz, eine Verbindung von schwefelsaurem Natron und Kalk, von dem Arzt Johann Rudolf 735 Glaubrecht gleich 736 Glauber(† 1668) gefunden und in seiner Schrift de natura salium 1658 empfohlen. Glaubrecht, Mannesname. Ahd. Glaupe- raht, zusammenges. mit lau(s. d.) und-hert. glauch, adj.:(bergmänn.) von weißblauer, dem Schimmel ähnlicher Farbe(1741 bei Frisch), dann(weil dergleichen Gestein ge- haltlos ist) taub, ohne Erzgehalt(1693 bei Schönberg 2, 45), aber 1562 bei Mathesius Sar. 105 in der Bed. glänzend, schimmernd'ꝰ, mhd. glüche, noch tirol. lauch chell, glän- zendy. Verwandt mit gluh, glühen(s. d.). Glecke, f.(Pl.-n): die von der Sichel oder Sense niedergelegte, noch nicht zusammenge- bundne Garbe auf dem Acker. Westmittel- deutsch. Entstanden aus Gelege(henneberg. im 18. Jh. Geleg n., Weist. 3, 582, noch thüring.-hess.); dazu ndl. 1598 ghelegge Garbes, vläm. geleg n.(Pl. geleggen). Von ahd. gilegan, geleckan«niederlegeny, mndl. ghelegghen. gleich, adj.: in den Merkmalen völlig übereinstimmend; geradlinig. Noch bei H. Sachs geleich, mhd. gelich, glich, ahd. gGa-, gilih; dazu asächs. gilic, mnd. gelik, ndl. geliſle, afries. li, ags. gelic, engl. line, Adv. same, sam eben wie, als ob», ahd. und anord. Nr und Ml'er, schwed. likt, dün. lig, got. galeiles. Das Adv. gleich, mhd. geliche, Riche, lich, ahd. galihho, im 11. Jh. glicho, asächs. gilico, afries. lic, einmal gelic, ags. gelice, anord. lira. Gewöhnlich erklärt als «von übereinstimmender(Leibes-) Gestalt», indem man das Stammwort leich(mit ge- kürztem Vokal in Adj.- und Adv. Zusammen- setzungen-lich, s. d.) mit mhd. lich f.«Leib, Körper, Leibesgestalt»(s. Leiche) zusammen- bringt. Auf der andern Seite zieht man als urverwandt heran lit. Ugus, apreuß. polligun, polggu, lett. Iidaæ«gleich». Beides zusammen geht nicht.„gleichen in meines-, deines- RNeichen usw. ist erstarrter schwachfiekt. Genitiv, gebraucht für alle Kasus und Ge- schlechter, wührend mhd. min geliche(Akk. manen gelöchen), ahd. man gilicho(Nom. Pl. mine gilichon) regelrecht flektiert wurde oder men usw. als Gen. des Personalpronomens un- flektiert blieb, daher noch bei Luther(Hiob 1, 8. 2, 3. 9, 32) sein gleiche, mein gleiche. 4BL.(vgl. auch Gleisner): Gleiche, f: Gleichheit, völlige Ubereinstimmung(2. Kor. 6, 16), mhd. geliche f.«Gleichheit, Gleichnis', ahd. gelich f. gleichen, v.: gleichsein; gleichmachen. In der 1. Bed. mhd. ge- lichen, im 14. Jh. geleichen, md. glichen; in der 2. Bed. mhd. gelchen, ahd. galihhan cgleich- stellen», got. galeilrtön«vergleichen, das Gleiche tun, nachahmeny, refl.«sich gleichstellen». Die urspr. schwache Flexion trat im 17. Jh. (Moscherosch Phil. 2, 605) bei der 1. Bed. in die starke über(Prät. glich, Part. geglichen), wohl nach der Ahnlichkeit von bleichen, schleichen, streichen, weichen, blieb aber in der Bed.«gleichmachen» erhalten(Prät. gleichte Schiller Hero 9, Part. gegleicht Thümmel Reise 2, 156). Gleicher, m.(-s): die gleichweit von den Polen entfernte Mittellinie der Erde, Aquator, 1741 bei Frisch, aber bei Stieler 1691 in der Bed.«in gleiche Teile Teilen- der, Gleichmachery. Gleichheit, f., bei Luther Gleicheit, mhd. gelöcheit. Gleichnis, n.: Ebenbild(Schiller Braut v. Mess. v. 910); vergleichende bildliche Rede, Parabel, bei Luther Gleichnis n. und f., mhd. gelichnisse, nus f. n.«Gleichheit, Bild, Vorbild, bildliche Rede», ahd. galihnassi,-nessi, gilihnussi,-nissi f. n. und gilihnissa f. gleichsam, adv.: in Vergleich oder voller Ahnlichkeit zutreffend, bei Luther Aeich sam«gleich alsy», mhd. geliche sam, aus zwei Adv. zusammenge- schoben, denn das zweite Wort ist das mhd. asächs. sama, samo ebenso, ebenwiey, ags. same, urverwandt mit gr. öuöc, aind. Sama, aw. hama-, häma-«derselbe, gleich». Glei- chung, f., mhd. gelchunge f.«Vergleichung, Khnlichkeit; arithmetisch und astronomisch 1716 in Wolffs mathemat. Lex. ZUS. gleich- artig, adj., 1775 bei Adelung. gleicher- mafßen, adv., eig. zusammengeschobner Ge- nitiv, 1525 in Reichsordn. 128 b gleicher massen. gleichfalls, adv., bei Henisch 1616 gleich- fals, 1582 bei Fischart Garg. 333 gleichsfalls, 1557 bei Sleidanus(übers. v. Stamler) Neiches falls. gleichförmig, adj., mhd. im 14. Jh. Michförmig(Gottesfreunde 34). Gleichge- wicht, n., 1727 pei Hübner, 1728 bei Brockes ird. Vergn. 3, 207. gleichgültig, adj.: gleich- viel geltend(1678 bei Krämer); unerheplich, unbedeutend(1691 bei Stieler); übertragen auf den Menschen, dem alles gleichgültig, unerheblich ist(1775 bei Adelung, Schiller Räuber 4, 2). Gleichmaß, n., 1678 bei Krämer. gleichmäßig, adj., bei Luther und 1525 in Reichsordn. 128 b. Gleichmut, m.: gesetzte, aufregungslose Seelenstimmung, 1691 bei Stieler; gleichmütig, adj., in Luthers Postille 1528 gleichmülig gleichge- stimmtꝰ, das Adv. Neichmätixlich«mit Gleich- mut» 1514 bei Keisersberg Klappermaul 80 b. 737 Gleimchen Gletscher 738 gleichnamig, adj., 1537 bei Dasypodius gleichnämig als Ubersetzung des gr. Jat. ho- mongmum, ahd. gelamamig aequivocus». gleichseitig, adj., 1691 bei Stieler. gleich- wichtig, adj.: von gleichem Gewicht, 1616 bei Henisch. gleichwie, adv. und konj., bei Luther gleich wie. gleichwohl, adv. und konj. der Entgegensetzung, bei Luther gleichavol, im 15. Jh. glicheewol«in gleicher Weises(Griseldis 5, 11 Schröder), 1435 gliche- wol«trotzdem? und 1444 glichebol obgleich» (Germania 28, 368). gleichzeitig, adj., 1796 bei Adelung. Gleimchen, n.(-s, Pl. wie Sg.): Glüh- würmchen, Johannisfünkchen(1802 bei Voß Ged. 1, 330). Norddeutsch. 1540 bei Alberus und gleysener. Gleisnerin, f., mhd. glich- dict. Xx 2 ² sant Johans gleimchin, mhd. glime und gleime, gleim m., ahd. glimo und gleimo m.«Glühwürmchen»(woher der Eigen- name Gleim); dazu asächs. glimo m. Glanz, Schimmer», nd. glem m.«Lichtstreifen»(Groth Quickborn 215), ags. Glæ&m m. Glanz», engl. gleam aStrahl, Glanz». Zu mhd. glömen cleuchten». Vgl. glimmen. Gleis, n.(es, Pl.-e): Weg-, Radspur. Gekürzt aus Geleise, 1678 bei Krämer Ge- leiß, Gleiß n. Mhd. vereinzelt geleis f. und Blätter. 1311 geleise n.(Weist. 1, 761, 18), gewöhn- lich leise, leis f., ahd. aganleisa f., daher noch mundartlich und bei Goethe 1, 295 1. H. Gleise f., W. 1, 265 Geleise, wie 1616 bei Henisch Oleisse f. und pei Stieler 1691 Gleiße f. Gleichen Stammes wie mhd. leist, got. laists m.«Spur(s. Leisten). Urverwandt mit lat. lira f.«Furche», lit. Isé f.(apreuß. 1/S) und abg. lecha f.«Beets. Gleisen, Pl.: Parallellinien. Neubildung der jüngern LZeit. gleisen, v.(Prät. gleiste, Part. gegleist): sich einen trügerischen Schein geben. Her- vorgegangen aus älternhd. gleichsen, mhd. gelichesen, gellhsen, glihesen, ahd. galihhisön ceinem gleichtun, sich stellen, sich verstellen, heucheln» und Ihhisön«vergleichen, sich ver- stellens, abgeleitet von ahd.-ih, und gelih( «gleichs(s. d. und-lich), woneben das weiter-( gebildete gleichbed. Zeitwort mhd. gelichsenen, frühnhd. gelichsenön(Spec. eccl. 144, 7), ndl. 1598 ghelijlsenen, nhd. 1616 bei Henisch gleichbnen und gleißnen. Die Lautanglei- chung des ch zu s erfolgte durch md.-nd. Einwirkung(wie in einem titellosen mystisch- allegor. Gedicht von 1486 Bl. a 7b rSßnen statt mhd. richsenen cherrschen?, md. osse weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. für mhd. ohse Ochse»), daher zunächst md. 1343 in Beheims Evangelienbuch Luc. 20, 20 u. 47 glisen cheucheln?, 1477 clevisch glyssen. Die dadurch nahegelegte Vermischung mit gleißen(s. d.) schon bei Luther. 4 BL. Gleisner, m.(-s, Pl. wie Sg.): Heuchler, bei Luther Gleissener, Gleyßner, um 1480 im Voc. inc. teut. h 62 gleisner oder gelisner, im 15. Jh. Reichsner, geleichsner, mhd. ge- Uchsencœære, glichsener(Berthold 62, 4) neben gelichesære, ahd. lhhisäri und gelichisäre, md. 1343 MNisenére und im 12. Jh. glissencere m.(Fundgr. 1, 153, 25), sowie mit Anlehnung an gleißen früh im 14. Jh. md. Aizenére (LfdA. 9, 258 f.); dazu mnd. isenere, glissener, clevisch 1477 glyssener, ndl. 1598 ghelijksener senerin. Gleisnerei, f., bei Luther Gleis- nerey«*, md. 1343 glisenerie f.(Beheim Evan- gelienbuch Matth. 23, 28); dazu clevisch 1477 glyssery, mnd. aber Mytzerie, gleuzerie f. gleisnerisch, adj., 1616 bei Henisch. Gleiß, m.(-es, Pl.-e), auch Gleiße, f. (Pl.-n): Hunds-, Glanzpetersilie, lat. aethusa cynapium. 1561 bei Cordus Gleiß, Glyssen, 1588 bei Tabernämontanus Gleihpeterlin. Be- nannt nach dem Glanz der untern Seite der Denn mhd.-ahd. gliz m. und mhd. glize f.«Glanzy, von gleißen(s. d.). gleißen, v.(Prät. glit, Plur. glissen, Konj. glisse, Part. geglissen, auch schwach gleißte, gegleißt): blendendes Licht oder augenblen- denden Schein von sich werfen. Mhd. glizen (Prät. eiz, Plur. glizzen), ahd. glizan; dazu asächs. glitan, ags. Alitenian neben glisian, lisnian(afries. glisa), anord. glita, got. glit- munjan«glänzeny». Eine Weiterbildung ist Ritzern(s. d.). Vgl. Glatze, Glanz. Verwandt ist wohl gr. udy m. Schmuck, Prunks, INidn f.«Weichlichkeit, Uppigkeit». gleiten, v.(Prät. glitt, Konj. glitte, Part. geglitten): ausrutschen; sich glatt und leise worüber hinbewegen. Aber nhd. auch in schwache Biegung übergegangen, Prät. gleitete Lessing 2, 9, j. Goethe 3, 290), Part. gegleitet Stieler hochd. Sprachk. 157, Schiller Tell 4, 3). Mhd. starkflekt. gliten(Prät. leit, Plur. gliten), mndrhein. gliden; dazu asächs. glidan, mmd. gliden, mndl. glijden, afries. glida, ags. glidan (Prät. glãd, Plur. glidon), engl. glide. Ver- wandtschaft mit glatt(s. d.) ist möglich, wenn man von einer indogerm. Basis*ghlejädh aus- geht. Gletscher, m.(-S, Pl. wie Sg.): Eislager 47 739 Glibber Glimpf 740 im Hochgebirge. 1546 bei G. Agricola de re metallica 479 Gletzscher. Das Wort stammt natürlich von lat. glacies f.«Eis» und ist wahrscheinlich von Wallis, Uri, Unterwalden ausgegangen. Vgl. Meyer-Lübke Zfd W. 2, 74. Der deutsche Name ist bayr. tirol. Kees n. Glibber, m.(-s): schlüpfrige, glatte Masse. Aus dem Niederdeutschen, wo schon mnd. glibherich«glatt, schlüpfrigy. In den Wörter- büchern nicht verzeichnet, aber in der nord- deutschen Umgangssprache verbreitet. Sub- stantivbildung zu dem unter geliefern be- handelten Verbum. Glied, n.(6es, Pl.-er): mittels eines Ge- lenkes verbundner beweglicher Körperteil; Teil eines Ganzen; Mitglied einer sozialen Gesamtheit(md. im 14. Jh.); Generation, die gleichzeitig lebenden Personen einer Familie (bei Luther); Reihe einer Heeresabteilung (1507 bei Wilwolt v. Schaumb. 113 f.). In den beiden ersten Bed. mhd. gelit, glit n. (Pl. gelit und gelider), auch gelit m.(Pl. ge- lide), noch bei Luther Gelied, Gelid neben Glied, ahd. gilit n.«Verbindung, Gelenk», mnd. gelit n., ndl. gelid n.«Reihey(Pl. geledeeren). Vom gleichbed. mhd. lit m. n.(Pl. lit, lide, lider), ahd. lith, lid m. n. Glied, Gelenk, Teil, Stück», im Mhd. auch«Zeugungsglied, Verwandtschaftsglied, Mitglied, Genosse; da- zu asächs. lid m.(Pl. licki), mnd. lit, let n. (Pl. lede, ledere, lidder), ndl. lid n.(Pl. leden), afries. lith, leth n., ags. lipß m. n., anord. lich m.(Pl. lidir), got. lipus m. Gliedy; wohl verwandt mit lat. litunss m.«Krummstab der Auguren, das gekrümmte Signalhorn»; glei- chen Stammes sind auch wohl ags. lim n., engl. limb Glied, Zweigy, anord. limr m. Gliedy, lim n.«2weig», schwed.-dän. lem «Gliedo, lit. liemu⸗ m.«Stamm, Statur, auch ahd. lödan«gehen, sich bewegen,»(s. leiten) bringt man mit Glied zusammen. 4BL. gliederig, adj., 1616 bei Henisch glidig, 1691 bei Stieler glidericht, 1768 bei Moer- beek gliederig. gliedern, v., 1691 bei Stieler. Ridern. Gliederung, f., 1808 bei Campe. ZUS. Gliedmaßen, Plur.: die Glieder des Leibes. Bei Luther Glidmaßß, Gelidmas n. Sg. u. Plur., im Pl. auch Gliedmaßen(2. Makk. 7, 11), md. im 14. Jh. gelideméze n. Sg. und Plur., mhd. lidemãz, lidemoze n. Leibes- glied, in dieser Bed. entwickelt aus mhd. gelidemãze f.«Maß der Glieder, Leibeslünge', 1561 bei Maaler Glidmaß f.,«Leyhs lenge, die grõsse des leybs, statura», also wohl urspr. «Maß, die rechte Art der Glieder», ähnlich 1477 das Adj. geliedsmessig von einer Wunde die geliedæ dieff und gelieds lancke ist(Weist. 2, 245), im 15. Jh. lidmessig«mit geraden ebenmäßigen Leibesgliedern(Ehingen 4). Zusammenges. mit Maß, Maße(s. d.), wie afries. lithmäta Pl.«Gliedmaßen» mit afries. mäte, méte f.«Maß»; dazu der Plur. ndl. lidmaten, isländ. lidamõôt, schwed. ledamot, dän. ledemod Gliedmaßeny. glimm, adj.: funkenglühend, 1680 bei Lohenstein Sophonisbe a 6 b. Wie das spät- mhd. Subst. glim m.«Funken abgeleitet von glimmen, v.(Prät. Nlomm, Konj. glömme, Part. geglommen, daneben seit dem 18. Jh. schwachbiegend Prät. glimmte, Part. geglimmt): in einzelnen zündenden Funken glänzen. Mhd. Aimmen«glühen, glänzen, blitzen(ZfdA. 3, 20), Prät. glam, noch bei Lohenstein Rosen 92 glam, bei Gottsched glomm; dazu ndl. glimmen. Bei Luther glümmen, glummen, 1540 bei Al- berus dict. Hhl und Ce la ich glum, noch wetterauisch glummen; dazu 1562 bei Ma- thesius Sarepta 84 u Fiincklein oder Glüm- merchen, 174 b Glümmerlein und Füncllein. Gleichen Stammes wie mhd. qlimen«leuchten, glänzen»(s. Gleimchen), glamme f.«Glutꝰ, sowie anord. gjã, glœa«leuchten, funkeln). Dazu noch schwed. glimta, dän. glimte«glänzen, engl. glimpse Glanzy u. a. Vielleicht urver- wandt mit gr. xkidiver cwärmeny, XXαν warmy. 4. Glimmer, m.(-s, Pl. wie Sg.): Katzengold, Katzensilber, 1530 bei G. Agricola de re metallica 134. glimmern, V.: funkenartig, in Zitterlicht glänzen(Goethe 3, 222 u. 14, 198), md. im 14. Jh. glimmeren «glünzen, leuchtenn; dazu engl. glimmer,(ent- lehnt) schwed. Nlimra, dän. glimre. glim- merig, adj., 1691 bei Stieler glimmericht. Glimpf, m.(-es): in Beziehung worauf kundgegebne schonende nachsichtige Zartheit. Mhd. gelimpf, glimpf m. Angemessenheit, angemeßnes artiges Benehmen»,(im 15. Jh.) cfreundliche Nachsichty, ahd. gelimpf«Uber- einstimmung». Von ahd. gilinpfen, galimfan und limphan«angemessen sein, mhd. gelimpfen (auch tr.«angemessen machen») und linpfen; dazu ags. gelimpan æsich zutragen, sich er- eignen?. Dem germ. Stamm*lemp entspricht lautlich genau lat. limbus m. Besatz am Kleiden, aind. lãämbaté«hängt herab, senkt sich usw.y, und auch die Bedeutungen lassen sich wohl vereinen. Veraltet, dagegen noch in Gebrauch verunglimpfen und glimpflich, 741 glinstern glotzen 742 adj.: rücksichtsvoll, mhd. gelimpflich, ahd. gilimflih, Adv. gilimflihho; dazu ags. gelinplic, adv. gelimplice«günstig gelegen. glinstern, glinzen, s. Glanz. glitsch, interj., bei Schiller Räuber 3, 2. Von glitschen, v.: mit größrer Geschwin- digkeit gleiten. Im mrhein. Voc. ex quo 1469 glitschen neben glitsen«ausgleitend fallen». Abgeleitet von gleiten(s. d.). Nach Campe von Wieland in die Schriftsprache einge- führt. Dazu glitschig, adj., 1691 bei Stieler. glitschicht; woneben 1768 bei Moerbeek glit- schericht, glitscherig. glitzern, v.: kleine häufige, zitternde Licht- plitze von sich geben. Mhd. im 14. Jh. glit- zern; dazu engl. glitter, anord. glitra-funkelno, gloria(Uhland Volksl. 576, erste Hälfte des schwed. glittra, älterdän. glidre. Iterativ von ä,lternhd. mhd. glitzen«glänzen, woneben mhd. glitzenen, ahd. glizinon, ags. glitenian «glünzen, schimmern»; abgeleitet von gleißen (s. d.) wie die Subst. mhd.-ahd. gliz m., mhd. glitze f., anord. glit n. Glanze. 4B L. glitzerig, adj., 1537 bei Dasypodius, glitzericht 1540 bei Alberus dict. KK 3. Globus, m.(Gen. Globus u. Globusses, Pl. Globen u. Globusse): drehbare künstliche Kugel, entweder die Erde oder den Stern- himmel abbildend. Im 16. Jh. aus lat. ꝗ9lobaus m.&Kugeln. Glocke, f.(Pl.-n): hohle klingende Halb- kugel; Schlaguhr, Uhr(z. B. Glock drei cgenau 3 Uhr,, bei Voß Briefe 1, 96, eig. so die Glock zehne schlegt 1540 bei Hug Rhetorica 141*). In der 1. Bed. mhd. glocke, glogge f.(auch Glockenrock, Limb. Chron. 39, 5 von 1350), ahd. glocca, glogga f.; dazu and. qlogga Glockes, mnd. klocke f.(auch«Uhr, Stunde»), mndl. klock, ags. clugge(engl. clock aus dem Ndl.), anord. Klokka, Klukka, schwed. klocka f., dän. klocke. Aus mlat.(8. Jh.) clocca, cloca f. cKirchenglocke»(woher auch franz. cloche, prov. eloca, clocha f., russ. kõlokolu m. cGlocke, Schelle», dafür ital. campana f.), entweder aus dem Keltischen(air. cloc m., kymr. cloch f.) oder onomatopoetisch oder nach Schuchardt, aus lat. clocca aus cochlea f.«Schnecken- turm». 4L. Glöckehen, n., md. im 14. Jh. glockichin. Glõekner, m.: Küster, Türmer, mhd. glockencœre, gloggenære, woneben im 15. Jh. glookler, gloggler m. ZUS. Glocken- blume, f., 1482 im Voc. theut. nn 6 b e,6 glockenplum. Glockengießer, m., mhd. glockengießer, mnd. klockengeter m. Glocken- joch, n.: Querholz, woran die Glocke zum 1 Bewegtwerden im Glockenstuhle befestigt ist, 1482 im Voc. theut. 1 2° glockenjoch, ahd. gloccun joch. Glockenspeise, f.: Glocken- metall, mhd. ocke-, Nlockenspise, mnd. Klocken-, klockspise f. Glockenspiel, n.: zum Spielen einer Melodie harmonisch gestimmte Glöck- chen, 1691 bei Stieler Klockenspiel. Glocken- stuhl, m.: Gestell, Gebälk, worin die Glocke hängt, 1703 bei Weismann 161². Glocken- turm, m., mhd. glockenturn. Glorie, f.(Pl.-n): Ruhm, Herrlichkeit; Strahlenschein um eine Gestalt, Heiligenschein. Mhd. glörje, später auch glöri f., aus lat. Roria f. Ruhm». Dem kirchlichen Rufe gloria in cæcelsis deo(Luk. 2, 14) entlehnt ist der Zecherruf beim Anstoßen gling glang 16. Jh.). gloriieren, v.: sich rühmen(Goethe 8, 32), mhd. glõrieren«prangen», von lat. gloridri«sich rühmen, großtun». ZUS. glor- reich, adj., 1759 bei Lessing 2, 105. glor- würdig, adj., 1691 bei Stieler. Glosse, f.(Pl.-/): beigefügtes, erklären- des Wort, erklärende Bemerkung, auch Neben- bemerkung(Lessing 1, 476), hämische Be- merkung. Mhd. glöse f. erklürende Anmer- kungy, aus gr.-lat. glõssa f.«veraltetes oder fremdartiges und daher der Erklärung be- dürfendes Wort», gr. Töcca f., eig.«Zunge, Sprache». Glossür, n.(*s, Pl.-e und Glos- sarien): Erklärungswörterbuch, mhd. im 12. Jh. gõsũr n., aus lat. glossãrium, glôsãrium n. Wörterbuch zur Erklärung veralteter oder fremdartiger Ausdrücke«. glossieren, v.: wozu Glossen machen, mhd. glõsen und glö- sieren«auslegenꝰ, aus gleichbed. mlat. glosare. glosten, v.: glühen(Schiller Räuber 2, 1), glimmen. Schweizerisch-Schwäbisch. Mhd. glosten neben glosen«glühen, glänzen?, wie mhd. glose f.«Glut, Glanzy neben gloste, lost f. «Glut, Hitzey. Verwandt mit Glast, Glanz (s. d.). Auch in der Bed.«mit leuchtenden Augen sehen, scharfhinsehen»(Musaus Volksm. 1, 13 glosten, Physiogn. Reisen 2, 30 glostern, um Magdeburg glustern, vgl. götting. glaster Mensch mit lebhaften, feurigen Augen», west- fäl. glüren einen mit den Augen scharf an- sehen?). glotzen, v.: starr sehen. Mhd. glotzen; dazu engl. gloat chämisch blicken, anstarren), anord. glotta«spöttisch lächeln», vgl. dän. glo und schwed. glo«glotzen» unter glau. Vielleicht urverwandt mit abg. gledéti, gledati cschauen». Im Gedanken an Klotz(s. d.) 47* 743 Glick glummen 744 bei Wieland 22, 221 mit k geschrieben, gleich- sam&mit weitaufgesperrten klotzühnlichen Augen?, schon im Renner Frankf. 1549 Bl. 35 klotzen. ZU0S. Glotzauge, n., 1741 bei Frisch. Glück, n.(-es, Pl.-e): Gunst des Schick- sals, Zukommendes nach Wunsch. Noch im 18. Jh. häufig Glicke(Gottsched Cato 77 neben Ungelücke, Hagedorn Od. 72, Lessing I, 47, Goethe 1, 48 u. 3, 61). Mhd. geltiche, Nücke n. (auch«Zufall, Lebensberuf»), 1482 im Voc. theut. 11 b f. geluck, gluck; dazu mnd. gelucken. und lacke n. Los, Schicksalp, dann glückliches Schicksal», mndl. gelu; von da vorgedrungen ins Nordische und Englische, anord.(14. Jh.) luxka f., schwed. Ia, dun. Iye, engl. lack Glück». Herkunft unsicher. 4 L. glücken, v.,) mhd. gelücken, glücken, 1482 glucken. glücklich, adj., im 15. Jh. bei Diefenbach gl. 244 b gelucklich, 1482 bei Melber X 72 gluck- lich«durch Glück zuteil werdend», das Adv. glickeliche um 1400 in Städtechron. 8, 444, 3, woneben im 15. Jh. das Adj. Nuckig, gläckig, bei Diefenbach gl. 467 b glickig; dazu mnd. die Adj. geluckich, luckelich und lackich, so- wie das Adv. geluckeliken. glückselig, adj.: voll Glück, im 15. Jh. bei Diefenbach gl. 244 b Jhackeselig, 1482 im Voc. theut. I1b luck- selig, abgeleitet von glüclesal n.«Glückszu- stand»(Brant Narrensch. 23, 5); dazu Glück- seligkeit, f., um 1480 im Voc. inc. teut. h 72 geluckseligkeit. ZUS. Glücksbude, f.: Spiel- bude zu Gewinn oder Verlust, 1669 bei Prä- torius Glückstopf, Titelbild. Glückshafen, m.: Glückstopf, 1618 bei Schönsleder Glüche- hafen. Glückskind, n., bei P. Fleming 541. Glückspfennig, m., 1669 bei Prätorius Glückstopf 459. Glückspilz, m.: Empor- kömmling durch schnell zukommendes Glück, bei Schiller Parasit 1, 1. Glücksrad, n., mhd. gelückrat und gelückes rat. Glücks- ritter, m., 1775 bei Adelung. Glücksspiel, n.: Hazardspiel, 1526 bei Luther Glickspiel, in der Bed.«Spiel des Schicksals» 1531 bei Hedio Josephus Vorr. 4d Glücksspiel. Glücks- topf, m.: Gefäß, aus dem in der Glücksbude die Lose gezogen werden, bei P. Fleming 313. Glückwunsch, m., 1691 bei Stieler, dafür 1571 bei Rot Glückzwünschung, 1485 gelüeles- wünschung(Nürnb. Pol.-Ordn. 72). Glucke, Klucke, f.(Pl.-n): Bruthenue. Bei Luther Hiob 9, 9 Glucke, mit dem stimm- haften md. Anlaut für spätmhd. Klack f. (Mone Ztschr. 3, 408 von 1409), mnd. klucke f.; zusammenges. Gluckhenne, f,, bei Luther, Kluckhenne 1538 bei Herr Ackerwerk Colu- melle. Zu glucken, v., vom Rufen der Bruthenne, mhd. Xlacken, mehr md. gluggen; dazu ndl. klohken, ags. cloccian, engl. cluck, lautmalenden Ursprungs wie gleichbed. lat. glõcire und gr. Gccexv. Davon als Ver- stärkungswort glucksen, v., 1508 in der Straßburger Gemma k 1 b clucktzen, 1562 bei Mathesius Sar. 226* Kluchzen, 1537 bei Dasypodius kKluxen, 1540 bei Alberus dict. Hh 25b gluchsen, bei Musäus Volksm. 2, 118 Glachsen n. Glücker: Tonkügelchen, s. Klicker. glücklich, Glücksbude usw., s. Gläck. Glufe und Gufe, f.(Pl.-n): Stecknadel. Oberdeutsch. 1482 im Voc. theut. 1 2a lufe neben guffe, 1489 bei Brack d 2 b spinter, ein vorspang odder ein gluff. Dunkler Herkunft. gluh, adj.: glühend(Bürger 320), auch glüh. Bei Luther glu, gluwo(Dan. 10, 6) «glühend», dann chell, poliert?, 1562 bei Mathesius Sarepta 104 b, mnd. glue, glo glͤn- zend, leuchtend». Vgl. Alau, glauch. Von glühen, v.: feurig glänzen; prennend heiß sein. Mhd. glüejen, iecwen, glüen, md. gluacen, guaen, ahd. glucan, gluojen. gluon; dazu and. Roõian«glühen⸗, mnd. goien, glogen, mnadl. gloeijen, ags. glôwan, engl. louw, anord. glõa, schwed.-dän. glo«glotzen, gaffen, glünzen. 4B. Glut, f.(Pl.-en), mhd. gluot f. Hitze, feurige Kohlen»(Pl. üete), md. glũt, ahd. luot, õt f.; dazu mnd.-ot f., nndl. gloed m., afries. glõd, gléd, ags. gléd, anord. glõd f. Die Wurzel glö gehört vielleicht zu lit. lejd f. «Halbdunkel in der Dämmerung», doch kann auch Glanz, glatt, gelb u. a. verwandt sein, oder kymr. glo«Kohley. ZUS. Glühwein, m., 1808 bei Campe. Glühwurm, m., bei Voß Luise 1, 809. glum, adj.: trübe(von Flüssigkeit). Bei Luther Hes. 32, 2 und Harsdörffer lust- u. lehrreiche Gesch. 1, 126 glam, bei Francisci Lusthaus 409 glumm, noch nd. glum«trübe, dunkel, mürrisch»; dazu mnd. und md. gä- mende Part.«heimtückischy, md. im 14. Jh. beglumen ctrübe machen, hinters Licht führens, ags. Aoöm m.(2)-Düsternis, Dümmerungy, engl. glum finster, mürrischy, gloom«Dunkelheit, Trübsinns, anord. gldm-Syni f.«Sehschwäche, welche dem Auge die Dinge anders als in Wirklichkeit erscheinen läßts, glãmr m.«Mondh, urverwandt mit lit. Néjd«Dämmerungs. glummen, v.: Nimmen(s. d.). Dazu das Iterativ glumsen, v.: schwach fortglimmen, 745 glupen Gneist 746 1587 im Buch d. Liebe 191d neben glansen 185², mhd. glünsen, md. im 14. Jh. glunsen. glupen, v.: einen heimlichen schnellen Blick tun, bes. mit großen Augen seitwärts lauernd; von unten aufblicken(Bürger Mac- beth 1, 6). 1775 bei Adelung als niedersäch- sisch, mnd. glupen, ndl. 1598 glupen, gloepen cheimtückisch lauerny, jetzt glaipen, afries. glüpa verstohlen sehen», mengl. Nloppen canstarreny. Dunklen Ursprungs. Vielleicht hängt abg. glipati«sehen» irgendwie mit dem Wort zusammen. Davon glupsch, adj.: heimtückisch. Ndd. 1775 bei Adelung glapisch, bei Hermes Soph. Reise 4, 238 glahpsch. Glut, s. glühen. Glyzerin, n.(-s): Ölsüß, Scheelesches Süß. 1776 von Scheele entdeckt. Gebildet von gr. Nuxepôc süß. Gnade, f.(Pl.-n): Wohlwollen(Nieder- neigen) gegen den Geringern, hohe Gewogen- heit. In der Anrede Euer Gnaden ist es Plural und Übersetzung des lat. vestra cle- mentia. Mhd. genãde, gnãde, ahd. ginãda, gnãda f.«Niederneigung, Ruhe»(die sonne geht zu gnãden Weist. 1, 744),«ruhige Lage, Behagen, Glückseligkeit, Neigung zu etwas, Herablassung zu Beistand, helfende Geneigt- heit, Hilfe und Erbarmen, Huld, Dank»(eig. Niederlassung, Fußfall um zu danken»); dazu asächs. nãca und ginãda f.«Huld, Barmherzig- keity, mnd. gnade, genade f.«Ruhe, Herab- lassung, Gunst, Vergünstigung, Privilegium, ndl. genade, afries. genãde, gnãde und nãthe, näde f.«Huld, herablassende Hilfey, anord. nãd f.«Gnade» im Pl. nãdir«Ruhe, Schlafy, schwed. nad f. und dän. naade«Gnadey. Die Bedeutungen des Wortes lassen sich aus der von«niederneigen» ableiten. Aber in den verwandten Sprachen liegt schon die Be- deutung Hilfe» vor, so in got. nνε̃au«unter- stützen?, air. ar-neithim ich stütze, haltey, aind. ndthäm n. Hilfe, Zuflucht, näãthas m. Schutzherry, nädhamänas Hilfe suchend, bittend). Daher wird man von dieser Be- deutung ausgehen müssen. 4BL. gnaden, v.: Gnade erzeigen, mhd. genãäden, gnãäden, ahd. ginãdõn, ginãdén, gnãden; dazu asöchs. ginãdon. gnädig, adj., mhd. genœædic, gnœdic, cwohlwollend, barmherzig, liebreich», ahd. ginãdig, gnãdig, Adv. gnãdigo; dazu asächs. ginãdlig cbarmherzig, liebreichꝰ, schwed. nädig und dän. naadig«gnädigy, dagegen anord. nãdugr«ruhigy. ZUS. Gnadenbild, n., bei Luther. Gnadenbrot, n., 1741 bei Frisch. Gnadenjahr, n. Jahreseinkünfte eines Amtes, die die Witwe nach dem Tode des Mannes genießt, 1657 bei Speidel Speculum 511, aber spätmhd. im 14. Jh. gnädenjãr n.«kirchliches Jubeljahr»(Städtechron. 5, 45). Gnaden- pfennig, m.: goldne Medaille als fürstliches Gnadengeschenk(Brustschmuck), 1666 bei Besold Thesaurus 327. gnadenreich, adj., mhd. genãdenriche. Gnadenstoß, m.: Todes- stoß aus Gnade, urspr. dem geräderten Ver- precher vom Henker gegeben, 1775 bei Ade- lung, anders mhd. genãdenstô; m.«Anregung der Gnade». Gnadenwahl, f.: Prädestina- tion, 1663 bei Schottel 425. Gnatz, m.: Übellaunigkeit der Kinder. Norddeutsch. Identisch mit dem folgenden. Gnätze, f.: Schorf, Hautausschlag. Bei Luther 3. Mos. 14, 56 CGnetz f., auch Gnatz m., 1716 bei Ludwig der Gnatz, die Gnütze oder der Gneiß auf den Köpfen der Kinder. Noch nd. und kurhess. Gnatz m. Grind, Schorf, Krätze». Md. im 15. Jh. gnaz m. «Grindy(Diefenbach gl. 264 ²) und 1296 in dem Beinamen gnazôge Grindaugey(Ger- mania 20, 40), um 1300 bildlich«Kargheit (Schäbigkeit), Knauserei», urspr. wohl«das Schaben, Reiben». Zu ahd. gnitan, md. und mnd. gniden, ags. gnidan, cnidan, anord. gnida, dän. gnide«reibeny». Weiter gibt es Formen mit anlaut. h anord. hnita«mit etwas stoßen?, lit. Endsti«wühlen). 48L. gnätzig, adj., bei Luther gnetzig und gnetzicht. gnatzig, adj.: übellaunig. Gneis, m.(-es, Pl.-e): schieferiger Granit, aus Feldspat, Quarz, Glimmer. 1557 bei Agri- cola Bergwerkb. S 22 Gneus, 1562 bei Ma- thesius Sar. 1972 gneysiger Stein, 1693 bei Schönberg Geneis, 1712 bei Hübner Geneiß. Vermutlich urspr. Nebenform von Gneist Funkey(s.1Gneist), wie bei Paracelsus chirurg. Schriften(1618) 317 Geneiß n.«Funkenasche». Die Schreibung Gneus beruht auf Anknüpfung an genießen, weil dies Gestein nach Berg- mannsglauben viel gutes Ertz, unter welchem es bricht, gleichsam vor sich geneust und es verzehret und raubet(Hübner 1712). 1Gneist, m.(-es, Pl.-e): Funke, sprühen- des Flämmchen. Mhd. ganeist, ganeiste, ge- neiste, gneiste m. f., ahd. ganehaista, gneista f. und gneisto, gnanisto m., woneben ahd. ga- neistra, ganastra, mhd. ganeister, ganster, gänster, geneister, gneister f.; dazu ags. gnãst m., anord. gneisti m., dän. gnist«Funkey. Verwandtschaft unsicher. Preuß. Knaistis 747 Gneist Gold 748 Brand», abg. gnetiti anzünden» können nicht beide gleichzeitig verglichen werden. 2Gneist, m.(-es): fest auf der Kopfhaut schuppig sitzender Grind oder Hautschmutz. Wetterauisch. 1482 gnyst im Voc. theut. m7 b, im 15. Jh. bei Diefenbach gl. 2642 geniste, entlehnt finn. Kalda, Kulta Golds. 4B L. golden, adj., noch altertüũmlich gülden, gulden, mhd.-ahd.-asächs. galdin; dazu ndl. gouden, afries. gelden, gulden, golden, ags. gylden, engl. golden, anord. gullinn, schwed. gyllene, dän. genist, 1716 bei Ludwig Gneiß m. neben Gnatz(s. Gnãtze), 1741 bei Frisch Gneis, Gnist m., mnd. gnist«Räude, Hautausschlagy, tirol. Gneist n.«kleingeschnittnes oder ge- schabtes Zeugy, Gneis«Kopfschuppe». Wohl (im Bergbau), 1775 bei Adelung, göldisch abgeleitet von ahd. gnôtan(s. Gnätze). Gnenn, m.: Vater, s. Knän. Gniddelstein, m.: Nahtklopfer bei Leinen- zeug, anstatt der Plütte. Norddeutsch. Mnd. gnidelstén m.«Glättstein», von nd. gnideln, gniden«glätten, plätten?, mnd. gniden«reiben- (. Gnätze). Gnom, m.(-en, Pl.-en): Erd-, Berggeist. 1775 bei Adelung, aus gleichbed. franz. gnome, ital. gnomo m., von mlat. gnomus m. Erd- geistchen»(im 16. Jh. bei Paracelsus), zu gr. fyäun f. Erkenntnisvermögen, Geisty. Gobelin(spr. gobele), m.(-S, Pl.-s und s teicl d Porzellanvas halten); ander: Gobeline): Teppich mit eingewirkten Bildern. Lionen und lorzellanxasen gehalten); anders Benannt nach dem Erfinder Jean Gobelin in Paris(15. Jh.). Gockel, m.(-s, Pl. wie Sg.): Männchen gylden. golden, v. in vergolden, mhd. vergulden, vergülden, altertümlich vergulden (Goethe 1, 90), vergülden(Schuppius 251). goldig, adj., süddeutsch als Kosewort, bei Schiller 2, 144; altertümlich guldig bei Cha- misso 3, 133. güldisch, adj.: goldhaltig 1721 bei Jablonsky. ZUS. Goldammer, f., spütmhd. im 15. Jh. goltamer f., im Voc. ex quo 1469 goltammerlin n. goldfarben, adj., bei Luther goldfarh, mhd. goltwar(s.-farb). Goldfinger, m.: Ringfinger, der Finger zu- nächst am kleinen, mhd. spätahd. goltvinger (Steinmeyer-Sievers Gl. 3, 72, 8), afries. und ags. goldfinger. Goldfisch, m.: aus China stammender, 1691 nach England und von da in Europa verbreiteter goldglänzender karpfenartiger Fisch, Cyprinus auratus(in des Hühnerviehs. In ältrer Zeit auch Gückel. 80 1540 bei Alberus dict. Hh 2 und 1556 bei Frisius 940a, 1537 bei Dasypodius Guckeel, Gugel, 1589 bei Bebel Facetiae 1282 G6ckel (1558 Gogkel), 1538 bei Serranus Göcker. In Zusammensetz. 1596 bei Hulsius Gugelhan, Wall. Lager 9 Gökelhahn, mnd. kukelhän. Lautmalende Bildung, wie gleichbed. mndl. China bereits im 5. Jh. n. Chr. in Garten- 1482 im Voc. theut. 14 b goltfisch«Teichforelles, salmo fario;(jetzt auch in übertrag. Bed.) creiches Mädchen. goldgelb, adj., 1537 bei Schaidenreißer Odyssea 96 b, 1616 bei He- nisch. Goldglätte, s. Glätte. Goldgrube, f.: Goldbergwerk, 1429 goltgruch und 1414 goltgrobe(Diefenbach gl. 62 b); auch in über- trag. Bed. Goldhähnchen, n.: der Sommer- Zaunkönig, Sylvia regulus, der kleinste Vogel t 8 Europas, benannt nach der gelben Haube, um bei Schuppius 773 Gockelhan, bei Schiller kocke m., ags. coc m., engl. cock, franz. cog m., anord. kobr m.«Hahny, lat. coco vom Hahnenlaut, wie im Alsfelder Passionsspiel 40 b gucze gu gu gä. Godel, f.(Pl.„n): Patin, s. 1Gote. Gold, n.(es, Pl.-e): das edelste Metall lat, aurum. Mhd. golt, ahd. gold n.; dazu asächs.-afries.-ags.-engl. gold, ndl. goud, anord. gall, goll, schwed.-důn. guld, got. gulp n. Ur- verwandt mit abg. zlato, russ. 26 00 n., lett. ze'lts m.«Goldy», aind. höranjam Gold, aw. zaranja- n.«Gold, aind. hätakam«Gold aus rhaltalram. Daß das Wort zu*gelb gehört, ist durchaus nicht sicher, vgl. Hirt Ablaut 88. Eher steckt darin ein Volksname, wie in aind. häãtakxam ein Landy. Aus dem Germanischen 1500 goldhandel(Diefenbach nov. gl. 181 b), 1557 bei Heußlin Vogelb. 66 2 Goldhendlin, 1664 bei Duez Goldhahnichen. Goldküfer, m., 1595 bei Rollenhagen Froschm. 1, 2, 15 Gold- Kefer, 1466 goltkeber(Diefenbach n. gl. 43 b). Goldkorn, n., 1616 bei Henisch Goldkxörnlein. Goldlack, m.: die wohlriechende Pflanze Cheiranthus cheiri, 1793 bei Nemnich, dafür im 16. Jh. geel Veiel(Fuchs 1542), geel Vio- Violaten(Bock 1546). Goldmacher, m.: Alchymist, 1646 bei Moscherosch Phil. 1, 61. Goldmann, m.: Kosewort für einen be- sonders lieben Mann, bei Gellert 3, 415. Goldschmied, m., mhd. goltsmit, ahd. golt- smid, ags. goldsmi m. Goldsohn, m., 1775 bei Adelung als Kosewort der Meißner(Ober- sachsen) wie Goldkind und Goldtochter. Gold- stück, n., 1616 bei Henisch Goldstuck, an- ders bei Luther Golds Stücke. Goldwage, f,, 749 Golf Gose 750 spätmhd. 1455 goltwäge f. RA. seine Worte auf die Goldavage legen, vgl. Sir. 21, 27. Golf, m.(-es, Pl.-e): Meerbusen. In der ersten Hälfte des 15. Jh. golffe(Altswert 228, 2), 1534 bei Franck Weltb. 209 b der Akk. Sg. Cholfen, 1562 bei Mathesius Sar. 201 b Golff. Aus gleichbed. franz. golfe, ital. golfo m., von gr.-spätlat. colpus m. Meer- buseny, gr. xé«noc m. Busen, Meerbusen. Gollicht(mit 5), n.(-es, Pl.-er): Talg-, Unschlittlicht. Ein durch Mitteldeutschland vom Rhein bis Schlesien, sowie durch die Oberpfalz nach Franken und Schwaben sich hinziehendes mundartliches Wort. Bei H. Sachs [I, 317„]) Goliecht, im 15. Jh. gollicht(Fol Fastnachtsp. 3, 1219) und Pl. golliechter (Schmeller? 1, 893), guliechte(Inventar Elsen von Holzhusen von 1410 im Archiv zu Frank- furt a. M.), gulliecht im Einnahme- und Aus- gabeverzeichnis des Klosters Marienborn bei Büdingen von 1493, aber bereits im 13. Jh. ndrhein. guleneke«Lichtwoche, Woche der Lichtmessey(Haupts Ztschr. 15, 516). Da- für umgedeutet obersächs.-posen. Gokellicht, schles. 1728 bei Stoppe Ged. 1, 188 Goock- licht, zu mhd. gogelen chin und hergaukeln, sich hin und herbewegen», also«Licht zum Leuchten beim Umhergehen im Hausey. Gölse, f.: Schnake, s. Gelse. Gondel, f.(Pl.-n): venetianisches Lust- schiffchen. 1664 bei Duez Gondel, Gondole, 1616 bei Henisch Gundel«ein Venedisch Schifflin», 1597 bei Wickram Rollw. 190, 2 Kz. Gundelle f., 1594 bei Frischlein Nomencl. Kap. 171 das Dim. Gündelein n. Aus gleich- bed. ital. gondola f., dem Dim. von gonda f. Gondelb». Davon Gondelier, Gondolier, m., (“s, Pl.-e): Gondelführer. Aus gleichbed. ital. gondoliere m. 1703 im LZeitungslex. Gondolirer. gönnen, v.: gerne sehen oder gestatten, daß jem. Gutes oder Ubles zukomme, er es habe. Bei Luther gönnen, gonnen, günnen, noch im 17. Jh. bei Fleming, Logau usw. günmen, mhd. gunnen, ginnen, ahd. gi-, geunnan, gunnen, asächs. giunnan, ndl. gunnen, ags. geunnan, von ahd. unnan«gönnen, vergönnen, erlaubenꝰ, ags. unnan, anord. unna(auch lieben), schwed. unna, dän. unde. Wegen der Ableitung Gunst (s. d.), wohl aus ans entstanden und vielleicht gehörig zu got. ganisan«genesen, gerettet wer- den, gr. veoua«kehre zurücks, aind. nsaté cgesellt sich», Grundbetonung wohl cheran- geheny. Das Präsens zeigt in der ältern Sprache Präteritopräsensform: mhd. gan, noch bei Luther ich, er gan neben ich günne, ags. gean und an, anord. ann; das Prät. lautet ahd. gionsta und geonda, im einfachen Verb onda, asächs. gionsta, ags. geüde und äde, mhd. gunde, gonde, bei Luther gönnete und gönste, gunste, im 17. Jh. bei den Schlesiern gunte, noch bei Zacharii Ren. 263 vergonnte; das Part. Pass. mhd. gegunnen, gunnen, später gegunnet, auch gegunst, bei Luther gegonnt, schles. im 17. Jh. gegunt, ags. geunnen, anord. unnat. 4BL. Gönner, m., bei Luther Gonner, Gönner, mhd. gunner, günner, md. gonner; dazu Gönnerschaft, f., 1775 bei Adelung. Göpel, m.(-s, Pl. wie Sg.): aus einer senkrechten Spindel bestehendes Hebezeug über der Grube zur Windung aus tiefem Schacht;(später) in der Landwirtschaft ein Triebwerk. 1546 bei Agricola de re metallica 483 Keppel, pyramis, aedificium super puteum extructum, ebenso 1562 bei Mathesius Sar. 222 u. 1962 Gepel das Gebäude, Zechhaus, worunter die Hebemaschine steht»(Bl. Ll 1 5b Gpel), 1594 bei Frischlin Nomencl. 112 Ge- pell«Roßmüll, machina tracta ab equis». Göre, f.(Pl.-n) und Gör, n.(Pl.-en): Kind, kleines Kind, Mädchen wie Knabe. Niederdeutsch. 1593 bei Helvig 144 Göre «Pomerani in contemptum pro infante», 1652 bei Lauremberg 2, 11 Gör f. Dazu engl. girl «Mädchens, mittelengl. girle; anders schweiz. gurrli n.«hübsches, schalkhaftes, lebhaftes Mädchen», welches Dim. von Gurre(s. d.) «Stutey ist. Göre ist von Möller Btr. 7, 542 mit gr. ropeevoc, lat. virgo f. verbunden, was trotz aller Einwände richtig sein kann. An- ders Holthausen Arch. f. neuere Spr. 107, 379 f. Gösch, m.(-es, Pl.-e) auf f.(Pl.-en): viereckige Flagge am Ende des Bugspriets. Niederdeutsch. Dazu ndl. geus, entlehnt schwed.-dän. gjös. Nach Falk-Torp identisch mit ndl. geus Bettlerꝰ. Gosche, Gusche, f.(Pl.-n): Maul als niedriger Ausdruck. 1556 bei Frisius 432 ² Gosche«Schlund, Maul), ebenso bei H. Sachs Fastn. 85, 201, Fischart Garg. 337 und 1640 pei dem Schlesier Scherffer Grob. 139 u. 218, sonst in Mitteldeutschland Gusche f.(Günther 125). Vielleicht zu aind. ghogati«tönt, ver- kündet, ruft auss, ghögas m.«Lärm, Getönꝰ, aw. gaos chören», apers. gausa«Ohr». Gose, f.: Weißbier, das angeblich in Goslar zuerst gebraut sein und von dem Flusse Gose, an dem Goslar liegt, den Namen tragen soll. 751 Gosse Gott 752 Vielleicht aber nd. goôs Gansy, wie denn viele Biere nach Tieren benannt sind, vgl. Broghan. Schon 1332 mnd. gose(Höfer Urk. 257), 1575 bei Fischart Garg. 86 Goß- larisch Gause und 148 Go6. Gosse, f.(Pl.-n): Gußstein der Küche; Straßenrinne. 1517 bei Trochus O 3 b ein gosszen. Von gießen(s. d.). 1Gote, f.(Pl.-n), auch dim. Gödel: die aus der Taufe Hebende und Gehobne. Mhd. gote, götte m. und gote, gotte f.«Pate, Patin und Patenkind», ahd. gota f.«Taufzeuginꝰ, 1664 bei Duez 46 Göte f., 1669 im Simpl. 403 Goõth f.«Patin». Noch in Ober- und Westmittel- deutschland Gott f. und Gött m. Vielleicht abkürzende Koseformen für die als geistlicher Vater oder geistliche Mutter des Täuflings (lat. pater, mater in Deo) geltenden Tauf- zeugen, wie die mit Gott(s. d.) zusammen- gesetzten vollern Formen zeigen: ags. 9od- fœder m.«Patey, godmodor f.«Patin, god- sunzs m. und goddohtor f.«Patenkindy, ent- sprechend engl. godfather, godmother, godson, goddaughter, anord. gudfadir, guddottir, dän. gudfader, gudmoder, guddotter, schwed. gud- fader«Patey, gudmor«Patiny, gudson und guddotter«Patenkindy, aus gudfader und gudmor. Auch ndl. 1598 goede und goede-, godmoeder«Patiny, godvader«Pates. Aber unser Wort kann auch eine Bildung sein wie got. gucja, and. godi Priester. „Gote, m.(-9n, Pl.-n): Volksname. Got. Gut-piuda f.«Gotenvolk», bei den Griechen TôrOoi, Térrou, bei den Römern Gotones oder Gothones(Tacitus Germ. 44), Gothi(Eutrop), bei S. Franck Chron.(1551) 1572 f. Gothier, Gotthier, bei Aventin Gothen(4, 963, 23), Gotten, Gouten usw. Davon gotisch, adj:: den Goten eigen; altdeutsch(in der Bau- kunst, 1741 bei Frisch); im 18. Jh. altfrän- kisch, altmodisch(Lessing 11, 136, Wieland 6, 170, Schiller 6, 346, 6, Wagner Kinderm. 11 Neudr.), nach franz. gothique caltväterischs. Gott, m.(es, Pl. Götter): übernatürliches höchstes Wesen. Mhd.-ahd. got m.(Gen. gotes); dazu asächs.-ndl.-afries.-ags. god m., anord. god, gud m. n., got. gup(Gen. gudis) m. n. Eine alte partizipiale Bildung, urgerm. gudom, idg.*ghutom, die man zu verschie- denen Verben der verwandten Sprachen stellen kann, entweder 1) zu aind. hau canrufen), hũtã- und aw.-zbãta«gerufenꝰ, abg. zouq«ich chen. gr. Xéeiv, uréc«gießen, gegosseny, oder 3) zu lat. fowére«wärmeny oder lat. favére cgünstig sein». Ebenso verschieden wie die Wurzeln kann auch die Bedeutung sein, ent- weder abstrakt«die Anrufung, die Opferung» oder«das angerufne, das geopfertey usw. Irgendwelche Sicherheit ist nicht zu gewinnen. Wenn Gotze(s. d.) wirklich zu Gott gehört, so wiese das auf eine ursprüngliche Bedeutung Bild, Figury. Vgl. Osthoff Bezz. Btr. 24, 177. Uhlenbeck Btr. 30, 285. Der Plur. lautet ahd. gota, mhd. gote, göte und neutr. göôter, wie got. Pl. Neutr. guda. Vgl. Götze, Güt- 4BL. Göttin, f.(Pl.-nen), mhd. gotinne, gotin, mit Umlaut gütinne, götinne, gõttin, ahd. gutinna, gutin f.; dazu ndl. godin, ags. gyden f. göttern, v. in vergöttern, bei Luther göttern«göttliche Kraft und Art ver- leihen», mhd. vergoten«göttlich machen, in Gott verwandeln». Gottheit, f., mhd.-ahd. goteheit, gotheit f. göttlich, adj., mhd. gote-, gotlich, göte-, götlich, md. godelich, ahd. gote-, gotlih; dazu asächs. godlic, anord. gudligr. 2Z0§. 1) mit Gott-: gottlob, interj., früh- mhd. gote-, gotlop, eig.«(dem) Gott sei Loby. gottlos, adj., bei Luther, schon got. guda- laus«ohne Gott». Gottseibeiuns, m.: der Teufel, bei dessen Anblick man diesen Schutz- ruf ausstößt(Goethe 13, 65 von 1802). gott- selig, adj., bei Luther, eig.«in Gott selig»; dazu Gottseligkeit, f., ebd. gottvoll, adj., im 19. Jh.— 2) mit dem Gen. Gottes- Gottesacker, m.: Totenfriedhof, 1544 bei Luther Ausleg. d. Ep. u. Ev. von Ostern FF 6² wir Deudschen von alters solche Be- grebnis nennen Gottesacher. Gottesdienst, m., mhd. im 14. Jh. gotsdienst. Gottes- furcht, f., bei Luther; gottesfürchtig, adj., bei Luther gottfürchtig, bei Steinhöwel Esop 72 gotzf'rchtig, mhd. im 14. Jh. got- forhtic. Gottesgabe, f., mhd. gotes-, gots- gabe. Gotteshaus, n., mhd. gotes-, gots- hüs, ahd. gotes hns; dazu asächs. godes hüs, afries. godis-, godeshis, woneben mhd. gothis, got. gudhäs n.«Tempely. Gotteskasten, m.: Behälter zur Verwahrung des Kirchen- geldes, bei Luther. Gotteslästerer, m., 1495 in Reichsordn. 26a gottßlesterer; Gottes- listerung, f., 1517 im Frankf. Reichskorr. 2, 933 gotslesterung. Gotteslohn, n., bei Luther 1, 3174 J. Gottespfennig, m:: Handgeld, dessen Annahme zu Dienstleistung rufe», lit. Zaveti«besprechen, zaubern, oder 2) zu aind. hu opfern», hutäs«geopfert», verbindend ist, im 15. Jh. gotsphennig, goce- Ppfennig und gotsheller(Diefenbach gl. 50, 753 Gottfried Gracht 754 nov. gl. 35²). Gottestisch, m.: Altar, 1645 bei Zesen adr. Rosemund Nachschr. Gottes- urteil, n., 1775 bei Adelung.— 3) mit dem Pl. Götter-: Götterbild, n.:(bildl.) gött. liche Erscheinung, bei Goethe Iph. 2, 2. Gottfried, Mannsname, ahd. Gota-, Goda-, Godofrid, zusammenges. aus Gott und Friede. Gotthard, ahd. Gotahart, zusammenges. aus Gott und hart. Gottlieb, ahd. Gotleip, asächs. Godoléf; das später zu lieh umgedeutete deib pedeutet der Zurückgelaßne, Sohn, Abkömm- ling», von leiben(s. bleiben). gottlob, gottlos, gottselig usw., s. Gott. Götze, m.(-n, Pl.-n): falscher Gott. Seit Luther 1520 in der Bed.«Bild eines Ab- gotts» und«Abgott», im 15. Jh. bei Rosen- plüt Fastnachtsp. 3, 1181 aus Holz ge- schnitztes Bildwerks, ebenso im Spruche von einem Dompropste zu Würzburg in der Münch- ner Hdschr. von 1476 Bl. 125— 126 b der Plur. gocze, gõöcze«geschnitzte Götterbilder» und 1594 bei Frischlin Nomencl. Cap. 157 simulachrum, effigies, Bildstock, Götz, ndl. 1598 godse. In übertragner Bed.«dummer, unbeholfner Mensch, Dummkopf» 1494 bei Brant Narrensch. 46, 14, Trochus 1517 G 3 b stultus gotze, H. Sachs Fab. 185, 112, Luther 8, 3192 J.; ferner«Schwächling» im 15. Jh. bei Diefenbach gl. 5262 semivir gocze. Hilde- brand(Beiträge z. deutsch. Unterricht 129) erklärt Götze als«Hausgeist, Koboldy, dann «Abbild eines Kobolds»(s. Olgötze); bei Uh- land Volksl. 754 ist götze«der Hauskobold, traute Hausgotty. Götze ist Dim. von Gott (s. d.), wie Spatz von Spar, Petz von Bür, also gleichwertig mit mhd. götelin, gütel(s. Gütchen). Vgl. v. Bahder Btr. 22, 531 und auch Meringer Idg. Forsch. 18, 280. Z0S. Götzendiener, m., Götzendienst, f., beide bei Luther. Gouvernänte, f.(Pl.-/): Erzieherin, Hof- meisterin. 1728 bei Apinus. Gouvernantin 1714 bei Wächtler. Aus gleichbed. franz. gouvernante f., eig. Part. Präs. zu gouverner cein Schiff steuern«, dann cregieren, leitenꝰ, von gleichbed. lat. gubernãre, gr. kußepvdv. Gouvernéur, m.(-s, Pl.-e): Statthalter, Befehlshaber. 1669 im Simpliciss. 51. Aus gleichbed. franz. gouverneur m., von lat. gubernãtor m.«Steuermann, Lenker, Leitery. Grab, n.(-es, Pl. Gräber): Grube zur Totenbestattung. Mhd. grap, ahd. grab n. (Pl. grebir); dazu asächs.-mnd. und ndl. graf, afries. gref, ags. grœf, graf n., engl. grave, Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. anord. grf, schwed. graf f., dün. grav. Von graben(s. d.). ZUS. Grabmal, n., bei Luther. Grabschrift, f., 1562 bei Mathe- sius Sar. 294², Grabeschrifft bei Luther 8, 411² J. Grabstein, m., um 1480 im Voc. inc. teut. k 2². grabbeln, v.: herumtasten, herumgreifen (früher auch mit den Füßen herumfahren, was jetzt kKrabbeln(s. d.). Vielleicht mit diesem gleich, oder auch mit grapsen(s. d.) verwandt. In Norddeutschland. Graben, m.(-, Pl. Gräben): sich hin- ziehend in die Lunge gegrabne Erdvertiefung. Um 1480 in Voc. inc. teut. k 1 5 graben, 1540 bei Alberus dict. A 2 Grab m., mhd. grabe, ahd. grabo m.; dazu and. grauo m., mnd. und mndl. grave m., got. graha f., anord. grõf f. «Höhle, Graby». Der umlautende Pl. Gräben schon im 16. Jh.(greben 1529 bei Liliencron 3, 597²2, 1531 bei Hedio Josephus Antiqu. 142a) statt des urspr. schwachen Pl. Graben (noch bei Voß II. 2, 153, Goethe 30, 134 1. H. = W. 33, 131, wo Gräben). Von graben, v. (Präs. grabe, grübst, gräbt, Prät. grub, Konj. grübe, Part. gegraben): mit einem scharfen oder spitzen Werkzeuge Vertiefungen machen. Mhd. graben, ahd. graban(Präs. grabu, grebis, grebit, Prät. gruob, Part. graban und ga-, gigraban); dazu andfränk. and. gravan, mnd. und mndl. graven, engl. grave, afries. greva, grova, ags. grafan, anord. grafa, schwed. gräfva, dän. grave, got. grahan. Urverwandt mit abg. greboh cich grabe, rudre, grobä m. «Grube, Grab», lett. grebt«schrapen, aus- höhleny». Dagegen wegen mangelnder Laut- verschiebung nicht mit gr. Tpdgetv ceinritzen, schreiben). Vgl. Grifrel, Grube, grübeln, Gruft. ZUS. Grabscheit, n.(-es, Pl.-e): Werkzeug zum Graben der Erde. Bei Licht- wer Fab. 4, 18 Grabescheit, bei Wieland Ob. 9, 23 Grabescheid. Mhd. grabescht, 1429 im Lib. ord. rer. 9 b grabschit n., zusammenges. mit ahd. scit n. chölzerner Stiel». Grab- stichel, m.: Werkzeug der Goldschmiede und Graveure, 1489 bei Brack g 2 b grabstickel. Grachel, f.(Pl.-n): die lange spröde Khrenspitze. 1755 bei Adelung. Schlesisch- auch«Spreu». Vielleicht zusammenhängend mit md.(13. Jh.) grach n., dessen Bed.«Ahren- feld nur Vermutung ist. Gracht, f.(Pl.-en): Kanal. Niederdeutsch. Mnd. und mndl. gracht, graft f., mndrhein. gracht f. entsprechend mhd. graft f.«Graben⸗ zu graben. 48 7⁵⁵ Grad Gran 756 Grad, m.(-es, Pl.-e): Stufe; 360ster Teil des Kreises. Mhd. grät m.«Stufe» eigentlich und bildlich(Pl. grœte, grãte, md. gréte), im 14. Jh. grãd, ahd. grãd m.«Schritt, Stufes; dazu mnd. grät n. Aus gleichbed. lat. gradus m., woher ital. span. grado, franz. degré m. gradieren, v.: zu einem höhern Grad an Güte bringen, z. B. in Salinen das Salzwasser durch Reisig abtröpfeln lassen zum Verdunsten des wilden Wassers, 1712 bei Hübner. Bei Rot 1571 gradirn cnach Graden abschätzen», z. B. Gold und Silber, auch die Wärme in 4 Graden bis zur Siede- hitze. Nach mlat. gradare«aufwärts gehen, davon Gradierwerk, m. Im 18. Jh. dafür Gradierhaus oder Lechwerk. graduieren, v.: einen höhern akademischen Grad ver- leihen, im 15. Jh. bei Nik. v. Wyle 353, 16 graduwieren, aus mlat. graduare zu einem höhern akademischen Grad fortrückenlassenꝰ, von lat. gradus m. Graf, m.(en, Pl.-en): der Nächste in der Würde nach dem Fürsten. Unverkürzt noch 1673 bei Weise Erzn. 23 Graffe, bei Rückert 3, 60 Grafe. Mhd. gräve, gräf m. (Pl. gräven, auch græven) urspr.«höhrer weltlicher Befehlshaber und Gerichtsvorsitzery, dann als«erbliche Würde», ahd. grãuo, grãävio, grãveo m., md. und mndrhein. gräbe und mit Umlaut gréve, grébe m.; dazu mnd. greve, afries. gréva m., und mit Ablaut ags. geröfa, gerõafa, groefa m.(zusammenges. scir-gerofa „Vorsteher» einer scir«Gauss, engl. sherif), aus dem Mnd. entlehnt anord. greifi m. Der Ursprung ist nicht sicher ermittelt. Am nächsten liegt Zusammensetzung aus gi- und einem 76⁵., O5, dessen Bedeutung aber auch nicht klar ist. Anderseits vergleicht man got. gagréfts f.«Beschluß, Befehly. Aber dann muß man ags. giréſa von Graf trennen. Heyne ver- tritt im WB. die Ansicht, daß G. ein Lehnwort aus gr. Ipacpeðuc Schreiber» sei. Die Bed. «Vorstehery noch in hess. Grébe m. Dorf- vorstand»(schon bei Kirchhoff Wendunmut 1, 178), siebenbürg. Gréfm.«Richter», aachen. Grif m.«Zunftvorstehers, ferner in Deich-, Salzgraf(s. d.). 4 BL. Gräfin, f., mhd. gravinne, grœvin. gräflich, adj., 1642 bei Duez gräffelich, 1582 in Weist. 1, 645 grave- lich. Grafschaft, f., mhd. gräve-, gräf schaft f. gram, adj.: wogegen übelwollend gestimmt. Mhd.-ahd. gram cfeindselig aufgeregt, erzürnt, unmutig»; dazu asächs.-ndl.-ags. graun, anord. gramr, dn. gram. Aus dem Germanischen entlehnt afranz. gram, ital. gramo«betrübts. Gleichen Stammes wie grinm(s. dort Näheres). Aus dem Adj. gebildet Gram, m.(-s): an- haltende tief im Innern nagende Betrübnis worüber, mhd.(1412) gram m.«feindselige Stimmung», mnd. gram m.«Grimm, Erbitte- rung, Zornv. Von gram abgeleitet grämen, v.: in Gram versetzen, mhd. gremen, ahd. gremjan, gremman(Prät. gremita, gramda) czornig, unmutig machen, aufregen», im Mhd. auch intr.«zornig sein worauf» und refl.«sich härmen»; dazu ags. gremian, grem- man, anord. gremja, schwed. gräma, dän. grämme, got. gramjan(aufreizen, erzürnen). grämlich, adj.: verdrießlich, 1691 bei Stieler (dafür bei Henisch 1616 und Duez 1664 grämig), mhd. gramelich, greme-, gremlich «zornig, grimmigy, ags. gramlic«grimmig», anord. gramligr«verdrießlichy; dazu Gräm- lichkeit, f., 1691 bei Stieler. Gramm, n.(-es, Pl.*e): Gewichtseinheit von 18 ½3 Gran. 1868 in Deutschland, 1800 in Frankreich eingeführt. Aus franz. granme m., von gr.-lat. gramma n.«Schriftzeichen, ½4 Unzey, gr. Tpduna n.(S. Grammatik). Grammätik, f.(Pl.-en): Sprachwissen- schaft; Sprachlehre. Um 1522 bei Ickel- samer 37 Grammatic, mhd. grämatica und grãmatic, ahd. grãmatich f. Aus gleichbed. gr.lat. grammatica, gr. Tpauuaruch f., das (mit Ergünzung von réexvn f.«Wissenschaft») subst. Fem. des gr. Adj. Tpauuασricéc«schrift- kundig, nach den Sprachregeln», einer Ab- leitung von pduuc n. das Eingegrabene, der Buchstabey, zu Tpdꝙerv ceinritzen, schreiben. Grammätiker, m.: Sprachgelehrter, schon ahd. gramatichäre m., mhd. grämaticus m. Lese- und Schreibkundiger, Lateingelehrter», aus gr. Jat. grammaticus m.«Sprachgelehrterꝰ, dem substant. Mask. des gr.-lat. Adj. gram- maticus. grammatikälisch, adj., 1663 bei Schuppius 1, 604 grammaticalisch, aus dem von grammatica abgeleiteten lat. Adj. gram- maticãlis. grammatisch, adj., bei Luther 3, 68 5b J., nach dem gr. lat. Adj. granamatious. Gran, m.(-es, Pl.-e): ⅛0 Quentchen Apothekergewicht. 1562 bei Mathesius Sar. 236 Gran oder körnlein, weil man etwan die kleinen Gewicht nach Poxhörnleinkörnern getheylet und geeicht hat, 236 b ein Karat (Gold) sol gradirt sein in vier Gran, ein Gran in dref Gren. Aus lat. gränum n. «Korn, Getreidekorny, dann im Mlat.(wo 757 Granat granulieren 758 auch granus m.)«kleinstes Gewichts. Gerstenkorn. Grän, m.(-es, Pl.-e): 112 Karat bei Gold-, 1 6 Lot bei Silbergewicht, überhaupt ½ 6s Mark. 1562 bei Mathesius (s. o.) Gren, aber schon 1354 bei Würdtwein Diplom. magunt. 2, 184, 2 u. 215 der Pl. green, 227 der Pl. grein. Aus franz. grain m., von lat. gränum(s. Gran). 1Granãt, m.(-es, Pl.-en): ein roter Edelstein, aber auch von gelber, grüner prauner und sammetschwarzer Färbung. Mhd. granãt m., aus gleichbed. mlat. granatus m. (nämlich lapis«Stein), dem Mask. des lat. Adj. gränãtus«mit Körnern oder Kernen versehen»(s. Granatapfel), von lat. grãnum n. Korns; der Name daher, daß dieser Edel- stein meist in Körnern gefunden wird. *Granât, m.: an der Nordseeküste für Garneelen(s. d.) oder Krabben. Frisch unter Garneelen. Granätapfel, m.: Frucht des Granat- baumes in Asien usw. Mhd. granãtapfel m., auch bloß granãt, aus mlat. granatam n. (nämlich malum«Apfel»), dem subst. Neutr. des Adj. granatus(s. Granat), eig.«viel- kerniger Apfel?. Grandte, f.(Pl.-n): mit Schießpulver gefüllte Kugel. 1616 bei Wallhausen Kriegs- manual S. 68 Granate, S. 75 Granade, aus gleichbed. ital. granata, granada f.(dort bereits im ersten Drittel des 16. Jh.), franz. grénade f., woher bei Archenholtz 2, 385 u. 421 Gre- nade f., eig.«nach Art eines Granalapfels mit Körnern, d. h. Pulverkörnern gefüllte Kugel»(im ältern Ital. granata f.«Granat- apfel», 1726 bei Fleming teutsch. Soldat 74 b «wegen der Khnlichkeit mit den Granat- upfein also genennet». S. Grenadier. Grand, m.(-es, Pl.-e): grober Kiessand. 1775 bei Adelung. Dem Niederd. entnommen, wo grand auch Weizenkleiey. Gleichen Stammes wie ags. grindan(Prät. grand, Part. grunden), engl. grind«zermalmen, mahlenꝰ, urverwandt mit lat. frendere«zerknirschen, zermalmen, knirschenꝰ, lit. gréndu creibey, vielleicht auch gr. xovdpöc(aus xpovdpòc) m. Graupe, Korns. Vgl. Mulm. Davon grandig, adj.: grobkiesig, bei Frisch 1741, in der Bed. stark, sehr, 1669 im Simpliciss. 195 u. 276. Grande, m.(-n, Pl.-n): die Adeligen in Spanien, die sich vor dem König bedecken dürfen. 1694 bei Nehring. Würde und Anstand eines spanischen Granden, 8. 1663 bei Schuppius 1, 542, Grandeza 1617 im t. Michel 43. Aus gleichbed. span. gran- deza, ital. grandezza f. grandiös, adj.: großartig, bei Goethe 30, 87, 88 u. 176, aus ital. grandioso, franz. grandiose, zu ital.-span. grande, franz. grand, lat. grandis«groß. Granit, m.(es, Pl.-e): aus Quarz, Feld- 1741 bei Aus dem span. grande m.(s. u.), Davon Grandézza, f.: spat und Glimmer zusammengesetztes hartes Gestein von körnigem Gefüge. Mhd. grändt m., aus mlat. granitum marmor, woher auch ital. granito, franz. granit m., eig.«viel Körner führendes Gestein», zu lat. gränum n.«Korn). Davon granſften, adj., bei Schiller 11, 297. Granne, f.(Pl.-n): Rückenborste des Schweines; Ahrenstachel. Mhd. grane, gran f., eig. wohl«Haarspitze», dann«Barthaarꝰ, zumal der Oberlippe,«stacheliges Haar) bei Tieren,«Gräte», ahd. grana, grane f.«Schnurr- bart, Gräte»(noch wetterauisch Gröne f. und 1540 bei Alberus dict. Hh 3ο Gran f. Grätey, siebenbürg. Grunen«Schnurrbart»), 1420 md. grayn f.«Ahrenstachel»; dazu ags. granu, anord. grön f.(Pl. granar)«Barthaar an der Oberlippe». Urverwandt mit altir. grend, kymr. bret. grann«Schnurrbart, strup- piges Haaro, alb. krqndo f. Weinrebe, Stroh- halmy, gegisch krano«Stachel, Dorny. Aus dem Germanischen entlehnt altfranz. grenon Lippen- und Kinnbart», span. greüa ver- worrenes Haupthaar), altspan. greton«Bart», ital. granata«Besen?, mlat.(bei Isidor 19, 23, 7) granus Zopfꝰ. Grans, m.(-es, Pl.-e) und Gransen, m.(—, Pl. wie Sg.): Schiffsschnabel; über- haupt Schiffsspitze. Bei Schiller Tell 4, 1 Gransen m.(aus Tschudi entnommen). Mhd. grans m.«Schnabel des Vogels und des Schiffes, Maul oder Rüssel des Tieres, Maul des Menschen, hervorragender Körperteil», ahd. grans und granso m.«Schiffsschnabel, Vorderteil des Schiffesy. Herkunft unsicher. Nach Wadstein Btr. 22, 248 aus gi-rans, vgl. mhd. rans m., isl. rone«Rüssel). Zupitza Gutt. 176 vergleicht abg. grand f.«Ecke». gransen, v.: weinerlich tun. Norddeutsch. 1696 im Schelmuffsky ² 23, 1728 bei Menantes allerneueste Art 378. Intensivum von mhd. granen, grannen«weinen, flennen», ahd. gra- nön«grunzenꝰ, anord. grenja cheulen, brüllenꝰ, wie grinsen von mhd. grinnen, gleichen Stammes wie greinen(s. d.). granulieren, v.: körnig machen. 1562 bei Mathesius Sar. 231 a(Münzen) granuliren. Aus franz. granuler«Metall körnen, von 48* Graphit Grat 760 lat. grãnulum n.«Körnchen», dem Dim. von gränum n.&Korny. Graphit, m.(-es, Pl.-e): Reißblei. Zu Anfang des 19. Jh. aus gleichbed. franz. graphite m., von gr. Tpdqeiv«schreibeny. grapsen, v.: schnell fassend greifen. Bei Goethe 1, 209. Norddeutsch auch grapschen. Abgeleitet von grappen(bei Luther 6, 326 b und Henisch 1616), 1477 clevisch grabben «zugreifend fassen oder packen», mhd. gräpen «greifeny; dazu engl. grab und grasp«packen?; urverwandt mit lit. grébiu, grépti chackenꝰ, grabinéti chin- und hergreifen», abg. grabiti «greifenꝰ, aind. grbhndti«ergreifto, iran. grah- «greifen». Vgl. greifen. Gras, n.(-es, Pl. Gräser): Halmpflanze. Wegen Verlüngerung des a im Nhd. bei Dasy- podius 1537 Graaß und so in der Bühnen- sprache, aber in Norddeutschland auch mit dem ursprünglichen kurzen a gesprochen. Mhd. gras n. auch«Grasplatz, Rasen», ahd. gras n.«Gras und Kraut»; dazu asächs. gras, mndl. gras, gars, ghers, afries. gres, gers, ags. grœs, gœers, engl. grass«Gras», anord. gras n.«Gras, Kraut, schwed.-dän. grœs, got. gras n.«Kraut). Dazu mit Ablaut, mhd. gruose f.«Saft und junger Trieb der Pflanzen». Vgl. auch ags. gräd, gœrd m.(?) «Gras. Dadurch wird Verbindung mit lat. gramen n.«Grasy aus ghradhsmen wahrschein- lich, vgl. Walde. 43L. grasen, v., mhd. grasen, ahd. grasön. grasig, grasicht, adj., mhd. grasec, ahd. graseg, 1540 bei Alberus dict. ee 3 b grasechtig. ZUS. Grasaffe, m., bei Goethe häufig als Scheltwort für junge Mädchen oder Frauen(z. B. Faust 3521, Briefe 3), vgl. Grasteufel. grasgrün, adj., mhd. gras-, grasegriene. Grashüpfer, m.: Heuschrecke, 1741 bei Frisch Grashupfer, 1616 bei Henisch Grashopper; dazu nd.-mndl. grashopper, engl. grasshopper, ags. gœrshoppa m. Grasmücke, f.(Pl.-/): der kleine in Hecken lebende Singvogel currüca, mhd. grase-, grasmucke, spätahd. grasmacca f., 1557 bei Heußlin Vogelb. 66 b Graßmusch oder Graßmuck, leychtgrün gefarbt. Graspferd, n.: Heuschrecke, 1663 bei Schottel 489. Gras- teufel, m.: lächerlicher oder häßlicher Feld- teufel, 1575 bei Fischart Garg. 17. Gräsen, n.(-s): Schauder. Bei Claudius 3, 170. Mnd. grese«das Schaudern, Grausenꝰ, gresen«schaudern», unnd. grésen; dazu mnd. greselilt«Schauder erregend, Adv. grisliken, clevisch 1477 gryslic«schrecklichs; verwandt mit ags. grislic, gryslic«schauderhaft), engl. grisle,«scheußlich». Diese Formen weisen auf eine e- oder i-Wurzel, daneben steht eine u-Wurzel in asächs. gruri m.«Schauder, Grausen?, d. Graus(s. d.). graß, adj.(Komp. grasser, Superl. grassest): wütend, schrecklich, zurückschreckend. Beim j. Goethe 3, 643, Voß 2, 214. Mhd. graz cleidenschaftlich erregt, wütend»(mit dem Subst. grag, grãz m.«Wuty und dem Zeit- wort gräzen cleidenschaftlich aufgeregt sich gebärden, aufschreien, übermütig, anmablich tun»), ahd. nur Adv. grazzo cheftig, stark, [sehr), verwandt mit got. grétan«weinen⸗, anord. grãta cweinen, laut jammerny. Dazu weiter aind. Mräãdaté«tönt» und mit u-Voka- lismus, ags. gréotan«weineny. Davon abge- leitet, aber sich mit nd. greselilf mengend (. Gräsen), grüßlich, adj.: schrecklich, Grauen erregend, bei Luther greslich, greßlich, md. im 14. Jh. grezlich chocherzürnt, schreck- bar zornigy. grassieren, v.: im Schwange gehen, herrschen, wüten. 1617 im t. Michel 21, aber schon bei Luther 2, 423 2 Eisl. grassiren und mhd. gräzieren wüten(neben gräzen, s. graßz). Aus lat. grassãri cherumgehen, hart verfahren, wüteny. Grat, m.(-es, Pl.-e): Spitze, oberster sich hinziehender scharfer Rand wovon. Mhd. grãt m.(Pl. grcæte, md. gréte)«Sspitze, spitzer Fischknochen, Khren-, Distelstachel, scharfer Rand, Rückgrat, Bergrücken, Mitte wovon». Solmsen KZ. 37, 580 vglt. poln. grot, tschech. krot m.«Pfeilspitze, Wurfspieß, russ. grot m. «Wurfspießy. Weiter ist auch wohl Granne (s. d.) verwandt. Aus dem alten Plur. Gräte entwickelte sich nhd. Gräte, f.(Pl.-n): federharter spitzer Fischknochen, 1605 bei Hulsius Gräd, bei Duez 1664 und Stieler 1691 Gräte f., bei Krämer 1678 Grüät n., aber noch 1662 bei Stoer Gratt m., wie 1616 bei Henisch Grad m., bei Dasypodius 1537 und Alberus 1540 Grat m. Davon gräten, v. in enlgräten(1540 bei Alberus dict. q 1²), ausgräten, pei Henisch 1616 und Duez 1664 gräten«Fische entgräten», mhd. grœten«Lein- wand aufzupfew. ZUS. mit Grat: Grathobel, m.: Hobel zum Stoßen oder Ziehen des Grates (der Schärfe) an Einschiebeleisten, 1741 bei Frisch. Gratsäge, f.: Säge zum Einschneiden der Leisten in hartes Holz, bei Frisch. Grat- tier, n.: auf Felsenspitzen lebende rötliche Gemsenart, 1775 bei Adelung, Schiller Tell 4,3. 761 gratis Graus 762 gratis, adv.: unentgeltlicn. 1562 bei Mathesius Sar. 256 5, Fischart Garg. 248. Aus gleichbed. lat. grätis. grätschen, v.: mit auseinander gesperrten Beinen gehen; beim Turnen eine Ubung mit auseinander gesperrten Beinen ausführen. 1678 bei Krämer grätschen, schles. 1640 bei Scherffer Grob. 42 gratschen. Abgeleitet von greten «in weitem Schritte auseinanderspreizen»(bei Luther Hes. 16, 25), md. um 1300 gréten (Germania 6, 275; 20, 40), spätmhd. in der 1. Hälfte des 15. Jh. gräten«schreiten»(Teufels Netz 7669), wohl verwandt mit mhd. griten cdie Beine auseinanderspreizen», griteliche und gritelingen Adv.«mit ausgespreizten Beinen», ahd. bigritu cich schreite dazu, fange any, ahd. gritmäli«Schritty, got. grids f. «Schritt, Stufey, das urverwandt ist mit lat. gradi«schreitenꝰ, gradus m.«Schritt, Stufe?, abg. gredch«ich komme», altir. ingrennim ich verfolge». 4BL. grätscheln, v., 1640 pei Comenius, gretscheln 1574 bei Horscht Geheimnisse der Natur 4, M 22. Grätscher, m., 1775 bei Adelung. gratulieren, v.: Glück wünschen. Bei Rot 1571 und Kirchhoff Wendunmut 1, 51. Aus gleichbed. lat. gräteläri. grau, adj.(Komp. grauer, Superl. grauest): mittelfarbig zwischen schwarz und weiß. Alternhd. und 1482 grauo, bei Henisch 1616 grauao, mhd. grã(Gen. grãvves), ahd. grão (flekt. gräwer); dazu and. appul-gré apfel- grau, scheckigy, mnd. grawwe, gra, grau, ndl. graauao, ags. gräg, engl. grey, gray, anord. grär, schwed. gra, dän. graa. Genau ent- spricht lat. rãvus(aus* hrdvus)«grau, grau- gelb, während gr. Xdporoc«strahläugigy, lit. Zeréti«strahlen», abg. zĩreti«glänzen, sehen» wurzelverwandt sind. Vgl. Walde. Substan- tivisch Grau, n., mhd. grã n. 43L. grauen, v., mhd. gräwwen, ahd. gräwén«grau sein oder werden», nhd. nur noch von der Morgen- dämmerung. graulich, adj.: ein wenig grau, 1616 bei Henisch grawclecht und mit Umlaut grãuaolich. ZUS. Graubart, m., 1678 bei Krämer. Grauwerk, n.: das graue Fell des sibirischen Eichhorns, mhd. gräverc und grã n., ndrhein. im 13. Jh. graewerc(Wallraf 30). Grau, m.(-en): Schauder(Göckingk im Götting. Musenalm. 1777 S. 8), bei Henisch 1616 Grau, bei Luther Grawen(Akk.), mhd. grüave m. Durch UÜbergang des n des Gen. in den Nom. auch Grauen m., verdrängt durch den substant. Infinitiv Grauen n.(1664 bei Duez Grawen, schon mhd. grüwven n.). Gräuel, gräulich, s. Greuel, greulich. Von grauen, v.: tief erregende Furcht haben (Schiller Hero 3), zumeist unpersönlich(mir graut): Widerwillen mit Schauder wovor emp- finden. Mhd. grſuven, md. gräen, ahd. ingrnén. Weiter sind wohl verwandt anord. gruna cbeargwöhnen», grunr m. Ahnung, Verdacht,. Vgl. noch Wiedemann Bezz. Btr. 27, 238. (S. auch Graus.) Davon abgeleitet graueln, v., 1669 im Simplic. 445, graweln 1534 in Dietenbergers Biblia Röm. 2, 22, wo bei Luther greweln, mhd. griuzweln, griulen, md. grüweln, grälen. grauerlich, adj.: Grauen erweckend, bei Herder von deutscher Art u. K. 100, Goethe 33, 95. ZUS. mit Grauen n.: grauenhaft, adj., bei Wieland Ob. 2, 6. grauenvoll, adj., bei Klopstock Mess. 2, 73. Graupe, f.(Pl.-n): gröbster Teil ge- pochten Erzes; enthülstes Getreidekorn. In der 1. Bed. 1557 pei Agricola Bergw. 2883ff. Graupen und Gräuplin, 1562 bei Mathesius Sar. 139 b Graupen und Greuplein«graupen- förmiges Zinnerz»; in der 2. Bed. Graupen 1542 bei Luther in der Hausrechnung; süd- ostdeutsch im 15. Jh. eysgräpe«kleines Hagel- korn»(Weinhold schles. Wb. 29b), bei Henisch 1616 Graupen«Hagel, Schloßeny. Das Wort, das sich von Obersachsen und Schlesien aus verbreitete, stammt vielleicht aus dem Slavi- schen, abg. Krupa f.«Krümchen», lausitz-wend. vrupa und serb. Erupa«Getreidegraupe, Hagel- schloßey, woher auch schwed. gröpe, grjupe, norw. gröpe«Schroty. Davon graupeln, v.: in kleinen Körnern hageln, 1711 bei Rädlein, gräupeln 1775 bei Adelung, bei Luther 1, 368² Eisl. es grauupet. 1Graus, m.(-es): haarsträubendes Grauen (Lessing Nath. 5, 6), mhd. grüs m. neben grüse m.«Gegenstand des Grauens, Schreck- bildy; dazu das Adj. graus: Grauen erregend (Schiller Räuber 4, 5), bei A. Gryphius(1698) 2, 21, mhd. gräs. 43L. Grausal, n., bei Tieck und Voß, mhd. grſuvwesal n. grausen, v. impers.(mir graust), mhd. gräsen, griusen, ahd. im gleichbed. irgrsisön,-grüisbn,-grü- sön. Alle abgeleitet von grauen(s. d.). Sub- stantivisch Grausen, n., mhd. gräsen n., davon die Adj. grausenhaft, Ende des 18. Jh.; grausenvoll, 1736 bei Haller Ged. 156, und mhd. grüsenlich«Grausen erregend». Von Graus abgeleitet grausig, adj., spätahd. griusig, und grauslich, adj., mhd. griuslich, gräslich. Vgl. gruseln. 763 Graus greinen 764 ²Graus, Grauß, m.(-es, Pl.-e): Sand-, Steinkorn(oberpfälz.): Steinschutt, Geröll, Trümmer(bei Brockes 9, 51, öfter bei Goethe, z. B. Faust 7802 Graus). Mhd. grüz m. «Sand-, Getreidekorny. Gleichen Stammes wie Grieß(s. d.) und Grütze(s. d.) Ver- wandt sind lat. rüdas n. zerbröckeltes Ge- stein, Geröll, Schutty, lit. grädas, lett. gra' uds m.«Kornꝰ, abg. gruda f.«Scholle⸗, lit. gräãdæ'u, grüsti«stampfenv. grausam, adj.: durch Zufügen von Ubel grauenerregend; roh und gefühllos(bei Luther). Mhd. grüwesam, grüsam, im 15. Jh. grausam«Schrecken erregend». Zusammenges. aus dem Verbum grauen(s. d.) und-sam. Grausamkeit, f., 1537 pei Dasypodius. Grauwerk, s. grau. Graveur, m.(-s, Pl.-e): Stempelschneider, Kunststecher. 1712 bei Hübner, aus gleich- bed. franz. graveur m., dafür mhd. grahcere, graber m., 1498 stempfelgraber(Mone Ztschr. 2, 430), in der Zimm. Chron. ² 1, 512, 7 sigel- greber m., ndl. 1598 gravérer m. gravieren, v.: mit dem Grabstichel stechen oder schnei- den. Im 18. Jh. aus franz. graver ceingraben, einprägen», das dem gleichbed. nd.-ndl. graven entlehnt ist, aus dem Französ. hinwieder, ndl. 1598 gravéren. gravieren, v.: beschweren, zur Last fallen, be-, anschuldigen. Schon mhd. gra- vieren, aus lat. gravãre«beschweren, be- lästigen, drücken?, vom lat. Adj. gravis «schwer, belastety. Dazu auch Gravität, f.: feierlicher Anstand, feierlich-ernstes Wesen, bei Henisch 1616 und Rot 1571 Gravitet, aus lat. gravitas f.«Schwere, würdevoller Ernst, sittliche Würdey. Davon gravitä- tisch, adj.: gewichtig, 1593 bei Helber 183 gravitetisch. Grazie, f.: Anmut;(Pl.-n) Huldgöttin. In der 1. Bed. 1771 bei Klopstock Od. 157 u. 257, in der 2. Bed. 1575 bei Fischart Garg. 136 Gratie. Aus gleichbed. lat. grätia f. grazids, adj.: anmutig, holdselig, bei Goethe gracios und graziõs, aus lat. grãtiòsus, franz. gracieuæ; dazu ndl. 1598 gracelick. „Grebe, m.(9n, Pl.-n/): Dorfvorstand, Schulze, s. Grap. „Grebe, f., s. Griebe. Gregör, Mannsname, aus gr.-lat. Grégorius, gr. Tpnvöpioc, eig.«Wachsamerꝰ, von Tpnfopedy cwachen. Greif, m.(-es und-en, Pl.-e und-en): fliegender Löwe mit einem Vogelkopfe; größte Geierart, der Kondor(1775 bei Ade- lung). Mhd. starkflekt. grif und schwachflekt. grife, ahd. grif und grifo m.«der fabelhafte Vogel Greife, überkommen aus gleichbed. gr. Jat. gryps und gruphus, gr. Tpöu(Gen. Tourc) m., woher auch ital. griffo, grifone, span. grifo, franz. grifon, ndl. griffoen, engl. griffin, altir. grif. Nach Reuleaux ist das griechische Fabeltier mit dem Adlerschnabel eine Weiterbildung des assyr. Krub(hebr. kerab), einer Figur am Palast des assyr. Königs Assur-Nasir-pal mit Löwentatzen, Stier- leib, Flügeln und Menschenkopf, die sym- bolisch die vier Sternbilder der Tag- und Nachtgleichen, sowie der Winter-und Sommer- wenden vereinigt(Löwe, Stier, Wassermann und Adler, letzterer an Stelle des nahege- legenen Skorpions). greifen, v.(Prät. griff, Konj. griffe, Part. gegriſfen): zum Fassen, Halten oder Fühlen zulangen; festhaltend nehmen. Mhd. grifen, im 14. Jh.(1339) greifen, ahd. grifan(Prät. greij, Plur. griffun, Part. grijfan); dazu asächs. gripan, mndl. grijpen, afries. gripa, ags. gripan, engl. gripe, anord. gripa, schwed. gripa, dän. gribe, got. greipan; im Ablaut stehend mit ahd. greifön«greifen, tasten?, ags. gräpian ctasten», anord. greipa«fassen, packen», gripr m.«wertvolles Eigentumy». Urverwandt mit lit. griebiè«ich greife», graibiti«umher- greifeny, also eine i- Wurzel neben der a-Wur- zel grab, s. grapsen. Aus dem Germanischen entlehnt franz. griffer(afranz. grifer)«packen?, gripper cergreifen?, heimlich rasch entwenden, griſfe f.«Klaue, Kralley, lombard. grippa wegschnappen», ital. grifo m. cGreifer, Rüssel». S. Griff. 4L. greifbar, adj., bei Goethe 11, 272. greinen, v.: den Mund verziehend weinen, bes. auch von Kindern. Im Nhd. schwach- biegend, aber mhd. mit starker Flexion grinen (Prät. grein, Plur. grinen)«den Mund ver- ziehen lachendwie weinend, knurrend(zankend) wie klagendy, im 14. Jh. greinen, ahd. grinan caus Leidenschaft, Unwillen einen Ton von sich geben». Dazu mhd. grinnen«knirschen), grennen«angrinseny, ahd. grennan«muckseny, engl. grin«greinen, groan«grinsen, stöhnen», ags. grãnian«kläglich tun, murrenꝰ, grennian «grinseny. Vgl. gransen, grinsen. Aus dem Ahd. entlehnt prov. grinar«grinsenv, pikard. grigner und ital. digrignare die Zähne flet- schen». 4BL. Greiner, m., spätmhd. 1462 greiner m.«Lünker»(Beheim Wiener 12, 20). 76⁵ greis Grieche 766 greis, adj.: weiß-, altersgrau. Mhd. gris; dazu asächs. gris, mndl. grijs«grauy. Das Wort stammt aus dem Ndd. und ist etymo- logisch unklar. Verwandtschaft mit grau (Ablaut gré-gri) wäre möglich. Substantivisch Greis, m.(-es, Pl.-e). Die starke Biegung ist im 19. Jh. durchgedrungen(wie mnd. gris, Dat. grise) statt der urspr. schwachen (Gen. u. Plur. Greisen), die sich noch bei Schiller 6, 116; 12, 536, Goethe 2, 66, Schubart 1, 193, Uhland, Chamisso und Immermann findet. Mhd. grise m., auch 1650 bei Mosche- Abscheu. Alternhd. Greüzoel, Grewel, Grüuoel, schwache Form Greyse m., ebenso in den Ableitungen greisenhaft, adj., im 19. Jh., und Greisenheit, f.: Zustand, Alter des rosch Phil. 2, 146 im Nom. Sg. noch die Greises, bei Goethe 28, 69. Greisin, f., bei Voß Id. 12, 44. grell, adj.: für Ohr oder Auge wehtuend stark. Mhd. grel«zornig schreiend, zornig, rauhy, so noch im 16. Jh. bei H. Sachs Fastn. 69, 66 und Scheidt Grob. 4691, 1482 im Voc. theut. m 7² gral«zornig, unmutigy, aber 1581 bei Fischart Bienk. 121 b grell in Oren lauten, 1562 bei Mathesius Sar. ein Feur das nicht zu grell und zu groß, 1778 bei Hermes Soph. 5, 693 grelle Mäusaugen. Von mhd. grellen«durchdringend, vor Zorn schreien»; dazu ags. gryllan creizen, erzürnen?. Verwandtschaft mit aind. ghargharas«rasselnd, lürmend), ist unsicher. Vgl. noch Groll. Grempel, s. Krempel. Grenadier, m.(-s, Pl.-e): Fufsoldat ausgesuchter Größe. 1694 bei Nehring Grand- dierer, 1726 bei Fleming teutsch. Soldat 146 b Granadier, Grenadier«in Teutschland erst 1683 aufgekommenꝰ, eig. Werfer von Hand- granaten), deshalb 1678 bei Krämer Granaten- werffer als UÜbersetzung des ital. granatiere. Aus franz. grénadier m., von franz. grénade f. Granaten(s. d.). Grensing, m.(-S, Pl.-e); die Pflanze potentilla anserina. Mhd. und ahd. grensinc m., abgeleitet von mhd. grans m.«Schnabel⸗ (s. Grans), entsprechend dem franz. Namen bec d'oie«Gänseschnabel). Grenze, f.(Pl.-n): Endpunkt, Endlinie. Bei Luther Grentze, im 14. und 15. Jh. grenicz, grenicze, im 13. Jh. im Ordensland Preußen aufgekommen(Kulmisches Recht von 1251 S. 4 grenicze), noch bayr. östr. Granitz, Grãnitz f., aus poln.-russ. granica czech. hranice f. Grenzstein, Grenzey, von poln. grãn, russ. gran, czech. hrana f.«Ecke». Das ältere deutsche Wort für Grenze war Mark f.(s. d.). 4BL. grenzen, v., 1420 md. greniczin«die Grenze bezeichnen»(Schröers Vokab. 1659), bei Luther grentzen«mit der Grenze woran rühren», bei Lohenstein Himmel- schlüssel 23, 463«durch Grenze abscheiden?. Grenzer, m.: Grenzbewohner, Grentzer bei Luther 1, 362 Eisl. ZUS. grenzenlos, adj., bei Haller Ged. 132. greten, s. grätschen. Gretchen, s. Mar- garete. Greuel, m.(-S, Pl. wie Sg.): Grauen, mhd. griuzel, griul, griule, md. gräwel m. Zu grauen(s. d.)«schaudern». ZUS. Greuel- tat, f., 1775 bei Adelung.— greulich, adj.: schauderhaft, abscheulich, im 15. Jh. grewwelich, mhd. griuwelich, griulich, md. grü- welich, grülich, ebenfalls von grauen abge- leitet. Griebe, f., in Norddeutschland Grebe, bayr. auch Griefe(Pl.-n): ausgeschmelzter Fett- würfel. In Mitteldeutschland Griefe f.(1562 bei Mathesius Sar. 80*), bei Luther Griehe, Gribe f., bayr. nur im Pl. Grieben, Greuben, schwäb.-schweiz. Greube, Gribe f. Mhd. griebe m., spätmhd. auch greube m., md. gribe, griefe, grive m., ahd. griubo, griebo m.(auch Röstpfanne), in der Bibel 1483 Bl. 285 b(Ps. 101, 4) grieb f.; dazu mnd. greve, grive m., nnd. gréve, grée, grébe f., ags. gréofa, engl. greaves«Talggrieben», entlehnt dän. fedte- greve, schwed. grefvar Pl. Griebenv. Ursprung dunkel. Zu grob? Vgl. Groppen. Griebs, m.(-es, Pl.-e): Kerngehäuse des Kernobstes; Kehlkopf. In der 1. Bed. 1482 im Voc. theut. m1 b grubß und m 8a grobiß, auch 1420 grobiß(Diefenbach gl. 52), woher nhd. die seltnere Schreibung Gröbs; im mrhein. Voc. ex quo von 1469 grubß und gribß, älternhd. Grübs bei Schmeller² 1, 984 und 1540 bei Alberus dict. Ff 4 b Griebes. Her- kunft unklar. In der übertragenen Bed. «Kehlkopf» 1596 bei Hulsius Gröbs, nach dem Volksglauben, daß dem vor Gott er- schreckenden Adam im Paradiese beim Essen des Apfels(1. Mos. 3, 6) der Griebs desselben in der Kehle stecken geblieben sei; die Bed. Kehlkopf auch in der RA. jem. an Griebs kriegen«ihn an der Kehle packen». In Magde- burg spricht man Kripps. S. auch Grotzen. Grieche, m.(-n, Pl.-n), Volksname. Bei Luther Grieche und Krieche, auch Grekce, mhd. Krieche, ahd. Chréh, Kriah(Pl. Kriachi) 767 Griefe Grille 768 und Kriecho m.; dazu mnd. Greke, mndl. Grieck, ags. Pl. Crécas und Grécas, Gréacas, anord. Gritchr und Girkr m., got. Kréls m. Aus gleichbed. lat. Graecus, gr. Tpaixòc m. Vgl. Kossinna Festschrift... K. Weinholds 27 ff. Davon griechisch, adj., bei Luther krie- chisch, krichesch, griechisch, griegisch und grekisch, mhd. Kriechisch, ahd. créhhisc, kriah- hisg, dazu mnd. grekesch, mndl. griecks, ags. erécise und grogisc, anord. grikksler und girzler. Griefe, s. Griebe. grienen, v.: selbzufrieden oder schaden- froh lachen. In Norddeutschland. Niederd. Nebenform von greinen(s. d.). Gries, s. Grieß. Griesgram, m.(-s, Pl.-e): arge Grüm- lichkeit; in Grämlichkeit Versunkener. Mhd. grisgram m.«Zähneknirschen). Davon die Adj. griesgrämig, bei Goethe und Wieland; grisgrämisch, bei Wieland und gries- grämlich, bei Börne; Griesgrämlichkeit, bei Seume, Spazierg. 209. griesgramen, v.: mit den Zähnen aus Wut, Schmerz usw. knirschen, murren(Kosegarten Rhaps. 3, 195, Nic. Werther 44), mhd. grisgramen,-grammen, grustgramen und grisgrimmen, ahd. griscra- möõn, gris-, grus-, eristerimmõn; dazu ahd. griscramõd, cristerimmõd m. und asächs. grist- grimmo m.«Zühneknirschen», ags. gristbitian cknirschend beiteen, mit den Zähnen knirschen» (neben gristbãtian), gristhitung und gristhãtung f.«Lähneknirschen». Der erste Wortbestand- teil entspricht dem mhd. gristen«zerreiben, zermahlen»(in Azgristen), ags. grist«Zer- reibungy, gristlung f., das Knirschen, engl. grist«das zum Malen bestimmte wie das gemahlene Getreide?, während im zweiten Teil des deutschen Wortes, der mit dem ersten alliteriert, die ahd. Adj. gram und grim czornigy wechseln. Bei Luther 5, 2722 J. (Fabeln 12 Neudr.) sprichwörtlich Gris schlecht (schlägt] gern nach gramen cein Dieb zeugt den andern?, schon in Steinhöwels XsSop 88 Osterl. Grieß, m.(-es, Pl.-e): grobkörniger Sand; grobgemahlenes Getreide zu Speisen (s. Grütze). Mhd. griez m. n.«Sandkorn, Sand, Kiessand, sandiges Ufer, Blasenstein, mit Kiessand bedeckter Platz, Kampfplatzo, md. griz m., ahd. grioz m. n.«Sand, Kies, Strand; dazu asächs. griot, greot m., afries. grét, ags. gréot m.«Sand, Strand, engl. grit «Sand, Grütze», anord. grjot n.«Steine». Zu mhd. griezen«zerkleinern, zermalmen. Statt der seit dem 15. Jh. üblich gewordenen Schreibung Gries(Luther, Schottel 1663, Stieler 1691, Frisch 1741) ist erst neuerdings wieder Grieß eingeführt. Über die Herkunft s. Graus, Grauß. Aus dem Germanischen entlehnt prov. greza«grobkörniger Sandstein», franz. gres m.«Sandsteiny, afranz. gresle, neufranz. gréle f.«Hagelz, afranz. grésille, neufranz. grésil m.«Graupelnꝰ, ital. greto m. «steiniger Ufersand). 4BL. grießeln, v:: in Gestalt kleiner Stiicke zerfallen oder nieder- fallen, 1775 bei Adelung, aber 1616 bei Henisch tr. griesen in kleine Stücke zermalmeny. grießig, adj., mhd. griezich«körnig?, 1562 bei Mathesius Sar. 140 b grießlicht. Grieß- mehl, n., 1482 im Voc. theut. 18 b griesmel. Grießwart, Grießwärtel, m.:(des Kampf- platzes wartender) Herold bei Kampfspiel oder ernstem Zweikampf, mhd. griezuart m. und schwachbiegend griezwarte m., im 15. Jh. auch grieszvartel, grieszcertel m. Griff, m.(Jes, Pl.-e): das Greifen; weid- männisch, Klaue der Raubvögel; der Teil eines Werkzeugs, an dem man es greift und handhabt(1691 bei Stieler). In den beiden ersten Bed. mhd. grif m., ahd. nur in Zu- sammensetz. grif; dazu mnd. grepe, gripe m., ndl. grép, ags. gripe m., engl. gripe, isländ. grip, schwed. grepp, dän. greb. Abstraktum zu greifen. Dazu griffeln, v.: wiederholt rasch hintereinander greifen, spätmhd. grifeln. Griffel, m.(-s, Pl. wie Sg.): ritzendes Schreibwerkzeng. Mhd. griffel, ahd. grifil m. neben vereinzeltem greffel und graf(ge- schrieben zraf Steinmeyer-Sievers ahd. Gl. 1, 255, 24); mit späterer Anknüpfung an Griff und greifen(wie Halter von halten), entlehnt aus gleichbed. gr.-Jat. graphium n.(mlat. auch graphius m.), gr. Toaqeiov, Iορv n., letzteres auch«Pinsely, woher ebenfalls provenz. grafis, afranz. grafe«Griffelo, nfranz. greffe m.«Schreib- stubey. Grille, f.(Pl.-n): zirpendes Insekt;(bild- lich) wunderlicher Einfall. In der 1. Bed. älternhd. Grill m.(bei H. Sachs, Duez 1664), mhd. grille m., ahd. grillo m., über- kommen aus gr. Jat. gryllus, gr. Touν⁴Moc m. Heuschrecke, Grashüpfery. Die bildliche Bedeutung entwickelte sich wie bei Schnakce, Mucke(s. d.), im 15. Jh. bei Eyb 2, 85, 24 grillen haben in dem Kopf(Fastnachtsp. 5, 298, Trochus 1517 01, Liliencron 3, 4742, Murner Narrenbeschw. 85, 5 u. Schelm. 9, 28), 769 Grimasse grob 770 schon bei den Römern der Plur. grylli«bi- zuarre Zusammensetzungen von Tieren» in der Malerei. 43L. grillen, v.: zirpen (Krämer 1678), dann Launen haben, ihnen nachhängen(Rädlein 1711). In der bildlichen Bed. auch mit fremder Endung grillisieren, bei Fischart und Philander, von Goethe 30, 249 wieder aufgefrischt. grillenhaft, adj., 1616 bei Henisch. grillig, adj., 1616 bei Henisch grillig«hirnwietigy. ZUS. Grillen- fang, m., 1747 bei Hagedorn moral. Ged. 190. Grillenfänger, m., 1669 bei Grimmels- hausen Simpl. 296. Grillenfängerei, f., 1673 bei Weise Erzn. 111. grillenfänge- risch, adj., 1711 bei Rädlein. Grimässe, f.(Pl.-n): Gesichtsverzerrung, Zerrgebärde; Verstellung. 1714 bei Wächtler der Pl. Grimacen. Aus gleichbed. franz. grimace f., das nebst span. grimazo, sowie span. grima«Grausen, Schaudern» und portug. engrimanço«Zerrbildung, Betrugy auf ags. grima m.«Maske, Gespenst», anord. grima f. Maske, Larve» oder besser auf ahd.*grimmizön «wütend sein» zurückgeführt wird. Grimm, m.(-es): heftige Gemütsbitter- keit wogegen, mhd. grim m. Gebildet aus dem Adj. grimm, mhd. grimme und grim, ahd. grimmei und grim, Adv. grimmo«zornig, geschickts, dazu mnd.-mndrhein.-mndl. grof. wild, schrecklich», im Ablaut zu ahd. gram (s. gram); dazu asächs.-afries.-ags.-engl. grinm, anord. grimmer. Entlehnt prov. grim c«betrübto, ital. grimo«runzlichts. grimmig, adj., mhd. grimmic, grimmec, ahd. grimmig, asächs. grim- mag. Zu mhd. grimmen(Prät. gram, Plur. grummen)«wüten vor Schmerz, Zorn, Haß, brummen, brüllen», asichs. grimman toben), ags. grimman«wüten, ungestüm eileny, gri- metan«toben, brüllen»(wie ahd. gramizzon, gremizon). Urverwandt mit lit. gruménti«aus der Ferne dumpf donnernꝰ, apreuß. grumins Adv. grobeliche, im 15. Jh. gröblich. Donner⸗, abg. griméti«donnern?, gromu m. Donnerꝰ», gr. Xpéuadoc m.«das Knirschen?, xpeuikei«wiehern», aw. granta cerzürnt, Bei Frisch mit Beleg von 1500, aber 1575 bei Fischart Garg. 450 und 1678 bei Krämer npers. yeram«Grimm. Grimmen, n., in Bauchgrimmen(s. d.) steht statt Krimmen (s. d.), aber schon spätmhd. grimme m.«Bauch- grimmen»; daher nhd. Grimmdarm, m.: der weiteste dicke Darm(lat. colon) als Sitz des Bauchgrimmens, der Kolik. 1775 bei Adelung. Grind, m.(-es, Pl.-e): Ausschlag; harte Rinde auf einer Wunde, einem Geschwüre; der Kopf. In den beiden ersten Bed. mhd. und ahd. grint m., im Mhd. auch Kopf- grindy und dann verächtlich für«Kopfy. Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. Ablautend zu Grand(s. d.). Davon grin- dicht, grindig, adj., mhd. grinteht, grindeht, im 15. Jh. grindig. grinsen, v.: zühnebleckend das Gesicht verziehen. Bei Bürger 200, Schiller 11, 254 und 13, 108 in der Schreibung grinzen, bei Weiße kom. Op. 3, 25 u. 36(Jagd 1, 7 u. 2, 1) in der Bed.«weinerlich tuns, wie 1691 bei Stieler grinsen«weinen». Norddeutsch hat es nur die Bedeutung«lachend das Gesicht verziehen. Abgeleitet von mhd. grinnen c«knirschen, gleichen Stammes wie greinen (§. d. und gransen). Grippe, f.: herrschendes Schnupfenfieber, Influenza. Erst nach 1782, wo sich von Rußland aus die Krankheit über ganz Luropa verbreitete. Aus gleichbed. franz. grippe f., und dies nach Wasmer ZfdW. 9, 21 aus russ. chripiö m. Heiserkeit. Grips, m.: Verstand, Fassungskraft. Ndd. Vielleicht zu greifen, aber die Ableitung bleibt unklar. grob, adj.(Komp. grõber, Superl. grobst): an Masse stark und groß; unfein. Mhd. grop, grob, auch einmal gerop, md. grob, grab«dick, ungebildet derb, nicht wohl angemessen?, ahd. gerob dick, wohlbeleibt, tief d. i. rauh tönend», Adv. gerobo, grobo«tieftonig, un- Ein Wort unbekannter Herkunft, das auch ins Slavische überging(russ. grubsj). 4BL. gröbern, v.: in vergröbern 1719 bei Kramer 1, 436 neben vergröben, bei Luther entgröben. Grobheit, f., mhd. grop-, grobheit f. Grobian, m.(-S, Pl.-e): grober, ungebildeter Mensch, 1482 im Voc. theut. e 4² cbauer, rusticus» grohianus, 1494 bei Brant Narr. 72, 1 Grobian, eine komische deutsch-lat. Bildung der Hu- manisten mit der lat. Endung-ãnus. gröb- lich, adj., mhd. grobelich«groß, stark, heftig, ZUS. Grobgrün, n.(-s, Pl.-e): seidner oder wollner Stoff mit groben und dicken Fäden. Grobgräin, dazu mnd. im 16. Jh. grofgrön. Umgedeutet aus gleichbed. franz. gros grain, ital. grosso grano m.(woher auch ndl. grof- greyn), von mlat. grossus dick» und lat. gränum n.«Korn, Kern». Grobschmied, m.: Eisenschmied, der nur grobe Arbeiten fertigt(nicht feine künstliche wie Schlösser usw.), 1640 bei Comenius, aber schon im 15. Jh. gropwwerlc grobe Schmiedearbeit» 49 771 Gröbs groß 772 (Ortloff Distinct. 1, 298). Grobzeug, n.: geringes Volk, Pack, umgedeutet aus Krop- zeug(s. d.) Gröbs, s. Griebs. Grog, m.(-s, Pl.-s): heißes Getränk aus Rum und Wasser mit Zucker. Im 19. Jh. aus gleichbed. engl. grog, angeblich benannt nach dem Spitznamen des engl. Admirals Vernon(wegen seines Rockes aus Kamel- haarstoff, engl. grogram), der zuerst dies Ge- tränk anstatt unvermischten Rums unter die Matrosen austeilen ließ. grölen, in Bayern und ôOsterreich auch gröhlen, v.: mißtönig schreien. Bei Gott- werth Müller Siegfr. v. Lindenb. 1, 71 gröhlen, 1623 bei dem Pfarrer Braun zu Grünberg in Hessen(Decas XI, 1) gröllen und brüllen. Mittel- und niederdeutsch. Vielleicht ver- wandt mit mhd. grellen(s. grell). Groll, m.(-es): heimlicher finsterer Zorn. Mhd. im 14. Jh. grolle m., bei Luther Groll und Grolle m. grollen, v., um 1480 im Voc. inc. teut. k 4 grullen(Var. grollen), md. im 14. Jh. substantivisch widdirgrullin n.«Gegengrollen, Gegenwehr). Dazu mhd. grüllen«höhnen, spotteny, verwandt mit mhd. grellen(s. grell). grölzen, v.: rülpsen, grunzen. 1586 bei Mathesius Syrach 2, 44 gröltzen, dazu bei Emmelius 1592 das Subst. Gröltz m.«Rülpsy. Vielleicht zu grellen(s. grell). grommeln, s. grummeln. Gropp, m.(-es, Pl.-en) und Groppe, f. (Pl.-n): der dickköpfige Fisch Cottus gobio, Kaulbarsch. Mhd. groppe m., ahd. groppo m. Vielleicht aus mlat. carabus, corabus m.(im Voc. opt. Nr. 40, 23«carebus» groppe). Groppen, m.(-S, Pl. wie Sg.): weiter eiserner Kochtopf. Bei Luther 7, 3042 J. Grope, Gropen m. und 1542 in seiner Haus- rechnung Groppen, spätmhd. im 15. Jh. grope, groppe, im 14. Jh. grop m.; dazu mnd. grope, gropen, grapen, nnd. grapen m., vielleicht auch ahd. griupo m.«Röstpfanney und weiter norw. dial. graup f. Einschnitt, Kerbey, anord. greupa«in einen Falz einfügen. 1 Gros(spr. groh) n.: Hauptmasse des Heeres. 1648 bei Kemnitz schwed. Krieg 1, 3054. Aus gleichbed. franz. gros m., von franz. gros dick, stark, beträchtlich», mlat. (6. Jh.) grossus ædicky. 2Gros(Spr. Grôs) n.(ohne Biegung): 12 Dutzend oder 144 Stück. 1702 bei Mar- grautr m., dän. gröd«Grütze» dazu. perger Kauffmannsmagazin 557(nach Kluge) und 1712 bei Hübner Groj. Wie ndl. gros aus gleichbed. franz. grosse f.(16. Jh.), ge- kürzt aus franz. grosse douzuine«Großdutzend» von franz. gros, s. 1 Gros. Groschen, m.(-S, Pl. wie Sg.): ehemalige deutsche Silbermünze, an Wert 12 Pfennige preuf., 10 Pfennig jetziger Reichsmünze. Mhd. (14. Jh.) gros, grosse m., im 15. Jh. grosch, grosche, dazu clevisch 1477 crosche. Aus mlat. (13. Jh.) grossus, eig.«denarius grossus» Dick- pfennig von Silber oder Gold, woher auch * franz. gros, ital. grosso m.«Groschen», von mlat.(6. Jh.) grossus ædick». Dim. Gröschel, n.(-s, Pl. wie Sg.): Drei- Davon das pfennigstück, Dreier. Schlesisch, früher auch in Osterreich. 1741 bei Frisch. groß, adj.(Komp. größer, Superl. größt): beträchtlichen Raum einnehmend;(abstrakt) vor anderm ausgezeichnet. Mhd. und ahd. grõö;(Komp. mhd. graæzer, ahd. grõzzer, Sup. mhd. grœzist, grast); dazu asächs. und nnd. grõt, mndl. groot, ags. gréat, engl. great. Her- kunft unklar. Verwandtschaft mit lat. grandis «großy ist wegen des Vokalismus(urgerm. graut) kaum möglich. Eher gehört anord. Dann wäre die ursprüngl. Bedeutung grobkörnig». 4BL. Größe, f., mhd. græze, ahd. grõz! f. größern, v., im 16. Jh. grössern(Serranus 1538, Schwartzenbach 1580), nur noch in vergrößern; mhd. bloß grœzen, md. grözen «groß machen, groß werden». Großheit, f., oft bei Goethe, mhd. groözheit f. ZUS. groß- artig, adj., nach Immermann Epigonen um 1830 in Berlin aufgekommen. großherzig, adj., 1629 bei Opitz 1, 149 groshertzig; Groß- herzigkeit, f., 1691 bei Stieler. Großherzog, m., bei Fischart Garg. 392 und Bienk. 1332, nach ital. gran duca(zuerst 1569 als Titel des Mediceers Cosimo I. von Florenz). Groß- hundert, n. duodezimales Hundert, 120 Stück, 1775 bei Adelung ein großes Hundert, Groß- nundert nebst Großtausend n.(1200 Stück), im 16. u. 17. Jh. im Fischhandel der Nordsee- städte(1651 bei Colerus Hausb. 326 b, 1532 bei Köbel Rechnen S. 120). Die Zählung nach Großhunderten ist bereits im Altnord. und bei den Goten vorhanden. großjährig, adj., volljährig, mündig, bei Adelung 1796. groß- mächtig, adj., 1478 bei Nicl. v. Wyle 354, 1 im Titel von Kaiser und König, 1420 bei Diefenb. gl. 152° in der Bed.«wohlbeleibty. Großmaul, n., 1561 bei Maaler. Großmut, f., 1691 bei Stieler: großmütig, adj., 1440 773 Grossist bei Diefenb. gl. 343 b großmüttig, später im 15. Jh. großmütig, aber schon md. im 14. Jh. grõzemũtikeit f. Großmutter, f., spätmhd. im 15. Jh. großmuter. Großpapa, m., bei Günther 667. Großsprecher, m., im 15. Jh. großsprecher(Diefenb. gl. 268); großspre- cherisch, adj., 1648 bei Zesen Ibr. 353. großtuig, adj., bei Goethe 30, 229, schon 1517 bei Keisersberg Brösamlin 1, 494; groß- tun, v., 1691 bei Stieler. Großvater, m., 1401 in Frankf. Reichskorr. 1, 578 großvater. Die adverbial. Genitivverbindung größten- teils 1716 bei Ludwig. Grossist, m.(-en, Pl.-en): Großkauf- mann, Großhändler, der nur en gros(mndl. int gros, bei Krämer 1678 in Groß) verkauft. 1801 bei Campe neben Grossierer(schon 1616 bei Henisch), ndl. 1598 grossier, aus gleich- bed. franz. grossier, mlat. grossarius m. grotésk, adj.: phantastisch, wunderlich, grillenhaft. Bei Jamnitzer Neüzo Grotessken- Buch, Nürnberg 1610, aber schon 1575 bei Fischart Garg. 17 grubengrotteschische Krüg. Aus franz. grotesgue, nach ital. grottesco, urspr. cnach Art der Grottengemäldey(in den die Grotten genannten Trümmern von dem Pa- laste des Titus zu Rom), also abgeleitet von ital. grotta(s. Grotte). Grotte, f.(Pl.-n): gewölbte Höhle, bes. künstliche. Bei Opitz 2, 248 Amst. und Moscherosch Phil.(1650) 1, 58, Grotta 1617 im t. Michel 29. Aus franz. grotte, ital. grotta f., afranz. noch crote f.«Höhle, wie prov. crota f., hervorgegangen aus gr.-lat. crypla, crupla f., mlat. grupta, gr.«purn f. Grotte, Gruftꝰ. Grotzen, m.(—s, Pl. wie Sg.): Griebs, Kerngehäuse. Mundartlich. Im ersten Viertel des 16. Jh. grutz, im 15. Jh. gricz(Diefenb. gl. 52°), im 14. Jh. grütz(Megenberg 374, 7), in der Bed.«Kehle» mittelgrütz(Nürnb. Pol.- Ordn. 226). Vielleicht zu Grütze. Grube, f.(Pl.-n): eingegrabene Vertie- fung. Mhd. gruobe, ahd. gruoba f.; dazu andfränk. gruova, engl. groove, anord. grôf, got. gröba f. Von graben(s. d.). 4.BL. Grübchen, Grüblein, n., mhd. grüebelin, ahd. gruobili n. Grübling, m.: eine Art Apfel mit Narben, Art eßbarer erdfarbener narbenvoller Schwämme, 1741 bei Frisch. grübeln, v.: bohrend graben; hin und her bewegend kratzen, ritzen; eindringend wonach forschen oder denken. In der 1. Bed. mhd. grübelen, ahd. grubilön, spätmhd. auch «genau nachforschen». Dazu anord. grufla grün 774 ckrabbeln⸗, norw. gruvla, gryula«graben. Ableitung von graben. 4BL. Grübelei, f., 1775 bei Adelung. Grübler, m., 1664 bei Duez. Grude, f.(Pl.-n): heiße Asche; eine Art Ofen, in dem man die Töpfe in die heiße Asche setzt. Norddeutsch. Mud. grude f. (von 1417 und 1425). 1595 bei Rollenhagen Froschm. 2, 2, 4 Graud f. Gruft, f.(Pl. Grüfte): Erdhöhle; Toten- gewölbe. Noch älternhd. bisweilen Kruft (Golius 1582), mhd. Kruft, gruft, ahd. cruft, gruft f.«unterirdischer Raum, Höhle⸗. Mit Anlehnung an graben und Grube aus mlat. grupta, gr.-lat. crypta f.«Gewölbe, Grufto, gr. xpuurn f.«unterirdisches Gewölbe, zu gr. kporreiv«verbergenv. grummeln, v.: fern donnern. 1786 bei Bode Jones 4, 264, grommeln bei H. Heine2, 367. Niederdeutsch(1741 bei Frisch auch murmeln). Zu mnd. grummen xein dumpfes Getöse machen, brummen⸗, das im Ablaut zu mhd. grimmen steht(s. näheres unter grimnz). Grummet, Grumt, n.(-*NH): Zweite Mahd des Wiesengrases. Bei Luther Grumet, 1540 bei Alberus dict. d 2ν Grummath, 1538 bei Serranus Grommat, im 15. Jh. gräamat, grü- mad, grõmad, grummat, 1420 in Elsen v. Holcz- husen Inventar im Archiv zu Frankfurt a. M. grümat, verkürzt aus Grün-Mahdl«Gras, wel- ches grün(unreif) gemüht wird, nicht reif wie das Heuy. Vgl. Mahd und Ohmet. grün, adj.: pflanzenfarbig; saftvoll, frisch (im Gegensatz zu dürr«getrocknet»); unreif, unzubereitet(Aventin 4, 446, 31); unerfahren (bei Luther 1, 328 b Eisl.). In der 1. und 2. Bed. mhd. grüene, md. grüne, ahd. gruoni; dazu asächs. gröni, mnd. gröne, mndl. groen, afries. gréne, ags. gréne, engl. green, anord. grãnn, schwed.-dän. grön. Zu mhd. grüejen, ahd. gruoan, grüan grün sein, wachsen», mnd. groien, groen, mndl. groeyen, afries. grõia, ags. grõöwan, engl. grow, anord. grõa. RA. jem. nicht grün sein nicht günstig ge- sinnt», bei Luther 61, 223 Erl., im Simpli- ciss. 235. grüne Seite«die linke, die Herzens- seite, bisweilen auch die rechtey, 1582 bei Fischart Garg. 136 und 381. Substantivisch Grün, n., 1561 bei Maaler, als Farbe im Kartenspiel 1575 im Theatrum diabolorum 438 b(von 1561), vgl. Laub. 4BL. Grüne, f., mhd. grüene, ahd. gruon? f. grünen, v.: grün sein oder werden, mhd. gruonen, md. grünen, gruonen, seit dem 13. Jh. beginnt da- für grüenen(eig.«grün machenꝰ) einzutreten. 49* 775 Grund Gründonnerstag 776 gruneln, v.: nach frischem Grün riechen, bei Goethe 6, 27 und Faust 8266. grün- licht, adj., mhd. im 14. Jh. gräenlot. Grün- ling, m.: eine Birnenart(1691 bei Stieler neben Gränlinger m. eine Apfelart von grüner Farbes; der Grünfink(1557 bei Heuß- lin Vogelb. 67 b). ZOS. Gründonnerstag, m., bei Luther 1538 Gründornstag, mhd. um 1200 der grüene donnerstac, mnd. 1355 der grone donerstag. Die Benennung bildete sich nach mlat. dies viridium Tag der Grünen» d. h. der öffentlichen Büßer, die nach der während der Fastenzeit vollbrachten Buße von ihren Vergehungen und Kirchenstrafen seit dem 7. Jahrzehnt des 19. Jh.«schnellen losgesprochen und als Sündenlose wieder in die Gemeinschaft der Christen aufgenommen wurden, um zur heil. Abendmahlsfeier zu- gelassen zu werden. Jene Lossprechung und damit auch diese Zulassung waren eine Haupt- handlung in der frühern Kirche am Donners- tage vor Ostern als am Tage der Einsetzung des heil. Abendmahles, wie auch der Name Antlaßtag, mhd. antlãztac«Tag des Erlasses der Kirchenstrafen und der Wiederaufnahme in die Kirchengemeinde» zeigt. Daß aber viridis in der mlat. Kirchen- und Kanzel- sprache nach Luk. 23, 31 in viridi ligno auch die Bed.«sündlosv hatte, erhellt aus Melber 1482 Ff 2 viridis, ein grunender, der da on sunde ist, grun. Grünkern: Kerne von cunreifem) Getreide zur Suppenbereitung. Erst in der neuern Zeit. Grünspan, m. (s, Pl.-e): grüner Kupferrost, 1558 bei Eber und Peucer N 2a Grünspan oder spanschgrün, 1482 im Voc. theut. n 2² grunspan oder span- grun, ebenso 1470 grunspan, neben spätmhd. Gän-, Spensgrüen«spanisch Grün», mlat. vi- ride hispanun oder hispanicum, weil als Kunst- produkt(Kupferoxyd verbunden mit Essig- säure) aus Spanien zuerst zu uns gebracht. Grünspecht, m.: oben grüner Specht, picus viridis, mhd. grüen-, gruonspeht, ahd. gruon- weht m.(Steinmeyer-Sievers 3, 21, 39). Grund, m.(es, Pl. Gründe): Prdboden; das Unterste wovon. Mhd.'ahd. grunt m., md. auch f.; dazu asächs. grund m., mnd. grund f.(selten m.), mndl. grond, afries. grund, grond m., ags. grund m., engl. ground, anord. grund f. Feldfläches, grunnr m. Grund, Boden», got. in grunduraddjus«Grundmauer». Im Mhd. auch«Abgrund, schmales, tief ein- geschnittenes Tal, Schlucht, Niederung, Ebene, Grundstück, Grundeigentum,(im 14. Jh.) Ur- sprung, Ursaches, im Mnd. der wirkliche Sachverhalt, auf dem alles beruhty. Die Herkunft ist unsicher. Vielleicht im Ablaut zu Grand(s. d.) stehend. Vgl. noch Meringer Wiener SB. 144, 6, 70, Uhlenbeck Btr. 30, 284. Davon Grundel, f.(Pl.-n): die auf dem Grunde des Wassers sich aufhaltende Fisch- art gobius, mhd. grundel m., spätahd. grun- dila f. gründen, v., mhd. gründen zauf den Grund kommen, Grund finden, festen Grund für etwas legen, erforschen, gründ- lich erörtern, kundgeben», ahd. granden er- gründen, erörtern»; dazu ags. gryndan zum Grund kommen», anord. grunda ædenken». Gründer, m., 1691 bei Stieler, neuerdings Reichtum erstrebender, schwindelhafter Unter- nehmer von Bauwerken oder einem Geschäfty. grundieren, v.: den Grund, worauf etwas hervortritt, kunstgemäß zubereiten, bei Goethe 2, 182 neben gründen 46, 377 fg.(gründen 1691 bei Stieler). gründlich, adj., mhd. gruntlich, im Adv. ahd. gruntlihho, md. 1329 gruntlichen, 1343 grüntlichen(Germ. 28, 369); Gründlichkeit, f., 1732 bei Gottsched. Gründling, m.: die Grundel, im 15. Jh. grunde- linc, 1425 grundelingh(Diefenbach gl. 252 b und nov. gl. 1862). ZUS. Grundbesitzer, m., 1775 beiAdelung. Grundbirne, f.: Kartoffel, in der Lausitz und Meißen zunächst die eß- bare knollige Wurzel der Pflanze Helianthus tuberosus, dann im 18. Jh. auf die Kartoffel übertragen(volksmäßig Grommbir). grund- bös, adj., mhd. gruntbæse. grundfalsch, adj., 1739 bei Liscow 423. Grundfeste, f., mhd. gruntveste. Grundherr, m., mhd. gruntherre. Grundlage, f., 1625 bei Stettler Schweitzer-Chron. 292. Grundlinie, f., 1558 bei Rivius Büxenmeisterey 3, 1, 15° Grund- lini f. grundlos, adj., mhd. grunde-, grunk- lös, ahd. gruntlõs, ags. grundléas; Grund- losigkeit, f., md. im 14. Jh. grundelösikeit, gruntlõsekeit. Grundriß, m., 1648 bei Zesen Dögens Baukunst. Grundsatz, m., 1641 bei Schottel 378. Grundsprache, f., 1644 bei Harsdörffer Gespr. 1, 244. Grundstein, m., bei Luther; dazu ags. grundstänm. Grund- stück, n., 1641 bei Schottel 378. Grund- suppe, f., bei Luther W. 8, 292, mhd. grunt- sopfe. Grundwelle, f., mhd. gruntawelle. Grundwort, n., 1641 bei Schottel 346. Grundzins, m.: auf einem Grundstück lastende feste Geldabgabe. 1734 bei Steinbach. Gründonnerstag usw., s. grün. gruneln, s. grün. Grünitz, s. Krinitz. 777 grunzen grunzen, v. vom rauhen dumpfen Schreien des Schweins. Mhd. ahd. grunzen ceinen rauhen tiefen Ton aus der Kehle hören lasseny, ahd. auch«im Unmut das Gesicht verziehen»(lat. caperare), ferner ahd. grunnizot m. edas Grunzen?; dazu engl. grunt«grunzen⸗. In- tensivum zu mhd. grinnen, ags. grunian cknirschen, grunzen?, die wie ahd. grun m. und grunn f. Jammer, Stöhnen) im Ablaut stehen zu ahd. granôn«grunzen?, mhd. granen, grannen«weinen, flennen»(vgl. gransen, grin- sen). Vielleicht lautmalenden Ursprungs, wie lat. grunnire, gr. Tpð⁊eiv«grunzen?. Gruppe, f.(Pl.-n): Zusammenstellung mehrerer Gegenstände zu einem Ganzen. 1712 bei Hübner Groupe, aufgenommen aus franz. groupe m.«ein Haufe Figuren', ital. groppo, gruppo m., eig.«Klumpen, Pack», die selbst wieder dem Germanischen entstammen(S. RKropf). Davon gruppieren, v., 1766 bei Lessing Laokoon 122(No. 11). Grus, m.(-es): Schutt. Niederdeutsche Form für Graas, s. 2 Graus. gruseln, v. impers. mir gruselt: über- läuft schreckhaft die Haut. 1663 bei Schöns- leder, grüsseln bei H. Sachs 20, 7 grieselen 1691 bei Stieler(auch Goethe 42, 2, 89 grieseln), mhd. griuseln, Intensiv von mhd. grüsen cgrausen»(s. d.). 1499 im Terenz deutsch 392 ich grusel. Gruß, m.(-es, Pl. Grüße): freundlicher oder feindlicher Anruf als Zeichen der Ge- sinnung. Mhd. gruoz m., auch cfeindliches Entgegenkommen, Angriff, Leid», md. graz, grõô;, mnd. grõt m. Von grüßen, v., mhd. grüezen(einmal gruetzen), md. grũzen, ahd. gruozan can jem. kommen, herausfordern, an- treiben», dann«anrufen, anreden, angreifen, freundlich und mit Wunsch anrufen»; dazu asächs. grötjan«anreden», mnd. groten, gruten zum Kampfe auffordern, grüßen⸗, mudl. groeten, grueten, ags. grétan«feindlich an- greifen, grüßen», engl. greet«grüßen». Viel- leicht zu got. grétan«weinen», vgl. graß. Grütze, f.(ohne Pl.): grob gemahlenes, ausgehülstes Getreide; Brei daraus; bildlich Verstand. In den beiden ersten Bed. bei Luther Grütze, Grutz f., mhd. grälze n. m. Grobgemahlenes, Grützbreiy, ahd. gruai, gruzze n.«Kleie, Schrots; dazu mnd.-mndl. gorte f., ags. grylta f., engl. grit«Grütze», anord. grautr m.«Grütze», dun. gröd. Gleichen Stammes wie Grieß(s. d.) und mhd. grüz m. f. Korn»(von Sand oder Getreide), urverwandt Guillotine 778 mit lit. grüdas m. Getreidekorn, abg. gruda f.«Scholley, kymr. gro Grießs, lat. rüdus n. czerbröckeltes Gesteiny. Aus dem Germa- nischen entlehnt ital. gruzzo, gruzzolo m. Haufe zusammengetragener Dinge», afranz. gruel, nfranz. gruau m. Grützey. In der bildlichen Bed.«Verstand»(bei Günther 518 ein Ropf, der von Natur mehr Spreu als Grutze führt) ist Grütze umgedeutet aus älternhd. Kritz m.(noch hess. Gritz m.«Ver- stand, Scharfsinn»), 1685 im Simpliciss. 2, 500 weder Witz oder Kritz, bei Rädlein 1711 ꝛweder Grütz(Gritz) noch Witz haben, öfter bei Seb. Franck vil Kritz in der Nasen haben (Moriae encom. 91 u. 149, Guldin Arch. 5*, Sprichw. 1, 90 b) sowohl Schlauheit» als Vorwitz», eig. Kitzel, zu älternhd. Kritzeln ckitzeln, jucken?(16. und 17. Jh.). Guck, m.: Blick, nur in der Redensart nur auf einen Guck kommen und in Zu- sammensetzungen wie Ausguck. Von gucken, v.: nach etwas ausschauen, neugierig sein. Bei Luther, Schuppius, Voß, Goethe 1, 193 mit nd. Schreibung kacken, bei Maaler 1561 guggen, mhd. gucken, gücken, im 15. Jh. gugen, gugen. Mnd. kilten, nd. kieken ist kaum verwandt, berührt sich aber eng mit unserm Wort. 481. Gucker, m., 1565 bei Para- celsus opus chirurg. 30, mnd. kixer m. ZUS. Guckkasten, m., bei Lessing 6, 106. Gückelhahn, s. Gockel. Guer(r) illa(Sprich ge-), f.(Pl.-s): kleiner Krieg; Streifscharen. Aus dem span. guerrillaf. ckleiner Kriegy, von guerra f.«Krieg», franz. guerre, das dem Deutschen(ahd. werra zu wirren) entstammt. Gufe, s. Glufe. Gugelhopf, m.(es, Pl.-e): Backwerk aus weißem mit Hefe gegorenen Mehlteig in einer mit Butter u. dgl. bestrichenen kleinen runden Form gebacken. Bayr. Gugellhaop'f, Gogelhopf, wohl nach der hauben-, bund- ähnlichen Gestalt, zgs. aus mhd. gugele f. Kapuzen(s. Kogel) und einer Nebenform von bayr. Hepfen f.«Hefen(zu ahd. hepfan cheben). Guido, Mannsname, langobardische und dann italienische Form des ahd. Namens Wito, IVido, von ahd. owitu n.«Holze(vgl. Wiedehopf). Guillotine, f.(Pl. n): das Fallbeil, die 1789 vom franz. Arzt Guillotin(† 1814) er- fundene Köpfmaschine, 1801 bei Campe nebst dem Zeitwort guillotinieren. 77 47 Gulasch Gurke 780 Gulasch, in ésterreich auch Gulyas, n. (-Lels): Pfefferfleisch. Aus dem Ungarischen in neurer Zeit. Gulden, m.(-s, Pl. wie Sg.): ehemals süddeutsche und österreichische und noch niederländische Münze im Werte von ungefähr 1,70 M. Alternhd. Guldin, Guldein, Gülden, mhd.(im 13. Jh.) guldin, gulden, eig. der guldin pfenninc«der goldene Pfennig»(lat. aureus denarius), zuerst lange Zeit eine Gold- münze(s. golden und Florin). Gülle, f.(Pl.-n): Auflösung des Stall- mistes in Wasser, Mistjauche(Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 3, 171). Mhd. gülle f.«Lache, Pfütze». Sehr verbreitet in der Schweiz, aber auch im übrigen Alemannischen. Vielleicht zu mnd. gole, goel m. f.«Sumpfy. Gülte, f.(Pl.-/): zu leistende Zahlung, Schuld, Zins, jährlicher Zins. Mud. gülte (auch gilte, gülde), md. gulte, gulde, gilde f. «Schuld, Zahlung, Einkommen, Rente, Zins (von geliehenem Geld), Wert, Preis». Von gelten(s. d.). 43L. gültig, adj., mhd. 1324 guldlig«im Preise stehend, teuery», im 15. Jh. guldeg«preiswürdig»(Weist. 4, 623, 3), ferner in mhd. zinsgiltic czahlpflichtig; Gültigkeit, f., 1459 guültigkeit(Germ. 28, 369). ZUS. Gültbrief, m.: Schuld., Hypo- thekenschein, schweiz. Mhd. 1382 gültebriefm. Gummi, m.(-S, Pl. ·s): Klebsaft aus Pflanzen, 1534 bei Franck Weltb. 219 b Gummi, schon im 14. Jh. mhd. gummi arabicum, ent- lehnt aus gr. Jat. gummi, commi n.(neben gummis, cummis, commis f.), gr. xöuνq., von altägvpt. Keml, Mami«Gummi von Mimosen- oder Akazienbäumen». ZUS. Gummibaum, m.: ostindischer Feigenbaum, Ficus elastica, dessen Milchsaft den Kautschuk(gummi elasti- cum) liefert. Gundelrebe, Gundrebe, f.: die Pflanze Glechoma hederacea. Mhd. gunderehe f., ahd. gundereba f. mit acer glossiert, was aber nicht nur Ahorn», sondern auch ein Kraut be- deutet, vgl. Björkmann ZfdW. 3, 288. Die Ableitung ist dunkel. Gundermann, m.: Gundelrebe. 1664 bei Duez, umgebildet aus gleichbed. gunderam, im 15. Jh. bei Diefenb.- Wülcker neben ganderan, gundram, gundrum, aber spätahd. gundram. Günsel, m.(-s, Pl. wie Sg.): die Pflanze Ajuga. 1588 bei Camerarius 702 Günsel, 1500 bei Brunschwyg Destill. 52 gunsel, ahd. cunsele(Steinmeyer-Sievers 3, 52, 39), um- gebildet aus gleichbed. mlat. consolida f., eig. cdie sehr feste», bezeichnend für die bei Wunden und Brüchen heilkräftige Pflanze. Gunst, f.: Wohlgeneigtheit, Wohlwollen; (Pl. Günste) schriftliche Einwilligung, in der Kanzleisprache. Bei Luther Gonst. Mhd. gunst(Pl. günste), gonst f. und m. adas Ge- statten, Wohlwollen, Verleihen, die Einwilli- gung, Erlaubnis», zgs. aus ahd. gi-«ge-y und ahd. unst f.«Zugeneigtheit, Gnade, Wohl. wollen», gekürzt wie gönnen(s. d.) aus ahd. gi-unnan; dazu asächs. abunst f.«Abgunst, Neidy. Die ältere Form ist ahd. aust f.; dazu asächs. anst(nur Gen. Pl. enstio), ags. bst, anord. ãst, got. ansts f. Gunsty. 4B L. günstig, adj., mhd. günstic, dafür ahd. un- stig. Günstling, m., 1683 im neuen Dic- tionar. für einen Reisenden 141². Günter, m.(-s, Pl. wie Sg.): mit Wurst- füllsel gefüllter Schweinsmagen. Hessisch- wetterauisch. 1540 bei Alberus dict. Ee 32 ghünter, bb 33 gunter. Nach Weigand vom Stoffe des Füllsels benannt und so aus pola- bisch guntra«Lebery». Unsicher. *Günter, Günther, Mannsname. Mhd. Guanther, ahd. Guntheri, zgs. aus ahd. gund (in gundfano m.«Kriegsfahne»), asächs. güdeaf. «Kampf, Schlacht, Kriegy, ags. gp f., anord. gudr und gunnr f., und ahd. hari, heri n. «Heer»(s. d.). Gur, f.: feuchte, schmierige, aus dem Ge- stein ausgärende Masse. Bergmännisch, auch Guhr geschrieben(bei Goethe 60, 136 l. H. [Nat. Schr. 9, 62] guhrzweise), 1562 bei Mathe- sius Sar. 52 b Ghur. Von gären(s. d.), eig. Gärung, wie 1716 bei Ludwig das Gären oder die Gar des Bieres. Gurgel, f.(Pl.-/): Speiseröhre. Mhd. gurgel, ahd. gurgula f., nach lat. gurgulio m. «Luftröhrey, wodurch das ältere mit dem lat. urverwandte ahd. querechela, querca f. Gurgel»(anord. Kverk f.) verdrängt wurde. Davon gurgeln, v., mhd. gurgeln, gorgeln «sich gurgeln, einen gurgelnden Ton hervor- bringenv. Gurke, f.(Pl.-n): Rankengewüchs und Frucht Cucumis. Bei Eber und Peucer 1549 E 1 b der Pl. Görken, 1558 K 8a Gurcken, 1616 bei Henisch Gurcken, Gorcken, Gurchen, im 17. Jh. A jarohe(Olearius pers. Reise- beschr. 103 b), nd. 1582 bei Chyträus und noch ostfries. Augurke, östr. Omorlce, dazu ndl. agurleje ckleine Einmachgurke», dän. agurkk. Ubernommen aus poln. ogurek m., russ. ogur'éci m., tschech. oMurka, lausitz.-wend. 781 Gurre Gymnasium 782 korka f., die auf spätgr. drꝑεοο n. Wasser- melone» zurückgehen. Vgl. Kuleumer. Gurre, f.(Pl.-n): schlechte Stute; schlech- tes Pferd. Mhd. und mnd. gurre, gorre f. Noch oberdeutsch und hessisch. gurren, v.: den Laut gurr von sich geben (von Tauben). Mhd. gurren vom Schreien des Esels. Vgl. girren. Gurt, m.(-es, Pl.-e), auch Gurtſe], f. (Pl.-en): Leibriemen, umfassendes Band. Md. im 14. Jh. gart m., mhd. nur in Zu- sammensetzungen wie übergurt m. Ober- gürtel», auch«Obergurt» beim Pferde, mnd.- mndl. gorde m., bei Luther Gurt f. Von gürten, v., mhd. gürten, gurten, gorten, ahd. gurten; dazu asächs. gurdjan, gurdan, mnd.- mndl. gorden, ags. gyrdan, engl. gird, anord. gyrda, dafür got. bigaërdan«umgürten», zu got. gairda f., anord. Görd f. Gürtels. Gleichen Stammes wie Garten(s. d.). 4[B L. Gürtel, m.(⁸s, Pl. wie Sg.), mhd. giirtel m. f., ahd. gurtil m. und gurtila f.; dazu (and. gurdisli) mnd. gordel n.(selten m.), afries. gerdel m., ags. gyrdel und gyrdels m., engl. girdle, anord. gyrdill m. Davon gürteln, v., 1691 bei Stieler gürtelen, mnd. gordelen; Gürtler, m.: Gürtelmacher, mhd. giirtelcere, gürtler. Gusche, s. Gosche. Guß, m.(Gen. Gusses, Pl. Güsse): das Gießen; zum Gießen flüssig gemachtes Metall; PFlüssigkeit gegen die Räude der Schafe. In der 1. Bed. mhd. ahd. gug m.(Gen. gugzes). ZUs. Gußeisen, n., 1775 bei Adelung. Gustav, Mannsname, aus schwed. Gustav. Gusto, m.(*s): Geschmack. Bei Herder 1, 305, Goethe 17, 35 und Briefe 1, 165. Aus gleichbed. ital. und span. gusto, von lat. gestαν m. gut, adj.: freundlich verbunden, zugeneigt; den Sinnen angenehm; die nötige Vollkommen- heit habend usw. Mhd.-ahd. guot, md. gäüt, göt, auch«passend, tauglich, tüchtig»; dazu asächs.-afries. gõd, mndl. goed, ags. 90d, engl. good, anord. gõdr, schwed.-dun. god, got. 9O5s «gut, tüchtig, schöns. Gleichen Stammes wie Gatte(s. d.) und ahd. gatulinc, asächs. gada- ling, ags. gœædeling, got. gadiliggs m.«Ver- wandters, sowie mhd. gaten zusammen- kommen, vereinigen?, mhd. gater, ags. gea- dor, tõgœædere czusammen»; urverwandt mit abg. goditi«genehm seins, godini«genehmꝰ, god m.«passende Zeit». Urspr. Bed. wohl zusammengehörig, passend». Statt des Komp. besser(s. d.) mhd. auch guoter, md. ghter. RA. für gut nehmen damit zufrieden sein), mhd. für guot, verguot nemen. 43L. Gut, n.(Jes, Pl. Güter): Besitztum, überhaupt was uns dienlich ist, Grundbesitz. Mhd. ahd. guot n., asächs. 9ôd, ags. 9Od n.«Gutes», dann «Vermögen, Besitz, Landbesitz, afries. 9d, gued n.«Vermögen?. Dazu die RA. zu gule halten, kommen, tun usw. zum Vorteil, in guter Absicht», mhd. ze guote, ahd. zi guote. Güte, f., mhd. güete, md. güte, ahd. guoti f.; dazu asächs. gödi Gütes, got. 90dei f. Tüchtigkeit, Tugend; gütig, adj., mhd. güetic, md. gütic; Gütigkeit, f., mhd. güe- tichait, guùetikeit; gütigen, v., in begütigen, 1488 güetigen. güten, v.: gutmachen, mhd. güeten, ahd. guaten, nhd. in vergüten. Gut- heit, f., mhd. guotheit f. Güte». gütlich, adj., mhd. guot-, gietlich, ahd. guoflih, an- geglichen guollih«gütig, freundlich», auch «ruhmvoll, herrlich»: dazu asächs. gõd-, guοd- lic«glorreich, herrlich», afries. gödlilik, ags. gõdlic. ZUS. Gutachten, n., 1616 bei He- nisch. gutartig, adj., bei Henisch. Gut- dünken, n., bei Luther, spätmhd. guot- dunken n. Guthaben, n., 1808 bei Campe. gutheißen, v., 1601 bei Albertinus Kriegs- leut Weckuhr 46 b, auch als Subst. gut- herzig, adj., mhd. im 14. Jh. guothertzig nebst guothertzikeit f. gutmütig, adj., 1796 bei Adelung. Guttat, f., mhd.-ahd. guot- tät, guotãt f., ags. gõddcòd f.; guttätig, adj., mhd. guottœtec; Guttätigkeit, f., 1616 bei Henisch. gutwillig, adj., mhd. guotawillic, ahd. guotevillig, asächs. gõchillig; Gutwillig- keit, f., md. im 14. Jahrh. gtewillikeit f. 2ZUS. mit Gut: Gutsbesitzer, m., 1808 bei Campe. Gütchen, n.(-s, Pl. wie Sg.): Kobold. Bei Goethe Faust 5848. Mhd. gütel, güttel m. Kobold», Dim. von Gott(s. Götze), wie md. im 14. Jh. gofechen n. und mhd. gole- lin n. ckleiner Gotts». Guttapércha, f.: Ledergummi von Su- matra, eingedickter Milchsaft des Baumes Isonandra gutta, aus dem Malaiischen, wo gutta«Gummi, Balsam», percha der Name jenes Baumes. Gymnäsium, n.(-s, Pl. Gymnasien): Gelehrtenschule. Aus gr.-lat. gymnasuem, gr. Tuuvdcioy n. cöffentlicher Platz zu Leibes- übungen», die nackt(gr. fuuvöc) angestellt wurden, dann auch Versammlungsort der Philosophen», daher als Name für Gelehrten- schulen von den Humanisten des 15. und 783 ha! 16. Jh. eingeführt. Gymnasiäst, m.(-en, Pl.-en): Gelehrtenschüler, 1667 in Gepflückte Finken S. 4. Dagegen Gymnästik, f.: Kunst Habe—7 84 der Leibesübungen, Turnkunst; gymnä- stisch, adj.: die Körperübung betreffend, 1575 bei Fischart Garg. 280 gimnastisch. H ha! Interj. der Verwunderung, Freude, des Lachens, Schrecks, Hohns usw. Mhd. häl als Ausdruck des Lachens wie des Zorns; nhd. auch mit Gen. verbunden(Klopstock Od. 2, 189); franz. ha! Vgl. haha. Haar, m.(es, Pl.-e): Flachs. Nur noch bayr. österr. Mhd. har, ahd. haru, haro m.(Gen. haries); dazu afries. her, anord. hörr m.(Dat. hörvi), dän. hör. Die Her- kunft ist unsicher, da unklar, ob r auf oder s zurückgeht. Vielleicht zu 3Haar oder zu Hede(s. d.). Lat. cãrere«kratzen, krümpeln» kann verwandt sein. ¹Haar, f.(Pl.-en): Höhe, Berg. Bei Freiligrath(1877) 2, 263 u. 3, 15, aus westfàl. här f., älter har. Daneben aus gleichem Stamm westfäl. härd f.(s. Hart). ² Haar, n.(-es, Pl.-e). Mhd.-ahd. här n. (Pl. mhd. här, auch umgelautet hœr und hœærer, ahd. hãr und härir); dazu asächs. här, ndl. haar, afries. hér, ags. hr n., engl. hair, anord. häãr, schwed. här, dän. haar n. Der Pl. Haare im 15. Jh. bei der Hätzlerin 80a und bei Luther; obersächs.-thüring. auch der Sing. Haare f. vom einzelnen Haar(Frau Schlampampe Leben 8). Die Herkunft ist unsicher. Gewöhnlich gestellt zu anord. haddy- (aus rhazda) m.«Kopfhaar», namentlich der Frauen, abg. kosmi m. und kosa f.&ᷣHaarꝰ, desati«kämmen», lit. kasi f.«Haary, lat. cãrére«Wolle krämpeln», ir. cass«gelocktes Haary. Nach Detter ZfdA. 42, 55 ist diese Ableitung wegen des mangelnden a-Umlauts im Nordischen unmöglich, die germ. Grund- form würe hér, was er zu gr. xeipeiv«scheren stellt. Anderseits könnte lit. Seris m.«Borste 9, Sérlis«haareny verwandt sein. 4 BL.haaren, hären, v. refl.: die Haare gehen lassen, sie verlieren; oberd. haaren, v. trans. craufen», um 1480 im voc. inc. teut. i 1b haren die Haare ausraufen». haaricht, haarig, adj., im 15. Jh. hericht bei Diefenbach gl. 435 à, haaricht 1616 bei Henisch 1009, 55, harig 1482 im voc. theut. n 7 b; dazu ags. hëriht. hären, adj.: von Haar gemacht, mhd. härin, hœrin. ZUS. Haarband, n., mhd. härhant. Haarbeutel, m., als Männertracht 1734 bei Weber 331: in der Bed.«Rauschy 1775 bei Adelung und bei Lichtenberg in der Methyologie. Haar- boden, m., im 17. Jh. bei Grimmelshausen Simpl. 2, 311, 22 Kz. haarklein, adj., 1658 bei Schoch Stud. Haarnadel, f., 1596 bei Hulsius, zum Kräuseln des Haars 1537 bei Dasypodius. haarscharf, adj., 1724 bei Pistorius Thesaur. par. 7, 69. Haarstern, m.: Komet, 1689 bei Lohenstein Armin. 1, 571; dafür bei Dasypodius 1537 haarechtiger Stern. Haarstrang, m.: die Pflanze peucedanum, mhd. härstranc. Haarstrich, m.: haarfeiner Strich, noch bei Campe 1808 fehlend. Haar- tour, f., 1775 bei Adelung,«falsche frisierte Seitenhaare». Haarwachs, n.(selten m.): sehniges Ende des tierischen Muskels, als haarartig gewachsnes Knochenband verstan- den, spätmhd. 1427 harzwachs, sonst im 15. Jh. haarwachs m. f. n., oberschwäb. haurwachs, dazu ndl. im 16. Jh. haerwachs bei Kilian; aber Haar- scheint hier urspr. mhd. har m. Flachsy(s. 1Haar), wozu Flachsader und Flechse(s. d.) stimmen. Haarrauch, m., s. Herauch. Habe, f.(ohne Pl.): Besitz. Mhd. habe, ahd. haba f.; dazu mnd. und mndl. have, afries. have f. Die Verbindung Hab und Gut(1537 bei Dasypodius) bedeutet:«bewegliches und unbewegliches Eigentum), als Neutrum bei Lichtwer Fab. 2, 20, Schiller Kab. 5, 1. Von haben, v.(Präs. habe, hast, hat, Prät. hatte, Konj. hätte, Part. gehabt), mhd. haben, zu- sammengez. hän, ahd. habén, spät auch haban und habön; dazu asächs. habbian, hebbian, mnd.-mndl. hebben, afries. habba, hebha, ags. habban, engl. have, anord. hava, schwed. hafba, dän. have, got. haban. Eig. Bed.«halten⸗. Die Verwandschaft mit dem gleichbed. lat. habére ist oft bestritten worden, so wieder von Walde, sie besteht aber doch wohl zu Recht. Man muß von*Khabhé ausgehen. Entlehnung des germanischen Wortes aus dem Lat. scheint mir ganz unmöglich. Weiter dazu alb. kam cich habey. Jedenfalls ver- schieden von dem unter heben(s. d.) be- 7 85 Haber Hache 786 sprochnen Stamme. Das Wort biegt mhd. im Präs. habe, habest, habel usw., gewöhnlich aber, bes. als Hilfszeitwort zsgez. hän, häst, hät, hün, hät, hünt, im Prät. habete, gewöhn- lich z8sgez. häfe, später(mit Angleichung des b zu) hatte, Konj. hœte, héte, hete, später hette, im Part. gehabet, zsgez. gehãt(md. ge- hatt, alem. im 15. und 16. Jh. starkformig gehaben, gehün, noch schweiz. gha); ahd. im Präs. habém, habén, Prät. habéta, vereinzelt hapta, Part. gihabét; got. im Prät. habaida, Part. habaips; ags. im Prät. hœæfde, Part. hæfed. Dazu die imperativischen Bildungen Habe- dank, m., mhd. habedanc: Habenichts, m., mhd. habeniht; Haberecht, m., bei Lessing 2, 460, Weiße Lustsp. 1, 235. Haben, n., besonders in der kaufmännischen Ausdrucks- weise Soll und Hahen, Ubersetzung des lat. debet und credit. Ursprünglich hieß es: er soll(debet) und er soll haben(credit). 1791 bei Roth nur noch Haben. Habschaft, f.: was man besitzt. Im 17. Jh. ZUS. mit Habe: Habgier, f.: Gier nach Habe, 1796 bei Adelung; habhaft, adj., 1473 bei Halt- aus habhaft«mit Besitz verseheny»; Hab- seligkeit, f.(Pl.-en): alles was man hat, urspr. Fülle der Habe(Stieler 1691, dazu 1716 bei Ludwig das Adj. habselig«reich»); Hab- sucht, f., bei Hagedorn 1, 79 und Oden(1747) 62; habsüchtig, adj., 1768 bei Moerbeek. Haber, m.(-s, Pl. wie Sg.), üblicher(aber urspr. ndd. und md.) Hafer(in Preußen nur so), m.: Getreideart mit Rispen und langen spitzen Körnern. Mhd. habere, haber m. schwachflektiert(daher im 15. Jh. im Voc. inc. teut. und noch mundartlich Habern m., bei Luther Habern und Hafern, mit starker Flexion im 15. Jh. Städtechron. 5, 41, 5 Dat. haber, 2, 302, 16 Gen. haberns), ahd. habaro m.; dazu and. havoro, nd. und ndl. haver, anord. hafri m., aschwed. hagre(daraus ent- lehnt finn. Kakra), schwed. hafre, dän. havre, schott. haver, dafür ags. dte f., engl. oats; aus dem Germanischen entlehnt franz. haveron m. «wilder Hafer». Nicht von anord. hafr, ags. nœfer m. Ziegenbock»(lat. caper m.«Bock», gr. xüroc m.«Eber»), sondern zu ir. coirce, kymr. ceirch(Grundform*korkio aus*kokerio). Das germ. b muß aus g' entstanden sein, was trotz Zupitza Gutturale in einer Reihe von Fällen ganz sicher ist. Weiter könnte gr. xdαεpuc«geröstete Gerste» dazugehören. Lite- ratur KZ. 40, 436. U0S. Haberfeldtreiben, n.: nächtliches Rügegericht in Oberbayern an Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. Sündern gegen die Volkssitte, häufig bei ge- schlechtlichen Vergehen. Nach Schmeller? 1, 1033 aus der Gewohnheit hervorgegangen, daß gefallne Mädchen abends von den Burschen des Dorfs unter Geißelhieben in ein Haber- feld und von da wieder nach Haus getrieben wurden. Haberrohr, n.: Hirtenpfeife, Rohr- pfeife, bei Günther 1048 und Hagedorn 0d. 89, Ubersetzung des gleichbed. lat. avéna f. Habergeiß, f.: Heerschnepfe, scolopax gallinago, um 1480 im Voc. inc. teut. k 63 habergeiß, so benannt, weil sie zur Begat- tungszeit hoch in der Luft einen einem fernen Meckern ühnlichen Ton hören läßt, also zu dem unter Haber behandelten Wort für Bockv. Habicht, m.(-s, Pl.-e): der Raubvogel accipiter. Mit angetretnem t bei Luther wie bereits 1470 im mlat.-hochd.-böhm. Wb. Ha- bicht, in einer Handschr. des Heinzelein v. Konstanz 474 aus dem 15. Jh. habeht, aber vorwiegend im 16. Jh. und noch oberd. Hahich, mhd. habech, habich, auch mit Umlaut hebech, hebich, ahd. habuh m.; dazu and. habuc(in Habuchorst), mnd. havelc, havik, afries. haul, ags. hafoc, heufoc, engl. haok, anord. hauer m., schwed. höl, dän. hög. Herkunft unsicher. Vgl. Zupitza Gutt. 102. Gewöhnlich vergleicht man russ. Xõbaν, kobéc m. Art Falkey. habilitieren, v.: seine Geschicklichkeit zum Lehramt an einer Hochschule bekunden. 1694 bei Nehring, aus mlat. habilitare«ge- schickt machen», vom lat. Adj. habilis«füg- sam, geschickty. Habit, m., auch n.(-s, Pl.-e): Anzug, Tracht; Kleid. 1571 bei Rot, in der engern Bed.«(Mönchs-) Ordenskleid» schon mhd. abit, habit m., mndl. ahbite, afries. habit, abit, aus franz. habit m.«Kleid, Ordenskleid», von lat. hahitus m. das Sich-haben, die Tracht». Habseligkeit, Habsucht, s. Habe. Habung, f.(Pl.-en): festes Anhalten, Anhaften; etwas, an das man sich anhalten kann. Bei Hebel Schatzk.(selts. Gesch.). Mhd. habunge f. cdas Sich-halten, Sich-äußer- lich-zeigen», ahd. habenga f.«Aufhalten, Auf- enthalt, Wohnung»(Glosse zu Sir. 24, 16). Von haben(s. d.) in der Bed. chalten. Hache, m.(-n, Pl.-n): junger Bursche, verwegner Kerl(veraltet); Habgieriger(in Mittel und Oberdeutschland, dazu das Adj. hachig«überaus habgierig»). In der 1. Bed. mhd. hache m., so noch bei Bürger und Novalis, sowie als scherzhafter Schimpfname, den Kinder Erwachsnen geben, schweiz. Hach 50 7 87 Hachse Hafen 788 m., dazu Hache f.«leichtlebige Dirne» bei gehacktes Stroh. In Mittel- und Norddeutsch- Fischart Garg. 437, spätmhd. hache m. junger land. 1517 bei Trochus K 4 b heckerling. In Bursche, Kerly. Dazu der ahd. Eigenname Hahho, Hahcho. Vielleicht zu hacken in der Bedeutung«kämpfen», also eig.«Käümpfer» oder mit Hecht verwandt, das auch in der Bedeutung junger Bursches vorkommt. Hachse, Hechse, f.(Pl.-n): Kniebug, bes. des Hinterbeins, mit den Sehnen. Mhd. Eber. kauhse, hehse, ahd. hahsa f., namentlich vom schwäb. Heckel m.«Eber», berheckel«Ebery, Pferde; dazu mnd. hesse, hasse, afries. hoxene f. Urverwandt mit lat. coxa f. Hüftey, ir. c088 «Fußy, aind. kälgas, aw. Kasa- m.«Achsel- grube). Hack, s. Mack. Hack(e)brett, n.(—s, Pl.-er): Brett zum Kleinhacken mancherSpeisen; dreieckiges Ton- werkzeug, dessen Drahtsaiten mit zwei vorn gekrümmten Holzschlägeln geschlagen wer- den, mit hackendem scharfen Anschlage. In der 1. Bed. im 15. Jh. hachprett,-bret(Diefenb. teut. kéb und 1477 clevisch hackbret, mndl. hacke-, hackberd. ¹Hacke, f.(Pl.-n), auch Hacken, m. (-8, Pl. wie Sg.): Ferse; Absatz an Schuh oder Stiefel(1715 bei Amaranthes Hacke im Strumpf). Ein md. und nd. Wort, im 12. Jh. haken calces⸗(Steinmeyer-Sievers 3, 439, 58), im 15. Jh. hacken m.(Serapeum 5, 34); dazu clevisch 1477 hacke, ndl. hat f. «Fersey. Verwandtschaft mit hacken ist un- gleicher Bed. Häücksel, n., auch m.(-s), 1540 bei Alberus dict. Bb 42 und tt 1 b Hael, 1596 bei Colerus 9, S und 10, 10 Hexel m., dafür mnd. 1515 hackeltze. Beide Wörter von hacken(s. d.). Hacksch, m.(-es, Pl.-e): unverschnittner In Mitteldeutschland, im 17. Jahrh. Hackisch, Haclesch m.; gleichen Stammes wie 1468 bei Diefenbach nov. gl. 379a, mhd. hagen m.«Stier, Zuchtstier), bei Dasypodius 1537 Hag, noch schweiz. Hagen, Hegel und schwäb. Hag, Haigel m. Zuchtstiery. Vgl. heckcen. 4B2. hakschen, v.: Zoten reifßen. In Mitteldeutschland und studentisch. ¹Hader, m.(-s, früher auch-/, Pl.-n): zerrißnes Zeugstück. Mhd. hader m.(auch schwach hadere), ahd. hadara f.; Nebenform mhd. hadel m., daher entlehnt franz. haillon m. gl. 27²), in der 2. Bed. um 1480 im Voc. inc. Lumpen». Dazu and. hathilin adj. chadern, lumpichty. Vielleicht urverwandt mit gr. Kéyrpu m., lat. cento m.«aus Lumpen ge- wahrscheinlich. Zu ags. höoh m., héla m., engl. heel, hough, afries. hela, heila m., anord. hcoll m.«Ferse» kann das Wort aber auch nicht unmittelbar gehören, da diese auf hanh-weisen. ¹Hacke, f.(Pl.-n): Axt(süddeutsch); Werkzeug zum Behacken der Erde. Mhd. in beiden Bed. hacke f.; dazu 1477 clevisch hack, engl. hack«Spitzhacke⸗. Von hacken, v., mhd. hacken; dazu afries. harig(in fohalcia szerhacken»), ags. haccian, engl. hack. Wohl gleichen Stammes wie hauen(s. d.), da auch sonst öfter ein k aus w entstanden ist, vgl. Cuecksilber, doch kann auch eine Wz. hafr zugrunde liegen, die möglicherweise mit hecken verwandt ist, das die Bedeutung«stechens gehabt haben kann. Hackelwerk, n.(-s, Pl.-e): Zaun, Um- unung eines Gehöftes. Norddeutsch, gleichen Stammes wie Hag, Hecke(s. d.); mnd. im 15. Jh. Rakelzwerk, in md. Form im 14. Jh. mndl. havene, nndl. haven f., ags. hœfen, hœfene f., engl. haven, anord. höfn f.(Pl. hafnir), hachelwwerc n. umzüuntes Vorwerk». Häckerling, m.(-s): zu Futter Klein machter Rock», aind. kanthäã f.«zusammen- geflicktes Kleido, die nasaliert sind. Armen. kotor«Hadery zeigt keinen Nasal. ZU(S. Haderlumpen, m., bei Luther, persönlich spätmhd. haderlump m. Lumpensammler, Mann in zerlumpter Kleidungs. *Hader, m.(-s, ohne Pl.): Streit, Zwist. Spätmhd. im 14. Jh. hader, bei Luther Hadder. Gleichen Stammes wie ahd. hadu-, ags. headh- «Kampfy in Zusammensetzungen(ahd. Hadu- zig«Hedwig»(s. d.), Hadubrant), anord. Hödr«der blinde Gott des Kriegsglückes, Balders Bruders», und Höd«Name einer Wal- küre»; urverwandt mit abg. kotora f.«Kampf» (aus dem Germ. entlehnt?), ir. cath m. Kampf, aind. gãtrus«Feind», und vielleicht gr. öroc m. Grolly. Vgl. Haß. 4 BL. hadern, v., spätmhd. hadern, davon Had(e)rer, m., um 1480 im Voc. inc. teut. k 6b haderer, md. im 14. Jh. hedderer, hederer. ZUS. haderhaft, adj., 1650 bei Haltaus 771, hadderhaftig bei Luther. Hadersucht, f., 1678 bei Krämer, das Adj. hadersüchtig 1641 bei Schottel 369. Hafen, m.(-s, Pl. Häfen): Sicherheits- bucht für Schiffe. 1517 bei Trochus T 5a have, 1537 bei Dasypodius Haaufe, 1561 bei Maaler Meerhaffen m., aufgenommen aus nd. haven, have, mnd. havene, have m. f.; dazu 789 Hafen schwed. hamn m., dän. haun; entsprechend dem mhd. habene, haben f.«Schiffsländen, neben habe f. und hap n. Hafen, Meerꝰ. Gleichen Stammes wie Haff(s. d.). Dazu vielleicht mir. can Sechafen» aus*opno. ²Hafen, m.(*, Pl. Häfen): tiefes Ge- schirr, Topf. Oberdeutsch. Mhd. haven, ahd. hafan m., eig. Behälter, worin etwas gefaßt oder behalten wird», vgl. haben. Davon Hafner, m.: Töpfer, im mrhein. voc. ex quo 1469 hefener, mhd. havencæere, ahd. hafanãri m. Hafer, s. Haber. Haff, n.(es, Pl.-): Ostseebucht als innres Meer(daz keurisch hab skurische Haffy im 14. Jh. bei Suchenwirt 4, 457, dag vrische hab Livl. Chron. 3830). Aus dem Niederdeutschen, mnd. haf m. n.«Meer, Sees; dazu afries. hef n., ags. hœf n., anord. und schwed. haf n., dän. hav«Meer, offne See». Vgl. Hafen. Daß die beiden Wörter zu lat. capio cfassenꝰ, und heben(s. d.) gehören, ist kaum wahrscheinlich zu machen. 1 Haft, m.(-s, Pl.-e, auch Haften, bayr. Häfle): Vorrichtung zum Festhalten, Haken. Mhd. haft m.(Pl. hefte), ahd. haft m. n.(Pl. hafta)«Haken, Band, Fesseln; dazu ags. hœft m., anord. hapt n.«Fessely. Gleichen Stammes wie heben(s. d.). 2Haft, f.(selten Pl.-e): Festnahme, Fest-, Gefangenhaltung. Mhd. haft f., daneben ahd. hafta f.«Verbindung», andfrk. hafta f. Ge- fangenschaft, Gefängnis». Zu dem in heben (s. d.) vorliegenden Stamm. sHaft, m. n.(*, Pl.-e,-en): die Ein- tagsfliege, ephemera. 1748 bei Haller Ged. 204 als Bezeichnung am Niederrhein; 1730 bei Frisch Insekten 8, 14 wann es(Ufer-Aat) die Hollãnder Hafft heißen, so geschieht es, weil diese Fliegen so dick fliegen, daß sie an den geteerten Schiffen hafften und hangen bleiben. Paft, Suffix an Adjektiven: haltend, wor- an haftend, habend. Früher auch selbstän- diges Adj. mhd. ahd. haft egefangen, gefesselt, festsitzend, haftends, im Mhd. auch ceinge- nommen wovon, besessen, wozu verbunden, verpflichtety; dazu asächs. Raft«gefesselt, festbleibend⸗, ags. hœft«gefangen,, anord. haptr m. Leibeigner», got. hafts«behaftet, gebunden», genau entsprechend lat. caplus cgefangen», gall. captos«gefangen,, air. cacht «Dienerin», kymr. caeth«Gefangner, Diener? (S. heben). Davon-haftig, Adjektivsuffix, mhd.-haftec, ahd.-haftig, afries. NRaftkich, heftich. Hagel 2790 haften, v.: woran befestigt sein, fest hangen bleiben; gewährleisten(Haltaus 772 aus dem 15. Jh.). In der 1. Bed. mhd. haften, ahd. hafton, asächs. hafton, von dem ahd. Adj. haft(s. haft). Hag, m.(-es, Pl.-e): umfriedigendes Ge- büsch; dichtes Gebüsch; Hain. Mhd. hac m. n. (Gen. hages)«Umfriedigung, Einhegung, Dorn- gebüsch, dichtes Gebüsch, eingehegter Ort, Park, Wald», ahid. hag, hac m.«Einhegung, Stadt»(vgl. die Ortsnamen auf-hag,-hagen); dazu ndl. haag f. Hecke», ags. haga m.«Um- zunung, Grundstück, Haus», engl. hauo«Ge- hege, Gärtchen», anord. hagi m., schwed. hage Umzäunung, Weideplatz», adän. hage Hecke». Gleichen Stammes wie Hagen, Hain, Hecke (s. d.); urverwandt mit agall. caium«Geheges, kymr. cae«Einfassungy, lat. cohzus«die Höh- lung an der Wage des Pfluges, wo die Deichsel eingefügt wird. Vgl. Walde. ZUS. Hag- apfel, m.: Meerkirsche, 1482 im voc. theut. n 3 b hagen apffel. Hagebuche, f.: Weiß- buche, im 15. Jh. hagbuoch, daneben mhd. hagenbuoche, woraus Hainbuche(s. d.), beides in urspr. Bed.«zu Umzäunungen verwendete Buchey, ahd. haganbuohha; davon hage- büchen, adj., mhd. hagenbäechin, zsgez. hün- buchen, noch md. hahnebüchen, bes. in der Bed. derb». Hagebutte, auch Hain- butte, Hambutte, f.: Fruchtknopf der Hagerose, im 15. Jh. hagebute, zsgez. lübutte (Diefenbach gl. 125 a), 1482 im voc. theut. n 6 hänpote(in hanpotenpaaom) und n 3 hagen- putz, mhd. bloß butte f., eins mit Buttzen (s. d.)«Kerngehäuse des Obstes». Hage- dorn, m.; der Weißdorn, mhd. hagen-, hage- dorn m.; dazu ags. hœghorn, engl. hathorn, anord. hagporn m., norw.-schwed. hagtorn. Hageiche, f.: Heckeneiche, 1541 bei Frisius 1164 b Hageych. Hagerose, f.: Heckenrose, 1541 bei Frisius 623 b der Pl. Hagrosen, 1540 bei Alberus dict. FF 3 b hagn rosen. Hagel, m.(-S, Pl. unüblich): aus den Wolken niederschlagende Eiskörner; kleinge- hacktes Blei und Eisen zum Schießen(Soltau Volksl. 216 von 1516). In der 1. Bed. mhd. hagel, ²sgez. häle, hail, hél, ahd. hagal m.; dazu asächs. hagal, mnd. und ndl. hagel, ags. hagal, hagol und hcægel m., engl. hail, anord. schwed.-dän. hagl n. Wohl urverwandt mit gr. dxAnE m.«Steinchen, Kiesel». Das einzelne Hagelstück hieß mhd. und älternhd. hagel- stein und kisel(noch oberd.), ags. hagolstän, engl. hailstone, anord. haglsteinn m. neben 50* 791 Hagen hagllorn n. 4 BL. hageln, v., mhd. hagelen, mndl. hagglen, daneben älternhd. kiseln, noch md. und oberd. kisseln. Z0S. hageldicht, adj., bei Wieland Ob. 3, 15. Hagelgans, f.: Schneegans, wilde Gans, mhd. hagelgans, ahd. hagilgans f.«Wasserhuhnꝰ, dann(durch Uber- tragung)«Birk., Haselhuhnꝰ(dafür ahd. hasil- gans), endlich«die Schneegans», und zundächst benannt, weil das Wasserhuhn durch Geschrei am Morgen und Auffliegen aus dem Wasser (1557 Heußlin Vogelb. 22 5) oder durch Unter- tauchen(Schiller Tell 1, 1) Gewitter und Regen ankündigt. Hagelschauer, m., mhd. hagelschur, ags. hagolscr m. Hagelschlag, m., spätmhd. im 15. Jh. hagelslach. Hagel- wetter, n., 1678 bei Krämer. Hagen, m.(-s, Pl. wie Sg.): lebendiger Zaun. Bei Bürger 233, noch niederd.; aber schon mhd. hagen m.