Der Milzbrand, eine unter dem Rindviehe, den Pferden 4 und Schweinen häufig herrſchende Seuche und deren 5 ſicherſtes Heilmittel Dr. G. A. Weber, Großherzogl. Heſſ. Hofrath, Leibarzt Sr. Durchlaucht des Fürſten von Solms⸗Lich und Hohenſolms. O: 02024487 4 HEA/ g Der Mitzbrand, /6 357 .—— eine unter dem Rindviehe, den Pferden und Schweinen haͤufig herrſchende Seuche und deren ſicherſtes Heilmittel Bibſiothek 1 der chirurs. Vet.-li Dr. G. A. Weber, Großherzogl. Heſſ. Hofrath, Leibarzt Sr. Durchlaucht des Fürſten von Solms⸗Lich und Hohenſolms. Die Stimme einer auf zahlreiche Facta vorſichtig gegruͤndeten Erfahrung verdient unendlich mehr Ge⸗ hoͤr, als die Stimme des gelehrteſten theoretiſchen Raiſonnements!! —) Leipzig, 1836. 7h. 7*. bei Carl Heinrich Reclam. —— man. 16 Asje ine 2 an. 8 Enigigpe dnn. 1 0 r chunlchinn 0 era d2 Rorje anotndo enn(r2ealo S * 4. ehdürdn oiree ierlns jun vai an 10 3 29 em Hilzmenu Tusordc ure 1a2s4närg,n 3 aNt1srea93 1Snss 1schho Esd auut i ran S. 4 IEine aiac 8 8 an 8— . 2 14 Vinnhe 1— Enn x i g. 12 3 — 3 2 4 4 4 8 S ueCAr 288 15 1 8 * 3 Nachdem die Menſchenheilkunde in den letzten 20 Jah⸗ ren an Sicherheit und Einfachheit durch unermuͤdete ärzt⸗ liche Forſchungen ſo ſehr gewonnen hat, ſteht jetzt zu erwarten, daß auch die Thierheilkunde eine nothwendige Umgeſtaltung erleiden werde., Die Leiſtungen der letzteren waren bis daher ſehr gering und in Wahrheit nur auf Heilverſuche be⸗ ſchraͤnkt. Ganz beſonders hat ſich dieſes herausgeſtellt bei allen Viehſeuchen, wie z. B. beim Milzbrande des Horn⸗ und Schafviehes. Dieſe Krankheit rafft beſon⸗ ders in heißen Sommern eine Menge Vieh weg und iſt allein dadurch, daß man dieſelbe bisher nicht zu heilen vermochte, oft der Grund der Verarmungen ſo 1 IV vieler Landleute geweſen. Selbſt die Landleute, die im Wohlſtande lebten, kamen haͤufig in demſelben zuruͤck auch bei dem regſamſten und unverdroſſenſten Fleiße, bei den beſten landwirthſchaftlichen Kenntniſſen, wenn dieſe moͤrderiſche Krankheit ihren Viehſtand zerſtoͤrte.— Die Viehverſicherungs⸗Anſtalten, welche in den letzteren Jahren entſtanden, waren wohl hinreichend, das Verarmen Ein⸗ zelner zu verhindern, aber die Bewohner der Ortſchaf⸗ ten, in denen der Milzbrand mit beſonderer Malignitaͤt herrſchte, mußten hart beſteuert werden, um die Summe zu decken, welche die vielen Todesfaͤlle verurſachten. Auf dieſe Weiſe litten ganze Gemeinden ſo, daß bis⸗ weilen dieſe Beiſteuer in die Verſicherungs⸗Caſſe faſt ſo viel betrug, als alle herkoͤmmlichen Landesſteuern. Die Thieraͤrzte ſprechen ſelbſt ihre Ohnmacht in der Behandlung des Milzbrandes aus, und geſetzt, dies geſchaͤhe nicht von denſelben, ſo beweiſt ihr erfolgloſes Handeln in dieſer Krankheit zur Genuͤge, wie wenig ſie zu leiſten vermoͤgen. Unterwerfen wir die zum Theil werthvollen Schriften, welche von Ärzten und Thieraͤrz⸗ ten uͤber die Milzbrandſeuche verfaßt wurden, einer naͤhe⸗ ren Beleuchtung, ſo muͤſſen wir den Fleiß und den regſamen Eifer, Herr uͤber dieſe verheerende Krank⸗ heit zu werden, zwar anerkennen, aber auch aufrichtig geſtehen, daß die Behandlung dieſer Krankheit, trotz V den ſchoͤnſten und beſten Theorien, in hieſiger Gegend faſt durchgaͤngig ungluͤcklich ausfiel. d9 Nur meiner Wiſſenſchaft wegen und um meinen Mitmenſchen wo moͤglich da Nutzen und Gewinn zu verſchaffen, wo ſie ſich von jeder nuͤtzlichen und erfolg⸗ reichen Huͤlfe verlaſſen ſahen, richtete ich mein Auge auf dieſe Seuche und unternahm es, den Milzbrand nach ho⸗ moͤopathiſchen Grundſaͤtzen zu heilen. Zu meiner gro⸗ ßen Freude fielen meine erſten Verſuche ſo gluͤcklich aus, daß nichts zu wuͤnſchen uͤbrig blieb, wodurch mein reger Eifer fuͤr das Gedeihen meiner Wiſſenſchaft und das Streben, durch meine Kunſt moͤglichſt nuͤtzlich in der Welt zu ſein, nur noch mehr angefacht wurde. Dieſe gluͤcklichen Erfolge meiner ohne allen Gewinn fuͤr mich eingeleite⸗ ten homoͤopathiſchen Behandlung verbreitete ſich ſehr bald in hieſiger Gegend. Es bot ſich nun mir hinlaͤng⸗ lich Gelegenheit dar, vielfaltige Erfahrungen üͤber dieſe boͤsartige Krankheit und uͤber die verſchiedenen For⸗ men, unter denen ſie auftreten kann, zu ſammeln, und hiernach auch die Behandlungsart nach den jedesmali⸗ gen Umſtänden zu modificiren. Meine Bemuhungen wurden mit dem beſten Erfolge gekroͤnt. Der Nutzen, den ich meinen Mitbuͤrgern durch dieſe ſo wohlfeile Be⸗ handlungsart ſchaffte, war groß und ſehr in die Au⸗ gen fallend. Man kann den Gewinn, der durch die VI hoomoͤopathiſche Behandlung des Milzbrandes hieſiger Ge⸗ gend verſchafft wurde, mindeſtens auf 10,000 Gulden anſchlagen, und der Gewinn, den einzelne Gemeinden dadurch erreichten, iſt bedeutender, als man bisher ge⸗ glaubt. Der Buͤrgermeiſter T. in E. verſicherte im Fruͤhjahr l. J., daß ſeine Gemeinde durch meine Be⸗ handlung des Milzbrandes in einem Jahre ſo viel ge⸗ wonnen, daß die ſaͤmmtlichen zu leiſtenden Großherzog⸗ lichen Steuern vollkommen damit haͤtten gedeckt wer⸗ den koͤnnen. 1 Ke Wenn ganze Gemeinden durch die gluͤckliche ho⸗ moͤopathiſche Behandlung einer einzigen Viehſeuche ſo viel gewinnen, wie muß da ihr Wohlſtand zunehmen; wie gern und willig werden die Einwohner den Behoͤrden ihre Steuern, üͤber welche ſo oft Klagen gehoͤrt werden, entrichten, wenn ſie nicht von weit druͤckendern Laſten, durch bis dahin nur mit Unglück behandelte Viehſeuchen, heimgeſucht werden!— Leider geben die meiſten Re⸗ gierungen der Homoͤopathie kein Gehoͤr. Sie ver⸗ ſchmaͤhen diejenige Heilart, durch welche der Wohl⸗ ſtand aller Unterthanen unbedingt zunehmen muß, na⸗ mentlich der Wohlſtand der Paͤchter, Hkonomen und Bauern. Wenn Sachkundige, d. h. mit dem ho⸗ moopathiſchen Heilverfahren Vertraute baduftragt wuͤr⸗ den, Thierheilungen homoopathiſch und zwar mit Sach⸗ VIIÄ kenntniß zu unternehmen, alsdann wuͤrden bald die Geißeln, das ſind die Viehſeuchen fuͤr die Landwirthe, weniger fuͤhlbar werden, ja demnaͤchſt ſo gut, wie ganz verſchwinden. 1 Der Milzbrand, dieſe veiheerande Krankhei, wird durch die homoͤopathiſche Heilart jedenfalls ſicherer geheilt, wie ich ſpaͤter durch unwiderlegbare Thatſachen nachweiſen werde, als durch irgend eine andere Heilmethode. Die Ho⸗ moͤopathie zeichnet ſich daher auch wieder in dieſer Hinſicht aus vor allen andern Heilmethoden, nuͤtzt durch Heilung dieſer moͤrderiſchen Viehſeuche, die bis dahin nur in den allerwenigſten Faͤllen auf alloͤopathiſchem Wege geheilt werden konnte, ſehr viel und darf mit Recht auf den nothwendigen Schutz von den hoͤchſten Staatsbehoͤrden hoffen. Der erſte und nothwendigſte Schutz be⸗ ruhet auf der Erlaubniß, die homoopathiſchen Mittel ſelbſt verabreichen zu duͤrfen. Soll die Homdoͤopathie gedeihen, wozu ſie doch wahrlich wenigſtens des nothwendigſten Schutzes bedarf,— ſie erhaͤlt ſich zwar in einigen Laͤndern auch ohne dieſen, aber in ver⸗ kruͤppelter Geſtalt und kuͤmmerlich— ſoll ſie all das Gute, welches ſie in Zukunft zu leiſten verſpricht, und bereits hinlaͤnglich geleiſtet hat, um dieſes Schutzes werth zu ſein, ſo muß dem Arzte frei ſtehen, die Arzneien, von deren Guͤte und Achtheit er uͤberzeugt iſt, ſelbſt an ſeine VIII Kranken auszugeben. Im entgegengeſetzten Falle iſt er nie gegen Betrug und gegen Ungluͤck in ſeinem Heilver⸗ fahren geſichert. Er gleicht einem Maler, dem es von der Obrigkeit anbefohlen wird, ſeine Farben, die er ſorg⸗ faͤltig und mit beſonderer Kunſt ſelbſt bereitet, und welche innig mit ſeiner Kunſt verbunden ſind, ohne die er ſeine Kunſt nicht mehr in der Trefflichkeit auszuuͤben im Stande iſt, auf gut Gluͤck von einem Fremden zu kaufen. Von der Nothwendigkeit des freien Selbſtdispenſi⸗ rens bin ich auch bei der Behandlung des Milzbrandes von neuem dergeſtalt uͤberzeugt worden, daß ich mir dieſe Überzeugung nie werde nehmen laſſen. Um Verſuche zu machen, theils den Milzbrand zu heilen, theils aber auch, und vorzuͤglich, um dieſe Krankheit wo moͤglich zu verhuͤten, waren Tauſende von Gaben eines und deſ⸗ ſelben Mittels erforderlich bei ſolcher Menge Vieh. Da⸗ her war es noͤthig, wenn der wahre Nutzen des homoͤo⸗ pathiſchen Heilverfahrens ſich im ganzen Umfange klar herausſtellen ſollte, weit uͤber 100 Glaͤschen mit An⸗ thracin befeuchteter Streukuͤgelchen unangefochten abge⸗ ben zu duͤrfen. Nehmen wir aber auch nur 100 Glaͤs⸗ chen mit den arzneilichen Streukuͤgelchen angefuͤllt, ſo wurde ſich folgende Berechnung herausſtellen. Jedes Glaͤs⸗ chen war mindeſtens mit 2000 Streukuͤgelchen gefuͤllt. Die Doſis, die ich bei eingetretenem Milzbrande und auch IX zur Vorbauung reichen ließ, beſtand aus 5 Streukuͤgel⸗ chen. Jede Doſis mit ein Paar Gran Michzucker aus der Apotheke verordnet(bei beſtehendem Dispenſir⸗Verbote) zu 2 gGr. gerechnet, eine Taxe, welche hie und da exi⸗ ſtirt, wuͤrde mithin einen Koſtenaufwand von 3300 RThlr. verurſacht haben, um dieſe Heilungen der Krankheit und die Verſuche, dieſelbe zu verhüten, zu bewerkſtelligen. Jedes einzelne Glaͤschen mit dem Heilmittel angefullt, waͤrde 33 RThlr. 8 gGr. koſten. Es iſt leicht einzuſehen, daß dieſer Koſtenaufwand von Niemandem beſtritten wer⸗ den konnte, aus welchem Grunde die Heilungen unter laſſen werden muͤſſen. Es wuͤrde ſich um ſo weniger Jemand dazu entſchloſſen haben, die Koſten fuͤr den Apotheker zu decken, der wußte, daß dieſe Mittel von keinem bedeutenden Geldwerth ſind, denn der wahre Werth dieſer 100 Glaͤschen ſammt den Heilmitteln belaͤuft ſich hoͤchſtens auf 1 RThlr. 12 gGr. Die Folge eines ſtren⸗ gen Dispenſir⸗Verbots, ſo wie ſolches fruͤher auch hier im Großherzogthum Heſſen von mir vorgefunden wurde, und weßhalb ich einige Zeit ſehr niederbeugende Verfol⸗ gungen zu dulden hatte, war demnach, daß es mir we⸗ gen zu großer Unkoſten nicht moͤlich geweſen waͤre, dieſe Heilungen des moͤrderiſchen Milzbrandes zum wahren Wohle meiner Mitbuͤrger zu unternehmen. Der Nachtheil hieraus erwuchs dem Staate, deſſen wahrer und groͤßter X Reichthum vorzuͤglich im Wohlſtande ſeiner Unterthanen zu ſuchen iſt, welcher in den Gegenden, wo der Milz⸗ brand jaͤhrlich graſſirt, ganz beſonders unter den Land⸗ wirthen nothwendig zerruͤttet werden muß.— Ich halte mich verpflichtet, bei dieſer Gelegenheit die Staatsregierungen wiederholt auf das Dispenſir⸗Ver⸗ bot homoͤopathiſcher Heilmittel aufmerkſam zu machen, da dieſes nicht allein unſere Wiſſenſchaft in ihrem Ge⸗ deihen unglaublich hindert, ſondern auch dazu dient, die Unterthanen des großen Vortheils zu berauben, der den⸗ ſelben vom homopathiſchen Heilverfahren geboten wird⸗ Die Erſparniß durch die Homͤopathie belaͤuft ſich in groͤßern Staaten auf Millionen, wodurch der Wohlſtand unbedingt zunehmen muß. Bei den redlichen Beſtrebun⸗ gen aller Staatsregierungen, die gar nicht zu verkennen ſind, den Unterthanen ſo viel als moͤglich druͤckende La⸗ ſten abzunehmen, iſt wohl zu verwundern, daß in ſo manchen Laͤndern eine der druͤckendſten und unange⸗ nehmſten Abgaben, dem Apotheker zinsbar ſein zu muͤſ⸗ ſen, noch beſteht. Eine gerechte Staatsregierung hat nicht noͤthig, dem Apotheker fruͤher eine Entſchaͤdigung zu geben, wenn uͤberhaupt von einer ſolchen die Rede ſein kann, ehe dieſer nicht nachweiſt, daß er durch die Homdͤopathie ſeiner Subſiſtenz beraubt worden iſt, was aber bis jetzt bei keinem der Fall iſt, da uͤberall noch d XI alloͤopathiſche Arzte ſind und außerdem ſchon der Hand⸗ verkauf dem Apotheker ſeinen Lebensunterhalt ſichert. Es gewaͤhrt mir eine ganz beſondere Freude, un⸗ ſerer Staatsregierung, welche ſo gerecht war, das Dis⸗ penſiren homoͤopathiſcher Heilmittel den Ärzten zu geſtat⸗ ten*), die gluͤcklichen Reſultate hinſichtlich der Heilung des Milzbrandes hiermit vorlegen zu koͤnnen. Aus die⸗ ſen erhellt, wie das homoopathiſche Heilverfahren in die landwirthſchaftlichen Verhaͤltniſſe, fuͤr, deren Cultur ſo viel geſchieht, eingreift, wie vortheilhaft daſſelbe ſich auch bei der Behandlung dieſer Viehſeuche vor der alloͤo⸗ pathiſchen Heilart auszeichnet, und welcher Gewinn durch die Homoͤopathie, abgeſehen hier von den andern großen Vortheilen derſelben, allein in dieſer einzigen Krankheit geſchafft wurde, und wie viel groͤßer der Nutzen ſich erſt dann herausſtellen wird, wenn die homoͤopathiſche Be⸗ handlung durchgaͤngig angewendet werden kann, in ſo fern die Anzahl der homoͤopathiſchen Ärzte zunimmt, da ſtets eine gewiſſe Aufſicht von Seiten des Arztes zur gluͤcklichen Anwendung der Heilmittel nothwendig iſt.— Die homoͤopathiſche Heilkunſt beweiſt ſich demnach des Schutzes, welchen die Staatsregierung derſelben angedei⸗ *) In Preußen iſt, ſo viel ich weiß, das Selbſtdispenſiren zwar nicht den Menſchenaͤrzten, wohl aber den Thieraͤrzten erlaubt. Die Thiere haben da zufaͤllig viel voraus.. 1 XII hen ließ, würdig, und wird ſich auch kunftig, je weni⸗ ger Hemmungen ihrer fernern Ausbildung und ihren Lei⸗ ſtungen in den Weg treten, ſtets jedes Schutzes, der ihr zu Theil wird, werth zeigen.— Moͤchte die Staats⸗ regierung nicht allein den bisher gegebenen Schutz un⸗ ſerer Wiſſenſchaft ferner angedeihen laſſen, ſondern ſich auch bald in den Stand geſetzt fuͤhlen, dieſen Schutz noch weiter auszudehnen, damit angehende Ärzte Gelegenheit finden, mit den homoͤopathiſchen Lehren und Heilungen ſich vertraut zu machen! Lich, im November 1835. Der Verfaſſer. CO, ennn e Inhaltsverzeichniß. Seite Der Milzbrand iſt eine der aͤlteſten Thierkrankheiten und herrſchte faſt in jedem Jahrhunderte bis auf un⸗ ſere Zeit... 1— 4 Der Milzbrand wurde nicht allein in ganz Europa, ſondern auch in den meiſten uns bekannt gewordenen Laͤndern der Erde beobachtet..... 65 Name des Milzbrandes... 6 Von den Kennzeichen des Milzbrandes beim Hornvieh. 7— 24 Von den Kennzeichen des Milzbrandes bei den Schafen. 24— 25 Kennzeichen des Milzbrandes bei den Pferden... 25— 27 Kennzeichen des Milzbrandes bei den Schweinen.. 27— 28 Von den Kennzeichen des Milzbrandes beim Federvieh. 28— 29 Von der Diagnoſe des Milzbrandes.... 29— 30 Von der Section.... 30— 38 Von den urſachen oder von der creezergeer des Milzbrandes........ 38— 43 Von der Anſteckung....... 43— 59 Vom Weſen des Milzbrandes.... 59— 68 Von der Prognoſe oder Vorherſage. A) Prognoſe bei alldopathiſcher Behandlung des Milzbrandes.... 68— 70 B) Prognoſe bei homdopathiſcher Behandlung.. 70 XIV . Von der Behandlung des Milzbrandes. A) Alloopathiſche Behandluug. a) Vorbauungskur. b) Alldopathiſche Behandlung des Milzbrandes.. B) Homdͤopathiſche Behandlung des Milzbrandes. a) Verhuͤtung der Krankheit.. b) Homdͤopathiſche Behandlung des Milzbrandes Von der Bereitung des Anthracin's, ſowie von den Vorſichtsmaßregeln bei deſſen Aufbewahrung und bei deſſen Darreichen an kranke Thiere.. Vergleichung der bisherigen Leiſtungen der Audopathie in dieſer boͤsartigen Krankheit mit den Leiſtungen der Homoopathie... 31 Von der Behandlung der vom Miizbranbe kangeſtechten Menſchen... Von der Complication des Milzbrandes mit der Lun⸗ genfaͤule oder Lungenſeuche..... Beiſpiele von Heilungen....... „ 4—₰ Seite 70— 72 72— 75 75— 76 76— 89 89— 92 . 92— 94 . 94 94— 95 95— 114 §. 1.. Der Milzbrand iſt eine der aͤlteſten Thierkrankheiten und herrſchte faſt in jedem Jahrhunderte bis auf aunſere Zeit o h Moſes erwaͤhnt eine herrſchende Seuche, an der allerlei Vieh der Ägyptier ſtarb und von welcher auch viele Men⸗ ſchen befallen wurden. Dieſe Seuche kam im Sommer zur Zeit der Arnte vor. Ihre Eigenthuͤmlichkeit, wie ſie Moſes beſchreibt, laͤßt keinen Zweifel uͤbrig, daß die herrſchende Seuche der Milzbrand war. umpan au Homer erwaͤhnt einer Viehſeuche waͤhrend des trojani⸗ ſchen Krieges, welche im griechiſchen Lager ausbrach, und Pferde, Kameele, Maulthiere und Hunde, zuletzt auch viele Menſchen wegraffte. Dieſe Seuche entſtand bei einer langdauernden hei⸗ ßen Witterung, der viel Regenwetter vorausgegangen war. Sie kann nur Milzbrand geweſen ſein, da ſie bei heißer Witte⸗ rung entſtand, viele Thiergeſchlechter ſowie auch die Menſchen ergriff. 1 8 412 G19194 2 mn⸗ 3 Ovid ſchildert uns in ſeinen Metamorphoſen eine allge⸗ mein verbreitete toͤdtliche Krankheit, die anfangs die Hunde, die Voͤgel, die Ochſen, dann die Schafe und alles Vieh, endlich auch die Menſchen befiel und eine große Verheerung anrich⸗ tete. Ovid ſchreibt ihr Entſtehen der zu großen Hitze zu, die lange anhielt und ſehr naſſer Witterung folgee. Plutarch erwaͤhnt in ſeinen Schriſten eine Krankheit, die im Jahre 753 a. Ch. viel Vieh und Menſchen wegraffte. Auch dieſer Schriftſteller ſchreibt ihr Entſtehen einer ſehr lange anhaltenden trockenen heißen Witterung zu, der viel Regenwet⸗ ter vorausging. chlaor 373 1 13l 2 In Virgils laͤndlichen Gedichten leſen wir(nach Voß lüberſetzung) folgende Stelle:„Das Verderben in kranker Luft mordet alle Geſchlechter des Viehes, und alle des Wildes, ver⸗ giftet Teiche und graſigte Weiden mit Faͤulniß. Sieh', der dampfende Farr, vom harten Pfluge belaſtet, ſtuͤrzt poͤtzlich und verhaucht, aus dem Maule blutigen Schaum ſpeiend, ſein letztes Geaͤchz.“ Wer kann bei dieſer Beſchreibung an dem Daſein einer Milzbrandſeuche zweifeln! Titus Livius, der bekannte roͤmiſche Geſchichtſchreiber er⸗ zaͤhlt von einer Epizootie, welche im Jahre 212 a. Ch. unter den Kriegesheeren der Karthager und Roͤmer, deren Anfuͤh⸗ rer Marcellus war, bei der Belagerung von Syracus aus⸗ brach und eine Menge Vieh toͤdtete, auf die Menſchen uͤber⸗ ging und den groͤßten Theil des Heeres der Karthager ſamm ihren Anfuͤhrern aufrieb. Die Beſchreibung, welche der Ge⸗ ſchichtſchreiber von der damals herxſchenden Krankheit uns giebt, von ihrem ſchnellen toͤdtlichen Verlauf, von der ſehr heißen Witterung, waͤhrend welcher die Krankheit graſſirte, laͤßt es gar nicht bezweifeln, daß hier der Milzbrand gemeint iſt.— Sueton erzaͤhlt, daß im Jahre 190 p. Ch. das roͤmiſche Gebiet an einer Überſchwemmung gelitten habe, und in Folge derſelben ſei eine Viehſeuche ausgebrochen, die alle Arten der Hausthiere getoͤdtet habe. Bi e e eee en e du Plinius erzaͤhlt, unter dem Conſulate des Julius Ruffus und des Quintus Lucanius Baſſus habe ſich der boͤsartige Karfunkel(Mitzbrand) zuerſt vom Lande in die Stadt Rom geſchlichen und beide Conſuln ſeien darauf auch ein Opfer deſ⸗ ſelben geworden. 1198.) Eine außerordentliche Trockenheit war es, welche, nach Gre⸗ gor de Tours Bericht, in Touraine in den Jahren 558 und 592 ein allgemeines Viehſterben veranlaßte. In der Chronik von Sachſen findet man die Erwaͤhnung einer ſehr verheerenden Viehſeuche, die in Frankreich nach vie⸗ lem Regenwetter ausbrach.— Eine aͤhnliche Seuche richtete im Jahre 889 in Lothringen in Folge einer Uberſchwemmung große Verheerungen unter dem Vieh an.— Im Jahre 994 herrſchte bei einer 6 Monate anhaltenden trocknen heißen Wit⸗ terung, die vielem Regenwetter folgte, eine Epizootie, welche im November anfing und in ganz Europa ſich verbreitend un⸗ ter den Thieren aller Art fuͤrchterliche Verwuͤſtungen anrich⸗ tete.— Im Jahre 1441, unter der Regierung Friedrich des Dritten herrſchte in Deutſchland eine Epizootie, nach einer vorausgegangenen überſchwemmung, der eine trockene heiße Witterung folgte, welche eine Menge Thiere wegraffte.— Im 1 1 3 Jahre 1552 herrſchte der Milzbrand in dem Gebiete von Lucta und 1599 brach der Milzbrand in der Gegend von Venedig aus.— Nach einem heißen und trocknen Sommer beobachtete man in Daͤnemark im Jahre 1661 nach Bartholins Bericht eine Art Phrenitis unter den Thieren, die ſie wie raſend machte.— Im Jahre 1682 herrſchte der Milzbrand in Frank⸗ reich und Deutſchland unter der Form von Zungenkrebs ſo allgemein, daß er eine Ausdehnung von 2000 Meilen einge⸗ nommen haben ſoll.— In den Jahren 1690 und 1691 graſ⸗ ſirte um Padua eine Seuche, an der faſt alle Thierarten er⸗ krankten und meiſt ſtarben. Ramazzini, ein Arzt in Padua, der die Behandlung uͤbernahm, giebt an, daß die Jahre 1689 und 1690 außerordentlich regneriſch waren, daß die meiſten Laͤndereien uͤberſchwemmt wurden, daß alle Pflanzen mit In⸗ ſekten bedeckt waren, welche durch ihren Übergang in Faͤulniß das Futter vergifteten, daß nach dieſen feuchten Jahren eine mehr duͤrre, heiße Witterung eintrat, beſonders im Jahre 1691, in welchem die Krankheit am aͤrgſten wuͤthete.— Auch in der Schweiz graſſirte 1691 der Milzbrand.— Im Jahre 1693 herrſchte eine boͤsartige Lungenentzuͤndung, wie Valentini be⸗ richtet, in Folge eines ſehr feuchten Winters mit darauf fol⸗ gendem heißen Fruͤhling und Sommer.— Genſel beobachtete in Ungarn 1712 eine Seuche in den ſehr heißen Monaten Juni und Juli, nach einer vorausgegangenen faſt allgemeinen Überſchwemmung.— Im Jahre 1726 war eine Seuche faſt durch ganz Deutſchland verbreitet, befiel Rinder und Pferde, und Menſchen, die ſich mit den kranken und todten Thieren be⸗ faßten, wurden krank, manche ſtarben.— Im Jahre 1728 im September trat Regenwetter ein, welches bis zum Mai 1729 faſt ununterbrochen anhielt, worauf eine Seuche unter dem Vieh verheerend wuͤthete, gegen die Law und Gaͤlire vergeblich alle ihre Geſchicklichkeit aufboten.— Die Pferde und das ornvieh in Bourbonne und Auvergne wurden 1731 der Raub einer Seuche, welche ſich uͤber ganz Frankreich verbreitete. Sau⸗ vages, der ſie in Languedoc beobachtete, nannte ſie Gloſſanthrar (Zungenkrebs). Es zeichnete ſich dieſes Jahr durch große Trok⸗ kenheit und heiße Witterung aus.— In den Jahren 1745 bis 1747 graſſirte der Milzbrand faſt in ganz Europa. Hens beobachtete dieſe Seuche in Halberſtadt 1746 und berichtet daruͤber, daß im Auguſt ſehr große Hitze eintrat nach haͤufi⸗ gem Regenwetter.— Audouin de Chaignebrun beobachtete 1757 eine Epizootie, die ſich etwa uͤber 60 Kirchſprengel von Brie erſtreckte, und keinerlei Art Vieh verſchonte, ſelbſt Men⸗ ſchen befiel. Chaignebrun beſchreibt dieſe damals herrſchende 1* 4 Seuche als Milzbrand und ſchreibt die Entſtehung der zu gro⸗ ßen jaͤhling eingetretenen Hitze zu, nachdem der Fruͤhling außerordentlich regneriſch war.— Im Jahre 1763 graſſirte nach Rumpels Mittheilungen der Milzbrand im ſaͤchſiſchen Chur⸗ kreiſe mitten unter der wahren Rindviehſeuche. In demſelben Jahre beobachtete Nicolau in Frankreich den Milzbrand, wel⸗ cher alle Arten Vieh befiel.— Im Jahre 1790 wuͤthete dieſe Krankheit in den Niederlanden und Flandern und in den Jah⸗ ren 1774 und 1775 in Frankreich faſt ohne Ausnahme unter denſelben Bedingungen, bei heißer duͤrrer Witterung nach vor⸗ ausgegangenen Überſchwemmungen oder haͤufigen Regenwettern. — Adami beobachtete 1776 in Niederoͤſtreich dieſelbe Seuche und ſchreibt ihr Entſtehen der anhaltenden Hitze und Duͤrre des Sommers, dem Mangel an gehoͤriger Traͤnkung, dem weiten Treiben des Viehes und dem darauf folgenden jaͤhen, ſtarken Saufen, ſo wie auch dem naͤchtlichen Austrieb auf die im damaligen Sommer 1776 mehr, öfter und kaͤlter bethauet geweſenen Weiden zu.— Glaſer beobachtete 1778 im ſaͤchſi⸗ ſchen Amt Suhla die von ihm benannte Knotenkrankheit, welche nichts anders als der Milzbrand geweſen ſein kann.— In Schleſien herrſchte der Milzbrand 1782, 83, 87, 88, 89 und 1790.— Kauſch beobachtete die Krankheit und leitete die Be⸗ handlung. Ihm verdanken wir eine ſehr werthvolle Schrift uͤber dieſe Krankheit. Als Urſachen derſelben giebt er an, die anhaltende Hitze und Trockenheit des Sommers, Mangel an gehoͤriger Traͤnkung, ſchlechtes Waſſer u. ſ. w.— Die außer⸗ ordentliche Hitze im Jahre 1793 war die Urſache, daß der Milzbrand in Frankreich unter dem Vieh wuͤthete.— Die franzoͤſiſchen Arzte beobachteten den Milzbrand fruͤher genauer als die deutſchen und lieferten treffliche Beſchreibun⸗ gen dieſer Krankheit. Die Toͤdtlichkeit, ſo wie das oͤftere ſeu⸗ chenartige Auftreten derſelben erregte ſehr bald die Aufmerk⸗ ſamkeit vieler Ärzte, auf welche Art mehrere Schriften uͤber dieſen Gegenſtand entſtanden. Die vorzuͤglichſten Schriftſteller, die uͤber den Milzbrand ſchrieben, ſind: Barbet, Bertin, Cha⸗ bert, Chaignebrun, Gerard, Guerſaut, Gilbert, Mauchard, Nicolau, Paulet, Sauvages u. A.— Indeſſen blieben die deutſchen Arzte nicht zuruͤck und lieferten treffliche Beſchreibun⸗ gen und Abhandlungen uͤber den Milzbrand. Unter Andern ſchrieben daruͤber: Adami, von Am⸗Pach, Haller, Hartmann, Lappe, Lux, Kauſch, Laubender, Sauder, Schwab, Waldin⸗ ger, Woͤhler. 5 §. 2. Der Milzbrand wurde nicht allein in ganz Europa, ſon⸗ dern auch in den meiſten uns bekannt gewordenen Laͤndern der Erde beobachtet. Der Milzbrand wurde beobachtet nicht nur in Rußland, Sibirien und zwar hier nicht ſelten recht boͤsartig, und in Finnland, ſondern auch in Schweden und Norwegen, wo ſelbſt das Rennthier von der Krankheit nicht verſchont bleibt. In Daͤnemark herrſchte der Milzbrand unter dem Namen Brand⸗ beule, Zungenkrebs. In Polen wurde dieſe Krankheit mehr⸗ mals epidemiſch unter den Menſchen durch den Genuß des Fleiſches der am Milzbrande gefallenen Thiere beobachtet. In . Preußen herrſcht der Milzbrand ſehr haͤufig und bei trockner, heißer Witterung jaͤhrlich und richtet große Verheerungen an, namentlich und beſonders unter den ſchoͤnſten und groͤßten Schafheerden. Nicht weniger wird der Milzbrand als herrſchend angetroffen in den ſaͤchſiſchen Laͤndern, in Schleswig⸗Holſtein, in den heſſiſchen Laͤndern, in Baiern, Baden und Wuͤrtemberg, in Tyrol und in der Schweiz. In Oſtreich, Ungarn, in der europäiſchen Tuͤrkei rafft der Milzbrand viel Vieh weg. Auch Holland und England hat große Verluſte unter dem Vieh durch dieſe Seuche erlitten. Aber faſt in keinem Lande hat dieſe Krankheit moͤrderiſcher gewuͤthet, als in Frankreich, und nicht viel weniger in Italien, Spanien und Portuggl. In der Regel herrſcht die Krankheit boͤsartiger in ſuͤdlichern Laͤndern. Nach Barbarel herrſcht der Milzbrand auch auf den europaͤiſchen Inſeln. Bertin beobachtete die moͤrderiſche Wuth des Milzbrandes auf den weſtindiſchen Inſeln Guade⸗ loupe und Domingo, wo die Geneigtheit des thieriſchen Koͤr⸗ pers zum Milzbrande ſo groß iſt, daß dieſe Krankheit leicht zu jeder Verwundung hinzutritt. In Afrika, in Agypten und Nubien herrſcht die Krankheit oft ganz allgemein. Von Aſien haben wir Nachrichten durch Pallas Reiſebeſchreibungen. Nach ihm herrſcht daſelbſt unter verſchiedenen Gattungen von Thie⸗ ren oͤfters allgemein eine Krankheit, die ſich bis auf die Men⸗ ſchen fortpflanzt, wobei ſich Beulen bilden, die brandig wer⸗ den und weshalb alle davon Ergriffene ſterben muͤſſen. —§. 3. Name des Milzbrandes. Da der Milzbrand unter verſchiedener Form beobachtet wurde, bald dieſes, bald jenes Symptom hervorſtechend war, ſo erhielt dieſe Krankheit die verſchiedenſten Namen. Dieſe ſind folgende: Anthrar, Anthrax vagans, Milzbrand, Karfun⸗ kelkrankheit, der boͤsartige Karfunkel, Milzſucht, Milzkrankheit, rothlaufartige Milzſeuche, Gallenſeuche mit Milzbrand, Milz⸗ weh, Milzknoten, Milzſeuche, Sommerſeuche, Hitzſeuche, Duͤrr⸗ fall, Alpendieſel, Sumpffieber, gefaͤhrliches Gebluͤt, wildes und heimliches Gebluͤt, gelbe Sucht, Blutſucht, Blutkrankheit, Blutſeuche, Brandblut, Knotenſucht, Knotenkrankheit, wildes Feuer, fliegendes Feuer, innerlicher Brand, rauſchender Brand, Flugbrand, gelbes Waſſer, gelber Schelm, gelber Knopf, Tip⸗ pelſeuche, Rauſcher, Teufelsſchuß, Erdſturz, Augfall, Blaſer, Brandblaſenſucht, Kribbelkrankheit, Rankſucht, Viehpeſt, Lahm⸗ dieſel, Miſtblut, Weidſucht, Holzkrankheit, der fliegende Brand, die Brandflecken, Brandbeulen, Peſtbeulen, Peſtblaſen, Wurm⸗ blaſen, der Lederbrand, der Gliederbrand, das jaͤhe Blut, Halsgeſchwulſt. Druͤſengeſchwulſt, Herzgeſchwulſt, Herzbrand, der jaͤhe Umfall, das Jaͤch. Sind damit boͤsartige Geſchwuͤre im Maule verbunden, ſo nennt man die Krankheit das boͤs⸗ artige Maulweh, die Maulſeuche, Maulſucht, den Zungenkrebs, Zungenbrand, den Zungen⸗ oder Halsſeuche, die jaͤhe Blaſe, die Prarre, der Zungenſtecher, die Schlabberſeuche, Staupe, Peſtblatter, burgundiſche Blatter. b b In England wird die Krankheit unter dem Volk mit dem Namen Gargiel bezeichnet. 3 In der Schweiz bezeichnen die Ausdruͤcke: Bermat, An⸗ griff, Teufelsſchuß, Couwet den Milzbrand.— In Rußland nennt man die Krankheit Laswa.— Die franzoͤſiſchen Arzte nannten ſie Typhus charbonneux, charbon blanc, und nach Chabert auch Maladie de bois. 7 HIeIInEE tvti n an Von den Kennzeichen des Milzbrandes beim Hornvieh. Die Symptome, die ich in hieſiger Gegend beobachtete und die von Sachverſtaͤndigen ſeit laͤnger als 20 Jahren beob⸗ achtet wurden, ſind folgende. Der Milzbrand iſt ſchnell verlau⸗ fend und toͤdtet entweder ploͤtzlich oder in wenigen Minuten, oder in 4— 24 Stunden, wenn nicht zweckdienliche Mittel den ſchnellen Fortſchritt der Krankheit in ihrem ſchnellen Verlauf zu hemmen vermoͤgen. Weit ſeltener verhaͤltnißmaͤßig ſah ich einen langſamern Verlauf, wo die Krankheit 2— 4 Tage dauerte. Sehr oft erkrankt das Vieh und ſtirbt ſo ſchnell, daß man kaum Zeit hat, noch ein Mittel einzugeben. Haͤufig ſtirbt das Vieh Nachts, wenn es Abends vorher noch friſch und geſund war, mit der gewohnten Freßluſt fraß und trank. Auf der Weide oder auf dem Felde mitten in der gewohnten Arbeit faͤngt ein Stuͤck an zu zittern, welches einige Minuten anhaͤlt, worauf es todt niederfaͤllt. Dauerte die Krankheit in⸗ deſſen wenigſtens eine, oder mehrere Stunden, ſo beobachtete ich folgende Kennzeichen. Das Thier hoͤrt ploͤtzlich und ganz unerwartet auf zu freſſen und wieder zu auen, ſteht wie betaͤubt da, mit bisweilen bis unter die Krippe häͤngendem Kopfe, oder legt auch wohl, als waͤre der Kopf zu ſchwer, den Frof. auf die Raufe oder Krippe, oder wirft den Kopf mit Heſtigkeit in die Hoͤhe und ſeitwaͤrts, oder dreht den Kopf nach oben und bewegt denſelben unruhig in der Luft herum, wobei einige Thiere bruͤllen, aͤchzen, ſtoͤhnen. Einzelne ſind dabei boͤsartig und ſtoßen nach den Waͤrtern. Die Augen, die ſtarr, lotzend ſehen, ſchwimmen gleichſam im Waſſer, und thränen haͤufig; das Weiße des Augapfels iſt mehr oder weniger oder auch gar nicht geroͤthet. Die Ohren, oͤrner und die Naſe ſind bald heiß, bald kalt, welcher Wechſel in Minuten zu beobachten iſt; oft iſt die Kaͤlte dieſer Theile gleich zu Anfange der Krankheit vorherrſchend und haͤlt an bis zum bald erfolgenden Tode. Einigen fließt blutiger Schleim aus der Naſe; einige knirſchen mit den Zaͤhnen; den meiſten laͤuft ein zaͤher Geifer aus dem Maule. Einige athmen ſchnell und aͤngſtlich und ſchlagen mit den Flanken, wobei ſie auch wohl kurz huͤſteln. Die Stuhlausleerung iſt meiſt unterdruͤckt, ſo wie der Harnabgang bei einigen; erfolgt auch Stuhlgang, ſo iſt — 8 dieſer trocken, hart und in kleinen Ballen, im ſpaͤtern Verlauf der Krankheit erfolgt Schleim⸗ oder Blut⸗Abgang, entweder als Vorbote des nahen Todes oder der nahen Geneſung, wel⸗ ches von der eingeleiteten Behandlungsart abhaͤngig zu ſein ſcheint. Bei einigen erfolgte auch waͤſſerichter Durchfall mit baldiger Wiedergeneſung; bei einigen blutigſchwarzer duͤnner Stuhlgang, der aashaft roch unter Verſchwinden aller bedenkli⸗ chen Zeichen der Krankheit. Die Haut liegt bei einigen feſt auf, und es ſcheint ſich an einzelnen Stellen Luft zwiſchen Fell und Fleiſch angeſammelt zu haben; denn beim Streichen mit der flachen Hand laͤngs dem Ruͤcken hin hoͤrt man ein eigenthuͤmliches Rauſchen, Knarren und Knattern oder Knit⸗ tern. Das Haar iſt faſt ohne Ausnahme glanzlos, rauh und ſtruppig⸗ Bei einzelnen bilden ſich, aber erſt nach beſeitigter Gefahr der Krankheit, Beulen und Geſchwuͤlſte oder Verhaͤrtungen auf dem Ruͤcken, am Bauche, am Schlau⸗ che, und am Euter der Kuͤhe. Die Milch geben⸗ den Kuͤhe geben nur wenig oder gar keine Milch, welches Symptom ich mit unter die conſtanteſten rechnen muß. Oft hoͤrt die Milchabſonderung mit dem Eintritt der Krank⸗ heit ſogleich auf. Druͤckt man mit der Hand auf das Ruͤck⸗ grad, ſo ſucht das Thier dieſem Drucke durch Bewegungen auszuweichen, auch aͤchzt, ſtoͤhnt oder bruͤllt es dabei. Das Thier zittert entweder am ganzen Koͤrper, oder vorzuͤglich mit den Hintertheilen, oder die Krankheit faͤngt gelinder an, dann bemerkt der Kenner nur ein ſehr fei⸗ nes Zucken im Felle, wobei die Thiere das Hintertheil des Koͤrpers von Zeit zu Zeit nach vorn ſchieben. Je heftiger das ominoͤſe Zittern eintritt, deſto naͤher iſt die Gefahr, das Thier ſcheint ſich nicht recht mehr auf den Beinen halten zu koͤnnen, es ſtellt die Beine auseinander, es wankt im Gehen, knickt zuſammen, ermannt ſich aber noch und haͤlt ſich aufrecht, um bald nieder zu fallen; auch niedergefallen wendet es bisweilen noch alle zu Gebote ſtehende Kraͤfte an, erhebt ſich nochmals, faͤllt aber dann gewoͤhnlich baldigſt wieder nieder, entweder gleich todt oder es ſtirbt ſchnell unter convulſiviſchen Zuckun⸗ gen. Mit dieſem ominoͤſen Zittern beginnt hier die Krankheit faſt durchgaͤngig. Einige ziehen die Hinterfuͤße beim Zittern nach den Vorderfuͤßen und ſtellen erſtere dicht zuſammen. Einige ſtampfen mit den Fuͤßen, gebehrden ſich hoͤchſt unru⸗ hig, als litten ſie an Kolikſchmerzen, legen ſich, ſpringen aber ſchnell wieder auf. Der Tod erfolgt auch bei dieſen in weni⸗ gen Stunden. Einige ſtanden mit gekruͤmmten Ruͤcken. Nach dem Tode fließt Blut aus dem After, oft auch aus der 9 Naſe und man beobachtet ſchnellen Übergang der Kadaver in Faͤulniß. Kauſch giebt folgende Symptome des Milzbrandes an: Beim jaͤhen Tode ſieht man nichts, als Bedraͤngniß des Ath⸗ mens, eine Art von Bruſtkrampf, bei dem ſchaͤumendes Blut aus dem Maule fließt, und wobei ſehr oft Zuckungen das nahe Ende zu verkuͤndigen pflegen. Dauert die Krankheit laͤnger, ſo erfolgt Tod oder Beſſerung nach 2, 3, 4, auch 7 Tagen. Die Symptome ſind ſchneller Puls(auch wohl, doch ſelten, von nahe an 100 Schlaͤgen in der Minute), heißes Maul, kurzer Athem, etwas Huſten, maͤßige Hitze, Schwaͤche, bei manchen Geſchwuͤlſte und Beulen. Die Freßluſt hoͤrt bei vie⸗ len Stuͤcken auf, bei vielen dauert ſie, obgleich vermindert, bis an den Tod fort. Traurigkeit, kalte Ohren, kalte Hoͤrner und dergl. kommen hier, wenn es ſchlimm iſt, ſo gut, obgleich nicht ſo allgemein, als bei der aͤchten Seuche vor. Bei man⸗ chen Stuͤcken tritt das Übel auch mit Zittern des Fleiſches und des Felles ein. Iſt die Freßluſt weggeblieben geweſen, und findet ſie ſich wieder, ſo darf man darauf nicht, wie in andern Epizootien, bauen; der Tod folgt dieſer neuen Außerung der Freßluſt oft auf dem Fuße nach. Intermiſſionen ſind zu An⸗ fange uͤberhaupt nichts Seltenes. Den krepirten Stuͤcken fließt gern Blut aus dem Maule und After, nach dem Tode laufen ſie gar bald ſehr auf und der ſchnelle Vorſchritt der Faͤulniß iſt um deſto auffallender, wenn man erwaͤgt, daß noch vor Kurzem ein ſolches Rind muthig herumgeſprungen iſt.— Adami beſchreibt den Milzbrand folgendermaßen: Gewoͤhnlich war ein ſtilles und weniger lebhaftes Ausſe⸗ hen; aufgeborſtene Haare; unterdruͤckte und mehr oder weniger geſchwindere Schlaͤge des Herzens und der Arterien; truͤbe und in ihren Winkeln naſſe, oft triefende Augen; ſchief herab⸗ haͤngende Ohren; das ausgebliebene Wiederkaͤuen; die Ver⸗ ſtopfung; ein ſtarkes Zittern. An verſchiedenen Theilen des kranken Thieres, als: an den Kinnbacken, vorne an der Bruſt, an den Schultern und Huͤften, in den Weichen, an den Schen⸗ keln, auch beim Schlauche(und an dem Euter der Kuͤhe), fuhren ploͤtzlich Beulen auf, die ſehr ſchnell groß wuchſen.— Wenn ſolche Stuͤcke uͤbrigens gut gepflegt wurden, dann ka⸗ men ſie gemeiniglich davon; ſonſt wurden ſie bauchſchlaͤgig, es ſtellte ſich ein ſtarkes Zittern ein, und hierauf ſtarb das Thier meiſtens den zweiten, dritten oder vierten Tag der Krankheit. Auffallend war dabei, daß das kranke Vieh nicht ſelten bis zum Hinfallen fraß und ſoff. Auch iſt es merkwuͤrdig, daß die 10 aufgefahrenen Geſchwuͤlſte ſich aller Bemuͤhungen ungeachtet nicht zur Eiterung bringen ließen. in Mit dieſer Beſchreibung ſtimmt die von Rumpelt uͤber die 1676 in Churſachſen vorgekommene Milzbrandſeuche ziem⸗ lich uͤberein. Doch theilt Rumpelt Folgendes außerdem mit: Die Thiere, die am Milzbrande erkrankten, ſtanden ru⸗ hig, ſtampften nicht, bruͤllten nicht, und zeigten keine inner⸗ lichen Schmerzen; einige waren auf dem Ruͤcken empfindlich und bogen ſich, wenn man ſtark laͤngs dem Ruͤckgrade hin mit der flachen Hand ſtrich; ſelbſt die Geſchwuͤlſte ſchienen ih⸗ nen nicht viele Schmerzen zu machen, denn man konnte frei damit handthieren und ſie oͤffnen, oder Schnuͤre durchziehen. Will theilt uns folgende Beobachtungen uͤber die Kenn⸗ zeichen des Milzbrandes mit.. Einige Stuͤcke ſchienen mir, wie vom Koller befallen, in⸗ dem ſie ſich feſt gegen den Barn ſtellten und auf die Mauer druͤckten; andere thaten wie raſend; die dritten gaben Zeichen von Magenſchmerzen und Bauchgrimmen, indem ſie unruhig waren, mit den Vorderfuͤßen ſcharrten, ſich niederlegten, ſchnell wieder aufſprangen(und aufgeblaͤhet wurden); die vierten be⸗ kamen ploͤtzlich einen ſtarken Huſten, zogen ſtark in die Flan⸗ ken und aͤchzten laut. Andere wurden zuletzt kreuzlahm. Die Inguinaldruͤſen ſchwollen an; die Milch wurde gelblicht; ein⸗ zelne Theile, als: die rechte oder linke Seite des Hinterleibes, der Schlauch, der vordere Theil der Bruſt, die rechte oder die linke Schulter geriethen in ſtarken Schweiß, und zwar wurde dies vorzugsweiſe an Pferden, Zug⸗ und Maſtvieh beobachtet. Laubender giebt folgende Kennzeichen des Milzbrandes an: Die Thiere ſterben ploͤtzlich unter den vorausgegangenen An⸗ zeichen von hoͤchſtem Wohlſein, ſie fallen vor dem Wagen, am Pfluge, mitten in der kraͤftigſten Arbeit, vor der Krippe mit dem Biſſen im Maule, und die Sage verbreitet ſich dann vom Landmanne, vom Hirten,„ſein Ochs, ſeine Kuh u. ſ. w. ſeien vom Schlage(Erdſturze) getroffen worden.“ Waͤhrend ſie todt niedergeſtuͤrzt ſind, fahren noch manchmal Beulen und Geſchwuͤlſte an ihnen auf; in einzelnen andern Faͤllen ergeben ſich blutige Ergießungen durch das Maul, die Naſe und den After. In weniger akuten Faͤllen erſcheinen die Thiere be⸗ taͤubt und verwirrt, ſtehen traurig, in ſich gekehrt, haben den Kopf in beſtaͤndiger Abwechſelung, ſchuͤtteln ſich, verrathen in⸗ nere Angſt, die Augen ſtehen ſtarr und wild hervor, wanken endlich, fallen um, und unter mehr oder weniger heftigen Ver⸗ zuckungen ſterben ſie.— Wo die Krankheit aber mehr chro⸗ niſch verlaͤuft, ſind die Thiere mehr traͤge, matt, zerſchlagen; 11 im Stalle lezen ſie ſich, und ſtehen auch dann nicht auf, wenn Jemand zur rechten Zeit zur Fuͤtterung kommt, ſelbſt Schlaͤge koͤnnen ſie nicht zum Aufſtehen bringen. Auf der Weide bei der Heerde ſondern ſie ſich ab, bleiben hinter der⸗ ſelben zuruͤck, ſtellen ſich einſam und traurig in den kuͤhlen Schatten eines Baumes, wiederkaͤuen nicht, holen langſam und tief Athem, ſind uͤberhaupt betaͤubt, verwirrt und ziem⸗ lich unempfindlich; melkende Kuͤhe geben wenig oder gar keine Milch mehr; manche andere ſind unruhig, vorzuͤglich die im Stalle gehaltenen ſchauen wild ruͤckwaͤrts, wechſeln oͤfters mit Liegen und Stehen, bruͤllen, ſchreien oͤfters und ſchaͤumen mit dem Munde; das Flotzmaul hat nicht mehr ſeinen naſſen glat⸗ ten Spiegel, ſondern iſt mehr trocken und mit Perlentropfen beſetzt; Puls⸗ und Herzſchlag ſind kaum fuͤhlbar. Manche an⸗ dere ſtellen ſich oͤfters zum Miſten an, ohne aber daſſelbe voll⸗ bringen zu koͤnnen. Von Am⸗Pach vergleicht den Milzbrand mit dem anſtecken⸗ den Typhus des Menſchen und ſchildert uns den Milzbrand wie folgt. Vorboten ſind: Herabhaͤngender Kopf, den die Thiere, um ſeine Schwere weniger zu fuͤhlen, auf erhabene Gegenſtaͤnde, z. B. auf die Krippe, oder anderes Holzwerk auflegen; waͤſſerichte Augen und ſteifer, ſtarrer Blick; der Gang iſt wankend und ſchwerfaͤllig, die Fuͤße werden im Gehen hoͤ⸗ her als gewoͤhnlich empor gehoben, die Eßluſt iſt gering, in den Handlungen zeigt ſich Boͤsartigkeit, die Thiere ſtoßen und ſchlagen auf die ſich ihnen Nahenden, ſelbſt auf die Waͤrter; die Thiere werden ſtumpfſinniger, und ihre Munterkeit ver⸗ mindert ſich auffallend; einige laſſen ihre Stimme ſo vielfaͤl⸗ tig vernehmen, daß die Waͤrter durch dieſe oft und ungewoͤhn⸗ lich gehoͤrten Toͤne aufmerkſam gemacht unter der Heerde auf der Weide, oder im Stalle nachſehen; Arbeitsthiere ermuͤden leicht und gerathen bei der Arbeit in ſonſt nicht gewoͤhnliches Schwitzen, alle willkuͤhrlichen Bewegungen werden traͤge, die Miſtung iſt feſter, und die Furcheneindruͤcke im Miſte ſind deutlicher. Geht die Krankheit weiter in ihrem normalen Ver⸗ lauf, ſo entſteht nun das erſte Stadium, das Reizſtadium. Froſt iſt maͤßig, unmerklich; die Haare ſtraͤuben ſich auf der Wirbelſaͤule bis zum Kopf, die Hinterfuͤße zittern, und die oberflaͤchlichen unter der Haut gelegenen Muskeln zucken, matt i*ſt jede willkuͤhrliche Bewegung, jede Anſtrengung unmoͤglich und eine allgemeine Ermattung ſieht man ihm deutlich an. Am Flotzmaule, an dem Grunde der Hoͤrner und an den Klauen bemerkt man einen Wechſel zwiſchen brennender Hitze 12 und Kälte. Das Hornvieh auf der Weide, am Zuge oder im Triebe bleibt ploͤtzlich ſtehen, ſinnet ſtumfpſinnig nach, folgt der Heerde entweder gar nicht, oder angetrieben hinkend und langſam. Manche taumeln. Die Augen ſind roͤthlich, bei manchen entzuͤndet und etwas geſchwollen, ſie ſcheuen das Licht und ſchließen die Augen. Beim Hornvieh iſt die Naſe etwas verſtopft, und wie die Maulheit trocken, die Zunge iſt mit weißlichtem oder gelblichtem zaͤhen Schleim belegt, Schaum ſpru⸗ delt aus dem Maule, der Durſt iſt ſtark, es trinkt das Waſ⸗ ſer, wenn man es ihm reicht, haſtig und in vollen Zuͤgen, auf der Weide iſt es zu matt, um das Waſſer zu ſuchen, oder zu ſtumpfſinnig, um den Waſſerplatz, der ihm ehedem ſehr bekannt war, zu ſuchen. Es athmet entweder ohne alle Be⸗ ſchwerden, oder es huͤſtelt, wobei zaͤher Schleim aus den Mundwinkeln fließt; die Kiefer werden uͤbereinander gerieben, daß die Zaͤhne knirſchen. Die Flanken ſpannen ſich und jeder an der rechten oder linken Rippenweiche angebrachte Druck bringt das Thier aus ſeinem Dahinſtarren, indem es dem Drucke auszuweichen ſucht; die Miſtung iſt ſelten, oft ſchmerz⸗ haft, der Miſt ſelbſt mit Schleim umhuͤllt und wird in kleinen Ballen abgeſetzt; der Maſtdarm ſteht offen; der Harn iſt hell und ohne Schaum; das Wiederkaͤuen hat, wie die Abſonde⸗ rung der Milch bei den Kuͤhen, aufgehoͤrt; der Herzſchlag iſt meiſtens unfuͤhlbar, die Pulſe ſind voll, und oͤfters mehr langſam als ſchnell. Das Fieber iſt ohne alle bemerkbare Exacerbation. Man findet faſt immer an der innern Flaͤche der Vorder⸗ und Hinterfuͤße, wo die Haut feiner und weißer iſt, und ſparſamer die Haare keimen, ſo wie an den Zitzen der Kuͤhe, bei einer genaueren Unterſuchung, griesartige Erhaben⸗ heiten oder Tupfen; bei braungefleckten Thieren fuͤhlt man dieſes linſengroße Exanthem, ohne es zu ſehen, oder die braune, ſchwarze Farbe wird wie bei den Menſchen, die eine tiefer ge⸗ faͤrbte Haut haben, auffallend dunkler, ohne jedoch dieſe er⸗ hoͤhete Farbe durch den Druck der Finger entfernen zu koͤnnen. Allmaͤlig erſcheinen am Kopfe, an der Bruſt, am Halſe, am Buge, in der Nieren⸗, Milz⸗ oder Schaamgegend, am untern Bauche, an den Flanken, an der Hungergrube, an den Huͤf⸗ ten, an den Hinterbacken Beulen oder Wuͤlſte. Am haͤufigſten kommen ſie an den Seitentheilen des Halſes, und an der vor⸗ dern Bruſtgegend zum Vorſchein. Manchmal bemerkt man nur eine, manchmal mehrere Beulen; ſie ſind bald hart, bald weich, bald kalt, mit und ohne Schmerzen, bald entzuͤndet; ihre Groͤße iſt verſchieden, ſo daß ſie bald die Groͤße eines Eies, bald die eines Menſchenkopfs haben; manche bilden ſo⸗ 13 gar Saͤcke, die bis zur Erde reichen, in welchem letztern Falle ſie ganz ſchmerzlos und kalt ſind. Bei den Thieren, bei de⸗ nen man ungeachtet der ſtrengſten Unterſuchung dieſe Eran⸗ theme nicht wahrnehmen kann, findet man die Haut außeror⸗ dentlich trocken und ausgeſperrt. Der Stumpfſinn nimmt im⸗ mermehr zu, ſo daß die Thiere weder auf den Zuruf der Menſchen, noch auf den Stich der Inſekten mehr achten. Manche Zufaͤlle geſellen ſich noch hinzu, je nachdem der Cha⸗ rakter der herrſchenden Epizootie, oder der Genius der ſtehen⸗ den Krankheit, oder die Anlage der erkrankten Thiere beſchaf⸗ fen ſind. Bald ſind die Schleimhaͤute, bald die ſeroͤſen und fibroͤfen Haͤute mit angefeindet. Leiden zugleich die Schleim⸗ haͤute vorherrſchend mit, ſo iſt die Betaͤubung ſtark; die Au⸗ gen ſind ſehr geroͤthet, die Lichtſcheu iſt anhaltend, und eine waͤſſerichte Fluͤſſigkeit troͤpfelt aus den innern Augenwinkeln; alles Athmen durch die Naſe iſt beſchwerlich; auf der Zunge liegt eiweis⸗aͤhnlicher Schleim; bei dem Huſten hoͤrt man ein Raſſeln und Kochen auf der Bruſt, und ſtoßweis wird Geifer durch denſelben ausgeleert, die rechte Rippenweiche wird mehr empfindlich und aufgetrieben, die untere Bauchgegend geſpannt, die Miſtung trocken und feſt, und der Miſt im offenſtehenden Maſtdarme ſichtbar. Daß die ſeroͤſen und ſibroͤſen Haͤute zu⸗ gleich leiden, erkennt man bei dem Hornvieh aus dem ſteifen Gange, aus dem kurzen, bedachtſamen, zaudernden Aufheben der Fuͤße, und der Vermeidung jeder Bewegung, wodurch die Thiere die Schmerzen, welche ſie in den Gelenken fuͤhlen, an⸗ deuten.— Das Leiden der Verdauungsorgane erkennt man aus den gelblichten Streifen und Strichen im Auge; aus dem geblichten oder braͤunlichten Flotzmaule; aus der gelblichten Roͤthe der haarloſen oder wenig behaarten Koͤrperflaͤche; aus dem ſchmutzigen Belege der Zunge, aus dem mit Schleim be⸗ legten oder durchzogenen Miſte; aus dem roͤthlichten oder durchſichtigen Harn; aus dem Zittern der Hinterlippe, aus dem unangenehmen grasartigen Geruche aus dem Maule, dem ſtar⸗ ken Durſte und oͤfteren Gaͤhnen; aus dem aufgetriebenen Bauche und dem Schmerze, der durch das Beruͤhren deſſelben entſteht, aus dem Abgange ſtinkender Winde und eines waͤſſerichten Mi⸗ ſtes, aus der gaͤnzlichen Verſtopfung mit Zittern der Nachhand und leichtem Schwitzen. 1r. 921 Zweites oder nervoͤſes Stadium. Die Krankheitserſcheinungen in dieſem ſind verſchieden, je nachdem es dem Blutſyſteme gelingt, das vorgreifende Ner⸗ venſyſtem, welches das Blutſyſtem zu unterdruͤcken ſucht, zu⸗ ruͤckzuweiſen. Es entwickeln ſich nun folgende Symptome. à 14 Die Haut, die Klauen, das Maul, die Hoͤrner, der Maſt⸗ darm, die innere Flaͤche der Fuͤße und die Zitzen bei den Kuͤ⸗ hen werden brennend heiß; der Herzſchlag wird fuͤhlbar po⸗ chend; die Betaͤubung und das dumpfe Dahinſtarren iſt an⸗ haltend; das Gehoͤr ſcheint nun vermindert, oder ganz verlo⸗ ren zu ſein. Bei dieſem Mangel des thieriſchen Bewußtſeins ſtehen die kranken Rinder wie hoͤlzerne Kloͤtze da, gleichguͤltig gegen Alles, was um ſie und an ihnen vorgeht. Die trockene, ſehr rauhe Zunge wird ohne alles Widerſtreben der Thiere aus dem Maule gezogen und haͤngt oft noch einige Zeit nach der Unterſuchung aus dem Maule, das offen ſteht, oder wird nur langſam und allmaͤlig hineingezogen; hin und wieder ſcheint die Zunge kleiner zu werden, beſonders wenn ſie Riſſe bekommt. Die Naſe iſt anfaͤnglich noch feucht und ſchleimig, wird aber bald trocken, und wie das Zahnfleiſch und das In⸗ nere des Maules mit ſchwaͤrzlichtem Kleiſter umzogen; der Athem ſtinket. Das Hornvieh aͤchzt beſtaͤndig und knirſcht mit den Zaͤhnen; man ſieht an dem Bauche, an dem Halſe und an den Extremitaͤten die Sehnen huͤpfen. Der Huſten iſt an⸗ haltend, trocken und klein. Das Athemholen iſt kurz, klein und geſchwind, aͤngſtlich, ſelten leicht; der Bauch geſpannt und hin⸗ aufgezogen, oder weich und herabhaͤngend. Die Fuͤße ſind wie lahm und gelenklos; jene, die ſchwer athmen, ſtehen und zwar mit tiefgeſenktem Kopfe; andere, die leichter athmen, liegen be⸗ ſtaͤndig gerade. Die Miſtung iſt faſt immer jetzt fluͤſſig, braͤunlicht, ſchwaͤrzlicht und ſtinkend. Der Urin iſt hell, ohne Schaum; der Puls entweder ſehr ſchnell oder auch ungewoͤhnlich lang⸗ ſam, das Herz klopfet ſtark an beide Bruſtwandungen. Die an verſchiedenen Koͤrpertheilen entſtandenen Beulen, Knoten und Wuͤlſte breiten ſich entweder aus und bilden ganze Saͤcke, oder ſie bleiben begraͤnzt ſtehen, und erheben ſich. Einige bekommen auf der Zunge Blaſen(Aphthae malignae), die man auch am Gaumen und After findet. Manchmal bildet ſich nur eine Beule oder ein Sack, oder auch nur eine Blaſe aus; meiſten⸗ theils kann man aber in ſolchen Faͤllen mehrere durch die Haut fuͤhlen. Beide Flanken, oder auch bald die rechte, bald die linke, ſchwellen an, ſtehen hervor, werden wulſtig oder fal⸗ len ungewoͤhnlich ein. Die Abmagerung iſt ſichtbar, der Trieb leer, und das Athmen beklemmt und durch Huſten unterbrochen. Die Herzgrube, die Bruſt, und die innere Flaͤche der Fuͤße duͤnſtet ſtark, fett und klebricht aus. Die Thiere ſtehen nun ganz unbeweglich und dahinſtarrend da, aͤußern keine Empfin⸗ dung gegen aͤußere Eindruͤcke und erleiden ſtarkes Sehnenhuͤ⸗ pfen. Viele, bei welchen die Bruſtbeſchwerden nicht zu groß 15 ſind, liegen zentnerſchwer dahin; das Auge iſt geſchloſſen; oͤff⸗ net man es, ſo ſcheint es wie erſtorben zu ſein, giebt man ih⸗ nen Waſſer, ſo trinken ſie ſolches nur dann in haſtigen Zuͤ⸗ gen, wenn ſie durch unſanfte Stoͤße dazu ermahnt werden; angerufen erwachen ſie nicht aus dem Dahinſtarrenz die Zunge i*ſt eingeſchrumpft, einer Baumrinde aͤhnlich, hin und wieder aus dem Maule haͤngend; der Bauch aufgetrieben, die Mi⸗ ſtung fluͤſſig; der Harn hell und roͤthlich; das Herz klopft zit⸗ ternd, die Pulſe ſind ſchwach und unfuͤhlbar.— Oder es ſinkt die Reproduction zu ſehr in dieſem Stadio, ſo daß Entmiſchung der Materie entſteht, dann finden wir beim Hornvieh ſchmutzige, blaͤulichte, glaſige, waͤſſerichte Augen, in deren innern Win⸗ keln ſich eiteriger Schleim anſetzt; das Maul iſt voll Geifer, der wie ein Faden aus demſelben herabhaͤngt; die Zunge iſt ſchwaͤrzlicht oder mit einem Schleim belegt; mit aͤhnlichem ſtinkenden Schleime iſt auch das Zahnfleiſch umzogen; der Athem ſtinkt, die Zaͤhne wackeln; die aufgefahrnen Beulen, Knoten und Wuͤlſte werden weich, ſulzig und teigicht, dehnen ſich weit uͤber den Bauch aus, und bilden beſonders an den Hinterfuͤßen haͤngende Geſchwuͤlſte. Die Spitzen der Hoͤrner und das Flotzmaul, das Riſſe bekommt, ſind kalt. Der Grund der Hoͤrner und die Huͤfe, die innere Seite der Fuͤße, das Geburtsglied, die Zitzen, der Maſtdarm, und das Innere des Maules haben ein ſtechendes Gefuͤhl von Hitze; die Mi⸗ ſtung iſt gruͤnlicht, mit Schleime untermiſcht, jauchig, blutig, aashaft riechend, an den Fuͤßen herabrinnend, und ſelbige oft aufaͤtzend; der Bauch ſehr geſpannt; unter der Haut tritt Luft aus, daß ſelbige beim Befuͤhlen rauſcht. Das Herz pocht zitternd, die Pulſe ſind klein, beinah ohne Contraction; die Fuͤße ſchwellen an und werden unfoͤrmlich. dou 4.*— Bei Anſtellung eines Vergleichs dieſer Darſtellung des MNillzbrandes mit der von mir angegebenen wird man finden, daß der von mir beobachtete Milzbrand im Weſentlichen durch⸗ aus dieſem eben beſchriebenen gleich iſt. Indeſſen verlief die Krankheit in den allerwenigſten von mir beobachteten Faͤllen ſo ſchnell, daß man nur mit der groͤßten Sorgfalt die von Am⸗ Pach ausfuͤhrlich geſchilderten Stadien unterſcheiden kann. Bei den meiſten Stuͤcken war der Verlauf der Krankheit ſo außeror⸗ dentlich ſchnell, daß durchaus keine Stadien⸗Eintheilung moͤglich war. Sehr richtig bemerkt auch der oben angefuͤhrte Schrift⸗ ſteller in einem§., der von dem unregelmaͤßigen Verlauf des Milzbrandes handelt, Folgendes, was mit meinen Beobachtun⸗ gen und Erfahrungen hier in der Wetterau voͤlli uͤbereinſtim⸗ mend iſt. Er ſagt: Das erſte Stadium iſt oft von einer ſol⸗ 16 chen Boͤsartigkeit begleitet, daß ſchon in dieſem Stadium un⸗ erwartet und ploͤtzlich der Tod eintritt. Man bemerkt keine Vorboten. Ohne alles Vermuthen bei ſcheinbarem Wohlbefin⸗ den und ungeſtoͤrter Munterkeit ſtuͤrzen die Thiere am Pfluge, am Wagen oder waͤhrend des Futtergenuſſes, wie vom Blitze getroffen, zuſammen, machen einige krampfhafte Bewegungen und ſterben.— Verlaͤuft die Karfunkelkrankheit ſo ſchnell, ſo findet man nach außen ſelten Beulen, die zu ihrer vollkomme⸗ nen Bildung eine laͤngere Andauer fieberhaften Allgemeinlei⸗ dens erfordern. Selbſt beim langſamern Verlauf iſt oſt der Gang der Krankheit ſo normal, daß, bemerkt man auch einige Symptome, als Stumpfſinn, vermindertes Gefuͤhl, Traͤgheit, Starrſinn u. ſ. w., die Krankheit ſelbſt ſchon zugegen iſt, daß dieſe wahrnehmbaren Erſcheinungen nicht mehr als Vorlaͤufer gelten koͤnnen. Manchmal erſcheint ploͤtzlich nur eine Beule, ohne daß man zuvor nur ein Zeichen des Krankſeins wahrge⸗ nommen hat; dieſe Beule iſt bald ſo groß wie eine Nuß, nimmt ſchnell an Groͤße zu, breitet ſich aus, und nimmt eben ſo ſchnell wieder ab; mit ihr erſcheint eine brennende Koͤrper⸗ hitze, die Extremitaͤten werden kalt, es ſtellen ſich Zuckungen ein und der Tod erfolgt.— Manchmal bemerkt man nur ver⸗ mehrte Waͤrme, rothe, hervorſtechende Augen, beſchleunigten Puls, Hinken, Haſtigkeit im Eſſen, Zaͤhneknirſchen, Geifern, Unruhe, und eine mit Schleim belegte Zunge, die anzuſchwel⸗ len anfaͤngt. Nach wenigen Stunden ſchon fahren auf ihrem Ruͤcken bald nach vorne, bald mehr nach ruͤckwaͤrts runde oder eifoͤrmige Blattern und Blaſen auf, die anfaͤnglich weiß, gelb⸗ licht, ſpaͤter roͤthlicht, braͤunlicht, und ſchwaͤrzlicht ausſehen und nach und nach die Groͤße einer welſchen Nuß erreichen; je we⸗ niger da ſind, deſto groͤßer werden ſie; iſt nur eine gegenwaͤr⸗ tig, ſo wird dieſe oft wie eine Limonie groß. Sie bricht nun entweder auf und aͤtzet ganze Stuͤcke der Zunge weg, oder ſie bedeckt ſich mit einer Borke, waͤhrend ſie die Zunge nach un⸗ ten ſo zerſtoͤrt, daß bei dem Herausziehen der Zunge dem un⸗ terſuchenden Arzte Stuͤcke derſelben in der Hand bleiben. Man bemerkt auch dieſe Blaſen am Gaumen und am After. Erſt dann, wenn ſich das phagedaͤniſche Geſchwuͤr gebildet hat, werden die Fieberbewegungen heftig, die Angſt wird nun groß, das Zittern allgemein, die Convulſionen werden deutlich, der Hinterleib ſchmerzt und laͤuft auf. Dies letztere von v. Am⸗Pach geſchilderte Bild iſt das, welches von Sauvages Glossanthrax genannt wurde, worauf ich ſpaͤter noch zuruͤckkommen werde. Ich ſelbſt hatte bis jetzt keine Gelegenheit, dieſen ſogenannten Zungenkrebs zu beobachten. & 17 Die fernern Anomalien die, v. Am⸗Pach in ſeiner Schrift noch anfuͤhrt, uͤbergehe ich, da ſie im Weſentlichen immer auf das bisher Mitgetheilte hinauslaufen. Auch wuͤrde es meinem Zweck widerſprechen, da ich nur das Noͤthigſte zuſammen zu ſtellen gedenke, was werthvolle Schriften uͤber unſern Gegen⸗ ſtand lieferten.— Dagegen muß ich aus dieſem Schriftſteller noch folgende Eintheilung des Milzbrandes entlehnen. Die Karfunkelkrank⸗ heit verbunden* 1) mit Gehirnentzuͤndung, 2) mit Rachenentzuͤndung, 3) mit Bruſtentzuͤndung, 4) mit Leberentzuͤndung, 5) mit Milzentzuͤndung.— Iſt Gehirnentzuͤndung mit Milzbrand vergeſellſchaftet, ſo ſind beim Hornvieh die Augen hochgeroͤthet, ſtarr, glotzend, oder geſchloſſen und ſtehen etwas hervor; man bemerkt oͤfters Hinaufſchnellen des Kopfs; außerordentliche Unruhe, beſtaͤndi⸗ ges Bruͤllen, Wuͤthen, Reißen an der Kette, Stoßen mit den Hoͤrnern, Schlagen mit den Fuͤßen und Beißen an das Holz⸗ werk, Sehnenhuͤpfen, Waſſerſcheu, ſeltene Miſtung. Manche Rinder werden ganz gelaͤhmt, und fallen wie todt hin mit Roͤ⸗ cheln und Stoͤhnen, ſie vermoͤgen ſich nicht mehr zu bewegen. Im Freien rennen ſie ſinnlos eine kleine Strecke, fallen dann nieder, ſchaͤumen aus dem Maule und der Naſe, oder Blut fließt aus dem Maſtdarm, dem Maule und der Naſe; es ſtellen ſich heftige Zuckungen und Verdrehungen des Halſes ein. Iſt mit dem Milzbrande Bruſtentzuͤndung verbunden, ſo iſt der Athem ſehr kurz und beengt, der Huſten trocken, ſtark und haͤufig; der Hals geſtreckt, die Fuͤße werden auseinander geſtellt und das Maul ſteht weit offen. Alles Athmen geſchieht durch die Bauchmuskeln. Dabei iſt die Betaͤubung groß, die Haut aufgetrieben und knotig, die Haare ſind uͤberall borſtig aufgerichtet; die Kranken ſtehen ſchwankend, koͤnnen ſich nicht legen; verſuchen ſie es aus Schwaͤche, ſo erheben ſie ſich bald wieder, da das bedraͤngte Athmen das Liegen nicht zulaͤßt. Bei manchen bemerkt man nur, daß ſie traurig daſtehen, das Futter verſagen, bald kalt, bald warm ſind, kurz und beſchwer⸗ lich athmen und kalte Luft ausſtoßen. 4 ds Iſt der Milzbrand mit Leber⸗ und Milzentzuͤndung ver⸗ bunden, ſo zeichnet ſich dieſer Krankheitszuſtand beſonders da⸗ durch aus: Außerſte Unruhe; eine oder die andere oder auch beide Flanken ſchwellen an, und werden ſchmerzhaft; die Thiere weichen dem Drucke an denſelben aus, ſehen oͤfters an 2. d 18 den Bauch hin, ſchlagen mit dem Schweife daran; der ganze Bauch ſpannt ſich und an den Hinterfuͤßen, oder in der Ge⸗ gend der Nieren, der Leber, der Milz u. ſ. w. entſtehen Kno⸗ ten oder haͤngende Geſchwuͤlſte. Spaͤter wird die Miſtung blutig, es erſcheinen ruhrartige Anfaͤlle. 1 Der Thierarzt Ammon giebt uns die Kennzeichen des Milzbrandes folgendermaßen an: Nicht immer wird dieſe Krank⸗ heit von denſelben Erſcheinungen begleitet. Faſt in jeder Epi⸗ zootie iſt ſie in einigen Faͤllen verſchieden; ja oftmals zeigt ſich in derſelben Epizootie bei vielen Stuͤcken eine Verſchieden⸗ heit in den Krankheitsaͤußerungen. So beobachtet man z. B. bei vielen Kranken Beulen(Brandbeulen) und an andern nicht. Gewoͤhnlich werden die Thiere ſchnell und unvermuthet von dieſer Krankheit befallen. Man bemerkt ſelten vorher ir⸗ gend eine Krankheitsanzeige, weder Traurigkeit, noch Beaͤng⸗ ſtigung, noch beſchwerliches Athemholen, oder ſonſt etwas, was das Daſein oder die Ankunft eines ſo bedeutenden Übels ver⸗ muthen ließe. Auch die Freßluſt bleibt gewoͤhnlich bis kurz vor dem Tode unveraͤndert, ja viele Thiere freſſen noch wie ſeſſunde wenige Minuten vor ihrem Tode. Alle Krankheits⸗ aͤußerungen folgen ſchnell auf einander. Auf einmal ſteht das Thier ſtill, athmet geſchwind und beſchwerlich, aͤchzt, zittert, fallt und ſtirbt. Den krepirten Stuͤcken pflegt gewoͤhnlich Blut aus dem Maule und After zu fließen; doch iſt dies nicht bei jedem Stuͤck der Fall. Allen laͤuft der Leib ſtark auf, und die Faͤulniß macht ſehr ſchnelle Fortſchritte. Bei einem lang⸗ ſamern Gang der Krankheit bemerkt man Verminderung der Freßluſt, Aufhoͤren des Wiederkaͤuens, Zittern des Felles und allgemeinen Schauder. Zugleich entſteht eine nicht eben bren⸗ nende Hitze, und bald darauf fahren Beulen oder breite Ge⸗ ſchwuͤlſte, entweder in der Gegend des Halſes, oder an der Bruſt, oder um die Fuͤße herum auf. Die Augen ſind truͤbe, etwas thraͤnend und feucht, zuweilen entzuͤndet. Die Zunge iſt gelb oder braun, manchmal trocken, manchmal mit Schleim belegt; das Athemholen geht ſchwer. Ohren, Fuͤße und Hoͤr⸗ ner ſind bald kalt, bald heiß, oder nur halb warm. Die Milch nimmt ab, wird zuweilen blutig, oder bleibt ganz aus. Der Harn iſt wenig, truͤb, dunkelroth, bleifarbig. Der Miſt⸗ abgang iſt bald von gehoͤriger Beſchaffenheit, bald waͤſſericht, dunkelbraun, ſtarkriechend, bald hart und wie verbrannt, bald ganz verſtopft. Die Thiere ſtehen ruhig, zeigen keine inner⸗ lichen Schmerzen; einige ſind auf dem Ruͤcken empfindlich und biegen ſich, wenn man ſtark laͤngs dem Nuͤckgrade hin mit der flachen Hand ſtreicht. Der Puls iſt bei dem einen ſchwach 19 und langſam, bei dem andern ſtark und voll. Der Tod iſt bald ganz ruhig, bald mit krampfhaftem Ziehen und Schlagen der Glieder verbunden. Auch dieſe Beſchreibung der Kennzeichen des Milzbrandes gleicht im Weſentlichen der von mir oben angegebenen eben ſo ſehr, wie diejenige, welche Rohlwes vom Milzbrande giebt. Dieſer Schriftſteller giebt uns folgende Kennzeichen dieſer Krankheit an: Das Vieh wird traurig, frißt wenig oder gar nichts; den Kuͤhen vergeht die Milch; die Ohren ſind kalt; es fließt ein zaͤher Speichel aus dem Maule, in welchem letz⸗ teren man zugleich eine uͤbernatuͤrliche Hitze bemerkt; die Haare ſtehen borſtig;z die Augen ſind matt, und es fließt ein zaͤher Eiter aus denſelben. Die Schlaͤge des Herzens ſind hart und geſchwind. Dieſe Erſcheinungen finden ſich jedoch nicht bei allem davon befallenen Vieh, und an einigen ſind ſie kaum zu bemerken; es faͤllt vielmehr um, ehe man ihm Huͤlfe leiſten kann. In ſolchem Fall iſt dann gewoͤhnlich die Milz allein vom Brand ergriffen.. „Deerr Thierarzt Koͤrber, welcher in ſeinem Buche uͤber die Seuchen uns die neueſte Beſchreibung der Kennzeichen des Milzbrandes liefert, theilt dieſe Krankheit ein, wie folgt: 4A) Milzbrandfieber mit ſchnell toͤdtendem Verlauf, Anthrax acutissimus. Gewoͤhnlich dann, wenn der Milzbrand in heißen Som⸗ mern, oder auch in andern Jahreszeiten en⸗ oder epizootiſch auftritt, ſind es die beſtgenaͤhrteſten, kraͤftigſten Thiere, der Bulle, fette Ochſen und Kuͤhe, welche zuerſt davon befallen werden. Bei dieſen nimmt die Krankheit meiſt einen ſo ra⸗ ſchen Verlauf, daß die Thiere todt niederſtuͤrzen, bevor man noch kaum ein Erkranken an ihnen bemerkt hat(mors ante luem). Der Ochſe am Pfluge vollfuͤhrt nun noch munter ſeine Arbeit, der Bulle, die Kuh auf der Weide ſchreiten nun noch munter graſend umher, ploͤtzlich ſtuͤrzen ſie nieder und nach einigen convulſiviſchen Bewegungen ſind ſie todt. Bei dem Eintritt des Todes fließt gewoͤhnlich etwas blutiger Schaum aus Naſe und Maul, und zuweilen etwas ſchwarzes Blut aus dem After. Bei ſpaͤtern Erkrankungen erfolgt der Tod erſt nach 6— 18 Stunden. Die Thiere laſſen ploͤtzlich vom Freſ⸗ ſen ab, fangen am ganzen Koͤrper heftig an zu zittern, ſtellen die Beine auseinander, blicken betaͤubt und traurig vor ſich hin, athmen etwas beſchleunigt und beengt, taumeln bei der Bewegung und zeigen eine dunkelroth gefaͤrbte Bindehaut und eine eben ſolche Farbe der ſichtbaren Schleimhaͤute. Die Haare verlieren ihren Glanz und ſtehen etwas aufgerichtet, ſo daß 2 20 das kranke Thier ein rauhes Anſehen erhaͤlt. Die oberflaͤchlich liegenden Venen erblickt man ſtrotzend gefuͤllt, ſtark hervortre⸗ tend, und beim Unterſuchen des Pulſes findet man die Arte⸗ rien gewoͤhnlich ſehr ſtark aufgetrieben, doch faſt pulslos, oder den Puls wellenfoͤrmig, ſo wie auch der Herzſchlag in den meiſten Faͤllen nicht fuͤhlbar iſt.