«Umfriedigung, Ver- hau, Dornbusch, umfriedigter, umliegter Ort⸗, ahd. hagan m.«Dornstrauch zur Umhegungy; dazu and. hagan m.«Art Dornstrauch», mnd. hagen m.«Hecke, Gebüsch, Einfriedigung zu Schutz und Verteidigung, umhegter Ort», schwed. hägn, dün. hegn, von ahd. hac m. Hag»(s. d.). Vgl. Hain. hagen, v.: behagen(s. d.). Bei ndd. Schrift- stellern(Göttinger Musenalm. 1779 S. 88); and. hagan(?), mnd. und md. hagen, afries. hagia. hager, adj.: dürr, mager, schmalleibig. Um 1300 md. hager(Heinrichs Tristan 5110, Altväter Darmstädter Bruchst. Bl. 1⁰), 1618 bei Schönsleder mit Umlaut häger; dazu mengl. hagger, engl. haggard chager». Dafür oberd. rahn(s. d.). Nach Zupitza 104 zu aind. hrgäs cabgemagert, hager, schwäüchlich 9, aw. korasa-«magery. Anders 7Zfd W. 7, 267. 4B1L. Hagerkeit, f., 1691 bei Stieler. Häger, m.(-s, Pl. wie Sg.): Sandhügel in Strömen, bes. an deren Mündung. 1697 bei Besold Thesaur. 1, 418 Heeger. Nach J. Grimms Vermutung eine Nebenform zu Hõcker. Hagestolz, m.(es, Pl.-e): unverheiratet Gebliebner. Schon mhd. hagestole(Urkunde von 1284 bei Mone Anz. 3, 16), umgebildet aus mhd. hagestalt, ahd. haga-, hagustalt, haga⸗- stolt m. Junggesell Verbliebner, Diener, in Lohndienst Stehenders»: dazu asächs. haga- stald, hagastold m.«Diener, Mann überhaupt», and.«proselitis, im 16. und 17. Jh. an Hof an- gelehnt nd. hove-, havestolt, ags. hœg⁹̃-, hagu- steald m. unverheiratet Gebliebner, Kriegs- 1 Hahn 792 dienst Leistender, Kriegery. Ursprünglich Adj.: ahd. hagastalt lip«eheloses Leben», hagastalt man«Lohnarbeitery, ags. hœægsteald ckämpfend», wonach die älteste Bed.«als Diener und zwar unverheiratet und kinder- los auf einem Hag(s. d.), d. i. einem kleinern Grundstück, einem Nebengrundstück seßhaft): der zweite Wortteil gehört zu got. staldan cpesitzen?(s. gestalt). Nach altem deutschen Erbrechte ging das Hauptgut mit der daran haftenden väterlichen Gewalt auf den Erst- gebornen über, während den jüngern Söhnen nur Nebenländer und damit Abhängigkeit von dem Erstgebornen zuteil wurde. haha! Interj. der Verwunderung und Freude, auch lautes Lachen, mhd. hahãä, im 15. Jh. bei Eyb Plaut. 80, 12 hiha! Häher, m.(ss, Pl. wie Sg.): ein häßlich schreiender Waldvogel. Bei Luther Heher, 1557 bei Waldis Es. 1, 29 Häher m., mhd. heher f., ahd. hehara f.; dazu mnnd. heger, heiger m., ags. higera, higora m.«Häher, Spechty, anord. hegri m.«Reihery. Dazu mit s-Anlaut norw. sk*järe, schwed.-dial. sker, skcür, skärd. Vgl. Falk-Torp. Vielleicht verwandt mit gr. wicca f.«Häher»(aus*Krjο), aind. kikidivig m.«blauer Holzhäher», also laut- malend, oder zu aind. gikharäs aspitzigy. Dann wäre der Häher nach seinem spitzen Kopfschmuck benannt. Hahn, m.(-es, auch-en, Pl. Hähme, auch Hahnen): Männchen des Hühnergeschlechts; Männchen auch andrer Vögel(Gellert 3, 461); Wetterfahne(1514 bei Keisersberg Schiff d. P. 37); dem Hahnenkopf Xhnliches z. B. am Fasse(1510 bei Keisersberg Seelenpar. 51 Hän m.), an der Wasserleitung(im 15. Jh. bei Tucher Baumeisterb. 168, 4), am Flinten- schlosse(1575 bei Fischart Garg. 286); bild- lich: kühner, kecker Kerl(Murner luth. Narr 2155, Keisersberg Brösamlin 2, 71 b). In der 1. Bed. mhd. han, hane, ahd. hano m.; dazu asächs. hano, ndl. haan, afries. hona, ags. und got. hana, anord. hani m., schwed.-dän. hane. Gewöhnlich wird als urspr. Bed.«Singer» (vgl. Otfried 4, 13, 36 ér thaz huan singe cehe der Hahn kräht») angenommen, wie abg. petlu m.«Hahn» von abg. peti«singenꝰ, lit. gaidis m. Hahny von lit. giedôti«singen»; urver- wandt mit lat. canére«singen?, air. canim cich singen, gr. m-kavéc«Hahn»(bei Hesy- chius). Doch liegt viel eher ein altes selb- ständiges Wort vor, zu dem auch lat. ciconia f. «Storch» gehört. Die Biegung ist urspr. 793 Ha schwach: mhd. Gen. hanen, Pl. hanen, sie dauert bis ins 18. Jh.(Göthe 2, 267, Schu- bart 2, 253) und ist noch oberd.; die starke Flexion tritt seit dem 16. Jh. auf, bei Keisers- berg der Pl. hen, hän, bei H. Sachs 9, 50 u. 59 der Gen. deß Haans und Hanes. Vgl. Henne, Huhn. RA. der rote Hahn«wie ein Hahn vom Dach auffliegendes Feuer»(I. Sachs 9, 55). Hahn im Korbe(Facetiae facet. 164), eig.«das beste Stück unter dem jungen Hühner- volk im Hühnerkorbez, daher im 16. Jh. der best Han im Korhb(H. Sachs 21, 261, Fischart Bienenk. 131 b). ZU0S. 1) mit dem schwachen Gen. Hahnen-: Hahnenbalken, m.: First- balken(worauf der Hahn sitzt und kräht), mhd. hanenbalke, auch hanboum m. Hahnen- feder, f., bei H. Sachs 9, 125. Hahnenfuß, m.: die Ranunkel, mhd. hanen-, hanevuoz, ahd. hanefuoz m., der Name wegen der dem Fuß eines Hahns ähnlichen Gestalt des Blattes der Pflanze. Hahnenschrei, bei Luther. Hahnensporn, m., 1664 bei Duez Hahnen- spohr. 2) mit Hahne-, Hahn-: Hahnekamm, mn., im 15. Jh. bei Diefenbach gl. 158 b hanen-, hanekamp; als Pflanzenname mhd. hanenchanp. Hahnkräh, f.(Herder von deutscher Art und K. 101), 1572 bei Fischart Großm. 25 Hanen- kräh m., dafür mhd. han-, hanebrãt f., ahd. hanacrãt, asächs. hanocrãd f., ags. hancréd m., von Rückert 3, 294 erneuert Hankrat m. Hahnrei, m.(-S, Pl.-e): Mann einer un- treuen Ehefrau, ein urspr. norddeutscher Ausdruck, mnd. im 15. Jh. hanerei, hanreyge, in den Facetiae facetiarum 164 hahnreg, 1534 bei Luther 6, 161* J. ein Hanresr wie man in Sachssen redet; doch nach Beckmann Gesch. d. Erf. 2, 269 Hanrey schon 1322 als Beiname eines Augsburger Müllers. Bei Mathesius Sarepta 1562 2502 Hanrey m. f.«geschlecht- lich Ausschweifender oder Ausschweifendey: in der wahrscheinlich urspr. Bed. Kapaun 1670 bei Abele künstl. Unordnung 2, 309 Hadn- reh, 1717 bei Leibniz Collectanea etymolog. 1, 312 Hahnree. Das Wort, urspr. schwach biegend, scheint im zweiten Teil abgeleitet von mhd. reie, reige m. †anz»(s. HReihen), sder den Hahnentanz mitmacht»(vgl. Brant Narrenschiff S. 342 Z.). Vgl. Hörner au*setzen unter Horn. hahnebüchen, s. Hagebuche. Hahnepampel, m.: Schimpfwort für einen haltlosen, hin- und herfahrenden und zappeln- den Menschen. In Norddeutschland. Unbe- kannter Herkunft. Hai, m.(-es, Pl.-e): der gefräßige See- Hainbund 794 fisch squalus carcharias. 1658 bei Mandelslo Reisebeschr. 2, 13 Haye m., Pl. Haxgen, 1741 bei Frisch Häye m., aufgenommen aus ndl. haai f., anord. hãr m., schwed.-dial. hã m., dän. haa. Man vergleicht aind. çaokug m. cein best. Wassertiery», das auch die Bedeutung cspitzer Pflock, Holznagel» hat, wie auch anord. här«Rudernagel», so daß die doppelte Bedeutung schon vorhistorisch ist. ZUS. Haifisch, m., 1768 bei Moerbeek Hayfisch neben Hay. Haiduck, s. Heiduck. Hain, m.(-es, Pl.-e): gottgeweihter Wald (bei Luther); Hege-, Lustwald(bei Luther 1, 531 b Eisl.). Ein mitteldeutsches Wort. Im 14. Jh. hain m. cumhegter Platz, Ver- hau»(Jaroschin 25 d. 87²), 1338 hapn«um- hegter Wald(Weisth. 1, 498 aus der Gegend von Frankfurt a. M.), noch 1664 bei Duez Häin, Häine f. cune franche forest, où il west point permis d'abattre du bois, un bois, un bois consacré des payens, lucus», schon im 8. Jh. in dem Orts- und Bachnamen Hein- bach(Förstemann 2, 630) neben Hakxanpach, Hegenebah, wie noch in den md. Ortsnamen auf-hain; aus md. hagin, mhd. hagen m. «Einfriedigung, umhegter Orty(s. Hagen), wie auch md. häãn, haen«Dornbusch»(Diefen- bach gl. 192 b). Schon Tacitus Germ. 9. 39 f. berichtet von gehegten, einer Gottheit ge- heiligten Baumständen und Wäldern der Germanen. Hainbuche, f.(Pl.-n): Weißbuche. 1454 md. hainbuche(Weisth. 5, 251), 1521 hanbuche (1, 538), bei Luther Haynbuche, aus md. hagin- büche, mhd. hagenbuoche, ahd. hagan-, hagin- puocha f. Der Name daher, daß die jungen Stämme sich leicht zu Hecken, Zierbusch- werk u. dgl. ziehen lassen. S. Hagebuche und Hain. Hainbund, m.: vom 12. Sept. 1772 bis Ostern 1775 dauernder Dichter- und Freund- schaftsbund von Göttinger Studierenden, feier- lich gestiftet am Abende des genannten Tages unter einer schönen Eiche in einem kleinen Eichengrund auf der Rückkehr nach Göt- tingen, von einem auf das nahe Dorf Weende gemachten Ausfluge. Jene Jünglinge waren J. H. Voß, Hölty, Joh. Friedr. Hahn, Joh. Thomas Ludwig Wehrs, Joh. Martin Miller und dessen jüngrer Vetter Gottlob Dietr. Miller; nachträglich traten bei Boie, Christian und Friedr. Leopold Stolberg, Karl Fried. Cramer, Leisewitz. Sie nannte ihre Ver- 795 Hainbutte einigung Bund auch Hain im Gedanken an Hügel und der Hain» dem Hügel als Par- nassus entgegengesetzten Hain(des Hügels Cuell ertõönet von Zeus, Von Wodan der Quell des Hains), zugleich wohl in Hinweisung Aus beiden Be- nennungen erfloß später die weitre Hain- auf jenen Eichengrund. bund, die zuerst Voß S. XXIX der Vorrede der 1804 von ihm besorgten Ausgabe von Höltys Gedichten gebraucht. Hainbutte, s. Hagebatte. Hakatisten, Pl.: Angehörige eines Ver- eins zur Förderung des Deutschtums in den Ostmarken. Anfangsbuchstaben der drei Gründer Hanse- mann, Kennemann und von Tiedemann. Ende des 19. Jh. aufgekommen. Von häkeln, v.: mit einem Häkchen greifen (1691 bei Stieler héikelen); mit der Häkel- nadel arbeiten(im 19. Jh.). Von mhd. hcœel n., Dim. von Haken. An hükeln angelehnt, aber hervorgegangen aus heiklig(S. heilcel) häkelig, häklig, adj. schwer zu behandeln, bedenklich, 1775 bei Adelung. Haken, m.(-s, Pl. wie Sg.): halbkreis- artige Krümmung woran; gekrümmtes Ende zum Einhängen; Feuergewehr mit einem Haken am Schaft zum Auflegen auf eine gabel- förmige Stütze(spätmhd. Mitte des 15. Jh. hakenpüchse, 1529 bei Soltau Volksl. 1, 328 hachen, mnd. im 15. Jh. hakebzsse); Pflug, dessen zweischneidige Schar nebst den beiden Moltbrettern die Gestalt eines Pfeilwider- hakens hat(mhd. der polensche phluoc, der Rähe heizet), dann auch Feldmaß(mnd. im 14. Jh.). In den beiden ersten Bed. mhd. hülte, hüken, ahd. hãko, hügo, häggo m.; dazu and. hakko, mnd. hake, mndl. hoek, ndl. haal, ags. hbc m., engl. hoo, mit kurzem Stamm- vokal ags. haca m., schwed. hake, dän. hage Haken»(verschieden von got. höha m., ahd. TQucohili n.«Pflugs, aber wohl wurzelverwandt). Vielleicht verwandt mit lett. keg is m. Krücke» (vgl. anord. hœ³ja f. Krücke», ags. hœεcce f. Bischofsstab») oder mit lit. saens f.«Wurzeh. RA. die Sache hat einen Halcen cein Hindernis, 1575 bei Fischart Garg. 151 es hat ein häcklin. 4BL. haken, v., 1495 in der Kölner Gemma R 1° haken, im 15. Jh. hachen ckrümmen, beugen»(Diefenbach gl. 626b). Das Wort ist gebildet aus den hakicht, halb 796 hakig, adj., 1420 nd. haich(ebd.), ndrhein. den von Klopstock z. B. in seiner Ode Win- golf als Sinnbild der Dichtkunst gebrauchten, bes. aber in der 1767 gedichteten Ode cder im 15. Jh. haechetht(ebd.). hal, adj.: bis zur Saft- und Kraftlosigkeit ausgetrocknet oder austrocknend(1544 bei Luther ein holer Wind); dürr und mager. Westmitteldeutsch. Dazu nd. häl, hœl, ndl. haal«trocken, dürr, magery und mit anlaut. s- Schal«trocken, dürr, leck», schwed. Skäll cmager» und weiter gr. cAnpöc«trocken, dürr, mager». Vgl. Ehrismann Btr. 20, 63. Davon verschieden südd. hahl, hühl aglatt, schlüpfrigy, mhd. hœæle, ahd. häli, anord. häll, das zu hehlen gehört. ZUS. Halgans, f.: magre, ungemästete Gans(westmd.), dann Schelte für ein sich dumm und albern be- nehmendes Mädchen(Maler Müller 1, 128); verschieden von Halgans, der Verkürzung von Hagelgans(s. d.). halali! weidmünnischer Ruf bei der Hetz- jagd, wann der Hirsch abgehetzt nicht weiter Häkelei, f.: kleiner Zwist; Häkelarbeit. kann. Der Ton ruht entweder auf der vor- letzten oder auf der letzten Silbe. Aus gleich- bed. franz. halali, 1746 bei Döbel Jäger-Pract. 2, 98 ha la lit«ha da liegt ers. mhalb, halben, grundangebende Präp. mit Gen., hinter dem regierten Worte stehend. Mhd. halbe, halp und halben«auf Seiten, wegen, ahd. halb nachgestellte Präp. mit Gen., urspr. Kasus von Halbe(s. d.), mhd. halbe, und zwar halben der Dat. Pl., halbe und gekürzt halb, halp der Akk. oder Instr. Sg. Aus einer Vermischung des Subst. Halbe mit dem Adj. halb erwuchs des letztern erstarrte Maskulin- form halber als Präp. mit Gen., 1499 im Terentius deutsch 9a. halb, adj., einen Teil bei Teilung in zwei gleiche Teile bezeichnend, ½. Mhd. und ahd. halp, asächs., afries. und ndl. half, ags. healf, engl. half, anord. halfr, schwed. half, dän. halv, got. halbs. Zur Etymologie geht Persson KZ. 33, 289 von einer Wurzel«spalten» aus, die mit s-Anlaut in gr. ccökoꝶ m. Pfahl), lat. sculpo«grabe ein» vorliegt. Kluge ver- gleicht aind. kalpäjati«bringt in Ordnung, stellt richtig, verteilty. Wurzelverwandt ist vielleicht auch aind. ald f.«kleiner Teilo. In den Zusammensetzungen anderthalh(1 ½), dritthalb(2 ½) usw. schon mhd. und ahd., auch ags. ISer healf(1 ½), anord. halfr fjordi (3 ½). 4BL. Halbheit, f. bei Wieland 3, 150 von 1767. halbieren, v., mhd. hal- bieren neben häufigerm halben. halbicht (bei Wieland an Merck 1, 249«unentschieden, schwankend»), halbig(bei Lessing 3, 162 cun- 797 Halbe Hall 798 vollkommenꝰ), adj., bei Serranus 1538 halbig, 1564 bei Glaser Gesindteufel F 1² halbicht. 2Z0S. Halbbruder, m., 1641 bei Schottel 365; dazu afries. half broder, anord. half brõdir. halbbürtig, adj., 1691 bei Stieler. Halb- gott, m., ahd. und spätmhd. halbgot. Halb- insel, f., 1537 bei Dasypodius ein halb insel, 1678 bei Krämer Halbinsul. Halbjahr, n., mhd. halpjär; halbjährig, adj., mhd. halp- jœxric. Halbkreis, m., mhd. halb kreig (Diefenbach gl. 641). Halbkugel, f., 1678 bei Krämer. Halbmann, m.: Kastrat, Eunuch (Schiller Tur. 2, 1), spätahd. 1175 halpman. Halbmesser, m.: Radius, 1670 bei Sturm teutscher Archimedes Vorbericht. Halbpart, m.: Halbteilung, Hälfte, 1691 bei Stieler. halbrund, adj., 1678 bei Krämer, dafür spätmhd. im 15. Jahrh. halb sinzwel. Halb- scheid, f., das Halbgeteilte, Hälfte, im 14. bis 15. Jh. nrhein. halffscheit(Weist. 2, 354), ahd. halpgisceid. halbschlächtig, adj.: einen Halbschlag, eine Unterart bildend(Kant 10, 27); unentschieden, schwankend. halbschürig, adj.: unvollkommen(Lessing 7, 43 halbschie- rig), urspr. von der Schafwolle, die jährlich zweimal geschoren wird, im Gegensatz zur einschürigen. Halbspünner, m.: Halbbauer, wer nur ein halbes Gespann(2 Pferde) zur Bewirtschaftung braucht. In Norddeutsch- land. Halbstiefel, m., 1664 bei Duez. halbtot, adj., mhd. halptöt. halbwegs, adv.: einigermaßen, ziemlich, eig. Akk., mhd. halben wec, im 15. Jh. bei Rothe h. Elisab. 2042 halbaeg; 1734 bei Weber kalbaege und halbꝛwegs(verkürzt aus halbe Wege und halbes Weges). halbwüchsig, adj., bei Zacharià- 1, 250 halbwüchsigt. Halbzirkel, m., mhd. halb cirkil(Diefenbach gl. 641°). Halbe, f.(veraltet): Hälfte; Seite. Nur noch in Norddeutschland in der RA. aaf der, üůber die Halbe liegen. Mhd. halbe, ahd. halba f. «Seite, Gegend; dazu asächs. halba, afries. halwe, ags. healf f. Hälfte, Seitey, anord. halfa «rTeil, Familienzweig», got. halba f. Hälfte, Seitey. Es ist das Grundwort von ihalb und mit zhalb verwandt. Halde, f.(Pl.-n): der Abhang, Bergab- hang. Mhd. halde, ahd. halda f., von ahd. hald, mhd. halt. ags. heald, anord. hallr anieder- wärts schräglinig, geneigtv. Dazu got. wilja- halpei f.«Luneigung, Gunstꝰ, aind. Katakas m. Ring, Armband, Tal,, lit. at-kalté f. Rücken- lehne». S. Helling. Halfe, m.(Pl.-n): Halbbauer, im Gegen- satz zum Besitzer eines Vollgutes, am Nieder- rhein, wohl gekürzt aus Halfawinne, wie die aachen. Nebenform Halfer m. aus Halfawinner. Hälfte, f.(Pl.-n): einer von zwei gleichen Teilen. Abstraktbildung zu halb(s. d. ²). Geläufig bei Luther Helffte, Helfft f., aus md. und mnd. helfte f.(15. Jh., z. B. schlesisch 1421); dazu mndl. helft f., afries. halfte, helflte m., anord. helfä f. Mit andrer Endung im 16. Jh. halfptnoth f.(Stadtrechte v. Arnstadt), frühmhd. im 12. Jh. halfnot m.(Germ. 20, 41), ahd. halftanõd m.&Hälftey. Früher sagte man hd. Halbe f.(s. d.) und Halbteil n., mhd. halpteil m., afries. halfdel, haldel n.—Hälfte. Vgl. Halbscheid. 1 Halfter, f.(Pl.-n) m. n.: ledernes Kopf- zeug des Pferdes zum Halten. Mhd. halfter, ahd. halftra f.; dazu and. halefdra, nnd. halchter, halter, ndl. halster, ags. hœælftre f., engl. halter. Gleichen Stammes wie älternhd. Helb, mhd.- ahd. halb m., mnd. helve, helf, helft n. Hand- habe, Stiel», ags. hielf m., engl. helve«Axt- stiely. Vielleicht urverwandt mit lit. Kilpa Schlinge», kälpa f.«Querholz am Schlitten?, apreuß. kalpus«Rungenstock». 4BL. half- tern, v.: die Halfter anlegen, Anf. des 16. Jh. halffteren bei Diefenbach gl. 272². ² Halfter, f.(Pl.-n), richtiger Holfter oder Hulfter: Pistolenbehältnis am Sattel. Die Form Halfter seit dem 17. Jh., 1575 bei Fischart Garg. 353 Hulfter f., 1669 bei Grim- melshausen Simpl. 241 Pistolhulffter, 1775 bei Adelung Holfter f. In ältrer Bed. 1482 hulffter Köcher»(Voc. theut. p 2 b), mhd. hulft, ahd. huluft, hulft f. Hülle, Decke, auch«köcher- artiges Behältnis, ahd. satilhaulft(Diefenbach gl. 281 b), neben mhdâ.-ahd. halst f.«Hülley, got. hulisty n., ags. heolstor n. Hülle, Decken, islund. halstr n.«Futteral⸗, ndl.-engl. holster Holftery. Von hällen(s. d.). Halgans, s. hal. Halkyönische Tage: nach lat. dies halcyonii«ruhige Tage im Winter, an denen der Eisvogel(gr.lat. halcyon) brütet. 1757 bei Wieland. Vgl. Zfd W. 10, 34. Hall, m.(-es, Pl.-e): fortschwebender Schall, mhd. hal m. S. hell. 4 BL. hallen, v., erst 1440 auftauchend in thalend(Diefen- bach gl. 542 b), aber spärlich bis ins 18. Jh.; dafür mhd. hellen mit starker Flexion(s. hell). ZUS. Halljahr, n.: das Jubeljahr der Juden, zuerst bei Luther Halliar, der Name wegen des Halles der Hörner, durch den es ver- kündigt wurde(3. Mos. 25 und Jos. 6, 4— 6). 799 Halle Hals 800 ¹ Halle, f.(Pl.-n): offner Bau mit einem ploß auf Säulen oder Pfosten ruhenden Dache; von Säulen getragner Vorbau. Bei Luther häufig, seit der Mitte des 18. Jh. von Dichtern (Klopstock, Ramler) wieder erneuert. Aus gleichbed. md. halle(13. u. 14. Jh., Germ. 20, 41), ahd. halla f.«Tempels; dazu asächs. halla, ags. heall, engl. hall, anord. höll f., schwed. hall, dän. hal«Hallen; aus dem Ger- manischen entlehnt gleichbed. afranz. hale, nfranz. halle f. Ableitung von ahd. helan «verbergen, verdecken»(s. hehlen) ist un- wahrscheinlich, vielmehr entspricht das Wort nebst ndd. hille«Ort über den Viehställen, wo Gesinde und Kinder zu schlafen pflegen?, dem lat. cella f. Kammer, Zelle»(beide mit aus In). Verwandt sind noch gr. xid f. Hütte, Scheune, Nesty, aind. gãld f. Hütte, Haus, Gemachy, ir. cuile«Keller, Magaziny. ²Halle, f.: die Salzkote, das Siedehaus der Salzwerke. Im hallischen Talrecht aus dem 14. Jh. hallé f.«Salzwerk», mhd. hal n., wie noch schwüb.-bayr. Hall n., womit 2g8. mhd. 1130 halgräve m., ahd. halhts n.«Salz- werk», woraus schwäüb. Halles n.«Siedhausv. Nach den meisten neuern Forschern dasselbe Wort wie 1Halle, es ist aber mit V. Hehn Das Salz daran festzuhalten, daß in hal das idg. Wort Salz steckt und daß das Wort also aus einer Sprache entlehnt ist, die s in k verwandelte. Hallöre, m.(-en, Pl.-en): Salzwerkarbeiter zu Halle a. S., erst 1681 der Pl. Halloren(Dreyhaupt Saalkreis 1, 510), entstanden aus der burschikosen Wortbildung Hallorum(ebd. 1681), auch als Singular, wie Buckelorum, wohl umgestaltet aus einem 1668 belegten halurga«Salzwirker», einer Bildung aus gr. GXC«Salz» und einer Ableitung von epfov«Werk». Vgl. Gebhardt ZfdW. 10, 205. hallelüja, hallelüjah: gelobt sei Gott. Das hebr. hallelijäh,«preiset Jehovay, von Nillél«preisen», eig.«glünzen machen» und Jäh(= Jähoeh) Jahwe, Jehovay. Im deutschen Kirchenlied durch Luther, der Raleluia schreibt, kirchenlateinisch alleluja (so noch österreichisch). hallen, Halljahr, s. Hall. Hallig, f.(Pl.-en), auch Halling: kleine flache, gegen die Flut nicht geschützte Insel. Aus dem Ndd. Unklarer Herkunft. Vielleicht von hallig für haldig«geneigt». hallo! Zuruf des An- und Aufregens; subst. Hallõ, n.(*s, Pl.-es). Urspr. Zuruf an den Fährmann zum Überfahren(1471 in Weist. 1, 530 séss ein mentsche hinsit Meyms und riff dri male: hallo, hallof wolt der ferge ine dan nit halen, holen usw.), dann allgemeiner Ausruf zum Herbeirufen von Leuten, endlich Hetzruf an Hunde auf der Jagd(gleichsam zum Herbeiholen des Wil- des), in den beiden letzten Bed. auch engl. halloo. Das Wort ist Imperativbildung von halen cholen»(s. d.), mit dem nachdrück- lichen Suffix„d, verdunkelt-5(vgl. Rolla, euerjo). Hallre, s. 2Halle. Halluzinatiön, f.(Pl.-en): Art Sinnes- täuschung, Trugbild. Aus lat. halläcindtio f. Träumerei» im 19. Jh. Halm, m.(es, Pl.-e, fast veraltet-en): hohler Gras-, Getreidestengel. Mhd.-ahd. halm m.(Pl. mhd. halme und helmer, ahd. halma); dazu astichs.-ndl.-schwed.-dän. halm, ags. healm, engl. halm«Halmꝰ, anord. halmr m.«Strohy. Ubereinstimmend mit gr. k⁴½Bduοα(daraus lat. calamaus, aind. kalãmas) m.«Rohr, Schreib- rohr, Getreidehalmꝰ, lat. culmus«ᷣHalm», abg. slama f., apreuß. salme, lett. salms Halm. Spätmhd. auch die schwache Form halme m., woher der nhd. Pl. Halmen(Schiller 11, 352). Hals, m.(Gen. Halses, Pl. Hälse): zwischen Kopf und Rumpf befindlicher Teil des Körpers. Mhd. ahd. hals m.; dazu asächs.-ndl.-afries.- anord.-schwed.-dän.- got. hals, ags. heals m. Urverwandt mit lat. collum n., alat. collus (aus*ols-) m.«Hals', ir. coll«Haupts. Vgl. Uhlenbeck Btr. 30, 287. 4 B L. halsen, v., ahd. halsn, halséen und halsan, helsen, mhd. helsen und in starke Biegung übergehend halsen(Prät. hiels); dazu and. helsian, anord. halsa, engl. halse«um den Hals fallen». ZS. Halsband, n., mhd. halsbant. hals- brechend, Part., 1678 bei Krämer. Hals- eisen, n., mhd. halsisen n.«am Pranger befestigtes Eisenband, das dem ausgestellten Verbrecher um den Hals gelegt wurdey. Halsgericht, n.: hohe Gerichtsbarkeit und Gericht über Leben und Tod, md. 1302 bei Haltaus 785 halsgerichte m. halsstarrig, adj., bei Luther, mit Umlaut 1538 bei Serra- nus halß sterrig, eig.«die Halsstarre habend 5, dafür mhd. halsstarc, noch im 16. Jh. halpstarck (Dasypodius, Luther W. 6, 15), 1400 bei Lilien- cron Volksl. 1, 178a halsstarg; davon Hals- starrigkeit, f., bei Luther, im 15. Jh. bei Diefenbach gl. 430 halhßstarckait, 1482 bei Melber T 6 b halßsterckikeit. Halstuch, n., ahd.-mhd. halstuoch, afries. halsdox m. 801 halt Hämling 802 halt, Adv. der Bekräftigung: vielmehr, allerdings, eben, freilich. Mhd. und ahd. halt, asächs. hald, wie baß(s. d.) ein um die Endung verkürzter Adverbialkomparativ(zum ahd. Adv. halto«sehr»), der sich in mhd. haltir, halter, got. haldis, anord. heldr, dän. heller, cvielmehr» vollständigzeigt, noch österr. halter (auch bei Wieland 11, 221, Schiller Turandot 4, 7). Davon verschieden schles. haldich, hallich, henneberg. heillich, im Schelmuffsky(1697) 109 fg. halt ich dafür, als zwischengeschobener Bestärkungssatz. Das oberdeutsche halt wird auf dieses halt, 1. Sg. vom Verbum halten «meinen» zurückgehen. Halt, m.(Lels, Pl. e): Festigkeit, Stütze (1691 bei Stieler); festes Benehmen(Goethe 23, 178); das Anhalten(Opitz 2, 131); Hinter- halt(Voß Ilias 6, 189, schon spätmhd. im 15. Jh.). Von halten, v.(Präs. halte, hältst, hült, Prät. hielt, Konj. hielte, Part. gehalten, Imp. halt, halte): in Fürsorge und Aufsicht haben; festsein und-bleiben woran usw. Mhd. halten, urspr. Verbum des Hirtenlebens: ahd. haltan, halthan(Prät. hialt) c«hüten, als Hirte das Vieh?(Otfrid 1, 12, 1),«bewahren, ver- wahrenꝰ, asächs. haldan(Prät. held)«hüten, in Pflege haben, bewahren, fest haben, preisen, feiern», ags. healdan«bewachen, leiten, inne- haben, fest-, aufrechthalten⸗, engl. hold, afries. halda«beobachten, leiten, festhaben» usw., anord. halda, altschwed. halla, schwed. halla, got. haldan(Prät. haihald) chüten, wei- den». Man kann f als präsensbildend betrach- ten und als urverwandt aind. kaldjati«treibt, hält», gr. kéxecéoi antreiben, rufeny, keNerv «treibeny, Bouxéöxoc m. Rinderhirt», altir. büachaill«Hirt⸗ vergleichen. 4 L. Halter, m.: Hirt(bayr.), Haltender, Werkzeug etwas festzuhalten(Behälter 1663 bei Schottel), mhd. haltœre, halter m. firt, Beobachter, Be- wahrer, Erlöser, Inhaber», ahd. haltari m. Erlöser, Empfänger». Mit Umlaut Hälter, m.: Aufnahme- und Bewahrungsort, bei Frisch aus Alberus dict. 1540. haltig in gold-, reichhaltig, spätmhd. halteg«festhaltendy, ahd. nur in Zussetz. haltic«haltend. Hal- tung, f., mhd. haltunge f. Verwahrung, Ge- wahrsam, dann«das Verhalten. ZUS. halt- bar, adj., 1691 bei Stieler nebst Haltbarkeit. Haltepunkt, m., bei Goethe 35, 245. halter s. halt. Halünke, m.(m/, Pl.-n): nichtswürdiger Mensch. 1527 bei Waldis verlor. Sohn 879 Holunck cnackter Bettler», 1541 Hollunk Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. Bettler»(Germania 20, 68 bei Beschreibung eines Brandes in Prag), 1542 bei Alberus der Barfuser Münche Eulenspiegel No. 94 Hal- luche«verwildert aussehender Mensch», 1615 bei Wallhausen Kriegskunst zu Fuß 141 Hal- lunck«Nichtswürdiger», bei Fischart Pract. Großm.(1607) B 12 Holunck, noch bei Schiller Räuber 1, 2 Hollunkee. Wohl entlehnt aus böhm. holomel m. nackter Bettler, Nichts- würdiger», von böhm. holy;«kahl, nackt, bloß, arm. Anders H. Schröder Streckformen 11. Vgl. noch Kern ZfdW. 7, 307. Hambutte, f.(Voß Luise 1), s. Hagebutte. iHamen, m.(„s, Pl. wie Sg.): sackför- miges usw. Fangnetz. Mhd. hame, ham m., auch urspr.«Haut, Hülle, Kleidy, ahd. hano Hülle, Kleid in Lihhamo(s. Leichnam), eben- so asächs.-hamo in güd-, fedhar-, llhamo, ndl. haam Fischnetz, Kummet», ags. hama, homa, ham m., engl. hame«Kummet, Ge- schirrstöcken, anord. hamr m. Hülle, Haut, Balg», schwed.-dän. ham cabgestreifte Haut, Balgy. Dazu got. hamön kleiden», in af-, ana-, and-, ga-, ufarhamõn, anord. hamast «die Gestalt eines andern Wesens annehmen). Auberhalb des Germ. sind noch verwandt aind. cgam f.«Hülsenfrucht», çũõmauljäm n.«wollnes Hemd. Vgl. Hemd. ²Hamen, m.(*, Pl. wie Sg.): Angelhaken, Angelrute. Mhd. hame, ham m.(dazu das Dim. hamel n. Hükchen, kleines spitzes Werkzeug), ahd. hamo m., vielleicht urverwandt mit lat. hämus m.«Haken, Angelhaken, Angel». Vgl. aber Walde s. v. Im 16. Jh. Hame m. chölzerne gebogne Fessel zum Festhalten von Kühen und Schweinenv», noch westfäl. Ham und westmd. Hamen m. Pferdekumty, engl. hame«Kumt». Hamfel s. Hampfel. hämisch, adj.: versteckt boshaft mit Lust zu schaden. Mhd. hemisch, hamisch, im 15. Jh. hämisch, im 16. Jh. in gleicher Bedeutung heimisch und heimlich, aber mit diesem wohl nicht verwandt. Im 15. Jh. das mit Dat. der Person verbundne Adj. hem«zu schaden be- flissen, aufsässigy. Wohl von 1Hamen abge- leitet, eig.«mit einem Gewand bedeckt», dann «verhüllt),«versteckto. Hämling, m.(-s, Pl.-e): Verschnittner, Eunuch. 1486 Hemling als Verdeutschung von eunuchus, von Gottsched nöthiger Vor- rath(1757) 1, 39 angeführt, woher das Wort bekannt und dann von Lichtenberg, Wieland usw. gebraucht wurde; spätmhd. 1404 hembe- linc m.«Hammel»(s. d.). 51 80u Hamme Hamster 804 Hamme, f.(Pl.-n): Hinterschenkel, Hin- Hammerschlag, m.: Abfall des gehämmer- terkeule, bes. des Schweines. Noch oberdeutsch. ten Metalls, spätmhd. hamerschlag, im urspr. Auch Bezcichnung für verschiedne Teile der Sinne mhd. hamerslac. Hammerschmied, Sense, in verschiednen Teilen Deutschlands. m., mhd. hamersmit. Mhd. hamme, ahd. hamma f.(auch Kniekehle), Hämmerlein in Meister Hämmerlein, m.: dazu ndl. ham, ags. hamm f., engl. ham, anord. böser Geist, Teufel(1560 bei Neander Men- höm f.«Schenkel von Tieren. Wohl aus schenspiegel 12 b); Klopfgeist(Frisch 1741). *hanmä entstanden und verwandt mit gr. Ubertragen auf den Henker(1546 Meister xvüun f.«Unterschenkel, Schienbein, Wadey, Hemerlin) und Gaukler(Fischart Bienk. 150 b). air. cnãim Knõöchel». Eine verblaßte Personifikation des Donner- Hammel, m.(1s, Pl. Hämmel und Ham- gottes mit Beziehung auf sein Attribut, den mel): verschnittner Schaf bock. Mhd. hamel m. Hammer oder Donnerkeil. In gleicher An- (auch abgehauner Stock, schroff abbrechende wendung Meister Hämmerling: Teufel(1619 Felshöhe), unsicher ahd. hamal. Zu dem ahd. bei Scheräus Sprachenschule), Henker(16. Jh.), Adj. hamal«verstümmelt, einer Ableitung Possenreißer(1691 bei Stieler). von ahd. ham«verkrüppelt»(s. a. hemmen), wo- Hämmerling, m.: Emmerling, Gold- von ahd. hamalön, mhd. hameln und hamen ammer.(Zacharid Tageszeiten 1757 8. 20 u. Verstümmeln», ags. hamelian, engl. hamble 40). 1616 bei Henisch Hemmerling, mit vor- «lähmen», anord. hamba«verstümmeln, hem- getretenem h, wie mhd. im 13. Jh. hamere, men), norw. hamle«xrückwärts ruderny. RA. golthamere statt Ammer, Goldammer. wiederum auf besagten Hanrmel zeu kommen, bei Hämmling, s. Hämling. Kotzebue die deutschen Kleinstädter(Werke Hämorrhoiden, Pl.: die goldne Ader, 18, 62), 1575 bei Fischart Garg. 37 aber laßt d. i. Blutfluß durch den After. Im 18. Jh. uns wider auf unsere Hümmel kommen, über nach dem Pl. haemorrhoides des gr. Jut. hae- setzt nach Rabelais' retournans d nos moutons, morrhois f., gr. aiuoppoic«Blutfluß», zgs. aus zurückzuführen auf eine französ. Farce des gr. iua n.«Bluty und einer Ableitung von 15. Jh., Pavocat Pathelin von Pierre Blanchet, peeiv æfließen. in der ein Prozeß wegenunterschlagner Hammel Hampel, m.(-s, Pl. wie Sg.): Einfalts- verhandelt wird. ZUS. Hammelfleisch, n., pinsel. Oberdeutsch. Bei Luther 3, 3744 J. der um 1480 im Voc. inc. teut. h 8 b hameifleisch. Plur. Hempel. ZUS. Hampelmann, m.: Hammelsprung, m.: kürzre sichre Ab- hüpfendes Männchen(Püppchen) im Glase: stimmungsart, wobei die mit Ja oder Nein Gliederpuppe(1691 bei Stieler Hempelmann, stimmenden Abgeordneten durch die sogen. 1666 bei Prätorius Anthropodemus 272 Ham- Ja- und Nein-Tür wieder in den Saal ein- pelmännrigen Pl.); Einfaltspinsel(1558 bei treten(urspr. scherzhaft, den Führern als Lindener Katziporus L 7 b fg. Hampel-, Hemi- Leithammeln nachspringend), 1879 im Klad- pelman). Von hampeln zsich hin und her deradatsch 32, 214. bewegen»(nd.), neben hammeln«springen, Hammer, m.(-s, Pl. Hämmer): Schlag- hüpfeny(Fischart Garg. 122 und 251). werkzeug; Gehörknochen. Mhd. hamer m. Hampfel, Hamfel, f.(Pl.-/): Handvoll (Pl. hemere, hemer), spätmhd. auch«Hammer-(s. d.). 1691 bei Stieler. Gekürzt wie Mumpfel mühle,-werk», ahd. hamar m.(Pl. hamara), aus Mundvoll, Arfel aus Armvoll. dazu asächs. hamur, afries. homer, ags. hamor, Hamster, m.(-s, Pl. wie Sg.): das Nage- engl. hammer, anord. hamarr, schwed. ham- tier mus cricetus. 1425 nd. hamster, hampsten marr m., dän. hammer. Urspr. Bed.«Stein-(Diefenb. gl. 165(), 1561 bei Maaler Hamester: gerät zum Schlagenz, denn anord. hamarr m. aber ahd. hamastro, hamistro m., das lat. bed. auch«Felswand, Klippey. Urverwandt curculio glossierend, das den Kornwurm, im mit abg. Kamg und kameni m.«Stein», lit. Mlat. auch eine Feldmaus bed., mit der fem. alemuo m.«Steiny, aind. agmäã m.«Stein, Nebenform ahd. amstra gur rgulioy, andd. Steinwaftfe, Donnerkeil, Amboßy, gr. äxuuv m. hamustra f.«gurgulioy. Die Herkunft des Amboßy. RA. Vnter den MHaxamer kommen, Wortes ist unbekannt. Es besteht wohl Zu- «versteigert werdeny, weil der Versteigerer sammenhang mit abg. choméstar animal durchdreimaligen Hammerschlagden Zuschlag quoddam», poln. chomiklc, russ. chomjakä erteilt. Der Hammer war altes Rechtssymbol. IHHamstery, aber wie dieser aufzufassen, ist 4B L. hämmern, v., mhd. hemeren. ZI7S. unklar. 805 Hand handeln 806 Hand, f.(Pl. Hände), mhd.-ahd. hant f.; dazu asächs. ndl. hand, afries. hond, ags. hand, hond, engl. hand, anord. hönd, schwed. hand, dän. haand, got. handus f. Im Ahd. tritt das Wort in die— Deklination über: Gen., Sg. und Nom. Pl. henti, mhd. hende, im Gen. Pl. aber neben ahd. henteo, hendo als Rest der alten kons. Deklination hando, mhd. hande(noch in allerhand, s. d.) und im Dat. Pl. neben hentin pei weitem üblicher hantum, hantun, hanton, mhd. handen, was sich noch in ab-, vorhanden, zu Handen erhielt. Die Ableitung von got. hinpan«fangeny(in frahinpan ægefangen nehmen), also eigentlich«die Fassende, Grei- fendey unterliegt starken Bedenken und ist nur indirekt möglich. V. Blankenstein Idg. Forsch. 21, 99 verbindet mit Hand gr. kar eig.«mit der Hand» u. a. Uber den Zu- sammenhang mit hund in handert s. 2ehn. 4 BL. handlich, adj., mhd. hantlich«mit der Hand gearbeitet», ahd. hantlih,«leicht zu be- handelnd(nur in anhantlh). ZUS. Hand- breit, f., bei Luther. Handbuch, n., shät- mhd., im 15. Jh. hanthuoch. handfertig, adj., 1602 bei Kirchhoff milit. disc. 231. hand- fest, adj.: in feste Hand genommen, gefangen (mhd. hantveste); mit Händen gewaltig(mhd.); fleißig, emsig(1537 bei Dasypodius). Hand- feste, f.(Pl.-n): schriftliche Versicherung, Verbriefung der Rechte durch eigenhändige Namensunterschrift, mhd. hantveste, ahd. hant- festi f. Handgeld, n.: Angeld, 1616 bei Wallhausen Kriegsmanual 124. handgemein, adj., 1716 bei Ludwig. Handgemenge, n., bei Opel u. Cohn 30 j. Krieg 278 vom J. 1631. handgreiflich, adj., 1618 bei Schönsleder. Handgriff, m., ahd. hantgrif m.«Griff mit der Handy; in der Bed.«Handhabey 1664 bei Duez und nd. hantgreep 1582 bei Chyträus, technisches geschicktes Verfahren 1640 bei Lehmann Flor. 205. Handhabe, f.: woran befindlicher Griff zum Halten, mhd. hanthahe, ahd. hanthaba f. handhaben, v., mhd. hant- haben«fest fassen, halten, schirmen, unter- stützen». Handhabung, f., mhd. hanthabunge f.«Schutz, Verteidigungz. handhaft, adj.: in der alten Gerichtssprache«handgreiflich dargetan, offenkundig, mhd. hanthaft in hant- hafte tät«frische Tat»(bei der der Täter noch die Waffe usw. in der Hand hat). Hand- kuß, m., 1678 bei Krämer. handlangen, v.(Goethe 21, 138), 1562 bei Mathesius Sar. 209 ˙b, mnd. handlangen«mit der Hand reicheny, vielleicht umgestaltet aus mhd. andelangen cüberantworten». Davon Handlanger, m., um 1420 bei Tucher Baumeisterb. 64, 25 hant- langer. handlos, adj., mhd. hande-, hantlõs. Handpferd, n.: Reservepferd(spütmhd. hant- pferk); Zugpferd, das dem Sattelpferd zur rechten Hand an der Deichsel geht(1666 bei Comenius Sprachenthür§ 454, dafür spätmhd. hantros n.). handreichen, v., spätmhd. hant- reichen; davon Handreichung, f. bei Luther. Handschelle, f. Handfessel, 1691 bei Stieler. Handschlag, m., mhd.-ahd. hantslac m. Handschrift, f., spätmhd. im 15. Jh. hanf- schrift f. ceigenhändige Schrift, Unterschrifty, auch«Schuldbrief». Handschuh, m., mhd. hant-, hentschuoch, ahd. hantscuoh, and. hand- sköh m. Handschuh, Handfessely, frühmd. hensche, md. und mnd. kantsche,(entlehnt) anord. hanzki m. Im Mittelalter diente der Wurf des Handschuhs als Aufforderung zum Kampf, daher Fehdehandschuh. Hand- streich, m.: Schlag mit der Hand(1578 bei Frischlin Nomencl. Kap. 166); in der Bed. cplötzlicher Überfall» als Übersetzung des franz. coup de main erst im 19. Jh. Hand- tuch, n., mhd. henttuoch, ahd. hantäch m. Handvoll, f., mhd. hantvol f., vgl. Hampfel. Handwerk, n., mhd. hantwerc, ahd. hant- werch n. Wirken mit der Hand», dann Ge- werbey, ags. handaweorc n.«mit der Hand Gearbeitetes, Handarbeits; davon Hand- werker, m., mhd. im 14. Jh. hantzwercher, und Handwerksmann, m., im 14. Jh. hant- werkis man und hantwercmanm. Hand- wurzel, f.: der zwischen Vorderarm und Mittelhand liegende Teil des Armes, 1691 bei Stieler. Handzwehle, f.: Handtuch, mhd. hanttabehele, im 15. Jh. auch hantzuwehel, ahd. hantdavhila f., bei Goethe 26, 323 Handquele, zgs. mit mhd. twehele, kwehel, 1482 zdehel, ahd. dwahilla, twahilla f.«Tuch zum Waschen und Abtrocknen», von ahd. dwahan, twahan «waschen?. S. Quehle. handeln, v.: worauf Kraftäußerung an- wenden. Ableitung von Hand(s. d.). Mhd. handeln«mit Händen berühren oder fassen, peurbeiten, tun, erteilen, bewirtens, ahd. hantalön«mit der Hand begreifen, worauf mit Kraftanstrengung wirken», and. handlon cbehandeln, befühlen⸗, ags. handlian be- fühlen?, engl. handle«handhaben, behandeln, verwalten, anord. höndla«greifen, behandeln». In der Bed. Handel treiben? 1508 in der Straßburger Gemma r 15b handelen, auch bei Luther. Von handeln abgeleitet: Handel, 51* 807 Hanf m.(-s, Pl. Händel), mhd. handel m.«Art des Tuns, Begebenheit, gerichtliche Verhand- lung, Ware⸗; in der Bed.«einzelnes Kauf- geschäfty und«gewerbsmäßiger Betrieb von Kaufgeschäften» bei Luther. Davon Handel- schaft, f., 1678 bei Krämer; Handels- diener, m., 1663 bei Schottel 472; Handels- mann, m., 1640 bei Comenius. Händler, m., spätmhd. im 15. Jh. handeler, handler m. «Tuender, Vollbringer, Unterhändler»; in der Bed.«Handelsmann» bei Luther. Handlung, f., ahd. hantalanga f.«Bearbeitung, Behand- lungy, mhd. handelange f.«Handhabung einer Sache, das Tun, Behandlung, Verhandlung», im 15. Jh. auch«Betrieb in Kauf und Ver- kauf», 1701 in Ordnungen d. Stadt Leipzig 62 Kaufhausy. Hanf, m.(-es, Pl.-e), mhd. hanef, hanf, ahd. hanaf, hanif m.; dazu(entlehnt and. hanaf) ags. hœnep, engl. hemp, anord. hampr m., schwed. hampa f., dün. hamp. Der Laut- verschiebung gemäß stimmend mit gleichbed. lat. cannabis f., gr. kvvaßic f.; abg. und russ. konoplja f., poln. konop f., lit. kanãpés f. Pl. dagegen weichen im Labial ab. Dazu viel- leicht aind. çands«Hanfart, oss. san«Wein». Die Herkunft des Wortes ist unklar. Es handelt sich jedenfalls um ein altes wandern- des Kulturwort, das aber weder von den Slaven noch von den Römern oder Griechen direkt zu uns gekommen sein kann. Vgl. Walde s. v. Davon hänfen, adj., mhd. henfin, hanf in, ahd. hanafin. Hänfling, m.: der Hanfsamen fressende Vogel Fringilla cannabina, spätmhd. henfeling m. Hang, m.(es, ohne Pl.): das Hangen (spätmhd. im 15. Jh. hanck);(Pl. Hänge): Ab- hang(bei Stieler 1691); Trieb(bei Lessing 1, 185, Gellert 7, 204). Von hangen, v.(Präs. hange, hängst, hängt, bei Luther hangest, hanget, Prät. hing, Konj. hinge, Part. gehangen): woran befestigt oder haftend schweben; nie- derwärts geneigt sein; woran festhalten. Der heutige Gebrauch von hangen und hängen hat sich seit spätmhd. Zeit allmählich ge- bildet aus einer Vermischung folgender Zeit- wörter: 1) trans. mhd. hähen«hängen»(Prät. hienc und hie, Part. gehangen), ahd. hähan (Prät. hianc, Part. gihangan), dazu afries. na (Prät. héng), ags. hön«hängen»(Prät. héng, Part. hangen), got. hähan«in der Schwebe der Meinung, in Zweifet lasseny, dagegen be- reits md. im 14. Jh. hangen(Prät. hinc, hinc), mnd. hangen neben hän(Prät. hink), mndl. Hans 808 hanghen(Prät. hinc), anord. hanga chängen» (Prät. hekk, Pl. hengum, Part. hanginn), engl. hang chüngen und hangen». 2) intrans. und schwachflekt. ahd. hangéen changen»(Prät. hangéta), mhd. hangen(Prät. md. haungete, mhd. dafür bereits hienc, hie), and. hangon changeny, mnd. hangen(Prät. hangede), afries. hangia, ags. hangian, anord. hanga(Prät. hangdi), got. hãhan(Prät. häãhaida) jmdem. anhangen». 3) dem nhd. hängen(Prät. hängte, Part. gehängt) formell entsprechend: bei Luther hengen«hangen machen?, md. im 14. Jh. hengen can den Galgen hängen», ahd. hengan(Prät. hangta) und mhd. hengen(die Zügel dem Pferde, das Band dem Hunde) hängen lassen, gehen lassen, zulassen, gestatten», anord. hengja caufhängen». Vgl. fangen aus fahen. Ety- mologisch entspricht wohl lat. cunctor(aus *concitor)«zage, zauderey, aind. çäukaté «schwankt, zweifelt, ist besorgt, fürchtet,. Dazu noch aus dem Germanischen anord. hotta f.«Gefahr», v.«der Gefahr aussetzen» (aus*hanht), norw. hangla«sich mühsam vorwärts schleppen». Vgl. Zupitza Gutt. 133. 2S. Hängematte, f.(Pl.-n): hangendes Lager aus gewebten Stoffen oder Flechtwerk, 1712 bei Hübner Hangmatte, 1782 bei Jacobs- son Hängematte, übernommen aus holländ. hangmat, hangmalc, das durch Umdeutung aus der Sprache der Indianer Westindiens (hamaca) stammt, woher auch gleichbed. franz. hamac, span. naca, amahaca, port. maca f. Hanke, f.: Hüfte, Schenkel des Pferdes (Rückert 11, 278), 1716 bei Hohberg Georgica 3, 2, 762. Tirol. Henkel m.«Schenkely. Aus dem Germanischen entlehnt franz. hanche, afranz. hankce f.«Hüftey. Haus, Mannesname, gekürzt aus Johannes (s. d.), mhd. Hannes, Hans, frühnhd. als Appellativum(Gen. und Pl. Hansen) in der Bed.«nach Stand und Vermögen hervor- ragender Manny(im 16. u. 17. Jh. die großen Hansen), dann«in lächerlicher Weise sich hervortuende Mannsperson»(Fabel-, Groß- Prahlhans, im 15. Jh. aaa Hans Stotterer, Diefenb. gl. 77²), Meister Hans«der Henker, (bei Luther 3, 397²). Hans von Rippach (Goethe Faust 1, 2189 f.) ist eig. das ober- sächs. Schimpfwort Hans Arsch von Rip- pach(Goethe in Hanswursts Hocbzeit), 1736 bei Trömer Toucement des Deutsch-Franços Schrifften 269 Hanß Ars von Rippach, 1706 bei Menantes Allerneueste Art 598 Hans-Tumm 809 Hanse von Rippach. Hans(Tapps) in allen Gassen unruhiger Mensch, der sich um alleskümmerts (1541 bei Franck Sprichw. 2, 49 b). Hans Liederlich(Goethe Faust 1, 2628), bei Hoff- mannswaldau Ged. 2, 255. ZUS. Hansnarr, m., 1512 bei Murner Narrenbeschw. 64, 58. Hanswurst, m.(-es, Pl. Hanswürste): ge- meiner Lustigmacher. 1519 Hans worst in der nd. Ubersetzung von Brants Narrenschiff 422° Zarncke, 1556 bei Frey Gartengesellsch. 4² Hans Wurst. Bei Luther 7, 4072 darumb Hans Worst, das er starck, fett und völligs Leibes ist. Bei den Fastnachtsaufzügen lief chedem der Narr mit einer langen dicken ledernen Wurst durch die Gassen(Abr. a. S. Clara Judas 1, 433). Wurst-Hans ist bei H. Sachs fingierter Name von Fressern. Ahn- lich heißt der Possenreißer bei den Franzosen Jean Potage(Johann Suppe), bei den Eng- ländern Jack Pudding(Hänschen Pudding). Für den Narren im Schauspiel kommt Hans Warst zuerst in einem Stücke von 1573 vor. Hanse, f.: Handelsinnung; Kaufmanns- gilde mit bestimmten richterlichen Befug- nissen. So spätmhd. hanse, hans f., 1266 in mlat. Form hansa f., insbesondre aber der Bund der norddeutschen Handelsstädte vom 13. bis ins 17. Jh. zum Schutz des Handels (zuerst 1358 dudesche hense aus Lübeck nach- weisbar); früher 1127 und 1188 mlat. hansa f. «Abgabe, Handelsabgabe, Kaufmannsschoß (Haltaus 822), mnd. zu Anfang des 14. Jh. hense, hanse, hanze f.«Gilde der Kaufleute und Handwerkery, auch«das Geld, das für die Aufnahme in eine Hanse gezahlt wird», mndl. hanze«Steuery. Die ältre Bed. ist cbegleitende Schar», ahd. und got. hansa, ags. hos f. Vgl. Uhlenbeck Btr. 30, 288, Kauffmann ZfdPh. 38, 238. Dazu Hanseüte, m.(-n, Pl.-n): Angehöriger der großen norddeutschen Hanse, jetzt einer Hansestadt(s. d.), gebildet nach dem mlat. Adj. hanseaticus, davon hanse- ätisch, adj., 1798 bei Möser patr. Phant. 1, 30, statt hansisch(bei Frisch 1741 aus dem lübischen Recht). ZU0S. Hansestadt, f.: zum Bunde der norddeutschen Handels- städte gehörige Stadt, jetzt nur noch Ham- burg, Bremen und Lübeck. Zuerst 1330 in einer Krämerordnung zu Anklam nachweis- bar. Im 17. Jh. Hansee-Stadt gebräuchlich, 1622 im Tagebuche Christians d. J. von An- halt 50 Hänsel-Städte. hänseln, v.: einem als Neuling in einer Gesellschaft durch gewisse Zeremonien auf- bar! 810 legen, daß er in ihr etwas, besonders freien Trunk, zum besten gibt; einen auffiehen, zum besten haben. In der 1. Bed. 1690 bei Happel akad. Roman 859, dafür 1664 bei Duez hänsen, hensen, 1562 bei Mathesius Sar. 188 hansen(von Studenten), eig.«in eine Innung (s. Hanse) aufnehmens, 1259 köln. hansin cin die Kaufgenossenschaft aufnehmeny. In der 2. Bed. 1691 bei Stieler hänselen, eig.«zum Hansnarren haben», abgeleitet von Hänsel, Dim. von Hans(s. d.), im 15. Jh. als Name des Narren Hensel(Fastnachtsp. 674, 26 f.), 1494 bei Brant Narr. 27, 32 henselin«um- herziehender Lustigmacher». Hansnarr, Hanswurst, s. Hans. Hantel, f.(Pl.-n): eisernes Turngerät als Handhabe zur Stärkung der Armmuskeln. Vom Turnvater Jahn eingeführtes Wort, aus nd.(osnabrück.) hantel f. Handhabe», eben- so schon in den Fastnachtsp. des 15. Jh. 1000, 30, während ahd. hantilla, hantella f. &AHandtuch» bedeutet. hantieren, v.: ein Geschäft treiben. Md. im 14. Jh. hantiren, spätmhd. im 15. Jh. hantieren Kaufhandel treiben, ins Werk setzen, Ver- richten, tuns, aus mndl. hantieren«ausüben, treiben», von afranz. im 12. Jh. hanter zoft besuchen, hin- und herziehen». Die Schrei- bungen handieren, handtieren, handthieren und hanthieren(seit 16. Jh.) suchen falscher- weise Anlehnung an Hand. Davon Han- tierung, f., spätmhd. hantierunge f.«Kauf und Verkauf, Handel, Behandlungy. hapern, v.: stocken, nicht vorwärts- kommen. 1663 bei Schottel haperen, im 18. Jh. in die Schriftsprache aufgenommen (Hermes 1, 447, Bürger 465), aus gleichbed. nd. hapern, mndl. haperen. Das Wort ist auch in den deutschen Mundarten Mittel- und Oberdeutschlands verbreitet, und gehört. mit dän. happe, schwed. happla«stotternꝰ zu- sammen. Auch deutsch kommt happeln vor. Weitre Anknüpfung fehlt. Davon haperig, adj.: stockend, 1691 bei Stieler hapericht. happen, v.: schnappen. 1741 bei Frisch, aus gleichbed. nd. und ndl. happen, woher franz. happer(im 12. Jh. belegt)«erschnappen, packen». Wohl lautmalend. Dazu Happen, m.(-s, Pl. wie Sg.): Bissen. 1741 bei Frisch Happe, aus dem Niederdeutschen. Davon happig, adj., 1793 bei Bode Montaigne 5, 248. har!l Fuhrmannszuruf an das Zugtier, links! Bei Maler Müller 1, 242 har und hot, 1586 bei Fischart Bodinus 307 har har, 1643 bei 811 haranguieren Philander 2, 301 här. Es ist das mhd. har, ahd. hara, mndl. hare, für mhd. her, ahd. hera cher»(s. d.). haranguieren, v.: durch Halten einer Rede, durch viele Worte wozu bestimmen. 1582 bei Fischart Garg. 240 harangiren, aus franz. haranguer, ital. aringare zeine öffent- liche Rede halten, feierlich anreden», von franz. harangue f., ital. aringa f.«öffentliche Rede», aringo m.«Rennbahn, Turnier-, Tum- mel-, Rednerplatz», entlehnt aus ahd.-ags. hring m.«Kreis, Schau- oder Kampfplatz» (§. Ring). Harde, f.(Pl.-n): Gemeindebezirk von mehrern Dörfern oder Höfen in Schleswig- Holstein. Mnd. herde, harde n. Entsprechend anord. herad n.«Bezirk, Landschafty, von anord. herr m. Heery. Harder, m.(-s, Pl. wie Sg.): der Fisch Mugil cephalus, Großkopf, Meeresche. Nord- deutsch. 1540 bei Alberus dict. q 3 b Hayder, dazu ndl. harder, bei Kilian herder, ags. heard- hara, haerdhera, heardra m.«mugily. Her- kunft unbekannt. Harem, m.(-s, Pl.*): abgesonderte Frauenwohmung bei den Türken usw. Bei Wieland Oberon 48 Mask., bei Schiller Turan- dot 3, 7 Neutr.; 1728 bei Sperander Haram, so auch in Lessings Nathan. Aus arab. haram «das Verbotne, Heilige, Heiligtum, Frauen- wohnungy. Härétiker, m.(-s, Pl. wie Sg.): Ketzer. Aus gr. aiperuòc causwählend, ketzerisch, einer Ableitung von aipéetv cnehmen, über- redeny. Schon and. begegnet heretikeri m. Ketzer», mhd. aber nur(h)eresie f. Ketzereiy. Im 18. Jh. in lat. Form haereticus. Harfe, f.(Pl.-n), Musikinstrument; auch (in Norddeutschland) Getreidesieb, in den Alpen ein Gerüst zum Trocknen des Getrei- des. Mhd. harpfé, herpfe, harfe, ahd. harpha, harfa f.(noch bei Frisch 1741 Harpfe); da- Rearpe, engl. harp, anord.-schwed. harpa, dän. hrpe«Harfe», aber dieses auch«Kornschwinge', harpe«fegen, reinigens, schwed. harpa«Draht- sieb für Getreide», entlehnt franz. harpe f. Der Italiener Venantius Fortunatus 7, 8 im barisches, d. h. germanisches Tonwerkzeug. Welche Bedeutung ursprünglich ist, scheint nicht ganz sicher. Die Etymologie ist da- her unsicher. Vgl. Meringer Idg. Forsch. 16, 128 flt. 4. harfen, v., mhd. harpfen, Harm 812 herpfen. Harfner, m.: Harfenspieler, erst im Ausgang des 18. Jh.(Bürger 267), mhd.- ahd. harpfcre, im 15. Jh. harpfer, ags. hearpere, engl. harper, anord. harpari m.; mit roma- nischer Endung Harfenist, m.(ren, Pl.-en), 1556 bei Frisius 561 b Harpffenist. Harke, f.(Pl. n): der Rechen. Nord- deutsch. Bei Goethe 12, 112 aus thürin- gischer Mundart Harken m., md. 1517 pei Trochus Q 5 harcke, 1664 bei Duez Harke f. und 1691 bei Stieler Hark f., mnd. hayrlte f. (Diefenbach gl. 257 b), 1477 clevisch harck und herke, ndl. harkc, herlc f., schwed. harka «Egge mit eisernen Zähnen». Urverwandt mit aind. Khar)«kratzen, Whrgala-«Bürstey. Weitres bei Falk-Torp. Davon harken, v., 1664 bei Duez, mnd. harken(Sachsen- spiegel 2, 58, 2), herken(Diefenbach gl. 73 b); dazu anord. harka«zusammenscharren», harkri m.«Abfall, Kehricht». Harlekin, m.(-s, Pl.-e): der Hans- wurst. 1646 bei Philander 1, 107 Harlequin, aus früher-franz. harlequin, jetzt arlequin m.; im Ital. arlecchino m. als Name der komischen Maske der ital. Bühne. Das franz. Wort geht weiter auf helleguin zurück, und dies ent- stammt einem germ. ellekin, das vielleicht auf dän. ellekong(s. Erlenkönig) zurückgeht. Der Erlenkönig ist eigentlich Wotan, der im Franz. zu einem bösen Geist, dem Teufel wird. Das mittelalterliche Theater bemäch- tigte sich des Hellequin und machte ihn zu einer wichtigen Persönlichkeit, die es dann wieder unter dem Namen Arlequin— Pariser Aussprache des Namens— an die italie- nische Komödie weitergegeben hat(Cohen Geschichte der Inszenierung im geistlichen Schauspiele des Mittelalters in Frankreich 1907 S. 92 f., wo weitre Literatur). Harm, m.(-es, ohne Pl.): tiefer zehren- der Seelenschmerz. Frühnhd. und mhd. selten harm m. Leid, Schmerz», von den Dichtern zu and. harpa«Foltergeräts, ndl. harp, ags. des 18. Jh. wieder aufgenommen, ahd. asächs. harm m.«Beschimpfung, Kränkung»; dazu ags. hearm m.«angetanes Leid, Unrecht», engl. harm, anord. harmr m.«Betrübnis, Kummerꝰ, schwed. harm«Verdrußs», dän. harme«Schmerz, Trauer, Kränkungy. Dazu ahd. haramscara, 5. Jh. nennt die harpa ausdrücklich ein bar- mhd. harmschar f.«beschimpfende qualvolle Strafey, asächs. harmskara, ags. heurmscearu f. Urverwandt mit abg. sramäi m.«Scham, Schande», sramiti cbeschämen». Dazu vielleicht auch aw. fsarondt«aus Scham»(Zupitza 183). 4B2L. härmen, v. refl., mhd.(md.) hermen 813 Harmonie Harm verursachen, quälen», auch reflexiv, ahd. harmen cbeschimpfen»; dazu ags. hear- mian ckränken», anord. harma«Kkummer be- reiten, betrüben». ZUS. harmlos, adj., erst im 18. Jh.(Klopstock Mess. 25 Umarbeitung) dem engl. harmless cunschuldig, unschädlich» nachgebildet. Davon Harmlosigkeit, f., erst im 19. Jh. Harmonſe, f.(Pl.-n): Ubereinstimmung, Einklang. 1626 bei Zincgref Apophth. 1, 304 Harmoni, 1617 im Teutschen Michel 13 Har- money, aus gr. lat. harmonia, gr. ⁰phovia f. Einklang in der Musik», eig.«Verbindung, Fügung», mlat. armonia, woraus schon mhd. armonde f. 4BL. harmonieren, v., 1728 bei Sperander. harmönisch, adj., im 18. Jh. (Lessing 2, 505) gebildet nach dem gr. lat. Adj. harmonicus, gr. épuovixòc; aus dessen Fem. gebildet Harmönika, f.: Musikin- strument, von Franklin 1763 erfunden, 1791 bei Roth, 1795 bei Voß Luise 3, 707). Harn, m.(-S, Pl.-e): Urin. Bei Luther Harm nach ostmd. Form, mhd. harn, harm, ahd. harn m.; vielleicht urspr. zusammen- hängend mit anord. skarn, ags. scearn n. Koty, engl. skarn, afries. skern, die mit gr. cui n. Koty urverwandt sind. Vgl. noch Zupitza 109. 4B. harnen, v., mhd. im 14. Jh. harmen, hermen(Diefenbach gl. 630 b). ZUS. Harn- winde, f.: tropfenweises Harnen bei brennen- dem Schmerz im Blasenhalse, mhd. harn-, harmuwinde f., zum mhd. Adv. winde«weh, übel»(S. zwind). Harnisch, m.(-es, Pl.-e): Metallrüstung des Leibes. Mhd. harnas, harnasch, spätmhd. harnisch, harnusch m. n., Ende des 12. Jh. entlehnt aus afranz. harnas, franz. harnois, harnais(woher ital. arnese, span.-port. arnés); ob das Wort aus dem Keltischen stammt, ist fraglich(bret. harn, haearn«Eisen*). Nach Kluge geht es über mengl. harnes«Rüstung» auf kymr. haiarnaez Eisengeräte zurück. RA. in den Harnisch bringen«kampfgerüstet, zornig machen», 1626 bei Zincgref Apophth. 1, 45, in Harnasch jagen bei H. Sachs vier Dialoge(1524) 23, 21. 4BL. harnischen, v.: wehrhaft machen, bei Luther 2, 328 b, davon das Part. geharnischt, spätmhd. im 15. Jh. geharnascht, geharnust. Harpüne, f.(Pl.-n): Wurfspieß mit Widerhaken zum Walfischfang. 1716 bei Lud- wig Harpun f., 1712 bei Hübner Harponen Pl., 1741 bei Frisch Harpuhn m., aus ndl. harpoen m., engl. harpoon, von gleichbed. hart 814 franz. harpon m., das nebst franz. harpin m. Haken, harpeau m.«Enterhaken», prov.-span. arpa f.«Kralle?, ital. arpignone m.«großer Haken» von gr. dpnn f.«Sichel, Haken, Kralley oder dem deutschen Harfe(s. d.) abzuleiten ist. Davon harpunieren, v., nach franz. harponner; Harpunier, m., 1712 bei Hübner Harponier, franz. harponneur. harren, v.: ausdauernd warten, mhd. harren, dazu mhd. harre f.«das Harren, Ver- zögerungy. Dunklen Ursprungs, vermutet wird, aber kaum richtig, Zusammenhang mit harsch(s. d.), wie lat. dürãre«ausdauern» und därus chart», gr. koprepeiv«ausharren⸗- und xoprepc«starky. Zupitza 110 vergleicht lett. ceret choffen, ceriba f.«Hoffnungy. harsch, adj.: hart, rauh, bes. durch Auf- trocknung. 1691 bei Stieler, mnd. harsch crauhy, stimmend mit mengl. harske,(aus dem Nord.) engl. harsh chart, rauh, streng, dän. harsk, schwed. härsk«rauh, hart, bitter, ranzig). Dazu bayr. Harsch m.«Schnee- kruste». Davon härschen, v.: hart und trocken werden, 1691 bei Stieler, erharschen 1562 bei Mathesius Sar. 79 b, dafür mhd. harsten, verharsten«hart werdens(s. verharschen). Ableitung von hart(s. d.). Hart, f.: Wald, Bergwald. Mhd. hart m. f. n., ahd. hart, hard«Bergwalds, daneben mhd. hart m.«fester Sandboden, unbebautes Land, Heide, Trift, Weidetrifte, noch fränk. und bayr. Hart m. f. n. Boden aus Kies und Sand, schweiz. Hard f.«Gemeintrift. Vielleicht Ableitung von hart(s. d.) oder eher mit eHaar verwandt. Vielfach als Name von Wäldern und Bergen, mhd. Hart m.«der Harz»(s. d.), Spehtes hart«Spessarts. hart, adj.(Komp. härter, Sup. härtest): fest gegenäubßre Linwirkung; schwer drückend. Mhd. herte, hart(auch drückend, schmerz- lich), ahd. harti, herti und hart; dazu asächs. und ndl. hard, afries. herd, ags. heard chart, stark, tapfer», engl. hard«hart, rauh, schwer» (dagegen engl. hardy astark, tapfer» ent- stammt dem franz. hardi«kühn?, das eine Entlehnung aus dem Germanischen ist), anord. hardr chart, streng, heftig, schwed. härd, dän. haard, got. hardus chart, streng. Das Adv. lautet mhd. harfe, ahd. harto, got. har- quba. Der Lautverschiebung gemäß stimmend mit gr. xpœruc, xpꝓœπσεε, koprec«stark, ge- waltig, fest, hart, käpra Adv. cstark, sehr?, xpdτoc n.(äol. xpéroc)«Stärken, und viel- leicht abg. drüstvu«massiv, fest, russ. Cérstuu 815 Hartschier chart, altbacken», aind. Kathinäãs, Näfhöras chart, fest, steify. 4BL. Härte, f., mhd. herte, ahd. harti, herté f. härten, v., mhd. herten, ahd. harten, herten«hart machen», mhd. auch intr. und refl.«ausdauern, be- harren); dazu asächs. herdian, anord. herda «stärken», afries. herda, hirda cerhärten, be- weisen», got. gahardjan«verhärten». härt- lich, adj., mhd. hertlich. Härtigkeit, f, mhd. hertecheit f., zgs. mit dem mhd. Adj. hertec chart, streng). ZUS. Hartheu, n:: das Johanniskraut, hypericum, mhd. hart- höuawe, spätahd. harthou n., gleichsam durch den Stengel hartes Heu. hartherzig, adj., bei Luther 3, 390 b J., aber schon got. hardu- kairtei f.«Hartherzigkeits. harthörig, adj., 1663 bei Schuppius 2, 162 und bei Duez 1642. hartköpfig, adj., bei Luther 6, 111 J. hart- leibig, adj., 1640 bei Comenius. hart- näckig, adj.: von Nacken hart, unbeugsam, 1495 in der Kölner Gemma E le haydneckich, mnd. hardenacket, hardenackich, schwed. härd- nackad, dän. haardnallket. Hartnäckig- keit, f., 1556 bei Frisius 996a. Hartriegel, m.(, Pl. wie Sg.): der Strauch cornus sanguinea, 1616 bei Henisch Hartriegel, 1537 bei Dasypodius Hartrigel, mhd. hartrügele, harttrügel n., ahd. hartrugil, harttrugil, un- verkürzt harttrugili, harttrugelin n., zgs. aus ahd. hart charty(wegen des sehr harten Holzes) und krugili, trugilin n.«kleiner Trog», das aber eigentlich den Baum selbst bezeichnete, wie das entlehnte franz. troene«Hartriegel» beweist. Der Stamm des Wortes gehört zu dem sehr verbreiteten idg. dru Eiche, Baumꝰ, z. B. gr. dpõôc f.«Eiche», got. triu n. Baumꝰ, engl. tree. Vgl. auch schwed. try m., kryg, tryd æ«lonicera xylosteum), auch«ligustrum vulgarey. Vgl. Bugge Btr. 13, 509. Hartschier, s. Hatschier. 1Harz, m.(es), das nördlichste Waldge- birge Deutschlands, im Mittelalter Hart, aus ahd. hart«Bergwaldy(s. Harl), bereits 1231 md. Harz, Hartz, auch mnd. Harz. Bei Mone An. 8, 153 die Haardt in der Pfalz: Newwenstadt am Hartz. ¹Harz, n.(tes, Pl.-e): ausgeschwitzter Baumsaft. Mhd. harz n. m., ahd. harz n., auch harauh, harzol m.; dazu and. hart en. Un- bekannter Herkunft. Vielleicht mit gr. knpöc m.«Wachsy wurzelverwandt. Bei Lessing 2, 426 Harat n., wie Erat für Ere gesagt wird. 4 B L. harzicht, harzig, adj., 1537 bei Dasypodius hartzig, ahd. harzeg. harzen, Hase 816 v.: Harz sammeln(Fischart Großm. C 5); mit Harz festmachen, auspichen(mhd. herzen, im 15. Jh. bei Rosenplut harzen). Hasard, m.(in Hasard gpielen), Hasard- spiel, n.: Wage-, Glücksspiel. 1791 bei Roth Hasardspiel, 2gs. mit franz. hasard m.«Glücks- fall, Wagnis», afranz. hazart auch«Würfel- spielery. Unbekannter Herkunft. Aus afranz. hazart ist entlehnt mhd. hashart, hasehart m. Würfelspiel, Unglück», urspr. der geringre Wurf beim Würfelspieles, mndl. hassdert. Im 17. Jh. wurde das Wort Hazard, Hasard in der im Französ. entwickelten Bed.«Wagnis, Risikoy neu aufgenommen(1644 im Sprachen- verderber). haschen, v.: schnell zugreifend fassen. Bei Luther hasschen aus der thüring.-ober- sächs. Mundart, md. im 14. Jh. erhaschen, den oberd. Dialekten unbekannt. Dunklen Ursprungs, vielleicht aus*hafsko- zu dem Stamm in Haft(s. d.). Davon Häscher, m.(s, Pl. wie Sg.): Büttel, Gerichtsdiener, bei Luther 7, 368 b Hesscher, 1593 bei H. J. v. Braunschweig 134(Susanna 4, 4) Häscher. Hase, m.(-h, Pl.-n): das Säugetier lat. lepus; dann feiger Läufer, Feigling(mhbäd.). In urspr. Bed. mhd. hase, ahd. haso m.; dazu mnd. hase, nndl. haas, mit UÜbergang des s in r, ags. hara m., anord. heri m., engl.-schwed.- dän. hare; dazu mit Ablaut norw. und schwed. dial. jase(Grf.*hesan); entsprechend aind. Lacäs m., apreuß. sasins, kymr. ceinach(aus kasinako)«Hasey. Wohl verwandt mit ags. hasu grauy. Aus dem Germanischen entlehnt franz. hase f.«Weibchen des Hasen). 4 B L. Häs-chen, Häslein, n., mhd. heselin, häsel n. hasig, adj., 1691 bei Stieler. Häsin, f., bei Stieler 1691. Z08. Hasenfuß, m., mhd. hasenvuοs m.«Fuß des Hasen», md. im 14. Jh. cFeiglingy. Hasenherz, n., übertr.«feiges Herz, 1663 bei Schottel 1126a, bei Keisers- berg Narrenschiff 1520 S. 942 eines Hasen kertze«Feiglingy. Hasenohr, n., Name der Pflanzen Asarum europaeum und Briza media, mhd. hasenõre, ahd. hasinöra. Hasenöhr- chen, n.: das Anführungszeichen„*, 1775 bei Adelung, s. Gänsefüßchen. Hasenpanier, n.: eig. der Schwanz des Hasen, den er beim Pliehen in die Höhe reckt(Frisch 1741), 1564 bei Glaser Gesindteufel G 5 b das Hasenpanir aufwerfen«fliehen», 1557 bei B. Waldis Esopus 1, 23 das Hasen paner aufstecken, 1507 bei Wilwolt v. Schaumburg 87 das Hasenbanir erzwischen, bei Luther 7, 422 das Hasen Panir 817 Hasel Hast 818 ergreifen. Hasenpfeffer, m.: die mit Ge- würzbrühe und Blut gekochten Eingeweide des Hasen, 1691 bei Stieler Hasen in pfeffer, bei Luther 7, 2422 J., 1510 Keisersberg Haß im pfejfer. Hasenscharte, f.: Spalte in der Oberlippe wie beim Hasen, 1323 hasin- scharte bei Kehrein Samml. alt- und md. Wörter 68b; dazu ags. hœrsceard n.«Hasen- scharte», afries. haskerde chasenschartigy. Hasel, f.(Pl.-n): der Haselnufstrauch. Mhd. hasel f., ahd. hasala f. und hasal m.; dazu ags. hœsel m., engl. hazel, anord. has! m., schwed.-dän. hassel f., entsprechend lat.(mit Rhotazismus) corxlus, corulus f., air. coll «Hasel». Davon häseln, adj., mhd. haselin, heselin. ZUS. Haselhuhn, n.: das Wald- huhn Tetrao bonasia, mhd. haselhzuon, abd. hasilhuon n., es hat seinen Namen, weil es gern in Vorhölzern, namentlich Haselge- büschen lebt und die Haselkätzchen(männ- lichen Haselblüten) frißt. Haselmaus, f.: gelblichrote Waldmaus, die sich von Hasel- nüssen nährt, 1540 bei Alberus dict. II 22 haselmauß. Haselnuß, f., mhd. hasel-, ahd. hasalnuz f. Haselstaude, f., mhd. hasel- stade f. Haselwurz, f.: die Pflanze Asarum, die gern unter Haselsträuchen wächst, mhd. hasel-, ahd. hasilzburz f. Haselänt, m.(-en, Pl.-en): Haselierender, Narr, Prahlhans, 1738 im Kavalier im Irr- garten 310, dafür Haselarius bei Stieler 1691. Von haselieren, v. ungestüm lürmen(Schiller Räuber 2, 3). Mhd. haselieren cunsinnig tunꝰ, heselieren cungestüm, wild machenꝰ, aus franz. harceler, afranz. herceler«bis zur Peinigung reizen, plagen, necken», von afranz. herce, haise, hese, nfranz. herse f. Egge», das auf lat. hirpew m. Egges zurückgeht, im 17. Jh. unter Anlehnung an Hase Narry, von neuem aufkommend(1693 hasiliren, bei Stieler 1691 haseliren, in der Hasenjacht des Leporinus Hasenkopf 1573 und bei Duez 1664 hasiren). Vgl. Gehasi. Hasenfuß, Häsin usw., s. Hase. Haspe, f.(Pl.-n): Türhaken, angel, Fensterhaken,-angel. 1420 Türangel mit dem eingreifenden Loche des Bandes»(Diefen- bach gl. 100 b), 1425 nd. hespe f.(ebd. 100), md. im 14. Jh. hispe f.«Spange» und hispen cringelny, mhd. haspe f. Garnwinde»(Diefen- bach nov. gl. 193 b), ahd. haspa f.«soviel Garn wie auf einmal gehaspelt wird; dazu mnd. haspe f.«Garnwinde», ags. hœpse, hœsp«Tür- haspe», engl. hasp«Riegel», anord. hespa f. weigand, Dentsches Wörterbuch. 5. Aufl. Türriegel, Garnhapsel», ebenso dän. haspe in beiden Bed. Die beiden Bedeutungen « Türhaken» und«Garnwinde» lassen sich ver- mitteln, aber die Herkunft ist unklar. Viel- leicht aus*hafsa zur Wurzel haf«fasseny, vgl. Haft und lat. capsa f.«Behältnis, Kapsel, Kasten». Aus dem Germanischen entlehnt afranz. hasple, span. aspa f., ital. aspo m. Garnwindey. Haspel, m.(—s, Pl. wie Sg.) und f.(Pl. =n): Garnwinde; Werkzeug zum Aufwinden (1557 bei Bechius Agricola 177 der Pl. Hespel). Mhd. haspel m., ahd. haspil m.«Garnwinde, Weifey. Abgeleitet von Haspe(s. d.). Da- von haspeln, v., spätmhd. haspelen. Haf, m.(Gen. Hasses, ohne Pl.): dauernde feindselige Abneigung. Ein Plur. Häß 1531 bei Hedio Josephus 2812. Mhd. und ahd. haz m.(Gen. hazzes), ahd. einmal hag n.; dazu asächs. heti m., afries. hat, ags. hete m., engl. hate, anord. hatr n., schwed. hat n., dän. had n., got. hatis n. Verwandtschaft mit Hader ist möglich, aber nicht sicher, wohl aber besteht Zusammenhang mit air. cais, kymr. cãs«Haß», kymr. caudd«Beleidigung, Zornꝰ, gr. xüdoc n.«Kummer, Trauery. Die Grundbedeutung ist wohl«verfolgeny, die noch in hetzen zutage tritt. Man kann daraufhin auch vergleichen aind. çad- cab- fallenꝰ, gr. xexddovro«sie wichen», lat. cadere fallen). 4 BL. hassen, v., mhd. hagzen, ahd. hagzén, hagzon(auch verfolgen); dazu asächs. hettian«verfolgen, verfluchen) und haton chassen, verfolgenꝰ, afries. hatia, ags. hatian, anord. hata«verfolgen, hasseny. Vgl. hetzen. Davon Hasser, m., mhd. hazzœre, hazzer. häbßlich, adj., mhd. hagze-, hezze lich, haz-, hezlich, spätahd. hazlih, asächs. heti-, hetelic, ags. hetelic«voll Haß, höchst feindseligy, dann erst im Mhd. c«hassenswert, verhaßty, endlich spät im 13. Jh. zum Hassen unschöny. Vgl. Götze ZfdW. 7, 202. Häß- lichkeit, f., 1537 bei Dasypodius Heßlig- keyt, Heßlicheit. Häß, n.(-es, mit langem ã): Kleidung, Kleid. Alemannisch-bayrisch. Mhd. hœze n. und häz m.; dazu ags. hœteru n. Pl.«Kleiderꝰ. Vielleicht urverwandt mit aind.-hadég n. Decke, Dachy. Hast, f.(ohne Pl.): jähe Eile. Am Ende des 16. Jahrh.(Rollenhagen Froschm.) auf- genommen aus gleichbed. mnd.(15. Jh.) hast m. f., mndl. haest(daher auch fries. haest), ndl. haast f., die dem franz. haste, hüte f. 4 52 819 hätscheln Eiley entstammen. Diese aber sind aus einem germ.*heist entlehnt, ags. höst f. Heftigkeit», adj.«heftig, ahd. heisti cheftigy, die weiter zu got. haifsts f.«Streit, Zank, Wettkampf gehören. Weitre Herkunft ist un- sicher. Zu aind. képig«übelgesinnt⸗?(Uhlen- beck), ir. ciopaim- quälen(Zupitza KZ. 36, 244), zu aind. ihan rasch, schnell?(Zupitza 182), zu abg. cépiti«spalteny. Bei Wieland Idris 164 Hast m. Davon hasten, v.: jäh eilen, Haue 820 Männer und Weiber», bes.«für Soldaten⸗ (Sturmhaube), ahd. hüba f.; dazu mnd. hüve, ndl. Ruif, ags. häüfe f., anord. häüfa f.«Mütze, Kappe», schwed. hufua, dän. hae ᷣHaubey. Dazu anord. hüfr m. Bauch der Schiffsseiten, ags. ⁵⁴/ f., engl. hive«Bienenkorby und weiter gr. xunn f.«Höhle?(Hesych), xöreov' n. cBechers, lat. ciöpa f.«Tonne, Kufeꝰ?, aind. küpas m. Grube, Höhley. Vgl. Walde s. v. 4BL. hauben, v.: gegen Ende des 18. Jh. in die Schriftsprache Haäubchen überdecken, 1691 bei Stieler haubelen, in der Bed.«einem tüchtig auf die Haube Flöhh. 1737, sich hasten 1691 bei Stieler, aus mnd. und mndl. hasten. hastig, adj., 1691 aufgenommen, vereinzelt schon im 16. Jh. bei Wickgram Ovid 5, 13 und 1573 bei Fischart bei Stieler, schon mhd. hastec-, hestecliche Adv.(neben haste-, hesteläche, mnd. haste- lilee) aus mnd. hastich, dazu mudl. haestich, afries. haestig. Hastigkeit, f., 1691 beiStieler. hätscheln, v.: zärtlich, allzu sorgfältig behandeln. Bereits 1691 bei Stieler hätscheln, 1711 bei Rädlein hötscheln, aber ursprüng- licher wohl«auf der Lisglitschbahn hingleiten? (fränkisch, dafür höscheln bei Rädlein), Dim. von hatschen, hätschen«schleppend, schleifend Ende des 17. Jh. anstatt der Kammerstücke gehen»(hefschen Franck Sprichw. 2, 10 ⁰b, Fi- schart Garg. 362), tirol. hatschen streichelnd liebkoseny. Hatschier, m.(-S, Pl.-e): Leibtrabant, ehemals zu Pferde. Schon im 17. Jh.(Duez 1664) aus dem noch daneben und früher vor- kommenden Hartschier(frühnhd. im 16. Jh. harschier, herschierer, erdschier, im 15. Jh. hertschier Sachsenheim Mörin 478, artschierer 1402 bei Janssen Reichskorr. 1, 660, 7), aus ital. arciere, arciero m.«Bogenschützey, franz. im 12. Jh. archer, von ital. arco, lat. arcus m. Bogeny. Hunde; dann bildlich. Im 16. Jh. bei Aven- Lohn mit Pferd und Wagen fahren. mit einer Haube be- kleiden, mhd. hühen. häubeln, v.: mit einem gehen? 1573 bei Fischart Flöhh. 1282 häublen, zu mhd. hiacbel n. Häubchem-. ZUS. Hauben- lerche, f.: Lerchenart mit einer Haube, d. h. 6— 12 hervorstehenden Federn oben auf dem Kopf, 1557 bei Heußlin Vogelb. 170 Heübel- lerch, bei Duez 1664 Haahellerche(zum Dim. mhd. Rhiubel n. Häubchen). Haubitze, f.(Pl.-n): grobes Geschütz zu Kartätschen, Granaten usw. Im 15. Jh. hauffnitz, hauffenitz, seit den Hussitenkriegen, aus tschech. houfiice, houfenice f., das urspr. (hölzerne) Schleuder für Steine bed. Gegen wieder aufgekommen, 1691 bei Stieler Hau- bitz f., 1711 bei Rädlein Haubitz m. Hauch, m.(-es, Pl.-e): aus dem Munde gehende Luft; sanftes Wehen. 1663 bei Schottel. Von hauchen, v., mhd.(noch selten) hüchen, seit Luther allmählich(im 17. Jh. bei Duez, Krämer usw.) in Auf- nahme gekommen. Ein lautmalendes Wort (Frisch 1741). Vgl. Kauchen. haudern, v.: gewerbsmäßig Reisende für 1627 bei Zincgref Schulbossen 11 haudern, mit Hatz, f.(Pl.-en): Jagd mit Hetzen der tinus 2, 466, 33 Hatz f., eig. Hatze(Stieler 1691), oberdeutsch unumgelautet, eins mit Hetze(s. d.); verschieden davon in der Bil- dung älternhd. Hatz m.(Liliencron Volksl. 2, 82, Murner Narrenb. 63, 5). Von hetzen(s. d.). Hau, m.(-es, Pl.-e): Waldort, wo das Holz abgehauen wird. Mhd. hou m.(Gen. hoεενε)«IHolzhieb, Hiebabteilung eines Wal- (1539 bei Braunschweig Chir. 37 Hauv, mnd. houae m.). eingetretnem d aus spätmhd. htren«auf einem Mietpferd reiten, in einem Mietwagen fahren,- (beide Bed. 1418 bei Janssen Reichskorr. 1, 318), mnd. und mndl. nyren«mieten»(s. Heuer f.). 4BL. Hauderer, m.: Miet-, Lohnkutscher, 1590 bei Fischart Garg. 15 Haderer. Haue, f.(Pl.-): Haugerät zur Feld- arbeit. Mhd. holuawe, ahd. houwwa f. Von hauen, v.(Prät. hieb, Konj. hiebe, Part. ge- hauen): schneidend einschlagen; eindringlich des», von hauen(s. d.). Eig. der Hau«Hieby md. im 14. Jh. hieh und hib, Plur. hierwen, Haube, f.(Pl.-n): rundliche Kopfbe- kleidung; schlagen. Mhd. houwben(Prät. hie und hieno, Part. gehouwen), ahd. houtoan(Prät. hiu, hio, Pl. hiuzaben), daneben schwachbiegend mhd. ihr in Form, Überdeckung usw. nhouwwen(Prät. houte, nhd. haute), ahd. houawon Khnliches. Mhd. hübe f.«Kopfbedeckung für(in gihouavn); dazu starkflekt. asiichs. gihauaban, hauern mnd. und mndl. houawen, ags. heawan(Prät. héou), engl. Reu, anord. höggva(Praät. Ij), schwed. hugga, dän. hugge. Urverwandt mit abg. kovati«schlagen, schmieden», kouado? m. «SchmiedH, lit. käuti«schlagen, schmieden,, kovâ f.«Kampfy. Dazu mit Wurrelerweite- rung lat. cüdere chauens, ir. chad«Kampfꝰ. Vgl. noch Walde s. v. 4L. Hauer, m.: Holzfüller(spätmhd. hawer); Erzhauer im Bergwerk(mhd. howwer, heurber Freiberger Bergrecht§ 22, nhd. nur Häuer); Hau- zahn des Ebers(mhd. im 14. Jh. hawer); Kirchhoff Wendunm. 247 b Hauaoer). ZU0S. Stud. G 3² Haavpdegen), übertr. derber Krieger (1803 bei Seume Spaz. 37). Hauland, n.: zu Ackerland angerodeter Waldboden, erst spät im 18. Jh. hauern, v.: zusammengebückt sitzen(Wie- land 21, 46), s. Kauern. Haufe(n), m.(zns, Pl.-n): Menge beiein- ander befindlicher oder übereinander liegen- der Dinge, Schar. Mhd. hüfe, ahd. hüfo m. (Gen. hüfin), mit Übergang in starke Biegung frühmhd. hf m.(Gen. hüfes), woneben md. und seltner ahd. houf m.(Gen. houfes), schon bei Luther Haufen, aber noch bei Goethe Faust 402 Hauf m.; dazu asächs. höp, mnd. hop, hope, mpe, afries. hãp, ags. hõap m., engl. heap, aus dem Niederd. entlehnt anord. höpr m. Man vergleicht abg. kupũ, lit. kaũpas m. Haufenꝰy, kuùpstas m.«Erdhöcker», lett. kupt «sich zusammenballeny». Da die Lautver- schiebung nicht stimmt, muß germ. p aus pn entstanden sein. häufeln, v. im 15. Jh. noubetlingen«kopfübery. ZUS. Hauptbuch, n., 1616 bei Henisch. Haupthaar, n., mhd. huffeln, houfpeln, hauofeln, abgeleitet von dem Dim. häffel„Häufel»(15. Jahrh.). 43. häufen, v., bei Luther heuffen, mhd. hüfen und houfen, ahd. hãfön und houfön, mnd. hupen. häufig, adj., in der Bed.«zu Hauf ge- schichtet, haufenweise» 1540 bei Alberus dict. gg 3 b heuffig, 1514 bei Keisersberg Schiff d. Penit. 125 c haufecht; in der Bed. cofty 1775 Maaler Hauptmann über meondert ccenturio?, 2Z0S8. haufenweise, adv., 1578 bei Fischart Plur. Hauptleute, mhd. houbetliute. Seit 1842 in Preußen für Kapitän eingeführt(Zfd W. 1, bei Adelung. Häufigkeit, f., 1691 bei Stieler. Ehzuchtb. J 4 hauffenabeis. Haug, m.(-es, Pl.-e): Hügel. In Berg- und Ortsnamen wie Donnershaug, Arnshaugk. Michel 17. Hauptsache, f., im 15. Jh. haupt-, heuptsach f.«Rechtsstreit, Prozeß; im allge- Mhd. und ahd. houc n.(Gen. houges); dazu anord. haugr m., dän. hoöi, engl. ho in Orts- namen. Aus dem Germanischen entlehnt nor- hauptsächlich, adj., 1578 bei Fischart mann. hogue«Hügel». Mit grammatischem Wechsel zu hoch(s. d.) und Hügel. Haupt 822 Hauhechel, f.(Pl.-/): die Hülsenpflanze Ononis. 1561 bei Maaler Hauzhechel, 1537 bei Dasypodius Heuzwhechel, d. h. Hechel (Stachelpflanze), in der, da sie gern an Wiesen- rainen wächst, das Heus leicht hangen bleibt. Haupt, n.(-es, Pl. Häupter): Kopf; das Oberste, Höchste, Vornehmste(schon ahd.). Mhd. houbet, houbt, houpt, ahd. houbit, houpit n.; dazu asächs. höbid, mnd. hõvet, höft, nndl. hoofd, afries. hãved, häfd, häd, ags. héafod, engl. head, anord.(mit urspr. a in der Wurzel- silbe) höfud, schwed. hufvud, dän. hoved, got. das münnliche Wildschwein(im 16. Jh. bei silbe ags. hafela m.«Kopfe, urverwandt mit Haudegen, m.: Schlagdegen(1658 bei Schoch haubip n. Daneben mit a in der Wurzel- aind. Kapälam n.«Schädel, Schaley, Kapuò- chalam n. das Haar am Hinterhaupty, lat. caput n.«Kopfꝰ, capillus m.«Haupthaary. Das Verhältnis von au zu a ist noch nicht genügend aufgeklärt, doch liegt wahrschein- lich alter Ablaut vor(au.: aο) mit Schwund des nach x. Mit Umlaut(wegen à in-it) mhd. und md. höuhbet, heubet, heubt, im 16. und 17. Jh. Heubt(Pl. Heubt und Heubter), noch erhalten im Dat. Pl. au Häupten(ahd. zen houbiton), mnd. hõövet, nnd. höft n.«Spitze, Eckey, md. Heid, Heed n.(hess. Häubt, Haä'ud) Krauthaupt», 1751 bei Picander 5, 283 Heet n. Kopfy. 4BL. haupten, v., in be-, ent- haupten, mhd. houbeten, houpten, ahd. houbitõn «den Kopf abschlagen», im Mhd. intr.«wie einem Haupt anhängen». Häuptling, m., 1741 bei Frisch aus Ostfriesland, afries. hdνd⁴- ling neben hãvding m.«Mitglied des friesischen Adels», in allgemeiner Bed. 1808 bei Campe. häuptlings, adv., bei Voß Ovid 1, 91, im 16. Jh. bei Th. Platter 96 häuhtlingen, mhd. houbethär n. Hauptmann, m., mhd. houbet- man, ahd. houpitman m.«der Oberste, der Erste unter Seinesgleichen», im Mhd. auch «der Anführer im Kriege, Oberbefehlshaber», um 1480 im Voc. inc. teut. 1 32 hauptman Befehlshaber über ein Fähnleiny, 1561 bei Hauptmann über tausend cchiliarchus»; der 76). Hauptquartier, n., 1617 im Teutschen meineren Sinne bei Luther 5, 115 b Heubtsache. Ehzuchtb. N 7 b. Hauptsatz, m., 1781 bei 52* 823 Haus Haus 824 Meiner. Vgl. Jellinek Idg. Forsch. 19, 272. Hauptstadt, f., mhd. houbetstat f. Haupt- stück, n., spätmhd. houbetstüche n.«Kopf- stück», auch«grobes Geschütz»; in der Bed. chauptsächliches Stück» bei Luther 7, 292 Hauptstück. Hauptwache, f., 1691 bei Stieler, dafür 1641 bei Schottel 379 Haupteacht. Hauptwort, n.: Substantivum, 1748 bei Gottsched Sprachkunst; in der allgem. Bed. chauptsächliches Worty 1691 bei Stieler. Haus, n.(Gen. Hauses, Pl. Häuser): er- baute Menschenwohnung;(edles) Geschlecht; mhd. und ahd. Mäs n.(PI. mhd. MAs und niusir, ahd. hs und hnsir), im 11. Jh. auch hous; dazu asächs.-mndl.-afries.-ags. hüs, anord. häs, nndl. huis, engl. house, schwed. hus, dän. huus n., got. nur in gudhs n. Gotteshaus, Tempel». Gewöhnlich wird Hütte(s. d.) ver- glichen, und beide dann zu ags. hYdan ver- bergeny, gr. xegeiv«verbergen» gestellt. Das ist aber durchaus nicht sicher. Man müßte von einer Bedeutung«bedecken» ausgehen. Anderseits bietet sich aind. õsas m.«Behälter, Scheide, Vorratskammer, Schatzkammer,, lit. Käuss f. Hirnschädel», anord. hauss m. «Schädel» zur Vergleichung. Und schließlich ist auch Ableitung von hauen denkbar. Aus dem Germanischen entlehnt abg. chyzu«Haus». Der alte Dat. Pl. Hausen, mhd. hsen, ahd. hüsun, ist nur noch Ortsname. 4 B L. hausen, v., mhd. und mnd. hätsen«wohnen, ins Haus aufnehmen», spätmhd. im 15. Jh.«übel wirt- schaften, wüsten», ahd. hüson«wohnenꝰ; da- von Hausung, f.: Wohnung, Unterkunft in einem Hause, mhd. häsunge f. hausieren, v.: feilbietend von Haus zu Haus gehen, im 15. Jh. hauwsiren(Nürnb. Pol.-Ordn. 133), mnd. huseren, huserern; im 16. Jh. auch in der Bed.«wohnen»(Fischart Barf. 4603). Hau- sierer, m.: von Haus zu Haus ziehender Händler, 1545 im Rotweiler Stadtrecht 1, 52 b Husierer. Häuslein, n., mhd. hiuselhn, ahd. Müsilin n. Daneben mhd. hiusel n., wo- von Häusler, m.: Dorfbewohner, der nur ein Haus ohne Feld besitzt, 1691 bei Stieler. häuslich, adj., um 1480 bei Melber g 72 nublich«zum Haus gehörend», als Adv. spät- mhd. hüslichen, hiuslich«mit Haus»; in der Bed.«gern um das Hauswesen sich küm- merndy bei Luther heuslich. Häuslichkeit, f.: das Hauswesen(1575 bei Fischart Garg. 92); die Liebe zur Hauswirtschaft(1562 bei Mathe- sius Sar. 9 b Heußligkeyt). ZUS. hausbacken, part. Adj.: für den Hausbedarf gebacken, 1691 bei Stieler, haußgebachen 1616 bei Henisch; in übertrag. Bed. bei Goethe 41, 1, 352. Haus- ehre, f., mhd. hüsére f.-Ehre des Hauses, die sich in Freigebigkeit und Gastlichkeit, in der Sicherheit und Ruhe des Hauses zeigt, Ehre des Hausherrn, Verwaltung des Haus- wesens, Haushaltung», im 16. Jh.«Hausfrau, Hausmutter»(Luther Ps. 68, 13, Alberus Ehb. G 3 b). Hauser(e)n, m.: Hausfiur, ober- deutsch-hessisch, 1588 bei Tabernämontanus Hausehren, s. Ern. Hausflur, m. und f., 1775 bei Adelung. Hausfrau, f., mhd. 5gs- vroue,-vrou f. haushalten, v., mhd."s- halten; davon Haushalt, m., 1679 bei Löh- neys Regierkunst 345a; Haushalter, Haus- hälter, m., bei Luther Haushalter: Haus- hälterin, f., 1578 pei Fischart Ehz. H 2 b Haushalterin, anders spätmhd. 1409 se-, h;. Ralterin f. Bordellwirtin»; haushälterisch, adj., 1741 bei Frisch haushalterisch, neben haus- hältisch im 17. Jh.(Simpl. 4, 6 Kz.). Haus- herr, m., mhd. häsherre m. Hausknecht, m., spätmhd. nüskneht m. Hauskreuz, n., 1659 bei Butschky Kanzl. 4. Hauslauch, m.: Hauswurz, mhd. haslouch m. hausmachend, part.: im eignen Hause zugerichtet, für den Hausbedarf gemacht, 1772 bei Bode Humphry Klinker 1, 122. Hausmann, m., mhd. hüs- man m.«Hausvater, Hausbewohner, Miets- mann, auf dem Turm wohnender Burgwarty, bei Luther 1, 3702«Türmer in der Stadt, bei Adelung 1775«Beschließer des Hauses»: dazu Hausmannskost, f.: Hauskost, 1556 bei Wickram Nachb. 73 b. Hausmeier, m.: Vorsteher der Hofhaltung. Ubersetzung des lat. major domaus. Seit dem 16. Jh. bezeugt. 1574 bei Kilian huysmeyer. Hausmeister, m.: Hausverwalter, 1678 bei Krämer, in der Bed. ᷣHausherry 1561 bei Maaler. Haus- mittel, 1691 bei Stieler. Hausrat, m., mhd. Mäsrät m. ͥdie für einen Haushalt erforderlichen Hausgeräte, auch die Haus- tierev. Hausrecht, n., 1691 bei Stieler. Hausstand, m.: Haushalt, 1641 bei Schottel 368. Haussuchung, f.: Durchforschung eines Hauses zur Ermittlung eines Verbrechens, 1517 bei Trochus M 6 b Hußsuchung, dagegen mhd. mssuochunge f. Hausfriedensbruchy, mnd. hussolinge f. in beiden Bed. Haustier, n., 1775 bei Adelung. Hausvater, m., spätmhd. hsvater. Hauswesen, n., 1620 bei Alber- tinus Lustgart. 9. Hauswirt, m., mhd. hüs- wirt m.«Hausherr, Hausbesitzer, Vorstand. einer Haushaltungy. Hauswurz, f.: das 825 Hausen auf den Dächern wachsende saftige Kraut Sempervivum, mhd. und ahd. AMszwurz f. Hauszins, m.: Mietgeld für Wohnung, mhd. nhszins m. Hausen, m.(-v, Pl. wie Sg.): der große Stör. Mhd. Aüse, schon im 13. Jh. auch husen, ahd. hüso m., mnd. Msen m. In welchem Verhältnis dazu tschech. u-x, poln. 2 m. Hausen» stehen, ist unklar, wahrscheinlich sind sie entlehnt. Da der Kopf des Hausen gepanzert ist, könnte man mit Falk-Torp an Zusammenhang mit anord. hauss m.«Schädel, lit. k⁴ναιςιας f. Hirnschaley denken. Z0S. Hausenblase, f.: Leim aus der Leimblase des Hausens, 1562 bei Mathesius Sar. 47 5b Hausenplase. hauß, haußen, adv.: hier außen. Mhd. haze, md. hüzen, zsgez. aus hie ize, hie Agen, wie mhd. hinne aus hie inne. Hausse,(spr. Hõße) f.: das Steigen der Wertpapiere. Aus gleichbed. frz. hausse f., das zu haut«hoch»(aus lat. altus) gehört. Erst im 19. Jh. Gegensatz Baisse f.«das Sinken der Wertpapiere» aus gleichbed. frz. haisse f.(von lat. bassus«niedrigs). Hauste, m.(9n, Pl.-n) und Hausten, m.(-s, Pl. wie Sg.): Haufen, aufgestellter Frucht-, Heuhaufen. Mhd. häste m., im 16. Jh. hauste m. Haufen»; dazu clev. 1477 NAlνst Kornhaufen». Aus*häfste zu Haufen(s. d.). Haut, f.(Pl. Häute): die natürliche Decke des Tier- oder Pflanzenkörpers; übertr. der Mensch selbst(schon mhd.). In urspr. Bed. mhd. und ahd. Aät f.(Pl. mhd. hiute, hiat, ahd. hnti); dazu andd. hũd, ndl. hauic, afries. hũd und héde, ags. hyd, engl. hide, anord. hudt f., schwed.-dün. had. Urverwandt mit lat. cutis f. Haut», gr. xöroc n.«Haut, Hülley, erkuri Adv.«bis auf die Haut», apreuß. keuto«Hauty, lit. Kauta? m. Pl.«Eierschalen», (mit S-Präfix) gr. còroc n.«Haut, Leder', lat. schütun n.«Schild. Vgl. Schote. 41. häuten, v., 1741 bei Frisch trans. u. refl., mhd. in A3-, enthiuten; dagegen ist häuteln, v., bei Frisch 1741, von spätmhd. heutel n.«Häutchen⸗ abgeleitet. häutig, adj. in dick-, weißthäutig, mhd. ⁵eρ μec. Häutung, f., bei Goethe 26, 191. ZUS. Auf der Volksredensart in die Haut hinein= durchaus, von Grund aus, beruhen: hautehrlich, adj.: grundehrlich, bei Maler Müller 3, 64; hautsatt, adj.: völlig satt, ebenda 2, 28; hautreich, adj.: grund- reich, bei Hebel im geheilten Patienten. Havarſie, f.(Pl.-/): Schaden an dem Hebel 826 Schiff und dessen Ladung außer dem Hafen; allerlei Schiffsunkosten, als Hafen-, Lotsen-, Ankergeld etc. 1716 bei Ludwig 4verey, Avarie, Haverey*f, Haferey, nd. 1582 bei Chy- träus Cap. 36 haferye f., mndl. im 16. Jh. averije, haverije, nndl. avarij, havarij f., aus gleichbed. franz. avarie, ital. avaria f., mlat. Ende des 14. Jh. aus genuesischen Quellen avaria, vielleicht aus arab.' αιαασ αdebrechen, Beschädigung, beschädigte Warey, aulbara cbeschädigeny». Die Form mit h wohl im Gedanken an Hafen. he! Interj. der Anrede, des Fragens, Lachens, Spottens. Mhd. hé als Interj. der Anrede, Anfang des 16. Jh. im Friedberger Passionsspiel Bl. 30 2 hé hé hé als Interj. des Lachens. Hebamme, f.(Pl.-n): Geburtshelferin, Wehmutter. Mhd. im 15. Jh. hebamme, im 12. Jh. heve-, heu-, hefamme f., mit Anlehnung an Amme(s. d.) aus ahd. hevanna, hevianna, hefihanna f., das entweder eine Verbalableitung von heben(s. d.) oder wahrscheinlicher Zu- sammensetzung mit ahd. ana, mhd. ane f. Großmutter»(s. Ahn) ist. Daneben spätmhd. heb-, hevemuter(Diefenb. gl. 390), mnd. heve- moder f. Hessisch heißt die Hebamme Elter, Eller f., das urspr. Großmutter bed.; nndl. vroedvrouao f., von vroed«klug, weisen(ahd. frõt, fruot, got. frops), franz. sage-femme f. Hebel, m.(-s, Pl. wie Sg.): Hebestange. Spätmhd. 1432 hebel m. in dieser Bedeutung. Aber schon ahd. hevil, hevilo m. Hefey, eigentlich«Hebemittel». Von heben, v. (Prät. hob, Konj. höbe, Part. gehoben): in die Höhe bewegen; wegschaffen. Mhd. heben, heven, md. auch haben, ahd. heffan, heven; dazu asächs. hebbian, mnd. heven, nndl. heffen, afries. heva, ags. hebban, engl. heave, anord. hefja, schwed. häfva, dän. häve, got. hafjan. Das Prät lautet mhd. und ahd. huop, älternhd. und noch in der Dichtersprache hub, das Part. mhd. gehaben, ahd. haban, noch 1690 bei Bödiker gehaben neben gehoben, in Zusammen- setzungen bei Herder 1, 95 und Wieland 21, 72 aufgehaben. Urverwandt mit lat. capére cfasseny, gr. Kürnn f. Griffy. Vgl. Haff, Hefe. 4BL. Hebe, f.: jüdisches Hebopfer, bei Luther, mit Beziehung auf einen Gebrauch feierlicher Hebung in die Höhe. Heber, m.: Werkzeug zum Heben von Gegenständen (Naaler 1561) und Flüssigkeiten(Stieler 1691). Hebung, f., spätmhd. in ent-, Ahebunge; bei Luther Hebung f. in der Bed. Opfery; Hebräer seit Ende des 18. Jh. Hebung und Senkung für gr. äpcic und 6cic. ZUS. Hebebaum, m., mhd. hebeboum m. Hebräer, auch Ebräer m.(-s, Pl. wie Sg.): der Jude. 1534 bei Dietenberger He- breer, bei Luther Ehreer, aus lat. Hebraeus, von hebr. ibri«der von jenseit des Euphrat Gekommene»(hebr. eber m.«der Ubergang, das Jenseitige»), zunächst von Abraham ge- braucht(1. Mos. 14, 13). hebräisch, ebrä- isch, adj., mhd. hébréisch, hobrüäisch, ébréisch, ahd. hébréisc, öbräisc, ébréisc, nach dem gr.- lat. Adj. hebraicus. Hechel, f.(Pl.-n): Stachelwerkzeug zum Durchziehen des Flachses und Hanfes. Mhd. (entlehnt aus dem Mnd.) schwed. häckla f. chauen, stechen». Kaum verwandt mit Haken. 4BL. hecheln, v., mhd. hecheln, hacheln, Iinnd. hekelen, asächs. ihekilod«gehechelt»; übertr.«prügeln⸗ im 13. Jh. bei Hugo v. Trim- berg Renner 15 049,«vexieren» 1664 bei Duez, ctadelnd verspotten» 1678 bei Krämer. Da- von Hechler, m., bei Stieler 1691. Hechse, s. Hachse. Hecht, m.(es, Pl.-e): der Raubfisch Esox lucius; raubgieriger Mensch(mhd. im 14. Jh.), loser Kerl(Wieland 18, 147); studen- tisch der beißende dichte Tabakrauch(19. Jh.). In urspr. Bed. mhd. hechet, hecht, ahd. ha- chit, hechit m.; dazu and. hacth, mnd. und mndl. hecet, ags. hacod, hœcec m. Vielleicht von seinem stachlichten Gebiß oder seiner auf- fallend spitzen Schnauze benannt und gleichen Stammes wie ahd. hecchen, mhd. hecken «stechen»(s. Hechel). Vgl. mnd. hekele «Stichling). ZUS. Hechtschimmel, m:: Pferd von hechtgrauer Farbe. Heck, n.(-s, Pl.-).: breite in einge- koppelten Feldern den Fahrweg hemmende Gatter- oder geflochtene Türe(1795 bei Voß Ged. 102); gegatterte Hoftüre(Hermes So- phiens Reise 4, 186); der hinterste oberste Teil des Schiffes(Jacobsson 1793 und Röding), früher mit einer Einfassung von Stützen ver- sehen, die durch Taue oder Ketten verbunden waren. In Norddeutschland. Mnd. heck n. Hecke, Umzäunung, Einfassung, Tor»(von Holz), 1741 bei Frisch«das den Ein- und Ausgang des Dorfes verschließende geflochtene Gatter oder Zufalltor». Entsprechend mhd. heck n. Hecke, Zaun», s. ¹Heckee. Hedwig 1 Hecke, f.(Pl.-n): Gebüsch; Zaun. Mhd. hecke, hegge, ahd. hegga f., daneben mhd. hecke, heck n.«Dorngebüsch, Umzäunung,. Entsprechend mittelengl. hegge f., engl. hedge, neben ags. hege m.«Umzüunungs. Ableitung von Hag(s. d.). Davon heckig, heckicht, adj., 1662 bei Stoer 236 b, heckechtig 1537 bei Dasypodius; das Subst. Heckicht n., um 1480 im Voc. inc. teut. 142 heckig. ZUS. Hecken-, Heckfeuer, n.: Kleingewehrfeuer Einzelner aus dem Gliede, bei Hippel W. 1, 340 von 1778 Heckenfeuer. Heckenreiter, m:: Strauchdieb, Buschklepper, 1512 bei Lilien- cron Volksl. 3, 762 heckenreiter, 1517 bei 828 Janssen Reichskorr. 2, 921 heckenreroter m., hechel, hachel f.; dazu mnd. hekcele, ndl. hekel, mittelengl. hechel, engl. hatchel und hackle, neben heckenruyterg f. 2, 875 von 1512(s. Reiter). Heckenrose, f.: Hagerose, 1546 bei Bock 2, 192 Heckrose, 1664 bei Duez 2 dän. hegle. Von ahd. hecchen, mhd. hecheen Heckenrose. Heckwirt, m.: Wirt einer Winkelschenke, mhd. hecken-, heckavirt. ² Hecke, f.(Pl.-n): Fortpflanzung durch Junge oder Brüten. 1731 bei Zinck öcon. Lex. und 1710 bei Philander v. d. Linde galant. Ged. 67; dazu mittelengl. hacche, engl. hateh cdas Brüten, die Bruty. Von hecken, v., 1482 außhecken causbrüten» Voc. theut. c 2 b und e 3 /, mhd. sich hecken«sich fortpflanzen» (von Vögeln); dazu mittelengl. hacchen, engl. hatch ausbrüten?. Gleichen Stammes wie mhd. hagen m. Zuchtstier»(s. Hacksch) und ahd. hega-, hegidruos, mhd. hege-, heidruos f. Hode, Zeugungsglieds, and. heidrosi«ve- renda». ZUS. Hecke-, Hecktaler, m.: Zaubertaler zum Reichwerden, 1691 bei Stieler Hecktaler, 1570 im Abschied des Reichstags von Speier§ 133 Heckenmüntze. Hede, f.(Pl.-n): Werg. Norddeutsch (Möser Phantas. 1, 116), 1517 bei Trochus K 63 hede, bei Frisch 1741 Heede. Aus mnd.-nnd. und afries. héde f., mit Ausfall des r aus mndl. herde, heerde«Flachsfaserꝰ, entsprechend ags. heorde f., engl. hards Pl. Flachshedey». S. Haar 1. Hederich, m.(-s, Pl.-e): Gundelrebe, Hedera terrestris oder Glecoma hederacea; wilder Senf, erysimum, mhd. ahd. heder'ch, hederich m., mnd. hederik, hedderiche. Unter Einwirkung von Wegerich umgebildet aus dem lat. Adj. hederdãceus«efeuähnlich», oder dessen Stammwort hedera f.«Efeuy nach- gebildet, wohl zuerst von der efeuähnlich kriechenden Gundelrebe. Hedwig, Frauenname, mhd. Hacdwig, ahd. Hade-, Hathuvig, zgs. mit ahd. hadu- 829 Heer heftig 83⁰ Kampf»(s. Hader) und ahd.- mhd. w m. &Krieg, Schlachty. Heer, n.(es, Pl.-e). Bei Luther Heer, mhd. her, ülter here, ahd. hari, heri n.(Gen. herjes, Dat. herige); dazu asächs. heri m. «Menge, Volk», mndl. heir n., afries. here und hiri m. n., ags. here m.(Gen. heriges), anord. herr m., schwed.-dän. här m., got. harjis m., chario- in germanischen Eigen- namen zur Römerzeit Chariomérus, Chario- valda. Urverwandt mit altpreuß. karjjis Heer, kariawoytis«Heerschau, lit. Karias m.«Heery, Käras m.«Krieg», abg. Kara f. «Streit, altir. cuire«Heer, Schar». Dazu auch gr. koipavoc m.«Heerführer, Herrscher⸗ aus zkorjanos, das Bugge Btr. 21, 422 mit anord. Herjann, einem oft vorkommenden Namen Odins verglichen hat. Vgl. Herberge, Herzog. 4B L. heeren, v.: mit einem Heere d. h. mit Krieg überziehen, dann verwüsten, berauben, älternhd. heren, hergen, jetzt nur noch in verheeren, aber noch frünk. heren cübel hausen⸗, bayr. hergen«verwüsten'», mhd. heren, hern, aber auch herjen, herigen, hergen, ahd. herjan und harjön, herjön, her- rön; dazu ags. herigan, engl. harry, harrow plündern», anord. herja«Krieg führen, plün- dern, einen Raubzug unternehmen, schwed. härja, dun. hürje«verheeren». ZUS. Heer- bann, m.: Aufgebot sich zum Kriegsheere zu stellen, mhd. herban, ahd. heriban m. «Aufgebot der Freien zur Heeresfolge», im Mhd. die Mannschaft durch Aufgebot», da- her altertümlich bei Schiller Tell 2, 2 Heri- bann m. Heerbiene, f.: Raubbiene, 1765 pei Overbeck Bienenwörterb. 39, zu heeren (s. d.). Heerfahrt, f., mhd. hervart, ahd. herifart f. Heerführer, m., mhd. herfaerer im Voc. opt. 23, 6. Heergewäte, Heer- gewette, n.: die fahrende Habe, die sich auf Bewaffnung und Rüstung des Mannes bezieht und nur auf den Mannsstamm und Verwandte münnlicher Seite forterben kann (vgl. die Gerade), mhd. hergewœte n., eig. Kriegsgewand, Kriegsrüstung»(ahd. gizwäti n. ist Kollektiv von zwät f. Kleidung»), mnd. herwéte, hererwéõde und hergewwéde n., 1663 bei Schottel 483 Heergewette. Heerhorn, n., mhd. here-, Rerhorn, ahd. herihorn n. Heer- meister, m.: Vorgesetzter eines Gebietes bei Ritterorden und Anführer des Ordens- beeres, 1734 bei Steinbach. Heerrauch, s. Herauch. Heerschar, f., mhd. herschar f. Heerschau, f.: Besichtigung eines ausge- rückten Heeres in und zu Kriegstüchtigkeit, mhd. herschouwe f. Heersteuer, f.: Kriegs- steuer, von Kriegsdienst befreiende Lehn- gutssteuer, mhd. herstiure, ahd. heristiura f. Heerstraße, f.: Landstraße, 1517 bei Tro- chus J 42 hehrstraß,«via regian, ahd. heri- strãza f.(md. im 14. Jh. herstrãze f.«Milch- straße am Himmel»), ags. heresträt f. Heer- wagen, m.: Rüst-, Kriegswagen bei Feld- zügen, Sternbild des großen Bären, mhd. herwagen in beiden Bed. Heerweg, m., mhd. herwec m. Heerwurm, m.: wie ein Wurm (Schlange) lang dahinziehendes Heer, bei Goethe 7, 177; in dichten Scharen ziehende Raupenart, 1775 bei Adelung. Heerling, s. Herling. Hefe, f.(Pl.-n): durch Gärung ausge- schiedne und wieder Gärung erzeugende Sproßpilze; bildl. Auswurf, Bodensatz(im 15. Jh. Städtechron. 3, 142, 21). In urspr. Bed. bei Luther Hefen f., aber noch im 18. Jh. pei Hagedorn Od. 48, Klopstock, Bürger 85, Hölty Kenner 145 Hefen m., mhd. hebe, heve, hefe, hepfen m. und f., spätahd. hepho m., woneben mhd. hevele, hefel m. und hebel n., ahd. hevil, hevilo m. Hefen, zu ahd. hefjan«-heben»(s. d.); dazu ndl. hef, heffe f., ags. hafe m. Vgl. Bärme. 4B L. hefig, adj., 1711 bei Rädlein, hefficht 1678 bei Krämer. Heft, n.(-es, Pl.-e): Handhabe eines Schneide-, Stechwerkzeugs; Spangennadel zum Festhalten(1517 bei Trochus R 2 heffte, 1716 bei Ludwig Heft m.); geheftetes Papier(1740 bei Hagedorn 1, 57). In der 1. Bed. mhd. hefte, ahd. hefti n.«Messer-, Schwertgriff. heften, v., mhd. heften, ahd. heften cfest- haltend(haf!) machen, befestigen?; dazu andfrk. heftian, ags. hœftan cheften?, got. haftjan«sich anhängen», eine Ableitung vom Adj. ahd. haft, got. hafts(s.-haft). Heftel, m. und n.(-s, Pl. wie Sg.): Häkchen ain Kleide zum Festhaken, mhd. heftel, haftel n. neben heftelin, haftelin n.«Spange zum Zu- sammenhalten des Kleides», Dim. zu mhd.- ahd. haft m. Band, Halter»(s. 1Haft); dazu Heftelmacher, m., 1568 bei H. Sachs Be- schreib. aller Stände d 2. Davon hefteln, v., 1691 bei Stieler heftelen. ZUS. mit heften: Heftpflaster, n., 1741 bei Frisch. Heft- zwecke, f., junge Bildung. heftig, adj.: sehr streng, ungestüm. Mhd. heftec, heftic, auch haftig, häftig«festbleibend, beharrlich, mit Beschlag belegt», dann«ernst, 831 Hege Heide 83² wichtig, stark, ungestümꝰ, aus spätahd. heiftig, Adv. heifteclichen«ungestümy, mhd. Adv. haifdichen(Kaiserchron. 188, 1 Diemer) nebst dem mhd. und spätahd. Adj. heifte«unge- stümy(noch bayr. haift), gleichen Stammes wie got. haifsts m.«Streit, ZJank»(s. Has). Vgl. noch Uhlenbeck Btr. 30, 286. 4BL. Heftigkeit, f., 1482 im Voc. theut. o 1b hefftiglceit. Hege, f.(Pl.-/): Schutz; durch Verbot geschützte Fläche. Mhd. hege, ahd. hegi f. cabschließende, schützende Umzäunung, um- zůuntes Buschwerk». Von hegen, v.: um- zäunen, durch Umzüunung schützen; in seinem Schutze halten, anhaltend bei sich bewahren (schon mhd.). In der 1. Bed. mhd. hegen, ahd. hekjan; dazu mnd. hegen, heien, mndl. heghen, afries. heia, ags. hegian, engl. hedge, abgeleitet von Hag(s. d.) eigentlich«mit einem Zaun umgeben». ZUS. Hegereiter, m.: berittener Forstaufseher, im kursächs. Jagdmandat vom 8. April 1629 Hege-Reuter. Hegewiese, f.: Wiese mit Gartenrecht, auf der niemand ohne des Eigentümers Willen weiden darf, 1731 bei Zinck ökon. Lex. Hege- wisch, m.: zum Zeichen der Hegung ausge- steckter oder ausgehangener Strohwisch, 1775 bei Adelung Hägewisch. Hegezeit, f.: Schonzeit des Wildes, 1746 bei Döbel Jüger- Prakt. 3, 119 v. Hegemonie, f.(Pl.-/): Oberherrschaft. Aus gleichbed. gr. fpreuovia f. im 19. Jh. „Heger, m.(-s, Pl. wie Sg.): Hüter eines Geheges; Art kleiner Lehnsleute. In der 1. Bed. 1470 md. heger m.«Waldhüter» (Diefenbach mlat. hochd.-böhm. Wbch. 173), in der 2. Bed. 1322 heghere Pl. bei Haltaus 777. ZUS. Hegergut, n.: kleines Lehns- gut, 1321 heger-, heigersgud bei Haltaus. ²¹Heger, s. Häger. Hehl, n. und m., in kein oder keinen H. haben(mit Gen.) und kein H. aus etzas machen(erst im 19. Jh.): verheimlichen. Bei Luther kein heel haben, mhd. hœle haben mit Gen. oder unpersönl. mich, hät hcœle mit Gen., von mhd. hœle, md. hãäle, héle f.«Verheim- lichung», während Hehl n.(mhd. sunder hœl, md. sunder hél«offenbar») das substantivisch verwendete Neutr. des Adj. mhd. hœle, hœl, md. héle, hél«verhehlend, verhohlen, ver- borgen» ist. hehlen, v.(Prät. hehlte): tief verbergen vor jemand, mit starker Flexion mhd. heln(Präs. hil, Prät. hal, Plur. hälen, Part. geholn), ahd. helan, asächs. und ags. helan, afries. hela, nhd. nur noch im Part. verhohlen, daneben mit schwacher Biegung md. heln(in entheln«aus der Verborgenheit nehmen» und verheln«verbergen machen)), ahd. hellan, hellian, asächs. bihelian, ags. be- helian«verbergen», nhd. bei Luther Stieler, Rädlein hälen, 1664 bei Duez hälen, hählen und heelen, 1663 bei Schottel hehlen. Ur- verwandt mit lat. céläre«verhehlen, ver- bergen», das dasselbe lange é zeigt wie mhd. hœle(s. Hehl), lat. occulere«verbergen, be- deckeny, ir. celim, kymr. cele«verhehlen. Die Wurzel zeigt mannigfache Ableitungen, vgl. Hülle, hüllen, Hülse, hohl, Höhle, Hölle, Helm, doch ist die Grundbedeutung kaum die von«verbergen», sondern die von cbe- decken gewesen. Vgl. noch Walde s. v. céläre. 4BL. Hehler, m., mhd. helcre, heler m. hehr, adj.: Ehrfurcht gebietend, feierlich stimmend. Bei Luther hehr, mhd. ahd. hér choch und herrlich, erhaben, vornehm, heiligꝰ, im Mhd. auch«stolz, hochmütig, frohy, asächs. mnd. hér«vornehm, zu verehrendy, 1690 von Bödiker 173 und von Adelung 1775 als ver- altet bezeichnet, Ende des 18. Jh. neu ein- geführt(1781 bei Klopstock 2, 44 und Voß Od. 12, 449); dazu ags. här caltersgrau», engl. hoar, hoary«grau», anord. härr«grauhaarig, grau». Entsprechend abg. serii«glaucus», russ. Ser⁸j, poln. szarhy«grau, nslow. sérec «Greis». Vgl. noch Uhlenbeck Idg. Forsch. 17, 97. Vgl. Herr, herrlich. hei! Interj. der Belebung, Ermunterung, Freude, Verwunderung. Mhd. hei, hey, heid, heiahõ, anord. hei, wie lat. heia, eia, gr. eia, provenz. hahi, hai, hag. heida! Interj. des Lebensmutes, auch nachdrücklicher Zuruf (Lessing 10, 239, hey da Wieland 11, 229). 1 Heide, m.(-n, Pl.-n): wer nicht Gott verehrt. Md. im 14. Jh. heide m., gekürzt aus mhd. heiden m.«Sarazene, Mohamme- danery, ahd. heican m. Nichtchristy, noch älternhd. Heiden m.; dazu and. héthino m. Heides, mnd. und ndl. heiden, afries. hethin, héthen, ags. höden m., engl. heathen, das zum Subst. gewordene Adj. mhd. heiden, ahd. heidan, asächs. héthin, ndl. heiden, afries. héthin, höthen, ags. häöden, anord. heidinn cheidnisch», urspr.«ländlich», eine Ableitung von Heide f.(s. d. ²) und Nachbildung des christlich-lat. pãgãnus m.«Heide», eig. im Lat.«Dorf-., Landbewohner», zuerst jedoch Adj.«dem Dorf angehörig, ländlich»(von lat. pãgus m.«Dorf, Gau»), dann cheidnisch), 833 Heide nachdem unter Konstantin d. Gr. und seinen Nachfolgern das Christentum römische Staats- religion geworden und die altväterliche Götter- verehrung aus den Städten auf das Land zurückgedrängt worden war. Daher zunächst got. haipnò f.«Heidiny, zu got. haipi f.«un- bestelltes Feldy, haipitbiskes«wildy, und wohl durch den Einfluß des Christentums der Goten auf die übrigen Germanen übertragen. W. Schulze dagegen Sitz.-Ber. d. Berl. Ak. 1905, 726 ff. hält got. haipno(spr. hé5) für entlehnt aus gr. EGvoc, dialektisch éévoc«Volk». Dann kann Heide nicht aus dem Gotischen stammen. Aus lat. pãgãnus m. Heides entlehnt gleichbed. ital.-span. pagano, franz. paien, rumän. pãgan, abg.-russ. pogani m. 43L. Heidin, f.(Pl. -nen), mhd. heideninne, heidenin, heidenin f. heidnisch, adj., mhd. heidenisch«saraze- nisch⸗, ahd. heidanisc«nichtchristlichy», mnd. heidensch. Heidentum, n., mhd. heiden- tuom m., ahd. heidantuom m. n.«unchrist- liches Wesen», ags. hädendom m. 2 Heide, f.(Pl.-n): waldlose wildgrünende Ebene. Mhd. im 12. Jh. heide f.(ahd. heida kommt nur als Pflanzenname vor, s. Heide); dazu mnd. hede, heide, ndl. heide, ags. hε f., engl. heath, anord. heidr f., schwed. hed m., dän. hede, got. haipi f. cunbestelltes Feldy. Urverwandt mit gall.-cétum, kymr. coit«Waldꝰ, lat.-cetum in bäcétum n.«Kuh- trifty. S. Heide 3. ZUS. Heide(n)lerche, f.: auf der Heide und deren Bäumen lebende Lerche, 1557 bei Heußlin Vogelb. 170 ⁵ Heid- lerch f. Heiderauch, s. Herauch. Heid- schnucke, f.: kleine Art Schaf, bes. in der Lüneburger Heide, 1775 bei Adelung, Heide- schnacke f. 1731 bei Zinck ökon. Lex. 2134. S. Schnuelkce. 3 Heide, f.(Pl.-n): der auf Heiden wachsende kleine Strauch erica, Heidekraut. Mhd. heide, ahd. heida f.; dazu ndl. heide, ags. hß f., eins mit dem vorhergeh. Worte (s. 2 Heide), dessen Bed. auf die im Heide- land hauptsächlich wachsende Pflanze über- tragen ist. ZUS. Heidekraut, n., spätmhd. heidelor it. Heidekorn, n.(-S, Pl.-e): der Buch- weizen(s. d.). 1604 bei Colerus 3, 130 Heide- korn, 1409 heidenkorn n. bei Mone Ztsehr. 3, 408, dafür 1449 heiden m.(Städtechron. 2, 319, 27), 1530 bei Peypus Heydel(Diefenb. gl. 409 b), 1517 bei Trochus K 52 heidelkorn, noch süddeutsch Heiden und Heidel m., weil die Pflanze und ihre Frucht aus heidnischen, Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. Heil 834 mohammedanischen Ländern(Griechenland und Asien) nach Deutschland kam, s. 1Heide. Damit stimmen überein die gleichbed. Be- nennungen: Tater- oder Tatelkorn n., d. h. von den Tataren bezognes Korn, böhm.- poln. und ungar. tatarka f.; in Preußen und den russischen Ostseeprovinzen Grichen m. und Grick f., 1785 bei Hennig preuß. Wb. Grücken, aus lit. grikas m., poln. gryka f., eig. «griechisches Korn»; böhm.-poln. pohanka f., von pohan, pohaniec m. der Heide»; franz. blé sarrasin m., früher bled turchigue. Heidelbeere, f.(Pl.-n): die schwarz- blaue Beere des Vaccinium myrtillus. Mhd. heit-, heidelber n. f., ahd. heitperi n., d. i. «die auf der Heide wachsende Beere». Heidelerche, Heidschnucke, s.*Heide. heidi! Ausruf der Lust; aber auch cauf und davon, im Umsehen verloren?, 1782 bei G. Müller Siegfr. v. Lindenberg 4, 204 heidi gehn. Heiduck, m.(-en, Pl.-en): großer Diener in ungarischer Tracht(im 18. Jh. vom Wiener Hof aus, 1703 im Zt. Lex., 1757 bei Rabener Sat. 4, 41), urspr. in Ungarn heimischer Volks- stamm, der in seiner Nationaltracht seit dem 16. Jh. am ungarischen und polnischen Königs- hofe Kriegsdienste leistete(Kiechel Reisen 100 Heuduck, Fischart Großm. 72 Heyduckc). Eben- sowohl vorn wie hinten betont. Von halclük, dem Plur. des ungar. hajdu Infanterist, später Gerichtsfron, Trabanty. heikel, adj.: ekel, an Geschmack schwer zu befriedigend, kleinlich wählerisch; mit Sorgfalt, Zärtlichkeit, Schwierigkeit zu be- handeln, bedenklich. Im 16. Jh. bei Johs. Nas Warnungsengel 102 heikel«empfindlich, kleinlich besorgt», 1618 bei Schönsleder haickel, 1663 bei Schuppius 768 haiggel, bei Grimmels- hausen 2, 239, 14 Kell. hechel, Var. häckel, 1691 bei Stieler hekel, schlesisch 1652 bei Scherffer Ged. 19 u. 622 halcel. Oberdeutsch, dafür niederd. ekel(vgl. 1616 bei Henisch Eickel m. für Ekel). Es ist unmöxglich, über das gegenseitige Verbältnis von heitel und ekel ins Klare zu kommen. Davon gleichbed. heiklig, adj., 1670 bei Abele künstl. Un- ordn. 1, 283. Heil, n.(-s, ohne Pl.), mhd. heil n.«Ge- sundheit, Glück»,(verhüllendauch)«Unglück», dann im Md. Beistand, Hilfen, ahd. heil n. Glücky; dazu and. hél«Vorbedeutung», ags. häl n.«Gesundheit, Glück, günstiges Vor- zeichen, anord. heill n.«Vorzeichen, bes. glückverheißendesy, heill f.«Glück, Heil*. 53 83⁵ heil heil, adj.: unbeschädigt, unverletzt, von Ver- letzung wiederhergestellt, mhd. und ahd. heil «gesund, unverletzt, gerettet»; dazu asächs., engl. zohole und aus dem Altnord. entlehnt hail, hale, anord. heill, schwed.-dän. hel«un- schadhaft, ganzy, got. hails«gesund, der Ge- sundheit dienlichy. germanischer Zeit der Nom. des Adj.: got. hails! ags. wes häl! Urverwandt mit abg. colü«ganz, heil, altpreuß. kailũstilan(Akk.) «Gesundheit», altir. cél, kymr. coil«Vorbe- deutungy, gr. xohu: xd kohév bei Hesych. Vgl. Zupitza 105, Walde s. v. caelebs. 4 B L. lheilen, v.: heil werden, mhd. heilen, ahd. heilén. eheilen, v.: heil machen, mhd. heilen, ahd. heilen(auch erretten); dazu asächs. hõlian, afries. héla, ags. holan, engl. heal, anord. Reila, got. hailjan. Heiland, m.(-S, Pl.-e): Erretter des Volkes, Erlöser der Menschen, das kirchlich in der vollen alten Form als Subst. bewahrte Partiz. Präs. von heilen, mhd. und ahd. heilant, heiland, asächs. hé- liand, ags. hlend m. heilig, adj.: gött- liches Heil bringend, sittlich und geistlich rein, dann ausschließlich gottgeweiht, mhd. Reilec, ahd. heilac, heilig, asächs. héölag, mnd. hillich, afries. hêlich, hélch, hilch, ags. hälig, engl. holg, anord. heilagr, got. auf einer Rauneninschrift hailag(dafür bei UIfilas aweihs, s. wWeihen); substantivisch der Heilige, mhd. heilige, ahd. heilago m.(damit 2gs. Heiligen- schein, m., bei Kl. Schmidt und Campe 1808); dazu Heiligkeit, f., mhd. heilecheit, heile- keit, ahd. heiligheit, afries. hélichéd f.; Titel des Papstes. heiligen, v., mhd. heiligen, ahd. Reilagn, asächs. hélagon, ags. hälgian; Heiligung, f., mhd. heiligunge, ahd. heili- gunga, ags. Rälgung f.; Heiligtum, n., mhd. heilec-, heilictuom n.(auch Reliquie, insbes. die Reichsinsignien und Reichsheiligtümer), ahd. heiligtaom n. ZU0S. 1) mit dem Adj. heil in der Bed.«vollständig, ganzs: heilfroh, adj.: ganz und gar froh, in Mitteldeutsch- land, bei Thümmel Reise 6, 72.— 2) mit Heil: heilbar, adj., mhd. heilbcere«Glückbringend»; im Nhd.«zu heilend» als Zusammensetzung mit heilen, 1734 bei Steinbach. heillos, adj., im 16. Jh. ohne körperliche Gesundheit, ohne Wohlfahrt, arm, elend, dann in mora- lischem Sinne böse, abscheulich(bei Luther Heim 836 tum, n.: heilkräftige Reliquie(Tieck Nov. 10, 291), mhd. Reiltuom n., veraltet.— 3) mit heilen: Heilbrunnen, m.: Gesundbrunnen, mnd. und afries. hél, nndl. heel, ags. häl, bei Luther. Heilkunde, f., 1796 bei Adelung. Heilbutt, m.(-S, Pl. Heilbutte) auch Heilbutte, f.(Pl.-): der große norwegische Plattfisch Pleuronectes hippoglossus, 1795 bei Als Grufßformel in alt- Nemnich Heilbutt, Heiligebutt, Hille-, Hillig- bulk m., anord. heilagr fisker, dän. hellebut, helleflymdre, schwed. helge-, hülleftundra, isländ. heilagfisk, ndl. heilbot, helbut, halibut, holibut. Eigentlich also der heilige Butt», vgl. Pli- nius hist. nat. 9, 47. Heim, n.(-s, Pl.-e): eignes Haus und Hauswesen. Mhd. und ahd. heim n.«Haus, Wohnort», im 16. Jh. veraltet, am Ende des 18. Jh. unter Einfluß des engl. home erneuert (Pr. L. v. Stolberg 2, 228); asächs. hem n. Haus», mnd. heime f., heim n. Heimats, afries. häm, hém m. f.«Haus, Dorf», ags. häm m.«Haus, Wohnort», engl. home, anord. heinr m.«Haus, Wohnung, Welt», got. haims f.«Dorf, Fleckeny. In Ortsnamen-heim, mhd.-ahd.-heim, engl.-ham. Urverwandt mit gr. whun«Dorfy, apreuß. geimins, lit. seimina f., lett. sa'ime f.«Gesinde», abg. seminu m.«mancipium», sem f.«persona» (dagegen sind apreuß. caymis«Dorfs, lit. kiémas Bauernhofy,[Kaiminas Nachbars] wohl aus dem Germanischen entlehnt), air. coim clieb, wertvolly. Vgl. Zupitza 49. Viel- leicht ist auch der unter Heirat besprochene Stamm verwandt. heim, adv.: nach Hause, mhd.-ahd. heim, der Akk. Sg. von Heim, enisprechend ags. hãn‧, engl. home, anord. hein; dagegen der Dat. Sg. von Heim ad- verbialisch mhd. ahd. heime zu Hausey, noch in Mitteldeutschland héme(s. daheim), anord. heima. 4BL. Heimat, f.(ohne Pj.), mhd. heimõte, heimöde, heimöt, heimuote, heimuot f. n., im 15. Jh. auch heimät, ahd. heimuoti, heimõti n., mnd. hemode, heimode n. f. Vater- haus, Vaterland», mit der gleichen Ableitungs- silbe wie Armact, Einöde; dagegen mit andrer Zusammensetzung got. haimöpli n. cheimat- liches Gut, Erbgut», ahd. heimédil n.«Hei- maty; dazu heimatlich und heimatlos, adj., bei Schiller(Campe 1808). Heime, f. (Pl.-n), gewöhnlich im Dim. Heimchen, n.(-s, Pl. wie Sg.): die Hausgrille, mhd. heime m., ahd. heimo m., ags. häma m., ahd. und 1507 bei Wilwolt 67). heilsam, adj., auch machheimo m., mhd. mücheime m., noch mhd. heilsam«Heil bringends, ahd. heilesam, schweiz. Muchheim f. und Heimuch m.(Maaler Adv. heilsamo, and. hélsamo causpicato». Heil- 1561, ahd. heimamuch grillus»), entweder 837 Heim zu ahd. mühhan cheimlich lauernd anfallen? (s. meucheln), eig. das im Versteck lauernde Heimchen, oder besser zu got. mälca-«sanft, freundlich»(in mãkamodei f.«Sanftmut»); im Dim. Heymchin 1540 bei Alberus dict. Ce 3, clev. 1477 heymlen n., dafür mhd. heimelin n., ahd. heimili n. heimeln, v.: heimatliche, vertraute Gefühle erregen, schweizerisch(bei Salis), vgl. anheimeln. heimisch, adj., mhd. heimisch, ahd. heimisc«zum Hause gehöõrigy. heimlich, adj., mhd. heime-, heim-, heinlich, ahd. heimilich zum Hause gehörig, nicht fremd, vertraut, dann«fremden Augen ent- zogen, verborgen vor andern»(auch in das heimliche Gemach, 1482 im Voc. theut. 0 2* heymlich gemache); Heimlichkeit, f., mhd. heime-, heimlicheit f. heimsen, v. in ein- heimsen(s. d.), mhd. heimsen cheimbringen, an sich nehmen. ZUS. Heimbürge, m:: Untervorsteher der Gemeinde, mhd. heim- bürge, ahd. heimburgo m.; in Obersachsen Leichenbestatter(Dresduer Leichenordn. von 1686), dazu Heimbürgin f.«Leichenfrau? (kursächs. Reskript von 1773). Heimfall, m., 1691 bei Stieler; heimfallen, v., bei Luther und 1540 bei Alberus dict. Xx 25. Heimgarten, m.: trauliche Zusammenkunft außerhalb des eignen Hauses, Besuch, auf alemann.-bayr.-österreichisch. Gebiete, schon mhd. heim-, heingarte m., auch in urspr. Bed. ceingefriedigter Garten». Heimkehr, f., bei Klinger 6, 20 und Schiller 6, 351. heimleuchten, v.:: Fackeln oder sonstigen Leuchten nach Hause geleiten, dann fortprügeln, beides 1775 bei Adelung; tadelnd zurechtweisen(Reiskens Lebensbeschr. 117). heimsuchen, v., mhd. (schon im 12. Jh.) heime suochen«besuchen, feindlich anfallens, urspr.«zu Hause, in seinem Hause aufsuchen»; Heimsuchung, f.:«Be- such des strafenden Gottes, bei Luther, mhd. heimsuochunge f.«Hausfriedensbruch». Heim- tücke, f.: heimliche Hinterlist, bei Klop- stock 12, 42, fafür bei H. Sachs haimliche Dück, hemische Dück; heimtückisch, adj., 1575 bei Fischart Garg. 91 heimdäückisch, 248 heimduckisch. heimwärts, adv., 1535 im Aimon c heimwerts, mhd. heimawart, wert, heimortes und heimort. ahd. heimwartes, Heimweh, n.: krankhafte Sehnsucht nach der Heimat, ein urspr. schweizerisches Wort, 1678 in des Basler Arztes Joh. Jakob Harder Dissertatio medica de vocroxria oder Heim- wehe oder Heimsucht, 1705 in Scheuchzers die Güste abends mit heint 838 Seltsamer Naturgeschichten des Schweizer- landes wochentliche Erzehlung Nr. 15, S. 57 Heimabehe n., danach bei Steinbach 1734 Heim- weh n., ferner um 1715 auch Heinmoehe f. bei Callenbach Wurmland 53. Vgl. Kluge ZfdW. 2, 234. Heimwesen, n., mhd. heim- wesen n. Hauswesen). Hein in Freund Hein: der Tod, nach alter Ansicht als wohlwollendes freundliches Wesen aufgefaßt. Erst 1774 von Claudius mit der Schreibung Hain eingeführt und schnell geläufig geworden, 1778 bei Lessing 12, 505 Freund Hein, als vriend Hein selbst ins Neuniederl. eingedrungen. Hein ist nd. Koseform von Heinrich und wie engl. old Harry, the Lord Harr; Name des Teufels, der auch spätmhd. Heyn heißt, 1570 bei Agricola Sprichw. 321 b Henn«der Teuffel?; ebenso sind Heinrich und Heinz Kobold- namen, volkstümliche Umschreibungen für gefürchtete Wesen. Heinrich, Mannsname. Mhd. Hein-, Heim- rich, ahd. Heimiriech, Heim-, Heinrih, 298. aus ahd. heim n. Haus»(s. Heim) und rih (s.-rich). Sanfter Heinrich im Osterland ein gutmütiger, sich viel gefallen lassender Mensch, dann ein langsamer Walzer, auf einem Tanzliede beruhend; in Berlin dagegen eine Art gemischten Branntweins(Germania 5, 334). Die Pflanzennamen: böser Heinrich (Orobanche major, Sommerwurz, 1541 bei Gesner Catalogus plantarum), großer Heinrich (Inula helenium, Alantwurz, bei Nemnich 1794), guter Heinrich(Chenopodium bonus Henricus), der gemeine Gänsefuß, 1530 bei Brunfels und Bock), stolzer Heinrich(dieselbe Pflanze, bei Bock), gehen, wie es scheint, auf die Vor- stellung von Elben und Kobolden, denen man den Namen Heinrich oder Heinz beilegte und die Heilkraft jener Kräuter zuschrieb(s. Hein). heint, adv.: diese(vorhergegangene oder nächstkommende) Nacht. Mhd. hint, hnat, ninet und(vielleicht eine Analogiebildung nach heute) hinte(noch obersächs. hinte), unver- kürzt hinaht, ineht, im 15. Jh. heinacht, heint, ahd. h'naht, entstanden aus einem Kasus eines alten Demonstrativpronomens, dessen Reste in got. himma daga can diesem Tages, und hina dag æbis auf diesen Tags, und hita nu cbis jetzt»(Akk. Sg. Neutr.) erhalten sind. Die Etymologie dieses Stammes ist nicht ganz klar. Einerseits stimmt hi-, ho- zu lit. S's, abg. 6i, arm.-S cdieser», alb. si-ujét cin diesem Jahrs, gr. cfuepov aus*3ãmeron 53* 839 Hein⸗ cheuten, anderseits in der Bedeutung vor- trefflich zu lat. hic, vgl. heute und hodie. Das Lat. und Germ. könnte man aber nur unter dem Ansatz von h vereinigen, vgl. haben, Hamen. Die Schwierigkeiten sind noch nicht gelöst. Vgl. Brugmann Abh. K. Sächs. Ges. d. Wiss. 22, Nr. 6, S. 69 ff. Im Deutschen zeigen den Stamm h noch heuer, heute, hier(s. d.) und vergleiche her, hin, hinnen. Aus Vermischung mit heute ent- stand die Form heunt(bei Maler Müller, 1691 bei Stieler und schon 1388 heunt Nürnb. Chron. 1, 156, 14). Heinz, kürzender Kosename für Heinrich (s. d.). Mhd. Heinze. Als Name des ge- schäftigen Hauskobolds alsdann auf Geräte angewendet, wie die Wasserhebemaschine im älteren Bergbau(1562 pei Mathesius Sar. 207 Heintz). Auch auf Tiere übertragen, z. B. als Name des Zugochsen(Frisch 1741), des Katers(1595 bei Rollenhagen Froschm. Heinz der Waldkater, s. Hinz), der wilden Wald- bienen(Waldheinzen 1765 bei Overbeck Bienenwbch.). Zgs. mit dem Dim. Heinzel m.(oberd. Name des jungen Pferds oder Stierkalbs, älternhd. Spielpuppe, Marionette) Heinzelmännchen, n.: Kobold, Hausgeist, 1540 bei Alberus dict. BB 32 Heintzelmann, Heintzelmenchen, bei Luther Heinzlein, 1646 bei Philander 5, 328 Hanselmännerlein Pl. Heirat, f.(Pl.-en): Eingehung der Ehe. Bei Luther Heyrat f. und meist m., mhd.- ahd. hirät m. und f., urspr.«Zurüstung des Hausstandes», noch bayr. Heirat m.&Ehe- 16. bis 18. Jh. die Schreibung Heurat(1535 im Aimon J 4 Heurath m.). Zgs. mit ahd.- mhd. rät m.«Beratung, Verhandlung, Zu- rüstung»(s. Rak) und einem Wortstamm, der vorliegt in got. heizwafrauja m. Haus- herr», ahd. hꝰoo m. Gatte, Hausgenossey, hioa f.«Gattin», Mun Pl. cbeide Gatten, beide Dienstboten», hiski n.«Familie, Haus- gesinde, Haushaltung, hwan«heiraten», ags. man Pl.«Hausgesindey, hiréd, hird m. und horãden f.«Familie, Haushalt⸗, haoisc n. Familiey, hwian cheiraten⸗, anord. M, Mun Pl.«Mann und Frau, Ehepaar, Dienst- boten», hy’ski n.«Hausgenossen, Familiey, noõbyli Pl.«Hauswesen, Haus, Inbegriff der Hausleutey, urverwandt mit lat. civis m. Bürgery, ir. cCla«Mann), lett. Séa f.«Weiby, heiser 840 aind. çẽvas clieb, wert, giväs egünstig, gütig, heilsamy». Zu dem Stamm des Wortes ge- hört auch wohl Heim(s. d.). Weitere Ver- gleiche bei Walde s. v. clwis. 4BL. hei- raten, v., mhd. h'räten, wodurch das gleich- bed. mhd. hMven, hien verdrüngt wurde. Im 16.—18. Jh. die Schreibung heuraten, woraus verkürzt schwäb. heuern cheiratens(Schubart 2, 254), schon 1523 bei Luther 1. Mos. 38, 8 sich verheiren. heisa! Interj. der Lustigkeit. 1668 bei Schuster bestrafte Verleumdung 56 heissa, aus hei(s. d.) und sa!(s. d.), noch bei Wie- land 11, 214 hey sa! heisch, s. heiser. heischen, v.: abfragen, um etw. anliegen; dringend fordern. Mhd. heischen, ahd.(selten) heiskon mit Anlehnung an heißen(s. d.) aus mhd. eischen, ahd. eiscon«forschen, fragen, fordern⸗(wovon ahd. eisca f. Frage»); da- zu asächs. éscon, nndl. eischen, afries. ãskia, ags. ãscian, ãxian, engl. ask,(entlehnt) schwed. äska, dän. dske. Urverwandt mit lit. Jiesköti, abg. iskati«suchen, armen. aic Unter- suchung», aind. 7dhäti«er sucht⸗, die mit einem Suffix-sko von einem Stamme abge- leitet sind, der noch in aind. 5iς m.«Wunsch, Wahlo⸗, lat. aeruscäre cbitten» vorliegt. Nach Analogie von heißen bildete sich im Mhd. und Alternhd. starke Flexion: Prät. iesch, und hiesch, Part. geeischen und geheischen (noch bei Goethe 8, 152 geheischen). ZUS. Heischesatz, m.: aus einem Satze hervor- gehender, ohne Beweis zuzugebender Satz, vertrag», wetterauisch Heurat m.«Bräuti- gam in Beziehung auf die Braut⸗; durch Anknüpfung an heuern(s. d.) cmieten, vom Postulat, 1716 bei Christian Wolff Mathemat. Lex. 1086. heiser, adj.: rauhen, unreinen Klanges. Mhd. heiser(auch unvollkommen, schwach, Mangel habend), im 12. Jh. heisir, mittels der Ableitungssilbe-er, ahd.-ar(vgl. bitter, hager, mager) aus gleichbed. mhd. heis, heise, ahd. heis, heisi; dazu nd. im 15. Jh. hés, ags. hãs, mit r mittelengl. hörse neben hôse, engl. hoarse, mndl. heersch neben heesch. Mit Übergang des s in sch md. 1340 heish (Fundgr. 1, 376 ²), aus dem Md. bei Luther und Gellert 1, 70 heisch, mnd. hésch, heisch, nndl. heesch, und demgemäß im 16. bis ins 19. Jh. heischer(1588 bei Tabernämontanus, noch Lessing 1, 131, Uhland und Rückert). Die verschiednen Formen erfordern eine Grundform*hairsa-, vielleicht durch Um- stellung aus rhaisra-, für das aber etymo- logische Anknüpfung fehlt. 4L. Heiser- 841 heiß keit, f., md. im 14. Jh. haiserhait, im 15. Jh. hayserchait,-keit(Diefenb. gl. 485°). heiß, adj.: empfindlich oder brennend warm. Mhd. und ahd. heiz; dazu asächs.- mnd.-afries. hét, mnd. auch hot, nndl. heet, ags. hät, engl. hot, anord. heitr, schwed. het, dän. hed, im Adv. mhd. heize, ahd. heizo, asächs. héto, ags. häãte. Gleichen Stammes wie Hitze(s. d.), got. heitõ f.«Fiebery. Ge- wöhnlich vergleicht man lit. kaitrd f.«Feuer- glut», kaitrus«Hitze gebend», Kastinti cer- hitzen», doch stimmt der auslautende Dental nicht(vgl. Zupitza 112), und die Worte könnten aus dem Germ. heiter entlehnt sein. Viel- leicht zu aind. gvindaté«glänzt, leuchtetꝰ, lit. Fvidaès blank, glänzend», d. weiß, got. weits mit idg. Schwund des w. ZUS. Heiß- hunger, m.: brennender, unwiderstehlicher Hunger, bei Krämer 1678; davon heiß- hungrig, adj., bei Opitz(1629) 1, 128. Heißsporn, m.: stürmischer Hitzkopf zur Tat, eingeführt durch Schlegel Shakesp. Hein- rich IV. 1. Teil, nach engl. Rotspur. theißen, v.(Prät. hieß, Konj. hieße, Part. geheißen): ausdrücklich wozu antreiben(mit Akk., der Dativ erst im 18. Jh.); einen Namen geben oder führen. In beiden Bed. mhd. heizen, ahd. heigzan(Prät. hiaz, hiez, Part. heizan); dazu asächs. hẽétan, undl. heten, afries. hta, ags. hãtan, anord. heita, schwed. hetta, dän. hede, got. haitan(Prät. haihait)«nennen, rufen, einladen, befehlen» und im Pass. hai- tada«ich werde genannt, heißey, wie ags. hätte Präs. und Prät.«ich heiße, ich hießy. Im Prät. ndrhein. md. im 12. Jh. heig, wie noch heute wetterauisch heiz; die ahd. ein- fache Form des Part. Prät. heizan, mhd. heizen, klingt noch in Verbindung mit dem Hilfszeitwort haben durch, z. B. er hat ihn gehen heißen. Ein in Form und Bedeutung genau entsprechendes Wort liegt in den ver- wandten Sprachen nicht vor. Je nachdem, was man als ursprüngliche Grundbedeutung ansetzt, kann man vergleichen: abg. cedliti «seihen», lit. skiesti scheiden⸗, gr. cxicetv «spalteny, also urspr.«unterscheiden», oder lat. caedere chauen», Grdb.«mit einer Marke versehen». Beides unsicher. Vgl. Uhlenbeck Btr. 30, 287. zheißen, s. hissen. Heister, m.(-s, Pl.-n): junges, stabartig emporgeschossenes Buchenstämmchen. 1663 bei Schottel, 1775 bei Adelung als nieder- sächsisch, auch noch in Hessen gebräuchlich. Hekatombe 8⁴² Mhd.(fränk.-hess.) heister m.«junger Buchen- stamm?; dazu mud. heister, hester« junger Baumy, bes. von Eichen und Buchen, ndl. heester m., woraus entlehnt franz. hétre, früher hestre m. Buche», fries. héster. Mittels der Ableitungssilbe ahd.-tar(s. Holznder, Wach- holder) aus einem Wortstamm, der noch in andd. Hésiwald, dem Namen des Höhenzugs an der Ruhr, mlat. Siloa Caesia, vorliegt. Vgl. noch Hellquist Ark. 17, 66. heit, Ableitungssilbe, die Art und Weise, den Zustand, das Wesen, die Gesamtheit be- zeichnend. Mhd.-ahd.-heit, ags. häd, engl. -hood und-head; dagegen als selbständiges Wort mhäd. heit f.«Art und Weise, Beschaffen- heit, Stande, ahd. heit m. f.«Art, Geschlecht, Stand, Person», noch wetterauisch ledliger Heit cim ledigen Standen; dazu asächs. héd m. «Stand, Würde», ags. hãd m. Art, Geschlecht, Person, Inbegriff von Personen», anord. heidrj m. Ehre, Würde», got. haidas m.«Art, Weise». Gleichen Stammes wie heiter(s. d.), anord. heid n.«wolkenloser Himmel», genau entsprechend aind. Kétüg m.«Lichterscheinung, Helle, Bild, Erkennungszeichen?, dazu aind. Gẽεtati cnimmt wahr». Vgl.-keit. heiter, adj.: rein an Licht, hell, klar; angenehm stimmend und gestimmt(1741 bei Frisch, doch schon 1510 bei Keisersberg Sieben Schänden h 6d ruhig, von Leidenschaft frei?, ausgehend von der Bed.«klars, z. B. heiter reden 1556 bei Frisius 789 ⁴). In urspr. Bed. mhd. keiter, ahd. heitar«hell, glünzend, wolken- losy; dazu asächs. hédar, ags. hädor, anord. heidr, schwed. heder, dän. häder; urverwandt mit ablautendem aind. diträs glänzend, awest. Gipra- chell, bunt»,(mit s im Anlaut) lit. skaidrùs«hell, klar). Das Wort ist eigentlich eine Ableitung von-heit(s. d.). 4BL. Heitre, f.: Klarheit, Helligkeit, mhd. heitere, heiter f., ahd. heiteri f.; bei Klop- stock 1773 auch wie Ather(s. d.) gesetzt. heitern, v.: in auf-, erheitern, mhd. heitern, ahd. heitarön, asächs. hédron. Heiterkeit, f., mhd. heiterkeit f. heizen, v.: heiß machen. Mhd. ahd. heizen neben heizen(vgl. beizen); dazu ndl. heeten, ags. hotan, engl. heat cheizen», anord. heita, cheiß machen, sieden». Davon Heizer, m., 1691 bei Stieler. Heizung, f., ebd. Hekatömbe, f.(Pl.-n): grobes, feier- liches Opfer, urspr. von 100 Rindern oder Widdern. 1756 bei Wieland Cyrus 2, 298, aus gr.-lat. hecatombe, gr. éxoréußn f., 288. 8 843 Hektar mit éxarév«hundert» und—sn, das zu Bodc «Rindy gehört. Hektär, m. n.(-S, Pl.-e): Bodenflächen- maß von 100 Ar oder 10 000 Quadratmetern. 1868 gesetzlich aufgenommen aus franz. hec- tare m., 2gs. aus gr. Exarv hunderty, und Ar(s. d.).. hektisch, adj.: schwindsüchtig, auszeh- rend. Im 18. Jh.(Goethe 27, 202), aus gleichbed. gr.-mlat. hecticus, gr. éxricéòc, urspr.«eine Eigenschaft, einen bleibenden Zustand habendꝰ. hektographieren, v. vervielfältigen. Von gr. éxorv chunderty und ſpdãcpeiv æschreibeny. Bildung der neuern Zeit. Hektoliter, n. m.(-s, Pl. wie Sg.): 100 Liter. 1868 gesetzlich aufgenommen aus franz. hectolitre m., 2gs. aus gr.&xorv«hundert?, und Liter(s. d.). Die deutsche Benennung für Hektoliter ist Faß n. Held, m.(en, Pl.-en): mutvoller, aus- harrender Kämpfer; der Mittelpunkt einer Begebenheit(im 18. Jh., z. B. bei Wieland 19, 283, aber noch von Schönaich 1754 ab- gelehnt). In der 1. Bed. mhd. helt, im 12. Jh. helit, helet m., Pl. helide, helede(früher kommt das Wort im Hochd. nicht vor); dazu asächs. helith, helid m.«Manny, mnd. held, ags. hœ- leh, helep und hœle m.«Mann, tapfrer Kämpferꝰ, anord. höldr und halr m.«Manny. Wohl zu ir. calath, kymr. caled«-harty. Anders Solmsen KZ. 34, 548. Held hatte urspr. starke Flexion, mhd. Gen. heldes, Pl. helde, der Gen. Heldes noch bei Rabener Sat. 4, 10, der Akk. Sg. Held bei Luther, Lessing 1, 207 und Schiller 1, 344 und 347; erst in der zweiten Hälfte des 14. Jh. taucht einzeln der schwachbiegende Plur. Helden auf, und die schwachen Formen überwiegen schon zu Anfang des 16. Jh. 4L. Heldin, f., md. im 13. Jh. heldinne f. ZUS. Heldenbuch, n., im 15. Jh. helden buch (Gödeke Gr.² 1, 274). Heldengedicht, n., 1669 bei Grimmelshausen Simpl. 262. helden- haft, adj., 1691 bei Stieler. heldenmäßig, adj., 1673 bei Weise Erzn. 99. Heldenmut, m., 1642 bei Duez und 1657 bei Schuppius 267; heldenmütig, adj., 1691 bei Stieler. Heldensage, f., bei Goethe 28, 143. Helden- tat, f., 1664 bei Duez. Heldentum, n., bei Wieland Musarion 18. helfen, v.(Präs. helfe, hilfst, hilft, Prat. half, Konj. hälfe, auch wie älternhd. hüllfe, Part. geholfen): sich tütig annehmen; tätig unterstützen, fördern. Mhd. helfen, ahd. helfan(Präs. hilfu, hilfts und hilfist, hilfit, hell 844 Prät. half, Pl. haulfan, Konj. Halfi, Part. gi- holfan, das Prät. im 17. Jh. auch holf(Stieler 1691), der Plur. noch bei Luther wir hulfen, neben sie holfen(1. Chron. 13, 12), ir halft (Richter 12, 2), 1580 bei Wurstisen Basl. Chron. 201 sie halfen; dazu asächs. helpan, mnd. und ndl. helpen, afries. helpa, ags. hel- pan, engl. help, anord. Malpa, schwed. jälpa, dän. WMälpe, got. hilpan. Urverwandt mit, aber mit unregelmäßiger Lautverschiebung, lit. Selpid«ich helfey, Selbiuos(?)«suche mir zu helfen», pasalpdâ f.«Unterstützungy. 48L. Helfer, m., mhd. helfœre, helfer, ahd. hel- färi m.; dazu mndrhein. helpére, mnd. helper; Helfershelfer, m., im 15. Jh. helffershelffer m. Mithelfer im Streit, Streitgenossey(1412 bei Haltaus, 1449 bei Janssen Reichscorr. 2, 106). hell, adj.: schallend, hoch klingend; lichter Farbe; augenscheinlich, offenbar(die helle War- heit, 1642 bei Armatus Rettung der edlen teutschen Hauptsprache B 1 b). Mhd. hel «tönend, laut, glänzend, licht, erst im Nhd. auf Farben übertragen, die sich dem Weiß nähern(1691 bei Stieler hellbraun), ahd. hel ctönend'(nur in gihel, unhel, missahel). Gleichen Stammes wie Hall(s. d.) und mhd. hellen, ahd.-and. hellan«ertönen». Dazu wohl noch anord. haellr chell, laut», und mit an- laut.- nschwed. skzwella«widerhalleny, anord. skual«Plaudereiy und aus andern Sprachen gr. kéhadoc m.«Getösey, kokeiv«rufeny, lat. caläãre zausrufen», lett. kalot schwatzen» u. a. Vgl. Walde s. v. Gewöhnlich wird auch holen(s. d.) hierhergestellt. In schwacher Form helle im 15. Jh. bei Diefenb. gl. 95c und 542 b, noch bei Goethe 1, 196, Rückert Ged. 289; das Adv. mhd. helle, noch bei Uhland Ged. 317 helle. Die hellen Tyränen (1561 im Amadis 1, 92 die hellen Zäher), urspr. die c«lichten, blinkendeny». Der helle Haufe, im 16. Jh. das durch lautes Geräusch und Waffenglanz weithin bemerkbare Haupt- heer»(bei H. Sachs 10, 109 der hell Hau), danach bildlich mit, in hellen Haufen(1624 bei Opitz Werke 231 mit hellem Haufen). 4BL. Helle, f.: Helligkeit, mhd. helle f. hellen, v.: hell machen(nur in auf-, er- hellen); hell werden, mhd. hellen, bei Goethe 3, 3 sich hellen. Helligkeit, f., 1537 bei Dasypodius. ZUS. Hellseher, m.: der Seher verborgner Dinge auf übernatürlichem (magnetischem) Wege, 1710 bei Gottschling Gracians Criticon 3, 163 nach dem franz. clairvoyant. 845 Hellbank Hemd 846 Hellbank, s. Hölle. Hellebärde, f.(Pl.*/): Spieß mit Beil- eisen zum Hauen und Stechen. Mhd. und noch im 16. Jh. helmbarte, dann abgeschwächt heln-, hellen-, helbarte f., d. h. Barte(s. Barte) zum Durchhauen des Helmes im Kampfe, aber nicht zgs. mit Helm Stiel»(s. d.), den jede Barte hat. Aus dem Deutschen ent- lehnt gleichbed. franz. hallebarde, ital.-span.- portug. alabarda f., hieraus schweiz. im 16. Jh. Hallebarte, parte. Davon Hellebardier, m.(-S, Pl.-e), 1597 bei Gilhusius Gramma- tica 124 Hellpartirer, noch franz. hallebardier, span. alabardero m.«Hellebardenträgery. Heller, m.(-s, Pl. wie Sg.): kleinste Kupfermünze. Mhd. hallœre, haller, heller, häller m., mit Auslassung des Wortes Pfennig statt(1359) haler phenning, mlat.(denarius) Hallensis, d. h. zu Schwäbisch-Hall geprägter Pfennig. Dagegen gleichbed. mhd. und mnd. hellinc, ahd. halling m. ist aus mhd. helbe- line, helblinc m. chalber Pfennigy gekürzt. hellig, adj.: abgemattet, müde, abgezehrt, ganz ausgedorrt; leer oder blöde im Magen, hungrig und durstig(Voß Luise 2). In der 1. Bed. mhd. hellic, hellec, in der 2. frühnhd.; mnd. hellich in beiden Bed. Das Adv. hellig bei Luther Jer. 2, 25. Abgeleitet von dem mhd. Adj. hel«körperlich nicht kräftig, am Körper dünn, dürftig», niederhess. hal, hül cabgemagert, mager, trocken, dürr, aus- trocknend, z. B. Hehlsau«mageres Schweins. Dazu ndd. hal, ndl. haal«trocken» und lett. kalstu, kalst«vertrocknen, verdorren, Kalss magery, ka'ltét«trocknen»(Zupitza 113). Da- von helligen, v. in ab-, behelligen, mhd. helligen, hellegen cdurch Verfolgung ermüden, stören, plagen, quälen», mnd. helligen«er- müden, quälen?. Helling, f.: die zum Wasser geneigte Ebene auf der Schiffswerft, dann die Werft selbst. Mnd. helling f., von mnd.-mhd. helden abschüssig geneigt seins, ahd. heldan, asächs. in afheldjan zu Ende kommen», ags. Il- dan, heldan asich neigen», anord. halla. Zu Halde(s. d.). hellsch, s. höllisch. 1 Helm, m.(-es, Pl.-e): hohe metallene Schirmbedeckung des Kopfes; das obere runde Dach am Kirchturm(1561 bei Maaler). In urspr. Bed. mhd.-ahd. helm m.; dazu nd. ndl.-afries.- ags. helm m.(im Ags. auch Be- schützer, Hülles), engl. helm, helmet, anord. njalmr m., schwed. hjälm, dän. hjelm. got. hilms m. Gleichen Stammes wie ahd. helan «verbergen, bedecken»(s. hehlen), urverwandt mit aind. çärma n.«Schutzy; aus dem Ger- manischen entlehnt abg. Sleml m.(daraus lit. Sälmas m.)«Helmꝰ, ferner ital.-altspan.- port. elmo, franz. heauume, afranz. helme, elme m. Helm». 48 L. helmen, v., nd. 1420 helmen ceinen Helm aufsetzen?(Diefenbach gl. 256 2), mhd. gehelmet Part. ² Helm, m. n.(-es, Pl.-e): Stiel eines Hauwerkzeuges. Um 1480 im Voc. inc. teut. k 8 b(Diefenbach gl. 104) helm neben khelb, mhd. halm, halme m. neben halp, help m. (Pl. helbe), spätahd. halbe, helbe m. neben ahd. halap, halp m.«Stiel, Handhabey, noch bayr. Axthalb m. f. in der Bed. von hochd. Axthelm(s. d.); dazu mnd. helve, helf, helft n. Handgriff, Stiely. Gleichen Stammes wie Halfter(s. d.). Davon verschieden 3Helm, m.: Griff des Steuerruders, dann das Steuer- ruder selbst. Nd.ndl. helm m., dazu ags. helma m.«Steuerruder», engl. helm«Steuer- ruder», anord. Malm f. Griff des Steuer- ruders, Ruderpinne»; 1757 in Eggers Kriegs- lex. 1, 1182 Helm, der Knopf, der am Griffe des Steuerruders befestiget ist, es wird auch für den ganzen Griff genommen», danach scheint das Wort gleichen Stammes mit Helm zu sein, vgl. ags. helm Kopfhelm und Baum- spitze, Wipfel?. hem, Interj. des Räusperns, des Bedenkens. Als räuspernder Laut schon 1519 bei Murner Geuchmatt 3328 und 4852 hem, hem. Hemd, n.(-es, Pl.-en): unmittelbar den Leib bedeckendes Kleidungsstück. Mhd. he- mede, hemde n., ahd. hemidi n.«langes Haus-, Unterkleid», dann in heutiger Bedeutung; dazu and. hemithi n.«camisia?, afries. he- methe, hamede, ags. hemebe n. diminutive Ableitung(wie ahd. jungidi, mhd. jungede n.«Junges von Tieren?) von ahd. hamo m. Hülle»(nur in lihhamo«Leichnam, s. d.), asächs. hamo m. Hülle, Kleid»(in gãdhamo Kampfkleid», fedarhamo Federkleid der Vögel, des Engels»), nd. ham-, hanel«Nach- geburt»(Kindeshülle), ags. hama m.«Kleid, anord. hamr m. Hülle, Haut, Balg, äußere Gestalty,(mit s-Ableitung) hams m.«Hülse, Schlangenbalg, Fruchtschaley, got. nur in gahamon«bekleiden», afhamon centkleiden; dazu gall. Jat. im 5. Jh. camisia f.«leinener Uberwurf, Hemd“(woraus altir. caimmse Hemdꝰ, ital. camicia, camiscia, span.-port. camisa, franz. chemise f. Hemdꝰ, afranz. 847 hemi- cause, cainse Chorhemd»), camisia ent- stammt aber wohl dem Germ. Vgl. 1Hamen. KAlternhd. mit eingeschobenem b Hembde, Hembd, im 16. und 17. Jh.(Zimm. Chron., Krämer 1678) und noch in oberd. Mundarten Hemmat, Hemmet, thür. Hemme, schwäb.- schweiz. Hemb, bei H. Sachs Hem, Hemm. Der Plur. lautet mhd. hemde, bei Luther Hembhde(Richt. 14, 12), noch bei Stieler 1691 Henlde, vom 16. bis ins 18. Jh. Hembder, Hemder(noch bei Zacharid Phaeton 1, 34 und 3, 15, Voß Tausend u. e. Nacht 4, 255, Schiller 4, 18), schon 1400 mhd. hemder(der heil. drei Könige Buch, Gießener Handschr. 39 b), im 18. Jh. durch die schwache Form Hemden(Adelung 1775) verdrängt. hemi- in Zusammensetzungen, meist aus neuerer Zeit, chalby, aus gleichbed. gr. Nuir-. Hemisphäre, f.(Pl. /): Halbkugel. 1786 bei Schiller 4, 112 Hemisphäre f., 1784 bei Herder Ideen 1, 1, 7 Hemisphär n., bei Les- sing 5, 342 noch Hemisphärium n. Aus gr.- lat. hémisphaerinm n., von gr. ur und cꝙoipa f. (Erd-, Himmels-) Kugel». hemmen, v.: nicht weiter lassen. Md. im 14. Jh. hemmin«zurückhalten, verhindern, spätmhd. im 15. Jh. hemmen«fangen, fesselny, hamnen cfangen»(Weist. 1, 102), 1578 bei Fischart Ehz. M 1 b hümmen cfangen», 1562 bei Mathesius Sar. 217 b hemmen hindernꝰ, neben mhd. hamen aufhalten, hindern»; da- zu anord. hemja(Prät. hamda) chemmen), schwed. hümma, dän. hemma cim Zaum halten. Salfränk. ist chamian«drücken, pressen» be- legt. Wenn dies die ursprüngliche Bedeutung ist, kann man lit. kammoti«zusammenpressen, stopfem, kimsti astopfen», kamsd f.«Stopfung' vergleichen. Vgl. Zupitza 108. Aus dem Griech. kann hierher xnuc m.«Maulkorb» gezogen werden. Andre stellen es zu anord. hôm f.«Schenkely und denken an das Fesseln des Viehs. Vgl. hemill«Stück zum Binden des weidenden Viehs an den Schenkeln» und hafa hemil dã jem. im Zaume haben?. Vgl. auch lat. pedica f.«Fessely von pes«Fußy. 4BL. Hemmnis, n., selten auch f., im 19. Jh.(1833 bei Jahn Merke z. d. Volks- tum 165). Hemmung, f., 1678 bei Krämer. ZUS. Hemmkette, f., 1540 bei Alberus dict. e 2a Henumketten f. Hemmschuh, m:: schuhartige hemmende Vorrichtung am Wagen- rade, 1566 bei Mathesius Luther 92, 25(1576 Bl. 40 b) Hemschuch. Hengel, m.(-s, Pl. wie Sg.): Wehrge- hepp! 848 hänge. Bei Luther(1. Kön. 22, 34 u. 2. Chron. 18, 33), aber erst in der zweiten Ausgabe des Jahres 1541 von Luthers Bibel(vgl. Mathesius Luther 1566 Bl. 164 b). Mhd. hengel m. das Hängende, Hängsel⸗, ferner«woran etwas gehängt wird, Eisenhaken», im Md. „Türangel». Abgeleitet von hangen(s. d.). Hengst, m.(-es, Pl.-e): unverschnittenes männliches Pferd. Diese Bed. seit dem 15. Jh. (um 1480 im Voc. inc. teut. 15 a hengst«equus non castratus, Anfang des 15. Jh. admissarius, stut hengst bei Diefenbach gl. 13 b), dagegen mhd. hengest, hengst, ahd. hengist m.«ver- schnittenes männliches Pferd, Wallach»(noch bayr.), dann im Mhd.«großes Pferd über- haupt». Als älteste Form bietet die Lex Sa- lica hangisto; dazu mnd. hingest, hengest m. «Pferdy, dann«männliches unverschnittenes Pferd, Streitroßꝰ, afries. hangst, hengst, hingst m.«männliches Pferd, ags. hengest m.«männ- liches Pferdo, anord. hestr m.«Hengst, Pferd» überhaupt, schwed. häst, dän. hest«Pferdy, während schwed.-dän. hingst«Hengsty aus dem Deutschen entlehnt ist. Das Wort sieht aus wie ein Superlativ und könnte zu lit. sank'nti«springen machen, sprengen» gehören. Also eig.«der beste Springery. Als Kom- parativ dazu vielleicht lat. canterius«Wal- lach) aus*cancterius. Vgl. Walde. Henkel, m.(-s, Pl. wie Sg.), um 1480 im Voc. inc. teut. i 42 henckel, Var. hengel, 1664 bei Duez Henckel; wovon henkeln, Vv.: mit einem Henkel versehen, 1734 bei Steinbach. Von henken, v.: aufhängen, mhd. henken(Prät. hancte), ahd. henchan (Prät. hancta, hangta), neben ahd. hengan chängen?(s. d.). 4. Henker, m.(-s, Pl. wie Sg.), mhd. henker m., daneben auch hangœre und hähcre, häher m.; damit 2gs. Henkersknecht, m., 1664 bei Duez; Henker(s)mahlzeit, f., letztes Essen des zum Tode Verurteilten, 1699 bei Besold The- saurus 2, 293 b, Henckermol 1575 bei Fischart Garg. 68, übertr.«die letzte Mahlzeit vor einem unangenehmen Ereignissey, 1669 bei Grimmelshausen Simpl. 58 Hencker-Mahl. Henne, f.(Pl.-/): das weibliche Huhn. Mhd. henne, ahd. henna f., woneben hanin, henin und heninna f.; dazu mnd. henne, hinne, ags. henn, engl. hen, mit Ablaut anord. hãna f.«Henney», schwed. höna, dän. höne. Femi- ninbildung zu Hahn(s. d.). Hepe, s. ²Hippe. hepp! hepphepp! Interjektion. Zuruf 849 Heppe Herbarium 85⁰ an Zugtiere, einen Fuß aufzuheben und Lock- suchen. Von dem Adj. heraldicus auch He- ruf für die springende Ziege. Dann Spott- ruf für die Juden seit 1819. Vgl. Hipplein. Heppe, f.: Ziege, s. Hipplein. her, demonstratives Pronominaladverb: in der Richtung zu dem Sprechenden. Mhd. here, her chierher», ahd. hera, am Oberrhein und in der Schweiz hara, ebenda mhd. und zlternhd. har(s. har), volltönig erhalten in dem jetzt veralteten, zuerst in der zweiten Hälfte des 16. Jh. erscheinenden-hero(an-, bis-, dahero), abgeleitet von demselben Pro- nominalstamm wie heute, heint(s. d.); dazu got. hiri ckomm hierher»! ZUS. herab, adv., mhd. her abe, dagegen älternhd. heraber ist gekürzt aus mhd. herabher«von— hery; herablassen, v. refl.: zu einem Niedern gnädig abwärts steigen, 1716 bei Ludwig; herabsetzen, v.: geringer machen an Wert usw., 1757 bei Rabener Sat. 4, 60. heran, adv., im 17. Jh.(bei Fleming 472 vom J. 1638, gekürzt rane 1601 bei Adrian Mitteil. 377), dafür im 16. Jh. anher. herauf, adv., mhd. her df, ahd. hera uf, hara af. heraus, adv., ahd. hera dz, älternhd. heraußer ge- kürzt aus heraußher; herausfordern, v.: zum Kampfe fordern, 1590 bei Dedekind christl. Ritter 39 b; herausnehmen, v. refl.: sich ohne Befugnis eine Freiheit nehmen, 1663 bei Schuppius 650; herausstreichen, v.: lobend hervorheben, bei Luther 6, 546, H. Sachs Fastn. 52, 88. herbei, adv., bei Luther er bei(2. Mos. 16, 9). herein, adv., mhd. her in. herfür, adv., mhd. her für chervor»(s. d.), heute nur noch altertüm- lich und mundartlich. hergegen, adv., volks. tümlich herentgegen, mhd. her engegene. her- nach, adv., mhd. her näch, ahd. hera, nãh, hara näh nach diesem, nach dieser Zeity. hernieder, adv., mhd. her nider, ahd. hera nidar, hara nidar. herüber, adv., spätahd. hara(hera) ubere. herum, adv.: im Kreise, hier- und daher, da- und dorthin, mhd. her umbe, her umb, vgl. umher. herunter, adv., mhd. her under. hervor, adv., erst im 16. Jh. spärlich auftauchend, im. Mhd. her vür, vor 1122 here fure, ahd. hara furi. herwärts, adv., mhd. herwert. herzu, adv., mhd. her zuo, ahd.(bei Notker) kera zua, hara zu. Heräldik, f.: Wappenkunde. 1728 bei Sperander. Aus dem Fem. des neulat. Adj. heraldicus, abgeleitet von mlat. heraldus m. «Herold»(s. d.); die Herolde hatten bei räldiker, m. und heräldisch, adj.(bei Goethe 27, 304). Herauch, m.(-es, selten Pl.-e): der pläulich-weiße oder bläulich-rote nebelartige Dunst bei trockner Luft und heißem Wetter. 1579 bei Mathesius Postilla 3, 384 Hehrauch, 1680 bei Lohenstein Sophonisbe 369 Häge- rauch, bayr. Hairauch, Haidampf, Hainebel m. und Gehai n.(österreich. Kai n., schweiz. Gehei m.«Hitznebel, Föhndunst»), abgeleitet von ahd. hei cheiß, dürr»(Steinmeyer-Sievers ahd. Gl. 1, 268, 28), hess. 1464 heye, 1476 hege«trocken»(Frisch 1, 396 b), noch ober- hessisch hei, heie, heige, hege«trockenꝰ, schwäb. gehai«dürr, ausgetrocknet, dunstig bei war- mem Wetter», schweiz. gehei cdunstig, trübe»), ahd. hei, gihei n. und mhd. gehei, geheie n. Hitze, Brand», ahd. arheigén, erheien und mhd. heien«brennen». Umgebildet, da der Dunst besonders gegen Höhen hin sichtbar ist, 1784 im Teutschen Mercur 2, 3 Höhen- rauch, bei Goethe 30, 53 Höherauch, 1851 bei Freiligrath neue pol. Ged. 2, 35 Hõhrauch, in Westfalen und Friesland Haarrauch, nebliger Rauch, der von dem Brande eines Moores entsteht(Immermann Münchhausen 3, 100 und 108, zuerst in einer Verordnung Ernst Augusts von Osnabrück vom 20. April 1720, von westfäl. Haar f.«Höhe», s.2Haar); ferner Heerrauch 1796 bei Adelung und bei Goethe Naturw. Schr. 1, 64 Heidenr quch 1586 bei Rudolph Zeitbüchlein M 2 b, Heide- rauch 1788 bei Musäus Volksmärchen 2, 44. heraus, s. her. herb, adj.: rauhscharf empfindlich, rauh- scharf zusammenziehend(von Geschmack). Md. im 14. Jh. herbe, mhd. hare, har und here, her, flekt. harewer, harwer und here- wer, herwer, im 15. Jh. harb; dazu mnd. herwen«herb machen». Vielleicht gleichen Stammes wie Harm(s. d.) und das Adj. asächs. harm, ags. hearm, herm verletzend, kränkend, schmerzlich». Vielleicht aber zu einer Sippe, die«kratzen, schereny bedeutete, vgl. keipetv, ahd. skeran«scheren?, lit. Kkartus cbittery, aind. katüs«scharf, beißend» u. a. Vgl. Brugmann Idg. Forsch. 15, 97. 4 BL. Herbe, f., spätmhd. heruwe, herbe f. Herbig- keit, f., 1664 pei Duez. herblich, adj., 1741 bei Frisch. Herbling, s. Herling. Herbärium, n.(-s, Pl. Herbarien): Samm- lung getrockneter Pflanzen. Aus gleichbed. Turnieren und Festen die Wappen zu unter- lat. herbärium n. von herba f.«Kraut, junge weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. 54 851 herbei Herkommen 852 Saat». 1727 bei Sperander herbarium vivum, reitete Unterlage) für das Feuero, noch schweiz. erst 1813 bei Campe Herbarium. herbei, s. her. Herd m. Erdreich, Boden»; daneben ahd. herda f.; dazu asächs. herth m.«Feuerherde, Herberge, f.(Pl.-/): Ort und Haus zum nndl. heert, haard, afries. herth, hirth, ags. Ubernachtbleiben für Fremde. Mhd. herberge f. in dieser Bed., ahd. Reriberga f.«ein das Heer bergender Ort, Heer-, Feldlager», dann «Haus zu Lagerung, zu Ubernachtung»; da- zu and. heriberga f.«Herberge», mittelengl. hereberge«Herberges, engl. harbour Her- berge, Zufluchtsort, Hafen»,(entlehnt) anord. herbergi n. Ort zum Ubernachten, Wohn- stättey. Aus dem Germanischen entlehnt afranz. herberge«Heerlager», nfranz. auberge f.«Gasthof, Herberge,"éherge f.«die Höhe heorß m., engl. hearth«Herd». Die Herkunft ist unbekannt. Die beiden Bedeutungen Boden» und«Herd» lassen sich vereinigen, da der ursprüngliche Herd nichts andres als der Boden war, und so könnte man Verwandt- ¹..; schaft mit gr. xproc m.«Schlagen, lit. Kertu eines Gebäudes, der Endpunkt einer gemein- findlichen Viehes. Mhd. hert f., ahd. herta f.; schaftlichen Mauer», altspan.-ital. albergo m. «Herberge». Feldlager haben»,(zuerst im 12. Jh.)«Nacht- lager nehmen», im Mhd. auch«Wohnunggeben, beherbergeny, mnd. herbergen«beherbergen und Herberge suchenv. Herbst, m.(-es, Pl.-e): die Jahreszeit von der späten Tag- und Nachtgleiche bis zum kürzesten Tage; die Ernte(Schiller 11, 63), bes. die Weinernte(mhd.). Mhd. herbest, herbst, ahd. herbist m.; dazu mnd. hervest, nndl. herfst, herft, ags. hœrfest m., engl. harvest(auch Ernte), anord. haust n., schwed.- dän. höst m.«Herbsty. Wohl von einem Stamm 4BL. herbergen, v., mhd. herbergen, ahd. heribergn cein Lager schlagen 3 gebildet, der vorliegt in gr. xaprc m.«Fruchto, kopmiceiy«ernteny, kpirriov n.«Sichel», lat. carpére«pflücken», lit. kirpti(Präs. Kerpꝛ) «Scherenꝰ, karplti«mit der Schere schnitzeln), aind. Kypänas m.«Schwert». Also ein alter Superlativ«am besten zu schneiden», wobei «schlage heftig⸗ annehmen, also Herd das Festgeschlagne». Ist aber die Bedeutung Herd» ursprünglich, so kann man an Ver- bindung mit got. haüri n.«Kohley u. a. denken. Vgl. Zupitza 114 und Walde s. v. carbo. Herde, f.(Pl.-n): Menge beisammen be- dazu ags. heord, engl. herd, anord. Ijrd. schwed.-dän. Mjord, got. hairda f., aus dem Germanischen entlehnt afranz. herde«Herde, Rudelꝰ, afranz. harde f. Rudely. Urverwandt mit aind.„d⸗ννdias m.«Schary, awest. saroda- n. «Art, Gattungy. Daneben steht aber mit Guttural statt Zischlaut lit. Kefdz us m.«Hirt⸗ und abg. réda f.«Reihe, Tagesfolge, Herde, dessen erste Bedeutung in ahd. herta«Wechseb wiederkehrt. Vielleicht sind diese aus dem Germanischen entlehnt, wenigstens in der Bedeutung«Herdes, und ahd. herta, abg. Gréda«Wechsel» ist davon zu trennen. Z/08. Herdenmensch: Schlagwort, von Nietesche 1869 geprägt. herein, herfür, hergegen, s. her. Hergang, m.: Verlauf, 1775 bei Adelung als oberdeutsch; das Zeitwort kergehn ver- laufeny 1647 bei Rompler Reimgetichte 75 wahrscheinlich«Mond» zu ergünzen ist, so- daß das Wort kein eigentlicher Jahreszeiten- name wäre. 431. herbsten, v.: ernten (Pauli Schimpf 93a), insbes. Weinlese halten, mhd. herbisten(Behaim Ev. Luk. 6, 44). herbstlich, adj., 1541 bei Frisius 114, nd. Aus dem Germanischen entlehnt franz. hareng 1420 arfstelic bei Diefenb. gl. 63 c. Herbst- ling, m.: der Blaätterschwamm agaricus Form herinc sieht aus wie eine Ableitung deliciosus, Reizker, 1775 bei Adelung; 1691 bei Stieler cim Herbst gebornes Vieh» und «später Apfel». ZUS. Herbstmonat, m., mhd. herbestmänôt, als Name des Septembers ahd. herbistmänt m. Herbstzeitlose, f., 1775 bei Adelung, s. Zeitlose. Herd, m.(-es, Pl.-e): Feuerstätte zum Kochen im Hause. Mhd. hert m.(Gen. herdes), ahd. herd m.«Erdboden», dann Boden(be- es geht hart her. Hering, m.(-s, Pl.-e): der Salzfisch clupea harengus. Mhd. herinc, md. im 14. Jh. häring, ahd. hãärinc und herine m.; dazu and. hering, nndl. haring, afries. hereng, ags. hœring m., engl. herring, mlat. im 6. Jh. haringas. Dafür anord. sild f., schwed. sill, dän. Ssild. m., ital. aringa f., span. port. arenque m. Die von ahd. heri n.«Heer», also«der in Scharen fisch» vermuten läßt. ziehende Heerfisch», wührend ahd. härung Umdeutschung aus lat. halec«Fischlake, Salz- Aber es kann auch ganz etwas andres in dem Namen stecken. Herkommen, n.: Abstammung(Luther 5, 3 b); Gewohnheit, Brauch(1452 bei Janssen Reichskorr. 2, 118 nach altem herkommen). 8⁵³ Herling Herling, m.(-s, Pl.-e): unreife Traube aus später Blüte. Bei Luther Heerling, mhd. herlinc m., entstanden aus Herbling risch 1, 4452«von herb, weil die Zähne davon stumpf werden»). Herlitze, f.(Pl.-n): die Hornkirsche. 1557 bei Lonicer und 1578 bei Frischlein Nom. Kap. 19 Herlitze, 1561 bei Cordus Herlitzen- baum, ahd. arliz-, erlizboum, harlezboum. Vgl. Björkmann ZfdW. 2, 214 und Arleshaum. Hermandad, f.: Polizei(in etwas spöt- tischem Sinne). 1791 bei Roth. Aus span. santas Hermandades cheilige Brüderschaften, von span. hermano Bruder» aus gleichbed. lat. germänus. Sie kamen 1466 in Kastilien zur Abwehr von Räubern auf. Hermann, Mannsname. Ahd. Hari-, Heri-, Hermann, eig. aber Appellativ mhd. here-, herman, ahd. hari-, heriman, ags. hereman, anord. kermadr m.«zum Heerdienst verpflich- teter Freier, Kriegsmann»(s. Heer und Mann). Falsch für lat. Arminius gebraucht, schon 1536 bei Polychorius Sueton 16², 1538 bei S. Franck Chron. 18. Hermaphrodit, m.(-en, Pl.-en): Zwitter. 1512 in den Reichsordn. 83 b Hermofroditen Pl. Von gleichbed. gr. lat. hermaphroditus m, gr. épHa†ᷣρdroc m., eig.«Sohn des Hermes und der Aphroditey. Herme, f.(Pl.-/): Bildsäule, bei der nur der Kopf ausgearbeitet ist. Aus gr. Egußc, eig. cder Name des Gottesv. Ende des 18. Jh. Hermelin, n.(-s, Pl.-e): das große weiße Wiesel des Nordens; m. das Pelzwerk dieses Tieres. Im Nhd. mit fremder Betonung(nach ital. ermellino) auf der letzten Silbe, mhd. Mhd. hermelin und ahd. aber auf der ersten. n.(auch das Pelzwerk), ahd. harmelän n., Diminutiv des mhd. harme, harm, ahd.-and. harmo m.«Wiesel, Hermeliny, ags. kearma m. Wiesel», urverwandt mit lit. Sermaõ, Sarmonss m.«Wiesel, Hermelin». Aus dem Germa- nischen entlehnt franz. hermine f., afranz. erme, ermine f., ital. armellino, ermellino m., span. armiso m., port. armelina f.«Hermeliny. Nach Meyer-Lübke Z. f. rom. Ph. 19, 94ff. steckt das Wort auch in rhätorom. carml. hermétisch, adv.: luftdicht, in herme- tisch verschlossen. 1716 im Mathemat. Lex., aus dem neulat. Adv. hermetice«chemisch», eig.«mit geheimnisvollem Siegel versehen, mit Bezug auf den luftdichten Verschluß einer Glasröhre, den Hermes Trismegistus erfunden, ein mythischer ägyptischer Weiser, Herr 854 der für den Vater der Alchimie(philosophia hermetica) gehalten wurde». hernach, hernieder,-hero, s. her. hernehmen, v.: tadeln, eig. vor sich zitieren(vom Richter). 1626 bei Zincgref Apophth. 1, 170. heröisch, adj.: heldenhaft, heldenmütig, heldenmäßig. 1616 bei Albertinus Lucifer 5, nach dem gr. Jat. Adj. hérõicus aden Heroen angehörig», von gr. iipuc m.«Heros, Held». Davon Heroismus, f.: Heldentum. Im 18. Jh. Heroine, f.: Heldin. Im 17. Jh. Herold, m.(-s, Pl.-e): Aufseher bei Turnieren und Festen; feierlicher Bote und Verkündiger. Spätmhd. im 14. Ih. keralt, erhalt m., im 16. Jh. Ehrnhold, aus gleich- bed. afranz. heralt m.(13. Jh.), nfranz. hérdut m., das nebst ital. araldo, span. haraldo, aspan. haraute, mlat. haraldus, herauldus, heroldus m. auf einem vermuteten ahd. heriwalto ͥHeer- beamter» beruht, noch erbalten im asächs. Eigennamen Heriold, anord. Haraldr. Herr, m.(Gen. u. Pl.-en,-n): der Be- fehlende und der zu befehlen Befugte, auch als Ehrentitel. In der 1. Bed. unverkürzt Herre noch bei Goethe 6, 128, Schiller Tell 3, 1. Mhd. hérre, herre(in der Anrede hér, her), ahd. hériro, hérro, kerro m.; dazu asächs. hérro, ndl. heer, afries. hera, her, aus Nieder- deutschland entlehnt ags. hearra, herra und anord. herra, herri, schwed.-dän. herre m. Ahd. hériro ist urspr. schwachbiegender Kompa- rativ von hehr(s. d.), also«der Erhabnere, Vornehmere, Gewaltigere» oder noch mit der ursprünglichen Bedeutung«alt»; ühnlich aus lat. senior der Altrey franz. seigneur, sire und sieur, ital. signore, span. sefor m.«Herry. 4B L. Herrin, f., 1537 bei Dasypodius, da- für mhd. vroue«Frau», ahd. neben frouaoa auch herra f. herrisch, adj.: sich als Herr benehmend, bes. in auffälliger, beleidigender Weise(1691 bei Stieler), mhd. hérisch, hersch cnach Herrenart sich benehmend, herrlich», urspr. von mhd.- ahd. hér, hehr(s. d.) abge- leitet, dann aber auf Herr bezogen, wie mhd. herrisch bei Frauenlob zeigt. herrlich, adj, mhd. hérlich, ahd. hérlih,«erhaben, vornehm, ausgezeichnet, glanz-, prachtvoll», and. hérlik cvornehm», noch 1540 bei Alberus dict. ce 3² herlich, hehrlich, im Adv. mhd. hérliche, ab- geleitet von hehr(s. d.), aber auf Herr be- zogen, bereits bei Luther herrlich, wie mhd. herrenlich cherrlich» und and. hérrilzk(?) cdem Herrn gehörig». Herrlichkeit, f., 54* 8⁵⁵ herrühren spätmhd. herlicheit f. Herrschaft, f., mhd. hérschaft, ahd. hérscaft, hérscaf f. Herren- würde, Herrenmacht, Hoheit, Herrlichkeit, Herrenbesitz, oberherrliches Gebiet, Herr und Frau gegenüber der Dienerschaft⸗; dazu and. hérskepi n.«Herrschaft⸗, urspr. abgeleitet von hehr(s. d.), später als Ableitung von Herr umgebildet bei Luther Herrschafft; davon herrschaftlich, adj., 1691 bei stieler. herrschen, v.: Herrenmacht, Obergewalt haben, mhd. im 13. Jh. hérschen, md. im 14. Jh. hérschin, im Voc. ex quo 1469 her- schen, gewöhnlich mhd. héersen, hersen, ahd. hérison, von hehr(s. d.) abgeleitet, aber im Gedanken an Herr bereits ahd. hẽrreson, bei Luther herrschen. Davon Herrscher, m., bei Luther, mhd. im 13. Jh. hérscher, dann herscher, ahd. hérisari m.; Herrscherin, f., 1691 bei Stieler; Herrschsucht, f., bei Ludwig 1716 und Thomasius Einl. 203. ZUO8. Herrgott, m., mhd. hérregot, 1402 herrgot m.; Herrgottskäfer, m.: der Blattlaus- käfer coccinella, 1664 bei Duez Herrgotts- kühlein, Herrgottsthierlein. herrühren, v.: von etw. seinen Ursprung haben, 1642 bei Duez, spätmhd. rüeren. herstellen, v.: in den ursprünglichen Zustand zurückversetzen, 1741 bei Frisch, gekürzt aus wiederherstellen. herüber, herum, herunter, hervor, s. her. Herz, n.(ens, Pl.-en): aufnehmendes und ausströmendes Blutgehäuse der Brust; in der Spielkarte das franz. coeur(1578 bei Frischlin Nom. cap. 177 Hertz); das In- nerste, der Mittelpunkt von etwas(1534 bei Franck Weltb. 165a, md. im 14. Jh. der Butzen am Apfel des Zedernbaums); bild- lich als Sitz der Seele, Empfindungsvermögen usw.(schon mhd.-ahd.). Mhd. herze, ahd. herza n.; dazu asächs. herta n., mnd. herte, nd. ndl. hart n., afries. herte, hirte f., ags. heorte f., engl. heart, anord. Hjarta n., schwed. Wjerta, dän. Merte, got. haërto n. Verwandt mit gleichbedeut. lat. cor n.(Gen. cordis), gr. kopdic f. und np n., abg. sridice n., lit. sirdas f., air. cride, armen. sirt; awest. zorod-, zorodaja- n., aind. hyd, hydajam n. zeigen andern Anlaut und sind daher von Herz zu trennen. Der Nom. Sg. unverkürzt Herze noch bei Lessing 2, 293, Goethe 1, 173, Rückert, Heine; der Gen. Sg. wie mhd. bei Luther, Fleming, Logau usw. Herzen, spätmhd. im 15. Jahrh. hertzens, wie 1722 bei Freyer Her⸗ 856 Herzens neben Herzen; der Dat. Sg. bis- weilen starkflekt., bei Lessing 6, 321 Herze, wie schon mhd.; ebenso der Nom. Pl. mhd. neben herzen zuweilen herze, im 16. Jh. herzer (Zimm. Chron. ² 1, 418, 38). 4BL. Herz- chen, n.: Liebchen, 1594 bei H. J. von Braunschweig 426. herzen, v.: liebkosen, 1470 bei Diefenbach gl. 31 b herczen, anders mhd. herzen«mit einem Herzen versehen». herzhaft, adj., mhd. herzehaft«beherzts, dann«besonnen, verständigs; Herzhaftig- keit, f., 1537 bei Dasypodius. herzig, adj.: anmutend, liebenswert, 1561 im Amadis 1, 295, dagegen mhd. nur in Zussetz. wie steinherzec. herzlich, adj., mhd. herze-, herzenlich neben herzeclich, mnd. hertelil. ZUS. Herzaller- liebste, f., 1595 bei Rollenhagen Froschm. 1, 1, 8, 36, als Adj. oft im 16. Jh. Herzblatt, n.: das Zwerchfell als Sitz des Lebens, 1711 bei Rädlein; das Innere der Pflanze, 1775 bei Adelung; der mittlere Teil des Kleeblattes, 1660 bei Fleming 641 bildlich; das Edelste, Liebste, 1775 bei Adelung. Als Pflanzen- name schon mhd. herzeblat. Herzblut, n., mhd. Herzebluot n. herzbrechend, part. Adj., Ende des 16. Jh. bei Schweinichen 1, 280, bereits mhd. herze-, herzhrechen n. cdas Herzbrechen, der Tod». Herzeleid, n., mhd. kerze-, herzenleit n., daneben herzeleide f., mnd. herte-, hertenlét n. Herzenslust, f., bei Luther 1. Thess. 2, 8 Hertzenlust. Herz- gespann, n.(-s): Magenkrampf, den man sich als Spannung der das Herz umgebenden Haut dachte, 1519 bei Luther Kommentar zum Galaterbrief Heragespan, mhd. herzspan n.; dann die Pflanze leonurus cardiaca, gegen den Magenkrampf angewandt, im 14. Jh. hertzgespann bei Diefenbach gl. 6393, um 1480 im Voc. inc. teut. I5 b hertzenspan, mnd. hertespan. Herzgrube, f., 1537 bei Dasy- podius Hertzgrübel n. herzinnig, adj., 1659 bei Butschky Kanzl. 2. Herzkammer, f., 1741 bei Frisch. herzlieb, adj., mhd. herze- liep, mnd. herteléf. herzlos, adj., mhd. herzelös. herzschlächtig, adj.: herzkrank, bes. von Pferden, deren sichtbares Flanken- schlagen(Bauchatmen) in der Herzgegend als Herzschlag angenommen wird(spätmhd. im 15. Jh. herzslechtig, 1394 hercz-, hereczens- slechtic bei Diefenbach gl. 346); kurzatmig, engbrüstig(md. im 14. Jh. herslähtig). Aus gleichbed. nd. hartslechtig,«am hartslach leidend»(mnd. hertslach m., von nd. hart, hert eHerz) schon in den Brünner Stadt- 857 Herzog rechten des 13.—14. Jh. hertschlechtig, hd. im 16. Jh. hartschlechtig(Frankf. Reform. 2, 9§5) und mhd. harteslaht f. Herzschlächtigkeit des Pferdesy». Im Ahd. heißt der Schrecken herzeslagõd m., eig.«das Herzschlagen oder klopfen. Herzog, m.(-s, Pl.-e, auch Herzöge): der im Range zunächst unter dem Kurfürsten und Großherzog stehende Fürst. Noch im 17. Jh. mit schwacher Flexion(Gen. u. Pl. Herzogen), seit der zweiten schlesisch. Dichter- schule Ende des 17. Jh. starkbiegend. Mhd. herzoge, ahd. heri-, herzogo, herizoho m.; dazu asächs. heritogo, mnd. her-, hartoghe, her-, hartoch, afries. hertoga, ags. heretoga, anord. hertogi m., schwed. hertig, dän. hertug. gs. aus ahd. heri«Heer»(s. d.) und dem von æiehen(ahd. 2iohan, asächs. tiohan, got. tiuhan) abgeleiteten, auch in ahd. magazoho, maga- z090 Knabenerzieéher» erscheinenden ahd. 20ho,-2090,(= lat. duæ m.«Führers), also urspr.«der mit dem Heere auszieht», im Ahd. Heerführer, Vorgesetzter des Heeres». Davon Herzogin, f., mhd. herzoginne, her- zogin, herzogin, ahd. herizohin, herzogin. her- z0glich, adj., 1664 bei Duez. Herzogtum, n., mhd. herzogen-, herzogtuom, gekürzt herzen- kuom n., spätahd. herzogentuom. herzu, s. her. Hesse, m.(-n, Pl.-n): Volksname. Mhd. Hesse, ahd. Hasso, Hesso m.(auch Personen- name), mlat. im 8. Jh. Hessus, Hassus, Hessio, bei den Römern das nicht unmittelbar iden- tische, sondern nur stammverwandte Chattus (Tacitus Germ. 29). Der Name Hesse, idg. *Cassio- kehrt im Keltischen wieder in Bodio- casses, Tri-casses(= Tpixdccioi bei Ptol.) Velio-cassi, Cassi-mara, auch wohl in gr. Käccavdpoc, lat. Cassius, ist aber als Name nicht sicher deutbar. RA. blinder Hesse, 1621 bei Vilmar Id. 43 blinde Hundehessen, im 16. Jh. bei H. Sachs 17, 399 die Hessen engst(vexiert) man mit den Hunden, mit Bezug auf eine Stammsage, wonach der Stammesherr der Hessen und Schwaben(1541 bei Franck Spr. 2, 49 b blinder Schaab) von einem Hunde erzeugt oder als Neugeborner für einen blinden Hund ausgegeben wurde. In Wirklichkeit geht der Ausdruck blind wohl auf die geistige Blindheit und ist gleich dumm. Hessen, n.: Hessen zu den Hessen» gekürzt. hessisch, adj., 1561 bei Maaler, Heu 858 hetero-, mehrfach in Zusammensetzungen, ist das gr. Erepoc«der andre». heterodox, adj.: anders-, irrgläubig, aus gleichbed. gr. erepôdokoc(Doẽoc von dota f.&Glaube). Im 18. Jh. heterogen, adj: anders geartet, aus gr. Erepo-Tevhc«von einem andern Geschlecht (Tévoc n.)) 1796 von Heynatz durch«un- gleichartigy verdeutscht. 1710 bei Nehring heterogenus. Hetman, m.(-S, Pl.-s): Kosakenober- haupt. Aus gleichbed. kleinruss. hetman, ent- lehnt aus deutsch Hauptmann. 1710 bei Nehring; offenbar ist der Ausdruck durch Mazeppa bekannt geworden. Hettel, f.(Pl.-n): die Ziege, bes. die junge. Alemannisch. Mhd. hatele f., dazu 1563 bei Mathesius Hochzeitpred. 135, 30 das Dim. Hettlein n., bei Grimmelshausen Simpl. 3, 356 Kz. Hetel n. Entsprechend nd. hitte f., anord. hadna f.«junge Ziege». Verwandt ist ir. cit«Schaf»(Zupitza 206). Hetze, f.(Pl.-n): Hetzjagd(Ende des 16. Jh. bei Schweinichen 1, 251); Koppel Hunde zur Hetzjagd(1775 bei Adelung); das eilige Treiben(Wieland 3, 33). Vgl. Hatz. Von hetzen, v.: zu Haß, zu Verfolgung reizen, mhd. hetzen, ahd. hezzen, mnd. hissen, hitzen, hessen jagen, aufreizen». Gleichen Stammes wie Haß(s. d.). Hetzer, m., 1691 bei Stieler, spätahd. anahetzari m.«Anhetzer», mnd. hitzer. Hetzerei, f., bei Goethe 29, 170. Heu, n.(-es, ohne Pl.): gedörrtes Gras, insbesondere der ersten Schur. Mhd. höaaoe, höu, heu, ohne Umlaut houlbe, ahd. heawi, houiwi n., noch im 16. Jh. Hau, Hauao, wetter- auisch Hã; dazu asächs. houaoi, and. hõο, mnd. hoi, hoig, haup, ndl. hooi, ags. heg, engl. hap, anord. hey n., schwed.-dän."5, got. hauwi n., gewöhnlich von hauen(s. d.) abgeleitet, also urspr.«abgehauenes Gras». Lidén Uppsala- studier 94 vergleicht lit. sékas m.«Grün- futtery, aind. çãkam n.«eßbares Kraut Ge- müses. 4BL. heuen, v., mhd. höuzen«Heu machen». ZUS. Heumonat, m.: Monat der Heuernte, Juli, mhd. hõöumãnõt, mänet, ahd. hewimãnoth m. Heuschober, m.: Heu- haufe, im 15. Jh. hewoschober bei Diefenbach gl. 127, s. Schober. Heuschrecke, f.(Pl. -n): Feldgrille, Grashüpfer, mhd. hõuschrecke, Hessenland, mhd. Hessen(Nibel. 175, 1), eig. Dat. Pl., aus ze SSchricke m., ahd. hezwiscrekko, houscrecho m., das Mask. noch bis ins 17. Jh., 1664 bei Duez Fem. Heawschreck; dafür ndl. Sprinkhaan, ags. gœrshoppa m. Grashüpfer? und gœrsstapa m. Grasgänger», engl. grasshopper, got. Fram- 859 heucheln Hexe 860 stei f. Zu ahd. scricchan«aufspringen, in die Höhe springen»(s. Schreck). heucheln, v.: sich anders, insbes. besser stellen, als man ist. Bei Luther aus der md. Mundart(z. B. 1, 410 b vom J. 1521) und durch ihn in die hochd. Schriftsprache eingeführt(1520 bei Liliencron Volksl. 3, 352), auch seit dem 16. Jh. nd. huchelen, ndl. hal- chelen. Iterativbildung von älternhd. hauchen «sich ducken, bücken»(bei H. Sachs), mhd. Qüchen«kauern, sich ducken», also vom Be- griff des demütigen Bückens und Schöntuns ausgehend. Khnlich got. liuta m. Heuchlerꝰ, zu ags. lätan«sich neigen, sich bücken, vor jem. niederfallen, lot n.«Betrug», anord. lta«sich niederbeugen». Anders Franck und Schroeder Btr. 29, 556. 4BL. Heu- chelei, f., bei Luther. Heuchler, m., bei Luther, seit dem 16. Jh. mnd. haucheler, hugeler, ndl. huichelaar; heuchlerisch, adj., 1558 bei Franck Paradoxa 282 a, neben heuchelisch bei Luther 1, 410 b, heuchlisch 5, 206 b. heuer, adv.: in diesem Jahre. Mhd. hiure, hiwer, hiuwer, md. hüre, ahd. hiuro aus hiuru d. i. hiu Järu, dem Instrumentalis des Demon- strativpronomens, dessen Reste in got. himma daga, hina dag(s. heint, heute) vorliegen, und dem ahd. Subst. Jãr n.«Jahr. Davon heurig, adj.: diesjährig, mhd. 1294 hiurig, im 12. Jh. hürec(Windb. Psalmen 235). Heuer, f.(Pl.-n): Miete, Pacht. Nord- deutsch, 1697 bei Ettner unwürd. Doktor 404 Heuer, vereinzelt im 17. Jh. Haur. Mnd. und mndl. hure f., nnd. hür, nndl. htur f., dazu ags. hꝗr f., engl. hire, schwed. hyra f., dän. hyre(Monatslohn der Schiffsleute). Von heuern, v.: mieten, pachten,(seemännisch) einen Matrosen anwerben, mnd.-mndl. huren, nnd. hären, afries. héõra«pachten, ags. hyrian, engl. hire«dingen, mieten», auch spätmhd. hüren«Pferd oder Wagen mieten»(s. haudern). Unbekannter Herkunft. Vielleicht zu gr. xoperv, xupetv cauf etwas stoßen». Vgl. noch keiraten. 4B. Heuerling, m.: Mietling, Mietsmann, 1741 bei Frisch Heurling, mud. Buürlink, nnd. hürling, ndl. huurling m. Mietling», ags. nyrling m. Tagelöhner, Lohnarbeiters. lieulen, v.: kläglich schreien, widerlich schallende tiefe Klagelaute ausstoßen. Mhd. hiuaeln, hiulen, 1420 hewlen(Schröer Voc. 3200), md. und mnd. hãlen cheulen, schreien?, ahd. hiꝛwilön, hiulön jubiliereny». Verwandt mit ahd. hiuzwela, häebela f.«Nachteule»(s. Eule). Weiter dazu gr. koxéeiv«Klagen, schreien, heulenꝰ, aind. Kυιt α˖schreit. 4L. Heuler, m., 1691 bei Stieler; davon Heu- lerei, f. Heune, s. Hüne. heunt, s. heint. Heumonat, Heuschrecke usw., s. Heu. heute, verkürzt heut, adv.: an diesem Tage; dieser Zeit. Mhd. hiute, md. häte, ahd. hiutet, hiuto, gekürzt und verschmolzen aus hiu taga, dem Instrumentalis des Demon- strativpronomens, das im Got. erhalten ist (s. heint), und dem Subst. ahd. tac«Tagy, also gebildet wie das gleichbed. lat. hödie aus hoc die. Entsprechend asächs. Riudlu, niudiga, and. hôdigò, mnd. hudene, huden, hude und hodegen, afries. êhiudega, hioda, ags. hõodog, aber got. im Dativ himma daga cheutes. 4B2L. heutig, adj., mhd. hiutec, ahd. hiutig, dafür mnd. hadelilk, in der Genitivlormel heutiges Tages, bei Luther(Richt. 15, 19) heutes tags, ahd. hialiges desses tages. Hexäãämeter, m.(-s, Pl. wie Sg.): der Sechsfüßler, der Vers des Heldengedichtes der alten Griechen und Römer. Aus lat. versus hecameter, von gr.& sechs» und uérpov n. Maßy, also«sechs Maße habend». Wohl erst in der 2. Hälfte des 18. Jhs. ver- wendet. Hexe, f.(Pl.-n): böse Zauberin. Im 16. Jh. bei Dasypodius Hägß, Häx, bei Fri- sius 1541 Hägx, bei Fischart Garg. Hechse, bei Hulsius Dict. 305 b Hext, mhd. hecse, hexse, hegæse, häxe, auch hesse, unverkürzt hegecisse(Wiener Jahrbb., Anzeigeblatt Nr. 41 S. 21 b), ahd. häzus, hüzis, häzissa, unverkürzt hagaissa, hagazussa f., daneben hezesusa; dazu mndl. haghetisse, haghetesse(auch«Eidechse»), nndl. he;s, ags. hœε‿tesse, hœgtis f., engl. hag. Weigand nahm Ableitung von ahd. hag m. Einfriedigung» an, entsprechend ahd. zunrite f.«Hexe», anord. Iünridar Pl.«auf dem Zaun reitende Gespenster». Aber dabei kommt der zweite Teil nicht zu seinem Recht. Eher ist an eine-es-Ableitung von einem Stamm hagat- zu denken, wie Niae, auch ahd. zakarra «meretrixy, und dieses hagat- vielleicht zu gr. xrxdxeiv«schmäheny. Vgl. die eingehenden Erörterungen von J. Franck bei Hansen Quellen und Untersuchungen zur Geschichte des Hexenwahns 1901 S. 614— 70(Idg. Forsch. Anz. 15, 100). 4BL. hexen, v., 1525 bei Eckstein Concilium(Kloster 8, 734) hägsen, dazu afries. heæna, hoæna«behexen». Hexerei, f., 1517 bei Keisersberg Emeis 3²a hexerey. 861 hi ZUs. Hexenmeister, m., 1561 bei Maaler Häxenmeister. Hexenschuß, m.: plötz- licher rheumatischer Schmerz in der Hüfte, vgl. 1562 bei Mathesius Sar. 154 b wie die Unhulden und Hexen viech und leute glieder schiessen, hexen und verlehmen, 1610 bei Colerus Hausbuch B. 6, Kap. 58 Hexengeschoß n.«Geschwür, in dem man Haare, Gräten, Federn findety, ags. hœgtessan gescot in urspr. Bedeutung. hi, Interj. des kichernden Lachens. 1520 bei Wirsung Calixtus B 5 b hi, hi, hi. hickeln, v.: auf einem Beine hüpfen; hinken. Hessisch hickeln, fränk. hückeln, 1664 bei Duez hinckelen cauff ein Bein hupffen», elsäss. Hickeren«krumm gehen, hinkeny». Mhd. hickeln chüpfen, springen». hie, s. hier. Hieb, m.(-és, Pl.-e): schneidender, dann überhaupt eindringlicher Schlag. 1506 in Nürnb. Chron. 5, 705, 29 hieb. Von hauen(s. d.). 4L. Hieber, m.: Hiebwaffe(studentisch bei Miller Walther 148), 1734 bei Steinbach, dafür Hiebdegen 1664 bei Duez. Hiefe, f.(Pl.-n): Hagebutte. Fränkisch. Mhd. hiefe f.«Hagebutte und Hagebutten- strauch», ahd. hiufo, hiafo m.«Dorn, Dorn- strauch»; dazu asächs. hiopo m. Dorny, ags. hõope f.«Hagedorn, engl. hip, aschwed. hiupon, ferner ahd. Niufaltar, hiufolter m., hiefaltra f., mhd. hiefalter f.«Hagebuttenstrauch»(vgl. Maßholder, Wachholder). Vielleicht urver- wandt mit abg. sipäkcä m.«Hagerose?, bulg. sipkũ Hagebuttes, nslow. Séiνpek, serb. Säpak m. «Granatapfel, Hagebutte». Die Abweichung in der Lautverschiebung müßte wohl durch n-Assimilation erklärt werden. hier, hie, adv.: an diesem Orte. Mhd. hier, gewöhnlich hie, ahd. hiar, hia; dazu asächs. hër, hier, Rr, mnd. hir, mndl. hér, hier, afries. hir, ags. anord. hér, schwed. här, dän. her, got. her. Eine Bildung zu dem alten Pronominalstamm, der bei heint(s. d.) besprochen ist, vgl. her, heuer, heute, hin, hinnen. In Zusammensetz. hierauf(1561 im Amadis 1, 14), hieraus(1626 bei Zinegref Apophth. 1, 73), Rierbei(mhd. hie bi), hier- durch(Amadis 1, 58), hierher(bei Luther hieher), hierin(mhd. hier inne), hermit(mhd. hie mite), hiernach(bei Hulsius Dict. 1605 hienach), hierunter(mhd. hier under), hiervon (Schuppius 15), hiereu(bei Luther hie zu). Die Formen mit hie sind in Süddeutschland sehr gelüufig. Die bayrische Orthographie Hlfe 862 schreibt sie regelmäßig, wenn das zweite Glied konsonantisch anlautet, österreich schreibt hiebei, hiedurch, hiefür, hiegegen, und läßt die andern neben hier- zu. 41. hiesig, adj., von hie gebildet wie dasig(s. d.) von da, 1618 bei Schönsleder, dafür im 15.—17. Jh. hieig(Nürnb. Pol.-Ordn. 246) und im 16. Jh. hieisch(Mathesius Sar. 75²). Hieroglyphe, f.(Pl.-n): Zeichen der ägyptischen heiligen Bilderschrift. Zu gr. lépofXOooc n.«Hieroglyphenschreiber», von iepéc cheiligy und XOerv«eingrabeny. Bei Goethe Br. 24. 3. 79. hieroglyphisch, adj., bei Fischart Garg. 40 hierogliphisch, nach gr. Jat. hieroglyphicus, gr. ieporXuoixöc. Hift, m.(-es, Pl.-e): Stoß ins Jagdhorn. Im Neuw Jag- und Weidwerkbuch(Frankf. 1582) 1, 4² und 1663 bei Schottel Hit m., 1664 bei Duez Hifft und Hüfft m.«Weyd- geschrey, mit dem Horn oder auch mit dem Mund», 1678 bei Krämer Hifpt v., 1686 bei Mühlpforth Geistl. Ged. 16 Hift f.«Jagdruf mit dem Jagdhorn», dagegen 1719 bei Fle- ming t. Jäger 2542 Hief m., wohl zu ahd.- got. hiufan, asächs. hiovan, ags. héafan und héofan«klagen, wehklagen». ZUS. Hift- horn, n.(-s, Pl. Hifthörner): kleines Horn des hirschgerechten Jägers, 1719 bei Fleming teutscher Jäger 253 b Hief-Horn, 1746 bei Döbel Jäger-Practica 3, 105 Hüffthorn, 1763 bei Heppe Jäger 203 Hifthorn. Hilfe, f.(Pl.-n selten), das Subst. von helfen(s. d.). Mhd. hilfe, meist helfe, abd. hilfa, gewöhnlich helfa f.; dazu asächs. helpa, mnd. und afries. helpe, ags. helpe und help, anord. Malp f., dän. Hjälp. Vornehmlich durch Luther hat sich die aus dem Md. und Nd. aufgenommene Form Hülfe geltend gemacht, md. im 14. Jh. halfe, ahd. einmal halpa, in den Psalmen hulpa, mnd. und mndl. hulpe f., nndl. hulp neben help f. Die Schreibung Hülfe ist heute noch zulässig, doch wird Hilfe vorgezogen. ZUS. Hilferuf, m., 1808 bei Campe Hülferuf als junges Wort. hilf- los, adj., mhd. helfe-, helflôs, ahd. helfelos, asächs. hulpilos, afries. helpelõôs; davon Hilf- losigkeit, f., 1741 bei Frisch. hilfreich, adj., mhd. helferiche. Hilfsmittel, n., 1581 bei Fischart Bienk. 109 b Hülfymittel. Hilfs- quelle, f., 1773 von Wieland im Teutschen Merkur 1, 227 für das franz. ressource f. ge- bildet. Hilfszeitwort, n. im 19. Jh., dafür 1641 bei Schottel 416 Hülffewort und noch bei Adelung und Heynatz Huülfswort. 86³ Hilpertsgriff Himten 864 Hilpertsgriff, m.: hinterlistiger Griff, ränkevolle Handlung(Iieck 15, 316). Noch koburgisch. 1562 bei Mathesius Sar. 2182 Hilpersgriff, verkürzt aus Hildebrandsgrif; (1646 bei Philander 3, 242), in der 1. Hälfte des 16. Jh. Hiltprantsgriff(Frommann Zeitschr. 2, 21), mit Bezug auf das jüngre Hildebrands- lied aus dem 15. Jh. Str. 12(Uhland Volksl. 333): Er erwischt in bei der mitte da er am Schoechsten awas, er schwang in hinder- rucke ο i das grine gras. Himbeere, f.(Pl.-n): die rote Beere des rubus idaeus. 1546 bei Bock 2, 12 b Hymbeer f., 1578 bei Frischlin Nom. Kap. 22 Himbeerstaud und 1616 bei Henisch Himbeer, Hinnbeer, hervorgegangen aus Hindbeer f. (noch im 17. und 18. Jh.), mhd. hindbere n., ahd. hintperi n., d. h.«Beere, die die Hinde (s. d.), die Hirschkuh gern frißt; dazu and. hindberi, ndl. hennebezie, ags. hindberige f., nordengl. hindberrg, dän. hindbär, himbüär. Noch in Ostpreußen Hindbeere(auch Ins- beere, wohl aus Hindsbeere), in Thüringen und Obersachsen Hingbeere(bei Adelung Hünkheere). Dagegen 1482 im Voc. theut. o 7à hynper Wachholder. Himmel, m.(-s, Pl. wie Sg.): die blaue Wölbung über der Erde; Sitz der Seligen; Baldachin, Tragehimmel(mhd.). Bei Luther Himel, mhd. himel, md. auch hiemel, ahd. bhimil m.; dazu asächs. himil, afries. himul, himel, anord. himill m., schwed. und dän. himmel, mit l aus n, wie Esel, Kümmel, und daher hierher got. himins m., anord. himinn m. Daneben Formen mit d oder f, das in den obliquen Kasus vor u lautgesetzlich aus m entstand: anord. Dat. Pl. nifnom neben him- naε, Akk. Pl. hifna neben himna, in Zussetz. hifnakonungr m.«Himmelskönigy neben him- nakonungr, ferner asächs. heban, hevan m. Himmel», mnd. heven m. der physische Himmel» im Unterschied von hemmel m. in religiöser Beziehung, ags. heofon m. und heo- fone f., engl. heaven. Die Etymologie ist ganz unsicher. Besondre Beziehung zu gr. KHleXEOpov n. Stubendeckey besteht nicht, da lerst im Germ. entstanden ist. Andre nehmen Deckey als Grundbedeutung an(Waz. ham cbedecken?, s. Hemd, wie lit. dangus m. Himmely zu dengiu decke». Vgl. unten himilizi). Kluge verbindet H. mit heim, was unwahrscheinlich ist. Schließlich könnte man H. auch mit aind. agmäã m. Fels, Stein» vergleichen(vgl. Hammer), das auch die Be- deutung Himmel» hat, ebenso awest. asan-, asman- m. Vgl. noch Walde s. camur. Für «Baldachin, Zeltdecken hat das Ahd. die Weiterbildung himilizi n., mhd. himelze n. cBaldachin, Zimmerdecke», mnd. hemelte n. «Zimmerdecke, Gewölbe», ndl. hemelte, ghe- hemelte xgewõlbte Decke des Munds, Gaumer, noch schweiz. Himmleze f.«gewölbte Decke, Betthimmel», früher auch«Gaumen», wie 1616 bei Henisch 1375, 13 Himmel im Mund. RA. im siebenten Himmel sein, von den 7 Planeten- himmeln der jüdischen Vorstellung herge- nommen. Erst im 19. Jh. nachzuweisen. 4 L. himmeln, v.: zum Himmel streben(Goethe Pandora 182, schon 1671 bei Otho Krankentrost 1265); in den Himmel fahren, sterben(1662 bei Lehmann Flor. 1, 851, noch oberd. und in nd. Mundarten); verklärt aussehen(1804 bei Bentzel-Sternau Das goldne Kalb 3, 81 als neues Wort). Mhd. himelen«in den Himmel aufnehmen». himmlisch, adj., mhd. hime- lisch, himelsch, ahd. und asächs. himilisk, afries. himulisk, himelesk, ags. heofonisc; im Adv. ahd. himeliswo. Z07S. himmelan, adv., 1663 bei Schottel 523. Himmelbett, n., 1711 bei Rädlein, dagegen schon um 1480 im Voc. inc. teut. l6 b himel ob einem bet. himmelblau, adj., mhd. himelblä. Himmel- fahrt, f., mhd. himelvart, ahd. himilfart f. himmelhoch, adj., 1645 bei Zesen adriat. Rosemund 17. Himmelreich, n., mhd. himelriche, ahd. himilrihhi n.; dazu asächs. himilriki, afries. himul-, himelrik, anord. himinrici(daneben himna-, hifnaraiki), ags. heofonrice n. Himmelschlüssel, m., mhd. himelsluüzzel m.(auch Schlüsselblume, primula veris), ahd. himilsluzzil m. himmelschrei- end, part. Adj., 1691 bei Stieler(beruht auf 1. Mos. 4, 10). Himmelskugel, f.: Globus, 1648 bei Kemnitz schwed. Krieg 1, 305 b von 1631 und bei Schottel 1663 S. 435. Himmels- leiter, f., mhd. himelleiter f. himmel- weit, adj., bei Opitz 1, 2; bildlich himmel- weiter Unterschied 1775 bei Adelung. Himten, m.(-s, Pl. wie Sg.): ein Maß für Getreide usw., etwa 4 Metzen. Noch ndd. und ostmitteld. aus dem Ndd. Md. hemmete(Germ. 20, 43), 1517 bei Trochus C3 /b hempte cheminay, 1594 bei H. J. v. Braun- schweig 458 Himpten m., mnd. hemete m., nnd. hempte, hempe, himpe, 1741 bei Frisch als obersächs. Heimbzen m. und thüring. He- mitze, md. schon 1272 heymetze, sowie in Zeitzer Urkunden des 15. u. 16. Jh. heimbzen, 865 hin hinlänglich 866 heimzen, heymitzen, heynitzen, hénnitzen, jetzt Hinzmõß(Germ. 20, 43). Vielleicht aus gleich- bed. gr. lat. hemina, gr. nuiva und fuiva f. hin, adv.: in der Richtung von dem Sprechenden weg; zu Ende, in Verlust ge- kommen, verloren(mhd.). Mhd. hine, hin, md. auch hen, ahd. hina, ags. hin(in hingang «Abgang, Tod), eine Bildung zu dem unter heint(s. d.) besprochnen Demonstrativpro- nomen. Vgl. hinnen. RA. hin und her, mhd. hin unt her, auch her unde hin; hin und wieder: hin und zurück, da und dort, dann und wann, bei Luther. ZUS. hinãb, adv., mhd. hin abe. hinän, adv., bei Luther. hinauf, adv., mhd. hin Qf, ahd. hina af. hinaus, adv., mhd. hin a3, ahd. hina 63ã. hinbringen, v., in die Zeit hinbringen, eig. weiterbringen, 1678 bei Krämer. S. hindurch, hinein, hin- fällig usw. Hinde, f.(Pl.-n) u. Hindin, f.(Pl.-nen): die Hirschkuh. Mhd. hinde, ahd. hinta, hinda f., dazu mnd. hinde, hinden, ags.-engl.-anord.- schwed.-dän. hind f. Als urverwandt gilt gr. xeudc f.(Gen. keddoc)«Hirsch, Antilope?, doch stimmt die Lautverschiebung nicht. Lidén KEZ. 40, 257 sieht als Grundbedeutung chornlos» an und vergleicht aind. gämas, für das er eine Bedeutung chornlos» erschließt. Dazu lit. Smaälas«ohne Hörner», Ssmalis m., Smalé f.«Rind ohne Hörnery. Vgl. noch Charpentier KZ. 40, 430, W. Schulze KZ. 40, 566. Dazu mit der weiblichen Endung-in (s. d.) umgebildet 1562 bei Crusius Gramm. 1, 297 Hintin neben Hint, 1664 bei Duez Hindinne, 1678 bei Krämer Hindin, vor- bereitet durch die mhd. und mnd. Neben- form hinden(Diefenbach gl. 115 ²), in der das schließende n aus den obliquen Kasus in den Nom. gedrungenist. Vgl. Himbeere, Hindlãufte. hindern, v.: rückgängig machen, im Fort- gang aufhalten. Mhd. hindern, ahd. hintiren und hinderön; dazu mnd.-ndl. hinderen, ags. hindrian, engl. hinder, anord. hindra, schwed. hindra, dän. hindre. Abgeleitet von der Präp. hinter(s. d.), wie ãußern von außer, fördern von förder. 4BL. hinderlich, adj., spät- mhd. 1428 hinderlich, mhd. im Adv. unhinder- lichen ungehindert». Hindernis, n., mhd. nindernisse,-nüsse n., selten hindernis f. Hin- derung, f., um 1480 im Voc. inc. teut. 1 72. Hindin, s. Hinde. Hindläufte, f.(Pl.-n): die gemeine Ci- chorie. 1595 bei Rollenhagen Froschm. 1, 2, 24 Hindleuffte, 1482 im Voc. theut. o 4 b hyndt- Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. lauff, mhd. hintloifte, ahd. hintloipha f. mnd. hintlope, hintlof. Der Name bed.«am Lauf der Hinde, d. h. an und in Waldwegen wachsende Pflanze). hindürch, adv., mhd. hin durch, s. hin. hinéin, adv., mhd. hin in und in hin, ahd. hina in. hinfällig, adj.: an Leibeskraft zum Hinfallen schwach, mhd. hinvellic«sterbend), 1483 bei Melber X 2² hinfellig«leer, gehalt- los, vergeblich»; dann«ohne Bestand, ver- günglich»(hinfellig Lob 1561 bei Maaler), cohne Halt»(von Behauptungen, 1663 bei Schottel 862). hinfort, adv., bei Luther hinfurt, mhd. hinnen vort. hinfür, adv., 1464 im Cod. dipl. Sax. reg. II, 3, Nr. 1075 ninfur«ferner?, ahd. hina fure, 1508 bei Keisersberg Pred. 67 d hinfäro, das sich bis zum Ende des 18. Jh. erhält, in gleicher Bed. fürhin vom 15. bis ins 18. Jh. hin- fürder, adv.: hinfort, 1470 im Cod. dipl. Sax. II, 3, Nr. 1139 hynfurder, nur noch alter- tümlich. hingeben, v. refl.: sich ganz und gar widmen, im 18. Jh.(Goethe 28, 30); da- zu Hingebung, f., bei Goethe 20, 211. hin- gegen, adv., 1561 im Amadis 1, 315 u. 363; Konj. da hingegen 1582 bei Fischart Garg. 334. hingehen, v., mhd. hinegãn, ahd. hina gangan. Hinkel, n.(-S, Pl. wie Sg.): Huhn, urspr. Hühnchen. Luxemb., rhein., fränk. u. hess. Hinkel und Hünkel, 1540 bei Alberus dict. H h 2² und 1650 bei Moscherosch Phil. 2, 333 Hünckel, schon 1423 md. hinkel und 1338 hunckel, Germ. 9, 20 hunclen, aus mhd. hauo- niclin n., ahd. huonichli n. junges Huhn»⸗ neben ahd. im 8. Jh. huaninchili n.«Junges eines Vogels»(fdA. 3, 4645). hinken, v.(Prät. hinkte, Part. gehinkt): mit einem kürzern oder lahmen Fufße gehen. Bei Luther mit schwacher Flexion(1. Kön. 18, 26), dagegen mit starker Biegung wie noch oberdeutsch mhd. hinken,(Prät. hanc, Plur. hunken, Konj. hunke, Part. gehunken), ahd. hinkan, ags. nur in hellehinca m.«der hinkende Teufel», anord. hinka chinken, lah- men», schwed. dial. hinka«zaudern, säumenꝰ, dän. hinke, ablautend mhd. hankeen. Dazu aind. Khaꝛ jati chinkt», ir. cengim«ich gehe (Stokes KZ. 40, 246) und mit anlaut.-s gr. ckdxeiy chinkeny, wie auch anord. skakler «lahm), schwed.-dän. skakl. hinlänglich, adj.: ausreichend, 1691 bei Stieler. hinlässig, adj.: fahrlässig, nach- lüssig(Herder zu Lit. 1, 168), um 1480 im Voc. inc. teut. 17 b hinlesig, bei Luther hinlessig. 5⁵ 867 hinnen Hippe 868 thinnen, adv.: von hier weg, von diesem Orte weg. Mhd. hinnen, ahd. hinana, hinan, hinnan; dazu asächs. hinana, hinan, hinen, ags. heonan, engl. hence. Eine Bildung zu dem unter heink(s. d.) besprochnen Pro- nominalstamm, wie hin. shinnen, adv.: hier drin(1. Kor. 5, 12), mhd. hinnen und hinne, aus hie innen, hie inne, noch md. hinne. hinreichen, v.: ausreichen, 1711 bei Räd- lein. hinreißen, v.: fortreißen, mhd. hin rizen, übertr. in bezug auf Leidenschaften, 1734 bei Steinbach. hinrichten, v.: zugrunde richten, verderben, bei Luther und 1515 bei Pleningen Sallust P 2; infolge eines Richter- spruchs töten, bei Luther 2. Makk. 7, 41, für mhd. rihten. Hinsicht, f., 1775 bei Adelung; hinsichtlich, adv., bei Campe 1808 als neu. 1716 bei Ludwig. Hinterlist, f., mhd. hinder- hintän, adv.: hinten an, zuletzt. 1716 bei Ludwig hintan, früher bei Rädlein und Stieler hindan, mhd. hindan und hindenän chinten hiny. Oft auch ist hintan aus mhd. hin dan chinweg». hintänsetzen, v., 1531 bei Franck Chron. 132 a. hinten, adv. Alternhd. hinden, 1678 bei Krämer hinten, mhd. hinden, früh hindene, ahd. hintana; dazu asächs. bi nindan chinter- drein», mnd. hindene, ags. hindan chinten, von hinten», behindan«hinten», engl. behind, got. hindaana chinter, jenseit»(mit Gen.). Dazu burgund. hendinos«Königy, ir. cetne cerstery, gall. Cintu-(gnãtos). Vgl. Walde s. v. recens. mhinter, adj., 1678 pei Krämer, älternhd. und mhd. hinder, selten hinter, ahd. hintaro (Komp. hintiror, hintarero, Sup. nintarõst); dazu and. hindiro, anord. hindri(Superl. hinnsty)«der spätere, folgende», alte Kom- parativbildung, s. hinter 2. Substantivisch Hintere, m.(Gen. u. Pl. Hintern): das Ge- säß, 1678 bei Krämer Hintere, älternhd. und mhd. hindere m. zhinter, präp. mit Dat. und Akk. je nach den Fragen wo? und wobin? 1664 bei Duez und 1678 bei Krämer hinter, älternhd. hinter, ahd. hintar; dazu mnd. ags. hinder, got. und mhd. hinder, im 15. Jahrh. gewöhnlich hindar chinter, jenseits». Alte Komparativ- bildung(entsprechend gr.-repoc, aind.-karam), die in hinter adjektivisch gebraucht ist und zu der ein Superlativ vorliegt, in ags. hin- dema der letzte, mit doppeltem Superlativ- suffix got. hindumists«der hinterste, ent- fernteste». ZUS. hinterbleiben, v.: zurück- pleiben, in bezug auf einen Toten, bei Fleming 132(40, 6 L.), bes. die Hinterbliebenen, 1734 bei Steinbach. hinterbringen, v., 1678 bei Krämer. hinterdrein, adv., 1775 bei Engel Philosoph f. d. Welt 1, 20. hinter- gehen, v., mhd. hindergän«von hinten über- fallen, betrügen». Hintergrund, m., 1775 bei Adelung, aus der Malerei. Hinterhalt, m.: Stütze im Rücken, Rückhalt(1480 bei Haltaus 914, Reserve von Truppen 1476 bei Liliencron 2, 86 ²); heimlicher Vorbehalt(1681 bei Riemer polit. Stockfisch 316); Versteck, um den Peind von hinten zu überfallen, so- wie die dazu beorderten Truppen(bei Lutber); dazu hinterhaltig, adj.: heimlich zurück- haltend, in bezug auf Gedanken, Gefühle und Wissen, 1687 bei Hohberg Georgica 2, 854 b hinterhältig, vgl. hinder dem Berg halten 1570 bei Agricola Sprichw. 90 b. hinterher, adv., list m.; hinterlistig, adj., mhd. hinderlistec. hinterrücks, adv., im 15. Jh. hinterruchs (kinter mit dem alten Gen. von Ricken, älter mit dem Dat.), mhd. hinderrucke, ahd. hintar rulcke«rückwärts». Hintersasse, m.(-n, Pl.-/n): der hinter einem andern als dessen Zeit-, Leib-, Erbpächter Ansässige, mhd. hinder- saze, hindersezze m. Vgl. Insasse, Sasse. hinterstellig, adj.: rückgängig, abspenstig (Wieland Kombabus 444), mhd. hinderstellee urückgestellt⸗, dann«sich nach hinten stel- lend, zurückbleibend, ungehorsam». Hinter- teil, n.: Steiß, mhd. hinderteil, spätahd. hinder- deil n. hintertreiben, v.: zuriicktreiben, verhindern, bei Opitz 1, 166. Hinterwäldler, m.(-‧J, Pl. wie Sg.), Ubersetzung des amerika- nischen backaoodsman, dann derber Mensch ohne Lebensart. Schlagwort seit den vierziger Jahren des 19. Jh. Vgl. Ladendorf. hinter- wärts, adv., mhd. hinderzwert,-aart, im 14. Jh. hinderwwarts, im 15. Jh. hinterwerz. hinüber, adv.: auf die andre Seite hin, spätmhd. hinäher, s. hin. hinünter, adv., bei Luther. hinwég, ad., mhd. ninwec. hin- wieder, adv., mhd. hin widere, hin wider. hinzü, adv., md. im 13. Jh. hin z5. Hinz, Hinze, Name des Katers in der Tierfabel. Zuerst im Reineke Vos 78. 906 fg. Niederd. Koseform von Hinrilc(mnd. Hintze, Hintzcke), wie oberd. Heinz(s. d.) von Hein- rich. Vgl. Kunz. Hiobspost, f.: böse Nachricht, nach Hiob 1, 14 fg. Bei Goethe(Götz) 39, 40. Hippe, f.(Pl.-/): zusammengerollter oblatenförmiger Kuchen, Waffel. Noch ober- 869 Hippe 1 deutsch. Spätmhd. im 15. Jh. hipe, hiepe f. In den Fasnachtspielen des 15. Jh. 373, 1 hole hip f.«hohle Waffel», daher im 16. und 17. Jh. Hohlhippe f. Da das Wort auch die Weidenrinde bezeichnet, die von den Knaben im Frühling zu einer Pfeife hergerichtet wird, so könnte diese Bed. ursprünglich sein, und das Wort zu got. hiufen(s. Hifthorn) ge- hören. Der Kuchen wäre dann nach seiner Gestalt benannt. 2 Hippe, f.(Pl.-/): Sichelmesser(Offenb. 14, 18); Sense des Todes(Lessing 1, 64). Obersächsische Form von Heppe, Hepe, durch Luther in die Schriftsprache gekommen. Mhd. (md.) hepe, heppe, ahd. heppa, happa f.«Sichel, Sichelmesser, Sichelbeils, im 15. Jh. auch heepp (Diefenbach gl. 606 b), 1596 bei Hulsius Heep, 1482 im Voc. theut. n. 72 happe. Dazu mnd. hepe, heppe, hiepe. Aus einem germ.*hapja sind entlehnt ital. accia, azza«Axty, prov. apcha, frz. hache, span. hacha«Axt, aus ndfrk. happa frz. happe«Halbkreis von Eisen, Krampev. Oberdeutsch noch hap. Herkunft unklar. Vielleicht zu gr. xoric f.«Schlacht-, Opfermessery, abg. Kopiſe n.«Lanze?, lit. kapõné f., lett. kapans Hackmesser, vgl. Zupitza 114. junge Ziege, Zicklein, Zickelchen. 1664 bei Duez Hippelein, 1586 bei Mathesius Syrach 3, 10 Hepelein, Dim. von bayr. obersächs. Heppe f., kurhess. Heppe. Hippe f.«Ziege', besonders als Lockruf für diese. Nach Kluge vielleicht Koseform zu haber Bock»(s. Habergeiß). Hirn, n.(⁸I, Pl.-e): das Kopfmark. Mhd. nirne, hirn, md. hern, ahd. hirni n.; dazu mnd. herne, harne n., ndl. hersenen, harsenen f. und in Zusammens. hersen, mittelengl. hernes, schott. harns, anord. Mjarni m., schwed. Märna f., dan. Ijerne«Gehirn). Daneben anord. hjarsi m. Kopfwirbel, Scheitel). Urver- wandt mit lat. cerebrum n. Gehirn», cer- nalεςᷣ αopfübery, gr. xäp Kopfy, xdο. xdpn f.«Kopfꝰ, xdpavov, xdpnvov n. Haupt, Berg- gipfel⸗, pcnf.«Schläfey, pãviovn.«Schädel, armen. sar«Höhe, Gipfel», awest. sarah- n., aind. çiras und girgäm, girsän- n. Kopf', also mit indogerm., während got. wairnei f. Hirnschädel», anord. huern f. die zwei bootförmigen weißen Knochen im Fischgehirn, Hirschwurz, f.: Hirse 870 ZUS. Hirngespinst, n., 1716 bei Ludwig, vgl. das Hirn erspinnt 1648 bei Weckher- lin 2, 16 F. hirnlos, adj., mhd. hirnelõs. Hirnschädel, m., mhd. hirnschedel. Hirn- schale, f., mhd. hirne-, hirnschal, ahd. hirni- scala f. Hirsch, m.(-es, Pl.-e): mhd. hirz, auch hirz, hirtz(noch hess.-alemann. Hirz), 1482 im Voc. theut. o 5 b hirsch(in hirschenpoc.), im 15. Jh. hirß, hirs(auch bei Luther Hirs, Hivr/s), im 16. Jh. Hirsch langsam vordringend, frühmd. hirez, ahd. hiruz, hirz m.; dazu andfrk. hirot m., mnd. herte, harte n., nnd. hart m., nndl. hert n., ags. heorot, heort m., engl. hart, anord. Mörtr m., schwed.-dän. Mort m. Urverwandt mit lat. cervus m.«Hirschy, kymr. cariv, korn. carotνσι αᷣirsch», apreuß. Ssirais Rehy, gr. képdc gehörnt»(zu gr. xépac n. Horn, Geweih⸗, Gen. xéparoc), also urspr. «Geweihtier». Dazu aber auch lit. Kärvé, abg. Kraba f.«Kuhs, also mit idg. Wechsel von k und K. Lautlich entspricht gr. xôpudoc m., kopudéc f.«Haubenlerchey. Oberd. biegt man schwach: Gen. u. Pl. Hirschen(wie im 16. und 17. Jh. Teuerdank 30, 20, Waldis Es. 2, 11, 16, H. Sachs, Opitz und Hoffmannswal- dau), was auf schwachflekt. mhd. hirze, hirze 3 Hippe, Hipplein, n.(-s, Pl. wie Sg.): m. zurückgeht, auch bei Luther Hohel. 8, 14 der Dat. Sg. Hirssen. 4BL. Hirschling, m., der Waldschwamm Agaricus deliciosus und Clavaria coralloides, 1741 bei Frisch. Z0S. Hirschfänger, m.: Seitengewehr des Jügers zum Fangen, d. h. Abstechen des Hirsches, 1664 bei Duez. Hirschgelos, n., 1775 bei Adelung, 1741 bei Frisch Hirschgelöse, s. Gelos. Hirschgeweih, n., 1581 bei Fischart, Bienk. 200 2 Hirtzgeweih, mnd. hertestavich n., s. Gewweih. Hirschhorn, n., mhd. hirzhorn n.; davon hirschhornen, adj., mhd. 1391 nirczæhornin. Hirschkäfer, m., 1664 bei Duez. Hirschkalb, n., 1664 bei Duez. Hirschkuh, f., 1741 bei Frisch. Hirsch- schröter, m.: Hirschkäfer, s. Schröfter. das Heilkraut Peuceda- num cervaria, mhd. Nirzabire, hirceswure (Hildegard), mnd. herteswort. Hirse, f.(Pl.-n), auch noch m. und Hirsen, m.: die Pflanze Panicum miliaceum. Mhd. kirse, hirs m., ahd. hirsi und hirso m., noch oberd. Hirß m., bei Duez 1664 und Freyer 1722 Hirsen m.; dazu and. hirsi m. die Gehörsteines, hverna f. Topf, Schalen, Das Fem. ist in Norddeutschland heimisch abg. drena f.«Schüssel», aind. Karaokas m. «Schädel, Gefäß» auf indogerm. kie weisen. und jetzt in der Schriftsprache im wesent- lichen durchgedrungen, 1663 bei Schottel 55* 871 Hirt Hirse f., mnd. herse f.; in md. Mundarten Hirsche f. m., 1516 bei Pinicianus Prompt. J2d hirsch, 1638 bei Homburg Clio BS Hirsche. Mit der Verbreitung der Frucht nach Norden auch in die dortigen Sprachen gedrungen, ndl.-schwed. hirs, dän. hirse, islünd. hirsi, engl. hirse. Vielleicht zu lat. cirrus m. ckrauses, von Natur gelocktes Haar, Haar- lockey oder besser zu lat. Ceres«Göttin der fruchttragenden Erdey, lit. sérti cfüttern», sefmenis«Begräbnismal⸗, aind. gçägpam n. «junges Grasy. Vgl. Walde s. v. Vgl. Fench. ZIUS. Hirsebrei, m., um 1480 im Voc. inc. teut. 1 8a hirspreyY, Var. hirßbreyf, vgl. früh- mhd. d3 hirse man den prien tuot(Genesis 24, 36). Hirsekorn, n., mhd. hirsekorn, ahd. hirsechorn n. Hirt, m.(en, Pl.-en), unverkürzt Hirte, m.: Viehhüter. Mhd. hirte, hirt, ahd. hirti m.; dazu asächs. hirdi, mnd. Rerde, ags. hirde, heorde, engl. herd, anord. hirdlir, got. haër- deis m.; daneben mit andrer Bildung mhd. kertœære, herter und hirter, mnd. herder, afries. herdere, ndl. herder, harder m., daher die Familiennamen Herder, Harder. Lit. kef- dæéus m. Hirtey ist wohl nicht urverwandt, sondern entlehnt. Hirt ist F-Ableitung zu Herde(s. d.). 4BL. Hirtin, f.(Pl.-nen), 1575 bei Fischart Garg. 312. ZUS. Hirten- brief, m.: Brief eines geistlichen Hirten, bischöfliches Sendschreiben 1775 bei Ade- lang. Hirtenstab, m., mhd. hirtenstap m. Hirtentäschel, n.: das Feldkraut Capsella bursa pastoris mit Samenhülsen wie Täsch- lein, 1574 bei Fischart Onom. 308 b Hirten- käsch f., bei Brunfels 1530 und Fuchs 1542 Hirtenseckel m.(s. Täschelkraut). hissen, v.: Stangen, Rahen, Boote, Flaggen in die Höhe ziehen. Ein niederd. Seemanns- wort, 1728 bei Sperander hissen, mit der Nebenform hiesen, 1582 bei Chyträus uphissen, 1536 bei Giseke Hamburger Chron. 119 Ais p dat segel!/, dazu 1741 bei Frisch Hisse f.«Maschine, womit man im Schiff etw. in die Höhe heben kann⸗. Entsprechend bei den andern german. Seevölkern, ndl. hijzen, hijschen(spr. heischen),(daraus entlehnt dän. heise), norweg.-schwed. hissa(aus dem Nd.), engl. hoist, verschieden von ndl. hitsen, bei Kilian hisschen und mnd. hissen chetzen», aber in Anlehnung daran 1557 bei Waldis Esop. 2, 30, 88 die Segel aufhetzen. Aus dem Niederd. entlehnt gleichbed. franz. hisser (1664 bei Duez auch hinser, isser), ital. issare, Hobel 872 span. port. izar. Seit 1879 ist auf der deut- schen Kriegsflotte heißen statt hissen ein- geführt. Herkunft unklar. Histörie, f.(Pl.-n): Geschichte, Ge- schichtserzühlung, Geschichtsbuch. Mhd. histõonje f., von gr.-lat. historia, gr. icropia f. Geschichtey. Histöriker, m.: Geschichts- forscher, kundiger, Geschichtsschreiber, im 18. Jh. gebildet nach dem substantivisch ge- setzten gr. lat. Adj. historicus, gr. icropicoc, wovon histörisch, adj.: geschichtlich, 1575 bei Fischart Garg. 42. Hitsche, s. Hätsche. Hitze, f.(ohne Pl.): brennende Wärme; (Schon mhd. bildlich) zu große Gemütser- regung. Mhd. hitze, ahd. hizzed, hizza f.; dazu asächs. hittja, mnd. und nndl. hitte f., ags. hitt f., anord. hiti m., dän. hede«Hitzey. Gleichen Stammes wie heizen und heiß(s. d.). Aus dem Ahd. entlehnt ital. izza f.«Zorn, Unwilley. 48. hitzen, v., mhd. hitzen cheiß machen», verschieden von mhd. hitzen, ahd. hizzön«heiß werden, vor Hitze auf- wallen». hitzig, adj., mhd. hitzic, hitzec. ZS. Hitzkopf, m., bei Goethe 30, 186 neben Heißxοpf(35, 270). Hitzschlag, m.: schlagflußartiger Zustand infolge der Sonnen- hitze, Sonnenstich, Mitte des 19. Jh., vgl. 1576 bei Fischart glückh. Schiff V. 211 Hitz- stich m.«heißer Stich der Sonney. ho! Interj. des Zurufs(1561 bei Maaler), des Zweifels und Einwurfs(s. hoho, oho). Auch franz. ho! Hobel, m.(-s, Pl. wie Sg.): Unebenheiten abstoßendes Glättwerkzeug des Schreiners. Mhd. hovel, hobel m., md. 1470 bei Diefen- bach gl. 325 FMchel(1663 bei Gryphius P. Squentz 32 Hubel und noch mundartlich), 1540 bei Alberus dict. y 12 Hübel m.; da- zu mnd. hovel, hoffel, nnd. höbel m.,(ent- lehnt) schwed. hyfvel n., dän. höupl. Unmög- lich zu heben, trotz nisl. hefill m.«Hobelz wegen des Vokalismus. Auch russ. sköbell f.«Schabmesser» läßt sich nicht vergleichen. Am nächsten liegt Anknüpfung an schaben (doch bleiben auch dabei Bedenken) oder schieben. 4BL. hobeln, v., auch bildlich «von rauher Sitte glätten»(schon 1472 bei Eyb Ehebüchl. 1 b hobeln). Es stammt diese Bedeutung aus Handwerksbräuchen, vgl. un- gehobelt. Mhd. im 14. Jh. hobeln, md. im 15. Jh. hofeln, hoffeln(Diefenbach gl. 323°, 325 c) und 1470 hubeln, 1540 bei Alberus dict. 1l 4 b hüheln, mnd. hovelen und im 15. Jh. 873 Hoboe höffelen(Diefenbach gl. 189 b), nnd. höveln, danach bei Luther(1. Kön. 6, 36) höffeln. Entlehnt schwed. hyfla, dän. höule, isländ. hefla. ZUS. Hobelbank, f., 1508 in der Straßburger Gemma h 6b. Hobelspan, m, 1556 bei Frisius 1169 b Hobelspän Pl. Hobos, in österreich und Bayern auch Oboe, f.(Pl.-n): scharftönendes, hölzernes Blasinstrument. 1703 im Zeitungslex. Haut- bois«Art Blasinstrument, welche meist bei den Regimentern zu Fuß und den Dragonern gebrauchet werden, 1716 bei Ludwig(teutseh- engl. Lex. 925) Hoboy oder schalmey. Aus gleichbed. franz. haut-bois m., d. i. wörtlich Hochholz(haut choch», bois m. Holzy!, weil hoch(bis ins 3 gestrichene 9) gehendes hölzernes Blasinstrument. Entlehnt ins Ita- lienisthe 0bo6 m. und daher bei uns später auch Oboe. Hoboist, m.(cen, Pl.-en): Hoboenbläser. 1711 bei Rädlein 489 b«der auf einer Frantzösischen Schalmeye bläsety. hoch, adj.(flekt. hoher, hohe, hohes, Komp. höher, Sup. höchst): ausgedehnt nach oben. Mhd. höch(flekt. höher), hô, ahd. höh, hô; dazu asächs. höh, mnd. hõöch, hoge, ho, nndl. hoog, afries. häch, häg, ags. hésah, héa, höh, engl. high, anord. hõr, hãr, schwed. hõg, dün. höl, got. hauhs. Der Komp. mhd. hõher, hæher, ahd. höhiro, ags. héahra; der Superl. mhd. höhest, hœhest(noch bei Luther höhest), höst, ahd. höhist, asächs. höhõst, ags. héahst, got. hauhists. Das Adv. mhd. höhe, hô, ahd. und asächs. höho, mnd. hoge, ags. héah, héa, got. hauhaba. Dazu mit Ablaut und gramma- tischem Wechsel Haug und Hügel(s. d.), got. hiuhma m. Haufen, Menge», hüljan«sam- meln, aufhäufen», und weiter lit. kaukarã f. Hügels, ka3kas m.«Beule», lett. Kuckur s Höcker, Buckel», russ. küa f.«Haufe», aind. kudas m.«weibliche Brustz. Das schwach- flekt. Adj. substantivisch die Hohen, mhd. die hôhen die Großen des Landesy». 4L. höchlich, adv.: in hoher Art, bei Lutber, vom Adj. mhd. höchlich, ahd. höhlih«er- haben», ags. héaltc, im Adv. héalice, engl. highlgy. höchstens, adv., bei Luther Briefe 2, 662 von 1525. S. Höhe, höhen, Hoheit. ZUS. Hochachtung, f., 1531 bei Hedio Josephus Vorr. 5 b. Hochaltar, m.: Haupt- altar, 1775 bei Adelung. Hochamt, n.: die feierliche Messe vor dem Hochaltar, bei Ade- lung. hochbegabt, adj., 1578 bei Fischart Ehz. Vorr. 3b. hochdeutsch, adj.: ober- deutsch, süddeutsch, 1488 in Städtechron. 3, hoch 874 67, 16 in hochteutschen landen, um 1480 im Voc. ine. teut. k 2b Hochteutschlant und Hoch- teutscher, von der Sprache 1581 bei Fischart Bienenkorb Titel auff gut preyt Fränckisch hoch Teutsch im Gegensatz zu auff Nider Teutsch; dann«schriftdeutscho, 1741 bei Frisch Hoch-Teutsch, wie die Gelehrten teutsch reden und schreiben, im Gegensatz der unreinen, ungeschickten teutschen Aussprach und Mund- Art. hochfahrend, adj., bei Goethe 7, 200. Hoehflut, f., schon ags. héahflôd m., anord. hãflãd f. Hochgebirge, n., mhd. hôch- gebirge n. von den Alpen. hochgeboren, part. Adj., mhd. höch geborn, höchgeborn cvornehmem Geschlecht entsprossen, edel»: jetzt als Titel der Grafen, denen nicht das höhere erlaucht zukommt, schon 1540 bei Hug Rhetorica 145b als Titel der gefürsteten u. nichtgefürsteten Grafen. hochgelehrt, part. Adj., mhd. höchgeléret, 1641 bei Schot- tel 376 hochgelahrt. Hochgericht, n., mhd. 1256 högerichte n. Gerichtsbarkeit in allen wichtigen bürgerlichen und krimi- nellen Sachen»(Haltaus 930), spätmhd. im 15. Jh. hochgericht n.«peinliches Gerichty; dann eVollziehungsstätte der hohen Gerichts- barkeit, Richtstätte»(15. Jh., Weist. 2, 51), «Galgen»(Weist. 2, 410 von 1499). hoch- geschoren, part. Adj.: vornehm, hochge- stellt, 1534 bei Wirsung Calistus cc 3, in urspr. Bed. mhd. höchbeschorn«mit äußerst be- schorenem Haar», dann mit Bezug auf die große Tonsur der hohen Geistlichkeit höhe beschorn(Erec 6632). hochherzig, adj., 1641 bei Schottel 376, anders got. hauhhaérts, ags. héahheort chochmütig». Hochmeister, m.: der oberste Vorgesetzte eines geistlichen Ritterordens, mhd. höchmeister, md. im 14. Jh. hõmeistir. Hochmut, m., mhd. höchmuot, md. hömät m.«edle gehobene Gesinnung, große Freudigkeit», dann die Überhebung derselbeny, daneben mhd. hochmilete, hoch- muot f. Übermuts, ahd. höhmuoti f. Hoch- mut» und das Adj. höhmuote chochmütigs; hochmütig, adj., md. hömätic, ahd. höh- muotig im heutigen Sinne. hochnotpein- lich, adj., als Beiname des Halsgerichts (s. d. und Hochgericht), 1663 bei Schottel 257, gesteigert aus hochpeinlich 1697 bei Be- sold Thesaurus 1, 355, vgl. hochnotdringende Ursachen 1641 bei Schottel 376. Hochofen, auch Hohofen, m.: hochaufgebauter Ofen zum Schmelzen von Erzen. Noch bei Schiller Eisenhammer hoher Ofen. Hochschule, f.: 875 Hocke Universität, spätmhd. höchschuol und höhe schuol f. Hochstapler, m.: umherziehender vornehmer gaunerischer Bettler, seit der Mitte des 19. Jh. in der Schreibung Hochstapler verbreitet, dafür früher Gaudieb(s. d.), 1753 Hochstabler, ein berühmter Dieb(Kluge Rot- welsch 1, 229). Zgs. aus hoch«vornehm) und stabüler, stabuler m.«Bettler, Brotsammlery, 1510 im Liber vagatorum(Kluge a. a. O. 1, 38 u. 60), in der Lutherschen Ausgabe von 1528 Stabeler, 1494 bei Brant Narr. 63, 41 stabgl m.«Bettler». hochtrabend, part. Adj., schon mhd. Jochtrabende in heutiger Bed. Hochverrat, m., 1703 im Zeit. Lex. wild, n.: alles zur hohen Jagd gehörige Rehe, 1775 bei Adelung(1762 bei Heppe Hochwildpret), dafür 1512 bei Murner Schel- menzunft 44, 13 Ao gwild, noch bei Schiller Tell 2, 1 V. 900 Hochgewwilde n. hochwohl- hoher Staatsbeamter gebraucht, 1672 pei Stie- ler Sekretariatkunst als Titel der Freiherren. hochwürdig, adj., als Titel von hochge- stellten Geistlichen, mhd. höchawirdec von hoher Würde, 1326 der höwerdege herr(Erzbischof), dazu Euore Hochwird als Anrede des Erzbi- schofs bei Luther 1, 62, jetat Hochwürden. Hochzeit, f., mhd. höchzit und höchgezit, im 12. Jh. höhzit f.«Fest, Kirchenfest(die hohe Zeit, bayr. die hoch Zeit, namentlich Weih- nachten, Ostern, Pfingsten, Allerheiligen), sowie weltliche Festlichkeit, duann festliche Lustbarkeit, hohe Freude, endlich(Anfang des 13. Jh.) Vermühlungsfeier, Beilager; da- zu and. höchgitid f., mnd. höchfit f.«Fest- feier, kirchliches Fest, Verehelichungsfeier?, afries. häãchtid f.«Festtag», ags. héahlid, anord. hãtid f.«Fest. Davon Hochzeiter, m.: Bräutigam, 1582 bei Golius; Hoch- zeiterin, f.: Braut, 1578 bei Fischart Ehz. D 7*, dafür in der Zimm. Chron. 4, 116, 34 hochzeitere f.; hochzeitlich, adj., mhd. hõchzitlich«festlich, hochfesttäglich v, um 1480 im Voc. inc. teut. k 2 b hochzitlich in bezug auf die Vermählungsfeier; ZUS. Hochzeits- bitter, m.: Hochzeitseinlader, 1675 bei Weise; kl. Leute 375. S. Hohelied, Hohepriester. 1Hocke, f.(Pl.-/ꝛ): Haufe im Feld auf. gestellter Garben. Niedersächsisch, 1739 bei Brockes ird. Vergnügen 6, 93, mnd. hocke, hae m. Göttingisch-grubenhagenisch Huche, Hucken m.«Haufe von Sachen», altmärk. Hode 876 Hock m. Gras-, Heuhaufen», schweiz. Hock m.«Haufey, bayr. Hocken, Hocker m. und tirol. Hock m. Getreide-, Heuhaufen auf dem Felde». Urverwandt mit lit. kügis m., lett. Käudee«auf der Wiese stehender großer Heuhaufenꝰ, lat. cumulus(aus rcugmulus) m. Haufey». S. Huche. 4 BL. hocken, v.: Getreide in Hocken setzen. „Hocke, m.: Kleinverkäufer, s. Häke. Hõker. hocken, v.: zusammengebogenen Leibes, krumm niedersitzen(1561 bei Maaler hoclcen, bei Murner Schelmenzunft Iauchen); wartend Ssitzen(1556 bei Frisius 897 b); dauernd fest- Hochwald, m., mhd. hochzwalt m. Hoch- 1670 bei Grimmelshausen Simpl. 2, 44, 6 Kllr. Wild, insbes. das Rotwild, Edelhirsche und sitzen(1531 bei Franck. Chron. 404 hucken, äber den Büchern hocken; sich auf einen kauernd niederlassen. In der letzten Bed. mhd. hucken(Mone Schausp. l, 313). Mnd. Qucken, hulren und ndl. 1598 hucken in der ersten Bed., daneben mhd. hchen«Kauern, geboren, part. Adj., als Titel Adeliger und sich ducken»(s. heucheln), ndl. huiken, anord. hüka«kauern, hocken?,"oinn Part.«nieder- gebogen, krumm, schwed. hula hocken». Wohl zu 1Hocke. 4 B L. Hocker, m.(-s, Pl. wie Sg.): wer hockt(in Ofenhocker, Stubenhocker); Schemel, Zeichenstuhl.(Diese Bedeutung noch nicht bei Grimm.) Höcker, m.(-s, Pl. wie Sg.): Auswuchs des Rückens, Buckel. Mhd. hoger m.(auch Bucklichter), im 15. Jh. hoger. hocker, noch 1664 bei Duez Hocker, 1678 bei Krämer Höcher. Die äültere Porm ist mhd. hover m.«Höcker?(auch Buckliger), ahd. hovar m., mnd. hover, haver, ags. hofer m., noch älternhd. im 16. Jh. Hofer(bei Alberus der Barfuser Münche usw. Nr. 118 Hofer neben Huber m. in Nr. 302); urverwandt mit lit. Kuprã f.«Buckel, Höckery, kupris m.«der Bucklige», gr.«ögoc n.«Höcker, Buckelp, Dcéc«gekrümmt, höckericht», aind. Kubjas cbuckeligy. Vgl. Hügel und Hübel. Höchen ist wohl unter Einfluß von hocken aus Hofer umgebildet. 4BL. höckericht, adj., mhd. Rockereht, hogreht, im 15. Jh. hockericht, 1429 horot, im 12. Jh. hogeroht, in ältrer Form mhd. hoveroht, hovereht, ahd. hovaroht buck- lichty, ags. loferede. Hode, f.(Pl.-n), auch Hode(n), m.(Gen. -ns): lat. testiculus. Mhd. hode m., ahd. hodo m.; dazu afries. hothan m. Anknüpfungen sind nach mehreren Seiten möglich. Ent- weder zu lat. cöleus aus kautsleios, lit. kutis Beutel⸗, kymr. cio«Hodensack» oder zu 877 Hof aind. göthas m.«Anschwellung, Aufgedunsen- heit». Vgl. Walde s. v. ZU0S. Hodensack, m., im mrhein. Voc. ex quo 1469 hodensacke m., ebenfalls im 15. Jh. hodensag m.(Diefen- bach gl. 403). Hof, m.(-es, Pl. Höfe): innrer abge- schloßner Raum bei Gebäuden; Fürstensitz, sowie die an demselben oder überhaupt um den Fürsten versammelten Vornehmen(diese Bedeutung unter Einfluß von franz. cour); Haus und Wirtschaftsgebäude eines Gutes; (im 15. Jh. auch schon) heller Nebelring um Sonne oder Mond. In diesen Bed. mhd. hof m.(Gen. hoves, Pl. hove, höve), md. auch hob, ahd. hof m.(auch Garten); dazu asächs. hof m.(Pl. hobos)«Herrenhof, herrschaftliches Gut, Palast», ndl. hof n.(auch Garten), afries. hof n.«Haus mit Umgebung, Kirch-, Gerichts- Fürstenhof», ags. hof n. Gebäude, Fürsten- gebäude», anord. hof n. cumhegter Raum mit Haushaltgebäuden, Tempel, Fürstengebäudey, (entlehnt) schwed.-dän. hof. Uber Verwandt- schaft mit gr. wfroc m.«Garten?(. Hufe) vgl. Sievers Btr. 16, 237. Von Meringer Idg. Worsch. 18, 267 als«Wohngrube» zu aind. küpas«Grube, Höhle» gestellt, wohl besser aber zu Hübel(s. d.)«Hügel». Alles unsicher. Hoffart, f.(ohne Pl.): das Hochhinaus- wollen über andre; Großtun mit Gepränge. Zgs. aus hoch und Fahrt, noch im 16. Jh. Hochfart f., mhd. hõöchvart f., auch höhevart, hõvart, höhe zu varn, d. h.«Art vornehm zu leben, Glanz und Pracht, edler Stolzo, dann'bermut, prangendes Großtun, hoch- fahrendes Wesen, Trotz», ahd. höhfart f. Ubermuts, im 14. Jh. hoffart, das im 16. Jh. zur Herrschaft gelangt, auch bei Luther Hof- fart; dazu ndrhein. im 14. Jh. nõfard, hõjfard (Kloster-Altenberger Hdschr.), mnd. hochbart, hovart f.«Hochmut». Davon hoffärtig, adj.: hoch- und übermütig, mhd. höchvertec«hoch- gesinnt, stolz, prachtvoll», dann in heutiger Bed. ahd. höhfertig, höhvartig stolz, über- mütig, trotzig», im 14. Jh. hoffertic, dazu ndrhein. im 14. Jh. höferdig, höfferdig. hoffen, v.: etwas künftiges Angenehmes erwarten. Mhd. hoffen erst im 13. Jh. in österreichischen Gedichten, aber noch nicht bei Hartmann v. Aue, Wolfram v. Eschen- pach, Gottfried v. Straßburg und im Volks- epos, erst nach 1250 wird es häufiger statt des ältern mhd. dingen, gedingen, ahd. dingen choffen», mit dem Subst. mhd. gedinge m. f. n., ahd. gidingo m., gedingd f. und gedingi n. höfisch 1 878 «Denken, Hoffnungy. Das Wort ist ins Mhd. und in die oberd. Mundarten durch das Mittel- deutsche des 12. Jh.(hoffen) aus dem Niederd. eingedrungen: andfränk. föhopa f.«Hoffnungy, mnd. hopen, hapen choffenꝰ, mndl. hopen, zu ultest ags. im 9. Jh. hopian choffen»(engl. hope), tõhopa f.«Hoffnung». Entlehnt schwed. hoppas, dän. haabe. Einer Zusammenstellung mit lat. cupére«wünschen» widerstreitet dessen nach dem Gesetze der Lautverschiebung nicht stimmendes p. Das Wort ist vielmehr mit hiipfen zu verbinden, und die Bedeutungsent- wicklung war wohl«aufspringen, erwarten, hoffen». Vgl. in der Jügersprache der Hirsch verhofft«sieht sich um, stutzty. Noch heute bayr. verhoffen über ein Ding«davon über- rascht, darüber stutzig werden, auffahrenꝰ, schwäb. verhofft cerschreckty». Vgl. DWB. 4, 2, 1668. 4B L. hoffentlich, adv., 1664 bei Duez, mhd. das Adj. hoflich, hoffenlich Hoffnung erweckendy. Hoffnung, f., md.- mhd. hoffenunge f. hofleren, v.: einem Frauenzimmer schön tun,(ihr als der Herrin) den Hof machen (s. Cour); auf den Hof machen, die Notdurft verrichten(16. Jh., ZfdA. 3, 32, 43). Mhd. hovieren, hofteren, md. hovéren«sich in fest- licher Geselligkeit erfreuen, prangen,(mit Dat.) zur Verherrlichung musizieren, ein Ständchen bringen, den Hof machen, galant sein, auf- warten, dienen», urspr.«das Gefolge sein oder bilden», zu ahd. hof m.«Gefolge eines Herrn?; dazu mnd. hovéren, havéren chöfische Be- lustigungen treiben, aufwaften, schmeicheln). höfisch, adj.: bei Hofe gebräuchlich oder als schicklich geltend. Mhd. hövesch, höwisch, höfsch, md. hovesch, hofsch, frühmd. huvisch zu einem Hofe gehörend, hofgemäß, fein- gebildet, zart gesittet; das Wort wurde ge- bildet, um das romanische(franz.) courfois, mhd. kurtois, kurteis auszudrücken. Vgl. hpübsch. Weitre Ableitungen von Hof: höf- lich, adj.: dem Hoftone, d. h. fein gesitteten und gebildeten Tone gemäb, mhd. hovelich, im Adv. hoveliche, hofliche, hövelich; dazu Höflichkeit, f., um 1480 im Voc. inc. teut. K 32 hoflichkeit. Höfling, m., mhd. im 12. Jh. hoveline m. dem Hofleben und der Hofsitte Angehöriger. ZUS. mit Hof: Hofhalt, m. und Hofhaltung, f.: das Hofhalten eines Fürsten und die Gesamtheit der dazu gehörigen Personen und Gegenstände, Hofhalt im 19. Jh., Hofhaltung 1642 bei Duez. Hoflager, m.: Ort, wo ein Fürst mit seinem Gefolge vor- 879 Höhe Hohn 880 übergehend weilt(1575 bei Fischart Garg. 67); feste Residenz eines Fürsten(Ende des 16. Jh. bei Schweinichen 1, 380). Hofmann, m., mhd. hoveman m.«Diener am Fürstenhofe, Hofgut bewohnender Bauery», afries. hofmon m. Hofmarschall, m., 1664 bei Duez Hoff marschalck, dafür Ende des 16. Jh. bei Schwei- nichen 1, 393 Hausmarschall. Hofmeister, m., mhd. hovemeister, afries. hofmäster m. «Aufseher über fürstliche Hofhaltung, Ober- knecht), erst nhd.«Erziehery, bes.«in vor- nehmem Hause»(1642 bei Duez), bei Luther Sir. 20, 4 Hofemeister«Aufsecher und Be- wahrer des Gesindes und der Kinder des Hausesy; davon hofmeistern, v.: Mangel- haftes an jem. rügen, Ende des 16. Jh. bei Schweinichen 1, 125. Hofnarr, m., 1556 bei Frisius 837 b. Hofprediger, m., 1663 bei Schuppius 42. Hofrat, m., mhd. hoverãät m. sdie Gesamtheit der Räte eines Fürsten», hofrath im 16. Jh. in der Zimm. Chron. ² 3, 192, 32 der einzelne Raty. Hofreite, f. (Pl.-/): Hofraum und Gebäulichkeiten eines Landgutes, mhd. hovereite f.«der Hofraum, der zu dem Haus und dessen Stallungen, zu einem landwirtschaftlichen Gebäude gehörige freie Spielraum», dann Bauernhof,(1347 hof Veit), um 1480 bei Steinhöwel ASop 306 hofraity/ f., noch bayr.-schwäb. elsäss. fränk.- hessisch, wohl in Zusammenhangstehend mit dem ersten Teile von ahd. hreiti-, reitihuobaf.«Ansiedlung, Landgut». Hofschranze, m.(-n, Pl.-n): verächtliche Bezeichnung für höhre Hofbe- diente, bei Luther 3, 297 2 Hofeschrantze, aber bei Lessing Em. Gal. 5, 4 Hofschranze f., s. Schranze. Hofstaat, m.(-es, Pl.-e): Dienstpersonal eines Hofes, 1626 bei Zino- gref Apophth. 1, 331 Akk. Sg. Hofystaaden. Hofstatt, f.(Pl. Hofstätte): Hofreite(mhd. hove-, hofstat, ahd. hovastat f.«Grund und Boden einer Hofbesitzung»); Ort, wo ein Fürst seinen Hof hält(1631 bei Zincgref Apophth. 2, 53). Hofstätte, f.(Pl.—n): Stelle eines Bauernhofes oder einer Hofreite; die Hofreite selbst. 1522 bei Dreyhaupt Beschreib. d. Saalkreises 1, 940 Hofystette f. Höhe, f, das Subst. zu hoch(s. d.). Mhd. hœhe, höhe f.(auch Anhöhe, Berggipfel), ahd. und asächs. hh? f., got. hauhei f. höhen, v.: hoch machen, erhöhen, mhd. hœhen, ahd. höhjan, hõhen, got. hauhjan. Hoheit, f., mhd. höch- Reit, md. höcheit f.«Erhabenheit, noch im 16. und 17. Jh. Hochheit; als Titel der Fürsten bei Duez 1664 und Krümer 1678 Hoheit, 1626 bei Zincgref Apophth. 1, 14 Keyserliche Hoch- heit(vom Kaiser), jetzt von Herzögen und königlichen Prinzen. ZUS. mit hoch: Hohe- lied, n.(Gen. Hohenliedes): das hohe Lied Salomos, bei Luther. Hohepriester, m. (zusammengerückt aus der hohe Priester, Gen. Hohenpriesters, Pl. Hohenpriester), in starker Elexion Hoherpriester, m.(aus hoher Priester, Pl. Hohepriester), bei Luther, da- für im Cod. Tepl. di fursten der priester oder der phaffen. Höhenrauch, s. Herauch. hohl, adj.(Komp. hohler, Sup. hohlst): im Innern leer. Mhd. und ahd. hol, noch bei Luther und im 18. Jh. Bol, 1664 bei Due⸗ hohl; dazu and.-ndl.-afries.-ags. hol, anord. holr, dän. hal, woneben engl. hollou«hohl». Ge- wöhnlich zu ahd. helan«umhüllend verbergen» (s. hehlen) und got. hulundi f. Höhles, eig. cdie Bergende» gestellt, was aber kaum be- friedigt. Besser zu lat. cavus chohly, gr. éo αͥdHöhlungen»(Hesych), gr. K⁸⁴‧ n. Pl. NVertiefung unter dem Auge» u. a. Vgl. Walde s. v. 48L. Hohle, f.: tiefgehender Weg zwischen Berg-, Erdwänden(Goethe 27, 332), mhd.-md. hole f.«Höhle», im 14. und 15. Jh. als Bergmannsausdruck halbrund aus- gehauner Baum, Trog von einem gewissen Maße, anord. hola f. Höhle, Loch». Höhle, f.(Pl.-n), mhd. hüle f.(auch Pl. niilinen), ahd. 7,O² f., spätmd. im Voc. theut. 1482 pl* holin f., daneben mhd. hol n.(Pl. hölr)«Höhle, Offnungꝰ, ahd. hol n.(Pl. holir, holer)«Höhle, Lochs, and. afries. anord. hol n., ags. hol und holh, hole n., engl. hole. Aus dem Germa- nischen entlehnt afranz. houle f. Bordell, nfranz. houle f.«die hohle Seey, hulotte f. «Kaninchenhöhle». höhlen, v.: hohl machen, mhd. erholn, erhüln aushöhlen», ahd. holon, got. ushaloôn, ags. holian; dazu Höhlung, f., 1762 im dict. alem. franç; bei Adelung neben Hohlung, um 1480 im Voc. inc. teut. m 1 5 kholung. Hohlheit, f.: das Hohlsein, hohle Stelle, 1495 in der Kölner Gemma E 74 Jol- keyt, nd. im 15. Jh. bei Diefenb. gl. 138° haelheit, houylheyd. ZUS. hohläugig, adj., 1741 bei Frisch, hohlaugig 1664 bei Duez. Hohlhippe, s. 1Hiôppe. Hohlkehle, f.: halbkreisförmig ausgehölte Rinne oder Leiste, 1518 im Anz. d. Germ. Mus. 1866, S. 272 Hol- kãl f., bei H. Sachs 2, 382 Holkel f. Hohl- spiegel, m., 1716 im Mathem. Lex. 1299. Hohlweg, m., 1691 bei Stieler. Hohn, m.(-s, ohne Pl.): ußerung ehr- 881 Hohn 2 Hokuspokus 88 verletzenden, herabsetzenden Ubermutes gegen jemand. Md. im 14. Jahrh.(selten) hön m. «Schmach», noch bei Luther im Sinne von «Schmach, Schande»(Jer. 31, 19); dafür mhd. hœne f. und hœnde f., md. hôöne f.«Schmach, Schande, verletzendes hochfahrendes Wesen?, ahd. höna und hônida f., asächs. hönda f., and. hönitha«Schmach, Schimpf», Substantivum zum mhd. Adj. hœne, md. höne«verachtet, durch Schmühung an der Ehre kränkend, hochfahrend, zornig, böse, ahd. höni und ags. héan«schmachvoll, verachtet, niedrigy, got. hauns niedrig, demütig). Urverwandt mit lett. kauns m.«Schmach, Schande, Scham, Hohnꝰ, lit. Kuvétis«sich schämenꝰ», gr. aòpoc: kaxoc. Vgl. noch Uhlenbeck Btr. 30, 289. Aus dem(dermanischen entlehnt franz. honte f., ital. onta f., altspan. fonta f.«Schande». 4B L. höhnen, v., mhd. hœnen, md. und mnd. honen, ahd. hönen«schmäühen, entehrens, afries. héna chöhnen», ags. hynan, hénan de- mütigen, schimpflich behandeln», got. haunjan cjem. erniedrigem; aus dem Germanischen ent- lehnt ital. onire, afranz. honnir«beschimpfen». höhnisch, adj., mhd. hœnisch. hohnecken, v.: mit Sticheleien höhnen, 1691 bei Stieler honecken und honecheln, 1644 bei Harsdörffer Gespr. 1, Y5 b honecklen, bayr. und nd. ho- neckeln. Schon Stieler und Frisch betrachten das Wort als eine Zusammensetz. mit ecken (in ausechen cermessen, erwägen», dann cbe- kritteln, tadelns), bayr. eckeln mit jem.«ihm scharfe, beleidigende, herausfordernde Worte sagen»(von mhd. ecke f. chervorstehende Spitze, Schneide der Waffe), auseckeln«ver- spotten) und durcheckeln«tadelnd durch- ziehen»(bei Frisch); allein wahrscheinlich ist es wie thüring. obersächs. hohniepeln (auch hohnepiepeln)«verspotten» eine Ver- stümmelung und Umbildung des nicht mehr verstandnen älternhd. holhippeln(Luther 1, 3612), holhippen(H. Sachs Fab. 10, 136) «schmähen, lüstern, spotten», von älternhd. (15. und 16. Jh.) holhipper m.«Hippenjunge, hausierender Verkäufer von Hohlhippen oder Hohlwaffeln», dann(weil er die verächtliche Behandlung mit Schmähungen und Hohn ver- galt)«Schmäher, Lästrer». ZUS. Hohn- gelächter, n., 1664 bei Duez. hohnlächeln, v., 1775 bei Adelung. hohnlachen, v., mhd. hönlachen chinterlistig lachen». hohn- sprechen, v., 1414 hoensprechen und im 15. Jh. hönspreken(Diefenb. gl. 148²); Hohn- sprecher, m., 1691 bei Stieler. weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. hoho! Interj. des Zurufs, des Triumphie- rens(im 14. Jh. Limburger Chron. 74, 4 W.), dann des Einwurfs und Zweifels(1555 bei Wickram Rollw. 73, 17 K.). S. 0. Hohofen, s. Hochofen. Höhrauch, s. Herauch. hojahnen, v.: gähnen(Wieland 5, 266). Ein lautmalendes nd. Wort bei norddeutschen Schriftstellern, mnd. hojanen und im 15. Jh. bei Diefenbach gl. 276 hoianen, md. 1517 bei Trochus Q3 b hoganen. Höke, m.(-n/, Pl.-n): Kleinverkäufer roher Eßwaren usw. an öffentlichem Platze. Mhd. hucke, md. hocke m., noch westmd. Hocke(z. B. in Frankfurt a. M.), 1664 bei Duez Höch; mit verlängertem Vokal mnd. hoke, hoken m., md. in den Nordhäuser Statuten des 15. Jh. und 1517 bei Trochus F 5 holce, daher bei Stieler Hoke neben Höker und bei Frisch Hole und Höle. Mit Weiterbildung mudl. heukster m., mittelengl. huckstere, engl. huckster und hucksterer«Höke». Wahrschein- lich zu Hocke, Hucke f.«Traglast, Bündel», hockhten ceine Last auf dem Rücken tragen» (s. Hucke), also der Kleinkrämer, der die auf dem Lande aufgekaufte und von ihm feilgebotne Ware selbst auf dem Rücken trägt. 4B L. höken, v.: Kleinverkauf mit Lebens- mitteln treiben, 1691 bei Stieler hoken, höken, mnd. hoken, dafür bei Möser patr. Phant. 1, 28 höckern. Höker, m.(-s, Pl. wie Sg.): Höke, mhd.-md. hucker, hocker und hockener, 1477 bei Diefenbach gl. 422 b hockler, 1562 bei Mathesius Sar. 1732 Höckeler, 1664 bei Duez Hãcker, 1678 bei Krämer Hocker und Hockler, 1691 bei Stieler Höker, Hoker und Hucker. Hökerei, f., 1664 bei Duez Hockerey. Hökin, f.: Kleinverkänferin, im 16. Jahrh. Höckin (Frankf. Reform. 1, 45§ 17), dafür spätmhd. hocke f., noch 1678 bei Krämer Hocke f. neben Hocklerin, 1664 bei Duez Hãäckerin, 1691 bei Stieler Hökerinn. Hokuspokus, m., früher auch n.(Gen. un- verändert): Taschenspielerei; Gaukelspiel, Gau- kelwerk. Das Wort taucht zuerst in Eng- land auf, hocosνοσσςᷣ 1624 als Bezeichnung für Taschenspieler, 1632 als Zauberformel, und wandert über Holland nach Deutschland, 1644 bei Duez Nomencl. 131 Oboæ«Taschenspieler', 1650 bei Moscherosch Phil. 1, 371 Ocus Bocus als Name eines Buchhändlers und Druckers leichtfertiger Geschichten, 1663 bei Schuppius 199 Ockes-Bockes-Possen treiben(1656 von Taschenspielern) und 708 Ockes Bockes, der 56 883 hold— Holm 884 Amsterdammer als Name eines Taschenspieler- im Ambraser Liederbuch 215, 83 Holck m. typus, 1669 bei Rachel S, 144 Mes boks als neben Hollich und Hülckh, 1581 bei Fischart Vauberformel, die Geschwindigkeit des Gauk- Bienk. 175 b Hulcken Pl., mhd. holche, ahd. lers andeutend, 1667 Hocus Pocus junior oder holcho m.; dazu mud. holkc, hollilc, hulk m. Taschen-Spicl-unst Titel der Ubersetzung und holke, ndl. hull- f., engl. hulk. Vielleicht des englischen Buches Hocus Pocus junior, aus mlat. holcas, gr. ökxdc f.«Zug-, Last- the analomic of legerdemain 1634. Demnach schiff», von Axetv«ziehen», bes. auch vom ist das Wort urspr. der hochtönende Name Ziehen des Schiffes. eines Gauklers, nicht eine Verstümmelung holla! Interj. des Anrufes, insbes. zum der Abendmahlsformel hoc est corpus meum. Aufhorchen oder Stehenbleiben. 1561 im hold, adj.: freundlich zugeneigt; freund. Amadis 1, 35 hola, 1575 bei Fischart Garg. lich und lieb. Mhd. holt, ahd. hold«gnädig, 69 holla. Urspr. als Zuruf an den Fähr- günstig, liebend, dienstbar, treuꝰ; dazu asächs. mann zum Überholen: hola hola, ferg, hol afries. ags. 7⁷d, anord. hollr«gnädig, treu»,(um 1500 bei Olearius de fide concub., siehe schwed.-dän. huld«hold, anmutig, treu, er- Hildebrand Beitr. z. d. Unterricht 68). gebeny got. hulbs«gnädigy. Urspr. vom Ver- Holle, f.(Pl.-/): Haarschopf, Federbusch hältnis zwischen Lehnsherrn u. Gefolgsmann(s. der Vögel. Ndd. In Göttingen, Waldeck. Viel- Holde), einerseits gnädig, herablassend, andrer- leicht zu mnd. hulle f. Kopf bedeckung, Kopf- seits treu ergeben. Wohlgleichen Stammes wie tuch, Mützey, was hochdeutsch Hülle wäre. Halde(s. d.) und ahd. hald«sich vorwärts Hölle, f.(Pl.-/): Ort der ewig Ver- senkend, geneigt». UÜber andre Erklärungen dammten; der enge Raum zwischen dem siehe Zupitza Gutt. 107. 4 B L. Holdchen, Ofen und der Wand(Spätmhd. 1488 hell f.). n.: Liebchen, bei Goethe 1, 80. Holde, m. In der 1. Bed. mhd. helle, ahd. Rellja, hella f., (en, Pl.-n): der als Lehnsmann Abhängige, noch bei Luther Helle, 1620 bei Albertinus in Grundholde m.(Adelung 1775), mhd. holde Lustgarten 136 b Hölle; dazu asächs. hellja, m.«Freund, Geliebter, treu ergebner Lehns- mnd. helle, afries. hille, helle, ndl. und ags. mann», ahd. holdo m., woneben mhd. holde f. hel, helle, engl. hell, anord. hel, got. halja f. «Freundin, Dienerin»; in religiöser Bezichung«Unterwelt, Ort der ewigen Verdammnis, mhd. der gotes holde«Gottesfreundꝰ, des tievels urspr. das Reich der Todesgöttin», anord. Hel. holde«Teufelsdiener», die guoten holde«Haus- Gleichen Stammes wie ahd. helan verbergen»? geistery, ahd. 1O¹do m.«Geist, Genius»(s. Vn-(s. hehlen), also urspr. die bergende. Zu der hold). Holdin, f.: Grazie, Charitin, 1645 2. Bed.«Ofenwinkel», vgl. ags. heal, hal m. von Zesen Rosemund 232. 241 eingeführt, oder n., mittelengl. hal«Winkel, Eckes und dann von Hagedorn und Bürger für aanmutige weiter bulg. Klänik«der Raum zwischen dem Gdeliebte» gebraucht. holdselig, adj., spät. Herde und der Wandy, serb. Xlänac m. Eng- mhd. im 15. Jh. holtselig; Holdseligkeit, f., paß, u. a., lat. callis m.«Bergpfad». Vgl. 1534 bei Franck Weltb. 943. Walde s. v. Die Worte wären also eigent- Holder, s. Holunder. lich zu trennen. 4BL. höllisch, adj., mhd. holen, v.: herbeibringen. Mhd. holn, holen, hellisch, hellesch, mnd. hellisch, helsch. Auf „zuweilen noch haln, ahd. holön, halön und ndd. Gebiet wird das Wort in der Aus- kolén«herbeiholen⸗, zuweilen auch«rufen». sprache hellsch zu einem verstärkenden Ad- Dazu asächs. halon, haldjan, mnd. und ndl. verbium, z. B. er ist hellsch klug. ZUS. halen, afries. halia, ags. geholian, engl. hale Höllbank, f.: Ofenbank, 1788 bei Musäus (ziehen), anord. hala(?),(entlehnt) schwed. Volksm. 2, 142 Hellbankk. Höllenangst, f.: hala, dän. hale(ziehen). Gewöhnlich mit lat. Angst vor der Hölle, 1562 bei Mathesius calãre zusammenrufen', gr. oXeivrufen», lett. Sar. 61a Hellenangst; höchste Angst, 1775 Kaluot«schwatzen» zusammengestellt. Aber bei Adelung. Höllenbrand, m.: der das Mansion Btr. 33, 547 zeigt, daß«rufen» nicht Höllenfeuer nährt, großer Bösewicht, mhd. die Grundbedeutung war, sondern«(mit An- hellebrant m. Höllenfahrt, f., mhd. helle- strengung) herbeischaffeny. Er vergleicht gr. wart f. Höllenstein, m.: salpetersaures Kdl⁶Gc m. Tau. Unsicher. Silberoxyd als Atzmittel, 1762 im Nouv. dict., Holfter, f., s. ²Halfter. 1722 bei Hübner höllischer Stein. Holk, Hulk, m.(-es, Pl. eln]): großes Holm, m.(res, Pl.-e): Binnenwasser-, schweres Lastschiff mit flachem Boden. 1582 See-, Flußinsel; Halbinsel; in den nordischen 88⁵ Holm homonym 886 Seestädten Platz, wo Schiffe gebaut werden (1782 bei Jacobsson). In der 1. Bed. 1647 bei Olearius Reisebeschr. 254 aus dem Niederd., mnd. 1379 holm m.«Flußinsel», asächs. Rolm m. Berg, Hügel»; dazu ags. holm m. chohe Meereswoge, das hohe Meer», engl. holm «Insel, Werder, Klippe, Hügel», anord. holmr n. und holmi m.«See- oder Flußinsel», dann «Stätte des Zweikampfs, Zweikampf»(Holm- gang), schwed. holme m. und dän. holm«kleine Insely. Gleichen Stammes wie nd. Hull m. «kleine Erhöhung», ndl. hille, hil, ags. hyll m., engl. hill«Hügel». Urverwandt mit lat. collis m.«Hügel», columen, culmen n.«Höhe, Gipfel», gr. oxwvòc m. und koxdbvn: f. Hügel, lit. kälnas m.«Bergs, aber aus dem Deutschen entlehnt russ. cholmä m. Hügel». ² Holm, m.: Griff an der Axt, Nebenform zu 2 Helm(s. d.). Holper, m.(-s, Pl.-n oder wie Sg.): kleine Erderhöhung als Anstoß auf dem Wege. 1728 bei Menantes allerneuste Art 76. Da- von holperig, adj., bei Lessing 7, 21 holprich, 1540 bei Alberus dict. g 4 ² hölpericht, dafür 1691 bei Stieler holper. holpern, v., 1540 pei Alberus dict. aa3 ², dafür spätmhd. holpeln, hilpeln. Vielleicht aus hoppeln. Vgl. aber auch Horbel. Dazu schweiz. hülpen chinken?. holterdiepolter, auch holterpolter (Bayern), interj.: über Hals und Kopf stür- misch eilend. 1779 bei Schummel Spitzbart 153 holterpolter, 1665 bei Filidor Ermelinde 32 holder die polder; dazu nd. hulder de bulder (bei Voß 4, 75 hulter pulter), flůmisch holder de bolder. S. poltern. Holünder, m.(-s, Pl. wie Sg.): der Strauch oder Baum Sambucus. Der Ton liegt in mhd. und ahd. Zeit wie noch heute in den Mundarten auf der ersten Silbe, in der nhd. Schriftsprache auf der zweiten(vgl. lebendig). Mhd. holunter, holunder, woneben holanter, holenter, verkürzt holnder, holder, holler, holer, holr m., daher nhd. Holder, Holr, ahd. holantar, holantar, holander m. Mit der Ableitung-tar(wie in Affolter, Maß- holder, Wachholder) aus einem Stamm, der in schwed. hyll m., dän. hyld vorliegt. Dies entspricht wohl russ. kalina f.«wilder Schnee- ball, Wasser-, Maßholder, türkische Weide, Schlingenstrauch, Mehlbeere». In der Bed. Syringe ist Holunder gekürzt aus spanischer Holder oder Hollunder, welscher Holler 1741 bei Frisch, türckischer, awelscher, römischer ollunder 1711 bei Rädlein. Vgl. Flieder. Holz, n.(-es, Pl. Hölzer): dichtstehender Baumwuchs, Wald; der harte Stoff des Baumes unter der Rinde; Stück eines Baumes. In diesen Bed. mhd. ahd. holz n.(Pl. mhd. holzer, hölzæer, ahd. holz, holzir); dazu asächs.- mnd.-afries. holt n.«Waldy, ndl. hout n., ags. holt m. n.«Gehölz, Holz als Stoff», engl. holt cmit Bäumen bewachsner Hügel, Hair, anord. holt n., schwed. halt, dän. holt«kleine Wald- streckey». Urverwandt mit abg. Klada f.«Bal- keny, gr. kkddoc m. 2weig, Schößlingy, air. caill«Wald’ꝰ, vielleicht auch aind. Kãstham n. Holzstück». Vgl. Walde s. v. callis. 4.B L. holzen, v.: Holz fällen, es abschlagend sam- meln;(studentisch) prügeln(1813 bei Kluge Studentenspr.). Mhd. holzen«Holz fällen und aus dem Walde führen», mnd. holten; davon Holzung, f., mhd. holzunge f.«Holzhieb. hölzern, adj., 1540 bei Alberus dict. 11 2² nltzern, im 15. Jh. md. holtzern(Diefenbach gl. 329 b), bei Luther hültzern, mhd. vereinzelt hulzerin, im 16. Jh. die ältre Form ver- drängend: höltzen, Trültzen(beide bei Luther), höltzin(Garg. 126), mhd. hülzin, md. hulzin, ahd. holzin, mnd. holten. holzig, holzicht, adj.: holzartig, 1523 bei Carlstad Standt der christglaub. Seelen B 2² holtzig, 1541 bei Frisius 516 b holtzachtig, 1588 bei Tabernä- montanus holtzecht. ZUS. Holzapfel, m.: im Walde wachsender wilder Apfel, mhd. holzapfel(Pl. holzepfele). Holzbirne, f.: wilde, unveredelte Birne, mhd. holzbir f. Holzbock, m.: Waldbock, Rehbock(um 1480 im Voc. inc. teut. m 1 ⁰5); die tierbelä- stigende Milbe Acarus reduvius(1537 bei Dasypodius); Gestell mit gekreuzten Beinen zum Holzsägen, daher bildl. grober unbe- holfner Mensch(mhd. holzboc). Holzschnitt, m.: Holzplatte mit eingeschnittnem Bild und deren Abdruck(1716 bei Ludwig). Holz- taube, f.: in hohlen Bäumen nistende Wald- taube, mhd. holztbe, ahd. holztüba f. Holz- weg, m.: Waldweg zur Holzabfuhr, bildl. irrtümlicher Weg, schon mhd. holzaoec m. Holzwurm, m., mhd. holzwwurm m. homonynm, adj.: gleichnamig. Die Homo- nymen, gleichlautende Wörter verschiedner Bedeutung, gr. Jat. homönyma Pl., vom gr. Adj. öhchvouoc«gleichnamig», aus gr. ouöc «gleich» und einer Bildung von övoua n. Namey. 1714 bei Wächtler Homonymie f. das Gleichnamigsein». Homonym, n.(-S, Pl.-eln]): doppelsinniges Wort, Rätsel über ein solches. 56* 887 Homöopath Hoppelpoppel 888 Homõopäth, m.(-en, Pl.-en): Arzt, der solche Mittel in kleinen Gaben gegen Krank- heiten anwendet, die in größern Gaben ein ähnliches Leiden im gesunden Körper be- wirken würden. Vom Arzt Dr. Samuel Hahne- mann zu Anfang des 18. Jh. eingeführtes Wort, aus gr. öpoioc cähnlichy und rdeocn. cdas Leiden». Dazu Homöopathie f. honétt, adj.: ehrenhaft, ehrbar, anständig. 1714 bei Wächtler. Aus gleichbed. franz. honnéte, afranz. honeste, von lat. honestus cehrenhaft», zu lat. honõs m. Ehrev. Honig, m.(-s, ohne Pl.): süßer Bienen- saft. Mhd. honec, honic n., auch hönic, hünic, ahd. honag, honang n., das Neutr. auch bei Luther und bis ins 18. Jh.(Lessing 8, 127, Goethe Reineke 3, 41), das Mask. 1512 bei Keisersberg Marie Himelfart 10a, bei Maaler Honig m. und n.; dazu andd. honeg, hanig m.(?), mnd. honnich n., ndl. honig m., afries. und ags. nunig n., engl. honeyf, anord. hundang n., schwed. honung, honing, dän. honni(n)g, dafür got. milip n.(entsprechend ags. milisc honigsüß, lat. mel n., Gen. mellis, gr. ue«in., Gen. uehrroc, ir. mil, armen. mewr, alb. nujal «Honig»). H. gehört zu aind. känalcam, kãn danäm n. Gold», gr. xvnxöc m.«Safflory, dor.«vãxòc«gelblich», heißt also«der gelbey. ZUS. Honigmonat, m.: Flitterwochen, bei Lessing 12, 146, nach gleichbed. franz. la lune du miel, bei Goethe 29, 63 Honigmond. Honig- seim, m.: Honigscheibe; ausgelaßner Honig. Mhd. honecseim, honicsein, frühmhd. um 1100 honichseim m. Honigtau, m.: süße klebrige Flüssigkeit auf Pfianzen, verschieden von Meltau(s. d.), md. im 14. Jh. honictow m. Honorär, n.(-s, Pl.-e): Ehrenlohn, Ver- gütung. Im 18. Jh. aus lat. honörärium n. Ehrengeschenk», von lat. honõs und honor m. Ehrey. Honoratiôren, Pl.: die Geehrten, Angesehnen. Bei Goethe 26, 129, nach lat. Ronõrdtiõres, dem Pl. des Komparativs von honõratus geehrty, Part. Perf. Pass. von honõrãre«ehren». honorieren, v.: ehren (1571 bei Rot); Ehrenlohn geben, bezahlen (1697 bei Nehring), von lat. honöräre cehren, womit beehren, belohnen». honörig, adj.: ehrenhaft, freigebig. Aus der Studentenspr., wo es Ende des 18. Jh. nachgewiesen ist. hop! Interj., s. hopp. Hopfen, m.(-s, Pl. wie Sg. in der Bed. Hopfensorten): Rankengewüchs, dessen Früchte zum Bierbrauen dienen. Mhd. hopfe, ahd. hopfo, hoppo m.(bezeichnet auchandre Pflanzen, s. ZfdW. 2, 226), noch im 17. Jh. Hopff(Opitz 1, 141, Duez 1644), Hopffe(Krämer 1678), 1711 bei Rädlein Hopffen, and. veld-hoppo n. ceine Pflanze bradigabo»), mnd.-mndl.-mengl. hoppe m., ndl.-engl. hop, mlat. hupa, habalas, woraus awallon. Iabillon, franz. houbelon, houblon m. Dafür anord. humli m. und humla f., schwed.-dän. hamle, mlat. humlo, Tumelo, Qumolo, numulus. Ein germ.*Hemalos könnte aus* humanos entstanden sein(wie kümmel aus lat. cuminus), und eine Form*ua- würde*hubna-(Kompromißform mit humalus franz. houblon) und weiter event. hauꝓροο, hopfo ergeben. Aus dem Germ. stammt zweifellos russ. chmel, serb. chmelj, tschech. chmel, poln. chmiel, daraus ngr. xouuext; entlehnt sind auch magyarisch Xomlé, finnisch-esthnisch humala, humal. Die Herkunft des Wortes H. ist unbekannt, doch ist es wohl echt ger- manisch. Andre nehmen Herkunft aus dem Osten an, vgl. E. Kuhn KZ. 35, 313, V. Hehn Kulturpflanzen“ 463ff. 4BL. hopfen, v., im 16. Jh. bei Paracelsus chirurg. Schriften 43. ZS. Hopfenstange, f., mhd. hopfen-, hopfestange f. Hopheh, n. m.(-s, Pl.-e): geringes be- wegliches Besitztum, Habseligkeit. 1777 bei Weiße kom. Op. 2, 220 das Dim. Hophehchen n., bayr. Hopphé, Hoppehé m., Dim.(auch henne- berg.) Hopphéle n., auch nd. Hopphei m. in obiger Bed.(so bei Arnim 1, 57 Hophey), zunächst aber«gesellige Lustbarkeit geringer Leute zu Tanzen und Springen, Lärm». Zgs. aus hopp(s. d.) und he, hei(s. d.), eig.«hüpfe jubelnd auf», 1691 bei Stieler hop, he! Hopp, m.(-es, Pl.-e): kurzer Sprung in die Höhe; Tanz in solchen Sprüngen(Goethe 1, 179). Dazu anord. hopp n.«Sprung, Springe- tanzo, u. das Zeitwort nd.-md. hoppen«hüpfen- (s. d.), auch schweiz. hoppen(schon 1561 bei Maaler), anord-schwed. hoppa, dän. hoppe. hopp, hop, interj., eig. Imperativ von nd. md. hoppen, 1691 bei Stieler hop und hopp. Hoppas, m.(as, Pl.-e): Sprung, unver- sehner Sprung, Fehltritt, Versehen, 1781 bei Müller Siegfr. v. Lindenberg 1, 61, nd. auch Hopps m. hoppla, Interj., der durch (s. holla) verstärkte Imperativs des Verbs hoppeln, das von hoppen abgeleitet ist. Hoppelpoppel, m.(-s, Pl. wie Sg.): etwas unruhig Bewegliches, 1804 bei J. Paul Flegelj. 2, 39 vom Herzen; Getränk aus Rum, Eiern und Zucker, durch Schlagen und Rühren zubereitet, bei J. Kerner Bilderbuch 222 Hopel- 889 hops Horn 890 pobel aus dem Ende des 18. Jh. Gebildet aus hoppeln chüpfen»(Stieler 1691) und boObbeln, bubbeln(s. d.)«sprudeln»(Stieler). hops, interj., 1779 bei Göckingk Lieder zweier Lieb. 54, eig. Imperativ von hopsen (s. d.). hopsa, interj., einen Sprung be- zeichnend, vor Lustigkeit(Lenz 1, 127) oder beim Stolpern, bei plötzlicher Uberraschung. Verlängert hopsasa, bei Schubart 2, 143, hop hey sa sa 1695 in Chr. Reuters Ehrliche Frau 86. hopsen, v.: hüpfen, springen, bei Campe 1808, Iterativ von md. hoppen(s. hüpfen), entstanden aus hopzen, wie ags. hoppetan chüpfen» zeigt. Horbel, f.: Schlag oder Stoß an den Kopf(fränk. und sonst bei Schülern); Maul- schelle(obersächs.). Wie im Md. Sstolpern und storpeln wechselt, so verhält sich wahr- scheinlich auch Horbel zu Holper m. f.«Stoß im Fahren auf einem rauhen Weg»(Frisch 1741), vgl. mnd. horvelen cholpern, humpeln); vielleicht ist das Wort aber alt. Zupitza 121 vergleicht aind. darvä m.«Schlag mit der flachen Hand)?. horchen, v.: worauf hören, lauschen. Ein urspr. mitteld. Wort, mhd. hôrchen und horchen, ahd. im 11. Jh. hörechen; dazu mnd.- mndl. horken, afries. hérkia, ags. héorenian, Iyfrenian, mengl. herknen und herken, engl. hearkcen und hark. Intensivbildung zu hören (s. d.). Vgl. gehorchen. 4BL. Horcher, m., 1605 bei Petri der Teutschen Weisheit 2, 176. 1 Horde, f.(Pl.-n): wandernde Stammes- genossenschaft, umherstreifender wilder Haufe. Bei P. Fleming 100 von 1636, und 1647 bei Olearius oriental. Reise. beschr. 243 und 252 Horde neben Horda 528; nach Kluge 1534 bei M. Herr Neue Welt 157 Horda auf tar- tarisch eine Versammlung der Menge. Aus tatarisch horda«Lagery, woher auch pers. ordu«Kriegsheer, Lager», russ. ordä f., ital. orda f., ndl.-engl.-franz. horde f.«Hordey. * Horde, f.(Pl.-n): Flechtwerk zu Wän- den und zum Dörren. Md. im 13. Jh. horde f. «Umhegung, Bezirk“, 1466 in Frankfurt a. M. horde f.«Flechtwerk», 1410 dinghorde f.; dazu mnd. 1373 hord f.«Flechtwerk einer Brücke, ndl. horde f.«Weidengeflechty. Das Wort ist die md. und nd. Form von Hürde(s. d.). hören, v.: durch das Ohr vernehmen; (abstrakt) worauf achten(bei Luther Ps. 54, 2); gehorchen(Jes. 30, 9). In der 1. Bed. mhd. hœren, md. hõren, ahd. hören, hörran; dazu asächs. hörian, höran, and. auch hãran, afries. héra, ndl. hooren, ags. nran, héran, engl. hear, anord. hegra, schwed. höra, dän. höre, got. hausjan. Vielleicht urverwandt mit gr. dxoberv chören⸗, und weiter mit Ohr(s. d.), wenn germ. h und gr. x der Rest eines selb- ständigen Wortes, gr. âk-«scharf) würen. Vgl. Kretschmer KZ. 33, 563. Im Mhd. auch die Bed. aufhören, endigen⸗, und wie im Mnd.-Afries.-Ags.«im Verhältnis der Ab- hängigkeit oder Zugehörigkeit von etw. sein, zugehören», letztre Bed. auch im Alternhd. und noch bei Musäus physiogn. Reisen 4, 99, s. hörig. 4BL. hörbar, adj., bei Lessing 11, 152. Hörer, m., mhd. hœrœre, hœrer m. Zuhörer». hörig, adj.: in der Rechtssprache im Verhältnisse der Abhängigkeit stehend, mhd. nœærec«folgsam, leibeigen», ahd. gahõrig «gehorsam»; dazu Hörigkeit, f., 1775 bei Adelung, ndrhein. 1437 hoirichgheit bei Halt- aus 957. Z0S. Hörensagen, n., im 15. Jh. hõrensagen n., mhd. hœrsagen n. Hörrohr, n., 1775 bei Adelung. Hörsaal, m.: großes Lehrzimmer auf Hochschulen, 1728 bei Gott- sched, bei Frisch 1741 Hörstuhe. Horizönt, m.(-es, Pl.-e): Gesichtskreis (s. d.). Bereits im 16. Jh.(1509 bei Vespucius Büchlin A 4). Aus gleichbed. gr.-lat. horizon m.(Gen. horizontis), gr. Opixuo m., eig. Part. Präs. von ôpizeiv«begrenzen, umgrenzen?. Verdeutscht 1540 bei Alberus dict. 0 33 Augend n.(d. h. das Aug-Ende), 1676 bei Francisci Lusthaus 627 Gesichts-Ender m., bei Stieler 1691 Endxreis m., in der See- mannssprache Kinem f. und Kimmang f.(s. Kimme). 4BL. horizontãl, adj.: wage- recht, wasserrecht, 1647 bei Olearius orient. Reisebeschr. Horm(e)t, n.: Kopfputz der altenburgi- schen Bauermädchen in Form einer künstlichen Krone. Verkürzt aus Haarband n., dafür in einer Zeitzer Urkunde von 1457 schapel n. Horn, n.(-es, Pl. Hörner): harte Kopf- spitze mancher Tiere; Trinkhorn; krummes Blasinstrument(urspr. aus Horn gemacht); hornartige harte Masse; Landspitze; Berg-, Felsenspitze. In diesen Bed. mhd.-ahd. horn n.; dazu asächs.-afries.-ags. horn m., nndl. horen, hoorn m., engl. horn, anord.-schwed.- dän. horn n., got. haurn n. Urverwandt mit lat. cornt n.«Horny, gr. Kdpvoc«Hornvieh? (bei Hesychius), air. corn«Trinkhorn», bei den Galatern xdvov(Akk.)«Blashorn, Trom- peten(bei Hesychius), mit andrer Ableitungs- silbe aind. ꝓρgam«Hornꝰ, gr. képac n. Horn» 891 Hornis (Gen. képaroc, vgl. Hirsch). Vgl. noch Zu- pitza KZz. 36, 60. RA. jem. Hörner auf- setzen«ihn zum Hahnrei machen», um 1426 bei Wittenweiler Ring 18 b, 18 hürner an- setzen, bei Brant Narr. S. 34 Z. hörner uff die oren setzen, bei H. Sachs Fastn. 45, 166 die Hörner auffsetzen. Schon gr. képaro noieiv riwi cjem. Hörner machen, zum Hahn- rei macheny(Artemidor 2, 11). Nach der mittelalterlichen Erzählung vom Zaubrer Vir- gilius verriet sich die Untreue der Frau da- durch, daß dem betrognen EChemann ein Horn aus der Stirn wuchs(Germania 4, 237 aus dem 14. Jh., Kolmarer Meisterl. 55, 14); dazu gesellt sich die ältre Gepflogenheit, dem Ka- paunen den abgeschnittnen Sporn in den Kamm als Horn einzusetzen(1557 Heußlin Vogelb. 84 2). Sich die Hörner ablaufen«den Jugendübermut ablegen». Stammt aus den studentischen Bräuchen. Dem Neuling(Be- anus oder Bacchant) wurde der Gecken- oder Bacchantenhut mit zwei Hörnern aufgesetzt, und er mußte sie sich ablaufen, d. h.«ab- stoßen». Vgl. Fabricius die akademische De- position 1895. 43L. hörnen, hornen, adj., älternhd. hürnen, mhd. hürnin, hurnin, md. hornin, ahd. mrnin. hörnern, adj., 1654 bei Logau 3, 10, 51. hornicht, adj., mhd. horneht, ahd. hornaht, hornoht. Hornist, m. (-en, Pl.-en): Hornbläser, bei Campe 1813, dafür got. haürnja m. ZUS. Hornblende, f., Adelung. Hornfisch, m.: die Meernadel, 1563 in Forers Fischbuch 48b. Hornkirsche, f.: der Kornelbaum, cornus mas, benannt nach dem hornharten und hornfarbigen Holze, 1561 bei Cordus. Hornvieh, n., 1678 bei Krämer. Hornwerk, n.: Außenwerk einer Festung, vorn aus einem Walle und zwei halben Bastionen bestehend, 1642 bei Duez, franz. ouvrage â cornes, aus dem Deutschen entlehnt gleichbed. span. hornabeque, port. hornaveque. Hornis, f.,(in Bayern auch) m., Hor- nisse, f.(Pl. Horuissen): die große Wespen- art Vespa crabro. Mhd. horniz, hornuz, hornuz m., ahd. horna, hurnug, hurndz m.; dazu and.(entlehnt) hurnia, ags. hyrnelu, hyrnet f., engl. hornet«Hornissey. Alternhd. Formen sind: Hurrnuß m.(Maaler 1561), Hurnis f. (Schottel 1663), Hürnis f.(Duez 1664), Hür- nitz(1597 Colerus 13, 114), Hurnauß(Dasy- podius 1537, als Fem. 1573 bei Fischart Flöh. 995), Hornauß(Golius 1582), Hornüsch m. 1 Horst 892 (Waldis Es. 3, 85), Horneuß(Peypus 1530), Hornei(Mathesius Sar. 317), bei Luther Härnis 3, 246 b neben Pl. Hornissen; verkürzt Hörnsen(Diefenbach gl. 154), Hornsen m. f. (Mathesius Sar. 317²), Hurnsf.(Schottel 1663): mit weitrer Ableitung: hornessel(Voc. 1470 und 1482), hirny’sel(1495 Brack i 1³), hur- neißel(1487 Steinhöwel 65 b), Hurneusel(1566 Mathesius Luther 141, 31), Hürnissel, Hor- nüschel m.(Waldis Es. 3, 85, 1), Hornitssel (Rößlin Kreuterb. 1533), Hornissel f.(Schiller Riub. 2, 3); verkürzt Horsseln(Apherdianus 1581), ndl. 1598 horsel, undl. horzel f. Formen mit I: md. im 14. Jh. harliz m. neben harniz, um 1500 horlitz(Diefenbach gl. 154), Hör- litze(Golius 1582), Hörlitz f.(Duez 1664). Der Ton ruht auf der ersten Silbe, in neurer Zeit bisweilen auf der zweiten(vgl. Holun- der, lebenddig). Urverwandt mit lit. Sir sad, sirslis m.«Wespey, Sirsoné«Horniby, lett. sirsis, apreuß. sirsilis«Hornisy, abg. sräsa Wespeꝰ, sräseni m., lat. cräbro(aus crãsro) m. Hornisꝰ. Hornung, m.(-s, Pl.-e): Februar. Mhd. hornunc, ahd. hornung m., anscheinend eine patronymische Bildung, eig. Sohn des Horn. In Mitteldeutschland heißt der Januar der große, der Februar der kleine Horn(1783 bei Rüdiger Zuwachs 2, 85), was sich auf den harten Frost dieser Monate bezieht. Da- her zu anord. hiarn n.«hartgefrorner Schneey, eine grobblätterige schwarze Steinart, 1775 bei lit. Jarmd f.«Reify, russ. serénli n. Reify, arm. Ssaõn«Eisy, sai*οννᷣſ frierey. Vgl. Anz. f. d. A. 30, 235. Anders mnd. hörnink, afries. nörning, anord. hörnungr m., ags. hörnungsunn m.«unehelicher Sohn, Bastard, zu got. hörinön Ehebruch treibeny, ahd. hauor Ehebruch, huorön churen?. Horoskôp, n.(-es, Pl.-e): Instrument zum Schauen des Planetenstandes wührend der Geburtsstunde und danach zur Schick- salsdeutung. Bei Schiller Piccol. 2, 6. Von gleichbed. mlat. horoscopium, gr. ipocköriov, dpockoneioy n., aus gr. Go f. Jahreszeit, Stundey und cxoretv schauen). Horst, m.(-es, Pl.-e): aus Reisig ge- bautes Raubvogelnest. Aus der ostmd. Jäger- sprache, 1719 bei Fleming t. Jäger 1, 156* Iorst m.(Pl. Horsten); schon 1475 bei Wier- straat Gr. 2696 hurst m. Sitz, Nesty. Mhd.- ahd. hurst f.«Gesträuch, Dickicht»(Pl. mhd. hürste), 1517 md. bei Trochus J 2 b horst m. «Anhöhe, Hügel⸗, 1540 bei Alberus dict. BB 4 b Horst«Hügelchen mit Gesträuch», wohl in 893 Hort Hotte 894 dieser Bed. 1394 md. horst f.(Baur hess. Hospitäl, n.(-s, Pl. Hospitäler): Armen-, Urkunden 1, 501); dazu mnd. horst, hurst f. Krankenhaus. Mhd. hospitäle, hospitãl n., ahd. cniedriges Gestrüpps, mengl. hurst«Hügel, hospitãlhns n.; dazu clevisch 1477 hospitail n. Gebüsch, engl. hurst. Herkunft unklar. Vgl. Walde s. v. crinis. 4BL. horsten, v.: nisten(von Raubvögeln), 1719 bei Fleming Jäger 1, 150 ³. Hort, m.(es, Pl.-e): bewahrter Schatz; (dann im Mhd.) Aufbewahrungsort d. Schatzes; (im 16. und 17. Jh.) sichrer Ort, Zuflucht- stätte; Schutz, Schirm(in der zweiten Hälfte des 18. Jh. neu aufgenommen, 1777 bei Goethe an Frau v. Stein 1, 124). Mhd. hort m., ahd. hort n.«gesammelter und verwahrter Schatz»; dazu asächs. hord n.«Schatz, innerster Raumꝰ», ags. hord n. m., engl. hoard, anord. hodd f., got. huzd n.«Schatzy. Wahrschein- lich urverwandt mit gr. xiõcéoc m.«Höhlungs, ags. Idan, gr. Keeiv, kymr. cuddio«ver- bergen», oder mit aind. kögas m.«Behüälter», kögtha m.«Unterleib, inneres Gemach, Vor- rats-, Schatzkammer, Ringmauer, Gefäßy. Vgl. Walde s. v. custos. Hose, f.(Pl.-n): anliegendes Beinkleid; (obersächs.) röhrenförmiges hölzernes Gefäß, Wassergelte(1700 bei Chr. Reuter Graf Ehren- fried 25) oder Butterkübel(bei Chr. Weise Lustredner 51); trichterförmige Wasserwolke 1680 bei Francisci Lufft-Kreys 1084 Wasser- ziehende Hose oder Wasser-Hose). Mhd. hose, ahd. hosa f.«Beinstrumpf von Leder oder Zeugstoff zur Bedeckung des Unter- schenkels», im Unterschied von mhd. bruoch, ahd. Pruoh f. Bekleidung des Unterleibs und der Oberschenkel. Als seit dem 15. Jh. Bruch und Hosen in ein Kleidungsstück ver- einigt wurden, hieß dieses die Hosen oder ein Par Hosen(Pl., 1449 bei Soltau Volksl. 1, 129, 1557 bei Waldis Es. 4, 94, 158), erst im 19. Jh. die Hose. Entsprechend mnd. hose, hase f. und ags. hose f. Beinstrumpf?, anord.9schwed. hosa f., dän. hose«weit auf- wärts reichender Strumpf», ndl. hoos und engl. hose in der heutigen Bed. Die Mund- arten haben die ältre Bed. bewahrt: westfäl. hose und holst. hase f.«Strumpf», bayr.- tirol. hos f.«Beinstrumpf vom Knie bis zum Knöchely. Herkunft dunkel. Kaum zu aind. koögas(s. Hort). Aus dem Germanischen entlehnt afranz. hose, heuse f., aspan. Iutesa f., aport. osa f. Gamaschey, afranz. houseaxux chohe Gamaschen’, ital. uosa f.«Hose», eben- so im Keltischen korn. hos Beinstrumpf,, kymr. hosan«Hosey. Aus mlat. hospetale n. Gast-, Fremdenhaus, Herberges, lat. hospitälia Pl.«Gastzimmer?, dem Neutr. des Adj. hospitãlis«den Gast be- treffend, von hospes m. Gasty. S. Spital. Hospitänt, m.(-en, Pl.-en): als Gast Zuhörender. 1813 bei Campe. Part. Präs. von lat. hospitäri«als Gast einkehren». ho- spitieren, v.: einer Vorlesung als Gast bei- wohnen. Bei Campe 1813. Bei Roth 1791 cals Gast einkehren). Hospiz, n.(es, Pl.-e): Herberge, bes. kleines Ordenshaus zur Beherbergung Durch- reisender;(Studentisch) Trinkgelage bei einem Studenten und auf dessen Kosten(1786 bei J. M. Miller Walther 148), Rundgesang(1825 bei Kluge Studentenspr.). In der urspr. Bed. bei Goethe 19, 292 Hospitiun n., aus lat. hospitium n.«Gastfreundschaft, gastliche Auf- nahme, Herberge», von lat. hospes m. Gast». Hostie, f.(Pl.-n): geweihtes kleines rundes Stückchen ungesäuerten Brotes im hl. Abend- mahle. Mhd. hostie, ostie f., aus gleichbed. mlat. hostia f., im Lat.«Sühnopfer, Opfer'; die unplutige Darstellung des Opfers Christi unter der Gestalt des Brotes und des Weines geschieht in der in der Messe der katholischen Kirche vorkommenden Wandlung. Hotél, n.(—s, Pl.-s): großer Gasthof (18. Jh.); großes Herrenhaus einer Stadt, Palast(17. Jahrh.). Entlehnt aus gleichbed. franz. hotel m., älter hostel, von mlat. hospi- tale n.(s. Hospital). hott! interj.: Ruf zum Rechtsgehen des Zugtieres(Fastnachtspiele des 15. Jh. 248, 4 hotte, host); antreibender Zuruf an Pferde zum Geschwindergehen(1518 bei Keisersberg Sünden d. Munds 35 hotta, bei Schiller Räuber 4, 4 hotto; das auslautende-a.-o entspricht dem verstärkenden mhd.-é, wie in Mordio, Feuerjo, holla); bayr. hott/ hott!«die Be- wegung des unfesten Reiters beim Trabe bezeichnendy. Dazu das älternhd. Zeitwort hotten«zum Rennen antreiben»(Fastnachtsp. 788, 22), crechts vorwärts gehen»(1562 bei Mathesius Sar. 123 b). Vgl. har, Schawude. ZUS. Hottogaul, m.: das Reitpferd(Schiller Räuber 4, 4), Pferd in der Kindersprache. 1691 bei Stieler Hottpferd n.«Wagenpferd, 1562 bei Mathesius 1472 Hottepferdlein(der Kinder). Hotte, f.(Pl.-/): hölzerne Bütte, die 895 Hotzel man auf dem Rücken trägt(Weist. 5, 697 von 1476, bei Ludwig 1716 Bütte der Wein- lesers, noch alem. rhein., dafür schweiz. Hutte f. Rückenkorb aus Weidengeflechts, auch Trag- bütte?); Buttermilch, Quark(ostmd. und nd., 1517 bei Trochus Q 1 b, mnd. 1420 bei Diefenb. gl. 530°, ndl. 1598 hotte). Aus dem Deutschen entlehnt franz. hotte f.«Tragkorb». Wohl zusammenhängend mit Hütte, da die Grund- bedeutung geflochtner Korb» ist. Hotzel, s. Hutzel. hotzeln, v.: rütteln, hart schaukeln, schüt- tern. Schweiz.-bayr. elsäss., 1561 bei Maaler; in der Bedeutung«sich bewegen» 1575 bei Fischart Garg. 99. Iterativ zu hotzen, md. und nd.«wiegen, schweiz.«sich schaukelnd auf- und niederbewegen⸗, spätmhd. hotzen «schaukeln, schnell laufen», entsprechend dem md. und nd. hotten. Vielleicht zu aind. οdati, dodãjati«treibt anꝰ, kutśjati«schmäht», gr. xuddéeiv«beschimpfeny. hul huh! Interj. des Schreckens, Grausens, Schauderns, Fröstelns, Staunens. Mhd. hAf, selten hd. hü, hüh, interj., antreibender Zuruf des Fuhrmanns, auch Zuruf an das Zugtier, links zu gehen oder auch vorwärts. Vgl. hott. Hub, m.(-es, Pl. Hühe): Handlung des Hebens; Ausgewähltes. 1691 bei Stieler. Hube, s. Hafe. Hübel, m.(-s, Pl. wie Sg.): kleine Er- höhung; Hügelchen. Mhd. hübel m., md. habel, hobel, huvel, im 15. Jh. auch hovel, hofpvel m. Hügel»; dazu andfränk. huvel, mnd. hovel m. Hügel, Höckery», ndl. heuvel m. Gleichen Stammes wie mhd. hover m.«Höcker,(s. d.). Vgl. Hügel. hüben, adv.: diesseits. Zuerst bei Maler Müller 2, 125 u. 284 aus der Volkssprache, dann bei Goethe 2, 37. Gekürzt aus hie iüben (üben 1741 von Frisch als alemannisch be- zeichnet), wie hoben aus hie oben, schon im 12. Jh. mhd. und noch schweiz.-elsäss. hoben. Hubert, Manusname, ahd. Hopert, Hubert, zsgez. aus älterm Hugu-, Hugbert, Hugperaht, von ahd. hugu m., mhd. häge f., md. hage, hoge f. m., asächs. hugi m., ags. hyge m., amord. hugr m., got. hugs m.«Denken,(eist, Sinny, und-bert(s. d.). Hühner, s. unter Hufe. hübsch, adj.: in der äußern Erscheinung wohlgefällig. Mhd. hübesch, hübsch, md. habisch, hobisch, huhsch«hofgemäß, fein gebildet und gesittet, unterhaltendy, im 15. Jh.«fein aus- huf! 896 sehend, gefallend, schön?. Ein altes mit grammatischem Wechsel zu Hof gehöriges Wort, neben dem schon mhd. höfisch steht mit Anlehnung an Hof. Das franz. courtois hat bei der Bedeutungsentwicklung mitge- wirkt. Noch pommerisch, obersächs.-thüring. in der Bed.«artig»(1777 bei Weiße kom. Opern 2, 34, auch«vornehm,» 2, 90). Hucke, f.(Pl.-n): der Rücken als Träger der Bürde. Schlesisch Hocke, Hucke f., bei Frisch 1741 Hock m., bei Steinbach 1734 Hocken und Hucken m., 1691 bei Stieler Hucke f.«Rückentraglasts, wie noch ober- sächs.-thür., 1664 bei Duez Hocke f.«Bündel», um 1525 bei Uhland Volksl. 721 Ahacke f. cdas Bündel des Hausierers», im 15. Jh. in Städtechron. 5, 257, 19 huck f.«Hausierkram, Kleinverkauf». Wohl mit 1 Hocke verwandt. hucken, v.: auf dem Rücken als Last tragen, bei Frisch 1741 hocken, 1743 bei Schnabel Insel Felsenburg 4, 433 hucken. Eig.«in ge- krümmter, gebückter Stellung eine Last zum Tragen aufnehmen», eins mit hocken(s. d.). Dazu das Iterativ huckeln caufhocken» bei H. Sachs 21, 25. ZUS. mit hucken: Hucke- pack, m.: zum Aufhocken(Tragen) be- stimmter Rücken(md. hackebackt); Traglast auf dem Rücken(Bürger 186). hudeln, v.: in Eile und nur obenhin tun; tr.: jem. achtlos und zugleich empfindlich be- handeln, plagen, quälen. In beiden Bed. 1618 bei Schönsleder, 1515 bei Keisersberg Evan- gelibuch 152 hudlen«schlottern», 1582 bei Fischart Garg. 328 herunzh huddein«sich mit jem. herumschlagen», 1512 bei Murner Narr. 13, 47 zerhudlen«nachlässig zerreißeny. Von spätmhd. im 15. Jh. hadel m.«Lumpe, Lappem, mhd. Huderwät f.«Kleidungy. Wohl zu lit. skittas«Fetzeny, skatös Pl.«Abschabsely. Vgl. Zupitza 127. Dazu aind. Kutapa- m. n.«Decke von Ziegenhaary, kuthas m., Kuthã f.«ge- fürbte wollne Deckes(?) 4 L. Hudelei, f.: lumpiges Wesen(1663 bei Schottel); Plage, Schererei(1691 bei Stieler). Hudler, m.: zerlumpter Mensch(1561 bei Maaler); Quäler (1691 bei Stieler vom Geizhals und Wuchrer). Hudelmannsgesinde, n.: Lumpengesindel, oberd., 1538 bei Franck Germaniae chron. 20 a, z8s. mit Hudelmann m.«Lumpenmann?(1578 bei Fischart Ehz. G 5²). huf! interj.: zurück! als Fuhrmannsruf 1741 bei Frisch, noch fräünk.-hessisch, dafür bayr. hüf, schwäb.-tirol. hauf. hufen, v.: rückwärts gehen, zunächst von Pferden, 1734 897 Huf hui! 898 bei Steinbach; vgl. anord. hopa, norw. hope «sich rückwärts bewegeny. Huf, m.(es, Pl.-e): ungespaltner Horn- fuß. Mhd.-ahd. huo;f m., md. häf; dazu asächs. hõf(in hofslaga f.«Hufspur»), and. höf, ndl. hoef, ags. höf m., engl. hoof, anord. höf m., schwed. hof m., dän. hov. Kaum verwandt mit abg. kopyto n. Huf», das von kopati graben» stammt, sondern zu aind. çaphäs m., awest. safa-«Hufy, osset. säf-thüg. Der Pl. lautet mhd. hieve, älternhd. im 16. u. 17. Jh. Hüffe, 1691 bei Stieler Hufe. Vereinzelt auch als Fem. 1663 bei Schottel Huf, 1734 bei Steinbach Hufe f. 43L. hufig, in flach-, harthufig, 1691 bei Stieler huficht in Zu- sammensetzungen. ZUS. Hufeisen, n., mhd. huofisen, daneben huob-, höbisen, ahd. hzof- Tsin n. lattichähnliche Pflanze Tussilago farfars mit großen Blättern in Gestalt eines Pferdehufs, ahd. huflatdecha f.(IfdW. 6, 187), 1561 bei Cordus Huflattich m.(s. Lattich). Huf- nagel, m., md. im 13. Jh. höfnagel. Huf- schlag, m., mhd. huofslac, asächs. hõfslaga f. Hufspury. Hufschmied, m.: Huf beschlag ausübender Schmied. mhd. Haof-, huobsmit m. Hufe, f.(Pl.-n): Landgebiet von dreißig Morgen. Md. und nd. Form(auch bei Luther Hufe) für oberd. Hube. Mhd. huobe, ahd. huoba, höba, md. hube, huve, hufe f.; dazu and. höuva, mnd. hove f.; wahrscheinlich urver- wandt mit gr. roc, dor. xänoc m.«Garten⸗, alb. kopsto m.«Garten»y. 43L. Hüfner, m.: Besitzer einer Hufe, bei Voß, Hüfener bei Möser patr. Phant. 2, 68, Hafner bei Hagedorn 1, 70. Bei norddeutschen Schrift- stellern statt des oberd. Hübner, mhd. huobener, huobner m.«Inhaber oder Besitzer einer Hube, Erblehnbauer» neben huober m.(jetzt nur noch als Familienname Huber). Hüfte, f.(Pl.-n): erhabner Seitenteil über den Schenkeln. Bei Luther Hüſpte f., 1540 bei Alberus dict. Kk 2 b Häüfft f. und m., im 15. Jh. hafft(Diefenbach gl. 229°), 1482 im Voc. theut. n 4° huffte f. neben hufft p 2°, noch tirol.-schweiz. Huft f. neben Huff. Mit angetretnem k aus mhd.-ahd. huf f.(Pl. mhd. nüffe, ahd. huffi); dazu and.(entlehnt) huf, mnd. hap, ndl. heup f., ags. Mpe m., engl. hip,(entlehnt schwed. höft m., dän. hoffe), got. hups m.«Hüfte». Urverwandt mit gr. εßoc m.«Höhlung vor der Hüfte beim Vieh», xßrrov n., lat. cubitum n.«Ellenbogen. Dazu auch wohl aind. üptis, aw. supti- f.«Schultery, Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. Huflattich, m.(-s, Pl.-e): die alb. sρᷣ m.«Schulter, Rückeny. ZUS. Hüft- weh, n., 1537 bei Dasypodius Hufpkwes. Hügel, m.(-s, Pl. wie Sg.): mäßige Erd- erhöhung. In der Schriftsprache zuerst bei Luther, 1517 bei Trochus J 2 b md. hugel über einem Grab, dagegen 1512 bei Keisersberg Bilgerschafft 168 b den haugel henckcen«den Kopf hängen lassen, traurig sein), wie noch bayr. den Hübel henkcen. Im Ablaut zu Haug(s. d.). Dafür mhd. bithel und hübel m.(s. Hübel). Obersächs.-thüring. Huckel m.«kleine Er- höhung im Wege, Beule auf der Haut», Dim. von hess. Huck m.«Hügel, Berg»(1556 bei Staden Reise a3). 4L. hügelicht, hüglig, adj., erstres 1662 bei Stoer 260 b, hüglig 1741 bei Frisch. Hugo, Mannsname. Ahd. Hügo, dann Hac, Hag(nhd. der Familienname Haug). Koseform zu den mit Hug- 29s. Mannes- namen, wie Hughald. Hugwin, Hubert(s. d.). Huhn, n.(es, Pl. Hühner): das Haus- geflüigel Phasianus gallus als Gattungsname, dann(seit dem 15. Jh.) insbes. die Henne; weidmännisch«das Rebhuhn, Feldhuhn»(1719 bei Fleming Jäger 1, 331). Bei Luther und noch bei Schottel 1663 und Ludwig 1716 Han, 1664 bei Duez Huhn. Mhd. ahd. huon, hön n. (Pl. mhd. hüener, ahd. huonir, hönir), auch cder Hahn?, md. hän; dazu asächs. und mnd. hön n., ndl. hoen n. Huhn», anord. hœns, hœnsn und hœsn Neutr. Pl.«Hahn und Henne», schwed. häns n. Huhnꝰ, dän. höns Hühnery. Im Ablaut zu Hahn(s. d.), über- einstimmend mit pränest. cönia, lat. ciconia «Storchy. Vgl. Hinckel. ZUS. Hühner- auge, n.: Leichdorn, 1591 im Leipziger Voca- bularius optimus M 2 hunerauge. Hühner- darm, m.: die Pflanzen Stellaria, Veronica, Anagallis, im 12. Jh. hner-, im 11. Jh. huoners- darm(Mone Anz. 8, 95, 107) zunächst von Stellaria, weil diese Pflanze vom Federvieh gern gefressen wird. Hühnerhund, 1664 bei Duez. Hühnermilch, f.: die Pflanze Ornithogalum, 1578 bei Frischlin Nom. Cap. 30. huil interj. zur Bezeichnung der Geschwin- digkeit(1741 bei Frisch hai! hui!«in der Eile!*); als Einleitung zu einem Einspruch (1669 bei Grimmelshausen Simpl. 258), zu einem plötzlichen Einfall(Simpl. 244); als Zeichen der Uberraschung(1620 Englische Comedien 2, V 8 b). Als frühste Bed. bei Luther hui Interj. des Antriebes zu schnellem Handeln(Sacharja 2, 6), der regen tatkräftigen Freude(Hiob 39, 25). Substantivisch Hui, 57 899 Huld Hummel 900 II.: Hui, 4, 8b in einem hui, bei Aventin 1, 198, Augenblick, bei Luther 4, 4° auff ein 34 im ersten hui, 4, 508, 13 inz ersten hoi, als Mask. 1691 bei Stieler auf einen Hui. Dazu mnd. in einem huye(huge)«uno impetuy. Wohl onomatopoetisch. Adjektivisch(Goethe hylle, got. huljan, im Ablaut zu ahd. helan (§. hehlen). 1Hülse, f.(Pl.-/): Samengehäuse von Pflanzen; umschließende Hülle aus Metall 12, 17) bei Luther 2, 442 b dieser Artikel ist wol ein awenig zu hui. lassendes Zugeneigtsein. Das Substantivum zu hold(s. d.). Alternhd. im 16. Jh. Hulde, mhd. halde f., md. holde, ahd. muld? und hulda f. «Zugeneigtheit des Höhern gegen den Nie- dern wie dieses gegen jenen, Treue, Freund- lichkeity», im Mhd. auch Erlaubnis, Dienst- barkeity; dazu asächs. huldi, afries. helde, hulde, ags. hylcha f., anord. hylla f. und hlli f. n. 4BL. huldig, adj.: zu Dienst und Treue ergeben(Möser patr. Phant. 3, 193 f.), freundlich, gütig(Rückert Ged. 128), mhd. huldic«zugeneigt, ergeben», ahd. huldig«ver- söhnlich»; davon huldigen, v.: (1562 bei Mathesius Sar. 143 4). In der 1. Bed. mhd. hilse, auch hulsche, md. hulse, ahd. hulsa f. (aus halisa); dazu nd. halse, ndl. huls, halse, aber ags. Rulz f., engl. haall. Alte s-Ableitung Huld, f.(ohne Pl.): freundliches, herab- mnud. hulsen. von dem Stamme, der in hehlen(s. d.) vor- liegt. Mit s-Ableitung auch got. hulistr n. ¹Hülle, Deckeo, ags, heolstor n. Hülle, Schlupf- winkel, Decke». 4.3L. hülsen, v.: der Hülse entledigen, 1517 bei Trochus Jéa hulßen, hülsig, adj., 1691 bei Stieler hülsicht, im 16. Jh. hülschet, hülsechtig. ZUS. den Eid der Treue leisten(nd. im 15. Jh. huldighen bei Diefenbach gl. 205 b), in Verehrung er- geben sein(bei Schiller Picc. 3, 4, Kraniche des Ibykus V. 149), mhd. huldigen chold machen⸗, neben hulden, ahd. huldlan cergeben, geneigt machen, Dienstbarkeit und Ergeben- heit geloben»; Huldigung, f., 1424 huldi- gung(Germania 28, 370). Huldin, f.(Pl. nen): Huldgöttin, Grazie, anmutreiches Weib, im 18. Jh.(Ramler 1, 97), vgl. Holdin; an- ders im 16. Jh. bei Mathesius Fastenpred. 86 Frau Huldin«böses Weib», wie bei Luther 3, 712 f. Fraue Hulda oder Frauwo Hulde als Personifikution der natürlichen Denkart im Gegensatz zur göttlichen Offenbarung. ZUS. huldreich, adj., 1691 bei Stieler. Hülfe, s. Hilfæ. Hülle, f.(Pl.-n): verbergende Decke, Umhüllung. Mhd. hüllle f.«Mantel, Tuch der Frauen zum Bedecken des Kopfes, Um- häüllung, md. hulle, ahd. hulla f.«Kopftuch». Mit dem Zeitwort hüllen(s. d.) zu ahd. helan verbergen»(s. hehlen). RA. die Hülle und Bülle: im Uberfluß, vollauf genug(1669 im Teutsch-Frantz. Lat. Dictionar. 177²), urspr. die zum Leben nötige Kleidung und Speise (im 16. und 17. Jh.), indem Hülle die Be- kleidung, Fülle die Nahrung ausdrückt, mit der der Mensch sich füllt, um leben zu können. bei Rot Humanitet. Hülsenfrucht, t., 1540 bei Alberus dict. tt 1b. ²Hülse, f.(Pl.-n) und Hulst, Hülst, m.(-es, Pl.-e): die Stechpalme, Ilex aqui- folium. Bei Voß Luise 1, 536 und 1574 bei Fischart Onomast. 232 b Hulst m., mndl. und ndl. malst m. mit angetretnem; aber and. hulis«Mistelꝰ, mnd. hals, hulsebom, 1577 in Weist. 3, 209 aus Westfalen der Pl. hülsen, clevisch 1477 und nnd. hulse f., mhd. hals m. «Stechpalme, Walddistel», ahd. hulis, huls m. cder Mäusedorny; dazu ags. holegn m., engl. hollg«Stechpalmey», vgl. air. cuileann, kymr. celyn«Stechpalme», korn. celin. Weitre An- knüpfungen sind unsicher. Vgl. Solmsen Btr. 7, 366 und Falk-Torp s. v. Mlse. Aus dem Deutschen entlehnt afranz. hous, nfranz. houx m.«Stechpalmey, petit houæ Muͤusedorns. humän, adj.: menschenfreundlich, leut- selig, huldreich, gefällig. Im 17. Jh. aus gleichbed. lat. Rümänus. Humanität, f:: Freundlichkeit, Leutseligkeit, Höflichkeit, Menschlichkeit, Gesittung, edle Bildung, 1571 Aus gleichbed. lat. hã- mänditas f. Als kulturgeschichtliches Schlag- wort von Herder 1784 aufgenommen. Vgl. Ladendorf. kums in eigennütziger Absicht. hüllen, v.: verbergend bedecken, mhd. hüllen, hullen, ahd. hulljan, hullan, asächs. bihullean, Humbug, m.(-s): Schwindelei, Auf- schneiderei, bes. zur Täuschung des Publi- Um 1840 aus gleichbed. engl.-amerik. humbug(1760 belegt), von haom«summen, Gebrummey und bug&Popanzy. Hummel, f.(Pl.-/): die große wilde brummende Biene Apis bombinatrix; bildl. umherschwärmendes unruhiges Mädchen(1691 bei Stieler tolle Haemmel); hummelartig tö- nende zweisaitige Zither(1781 bei Müller Siegfr. v. Lindenberg 1, 157); fauler Mensch ndl. hullen, anord. Rylja, schwed. hölja, dän.(bei Luther 6, 149a; da älternhd. Hummel 901 hummen auch die Drohne im Bienenstock» bezeichnet, so 1541 bei Frisius 3844 Hummel m.). Bei Luther Fem., aber mhd. humbel, hummel m., ahd. humbal m.; dazu mnd. homele, hummel f. Hummel⸗, hummelbé f. Hummelbiene, Drohney, ndl. hommel f., engl. humblebee Hummelꝰ, schwed. humla, dän. humle. Wohl verwandt mit apreuß. camus«Hummel', lit. kamãné f., lettB. kamines Pl.«Erdbiene» oder zu hummen. hummen, v.: summen, brummen. Mhd. im 14. Jh. hummen, 1551 im Petrarcha Trostb. 57² hummlen. Lautmalend oder zu lit. kim- stà«werde heiser. Hummer, m.(-S, Pl.-n): Art größter Seekrebse, Astacus marinus. Im 16. Jh. bei Münster Kosmogr. 6, 39 und Forer Fischb. 1242 Humer m. aus nd. hummer m.; dazu anord. humarr m., schwed.-dän. hummer. Ur- verwandt mit gr. xduuapoc m.(daraus lat. cammarus)«Seekrebs» und vielleicht aind. kamãthas m.(aus*kamarthas)«Schildkröte». Humör, m.(-s, ohne Pl.): Scherzlaune. Im 16. Jh. aus lat. hämor m. Feuchtigkeit», im Mittelalter der Saft im Innern des Men- schen, mit dessen Beschaffenheit die mensch- liche Art zusammenhängt, daher im 16. und 17. Jh. Humor m.«menschliche Art, Anlage⸗ (1616 bei Henisch 611, 1669 Simpl. 154 lustiger Humor), dann«Gesinnung, Stimmung, Laune» (1641 bei Lehmann Florileg. 1, 23), betont wie im Lat. auf der ersten Silbe und im Pl. Humören, Humörn nach lat. hümöres, aber durch Einfluß des franz. humeur m. haftete der Ton seit dem 17. Jh. auf der zweiten Silbe(1668 bei Böckler Kriegsschule 1023 Humeur«Natur» als Soldatenwort, 1711 bei Rädlein Humör m.«Sinn»), daher guter Humor bei Wieland neuer Amadis 12, 13, übler Humor bei Goethe 19, 44. Die heutige Bed. bildete sich nach engl. humour(bei Swift und Sterne), vgl. Lessing 7, 414 f., J. Paul Vorschule der Asthetik 1, 166 f. 4BL. Humoréske, f.(Pl.-n): launische Erzäh- lung. Noch nicht bei Campe 18183. Humo- rist, m.(en, Pl.-en): Schriftsteller von Humor, bei J. Paul Vorsch. d. Asth. 1, 169 und Goethe 5, 1, 55, in der ältern Bed. cdrolliger, wunderlicher Mensch», 1693 bei Kramer 548, aus ital.-mlat. humorista m. humoristisch, adj., bei Goethe 42, 2, 160. humpeln, humpen, v.: verstümmelten Fußes, gebrechlich gehen, hinken. Beides 1775 bei Adelung, humpen 1741 bei Frisch Hund 902 aus dem Niederd., 1691 bei Stieler humpen, nimpen aus der thüring. Mundart, auch bayr. humpen«hinken». In übertragener Bed. ham- peln, hünpeln v.: ungenau und ungeschickt arbeiten. 1663 bei Schottel humpeln. Man vergleicht das dialektische schampeln(s. d.) und gr. cxaußöcækrummbeinig». Andre denken an Verwandtschaft mit hinkcen, was trotz Zu- pitza Gutt. möglich ist. Davon Hümpler, m.: Stümper, Pfuscher, bei Luther Hümpler, im 15. Jh. bei H. Folz himpler; 1494 bei Brant Narr. 95, 42 hümpeler m. Lump'. Humpen, m.(-, Pl. wie Sg.): großes weites Trinkgeschirr. 1616 im Leipziger Jus potandi§ 33 Humpe f. als Studentenausdruck aus md. Mundart, 1775 bei Adelung Humpen m. neben Humpe f. Dazu ndl. hompen, dün. humpe(entlehnt?), engl. hump«Buckel», ndl. homp agroßes Stück Brot». Wird als urver- wandt mit gr. xoußoc m. Gefäß, Becher, kõußn f.«Gefäß, Trinkschale, Kahny, awest. xumba-, aind. kumbhäs m. Topf, Urne», kůmba-«Hervorragendes, Horn, Spitze» an- gesehen, doch macht das späte Auftreten bedenklich. Vgl. auch Kumpen. Hund, m.(-es, Pl.-2). Mhd. und ahd. hunt m.(Gen. hundes); dazu asächs.-mnd.- ags.-dän.-schwed. hund, afries. hund, hond, ndl. hond, engl. hound(Jagdhund), anord. hundr, got. hunds m. Nicht zu got. hinban cfangen», ags. hauntian, engl. hunt«jagenꝰ, urspr.«Fänger, Jäger»(müßte n-Stamm sein). Urverwandt mit gleichbed. gr.«öuw m. f. (Gen. Kuvéc), lat. canis m. f., altir.-E(Gen. con), lit. Juõ m.(Gen. szuss), armen. Sun (Gen. san), awest. syan-, sän-, aind. guä(Gen. günas). Uber das angetretne t vgl. Hirt Btr. 22, 231. Die Versuche, das idg. Wort weiter zu erklären, sind mißlungen. Im Berg- pau Hund m. in übertragner Bed.«offner länglich viereckiger Kasten auf vier Rädern», 1557 bei Agricola Bergwerk 495 und 1562 bei Mathesius Sar. 32 b, 1962, franz. chien m. RA. Auf den Hund kommen: an Vermögen, Geist oder Gesundheit herunterkommen, studentisch(1825 bei Kluge Studentenspr.), zu Hund in verächtlicher bildl. Bed. Per- son oder Sache von geringem Werty. Weder mit Beziehung auf den schlechtesten Wurf im Würfelspiel lat. canis m. und canicala f., gr. kowv m. Hundswurfy, aind. guaghni ceifriger Spielers, eig. Hundetöter», noch auf die altdeutsche Strafe des Hundetragens, woher die RA. er muß Hunde führen nach 57* 903 hundert Bautzen(frünk. bis Buschendorf, elsäß. nach Lenkebach, bei Arnold Pfingstmontag 120, der Ortsname bezeichnet urspr. die Gaugrenze). 4B. Hündin, f., mhd. hundinne, hündin f., dafür ahd. zöha, mhd. zöhe f. hündisch, adj., im 15. Jh. Jundisch. ZUS. Hunde- junge, m.: die unterste Stufe des Jäger- lehrlings, die Wartung der Hunde besorgend, 1598 bei Ayrer Dram. 1631, 21 Hundtsjung. hundekalt, adj.: abscheulich kalt. Hunde- leben, n., 1678 bei Krämer. Hundeloch, n.: Gefängnis, 1605 bei Sommer Cornelius Rele- gatus C4. S. Hundsfott, Hundsloden, Hundstag. hundert, Zahlwort. Mhd. als Substan- tiv im 12. Jh. hundert n., im 11. Jh. hunderit n., ebenso asächs. hunderod n., afries. hund- red, hunderd, hondert n., ags.-engl.-dän. hund- red, anord. hundrad n., schwed. nundra. Zgs. aus-rab, von got. rabjan czühlen»(s. gerade, Rede), also«Hundertzahly, und aus dem ältern Zahlwort für chundert, ahd. hunt n., asächs.- ags. hund n., im Asächs. nur in der Mehr- zahl wie got. hunda Pl.; urverwandt mit gleichbed. lat. centum, gr. exarov, altir. cét, lit. Jimtas, awest. sata-, aind. Latãm,(aus dem Iran. entlehnt) abg. süto. Als Uberrest der altgermanischen Zählung nach Groß- hunderten 120 ist die Bezeichnung für cein- hunderty in der ältern Sprache zu betrachten: ältermhd. zehenzec, zehenzic, ahd. zehanzug und zehanzo(einmal bei Notker einhunt), ags. hundtéontig(neben waund), got. taihuntéhund, kachuntaihund, anord. tiu tigir, während anord. Hundrad in vorchristlicher Zeit ein Groß- hundert, d. h. 120 bezeichnet, wie noch jetzt isländ. hundrad, weshalb man später hundrad kirœtt 100 und hundrad tolfrœtt 120 unter- schied. 