— Zuweilen werden die Kran⸗ ken auch unruhig, trippeln mit den Fuͤßen hin und her, ath⸗ men ſehr ſchnell und angeſtrengt, ſtoͤhnen faſt anhaltend und bruͤllen auch wohl zuweilen mit angſtvollem Laute. Dabei iſt ihr Auge glotzend hervorgedraͤngt und ihr Blick ſtier und wild. Haͤufig geht ein ſolcher Anfall dem Tode unmittelbar voran, ſo daß ſie waͤhrend deſſelben ploͤtzlich hinſtuͤrzen oder auch wohl auf der Weide vorher eine kurze Strecke vorausrennen und dann unter heftigen convulſiviſchen Bewegungen, wobei ein blutiger Schaum aus Naſe und Maul, und ein ſchwarzes auf⸗ geloͤſtes Blut aus dem After fließt, ſterben. B) Milzbrandfieber mit mehr langſamem Verlaufe. Ohne bemerkbare Vorboten beginnt die Krankheit mit ei⸗ nem allgemeinen Zittern oder theilweiſen leichten Zuckungen der Haut, wobei die Kranken traurig werden und matt ſind, wel⸗ ches man auf der Weide daran bemerkt, daß ſie traͤge und ſchleppend hinter der Heerde herziehen und zuweilen mit ge⸗ ſenktem Kopfe ſtehen bleiben, oder daß ſie im Stalle von der Krippe zuruͤcktreten, und mit geſenktem Kopfe und ſchlaff her⸗ abhängenden Ohren traurig vor ſich hinblicken. Nur in ſelte⸗ nen Faͤllen beginnt die Krankheit mit Unruhe oder Toben, welche ſich dadurch ausſprechen, daß die Kranken im Stalle hin und her trippeln, mit den Fuͤßen ſtampfen, gegen den Bauch ſchlagen, ſich auch wohl niederwerfen und haͤufig bruͤllen, oder auf der Weide unruhig hin und her rennen und ebenfalls bruͤllen und ſich niederwerfen. Auch bemerkt man, vereinigt mit dieſen letztern Symptomen, zuweilen ein krampfhaftes Wenden des Halſes und Kopfes nach der einen oder der andern Seite hin. Mit dem Eintritt der oben genannten Symptome wird das Auge glotzend hervorgedraͤngt, der Blick ſtier und die Bin⸗ dehaut, mit einzelnen vollgefuͤllten Blutgefaͤßen verſehen, erhaͤlt eine ins Gelbliche ſpielende Farbe und zwar vorzugsweiſe in den Augenwinkeln. Das Flotzmaul wird riſſig und mit ein⸗ zelnen waſſerhellen Tropfen beſetzt. Die Naſen⸗ und Maul⸗ ſchleimhaut hat eine hoͤher rothe Farbe, als gewoͤhnlich, und groͤßtentheils zeigt ſich gleichzeitig eine gelbliche Faͤrbung. Bei den meiſten Kranken verliert ſich gleich nach dem Eintritt der Krankheit die Freßluſt. Groͤßtentheils hoͤrt bei dieſen auch das Wiederkaͤuen auf; bei einigen wenigen Kranken bleibt oft die 21 Freßluſt in maͤßigerem Grade und das Wiederkaͤuen noch vor⸗ handen, und verlieren ſich dieſe dann auch gewoͤhnlich erſt kurz vor dem Tode. Der Durſt iſt gewoͤhnlich ebenfalls vermindert. Die Haare ſtellen ſich ſtruppig, und die Haut wird trocken und bald ſehr warm, bald mehr kuͤhl, als im geſunden Zu⸗ ſtande gefunden.— Der Miſtabſatz iſt gewoͤhnlich unterdruͤckt und der Miſt ſelbſt trocken und ſchwarzbraun von Farbe; in ſeltenen Faͤllen wird der Miſt frei entleert und dann iſt er breiig und mit Schleim durchmengt. Der Urin wird in der gewoͤhnlichen Menge abgeſondert und ohne Beſchwerden ent⸗ leert, gewoͤhnlich iſt derſelbe waſſerhell und bildet keinen Bo⸗ denſatz. Die Milchſekretion verliert ſich meiſt gleich nach dem Eintritt der Krankheit gaͤnzlich. Die Abſonderung der Thraͤne iſt ſparſam und die Thraͤne ſelbſt waſſerhell. Die Schleimab⸗ ſonderung der Naſen⸗ und Maulſchleimhaut iſt gering, und der Schleim ſelbſt duͤnnfluͤſſig und waſſerhell.— Der Puls iſt gleich anfangs ziemlich beſchleunigt(55— 65 Pulſe in der Minute), und iſt ſowohl in der Staͤrke der einzelnen Pulſe zu einander, als auch in Betreff der Zeit der Aufeinanderfolge derſelben oft ſehr unregelmaͤßig. Wird ein Aderlaß gemacht, ſo muß die Offnung groß ſein, bevor das Blut aus derſelben ſtroͤmt. Das Blut ſelbſt findet man zaͤhe und ſchwarz von Farbe, und ſtellt man es ruhig hin, ſo gerinnt es zu einem gleichmaͤßigen, ſchwarzen Klumpen. Der Herzſchlag iſt am Anfange der Krankheit gewoͤhnlich unfuͤhlbar, das Athmen beſchleunigt, doch nicht bei allen Kranken gleichmaͤßig beſchleu⸗ nigt, bei einigen findet man 18— 20 Athemzuͤge in der Mi⸗ nute, bei andern in derſelben Zeit 40— 50. Die ausgeath⸗ mete Luft iſt trocken und heiß, und zuweilen iſt gleichzeitig ein kurzer, trockner Huſten zugegen, welcher die Kranken ſehr beengt, ſo daß ſie ihn zu unterdruͤcken ſuchen.— Die Kran⸗ ken magern raſch ab, wobei ihr Haar immer ſtruppiger wird. Die Ohren und Fuͤße fangen an, allmaͤlig andauernd kalt zu werden. Die Traurigkeit und die Ermattung der Kranken machen raſche Fortſchritte; zuletzt wird die Entkraͤftung ſo groß, daß ſie nicht mehr aufſtehen koͤnnen. Im Verlaufe des Ruͤk⸗ kens bilden ſich unter der Haut, welche ſonſt feſt anliegt, Windgeſchwuͤlſte, welche beim Streichen uͤber dieſe Stellen kni⸗ ſtern. Der Hinterleib wird trommelſuchtartig aufgetrieben. Das Auge ſinkt tief in die Augenhoͤhle zuruͤck; die Bindehaut verliert ihre erhoͤhte Roͤthe und wird gelblich bleich; der Blick wird matt, erſtorben, die Thraͤne kleberig und haͤngt ſich an den Augenliedern feſt. Der Ausfluß aus der Naſe wird reichlich, ſchleimig, ſtinkend und iſt zuweilen von Blutſtriemen durchzo⸗ 22 gen. Das Maul fuͤllt ſich mit Schleim, der in Faͤden herab⸗ ſpinnt. Der Miſt wird nach und nach fluͤſſiger und haͤufiger abgeſetzt, endlich wird er ganz duͤnnfluͤſſig, braun von Farbe, von ſehr ſtinkendem Geruch, mit aufgeloͤſtem Blute vermengt und faſt unwillkuͤhrlich entleert, wobei der After halb geoͤffnet bleibt. Der Puls wird immer mehr und mehr beſchleunigt, bis zu 80— 100 Schlaͤgen in der Minute, ſchwach, unregel⸗ maͤßig, ausſetzend. Das nun aus der Ader gelaſſene Blut iſt mehr duͤnnfluͤſſig, theerartig, ſchwarz, und bleibt eben ſo, wenn es auch ruhig hingeſtellt wird, oder ſcheidet doch nur ſehr wenig Blutwaſſer ab. Der Herzſchlag wird pochend. Das Athmen bleibt, wie fruͤher beſchleunigt und wird roͤchelnd. Die ausgeathmete Luft wird immer mehr und mehr ſtinkend. Nachdem ſo die Symptome bald einige Stunden nur, bald 2— 3 Tage gedauert, erfolgt unter Convulſionen der Tod.— Zuweilen wird bei den genannten Symptomen ein mit Blut vermengter Miſt abgeſetzt und findet man dann bei der Section gewoͤhnlich im Maſtdarm coagulirtes Blut und ebenfalls Blut⸗ extravaſate in der Gegend der Lendenmuskeln. Dieſe Symptome haben den Namen Ruͤcken⸗ oder Lendenblut bedingt. Innig vereinigt mit den angegebenen Symptomen des Milzbrandes findet man ſehr haͤufig und namentlich, wenn der Verlauf der Krankheit nicht allzu raſch iſt, an verſchiedenen Stellen des Koͤrpers eigenthuͤmliche Beulen und Geſchwuͤlſte. — Dieſe Zuſammenſtellung der von den beſten Schriftſtellern, die uͤber dieſen Gegenſtand ſchrieben, angegebenen Kennzeichen des Milzbrandes beweiſen hinlaͤnglich, daß dieſe verheerende Krankheit zwar ſehr verſchieden auftreten kann, aber in ihren Symptomen doch ſtets ſo große Ahnlichkeit hat, daß ſie von Sachkundigen nicht leicht verkannt wird.. Kauſch will freilich die Section und deren Befund als das ſicherſte Zeichen des herrſchenden Milzbrandes anerkannt wiſſen, und da allerdings die Section ein entſcheidendes Zei⸗ chen abgiebt, ſo werde ich in einem der folgenden§§. die Data angeben, die nach meinen Erfahrungen und nach denen Ande⸗ rer ſich herausgeſtellt haben. Doch zuvor muß ich, um die Kennzeichen des Milzbrandes nach den verſchiedenen Schrift⸗ ſtellern vollſtaͤndig zu liefern, uͤber die Beulen und Geſchwuͤlſte, die ſich haͤufig waͤhrend der Krankheit ausbilden, Einiges an⸗ geben. Bei der homoͤopathiſchen Behandlung des Milzbrandes war es nie noͤthig, da, wo ſolche Beulen entſtanden, dieſelben zu oͤffnen. Da uͤberdies dies Zeichen der Krankheit meinen Beob⸗ achtungen hier in der Wetterau ſich ſelten darbot, ſo kann ich 23 in dieſer Hinſicht nur die Beobachtungen und Erfahrungen Anderer hier anfuͤhren. 1: Die Beulen und Geſchwuͤlſte, die ſich an den verſchiede⸗ nen Theilen des Koͤrpers bilden, erſcheinen 1) in dem Maule unter der Geſtalt von kleinen Blaſen, welche ſich bald oͤffnen, und eine außerordentlich aͤtzende Feuchtigkeit er⸗ gießen, welche alle Theile, die ſie beruͤhrt, zerſtoͤrt und Geſchwuͤre hervorbringt, die durch ein immer weiteres Umſichfreſſen hoͤchſt gefaͤhrlich werden. Dies iſt die unter dem Namen Zungenkrebs (Glossanthrax nach Sauvages) beruͤchtigte Krankheit. Die mit ſcharfer Feuchtigkeit gefuͤllten Blaſen und Blattern ſind anfaͤnglich roͤthlich, weißgelb und durchſichtig, werden aber bald gelbbraun, bleigrau, ſchwarz, nehmen an Umfang ſchnell zu, freſſen immer tiefer unter ſich und um ſich, ſo daß die Zunge ſtuͤkweiſe durch Brand zerſtoͤrt abfaͤllt. Das Thier ſtirbt meiſt in 24 Stunden. 1nen. 2) Auf der Oberflaͤche des Koͤrpers. 1 a) Unter der Geſtalt wirklicher Karfunkeln, welche bei⸗ nah, ſo wie ſie ſich gebildet haben, brandig werden, und deren eigenthuͤmlicher und beſonderer Charakter darin be⸗ ſteht, daß ſie ſich nie durch eine gute Eiterung entſcheiden. b) Unter der Geſtalt von Bubonen, welche ihren ge⸗ woͤhnlichſten Sitz in den Druͤſen der Achſeln und der Wei⸗ chen haben, und binnen einigen Stunden, wenn man ſie nicht bald oͤffnet und brennt, einen ungeheuren Umfang erhalten. c) Unter der Geſtalt von lym hatiſchen, emphyſemati⸗ ſchen Geſchwuͤlſten, welche ſich Danhatiſchen e jeuut⸗ keit unter der Haut ausdehnen, daß ſie oft in ſehr kurzer Zeit dieſelbe in ihrem ganzen Umfange in die Hoͤhe heben. Kauſch in ſeinen neuen Erfahrungen uͤber den Lungen⸗ brand beobachtete vorzuͤglich dreierlei Arten von Geſchwuͤlſten. Die eine iſt eine unbeſchreibliche ſpeckige Haͤrte, die wie ein groͤßeres oder kleineres Brod in umſchriebener Rundung auf dem Koͤrper hervorſteht, faſt ohne Hitze, ohne Schmerz, beim Einſchneiden faſt ohne Empfindung iſt, und in ihrem Innern einen weißen Speck enthaͤlt. Die zweite Gattung von Beu⸗ len iſt weich, nicht umſchrieben, oft ſchwappend und immer ohne Hitze, enthaͤlt im Zellgewebe eine. gelbe Gallert. Die Fetthaut iſt, wie die Leichenoͤfnungen zeigen, an dieſen Stel⸗ len oft blutig, ſieht auch nicht ſelten einem cruoriſchen Extra⸗ vaſate aͤhnlich. Die Druͤſen unter demſelben, wie z. B. an den Schenkeln, um den Hals ſind dann im hoͤchſten Grade brandig, ſo auch das nahe liegende Fleiſch brandig. Die 24 dritte Gattung betrifft dem Orte nach einen oder den andern Schenkel; iſt mit Hitze verknuͤpft, und man ſieht, daß das Vieh vor Schmerz nicht recht auf dieſen Fuß, den es betrifft, auftreten koͤnne, es muß alſo nothwendig hinken. Schon beim Anruͤhren aͤußert das Thier Schmerz. Die Haͤrte derſelben iſt geringer, als bei der erſten, und groͤßer, als bei der zwei⸗ ten Gattung. Sie breitet ſich meiſt uͤber den ganzen Schenkel aus. Kauſch beobachtete, daß dieſe Geſchwulſt, ohne daß die Haut geborſten war, eine Art von talgiger Fettigkeit aus⸗ ſchwitzte. Dieſe Fettigkeit traͤufelte auf den Fuß, und dort coagulirte ſie ſich in Form einer unſchlittartigen Maſſe. Ganze Jahrgaͤnge beobachtete Kauſch, wo an keinem Stuͤck Beulen zum Vorſchein kamen, auch entſtehen keine, wenn die Krankheit ſchnell in wenigen Stunden toͤdtet, oder ſie zeigen ſich erſt, wenn das Thier im Begriff iſt zu ſterben; oft erſcheinen ſie erſt, wenn die Krankheit anhaͤlt, und man kann daher bei einem Stuͤck, bei welchem Beulen entſtehen, und welches nicht bald ſtirbt, Hoffnung zur Beſſerung haben. Wenn die Beulen am Kopfe, oder am Halſe ausbrechen, er⸗ folgt oft in kurzer Zeit der Tod; brechen ſie am Hinterſchenkel oder Bruſtlappen aus, ſo kommen die Stuͤcke meiſt davon. Am Hodenſacke und am Bauche deuten Geſchwuͤlſte immer auf Gefahr. Entſtehen die Beulen vorn, ſo will man beobach⸗ tet haben, daß die Zunge vorzuͤglich brandig ſei. .§. 5. Von den Kennzeichen des Milzbrandes bei den Schafen. Bei den Schafen nennt man die Krankheit hitzige Schaf⸗ krankheit, das heiße Blut, Blutſeuche, Blutkrankheit, Milz⸗ blutkrankheit, Sommerſeuche, am gewoͤhnlichſten Milzbrand, auch Blutſtaupe. 1 Unter den Schafheerden wuͤthete der Milzbrand in hieſi⸗ ger Gegend in den letzten Jahren noch weit aͤrger, als unter dem Hornvieh. Die Thiere ſtarben in der Regel ſchnell. Oft nahm man vor dem Tode aͤußerſt wenige oder gar keine Kenn⸗ zeichen der Krankheit wahr. Stilleſtehen, Zucken, Zittern, Fallen und Sterben geſchah haͤufig in wenigen Minuten.— 25 Bei denen, die mehrere Stunden oder einen Tag lang vor dem Tode Kennzeichen der Krankheit verriethen, nahm man folgende Krankheitserſcheinungen wahr. Das Schaf wird trau⸗ rig, matt und hinfaͤllig; iſt es unter der Heerde, ſo bleiht es gern zuruͤck, kann mit den uͤbrigen nicht fort, bleibt mit her⸗ abhaͤngendem Kopf ſtehen oder legt ſich nieder, und kann nicht wieder aufſtehen; es zittert am ganzen Koͤrper beim Stehen, und iſt, hat es ſich gelegt und wird auf die Beine geſtellt, wie lendenlahm, es geht auffallend langſam, taumelnd, ſteht bald wieder ſtill, bis es ſeitwaͤrts wieder niederfaͤllt. Die Au⸗ gen ſind voll Waſſer, ſpaͤter voll klebrigen Schleims, wodurch ſie zukleben und glaͤſern. Aus der Naſe fließt ein ſchleimig gelblicher oder gelblich weißer Schleim.Haͤlt man das Maul und die Naſe zu, ſo geht blutiger Urin oder Blut anſtatt Urin unwillkuͤhrlich ab. Der Athem iſt beengt. Bei einigen fuͤhlt man hie und da Knoten durch die Wolle. 3 „Nach den Beobachtungen Anderer ſind die Augen ſtarr glaͤnzend und hervorſtechend, die Schnauze iſt trocken und hochroth, das Athmen ſehr aͤngſtlich und geſchieht nur mit dem „Bauche. Am Schaͤdel entſteht eine Geſchwulſt, die in der all⸗ gemeinen Decke ihren Sitz hat und uͤber den ganzen Kopf ſich verbreitet. Dabei fließt ſchaumiges Blut aus der Naſe und dem Maule, es erfolgen Zuckungen und unerwartet ſtirbt das Thier in kurzer Zeit. Bisweilen wird die ganze Haut bren⸗ nend heiß, und es erſcheint am Kopfe, am Halſe und Ruͤcken ein rothlaufartiger Ausſchlag mit und ohne Blaͤschen, der bald mißfarbig wird. Das Athmen iſt keuchend und kalt, und un⸗ ter Zuckungen endet das Thier ſein Leben. Bei Vielen kann man bald zu Anfange der Krankheit an den duͤnn bewollten Stellen rothe Punkte und Tupfen ſehen, oder ſandartige koͤr⸗ nige Erhabenheiten fuͤhlen. § 6. Kennzeichen des Milzbrandes bei den Pferden. Auch hier faͤngt die Krankheit oft mit Traurigkeit an; dann bemerkt man die Augen truͤbe, ſtier; der Athem wird tiefer als gewoͤhnlich geholt, das Thier ſtoͤhnt, der Rachen iſt 26 heiß, die Zunge gelbſchleimig belegt; die Ohren und Fuͤße ſind kalt, entweder iſt jede Freßluſt verſchwunden, oder das Thier frißt mit großer Begierde und knirſcht dabei mit den Zaͤhnen; der Athem iſt kalt und ſtinkend; es fließt auch wohl mißfarbiger Schleim aus der Naſe; es kollert im Leibe; eini⸗ gen ſchwellen die Hinterfuͤße, oder es fahren ſchwache Ge⸗ ſchwuͤlſte am Bauche oder vor der Bruſt auf, die zuweilen wieder vergehen oder ſich vergroͤßern oder auch ſchnell vergehen, worauf ſchneller Tod erfolgt. Es ſtellen ſich auch wohl Bla⸗ ſen und Blattern innerhalb der Schenkel ein, aus denen blu⸗ tiges Waſſer rinnt; es laͤuft Blut aus der Naſe, ein ominoͤ⸗ ſes Zeichen, denn ſehr bald ſtuͤrzen die Pferde todt nieder. Der Kopf haͤngt tief herab, die Fuͤße ſind tief unter dem Leib ge⸗ ſtellt; die Haare ſtruppig; Hitze wechſelt mit Froſt; dann ent⸗ ſteht brennende Hitze; die Haut zuckt, es tritt kalter zaͤher Schleim ein; die Augen werden geroͤthet, ſind lichtſcheu; das Gehoͤr vermindert; der Bauch wird aufgetrieben und geſpannt. In den Augenwinkeln ſammelt ſich ein ſchmieriger Schleim; aus der Naſe fließt ein brauner, blutiger, ſchwaͤrzlicher Schleim; eine ſtinkende duͤnne Jauche fließt aus dem Maſtdarme. Die Hautzuckungen, ſo wie die Bauchaufblaͤhung nehmen immer mehr zu; es entſteht oft eine Geſchwulſt am Vorderkopf, un⸗ ter den Ganaſchen, an der Bruſt, an den Fuͤßen, auf dem Ruͤcken, an den Hinterbacken. Die Geſchwulſt am Kopfe dehnt ſich bisweilen ſehr aus bis zur Unfoͤrmlichkeit, das Schlin⸗ gen und Kauen wird unmoͤglich. Gliedmaßen werden gelaͤhmt, je nachdem die Geſchwuͤlſte ihren Sitz genommen haben. Ei⸗ nige verrathen alle Zeichen des Kollers, entweder des raſenden, oder auch des ſtillen Kollers, ſchieben beſtaͤndig mit dem Leib vorwaͤrts, ſtecken den Kopf in den Barren, ſtampfen und tre⸗ ten mit den Fuͤßen oder ſind immer betaͤubt, ſtumpfſinnig, tau⸗ melnd. Andere geben Zeichen von Kolikſchmerzen mit Leibes⸗ verſtopfung verbunden, ſcharren mit den Fuͤßen, waͤlzen ſich, ſind traurig und ſchwellen hie und da an. Andere athmen ſehr beſchwerlich, huſten dumpf und ſchmerzhaft, jeder Druck an der Bauchgegend iſt ſehr empfindlich und vermehrt den Huſten, ſie koͤnnen ſich nicht legen; laͤngs den falſchen Rippen bildet ſich bei jedem Athemzuge eine tiefe Rinne; es entſtehen neue Ausſchlaͤge, Anſchwellungen und Windgeſchwuͤlſte, krebs⸗ artige Geſchwuͤre auf der Zunge.— Zu den vorherrſchenden Kennzeichen des Milzbrandes bei Pferden wird der mißfarbige roͤthliche Naſenausfluß gerechnet, und deshalb die Krankheit von einigen franzoͤſiſchen Arzten akuter Rotz(morre aigue) ge⸗ nannt. Der Puls iſt klein, ſchwach und ſehr beſchleunigt 27 (70— 80 Schlaͤge in der Minute). Das aus der Arterie ge⸗ laſſene Blut iſt ſchwaͤrzlich; die Venen ſind ſehr aufgetrieben und der Herzſchlag iſt meiſt unfuͤhlbar. Auch bei den Pferden zeigt ſich beim Eintritt des Todes meiſt blutiger Ausfluß aus dem After und blutiger Schaum um die Naſenloͤcher herum. §. 7. Kennzeichen des Milzbrandes bei den Schweinen. Auch bei den Schweinen kommt die Krankheit ſehr haͤu⸗ fig vor und es ſterben eine große Anzahl derſelben an dem Milzbrande. Meinen Beobachtungen zufolge herrſcht die Krank⸗ heit mehr da unter den Schweinen, wo das Hornvieh weniger vom Milzbrande angegriffen wird. Im Verlauf dieſes Som⸗ mers ſtarben viel Schweine an dem Milzbrande in Ortſchaf⸗ ten, wo das Hornvieh von der Krankheit ganz verſchont blieb. Man bemerkt bei der ſehr akut verlaufenden Krankheit ſehr oft gar kein Symptom vom Krankſein vor dem Tode. Die Thiere kommen Abends munter und friſch aus dem Felde und fallen auf den Hoͤfen ploͤtzlich todt nieder, bisweilen in bedeu⸗ tender Anzahl, ſo daß ſolcher Todesfaͤlle 6— 8 ſchnell auf ein⸗ ander folgen. Selten dauert die Krankheit uͤber 12 Stunden. Wenn die Thiere nicht ploͤtzlich ſterben, ſo hoͤren ſie ploͤtzlich auf zu freſſen, werden aͤngſtlich, fahren mit dem Ruͤſſel hin und her oder wuͤhlen in der unter ihnen liegenden Streu, bekommen am Halſe, am Bauche, zwiſchen den Hinterbeinen rothe Strei⸗ fen, welche in einer bis zwoͤlf Stunden blau werden, worauf der Tod ſchnell erfolgt. Bei den meiſten Thieren bemerkt man große Hitze im Kopfe, erſchwertes und bald unmoͤgliches Schlingen; es bildet ſich auch wohl eine entzuͤndete Geſchwulſt am Halſe, die ſich oft uͤber den Kopf, die Bruſt und den Bauch verbreitet und nie in Eiterung uͤbergeht.— Bisweilen entſteht eine erbſengroße, rundlichte, weiße Blaſe, die bald ſchwarz wird und den Tod nach ſich zieht. Vor dem Entſte⸗ hen dieſer Blaſe zeigen die Thiere Mattigkeit, laſſen den Kopf haͤngen, liegen beſtaͤndig, knirſchen mit den Zaͤhnen, und haben beinahe alle Empfindung verloren. Dieſe Krankheits⸗ 28 form, die Rohlwes als eine fuͤr ſich beſtehende angiebt, nennt man Ranky, Nankkorn, Gerſtenkorn. An der aͤußern Seite des Halſes entſteht bei einigen eine kleine nicht ſehr erhabene Brandbeule, die, weil ſich die Borſten an dieſem Orte blei⸗ chen und aufſtraͤuben, die weiße Borſte genannt wird.— Endet die Krankheit nicht ſo ſchnell, und dauert 1— 3 Tage, ſo bemerkt man an den Thieren Schwaͤche des Muskularſy⸗ ſtems; der Schwanz, der in geſunden Tagen geringelt iſt, haͤngt lang herab; die Borſten ſtraͤuben ſich; die Temperatur des Koͤrpers wechſelt oft, bald fuͤhlt man Hitze, bald Kaͤlte an den Thieren; Stuhlverſtopfung iſt gegenwaͤrtig, oder die Exkremente gehen trocken, knotig, auch mit Schleim uͤber⸗ zogen ab; wenig oder gar keine Freßluſt und Durſt wird wahrgenommen; eine Hitze verbreitet ſich uͤber den ganzen Koͤrper; die Fuͤße zeigen Laͤhmigkeit; das Thier liegt meiſtens, oder geht ſchwankend und taumelnd; es erbricht das Genoſſene oder gelbe Maſſen; es wuͤhlt ungeduldig mit dem Ruͤſſel in der unter ihm liegenden Streu; die Haut wird wulſtig, ein Aus⸗ ſchlag entſteht, der anfangs roͤthlich iſt, aber ſehr bald ſchwarz wird; das Athmen iſt kurz und keuchend, oft bilden ſich kleine brandige Geſchwuͤre im Maule, endlich beſchließen Convulſio⸗ nen die Scene. Man nennt die Krankheit bei den Schwei⸗ nen Milzbrand, Rothlauf, Roſe, Antoniusfeuer, wildes Feuer. Hier in der Wetterau wird der Milzbrand der Schweine haͤufig mit der Braͤune verwechſelt. Dieſe Ver⸗ wechſelung, welche leicht wegen AÄhnlichkeit beider Krankheits⸗ formen vorkommen kann, fuͤhrt den Arzt in der Behandlung irre, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Die Braͤune wird mit andern Mitteln geheilt, als der Milzbrand. §. 8. Von den Kennzeichen des Milzbrandes beim Federvieh. Die Huͤhner werden traurig, verſagen das Futter, die Federn ſind geſtraͤubt, die Kaͤmme mehr kalt, entfaͤrbt, eben ſo wie die Fuͤße, zuletzt werden die Kaͤmme blau, ſchwarz, am Kopfe oder am Leibe fahren brandige Geſchwuͤlſte auf, unter Convulſionen fallen ſie endlich um und ſterben. 29 Die welſchen Huͤhner werden gleichfalls vor Ausbruch des Milzbrandes traurig, ſtraͤuben die Federn, freſſen nicht, endlich ſchwillt ihnen der Kopf oder die Zunge an; dieſe Theile werden blau, ſchwarz, brandig, und die Thiere fallen todt nieder. Die Gaͤnſe werden matt, traurig, freſſen nicht, hinken im Gehen, machen mit dem Kopfe unregelmaͤßige Bewegun⸗ gen, erheben den Ruͤcken, und zeigen ſich am ganzen Koͤrper ſehr empfindlich. Endlich zeigt ſich der Brand am Schnabel, an der Zunge, an der Schwimmhaut der Fuͤße, unter hefti⸗ gem Durchfall fallen ſie todt nieder. H9. Von der Diagnoſe des Milzbrandes. Von der Rindviehpeſt unterſcheidet ſich der Milzbrand: 1) Der Milzbrand befaͤllt nicht allein das Hornvieh, ſon⸗ dern alle Hausthiere, waͤhrend die Rindviehpeſt nur das Hornvieh ergreift. 11e 2) Der Milzbrand toͤdtet in der Regel viel ſchneller als die Rindviehpeſt, welche ſelten vor dem 4— 5 Tagge toͤdtet. 3) Der Milzbrand geht nicht ſo ſchnell und beſtimmt von einem Stuͤck zum andern uͤber, ſondern toͤdtet bald hier, bald dort ein Stuͤck, oft nur in einer Heerde ein einziges Stuͤck. Die Rindviehpeſt ergreift ein Stuck nach dem andern, iſt 5 inmnal ausgebrochen, und leert in der Regel den ganzen all. A 9 4 151 1 K 1190 ¹ S 4) In den Gegenden, wo der Milzbrand vorzuͤglich mit Beulen und Geſchwuͤlſten auftritt, geben dieſe ein charakteri⸗ ſtiſches Unterſcheidungszeichen von allen uͤbrigen Viehkrankhei⸗ ten, ſo wie auch von der Rindviehpeſt. 5) Bei der Section der am Milzbrande geſtorbenen Thiere finden wir die im naͤchſtfolgenden§. angegebenen cha⸗ rakteriſtiſchen Data, die man bei der Rindviehpeſt nicht antrifft. Vom ploͤtzlich eingetretenen Schlagfluß unterſcheidet man den Milzbrand ſehr leicht durch die Section; denn bei er⸗ ſterem finden wir die Organe nicht zerſtoͤrt, wie bei letzterem. 30 In den Faͤllen, in welchen die Symptome und der ganze Verlauf der Krankheit nicht ausreichen ſollte, um die Diagnoſe richtig und ſicher zu ſtellen, werden die Sectionsdata die ent⸗ ſcheidenden Momente zur Sicherſtellung einer richtigen Diagnoſe liefern.— Von der chroniſchen Lungenſeuche des Rindviehes unterſcheidet ſich der Milzbrand ſchon allein durch ſeinen ra⸗ ſchen Verlauf. 25 5 §. 10. Von der Section. Meinen Beobachtungen nach lieferten die Sectionen fol⸗ gende Data. Die Milz war durchgaͤngig bei jedem Stuͤck ent⸗ weder mehr als noch einmal ſo groß oder doch wenigſtens un⸗ gleich groͤßer, als im normalen Zuſtande; das aͤußere Anſehen derſelben war dunkel, ſchwarzbraun, oder auch mit ſchwarzen Flecken uͤberzogen; die Subſtanz war breiig, ſchwarzz ſtach man in die Milz, ſo floß eine ſchwarzbraune Jauche mit ſchwarzbraunem Blute vermiſcht heraus.— Die hie und da bis⸗ weilen mit Brandflecken verſehenen duͤnnen und dicken Gedaͤrme waren mit dunklem Blute angefuͤllt.— Nur bei ſehr wenigen fand ſich die Lunge theilweife dunkel, welk und weich und brandig, bei den meiſten war an den Lungen keine Ahnormi⸗ taͤt wahrzunehmen.— Am Magen, an der Leber konnte man ebenfalls nichts Krankhaftes beobachten. In einem Falle be⸗ merkte man an den Nieren Spuren von Entzuͤndung und Brand. In einem Falle wurde im Gehirn eine ungewoͤhn⸗ liche Menge gelben Waſſers vorgefunden und die Hirnſubſtanz ſelbſt war hie und da mit ſchwarzen, einen Kreuzer großen Flecken verſehen.— Unter dem Felle ſah man theils hie und da angehaͤufte gelbe ſulzige Maſſen und groͤßere oder kleinere Mengen dunkelrothen, faſt ſchwarzen, geronnenen Blutes. Nach dem eingetretenen Tode floß aus dem After Blut, bei vielen aus der Naſe und dem Maule. 29905 2 Kauſch, in ſeiner Preisſchrift, giebt folgende Sections⸗ data an:—. „Meiſt ſind die Thiere von Luft aufgeblaͤhet, der Geſtank bei der Section uͤbertrifft, auch wenn ſie in ſehr kurzem Zeit⸗ 31 raume nach dem Hinſcheiden geoͤffnet werden, faſt Alles, was man vom ſchnellen Fortſchritt der Faͤulniß bei andern Rind⸗ viehkrankheiten beobachtet. Gelbes Waſſer,(welches von Kauſch als etwas ganz Charakteriſtiſches im Milzbrande angefuͤhrt wird, und welches nach ſeinen Beobachtungen beſonders haͤufig bei je⸗ nen Stuͤcken gefunden wird, die der Tod nicht ſo jaͤhling hinrafft) ſieht man vorzuͤglich in der Gegend der Druͤſen, um die großen Druͤſen der Schenkel, welche dann von geliefertem Blute ſtrotzen und mit Austretungen des Blutes in der Celluloſa verbunden ſind. Das Abloͤſen der Schenkelknochen, beſonders der vor⸗ dern, iſt daher niemals zu nteteſſen⸗ damit jene Druͤſen ge⸗ ſehen werden koͤnnen. Die Verwuͤ ung, welche man hier fin⸗ det, zuſammt der blaurothen oder violetten Fleiſchfarbe der in der Naͤhe des gelben Waſſers liegenden Muskeln entſcheidet fuͤr das Daſein des Milzbrandes ſchon allein mit großen Gruͤn⸗ den. Eben ſo haͤufig findet man in dem Fette, welches die Luftroͤhre und die Speiſeroͤhre umkleidet, eben dieſe Erſcheinun⸗ gen; dort ſahe ich die Blutertravaſate noch im hoͤheren Grade; das Blut iſt auch hier kohlſchwarz. Das Muskularfleiſch um die Beulen herum hat eine blaurothe, violettblaue Farbe, an welcher Farbe mehr oder weniger die geſammte Fleiſchmaſſe Theil nimmt. Bei Offnung der Bruſthoͤhle findet man das Herz im natuͤrlichen Zuſtande, die Lunge iſt zuſammengefallen, weich welk, blauroth, violettblau; ſchneidet man in die Sub⸗ ſtanz, ſo iſt ſie inwendig noch dunkelfarbiger; an vielen Stel⸗ len gleicht ſie einem geronnenen Blutklumpen, ſie iſt mithin voͤllig brandig. So iſt die Lunge beſtaͤndig. In der Bruſt, ſo wie auch im Unterleibe, iſt das Blut kohlſchwarz und aufge⸗ loͤſt. Die Eingeweide des Unterleibes zeigen ſich nach der Offnung deſſelben im Allgemeinen durchaus mehr oder weniger entzuͤndet und an der faulen Aufloͤſung des Blutes theilneh⸗ mend; daher allenthalben, beſonders wo die Fetthaut die Druͤ⸗ ſen umhuͤllt, jene Erſcheinungen des Karbunkelcharakters auch im Abdomen bemerklich ſind. Der Panzen iſt, wie in allen Epizootien, wo das Wiederkaͤuen aufhoͤrt, voll gruͤnen Fut⸗ ters, das innere Haͤutlein(tanica villosa) ſchaͤlet ſich großentheils ab. Hie und da giebt es rothe große Streifen und Flecke. Eben ſo iſt der Netzmagen beſchaffen. Das Buch enthaͤlt in ſeinen Blaͤttern, die auch mehr oder weniger etwas entzuͤndet ſind, einen im hoͤheren oder mindern Grade trockenen Kuchen. Der vierte Magen iſt immer über und uͤber ſehr brandartig, dun⸗ kelroth, violettblau. So iſt er aber auch in jeder andern Epizootie. Die duͤnnen Daͤrme ſind aufgerieben, ihre Haͤute ſind oft durchſichtig und gleichen einem ausgeſpritzen Praͤpa⸗ 32 rate, oft ſind ſie wieder viel dunkler und zeigen auf einen ho⸗ hen Grad des Brandes. Dann fand ich die Sammethaut uͤber und uͤber mit dunkelgrauen Punkten uͤberſaͤet, hie und da Blutflecke auch im Meſenterium, beſonders um die Druͤ⸗ ſen. Die dicken Daͤrme ſind aͤußerlich groͤßtentheils entzuͤndet oder brandig; inwendig, beſonders gegen den After hin, findet man Blut in denſelben. Von der Leber, der Gallenblaſe und den Nieren iſt nichts Beſonderes anzugeben. Der Milz iſt in ſeiner aͤußern Flaͤche oft mit Blutflecken und Extravaſaten eben wie andere Theile beſetzt; angelaufen iſt er zuweilen, aber oft auch nicht; nicht ganz ſelten iſt daher das Außere des Milzes voͤllig natuͤrlich. Seine Subſtanz iſt faſt immer ſo weich, daß die Einſchnitte gleich einem Fliedermuße zuſammenfließen. Aus dem Maule und dem offen ſtehenden After der Thierleichen fließt Blut.