4L. hundertste, Ordinalzahl, md. im 15. Jh. hundertst, 1420 hundirste(Diefen- bach gl. 112 ⁰), wofür im Mhd. zehenigeste, ahd. zehanzugösto, afries. hondersta. RA. vom Hundertsten aufs Tausendste kommen: nicht bei der Sache bleibend von dem einen auf andres, auch das Entfernteste kommen, bei Herder krit. Wälder 2, 122, aus das Hundertste ins Tausendste werfen (Simpl. 274), urspr. das Hundert ins Tausend werfen(Luther 3, 224 5 u. 8, 229²), nach Ege- nolff Sprichw. 1570 Bl. 201 b vom unordent- lichen Setzen der Rechenpfennige auf den alten Rechenbrettern, deren Rubriken mit M, C, X, I(Tausender, Hunderter, Zehner, Einer) bezeichnet waren. hunderterlei, adv., 1580 bei Fuchs Mückenkrieg 1, 965. weitergebildet 1 Hüne 904 ZUS. hundertfach, adj., 1556 pei Frisius 209 b. hundertfältig, adj., mhd. hundert- valtec neben hundertvalt. hundertmal, adv., 1414 hundertmäle, 1440 hundertmöl(Diefen- bach gl. 112). Hundertstel, Handertel, n., verkürzt aus Hundertstteil. hundert- tausend, Zahlw., mhd. handerttasent. Hundsfott, m.(es, Pl. Hundsfötter): feiger, tiefverächtlicher Mensch. Als Schelte und Schimpfwort 1575 bei Fischart Garg. 38 Hundsfutt f., 1691 bei Stieler Hundsfot, Hunds- fott m., eig. lat. cunnus canis, von der Scham- losigkeit der läufigen Hündin hergenommen. Der Plur. lautet 1582 bei Fischart Garg. 362 Hundsfütt, aber Hundsfäder 1619 bei Opel u. Cohn 30j. Krieg 28, 66, noch bei Maler Müller 3, 185 Hundsfütter, Hundesvötter 1668 in Leyermatzs Correspondenzgeist 170. Da- von hundsföttisch, adj., bei HI. Sachs(1588) 3, 1, 194 b hundsfüttisch und Fastnachtsp. 70, 200 hündaefuetisch. Hundsloden in den RA. H. kriegen, d. h. Vorwürfe, oder einem H. an den Kopf werfen. H. sind eigentlich«Hundehaare». Sie dienten als ein grobes Surrogat von Wolle, und so be- deutet die RA. etwas Grobes bekommen». Hundstag, m.(gewöhnlich im Pl.-e): Tag der Zeit vom 24. Juli bis 23. August als der heißesten des Jahres im südl. Europa (Plinius hist. nat. 2, 47). 1428 die hundstag (Anz. f. Kunde d. Vorzeit 11, 334), mnd. de hundedage(Städtechron. 7, 278, 23), mhd. im 14. Jh. huntlich tage, nach lat. dies cancu- läres«Tage, wenn die Sonne beim Hunds- stern steht und mit ihm zugleich aufgeht». Der Hundsstern, lat. canzcula, Sirius, mlat. canis, gr. oy, mhd. im 14. Jh. haunl, 1495 in der Kölner Gemma W 3e hondesterre, steht im Sternbild des Hundes. Hüne, m.(-n/, Pl.-n): kämpfender Riese alter Zeit. Durch Wieland(22, 184 u. 21, 208) aus dem Niederd. aufgenommen, wo sich die Sagen von den alten Hunen im Volke erhalten hatten(1639 bei Micrälius Pommern 2, 200 Hünen oder Riesen); dafür oberd. im 16. Jh. Heune m.«Riesey(Mathe- sius Sar. 443, Proschmeuseler 2, 2, 14), im 13. Jh. mhd. hiune und md. häne m.«Rieseꝰ, identisch mit mhd. Hiune m.«Hunne», ahd.- and. starkflekt. Hüni, Hün, mlat. Hunas, Hunnus, gr. Oövvoi Pl., 1482 im Voc. theut. 0 7² Hewnen Hfunneny. Jedoch die mit Hun- zusammengesetzten altgerman. Eigen- namen wie Hanpreht, Hnnbolt(Humbert, 905 Hunger Hürde 906 Humbold) usw. lassen nach J. Grimm Mythol. 433 auf älteres Vorhandensein des Wortes vor dem Einbruch der Hunnen schließen und weisen vielleicht auf einen uralten mythischen Volksstamm. ZUS. Hünengrab, n., 1639 bei Micrälius Pommern 2, 200, aber als Name von örtlichkeiten schon im 14. und 15. Jh. oberd. ze Hiunengrebern, an Hiunungreber weg bei Mone Urgesch. d. bad. Landes 216. Hunger, m.(-S, ohne Pl.): Eßbegierde. Mhd. hunger, ahd. hungar m.; dazu asächs. nungar, ndl. honger, afries. hunger, honger, ags. meungor, engl.-schwed.-dän. hunger, anord. hungr, got. hührus m.(auch Hungersnot). Gleichen Stammes wie anord. häã«plagen, quälen»; urverwandt mit lit. kankä f. Qualy, kenkcti«wehe tun», gr. kerker«er hungert?, aαινς α ungrig, verhungert»(bei Hesychius); vielleicht liegt die Bed. abrennen» zugrunde, vgl. gr. kofkoivei«er macht glühend, brennt, dörrt, arxoXéoc«ausgebrannt»(bei Hesych.). Vgl. W. Schulze KZ. 29, 270. 4L. hung⸗ rig, adj., mhd. hungerc, hungerig, ahd. hanga- rag, hungrag; dazu mnd. und afries. Hnge- rich, nndl. hongerig, ags. hungrig, engl. hungry. hungern, v., mhd. hungern tr. chungern lassen) und unpersönl. mich hangert, ahd. hungiren, hungerõn(häufig mih hungirit); dazu asächs. gehungrjan, mnd. hungeren, ndl. hongeren, afries. hungera, ags. hungrian, hum- gran, engl. hunger, anord.-schwed. mungra, dän. hungre, got. huggrjan(unpers. Pana gaggan- dan huggreip). Im 16. Jh. auch hüngern(mich hüngert bei H. Sachs 14, 39, Alberus Fab. 6, 65), noch wetterauisch. ZU0S. Hunger- jahr, n., mhd. hungerjär, ahd. mangarjär, afries. hungerjer n. Hungerleider, m., 1654 bei Logau 1, 4, 52. Hungerpfoten, in der RA. an den Hungerpfoten saugen, vom Bären, der im Winter angeblich an seinen Tatzen saugt. Vgl. H. Sachs 9, 19 die 16. Jh. Hurt, Hurde, mhd. und ahd. hurt f. Beerenlllewen saugen und Fischart Narren- schiff 70, 21. Hungersnot, f., mhd. hunger- not, afries. hongernéèd f. Hungertuch, n., mhd. hungertuoch n.«blaues oder schwarzes Tuch, womit in katholischen Kirchen zur Ad- vents- und Fastenzeit die Altarbilder verdeckt werden», mnd. hungerdôſc m. RA. a Hunger- tuche nagen«fasten, darben, sich kümmerlich behelfen», bei H. Sachs 17, 147 und Fischart Garg. 347, aber gleichzeitig im 16. Jh. das urspr. am Hungertuche nehen(IH. Sachs 1, 164e, 364 b) oder am Hungertuche flicken(1586 c«Knäuel», apreuß. korto«Gehege», aind. kätas bei Rhode Weiberspiegel D 52). Hünkel, s. Hinkel. hunten, adv., gekürzt aus hie unten(vgl. hüben). Bei Luther(5. Mos. 33, 13) huenden, bei Goethe 38, 134 hunten. hunzen, v.: tr. die Ehre abschneidend, spottend, scheltend, übel wie einen Hund behandeln, schimpfen(Kleist zerbr. Krug 3. Auftr. herunterhunzen, Gellert 1, 145 aus- hunzen); refl.«sich schinden, plagen wie ein Hund(Maler Müller 2, 17, dafür schweiz. hunden intr.), vgl. mnd. 1392 hundaten chün- disch behandeln⸗. Abgeleitet von Hund mit der Frequentativsilbe-zen, ahd.-azan,-azan, nicht von tschech. huntovati, humtavati«ver- hunzen⸗, eig.«schlachteny». In Zusammen- setzung 1562 bei Mathesius Sar. 69 2 zuhuntzte Kleider æallzusehr verkürzte», 1701 im Causen- macher 62 verhunzen verderben?, wie 1575 bei Fischart Garg. 161 verhundstutzen, Ende des 16. Jh. bei Ayrer Dram. 1380, 12 ver- hundõsen czugrunde richten», nd. verhundaten 1562 bei Lauremberg 4, 601. Hupe, f.(Pl.-n): Signalhorn mit nur einem(tiefen) Tone. Eine tonmalende Bildung. Oberhess. Huppe«kleine, schlechte Pfeife aus Weidenrinde», bayr. hupp Jägerruf. hüpfen, v.:(mit gleichen Füßen) in die Höhe springen. Oberd. hupfen bei Goethe 1, 135. Mhd. hupfen, hüpfen, um 1100 hupphen, neben mhd.-Aälternhd. hopfen, md. huppen, huppen; dazu mnd. hoppen, ags. hoppian, wo- neben mittelengl. hyppen, engl. hop und hip, anord. und schwed. hoppa, dän. hoppe. Her- kunft unsicher. Man vergleicht gr. xußicrdeiv «tanzen», aind. kubhanjus«tanzend, sich drehends(Uhlenbeck Btr. 21, 100), abg. X„& péti cspringen», je nachdem man pp aus-bn-, bhn- oder-pn- erklärt. Vgl. Hopp, hopsen. Hürde, f.(Pl.-n/): Flechtwerk zu Wänden und zum Dörren. Die oberd. Form von Horde (s. d. ²). Bei Luther Hürte, älternhd. im (Pl. mhd. hürte, hürde, ahd. hurdi) Flecht- werk aus Weiden oder Reisig», im Mhd. auch als Tür, Gatter, Brücke und zum Verbrennen der Verbrecher oder Leichen verwandt; da- zu and. hurth f.«Flechtwerk, Gitters, ags. hyrdel m., engl. hurdle«Hürde», mittelengl. hirde«Tür, anord. merd f.«Tür, Türflügel», got. haürds f. Türy. Urverwandt mit lat. crãtes f. Flechtwerk, Hürde», gr. kupria f. Flechtwerk», köproc m., xprn f.«Fischreuse, Käfigy, xdprokoc m. Korb», altir. certle 907 Hure hüst 908 m.«Geflecht, Matten, Krnätti«er spinnt», hurtig, adj.: geschwind und gewandt. ortäti«er bindet, verknüpft». 1537 bei Dasypodius hurtig«tapfer, flinko, Hure, f.(Pl.-n). Mhd. huore, md. höüre, 1564 bei Glaser Gesindteufel E 4° hortige ahd. huora, huorra f., woneben spätmhd. 1420, Megde, mhd. hurtec« schnelly, hurteclich«mit mnd. herge f.; dazu mnd. hore, horre, ndl. hoer, Stoß losrennend, schnell, reißendo, von mhd. ags. hore,(entlehnt) engl. hore, anord. höra f. haurt m. f. und hurte f.«Stoß, stoßendes Los- Hureꝰ, horr m. Ehebrecher, Buhley, dän. hore, rennen in Kampfspiel und Kampf,», entlehnt, got. hõörs m.«Hurer»(aber Kalkjô oder kalki f. mit den aus Frankreich eingeführten Turnier- Hure»). Nebst mhd. huore, ahd. huora, hõra spielen aus franz. heurt m., ital. urto m.«Stoß?, f.«Ehebruch abgeleitet von mhd. ahd. huor wovon afranz. hurter, afranz. heurter, ital. n.«außerehelicher Beischlaf, Ehebruch», md. urtare«stoßeny, mhd. hurten, hürten und hur, afries. hõôr, ags.-anord. hör n., schwed.- hurzen stoßend losrennen». 4 BL. Hurtig- dän. hor. Urverwandt mit lett. kãrs«lüstern), lat. cãrus«lieby, altir. caraim«ich liebey, cara Freund», kaum aber mit aind. edrug clieb, lieblich, schön⸗; aus dem Germanischen ent- lehnt abg. kurüva f.«Hure». 4 BL. huren, v., mhd. huoren, ahd. huoron; dazu andfrk. huoran, afries. höra, anord. hora, schwed. hora, dän. hore, got. hõörinön. Davon Hurer, m., mhd. huorqre, huorer, ahd. huorari, and. huuarari m.; Hurerei, f., spätmhd. im 15. Jh. huererei, mrhein. im Voc. ex quo 1469 hörerie f. hurisch, adj., bei Luther hürisch. ZUS. Hurenhaus, n., spätmhd. zu Anfang des 15. Jh. hurenhaws, mhd.-ahd. huorhüs n. hurliburli, interj.: mit überstürzender Eile. 1778 bei Schink Marionettentheater 121, daneben hurlpurl 1776 bei Bürger 3202 Bohte, hurlurli burli 1774 bei Goethe 16, 4. Aus engl. hurlyburlg«Wirrwarr, Aufruhr», von engl. hurl cschleudern, schmeißen, heulen wie der Sturm, wirbeln, strudeln». Ahnlich dän. hurlumhei. hurra! interj., Ausruf voll Kampflust, Freudenruf. Mhd. hurräã(Minnes. 3, 188 b Hagen), Imperativ von mhd. hurren sich schnell bewegen»(s. hurre), mit verstärken- dem-äã. In der nhd. Schriftsprache erst seit der 2. Hälfte des 18. Jh. nachweisbar(1773 bei Bürger Lenore Str. 20 hurrah, Schiller Räuber 4, 5, Fiesko 5, 5). hurre! interj. zur Bezeichnung sausender Eile. 1773 bei Bürger Lenore Str. 19, schon 1570 bei Egenolff Sprichw. 120 b hurr. Im- perativ von älternhd.-mhd. hurren, ndl. horren «sich schnell bewegen», anord. haurra, engl. hurrg(s. d. f.), noch hess. hurren«uwild vor- wärts rennen, blind hineinstürzen?. Hurri, n.: heftige Schelte, heftiger Auf- tritt. Bei Goethe 16, 69. Nach engl. hurry cgroße Eile, Getöse, Tumult⸗, von engl. harry ceilen, eilig antreiben, sich überstürzen, eng verwandt mit mhd. hurren(s. hurre). keit, f., 1561 bei Maaler. Husär, m.(-en, Pl.-en): Soldat zu Pferd nach ungarischer Art. 1534 bei Franck Weltb. 101² der Pl. Hussern, 1547 bei Liliencron 4, 42232 Husseren, bei Meltzer Schneeberg. Chron. 975 Husseer Pl., bei Fischart Großm. 1607 D 3 b Husaren ungarische Reiter mit Lanzen», aus gleichbed. ungar. huszär, eig. cder Zwanzigste», von ungar. hasæ«zwanzig», weil nach einem alten Rekrutierungsgesetze von 20 Ausgehobenen einer ein Reiter wer- den mußte. husch! interj. zur Bezeichnung des Külte- schauers(spätmhd. im 15. Jh. husch, noch bayr. österreich.), des Fortscheuchens(Bürger 276) und großer Geschwindigkeit(Lessing 1, 500). Wohl lautmalend. Davon Husch, m:: überlaufender Frost, Frostschauer(Abr. a. S. Clara Auff auff 98), vorübergehender Platz- regen(Lessing 11, 625); große Geschwindig- keit, Eile(Goethe ¹, 205); geschwinder Schlag, Ohrfeige(1578 bei Frischlin Nomencl. Cap. 166, noch oberd. Husche, f.: plötzlicher kurzer Regen oder Schneefall(um 1480 im Voc. inc. teut. cc 5 hasch Schneegestöber); Griff ins Haar, Haarzausen(1582 bei Fischart Garg. 374, noch hessisch der Griff des Scharf- richters ins Haar des Delinquenten vor dem Kopfabschlagen», wie bei Logau 3, 3, 69); Ohr- feige(1646 bei Moscherosch Phil. 1, 72). huschen, v.: äuferst leicht und unbemerkt sich fortbewegen, 1775 bei Adelung, aber schon 1678 bei Krämer in der Bed.«gleiten, glitschen», im 16. Jh. bei H. Sachs 9, 88 hoschen. hussa! interj., Ruf des Antreibens, der Lust(1784 bei Bürger Macbeth 4, 1 hasa, bei Wieland Oberon 5, 46 hussa), als Jagd- und Verfolgungsruf 1780 bei Göckingk Ged. 1, 46. Im 15. Jh. md. hossa bei Stolle thüring. erfurt. Chron. 6, 114. hüst, interj.: links, Fuhrmannsruf. Hebel. Alemannisch. Bei 909 Husten Hyazinth 910 Husten(mit 5), m.(-s, Pl. wie Sg.). In 1438 bütung f.«Bewachung». Dagegen von Norddeutschland mit kurzem u gesprochen, Hut(Viehhüten) abgeleitet ist Hutung, f.: mhd. huoste m., md. hüste, ahd."uosto m., die Weide zum Hüten, sowie das Recht zum wo neben haosta f., aus älterm haouosto, daher Beweiden, das Hutrecht(Stieler 1691), Ende noch schweiz.- elsäss. Wasten m. Hustens und wwfisten chustens; dazu and. huasto, ndl. hoest m., ags. hzwõsta m., engl.(dial.) 2whoost, anord. hoOsti m., schwed. hosta f., dän. hoste. Urverwandt mit lit. köséti(Präs. Kösiu) chusten», kösulis m. Husten», lett. Kãsd, kãsis Husten», Kãsét«husten», abg. Kasil m.«Husten), alb. Kote f.«Hustenꝰ, ir. casad, aind. käs chusten», kãsas m. der Husten». 4BL. husten, v., mhd. huosten, ahd. haostön:; dazu ags. hoostan, engl.(dial.) whoost, anord. hösta. hüsteln, v., in der 2. Hälfte des 18. Jh. bei Thümmel Reise 4, 161 hasteln, bei Maler Müller 1, 339 hüsteln. 1Hut, m.(es, Pl. Hüte): steife hohle Kopfbedeckung; Zucker in spitzer kegel- förmiger Gestalt(nach der Form der alten Hüte), 1464 im Urkundenbuch der Stadt Leipzig 1, 315. In urspr. Bed. mhd.- ahd. huot m. Hut, Mützen(Pl. mhd. hüete, ahd. huoti und huota), im Mhd. auch Helm, schützender Überzug oben über etwas, Hülse an einem Turmknopf», md. hät; dazu and. huat, mnd. höt, hüt, ndl. hoed, afries. hõd Hut», ags. höd m. und engl. hood Haube, Kappe», neben ags. hœtt m. und engl. hat Huts, anord. hattr, höttr m., schwed. hatt, dän. hat. Vielleicht gleichen Stammes wie Hut?(s. d.). Urverwandt mit lit. kudodas m. Schopf, Mütze des Federviehs», lat. cassis f. Helmꝰ). ²Hut, f.(Pl.-en): Schaden abhaltende Aufsicht und Vorsicht, Fürsorge; das Hüten des Viehes auf der Weide(bei Luther 6, 339 b). In der 1. Bed. mhd. haote, huot, ahd. huota f., im Mhd. auch«Wache, Wächter, Hinter- halt, Nachhut»,(spätmhd.)«Distrikt eines Försters oder Waldaufsehers»; dazu mnd. hõde, hde f., ndl. hoede f., afries. hõde, hade f. Wohl gleichen Stammes wie 1Hut m.(s. d.). Als ursprüngl. Bed. wäre«Schutzs anzunehmen. hüten, v.: achthaben, bewachen; das Vieh auf der Weide bewachen, weiden(mhd. 1336). In der 1. Bed. mhd. hieten, huoten(auch refl. sich hüeten vor jem. oder etw.), ahd. huotan, md. hũten; dazu and. hõôdian, ndl. hoeden, afries. hõda, hüda, ags. hédan, engl. heed. Davon Hüter, m., mhd. hüetœxre, hüeter, md. hätére, ahd. huoteri m., and. hõöderi(?); Hüterin, f., mhd. hüeterin f.; Hütung, f., des 16. Jh. bei Schweinichen 3, 231. Hütsche, Hutsche, Hitsche f.(Pl. -n); kleine Fußbank. Mittel- und Niederd. 1637 Hütsche(Ztschr. f. Kulturgesch., hgb. v. Steinhausen 4, 200, aus Schloß Tenneberg in Thüringen), ebenso 1691 bei Stieler; nd. Hutsche f., eig.-Schiebebank, Bänkchen, das bald da bald dorthin geschoben wird, ab- geleitet von hutschen, v.: auf dem Boden rutschen, kriechen, in oberd., md. und nd. Mundarten, schon im 14. Jh. md. hutschen, hutschin intr.«rutschen» und tr.«schieben», wohl aus hukschen zu hocken. Hütte, f.(Pl.-n/): errichteter kleiner be- deckter Schutzort zum Aufenthalt usw.; ein- faches ärmliches Gebäude(1561 bei Maaler); bergmännisch: Metallschmelze(schon mhd.). In der 1. Bed. mhd. hütte, ahd. hutta f.«Hütte, Zelt⸗; ein oberd. Wort, aus dem entlehnt sind mnd. hatte, ndl. hut f., engl. hat, franz. hutte, span. huta f.«Hütte». Vielleicht gleichen Stammes wie Haus(s. d.) oder besser zu Hotte(s. d.). ZUS. Hüttenrauch, m.: beim Metallschmelzen als Dampf aufgestiegenes und aufgefangenes Giftpulver, spätmhd. im 15. Jh. huttrauch, hutte-, huttenrauch m. Hütten- werk, n.: Metallschmelze, 1562 bei Mathe- sius Sar. 135 3. Hutung, Hütung, s. Hut ². Hutzel, f.(Pl.-n): gedörrte Birne, ge- dörrter Birnschnitz(1664 bei Duez«gedörrter Apfel»). Mhd. hützel, hutzel f.; md. Hotzel f.(Bürger Macbeth 1, 3), 1711 bei Rädlein. Davon hutzelig, adj.: runzlig, 1741 bei Frisch hatzlich, hozlich. hutzeln, v.: ein- schrumpfen, 1741 bei Frisch, mhd. verhützeln «zusammenschrumpfen», bei Bürger Kaiser und Abt Str. 16 einhotzeln. Hyäne, f.(Pl.-n): Abendwolf, Grabtier. Um 1480 im Voc. inc. teut. I 6 b hientier n., bei H. Sachs Fab. 233, 11 Hienna f. Schon ahd. ijéna. Aus gleichbed. gr.-lat. hyaena f., gr. arvd f., benannt wegen der Xhnlichkeit im borstigen Hals und Rücken mit dem Schweine, gr. Oc m. f. Hyazinth, m.(es, Pl.-e): ein Edelstein von roter bis pomeranzengelber Farbe. Mhd. jacinctus m. und jãchant, jachant m., ahd. jachant m., aus gr. Jat. MMacinthus m., gr. däxtvéoc f. Edelstein von blauer Farbes, 911 Hydrant wahrscheinlich der Saphir oder ein dunkler Amethyst. Hyazinthe, f.(Pl.-n): die Glöckchenblume Hyacinthus orientalis, erst; nach 1562 aus Kleinasien eingeführt, 1629 bei Opitz 265 Hiacynthenblume, aus gr. Jat. hyacinthus m., gr. udxivoc m. f.«die violett- blaue Schwertlilien. Hydränt, m.(-en, Pl.-en): Wasserzu- leitung für die Feuerwehr, Feuerhahn. Part. Präs. von einem nlat. Verb. hydräre nach gr. odpatverv«bewässern). gr. Adj. vrietvéc«der Gesundheit zuträglich, heilsamꝰ, zu ergänzen rexvn f.«Kunsty. 1791 bei Roth Hugieine. 4BL. hygienisch. Hymne, f.(Pl.-n): Hoch-, Lobgesang, Festlied, 1775 bei Adelung, das weibliche Geschlecht nach franz. hymme f. geistlicher Lobgesang, neben hymne m. Lobgedichty. Mhd. ymne m. und imps, ahd. hyemno und imno, immino m.«kirchlicher Lobgesang», aus gr.-lat. hymmnus m., gr. üuvoc m. Ge- sang, Peier, Loblied. Hypérbel, f.(Pl.-n): Übertreibung; über- treibende rednerische Vergrößerung; Kegel- schnitt. Bei Lessing und 1775 bei Adelung, Hperbole 1714 bei Wächtler, aus gleichbed. gr. lat. hgperhole, gr. onepßoxn f., abgeleitet von drepßd-Xeiv«über das Ziel werfeny». Dazu hyperbölisch, adj.: übertrieben, bei Herder z. Theol. 6, 104 von 1776, nach dem gleichbed. gr. lat. Adj. hyperbolicus, orepßokixöc. hyperklug, adj.: überklug. Weise Erazn. 4 wrepklug. gr. orép über). Hypnöse, f.(Pl.-/): magnetischer Schlaf; (in übertr. Bed.) starke Einwirkung, der man sich nicht entziehen kann. Gebildet von gr. unvöeiv«einschläfern». Neue Bildung. hyp- In neurer Zeit. Hygiéne, f.: Gesundheitslehre. Fem. des 1673 bei Gelehrt zgs. mit ieh—912 nötisch, adj.: einschläfernd; zwingend. 1813 bei Campe. hypnotisieren, v.: in magne- tischen Schlaf versetzen. Hypnotismus, m.: magnetischer Schlaf. Von dem englischen Arzt James Braid(geb. 1795) eingeführter Aus- druck für die von ihm zuerst beobachteten Erscheinungen. Hypochondrie, f.(Pl. ·n): Milzsucht; Grillenkrankheit. 1775 bei Adelung, aus dem gr.-lat. Plur. hępochondria, gr. unoxévdpia«der weiche Teil des Leibes unter dem Brustknorpel und den Rippen bis an die Weichen mit Milz usw.y, von gr. unò unter» und xGvdpoc m.«Brustknorpel. Davon Hypochnder, m.(*s, Pl. wie Sg.): Milzsüchtiger; Gräm- ling, Grillenfünger, bei Lessing 1, 165, nach gleichbed. franz. hppochondre m., 1714 bei Wächtler Hypochondriacus; Hypochon- drist, m.(-en, Pl.-en), bei Goethe 23, 132. hypochöndrisch, adj., bei Goethe 18, 103. Hypothék, f.(Pl.-en): gerichtliche Schuld-, Pfandverschreibung auf unbeweg- liche Güter. 1580 bei Schwarzenbach Sy- nonyma 100 d Hipothec. Aus gleichbed. gr.- lat. hpotheca, gr. vroonxn f. Unterpfandꝰ, eig.«Untersatz», von gr. uroßeivon«unter- setzen». Davon hypothekärisch, adj., 1775 bei Adelung. Hypothése, f.(Pl.-/): Unterstellung, Wagesatz. 1775 bei Adelung, Hypothesis 1703 im Zeit. Lex. Aus gleichbed. gr. umeecic f., Vvon gr. uroßeivar untersetzen, unterstellen. hypothétisch, adj., bei Campe 1801 und Goethe(l. H.) 22, 252. Hysterie, f.(Pl.-n): Nervenkrankheit. 1813 bei Campe, dafür 1775 bei Adelung Hysterik f., nach gleichbed. mlat. hysterica passio, von gr. Jat. Eystericus, gr. ucrepiõc can der Gebärmutter leidend, von gr. öcrépa f.«Gehärmutter». 1 i! Interj. der Hervorhebung, Verwunde- rung, Freude, älternhd. ie, Ie geschrieben, mhd. ĩ als Ausruf des Unwillens, der Ver- wunderung. iahen, v.: wie ein Esel schreien. Bei Goethe 2, 162 ahen, 1711 bei Rädlein„gaen, igagen, 1561 bei Maaler gigagen. Lautnachahmend. Ibis, m.(Gen. Ibisses, Pl. Ihisse): der ügyptische Brachvogel, Nilreiher. 1589 bei Gesner Schlangenbuch 7² Ibis, 1540 bei Diefenb.-Wülcker 677 Eyb m., mhd. eib m. Aus gr. lat. ibis, gr. ißic m. ich, Nom. Sg. des Pronomens der 1. Per- son. Mhd. ich, ahd. ih: dazu asächs., mndl. afries. ik, ags. ic, engl. I, anord. ek, schwed. Jag, dän. jeg, got. ix. Entsprechend gleichbed. lat. ego, gr. érν, erv, abg. jazn, aeu, altlit. es, lit. ds, apreuß. es. as, apers. adam, awest. 91³ cicht azom, aind. ahäm. Ahd. findet sich auch für nachdrückliches ich: ihha, ihcha, mhd. im 14.Jh. iche, noch in mdâ. Mundarten iche. Die übrigen Kasus von ich sind: Gen. mein(s. d.); Dat. mir, mhd. ahd. mir, got. mis; Akk. mich, mhd. mich, ahd. mih, got. mitf. Aus gleichem Stamme lauten in den urverwandten Sprachen diese drei Kasus: lat. mei, mihi, me, gr. uod, Hoi, ue, aind. mama, maljam, mäm. Substantivisch Ich, n.(§, Pl. wie Sg.), mhd. ein ich, min ander ich. Ichheit, f., im 15. Jh. icheit (Theologia deutsch Kap. 15 u. 16). cht, Ableitungssilbe. 1) an Substantiven, 2. B. Dickicht, durch Zutritt eines t aus-ich, md.-ech, mhd.-ach, ahd.-ahi hervorgegangen, welche die Bedeutung einer Menge, Fülle, Anhäufung haben. 2) an Adjektiven, wie bergicht, holpericht usw., neben bergig usw., mhd.-eht,-oht, ahd.-oht,-ohli. Ichthy-, in mehreren Fremdwörtern ist gr. ixòc m. Fisch», z. B. in Ichthyol m.(s): Fischöl, ein Arzneimittel. Ichthyosaurus, m.(Pl. saurier und-saurie): Fischeidechse. Bezeichnung einer ausgestorbenen Tierart. Neure Bildung. Bei Scheffel Gaudeamus. Ida, Frauenname. Ahd. Ita, Ida, Koseform zu Namen wie Idaberga, Idburg. ideäl, adj.: in der Idee bestehend, über- wirklich, vorbildlich. Im 18. Jh.(Wieland Idris 184) aus dem lat. Adj. ideãlis(5. Jh. n. Chr.)«in der Idee stehend», aus dessen substantiv. Neutr. ideale nhd. Ideül, n.(s, Pl. e): Traum-, Ur-, Vorbild, im 18. Jh. (Wieland Amadis 90) nach franz. idéal m. ideälisch, adj.: überwirklich, bei Lessing 5, 28, j. Goethe 3, 533. idealisieren, v., bei Herder 1, 342 W. Idealismus, m.: ideale Lebensauffassung. Bei Herder und be- sonders bei Kant. Idealist, m.(-en, Pl.-en), 1732 bei Gottsched. Idée, f.(Pl. Idéen): das gedachte, nur in der geistigen Anschauung befindliche Ding, Vernunftbegriff, Vorstellung; kleine Menge. Bei Thomasius Einl. 100 Idee und Idea, aus gleichbed. franz. idée f., gr. lat. idea f., Urbild, gr. ideo f.«Gestalt, Bild, Vor-, Urbild, Motiv einer Rede», von gr. ideiv«sehem. Davon ideéll: nur in der Idee vorhanden, gedacht. Bei Goethe 42, 2, 152. idéntisch, adj.: ebendasselbe, ein und dasselbe. Im 18. Jh.(bei Schiller Nachtr. 2, 301 B.) nach dem franz. Adj. identique, ital. identico. Identitäãt, f., 1728 bei Spe- rander, aus mlat. identitas f., von lat. idem ebendasselbe». identiflzieren, v.: für Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. Igel 914 gleich erachten; die Persönlichkeit feststellen. Im 19. Jh. Idiõm, n.(s, Pl.-e): die eigentümliche Mundart. Im 17. Jh.(bei Nehring 1694 Idioma) aus franz. idiome m., von gr. idiwua n. Eigen- tümlichkeit, Besonderheity, zu gr. idioc eigen, eigentümlich?. Idiõt, m.(9en, Pl. en): Nichtkenner, Pfuscher, Dummkopf. Im 16. Jh.(bei Alberus Barfuser Münche Nr. 343 Idiot, und einfeltiger Mensch, 1571 bei Rot) aus gleichbed. gr.-lat. idiota m., von gr. idicrhc m.«Privatmann im Gegensatze zum Staatsmann, in Staats- geschäften Unkundiger», überhaupt«Unwis- sendery, zu gr. idioc ceigen, eigentümlich, privat». Davon idiõtisch, adj. Idiotismus, m.(Pl. Idiotismen): mundartliches Wort, mundartl. Spracheigenheit, 1714 bei Wächtler, aus gr. Jat. idiotismus, gr. idiwricuôc m. adie dem Privat- oder gemeinen Mann eigentüm- liche Sprachweise, Spracheigenheit». Idiöti- kon, n.(s, Pl. Idiotixa und Idiotiken): Wörterbuch einer Mundart, Landschafts- wörterbuch, im 18. Jh., aus dem Neutr. des griech. Adj. idiurrixòc, adem Privat- oder ge- meinen Mann eigen»(s. Idot). Idöl, n.(s, Pl.-e): Abgott. Im 18. Jh. aus gr. Jat. idolum n.,«Schatten-, Trugbildy, dann Götzenbildy, gr. eidw«ov n. Gestalt, Bild, Trug-, Götzenbild». IdyII, n.(, Pl. e) und Idylle, f.(Pl.-n): lündliches Gedicht, Hirten-, Schäfergedicht; ländl. Stilleben. In der 1. Bed. bei Zachariäà 194 und Adelung 1775 Idylle f., aus gr. lat. idyllium, gr. eido“Nov n.«kleineres, zierlich darstellendes Gedicht, meist ländlichen In- haltsy, eig.«Bildchen?, Dim. von gr. eidoc n. Bildy. Davon idyllisch, adj., bei Goethe an Schiller 3, 48. ieren, Endung vieler aus dem Romani- schen und Lateinischen entlehnten Zeitwörter, aber auch deutschen Wortstämmen angehängt, z. B. halbieren, stolzieren usw. Erst mit der höfischen, aus romanischer Quelle schöpfen- den Poesie seit der 2. Hälfte des 12. Jh., mhd. ieren, md.-Iren, ndrhein. im 14. u. 15. Jh. Sren, aus afranz. fer, das urspr. den lat. Infinitiven auf iare oder igare entspricht. -ig, Ableitungssilbe an Adjektiven, ent- sprechend entweder 1) mhd.-ec, ahd. ac, got. ag, oder 2) mhd.-ec,-ic, ahd. c, 9, got. eig, im letztern Fall Umlaut bewirkend. Igel, m.(s, Pl. wie Sg.): das Stacheltier lat. erinaceus, eres. Mhd. igel, ahd. and. igil m.; 58 915 Ignorant dazu mnd. und ndl. egel, ags. igl, II, anord. igull m. Urverwandt mit gr. exivoc, abg. jez?, lit. exis m., arm. oani lgely. Bei Nicolai Phantasmen 11 unrichtig auch für Egel(s. Blutegel), nd. II. Ignoränt, m.(ren, Pl.-en): Unwissender, Dummkopf. 1571 bei Rot, 1582 bei Fischart Garg. 236, aus lat. ignõrans, dem Part. Präs. von ignõräre cnicht wissen. Ignorünz, f.: Unwissenheit, 1582 bei Fischart Garg. 240 Ignorantz, aus gleichbed. lat. ignorantia f. ignorieren, v.: absichtlich nicht kennen, nicht beachten, bei Schiller an Goethe 2, 304, aus gleichbed. lat. ignöräre. ihm, Dat. Sg. von er und es, mhd. im, imeé, ahd. asächs. ima, imo, dazu got. imma. ihn, Akk. Sg. von er, mhd. in, auch inen (noch im 16. Jh. jnen, bei Fischart jIne), ahd. inan, inen, in; dazu asächs. ing, got. ina. ihnen, Dat. Pl. von er, sie, es, mhd. in, inen (noch im 16. Jh. häufig jn), ahd. im, in, bei Notker erweitert inen; dazu asächs. im, got. im. 1ihr, Dat. Sg. von sie, mhd. ir, ahd. iro, iru, ira; dazu asächs. iru, got. izai. 2ihr, Nom. PDl. des Pronomens der 2. Person(da), mhd. ahd. ir, md. er; dazu asächs. gi, ge, afries. i, gi, ags. ge, anord. er, got. jus. sihr, Possessivpronomen, mhd. ir, Fem. iriu, Neutr. irz(auch substantivisch daz ire oder ir, der ir, die ire), hervorgegangen aus ihr, dem Gen., Sg. und Pl. der 3. Person(s. ihrer). „ihrer, Gen. Sg. von sie, erweitert aus ihr, noch älternhd. z. B. bei Luther Jr(Matth. 21, 3), mhd. ir, auch ire, ahd. ira, iro; dazu asächs. ira, got. iz⁰s. 2ihrer, Gen. Pl. von er, sie, es, ebenfalls aus ihr erweitert, noch bei Luther Ir(1. Mos. 3, 7), mhdâ. ir, ahd. asächs. ird; dazu got. izs, Fem. i20. Ein Nach- klang dieses Gen. Sg. und Pl. ihr ist die Ver- bindung ihre sein(in der Anrede Ihre sein) zur Bezeichnung der An-, Zugehörigkeit, bei sächsischen Schriftstellern des 18. Jh.(Gellert Fab. 2, 75, Lessing 1, 367), wie schon in der Bibel 1483 Matth. 5, 3 das reich der hymel ist ir. ihresgleichen, erstarrte Genitiv- form, im 18. Jh.(Lessing 1, 389), 1539 bei Alberus wider Witzeln G 5a ihr gleichen(s. gleich), ihrethalben, adv., mhd. von iret halben(Leyser Pred. 38, 28), von irenthalben (Livl. Reimchron. 6383), eig. Dat. Pl. mit un- orgunisch eingeschobenem f(s. Halbe, halben). ihretwegen, adv., im 14. Jh. von irn wegen (Städtechron. 1, 29, 9), bei H. Sachs von jrnt Hme 916 Jh. umb jren wwillen, dann umb jret willen, s. willen. ihrig, adj., 1575 bei Fischart Garg. 54 Jrig, substantivisch 1562 bei Mathe- sius Sar. 36 b das jrige und bei H. Sachs Fastn. 5, 126 das jrig. Ihro, Possessivum vor einem Titel, nach dero(s. d.) gebildet und gegen Ende des 17. Jh. aufgekommen (1682 bei Schnüffis Mirant. Flötlein Vorr. 3 b Jhro Hochfärstl. Gnaden), jetzt als altfrän- kisch angesehen. Vom 13. bis 17. Jh. lautete der Dat. Sg. des Fem. der 3. Person iro, ira, iru, noch 1650 bei Moscherosch Phil. 1, 447 Jhro, wie schon ahd. iru, iro; ebenso der Gen. Pl. der 3. Person ahd. und in aleman- nischen Urkunden des 14. Jh. iro, noch im 16. Jh. Jro jedem. Beides im 18. Jh. veraltet. ihrzen, v.: mit Ihr anreden, mhd. irzen (vgl. duzen). il- in Zusammensetzungen(von Fremd- wörtern) vor! ist aus in entstanden, lat. in- mit der Bedeutung un--, z. B. Illegäl cun- gesetzlich»(1728), illowal cnicht loyal» oder cein, hinein?. Ilk, m., niederdeutsche Nebenform von Iltis(s. d.). illuminieren, v.: erleuchten, bes. zum Schmuck, feierlich; mit Farben ausmalen. Mhd. illuminieren«leuchtend schmückeno, aus lat. luminäre«erleuchten, licht macheny. In der 2. Bed. 1562 bei Mathesius Sar. Vorr. a 5 b ein Buch illuminiren, mhd. 1350 luminierer m. «IIluminatorz. IHIluminatiön, f.: festliche Erleuchtung, 1714 bei Wächtler, aus lat. illãminãtio f.«Erleuchtungs. IIlusiön, f.(Pl. Sen): falsche Einbildung, Täuschung. 1710 bei Nehring. Aus lat. il- Usio f.«Verspottung, Ironie?, franz. illusion f. « Täuschung, falsche Einbildung». illustrieren, v.: erläutern, in helles Licht, setzen; ausschmücken, zieren(bes. Bücher durch in den Text eingeschaltete Holzschnitte usw.). In letzter Bed. 1714 bei Wächtler. Aus gleichbed. lat. illusträãre. IIlustratiön, f.: Erläuterung, namentlich durch Abbildungen, dann letztere selbst. 1710 bei Nehring Illa- stration Erleuchtung» aus gleichbed. lat. illustr ãtio f. Ilme, f.(Pl. /): Ulme. Schweizerisch, wetterauisch usw. Mhd. elme, ilmenef.(Sumerl. 50, 8) und elmboum m., spätmhd. il, ilme, ahd. elm; dazu ags. elm m., engl. elm, anord. alnr m., schwed. alm, dän. elm. Urverwandt mit lat. ulmas f., ir. lem«Ulmeè?(s. d.). Aus egen, s. wegen. ihretwillen, adv., im 16. dem Germ. stammt russ. ilemi m.«Olme». 917 Ilse immittelst 918 IIse, Frauenname. Ahd. Tlisa. Echtdeutsch. IItis, m.(Gen. Iltisses, Pl. IItisse): der Stänkerratz, Mustela putorius. Mhd. eltes, iltis m., spätmhd. auch iltisse, alteis, elteis, eltechs, spätahd. illi(n)tiso m. Die Formen der Mundarten zeigen, daß das Wort aus zwei Bestandteilen zusammenges. ist, deren zweiter eine Umdeutung auf nd. deisen, schwäb. deinsen, schweiz. täseln«schleichen), deißel f.«Wiesel»(bei Henisch, Stieler er- fahren hat: bayr. Elledeis, schweiz. Täs, Tãsen m. (im Bernbiet), tirol. IIkes, nass. Ilser, Elser, schles. IIster, obersächs.-böhm. IItnis(schon 1470 eltnys, 1604 bei Colerus Hausb. 3, 160 Tdnis, Iltitz), nd. IIk, Elk, Illink, mnd. ilkce, illelce, 1754 bei Döbel Jägerpract. 1, 42 Tlling, Ell-Katze, Elb-Thier; dazu schwed. iller, dän. lder. Dunkler Herkunft. Im zweiten Teil (Grundform illit()’so) vermutet man jetzt ein wiso, das zu Wiesel gehören würde. im, mhd. im, ime, inme, durch Angleichung des aus inme, ineme, verschmolzen aus in deme æin demꝰ. Imbiß, m., mundartlich auch n.(Gen. Imbisses, Pl. Imbisse): kleine Mahlzeit, bes. außer dem Mittage. Mhd. ahd. imbiz, inbiz m.n., spätmhd. auch immez, imbz, noch heute schweiz. im(m)is, meist zimis, hess. immes, elsäss. im- mes, ims, auch bei Goethe 8, 79 Nacht-Ims. Zu ahd. in-, imbéizan, mhd. enbigen«sich durch Speise u. Trank stärken, ein Mahl halten», 2gs. aus ahd. in- ein»(s. d. ²) und bizan«beißem. imitieren, v.: nachahmen, nachmachen. 1571 bei Rot, 1534 bei Franck Weltb. 235. Aus gleichbed. lat. imitäãri. Davon Imita- tiön, f., 1571 bei Rot. Imker, m.(*₰, Pl. wie Sg.): Bienenzüchter, bei Adelung 1775 Imker als niedersächsisch (1767 im Brem. Wb.), 1666 bei Comenius Sprachenthür§ 384 Tmmicher. Von Imme, f. (Pl. /): Bienenschwarm, Biene, Arbeitsbiene. Mhd. imbe, impe, imp, später imme m. Bienen- schwarm, stocks, erst spätmhd.«Bieney, ahd. impi, imbi m.«Bienenschwarmꝰ, als Kollektiv in der Verbindung impi piano,«examen apiumꝰ; dazu mnd. imme n.(selten m.)«Bienenschwarm, stock, Biene», ags. ymbe Bienenschwarm». Noch in den Mundarten wird unterschieden: schwäb. Immen m. Bienenkorb» und Imme f. Biene», schweiz. Imb m. Bienenschwarm? u. Immi n.«Bienes, elsäss. Imm(e) f. Bienes, Imme m. n. Bienenschwarm, stock», westfäl. Imen m. eBienenschwarm), Ime f.«Biene». Wegen der Bedeutung«Schwarm» ist Ver- wandtschaft mit gr. epric f.«Stechmücke» durchaus unwahrscheinlich. Das Wort gehört vielmehr zu ir. imbed, akymr. immet«Fülle, Menge'», lat. omnis cally. S. Walde s. v. immaßen, conj.: indem, weil, eig. in dem Maße daß. Nur noch im Kanzleistil. Im 14. Jh. inmaßen(Nürnb. Pol.-Ordn. 229), zusammen- gefügt aus der Präp. in und dem Dat. Pl. von Maße f.(s. d.), mhd. mãze«Art und Weise». Immatrikulatiön, f.(Pl.-en): Einschrei- bung in die Matrikel(Stammliste), nament- lich der Universitäten. 1728 bei Sperander. Vvon immatrikulieren, v., aus nlat. im- matriculãre, einer Ableitung von lat. mãtri- cula f.«Stammrolle⸗, dem lat. mãter f.-Mutters zugrunde liegt. 1703 im Zeit. Lex. Immediâtgesuch, n.: ein an den Landes- herrn selbst gerichtetes Gesuch. Zsg. mit immediat, adj.«unmittelbar». Von gleichbed. lat. immediãtus. 1703 im LZeit.-Lex. immer, adv.: in ununterbrochener LZeit- dauer. Mhd. iemer, imer, immer, ahd. iomér, iemér æzu irgendeiner, sowie zu jeder gegen- wärtigen oder zukünftigen Zeit», dazu and. iemar«immer», mnd. immer, ummer, jummner jemals(von beginnender und zukünftiger Taätigkeit), jedesfalls, gewißy. Zusammenge- rückt aus ahd. io(s. je) und mér(s. mehr). ZUS. immerdar, adv., bei Luther jmerdar 1494 bei Brant Narr. 61 gemerdar. immer- fort, adv., bei Luther jmer fort. Immer- grün, n.: die Pflanze Vinca minor, Singrün (s. d.), 1691 bei Stieler. immerhin, adv., bei Luther jmer hin. immermehr, adv., mhd.(durch nochmaliges mér verstärkt) immer more, iemer mér, lemer mô zu jeder gegen- würtigen oder zukünftigen Zeit». immer- während, adj., im 15. Jh. mmerwernd(Hätz- lerin LXVIIIa). immerzu, adv., 1510 bei Keisersberg Pred. 116 b gmerzu. Immi, n.(ss, Pl. wie Sg.): Hohlmaß für Getreide, Weine usw., schwäbisch ⅛ Scheffel und ½⁴ Eimer, schweizerisch zuletzt 1 ½ Liter (in der franz. Schweiz emine f.). Mhd. im 14. Jh. imin, ima n., aus gr. Jat. hemina f. als Hohl- maß cdie Hälfte eines sextarius(Nösels), gr. fuiva, hMva f.«die Hälfte des krebc- (des 6. Teils des Scheffels), woher auch franz. mine f. cehemaliges Trockenmaßy. immittelst, adv.: während der Zeit(Licht- wer Fab. 3, 4). Im 16. Jh. bei Schweinichen 1, 214, mit Antritt von t aus in mittels(16. und 17. Jh.), einer Verbindung des adverb. Gen. Sg. von Mittel(s. d.) mit in. 58* 919 Immobilien ⸗in 920 Immobilien, Pl.: unbewegliche Güter, Liegenschaften. 1703 im Zeit.-Lex., aus gleichbed. lat. inmöbilia bona. immorzälisch, adj.: unsittlich, sittenlos. 1797 bei Fr. Schlegel Griechen u. Römer 182, nach neulat. inmoralis. Davon Immorali- tät, f.: Unsittlichkeit, Sittenlosigkeit, bei Schiller Nachtr. 2, 217 Boas. Immortélle, f.(Pl.-n): Blume mit stroh- artigen unverwelkbaren Blumenblättern, Stroh- blume, Helichrysum. In der ersten Hälfte des 19. Jh. aus gleichbed. franz. immortelle f., von lat. immortälis unsterblich». immün, adj.: abgabenfrei; seuchenfrei. Aus lat. immänis«frei von Leistungen»(so noch 1813 bei Campe). Immunität, f. (Pl.-en): Abgabenfreiheit; Unansteckbarkeit: Unverletzlichkeit(der Abgeordneten). In der 1. Bed. 1703 im Zeit.-Lex., in den beiden andern erst im 19. Jh. Aus lat. Immnitds f. «Freiheit von Steuern, Lasten». Imperativ, m.(-s, Pl.-e): Befehlsform, befehlende Redeweise. Aus lat. modus impe- rãtãvus. Imperfekt, n.(*s, Pl.-e): die unvoll- endete Vergangenheit, Vorgegenwart. Aus lat.(tempus praeteritum) imper fectum. impersonal, adj.: unpersönlich, aus lat. impersõndlis. 1813 bei Campe. impertinént, adj.: ungeziemend, unbe- scheiden, unverschämt derb; als Adv. auch callzu?, z. B. mpertinent blond. 1710 bei Neb- ring« ungereimt, das nicht zur Sache gehöret». Aus franz. impertinent, mlat. impertinens, von lat. pertinére«gehören, Beziehung haben zu. Impertinénz, f., bei Lessing 7, 156, aus franz. inper tinence, mlat. impertinentia f., aber schon 1703 im Zeit.-Lex. Impertinentien un- gereimte Dinge, nugaey. impfen, v.: ein Pflanzreis zum Fort- wachsen in die Rinde einsetzen; dann(seit 1750) Krankheitsstoff in die Haut einsetzen. Mhd. impfen und ungekürzt impfeten, inpfeten, impeten, ahd. inphön und impitõn, inbitõn (noch bayr. inmpten); dazu ags. impian, engl. imp, ferner mnd. und nnd. poten«pfropfen, Pflänzlinge setzen», mnd. mnld. enten«Pfropf- reiser auf einen Zweig setzeny. Mit dem gleichbed. franz. enter aus lat. imputãre cein- schneiden, ins Kerbholz schneiden, in Rech- nung setzens, pastäre«Bäůume beschneidens, in der Lex salica(85, 10 Merkel) inpotus Pfropfreis». 4BL. Impfling, m.: Impf- reis, 1580 bei Sebiz Feldb. 52. Impfung, f.: Pfropfung, mhd. impfetunge, imptunge, spät- mhd. imtung, impfung, ahd. inbitunga f. (Diefenb. gl. 300°). Imponderabilien, pl.: unwägbare Dinge. Nach Arnold Zfd W. 3, 350 im 18. Jh. im Ge- lehrtenlatein entstanden, aus in«un»y und ponderabilis«wägbary. 1821 bei J. Paul Komet. Dann Schlagwort in den siebziger Jahren des 19. Jhs. Vgl. Ladendorf. imponieren, v.: sich geltend machen, Achtung einflößen. Bei Goethe an Schiller 3, 364, das Part. imponierend bei Lessing 7, 26. In der Bed.«auflegen? 1714 bei Wächtler, aus lat. imponére«aufsetzen, auflegen, wo- rüber als Befehlshaber setzen». imposänt, adj.: mächtigen Eindruck machend, bei Goethe 32, 116, aus franz. Imposant, Part. Präs. von imposer«Bewunderung einflößen». Impöst, m.(-es, Pl.-en): Auflage, Warensteuer. Im 17. Jh.(Nehring 1694), aus gleichbed. mlat. impostus m., älterfranz. impost(nfranz. impõt), von lat. impositus, Part. Perf. Pass. von impo- nere auflegen). imprägnieren, v.: einen Körper mit einer Flüssigkeit durchtränken. Aus lat. im- praegndre«schwängerny. Ende des 18. Jh. in der jetzigen Bedeutung. improvisieren, v.: aus dem Stegreif ent- werfen oder vortragen. 1801 bei Campe aus ital. inprovisare, franz. inproviser, von lat. improbisus ænicht vorausgesehen, unver- mutet». Davon Improvisatiön, f.(Pl.-en). Im 19. Jh. Impüls, m.(-es, Pl.-e): Anstoß, Antrieb. Bei Campe 1813, Goethe Nat. Schr. 4, 289. Aus lat. impalsus m., zu lat. impellére«woran stoßen, antreiben». Imse, f.: Ameise(s. d.). in, praep., zunächst vom Raume, dann auch von dem Zeitverhältnisse usw., mit Dat. auf die Frage wo?, mit Akk. auf die Frage wohin? Mhd. und ahd. in, auch abgeschwächt en; dazu asächs.-afries.-mndl.-ags.-engl.-got. in, anord. 7, schwed.-dän. i. Urverwandt mit lat. in, gr. ev, evi, altir. in, lit. i, apreuß. en, arm. ꝛ, alb. in. Von der Präp. in, die im Spütmhd. und Alternhd. mitunter ein lautet(Städtechr. 3, 329, 14, H. Sachs 2, 59), geht das Adv. in (in den Zusammensetzungen darin, hierin, Inbiß, Inbrunst, Inhalt usw.) aus, s. ein 2. -in,(Pl. innen): Silbe zur Bildung weib- licher Namen aus männlichen, z. B. Königin, Wirtin, Wölfin usw.). Mhd.-in. in und inne, ahd.-in und-inna, ags.-en. Inbegriff Inbegriff, m.(-s, Pl.-e): die Gesamt- neit aller in einem Umkreis eingeschlossenen Dinge, sowie der unter einen Begriff gehörigen Einzelheiten. 1721 bei Günther 444 Inbegriff, 1734 bei Steinbach Innbegrieff. Inbrunst, f.(chne Pl.): inniges, heißes Gefühl. Im 15. Jh. inbrunst f., 1512 bei Keisers- berg Bilgersch. 7 b gnbrunst m., zunächst cin- nere körperliche Gluts, dann«brennendes(hef- tiges) Verlangen». Davon inbrünstig, adj., spätmhd. inbrünstec. Inbürger, m.: Bürger am Wohnort, Gegen- satz von Ausbürger(s. d.). 1741 bei Frisch. indem, 1) adv.: während dieser Zeit; da auf einmal(Thümmel Reise 9, 285). In der 1. Bed. 1535 im Aimon D 1 indem, bis ins 17. Jahrh. unverbunden in dem geschrieben. 2) konj.: zu der Zeit daß; aus dem Grunde daß. Temporal bei Luther Matth. 13, 4 in dem, dafür 1512 bei Keisersberg Bilgersch. 5c in dem s0; kausal, bei Keisersberg Bilg. 6 b in dem, 62 in dem so. Am frühesten im 15. Jh. in dem, daß in dem Punkte oder Umstande, daß»(Nürnb. Pol.-Ordn. 84). Dafür ahd. indiu «in dem, darin daß, während»(diu der In- strumentalis des Demonstrativpronomens), im 12. Jh. erloschen. Indemnität, f.: nachträgliche Genehmi- gung, Lossprechung von der Verantwortlich- keit. Im 19. Jh. aus engl. indemmityf, das über franz. indemnité dem lat. indemnitas f.«Schad- loshaltung» entstammt. 1866 Schlagwort. Vgl. Ladendorf. indes, indessen, adv. und dann konj.: in(während) der Zeit; jedoch(18. Jh.). Mhd. in der 1. Bed. das Adv. indes, unverkürzt innen des, inne des, ahd. innan des, innin des, inni des(s. innen). Als temporale Kon- junktion 1575 bei Fischart Garg. 413 inn des. Die verlängerte Form indessen seit dem 17.Jh. (1678 bei Krämer), s. dessen. Index, m.(-els, Pl. Indexe u. Indices): Anzeiger, Register, Verzeichnis insbes. der verbotenen Bücher. Im 18. Jh. aus gleichbed. lat. indeæ m. Indian, m.(-s und-en, Pl.-en): Trut- hahn. Bei Blumauer Aen. 1, 141, dafür 1664 bei Duez Indianischer Hann. Indianer, m. (N, Pl. wie Sg.), nach einem neulat. Adj. Indiãnus, eig. die Bewohner Indiens bezeich- nend, 1700 bei Gleditsch. Indien nannte man aber auch Amerika, so noch heute West- indien, weil Columbus die Ostküste Indiens entdeckt zu haben glaubte. Erst im 19. Jh. indogermanisch 922 ist die Unterscheidung zwischen Indidner für die einheimische Bevölkerung Amerikas und Indier für die Ostindiens durchgedrungen. Ebenso steht es mit indianisch und indisch. indifférent, adj.: einerlei, gleichgültig; unteilnehmend. 1703 im Zeit.-Lex., aus lat. indifferens(Gen. indifferentis), franz. indiffé- rent. Vgl. Differenz. Indigo, m.(-s, Pl.-s), früher auch Indlig, m.(-s, Pl.-e): das indische Blau. Mhd. in- dich m. und endit f., im 16. und 17. Jh. auch Endich, Endig(Simpliciss. 57), 1678 bei Krämer Indig, 1712 bei Hübner Indigo. Uber franz. indigo aus span. indigo m., von lat. indicum «das indischen, weil urspr. aus Ostindien kommend. Indikativ, m.(-‧I, Pl.-e): die bestimmte Redeweise, eig. wie 1663 bei Schottel 558 die Anzeigeiweise. Aus lat. modus indicativus, von indlicãre«anzeigen, aussagen. indirekt, adj.: nicht geradezu, mittelbar. 1716 bei Ludwig. Aus gleichbed. lat. indir ectuss. S. dir elt. indiskret, adj.: nicht verschwiegen. Aus gleichbed. franz. indiscret, und dies aus lat. indiscrétus cununterschieden», zgs. aus in uny und discrétus, s. diskret. Individuum, n.(-s, Pl. Individuen): Einzelwesen. Bei Thomasius Einl. 83 und 1712 pei Hübner. Das substantiv. Neutr. des lat. Adj. indzviduus«unteilbar, ungeteilty. Dazu individuéll, adj.: dem Einzelwesen eigen- tümlich, bei Lessing 5, 384, nach franz. in- dividuel, bei Schiller und Herder individual. Individualität, f.: die dem Einzelwesen an- geborne Besonderheit, bei Goethe Briefe 2, 105. indogermanisch, adj., gemeinsame Be- zeichnung folgender miteinander verwandter Sprachen: des Indoiranischen, des Armeni- schen, Griechischen, Albanesischen, der itali- schen u. romanischen, keltischen, germanischen u. baltisch-slawischen Sprachen,(zu denen sich noch die Sprachreste der alten Skythen, Phry- ger, Thraker, Mazedonier, Veneter und Mes- sapier gesellen), so genannt, weil eine ger- manische Sprache(das Isländische) und die Sprachen Indiens die beiden äußersten Grenz- punkte des verwandten Sprachgebiets bilden. Zuerst 1823 in Klaproths Asia polyglotta nach- weisbar, dafür bei den englischen und fran- zösischen Gelehrten indoeur'opäisch, in volks- tümlichen Schriften arisch, obwohl letzteres nur als die gemeinsame Bezeichnung der mit- einander enger verwandten indischen und ira- 923 Indossament nischen Sprachzweige berechtigt(aind. ãrja-, awest. ai⁵a-«Ariery) und ihre Zusammen- stellung mit dem alten Namen Irlands Erin, Erenn unwahrscheinlich ist. Vgl. G. Meyer Idg. Forsch. 2, 125. Indossamént, Indossemént, n.(-Iels, Pl.-e): Ubertragung eines Wechsels durch einen Begebungs-, Obertragungsvermerk. 1791 bei Roth. indossieren, v.: einen Wechsel (durch eine Erklärung auf dessen Rückseite, ital. in dosso cauf dem Rücken» an einen andern übertragen. 1710 bei Nehring. Indült, m.(-s, Pl.-e): Nachsicht; Zah- lungsfrist(1714 bei Wächtler). In der 1. Bed. 1446 bei Janssen Frankf. Reichscorr. 2, 93 indult f. Aus spätlat. indultus m. Verwil- ligungy, von indulgére«Nachsicht haben». Industrie, f.(Pl.-n): Betriebsamkeit; Gewerbfleiß, das Gewerbe. 1766 bei Lessing Laokoon 36 in der 1. Bed., bei Campe Be- reicherung in der Bed.«Kunstfleißy, 1778 bei Hermes Soph. 4, 306 Kunst und Indüstrie. Aus franz. indastrie, von lat. industria f. «Betriebsamkeit. 4BL. industriéll, adj. und subst. der Industrielle, Industria- lismus, f., von Saint-Simon gebildet und um 1830 in Deutschland auftauchend. Vgl. Ladendorf. infäm, adj.: anrüchig, verrufen, schänd- lich. 1691 bei Stieler, aus gleichbed. lat. infãämis. Infamie, f.: Ehrverletzung, Ehr- losigkeit, Niederträchtigkeit, 1571 bei Rot Iufami, aus lat. infäãmia, franz. infamie f. Infänt, m.(en, Pl.-en): königlicher Prinz von Spanien. Bei Fischart Garg. 168 Infant, Ende des 15. Jh. bei Ehingen 25 iffant, aus gleichbed. span. infante m., von lat. infans ckleines Kind». Davon Infäntin, f.: könig- liche Prinzessin von Spanien, 1595 im Amadis 24, 344 f., span. infanta f. Infanterie, f.(Pl.-n): Fußvolk. 1616 bei Wallhausen Kriegsmanual 139 Infanteria neben Enfanterie, bei Henisch Fanterie, 1617 im t. Michel 13 Infanteresy. Über gleichbed. franz. infanterie, ital. infanteria und fanteria aus span. infanteria f., von span. infantes Pl. «Edelknaben, Soldaten zu Fußo, ital. infante m. Kind, fante m.«Knabe, Knecht, Fußknecht, Fufssoldaty, lat. Infans«kleines Kind». Davon Infanterist, m.(-en, Pl.-en): Soldat zu Fuß, Fußgünger, 1801 bei Campe. Infektiön, f.(Pl.-en): Ansteckung. Aus gleichbed. franz. infection f., das dem lat. infectio«Fürben» entstammt(Ableitung von Ingesinde in-ſicere, eig.«hineintunꝰ, s. infizieren). Im 18. Jh. Infel, Inful, f.(Pl.-n): Bischofshut. Mhd. infele, infel, imfel f.«Hut eines Bischofs oder Abts», aus lat. infula f., eig.«Stirnbinde und Kopfschmuck der Priester, der Opfertiere und der zu den Göttern flehenden Menschenꝰ. infulieren, v.: mit dem Bischofshut schmük- ken, zum Bischof machen, mlat. infilare, md. im 13. Jh. infeln. Inmfinitiv, m.(-s, Pl.-e): unbestimmte Redeweise, Nennform. Aus lat. modas in- Finãtzwus, von infindtus«unbestimmt. infizieren, v.: anstecken. Aus lat. inficere cvergiften, anstecken, beflecken», von in hin- ein» und facere«tuny». 1703 im Zeit.-Lex. Influénza, f.: eine ansteckende Krankheit, die Grippe(s. d.). Aus ital. influenza f. «Seuchey. 1791 bei Roth. Informätor, m.(-s, Pl.-en): Hauslehrer, Hofmeister(Gellert Lehrged. 79), 1571 bei Rot Lehrmeyster», aus lat. informätor m. «Bildner». informieren, v.: unterrichten, in Kenntnis setzen. Ende des 15. Jh. bei Lilien- cron 2, 195 b informiren, spätmhd. informeren (Germ. 28, 370), aus lat. informäre«gestalten, bilden, durch Unterricht bilden». Infusõrien, pl.: Aufgußtierchen, eine Art kleinster Lebewesen. Nach 1670 von Leeuwen- hoek entdeckt. Der Name daher, daß man sie in oft erstaunlicher Zahl auftreten sah, wenn tierische oder pflanzliche Reste mit Wasser übergossen und an einen warmen Ort gestellt wurden. Im 18. Jh. Infusions- tierchen. Von lat. in-«hinein, auf» und fundere«gießenv. ng, Ableitungssilbe an Substantiven zur Bezeichnung der Zugehörigkeit, Abstammung, Mhd. und ahd.-inc; dazu asächs. ndl.-ags.-engl. -ing, anord.-ingr. Die Ortsnamen auf-ingen (schwäb.) und-ing(bayr.) sind urspr. Dat. Pl., ahd.-ingun,-ingon. Ingenieur(spr. inzeniöôr), m.(-s, Pl.-e): Kriegsbaumeister; Maschinenkundiger. In der 1. Bed. 1617 bei Wallhausen Corp. mil. 209 Ingenieur, 1616 im Kriegsmanual 143 und 1617 im t. Michel 23 Ingenier, 1644 bei Duez 126 Ingenierer. Aus gleichbed. franz. ingénieur m., von lat. ingenium n.«Scharfsinn, Erfin- dungsgeist, Schöpferkrafty, woher franz. engin m. Maschine(s. Genie). Ingesinde, n.(-vs): die zum Hause ge- hörige Dienerschaft. Mhd. ingesincde n.(s. in und Gesinde). 925 ingleichen ingleichen, adv.: in gleicher Weise. Her- vorgegangen aus in gleichem(16. Jh.), bei Opitz 1, 217 ingleichen u. ingleichem(Poetereyl0). Ingrimm, m.(-e, ohne Pl.): innerer, ver- bissener Grimm. Bei Wieland Amadis 18, 15 aus der Volkssprache des mittlern und nörd- lichen Deutschlands(s. in und Grimm). Da- von ingrimmig, adj., bei Campe Bereich. (aus Alxinger), dafür 1741 bei Frisch, 1663 bei Schupp 140 ingrimmisch. Ingrün, n.(-s, Pl.-e): das Wintergrün, Vinca minor, usw. 1482 im Voec. theut. p 6² ingrun; dazu mndl. ingroen n. Eppich». Von dem mhd. Adj. ingrüene«sehr grün», worin in verstärkend steht. S. Immergrün. Ingwer, m.(-, Pl. wie Sg.): magen- stärkende Wurzel der ostindischen Pflanze amomum zingiber. Mhd. ingewer, ingtoer, ingeber, ingber m. und gingebere, ahd. inguͦber, gingebero, gingebere m.(vgl. Zfd W. 6, 182); dazu ndl. gember f., engl. ginger. Wie franz. gingembre, ital. zenzovero, zenzero, gengiovo m. «Ingwer» aus gleichbed. gr.-lat. zingiberi und zingiber n., gr. Erryrißepic f., von pers. und arab. zendjebil, prakrit. singabéra, aus aind. groga-vẽéra, eig. chorngestaltet, von aind. grogam n.«Horn», véra- m. n. Leibs. Inhaber, m.(*, Pl. wie Sg.): im Besitz Habender. Mhd. inhaber m. Von inhaben, v.: unter seiner Gewalt haben, 1436 inhän (Weist. 5, 194). Zgs. mit dem Adv. in(s. d.). Vgl. innehaben. inhaftieren, v.: in Haft nehmen. 1775 bei Adelung aus der Gerichtssprache. Mit fremder Endung zu«in Haft», s.-ieren. Inhalt, m.(-“s, Pl.-e): was worin ent- halten ist. Zuerst 1440 in einer ungedruckten Riedeselschen Verkaufsurkunde innehalt m., 1432 innhalt(Germ. 28, 370), bei Luther u. Dasypodius Inhalt, dafür mhd. entheltnisse f. eInhalt⸗(Myst. 1, 26, 25). Der Gen. inhalts als Präp. mit Gen. inhumän, adj.: gefühllos, hart, unmilde. 1714 bei Wächtler. Aus lat. inhamänus cun- menschlich, unhöflichy. Initiäle, f.(Pl.-/): Anfangsbuchstabe. Bei Ludwig 1716 der Pl. Initial-Buchstaben. Aus lat. initidlis«anfänglichs von initium n. «Anfangy. Initiative, f.: das Recht oder Fähigkeit, aus eignem Antrieb zu handeln. Von lat. initium n.«Anfang», Ende des 18. Jh. auf- gekommen. RA. die I. ergreifen: den An- fang womit machen. Vgl. Ladendorf. inmitten 926 Injürie, f.(Pl.-n): Rechtskränkung, Ehrenverletzung. 1515 bei Pleningen Sallust P 42, aus lat. injäria f.«widerrechtliche Handlung, Unrecht, Unbill». inklinieren, v.: wohin neigen, 1571 bei Rot, aus gleichbed. lat. inclindre. inklusive, adv.: einschließlich. Aus gleich- bed. neulat. inclusive. 1703 im LZeit.-Lex. inkögnito: unerkannt, unter fremdem Namen, 1696 im Schelmuffsky ² 38, 1703 im Zeit.-Lex., aus ital. incognito, von lat. incog- nitus unbekannt, unerkannts, im Ablativ incognito«ohne Wissen, ohne Kenntnis». inkommodieren, v.: unbequem, lästig sein. 1703 im Zeit.-Lex., aus gleichbed. lat. incommodũre. inkorporieren, v.: einverleiben. Mhd. im 14. Jh. incorporiren(1354 Mon. Boica 42, 111), aus lat. incorporäãre«in den Leib ätzen), von lat. corpas n. Leiby. Inkundbel, f.(Pl.-n): Erstlingsdruck, Wiegendruck. Von lat. in-cünäãbula Pl. n. Windeln, Wiege». Benennung der Drucke bis etwa zum Jahre 1500, weil die Buch- druckerkunst damals noch in den Windeln lag. 1791 bei Roth. Inlage, f.(Pl.-n): Einlage. Stieler. S. inliegend. Inland, n.(*s, ohne Pl.): Gegensatz von Ausland(s. d.). Dafür mhd. inlende n. Vaterland, Heimat, Herberge, Quartier». Bei Stieler 1691 und Zesen Dögens Baukunst 1648 Inland lnsels. Dazu Inländer, m., spätmhd. inlender m.; inländisch, adj., 1512 in Reichsordn. 75 2 innländisch, 1436 in Weist. 5, 194 inlentz. Daneben auch einländisch. Inlaut, m.(-, Pl.-e): Vokat oder Kon- sonant im Innern eines Wortes. Ein von Jak. Grimm(Gramm. 1,² 12) eingeführter grammatischer Kunstausdruck. Inlett, n.(-S, Pl.-e und-s): der innre Bettüberzug, in den die Federn getan werden. 1589 bei Roth Hausmütter Abe H1 Innled, aus nd. Inlet, Inlede, Inlitt(Hermes Soph. 5, 415), im Göttingischen Inlät, entsprechend pfulzischem Inläãß; obersächs. Inelt, daraus oberd. und md. Indelt(1775 bei Adelung). Zgs. aus in und lassen. inliegend, Part.: als Beischluß innen liegend. 1691 bei Stieler. Vgl. in. inmittelst, s. immittelst. inmitten, adv. und präp. mit Gen. Mhd. in mitten, dann enmitten, frühmd. in mittin «in der Mitte», auch«mittlerweiley, gekürzt 1691 bei 927 inne insgeheim aus mhd. enmitemen, ahd. in mittamen, in inquirieren, v.: nachforschen, gerichtlich mittemen æin der Mittes, dem Dat. Sg. von untersuchen. 1529 in Reichsordn. 147 b, von mittamo m.«Mittey, entsprechend got. in lat. ingurrere«untersuchen. Inquisitin, f.: micdumai(von miduma f. Mittes), schon(gerichtliche) Untersuchung; Glaubensunter- ahd. in mittinen mit Gen. inne, adv. in mitten inne. Mhd. inne und ahd. inna, inni, inne«inwendig», auch als Präp. mit Dat., dazu got. inna«im Innerny. Fortbildung von in(s. d.). innehaben, v., 1491 in Weist. 1, 396 innhaben. innehalten, v., Reichsabschied 1524§ 28 innhalten. inne werden, v., mhd. inne werden mit Gen. oder abhängigem Satze(mit daz). innen, adv.: Gegensatz von außen. Mhd. innen, ahd. innana, innan, innin, als Präp. verwendet im Mhd. mit Gen. oder Dat., im Ahd. mit Gen., Dat., Instrumentalis oder Akk., in der Bed.«inwendig, innerhalb, binnen»; got. innana nur Präp. mit Gen. Von in(s. d.) mit der Endung-and. inner, präp. mit Dat.: innerhalb. Sehrift- deutsch nicht mehr geläufig. Mhd. inner, inre Adv.«innen», auch als Präp. mit Gen. oder Dat.«innerhalby». Aus dem Adj. innere (Superl. innerst), mhd. inner«innerlich, in- wendig, vertraut», ahd. innaro(Komp. inna- rõro, innerero, Superl. innerõst). Der Super- lativ innerst adverbial bei Goethe 8, 280 u. 39, 211. Weiterbildung von inme(s. d.), wozu auch der ahd. Komp. innör als Ubersetzung des lat. interior. 4BL. innerhalb, adv. und präp. mit Gen.(und Dat.): vor, an, auf der innern Seite, mhd. innerhalp, inrehalp, inner- halben,(mit zwischengeschobnem t) innert- halben, frühmhd. innerhalbe. Ebenso gebildet wie außerhalb(s. d.). innerlich, adj. Gegen- satz von dußerlich, mhd. innerlich, Adv. inner- liche und innercliche, inrechliche tief im Innern, herzlichy. Dafür ahd. inlih cinner- lich», Adv. inlihho, innelicho«inniglich». innig, adj.: aus innerster Seele kommend, in ihr geschehend. Mhd. innec, innic, abge- leitet von in. Davon Innigkeit, f., mhd. (md.) innecheit, innicheit, innekeit, innikeit f. inniglich, adj., mhd. innec-, inniglich, ahd. inniglih, im Adv. mhd. innecliche, ahd. innig- licho. Innung, f.(Pl.-en): Körperschaft von Handwerkern gleichen Berufs. Md. im 13. Jh. innunge f.«Aufnahme, Verbindung», dann (1276)«Verbindung zu einer Körperschaft, Zunft»(s. d.). Von ahd. innon cin sich, in eine Vereinigung aufnehmen, womit verbin- deny, zu inne(s. d.). suchung, Ketzergericht. In der 1. Bed. 1529 in Reichsordn. 147 b, in der 2. Bed. 1559 bei Sleidanus Auszug(verdeutscht durch V. Mertz) 263 und 1581 bei Fischart Bienk. 3 b. 5 b. ins, 2sgez. aus in das, mhd. inz. Im 16. Jh. ins für in des(1550 bei Alberus Fab. 48, 277 ins Kürßners haußß), mhd. ins. Insasse, m.(-n, Pl.-n): Sefhafter, Be- wohner. Mhd. in-, inscze m.«eingesessener Einwohner, Mieteinwohner». Von in und-Sœæae zu sitzen. Vgl. Inste. insbesondere, adv., zsgez. aus in das besondre, eine Einschränkung des Allgemeinen hervorhebend. Erst im 18. Jh.(bei Lessing 12, 19 von 1751), entsprechend dem franz. en pParticulier. Inschlitt, n.(Lessing 5, 326), s. Unschlitt. Inschrift, f.(Pl.-en): woran Einge- schriebnes. Md. 1343 inscrift f., später er- loschen und in der Mitte des 18. Jh. wieder erneuert. Bei Lessing 6, 532, im Laokoon 1766 S. 111 Innschrift(in Tempeln), aus Winckelmann. Insékt, n.(-es, Pl.-en): das Kerbtier. 1720 bei Frisch Beschreibung von allerley Insecten, darin öfter der Gen. Pl. Insecten, aber 1741 Pl. Insecte, 1546 bei Bock 2, 19»b Insecta. Aus lat. insectum n.(der Pl. insecta «Kerbtiere» bei Plinius hist. nat.), das sub- stantiv. Neutr. des Part. Perf. Pass. von insecãre«einschneiden». Insel, f.(Pl.-n): wasserumflossnes Land. Bei Luther Iusul, mhd. insele, insel neben insule, insal, frühmhd. isele, ahd. Isila f. Aus gleichbed. lat. insula f., woher ital. 1sola, afranz. isle, nfranz. IIe f. Vgl. Aue, Eiland, Werder. Inserät, n.(-s, Pl.-e): juristisch, Ein- lage, Beilage, Nachschrift 1691 bei Stieler; in öffentliche Blätter eingerückte Anzeige (1801 bei Campe). Aus lat. inserat, 3 Pers. Konj.«er möge einfügen». Vgl. Referat. inserieren, v.: einfügen, einrücken, 1714 bei Wächtler, aus lat. inserére chineinfügen». insgeheim, adv.: heimlich. Bei Günther 822, neben in gehein 1663 bei Schuppius 24. Zsg. mit dem Neutr. des Adj. geheim, das bei Luther Röm. 16, 25 subst. in der Bed. cGeheimnis» steht. Entsprechend dem franz. en secret. insgemein, adv.: ohne Aus- nahme und Unterschied. 1626 bei Zinkgref 929 Insiegel Inster 930 Apophth. 1, 1 ins gemein, bei Luther 2. Makk. 9, 26 und H. Sachs in gemein, doch schon vor 1417 md. in daz gemeine, im 14. Jh. in die gemaine(j. Titurel 5233, 1), dazu 1477 elevisch intgemeyne und intgemeyn, schwed. i gemen, entsprechend dem franz. en général. insgesamt, adv.: alle oder alles in eins begriffen. 1644 bei Harsdörffer Gespr. 1, 2 ins gesamt, neben ingesammt(Scultetus bei LessingS, 282), entsprechend dem franz. en tout. Insiegel, n.(-s, Pl. wie Sg.): Siegel, insbes. das Siegelbild des Petschafts(wobei in das Eingegrabensein und Eindrücken her- vorhebt). Veraltet und nur noch im Kanalei- stil. Mhd. insigele, insigel n.(auch Petschaft, Stempel, Wappen), ahd. insigili n.(auch Münze und halbmondförmiger metallener Schmuck); dazu mndl. inseghel, afries. insigil, ags. insegel, insigle, anord. innsigli n.(auch Siegelring). insinuieren, v.: heimlich einflüstern(1703 im Zeit. Lex.); gerichtlich zustellen oder ein- händigen(1509 bei Brant Layensp. v 6b); refl. sich einschmeicheln, beliebt machen(1684 bei Schuppius 1369,«sich zumachen und fein applicirn» 1571 bei Rot). Aus lat. insinudre ain den Busen stecken, tief in etwas ein- dringen lassens,(bildlich)«in Gunst setzen, beliebt machen⸗, von lat. sinus Busenꝰ. inskribieren, v.: einschreiben, eintragen, 1571 bei Rot, von gleichbed. lat. inscribére. inskünftige, adv.: künftighin. Md. im 13. Jh. in daz kumftige(Passional 437, 56 K.). Gebildet wie insbesondere. insofern, adv.: in dér Hinsicht(bei Gellert); dann konj.: in dér Hinsicht daß, unter der Einschränkung daß. Im 18. Jh. (bei Lessing 2, 384 in so fern), für ältres sofern(s. d.), gebildet mit dem Akk. Sg. des Neutr. von fern. insolvént, adj.: zahlungsunfähig. Insol- vénz, f.: Zahlungsunfähigkeit, aus mlat. insol- ventia, von lat. solvere«lösen, bezahlen». Beide 1791 bei Roth. insonderheit, adv.: für sich abgeschlos- sen; vor andern hervorgehoben. Bei Luther Mark. 4, 34 in sonderheit, 1508 in sunderheit, 1556 bei Frisius 432 b insunderheit und 1201‧b in Sunderheit, 1482 bei Melber Bb 4 in einer sunderheit, 2gs. mit Sonderheit, mhd. sunderheit f. insonders, adv.: besonders, vorzugsweise, insonderheit, nur noch in her- gebrachtem steifem Brief- oder Kanaleistil. 1561 bei Maaler insunders, dafür ahd.(um weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. 1000) in sunder, insunder, mhd. insunder, gebildet mit dem Akk. Sg. des Adj. sunder cabgesondert». insoweit, adv. und konj.: in dér Aus- dehnung. Bei Stieler 1691, gebildet wie in- sofern, bei Schiller an Goethe 1, 2 in so eweit. Inspektiön, f.(Pl.-n): Besichtigung; Ob-, Aufsicht. 1562 bei Mathesius Sar. 195 b Inspection, aus lat. inspectio f. Inspektor, m.(-es, Pl.-en): Aufseher; höhrer Aufsichts- beamter. 1582 bei Fischart Garg. 208, aus lat. inspector m. inspizieren, v.: besich- tigen, in Augenschein nehmen, beaufsichtigen, aus gleichbed. lat. inspicére. installieren, v.: in eine Stelle, in ein Amt einsetzen, bestallen. 1562 bei Mathesius Sar. 175², aus gleichbed. mlat. installare, zu mlat. stallas m. Chorstuhl⸗, von ahd. stal m. (Gen. stalles)«Stelle?. inständig, adj.: fest anhaltend in etwas, peharrlich. Um 1500 bei Diefenbach gl. 301° das Adj. nstendig, ahd. das Adv. instendigo. Zu älternhd. Instand m.«dauernder Bestand» (Franck Sprichw. 1, 93²), got. instandan«stehn bleiben, beharrén. Instänz, f.(Pl.-en): das inständige An- suchen einer Sache; Gerichtsbehörde, Ge- richtsstand(1495 in Reichsordn. 17 5b die erste Instantz); einem Satz entgegenstehendes Bei- spiel, Gegenfall, beweis, Einwurf(1571 bei Rot Instantz«Hindrung und widerdrieß). Aus lat. instantia f. anhaltender Fleiß, in- ständiges Bitten», von instans, dem Part. Präs. von instäre auf etwas stehen, es emsig betreiben, mit Bitten drängenv, und schon mhd.(md.) in der Glosse zum Weichbild- recht entlehnt instancie f.(Germania 20, 44). Inste, m.(-n, Pl.-n): ein Häusler auf dem Lande, der zur Miete wohnt. Niederd., in Schleswig Inste(Adelung 1775), pomm. und märk. Instmann(bei Frisch 1741). Ge- kürzt aus nd. inséte, das dem mhd. inscze «Insasse»(s. d.) entspricht. Inster, n.(-s, Pl. wie Sg.): das eßbare Eingeweide eines geschlachteten Tieres. Ost- md. und niederd., 1544 in Leipziger Stadt- ordn. G 1a, mnd. inster n., Nebenform nster n. bei Duez 1664 und Rädlein 1711; dazu Unster n. der Magen(Wanst) der Wieder- käuer»(1598 bei Hutter diction. harmon. 594), anord. istr n.«Fett», istra f.«Fetthülle der Eingeweides, schwed.-dün. ister«Flomenꝰ. Dazu apreuß. instran«Schmer,»(entlehnt?). Wohl stammverwandt mit lat. intestina, aind. 59 931 Instinkt interessant 93² antastjam n., lit. 1S εν f. Pl.«Eingeweides., denen ein Wort wie lat. intus, gr. evröc «innen» zugrunde liegt. Instinkt, m.(-es, Pl.-e): Naturtrieb. Bei Wieland 11, 14 und Suppl. 2, 92, 1703 im Zeit.-Lex. Instinctu. Aus lat. instinctus m. «Antrieb», zu instinguèere«anreizen, antreibenꝰ. Institüt, n.(-s, Pl.-e): Anstalt, Stiftung (Lessing 10, 259). 1571 bei Rot Institut, Fürnemen, Weiß, form und regel», 1494 bei Brant Narr. 76, 67 institut«Justinians Institutionen», aus lat. institstum n.«Einrich- tungs, von instituere«hinstellen, einrichten?. instruieren, v.: einrichten, mit Verhal- tungsbefehlen versehen; unterrichten, belehren. In diesen Bed. 1571 bei Rot instruirn, aus lat. instruére. Instruktiön, f.(Pl.-en): Belehrung, Anweisung; Vollmacht, Vorbe- reitung einer Rechtssache zum Richterspruch. In der 1. Bed. 1497 bei Janssen Frankf. Reichskorr. 2, 625 und bei Luther 2, 1812 Instruction, aus lat. instructio f. Instrumént, n.(-s, Pl.-e): Werkmzeug; Tonwerk; Urkunde. Aus lat. instrümentum n. „Werkzeug, Gerüt, Hilfsmittél(von lat. in- struere«aufschichten, einrichten»), entlehnt schon 1383 mrhein. instrument n.«Urkunde, Beweisschrift(Weist. 1, 544), in der Bed. «Werkzeug» 1561 bei Maaler,«sprachwerk- zeug» um 1522 bei Ickelsamer 13,«Tonwerk- zeug) 1575 bei Fischart Garg. 453. Instru- mentälis, m.: Fall(Kasus) auf die Frage wodurch? womit?(vgl. desto, indem, 206). Insubordinatiön, f.: Ungehorsam gegen den Vorgesetzten(bes. den militärischen). 1813 bei Campe aus gleichbed. franz. insubordina- tion f., gebildet aus in«uny, sub«unter» und lat. ordo«Ordnung. Insuläner, m.(-s, Pl. wie Sg.): Insel- bewohner. 1801 bei Campe. Aus gleichbed. lat. insulänmus m., von insula f.«Insel. Insült, m.(-s, Pl.-e): beleidigender Anfall, Beleidigung. Bei Goethe 6, 212, aus mlat. insultus m.«Anfalls. insultieren, v.: übermütig beleidigend anfallen. Bei Schiller 8, 146, 17, aus lat. insultäãre«an etwas springen', dann can jem. seinen Mutwillen üben», zu lat. insilire«auf etwas springen, es anfalleny. Insurgént, m.(-en, Pl.-en): Aufstän- discher, Aufrührer. 1791 bei Roth, anders 1775 bei Adelung in der Bed.«ungarischer Miliz-, Landwehrsoldat, durch Aufgebot ein- berufen», aber schon 1710 bei Nehring in- surgieren cerheben, empören». Aus lat. in- surgens, Part. Präs. von insurgere«sich er- heben, aufstehen», dann«sich empören». intelligént, adj.: einsichtsvoll. 1801 bei Campe, aus lat. intelligens, Part. Präs. von intelligére«inne werden, einsehen». Intelli- génz, f.(Pl.-en): die Einsicht, 1571 bei Rot Intelligentz, aus lat. intelligentia f. ZU8. Intelligénzblatt, n.: öffentliches Anzeige- blatt, Wochenblatt, aus engl. intelligence, nach khe office of inlelligence«Intelligenzkontor» (Nachrichtszimmer), deren erstes 1637 von John Innys zu London errichtet wurde(Beck- mann Beitr. 2z. Gesch. der Erfindungen 2, 237). Intendänt, m.(-en, Pl.-en): Oberauf- seher. 1703 im Zeit.-Lex., aus franz. inten- dant m., zu lat. intendére«ausspannen, seine Geisteskräfte, seine Aufmerksamkeit worauf richten, worauf achteny. Intention, f.(Pl. -en): Absicht, Vorhaben, 1571 bei Rot, aus lat. intentio f., von lat. intendére. Interdikt, n.(-s, Pl.-e): Untersagungs- befehl, Untersagung;(kirchlich) der große Kirchenbann(1717 bei Nehring). In der 1. Bed. 1571 bei Rot, aus lat. interdickun n., von interdicérye«untersagen, verbieten. interessänt, adj.: wichtig, anziehend, einnehmend. In der 2. Hälfte des 18. Ih. (1778 bei Hermes Soph. 1, 11 und bei Goethe Briefe 2, 15) aus gleichbed. franz. intéressant, eig. Part. Präs. von intéresser(s. d. folg.). Interésse, n.(-s, Pl.-n): Verwebtsein in eine Sache, Teilnahme für dieselbe; Beziehung; Reiz; Vorteil, Eigennutz;(Pl. Interessen) Zinsen eines Kapitals. Aus lat. interesse cfür jem. von Wichtigkeit oder Reiz sein», eig.«dazwischen sein»y(inter c«zwischen?, esse«sein»), schon spätmhd. im 15. Jh. in die deutsche Rechtssprache entlehnt inter- esse n.«der durch Versäumnis oder Arbeits- unfähigkeit eines andern entgangne Vorteil und Nutzen?, 1512 in Reichsordn. 832 Au- teil», im 16. Jh. auch Vorteil, Eigennutz» (nach Rot 1571 schon zur Zeit Kaiser Maxi- milians I., im Beyrischen Krieg 1505, aufge- kommen), sowie«Zins von ausgeliehenem Kapital»(bei Luther W. 6, 50), endlich seit der Mitte des 18. Jh.«Anteilnehmung, Wohl. gefallen»(bei Kant 7, 44 H.),«Anteilnahme, bewirkender Reiz⸗(Leisewitz Jul. v. Tarent 1, 1). Interessént, m.(-en, Pl.-en): An- teil an einer Sache Habender, 1710 bei Nehring. interessieren, v.: wofür Teilnahme erre- gen, einnehmen, jem. anziehen, reizen, 1663 bei Schupp 593 und 1714 bei Wächtler, aus 933 interimistisch investieren 934 franz. intéresser«von Wichtigkeit sein, zur Teilnahme erwecken, anziehens, von lat. in- teresse(s. interessant); 1710 bei Nehring auch interessiren«verzinsen». Davon interessiert sein: beteiligt sein(1654 bei Abele Gerichts- händel 259); eigennützig, selbstsüchtig sein (1703 im Zeit.-Lex.). Interessenpolitik, f., Schlagwort seit etwa 1830. Vgl. Ladendorf. interimistisch, adj.: einstweilig. 1791 hei Roth, von lat. interim unterdessen?. Interjektiön, f.(Pl.-en): Empfindungs- wort, Jaut. 1536 bei Witzel Annotationes 2, 41 b Interjeckion, aus gleichbed. lat. inter- jectio f., eig.«Lwischenwort, Zwischenwurfs, von interjicére wischenwerfen). Intermézzo, n.(5s, Pl.-s): Zwischen- vorstellung, Zwischenspiel. 1775 bei Adelung und 1771 bei Wieland Amadis 147. Aus gleichbed. ital. intermezzo, urspr. Adj., von lat. intermedius dazwischen in der Mitte befindlich. internationäl, adj.: zwischen den Völkern geltend. Aus lat. inter-«wischen, unter und national. Internationãle, f.: Abkürzung für den am 28. Sept. 1864 in London gegrün- deten internationalen Arbeiterbund(The Wor- king meu's international association). Seitdem Schlagwort die rote Internationale«Sozial- demokratie, die schwarze I.«die Jesuiten? (1873), die goldene I.(1874) cjüdische Hoch- finanzy. Vgl. Ladendorf. interpellieren, v.: ins Wort fallen; Ein- spruch tun; Aufschluß fordern. In der 1. und 2. Bed. 1571 bei Rot, aus lat. interpelläre «dawischenreden, anredens. Interpellatiõn, f., bei Rot 1571, aus lat. interpellãtio f. interpretieren, v.: den Mittler und Aus- leger machen, dolmetschen, auslegen, erklären. 1571 bei Rot, schon im 13. Jh. md. inter- pretieren, aus gleichbed. lat. interpretãri, von lat. interpres m.«Zwischensprecher, Mittler, Ausleger, Dolmetscher». Interpretatin, f, bei Rot 1571, aus lat. interpretãtio f. interpunktieren, v.: mit Unterschei- dungszeichen versehen. Bei Lessing(1850) 5, 85. Von lat. interpunctus, dem Part. Perf. Pass. von interpungeére ceinen Punkt zwischen- setzen, durch ihn abteilen». Interpunktiõn, f.(Pl. den): Satzzeichnung. Bei Lessing 4, 36 Lachm., aus lat. interpunctio f.«Zwischen- setzung eines Punktes. Interrogativ, n.(-s, Pl.-e): fragendes Fürwort. Von spätlat. interrogativus«fragendꝰ, zu lat. interrogäre fragen». Interventiön, f.: Vermittlung, Einspruch. Über franz. intervention f. aus gleichbed. lat. inter-ventio, eig.«Dazwischenkunfty von inter czwischen⸗ und ventio von venire«kommen?. Aus der Gerichtssprache. 1703 im Zeit.-Lex. Interview(spr.-dju), f.(Pl. ·s): Zu- sammenkmunft; n.(Gen.-S, Pl.-S): Befragung, pes. durch einen Journalisten. Aus engl. interviei«zusammenkunft, Unterredung». Nach 1870 entlehnt. intim, adj.: innig vertraut. 1791 bei Roth, dagegen bei Wächtler 1714 und Ludwig 1716 noch intimus, aus gleichbed. lat. intimus (eig. innerster), franz. intime. intoleränt, adj.: unduldsam gegen Anders- denkende. Bei Goethe 40, 275, aus lat. into- lerans. Intolerãnz, f., bei Goethe ebd., aus lat. intolerantia f. intonieren, v.: anstimmen. 1571 bei Rot, im mrhein. Voc. ex quo 1469 intonéren, aus lat. intonãre certönen». intransitiv, s. transitiv. Intrigänt, m.(den, Pl.-en): Ränkeschmied. Uber franz. intrigant aus ital. intrigante, dem Part. Präs. des lat. Verbs intricäre(s. u.). 1728 bei Sperander. intrigieren, v.:(einen Handel) verwickeln, Ränke schmieden. 1791 bei Roth. Aus gleichbed. franz. intriguer, von lat. intricäre«verwickeln, verwirren. Intrige, bayr. öster. auch Intrigue, f. (Pl.-n): Listgewebe, Ränke. 1703 im Zeit.-Lex. «verwirrete Händel», 1711 bei Rädlein der Pl. Intricken. Aus franz. intrigue f.«Knoten- schürzung einer Handlung, heimlicher An- schlag oder Schlich, geheimer Liebeshandel», gebildet aus dem Zeitwort intriguer. invalid, adj.: untauglich, dienstunfähig. 1714 bei Wächtler, aus gleichbed. franz. in- valide, lat. invalidus. Als Substantiv Inva- lide, m.(-n, Pl.-n): dienstunfühig Gewordner. 1728 bei Sperander. Inventär, n.(-S, Pl.-e): Vorratsver- zeichnis, Verzeichnis der Habe, Vorrat. 1509 bei Brant Layensp. D 3 und 1571 bei Rot Inventari n., aus lat. inventärium n. Ver- zeichnis», zu lat. invenire cfinden, geschrieben finden». Inventür, f.: das Aufnehmen des Vermögensverzeichnisses, 1571 bei Rot, aus mlat. inventära f. investieren, v.: mit dem Zeichen der Amtswürde feierlich bekleiden. Mhd. im 14. Jh. Investieren, aus lat. investire cein- kleiden», von vestire«bekleiden?, westis f. «Kleid». Investitür, f.(Pl.-en): feierliche 59* 93⁵ invitieren irr 936 Einsetzung in eine Würde, Belehnung mit derselben, mhd. im 14. Jh. investifir f., aus mlat. investitira f. invitieren, v.: höflich auffordern, ein- laden. 1703 im Zeit.-Lex. aus gleichbed. lat. invitdre. inwärtig, adj.: innerlich, im Innern wohnend. Mhd. inwertec, ahd. inwartäg, in wertig, Adv. inwartigo, eine Ableitung vom mhd. Adj. inwart und inwerte, ahd. inwar! und inzwarti, inwerti«inwendig, innerlich), dessen Gen. Sg. adverbial steht, nhd. imärts, mhd. inwertes, s. einzwdrts. inwendig, adj.: Gegensatz von auswendig (s. d.). Mhd. innewendig, inzwendic, auch Adv. und dann im 14. Jh. Präp. mit Gen. oder Dat. «innerhalb, binnen). inwiefern, konj., gebildet wie insofern, im 18. Jh.(Goethe an Schiller 1, 87), ülter wiefern(s. d.). inwieweit, konj., gebildet wie insoweit, im 18. Jh. inwohnen, v.: einwohnen, bei Goethe 36, 150. Inwohner, m.: Einwohner(Thümmel Reise 9, 151), mhd. inne-, inwoner m. und inwonerinne f. Inzicht, f.(Pl.-en): An., Beschuldigung. Mhd. und ahd. inziht f., von zeihen(s. d.). Im Nhd. der oberd. Gerichtssprache eigen, in die allgemeine Schriftsprache aber wieder gegen Ende des 18. Jh. eingeführt. Inzucht, f.: einheimische, ungemischte Zucht, im Gegensatz zur Rassenkreuzung. Eine Neubildung?des 19. Jh. inzwischen, adv.: während der Zeit(md. im 14. Jh. inzwischin); dann konj.: während der Zeit daß(Goethe 24, 288). Mhd. in-, enæwischen, ahd. inzwischen, in zwiskén als lokales Adv. cdazwischen), dann Präp. mit Dat.(s. zwischen). Iper, f.(Pl.-n): die kleinblättrige Ulme, Ulmus sativa. Mhd. wper, nach franz. Wpr'écuu, Wpréau m., span. olmo de Ipre«Ulme von Yperny, einer Stadt in Westflandern. irden, adj.: aus Erde bestehend oder ge- macht. Mhd. und ahd. irdin, erdin, dazu got. aëreins«irden», auch cirdisch»(wie ahd. und uhd. noch im 17. Jh.). Abgeleitet von Prde(s. d.), wie irdisch, adj.: der Erde angehörig, mhd. irdisch, irdesch, irsch, neben irdenisch, irdensch, ahd. irdisc, irdisg. irgend, adv.: an einem(unbestimmten) Orte, zu einer(unbestimmten) Zeit, in einem (einzelnen nicht näher bezeichneten) Verhält- nisse. Bei Luther irgend und irgent, mhd. iergen, dann im 13. Jh. auch irgen und mit angetretnem? iergent, irgent, md. irgin, auch z8gez. ieren, spätahd. bereits iergen, ahd. 10 ꝛwergin(Otfrid 4, 31, 15), eine Verbindung von ahd. 0(s. Je) und wergin«an einem unbestimmten Ortey, entsprechend asächs. nawergin, mwargin, ags. hergen(aber negativ anord. hwergi«an keinem Orte, nirgends), aus asächs.-ags. anord.-got. hear«woy und der Indefinitpartikel-gin«irgendy, die dem got.-hun, aind.-dana entspricht. Vgl. nirgend. Ironie, f.(Pl.-n):(absichtlich unter dem Gegenteile) versteckter Spott. Bei Rabener Sat. 1, 91 und Lessing 4, 196, aber bei Wächtler 1714 noch Ironia. Aus gleichbed. franz. ironie f., von gr. Jat. ironia, gr. eipuveia f. „Verstellung im Reden, bes. zum Necken und Beschämen», von gr. eipev m.«der sich in der Rede Verstellende». irönisch, adj.: ver- steckt spottend, nach dem lat. Adv. Ironice und gr. Adj. eipwvixöc. irr, irre, adj.: von dem rechten Wege abgekommen(eigentlich und bildlich); ge- störten Verstandes seiend; unsicher ob recht oder nicht. Mhd. irre, md. erre, er, ahd. irre (auch erzürnt); dazu asächs. irri«zornig, er- bitterty, ebenso afries. ire, ags. irre, grre, eorre cerzürnt, verwirrto, got. ai:τzeis cirre, verführts. Davon Irre, f., mhd. irre, md. erre f.; dazu got. aĩrzei f.«Verführung, Irrlehre». Urver- wandt mit lat. erräre«irreny, error m.«Irr- tumy, irasjäti«er zürnt, ist übelgesinnt». irren, v.: 1) tr. irre machen, mhd. irren, md. auch erren, ahd. irran; dazu asächs. irrian«zerstören), mnd. erren«irre, zornig machen⸗, got. alrzjan cirre führen, verführen, betrügen»; 2) intr. irre sein oder werden, mhd. irren, md. auch erren, ahd. irreòn, irrõn. irrig, adj., mhd. irrec, mnd. errich. Irrsal, n.(-5): Verirrung, Irrfahrt; Irrung, Störung, Verwirrung. Mhd. irresal, irrsal m. f. n. «Irrung, Hindernis, Schadenz. Irrtum, m. (e*s, Pl. Irrtümer), mhd. irretuom, md. irre-, erretãũm, ahd. irri-, irratuom m. das Irren?⸗, bes. in Glaubenssachen, im Mhd. auch Zwi- stigkeity. Der Pl. im 17. Jh. bei Moscherosch Phil. 1, 200 und Schupp 427 Irrthume, bei Logau 2, 103 Frtümer. Irrung, f.(Pl.-en): das Abirren; Störung, Hemmung, Zwist, Zerwürfnis. Mhd. irrunge, irrung f., auch «Glaubensirrtum, Ketzerei». ZUS. Irren- haus, n., 1791 bei Roth. Irrfahrt, f., mhd. irrevart f. Irrgang, m., mhd. irre- ganc m. cirrer, zielloser Gang», im 15. Jh. 937 irrelevant ja 938 Labyrinth»(Diefenb. gl. 314 5). Irrgarten, m., 1575 bei Fischart Garg. 450 und 1547 bei Schmeltzl Lobspr. der Stat Wien 96. Irrgeist, m., bei Luther Micha 2, 11 Irre- geist. Irrglaube, m., bei Kant 6, 16 H.; irrgläubig, adj., bei Gottsched 1744 und Lessing 5, 27. Irrlehre, f., 1663 bei Schottel 456; Irriehrer, m., 1775 bei Adelung. Irr- licht, n.(-es, Pl.-er), 1629 bei Opitz 1, 81 Iyrliecht. Irrsinn, m., 1663 bei Schottel 456. Irrstern, m.: Komet, mhd. irrestern m. Irrweg, m., im 15. Jh. irrewec, irrzeg, mnd. errewech(Diefenbach gl. 178²). Irr- wisch, m.(-es, Pl.-e): Irrlicht, bei Luther 4, 335 5 Irrewisch und 5, 521 b Wisch, 1540 bei Alberus dict. r 2 b Irrwisch, zgs. mit Wisch (1414 weysch und sonst im 15. Jh. ysche, isse m.«leuchtende Fackel»(Diefenb. gl. 228 b). irrelevänt, adj.: unerheblich. Aus einem neulat. irrelevans, zgs. aus ir(für in- un*) und dem Part. Präs. von lat. releväãre«auf- hebeny. 1728 bei Sperander. irreligiös, adj.: nicht der Religion ge- mäß, ungläubig, gottlos, aus lat. irreligidsus. 1791 bei Roth. Irreligiosität, f.: Religions- verachtung, Gottlosigkeit, aus kirchlich-lat. irreligiositas f. irritieren, v.: erregen, reizen, ablenken. 1703 im Zeit.-Lex., aus lat. irritãre anregen, zum Zorne reizen». isabéll, adj.: schmutzig gelb, gelblichweiß, blaßgelb. 1685 im Farbebüchlein E 3 b Isabel- Farbe. Aus dem gleichbed. franz. Adj. isabelle (seit 17. Jh.), das aus irgendeiner Veranlas- sung von dem Frauennamen Isabella stammt, nach einer Sage von der Erzherzogin Isabella, Tochter Philipps II, die als Regentin der Niederlande bei der Belagerung von Ostende (1601— 1604) das Gelübde getan haben soll, erst mit Eroberung der Stadt durch ihren angenommner Farbe dann das Adjektiv. Isabélla, Frauenname, aus span. ISabel, afranz. Vsahel, später franz. Isabeau, mit An- knüpfung an span. bello(Fem. bella), franz. bel, beau«schöny entlehnt aus hebr. ISebel, dem Namen der aus Sidon stammenden Ge- mahlin des Königs Ahab. isch, Herkunft ausdrückende Ableitungs- silbe zahlreicher Adjektive, mitunter mit dem Begriff des Verächtlichen, Tadelhaften. Mhd. esch, isch-, ahd.-asächs.-ags.-isc, anord.-k, got.-isk. Isegrim, m.(-s, Pl.-e): der Name des Wolfes im deutschen Tierepos; wölfischer, grausamer, dann höchst mürrischer Mensch (in Mitteldeutschland, 1734 bei Steinbach Eisengrimm zein verdrüßlicher Mensch»). In der 1. Bed. mhd. fsengrin, Isengrim, ahd. Isangrim, urspr.«Eisenhelmꝰ, zsg. aus ahd. isan Eisen»(s. d.) und einer verwandten Bildung von ags. grima m. Helm, Visier, Maske», anord. grima f.«Maske, Helmꝰ. Isidor, Mannsname aus gr. Jat. Isidorus, gr. lcidwpoc«Gabe der Isis»(der ägyptischen Göttin). Vgl. Theodor. Islam, m.(Gen.-es und wie Nom.): Mohammedanismus. Aus arab. isldm MHin- gabe an Gott». iso-, häufig in Zusammensetzungen, aus gr. icoc«gleich». Erst im 19. Jh. isolieren, v.: vereinzeln, einzeln absondern. Bei Goethe Faust 4033, aus franz. isoler, und dies von ital. isolare, von ital. isola, mlat. isula, lat. insula f.«Insel»(s. d.). Bei Lessing 7, 395 insulirt für isoliert. Davon Isolierung, f. Isop, s. VSsop. item, adv.: ingleichen, ferner. Schon im 14. Jh., jetzt als altfränkisch geltend. Aus lat. item. itzo, itzt, s. jetzt. Gemahl ihr Hemd zu wechseln, von dessen J ja, Adv. und Interj. der Bestätigung. Mhd. und ahd. jã, mhd. verstärkt jãrã, Järia; dazu asächs. jäã, ndl. ja, afries. 9E, J, ags. la und géa, eine erweiterte ablautende Form in giese (aus ge-sad«ja 805), engl. yea und yes, anord. jã, schwed.-dän. ja, got. Ja und Jai. Wahr- scheinlich urverwandt mit gr.«wahrlich, fürwahr» und vielleicht zum idg. Stamm Jo «der» gehörig. Vgl. noch Btr. 30, 295. Aus dem Deutschen entlehnt lit. ja. Das be- kräftigende ja zwohl schon mhd. J 200l. Sub- stantivisch Ja, n., mhd. Jã n., got. Hata ja (2. Kor. 1, 20). ZDS. Jabruder, m.: ge- sinnungsloser Zustimmer, mnd. 1447 jabroder, aähnlich mhd. jäherre m.«der zu allem Jä, herre! sagty. Noch bei Goethe 45, 17 Jaherr. 939 jach inh 940 Beide ins Dänische entlehnt. Jawort, n., (-es, Pl.-e): feste Zusage durch jat Bei Luther, mnd.(1301) jawort n. jach, adv.: in größter Geschwindigkeit, plötzlich, heftig. Mit kurzem a, aus mhd. gãch«plötzlich, unversehenss, dem adverbial stehenden endungslosen starken Akk. Sg. des Adj. gäch(s. Jäh)). Alternhd. als Adj., bei bei Luther 3, 531 b jach, um 1480 im Voc. inc. teut. m 4a jach, auch bei Kant 5, 235 H. jachern, v.: wild, ausgelassen, umher- laufen, lärmen, schreien. Nordostdeutsch, bei Adelung 1775 und Hermes Soph. 3, 275, neben hess. jackern, mnd.-nnd. jachtern. Das ein- fache Vérbum ist ostmd. jächen cumherjagen? von Jagen, 1691 bei Stieler, jechen bei Luther, im 15. Jh. jächen, jechen, mhd. jöuchen, jouchen, jochen, jõchen(Prät. auch jachte, jegte)«jagen, treibens. Jacht, f.(Pl.-en): Schnellschiff. 1703 im Zeit.-Lex. Jacht, 1602 bei Hulsius Schiff. 2, 7 und bei Duez 1664 Jagt f., 1596 bei Fron- sperger Kriegsb. 1, 128a der Pl. Jagten, 3, 125 b Jachten, 1598 bei Hulsius 1, 20 Jagt- schiff. Aus gleichbed. ndl. jaghte, jaght(1598 bei Kilian), woher auch engl. yacht(seit etwa 1660). Von jagen(s. d. und Jagd). Dafür im 15. u. 16. Jh. Jagschifp(Diefenb.-Wülcker 679 und 1541 bei Frisius 150 a), mnd. jageschip. jachtern, s. jachern. Jacke, f.(Pl.-n): anliegendes Armelkleid bis an die Hüften. Im 15. Jh. jacke(1417 bei Diefenb. nov. gl. 1362 iacke)«wattierter Waffenrock», ebenso mnd. und 1477 clevisch jacke f. Mit g bei Diefenbach gl. 183 b ein gacken, 1517 bei Trochus M5 a ein gacke. Aus afranz.(14. Jh.) jacque, nfranz. jaquæ f., span. Jaco, ital. giaco m.«Panzerhemd, kurzer Oberrock der Kriegsleute, angeblich(nach Ducange) benannt nach dem Häuptling Jaque von Beauvais(um 1358), was aber sehr zweifelhaft ist. Jackétt,(spr. Zak-) m. (Ss, Pl.-s), aus franz. jaquette f., einer Ab- leitung von jaque. Neure Entlehnung. jackern, s. jachern. Jagd, f.(Pl. Sen): Jagen zu Fang oder Tötung; Recht dazu; dauerndes lärmend eiliges Tun und Treiben. Alternhd. Jagt(noch 1716 bei Ludwig), bei Luther Jaget f., mhd. jaget, jagt, jeit(Gen. jeides) n., selten m., md. jaget f., woneben mhd. jagãt f.«Verfolgung des Fein- des»; dazu mnd. jacht f., mndl. Jaght. Von jagen(s. d.). 4B L. jagdbar, adj., bei Grimmelshausen Simpl. 3, 167, 29 Kz. jagt- har, dafür mahd. jagebœære. ZUS. Jagdhund, m., mhd. Jagethant, häufiger jagehunt, ahd. jagahunt. Jagdspieß, m. spätmhd. jaget- Spieß, älter jagespiez. jagen, v.: geschwind sich vorwärts pe- wegen, bes. zu Fang oder Tötung verfolgen; schnell antreiben. Mhd. jagen, ahd. jagön; dazu mnd. jagen, mndl. Jjaghen, afries. jagia «jagen», anord. jaga«treibeny. Bisweilen in die starke Flexion übergetreten: Präs. er jägt (1663 bei Schottel 588, Göckingk Ged. 3, 165, Withof acad. Ged. 1, 230), Prät. jug(Schottel, Göckingk 2, 34, Platen Liga v. Cambrai 3. Akt), nd. Jjöôg, mndl. und nndl. joeg, Konj. jügen (Ringwaldt l. Warh. 334), Part. gejagen(1519 bei Murner Geuchmatt 4963). Verwandtschaft mit gr. dichketv«verfolgen» ist kaum möglich. Dagegen läßt sich vergleichen aind. jahng crast- los», gr. ixoväv bei Hesych EriuiV, oder mit Schwebeablaut gr. oixecdau«weggehen?, Davon Jäger, m., mhd. jegere, jeger, jäger, ahd. jagari, jagere, jagir m.; dazu mnd. jeger, mndl. jagher; Jägerin, f., mhd. jegerinne; Jägerei, f., mhd. jegerte, mndl. jagherije f. ZUS. Jägerbursche, m., 1691 bei Stieler. Jügerhaus, n., ebd. Jägerlatein, n., s. Latein. Jägermeister, m., mhd. jegermeister. Jägersmann, m., 1580 bei Sebiz Feldb. 564. jäh, adj.: ungestüm schnell; in hohem Grade abschüssig. Bei Luther jech, bei Due- 1664 und Krümer jäh, und gäh, bei Henisch 1616 gäh, bei Dasypodius 1537 und Maaler 1561 gäch, mhd. gœhe, md. gehe, ahd. gähi (im Adv. mhd. gãch, ahd. gäho); dazu asächs. adv. gãhun, gähliko«schnell, mnd. gã, göge, gôje, mndl. gay. Ob daraus franz. gai, ital. gajo, aspan. gayo«munter, lebhaft» entlehnt sind, ist sehr fraglich. 4B L. Jähe, f, mhd. gœhe, md. géhe, ahd. güh? f.«Schnelle, Eile, Ungestüm», dann im Md.«abschüssiger Abhang». jähling, adv., mhd. gœhelingen, bei Keisersberg geheling, 1537 bei Dasypodius gächling, 1538 bei Serranus gehling, noch bei Goethe 29, 117 gähling, mudl. galinghe, dafür ahd. gähingun, noch bayr. gähing. Seit dem 16. Jh. auch als Adj.(bei Dasypodius und Serranus), bei Schweinichen 1, 348 jähling:; dazu das Adv. jählings, 1616 bei Henisch gählings. ZUS. Jühzorn, m., im 15. Jh. géchczorn, göchczorn, 1616 bei Henisch Gach- zorn, 1664 bei Duez Jäh- und Gähzorn, bei Luther 1, 77² Eisl. und bei Canitz 110 Jach- zorn. jähzornig, adj., mhd. im 14. Jh. gœchzornig, bei H. Sachs Fastn. 31, 253 geh- 941— Jahn Jammer 942 zornig, bei Duez 1664 jähzornig, bei Hermes Soph. 1, 355 jachzornig. S. gühstotzig. Jahn, m.(-es, Pl.-é): Reihe gemähten Grases oder Getreides, der gerade Strich oder Gang, den der Feldarbeiter beim Mähen des Getreides oder Heues einhält. Ober- deutsch, hessisch und thüringisch, im 15. Jh. jan(Weist. 1, 825). Ferner wird der Wein- berg in Jahne(Streifen) abgeteilt und jahn- weise gedüngt, im Forstwesen ist Jahn oder John eine Reihe abgehaunes aufeinanderge- legtes Buschwerks, zu Ende des 15. Jh. thüring. jhon m. Reihe, Schlag, Holz“(Michelsen Mainzer Hof 31). Mhd. jän m.«Reihe gleicher Reime», im 15. Jh. vom Gesang der Vögel (Hätzlerin S. 24*, 47), und schon in einer Urkunde des langobard. Herzogs Arichis von Benevent von 774(bei Ughelli Italia sacra 8, 35 A), mlat. janus m.«Bezirk', aschwed. dn. Die urspr. Bed. ist Gangy, wie noch schweiz. es geht in éinem Jan, und es entspricht daher aind. jänas m. Bahn», jdnam n.«Gang», Ab- leitung von dem Verb aind. Jã« gehen, fahren?, wozu auch lat. jãnua f.«Tür» u. a. Vgl. Schade Altdeutsches WB. Jahr, n.(es, Pl.-): Umlaufszeit der Erde, sowie überhaupt eines Planeten um die Sonne(Sonnenjahr), oder z. B. bei der Erde zwölfmalige Umlaufszeit des Mondes um diese(Mondjahr). Mhd. und ahd. jär n.; dazu asächs. jär, gér, afries. jér, gér, jär, mudl. jaer, nndl. Jaar, ags. géar(auch Früh- ling), engl. hear, anord. dr, schwed. dr, dän. aar, got. jèr n. Urverwandt mit abg. jarui m. und jara f.«Frühling», gr. dο f.«Jahres- zeit, Blütezeit, dpoc m. Jahry, awest. Jãr- n.«Jahrs». Daneben got- apn n. und atabni n.«Jahry, verwandt mit gleichbed. lat. annas m. RA. jahraus jahrein, 1641 bei Schottel 349. Jahr und Tag, alte Rechtsformel, vgl. Grimm lat. Adj. iambicus, gr. iaußixòc. Rechtsaltertümer 222, schon mhd. und mnd. cein Jahr, sechs Wochen(und 3 Tage)». gefühl. Bei Luther Jamer, im 15. Jh. jammer, 4 BL. jühren, v. refl.: gerade ein Jahr her sein, 1678 bei Krümer, aber mhd. jœren, Jãren refl.«zu seinen Jahren kommen, mündig wer- deny. jährig, adj., mhd. Jürec, jœric, md. jéric, ahd. jãärig. jührlich, adj., mhd. jœr- lich, ahd. järlin. Jährling, m.: junges Tier, das ins zweite Jahr geht, im 15. Jh. jarling, jerling(Diefenbach gl. 36 2(). 208. 1) mit Jahr-: Jahrbuch, n., 1642 bei Duez. Jahr- gang, m., mhd. Jjärganc und Järes ganc. Jahrhundert, n., 1663 bei Schottel 4112 aus Sigm. v. Birkens Schriften. Vgl. Feld- mann ZfdW. 5, 230. Jahrmarkt, m., mhd. jurmarket m., and. iarmarkat. Jahrtausend, n., 1751 bei Liares Lob- und Ehrenpredig, getadelt 1755 von Dornblüth 183, dann 1760 bei Klopstock Mess. 2, 4. Jahrzahl, f., mhd. järzal f. Jahrzehnt, n., 1782 bei Schiller 2, 340 Jahrzehend.— 2) mit Jahres-: Jahres- tag, m.: der nach Verlauf eines Jahres wie- derkehrende Tag, bei Luther Jarstag, mhd. järtac, and. gérasdag m.(aber järstac m. Neujahrstag»). Jahreszeit, f.:(vierter) Teil des Jahres nach der Witterung, 1664 bei Duez Jahrszeit, dagegen mhd. Järæit f. Jahrestagy. Jähzorn, s. Jäh, Jakob, Mannsname, aus hebr. ja dσο⁶, dessen Bedeutung schwer festaustellen ist. Dazu die Koseform Jäckel, im 16. Jh. zur Bezeichnung der Bauern Fischart Garg. 73 Jäkel), auch verächtlich für einen dummen Menschen gebraucht(1562 bei Mathesius Sar. 74 Jekel). Davon Jakobiner, seit den 90er Jahren des 18. Jh. Schlagwort für radikale Eiferer, nach der Bezeichnung der berüchtigten französischen Revolutionspartei. Vgl. Ladendorf. Jalousie(spr. Zalisi), f.(Pl.-n): aus beweglichen Brettchen zusammengesetzter Fensterladen. 1775 bei Adelung. Aus gleich- bed. franz. jalousie f., eig. Eifersucht, Miß- gunst». Vgl. 1710 bei Nehring:«in dem Divan zu Constantinopel über dem Haupt des Großveziers ist ein Fenster mit einem eisernen Gitter, durch welches der Großsultan alles was im Divan passiret sehen kan, welches man la Jalousie nennet. Jambus, Jambe, m.(Pl. Jamben): der Versfuß 4, 1624 bei Opitz Poeterey 40 Jambus, bei Goethe 30, 127 Jambe m., aus gr. lat. lambus, gr. iauſoc m. jambisch, adj., 1582 bei Fischart Garg. 291, nach dem gr.- Jammer, m.(*s): elendmachendesSchmerz- mhd. jämer m. n., auch ohne ümer, ahd. jãämar m. n., bei Notker ämer; dazu mnd. jamer, jammer m. n.,(entlehnt) afries. jãmer. Ursprünglich Adjektiv ahd. jãmar, äãmer leid- voll», asächs. jämar celendy, ags. géomor ctraurig, elendy. Nach Solmsen KZ. 32, 147 urverwandt mit gr. uepoc«sanft, mild, zahmy. 4BL. jämmerlich, adj., bei Luther Jemer- lich, mhd. jämer-, jæmerlich, ahd. jãmcr-, amarlich; dazu asächs. Jãmarläk, ags. géomor- nc. Jämmerlichkeit, f., 1691 bei Stieler. 943 Janhagel jammern, v., bei Luther jamern, mhd. Jämern(auch mich jämert), ahd. ämarön (auch impers. in ämerõt); dazu mnd. jameren, ags. géomrian. ZIUS. Jammerbild, n., 1663 bei Schottel aus Luther. Jammermann, m., bei Schiller Räuber 4, 5. Jammer- schade, m., bei Wieland 11, 197, noch ge- trennt bei Lichtenberg 1, 119 anmer Schade, gekürzt aus Jammer und Schade. Jammer- tal, n., mhd. jãämertal n. jammervoll, adj., 1663 bei A. Gryphius 198. Janhagel, m.(-s): das gemeine Volk, der Pöbel. Bei Steinbach 1734 Janhagel, 1687 bei Hesse ostind. Reisebeschreib. 281 Jan Haagel, als Spottname der norddeutschen Bootsleute 1720 im Robinson 1, 422 Jan Hagel, bei Bürger 193²(Bohtz) ins Hochdeutsche übertragen Johann Hagel. Janitschär, m.(en, Pl.-en): türkischer Soldat, ehemals Name der im J. 1826 auf- gehobnen bevorrechteten Kriegerklasse. 1522 bei Diefenbach-Wülcker Jenizeri, bei Luther Tischr. 427 a Jenitzschler, 1568 bei Mathesius Hist. Christi 2, 262 Geneschar, 1575 bei Fi- schart Garg. 431 Janitschar und Großm. Pract. 71(D 3 b) Janitzer. Aus türk. jenitscheri cneue Truppey(die um 1330 unter dem zweiten Osmanensultan Urchan geschaffen worden ist). janken, v.: winseln, vor Gier wimmern. Ein nd. lautmalendes Wort, 1663 bei Schottel. Mnd. und mndl. jauken. Janker, Jänker, m.(-s, Ll. wie Sg.): Bayr.'östr., 1670 bei Abele künstl. Jacke. Unordn. 1, 210 Jänker m., 1563 bei Mathe- sius Hochzeitpr. 61, 33 Neudr. Jencker m., 1567 bei Junius Nomencl. 531 a Janckermacher. Dafür schwäb. Jäne f.(1480 jenggen, schweiz. Janken m., 1561 bei Maaler Janchen f. Viel- leicht aus Jacke entstanden. Jänner, m.(ms, Pl. wie Sg.), aus Januar, mn.(-s, Pl.-e): der erste Monat des Jahres. Im 15. Jh. jenner, jänner, genner, im 18. Jh. Januar, aus lat. Jänudrius ader dem Gott Jdnus heilige Monato. Von Karl d. Gr. wintar- mänöth genannt; sonst heißt er auch vom Froste md. im 14. Jh. hartmände m., noch in Oberhessen Hartmonat. Vgl. Hornung. jappen, v.: den Mund aufsperren; dann so lechzen, mühsam atmen. Bei Bürger 715 (Bohtz), nd. und md. Form für obd. gaypen (Waldis Esop. 1, 4, 10), mnd. Japen, japyen, 1477 clevisch gapen«gähnen», ndi. gayen«den Mund aufsperren»(s. gaffen). jauchzen 944 Jäscht, m.: Gärschaum, s. Gäscht. Jasmin, m.(-s, Pl.-e): der Zierstrauch Jasminum fruticans und officinale mit wohl- riechenden Blüten. 1580 bei Sebiz Feldb. 248 der Jaßmin oder Veielrebe, bei Hölty Jesmin, bei Wieland Idris 3, 103 Schasmin(nach franz. Aussprache), im 17. Jh. bei Gryphius und Lauremberg Gelsemin. Aus span. Jasmin, franz. jasmin, ital. gesmino, gelsomino m., von pers.(und dann arab.) ãsuũmin, jãsämän. Be- reits gr. idcun f., iacué&diov n., iccuivov νυροemν cein wohlriechendes persisches Olp. Jaspis, m.(Gen. Jaspisses, Pl. Jaspisse): verschiedenfarbiger undurchsichtiger zum Quarz gehöriger Halbedelstein. Mhd. Jaspis, im 14. Jh. Jasy m., aus gr.-lat. iaspis f., von hebr. Jâschépheh(schon assyr. a§p). Jast, m.(-es, ohne Pl.): hitzige Gemüts- aufregung; ungestüme Eile. Oberdeutsch, 1650 bei Moscherosch Phil. 1, 436. Eig. Gärung, wie noch schweiz. elsäss., von ahd. Jjesan «güren»(s. d.). jäten, v.: durch Ausziehen des Unkrautes reinigen. Bei Luther geten, bei Comenius 1640 und Krämer 1678 jäten, mhd. jeken, geten, ahd. jetan, getan; dazu and. gedan, mnd. geden, geiden, clevisch 1477 gheden. Abge- leitet wohl davon ahd. gekto m. Lolch, Un- kraut». Wohl zu awest. jat-«sich rühren, tätig seiny, aind. Jätaté«strebt, bemüht sichs. Die urspr. starke Flexion(Prät. mhd. Jat, Part. ahd. gigeten, mhd. gejeten, noch obersächs. gegäten) ist uhd. in die schwache übergegangen(1696 in Lokmans Fab. 15 Prät. getete). Davon Jäteisen, n.: eisernes Werkzeug zum Jäten, 1482 im Voc. theut. p 4 b jeteysen, mhd. jet-, getisen, ahd. jet-, getisarn, getisan, auch jat- isarn, jatisan n. Jauche, f.(Pl.-/): durch Faulen er- zeugte, verdorbne Flüssigkeit. 1420 md. ſũche Brühe»(Schröers Vocab. Nr. 1383), bei Luther 6, 306 W. Juchen, 1598 bei Colerus Hausb. 2, 45(F 3) Jauche, 1562 bei Mathesius Sar. 176 b Mistgauchen, im 18. Jh. bei Steinbach, Frisch und Adelung Gauche; dazu mnd. juchef. cBrühe, Sauce», clevisch 1477 juchen, juyche f. Brühe». Aus dem Slavischen entlehnt, poln. Jucha f.«Brühe, Jauche, abg.-russ. jucha f. «ᷣBrühe, Suppe», urverwandt mit apreuß. Juse «leischbrühe», lit. jise f.«Fischsuppe», lat. ins n., aind. Jãs-«Brühey. jauchzen, v.: Freudengeschrei erheben. Bei Luther jauchzen, bei Abr. a. S. Clara Jaugetzen, jugelzen, mhd. jüchezen, abgeleitet 945 jaulen Jelüngerjelieber 946 von der mhd. Interjektion Jüch(s. juch), wie mhd.(12. Jh.) Jlawen zeinen Jubelgesang singen und jüzwezunge f.«das Jubeln vom mhd. Jubelruf ji. Für weniger edel gilt juchzen, 1507 bei Wilwolt v. Schaumb. 68 juchzen, 1540 bei Alberus dict. Qd 3² und bei H. Sachs juchtzen, 1571 bei Rot 732 juchitzen. 4 BL. Jauchzer, m.: der Jauchzende(Luther 5,68 b J.), dann ein einzelnes Jauchzen(Günther 838), wie Juchzer m.(im 16. Jh. Diefenbach nov. gl. 2232 juchzer, 1562 bei Mathesius Sar. 20 2 Juchtzer, 1571 bei Rot Juchitzer). jaulen, v.: heulen. Bei Voß Idyll 8, 125, aufgenommen aus nd. jaulen, dazu engl. ⁷οο⁶ cheulen, schreien». Wohl lautnachahmend. Jause, f.(Pl.-n): Zwischenmahlzeit, Vesper. Bayr. öster. Aus slow. jusina«Mittagessen», zu den unter Jauche behandelten Wörtern. Jawort, s. ja. 1 Je! den Namen Jesus durch Kürzung versteckender Ausruf, in o Je, ach Je. 1742 bei Rost Vorspiel 7 A h Herr Je! S. Jemine. 2je, Adv., das fragend, zweifelnd, bei Be- denklichkeit steht. Mitunter jä geschrieben, Nebenform von Ja(s. d.). Bei Luther Matth. 19, 25, Schiller Kab. 1, 2. Besonders steht es seit der zweiten Hälfte des 17. Jh. in dem formelhaften je nu, im 18. Jh. je nun. Viel- fach meint Je den Ausruf/(s. d.). sje, adv.: zu jeder Zeit; zu einer Zeit; dann bei zuteilender Zahl, z. B. je aöei; end- lich Konjunktion des gleichmäßigen Verhält- nisses, der Verhältnisgleichheit, in je— desto (s. d.), je— je(mhd. ie— ie). Durch Ein- wirkung des Niederdeutschen(schon mnd. jo«immers) ist„ statt des urspr. ĩ einge- treten, bei Luther je, älternhd. ie, ye, Je, 1691 bei Stieler ie und je, noch bei Wie- land Oberon 3, 57 im Reim ie. Mhd. ie «zu aller Zeit, immer»(auch bei Zahlen ie zuben und zuwén),«zu irgendwelcher Leit, irgend einmal», md. auch i, ahd. i0, eo«immer, irgend einmal»; dazu asächs. eo, woneben 10, gio, ags. d, anord. œ, ei«immerꝰ, schwed. ej, dän. ei, aus eigi Negationspartikel, got. aino(in ni aito«niemals»). Dieses aieo ist der Akk. Sg. von got. diws m. Leit⸗ (s. Ehe). Die Verwendung als Konjunktion ging aus der Stellung des ahd. ο, ieo, io beim Komparativ hervor, indem dieser mit und wiederholt wurde(Notker Ps. 95, 2 da er ieo chundero unde chundero sĩν). Die Ver- bindung je und je«immer»(2. Mos. 4, 10), «zuweilen»(Schiller Kab. 1, 2). Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. jedennoch, Konj. des verhältnismäßig steigernden Gegensatzes. 1669 im Simpliciss. 170 jedannoch. Zgs. mit je(s. d. ⁵). jeder, zählendes Adjektivpronomen: der eine und der andre von zweien; der einzelne ohne Ausnahme. Bei Luther Jeder(Dat. und Akk. einem, einen jedern) und schon spät- mhd. vereinzelt jeder, aber noch 1661 bei Lohenstein Cleopatra 6, sowie 1738 bei Pi- cander 5, 113 und bei Zacharii Renommist 1, 186 ieder(im Reime auf wieder). Mhd. ieweder, im 14. Jh. gekürzt ieder, ahd. i0⁰e- dar, eombedar«jeder von beiden, jeder von allen?(flekt. iowederer, ioꝛwederiu, iowederez); dazu and. iahawethar, afries. Ghzedder, ags. ahwcœder, gekürzt ãwder. Zgs. aus ahd. 0, e0(s. jes) und dem ahd. Zahlpronomen hwedar, wedar«welcher von beiden»(s. weder). Da- neben durch gi-(ge-) verstärkt mhd. iege- weder, ahd. eogiwedar, ags. cẽghwœder, engl. either«jeder von beiden». Vgl. jedawedler. 2ZUS. jedermann,(Gen.-s), zusammenge- schoben aus spätmhd. ieder man, md. ider man cjeder Mann(jeder Mensch)». jeder- männiglich, Pron.: jedermann, im 16. Jh. jedermenniglich, vgl. männiglich. jederzeit, adv., im 16. Jh.(Fischart in Scheibles Kloster 10, 1067), eig. Gen. Sg. Jjeder Zeit, gebildet wie derzeit, mhd. der zit«damals». jedes- mal, adv., eig. Akk. Sg. jedes Mal, 1691 bei Stieler nebst dem Adj. jedesmalig. jedoch, Konj. des verhältnismäßig her- vorhebenden Gegensatzes. Mhd. iedoch, bis- weilen idoch, ahd. io doh, ieo doh«immer doch», Adv. des Gegensatzes. Zgs. mit je(s. d. ³). jedweder, zühlendes Adjektivpronomen, nachdrückliches jeder). Mhd. im 12. Jh. ietuweder und ie dewweder, md. iteeder cjeder von beiden, jeder von vielen», 2gs. aus ahd. 10(s. Jes) und dem erst bei Notker vorkommen- den Zahlpronomen dewweder«irgendeiner von beiden»(s. enteveder). jeglich, jeglicher, zählendes Adjektiv- pronomen. Alternhd. iglich(bei Luther jglich), bei Lohenstein ieglich, mhd. iegelich, ieglich, ieclich, md. iclich, ahd. eogalih, iogelih«jederꝰ, zgs. aus ahd. eo, ¹0(s. Je*) und gilih«der einzelne ohne Ausnahme, jeder»(s. gleich). Jelängerjelieber, n. und m.(-s, Pl. wie Sg.): Name mehrerer Pflanzen, besonders der Feldzypresse Teucrium chamaepitys, viel- leicht wegen des würzigen Geruches, 1517 bei Trochus ꝛ0 lenger ye liber, 1533 bei Rößlin Jh lenger jh lieber; sodann Name des roten 60 947— jemals Joch 948 Nachtschattens, Bittersüß, Solanum dulcamara, 1500 bei Brunschwyg Destill. und 1546 bei Bock 309 Ve lenger ſe lieber. jemals, adv.: zu irgendeinem Zeitpunkte. Bei Luther Hes. 27, 32 neben jemal Ephes. 5, 29. Mit sekundärem genetivischen§. Zgs. aus je, s. jes und mal. jemand, zuhlendes Pronominalsubstantiv: irgendein Mensch. Gen. jemands, Dat. und Akk. jemand, daneben seit dem 18. Jh. im Dat. jemandem(jemanden), Akk. jemanden. Md. im 14. Jh. imand und dann mhd. in der zweiten Hälfte des 14. Jh. iemant. Mit sekun- därem d aus mhd. ieman, iemen, ahd. eoman, ioman, zgs. aus ahd. eo, io s. jet und man m. (s. Mann); dazu asächs. eoman, mnd. iemant, mndl. eman, afries. ammon, immen, ammant. Jemine! den Namen Jesus versteckender Ausruf. Bei Grimmelshausen Simpl. 2, 624 Kllr. ach Jemini, obersächs. bei Weiße Op. 2, 34 f. o Gemine. Gekürzt aus lat. Jesu domine«Herr Jesu». Ahnlich bei Klamer Schmidt kom. Dicht. 293 0 Jerum S. Jei. jener, auf Entfernteres hinweisendes De- monstrativpronomen. Mhd. jener, auch ener, md. gener, geiner, ahd. genér, jenér und(bayr.- alem.) enéry; dazu mndl. die ghone, ags. Dat. tõ gõonre, engl. on, anord. enn, inn, got. jains. Mit dem Artikel frühmd. der jene (s. derjenige). Die Herkunft ist unsicher. Man ist vorläufig gezwungen, verschiedene Stämme anzunehmen. Vgl. Hoffmann-Krayer KZ. 34, 144. Jedenfalls gehört aber jener, got. jains zu dem idg. Stamm Jo-, der urspr. demonstrative Bedeutung hatte, während aind. Jas, gr. öc, phryg. ioc relativisch geworden sind wie unser der. Schwierig ist die J-lose Form ahd. enér, weil es nicht sicher ist, daß diese ein verloren hat. Ist dies nicht der Fall, so gehört sie zu einem idg. Pronominal- stamm eno-, abg. onü cer. jenisch, adj.: der Gauner- und Spitzbuben- sprache angehörig. 1800 bei J. Paul kom. Anhang 2. Titan 1, 108 Jänisch(aus Schwaben). Adjektivbild. zu dem Stammwort von Joner, Gauner(s. d.). jenseit, adv. und präp. mit Gen.: auf jener Seite. Bei Luther jenseid(mit Gen. oder Dat., Jos. 5, 1 u. 17, 5), mhd. Jjensit und jene site. Mit sekundärem s jenseits, bei Luther jenseids 1. Sam. 17, 3. Davon jenseitig, adj., 1718 bei Kirsch. Jerum, wohl als lat. Gen. Pl. von 1.Je in der Studentensprache aufgekommen. Jeremiäde, f.(Pl.-n): Klage. 1791 bei Rot, aus franz. jérémiade f., nach den Klage- liedern des Jeremias. Jesuit, m.(-en, Pl.-en): Mitglied des von Ignatius von Loyola 1534 gestifteten Ordens der Gesellschaft Jesu. Im 16. Jh. Jesuit und Jesuiter, aus mlat. Jesuita m. Davon jesuitisch, adj., im 16. Jh. Jett, n.(-Lels): schwarzer Bernstein, auch dessen Nachbildung. Aus engl. jet«Gagat, schwarzer Bernstein», das über afranz. jaiet auf gr.-lat. gagãtes(s. Gagat) zurückgeht. jetzt, adv.: zu dieser Zeit. Bei Duez 1664 jetzt, bei Luther itzt, und im 13. Jh. ieit, Nebenform von mhd. 1εαο, ieze, izuo, ind. iezi, itzn(noch bei Alberus ietz au), aus ie zu(Windberger Psalm., 12. Jh.), der Ver- bindung des mhd. ie(s. Je ³) und des auf eine Zeitdauer wie einen Zeitpunkt gehenden 2ο, 20(s. 2u), woher auch die volltönendre alter- tümliche Form jetzo, mhd. iezô, 1385 ietzo, im 16. Jh. bei Ayrer Dramen 1153, 32 jetzo, im 17. Jh. itzo. Mit neuem Suffix jetzund, nur altertümlich und im gemeinen Leben, älternhd. itzund, mhd. iezunt, iezent, lezen, md. ikzunt, itzent, erweitert im 15. Jh. itz- under, etzunder(noch bei Gellert Fab. 2, 37 ikzunder, bei Fischart Garg. 322 jetzunder). 4BL. jetzig, adj., im 16. Jh. itzig, ietzig, jetzig(Dasypodius 1537), md. im 13. Jh. iezic. jeweilen, adv.: zu irgendeiner Zeit, dann und wann. 1663 bei Schuppius 424 neben je 2uweilen 525; weilen ist Dat. Pl. von Weile (. d.). Davon jeweilig, adj., 1775 bei Adelung. Jingo, m.(-s, Pl.-s): kriegslustiger Chau- vinist. Seit 1878, aus dem Englischen über- nommen. Vgl. Ladendorf. jo, interj., sehr lebhafter Freudenruf. Im 15. Jh. Jö bei Wittenweiler Ring 39⁰, 26 f., aber als Klageruf md. um 1300 36. Vgl. johlen. Joachim, Mannsname. Gekürzt Jochim, Jochem. Aus hebr. Jöjäkim den Gott auf- richten wird?. Jobber, m.(-s, Pl. wie Sg.): gewerbs- mäßiger Börsenspekulant. 1801 bei Campe. Aus engl. jobber Makler, Aktienkrämer, Zwischenhändler», eig.«Akkordarbeiter, Tage- löhnerꝰ, stochjobher«Aktien-, Effektenhändler, der auf eigne Rechnung spekuliert», von engl. J05 Akkordarbeit, Unternehmen, Geschäft), eig. wohl«Schlagy, von Job«stoßen, stechen?. Joch, n.(-es, Pl.-e, im Bergbau Jöcher): ein mit Pfählen verbundner wagerechter Trag- balken, insb. das Gerüst an hölzernen Brücken 949 Jochem Joseph 950 (mhd.), im Bergwerk die im Viereck zu- sammengesetzten absteifenden Schachthölzer (Schladminger Bergbrief von 1308), bildlich Gebirgsrücken, der zwei höhre Bergspitzen verbindet(mhd.-ahd.); viereckiges hölzernes Geschirr um den Hals des Zugochsen, dann bildlich eine aufgelegte Last, Bedrückung, Dienstzwang(mhdâ.-ahd.); zwei zusammenge- jochte Ochsen, Gespann, sowie als Feldmaß soviel Ackerland als mit einem Ochsenge- spann an einem Tage gepflügt wird(mhd.- ahd.). Mhd. joch n., ahd. joh, juh n.(Pl. joh und jahhir); dazu and. julc, mnd. jock, juck n. m., mndl. jock, jogh, ags. geoc n., engl. goke, anord.-'schwed. ok n., dän. aag, got. julc n.(Paar Zugtiere), woneben ahd. jocho m.«Bergjoch», anord. oki m.«hölzerner Querbalken». Urverwandt mit lat. Jugum n., gr. zwrév n. und Curôc m., lit. jungas m., abg. igo n.«Joch», air. ughaim Pferdegeschirry, kymr. ixu, korn. iou αᷣ]och, air. caing«Joch⸗ (aus*com-jugos n.), aind. jugäm n.«Joch, Gespann», zu lat. jungere«verbinden?, gr. Teufvövoi anschirren, lit. jungin cich spanne ins Joch», aw. jaog-, aind.»ν-«anspannen». ZUs. Jochgeier, m.: auf Gebirgsjochen lebender Geier, 1583 bei Thurneyßer. Jochem, m.: Wein. Bei Hebel 2, 226, Grimmelshausen Simpl. 2, 341, 30 Kllr., rot- welsch im 15. und 16. Jh., aus hebr. jajin Wein». Vgl. Finkeljochem. Jockei, m.(-s, Pl.-s): Reitknecht. 1813 bei Campe, aus gleichbed. engl. Jockey, eig. Hänschen»(wie noch schottisch), von Jack Hans, der Abkürzung des Namens Jakob. Jod, n.(-s): chemischer Grundstoff. 1811 von Courtois entdeckt und nach dem Aus- sehen(gr. loedic«veilchenfarbigy) benannt. jodein, v.: jo schreien oder singen; durch akkordierende Töne auf- und abwurtssingen mit dem Schlußsprunge vom Grundton in seine Oktave. Bei Goethe 24, 362. Aus bayr. tirol. jodlen, johlen(s. d.), kärnt. joudeln. Davon Jodler, m. Johann, Mannsname. Wie Hans(s. d.) gekürzt aus Johannes, gr. lwdvvnc, hebr. Jochänãn«dem Gott hold ist». ZUS. Jo- hannisbeere, f: ribes rubrum, 1618 bei Schönsleder S. Johans beer, 1542 bei Fuchs new Kreutéerb. 663 S. Johanns beerlin, weil um St. Johannistag(24. Juni) reifend. Jo- hannisbrot, n.: die Frucht des Baums Ceratonia siliqua, 1567 bei Schmiedel Reis. 47, 26 Johannesprot, 1538 bei Schaidenreißer Odyss. 36 S. Johannsbrot. Johanniskäfer, m.: Johanniswürmchen, 1594 bei Frischlin Nomencl. Cap. 48 Johannskefer. Johannis- kraut, n.: die Pflanze Hypericum perforatum, 1500 bei Brunschwyg Destill. 100 St. Johannis- krut. Johannistag, m.: der(tedächtnistag Johannes des Täufers(24. Juni), aber auch der Gedächtnistag Johannes des Evangelisten und Apostels(27. Dezember), dieser auch der Winter-, jener der Sommerjohannistag genannt. Johannistraube, f.: Johannis- beere, 1546 bei Bock 2, 22 b Sant Johans- treübel, Johanstreiblin. Johannistrieb, m.: der zweite Trieb der Pflanzen zu Johanni. Auch auf den Menschen übertragen. Vgl. Ladendorf. Schlagwort seit 1878. Johannis- würmchen, n.: der um St. Johannistag (24. Juni) erscheinende Leuchtkäfer Lampyris, 1566 bei Mathesius Luther 141, 20 Neudr. Johans Würmlein. Johanni: der Johannistag(s. o.), nach lat. dies Johanni. johlen, v.: Jo schreien, wild lärmend singen oder schallen. 1556 bei Frisius 231 2 jolen, mhd. Jôlen claut singen»(verächtlich), mnd. jolen«jubelny». Vgl. joddeln. Entlehnt schwed. Jjodla, dän. jodle. Jolle, f.(Pl.-n): kleines vorn und hinten spitzes Ruderschiff. 1741 bei Frisch Jol, Jelle. Aus dem Ndd. Mnd. jolle f.«kleines Boot», ndl. jol, engl. ο⁸, jolly--boat, franz. ole«Boot. Unbekannter Herkunft. Jongleur(spr. 20 ör), m.(-s, Pl.-): Taschenspieler, Gaukler. Aus franz. jongleur m. urspr. fahrender Sängers aus lat. ioculdtor m. Spaßmacher» von Jocas m.«Scherz». 1813 bei Campe. Joppe, f.(Pl.-ʒ): Uberkleid des Ober- körpers mit Armeln, aber ohne Schöße, für Münner, während Joppel, m.(*s, Pl. wie Sg.) die Benennung eines solchen Kleidungsstückes für Frauen ist. Mhd. jope, joppe, Juppe f., auch als Stück der Rüstung, daneben gippe f., ebenso mnd. Jjope f., entlehnt aus dem Ro- manischen, mlat. j̈νσα, juppa, prov. jepa, franz. jupe, ital. giubha, giuppa f.«Wams, Jackey, span. aljuba f.«maurisches Oberkleid» von arab. al-dzubba cbaumwollnes Unterkleid. Joppel mhd. jopel, joppel(Diut. 3, 150), Juppel n.(Sumerl. 33, 76), aus mlat. jupellaune n., Dim. von Jupa. Vgl. Schaube. Joseph, Mannsname, aus hebr. Jat. Jo- sephus, hebr. Joôsεph cer fügt hinzu»(1. Mos. 30, 24 so aus jãsaph chinzufügen» erklärt). 60* 951 Jot Jot, n.: der Buchstabe J(7). 1663 bei Schottel 185 Jod. Aus lat. jöta, gr. idyra n., der Benennung des i, hebr. jod. Aus dem Griechischen entlehnt got. Jöta m.(Matth. 5, 18), als Bild für eine äußerste Kleinigkeit, wie 1631 bei Opitz Grotius 379 das minste Jodt. Journäl(spr. Zurnäl), n.(-S, Pl.-e): Tagebuch; Tageblatt. In der 1. Bed. 1669 bei Grimmelshausen Simpl. 519 und 1672 im Vogelnest 1, 12 Journal, 1566 bei Mathesius Luther 163(322, 1 Neudr.) Zornal und teg- lich handhuch; in der Bed. Zeitung» bei Lessing 12, 16(von 1750), Goethe Briefe 2, 259 (als m.), Göckingk 2, 225. Aus franz. journal m.(im 16. und 17. Jh. livre Journal), ital. giornale m.«Tagebuch, Zeitungy, mlat. jornale n., zuerst diurnale(Diefenb. nov. gl. 139 b) «Tagebuchy», woher schon 1420 oberrhein. dyornal und etwas später diurnal(Diefenb. 188⁰), abgeleitet von lat. diurnus ætäglich» (diurnum n.«Tagebuch», Pl. diurna, nämlich acka«eine Art Staatszeitungy), woher mlat. jornus m., franz. jour, ital. giorno m.&Tagy. Journalist, m.(en, Pl.-en): Zeitungs- schreiber. Bei Günther 518, in der Bed. Tagebuchführer 1727 bei Aler. joviãl, adj.: immer frohsinnig. Bei Schiller 10, 477. Aus gleichbed. franz. jovial, von lat. Joviãlis«dem Jovis(Juppiter) gehörig», dessen Stern nach den Sterndeutern dem Menschen Frohsinn mitteilt. Davon das gleich- bed. Adj. joviälisch, bei Wieland Amadis 11, 10 und Suppl. 1, 170. Jovialität, f.: heitre Laune, bei Schiller. ju! Interj. der lauten, ausgelaßnen, stür- mischen Freude. Mhd. ja, stimmend mit dem lat. Ausruf der Freude wie des Schmerzes i0, gr. ich, lod. Jubel, m.(-s): Freudenschall. 1535 im Aimon X 2 Jubel, mhd. Jubil m.(Khull Btr. 13) neben Jũbilus m., aus kirchlich-mlat. juhilus m. das langgezogne musikalische Frohlocken am Ende eines Kirchengesangs», von bäurisch- lat. Jũbilun n.«das Jauchzen, Jodeln der Hirten», das von dem Rufe des Jauchzens Ju(s. d.) ausging. Im 15. Jh. im Deutschen auch Jjubilo n.(noch bei Goethe und Schiller), wohl aus lat. jtäbilo cich jubley. 4B L. jubeln, v.: Freudenschall, Freudenrufe er- heben, in den Fastnachtspielen des 15. Jh. 1296; in gleicher Bed. jubilieren, v., mhd. Fübilieren. jbelieren, md. jubiléren, aus vulgär- lat. jubilare. ZUS. Jubelfest, n., 1716 bei jucken 1 95² Ludwig. Jubeljahr, n.: Freudenjahr all- gemeinen Erlasses, mhd. beljär n., nach lat. annus jübilcuns, welches letzte Wort nach hebr. jöbél«Horn zum Blasen im Halljahr (8. d.)» gebildet wurde wie Isidor(jubilcus, remissionis munus) im 7. Jh. ausdrücklich hervorhebt. Nach alttestamentlichem Vor- bilde setzte 1300 Papst Bonifacius VIII. ein kirchliches Gnadenjahr fest, dessen Feier alle 100 Jahre wiederkehren solle(mhd. Jubileus hiez daz wunnéjär), doch spätre Päpste be- stimmten diese Wiederkehr des Jubeljahres auf 50, dann auf 30, endlich auf 25 Jahre. Jubilär, m.(-s, Pl.-e): sein Jubelfest Feiernder, Jubelgreis. Im 18. Jh. aus mlat. Jubilarius m.«wer 50 Jahre in dem näm- lichen Stand isty, ausgehend von mlat. ũbi- lœus(s. Jubeljahr). Jubiläum, n.: Jubel- fest, 1710 bei Nehring. juch! Interj. der lauten Freude. 1573 bei Olinger Gramm. 165 juch, 1578 bei Clajus Gramm. 198 Jauch, mhd. jhch. juchen, v.: Juch schreien, lautes Freudengeschrei erheben, bei Voß aus nd. und md. juchen(mit kurzem oder langem ⁵), mnd. juchen. Vgl. jauchzen. juchhe! juchhei! juchheisa! Interj., in den Fastnachtspielen des 15. Jh. 335, 31 Jac, heia 0, 1580 bei Krüger Anfang und Ende der Welt v. 707 Juchei, bei Lessing 1, 268 jachhe, bei Goethe Faust 955 juchheisa(s. heisa). Davon juchheſfen, v., bei Hölty 175 H. Juchart, Juchert, m. und n.(*s, Pl.-): ein Morgen Ackerlands. Oberdeutsch. Mhd. Jiuchart, jeuchart, jachart, jächert, ahd. juchart n., neben mhd. jiuch, jeuch n. f., eig.«soviel Land ein Joch Rinder an einem Tage umzu- ackern vermag»(noch im Badischen Jeuch f.), ahd. giu. Urverwandt mit lat. jägerum n. «Morgen Landes', zugehörig zu Joch(s. d.), lat. jugum n. Den zweiten Bestandteil stellt man zu 24rt(s. d.). Juchten, m. und n.(-s, Pl. wie Sg.), anch Jucht, m. n.(in Preußen): rotes russi- sches Leder. 1691 bei Stieler Jochten, Juchten. Niederdeutsche Form mit ³, 1785 bei Voß Ged. 1, 163 Jucht m., ndl. Jucht, jugt, aber nd. auch Juften, aus gleichbed. russ. juftu m., eig.«Paary, weil die Häute paarweise ge- gerbt werden. juchzen, Juchzer, s. jauchzen. jucken, v.: zum Kratzen reizenden Nerven- reiz haben; hin- und herreiben. In der 1. Bed. auch impers. mich juckt es(mhd. mich juckel), auch mir juckht. Mhd. juchen, im 15. Jh. jäücken 953 Jucks jung 954 (Diefenbach nov. gl. 307 5b von 1486, auch bei Luther, Wieland, Schiller), ahd. Jucchan: dazu and. jucid«œes juckty, mnd. jucken, joken, mndl. joocken, jeucken, ags. giccan, engl. itch cjucken». Alem. auch in der Bed.«springen', schon 1513 bei Liliencron 3, 117 b jucken. Da diese Bedeutung alt sein wird, so läßt sich vielleicht got. jinka m.«Streit, Zanks, Jiukan ckämpfen» heranziehen. 4BL. Jucker, m.: Kleineres, meist ungarisches Wagenpferd. Schweiz. elsäss., eig. der Springerv. 1 Jucks, m.(-es, Pl.-e): lustiger Scherz. In den obd., md. und nd. Mundarten; dazu mndl. und clev. 1477 Jock, engl. joke«Scherzs. Aus gleichbed. lat. Jocus m.(woher ital. gioco, franz. jeu m.«Spiels), wahrscheinlich durch die fahrenden Schüler verbreitet, wie mudl. und clevisch 1477 jocken«scherzen» aus gleich- bed. lat. jocãri. Davon Juekserei, f.: lustiges Scherzen, bei Lessing 11, 592; jucksig, adj.: zu neckendem lustigen Scherzen aufgelegt, bei Voß Juæig. 2 Jueks, m.(-es, Pl.-e): Schmutz, Nichts- wertes. Nd. und ostmd. Bei Goethe 3, 54 Jux. Mit ableitendem s von spätmhd. iuck Juckendes»(Diefenbach nov. gl. 307 b von 1466), 1482 im Voc. theut. r 3 b Kretzighaut oder der iuch oder die kretze. Von jucken (s. d.). Bei Kindleben 1781 Gucks, gucksig «Schmutz, schmutzigs, gucksen cgeizig sein, Profit machen, Gucksmacher«Wuchererꝰ, daher nd. Jufcs«Schwänzelpfennige, unrecht- mäͤßiger Gewinn»(1767 im Brem. Wb.). Jude, m.(-n, Pl.-n), Volksname. Mhd. jude, jüde, ahd. judo, judeo m.(auf dem e= i beruht der Umlaut i im Mhd., auch älternhd. bei Luther ücke, bei Alberus 1540 und noch mundartlich Jüd); dazu asächs. judeo, jucteo, afries. jotha, ags. Pl. judéas, aus gr. Jat. Jädœxus, wie got. Iudaius, Judaius Aus lat. Juli, dem Gen. Sg. von Julius, wie aus gr. loudoioc. 4BL. Jüdin, f., mhd. jüdinne, jüůdin. jüdisch, adj., mhd. jüdisch, ahd. judeisc, judiisg, judisg, got. iudaioisks, Adv. iudaiwisko, nach dem gr.-lat. Adj. Jã- daious, gr. loudaioc. ZUS. Judeneman- zipatiön, f., Schlagwort seit den 20 er Jahren des 19. Jh. Vgl. Ladendorf. Judengasse, f., 1366 judengagzen(Mon. Boica 42, 439), md. 1387 judengaße(Baur hess. Urk. 1, 787). Judenharz, n., Judenleim, m., Juden- pech, n.: Asphalt, im 15. Jh. Judenlym, dleym (Diefenbach-Wülcker 681), mlat. bitunten Jju- daicum. Judenkirsche, f.: die Pflanze LPhysalis alkekengi, im Liber synon. von 1440 juden kersen(Diefenbach-Wülcker). Juden- schaft, f., mhd. Juden-, judeschaft, im 12. Jh. judischaft f. Judenschule, f., mhd. juden- schuole f. Judenspiefß, m., 1494 bei Brant Narrensch. 76, 11 Juden spyeß, im Volkswitz bildlich von einer unlautren Waffe in der RA. mit dem Judenspieß rennen(laufen), d. h.«gleichsam mit einem Turnierspieß alles niederwerfend wie ein nach Wucher laufender Jude, großen Wucher treibeny. Den Juden war das Waftentragen verboten. Judentum, n., bei Luther Gal. 1, 13 Jüdenthum, 1540 bei Alberus dict. N3 Judentumm. Jugend, f.: das Jungsein und die Zeit desselben. Mhd. Jugent f., sehr früh auch jungent, junget, ahd. jugund f., zuweilen Jun- gund, jungend, dazu asächs. jugud, mnd. joget, mndl. jeughd, ags. géogup, géõogoß f., engl. oulh, got. junda f.«Jugendꝰ, urverwandt mit gleich- bed. lat. juventa f., air. õitiu f.«Jugend», aind. juvati; f.«jung». Das g ist wohl aus ꝛ ent- standen. Abstraktbildung zu jung(s. d.). 4B L. jugendlich, adj., mhd. jugentlich, ahd. jugundlih. ZUS. Jugendstil, m. Schlagwort für eine neue Stilrichtung, seit 1897. Vgl. Ladendorf. Jugendzeit, f., bei H. Sachs4, 321. Jul, m.(-S): Weihnachtsfest. In Nord- ostdeutschland. Mnd. iul m., nach anord. 70 n. pl.«Fest der Wintersonnenwendes, schwed.- dän. jul. Dazu ags. geohhol, géol n.«Christ- festy, engl.„ule und got. Jiuleis m.«Jul- monat», anord. Fler, ags. géola m.«Dezembery. Grundform* jehala. Herkunft unsicher. Vgl. Uhlenbeck Btr. 30, 295. Julep, m.(-S, Pl.-e): Kühltrank. 1575 bei Fischart Garg. 19 Julep. Aus franz. Jaley, span. julepe, ital. giulehbo m., von arab. déolab, das aus pers. gulãb«Rosenwasser»(gul cRosey, äb«Wasser) entlehnt ist. Noch ostpreußisch. Juli, m.(-s): der siebente Monat im Jahr. der Monat Quintilis von den Römern zu Ehren des die Zeitrechnung berichtigenden, unter die Götter versetzten Feldherrn Cajus Julius Cäsar benannt wurde. Ahd. hewwimänôth«Heumonat». jung, adj.(Komp. jünger, Sup. Jjüngst), Gegensatz von alt. Mhd. junc(Komp. junger, jünger, Sup. jungist, jungest, jungst), abd. jung(Komp. jungiro, bei Kero Jugiro, Sup. jungist); dazu asächs. jung, ndl. jong, afries. jong, jung, ags. geong, engl. οung, anord. ungy, schwed.-dän. ung, got. juggs(Komp. Jãhiza). Urverwandt mit lat. juvencus«jung, junger Stier, Jüngling», air. öac, Oc«jung», aind. 95⁵ jung Jurist 956 Juvacãs«jugendlich», Weiterbildungen von lat. juvenis«jung, Jünglings, aw. juvan-, aind. Jüwan- cjung», lit. jãunas, abg. Junũ cjung». 4BL. Junge, m.(-n, Pl.-n und nd.-ns): junger Mensch, Knabe, mhd. junge, ahd. jungo m. Junge, n.(-n, Pl.„n): junges Tier im Vergleiche zu seinem alten, mhd. Junge, ahd. jungi n. jungen, v.: Junge gebären, 1482 im Voc. theut. p 7°, anders mhd. jungen jung werdeny. jüngen, v.: jung machen, mhd. Jjungen, ahd. jungan, nhd. in verjüngen, auch refl. mhd. sich jungen, jüngen. Jünger, m. (Cs, Pl. wie Sg.): Lehrling, Schüler, mhd. junger m.(in starke Biegung übergehend), aber schwachflekt. ahd. jungiro, jungoro m.; dazu asächs. jungaro, jungro, afries. jon- gerd, ags. geongra m., zunächst von Christi Schülern, gebildet als Gegensatz zu Herr (ahd. herro, eig. hériro«der ältre». Jüng- ling, m.(-s, Pl.-e): junger Mensch zwischen der Knaben- und Manneszeit, mhd. Jungelinc, ahd. Jungeling m.; dazu and. Jungling, mndl. jonghelinck, ags. geongling, engl. Youngling (veraltet), anord.„nglingr, schwed.-dän. ngling m., dafür got. juggalaups m. jüngst, adv.: zuletzt, in letzter Zeit, bei Luther Briefe 1, 571 jungist, 1663 bei Schuppius 466 Jüngst, mhd. Jungist, jungest, neben ze jungist, ahd. 2a jungist, ze jungest, der Superl. hier in gleicher Bed. wie der Jüngste Tag«der aller- letzte Tagy, ahd. der jungiste tac. ZVUS. Jungbrunnen, m.: verjüngender Brunnen, mhd. Junchrunne. Jung(e)magd, f. Stuben- mädchen, in Obersachsen, 1715 bei Amaran- thes, 1696 bei Chr. Reuter Schlampampe 46, zusammengerückt aus junge Magd mit Ver- legung des Haupttons auf die erste Silbe. Jungfrau, f.: junges lediges Frauenzimmer, insbes. lediges Frauenzimmer von unbefleckter Keuschheit(Offenb. Joh. 14, 4 auch von einer solchen Mannesperson), mhd. juncvrourbe, vrou, ahd. Juncfrouawa f.«junge Herrin, Edelfräu- lein, im Mhd. auch«unverheiratete vornehme Dienerin, lediges Frauenzimmer von unbe- fleckter Keuschheits(im 14. Jh., dafür ülter maget, s. Magd), bildlich auch von Männern. Daraus gekürzt(ähnlich wie mhd. ver, vir Frau?, vor Namen und in der Anrede) Jungfer, f.(Pl.-n): lediges Frauenzimmer, insbes. von unbefleckter Keuschheit, dann Dienstmädchen höhren Ranges, im 17. und 18. Jh. Ehrenbezeichnung eines noch unver- heirateten bürgerlichen Mädchens vor dem Namen oder der Standesbenennung, entspre- chend dem jetzigen Fräulein(1774 bei Goethe 19, 43 die Jungfer Pfarrerin, 1664 bei Duez Jungfrauo ein Ehrentitul, mademoiselle»). 1691 bei Stieler Jungfer, Jumpfer, Jumfer (doch schon im 15. Jh. jumpffrauabe Diefen- bach gl. 622 4), bei Luther 8, 241 b Jungfer, köln. im 15. Jh. jonffer, ndrhein. im 14. Jh. junffer. Davon jüngferlich, adj., bei Wie- land, Jungferlich 1663 bei Schuppius 472, köln. im 15. Jh. junfferlich(Frommann 2, 440b), mhd. Juncvrouwelich; Jungfernschaft, f., 1654 bei Logau 1, 8, 80, köln. im 15. Jh. junffer-, jonfferschaff f.(Frommann a. a. O.), ndrhein. im 14. Jh. Junfferschafpt, als edlerer Ausdruck Jungfrauschaft, f., bei Luther Jungfrawschafft, 1494 bei Brant Narrensch. 92, 70 jungfrowschafft. Jungfernrede, f., Ubersetzung des engl. maidenspeech, studen- tisch 1836 geläufig. Junggesell, m.(en, Pl.-en): lediger heiratsfüähiger Mann, urspr. junger, 1496 bei Liliencron 2, 341 b junggeselle, bei H. Sachs 5, 28 der Pl. Jung Gselln. Juni, m.(-s): der sechste Monat im Jahre. Aus lat. Junii(so noch im 16. und 17. Jh.), dem Gen. Sg. von Junius, wie die Römer den Monat nach der Göttin Juno benannten. Deutsch Brachmonat(s. d.). ZUS. Juni- käfer, m.: der im Juni fliegende, dem Mai- käfer ähnliche, aber kleinere Käfer Scarabaeus Solstitialis, 1722 bei Frisch Insecten 4, 29 Funius-Kefer oder Brach-Kefer. Junker, m.(-s, Pl. wie Sg.): junger Adeliger, dann als Ehrentitel; ostelbischer adliger Grundbesitzer(im 19. Jh.). Im 16. Jh. Junlcer(bei H. Sachs usw.), 1482 im Voc. theut. p 7² junckher, köln. im 15. Jh. junker, jonkter(Frommann 2, 440 a), gekürzt aus mhd. Junchérre, herre m.«junger Mann von hoher Geburt, Edelknabe»; dazu ndl. Jonxer, jonlcheer. Die Flexion war bis ins 17. Jh. schwach (Gen.-n, Pl.-en), noch bei Wieland 21, 12 der Pl. Junkern. 4BL. junkerhaft, adj., 1691 bei Stieler. Junkertum, n., Schlag- wort seit den 20 er Jahren des 19. Ih., ge- richtet gegen das herausfordernde Auftreten der Junker. Vgl. Ladendorf. Jurist, m.(-en, Pl.-en): Rechtsgelehrter, kundiger, beflissner. Mhd. juriste m., im 15. Jh. Jjurist, aus mlat. jurista m., von lat. Jũsn.(Gen. jũris)«Recht. Davonjuristisch, adj., bei Luther 6, 39 J., verschieden von Juridisch, das nach lat. Jãridicus«gerichtlich» gebildet ist. Juristerei, f., bei H. Sachs Fab. 240, 128. 9⁵7 Jurte Kabel 958 Jurte, f.(Pl.-n): Hütte nomadischer Völker. Aus dem Türkischen durch russische Vermittlung in neurer Zeit. just, adv.: richtig; genau, gerade. Bei Rot 1571 und Fischart Hütl. 345; dazu nd. im 17. Jh. just, ndl. 1598 juyst. Aus dem lat. Adv. juste«gerecht, gehörigs, franz. Juste, vom lat. Adj. justus«gerecht, rechty, zu lat. jüs n. Rechty. Bei Goethe 12, 99 auch als Adj.(es ist nicht just) crichtig, geheuer», wie bei Grimmelshausen Simpl. 523 und Hars- dörffer Gespr. 2, 92. justement, adv.: mit Recht, eben recht. Bei Bode Jones 6, 434. Aus gleichbed. franz. justement, aber ohne die franz. Aussprache vom Volk im letzten Viertel des 17. Jh. aufgenommen. justieren, v.:(Münzen usw.) ausgleichen, berichtigen; eichen. 1574 bei Höniger Narren- schiff 279 b einjustiren, dazu 1598 ndl. iustéren, aus mlat. justäre, von lat. justus crechto. Justiz, f.: Rechtspflege. 1586 bei Fischart Bodinus 3 Justici f., 1571 bei Rot Justitz f., aus lat. jãstitia f.«Gerechtigkeit)y. ZUS. Justizmord, m., von L. v. Schlözer 1782 als Schlagwort für die Hinrichtung Unschul- diger geprägt. Vgl. Ladendorf. Justizrat, m., 1716 bei Ludwig Justite-Raht. Justus, Mannsname. Gekürzt Just, Jost. Aus lat. justus gerechty. Jute, f.(Pl.-n): feiner glänzender ost- indischer Hanf oder Flachs zu Geweben. Im 19. Jh. aus engl. Jate, das aus dem Benga- lischen stammt. Juwél, n.(-S, Pl.-en): Kostbarkeit ersten Ranges, Edelstein, 1495 in der Kölner Gemma E33 iulν‿εᷣel, zu Anfang des 16. Jh. md. Jabel (Diefenb. gl. 126 c); dazu ndl. 1598 iuνεel, Jou- weel. Aus gleichbed. afranz. joiel, Jobl, nfranz. joyau, span. Joyel, ital. giojello m., mlat. jocale n., die vermutlich auf lat. jocus m.«Scherz, Kurzweil⸗, zurückgehen. Davon Juwelier, m.(-s, Pl.-e): Juwelenhändler, Goldarbeiter der sich mit der Fassung von Edelsteinen beschäftigt, 1495 in der Kölner Gemma E 3⁴ iuuelier, 1505 in der Straßburger Gemma e 3 iubelier, md. zu Anfang des 16. Jh. iubelierer (Diefenb. gl. 126(), noch im 18. Ih. Jubilirer; dazu ndl. 1598 uzweellier, aus franz. joaillier, jouaillier, im 16. Jh. Joylier, mlat. Jocalarius. Jux, s. Jucks. K Wörter, die man hier nicht Rabäche, Kabäcke, f.(Pl.-n): bau- füllige Hütte, schlechte Schenke. Norddeutsch, im 17. Jh. bei Olearius pers. Reisebeschr. 3, 6 Kaback f. Vgl. bei Nehring 1710 «Kabacks werden in Moskau die Schenken und Wirtshäuser genannty. Also wohl aus russ. kabaki m. Anders H. Schröder Streck- formen 23. Kabäle, f.(Pl.-/): fein angelegte ge- heime Gegenwirkung, arglistige Ränke. 1716 bei Ludwig, aus gleichbed. franz. cabale f. von hebr. qabbãlã, rabbinische«Geheimlehres, in letzter Bed. 1581 bei Fischart Bienenk. 32 b der Juden Kabalen vnd Thalmud. kabbeln, verb.(auch refl.): hadern, sich streiten. Wie gleichbed. md. nd. kibbeln, nd. kebbeln, mnd. kevelen«schwatzen». Wahr- scheinlich zu asächs. kafl, ags. céafl m.«Kiefer der Tieres und weiter zu air. gop«Mund. Verwandt mit Kiefer(s. d.). Norddeutsch (Voß 2, 182), schon mnd. kabbelen. 1 Kabel, n.(-S, Pl. wie Sg.), früher f. findet, suche man unter C. (Pl.-/): dicker Strick, Schiffsseil;(seit 1849) unterseeische Telegraphenleitung. Mhd. kabel, 1477 clevisch, ebenso ndl. kabel f., mud.- schwed.-dän. kabel m.«Ankertau», aus gleich- bed. franz. cäble, afranz. chable, span.-port. cable m., und diese aus mlat. capälus m. und capulum, caplum n.(mgr.«ankiov n.).«Fang- seil, von lat. capére cfassen. ²2 Kabel, f.(Pl.-n): Los, Losteil, Anteil, Reihenfolge. In Norddeutschland. 1598 bei Colerus Hausb. 6, 27 Kabel m., mnd. Kavele f. Los», eig. czugerichtetes Holz zum Losen, gewöhnlich mit einem runenartigen Zeichen, pesonders dem Namen des Mitlosenden ver- sehen, anord. kafli m. clängliches Stück Holz, Teil, Stücks, schwed. kafle m.«Rolle, Walzen, dun. Kaul, Kaule«Holz im Fischgarn», ndl. kavel m. Los, Teil». Dazu wohl lit. Zabas Reis, 2uobris m.«Pfluggestell. Vgl. auch Kufe. 4BL. kabeln, verb.: losen, durchs Los abteilen, bei Frisch kabeln(vom J. 1652), mnd.-ndl. kavelen. 959 Kabeljau Kabeljau, auch Kabliau, m.(-es, Pl.-e): der frische Seefisch gadus morrhua(vgl. Laberdan, Stockfisch, Klippfisch. 1563 in Forers Fischbuch 132 Kabhelomzo, im 15. Jh. mrhein. cabeliau(Diefenbach 358), aus mnd. Mabelo(1377), Kaplaus(1350), cahbelyau(Dief. 317 b vom J. 1420), 1477 clevisch cabliauave, ndl. bei Kilian kabeliau, kableau, jetzt kabel- jaauao, mlat. in den Niederlanden seit Anfang des 12. Jh. cabellauawus, schwed. kaheljo, dän. kabliau. Daneben steht nd. bafckeljaus aus span. bacallao, port. bacalhao m.«Stockfisch, zu lat. baculus m.«Stock». Doch tritt dies viel später auf und wird eher aus kabeljau umgestellt sein. Herkunft unklar. Vgl. Uhlen- beck Btr. 19, 328. Kabine, f.(Pl.-n): Schiffskammer. 1618 bei Hulsius Schiff. 15, 21 Cabbin, aus gleich- bed. franz. cabine f., dies aus engl. cabin Hütte, Kajüte», altengl. caban, cabane, das dem franz. cabane entstammt, letzteres von mlat. capanna f.«Hüttey(600 bei Isidor).— Kabinétt, n.(-es, Pl.-e): kleines Gemach, Nebenzimmer; Geheim-, Ratszimmer eines Fürsten; Staatsministerium; Zimmer für eine Sammlung von Seltenheiten. 1644 im Sprach- verderber aus gleichbed. franz. cabinet m., von cabine f. Kabriolétt, n.(els, Pl.-): leichtes Bei zweirädriges einspünniges Wägelchen. Gotter 1, 49. Aus gleichbed. franz. cabriolet In, von franz. cabriole, ital. capriola f. Bocks- sprung»(zu lat. caper m.«Ziegenbocks), be- nannt nach den Luftsprüngen, die ein solches Fuhrwerk leicht macht. Vgl. Kapriole. Kabrüsche, f.: Kameraden, besond. zu Schlechtigkeiten. Aus der Gaunersprache, in der es als Chabrusse 1735 belegt ist. Aus dem Hebräischen. Elsässisch Kafruse“. Auch in der nordd. Umgangssprache. Kabüse, f.(Pl.-n): schlechte Hütte, Zümmerchen, Verschlag; Kernhaus des Obstes (brem. Wb. 2, 713). Norddeutsch. In einem Breslauer Vocab. von 1422 kablise f.«Ver- schlag auf dem Schiffy, aus mnd. kabäse f. ckleines, niedriges Gebäude, Verschlag»; hier- 2u ndl. Kabuis und entstellt kombuis f., franz. cambuse f., schwed. kabyYsa f., engl. caboose «Schiffsküche». Unklarer Herkunft trotz Schröder Streckformen 28. Kachel, f.(Pl.-n/): irdenes tiefes Ge- schirr; irdene Ofenröhre, um darin zu kochen; Ofenfliese. Mhd. kachele, kachel f. irdenes Gefäß⸗, im 15. Jh. auch«Nachttopfy und Räfer 960 Ofenkachel», ahd. chachala f.«irdener Topfs. Aus einem nicht belegten lat. caccalus m. cKochgeschirry, mlat. cachus m. cGefäß, Schale», vgl. port. caco m.«Scherbe», tarent. käkkalo. Belegt ist nur caccabus. 08. Kachelofen, m., spätmhd. Kacheloven m. kacken, verb., frühnhd.(1495 in der Kölner Gemma, bei Luther 8, 24 b Jen.), wohl aus der Schülersprache, von gleichbed. Iut. cdcãre, gr. koxwdv. Kadäver, m.(-s, Pl. wie Sg.): Leichnam. Im 17. Jh. aus gleichbed. lat. cadaãver n., von lat. cadére«fallen». ZUS. Kadävergehor- sam, m.: unbedingter Gehorsam. Seit etwa 1880 belegt. Der Ausdruck geht auf die Jesuiten zurück. Vgl. Ladendorf. Kadénz, f.(Pl.-en): der Tonfall, der Schlußlauf im Gesange. Im 18. Jh. aus gleich- bed. ital. cadenza f., von mlat. cadentia f. «Fally, abgeleitet vom Part. Präs. cadens (Gen. cadentis) zu lat. cadére cfalleny. Kadétt, m.(-en, Pl.-en): junger Mensch, der in den Heeresdienst tritt, um sich zum Offizier auszubilden. 1703 im Zeit.-Lex.«der jüngerey, aus franz. cadet m.«der Jüngere unter Geschwistern), dann«junger Adeliger, der seine Laufbahn im Kriegsdienste be- ginnty, aus gaskog. ccõdet, provenz. capdel «Haupt», einer Ableitung von lat. capuat n. Haupts. Kadi, m.(-s, Pl.-): Richter. Aus gleich- bed. arsb. dd, türk. Kadi. 1703 im Zeit.-Lex. kadük, adj.: hinfällig; niedergeschlagen. Aus franz. cadnc, das aus lat. cadãcaus«fallend, heimgefallen, von cadere«fallen» stammt. 1703 im Zeit.-Lex. cadac«ab- und hinfülligy, 1673 bei Chr. Weise Erzn. 63. Käfer, m.(-s, Pl. wie Sg.): nagendes Insekt mit hornigen Flügeldecken. Bei Maaler, Duez, Stieler usw. Käfer, bei Luther Kefer, mhd. kever, alld. chevar m., woneben auch schwachflekt. mhd. kevere, ahd. chevaro m., selbst noch bei Luther Nahum 3, 17 der schwache Pl. Kefern; dazu and. Keuera f. «Küfer, Art Heuschrecke», ndl. kever, ags. ceafer m., engl. chafer, nd. säver, zúver (Brem. Wb. 4, 592), mnd. Sever, zever m. Wohl zu mhd. Kifen, kifelen, schweiz. Käfen, kaflen«nagen», wozu auch Käfe, mhd. Keve, ahd. cheva f.«Fruchthülse, Schote», eig.«die mit den Zähnen abgenagte leere Hülsey und in gleicher Bed. Kiefe, Kife mit den Neben- formen Schäfe und Schiffe f.(Diefenb. 534 ²) gehört. 961 Kaff Kaiser 962 Kaff, n.(*s): Spreu(leere Getreidehülsen); Unwertes, Nichtiges. Mhd.(urspr. md.) kaf n.; dazu mnd. kaf, mndl. caf, ags. ceaf n., engl. chaff. Aus gleichem Stamm wie Käüfe, ahd. cheua f.«Schote, Hülses(s. Käfer). Kaffee, m.(-S, Pl.-s): die Frucht des Kaffeebaums und das daraus bereitete Ge- tränk;(als Neutr. im 19. Jh.) das Kaffee- wirtshaus(Cafk). In der zweiten Hülfte des 17. Jh. als Coffee aus engl. coffee, ndl. X /ρ f. übernommen, im Anfang des 18. Jh. drang aus franz. café, caffé m. die Form Caffe, Caffee (bei Klopstock, Lessing, Goethe Kaffee) durch. Zugrunde liegt arab. gahva zaus Beeren ge- kochter Trank, Kaffee. ZUS. Kaffeehaus, n., Kaffeeschwester, f., 1715 bei Amaranthes. Kaffer, m.(-n, Pl.-n): Bauer, einfältiger Mensch. In der Gaunersprache(1714), da- nach im 19. Jh. in südwestdeutschen Mund- arten und studentisch, aus rabbinisch Kaphri m.«Dorfbewohner, Bauers, von hebr. Käãphär m.«Dorfy. Verschieden von dem Volksnamen Kaffer m. in Südafrika, der auf arab. Käfir «Ungläubiger» beruht. RKäflg, m.(-s, Pl.-e): Gitterbehälter für ein sonst wild lebendes Tier; gegitterter Ge- füngnisbehülter. Mit g statt(vgl. nhd. Ferge, ahd. fer⸗o) und Genuswechsel aus mhd. kevje, ahd. chevia f., entlehnt aus lat. cauea f. Höhlung, Küfigy, vom lat. Adj. cavus«hohl. Noch im 16. Jh. Fem. kefig, daneben schon im 14. und 15. Jh. Neutr. und Mask. kefig, auch kebig(1581 bei Fischart Bienenk. 872 käßig), im 15. Jh. kefich, mit antretendem t kefit n.(Teufels Netz 6460 Anm.), danach im 18. Jh. Keficht, Käficht n. Kaffller, Kaviller, m.(-s, Pl. wie Sg.): Schinder. Erst im 17. Jh.(bei Stieler 1691). Aus der Gaunersprache, wo Caveller, Cafäller m.«Schinder(1510 im Liber Vagatorum, abgeleitet von talmudisch kephäl, das im Sy- rischen«abdecken, abziehen» bedeutet; wohl mit Anlehnung an nd. viller m.«Schinder? (Hautabazieher) und vielleicht an bayr. Gefill n. cRecht des Abdeckers auf das gefallene Vieh» (s. fillen). 4BL. KaffIleréi, f.: Abdeckerei, 1691 bei Stieler. Kaftan, m.(-S, Pl.-): langes Ehren- oberkleid der Türken. Aus türk. Kaftan, schon entlehnt 1647 in Olearius persian. Reisebeschr. 125 Kafytan«lang niedergehendes Unter-, Morgenkleidꝰ. Käfter, n., auch m.(-S, Pl. wie Sg.): kleiner enger Wohnraum. In Mitteldeutsch- Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. land und Westfalen. Ahd. chaftœre, chaftere Bienenkorb⸗. Nach Ehrismann Btr. 18, 228 Lehnwort aus mlat. capisterium n.«Mulde, Trog». Unwahrscheinlich wegen der heutigen Verbreitung. Bei Goethe(an Zelter 1, 252) das Dim. Käfterchen, n. kahl, adj.(Komp. Kahler, Sup. kahlst): haar-, federlos;(bildlich) unbewachsen, leer. Bei Luther kalh, bei Maaler und Duez Kaal, mhd. kal(flekt. kalzwer), ahd. chalo(flekt. chalawēr); dazu mnd. kal, mndl. kael, nndl. kaal, ags. calu, engl. calloa, entlehnt schwed. kal. Wohl entlehnt aus dem lat. Adj. calvus chaarlos⸗ Nach andern urverwandt mit abg. golä nackt, bloß. Vgl. Zupitza Gutt. 144. 4BL. Kahlheit, f., im 15. Jh. kalheit f. ZUS. Kahlkopf, m., bei Luther kalh-, kallcopff. Kahm, oberd. und md. Kahn, m.(-es): Schimmel auf gegorner Flüssigkeit. Mhd. kän m., im 15. und 16. Jh. auch kõn, 1432 cham Diefenb. nov. gl. 72³; dazu nndl. kaam f., ferner isländ. käm n.«dünner Uberzug von Schmutz, Staub, Schleim», engl. coom Ruß-, Kohlenstaub. Dazu vielleicht auch mhd. adel m.«Ruf, Schmutzy. 4BL. kahmicht, kahmig, oberd. und md. kahnig, adj.: schimmelig. Mhd. kämig, känig,(Mone Anz. 7, 298) camecht. Kahn, m.(-Lels, Pl. Kähne): muldenartiges Wasserfahrzeug, Boot. Mehr in Nord- und im östlichen Mitteldeutschland. Bei Luther Kahn, md. auch schwachflekt. xXane m.(14.Jh.); dazu mnd. im 13. und 14. Jh. Kane m., ndâl. kaan f.(woraus afranz. cane f.«Schiffy, nfranz. cane f.«Enten), anord. kᷣꝝna f.«-Boots, schwed. kana f. und dän. kane Schlitten, Schleifey. (Nicht verwandt mit Kanu s. d.). Kai, m.(österreich. und bayr. auch noch Quai),(-s, Pl.-s): durch Mauerwerk usw. pefestigtes Ufer, Hafendamm, auch die daran liegende Straße. 1664 bei Duez Kap f., mnd. kaje f., ndl. kaai, kaaj f., bei Kilian kaeyfe, engl. quayf, mengl. kei,(entlehnt schwed. kd, dän. kai) afranz. caje«Sandbanko, nfranz. quai m. Damm?, span. cay-s Pl. Sandbänke, Riffey, wird von altir. cai«Weg, Straße» hergeleitet, was unsicher ist. Kaiser, m.(-S, Pl. wie Sg.): Fürst der höchsten Würde. Mhd. keiser, ahd. Keisar, keisur m.; dazu asächs. késar, Késur, afries. keiser, ags. cãsere, got. käisar m., dem ei für de nach zu urteilen im Beginn unserer Zeitrechnung entlehnt aus dem römischen Familiennamen des julischen Geschlechts und 61 963 Kajüte Kalb 964 Titel der römischen Imperatoren Caesar, gr. Kacap, woher auch abg. cisarl, cesarl, russ. car. Die Schreibung al stammt aus der Kanzlei der Kaiser Friedrich III. und Maximilian I, vgl. Frankf. Reichskorresp. 2, 135. 160. 232 vom J. 1457 f.; bei Luther und noch bei Aler 1727 Keiser. 4L. Kaiserin, f., mhd. keiserinne, im 12. Jh. eiserin, ags. cãsern f. kaiserlich, adj., mhd. keiserlich, ahd. Keisur-, cheisar-, chaisarläh, ags. cãserlic. Kaiserling, m., an Geruch, Geschmack und Farbenpracht der edelste unter den eßbaren Schwämmen, amanita caesarea. 1540 bei Alberus dict. Dd 3 keyserling. Kaisertum, n., mhd. Keisertuom, ahd. cheisertuom n.; dazu asächs. Késuυπα³ονν, ags. cãserdöm m. Z0S. Kaiserkrone, f., 1581 bei Fischart Bienk. 127à Keyserskeron; Zwiebelgewächs mit einer Krone glockenförmiger hängender Blüten, fritillaria imperialis, aus Persien stammend, 1657 bei Harsdörffer Gespr. 2, 199 Käüisers Krone. Kaiserreich, n., mhd. keyserriche n. Kaiserschnitt, m.: Kreuzschnitt in die Seite und Gebärmutter einer Schwangern, um das Kind herauszunehmen. 1789 in Stillings häusl. Leben 43. Ubersetzung von sectio caesarea, vgl. Melber(1482) D 62 Cesar keiser, sie dictus, guod ex ventre matris cesus. Kajüte, in Bayern und ésterreich auch Kajütte, f.(Pl. n): Schiffszimmer. Im 15. Jh. bei Beheim Kajute f., aufgenommen aus mnd. Kaiute, nd. kajtte, ndl. kajuit, schwed. kajuta, franz. cajute f. Dazu auch afranz. chahute, cahzette, nfranz. cahate f. «Baracke», aus denen sich erklärt dän. kahyft, vläm. bei Binnaert cahugyfte, cahute«Kajütes. Die Herkunft ist unbekannt. Literatur bei H. Schröder Streckformen 35. Kak, m.(Lels, Pl.-e): Schandpfahl, Pranger. In Norddeutschland. Md. im 14. Jh. kak m., aufgenommen aus mnd. kx, 1420 ndrhein. Kuech m.(Diefenbach gloss. 353 ²). Der urspr. Begriff scheint nach der pommerschen Neben- bedeutung bei Dähnert 212 Stock, Pfahls. Dazu ndl. kaak, entlehnt schwed. käk, dän. kag«Schandpfahl». Verwandt sind lit. 2aginds m. Pfosteny, 2Agré f.«Pfluge, Zagaras m. cdürrer Asts. Kakadu, m.(-S, Pl.-s und-e): der ost- indische Schopfpapagei. Im 18. Jh. aus ndl. alcketoe f., von dem malayischen Namen Käka- kaaod, der den Schrei des Vogels nachahmt. Kakädo, m.(-s): Frucht des Kakaobaumes. Aus franz. ital.-span.-port. cacao, das auf gleichbed. mexikanisch cacao zurückgeht. Bei Seb. Münster Cosmogr. 1628 S. 1607 Cacao. Kake(Spr. kéx), m.(-s, Pl.-s): Art Ge- bäck. Aus engl. cale«Kuchenꝰ, das viel- leicht dem Nordischen entstammt, schwed. kaka flaches Brotv, dän. kage, im Ablaut stehend zu d. Kuchen. kakeln, v.: gackern; schwatzen. In Nord- deutschland. In eig. Bed. mnd. Kakelen, dazu ndl. Kakelen, bei Kilian kaeckelen, engl. cackle, schwed. Kkackla, dän. kagle; in übertragner Bed. bei Luther*, 68 b Jen., 1495 in der Kölner Gemma J 7d Kakelen, 1477 clevisch gakelen. Lautmalend. 4BL. Kakelei, f. Geschwätz, 1588 bei Ringwaldt Eckart K 3. Kakerlak, m.(-s,-en, Pl. wie Gen.): licht scheue Schabe; dann auch lichtscheuer Mensch, Albino(bei Campe). Ndl. kakerlak m. Mit dem Tier aus Südamerika, wo man kakerlallei sagt. Als Schimpfwort nd. schon im 16. Jh. bei Soltau Volksl. ² 283. Kaktus, m.(Gen. und Pl. wie Nom. und Pl. Kaktéen): Fackel-, Rankendistel. Aus Südamerika stammend, benannt nach gr. xdxroc f. m., eine stachlichte Pflanze. Kaland, m.(-s, Pl.-e): Brüder-, Ge- nossenschaft andächtiger Personen. Md. im 13. Jh. kalant m.(Konemann 94. 271. 617), afries. kalende f. Der Name daher, daß sich die Brüderschaft regelmäßig am ersten Tage jedes Monats(lat. calendae, daher ahd. im 11. Jh. kalend erster Monatstagy, s. Kalender) zur Fürsorge für Begräbnis und Seelenheil Verstorbner und zu gemeinschaftlichem Mahle zu versammeln pflegte, welches zum üppigen Schmaus gewordne Mahl selbst md. kalant, nd. kaland benannt wurde, daher dann Kaland überhaupt s. v. a.«üppiger Schmaus» und (bei Stieler 1691)«gesellschaftliche Zusammen- kunfty, kalendern«schmausen und zechen» (bei Frisch 1741 caländern). Kalauer, m.(-s, Pl. wie Sg.): schlechter Witz. Wahrscheinlich in Berlin aus franz. calembour(ꝗ) m.«Wortwitz» umgebildet, das von dem deutschen um 1500 erschienenen Schwankbuche Philipp Franckfürters zu Wien cder Pfaff vom Kalenberg» herstammt. Wohl mit Anspielung auf Leder und auf die ge- ringere Sorte Schuhe und Stiefel, die das Städtchen Kalau in großer Menge nach der 13 Meilen entfernten Reichshauptstadt liefert. Kalb, n.(-Lels, Pl. Kälber): Junges vom Rindvieh und Rotwild. Mhd. Kkalp, ahd. chalp n.; dazu anfränk. calf, ndl. kalf n., ags. cealf 965 Kaldaunen Kalfakter 966 n. m., engl. calif, anord. kalfr m., schwed. alf m., dän. kalv. Nebst mhd. Kilbere, ahd. chil- burra f.«Mutterlammy, ags. cilforlamb n. «weibliches Lamm» wohl urverwandt mit, aind. gärbhas, awest. garowa- m. Mutter- leib, Leibesfrucht», und vielleicht auch weiter zu gr. dekqοc f.-Gebärmutters. Doch macht der Guttural Schwierigkeiten. Oder zu gallo- lat. galba f.«Schmerbauch». Im Germ. finden wir auch die Bedeutung«Wade», anord. Kälff- m., engl. calf, anord. kalfabôt f. Lendes. 4BL. Kalbe, f.(Pl.-n): junge Kuh bis zum ersten Kalben. Mhd. kalbe, ahd. Kalba f. «weibliches Kalb», got. Kalbõ f.«junge Kuhs. Auch Kalbin f. bei Stieler 1691, im Voc. opt. (Leipz. 1502) Ff 5² Kalben. kalben, v.: ein Kalb gebären, mhd. kalben; dazu ndl. kalwen, ags. cealfian, engl. calve, anord. kelfa. kälbern, v.: springen wie die Kälber, alberne Possen machen(1528 bei H. Sachs kelbern, ndl. kalveren); sich erbrechen, wohl mit Anspielung auf das ähnlich klingende Blöken der Kälber(1797 bei Heynatz, ndl. bei Kilian kalven). kälbern, adj., mhd. kelberin. ZUS. 1) mit Kalb-: Kalbfell, n., mhd. kalpvel; bildlich«Trommel» 1602 bei Kirchhof Militaris disciplina 209. Kalb- fleisch, n., mhd. kalpuleisch; bildlich von ungewitzigter Jugend, im 15. Jh. bei Keisers- berg(Euangelia 35). 2) mit dem Gen. 8g. Kalbs-: Kalbsbraten, m., 1561 bei Maaler. Kalbsbrust, f., im 16. Jh.(Anz. d. Germ. Mus. 1860, 401). Kalbsfuß, m., mhd. Kalbs- fuo;(Buch v. guter Speise 27, 89). Kalbs- gekröse, n., im 15. Jh. Kalhsleroes(Nürnb. Pol.-Ordn. 229). Kalbskopf, m., Anfang des 15. Jh.(Germania 28, 371). 3) mit dem Gen. Plur. Kälber-: Külberkern, m., wilder Kerbel, chaerophyllum silvestre, anthriscus silvestris, auch Kälberkropf m. genannt, 1540 bei Alberus Dict. DD 2 b kelberkern, im 15. Jh. kelbkernen(Mone Anz. 8, 103, 40), gleichsam Kernen d. i. Getreide der Kälber, weil das Rindvieh die jungen Blätter frißt. Umdeutung von Kerbel(s. d.). Kaldäunen, Pl.: die Gedärme, besonders die eßbaren. Schon 1616 bei Henisch nur der Pl. Caldaunen; der Sing. ist unüblich, aber md. im 15. Jh. caldäne, koldun f.(Diefenb. Gloss. 556), mnd. Kaldane, koldäne, auch kallãne, kolüne(noch md. Kallaunen). Ins Mhd. aufgenommen auch kaltän. Aus dem gleichbed. mlat. calduna f., woher auch afranz. chaudoun, von lat. calidus, caldus«warm», urspr. wohl«das noch dampfende Eingeweide frisch geschlachteter Tiere». Dem Deutschen entlehnt schwed.-dän. Kallan, ferner tschech. kaldoun, kaltoun, poln. Kaldun m. Kalebässe, f.(Pl.-n): Flaschenkürbis; Birnenart. Uber gleichbed. franz. calebasse aus span. calabaza, port. cabaca, einer Ent- stellung von lat. cecurbita f.«Kürbisy. 1632 bei Kilian. Kalekut, m.(-s,-en, Pl.-en), auch Kaleküter, m.(-*s, Pl. wie Sg.): Truthahn. 1558 bei Heußlin 103 kalekattisch Hun, 1711 bei Rädlein calelcutischer Hahn, Calecutsch- Hahn, bei Voß Idyll. 13, 125 im Pl. Kalkuten. Der in Nordamerika einheimische Vogel wurde zuerst von den Spaniern 1524 aus Florida nach Europa gebracht und, da Amerika zu Anfang des 16. Jh. noch für einen Teil In- diens gehalten wurde, nach der damals be- kanntesten Handelsstadt Vorderindiens Calicut benannt, franz. cog d' Inde, dindon, ital. gallo d' India, 1715 bei Amaranthes Türckischer oder Indianischer Hahn, engl. Turken cock. Kalénder, m.(-s, Pl. wie Sg.): Zeit- weiser durchs Jahr. 1482 im Voc. theut. p 8 5b kalender, sonst im 15. Jh. Kolender, collender, aus den gleichbed. spätmlat. calendarius m., calendarium n., einer Ableitung von dem lat. Plur. calendae cerster Monatstag», dann «Monaty. Mhd. hatte man die Form kalen- denœære, md. calendenär m. RA. Kalender machen sin tiefen Gedanken, nachdenklich sein, Grillen fangen». 1664 bei Duez. kaléndern, s. Kaland. Kalésche, f.(Pl.-n): leichter offner Reisewagen. 1636 bei Möhner 54(hgb. v. Czerny) Calleche, bei Grimmelshausen Simpl. 2, 195(Keller) Calesch f., 301 m., 1664 bei Duez(ales f., 1734 bei Steinbach Kalesse und noch bei Goethe 31, 28 Calesse f. Aus dem Slawischen, tschech. Kolesa(Poln. olaska, russ. Koljäska) f.«Räderfuhrwerk», urspr. Plur. von kolo f.«Rad». 1604 bei Colerus Hausb. 3, 109 ein klein Wegelein mit vier xleinen Raden, da man nur ein Pferd vor- spannet, in Polen nennet mans eine Kolesse. Aus dem Deutschen franz. caleche f., ital. calesse, calesso m. Kalfäkter, m.(-s, Pl. wie Sg.): Schmeich ler, Aushorcher, eig. Stubenheizer. Im 16. Jh. Calfactor, von Lehrern wie Schülern zu allerlei niedrigen Diensten gebrauchter Ein- chaucdun, cauldan, engl. chaaodron, im 15. Ih. heizer in Schulen(1524 bei H. Sachs vier 61* 967 kalfatern Kalmäuser 968 Dialoge 24, 30 Calefactor, bei Luther Haus- postill 401 2 Calfactor, 1572 bei Fischart Pract. Großm. 9 Kolfactor), aus mlat. calefactor m. (Warmmacher) als Wort der Kanazlei- und Schulsprache. 43L. kalfäktern, v.: an- bringen; den Pudel machen. kalfätern, v.: ein Schiff ausbessern, es wasserfest machen. 1716 bei Ludwig cale- fatern, aber 1709 bei Hübner Calfaterung. Niederdeutsch. Ndl. kalefateren, kalfateren, von franz. calafater, calfeutrer, span. cala- fatear, ital. calafatare, vielleicht aus arab. qãlafa, gällafa cein Schiff verkitten. Kali, n.(-s): ein Salz. Erst im 19. Jh. abstrahiert aus Alkali(s. d.). Kaliber, n.(-s, Pl. wie Sg.): Durch- messer des Geschützrohrs; Kugelmaß nach Größe und Schwere; Art, Schlag. In erster Bed. 1616 bei Wallhausen Kriegsmanual 108 Caliber m. Aus franz.-prov.-span. calibre, ital. calibro m.«innrer Durchmesser einer (Geschütz-) Röhres, neben veraltetem span. calibo m., von arab. qãlab«Form, Leisten. Kalif, m.(en, Pl.-en): Nachfolger(und Stellvertreter) Mohammeds. Mhd. kalif m., aus arab. chalsfa«Nachfolger», als Titel des unmittelbaren Nachfolgers Muhammeds Abu- bekr, von chälafa«nachfolgen'. Käliko, m.(-S, Pl.-s): Baumwollen- gewebe. 1773 bei Amaranthes“ Culicon. Aus engl. calico, franz. calicot m., benannt nach der ostindischen Stadt Calicut an der Mala- barküste, woher der Zeugstoff zuerst kam. Kalk, m.(-es, Pl.-e): Stein aus Calcium- oxyd, der gebrannt wird und mit Wasser begossen zerfällt; die so zerfallne Masse. Mhd. kalc, ahd. calc, chalc und mit regel- rechter Verschiebung des zweiten c chalch, chalh m.(daher noch md. und oberd. Kalch, auch bei Goethe Br. 4, 125, 126); dazu and. calc, ndl. kallc, ags. cealc m.(engl. chalk «Kreides). Aus lat. calæ f.(Gen. calcis), das zu gr. XdkiE m. f.(Gen. xX⁴ εꝓαc)«Kalk- stein gehört. 4 BL. kalken, v.: mit Kalk bearbeiten oder bestreichen, mhd. kelken, kelchen, ahd. im Part. Prät. gichalct, gichalht; dazu anord. kalka. kalkicht, kalkig, adj., 1562 bei Mathesius Sarepta 492 kalchicht, 1691 bei Stieler Kalkicht, 1741 bei Frisch Kalkig. ZUS. Kalkofen, m., ahd. chalhovan, mhd. Kkalcoven. Kalkspat, m.(-es, Pl.-e): kohlensaurer Kalk, 1775 bei Adelung. Kalkül, m.(-S, Pl.-e): Berechnung. Im 18. Jh.(Schiller Wallenst. Tod 4, 8), von lat. calculus m.«Steinchen, Rechensteinchen». 1727 bei Hübner(aus der Kaufmannssprache) cal- culus. Dazu kalkulieren, v.: berechnen, aus lat. calculdre«ausrechnen?, eig. mit Rechen- steinchen, franz. calculer; bei H. Sachs Fastn. 41, 188 calculirn. Kalle, f.: Liebste(verächtlich), im 19. Jh. aus dem Judendeutsch, von hebr. kalläh «Braut, Geliebten. Kalligräph, m.(-en, Pl.-en): Schön- schreiber. Im 18. Jh. Calligraph, aus gr. νTpdqoc«schön schreibend, von kc³oc n. «Schönheit) und †doerv«schreiben». Dazu Kalligraphie, f.: Schönschreibekunst, im 18. Jh. Calligraphie, aus gr.«oMr†opia f. cdas Schönschreiben, schöne Schrifta, kalli- gräphisch, adj.: schön geschrieben. Kalm, m.(bei Stieler 1691;-es, Pl.-e), und auch f.(bei Schottel 1663; Pl.-en, Reisbuch des heil. Lands 1, 355 vom J. 1562 Calmen): Windstille zur See, Meeresstille; Pl. die Kalmen, Gegend der Windstille am Aquator. Ein nd. Schifferausdruck, dafür ndl. almte f. Aus franz. calme f.«Windstille, Ruhe⸗, ital.- span.-port. calma f.«Wind-, Meeresstillen, wie sie bei großer Hitze einzutreten pflegt: wohl von gr. kabua n. Hitze. Kalmank, m.(-s, Pl.-e): ein mehr ge- streiftes als geblümtes Wollenzeug. 1715 bei Amaranthes Calamank. Aus engl. calamanco, span. calamaco, franz. calmande, calemande, ndl. Kalamink, kalmink. Unbekannter Herkunft. 4BL. kalmanken, adj., bei Voß Id. 16, 12. Kalmäuser, m.(-s, Pl. wie Sg.): einsam in Nachdenken und Grillenfang für sich Lebender, Kopfhänger(1691 bei Stieler Kal- meuser); Geizhals(1734 bei Steinbach Kahl- mãuser, noch bayr. Kalmauser). Urspr. armer Schulmeister(1571 bei Rot und 1583 bei Mathesius Luther 136 b Calmeuser), dann Schulfuchs, Pedant(1664 bei Duez). Unbe- kannter Herkunft. Nach H. Schröder Streck- formen 145, wo weitre Literatur, wäre das Verb kalmausern, kalmüsern, auch klamüsern, 2z. B. ndd. tklamäsern Streckform zu ndd. klüsern«grübeln). Aber mögxlicherweise ein Ausdruck der Studentensprache. Man könnte ein calmusarius von lat. calmus m. cHalmy voraussetzen. 4L. Kalmäuserei, f.: Kopfhängerei, Grillenfängerei(Lessing 12, 401); Geiz(1734 bei Steinbach). Urspr. Stand und Wesen eines armen Schulmeisters, bei Rot 1571(Calmeuserei, armethey/ und fretteren!), dann Schulfuchserei, Pedanterie 969 Kalmus Kamerad 970 (Duez 1664). kalmäusern, v.: stuben- hockend studieren, Grillen fangen(1691 bei Stieler kalmeusern), urspr. als armer Schul- meister leben(1664 bei Duez calmeusen mi- serum scholasticum agere, continue scribere et studiis incumbere in der statt herumb gehen die kinder in den Häusern zu lehren, 1618 bei Schönsleder calmeisen). Kalmus, m.(Gen. und Pl. ebenso): cala- mus aromaticus, ein gewürzhaftes Schilfrohr, bes. dessen heilkräftige Wurzel. Im 15. Jh. kalmus(Diefenbach Gloss. 638 ⁰), mit ge- schwächter Endung Kalmes(bei Luther 2. Mos. 30, 23), Kalms(1734 bei Steinbach), aus lat. calamus, gr. xdνaνοε m.«Rohr, Schilfs. Kalosche, s. Galosche. Kalpak, Kolpak, m.(-s, Pl.-e und-s): Hut, Husarenmütze;(im deutschen Heer) der tuchene Zipfel an der Husarenmütze. Neure Entlehnung aus türk. kalpalt«Mützey. kalt, adj.(Komp. kälter, Sup. kältest): empfindlich der Wärme ermangelnd. Mhd. kalt, ahd. calt, chalt; dazu asächs.-afries. cald, mnd. kalt, nd. kold, mndl. cout, ags. ceald, engl. cold, anord. kaldr, schwed. kall, dun. kold, got. Kalds. Eine altertümliche passiv. Parti- zpialbildung auf-t(entsprechend lat.-kus, aind.-tas) zu anord. kala, ags. calan«frierenꝰ, urverwandt mit lat. geläre«gefriereny, gelu n. Eiskälte, Frosts, gelidus ceiskalty, gr. Tekavdpôv ckalty(Hesych), lit. gélmenis m. cheftige Kälten, abg. goloti m. Eis?. Vgl. kuhl. 4BL. Külte, f., mhd. kelte, kalte, ahd. chalti f.; dazu afries. kalde, kelde, mndl. coude f. kalten, v.: kalt werden, mhd. kalten, ahd. chaltén, and. kaldon, ags. cealdian. kälten, v.: kalt machen, mhd. kelten. Z0S. kaltblütig, adj.: leidenschaftslos, 1724 im Hamburg. Patriot 19, 3. Kaltschale, f. (Pl.-n): in einer Schale aufgesetzte kühlende Speise aus Bier(oder Wein, Milch) und Brot, Semmel usw., 1660 bei P. Fleming 148, 31 Kalte-Schale, ndl. 1598 bei Kilian kolde-Schael. Kaltschmied, m.(-es, Pl.-e): Dengler und Spengler, der ohne Feuer arbeitet, Kessel- flicker. Mhd. kaltsmit, spätahd.(11. Jh.) chaltsmid m. Kaltsinn, m., 1691 bei Stieler. kaltsinnig, adj., 1650 bei Moscherosch, bei Krämer 1678. Kamarilla, f.(Pl. Kamarillen): einfluß- reiche Hofpartei. Aus gleichbed. span. cama- rilla f., eig.«besondres Gemach des Königs⸗ von lat. camara f.«Kammer». Um 1820 auf- genommen. Vgl. ZfdW. 8, 104. Kamasche, s. Gamasche. Kambrik, s. Kammertuch. Kambüse, f.(Pl.-n): Schiffsküche. Nebenform von Kabilse. Kamée, f.(dreisilbig, Pl.-n): Edelstein mit erhaben ausgeschnittnem andersfarbigen Bildwerke. Bei Lessing 8, 159 f. und Goethe 44, 369 Camee m., aus gleichbed. franz. camée, ital. cammeo, mlat. camœus m., neben franz. camaieu, span.-port. camafeo, mlat. camauyſæ, camahotus, camahutus m. Sardonyx, der zu geschnittnenSteinen verwendet wurdes, woher mhd. gamahiu m. f., i. J. 1410 gamehoe Frankf. Reichskorr. 1, 806, gamehee m. Mone Anzeiger 4, 357, im 16. Jh. bei Paracelsus Opera 2, 309 Gamahen’ m. Kamees. Kamél, n.(-s, Pl.-e): das asiatisch-nord- afrikanische einhöckrige Lasttier;(studentisch) keiner Verbindung angehöriger Student(seit etwa 1830). Bei Luther Camel, Kamel n., das Weibehen Camelin f., entlehnt aus lat. camélus m., während das auf der ersten Silbe betonte mhd. kemel, kemmel, kembel m., md. auch kamel, kammel m., in den Kreuzzügen aus gr. xdunXoc m. f.(bei den Byzantinern xduNoc gesprochen) entlehnt wurde. Dies aus dem Orientalischen, hebr. gãmäl, arab. dæamal Kamel. Im Ahd. hieß das Tier olbanta f., noch mhd. olbente, olbende f., olbent m., asächs. olbundeo m., ags. olfend m., got. ulbandus f., urverwandt mit gr.«eqoc m. (Gen. AEqovroc)«Plefante. ZUS. Kamél- garn, n.: Garn aus dem seidenartigen Haare der Angora- oder Kamelziege, die nach ihrem langen Halse benannt ist. 1775 bei Adelung. Kamélparder, m.: die Giraffe, 1571 bei Heyden Plinius 1272 Cameelpart, 1482 im Voc. theut. q 32 kemelpard, mhd. kemelopart (Voc. opt. 38, 18), aus gleichbed. lat. camélo- pardus, Pardalus m. und camelopardalis f., gr. koprkordpdahic f. Kamélie(viersilbig), f.(Pl.-n): eine Pflanze, von Linné nach dem Jesuiten Camelli benannt, der die Blume aus Japan einführte. Kamelott, m.(-*5): Zeugstoff von Kamel- haar. 1605 bei Hulsius Dict. Camelot und Schamlot, mhd. schamlät, schamblät, im 15. Jh. samelott und zamlott, 1564 in den Secript. rer. Siles. 4, 192 Tchamlol m., aus gleichbed. franz. camelot m., von lat. camélus m.«Kamel». Kamerad, m.(en, Pl.-en): Stuben-, Mitgenosse, zum Umgang Erkorner. Bei Schiller rhein. Thalia 1786 2, 40 und bei Goethe 4, 169 noch Kamerade, bei Lessing 971 Kameralist Kammer 972 1, 28 Kammerade, dann S. 521 f. Kammerad (wohl wegen Kammer, schon 1678 bei Krämer Kammerat, 1663 beiSchuppius 816 Cammerad). Ndl. 1598 bei Kilian camerade, bei uns im 30 jährigen Kriege durch die Soldaten in Ubung gekommen(1639 bei Zinkgref Apophth. 2, 81 Rott- oder Spießgesellen, die jetz auff neꝛw-teutsch Camaraden heissen, vgl. auch Lauremberg 3, 224), aus gleichbed. franz. camarade m., von ital. camerata, span.-port. camarada m.«Genosse» und(urspr.)«Gesell- schaft, Stubengenossenschaft». Die Kollektiv- bedeutung ging also hier wie bei Frauen- eimmer u. Bursch(s. d.) auf die Bedeutung der einzelnen Person über. 4 BL. Kamerädin, f., 1774 bei Goethe 19, 11 Kamerädin. Kamerad- schaft, f., 1678 bei Krämer. Kameralist, m.(-en, Pl.-en): Staats- wirtschaftskundiger. 1813 bei Campe. Aus einem nlat. cameralista m., von einem aus lat. camera f. Kammer»(s. d.) abgeleiteten Adj. cameralis, woher auch Kamerallwissen- schaft f., die von der Verwaltung der landes- herrlichen Einkünfte handelt, dann s. v. a. Staatswirtschaftslehre(1774 bei Adelung), nlat. cameralia pl., mit deutscher Endung Kamerzälien, Pl. Schon 1703 im Zeit.-Lex. Cameral-Sachen. Die Benennung daher, weil die Finanzbehörden früher Kammern hießen. Kamille, f.(Pl.-n): die Arzneipflanze chamomilla mit Teeblüten. Mhd. camille und gamille f., gekürzt aus mlat. und ital. cama- milla, camomilla f., von gr.-lat. chamaemélon, gr. XauaiunXov n. Erdapfel»(Xuoi an der Erdes, ov n. Apfel»), wegen des apfel- ähnlichen Geruches der Blüte(Plinius). Kamin, m. und n.(-s, Pl.-e): Schorn- stein, Nebenschornstein; Stubenherd. Mhd. kãman, kémin m., aus gr. lat. caminaus m. «Feuerstätte, Zimmerherd, gr. xdutvoc f. «Schmelz-, Brennofen», das zu abg. kamg m. «Stein» gehört. Vgl. Hammer. Ins Lit.-Slaw. entlehnt apreuß. Kamenis«Feuermauer-, lit. kãminas m.«Kaminꝰ, abg. Kkamina f. Ofen. Deutsch im 15. Jh. auch in kemmich(Voc. 1482 d 2 5b), kümich, Kömich, kämet umgebildet. ZUS. Kaminfeger, m.: Essenkehrer, früh im 17. Jh.(Scheible Flieg. Blätter 116), dafür um 1557 kemmichfeger(Peter Lewe 454), 1510 bei Keisersberg Has im Pfeffer Aa 7 kemmelfeger. Kamisöl, n.(-S, Pl.„e): Unterwams, kurzes Wams. 1643 im Sprachverderber 32 Camisol, 1664 bei Duez Camesol n., aber auch noch 1741 bei Frisch Camisole f., auf- genommen aus franz. camlsole f.«Unterjacke?, dies entlehnt aus ital. camiciola f., von ital. camicia, span. port. und prov. camisa, franz. chemise, mlat. camisia f.«leinenes Unter- kleid, Hemd(s. d.). Kamm, m.(lels, Pl. Kämme): Zinken- werkzeug zum Reinigen, Ordnen und Schmuck der Haare;(übertr.) gezackter roter Fleisch- auswuchs auf dem Kopfe des Hühnerviehes, dann oberer Hals, Mähne(schon mh%.); mit Rohrstäbchen versehner Weberrahmen(bereits mhd.); Weintraubenstiel mit den Stielchen (Spätmhd. 14. Jh.); gezackter Grat eines Ge- birgszuges(1741 bei Frisch). In urspr. Bed. mhd. Kanp, Kkam m. und schwachflektiert kambe, kamme f. m., ahd. kamp und kambo m.; dazu and.-ags. camb, ndl. kam, engl. comb, anord. kambr, schwed.-dän. Xam m. Fig. «gezahntes Werkzeugy, der Lautverschiebung gemäß stimmend mit gr. Téuꝓoc m.«Zahn, Pflockꝰ, rouqioc m.« Backzahn»,(lit. gεmbé f. chölzerner Pflock»?), abg. zahbä m. Zahn), lit. Zambas m.«Balkenkante», alb. damp m. ZLahn'ꝰ, aind. jambhas m.«Fangzahn, Rachen), Jambhäté er schnappt nach etwas». 4B. kämmen, v., mhd. xemben, kemmen, ahd. chempen; dazu and. kKembian, mndl. kemben, ags. cemben, engl. comb, anord. Kemba. Davon Kämmer, m., mhd. kemmer«Wollkümmery. ZUS. Kammgarn, n.: Garn aus Wolle, die durch Kämmen gereinigt und gelockert ist(Kammawolle f. 1808 bei Campe), erst im 19. Jh.(die deutsche Kammgarn-Maschinen- spinnerei wurde 1815— 20 von Weiß in Langensalza eingeführt). Kammacher, m., clev. 1477 cam-meker, kame-melcer. Kamm- rad, n.: gezahntes(also kammartiges) Rad, mhd. kamprat(noch 1678 bei Krämer und 1711 bei Rädlein Kamprad), im 15. Jh. kamrat, mndl. canurat n. 1 Kammer, f.(Pl.-n): wohnliche Räum- lichkeit in einem Gebäude, insofern sie zum Nebengebrauche, wie zum Schlafen, Aufbe- wahren u. dgl. dient(bildlich z. B. in Herz- kammer, mhd. des herzen kamer Trist. 126, 34); Raum im Geschütz oder Gewehr, der die Ladung aufnimmt(bereits im 15. Jh., damals ein selbständiges Stück, das geladen ans Ge- schützrohr befestigt wurde);(von der ahd. und mhd. Bed.«WWohnung des Fürsten» aus- gehend) Personal, das zur nähern Umgebung des Fürsten gehört(im 18. Jh.), ferner fürst- liche Schatzkammer(seit 13. Jh.), Fiskus, 973 Kammer Kampagne 974 öffentliche Kasse, sowie(fürstliche) Gerichts- stube(14. Jh.), Gericht, endlich Verwaltungs- behörde(bei Stieler 1691), einzelne Abteilung einer Behörde;(nach franz. chambre f. im 19. Jh.) Körperschaft der Landes- oder Volks- vertretung. Mhd. kamere, Kkamer f. cGemach, Schatzkammer, öffentliche Kasse, Kammergut, fürstliche Wohnungs, ahd. camara, chamara f. Gemach, Palast»; dazu and. kamera, mnd. camere f. Aus lat. camara, camerd, gr. audpo f.-Gewölbe, gewölbter Raumꝰ, wo- her auch span.-port. camara, ital. camera, franz. chambre f.(daraus engl. chamber), serb. camra, russ. kümbra. 4BL. Käümmerei, f.: Behörde, die die öffentl. Einkünfte verwaltet, Schatzamt, 1691 bei Stieler. Kümmerer, m.(-s, Pl. wie Sg.): Kammerherr, Schatz- meister, mhd. kamercere, kamerer, ahd. cha- marãri, camerãri m. chöherer Hofbeamter, Aufseher über das Schlafgemach, über die Schatzkammer, Kleider, Waffen», aus mlat. camararius, camerarius m. Vereinzelt bei Goethe 1, 308 für das ital. cameriere m. Diener im Gasthof». Käümmererin, ge- kürzt Kämmerin f.(Pl.-nen), mhd. kamero- rinne, gekürzt kamerinne, md. auch kammerére, xemmerére und kamere, kemerie f. Kammer- frau, Hofmeisterin). Kümmerling, m. (J, Pl.-é): Kammerherr, Kammerdiener, mhd. kemerlinc, ahd. chamarling, davon mlat. camerlingus, camerlengus, ital. camarlingo, span. camarlengo, franz. chambellan m. ZU0S. Kammerdiener, m., bei Luther(Judith 12, 6); übertragen, leicht bewegliches Tisch- chen in der Schlafkammer, im 19. Jahrh. Kammerfrau, f.: oberste Dienerin, urspr. des Schlafgemaches, im 15. Jh. Xammer frονε f. (altd. Blätter 1, 303). Kammergericht, n.: oberstes Gericht, urspr. in des Fürsten Kammer, im 15. Jh. kamergericht. Kammergut, n. (els, Pl. Kammergüter): Gut des Fürsten als Landesherrn, Domäne, im 15. Jh. Kamergut. Kammerherr, m., 1482 im Voc. theut. d 1* kamerher m.«oberster Kämmerere. Kammer- jäger, m.:(vornehm verhüllend für) Ratten- und Maäusefänger(eig. fürstlicher Leibjäger), bei Hagedorn neue Fab. 90, nd. bereits im 17. Jh. pei dem darüber spottenden Laurem- bergs, 449 kamerjeger. Kammerjungfer, f.: Dienerin im Schlafgemach, 1691 bei Stieler, urspr. Edelfräulein im persönlichen Dienste der Fürstin, so 1664 bei Duez Kammer-Jungfrauao, ndrhein. im 15. Jh. kcmerjonffer(Prommann Ztschr. 2, 441²). Kammerjunker, m:: junger Edelmann im Hofdienst um die Person des Fürsten, 1639 bei Zincgref Apophth. 1, 106. Kammerkätzchen, n.:(neckend für) Kammerjungfer, 1670 bei Grimmelshausen Springinsfeld Cap. 1 Cammerkätzgen; aber ndl. 1598 bei Kilian kamerkatte f.«concubina quam amator sibi soli servat cellae inclusam. Kammerknecht, m., mhd. kamerkneht aniedrer Hofdiener», aber auch cLeibeigner der kaiserlichen Kammer, Judey. Kammer- lauge, f. Lauge aus dem Kammertopf, Urin, im 15. Jh.(Fastnachtsp. 92, 7). Kammermagd, f.: Kammermädchen, urspr. bei Hofe, 1654 bei Logau 1, 8, 80, nd. 1417 bei Diefenbach nov. gloss. 1222 kamermaghet. Kammer- musik, f.: Musik für kleinre Räume, urspr. Musik in den fürstlichen Gemächern, so 1629 (Anz. d. Germ. Museums 1859, 10). Kammer- präsident, m.: Vorsitzender einer fürstlichen Finanzkammer(1678 bei Krämer Cammer- president), im 19. Jh. auch einer Stände- kammer. Kammerrat, m.: Finanzrat, 1678 bei Krämer. Kammerton, m.: die gewöhn- liche Stimmung der Orchesterinstrumente, zum Unterschied vom Chorton, dem Tone der(frühern) Orgeln. 1727 bei Hübner Kammerthon hat den Namen von großer Herren Kammermusic. Kammacher, s. Kamm. Kammertuch, n.(-es): sehr feine Lein- wand, in der Rostocker Kleiderordn. von 1585 S. 19 Cammertuch, 1664 bei Duez Kummer tuch«toille de Cambray», 1678 bei Krämer Cammerichstuch oder Cammerleinaat, ndl. kamerijksdoek. Von der Fabrikstadt Cambrai jm französischen Flandern, vläm. Kamerijk, spätahd. Kamercha, zur Römerzeit Camara- cum. Daher im 19. Jh. als Nachahmung der feinen Leinwand Kambrikt m.(*s): feines baum- wollenes Gewebe, Batist. Kammgarn, Kammrad, s. Kamm. Kamp, m.(Jels, Pl. Kämpe): mit Zaun oder Graben eingefaßtes Feldstück. In Nieder- deutschland. Doch auch spätmhd. kamp m. (14. Jh.), in der Straßburger Gemma 1508 b 4 b ein pflantzt velt oder ein kamp. Von lat. campus m.«Felds, im Mlat. auch&Feldstück. Kampägne, f.(Pl.-n): Feldzug; Dauer einer Betriebsperiode(in neurer Zeit). Das franz. campagne f.«freies Feld, dann Feld- zug», das zurückgeht auf lat. campania«offne Fläche, Flachland», eig. N. Pl. eines Adj. campanius, von canpas m. Feld». Zur Zeit des 30 jährigen Kriegs entlehnt(Simpl. 323). 975 Kämpe Kandel 976 ¹Kämpe, m.(-n, Pl.-n): Kämpfer, Held. Bei Frisch 1741 als alt bezeichnet, aber von Mylius(1777), Voß, Pfeffel(1783) erneuert. Mnd. kempe, kampe m.«Kämpfer, Krieger-, bes.«Zweikämpfer im gerichtlichen Kampf, den man für Geld dazu mietete», auch md. kempe, ags. cempa, afries. kampa, kempa m., anord. kenpa f. und kappi m. Dafür mit Lautver- schiebung mhd. kempfe, ahd. chemphjo, kempfo m. ZLweikämpfer, Kunstfechter, Kriegery, mlat.(um 600) campio, daher ital. campione, span. campeon, franz. champion m.«Kampf- heldy. Zu lat. campus(s. Kampf. Kümpe, m.(-n, Pl.-n): zahmer Eber, Zuchteber(bei Klamer Schmidt kom. Dicht. 263 Kempe). Nd. im 16. Jh. kempe m., im engl. Suffolk-Dialekt Kemp«Kämpfer, Ebers. Wohl, wenn man die bekannte, z. B. in Lam- prechts Alex. 4505, im Lanzelot 3546 hervor- gehobne Kampflust des wilden Ebers erwägt, aus dem vor. Wort hervorgegangen. kampeln,, v. refl.: sich hin und her zanken, sich balgen. Md., auch norddeutsch 1657 in Schochs Studentenleben A 6 b sich kherumb kampeln, mrhein. kämpeln; dazu northum- brisch cample«hin und her streiten». Das Verbum scheint abgel. von spätmhd.(15. Jh.) kempel m.«Streitigkeit Zank». Urspr. wohl eins mit kabhelm(s. d.), aber an Kampf. Kämpe angelehnt. Davon Kampelei, f.: Hin- und Hergezänke, 1775 bei Adelung. Kampf, m.(-els, Pl. Kämnpfe): feindlicher Gebrauch der Waffen oder Kräfte gegenein- ander, dann überhaupt gegen einen Wider- stand. Mhd. kampf, ahd. camph m. Zwei- kampf; dazu mnd. kamp m. n., nnd. kanmp, ags. und mengl. caup, afries. Xamp m., urspr. «der fechtkunstgemäße Zweikampf». Auf- genommen aus lat. campus m.«Feld, dann (nach dem campus Martius in Rom, Mainz, Trier usw.)«Tummelplatz, Kampfplatzy, im Mlat. auch«Zzweikampfs», besonders der ge- richtliche. 4 BL. käümpfen, v., mhd. kenxpfen, ahd.(nicht häufig) chanafan, chemfan ceinen Zweikampf bestehn»; dazu mnd. und md. kenopen, ags. campian. Kümpfer, m.(, Pl. wie Sg.), spütmhd. kenpfer, dafür ge- bräuchlicher kempfe(s. Kämpe). Kampfer, m.(-s): das destillierte weiße starkriechende Harz des ostasiatisch. Kampfer- lorbeerbaums. Mhd.(13. Jahrh.) gaffer und canpher, 1556 bei Frisius Gampher, 1565 bei Paracelsus Wundartzney 104 Ganffer, 1616 bei Henisch Capher, noch bayr. Gaffer, schweiz. Gamfer, aus mlat. cafura und damphora, neugr.«aqoupc;, ital. cafura und canfora, span. alcanfor, vom gleichbed. arab. und pers. kũfãr, ind. kanpura, kapür. ¹ Hämpfer, s. Kampf. Kümpfer, m.(8, Pl. wie Sg.): Kragstein (s. d.), Balkenkopf; Oberschwelle über dem Türpfosten; Querbalken beim Fensterkreuz. Seit dem 18. Jh. umgebildet aus Käpfer, mhd. kepfer(13. Jh., bei Graff 4, 369). Dazu mndl. keper. Vermutlich lat. Ursprungs, vgl. lat. capréeolus m. chervorragender Strebe-, Stütz- balken», eig.«Böckchen», zu lat. caper m. Ziegenbock. kampieren, v.: zu Felde liegen, sich im Felde lagern. Aus dem gleichbed. franz. camper, von camnp m. Feldlager», aus lat. campus m.«Feld». 1617 im teutschen Michel 8. Kanäl, m.(·s, Pl. Kanäle): Wassergraben, Kunstflußt. Schon md. im 13. Jh. kanãl m., eig.«Röhre, Rinne». Wie ital. canale m. (woher franz. canal m.) aus lat. canãlis m. «Wasserrinnes, woher auch ahd. känali, mhd. kanel, kenel, kener, noch schweiz. Kännel, tirol. Kannel, schwäb. Känner m.«Rinne, Gosse. Kanapee, n.(*s, Pl.-s, bei Wieland Mask.): Polsterbank zum Widerlehnen und Ruhen. In einem Lied vom Anfang des 18. Jh. bei Erk Volksl. 1, 48 Kanapee, entlehnt aus gleich- bed. franz. canapé, ital. canopé m., dies aus mlat. canapeum, lat. conôpéum n.«Mücken- nétz, Himmelbett, gr. kvwreiov n.«Mücken- netzy, dann cein nach ägyptischer Weise mit einem solchen Netze versehnes Ruhebett», von gr. Kkvyoip m. f.«Stechmücke». Kandrienvogel, m.(-s, Pl. wögel): der zahme, gelbe, von den kanarischen Inseln stammende Singvogel. 1603 bei Schwenck- feld Theriotroph. 298 Canarienvogel, 1612 bei F. Platter 344 Canarienvögelin, 1616 bei He- nisch auch Canarienzeißle, schon 1555 bei Geßner canaria avicula Zuckervõgele, span. port. canario m. Kanaster, s. Knaster. Kandäre, f.(Pl.-n): die Gebißstange an den Pferdezügeln. Im 19. Jh. aus dem Ungarischen(kautär«Zaun, Zügel») entlehnt (1839 bei Immermann Münchh. 4, 144 das abgeleitete Zeitwort abkandaren«die Kandare abnehmen). Kandel, f.(Pl.-n): Kanne. Oberdeutsch. Alternhd. und spätmhd.(15. Jh.) kandel f., mit naturgemäß eintretendem d aus ahd. chanala, mhd. chanele, kanel, Kanl f.«Kannen(s. d.). 977 Kandel Kanker 978 2²Kandel, auch Kannel, f.(Pl.-/): Rinne, Dachrinne. Mhd. Kanel, Kenel, Kandel, Kaner, Kener m. Rinne, Röhre⸗, ahd. chänali m. aus lat. canãlis, s. Kanal. Kandeläber, m.(-s, Pl. wie Sg.): hoher Armleuchter. Bei Campe 1813 Candelaber. Aus franz. candélabre m.«Armleuchter, großer Kronleuchter, von lat. candélãbrum n. Leuch- ter, zu lat. candéla f.«Kerze». kandeln, v.: rinnen wie aus einer Röhre oder Rinne. Bei Maler Müller 1, 304 aus der rheinpfälz. Volkssprache, 1540 bei Alberus kenneln«tröpfeln wie der Regen aus der Dach- rinnes, so noch rhein. neben kändeln ceine Rinne bilden, s. ² Kandel. Kandelzucker, m.(-s): gereinigter, kri- stallisierter Zucker. 1664 bei Duez Kandel- zucker, Kandizucker, Zuckerkandi, 1575 bei Fischart Garg. 298 Zuckerkandel, nach mlat. succul-, succercandi und bloß candi(Diefenb. Gl. 564²), franz. sucre candi oder bloß candi m., ital. candi m., von arab.-pers. gand, gandid «verdickter Zuckerrohrsaft, Kandiszuckery, aind. Khanda- m. n.«Stück, Zucker in kri- stallartigen Stücken. Kandidät, m.(-en, Pl.-en):(geprüfter) Amtsbewerber. 1663 bei Schuppius 467 Candi- dat, aus lat. candidätus«Weißgekleideter, denn wer sich im alten Rom um ein Amt bewarb, erschien im weißen Oberkleide, der koga candida(das lat. Adj. candidas«weib). kandieren, v.: überzuckern; zu Kristall sich ansetzen. 1678 bei Krämer kandiren amit Zucker überziehen⸗, aus gleichbed. franz. candir(auch refl.«sich kristallisieren), ital. candire, von arab.-pers. qand, s. Kandelzucker. Kandis, m.: kristallisierter Zucker, siehe Kandelzucker. Bei Campe 1813 Candiszucker. Kaneel, Kanél,(so in Bayern) m.(-s, Pl.-e): Zimtrinde. Spätmhd. kanél, 1534 bei Seb. Franck Weltb. 2042 Canell, 1425 nd. caneel m.(Diefenbach Gloss. 119), mndl. caneel, ndl. kaneel f., aus franz. gleichbed. canelle, mlat. cunella f., von franz. cane, lat. canna f.«Rohr, Schilfy, weil sich die Zimt- rinde rohrartig rollt. Kanevas(spr. kanewwa), m.(Gen. u. Pl. wie Nom. oder Gen.-vasses, Pl. Kanevasse): gestreiftes Leinen- od. Baumwollenzeug; klein- gegitterte Leinwand. 1646 bei Moscherosch Philander 1, 64 Canafas, 1678 bei Krämer Cannefas, 1715 bei Amaranthes Canevas(aber schon mnd. im 14. Jh. kanives«grobe Lein- wand aus Hanf»), aus franz. canevas, ital. Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. canavaccio m., von mlat. canavacium n.«grobe Leinwands, zu mlat. canaua f.«Hanfy(s. d.). Känguruh, n.(-s, Pl.-s): der große australische Beutelspringhase, 1770 vom Welt- umsegler Cook in Neusüdwales entdeckt und mit dem Namen der Neuholländer für alle Vierfüßler Känguru belegt. 1793 bei Nem- nich Polyglott.-Lex. 1, 1412; 3, 285. Kanfnchen, n.(-s, Pl. wie Sg.): Erd- höhlenhase. Bei Luther Caninichen, Kani- nichen, md. 1517 bei Trochus H 2 b caninchen, mnd. konineken n., Dim. von md. cangyn, canyne(Diefenbach gl. 162 aus dem 15. Jh.), 1595 bei Rollenhagen Froschm. 1, 2, 6, 79 Kanin n., clev. 1477 conyn, mndl. cunin(Diutiska 2, 210 ²° aus dem 14. Jh.), ndl. konijn n., aus afranz. connin, connil, ital. coniglio, span. conejo m., von gleichbed. lat.(urspr. wohl iberischem) cuniculus m.(vgl. Walde); woher auch mhd. kuäneclin, küngel n., Anfang des 15. Jh. chunigel(Diefenbach gl. 162°), 1468 künlin(Diefenbach gl. nov. 124²), 1561 bei Maaler Küngele, Künele, 1537 bei Dasypo- dius 276 d Künelle, Külle, 1539 bei Serranus dict. f3² kõnigle, noch bayr.-östr. Königl, Kõnighase, schweiz. Källhase, erzgebirg. Kuh- hase; im östlichen Mitteldeutschland 1729 bei Picander 2, 231 Canickelgen, 1711 bei Räd- lein Kanickligen, um 1700 bei Chr. Weise (Wackernagels Leseb. 3, 1, 851) Carnickelgen, heute in Norddeutschland Karnickel n. 1Kanker, m.(-, Pl. wie Sg.):(lang- beinige) Spinne; Spinnewebe. In Mittel- deutschland und Westfalen. Md. 1517 bei Trochus H 6 b spinne oder kanlter, im 14. Jh. kanker(Hermann von Fritzlar in Myst. 1, 188, 8). Nicht aus lat. cancer m.«Krebs», sondern germanischen Ursprungs, denn nord- fries. Wunker, in schwed. Mundarten kangro m., norw. kangro, kaͤnglo f., isländ. kõngullo f., anord. kõngurväfa, Köngulväfa f.«Spinne?, ags. gangel-, gongelavœfre, gange-, gongeꝛwifre f. (umgedeutet)«im Gehen webende Spinnes. Zugrunde liegt ein Stamm kang oder kank webeny, wozu auch Kunkcel, der erhalten ist in den entlehnten finnisch kankuri, estnisch kangur, kangro«Weber», finn.-estn. Kkangas Gewebe. ² Kanker, m.(-s, Pl. wie Sg.): Krebs- schaden an Pflanzen(Wieland, Adelung). Md. cancer m. Krebskrankheity(Köpkes Passional 504, 8), ebenso ahd. cancher, cancur, ags. cancer, engl. cankcer. Entlehnt aus lat. cancer m. Krebs⸗, dann«geschwürartige, 62 979 Kanne Kanonier 980 um sich fressende Krankheits, kaum aber urverwandt mit gr. rérypoc m.«Knorren an Bäumeny, TdfTypatva f. ckrebsartiges Gie- schwür trotz Kluge KZ. 26, 86 u. a. Kanne, f.(Pl.-n): hohles Gefäß zu Flüssig- keiten;(veralt.) Maß für Flüssigkeiten, Hülsen- früchte, Butter. Mhd. kanne, ahd. channa f.; dazu mnd.-mndl. kanne, ags. canne, engl. can, anord.-schwed. kanna f., dän. kande. Daneben älternhd. Kante, Kande f., noch schweiz.- elsäss. Mante f., mhd. Kante, ahd. chanta(10. Jh.), canada(742), auch canneta, später kannite f. Vielleicht echt germanisch und mit Kahn verwandt. Dazu dann mir. gann«Kanney. ZUS. Kannenbäcker, m.: Töpfer, der Kannen fertigt. Im nassauischen Westerwald das nach seiner Tonwarenindustrie benannte Kannebeckerland. Kannegießer, m., mhd. kannen-, kannelgiezer, mnd. Kannengeter m.; Kannegießer in der Bed. cüber Staats-, über- haupt öffentliche Angelegenheiten nach seinem Verstande Schwatzender» erst im 18. Jh.(Ra- bener 6, 265 vom J. 1760 politischer Kannen- Reßer) nach dem 1742 erschienenen Lustspiel der Politische Kanngießer, unter welchem Titel Detharding zu Altona ein 1722 zum ersten- mal gespieltes Stück des Dunen Holberg über- setzte, in dem ein politisierender Zinngießer die Hauptperson ist. Davon kannegießern, v.: politisierend schwätzen, 1780 bei Goethe Briefe 4, 215. Kannenkraut, n., lat. equi- setum, 1561 bei Maaler Kantenlcraut, im 15. Jh. kandelkrut(Voc. inc. teut. m 7⁴), so benannt, weil es zum Blankscheuern der zinnernen Kannen gebraucht wird. Kannel, s. Kandel. 4BL. kannelieren, v.: mit Rinnen oder Riefen versehen. 1791 bei Roth canelierte Saulen. Kännel, s. Kanal. Kannibäle, m.(-n/, Pl.-n): Menschen- fresser; wilder grausamer Mensch. 1534 bei Seb. Franck Weltb. 224 b der Pl. Canibalen, aus span. Canibal m., umgebildet aus Caribal, Caribe, bei den Franzosen Galibi, dem ein- heimischen Namen der menschenfressenden Karaiben auf den kleinen Antillen; als Wohn- sitz dieser Menschenfresser beschr. S. Franck 221² die Insel Candbali, jetzt Dominica. Noch 1628 bei Münster Cosmogr. S. 1723 Caribes oder Canibales. 4 BL. kannibälisch, adj.: höchst roh und grausam. 1575 bei Fischart Garg. 68 canihalisch, Flöhh. 3546 caniblisch. Kannichts, m.(unfiekt.): Nichtswissen- der, Nichtsvermögender. 1669 bei Grimmels- hausen Simpl. 1, 407(Kz.) Kannix, bei Luther Tischr. 194b Kan nicht. Zusammengefügt aus(er) kann nichts. Kanoe, s. Kanua. Kanon, m.(-S, Pl.-s): Maßstab, Richt- schnur, Vorschrift; Kirchengesetz;(römisch- katholische) Litanei der Heiligen; Kettenge- sang(von den Kontrapunktisten des 16. Jh. Canon d. i.«Richtschnur, Vorschrift» genannt). Aus gr. lat. canon m.«Regel, Richtschnur, Verzeichnis maßgebender religiöser Schriften», gr. kuviwy m.«gerade Stange, Stab, Maßstab, Norm, Muster, kirchliche Bücher der Glaubens- regel, Monochord(ein einsaitiger Tonmesser), kirchliches Lied außer den Psalmens. Kanonãäde, f.(Pl.-n): wiederholtes Schießen mit Kanonen, 1648 bei Kemnitz schwed. Krieg 1, 308 b Canonade, aus gleich- bed. franz. canonnade f. Kanne, f.(Pl.-n): grobes Geschütz mit längerm Rohr. 1558 bei Rivius Büxen- meisterey 332 ein Canon oder Karthaunen, so 20 Pfund scheusset, und Schauch lang ist, wigt das Ror 2500 pfund, im Laufe des 16. und 17. Jh. als Canon m.(später n.) ein- gebürgert, 1691 bei Stieler Kanone f., aus gleichbed. franz. canon, ital. cannone m., Ver- größerungsform zu franz. canne, lat. canna f. Rohro; Fronsperger(1596) 2, 312 nennt als Geschützart Kana, die wigt an jhrem Rohr- 75 Centner schwer. Studentisch sind Ka- nonen asteife röhrenförmige Reiterstiefel⸗ (Kluge Studentenspr. 98, vom J. 1813); im 17. Jh. hießen Canonen«leinene Strümpfe, deren Enden man als Zierat in die über- geschlagnen Kappen der hohen Stiefel legte und ausbreiteten(bei Stieler 1691), bei Lau- remberg Scherzged. 2, 627 nach den Canonici benannt, die sie trugen. RA. Unter der Kanone unter aller Kritik, sehr schlecht», eine scherzhafte wortspielende Umformung von Kanon(s. d.),«Maßy. ZUS. Kanonen- fieber, n.: fieberhafte Aufregung im oder vor dem Kanonendonner der Schlacht. 1792 bei Goethe 33, 72 f. Kanonenfutter, n.: scherzhafte Bezeichnung für schlechte Sol- daten. Vgl. Futter für Pulver bei Shakespeare König Heinrich IV1 4, 2. Kanonenschlag, m.(Pl.-schläge): Feuerwerkskörper, wie ein Kanonenschuß krachend. 1757 in Eggers Kriegslex. 1, 445. Kanonier, m.(-s, Pl.-e): der zu kano- nieren versteht, Artillerist. 1617 bei Wall- hausen Corpus militare 204 Canonir, 1616 981 Kanonikus Kanton 982 im Kriegsmanual 117 Canonier, aus gleich- bed. franz. canonnier m.— kanonieren, v.: mit Kanonen schießen. 1648 bei Kem- nitz schwed. Krieg 1, 308 b canoniren, aus gleichbed. franz. canonner. Kanönikus, Kanoniker, m.(*s, Pl. wie Sg.): Chor., Stiftsherr. Mlat. canonicus m., das als Subst. gesetzte Mask. des gr.-lat. Adj. canonicus(s. kanonisch), eig.«der nach einem Kanon(s. d.), nach einer geistlichen Vor- schrift Lebende». Daraus schon spätmhd. kanonike, ndrhein. im Karlmeinet kanonke, 1678 bei Krämer Canonich. kanönisch, adj.: dem Kanon(s. d.), der Regel gemäß, den Kirchengesetzen gemäß, als kirchlich beweiskräftig anerkannt. 1709 bei Hübner canonisch. Nach dem gr. Jat. Adj. canonicus, gr. xavoviòc regelrecht. kanonisieren, v.: in den Kanon, d. i. die(katholische) Litanei der Heiligen auf- nehmen, heiligsprechen. 1605 bei Hulsius Dict. 522 canonisiern, md. um 1300 canoni- zieren, aus gleichbed. mlat. canonizare, von gr. lat. canon m.(s. Kanon). Kanonissin, f.(Pl.-nen): Stiftsfrau, Stiftsfräulein. Aus mlat. canonissa f. die nach geistlicher Vorschrift(dem Kanon) Lebende, von gr.-lat. canon m.(s. Kanon). 1709 bei Hübner. Kanonist, m.(en, Pl.-en): Kundiger und Lehrer des kanonischen oder Kirchen- rechts. Bei Luther J. 8, 642 Canonist, aus roman.(ital.) canonista, von gr. lat. canon m. (s. Kanon). Kanot, s. Kanu. 1 Kantäte, f.(Pl.-n): in Arien, Rezita- tiven, Chören, Chorälen bestehende kirchliche Singdichtung. 1712 bei Hübner Cantata, aus dem gleichbed. ital. cantata f.(1638), von mlat.(1314) cantata f.«Kirchengesang», das als Subst. gesetzte Fem. des Part. Perf. Pass. von lat. cantare«singen». 2 Kantäte, m. n.: Gesang(bei Luther 8,318² Cantate n.), bes. der 98. Psalm(dessen lat. Text mit cantãte beginnt), dann der vierte Sonntag nach Ostern, an dem dieser Psalm bei der Messe gesungen wird. Es ist der Imperativ«singts von lat. cantäre«singen?. 1 Kante, s. Kanne. ² Kante, f.(Pl.-n): scharfer Rand; scharf zulaufende Ecke. Im 17. Jh.(Opitz, Schottel) aufgenommen aus nd. kante f.«Rand, Ecke, Seeküsten, kant m.«Brodranfty, mnd. kante f. und kant m.«Ecke, Winkel, Randꝰ, ndrhein. im 14. Jh. kant m. Schildrands; dazu mndl. cant m.«Rand, ndl. kant m.«Ecke, Seite, Küste», afries. kant«Seiten(in fuuzwerkant cauf der vierten Seite»), isländ. Kkantr m. Rand, von afranz. cant Ecke⸗, ital.-span. canto m. eWinkel, Ecke, Spitze, Seiten, lat. canthus m.«eiserner Reifen um das Rad (nach Quintilian urspr. afrikanisch oder hi- spanisch), gr. kavéöc m. Radreif, Augen- winkel», kymr. cant«Radschiene, Kreis, Um- züunung, Rands, abg. Xqtu m.«Winkel?. Vgl. Walde. Der Plur. in der Bed.«feine, meist am Rande gezackte Spitzen als Schmuck» im 17. Jh.(Canten bei Wigand Btr. 237, aus Minden von 1658) entlehnt aus ndl. kant f., Pl. kanten«Schmuckspitzen», die in Brabant gefertigt wurden. 4BL. Kantel, n.(“, Pl. wie Sg.): vierkantiges Lineal(1833 bei Jahn Merke z. d. Volkstum 196). kanteln und kanten, v.: auf die Kante stellen, um- drehen(1775 bei Adelung; 1691 bei Stieler kanten szackicht machen»). kantig, adj.: eckig, 1741 bei Frisch, aber 1691 bei Stieler kanticht; ndrhein. 1495 in der Kölner Gemma SSe viercantich. ZUS. Kanthaken, m.: eiserner Haken der Auflader, um Lasten an der Kante fest anzupacken und fortzubewegen. 1775 bei Adelung, nd. 1743 bei Richey, ndl. kantshaak. Kanter, s. ² Ganter. Kantille, f.(Pl.-n): Gold- oder Silber- drahtröhrchen, in Stickereien, Epauletten. 1715 bei Amaranthes Canetille, aus gleichbed. franz. cannetille f., und dies aus ital. cannettiglia, einer Ableitung von lat. canna f.«Rohry. Kantine, f.(Pl.-n): Flaschenfutteral, Flaschenkeller(Lessing Minna 3, 7); Soldaten- schenke in der Kaserne. Aus gleichbed. franz. cantine f., von ital. span. cantina f.«Keller, Winkeb, zu canto m. Ecke, Winkel(s. Kante). Kantön, m.(-s, Pl.-e): Landbezirk. Aus gleichbed. franz. canton m., eig.«Landwinkel», ital. cantone m., zunächst«Ecke», abgeleitet von afranz. cant(s. Kante). Der schwäb. Ritterbund 1422 bestand aus fünf Cantonen. In der Schweiz seit Anfang des 18. Jh.(die dreuzehn Cantons als Name der Eidgenossen- schaft), im Zeit.-Lex. 1703. Dafür früher und noch bis Ende des 18. Jh. das Ort(s. d.), das ebenfalls von der Bed.«Spitze, Ecken zu der Bed. Landesabteilung» überging. 4BE. kantonieren, v.: in einem Land- bezirk Einlager halten, 1703 im Zeit.-Lex. cantoniren, aus gleichbed. franz. cantonner, ital. cantonare. Kantonist, m.(-en, Pl.-en): 62* 983 Kantor Kapelle 984 Militärpflichtiger. 1813 bei Campe. RA. Un- sichrer Kantonist. unzuverlässiger Mensch; eig. unsichrer Militärpflichtiger. Kantor, m.(-S, Pl.-en): Sangmeister in der Kirche und Schule; Volksschullehrer. 1571 bei Rot Cantor, von lat. cantor m. «Sänger», im Mlat.«Kirchensänger». Davon Kantorät, n.(-s, Pl.-e): Amt des Kantors, aus gleichbed. mlat. cantorates m. Käntschu, m.(-s, Pl.-e): aus Riemen geflochtne kurze dicke Peitsche. Ende des 18. Jh. bei Lichtenberg 5, 174 Kantschuh; westpreußisch auch Kantschuk. Aus tschech. kanduch, poln. kanczug m., von türk. kantschy clederne Geißel». Hanu, in Osterreich Kanoe geschrieben, n.(Spr. kans, Gen.-s, Pl.-s): Baumkahn der amerikanischen Wilden. 1710 bei Nehring Canot, Canoe, 1720 im Robinson 1, 325 Canoe m., aus gleichbed. franz. canot m., engl. canoe, die wie span. port.-ital. canoa f. dem karaibi- schen candäoa entlehnt sind, woher schon 1567 bei Ulr. Schmidel cannao 38, 11, cannano 47, 8, 1628 bei Münster Cosmogr. S. 1749 Canoa m. Känzel, f.(Pl.-n): Predigtstuhl; Lehr- stuhl; etwas der Kanzel ähnliches, z. B. bei dem Anstand der Jäger. Mhd. kanzel, ahd. chãncella f., aus lat. cancellus m., Pl. cancelli «Gitter, umgitterter Raumpy, kirchlich-mlat. «der vom Schiffe der Kirche durch ein Gitter getrennte Raum des Allerheiligsten, wo der Hochaltar und die Sitze für die Geistlich- keit waren», auch«Söller, Balkon. 4B1. kanzeln, v.: jem. von der Kanael herab eine Strafpredigt halten, 1778 bei Hermes Soph. Reise 6, 339, s. abkanzeln. ZUS. Kanzel- sprung, m.: das kirchliche Aufgebot Ver- lobter von der Kanzel herab(gern im Scherze), 1776 bei Voß Id. 6, 104. Kanzléi, f.(Pl.-en): Ausfertigungsstube einer Behörde. Mhd. kanzelie, im 15. Jh. kanzli f., eig.«der mit Schranken umgebne Ort, wo sich die Mitglieder eines Gerichtes, einer Behörde zur Ausfertigung gerichtlicher Angelegenheiten versammeln», von lat. cancelli (s. Kanzel). ZU0S. Kanzleistil, m.: die in Kanzleien übliche Ausdrucksweise(1678 bei Krämer Cantzley=-Stilus), insbes. die von der obersächs. Mundart ausgehende seit dem 15. Jh. in den Kanzleien der hoch- wie niederdeutsch. Fürsten angewendete Schriftsprache, auch Kanaleideutsch n.(1541 bei Franck Sprichw. 2, 12² unser cantzley teutsch). Kanzler, m.(-s, Pl. wie Sg.): Vorge- setzter einer Kanzlei, hoher Würdenträger zur Ausfertigung öffentlicher Urkunden, urspr. des Königs oder Kaisers. Bei Luther Cantzeler, mhd. Kanzelcre, kanzeler, ahd. cancelläri, kan- zelãri m., aus späterlat. cancellarius m.«Kanz- leivorstehers, von lat. candelli(S. Kanzel). Kanzlist, m.(-en, Pl.-en): Kanalei- schreiber, 1678 bei Krämer Cantzlist, Cantzel- list, aus spätmlat. cancellista m. Kanzöne, f.(Pl.-n): lyrische Dichtart provenzalischen Ursprungs, bei den Italienern ausgebildet. Ende des 16. Jahrh.(1608 bei Gödeke Grundr.* 2, 71 Canzon) entlehnt aus ital. canzone m. Lied, von lat. cantio f. cGe- sang, Lied», zu lat. canere«singen». Kap, n.(-s, Pl.-e u.-s): Vorgebirge. Im 16. Jh. ndl. cape, Kape(bei Kilian 1598), daraus 1616 bei Henisch Cape, mit franz. cap m. aus ital. capo m., von lat. caput n. Kopf, Haupt». kapäbel, adj.: fühig, tüchtig, vermögend wozu. 1617 bei Wallhausen Corpus militare 149 capabel, aus gleichbed. franz. capable, mlat. capabilis, von lat. capere cfangen, fassenꝰ. Kapäun, m.(-s, Pl.-e): verschnittner Hahn. Mhd. kappün m.(auch«Kastrat), im 14. Jh. cappaun; dazu mndl. cappoen, ags. capin m., engl. capon, wie franz. chapon, ital. cappone m. aus gleichbed. gr.-lat. cãpo (Gen. cρο s), gr. dnu- m., aus dessen lat. Nebenform cãpuas m. die im Mhd. üblichere schwachflekt. Form kappe, ahd. cappo m. «Hahn, Kapauns, sich bildete. Mit Anlehnung an Hahn schon mhd. kaphan m., bei Luther Caphan, bei Lessing 1, 54 Kapphalmn. 4 B L. kapäunen, v.: zum Kapaun machen, mhd. kappen und im 14. Jh. kappaunen. Kapazität, f.(Pl.-en): Aufnahmefdähig- keit, Tüchtigkeit; besonders begabter Mensch. Unter Einwirkung von frz. gleichbed. capacité f. aus lat. capacitas f., von capaæ afassend. Im 18. Jh., aber erst durch St. Simon zum Schlagwort geworden. Vgl. Ladendorf. 1Kapélle, f.(Pl.-n): kleiner Schmelz- tiegel, Schmelzschale. 1616 bei Henisch Capelle. Hervorgegangen aus einer Vermi- schung von mlat. capella, franz. chapelle f. «Helm eines Destillierkolbens», und franz. coupelle, ital. coppella f.«Probiertiegel», aus lat. cupella f.«kleines Gefäß, Fäßchen», Ver- kleinerungsform von lat. cũpa f.«Küpe, Kufe⸗ (s. d.). RA. Etewas auf die Kapelle bringen: ces streng prüfen»(bei Lessing 8, 48); etuv. auf die Capelle setzen(1694 bei Nehring). 985 Kapelle Kapitular 986 2Kapélle, f.(Pl.-n): kleine Nebenkirche; die Gesamtheit der beim Gottesdienst in der Schloßkapelle des Fürsten, dann bei welt- lichen Konzerten mitwirkenden Musiker, so- dann Musikerschar überhaupt. Mhd. kap- pelle, kappel(auf der ersten Silbe betont), kapelle, ahd. chapella, chappella f. ckleine Nebenkirche⸗, von mlat. capella f.«kleinres gottesdienstliches Gebäude, Gesamtheit der dem Bischof bei heiliger Handlung dienen- den Geistlichens, zuerst aber cdas gottes- dienstliche Gebäude der französischen Königes, in dem sie den kurzen Mantel des heil. Martinus aufbewahrten; denn mlat. capella bedeutet urspr. ckurzer Mantel», mhd. kappel(Parz. 669, 5), von mlat. capa, cappa f.«das Haupt mitbedeckender Mantel»(s. Kappe). Z0S. Kapéllmeister, m.: Vorsteher einer Musik- kapelle. 1605 bei Hulsius Dict. Capelnmeister, 1616 bei Henisch Capellmeister, aber schon 1575 bei Fischart Garg. 92 Capellemeysterei f. 1Kaper, m.(-, Pl. wie Sg.): privile- gierter Seeräuber; Raubschiff. 1678 bei Krämer Kaper, aufgenommen aus ndl. kaper m.(wo- her auch das gleichbed. franz. capre m.), von ndl. kapen Freibeuterei zur See treiben (kaap f. Seeraub»), wohl urspr.«auflauern?, denn mndl. Kapen, clev. capen, mhd. kapfen cgaffen, umhersehens. 43L. Kaperei, f.: Freibeuterei zur See, 1694 bei Nehring. kapern, v.:(durch Seeraub) erbeuten, 1678 bei Krämer kaperen. ² Kaper, f.(Pl.-n): Blütenknospe des Kapernstrauches. 1482 im Voc. theut. k 2⁸ der Pl. gappern, 1561 bei Maaler Kappren, 1495 in der Kölner Gemma cappres, 1477 clevisch caperen. Aus gleichbed. franz. capre f., ital. cappero m., von mlat. capera, gr. lat. capparis, gr. xdενεπεαic f., arab. kabar, Kabbãr. Kapfenster, n.(-s, Pl. wie Sg.): kleines vorspringendes Dachfenster. 1668 bei Chr. Weise die Verkleinerung Kappfenstergen. Zu nd.-ndrhein. kapen, mhd. kapfen blicken, spähen, gaffen. Käpfer, s. Kämpfer. kapieren, v.: fassen, begreifen. 1728 bei Sperander capiren. Aus lat. capére cfassen. Kapitäl, n.(-S, Pl.-e und-ien): das Haupt-, Grundgeld. 1616 bei Henisch Capital, aus gleichbed. franz. capital m., von mlat. capitale n., dem als Subst. gesetzten Neu- trum des lat. Adj. capitälis aden Kopf, das Leben betreffend, vorzüglich(daher Kapital- in Kapitalverbrechen u. a.), abgeleitet von lat. caput n.(Gen. capitis)«Haupt, Haupt- geldy. 4BL. kapitalisieren, v.: das Kapi- tal ausrechnen nach den Zinsen; in ein Kapi- tal verwandeln, zum Kapital schlagen. Von gleichbed. franz. capitaliser. Kapitalist, m. (-en, Pl.-en): Besitzer eines Kapitals, im 17. Jh.(1694 bei Nehring) nach franz. capi- taliste m.«xRentnery. Kapitalismus, m.: die heutige kapitalistische Geldwirtschaft im Gegensatz zum Sozialismus. Erst in der 2. Hälfte des 19. Jhs. Kapitäl, Kapitéll, n.(-s, Pl.-e und Kapitãler): Säulenknauf. Mhd. NXapitél n., 1482 im Voc. theut. q 1² kaptele, 1561 bei Maaler Capital, aus lat. capitellum neben capi- taulum n.«Säulenkopf, eig.«Köpfchen». Ver- kleinerungsform von lat. capat n.«Kopfy. Kapitän, m.(-s, Pl.-e): Hauptmann, das 1843 in der preufischen Armee dafür eingeführt wurde; Schiffsoberster(1645 in Mandelslö's Reisebeschr. Kap. 14). Im 15. Jh. kappethẽn, cappitén m.«Anführers, aus gleich- bed. franz. capitaine m., von mlat. capitaneus m.«Soldatenbefehlshaber»(zu lat. caput n. Haupt»), woher schon spätmhd. kapitän, kapitãnius, capitãnje m., 1562 im Reisbuch d. heil. Lands 1, 358 Capiten, bei Opitz und Fleming Capitein, Capitain(: ein), nach ndl. kapitein, nd. Kaptein. Kapftel, n.(-s, Pl. wie Sg.): Hauptstück einer Schrift(1531 bei Hedio Josephus Vorr. 4° Capitel); Versammlung der Herren eines Stifts. Mhd. capitel n. cfeierliche Versamm- lung, Konvent», ahd. capital, capitul n. Uber- schrifts, aus lat. capitulum n.(im Kirchen- latein)«Auf-, Uberschrift, Hauptstück einer Schrift, Versammlung eines geistlichen oder weltlichen Ordens», weil in ihr die in Kapitel geteilten Ordensstatuten verlesen wurden oder auf Grund derselben Verhandlungen statt- fanden. Verkleinerungsform von lat. caput n.«Haupta, dann«Hauptstück einer Schriftꝰ. 20S. kapitelfest, adj. bibelfest, 1711 bei Rädlein. kapiteln, v.: durch scharfe Worte strafen, eig. jem. das Kapitel lesen. So schon mhd. kapiteln, aber ahd. capitulõn, capitalon cüber- schreiben⸗, aus mlat. capitulare«kurzes zu Lesendes laut vortragen, in Worten strafen, Schriftliches in Abteilungen sondern?, von lat. capitulun(s. Kapitel). Kapitulär, m.(s, Pl.-e): Chor-, Stifts- herr. 1728 bei Sperander, 1710 bei Nehring capitulares. Aus gleichbed. mlat. capitularis 987 Kapitulation kaputt 988 m., dem als Subst. gebrauchten Mask. des Adj. capitulãris czum Kapitel(der Ordens- versammlung) gehörig», von lat. capitulum (§. Kapitel). Kapitulatiön, f.(Pl.-en): Vergleichung auf Bedingungen. 1577 bei Henriepetri Gene- ralhistoria 360 und 1616 bei Henisch Capi- kulation, aus franz. capitulation f.«Vertrag, vertragsmäßige UÜbergabe im Kriege, aber mlat. capitulatio f.«Verzeichnis der Haupt- stückey.(S. d. folg.) kapitulieren, v.: über gestellte Haupt- punkte verhandeln; wegen Ubergabe unter- handeln, sich durch Vertrag ergeben(1703 im Zeit.-Lex.). 1571 bei Rot capitulirn«ver- handelny». Aus franz. capituler, von mlat. capitulare«ein Übereinkommen treffen, einen Vertrag schließen». Kaplän, m.(-S, Pl. Kapläne), in Oster- reich und Bayern auch Kapellan: ange- stellter untergeordneter Hilfsgeistlicher. Mhd. kap(p)el(?)n m., aus mlat. capellanus m. «Geistlicher, der den Gottesdienst an einer Kapelle(s. d.) zu versehen hats. kapöres: tot, entzwei, zugrunde gerichtet. 1774 bei Bürger 185 kapores. Jüdische Aus- sprache des rabbinisch-hebr. kapporeth f. Ver- söhnung, Sühnopfer», eig.«Deckel der Bun- deslade». Unsre heutige Bed. daher, daß am großen Versöhnungstage mancher Jude einem Nichtjuden seine Sünden auferlegen wollte mit den Worten«Sei du meine kappöreth!, d. i. mein Sühnopfer, was dann den Sinn hatte«Stirb du für mich zur Versöhnung mit Gott!⸗ Kappe, f.(Pl.-/n): Art Kopfbedeckung; Kutte. Mhd. kappe, ahd. kappa f.«Mantel, der mit einer Kapuze zugleich den Kopf bedecktev. Dazu and. kappa f.«Kappe, Um- hang», mndl. cappe f.«Kopfbedeckung», ndl. cap Kapuzey, ags. cœppe f.«Kappe, Mantel⸗, engl. cap«Mütze», anord. käpa f.«Überkleid, Mantel, aus mlat.(um 600) cappa, capa f. Mantel mit Kapuzen, das vielleicht dem Keltischen entstammt. RA. Etevas auf seine Kappe nehmen:«die Verantwortung oder die Folgen tragen»(eig.«die Schläges, vgl. einem etzas auf die Kappe geben). Es setzt Kappen, d. h.«Schläge, Zurechtweisungen»(1641 bei Scherffer Ecloga 96). 1Kappen, v.: abhauen(den Anker k., d. h. das Ankertau); die Spitze abhauen. 1716 bei Ludwig, aus gleichbed. nd. und ndl. kappen; mndl. cappen, mengl. chappen zerschneiden, engl. chap«spaltenꝰ, schwed. kappa, dun. Kappe cdie Spitze abhaueny». Herkunft unklar. ²kappen, v.: verschneiden, kastrieren. Mhd. Kappen, von mhd. kappe m. s. Kapaun. Kappes, m.(Gen. ebenso): weißer Kopf- kohl, Weibßkraut, lat. brassica capitata. Um 1480 im Voc. incip. teut. f 4 b gabaßleraut, mhd. Koννρα, Kappiz, kabez, kabaz m., spät- ahd. kabuz, capaz. Wie gleichbed. franz. cabas m., ital. capzaccio m. aus lat. caput n.«Kopfꝰ, mlat. caputium n.«Kopfbedeckung». Kapphahn, m., s. Kapaun. Käppi, n.(-s, Pl.-s): niedriger Soldaten- schako. Seit etwa 1830 in deutschen Bürger- wehren eingeführt, schweiz. Verkleinerungs- form von Kappe(s. d.). Kappzaum, m.(-s, Pl. Kappzäume): Zaum mit Nasenband. 1689 bei Lohenstein Ibr. 20 und 1691 bei Stieler Kappzqum, 1664 bei Duez Kappezan, mittels Anlehnung an Kappe und Zaum aus gleichbed. franz. caveçon, ital. cavezzone m., von ital. cavezza f.«Halfters, afranz. cheuez, chevece«Kragens, die auf lat. capitium n.«Mieder, Kopfloch des Kleides», später«Haube», von lat. capaut n.«Kopf⸗ zurückführen. Kaprice, Caprice(in ésterreich), f. (Pl.-n): steifsinnige Laune. Im 17. Jh. aus franz. caprice m.«wunderlicher Einfall», ital. capriccio m., span.-portug. capricho von lat. caper m. Bock», in Beziehung auf das Be- nehmen dieses Tieres. kaprizieren, v. refl.: eigensinnig auf etwas bestehen. 1813 bei Campe. Kapriziös, adj., 1687 bei Hohberg 2, 8543 capriccios. Kapriöle, f.(Pl.-n): Bocks-, Luftsprung. 1576 bei Mathesius Luther 19 b Capreole, aus gleichbed. ital. capriola f., von lat. caper m. Bock). Kapsel, f.(Pl.-n): Gehäuse, etwas hin- einzutun. Anfang des 15. Jh. kapsel(Diefen- bach nov. gloss. 74², auch aus gleicher Zeit nd. capsel), and. Koapsilin«Kästlein», aus lat. capsala f.«Küstchen», Dim. von lat. capsa f. cKiste», woher mhd. Kafse, Kefse, ahd. kafsa, kefsa f.«Reliquienbehälter», and. Kaps, kefsa Behältnis, Gefängnisy. Ahd. auch capselin n. Kästchen», von mlat. capsella f. kapütt, bayr. auch kaput, verloren, zu- grunde gerichtet, hinfällig, kraftlos, tot, ent- zwei. 1648 bei Kemnitz schwed. Krieg 1, 462* capot, bei Seb. Bürster 174(vom J. 1643) caput. Aus den franz. Kartenspielausdrücken (im Pikettspiel Duez 1664) il est capot«er 989 Kapuze Karbonade 990 verliert alle Stichey, faire capot«einen ab- stechen, vollständig verlieren macheno. Kapuze, f.(Pl.-n): Mantel mit Kappe; Mönchskappe. Im Anfang des 16. Jh. ent- lehnt aus ital. cappucio m., wie franz. capuce f. von mlat. capucium, caputium n.«den Kopf bedeckender Teil am Kleid», einer Ableitung von mlat. cappa f.(S. Kappe). Kapuziner, m.(-e, Pl. wie Sg.): Mönch des 1528 entstandnen, Kapuzen tragenden Ordens, einer Abzweigung der Franziskaner. 1616 bei Henisch Capuciner, aus spätmlat. capucinus m., von capucium n.(s. Kapaze). Kar, n.(-Lels, Pl.-e): Kessel, Gebirgs- schlucht. In den Alpen mit verschiedner Bedeutung weit verbreitet. Vielleicht zu dem in den Mundarten lebenden kar Gefäß, mhd.-ahd. kar n. Geschirr, Schüssel», and. kar Korb», got. kas n.«Gefäß, Krugp. Karabiner, m.(-s, Pl. wie Sg.): kurze Reiterflinte. 1598 bei Frischlin Hohenzoll. Hochzeit 28 Carpiner, 1650 bei Moscherosch Phil. 2, 820 Karpiner, 1678 bei Krämer Cara- biner. Aus gleichbed. franz. carabine, ital. carabina f., abgeleitet von franz. carabin m. cReiter mit Feuergewehr bewaffnet». Un- bekannter Herkunft. Davon Karabiniér, m.(-s): mit einem Karabiner bewaffneter Soldat. Bei Schiller Wall. Lager 41, dafür 1616 bei Henisch Carabin m., 1616 bei Wall- hausen Kriegskunst zu Pferd 55 Carbiner, 1664 bei Duez 1, 111 b Carabiner, 1703 im Zeit.-Lex. Carabinirer. Karäffe, f.(Pl.-n): Tafelflasche. 1714 bei Wächtler Caraffe, aus gleichbed. franz. carafe, ital. caraffa, span. portug. garrafa f., aus pers. garãbäã«Flasche mit weitem Bauches. Eine Weiterbildung ist Karaffine, f.: kleine Karaffe, bei Goethe 23, 296 Caravine, 1712 bei Hübner Carovine f., aus franz. caraftne, ital. caraffina f. Noch in norddeutschen Städten Karwine. karambolieren, v.: auf dem Billard zwei Bälle treffen;(übertragen) zusammen- stoßen. Im 19. Jahrh. aus gleichbed. franz. caramboler, das vom span. carambola Ball» stammt. Unbekannter Herkunft. Karät, n.(Jels, Pl.-e): ein Goldgewicht von 12 Gran(½ Mark); ein Diamanten- und Perlengewicht von 4 Gran. 1534 bei Seb. Franck Weltb. 2042 Curat, 1477 clevisch crait, 1428 Krät(Rechenbuch im Archiv zu Prankfurt a. M.), aber mhd. garãt und karãt n. und f., aus gleichbed. franz. carat, ital. carato, aportug. quirate, mlat.(um 600) cerates, von arab. girãt, das wieder abgeleitet ist von dem gr. Gewicht xepdriov n., eig. hörnchen- förmig gebogene Hülse des Johannisbrot- baumsy». 4BL. karatieren, v.: Gold mit anderm edeln oder einem unedeln NMetalle versetzen. Dafür 1741 bei Frisch gradliren. karätig, adj. Karausche, f.(Pl.-/): die Karpfenart, cyprinus carassias. 1664 bei Duez Karausche, Karutsche, 1550 bei Alberus Fab. 19, 127 Caruse, 1517 bei Trochus J1 carutius ein Karutzschen, 1563 bei Forer 166 b charax, Karuß, Kariß, md. in Schlesien karaz(Hoff- mann schles. Monatsschr. 1, 71). Aus lit. karõsas m., karüsis und dies aus poln.-Klruss. karas, das mit franz. carassin, corassin m. wohl aus dem gr. lat. Fischnamen coracinas, gr. kopokxivoc m. stammt. Karawäne, f.(Pl.-n): reisende Gesell- schaft im Morgenlande, besonders von Kauf- leuten und Pilgern. 1562 im Reisbuch des heil. Lands 1, 358 Caruane, 1575 bei Fischart Garg. 352 Caravane(1582 Charoana, 1590 Choroana), 1582 bei Rauwolff Reise 28 Car- ouane, 1647 bei Olearius Carawane. Aber schon md. im 13. Jh. carvane(auch karban Germania 20, 44) m.«Kriegsbagage, schweres Gepäck, sowie Ort und Haus der Aufbe- wahrung für dasselbey. Aus ital. caravana, franz. caravane f., von pers. kãrwãn«Handels- zug, reisende Schar von Kaufleuten und Pilgern». Davon Karawanseréi, Kara- wanserdi, f.(Pl.-en): Herberge für Reise- züge oder Karawanen. 1647 bei Olearius 366 Carwansera und 1645 in Mandelslos Reise- beschr. 33 b Caravansera. Wie ital. cara- vanserai von pers. Kãrwän-särd) Kara- wanenburg, behausungy. Karbätsche, f.(Pl.-n): dicke Riemen- peitsche. 1615 bei Messerschmid lust. Narr- heit 173 Carabatschste, 1650 bei Moscherosch Phil. 2, 583 Karhatsche, aus gleichbed. tschech. karabãd, poln. Karbaòé, magyar. Korbãcs, von türk. Wyrbatsch«Peitsche, Ochsenschwanz?, woher auch span. corbacho m. Ochsenziemer), franz. cravache f.«Reitpeitsches. 48L. kar- bätschen, v.: durchpeitschen. 1669 bei Grimmelshausen Simpl. 115 Karbditschen, 1678 bei Krämer karbatschen. Karbondde, f.(Pl.-n): auf Kohlen ge- bratnes Fleischstück; Rippenstück. 1714 bei Wächtler, ndl. 1598 bei Kilian Karbonade, über gleichbed. franz. carbonnade aus ital. 991 Karbunkel karg 992 carbonata f., von ital. carbone, lat. carbo m. KKohlen. Karbünkel, m.(-s, Pl. wie Sg.): bös- artiges Geschwür. 1561 bei Maaler Kar- funkel, bei Luther(Randglosse zu 4. Mos. 21, 6) Carbuncel, 1536 bei Heinr. v. Eppen- dorff röm. Historien Bekürtzung 41 Car- buncChel m. Eins mit Karfunkel(s. d.). Karch, m.(-els, Pl.-eund Kärche): Karren. Rheinisch. Mhd. karrich, karrech, karch, ahd.- and. carruh m.«Karren, Wagens, aus lat. (urspr. keltisch) carraca f.«vierrädriger Reise- wagen⸗, von lat. kelt. carrus m.(s. Karren). 4BL. Kärcher, m.(-s, Pl. wie Sg.): Fuhr- mann; Karrenschieber. Am Rhein, in Luxem- burg. Alternhd. karcher und Kärcher, 1482 im Voc. theut. q 1 b arricher, spätmhd. ka- richer, Kercher m. Kardamom, m.(-s, Pl.-e): Art mala- barischen Gewürzes. Mhd. kardamöm m. und kardamuonie f., aus gr. Jat. cardamomum, gr. xapdduov n.; zugrunde liegt aind. kardamas m. eine Pflanzey. Kardätsche, f.(Pl.-/): Wollkamm mit Häkchen von Draht; Stallbürste(1742 bei Trichter Reitlex. Kartätsche). In 1. Bed. 1616 bei Henisch Cartetschen f., bei Fischart Kar- tetsche(in Kartetschenmacher Prakt. Großm. 1572 8) entlehnt über franz. cardasse f., aus ital. cardasso, von ital. cardare, span. cardar«aufkratzen, Wolle kúmmenꝰ, s. Karde. 4BL. kardätschen, v.: Wolle kämmen, 1678 bei Krämer kartätschen, 1605 bei Hul- sius cardetzschen. Karde, f.(Pl.-a): Weberdistel. Mhd. karte f., ahd. carto m. und carta f., and. karde«Kardendistel, Wollkratzev. Mit gleich- bed. ital.-span. cardo m., entlehnt aus mlat. cardus, lat. carduus m. Distel»). 4 BL. karden, v.: mit der Wollkratze rauh machen, im 14. Jh. und 1561 bei Maaler karten. 1 Kardinäl, m.(-s, Pl. Kardindle): vor- nehmster Priester nächst dem Papste. Mhd. kardenãl, md. auch cardinãl, von gleichbed. mlat. caydinalis m.(urspr. vom 5. bis 11. Jh. der Titel aller an einer bestimmten Kirche festangestellten Geistlichen, dann auf das seit 1059g den Papst wählende Kollegium der römischen Bischöfe, Presbyter und Diakonen beschränkt), dem als Subst. gesetzten Mask. des spütlat. Adj. cardindlis cvornehmst, haupt- sächlichsto, eig. die Türangel»(lat. cardo m., Gen. cardinis, mlat. auch bildlich)«die Haupt- sache angehend». Vgl. auch Karnöfpel. 2Kardinäl, m.(-s, Pl.-e): vornehmstes Getränk aus weißem Wein, Pomeranzen und Zucker. 1791 bei Roth, aus gleichbed. engl. cardinal. Vgl. Bischof. Karésse, f.(Pl.-n): Liebkosung, Schmei- chelwort. Im 17. Jh. Caresse, entlehnt aus franz. caresse, ital. carezza f., von mlat. caritia f., abgeleitet von lat. cãrus clieb, teuery. Dazu karessieren, v.: liebkosen, schmei- cheln, im 16. Jh.(bei Logau 2, 1, 38 cares- siren, aber schon 1572 bei Fischart Prakt. Großm. 12 Caressierer m.) aus gleichbed. franz. caresser, ital. carezzare. RKarflol, m.(-s): Blumenkohl(s. d.). Ober- und ostmd. 1715 bei Amaranthes Car- fiol, 1616 bei Henisch Carifior, 1605 bei Hul- sius dict. 59 Caulifiol. Wie engl. caualiflower, colefloꝛoer, franz. chou-fleur m. aus gleichbed. ital. cavol fiore m., zgs. aus cavolo m.(lat. caulis m.)«Kohl» und fiore m.(lat. flos m., Gen. föris)«Blumes. Karfreitag, m.(-s, Pl.-e): Freitag vor Ostern als Todestag Christi. Mhd. Karfritac m.«Klage-, Trauerfreitags, von mhd. kar. ahd. kara f.«Wehklage, Trauers, asächs. cara f.«Leid, Trauerv, ags. cearu, caru f.«Sorge, Kummer, Wehklage», engl. care« Sorges, got. kara f.«Sorge». Uber die Herkunft vgl. Zupitza 78.— Karsamstag, m.(-s, Pl.-e): heim Volke der Sonnabend nach dem Kar- freitage. Karwoche, f.: die Woche vor Ostern, in die der Karfreitag fällt, spätmhd. karwoche f. Karfünkel, m.(-s, Pl. wie Sg.): der Edelstein Feuerrubin. Mhd. Karfunkel, Kar- bunkel m. Mit Anlehnung an Fuanke aus lat. carbunculus m.«kleine glühende Kohle, röt- licher Tufstein, Feuerrubin, rotes Geschwür, Verkleinerungsform von carbo m. Kohley. karg, adj.(Komp. karger, kürger, Superl. kargst, kärgst): zähe zum Geben und Auf. wenden. Mhd. karc(Gen. karges, Komp. kerger) clistig, klug, schlau in gutem und bösem Sinne; streng, heftig; enge, knapp; Knauserig, nicht freigebig». Ahd. carag, charag straurig»; dazu asächs. carag(in mõdcarag) cbekümmert⸗, mud. karich, karch«sparsam, geizig», ags. cearig«besorgt, traurig, ängst- lich», engl. chary«vorsichtigy. Mit ableiten- dem ahd.-ac(nhd.-ig) von ahd. kara f. «Trauery, got. kara«Sorge»(s. Karfreitag); die urspr. Bed. ist cbesorgty. 4 B L. kargen, V.: knausern, mhd. Kargen«besorgt, ängst- lich sein, geizen». Kargheit, f.: Sparsam- 993 Kargo Karnies 994 keit, Knauserei, mhd. Xarkcheit, kar ckeit f.«Klug- heit, Schlauheit, Unfreigebigkeit». kärglich, adj.: kargend, ärmlich, mhd. charchlich, kere- lich clistig, sparsam»; dazu Kürglichkeit, f., 1808 bei Campe. Kargo, m.(-S, Pl.-s): Schiffsladung, Frachtzettel; Saumlast(von 300 Pfund); der mit dem Verkauf oder Einkauf einer Schiffs- ladung Beauftragte. Anfang des 17. Jh. Cargo m. Lasto, aber schon am Beginn des 15. Jh. karg f.«Gewichtslast von 3 Zentnern»(Städte- chr. 1, 102, 16; 5, 155, 11). Aus span. car⁹o m. und carga f.«Last, Ladung», zu lat.-Kelt. carrus m.«Wagen»(s. Karren). l1karieren, v.: Hungerstrafe erleiden. 1728 bei Sperander cariren, aus lat. carére cnicht haben, entbehrenv. zkarieren, v.: mit Würfel-, Rautenzeich- nung mustern, namentlich im Part. kariert von Kleiderstoffen. Aus gleichbed. franz. carrer, das aus lat. quadrãre«viereckig machem stammt, von guadr- zu lat. quattuor«vier». Karikatür, f.(Pl.-en): Zerrbild. Im 18. Jh.(bei Lessing 6, 382 Carricatur) aus gleichbed. ital. carricatura f., eig. Über- ladung».— karikieren, v.: bis zur Ver- zerrung übertreiben. Aus ital. caricare cbe- laden, belasten, überladen in Rede oder Zeichnungy, von vulg. lat. caricare«beladen, belasten(woher auch franz. charger), ab- geleitet von lat. kelt. carrus m.(s. Karre). Karkässe, f.(Pl.-n): Tier-, Schiffs., Drahtgerippe; Bombe mit eisernem Gerippe (1672 erfunden, 1694 bei Nehring Carcasse). Uber gleichbed. franz. carcasse aus ital. car- cassa f.«&Gerippe. Karl, ein Mannsname. Mhd. ahd. Karl, Karel, mhd. auch mit schwacher Flexion Karle, latinisiert Cärolus. Durch die Er- hebung der fränkischen Hausmeier, von denen Karl Martell der erste des Namens ist, auf den Königsthron der Franken und zumal mit Karl d. Gr. fast über ganz Europa ver- breitet; daher abg. Krali«König», poln. kroöl, russ. karöl?, lit. karälius, magyar. kiräly, alban. kralj, neugr. xpd-nc König⸗. Ur- sprünglich Appellativ: mhd. Karl, ahd. charal, karl m.«Mann, Ehemann, Geliebters; dazu anord.-schwed.-dän. karl«Mann,(freier) Bauer, Greis», mit Ablaut kerl, mnd. kerle cfreier, gewöhnlicher Mann“, ndl. kerel«Kerl, Manny, fries. tzerl, ags. ceorl«Mann, Ehemann, Ge- meinfreier. Mann niedern Standes», engl. churl Bauers. Grdbed. wohl«alter, reifer Mann⸗ Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. und daher zu gr. Tépoy, arm. cer m. Greisy. Vgl. auch gr. Tnpoxéoc zalt mit gleichem Suffix wie karl, Kerl(s. d.). Karmen, n.(*s, Pl. wie Sg. oder Karmina): Gedicht, besonders Gelegenheitsgedicht. 1616 bei Henisch Carmen, aus lat. carmen n.«Ge- sang, Gedicht. karmesin(auch karmoisin): hochrot. 1586 in den Script. rer. Siles. 4, 290 f. carmesin und kermasin, im 15. Jh. bei Ehingen Reisen 28 karmosin, 1605 bei Hulsius cramoisin, 1478 bei Nicl. v. Wyle 24, 24 cremesin, aus ital. carmesino, cremisi, cremisino m., franz. cra- moisi m. das Hochrots, von arab. girmiat cscharlachfarbigs, eig. mit Kermesfarbe ge- fürbt(s. Kermes). Karmin, m.(-S, Pl.-e): kostbares Hoch- rot; hochrote Tinte. In der 1. Bed. 1712 bei Hübner Carmin, aus franz.-span. carmin, ital. carminio m., gleichen Stammes wie Kar- mesin(s. Kermes). Karn, m.(-els, Pl.-e): Butterfaß. Aus dem Ndd. karne, karn. S. kernen. Karneol, auch Karniol, m.(-s, Pl.-e): plutroter, wachsartig glänzender Edelstein, sarda rubra. Im 16. Jh.(bei Paracelsus Opera 2, 309) Carniol, 1616 bei Henisch Carneol. Aus ital. corniola f., von lat. cornéolus chornartig» (lat. cornu n.«Hornꝰ). Karner, Kerner, auch Gerner, m.(-s, Pl. wie Sg.): Beinhaus, Fleischkammer; mhd. gerner, kerner, karncœre Beinhaus». Aus mlat. carnarium n.«Fleischkammer»(von lat. caro«Fleisch⸗). Noch bayrisch. Karneval, m. und(veraltet) n.(-s, Pl. —J,-e): Fastnachtslust. Im 17. Jh.(bei Grim- melshausen Simpl. 1, 272 Keller) Carnewal, 1694 bei Nehring Carnaval, als ital. carne- vale, carnovale m. Fastnacht», eig. die Nacht vor Aschermittwoch, wo man dem Genusse des Fleisches(ital. carne f.) für die Fasten- zeit Abschied und Lebewohl(ital. vale m.) sagte. Dies ist aber nur Volksumdeutung. Das Wort scheint vielmehr auf carrus navdlis cSchiffswagen», d. h. Schiff auf Rädern, wie es bei festlichen Gelegenheiten angewandt zu werden pflegte, zurückzugehen. Oder es steht für mlat. carnelevale Entfernung d. Fleischeso. Karnickel, s. Kaninchen. Karnies, n.(Gen. Karnieses, Pl. Karniese): die Figur eines 8 bildende Kranzleiste am Hauptgesimse. 1712 bei Hübner Karnieß. Aus gleichbed. span. cornisa f., franz. corniche, ital. corn’ce f., von dem im Romanischen mit 63 995⁵5 Karnöffel lat. corniæ f.«Krähey verwechselten gr.-lat. coronis, gr. xopuwvic f. kleiner Kranz, Schnörkel als Schlußzeichen des Schreibenden. Karnöffel, Karnüffel, m.(-s, Pl. wie Sg.): die Hauptkarte eines beliebten ehe- maligen Kartenspiels von 48 Blättern, sowie dieses selbst. Im 15. und 16. Jh. carnéffel m. Mitte des 15. Jahrh. kKarnôffelin n.(Fichard Frankf. Archiv 3, 293 fg.), 1517 bei Trochus D 3 b satelles der vnderman, qui dedicatus sive insignitus privilegio dicitur ein karnuffel, 1546 im Pasquill Newe Zeitung vom Teüffel A 3² der vnderman ist erstlich cardinal ge- nennel worden, die ainfeltigen aber haben Ijn nit anderst dann carnöffel nennen künden, Cardinal aber ist nach Fronspergers Kriegs- buch(1596) 1, 20 b der Titel des Obersten eines Regiments Landsknechte; der Karnöfyel ist also der Unter mit dem Bilde des Lands- knechts, der in diesem Landsknechtsspiele alle übrigen Karten stach, ausgenommen die cböse Sieben»(s. d.), die teufelsfrei war(da- her Cyriacus Spangenbergs Buch ider die bõse Sieben ins Teuffels Karnöffelspil 1562). Urspr. bedeutet Karnöffel«Hodenbruch oder geschwulsty, S0 1541 bei Frisius 735 b Karnöfel, 1477 clevisch carmuffel, bei Paracelsus(Chirurg. Schriften 1618 S. 454) hernia carnosa, vulgo Karneffel. Vielleicht wegen der Khnlichkeit der Gestalt abgeleitet von franz. cornifle f. (aus vorauszusetzendem mlat. cornifolium oder cornufolium, wie franz. trefle aus lat. trifolium) «das Hornblatt, ceratophyllum, eine Wasser- pflanze, deren Früchte aus langgeschnäbelten Nüssen, unten mit zwei drüsenförmigen Hö- ckern, bestehen). Vgl. aber auch Baist ZidW. 9, 34. 4B L. karnöffeln, kar- nüffeln, v.: das Karnöffelspiel spielen; stoßen, quälen, durchprügeln. In der 1. Bed. im 15. und 16. Jh. karnöfpeln, carnöffeln, noch nd. Karnüffelm(Frommann Ztschr. 3, 551, 32); in der zweiten 1691 bei Stieler Karnijfeln, noch md. und nd., auch bayr.-österr. Karo, n.(-s, Pl. s): Raute, schiefes Vier- eck, bes. auf den französischen Spielkarten. Aus gleichbed. franz. carredu, das von lat. guadrum n. Viereck» abgeleitet ist. Im 19. Jh. Im 18. Jh.«ein viereckiges Stuhlkisseny. Karolin, Karlin, m.(-s, Pl.-s): Gold- stück von 11 Gulden rheinisch oder 18,85 Mk. Augsburgisch 1424 cärlin und 1421 Kärlin m. (Städtechron. 5, 367, 24 und 365, 5) ceine Gold- münze von verschiednem Werten. Von dem mlat. Cärolus, Karlus«Karl»(s. d.), nach 996 Karre dem prägenden Fürsten benannt. 1742 ließ Kurfürst Karl Philipp von der Pfalz die Goldmünze in dem obigen Werte prägen. Karoline, Frauenname, von mlat. Cärolus «Karly(s. d.). Gekürzt Lina, Dim. Linchen. Karösse, f.(Pl.-n): Prachtwagen. 1694 bei Nehring Carosse und Carrosse, 1616 bei Albertinus Narrenhatz(29, 15 Liliencron) Ka- rotze, über franz. carrosse m., aus ital. car- rozza f.«Kutschwagen. Schon mhd. kar- rosche, karrotsche, karrutsche, Karräsche m. f. &Kriegswagen, auf dem das Feldzeichen auf- gerichtet ist», aus gleichbed. ital. carroccio m., mlat. carrocium n., Ableitungen von lat.-kelt. carrus m.(s. Kayren). Karötte, f.(Pl.-n): Möhre. 1616 bei Henisch Carote, aus gleichbed. franz. carotte f., von gleichbed. ital. lat. curota f., gr. copurrév n. Karpfen, m.(-s, Pl. wie Sg.): der Fluß- und Teichfisch Cyprinus carpio. Mhd. karpfe m., md. Karpe und bereits 1470 wie noch jetzt sächs.-thüring. mit angetretnem n Karpen m.(Diefenbach mlat.-hochd.- böhm. Wb. 61), ahd. charpho, carfo, charofo m.; dazu mnd. karpe m., nd. Karpe f.(brem. Wb. 2, 743), auch bei Hagedorn 1, 73 Karpe, schles. 1734 bei Steinbach Karpe, Karpfe f., wetterauisch Kdârbe f., ndl. karper m., anord. karft m.(der Rotfisch, perca norvegica). Zuerst belegt als mlat. urpa f.(im 6. Jh. bei Cassiodor als Donaufisch), später carpus, carpo, carpio m., das Wort ist fast in ganz Europa verbreitet, span. carpa, franz. carpe f., ital. carpione m., rumän. crap; poln.-russ. Karp, czech. kapr, lit. Mãrpa f. und karpis m., kymr. carp, cerpyn. Man vergleicht aind. apharas m., çaphari seine Karpfenarts, lit. Sdρalas«cyprinus dobula», die vielleicht durch Dissimilation ein r verloren ha- ben. Dann muß das german. Wort entlehnt sein. Auch gr. kunpivoc m.«Karpfenart» klingt an. HKarre, f.(Pl.-n) und Karren, m.(-s, Pl. wie Sg.): ein- und zweirädriges Fuhr- werk. Mhd. Karre, garre m., selten karre f., md. auch karren m.(Meister Eckhart 414, 31), ahd. carra, garra f. und carro, garro m.; dazu mnd. Kare f., mndl. karre f., anord. kerra f., engl. car. Aus lat.-kelt. carrus m. Trans- portwagen», mlat. carra f., kymr. cãr, bre- tonisch kayr, gälisch carr. Vgl. Kurch. 4L. karren, v.: den Karren fahren oder schieben, 1494 bei Brant Narrensch. 40, 6 karrhen. Kärrner, m.(-s, Pl. wie Sg.): Karrenfuhr- mann, Karrenzieher, Karrenschieber, im 15. Jh. kerner, dafür mhd. karrer m. Vgl. Kärcher. 997 Karree Kartell 998 Karrée, n.(, Pl.-s): Viereck. Aus gleich- bed. franz. carré m., das auf lat. quadrãtum n. zurückgeht, von quadrãre» viereckig macheny. Im 18. Jh. entlehnt(1712 bei Hübner Quarré). Karréte, f.(Pl.-n): Kleiner leichter Wagen. 1599 im Inventarium Marx Fuggers 285 Car- rette f., aus gleichbed. ital. span. carreta f. mlat. carrecta, von lat. carrus m.(s. Karren). Dagegen schweiz. Kärrete f.«Karrenladung, kleines Fuder», 1561 bei Maaler Karreten, 1310 oberrhein. Xarrethe m. oder n., von mlat. carrata f.«Karrenladung», zu lat. carrus m. Karriére, f.(Pl.-n): Laufbahn; voller Lauf. Das franz. carriere f., das auf ein mlat. carraria f. Wagenweg, Straße, Bahn? zurückgeht, von carrus m.«Wagenz. 1616 bei Wallhausen Kriegskunst zu Pferd 8 u. 12 Carriera, Carriere f. und m. In Osterreich und Bayern auch Carriere. Karriöl, n.(-s, Pl.-e) und Karriöle, f.(Pl.-n): leichte zweirädrige Halbkutsche. 1714 bei Wächtler Cariole f., 1728 bei Spe- rander Cariol n., 1790 bei Pfeffel poet. Vers. 3, 165 Karriol n. Uber gleichbed. franz. carriole f., aus ital. carriuola f., mlat. car- riola f.«Frauenwagen⸗ neben cayrriolus m. ckleiner Wagen», von lat.-kelt. carras m. (&. Karren). Dazu karriölen, v.: rasch fahren(1780 bei Voß 6, 126 karjolen); davon verschieden karjölen, krajölen, v.: laut schreien, jauchzen, juchheien, norddeutsch (bei Musäus Volksm. 5, 34 Ker öhlen). Vgl. darüber Schröder, Streckformen 125. Karst, m.(-es, Pl.-e): zweizinkige Hacke. Mhdâ. ahd. karst. Der Plural 1691 bei Stieler und noch mundartlich Kärste, Anfang des 16. Jh. kerst(Michelsen Mainzer Hof 18). Unbekannter Herkunft. Vgl. aber Meringer Idg. Forsch. 17, 120. 4B. karsten, v.: mit dem Karst aufbacken, 1556 bei Frisius 156 2. Kartätsche, f.(Pl.-n): mit Kugeln usw. gefüllte Kanonenpatrone. 1691 bei Stieler Kartetsche, 1716 bei Ludwig Cartetsche, Kar- tätsche und Kartutsche. Aus ital. cartoccia f. a«grobes Papier, cartoccio m.«Düte, Flinten- patrone», franz. cartouche f.«Patrone, La- dung, Kartätsches, von ital. carta, lat. charta f. Papier»(s. Karte). 4BL. kartätschen, v.: mit Kartätschen schießen, bei Campe 1808. Kartauüne, f.(Pl.-n): große, kurze und dicke Kanone. Im 16. Jh. Kartane, Kartone, Karthaun, 1489 bei Liliencron Volksl. 2, 259 kartune, 1502 kartaune(ebd. 2, 479), 1490 bei Klüpfel Urk. d. schwäb. Bundes 1, 82 In der ersten Bed. 1664 ber Duez 1, 113 quarton, mnd. und ndl.(bei Kilian) Kartouoe, aus ital.-mlat. quartana f. Viertelsbüchsey, d. h. Kanone, die 25 Pfund schoß, im Ver- gleiche zu dem größten 100 Pfund schießen- den Belagerungsgeschütze, der Metzickana oder Scharfmetze(Fronsperger Kriegsbuch 1596 2, 31²), deshalb schon im 15. Jh. bei Behaim Wien. 377, 10 virtailpächs. Kartause, f.(Pl.-n): Mönchskloster des Kartäuserordens. Im 15. Jh.(im Gedanken an hüs Hauss) karthäß f., aber zu Anfang des 15. Jh. chartusey f.(Diefenbach gl. 103), aus mlat. Cartusia, Carthusia(Chartreuse bei Grenoble), wo der Geistliche Bruno von Köln den strengen Orden 1084 stiftete. Davon Kartäüser, m.(-s, Pl. wie Sg.): Mönch dieses Ordens, 1346 oberrhein. karfhüser(Ger- mania 20, 45), md. im 14. Jahrh. Kartüsiére (Jeroschin 1346), im 15. Jh. Kartheuser m. (Tucher Baumeisterb. 137, 7). Karte, f.(Pl.-n): steifes Papierblatt zum Spiel, zur Kenntnis der Erde oder des Himmels in Zeichnungen, zu Besuch, An- kündigung usw.; Kartenspiel; Steifung des Seidenzeuges. Spätmhd. karte f.«Stück Papier oder Pergament, gemaltes Blatt, Spielkarte, Kartenblatt», wie ital. carta, franz. carte f. aus lat. charta f., gr. xdornc m.«Papierblatt, dünne Pappe»y. 4BL. karten, v.: Karte spielen(1494 bei Brant Narr. 95, 27); bildlich das Spiel lenken, und etw. schlau einrichten (Schiller Picc. 3, 1; 1701 bei Chr. Weise überflüss. Gedank. 400), vgl. abkarten. ZUS. Kartenblatt, n., im 15. Jh. bei Rosenblüt kartenplat Spielkartenblatt. Kartenhaus, n.: Haus aus Spielkarten als Kinderspiel, 1691 bei Stieler. Kartenkönig, m.: einer der vier Könige(urspr. Weltmonarchen) der Spielkarte, 1639 bei Zincgref 1, 391 Charten- König. Kartenleger, m.: Wahrsager aus Spielkarten(im 16. Jh. kartenleger«Spiel- halter», aber schon im 15. Jh. Karten legen aus Karten wahrsagen» Fasnachtsp. 689, 22). Kartenschlägerin, f.: Wahrsagerin aus Spielkarten(Goethe 27, 284). Kartenspiel, n.: vollständige Spielkarte, Mitte des 15. Jh. kartenspil(Städtechron. 4, 325, 25) und mnd. kardenspel(ebd. 7, 392, 9); das Spiel mit der Karte(1482 im Voc. theut. q 1 b Kartenspil). Kartéll, n.(‧s, Pl.-e): schriftliche Her- ausforderung zum Zweikampf;(schriftlicher) Vertrag(urspr. zwischen Kriegführenden, 1669 bei Grimmelsh. Simpl. 222 Cartel n.). 63* 999 Kartoffel Kasematte 1000 Cartel, aus gleichbed. franz. cartel, ital. cartello m., von mlat. cartellus m. Zettel», zu lat. charta f. Papier, Schriftstück»(s. Karte); 1598 bei Frischlin hohenzoll. Hochzeit 87 f. Cartell f.«schriftliche Festsetzung der Kampf- bedingungen im Turnier oderim Ringelrennew. Kartöffel, f.(Pl.-q): Wurzelknolle der Pflanze solanum tuberosum, sodann die Pflanze selbst. 1775 bei Adelung Kartoffel, vorher Tartuffel(1664 Tartufplen bei Hoffmann schles. Monatsschrift 53, noch 1776 bei Hübner Tar- kuffeln neben Kartoffeln). Aus ital. tartufolo m., venezian. fartufola, piemontes. fartifla f. Trüffel und Erdapfel»(d. h. Knolle der Knollenwinde convolvulus batates), von gleichbed. ital. tartufo m. Sonach ist der Name von der Trüffel(s. d.) und Batate auf die im 16. Jh. aus Peru nach Spanien, von da nach Italien und dann nach Deutschland eingeführte Kartoffel als ähnliches Erdknollen- gewächs übertragen worden. Dafür im Ost- fränkischen Patale, Potalrle f., aus ital.-span. patata, batata f.«Kartoffel, Batate, das den südamerikanisch. Indianersprachen entstammt. Auffallend ist span. cotufa f.«Prdapfel» und gleichbed. sizilian. catatuffulu neben kirituffulu mit dem noch unerklärten co- und cata-. ZUS. Kartoffelapfel, m.: die apfelartige Frucht aus der Kartoffelblüte. Hartön, m.(-s, Pl.*s): steifes Papierblatt, Pappschachtel; umgedrucktes Blatt;(in der Malerei) eine Zeichnung auf Papier von der Größe des künftigen Gemäldes(1791 bei Roth). 1728 bei Sperander Carton, aus gleichbed. franz. carton, ital. cartone m., von lat. charta f. Papier»(s. Karte). Davon kartonieren, v.: in Pappdeckel leicht einbinden. HKartüsche, f.(Pl.-n): Zierrahmen, Rand- verzierung(1773 im Orth. Handb.); Pulver- rolle, Patrone; kleine Patrontasche. In den beiden letzten Bed. 1694 bei Nehring Curtouche. Aus franz. cartouche m.«Zierrahmen, Rand. verzierungy und cartouche f., ital. cartoccio m.«Papierrolle, Patrone», und ital. cartuccia f. „Papierchens, von lat. charta f.(s. Karte). Karusséll, n.(*s, Pl.-e): Ringelrennen, urspr. ein Ritterspiel zu Pferd, jetzt ein mit Pferden und Wagen besetztes Drehgestell. In erster Bed. 1694 bei Nehring Caroussel. Aus gleichbed. franz. carrousel, ital. carosello, garosello m. Herkunft unbekannt. Karwine, s. Karaffe. Karwoche, s. unter Karfreitag. Kasäcke, f.(Pl. Kasacks): kurzer Reise-, Reitrock. 1581 bei Fischart Bienenkorb 157 b Kasacke über franz. casaque aus ital. casacca f. clange Uberjacken, dazu das franz. Dim. casa- guin m.«kurzer UÜberrock», woraus schon mhd. casagän m. Reitrock», noch schwüb. gasgäng m. Mannsrock», österr. Kasegén «Morgenrock». Unsichrer Herkunft. kascheln, v.: auf der Eisbahn schlittern. Mundartlich in Schlesien. Hildebrandt ver- gleicht schwed. kasa«gleitens. kaschieren, v.: verstecken, verbergen. Aus gleichbed. franz. cacher. 1791 bei Roth. Nach Campe 1813 aus der Malersprache. Vgl. verluschen. Kaschmir, s. Kasimir. Käse, m.(-s, Pl. wie Sg.): dicker fester Stoff der geronnenen Milch, sowie daraus bereitete Speise in fester Form. Mhd. kœse, ahd. chäsi m.; dazu and. kési, Kiesi, mnd. kese, mndl. kase, nndl. kaas, kees, afries. kise, tzise, nfries. tzys, ags. cése, ᷣyse m., engl. cheese, aus gleichbed. lat. cãséus m. 4BL. käüsen, v.: zu Käse gerinnen, Käse machen, 1691 bei Stieler. Käser, m.(-s, Pl. wie Sg.): Küsemacher auf der Alp; Alp- hütte(ahd. chasari). käsicht(bei Stieler 1691) und käsig(bei Krämer 1678), adj.: käse oder quarkartig. ZUS. Küsehutsche, f.: kleiner Kinderschlitten. In Sachsen, Thiü- ringen, Magdeburg. S. Hutsche. Käsekäul- chen, n.: länglich rundes Gebäck aus Käse oder Quark, im 17. Jh. bei Weise Cath. 221 (Kürschner). Uber den zweiten Teilvgl. ²Kaule. Käsekuchen, m.: platter Kuchen mit Quark oder Küsekrümeln bedeckt, 1516 bei Pinicianus promptuar. D 6 käßkuoch. Küseluppe, f.: Milch gerinnen machender Stoff(s. Lab), mhd. Kœseluppe, ahd. chésiluppa f. Küse- model, m. und f.: Käsenapf als Form, 1605 bei Hulsius dict. Käßmodel m. Kasel, f.(Pl.-n), auch m.(-s): Priester- gewand mit einem Kreuze darauf, besonders beim Meßopfer in der römisch-katholischen Kirche. Mhd. cäsule, Kkäsele, Käsel, im 12. Jh. cãsula f.«Meßgewand, Hülle, aus mlat. ca- sala f.«Meßgewand». Wohl zu lat. casula f. «Hüttchen»(Dim. von lat. casa f.«Hütte, Zelt»), wie auch die mhd. Nebenform kasa- gele, casulcel, Kasuchel, mlat. casubula, casu- cula, ndl. Kasuifel, franz. chasuble, span. ca- sulla f.«Meßgewand» zeigt, denn ital. casi- Pola, casupola f. bedeutet«Hüttchen». Kasemätte, f.(Pl.-n): Wallgewölbe. Ende des 16. Jh.(1593 bei Schwendi casa- 1001 Kaserne Kastagnette 1002 matta, 1616 bei Wallhausen Kriegsmanual 35 Casematte), aufgenommen über franz. case- mate(span. casamata) aus ital. casamatta f. cunterirdisches bombenfestes Festungsge- wölbe», früher auch cder gewölbte Minen- gang in den Festungsbastionen, von dem aus die feindlichen Minen nebst den Minierern vor- zeitig in die Luft gesprengt werden konnten?, 1709 bei Hübner und 1757 in Eggers Kriegslex. durch Mordkeller» verdeutscht. Dies lielt auf Ableitung von span. ital. lat. casa f.«Haus, Hüttes und span. matar«töten»(von lat. mactäre«töten, zugrunde richten»), mata Gemetzels. Das ist aber nicht richtig. Die Herkuuft ist unsicher, vgl. Körting. Kasérne, f.(Pl.-/): Soldatenhaus. 1703 im Zeit.-Lex., aus franz. caserne. Herkunft un- sicher. Kasernenhofblüte, f., Schlagwort im letzten Viertel des 19. Jh. Vgl. Ladendorf. Kasimir, m.(-s, Pl.-e und-s): feines Halb- tuch von spanischer Wolle. Aus span. casimiro m., von dem Lande Kaschmir, aind. kãgmiras. 1813 bei Campe. Jetzt auch Kaschmir. Kasino, n.(-s, Pl.-s): Gesellschaftshaus. Ende des 18. Jh.(1801 bei Campe,«seit einigen Jahren aus Italien herübergekommen», aber schon 1703 im Zeit.-Lex. Casonen oder Cassinen chabitacula der Soldaten, wie die Baraques), von ital. casino m., von lat. casa f.«Häuschen. Kaskäde, f.(Pl.-n): Wasserfall. 1709 bei Hübner Cascade, aus gleichbed. franz. cascade f., von ital. cascata f.«Fallꝰ, zu ital. cascare«fallen». Kaskétt, n.(-s, Pl.-e und-s): helm- artige Kopfbedeckung; eisernes Helmkreuz zum Schutze gegen Säbelhiebe. 1617 bei Wallhausen Corp. mil. 13 Casquett, aus gleich- bed. franz. casquette f., ital. caschetto m., von franz. casque, ital.span. casco m.«Helm, Pickel- haubey, im Span. eig.«Scherbe, Schädel, Kopf', zu span. cascar«zerbrechen, schlagenꝰ. Kaspar, Mannsname, aus mlat. Casparus, einer der drei Weisen oder Könige aus dem Morgenlande. Durch die Sternsingerumzüge etwa seit dem 15. Jh., deren Wortführer der schwarze Kasper aus Mohrenland war, ent- stand einerseits die Bezeichnung schzwarzer Kasper für Teufel»(1621 bei Opel und Cohn dreißigj. Kr. 77), andrerseits die Bed. Kasper für slustige Person», weshalb im 18. Jh. Laroche in Wien seiner Erneuerung des alten Hanswurst den Namen Kasper gab. Davon Kasperl(e), m. n.: Hanswurst. Kas- perletheater, n.: Puppentheater. Kassatiön, f.(Pl.-en): Vernichtung eines Urteils; Amtsentsetzung. Aus gleichbed. franz. cassation f. von casser, s. kassieren. Kasse, f.(Pl.-n): Geldkasten; Geldvorrat. 1616 bei Henisch Cassa f., aus ital. cassa f. cKasten, Geldkasten»(von lat. capsa f.«Be- hältnis»), woher schon im 15. Jh. casse f. Behälterv. Kasserölle, f.(Pl.-n): Bratpfanne. 1715 bei Amaranthes Casserole, Castrol, aufge- nommen aus franz. casserole f.(daher ital. casserola f.), in der Picardie und Champagne castrole f. Schmorpfanne», von afranz. casse, ital. cazza f. Tiegel mit Stiel, Kochkelle». Kassétte, f.(Pl.-n): Kästchen zu Hand- geldern oder Schmuck. 1773 bei Amaranthes Cassette, aus gleichbed. franz. cassette, ital. cassetta f., Dim. von cassa(s. Kasse). Kassiber, m.(-, Pl. wie Sg.): heim- liches Schreiben unter Gefangnen oder aus dem Gefängnis nach außen. Aus der Gauner- sprache neuerdings bekannt geworden. Vom jud. kessuvo= hebr. kéthäbãh«Geschriebenes, Briefy. Kassier, m.(-S, Pl.-e): Kassenführer. 1616 bei Henisch Cassier, aus gleichbed. ital. cassiere m., von cassa f.(s. Kasse). Das gleichbed. Kassierer, m.(“s, Pl. wie Sg.) dagegen, 1664 bei Duez Cassierer, Kassierer, ist abgeleitet von kassieren(s. d.). ikassieren, v.: bare Gelder einziehen und verwahren, 1694 bei Nehring cassiren, 1678 bei Krämer einkassiren, aus ital. in- cassare«Geld einnehmens, eig.«in die Kiste tun», von ital. cassa(s. Kasse). zkassieren, v.: vernichten, für ungültig erklären; des Amtes entsetzen(1617 bei Wall- hausen Corp. mil. 63 cassiren, von Soldaten). In der ersten Bed. 1532 in der peinl. Ge- richtsordnung Karls V.§ 135 cassiren, schon 1331 kölnisch casseirn, aus gleichbed. franz. casser, ital. cassare, von lat. cassus cleer», (bildlich)«nichtig», woraus im 15. Jh. österr. cass cnichtig, ungültigs. Kastagnétte, f.(Pl.-n): die Tanzklapper, ausgehöhltes rundes Holzstückchen, das durch Anschlagen an ein entsprechendeszum Klappen gebracht wird. 1678 bei Krämer Castagneke, 1664 bei Duez 1, 115 Kastaniet, 1618 in den Spanischen Prakticken 19 Castanete f., über gleichbed. franz. castagnette, aus span. casta- heta f. neben castasuela, wegen der Ahn- lichkeit der Gestalt nach der Kastanie(s. d.) benannt. 1003 Kastanie Kasus 1004 Kastänie, f.(Pl.„n), in Süddeutschland Kästen, Käste, f.: die Frucht des Kasta- nienbaumes, auch der Baum selbst. In der 1. Bed. bei Luther(1. Mos. 30, 37) viersilbig Castanee, mhd. castãne, ahd. castänie(Stein- meyer-Sievers 3, 552, 7), deutsch geformt mhd. Kestene, kesten, ahd. chestinna, kestina f.; daneben oberd. im 14. Jh. Kestenze, im 15. bis 17. Jh. kestnita, 1561 bei Maaler der Pl. Kestetzen; dazu mengl. chestein, chastein, ca- stani, engl. chestnut(mhd. kestennug). Aus lat. castanea f., abgeleitet von dem gleichbed. gr. xocravéo f., dcravov, xacrdviov n., benannt nach der Stadt Kastana(Käcrava) in der Landschaft Pontus am Schwarzen Meer, die von Kastanienwäldern umgeben war(Dios- korides 2, 407, 145). Z08. Kastanienbaum, m., bei Luther(Hes. 31, 8) Castaneenbawm, mhd. castänien-, Kastänen- und kestenbounn, ags. cisten-, théam m. kastanienbraun, adj., um 1480 kestprun Voc. inc. teut. 122, bei Luther castanenbraun. Kaste, f.(Pl.-n): erblicher, dann über- haupt sich streng abschließender Stamm oder Stand. In der zweiten Hälfte des 18. Jh. (bei Wieland 7, 313 vom J. 1772) über franz. caste aus(span.)-port. casta f. Rasse, Ge- schlecht, Gattung», eig.«etwas Unvermisch- tes», vom lat. Adj. castus«rein». ZUS. Kastengeist, m., Schlagwort seit den 90 er Jahren des 18. Jh. Vgl. Ladendorf. kasteien, v.: züchtigen, beschrünkend quälen, durch Fasten usw. quälen, das Fleisch kreuzigen. Bei Luther castegen, md. kastigen, kestigen, kestin, und im 15. Jh. kastyen, kesteyYen, mhd. kestigen(weshalb noch im 16. Jh. Kestigen, kästigen), ahd. castigõn, kestigon; dazu mnd. kastien, mndl. castien. Mit Einführung des Christentums entlehnt aus lat. castigare«zurechtweisen, strafen, züchtigen, zügeln). 4BL. Kastéiung, f. (Pl.-en), md. kastiunge(Jeroschin 25644) und kastigunge, mhd. késtigunge, spätahd. chestigunge f. HKastéll, n.(-s, Pl.-e): kleine Festung. Mhd.-ahd. kästel n., aus lat. castellum n., Dim. von lat. castrum n. Festung, Burg', Woraus ags. ceaster, cester f.«Stadt, Burgy. Dazu Kastellän, m.(-s, Pl.-e): Burg., Schloßvogt, Hausbeschließer, mhd. kastelãän, mlat. castellanus m., von lat. Adj. castelldnus „zum Kastell gehörig. Kasten, m.(-s, Pl. Kasten, Küsten): viereckiges Behältnis mit oder ohne Deckel; (soldatisch) Gefängnis; früher auch«Schatz- kasten»(der gemeine Kasten Gemeinde-, Staatskassey, bei Luther), der landesfürst- liche oder klösterliche Speicher, wohin die Getreideabgaben eingeliefert wurden, und dessen Verwaltung(schon Anfang des 14. Jh. daher Kastner, Kästner m.«Abgabenver- walter, Rentmeistery, mhd. im 14. Jahrh. Kastener, kastner, md. kestenére, verschieden von Kästner m.«Kastenmacher, Tischler», 1420 bei Diefenbach gloss. 1242 kestener). Mhd. Taste, ahd.(7. Jh.) chasto, casto m. (auch künstliche Metallhöhle zur Einfassung des Edelsteins, Siegelkapsel, Getreide-, Korn- behälter), ndl. Kast, kas n. Vielleicht mit ableitendem f und deshalb haftendem s von got. kas«irdenes Gefäß», ahd.-mhd. Kar n. «Gefäß, Trog, aus Brettern gemachter Be- hälter). Aus dem Germanischen entlehnt ital. castone m.«Metallhöhle zur Einfassung des Edelsteins». Die urspr. schwache Dekli- nation ist seit dem 16. Jh. in die starke übergegangen; der Plur. Kästen schon bei H. Sachs und Fischart Garg. 441. Vgl. Kiste. ZUS. Kastenmeister, m.: Kassenverwalter, 1541 bei Frisius 86 b. Kastor, m.(-*, Pl.-s): der Biber; Hut von Biberhaaren(1664 bei Duez 1, 115, Castorhut 1678 bei Krämer). Aus gr. Jat. castor, gr. kdcroo m. Bibery. HKasträt, m.(-en, Pl.-en): Hämling, Ver- schnittner. 1728 bei Sperander Castrat, 1709 bei Hübner Castratus, aus ital. castrato, mlat. castratus m., zu ital. und lat. castrre«ver- schneiden», wovon kastrieren, 1693 bei Kramer ital. Wb. castriren. Kaströl, s. Kasserolle. Kasuar, m.(-s, Pl.-e): dem Strauß ähnlicher Vogel in Hinterindien und Australien (1597 zuerst bekannt). 1628 bei Münster Cosmogr. S. 1603 Kasezwaris. 1712 bei Hübner Casuar, nach ndl. casuaris m. aus malayisch Kasiavris. Kasus, m.(Gen. und Pl. ebenso): Fall!, Vorfall, Begebenheit; grammatische Biegungs- form. Aus gleichbed. lat. cãsus m. Dazu kasuäl und kasuéll, adj.: zufällig, den Biegungsfall betreffend, 1694 bei Nehring casuel, aus franz. casuel, lat. cãsuãlis, Adj. zu lat. ãsus. Kasudlien, pl.: gelegentliche Amtsverrichtungen(der Geistlichen); Ver- gütung dafür, eig. Neutr. Plur. des lat. Adj. cãsuãlis. 1813 bei Campe casualia. Kkasu- istisch, adj.: spitzfindig. Von Kasufst, m. 1005 Katafalk (-en, Pl.-en), aus nlat. casuista«der über Gewissensfragen liest oder schreibt». Im 17. Jh. Katafälk, m.(JLels, Pl.-e): Leichen-, Trauergerüste. 1709 bei Hübner Catafalco m., 1773 bei Amaranthes Catafalque, aus gleich- bed. ital. catafalco m.,(daraus franz. catafulque m. echt franz. chafaud). Herkunft unklar. Katakömbe, f.(Pl.-n): Leichengewölbe, Felsenhalle. 1728 bei Sperander Catacombe, aufgenommen aus ital. catacomba, franz. cata- comhe f., von lat. catacumba f. Grabgewölbey. Katalög, m.(lels, Pl.-e): Verzeichnis, Bücher-, Stundenverzeichnis. Catalog 1531 bei Hedio Josephus Titel, aus gr.-lat. cata- logus, gr. xœrdkoſoc m., urspr. Aufzählung, Aufzeichnungy, von gr. karoXeéei cherer- zühlen, auslesen. Früher der Plur. Katalogen (noch bei Goethe 47, 143). Dazu katalogi- sieren, v.: ein Verzeichnis anfertigen, erst im 19. Jh., dafür bei Goethe 33, 255 und schon bei A. Grypbius(1698) 1, 757 katalogiren. Kataräkt, m.(Tes, Pl.-e): großer Wasser- fall. 1566 bei Paracelsus Baderbüchlin 6, 6 Cataracten m., aus gleichb. lat. cataracta f., gr. xorad m., von cœropdccetv cherabstürzem. Katärrh, m.(-ſels, Pl.-e): Schnupfen. Durch die Arzte des 17. Jh. in Umlauf ge- kommen(Catarr 1616 bei Albertinus Lucifer 367 Liliencr.), aber schon 1516 bei Pinicianus prompt. G 24 catarr, aus gleichbed. gr. Jat. catarrhus, gr. ordppouc m., eig.&Herabflußy, von xaroppeiv cherabfließeny. Die einheimi- schen Namen waren: ahd. tampho, dempho, mhd. dampfe m.(abgeleitet von Dampf), mhd. vlöze f. und strüche f., noch bayr. Strauchen f. Vgl. auch Pfnäsel. 4 BL. katarrhälisch, adj., im 18. Jh., dafür 1678 bei Krämer catharrisch. Katäster, n.(*, Pl. wie Sg.): Steuer-, Flur-, Lagerbuch. 1694 bei Nehring Catastrum n., ital. catastro m. Zins-, Steuerregister». Herkunft unsicher. Kataströphe, f.(Pl.-n): eintretender Wendepunkt in etwas; trauriges Preignis (meist elementarer Art). 1710 bei Nehring Catastrophe, durch franz. catastrophe f. aus gr. Aat. catastropha f., gr. xoτεοσεοꝙ f. Um- kehr, Wendung, im Drama der Wendepunkt der Handlung zur Auflösung des geschürzten Knotenss, zsg. aus kœrd«nieder, wider, um?, und crpooh f.«das Drehen, Wendeny. RKate, f.: Tagelöhnerhütte auf dem Lande, chen. in Norddeutschland, 1652 bei Lauremberg Kate m.,(s. Kote.) Katharine Katechése, f.(Pl.-/): Unterricht in Frage und Antwort, besonders solcher Re- ligionsunterricht. 1710 bei Nehring Catechesis. Aus gleichbed. kirchenlat. catechesis f., von gr. xorixncic f.«Unterrichts.— Katechét, m.(ten, Pl.-en): fragweise unterrichtender Lehrer, bes. in der Religion. 1714 bei Wächtler Katechete, 1728 bei Sperander Catechet, aus gr. karnxntnc m. Unterrichtender, Lehrer?. Davon katechétisch, adj., kirchenlat. cate- cheticus zum mündlichen Unterrichte ge- hörigy.— katechisieren, v.: fragweise in der Religion unterrichten, 1576 bei Mathesius Luther 158 b catechisiren, aber schon mhd. cathezizieren, aus kirchenlat. catechizare, von gr. ormtixeiy«unterrichten». Davon Kate- chisatiön, f., mlat. catechiaatio f.— Kate- chismus, m.(Gen. ebenso, Pl. Katechismen): Religionsbuch in Frage und Antwort, im 16. Jh. aus kirchenlat. catechismus m.«Reli- gionsbuch zum ersten Unterricht⸗, gr. karn- Xxicuéc m. Unterrichts, von kornxiLety«unter- richten». Allen diesen Wörtern liegt zugrunde gr. xorrxetv«wider-, entgegentönen?, dann (zuerst bei den Stoikern)«mündlich belehren, unterrichteny, zsg. aus kard«wider, ent- gegen», und Fxetv«schallen, tönenꝰ, wovon Echo(s. d.). Kategorie, f.(Pl.-n): der allgemeinre Begriff, unter den etwas gefaßt wird, Begriffs- fach. Im 18. Jh. aus gr. Jat. categõria, gr. xarmfopio f.«Anklage, einer Person oder Sache beigelegte Eigenschaft, Prädikato, zu xarnfopeiv gegen jem. reden, anklagenꝰ, von Kkord wider» und d'τopebetv redenv». Dazu kategörisch, adj.: unbedingt und entschieden, rund heraus, ohne Umschweif, bei Londorp 1, 459² vom J. 1619 categorisch, von gr. Jat. catégoricus, gr. xœ⁵OpibC zur Anklage, zum Prädikat gehörigy. Kater, m.(ds, Pl. wie Sg.): Männchen der Katze. Mhd. katere, kater, spätahd. chatere m.; dazu mnd. und ndl. kater m., anord. köttr m. S. Katze. In der studenti- schen Bed.«Katzenjammery»(erst um die Mitte des 19. Jh.) wohl umgebildet aus Katarrh. Katharine, Frauenname, gr. Jat. Catha- rina, d. i.«die Reinliche, Sittenreine», von gr. Kapòc crein, unbefleckt, sittlich reins. Das Dim. ist Katharinchen, Kathrinchen (Goethe Faust 3684), gewöhnlich aber Käth- Die schnelle Katharina ader Durch- fally, 1669 bei Grimmelshausen Simpl. 117; es scheint entstanden als Schulwitz und ver- 1007 Katheder Katze 1008 hüllender Ausdruck im Gedanken an das von xaHapöc abgeleitete gr. xdapua n. Rei- nigung, Auswurfy. Kathéder, m. und n.(-S, Pl. wie Sg.): erhöhter Lehrstuhl. Im 18. Jh. auch Fem. (Günther 642, Lessing 10, 105), 1678 bei Krämer Catheder m., aus gr.-Jat. cãthedra, gr. kaédpa f.«Stuhl, Armsessel», dann«Lehr- stuhl» und im Lat. bildlich«Lehramts. Z0S. Kathedersozialist, m., Spottname für Professoren der Volkswirtschaft mit soziali- stischen Anschauungen. 1871 von Oppenheim gebraucht und zum Schlagwort geworden. Vgl. Ladendorf. RKathedräle, f.(Pl.-n): bischöfliche Hauptkirche. 1710 bei Nehring Cathedral, 1541 im Cod. dipl. Sax. reg. II, 3, Nr. 1422 Cathedralkirche, abgeleitet von lat. cathedr dlis czum Sessely, d. h.«zum Bischofssitze ge- hörig», zu lat. cathedra f.(s. Katheder), im Mlat.«Bischofssitzy. Kathéter, m.(-s, Pl. wie Sg.): chirur- gisches Instrument. Im 17. Jh.(1694 bei Nehring) Catheter, aus gr. lat. catheter, gr. xagerip m. Sonde, feines Röbrchen zum Einlassen in die Harnröhre, von Kobievai cherablassen, einsenkeny. Hathöde, f.(Pl.-n): elektrischer Strom- ausführer. Von gr. xde-odoc f. der Weg hinaby. In der neuern Elektrizitätslehre. Katholik, m.(en, Pl. Sen): Anhänger der katholischen Kirche(bei Goethe[Egmont] 8, 204 der Katholile, auch sonst md.). 1762 im Nouv. dict. kathölisch, adj.: allgemein christlich, rechtgläubig. Von kirchenlat. catholicus, gr. kaokuxòc callgemein, dann «kirchlich rechtgläubigy, von K⁴⁶‿αS u, adv. cim ganzen, im allgemeinen», 2gs. aus xord«durch hin» und öxoc adj.«ganz, ungeteilt».(1547 in der Zimm. Chron. ² 3, 377 die Catollischen.) Hatholizismus, m.: der römisch-katholische Glaube. Ende des 18. Jh. aufgekommen. Kätner, m.(-s, Pl. wie Sg.): Besitzer einer Kate; s. unter Kote. Kattün, m.(-s, Pl.-e): mit Mustern bedrucktes dünnes leichtes Baumwollenzeug. Schon mhd. cottun m.(Walther von Rheinau 31, 30), 1691 bei Stieler Kadun, Kattun, aus ndl. kottoen(1598 bei Kilian), kattoen, katoen n. Baumwolle, Baumwollenzeug, das wie franz. coton, ital. cotone, span. alcoton, algodon m. Baumwolley überkommen ist aus arab. (al-qüton«Baumwolle, Kattun». In Schlesien und Brandenburg mit eingeschobnem-(wie in Karnickel) Kartun, 1699 im schles. Helicon 1, 349 cartun. 4 BL. kattünen, adj.: aus Kattun, 1647 bei Olearius 392 cattunen, ndl. 1598 bei Kilian kottoenen«baumwollen?. katzbalgen, v. refl.: sich lärmend balgen (8. d.) gleich den Katzen. 1508 bei Keisers- berg Predigen 144d, abgeleitet von Katæzbalg m.«lärmender Zank»(1531 bei S. Pranck Chron. 122 Katzpalg). Davon Katzbalgerei, f.: lärmender Streit, 1659 bei Butschky Kanzell. 416. Kätzchen, n.(-s, Pl. wie Sg.): walzen- förmige Baumblüte. Mrhein. im 15. Ih. ketzgin(Diefenbach gl. 165 4), um 1480 im Voc. inc. teut. p 2a palmketzel; dazu nd. kãttjen, ndl. katte und kattexen bei Kilian(sonst auch kattenstaarten Katzenschwänzes, mengl. chatt, engl. cathin. Das Weiche, Wollige der Blütengestalt verglichen mit dem zarten Fell der jungen Katze. 1Katze, f.(Pl. n/): Geldgurt. Erst 1731 in der Insel Felsenburg 1, 353 Katze, 1, 360 Geldkatze. Nd. katte f. clanger lederner Geldbeutel, den reisende Kaufleute um den Leib binden⸗(1767 im brem. Wb.), mund- artlich-schwed. katt f. Geldbeutel, gewöhn- lich von Katzenfell»(Rietz 3135). *Katze, f.(Pl.-n): das holle Werk des Bollwerkes Mhd. katze f.«bewegliches Schutzdach der Belagerer zum Untergraben der Mauern»(ebenso mndl. catte, mlat. cattus m. und catta f., urspr.«Katers und&Katzey, benannt wohl nach der Gestalt und dem Heranschleichen des Tieres, s. Schultz höf. Leben 2, 406 f.), auch der«Sturmbock» selbst, dann das Gerüst», worauf die Steinschleuder (mhd. blide) steht; daher übertragen seit Anfang des 17. Jh. eine besonders erhöhte Schanze zur Beherrschung der übrigen Fe- stungswerke(1602 bei Kirchhof Militaris disciplina 11 und 175). ¹Katze, f.(Pl.-n): das Haustier zum Fangen der Mäuse; Raubtierart. Mhd. katae, ahd. kazza f.; dazu mnd.-mndl. afries. Katte, ndl. kat, engl. cat, anord. ketta, nnorw. Kjetta, katta, schwed. katta f., anord. kottr, schwed. katt dän. Kat m. Ein weitverbreitetes Wort, dessen Herkunft unsicher. Vgl. lat. cattus, catta, ir. cat, kymr. cath, bret. kaz, franz. chat m., chatte f., lit. katé f. Vgl. Sainéan La création métaphorique en français et en roman 5 ff. Die Form kater scheint aus s zu enthalten, vgl. das ndd. kãzæ. RA. Das ist für die Katze: das ist wertlos. Bei 1009 kauchen kauen 1010 Burkhard Waldis 4, 62; Katz aushalten(Les- sing Minna 3, 10), die Katze halten(H. Sachs 17, 207): in einer peinlichen Lage aushalten. Herkunft unbekannt. Die Katze im Saclce kaufen: etwas unbesehens kaufen. 1741 bei Frisch. ZUS. katzenäugig, adj.: grünlich- grau, 1537 bei Dasypodius. Katzenbuckel, m., bildlich von demütigen schmeichlerischen Verbeugungen, bei Lessing Minnal, 3. Katzen- gold, n.: goldglänzender Glimmer(1546 bei G. Agricola 473); ausfließendes goldgelbes Kirschharz(im 15. Jh. kaczen golt bei Diefen- bach gloss. 263°, clev. 1477 cattengolt, schon in den altmd. Glossen zu Heinrici summarium 9, 22 kazzengolt), urspr. Bed.«falsches Gold. Katzenjammer, m., Geheul der Katzen zur Laufrzeit; bildlich UÜbelbefinden nach Lust- barkeit(bei Kluge Studentensprache 98 vom J. 1768). RHatzenkopf, m., übertragen Dummkopf(Lessing 1, 393); Ohrfeige; ein kleines kurzes Geschütz, Böller(1748 im westphäl. Robinson 240), wie es scheint Uber- tragung von 3Katze. Katzenkraut, n.: die wegen des Geruchs von den Katzen ge- liebte Pflanze nepeta cataria, mhd. im 14. Jh. katzenkrüit n. Katzenmusik, f.: Katzen- geheul(1691 bei Stieler); ohrenzerreißende Musik(Goethe 3, 334), als Verhöhnung(Lenz 1, 215). Vgl. Ladendorf. Katzensilber, n.: silberglänzender Glimmer, 1530 bei G. Agricola Bermannus 134, eig. falsches Silber, vgl. Katzengold. Katzensprung, m., bildlich, kurzer Weg, 1691 bei Stieler. Katzentisch, m.: im Winkel abseits der großen Speise- tafel stehendes Tischchen, 1674 bei Abele künstl. Unordn. 5, 404 Katzentischl n., ähn- lich wie Katzenbãnkxlein(1646 bei Moscherosch Philander 1, 124). An dem Katzentisch sitzen hieß im Klosterleben, wenn der strafver- büßende Mönch im Konvent statt an der Tafel auf der Erde sitzend seine schmale Mahlzeit einnehmen mufßte, wo ihm die Kloster- katzen Gesellschaft leisteten(1749 bei Balth. Schäffer Tanzmeister 18, s. Gr. Wb. 5, 1239). 1kauchen, v.: seinen Körper der Länge nach zusammenziehen, kauern, noch md. In oberd. und md. Mundarten eine Nebenform hauchen, im 15. Jh. in den Fastnachtsp. 1349, nd. Aken(vgl. hockcen). ²kauchen, v.: hauchen; gepreßt atmen. Mhd. Kůchen, im 16.—18. Jh. öfter vorkommend, noch bayr. kauchen, schweiz. chäche. Wohl für hauchen unter Einfluß von mhd. Kichen, s. keuchen. Weigand. Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. lkaudern, v.: kollern wie der Truthahn (1541 bei Frisius ſcucurio] vom Haushahn chu- teren wie ein Han, wenn er ein Hun decken wil, bei Calepinus Kautern); undeutlich reden, plappern(Schiller 1, 213, vom J. 1782, schwäb. kädern, im 15. Jh. Kaudernetsch f.«Plapper- mädchen, zu schweiz. Netsch f. Plauderin», von netschen«plaudern»). In der urspr. Bed. offenbar tonmalend. ²kaudern, v.: Zwischenhandel, wucheri- schen Kleinhandel treiben. 1775 bei Adelung als oberdeutsch; 1551 in Petrarcas Trost- büchern 522 kaaderer m.«Wucherery. Noch bayrisch-schwäbisch. kauderwelsch, adj.: durch Fremdartiges unverständlich, verworren. 1521 bei Emser Quadruplica C 1 b œuderwelsch, 1566 bei Mathe- sius Luther 260 Kauderwelsch(aus Luthers Munde), dann 1577 bei Fischart Flöhh. 3111 Kuderwelschn.(von der macaronischen Sprech- weise) und 1572 in Pract. Großm. 11 der Plur. Kuderloelschen(fremdländische, italie- nische Händler, wie sie damals in Süddeutsch- land häufig waren). Schon 1379 in Rain am Lech als Eigenname Berchtold Khauoder- walch(ZfdA. 4, 578). Das Wort ist ent- weder entstellt aus churwelsch mit Anleh- nung an kaudlern(1587 bei Mathesius Dilu- vium 364 b Churwallen wohnen in den Alben, die wir Cauderwelsche nennen), oder der erste Bestandteil gehört zu kaudern?, Kauderwelsch also urspr. die Sprache der fremdländischen Händler(s. welsch). Kaue, f.(Pl.-n): Hütte der Berg- und Waldleute mit kleinen Löchern statt der Fenster, Schachthäuschen. Im 16. Jh. kazve, kaue, im 15. Jh. auch keue, mhd. und md. kowe, Kouane, nebenbei Köuloe f. Mit ndd. Kaje(s. d.), zurückgehend auf lat. cavea, später noch einmal als Käfig entlehnt). kauen, v.: mittels der Zühne zermalmen. Aus dem Md., mit schwacher Flexion, die bereits im 16. Jh. die übliche ist; mrhein. im 14. Jh. Käewen, Prät. Küeoedle, als Neben- form mhd. Kouwen, ahd. couön; dazu nädl. 1598 bei Kilian karoen, Kouaven, Kuwen, undl. kaauaben. Aber die urspr. hochd. und noch in wiederkäuen geläufige Form ist käuen (bei Rückert 11, 276, bei Duez 1664 Kduoen, im 16. Jh. Kerwwen), ehedem starkbiegend: mhd. kiuven(Prät. kou, Part. gekouaven), ahd. kiuaoan; dazu ags. cõowan, engl. cheo, anord. ty¹guja, U„ᷣga, schwed. tugga, dän. i&νυgge. Urver- wandt mit abg. 2)vati«kauen, wiederkäuen. 64 1011 kauern Kaule 1012 kauern, v.: hocken. Erst 1727 bei Aler käueren, 1734 bei Steinbach sich kauern, aber lange im 18. Jh. als niedrig angesehen. Neben der weit ältern Form hauren(1556 bei Frisius 398 2), schweiz. 1561 bei Maaler und sputmhd. hüren, wie kauchen(s. d.) neben hauchen, die vielleicht durch den Einfluß von hocken entstanden ist. Dazu mnd. Kuren spühend schauen?(?), mengl. couren, engl. cower ckauern», mundartlich-schwed. kura sich kauern, bes. um zu faulenzen oder sich zu verbergen», dän. Kacre«still sitzen oder liegen?. Wohl urverwandt mit gr. vöõpöc«krumm, gebogen)?, TOpoc m.«Kreis», arm. cuỹ«schief, krumm, gebogen. Kauf, m.(-Lels, Pl. Käufe): Ertauschung oder Erwerbung gegen bares Geld. Mhd. kouf m. Handel, Geschäft, Kauf und Ver- kauf, Ware, Kaufpreis»(daher nhd. leichten Kaufes,«billig, ohne Schadens, eig.«mit Zah- lung eines geringen Kaufpreises»), ahd. Kouf m. auch«Tausch, Wechsel»; dazu asächs. côp m., mnd. Kõp m., ndl. Xoο, ags. céap m.«Kauf, Kaufpreis, Habe, Vieh»(wie denn in ältester Zeit aller Kauf ein Tausch und das Haupt- tauschmittel, Vieh, die bedeutendste Habe war), engl. checp«billigs(eigentlich good cheap cals guter Kaufp), afries. kãp m., anord. Kaup n. Ersatz, Bezahlung, Preis, Tausch, Kauf- handel», schwed. Köp, dän. K5b. Davon ahd. Koufo m.«Handelsmann, Aufkäufer und Ver- käufer», und weiter kaufen, v., mhd. oufen, ahd. koufön«Handel treiben, erkaufen und verkaufen, eintauschen»; dazu asächs. cöpon cerhandeln), got. Käuon Geldgeschäfte treiben». Die noch in md. Mundarten(kefen) übliche Nebenform Keufen, käufen(15.—17. Jh.) beruht auf mhd. Keufen, ahd. choufan; dazu and. cõgiαν, afries. Kapia, ags. céapian chandeln, erkaufen», chpan«verkaufen», anord. Kaupa (Prät. Kegpli). Die Herkunft des Wortes ist umstritten. Man nimmt jetzt gewöhnlich an, daß ahd. oufo aus lat. caupo«Schenkwirt, Händlerꝰ stammt(glossiert mit«dnnXoc, mavdoxebc, negotiator). Davon wäre got. kaupon abgeleitet und Kauf zurückgebildet. Wegen der got. Form, und da das Wort auch ins Slavisch-Litauische gedrungen ist (abg. Kupiti«kaufen, upi m.«Kaufs, Mupic! m.«Kaufmann», daraus wohl lit. Kypeiss m., kupéuti«Handel treiben», apreuß. νσανρνεααν «Handel) müßte die Entlehnung sehr früh angesetzt werden, und trotzdem ist es nicht sicher, ob man damals nicht schon coõpο sprach. Außerdem war es ein niedriges Wort, das auch nicht ins Romanische gedrungen ist. Wegen der starken Verbreitung im Germanischen und der Bedeutungsentwicklung ist Hildebrand DW. 5, 324 für deutschen Ursprung eingetreten, und Franck hat Anz. fdA. 21, 299 auf die Flexion als Stütze hin- gewiesen. Grimm hat got. Kaupatjan ohr- feigen?, eig.«schlagen» verglichen, wobei an die Besiegelung durch Handschlag zu denken ist, vgl. mhd. Kouf-sSlac m.«Abschluß eines Kaufs, Kaufhandel», Koufslagen v., mnd. kõpslagen, anord. slã Maupi einen Handel abschließen»y. 4L. Käufer, m.(-s, Pl. wie Sg.), bei Luther Keuffer, spätmhd. Xeufer, mhd. Koufer, ahd. choufari m.«Kaufmann, Kleinhändlery; dazu Käuferin, f., mhd. kouferinne. käuflich, adj., mhd. kouplich, ahd. chorflih, mnd. kKõpli; dazu Käuflich- keit, f., 1482 im Voc. theut. q 1 b kauflicheit. 2Z0S. Kaufbrief, m.: schriftliche Urkunde über einen Kauf, im 15. Jh. bei Diefenbach gl. 536 ckauff brieff. Kauffahrer, m.: Handels- schiffer, Handelsschiff(1607 in Scheible's flieg. Bl. 11), aus nd. köpfarer. Kauffahrtei, f.: Handelsschiffahrt, im 17. Jh. Covardei, noch 1775 bei Adelung Kauffahrdey, aufgenommen aus nd. Köpfardije, ndl. koopvaardij f., einer Ableitung von mnd. kõpuart f.«Kauffahrt, Handelsreisen, md. 1304 koyfpart(Germania 20, 45), anord. kaupferd f.; dazsu Kauf- fa(h)rteischiff, n., im 17. Jh. Cowardei- schiff, 1678 bei Krümer Kauffalrdeyschifp, ndl. Koopvaardijschip. Kaufhaus, n., mhd. koufhäs«Kaufhalle. Kaufherr, m.: vor- nehmer Kaufmann, mhd. im 14. Jh. Kauwfherre. Kaufladen, m., 1494 bei Brant Narrensch. 102, 32 Xouflad m. Kaufmann, m.(“, Pl. Kaufleute), mhd. und ahd. koufman, mnd. kõpman, afries. kãp-, kõöpman, ags. céap-, cpman, anord. Kaupmadr, dän. Kjöbmand; im Pl. mhd. Kourliate, ahd. choufliute, mnd. köp- lude, afries. kdpliude; dazu kaufmännisch, adj., 1575 bei Fischart Garg. 288, und Kauf- mannschaft, f., mhd. koufmanschaft, mnd. kõpmanschapf. eHandel, Handelswarey. Kauf- schilling, m.(-s, Pl.-e): Drauf-, Kaufgeld, bes. bei Ankauf von Grundstücken, im 16. Jh. Zimm. Chron. 1, 168, 2). Kaulbarsch, s.*Kaudle. 1 Kaule, f.(Pl.): Grube. Mitteldeutsch. Mhd.-(md.) Küle, im 14. und 15. Jh. rhein. käle, im 16. Jh. Kaule, mnd. Kãle f. Nieder- deutsch weit verbreitet. Wohl zu 1Kaufe. 1013 Kaule Kauz 1014 ²2 Kaule, f.(Pl.-n): Kugel von geringem oder mäßigem Umfange. Mitteldeutsch, 1540 bei Alberus dict. kœul, im 12. Jh. köle(Athis 105, 87), auch süddeutsch im 15. Jh. käle f. Gekürzte Nebenform zu Kugel(s. d.), und verwandt mit Keule(s. d.)«Stange mit kugel- förmigem Enden. Dazu das Dim. Käulchen, n., bei Luther Keulichen, 1517 bei Trochus D 3² kulchen, im 15. Jh. bei Diefenbach Gl. 265 Keꝛwlelichin. 43L. Käuler, m.(-, Pl. wie Sg.) oder Kaulhuhn, n.: Huhn mit kugelichtem, schwanzlosem Hintern. kau- licht, adj.: kugelicht, md. kulecht, im 15. Jh. keulecht(Diefenb. Gl. 628 b), bei Luther Keulich (1. Kön. 7, 41 f.), 1741 bei Frisch kaulig, kaulicht. ZUS. Kaulbarsch, m.(-es, Pl.-e und Kaulbärsche): der dick- und kugelköpfige Barsch perca cernua. In Luthers Tischreden 224 b Kaulepers, 1540 bei Alberus Kkaulbersch, 1549 im Peucers Vocab. D 4 b Kulparsen pl. (noch bei Lessing 3, 67 Kuhlparse pl., auch mnd. kũlbars), im 15. Jh. bei Diefenb. Gl. 602 kulperske. Kaulkopf, m.: der Gropp, cottus gobio, ein Fisch mit dickem kugelförmigen Kopfe; der unentwickelte Frosch mit kuge- lichtem Kopfeé(1672 bei Grimmelshausen Simpl. 4, 7 Kz. Keulkopff, 1664 bei Duez 1, 86 Kaul- frosch); der Kaulbarsch(1775 bei Adelung). In der 1. Bed. 1540 bei Alberus dict. keulkopff, dafür 1775 bei Adelung Kaulhaupt, 1482 im Voc. theut. m 8² kauclhaupt und r 62 Kulhaupt, im 13. Jh. chlhoubit, culhouuet n.(Steinmeyer- Sievers ahd. Gl. 3, 369, 32). Vgl. Rotzkolbe. Ebenso Kaulquappe, f.: der Gropp(J. Paul Titan 1, 105); Kaulfrosch; Kaulbarsch(nd. Kuhl- guabhe 1756 bei Strodtmann 118). S. Quappe. kaum, adv.: mit Mühe und Not, mit ge- nauer Not; schwerlich; eben erst. Mhd.-mnd. kume, ahd. chümo, mndl. cume, das Adv. des seltnen mhd. Adj. Küme, Küm aschwächlich, gebrechlich(dafür ahd. chämig«schwach, kraftlos, kranks»), schweiz. chöm kränklich, unbehaglich», mnd. kume«matt, leidend, hin- fallig», nd. Kúim schwach von Alter, krank, stöhnend; dazu ahd. chüma f.«Klagey und das Zeitwort mhd. Kümen«wehklagen, trauern, sich nach etwas ängstlich bemühen», ahd. chüman, asächs. kümian«beklagen», wohl ur- verwandt mit gr. rodeiv«wehklagen, jammerny. Gleicherweise das lat. Adv. aegre«verdrießlich, schwerlich, kaum», vom Adj. aeger«krank, verdrießlich». Im 16. Jh. treten erweiterte Formen auf: kaumet, kaumend(beide bei Luther), kaumenden, noch fränk. Kaumends. Kaupe, f.(Pl.-n): Federbüschel auf dem Kopfe des Vogels; Grasbüschel(1746 bei Döbel Jäg.-Pract. 1, 69²); kleiner Erdhügel (ostmd.). In der 1. Bed. 1540 bei Alberus dict. kaup, kaupp, mit dem Adj. keupichl, noch wetterauisch Kauwhe und Keubig, 1517 obersächs. bei Trochus N 1 b Kube f., aachenisch Kuff, ndl. Kuif f.; desselben Stammes wie Kuppe(s. d.); damit ist aber wohl ein aus slav.-abg. kupö m. Hügely, sorb. Kupa f. «Hügel, Insel» entlehntes Wort zusammen- geflossen. kausäl, adj.: ursächlich zusammenhängend. Aus lat. causäãlis ur Ursache gehörend, abgel. von causa f.«Ursache». 1801 bei Campe. Davon Kausalität, f.(Pl.-en): Ursächlich- keit. 1791 bei Roth. kauscher, s. koscher. kaustisch, adj.: beißend, ätzend. 1791 bei Roth, von gleichbed. gr.-lat. Adj. causticus, gr. xoucricéôc, mit koucréc«brennbar» zu kdietv«verbrennen, verletzen?. 1Kaute, f.(Pl.-n): Grube, Loch. Mittel- deutsch, schon im 14. Jh. Küte f., nd. klνte f. (bei Fontane.) Dazu gehört wohl Kaule, Kule mit I-Erweiterung und Verlust des Dentals. Vielleicht ist gr. fnn f. Geier- nest, Höhle» wurzelverwandt. 2 Kaute, f.(Pl.-n): oben zusammenge- drehter Büschel Flachses. Mitteldeutsch, im 15. Jh. Kawte f., mlat.(entlehnt) cata f. Das Wort stammt wohl aus dem Slawischen, russ. Kudéll«Flachs am Rocken», tschech. kuzel, poln. kadziel«Spinnrockenv. Kautél, f.(Pl.-en): Vorbehalt, rechtliche Verwahrung bei einem Vergleiche. 1571 bei Roth Cautel, aus lat. cautéla f.«Vorsicht, «Sicherstellung», von lat. caatus«vorsichtig. Kautiön, f.(Pl.-en): Bürgschaft, Haft- geld. 1532 in der peinl. Gerichtsordn. Karls V § 12 Caution, aus lat. cautio f.«Sicherstel- lungy, eig. Vorsichts, von cautum, dem Supinum von cavére«vorsichtig sein, sich oder einen sicher stellen. Kautschuk, m. und n.(-S, Pl.-e): Feder- harz, gummi elasticum. Erst im 19. Jh. Aus franz. caoutchouc m. und dies aus Südamerika. Kauz, m.(-es, Pl.-e): Art kleiner schreien- der Eulen;(bildlich, mit dem Pl. Käuze) selt- sam auffallender Mensch; aufgesteckter Zopf. Neben der ältern schwachen Flexion seit dem 16. Jh. die starke, die heute allein gilt(aber in der 2. Bed. noch bei Maler Müller 1, 340 und Goethe 9, 102 der schwachbiegende Akk. 64* 1015 kauzen Kehle 1016 Sg. Kauzen). In der 1. Bed. im 16. Jh. Kaatte, md. im 15. Jh. Käze, kätz m.(Diefenbach Gl. 83²), als Eigenname schon Anfang des 14. Jh. Kuiz, Käze(Baur Arnsburg. Ur- kundenb. 312; 358); dazu das Dim. Käuz- lein, Käuzchen, n., im 15. Jh. kütelin, ebenso bei Luther Kützlin, 1687 bei Hoh- berg, 2, 838a Käutzichen, 1775 bei Adelung Käuzchen, nd. kutzhce. In der 2. Bed. im 16. Jh. Kautz(II. Sachs, Frey Gartenges. 28, 23, Lindener Katziporus 78). Man ver- gleicht gr. 800 f., Bac m.«Uhuy. Vielleicht ist aber auch ags. chta m.«Rohrdommel», engl. kite verwandt und lit. gaude à, gadsti -dumpf heulen». Wood Btr. 24, 529. kauzen, v.: sich ducken, gekauert hocken. 1691 bei Stieler(auch in der Bed.«prügeln), öfter bei Goethe; nd. Küzen. Nebenform zu kauchen(s. d.), wie gleichbed. leipz. Kauaen. Kavalier, m.(-s, Pl.-e, selten-S, Goethe 30, 71): Ritter, Mann von feinem Anstande, Hofmann. 1617 im teutschen Michel 19 cavallier, bei Opitz 2, 216 Cavalier. UÜber gleichbed. franz. cavalier aus ital. cacvliere m.«Reiter, Rittery, von lat. caballärius m. Pferdewärtery, im Mlat.«Ritter», einer Ab- leitung von lat. caballus m. Pferd. Kavalkäde, f.(Pl.-/): Aufzug von Reitenden. Uber gleichbed. franz. cavalcade aus ital. cavalcata f., von ital. cavalcare, franz. chebaucher creiten», abgeleitet von ital. cavallo, franz. cheval m., aus lat. cahallus m. Gaul, Pferd». 1617 im teutschen Michel 9 Cavalcada. Kavallerie, f.: die Reiterei. In der zweiten Hälfte des 16. Jh.(1616 bei Wall. hausen Kriegskunst zu Pferd schon geläufig Cavallerie und Cavallere?f) entlehnt über gleichbed. franz. cavalerie aus ital. cavalleria f.«Ritterstand, Reiterei», von ital. cauallo, lat. caballus m.«Pferdy. Davon Kavallerist, m.(en, Pl.-en): Soldat zu Pferd, im 18. Jh. (1775 bei Adelung Cavallerist). Kaviar, m.(-s): eingesalzner Rogen des Störs. 1628 bei Hulsius Schiff. 14, 15 Caviar, aus gleichbed. franz. caviar, ital. caviale, caviaro m.(schon im 15. Jh.), neugr. oundoi, türk.(c)haujar. Nicht aus dem Russischen (dort heißt der K. ikrã). Kebse, f.(Pl.-n): Nebenweib, Konkubine. Mhd. kebes und kebese, kebse, md. auch kebisch, ahd. Kebis, chebis und chebisa f.; dazu and. kevis, mndl. kefse, ags. Cyfes und cyfese f. Da das Wort im Ags. auch«Magdo und im Anord. kefsir m. nur«Sklave, Knecht» be- deutet, ergibt sich als urspr. Bed.«Sklavin, Magd. Die Kebsweiber und Beischläferinnen wurden aus den weiblichen Kriegsgefangnen oder unfreien Mädchen genommen; ähnlich im Griech. Xak f.«Mädchen und Beischläüferin als kriegsgefangene, geraubte Sklaviny. Die Herkunft ist unbekannt, vgl. Zupitza Gutt. 79. 4BL. kebsen, v.: zum Kebsweibe machen, nehmen, mhd. kehesen, Mebsen, md. im 14. Jh. kebeschen, ndrhein. Keuesen. ZUS. Kebskind, n.: uneheliches, Nebenkind, mhd. Kebeskint. Kebsweib, n.: Nebenweib, mhd. kebeszwip. keck, adj.: lebensfrisch, lebensmutig; leb- haft; rasch; zu kühn. Mhd. keck, ahd. chech, (bei Notker † 1022),(eigentlich schweiz.) Neben- form von quec(s. queck), mit geschwundnem u. 4BL. Keckheit, f., mhd. kecheit cfrisches mutiges Wesen». kecklich, adv., mhd. kecliche adv. keckern, v., lautmalend vom Froschge- schrei, bei Bürger köckern, wie Rollenhagen Froschm. 2, 4, 2, 33 f. den Frosch kekeck! kekeckes/ quaken läßt; auch vom feinen heisern Bellen des Fuchses, wie schon mhd. gekzen. Frequentativ von älterhd. Kecken(bei Luther), das den kreischenden Schrei des Raben, der Krähe usw. ausdrückt. Kees, n.(Jes, Pl.-e): Gletscher. Nur bayrisch. Schon ahd. ches«geluy. Unerklärt. 1Kegel, m.(-S, Pl. wie Sg.): uneheliches Kind, in der stabreimenden Wendung Kind und Kegel(eheliche und uneheliche Kinder, alle Angehörigen insgemein), schon md. im 13. Jh. kindes kelcel, 1422 kint und kekrel, spätmhd. im 15. Jh. kegel m.«uneheliches Kind». Dunkler Herkunft. Verbindung mit 2Kegel ist nicht undenkbar, vgl. DWB. 5, 390. Anders Detter ZfdA. 42, 56. *Kegel, m.(-s, Pl. wie Sg.): spitzig zu-- laufender, einen Kreis zur Grundfläche haben- der Körper. Mhd. kegel m.«Kegel im Kegel- spiel, auch«Knüppel, Stock», ahd. chegil m. «Pflock, kleiner Pfahl»; dazu mnd. kegel, mndl. keghel m., schwed. kägla f.«Kegel im Kegelspieb,, mndl. kegghe und nndl. keg Keilo; aus dem Germanischen entlehnt franz. quille f. «Kegel». Vgl. Uhlenbeck Btr. 26, 300(zu abg. Fezlu m.«Rute, Stab» gestellt). 4L. kegeln, v.: Kegel schieben, mhd. kegelen. Kehle, f.(Pl.„n): äußerlich der vordre gebogne Teil des Halses, innerlich die Luft- oder die Speiseröhre;(übertragen, schon mhd.) Einbiegung; die innre offne Seite eines Festungswerks(1678 bei Krämer); Hohlkehle 1017 Kehraus Keiler 1018 (§. d.). In urspr. Bed. mhd. kel, kele, ahd. kela f.; dazu andfrk. kela, and. in kel-girithi«Gefräßig- keito, mndl. Kele, ndl. Keel, ags. ceole f., und weiter lat. gula f.«Speiseröhre», aind. galas m. Hals, Kehle». 4BL. kehlen, v.: die Kehle ab- oder ausschneiden(1517 bei Trochus R 3 b kelen); rinnenartig höhlen(1691 bei Stieler). ZUS. Kehlkopf, m.: der hervorragende knorpelige Teil der äußern Kehle, 1775 bei Adelung. Kehraus, s. ²kehren. lkehren, v.: entgegengesetzte oder seit- würts einbiegende Richtung geben oder neh- men, wenden. Mhd. kéren(mitunter kerren), ahd. Kéran, cheiran und kérran; dazu andfrk. kérian, kéron, and. Kierta«detorsit, mndl. keren, ndl. keeren, afries. kéra, ags. cerran, cirran, cyrran. Herkunft dunkel. Der deut- schen Form würde got.