“— ednon Adami giebt uns Folgendes uͤber die Section an:„Bei den meiſten geoͤffneten Stuͤcken hat man die Milz von vielem ſchwaͤrzlichen Blute ſtrotzend, 2— 3 Mal groͤßer und ſehr muͤrbe angetroffen; bei einigen aber an den innern Bauchhoͤhl⸗ waͤnden große Geſchwuͤlſte, die braungelblichte Jauche in ſich enthielten; bei manchen Stuͤcken konnte man hingegen weder dieſe, noch eine andere merkliche Veraͤnderung oder Verwuͤſtung an irgend einem Theile bemerken, außer daß die Milz alle⸗ mal, wenn ſie auch nicht groͤßer ausſah, dennoch muͤrber und ſchwaͤrzlicher war.“— ionAmn ai 4 Will giebt folgende ſehr bemerkenswerthe Sectionsdata an:„Die Eroͤffnung eines am Ende des erſten Krankentages geſchlagenen Stuͤck Viehes zeigte die Gallenblaſe von waͤſſe⸗ richter Galle angefuͤllt, die erſten Wege unrein, die Milz an⸗ eſchwollen, mit vielen rothen Flecken an ihrer Oberflaͤche.— Gäſchah aber dieſe Offnung zu Ende des zweiten Tages, ſo war die Galle ihrer natuͤrlichen Beſchaffenheit nach noch mehr verdorben, die erſten Wege noch unreiner und mit ſtinkender Jauche angefuͤllt; die rothen Flecken auf der Milz waren breiter und tiefer und von einer braunſchwaͤrzlichen Farbe. In der Bruſt zeigte ſich gelbes, hie und da gelbgruͤnliches Waſſer. Wurde dagegen das kranke Thier ſich ſelbſt uͤberlaſſen, dann ſtarb es meiſtens zu Ende des dritten, auch den vierten Tag. Die Milz war dann vermodert. Die Oberflaͤche derſelben ſchwarz⸗ blau, ſugillirt und ſehr oft mit ſchwaͤrigen Blaſen, die eine ſehr ſtinkende Jauche enthielten, beſaͤet; die anliegenden Ge⸗ daͤrme waren entzuͤndet; der Theil des Magens nach dem Verlauf der vasa brevia brandig; die Bruſthöhle, beſonders der Herzbeutel, enthielt viel gelbes, uͤbelriechendes Waſſer, 33 4G was ſich der ganzen Lunge der Luftroͤhre nach bis in den Kehlgang wie eine Sulze fortzog; das Blut war ganz aufge⸗ loͤſt, und das Fleiſch, oder vielmehr das Zellgewebe am gan⸗ zen Hinterleibe und am Halſe gelbgrüͤnlicht unterlaufen. Die⸗ jenigen Thiere, die am ſogenannten Milzbrande ſtarben, liefer⸗ ten dieſe Sectionsdata. Bei denen, die am fliegenden Brande ſtarben, war ſtets Brand zu finden, nur nie in einem Einge⸗ weide beſtimmt, wie bei am Milzbrande verſtorbenen Thieren. Denn in dieſem Stuͤcke war das Herz, in einem andern das Gehirn und Nuͤckenmark, im dritten die Lunge, im vierten die Leber, im fuͤnften die Milz, im ſechſten der Magen und die Gedaͤrme, im ſiebenten, beſonders bei maͤnnlichen Pferden, die Zeugungstheile, bei Wallachen der Schlauch, bei Stuten und Kuͤhen hingegen die Milchwerkzeuge, die aͤußern Zeugungs⸗ theile u. ſ. w. allein, oder auch mit den nahe liegenden Thei⸗ len mit Brand belaͤſtigÄt.— Bei Thieren, welche kolleriſch ſchienen, fand ſich bei der Obduction gelbes Waſſer in den Hoͤhlen des Gehirns; bei denen, welche raſ'ten, fand man das große und kleine Gehirn entzuͤndet; diejenigen, welche Magen⸗ beſchwerden verriethen, zeigten entzuͤndete und brandige Stel⸗ len im Magen und in den kleinen Gedaͤrmen;— die Lungen wurden brandig gefunden bei denjenigen, welche ploͤtzlich von einem ſtarken Huſten befallen worden waren, und laborios athmeten; ſphazeloͤs war der Uterus in den Kuͤhen, welche verwerfen zu wollen ſchienen, und diejenigen, an welchen man Laͤhmung der Lendengegend beobachtet hatte, zeigten mehr oder weniger Gangraͤn des Ruͤckenmarks.“— Von Am⸗Pach giebt uns folgende Sectionsdata an:„Die gefallenen Thiere, die meiſtens ſehr aufgedunſen ſind, und bei welchen aus dem Maule, der Naſe und dem After Blut, gelblichter Schaum oder Jauche ausfließt, gehen ſchnell in Verweſung uͤber, wodurch es geſchieht, daß die Section nicht nur beſchwerlich wird und keine ſichern Reſultate mehr giebt, ſondern daß ſelbſt der Menſch, der die Section vornimmt, in Gefahr, ſeine Geſundheit und ſein Leben zu verlieren, ge⸗ raͤth. Der Geſtank, der ſich verbreitet, iſt oft unertraͤglich.— Die Haut findet man mit Blutſtriemen und Flecken beſetzt und uͤber die Hautmuskeln breitet ſich ein bald mehr, bald weniger waͤſſerichter Schleim aus. Eine aͤhnlich gelblichte ſchmeerartige Sulze iſt auch in den Beulen enthalten, welche Sulze deſto dunkler gefaͤrbt iſt, je ſchwaͤrzer die Beulen ausſe⸗ hen.— Manchmal iſt dieſe gelbe Sulze rother Farbe, welches von dem beigemiſchten Blute herruͤhrt. Das Fleiſch iſt weich, ohne Zuſammenhang, welk, teigartig, ſulzig, ſchmierig, gelb, ſchwaͤrzlicht, 34 blaͤulich roth, beſonders in der Gegend der Mitz, der Leber, des Netzes, der Nieren, in welchen man es auch hin und wieder vom Blute unterlaufen und ſchmierig findet. Wo ſich nach außen Beulen gebildet haben, findet man innen in den Muskeln ſchwarze Blutſtriemen und braune Flecke; im Zellge⸗ webe, in den Hoͤhlen, in den Gelenken, in den gefaͤßreichen Eingeweiden und im Gekroͤſe um die Nieren Ergießungen von Blute, von gelber Sulze, von bald mehr, bald weniger fluͤſger brauner Materie, und andern Spuren von fortſchrei⸗ tender fauler Gaͤhrung. Das Blut iſt waͤſſericht, aufgeloͤſet, oder ſchwaͤrzlich roth; Magen und Gedaͤrme ſind von Luft aufgetrieben, und der Ranzen iſt mit gruͤnem Futter gefuͤllt. Hin und wieder ſind ſowohl der Schlund⸗ als die Darmmaͤ⸗ gen geſund, hin und wieder nur leicht entzuͤndet. Die Magen⸗ entzuͤndung, wodurch beſonders der vierte Magen purpurroth und ſchwarz erſcheint, indeſſen die uͤbrigen Maͤgen nur roͤthlich ſind, findet man immer in langſamem Verlaufe der Krankheit; auch iſt der Blaͤttermagen feſt, trocken, die innere Haut loͤſt ſich davon ab und pikt an das darin enthaltene Futter, das ausgeſperrt und zerreiblich iſt. Die Leber ſieht gelb und miß⸗ farbig aus, die Gallenblaſe iſt groß und von waͤſſerichter Galle angefuͤllt; die Milz bald außerordentlich groß, bald kleiner, als im natuͤrlichen Zuſtande, weich, breiartig, ſchwaͤrzlicht, knotig und von der Oberflaͤche mit ſchwarzem ausgetretenen Blute bedeckt.— Bei oͤrtlichen Entzuͤndungen des Gehirns, wo man im lebenden Zuſtande Wuth und Toben wahrnahm, findet man die Gehirnhaͤute entzuͤndet, die Blutbehaͤlter vom Blute ſtrotzend, und nach innen im Gehirne Ertravaſate, Turgescenzen und Absceſſe.— Bei oͤrtlich vorherrſchender Affection der Bruſt iſt das Rippenfell oft uͤber ſeine ganze Flaͤche mit dunkelro⸗ then, braunen und ſchwarzen Striemen beſetzt, und in der Bruſthoͤhle hat ſich ein gelblichtes Waſſer entleert. Die Lungen ſind welk, weich, blaß und dunkelroth, brandig, oft ein Fluͤgel ganz zerſtoͤrt, und ihre Subſtanz mit ſchwarzem geronnenen Blute angefuͤllt. Das Herz welk, blutleer, oder es enthaͤlt gelblichtes ſulziges Blut.— Ergriff die Krankheit das Halsgebilde, ſo zeigt die Section Beulen und Geſchwuͤlſte am Schlunde und an der Luftroͤhre Spuren von Entzuͤndung und Brand, ſo wie ſulzige Ergießungen.— Außerten die Thiere waͤhrend ihres Krankſeins Kolikſchmerzen, ſo findet man die Eingeweide entzuͤndet, brandig und gelblichte, mehr oder weniger conſiſtente Ertravaſate in den Gedaͤrmen und in der Bauchhoͤhle.— Bei jaͤhem Dahinſterben haben ſich immer aͤhn⸗ liche Ergießungen in den Kammern des Gehirns gebildet.— 1 7 35 Hat ſich die Beule als Blaſe auf der Zunge metamorphoſirt, ſo findet man durch die Leichenoͤffnungen die Zunge, den wei⸗ chen Gaumen, den Rachen und den Gaumenſegel ſphazeloͤs, welche brandige Verwuͤſtungen ſich weit hinab in den Schlund und Magen erſtrecken. Nicht minder ſtrotzen Leber, Milz und Lungen vom ertravaſirten Blute; ſchwaͤrzlichte Striche und Tupfen zeigen ſich an verſchiedenen Hauten, und ſulzig jau⸗ chige Ergießungen fuͤllen die Hoͤhlen aus. Hatte ſich mit kleinen Brandbeulen und Blaſen, oder auch ohne dieſelben der rothlaufartige Ausſchlag gebildet, ſo weiſt die Sertion das an⸗ gefeindete Hautgewebe welk, die Leber wulſtig, brandig, ſchwer; die Milz muͤrbe und knotig; der„Magen mit aashaft riechen⸗ der fauler Jauche gefuͤllt, klebericht und brandig; ergoſſene Galle im Duͤnndarme, mit Brandflecken beſetzte Lungen und ſtrotzende Gehirngefaͤße.— Wie uͤberhaupt immer die Zerſtoͤ⸗ rungen, die man durch die Section an den Organen findet, ſein moͤgen, und wie mannichfaltig ſie ſich auch darſtellen, ſo ſind doch die Karfunkeln, die Exkravaſate, das gelbe Waſſer, oder die Sulze im Innern des Koͤrpers die conſtanteſten Befunde.“— Aadnss Sege Ihse e Koͤrber ſagt uͤber die Erſcheinungen bei der Section der am Milzbrande gefallenen Thiere Folgendes, welches ich aus⸗ fuͤhrlich mittheile, da deſſen Schrift die neueſte iſt.„Bei der Section der nach kurzer Dauer der Krankheit krepirten Thiere findet man gleich nach dem Tode unter der Haut und uͤber⸗ haupt an allen Stellen des Koͤrpers die Blutgefaͤße mit einem zaͤhen Blute, welches zu einem gleichmaͤßigen ſchwarzen Klum⸗ pen geronnen iſt, ſtrotzend angefuͤllt. In der Bauchhoͤhle zei⸗ gen ſich die Milz, Leber und die Nieren ſchwarzroth von Farbe, ſtark aufgetrieben und ihr. Parenchim ſehr brelig; vorzugsweiſe findet man dies aber bei der Milz, ſo daß nach einem Einſchnitt in dieſes Organ und Hochhalten deſſelben oft der groͤßere Theil des Parenchims nusfließt. In der Bruſt⸗ hoͤhle erblickt man die Lungen meiſt von Blut uberfuͤllt und ſchwarzroth von Farbe. In der Schaͤdelhoͤhle ſind namentlich die Blutleiter ſtrotzend von dunkelſchwarzem Blute uͤberfuͤllt. Zuweilen findet man auch an einigen Stellen des Körpers, na⸗ mentlich im Zellgewebe unter der Haut, kleinere oder größere Blutextravaſate.— Wird die Section einige Zeit nach dem Tode unternommen, ſo findet man außerdem noch Folgendes: Nach dem Tode durch den Milzbrand geht der Cadaver außer⸗ ordentlich raſch in Faͤulniß uͤber, man findet ſchon deutliche Seren de Faͤulniß am Cadaver, wobei der Hinterleib ſehr aufgetrieben und das Blut ſehr duͤnnfluͤſſig Beworden iſt.— 36 Wo die Krankheit laͤnger dauerte, findet man bei der Section die Augen tief in der Augenhoͤhle liegend und die Augenlieder mit klebriger Thraͤne umkleiſtert, die Abmagerung weit vorgeſchrit⸗ ten, das Haar ſtruppig aufgerichtet, den Hinterleib trommel⸗ ſuͤchtig aufgetrieben, um den halbgeoͤffneten After mit Blut vermengten Koth anklehen und haͤufig das Flotzmaul mit einem mit Blut vermengten Schleime beſchmutzt, Es ſind auch nun noch die vielleicht fruͤher vorhanden geweſenen Beulen und Geſchwuͤlſte zu ſehen, Bei alle dem zeigt ſich in Folge der im Leben, ſchon vorhandenen Hinneigung zur Zerſetzung der Saͤftemaſſe ein ſehr auffallend raſcher Ubergang des Cadavers in Faͤulniß.— Nach Wegnahme der Haut findet man an den Stellen, wo Beulen und Geſchwuͤlſte zugegen waren, die in⸗ nere Flaͤche der Haut mit rothen Striemen und Flecken verſe⸗ hen und mit einer gelben, ſulzigen Maſſe uͤberzogen, oder ſchwarzbraun von Farbe und abgeſtorben. Die Karbunkelbeu⸗ len zeigen ſich jetzt als eine gelbe, ſpeckige Maſſe, die Karbun⸗ kelgeſchwuͤlſte als eine mehr fluͤſſige, gelbſulzige Subſtanz; um beide herum findet man haͤufig Blutextravaſate und die in ih⸗ rer Naͤhe liegenden Muskeln ſind gewoͤhnlich braun oder blau⸗ roth von Farbe und muͤrbe. Die an andern Stellen liegen⸗ den Muskeln ſind ebenfalls muͤrbe und ſchmutzig bleich. Das Fett iſt groͤßtentheils geſchwunden und an den Stellen, wo gewöoͤhnlich daſſelbe abgelagert iſt, z. B. in der Gegend der Lymphdruͤſen am Achſelgelenke, uͤberhaupt an ſolchen Stellen, wo Lymphdruͤſen liegen, findet man ſtatt deſſelben eine eben ſolche ſulzige Maſſe, wie in den Geſchwuͤlſten vorhanden iſt, 2 27. und haͤufig ebendaſelbſt Blutertravaſate.— Die Blutgeſaͤße enthalten oft viel, oft auch nur wenig Blut, immer iſt daſſelbe fluͤſſig, dunkelſchwarz, theerartig und gerinnt nicht. Bei der Offnung der Bauchhöhle entweicht ein ſehr ſtinkendes Gas und die von Luft ſtark aufgetriebenen Gedaͤrme treten hervor. Im Panſen und in der Haube findet man gewoͤhnlich nur wenig Futter, und die Haͤute dieſer Magen zeigen haͤufig keine krank⸗ hafte Veraͤnderung, in andern Faͤllen findet man dieſelben mit gleichmaͤßig dunkelroth gefaͤrbten Flecken oder Streifen verſe⸗ hen. Der dritte Magen, der Pſalter, enthaͤlt bald mehr, bald weniger trocknes Futter und ſeine Häͤute, von welchen das See Peth loͤſt, ſind bald unveraͤndert, bald mit dun⸗ kelrothen Striemen oder Punkten beſetzt. In dem Labmagen findet man meiſt nur einen wenig duͤnnen, uͤbelriechenden Fut⸗ terbrei und ſeine Haͤute ſind faſt immer dunkelroth oder violet von Farbe. Die dünnen Gedaͤrme) enthalten nur wenig duͤn⸗ nen Brei, welcher meiſt aus den in dieſelben ergoſſenen Ver⸗ 37 dauungsſaͤften beſteht und einen hoͤchſt ſtinkenden Geruch giebt. Die Haͤute der duͤnnen Gedaͤrme zeigen gewoͤhnlich hellrothe oder dunkelrothe oder violette Striemen und Flecken, und haͤufig findet man auch zwiſchen der Schleim⸗ und Muskelhaut kleine Blutextravaſate, welche als ſchwarze, zerſtreuet liegende Flecken von der Groͤße eines halben oder ganzen Silbergtoſchens ſich zeigen.— Die dicken Gedaͤrme enthalten nur wenig duͤnnen, ſtinkenden Futterbrei, welcher bei dem Ruͤckenblut im Maſt⸗ darm haͤufig mit Blut vermengt und von ſchwarzbrauner Farbe gefunden wird. Die Haͤute dieſer Gedaͤrme zeigen gewoͤhnlich auch einige rothe Flecke oder Striemen, doch bei weitem nicht in dem Umfange, wie dieſe an den duͤnnen Gedaͤrmen gefun⸗ den werden.— Im Gekroͤſe zeigen ſich ſchwarze Blutextrava⸗ ſate und man findet darin eine gelbe, ſulzige, mit Blut ver⸗ mengte Maſſe, wie in den aͤußerlich liegenden Geſthwuͤlſten.— Die Milz enthaͤlt gewoͤhnlich viel Blut in ihrem Gewebe und wird deshalb nicht ſelten 2—— 3 Mal ſo groß gefunden, als ſie im geſunden Zuſtande iſt. Haͤufig findet man an ihrer Oberflaͤche Blutextravaſate und ihr Parenchim iſt breiig und fluͤſſig, wie fruͤher angegeben wurde. In ſeltenen Fällen hat dieſes Organ ſeine gewöhnliche Groͤße und unterſcheidet ſich dann durch ſeine dunkle Farbe allein von einer geſunden Milz.— Die Leber iſt oft mit vielem ſchwarzen Blute gefuͤllt und gewinnt dadurch an Umfang, in andern Faͤllen hat ſie ihre gewoͤhnliche Groͤße und weicht dann nur durch ihre mehr dunkle Farbe und ihr breiigeres Parenchim von der geſunden Beſchaffenheit ab. Die Gallenblaſe iſt meiſt groß und mit vieler duͤnnfluͤſſiger Galle gefuͤllt, zuweilen enthaͤlt ſie auch nur wenig Galle. Die Lungen findet man welk, weich, zu⸗ ſammengefallen und bald ſtellenweis, bald mehr allgemein dunkelroth von Farbe, in ſeltenen Faͤllen blaßroth. Beim Einſchneiden in ihre Subſtanz hoͤrt man ein kniſterndes Ge⸗ raͤuſch, wie bei einer geſunden Lunge, wenn nicht zufaͤllig an⸗ dere Krankheiten zugegen ſind, als: Lungenknoten oder Hepa⸗ tiſirung des Parenchims, wie bei der Lungenknotenſchwind⸗ ſucht, oder der chroniſchen Lungenſeuche des Rindviehes— Krankheiten, welche mit dem Milzbrande vereint vorkommen koͤnnen. An der Theilung der Luftroͤhre in die beiden Lungen⸗ aͤſte findet man gewoͤhnlich ebenfalls die mehrbenannte gelbſul⸗ zige Maſſe abgelagert, ſo wie dieſe auch an den Stellen des Herzbeutels haͤufig ſich zeigt, wo im Keſunden Zuſtande Fett liegt. In dem freien Raume der Bruſthoͤhle, ſo wie in dem Herzbeutel, findet man oft eine gelblich gefaͤrbte Fluſſigkeit in mehr oder weniger reichlicher Menge.— In der Luftroͤhre und 38 in der Naſe findet man meiſt einen roͤthlich gefaͤrbten, ſchau⸗ migen Schleim, und auf der Schleimhaut der Luftroͤhre haͤufig hoͤher geroͤthete Stellen und kleine ſchwarze Blutertravaſate.— Das Gehirn zeigt keine weſentlichen Veraͤnderungen; bald iſt es etwas weicher, als gewoͤhnlich und in ſeinen Kammern fin⸗ det man zuweilen gelblich gefaͤrbtes Serum. Die Blutleiter des Gehirns enthalten viel Blut.hrdis 4 1504ʃ Von den Urſachen oder von der Entſtehungsart des NMNiilzbrandes.* Bis jetzt gelang es noch Niemandem, die eigentliche ver⸗ anlaſſende Urſache, die causa remota, wodurch dieſe hoͤchſt ver⸗ derbliche Krankheit entſteht, aufzuſinden. Ich lebe der überzeu⸗ gung, daß auch in Zukunft ſolches uns verborgen bleiben wird. Nach vielen Forſchungen und Verſuchen, die ich anſtellte, muß ich aufrichtig geſtehen, daß ich wohl die Bedingun⸗ gen, unter denen der Milzbrand entſtehen und ſich fortpflan⸗ zen kann, anzufuͤhren im Stande bin, aber nicht die wahren Ürſachen. Dasjenige, welches von den Schriftſtellern uͤber die Entſtehungsart angegeben iſt, kann ich durch eigene Erfahrun⸗ gen widerlegen. ÜUnter den veranlaſſenden Urſachen des Milz⸗ brandes werden vorzuͤglich folgende angegeben. 1) Anhaltende heiße und ſeuchte Witterung; ſchneller Wech⸗ ſel von Hitze und kuͤhler Witterung. So viel beweiſen alle Erfahrungen, und an dieſe koͤnnen wir uns nur allein halten, wo unſer menſchlicher Geiſt das uns Unerklaͤrliche nicht durch⸗ ſchauen kann, daß der Milzbrand beſonders haͤufig vorkommt bei duͤrrer, heißer Witterung. Dieſes zeigen die aͤlteſten Er⸗ fahrungen, wie ich zu Anfange dieſer Schrift zeigte; denn faſt keine Milzbrandſeuche wurde von Schriftſtellern erwaͤhnt ohne die Bemerkung, daß die Krankheit in Folge zu duͤrrer und zu heißer Witterung entſtanden ſei. Feuchte Witterung aber be⸗ dingt die Krantheit vicht meinen Erfahrungen nach, im Ge⸗ gentheil erkrankten bei eintretender feuchter Witterung weniger. Aber mir ſchien die Krankheit ganz beſonders ſtark zu herr⸗ ſchen, wenn lang anhaltender Regen einem ſehr heißen Wet⸗ 39 t ter vorherging, oder heiße Fruͤhjahre und Sommer ſehr naſ⸗ ſen Wintern folgten. Deſſen ungeachtet erkranken auch bei kalter Witterung im Winter die Thiere am Milzbrande, wie auch Andere beobachteten, nur nicht ſo haͤufig, wie in heißer Jahreszeit. Im letztverfloſſenen Winter z. B., der freilich nicht ſehr kalt war, erkrankten hier in meinem Wohnorte vom Ja⸗ nuar bis Anfang Maͤrz etwa 15 Stuͤck und ſeitdem, obgleich der darauffolgende Sommer ſehr heiß und trocken war, kein Stuͤck weiter, bis jetzt vor wenigen Tagen, wo eine fruͤhe Kaͤlte eingetreten iſt. Ferner bleiben einzelne Ortſchaften in der Gegend, in welcher der Milzbrand jaͤhrlich herrſcht, bei fuͤr die Entſtehung des Milzbrandes gleich guͤnſtiger Witterung, von dieſer Krankheit ganz verſchont, ſo daß die heiße Witte⸗ rung gewiß nicht allein die Urſache der Krankheit ſein kann, welches wir um ſo weniger annehmen duͤrfen, wenn wir die Erfahrungen einiger AÄrzte leſen, nach welchen das Hochwild in kuͤhlen Waͤldern haͤufig an dieſer Krankheit ſtirbt. Wenn die heiße Witterung eine Haupturſache des Milzbrandes waͤre, ſo koͤnnte fuͤglich das Wild in kuͤhlen Waͤldern nicht von der Krankheit befallen werden. Man kann mithin die anhaltend heiße und trockene Witterung, ſtreng genommen, nicht als Ur⸗ ſache der Krankheit, ſondern richtiger als Bedingung, unter welcher der Milzbrand am meiſten und gefaͤhrlichſten herrſcht, anfuͤhren. 114G 2) Mehlthau, der im Sommer nach Regen oder. nach kuͤhlen Naͤchten beſonders angetroffen wird. Des Morgens ſieht man einen waͤſſericht klebrichten, ſuͤßlichten Saft aus den Gewaͤchſen ausſchwitzen, der durch die ſtarke Sonnenhitze dos Tages austrocknet und ſich ſtaubig und mehlig an die Pflan⸗ zen haͤngt. Zugleich entwickeln ſich unzaͤhlige Blattlaͤuſe, die das Saftige und Weiche der Pflanzen verzehren und den Reſt mit Schleim uͤberziehen. Einige Autoren ſind ſo weit gegan⸗ gen, dieſen Mehlthau ohne Zweifel als die veranlaſſende Urſache des Milzbrandes anzugeben. Dem iſt aber bei wei⸗ tem nicht ſo. Die Krankheit ergreift eben ſo gut dasjenige Vieh, welches im Stalle gefuͤttert und gar nicht auf die Weide getrieben wird, ſelbſt bei der ſorgfaͤltigſten Stallfuͤtterung. Fer⸗ ner beobachten wir die Krankheit in den Orten gar nicht, wo dieſe boͤßartigen Mehlthaue eben ſo gut geſehen werden, als dort, wo die Krankheit fortwaͤhrend vorkommt. Ferner, wenn Mehlthau die Urſache der Krankheit wirklich waͤre, ſo duͤrfte der Milzbrand in der Jahreszeit, in welcher das Vieh auf keine Weide getrieben werden kann, ſondern hauptſaͤchlich auf die „Stalfuͤtterung beſchraͤnkt werden muß, gar nicht vorkommen. 40 3) Mangel an Waſſer, oder Waſſer, welches durch die heiße Witterung zu warm, moderig, ſchlammig und unrein geworden iſt, mit welchem das Vieh, in Ermangelung eines beſſeren, getraͤnkt wird. Dies kann eben ſo wenig eine wich⸗ tige Urſache zur Entſtehung des Milzbrandes geben. Ich beob⸗ achtete die Krankheit da beſonders, wo ich nie, auch waͤhrend der groͤßten und anhaltendſten heißen Witterung, ſchlammiges Waſſer antraf, mit welchem das Vieh getraͤnkt ward. Auch kann ein Waſſer, welches Zu⸗ und Abfluß hat, fuͤglich nicht faulig werden und verderben, und dennoch entſteht beim Ge⸗ brauche ſolchen Waſſers die Krankheit. Umgekehrt kenne ich ſehr hoch gelegene Orte, wo großer Waſſermangel iſt, wo die ſtehenden Waſſer bei ſehr trocknem Wetter ausduͤrren und tiefe Brunnen verſiegen, und dennoch wird hier die Krankheit ver⸗ haͤltnißmaͤßig ſelten beobachtet. 4) Verdorbenes Futter, z. B. Stroh, welches in naſſen Jahren zu lange auf dem Felde gelegen hat. Die Beobach⸗ tungen, die einige franzoͤſiſche Arzte fuͤr dieſe Anſicht anfuͤhren, ſcheinen beim erſten Anblick etwas fuͤr ſich zu haben. Ihren Beobachtungen zufolge wuͤthete der Milzbrand dann am aͤrg⸗ ſten, wenn nach vorausgegangenen ſehr naſſen Jahren trockne, heiße Sommer folgten. Hieraus ſchloß namentlich Gilbert, daß durch die vorausgegangene naſſe Witterung das Futter verdorben ſei und hierdurch der Milzbrand beſonders erzeugt werde. Wenn aber verdorbenes, zu feuchtes, ſchimmlichtes Futter die Veranlaſſung zur Entſtehung des Milzbrandes ge⸗ ben ſoll, wie iſt alsdann die Entſtehung dieſer Krankheit bei der ſorgfaͤltigſten, ausgewaͤhlteſten Fuͤtterung zu erklaͤren? Ich beobachtete die Krankheit bei jeder Fuͤtterung; bei Pachtern z. B., die ihr Vieh mit groͤßter Vorſicht fuͤtterten und pflegten, bei denen auf dem ganzen Hofe kein ſchimmlichtes oder ver⸗ dorbenes Futter zu finden war, am wenigſten ſolches, welches durch vorausgegangene naſſe Witterung verdorben war, da in den letzten zwei beſonders trocknen und heißen Jahren zwar wenig, aber gewiß trocknes Futter gewonnen wurde. Weit richtiger erſcheint mir die Anſicht, daß eine trockene heiße Wit⸗ terung, die lange anhaltender feuchter Witterung folgte, die vor⸗ zuͤglichſten Bedingungen liefert, unter welchen ſich ein der Ge⸗ ſundheit der Thiere ſehr ſchaͤdliches Luftmiasma bildet. Hier⸗ von ſpaͤter ein Mehreres. 1 5) Eingeſchloſſene, verdorbene Luft kann eben ſo wenig eine wichtige Urſache abgeben, da der Milzbrand in den groͤß⸗ ten, ſchoͤnſten und luftigſten Staͤllen ausbricht. 6) Inſektenſtiche, wie z. B. Glaſer als Urſache angenom⸗ 41 men hat, ſind gewiß nicht Urſache der Krankheit. Glaſer beobachtete im Amt Suhla 1778 eine Epizootie, in wel⸗ cher ſich an den erkrankten Thieren viel nußgroße Knoten zeig⸗ ten, die bald groͤßer wurden. Da dieſe Erſcheinung einige Ahnlichkeit hatte mit denen, bei welchen Inſekten geſtochen ha⸗ ben, ſo muthmaßte Glaſer, die Krankheit ruͤhre von Inſekten⸗ ſtichen her. Glaſer verwechſelte hier offenbar das Product der Krankheit mit der Krankheit ſelbſt. Denn nach allen gemach⸗ ten Erfahrungen entſtehen die Beulen und Geſchwuͤlſte erſt in Folge der Krankheit. Die beſten Schriftſteller ſtimmen darin uͤberein, daß bei ſchnellem Verlaufe des Milzbrandes ſelten Beulen ſichtbar werden, ſondern weit haͤufiger beim langſa⸗ men Verlaufe der Krankheit. Hier in der Wetterau ſah ich verhaͤltnißmaͤßig ſelten dergleichen Beulen und nur dann ent⸗ ſtehen, wenn durch das angewendete ſpecifiſche Mittel die Krankheit ſo gut, wie beſeitigt war.— Offenbar ſind die Beulen und Geſchwuͤlſte, die beim Milzbrande aͤußerlich beob⸗ achtet werden, lediglich nur als das Product der Heilbeſtrebun⸗ gen der Lebenskraft und deren Reaction anzuſehen. 7) übertriebenes Arbeiten der Laſt⸗ und Zugthiere; weites Treiben des Viehes bei heißem Sonnenſcheine. Auch dieſe Annahme widerlegen viele Erfahrungen, nach denen das Vieh, welches ruhig im Stalle bleibt und nicht ausgetrieben wird, eben ſo gut von der Krankheit befallen wurde. Das Treiben auf weit entfernte Weiden findet in hieſiger Gegend gar nicht Statt. Auch das zu fruͤhe Austreiben des Viehes iſt von den Buͤrgermeiſtern vieler Orte verboten, um die Krankheit zu ver⸗ huͤten; indeſſen haben ſich dieſe Vorſichtsmaßregeln durchaus nicht bewaͤhrt finden laſſen. 6 8) Man kam auf die Vermuthung, daß der Genuß ge⸗ wiſſer Pflanzen den Milzbrand erzeuge. So wurde auch hier nach dieſer Vermuthung behauptet, es wuͤchſe eine ſehr ſchaͤd⸗ liche Pflanze(Attich, Niederholder, Sambucus ebulus) um den Ort herum, in welchem der Milzbrand jaͤhrlich herrſcht. Des Verſuchs halber ließ ich einen Hammel mit dieſer Pflanze mehrere Tage fuͤttern und das Thier zeigte keine Spur von Unwohlſein. Auf dieſe Weiſe wird Vieles, ohne Erfahrung fuͤr ſich zu haben, hehauptet, wo oft ein einzelner Verſuch hinrei⸗ chend iſt, um eine vorgefaßte Meinung zu widerlegen. In⸗ deſſen widerlegte ſich dieſe Anſicht ſchon dadurch von ſelbſt, daß dieſe Pflanze bei andern Doͤrfern ebenfalls haͤufig waͤchſt, in welchen der Milzbrand ſeit wenigſtens 20 Jahren nie ge⸗ ſehen wurde. 9) Anſteckung. Die Verbreitung des Milzbrandes durch 42 Anſteckung iſt zwar, wie ich weiter unten zeigen werde, nicht in Abrede zu ſtellen, allein einmal muß die Krankheit aus erſter Hand entſtehen, und dann wird die Anſteckung nicht in dem hohen Grade beobachtet, daß dieſelbe als ein vorzuͤgliches urſachliches Moment angenommen werden kann. 10) Unreinlichkeit in den Staͤllen und hieraus entſtehende ungeſunde, den Thieren ſchaͤdliche Luft. Ich kenne Landwirthe, die ihre Staͤlle ſo ſauber und reinlich halten, die Staͤlle neu pflaſtern ließen, neue Krippen, neue Raufen anſchafften, in der Meinung, die Krankheit werde durch Anſteckung unterhal⸗ ten; aber bei allen dieſen Vorſichtsmaßregeln befiel deſſen un⸗ geachtet der Milzbrand das Vieh wie fruͤher. 11) Miasma, durch eine uns unbekannte Luftconſtitution erzeugt. Nachdem ich die verſchiedenen muthmaßlich angenom⸗ menen Urſachen des Milzbrandes hinlaͤnglich widerlegt und be⸗ wieſen zu haben glaube, daß uns die Urſachen dieſer Krank⸗ heit bis dahin noch voͤllig unbekannt ſind, ſo komme ich auf die Urſache, die uns zwar in unſern klaren Begriffen nicht viel weiter bringt, aber doch nach meiner Überzeugung das Einzige iſt, woran wir uns halten koͤnnen bei dieſer eben ſo merkwuͤrdigen und unerklaͤrlichen, als auch moͤrderiſchen und heimtuͤckiſchen Krankheit. Der Milzbrand liefert uns viel un⸗ begreifliche, unſern menſchlichen Einſichten und Begriffen voͤl⸗ lich unerklaͤrbare Data. So iſt durch vielfaͤltige Erfahrungen in dem oben angefuͤhrten Orte, wo dieſe Krankheit ſtets, in jeder Jahreszeit, kurze Intervalle abgerechnet, angetroffen wird, erwieſen, daß ſie ganz beſonders das Vieh in gewiſſen Haͤu⸗ ſern, in gewiſſen Straßen befaͤllt, ohne auch nur den minde⸗ ſten Grund hiervon auffinden zu koͤnnen. In den Doͤrfern, die ½ Stunde entfernt liegen, von denen das eine nach Weſt, das andere nach Oſt gelegen iſt, kommt die Krankheit gar nicht vor. Dagegen wuͤthete die Krankheit in einem andern, ebenfalls nur ½ Stunde entfernten, nach Suͤd gelegenen Orte jaͤhrlich unter dem Vieh. Der Grund hiervon iſt ſchwer aufzufinden, denn die hoͤhere und tiefere Lage iſt ziemlich dieſelbe, nur der Ort, in welchem die Krankheit ſeit vielen Jahren nie beob⸗ achtet wurde, liegt am tiefſten. Bei dieſen unerklaͤrlichen Da⸗ tis faͤllt mir unwillkuͤrlich jene Krankheit, die Cholera asiatica, ein, welche neuerlich wieder ihr wuͤthendes Haupt in Ita⸗ lien erhob, um eine bedeutende Anzahl Menſchen wegzuraf⸗ fen. Bei den hundert Schriften, welche uͤber dieſe Krankheit erſchienen, kann man in Wahrheit ſagen: Wir wiſſen uͤber deren Entſtehen und Fortgang ſo gut, wie nichts Gewiſſes. Die Erfahrungen widerlegten alle Theoreme, Annahmen und 43 Muthmaßungen. Auch bei der Cholera bleibt nichts uͤbrig, als ſeine Zuflucht zu der Annahme zu nehmen, daß die Krank⸗ heit durch ein, unter gewiſſen Bedingungen in der Luft ſich entwickelndes Miasma erzeugt werden muͤſſe.— Eben ſo ver⸗ haͤlt es ſich mit dem Milzbrande. Viele Krankheiten ſind miasmatiſch und contagioͤs. Dieſe werden bei den Epidemien verſchiedener Krankheiten durch ein Luftmiasma erzeugt und haͤufig durch Contagium, welches ſich im Menſchen waͤhrend der Krankheit entwickelt, fortgepflanzt, wobei die miasmatiſche Beſchaffenheit der Luft die Praͤdispoſition zur Krankheit liefert, auf welche Weiſe ſich das Contagium um ſo leichter fort⸗ pflanzen kann. Ich ſuche daher die wahre Urſache des Milz⸗ brandes nur in einer gewiſſen, durch das Zuſammentreffen meh⸗ rerer beſonders auf die Witterung ſich beziehenden Umſtaͤnde ent⸗ ſtehenden und ſich immermehr, je laͤnger dieſe unguͤnſtigen Um⸗ ſtaͤnde anhalten, entwickelnden und verbreitenden Luftmiſchung, in Folge deren ein Miasma entſteht, welches den Milzbrand erzeugt. Bedingungen, unter denen ſich dieſes beſonders leicht entwickeln kann,(nach Erfahrungen entſteht der Milzbrand nicht immer unter dieſen Bedingungen) ſind ſehr feuchte Wit⸗ terung, auf welche anhaltende Hitze und Duͤrre folgt, und ge⸗ wiſſe Localitaͤten des Orts, in welchem die Krankheit ſich oft zeigt. § 12. Von der Anſteckung. 