*aisjan, der ags. * karsjan entsprechen. Das Prät. bei Luther kerete und kart, nach dem md., ins Mhd. vordringenden kärte, karte, Part. gekärt, ge- kart, mit dem entsprechenden Inf. Kären. Dazu das älternhd. Subst. Kehr m., mhd. kér, ahd. Kér m. Wendung, Richtung(noch in Ferkehr m.), und Kehre, f.: Wendung einer ansteigenden Straße, mhd. Kére, Kér, ahd. kéra. Die verkürzte Form Kehr noch in Einkehr, Umkehr. ZUS. Kehrreim, m., für das franz. refrain m. von G. A. Bürger 354*(Bohtz) vorgeschlagen und gebraucht. Kehrseite, f.: Rückseite, in der zweiten Häülfte des 18. Jh. aufgenommen aus näl. keerzyde f.«Revers(Rückseite) einer Münze⸗ (1729 bei Halma 308°). 2kehren, v.: durch Streichen mit Besen, Bürste usw. von Unreinigkeit befreien. Mhd. keren, kern, ahd. kerjan, kerren, and. Kerren, zu ahd. kara in uberkara f.«Auskehrichts, isl. kar n.«Schmutz an neugebornen Kälbern und Lämmern». Vielleicht zu lit. ZeFti«scharren. 4BL. Kehricht, n., auch m.(-5): mit dem Besen ausgekehrter Unrat, um 1480 im Voc. inc. teut. n 1 b keracht, 1482 im Voc. theut. q 3 b kerecht, spätmhd. kerach, im 16. Jh. Kerich, 1678 bei Krämer Kehricht n., bei Goethe 8, 120 Kehrig m. und n. Kehrsel, n.(-§): Kehricht, 1540 bei Alberus dict. kersel, mhd. Kersal. ZUS. Kehraus, m.: Schlußtanz, 1734 bei Steinbach, aber schon im 15. Jh. Kerauß m. der letzte, kräftigste Trunk»; eine Imperativbildung. Kehrbesen, m., mhd. kxerbeseme, ahd. kerbesimo. Kehrwisch, m., um 1480 im Voc. inc. teut. n 2 ε kerlwisch. Keib(e), m.(-en, Pl.-en): Aas, Leichnam, im 15. Jh.; Lump, Schuft(1517 bei Keisers- berg Evang. 213 b). Alemannisch. Unerklärt. Keiche, keichen, s. Keuche, Keuchen. keifen, v.: sich zänkisch auslassen;(nhd. auch von kleinen Hunden) Lärm machend kläffen. Neben der vorwiegenden schwachen Flexion in Nord- und Mitteldeutschland auch die starke, 1775 bei Adelung Prüt. kiff, Part. gekiffen, 1734 bei Steinbach(schles.) Kief, geliefen, mnd. Prät. Kev, ndl. Prät. keef, Part. geleven. Wie Hafer statt Haber, Hufe statt Hube, so ist auch keifen die durch das Mitteldeutsche aus dem Nd. aufgenommene Form für mhd. kõben, aber auch schon kifen, kiven, älternhd. Keiben, Keifen, daneben Kifen und kiefen; dazu mnd. Kiven, ndl. Kijven, afries. szivia, tsivia, anord. kifa, schwed. Ki«, Kifvas, dän. kiv, kives. Weitre Beziehungen sind unsicher. 4 L. Keifer, m.: Zänker, 1691 bei Stieler(auch Keiferin f.), mnd. Kluer m. keifisch, adj.: zänkisch, bei Stieler, dafür 1664 bei Schottel keibisch, 1537 bei Dasy- podius Keibig, mhd. kibic. Keil, m.(-Jels, Pl.-e): spitzsäulenartiges Werkzeug zum Spalten, Zwischeneinschieben usw., dem ähnliches Stück. Mhd.-ahd.-mnd. kil m. Pflock, Keil⸗, aus kidkla- wegen der mhd. Nebenform kidel, älternhd. Keidel(noch schwäb.-schweiz.) m.; dazu anord. kill m., norw. kil«schmale Buchto, schwed. Kil, dän. kile«Keily. Vgl. Sievers Idg. Forsch. 4, 340. Vielleicht zu der Wa., die in Keim vorliegt. 4BL. keilen, v.: den Keil einschlagen, mit Keilen befestigen(1482 im Voc. theut. q 2², mnd. Kilen); schlagen, prügeln(nord- und md., Ende des 16. Jh. bei Ringwalt laut. Warh. 84, bei Opel und Cohn 31 vom J. 1620; dazu Keile, Pl., norddeutsch, und Keilerei, f., im 19. Jh.). ZUS. Keilschrift, f.: alt- orientalische Schrift mit keilförmigen Schrift- zeichen, gegen Ende des 18. Jh. Keiler, österreich, auch Keuler, m. (“s, Pl. wie Sg.): wilder Eber. Ein Jäger- ausdruck. 1608 keyler in gräfl. Küchen- wochenzetteln zu Büdingen in der Wetterau, 1631 bei Opel und Cohn 278 Keuler, 1680 bei Riemer pol. Colica 236 Käuler, 1691 bei Stieler Keuler und Keiler. Das Wort könnte auf die Hauer oder Hauzähne des kampf- mutigen wilden Ebers deuten und von keilen (s. d.) abgeleitet sein. Entlehnung aus lit. kuilis m., lett. kuilis«männliches Zucht- schwein» ist durchaus unwahrscheinlich. 1019 Keim Kelch 1020 Keim, m.(-els, Pl.-e): ausbrechende junge Samensprosse. Mhd. Kiöme, ahd. Kıνmo, daneben schon im 12. Jh. kim m.; dazu mnd. Kime und mit andrer Ableitung and. Kin (m.), mnd. Kine m. und fränk.-schwäb. Keid f. Keim, Setzpflänzcheny», mhd. kide, Kit n. «Schößling», ahd. Kidi n.(in frumikidi«erster Keim, Erstling»), asächs. kid m.«Schößlingy, ags. cJh Sproß, schweiz. cheist m., ahd. (frumi)-chist«primitiae»y. Die unerweiterte Wurzel in got. Partizip as-Kijans«hervor- keimen», mit Präsenserweiterung keinan, ahd.- as. Kinan«hervorkeimenꝰ», ags. cinan«bersten, offensteheny. Daneben die Bedeutung Spalten in ags. cint f.«Ritze, Spalte», dän.-dial. kin «Spaltey. Da dies alles zur Grundbedeutung «Spaltey» führt, kann Keil«Werkzeug zum Spalten» dazugehören. K. wird vom 16.—18. Jh. auch Käzunz geschrieben. 4 L. keimen, v., mhd. im 11. Jh. Kimen, im 16.—18. Jh. auch kKäumen. kein, adjektiv. Zahlpronomen: nicht ein. Mhd. Kein, chein, gekürzt aus nekein oder (mit üblicher Umstellung des ne) enkein, ur- sprünglicher nechein, ahd. nihein«auch nicht einy, zgs. aus der mit lat. nec, neque in Laut- verschiebung und Sinn stimmenden got. Par- tikel nih(eig. ni-uh d. i. die Verneinungs- partikel ni, lat. ne-, verbunden mit dem got. Anbängsel-Mh,—h, entsprechend lat.-que, gr. re, aind. Ga«und») und aus dem Zahl- wort ein; dazu asächs. nigén, mnd. negén, gekürzt gén, gein, mndl. negheen, engeen, udl. geen; im Ahd. eine gleichbed. Nebenform nohein, gebildet mit ahd. noh, unserm ver- neinenden noch(s. d.). Mhd. kein bedeutet aber auch irgendein»(nach dem Kom- parativ noch im 18. Jh.«mehr als kein andrer? Goethe 46, 79, Schiller Don Carlos 1, 1); in diesem Falle ist es gekürzt, und zwar zu- erst zu chein aus mhd. dekein, dehein, ahd. dihein«irgendeiner», dessen erster Bestand- teil dih- dunklen Ursprungs ist; dazu die ahd. Nebenform dohein«irgendeinery, nach dem Vorbilde von nohein und im Gedanken an doh«doch». Beide mhd. Wörter enkein und dexein vermengten sich, so daß auch dieses in der Bed.«nicht irgendein», jenes in der Bed.«irgendein⸗ steht. Das Zahl- pronomen kein in Verbindung mit einer Ver- neinungspartikel(kein nicht usw.) ist von alters her stärkre Verneinung(noch bei Lessing Natban 5; 8, Goethe 9, 23, Schiller Wallenst. Tod 3, 15) auch heute noch im Volksmunde; die herrschende Ansicht dagegen, daß zwei Verneinungen sich aufheben, also bejahen, rührt von der Schule aus der lat. Grammatik her. Das nach kein folgende Adj. vor einem Subst. hat heute im Plur. schwache Flexion, z. B. keine grauen Haare, früher starkbiegend keine graue Haare Schiller Räuber 4, 5. ZUS. (aneinander gerückte Genitive) keinerlei, adv.: keiner Art, mhd. Keiner leie, Keiner lei, deheiner leie, s.-dlei. keinerseits, adv., 1691 bei Stieler. keinesfalls, adv. keines- Wegs, adv., bei Luther Keinstweges, im 15. Jh. enkainsiwegs(die sieben weisen Meister in der Gießener Hs. Nr. 104 Bl. 36), 1378 mhd. keins wgs, 1343 schweiz. deheins wegs(Weisth. 5, 85 u. 87). keinmal, adv., erst im 17. Jh. (1618 bei Schönsleder). Keische, s. Keusche. -keit, Ableitungssilbe zur Bildung abstrak- ter Subst. von Eigenschaftswörtern. Schon mhd.-keit, mit Ubergang des ch in k entstan- den aus-ec-heit, d. h. der mhd. adjektivischen Ableitungssilbe-ec, nhd.-ig, und-heit(s. d.), z. B. mhd. stezecheit(d. i. süezec-heit) süeze- keit, nhd. Süßigkeit; von da aus verbreitete sich-Keit weiter, z. B. mhd. heilickeit(My- stiker 1, 126, 13), auch wo kein Adj. auf-ec vorlag, z. B. mhd. bitterkeit, geistlichkeit. Keitel, m.(-, Pl. wie Sg.): Fischnetz; Schleppnetz; Sack im Netz; sackförmiger Darm bei Tieren. Mitteldeutsch, ostpreußisch. Besser Keutel zu schreiben, da es wohl zu Kaute gehört. 1 Kelch, m.(*Lels, Pl.-e): bauchiges Trink- gefäß mit hohem Fuß. Mhd. Kelch, Kelich, ahd. chelh, chelich m.; dazu asächs. Kelik, mnd. Kelk, kelikc, afries. tzilik, tzæielk, ags. calic, oœælic, anord. kallr m. Entlehnt aus gleich- bed. lat. calic, Gen. calicis, und zwar in sehr früher Zeit, als c vor i im Lat. noch wie k gesprochen wurde(vgl. Kaiser, Keller). 2S. Kelchglas, m., 1691 bei Stieler. ²2 Kelch, m.(-els, Pl.-e): Blütenhülle am Stengel. Mit dem vorwäürtsschreitenden Stu- dium der Pflanzenkunde erst in der Mitte des 17. Jh., gegen dessen Ende(1691) Stieler Kelch vom Rosenkelche und dem offnen Rosen- knopfe hat. Aufgenommen aus gr.-lat. calæ m.(Gen. cal*sis), gr. kcxu? f.«Blumenkelch, Rosenknospe», urspr.«ᷣHülle, Hilsen. Kelch, m.(-Lels, Pl.-e): Fetthaut zwischen Kinn und Hals. 1540 bei Alberus dict. Q 2² kelcklin n., mhd. kelch, ahd. chelch, chelich, cheluch m., anord. Kjalki m.«Kinnlade, norw. 1021 Kelle kennen 1022 kjelle«Bandschlitten», von ahd. chela f. Kehley. Noch oberhess.-wetterauisch Kelch, Kalch, Kalk, henneberg. kelch, in Sonneberg kãlich, elsäss. kälk«gestielte Geschwulst am Hals, Art Doppelkinn», schweiz. kelchen ceinen Kropf bekommen», bayr. kelch«Auswuchs an der Kohlpflanzey. Kelle, f.(Pl.-n): breiter, tiefer Löffel mit langem Stiele; Schöpfgefäß; Maurerwerk- zeug zum Auffassen, Anwerfen und Streichen des Kalkes usw. Mhd. und mnd. kelle, ahd. Kella. Unerklärt. Im Ags. cyll, cylle, oille f., cylle m.«Lederschlauch, Flasche, Gefäßy hat Vermischung des germanischen Wortes mit, einem Lehnwort aus lat. cülless m.«lederner Sack, Schlauch), stattgefunden. 1Keller, m.(-S, Pl. wie Sg.): unter- irdischer Aufbewahrungsort für Speisen, Ge- tränke usw. Mhd. keller, ahd. kellari m.; dazu and. kelleri, ndl. Kelder, anord. kellari, Wiallari m., schwed. källare, dän. Kjelder. Entlehnt in sehr früher Zeit(vgl. Kelch) aus lat. cellärium n.«Speisebehältnis», von lat. cella f.«Wirtschafts-, Vorratskammery». ZUS. Kellerassel, f.: Assel(s. d.), die in feuchten Kellern lebt, 1716 bei Ludwig Keller- essel. Kellerhals, m.: vorspringender ge- wölbter Eingang des Kellers, spätmhd. Keller- hals. Kellermeister, m.:(oberster) Auf- seher über den Keller, mhd. im 14. Jh. ²Keller, m.(-S, Pl. wie Sg.): Keller- beamter, der die herrschaftlichen Gefälle an Wein und an Lebensmitteln erhebt und ver- rechnet(seit dem 18. Jh. veraltet); Keller- meister, Kellner(Schiller Kabale 1, 2). Mhd. kellœære, keller und kellerer, aus lat. cellãrius m. Keller-, Küchenmeister», von lat. cella f.«Vor- ratskammer». S. Kellner. 4BL. Kellerei, f.: Amt, Amtswohnung und Amtsgebiet des Kellerbeamten(spätmhd. Kellerie, im 14. Jh. kelnerie f.); Gesamtheit der Kellerräume(im 16. Jh. bei Fischart Garg. 83, der Plur. im Glückh. Schiff 898). Kellerhals, m.(halses, Pl.-halse): die Holzpflanze Daphne mezeréum. Spätmhd. im 15. Jh. Keller-, kellershals und mnd. kelder-, kershals(Diefenbach Gl. 321 b), 1482 im Voc. theut. e 5 2 kelershalß und q 2 b kelrßhalß; der erste Bestandteil ist dunkel, vielleicht zu mnd. kellen«Qual oder Schmerzen verur- sachen⸗, mhd. queln, keln, kellen quälen, martern⸗, weil die Beeren, ein starkes Purgier- mittel, im Halse heftiges Brennen verur- sachen(vgl. Luther 8, 1135). Kellner, m.(-s, Pl. wie Sg.): der den Keller, d. h. das Getränk in einem Gast- oder Wirtshause zu besorgen hat. Mhd. kelncre, ahd. kellnäri, kelnäri m.«Kellermeister, herr- schaftlicher Steuerbeamter»(s. ² Keller), aus gleichbed. mlat. cellenarius m., von lat. cella f.«Vorratskammer». Dazu Kellnerin, f., mhd. Kelnœrinne, kelnerin f. Schaffnerin, Hausmagdy. Kelter, f.(Pl.-n): Wein-, Essig-, Ol- presse. Mhd. kelter f.«Weinpressey, daneben kalter, Kaltur(noch in Franken Kalter f.), ahd. calctüre, calcatura f., aus lat. calcãtãra f. «das Treten?, von lat. calcäre«treteny, denn urspr. wurde der Wein in der Kelter ge- treten, später gepreßt. 4B. keltern, v., im 15. Jh.(Diefenbach Gl. 589), davon Kelterer, m., im 15. Jh. ZUS. Kelter- baum, m., mhd. kelterboum. Kémſe)nate, f.(Pl.-/): das die Wohn- zimmer des Burgherrn enthaltende Wohn- gebäude innerhalb der Ringmauer der Burg, früher aber das heizbare Wohngemach am Hofe. Mhd. kemenũte, kemnäte, mnd. keme- nãde, ahd. cheminãta f., aus altromanisch und (schon 584) mlat.(camera) caminata f. cheiz- bares Zimmery, ital. camminata f. Saalꝰ, von mlat. caminare«mit einer Feuerstätte (lat. caminus m.) versehen?. Kengel, m.(-s, Pl. wie Sg.): Rinne, Röhre, Röhrenähnliches. Oberdeutsch. Mhd. kengel m. Röhre, Stengel, Federkiel»; ent- weder mundartliche Nebenform zu Kennel m. cRinne, Röhre»(s. Kanal) oder aus lat. cannula f. ckleines Rohry. kennen, v.(Prät. kannte, Konj. kennte, Part. gekannt, älternhd. bis ins 18. Jh. Prät. auch Kennete, Kennte, Part. gekennet, gelcennt): im Bewußtsein haben. Mhd. wenig gebräuch- lich kennen(Prät. des Ind. und Konj. Xante, kande, md. auch kente, Part. gelcant, kant und kennet), ahd. nur in Zusammensetzungen bichennen, irkennen und Part. unchennento cnicht erkennendꝰ, asächs. in antkennian«er- kennen?, afries. kenna, kanna anerkennen, untersuchen, bekennen⸗, anord. Kenna kennen lernen, erkennen, gewahr werden, kennen lehren, zurechnen, benennen», schwed. Känna, dän. Mjende«kennen, erkenneny, ags. cennan und got. kannjan cbekanntmachen, kundtun?, eig.«wissenmachen», urspr. Faktitivum zum got. Prät. Präs. Kann, Inf. Kunnan wissen» (s. können). 4BL. Kenner, m., md. im 14. Jh. Kenner Erzeuger, Erkenner', im 1023 kentern Kern 1024 16. Jh. cder etwas kennty, namentlich im 18. Jh. verbreitet. kennbar, adj., 1691 bei Stieler, ndl. 1599 Kenbaer; dafür im 17. und 18. Jh. Kenntbar, im 16. und 17. Jh. kantbar, 288. mit dem Part. von kennen(s. oben), ebenso wie die beiden folgenden Ableitungen: kennt- lich, adj., md. im 14. Jh. kentlich, 1537 bei Schaidenreißer Odyss. Vorr. S. 7 unkantlich, neben mhd. kenmelich, kenlich, und Kenntnis, f, mhd. und zumal md. kantnusse, kentnisse f., im 17. u. 18. Jh. auch Neutr. und bisweilen, 2. B. bei Herder, Känntniß geschrieben. Kennung, f., frühmhd. chennunge f.«Erkennung, Er- kenntnis». ZUS. Kennzeichen, n., 1581 bei Fischart Bienenkorb 135 b, ndl. 1599 bei Kilian kenteycken; davon kennzeichnen, v., bei Herder 1, 400. kentern, v.: auf die Seite legen oder sich umlegen. Nd. Seemannsausdruck, ndl. Kan- teren, kenteren, auch ins Skandinavische ge- drungen, schwed. kantra, dän. Kantre, käntre. 1741 bei Frisch kentern den Walfisch auf die andre Seite legen, um dem toten Fisch dort den Speck abzuschneiden». Von Kante(s. d.). Kerbe, f.(Pl.-/): spitzwinkliger Ein- und Ausschnitt. Mhd. kerbe f. und kerp m., md. im 14. Jh. kerbe f. und karp m., ahd. nicht nachweisbar, ndrhein. im 14. Jh. kerph m., nd. im 15. Jh. Kerve, Karf f., daneben ker; n.; dazu(entlehnt afries. Kerf) ags. cyrf «Einschnitty; aus dem Nd. auch hd. schon im 15. u. 16. Jh. Kerfe, Kerf f. Zu kerben, V.: einschneiden, spätmhd. Kerben, auch aufs Kerbholz einschneidens», seit dem 15. Jh. auch kerfen nach dem mnd. kerven; dazu ndl. kerven, afries. kerwa, ags. ceorfan, engl. carve. Das Verb ist in die schwache Biegung überge- gangen, die urspr. starke liegt noch vor in dem mnd. Part. gekorven, im Ndl.(Prät. korf Part. gekorven), Ags.(Prät. cearf, cur fon, Part. corfen) und Afries.(Part. kurven). Urver- wandt gr. vpdqeiv«schreibens, eig. ceinritzen 9, lett. grebt«schrapen, aushöhlen, eingraben mit einem Grabstichel», apreuß. girbin LZahl⸗, abg. Ere bai m.«Loos». ZUS. Kerbholz, n.: Hälfte eines zugeschnitzten, der Lnge nach gespaltnen kurzen schmalen Stäbchens, um in dessen beide Hälften, zusammengelegt, Kerben zur Zählung und Abrechnung zu schneiden, im 15. Jh. kerbhole, im 14. Jh. md. kerbeholz. Kerbstock, m.: Kerbholz, besonders in Niederdeutschland, 1477 clevisch und um 1400 mnd. kervestock. Kerbtier, n., von Campe gegen 1794 für Insekt gebildet. Kerbel, m.(-s): die Suppenpflanze an- thriscus cerefolium. Mhd. Kervele, kervel f., ahd. kervila f. und andere Schreibungen(vgl. Zfd W. 6, 183); dazu mnd. Kervele, kervole, im 15. Jh. carvel, jetzt meist karwel, ndl. kervel, ags. cerfille f., engl. chervil. In früher Zeit, wie das anlautende x zeigt, entlehnt aus dem gleichbed. lat. cerefolium, caere- folium n.(von gr. Xauiρ εονυο n.), woher auch gleichbed. franz. cerfeuil, ital. cerfoglio. kerben, Kerbholz usw., s. Kerbe. Kerf, m.(-els, Pl.-e): Insekt, Kerbtier, Kerflarve, zuerst 1833 bei Jahn Merke z. d. Volksth. 253 und 1835 bei Oken Naturgesch. 5, 10. Künstliche Neubildung für Kerbtier. Kerker, m.(-s, Pl. wie Sg.): hartes Ge- füngnis. Mhd. Karkecere, Kerkœre, Karker, kerker, auch Karkel, Kerkel, ahd. charchari, karkari m.; dazu asächs. Karkari m., ags. carcern, cearcern n., got. karkara f. Wie das zweite x zeigt, in sehr früher Zeit ent- lehnt aus gleichbed. lat. carcer m., woher auch air. carcar und ital. carcere m., span. carcel f., afranz. chartre f. Kerl, m.(-s, Pl.-e): derbe Mannsperson; Geliebter. Md. kerl m.«Mann», auch schon mit verächtlichem Nebensinne, mnd. kerel, kerle, 1477 clevisch kerle m. Dorfmannꝰ, mndl. Keerle m.«Bauer», im Ablaut zu mhd. karl, ahd. charal m.«Mann, Ehemann, Ge- liebtery, welche sich im Mannsnamen Karl (s. d.) erhalten haben. Es entspricht weiter mnd. Kerle«Mann von niedrigem Stand, kräftiger Mensch, Herrscher», ndl. kerel, afries. tzerl, ags. ceorl m. Unfreier, engl. charl«Bauer, Kerl, Tölpely». K. ist md. ndd. und im Oberdeutschen Lehnwort. Der im 16. und 17. Jh. gebräuchliche Nom. Sg. Kerles, Kerls(noch schweiz. kerlis, schwäb. kärles, thüring. Kerls) ist wohl aus Karlus hervor- gegangen, der Plur. Kerls ist nd.(auch bei Goethe 8, 104). Kermes, m.(Gen. u. Pl. ebenso): hochrotes Farbeninsekt, Scharlach-Schildlaus; Farbstoff daraus. 1712 bei Hübner Kermes, Alkermes, aus gleichbed. span. alguermes, von arab. girmiz(mit dem Artikel: al-) nach pers. Kirm, aind. Kmig m. Wurmꝰ, krmijas«wurmer- zeugty. Vgl. Karmin, karmesin. Kern, m.(-Lels, Pl.-e): Fruchtkörper der Pflaanzen im Gegensatz zur Schale; festes Holzinneres;(bildlich, schon mhd.) Innerstes und Stoffhaltiges; Hauptsache, Bestes, Vor- züglichstes. Mhd. kern neben älterm schwach- 1025⁵ kernen Kette 1026 biegenden kerne, ahd. kerno m.; dazu and. kerno m., mnd. Xerne f.(wie 1691 bei Stieler 121 und 1663 bei Schottel 508“ Kern f., ahd. nuzcherna f.), anord. Kjarni m., schwed. Kärna, dän. ljerne. Kern und Korn(s. d.) stehen im Ablaute zueinander. Oberd. mit bewahrter schwacher Form Kern(Gen.-en) oder Kernen m.«ausgedroschnes und gereinigtes Getreides, bes. Spelzs, wie schon mhd. kerne m. 4BL. kernen, v.: die Kerne ausmachen, mhd. kirnen, kernen, auch«Kerne ansetzen, Kern bilden⸗, ahd. Kirnan causkernen, dreschen». kernicht, kernig, adj., 1556 bei Frisius 610 kernãchtig, 1576 bei Mathesius Luther 151² Beutelnetz, Handfischnetz. Ein in Ostdeutsch- kirnig, 1691 bei Stieler kernicht. ZUS. Kern- beißer, m.: der Kirschfink, 1517 bei Trochus H 52 kernbyßer, 1556 bei Frisius 935 b kern- beyß. kerngesund, adj., seit der zweiten Hälfte des 18. Jh. kernhaft, adj., 1549 in der Berner Tragödia Joh. d. Täuf. D5. Kern- haus, n.: Samenbehälter im Kernobst, in Vokab. des 15. Jh. Kernhas, 1422 Kernhaaos. Kernobst, n., im Gegensatz zum Steinobst 1709 bei Dentzler Kernobs; im Gegensatz zu gepropftem Obst 1731 im Oconom. Lex. Kernschuß, m.: Schuß in gerader Richtung auf das Ziel, unterschieden vom Bogenschuß, 1741 bei Frisch. Kernspruch, m., 1663 bei Schottel 508 b. kernen, v.: zu Butter rühren. 1616 bei Henisch 573, 23 u. 1581 bei Apherdianus, sowie oberpfälz.-mrhein. Kernen, westfäl.-ndrhein. kirnen, nd. karnen, ndl. Kernen, karnen, ags. cernan, engl. churn, schott. kirn, anord. Kirna, schwed. kärna(dial. Kjorna), dän. Kerne cbuttern». Vielleicht(vgl. oberpfälz.nürnb. Kern m. Milchrahm zum Buttermachenꝰ, mndl. kerne, islund. Kjarna«Milchrahmo) eig. Kern, d. h. Fettes, Bestes der Milch(s. Kern). Doch kann auch ganz etwas andres darin stecken. Dazu Kerne f. Butterfaß, 1616 bei Henisch 574, Kirne bei Kramer 1719, west⸗ fül. kirne, mrhein. Kern, kirn, ndrhein. im 14. Jh. kirn, nd. karne, karn, mnd. kerne, karne, ndl. kern, Karn, ags. ceren, cyrin, engl. churn, anord. kirna, schwed. kärna f., dän. kjerne Butterfaß. ZUsS. Kernmilch, f.: Rührmilch Buttermilch, im 15. Jh. Kerne-, kerenmilch, ndrhein. im 14. Jh. Kirnmilch, nd. karnmell, mnd. Karne-, Kernemelk, ndl. Kerne- melk, schott. kirnmilk, schwed. Kärnmjölk, dän. Kjernemellc. Kerner, s. Karner. Kerze, f.(Pl.-/): gerades Wachs-, Talg- weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. licht usw. Mhd. kerze, ahd. cherza f.«Kerzey, charza f.«Dochty, charz m.«Docht, Werg, aus dem der Docht der Kerze gedreht wurde⸗; and. kerzia f.«Kerzes, md. im 15. u. 16. Jh. Kirze, kirz, nd. kors, ars, mnd. kerte, kerse, karse, kersche, ndl. kaars, mndl. keersse f., entlehnt anord. Kerti n., dän. Kerte. K. ist Ableitung von ahd. karz«Docht, Werg», für das Kluge Entlehnung aus lat. charta f.«papyrus» an- nimmt. Doch ist dies noch nicht in der Be- deutung«Docht» gefunden, und die Ver- mutung daher sehr unsicher. karz kann auch einheimisch sein. Kescher, m.(-s, Pl. wie Sg.): kleines land namentlich an der Küste verbreitetes Wort. 1562 bei Mathesius Sar. 78 b und ost- preuß.-schles. kescher, pomm.-mecklenb. und mnd. kesser, holstein. hamburg. ketscher, alt- märk. ketzer m. Daneben dän. Ketser, schwed. katsa f.«Fischerzaun am Flußufer, um Fische zu fangens, engl. catcher«Ketscher, Reuse». Letztres von to catch«greifen». Wie die Worte zusammenhängen, ist nicht klar. Kessel, m.(-s, Pl. wie Sg.): rundbauchiges Koch- oder Braugefäß aus dünnem Metall und ohne Füße; dem ähnliche Vertiefung. Mhd. Kezzel, ahd.(nur in urspr. Bed.) chezzil, chezil m.; dazu and.* ketel in ketelari«Kessel- macher», Ketelköp m.«Kesselkauf», ndl. Ketel, ags. ytel, citel, cetel(engl. kettle), anord. ketill, schwed. kettel, kittel, dun. Kjedel, got. katils m. Mit Übergang des n in!(vgl. Esel) aus lat. catinus m. Topf, Tiegel, Schüssel, Windkessel am Druckwerk, Höhlung». Aber auch ohne jenen UÜbergang aus lat. calinum n. im Ahd. chezzin, chezzi, chegze, mhd.(bes. alemann.) kezzi n.«Kessel, noch schweiz. chessi, elsäss. Kessi n. Aus dem Deutschen entlehnt abg. kotili, lit. kütilas m.«Kessel). 4BL. Keßler, m.(-S, Pl. wie Sg.): Kupfer- schmied; Kesselflicker(bei Frisch 1741), mhd. kezzelœre, kezzeler, and. ketelari m.«Kessel- schmieds. ZDS. Kesseljagen, n.: Jagd, wobei das Wild in einen rund eingeschlossnen Platz zusammengetrieben wird, 1719 bei Fle- ming Jäg. 2, 108. Gleichbed. Kesseltreiben, n. In neurer Zeit auch übertragen. Ketsche, f.(Pl.-n): Kernhaus der Apfel, 1781 bei Jung-Stilling, mfränk., auch westfäl. kitsche f., aachen. ketsch, kitsch f. 1 Kette, f.(Pl.-n): Volk jagdbarer Hühner (die Jungen samt den Alten). Ein Jäger- wort, 1775 bei Adelung Kette, in 2 Kette(s. d.) 65 1027 Kette keusch 1028 umgedeutet, bei Heppe 1763 Kitte f., 1753 bei Döbel 1, 50a Kitt n. von Feldhühnern, 1538 bei Herr Columella 85a rütte f. und 1517 bei Keisersberg Brösaml. 2, 89a kütt n. von einer Vogelschar, ahd. cutti n. Herde», afries. kedde«Schar, Haufey, mnd. kudde n. f.«Herde», ndl. Kudde f.«Herde Kleinvieh» (ebenso ndrhein. 1507 bei Diefenbach gl. 270 a), noch bayr. elsäss. Kkütt f. n. und schles. Xütte, kitte f.«Rebhühnervolky, schweiz. chäütt n. «Schar, Rudel», kärnt. Xatte f.«Viehherden. Mau vergl. lit. güotas m. und gaujd f.«Rudels. 2Kette, f.(Pl.-n): Reihe zusammen- hängender Metall- oder Stoffglieder; bei den Webern der Aufzug. Bei Luther, selbst bei Schuppius, wie noch bayr. Ketten f., mhd. ketene, Keten, ahd. chetinna, ketina, chetenna f.; dazu mndl. Ketene, ndl. keten, schwed. Kedja, dän. Kjäde«Kette». Aus dem gleichbed. lat. caténa f. Davon ein Diminutiv Kettel, m. f.: eisernes Band an Türen und Fenstern zum Einhängen der Haspe. Ostmd.— ketten, v.: mit einer Kette binden, fesseln, mhd. ketenen, im 15. Jh. gekürzt keten, ahd. chetennõn, aus gleichbed. lat. caténãre. Dazu das Dimin. ketteln, v., 1691 bei Stieler. ZUS. Ketten- hund, m., 1517 bei Trochus H 1 5b ketenhund. Kettich, m.(-s): Hederich, sinapis ar- vensis, nd. Kõddik, Kiddik, Kiüdik, ags. cedelc f., dän. Kiddice. Ketzer, m.(-s, Pl. wie Sg.): Irrgläubiger. Mhd., im 12. Jh. aufgekommen, ketzer m., auch«verworfner Mensch, unnatürlicher Wol- lust Ergebner», md. auch katzer, mnd. und ndl. ketter(daraus entlehnt schwed. kättare, dän. Kjätter), aus gr. koeapöc rein», An- gehöriger der manichäischen Sekte der Ka- tharer, die sich im 11. u. 12. Jh. im Abend- lande verbreitete und von der rechtgläubigen Kirche verfolgt wurde; die Italiener nennen sie Gazari. 48L. Ketzerei, f.(Pl.-en): Irrgläubigkeit, mhd. ketzerie, auch unnatür- liche Wollust». ketzerisch, adj., im 15. Jh. (Fastnachtsp. 9, 24; 13, 4), dafür mhd. ketzer- lich. ketzern, v., in verketzern, im 15. und 16. Jh. ketzern«zum Ketzer machen», im 16. Jh.«martern, quälen», eig.«wie einen Ketzer behandeln», noch bayr.-rhein.-schweiz. ketzern«das Leben sauer machend Kleinlich quäleny, elsäss. verketzern verderben, bös- willig beschädigeny. Keuche, Keiche, f.(Pl.-n): dumpfes Gemach; Kerker. Bayr. östr., 1594 bei Frisch- und Kauche, älternhd. Keiche, mhd. Kiche f.; von keuchen(s. d.), eig.«Ort, der den Atem benimmt). keuchen, v.: schwer atmen. Bei Fischurt Garg. 455 keuchen, 1537 bei Dasypodius keü- chen, aber älternhd. bis ins 18. Jh. Keichen (bei Wieland, d. j. Goethe 3, 248, noch bei Rückert 2, 140), mhd. kichen ckeuchen» neben küchen«stark hauchen»(älternhd. kauchen, 1517 bei Keisersberg Brösamlin 2, 88 b Lüchen); dazu mndl. Kichen, kuchen, engl. cough chustero, schwed. kila, kilnna«nach Luft schnappen', älterdän. kigen«husten»y. ZUS. Keuch- husten, m.: ansteckender Husten mit Atem- not, 1775 bei Adelung Keichhusten, dafür älternhd. Keuchen, Keichen n., Keuche, Keiche f., mhd. kiöche m. f., ndl. 1599 Kichhoest(und mit Nasal kinckhoest, mnd. Kinxhöste, holst. Kinkxhõsten, engl. Kinxhaust, chincough), schwed. kilchosta, dän. Kighoste. Keule, f.(Pl.-n): einem Stabe vergleich- bares unten kugelknopfartiges Schlagwerkzeug usw., Hinterschenkel, Oberschenkel(1517 bei Trochus N 4³ Kule). In 1. Bed. mhd. Kielle (urspr. wohl mehr das dicke, kugelknopfartige Ende, z. B. des Kolbens Parziv. 570, 6), md. käle und ans Nd. anklingend im 14. Jh. Kuile (Jeroschin 23692), 1470 Keul. Verwandt mit, Kaule(Kugel), s. d. Keuler, s. Keiler. keulich, s. Kaulicht. Keuper, m.(-s, Pl. wie Sg.): Buntmergel- sandstein der obersten Triasschicht. Nach der im Koburgschen volkstümlichen Benennung dieses Sandsteins von Leop. v. Buch in der ersten Hälfte des 19. Jh. wissenschaftlich ein- geführt, vgl. bayr. Kiefer m.«Sand, Kies». keusch, adj.: sittenrein, besonders in An- sehung des Geschlechtsverhältnisses. Mhd. Kiusche und alem. mit Nasal kiunsch(noch im 16. Jh. Künsch), md. küsche, ahd. chsh, chski, chiuskce, im Adv. chsco, chiusko ent- haltsam, mäßig, sittsamy; dazu asächs. Adv. cusco(and. kusgi«venustass, cusſcitha pudors), ndl. Xalνsch, afries. kiüsk, ags. csc. Die Grund- bedeutung scheint«rein» zu sein, vgl. ndl. kuisch«reinlich, saubery, kuischen«säubern, putzen», ahd. unküsk? f.«Schmutz», aprov. cusc crein, sauber». Dunkler Herkunft. Kaum mit Berneker Idg. Forsch. 10, 161 zu lit. Fauxsoti«mäßig sein». 4BL. Keusch- heit, f., mhd. kiuscheheit, wiuscheit und alem. mit Nasal künschait(Mone Schausp. 1, 150, lin Nom. Cap. 155 Keuch, in Augsburg Keuche bei Maaler 1561 Künschheit), md. Küscheit, 1029 Keusche Kieke 1030 wofür gewöhnlich mhd. kiusche, mhd. chhski, chiuski, älternhd. Keusche f. ZUS. Keusch- lamm, n.(-s): der süditalische Keuschbaum, agnus castus, dessen erstes Wort irrig als das lat. agnus m.«Lammy gefaßt wurde, es ist viel- mehr ãfvoc m., der gr. Name dieses Baumes, den man fälschlich zu gr. rvéc unbefleckt, rein» stellte und mit castus übersetzte. Schon im 14. Jh. bei Megenberg 311, 14 käusch lamp. Keusche, Keische, f.(Pl.-n/): kleines Bauernhaus, in den österreich. Alpen. Wohl aus dem Slawischen, slov. kajza f.«Keusche?, ischech. chyse, abg. chyga f. Hütte?, die dem deutschen Haus entstammen. Davon Keuschler, Keischler, m.(*s, Pl. wie Sg.): Kleinbauer, Häusler, slov. Kajzar. Keutel, s. Keitel. kibbeln, v.: sich in kleinen Zänkereien auslassen. Mhd. Kibelen, kivelen, Diminutiv oder Frequentativ zu kiben, kiven ckeifen?. Kibitka, Kibitke, f.(Pl. ken und kas). Aus russ. Kibitka«halbverdecktes Fuhrwerk, Reiseschlitteny. Kicher, f.(Pl.-n), gewöhnlich Kicher- erbse, f., mhd. kicher f. m., ahd. chichera, chichirra, chichura f.(s. Zfd W. 6, 184). In sehr früher Zeit, als das lat. c noch wie k klang, entlehnt aus lat. cicer n.(Pl. cicera) Kichererbse» und cicera f. platterbse, Wicken, mit Anklang an das ganz verschiedne roman. cicoria f.«Zichoriey. kichern, v.: mit feinem Ton in sich hin- ein lachen. 1517 bei Trochus Q 3 b kichern, 1482 im voc. predic. c7 kecherlich lachen; dazu mhd. kach m.«lautes Lachen», Kachen laut lachen», woneben gleichbed. ahd. Kah- hazzen, mhd. kachzen; dazu ags. ceahhettan. Lautnachahmend wie lat. cachinnus m. chelles Lachen», cachinnäre claut auflachen, gr. Ko¼deiv, korXdxeiv laut lachen, hohn- lachen», aind. kakhati«lachty. Nebenform kickern, v.: kichern(Gotter Schausp. 276), 1711 bei Rädlein kickern chöhnisch lachen⸗, 1727 bei Aler gickeren«cachinnaren, ndl. 1599 kekeren, schon mhd. gickeln bohn- lachen»(Renner 16109), 1477 clevisch kickeln, 1616 bei Henisch gichlen, gicheln, gachlen. Kickerling, s. Kinkerlitzchen. Kicks, m.(Gen. Kickses, Pl. Kickse): Fehlstoß(im Billardspiele), Fehlschuß, Fehl- griff. In 1. Bed. Kicks 1775 bei Adelung, 1732 bei Picander 3, 357 Giæ Fehlschußs. Aus engl. kich«Stoß, Fufßstoß». Kiekskacks, s. Gicksgacks. Kiebitz, m.(-es, Pl.-e): der Sumpfvogel vanellus. 1664 bei Duez Kifitz, Kibitz, Kuwitz, 1615 bei Colerus 5, 201 Kybitz, Kübitz, Kybit, Eybelit, Kybelitz, 1562 bei Mathesius Sarepta 68 b Kibitz(als Scherzname für«Chorschüler- lein»), mnd. Kivit, Kiwit, ndl. kievit. Aber obd. mit G im Anlaut, z. B. bayr. Geibitz, 1419 geybite, 1445 gaobicz(Schmeller? 1, 868), 1482 im voc. theut. K 62 gebytz, bei H. Sachs 4, 280 Geubitz, 1593 bei Helber 37 geirwie, mhd. gôoiz, gibiz, gubitz; älternhd. auch Gyfitz (Maaler 1561, Pl. Gifitzen bei Fischart Garg. 376), Geifitz(1594 bei Frischlin Nom. Cap. 40). Der Name stimmt mit dem Rufe des Vogels. 1 Kiefer, m.(-s, Pl. wie Sg.): Kinnbacken; Fischkieme(1716 bei Ludwig, aber schon 1476 keuffer bei Diefenbach nov. gl. 58). In 1. Bed. 1691 bei Stieler Kifer, mhd. Kiver und kivel m., später kiffel und kiefel(im 15. und 16. Jh. kyfel auch Fischkiemen); dazu asächs. kaflos Pl. m., ndl. kevels Pl. f., ags. ceafl m.«Kieferꝰ, anord. Waptr, Kjöptr m. Kinnbacken», schwed. käft, dän. Kjäft. Zu mhd. kifen, Kifelen«nagen, kaueny, wovon auch Kiefe f., 1462 kieffe, kiff«Fischkiefer» (Mone Anz. 7, 307 b; 301 b), nd. kiffe«Kinn- backen», Keve Fischkiemey, während mhd. kiuwe, Keue, Kiuwe, Kouoe, ahd. chiuzwa, chiwa, chewa f.«Kiefer» von ahd. chiurvan«kauen» apgeleitet ist. Außerhalb des Germanischen entspricht wohl awest. zafar- n. Munds. 2Kiefer, f.(Pl.-n): die harzreiche Nadel- holzart pinus, oberdeutsch Föhre, Kienbaum. Zuerst bei Luther Jes. 41, 19 Kyfer f. aus der obersächs.-schles. Volkssprache, gekürzt aus Kienföhre(dem volkstümlichen Namen des Baums in Böhmen, Osterreich und Bayern, im Adj. mhd. Kienvorhin, um 1480 im voc. inc. teut. g 3³ und 1562 bei Mathesius Sar. 80 b kinforen), wie die Ubergangsformen frünk. Kinfir(Schmeller? 1, 1256 vom J. 1771) und nordböhm. Kimfer zeigen. 4L. kiefern, adj., 1544 in Leipz. Ordn. N 2 Kyfern, 1562 bei Mathesius Sar. 80 b kiefern; das Adj. in den Zuss. Kiefernholz, Kiefernawald. Kieke, f.(Pl.-n): durchlöchertes Blech- gefäß, in das ein Topf mit glühenden Kohlen gesetzt wird, zum Wärmen der Füße. 1667 in dem Anekdotenbuch«Gepflückte Fincken? S. 11 Kieckce, 1711 bei Rädlein Kicke, Gickee, 1729 bei Picander 2, 249 Giecke, aus gleich- bed. nd.(1785 bei Voß 2, 275 Feuerkieke), mnd. Kice f., wofür dän. ildlcilkert«Feuer- kieke». Dunkler Herkunft. 65* 1031 Kiel Kiepe 1032 1Kiel, m.(-S, Pl.-e): der untre hohle Teil der Flügelfeder des Vogels; Schreib- feder; Pflanzenstengel(im 18. Jh.). Mhd. kil m. n.«Federkiel», jedoch ndrhein. im 15. Jh. Keil, kijl(Diefenbach gl. 2775b), elsàß. 1579 bei Golius 288 kKeil, schwäb. 1646 bei Weck- herlin 2, 307 federkeil, 1663 bei Schottel Kejl und federkeil, 1691 bei Stieler Kiel, Keil et Kengel(wie Stiel neben Stengel); daneben ein Fem. obersächs.-thüring. Xiele, auch schles. 1734 bei Steinbach Kiele f., schon 1587 bei Soranus Federkile f. Nebenform westfll. quiole f., entsprechend engl. guill«Federkiel, Stengel. Dunklen Ursprungs. 4L. kielen, v.: Ansatz zu Federn haben, md. im 17. Jh., dagegen bei Luther Tischr. 242 b und 1691 bei Stieler Keilen. 2Kiel, m.(-es, Pl.-e): der lange Grund- balken des Schiffes. 1691 bei Stieler Kiel, Kehl, 1734 bei Steinbach Kiel, Keel, aus dem Nd., mnd. kil, Kiel, Kel, 1594 bei Chyträus Keel, ndl. Kiel, ags. cele m., anord. kjölr m., schwed. köl, dän. Kjö! Schiffskiel, auch Gebirgsrücken⸗; aus dem Germanischen entlehnt das gleichbed. franz. quille, ital. chiglia, span. quilla f. Man nimmt Verwandt- schaft mit Kehle an, was aber nicht sicher ist. K. wurde vermengt mit dem urspr. verschiednen Kiel m.«Schiffs, mhd. kiel, ahd. kiol m.«größres Schiff»; dazu and. Kiol, ags. cẽol, col m.«Langschiffy, anord. Njol- m.«Schiff„y. Man hat gr. Tookoc Kauf- fahrteischiff», Tauköc m. Melkeimer» ver- glichen, doch sind diese eher aus dem Se- mitischen entlehnt, vgl. Lewy die semitischen Fremdwörter 151. Außerdem stimmt der Vo- kalismus nicht. Auch aind. gölas m.«Kugel» bleibt besser fern. Im letzten Grunde könnten germ.*Kela, falls aus idg. gw)elã und*eula durch Ablaut verbunden sein. Vgl. noch Btr. 23, 227. ZUS. kielholen, v.: ein Schiff zum Ausbessern auf die Seite legen; einen zur Strafe unter dem Schiffskiele durch das Wasser ziehen(herumholen), nd. und ndl. Kiel-halen. Entlehnt schwed. kölhala, dän. Kjölhale, engl. keelhaul, keelhale. Kiel- schwein, n.: schwerer Holzblock am Schiffs- kiel, worauf der Mast steht. 1734 bei Stein- bach Kielschewin, aus dem Nd., wo auch kolswinn, gekürzt Kolsen, wohl entlehnt aus dem Nord., schwed. Kölsvin, dän. Njölsvün, die aus Kiölsvill(svill zu d. Schawelle) um- gewandelt sind. Kielwasser, n.: Wasser- furche hinter dem Schiff, 1775 bei Adelung, aber ndl. 1599 kielzater n.«Wasser im Kiel- raum des Schiffes. Kielkropf, m.(Tels, Pl. Kielxröpfe): groß- köpfiges, dickhalsiges Kind, das man als von Zwergen untergeschoben ansah, Wechselbalg Bei Luther Kilkrob, Pl. Killeroppe(S, 902 J., in den Tischr. 210 b Kilekrröpffe, 213 2 Kil- krõpff), 2gs. wohl aus Kropf(s. d.) und Kiel m. Quelly(1562 bei Mathesius Sar. 96 b; 165²), ältermd. guil f.«Quelley, denn man glaubte wohl, solche mißgestaltete Kinder seien aus Wasser oder Wellen hervorgegangen. Urspr. westmd. und nd. Wohl mit Anlehnung an Kaul in Kaulkopf(s. d.) 1550 bei Alberus Fab. 39, 101 Kolkropff m. Kieme, f.(Pl.-n): Fischkiefer. Erst im 17. Jh. in den spätern Ausgaben des Soranus und 1716 bei Ludwig Kieme, 1663 bei Schottel Kimme f.; dafür früher 1482 im voc. theut. 4 4 ² Kinlein, 1462 kieffe(s. 1Kiefer), An- fang des 15. Jh. kie(Diefenbach nov. gl. 58 b), 1666 bei Comenius Sprachenthür 163 Kibe, 1716 bei Ludwig, 1734 bei Steinbach Kiepe f., 1558 in Eber-Peucers Vocab. rei num. H 2 b kampff m.; dazu and. kio m., kian Pl.«branchia», ags. cun, céon. Die Herkunft ist unsicher. Grundform ist wohl*mno-. Kien, m.(-es): das harzvolle Holz der Kiefer zum schnellen Feueranmachen oder Leuchten, sowie das Harz selbst. Mhd. Lien m. n., ahd. chien m.«Kiefernharz, Kienspan, Harzfackel, Kienbaumꝰ, im 15. Jh. auch Kien- apfel; dazu mnd. kén, ags. cén m. Harz- holzfackel, Kiefer». Im 17. und 18. Jh. in Mitteldeutschland Kühn geschrieben, 1574 bei Fischart Onomast. 89 b Kün. Dunkler Her- kunft. Vgl. Wiedemann BB. 29, 314. 4L. kienig, adj., um 1480 im Voc. inc. teut. n 2 b kinig. ZUS. Kienapfel, m.: Samen- zapfen der Kiefer, 1501 im Leipziger Voc. opt. V8b kinapfel, später auch Kühnapfel (1613 bei Colerus 421 b). Kienbaum, m.: Kiefer, mhd. kienboum. Kienruß, m.: Ruß von Kienholz, 1618 bei Schönsleder Kienrueß. Kienspan, m., 1711 bei Rädlein. Kiepe, f.(Pl.-/): langer geflochtner Rückentragkorb. 1595 bei Helvig 178 Kipe, 1482 im Voc. theut. q 42 kocpe, aufgenommen aus mnd. Kipe, nnd. Kipe, clevisch 1477 Kyppe f.; dazu mndl. cũpe f., ndl. Kiepekor m.«großer Tragkorb, kib«Fischreuse von Flechtwerko, ags. cChpa f.«Korb», in engl. Mundarten kipe «Fischreusey, norw. kipe«Weidenkorb zum Tragen auf dem Rücken». Wohl verwandt 1033 Kies Kimme 1034 mit anord. orn-Kippa«Behälter für Saatkorn», mhd. Keibe f.«Mastkorby. Zugleich scheint aber lat. cypa f.-Tonne, Faß, Getreidemaß» mit darin zu stecken. Bei den obersächs. Winzern an der Elbe auch in der Bed.«Faß, Bütte», in Nordböhmen chohes Faß der Färberv. Kies, m.(Gen. Kieses, Pl. Kiese): grober, steiniger Sand; im Bergbau geringhaltiges metallisches Erz(im 15. Jh. kys,«antimonium⸗ bei Diefenbach, mhd. kis«schlechtes Metall, bei Berthold v. Regensburg 1, 147, 27). In 1. Bed. mhd. kis, schon bei Luther gedehnt Kies(Jes. 48, 19), aber noch in md. Mund- arten kiss; dafür in Norddeutschland Grand (s. d.). Dazu ndl. kei«Kiesely. Zupitza Gutt. 194 vergleicht weiter lit. 2 νορ2dros f. Pl. Grandy, apreuß. sigdo«Sand». Hierher auch phryg. ficca«Stein?? 4BL. Kiesel, m. (s, Pl. wie Sg.): sehr fester Stein aus Kiesel- erde, mhd. Kisel, auch in der Bed.«Hagelstein, Schloßen(wie noch fränk.-hess.-rhein. Kiesel m.«Hagel»), ahd. kisil m., ags. cisil, ceosel m. Kieselsteim, in weitrer Ableitung Kieseling, Kiesling, m., bei Luther Spr. 20, 17 Kiseling, mhd. Kiselinc, ahd. chisiling m.; dazu mnd. keser-, Kesser-, kiser-, Keselink m., ndl. Kese- linge. Kieselgur, f.: Bergmehl, Infusorien- erde. Zgs. mit Gur(s. d.). Kieselstein, m. erst nhd., 1501 Leipziger Voc. opt. Bb 42. kiesig, adj., bei Luther 5. Mos. 21, 4 Kiesicht, 1562 bei Mathesius Sar. 156°2 Kisig. kiesen, v.(Prät. kor, Konj. köre, Part. geloren): prüfend ausersehen, auswählen, er- wägend wählen. Seit dem 17. Jh. nur noch in poetischer Sprache. Mhd. kiesen(Prät. kbs, Plur. kurn, Prät. gekorn und schwüb.- aleman. gekosen), auch«prüfend kosten», ahd. chiosan; dazu asächs. Kiosan, mnd. kesen, keisen, mndl. Kiesen, ndl. kiezen, afries. Kiasa, sæiasa, ags. céosan, engl. choose, anord. Kosa, got. kiusan. Verwandt sind gr. Tebecgoi ckosten», aind. Jusäts chat gern, findet Ge- fallen, liebt, kostet», awest. zaosa- m. Ge- fallen, apers. dausta(2. Sg. Aor. Med.) cliebe- voll behandeln», alban. desa(Aor.) cich liebtey, ir. to-gu«Wahlꝰ, lat. gustäãre«schmeckenꝰ, deguno ckostey. Vgl. Küren, Kosten. Kiez, m.(-s): Ort, wo die Fischer bei- sammen wohnen. In Nordostdeutschland. Bei Haltaus 1073 der Kytz als Gerichtsstätte vor der Stadt Brandenburg, vom J. 1249. Wahrscheinlich slawischen Ursprungs. Kieze, f.(Pl.-n): Rindengefäß zu Erd- beeren usw.; Korb; Starkasten. 1741 bei Frisch Kieze, 1562 bei Mathesius Sar. 274² Kitze f., bei dem Schlesier Czepko(T 1660) Kiez m., Nebenform zu Kötze(s. d.). Kikeriki, der Hahnenschrei, 1787 bei Schubart Ged. 2, 253 Kikrilci, bei Gleim Kiri, dafär 1595 bei Rollenhagen Froschm. 1, 2, 2, 73 guckc guckc curith. Kilber, f.(Pl. wie Sg.): weibliches Lamm, Mutterlamm, noch thüring.-fränk.-österr.- schweiz. Mhd. Kilbere, ahd. chilburra, kilbira f. cLamm'y, ags. cilforlamb n. S. Kalb. Kilogramm, n.(-, Pl.-e): 1000 Gramm (2 Pfund), und Kilometer, n. und m.(-s, Pl. wie Sg.): 1000 Meter, 1868 gesetzlich auf- genommen aus franz. Kilogramme m.(S. Gramm) und kilomètre m., deren kilo- aus gr. xiwon ctausend», in Zusammensetzungen xo- Kilt, m.(-es, Pl.-e): Nachtbesuch des Jünglings bei dem Mädchen. Schweizerisch, elsässisch, eig. Abendtätigkeit, besonders im geselligen Beisammensein. Aus Quilt, wie keck aus queck, noch elsässisch guelte. Ahd. 817 chawiltiwerch n.«Abendwerk», d. h. Ar- beit am Abend bei Licht», anord. Kveld n., schwed. qväll m., dän. Kveld Abendy, ags. cwyldseten f. Abend?, cay*ldtid«Abenduzeity. Das Wort gehört zu ags. cwield«zZerstörung, Tod, lit. gälas m.«Endey. Die idg. Wg. gwel- ist in ihren Bedeutungen außerordent- lich weit verzweigt. Vgl. noch Zupitza Gutt. 85. ZUS. Kiltgang, m., wie Kilt. Kiltgänger, m.: nächtlicher Besucher. 1Kimme, f.(Pl.-n): Kerbe in den Dauben, am Gewehr usw. In Nord- und Mitteldeutsch- land. 1557 bei Agricola Bergwerk 135 kimme, 1716 bei Ludwig Keime, holstein. Kieme. Vgl. ags. cimbing f.«Fuge». 4BL kimmen, v.: die Kimme einschneiden, 1741 bei Frisch. Davon Kimmer, m.: Böttcher, nord- und z. T. mitteldeutsch, mnd. kimmer, iemer m. ²Kimme, f.(Pl.-n): vor-, übertretender scharfer Rand. An Fässern 1663 bei Schottel. Aufgenommen aus nd. kimm m., Kimme f. cäußerster Rand, den Faßboden überragender Faßdaubenrand, auch«Horizont», ndl. kim, kimme f., 1599 bei Kilian kime, kimme, kieme; schwed. kim m. Faßdaubey, engl. chimb, chime, mengl. chimbe«überstehendes Faß- daubenende». Wie es nach dem Englischen scheint, eins mit dem vorigen Kimme, zumal da jener Rand von der Kerbe anhebt, in welcher der Boden sitzt. Vielleicht ablautend zu Kamm. Anders Zupitza Gutt. 144. Dazu Kimmung, f.: Horizont, Luftspiegelung, nd. 1035 Kind Kinn 1036 Kind, n.(tes, Pl.-er): durch Zeugung Entstehendes, der oder die Erzeugte im Ver- hältnisse zu den Eltern oder auch bloß im frühen, unreifen Alter. Mhd. kint(Gen. kindes), ahd. kind n.; dazu asächs.-afries. kind(auch in norw. und schwed. Mundarten), mnd. und mndl. kint(ags. cild n., engl. child gehören zu got. kilpei f.«Mutterleibs); ferner anord. Kind f.«Geschlecht, Nachkomme»(lat. gens). Alte Partizipialbildung auf-t(vgl. alt, Kalt) zur Wurzel Wun, ken, kan« erzeugen, gebären», wozu anord. kundr m.«Sohn», got. kunds, ags.-cund«entstammend», mhd. künne, ahd. xunni, got. kuni n.«Geschlecht», ags. cennan cerzeugeny und gr. Tevoc n. Ge- schlecht, Tévoc m. Geburt, Abkömmling, Nachkommenschaft⸗, Tevvâv zeugen», fürve- c9oi cgeboren werden», lat. gignére(Prat. genaui)«erzeugen», genus n. Geschlechto, gens f.«Geschlecht, Stamm⸗, awest. zan- cerzeugen, gebären?, aind. janati«erzeugt», Jänas- n.«Geschlecht, Jänas m. Geschöpf, Menschy». Im Plural, den mhd. Formen (Nom. kint, Gen. kinde, Dat. kinden) gemäß, noch mitunter die Kind(Goethe 2, 36). 4BL. kindern, v.: ein Kind gebüren(schon im 16. Jh., dafür mhd. Kkinden, ahd. chindôn, chindan, noch schweiz. chinden); kindisch tun (1691 bei Stieler, davon Kinderei, f., 1648 bei Zesen Ibrahim 115 Kinderey). kindisch, adj., mhd. Kindisch, kindesch, ahd. chindisc, kindisc, asâchs. kindislt(ags. cildisc ckindlich, jugendlich»), im tadelnden Sinne schon mhd. (Passional 262, 36 Köpke). Kindlein, n.: kleines Kind, mhd. Kindelin, ahd. kindilin, chindilin, im Plur. auch Kinderlein, 1482 bei Melber K 5 b kinderlin, daneben mhd. kindel, ahd. chindili, noch oberd. Kindel n.; dafür md. Kindelin, Kindichin, nhd. Kindchen n., im Plur. gewöhnlich Kinderchen(schon im 16. Jh.), nd. kinderken(Uhland Volksl. 81). kindlich, adj., mhd. kintlich, ahd. chindlih, im Adv. mhd. kintliche, ahd. chindlihho. ZUS. 1) eigentliche: Kindbett, n.: Wochenbett, mhd. Kintbette(daneben kindelbette), ahd. chintpette, chindebette n., woneben älternhd. und noch schweiz. ein Fem. Kindbette; da- von Kindbetterin, f.: Wöchnerin, mhd. kintbetterinne,-betterin, auch kindelbetterin f. Kindelbier, n.: Kindtaufsschmaus, 1691 bei Stieler, dafür bei Luther 4, 117²2 Kinderbier. Kindheit, f., mhd. kintheit, ahd. cindheit f. (ags. cildhãd) m. Kindschaft, f., bei Luther. Kindtaufe, f., mhd. kinttoufe, daneben im teil unter der Unterlippe. 15. Jh. Kindeltouf m., im 16. Jh. Kindtteufete f. Zimm. Chron. ² 4, 47, 13.— 2) uneigentliche a) mit dem Gen. Plur.: Kinderfrau, f.: 1691 bei Stieler. Kinderfreund, m.: Zeit- schrift für Kinder. Chr. F. Weiße gab 1775 die erste unter diesem Namen heraus. Kinder- garten, m.: Erziehungsanstalt für kleine Kinder. Von Fröbel 1840 begründet und benannt. kinderhaft, adj., 1775 bei Adelung. Kinderlehre, f., bei Diefenbach-Wülcker 697 vom J. 1611, mnd. kener lare ebd. kinder- leicht, adj., 1800 bei Langbein Ged. 2, 75. kinderlos, adj., 1664 bei Duez. Kinder- mädchen, n., 1691 bei Stieler, dafür bei Luther Kindermagd. Kindermuhme, f,, 1691 bei Stieler, in Thüringen und Ober- sachsen. Kinderschuh, m., 1535 bei Luther 6, 292 b die Kinderschuch ausziehen. Kinder- spiel, n., in der Bed. leichtes Tun im Gegen- satz zu ernstem schon mhd. chindispil, kinde- spil, kintspil, auch Kindes Spil, 1561 bei Maaler Kinderspill n.; im gemeinen Leben auch «Menge von Kindern». Kinderstube, f., 1618 bei Schönsleder kinderstuben, pæda- gogium», aber schon vom J. 1496 bei Kriegk Deutsches Bürgert. 364 Kinderstobe f.«Schule» (des Liebfrauenstifts in Frankfurt a. M.). Kindertaufe, f.: an Kindern vollzognes Sakrament der Taufe, früh im 16. Jh., 1525 bei Zwingli Kindertoufm. Kinderzucht, f, bei Luther 6, 433 b.— b) mit dem Gen. Sing.: Kindesbein, n., ahd. vona chindes peine, mhd. von Kindes beine, bei M. Rinckart(† 1649) von Kindesbeinen an. Kindeskind, n., mhd. kindeskint n. Kindesnot, f.: Geburtswehen, bei Luther in Kindesnöten sein, mhd. in nœten. Kindesteil, m. und n.: der gesetzliche An- teil eines Kindes an der Erbschaft, 1691 bei Stieler. Kindskopf, m.: Dummkopf, 1776 bei Wagner Kindermörderin 37. Kinkerlitzen, Plur.(in Bayern) mit dem Dimin. Kinkerlitzchen(Gotter Schausp. 216): Flitterkram, Flunkereien. Md. Der erste Teil des Wortes berührt sich mit md. Kickerling m.«schlechtes Geldstück, ver- krüppelte Pflaume, verwachsnes Kind»(auch Kinkerling)«unausgewachsne Feder beim Federschleißen», nordital. chiccheri, chichera «itterstaat, engl. kich neues Putzstück», der zweite Teil entspricht bayr. litz, litzen, mhd. liz, litze m.«Laune, Grilley, ahd. liz m. «Vorwand», got. lita f.«Verstellungy. Kinn, n.(Jels, Pl.-e): vorstehender Kopf- Alternhd. auch 1037 Kiosk Kirche 1038 Kien, Kihn, aber mhd. kinne, ahd. Kinni n. «Kinn, Kinnlade»; dazu asächs. kinni n.«Kinn- backen», ndl. kinne, kin f., ags. cinn f., engl. chin«Kinnꝰ, anord.-schwed. kinn f., dän. kind, got. kinnus f. cBackes. Im 16. und 17. Jh. auch Kinn m.(1517 bei Trochus N 2 5b), ebenso and. kin, mnd. in, kinne m., obersâchs. thüring. auch Kinne f. Es gehört zu lat. gena f. Wange», kymr. gen«Wange, Kinnꝰ, gr. Tévuc f.«Kinnbacken?, Teveiov n.«Kinnlade, Kinn, Kinnbarto, lit. Zndas m. Kinnbacken, Kiefer», arm. cnaut«Kinnbacke, Wange», aind. hänas f. Kinnlade». Z0S. Kinnbacken, m., bei Luther Kinbacke, mhd. Kinnebacke, ahd. chinni- pacho m.; dazu andfrk. kinnebako m., mnd. kenne-, kinnebacke f., ndl. 1599 kinnebacke, afries. Kinbaka, kenbalc. Kinnbein, n.: Backenknochen, mhd. kinnebein, ahd. chinni- pein, ags. cinbãn, anord. kinnbein n. Kinn- kette, f.: Kette am Pferdegebiß unter dem Kinne, im 17. Jh., dafür mhd. Kinnereif, spät- ahd. chinne-, chiniraif m. Kinnlade, f., 1768 bei Moerbeek; Lade ist das Gestell, worauf oder worin etwas befestigt ist, z. B. Gestell des Hakenpflugs, Lafette des Ge- schützes(schon im 15. Jh.), Schaft der Arke- buse(1664 bei Duez), die Schalen des Rasier- messers(1539 bei Braunschweig Chirurg. 43), 1653 bei Corvinus fons lat. 1, 590 die Laden, darinnen die Zeene Stehen. Kiösk, m.(-és, Pl.-e): türk. Gartenzelt oder Gartenhaus auf Säulen, 1787 bei Goethe 17, 38, 1791 bei Roth. Aus türk. kK)öskt 1621 den Titel Kippediwipp oder Wachtel- «Gartenhaus». Kipfe, f.: Spitze, bei Luther Hiob 39, 28 kipffe, s. Kippe. Kipfel, n.(-s, Pl. wie Sg., bayr. auch Kipf m.): hornförmiges Weizenbrötchen. Bayr.- österreich.(bei Abraham a S. Clara), vom österreich. kipfe m.«feines Gebäck»(13. Jh.). Vielleicht verwandt mit spätmhd. Kipphel n. und chipf n. f., ahd. kipfa f.«Runge, Stemm- leiste am Rüstwagen. Kipparsch, m.(-es, Pl. Kippärsche): wund geriebne Stelle am After vom Reiten oder Gehen in der Hitze. Zunächst vom Reiten; wohl zsg. mit kippen cauf- und abschnellen?, wie dies bei unfesten und unsichern Reitern vorkommt. Md. 1340 und mnd. 1424 Kipars m. 1 Kippe, f.(Pl.-/): Punkt des Schwankens und Umschlagens(1734 bei Steinbach); die jähe Spitze(S. Kipfe); Goldwage(1768 bei Moerbeek). Aus Nord- und Mitteldeutschland ins Hoch- deutsche aufgenommen, thüring. Kipfe, Kepfef. in 1. Bed., 1711 bei Rädlein Käppef.«Schaukel». Von kippen. ² Kippe, f.: Gemeinschaft(Kippe machen), aus der Juden- und Gaunersprache. kippeln, v.: kleinlich zänkisch sein, mhd. kipeln, noch Oberdeutsch-Hessisch. Neben- form zu kibbeln(s. d.). kippen, v.: intr. wie auf einer Spitze umschlagen, das Gleichgewicht verlierend umschlagen; trans. die Spitze(Käippe) oder Spitzen abhauen, abschneiden; leicht anhauen. In 1. Bed. 1663 bei Schottel; in 2. Bed. 1540 bei Alberus dict. Qd 4*b, aber 1508 bei Alten- steig 61° kipfen. Bei Lessing 8, 23 küppen, in der Insel Felsenburg 2, 314 auf kufen, in der 1. Bed., als wenn das Wort von Kuppe(s. d.) käme, was falsch ist. Das Wort gehört vielmehr zu anord.-schwed. kippa, dän. kippe crücken, wippen» und weiter zu anord. keifr«schiefy. Kipper, m.(-s, Pl. wie Sg.): Münz- fälscher; wucherischen Münzwechsel Treiben- der. Zuerst 1619, von kippen«mittels Auf- und Abschnellens der Wage die voll- und überwichtigen Münzen ausscheiden(dann aber auf kippen am Rande beschneiden und verstümmeln» 1711 bei Rädlein bezogen), zumal da in Kipper und Wipper«wucherischer, betrügerischer Münzwechsler, Münzfälscher» der letzte Ausdruck auf wippen«wägen, schnellen»(s. Wippe) zurückgeht. Man legte den Schlag der Wachtel als Kipp die Wipp aus, und deshalb hatte eine Flugschrift von gesang. 4L. Kipperei, f., 1691 bei Stieler Kipperey. Kirb, s. Kirchzweih. Kirche, f.(Pl.-n): christliches Gottes- haus; Gesamtheit der Christen; christlicher Gottesdienst. Mhd. kirche, am Oberrhein kilche, ahd. kirihha, chirihha(841 bei Wala- frid Strabo Liber de exordiis cap. 7 kyrica i. e. dominica a Domino nuncupatur), bei Isidor (S. Jh.) chirühha(d. i. chirshha), bei Notker chilicha(noch schweiz.-oberrhein. Chilche) f.; dazu and. kirilca, Kerilca, mnd. Kerke, Karke, mndl. kerke, afries. Kerke, tzerlce, ags. cyrice, cirice, engl. church, anord. kirkja f., schwed. kurka, dän. kirke; ebenso abg. crükg. Noch vor der ahd. Zeit mit Genuswechsel ent- lehnt aus gr. kupioköv n. Gotteshaus, Haus des Herrn»(während des 4. Jahrh. ge- bräuchlich, zur selben Zeit als die Goten von arianischen Griechen das Christentum 1039 Kirche Kirsche 1040 annahmen), eigentlich Adj. in der Bed.«dem Herrn gehörig», von gr. kοpiοc m. Herry; das Fem. kxuptioki dagegen kommt nicht in Betracht, denn es bedeutete bis ins 10. Jh. «Tag des Herrn, Sonntag», erst im 11. Jh. cGotteshaus». Der Schwund des a findet darin sein Analogon, daß auch der Name Cyriacus schon früh als Cyricus vorkommt. 4BL. Kirchlein, n., mhd. kirchelin, da- neben Kirchel, ndrhein. im 15. Ih. kirchelgen, nhd. Kirchelchen. kirchlich, adj., mhd. Kirchlich, alemann. Kilchlich, ahd. chirlich(d. i. chirchlich), ags. cyrichc. Kirchner, m.: Küster, Meßner, mhd. kirchener m. Z08. 1) mit Kirch-: Kirchfahrt, f.: Wallfahrt, Bittfahrt(mhd. kirchvart, mnd. kerkvart f.); Kirchspiel(1741 bei Frisch). Kirchgang, m., mhd. Kirchganc, mnd. kerkgankc m. Kirch- hof, m.: eingefriedigter Raum um die Kirche, zugleich als öffentliche Begräbnisstätte, dann bloß diese, mhd. kirchhof, kirchof, frühmhd. chirichhof, alemann. kilchhof, mnd. Kerkhof. Kirchspiel, n.: zu einer Kirche gehöriger Bezirkvon Gemeinden, mhd. kirchspel, alemann. kilchspel, kilchspil, md. Kirspil, kirspel, köln. 1275 kirspell, afries. kerspel n., eig.«Bezirk, soweit die Verkündigung(Rede) der Kirche reicht», zsg. mit ahd. spel, afries. spel, Spil, got. spill n.«Rede, Sage, Verkündigung» (vgl. Beispiel). Kirchtag, m.: Kirchweih- fest, in Osterreich und Bayern, schon in mhd. Zeit dort kirchtae m. Kirchturm, m., mhd. Kirchturn m. Kirchweg, m., spät- mhd. kirchoec, alemann. kilchaec m. Kirch- weih(e), f., ahd. chirihwihi, mhd. kirchaihe, kirwihe, gekürzt im 15. Jh. kirwe, kirbei, 1540 bei Alberus dict. F2 b und mm 3 b kirb, wie noch mundartlich in Süd- und Mittel- deutschland Kirbe, Kirh, alemann. Kilhe f. «jährliches Fest mit Musik und Tanz, das sich an die Einweihung einer Kirche knüpft» (vgl. Kirmes), schon im 15. Jh. Kirchawey «Festy überhaupt(Fastnachtsp. 1344).— 2) mit Kirchen-: Kirchenbuch, n., 1562 bei Ma- thesius Sarepta 194 5; ags. cyrichöc f., engl. church-boohx. Kirchendiener, m.: Auf- wärter in der Kirche, bei Keisersberg und noch im 18. Jh. Prediger. Kirchengeschichte, f., 1691 bei Stieler. Kirchenlicht, n.: ausgezeichneter Kirchenlehrer, 1576 bei Ma- thesius Luther 211 b, noch kirchenlat. lumen ecclesiae(13. Jh.). Kirchenmaus, f.: in einer Kirche wohnende Maus, die dort keine Vorräte findet, im 18. Jlh. Kirchenstaat, m.: das päpstliche Landesgebiet, 1678 bei Krämer. Kirchentum, n., erst am Ende des 18. Jh. gebildet. Kirchenvater, m:: Kirchenlehrer der altchristlichen Zeit, 1711 bei Räüdlein, nach mlat. patres ecclesige«Vater der Kirche; Kirchenältester als Ehrentitel», 1691 bei Stieler. Kirmes, Kirmesse, Kirmeß, f.(Pl. Kirmessen und Kirmsen): Kirchweih. Ge- kürzt aus md.(14. Jh.) Kirmesse f. eur Einweihung einer Kirche gelesne Messe, mit Musik und Tanz begangnes Gedächtnisfest der Einweihung einer Kirche, Jahrmarkt. Im 15. Jh. md. Kirmeß, im 16. kirmes, ndr- rhein. 14. Jh. kirmisse f. Erst Ende des 15. Jh. die volle Form Kirchmesse; dazu mnd. Kerkmiisse, ndl. 1599 kerlmisse, keromiis, nordengl. Kirkemass. kirnen, s. kernen. kirre, adj.: aller natürlichen Furchtsam- keit benommen, zutraulich. 1691 bei Stieler kirre, 1664 bei Duez kirr, kirr, bei Luther körre, 1482 im Voc. theut. pp 3 ⁸ kurre, md. kurre, im Renner kürre, ein ostmitteldeutsches Wort mit K aus qu, denn nd. guir, guir, guer, mnd. quere«kirrey, got. qaõrrus«sanftmütigy, gairrei f.«sanftmuty, anord. Kvirr, kyrr, schwed. guar, dän. kuär cruhigy. Nicht er- klärt. Denn die Vergleiche mit lit. gurus cbröckelig, locker» oder géras«gut»(Btr. 23, 352) sind nur Notbehelfe. 45 L. kirren, v.: Kirre machen, 1691 bei Stieler Kirren, 1719 bei Fleming Jäger 2432 Lörren, bei H. Sachs Kern, kerrn. kirren, v.(Prät. kirrte, Part. gekirrt): einen scharfen, schneidenden, seufzenden Ton von sich geben. Schweizerisch. Spätmhd. kirren, Nebenform des gleichbed. starkbiegen- den mhd. Kerren(Prät. kar, Plur. Xurren), ahd. kerran, cherran, zu lat. garrire«schwatzenꝰ, garrulus«geschwätzig», gr. ipuc f.«Stimme, Ton, Schall». Vgl. Zupitza Gutt. 78. Kirsche, f.(Pl.-/): Die Frucht des Kirschbaums. Im 16. Jh. Kirse und Kirsche, schon im mrhein. Voc. ex quo von 1469 kirsche, um 1470 kersch, mit sch aus s(vgl. Birsch, Hirsch), mhd. Kerse, kirse, bei dem Schweizer Boner 8, 33 Kriese(noch schweiz.- oberrhein. Chriesi n.), ahd. kirsa f. In sehr früher Zeit durch Vermittlung des Lateinischen (cerasum und mlat. cerasium n.«Kirschey, cerasus und mlat. cerasius Kirschbaum») entlehnt aus gr. epdciov n. cKirschey, kepacéd, xepocic f.«Kirschbaumy, d. h. wohl Baum 1041 Kirsei Kit= 1042 mit hornhartem Fruchtkernen(gr. képac n. «Horn», vgl. Hornkirsche, Kornelbaum), mit Steinfrucht, der besonders um die westlich von Trapezunt am Schwarzen Meer gelegne Stadt Kerasunt(gr. Kepocoòc, lat. Cerasus) wuchs und dieser nach Eustathius(zu Hom. Ilias 2, 853 und zu Dionys 456) den Namen gab, nicht umgekehrt. Aus vorauszusetzendem mlat. cerasia, ceresia stammt auch franz. cerise, prov. serisia, ital. ciriegia f.«Kirschey, sowie abg. resinja f.«Kirschey. ZUS. Kirsch- baum, m., mhd. Kerse-, kers-, Kirsboum, alemi. Kriesboum, ahd. cherse-, Kirs-, chresi-, chriesiboum, and. Kirsilchöm m.; davon das Adj. kirschbaumen, ahd. im 11. Jh. Kirse- hbouman, 1664 bei Duez Kirschbüumen. Kirsch- blüte, f., 1691 bei Stieler Kirschbläüt. Kirsch- geist, m.: Kirschbranntwein, 1775 bei Ade- lung. Kirschkern, m., 1540 bei Alberus dict. Ff 2 b. kirschrot, adj., 1670 bei Grimmelshausen Springinsfeld 1 Kirschenroth. Kirschwasser, n.: Kirschbranntwein, 1741 bei Frisch, aber bei H. Sachs Kirschenzwasser. Kirsei, m.(-s, Pl.-e): grobes geköpertes Wollenzeug. 1716 bei Ludwig Kirsey, 1664 bei Duez Kirscheyrf, 1616 bei Henisch Carisey, schon vom J. 1404 bei Schirrmacher Urkunden- buch v. Liegnitz 267 Kirsey als Handelsware der ostpreußischen Kaufleute, 1482 im Voc. theut. q 4 b und 5a kyrsat, kirsat; dazu gleich- bed. engl. kersey, ndl. karsaai n., 1599 bei Kilian Kkarseye, franz. carise m., ital.-span. eawrisea f. Dunkler Herkunft. Kismet, n.(5): unabwendbares Schicksal. Türkisch. Aus arab. gisma Anteil, Losy. Riß, m. n.(Kisses, Pl. Kisse) und Kisse, f. (Pl.-n): langgestielte hölzerne Scharre, die Kohlen aus dem Backofen zu scharren, auch wohl Frucht auf der Tenne zusammenzu- scharren. In Westfalen, im Westerwald, in der Wetterau. Ahd. chissa, amd. Kissa f. Unerklärt. 4BL. kissen, v.: mit dem Kisse heraus-, zusammenscharren. Kissen, n.(, Pl. wie Sg.): Art Polster zum Daraufliegen. Im 18. Jh. noch häufig Küssen(Adelung, Schiller Tell 4, 2); Kissen taucht 1462 in houpthkissen Mone Anz. 7, 157, 114 auf, bleibt aber bis ins 18. Jh. vereinzelt und wird erst in diesem nach und nach vor- wiegend. Mhd. Küssen, Küsson, ahd. chussin, cussin, gekürzt mhd. Küsse, ahd. chassi n. (noch 1716 bei Dentzler Küsse); dazu ndl. kassen, mndl. culssin. Uberkommen aus afranz. cuissin, nfranz. coussin(woher auch engl. Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. cushion, älter quishin), ital. cuscino, span. cojin m., von spätlat. coæinus m. Kissen für die Hüfte, Sitzkissen). ZUS. Kissen- zieche, f.: Kissenüberzug, 1616 bei Henisch 669, aber md. 1410 küssenzieche f. Kiste, f.(Pl.-n): trag- und verschließ- barer Kasten zum Aufbewahren oder Ver- senden. Mhd. Kiste, ahd. Kista f.; dazu mnd. kiste, Keste, mndl. Kiste, ndl. Kist, ags. yst, cist, cest f., engl. chest. Wie das anlautende X zeigt, sehr früh entlehnt aus gleichbed. gr. Jat. cista, gr. kicrn f. Nebenform seit dem 15. Jh. Käste, noch bei Lessing 12, 170. Kitt, m.(Lels, Pl.-e): fettes Bindemittel zum Zusammenkleben. 1598 bei Rollenhagen Froschm. 1, 2, 17 Kyt, daneben bei Hulsius, Duez und 1734 bei Steinbach Kiet, aber ur- sprünglich Kütt, so noch Rädlein 1711 und Kramer 1719, im 15. Jh. Küt m., spätahd. cuti, quiti n.«Leim, leimartiger Klebstoffs; dazu ags. cebadu, caidu n.«Baumharz», mengl. code Pech», anord. Wwãda f.«Harz». Ver- wandt mit lat. bitumen n.«Erdpech», aind. Jãtu n.«Gummi, Lack». Eine Nebenform Kitte f. bei Rückert 2, 296, bei Krämer 1678 Kütt f. 4B2. kitten, v.: mit Kitt leimen, 1605 bei Hulsius kitten, 1562 bei Mathesius Sar. 812 und noch bei Goethe 6, 230 Vütten. Kittel, m.(-s, Pl. wie Sg.): hemdartiges Oberkleid. Mhd. kitel, kittel, auch kietel, md. Kidel, 1477 clev. kedel, mnd. keddele m., ndl. Keel. Im 15. bis 18. Jh. mitunter Küttel mit falscher Ableitung von Kutte. Dunklen Ursprungs. Man hat an Zusammenhang mit gr. Xrrüv«Leibrock» gedacht, was unmittel- bar nicht möglich ist, aber vielleicht indirekt? kittern, v.: heimlich lachen, Anfang des 15. Jh. Kittern, wyfttern, noch thüring fränk., hessisch-oberdeutsch. Kitz, n.(-els, Pl.-e): junges Reh im ersten Jahre, mhd.(réch)kitze, ahd. réchkizzi n. Eigentlich identisch mit Kitze, f.(-n): junge Ziege, mhd. Kiz, kitze n. Junges von der Zieges(auch vom Reh, der Gemse), ahd. kiz, Kizzi choedus». Das Wort ist a-Ab- leitung von anord. Kidh n., schwed.-dän. kid Zicklein». Dazu ein Diminutivum norw.-dial. kidla, nhd.-tirol. Kittele, mhd. chetele«capellas, anord. kidlingr m., schwed. Kidling, dän. Killing. Engl. Kid Ziegey ist entlehnt. Eigentlich wohl Junges» zu as. Kid, ags. cid Spröß- lingy, s. u. Keim. Vgl. Palander D. ahd. Tier- namen 118. 4 BL. Kitzlein, n.(-S, Pl. wie Sg.), im 16. Jh. Kitalin, kützlin, mhd. Kitzelon. 66 1043 Kitze Klafter 1044 Kitze, f.(Pl.-n): weibliche Katze, Kätzchen. 1716 bei Ludwig Kitze, Kitz, 1729 bei Pi- cander 2, 206 Kietze, im 15. Jh. das Adj. kitzin(Diefenbach gl. 107 5), nd. kitte f., im Ablaut zu Katze gebildet. Engl. chit und kitten«Kätzlein», von cat«Katzes. Kitzel, m.(-s): wie zitternde Bewegung empfundner Nervenreizs zu Lachen, Husten u. a. Erst frühnhd., 1498 bei Braunschweig Chirurgie 114 b Kützel(in der Ausgabe von 1539 auch Kitzel), bei Luther Kutzel, Küitzel, noch bei Gellert Kützel; dazu mund. kettel m. Von kitzeln, v.: zum Lachen stacheln, zu Lust oder Übermut reizen, mhd. kitzeln und kützeln, kutzeln, ahd. chizilön und chaailön; dazu ndrhein. im 11. Jh. chitilon, and. kitilon, mnd. ettelen, ags. citelian, engl. kittle, anord. kitla, schwed. kittla, dän. Kildre. Wohl laut- nachahmend. 4. kitzlich, adj., im 15. Jh. Kitzelich, Kitzlich(Diefenbach gl. 586 2), 1482 im Voc. theut. r 82 kutalich, daneben seit dem 17. Jh. Kützelicht, Kitzlicht. klabästern, v.: schmieren; schlagen, prügeln; polternd, störend laufen. In Mittel- und(namentlich in der 2. Bed.) in Nord- deutschland. Aber auch elsäss. Klawasteren «mit Lehm verschmieren». In der 1. Bed. 1781 bei Kindleben. Dunklen Ursprungs. Vgl. H. Schröder Streckformen 150. Klabaútermann, m.(-s, Pl.-männer); Schiffskobold. Nach Schröder Streckformen S. 161 steckt im ersten Teil ndl. Klauteren «klettern». Unsicher. Klack, m.(-Lels, Pl.-e): Riß, entzwei geborstne Stelle;(nd.) Flecken, Fehler. Mhd. klac(Gen. klackes) m.«Riß, Schall, lautes Bersten, Knall, Krach; dazu ndl. 1599 Klack Krach, Rißy, anord. klabier m. Klecks, Wölkehen, Klumpen», dün. Klal«Flecken, schwed. Klack Hacken an Schuhens, dialekt. auch«Klumpen, Anhöhe». Dazu noch Kleck, Klecks, Klecken(s. d.) und eine Reihe andrer Worte in den germanischen Sprachen. Die Grundbedeutung und weitre Verwandtschaft ist unsicher. Vgl. Falk-Torp. Kladde, f.(Pl.-n): flüchtiger Entwurf zur Reinschrift; Schmutzbuch, Buch der Ge- schäftsleute zum vorläufigen Eintragen. In 1. Bed. 1779 bei Lessing 13, 631, in 2. Bed. 1710 bei Nehring, 1663 bei Schuppius 2, 29 Kladdebuch. Aus nd. kladde f.«Schmutz, Unreinigkeit», dann«erstes unsaubres Nieder- schreiben», endlich die obigen Bedeutungen; mndl. kladde, ndl. klad f.«Schmutz, Konzept- papierꝰy, Kkladboek n.«Schmutz-, Konzeptbuchy. Dazu wohl auch schweiz. chlot m.«Klecks, Kotfleck», chloten«sudeln, schmieren, und Formen mit t mnd. Xlatte«Lappeny, nhd.- dial. klatz«Schmutzfleck» u. a., vgl. klatrig. Kladderadätsch, interj. zur schallnach- ahmenden Bezeichnung eines krachenden Falles oder Zusammenbruchs, norddeutsch; dann als m. Name eines breiten Gebäcks wie Maul- schelle, sowie Titel des 1848 gegründeten Berliner Witzblattes; Zusammenbruch. Vgl. Ladendorf. Lautnachahmend wie klatsch, xladatsch. Vgl. Schröder Streckformen 173. Klaff, m.(els, Pl.-e): Krach, Schall; Geschwätz(schon mhd.); Spalt, schmale Off- nung(Goethe Pandora 512). In 1. Bed. mhd. Klaf, klapf m., ahd. claph in anaclaph m.«Anprall».— klaffen, v.: sich spaltend, offen ohne Schluß voneinanderstehen; kläffen, v.: Wortreich, aber gehaltlos sprechen, bes. lärmend bellen(von Hund und Fuchs). Mhd. klaffen«schallen, klappern, schwätzen», d† klajffen«xauseinanderbrechens, älternhd. Klapfen cklappernꝰ, Klepfen«knallen), Kkleffen«schwät- zeny(Zimm. Chron. ² 4, 218, 25), ahd. hlaphön, claffon cklappern, knallen»; dazu ags. clappan, engl. clap«klappen, klopfen, schlageny. Dazu auch Klappe, klappen(s. d.). Die Grund- bedeutung der Sippe ist«Knall, Klatsch, woraus sich«mit einem Knall schließen oder öffnen entwickeln konnte. Die Wurzel ist wohl lautnachahmend wie abg. Klopotä m. Läürmy». 43 E. Kläffer, m.: Schwätzer; bellender Hund, bes. kleiner(1775 bei Adelung), mhd. Klaffœre, Kleffcere m.«Schwätzer, Ver- leumder, Verräter. Klafter, f.(Pl.-n), auch n.(Goethe 34, 1, 269): das Maß der weit ausgespannten Arme; drei Ellen langer und ebenso breiter Haufen gesetzten Scheitholzes. Jetzt mit kurzem a, aber mhd. Kläfter f. n.(noch 1556 bei Frisius Dictionariolum 1342 Klaafpter), ahd. im 9. Jh. cläfdära f.«Längenmaß der ausgebreiteten Arme» als Holzmaß 1477 in den Städtechron. 4, 17; dazu mnd. in beiden Bed. Klachter n., ndrhein. im 15. Jh. gafter, zerdehnt gelafter (Weist. 2, 797). Verwandt mit ags. clyppan, engl. clip«umarmen» und weiter mit lit. glẽbĩε &Armvoll, glébti, glöbti, lett. glèbt«umfassen, umarmenꝰ, apreuß. poglabi«umarmten. Vgl. Lachter. 4BL. klaftern, v.: in Klaftermaß setzen, nach der Klafter messen, elsässisch 1529 in den Weisth. 1, 725(ge)klaftern«mit weit ausgespannten Armen messen?. 104⁵ Klage Klapp 1046 Klage, f.(Pl.-n): hörbarer Ausdruck des Schmerzgefühles;(gerichtliche) Beschwerde. Mhd. klage, ahd.-and. KMlaga f. Urverwandt mit aind. garhã f. Tadel, awest. gorazã- f. Klage», aind. gärhati cklagt, klagt an, be- schuldigt, tadelt, awest. gorazaiti cklagtꝰ, kaum aber mit gr. BAnxH f.«Geblök der Schafey. Davon klagen, v.: sein Schmerz- gefühl äußern; vor Gericht als Kläger auf- treten, mhd. klagen, ahd.-and. Klagön und klagen, wovon weiter Kläger, m., mhd. klager, kleger, spätahd. clagare m. ZU0S. mit Klage: klagbar, adj., mhd. Klage-, Klagbœre cbeklagenswert, Klage erhebendy. kläg- lich, adj., mhd. Klegelich, klagelich«klagend, beklagenswert, ahd. chlagalih. klaglos, adj., 1315 md. clagelôs«gerichtlicher Klage überhoben», im 18. Jh. in der Bed.«keine Klage hören lassends. Klagelied, n., mhd. lageliet n. iKlamm, m.(Iels, Pl.-e): Krampf, Luft- röhrenkrampf. Mhd. klam(Gen. klammes) m. Krampf, Klemme, Klammer»; dazu ags. clam, clom m. Fessely. Weiter sind wohl ver- wandt lat. glomus m.«Kloß, Knäuel», aind. gulma- m. n.«Strauch, Busch, Trupp Soldaten, Geschwulst im Unterleib». Weitres bei Walde. Schweizerisch. Vgl. klemmen. ² Klamm, f.(Pl.-en): Bergspalte, Berg- schlucht mit Gießbach. Oberdeutsch, 1517 im Teuerdank clamme f., im 15. Jh. klam, glam Schluchts, mhd. wuοfklamme f.«Jammertal». Zu 1Klamm. klamm, adj.: eng zusammengedrückt, drückend eingeengt(1663 bei Schottel); allzu spärlich, knapp(Voc. von 1429). Anders 1562 pei Mathesius Sarepta 51 2clam gold dichtes» d. h.«gediegenes, lauteres Gold, schon mhd. pei Heinrich v. Meißen 200, 6 Klamer morgen clautrer, d. h. klarer Morgen; erstarrt, kalt und feucht(norddeutsch). Zum vorigen. Vgl. klemm und verklemmen. Klammer, f.(Pl.-n): Gegenstand zum Festklemmen. Mhd. klamere, klamer, md. auch klammer f.; daneben das gleichbed. mhd. klampfer, noch bayr. Klamper, kärnt. Klamper, Klampfer f.; dazu anord. klõmbr f. Klemmen, neunorweg. Kklomber«Klemme, enge Felsschluchts. Davon klammern, v., 1589 bei Roth christl. Hausmütter ABC J5, dafür mhd. Klamben, Klampfern, kxlemberen. Vgl. Klamm, lemmen, Klempner. Klampe, f.(Pl.-n): an beiden Enden festhaltendes Bindeholz. Aus dem Nd. auf- genommen, mnd. klampe f. Haken, Spanges, bildl.«Steg über einen Grabenꝰ», ndl. klamp f. «Klammer, zumal hölzerne?, 1477 clevisch clamp«Klemmwerkzeug zum Halten»; dazu dän. Klampe, schwed. Klamp Klotz, Holz- stück». Die echt hochdeutsche Form bietet bayr. Klampfe f.«Klammer der Zimmer- leutey. Dazu schweiz. Chlempe. Vgl. Klemme. ¹ Klang, m.(-els, Pl. Klänge), mhd. Klanc (Pl. klenge), ahd. bei Notker chlanch; daneben mhd. klinc(g) und xlunc(g) m. Dazu ndl. Klankt m.«Klang, Laut», engl. clankc«Gerassel, Ge- Mirr», wie ahd. mit k aus gn. Zu klingen(s. d.). ² Klang, m.(-els, Pl. Klänge): seichte von plätscherndem Wasser überfloßne Stelle im Flusse(göttingisch, 1642 in Hessen);(in und um Gießen) offne Stelle im Flußeise. Eins mit dem vor. Wort, denn md. Klanc m. das Plätschern des Bachess. Vgl. ²Klinge. Klapp, m.(Jels, Pl.-e): Schall, Krach, 1663 bei Schottel, 1616 bei Henisch Donner- klapp, Donderkxlapp, 1590 bei Ringwaldt laut. Warh. 70 Klapp m. Schlag, Schlappe, Un- glücksfallo, nd. Klapp, ndl. Klap m., engl. clap, anord.-schwed. Klapp n., dän. Klap. Dafür mhd. klapf(s. Klaff). Wie die folgenden Wörter(mit Ausnahme vielleicht von klappern) aus dem Nd. aufgenommen. klapp! interi., 1600 bei Adrian Mittheil. 371 Klip und klap, nd. klapp, engl. clap! Klappe, f.(Pl.-n): auf. und abschlagender Gegenstand woran, beweglicher Deckel oder Verschluß(1741 bei Frisch); Aufschlag am Rock(1775 bei Ade- lung); Fliegenklatsche(bei Voß), Peitsche(1691 bei Stieler). Nd. Klappe f.«auf- und nieder- schlagender Deckels, mnd. Klape f.«Klapperꝰ, ndl. Klap f., eins mit mhd. Klaffe f.«Klapper, das Klappern, Schwaätzen». Damit 2gs. Klapp- horn, n.: Horn mit beweglichen Klappen zum Regulieren der Töne, eine Erfindung des 19. Jh.(1814); daher Klapphornvers m., scherzhafter Vers nach dem Muster einer Vierzeile, die einen das Klapphorn blasen- den Knaben schildert, erst im letzten Viertel des 19. Jhs. klappen, v.: schallend auf- schlagen(bei Luther); gleichlautend zuein- ander passen, sich zueinander fügen(es klapt bei Luther 3, 442 b). Die md. und nd. Form für klaffen(s. d.), nd. klappen«klatschend schlagen, passen, mnd. Klappen«plappern, laut schwatzen»; dazu mndl. clappen«schwat- zen», ndl. klappen«laut widerschlageny, ags. clappan, engl. clap, afries.- anord.-schwed. klappa «Schlagen, klatschens, dän. klappe, entsprechend 66* 1047 klar ahd. xlapfon czusammenschlagen». Klapper, f.: W9erkzeug zum Klappern, im 15. Jh. rhein. clapper und nd. clappir bei Diefenbach gl. 125(. 254 b, dafür mhd. Xlepfer, klaffe, md. (bei Eilhart 7029 L.) Klepper f.; davon Freund Klapperbein: der Tod. Im 18. Jahrh. Klapperschlange, f.: mit einer Klapper am Schwanze versehne giftige Schlange in Amerika, 1741 bei Frisch. klappern, v., mhd. Klappern, auch kleppern, klepfern, md. und nd. Klappern. Mittels-s abgeleitet, wie Klecks, Knichs, schnapps: Klaps, m.(Gen. Klapses, Pl. Klapse und Kläpse): schallender Schlag, 1734 bei Steinbach Klaps m.; RA. einen Klaps haben: etwas dumm sein. Sächsisch- Norddeutsch; klaps! interj., nd. 1767 im brem. Wbch. 2, 788; Klapsen, v.:(intr.) klatschen, knallen(1778 bei Hermes Sophiens Reise 1, 242);(trans.) schlagen, md. und nd. klar, adj.(Komp. klarer, Superl. klarst): das Licht in allen Teilen durchlassend, hell, deutlich; fertig(aus der Seemannssprache). Mhd. Klär, clär chell, lauter, glänzend», mnd. dlãr, mndl. qlaer, spätanord. Rlärr, schwed.- dün. Klar, aufgenommen aus lat. clärus chell, leuchtend»(von dessen Fem. clãra auch der weibl. Eigenname Klara). Der Komp., mhd. clärer, bisweilen mit Umlaut, im 16. Jh. klerer, bei Wieland, Lessing, Herder, Goethe klärer, der Superl. klärst bei Goethe, klärest bei Schiller. 4L. Kläre, f., mhd. klœre f. cKlarheity. Klären, v.: klarmachen, mhd. Klœren, md. kléren und klären, dagegen mhd. Klãren chell werden, sich klären». Klarheit, f., mhd. Klärheit f. klärlich, adj., mhd. klär-, Klœrlich, bei Luther Klerlich, galt gegen 1800 veraltet, als Adverb aber wieder auf- genommen. Klärung, noch nicht bei Campe. klarieren, v.: ein Schiff, die Schiffsgüter verzollen. 1791 bei Roth. Nd. een schip kla- reeren, entspr. Ausdrücke sind dän.-schwed.- engl.'span. portug. Von klar«fertig» s. o. Klarinétte, f.(Pl.-n): 1690 erfundnes Holzblasinstrument. 1791 bei Roth Clarinett (1813 bei Campe Clarinettist m.). Aus gleich- bed. franz. dlarinette f., ital. clarinetto m., dem Dim. des ital. clarino m. chellgellende Trompetenart», von lat. Adrus chell schallend. Klasse, f.(Pl.-n): ordnende Abteilung. 1610 bei Gödeke Gr.² 2, 61, 18 und 1616 bei Henisch Claß f., aus lat. classis f.«Ab- teilungy, woraus auch das gleichbed. franz. classe f. ZUS. Klassenkampf, m., 1848 von Marx gebraucht. klassifizieren, v.: Klatsch 1048 in ordnende Abteilungen bringen. Von nlat. classi-ficatio f.«Einteilung in Klassen», aus classis und-ficatio, einer Ableitung von facere cmachenn. Goethe Br. 8, 3. 79. Klassiker, m.(-s, Pl. wie Sg.): mustergültiger Schrift- steller. Im 18. Jh. nach dem franz.(auteur) classique, von lat. classicus m.«Bürger ersten Ranges»(ciwis classicus), dann Schriftsteller vom ersten Range(scriptor classicus bei Gellius 19, 8, 15). klassisch, adj.: ersten Ranges seiner Art, mustergültig, nach gleich- bed. franz. classigue vom lat. Adj. classicus cdie(ersten) Bürgerklassen betreffendy. Be- leg von 1748 bei Danzel Gottsched 230. klat(e)rig, adj.: unsauber, kläglich, er- bärmlich, schmutzig. Im 18. Jh.(bei Hermes Soph. Reise 6, 587, Wieland 18, 233 vom J. 1776) aufgenommen aus dem nd. Kläterig, klatterig «schmutaig, zerlumpt, verwirrt in den Haarenꝰ, dann cübel, wenig Erfolg versprechend», von nd. Klãter m.«Fetzen, zerlumptes Kleidungs- stück, angespritzter Schmutz, Kotklunker, Klunker von Augenbutter», zu mnd. Mlatte f. m.«Kleiderfetzen, Verworrenes, verwickelter Rechtshandel», das vielleicht mit Kladde zu- sammenhängt. Das Wort istauchschweizerisch. Klatsch, m.(-es, Pl.-e): klatschender Schall oder Schlag, Fleck(1711 bei Rädlein); Geschwätz(bei Goethe 5, 133). In 1. Bed. ndl. 1599 klets, kletse. klatsch! interj., 1803 bei Kosegarten Jucunde 155, vgl. litsch. Laut- nachahmend. klatschen, v.: intr. schallen, schallend schlagen(1691 bei Stieler, Klateschen 1651 bei P. Fleming 1, 23 L., Natschen 1668 bei Prätorius Anthropod. Plutonicus 499 und 1674 bei Abele künstl. Unordnung 5, 29); schwatzen (1663 bei Schottel). Hervorgegangen aus älterm klatzen in 1. Bed.(bei Luther Tischr. 327 b, vgl. 1562 bei Mathesius Sar. 208 2 klata- mühle, aber 1578 klatzschmühle 146 ²), mhd. kletzen in bekletzen«beschmieren, beschmut- zen», ndl. 1599 Kletsen«klatschend schlagen (Gvgl. klitschen). Davon Klatsche, f.: Werk- zeug zum Klatschen(1691 bei Stieler); klatsch- haftes Weib(1663 bei Schottel); Klatscher, m.: der Klatschhafte, 1691 bei Stieler, Klät- scher 1734 bei Steinbach, und hiervon Klat- scherei, f. bei Stieler, Klätscherei bei Stein- bach. klatschhaft, adj.: schwatzhaft, bei Stieler. ZUS. Klatschbase, f.: schwatz- hafte Person. Erst im 19. Jh. Klatsch- büchse, f.: Knallbüchse von ausgehöhltem Fliederholz(1691 bei Stieler); schwatzhafte Person(1775 bei Adelung). Klatschrose, f.: 1049 klauben Kleck 1050 Feldmohn, 1691 bei Stieler, von dem Schalle, den gegen die Stirn zersprengte Blätter der Blume geben. klauben, v.: mit den Fingern stückweise lösend woran arbeiten. Mhd. klüben, auch klouben, ahd. clübön(vgl. klieben). 4.BL. Klauber, m., spätmhd. Klüber, kloubœre m. Davon Klauberei, f.: kleinliches Versteifen auf etwas. Um 1780. Klaue, f.(Pl.-n): Hornteil des gespaltnen Tierfußes;(Scherzhaft) Hand, schlechte Hand- schrift. Mhd. klä, Kläwe, selten Klõ, ahd. chlãwa, chlõa f.; dazu andfrk. clãwa, mnd. klouave, xlauave, Kläãuve, ags. clã, cléo, cldãονν f., engl. clauo, anord. Klö f., schwed.-dän. Nlο cKlauey. Grundformen kléwã und kKlöο. Dazu auch Knäãuel(s. d.). Weiter sind ver- wandt aind. gãus m. Ballen», ir. glô-snüthe, glao-Snãthe«linea, normay, wörtlich«Ballen- draht», gr. JAouröc m. Hinterbacken. Weitres bei Walde s. v. gluo. 4BL. klauen, v.: kratzen, krauen, krabbeln, 1591 bei Rollen- hagen Postreuter F 3² und 1641 bei Weck- herlin 1, 505 F. klaaen, ahd. Klätwén, mnd. klouaven, klauwen, daneben kleien. klauig, adj.: mit Klauen versehen, bei Vof. Klaus, gekürzt aus Nixolaus(s. d.). Klause, f.(Pl.-n): abgeschloßne Kloster- zelle; Einsiedelei; Gebirgspaß. Mhd. Kläse, ahd. chlüsa f.; dazu ags. cläse f. Aus mlat. clusa f., vom Part. clusus für clausus in den Zusammensetzungen von claudére ver- schließen); das gleichbed. mhd. Klöse f. da- gegen aus mlat. clausa f. 48L. Klausner, m.: Einsiedler, mhd. kläsenœre und klösencre, ahd. klõsinãäri, mnd. Klüsenére, mndl. clãsenäre, mit Umlaut spätmhd. Kleusener, Kleusner, noch 1789 bei Bürger Ged. 2, 152 Kläusner. Klausel, f.(Pl.-n): Schlußsatz; Ein- schränkung, Vorbehalt. 1398 im Cod. dipl. Siles. 10, 246 clausel. Von lat. clausula f. «Schluß, bedingende Gesetzesformel, zu claudére«schließen. Klauster, n.(-s, Pl. wie Sg.): Vorhänge- schloß. Am Mittelrhein, aach. Kläster f., auch bayr. klœster n.«Schloß?, 1477 clevisch cluyster, ndl. kluister f. eiserne Bande mit Schlössern», Klauster 1719 bei Kramer 1, 151, schon asächs. Klüstar n.«Verschlußy, Klästar- bendi Pl. f.«Fesselny, ags. clästor n.«Ver- schlußy, aus lat. claustrum n.«Riegel, Ver- schluß». Vgl. Kloster. Klausür, f.(Pl.-en): Ab- und Ein- schließung(1711 bei Rädlein); Klosterzwang; Buchschloß, Gesperr(Janssen Reichskorr. 2, 249 vom J. 1465); Eselsochr im Buche. Aus mlat. clausura f., zu lat. claudere«schließen. Klave, f.(Pl.-n/): Griffsteg, Taste des Klaviers oder der Orgel. 1796 in den Xenien Nr. 219. Von mlat. clavis f., Pl. claves«die Griffstege der Orgels, deren Windlade durch sie geöffnet und geschlossen wird, lat. clãbis f.«Schlüssel». 4BL. Klaviatũr, f.: Griff. brett für zwei Hände. Klavifer, n.(“, Pl.-e): Musikinstrument mit Metallsaiten und Tasten, 1711 bei Rädlein Clavier, eig. «die Tastenreihes, zunächst der Orgel(1616 bei Henisch Clavir, ndl. 1577 bei Junius clavieren Pl.), dann des Spinetts(1664 bei Duez Clavier), aus franz. clavier m.«Tasten- reihe,-“bretts; für das Instrument bei dem Brieger Organisten Scherffer(† 1674) Claver- sing n. aus dem Nd., von gleichbed. franz. olavecin, clavessin m. Klavizimbel, n.: Saiteninstrument mit Metallsaiten und Griff- brett, Anfang des 15. Jh. clavicimbel, claff cimbel(Diefenbach gl. 126 b), aus mlat. clavi- cimbalum n.; dafür 1472 im Heldenbuche Kaspars v. d. Rön dlavor n. kleben, v. intr.: durch zähen Stoff haftend anhangen. Mhd. kleben, ahd. klebén; dazu asächs. Klähon«festhaften», mnd. ndl. kleven, ags. clifian, cleofian, engl. cleave«kleben», anord. Klifa æschwatzen mit steter Wieder- holung des Gesagten». Mit e aus ĩ zu mhd. kliben, ahd. Kliban chaften»(s. kleiben). Da- gegen das trans. Kleben chaften machen» gehört, urspr. der md. Volkssprache an für hochd. trans. Kleiben(s. d.) und ist in der neuern Schriftsprache an die Stelle desselben ge- treten, etwa seit Mitte des 18. Jh., doch findet sich andrerseits schon im 15. Jh. Kleben (im Voc. inc. teut. d 62) und sogar ahd. chlepen in trans. Bed.«kleben machen». 48L. Kleber, m.(-S, Pl. wie Sg.): klebender Stoff, Gummi, Baumharz, 1420 clibir n. Gummiy, md. im 14. Jh. Kliber«Schleim, mnd. clever, mndl. clebber, clibber. Im Mhd. das Adj. kleber cklebrig», ahd. clepar, ags. clibbor; davon kleb(e)rig, kleb(e)richt, adj., bei Fischart Garg. 66 kleberig, bei Keisersberg klebrecht, ahd. clebirik. Kleck, m.(-Lels, Pl.-e): an- oder auf- geworfner kleiner Teil einer weichen Masse; verunreinigender Fleck(1562 bei Mathesius Sar. 171 b). Nebenform zu Klack(§. d.); erst im 16. Jh. Kleck m.«Riß durch Auf- springen, Flecken», woneben Klecke f.«Spaltꝰ 1051 klecken klein 1052 (1663 bei Schottel); noch fränk. Kleck m. «Riß, Sprung in Glas usw.y. Vgl. Klecks. klecken, v.: weiche Masse wohin werfen oder fallen machen; verunreinigende Flecke machen;(übertragen) wozu ausreichend förderlich sein. Mhd. xlecken, ahd. Kleken claut reißen, platzen, ausreichen, genügen, wirksam seiny, im Md. auch«Klecke werfen, einen Fleck machen». 43L. Klecker, m.: Schmierer, 1691 bei Stieler. kleckern, v.: in einzelnen Klecren fallen lassen, bei Stieler. Klecks, m.(Gen. Kleckses, Pl. Kleckse): wie Kleck. 1734 bei Steinbach, Klex 1727 bei Stoppe Ged. 1, 207, Klecksgen bei Günther 217. 4 BL. klecksen, v., erst nach der Mitte des 18. Jh. bei Hölty, Voß, Claudius. Klee, m.(s, Pl.-e, besser Kleearten): die Futterpflanze Trifolium; Trefle, Treff im franz. Kartenspiel, entsprechend Eicheln im Deutschen(1591 bei Fischart im Kloster 10, 920, aber s. v. a. Grün). Selten Fem., 1652 bei Rist Parnaß 694 Klee f., aach. klie f. Mhd. Kl m., Gen. kléwwes, ahd. chléo m. n., Gen. chléwes«mit Kleeblumen untermischter Rasen», and. cle; dafür mnd. xlever, klãveren, nnd. klever, klaver(auch kleve) m., ndl. klaver f., ags. clcfre m., engl. clover, entlehnt schwed. klõfver, dun. Klever, klöver. Echt nordisch ist norw. schwed. smäüre, isl. smäüri. Die Her- kunft von K. ist unklar. Vgl. Björkmann 2fd W. 2, 227 f. ZUS. Kleeblatt, n., im 15. Jh. der Pl. klebleter und das Dim. kKlebletelein; bildlich, Verbindung von dreien(bei H. Sachs 12, 370 und Opitz 1, 440). Kleesalz, n.: aus Bitter- oder Sauerklee bereitetes Salz, 1776 bei Hübner 2323 Sauerkleesalz. Klei, m.(-es, Pl.-e): der züheste Ton. 1691 bei Stieler Kley, 1557 bei G. Agricola 90 roter Kle m., bei Voß tausend und eine Nacht 6, 1 ff. Klei f., bisweilen auch Klei, Klai n. Aus nd. Klei m. f., im 14. Jh. cley n.; dazu ndl. klei, klai f., 1598 Kleye, afries. Klai, ags. clcõg, engl. clay, dän. Kläg, mit Ablaut norw.-dial. li«schlamm, aufgespülter Kot, züher Lehm». Nebenformen Kleit(1574 bei Fischart onomast. 44 b), wie engl. clayt(in Kent), und ditmars. Klen m. Urverwandt mit lat. glus und gläten n.«Leimy, glis chumus tenax», gr. ivn, IRia und Xoud f. Leim, VXOiGc m.«klebrige Feuchtigkeit», abg. glina f.«Tony, gléni m.«Schleim». Des- selben Stammes sind ahd. chleimen aus Ton oder Lehm formenꝰ», ahid. Klenan, mhd. klenen ckleben, schmierenꝰ, ags. cläman«schmieren, ferner Kleiben und Kleister(s. d.). Vgl. noch Zupitza Gutt. 147 und Walde s. v. kleiben, v. trans.: aufstreichend haften machen(jetat verdrängt durch kleben, s. d.). Mhd.-ahd. Kleiben mit schwacher Flexion; Kausativ zum starkbiegenden intrans. mhd. kliben«fest anhangen, haften(Prät. kleip, Pl. klipen, Part. gekliben), noch älternhd. kleinh und bekleiben(s. d.), ahd. Klihan, ags. Iifan chaften). Zu dem gleichen Stamm wie Klei. 4B L. Kleiber, m.: Lehmwand- macher, Tüncher; Spechtart. Mhd. im 13. Jh. kleiber m. Z0S8. Kleibscheibe, f.: Maurer- kelle, 1663 bei Schottel, noch in Nassau und der Wetterau. Kleid, n.(-els, Pl.-er): was der Mensch zur Bedeckung des Körpers, insbesondre des Rumpfes anhat. Mhd. seit Mitte des 12. Jh. kleit(Pl. kleit und kKleider); dazu ndl. 1598 Kleed, mnd. Nxled, afries. Kxläãth, Kléth, ags. seit 8. Jh. clãh, engl. cloth,(entlehnt) anord. Klcdi n.«Tuch, Zeug, Kleidy, schwed.-dän. Kläde. Die älteste Bed. ist«zeug, Tuch», daher noch siegerländ. ⁶chlead Taschen- tuch», eig.«Wischtuch). Im Ablaut dazu steht ags.-hida m. Pflaster, Salbe, Geknetetes», so daß K. eigentlich«Gewalktes, Gestampftes» bedeutet und mit kleiben, Klei usw. zu- sammenhängt. 43L. kleiden, v.: an dem Körper oder einem Teile desselben mit einem Anzuge versehen; putzen, schmücken, einem gut stehen. Mhd. Kleiden; dazu mnd. kléden, ndl. Kleeden, engl. clothe, anord. lᷣ⁴a. Kleid- sam, adj., neuere Bildung aus der ersten Hälfte des 19. Jh. Kleidung, f.: Kleidungs- stücke, die zu einem Anzug gehören, im 15. Jh.; damit zgs. Kleidungsstück, n., nach 1770. ZUS. Kleidermacher, m., 1678 bei Krämer. Kleie, f.(Pl. ,/): abgemahlne Getreide- hülsen. Mhd. Klie, Klige, ülter Klawe, ahd. Kloôwa, klia f.; dazu mnd. klie, klige f., ent- lehnt schwed.-dän. Kli n. Wohl desselben Stammes wie Klei(s. d.), vgl. lett. gloe «Schleimy, gr. TXio, Aivn Leimꝰ. klein, adj.: nach Ausdehnung oder Mabß nicht viel. Bei Goethe 3, 303 noch Kleine, mhd. Kleine, Klein, mit den Nebenformen klin und Klin rein, zierlich, niedlich, fein, dann «dünn, schmächtig, mager, schwach, gering, nicht viel, fein-, scharfsinnig», ahd. Kleini, chleini, chléni, im Adv. Kleino, chleino«sauber, glänzend, zierlich, genau, sorgfältig, gering; dazu and. cléni«klein, scharfsinnig», mnd. kléne, kleine«dünn, zierlich, wenig», afries. 1053 Klein klemm 1054 klén, Klein«unansehnlich, geringy, ags. clcꝰne, cléne crein, lauter, hell, unschuldig, keusch), engl. clean crein». Die urspr. Bed. dürfte «glänzend» gewesen sein, so daß man k. zu abg. gleni m.«Schleimꝰ, glina f.«Ton, argillay und weiter zu den unter Klei behandelten Worten stellen kann. 43L. Kleine, f.: Kleinheit, mhd. Kleine, ahd. Klein? f. Klein- heit, f., mhd. kleinheit. Kleinigkeit, f.: etwas Kleines, 1716 bei Ludwig, mhd. Klal- nichait f.«Kleinheit», md. Kleinkeit f.«Scharf- sichty; dazu Kleinigkeitskrämer, m. Ende des 18. Jhs. kleinlich, adj.: klein, gering, schwach(1508 in der Straßburger Gemma X 1 5); in sittlicher und geistiger Bed.«an Kleinigkeiten hangend, niedrigy, seit dem 18. Jh.(bei Lessing 10, 320), mhd. Kleinlich «fein, zart, zierlich, mager, scharfsehend, genau», ahd. im Adv. chleinlähho« auf feine, zarte Weise», ags. cldnl?c«rein». ZUS. Klein- bahn, f.: schmalspurige Nebenbahn. Durch Gesetz 1892 festgelegter Ausdruck. Klein- geld, n.: Scheidemünze. Bei Voß; 1765 bei Rondeau Klein geld. kleingläubig, adj., bei Luther Matth. 6, 30. kleinlaut, adj.: leise redend(im 15. Jh. bei Diefenbach gl. 563 kleynlute stym); mutlos, niedergeschlagen(bei Liliencron 4, 369 b klainlaut, vom J. 1546). Kleinmeister, m.:(im 18. Jh.) ein Mensch, der die kleinen Künste der französ. Gesell- schaft betreibt, um sich angenehm zu machen; dann einer, der sich mit Wissenschaft oder Literatur in kleinlicher Weise befaßt. Eine Ubersetzung des gleichbed. franz. petit-mavtre m. Jetzt«kleiner Handwerker». Kleinmut, m., 1683 in neües Dictionarium Für einen Reisenden S. 177 b, früher und bis gegen Ende des 18. Jh. fem.(1577 bei Fischart Flöhhaz B 3 5 V. 606 Klainmat f.), mhd. dafür Klein- muotixeit f. kleinmütig, adj., mhd. im 14. Jh. bei Megenberg 45, 2 klainmäetig, von dem mhd. Adj. clainmuote(12. Jahrh.). Klein- schmied, m.: Schmied in feiner Arbeit, bes. Schlosser, im Gegensatz zu Grobschmied, ndrhein. im 14. Jahrh. der Pl. cleyne smyde, 1395 cleinsmed, 1215 als Beiname Cleinesmid (Böhmer Urkundenbuch von Frankfurt a. M. S. 23). Kleinstädter, m., 1787 bei Kramer deutsch-holl. Wb. kleinstädtisch, adj., 1673 bei Chr. Weise Erznarren 219. Klein- staaterei, f., 1814 bei Jahn. Vgl. Ladendorf. Klein, n.(-els), namentlich in Gänse- klein(s. d.), Hasenklein, aber schon 1775 bei Adelung Klein. Kleinod, n.(-s, Pl.-e, üblicher Klei- nodien): Schmucksache höchsten Wertes, Gegenstand ausgezeichneten Wertes. Mhd. kleinot n. und mit Umlaut Kleinœte, Kkleinœde n., in der Endung geschwächt kleindt, Kleinet, mnd. Klénõde, klenãde n., mittels der ahd. Ableitungsendung-ôödi(vgl. Heimat, Einõde) von dem Adj. Klein, dessen ältrer Bedeutung gemäß eig.«zierlich, fein gearbeitete Sachey, dann«zierliches Geschenk, Ehrengaben, end- lich Gegenstand ausgezeichneten Wertes», auch Kleinigkeit, kleines Hausgeräts. Der Pl. Kleinodien nach dem Pl. clenodia des von dem deutschen Worte gebildeten mlat. clenodium, clinodium n., 1685 bei Grimmels- hausen Simpl. 3, 126(Kz.) Kleinodlien, im 16. Jh. in der Zimm. Chron. ² 1, 245, 24 klinodien, sonst im 16. Jh. auch der Pl. Kleinoter. Kleister, m.(-s, Pl. wie Sg.): aus feinem Mehle gekochtes Klebmittel. Md. Klister m. cunhangender Gegenstand⸗(Passional 490 b, 65 Köpke), im 15. Jh. wassercleister m. und clisterschuüm m. Asphalty(Rothe düring. Chron. Cap. 14 b und 21), 1587 bei Soranus Kleister m.«Klebmittely», 1577 bei Junius 220 b gleister; nd. im 14. Jh. clistere an- klebende Pflanze, Efeu», 1582 bei Chyträus klyster«aus Mehl gekochtes Klebmittel». Mittels der Ableitungsendung-ster(vgl. Laster, Polster) von derselben Wurzel wie Klei, Kleiben(s. d.). Frühmhd. chlenster m. cangestrichnes Klebmittel»(Anegenge 23, 26) ist abgeleitet von ahd. klenan, mhd. klenen «kleben, schmiereny». Sonst mhd. und ahd. dafür klep m.(noch schweiz. Kleb m.), daneben kleip m.(s. kleiben). 4 BL. kleisterig, adj., 1691 bei Stieler Kleistericht. kleistern, v., bei Luther, mnd. Klisteren. Klemens, Mannsname. Aus dem lat. Adj. clémens(Gen. clémentis)«mildy. Dazu der Frauenname Klementine. klemm, adj., wie Klamm(s. d.). Bei Wieland, Hebel, Pestalozzi, 1424 Klemm cknapp (Städtechron. 2, 39, 25), 1337 als Personen- name Frederich Clemme(Baur hess. Urk. 1, 534). Dazu Klemme, f.(Pl.-n): einengen- der Ort, beengter Zustand, Einengung(im 14. Jh. mhd. klemme, chlemme f.); Werkzeug zum Klemmen(1691 bei Stieler); Kraft, Nachdruck(nd.). Im Mhd. auch klamme, klame, klambe f.«Klemme, Fessel, Klammer?. klemmen, v., mhd. klemmen, ahd. chlemman in pichlemman; dazu asächs. clemmian in ant- und biclemmian, mnd. klemmen. Davon 1055 klempern klieben 1056 Klemmer, m.(-é, Pl. wie Sg.): Augenglas. Diese Bedeutung erst im 19. Jh. klempern, v.: Metall(Blech) hämmern, einen Blechton hervorbringen(vgl. Kklimpern). 1691 bei Stieler Klemperen. Mhd. Kklemberen neben Klampfern«fest zusammenfügen, ver- klammern). 43L. Klempner, m.(-, Pl. wie Sg.): Blechschmied. 1734 bei Stein- bach. Umgestaltet aus Klemperer m.(1691 bei Stieler, auch bei Rädlein und Ludwig); dafür obd. Klamperer(schon im 16. Jh., Fischart Pract. Großm. 1572, 8), bayr. östr. Klampferer(schon im 17. Jh., aber im 15. Jh. bei Behaim Wiener 312, 6 clampfer m). klenken, v.:(bei Fichten-, Tannenzapfen usw.) durch Hitze die Samenhülsen sprengen und so den Samen ausfallen machen. In Mitteldeutschland. Eig. cklingen machen), was mhd. Klenken neben klengen. kleppen, v.: in kurzem Tone läuten. In Norddeutschland; dazu ndl. kleppen«klappern, die Glocke anschlagen», von Klap m.«Schlag (s. Klapp); dafür mit pf oberdeutsch Klepfen cknalleny(vom Schuß usw., schon 1432). Klepper, m.(-s, Pl. wie Sg.): Lauf- pferd geringer Art; Reise-, Paßgänger. Ur- sprünglich ohne üblen Nebensinn, 1561 bei Maaler, aufgenommen aus dem Md., wo Ende des 15. Jh. Klepper m.«Reitpferd»(Michelsen Mainzer Hof in Erfurt 32), im 16. u. 17. Jh. Klöpper, aber auch Kleppher m.«sehr kleines Pferd, 1517 bei Trochus G 6 b und Klöpffer, 1611 bei Colerus Haußbuch 4, 109. Benannt entweder von der besondern Gangart des kleinen schnell laufenden Pferdes(dem klop bei Fischart Garg. 203), oder nach dem kurzen Anschlag der Schellen, die dies Pferd am Geschirr trug. Vgl. Buschlelepper. kleppern, v.:(Eier) mit dem Rührlöffel schlagen, zerquirlen. In Mitteldeutschland, Nebenform von kläppern, im 14. Jh. cläppern vom Klappern des Storches und kleppern von Schmiedearbeit, Hämmern, dafür spät- mhd. Klepfern«klappern?. Kleptomanſe, f.: krankhafte Neigung zum Stehlen. Aus gr. Kémreiv stehlen» und pavic f.«Hang». In neurer Zeit. klerikäl, adj.: streng kirchlich, päpstlich gesinnt. Von nlat. clericäãlis, abgeleitet von clerus s. u. In neurer Zeit. Kleriker, m. (*s, Pl. wie Sg.): Geistlicher, Priester. Mhd. cleric, Klerkee m., mnd.-mndl. Klerken. Aus gleichbed. kirchlich-mlat. dlericus m., dem als Subst. gesetzten Mask. des kirchlich-gr. Adj. xAnpixòc«zur Geistlichkeit gehörig», von mlat. clerus m. Geistlichkeity, gr.«xpoc m. Los, zugelostes Besitztumꝰ, im Pl. biblisch die zur Leitung der Christen Vorerwählten (1. Petr. 5, 3). Dazu Kleriséi, f.(Pl.-en): Priesterschaft, 1562 bei Mathesius Sarepta 216 b, 234² Clerisei f., 1541 im Cod. dipl. Saxon. reg. II, 3 Nr. 1428 clerisey, aus roman. (span.) clerecia, mlat. clericia f.; auch mnd. kleresye, klerilcie, klerkesie f. Klette, f.(Pl.-n): Pflanze mit sich an- häkelndem Fruchtknopfe, sowie dieser selbst. Mhd. Klette f., ahd. chletta, chledda f. und chletto, chleddo m.; dazu and. Kleddo, clevisch 1477 clette neben clesse f., nndl. Klis, klisse f., ags. clãte f., engl. clotbur. Urverwandt mit lat. glüten n.«Leim». In der Wurzel muß der Begriff des Anhaftenden, Klebrigen liegen, was dadurch bekräftigt wird, daß die Klette im Ahd. noch Kliba, chlipa, amd. kliua, ags. clife f. heißt(s. kleben, Klei). Aus dem Germ. stammt franz. glouteron, afranz. gleteron. ZUS. Klettenkraut, n., 1540 bei Alberus. klettern, v.: woran haftend(klebend) auf- oder absteigen. 1482 im Voc. theut. q 7, dann bei Keisersberg und Luther; nd. Klattern, nndl. Klauteren. Frequentativum zu älter- nhd. kleten(Zimm. Chron. ² 4, 203, 37), noch schweiz. Kletten, von derselben Wurzel wie Klette(s. d.), was dadurch bestätigt wird, daß im Voc. theut. von 1482 und schweiz. zugleich klebern«klettern»(von mhd. Kleber cklebrigꝰ, s. d.) vorkommt. 4L. Kletterer, m., 1691 bei Stieler. ZUS. Kletterstange, f., 1775 bei Adelung; bei den Vogelfängern ist sie nach Frisch 1741 eine 10 Fuß lange, oben mit Leimruten besteckte Stange. Kletze, s. Klötze. Klicker, m.(-s, Pl. wie Sg.): Schnell- kügelchen. 1549 im Renner Bl. 75 und 1664 bei Duez Klicher, 1575 bei Fischart Garg. 265 der Pl. Klackern Schnellkugeln?, spätmhd. 1429 klacker neben gluckern«mit Kugeln spieleny, 1540 bei Alberus klich m.«Schneller mit den Fingern, Schnippchen». Vielleicht zu ahd. cliueveli, claceli, glueli n.«Kügelchen» von ahd. kliuwα f.«Knäuel, Kugel». S. Knicker. klickern, mundartlich neben Kleckern. klieben, v.(Prät. klob, Konj. klöbe, Part. gekloben): intr. sich gewaltsam voneinander geben; tr. voneinander hauen. Mhd. Klieben (Präs. Klüche, Prät. Kloup, Pl. Klaben, Part. gekloben), ahd. chliopan, clioban; dazu asächs. klioban, ndl. Klieven, ags. cléofan, engl. cleave, 1057 Hlient klingen 1058 anord. Kljäãfa und das Faktitivum dän. Klöve, nnorw. klöyva, mit Ablaut kKlauben(s. d.). Vgl. noch Kloben, Knoblauch, Kluft, Klappe. Verwandt mit lat. gläübere abschälen?, gr. Tüpeiy«eingraben, schnitzen, aushöhlenp. Kliént, m.(-en, Pl.-en): Schutzbefohlner in Rechtsangelegenheiten. 1605 bei Alber- tinus Lustgarten 231. Von lat. cliens m.(Gen. clientis)«Schutzbefohlner». Dazu Klientél, f.: das Verhältnis des Schutzbefohlnen zu seinem Vertreter Schutzgenossenschaft, 1714 bei Wächtler, aus gleichbed. lat. clientéla f. kliffen, v.: kläffen, im Ablaut zu Klaffen G. d.) entstanden, bei Bürger 231 aus der Göttinger Mundart. Klima, n.(-S, Pl. Klimate): Witterungs- beschaffenheit einer Gegend. 1534 bei Herr Die new Welt 52³ Clima. Aus gr. Jat. clima (Gen. climatis), gr. Xiua n. die nach dem Grade der Neigung, welche die Erde vom Aquator an gegen die Pole zu hat, sich richtende Wärme oder Witterung», eig. die Neigung selbst», von gr.«kiveiv«sich neigen. 4B L. klimätisch, adj., erst spät im 18. Jh. Klimbim, m. n.(-S): das unwesentliche Drum und Dran, unnützes Beiwerk. Erst in neurer Zeit lautnachahmend. klimmen, v.(Prät. klomm, Konj. Klömme, Part. geklommen, seit Ende des 18. Jh. auch schwachbiegend Prät. klimmte, Part. gelelimmt): sich fest andrückend zur Höhe oder Tiefe steigen. Mhd. Klimmen(Prät. klam, Pl. Klum- men, Part. gexlummen), selten klimben, ahd. chlimban; dazu mndl. climmen, ags. clinban, engl. climb. Wegen anord. Klifa, mengl. clꝰven cklettern» stellt man es gewöhnlich zu ahd. kliban chaften»(s. Kkleiben). Es könnte aber auch zu klemm(s. d.), oder lit. lébti«mit den Armen umfassen» gehören. klimpern, v.: Klang machen mit einem Tonwerkzeug, ohne eigentlich zu spielen. Im 15. Jh. bei Wolkenstein 36, 25 klumpern, d. i. klümpern, 1697 Schelmuffsky 108 Klimpern. Im Ablautsverhältnis stehend zu Klempern (s. d.), obd. klampern. Davon Klimperei, f., bei Günther 938. klimperklein, adj.: winzig klein, 1709 bei Paulini philosoph. Lust- stunden 1, 380, 1691 bei Stieler Klänper- klein, dafür 1650 bei Moscherosch Phil. 1, 63 klintzerliclin. Klimpimpimperlied, n., bei Goethe 16, 4. Klimse, s. Klinse. Kling, m.: heller Ton in feinem Laut, Kling und Klang Goethe 2, 211, mhd. Klinc Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. m. cheller Schall». Zu klingen. kling, interj. zur Bezeichnung eines hellen Schalles, schon mhd. Klingaã klinc!, 1650 bei Moscherosch Phil. 1, 170 Kling kling, 1774 bei Bürger Lenore 13 kling ling ling. Mit Ablaut kling! Klang/ (Goethe Faust 3634), in Schlemmerliedern des 15. bis 17. Jh. gling glang gloria!(Uhland Volksl. 576). Vgl. Klingklang. 1Klinge, f.(Pl.-n): langer schmaler Stahl zu Hieb, Stich, Schnitt. Mhd. klinge. um 1480 im Voc. inc. teut. d 62 clingke, nd. im 15. Jh. clinge und clinke f., von klingen, welche Ableitung durch der(swerte) Klingen alsus klungen und dã bi von swerten kxlingä klinc(Parzival 69, 14 f.) bekräftigt wird. ²Klinge, f.(Pl.-n): Talbach, schmaler Bach; schmale Schlucht. Mhd. klinge f., ahd. chlinga, Klinka f. und chlingo, klinco m. crau- schender Bach, Wildbach, Talschluchty, von klingen, im Mhd. das Rauschen und Rieseln des Gewässers bedeutend. Vgl. ²Klang. Klingel, f.(Pl.-n): kleine Schelle, Glöck- chen, 1624 bei Opitz Poeterey 44. Von klingeln, v., Diminutiv und Frequentativ zu klingen(s. d.), mhd. Klingelen chell klingen, rauschen, plätschern, einen Klang hervor- bringen», ahd. chlingilon chell erklingen; die Bed. die Glocke schellen» erst 1691 bei Stieler. ZUS. Klingelbeutel, m.: mit einer Klingel versehner Beutel an einem langen Stabe, mit dem der Küster während des Gottesdienstes den Kirchenpfennig einsam- melte, im 17. Jh.(Schuppius 589) neben dem dissimilierten Klingebeutel. klingen, v.(Praät. klang, Konj. Klänge, Part. geklungen): einen Laut in stetiger Aus- dehnung von sich geben;(seltner) den Klang hervorrufen, musizieren(schon mhd.). In 1. Bed. mhd. Klingen(Prät. Klanc, Pl. Klangen, Konj. Klünge, Part. geklungen, Imp. klinc), selten Klinkcen, ahd. Klingan; dazu clevisch 1477 clyngen neben clyncken, 1495 in der Kölner Gemma E 4 clincken, engl. clink cklingen, klirren», ferner schwachflekt. afries. klinna, ags. cloman gerklingen»,(entlehnt) anord.-schwed. Klingja«mit einer kleinen Glocke läuten», dän. klinge. Anklingend, aber wegen des Fehlens der Lautverschiebung nicht urverwandt, lat. clangère, um 400 n. Chr. auch clingére«ertönen, erschallen», clangor m. «Klangy, gr. Xoσꝓπ f. Getöny, dçetv(Fut. KXGTEw, Perf. Keéxka-ν⁴)«erklingen, tönen. In der Bed.«klingen machen, zumal durch Anstoßen mit Gläsern beim Trinken⸗(1716 bei 67 1059 Klingklang Klischee 1060 Ludwig, Klincken 1678 bei Krämer) schwach- biegend Prät. Klingte, Part. gelingt(im 18. Jh., pei Voß lyr. Ged. 1, 120, 59, Idyllen 16, 31, geklinckt 1734 bei Steinbach), s. anlclingen. Klingklang, m.(-s): Geklinge, bei Klop- stock, Herder, im 16. Jh. bei Schweinichen 2, 136, ein Ansatz dazu schon im mhd. Klingen Klank(Gesamtabenteuer Nr. 90, 238), s. Xling. Klinik, f.(Pl.-en): die ausübende Heil- kunde; der Unterricht am Krankenbette; Heilanstalt zum Unterricht in der Heilkunde (früher Klinikaum n.); dazu das Adj. klinisch, 1791 bei Roth Klinisches Institut. Aus gr. xMvii f.(zu ergänzen rexvn«Kunst)«die Heilkunde am Krankenbette», Fem. des Adj. XMvixòc«bettlägerigy, von k«ivn f. Lager?. Klinke, f.(Pl.-n): Drücker am Tür- schloß(1691 bei Stieler), früher der Fall- riegel an der Tür. Md. im 14. Jh. clinke f. ceinfallender schließender Türriegel», mrhein. im Voc. ex quo 1469 clinch«Falleisen an der Tür», Anfang des 15. Jh. oberrhein. Klinke f. «Schlagbaum»; dazu mnd. xlinke, klenke f. «der einfallende Türriegel», clevisch 1477 clynck f.«Tür-, Fensterriegely». Wahrschein- lich zu klingen(s. d.), Zweifel bei Falk- Torp. 48L. klinken, v.: auf die Klinke drücken, 1691 pei Stieler duf-, zueklinken. klinken, s. klingen. Klinker, m.(-s, Pl. wie Sg.): kleiner sehr hart gebrannter Mauerstein, der einen hellen Klang gibt, wenn man daran schlägt, bes. glasierter Ziegel, Fliese. Nd. 1767 im Brem. Wbch., 1775 bei Adelung, ndl. Klinkert, 1598 Klinckaerd m. Zu klingen(s. d.). Klinse, Klinze, f.(Pl.-n): Riß, Ritz, Spalt. Alter Klimse, 1466 klymms bei Diefen- bach nov. gl. 319, 1469 bei Wyle 278, 22 klimse, ebenso 1561 bei Maaler, dann bei Schottel, Stieler, noch oberdeutsch. Dafür md. Klinse 1775 bei Adelung, Klinze 1797 bei Schlegel Shaksp. Sommern 3, 1. Daneben Klunse(s. d.). Zu klamm, Mlemm(s. d.). lklipp! Ablautsform zu klapp(s. d.), 1600 bei Adrian Mitteilungen 371 kxlip vnd klap, bei Luther 3, 180 als Verb hie klipts, da klapts, verbunden klippklapp! in der zweiten Hälfte des 18. Jh., 1663 pei Schottel Klipklap Spielen, als Subst. 1691 bei Stieler Klipp-Klapp m., 1648 im Harnisch aus Flecken- land 229 das Klipplelappen. 2klipp, in der Formel k. und Mlar, zu klippen, Ablautsform von klappen«stimmeny. ausgehender schroffer Fels. Bei Luther Judith 5, 1 Klippen Pl.«Felsspalten, Felsschluchten, Felsenpässe», aufgenommen aus ndrhein. im 14. Jh. und nd. im 16. Jh. Klippe f.«spitzer Felsy, 1495 in der Kölner Gemma U 6 b eyn clip in die zee; dazu clevisch 1477 cloppe, mndl. clippe, clip, ndl. klip f.,(entlehnt) dän. Klippe, schwed. Klippa f. Dafür obd. im 15. Jh. bei Behaim cliffe f., im 16. u. 17. Jh. neben Klippe auch Klüppe f., 1588 bei Fischart Bienenkorb II1a2 Kluppe m.(Var. Klippe m.), 1664 bei Duez Klipp m., 1588 bei Taber- nämontanus 1230 der Pl. Kläpfe. Daneben die gleichbed. Wortsippe ahd. clep, chlep n. «Vorgebirg», d. i.«ins Meer vorragender Fels», asäãchs.-mnd. Klif n.«Fels, Berg», ndrhein. im 15. Jh. Klyff«das hohe Ufer längs dem Strom? (Wierstraat 157 u. 1751), ags. clif n.«Klippe, Anhöhe, Vorgebirgy, engl. cliff, anord. Klif n. Bergrücken, Klippey, Kleif f.«Bergrücken», so daß also das pp auf n-Assimilation be- ruht. Weitre Verwandtschaft fehlt. 4L. klippig, adj., 1691 bei Stieler klippig, kxlip- picht, 1477 clevisch clippich. ZUS. Klipp- fisch, m.: der Bandfisch mit borstenartigen Zähnen, chaetodon(1563 bei Forer Fisch- buch 63 Klüipfisch, 1798 bei Schiller Taucher Str. 20 Klippenfisch m.); der Stockfisch(1775 bei Adelung), ndl. Klipuisch,(entlehnt) dän.- norweg. Kläipfisk, angeblich weil er auf den Klippen gedörrt wird. Klippkram, m.: Kram mit geringen (hölzernen usw.) Waren, 1666 bei Comenius Sprachentür 492, davon Klippkrämer, m., im 17. Jh., nd. 1652 bei Lauremberg 3, 451 Kliplramers Pl., mnd. Klippekcramers; Klipp- schenke, f.: geringe Schenke, 1775 bei Ade- lung, wie Klipplerug m. 1741 bei Frisch; Klippschuld, f., wie Klipper-, Kläpper- schuld: kleiner Schuldposten, bei Campe, da- gegen mnd. clepschulde, afries. lep-, Klip- skelde«Abgabe in klingendem Gelde»; Klipp- schule, f.: Winkelschule, Elementarschuley, 1663 bei Schupp 917; Klippwerk, n.: geringe hölzerne usw. Ware, Klapperware, 1741 bei Frisch. Diese norddeutschen Wörter sind Ableitungen von Klippen(s. Klipp), Klippern (im 16. Jh., Luther 8, 11 b, Goethe 1, 208), die im Ablaut stehen zu klappen, kKlappern. klirren, v.: einen hellen zitternden Klang von sich geben. 1697 im Schelmuffsky 11. Schallnachahmend. 1787 bei Schubart 2, 119 von einer Taube, wie girren. Klippe, f.(Pl.-/): hervorstehender, spitz Klischée, n.(-s, Pl.-s): Abguß von 1061 Klistier Klöpfel 1062 gesetzten Lettern, Holzschnitten, Abklatsch. Aus gleichbed. franz. cliché von clicher, einer Nebenform von cliquer, cliqueter«klatschen». In neurer Zeit entlehnt. Klistier, in Bayern und österreich auch Klystier, n.(s, Pl.-e): Ausspülung des Afters durch Einspritzen. 1494 bei Brant Narrenschiff 81, 46 klystier, mhd. klistér, Klie- stier n. Daneben im 14. Jh. Kriestiere, cristier n. Aus gr. lat. cIysterium, gr. ucripiov n., dem Diminutiv von gr. Jat. ciyster, gr. uc-hp m. &Klistier und Klistierspritze», von gr.«Xxοery can-, abspülen, mittels Einspritzung in den After reinigen). 4L. klistieren, v., mhd. klistieren und kristieren, 1508 in der Straß- burger Gemma e 42 chystieren. ZUS. Klistier- spritze, f., 1678 bei Krämer Clistierspritze, dafür bei Duez 1664 Clistierstock m. oder Clistierpfeiffe f.(letzres schon 1582 bei Fi- schart Garg. 347), Ende des 15. Jh. Kristierysen bei Diefenbach gl. 127°, 1577 bei Junius 194³ nur Clistir n., 1482 im Voc. theut. ꝗ 8 b kKlister. Klitsch, m.(-es, Pl.-e): Stück weicher Masse, z. B. Butter, Teig usw.; klitschender Schall oder Schlag. Md., in der 1. Bed. 1739 bei Schnabel Felsenburg 3, 425. klitsch! interj., bei Campe, in der Verbindung klitsch klatsch 1795 bei Hupel 117, wo auch Klitsch- klatsch m. klitschen, v., bei Luther klitschen und kliteschen die flachen Hände hell er- schallend widereinanderschlagen, im 16. Jh. auch klitzen, schon 1420 unbeklitzet, wie klatschen(s. d.) aus älterm klatzen hervor- gegangen ist. klitschig, adj.: unausgebacken weich und teigig, nd. klitzig, klitsig. lklittern, v.: klecksen, unsauber, nach- lässig schreiben, vorläufig(ungeordnet) ein-, aufschreiben. 1534 bei Frank Weltbuch Vorr. a 5a klitteren, 1517 bei Keisersberg Brösamlin 2, 77° klüttern. Zu älternhd. Klitter m. «Fleck, Klecks»(Fischart Garg. 386), md. im 13. Jh. Kläter m.«Schmutz, Flecky, nd. kludder m., die im Ablautsverhältnis stehen zu nd. kläter, md. klader m.«Schmutz»(s. xlaterig und Kladde). 4BL. Klitterung, f.: schnell hingeschriebne Erzählung, in Ge- schichtklitterung 1590 bei Fischart Garg. Titel (dafür in der 1. Ausgabe 1575 Geschicht- schrift). ZUS. Klitterbuch, n.: Buch zu vorläufigem Einschreiben, Kladde(s. d.), 1642 bei Duez Klitterbuch, 1561 bei Maaler und noch schweiz. Klütterbech. 2klittern, v.: klappern, rasseln, im 17. Jh. klittern, bei Luther 3, 441 b klüttern, im Ab- laut(zu md. klattern«klappern, prasseln»). ZUS. Klitterschuld, f.: kleiner Schuld- posten, 1691 bei Stieler, vgl. Klipperschuld. Klitterwerk, n.: geringe Ware, Klapper- werk, im 16. Jh. bei Fischart Nachtrab 66, Kluütterwerck 1713 bei Dentaler. Klodke, f.(Pl.-n): Abzugskanal. Im 16. Jh. bei Franck Chronica 32 b clouck f., im 17. Jh. auch Cloac n., aus gleichbed. lat. cloãca f. ZUS. Kloãkentier, n.: niedrigste Ordnung der Säugetiere. Bildung des 19. Jh. Kloben, m.(-s, Pl. wie Sg.): gespaltner Stock usw., zunächst zum Vogelfang;(an der Wage) Gabel, in der der Wagebalken hängt und die Zunge sich bewegt(schon mhd.); greifender Haken, Klammer(1488); Türangel (1663 bei Schottel); Gebund, z. B. Flachs, urspr. Stock mit klemmendem Spalt, in dem die Büschel usw. befestigt sind(bereits mhd.); Tabakspfeife mit dickem Kopf(studentisch, erst 1837 zu belegen). In 1. Bed. mhd. klobe, ahd. clobo, chlobo m.; dazu andd. fugullcloνo m.«Kloben zum Vogelfang», mnd. Klof, klove, klave m.«gespaltner Stock, Spalt, Wag- gabel, Gebund», ndl. Xlοof f.«Spalte, Rißy, anord. klofe m.«Felsspalte, Türfuge, Klof n. «Spalt, Riß, Schnitt», dän. Klow gespaltner Huf des Hornviehs», klove«Halsjoch für Kühe», älter auch«Bügel, Klammer», schwed. Klofye«Schraubstock, Zangey». Zu klieben (§. d.). 4BL. klobig, adj.: klotzig, unge- schlacht, erst in der ersten Hälfte des 19. Jh. klönen, v.: fortgesetzt klagen, jammern. Norddeutsch(1743 bei Richey), dafür schweiz. klänen, auch klönen. Wohl verwandt mit ags. clynnan«tönen». Klöpfel, m.(-s, Pl. wie Sg.): unten dickes Werkzeug zum Klopfen oder Widerschlagen, 2z. B. der Glockenschwengel. 1482 im Voc. theut. q 8a klupffel, md. 1470 Klopfel und kloppel, 1540 bei Alberus dict. u 3 Klöppel, mhd. Klüpfel und Klopfel m., 1664 bei Duez Kliiòpffel und noch schweizerisch. Von klopfen. Vgl. Klöppel und Knüppel. In Klöpfel auf- gegangen ist mhd. kleffel, klepfel m.«Glocken- schwengel, mnd. kleppel m., ndl. klepel f., abgeleitet von mhd. klaff, Klapf m.(s. Klapp). Dazu Klöpfelsnacht, Klöpfleinsnacht, f.: in Bayern und Schwaben der Abend des letzten Donnerstags vor Weihnachten, dann die letzten drei Donnerstage in der Advents- zeit, in Schwaben auch alle Nächte von Weih- nachten bis zum Dreikönigstag(6. Jan.), wo arme Leute und Kinder an die Türen Klopfen 67* 1063 klopfen Klotze 1064 und unter Hersagen von gereimten Sprüchen um Geschenke bitten. Das Anklöpfeln ge- schieht meist mit hölzernen Hämmerchen. Im 15. Jh. in den Fastnachtspielen 1346 klofplis nechte; die Reimsprüche oder Neu- jahrswünsche hießen im 15. Jh. nach den Anfangsworten Klopfan n. klopfen, v.: mit kurzem Ton antreffend schlagen. Mhd. Klopfen, selten Kloffen, ahd. clophõn, clofön, md. und mnd. kloppen, mndl. cloppen. Im Ablautsverhältnis zu Klapfen, klappen(s. d.) stehend. 4L. Klopfer, m.: der Klopfende(mhd. Klopfœre m.); Klopfring an der Türe(1561 bei Maaler). ZUS. Klopf- fechter, m.: zum Klopfen(Schlagen) um- herwandernder Fechter, 1691 bei Stieler, im 17. und 18. Jh. unter die Landstreicher ge- rechnet, schon mhd. beim Teichner S. 167 vehler m. umherziehender Edler, der die Ritterkünste erwerbshalber übty; dann gegen Ende des 18. Jh. bildlich, Raufbold im lite- rarischen Streit. Klopfhengst, m.: nicht völlig entmannter Hengst, dessen Samenstrang durch Klopfen mit einem hölzernen Hammer von außen zerquetscht ist, worauf die beiden Hoden oder nur eine vertrocknen, 1741 bei Frisch, nd. Klopphengst, in der Uckermark daneben Klopper m. Kloppe, s. Klappe. Klöppel, m.(-s, Pl. wie Sg.): an einem Ende kugelig gedrechseltes Stäbchen zum Schlingen der Spitzen, Kanten usw., die md. Form für oberd. Klöpfel(s. d.), 1741 bei Frisch Klöppel und Klippel, 1715 bei Ama- ranthes Kleppel, 1691 bei Stieler Klöpfel, Klipfel, Klöpel, nd. knuppel m. 4BL. klöppeln, v.: Spitzen schlingen oder wirken, bei Goethe neben klöppeln auch Klippeln(30, 145), 1715 bei Amaranthes und 1616 bei Henisch Kleppeln, 1691 bei Stieler Klöpfeln, nd. nuppeln, 1718 im Accademischen Frauen- zimmerspiegel 27 Spitzen knlüppeln. Das Spitzen- klöppeln wurde 1561 im Erzgebirge durch die Annaberger Patrizierin Barbara Uttmann nach Brabanter Vorbild eingeführt. Klops, m.(Gen. Klopses, Pl. Klopse): Braten aus dünnen, mit hölzernem Hammer mürbe geklopften oder statt dessen fein ge- hackten Fleischstücken, 1759 bei Bock preuß. Wb. Klops, 1775 bei Adelung Klopps m. Vielleicht identisch mit schwed. kalops n. cdünn geschnittne Scheiben Rindfleischy, engl. collop«Fleischschnittey, mengl. collope«Ge- röstetes, Karbonadey. Klosétt, n.(-Lels, Pl.-e): verschließbares Gemach, Kabinett(1778 bei Musäus physiogn. Reisen 1, 151 Kloset); Abtritt. Diese Bed. erst in neurer Zeit. Das gleichbed. engl. closet, in 2. Bed. besonders water-closet, zu close «verschließen, verschlossen», von afranz. Glos, lat. clausas(Part. von claudére«schließen) «geschlossen. Kloß, m.(-es, Pl. Klöße): sich zusammen- ballende oder zusammengeballte Masse, rund- licher Klumpen. Mhd. Klöz m. n., ahd. clöz m.&geballte Masse, Ball, Kugel, Kreisely, im Mhd. auch«Schwertknauf, Keil zum Ver- sperren der Türe von außen, Knebely; dazu mnd. klôt und klat, kläte m.«Klumpen, Kugel, Bally, mudl. löt, engl. cleat«Keil». Ab- lautend mit Klotz(s. d.) und weiter wohl mit aind. gudäs m.«Kugel»(aus*grudas), Bartholomae Idg. Forsch. 3, 175. Der Plur. Klöõße erst nhd.(Klößer bei Steinbach 1734 vom Neutr.), dafür mhd. Klöze, ahd. chlöza, noch im 16. Jh. Klo(Soltau Volksl. 2, 108). Als Speise schon ahd. dzZ, 4BL. kloßig, adj., 1775 bei Adelung, aber schon 1420 kKloschig ckugelartig», 1691 bei Stieler Klößig. RKloster, n.(—s, Pl. Klöster): abgeschloßnes Gebäude zur Wohnung für Mönche und Nonnen. Mhd. löster, ahd. chlöster, afries. Kläster n., aus lat. claustrum, alt- und volkslat. clostrum n. «Riegel, Verschlußy, im Mlat. Kloster, von lat. dlaudére«schließen, verschließen?. Klaaster. Vgl. 4BL. klösterlich, adj., mhd. klõsterlich. ZUS. Klosterbruder, m. Mönch, md. im 14. Jh. clostirbruder m. Klosterfrau, f.: Nonne, mhd. lôsterurouabe f. Klotz, m.(es, Pl. Klötze): fest zusammen- hängende unförmliche Masse; abgetrenntes un- förmliches Holzstück;(bildlich) roher, plumper Mensch(bei Keisersberg, Luther). Mhd. und md. Kloz m. n., Gen. Klotzes, Ablautsform von klõôz(s. Kloß); im 14. Jh. Klotz«Kugel, Ge- schützkugel», und zwar als Neutr. mit dem Pl. Klotzer, blilotzer(Böhmer Urkundenb. von Frankfurt a. M. 766 f. von 1391). im 15. Jh. bei Behaim Wiener 378, 15 puchsenkxlocæ Pl. «Geschützkugeln». 1691 bei Stieler als Neutr., ebenso bei Lessing 1, 194. 7, 200, mit dem Pl. Klötzer(Günther 426). 4BL. klotzig, adj.: pPlump, grob, im 16. Jh. bei Fischart Pract. (Kloster 587) klotzig, 1691 bei Stieler klotzicht, 1711 bei Rädlein Klötzicht; aber schon Ende des 15. Jh. loceig ckugelig»(Diefenbach gl. 265b). Klotze, Kletze, f.(Pl.-n): gedörrte Birne. Bayrisch. Unerklürt. 1065 Klub Klüngel 1066 Klub, m.(-S, Pl.-s): geschloßne Gesell- schaft. In der zweiten Hälfte des 18. Jh.(1774 bei Gotter Ged. 1, 63 Clach und Schubart 2, 80 Klubb) aufgenommen aus gleichbed. engl. clach, von altengl. clacb, clubbe«Keule, Kolbey, anord. klubba f.«Keuley. Die Bedeutung stammt von dem Stock oder der Kolbe, die zur Einla- dung herumgeschickt wurde. 4 L. Klubist, Klubbist(Bayrisch) m.(en, Pl.-en): Mit- glied eines Klubs(bei Goethe 33, 289 Clubhist, vom J. 1793), aus gleichbed. engl. clubbist, franz. clubiste m. Klucke, s. Glacke. 1Kluft, f.(Pl. Klüfte), meist das Dim. Klüftchen, n.(-S, Pl. wie Sg.): leichtes Kleid. Aus gaunerdeutschem Kluft m., rot- welsch 1510 claffot n., um 1450 klabot«Ge- wand, Kleidv, abgeleitet von hebr. Kalſot &Feierkleidery, daher noch schles. Klaft f., 1652 pei Scherffer Ged. 597, 612 Klofft f. neben Klaffot(Ged. 424); am Ende des 18. Jh. Klüftchen studentisch. 2KlIuft, f.(Pl. Klufte): klaffender Spalt; abgespaltnes großes Holzstück; lange Feuer- zange. Mhd. kluft f.«Spalte, Felsenkluft, Höhle, Gruft, Klotz, Zange», ahd. luft, chluft f. Zange, Schere, Lichtschere; dazu mnd. kluft, klucht f., clevisch 1477 clucht«Zange, Vogel- falley, ndl. Kluft f., engl. cleft, clit«&Spaltes. Zu klieben(s. d. und vgl. Kluppe). 4 BL. klüftig, kluftig, adj.: spaltig, 1562 bei Mathesius Sar. 48 b klüfftig, um 1480 im Voc. inc. teut. d 6 b cluftig, ahd. cluftig; dazu mnd. kluftich«klug, schlau, gewandt». klug, adj.(Komp. Klüger, Sup. klügst): geistig fein, ein- und umsichtsvoll. Mhd. (seit der zweiten Hälfte des 12. Jh.) Xluoc cfein, zierlich, schmuck, netty, dann geistig fein, höfisch, mit dem Verstande durchdringend und gewandt, listigy, auch«weichlich, üppig», md. Klüc; dazu mnd. klô«klug, listig, schlau, gewandt, behende», ndl. kloels«klug, tapfer, großy, aus dem Nd. entlehnt anord. Klöker cklug, listig», schwed.-dän. Klog. Entweder zu ir. glicc«weisen(Zupitza KZ. 36, 236) oder zu gr. TXwxtvec Spitzen, was der ursprüng- lichen Bedeutung«fein» noch mehr gerecht wird. 4 BL. klügeln, v.: klug tun, überfein ausdenken, bei Luther; davon Klügelei, f., 1691 bei Stieler, Klügler, m. und Klüg- ling, m. bei Luther. Klugheit, f., mhd. xluocheit(d. i. Kluoc-heit), kluokeit f.«Fein- heit, Zierlichkeite, dann«Kunstgeschick, Ver- standes-, Geistesfeinheit, Schlauheit», auch «Weichlichkeit», mnd. klökheit«Klugheity. klüglich, adj., mhd. Kluoclich, und Adv. kluocliche, md. Kläclich, innd. Klökliken. Klumpen, m.(-, Pl. wie Sg.): unförm- liche Masse. Eig. Klumpe, wie noch bei Goethe 6, 16, Faust 5943, aber schon im 16. Jh. bei Fischart Ehezuchtb. E 7 Klumpen, md. im 15. Jh. clumpe(Diefenbach gl. 350°), 1410 Klumpe(Elsen von Holczhusen Inventar im Archiv zu Frankfurt a. M.), 1495 Klompe in der Erfurter Freizinsordnung(Thüring. Rechtsdenkm. 316), hochd. 1542 bei Alberus (der Barfuser Münche usw. Nr. 262) Klumpffe m. Die starkbiegende Form ist Klump m. (Tels, Pl. Klümpe, md. und nd. volkstümlich Klümper), md. 1482 bei Melber Q 1² chump m., bei Luther 4, 270 b und noch bei Lessing 2, 477 Klump, 1517 bei Trochus D 32 Klumph m.(Kegelkugel), im 17. Jh. bei Opitz 1, 33 und Logau 2, 10, 24 Klumpff. Das Wort ist ins Hochdeutsche durch Mitteldeutschland aus dem Niederdeutschen vorgedrungen, mnd. klumpe, klompe m., 1420 Klom Holzschuh» (Diefenbach gl. 91 b), ndl. klomp m. Masse, Klotz, Holzschuhy, engl. clump Klumpen, Kloß, Klotz», anord. Klamba, Klubba f.«Keules, schwed.-dän. Klump«Klumpen, Kloßy. Dazu ohne Nasal norw. Klach«Blutkloß, Mehlkloßy, adän. klub«Erdklumpen». Weitre Verwandt- schaft ist unsicher. 4BL. Klumper, f.: Klümpchen, 1719 bei Kramer; davon klüm- pern, v. refl., 1716 bei Ludwig, aber sich klumpern 1719 bei Kramer, und klümperig, adj., 1691 pei Stieler Klüumpericht. klumpig, adj., 1678 bei Krämer. ZUS. Klumpfuß, m., 1719 bei Kramer 1, 150 b, ndl. Klompuoet, entlehnt engl. clubfoot, vgl. isl. Klumbafotr. 1Klüngel, n.(-s, Pl. wie Sg.): Kugel von gewickelten Fäden. 1540 bei Alberus dict. P1 b klüngel, 1537 oberrhein. bei Dasy- podius 87° klungele, schweiz. 1541 bei Frisius glomas, Klungle n., 1410 klungel und kKlängel n. (in Elsen von Holczhusen Inventar im Archiv zu Frankfurt a. M.); daneben als Fem. schweiz. Klungel, Klungele, als Mask. 1711 bei Rädlein Klüngel, 1719 bei Kramer Klangel. Mhd. klungelinn., md. klongelin(Diefenbach gl. 266 ³), Dim. von ahd. clunga f.«Knäuely. Noch schweiz.-elsass.-bayr. Dazu schwed. Klanga, dän. Klynge«gedrängter Haufen, und weiter ags. clingan«sich zusammenzieheny, engl. cling «sich klammerny. Weitres bei Falk-Torp. 2Klüngel, f.(Pl.-n): Klunker; Troddel, Quaste. Am Mittelrhein, auch Klungel. Bildlich 1067 Klunker Knack 1068 Klüngel m.(-s): Anhang, Clique(oder dies zum vorigen). Verwandt mit Klunker(s. d.). Klunker, f.(Pl.-n) auch m.(-S, Pl. wie Sg.): hangendes, schwebendes Klümpchen, Zottel; hangende Quaste, Troddel. In der 1. Bed. 1678 bei Krämer Kluncker; in der 2. Bed. 1771 bei Weiße kom. Opern 1, 20, nd. 1743 bei Richey, als Mask. 1774 bei Claudius 1, 108. Das md. und nd. Wort ist verwandt mit mhd. glangeler m. Troddel»(Renner 12561), glunkte f.-baumelnde Locke?, ahd. glonko m. rund geballte Masse, Klumpen». Dazu klunkern, v.: baumeln, schlenkern, schlendern, mhd. und noch bei H. Sachs glankern, im 17. Jh. bei Grimmelshausen Simpl. 3, 98, 31 Kz. Klunckern. klunkerig, adj., 1678 bei Krämer Klunckerigt. ZUS. Klunker- milch, f.: Buttermilch, nd. Klunkermelk. Klunsch, m.(es, Pl.-e): nicht ausge- backnes Gebäck. Ostmd. und ndd. Unerklärt. Klunse, f.(Pl.-n): Riß, Ritz, Spalt. Schon mhd.(14. Jh.) Klunse neben chlamse, klümse, 1432 chlünsen(Diefenbach nov. gl. 3193), 1482 Kluntz im Voc. theut. q 8², noch oberd. Klumse, Klums. Ablautsform zu Klinse(s. d.). Kluppe, f.(Pl.-n): zum Klemmen ge- spaltnes Holz, Zwangholz, Klemme; klemmende Zange; in zwei geklemmte Stöckchen zum Verkaufe(an den Hälsen) aufgereihte Zahl von 4—5 gerupften Vögeln, dann bildlich Verein loser Vögel, liederlicher Gesellen(im 16. Jahrh. bei Murner Schelmenzunft, noch bayrisch). Mhd. in 1. und 2. Bed. Kluppe, spätahd. Kluppa f.«zZangey. Im 16. und 17. Jh. auch Kluppe m. Bündel, Schlüsselbund), ferner im 16. Jh. mit UÜbergang des kl in kn Knuppe f.«Nasenklemme der Pferde»(bei Dasypodius 1912 und Serranus t 4b). Zu klieben(s. d. und vgl. 2Kluft!). Vgl. auch anord. Klapa, norw. Klope«kneifen, klemmenꝰ. RA. Jem. in die Kluppen kriegen«in die Klemme»(Goethe 5, 96), schon im 16. Jh. in die Kluppen bringen usw.(bei H. Sachs usw., 1618 bei Schönsleder er ist in der Kluppen «captus est»), dann umgeändert in die Kloppe kriegen(1690 bei Chr. Weise betrogn. Be- trug 20). ZUS. Klupphengst, m.: Klopf- hengst(s. d., gebildet im Gedanken an Kluppe, weil dem Hengste vor dem Entmannen die Hoden in eine Kluppe gezwängt werden). Klüver, m.(-s, Pl. wie Sg.): das vorderste dreieckige Segel eines Schiffes, 1793 bei Rö- ding, ndl. Kluiver. Entlehnt schwed. Klyfvare, dän. Klyver. ZUS. Klüverbaum, m.: die Stange, womit das Bugspriet(s. d.) verlängert wird, um das Klüversegel auszusetzen, 1793 bei Röding, ndl. Klulverboom. knabbern, knappern, ndd. auch knab- beln, v.: mit Geräusch nagen. 1741 bei Frisch, Diminutiv zu knaben«nagen»(1604 bei Colerus Hausbuch 3, 175), engl. knab cnagen, knabbeln». Obersächs. knäbbern, auch cpelfern, mürrisch reden»(1711 bei Rädlein knebbern). Ablautend mit Knuppern. Knabe, n.(-/, Pl.-n): Kind männlichen Geschlechts bis zum Jünglingsalter, bis zur Mannbarkeit;(fast nur noch bei Dichtern) junger Mensch auch im Jünglingsalter, Jung- geselle, dann Dienstbursche. Mhd. Knabe m. «Knabe, Jüngling, Bursche, Diener, Page, Knappe, Handwerksgesell), zu Anfang des 12. Jh. chnabe, ahd. nur einmal im 11. Jh. Knabo m.«kleiner Knabey, md. auch Knave, knafe; dazu andfrk. Knapo, ags. cnapa, cnafa m.«Knabe, Jüngling, Knappey, engl. Knabe «Schurke, Bubey». Daneben Knappe(s. d.). Die Lautverhältnisse sind schwierig. Man stellt es gewöhnlich zur Wz. gen«erzeugen»(vgl. Kind), wobei aber die Ableitung unklar bleibt. Eher dürfte es gehören zu norw. knabb, knabbe Bergkuppe», schwed.-dial. knabh Pflock, knabbe«Knollen, Klumpen», norw.-dial. Knape Pflock, kleiner Riegely, schwed.-dial. Wnape cKnoten, Pflock», dän. Mnap«Knopf, Knauf,, älter auch«Klumpen, Testikels, ags. cnœpp m.«Spitze, Berggipfel», d. knopf(s. d.). Die Bedeutungsentwicklung hat zahlreiche Par- allelen, vgl. Stift, Bengel und selbst nopf hat die Bedeutung dicker Menschy u. a. Der bei Luther und noch im 18. Jh. öfter erscheinende Gen. Sg. Knabens(Gellert Fa- beln 1, 118) ist wieder außer Gebrauch ge- kommen. 4 L. Knähbchen, n., zu Anfang des 16. Jh. md. knebichen. Knäblein, n., mhd. Knebelin n. ZUS. knabenhaft, adj., 1691 bei Stieler. Knabenkraut, n.: einhei- mische Orchidee mit hodenähnlichen Wurzel- knollen, im Anfang des 15. Jh. Knabenkerdt (Diefenbach gl. 644²), nach Bock Kräuter- buch 1546 S. 141 so benannt, weil man das Kraut zur Heilung der Brüche gebrauchte, vgl. Voc. theut. 1482 Bl. q 8 b Knab cherniay. Knack, m.(-Lels, Pl.-e): Laut des Bruches, Bruch, Riß, entzwei geborstne Stelle. Im 17. und 18. Jh. geläufig geworden, md. im 15. Jh. gnacke m.(Diefenbach gl. 245 b); dazu nndl. Knal m., engl. Knack, isländ. Knalkr m. Verstärkt Knacks, m., 1775 bei Adelung, 1069 Knagge Knappsack 1070 auch schon Schaden an der Gesundheit. Vgl. Knick. knack! interj., lauten Bruch naech- ahmend(bei Lessing 2, 554), im Ablaut knick knack/(der Verfasser der Floiade von 1593 nennt sich Knicklenackius, Goedeke Grund- riß ² 2, 511). Verstärkt knacks! 1788 bei Lang- bein Ged. 64. knacken, v.: brechen mit Geräusch, intr. md. im 15. Jh. gnacken(Fast- nachtsp. 931, 30, oberd. im 15. Jh. Xnacken(Anz. d. German. Mus. 1859 S. 416), mnd. naken:; trans. erst 1716 bei Ludwig, ndl. schon 1598 bei Kilian knachen. ZUS. Knackmandel, f.: Krachmandel, 1775 bei Adelung. Knack- wurst, f.: aus Schweinefleisch und fett be- reitete Wurst, deren dünner Darm leicht knackt, eig. in Norddeutschland heimisch, aber schon im 16. Jh. in Süddeutschland be- kannt(bei H. Sachs Fabeln 142, 56). Knagge, f.(Pl.-n): knie-, winkelförmiger Träger; Knorren im Holz; hölzerner Fenster- wirbel. Im Bau- und Maschinenwesen. Aus Norddeutschland vorgedrungen. Nd. Knagge f. m.«Knorren im Holz, Leiste, um ein Brett darauf zu befestigen, Pflock zum Aufhängen», oberd. knocke m.«Knöchel am Gelenk(bei H. Sachs), Knorren»(davon das Adj. Knocket «knorrig» bei H. Sachs). Dazu mengl.&nagge Pflock, Knorren am Baumꝰ, engl. Knag, schwed. knagg Knoten, Knorren, Ast», dän. knag(e)«Nagel zum Aufhängen von Sachen⸗ und auch wohl anord. Knakler m.«Fuß(unter Stühlen), Schemel». Wohl gleichen Stammes wie die unter Knabe bebandelten Wörter. Knall, m.(-Lels, Pl.-e): plötzlicher starker Schall. 1540 bei Alberus dict. b 4 b, 1541 bei Frisius(crepitus), bei Liliencron 4, 56, 12 vom J. 1532. Zu dem noch im 15. und 16. Jh. üblichen starkflektierten Zeitwort Knellen cknallen, krachen»(Präs. Knillet, Prät. knal), mhd. in er- und zerkenellen. Dazu ags. cnyll m. Ton einer Glocke», cngllan«mit der Glocke läuten», entlehnt ndl. Knal, schwed. knall, dän. knald«Knally. Weitres bei Falk. Torp. RA. Knall und Fall, eig.«gleich- zeitig Schuß und Niederfallen des Getroffnen? (1663 bei Schuppius 21 da Knall und Fall éin Ding ist), plötzlich(Lessing 2, 290). 4BL. knallen, v., mit schwacher Flexion, bei Liliencron 3, 233, 18 vom J. 1519. Z0S. Knalleffekt, m., vom Feuerwerk entlehnt, dann auf die Malerei usw. übertragen. Beleg von 1824 ZfdW. 8, 379. Knallerbse, f.: mit Knallsilber gefüllte kleine Papierhülse, die auf die Erde geworfen knallt, und knall- rot, adj.: grellrot, sind Wortbildungen des 19. Jh. Knan, Knän, m.(-v§): Vater, 1669 bei Grimmelshausen Simplicissimus 7 f. Knän, aus der Volkssprache des westlichen Mitteldeutsch- lands. Die richtige Form ist gnenn, wie noch in Oberhessen, im 14. und 15. Jh. in Franken und Westthüringen gnenne, gnanne als An- rede an den Vater, 1312 schwäb. bei Mone Zeitschr. 9, 322 genanne«Großvater», mhd. genanne, gnanne und gename m. eGleich- namiger, ahd. chinamno, Kenammo und gnanno m. ceiner desselben Namens». knapp, adj.: eng, mit Not zureichend; genau und sorgfältig; nett und zierlich;(als Adv.) kaum(1663 bei Schottel). Im 16. Jh. (bei Fischart 1575 im Garg. 177 knap, 1581 im Bienenkorb 114 knapp) aufgenommen aus nd. knapp, ndl. knap nett, hurtigy; dazu dän. knap, schwed.-norw. knapp«eng, knapp, sparsam, kurz, schnell, netty, Adv. norw. knapt ckaum». Eine Nebenform in anord. mneppr«eng, knappy, aschwed. näpper, napper, dän. neppe, zu anord. hneppa cklemmenv. Dazu lit. knebenà cklaubey. 4L. Knappheit, f., 1691 bei Stieler, nd. im 16. Jh. Knapheit. Knappe, m.(-n, Pl.-n): im Dienste eines Ritters stehender junger Mann nahe der Ritter- würde; Lehrling und Gehilfe bei Müllern, im Bergbaue. Mhd. Knappe, auch xnape, Knap m. «Knabe, Jüngling, Junggeselle», dann dem Ritterstande sich widmender Diener eines Ritters, Junker, Diener zu Leibdienst und Schutz, Kriegsknecht, Handwerksgesell, Berg- knappe», spätahd. Knappo m.«Knabe, Jüng- lingy; dazu afries. knappa neben knapa m. « Knabe, Junggesell, Knechty, mnd. Enape. Nebenform von Knabe(s. d.). 4B L. Knapp- schaft, f.: Zunft der Berghnappen, Gesamt- heit der auf einem Bergwerk beschäftigten Bergarbeiter, schon in der ersten Hälfte des 16. Jh., aber mhd. knappeschaft f.«Art und Weise eines Knappen). knappen, v.: kurz zufahrend beißen, schnappen(bei Goethe 39, 122, schon 1573 bei Fischart Flöhhaz V. 1611, aus ndl. knappen cknacken, essen, hurtig zugreifen); heimlich Wild schießen(in der Wetterau Nassau, nd. afknappen). Dazu norw. knabbe mausen, wegraffen», dial. auch«schnell und gierig fressen» und auch wohl knabbern. Knappsack, m.(-S, Pl.-Säcke): Reise- sack zu Speisen, Zehrsack. Im 16. Jh. nd. und ndl. knapsack m. ZLehrsack, Quersack), 1071 knarpeln knautschen 1072 zu ndl. Knappen«knacken, essen, hurtig zu- greifeny. In dieser Bed. erst im 17. Jh. ins Hochd. aufgenommen(1669 im Simplicissi- mus 138), aber in der Bed.«Warensack beim Wandern», schon im 16. Jh.(1548 bei Waldis Esop 4, 51, 4 Knabsack, 1562 bei Mathesius Sarepta 224 a Knapsack), insb.«der mit seinem Warensacke wandernde Krämer»(1517 bei Trochus F 62 und öfter im 16. Jh. Knap- sach m.). Vgl. Schnappsack. knarpeln, v.: nagend mit wiederholtem Krachen beißen. Im 16. und 17. Jh. Xnarpeln, knarbeln, aber md. im 14. Jh. knarpeln«mit den Zähnen knirscheny. Einer Wurzel mit knarren(s. d.). Knarre, f.(Pl.-n): knarrender Ton; knarrendes Werkzeug(1775 bei Adelung); Gewehr(bei den Soldaten); zänkische Frau (1691 bei Stieler). In der 1. Bed. 1690 bei Wiedemann Gefangenschaften Mai 65 Rüdler- knarr f., 1460 nd. gnarre f.«Knurren des Hundes»(Freidank, 2. Ausg. S. 254, 138, 14). Von knarren, v.: durchdringend hart und zitternd lauten, mhd. Knarren, md. im 14. Jh. gnarren; eine Weiterbildung ist knarzen, v.: knarren, schon in den Fastnachtsp. des 15. Jh. 60, 28, noch fränk.-bayrisch. Lautnachahmend. Knaster, auch Kanaster, m.(-s, Pl. wie Sg.): feinster gewürzhaftester Tabak. 1700 im Schlesischen Helicon 2, 135 Canaster, 1703 Knaster, gekürzt aus Canastertobac, Knaster- kobak(noch 1741 bei Frisch), wie ndl. Knaster, kanaster m.«Knastertabak», auch«eine Art indischer Kiste zum Uberführen von Tabak, Tee usw.y. Aus span. canastro, ital. canestro (entlehnt franz. canastre) m.«Rohrkorb, von gr. xdvacrpov n.«aus Rohr geflochtner Korb». Der Tabak von Varinas, als der beste, feinste und gewürzhafteste geschätzt, wurde gerollt in Rohrkörben verpackt und versandt. *Knaster, m.(-s, Pl. wie Sg.): brum- miger, mürrischer Tadler, bei Bürger Ged. 286, dafür bei Stieler 1691 Knasterer, m. Von nd. Enast m.«Knorren, Knorz; grober Kerl»; dazu schwed.-dän. knast«Knoten, Knorrenꝰ, dän. auch charter alter Mannꝰ, norw.-dial. knas ctüchtiger oder mächtiger Manne, schwed. nε «mächtiger Mann). 4L. knastern, v.: rasseln, auch zornig knurren, zanken, schon im 16. Jh. ZUS. Knasterbart, m., wie Knaster, 1691 bei Stieler. Ursprünglich burschikos. knatschen, knätschen, v.: eine weiche Masse zerdrücken. Md. und obd. Lautnach- ahmend, ablautend mit Knutschen(s. d.). knattern, v.: wiederholt platzend rau- schen. 1691 bei Stieler. Vgl. knittern. Laut- nachahmend. Knäuel, m. n.(-s, Pl. wie Sg.): kugel- artig gebildete Masse, z. B. von Zwirn, Brot usw.(1663 bei Schottel Kneul m.), aber früher Neutrum, um 1480 im Voc. inc. teut. n 3 b knoil, kneil und Dim. vneulelein, mhd. im 14. Jh. Knüel(Buch v. guter Speise 8, 21), im 15. Jh. in Teufels Netz 10544 und bei Diefenbach gl. 266° Knülli, ferner im 15. Jh. nuilin, Knublin bei Diefenbach a. a. O., da- neben md. 1446 xnauwel, tirol. 1411 bei Vintler 7864 Knaul, wie noch heute in Mitteldeutsch- land. Durch Dissimilation(vgl. Knohlauch) hervorgegangen aus Kleuel, Kleul n., wie noch obd., 1581 bei Fischart Bienenkorb 36 b Kleiwel n., bei Luther Klauewel(Tischr. 136 a) und Kleawel n.(1, 485 b Eisl.), 1482 im Voc. theut. q 7 kleꝛol, im 12. Jh. chliroel, im 11. Jh. cliueveli n. neben chliaelin, Diminutiv von mhd. Kliuzwe n., ahd. chlüuawi n. und chliuwa, cliua f.«Kugel, Knäuel, mengl. clewe, engl. cleuo, woneben die Weiterbildung md. Klãtwen n., mnd. Klazwvνen n., ags. cliwen, cleowwen n. «Knäuel». Wahrscheinlich urverwandt mit lat. gluere«zusammenaiehenꝰ, aind. u³ Ballen. Knauf, m.(-s, Pl. Knäufe): Knopf, Knoten. Mhd. knouf m.«Knopf am Schwertgriff, auf dem Turma. Verwandt mit Knopf(s. d.). knaupeln, v.: mit spitzen Fingern woran herumarbeiten(1768 bei Kramer); wiederholt und in kleinen Bissen nagen(1696 im Schel- muffsky 10 abknaupeln). Bei Chr. Weise Catherina 221 Fnäuheln, wie noch schlesisch. Wohl zu Klauben mit kl aus kn wie in Knäuel. Knauser, m.(-s, Pl. wie Sg.): kleinlich geiziger Mensch. Zuerst 1660 schlesisch bei A. Gryphius Dornrose S. 93, 15. Unsicher, ob abgeleitet von dem mhd. Adj. kndz ckeck, vermessen, hochfahrend»(gegen den armen ist er nn ZfdA. 8, 557, 243), im 16. Jh. naus chochfahrend» bei Keller Erzähl. 18, 29, wozu die ahd. Eigennamen Chndz(Knaus), Hart- chndz(Hartknaus) und Chnüzari(Knauser), oder ob es eine Weiterbildung von Knauen cnagen»(nd., aber auch md. 1691 bei Stieler), wie mrhein. Knauseler m.«genauer Handels- mannꝰ, schweiz. nauseln«behaglich in kleinen Bissen essen». 4.3L. Knauserei, f., 1775 bei Adelung. knauserig, adj. knausern, v., beide 1767 im Brem. Wb., knaustern 1734 bei Weber teutsch-lat. Wb. 350 b. knautschen, s. knutschen. 1073 Knebel kneipen 1074 Knebel, m.(-, Pl. wie Sg.): kurzes dickes Querholz, insbesondre zum Sperren des Mun- des(1512 bei Murner Narrenbeschw. 24, 54) oder in Verbindung mit einem gesehlungnen Strick als Fessel des Halses, der Häünde usw. (Weisth. 4, 749 vom J. 1400); kurzer dicker Holzschoß, Gerte(1537 bei Dasypodius), Reb- schoß(1561 bei Maaler, noch schweiz.); Knö- chel, Knorren an den Fingergelenken(80 Zelter an Goethe 1, 311, im 15. Jh. knebel bei Diefenbach gl. 140 b); im 15. und 16. Jh. auch «grober, plumper Mensch», vgl. Knõbel. In 1. Bed. mhd.«nebel, ahd. chenebil, im 11. Jh. knebil«fesselndes Querholz, Art Pferdekum- met»; dazu nd.-ndl. Knevel m. Knebelholzy, anord. knefill m.«Stock, Pfahl»,(entlehnt) dän. nehel, nevel, echt einheimisch schwed.- dial. Knavel«dünner Pfahl, Stange, Sensen- griffy; ferner hess. Knabe m.«Stift, Bolzen⸗ (Pfister 136). Vielleicht urverwandt mit gr. Fôuꝓœ m. Pflock, Bolzeny, lit. gémbé f. Haken, Nagel», die genauer zu ahd. kembil m. Art Fessel, Block», anord. Kimball m.«Bündel⸗ stimmen. 4B. knebeln, v.: mit dem Knebel schnüren, fesseln, 1617 in der Limburger Chron. 56 Rossel, knöbeln bei Gellert 1, 159. Knebelbart, m.: gedrehter Querbart der Oberlippe, Schnurrbart, 1530 knebelpart(Die- fenbach gl. 363°), 1534 Knebelbart bei Franck Weltb. 80 b, 1595 bei Rollenhagen Froschm. 3, 1, 11, 31 Knebel m. der doppelte Flügel des Schnurrbarts»; man verbindet dieses mit afries. kenep, kanep, knep, ags. cenep m., anord. kanpr, kampr m.«Schnurrbart, doch ist dies unsicher. Knebelspieß, m.: Spieß mit einem Querholz, später mit einem Quereisen unter der Spitze zum Saufange, 1561 bei Maaler, aber sicher älter, da 1540 Alberus dict. X 4 b den mit einem Riemen umwickelten Knebel am Spieß beschreibt. Knecht, m.(-es, Pl.-e): in Lohndienst Stehender, besonders zu niedriger Arbeit. Mhd. kneht, ahd. Kneht, cheneht m.«Knabe, Jüngling, Diener, Edelknabe, Kriegsknecht, sich zum Ritter bildender Adeliger, Kriegs- mann, streitbarer Held»; dazu afries. Kniucht, knecht m.«Dienenderꝰ, ags. cniht, cnyht, eneoht m.«Knabe, Jüngling, Diener», engl. Knight cRitter», entlehnt dän. knegt Dienstknecht», schwed. knekt m. Soldaty, im Kartenspiel Bube». Ableitung von der Wz. gen cer- zeugen»(s. Kind) ist kaum wahrscheinlich, da das Suffix nicht erklärt werden kann. 4L. knechten, v.: zum Enechte machen, zuerst Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. 1833 bei Heyse 1, 889, wie es scheint aus den Aufständen vom Herbst 1830 herrührend, dagegen in der Bed.«Knecht sein, knechtisch denken und handeln» zuerst 1808 bei Campe als von ihm gebildet, jedoch in dieser Bed. schon 1691 bei Stieler in über-, ver-, ent- knechten mit Bezeichnung des einfachen Knech- ten als ungebraucht. knechtisch, adj., um 1500 bei S. Brant 160 b Zarncke. Knecht- schaft, f., bei Luther(Gal. 4, 24). Kneif, m.(-S, Pl.-e): kurzes, gekrümmtes Messer. Um 1640 bei Finckelthaus Deutsche Gesänge D 6 b Kneiff m.«Stechmesser mit ge- krümmter Spitzes, 1530 Gneiff m. Messer des Sauschneiders»(Ein antwort Katherinen Hornung auf D. M. Luthers notbrief A 2 5), md. 1517 bei Trochus R 2 b Knifft m.; aufge- nommen aus mnd. knof m., im 14. Jh. ndrhein. knyf; dazu mndl. cnijf m.«langes spitzes Messery, ags. cnif m., engl. knife, anord. Knsfr m., schwed.-dän. Mniu« Messery, woher franz. canif m.«Federmessery. Daneben in Mittel- und Oberdeutschland Kneip, m.(-es, Pl.-), 1691 bei Stieler Kneip neben Kneif, 1540 bei Alberus dict. aa 4 b kneip m. Taschenmessery, 1482 im Voc. theut. 15 b gneyp Schuster- kneips, um 1480 im Voc. incip. teut. h4 gnp, 1479 hip m. Messer(Malagis 268 ²), aber auch mnd. Knip m. Rebmesser, Schustermesser»; dazu mhd.(md.) gnippe, Enipe f.«Stech- messer, Dolchy, schweiz. gnippe f.«Schuster- kneif), wie Kneipe f.«Schustermesser» bei Goethe 16, 123 und schon im 17. Jahrh. bei Comenius orbis pictus 1, 129. kneifen, v.(Prät. Kniff, Part. gekniffen): zwischen zusammengehende Spitzen, Schärfen usw. drücken, zwicken;(stud.) sich einer Sache entziehen. Im 16. Jh.(1581 bei Ringwaldt Evangelia Kk 7 b) auftauchende Nebenform von kneipen(s. d.). Kneip, s. Kneif. Kneipe, f.(Pl.-n/): Klemme, Zange(1734 bei Steinbach); gemeine Schenke(1775 bei Adelung, Kneipschenke bei Lessing 8, 203 vom J. 1769); daher studentisch Bierschenke(1781 bei Kindleben), seit Ende des 18. Jh. auch studentische Wohnung, Bude. Aufgenommen aus nd. knipe f. Klemme, Kloben zum Vogel- fangy, dann bildlich(1755 bei Richey). Vgl. ZfdW. 3, 114; 362. ¹kneipen, v.: zwicken, kneifen(s. d.), mit starker Flexion Prät. Knipp, Part. ge- Knippen, daneben mit schwacher, zuerst 1734 bei Steinbach, namentlich bei obd. Schrift- 68 1075 kneipen Knie 1076 stellern(bei Goethe immer), Prät. kneipte, Part. gelneipt. Aus dem Niederdeutschen (mnd. knꝰpen, Prät. gnép, Part. knepen) ins Mitteldeutsche(1420 kneypen bei Schröer Vocab. Nr. 2753 und daraus im 16. Jh. ins Hochdeutsche vorgedrungen, bei Luther ab- Kneipen(3. Mos. 1, 15; 5, 8); dazu 1477 elevisch kngppen und nippen, mengl. nipen, engl. nip ckneipen». Urverwandt mit gleichbed. lit. gnlbti, Inhti, aber auch knébti«kneifen) und knibti cklaubeny». ZUS. Kneipzange, f.: Zange mit scharfen Backen, 1664 bei Duez. ²kneipen, v.: zum Zechen eine Kneipe (s. d.) besuchen, mit schwacher Flexion(Prät. kneipte, Part. gekeneipt, im Scherz starkflektiert knipp, geknippen). 1795 studentisch. knellen, s. Knall. Kneller, m.(-s, Pl. wie Sg.): schlechter Rauchtabak. 1798 bei Nemnich 3, 308. Von älternhd. Knellen(s. Knall), knallen, auf das platzende Offnen des Mundes zum Auslassen des Rauches beim Pfeiferauchen deutend. Knepner, m.(-S, Pl. wie Sg.): Storch, 1673 bei Weise Erznarren 220, in der Mittel- mark Kndppner, ukermärk. Knäpper. Wohl Ableitung von Knabbern, nappen(s. d.). Vgl. dän. Knebre, besonders von dem vom Storche mit dem Schnabel hervorgebrachten Laut. Knes, m.(-en, Pl.-e): Hochadliger, Fürst. In neurer Zeit aus russ. njazl m., das dem altdeutschen kuning«König» entstammt. kneten, v.: mittels der Hände oder der Füße durch- und bearbeiten. Im ältern Nhd. in schwache Biegung übergegangen, Prät. knetete(bei Luther knettet), Part. gelnetet. Aber mhd. Xneten, Prät. Knat, Pl. Knäten, Part. gelnelen, ahd. knetan; dazu and. gnedan, ndl. neden, ags. cnedan, engl. Knead, anord. knoda, schwed. knäda. Urverwandt mit abg. gnesti(Pr. gnetc)«zusammendrücken, kneten). 1Knick, m.(-es, Pl.-e): lebendiger Zaun, der jedes dritte oder vierte Jahr gekappt und geknickt wird. In Norddeutschland, mnd. Knich m., als Landwehr der Nervier bereits von Cäsar de bello gall. 2, 17 beschrieben. *¹Knick, m.(-els, Pl.-e): lauter feiner Bruch, überhaupt halber Bruch, Bruch ohne völlige Ablösung. 1691 bei Stieler, mnd. knick, ndl. Knilc, engl. Knich; in der Bed. von Knicks(s. d.) schon 1663 bei Schottel. knick interj., 1775 bei Adelung(s. Knack). knicken, v.: intr. in feinem Laute brechen (1734 bei Steinbach); halb, d. h. ohne Ablö- sung brechen(1719 bei Kramer, mnd. Knicken); in den Knien wanken oder brechen(in der ersten Hälfte des 15. Jh. bei Muskatblut 75, 8 knycken); in aufrechter Haltung höflich die Knie einbiegen(1586 bei Ringwaldt War- heit 369, s. Knicks); geizen, knausern(1691 bei Stieler, 1685 bei Grimmelsh. Simpl. 1, 521 Klr. abgnichen«abzwacken»); trans. knickend brechen, zerdrücken(Ungeziefermit den Finger- nägeln) 1577 bei Fischart Flöhhaz C5 b, da- gegen knicken(Hasen, Vögel)«durch Ein- drücken des Genickes töteny, bei H. Sachs 5, 157 und 1678 bei Krämer, gehört urspr. zu Genick); einen Knickh, Zaun machen(mnd. knicken). Zu knicken stehen knacken(s. d.) und nd. Knucken(dumpf knacken) im Ablaut. ZUS. Knickebein, n. und m.(-S, Pl.-e, norddeutsch): Mensch, dessen Knie beim Gehen knicken(1777 bei Bode Tristram Schandi 4, 27 Knickhein, nd. Knihkebeen 1767 im Brem. Wb.); Getränk aus Likör mit Eigelb, wie es scheint von Mecklenburg ausgegangen. Knicker, m.(*J, Pl. wie Sg.): ein Knicken- der(1575 bei Fischart Garg. 104 Laußknicker); Geizhals, Knauser(1663 bei Schottel); billiges zusammenklappbares Taschenmesser; kleiner Sonnenschirm mit einzuknickendem Stiel. 4B L. Knickerei, f.: Knauserei, 1691 bei Stieler. knickſe)rig, adj.: geizig, 1775 bei Adelung, dafür 1781 bei Kindleben knicke- richt, 1691 bei Stieler Knickicht, 1741 bei Frisch Knickig. knickern, v.: knausern, bei Lessing Nathan 5, 1, nd. Knikckern 1767 im Brem. Wb., früher knicken(s. d.). ²Knicker, m.(-S, Pl. wie Sg.): Schnell- kügelchen, Schusser. 1664 bei Duez, aufge- nommen ans gleichbed. nd.-ndl. Fnifcker m., benannt vom knickenden Tone beim An- schlagen, wie Klicher(s. d.) von Klicken oder aus diesem entstanden. 4L. knickern, v.: mit Schussern spielen, 1664 bei Duez. Knicks, m.(Gen. Knickses, Pl. Knickse): Riß, Bruch(1734 bei Steinbach); bei auf- rechter Körperhaltung Einbiegung der Knie zum Gruße(1691 bei Stieler Knicks, 1775 bei Hölty Knic, das Dim. Kniachen bei Goethe 50, 253. Mit ableitendem-S von 2Knickh(s. d.). Knie, n.(Gen. Knies, Pl. Knie): Gelenk inmitten des Beines, dem ähnliches. Mhd. knie(Gen. kniewes, knies, Pl. kniewwe, Knie) mit den Nebenformen Kniu, Fnf, ahd. cniu, eneo n.(Gen. chitoes, cnerbes); dazu asächs. cnio, cneo, afries. Kniu, ni, né, ags. cnéo, cnõo, engl. knee, anord. xns n., schwed.- dän. Knã, got. kniu n.(Gen. lniννν)«Kniey. 1077 knietschen knistern 1078 Urverwandt mit gleichbed. lat. genu n., gr. Tévu n.«Knie?, Tvòo? adv.«mit gebognem Knie», rwvia f. Winkels, aind. Jãnu n.«Kniey, jmubãdh«kniend», arm. cunr«Kniey. 4BL. knien, v., mhd. Xnieꝛwen, kenien, ahd. chmiuzwen, mnd. Kneen, Knien; daneben mit ableitendem ndrhein. im 14. Jh. Knielen«knien», mnd. knelen, knalen, ndl. knielen, engl. xneel, schweiz. chninwlen, chnülen. ZUS. Knieband, n.: Hosenband an Kniehosen(1664 bei Duez); Strumpfband(1715 bei Amaranthes). Knie- geige, f.: große Geige, die man zwischen den Knien hält, ital. viola di gamba, im 17. Jh. bei Zesen. Kniekehle, f., mhd. Kniekel f. Knieriemen, auch Knieriem, m.: Riemen, womit der arbeitende Schuster den Schuh auf dem Knie befestigt(1691 bei Stieler Knie- rieme), dann als Züchtigungsmittel Ochsen- ziemer(1756 im Leipziger Avanturier 1, 117). Kniescheibe, f., mhd. knieschibe f. Knie- stück, n.: Gemälde, worauf eine Person bis zum Knie dargestellt ist, 1775 bei Adelung. kni(e)tschen, v., s. Knutschen. Kniff, m.(-es, Pl.-e): heimlicher ver- letzender Kunstgriff. In der ersten Hälfte des 18. Jh.(bei Lessing 1, 32) von kneifen ge- bildet, nach nd. xnéy m.«½wick», dann clistiger Kunstgriff oder Auschlag», urspr. vom be- trügerischen Kneifen oder Kneipen der Würfel und Spielkarten(vgl. Schiller Fiesko 5, 16, betrügerisch die WMürfel neipen 1664 bei Duez 1, 7562 und 1586 bei Ringwaldt Warheit 81). Knipp, m.(Jels, Pl.-e): der Schneller mittels des von der Daumenspitze auswärts gleitenden Mittelfingers, tupfender Schlag. Im 16. Jh.(1567 bei Milichius Schrapteufel X 2, Knipp f. bei Fischart Garg. 98) aufgenommen aus nd.-ndl. Knip m. Schneller, Schnalzer, Nasenstüber», mnd. Fnippe(n)«Schnellen mit dem Finger»; dazu das Dim. Knippehen, n.: Schnippchen, 1517 bei Trochus D 3 b, mnd. kniphen n. knipp! interj. schnipp! von kleinem knackenden Tone(z. B. der Knippschere 1601 bei Eyering 1, 754). knippen, v.: laut mit den Fingern schnellen, 1775 bei Adelung, nd. knippen«Schnellkügelchen schnellen, mit der Schere oder Zange zwicken. Wohl zu Kneifen, kneipen. ZUS. Knippkugel, f.: Schnell- kügelchen, Schusser, 1789 bei Klamer Schmidt Erzähl. 136, dafür Knippkäulchen n. 1741 bei Frisch. Knippschere, f.: kleine Schere, md. knipschere 1501 im Leipziger Voc. opt., ndrhein. Knipscheer 1495 in der Kölner Gemma J5 ², mnd. Knipschere f. Knips, m.(Gen. Knipses, Pl. Knipse): Schnippchen(1691 bei Stieler); leichter Schlag (1775 bei Adelung); Branntwein, Schnaps (schlesisch im Anfang des 18. Jh. bei Günther, Steinbach); Folterknecht, Henker(bei Bürger 183); Zwerg, Knirps(1691 bei Stieler). Neben- form von Knipp(s. d.). knipsen, v.: mit einer Schere oder Zange zwicken, 1691 bei Stieler. Knirps, m.(Gen. Knirpses, Pl. Knirpse): kleiner unausgewachsner Mensch. Md., 1716 bei Ludwig Knirbs, 1729 bei Picander 2, 204 Knirps, bei Tieck Knurps, bei Salzmann Conr. Kiefer 2 Knürps, obersächs. Knorps (auch kleiner verkrüppelter Apfel), schwäb. knorp, hess. knirbes, ndrhein. Knirwes; dazu nd. Knirfilcs(1778 bei Hermes Soph. 3, 122 Enirrfig), auch Knörfia. Herkunft unklar. knirren, v.: einen Laut wie den eines harten Reibens hören lassen. Md. 1540 bei Alberus dict. ce 3 b knirn, 1557 bei Waldis Esop 3, 95, 7 knirren; dazu nd. gnirren, ags. gnyran, schwed. knirka, dun. nirke. Lautmalend wie die mhd. Interjektion knir(beim Zerbeißen eines Würfels). Vgl. knarren und knirschen. knirschen, v. bei hartem Reiben rauschen. Vom Aufeinanderreiben der Zähne 1605 bei Hulsius dict. 842 knirschen, 1517 bei Trochus Q3 b Fnirsen, 1508 in der Straßburger Gemma A 4 wie 1510 in der Hagenauer Knorsen, aber bereits im 14. Jh. Knyrschung mit den czenen Diefenbach gl. 556 2; vom knirrenden Ton andrer geriebner Dinge 1596 bei Fronsperger Kriegsb. 1, 123² knürschen, 1643 bei Hars- dörffer Gesprächspiele 3, 293 gnirschen; in der Bed. chart rauschend zermalmen» 1578 bei Fischart Flöhhaz V. 1240 Knirschen(dafür 1577 knitschen, 1573 zerknischen), 1618 bei Schönsleder kniersen; dazu mnd.-mndl. Kner- sen, narsen. Von knirren(s. d.), deshalb bei Adelung 1775 knirrschen. Vgl. zerknirschen. knistern, v.: Funken sprühen und so rauschen, brechend rauschen, wie z. B. bren- nendes Reisig, Salz im Feuer, Flittergold usw. 1562 bei Mathesius Sarepta 77 b. 168 a nistern; aber mnd. gnisteren, knisteren cknirschen», ebenso ndl. 1598 gnisteren, md. 1414 gnisterunge der zene(Diefenbach gl. 556 ⁴), anord. stark- flekt. gnesta(Prät. gnast)«knallen, schallen», norw.-dial. knistra«leise kreischen, pfeifen, kichern», schwed.-dial. gnistra«winseln»(von Hunden) u. a. Vgl. Falk-Torp. Verschieden davon ist mhd. knästen, nisten und Knüssen, ahd. nisten und chnussan, ags. cnyssan«stoßen, schlagen, quetschen. 68* 1079 Kknitschen Knollen 1080 knitschen, s. Enutschen. Knittel, Knittelvers, s. Knüttel usw. Knitter, m.(-s, Pl. wie Sg.): fehlerhafte Falte. Bei Campe mit Beleg aus der zweiten Hälfte des 18. Jh. Rückbildung aus knittern, v.: intr. wie mit wiederholtem Platzen in feinerem Tone rauschen(1663 bei Schottel, nd. nittern«knistern»); trans. in fehlerhafte Falten zusammendrücken(bei Goethe 4, 184 l. H.] vom J. 1818), gewöhnlich zerknittern. Im Ablaut zu knattern(s. d.). Knobbe, s. Enubhe. Knöbel, Knobel, m.(-s, Pl. wie Sg.): Knöchel am Finger. Mehr im gemeinen Leben, bayr., md. und nd. Bei Ludwig 1716 Knöbel, 1664 bei Duez Knübel, mhd. Knübel, älter chnubil, mrhein. im 15. Jh. knobel(Diefen- bach gl. 304(), mnd.-mndl. Knovel m. Wohl mit Knebel ablautend. Dazu knobeln, v.: knöcheln, würfeln. Knoblauch, m.(-els): Zwiebelgewächs mit einem in sogen. Zehen gespaltnen Wurzel- knopfe. Im 14. Jh. bei Megenberg knoblauch, mhd. xnohelouch(zuerst im 12. Jh., im alten Meraner Stadtrecht ZfdA. 6, 413 wie noch heute tirol. Lnoflach), meist aber mit noch nicht in übergegangnem! kKlobelouch, ahd. Klobelouh, chlovalouh, chlovoloue, clofolauh m.; dazu and. Xlufloſt, mnd. Kluf-, wnuflök, mndl. knofloec, ndl. knoflook, knufloolc m. Noch 1715 bei Amaranthes Kloblauch neben Knoblauch. Zgs. mit Kloben(s. d.), ahd. chlobo; dazu ags. clufe, engl. clove«zehe des Knoblauchsy, in gleicher Bed. mhd. im 12. Jh. claft f.(Mone Anz. 7, 609), nd. 1582 bei Chyträus klöve f. Knöchel, m.(-s, Pl. wie Sg.): hervor- stehender Knochen zu beiden Seiten des Fußgelenkes und am mittlern Fingergelenke; Würfel aus Knochen gemacht(1808 bei Campe). In 1. Bed. 1470 im mlat.-hochd.- böhm. Wb. 195 knöchel, 1482 im Voc. theut. dSb. r 12 Knauchel, md. im 12. Jh. knilgel, älternhd. vereinzelt Knüchel m.; dazu clevisch 1477 Knoyckel, mnd. nokel, hamburg. nlckel, nnld. Knokkel, afries. Knokele, lenolcle, ags. cnucel m., engl. Knuchle. Abgeleitet von Knochen(s. d.). 4B L. knöcheln, v.: wür- feln, 1808 bei Campe. Knochen, m.(-s, Pl. wie Sg.); fester harter fleisch- oder hauttragender Teil des Menschen- und Tierkörpers. Ins Hochd. auf- genommen aus dem Mitteld., wo zuerst bei Frauenlob(f† 1318) 236, 15 auftauchend knoche m., Mitte des 14. Jh. Knucke(Buch von guter Speise 26, 86 f.), 1482 im Voc. theut. q 8 b und r 12 knoch m.(Knöchel, Knoten im Flachs, Flachssamenknopf, auch mrhein. im 15. Jh. knoche Fußknöchel⸗, älternhd. Knocke m. Knöchel Holzknorren, grober Mensch»); dazu mnd. und mndl. knokce(auch in Mitteldeutsch- land im 15. Jh. Mnoken), nnd. lnake, clevisch 1477 knaiche(oberpfälz. Knacken) m., norw. knolce«Knöchel an Fingern, Knie und Ell- bogen, schwed. knoka, dän.-dial. Knoge, anord. Knola«mit den Knöcheln schlageny, ags. cnucian«an eine Tür klopfen, im Mörser stoßen». Ablautend dazu anord. Knjäkr m. choher und steiler Fels von rundlicher Formy, norw.-dial. Enjukca«Fingerknöchely. Dazu lit. gn dsté, gn'austé f.«Bündel, Handvollꝰ, gn ãusti cdie Hand fest schließeny. Luther gebraucht in der Bibelübersetzung K. nur dreimal, sonst dafür Bein, Gebein, 4L. Knöchelchen, Knöchlein, n., mhd.(md.) knuchelin n. knöchern, adj.: aus Knochen bestehend, 1767 im Brem. Wbch. 2, 817; dafür 1741 bei Frisch knõchen, 1734 bei Steinbach knochen, nd. Knä- ken. knochicht, adj., 1734 bei Steinbach, knöchicht 1727 bei Aler. knochig, adj., 1482 im Voc. theut. q 8 b. ZUS. Knochenfraß, m.: knochenzerstörendes Geschwür, 1801 bei Nemnich Lexicon nosologicum 3a, dafür früher Beinfraß. Rnochenhauer, m.: Fleisch- hauer, norddeutsch, um 1500 knochenhawwer, mnd. Knoken-, Knakcenhower m.; in einem Stu- dentenlied der Tod. Knochenmann, m:: der Tod als Knochengerippe, 1642 bei Rist himlische Lieder 4, 220. Knocke, f.(-n/, Pl.-n), auch m.: gleich- lang zusammengebogner und-gedrehter Zopf gehechelten Flachses. Im 17. Jh. aufgenommen aus gleichbedeut. nd. Knolxen m., hamburg. knuch, livl. knucke f., mnd. Knucke, knocke m. zusammengedrehtes Bündel Flachs»; dazu mengl. Knoche, knicche«Bündel». Wohl iden- tisch mit Knochen. Knödel, m.(-s, Pl, wie Sg.): gekochter Mehlkloß mit verschiednen Zutaten. In Oster- reich und Bayern. Im 16. Jh. Knõödel, 1530 der Pl. Knodle, urspr. Dim. zu Knoten(im 14. und 15. Jh. Knöddel«Knoten»), das auch die Bed.«Kloß aus Mehlteig mit Zutat» hat (1716 bei Ludwig). Knollen, m.(-s, Pl. wie Sg.): zusammen- hängende runde Masse. Mhd. Knolle m.«Erd- scholle, Klumpen, grober plumper Menschy; dazu nd. Knull, nullen m., ags. cnoll m.«Berg- spitze, Gipfelꝰ, engl. Knoll«Hügel, Spitzen, 1081 Knopf Knoten 1082 anord. knollr m. Bergkuppes, dän. Knold«Aus- wuchs an Bäumen, Knoteny. Aus bnadla- (Sievers Idg. Forsch. 4, 339) und daher zum vorigen. 4L. knollicht, adj., 1428 Knollet, 1588 bei Tabernämontanus knollicht, knollecht. knollig, adj., in der 1. Hälfte des 18. Jh., nd. Knallig. In der Umgangssprache auch als Adverb in dem Adverb sehr». Knopf, m.(-els, Pl. Knöpfe): runder dichter Körper woran(am Kleide, 1541 bei Frisius(nodus), aber schon mhd. Knöpfelan n.). Mhd. knopf m.«Knorren an Gewächsen, Knospe, Knoten, Knauf,, ahd. chnoph, chnopf m. Kno- ten» und dann«Knotenartiges»; dazu mud., mndl. und afries. Wnoy m., engl. Mmnop, schwed. knopp, dän. knop«Knospey und mit Ablaut knauf, mnd. knôp m.«Knoten, Knopf, Knauf, Knospey, ndl. Knoop«Knopf, Knoten». Vgl. Knubbe und knipfen. 4BL. knöpfen, v., 1482 im Voc. theut. q 85 knopffen. Knopper, f.(Pl.-/): Gallapfel am jungen Kelche der Eichel. In Osterreich und Ungarn. Eine Weiterbildung von Knopf(s. d.). Knorpel, m.(-v, Pl. wie Sg.): fester gallert- artiger Knochenansatz. Bei Luther Knörbel, Knorbel, im 15. Jh. Wnorpel-, Knorbel-, gnarpel- bein(Diefenbach gl. 103), 1495 in der Kölner Gemma D 32 knerbelbeyn, in der Straßburger 1508 knorfelbein, dagegen in letztrer v3d norpel «das knollige Muskelfleisch». Verwandt mit Knorren(s. d.) und spätmhd. Xnorf m.«Knor (in paurenlcnarff Beheim Wiener 216, 22). Neben Knorpel älternhd. Knorspel, Knospel, Knõspel m., sowie in gleicher Bed. Krospel, Kröspel m. n. f., ahd. crospel, und Krostel, Kröstel, mhd. krostel, kröstel m. f., krustel f., ahd. crostela, crustula f. 4BL. knorpelicht, und Stettin) ist das nd. genote«Genosse?. knorpelig, adj., 1664 bei Duez 1, 113 b Knorp- licht, knorpelicht. Knorren, m.(-S, Pl. wie Sg.): harter Kno- tenauswuchs; knotenverwachsener Körper; Knöchel; Halm-, Rohrknoten oder-gelenk. Lessing Nathan 2,5 Knorr, mhd. Knorre, nurre m. Knotenauswuchs, hervorstehender Kno- chen, Knorpel, kurzer dicker Menschy, und knhre, Knür m. Knoten, Fels, Klippe, Gipfelb, spätmhd. Knaur«grober Mensch», ahd. nur im Adj. ehmiurig«knotig derb, fest und stark»; dazu mnd. und ndl. Knorre m., mengl. Xnarre, knorre, engl. knar. Mundartliche Formen wie schwäbisch knaus m.«knopfichter An- satz am Brot, Brotanschnitt», schweiz. knas m.«Knorren, Auswuchsy, nd. wniũst, Knaust m. cknotiger Auswuchs, Broteckey, weisen auf eine ursprünglich auf-s ausgehende Wurzel. 4BL. knorricht, adj., mhd. knorroht, knor- rot, im 15. Jh. knorreht, 1540 bei Alberus dict. Q4 nörricht. knorrig, adj., um 1480 no- rig im Voc. incip. teut. n 3 b. Knorz, m.(-es, Pl.-e, Knõôrze): Astknopf im Holze; knotenverwachsner Körper, bes. solches Holz. 1482 im Voc. theut. ff Sa norta, ahd. chnorz(erhalten im Dat. Pl. chnorcin). 4BL. Knorzig, adj., 1440 Knortzig bei Die- fenbach gl. 589 e, ahd. chnorzig(in manac- chnorzig«vielknotig»). Knospe, f.(Pl.-n): unentfalteter Blätter., Blütenknopf. Mhd. im 14. Jh. xnospe m. «Knorren am Steiney» und noch im 16. Jh. cknorriger Auswuchs», md. um 1350 das Dim. Anospechin n. ckleine Pflanzenknospen(Fundgr. 1, 379 b) 1558 bei Eber-Peucer H 8b knospe in der heutigen Bed., 1664 bei Duez 284 Knospen m. und 411 Knosp m. Man stellt es entweder zu Knorren(s. d.), mit Bewahrung des wurzel- haften s, besser aber(aus knopse wie Wespe aus Wepse) zu Knopf. Der ältere Ausdruck für den Blätter- oder Blütenknopf war Auge, Knopf, im Mhd. bolle f., broz n., ahd. proz, woher noch hess. brospe f. 4BL. knospen, v.: Knospen treiben, im 18. Jh., aber 1691 bei Stieler Knospung f. Knote, m.(-n, Pl.-n): roher plumper Kerl (1707 bei Schmidt Rockenphilosophie 2, 190); (student.) Handwerksbursche(1781 bei Kind- leben Gnoten, 1786 bei Miller Walther 148 Knoten). In der 1. Bed. bildliche Anwendung des folg. Wortes, in der studentischen viel- leicht aber nur Anlehnung, denn gnote(Be- nennung der Handlungsdiener in Königsberg Knoten, m.(‧, Pl. wie Sg.): durch feste Verschlingung entstandner Knopf; harter Aus- wuchs; hartes Stengel-, Halmgelenk. Alternhd. S Runote(-n, Pl.-n), so noch bei Schiller Turan- KAltenrhd. Knorre(-n, Pl.-n), daher noch bei dot 4, 6, 1664 bei Duez Knot, Knott, 1678 bei Krämer Knotte, mhd. Knode, md.«note, ahd. chnodo(Riemenknopf, Knöchel, Baumknospe), zerdehnt kinoto m.; dazu clevisch 1477 Knode, mnd. cnode, knautte, nnd. Knudde, knatte, ags. enotta m., engl. knot, anord. nãtr m.«Knoten, Knorren⸗, schwed. knut, dän. Xnude«Knoten?; dazu auch anord. Engte m. ein mit den vier Ecken zusammengeknotetes Tuchy». Das Wort erweist sich durch seine Vokal- und Konsonantenverhältnisse als uralt, sichere An- knüpfungen fehlen. Uber Verwandtschaft mit 1083 Knöterich Knust 1084 lat. nodus s. Walde. Eine Ableitung ist Knõödel (s. d.). Aus dem Skandinavischen entlehnt ist russ. knut, s. Knute. 4BL. knoten, v.: knüpfen, 1462 Knoden neben stricken(Mone Anz. 7, 3015b, 326), md. im 13. Jh. knoten in ent- vnoten. Vgl. knütten. knotig, knoticht, adj., um 1480 im Voc. incip. teut. n 3 b knotig, mhd. knoticht, nodecht, knodoht, ahd. chnodoht. 2.US. Knotenpunkt, m.: Punkt, wo mehrere Fäden oder Linien sich vereinigen, im 19. Jh. Knotenstock, m., 1775 bei Adelung. Knöterich, m.(-s, Pl.-e): Ackerspergel, spergula arvensis, benannt nach den zahlreichen Knoten(Stengelgelenken). 1486 knöterich, 1600 Knõderich, Knõdrich, schles. Knörig. Knotte, f.(Pl.-n): Flachssamenknopf. Md. und nd. Bei Luther 2 Mos. 9, 31 und 1540 bei Alberus dict. AA 32 Knote f., md. im 15. Jh. Knodde f., mnd. Pnutte, ndl. Wnact, knot, clevisch 1477 knote, noch schles. Knotte f., oberhess. Knodd f. Nebenform zu Knoten(s. d.). Knubbe, f.(Pl.-o) und Knubben m.: Knoten im Holze usw., knorriger Klotz(Lessing Nathan 2, 5), das nd. nubhe«Knorren, Knospey (daher 1687 bei Zesen Knubhe m.«Knospen), mnd.«nobhe m., gleicher Abstammung wie Knopf(s. d.). 4 L. knübbeln, v.: fest zu- sammenstricken. Norddeutsch. Knuff, m.(-s, Pl. Knüffe): heimlicher Faust- stoß, 1808 bei Campe. Von knuffen, v.: mit Faust oder Ellenbogen stoßen, in der 2. Hälfte des 18. Jh. aus dem Nd. ins Hoch- und Ober- deutsche vorgedrungen. Dazu knüffeln, v.: derbe Fauststöße geben, 1716 bei Ludwig, ndl. Knuffelen, wnoffelen. Verwandt mit nd. Enivel m.&Knöchely(s. Knöbel). knüfflich, adj.: knaupelig, mit viel klein- licher Mühseligkeit verknüpft, 1833 bei Jahn Merke z. deutsch. Volkstum 239 Knifplich. Zum nd. Zeitwort knüffeln«eine mit vielerlei Kleinig- keiten und viel Uberlegung verbundene Arbeit verrichten. knüll, adj.: stark betrunken. Studentisch 1825. Vielleicht derb scherzhaft zu dem fol- genden Verb. Vgl. ZfdPh. 38, 523. knüllen, v.: in Falten übel zusammen- drücken, eig. faltig, bruchig schlagen. Im 17. Jh. bei Lauremberg und Stieler. Alternhd. und mhd. Knüllen«mit der Faust schlagen, puffen, stoßen,(den Kopf) eindrücken», z. B. Tauben(Hadloub 20, 3, 11), noch schweiz.- schles.-nd. Knüllen, schwäb. Knullen«prügelny. Zu Knollen m.«Knöchel an Händen und Füßen. knüpfen, v.: zum Knop/ ineinanderschlin- gend verbinden. Mhd. nüpfen, ahd. cnuphjan, knupfen, knuffen, md. im 15. Jh. Knuppen, knüppen, nd. knuppen. Von Knopf(s. d.). Knüppel, m.(-S, Pl. wie Sg.): knotiger Holzschoß, Stock zum Schlagen; armsdicker Holzschoß. Wie es scheint, sind hier zwei gleichbed. Wörter zusammengeflossen: 1482 im Voc. theut. r 12 knuppel, mnd. u. nndl. Kneppel m., hochd. zu Anfang d. 15. Jh. Knüpf!(Diefen- bach gl. 2545), abgeleitet von Knopf(s. d., eig. «Knorren, Knotem), u. anderseits mhd. kluüpfel, md. Kliippel, Klauppel, mnd. u. nndl. kluppel m., nhd. Klöpfel, md. Klöppel(s. d.), abgeleitet von klopfen(s. d.). RA. Da liegt der Knuüppel (Knüttel) beim Hunde,«Die Sache ist ge- hemmt»(1542 bei Waldis Streitged. 1, 66); um den Hund am Jagen zu verhindern, befestigte man lose an seinem Halse einen Holzknüttel, der ihm beim Laufen an die Beine schlug. ZUS. Knüppeldamm, m.: aus quergelegten Knüppeln hergestellter Weg durch einen Mo- rast, im 18. Jh.(bei Göckingk[1818] 1, 103), in gleicher Bed. 1595 bei Hennenberger preuß. Landtafel 425 Knütteltham. knuppern, v.: an Hartem laut nagen. Aus nd. Knuppern, das zu knabbern im Ablaute steht. Bei Goethe 30, 84 knopern. 4 BL. knupperig, adj., bei Goethe Briefe 3, 248. knurren, v.: hart im Tone das x durch die Zähne brummen. 1663 bei Schottel Knurren neben knorren, S. 11445b Gnurren n., nd. gnurren (so auch 1777 bei Göckingk Lieder zweier Lieb. 92). Wie knarren im Ablaute zu nirren stehend. 4BL. Knurrer, m.: laut murren- der Mensch. knurrisch, adj., bei Goethe 39, 53. knurrig, adj., bei Musäus Volksn. 5, 241. ZUS. Knurrhahn, m.: der Seefisch trigla hirundo, Meerschwalbe, bei den Römern corvus m.(Rabe); er läßt einen knurrenden Ton hören, wenn man ihn aus dem Wasser zieht. S. Sechahn. knuspern, v.: an Hartem mit Geräusch nagen(Goethe 17, 99). Md. im 14. Jh. knus- pern in zulcnuspern zerschmettern, zermal- meny, eine Fortbildung von ahd. chnussan, cnusen, mhd. Knüsen, Knäüssen stoßen, schla- genn, noch nd. knusen quetschen», ags. onyssan zusammendrücken, quetschen», anord. knosa «zerschlagen, zerbrecheny». Im Schlesischen finden sich die drei im Ablaut zueinander stehenden Formen Knispern, knaspern, nus- pern(Weinhold 445). Knust, m., s. Knorren. 1085 Knute Kobel 1086 Knute, f.(Pl.-n/):(russische) Riemen- und Knotenpeitsche. 1620 bei Weller Lieder des .dreißigjähr. Kriegs 70 Knute, 1741 bei Frisch Knutte f., bei Johs. v. Müller allgem. Gesch. (1817) 3, 413 Knut m., aus gleichbed. russ. knut m. Dafür 1593 bei Heinr. Jul. v. Braun- schweig 737 Knottpeitzsche, 1734 bei Steinbach Knuttpeitsche(zu nd. Knutt m.«Knoten?) «Knotenpeitschey. Das russische Wort stammt aus dem Nord. S. Knoten. knutschen(mit) auch knietschen, knutschen, v.: anfühlend zusammendrücken; (Tücher usw.) durch Zusammendrücken aus der Glätte bringen. Ende des 15. Jh. bei Brant u. Keisersberg knützschen, knütschen, knützen, md. im 13. Jh. knatschen(in zurkenutschen) und knutzen«zusammendrücken, zermalmen), noch 1663 bei Schottel Knüätzen, bayr. gnauzen«knut- scheny. Die Form mit x ist ndd. Knütte, f.(Pl.-n): Strickzeug. Bei Voß Luise 1, 546, schon 1639 bei Micrälius Pommern 3, 389. Von knütten(s. d.). IKnüttel, m.(*, Pl. wie Sg.): starker Holz- schoß, knotiger Stock zum Schlagen. Mhd. kniitel, lnüttel, md. knutel, Wnuttel, auch knottel, ahd. chmutil, chmuttil, mnd. Knutel, ndrhein. im 14. Jh. Knautzel m. Abgeleitet von Knoten (s. d.), noch deutlich in ahd. chnutil m.«Kno- ten, aleman. im 16. Jh.(bei Frisius, Maaler, Dasypodius) bis heute knuüttel m.«geschwüri- ger Auswuchs, harte Drüse», 1515 im Eulen- spiegel Kap. 92 Knittel«Handknöchel?. Vgl. Knüppel. 43L. knütteln, v.: mit einem Knüttel schlagen, md. 1289 nattiln. Rnüttel, m.(-é, Pl. wie Sg.): harter aus- geworfner Klumpen Tier-, Menschenkotes. Wetterauisch, oberhessisch usw. Mit einge- schobnen aus gleichbed. md. Küttel(bei Alberus Fab. 31, 78 Pferdtsküttel, dict. y 1 5b Pferdsküddel), mnd. kotel, nnd. kõtel m., nndl. Keutel f.«Auswurf des Mastdarms, Koty, schles. kuttel, kottel f.«Pferdemistꝰ. Knüttelvers, m.(-es, Pl.-e): ungeregelte holperige Reimzeile mit vier Hebungen, dann überhaupt ungeregelt erscheinende Reimzeile. 1566 in Mathesius Luthers Leben 153², im 18. Jh. Knittelvers; dafür 1599 bei Hamelmann oldenburg. Chron. 100 Knüppelvers, bei Fischart Garg. 254 Klippelverß, Bienenkorb 117 b Kläp- pelver lin. Ursprünglich eine Übersetzung des lat. versus rhopalicus, dann auch Bezeichnung der versus leonini, der in der Mitte und am Ende gereimten mlat. Hexameter, noch 1712 bei Hübner und 1676 bei Balthas. Schnurr(am Schlusse des Kunst-, Haus- u. Wunderbuches) Knittelhardi Pl., im 17. Jh. bei Schuppius Knuppelhardusse genannt. Knüttel- scheint eig. den Refrain des Tanzliedes und in den Schulen den von allen wiederholten Memorier- vers zu bedeuten, vgl. Junius nomenclator (1577) 9²: in vulgaribus rhythmis versum iden- tidem repetitum scipionem aut baculum appel- lant, belgice de stocke oft stockregel, gall. refrein de ballade. Vgl. Feldmann Zfd W. 4, 277. knütten, v.:(Knoten schlingend) stricken; (bildlich) fein einleiten(Pößchen Possen] knüt- ten Michaelis poet. Werke 1, 231). 1741 bei Frisch, aus mnd.- nnd. Knutten«knüpfen, stricken»; dazu ags. cnyttan, engl. Knit. Von nd. knutte m.«Knoteny. Vgl. Knütte. Koalitiön, f.(Pl.-en): Verbündung, im 18. Jh.(bei Wieland, Goethe) aus gleichbed. franz. coalition f., von lat. coalitus m.«Ver- einigung» und coalescére(Part. Pass. coalitus) zusammenwachsen, sich fest verbindenꝰ. koax, vom Froschgeschrei, 1628 bei Opitz 1, 126 coaæ coaæ, 1595 bei Rollenhagen Froschm. 2, 5, 3, 66 u. f. als Froschname, nach dem griech. ſpexekexe? kods kod in den Fröschen des Aristophanes. Davon koaxen, v., 1595 bei Rollenhagen coachsen, nach lat. coaæðre. Kobalt, m.(-els], Pl.-e): Halbmetall und Erz, zur Bereitung blauer Farben(Smalte, Eschel usw.) benutzt. Bei Paracelsus(† 1541) kobolet, 1546 bei G. Agricola 476 Kobelt, lati- nisiert cobaltum, 1562 bei Mathesius Sarepta 154 b f. Cobalt, Cobelt, Cobel, im 16. Jh. auch Kobolt. Eins mit Kohold(s. d.). Das Kobalterz ist nach dem kleinen Berggeist benannt, weil es nach altem Bergmannsglauben das Silber heimtückisch raubte und verzehrte(Mathesius 155 ²) und als unnützes Metall die Bergleute betrog(denn zur Blaufarbenbereitung be- nutzte man es erst im 17. Jh.). Vgl. Nickel. 1Kobel, m.(-S, Pl. wie Sg.): geringes Wohngebäude; Höhlung, Wohnbehälter für Tiere. 1462 kobel m.«schlechtes Haus», im 15. Jh.«Stall», im 13. Jh.«Kasten eines Kutsch- od. Kammerwagens». Abgel. von Koben(s. d.). 2Kobel, f.(Pl.-n): Frauenhaube. Im Elsaß u. der Schweiz. 1741 bei Frisch Kobel, clevisch 1477 covel, mndl. covel, covele«Kapuze», nndl. kovel, keuvel f.«Mönchskappe, Haube»; dazu ags. cuffie f.«Kapuzen, anord. kuf! m.«Kappe mit Kapuze». Zu ahd. kuppha f. Haubey, woher auch mlat.(5. Jh.) cofea, später cuphia, ital. cuffia, span. cofta, franz. coijfe f.«Haube. ZUS. Kobelente, f., anas clangula, wegen 1087 Koben Kockelskörner 1088 ihrer Kopffedern(Kaupe). Kobellerche, f.: Haubenlerche, 1557 bei Heußlin Vogelbuch 170 ² Kobellerch. Kobelmeise, f.: Hauben-, Strauß- meise, 1561 bei Maaler Kobelmeiß f., 1557 bei Heußlin 179 b Kobelmeißlin n. Koben, m.(-, Pl. wie Sg.): kleines schlechtes Gemach; kleines enges Gebäude; Schweinestall. Schon 1482 im Voc. theut. r 1² koben, mnd. koven, 1477 clev. coeven«Schweine- stally; aber älternhd. Kobe(1517 bei Trochus 0 4 b), mhd. kobe m.«Stall, Käfigy, md. kobe Ofenhöhlungy; dazu nd. kave, Kaven«Vieh- verschlag, Viehstalls, ags. cofa m.«Gemach, Schlafgemach», engl. cobe Obdach, Tauben- schlag, anord. Kofi m.«Kammer. Die Neben- form Kofen m.(bei Rollenhagen, Voß) stammt. aus dem Nd. In der Wurzel wohl zusammen- gehörig mit ahd. chubisi«Hüttey und weiter zu gr. Jönn. Kkokwuo Ifc. Goxdpun(Hesych). Vgl. Brugmann Idg. Forsch. 11, 111. Kober, m.(-s, Pl. wie Sg.): langer, ge- wöhnlich viereckiger geflochtner Korb zum Tragen auf dem Rücken. Im östlichen Mittel- u. Norddeutschland, in der allgem. Bed.«Korb auch in Schwaben, 1562 bei Mathesius Sarepta 134 b der Pl. Köber(Tragkörbe), 1422 md. Kober m. Korb zu Speise». Wohl mit dem vorigen wurzelverwandt. ceofl«Korb» wohl aus lat.-gr. cophinus m. Korb» entlehnt. Kobold, m.(-Lels, Pl.-e): unheimlicher dienender Hausgeist; unheimlicher, übermütig lustiger Neckegeist; die Grubenarbeiter necken- der kleiner Berggeist. Bei Luther Jes. 34, 14 Kobold m.«böser umherschwärmender Geist), bei Lessing Kobold und Kobolt, bei Rädlein, Ludwig, Voß Kobolt, mhd. im 13. Jh. kobolt m. sneckischer Hausgeist und dessen Bild, md. 1422 Kobolt, kobult, kobalt als Name eines Met- getränkes, mndl. coubout«Kobold. Alternhd. und noch im Volksmund Kobelt, im 16. Jh. Kobel; aus deutschem kobel, kobelin entlehnt franz. gobelin, mlat. gobelinus m.«Koboldy. Gewöhnlich abgeleitet von Koben,-old wäre entstanden aus-Walt, eig. des Hauses waltendh, (oder hold, got. unhulpa«Teufel»), noch deut- lich 1517 bei Trochus A 5³ boni lares foci sunt vlgo kobelte; dazu ags. cof-godas pl. m.«Haus- götter, penatesy. Die mhd. Nebenform oppold, opold leitet Kluge aus ahd. öt Reichtum, Guty und walt her, eig.«des Reichtums waltend), daran erinnert noch heute die volkstümliche Wendung er hat den Kobelt(Kobold), wenn einer in unbegreiflicher, unheimlicher Weise Dagegen ist ags. reich wird. Falk-Torp dagegen leiten es, wie schon früher andre aus gr. kößoxoc m.«Kobold, Possenreißer, Schmarotzer, Gauner» her. Nach Schröder Streckformen 168 soll es, aus Kold durch Streckung entstanden, zu Koldern, kol- tern«ungestũm sein, zanken, lärmen» gehören. Kobölz, nur in der RA. Kobolz schießen ceinen Purzelbaum macheny. 1741 bei Frisch cobold schießen. Vielleicht zu Kobold oder um- gestaltet aus frz. faire la culbute. Norddeutsch. Koch, m.(-es, Pl. Köche): Kundiger in künstlicher Zubereitung der Speisen. Mhd. koch(Pl. koche und kõche), ahd. coch m.; dazu and., ndl. kok, ags. coc, engl. cook. In früher Zeit entlehnt aus gleichbed. lat. coquus, später cocus m. 4B L. Köchin, f.(Pl.-nen), 1539 bei Alberus widder Witzeln J. 22 Küchin, K 1³ küchen, Anfang des 15. Jh. küchin(Diefenbach nov. gl. 298 2), 1482 im Voc. theut. r 1 b kochin, 1370 Xõchinne f. 2Koch, n., auch m.(-es, Pl.-e): Brei. In den Alpen, mhd. Koch, n., von kochen(s. d.). kochen, v.: tr. in einer von Hitze wallenden Flüssigkeit erweichend zubereiten; intr. wallen, sieden(Flüssigkeiten und Speisen, bei Luther). In 1. Bed. mhd. kochen, ahd. cochn, mnd. koken, afries. Koka. In früher Zeit aus gleichbed. lat. coguére. Der eig. deutsche Ausdruck war sieden (s. d.). 4L. Kocher, m.(-s, Pl. wie Sg.): der Kochende, in Zssetz.; Kochtopf bei Campe, nd. kaker m. Davon Kocherin, f. Köchin, mhd. kocherin, u. Kocherei, f., mhd. kocherie, köcherle, bei Goethe 3, 239 Köcherei. ZIUS. Kochbuch, n., 1582 bei Fischart Garg. 275. Kochkunst, f., 1561 bei Maaler. Kochlöffel, m., im 14. Jh. Kochlöffel. Köcher, m.(-, Pl. wie Sg.): langer hohler Behälterzum Tragen der Pfeile, Bolzen, Schreib- federn usw. Mhd. kocher, kochcœre, im 15. Jh. auch kõcher, kucher(Diefenbach gl. 225 b), ahd. cohhar, chochar und chochari m.; dazu anfränk. kokar, mind. koleer, Kalser, ags. cocer, cocur m., dän. Kogger«Behälter, Futteral». Entlehnt aus mlat. cucur um(afranz. cuivre, guiure m., woher wiederum engl. quiver), byzant. xooxoupov, russ. kolori Patronentaschey. Kocke, s. Kogge. Kockelskörner, Pl.: die giftigen Samen des ostindischen Strauches menispermum coc- culus, zum Betäuben der Fische verwendet. 1741 bei Frisch Kockel-Körner, 1677 bei Butschky Pathmos 582 Kukels-Körner, 1546 bei Bock 512 Kokilienkörner, aus gleichbed. mlat. cocculae orientales oder cocculi indici. 1089 Kodak Kohl 1090 Kodak, m.(-s, Pl.-s): photographischer Apparat. In neuerer Zeit aus dem Englischen, wo es als Schutzwort für photographische Artikel frei erfunden ist. 1Köder, m.(J, Pl. wie Sg.): in die Kappe des Schuhes oder Stiefels eingestochner schma- ler abgeschärfter Sohllederstreifen, um daran den Absatz zu befestigen. Um 1480 im Voc. inc. teut. 1 3 b koder, 1482 im Voc. theut. r 12 f. koder, Korder, guerde, im 15. Jh. köder, cörder, querder, guerdel, quirdel(Diefenbach gl. 324°, 433 b). Eine bildliche Anwendung des folgen- den Wortes, indem man den schmalen gebog- nen Sohllederstreifen einem«Regenwurme), dem gebräuchlichsten Köder, verglich, ähnlich wie im 16. und 17. Jh. Kerdel, Kärder m. die als Verzierung auf Kleider genähten schmalen (wurmförmigen) farbigen Tuchstreifen» und wie ahd. querdar m. Dochty. Köder, m.(“, Pl. wie Sg.): Lockspeise. Im 17. und selbst bis ins 18. Jh.(Steinbach 1734) Keder, wie spütnhd. keder n., im 13. Jh. vereinzelt köder, älternhd. Kerder, Querder, mhd. chorder, korder, Kkerder, querder u. querdel n. m., ahd. querdar m. Lockspeisey. Herkunft unklar. Kaum zu gr. dexheap n., äol. BAüp Köder. Vgl. Zupitza 86. 4B L. ködern, v., 1691 bei Stieler ködern, 1618 bei Schönsleder ankedern, im 16. Jh. guerdeln, spätmhd. kedern. Kodex, m.(Pl. Kodize u. Kodizes): alte Handschrift; Gesetzbuch. Lat. cõdeæ m.«Baum- stammp, dann«Buch»(urspr. aus beschriebnen Holztafeln).— Kodizill, n.: Testamentsan- hang; testamentartige letztwillige Verfügung. Aus lat. cödicillus m.«Handschreiben, Testa- mentsanhangy, dem Dim. von lat. cõdex. In der Rhetorik(15. Jh.), bei Henisch 1616 verzeichnet. Kofen, s. Koben. Kofent, m., auch seltener n.(-Lels, Pl.-e): Halb-, Dünnbier. Eingebürgert mit Betonung auf der ersten Silbe, aber noch bei Rachel Sat. 2, 101. 4, 125 und in nordd. Mundarten auf der zweiten betont. Spätmhd. im 14. und 15. Jh. covent, cofent, eig.«Konventsbierꝰ, wie es die Klosterbrüder tranken, zum Unterschied von dem stärkern Biere der Obern in den Klöstern. Aus mlat. coventus(daher franz. couvent m.), conventus m.«Kloster, Stift, urspr. «eusammenkunfty(s. Konven). Koffer, m., auch n.(s, Pl. wie Sg.): mit einem gewölbten Deckel versehener verschließ- und tragbarer kastenartiger(Reise-) Behälter. 1691 bei Stieler Koffer, Kuffer, 1577 bei Junius 1842 Koffer, hochd. im 16. Jh. auch Kopfer Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. (noch bayr.-kärnt. kupfer n.), 1561 bei Maaler Koffran, 1541 bei Frisius(arca) koffren; dazu 1477 clev. cofferen, ndrhein. im 14. Jh. coffer, cuffer, mndl. koffer m. Noch im 18. Jh. coffre. Entlehnt aus afranz.-prov. cofre, nfranz. coffre m. Kiste, Kasten» m., diese nebst ital. cofano m. Kiste, Korby und span. cuebano m. Korby aus gr. Jat. cophinus, gr. kptvoc m.«Korb». Kog, m.(-els, Pl. Köge): eingedeichtes, der See abgewonnenes Land. In Dithmarschen, im 15. und 16. Jh. Köch m.(Schiller-Lübben 2, 509), 1755 bei Richey Koog, mndl. cooch, entlehnt dän. Kog. Unerklärt. Kogel, f.(Pl.-n), auch n.(—, Pl. wie Sg.): Kapuze an einem Rock oder Mantel, die über den Kopf gezogen werden kann; Mantel mit einer solchen Kapuze; über den Kopf hüngende hohe Frauenmütze; Bergkuppe. Auch Kugel, Gugel. Mhd. gugele, gugel, kugel, kogel f., seit der zweiten Hälfte des 14. Jh. auch von der Frauenmütze, ahd. cucula, cugala, cugela f., entlehnt aus mlat. cuculla f., lat. cucullus m. Kapuze, Kopfhülley. Vgl. Gugelhopf. Kogge, f.(Pl.-n): breites, hinten und vorn rundliches Schiff. Die niederdeutsche Form für hd. Kocke, mhd. kocke m., vereinzelt kucke, koche, gocke, spätahd. kocho m., md. und mnd. kogge m., Anfang des 15. Jh. bei Schiltberger 159 kock f.; dazu ndl. 1598 bei Kilian kogghe, Koghschip, anord. kuggr, isländ. Kuggi m.«klei- nes Fahrzeug», mengl. cogge, engl. cog, cock Beischiffy. Aus afranz. coque, nfranz. choque, coche m.«Schiffy, span. coca, ital. cocca f. ckleines Wasserfahrzeugy. Dazu kymr. cavh Nachen, Kahn). Kognak, m.(-s, Pl.-e und-s): Franz- branntwein, nach der französisch. Stadt Cognac benannt. Im 19. Jh. entlehnt. 1Kohl, m.(-s, Pl.-e), die Pflanzenart brassica. Mhd. köl(Pl.-e), auch kol, ahd. cο* m. Daneben älternhd. Köl, Köhl(noch mundart- lich), mhâ. Kœle, Kœl, auch kol, ahd.-and. kõlim.; ferner ahd. chõölo, mhd. Köle m. und ahd. chõla f. Der Name ist mit der Pflanze aus dem Süden überkommen, lat. caulis, cölis m., gr. kauxc m. «Stengel, besond.«Kohlstengel, dann«Kohb; woher auch ags. cawwel, cazol m., engl. cole, anord. kãl n., schwed. kdl, dän. Kaal, ebenso afranz. chol, nfranz. chou, ital. cavolo m. und kymr. cawl. RA. aufgezwwärmter Kohl alte, abgetane Geschichten als Neuigkeiten vorge- brachty, bei Günther 778, nach lat. crambe repetita bei Juvenal Sat. 7, 154. ZVS. Kohl- garten, m.: Gemüsegarten, bei Luther, spät- 69 1091 Kohl Kokon 1092 mhd.(schweiz.) Köllgarten, anord. käãlgardy m. Kohlräbi, m.(-S, Pl. wie Sg. und-s): Kohl- art mit dicker oberirdischer Knolle, im 16. Jh. aus Italien eingeführt. 1691 bei Stieler Kolrabi, 1715 bei Amaranthes Kohlrabi, Cauliravi, 1731 bei Zinck öcon. Lex. Kaulirabi, Kohl-Rabi oder Rüben-Kohl, entlehnt aus ital. cavolo rapa, Plur. cavoli rape(cavolo m.«Kohlꝰ, rapa f. «Rübe»), woher auch frz. chou-rave m. Kohl- rübe, f.: Erdrübe mit kohlartigen Blättern, 1775 bei Adelung; in Thüringen Name des Kohlrabis, 1678 bei Krämer Köhlrube. Kohl- strunk, m.: Kohlstengel, spätmhd. im 14. und 15. Jh. Kolstrunk, kolstrunke m. Kohl, m.(-s): langweiliges, dummes Ge- schwätz. Studentisch(1790 bei Bahrdt Lebens- geschichte 1, 250), gaunerisch 1753 Kohl«blauer Dunst», 1814 Kohl«Erzählung», von hebr. 907 m.«Stimme, Gerücht, Schalb-. 4 L. kohlen, v.: Kohl machen, viel durcheinander sprechen. Kohle, f.(Pl.-/): schwarz geschweltes Holz usw., ähnliches Mineral als Brennstoff. Mhd. kol m. n.(Pl.-en-n, im Neutr. köler), selten Kole f., ahd. chol n. und cholo m.; dazu Iinnd. Xo*⁴ο), 1477 clevisch coil, ags. col n., engl. coal, anord. schwed. kol n., dän. Kul. Vielleicht urverwandt mit aind. Jpälati«brennt, glüht,, air. güal«KoOhley. 4BL. kohlen, v.: tr. Kohlen brennen, mhd. im 14. Jh. Kolen; intr. schwelen, glimmen, 1562 bei Mathesius Sarepta 201 2 olen. Köhler, m.(es, Pl. wie Sg.): Kohlenbrenner, mhd. Koler, im 15. Jh. Köler m.; davon Köhler- glaube, m.: treuherzig fester Glaube, dann unbedingter Kirchenglaube, blinder Glaube (anschließend an eine Anekdote bei Luther 6, 107²„ein Doctor hab einen Köler zu Prage auff der Brücken gefragt: Lieber man, was gleubstu? Der Köler antwortet: Das die Kirche gleubt. Der Doctor: Was gleubt denn die Kirche? Der Köler: Das ich gleube.“), im 16. Jh. bei Agricola Sprichw. Nr. 234 des Kolers Glaub, 1575 bei Fischart Garg. 251 des Kölers Glaaaben, 1654 bei Logau 3, 2,85 Köhler-Glaube. ZS. 1) mit Kohl-: Kohlapfel, m.:(kohl)- schwärzliche rotbäckige Apfelart, 1691 bei Stieler Kolapfel. Kohlfeuer, n.: Feuer von Kohlen, urspr. Holzkohlen, im 15. Jh. Kollefäer n. (Altd. Blätter 1, 125), mnd. Kõölvdr, bei Luther Joh. 18, 18 Kolfeꝛwer, noch bei Schiller 4, 78, jetzt Kohlenfeuer. Kohlmeise, f.: Schwarz- meise d. h. Meise mit kohlschwarzem Scheitel, mhd. kolemeise, ags. colmase f. Kohlrabe, m.: der gemeine schwarze Rabe, 1775 bei Adelung. kohlschwarz, adj.: schwarz wie eine Kohle, mhd. Kolswarz, anord. Kolsvartr; verstärkt ohlrabenschwarz(Maler Müller 1, 128), Kohl- pechsembarz(1644 bei Klaj Auferst. Jes. Chr. 16), kohlpechrabenschwarz(in Mitteldeutschland), kohlrußrabenpechschawarz(1745 bei Schwabe Tintenfäßl, Titelbl.). 2. mit Kohlen-: Kohlen- brenner, m.: Köhler, 1691 bei Stieler Kol- brenner, 1508 in der Straßburger, 1510 in der Hagenauer Gemma db Kolenbrenner, aber 1518 in der Straßburger kolbrenner, mnd. 1277 kolebernere, ndl. 1598 kolenberner m. Kohlensäure, f.: die übliche Benennung für Kohlendioxyd. Kohlenstoff, m., in der Chemie ein zuerst aus Kohlen gewonnener Stoff, beide 1808 bei Campe als neugebildete Worte. Kohlrabi, s. 1Kohl. Koje, f.(Pl.-/): Schiffsverschlag zum Schlafen; enge mit Brettern abgeschloßne Winkelschlafstelle überhaupt. In 1. Bed. um 1600 bei Hulsius Schiff. 3, 70 und 1691 bei Stieler Koye, aus mnd. koje, mndl. Koye f.«Ver- schlag, Stall, nndl. Kool f.«Schiffsbettstelley, Nebenform von Kaue(s. d.). Kokärde, f.(Pl.-n): Hutzeichen als Ab- zeichen, Feldzeichen. Im spätern 18. Jh. (Schiller 11, 143, Goethe 17, 269) entlehnt aus gleichbed. franz. cocarde f., urspr. bonnet d la cocarde«Mütze mit einer hahnekammähnlichen Schleife», von cog m. Hahn. kokeln, v., md. und nrhein. Form von gaukeln(s. d.), schon im 16. Jh. bei Melanchthon kokeln und kökeln, 1495 in der Kölner Gemma S 4 b cokelen; daher obersächs. Kõökeln«kindisch mit Licht oder Feuer spielen», Kékeln«mit dem Stuhle kippeln, einen Kopfsprung(Kélcelpurz) macheny. köken und köcken, v.: laut rülpsen; sich erbrechend von sich geben. In der letzten Bed. bei Luther köcken, göchen, 1566 bei Mathesius Historien 120 b köken; 1517 bei Trochus Q3 b kocken«rülpsen». Noch md. köken, kKäken, schweiz. gœggen in beid. Bed. Dazu engl. to Keck Brechreiz empfinden». Wohl lautnachahmend. kokétt, adj.: gefallsüchtig. 1694 bei Neh- ring coqvet, aus gleichbed. franz. coquet, von franz. cog m.«Hahny, eig.«sich brüstend wie ein Hahn?. Dazu Kokétte, f.(Pl.-/): gefall- süchtiges, buhlerisches Weib, 1694 bei Nehring Cogvete, franz. coquette f. kokettieren, v.: sich kocett zeigen, im 18. Jh. aus franz. coquetter. Koketterie, f.: Gefallsucht, im 18. Jh. aus franz. coquetterie f. Kokön, m.(-S, Pl.-S): Gehäuse der Seiden- raupenpuppe. Das franz. cocon m., abgeleitet 1093 Kokosnuß Kollation 1094 von franz. oque f.«Gehäuse, Schale, Raupen- gespinsty, das vielleicht aus gr. Jat. concha, gr. kb; f. Muschel, Muschelschaley stammt. 1801 bei Campe. Kokosnuf, f.: hartschalige, Milch enthal- tende Frucht der Kokospalme. 1595 bei Hul- sius Schiff. 1, 22 Cocos, 1628 bei Münster Cos- mogr. S. 1605 Cocosbaum, S. 1697 Cocobaum. Aus span. Port.-frz.-engl. coco m. Unerklärt. Koks, m.(Pl., meist aber Sg.): abgeschwe- felte Steinkohle. Aus dem Pl.(cokxes) des engl. gleichbed. coke(in schlechter Schreibg. coake). Dialektisch bedeutet das Wort auch«Asche⸗ und«Mark von etwas, Kernhausy. Die ältere Form ist colke, das mit schwed.-dial. Kdlk «&Mark in Knochen» zu gr. Texfic«Kern im Knoblauchskopfy gehört. 1813 bei Campe. Kolben, m.(-s, Pl. wie Sg.): Stiel, Stab mit dickem Knopfe, im Mittelalter als Waffe des gemeinen Mannes und Abzeichen(urspr. Waffe) des Narren; kolbenühnlicher Pflanzen- stengel(mhd. um 1400 in louchkolb m.); der kupferne oder gläserne Destillierkolben(1650 bei Moscherosch Philander 1, 222); das dicke Ende des Gewehrs(bei Lessing 8, 121, wie es scheint schon mhd. im Erec 5387 f. kolbe m. «die Kuppe des Streitkolbens»); an Dampf- maschinen der im Treibzylinder sich hin und her bewegende K. am Ende der Kolbenstange, im 19. Jh. benannt nach dem K. der alten Wasserkunst, der an der Kolbenstange befestigt und in der Pumpenröhre auf und ab steigend das Wasser drückt und hebt; nur als Fem. Kolbe«Kopf des Menschen»(bei Luther 3, 408 b), ckurzgestutzter Haarschopf»(Birlinger Augsburger Wb. 2862 vom J. 1503, mnd. 1559 kolwe f.),«Glatze»(1517 bei Trochus N1b kulbe f., noch md.). In 1. Bed. älternhd. Kolbe (noch bei Schubart 2, 65), Kolb, mhd. kolbe, ahd. kolbo m., md. im 12. Jh. colwo m. und colva f.(Germ. 9, 25, 73 b); dazu and. oloo m., nnd. Kalf f., ndl. Kolue, kolf f., woneben stark- biegend anord. kolfr m.«Wurfspieß mit kolbiger Spitze, Klöpfel der Glocke» u. die Abltg. eνοa f., dän. kölle«Keuley. Urverwandt entweder mit ir. gulban, kymr. gylfin«Stachel» oder mit lat. globus m.«Kugel, Haufe, Klumpeny. RA. Jem. mit Kolben lausen«mit dem Knüppel behan- deln(eig. scheren) und dadurch zur Vernunft bringen», aus der Baderstube entlehnt, mhd. narren mit kolben lüsen. Kölibri, m.(—s, Pl. wie Sg. und-s): das amerikanische Blumenvöglein. 1727 bei Hüb- ner Kolibri, 1774 bei Adelung Colibrit m. (-en, Pl.-en)(so schon Fidibus Lpz. 1769 S. 9), Colibritchen n. Aus span. colibri m. Kolik, f.(Pl.-en): Bauchgrimmen, Darm- gicht. 1664 bei Duez Colick, 1616 bei Henisch Colica f., 1591 bei Decimator Sylva vocabu- lorum Hh3 à Kolch, mnd. 1424 kolk f. Aus gr. lat. cõlica, gr. uxixi f.(zu ergünzen võcoc f. Krankheity), eig. Adj. von kä△X½△ov, kökov n. «Grimmdarmꝰ. Kolk, m.(-es, Pl.-e): tiefes Wasserloch von Ausdehnung; Strudel, Wirbel. In Nord- deutschland. In der 1. Bed. bei Luther 3. Mos. 11, 36, mnd. Kolk, kulk, auch afries. Kolxk m. Grube, Loch, Augenhöhle»; in der 2. Bed. 1691 bei Stieler und 1663 bei Schottel S. 959, md. 1517 bei Trochus T 4 5b und schon im 14. Jh. bei Jeroschin kollt, mnd. kolk, Kullc, ndrhein. 1188 colc m.(Lacomblet Urkdb. 1, 358); dazu nndl. Koll f.«Abgrund, Strudeb». Vielleicht mit den unter Koks behandelten Worten verwandt. Kolkrabe, m.(-n, Pl.-n): der gemeine große Rabe. In Norddeutschland. 1604 bei Decimator Gewissensteufel 73 Kolchrabe, 1691 bei Stieler Kollcrabe, benannt nach Frisch 1741 von seiner Stimme, die er im Halse macht, d. h. von kolken«dumpf gurgeln»(1691 bei Stieler kollcen, gulken, golkceren, um 1480 im Voc. inc. teut. k 1 golkatzen, Var. golkotzen). Kollaborätor, m.(-s, Pl.-en): Schul- gehilfe. Im 18. Jh., aus mlat. collaborator m. von collabõrãre«mitarbeiten». Kolläps, m.(-es, Pl.-se): Zusammen- bruch; schnelle Abnahme der Kräfte. Aus gleichbed. mlat. collapsus von colldbäri«zu- sammenstürzen». Aus der Sprache der Medi- zin in neuerer Zeit. Kollatiön, f.(Pl.-en): Vergleichung zweier Schriften; Zwischenmahlzeit. In der 1. Bed. 1531 bei Hedio Josephus Vorr. 5 b Collation f., 1616 bei Henisch gekürzt Collatz f.«Vergleichungy. In der 2. Bed. urspr.«Vortrag über Tisch abends in einem Kloster»(mhd. collãcie f.), dann«kalte Mahlzeit, Trunk nach derselben» mhd. collation, collãcie f., verallgemeinert im 16. Jh. Collation, gekürzt Collatz f.(1575 bei Fischart Garg. 418) mit dem Zeitwort collatzen (Grimmelshausen Simpl. 2, 598 Klr.), franz. collation f.«Imbißy. Aus lat. collãtio f.«das Zusammentragen, Zusammentreffen, Vereini- gung, Vergleichung»; in den Klöstern wurden beim gemeinsamen Abendessen die Collationes patrum des Joh. Cassianus vorgelesen. Dazu kollationieren, v.: vergleichen, 1571 bei Rot collationirn, franz. collationner. 69* 1095 Kolleg Kolonialwaren 1096 Kollég, n.(-Lels, Pl. ien), auch Kollé- Mlat.(wo auch colera)«innere Hitze und er- gium: Amisgenossenschaft und deren Ver- sammlung; Vorlesung an einer Universität (1639 bei Zincgref Apophth. 1, 165 Collegien). Aus lat. collégium n. Amtsgenossenschaft, Verbindung zu gemeinsamem Zweck, Innung, Zunfty, im Neulat. auch«Hörerschaft einer Vorlesung, Universitätsvorlesung vor ständiger Hörerschafty. Kollége, m.(-n, Pl.-/): Amts- genosse, 1562 bei Mathesius Sarepta 164 b Col- lege, aus lat. colléga m.«Amtsgenosse, Genossen. Dazu kollegiälisch, adj.: amtsbrüderlich (Goethe 5, 1, 176), aus glbd. mlat. collégiãlis. Kollektäneen, Pl.: Lesefrüchte, Sammel- schrift. Im 18. Jh.(noch 1714 bei Wächtler Collectanea) aus lat. collectãnea, Pl. von collectã- neum n.«Zusammengelesnes», dem Neutr. des Adj. collectãneus, abgeleitet von collectus, dem Part. Pass. von colligéère«zusammenlesen). Kollékte, f.(Pl.-/): Beisteuersammlung (bei Liliencron 3, 26 2 vom J. 1508 kollecte); ein Altargebet(mhd. collecte f.). Aus mlat. collecta f. zusammengetragnes, Almosensammlg. usw.y, eig. Fem. zum lat. Part. collectus(s. vor. Wort). kollektiv, adj.: das Einzelne zusammen- fassend, sammelnd(Wieland Aristipp 2, 26, Schiller 14, 12), aus lat. collectzvus«zusammen- gelesen», von Part. collectus(s. Kollekctaneen). Kollektiv, n.(—s, Pl.-e): Sammelname, Sam- melwort, aus gleichbed. lat.(nomen) collec- lvwum n. 1Koller, n., seltner m.(-s, Pl. wie Sg.): Halsbekleidung als Teil der Rüstung oder Klei- dung; am Halse schließender Lederharnisch für Brust u. Rücken(im 16.—18. Jh.); Manns- jacke, Wams(1482 bei Melber O 2 b, noch bayr.); Halskragen(1716 bei Ludwig), Hals- krause. Auch Goller(Schiller Tell 3, 3 als m.), bei Luther Koller mhd. gollier, Kollier, spät. goller, koller n.«Halsbekleidung»; auf mhd. collir, im 15. Jh. gollir, beruhen die um- gelauteten Formen Köller(bei Alberus dict. 1540 und Stieler 1691, auch nd. im 16. Jh.), keller(im 15. Jh. bei Diefenbach gl. 132²) und schweiz. Göller n.(bereits im 16. Jh.). Ent- lehnt aus franz. collier m., von lat. collãre n. Halsbandꝰ, mlat. collarium, collerium n.«Hals- rüstungy, abgeleitet von lat. collum n.«Halsy. Koller, m.(es, Pl. wie Sg.): krankhafte Wunderlichkeit aus innerm Zorn oder innerer Wut. Im 15. Jh. Koler(Diefenbach gl. 1313), mhd. um 1300 kolre m.«stille od. ausbrechende Wuty, nd. kaller. Entlehnt aus gr. Jat. cholera f. «Galle, Gallensuchty(s. Cholera), dann im hitztes, verbranntes Blut im Körpere, ferner «Aufbrausen im Gemüte, Zorns, woraus auch ital. collera, früh. colera, franz. colére f.«Galley, dann«Zorn, Groll, Grimmigkeity. Aus gr. Jat. cholera aber ist schon entlehnt ahd. cholaro, choloro, im 11. Jh. cholere, mhd. kolre m. «Bauchgrimmen, heftiger Schmerz in Gedär- meny. 4L. kollerig, adj., 1582 bei Fischart Garg. 348 gallenkollerig. kollern, v.: aus innerm Zorn, innerer Wut unsinnig sein, von Menschen bei Luther 1 Sam. 21, 13, närrisch tun(Werke 8, 672 J.), bei Pferden(6, 1452 J.), dann im 17. Jh. voll Zorn, lärmend zanken, ungestüm lärmend reden; zorn-, wuterfüllte tiefe Töne ausstoßen(1562 bei Mathesius Sa- repta 302 ²), vom Truthahn(Simpl. 1, 1019 Klr). Davon Kollerer, m.: kollernder Mensch; kol- lerndes Pferd(in beiden Bed. 1691 bei Stieler). kollern, v.: kugeln, rollen, sich fortwälzen; rollende Laute hören lassen, z. B. im Bauche. 1716 bei Ludwig, nd.-md. Kullern, schles. Kullen crolleny, abgeleitet von md. Koller, Kuller f., schles.-kurhess. Kulle f.«Kugel», schles. auch «Walze, Rolle?, aus mhd. Kugele f.«Kugel?. Kollétt, n.(TLels, Pl.-e, auch-): Reitjacke. Im 17. Jh.(1694 bei Nehring Collet) aus franz. collett, ital. colletto m.«Halskragenꝰ, von lat. collum n.&Hals. Kolli, n.(-s, Pl. wie Sg. oder-S), eigent- lich Pl. von Kollo, n.: Warenballen, Fracht- stück. 1712 bei Hübner Colli, aus ital. colli, Pl. von collo m. Ballen Warey. kollidieren, v.: in feindliche Berührung kommen. 1694 bei Nehring, von lat. collidére «zusammenschlagen, Stoßen, feindlich anein- ander kommen. Dazu Kollisiön, f.(Pl.-en): Widerstreit, 1694 bei Nehring, von lat. collisio f. das Zusammenstoßen). Kollier(spr. kox*), n.(*8, Pl.-s): Hals- kette als Schmuck. Im 19. Jh. aus gleich- bed. franz. collier. Vgl. 1Koller. Kolon, n.(-s, Pl.-s und Kola): der Doppelpunkt. 1694 bei Nehring Colon. Aus gr.- lat. colon, gr. xäkov n. Glied, dann Glied einer Periode»(gegliederten Satzverbindung), in welcher Bed. um 1522 Ickelsamer 46 die Pl. Cola, Colen ebenso wie Commata, Commaten gebraucht und dabei als Trennungszeichen dieser Satzglieder: und) angibt. Koloniâlwaren, Pl. f.: Aus den über- seeischen Kolonien bezogne Waren. Zgs. mit koloniäl aus nlat. colönidlis«zu den Kolonien gehörigy. Anfang des 19. Jh. aufgekommen. 1097 Kolonie Komfort 1098 Kolonie, f.(Pl.-eln): Pflanzort, Ansiede- lung. 1617 bei Hulsius Schiff. 13, 7 Colonie. Aus lat. colônia f.«Ansiedelei»(wovon in alter Zeit Köln), von lat. colönus m. Land- wirt, Pflanzery. Dazu Kolonist, m.(en, Pl.-en): Ansiedler, 1741 bei Frisch. koloni- sieren, v.: eine Kolonie gründen, bei Goethe 15, 1, 300, aber schon 1575 bei Fischart Garg. 17 colonisiren ansässig, einheimisch machen). Kolönne, f.(Pl.-n): Säule, Heersäule, Aufstellung in Ordnung von größrer Tiefe. 1710 bei Nehring Colonne in militärischer Bed. Aus gleichbed. franz. colonne, ital. colonna f. cSäule», von lat. columna f.«Säuley. Dazu Kolonnäde, f.(Pl.-n): Säulengang, Säulen- halle(bei Herder z. Philosophie 1, 165 Colon- nade), aus gleichbed. franz. colonnade f., da- für 1712 bei Hübner Colonnata f. Kolophönium, n.(-s): Geigenharz, be- nannt nach der Stadt Kolophon in Kleinasien, 1565 bei Paracelsus Wundartzney 55 Colo- fonie, 1678 bei Krämer Colofonien, Colfonien n. Koloquinte, f.(Pl.-n): Bitter-, Papier- gurke. Bei Luther(2. Kön. 4. 39) der Pl. Colochinten, Kolguinten, 1536 bei Wicel An- notationes 1, 126 b Kolokinten, aus mlat. im 15. Jh. cologuintis, gr.-lat. colocynthis, gr. koxokxuvèic f. kolorieren, v.: mit Farbe ausmalen, fürben(1571 bei Rot colorirn, 1562 bei Ma- thesius Sar. 49, 782 coloriren); mit künst- lichen Tonverzierungen singen(1571 bei Rot, colerieren 1551 bei Scheidt Grobianus 7). Aus lat. colõrãre«färbenꝰ, von color m.«Farbe?. Dazu Koloratür, f.(Pl.-en): künstliche Tonverzierung, 1571 bei Rot Coloratur, in eig. Bed. Fürbung,», 1562 bei Mathesius Sar. 265 b. Kolorit, n.(Jels, Pl.-e): Farbengebung, im 17. Jh.(1712 bei Hübner Colorit n., 1678 bei Krämer der Pl. Coloriten), aus gleichbed. ital. colorito m. Kolõß, m.(Gen. Kolosses, Pl. Kolosse): Riesensäule, Riesengestalt. Im 17. Jh. bei Lohenstein Hyacinthen 56 der Plur. Kolossen, mit schwacher Flexion neben der starken noch bei Wieland, Goethe, Schiller. Aus gr. lat. colossus, gr. xoxoccc m.«Riesenbildsäuley, insbesondre die 70 Ellen hohe, dem Sonnen- gott geweihte eherne auf der Insel Rhodus. Dazu kolössisch, adj.: riesenmäßig, über- groß, ungeheuer, bei Wieland Idris 3, 58, Herder 2. Philosophie 5, 67, von gr.-lat. cο²οεsicu⁸, gr. xoNoccixc. Kolossãl, adj.(Goethe 31, 72), aufgenommen aus franz. colossal«riesig-, über- groß»; davon kolossälisch, adj., bei Lessing 6, 454, Wieland Suppl. 4, 89, Schiller 7, 8. kolportieren, v.: von Haus zu Haus tragen, im 18. Jh. aus franz. colporter, eig. cam Halse(lat. collum n.) tragen»(lat. portäre). Dazu Kolportéur, m., 1712 bei Hübner Col- porteur«mit italienischen und französischen Galanteriewaren umherwandernder Tablett- träger», aus franz. colporteur m. Kolpor- täge(spr.-äze), f.(Pl.-n): Hausierhandel, besonders mit Büchern. Kolster, m.(-s): zäher Schleim, bei Les- sing 1, 203, entstanden aus Qualster(s. d.). Kolter, m.(0s, Pl. wie Sg.): abgenähte (Bett-) Decke, Steppdecke. Bei Luther 2. Kön. 8, 15 Kolter, obd. im 16. Jh. und noch heute meist Golter. Mhd. kolter, golter, üblicher kulter, gulter m.(noch bayr. Galter), nd. kolter «Polster, Decke, worauf man sitzt oder liegt, zuweilen auch Bettdecken. Aus afranz. colstre, coltre, coutre f., von lat. culcitra f.«Polster, Matratzey. Dagegen entspringt aus der ein- fachern lat. Form culcita f. das gleichbed. md. Kalte, Kolte f., mnd. olte f., mndl. culct f. ²Kolter, n.(s, Pl. wie Sg.): Pflugmesser, Sech. Norddeutsch. 1640 bei Colerus Hausb. 4, 60 Kolter, mrhein. im 16. Jh. kolter, Kolffter (Weisth. 2, 538. 597), mehr ndrhein. 1413 kolter (ebd. 2, 726, 10). Aus gleichbed. afranz. coltre m., nfranz. coutre, ital. coltro m., von lat. culter m.«Messer, Pflugmesser. Kolümne, f.(Pl.-n): bei den Buch- druckern die Spalte(eig. Schriftsäule) einer Buchseite, 1774 bei Adelung Colacmne, 1694 bei Nehring Columna, aus lat. columna f.«Suuley. Kombinatiön, f.(Pl.-en): berechnende Verbindung(früh im 18. Jh.), aus mlat. combi- nãtio f. kombinieren, v.: berechnend ver- binden; zusammenfügen(1703 im Zeit.-Lex.). Aus spätlat. combindre(woher auch franz. combiner«je zwei verbinden»), zusammen- gesetzt aus lat. com-«mit, zusammen», und einer Ableitung von lat. bini je zweiy. Komét, m.(-en, Pl.-en): Schweif-, Haar- stern,(1579 bei Calepinus) Strobelstern. 1482 im Voc. theut. r 2a komet, mhd. cométe m.; dazu ags. cométa m. Aus gr. lat. cométa, gr. wonfenc m., eig.«langes Haar tragender», von gr. xépn f.«Haar. Komfört, m.(-S, Pl.*s): Behaglichkeit, Bequemlichkeit, um 1800 entlehnt, bei Goethe Naturw. Schr. 4, 142 der Pl. Comforts. Aus glbd. engl. comfort, mengl. comfort«Stärkung, Trost», durch afranz. confort m.«Stärkungs, 1099 Komiker Kommentar 1100 von lat. confortãre«sehr stärkenꝰ?, zu lat. fortis «stark». Dazu komfortãbel, adj.: behaglich, früher auch bekömmlich(Schiller an seine Frau vom 10. 3. 1801). Vgl. Ladendorf. Kömiker, m.(-s, Pl. wie Sg.): Schau- spieler für lustige Rollen(erst im 19. Jh.). kömisch, adj.: Lachen erregend(bei Gott- sched und Gellert 1, 281); närrisch, wunder- lich(bei Gellert 4, 66). Jenes von, dieses nach gr. lat. cõmicus, gr. xwpiköc, als Adj.«witzig, scherzhaft, lächerlich», als männl. Subst.«ko- mischer Schauspieler, Lustspieldichter», von ki‿ιαο m. in der Bed.«Umzug voll Mutwillen und Ausgelassenheit»(s. Komödie). Komitée, n.(-s, Pl.-s): leitender usw. Ausschuß. Bei Norddeutschen öfters Fem., vereinzelt auch wohl Mask. Im 17. Jh. auf- genommen(1703 im Zeit.- Lex.) aus gleichbed. franz. comité m., und dies aus engl. committee, eig. Untersuchungsausschuß von und aus dem Parlament(so bei Schiller M. Stuart 1, 7 Kommittee), von engl. commit«übergeben, anvertraueny. Letztres aber aus franz. com- mettre«(zu einem Amt) bestellen, abordnenꝰ, von lat. committere«anvertraueny. Komma, n.(-s, Pl.-s und Kommata): als Interpunktionszeichen der Beistrich, bis ins 18. Jh. von längrer Gestalt). Bei Nehring 1694 Comma, aus gr. Jat. comma, gr. xoα n. Ein-, Abschnitt, Glied einer Periodey(wie noch um 1522 Ickelsamer den Pl. Commata, Commaten gebraucht, s. Kolon), von gr. korterv «schlagen, abhauen. Kommanditgesellschaft, f.: Handels- Egs. gesellschaft mit stillen Teilnehmern. mit dem glbd. aus franz. commandite ent- lehnten Kommandite(1801 bei Campe). Kommändo, n.(-S, Pl.-s): Befehl, im 17. Jh.(bei Grimmelsh. Simpl. 8 Commando, 1639 bei Micrälius Pommern 1, 79 gekürzt Command n.) entlehnt aus gleichbed. ital.-span. comando m., von dem aus lat. commendäre empfehlen(zusammengesetzt aus com-cmity, mandãre«auftragen») gewordnen ital. coman- dare, span. comandar, franz. commander«be- fehligen, gebieten, woher im 16. Jh. kom- mandieren, v.: befehlen, befehligen(1571 bei Rot commendirn, 1617 bei Wallhausen Corp. mil. 10 commandiren). Kommandänt, m.(-en, Pl.-en): Befehlshaber(1617 im teut- schen Michel 10, 1642 bei Homburg Clio R8 und 1646 bei Moscherosch Philander 4, 222 Commendant, 1664 bei Duez Commandant), aus gleichbed. ital.-span. comandante m., dem als Subst. gesetzten Part. Präs. jenes ital. und span. Zeitworts. Davon Kommandantür, f. kommen, v.(Präs. Xomme, kommst, komumt, Prät. Kam, Konj. käüme, Part. gekommen): sich wohin bewegend gegenwärtig werden. Bei Luther komen, mhd. Komen, auch Kumen(be- sonders md.), ahd. gueman, dann coman, kuman, chomen; dazu asächs. ags. cuman, engl. come, afries. kumda, anord. Koma, schwed. komma, dän. Kkomume, got. giman. Urverwandt mit aind. gämati«geht, geheny, awest. Jamaiti«kommto, lat. venio(aus*gvenio)«ich komme», gr. Boivo (aus* vs)«ich gehe», arm. exn«xer kam', ir. fobenat«subveniunty, der alte qu-Laut hat sich in bequem(s. d.) erhalten. Das Präs. lautet im Sg. bei Luther Kome, kompst, Kompt und selten kömpt(die umgelaut. Formen kõmast, kömmt oft im 17. und 18. Jh., vgl. Lessing 10, 225, noch im 19. Jh. bei Chamisso, Heine, Rückert), mhd. kume(md. Wome), kumest, kumet, zuweilen Kümet, kümt(andrhein. quimit, kummit), ahd. guimu(dann cumu), quimist (dann cumist, chomest), quimit(dann cumit, chumit noch im 18. Jh. schles. winamt, guimt); das Prät. bei Luther kam, mhd. Kom, kam (md. guam), Pl. kömen, kümen(md. quãmen), Konj. kœme, kœme(md. quéme), ahd. guam, cham, Pl. qudmumés, Konj. quãmi; das Part. Pass. bei Luther und vorwiegend älternhd. komen, mhd. Komen, kumen, zuweilen gelkomen, ahd. gqueman, quoman, dann cuman, chomen, noch heute im Volkston dichterisch oder alter- tümelnd kommen. In der Weise eines Hilfs- zeitwortes erscheint kommen dem Part. Prät. eines anhaltende Bewegung ausdrückenden Verbums zugesellt, in welcher Verbindung dies Part. aktiven Sinn hat, z. B. er Kommt geflogen usw., oft im Mhd. Komménde, f.(Pl.-n): Ordenspfründe. 1581 bei Fischart Binenkorb 223 b Commenqde, aus mlat. commenda f., von lat. commendäre «uanvertrauen, übertragen». Vgl. Komtur. Kommént, m.(-s,-S; spr. Komm): der Brauch des Burschenlebens und das Gesetz- buch darüber, 1795 belegt. Eigentlich das «Wiey, aus franz. comment«wiey. Kommentär, m.(-s, Pl.-e und-arien): Erläuterung, Erläuterungsschrift. Bei Lessing 3, 20 vom J. 1750 Commentar, aber schon 1531 bei Hedio Josephus Vorr. S. 2 der Pl. Commentarien, dafür im 16. u. 17. Jh.(1508 bei Altenstaig 95², bei Luther und Duez) Comment m. Aus gleichbed. lat. commentãrias m.(eig. Adj., zu ergänzen liber m.«Buch). 1101 Kommers Komödiant 1102 kommentiéren, v.: erläutern, 1694 Nehring commentiren, aus gleichbed. lat. commentãri. Kommérs, m.(Gen.-es, Pl.-e): student. Trinkgelage. 1781 bei Kindleben Kommersch, bei Campe 1813 Commerce, aus franz. commerce m. Verkehr»(s. Kommerz). ZUS. Kommérs- buch, n.: Trinkliederbuch der Studenten. Kommérz, m.(-es): Handelsverkehr, aus gleichbed. franz. commerce m., von lat. com- mercium n. Handely. 1678 bei Krämer der Pl. Commercien(und schon in den schles. Acta publica vom J. 1618 S. 225 Commertien) Handelschaft) ZUS. Kommérzienrat, m.: Titel, der an Großkaufleute verliehen wird. Kommis(spr. Komm), m.(Gen. u. Plur. ebenso, aber mit gesproch. s): Handlungs- diener. Das gleichbed. franz. commis, eig. Beauftragtery, von commettre«beauftragen», aus dem gleichbed. lat. committere, dessen Part. Perf. Pass. commissus lautet. Im ältern Nhd. ist K. s. v. a.«Beauftragter, Stellver- treter»(so noch bei Schiller 14, 192), dafür jetzt Kommissar; die jetzige Bed. erscheint bei Campe 1813. Kommiß: zur regelmäßigen Lieferung an Soldaten Zugerichtetes, im 16. u. 17. Jh. (1596 bei Fronsperger Kriegsb. 1, 31 b in die Commiß greiffen, aus der Commiß geben, 1617 im teutschen Michel 38, 1650 bei Moscherosch 2, 702. 812, aber schon 1555 bei Wickram Roll- wagenb. 71, 22 Commißmetzger für Lands- knecht), aus franz. commis, lat. commissus, Part. Pass. von lat. committere canvertrauen?, franz. commettre«beauftragen». ZUS. Kom- mißbrot, n.: Soldatenbrot, schon im 16. Jh. (bei Horn Soldatensprache 26 ein Beleg von 1598; 1648 bei Kemnitz schwed. Krieg 1, 160 ² Commisbrot). Kommissär, Kommissär, m.(*I, Pl.-e): in amtlicher Sendung Betrauter, amtlicher Geschäftsbetrauter. Im 15. Jahrh.(1447 im Henneberg. Urkdb. 7, Nr. 252 der Sg. com- missari, bei Janssen Reichscorr. 2, 106 vom J. 1449 der Pl. commissarien) entlehnt aus mlat. commissarius m.«mit Besorgung eines Geschäfts Betrauter, Vollzieher der Testa- mente», woher franz. commissaire m. und hier- aus früh im 18. Jh. Comumissür. Davon Kom- missariät, n.(es, Pl.-e), 1564 in den Script. rer. Siles. 4, 202. Kommissiön, f.(Pl.-en): Auftrag; Untersuchungsausschuß. In der 1. Bed. 1495 in den Reichsordn. 182 Commission, auch bei Hermann v. Sachsenheim Mörin 2390; in der 2. Bed. 1447 im Henneberg. Urkdb. 7, Nr. 252, aus lat. commissio f.«Begehung», im spätern Latein«Vollmacht⸗, im Mlat.«Auf- tragy. Kommissiondâr, m.(-J, Pl.-e): Ge- schäftsbevollmächtigter, 1775 bei Adelung, aus franz. commissionnaire m., von mlat. commis- sionarius m. Vgl. Kommis. kommlich, adj.: bequem, passend, dien- lich, zuträglich. Schweiz.-elsässisch, daher pei Schiller Tell 4, 1(V. 2128). Mhd. Komlich, schweiz. im 15. Jh. kumlich. Zgs. mit kommen. kommöde, adj.: bequem. Im 17. Jh. commode, aus gleichbed. franz. conmode, von lat. commodus«bequem». Kommode, f. (Pl.-"H): Schiebkastenschrank. Im 18. Jh. Commode(Zachariä Phaeton 1, 38, Hermes Soph. Reise 1, 532) aus gleichbed. franz. com- mode f., dem substantivischen Fem. des Adj. commodeæ. Kommodität, f.: Bequemlich- keit;(verhüllend) Abtritt. In der 1. Bed. pei Grimmelshausen Simpl. 1, 868 Klr. Commo- dität, aus franz. commodité f., von lat. com moditas f.«Bequemlichkeity. Kommüne, f.(Pl.-n): Gemeinde. Schon spätmhd. kommüne f., aus franz. commune f., das auf lat. conmanio f.«Gemeinschaft» zu- rückgeht, von commänis«gemein». kom- munäl, adj.: was zur Gemeinde gehört. Aus gleichbed. lat. commändlis. Im 19. Jh. Kommunikänt, m.(-en, Pl.-en): Emp- fänger des heiligen Abendmahls. Bei Luther 4, 316 b J. Communicanten, aus lat. commaäni- cans(Gen. commnicantis), Part. Präs. von commanicäre«gemeinschaftlich machen, etwas mitteilen», woher kommunizieren, v.: durch Mitteilung gemeinschaftlich machen(1616 bei Henisch conemuniciren); gemeinschaftlich zum heil. Abendmahle gehen(bei Luther 5, 82⁸ communiciren). Kommuniön, f.: Empfang des heil. Abendmahls, bei Luther 5, 96 b Com- munion, aus lat. commanio f. Gemeinschaft», im 4. Jh.«das heil. Abendmahl», von lat. commnis«gemeinschaftlich». Kommunis- mus, m.: Gütergemeinschaft. Aus nlat. com- munisnus. Ebenso wie Kommunist, m., politisches Schlagwort seit 1840. Vgl. Laden- dorf und ZfdW. 8, 13. Komödiänt, m.(en, Pl.-en): Schau- spieler. 1617 im teutschen Michel 25 und 1620 bei Albertinus Lustgarten 265 Comediant, 1639 bei Zincgref 1, 304 Comœdiant, 1691 bei Stieler Komöcliant neben Komedliant und Kom- mediant, nach gleichbed. ital. commediante m., dem als Subst. gebrauchten Part. Präs. von commediare Lustspiele aufführen», zu ital. 1103 Kompagnie Kompliment 1104 commedia f.«Lustspiel⸗, aus gr.-lat. comoedia f. Daher komödiäntisch, adj., 1712 bei Hübner combdiantisch, 1694 bei Nehring comediantisch. — Komödie, f.(Pl.-n): Lustspiel(im 17. und 18. Jh. Schauspiel, Theater überhaupt, nach franz. comédie f.). Im 15. Jh. mrhein. comeédie(bei Diefenbach gl. 134°), 1517 comedi f.(vocabula pro juventute Bl. 232), 1639 bei Zänegref 1, 304 Comdie, 1691 bei Stieler Ko- mõdiie neben Komedie und Kommedie, aus gr.- lat. comoedia, gr. kuipdia f.«Lustspiel», im Griechischen eig. wohl«Festgesang», zgs. aus ᷣυνοc m.«festlicher Aufzug mit Musik, Ge- sang und Tanzy, zunächst zu Ehren des Gottes Dionysos, und ꝙdi f.«Gesang»(s. Ode). Vgl. Komisch, Komiker. Kompagnie, Kompanie(spr. Kompand), f.(Pl.-n): zu etwas verbundne Gesellschaft; Abteilung Soldaten unter einem Hauptmann. Das franz. compagnie f., das zurückgeht auf ein mlat. companium n. Gesellschafty, eig. «Brotgenossenschafty, zgs. aus lat. com-«mit» und einer Ableitung von pãnis m. Broty. Schon mhd. kompande, kumpanle f.«Gesell- schafty, dann im 16. Jh. in der Bed.«Handels- gesellschaft»; als Heeresabteilung 1617 bei Wall. hausen Corp. mil. 12.— Kompagnön(spr. Kompanj6), m.(-s, Pl. s): Geschäftsteilhaber. Das franz. compagnon, ital. compagnone m., eig. «Genossey. Schon 1515 im Eulenspiegel Kap. 39 companion in der Bed.«(Handwerks-) Ge- nosse, Mitgeselly. Vgl. Kumpan. kompäkt, adj.: dicht, gedrängt. 1716 bei Ludwig compact, aus franz. compacte, von lat. compactus«gedrungenꝰ. Kompanie, s. Kompagnie. Komparativ, m.(-s, Pl.-e): Vergleichs- stufe, höhre Stufe des Adjektivs und des Ad- verbs in der Grammatik. Aus lat.(gradas) conparãtivus m., eig. Adj. von conpar ãtus, dem Part. Perf. Pass. von compardre«vergleichen. Kompafß, m.(Gen. Kompasses, Pl. Kom- Passe): Magnetnadel mit Büchse(im 17. und 18. Jahrh. auch«Taschensonnenuhr» für die Reise, 1678 bei Krämer«Zirkel», daher die sprichwörtliche RA. EWinem den K. verrücken «seine Pläne vereiteln,(1605 bei Hulsius). Im frühen 15. Jh. compas, daneben compast, 1540 bei Alberus dict. ee 3 b Compaß(aber bereits 1253 bei Heinrich von Krolewiz Vater- unser 1468 f. und um 1190 im Gedicht La Bible des Guyot de Bercy aus Provins be- schrieben). Aus ital. compasso m.«Kompafß, Zirkeh, nebst ital. compassare cabschreiten, ab- messen» abgeleitet von lat. passus m. Schrittꝰ. Jetzt betont Kömpaß, aber bei Opitz, A. Gry- phius, Hoffmannswaldau, Canitz usw. Compaſß. Kompéndium, n.(-s, Pl.-dien): kurz gefaßtes Lehrbuch, Abriß. Aus lat. compen- dium n.«Ersparnisy(an Arbeit). Im 17. Jh. Kompensatiön, f.(Pl.-en): Ausgleichung, Entschädigung, Aufrechnung. Aus gleichbed. franz. compensation f. und dies aus lat. com- pensctio f. von com-pensäre«gegeneinander abwägen», wovon kompensieren, v.: auf- rechnen. Beide im 17. Jh. Kompetént, m.(-en, Pl.-en): Mitbewerber um ein Amt, 1678 bei Krämer. kompetént, adj.: zuständig, befugt, 1714 bei Wächtler competente, von lat. competens(Gen. compe- tentis, in der mlat. Rechtssprache gebühr- lich, zuständig»), dem Part. Präs. von compe- tére«zusammentreffen, gemeinsam erstreben). Kompeténz, f.: Mitbewerbung, Zuständig- keit(1678 bei Krämer Competentz), aus lat. competentig f.«zZusammentreffem, im Mlat. «Mitbewerbung». Kompilatiön, f.(Pl.-en): Zusammen- stoppelung aus Büchern. kompilieren, v.: (aus Büchern) zusammenstoppeln. Erst im 18. Jh. aus lat. compiläre«plündern», com- pilãtio f.«Plünderungy. komplétt, adj.: vollständig, 1678 Krümer complet, aus gleichbed. franz. complet, von lat. complétus«vollgefüllt, vollständigy, dem Part. Perf. Pass. von lat. complére can-, voll- füllen. Davon komplettieren, v.: ver- vollständigen, ergänzen, 1703 im Zeit.-Lex. completiren, aus gleichbed. franz. compléter. Kompléx, m.(es, Pl.-e): Zusammen- fassung, Zusammengefaßtes. Oft bei Goethe (3, 368; naturw. Schr. 6, 9). Aus lat. com- plexus m. das Umfassen». Komplice, m.(·n, Pl.-õ): der Mitschuldige, Helfershelfer. Ende des 17. Jh., aus gleich- bed. franz. complice m., von lat. complex m. (Gen. complicis)«Verbündeter, Teilnehmer». kompliziert, adj.: verwickelt. Bei Campe 1801. Das Part. Perf. Pass. von Komplizieren, lat. complicãre«zusammenfalten, wickeln). Komplimént, n.(-es, Pl.-e): Verbeu- gung; Empfehlung; Höflichkeitsbezeigung, Artigkeit. Im 17. Jh.(1615 bei Albertinus Landstörzer 255 der Pl. Complimenten), aus gleichbed. franz. compliment und dies aus ital. complimento m. Davon komplimentieren, v., 1669 im Simplic. 217 conplimentiren, aus franz. complimenter, ital. complimentare. 1105 Komplott Konferenz 1106 Komplött, n.(-Lels, Pl.-e): geheime Ver- bindung zu Schlimmem; Meuterei. Im 17. Jh. (1686 bei Liebe) aus dem in seinem Ursprung dunklen franz. complot m.«heimlicher böser Anschlag unter Mehrern»(in der ersten Hälfte des 16. Jh. Verabredung, Ubereinkunft»). Davon komplottieren, v., im 17. Jh. aus franz. comploter. komponieren, v. eine Tondichtungschöp- ferisch zusammensetzen. 1571 bei Rot com- ponirn, aus lat. compõnére«zusammensetzen. Komponist, m.(en, Pl.-en): Tonsetzer, bei Luther Briefe 4, 586 und bei Rot 1571 Componist. Kompositiõn, f.(Pl.-en): Zu- sammensetzung(um 1522 bei Ickelsamer 32 Composition der Wörter); Metall- oder Erd- mischung(LZimm.-Chron. ² 4, 139, 8); Ton- dichtung(1571 bei Rot). Aus lat. compositio f. Zusammensetzung. Kompöst, m.(-els, Pl.-e): gemengte Düngererde. Neures Lehnwort der Gärtner und Winzer aus gleichbed. franz. compost m., mlat. compostum n.«Dünger», von lat. coyl- positum ᷣzusammengesetztes»(s. Kompott). Kompött, n.(Jels, Pl.-e): eingemachtes gedämpftes Obst, bei Campe 1801, aus gleich- bed. franz. compote f., ital. composta f., aus lat. composita, dem Fem. des Part. Perf. Pass. compositus von componére«usammen- setzen». Dafür im 16. bis 18. Jh. Compost m. (1567 bei Junius 111², Schlehenkompost 1575 bei Fischart Garg. 210). kompréß, adj.: zusammengedrängt, enge. Im 17. Jh., aus lat. compressus«knapp, enge, dem Part. Perf. Pass. von comprimére zu- sammendrücken, pressen». Davon Kom- présse, f.(Pl.-n): Umschlag um eine Wunde, Beule und ähnliches. 1813 bei Campe. Kompromſß, m. und n.(Gen.-Sses, Pl. -sse): gegenseitige Übereinkunft, besonders streitiger Personen; Urteil, dem sie sich unter- werfom. Im 15. Jh. compromiss n.(Oheim 154, 13), aus lat. compröomissum n.«gegen-—¹ seitiges Versprechen», dem substantivischen Neutr. von compröomissus, Part. Perf. Pass. von compromittére(s. d. folg.). kompromittieren, v.:(dem Schimpfe) bloßstellen. Im 17. Jh. compromittiren(1694 bei Nehring), aus gleichbed. franz. compro- mettre, von lat. compromittére«gegenseitiges Versprechen geben». Komtür, m.(-S, Pl.-e): Ordenspfründner; Vorgesetzter eines Ordenshauses oder Ordens- gebietes. Mhd. kommentiur, commendär, Kome- Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. Begleiter, Schaffner. «Leitery, dnr, kumtur m., aus afranz. ommendeor(nfranz. commandeur), von mlat. commendator m.«Be- fehlshaber eines geistlichen Ordensgebietes oder Ordensgutes», von lat. commendäre«emp- fehlen», im Mlat.«befehlen». Vgl. Kommende. kondensieren, v.: eindämpfen, eindicken. Nach lat. condensãre«dicht machen, zusammen- pressen». 1791 bei Roth. Konditiön, f.(Pl.-en): Bedingung; Zu- stand; Dienst. Im 16. Jh. Condition f.«Be- ding, Vorschlag)(1580 bei Schwartzenbach Syn. 14 ²),«Dienst, Stelles(bei Luther Briefe 5, 528), aus lat. conditio f. Bedingung, be- dangene Ubereinkunfty, von condére zu- sammmengebeno. 4B L. konditionieren, Vv in Diensten stehen. Im 17. Jh. Konditor, m.(-s, Pl. wie Sg.): Zucker- bäcker. 1716 bei Ludwig Conditor, 1728 bei Sperander Conditer, aus lat. conditor m., von condire«durch Zutaten lecker machen, Früchte einlegen»(1616 bei Henisch Condit«Konfekt», ebenso mhd. condiment n. aus lat. condimentum n.). 4B L. Konditorei, f.: Zuckerbäckerei. Kondolénz, f.: Beileidsbezeugung. Im 17. Jh.(bei Schuppius 617 Condolentz), aus gleichbed. ital. condolenza f. kondolieren, v.: sein Beileid bezeugen, 1694 bei Nehring condoliren, von lat. condolére«sehr leiden?, dann Mitleid, Beileid bezeugeny. Kondor, m.(-S, Pl.-e): südamerikanischer Greifgeier. 1721 bei Jablonski, über span. condor m. aus peruanisch cuntur. Kondottiére, m.(-s, Pl.-n und Kon- dottieri): Führer einer Söldnerbande. Aus gleichbed. ital. condottiere(14. Jh.), abgeleitet von ital. Part. Perf. Pass. condotto, lat. con- ductus, zu ital.-Jat. condücere«führen». Konduktéur,(spr.-ör), m.(*s, Pl.-e): Aus franz. condlcteur von conduire«führeny». 1728 bei Sperander. Konfékt, n.(-S, Pl.-e): Zuckergebacknes. Mhd. im 14. Jh. confect n., aus gleichbed. mlat. confectum n., urspr. Neutr. des Part. Perf. Pass. von conficèére«verfertigen». Konfektiön, f. (Pl.-en): Anfertigung von Kleidern usw. Aus gleichbed. franz. confection f., nlat. confectio f. Im 19. Jh. Davon Konfektiönsgeschäft, n. Konferénz, f.(Pl.-en): Beratschlagung, 1678 bei Krämer Conferentz, aus mlat. con- ferentia f.«Unterredung», von lat. conferre zusammentragen, mitteilen». konferieren, v.: gemeinschaftlich beraten;(ein Amt) über- tragen. Früh im 16. Jh.(bei Fischart Garg. 70 1107 Konfession König 1108 274 conferieren in der 1. Bed.), aus gleich- bed. franz. conférer, von lat. conferre«mit- teilen, zuwenden. Konfessiön, f.(Pl.-en): Bekenntnis(mhd. confession f.); Religions-, Glaubensbekenntnis (nach der confessio Augustana von 1530, bei Rot 1571 Confession), aus lat. confessio f.«Be- kenntnis», von confitéri«bekennen». konfirmieren, v.: rechtskräftig bestä- tigen(mhd. im 13. Jh. confirmiren Germania 28, 363); zur Bestätigung des Taufbundes ein- segnen(1534 bei Franck Weltb. 127 b con- firmieren), aus lat. confirmãre æfestmachen, bestätigen». Konfirmãnd, m.(-en, Pl.-en): der als Mitglied der christlichen Kirche be- stätigt und eingesegnet werden soll, aus lat. confirmandus, dem Part. Perf. Pass. von con- firmãre. Konfirmatiõn, f.(Pl.-en): rechts- kräftige Bestätigung(1487 im Stadtrecht von Gera Einleit. confirmacion); Investitur(im 15. Jh. confirmaz f.); Einsegnung zur Be- stätigung des Taufbundes(1534 bei Franck Weltbuch 127 b Confirmation); aus lat. con- firmãtio f.«Befestigung, Bestätigungs. konfiszieren, v.: gerichtlich einziehen. 1507 bei Janssen Reichscorr. 2, 738 confisciren, aus lat. confiscãre«für die kaiserliche Schatz- kammer(lat. fiscus m.) einziehen». Kon- fiskatiön, f.: Verfallserklärung, aus lat. con- ſiscãtio f.«vermögenseinziehung». Im 17. Jh. Konfitüren, Pl.: Eingemachtes; Zucker- gebäck. Aus gleichbed. franz. confiture f., das auf lat. confectãra f. von conficere(s. Konfelt) zurückgeht. 1711 bei Rädlein. Konflikt, m.(„els, Pl.-e): feindlicher Zu- sammenstoß. Im 18. Jh., aus gleichbed. lat. conflictus m., von confligere cfeindlich zu- sammenstoßeny. Konföderatiön, f.(Pl.-en): Verbindung (im 17. Jh.). konföderieren, v.: verbünden, im 17. Jh.(bei Nehring) aus lat. confoederäre «durch Bündnis vereinigen», davon(um 400 n. Chr.) lat. confoederdtio f.«Bündunis). konförm, adj.: gleichförmig, überein- stimmend. Im 17. Jh.(bei Nehring conforn), aus glbd. späterlat. conformis, von lat. forma f. & Formꝰ. konfrontieren, v.: zum Verhöre Stirne gegen Stirne, d. h. gegenüberstellen, 1616 bei Henisch coufrontiren, aus mlat. confrontare, von lat. frons f.«Stirney. Konfrontatiön, f., mlat. confrontatio f. 1728 bei Sperander. konfüs, adj.: verwirrt, im 16. Jh. in der Zimm. Chron. ² 1, 529, 23 confus, aus glbd. lat. confasus, Part. Perf. Pass. von confandere czusammengießen, verwirreny. Konfusiön, f. (Pl.-en): Verwirrung, Durcheinander. 1571 bei Rot Confusion, aus glbd. lat. confãsio f. Kongréß, m.(Gen.-sses, Pl. sse): Zu- sammenkunft von Abgeordneten in Staats- angelegenheiten. 1703 im Zeit.-Lex. Congreß, aus lat. congressus m. Zusammenkunft». König, m.(-S, Pl.-e): Fürst der höchsten Würde nach dem Kaiser. Bei Luther Konig, König, md. im 15. Jh. Konig mhd. kinec, ahd. kuning,(mit Auswerfung des Nasals wie in Ho- nig, Pfennig, verteidigen) kunig m.; dazu asächs. cuning, mnd. onink, mndl. coninc, afries. kining, ags. cyning, cyng, engl. king, anord. Konungr, kõngr m., schwed. konung, kung, dän. Konge (got. dafür iuddans m.). Mittels der Ableitungs- silbe-ing von got. Kuni, ahd. cunni, mhd. Künne, asächs. cannt, ags. cyn, anord. kyn n. Ge- schlechty(s. Kind), also eig.«Mann von edlem Geschlecht». Doch scheint neben ahd. chuning, ags. Cyning ein aus ahd. chuniriche, ags. cynerlce n.(Königreich), cgmecyn n.(Königsgeschlecht), cynelie(königlich) sich ergebendes ahd. chani, ags. Cyne«König» vorhanden gewesen zu sein, von dem jene alten Formen für König abge- leitet sein könnten, bekräftigt durch die Ab- leitung des anord. kKonungr von konr m.«Mann vornehmer Abkunfts, demnach eig.«Sohn eines Mannes von edlem Geschlecht. Nach Tacitus Germania 7 wählten die Germanen die Könige nach edler Geburt. Mit einem unmittelbar dahinterstehenden Eigennamen bleibt König, das man mit diesem als eins ansieht, unver- ändert und wird nur jener Name dekliniert, 2z. B. mhd. Kiünec Artêses hof, nhd. König Fried- richs Macht; hat aber K. den bestimmten Artikel vor sich, so bog mhd. nur der Name, 2z. B. des künic Guntheres man, oder auch zugleich Künec, z. B. von des küneges Sige- bandes wibe(Gudrun 156, 4), doch biegt heute nur König, z. B. des Königs Karl. Mit einem Beinamen dekliniert man z. B. König Fried- richs des Großen, aber des Königs Fyriedyich des Großen. 48L. Königin, f.(Pl.-nen), bei Luther Königin, mhd. küniginne, Küne- ginne und kunigin, Künegin, md. Kuniginne, ahd. Kunninginna und kunningin, mnd.-mndl. koninghinne f. königisch, adj., bei Luther und Goethe, ahd. chuningisc, jetzt veraltet. königlich, adj., mhd. Küniclich, küneclich, ahd. Kaninglih, kuniglih, anord. Komungligr, engl. kingly, aber ags. cynelic. Königtum, n., 1691 bei Stieler verzeichnet als frühres, 1109 Konjektur Konnetabel 1110 nicht mehr gebrauchtes Wort für Königreich; nach Heynatz Antibarb. 2, 195 von Wieland für franz. royauté f. aufgebracht; aber asächs. cuningdõm m., mndl. koninkdom, ags. cyning dõm m., engl. kingdom, anord. Konungdömu m. ZUS. Königreich, n., mhd. künicrache, ahd. vuningrichi, ags. cyningrice und cynerlce n. Königskerze, f.: die schöne gelbe(wie Gold der Königskrone blinkende) Wollblume mit kerzengeradem hohen Stengel, im 15. Jahrh. konigis kercz(Diefenbach gl. 573 b). Königs- schuß, m.: bester Schuß beim Scheiben- und Vogelschießen, der zum Schützenkönig macht, 1691 bei Stieler. Konjektür, f.(Pl.-en): Vermutung, Mut- maßung, 1571 bei Rot, aus glbd. lat. coniectãra f. konjugieren, v.: das Zeitwort biegen, in der kursächs. Schulordnung von 1580 con- jugiren, aus lat. coniugãre«verbinden». Kon- jugatiön, f.(Pl.-en): Zeitwortbiegung, bei LutherS8, 135 2 Coniugation, aus lat. coniugãtio f. «Verbindungy, bei den lat. Grammatikern die Biegung des Verbumsy, wofür Schottel 1641 Zeitaandelung, Gottsched 1748 Abwandelung. Konjunktiön, f.(Pl.-en): Verbindung (bei Schiller Wall. Tod 1, 5 V. 401); Binde- wort(1690 bei Bödiker 233 f. Conjunction), aus lat. coniunctio f.«Verbindungy, bei den lat. Grammatikern«Bindewort»(von lat. con- jungere cverbinden»), dafür 1641 bei Schottel Fügewort, 1691 bei Stieler Fügawort, 1748 bei Gottsched Bindewort. konkäv, adj.: hohlrund. 1728 bei Spe- rander, aus lat. concavus«gewölbto. Konkläve, n.(-s, Pl. wie Sg.): ver- schloßnes Papstwahlgemach; Papstwahlver- sammlung, 1703 im Zeit.-Lex. Aus lat. con- clãve n.«Verschlußy. Konkordänz, f.(Pl.-en): Findeverzeichnis der Bibelsprüche nach ihrer UÜbereinstimmung. Im 16. Jh.(1571 bei Rot Concordantz), aus glbd. mlat.(13. Jh.) concordantia f., von lat. concordãre cũbereinstimmenn. Schon im 15. Jh. bei Wolkenstein concordantz f.«Einklangy. Konkordät, n.(-s, Pl.-e): Vertrag eines weltlichen Fürsten mit dem Papst in Kirchen- sachen. Aus gleichbed. mlat. concordatum n., von lat. concordäre«usammenstimmen, in Eintracht bringenv. Konkubine, f.(Pl.-n): Beischläferin, Kebsweib, spätmhd. concubine, aus gleichbed. lat. concubina, dem Fem. von lat. concubinus m. Beischläfery, zu lat. concumbere be- (els, Pl.-): wilde Ehe, aus lat. concu- binãtus m.«außereheliche Geschlechtsverbin- dungv. 1728 bei Sperander. konkurrieren, v.: sich mitbewerben, im 17. Jh.(aber 1571 bei Rot concurrirn in der eig. Bed.«zusammen- oder mitlaufen»), aus lat. concurrere«mit-, zusammenlaufen». Kon- kurrént, m.(en, Pl.-en): Mitbewerber, im 17. Jh. aus lat. concurrens, Part. Präs. von concurréère. Konkurrénz, f.(Pl.-en): Mitbe- werbung, im 17. Jh., aus mlat. concurrentia f. Konkürs, m.(Gen.-es, Pl.-e): Zusammen- lauf, besonders der Zusammentritt der Gläu- piger zur gerichtlichen Teilung des für ihre Forderungen unzureichenden Vermögens eines Schuldners. Im 17. Jh.(bei Nehring) Concurs m. zusammenlauf, Zusammenkunft, Ver- sammlung der Gläubigers», aus lat. concursus m. Zusammenlaufy. Vgl. Gant. können, v.(Präs. kann, Pl. kõönnen, Prät. konnte, Konj. kõönnte, Part. gekonnt): geistig innehaben und ausüben; Fähigkeit, Möglich- keit wozu haben. Mit ö aus dem Mdâ., mhd. kunnen, Künnen, ahd. kunnan, in ältester Zeit nur cgeistig innehaben»; dazu asächs.-ags. cunnan, afries. Kunna, konna, anord.-schwed. kunna, dän. kunne, got. kunnan«kennen, wissen». Daneben ahd. cnäan(in den Kompos. int-, ir-, bicnãan) ckennen?, entsprechend ags. encvan, engl. Xnou«kennen, erkennen», anord. knã ckönnen, vermögen». Urverwandt mit lat. nõôscere«kennen», co-gnõöscere(Perf. co- gnõôui)«erkennen», nõôtus«bekannt», gnãrus ckundig, bekanntꝰ, gr. Frfvckeiv erkennen», Fvcic f.«Erkenntnis», ir. ad-génsa«erkannte?, gnãti«bekannt, gewohnt», abg. znati cer- kennen», lit. Zinöti«kennen, einsehen», air. gnãth«bekannts, aind. Jänäãmi ich erkenney, aw. zan- ckennen», arm. caneaxh; ckanntey, alb. ioh«kenne». Das Präs. lautet mhd. Kan, Pl. Kunnen(Künnen, können), ahd. chan, kan, Pl. kunnan, ags. can, cunnon, got. kan, kunnum:; das Prät. noch älternhd. kunte(kunt d. j. Goethe 3, 494, kunnt H. Heine 1, 18), mhd. kunde, konde(Konj. kunde, künde), ahd konda, auch konsta, got. kunpa; das Part. älternhd. gelconnt, gekõnnt, mhd. gekunnet und Kunnen (noch nhd. bei einem Inf., z. B. er hat es tun können), ags. cih, cunnen, got. kunps(vgl. kund). Konnetäbel, m.(-S, Pl.-s): Kronfeld- herr. Im 17. Jh. Comnetable, aus gleichbed. franz. connétable, ital. contestabile, connestabile, span. condestable m., urspr.«Oberstallmeister», schlafen». 1572 bei Rot. Konkubinät, n. von mlat. constabulus m., 2gs. aus comes stabali 70* 1111 Konnexion Konstabel 1112 «Stallmeister»(lat. comes m. Begleiter, im Spätlat.«Inhaber eines Hof-, Staatsamtes», und lat. stabzulum n.«Stall»). Konnexiön, f.(Pl.-en): einflußreiche Verbindung. Im 17. Jh. Connexion(bei Neh- ring), aus franz. connexion f.«Verbindungy, von lat. connexio f.«Verknüpfung», zu lat. connectére«zusammenknüpfen. Konrad, Mannsname. Mhd.-ahd. Kuonrät, ags. Cénrécd. Zgs. aus kúhn und Rat. Dazu die Koseformen Kurt, nd. Körd, und Kunz, mhd. Kuonze, Kunze, ahd. Chuonzo, Ounzo. Konrektor, m.(-s, Pl.-en): Mitrektor (zweiter Lehrer) einer Schule. Neulateinisch. konsekrieren, v.: weihen, einweihen. Mhd. consacrieren, md. consecriren(Germania 18, 266), aus lat. consecräre. Konséns, m.(Gen.-es, Pl.-e): Zustim- mung. Im 15. Jh.(1411 bei Janssen Reichs- corr. 1, 217 consensbrief), aus lat. consensus m. Ubereinstimmungy. konsequent, adj.: folgerecht. Im 18. Jh. aus lat. consequens(Gen. conseguentis), dem Part. Präs. von lat. consegui nachfolgen, logisch folgen». Konsequénz, f.(Pl.-en): Folge, bei Luther 7, 253 b Consequentz, aus gleichbed. lat. consequentia f. konservativ, adj.: erhaltend. Aus engl. conservative von einem nlat. conservativus er- haltendy zu lat. conserväãre, s. Konservieren. Seit 1831 in England als politisches Schlag- wort belegt und bald danach als Name einer bestimmten Partei auch in Deutschland ver- breitet. Vgl. Ladendorf. Konservatörium, n.(-s, Pl.-rien): höhre Schule für Musik. Latinisiert nach gleich- bed. franz. conservatoire(so noch 1813 bei Campe) von lat. conservãre, s. d. folg., also eig. Ort zur Erhaltung(der wahren Musik). konservieren, v.: erhalten, bewahren. 1571 bei Rot conservirn, aus gleichbed. lat. conservãre. Konsérve, f.(Pl.-n): einge- machte Früchte, Gemüse usw. 1580 bei Sebiz Feldbau 70 Conser/ f., 1616 bei Henisch Con- serv f.(eingezuckerte Blumen und Kräuter), 1546 bei Bock 2, 20 b Conserva f., aus mlat. conserva f. konsistént, adj.: dicht, dauernd, haltbar. Aus lat. consistens(Gen. consistentis), dem Part. Präs. von consistére«sich hinstellen, seinen Stand haben, feststehen, bestehen. Davon Konsisténz, f.: Bestand, Dichtheit, Dauer, 1716 bei Ludwig Consistenz, franz. consistance, ital. consistenza f. Konsistörium, n.(-s, Pl.-rien): Ver- sammlung; zusammengesetzte geistliche Be- hörde(1562 bei Mathesius Sarepta 193 b Con- sistorium). Mhd. consistorium n. cSitzung unter Vorsitz des Papstes»(Ottokar 19471), aus lat. consistörinm n.«Versammlungsort», von lat. consistére æsich hinstellen. konskribieren, v.: Mannschaft ausheben zum Soldatendienste. Im 17. Jh. conscribiren (aufschreiben, viel Schreibens machen), um 1800 in der Bed.«um Kriegsdienst auf- schreiben und ausheben?, aus gleichbed. lat. conscribere. Konskriptiõn, f.(Pl.-en): Aushebung zum Kriegsdienst. Bei Goethe 7, 22. Nach gleichbed. franz. conscription f. (1798), aus lat. conscriptio f. Aufzeichnungy. Konsöle, f.(Pl.-/): Kragstein, Wand- gestell, Träger für Statuetten u. a. Aus glbd. franz. console f., das vielleicht von consoler ctrösten stammt. Bedeutungsentwicklung: Trost, Stütze, Stützbänkchen. 1791 bei Rot. Konsöls, pl.: Staatspapiere. Aus engl. consols. Im 19. Jh. Konsonant, m.(-en, Pl.-en): Mitlauter. 1478 bei Nicl. v. Wyle 350, 30 consonant, 352, 6 consonanten, um 1522 bei Iekelsamer 11 Konsonant Mitstymmer. Aus gleichbed. lat. (litera) consonans f., eig. Part. Präs. von con- sondre«mitertönen⸗. Davon konsonän- tisch, adj., 1593 bei Helber 5 consonantisch. Konsonanz, f.(Pl.-en): Einklang, im 18. Jh. Consonanz, aus gleichbed. lat. consonantia f. Konsorte, m.(-en, Pl.-en): Mitgenosse, Teilnehmer, jetzt meist in anrüchigem Sinne. 1562 bei Mathesius Sarepta 60 b der Pl. Con- sorten, aus lat. consors m.(Gen. consortis) Teilhaber. konspirieren, v.: übereinstimmen, sich verschwören. Bei H. Sachs Fab. 359, 100. Aus gleichbed. lat. conspträre. Konspira- tiön, f.(Pl.-en): Übereinstimmung, Ver- schwörung, 1509 bei Brant Layenspiegel C 6 b Oonspiration, im 15. Jh. bei Oheim 112, 8 conspiraz f., aus gleichbed. lat. consperdtio f. Konstãbel, m.(-s, Pl. wie Sg.): Feuer- werker, Stückmeister, Kanonier, 1617 im teut- schen Michel 18. Aber Voc. ex quo von 1469 constabel m.«adelicher Fürstenbotes, mhd. con- stabel m.«Anführer, Befehlshaber», aus mlat. constabulus(S. Konnetabel); spätmhd. constavel, kunstabel m.«Mitglied der patrizischen Gelags- genossenschaft in den Reichsstädten, Junker?. Konstäbler, m.(-s, Pl. wie Sg.): Stück- meister, Kanonier;(englischer) Polizeidiener. 1113 konstant Kontinent 1114 1650 bei Moscherosch Phil. 1, 170 Constahler, aber mhd. kunstofeler m.«Konnetable»(s. d.), aus mlat. constabularius m.«Heerführer, Be- fehlshaber zur Lager- od. Festungsbewachung. konstänt, adj.: beharrlich, unveränderlich, 1728 bei Sperander, aus gleichbed. lat. constans. konstatieren, v.: feststellen, 1801 bei Campe constatiren, aus gleichbed. frz. constater. konsternieren, v.: bestürzt machen, ver- blüffen. Im 17. Jh.(1694 bei Nehring, bei Weise Cath. 135), aus gleichbed. lat. consternãre. konstituieren, v.: feststellend zusammen- ordnen, 1571 bei Rot constituirn, aus lat. consti- tuére efeststehen machen. Konstitutiön, f. (Pl.-en): Leibesbeschaffenheit; Staatsverfas- sung. 1495 in den Reichsordn. 282 Constitas- tion f.«Verfassungy, mhd. constitucion f. päpst- liche, bischöfliche Satzung»(Ottokar 13437. 28 076), aus lat. constitãtio f.«Feststellung, Einrichtung». konstitutionéll, adj.: eine Staatsverfassung habend; verfassungsmäßig. Spät im 18. Jh. constitationell(Goethe 5, 1, 151), aus franz. constitutionnel«verfassungsmäbßig?. konstruieren, v.: zusammenorduen, bei Luther 7,20 b Jen. construirn, aus lat. construére zusammenschichtem, dann grammatisch ver- bindens». Konstruktiön, f.(Pl.-en): Zu- sammenfügung, Zusammenordnung, gramma- tische Verbindung(um 1522 bei Ickelsamer 45 und bei Luther 8, 135² Construction), aus gleichbed. lat. construclio f. Konsul, m.(-s, Pl.-/): höchste Magistrats- person, Bürgermeister(spätmhd. im 15. Jh. consul, kunsel); beglaubigter Handelsbevoll- mächtigter(1562 im Reisbuch des heil. Lands 1, 359, sowie 1582 bei Rauwolff Reise 23 u. 33). Aus lat. consul m. chöchste Magistratsperson». Konsulät, n.(-s, Pl.-e): Konsulwürde(im 16. Jh., Sallust D 2); Gerichtsbarkeit und Woh- nung eines Handelskonsuls. Aus lat. consa- lãtus m. Konsulwürde». Konsulént, m. (cen, Pl.-en): Berater, Rechtsberater, im 17. Jh. Consulent, aus lat. consulens, Part. Präs. von consulére«zu Rate gehen, überlegen, um Rat fragen», im Mlat. auch«Rat geben», woher konsulieren, v.: um Rat fragen, im 17. Jh. consuliren(bei Nehring). Konsultatiön, f. (Pl.-en): Beratschlagung, Ratfragung, 1571 bei Rot Consultation, aus gleichbed. lat. consul- tãtio f., von lat. consultũre«beratschlagen(ab- geleitet von consulére), woher konsultieren, v., im 17. Jh. consultiren(bei Nehring). konsumieren, v.: verbrauchen, verzehren. 1663 bei Schuppius 54 consumiren, aus gleich- bed. lat. consumére. Davon Konsüm, m. (Jels): Verbrauch. Im 19. Jh. Konsüm- verein, m.: Genossenschaft zum gemeinsamen Einkauf und Verkauf. 1851 von K. Bürkli ge- prägte Bezeichnung, vgl. Zfd W. 9, 283. Kon- sumtiön, f.: Verbrauch, 1716 bei Ludwig Consumtion, aus lat. consumptio f. Aufzebrung. kontént, adj.: zufrieden. 1551 bei Scheidt Grobianus 52 V. 1578 content, aus lat. con- tentus«zufrieden» eig.«sich beschränkend, be- gnügend», dem als Adj. stehenden Part. Perf. Pass. von continére«zusammenhalten», woher auch franz. content. kontentieren, v.: zu- friedenstellen, befriedigen, insbesondere in Be- zahlung(Schiller Pikk. 1, 1). 1616 bei Henisch contentieren, nach franz. contenter«durch Be- zahlen vergnügen, zufriedenstelleny. Konteradmiral, m.: Gegenadmiral, d. i. der dem Vizeadmiral zunächst stehende Ad- miral, 1728 bei Sperander Contre-Admiral, aus franz. contreadmiral m.(franz. contre, von lat. contra«gegenꝰ.) Konterbande, f.(Pl.-n/): Schleichhandel; verbotene, geschmuggelte Ware. 1562 bei Mathesius Sarepta 9 b. 782 Contrabant m., 1555 bei Wickram Rollw. 190, 7 Kontrebando. Aus franz. contrabande f., ital. contrabbando m. Handel gegen öffentliche Verkündigung oder Gesetz, Schleichhandel»(ital. lat. contra«ge- gen», bando m.«Verkündigung eines Befehls»). Konterfei, n.(-s, Pl.-e): Abbild. 1651 bei P. Fleming 35 Conterfei, 1618 bei Schöns- leder Conter fech(1663 Conterfeh), 1616 bei Henisch und 1716 bei Ludwig Conter feit, bei Luther 6, 543 2 Controfect(Ebenbild), aus mhd. kunter feit adj.«nachgemachtꝰ, von franz. oontrefait, mlat. contrafactus, dem Part. Perf. Pass. von franz. contrefaire, mlat. contrafacere cnachbilden». Daher auch mhd. kunter-, gunter-, conter feit n.«künstlich vermischtes, verfälsch- tes Gold od. Silbery, Conter fey 1616 bei Henisch. konterfeien, v.: abbilden, 1618 bei Schöns- leder conter fehen, 1517 bei Trochus L konter- feyn, 1616 bei Henisch conterfeyten und ab- conter feyten, 1477 clevisch contrafeyten. Kontertanz, m.(-es, Pl. tänze): ein Ge- sellschaftstanz. Aus engl. countrydance, eigent- lich«lündlicher Tanz», 1813 bei Campe. Kontéxt, m.(-els, Pl.-e): Redever- bindung, 1703 im Zeit.-Lex. Conteæt, aus lat. conteætus m.«zusammenhang, von lat. con- texéêére zusammenwebenꝰ. Kontinent, m.(-Lels, Pl.-e): Festland. Im 18. Jh. Continent, nach gleichbed. franz. con- 1115 Kontingent Kontur 1116 kinent m. aus lat.(terra) continens«zusammen- hangendes Land, Festlandꝰ, eig. Part. Präs. von lat. continére«zusammenhbalten»,(im Passiv) zusammenhangen. Kontingént, m.(„els, Pl.-e): der zu stel- lende Pflichtteil an Truppen usw.(in der Schweiz„der Auszug“); der den einzelnen treffende Beitrag zu einer Sache, nach franz. contingent m. zukommender Teily aus lat. contingens(Gen. contingentis), dem Part. Präs. von contingèére«berühren, angehen, betreffen. Konto, n.(-S, Pl.-s und Konten): zahl- bare Rechnung. Das ital. conto m.«Rechnung» zu contare zühlen, aus lat. computdre zu- sammenberechnen». Um 1600 entlehnt und bei Henisch 1616 verzeichnet, der Plur. Conten bei Grimmelshausen, 4, 381, 24 Kurz(vom J. 1673). Kontör, auch noch Comptoir, n.(-Lels, Pl.-e): Schreib-, Geschäftsstube des Kauf- manns. Aus franz. comptoir, ital. contore m. Zahlstubey, von franz. compter, ital. contare zühleny, aus lat. computäãre«zusammenberech- neny. Um 1500 zunächst aus dem Ital. als Contor entlehnt(1515 im Eulenspiegel Cap. 62 kontor«Rechnungstisch», wie noch 1616 bei Henisch); im 17. Jh. drang die franz. Form Comptoir ein(bei Nehring 1710 neben Contor.). Kontrabaß, m.(-Sses, Pl.-bässe): der Gegen- d. i. große(tiefste) Baß, große Baß- geige. 1678 bei Krämer Contrabaß, aus gleich- bed. ital. contrabbasso m. kontrahieren, v.: zusammenziehen(im grammatischen Sinne 1609 bei Quad v. Kinkel- bach Teutscher Nation Herligk. 146 contra- hiren); zu einem Vertrage sich einigen(1536 in Egenolffs Instituta 3, 53 2 contrahiren, daher die Contrahenten bei Fischart Garg. 93);(stud.) zum Duell herausfordern(1831); dazu Kontra- häge(spr.-ase), f.(Pl.-n): Herausforderung zum Duell. 1814. Eine Schuld k.«sie mit je- mand zu(teldentleihung abschließen. Aus lat. contrahére zusammenziehen?. Konträkt, m.(Jels, Pl.-e): Vertrag. In der Reichsordn. 36 b vom J. 1500 contract, aus lat. contractus m. zusammenziehung, Ver- trag», von lat. contrahére zusammenziehen. konträkt, adj.: verkrümmt, gichtisch ge- lähmt, gliederlahm. Im 16. Jh., bei Tschudi (r 1572) Chron. 1, 447 b und 1582 bei Fischart Garg. 135 contract, aus lat. contractus zu- sammengezogenꝰ, im Mlat.«gliederlahmy, dem Part. Perf. Pass. von contrahére(s. kontra- hieren). Kontrapunkt, m.(-es): Kunst des Ton- satzes und Stimmenwechsels. 1571 bei Nas Pract. A 4² Contrapunct, aus mlat. contra- punctum n.«mehrstimmiger Satz zu einer ge- gebnen Melodiey eig.«Gegenpunkt», indem man ehemals Punkte statt der Noten machte. konträr, adj.: entgegengesetzt, ungünstig. 1773 bei Amaranthes contraire, aber 1678 bei Krämer contrar. Aus gleichbed. franz. con- traire, lat. contrãrius. Konträst, m.(-es, Pl.-e): Gegensatz, Ab- strich; Gegenbild. Im 18. Jh.(bei Lessing 4, 154 Contrast, bei Wieland Suppl. 4, 8 Kontrast), aus gleichbed. frz. contraste, ital. contrasto m., Verbalsubst. von ital. contrastare«im Gegen- satz stehen»(aus lat. contra«gegen, gegen- übery, stare estehen»), woher kontrastieren, v.: abstechend machen und sein, 1782 bei Wie- land Horazens Br. 1, 42 contrastiren. Kontraventiön, f.(Pl.-en): Ubertretung. 1716 bei Ludwig Contravention, aus gleichbed. mlat. contraventio f. kontribuieren, v.: mit beitragen. 1507 in den Reichsordn. 58 b contribuieren, aus lat. contrihuère mit:, zuteilen. Kontributiön, f. (Pl.-en): erhobner Beitrag, Steuer(1581 in den Script. rer. Siles. 4, 271 Contribution); Brandschatzung(im 17. Jh., bei Nehring). Aus lat. contribätio f.«Beitrag». Kontrölle, f.(Pl.-n): die vergleichende, nachprüfende Aufsicht. Bei Lessing 7, 141 Controlle, aus franz. contrõle m., älter controlle, contrerolle«xGegenrolle? d. i. Gegenrechnung, Gegenregister», von franz. rõle, älter rolle, ital. rotolo, rullo m.«etwas Zusammengewickeltes, Rolle Papier», abgeleitet aus lat. rotulus m. Rädchens, später«Rollen. Kontrolleur(spr. -ör), m.(s, Pl.-e): das Gegenregister oder nach- prüfende Aufsicht führender Beamter, Gegen- schreiber, Aufseher, 1694 bei Nehring Contro- leur, 1618 bei Schönsleder Contralor. kon- trollieren, v.: Gegenregister führen, über jemand vergleichende Aufsicht führen, 1601 bei Albertinus Kriegsleut Weckuhr 2, 168. Kontumäz, f.: Nichterscheinen vor Ge- richt aus Widerspenstigkeit; Quarantäne(so 1694 bei Nehring contumace). Wie glbd. franz. contumace f. aus lat. contumacia f.«Wider- spenstigkeity). kontumazieren, v.: wegen Nichterscheinung verurteilen, 1694 bei Nehring contumaciren, aus franz. contumacer. Kontür, f.(Pl.-en), seltner m.(-ſels, Pl.-e): Umriß. Im 18. Jh.(1712 bei Hübner der Pl. Contours), aus gleichbed. franz. contour m. und dies aus ital. contorno m. 1117 konvenieren Kopf 1118 konvenieren, v.: passen, sich schicken, 1694 bei Nehring conveniren, aus lat. convenire usammenkommen, zusammen-, wozu Passer. Konvént, m.(-Lels, Pl.-e):(feierliche) Ver- sammlung, mhd. convent m. geistliche Gesell- schaft eines Klostersy, mit Ausstoßung des a auch covent, mnd. 1332 kovent m.(s. Kofent), aus lat. conventus m.«Zusammenkunft, Ver- sammlung. Konventikel, n.(, Pl. wie Sg.): Winkelversammlung, heimliche Versammlung, besondersreligiöser Sekten(Goethe Faust4339), aus lat. conventiculum n.«Lusammenkunfty. ceinräumen», von dem konzedieren, v.: Konventiön, f.(Pl.-en): Ubereinkunft, Ver- trag, früh im 18. Jh. Convention, aus gleichbed. lat. conventio f.; dazu Konventiönsgeld, n.: nach der Übereinkunft von 1753 geprägte Münze. KonventionAälstrafe, f.: Vertrags- strafe. Erst im 19. Jh. konventionéll, adj.: vertragsmäßig, auf UÜbereinkunft beruhend, im 18. Jh.(d. j. Goethe 2, 460), aus gleichbed. franz. conventionel, von lat. conventionãlis cden Vertrag betreffend. Konversatin, f.(Pl.-en): mündlicher Verkehr, Unterredung. 1565 in den Script. rer. Siles. 4, 225 Conversation, aus lat. con- versãtio f.«Umgang, Unterhaltung». Davon Konversatiönslexikon, n.: Handbuch des allgemeinen Wissens. 1709 in Hübners Real-, Staats-, Zeitungs- und Conversationslexikon. konversieren, v.: sich unterreden, unter- halten. 1615 bei Albertinus Landstörzer 320, aus lat. conversãri«Umgang haben». konvéx, adj.: gewölbt, linsenförmig. Im 17. Jh. convex(bei Nehring), aus lat. conbexus «ᷣgewölbt?. Konvoluüt, n.(-els, Pl.-e): Pack Schriften, Papier usw. 1562 bei Mathesius Sarepta 147 b Convolut, aus lat. convolũtum, Neutr. Part. Perf. Pass. von convolvére«zusammenrollen». Konvulsiön, f.(Pl.-en): Gliederzucken, Gliederkrampf. 1716 bei Ludwig, aus glbd. lat. convulsio f. konvulsivisch, adj.: krampf- haft, krampfhaft angestrengt. Bei Lessing 4, 180, aus mlat. convulsivus«reißend, renkend', zu lat. conwlsus, dem Part. Perf. Pass. von convellére«aus seiner Lage reifens. konzedieren, s. Konzession. konzentrieren, v.: in einen Punkt zu- sammendrängen. 1714 bei Wächtler concen- triren, aus gleichbed. franz. concentrer, dessen centrer aus mlat. centrare, abgeleitet von lat. centrum(s. Zentrum). Davon Konzentra- tiön, f.(Pl.-en): Sammlung, Vereinigung (eig. um einen Mittelpunkt). Im 18. Jh. Konzépt, n.(res, Pl.-e): erster Entwurf. In der Rhetorik(15. Jh.) Concept, aus lat. conceptum, dem Neutr. des Part. Perf. Pass. von concipère(s. konzipieren). Konzért, n.(es, Pl.-e): Obereinstimmung; Musikaufführung. 1650 bei Moscherosch Phil. 1, 379 Concert. Aus franz. concert, ital. con- certo m., von lat. concertãre«wettstreiten», dann im Ital.«zusammen verabredeno. Konzessiön, f.(Pl.-en): Bewilligung, Erlaubnis. 1571 bei Rot Concession, aus gleichbed. lat. concessio f., von lat. concedére einräumen stammt. Im 17. Jh. Konzil, n.(JTels, Pl.-e): beratende Ver- sammlung. Mhd. concilje n., im 15. Jh. concili n., aus lat. concilium n.«Versammlungs». konzipieren, v.: abfassen, aufsetzen. Spät- mhd. concipieren, aus lat. concipére«zusammen- fassem. Konzipiént, m.(-en, Pl.-en): Schrift- abfasser, 1703 im Zeit.-Lex. Concipient, aus lat. concipiens(Gen. concipientis), dem Part. Präs. von concipere. Konzipist, m.(-en, Pl.-en): Schriftabfasser, 1605 bei Hulsius Concipist. konzis, adj.: kurz, bündig, 1714 bei Wächt- ler concis, aus lat. concisus«kurzgefaßt». Kopéke, f.(Pl.-n): russische Scheide- münze, ¹/1% Rubel geltend. Das russ. opéia f., von kopjé n.«Lanze», weil das Gepräge einen Lanzenreiter darstellte. Köper, m.(-s): Webeart und Zeugstoff, worin sich die Fäden des Einschlags mit denen der Kette schräg durchkreuzen. 1741 bei Frisch Keper(aus dem Niederländischen), mnd. keper m. Bildlich benannt nach mnd. kepere m. «Balken, Stoß-, Rammbalken, nndl. Keper «winkelhakenartig zulaufende Sparren im Wappen“, im 16. Jh.(bei Kilian)«Rehbocky, dann«Balken-, Sparrenkopf», im Mndl. auch «Balken, Felderdecke eines Zimmers». Eins mit mhd. kepfer m.«Käpfer?(s. d.), wahr- scheinlich entlehnt aus lat. caper m.«Bock). Xhnlich franz. cheuron m.«Sparren, Balken im Wappen, abgeleitet von chévre f.(lat. capra f.) Geißs. Davon köpern, v.: köperartig weben, 1741 bei Frisch kepern, mndl. keperen aus Balken zusammenfügen. Kopf, m.(-els, Pl. Köpfe): der mittels des Halses mit dem Rumpfe verbundene Teil des menschlichen und tierischen Körpers; Oberstes in Kugelform. Gewöhnlich als Fremdwort aus dem Romanischen angesehen: mlat. cuppa, ital. coppa, span. copa, franz. coupe f. Becher, Trink- schaley, prov. coba f.«Schädel, lat. cuöpa f. 1119 Kopf Koppel 1120 «Kufe, Tonney. Andere, wie Franck u. Falk- Torp, halten das Wort wegen andrer ver- wandter Wörter im Germanischen für echt- deutsch und nehmen nur Beeinflussung durch das Romanische an. Doch werden Gefäßnamen, wie Kopf einer war, sehr häüufig entlehnt. Eine sichere Entscheidung ist nicht möglich, doch ist Entlehnung wahrscheinlicher. Zunächst ahd. chuph, chopph, chopf m.«hohlrundes, kugel-, halbkugelförmiges Trinkgefäß, Bechers, ebenso mhd. oph, Kopf m., mnd. Kop m. und koppe f., ags. cuppe f. und copp m. Becher», anord. koppr m.«becherartiges Gefäß, einem umge- stürzten Becher ühnliche Helmerhöhg., Augen- höhle», schwed. Kkopp, däün. kop«Tasse, nhd. noch erhalten in Tassen-, Pfeifen-, Schröpfkopf (vgl. Köpfchen). Daneben taucht, zumal da nach alter deutscher roher Sitte die Hirnschalen erschlagner Feinde den Siegern als Trinkbecher dienten, auch aus Schädeln Heiliger zu trinken gereicht wurde, in Glossen des 11.— 12. Jh. chopf m. in der Bed.«Hinterhaupt» auf(Mone Anz. 7, 589, 40), häufiger im 13. Jh. kopf m. «Hirnschale, Schädel». Auf Ausgang zu dieser von jener Bed.«Becher» deutet mhd. hirnkoph, m.«Hirnschaley, nd. im 15. Jh. bregenkop(bregen n.«Gehirno), afries. brein- kop m. Im 16. Jh. endlich ist kopff, Kopf das gewöhnliche Wort und hat das echtdeutsche Haupt(s. d.) in die edle Sprache verdrängt. Ahnlich ging das lat. festa f.«Gefäß, Topf, Stürzey usw. im ital. span. testa, franz. tête f. völlig in den Begriff«Kopfs über. Vgl. Kuppe, Kufeé, Kiüpe. 4BL. Köpfchen, n.:(becher- artige) Obertasse, im 18. Jh. Köpfgen. köpfen, v.: enthaupten, spätmhd. Kõpfen, Kopfen, mnd. koppen, ist an die Stelle des gleichbed. mhd. houheten, houpten getreten. köpfig, adj.: eigensinnig, hartköpfig, 1664 bei Duez, wie köpfisch bei Luther(wo auch seinen Kopff auffsetzen). köpflings, adv.: kopfüber, bei Bürger II. 5, 585, wie Kopflangs bei Zacharik Lagosiade 3. ZUS. Kopfhänger, m.: der Kleinmütige, Demütige, Frömmler, 1775 bei Adelung. kopflos, adj.: ohne Verstand, ohne Uberlegung, bei Campe. Kopfnuß, f.(Pl. -nüsse): Schlag auf den Kopf(s. 1Vw 6), 1593 bei Heinr. Julius v. Brannschw. Susanna 4, 7 der thüring. Plur. kopffnös. kopfscheu, adj., eig. von Pferden, die sich nicht gern an den Kopf greifen lassen, dann(in Norddeutschland) durch Schaden vorsichtig geworden, 1775 bei Adelung; in den bayr. östr. Alpen Kopfscheuh, kopfschiech«schwindlicht». Kopfstück, n.: Münze im Werte von 20 Kreuzern rheinisch, benannt nach dem aufgeprägten Kopf des Landesherrn, im 17. Jh. bei Schuppius 252, später auch bloß gedachte Rechnungsmünze in Mitteldeutschland u. Schwaben. Kopfweh, n., 1572 bei Fischart Prakt. Großm. 28 kopffibe. Kopfzerbrechen, n.: austrengendes Nach- denken, dafür im 17. Jh.(Olearius pers. Rosen- thal 7, 13) noch bei Lessing 3, 382 Kopfbrechen. Kopie, f.(Pl.-n): Abschrift, Nachbildung. Spätmhd. copie f.(1380 in den Mon. Boic. 43, 431), 1495 in den Reichsordn. 16 b Copei, aus lat. cõöpia f.«Haufe, Vorraty, im Mlat.(den Vorrat an Exemplaren vermehrende)«Ab- schrifty. kopieren, v.: abschreiben, nach- bilden. Spätmhd. 1439 copieren, aus gleich- bed. mlat. copiare. Kopist, m.(-en, Pl.-en): Abschreiber, Nachbildner. 1521 in den Reichs- ordn. 96 2 Copist, aus gleichbed. mlat. copista m. Koppe, f., in schles. Bergnamen, hess. im 15. Jh. koppe(Weisth. 3, 340), s. Kuppe. Koppel, f., in der 1. und 2. Bed. auch n. (Pl.-/): Doppelkette, an der zwei Jagdhunde nebeneinander gehen müssen, dann diese Hunde selbst; Lederriemen zum An- oder Umhängen einer Hieb- oder Stichwaffe(1711 bei Räd- lein); ein Joch(Paar) Ochsen oder Pferde (1664 bei Duez), dann eine Anzahl oder Reihe durch Strick oder Kette verbundner Tiere (1581 bei Fischart Bienk. 216 a Kuppel f.), nd. Menge, Haufen; Bodenfläche, woran zwei oder mehr Personen gleichen Anteil oder gleiches Recht haben;(in Norddeutschland) einge- friedigtes Stück Feld von mittlerer Größe, bes. wenn es abwechselnd zum Getreidebau und zur Weide benutzt wird,(bei Voß) auch gemeinsame Bearbeitung eines Ackers durch eine Schar Arbeiter. Mhd. Kuppel, kupel, koppel, Kkopel f., auch m. n.(md. koppel f. und kopil m.)«Band, Verbindung, Leitriemen für Jagdhunde, durch einen solchen verbundne Hundey, dann Haufe, Schar», 1303 ndrhein. coppele und 1222 mrhein. cuppelle«Revier mit Gleichberechtigung für jeden Teilhaber?. Aus franz. couple, afranz. auch cople f.«Leit- riemen, verbundnes Paar Jagdhunde, Land als Tagewerk für ein Joch(Paar) Ochsen», von mlat.(879) cupla f. Jagdhundepaar an Leit- riemenꝰ, lat. cõöpula f. Band, Riemen, Leiney, im Mlat.«Leitriomen eines Jagdhundepaares». 4BL. koppeln, v., mhd. kuppeln, kupelen, koppeln, kopelen«binden, vereinigen, an die Koppel legeny, mndl. Koppelen, aus dem von cõpula abgeleiteten lat. Verbum cõpalãre. 1121 koppen Koriander 1122 S. 3Kuppel, Kuppelei. ZUS. Koppeljagd, f.: Jagd, zu der zwei oder mehr berechtigt sind, 1732 bei Picander 3, 358, dafür bei Steinbach 1734 Kuppeljacht. Koppelweide, f.: Ge- meintrift, gemeinschaftliche Weide und das Recht dazu, mhd. Kegpelzeide, ndrhein. im 11. Jh. copelezweide f. koppen, v.:(von Pferden) nach Luft heftig schnappen, zunächst aus dem Magen aus- stoßen, beim Rindvieh zum Wiederkäuen (Schmeller? 1, 1272), rülpsen(1537 bei Dasy- podius), mhd. koppen«plötzlich steigen oder fallen». 4 L. Kopper, m.: koppendes Pferd, 1691 bei Stieler, aber bei Maaler 1561 der Rülpsende». Kopula, f.: das das Subjekt und Prädikat verbindende Wort. 1781 bei Adelung Lehr- gebäude 1, 273, aus lat. copala f.«Band» GC. Koppel). kopulieren, v.: verbinden(1562 bei Mathesius Sarepta 162 b copuliren); ehe- lich zusammenfügen(ebd. 195 2). Aus lat. côpulãre«verbinden, vereinen». Kopula- tiön, f.(Pl.-en): Verbindung, bes. eheliche. Im 16. Jh. aus lat. cõpaläãtio f. Verknüpfungy. Korälle, f.(Pl.-n): steinhartes baum- artiges Gebilde aus Gehäusen kleiner Weich- tiere auf dem Meeresgrunde, sowie ein Kügel- chen davon. Mhd. koralle, koral m., aus mlat. corallas m. und früher corallum n., von lat. chralium, hralium n., gr. xopciov, ionisch koupdkiov, sizilianisch kupdkiov n.«die rote Koralle». Vielleicht aus dem Semiti- schen, hebr. gôräl«Steincheny, vgl. Lewy Sem. Fremdw. im Griech. 18. Bis ins 17. Jh. Coralle f., älternhd. zugleich Coral, Korall m., aber auch noch 1716 bei Ludwig Coral n. koram in einen k. nehmen: zur Rede setzen, studentisch, von lat. cõöram«angesichts, vory». 4BL. koramieren, v.: persönlich zurecht- weisen. Beide 1781 bei Kindleben, letztres in der Bed.«herausfordern. Köran, m.(-Lels, Pl.-e), s. Alkoran. Mit richtiger Betonung Korän(Goethe 6, 32), jetzt auf der ersten Silbe betont(Goethe 6, 35 usw.). koranzen, s. kuranzen. Korb, m.(-els, Pl. Körbe): geflochtner Behälter. Mhd. korp(Gen. korbes), ahd. chorb, churp, in Vocab. des 15. Jh. Karb, karp; dazu köln. im 15. Jh. Kurf, and. Korvilin n. «Körblein», mnd. und ndl. korf, ndrhein. 1420 kaerf, karf, m., anord. korf f., schwed. korg, dän. Kurv. Entlehnung aus gleichbed. lat. corhis f.(selten m.) ist wegen des ablautenden mhd. Krebe m.(s. Krippe) nicht ganz sicher. Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. RA. einem einen Korb geben ceinen Liebes-, Heiratsantrag zurückweisen», von dem im 16. bis 18. Jh. bei abweisenden Mädchen statt einer Antwort vorkommenden wirklichen Ubersenden eines Korbes ohne Boden(vgl. Ringwaldt Warh. 173, Günther Ged. 431), was daher rührt, daß im Mittelalter die Geliebte dem Liebhaber, den sie nicht wollte, zum nächtlichen Aufziehen in ihr Gemach ur- sprünglich einen Korb herabließ, an dem in einer gewissen Höhe der Boden durchbrach, so daß der darin Sitzende hindurch- und her- unterfiel(DW. 5, 1800 f.). Korde, f.(Pl.-n): Schnur, Bindfaden. Niederrheinisch. Mhd. und im 14. Jh. ndrhein. korde f.«Schnur, Seib,, mnd. corde, ndl. koord f., aus franz. corde f.«Strick, Saitey, von gleichbed. mlat. corda, gr.-lat. chorda, gr. xopdi f.«Darm Darmsaitey». Kordel, f.,(Pl.-n): Bindfaden. Westmitteldeutsch. 1540 bei Alberus dict. P 1 u. y 15b kardel f., R4a cordel, Ende des 15. Jh. kordel(Diefenbach-Wülcker 711), mnd. (1407) kordeel. Entlehnt aus afranz. cordelle f. «Strick», ital. cordella, von mlat. cordella f., dem Dim. des mlat. corda(s. o.). 1768 bei Moerbeek Mask., in der Wetterau Neutrum. kordiaàl, adj.: herzlich. 1616 bei Henisch cordial und cordialisch, aus dem mlat. Adj. cordialis von lat. cor n.(Gen. cordis)«Herz». Kordön(spr.-L), m.,(—*8, Pl.-s): Schnur; kettenartige Grenzbesatzung; Absperrung. 1791 bei Roth. Aus glbd. franz. cordon, von corde, s. Korde. Korduän, m.(-s, Pl.-e): Ziegenleder von der Fabrikstadt Cordova(lat. Cordaba) in Spanien. Mhd. cordaczwn, Kurdezwän m.(schon im 10. bis 11. Jh. mlat. curdaanelli«Korduan- schuhey, Ruodlieb 13, 118). Aus glbd. franz. cordouan m.(davon cordonnier m.«Schuh- macher), ital. cordouano, span. cordoban m., vom mlat. Adj. cordauanus, cordoanus aus Cordova stammendꝰ. kören, v., niederdeutsche Form für küren (s. d.). Bei der Pferdezucht üblich. Daher auch Körhengst m. Koriänder, m.(-s, Pl. wie Sg.): Pflanze mit gewürzhaftem Samen(Schwindelkörner), Wanzendill, Wanzenkraut; deren Samen. In der zweiten Hälfte des 15. Jh. coriander, core- ander, nd. 1425 corrander(Diefenbach gl. 151 b), aus lat. coriandrum n. von dem gleichbed. gr. kopiavvov n., abgeleitet von gr. opic m. Wanze» wegen des dem Kraute eignen Wan- zengeruchs. Dafür mhd. Koliander, cholinder, 71 1123 Korinthe Korporal 1124 kolander, kullander, ahd. chullantar, chullintar, and. Kullundar aus mlat. coliandrum n. Korinthe, f.(Pl.-n): kleine kernlose Rosine. 1495 in der Kölner Gemma carentken, ndl. 1500 corentken(Diefenbach nov. gl. 387²), 1596 bei Colerus Hausb. 3, 224 Corinthen, 1691 bei Stieler Korinten, aus gleichbed. franz. corinthe f., benannt nach dem Ausfuhrhafen Korinth in Griechenland. Kork, m.(-els, Pl.-e und Körke): die elastische schwammige Rinde der südeuro- päischen Korkeiche: der Stöpsel daraus(bei Ludwig 1716 Corck). In der 1. Bed. nd. 1589 kork, ndl. 1598 korck, aber schon 1513 bei Murmellius pappa B 6 Korckhoem, 1591 bei Decimator Sylva Hh 3 b Korckbaawm, 1616 bei Henisch Korchbaum; 1663 bei Schottel und selbst noch bei Kirsch, Steinbach usw. Gork, 1691 bei Stieler Gorkc und Gurkk. Der Name dieser wohl zuerst aus den Niederlanden und dem westlichen Norddeutschland eingeführten Ware stammt aus span. corcho m.«Korkholz, Korkpfropf», mittelbar von lat. cortex m.(Gen. corticis)«Rindey, dann insbesondre die des Korkbaumes(der 1561 bei Maaler Pantofflen- holtz heißt). Korn, n.(Jels, Pl. Körner): Kernfrucht; (ohne Pl.) der Roggen als die üblichste Brot- frucht(aber auch Dinkel» in Franken, Schwaben, Elsaß, Schweiz,«Weizen» in Sieben- bürgen,«Hafery in Westfalen usw.); rundliches Fruchtkörperchen einer Pflanze, überhaupt kleiner rundlicher harter Körper; daher K. am Gewehr, nach der Gestalt(davon die RA. aufs K. nehmen eig.«genau zielen»);(bildlich) Gehalt(der Münze), vom Aussehen des Metall- bruchs hergenommen. Vgl. Schrot. Mhd. korn, ahd. Korn n.«Kernfrucht, Getreide, Getreide- kern», im Mhd. auch«Roggen, Getreidepflanze, Kornfeld, Gold-oder Silbergehalt einer Münze»; dazu asächs.-ags. corn n.«Samenkorn», and. korn n. Korn, Roggen», engl. corn, afries.- anord.-schwed.-dän. korn n.«Getreide», got. kaurn n. Getreide»(daneben schwachbiegend kaurno n.«Fruchtkern der Pflanze»). Im Ab- laut zu Kern(s. d.) stehend; urverwandt mit lat. grãnum n., ir. gran,«Korn, Kerm, lit. Firnis, lett. zirns«Erbsen; apreuß. syrne; abg. zrüno n. Korny. 4BL. körnen, v.: anlocken, eig. durch Streuen von Körnerfutter;(Metall) in Körnern darstellen. Mhd. körnen, Kürnen, md. kornen. körnicht, adj., 1579 bei Golius, kornechtig 1537 bei Dasypodius. körnig, adj., 1562 bei Mathesius Sar. 2 b Kärnig in der bild- lichen Bed. von Schrot und Korn«kernhafts. ZUS. Kornblume, f.:(die im Korn wachsende blaue) Cyane, Tremse, mhd. kornblaome m. f. Kornbranntwein, m., 1734 bei Steinbach. Kornkammer, f., 1561 bei Maaler. Korn- rade, f., 1775 b. Adelung Kornraden m., s. Rade. Korn, m.(Jels, Pl.-e), gekürzt für Korn- branntwein. Erst in neuerer Zeit. Kornelbaum, n.: der Strauch oder Baum cornus mascula. Cornellbaum 1556 bei Frisius, Cornelbaum 1542 bei Gesner Namenbuch aller Erdgewächse, 1502 kürnelbom(Diefenbach nov. gl. 343 b), ahd. chuirnilboum, cornul. Kornel- kirsche, f.: die Frucht des Kornelbaumes, auch Kornélle, f.(Pl.-n/): 1711 bei Rädlein, früher Kornelbeere, 1502 kurnelber(Diefen- bach a. a. O.), ahd. cornulberi, churnelbere; umgebildet Korneliuskirsche f., 1793 bei Nem- nich. Wie franz. cornouille, cornoille f., ital. corniolo m.«Kornelkirsche» von lat. corneolus chornartigy. S. Hornlrirsche. Kornétt, m.(-Lels, Pl.-e): Reiterfähnrich, Standartenjunker. 1616 bei Wallhausen Kriegs- kunst zu Pferd 47 Cornet, aus gleichbed. franz. cornette m., urspr.«kleine Reiterstandarte⸗ (daher 1664 bei Duez Cornet n.«Reiterfahne, eine Kompagnie Reiter») ähnlich wie franz. enseigne f.«Fahney, dann m.«Fähnrichy. Viel- leicht nach der Form des Fahnentuchs von franz. cornet m.«Hörnchen, Düte», Dimin. von corne f.«Hornꝰ, zu lat. cornu n. Hornꝰ. Körper, m.(-s, Pl. wie Sg.): Menschen-, Tierleib; Stoffmasse, Raum Einnehmendes; zu einem Ganzen vereinigte, im Begriffe zusam- mengefaßte Menge. Mhd. korper, kõrper, kör- pel m., im 13. und 14. Jh. noch spärlich neben mhd. lip m. Leib» vorkommend. Entlehnt durch die Kirchensprache aus lat. corpus n. (Gen. corporis). 4BL. körperlich, adj., 1593 bei Heinr. Julius v. Braunschweig Su- sanna 4,4 cör perlicher Eydt cleiblicher, per- sönlicher Eid. Körperschaft, f., 1808 bei Campe als neues Wort. Korporäl, m.(-s, Pl.-e): Unteroffizier. 1616 bei Henisch Corporal. Aus franz. corporal (unter Anlehnung an corps) von caporal m. «Rottmeister der Soldaten⸗ und dies aus ital. caporale m.«Anführery, von ital. capo m., lat. caput n.«Haupt». Daher 1694 bei Nehring Caporal, 1631 bei Seb. Bürster 15 Caprall, noch beim Volk in Deutschland Caporal, Capral. 4BL. Korporälschaft, f.: unter- gebene Mannschaft und Rang eines Korporals, 1664 bei Duez Corporalschafft. 1125 Korps kosmisch 1126 Korps(spr. Kor), n.(Gen. u. Plur. ebenso, spr. Körs): Heerhaufen, Truppenkörper; Stu- dentenverbindung(zuerst 1826— 29 in Bonner Verbindungsstatuten). Im 17. Jh. aus glbd. franz. corps m., von lat. corpus n.«Körperv. korpulént, adj.: wohlbeleibt. 1616 bei Henisch corpulent, aus gleichbed. lat. corpulen- tus. Korpulénz, f.: Beleibtheit, 1716 bei Ludwig Corpulentz, aus glbd. lat. corpulentia f.; dafür 1582 bei Fischart Garg. 168 Corpulenlitet f. korrékt, adj.: fehlerfrei, regelrecht. 1714 bei Wachtler correct, aus lat. correctus, dem Part. Perf. Pass. von corrigere«gerade machen, berichtigen, verbessern»; davon Korrékt- heit, f., 1801 bei Campe. Korréktor, m. (*I, Pl. Sen): Druckberichtiger, im 16. Jh. (1571 bei Rot und 1566 bei Mathesius Luther 316, 10 Neudr. Corrector), aus lat. corrector m. Berichtiger, Verbesserer». Korrektür, f. (Pl.-en): Druck-, Schriftberichtigung, 1571 bei Rot Correctur, aus lat. correctära f. in der neulat. Bed.«Vverbesserungy. Korrespondénz, f.(Pl.-en); Brief- wechsel. 1610 bei Sattler Phraseologey 386 Correspondenz(in der Bed.«zZzusammenkunft⸗ schon im 16. Jh. in der Zimm. Chron. 1, 14, 1), aus mlat. correspondentia f. Mitantwort». Da- von Korrespondénzkarte, f., um 1868 auf- gekommen. korrespondieren, v.: ent- sprechen(kursächs. Schulordnung von 1580 correspondieren); Briefe wechseln(1610 bei Hainhofer Briefe an Phil. v. Pommern 8. 4 korrespondieren), aus mlat. correspondére «mit-, wiederantworten, ital. corrispondere. Korridor, m.(s, Pl.-e): abgeschloßner Vorplatz zwischen Zimmern. 1791 bei Roth. Bei Goethe 30, 169 der Pl. Corridors, aus ital. corridore m., eig.«Laufgang. korrigieren, v.: berichtigen, verbessern; verbessernd zurechtweisen. Mhd. corrigieren, aus lat. corrigére«recht machen, verbessern». korrüpt, adj.: verderbt, verschroben, liederlich. 1478 bei Nicl. v. Wyle 349, 16 corrupt, aus lat. corruptus, dem Part. Perf. Pass. von corrumpèere«verderben, verfilscheny, daher korrumpieren, v., 1534 bei Franck Weltbuch 22 b corrupieren. Korruptél, f. (Pl.-en): Verderbnis, 1562 bei Mathesius Sarepta 136 b Corruptel, aus lat. corruptéla f. Verderben, Verführungy. Korruptiön, f. (Pl.-en): Sittenverderbnis, Bestechlichkeit. Im 17. Jh.(bei Nehring). Korsär, m.(-en, Pl.-en): kreuzender See- räuber; Raubschiff. Im 17. Jh. Corsar, aus ital. corsaro, älter corsare, span.-portug. cor- sario, zurückgehend auf lat. cursus m. Laufy. Korsétt, n.(-s, Pl.-I,-e): Schnürleib. 1715 bei Amaranthes Carsette f.(1773 Corset n.), aus gleichbed. franz. corset m., von franz. corps m., lat. corpus n. Leib». Korvétte, f.(Pl.-n): kleinres leichtes schnelles Kriegsschiff. 1721 bei Jablonski Cour- vette, aus glbd. franz. corvette, port. corveta, span. corbeta f., von lat. corbita f.«Trans- port-, Lastschiffy, von lat. corbis f.«Korby. Koryphäe, m.(-n, Pl.-n): der Oberste, Erste, an der Spitze Stehende. 1799 bei Wieland Agathodämon 7, 3 Korgyfäe m., im 17. Jh. Nehring Coryphcus, aus gleichbed. gr. kopuqœioc m., von xopuoò f.«der oberste Teil, Gipfel. Koschenille(spr.-ilje), f.(Pl.-n/): die südamerikanische Kermesschildlaus zum Fär- ben von Karmesin und Scharlach. 1774 bei Adelung Cochenille, 1628 bei Münster Cosm. S. 1688 vom J. 1581 Cochinili. Aus frz. coche- nille und dies aus span. cochinilla f., von gr.- lat. coccus, gr. xoxxoc m.«Scharlach, Kermesn. koscher, adj.: nach den jüdischen religiösen Gesetzen recht; rein, echt, wie es sein soll. Das Wort ist das späthebr. köschér recht, tauglichs; nach der Aussprache der aschke- nazischen Juden kauscher.(1781 bei Kind- leben.) kosen, v.: Liebes schwatzen, anschmiegsam zürtlich behandeln. Schon mhd. kösen, ahd. kõsôn æim traulichen Zwiegespräch plaudern?, im 15. Jh.«schmeicheln» Diefenbach gl. 14°; averliebt tändeln» 1654 bei Logau 2, 2, 74. Im 18. Jh.(1711 bei Rädlein und noch 1781 bei Kindleben) als veraltetes Wort verzeichnet, in den 70 er Jahren d. 18. Jh. neu aufgekommen (bei Mylius, Bürger usw.; Heynatz 1797 unsre Modeschriftsteller haben das Wort in Gunst genommen»). Die urspr. Bed. ist älternhd. creden, erzühlen, schwätzen', 1664 bei Duez und 1678 bei Krämer), mhd.«sprechen, plaudernꝰ, auch von plätschernden Bächen, ahd.«reden, plaudern». Mit ahd. kösa f.«Rechtshandel, Gespräch, Erzühlungo, entlehnt aus lat. causa f. Rechtssache», causäri ceinen Rechtshandel führen, vor Gericht sprechend verteidigenv. kosmisch, adj.: das Weltganze betreffend (Goethe Natw. Schr. 9, 234), aus gr. lat. cosmicus, gr. xocuicòc, von gr. xécuooc m.«Welt». Kos- mographie, f.: Weltbeschreibung, 1534 bei Franck Weltbuch 225 b Cosmographie, aus gr. xochHo«aoia f., von xöcuoc und einer Ableitung 71* 1127 Kossat kostspielig 1128 von gr. Tpdqeiv«schreiben». Kosmopolit, m.(-en, Pl.-en): Weltbürger(Lessing 1, 249 vom J. 1747), aus gleichbed. gr. kocuorokirnc m., von xòcuoc und noN«irnc m.«Bürger»; dazu kosmopolitisch, adj.: weltbürgerlich, und Kosmopolitismus, m.: Weltbürgersinn, nach frz. cosmopolitisme m., beide 1801 Campe. Kossät, Kossäte, m.(en, Pl.-en): auf Wohnhütte, Gärtchen und Weideplatz be- schränkter Ansässiger. In ostmitteldeutschen Vokabularien des 15. Jh. kossat, kussat, kassate, 1604 bei Colerus Hausb. 1, 11 Kossete(Var. Cossdte), aus mnd. kotsete, otsate, hochd. 1691 bei Stieler Kotsuß, zgs. aus Kot n. Hütte? u. Sasse m. Ansdssigery. Auch vläm. kossaat, ndl. 1598 kossate, ags. cotscta, cotsetla m. Vgl. Gärtner, 2 Kot, Sasse. Kost, f.(ohne Pl.): Speise, Speisung; Lebensunterhalt. Im 16. Jh. auch schwach- flektiertes Masc., mhd. koste, kost f. Eins mit dem folgenden Kosten, indem in der gastfreien mhd. Zeit die Bed. Aufwand für Bewirtung und Verpflegung in die Bed. Bewirtung, Spei- sung überging(vgl. DW. 5, 1849). Im Anord. dagegen hat Mischung des Fremdwortes kostr m.(Speise, Lebensunterhalt, Aufwand) mit einheimischem kostr m.(Wahl, Gelegenheit, Bedingung, Lage) stattgefunden, das sich zu got. kustus m. Prüfungy, mhd.-ahd.-asächs. kust, ags. yt f. Wahl, Auserwählung» usw. stellt(s. kiesen). kostbar, adj.: Kosten verursachend, kost- spielig(nochlso4 Schiller an Körner 4, 362); viel kostend, wertvoll;(im 18. Jh.) sich kost- bar machend, geziert sich benehmend, affektiert (Lessing 7, 265, nach franz. précieuæ). In den beiden ersten Bed. mhd. koste-, ostbœre, ge- kürzt kosper, zu Anfang des 15. Jh. kostpar. S. Kost und-bar. 4 BL. Kostbarkeit, f., im 15. Jh. bei H. Folz(Fastnachtsp. 1315) cosperkeit, im Vocab. predicantium s 42 kost- barlichkeit, Var. kostharkait(Diefenb. gl. 452 a). Kosten, Pl.: wofür verausgabtes oder zu verausgabendes Geld. Bei Luther der jetzt veraltete Sg. Kost f. und(schwachbiegend) m., mhd. Koste, kost f. und(stark- u. schwachflekt.) m.«Wert, Preis einer Sache, Geldmittel zu einem bestimmten Zwecke, Geldausgabe wo- für, Aufwand», ahd. chosta f.; daneben älter- nhd. und noch mundartlich Käöste f. Aus gleichbed. mlat. costa f. und costus m., woher span. costa f., ital. sto m., afranz. couste, coste, nfranz. coüt m., abgeleitet von mlat. costare, lat. constäre(s. ikosten). 1kosten, v.: im Preise zu stehen kommen. Urspr., wie noch bei Luther und im 17. Jh., mit Akk. der Person, aber in der 2. Hälfte des 18. Jh., z. B. bei Lessing, Goethe, Schiller, Wieland usw., Schwanken zwischen Dat. und Akk., der Dat. vielleicht durch Einfluß des lat. constat mihi(es kostet mir»). Mhd. kosten c(an Geld) aufwenden, aufwenden machen, zu stehen kommen», mit Akk. der Person und nur einmal mit Dat.(Konrad v. Haslau Jüngling 459); dazu mnd. kosten mit Akk. oder Dat., anord.