4 Die franzoͤſiſchen Arzte 8 Gilbert, Paulet und Andere zweifeln nicht an der anſteckenden Eigenſchaft des Milz⸗ brandes, und ſie haben Recht. Die deutſchen AÄrzte ver⸗ werfen dieſe Anſicht mehr oder weniger und behaupten, der Milzbrand ſtecke nicht an, und dieſe haben gleichfalls Recht. Beide Parteien haben indeſſen Unrecht, wenn ſie ihre Be⸗ hauptungen als durchgaͤngig angenommen wiſſen wollen. Kauſch, der den Milzbrand ſo haͤufig zu beobachten Gelegenheit hatte, iſt, zufolge einer Erfahrung von großem Umfange, uͤberzeugt, daß der Milzbrand nicht anſteckt, und zwar ſpricht er folgende Gruͤnde aus. Er ſagt:„Ein großer Theil des Viehes, wel⸗ 44 ches dieſelbe gemeinſchaftliche Huͤtung hat, bleibt verſchont; oft fallen einige Haͤupter und ſonſt nichts mehr. Das Übel ſchreitet auch nicht von einem Nachbar zum andern, von einem Nachbarsdorfe zum andern fort. Es uͤberfaͤllt alſo eben ſo we⸗ nig, nachdem es etwa vierzehn Tage gedauert hat, auf ein⸗ mal hinter einander, wie die aͤchte Viehpeſt, den groͤßten Theil eines Viehſtandes, ſondern es ſchreitet zoͤgernd, und zwiſchen⸗ durch wieder jaͤhling, dann auch mehrmals langſam fort, bis es aufhoͤrt, vorwaͤrts. Witterungsveraͤnderungen hemmen und befoͤrdern ſeinen Fortſchritt. Kalte Witterung iſt ſein Feind, haͤufiger Regen auch; nach unzulaͤnglichem Regen ſah ich in⸗ deß 1790 den Milzbrand neue Fortſchritte thun. Wer ſo haͤufig, wie ich, Gelegenheit gehabt hat, zu ſehen, daß dieſes alles ſich bei der Viehſeuche, wo die Anſteckung zu Tage liegt, gerade umgekehrt verhaͤlt, der muß apodiktiſch uͤberzeugt ſein, daß hier im gewoͤhnlichen Sinne keine Anſteckung in der Re⸗ gel Statt findet.“ Adami, der 1776 in Nieder⸗ſtreich den Milzbrand beob⸗ achtete, ſagt:„Dieſe Krankheit hat nur einzelne Stuͤcke, und oft in Staͤllen, wo ſich 10, 20— 30 befanden, nicht uͤber 3, 4 oder 5 derſelben angegriffen, ja in manchen Ortſchaften, wo der Viehſtand ſich uͤber 100 bis 200 Stuͤck erſtreckte, iſt der Stier allein darauf gegangen; in andern hingegen ein Drittheil, bis zur Haͤlfte des Viehes davon befallen worden. Das Merkwuͤrdige hierbei war, daß die Separation weder un⸗ ter dem Viehe, noch unter den Wartsleuten vorgenommen war.“ Derſelbe Schriftſteller bezweifelte auch die leichte Uber⸗ tragung des Giftes auf den Menſchen. Er wuſch zum Ver⸗ ſuche ſeine Haͤnde mit der Fluͤſſigkeit, die aus einer aufge⸗ ſchnittenen Milzbrandbeule lief, ließ die Haͤnde trocken werden, ohne die geringſte Unpaͤßlichkeit zu fuͤhlen. Auch durchwuͤhlte er die Eingeweide der am Milzbrande geſtorbenen Thiere ohne uͤble Folgen.— Gilbert ſagt:„Nach den Pocken der Schafe kenne ich keine Krankheit unter den Thieren, die ſo anſtek⸗ kend waͤre, als das brandartige Faulfieber(ſo nennt er den Milzbrand); es giebt keine Thierart, die gegen ihre Anfaͤlle geſichert iſt, und keine Krankheit geht mit ſolcher Leichtigkeit von einer Thierart auf die andere uͤber; ſie herrſcht nie, ohne daß ſie nicht einigen gewinnſüchtigen oder unvorſichtigen Menſchen das Leben koſtet, indem ſie entweder die Haut ab⸗ ziehen, oder mit dem Arme in den After greifen, um den Miſt auszuleeren. Wenn man an der anſteckenden Eigen⸗ ſchaft dieſer Krankheit zweifelt, ſo kenne ich keine Meinung, die von traurigern Folgen waͤre; ſie fuͤhrt zu einer Sicherheit, 45 die nur zu oft die groͤßten Laͤnder durch Krankheiten hat ver⸗ heeren laſſen, welche man durch wenige Vorbauungsanſtalten fuͤr den Ort, wo ſie entſtanden, haͤtte einſchraͤnken koͤnnen.“ Außerdem fuͤhrt uns der Verfaſſer einige Beiſpiele an, wie der Milzbrand durch einzelne Stuͤcke, welche von der Krankheit befallen waren, eine große Menge, die Anzahl geht in die Tau⸗ ſende, angeſteckt und getoͤdtet habe. Auch von Anſteckung der Menſchen, die unvorſichtig milzbrandkranke Thiere behandelt haben, fuͤhrt er viele, zum Theil ſehr intereſſante Erfahrungen an. Dieſem Schriftſteller aͤhnliche Anſichten aͤußern Hartmann und Paulet. Sie ſind eben ſo feſt von der hoͤchſt anſteckba⸗ ren Eigenſchaft des Milzbrandes uͤberzeugt, wie Kauſch und Andere vom Gegentheil, und fuͤhren fuͤr ihre Meinung ſo viele, wenn nicht noch mehr Thatſachen an, wie dieſe.— Daß in⸗ deſſen die Sperrung die Krankheit nicht in ihren Fortſchritten aufzuhalten im Stande iſt, wie Gilbert glaubt, beweiſen Mon⸗ tigny's Erfahrungen. Dieſer ſagt:„Ungeachtet der Sperrung, welche die franzoͤſiſche Regierung mittelſt Militair bei den Üüber⸗ fahrten der großen Fluͤſſe veranſtaltet hatte, ſo uͤberſchritt den⸗ noch die Seuche dieſe doppelte Mauer, und drang ſo unauf⸗ haltſam aus einer Gegend in die andere, aus einem Lande in das andere.“ Dagegen veranſtaltete Kauſch keine Sperrung und ſah keine erhebliche Ausbreitung der Krankheit. Dieſes ſind geradezu Widerſpruͤche, welche aber leicht gehoben werden, wenn man die verſchiedene Art und Weiſe, wie der Milzbrand ſich zeigt, das verſchiedene Klima, wo die Krankheit auftritt, in Erwaͤgung zieht. Ich kann nicht umhin, hier nochmals die Cholera zu er⸗ waͤhnen, uͤber deren Anſteckungseigenſchaften, obgleich Tauſend und Tauſend Erkrankungsfaͤlle von den AÄrzten erlebt wurden, man bis auf den heutigen Tag noch nicht im Reinen iſt. So wie dieſe Krankheit meiner Überzeugung nach miasmatiſch⸗con⸗ tagioͤſer Natur iſt, ſo iſt es auch der Milzbrand. So wie aber bei der Cholera gewiſſe Umſtaͤnde oder Bedingungen er⸗ forderlich ſind, um durch Anſteckung ſich weiter fort, zupflanzen, im entgegengeſetzten Falle aber nicht weiter anzuſtecken, ſobald dieſe fehlen, ſo iſt es auch beim Milzbrande der Fall. Auch andere anſteckende Krankheiten aͤußern bald mehr oder weniger anſteckende Eigenſchaften. Ich brauche nur an das wahre, glatte Scharlach zu erinnern, welches anerkannt anſteckt. Auch bei dieſer Krankheit beobachtete man oft nur ſehr geringe Epi⸗ demien, wie ich ſelbſt Gelegenheit hatte wahrzunehmen. Der Typhus ſteckt zwar in der Regel leicht an, und da, wo dieſe Krankheit einmal ausgebrochen iſt, werden in der Regel viele 46 Menſchen davon befallen, dennoch iſt die anſteckende Eigen⸗ ſchaft bald mehr, bald weniger, und bisweilen gar nicht wahr⸗ zunehmen. Dieſes gilt von allen anſteckenden Krankheiten. Andere Krankheiten ſind nicht immer anſteckend und kommen in einzelnen Gegenden nur epidemiſch vor; z. B. die Dyſen⸗ terie wird in einigen Gegenden oft epidemiſch beobachtet, in andern nur ſporadiſch. In hieſiger Gegend habe ich ſeit Jah⸗ ren keine Epidemie dieſer Krankheit beobachten koͤnnen, An⸗ dere in andern Gegenden ebenfalls nicht; dagegen andere Arzte in gewiſſen Gegenden faſt jaͤhrlich Epidemien dieſer Krank⸗ heit erleben.— Den Typhus ſah ich im vergangenen Jahre in einem kleinen Orte, in welchem die Krankheit laͤnger als ein halbes Jahr von einem zum andern allmaͤlig uͤberging, aber außerhalb des Ortes ſich nicht weiter verbreitete. Der Typhus herrſchte in dieſem Orte rein endemiſch; es ward keine Sperrung veranſtaltet und dennoch verbreitete ſich bei al⸗ lem Verkehr die Krankheit nicht weiter. Vom Milzbrande leſen wir Beſchreibungen, nach denen die Krankheit von einem Stuͤck zum andern allmaͤlig durch An⸗ ſteckung uͤberging. Unterwerfen wir die Beſchreibungen der Milz⸗ brandſeuchen, die beſonders in Frankreich graſſirt haben, einer ge⸗ nauern Betrachtung, ſo iſt die anſteckbare Eigenſchaft dieſer Krank⸗ heit gar nicht zu bezweifeln. Ich ſelbſt beobachtete, daß Staͤlle, in denen 2, 4—7 Stuͤck waren, allmaͤlig ausſtarben, und daß die Krankheit offenbar von einem Stuͤck auf das andere uͤberzuge⸗ hen ſchien. Nicht ſelten erkrankte zuerſt das eine Stuͤck und un⸗ mittelbar nach dem Tode deſſelben das daneben ſtehende. Da⸗ gegen brachte ich auch wieder in Erfahrung, daß in einer Heerde von 30— 40 Stuͤck ploͤtzlich nur 1—2 Stuͤck fielen, ohne weitere Fortſchritte der Krankheit bemerken zu koͤnnen. In dem Orte, den ich oben ewaͤhnte, in dem die Krankheit Jahr aus Jahr ein ihre Opfer forderte, konnte bis jetzt keine bertragung von einem Stuͤck zum andern nachgewieſen werden. 09 zFon 719 00, 156 134 Bei dieſen ſo ſehr verſchiedenen, zum Theil ſich widerſpre⸗ chenden Anſichten und Erfahrungen müͤſſen Bedingungen exi⸗ ſtiren, unter denen die Krankheit anſteckend ſein oder werden kann. Betrachten wir nun dieſe Bedingungen, welche ſich auf folgende reduciren laſſen, naͤher. Zugleich werden durch dieſe Unterſuchung der eben genannten Bedingungen die Widerſpruͤche in den verſchiedenen Meinungen und Erfahrungen, von denen eben die Rede war, groͤßtentheils beſeitigt. a Bitsis 1) Eine Hauptbedingung iſt die Dispoſition. So wie 8 es Menſchen giabt, die keine Empfaͤnglichkeit fuͤr ein Conta⸗ 47 gium haben, die ſelbſt in den anſteckendſten Epidemien nicht von den graſſirenden Krankheiten ergriffen werden;— ſo wie z. B. Kinder in Maſern⸗, Scharlach⸗, Frieſel⸗Epidemien frei von der Anſteckung bleiben, ſelbſt wenn Eltern wegen Gutar⸗ tigkeit der Epidemie ſorgfaͤltig die Anſteckung herbei zu fuͤhren ſuchten, nicht angeſteckt werden;— ſo wie manches Kind fuͤr die Pockenimpfung keine Empfaͤnglichkeit zeigt und 1, 2, 3 Mal vergeblich geimpft wird(ich kenne ein Individuum, 26 Jahre alt, welches ſeit der fruͤheſten Jugend 7 Mal ohne Erfolg geimpft wurde);— ſo verhaͤlt es ſich auch bei den Thieren. Auch bei dieſen wird zur Anſteckung ſtets eine ge⸗ wiſſe Empfaͤnglichkeit fuͤr das Contagium Statt finden muͤſſen, um angeſteckt werden zu koͤnnen. Es muß eine gewiſſe An⸗ lage zur Aufnahme und Ausbildung des Anſteckungsſtoffes, ſoll Anſteckung Statt finden koͤnnen, als erſte und vorzuͤglichſte Bedingung der Anſteckung gerechnet werden, ohne welche ſolche nie eintreten kann. Dieſe Anlage oder Dispoſition kann hin⸗ ſichtlich des Alters und des Koͤrperbaues mehr oder weniger exiſtiren. Der Erfahrung nach finden wir, daß junge und alte Thiere weniger vom Milzbrande angeſteckt werden, dage⸗ gen das kraftvolle, fette, vollſaftige, wohlgenaͤhrteſte Vieh mitt⸗ lern Alters, die ſchoͤnſten und beſten Stuͤcke weit leichter ange: ſteckt werden koͤnnen. Jene erkranken am Milzbrande weit ſelt⸗ ner als dieſe. 2) Nebſt dem Daſein iſt auch die Aufnahme des An⸗ ſteckungsſtoffes erforderlich. Dieſe geſchieht bisweilen durch laͤngeres Verweilen im Dunſtkreiſe mehrerer am Milzbrande kranker Thiere, oder auch durch leichte Beruͤhrung, am meiſten und ſicherſten aber durch innigen Contact, und je inniger die⸗ ſer iſt, deſto ſicherer wird die Anſteckung entſtehen koͤnnen. 3) Mehr oder weniger langſamer Verlauf der Krankheit, damit nach innen jene Verderbniſſe, jene brandigen Zerſtoͤrun⸗ gen, die zur Erzeugung des Anſteckungsſtoffes noͤthig ſind, entſtehen koͤnnen. Die Erfahrung lehrt uns, daß der Milz⸗ brand, je ſchneller er toͤdtet, deſto weniger die Eigenſchaft der Verbreitung mit ſich fuͤhrt. Daher faͤllt bisweilen in Heer⸗ den Nachts oder bei Tage in kurzer Zeit ein Stuͤck und nicht eins wieder; daher ſehen wir in den Ortſchaften, in welchen der Milzbrand mit beſonderer Malignitaͤt ſich zeigt, nur nach gewiſſen Zeitintervallen die Stuͤcke ploͤtzlich fallen. Dagegen beweiſen die Beſchreibungen des Milzbrandes, daß da, wo der Verlauf der Krankheit 3—9 Tage dauerte, auch groͤßere Zerſtoͤrungen in den Eingeweiden bei den Sectionen ſich vor⸗ fanden, womit meiſt mehr Anſteckungseigenſchaft verbunden iſt. 48 Die ausgebreitetſten Mikzbrandſeuchen waren ſtets mit den groͤß⸗ ten Zerſtoͤrungen der Eingeweide verbunden. 4) Heiße Jahreszeit, beſonders lange anhaltende Duͤrre, heiße Witterung, wenn lange anhaltendes Regenwetter por⸗ ausging. Die Erfahrung lehrt uns, daß die Krankheit am meiſten und wuͤthendſten bei lange anhaltender heißer Witterung beobachtet wurde, und daß der Milzbrand nirgends ſo ſeuchen⸗ artig geſehen wurde, als in den ſuͤdlichern Laͤndern.— Heiß gelegene Laͤnder und Gegenden, die jaͤhrlich von Überſchwem⸗ mungen leiden, werden in der Regel von den boͤsartigſten Epidemien heimgeſucht. Man denke nur an die Peſt in Agypten. Dieſes iſt dadurch erklaͤrlich, daß durch die Üüber⸗ ſchwemmungen, mit darauffolgender heißer Witterung, die ge⸗ woͤhnlichſten und wichtigſten Umſtaͤnde gegeben ſind zur Er⸗ zeugung einer der Geſundheit ſehr nachtheiligen Luft. Der Milzbrand entſteht leicht unter dieſen angegebenen Umſtaͤn⸗ den, unter denen ſeine Contagion ſtets leichter wahrnehmbar ſein wird. 5) Unreinlichkeit, zu enges Beiſammenſtehen der Thiere, wodurch die Ausduͤnſtungen uͤberhaͤuft ſind, beſonders in Staͤl⸗ len, die wenig oder gar nicht geluͤftet werden. Durch dieſe Umſtaͤnde wird die Anſteckung leicht herbeigefuͤhrt, zumal wenn die am Milzbrande erkrankten Thiere nicht ſeparirt werden. 6) Nachlaͤſſigkeit, wenn die kranken Stuͤcke nicht ſeparirt, oder wenn die am Milzbrande geſtorbenen Thiere wohl gar nicht ſogleich fortgeſchafft und tief vergraben werden, beſonders wenn der Verlauf der Krankheit langſamer Art war, ſo daß die Faͤulniß wegen der innern brandigen Zerſtoͤrungen um ſo ſchneller vor ſich gehen kann.. 7) Vorausgegangene Krankheiten, wodurch die Lebens⸗ kraft und deren Reaction noch geſchwaͤcht iſt und nicht ge⸗ gen die feindliche Potenz ſo opponiren kann, wie bei voͤlliger Geſundheit... 89. 8) Der Menſch wird praͤdisponirt zur leichtern Anſteckung durch Angſt, Schrecken, Ekel, Zorn, Arger u. dergl. Gemuͤthsaffecte. Ein ſehr intereſſantes Beiſpiel in dieſer Beziehung erzaͤhlt uns Laubender, wie folgt:„Die Seuche, die 1793 im Bairiſchen herrſchte, fing an, wie ſolches oft geſchieht, indem ſie einige Haͤupter ploͤtzlich auf der Weide im Walde wegraffte. Daß dieſe ploͤtziich Gefallenen am Milzbrande krank geweſen, ah⸗ nete Niemand. Daher wurden ſie abgeledert, das Fleiſch un⸗ ter mehrere Einwohner vertheilt, und ohne Bedenken ver⸗ ſpeiſt. Mehrere Tage vergingen, und man ſah nichts Nach⸗ theiliges von dem Fleiſchgenuſſe. Allein endlich zeigte es ſich klar 49 und offen, daß das Viehſterben der moͤrderiſche Milzbrand ſei. Nun ſchoͤpften die Menſchen, welche das Fleiſch genoſſen hatten, Ekel, erkrankten mit allen den gewoͤhnlichen Zufaͤllen und konnten nur mit großer Noth gerettet werden.”“ Treffen dieſe angefuͤhrten Bedingungen mehr oder weniger zuſammen, ſo wird der Milzbrand ſich contagios zeigen, und im Gegentheil wird dieſe Krankheit da nicht contagios auftre⸗ ten, wo die wichtigſten dieſer angegebenen Bedingungen feh⸗ len. Hieraus erklaͤren ſich nun die verſchiedenen Widerſpruͤche in den Erfahrungen und Anſichten uͤber die Contagion des Milzbrandes.. mm nrN. Ka3l2 e ni, Unterſuchen wir nun ferner, was wir unter Contagium verſtehen und die verſchiedene Art, wie der Milzbrand erfah⸗ rungsmaͤßig anſtecken kann, dann wird Niemand ferner ge⸗ gruͤndete Zweifel gegen die Anſteckbarkeit des Milzbrandes er⸗ heben koͤnnen. otrr G. 1 1) Der Milzbrand theilt ſich laut Erfahrungen den Men⸗ ſchen mit: Durch das Abledern der vom Milzbrande gefalle⸗ nen Thiere; durch das Beſpritzen des Geſichts, der Haͤnde und der Fuͤße mit den Saͤften des gefallenen Viehes; durch Be⸗ ruͤhrung mit den Haͤnden und Armen im Rachen und Maſt⸗ darm; durch den heißen Athem, der bei Offnung des Rachens dem Menſchen in das Geſicht faͤhrt; durch Beruͤhrung der Ca⸗ daver, der Haͤute, des Fleiſches der gefallenen Thiere mit blo⸗ ßen Haͤnden; durch Beruͤhrung bei chirurgiſcher Huͤlfeleiſtung, z. B. beim Aufſchneiden der Brandbeulen, wobei dem Arzte Fluͤſſiges auf die bloße Haut kommt und er unvorſichtiger „Weiſe ſich nicht gleich reinigt; noch leichter theilt er ſich denen mit, welche Haͤnde mit Narben, oder mit Verletzungen der Oberhaut mit den Saͤften am Milzbrande gefallener Thiere in Beruͤhrung bringen; durch Genuß des Fleiſches; durch In⸗ ſektenſtiche, wenn Inſekten zuvor auf milzbrandigem Fleiſche ſaßen; ferner theilt der Milzbrand ſich mit, wenn Jemand mit den mit milzbrandigen Saͤften verunreinigten Haͤnden einem Andern das Geſicht oder die Bruſt beruͤhrt; oder wenn Jemand Kleider auf dem bloßen Leib traͤgt, die mit Saͤften der am Milzbrande gefallenen Thiere verunreinigt ſind; und ſogar theilt ſich die Krankheit denen mit, welche unvorſichtiger oder zufaͤlliger Weiſe auf einem Plaatze lange liegen, auf welchem kurz vorher ein am Milzbrand gefallenes Thier abgeledert wurdde. Hu e e bun 5 chur 50 ng Folgende Thatſachen, die uns verſchiedene Schriftſteller mittheilten, moͤgen das eben Geſagte beweiſen, denn nur Er⸗ fahrungen koͤnnen die guͤttigſten Beweiſe fuͤhren. Paulet. zerzaͤhlt folgende erlebte Thatſachen. Zwei Bruͤder zogen einem am Milzbrande gefallenen Ochſen die Haut ab. Der eine dieſer Bruͤder nahm des andern Morgens die Haut auf ſein Pferd, und brachte ſie in die benachbarte Stadt zum Verkaufe Als er zwieder zuruͤckkehrte, merkte er, daß ſein Pferd kaum gehen koͤnne, und ſo wie er in den Stall kam, fiel das Pferd um und war todt. Die Section bewies das Daſein derſelben Krankheit. Der andere Bruder, der bei dem Abledern geholfen hatten bekam Brandbeulen am Arm mit ſtarkem Fieher] und nach 20 Stunden war er ein Opfer des Todes lluch der erſtere Bruder erkrankte noch ſpaͤter mit Fieber und Brandbeulen.— Ein Fleiſcher ſchlachtete eine Kuh und bekam einen geſchwollenen Backen und am Vorderarm eine Brandbeule. Man ſuchte letztere zu zertheilen. Hierauf entſtand Neigung zum Erbrechen und er brach auch Alles weg. Nun folgten Ohnmachten. Man gab herzſtaͤrkende Mittel. Allein nach einer Stunde war er todt.— Ein(Mann, der ſich mur damit beſchaͤftigte, die abgezogenen Haͤute bei Seite zu ſchaffen, wurde von heftigen Zahnſchmerzen, einer Geſchwulſt am Geſicht, befallen, welche den Kopf ungeheuer groß machte, und ſchnell ſich bis auf den Hals und die Bruſt herabzog. Es kam endlich der Brand hinzu, und er ſtarb zwei Tage nach dem Ausbruche des Übels.— Ein an⸗ derer Mann lederte am Milzbrande gefallene Thiere ab, be⸗ kam die naͤmlichen Zufaͤlle und ſtarb nach 2 Tagen.— Hart⸗ mann erzaͤhlt folgende Thatſachen, Ein Bauer aus einem Kirchſpiele im Gebiete Wiburg fand einen Baͤr, der an dem Fleiſche eines an der Karfunkelkrankheit geſtorbenen Ochſen, den der Bauer eingeſcharrt hatte, krepirt war. Er zog dem Baͤr die Haut ab, nahm ſie mit in ſein Haus, wurde krank und ſtarb den Tag darauf. Die Obrigkeit von Wiburg er⸗ fuhr dies und befahl, die Haut zu verbrennen. Allein der Pfarrer, der durch nichts Anderes fuͤr das Begraͤbniß des Bauern ſich bezahlt machen konnte, und der, wie alle ſeine Mitbruͤder ſeinen Rechten nichts vergeben wollte, leiſtete dieſem Befehle nicht Folge, und ließ die Haut von einem an⸗ dern Bauer zubereiten, welcher in 24 Stunden mit den beiden andern Leuten, die ihm dabei halfen, ebenfalls ſtarb. Die Obrigkeit befahl nun von neuem, die Haut, das Haus, in dem die Haut zubereitet worden war, und, wenn es noͤthig ſei, auch das Pfarrhaus zu verbrennen. Der Pfarrer, wuͤthend, 51 daß er ſich ſeine Beute ſollte entreißen laſſen, ſchrie: Wie kann man denn glauben, daß durch dieſe Haut Jemand ſterben koͤnne! Bei dieſen Worten rieb er ſie zwiſchen den Haͤnden, beroch ſie, wurde krank und ſtarb ſehr bald.— Ein junger Mann, der nicht glauben wollte, daß die Haut anſteckend ſei, legte ſich aus Trotz und Vorwitz eines Abends in die Haut eines am Milzbrande gefallenen Thiers; am folgenden Morgen fand man ihn todt in derſelben.— Eine Frau gab einem kran⸗ ken Thiere, wie Hartmann erzaͤhlt, ein Arzneimittel, das ihm ein junges Maͤdchen nicht geben wollte; die Frau ſteckte dar⸗ auf die Hand, mit welcher ſie in den Rachen des Thiers ge⸗ griffen hatte, in den Buſen des Maͤdchens, welches hierauf heftiges Fieber mit Geſchwulſt und einer ſchwarzen Blatter auf der Bruſt bekam und ſtarb.— Bertin beobachtete den Milzbrand 1774 in Weſtindien auf der Inſel Guadeloupe. Ein Mann reiſte mit einem Pferde in die nahe gelegene Co⸗ lonie. Nach 24 Stunden, als er daſelbſt angekommen, er⸗ krankte ſein Pferd am Milzbrande und ſtarb. Hierauf griff er nun weiter um ſich, und ſteckte endlich die ganze Colonie an. Die Viehheerden dieſer zweiten Colonie communicirten mit den Heerden einer dritten Colonie, und es brach der Milzbrand auch in dieſer aus, und verbreitete ſich allgemein. Die Seuche ließ in allen Colonien nicht eher nach, bis ℳ der Heerden krepirt waren. Die Neger oͤffneten mehrere der gefallenen Thiere, und ſie bekamen Brandbeulen, Anſchwellungen an den Armen mit heftigem Fieber. Ein gleiches Schickſal erfuh⸗ ren alle die, welche bei dem Klyſtierſetzen ſich beſudelt, oder mit dem Arm in den Maſtdarm gelangt, oder vom Fleiſch der krank geſchlachteten genoſſen hatten. Die Zahl der Ver⸗ ungluͤckten belief ſich auf 200. Die meiſten der Erkrankten verloren ihr Leben.— Im Jahre 1726 herrſchte der Milzbrand vorzuͤglich in Polen, Schleſien und Sachſen. Menſchen, welche mit den kranken Thieren umgingen, erkrankten haͤufig. Ein „Mann, der einem kranken Thiere in den Hals griff, bekam eine heftige Entzuͤndung am Arm, und ein anderer eine Ent⸗ zuͤndung mit Brandblattern an demſelben.— Im Jahre 1682 herrſchte der Milzbrand unter der Form von Zungenkrebs all⸗ gemein in Deutſchland und Frankreich. Die, welche die mit der Krankheit befallenen Thiere warteten, wurden bald von einem hitzigen Fieber, mit Brandbeulen vergeſellſchaftet, ergriffen und ſtarben.— Im Jahre 1552 graſſirte der Milzbrand in dem Gebiete von Lucca. Man beobachtete hier, daß, wenn das Blut der erkrankten Thiere den Menſchen auf entbloͤßte Theile ihres Koͤrpers ſpritzte, ſie mit hitzigem Fieber und. mit Brand⸗ 52 beulen befallen wurden.— Im Jahre 1793 herrſchte der Milz⸗ brand im bairiſchen Landgericht Weilheim. Eine Schweizerin hatte ihrer kranken Kuh in den Rachen gegriffen; bald dar⸗ nach ſchwollen ihr die Haͤnde auf, es entſtanden große, ſchwarze Blattern, und nach mehrern Stunden mußte ſie ſterben. Ehe ſie aber ſtarb, bekam ſie heftiges Erbrechen. Bei dieſer Ge⸗ legenheit fiel einer Magd, die ſie wartete, manches von dem Ausgebrochenen auf die nackten Fuͤße; nicht lange darnach ſchwollen auch dieſer die Fuͤße, Brandblattern fuhren auf und ſie mußte ſchmerzhaft wie ihre Frau ſterben.— In demſelben Jahre bekam der Abdecker zu Peiſſenberg vom Abledern der Cadaver Beulen und Brandblattern an den Haͤnden mit hef⸗ tigem Fieber, woran er ſterben mußte. Dem Waſenmeiſter zu Bartenkirchen ging es im Jahre 1807 ebenſo.— Im Jahre 1810, wo der Milzbrand in Oſtpreußen herrſchte, ver⸗ anſtaltete Dr. Creuzwieſer(wie wir im allgem. mediz. chirurg. Wochenblatte Jan. Stuͤck 1811 leſen) die Obduction einiger am Milzbrande gefallener Stuͤcke, und bediente ſich dabei als Gehuͤlfen des Tambours Immiſch, des Gartenwaͤchters Schmid, und des Hirten Frank. Außerdem ſchlachtete in Salau der Hirt eine am Milzbrande daſelbſt erkrankte Kuh, bei welcher Ge⸗ legenheit dem Knechte Boͤhm aus Muthwillen das Euter um das Maul deſchlagen wurde. Dr. Creuzwieſer hatte ungluͤcklicher Weiſe eine kleine Verletzung am linken Ringfinger, als er bei der Obduction ſelbſt mit Hand anlegte, und der Hirt Frank verletzte ſich, als er außer dem Schlachten und der Beihuͤlfe bei der Obduction noch das Maul eines der erkrankten Thiere mit Urin wuſch und zwar am Zahn deſſelben Thiers. Beide erkrankten zugleich mit dem Tambour und dem Gartenwaͤchter, und zwar jene zuerſt an den verletzten Stellen, die zwei uͤbrigen an den mit einer zarten Haut bedeckten Stellen. Bei allen 6 Perſo⸗ nen zeigten ſich ſchmerzhafte entzuͤndliche Anſchwellungen, die leicht in den Brand uͤberzugehen drohten, mit heftigen Fieber⸗ bewegungen vergeſellſchaftet. Unter ſchmerzhafter Anſchwellung der Achſeldruͤſe verbreitete ſich der Schmerz von dem zuerſt an⸗ gegriffenen Theile des Koͤrpers und uͤberhaupt ward der Schmerz immer heftiger in der Seite des Koͤrpers gefuͤhlt, deren Theile das Gift zuerſt aufgenommen hatten. War hin⸗ gegen die Anſteckung in einem Organe geſchehen, welches nicht doppelt iſt, oder waren beide gleichnamigen Organe afficirt, ſo wurde der Schmerz im ganzen Koͤrper gleich gefüͤhlt. So fuͤhlte Dr. Creuzwieſer, der das Gift zuerſt in jener kleinen Verletzung des linken Ringfingers aufgenommen hatte, waͤhrend der ganzen Krankheit die heftigſten Schmerzen immer mehr ₰ 53 auf der linken als rechten Seite und eben dieſes war auch der Fall bei dem Hirten Frank, der ſich die linke Hand ver⸗ letzt hatte, und daher immer uͤber groͤßere Schmerzen in die⸗ ſer, als in der entgegengeſetzten rechten klagte. Bei dem Tam⸗ bour und dem Gartenwaͤchter iſt dies nicht bemerkt worden. Bei Beiden zeigten ſich aber auch gleichzeitig die blauen Puſteln auf beiden Armen. Der Knecht Boͤhm, dem das Euter um das Maul geſchlagen worden, litt zuerſt die ſchmerzhaften Em⸗ pfindungen an den Lippen, welche ſich ſodann unter heftiger Anſchwellung des Halſes und Umbildung der blauen Puſteln zu einem furunculus gangraenosus gleichmaͤßig uͤber den gan⸗ zen Koͤrper verbreiteten. Dem Hirten endlich ſchmerzte die zuerſt angegriffene rechte Seite auch empfindlicher und war ſtaͤrker angeſchwollen als die, wie es ſchien, nur conſenſuel leidende linke Seite. Mit der Zunahme dieſer Schmerzen wurden in allen Faͤllen die Fieberbewegungen ſtaͤrker, die an⸗ geſchwollenen Theile mit mehrern Brandblaſen bedeckt, mit Angſt, Unruhe, Schmerzen im Unterleibe, Übelkeiten, Nei⸗ gung zum Erbrechen begleitet, der ganze Koͤrper mit uͤbermaͤ⸗ ßigen, anfaͤnglich warmen, zuletzt kalten Schweißen bedeckt, unter welchen die große Schwaͤche, uͤber welche die Kranken vom Anfange der Krankheit an klagten, in Ohnmacht uͤber⸗ ging und die Ergriffenen(außer dem Tambour und Knecht Boͤhm) alle am 4ten Tage, der Hirt aber erſt am 7ten, ſtar⸗ ben.— Ein Thierarzt in Frankreich unterſuchte, ſo erzaͤhlt Gilbert, den Cadaver eines am Milzbrande gefallenen Ochſen. Bei dieſer Beſchaͤftigung wollte es der Zufall, daß er mit der von dem Blute des Cadavers verunreinigten Hand an ſein Geſicht kam, das mit kleinen ſogenannten Hitzpickeln ſtark be⸗ ſetzt war. Bald darauf bekam er an der von der blutigen Hand beruͤhrten Stelle eine kleine Geſchwulſt, welche ſich aber ſchnell vergroͤßerte, auch einen voͤlligen Brandbeulen⸗Charakter zeigte, und nachdem dieſer Mann Beaͤngſtigung des Herzens, Fieberſchauder, mit einem Worte alle Leiden des Thiers er⸗ duldet hatte, ſtarb er.— Im Jahr 1807 herrſchte der Milz⸗ brand in mehrern Doͤrfern des Koͤniglichen Bairiſchen Landge⸗ richts Landsberg. Viele Perſonen verungluͤckten hierbei, wie Laubender erzaͤhlt. Ein Weib ward von einer am Milzbrande erkrankten Kuh im Geſichte ſtark angehaucht, vielleicht auch auf ſonſt eine Weiſe von ihr im Angeſichte beſpritzt. Sie ward hierauf mit einer großen Hitze mit Geſchwulſt im Ge⸗ ſichte befallen. Fieber, Unruhe, Angſt, Schlafloſigkeit folter⸗ ten ſie einige Tage. Allein unter Anwendung einer Salbe ward ſie gerettet. Die Oberhaut loͤſte ſich aber am Ende im 54 ₰ ganzen Geſichte los.— Ein Einwohner trug Fleiſch von ei⸗ nem verdaͤchtig geſchlachteten Stiere nach Hauſe. Des andern Tages hatte er eine bedeutende Geſchwulſt in der Achſelgrube mit Fieber, welches ſchnell mit typhoͤſem Charakter ſich aus⸗ zeichnete; er ſtarb, wenn gleich keine Huͤlfe geſpart wurde. Ein Anderer ward unter gedachten Umſtaͤnden von einer Fliege ge⸗ ſtochen. Er erhielt bald an der geſtochenen Stelle, im Ge⸗ ſicht und zuletzt auch auf der Bruſt eine Geſchwulſt, die er mit Kamphergeiſt behandelte. Am 4ten Tage ſtarb er.— Ein Anderer lud eine gefallene Kuh auf den Karren des Waſen⸗ meiſters. Er erkrankte und nach 2 Tagen war er todt. Ein Anderer beruͤhrte ein gefallenes Pferd, erhielt eine große Ge⸗ ſchwulſt mit Steifigkeit des Halſes und ſtarb nach 24 Stun⸗ den. Noch ein Anderer beruͤhrte eine kranke Kuh. Auch er ward mit einer heftigen Geſchwulſt, Halsweh befallen und war trotz aller angewendeten Mittel nach 2 Tagen eine Leiche.— Walz beobachtete 1797 den Milzbrand im Wuͤrtem⸗ bergiſchen. Er ſagt, daß alle diejenigen, welche der Offnung der in Huͤrben am Milzbrande gefallenen Thiere beiwohnten, erkrankten und ſtarben. Sogar ein Mann, welcher eine abge⸗ zogene Haut von einem ſolchen Thiere in die benachbarte Stadt trug, ſo wie der Gerber und deſſen Junge, welche ſie in Empfang nahmen, erkrankten, und der Gerber konnte mit roßer Muͤhe noch gerettet werden, die beiden Andern aber ſarben ohne Rettung.— Kopp beobachtete 1811 den Milz⸗ brand unter dem Rind⸗ und Schafvieh in der Gegend um Frankfurt a. M. Bald darauf brach er auch unter den Men⸗ ſchen faſt epidemiſch aus. Die Infection, ſagt er, geſchah theils durch den Genuß des Fleiſches, theils durch Beruͤhrung der Saͤfte kranker Thiere, als des Bluts, des Geifers, der Jauche u. ſ. w. 2) Der vom Milzbrande angeſteckte Menſch pflanzt die Krankheit in derſelben Form auf andere Menſchen fort, mit denen er in nahe Beruͤhrung kommt. Die angefuͤhrten Thatſachen gehoͤren zum Theil auch wie⸗ der hierher, um dieſen Satz erfahrungsmaͤßig zu beweiſen. Ich fuͤhre daher nur folgende Beiſpiele an.— G Eine Frau, theilt Laubender mit, lag nur eine Nacht bei ihrem erkrankten und mit Schweiß bedeckten Manne; ſie er⸗ hielt bald darauf Fieber mit Anſchwellungen, Brandbeulen u. ſ. w., wie ihr Mann.— Eine andere Frau, welche waͤh⸗ rend der ganzen Krankheit ihres Mannes bei ihm im Bette Wn, bekam nach deſſen Tode gleichfalls Brandbeulen mit jeber. 