-'schwed. kosta, dän. koste. Aus mlat. costare(daher afrz. coster, couster, nfræ. conter), lat. constãre«im Preise zu stehen kommen). kosten, v.: prüfend kennen lernen, unter- suchen; beschmecken. Mhd. kosten, ahd. Kostön «prüfend untersuchen, versuchen», mhd. auch «schmeckend prüfen, beschmecken»; dazu asãchs. oοston, ags. costian«prüfen, versuchenꝰ, anord. kosta«versuchen, sich anstrengen». Ur- verwandt mit(oder entlehnt aus) lat. gustäre «wovon genießen, beschmecken». Vgl. Kiesen. kostfrei, adj.: frei von Unkosten, auch mit Bezug auf Beköstigung, 1515 im Eulen- spiegel 133. Im 16. und 17. Jh. häufig in der Bed.«freigebig mit Aufwand»(1516 bei Altenstaig Xostfrg), reichlich Kost gebend(bei Luther Sir. 31, 28). Vgl. Kost. Kostgänger, m.: wer wohin in die Kost zu gehen pflegt. 1505 in der Straßburger Gemma f 2a kostgenger Tischgenoß. köstlich, adj.: viel kostend, wertvoll, prächtig; durch Annehmlichkeithochgeschätzt, entzückend. In der 1. Bed. mhd. koste-, ost-, kostenlich, im 15. Jh. köstlich(Nürnb. Polizei- Ordn. 75, Brant Narr. 71, 21), in der 2. Bed. bei Luther. 4BL. Köstlichkeit, f., im 15. Jh. kostlichkait, Köstlichait(Nürnb. Pol.-Ord. 75 f.), im 14. Jh. Kostelicheit(Karlmeinet 386, 38). kostspielig, adj.: sich allzuviel in Kosten belaufend. 1775 bei Adelung, zuerst bei Haltaus 1125 aus einem 1729 niedergeschriebnen Akten- stücke der Gegend von Frankfurt a. M. ange- führt. Eig.«an Aufwand verschwenderischy, Zusammensetzung aus Kost und-Spillig(1790 bei J. G. Müller Siegfr. v. Lindenberg 3, 42 kostenspillig), mit Lautangleichung hervorge- gangen aus-Spildig, mhd.(12. Jh.) und ahd. (10. Jh.) spildeg«verschwenderisch»; noch in einer bayreuthischen Verordnung von 1743 kommt Kostenspilterung«Kostspieligkeit» vor, wie im 16. und 17. Jh. Geltspildang(Haltaus 635, Zincgref 1, 159). Dieses Spildeg aber stammt von ahd. spild«verschwenderischy; 1129 Kostüm Kotze 1130 dazu ahd. spildan«vergeuden, verschwenden», ags. spildan, spillan und anord. schwed. spilla, dän. spilde«verderben, zugrunde richten?, asächs. spildian«töten», nd. und ndl. spillen «verschwenden», verwandt mit Spalten(s. d.). Wahrscheinlich dachte man bei der Schreibung kostspielig an Kostenspiel(Menge der Kosten in ihrem Belaufe), vgl. Geldspiel n. in der Bed.«Geldmenge» bei Goethe, 8, 77. Kostüm, n.(-Lels, Pl.-e): Kleidertracht nach Zeit und Brauch. Im 18. Jh.(Costume bei Lessing 7, 190, Herder 1, 279) aus gleichbed. franz. costume m. und dies von ital. costume m. Gewohnheit, Sittey(daher auch mnd. Xostüum m. Gewohnheit», 1782 bei J. G. Müller Siegfr. v. Lindenb. 3, 41 Kustühm), aus lat. consué- küdo f. Gewohnheitꝰ. 1Kot, m.([els): ekelhafte Unreinigkeit. In Luthers Bibel Kot statt des oberd., noch im 17. Jh. vorkommenden Kat m., älternhd. auch n., mhd. quãt, kãt, guöt, im 15. Jh. kõt n., ahd. guũt(in quãtgazʒa f.«Kotgassen, codex Laures- ham. 2, 346, 1976 vom J. 776); dazu ndrhein. um 1200 quait n., mnd. guãt n., ags. czwead n., vielleicht urverw. mit aind. gãtha- m. n.«Ex- kremente», aw. gãtha- n.«Kot, Schmutz», und mit mnd. und ndrhein. Adj. guãt, mndl. gudet cböse, schlechts, nndl. kraad«böse, häßlichy, afries. quad, qiwad«böse». Nach Brugmann Idg. Forsch. 5, 375 gehören diese zu lit. géda f. «Schande, Unehre», apreuß. gidan«Schamꝰ, poln. Zadny chäßlich, garstig», russ. gadit«be- schmutzen», so daß man die Verbindung mit den arischen Wörtern aufgeben müßte. 4 L. kotig, adj., spätmhd. quãtig, quõtig, kõtig, md. quädig, im 15.—17. Jh. obd. katig, bei Luther Hiob 7, 5 kötticht, 1540 bei Alberus kõticht. ZUS. Kothahn, m.: Wiedehopf (1510 in der Hagenauer Gemma i 1d kathan), weil er nach dem Volksglauben sein Nest mit Kot verdichtet und sich von Kot nährt. 2Kot, n.(Jels, Pl.-e), Kote, f.(Pl.-n), auch Kotten, m.(-s): kleines schlechtes Haus; Wohnhütte, kleines Bauernhaus. Bei nordd. Schriftstellern. Mnd. kote, kate m. f., md. kote(schon im 12. Jh.), kot m., spätmd. 1424 kot n., 1562 bei Mathesius Sar. 1782 Köt n. (vgl. Salakote); dazu ndl. kol n., ags. cot n. und cote, cyte f., engl. cot, anord. kot n. und Kytja f. (in hüskytja), norw. kot«kleines Haus», dän. kod«schlechte Hütte». Dazu mit Ablaut norw. (dial.) köyta«Waldhütte von Zweigen», nhd. Kötze(s. d.). Aus dem von kot abgeleiteten engl. cottage stammt franz. oottage«Landhauss. Ebenso ist abg. kotic m.«Kammer» entlehnt. 4BL. Köter, m.(-S, Pl. wie Sg.): Inhaber oder Bewohner einer Kote, Kossat(s. d.), Kleinbauer, mnd. Koter und koterer, westfäl. im 14. Jh. kotter, gegen 1500 kötter, md. 1455 koder; Nebenform Kötner, hess. 1560 kodener, 1600 ködener, ditmarsisch 1546 Kôötener. Kotau, m.(—*p, Pl. wie Sg.): aus dem Chines. koõöu-tou«Verbeugung des Untergebnen vor dem Höhergestellten». Jetzt bei uns-⸗Demütigung, Unterwerfungo. In der neusten Zeit Schlagwort. 1Köte, f.(Pl.-n): unterstes Gelenk am Pferdefuße. Mnd. kole, kute, 1501 im Leipziger Voc. opt. C 4 b kote«Knöchel», in den Fast- nachtsp. des 15. Jh. 459, 16 kœte, 1562 bei Mathesius Sar. 80 b Köthe; dazu mnd. kote, kute Huf, Klaue, Knöchel, Würfel», ndl im 16. Jh. kote, ndl. koot f., afries. kate f.«Knõchel, Ge- lenkknocheny. Weil man aus Knochen Würfel schnitt, schon mhd. kœte f.«Würfel», 1582 im Voc. theut. q 7 b u. 21² pickelkot«Würfel⸗ (auch bickel m. bedeutet«Knöchel, Würfels), 1470 md. pickelkutte. „Köte, f.(Pl.-n): Schrank. In Obersachsen. Bei Gellert Lustsp. 346 Köthe, schon 1501 im Leipziger Voc. opt. Ee l² koete. Wohl das- selbe Wort wie Kote f.«Häuschen», s. 2Kot. Kotelétte, f.(Pl.-n): auf dem Roste ge- bratnes Rippenstückchen. 1715 bei Amaranthes, aus glbd. franz. cõtelette f.«Rippchen», Dim. von franz. cõte f.«Rippe», aus glbd. lat. costa f. Köter, m.(*, Pl. wiesg.): kleiner bissiger Hund, Dorfhund. In Norddeutschland. Mnd. koterhunt, 1566 hess. kotter, bei Rollenhagen Froschm.(1598) 3, 3, 12, 30 baurköter. Nieder- deutsche Dialekte weisen auf altes*õt-, so daß das Wort nichts mit 2 Kot zu tun hat. Die Wurzel kaut(vgl. rheinfrk. kauzen, gauzen cbellen, kläffeny, norw. Kyte, dän. Kyde«prah- len») vielleicht zu gr. fodw cklagen». Vgl. Feist Btr. 40, 402. 2Köter, Kötner, s.*Kot. Kotze, f.(Pl.-n): grobes Kleid, grobe zottige Wolldecke, sehr grobes Oberkleid; grobes Wollentuch. Obd. Kotzen m.(⁸s und wie Nom.), mit schwacher Flexion bei Bren- tano Goldfaden 284. Mhd. kotze m., ahd. chozzo und starkbiegend choz m., chozza- f.«grober wollner Mantel, grobes zottiges Wollenzeug, grobe wollne Decke», asächs. cot m.«wollner Mantel, wollner Rock». Daneben mhd. kütze f. Oberkleid», ahd. chuzi f.(in umbichuz? f.«Ober- gewand als Umwurf»). Fick Bezz Btr. 6, 211 hat es zu gr. Beodoc n.«kostbares Kleid» gestellt. 1131 Kötze Kraft 1132 Entlehnt afrz. cote f.«langes Oberkleid, nfrz. cotte f.«Kleidꝰ, prov. cota, auch in redingote (= engl. riding-coat«Reitrock»), s. Kutte. Kötze, f.(Pl.-n): geflochtner Rückentrag- korb, lünglicher beiderseits vom Rücken eines Tieres hangender Tragkorb. In Mitteldeutsch- land, Franken. Md. im 15. Jh. Xotze(Rothe Dür. Chron. Cap. 437), rhein. im 15. Jh. kötze (Diefenb. gloss. 127), mrhein. im 16. Jh. Kütz f. (Weisth. 2, 528), vgl. Kieze. Mit 1Kot zu- sammenhängend. kotzen, v.: hustend ausspeien, sich er- brechen. 1482 im Voc. theut. r 12 Kotzen, 1466 koczen(Diefenb. nov. gl. 385 b, wo auch sich bekotzen aus dem Anf. des 15. Jh.), rhein. im 15. Jh. Kutzen. Lautnachahmend wie das glbd. kõöken(s. d.). 4L. kotzern, v. impers:: zum Erbrechen reizen, 1537 bei Dasypodius. Krabäte, m.(-n, gewöhnlich nur im Pl. -n), gekürzt Krabat: muntres, wildes Kind. Im Scherze. Alternhd. und noch munqdartlich. Krabate statt Kroat, abg. Chrübatini. Im 30 jähr. Krieg aufgenommen. Vgl. Krauwatte. Krabbe, f.(Pl.-/): kleiner runder See- krebs;(bildlich) regsames muntres Kind, reg- sames muntres kleines Tier. Im 18. Jh. auch Mask. nnd Neutr., im 16. Jh. xrabe, krah f., 1505 in der Straßburger Gemma t 5 b xrabbe und 1513 verhochdeutscht krappe f., aufge- nommen aus mnd. Krabbe f.(Diefenb. gl. 445 vom J. 1420); dazu ndl. Krab f., ags. crabba m., engl. crab, anord. krabbi m., schwed. krabha, dän. Krabbe, verwandt mit Krebs, Krabbeln (s. d.). Anklingend, aber nicht verwandt gr.- lat. cäãrabus, gr. xdpaßoc m.«Meerkrebs. krabbelig, adj.: mit Händen und Füßen ungemein regsam, 1691 bei Stieler xrabelicht. Von krabbeln, v.: woran viel tasten oder regsam greifen; die Füße regend kriechen. Im 15. und 16. Jh.(z. B. bei H. Sachs Fab. 330, 54) und selbst noch mitunter bei Goethe krabeln, mhd. Krappeln(Megenberg 193, 35), 1482 im Voc. theut. m 7² grappeln, um 1480 im Voc. inc. teut. h 4b graplen, in der Schrei- bung b5(1675 bei Weise klüg. Leute) aus dem Nd. aufgenommen, mnd. krabheln, nd. grab- beln; dazu ndl. grabbelen, engl. grabble, anord. und schwed. Krafla, norweg. kravla, dan. ravle, norw. Krabha«krabbeln, kriechen». S. Kribbeln. Ob Krabbe von dem Verb, oder dieses von jenem stammt, läßt sich nicht entscheiden. Krach, m.(-els, Pl.-e): erschütternder Schall, lauter Bruch, Zusammenbruch. Mhd. krach, ahd. chrac m.; dazu mndl. crac, nndl. und nd. Kraf m. Davon entlehnt franz. crac m.«Krach», craquer«krachen». Als Schlag- wort erst seit dem großen Krach von Wien 1873 durchgedrungen. krach! interj. erst im 18. Jh. belegbar, aber schon bei Fischart Garg. 153 vom Schnarchen. Vgl. krack. krachen, v.: erschütternd schallen, laut schallend brechen, mhd. Krachen, ahd. chrachön; dazu mnd. und mndl. raken, ags. cracian, cearcian, engl. crack. Vielleicht urverwandt mit aind. gär'jati«brüllt, brummt, rauscht», lit. girgzdéti«knarrends, oder«lautnachahmend». Kracher, m.: alter schwacher Mann, 1669 bei Grimmelsh. Simpl. 481, auch Krachawedel m. Simpl. 383, Krach- Wα⁴el 46, bildlich wie grober Wedel(Lümmel) bei H. Sachs, nach Wedel(Tierschwanz) und mhd. wadelen, wedeln&schwanken). Z08. Krachmandel, f.: Mandel mit Schale. 1775 bei Adelung. Jetzt gewöhnlich Knachemandel. krächzen, v.: heiser schreien(vom Raben usw.); aus tiefer Brust schmerzvoll seufzen. In der 1. Bed. 1537 bei Schaidenreißer Odyssee 83 a krachitzen, im 15. Jh. grachkiczen(Diefen- bach nov. gl. 120 b), in der 2. Bed. 1582 bei Fischart Garg. 154 Krächtzen, 1691 bei Stieler Krechzen. Abgeleitet von krachen(stöhnen, ächzen, bei H. Sachs), schon mhd. chrachen (hohes Lied 44, 21 Haupt), wie ags. cracetung, cearcetung«Krächzen» von cracian, cearcian. Im Ablaut dazu steht das gleichbed. älter- nhd. Krochzen, kröchzen, mhd. krochzen, krotzen, ahd. eroccezan, chrockezan, groccezan. Laut- nachahmungen, wie lat. crõöcire und crôcitare, gr. xpierv u. pdzetv ckrächzen»(vom Raben). Vgl. aber das nach der Lautverschiebung stimmende abg. grajati«krächzeny und grakati. krack! interj. wie krach!(s. Krach), aber härtern Ton ausdrückend. Im 18. Jh., da- gegen bei Fischart Garg. 385 von den Tönen eines sich Erbrechenden, als Übersetzung der franz. Interj. crac bei Rabelais(von den Zügen eines Trinkenden). Kracke, f.(Pl.-n): schlechtes abge- magertes Pferd. Verächtlich, in Mittel- und Niederdeutschland. 1691 bei Stieler, ndl. im 16. Jh. Kraecke. Desselben Stammes wie anord. kraki m.«dünne magre Personv, Nrakligr schmächtig, schwächlich», engl. crack eKnirps. Wohl zu der in krank vorliegenden Wurzel. Kraft, f.(Pl. Kräfte): was wirkt, daß etwas ist oder geschieht; Rechtsgültigkeit (schon mhd., Augsb. Stadtrecht von 1276 Art. 84). Mhd. kraft, ahd. kraft(Pl. Krefti) f. Wirkungsfähigkeit, Wirkungstüchtigkeit, 1133 Kragen Krakelwerk 1134 Heeresmacht, Menge, Fülle⸗, md. kraft und auch(nach dem Nd.) kracht, mit abgestoßnem t kraf; dazu asächs. craft m. f., ndl. Kracht f., afries. krecht, ags. crœft m. in jenen beiden ersten Bedeutungen und daun«Wissenschaft, Kunst»(dann engl. craft«Fertigkeit, Kunst, Handwerk, Lists), anord. krapir, kröpty, krapti m. Krafto, schwed.-dän. kraft. Dazu wohl norw.-dial. kräv«tüchtig, starks», isl. Krfr astark, tapfer». Weitre Beziehungen fehlen. Vgl. aber KZ. 37, 389. Aus dem Dat. Sing. die Präp. kraft, als urspr. Subst. den Gen. regierend, durch den Kanzleistil im 16. Jh. eingeführt(Augsb. Reichsabschied 1566 Bl. 45), aber bereits im 17. Jh. auch bei guten Schrift- stellern gebraucht, gekürzt aus älterm in, aus, mit Kraft(15. Jh.), wie statt für anstatt, auch im Pl. 1385 in kreften(Städtechron. 1, 240, 25). 4BL. kräftig, adj., mhd. kreftic, Kreftec, ahd. kreftig; dazu mnd. krachtig, ags. erœftig, anord. xröptugr. Davon kräftigen, v., mhd. kreftigen, ahd. chreftigõn, daneben mhd. Kreften. 2ZUS. Kraftbrot, n., 1548 bei Ryff Apothek 258². Kraftbrühe, f., bei Goethe 20, 405. Kraftgenie, n. Schlagwort des letzten Viertels des 18. Jh. Vgl. Ladendorf. kraft- los, adj., mhd. krefte-, raftlõs. Kraftmehl, n., 1517 bei Trochus K 4 5b krafftmel. Kragen, m.(-s, Pl. wie Sg.): Hals(einen beim Kragen nehmen); Kleidungsstück od.-teil um den Hals. In beiden Bed. mhd. schwach- biegend krage, um 1100 chrage(Schlund, Gen. 15, 6); dazu mnd. krage, nndl. kraag m., engl. crag Hals, Nacken». Urverwandt vielleicht gr. Bprxoc, pxéoc m. Kehle, Gurgels, air. bräge«Nacken'», lit. gurklis m., serb. grlo n. Kehley. Der Pl. obd. schon im 16. Jahrh. Krägen(Fischart Garg. 316). Im Mhd. auch Scheltwort, z. B. ein lôser krage Renner 349, noch nhd. Geialcragen m. Geizhalsy, Neid- kragen m. cneidischer Menschs. Die Dimi- nutiva Krägelchen, Kräglein, n., mhd. kregelin«Hälschenꝰ, Kragel Halsbekleidungs. Kragstein, m.: aus einer Mauer hervor- ragenderStein(dann auch Eisenstab) als Träger eines Balkens. Mhd. 1325 kragstein, thür. im 14. Jh. krainstein(verkürzt aus kragenstein), wie 1427 im Frankf. Baumeisterb. 30 à kragen. Bildliche Anwendung von Kragen(Hals). Krähe, f.(Pl.-n): Name eines Vogels vom Rabengeschlechte. Mhd. krä, älter Krüe, kräwe, mit den Nebenformen Krowe, krô, krœje, kreige,&rége, kreie, ahd. krãja, kruava, krãa, krã f., dazu and. krã)a, mnd. kreie, kreige, mndl. craie, nndl. kraai, ags. crãuoe f., engl. crow Krähes(dafür anord. Kräka f. Krühe», Krälcr m.«Rabe»). Ableitung von krähen. ZUS. Krähenauge, n.: Leichdorn (1537 bei Dasypodius Kreenaug); Fruchtkorn der Brechnuß(1618 bei Schönsleder das Dim. Kraineugl). Beides nach Ahnlichkeit mit einem Auge der Krähe. Krähenfuß, m.:: (im Plur.) krakelige Schrift, im 16. Jh. bei Schweinichen 1, 28 Krohnfüße. Krähen- hütte, f.: Hütte zum Schießen der Krähen. 1763 bei Heppe Wohlred. Jäger. krähen, v.: singen, vom Hahn oder wie dieser. Mrhein. 1469 kKréhen, mhd. Krœjen, kraœn, mit den Nebenformen xraigen, Kreigen, kréwen, ahd. chräjan, krãwan, krãen, krähen; dazu and. kräen, mnd. Kregen, Kreigen, Kreien, ndl. kraaien, ags. cräan(Starkflekt. Prät. crsοο), engl. crou, dafür got. hrükjan. Ver- wandt mit abg. grajati, lit. gröti«krächzen. Krähwinkel, Dorfname in Baden, Schwa- ben und Westfalen, wegen des wunderlichen Klanges 1803 von Kotzebue als Schauplatz V seines Lustspiels„Die deutschen Kleinstädter“ gewählt und dadurch zum Musterbild klein- städtischen Spießbürgertums geworden. Schon ahd. Chrãuwwinchil, eig.«abgelegne Waldstelle, wo Krähen nisten. Krake(n), m.(-n(sl, Pl.-n): sagenhaftes nordisches Seeungeheuer, zu dem wahrschein- lich die große Tintenschnecke Sepia octopodia Anlaß gegeben hat. 1775 bei Adelung, aus norweg. Kralije m. Krakéel, m.(els, Pl.-e): der Hader, das Häündelsuchen. 1629 bei Diefenbach-Wülcker 714 crackel, 1663 bei Schottel Krakehl m., aufgenommen aus mnd. krakele, ndl. krakeel. Herkunft unklar. Vgl. Schröder Streckformen 126. Davon krakéelen, v. und Krakéeler, m., 1691 bei Stieler Krackehlen, Krackehler. krakelig, adj.: unsicher auf den Füßen. Auch von unsichrer Schrift gebraucht. Nd. und nnd. Wohl zu Kracke, das urspr.«etwas Unan- sehnliches, Schwaches» bedeutete. krakeln, V.: krakelig schreiben, kritzeln. Md. und nd. Kräkeln, s. Krickeln. Krakelwerk, n.: wunderlich wirres Bau- werk, bei Goethe 33, 145. Zu Krakel f. dürrer Baum mit Zweigen»(1754 bei Döbel Jäger- practica 2, 217 b Krackel),«sperriges Geäst» (1561 bei Maaler die Graglen), schles. grãgel f. cdürrer gabelförmiger Zweig», grägelaverk Sperrwerk des Daches», oberd. grageln adie Beine spreizeny. 1135 krall Kran 1136 krall, adj.: grell(Lessing 6, 509, Herder z. Lit. u. K. 11, 357). Nd. von den Augen das Adj. krall«lebhaft, durchdringend hell, grall«scharfsichtigy. Kralle, f.(Pl.-n): hakenförmig gebogner scharfer Nagel der Tierzehe. Im 16. Jh. rale (1576 bei Mathesius Luther 101 2, 106 a) und Krelle f., 1663 bei Schottel Kralle, 1691 bei Stieler Gralle. Vgl. mhd. grelle f.«Stech- gabel beim Fischfang und als Waffe». Nach Detter ZfdA. 42, 56 aus*radlo- zu kratzen. 4 BL. krallen, v.: mit hakenförmigen Spitzen kratzen. 1691 beiStieler grellen, grallen, krallen, im 18. Jh. bei Räüdlein Krellen, bei Ludwig, Aler, Steinbach und Adelung nur Krällen, 1482 im Voc. theut. r 3 b rellen, mhd. um 1100 chrellen (in bichrellen). krallicht, krallig, adj.: mit Krallen versehen, 1691 bei Stieler grallicht. Kram, m.(Jlels, Pl. Kräme): Warenbude zum Feilhalten; Kleinhandel; Klein-, Kurz- waren. Mhd. u. mnd. grüm m. causgespannte Zeltdecke, Bedachung eines Kramstandes, Kaufbude, Kaufmannsware, Handelsgeschäft, einzelnes erkauftes Stück», mhd. auch Kräme, Kräm f.«Krambude, Ware»; dazu clevisch 1477 crame«ausgespannte Decke, Vor-, Um- hang, Kindbett), in letzter Bed. auch mnd. krãm m., ndl. eraam f., eig.«die Gardine, hinter der die Wöchnerin liegt. Ahg. gramu m.«Weinladen, Schenkey, könnte verwandt sein. Daneben steht abg. dremu Zelty, dessen Verhältnis zu unserm K. nicht klar ist. Wahr- scheinlich ein altes Handelswort. Vgl. noch Johansson Idg. Forsch. 8, 171. Davon kramen, V., urspr. kaufen(noch in Südwestdeutschland), jetzt s. v. a. warenartig, dann suchend hin- und herlegen. Mhd. Krämen«Kramhandel treiben, einkaufen), bes. ein Geschenk. Krämer, m. (s, Pl. wie Sg.): Kleinhändler, früher Kramer (noch vielfach in Kramerinnung), mhd. krã- mœre, krämer, krœmer, ahd. krämari m. Krämervolk, n., verächtliche Bezeichnung der Engländer seit Ende des 18. Jh., zurück- gehend auf Ad. Smiths Ausdruck nation of shopkeepers. Vgl. Ladendorf. Krämerei, f., mhd. Främerie, Erœmere f. Krämerin, f. mhd. Krämerinne. Krambämbuli, m.: Danziger Wachol- der- oder Kirschbranntwein(vgl. Lachs). In der ersten Hälfte des 18. Jh.; dazu schwüb. westfal. Krambambel«Schnapsv. Nach Schrö. der Streckformen 208 aus*rambel, das zu Wrammet, s. Krammetsvogel, eig. Wacholder⸗ gehört, also Wachholderschnapss. V * krammen, v.: mit sich zusammenaiehen- den Klauen empfindlich und verletzend fassen (Goethe 17,94.50, 164). Mhd. um 1400 krammen, noch schweiz.-elsäss. und nordfränkisch. Im Ablaut zu krimmen(s. d.). HRram(me)tsvogel, m.(-s, Pl. võögel): Wacholderdrossel. 1691 bei Stieler Krammelts- vogel, im 16. Jh. Krammet-, Kramat-, Kramats- vogel, im 15. Jh. krambit-, kranbitvogel, 1482 im Voc. theut. r 32 vramwidfogel, mhd. im 13. Jh. Kramwitvogel. Von mhd. kranerwite m. (spätmhd. chranbit, chrambid, cramat, chramad), ahd. Kranawitu n.(auch chranpoum m.)«Wa- cholderstaude», noch bayr. vxranewett, Krane- wittn f., eig.«Kranichholz», zgs. aus der alter- tümlichen Form von Kranich(md. krane, kran, s. Kran) und ahd. Witu n.«Holzs. Krampe, f.(Pl.-n): Türhaken, in den der Riegel des Schlosses einschnappt; Buch- haken, das Buch zuzuhalten(1775 bei Adelung cim gemeinen Leben»). In der 1. Bed. 1647 bei Olearius 134 Krampe, aufgenommen aus gleich- bed. md. und mnd. krampe f., and. Krampo (auch ndl. kram, kramme f., engl. cramp); dafür mit hochd. pf 1517 bei Trochus R 3a Kramphe, ahd. chramph m.«Haken?, neben dem ahd. Adj. chramph gekrümmt»(daher entlehnt afranz. cranpi czusammengekrümmt’, franz. crampon m. cKlammery, ital. grampa f. «Kralle»). Zu ahd. chrimphan, mhd. Lrimpfen ckrumm oder krampfhaft zusammenziehen. Vielleicht urverw. mit lett. gru'mba Runzel, Falte; ausgefahrnes Wagengeleise», gru'mbt «Runzem bekommeny. 4 BL. krampen, v.: festklammern, 1785 bei Voß Ged. 1, 171. Krampf, m.(-ſels, Pl. Krämpfe): krank- haftes Zusammenziehen der Muskeln. Mhd. krampf m., aber spätahd. schwachbiegend chrampho m. wie noch 1469 mrhein. Krampfſfe m.(Voc. ex quo); dazu and. crampo m., mnd. Krampe m., ndl. Tramp f., engl. cramp. Eins mit Krampe. Vgl. noch Krumm. 4 B T. krampfen, v.: in Krampf zusammenziehen (Goethe 19, 48 u. 15, 1, 18), spätmhd. Krempfen. krampfhaft, adj., Kramer 1787. krampffg, adj., 1482 im Voc. theut. r 3 b vrampfig, um 1480 im Voc. theut. n 6 b krempfig«krampfsüchtig». ZUS. Krampfader, f., 1561 bei Maaler. Kran, m.(-Lels, auch-en, Pl.-e, en, Kräne; die schwachflektierten Formen sind im Veralten): Hebezug für Waren; Zapfröhre mit einer senkrecht durchgesteckten dreh- baren kleinern, zu Offnung und Verschluß. In der 1. Bed. spätmhd. im 15. Jh. krane, 1137 Kranewitt Kräpfel 1138 kran und kranch, kranche, mnd. im 14. Jh. wran; in der 2. Bed. 1664 bei Duez Kran, aber bereits clevisch 1477 craen. Benannt nach dem Kranich(s. d.) wegen der Ahnlichkeit mit dem Halse und Schnabel dieses Vogels. Schon gr. Tépavoc f.«Kranich) und«Kranꝰ. Kranewitt, s. unter Krammetsvogel. Kranich, m.(Jels, Pl.-e): großer asch- grauer Sumpfvogel mit langem spitzigen Schnabel. Mhd. kranech, kranich, Kranch, auch schwachbiegend kraneche, Kranche, bis- weilen mit Umlaut Krench, Pl. Krenche, ahd. chranuh, chranoh, chranih m., mittels der Ab- leitungssilbe-uh(vgl. ahd. habah m. Habichto, got. ahaes f. Taubey) von spätmd. Krane, krone, and. crani(2), mnd. Krane, Krãn, krõn m., 1477 clevisch craen(vgl. Kran); dazu ags. ceran u. cornoch m., engl. crane, anord. trana f. und frani m., schwed. trana, dän. trane. Ur- verwandt mit glbd. gr. Tépavoc f., kelt.-kymr. garan, abg. zeravi m., lit. gérvé f., arm. Kunk, lat. grus f.(Gen. gruis), das sich mit ahd. chreia, kreia«Kräanich» berührt. Dazu auch lit. garnis m.«Storch, Reihery. krank, adj.(Komp. Kränker, Sup. krünkest): leidend schwach. Mhd. kranc«schwach(zu- nächst körperlich, dann auch geistig), arm- selig, schlecht, schmal, schlank»; erst, nachdem im 13. Jh. bei md. cranc die Bed.«gebrech- lich, leidendy(der sunden widerstrit V. 1257, Gießener Hdschr. von 1278) auftauchte, ent- wickelte sich und tritt auf im 14. Jh. die Bed. cleidend schwach», die dann im 15. Jh. so geläufig wird, daß im 16. Jh. das in dieser Bed. übliche siech(s. d.) in eine engre Be- deutung verdrängt ist. Ahd. nur in Krankolõn «schwach werden, straucheln⸗ erhalten. Dazu rheinfränk. im 11. Jh. crank«gebrechlich, ge- lühmt⸗, mnd. Kranke«schwach, ohnmächtig, schlecht, gering), mndâl. cranc schwach, schlechty, afries. Kronkk«zum Tode leidend schwachs, ags.(selten) cranc«gebrechlich, hinfällig, anord. Krangr«schwächlich» und (aus dem Deutschen entlehnt) rankr, schwed.- dän. Krank«krank». Gleichen Stammes wie ags. cringan, erincgan, crincan(Prät. orang, eranc, Part. crungen, cruncen) chinsinken, im Kampfa fallen⸗, engl. crank«Krümmung?, das zu lit. grez à«wende, drehen gehört. 43L. Kränke, f.: Krankheit, dann Krämpfe, be- sonders aber die fallende Sucht, ein Fluch- wort, mhd. krenke f.«Schwäche». kränkeln, v., 1639 bei Zincgref Apophth. 310 Kränckelen. kranken, v., mhd. kranken«schwach, leidend Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. werden oder sein». kränken, v.: geistig empfindlich wehe tun, mhd. Krenken«schwach, gering, leidend machen, schwächen, mindern, erniedrigen, herabsetzen, in Kummer ver- setzen?; dazu Kränkung, f., 1691 bei Stieler. krankhaft, adj., 1691 bei Stieler, kKranck- hafftig 1664 bei Duez. Krankheit, f., mhd. Krancheit, Krankeit f. Schwäche», aber dann im 14. Jh. wie heute. kränklich, adj., mhd. kranc-, krenclich«schwächlich, armseligy, 1508 in der Straßburger Gemma C 8⁴ krancklich in der heutigen Bed.«dauernd leicht krank»; Kränklichkeit, f., 1734 bei Steinbach. ZUS. Krankenhaus, n., 1678 bei Krämer, aberschon um 1480 im Voc. inc. teut. n 62 Kranckhufß. Kranz, m.(tes, Pl. Kränze): reifförmiges Züergeflecht; umfangender Kreis. Mhd. Kranz, ahd. im 10. Jh. kranz m.(zunächst schmückende Binde des Hauptes, Lockenkranz); eigentüm- lich hochdeutsch, in andre german. Sprachen entlehnt. Entweder nach Lidén Stud. 16 zu lit. grandis m., grandélé f.«Armband, apreuß. grandis«xRing», lett. grõds«starkgedreht, drall» oder aus*xrange-(vgl. Lenz) zu Kringel(Btr. 29, 502). Vgl. Krätze. 4BL. Kränzchen, Kränzlein, n., mhd. Krenzelin, krenzel, md. im 15. Jh. Krenachen n.; in der Bed.«reihum- gehende Gesellschafty 1691 bei Stieler Kränz- lein, 1616 bei Albertinus Lucifers Königreich 199 L. Krantzmahl und Kräntzelmahl der Weiber, kölnisch im 15. Jh. krentzgen(Diefen- bach-Wülcker 715) und 1513 krenalin(Lilien- cron 3, 110 ⁵b) von geheimen politischen Ge- sellschaften, urspr. benannt nach dem Königs- kränzchen, das bei Schützenfesten den Sieger schmückte, aber dem Ort des Gewinners die Verpflichtung auferlegte, das nächste Schießen zu halten(von ort zu ort ein kranz halten ZfdA. 3, 243 vom J. 1602), auch bei den Musik- kränzchen des 16. und 17. Jh. ging ein Kranz reihum(Grimm DW. 5, 2058), ebenso bei den Schmauskränzchen des 16. Jh.(Gargantua 74). kränzen, v., 1512 bei Murner Narrenbeschw. 94, 62 Krentzen, ahd. Part. Kkachranztaz, ahd. Glossen 2, 398, 37. Kräpfel, m.(-s, Pl. wie Sg.): in Fett gebackne kleine Kuchenart. In der Wetterau Fem.(kräppel), in Thüringen Mask., bayr.- österr. Krapfl n., mhd. krepfelin n., im 15. Jh. repfil, um 1480 im Voc. inc. teut. 1 5 a Krapffel; dazu md. im 12. Jh. und mnd. kreppelen, jetzt Kreppel, obersächs. Kreppelchen n., Dim. zu 1Krapfen, m.(-s, Pl. wie Sg.): eine Art Kuchen in Fett gebacken. Nur noch obd., 72 1139 Krapp Kräuel 1140 mhd. Krapfe, ahd. Kräpfo m. Benannt nach der urspr. hakenförmigen Gestalt, eins mit *Krapfen, m.(-s, Pl. wie Sg.): Krüm- mung(umgebognes Ende) zum Fassen und Einhängen, Haken, Klammer. Mhd. krapfe, md. Krdpe, ahd. cräpho, chrãpfo, crãpo m. (auch in der Bed.«gebogne Klaue, Kralles). Ins Romanische entlehnt: ital. graffio m. Haken, Kralley, grappa f.«Klammer», grappo m. Traubenkammy, franz. agrafe f.«Klam- mer, grappe f.(afranz. crape)«Traubes, grappin m.«kleiner Anker mit vier Haken», span. grapa f.«Haken». Gleichen Stammes mit Nasalierung ist Krampe(s. d.). Krapp, m.(-els, ohne Pl.): die Färber- röte, Färberwurzel, eig. das gemahlne Mark der Wurzel. 1712 bei Hübner Krapp, Grapp, Grappe f., aus ndl. Krap, im 16. Jh. Krappe f., woher auch franz. grappe f. Angeblich be- nannt nach den hakenähnlichen Dornen der Pflanze und dann eins mit 2 Krapfen. Krapüle, f.: Völlerei; gemeines Gesindel. Aus gleichbed. franz. crapule f. von lat. crãpula f. cheftiger Rausch». Im 19. Jh. Bei Campe 1813 crapalös«trunken, weinbegeistert?. kraspeln, v.: wie hartes Reiben in wieder- holten Tönen gehört werden. Bei Klamer Schmidt kom. Dicht. 82. Mhd. kraspeln. Derselbe Stamm erscheint in anord. Krespa «krachen», engl. crash, im Ablaut schott. crisp«knackeny. Lautnachahmend. kraß, adj.: dick, grob; plump, roh. 1714 bei Wächtler. Nach lat. crassus«dick», aus der Studentensprache, aber vermengt mit graß, gräßlich. Krätenwagen, s. Kratten. Krater, m.(-S, Pl. wie Sg.): Becher- schlund eines Vulkans. Im 18. Jh.(Goethe 30, 59) aus gr. Jat. crãtér, gr.«oarnp m.«Misch- kessel», auch Offnung eines feuerspeienden Berges», von gr. kepdvvuou«mischey. Kratten, m.(-s, Pl. wie Sg.): tiefer Handkorb, Wagenkorb,(in den bayr. tirol. Alpen) zweirädriger Karren. Daher Kräten-, Krattenwagen, m.«Korbwagen». Ober- deutsch. Mhd. Kratte, gratte, ahd. cratto, m. «Korb»; dazu ags. cradel, eradol m., engl. cradle«Wiegey. Daneben Formen, die auf t weisen, vgl. 1Krätze. Kratz, m.(-es, Pl.-e): einmaliges Kratzen; Schramme davon. Mhd. kraz m., Gen. Kratzes. Kratze, f.(Pl.-n): Werkzeug zum Kratzen; Scharre. Erst im 15. Jh.(Tucher Baumeisterb. 256, 28), aber im Bergbau schon mhd. krataze f. 1Krätze, f.(Pl.-n/): geflochtner Korb, Korbgeflecht. Mhd. kretze f. und m.(auch im frühesten Nhd. noch Kretze m.), mit Nasal krenze, krinze, ahd. crezzo m. Nebenform zu kratten. Dazu ags. crat, crät n.«Wagen?. Weder mit lat. cräãtes f.«Flechtwerk», noch mit gr. käproxoc m. unten spitz zulaufender Korb» verwandt, da die Lautverschiebung fehlt. Vielleicht entlehnt. Vgl. Kratten. 2Krätze, f.(ohne Pl.): Kratzen verur- sachende kleine Milbenblattern am Körper; schuppichter Abfall vom Metalle beim Be- arbeiten. In der 1. Bed. mhd. kratz(voc. opt. 40 b, 6, bei Megenberg kratzen n.), im 15. Jh. Kretze, kretz; in der 2. Bed. im 15. Jh. Kretze(Frankf. Bürgermeisterb. v. 1450), kretz (Nürnb. Polizeiordn. 150, 14 vom J. 1483). 4BL. Krätzig, adj.: die Krätze habend, im 15. Jh. Kretzec, mhd. in ankretzig«räudig, woneben 1347 krezoht«schäbig)(Pfeiffers Ubungsb. 154, 129). kratzen, v.: mit Spitzem od. Scharfem ein- dringend fassen oder reiben; reibend scharren. Mhd. Kratzen, Kretzen, ahd. chrazzõn; dazu mnd. Kratzen, Krassen, mndl. cretten«kratzen?, anord.-nnorw. grota«ausschneiden), schwed.- dial. Krta. Aus dem Germanischen ent- lehnt ital. grattare, franz. gratter«kratzen?. Eine nasalierte Wurzel könnte in lit. grãndaua «schaben stecken. 4B L. Krätzer, m.: im Halse kratzender Wein, 1691 bei Stieler, dafür 1600(bei Melander Jocoseria) Kratzenberger m. kratzig, adj.: rauh, unfreundlich, 1808 bei Campe als nd. ZUS. Kratzbürste, f.: (bildlich) unfreundlicher Mensch, bereits im 17. Jh.(Bechstein Museum 2, 252). Kratz- fuß, m.: höfliche Verbeugung, wobei man mit dem linken Fuße ein wenig nach hinten auskratzte. 1775 bei Adelung, nd. Kratzfoot 1767 im Brem. Wb., dafür 1734 bei Steinbach Scharrfuß. Die Sitte selber bestand bereits am Anfang des 17. Jh. Krätzgarten, m.: Gemüsegarten. Im östlichen Mitteldeutschland, 1580 im kursächs. General-Articul§ 22. Benannt nach der Be- arbeitung mit der Kratze d. i.«Krauthacke, Karsty(md. 1517 bei Trochus Q5 b kratze). krauchen, v., ostmd. Nebenform von kriechen(s. d.), 1586 bei Ringwaldt Warh. 21. Kräuel, m.(-s, Pl. wie Sg.): Gabel mit Haken zum Fassen. Bei Luther kKreuel und krewel, mhd. Kröuaoel, Krezwwel, kröul, riul, kreul, ahd. chrawwil, erewvil, chrowil, crouril m. «dreizinkige Gabel, Dreizack, Hakengabel, 1141 kraus Kraut 1142 Klaue, Kralle»; dazu and. krauavil m.«drei- zackige Gabel afries. Krauel, mndl. Krauawel, nndl. Kraauapel m. Hakengabel, Kralley. Von krauen, v.(Prät. Kraute, Part. gelerau): kratzen; zu Wohlgefühl gelinde kratzen. Mhd. krouaoen, krawen, Kreuaen, im 15. Jh. Krauen, ahd. chrouwon; dazu mnd. Krauwen, afries. krauwa, ndl. Krauwen«kratzen». Wohl wurzel- verwandt mit Kratzen oder mit lit. gräuziu «nagey. 4 B L. Kraueln, v.: sanft streicheln. Im 15. Jh. kraus, adj.: viel ins Runde gekrümmt oder geringelt. Mhd.(nicht häufig) und mnd.&rãs, ndl. 1599 bei Kilian kruys, mndl. Kroes, ahd. noch nicht nachzuweisen. Dazu mit Ablaut Gekröse und auch wohl Krolle(s. d.), also aus*xrütto-. Davon Krause, f.(Pl.-n): ge- fältelter Halskragen, 1673 bei Weise Erzn. 32 Krause f., aber 1644 bei Moscherosch Philan- der 1, 263 f. Kräuse, Kräuß n., gegen Ende des 16. Jh. Kraus n., mit Anlehnung an das Adj. kraus umgedeutet aus dem im 16. und 17. Jh. üblichen gleichbed. Kröß n., bei Fisch- art Garg. 172 Kalbskröß, nach der Ahnlichkeit mit einem Kalbsgekröse benannt, wie noch ditmars. kaleverkrüsen«gefälteter Kragen», dän. kalvexkrös Busenstreif, franz. fraise f. Kalbsgekrösey und gefälteter Hemdkragen». Kräusel, m. fortlaufender Ringel(bei Goethe an Fr. v. Stein 1, 260); Halskrause(Goethe [Werther]19, 40). kräuseln, v.: Kraus machen, fälteln, 1572 bei Fischart Garg. 171 gekräuselet, 1562 bei Mathesius Sar. 79 b sich derkreuseln, mndl. im 15. Jh. cruselen. krausen, v.: Kraus werden(Goethe6, 61). kräusen, krausen, v.: kraus machen, 1628 bei Münster Cosmogr. S. 1731 kraussen, 1510 in der Hagenauer Gemma c82 gekrußt, md. im 15. Jh. crusen (Diefenbach gl. 158 5b), im 17. Jh. Kräusen (Schupp 712); dazu mnd. und muld. Krusen. ZDS. Krauseminze, f., zusammengeschoben aus krause Minze, Anf. des 15. Jh. crusemyntze (Diefenbach gl. 66²), 1482 in Voc. theut. r 2 b krawsmintz. kraushaarig, adj., 1664 bei Duez kraufßhaarigt, 1477 clevisch cruysshayrich, wie wie auch das Subst. Kruushaer n. Kraus- kopf, m., bei Luther W. 8, 23 Kraußkopff. 1Krause, f., s. Kraus. „Krause, f.(Pl.-n): eine Art(Deckel-) Krug. Oberdeutsch, hessisch. Alternhd. auch Krause m.(-n/, Pl.-n) und Kraus m. (Pl. Krause). Mhd. Kräse f. mit dem schon im 12. Jh. erscheinenden Dim. cräselin n.; dazu mnd. krüs und Krös m. n., ndl. Kroes m. Da Gefäßnamen häufig entlehnt werden, hat man auch hier an Entlehnung gedacht; etwa aus gr. kouccôc m.«Wasser-, Ol-, Aschen- krug»(so wieder Falk-Torp); nach Weigand aus mlat. cruci-, crusihulus m. Bechery(urspr. in Kreuzesform), lat. crucibulum n.«Nacht- laterne in Kreuzesform), Lampentiegelꝰ, dar- auf weisen auch die älternhd. Formen und Bed.(krusel, Krüsel, Krausel, kreusel, m. f. cbreitbauchiger Krug, Napf, Tiegel», noch schweiz. chräüsel m. f. Henkelkrug mit brei- tem Bauch, starkbauchige Kasserole, gedeckte tiefe Schüssel mit Handhaben», nd. Krüäsel m. changende Lampe geringer Leute, worin meistenteils Tran gebrannt wird»(brem. Wb. 2, 888), mnd. Krusel, Kruczel, crusele, andfrk. erãsul«crucibulum», md. Kreusel m., chan- gende tragbare Arbeitslampe der Bäcker» usw. Doch könnte das Wort auch echt deutsch sein und mit kraus in der Bedeutung«drehend zusammenhängen. Vgl. Kreisel. Kraut, n.(-els, Pl. Kräuter): Blattge- wächs, das keinen Holzstengel hat; Häupter- kohl; das grüne Blattwerk einer nicht über Winter dauernden Pflanze(im 16. Jh. bei Paracelsus);(nordwestdeutsch) eingekochter Fruchtsaft;(heute veraltet) Schießpulver. Mhd. kr’t, ahd. chrät n.«kleinere Blätter- pflanze, Gemüse, Kobl»; dazu asächs. crüd Unkraut mnd. Krät, Krüd(auch Gewürz) ndl. ruid n. In der Bed. Schießpulver schon im 14. Jh. am Niederrhein kruyt n., nhd. auch Büchsenkraut, Zundkraut(Grimmelshausen Simpl. 229), dann in Kraut und Lot«Pulver und Blei»(Liliencron Volksl. 2, 324, 12 vom J. 1493), mnd. Krüt unde lõôt. Vielleicht zu gr. Bpow chervorsprossen», Bpov n.«Moos, See- moos, Kätzchen, Blüte». RA. Das geht mit Kräutern zu: mit unrechten Dingen, Zauber- kräutern(Wickram Rollwagen 17, 22). 48B L. kräuteln, v.: Kräuter sammeln, 1691 bei Stieler kreutelen(1556 bei Frisius 483 2 Kreütlen, causjäten»); daher Kräutler, m.: Kräuter- sammler, frühnhd. Krüteler(Anf. d. 15. Jh.), kreutler und krãdener, kreiotener(Diefenbach gl. 275²2, nov. gl. 202²); Gemüsehändler, 1582 bei Golius 355, noch heute in Wien. krau- ten, v.: Unkraut jäten(Fastnachtsp. d. 15. Jh. 610, 2), mhd. krüten«Kraut holen», mnd. kruden(auch würzen). kräutern, v.: Kraut holen oder jäten(in der ersten Hälfte des 15. Jh. Kkreytren), Kräuter suchen. Kräu- ticht, n.: Kräuterblätter, Unkraut, md. im 15. Jh. crädech, crädecht, crewtecht, im 14. Jh. 72* 1143 Krawall Kreide 1144 crüteht n. ZUS. Krautbauer, m.: Häupter- visse f.«Krebs» und crevette f. ckleiner Krebs», kohl Bauender, mit Häupterkohl handelnder Bauersmann(bei Kramer 1787). Kraut- haupt, n. und Krautkopf, m.: Kohlkopf, im 17. Jh. Krautehaubt, Krauthaupt, mhd. krütes houbet; 1581 bei Fischart Bienenkorb 84 b Kraultkopff. Krautjunker, m.:(spöttisch) unwissender Landedelmann, im 17. Jh. bei Moscherosch Patientia 26. Krawäll, m.(-s, Pl.-e): vorübergehender Aufruhr chne Ausdehnung. Von den großen- teils rat- und tatlosen Aufständen des Herb- stes 1830 aus rasch im westlichen Mittel- deutschland verbreitet. Doch vereinzelt schon vom J. 1557 aus dem Archiv zu Rotweil &Crowallen halben uff wasser und land be- kreten oder angreiffen würden(Herrigs Archiv 38, 343). Aus franz. charivalli(14. Jh., mlat. charavallium), der Nebenform von charibari «Straßenlärm, Katzenmusiky, prov. caravil (s. Charivari). Davon 1830 krawällen v. und Krawäller, m. Krawäͤtte, f.(Pl.-n): steife Halsbinde. Früh im 18. Jh. aus franz. cravate f., in der ersten Hälfte des 17. Jh. gebildet aus dem Volksnamen Cravate«Kroaten(s. Kra- hate), als Nanchahmung der leinenen Halstücher der Kroaten, daher ital. croatta neben cravattaf. Kraxe, f.(Pl.-/): Traggestell. Bayr.- schwäbisch. Mhd.(österr.) chrechse f., 1421 Kräxen(Diefenbach nov. gl. 97²). Vielleicht mit 1Krätze zusammenhängend. kraxeln, v.: klettern, mühsam gehen. Bayr-'östr., eine Weiterbildung des schon im 17. Jh. bezeugten österr. rägeln«strampeln, kletterny». In der neuern Zeit durch den Bergsport bekannt geworden. Kreatür, f.(Pl.-Jen): Geschöpf. Mhd. erẽatiure, md. créatãre f., aus gleichb. lat. creãtãra f., von credre«erschaffeny. 4 B L. kreatürlich, adj., mhd. créatiurlich. Krebs, m.(Gen.-es, Pl.-e): hartschaliges Wassertier mit zwei Scheren;(von der Xhn- lichkeit der Krebsschale, im 15. und 16. Jh.) blecherner Brustharnisch; um sich fressendes Geschwür(schon im 14. Jh. aus dem Alter- tum übernommen, lat. cancer m.). In urspr. Bed. mhd. Krebez, krebz, im 14. Jh. auch grebs, spätahd. crebiz, md. im 12. Jh. criuz, später Kreuz, Kreuze, krouz, mit schwacher Flexion mhd. Krebeze, rebze, ahd. chrepazo m; dazu mnd. Krevet, kreft, mndl. Frevet, Krevitse, gleichen Stammes wie Krabbe(s. d.). 4L. krebsen, v.: Krebse fangen, mhd. Krebezen, krebzen. ZUS. Krebsauge, m., im 15. Jh. Kreby' ß, Kreffißzauge(Diefenbach gl. 490°), so heißen zwei im August zur neuen Schalen- bildung im Magen des Krebses befindliche halbkugelige Steinchen. Krebsgang, m.; Gang rückwärts wie der eines Krehbses, bei Luther 3, 332 b Jen. Krebsschaden, m.: Krebsgeschwür, 1678 bei Krämer. Krebs- schere, f., früh im 15. Jh. md. Krebezschere. Krebssuppe, f., im 15.— 16. Jh. Erebssuppe (Germ. 9, 206). kredénzen, v.: vorkosten, vorkostend dar- reichen. Spätmhd. crédenzen, von ital. cre- denza f.«Glaube, das Vorkosten? zu Treu und Glauben» d. h. zum Zeichen der Un- schädlichkeit, der Giftlosigkeit, mlat. cre- dentia f., zu lat. crédére«glauben». 4 L. Kredénzer, m., spätmhd. crédenzer. ZUS. Kredénztisch, m.: Schenktisch, 1540 bei Alberus dict. r 2², 1586 in den Script. rer. Siles. 4, 290 Credentz m. Jetzt Kredénz, f. Kredit, m.(-els, Pl.-e): Treue und Glauben zu Borg, Leihvertrauen. Zu Anfang des 17. Jh.(1601 bei Albertinus Kriegsleut Weckuhr 118 b Credlit m., als Neutr. 1663 bei A. Gryphius Horrib. 11) entlehnt aus gleichbed. franz. erédit, ital. eredito m., von lat. crõditumè n. cDarlehny, dem Neutrum von créditus, Part. Perf. Pass. von crédére«glauben, borgen». Dafür kaufmännisch im 16. Jh. Glauben(1548 bei Agricola Sprichw. Nr. 733). kreditieren, v.: auf Borg geben, im 17. Jh. creditiren, aus franz. eréditer. Kreditor, m.(-s, Pl. Kredi- tören): Gläubiger, 1510 im Cod. dipl. Siles. 20, 178 Creditor, aus gleichbed. lat. créditor m. Kreditiv, n.(*s, Pl.-e): Beglaubigungs- schreiben. 1607 bei Sattler Orthogr. 32 Creditify- schreiben. Vom mlat. Adj. creditivus«Glauben zu schenkend», zu lat. crédére«glaubeny. Dafür im 15. und 16. Jh. credenz f. n., mnd. credencie f., aus ital. eredenza f.(s. Kreddenzen). kregel, adj.: munter, lebhaft(Tieck Nov. 7, 130). Nd. und md., aber mnd. Kregel«immer fertig zum Kampfe, hartnäckigy, ndl. Kregel «störrisch», 1599 bei Kilian krijghel, ent- sprechend ahd. idarcrégilin chartnäckig. Verwandt mit Krieg(s. d.). Kreide, f.(Pl. n): weiße Kalkerde zum Schreiben usw. Mhd. kride, spätahd. cräda, f.; krevisse, undl. greeft m. Entlehnt afranz. dazu and. erida, mnd. Krite f. Aus gleichbed. escrevisse(auch Brustharnisch), nfranz. écre- unerklärtem lat. créta f. Kreidey. 4BL. 1145 Kreis Krempel 1146 kreiden, v., spätmhd. Kriden(15. Jh.). krei- dicht, adj., 1691 bei Stieler. kreidig, adj., 1618 bei Schönsleder. Kreidling, m., von Campe 1801 für Kretin(s. d.) vorgeschlagen, jedoch mit falscher Ableitung. ZUS. kreide- weiß, adj., 1575 bei Fischart Garg. 113 reidenweiß. Kreis, m.(Gen.-es, Pl.-e): um einen Punkt laufende, überall gleichweit von diesem entfernte Linie; Landbezirk; Verkehrskreis. Mhd. Kreiz m.«Kreislinie, Umkreis, eingehegter Kampfplatz, Landeskreis», spätahd. creiz m. (noch im 18. Jh. Kreiß, Kraißz); dazu ndrhein. im 14. Jh. Kreytz und kryft, mnd. Krét, kréte, kreit, krit m., mndl. crit n. Nebst mhd.(md.) krizen ceine Kreislinie machen», bekrizen«mit einer Kreislinie umziehen», bekreigen aden Grundriß, die Umrisse zeichnen», entweder zu kritzen«kritzen, ritzen»(s. Kritz) oder zu alb. Fep m. Reif eines Fasses, Rades, Ringesy. 4 L. kreisen, v.: sich kreisförmig bewegen, mhd. kreizen. ZUS. Kreislauf, m., 1741 bei Frisch. lkreischen, v.: laut, grell aufschreien. Mit schwacher Biegung Prät. Kreischte, Part. gekreischt, aber in der Volkssprache und älternhd. starkflekt. Prät. Krisch, Part. ge- krischen, um 1200 ndrhein. und md. Krischen (Prät. Kreisch, Pl. krischen, Part. gekrischen), spätmhd. im 15. Jh. Kreischen(deutsch Passion, Frankf. Hds. Bl. 61 b); dazu mnd. Krischen, krisken, mndl. crischen, crijschen(Prät. erésc), nndl. Krijschen(Prät. Kreesch, Part. gereschen, aber auch schwachflekt. Krijschte, gekrijscht). Nebenformen: kröschen(oberd. und nd.), vreuschen(Fischart Garg. 169, Stieler 1691, Musäus Volksm. 3, 278), mit Dental obersächs. krietschen, vgl. kreißen und Kreisten. zkreischen, v. kochendes Ol, Schmalz usw. durch ein hineingelegtes Brotstück oder ein- gespritztes Wasser reinigen, bratend auslassen. Im 17. Jh.(bei Kirchhoff) kreuschen, bei Adelung 1775 kröschen. Schwachbiegendes Faktitiv zu kreischen, urspr. aufschreien machen, wie mhd. erkereischen; im 16. und 17. Jh. Kreischen«quälen, peinigeny. Kreisel, m.(-S, Pl. wie Sg.): kleines trichterförmiges Spielgerät, das auf dem spitzen Ende sich drehend läuft. Angelehnt an Kreis und Kreisen 1691 bei Stieler Kreisel, aber urspr.«Topf, Krug»(s. 2Krause, wie mhd. und noch oberd. 1ρ ½ m.«Kreisel»), daher noch bei Voß, Goethe, Lichtenberg usw. Krusel, bei Freyer 1722, Duez 1664 und Soranus 1587 Kreusel, 1421 crußel(Diefenb. nov. gl. 372²), md. im 13. Jh. kräsel m. (hl. Elisabeth 3610); dazu mnd. 1424 crusel (Hor. belg. 7, 29 b), bei Chyträus Krüsel, nnd. krüselding, in Anlehnung an nd. küsel«Wirbel, Strudel»(brem. Wb.), mnd. cusel Diefenbach nov. gl. 3723. kreisen, v., s. Kreis. kreisten, v.: stöhnend ächzende Töne aus- stoßen. Mhd. Kristen. Noch bayr.o-östr., dafür in der Wetterau und in Nassau kresten. Vgl. kreißen und Kreischen. kreißen, v.: in Geburtswehen schreien (und stöhnen); Wehen haben. Schwachbiegend Prät. Kreißte, Part. gekreißt, aber mit starker Flexion mhd. Xrizen(Prät. Kreiz)«scharf rufen, scharf schreien, stöhnen», im 15. Jh. Kreysen (Hützlerin 1, 25, 68 u. 30, 9), in der heutigen Bed. zuerst 1691 bei Stieler(kreußen). Dazu mnd. Writen«schreien, heulen»(Prät. Nrét) kreten, kriten«streiten, zanken», 1477 clevisch crijten, mndl. oriten«grell aufschreienꝰ, nndl. Erijten(Prät. Kreet, Part. gelreten)«schreiens. Vgl. Kreischen und kreisten. Krematörium, n.(-S, Pl.-rien): Anstalt zur Leichenverbrennung. Von lat. cremãre «verbrennen» in neurer Zeit gebildet. Kremortärtari, m.: gereinigter Wein- stein. Von lat. crémor m. dicker Saft, Breiꝰ, und dem Gen. von nlat. fartarus«Weinsteinv. 1801 bei Campe. Krempe, f.(Pl.-en): aufwärts gebogner (geschlagner) Hutrand usw., 1673 bei Weise Erzn. 26 Krempe. Aus dem Nd., Nebenform von Krampe(s. d.), 1691 bei Stieler Krampe, Krempe fibulas und Krempe auf dem Hut «spinther»(die Agraffe an der Hutkrempe), ahd. chramph m. Rand, Kran, widirgichrampht zurückgebogen». krempen, v.: den Rand wovon aufwärts biegen, 1741 bei Frisch grem- pen(aus dem Niedersächsischen). 1Krempel, f.(Pl.-n): Wollkamm. Zu- fällig erst 1734 belegt bei Steinbach Grampel f.; md. im 15. Jh. krempel m. n.«gekrümmter Zacken, Häkchen(1404 bei Cersne Minne Regel 2713), Kralles, mit hd. pf älternhd. Krempfel Hakengabel, Fleischgabeb(Schmeller*1, 1370). Abltg. v. ahd. chramph m. Haken»(s. Krampe). Davonkrempeln, v.um 1480 im Voc. inc. teut. I1 b kemmen, vulgariter grempeln. Krempler, m., ebenda kemmer, grempler. Kremplerin, f., 1429 bei Diefenbach nov. gl. 283 b kemmerin, gramplerin. Krempel, m.(-s): geringwertige Sachen, eig. Trödelware. Zu älternhd. grempel m. eKauf- 1147 Kremser Kreuz 1148 handel im Kleinen, Trödelhandel»(16. Jh.), grempelmarkt m. Platz zum Feilhalten alter gebrauchter Sachen, Trödelmarkt»(Voc. von 1429 bei Schmeller, 1537 bei Dasypodius), grempelwerk n.«Trödelware?(1594 bei Frisch- lin Nom. c. 155). Krempeln, v.: Kleinhandel treiben, trödeln. 1669 bei Grimmelshausen Simpl. 317 Krämpeln, mhd. grempeln, grempen, vielleicht von ital. comprare(im Volksmund crompare)«kaufen⸗, das dem gleichbed. lat. comparãre entstammt. Krempler, m.: Tröd- ler, Höke. Mhd. im 13. Jh. grempler, gremper(um 1500 Kremper Straßb. Verordn. 256 Brucker), 1413 grempner, im 14. Jh. grempe, gremp (Straßb. Verordn. 249). Kremser, m.(es, Pl. wie Sg.): leichter Omnibus, benannt nach dem Berliner Hof- agenten Kremser, der 1825 die ersten der- artigen Wagen in Berlin aufstellte. Kren, m.(-s, Pl. unüblich): Meerrettich. In Bayern, Osterreich, Nordfranken, Schlesien. Mhd. krén, kréne m., im 15. Jh. auch krien (1482 im Voc. theut. r 45), schles. Krien(bei Günther 974 und Steinbach). Aus dem Slawi- schen, abg. russ. chrent, tschech. KFen. Krengel, s. Kringel. Kreole, m.(n, Pl.-/): von einem Weißen mit einer Mestize erzeugter(bräunlicher) Ame- rikaner; aber auch in den Kolonien Geborner von rein europäischem Blut. 1728 bei Sperander Criole, nach franz. créole m. aus gleichbed. span. criollo m., von span. criar cerzeugen, ernähren», lat. credre«erschaffen?. krepieren, v.: verrecken; bersten(von Granaten). 1617 im teutschen Michel crepiren, aus ital. crepare«bersten, verreckens, von lat. crepãre«krachen, platzen. Krepp, m.(es, Pl.-e): Krausflor. Im 16. Jh. bei Kiechel 161 Crepp, 1650 bei Mosche- rosch Philander 1, 44 Kreppe(in den ältern Ausgaben Crespe), ndl. 1599 bei Kilian crespe, kerspe, aus gleichbed. franz. crépe m., früher crespe, von lat. crispus«kraus». Kreppel, m.(-S, Pl.-n und wie Sg.): Krapfen, s. Kräpfel. 1Kresse, f.(Pl.-n): die bitterliche Salat- pflanze an und in süßen Wassern, auch ver- wandte Pflanzen ähnlichen Geschmacks. Mhd. kresse m. f., ahd. cresso m. und cressa f.(vgl. ZfdW. 2, 229); dazu andfrk. cressa f.(rhein. im 11. u. 12. Jh. crasse), mnd. kerse, karse f., nndl. kers, kors f., ags. cœrse, cerse f., engl. eress. Unerklärt. Aus dem Germanischen entlehnt franz. cresson, ital. crescione m. „Kresse, f.(Pl.-n): der Gründling, ey- prinus gobio. Das Fem. scheint in Mittel- deutschland aufgekommen, mhd. kresse m., ahd. and. cresso m.,(noch bayr. Kressen m.); dazu rhein. im 11. und 12. Jh. grasse, 1477 clevisch crasse. Vielleicht zu ahd. chresan ckriechen»; der Fisch, auch Kreßling, m. (—s, Pl.-e) genannt(1429 kressling), hat näm- lich in seinem Bewegen auf dem Grunde des Wassers etwas Schleichendes, Kriechendes. Krethi und Plethi: Hack und Mack, Gesindel, eig. Scharfrichter und Läufer(nach andren Erklärern Kreter und Philister), der hebräische Name dei Leibwache Davids (2. Sam. 8, 18 usw.) Kretin(spr. kretę), m.(*s, Pl.-s): Stumpf- und Blödsinniger mit mißgestaltetem Körper, bes. in Alpentälern. Am Anfang des 19. Jh. (1801 bei Campe) aus franz. cretin m., und zwar aus Wallis(woher auch ital. cretino m.), von lat. christidnus Christ, Christenmensch, armer Mensch, der mit andern Menschen eben nur die Taufe gemeinsam hat. Vgl. Kreidling. Kretscham, m.(-s, Pl.-e): Dorfschenke. In Posen, Schlesien, der Lausitz. Md. 1340 kreczum, im 14. Jh. Kretschem m., aus sorb. koréma, tschech. kroma, poln. Karczma f. «Schenkes. 48L. Kretschmer, m.(-s, Pl. wie Sg.): Schenkwirt. Md. 1340 krecimer, 1421 creczemer, aus gleichbed. sorb. kordmar, tschech. kromär, poln. karcæmarz m. Im 15. bis 17. Jh. Kretzschmar auch die Dorfschenkey. Kreuz, n.(-es, Pl.-e): Balken mit Quer- holz als Marter- und Todespfahl für Verbrecher, dann überhaupt eine solche Figur;(bildlich, biblischen Ursprungs nach Marc. 8, 34 usw.) bittres Leid, beschwerendes Übel(schon mhd. Mühsal, Not); Ordenskreuz(Anfang des 15. Jh., ausgehend von dem Abzeichen der Kreuzfahrer und der Ritterorden während der Kreuzzüge); das Rückgrat zwischen den Schultern(1664 bei Duez) oder am untern Ende(1682 bei Chr. Weise Opf. Isaacs 3, 11); in der Spielkarte das franz. trefle m.«Kleeblatty(daher Kreuzas, bube,-dame). Mhd. kriuze, Kr'iuce, Kriuz, ahd. krüzi n.(bei der Christianisierung im 8. und 9. Jh. zunächst vom Kreuze Christi); dazu asäâchs. cräci f. n., mnd. und mndl. cräce, nnd. Kkrüze, Krüz, nndl. Kruis, afries. crioce, Kriose, krüs n. Aus dem Akk. rücem von gleichbed. lat. cruæ f., mit regelrechtem Umlaut. Ebenso entlehnt anord. ross m., schwed.-dän. Kors, aber aus andrer Quelle(dafür got. galga m. eGalgen», ags. rOd f. Rute»). Die ältre 1149 kribbeln kriechen 1150 unverkürzte Form das Kreutze, Kreuze noch bei Opitz, Fleming, Günther, Lessing 1, 186, Rückert 1, 111. RA. zu Kreuze riechen (urspr. zum Crucifig bei der Kirchenbuße) csich demütigen⸗(bei Luther zum Creutze kriechen). 4BL. kreuzen, v.: das Zeichen des Kreuzes machen(schon mhd.); kreuzweise herumfahrend und aufpassend auf der See sich bewegen(von Schiffen, 1678 bei Krämer kreutzen, creutzen); kreuzweise durchschneiden oder sich schneiden(18. Jh.). Mhd. kriuzen cans Kreuz schlagen, mit dem Zeichen des Kreuzes versehen», ahd. Krhzon«kreuzigen), lat. erãciãre«kreuzigen, peinigen». Kreuzer, m.(s, Pl. wie Sg.): kleine Silber- oder Kupfer- münze, urspr. mit aufgeprägtem Zeichen des Kreuzes(X, deshalb die Kürzung xr., dann auch kr.), mhd. Kriuzer, mlat. denarius eru- ciatus oder cruciger(zuerst als Silberpfennige im 13. u. 14. Jh. in Verona und Meran geprägt); kreuzendes Schiff, Kaper 1716 bei Ludwig Creutzer). kreuzigen, v.: ans Kreuz schla- gen, mhd. Kriuzigen, md. crüzigen, ahd. cru- cigõn; dazu Kreuzigung, f., mhd. Kriuzi- gunge, ahd. chrücigunga f. ZUS. Kreuz- band, n.: kreuzweis umgelegtes Band, bes. für Postsendungen. In diesem Sinne erst im 19. Jh. kreuzbrav, adj.: durchaus brav, 1756 im Leipz. Avanturier 1, 109 creutzprav, wie schon bei Fischart Garg. 231 u. 240 Kreutzgut, eine Verstärkung nach dem Vorbilde von Kraft- wörtern wie Kreuzdonnerwetter usw. Kreuz- fahrt, f. Kreuzzug, mhd. Kriuzevart f. Kreuz- gang, m.: Umaug mit dem Kreuze, Wallfahrt; für diesen Umzug Säulengang oder Halle an Kirchen und Klöstern; Leidensweg im mensch- lichen Leben(nach Christi Leidensgang, 1578 bei Spangenberg Ehespiegel 84²). In den bei- den ersten Bed. mhd. Kriuze-, Kriuzganc m. Kreuzschnabel, m.: der Christvogel mit ge- kreuztem Schnabel, 1557 b. Heußlin 168 2 Krütz- vogel oder Krumbschnabel. Kreuzspinne, f.: Spinne mit einem weißpunktierten Kreuz auf dem Rücken, 1691 bei Stieler. Kreuzweg, m., 1640 bei Comenius, bei Spe Trutzn. 34 (Balke), 1598 bei Kilian krugsweg. kreuz- weise, adv., mhd. Kriuzewtse,-. Kreuz- Woche, f.: die zweite Woche vor Pfingsten, in der die katholische Kirche Bittgänge mit vorgetragnem Kreuz hält, mhd. Kriuze-, Kriuz- woche f., and. Krazervilka f. Kreuzzug, m., am Anfang des 18. Jh. bei Günther 132. kribbeln, v.: vielfüßig, vielfingerig sich be- wegen, wimmeln; wimmelnd jucken, prickeln. Gedehnt kriebeln(im 16. Jh. Weim. Jahrb. 5, 224). In der 1. Bed. 1540 bei Alberus dict. yl2 kribeln, in der Reimformel Kribbeln und wihheln 1455 bei Liliencron Volksl. 1, 483 b in der 2. Bed. md. im 13. Jh. Kribeln; dazu nd. Wribeln und Kribbeln, ndl. 1599 bei Kilian xrevelen und Kribbelen. Im Ablaut stehend zu krabbeln(s. d.) 4L. kribb(e)lig, adj.: unruhig. Niederd. Im 16. Jh. Kryblecht. ZUS. Kribbelkopf, m.: reizbarer Mensch, norddeutsch, 1748 im westfäl. Robinson 265. Kribbel-, Kriebelkrankheit, f.: unauf- hörliches Jucken, vom Genuß mutterkornhalti- gen Brotesstammend, bei Musäus Volksm. 2, 192 Kribellcranicheit, 1741 bei Frisch Griebelsucht. Kribskrabs, m. n.: ein Durcheinander von Zügen im Ritzen, Schreiben usw. sinnlosen oder zauberhaften Charakters; wunderliches Durch- einander(Goethe Faust 3268). Bei Schuppius 502 Kribbes Krabbes, 1573 kribiß Krahaß, ein Ablautgebilde wie Schnickschnack, Kriel- krakel, ripsraps usw., von ndl. Krabben«krat- zeny, Kribben«kritzeln»(1599 bei Kilian). krick(e)lig, adj.: mit allem unzufrieden und tadelsüchtig wie zänkisch(Goethe 22, 249, 1. H.); leicht zu Zank und Streit führend. Von krickeln, v.: zanken, streiten. Mundartlich kreckeln, nd. kräkeln rechthaberisch wider- sprechen, unzeitig und mürrisch tadeln». Da- von Krickelei, f., Goethe Briefe 3, 247. Krieche, f.(Pl.-n): die Pflaumenschlehe. Mhd. krieche f., ahd. chriehboum, Krichboum m.; dazu 1477 clevisch criecke, mnd. Krekce, krike f.«Schlehenpflaume», ndl. Kriek f.«Vogel- kirsche», ins Französische entlehnt créque f. Krieche», ins Skandinavische schwed. Kricon, dän. krœge. Wahrscheinlich zu mhd. Krieche m. Grieche», vgl. 1517 bei Trochus K 1 b prunum grecum, greculum, krichen. Vgl. E. Schröder Anz. fdA. 23, 158. kriechen, v.(Prät. kroch, Konj. röche, Part. gekrochen): niederliegend sich fortbewegen. Mhd. kriechen(Prät. Krouch, Pl. kruchen), ahd. chriochan, engl. crouch sich niederbücken», norw. Krulca sich niederhocken», sonst mit labialem Auslaut anfrk. criepan, mnd. Krupen (auch md. Kräüfen neben Krichen), ndrhein. krũfen, Kruifen, mndl. crufen, nndl. Kruipen, ags. crꝰopan, engl. creep, afries. Wriapa, anord. rjũpa, schwed. Erypa, dän. krybe. Man ver- gleicht(mit k-Auslaut) air. gruc(aus*grunko-) Runzel⸗ und(mit p-Auslaut) gr. vpõnòc krumm. Vgl. Btr. 26, 301. Alternhd. im Präs. kreuchst, Kreucht, Imp. kreuch, nach mhd. 115¹ Krieg Krimskrams 1152 kriuchest, kriuchet, kriuch. Vgl. Krauchen. 4B2L. Kriecher, m.: Schleicher, 1691 bei Stieler. Kriecherei, f., im 18. Jh. Krieg, m.(-(e)s, Pl.-e): tätliche Feind- seligkeit; Kampf zwischen Staaten. Mhd. Kriec (Gen. krieges) m.«eifrige Anstrengung, Streben wogegen, Feindseligkeit, Widerstreit, Rechts- streit, fortgesetzter Kampf zwischen Parteien und Staaten», md. Kric, krig m.; dazu mnd. krich(Gen. krighes) m.«Zank, Zwist, Recht- haberei, Eigenwille, Waffenstreit(für letztres meist orloch), mndl. crijch, nndl. krijg m. Im Ahd. Krég«Hartnäckigkeit, Trotzy, einchrigi- licho adv.«eigenwilligs, mhd. einkriege adj. ceigensinnig, zünkisch; für«Krieg» sagte man ahd. ν m. n. und urliugi n.(vgl. Orlogschiff). Wohl urverwandt mit air. brig«Kraft, Macht», gr. Bpiopéc«stark, heftigy, gr. ö-Bpic t. eUber- muty. Vgl. Boisacc Dict. Dazu kriegen, v. Krieg führen, mhd. Kriegen, md. Krigen csich anstrengend streben, ringend streben, kämpfen, streiten, mit Worten streiten, Krieg führen, bekämpfen»; dazu mnd. krigen«streiten, einen Rechtsstreit führen, Krieg führen», im Grunde eins mit dem folgenden kriegen 6. d.); davon Krieger, m., mhd. Krieger m.«Kämpfer», Kriegerin, f.(bei Luther) und kriegerisch, adj., 1538 bei Frank Germaniae chron. 291 2, kriegisch bei Luther, mhd. Kriegisch«wider- setzlich, trotzig, streitsüchtigy. ZUS. Kriegs- fuß, m.: völlige Kriegsbereitschaft. 1808 bei Campe. Kriegsherr, m., nicht bei Adelung und Campe, aber schon mhd. Kriegesherre, Schlagwort seit 1851. Vgl. Ladendorf. Kriegs- knecht, m., bei Luther. Kriegskunst, f., 1561 bei Maaler. Kriegsmann, m., im 15. Jh. Kriegspfad, m., nach engl. warpath bes. in der RA. den K. betreten«den Krieg beginnen? aus der Sprache der Indianer Nordamerikas. In neurer Zeit. Vgl. Hirt Indogermanen 699. Kriegsschiff, n., 1507 bei Wilwolt v. Schaum- burg11. Kriegsschule, f. Im 18. Jh. Kriegs- spiel, n.: der Krieg selbst; Nachahmung des Krieges, jetzt im Heere sehr üblich. Im 18. Jh. kriegen, v.: strebend fassen; in die Ge- walt bekommen, erhalten. Mit schwacher Flexion wie das vorhergehende kriegen(s. d.); in md. Mundarten Kreien, kreigen. Aber urspr. starkbiegend md. rigen(Prät. Kreic, Part. ge- krigen), mnd. krigen(Prät. kréch, Part. ge- kregen)«erlangen, erwerbeny, mnd. rigen (Prät. krég, Part. Krégen), mndl. crijen(crẽch, gecreghen), nndl. Xrijgen(reeg, geleregen). Auch älternhd., z. B. bei Luther, Prät. kreig, Part. kriegen, neben schwachflekt. Prät. Kriegte, Part. Kkrieget. Geht auf die urspr. Bedeutung von Krieg zurück. Kriekente, f., die zwei kleinsten Arten der wilden Enten, anas crecca und anas quer- quedula. 1557 bei Heußlin 342 Krichentlin, Krigente, Kruckentle, nd. krikente, Krikant und Krikke, Kreke f., schwed.(westerbottnisch) krächa. Kriel- bedeutet im Nd.«klein», vgl. Kriek-, Krukälster(d. h.«kleine Elster, der Neuntötery Nemnich, 2, 323), mecklenb. Vricke- arften«niedrige Erbsenꝰ, mnd.(1383) kr'ickee f. ckleine Erbsey, krichelmore f.«kleine Rübe». krieschen, v.: norddeutsch vulgär für kreischen(s. d.). kriminäl, kriminéll, adj.: peinlich d. h. Leib und Leben angehend. 1711 bei Rädlein criminal, im 18. Jh. auch criminel, aus franz. : criminel, lat. crimindlis«ein Verbrechen be- treffend, von lat. crimen n. Verbrechen». Kriminal, n.(-S, Pl.-e): Zuchthaus. In sterreich. Kriminälrichter, m.: Richter des peinlichen Gerichts, 1711 bei Rädlein; Kriminalist, m.(-en, Pl.-en): Kenner oder Lehrer des Strafrechts, 1714 bei Wächtler. krimmeln, v., md. Nebenform von kribbeln (s. d.), bes. in Krimmeln und wimmeln, bei Luther 3, 2392, Rückert W. 2, 216. krimmen, v.: mit Krallen, kratzend, knei- pend fassen. Jetzt mit schwacher Biegung, aber mhd. starkflekt. Krimmen, grimmen(Prät. Kram, Pl. Krummen, Part. gexrummen), ahd. Krimman. Dazu ags. crimman zerbröckeln», mit schwa- cher Flexion anord. Kremja drücken, quet- schen». Dazu vielleicht lat. gremium n.«Schoß, Armvolly. Vgl. krammen und Bauchgrimmen. 4BL. Krimmer, Krümmer, m.(-s, Pl. wie Sg.): Habicht; Pflugart(beide ostmd.). Erst im 19. Jh., aber sicher älter. Krimmer, m.(-é, Pl. wie Sg.): das zarte Fell ungeborner Lämmer(im Pelzhandel). Eig.«Lammfelle aus der Krimꝰ, wie Per- sianer«Felle aus Persien». krimpen, v.: intr. Zusammenschrumpeln (1716 bei Ludwig); tr. einschrumpfen lassen, bes. Tuch durch Wasser(1755 bei Richey). Aus dem Nd. Urspr. mit starker Flexion mnd. Krimpen, clevisch 1477 crympen in beiden Bed.; dafür mhd. Krimpfen«sich krumm zu- sammenziehen»(s. Krampf). Krimskrams, m.: Gerümpel, Geschwätz, nordd. Nebenform von Kribskrabs(s. d.), an- gelehnt an Krimmeln(s. d.) und Kram. 1795 bei Hupel. 1153 Krimstecher Kritik 1154 Krimstecher, m.(-v, Pl. wie Sg.): kleines Doppeltaschenfernrohr. Im Krimkrieg be- nutzt und daher benannt. Kringel, Krengel, m.(-, Pl. wie Sg.): Kreis, Kreisgewinde; einen großen Ring bil- dendes plattes Gebäck, besonders zu Festlich- keiten. 1462 md. cringel(Mone Anz. 7, 299, 118), mnd. Kringel m.«Brezel, von md. und nd. kring m.«Kreis»(s. Kringen). Krengel ist nur mundartlich. Daher die Schreibung Kringel vorzuziehen. Dazu anord. wringla f., schwed. ringla, dun. Kringle«Kreisring, Zirkeb. Kringen, m.(-s, Pl. wie Sg.): Kreis; Ring- artiges, z. B. gepolsterter Tragring(d. j. Goethe 3, 239, Briefe 4, 54). An der Lahn, auf dem Westerwalde usw. Im 15. Jh. schwachbiegend kringe m. neben starkflekt. Krinc m.(Gen. ringes)«Kreis u. md. Kranc m.(Gen. ranges) «Kreis, Umkreis»; dazu mnd. Wrink, Kring, undl. Kring, anord. Kringr m.(s. Kringel). Dazu lit. gregss ͥdrehe, wende», apreuß. granstis«Bohrery, air. do grés«beständig» eig. im Kreisy. Krinitz, mn.(¹es, Pl.-e): der Kreuzschnabel, loxia curvirostra; auch Ginster. Im östlichen Mitteldeutschland. Im 18. Jh. bei Ludwig, Kirsch und Steinbach Krinitz, 1763 bei Heppe Jäger Crinitz, Grinitz, 1664 bei Duez Grienitz, Grünitz, angelehnt an grün, bei Adelung auch Krünitz, im 15. Jh. crinis(Germania 6, 99), schlesisch im 14. Jh. grinis. Lehnwort aus dem Slawischen, oberlaus.-wendisch skrjenc Kreuzschnabel», vgl. auch poln. Kræywonos «Krinitzy, eig.«Krummnasey. Die amtliche Schreibung ist Grünitz. Krinolfne, f.(Pl.-/): Frauenunterrock mit Stahlreifen. Aus franz. crinoline f., auf- gekommen in den 50 er Jahren des 19. Jh., eig. cein Zeugstoff von Garn und Pferdehaar», von lat. crinis m.«Haar und linum n. Flachs, Lein». Die französischen Damen trugen schon im 16. Jh. Reifröcke nach spanischer Mode (vertugalles od. vertugadlins« Tugendwardeines). Krippe, f.(Pl.-n): erhöhter Futtertrog für Pferde, Rindvieh usw.; Flechtzaun an Ufern(sbätmhd. im 15. Jh. krippe, kreppe, kruppe, Wroppe f.); Kleinkinderbewahranstalt (in neurer Zeit, nach der Krippe Christi, diese Bedeutung zuerst in Frankreich entwickelt. In der 1. Bed. mhd. Krippe, alemannisch Kripfe (Schweiz. jetzt Krüpfli), ahd. crippa, im 8. Jh. cripia(Zfd A. 3, 462), bei Tatian 5, 13 crippea u. bei alemannischen Schriftstellern Krippha f.; dazu asächs. cribbia, cribba, afries. kribbe, nndl. Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. kribbe, xrib. Auch mit ablautendem à in der Stammsilbe: älternhd. Krupf(Franck Weltb. 174*), 1469 mrhein. Kruppe im Voc. ex quo, nd. Kruübbe, mnd. krubbe, nndl. Krub, ags. erg;&h f., schwed. Krubba, dän. Erybbe. Urspr. wohl aus Holz geflochten, da K. zu mhd. Krebe m. f. «Korby gehört(s. Korb). Aus dem Germanisch. entlehnt ital. greppia, prov. crepia, crepcha und crupia, franz. créeche f.«Krippey(daher engl. cratch neben crip). Der got. Ausdruck war uzota m.(eig.«woraus gefressen wird»). 4BL. krippen, v.: ein Ufer, eine Deichstelle durch einen Flechtzaun festigen. 1741 bei Frisch. ZUS. Krippenbeißer, m.: Pferd, das beim Fressen und Atemholen die Vorderzühne auf die Krippe aufsetzt und bei jedem Schlucke grolzt(1691 bei Stieler); zänkischer Mensch, mürrischer Tadler(bei Aler 1727 Krippen- bisser). Krippenreiter, m.: armer Land- junker, der bei wohlhabenden Edelleuten gleichsam von Krippe zu Krippe reitet, im östlichen Mitteldeutschland seit dem 30 jähr. Kriege(bei Logau 3. Zugabe 47). Krippen- setzer, m., dasselbe wie Krippenbeißer. Krips, s. Griebs. Krise, f.(Pl.-/): Entscheidungspunkt in einer Sache. Im 18. Jh.(bei Goethe Br. 4, 11, Bürger), aus franz. crise f., von gr. xpicic f. Entscheidungy, zu xpivev«scheiden, ent- scheiden». 4B L. kriseln, v. In neurer Zeit. Kriställ, m.(-Lels, Pl.-e): ein von ebnen regelmäßig liegenden Flächen begrenztes Mine- ral; wasserhelle glasartige Masse, Bergglas. Nhd. seit dem 17. Jh. auch Neutr.(Lessing 8, 156, jetzt stets in der Bed.«Glaswaren»), im 15. u. 16. Jh. auch Fem., mhd. Kristalle, Kristal m. f., ahd. im 11. Jh. christalla f., aus gr. Jat. erystallus, gr. kpucroloc m. f. Eis, Berg- kristall, durchsichtiger Edelstein», neben xpucraiverv«durch Kälte, Frost(kpoc n.) ge- rinnen macheny. 4L. kriställen, adj.: von Kristall, im 15. Jh. und mrhein. schon im 13. Jh. cristallen, mhd. Kristallin, aus gr. lat. crystallinus, gr. pvcräν voc. kristallinisch, kriställisch, adj.: Kristallgehalt habend, kristallhell, erstre Form im 18. Jh., letztre im 14. Jh. bei Megenberg kristallisch. kristalli- sieren, v.: in Kristall verwandeln, aus franz. eristalliser, dafür mhd. sich cristallen. ZUS. Kriställöl, n.: geläutertes Ol, wegen seiner Helle und Durchsichtigkeit, im 19. Jh. Kritik, f.(Pl.-en): Beurteilung; Beur- teilungskunst. Im 17. Jh. Critique, im 18. Critic, Critil, aus franz. critigue f., von gr. 73 1155 kritteln Krone 1156 xprrux(réxyvn) f.«Beurteilungskunst». Kri- Fab. 3, 3). Mhd. kokodrille, Kocatrille m., tiker, m.(-S, Pl. wie Sg.): Kunstrichter, im 17. u. 18. Jh. noch Criticus, aus dem gr.-lat. Adj. criticus, gr. orricòc«zum Beurteilen gehörig, zu xpivewv«entscheideny». Kritisch, adj.: entscheidend, bedenklich, gefährlich; kunst- richterlich. Im 17. Jh.(1664 bei Duez 1, 219 b critisch) gebildet nach dem gleichbed. franz. Adj. critigue, lat.-gr. criticus. RA. kritischer Tag, 1885 von Rudolf Falb gebraucht und seit- dem Schlagwort. Vgl. Ladendorf. Kritisie- ren, v.: beurteilen; musternd besprechen, musternd durchnehmen. 1650 bei Moscherosch Phil. 1, 154 critisiren, aus älterfranz. critiser (1664 bei Duez dict. franç.-allemand). kritteln, v.: sich verdrießlich kleinlich tadelnd äußern. Im 17. u. 18. Jh. noch grittelen (Stieler 1691), gritteln(Frisch 1741)«zanken, kleinlich tadeln», nd. Kriddeln eig.«zanken). An Kritiht usw. angelehnt. Davon Krittel, m.: das kleinliche Mäkeln, 1808 bei Goethe (Faust 1559). Kritteléi, f., in der 2. Hälfte des 18. Jh.(bei Herder, Lessing usw.), nd. Kriddelije f. Kritt(e)ler, m., 1727 bei Aler Gritteler«kleinlicher Tadlery, 1575 bei Fischart Garg. 253 Tagkritler, 1691 bei Stieler Gritteler änkery, nd. Kriddeler Länker». kritt(e)lig, adj., 1691 bei Stieler grittelicht und Kritlich, 1681 bei Elis. Charl. v. Orleans 2, 15 gritlich, 2, 5 Kritlich, 2, 279 gridlich, anders 1510 bei Keisersberg irrig Schaf G 2 grüdlig(Var. gräd- lecht)«grübelndy von grüdeln«grübeln, sto- chern(Keisersb. Eschengrüdel a 3b). Kritz, m.: eingeritzter Strich, 1343 md. Kritz m. kritzeln, v.: kratzend fein schrei- ben, 1420 kritzeln«durchritzend streichen, um- ritzen»(Diefenbach gl. 94 b), Dim. von älternhd. kritzen, mhd. Kritzen, ahd. Krizön ceinritzen». Vielleicht mit Kreis verwandt, aber schwerlich zu Kratzen. kritzlich, adj., im 15. Jh. cricz- licht(Diefenbach nov. gl. 368 b), im 14. Jh. bei Megenberg 353, 32 kKritzlot. kröchsen, kröchzen, s. krächzen. Krocket, österreichisch Kroquet(spr. Kröket) n.(-s): Kugelspiel. Aus gleichbed. engl. croquet um 1864 übernommen. Kroki, n.(s, Pl. s), österreichisch Kro- quis: Skizze, Aufnahme einer Gegend nach dem Augenmaß. 1813 bei Campe. Aus gleich- bed. franz. croquis m. 43L. krokieren, v.: eine Skizze entwerfen. Krokodil, n.((els, Pl.-e); die größte Art der Rieseneidechsen. Alternhd. Mask.(wie noch bei Herder zerstr. Bl. 4, 103, Lichtwer aus mlat. cocodrillus, gr.-lat. crocodilus, gr. xpoxödoc m.(vgl. Idg. Forsch. 15, 1ff.). Im Ahd. übersetzt durch nihhus n. ͥder Nix» (§. d.). ZUS. Krokodilsträne, f.(gew. im Pl.): heuchlerische Träne, 1628 bei Münster Cosmogr. S. 1726 Crocodil-Trähnen, 1574 bei Horscht Geheimnisse der Natur 4, 0 62 Cro- codilszeeren, nach dem Glauben, daß das Kro- kodil die Stimme eines weinenden Kindes nach- ahme, um Menschen anzulocken(vgl. Fischart Flöh. 163 K.). Krokus, m.(Gen. wie Sg., Pl. se): die Safranpflanze. 1628 bei Opitz 1, 265 Crocus. Aus gleichbed. crocus, gr. xpoxoc m., woher schon ahd. cruogo, m.«Safrany, anord. Krog n. Krolle, f.(Pl.-n): Haarlocke. Im west- lichen Mittel- u. Norddeutschland. Md. Krolle f. und Dim. crallil n., spätmhd. Krülle f., 1477 clevisch crolle und crulle, nd. Krulle, nndl. krul f.; aber md. auch Krol, Krul m.«das ganze Lockenhaary. Zum Adj. spätmhd. Krol, mndl.- mengl. crul«kraus, lockigy. Vielleicht aus rcrudla u. mit kraus verwandt. 4 BL. krollen, v.:(Haar) ringeln, in der Kölner Gemma von 1495 ghecrult«gekräuselty, von 1507 gecrolt, nd. und ndl. Krullen«kräuseln, mhd. Krüllen (auch an den Haaren reißen). krollicht, krollig, adj.: lockig, gekräuselt, 1742 bei Lindenborn Diogenes 2, 454 Krollicht, ndl. krullig. ZUS. Krollhecht, m.:(beim Auf- tragen) ringförmig biegbarer oder gebogner kleinrer Hecht, 1775 bei Adelung aus nd. krullheked. Krolltabak, m.: Kraustabak, geschnittner krauser Rauchtabak, bei Hölty 136 H. Krolltoback, nndl. Kraltabak. Krone, f.(Pl.-h): Kranz ums Haupt; Hauptschmuck als Zeichen des Herrschers; Baumgipfel mit seinen umgebenden Asten (Goethe 8, 281, Schiller Spazierg. 20); Kopf (in den RA. etzwas in der K. haben, es ist ihm etæbas in die K. gefahren); Kronleuchter(schon mhd. und mnd.); Goldmünze mit eingeprägter Krone(zu Anfang des 16. Jh. bei Keisersberg und Gengenbach, seit 1873 im Werte von 10 M.); in Osterreich seit 1892 Silbermünze im Werte von 85 Pfg., abgekürzt K. In den zwei ersten Bed. mhd. kröne, ältermhd. corône, ahd. coröna f.; dazu mud.-mndl. cröne, crüne, mittelengl. corãne, croune, engl. eroꝛon, anord. kõrõna, Kõrön, krüna f., schwed. Kruna, dän. Krone. Entlehnt aus gr.-lat. corona, gr. opvn f.«Kranz, Schmuck des Hauptes», urspr. ring- förmig Gebognes. 4BL. Krönchen, Krön- 1157 Kronfleisch Krug 115⁵58 lein, n., 1437 md. Kronechin(Auz. 18, 44), mhd. Krœnlin n. krönen, v., mh. krœnen, vom Subst. Kröne gebildet, während ahd. corõ- non, chrõnon, aus lat corõnäãre«bekränzen, umkränzen» entlehnt ist; dazu Krönung, f., mhd. Krœnunge, Krönunge f. ZUS. Kron- leuchter, m., 1775 bei Adelung, dafür mhd. und mnd. kröne f. Kronprinz, m., 1716 bei Ludwig. Kronſen)taler, m.: Taler mit einer Krone. Im 18. Jh. Kronzeuge, m.: jetzt soviel als Hauptzeuge, eig. aber ein Verbrecher, den die Krone(der Staatsanwalt) als Zeugen benutzt. Aus England im 19. Jh. überkommen. Kronfleisch, n.: Zwerchfell beim Rind- vieh, Fleisch davon. Bayrisch-österreichisch. Nicht zu Krone gehörig. Kronsbeere, f.: Preißelbeere. Nordd. 1691 bei Stieler. Von nd. xrön m.«Kranichy. Die ühnliche Moosbeere heißt nach dem Kra- nich, der sie gern frißt, auch Kranich-, Kran- beere, im 15. Jh. chranichper, engl. cranberrg. Krop, n.(*s): geringes Volk, Pack(bei Friedrich d. Gr. Oeuvres 27, 147 Teufelskcrop, bei Tieck in Musäus Straußfedern 4, 4 Bürger- xrooy n.). Aufgenommen aus nd. Krip, Kröp n., womit verächtlich zunächst kleine Kinder und unansehnliche Menschen bezeichnet werden, eig.«Vieh einer Bauernhofstätte», besonders das kleine, das Federvieh, kurzbeiniges Feder- vieh», mnd. krüp, Kröp n.«Vieh», bes.«Rind- vieh», auch«kleines kriechendes Tier», vom starkflekt. nd. rupen(Prät. Krõp, Part. Krapen), mnd. Krupen, asächs. criopan, mndl. crupen, nndl. Kruipen, ags. créopan, afries. Kriopa«krie- cheny». ZUS. Kroppzeug, n.: Pack, Ge- sindel, zur Zeit des siebenjähr. Krieges im preuß. Heere aufgenommen aus nd. Kröõptäg, krüptäg n., das ebenfalls zunächst als ver- ächtliche Bezeichnung kleiner Kinder, unan- sehnlicher Menschen gebraucht wird. 1781 bei Kindleben Krobzeug; mit falscher Be- ziehung auf grob auch Grobzeug geschrieben. Khnliche Zusammensetz. sind nd. krüphoön n. «ᷣewergliuhny, Krüpbone f. Buschbohne». Kröpel, m.: Niederdeutsch für Krüppel (§. d.). ZUS. Kröpelstuhl, m.: niedriger Armsessel, 1775 bei Adelung, aus dem Nd. Kropf, m.(-els, Pl. Kröpfe): häutiger Halssack körnerfressender Vögel, ähnliche Halsdrüsengeschwulst. Mhd. ropf, ahd. chroph, chropf m.; dazu clevisch 1477 crop, nd. und ndl. Krop, ags. crop, cropp m.«Kropf»(auch Kuppe, Wipfel, Traubenbüschel, Khre), engl. erop«Spitze, Kornähre, Erntey, anord. Kroppr m. caufgeschnittnes Schlachtvieh, Körpery, krof m. aufgeschnittner Körper, Körpery, auch mnd. krop m.«Rumpf. Auf urspr. Bed.«geballte runde Masse, hervorstehende Rundung» weisen die roman. Lehnwörter: ital. groppo m. Klumpen, Knoten, Haufeny, groppa f.«Hinterkreuz des Pferdes», franz. groupe m.«Klumpen, Gruppey, croupe f. &Kreuz des Pferdes. Bergkuppe, Gipfel»; doch ist es zweifelhaft, ob alle diese Wörter zu- sammengehören. Vgl. Zupitza 77,82, Schroeder Btr. 29, 493. 531. Vielleicht urverwandt mit gr. rounòc«gekrümmt⸗. 4BL. kröpfen, v.: den Kropf füllen(mhd. xriꝶpfen); krumm biegen, bei Handwerkern(älternhd. Kripfen, noch bayr. sich Krüpfen«sich krümmen», vgl. Krüppel). kröpfig, kropflg, adj., mhd. xropfoht, ropfot, md. Kropfecht, dagegen 1537 bei Dasypodius kropffig, 1541 bei Frisius 817 ²2 kröpfig. Kroppzeug, s. Krop. Kroquet, s. Kroket. Kroquis, s. Kroki. Kröte, f.(Pl.-n): dem Frosch ähnliches Tier mit Wärzchen. Bei Luther Kröte, mhd. krote, Krotte, krot(noch obd. Krot f.), auch krõte, alem. Krate, md. Krade und Krede, Krete, clevisch 1477 crade, ahd. chrota und chreta f. Vielleicht stammverwandt mit gr. Särpoxoc, ion. Bpôroxoc, Bdepokoc m.«Froschy. Als Schelte für einen kleinen bösartigen(giftigen) Men- schen schon mhd. krot f. ZUS. Kröten- balsam, m.: die Bachminze, lat. mentha aquatica, rheinisch(1794 bei Nemnich 2, 550); der bitter-aromatische Saft der Pflanze gilt als heilsam sowohl gegen Bienen- und Wespen- stich als gegen das(vermeinte) Gift der Kröte. Krücke, f.(Pl.-n): Stab mit Querholz zum Stützen usw. Mhd. krücke, Kruche, ahd. chruckia, rucka f.; dazu and. Xrucka f.«Krücke, Krummstaby, mnd. krucke, Krocke(auch Werk- zeug zum Zusammenscharren oder Umwenden), ndl. Kruk, bei Kilian kruche, ags. cricc, eryce f., engl. crutch«Krückey, wohl verwandt mit anord. Krölcr m. Biegung, Bucht, Ecke, Haken», schwed. Krok, dän. krog und mit Ablaut ahd. Kräko m. chakenförmiges Werk- zeug». Entlehnung aus lat. crüc(em) Kreuz» wäre nur unter sehr verwickelten Voraus- setzungen möglich. In das Romanische ent- lehnt ital. croccia f. Krücke», crocco m.«xHakenꝰ, franz. crosse f.(afranz. croce)«Krummstab», croc m. Hakeny. 1Krug, m.(-Le]ls, Pl. Krüge): steinernes, irdenes, hölzernes Gefüß zum Aufbewahren 73* 1159 Krug und Versenden von Flüssigkeiten. Mhd. Kruoc (Gen. Kruoges, Pl. krüege), md. rug(Pl. rage), ahd. Kruog, kruag(Pl. kruaga und vruagi); dazu elevisch 1477 croych, croeghe, ndrhein. im 15. Jh. Kröch(Diefenbach gl. 630 ²), ags. croc, erog m. Vgl. Krulce. 2 Krug, m.(els, Pl. Krüge): Bierschenke, Dorfwirtshaus, in dem die Gemeindeversamm- lungen stattzufinden pflegen. Norddeutsch, nur hier und da nach Mitteldeutschland vor- gerückt. Aus nd. krög, kröch m., latinisiert 1260 crogo; im 16. Jh. ndl. Kroegh m. Bier- und Weinwirtshaus». Gegen die Annahme, die Benennung stamme daher, daß ehedem ein wirklicher oder geschnitzter Krug als Zeichen des Bierschanks ausgehangen war (vgl. Frisch 1, 551 b), bleibt das starke Be- denken, daß man in Norddeutschland das Ge- fäß nicht Krug, sondern Krulce(s. d.) nennt, doch liegt die Möglichkeit nahe, daß das Wort vom Niederrhein ausgegangen ist(vgl. Krug). 4B2L. Krüger, m.(-s, Pl. wie Sg.): Wirt oder Pächter eines Kruges. Nd. Kröger, mnd. kroger, kruger, 1316 als Zuname Krüeger, 1358 in einer obersächsischen Urkunde crüger (Germania 20, 47), ndl. im 16. Jh. Kroeger. Kruke, f.(Pl.-n): großer Krug; irdne Flasche. Im 18. Jh. aufgenommen aus nd. krüle, and. crülca f.; dazu ndl. Kruik, bei Kilian 1599 Krugcke, clevisch 1477 cruyke, md. und im 14. Jh. auch am Oberrhein kräche (daher schles. Krauche f.«Tonkrug), afries. grocha f., ags. cruce f. und crocca m., engl. oroch, anord. Krukka f. Desselben Stammes wie 1Krug(s. d.). Aus dem Germanischen entlehnt franz. cruche f.(afranz. auch crue, cruie)«Krugꝰ, kymr. craoc Eimerꝰ», crochan Topfy. Wahrscheinlich alte Entlehnung aus unbekannter Quelle. Vgl. gr. kpoccéc m. &Kruke?, abg. krugla f.«Becherꝰ, alb. karoke f. Krugy. Vgl. noch Kraase. krüllen, v.: aus den(dürren) Schoten lösen, z. B. Erbsen, Bohnen usw. Nd., von waldeck. Krulle f.«Erbsenschotey. Wohl ver- wandt mit Krolle(s. d.). Krume, f.(Pl.-n): weicher inwendiger Teil des Brotes; die obre weiche, lockre Erde des Ackers(1775 bei Adelung). In der 1. Bed. 1616 bei Henisch 516 Grumen, einmal mhd. krume(in tischlrume f.). Ins Hochdeutsche, wo Brosame das eigentliche Wort ist, auf- genommen aus md. im 14. Jh. Krume f.(LfdA. 9, 275), mnd. Krome, 1420 auch krume(Diefen- bach gl. 360 b), nnd. kröm, kKröme f., 1477 Krumpel 1160 clevisch croeme, im 13. Jh. mrhein. der Pl. crumene(gl. Jun. 308 Nyerup); dazu ndl. kruim f., bei Kilian Kkruyme, ags. cruma m., engl. crumb, crum, isl. krumr, kraumr, schwed. krm, inkeräm ædas Innre, Weiche von etwas, Eingeweide von Vögeln und Fischen, Krumem. Wohl verwandt mit lat. grãmus m.«Erdhaufe, Hügel», gr. Toöuéea«Gerümpel, Tischüber- restey. Vgl. Walde. 4BL. Krümchen, n., md. 1590 Krömichen, 1616 bei Henisch Kro- michen, 1620 Krümdgen(engl. Comedien Cc 5 b), nd. römken n. Krümel, f., 1740 bei Lessing 1, 330 Brodgrümel, 1691 bei Stieler Krumel, 1664 bei Duez Krümel und Krümmel f., um 1480 im Voc. inc. teut. n 7 b Kromel, nd. krõmel, ndl. Kruimel f., davon krümeln, v.: in Krü- meln(Krumen) zerreiben, 1505 in der Strabß- burger Gemma z 7 5 krumelen, 1495 in der Kölner Gemma W 3 b grumelen, 1414 grum- meln(Diefenb. gl. 537, auch 1551 bei Scheidt Grob. 3300 zergrümeln), nd. krömeln, ndl. kruimelen, und das Adj. krüm(e)lig, 1691 bei Stieler Krümelicht adv. krumm, adj.(Komp. Krümmer, Superl. Kwrümmst, auch Krummer, krummst): von einer und derselben Richtung abweichend. Alternhd. krumb, krum, mhd. rump(Gen. Krumbes), aber auch schon krumm, Krum, spätmhd. vereinzelt Krumpf, ahd. chrump, crumb, einmal chrumph «gebogen, gewunden, verdrehty; dazu and. krumb, 1477 clevisch crum, crom, ags. u. afries. crumb, engl. crunp. Dazu ablautend ahd. chranph«gekrümmt» u. md. Krimp c«krummꝰ, vgl. Kranpf. 4BL. Krümme, f., mhd. krumbe, rümbe, rumme, Krümme, ahd. Xrumbz, chrumpi; dazu and. Krumbi f. krümmen, v.: Krumm machen, mhd. Krümben, Krümmen, ahd. chrumben, and. crumben, dagegen mhd. Krumben«krumm sein oder werdeny; davon Krümmung, f., 1482 im Voc. theut. r 5 b krumung, ags. crymbing f. Krummheit, f., 1482 im Voc. theut. r 5 b Krumheit f. Krümm- ling, m.: gekrümmt gewachsnes Holz zu Mühlradfelgen(Möser patr. Phant. 3, 249), 1419 im Frankfurter Baumeisterb. 36 b Mrume- ling, später im 15. Jahrh. Krumling. 08. Krummholz, n.: krummes Holz, bes. beim Fleischer, um geschlachtetes Viehaufzuhängen. Bei Goethe 50, 9; die Krummholzkiefer. Daher Krummholzöl, n. Bei Gellert. Krumm- stab, m.: Bischofsstab, 1697 bei Besold The- saurus 1, 480, dafür mhd. Krumber Stap. Krumpel, m.(Pl.-n): knitterige Falte. Im westlichen Mitteldeutschland. Auch Krümpel, 1161 Krümper Küche 1162 engl. crumple«Runzel, fehlerhafte Falten. Gleichen Stammes wie krimpen, Krampe, Krampf(s. d.). krumpeln, krümpeln, v.: faltig machen, zerknittern, bei Wagner Kinds- mörderin 12(10) verkrumpeln, engl. crumple «runzelig werden, zerknittern». krumpe- licht, krumpelig, adj., 1741 bei Frisch Krumplig, engl. erumple; crunzelig». Krümper, m.(‧s, Pl. wie Sg.): ausgebildeter Ersatzreservist im preußischen Heere 1808— 12. Anfangs eine volkstümlich wohl spöttische Bezeichnung. Schon 1478 bayr. Krümper m. Krüppel»(Liliencron 2, 145 b). schles. Kremper m.«alter wackliger Kerl⸗, zu mhd. Krump, krümpel, krumpeleht-krummꝰ, obd. im 15. Jh. krümpel«Krüppel»(Diefenbach nov. gl. 111). 2ZUS. Krümperpferd, n.: Reservepferd, das eine berittne Truppe über ihren Etat hält. Krünitz, s. Krinitz. krunken, v.: stöhnen, ächzen. Bei Luther 7, 2242, im östl. Mittel- u. Niederdeutschland; engl. cronkc«krächzen». Davon krunksen, v.: Achzen, 1680 bei Riemer polit. Colica 154. Krupp, m.(-*s): häutige Bräune, s. Krupp- husten. Kruppe, f.(Pl.-n): Hinterkreuz, Rücken- erhöhung von den Nieren bis zum Schweife des Pferdes usw. 1678 bei Krämer Kruppe, 1664 bei Duez Krüppe f. Aus gleichbed. franz. croupe, ital. groppa f.(s. unter Kropf). Krüppel, m.(-S, Pl. wie Sg.): Glieder- gebrechlicher; Verstümmelter; Verwachsner. Bei Luther Krüpel und Kropel, mhd. krüpel, krüppel, md. Krupel, kruppel, kropil, xropel m., dazu mndl. cruepel, cropel, crepel, nndl. Kreupel, krepel, afries. Kreppel, ags. ergpel, crEppel, mengl. crepel, engl. cripple, anord. Krppill, krupplingr, neben schwed. krympling, aschwed. krymplinger m. Derselbe Stamm erscheint in schwäb. Kropf, kruft, schweiz. grupf, gruüpf, grupft und ehruft, bayr. rapf, kropf m.«kleine schwächliche oder verwachsne Person⸗, älter- nhd. krüpfen«krümmen, biegen»(vgl. Kropf und kröpfen), ferner mit Nasal in mhd. Krunp krumm(s. d.), obd. im 15. Jh. Krümpel Krüppel(s. Krümper). Urverwandt mit gr. põnòc gekrümmts. 4BL. krüppelig, adj., 1741 bei Frisch krüpplig, 1734 bei Stein- bach krüplicht, bei Lessing 7, 19 Krieplicht. krüppelhaft, adj., 1774 bei Klopstock Ge- lehrtenrepublik 106. Krupphusten, m.: die häutige Bräune. Entlehnt aus gleichbed. franz. croup m., das 1765 durch den Edinburger Arzt Francis Home in seinem Traité du croup verbreitet wurde, der das Wort dem volkstümlichen schottischen croup Bräune, Häutchen» ent- nahm, vgl. engl. croup«krächzen». Kruste, f.(Pl.-n): harte trockne Rinde worüber. 1462 kruste, ahd. Krusta, mrhein. im 13. Jh. croste f.(gl. Jun. 285), aus lat. erusta f. charte Rinde oder Schale eines Körpers». 43L. krustig, adj., 1691 bei Stieler krusticht. ZUS. Krustentier, n.: Schalentier, bes. Krebs. Im 19. Jh. Kruzifix, n.(es, Pl.-e): das Bild Christi am Kreuze. Mhd. crdzifig n., aus mlat. cru- ciftcum n., eig. ans Kreuz Geheftetes». Kryställ, in sterreich und Bayern noch neben Kristall(s. d.). Kubbe, f.: Möwe. Nordfries. kub, helgol. kobb, engl. cob. Zu gr. Tον, Turc m. Geiers? Kubébe, f.(Pl.-n): pfefferähnliche in- dische Gewürzbeerenfrucht, mhd. im 13. Jh. kubẽébe f., elevisch 1477 cobebe, aus ital. cubebe m., von gleichbed. arab. Kabãbat. Kübel, m.(-s, Pl. wie Sg.): hölzernes Gefäß, das gewöhnlich oben weiter als unten ist. Mhd. Kühel, md. kubel, auch kubbel, kübhel m., ahd. nur im Dim. chubili n., aus mlat. cupellus m., dem Dim. von lat. cãpa f.«Kufe? (s. d. und Kopf). Aus dem Germanischen ent- lehnt abg. Küblä m.«Gefäß als Getreidemaße, lit. kuúbilas m.«Kübels. 4BL. Kübler, m. (⁸, Pl. wieSg.): Böttcher. In Südwestdeutsch- land. 1561 bei Maaler Kübler, mhd. Kiübeler m. Kubik- in Kubilmeter, Kubilwurzel usw., entlehnt aus franz. cubique adj.«viereckig wie ein Würfel», lat. cubicaus, gr. kußixòc, von lat. cubus, gr. xößoc m.«Würfel». 1712 bei Hübner Cubic-Zahl, Cubic- Wurtzel. kubisch, adj., 1558 bei Rivius Büxenmeisterey 3, 1, 41² cubisch«würfflicht gevierdty. Küche, f.(Pl.-n): zum Kochen bestimmter Teil des Hauses. Mhd. küchen, kuchen, auch kuchin, kuch?, küche, kuche, ahd. cuchina, chuhhina f., dazu and. Koke, mnd. kolene, koſce, nund. kõke, Kõöken, ndl. eulcen, 1599 bei Kilian kokene, keukene, ags. ccene, eicen f., engl. kitchen, überkommen aus glbd. volksmäßig- lat. cogusna f.(statt culina), dem Fem. des lat. Adj. cogusnus«zum Kochen gehörig», von lat. coquere«kochen»(s. d.). ZUS. Küchen- garten, m.: Gemüsegarten. 1678 bei Krämer. Küchenjunge, m.: Küchenknecht, 1455 in der kursächs. Hofküche, dafür mhd. Küchen- knabe, kKüchenleneht, um 1480 im Voc. inc. teut. n 8a kuchenbube. Küchenlatéin, n:: 1163 Kuchen Kuddelmuddel 1164 schlechtes Latein, Mönchslatein, 1523 bei Luther Kuchenlatin. Küchenmeister, m.: Oberkoch, Küchenvorstand, mhd. küchen-, kuchenmeister. Küchenschelle, f.: die Pflanze anemone pulsatilla, 1538 bei Rößlin Kuchenschell, Kuschellen, 1546 im Dios- corides 72 b Küchenschell; der auf Küche oder Kuh umgedeutete erste Bestandteil liegt in andrer Gestalt vor in den gleichbed. Namen schweiz. Guggelblume Guggäche f.(auf den Kuckuck als Frühlingsboten anspielend), nieder- österr. Arst-(d. h. Erst-) oder Zarschtguchen f. und Gugersschecker!(Höfer Dialektnamen S. 10 u. 21), und entspricht dem franz. coque- lourde f.«Küchenschelles(schon 1567 bei Junius 133 b, vgl. 1546 bei Bock 156° ein frembd kraut, das die Weiber Kuchen- oder Kuschellen deüten, darum das seine blumen den schellen oder Cymbalen gleich sind,... zu Welsch Cocles). Kuchen, m.(-, Pl. wie Sg.): feinres Gebäck aus Mehlteig. Bei Luther Kuche und Kuchen(Werke 6, 48 5 J.), mhd. kuoche, ahd. Kkuocho m.; dazu mnd. koke, ndl. koekr und im Ablaut ags. cecil, cicel m., engl.(seit 13. Jh.) cake, anord.-schwed. kaka f., dän. kage, auch ndl. kael, kaalje. Dieses Ab- lautsverhältnis deutet auf einheimischen Ur- sprung(man hat in K. ein Wort der Ammen- sprache*köxo gesehen, oder man stellt es zu 2 Kufe(s. d.), das wohl«Krummholzo be- deutet hat. Das Gebäck wäre nach der Form des Gefäßes, in dem es gebacken wurde, be- nannt); andrerseits legen die auf lat. coquere, cocere ckochen, backem zurückgehenden roma- nischen Wörter(picard. cougue, in der Langue- doc coco, churwelsch cocca, catalanisch coca «Kuchens, ital. cucca«Naschwerk», eig. Ge- backnes?) die Vermutung nahe, daß, wie bei Koch, kochen, Küche(s. d.), auch bei Kuchen Entlehnung aus der römischen Kultur vor- liegt, wobei aber cake n. unerklärt bleibt. Von diesem cucca, coca usw. kommt durch Ab- leitung ital. Guccagna, franz. Cocagne, afranz. Coquaigne f.«Schlaraffenland, weil dort die Häuser mit Kuchen gedeckt sind. 4 B L. Küchlein, n., obd. Küchel, m. n.: kleiner Kuchen, mhd. Kuochlin, chüchel n.; davon kücheln, v.: Hüchel backen, im 16. Jahrh. küchlen, und Küchler, m.: Küchel-, Kuchen- bäcker, im 16. Jh. kucheler, kuechler(Diefen- bach gl. 589°, nov. gl. 282 4), süddeutsch. ZUS. Kuchenbäcker, m., im 15. Jh. kuchenbecker (Diefenbach gl. 2483). Küchlein, n.(-s, Pl. wie Sg.): Junges der Hühnerbrut. Bei Luther Matth. 23, 37 Küchlin, 1605 bei Hulsius Kücklein, im 15. Jh. kuchelin, Küchlein, md. 1340 kuchil n.(Fund- gruben 1, 380 b), bei Waldis Esop. 4, 53, 13 Keuchel, mit Diminutivendung von md. kuchin (Junges der Tauben), kuchen(jung. Hühnchen), mnd. Kiülcen, kulen n.; dazu mndl. cukcen, nndl. kuien, Kieken, 1477 clevisch cuycken, ags. cycen n., engl. chicken, anord. Kjuülclingr m., schwed. wyckling, dun. Kylling, noch urspr. nd. im 15. Jh. kulce(Diefenbach gl. 393 b), ags. coce«Küch- lein⸗, engl. nesteock«Nestküchlein». Zugrunde liegt eine wie franz. cog m. lautmalende ger- manische Benennung des Hahns, ags. cocc m., engl. cock, anord. Kober m., wonach also Küch- lein, eig.«Junges vom Hahn». Vgl. Goœkel. kucken, s. gucken, Kücken, Küken, n.(-S, Pl. wie Sg.): Junges vom Huhn. Nordd. für Küchlein. Kuckuck, m.(-els, Pl.-e): der nach seinem Ruf benannte Waldvogel lat. cuculus; seit dem 16. Jh. auch verhüllender Name des Teufels(zum K., des K.s sein, hol dhn der K.). In eig. Bed. bei Luther Kuckuc, mhd. kulculk, gugguc m.(meist jedoch gouch, ahd. gouh, Wouch, s. Gauch); dazu mnd. kukuk, 1477 elevisch cuyckhcugck, ndl. kKoekoelc. Das Wort stimmt zwar nicht der Lautverschiebung gemäß, aber doch im Klange überein mit gleichbed. lat. cücilus, bei Horaz cücälus, gr. kökkut, laus.-wend. koxula, poln. Kolculica, russ. kukuska, kelt.-bret. kulcu, pers. Koäã⁸, aind. kökilas und ist lautnachahmend. Des Kuckuchs Küster in Norddeutschland Name des Wiedehopfs, weil er im Prühling mit, dem Kuckuche kommt und im Herbst mit ihm wieder weggeht, 1645 bei Colerus Calend. 57 des Guchguchs Küster, nd. kalcukes- oster. 2ZUS. Kuckucksblume, f.: die Pechnelke, lyehnis flos cuculi, auch Kuckuchesnellce, Kuclcucksspeichel, benannt nach dem weißen Schaum auf den Stengeln, der für Speichel des Kuckauchs gehalten wurde. Im 16. Jh. bei Chyträus Cap. 115 der Pl. kuckushlomen, 1546 bei Bock 152 b Gauchblum. Kuckucks- uhr, f.: hölzerne Wanduhr mit einem die Stundenzahl abrufenden Kuckuck, 1730 im Schwarzwald erfunden(Schedel Warenlex. 376). Kuddelmuddel, m.(-à): Mischmasch. Der erste Teil wohl zu kudeln«sudeln», nd. koddeln«sudelwäsche halten», schles. Kudeln, kotteln«wirren, zausen», der zweite vielleicht zu Moder, nd. Modder. Erst im 19. Jh. 1165 Kufe kühl 1166 1 Kufe, f.(Pl.-n): oben offnes tiefres Daubengefäß. Mhd. kuofe f.«Faß, Bade- wanney, ahd. chaopha, chuofa, chõpha f.«Faß; dazu and. cõpa, mnd. kõôpe, mndl. cüpe f. Entlehnt aus mlat. cöpa, lat. ciüpa f.«Faß, Tonney». Vgl. Kopf, Küpe. 4 BL. Küfer, m. (—s, Pl. wie Sg.): Böttcher, der Fässer, bes. Weinfässer fertigt, Faßbinder; Fässerund Wein besorgenderKelleraufseher eines Weinhändlers. In 1. Bed. mhd. Kitefer, straßburgisch im 13. Jh. käfere, kuofere, 1263 kueffer(Germ. 20, 47f.); dazu clevisch 1477 cuper, ndl. Kuiper, mengl. cowper, engl. cooper, aus mlat. cuparius m. 2 Kufe, f.(Pl.-/): der vorn aufwärtsge- krümmte Schlittenbalken. 1517 österr. Khueffe f.(Fontes rer. austr. I, 1, 113), tirol. Guefe f., bayr. Kuefen m., bei Hebel Kufe m. Daneben in ältrer Zeit Formen mit ch, älternhd. Kueche f., 1480 im voc. inc. teut. ce 4² Schlitkuchen, ahd. chöha f.(im Akk. Pl. slätochöhö), noch bayr. Kuechen f., tirol. Gueche f., schweiz. Chuechen m. f., selten Huechen m., dazu götting. kaulce, mnd. koke f.(Schambach 98²). Vielleicht verwandt mit lit. Zägré f.«Pflug», Zagaras m. «dürrer Ast», zagin as Pl.,«Pallisaden, Pfostenꝰ. Vielleicht gehören auch die unter Kak be- handelten Worte mit Ablaut dazu. Küfer, s. Kufe. 1Kugel, f.(Pl.-n): allseitig kreisrunder Körper. Mhd. Kugele, kugel f., mnd. und ndl. kogel, äültermd. zsgez. Küle f., heute Kaale (s. d.). Wenn g aus w entstanden wäre, vgl. Jugend, könnte man aind. gölas«Kugel» ver- gleichen, das aber auch ganz anders erklärt werden kann. Man könnte auch*klugel als Grundform ansetzen mit Schwund des? durch Dissimilation, und es dann zu Knäuel stellen. Das schweiz. Chrugel m. f.«Kugel, Zusammen- geballtes, Knäuel»(selten Chlugele f.) hat wie chroglen«kollern, rollen» sein wohl von rugelen«rollen, Rugele, Rugel f.«Kugel». 4BL. kugſe)licht, kugſe)lig, adj., mhd. kugeleht, Anfang des 15. Jh. kuglig(Diefenb. gl. 265 b). kugeln, v.: eine Kagel werfen (1482 im Voc. theut. r 7 b), eine Kugel machen (ebd. r 6 b), wie eine Kugel rollen(Fischart Garg. 147); davon Kugelung, f.: Ballung (1541 bei Frisius 393 b), Abstimmung mit Kugeln, Ballotage, 1797 bei Heynatz als ziem- lich neu erwähnt. ZUS. Kugelblitz, m.: besondre Form des Blitzes. kugelfest, adj.: fest wider die abgeschoßne Kugel, 1716 bei Ludwig(1648 bei Chemnitz 1, 213² fes). kugelrund, adj., 1691 bei Stieler. 2 Kugel, f.: Kapuze, s. Kogel u. Gugelhopf. Kuh, f.(Pl. Kühe): weibliches Rind, so- bald es einmal trächtig geworden. Bei Luther Kue(Pl. Küe), mhd. kuo(Pl. Küeje, Kiüeroe), ahd. chzo, chö(Pl. chuoe, chuoge, cuawwi, chöi), noch im 15. Jh. kuou, kuaore(Diefenbach gl. 604), md. käü(Pl. Kürce); dazu and. kõ (Pl. kö«jε), mnd. kö, kü(Pl. kôie, Kõge), ndl. koe, afries. kð, ags. cü(Pl. c†), engl. cot, anord. Kyr f., schwed.-dän. ko. Urverwandt mit aind.-aw. gdu⁵ m. Ochs,, f.«Kuhy, abg. govédo n.«Rindvieh», lett. guowos, arm. Kov «Kuh), gr. Boëc m. f.«Rindy(Stamm ßof-), lat. bos m. f.(Gen. bovis)«Rind», air. b Kuh». 4BL. Küher, m.(-s, Pl. wie Sg.): Kuhhirt. Schweizerisch. Im 18. Jh. Z08. Kuhfuß, m.: eiserne Brechstange mit klauen- förmig gespaltnem Ende(bei Ludwig 1716 Kühefuß); wie Kuhbein scherzhafte Bezeich- nung des Gewehrs(1792 bei Ditfurth hist. Volksl. von 1756— 1871 S. 85). Kuhhandel, m., seit den 90 er Jahren des 19. Jh. Hohnwort für politische Abmachungen. Vgl. Ladendorf. Kuhhaut, f. RA. Das geht auf keine K. «das läßt sich gar nicht alles sageny. 1808 ähnlich bei Campe das läßt sich auf keine K. schreihen, also K.= Pergament. Kuh- horn, n.: Blashorn der Hirten oder Wächter, 1545 bei Uhland Volksl. 639 kühorn, ältermd. kähorn, mnd. köhorn. Kuhreigen, Kuh- reihen, m.: Melodie der Schweizer Hirten beim Beziehen der Berge mit der Herde im Fräühling, eig. die sich lang hinziehende Kette der Senner und der Rinder(im 18. Jh. bei Stolberg, Claudius, aber schweiz. bei Stalder Kühreihen m.). Kuhschluck, m., studen- tisch für«tüchtiger Schluck». Kuhstall, m., mhd. Kuostal. kühl, adj.: mehr kalt als warm. Mhd. kilele, Küel, ahd. chuoli, md. Käle; dazu mnd. kõl, ndl. koel, ags. cõôl, engl. cool. Desselben Stammes wie kalt(s. d.). 4BL. Kühle, f., mhd. Küele, ahd. chaoli, md. kãle f.; dazu ags. céle, xle f.«Frosty. Daneben Kühlde, f., bei Luther Spr. Sal. 25, 13 külde, ältermd. kaälde(Herbort 7890), andfrk. cuolitha f.«Kühles, nd. kœlde, kœlte, im Seewesen cfrischer Segel- wind», verhochdeutscht Kühlte f.(1793 bei Röding); verschieden von nd. Kälde, külle(mit kurzem Vokal), mnd. und md. im 15. Jh. laslde f.«Kältey, die sich zu glbd. ags. cyld, anord. kuldi m. stellen. kühlen, v.: kühl werden oder sein(mhd. kiüelen und kuolen, ahd. chaolén, chuolõn, asächs. cölon, ndl. koelen, ags. cölian 1167 kühn Kumme 1168 und célan, engl. cool, anord. Kolna); kühl machen(mhd. küelen, md. Kälen, ahd. chuolan und mit I für chuollan, mnd. Kõlen, ndl. koelen). Dazu Kühlschiff, n.: in Brauereien länglich viereckiges Gefäß zum Abkühlen des gesottnen Bieres, 1775 bei Adelung, in gleicher Bed., um 1480 im Voc. theut. n 82 schaff kühn, adj.: furchtlos trotz Gefahr und Widerstand. Bei Luther Küne, mhd. Küene, kiien, auch kœne, md. Küne, ahd. kuoni, chöni; dazu mnd. kõöne, kKyne, mndl. coene, nndl. koen «unerschrocken, verwegen», ags. céne, cyne ckühn, scharf», engl. keen«scharf, eifrigy, anord. Kinn erfahren, kundig, umsichtig, verständig, geschickt. Nach dem Nordischen zu urteilen, vielleicht gleichen Stammes wie got.-ahd. Kunnan«wissen, können»(s. d.), aber bei den Westgermanen auf die Kriegs- tüchtigkeit konzentriert. Vgl. auch die Be- deutungsentwicklung von lat. ignävwus. 4B L. Kühnheit, f., mhd. Kuonheit, ahd. chuon- heit f. kühnlich, adj., mhd. Füenlich. Kujön, m.(-s, Pl.-e): Schurke. Anfang des 16. Jh. in der Zimm. Chron. ² 2, 531, 35 u. 5. Cajon, 1588 bei Johs. Nas von der grossen Gloggen zu Erfurdt S. 31 Cuian, im 17. Jh. Cojon(Lauremberg 3, 333) und Coujon(Simpl. 228), über franz. coion, aus ital. coglione m.«Memme, Schuft», urspr. aber(wie afranz. coillon, mundartlich-ital. coglione, span. cojon m.)«Hode?, abgeleitet von lat. côleus m.«Hode». kujonieren, v.: jem. fortgesetzt empfindlich plagen, hudeln, 1642 bei Armatus-Rist Rettung der edlen teutschen Hauptsprache A 2 b cujoniren, aus franz. co*οnner, ital. coglionare zals Schuft be- handeln, einen Hundsfott heißen. Küken, s. Küchlein. Kukumer, f.(Pl.-n): Gurke. Im west- lichen Deutschland. 1541 bei Frisius 232° Cuconbern Pl.(1556 Cucumren), 1546 bei Bock Cacumer, aber in Vokab. des 15. Jh. cucumer«kleiner Kürbis», schon im 13. Jh. bei Wolfram Parz. 145, 29 Kulrumerlant. Aus lat. cucumis m.«Gurke(Gen. cucumeris), woher ital. cocomero m. Wassermelone», franz. concombre m.«Gurkey. Durch Kür- zung mrhein. Kummer f., schwäb. Gommer f., fränk. Kümmerling m. Gurkey. Kuküruz, m.(Jels): der türkische Wei- zen, Mais(s. d.). In Slavonien, Dalmatien, Rumänien usw. Auch tschech. kururue m. kulänt, adj.: entgegenkommend. 1813 bei Campe noch in der Bedeutung fließend. wandrer, Taglöhner. Im 18. Jh. entlehnt aus franz. coulant«flie- Bend, von couler«durchseihen, rennen, lau- feny aus gleichbed. lat. cöôläre. Davon im Deutschen in neurer Zeit gebildet Kulänz, f.: Entgegenkommen, besonders im Geschäfts- verkehr. Kule, niederdeutsche Porm für Kaule(s. d.). Kuli, m.(-s, Pl.-): chinesischer Aus- Eig. Name eines indi- schen Volkes. In der neuern Zeit Schlagwort. Kulisse, f.(Pl.-n): Schiebewand der Schaubühne. Aus franz. coulisse f., afranz. co- leice«Fallgattery, von franz. couleur, s. kulant. Im 18. Jh. entlehnt(Lessing 7, 206). kullern, s. Kollern. Kulm, m.(-els, Pl.-e): oberste Berg- kuppe. In den schweiz. und kärntn. Alpen, schweiz. Gulm, Kulm f. m.(schon 1661 be- legt), kärnt. Kolm m.(Pl. Kölnm⁵). Aus ital. colmo m. Gipfel⸗, churwelsch culm Vor- berg», von lat. culmen n. Gipfel, Kuppey. Als Bergkuppenname im östlichen Mittel- deutschland, im Fichtelgebirge bereits 1469 Chulm und 1282 Kulme m.(Schmeller? 1, 1241), entlehnt aus abg. chlämd, cholmi m., tschech. chlum«Hügel», die vom deutschen Holm stammen. Kult, m.(-els, Pl.-e), gekürzt aus Kultus, m.(Gen. ebenso, Pl. Kulte): öffent- liche Gottesverehrung. In der zweiten Hälfte des 18. Jh. Calt, im 16. Jh. in der Augsb. Konfession Caltus, aus lat. cultus m.«Pflege, Anbau, Bebauung, Ausbildung, Verehrung einer Gottheity, zu lat. colere«bearbeiten, pflegen, verehren). kultivieren, v.: an- bauen, pflegen, höher ausbilden, 1714 bei Wäaͤchtler cultiviren, aus franz. cultiver, mlat. cultivare, von lat. cultus m. Kultuür, f. (Pl.-en): Anbau, angebaute Fläche,(Geistes-) Bildung, im 18. Jh. Caltur, aus lat. cultära f. Landbau, Ausbildung»; dazu Kultürge- schichte, f., hervorgerufen durch Adelungs Geschichte der Cultur 1782. Kultürkampf, m., schon 1840 nachgewiesen, aber erst 1873 durch Virchow politisches Schlagwort. Kumme, f.(Pl.-n): tiefe Schale, tiefer Tischnapf(bei Claudius, Voß). Aus dem nd. kumm f., daneben kump, kumpen f.«Schale, Napf, Trogy, kummen, kumme f.«Kasten» (daher kumpioagen m.«Kastenwagen?, umm- karre f.«Schiebkarre mit Kasten»), ndl. 1599 bei Kilian kom f. tiefe Schüssel», mnd. kumme und schweiz. chumme f.«Zisternen. Verwandt mit Kump)(s. d.). 1169 Kümmel Kumpf 1170 Kümmel, m.(-s, Pl. wie Sg.): die in gombrare«den Weg sperren», portug. combro Dolden blühende Pflanze lat. cuminum und ihre als Gewürz benutzten Samenkörner. Mhd. kumel m., md. im 15. Jh. komel, ahd. kumil aus kumin(vgl. Zfd W. 6, 185), noch ahd.- mhd. kumin m.; dazu and. Kumin, ags. cy&men m. n., engl. cumamin. Entlehnt aus gleichbed. lat. cuminzn, gr. õtvov n.; Name und Pflanze aber stammen aus dem Orient, hebr. kammoön, arab. Kammun. Ahd. Nebenformen sind kumi und kumich, mhd. kume, kiüme, Kumich, Kl- mich m., noch oberd. Kümi, Küm, Kümich m. Kümmelblättchen, n.: gaunerisches Hasardspiel mit drei Karten. Kümmel- statt Kimmel-, aus gimmel, in der Gaunersprache «dreiy, von hebr. gimél, Name des dritten Buchstaben(g) und zugleich Zahlzeichen für 3. Kümmeltürke, m.(-n, Pl.-n): Student aus der Nähe der Universitätsstadt, besonders bis etwa zwei Meilen von dieser. In der Studentensprache, urspr. in Halle a. S.,«aus der Umgegend, dem Saalkreise(wo starker Kümmelbau betrieben wird) gebürtiger Stu- denty. 1781 bei Kindleben. 1Kummer, m.(-S, ohne Pl.): Schutt, Bau-, Steinschutt(im westlichen Mittel- und Norddeutschland); angreifende, zehrende Be- trübnis worüber; gerichtliche Haft, Arrest (hessisch). Mhd. kumber, md. Kkummer, kumer, kommer, mnd. kummer m. Aufschüttung, Schutt, auch als Hemmung» oder«Hinder- nisy, daher in übertragner Bed. im Rechts- leben«Beschlagnahme, Arresty, und daraus bildlich in allgemeiner Bed.«Beschädigung, Wunde, Belastung, Bedrängnis, Mühsal, Not, bedrückende Sorge, Gramy. Im westlichen Deutschland hervorgegangen aus der Ver- mischung eines germanischen mit einem romanischen Wortstamme: einerseits anord. kuml, kumbl n. aufgeschütteter Grabhügel, Grabmal», auch«Denkmal, Denkstein, Marke, Zeichen überhaupty, schwed. Kumbel, kummel n.«Steinhaufen als Wahrzeichen für Schiffer), asächs. Kumbal n. Himmelszeichen), ags. cumbol, cumbl, cuml n.«zeichen?, bes.«kriege- risches Feldzeichen», auch«Wundzeichen, Wunde»; andrerseits das unerklärte früh- mlat. cumbrus, combrus m. Haufe abgehau- ner Aste, Verhau, hemmende Aufschüttung, dämmend Eingerammtes im Flusse zu Fisch- hegung und Fischfang», woher franz. combre in encombre m.«Schutt, Bauschutt, Hinder- nis, encombrer«versperren, beschweren, be- trüben», ital. ingombro m. Hindernis), in- Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. m.«Erderhöhungy, comoro m.«Deich». 4 BL. kümmerlich, adj., mhd. kumberlich«schwer bedrängt, kummervoll», schweiz. 1420 kumber- lich«verhaftet⸗(Weist. 4, 390). kümmern, v., mhd. Kumbern«belästigen, in Not bringen, bedrängen», md. im 15. Jh. kummern, Kommern «mib Arrest belegen», sich kümmern«sich um etwas bemühen). Kümmernis, f., mhd. kumber-, Kümbernis, chumernusse, kümmernälss f. n.«Bedrängnis». ZUS. kummervoll, adj., im 17. Jh. bei A. Gryphius Leo Armenius 5, 51. 2Kummer, f.(Pl.-n), bayrische Schrei- bung für Kulcumer(s. d.). Kümmerling, s. Kukumer. Kum(me)t, n.(-Lels, Pl.-e): den Hals um- schließendes Geschirr des Zugpferdes. Mhd. komat m. n., später kommot, kummot, kommet, kumet, im 12. Jh. chomat, entlehnt aus slaw.-abg. chomqti m., poln. chomat m. und chomqto n., russ. chomutä m., tschech. chomout m., die wiederum dem Altgermanischen entstammen: ahd. hamo m.«Kappzaum für wilde Pferde», 1537 bei Dasypodius kähamme, Klaoham, Kam- wide chölzernes Halsband der Kühe zum An- binden an die Krippe», ndl. 1599 bei Kilian koehamme und koekcamme, auf der Eifel hamen m., nd. ham, engl. hame«Kummet⸗. Vgl. Lagercrantz KZ. 34, 399. Kump, s. Kumpf. Kumpän, m.(-s, Pl.-e): Genosse. Schon mhd. Kompãn, kumpãn, mnd. Kumpän, wumpön, anord. kumpänn m.; im 16.—18. Jh. gekürzt Kumpeèe, Kompe, Kump m., im 18. Jh.(Bürger, Voß, Kindleben) erneuert Kumpan. Aus prov. und afranz. compaing, ital. compagno m. Ge- fährte, Gesellschafter), von mlat. companio m. eig.«Brotgenosse?, zu lat. pänis m. Brot (s. Compagnie). Ahnlich im Ahd. gimazzo m. Tischgenosse»(von ahd. maz n.«Speise») und galeibo, got. gahlaiba m.«Genossey(von ahd. leip, got. hlaifs m. Brotlaib»). Kumpen, m.(-S, Pl. wie Sg.), s. Kunp. Kumpf, m.(-els, Pl.-e und Kümpfe): tiefe Schale, tiefer Napf; Trockenmaf, früher 1516 Malter. Auch Kump und Kumpen m., aus dem Niederd. ins Hochd. eingedrungen, daneben Kumpe f. Mhd. kumpf, komph, md. und mnd. kwump, Komp m.«Gefäß als Fruchtmaß, Trink- schalen(davon mnd. kumpere m. Faßbinder, Küfer»), im Mhd. auch«tiefes hölzernes Ge- fäßchen des Mähers zum Mitführen des Wetz- steins», im 16. Jh. bergm. Kumpff m.«Poch- trog für Erze»(1562 Mathesius Sarepta 141 ²), 74 1171 Kumt Kunkel 1172 noch jetzt in Walkmühlen Kump m.«Stampf- pfen», ebenso nd. im 15. Jh. kump(Diefen bach gl. 368); dazu ags. cumb m.«Getreide- maßy, engl. comb, coomb. Verwandt mit Kumme (s. d.). Dieselben Laute zeigen aind. Xumbhaäs «Topf, Krugy, awest. Xumbõ m. Topfy, npers. xunmb, gr. x3μßoc m.«Gefäß, Becher, kuußn Boot, Nachen». Ob und wo hier Entlehnung stattgefunden, läßt sich nicht entscheiden. Vgl. Humpen. Kumt, s. Kummet. kund, adj.(aber nur in prädikativer Stel- lung und in gehobner Rede): zur Wissenschaft wovon kommend oder gekommen. Mhd. kant, auch künde, KWunde, ahd. kund; daau asächs. cidh, mndl. cont, ags. cũp, engl. couth in uncouth cunbekannt», anord. kunnr, Küch, got. kunps cbekannty. Urspr. Part. Prät. von got.-ahd. kunnan«kennen, wissen»(s. können und vgl. kalt, traut, tot), aber schon im Ahd. mit völlig adjektiv. Geltung. 48L. kundbar, adj.: be- kannt, 1541 bei Frisius 212 kuntbar. Kunde, m.(-N, Pl.-n): der in einem Geschäft Be- kannte, der dort kauft oder arbeiten läßt(1570 bei Fischart Nachtr. 1277; auch f., 1716 bei Ludwig); Kerl, Kumpan(spöttisch tadelnd im 16. Jh. bei H. Sachs Fab. 273, 9, oft bei Fischart, Scheidt Grob. 705). Mhd. kunde, ahd. kundo m. «Bekannter, ags. chpa m.«Bekannter, Freund, Verwandter, die schwache Form des Adj. kund. Kunde, f.: Kenntnis wovon, Bekannt- schaft womit, mhd. Kınde, md. u. mnd. Kunde, ahd. chundi in unchund f. künden, v.: kund- tun, von den Dichtern des ausgehenden 18. Jh. wieder aufgebracht, mhd. künden, Kunden, ahd. Kundan; dazu asächs. cüdian, mnd. Kunden, ags. cyduan, anord. Wynna. kundig, adj.: kennend, wissend, mhd. Kündec, Kkündic, kündig«be- kannt, erfahren, klug, geschickt, listig, im 15. Jh. chundig, kundig«kennend, ahd. chun- dig«bekannt, klug, schlau»; dazu mnd. Kan- dich«kennend, bekannty, ags. odhig«bekannt», anord. kunnigr«bekannty, kyndugr«klug, schlauy. Kkündigen, v.: kundtun, von den Dichtern um 1800 wieder aufgenommen, mhd. kündigen; die Auflösung eines Vertrags an- sagen, statt auf kündigen, 1808 bei Campe. kündlich, adj.: offenkundig, im 18. Jh. alter- tümelnd bei Bürger, Claudius usw., mhd. Kunt- lich, im 15. Jh. Küntlich, ahd. adv. chundläihho. Kundsame, f.: Kundschaft. Mhd. kuntsame f. cbeeidigte Sachverständige, Schiedsrichter, ihr Ausspruch». Schweizerisch. Kundschaft, f.: Kunden eines Kaufmanns. Mhd. kuntschaft f. trogy, schweiz. Chunpf m.«Mörser zum Stam- Kenntnis, Nachricht, Erforschung, Aussage, Auskunft, Beglaubigung, Zeugnis, Bekannt- schaft, mnd. kuntschap f.; davon kundschaf- ten, v.: spionieren, spätmhd. kuntschaften. Kundschafter, m.: Spion, spätmhd. Kunt- schafter m. ZUS. Kundmachung, f.: Be- kanntmachung, 1691 bei Stieler, amtlich in der Schweiz und Osterreich. Kunft, f.(Pl. Künfte): das Kommen. Mhd. kunft, wumft, ahd. quumft(in Afguumft), chumft(Pl. chumfti), chunft f. zu-, Ankunft», got. gaqumps f.«zusammenkunft, Versamm- lungy. Verbalabstraktum zu kommen(s. d.), mit eingeschobnem f wie in Brunft, Ver- nunft, Zunft. Daneben mit ableitendem-t mnd. Kumst, Komst, Kompst f., im 14. Jh. bayr. Kunst f. 4. künftig, adj., mhd. kunfkic, wüneftic, md.«unftic, Kuuflec, kumftec, auch kumstic, ahd. kuamftig, kunftig«was kommen, sich ereignen wirdy. kungeln, s. kunkeln. Kunigunde, Frauenname, mhd. Küni-, Künegunt, ahd. Chunigund,-gunt, von ahd. kunni, got. kuni n.«Geschlecht, Stammy, und ahd. gunt f.«Kampf, Kriegy. Latinisiert Chunigunda, Chunigundis, auch Cunegondis, woraus franz. Cunegonde, woher bei Schiller (Gang nach dem Eisenhammer) Kunigonde. Kunkel, f.(Pl.-n): Spinnrocken, Spinn- rockenstock; Spinnstube(1612 bei Albertinus Schauplatz 300, kunkelstache Zimm. Chron.² 4, 9, 22 von 1547); Weibsbild(schwäb. bei Schmid 333). Schwäb.-alem.-rhein., auch ndl. In 1. Bed. mhd. Kunlkel, 1468 gunckel(Diefenb. nov. gl. 102 b, auch bei Keisersberg), im 15. Jh. an der Saar konkel, ahd. chonacla, chuncula (ZfdA. 3, 470 b, 9 2), Wunchela, chunchla f.; dazu ndl. Konkceel, Kunkel f. Aus gleichbed. älter- mlat. conucula f. statt*colucula, dem Dim. von lat. colus m. f.«Spinnrocken», woher auch das gleichbed. ital. conocchia f., afranz. conoille, nfranz. quenouille f., altir. cuicel. Selten Kunkel als Mask.(Grillparzer[5Sauer] 6, 171, schon bei Rädlein, Schottel und 1534 bei Franck Weltb. 15 b). 4BL. kunkeln, kungeln, v.: heimlich zusammenschwatzend Pläne oder Ränke schmieden(bei Bürger Macbeth); heim- lichen Kauf. und Tauschhandel machen oder vermitteln(daher Kunkelzoeib n.«heimlichen Handel besorgendes oder vermittelndes Weibo). Mrhein. und nd., von der Kankelstube her- genommen. ZUS. Kunkellehen, n.: Lehen, das auch den weiblichen Nachkommen einer 1173 Kunst Kuppe 1174 Familie übertragen werden kann(die Kunktel als Sinnbild des Weibes, wie das Schwert als Zeichen d. Mannes), 1575 bei Fischart Garg. 434. Kunst, f.(Pl. Künste): das Wissen worin mit, ausgebildeter Geschicklichkeit; Wissen- schaft(mhd. die siben frien künste Renner 10 036); die Darstellung des Schönen(1727 bei König zu Canitz Ged. 233 die schönen Künste nach franz. les beuæ arts, bei Luther 2 Chron. 3, 10 der Bildener Kunst, 1482 im Voc. theut. r 7³ kunst des gesangs, als Begriff vollendeter Schönheit schon mhd. dis gotes kunst Parz. 123, 13); im Bergbau die zum Fördern aus der Tiefe verwendete Maschine, bes. zum Heben des Wassers(im 15. Jh. Weisth. 2, 797), auch bei Wasserleitungen(1517 bei Trochus 0 4²). Mhd. kunst(Gen. und Pl. künste), alem. konst, ahd. chunst(Gen. und Pl. chunsti) f. adas Wissen, Kenntnis, Weisheit, Geschick- lichkeits; dazu mnd.-ndl. cunst, afries. Konst f. (abweichend gebildet anord. kunnasta f.«Ver- mögen, Fähigkeit»). Verbalabstraktum zu können(s. d.) mit s wie in Brunst, Gunst. Gleiche Bildung in lit. pa-Zintis f.«Kennen, Kenntnis». 4L. künsteln, v.: im 16. Jh. pei S. Franck Lob der Thorheit 105 b Künstlen. Künstler, m., im 16. Jh. bei Aventin 4, 1181, 15 und Seb. Franck Chron.(1531) 243a, dafür im 15. und 16. Jh. känstner, künster, kunster, mnd. kanstener, Kunster, noch ndl. kunstenaar m.(entlehnt schwed. konstnäür, dün. kunstner); dazu Künstlerin, f., 1595 im 24. Buche des Amadis 540, und künstlerisch, adj., 1786 pei Haas teutsch-franz. Wb. 1, 1863. künst- lich, adj., mhd. künstlich. kunstlos, adj., mhd. Lünste-, kunstelos, Anfang des 15. Jh. bei Vintler kunstlos. ZUS. kunstfertig, adj.: kunstgeübt, 1575 bei Fisch. Garg. 278. Kunst- form, f., 1663 bei Schottel 842. kunst- gerecht, adj., 1808 bei Campe als neues Wort. Kunstgriff, m., 1641 bei Schottel 366 aus Luther. Kunstliebhaber, m., 1558 bei Rivius Büxenmeisterey 3, 2, 17b. Kunst- pfeifer, m., 1673 bei Weise Hauptverderber 34. kunstreich, adj., mhd. künsterich, 1495 bei Reuchlin Demosthenes 1. olynth. Rede Widm. konstreich. Kunstreiter, m., 1691 bei Stieler. Kunstrichter, m., 1740 bei Bodmer. Kunstsprache, f.: kunstvolle Sprache(1691 bei Stieler); technische Sprache(1775 bei Adelung). Kunststück, n., 1576 bei Fischart (Kloster 10, 973). Kunstwerk, n., 1578 bei Fischart Ehz. Q 4° und in Scheibles Kloster 10, 973, dafür um 1480 bei Melber b 5 ein werck der kunst. Kunstwort, n., 1644 bei Harsdörffer Gespr. 1, 215 u. 1641 bei Schottel 366. kunterbunt, adj.: bunt durcheinander, verworren. 1645 bei Zesen Ibrahim 4 Kunter- bunt, bei Wieland Schach Lolo 65 Konterbunt, aber 1499 bei Lenz Schwabenkrieg 1 5 conter- bunt und Acta germ. 1, 262, Nr. 27 in einem Liedchen von der Altenburger Bauernkirms Spelmon, spon du deine Saita, daß es klingt fein contrabund, 15. Jh.) noch deutlich von dem Stimmendurcheinander eines kontrapunktisch geführten Musiksatzes(s. Kontrapunk!). Kunz, urspr. Kosename für Konrad(s. d.). RA. Hinz oder Kunz«der oder jenery, 1501 im Alsfelder Passionsspiel 1 12 Heincz adder Concz. Küpe, f.(Pl.-n): großer kupferner von innen überzinnter Kessel zum Indigofärben; dann die aufgelöste Farbe. 1775 bei Adelung, aus nd. kKipe, kupe f.«Kufe, Bottichy, älter auch kope, im 15. Jh. cupe, ndl. Kuip f.«Bütte, Faßy, wie Kufe(s. d.), entlehnt aus lat. cupa f. ZUS. küpenblau, adj.: indigoblau. Kupée, deutsche Schreibung für Coupé, 8. d. Küper, m.(-s, Pl. wie Sg.): Küfer(s. d.), aus nd. Liüper m. Kupfer, n.(-v, Pl. wie Sg.): das bekannte rötliche Metall; Kupferstich(1691 bei Stieler); roter finniger Fleck im Gesicht(im 17. Jh. bei Abr. a S. Clara). In urspr. Bed. mhd. Kapfer, kopfer, österreich. im 11./12. Jh. chofer, ahd. kuphar n.; dazu mnd. kopper, ndl. koper n., ags. copor n., engl. copper, anord. Koparr m., schwed. koppar, dän. Kobber. Aus spätlat. cuprum, älterlat. cprium n.(eig. chprium des «cyprisches Erzo). 4L. Kkupfſe)richt, kupf(e)rig, adj., 1664 bei Duez kupfferigt (auch von bleibender Gesichtsröte), 1562 bei Mathesius Sar. 105 2 kupfferig, 98 b Küpfferig. kupfern, adj., im 16.—18. Jh. auch kipfern, mhd. Kupferin, ältermhd. chaphirin, mnd. kop- pern. ZUS. kupferrot, adj., mhd. Kopher- rõt. Kupferschmied, m., mhd. kupfersmit. Kupferstechen, n., 1575 bei Fischart Garg. 294. Kupferstecher, n., bei Fischart Pract. Großm.(1607) C 2 b. Kupferstich, m.: das in Kupfer gestochne Bild(1644 bei Hars- dörffer Gespr. 1, 82). kupieren, v.: abtrennen, durchlochen. In diesem Sinne erst im 19. Jh. nach franz. couper, s. Coupé. Das Partizip kupiert, adj.: zerschnitten. 1813 bei Campe. Kupön, s. Coupon(so noch amtlich geschrieben). Kuppe, f.,(Pl.-/): Spitze, insbesondre Bergspitze. In das Schriftdeutsch im letzten 74* 1175 Kuppel Küraß 1176 Viertel des 18. Jh. aus der md. Volkssprache aufgenommen, 1687 bei Zesen(des helikon. Näglein-Tahles dritter Vorbericht 5) Kubbe Kopf der Gewürznäglein», md. im 14. Jh. kuppe f.«Berggipfel, Gipfel», welche Bed. aus mhd. Kurpe, ahd. chuppa f. Kopfbedeckung unter dem Helm, Haube» hervorging, dies wohl entlehnt aus lat. cuppa f.«Tonne, Becher- (neben cupa, s. Kopf, Kufe) und nach der Ahnlichkeit auf die rund anschließende Kopf- bedeckung übertragen. Daneben mit hochd. pf mhd. Kapfe, kauffe, gupfe, ahd. chuppha f.«Kopf- bedeckung unter dem Helme», und mhd. gupfe, gupf m., Gipfel des Berges, Spitze des Turmes). 48L. kuppen, v.: die Kuppe abhauen oder abschneiden, 1691 bei Stieler. Kuppel, f.(Pl.-n): halbkugelartig ge- wölbtes Dach. 1678 bei Krämer Cupel, 1711 bei Rädlein Cupel, Koppel f. Aus glbd. ital. cupola f.(daher franz. coupole), mlat. cupula, cuppala f.«Bechery, Dim. von lat. caãpa f. «Tonne, Faßy, cuppa f.«Tonne», ital. coppa f. Becher»(s. Kopf). Dies Dach wurde nach der Gestalt eines umgestürzten Bechers benannt. Kuppel, f.: Koppel. d.). sKuppel, m.(-J, Pl. wie Sg.): Kuppelei, bei Lessing 2, 445. kuppeln, v.: zu einem Läebesverhültnisse, zu außerehelicher Zusam- menkunft zusammenführen. 1353 kKuppeln (Städtechron. 9, 1021, 3). Eine besondre Bed. aus mhd. kuppeln«an ein Band legen, verbinden», von lat. cõpaläre zusammen- binden(s. Koppeln). 4BL. Kuppelei, f., 1678 bei Krämer. Kuppler, m., mhd. im 14. Jh. kuppeler, buppler m.; davon Kupplerin, f., mhd. im 14. Jh. Kupplerin, Kupplerei, f., im 15. Jh. kupplerei(ZfdA. 8, 540, 109), kupp- lerisch, adj., 1605 bei Albertinus Lustg. 228 kuplerisch. ZUS. Kuppelpelz, m.: Ehrenlohn für Stiftung einer Heirat, 1711 bei Rädlein. iKur, f.(Pl.-en): Wahl, Erwählung. Mhd. Kür, küre, im 12. Jh. auch chare, chur, md. ur, kare, ahd. chauri f.«Prüfung, prüfende Wahl, insbesondre Königswahl»(mhd. auch schon die Kurfürstenwürdey, die siben kir Lohengrin 1962); dazu mndl. cure, core f. und als Mask. ndrhein. im 13. Jh. Kure, mnd. kore, auch md. Lure, kur, kore, mndl. core, ags. cyre«Wahly. Substantiv zu Kiesen(s. d.). Die umgelautete Form noch in Willkür(s. d.). Das anlautende oberd.—h, das in den letzten Jahrzehnten des 15. Jh. aufs neue geltend wurde, hat sich von der Kaiserwahl in der altertümlichen Schreibung Char bis ins 19. Jh. erhalten. 4L. küren, v.(Prät. kürte, Part. gekurt): wählen, 1616 bei Henisch 603, 62, in ursprünglicherer Bed. aber 1595 bei Rollenhagen Froschm. 1, 2, 3, 42 nach Hasen küren auf Hasen lauern, ihnen nachstelleny, ostfries. Kküren«scharf hinsehen», mndl. coren cwartend blicken». Kkürisch, adj.: wählerisch, bes. in leckeren Speisen, 1786 bei Bode Thomas Jones 2, 241 Kührisch, aus md. und nd. Mund- arten. ZUS. Kurfürst, m.(en, Pl.-en): Wanlfürst des deutschen Reiches, mhd. Anf. des 14. Jh. Karfurste(Ottokars Reimchr. 12529 neben kurherre 12087), 1338 kürfürste(Höfer Urk. S. 327), md. Korforste(Ködiz Ludw. 6); davon kurfürstlich, adj., mhd. im 14. Jh. kurvürstlich, und Kurfürstentum, n., mhd. 1340 xurfürstentuom. Kurhut, m.: roter mit Hermelin ausgeschlagner Hut' als Zeichen der Kurfürstenwürde, 1631 das Dim. Chur- hütlin bei Opel und Cohn 30 j. Kr. 320, 8. Kurprinz, m.: Erbprin⸗ in einem kur- fürstlichen Hause, 1678 bei Krämer Chur- printz. Kurschwert, n., die zwei kreuzweis gelegten Schwerter im kurfürstlich sächsischen Wappen als Zeichen des Reichs-Erzmarschall- amts, 1740 bei Frisch der Pl. Charschawerder. Kurstaat, m.: Kurfürstentum, 1808 beiCampe. Kur, f.(Pl.-en): ärztliche Behandlung, Heilung. 1557 bei Heußlin Vogelb. 122 b und 1616 bei Henisch Cur, aus glbd. lat. cira f., zunächst«Sorgev. Vgl. kurieren. ZUS. Kur- pfuscher, m.: wer ohne staatliche Appro- bation Kranke heilt. Erst in neurer Zeit. Kurschmied, m.: Hufschmied, der zugleich die Kur des Pferdefußes usw. versteht, Tier- arzt, 1775 bei Adelung Curschmid. kuränt, adj.: geläufig, gangbar(als Münze). Das franz. courant«laufend, gang und gäbey, Part. Präs. von courir(aus lat. currire) claufenn. Im 17. Jh. entlehnt(1703 im Zeit.-Lex.). kuränzen, v.: züchtigen, runtermachen, hart anfahren; auch umherrennen. In den Mundarten weitverbreitet. Daneben koranzen (1785 bei Voß. Ged. 1, 294), karanzen(thürin- gisch), kurrenzen 1673 bei Weise Eram. 146 Nach Schröders einleuchtender Auseinander- setzung(Streckformen 106) Streckform zu kranzen, eig. im Kranz(Kreise) herumtreiben. Kürafß, m.(Gen.-Sses, Pl. Sse): Panzer, Brustharnisch. Im 15. Jh. Kiüraß(Sachsen- heim Mörin), Kurisz(Janssen Reichscorr. 1, 474 von 1439), meist küriß, mnd. kxuresser, koritz, koritzer m., urspr. wohl«Lederpanzer?, aus franz. cuirasse f.«(Leder-) Panzer», prov. 1177 Kurat Kurs 1178 coirassa, ital. corazza f., vom lat. Adj. coriaceus cledern», zu lat. corium n., franz. cuir m. Leder». 4BL. Kürassier, m.,(-s, Pl.-e): mit Küraß bekleideter Reiter. Nach glbd. franz. cuirassier m. 1740 bei Frisch Küraßier, im 17. Jh. Kürassirer und Kürissirer, 1664 bei Duez 1, 223 b Kürissier, 1654 bei Logau 2, 4, 82 Curassirer, im 15. u. 16. Jh. Kürisser (Liliencron 2, 93 von 1476), kuresser(Städte- chron. 5, 195, A. 1 vom J. 1450), md. 1517 bei Trochus F 2² koritzer m. Kurät, m.(-en, Pl.-en); katholischer Geistlicher. Neulateinische Bildung von lat. curãre«sorgen», entsprechend dem glbd. franz. curé m. In Tirol. Kuratél, f.(Pl.-en): Schutzpflege eines Kurators. Im 18. Jh. aus mlat. curatela f.«VVormundschaft». Kurator, m.(-S, Pl.-en): amtlicher Vorstand und Ver- treter einer Körperschaft in Verwaltungs- sachen, Rechtsvorstand, Vorsteher eines zur eigenen Vermögensverwaltung Unfähigen. Im 16. Jh. Curator(Reichsordn. 197² von 1521), aus lat. chrätor m. Besorger, Vormund. Kurbe, f.(Pl.-/): Kurbel. 1768 bei Moer- beek Kurbe, 1687 bei Hohberg 1, 101 b Kürbe f., rhein. im 15. Jh. korbe(Diefenb. gl. 263b), in den Fastnachtspielen des 15. Jh. 748, 14 der Dat. Kurm d. i. kurbe«gebogner Hand- griff am Schleifstein», mhd. kurhe, ahd. curba f. «Winde am Ziehbrunnen», 1541 schweiz. der Pl. Gürben Schiffsrippen» Frisius 227 2 und noch heute Gärbe m. f.«Schiffsrippe, krummer Handgriff an der Sense, Kurbel am Rady. Entlehnt aus franz. courbe f., von lat. curuus cgekrümmt». Davon Kurbel, f.(Pl.-n): krumm gebogne Handhabe zum Drehen eines Dinges, 1775 bei Adelung Kurbhel, 1743 bei Geßner Buchdruckerkunst 436 Corbel, 451 Gorbel«Handgriffy, 1562 bei Mathesius Sar. 207 b körbel, vielleicht schon im 15. Jh. Korbel, körbel(Diefenbach gl. 2732). Kürbis, m.(Gen.-Sses, Pl.-sse): Ranken- gewächs und Frucht, lat. cucurbita. Bei Luther Kürbis, Körbis, bei Dasypodius 1537 Kürbiß, Kürps, mhd. Kürbiz, Kürbez, Kurbz m. (selten n.), ahd. churbiz, curbiz m.(selten f.); dazu and.(entlehnt) kurbia, mndl. im 14. Jh. curvete, ags. cyrfœt, cyrfet m. Aus glbd. lat. eucurbita f. küren, Kurfürst usw., s. Kur. Kuriälstil, m.(-s): die gerichtliche, Kanz- leischreibart. Kurial- aus dem lat. Adj. cũridlis (Fpätlat.«zum kaiserl. Hof gehörig») von lat. caria f.«Senatsversammlung usw. Kuriä- lien, Pl.: Förmlichkeiten des Kanzleistils bei einem Gerichtshofe, 1714 bei Wächtler, aus ouridlia, dem Neutr. Pl. das lat. Adj. cãrialis. Kurier, m.(-S, Pl.-e): Eilbote. Mhd. kurrier, kurier m.«Läufer, aus franz. courrier m., von franz. courir, lat. currere claufen, eilen. ZUS. Kurierzug, m., im 19. Jh. kurieren, v.: ärztlich behandeln, heilen. 1557 bei Waldis Esopus 4, 23, 84 curiern, aus glbd. lat. cãräre, eig.«Fürsorge haben für jem.. Vgl. ²Kur. kuriös, adj.: seltsam, verwunderlich. Im 17. Jh. curν«begierig, neugierig, geschäftig» (Nehring 1694), aus franz. curieuæ cneugierig, sonderbary, von lat. chriosus«sorgfültig, allzu sorgsam, wißpegierig, neugierigꝰ, zu lat. cüra f. «Sorge, Sorgfalt», während am Ende des 18. Jh. curios(Goethe 1773 lim Götz] 8, 23) wieder auf lat. chriõsus zurückging. Kuriosität, f., (Pl.-en): Neugier, Wißbegierde(1620 bei Albertinus Lustg. 195 Curiositet); Seltenheit, die Neugier anregendes Ding(1673 bei Weise Hauptverderber 17). Aus lat. cüriõsitas f. «Wißbegierde, Neugierdey. kürmeln, v.: lallend sprechen(Opitz 2, 93); mit verliebtem Tun leise reden, freundlich verliebt murren(bei Lohenstein Arm. 1, 92 kirmeln); miteinander schön tun, kosen(bei Sperontes singende Muse 1, 74 Kürmeln). Noch schles. kirmeln, schweiz. chirmen clalleny. kurren, v.: in tiefem Ton laut werden, wie kirren(s. d.) in feinerm. Vom wohl- behaglichen Schnurren der Katze 1788 bei Bode Thom. Jones 4, 325, 1562 bei Mathesius Sar. 309 b murren und kurren, mhd. Kurren grunzem, mndl. curren(von der Turteltaube). 4BL. kurrig, adj.: zu neckischem Mutwillen aufgelegt, leicht reizbar, leicht zornig. Von Bürger etwa 1773 aus nd. Mundarten in die Schriftsprache eingeführt. Kurrénde, f.: das Singen armer Schüler von Haus zu Haus um milde Gaben. Zu lat. currere«laufeny. Current f. in der kur- sächsischen Schulordnung von 1580, Currente f. 1740 bei Frisch, Currende 1775 bei Adelung. Kurréntschrift, f.: die gangbare(lau- fende), gewöhnliche deutsche Schreibschrift. 1562 bei Mathesius Sar. 794 Current f., 1582 bei Fischart Garg. 277 Current-Schrifft. Aus lat. currens(Gen. currentis), dem Part. Präs. von currere«laufen. kurrig, s. kurren. Kurs, m.(Gen.-es, Pl.-e): Lauf, Weg (des Schiffes, 1557 bei Waldis Esopus 2, 30, 87 1179 Kurschmied kurz 1180 Curs); Gang einer Münzsorte; laufender Geld- wert, Wechselhöhe(bei Nehring 1694 Cours); Lehrgang, Zeit eines abgeschloßnen Lehr- ganges(bei Krämer 1678 Curs). Aus lat. cursus, franz. cours m.«Laufy. Davon kur- sieren, v.: im Umlaufe, gang und gäbe sein, bei Lessing 8, 31 cursiren. Kursivschrift, f.: schräge lateinische Schrift. 1714 bei Wächtler Carsiuschrift, 1694 bei Nehring cursio ge- schobne Schrifty, aus glbd. mlat. curstva f. Kurschmied, s. ²Kur, Kürschner, m.(-I, Pl. wie Sg.): Hand- werker in Pelzwerk. Statt urspr. s mit un- organischen sch, das erst im 17. Jh. durch- drang, 1516 bei Pinicianus prompt. K 3⁴ kirschner, mhd. kürsengœre, kursener, Kürsner, mnd. korsener m. Abgeleitet von mhd. Kürsen, kursen f., 1382 auch schon kirschen, ahd. chursinna, crusina f.«Pelzmantel, Pelzrock); dazu ags. crusene, crusne f., mlat.(937) cru- sina, erosina, crosna, crusna f. Ins Slawische entlehnt aruss. Kräeænd, Korozno, korzno n. Pelzkleid». Urverwandtschaft mit gr. Bupco f. cabgezogne Haut, Fell» ist möglich. Kurt, s. Konrad. Kurtine, f.(Pl.-n): die Fläche der Fe- stungsmauer zwischen zwei Bollwerken, Mit- tel-, Zwischenwall. 1678 bei Kräamer Cortin f. kürzen, md. kurzen und Kurten, ahd. kurzen, Aus glbd. franz. covrtine, ital. cortina f., von lat. cortina f.«kesselförmige Rundung»,(spät- lat.) Vorhangy. Kurtisäne, f.(Pl.-n): Buhlerin. 1616 bei Henisch Curtisan, Cortisan f., 1615 bei Albertinus Landstörzer 399 Cortisanin f. Aus glbd. franz. courtisane, ital. cortigiana, span. cortesana f., eig. Hofdame», Fem. zu franz. cour tisan, ital. cortigiano, span. cortesano m. Hofmann, Höfling»(daher Curtisan«Höf- ling» bei Luther, 1571 bei Rot Curtisan cein lauffer gen Rom nach pfrünten»), von franz. cour, ital. corte f.«Hof», zu lat. cohors, kürzt cörs(Gen. cörtis) f. Hofraum. ge- Kurve, f.(Pl.-n): krumme Linie. Aus früher kurze Ware(bei G. Freytag 20, 167 vom lat. curva, demn Fem. des Adj. curvas ckrummy, 1813 bei Campe. kurz, adj.(Komp. kürzer, Sup. kuürzest): an Ausdehnung in die Länge gering. Mhd. kurz(im Adv. kurze, kurz), ahd. churz und kurt, churt; dazu andfrk. kurt, mnd. und afries. kort, wurt, mndl. cort, isländ. Kortr«kurzy, ferner ags. cyrtel m., engl. Lirtle«Mieder, Jacke, Mantel», eig.«Kurzkleid». Entlehnt aus dem lat. Adj. cartus«verstümmelt, ge- kürzt, kurz», woher auch franz. court, ital. span. corto. RA. Kurze fünfzehn machen ceine Tätigkeit kurz endigen», hergenommen von dem ehedem beliebten der lange Puffy ge- nannten Spiele, wovon mhd. der fünfzehen spiln(Erec 869) gesagt wurde. Wer hier einen Glückswurf(mit Würfeln) tut, daß er alle seine 15 Steine auf einmal herausnehmen kann, der endet das Spiel Kurz. Auch 1540 des Kurtzen Spieln«etwas kurz zu Ende bringen⸗ (Alberus dict. KK 2 b). äüber kurz oder lang, mhd. uber kurz ode über lanc(Erec 6296), ahd.(mit der Negation noh) noh uber lang noh uber churz, wie auch nhd. über lang oder kurz bei Lessing 12, 195. Den Kürzern ziehen «im Kampf oder Wettstreit verlieren, gegen jem. 2u kurz kommen, im Nachteil sein(1599 bei Schütze Preußen 175), erklärt sich aus der alten Sitte des Losens mit Stäbchen oder Halmen, wobei der, welcher das kürzeste Stäbchen oder den kürzesten Halm zog, ver- lor. Kurzer Hand«ohne Förmlichkeit, ochne Umstände», eine Nachbildung des Ausdrucks der lat. Rechtssprache breui manu. 4BL. Kürze, f., mhd. kirze, ahd. churzl und kurti, mnd. korte f.; RA. in der Kürze, in Kürze c«in kurzer Zeity, bei Luther Offenb. Joh. 1, 1 in der Kirtz, im 15. Jh. in ainer kurz, mhd. in kürze. Kürzen, v.: karz machen, mhd. mnd. Korten; davon Kürzung, f., mhd. kur- zunge. kürzlich, adj., mhd. Kkurzlich, ahd. kurzi-, KWurz- und churtlich, mnd. korte-, Kort- lilc, das Adv. mhd. Karzläche«in kurzer Zeit?, ahd. churzlicho gar kurz». ZUS. Kurz- schluß, m.: fehlerhafter Nebenschluß für den elektrischen Strom. In der neuern Zeit. Kurz- schrift, f., Verdeutschung von Stenographie. Im 19. Jh. kurzsichtig, adj., im körper- lichen Sinne 1775 bei Adelung, ndl. 1599 bei Kilian kortsichtig, in geistiger Hinsicht 1738 bei Haller an Bodmer 123. kurzum, adv., bei Luther kurzumb. Kurzware, f.: kleine Eisenware, Spielgerät usw., 1808 bei Campe, J. 1622). kurzweg, adv., 1775 bei Adelung. Kurzweil, f., mhd. kurz-, Kurzewile, auch kürzwile f.(noch im 15. und 16. Jh. oft Kürz- weil)«vergnügliche Unterhaltung zur Zeit- verkürzung», als Neutr. bei Goethe 16, 53, Schiller Tell 3, 3, als Mask. bei Claudius 8, 176. Davon kurzweilen, v.: Kurzweil treiben, mhd. Kurze-, Kurzwwilen, noch im 18. Jh.(1781 bei Kindleben), dann erlöschend, und kurz- weilig, adj., mhd. Kur euwilec, nhd. Kurzweiliger 1181 kusch Kuvert 1182 Rat, als Titel des Hofnarren 1659 bei Butschky Kanzl. 498, schon im 15. Jh. Kuar zneilrat, Kurz- weileyrat. kusch! Imperativ von kuschen, v.: sich legen(von Hunden, zunächst von dressierten Jagdhunden), beides 1741 bei Frisch. Aus franz. coucher cniederlegen» von lat. collocãre. Kufß, m.(Gen.-Sses, Pl. Küsse): Berührung mit gespitzten Lippen als Zeichen der Liebe und Achtung. Mhd. kus m.(Gen. Kusses), im 12. Jh. auch kos n., ahd. cus m.(Gen. Gusses); dazu asächs.-mnd. us, afries. kos, ags. cos, coss m., engl. kiss, anord. koss m., schwed. dän. kyss. Zu lat. bãsium n.«Kuß, falls dieses Lehnwort aus dem Sabinischen. Vgl. Walde und Johansson KZ. 36, 355. 4BL. küssen, v., mhd. kıssen, ahd. kussan; dazu asächs. ussian, mnd. kussen, afries. Kessa, ags. cyssan, engl. kiss, anord. kyssa, dän. Kyjsse. Got. dafür kukjan, ostfries. Küklken«küssen? mit andrer Wurzelableitung. Küßchen, n., 1691 bei Stieler Käßgen, mndl. cusken n. kußlich, adj., von Hölty und Voß um 1770 aus den Liedern der Minnesänger wieder auf- genommen, mhd. kuslich, Kuüslich; bei Wieland 21, 15 küsserlich. ZUS. Kußhand, f., 1716 bei Ludwig. Küßmonat, m.: der erste Monat in der Ehe(Kußmonat Basl. Chr. 1, 463, 33 von 1529). Küste, f.(Pl.-/n): Meeresrand. Bei Duez 1664, Krämer 1678, aber ndl. schon 1599 Muste, koste f., aus afranz. coste f.(jetzt cõte)«Rippe, Seite», dann Seeufer, Küste, ital.-port. costa, span. cuesta f., von lat. costa f.«Rippe, Seite?. Küster, m.(-v, Pl. wie Sg.): Kirchendiener. Mhd. kuster, guster, ahd. kustor, gustor m., aus mlat. custor, lat. custos m.«Wächter, Auf- seher, Hüter»(hier der Kirchenkleinodien, heiligen Gefäße). 4B L. Küsteréi, f., mhd. 1328 kusterle, 1242 custre. Küsterin, f., mhd. Kusterin, Küsterin, gustrinne f. Kute, f.: Loch, Grube. Niederd. Form für Kaute. Bei Fontane Mathilde Möhring. Kutsche, f.(Pl.-/): überdeckter Pracht- wagen. Im 16. und im 17. Jh. Kotsche, Cotschy, Gotschi, Guatschi, Gotschiloagen, Kutzsche, Gatsche, Kutze f., schlesisch damals Kulsche m. wie poln. Kocz und tschech. kο m. Entlehnt um 1500 aus gleichbed. ungar. kotsi(im 15. Jh. kocsi, sprich kotschi), aus dem Dorfe Kocs bei Raab stammend, wo solche urspr. zwei- rädrige Wagen nach Zeugnissen des 15. und 16. Jh. gebaut wurden. Daher auch nädl. koets f., ital. coccio m., franz. coche m., engl. coach. 43L. Kutscher, m., im 16. und 17. Jh. Gatscher(Kiechel 6 von 1585, Henisch, Schönsleder). 1589 bei Mathesius das 1. Kap. des Evang. Joh. 922 Kutzscher, 1664 bei Duez Kutscher. Auch gewöhnlicher, aber unver- fälschter, eig.«Kutschers-Wein. kutschieren, V., 1678 bei Krämer, im 16. Jh. Kutschen, 1590 bei Fischart Garg. 15 das Subst. Gatschirer m. ZUS. Kutschbock, m.: erhöhter Kutscher- sitz, 1808 bei Campe. Kutschkasten, m., 1691 bei Stieler. Kutte, f.(Pl.-n): weites verhüllendes (Mönchs-)Gewand. Mhd. kutte, kotte f., aus afranz. cote f.-langes Oberkleid», nfranz. cotte f. «Kleid», provenz. cota, und diese aus ahd. chozza f. und chozzo, Kozzo m.«grobes zottiges Wollenzeug und Kleid davon⸗(s. Kotze). Kuttel, f.(fast nur im Pl. Kutteln): die Gedärme samt Wanst und Magen, insbes. eines eßbaren Tieres. 1537 bei Dasypodius der Sg. Kutle, 1561 bei Maaler Kuttel f., spät- mhd. der Pl. Kutlen, Kutlan, md. 1308 der Pl. Kotelen, schles. 1422 kottil und 1340 der Pl. kutiln; 1716 bei Ludwig Kuttel m. Dazu wohl got. gipus m.«Bauch, Magen, Mutter- leib», ahd. quiti«Gebärmutter», ags. cawip m., anord. Kvidr m. Bauchs; nd. Küt«Eingeweiden ist nicht verwandt. ZUS. Kuttelfleck, m:: zerschnittnes Gedürme mit Magen usw. zum Essen, 1482 im Voc. theut. r 8 5b kuttelfleck, bei Schmeller? 1, 1312 schon 1429 vom Stück eines zerteilten Rindsmagens(s. 1leck). Ruttelhof, m.: Schlachthof, md. 1340 Kutel- hof. Kuttelwurst, f.: in den Dickdarm gefüllte Wurst, in Thüringen. Kutter, m.(-s, Pl. wie Sg.): Kriegsboot zum Schnellsegeln, einmastiges Fahrzeug zum Schnellsegeln. 1791 bei Roth, 1792 bei Krünitz Kutter, Cutter, aus gleichbed. engl. catter. Kutz, m.: in den Kutzen streichen «schmeicheln», eig.«den zum Vogelfang ab- gerichteten Kaaz(s. d.) streicheln⸗ dann durch Schöntun sich beliebt machen. Im 15. bis 17. Jh. vielgebraucht(1494 bei Brant Narr. 100, 13), noch bei Wieland. Kuvért, n.(-els, Pl.-e): Gedeck; Brief- umschlag. Das franz. couvert n., aus einem mlat. coopertum n., dem Neutr. des Part. Perf. Pass. von mlat. cooperire cbedecken»(woraus franz. couvrir), das aktivische Bedeutung er- halten hat. Zunächst nach dem lat. Copert, schon 1482 kopert«Deckey im Voc. theut. aa 22, im 17. Jh. auch in der Bed.«Briefumschlag» (Grimmelshausen Simpl. 293), verzeichnet 1678 1183 Kux Kyrie eleison 1184 als Copert«Uberzug» bei Krämer und noch bed. tschech. kulcus m., dazu verhält, ist 1711 als Copert«Umschlagy bei Rädlein; das franz. couvert dringt gegen Ende des 17. Jh. ein(bei Nehring 1710), 1716 als Covert eines Briefes bei Ludwig. Kux, m.(-es, Pl.-e): ⁄1 28 einer Zeche im Bergbau. 1562 bei Mathesius Sarepta 35 b Kauxæ, 1595 bei Rollenhagen Froschm. 1, 2, 14 Kuchs, m., zusammengezogen aus Kuckes (Luther Tischreden 226 b), Kukus(sächs. Urkunde von 1478 bei Veith 311, lat. cuccus, in einer böhm. Urk. von 1327 ebd.), daneben Guckes(H. Sachs Fastn. 8, 309), Guckus (Brant Narr. 102, 56). Wie sich das gleich- unklar. Kyrie eléison,«Herr, erbarme dich). Mhd. und md. karjelé?son, Kyrjeléison, aus gr.-kirchenlat. Kemie eleison, Wyrieleison, kirch- lich-gr. xõpie e&éncov, das, schon im Ahd. der Anfang der Litanei, bald Kirchen- und reli- giöser Volksgesang, selbst Schlachtruf und Schlachtgesang geworden, später der Schluß- vers(Refrain) der meisten geistl. Lieder wurde. Daher mhd. kyrleise, kirleis m.«geistliches mit kyrie eleison schließendes Lied»; auch gekürzt leise, leis m.:«geistlicher Gesang», dann«Ge- sangy überhaupt. enee ver er — A Nacere Sdar Ferde edee e e. 85 re eenee⸗ ere. . e rr 4 5 eer ereewne Ss-s Azrezee e Seek e — See Serrese. T e“ Iar ers edeee 5 Beeerzeher 83 e3. 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