55 Einige Schriftſteller haben zwar die Identitaͤt beider Krankheiten, naͤmlich der aus erſter Hand und der durch An⸗ ſteckung erzeugten in Zweifel gezogen, allein mit Unrecht, Der ganze Verlauf beider Krankheiten, ſo wie die Sectionsdata be⸗ weiſen die vollkommenſte Gleichheit: beidern Krankheitsformen zur Gnuͤgee. rn 20 te„0, 14 mrd endee e im Der Verlauf der durch Anſteckung entſtandenen Krankheit iſt folgender. Unter Fieberbewegungen ſtellt ſich eine Angſt, heftige Beklemmung, reißende Schmerzen im Kopfe und in der Nierengegend; oͤfters Erbrechen gelblicher, ſchwaͤrzlicher und blutiger Maſſen, bisweilen der Cholera aͤhnliche Erſchei⸗ nungen, beengter, kleiner, roͤchelnder Athem, Dhanzaſe Wuth, oder Betaͤubung, Stumpfſinn, Harnverhalkungz die Schmer: zen im Kopfe und in der Nierengegend verlaſſen den Kuonken weniger im Verlaufe der Krankheit, als die uͤbrigen Leiden) es entſtehen bald brandige Geſchwuͤlſte an den Gliedern, am Halſe und auf der Bruſt, blaue und ſchwaͤrzliche Brandblat. tern und ſchwarze Petechien, die haͤufigh auf den von Conta⸗ gium beſudelten Stellen auffahren; erſchoͤpfende hlutige Durch⸗ faͤlle, klebrige kalte Schweiße; Schwaͤche, die gleich zu Anfang der Krankheit entſteht, geht in Ohnmachten uͤber und ſo er⸗ folgt bald der Tod. 0, i e iee,c Sectionsdata ſind nach Bertin folgenden Er fandt bei den am Milzbrande geſtorbenen Negern auf Guadeldupegalle⸗ mal Spuren der Entzuͤndung und des Brandes, wenigſtens einer brandartigen Entzuͤndung des Magens; die duͤnnen und dicken Gedaͤrme waren entzuͤndet und brandigz die Haͤute des Bauchfells waren verdickt; im Unterleibe viel Waſſer; Ein⸗ ſchiebungen der Daͤrme; einmal fand er laͤngs der Verbindung der duͤnnen Daͤrme und dem Netz eine erſtaunliche Menge ver⸗ ſtopfter Druͤſen, die in den innern Waͤnden der Haͤnne her⸗ vorragten, von der Groͤße der Spitze eines Daumens; einige derſelben waren ſchwarz und glichen geronnenem Blute, andere von außen blaßroth und inwendig weiß. Auch in den dicken Daͤrmen fand er ausgetretenes Blut. Einmal waren die Lun⸗ gen entzuͤndet, knotig und nicht zuſammengeſunken. Lau⸗ bender giebt uns folgenden Sertionsbefund an bei einer Frau, die durch Genuß von Fleiſchſuppe ſich den Milzbrand zuzog und bald ſtarb. Die Section bewies den vorgeherrſchten Zu⸗ ſtand von Entzuͤndung mit Brand und Ergießung einer gelb⸗ lichten, braunen Jauche in das Zellgewebe unter der Haut ſo⸗ wohl nach außen als nach innen.— V. Am⸗Pach ſagt:„In den Leichen der am Milzbrande geſtorbenen Menſchen findet man, wie bei den Thieren, aufgeloͤſtes ſchwarzes Blut, ſul⸗ 56 zige, mißfarbige Ergießungen und brandige Zerſtoͤrungen ver⸗ ſchiedener Eingeweide.. in„un74 Vergleicht man nun den ganzen Verlauf der Krankheit bei den vom Mitlzbrande angeſteckten Menſchen und die Zer⸗ ſtoͤrungen, die man nach ihrem Tode in den Leichen vorfindet, mit den Ergebniſſen beim Milzbrande aus erſter Hand, ſo laͤßt ſich die Identitaͤt beider Krankheiten nicht im mindeſten in Zweifel ſtellen. en mpnngmnn 3) Der Milzbrand theilt ſich laut Erfahrungen allen Thiergeſchlechtern mit: durch das Beiſammenſein kranker Thiere mit geſunden; durch die Ausduͤnſtung der Excremente oder Abgaͤnge der am Milzbrand gefallenen und in Faͤulniß uͤbergegangenen Cadaver; durch nahe Beruͤhrung mit am Mitzbrand kranken Thieren und deren Auswuͤrfen; durch den Genuß des milzbrandigen Fleiſches und uͤberhaupt der milz⸗ brandigen Saͤfte oder Abgaͤnge; durch abgelederte Felle, die mit geſunden Thieren in nahe Beruͤhrung gebracht werden. Folgende Thatſachen moͤgen das eben Geſagte beweiſen. Gilbert ſah ein altes Schwein mit 8 Jungen faſt auf einmal fallen, als ſie die blutigen Spuren von einer Kuh be⸗ rochen, die an den Ort, wo ſie eingegraben werden ſollte, hin⸗ eſchleppt war. Die Huͤhner, die Puterhuͤhner, die Enten, febbſt die Amſeln, die Staare ſtarben, wenn ſie das Blut der an der Seuche gefallenen Thiere mit dem Schnabel beruͤhr⸗ ten.— Derſelbe Schriftſteller ſah, daß ein Pferd kurz dar⸗ auf eine Karbunkelbeule an der Huͤfte bekam, als es eine friſche Ochſenhaut in einem Sacke auf dem Ruͤcken getragen hatte.— Ein einziger aus Ungern nach Padua getriebener Ochs war Schuld, daß im Jahre 1711 in einem Zeitraum von 3 Jahren mehr als 50,000 Stuͤck fielen. Ein einziger Ochs ſoll Urſache der Seuche im J. 4745 geweſen ſein, welche binnen 10 Jahren 3,000,000 Stuͤck Hornvieh wegraffte. Eine Haut, die von Seeland nach Bayonne gebracht wurde, war die Urſache von den Verheerungen, die der Milzbrand 1774 und 1775 in den fuͤdlichen Provinzen Frankreichs anrichtete. Ein Landmann von Saint Benoit du Sault, im Gebiete von Argenton, hatte ſeine Ochſen durch die Seuche verloren, und ſich andere von einem uͤber 20 Meilen weit entlegenen Gute, wo die Seuche nicht herrſchte, geholt. Allein nachdem ſie 5 Tage in dem Stalle waren, wurden ſie ebenfalls von derſelben Krank⸗ heit befallen, dautlach dad n EArare. „Nach Barbaret toͤdtete der Milzbrand in mehrern Land⸗ ſchaften von Frankreich den groͤßten Theil der Thiere. Das Sterben erſtreckte ſich auf Pferde, Ochſen, Schafe, ja ſelbſt 57 auf die Hunde und das Federvieh. Anfangs zeigte ſich der Milzbrand nur bei Gras freſſenden Thieren; ging aber dann durch Fleiſchgenuß kranker Thiere oder durch Anſteckung zu den Fleiſch freſſenden Thieren uͤber; es erkrankten Hunde, Katzen und Schweine.— Nach Schroek beobachtete man 1712 um Augsburg herum den Milzbrand vorzuͤglich unter den Pferden, Ochſen und unter dem Rothwildpret. Schweine, Gaͤnſe, Truthuͤhner wur⸗ den gleichfalls von demſelben brandigen Fieber befallen, wenn ſie von den Eingeweiden und den Excrementen der geſchlachte⸗ ten oder gefallenen Thiere fraßen.— Chaignebrun beobachtete 1757 in der Gegend von Paris in mehr als 60 Dorfſchaften den Milzbrand. Pferde, Ochſen, Eſel, Schweine, Hunde, Huͤhner, ja ſelbſt die Fiſche in gewiſſen Teichen unterlagen der Wuth derſelben. Schweine, Hunde und Huͤhner wurden von dieſer Seuche durch Genuß des Fleiſches oder der Excremente kranker Thiere befallen. In den Waͤl⸗ dern von Crecy bekamen auch die Hirſche den Milzbrand. In der Gegend von Brie fielen ganze Heerden von Schafen. In Staͤllen, ſagt Chaignebrun, wo man nicht die Vorſicht an⸗ wendete, die Kranken von den Geſunden abzuſondern, wurde ein Stuͤck nach dem andern von der Krankheit befallen. Im Jahre 1758 herrſchte der Milzbrand in Schwediſch⸗ Finnland. Hartmann, der die Seuche beobachtete, ſagt, der Milzbrand habe ſich ſchnell an denjenigen Orten ausgebreitet, wo das todte Vieh nicht eingeſcharrt, oder nicht tief genug mit Erde bedeckt worden ſei. Alles Vieh ſei uͤberhaupt von der Seuche befallen worden, die Schafe, die Ziegen, Schweine und Kaͤlber am wenigſten. Von Finnland ging die Krankheit nach Rußland. Sie ging nicht nur von Thier zu Thier, ſon⸗ dern auch von den Thieren zu den Menſchen uͤber.— Im Jahre 1655 wuͤthete der Milzbrand ſo allgemein, daß die Fiſche in den Seen nicht verſchont blieben. Man beobach⸗ tete, daß die Menſchen, die von den todten Fiſchen aus den Seen aßen, mit einer peſtilenzialiſchen Krankheit, d. h. hitzigem Fieber mit Brandbeulen befallen wurden und nur wenige mit dem Leben davon kamen. aitn Nach Ramazzini's Nachrichten graſſirte der Milzbrand 1690 in Italien ſo allgemein, daß ſelbſt die Bienen und Seidenwuͤr⸗ mer nicht verſchont blieben. Die Schweine ſtarben haufenweiſe. Kauſch ſagt:„Mir iſt eine Seuche vorgekommen, wo eine ganze Heerde einmal nach und nach vom Milzbrande an⸗ gegriffen wurde; man konnte hier kaum die Anſteckung ver⸗ ſennen, obgleich ſie minder heftig, als in der aͤchten Viehpeſt 58 zu ſein ſcheint. Zudem habe ich oft geſehen, daß die Schweine, Gaͤnſe und anderes Gefluͤgel, die Hunde, letztere beſonders nach gefreſſenem Aderlaßblute(vielleicht die Pferde und die Mauleſel) angeſteckt wurden. Wie oft hoͤrte ich aber in ſol⸗ chen Epizootien, daß diejenigen Menſchen, die dem Viehe Ein⸗ guͤſſe gegeben, geſchwollene Arme(weil ſie tief mit der Hand in den Rachen fahren mußten) bekommen hatten; daß Perſo⸗ nen, welche die Leder von den krepirten Stuͤcken abgezogen, oder die von dem Fleiſche der letzteren gegeſſen hatten, ein Opfer dieſes Ubels geworden!“ nen ,9 5 Der Thierarzt Lux theilt uns folgende Thatſachen mit. Im Jahre 1810 brach in Schleſien in einer Schaͤferei der Milzbrand aus. Der Schaͤfer zog den Gefallenen die Leder ab und ließ nun ſeine mit Blut beſudelten Haͤnde von den Schafen ablecken. Alle, die geleckt hatten, erkrankten und ſtarben. Zu Graͤbnitz in Schleſien fraß eine Heerde Schweine von den milzbrandigen Cadavern auf dem Waſenplatze. Faſt alle erkrankten und ſtarben. Man fand die Zunge, Luftroͤhre, den Eingang des Schlundes brandig. In Poppelau, einem ſchleſiſchen Dorfe, wuſch eine Bauersfrau milzbrandiges Fleiſch in einem Schaff, gab hierauf ihrem Pferde in dieſem Schaff zu ſaufen, ohne daß ſie es gereinigt hatte. Das Pferd er⸗ krankte und ſtarb auch. In einem andern Dorfe aß eine Frau gekochtes milzbrandiges Fleiſch. Sie erkrankte und ſtarb. Man nahm nun das uͤbrige Fleiſch, kochte es und ſchnitt es klein, und gab es den Enten zu freſſen. Den Schweinen aber reichte man die Fleiſchbruͤhe. Sowohl die Schweine als die Enten erkrankten und ſtarben.— Laubender theilt folgende von ihm gemachte Erfahrung mit. Im Jahre 1813, ſagt der Verfaſſer, im Monat Auguſt, kaufte meine Koͤchin 14 junge Huͤhner auf dem Markte zu Muͤnchen. Sie ruͤhmte ſich einen wohlfeilen Kauf gemacht zu haben. Nach 2 Tagen hieß es, die Huͤhner ſeien krank, in einer Nacht ſeien 2 zu Grunde ge⸗ gangen. Ich unterſuchte ſie und fand, daß ſie vom Milzbrande befallen waren. Bei aller angewendeten Muͤhe konnte ich nicht mehr denn 6 Stuͤck erretten. Das Erkranken ging ſo lange fort, als die Geſunden mit den Kranken zuſammen leb⸗ ten. Als verdaͤchtig waren dieſe Huͤhner wohlfeilen Preiſes verkauft worden. Bei der Section zeigte ſich der entzuͤndlich brandige Zuſtand, das ſchwarze Blut, eine gelblichte Ablage⸗ rung in die Geſchwuͤlſte mit Brand der naheliegenden Theile. 4) Das vom Milzbrand angeſteckte Thier pflanzt dieſelbe Krankheit auf die sub 3. angegebene Weiſe auf andere ge⸗ ſunde Thiere weiter fort.— 59 Die bereits angefuͤhrten Erfahrungen beweiſen auch die⸗ ſen Satz zur Gnuͤge. Es bedarf daher keiner Angabe von Thatſachen mehr. 1 Vergleichen wir den durch Anſteckung mitgetheilten Milz⸗ brand der Thiere mit dem urſprünglichen, ſo ſind die Krank⸗ heitserſcheinungen bei jenem wie bei dieſem im Weſentlichen dieſelben. Auch bei den Sectionen finden wir ein und dieſel⸗ ben Reſultate. An der Identitaͤt beider Krankheitsformen iſt daher gar nicht zu zweifeln.. Faſſen wir nun das uͤber die Anſteckung des Milzbrandes Angegebene und alle die angefuͤhrten Erfahrungen, die auf un⸗ widerlegbare Thatſachen gegruͤndet ſind, zuſammen, ſo muß jeder Unbefangene den Milzbrand fuͤr anſteckend halten. Es kann keine anſteckende Krankheit geben, deren Eigenſchaften den Begriff, den wir von Contagium haben, mehr erſchoͤpft, als der Milzbrand. Ohne Zweifel muß mithin der Milz⸗ brand als eine unter gewiſſen Bedingungen hoͤchſt anſteckende Krankheit, und zwar anſteckend ſowohl fuͤr Menſchen, als auch fuͤr alle lebende Thierge⸗ ſchlechter angeſehen werden.— §. 13. Vom Weſen des Milzbrandes. In jedem Organismus waltet eine Lebenskraft, vermoͤge deren der Organismus mit allen ſeinen einzelnen Organen nicht nur in ſeiner Integritaͤt erhalten, ſondern auch gegen jeden feindlichen Reiz oder gegen jede krankmachende Potenz geſchuͤtzt und vertheidigt wird. Letzteres geſchieht durch die Reaction der Lebenskraft, welche ſich gegen jedes feindliche Agens opponirt. Das Product der Reaction der Lebenskraft gegen einen feind⸗ lichen Reiz iſt das, was wir gewoͤhnlich Symptome einer Krankheit nennen, was aber in der That nichts anders iſt, als die Beſtrebungen der Lebenskraft, welche, in ihrer Inte⸗ gritaͤt durch feindlich auf den Organismus einwirkende Poten⸗ zen ſich verletzt fuͤhlend, die Reaction auffordert, ſich dem feindlichen Agens zu widerſetzen. Hieraus entſteht ein Kampf, der, jenachdem die feindliche Potenz maͤchtig einwirkt, bald längere, bald kuͤrzere Zeit, bald ſtuͤrmiſch und gefahrvoll, 60 bald gelinde und weniger gefahrvoll fuͤr das Leben iſt. Dieſen Kampf nehmen wir wahr durch die Symptome. So manche Erfahrungen am Krankenbette haben mich zu der überzeugung gebracht, daß ſelbſt die krankhaften Er⸗ ſcheinungen, die wir kurz vor dem Eintritt des Todes beob⸗ achten, lediglich die letzten Anſtrengungen der Lebenskraft und deren Reaction ſind*).— Durch die Lebenskraft werden viele *) Im Typhus z. B. machte ich folgende Erfahrung. Nachdem die gefaͤhrlichſten Symptome der Krankheit, um nicht zu weitlaͤuftig zu ſein, beſeitiget ſchienen, wozu acht Doſen eines Mittels nothwendig wa⸗ ren und zwar in ſehr kurzen Zwiſchenraͤumen gereicht, ſo nahm die Er⸗ ſchoͤpfung aller Muskelkraͤfte eher zu als ab, beſonders das Gefuͤhl einer Bleiſchwere des ganzen Koͤrpers, ſo daß das Muskularſyſtem wie ge⸗ laͤhmt ſchien. Ich reichte kein Mittel, in der Hoffnung, daß das fruͤher gegebene Mittel noch immer die Reaction unterſtuͤtzen werde. Es ſtell⸗ ten ſich nach etwa 24 Stunden diejenigen krampfhaften Erſcheinungen ein, die den nahen Tod anzuzeigen pflegen, alg: risus sardonicus, Spas- mus cynicus, Crodicismus, dann jenes blaſende Ausathmen, wobei durch die ausgeſtoßene Luft die Lippen unwillkuͤrlich aufgehoben werden, wie ſolches bei eingetretenem Schlagfluß wahrzunehmen iſt; der rechte Mund⸗ winkel war ſchief gezogen; die Augen ſtarr, ſtier und unbeweglich, ohne Empfindlichkeit zu verrathen; der Puls klein, fadenfoͤrmig, hoͤchſt ungleich, ausſetzend. In dieſem gefahrvollen Zuſtande unternahm ich weiter nichts, als ſuchte die Reaction der Lebenskraft durch Ausſtroͤmung eines Theils meiner Lebenskraft d. i. durch Magnetismus zu unterſtuͤtzen. Nachdem der Kampf der Reaction um Leben oder Tod auf dieſe Weiſe etwa ¾ Stunde gedauert hatte, nahmen allmaͤlig die ominoͤſeſten Symptome ab und nach Verlauf einer halben Stunde war dieſer Gefahr drohende Anfall verſchwunden. Obgleich dieſer Anfall noch zweimal in Zeit von 24 Stunden wiederkehrte, ſo war derſelbe doch immer weniger gefaͤhrlich und wurde auf dieſelbe Weiſe beſeitiget. Bei dieſem lebensgefaͤhrlichen Anfall glaube ich annehmen zu doͤnnen, daß das feindliche Agens die Oberhand zu gewinnen ſtrebte, indem die Reaction der Lebenskraft nicht hinlaͤngliche Kraft hatte, daſſelbe vom Gehirn abzuhalten; dennoch bot dieſelbe alle Kraft auf, um das wichtigſte Organ zu ſchuͤtzen, und das feindliche Agens auf minder wichtige Theile zu werfen, welcher gefaͤhr⸗ liche Kampf durch oben angegebene Symptome wahrgenommen wurde. Ohne aͤrztliche Unterſtuͤtzung wuͤrde die Lebenskraft unterlegen haben, denn in der Regel erfolgt bei dem beſchriebenen Zuſtande bald totale Laͤh⸗ mung der Reaction, d. i. Tod. Die zuruͤckbleibende Laͤhmigkeit des Muskularſyſtems uͤberwand die Reaction allmaͤlig mit Beihuͤlfe weniger Mittel und die Erhaltung des ſo ſehr von Gefahr bedrohten Lebens war die Folge der im Organismus wohnenden Lebenskraft und meines einfa⸗ chen ruhigen Handelns. 4 Ferner beobachtete ich im Nervenſieber einige Male den Dazutritt des Tetanus und Trismus. So oft dieſer Starrkrampf eintrat, ſo hoͤr⸗ ten die Delirien auf und offenbar wurde dadurch, daß das Muskularſy⸗ ſtem vorzuͤglich in Mitleidenſchaft gezogen wurde, durch die Reactjon der Lebenskraft von einer großen Gefahr befreiet. Denn ſobald es mir ge⸗ 61 auf den Organismus feindlich einwirkende Potenzen uͤberwaͤl⸗ tigt, und ohne aͤrztliche Huͤlfe gelangt der Organismus zu ſei⸗ gelang, durch Unterſtuͤtzung der Reaction den Starr⸗ und Kinnbacken⸗ Krampf zu beſeitigen, ſo wurde das Gehirn um ſo heftiger wieder er⸗ griffen, und umgekehrt wurde dieſes freier, wenn der Krampf wieder eintrat. Auf dieſe Weiſe dauerte der Kampf der Reaction mit dem feindlichen Agens bald laͤngere, bald kuͤrzere Zeit, bis es meinen Bemuͤ⸗ hungen gelang, die Reaction ſo zu unterſtützen durch paſſende Mittel, daß ſie in dem gefaͤhrlichen Kampfe die Oberhand behielt. Es hoͤrte das Leiden des Muskularſyſtems und des Gehirns auf. Ein tiefer lange dauernder Schlaf bewies mir die beſeitigte Lebensgefahr. Haͤtte in die⸗ ſen Faͤllen die Reaction das feindliche Agens nicht von dem edelſten Or⸗ gane abgehalten, und das minder wichtige Muskularſyſtem auf kurze Zeit dem Angriffe ausgeſetzt ſein laſſen, ſo wuͤrde ein fruͤher Tod erfolgt fein.— Ein einziger Fall dieſer Art, der mißgluͤckte, beweiſt, glaube ich, dieſe Anſicht noch mehr. Mit den gewoͤhnlichen Symptomen einer febris nervosa versatilis hatte die Krankheit 8 Tage gedauert, war von einem alldopathiſchen Arzt ohne Erfolg behandelt worden. Ploͤtzlich hoͤrte das hervorſtechende Leiden des Gehirns auf, dagegen ſtellte ſich Tetanus und Trismus ein und nachdem dieſer gefaͤhrliche Krampf 24 Stunden erfolglos behandelt war, ward ich dazu gerufen. Ich reichte ein Mittel in oͤftern Gaben, da die Gefahr zur Eile aufforderte. Der Starrkrampf hoͤrte nach mehrern Stunden auf, aber gleich darauf tra⸗ ten wieder deliria furibunda ein und nach einigen Stunden, noch ehe ich von der Umaͤnderung der Krankheit benachrichtigt werden konnte(ich wohnte 1 Stunde entfernt) erfolgte totale Laͤhmung der Lebenskraft und deren Reaction d. i. Tod durch Schlagfluß. Wenn ich im Orte des Kranken gewohnt haͤtte, um der Reaction ſogleich zu Huͤlfe kommen zu oͤnnen, ſo wuͤrde es vielleicht gelungen ſein, das feindliche Agens und deſſen Angriffe von dem Gehirn abzuhalten, und auf minder wichtige Or⸗ gane zu leiten, wodurch Zeit gewonnen worden waͤre, um daſſelbe zu bekaͤmpfen. Die heftigen, oft fuͤrchterlich anzuſehenden Kraͤmpfe in der Epilepſie ſind als Product der Reaction der Lebenskraft gegen die feindliche Po⸗ renz, welche die Tendenz zeigt, vorzuͤglich auf das Gehirn nachtheilig und lebensgefaͤhrlich einzuwirken, anzuſehen. Es ſind Beſtrebungen, den feindlichen Reiz von dem edelſten Organe, dem Gehirn, abzuhalten, und denſelben auf ein weniger wichtiges Syſtem, auf das Muskularſy⸗ ſtem zu leiten. Zwar vermag die Reaction das Gehirn nicht vollkom⸗ men zu ſchuͤtzen, denn die Erfahrung lehrt uns, daß das Gehirn bei je⸗ dem epileptiſchen Anfall mehr oder weniger leidet, jedoch wird die Le⸗ bensgefahr oft viele Jahre hindurch beſeitiget. Mit der Zeit verliert aber die Reaction an Kraft, durch den oͤfters zu beſtehenden Kampf; ſie vermag dem feindlichen Reiz nicht ſo wie fruͤher zu widerſtehen, um denſelben auf das Muskularſyſtem zu werfen, ohne bleibenden Nachtheil fuͤr das Gehirn;z daher entſteht bei Epileptiſchen mit der Zeit Gedaͤchtnißmangel, Stumpfſinn. Bloͤdſinn u. ſ. w. Verliert die Reaction mit der Zeit noch mehr an Kraft, durch die zu oft ſich wiederholenden Kaͤmpfe, ſo ver⸗ mag ſie nicht mehr dem immer maͤchtiger werdenden Feinde zu wider⸗ ſtehen, dann ſehen wir ſtatt der epileptiſchen Kraͤmpfe ſchnellen Tod durch 62 nem fruͤheren Wohlſein; doch nur in den Faͤllen, wo die krank⸗ machende Potenz nicht maͤchtiger iſt, als die Reaction der Le⸗ Schlagfluß entſtehen. Jedem vielbeſchaͤftigten Arzte werden Faͤlle dieſer Art vorgekommen ſein. Oder es gelingt auch wohl der unermuͤdlichen Reaction, der feindlichen Potenz eine Ablagerungsſtelle auf ein weniger wichtiges Organ, als das Gehirn iſt, zu verſchaffen, dann wird die Epi⸗ lepſie mit ihren Krampfanfaͤllen ſuspendirt, und ein anderes Leiden tritt an deren Stelle. So ſah ich die Epilepſie aufhoͤren und Lungenſchwind⸗ ſucht eintreten und als dieſe der Heilung ſich naͤherte, wieder die epi⸗ leptiſchen Kraͤmpfe erſcheinen, welche durch kein Mittel weder geheilt, noch gemindert werden konnten, immer haͤufiger wiederkehrten, bis ein Schlagfluß die Scene beendigte. Auch ſah ich die epileptiſchen Kraͤmpfe aufhoͤren, wenn boͤsartige Hautausſchlaͤge entſtanden, und wenn dieſe durch Mittel in der Heilung begriffen ſchienen, jene mit erneuerter Wuth auftreten.— 1 Jeder Hautausſchlag iſt als Heilbeſtreben der Lebenskraft und deren Reaction anzuſehen, wodurch die feindliche Potenz abgehalten wird, innere, edlere Organe anzugreifen. Daher die boͤſen Folgen, ja nicht ſelten baldiger Tod, zu erklaͤren, wenn wir die Natur in ihren Heilbe⸗ ſtrebungen muthwillig ſtoͤren und ſolche Hautausſchlaͤge durch aͤußere Mittel vertreiben.— Die Geſichtsroſe iſt als Product des Kampfes der Reaction wider eine krankmachende Potenz anzuſehen, aus welchem die Reaction als Siegerin geht, in ſo fern es derſelben gelingt, die feindliche Potenz vom Gehirn abzuhalten und auf die aͤußern Theile zu werfen. Bei gutem Verhalten des Kranken wuͤrde die Lebenskraft in der Regel dieſen Feind ohne aͤrztliche Huͤlfe uͤberwinden, wenn ſie auch laͤngere Zeit dazu be⸗ darf, als mit Unterſtuͤtzung der Reaction durch paſſende Mittel. Al⸗ lein bei leichtſinnigem Verhalten des Kranken, der ſich grobe Diaͤtfehler zur Schuld kommen laͤßt, oder ſich neuen Verkaͤltungen ausſetzt, ſo daß dadurch die feindliche Potenz noch einen Zuwachs erhaͤlt, vermag die Reaction, geſtoͤrt oder uͤberwaͤltigt in ihren Beſtrebungen, nicht mehr zu widerſtehen; wir nehmen dann Ruͤcktritt der Roſe vom Geſicht wahr und Gehirnleiden, indem der Feind nun jenes wichtige Organ, das Ge⸗ hirn, ergreift, welches anzugreifen gleich zu Anfange ſeines Eindringens die Tendenz war, wovon er aber durch die ungeſchwaͤchte Reaction abge⸗ halten wurde. So nehmen wir nun alle Symptome der Gehirnentzuͤn⸗ dung wahr. Es wird dem homdoͤopathiſchen Arzte aber auch jetzt noch leicht, durch ein paſſendes Mittel die Reaction ſo zu unterſtuͤtzen, daß der Feind bekaͤmpft wird. Umgekehrt, bei Anwendung verkehrter Mit⸗ tel, behaͤlt die feindliche Potenz die Oberhand, die Reaction wird to⸗ lal gelaͤhmt und ein Schlagfluß endigt das Leiden. Schon oft fuͤhrten Quackſalber oder ſelbſt leichtſinnige Ärzte, wie ich ſelbſt Beiſpiele anfuͤh⸗ ren koͤnnte(ich will Niemanden beleidigen, ſelbſt die nicht, die mich ohne alle Ruͤckſicht und ohne Sachkenntniß ſo haͤufig beleidigten, was ich wohl vergeben, aber nie vergeſſen kann!), das Lebensende des Kranken ſchnell dadurch herbei, daß ſie, das Walten der Natur zu wenig durchſchauend, die Reaction in ihren herrlichen Beſtrebungen auf grobe Art ſtoͤrten, die Geſichtsroſe durch aͤußere Mittel zuruͤcktrieben, wo⸗ durch ſchneller Schlagfluß erfolgte. Exempla sunt in promptu, sed odiosa! 3 63— benskraft. Ohne aͤrztliche Huͤlfe vermag letztere nicht aller feindlichen Potenzen ſich zu erwehren, wenn ſolche zu maͤchtig auf den Organismus oder auf einzelne Organe einwirken. Je eingreifender das feindliche Agens im Stande iſt, auf einzelne Organe einzuwirken, um ſo mehr muß die Reaction in An⸗ ſpruch genommen werden, um das feindlich einwirkende Agens moͤglichſt unſchaͤdlich fuͤr das angegriffene Organ und fuͤr den ganzen Organismus zu machen, in wie fern die einzelnen Or⸗ gane im innigſten Zuſammenhange ſtehen.— Die Erfahrung lehrt uns, daß es manche krankmachende Potenzen giebt, ie Arzte, welche ſo handeln, ſogar wiederholt ſo handeln, ſind na as nicht Miniſter der Natur, ſondern Zerſtoͤrer der Lebenskraft zu nennen. 26160 1 Wer kann die unermuͤdliche Thaͤtigkeit der Reaction in der Scro⸗ felkrankheit verkennen! So lange es der Reaction gelingt, das Scrofel⸗ gift auf aͤußere Theile zu werfen, ſo lange iſt in der Regel keine Lebens⸗ gefahr da; wird aber die Reaction ermuͤdet und in ihrem Widerſtreben uͤberwunden, ſo greift das Gift innere, edle Organe an und es gelingt unſern Bemuͤhungen nicht immer, die Reaction wieder zu der Kraft zu bringen, um das Gift nach außen hin zu werfen; es erfolgt bald laͤn⸗ geres, bald kuͤrzeres Siechthum, oder auch baldiger Tod, wenn das Gift ſehr edle Organe, z. B. das Gehirn befaͤllt.— Alle akuten Hautausſchlaͤge zeigen uns den Kampf der Lebenskraft mit dem feindlichen Agens auf das klarſte. Das Scharlach⸗Contagium z. B. zeigt die Tendenz, das Gehirn vorzuͤglich anzugreifen. Vom An⸗ fange an ſuchte dieſes Contagium auf das Gehirn einzuwirken, die Reaction opponirt dem Feinde mit groͤßter Anſtrengung und ſucht das Gift baldigſt von dem edlern Organ auf minder wichtige Theile des Or⸗ ganismus zu werfen, naͤmlich auf die Deglutitions⸗Organe und auf das Hautſyſtem. Oft, wenn das Scharlach⸗Gift zu kraͤftig wirkt, unterliegt die Reaction in dieſem Kampfe, indem der Scharlach⸗Ausſchlag nur an einzelnen Stellen der Haut nicht ſcharlach roth, ſondern blaß und blaͤulich erſcheint. Das Contagium wirkt dann, jemehr die Reaction in ihrer Anſtrengung ermuͤdet, immermehr auf das Gehirn ein, und ſo erfolgt bald Nervenſchlagfluß. Oft aber erlangt die Reaction den voll⸗ kommenen Sieg. Dann ſehen wir den Scharlach⸗Ausſchlag uͤber den ganzen Koͤrper ſich verbreiten, wobei das Gehirn freier wird. Sobald aber die Lebenskraft in ihren Heilbeſtrebungen durch verkehrte Behand⸗ lung, oder durch aͤußere Einfluͤſſe geſtoͤrt wird, wodurch der Ausſchlag wieder zuruͤcktritt, ſo erfolgt ein deſto heftigerer Angriff des feindlichen Agens auf das Gehirn, die Reaction iſt durch ihre fruͤheren Anſtren⸗ gungen noch erſchoͤpft, vermag keinen langen und hinreichenden Wider⸗ ſtand zu leiſten, wird daher bald uͤberwaͤltigt, gelaͤhmt, auf welche Weiſe Schlagfluß erfolgt. Je nachdem das Scharlach⸗Contagium mehr oder wenſger maͤchtig einwirkt auf den Organismus, ergreift daſſelbe, vom Gehirn abgehalten, auch oft die Deglutitions⸗Organe und wirkt zerſtoͤ⸗ vend aaf ſe ſein; die Reaction vermag dieſem Angriff nicht immer genuͤ⸗ genden Widerſtand zu leiſten, wie die Erfahrung hinlaͤnglich lehrte. 64 welche die Lebenskraft nicht im Stande iſt zu bekaͤmpfen, wo ohne Unterſtuͤtzung der Reaction unausbleiblich Laͤhmung der⸗ ſelben erfolgt, d. i. Tod. Dieſer unverhaͤltnißmaͤßige Kampf der Lebenskraft und deren Reaction mit der maͤchtigern krank⸗ machenden Potenz kann zweifacher Art ſein. Letztere wirkt ent⸗ weder ſo maͤchtig auf ein Organ ein, daß nur die hoͤchſte An⸗ ſtrengung der Reaction im Stande ſein kann„das maͤchtigere feindliche Agens zu uͤberwaͤltigen, dann kann die Lebenskraft, in ihrer aͤußerſten Anſtrengung, den Kampf um Leben oder Tod nicht lange aushalten, ſie muß nach kurzer Zeit unter⸗ liegen; oder die feindliche Potenz wirkt ſo eingreifend auf ein Organ, daß die Lebenskraft zu gar keiner Reaction gelangen kann, dann wird die Lebenskraft augenblicklich paralyſirt. Die Paralyſe kann entweder vollkommen oder unvollkommen ſein. Im erſteren Falle iſt wirklicher Tod die Folge und jede Huͤlfe ſcheitert. Im zweiten Falle wird die Reaction nur an ihrer Wirkungsſphaͤre auf laͤngere oder kuͤrzere Zeit gehemmt und kann bei zweckmaͤßiger Auswahl der jedesmal paſſenden Mit⸗ tel und deren Anwendung wieder in Thaͤtigkeit geſetzt werden, oder die Reaction kommt ohne unſere Huͤlfe wieder in Thaͤtig⸗ keit, wenn der feindliche Reiz nur voruͤbergehend auf dieſelbe laͤhmend einwirkte. Dies ereignet ſich oft, wenn Schreck, zu große Freude, Angſt, Schaam und dergleichen Gemuͤthsaffecte lange andauernde Ohnmachten, Scheintod, Kraͤmpfe u. ſ. w. erzeugten. 1s. 3 Wenden wir dieſe vorausgeſchickten pathologiſchen Grund⸗ ſaͤtze auf unſern Gegenſtand an, ſo lehrt uns die Erfahrung: 1) Das Milzbrandgift als krankmachende Potenz iſt maͤch⸗ tiger als die Lebenskraft, denn ohne Ausnahme unterliegt dieſelbe ohne Unterſtuͤtzung entweder augenblicklich oder in kur⸗ er Zeit. 14 Bei Das Milzbrandgift wirkt oft auf ein einzelnes Organ, vorzuͤglich auf die Milz, alle ſeine Kraft concentrirend, ſo hef⸗ tig ein, daß die Reaction zu keiner Thaͤtigkeit gelangen kann, ſondern ſogleich total gelaͤhmt wird. Es tritt dann ſchnelle Zerſtoͤrung des ergriffenen Organs ein. In dieſen Faͤllen ſehen wir die Thiere ohne Reaction, oder ohne ein Krankheitszeichen wahrzunehmen, ploͤtzlich todt niederfallen. 3) Das Milzbrandgift uͤbt zwar auf ein Organ vorzuͤg⸗ lich ſeine Gewalt aus, allein die Reaction, die in einem Or⸗ ganismus ſtaͤrker iſt, als in dem andern, vermag dennoch ſo viel, um dem Feinde zu opponiren, jedoch bedarf es der hoͤch⸗ ſten Anſtrengung, um dieſen Verſuch zu unternehmen, und in dieſer hoͤchſten Anſtrengung vermag die Reaction nicht lange 65 kann die Lebenskraft mehrere Tagen ndech den Feinden wi ſo zerſtoͤrender auf die Organe, ie Boeßlglch augeeffen wat ſchwuͤ Pen 2 8 d 7 1* 7 51 Be 2 nten. er 7 toͤdtlicher ſein muß, als der, bei 9 8n di ſich zußer 19 fer ſohnellem Verſchwinden der ſchon lölicher Tod beobachtet wunde; ferner⸗ warum die Zerſtoͤrung der innern Hrgane weit groͤß beit 66 wagſtört gefunden würde... J.,. e es 9h Der Exfahrüngsſatz, daß die Entſtehung des Brandes uß fte 8 durch vorausgegangene Entzuͤndung bedingt wird. elch Das Mqberndgift Zeigt nicht allin die Tende ſchnell in Brand uͤbergehende Entzundung zu erzeugen, ſon⸗ dern 169 ee Safte baldigſt aufzutoſen, dem zufolge nach dem Tode 15*7„ P, e Andere Schriftſteller haben theils dieſen aͤhnliche, theils herräſaſehe verſchiedene Anſichten vom Weſen dieſer Krank⸗ Alindund enldinger als ein allgemeines, brandartiges Ent⸗ Aündung⸗ eet Ahami as dine doil:ufartige Mizentzunduig; Fals ei un n; Lau⸗ haͤtigkeit geäͤndert und zu einer krankhaften eac R enztiet Stockungen derte Thaͤtigkeit des Lymphſyſtems ſpecifiſch veränderte Lym⸗ phe, welche neu und außerordentlich auf die Gefäße zuruck⸗ wirkt, zu neuen Ergießungen immer Anlaß giebt, ſich uͤberall 67 verbreitet und verpflanzet, Metaſtaſen, Anhaͤufungen, Ver⸗ ſetzungen und Umformungen hervorbringt, wodurch oft ſchnel⸗ ler Tod, oder vielfaͤltig andere Erſcheinungen entſtehen, die ſich nach den Nebenumſtaͤnden und den davon bedingten anderwei⸗ tigen Reactionen formen. In was das Weſen dieſer Materie beſtehe, ob im Überfluſſe vom Kohlen⸗ oder Waſſerſtoffe, oder in Deſoxidirung ode: in Anhaͤufung und im UÜberfluſſe des Brennſtoffs, iſt man nicht im Stande durch die chemiſche Ana⸗ lyſe zu zeigen, da die Materie als reiner Krankheitsſtoff nicht darſtellbar iſt. Die Wirkungen des Anthrarſtoffes, faͤhrt v. Am⸗ Pach fort, beſtehen nach den bisherigen Erfahrungen und Beob⸗ achtungen im Lebendigen in folgenden: 1) Reizt dieſer Stoff alle gefaͤßreiche Organe, wodurch nicht nur ein entzuͤndungsar⸗ tiger Zuſtand derſelben, ſondern auch eine beſondere Umſtim⸗ mung der Nervenkraft entſteht und unterhalten wird, wodurch Betaͤubung, Stumpfſinn, Verluſt des thieriſchen Bewußtſeins, Laͤhmungen und ſelbſt jaͤher Tod entſteht, ohne daß man oft ein Fieber bemerkt. 2) Vermindert er das Blut, welches dunkel, gelblicht, zaͤhe und jauchig wird, wodurch ſtarke Fie⸗ berbewegungen und Ausſchlaͤge erfolgen. 3) Verdickt er alle Saͤfte, beſonders das Blut. Die Bewegungen zur Fortſchaf⸗ fung des letztern muͤſſen alſo fieberhaft werden, das Blut haͤuft ſich im venöſen Syſtem auf, die Thaͤtigkeit im Gefaͤßſyſtem wird unordentlich und ausſetzend, die Blutmaſſe wird unor⸗ dentlich vertheilt, und es entſtehen Turgescenzen, Orgasmen u. ſ.w. 4) Theilt er den uͤbrigen Saͤften ſeine Scharfe mit, die dorthin vorzuͤglich abgeſetzt wird, wo die erregende Urſache unmittelbar einwirkend das erſtliche Leiden hervorrief; daher bilden ſich Beulen, Wuͤlſte, Knoten und Geſchwuͤre auf der Haut, der Zunge, der Leber, Milz u. ſ. w. 5) Nimmt er den Saͤften die naͤhrenden Beſtandtheile, und dieſe um ſo eher, je fetter zuvor die Thiere waren, wodurch ein neuer Zunder zur Fieberanfachung gebildet wird. Denn ſchnell tritt Abma⸗ gerung, Schmelzung, Verſulzung und Verjauchung des Fettes ein. 6) Erzeugt er eine entzuͤndliche, nervoͤſe oder faulichte Diatheſe, je nachdem die Conſtitution der Thiere vor und bei der Seuche beſchaffen iſt. Sind die Thiere ſtark und gut ge⸗ naͤhrt, ſo iſt das Fieber oft ein wahres entzuͤndliches, und bei ſchlecht gepflegten, uͤbel beſchaffenen Thieren iſt der Fieber⸗ charakter bald nervoͤs, bald faulicht, welcher letztere Zuſtand den hoͤchſten Grad animaliſcher Faͤulniß erhalten kann, was bei der Hoͤhe der Krankheit ſo oft geſchieht, wo Jauche ſich in den boͤsartigen Ausſchlaͤgen bildet, und brandige, krebsar⸗ tige Geſchwuͤre ſich erzeugen. 7) Enswiaelt er einen An⸗ 1 68 ſteckungsſtoff, fuͤr Menſchen und Thiere gefaͤhrlich. Dieſes Con⸗ tagium iſt die gewiſſe Folge des ſublimirten Grades animali⸗ ſcher Faͤulniß und faulichter Verderbniß der Saͤfte.— Wird dieſes Contagium von dem Menſchen aufgenommen und feſt⸗ gehalten, ſo verfaͤllt der Menſch in eine aͤhnliche hitzige Krank⸗ heit, wie die Thierr. or e ml de e l 1 Von der Prognoſe oder Vorherſage. b 1 9 Prognoſe bei alloͤopathiſcher Behandlung des Milz⸗ randes.. lnr Hars 24091% t Da die homoͤopathiſche Behandlung andere Reſultate ge⸗ liefert hat, als alle bisher eingeleiteten Behandlungsarten, ſo iſt auch die Prognoſe ſehr verſchieden. Wird der Milzbrand alloͤppathiſch behandelt, ſo iſt die Prognoſe ſehr ungunſtig. Einſtimmig wird der Milzbrand als eine gefaͤhrliche, heim⸗ tuͤckiſche Krankheit anerkannt, wo Huͤlfe meiſt unmoͤglich iſt. Der Thierarzt Ammon ſagt in ſeiner Schrift:„Nur aͤußerſt wenige Thiere, die von der Krankheit befallen werden, erhal⸗ ten das Leben. Nur dann, wenn die Krankheit einen lang⸗ ſamen Gang nimmt, darf man Geneſung hoffen. Aber auch hier kann man annehmen, daß ohne Huͤlfe der Kunſt der groͤßte Theil der kranken Stuͤcke ſtirbt. Dort, wo Beulen entſtehen, ſterben die Thiere nicht ſo haͤufig und geſchwind, indeſſen hat man ſie auch noch kurz vor dem Tode entſtehen geſehen. Oft kommen ſie erſt, wenn die Krankheit anhaͤlt; daher man bei einem Stuͤcke, das Beulen zeigt, und nicht bald darauf geht⸗ Hoffnung zur Beſſerung haben kann. Diejenigen, welch, Beulen am Kopfe oder am Halſe bekommen, ſterben oft in wenigen Stunden; die ſie aber am Hinterſchenkel und Bruſte lappen bekommen, kommen gemeiniglich davon. Gefaͤhrlich ſind die Geſchwuͤlſte, wenn ſie am Hodenſacke und am Bauche ſitzen.“— Ein Anderer ſagt:„Je geſuͤnder und kraͤftiger die Thiere ſind, deſto groͤßer iſt die Gefahr, in welcher ſie ſchwe⸗ ben. Am gefaͤhrlichſten iſt die Milzſeuche dem Mittelalter; weniger gefaͤhrlich iſt ſie den jungen, noch weniger den alten Thieren, und wenn dieſe davon ergriffen werden, ſo nimmt 69 die Krankheit gewoͤhnlich einen langſamen Gang, und die Umbil⸗ dung des anfangs entzuͤndlichen Fiebers in das Faulfieber wird bei ihnen beobachtet. Je hoͤher der Grad des Entzuͤndungs⸗ fiebers iſt, deſto ſchneller verlaͤuft die Krankheit, und deſto beſtimmter endet ſie mit dem Tode(durch Laͤhmung, Brand u. ſ. w.). Erſcheinen keine Geſchwuͤlſte auf der Oberflaͤche des Koͤrpers innerhalb weniger Stunden bei hohem Grade des Fie⸗ bers, dann iſt der Tod als unvermeidlich vorher zu ſagen.* V. Am⸗Pach ſagt:„Die Karfunkelkrankheit gehoͤrt uͤber⸗ haupt zu den gefaͤhrlichſten und toͤdtlichſten Seuchen; ſie ſchleicht oft im Geheim, und erwurgt auf eine tuͤckiſche Art, ſelbſt dann noch, wenn ihr Verlauf langſam iſt. Boͤsartig muß man die Krankheit erklaͤren, wenn ſie anomal verlaͤuft, oder in norma⸗ lem Gange eine beſondere Heftigkeit hat, und jene Zeit in ih⸗ rem Verlaufe beobachtet, welche zur Hervorbringung jener in⸗ nerlichen Deſtructionen erforderlich iſt, um ein Contagium zu entwickeln, welches dann ſelbſt jenen Thieren die Krankheit mittheilt, die vielleicht von der Seuche verſchont geblieben waͤ⸗ ren. Daher iſt die ſchnelltoͤdtende Karfunkelkrankheit fuͤr den uͤbrigen Viehſtand weniger gefaͤhrlich, obwohl ſie fuͤr den ein⸗ zelnen Viehbeſitzer eine unguͤnſtige Prognoſe giebt. Ferner iſt die Krankheit boͤsartig zu erklaͤren, wenn die Krankheit mit jenen öͤrtlichen Affectionen vorkommt, welche die Erfahrung ſchon als die gefaͤhrlichſten ausgewieſen hat, z. B. bei dem Hornvieh die oͤrtlichen Affectionen der Leber; bei den Pferden die oͤrtlichen Affectionen des Gehirns und der Daͤrme; bei den Schweinen die oͤrtlichen Affectionen der Halsgebilde. Gene⸗ ſung iſt zu hoffen bei einem gelindern Gang der Krankheit, und wenn die aͤrztliche Huͤlfe kraͤftig dem fieberhaften Allge⸗ meinleiden und den Exanthemen entgegenwirkt. An und fuͤr ſich gehoͤrt die Krankheit zu den gefaͤhrlichſten, ſelbſt dann noch, wenn ihr Verlauf langſam iſt.“— Koͤrber ſagt:„Bei einer zweckmaͤßigen und fruͤhzeitig ein⸗ geleiteten Behandlung retten wir beim Rindvieh durchgaͤngig von fuͤnf Kranken vier; bei den Pferden von fuͤnf drei; bei den Schweinen von fuͤnf kaum zwei, und bei den Schafen von fuͤnf kaum ein Stuͤck.— 11d23. I30 H.. Wenn nun die beſten Schriftſteller die gefaͤhrliche und toͤbtliche Eigenſchaft des Milzbrandes ausgeſprochen haben, ſo iſt die alloͤpathiſche Behandlung in hieſiger Gegend mit ſol⸗ chem ungluͤcklichen Erfolge angewendet worden, daß man zu der überzeugung gekommen war, es helfe kein Mittel in der Milzbrandkrankheit und ohne ſich in Unkoſten zu ſetzen, ließ man die Thiere meiſt ſterben. Dieſes mag ſeinen Grund darin 70 haben, daß die Krankheit ſehr ſchnell verlaufend und ohne Beulen auftritt, in welchen Faͤllen die Schriftſteller den Tod als unvermeidlich anſehen. B) Prognoſe bei homoͤopathiſcher Behandlung. Der Milzbrand wird bei weitem in den meiſten Fäͤlle geheilt. Einem genau angeſtellten Überſchlage zufolge werden von hundert erkrankten Thieren mindeſtens achtzig Stuͤck geheilt, waͤhrend bei alloͤopathiſcher Behandlung von hundert kaum fuͤnf Stuͤck gerettet werden. Die akute Form des Milz⸗ brandes(nur nicht die, bei welcher jaͤher Tod eintritt!), ſo wie ſolche in der Wetterau vorzuͤglich vorkommt, findet in dem weiter unten bezeichneten Mittel ſchnell und leicht das Ret⸗ tungsmittel. Erfolgt bei homoͤopathiſcher Behandlung Haut⸗ ausduͤnſtung oder Luftgeſchwulſt unter dem Felle, oder waͤſſe⸗ riger, auch wohl blutiger Durchfall, welche Zeichen Koͤrber als ſichere Vorboten des nahen Todes angeſehen wiſſen will, ſo kann man ziemlich ſicher der Hoffnung ſich hingeben, daß Ret⸗ tung in kurzer Zeit eintreten wird, wenn nur das omindoͤſe Zit⸗ tern zugleich nachlaͤßt.— Je fruͤher man die Krankheit er⸗ kennt, um dagegen handeln zu koͤnnen, deſto guͤnſtiger wird der Erfolg ſein. Iſt die Reaction noch nicht vom Milzbrand⸗ gifte uͤberwaͤltigt, ſondern noch im Kampfe gegen daſſelbe be⸗ griffen, dann werden wir durch gehoͤrige Unterſtuͤtzung und An⸗ regung der Reaction ſicher Rettung herbeizufuͤhren vermoͤgen. Iſt aber die Lebenskraft und deren Reaction ſo weit uͤberwaͤl⸗ tigt, daß ſie gelaͤhmt iſt, ſo iſt jede Huͤlfe unmoͤglich, denn wo die Reactionskraft voͤllig aufhoͤrt, iſt der Tod unausbleib⸗ liche Folge. rvanihg nsfd n i gmn FIItot Geilhor 4 nta Von der Behandlung des Milzbrandes. ſen .- 5e u urt 1 A) Alloͤopathiſche Behandlung. 2 2 a) Vorbauungskur. 42H dddε Kauſch empfiehlt 1. Salzlaxiere, 2. Aderlaß, 3. taͤgliche mehrmalige Schwemmung, 4. Separirung des kranken Viehes bun geſunden, 5. Ziehung eines Haarſeils, 6. kuͤhles Ver⸗ alten. 2nn ger 1re Ks 8 ie in 1 71 Die Erfahrung lehrt, daß dieſe Pläſervatidkurnnicht ber⸗ mag den Milzbrand zur verhuͤten. Pachter und Gutsbeſitzer haben dieſe Mittel ſaͤmmtlich verſucht, um dieſe tüciſche Krank. heit zu verhuͤten. Es gelang ihnen aber nicht. Der Milzbrand zeigte ſich nach wie vor; auch die Malignität der Krankheit wurde durch den Gebrauch dieſer Mittel keineeseas ſemindert 8 Außerdem geben die Schriftſteller folgende Vorſichtsmaß⸗ regeln zur Verhuͤtung des Milzbrandes an.. 1in fainn. 1) Das Vieh muß nicht zu fruͤh ausgetrieben werden, beſonders wenn Nebel vorhanden, oder Thaue oder kalte Re⸗ gen gefallen ſind. os. n5.i1 859 12r chittant 2) Eben ſo wenig treibe man das Vieh bei druͤckender Sonnenhitze aus. 20 26 dn lig 292 Itodnd 2153 2☛ 233) Auch nuͤchtern treibe man das⸗ Vieh nicht auf die Weide.. M5uis Ctlit sGegel 11O sd — A) Man reinige die Staͤlle taͤglich, begieße den Boden mit friſchem Waſſer, luͤfte die Stäͤlle gehoͤrigt i idenee 5) Man ſchwemme das Vieh tägüch, der wo das Ba⸗ den in Fluͤſſen odet reinlichen Waſſerbehaͤltern nicht moͤglich iſt, waſche man das Vieh taͤglich mit kaltem Waſſer. O. n 46) Man ſehe darauf, daß die Cadaver Hehonigatief, der. ſcharrt werden, damit nicht Fuͤchſe oder Hunde davon freſ⸗ ſen koͤnnen, und haben ſolche davon gefreſſen, ſo toͤdte man ſie gleich e dimt Chi 3n irreeul i ne Snn 114 ,3 ) Man trenne die Kranken von den Geſunden und ver⸗ grabe die Gefallenen tief, auch ſelbſt mit der Haut, wenn in derſelben Beulen und Geſchwuͤre vorhanden ſinddi 8) Man ziehe ein Sedacium damit das aufgenommene Seuchengift auf dieſe Weiſe aus dem Koͤrper kommen moͤge. 2 9) Die Viehmarkte in den inficirten und umliegenden Ge⸗ genden ſollen eingeſtellt, und kein Viehnohne Geſundheitspaß verfuͤhrt werden.. arrdön Folrsd mee in 10) Man ziehe Cordone und toͤdte alles an der Seuche erkrankte Bieh. 11, 13 ict 23un lille 224 i 11) Alles Vieh, welches zur Conſumtion geſchlachtet wird, ſoll nicht feil geboten werden duͤrfen, bis es durch einen angeſtellten Viſitator fuͤr geſund erklaͤrt worden iſt..— 12) Man gebe dem Zug: und Laſtvieh nicht zu viel Ar⸗ beit„ beſonders nicht um die Mittagszeit. megnucche 8131 13) Wacholderbeerrauch oder Eſſigräucherungen oder die von Morveau empfohlnen Raͤucherungen koͤnnen angewendet werden. 29 Ghort 19313 Iittnn 206 8* 1 211903 890 3n2165 14) Werden die Fells abgezogen, ſo müͤſſen die Waſen⸗ meiſter, oder der dies thut, keinen Ekel haben, Tabak rauchen 72 und Branntwein trinken; die Haͤnde muͤſſen keine Wunden haben, auch keine friſchen Narben; ihr Geſicht darf auch nicht beſpritzt werden. jg u cdune Irn l2ri e ig node 45) Man ſehe darauf, daß kein Thier vom Aderlaßblut oder vom Unrathe und Auswurfe der kranken Thiere freſſe. nnrb) Alloͤopathiſche Behandlung des Milzbrandes⸗ wmine V. Am⸗Pach ſagt:„Die Kunſt vermag zur Heilung der Kranken nicht immer viel. Da wir die Natur dieſer Krank⸗ heit nicht hinlaͤnglich kennen, ſo kann die heilende Kunſt nur mittelbar zu Werke gehen.“ Mit dieſen Worten iſt die große Unſicherheit des alloͤopathiſchen Heilverfahrens hinlaͤnglich aus⸗ geſprochen. l e dns nm din din e e Die Arzte haben ſehr viele und die verſchiedenſten Mittel ge⸗ gen den Milzbrand angeprieſen. Ich werde diejenigen, welche von den beſten Autoren angegeben ſind, einzeln erwaͤhnen und dabei nachweiſen nach den von mir und Andern gemachten Er⸗ fahrungen, in wie fern ſich dieſelben wirklich in dieſer Krank⸗ heit huͤlfreich bewieſen haben oder nichtt.... Der groͤßte Theil der Schriftſteller bezeichnet den Ader⸗ laß als Hauptmittel, und zwar, wenn der erſte Aderlaß keine Beſſerung, in kurzer Zeit hervorbringt, rathen ſie, denſelben oͤfters zu wiederholen, 2— 4 Mal. Sie verſichern uns den beſten Erfolg. Dabei finde ich aber nicht genauer von den⸗ ſelben angegeben, in wiefern ſie ſich mit Recht eines gluͤcklichen Erfolges ruͤhmen koͤnnen. Überdies hege ich großen Zweifel uͤber die treffliche Wirkſamkeit des Aderlaſſes in dieſer Krank⸗ heit, da die Prognoſe einſtimmig unguͤnſtig ausgeſprochen iſt, und in hieſiger Gegend der Aderlaß bei eingetretenem Milz⸗ brande mit ſehr ungluͤcklichem Erfolge angewendet worden iſt. Viele Beiſpiele koͤnnte ich aufzaͤhlen, wo das Blut nicht ge⸗ ſcheuet wurde; 2 4maliger Aderlaß wurde unternommen, und mit jedem Aderlaß naͤherte ſich das Thier immermehr dem Tode. Ich bin uͤberzeugt, daß Aderlaß wenigſtens bei der Art des Milzbrandes, wie derſelbe in hieſiger Gegend auf⸗ tritt, in der Regel Schaden ſtiften muß. Der Übergang der Entzuͤndung in Brand geſchieht zu ſchnell, das Blut wird in der Zeit gelaſſen, wo die Reaction in ihren Heilbeſtrebungen im Unterliegen iſt, mithin muß bei Anwendung eines der groͤß⸗ ten Schwaͤchungsmittel, welches ich kenne, die Laͤhmung der Reaction um deſto fruͤher eintreten und der Tod erfolgen. Hieraus laſſen ſich die Erfahrungen erklaͤren, daß Thiere waͤhrend des Aderlaſſes oder unmittelbar nach demſelben zuſam⸗ menfielen und ſehr ſchnell ſtarbenz daß ferner unter der mehr⸗ maligen Anwendung des Aderlaſſes die Krankheit nur um ſo 73. ſchneller mit dem Tode endigte. Ich warne daher vor dem Aderlaß, da dieſes angeprieſene Mittel in der Regel nicht nur keine Huͤlfe ſchafft, ſondern ſchaden kann und muß. Dagegen kann der Aderlaß in den Faͤllen, wo ein rein inflammatori⸗ ſches Stadium ſich deutlich zeigt und laͤngere Zeit anhaͤlt, wenn man kein beſſeres Mittel weiß oder hat, nuͤtzlich ſein, und hat ſich auch bereits in dieſen wenigen Faͤllen bewährt finden laſſen, naͤmlich dann, wenn das ominoͤſe Zittern noch nicht eingetreten war, wenn man nur einzelne fliegende Be⸗ wegungen, kleine Zuckungen im Felle wahrnehmen konnte. Daher will ich keineswegs behaupten, um nicht mißverſtanden zu werden, daß Aderlaß nie nuͤtzen koͤnne, ſondern ich lebe nur der Überzeugung, daß Blutentziehungen nur in den Milzbrand⸗ faͤllen nuͤtzen werden, wo der Milzbrand mit einem rein in⸗ flammatoriſchen Stadium beginnt, und je reiner, je anhalten⸗ der dieſes entzuͤndliche Stadium ſich zeigt, und je fruͤher der Arzt V. S. in dieſen Faͤllen unternehmen kann, deſto eher hat man von dieſem heroiſchen Antiphlogisticum etwas zu erwar⸗ ten. Dieſe Faͤlle ereigenen ſich aber in der Regel nicht. Da⸗ her kommt es, daß nicht alle Arzte vom Aderlaß in dieſer Krankheit mit ſolchem Enthuſiasmus ſprechen; wie z. B. Kauſch. Der Thierarzt Ammon ſagt:„Ich weiß wohl, daß ich, wenn ich Aderlaß, ſalzige Purgirmittel als Schwaͤchungs⸗ mittel verwerfe, geradezu hierdurch jenes Heilverfahren ver⸗ werfe, welches mehrere geſchickte Thieraͤrzte angerathen haben. Allein ich halte mich hier an meine eigenen vielfaͤltigen Er⸗ fahrungen, und kann verſichern, daß ich in vielen Faͤllen die ſchwaͤchende Heilart gegen den Milzbrand, ſowohl beim Rind⸗ vieh, als auch bei Pferden und Schweinen, ſelbſt ohne Er⸗ folg angewendet habenn Mehrentheils erfolgte gleich nach deren Anwendung der Tod.“ Dieſes ſtimmt ganz mit den von mir gemachten Beobachtungen uͤberein. Kauſch dagegen ſagt, nachdem er die Erfahrungen Anderer z. B. Paulets, Chaberts, Adamis, Rohlwes, die für den Aderlaß ſich erklaͤren, angefuͤhrt hat:„Hierzu tritt nun meine eigene, in mehrern Epizootien geſammelte Erfahrung, die durchgehends dem Aderlaß das Wort redet.“ Auch Koͤrber redet gunſtig fuͤr den Aderlaß, allein der unguͤnſtige Erfolg von der Anwendung dieſes Mittels iſt aus ſeiner geſtellten Prognoſe erſichtlich, wo der Verfaſſer ſagt:„Bei einer zweckmaͤßigen unde feihzenig eingeleiteten Behandlung retten wir durchgängig von fuͤn Kranken vier.“— n alchin ag Hats d 1d. I Igm dhm Las unter den andern empfohlenen Mitteln behaupten, nach dem Aderlaß, die Salz⸗ und Schwefelſaͤure erfahrungsmaͤßig 74 den erſten Rang. Die Saͤuren ſollen in das Blut uͤbergehen, einen Theil des Sauerſtoffes an daſſelbe abtreten, und auf dieſe Weiſe die Deſoxridation mindern, alſo entmiſchungswidrig wirken, indem der Grund der Krankheit in einer voͤlligen Entmiſchung der Saͤfte geſucht wird. Ich halte mich nur an die Erfahrung und laſſe es dahin geſtellt ſein, in wie fern dieſe Annahmen richtig ſein koͤnnen; es laͤßt ſich dergleichen nur hypothetiſch annehmen und nie genau beweiſen. Es iſt daher ſicherer, die Wirkung eines Mittels nach gemachten Erfahrungen zu wuͤrdigen. Die Schwefelſaͤure iſt laut Erfah⸗ rungen haͤufig und bisweilen mit dem gluͤcklichſten Erfolge an⸗ gewendet worden. In hieſiger Gegend ward dieſes Mittel in un⸗ zaͤhligen Faͤllen angewendet, bewaͤhrte ſich aber nur in ſeltnen Faͤllen als heilkraͤftig. Gleich wie Kauſch die Schwefelſaͤure als eine sacra anchora anſah und meinte, wenn dieſes Mittel keinen gluͤcklichen Erfolg herbeifuͤhrte, jedes andere Mittel ver⸗ geblich angewendet werden wuͤrde, ſo ſtand dies Mittel auch in hieſiger Gegend in großem Rufe, ſelbſt noch bis auf die Zeit, in welcher ich die erſten Verſuche, den Milzbrand homoͤo⸗ pathiſch zu heilen, anſtellte, die ſo gluͤcklich ausfielen, daß alle dieſe fruͤheren Mittel der Vergeſſenheit anheim fielen. Ein Pachter, der an der Mitzbrandkrankheit uͤber 60 Stuͤck Rind⸗ vieh verloren hat, verſicherte mir, daß er durch Aderlaß und durch Anwendung der Schwefelſaͤure die meiſten durchgebracht, bei denen er das Entſtehen der Krankheit fruͤh genug bemerkt habe, wo nebſt verminderter Freßluſt ſich noch nicht jenes omi⸗ noͤſe Zittern eingeſtellt, ſondern nur ein ganz feines Huͤpfen in der Haut hie und da, auch einzelne Stoͤße nach vorn mit dem Hintertheile wahrzunehmen geweſen ſeien. Nur hat die Anwendung der Schwefelſaͤure, die mit Waſſer bis zur ange⸗ nehmen Saͤure verduͤnnt wurde, die unangenehme Folge in dieſen Faͤllen geaͤußert, daß die davon gekommenen Thiere lange an Wundheit des Rachens und der Luftroͤhre kraͤnkelten. Dagegen utheilte mir derſelbe Pachter mit, daß kein einziges Stuͤck weder durch Aderlaß, der wiederholt angewendet worden ſei, noch durch Schwefelſaͤure, noch durch Haarſeile u. dergli haͤtte gerettet werden koͤnnen, wenn ſich jenes ominoͤſe Zittern eingeſtellt habe. eMnugmn ed e e ee Außerdem wurden noch anpeprieſen Klyſtiere von Salz und Kleiendecoct, Haarſeile, der Salpeter u. ſ. w. Von die⸗ ſen Mitteln will ich nicht weiter reden; ſie verdienen wenig Lob und nüͤtzen in der Regel gar nichts, und da, wo ſie nütz⸗ ten, wurden ſie in Verbindung mit andern Mitteln gegeben, ſo daß man ihnen mit Sicherheit nicht den mindeſten Nutzen 1 170 fI 75 d* zuſchreiben kann. Daſſelbe gilt vom Glauberſalz, Kochſalz, Schwefel und deſſen Praͤparaten, Wermuth, Enzian, Kalmus, Wacholderbeeren, Schafgarben, Flieder, Chamomillen, Kam⸗ pher, Wohlverleih, Baldrian, Angelika, Hirſchhorn, Eichen⸗ rinde und einer Menge anderer Mittel. 226, ſ Viele Behandlungsarten ſind zu koſtbar und koͤnnen deß⸗ halb gar keine Anwendung finden. Die Behandlung des v. Am⸗Pach, welche ganz der beim Typhus des Menſchen an⸗ gemeſſen iſt, hat ſich zwar bisweilen bewaͤhrt finden laſſen, wie aus den von dieſem Schriftſteller erwaͤhnten Krankenge⸗ ſchichten erhellt, kann aber wegen des bedeutenden Koſtenauf⸗ wandes hoͤchſtnſelten nur in Anwendung gebracht werden. So erzaͤhlt der Verfaſſer eine Krankengeſchichte, wo die Behand⸗ lung eines einzigen Stuͤcks, nur die Arzneien, die verordnet wurden, gerechnet, mehr als 80 Fl. koſtete. Die Behandlung iſt zu koſtbar, und da ſie doch keine Sicherheit fuͤr einen gluͤck⸗ lichen Ausgang gewaͤhrt, ſo handelt der Landmann kluͤger, weiß er keine andern Mittel, gar nichts zu gebrauchen, ehe er ſich zu einer ſo koſtbaren Behandlung verſteht. Der Werth 8 Stuͤcks belaͤuft ſich im Durchſchnitt nicht hoͤher, als (IN i0 irn re e. 1,d 33 kitn ieer B) Homͤopathiſche Behandlung des Milzbrandes. in ra) Verhuͤtung der Krankheit. mung mſile 1) Die kranken Stuͤcke von den geſunden zu trennen, iſt der Vorſicht ungemeſſen. Die Sperrung der Haͤuſer und Ort⸗ ſchaften, in denen der Milzbrand herrſcht und das Ziehen von Cordonen(dieſe helfen indeſſen meiner Überzeugung nach eben ſo wenig beim Milzbrande, ſo wenig jene Cordone, die auf ſo große Unkoſten der Staaten bei der Cholera gezogen wurden, ge⸗ holfen haben!) halte ich nur dann fuͤr noͤthig, wenn eine Milz⸗ brandſeuche einen hohen Grad von Contagioſitaͤt verraͤth. Da⸗ gegen halte ich eine Sperre mindern Grades der Sicherheit wegen fuͤr zweckdienlich und dieſe wuͤrde ſich auf Folgendes be⸗ ſchraͤnken laſſen. Man geſtatte nicht, daß Vieh aus einem Orte, in welchem Milzbrand herrſcht, zum Verkauf auf Maͤrkte getrieben, oder daß Vieh aus einem ſolchen Orte zur Fort⸗ zucht oder zur Conſumtion verwendet werde.. 2) Man habe Acht, daß die Cadaver hinlaͤnglich tief ver⸗ graben werden, und daß kein Thier irgend etwas vom Blut, Lleiſch berſtrſihen lhjechnada am Milzbrande gefallenen hiere frißt 8* inu un notz ih dlnd 3) War der Verlauf des Milzbrandes langſamer Art, daß Mitzbrandbeulen entſtanden, ſo iſt es der Vorſicht ange⸗ meſſen, das Abledern zu verbieten, und die Cadaver mit dem . 76 Felle zu vergraben. In hieſiger Gegend, wo ſich keine der⸗ gleichen gefaͤhrlichen Milzbrandbeulen zeigen, iſt dieſe Vorſichts⸗ maßregel nicht nothwendig, ſo lange der Milzbrand ſeinen Charakter nicht veraͤndert. Indeſſen muß der, welcher das Ge⸗ ſchaͤft des Ablederns uͤbernimmt, keine Wunde an der Hand haben, ſelbſt nicht eine noch vor kurzer Zeit vernarbte Wunde; auch huͤte er ſich, daß ſein Geſicht nicht vom Blute u. ſ. w. beſpritzt werde. 1 Ieznop chlocr b⸗* 4) Man gebe da, wo der Mitzbrand herrſcht, jedem Stuͤck das Mittel in der Doſis, welches ich weiter unten be⸗ zeichnen werde, alle 48 Stunden Abends zwei Stunden nach dem Futter ein, und ſollte die Schutzkraft in ſolchen Zwi⸗ ſchenraͤumen ſich nicht bewaͤhren, ſo gebe man daſſelbe alle 12— 24 Stunden ein, des Morgens eine Stunde vor dem Futter und Abends. Bei der Behandlung der Krankheit komme ich auf dieſe prophylaktiſche Kur nochmals zuruͤck und erwaͤhne dieſelbe ausfuͤhrlicher. b) Homoͤopathiſche Behandlung des Milzbrandes. Es ſind nun bereits zwei Jahre her, da ich die erſten Verſuche, den Milzbrand homoͤopathiſch zu heilen, unternahm, weil mir die haͤufige Klage zu Ohren kam, dieſe Krankheit ſei eine der tuͤckiſchſten und boͤsartigſten, fuͤr welche man zwar Mittel genug, aber kein heilendes wiſſe. Der Schade, der durch dieſe Krankheit jaͤhrlich den Landleuten zugefuͤgt wurde, war ſehr bedeutend und offenbar die Urſache, weßhalb ſo viele Land⸗ leute im Wohlſtande zuruͤckkamen oder bei allem Fleiße keinen Wohlſtand erwerben konnten. Die erſten Verſuche, den Milz⸗ brand zu heilen, geſchahen durch Vermittelung des Pachter Gerlach in Eberſtadt, deſſen Hausarzt ich ſeit. Jahren bin, und der das groͤßte Vertrauen zur homdͤopathiſchen Behand⸗ lung beſitzt. Meine Prognoſe ſtellte ich vorſichtig auf Schrau⸗ ben, und erklaͤrte, ich koͤnne fuͤr den gluͤcklichen Erfolg zwar nicht ſtehen, doch hoffe ich mit Zuverſicht auf ſolchen; da man nun kein Heilmittel bis jetzt wiſſe, ſo verlohne es ſich der Muͤhe, den Verſuch, den Milzbrand homoͤopathiſch zu behan⸗ deln, zu unternehmen. Der Pachter Gerlach, dieſes vollkom⸗ men einſehend, geſtattete mir, den erſten eintretenden Fall ho⸗ moͤopathiſch zu behandeln. In den erſten Tagen nach dieſer Verabredung erkrankte ein Stuͤck am Milzbrande und wurde zur Verwunderung Aller ſehr bald geheilt. So ereignete ſich bald ein zweiter, dritter und vierter Fall, und eben ſo ſchnell gelang mir die Heilung. Unterdeſſen kam ein Fall vor, wo eine Kuh durch Aderlaß und Tränke wegen Milz⸗ brandes behandelt wurde, und bei dieſer Behandlung in eini⸗ 77 gen Stunden fiel. Die Section zeigte, daß das Stuͤck am Milzbrande geſtorben ſei. Der Unterſchied der verſchiedenen Behandlungen ward hierdurch noch offenbarer, und da in we⸗ nigen Tagen aufs neue Hornvieh mit den gewoͤhnlichen Symptomen des Milzbrandes erkrankte und durch die von mir gegebenen Mittel geheilt wurde, ſo waren auch diejenigen, welche bisher die groͤßten Eiferer gegen die homoͤopathiſche Be⸗ handlung geweſen waren, ganz fuͤr dieſe Behandlung gewon⸗ nen. Die Folge dieſer gluͤcklichen Behandlung war, daß auch anderxe Gemeinden ſich an mich wendeten, um Heilmittel ge⸗ gen dieſe bisher faſt unheilbare Krankheit zu verlangen. Über. all bewaͤhrte ſich die homoͤopathiſche Behandlung als die bei weitem ſicherſte und alle bisher vorgeſchlagenen Behandlungs⸗ arten weit uͤbertreffend. Nur hie und da mißgluͤckten die Hei⸗ lungen theils aus Nachlaͤſſigkeit, indem man die Mittel nicht anhaltend genug gab, in der Beſorgniß, die zu haͤufigen Ga⸗ ben des Heilmittels moͤchten den Thieren Schaden zufuͤgen(vor⸗ her lachte man aber uͤber die kleinen Puͤlverchen und Koͤrnchen und behauptete, ſie koͤnnten bei ſo einem Ochs, bei ſo einer Kuh, beſonders in einer ſo ſchnell verlaufenden und höchſt ge⸗ faͤhrlichen Krankheit nicht helfen!*); theils aus Unklugheit und Unkenntniß, indem man ſich nicht allein mit den Puͤlverchen begnuͤgen konnte, ſondern nebenbei noch Aderlaß, Traͤnke und dergl. in Anwendung brachte, wo freilich die homoͤopathiſche Be⸗ handlung erfolglos bleiben mußte; theils aber auch— und dies ſind nach allen daruͤber erhaltenen Nachrichten die we⸗ nigſten mißgluͤckten Faͤlle— indem man die Krankheit zu ſpaͤt gewazr wurde, oder anfangs die Krankheit verkannte, in welchen Faͤllen die Thiere zu ſchnell fielen. 71I10 HE Sd Die Zeugniſſe, welche ich uͤber die meiſten Heilungsfaͤlle erhielt, moͤgen die Wahrheit des eben Geſagten beweiſen; ich werde weiter unten dieſelben groͤßtentheils mittheilen. Um indeſſen jeden Unpartheiiſchen und Sachkundigen von der Form der Krunkheit in Kenntniß zu ſetzen, wie ſie in hieſi⸗ ger Gegend jaͤhrlich einen unglaublichen Schaden anrichtete, habe ich treu alle waͤhrend ihres Verlaufs wahrnehmbaren Symptome in§. 3. angegeben, und dann die werthvollſten Schriftſtel⸗ ler, die Erfahrungen uͤber dieſe Krankheiten mittheilten, benutzt, 1273 LI InG. 1no NE I2 edn e L 8. I 41258 2, 17IIE 5—„3910 0 Il 504. 1C ) Sehr gebildete Menſchen ſind mir vorgekommen, die der kleinen homdopathiſchen Gahen ſpotteten und ſolche gleich Null erklaͤrten, dennoch ſi eee. haeken, auch nur von der niedrigſten Potenz einige mit arz⸗ neiticher Feüſſigkeit befeuchtete Streukuͤgelchen einzunehmen, fuͤrchtend, ts werde ihnen ſchaden.—. 10 dncle inse ee eſeeei, ſiisft 78 um deren Beobachtungen uͤber den Milzbrand den meinigen beizufuͤgen. So iſt es Jedem uͤberlaſſen, ſein Urtheil zu faͤl⸗ len, ob die von mir beobachtete Krankheit eine Form des Milz⸗ brandes ſei oder nicht. Hier bezeichnet man dieſe moͤrderiſche Krankheit mit dem Namen Milzbrand, und, wie ich glaube, mit Recht, da die Milz das Organ iſt, welches nach ſo haͤufig angeſtellten Sectionen, hauptſaͤchlich brandig angetroffen wird. Wenn ich nun gleich mit den Reſultaten, welche meine Behandlung des Milzbrandes lieferten, mit Recht zufrieden ſein konnte, da ich meine Bemuͤhungen mit ausgezeichnetem Erfolge belohnt ſah, ſo fielen deſſen ungeachtet mehrere Stuͤcke Nachts. Abends war es nicht moͤglich, den Thieren etwas Krankhaftes anzuſehen; ſie fraßen wie gewoͤhnlich und ſchienen im beſten Wohlſein. Des Morgens wurden ſie vom Beſitzer todt im Stalle gefunden. Dieſe Ungluͤcksfaͤlle beruͤckſichtigend und die Hoffnung hegend, den Mitzbrand durch eine prophy⸗ laktiſche Kur verhuͤten zu koͤnnen, veranlaßte mich, in meinen Verſuchen weiter zu gehen.— Der mit dem homoopathiſchen Heilverfahren Vertraute wird leicht einſehen, daß ſolche Ver⸗ ſuche im Großen vielen Schwierigkeiten unterliegen, da ich nicht ſelbſt dabei ſein konnte und nicht immer die Vorſchriften genau befolgt werden, da die groͤßte Reinlichkeit, gewiſſenhafte Theilung in einzelne Gaben, das paſſende Aufheben und Ver⸗ wahren des Heilmittels zu einem gluͤcklichen Erfolge durchaus nothwendige Vorſichtsmaßregeln ſind. Ich konnte daher dieſe Verſuche nur da anordnen, wo ich mir die Erfullung dieſer Bedingungen verſprechen durfte.—Dieſes war nur in einer 79 Orte verbannt, und hoͤrten auf, das Mittel nach meiner Vor⸗ ſchrift einzugeben, auch wohl deßhalb, wie ſie mir zu ihrer Entſchuldigung ſagten, weil der Vorrath des Mittels meiſt verbraucht worden war(ich war naͤmlich 4 Wochen abweſend). Kaum waren aber 14 Tage verſtrichen, ſo fielen wieder 6 Stuͤck in Zeit von einigen Tagen und zwar entweder in der Nacht oder mit ſo ſchnellem Verlaufe der Krankheit, daß es nicht moͤglich war, Zeit zum Eingeben des Mittels zu gewin⸗ nen. Ich ordnete nun abermals nach der Ruͤckkehr von meiner Reiſe die prophylaktiſche Kur an, ſeit Anfang Auguſt. Seit der Zeit bis jetzt, Ende November, waͤhrend welcher Zeit der Milzbrand in ſo vielen Ortſchaften wuthete, erkrankten nur zwei Stuͤck laut Berichten, und die Krankheit zeigte ſich bei dheſen ieht ſo boͤsartig wie fruͤher, und wurde gluͤcklich und bald beſeitigt. Dieſe Mittheilung und die weiter unten unter den Heilungsfaͤllen mitgetheilten Erfahrungen moͤgen üite hen⸗ um meine ausgeſprochene überzeugung zu recht⸗ ertigen. n lille da n.10 Kd( Ich ließ jedem geſunden Stuͤck erſt alle 48 Stunden, dann alle 24 Stunden und endlich alle 12 Stunden fuͤnf Streukuͤgelchen Anthracin geben. Um die Krankheit gaͤnzlich zu verhuͤten, wuͤrde man vielleicht 3— 4 Mal den Tag uͤber dieſe Doſis jedem Stuͤck eingeben muͤſſen, was ich demnaͤchſt, wenigſtens in der heißen Jahreszeit verſuchen werden Um hier⸗ uͤber die moͤglichſte Sicherheit zu erhalten, bedarf es laͤngerer Zeit und einer ſehr großen Menge. ſorgfaͤltig und mit Umſicht angeſtellter Verſuche.„in digt 10af zn mss e ednttn eun Bei dem wirklich ausgebrochenen Mil, IfI 14G 29 Bbrand beweiſt ſich Anthraein als ſpeciſiſches Heilmittel, das iſt ohne Zwelfel wahr, und die vielen Heilungsfaͤlle beweiſen dieſe Wahrheit evident. du ern eniee b0 130 510 1n38„ltane inR. Faſt keine Heilung kann den Grundſatz der Homoͤopathie, Similia similibus, ſo wie die Wirkung der kleinſten homoͤdpa⸗ thiſchen Gaben herrlicher und ſicherer beweiſen, als die Heilung des Milzbrandes, und Zwar aus folgenden Gruͤndenn.. n 1) Der„Milzbrand iſt eine hoͤchſt akute Krankheit, die, ſich ſelbſt uͤberlaſſen, in kurzer Zeit mit dem Tode endigt. Dies iſt, ein anerkannter Erfahrungsſatz, an welchem kein Sachkundiger zweifelt. en ee e 1ItG,E Shicttisf a10 2) Das Heilmittel der Krankheit iſt Anthrax⸗Stoff, wel⸗ cher in geſunden Thieren den Milzbrand wieder erzeugten Dies iſt ebenfalls ein Erfahrungsſatz, wie aus meiner obigen Darſtel⸗ und der Erwaͤhnung ſo vieler Bei⸗ . lung uͤber die Anſteckung 1 ſpiele hervorgeht. 5 dnn aADIdn I 80 2 3) Viele haben bisher aus Unkenntniß der Sache ge⸗ glaubt, die Diaͤt, oder der Glaube heile bei der Homoͤopathie, aber nicht die homoͤopathiſchen Gaben. Dieſe Einwuͤrfe fallen hier voͤllig weg, denn die Thiere koͤnnen keinen Glauben ha⸗ ben, und die Diaͤt war dieſelbe, die auch vor der Heilung an⸗ gewendet wurde. 1., neſtie mad 1130, ii Hüns 4 Sehr Viele zweifeln bis auf den heutigen Tag an der Moͤglichkeit, akute, gefaͤhrliche Krankheiten mit den homoͤopa⸗ thiſchen Gaben zu heilen. Der Beweis wird durch Heilung des Milzbrandes bis zur Evidenz gegeben. Wenn ein Thier von einer der boͤsartigſten hitzigen Krankheiten durch homoͤopa⸗ thiſche Gaben geheilt wird, ſo iſt es doch außer Zweifel, daß auch der Menſch, der ein ungleich empfindlicheres, feineres Nervenſyſtem mit einem ungleich zarteren Koͤrperbau beſitzt, von den akuteſten Ubeln geheilt werden muß, wie denn dies auch ſchon Tauſende von Erfahrungen dem hinlaͤnglich beſtaͤtigt haben, der ſich uͤberzeugen will in nahee 5) Ferner beweiſt die Heilung des Milzbrandes, daß auch die Krankheit, bei der wegen ihres hoͤchſt entzuͤndlichen Cha⸗ rakters von allen den erfahrenſten ÄArzten Aderlaß 2— 4 Mal wiederholt als dringendſtes und erſtes Mittel empfohlen wird, ohne Aderlaß weit ſchneller und ſicherer zu heilen iſt. Es folgt hieraus, daß die homoͤopathiſchen Arzte den Aderlaß bei entzuͤndlichen Krankheiten entbehren koͤnnen, weil ſie ſpecifiſchere entzuͤndungswidrige Mittel kennen, die den Aderlaß entbehrlich machen, als die Alloͤopathen; wobei wir der Gefahr entgehen, ein ſehr wichtiger Vortheil, durch Ader⸗ laß zu ſchaden. Uber den Nachtheil des Aderlaſſens ſchrieb neuerlich Kruͤger⸗Hanſen ganz vortrefflich(Brillenloſe Reflerio⸗ nen uͤber das jetzige Heilweſen, nebſt Beleuchtung der dem Kaiſer Franz, dem Erzherzog Victor Anton und dem Prinzen Auguſt von Portugal zu Theit gewordenen Behandlung, Guͤſtrow 1835.). 1no ne ¹dig idt df eemdilimle uilimie. 6) Die homoͤopathiſchen Mittel wirken ſchnell und ſicher, weil ſie die Heilbeſtrebungen der Lebenskraft und deren Reaction unterſtuͤtzen. Der homdͤopathiſche Arzt beobachtet am genaue⸗ ſten durch die Pruͤfungen arzneilicher Subſtanzen an ſeinem Koͤrper, wie die Lebenskraft und deren Reaction ſich beſtrebt, die feindliche Potenz fuͤr die Organe des Koͤrpers entweder vollig oder doch wenigſtens moͤguchſt unſchäͤdlich zu machen. Er nimmt durch die ſeinen Sinnen ſich zeigenden Symptome den Kampf wahr, welchen die Reaction unternimmt, um ſich gegen das feindliche Agens, hier die eingenommene zu pruͤfende arzneiliche Subſtanz, zu widerſetzen, und zeichnet die wahrge⸗ 81 nommenen Symptome genau auf. Dieſe Pruͤfungen d verſchiedenſten arzneilichen Subſtanzen(in der That ein nicht durch wird er in den Stand geſetzt, der Lebenskraft, wenn ſie i wird und die Reaction auffordert, der feindlichen Potenz szen zduif 5 ſehr kleinen Gabe der ausgewaͤhlten, Gabe wuͤrde die Reaction zu Unheil’ b gen reizen, indem dieſe zu ſtuͤrmiſch Leben in Gefahr bringen wuͤrde.* 211 I u. mad tu nagnns — uin.— aab ne 2n, aloig(b„91 m197G. uu: ) Hieraus erklaͤren ſich folgende Er rungen. Die Gabe des ho⸗ moopathiſchen Heilmittels ch,ſug ſo esſanengee de G die— heit ſich zeigt, weil die Heilbeſtrebungen der Reaction ſchon fuͤr ſich ſtuͤr⸗ miſch ſind. In der Regel wird man bei hoͤchſt akuten Krankheiten mit den kleinſten Gaben viel ſchneller die bedenklichſten„Symptome beſeitigen. umgekehrt wird man beim Gebrauchen groͤßerer Gaben homͤopathiſcher Heilmittel laͤngere Zeit abwarten müͤſſen, eehe ſich weſentliche Beſſerung in ſolchen hoͤchſt akuten Krankheiten zeigt, unde dieſe Ungewißheit kann man ſich leicht erſparen. Sollte die kleinſte Gabe nicht nachhaltig genug wirken, ſo wiederholt man das Mittel in derſelben kleinen Gabe! Dieſe Regel habe ich ſeit 2 Jahren zmit dem gluͤcklichſten Erfoln enbeobachtet. Bei Gehirnentzündungen, bei Lungenentzuͤndungen, wo die ſcheinbar paſ⸗ ſendſten Mittel nichts fruchteten, ſah ich von Sulphur 1500 2 alle 12 Stunden gegeben die erfreulichſten Erf⸗ age, die mich zu der üverzeugung brachten, daß nur der homoͤopathiſche„Arzt dem gangen Umfang der Wirkſamkeit dieſes ausgezeichneten Mittels beurtheilen lernt, der zu der kleinſten Gabe deſſelben in hoͤchſt akuten Krankheiten ſeine Zuflucht nimmt. Auch Lycopodium leiſtete mir bei einer Complication⸗ einer Lungen⸗ und Leberentzuͤndung zſo viely daß eine ginzige Gabe die Krank⸗ heit vollkkommen hob, in welchem Fallo ich überzeugt bin, daß mancher homdopathiſche Arzt, waͤhnend, es fehle ums noch an Mitteln, da die gewoͤhnlichſten Heilmittel in dergleichen Krankheitsfällen, als Aconit, Bryonia, Nux V. nichts leiſteten, zur V. Sa⸗ eine Zuflicht genommen haben wuͤrde. Waͤhrend meiner faſt neunjährigen homoͤopathiſchen, he⸗ 6 82 des Milzbrandes, deren ich ſpaͤter eine bedeutende Anzahl er⸗ waͤhnen werde, bei welchen die Heilung mit zuruͤckbleibenden 1 tann och 5 n16l2 279 I15 wiß nicht unbedentenden Praris habe ich nie V. S. angeordnet, nie einen Blutegel ſetzen laſſen, und das Publikum, dem ich diene, wird mir ſicher das Zeugniß geben, daß ich meine Praris mit Gluͤck ausube.— Wohl weiß ich, daß icht alle meiner Collegen hinſichtlich der kleinſten Gaben in akuten Krankheiten mit mir ubereinſtimmen, allein das von mir eben Mitgetheilte iſt das Ergebnis einer nicht unbedeutenden Erfahrung. Ich weiß mich keines Falles zu erinnern, in welchem ich von Gaben der niedern Potenzen hoͤmoͤopathiſcher Heilmittel in akuten Krankheiten wahren Ntennſe ¹ ſondern beobachtete nur den unangenehmen Erfolg des zu hef⸗ tigen eer Siahateſ daß ich Gegenmittel zu geben gendthigt war⸗ 88 muß aufrichtig geſtehen, daß ich dem homdopathiſchen Arzte jede Erfahrung auch nur von einigem Umfange im Gebiete der Homoͤo⸗ pathie geradezu abſprechen muß, der behauptet, nie von kleinen Gaben Erhoͤhungen geſehen zu haben. Denn ich habe Chroniſch⸗Kranke be⸗ handelt, bei denen die kleinſten Gabon des paſſenden Mittels fuͤr die Kranken ſehr laͤſtig eres eende Erhoͤhungen der Krankheit, die mehrere Tage anhielten, hervörbrachten, weiches ſich bei jedem andern folgenden Mittel wiederholte, bis ich zum bloßen Aufriechen auf die Arznei meine Zuflucht nehnen mußte., Dieſe Erfahrung machte ich oͤfters bei reizba⸗ ren Fraurn, ja ſelbſte hei übrigens robuſten Maͤnnern. Noch oͤfter beoh⸗ hieee hehae Behe. öhungen der Krankheitszeichen von ſehr kheinan hr moopaͤthiſchen Gaben bei akuten Krankheiten, die Gegenmittel zu reichen mich zwangen, um den zu ſturmiſch eintretenden Reactionen Einhalt zu thun. Hiervon koͤnnte ich viele Beiſpiele anfuͤhren.— Seitdem ich nur ſehr kleine Gaben in. akuten Krankheiten reiche, ſehe ich eine weit ſchnel⸗ lere Beſſerung eintreten. Haͤlt die Beſſerung nicht an, ſo wiederhole ich dieſe kleine Gabe. Soyrheilte ich vor nicht langer Zeit einen hohen Grad von Unterleibsentzuͤndung mit 25 Gaben Aconit X-—, von denen ich jede vierte Stunde eine nehmen ließ.— Das Darreichen der kleinſten homdopathiſchen Gaben gewaͤhrt außerdem noch den Vortheil, daß man in einem bedenklichen Zuſtande oͤfter mit Mitteln wechſeln oder daſſelbe Mittel oͤfters mit dem herrlichſten Erfolge wiederholen kann. Ich theile bei dieſer Gelegenheit folgenden mir unlaͤngſt vorgekommenen intereſſan⸗ ten Krankheitsfall mit. Eine Frau hatte zweimal etwa immer im drit⸗ ten Monate nach eder Conception abortirt. Sie unterwarf ſich nun, in der Beſorgniß, abermals einen Mißfall zu erleben, meiner Behandlung. Drei Monate ſpaͤter ward ſie wieder ſchwanger, gebrauchte die Heilmit⸗ tel bis zur Haͤlfte der Schwangerſchaft fort und da ſie ſich ganz wohl fuͤhlte, ließ ſie nun nach mit dem Gebrauch der Mittel. Die Nieder⸗ kunft erfolgte nach ihrer Berechnung im zehnten Monat, war ſehr ſchwer und mußte mit Hülfe der Zange geſchehen; die Nachgeburt war mit der Gehaͤrmutter verwachſen, mußte daher gewaltſam getrennt werden und mnheinar ziemlich großen Stelle wie verknorpelt, welche Stelle an⸗ zufuͤhlen war, als waͤren Steinchen mit der verhaͤrteten Stelle verwach⸗ fen. Der Blutverluſt nach geſchehener Niederkunft war nicht uͤbermäßig, auch, fühlte ſich die Porhnerhn nach einer ſo ſchweren Niederkunft ver⸗ Pitnßmabig den erſten Tagen ſehr wohl, nur beobachtete die naͤchſte umgebung Geſchwulſt des unterleibes. Da indeſſen das übrige Befinden 0 8 — 83 Verhaͤrtungen und Geſchwuͤlſten ſchnell herbeigefuͤhrt wurde, zeigt es ſich ſehr deutlich, wie die homoͤopathiſchen Heilmittel die Heilbeſtrebungen der Lebenskraft unterſtuͤtzen und dieſen ana⸗ log wirken. Die Reaction naͤmlich ſucht das Milzbrandgift von der Woͤchnerin gut war, ſo ſuchten die Angehoͤrigen keine aͤrztliche Häͤlfe. Nach 5 Tagen trat eine bedeutende Haemorrhagia uteri ein, das Blut ging mit wehenartigen Schmerzen in ſchwarzen Klumpen, von wahrhaft gaßhaftem Geruche in ſehr großer Menge ab. Ein innerer Froſt, als habe ſie Eis im Koͤrper, war der erſte Begleiter dieſer ſtarken und bedenklichen Blutung. Dazu geſellte ſich Lhr bald haͤufiger, lauter, deutlich hoͤrbarer Windabgang aus der Gebaͤrmutter, fauligen Ge⸗ ruchs, das Gehoͤr ging bald verloren. Die paſſendſten Mittel, die mir im Mutterblutſturz bei Andern ſo haͤufig die trefflichſten Dienſte geleiſtet hatten, z. B. Ipec. Croc. Sabina, Bellad. u. ſ. w., wurden von mir fruchtlos gereicht. Es trat am dritten Tage folgender ſchlagflußar⸗ tiger Zuſtand ein: die Sprache, das Gehoͤr waren verſchwunden, hoͤch⸗ ſtens vernahm man einige lallende Toͤne, wie bei denen, welche ein Schlagfluß traf; es hatten ſich profuſe Schweiße eingeſtellt, die den gan⸗ zen Koͤrper bedeckten; der Puls ſchlug unzaͤhlig und hoͤchſt ungleich; der them wurde ſchwer geholt und war bei jedem Ausathmen mit jenem unangenehmen Stoͤhnen verbunden, welches man bei Sterbenden ver⸗ nimmt, wobei ſich Bruſt und unterleib ſehr ſtark hoben; das Auge war ſtarr und zeigte keine Empfindlichkeit mehr; Stuhl und Urin gingen un⸗ bewußt ab; die Haͤnde und die Ärme in beſtaͤndig zitternder Bewegung. So wenig Hoffnung mir dieſer hoͤchſt bedenkliche Zuſtand, wo theilweiſe Laͤhmungen bereits eingetreten waren, und vollkommene Laͤhmung bevor⸗ ſtand, einfloͤßen konnte, ſo wollte ich doch wenigſtens, ſo lange noch Leben im Koͤrper vorhanden war, noch verſuchen, das Leben zu retten. In Ver⸗ lauf von 3 Stunden reichte ich nach einander 5 Mittel, alle halbe Stun⸗ den eins. Da indeſſen nach keinem Mittel irgend eine weſentliche Beſ⸗ ſerung eintrat, ſo gab ich faſt jede Hoffnung der Rettung auf. Nach ſorgfaͤltiger Erwaͤgung deſſen, was vorausgegangen war, des jetzigen Zu⸗ ſtandes und meiner fruͤheren Erfahrungen, beruhete nur noch all die Hoffnung, die ich hegte, auf einem Mittel, wenn es ſonſt moͤglich war, noch Rettung zu ſchaffen, und dieſes Mittel war Phosphor. Ich loͤſte ein Streukuͤgelchen dieſes Mittels X. in etwa zwei Unzen reinen Quellwaſſers auf, miſchte dieſe Aufloͤſung mit einem Theeloͤffel innig und ließ hiervon alle halbe Stunden einen Theeloͤffel voll geben. Nach der dritten Gabe kam die Kranke etwas zu ſich, es trat auffallende weſent⸗ liche Beſſerung ein, die beim fortgeſetzten Gebrauche(alle 24 Stunden demnaͤchſt) immermehr zunahm, ſo daß binnen 24 Stunden wenigſtens die groͤßte Lebensgefahr beſeitigt war; die partiellen Laͤhmungen, der Abgang des in Faͤulniß uͤbergegangenen Bluts, der Windabgang, die profuſen Schweiße hatten aufgehoͤrt. Die Taubhörigkeit blieb am laͤng⸗ een zuruͤck, doch wich ſie ſpaͤter gleichfalls. Gegen die aufgelegene Stelle, die brandig geworden war in den Paar Tagen, leiſtete mir Arſenik ſehr gute Dienſte. Durch Verkaͤltung kam die Kranke nach 10 Tagen in ei⸗ nen nervoͤſen Zuſtand; auch dieſen zu beſeitigen gelang mir, ſo daß ich die Freude hatte, ſie bald außer Lebensgefahr erklaͤren zu koͤnnen. Es würde mich zu weit fuͤhren, die Krankengeſchichte noch mualte anzugeben. 84 innern edleren Organen abzuhalten, indem ſie alle Kraͤfte aufbietet, dem Gift auf den aͤußern, minder wichtigen Theilen Ablagerungsſtellen anzuweiſen. Gelingt ihr dies Beſtreben nicht, ſo iſt ein baldiger Tod die Folge, wie ich aus den be⸗ reits gemachten Erfahrungen oben außtfuͤhrlich auseinander ſetzte. Hier in der Wetterau, wo jaͤhrlich bisher eine Menge Vieh am Milzbrande ſtarb, hat man nach allen eingezogenen Erkundigungen an keinem Stuͤck eine Beule oder Geſchwulſt entdecken koͤnnen, weßhalb der Tod uͤberall in ſehr kurzer Zeit erfolgte. Bei der homoͤopathiſchen Behandlung entſtanden oͤfters Geſchwuͤlſte, zugleich iſt aber mit dem Erſcheinen derſelben Heilung der gefäͤhrlichen Krankheit erfolgt. Die Reaction, welche fuͤr ſich zu ſchwach iſt, das Gift von innern wichtigen Organen abzuweiſen, wird durch das homoͤopathiſche Heilmit⸗ tel entweder ſo unterſtuͤtzt, daß es derſelben bald gelingt, das Gift zu uͤberwaͤltigen und auf aͤußere Theile zu werfen, damit daſſelbe auf die innern Organe keinen Einfluß ausuͤben kann, auf welche Weiſe wir unter uͤbrigens voͤllig eintretendem Wohlbefinden des noch vor kurzer Zeit ſehr kranken Viehs Geſchwuͤlſte oder Verhaͤrtungen einzelner Theile, welche aber voͤllig ohne Gefahr ſind, beobachten; oder das homoͤopathiſche Mittel unterſtuͤtzt die Reaction dermaßen, daß das Gift bal⸗ digſt neutraliſirt wird, auf welche Weiſe ohne Erſcheinen ſol⸗ cher Geſchwuͤlſte Heilung erfolgt. Ich gehe nun uͤber zu der genauern Angabe, wie das Heilmittel am ſicherſten angewendet wird, und welche Erſchei⸗ nungen ſich waͤhrend der Behandlung einſtellen koͤnnen und wie man am beſten bei dieſen verfaͤhrt. Dieſe Mittheilungen ſind das Ergebniß vieler Erfahrungen, ſorgfaͤltig angeſtellter Beobachtungen und Verſuche. Die gewoͤhnlichſten Symptome, die man in hieſiger Ge⸗ gend an einem Stuͤck Vieh, welches vom Milzbrande ergrif⸗ fen wird, bemerkt, ſind: Aufhoͤren der Freßluſt und des Wie⸗ derkaͤuens, Zittern mit den Hinterbeinen, wankender Gang, ſtruppiges, rauhes und glanzloſes Haar, in Waſſer gleichſam ſchwimmende Augen; Hoͤrner und Ohren ſind bald kalt, bald heiß, die Kuͤhe geben weniger oder gar keine Milch. Bemerkt man dieſe Krankheitszeichen, ſo eile man, das Heilmittel bal⸗ digſt einzugeben. Man giebt daſſelbe am bequemſten, wenn man die mit Anthracin befeuchteten Streukuͤgelchen in ein aus⸗ gehoͤhltes Stuͤckchen Brod fallen laͤßt, das ausgeſchnittene Stuͤckchen als Deckel benutzt, und ſo dem Thiere in das Maul ſteckt. In der Regel nehmen die Thiere das Mittel auf dieſe— Art ſehr gern, und man kann verſichert ſein, daß von den 85 Streukuͤgelchen keins verloren geht. Man nimmt fur eine Gabe 5— 10 Streukuͤgelchen. Einige gaben dem Thier 15— 20 und mehr Streukuͤgelchen, indeſſen traten darauf bisweilen die heftigſten Reactionen ein, daß man fuͤr das Leben des Stuͤcks beſorgt ſein mußte. Um dieſes zu vermeiden und dann weil es unnoͤthig iſt, bediene man ſich der angegebenen Gabe, welche den Zweck vollkommen erreichen laͤßt und Alles lei⸗ ſtet, was von dieſem Mittel zu erwarten ſteht. Hat man nun dieſe Gabe Anthracin X 00000— 0000 auf die oben angege⸗ bene Art eingegeben, ſo entferne man ſich nicht, ſondern beob⸗ achte, ob das kranke Thier ſich beſſert. Beſſerung kann ſchon nach 15— 30 Minuten eintreten, und iſt die Krankheit ſehr gefaͤhrlich aufgetreten, wenn z. B. das Thier ſich nicht mehr auf den Beinen erhalten kann, wenn Kaͤlte der Ohren und Hoͤrner nicht mehr mit Hitze abwechſelt, ſondern erſtere fort⸗ waͤhrend bleibt, wenn blutiger Schleim aus der Naſe fließt, ſo muß unter dieſen ſo gefaͤhrlichen Umſtaͤnden der Zuſtand ſich binnen 15 Minuten beſſern. Man bemerkt die Beſſerung vorzuͤglich an Folgendem: Das Thier erwacht aus ſeiner Be⸗ taͤubung, ſteht nicht mehr theilnahmlos da, ſondern ſieht ſich eher um, zeigt dem Waͤrter einige Aufmerkſamkeit, das Zit⸗ tern laͤßt nach oder hoͤrt ganz auf, die Kaͤlte der Ohren und Hoͤrner laͤßt nach, ohne daß deßhalb ſtatt der Kaͤlte Hitze ein⸗ tritt, oder waren dieſe Theile brennend heiß, ſo laͤßt dieſe Hitze nach, es zeigt ſich einige Freßluſt, das ſtruppige Haar faͤngt an, ſich wieder glatt zu legen, das Auge verliert ſeine Starrheit, es erfolgt Offnung(welche aber ſehr verſchieden ſein kann; einige haben geſunde, andere blutige, noch andere waͤſſerig⸗ſchleimige Offnung, noch andere bleiben noch verſtopft unter uͤbrigens auffallender Beſſerung), auch ſtellt ſich wohl eine allgemeine warme Ausduͤnſtung ein, oder es bilden ſich Beulen und Geſchwuͤlſte oder Ausſchlaͤge aus, die Kuͤhe ge⸗ ben wieder Milch.— Je nachdem man dieſe Zeichen der Beſ⸗ ſerung mehr oder weniger wahrnimmt, wartet man laͤngere oder kuͤrzere Zeit, ehe man eine zweite Gabe des Heilmittels giebt. Hat ſich die Krankheit ſehr bedenklich gezeigt und die erſte Doſis bringt in 15— 30 Minuten keine Beſſerung her⸗ vor, dann muß man, da ein ſchneller Tod oft erfolgt, jetzt ſchon das Mittel wiederholen und in Zwiſchenraͤumen von 15— 30 Minuten ſo lange wieberhober bis Beſſerung eintritt. Iſt die Krankheit nicht ſo gefaͤhrli aufgetreten, ſo iſt es beſ⸗ ſer, man wartet 30— 60 Minuten die Wirkung der erſten Gabe des Heilmittels ab. Sollte alsdann keine Heimwirkung ſich zeigen, ſo wiederholt man nun die Gabe und faͤhrt ſo alle 86 30— 60 Minuten fort, einzugeben, bis Beſſerung erfolgt. Iſt nun Beſſerung ſichtbar, dann wartet man dieſe Beſſerung ab, giebt genau Acht, ob die Beſſerung fortſchreitet, was nach dem Geſagten leicht von Jedem beurtheilt werden kann. So lange man Fortſchritte der Beſſerung wahrnimmt, bedarf es einer zweiten oder dritten Gabe nicht. Auf dieſe Weiſe kann die Heilwirkung, jenachdem Beſſerung eintritt und fortdauert, 1—4 Stunden abgewartet werden, und man uͤbereile ſich nicht und gebe nicht unnoͤthiger Weiſe ein. Bisweilen wird dieſe gefaͤhr⸗ liche Krankheit durch eine einzige Gabe bekaͤmpft und fuͤr im⸗ mer geheilt; bei vielen hat man noͤthig, das Mittel 2— 4 Mal zu wiederholen und erreicht ſeinen Zweck vollkommen; bei manchen hat man aber auch 5, 10—20 Gaben noͤthig, ehe man vollkommene Geneſung eintreten ſieht. Je akuter der Fall iſiſt, deſto ſchneller kann man⸗Huͤlfe erwarten, weniger ſchnell, wenn der Verlauf der Krankheit langſamer iſt, oder wenn ſchon andere Mittel, Aderlaß, Traͤnke u. dergl. in Anwendung ge⸗ bracht wurden, unter welchen Umſtaͤnden ſchon 20— 30 Ga⸗ ben nothwendig wurden, ehe voͤllige Heilung eintrat. Es ver⸗ ſteht ſich wohl von ſelbſt, daß ich unter akuten Faͤllen nur ſolche verſtehen kann, die noch zu heilen moͤglich ſind. Viele Bei⸗ ſpiele von Heilungen, die ich weiter unten zur Beſtaͤtigung des eben Geſagten mittheilen werde, werden dies noch mehr erlaͤutern. Hat man Beſſerung oder Heilung erreicht, ſo koͤnnen ſich noch folgende Faͤlle ereignen, die zu wiſſen nothwendig ſind, um nicht falſche Mittel in Anwendung zu bringen. 4) Die Krankheit macht Recidive. Wenn gleich die Krank⸗ heit auf das vollkommenſte beſeitigt zu ſein ſcheint, ſo ereignet es ſich doch bisweilen, daß ein Ruͤckfall der Krankheit eintritt. Die⸗ ſer Ruͤckfall erſcheint in der Regel in den erſten 4— 16 Stun⸗ den nach ſcheinbar voͤllig geheilter Krankheit. Es iſt daher nothwendig oder doch der Vorſicht gemaͤß, das eben vom Milzbrande geſundete Thier in den erſten 24 Stunden nicht außer Aufſicht zu laſſen, und, um ſich vor einem Ruͤckfall der Krankheit moͤglichſt zu ſichern, das Mittel auch nach Wieder⸗ herſtellung noch einige Male einzugeben, etwa alle 4 Stunden eine Gabe. Sollte nun aus Nachlaͤſſigkeit oder auch bei moͤg⸗ lichſter Vorſicht dennoch ein Ruͤckfall eintreten, ſo hat man daſſelbe Verfahren in Anwendung zu ſetzen, wie bei neu ent⸗ ſtandenem Milzbrande. Dieſe Vorſichtsmaßregel lehrte mich die Erfahrung, indem einige Stuͤcke, ſcheinbar zwar voͤllig vom Milzbrande geheilt, durch eintretende Ruͤckfaͤlle ſchnell hinweg⸗ gerafft wurden. Dieſe Ruͤckfaͤlle naͤmlich ſind ſtets gefaͤhrlicher, 87 als die neu entſtandene Krankheit und noch ſchneller und ge⸗ wiſſer toͤdtend, wenn man nicht die groͤßte Vorſicht anwendet. Dies hat ſeinen Grund in der durch den erſten Angriff erſolg⸗ ten Erſchoͤpfung der Reartion der Lebenskraft, die von einem neuen Angriff ſchnell in ihrer, die Heilung unterſtuͤtzenden Thaͤ⸗ tigkeit unterliegt, oder vöͤllig gelaͤhmt wird, wo der Tod un⸗ ausbleibliche Folge iſt. Bleibt die kurze Zeit wornoch einige Reactionskraft im Organismus da iſt, von uns unbenutt, ſo i*ſt alle und jede Huͤlfe unmoͤglich, 1eiiſle ne iee en 2) Nachdem die Gefahr der Krankheit voͤllig beſeiligt iſt, zeigen ſich bisweilen noch folgende Erſcheinungen, die aber nie gefaͤhrlich ſind. ſus 2112inn h Si IIsHtire 1it 2lſic nna) Zuweilen entſtehen an verſchiedenen Theilen des Koͤr⸗ pers Beulen und Geſchwuͤlſte, die kalt, weich oder hart, und voͤllig unſchmerzhaft ſind. ſſim ig ne ee ) Zuweilen! bleiben Verhaͤrkangen oder Geſchwulſt des Schlauches oder des Euters zuruͤck; letztere mit ganz unter⸗ druͤcktr oder mit geringerer Milchſecretionn d76 ene — o) Ohne Veraͤnderungen des Euters wahrnehmen zu koͤnnen, bleibt bisweilen nach(uͤbrigens voͤllig beſeitigter Gefahr die Milchſecretion hinſichtlich“ der Qualitaͤt oder Quantitaͤt innormal. ansiargnin e in ened 2 d) Es bilden fihanahn Fäßrbeureran heits ziehſe Ausſchlaͤge auf dem Felle, kleine Schoͤrſchen, die entſtehen, nachdem Puſteln vorausgingen, die eine Feuchtigkeit, ſich Biszu einem Schor⸗ Snneedeufde Dieſe ehulegit, iſt abald uͤber den groͤßten Theil des Koͤrpers verbreitet, bald nimmt er nur kleinere Stellen ein, iſt bald juͤckend, denn ¹ die Thiere ſuchen ſich daran zu ſcheuern an jedem harten Gegenſtand, bald ohne alle Empfindung. 1530, anuſ ne) Bisweilen bleibt dase Haar oſtruppig und logt ſich nicht glatt nieder. G u nnhd nz 5913507. 1a iin 1 1) Bisweilen bleibt nach gehobener Krankheit noch geine Unthaͤtigkeit des Darmkantals zuruͤck, dann bleibt die Off⸗ nung traͤge, hart und ſelten. na man d 9) Bisweilen hoͤrt man nach gehobener Krankheit, wenn mit der flachen Hand dem Felle entlang geſtrichen wird, ein Knittern, Knattern und Rauſchen; als habe ſich zwi⸗ ſchen Fell und Fleiſch Luft angeſammelt. mndinin en 1) Bisweilen faßt ſich das Fell wie ein Stein ſo hart an, als laͤge daſſelbe zu feſt auf, auch ſind die Thiere dann nicht im Stande, die Muskeln, die zur willkuͤrlichen ——r Bewegung des Felles beſtimmt ſind, zu gebrauchen.. 1) Bisweilen tritt weder Freßluſt, noch Wiederkaͤuen ein. 7 88 59 Dieſe Uberhleibſel der ſo gefaͤhrlichen Krankheit ſind durch⸗ aus nicht gefaͤhrlich, und ich beobachtete beim Eintreten eines dieſer Zeichen noch nie einen Nuͤckfall, ſondern heilte ſie ſehr bald und ſicher, und zwar die meiſten durch⸗ Fortgebrauch des Anthracin's, indem ſo lange alle 6 Stunden eine Gabe ge⸗ reicht, wurde, bbis der Reſt der Krankheit verſchwunden war. Ehe ich durch den fortgeſetzten Gehrauch dieſes Heilmittels dieſe überbleibſel der Krankheit heilen lernte, war ich bemuͤht, durch verſchiedene andere Mittel dieſelben zu beſeitigen, doch ganz vergeblich. Mit einer Geſchwulſt wie zwei Fäͤuſte groß auf dem Ruͤckgrad habe ich 4 Wochen zu thun gehabt und konnte dieſelbe nicht fortſchaffen, bis ich meine Zuflucht zum Anthra⸗ cin nahm, worauf die Geſchwulſt in 3 Tagen verſchwunden war. Man kann mit Sicherheit darauf rechnen, daß hoͤchſtens in 72 Stunden die meiſten dieſer Folgekrankheiten beſeitigt werdenz ich wenigſtens habe keinen Fall erlebt, der das Ge⸗ gentheil bewieſe.— Die nicht wiederkehrende Freßluſt und die Traͤgheit des Darmkanals wird man ſchneller durch einige Ga⸗ ben Jux vomica X⁰⁶ο beſeitigen. Die Freßluſt kehrt in 4— 6 Stunden meiſt wieder nach einer einzigen Gabe N. V. Gegen die Verſtopfung giebt man alle 6 Stunden N. V⸗ in angege⸗ bener Doſis.— Der eingetretene Ausſchlag findet am ſicher⸗ ſten ein Spirit. vin. sulnh. 0. gtt. j. alle Paar Tage gegeben ſein Heilmitteln Allen die andern angegebenen Folgekrankhei⸗ ten aber werden ſicher durch Anthracin beſeitiget. Die Schafe werden ſchwieriger vom Milzbrande geheilt, weil ſie, ehe der Schaͤfer etwas Krankhaftes an ihnen wahr⸗ nimmt, fallen. Die Schuld hiervon mag meiſt am Schaͤfer liegen, der zu wenig Acht hat auf jedes einzelne Schaf in ſeiner Heerde. Da der Schaͤfer den ganzen Tag nichts zu thun hat, ſo iſt es gewiß moglich, genau auf jedes einzelne Schaf ſeiner Heerde zu achten, um den Anfang der Krankheit zeitig genug zu bemerken, und dann ſogleich das Heilmittel ein⸗ geben zu koͤnnen. Anthracin zur Verhuͤtung des Milzbrandes iſt von mir und Andern verſucht worden und offenbar mit gluͤck⸗ lichem Erfolge. Es erkrankten darauf in dieſem vergangenen hei⸗ ßen Sommer, der dem Vieh ſo nachtheilig war, verhaͤltniß⸗ maͤßig gegen fruͤhere Jahre, ſehr wenige.— Auch bei wirklich eingetretenem Milzbrande erwies ſich Anthracin ſehr huͤlfreich. wif weiter unten angegebenen Thatſachen werden dies be⸗ weiſen.. unff(dua ſun 50lſſad h lo nn Die Pferde, die vom Milzbrande befallen ſind, werden gleichfalls ſicher durch Anthracin geheilt, wie das unten ange⸗ fuͤhrte Beiſpiel zeigt..(i 89 2 Die Schweine vom Milzbrande zu heilen, fehlte mir bis jetzt die Gelegenheit; deßhalb wage ich nicht, ſicher dar⸗ uͤber zu entſcheiden. onnd. ile. vne,, in ct Iiüu 8436 1 rrHe eer 119 §. 16. 8 25 Von der Bereitung des Anthracin's, ſowie von den Vor⸗ ſichtsmaßregeln bei deſſen Aufbewahrung und bei deſſen Darreichen an kranke Thiere. 9m Anthracin heilkraͤftig zu bereiten, iſt einfach und unterliegt keinen Schwierigkeiten, ſo daß Jeder dies Mittel ſich bereiten kann. Um dies ſpecifiſche Heilmittel gegen den Milzbrand ſo viel wie moͤglich zu verbreiten, erwaͤhne ich die Bereitungsart ausfuͤhrlich und hoffe nicht nur, daß Jeder, der dies Mittel bereitet, ſorgfaͤltig daſſelbe nach meiner Angabe bereitet, ſon⸗ dern daß man es mir Dank wiſſen wird, wenn ich die Be⸗ reitungsart veroͤffentliche. Man verfaͤhrt folgendermaßen: 2, Faͤllt Hornvieh in irgend einem Orte, oder bei irgend einem Viehbeſitzer am Milzbrande, ſo wird der Viehbeſitzer ſtets eine Section veranſtalten mit den oben erwaͤhnten Vorſichtsmaßre⸗ geln, um ſich zu uͤberzeugen, ob das Vieh am wirklichen Milzbrande gefallen iſt. Der Verlauf, der Krankheit ſichert nicht immer fuͤr die gewiſſe Erkenntniß derſelben, ſondern weit mehr die Section. Iſt es durch dieſe erwieſen, daß das Stuͤck am Mikzbrande ſtarb, ſo benutzt man die Milz zur Bereitung des Anthracin's. Zuvor nimmt man 30 Glaͤschen, die neu und noch nie gebraucht ſein duͤrfen, korkt jedes derſelben mit einem ganz neuen Korke zu, ſo daß der Kork es dicht verſchließt. Jedes Glaͤschen kann die Groͤße haben, daß es 300— 400 Tropfen Weingeiſt faſſen kann. Dieſe Glaͤschen ſtellt man in eine Reihe neben einander, tropft in jedes derſelben 99 Tro⸗ pfen hoͤchſt rectificirten Weingeiſt, den man aus einer Apotheke ſich verſchaffen kann. Hat man dieſe Vorrichtung gemacht, ſo ſchneidet oder ſticht man in die brandige Milz, aus der als⸗ dann eine braunſchwaͤrzliche dickliche Jauche fließen wird. Von dieſer Jauche faͤngt man mit dem erſten in der Reihe ſtehen⸗ den Glaͤschen 3 Tropfen auf, welches leicht geſchieht, wenn 90 man die Mundung des Glaͤschens unter dem Einſchnitt, wo die Feuchtigkeit herausfließt, unterhaͤlt. Bei dieſem Geſchaͤft thut man wohl, ein Paar alte Handſchuh anzuziehen, die man nachher, wenn man auf die angegebene Weiſe das Gift aufge⸗ fangen hat, ausziehet. Iſt dieſes geſchehen, ſo korkt man das Glaͤschen feſt zu und miſcht die aufgefangenen Tropfen mit den in dem Glaͤschen befindlichen 99 Tropfen Weingeiſt auf das innigſte, indem man mit dem Arm, deſſen Hand das Glaͤschen haͤlt, zehn Mal ſchnell und kraͤftig in der Luft auf und nieder ſchlaͤgt. So erhaͤlt man die erſte Kraftentwickelung und ſchreibt auf den Kork, um jedem Irrthum zu entgehen, ſogleich: Anthraxr Nr. 1. Um nun die zweite Kraftentwicke⸗ lung(Nr. 2.) zu erhalten, giebt man aus dem Glaͤschen Nr. 1. einen Tropfen in das zweite in der Reihe ſtehende Glaͤschen, das ebenfalls mit 99 Tropfen Weingeiſt angefuͤllt iſt, und miſcht dieſes eben ſo, wie Nr. 1., nachdem man beide Glaͤschen ſo bald wie moͤglich feſt zugekorkt hat, durch 10 Armſchlaͤge und ſchreibt dann wieder ſogleich: Anthrax Nr. 2. Auf dieſe Weiſe 5 bereitet man alle folgende Kraftentwickelungen bis auf die drei⸗ ßigſte unter Beobachtung derſelben Vorſchriften und Vorſichts⸗ maßregeln. Habienan 30 Kraftentwickelungen des Heilmittels bereitet, ſo iſt die dreißigſte diejenige, die man zum Heilen des Milzbrandes benutzt. Man nimmt nun ein ganz neues, reines Glaͤschen, welches dieſelbe Groͤße haben kann, ſucht fuͤr daſſelbe einen neuen gutſchließenden Kork, fuͤllt das Glaͤschen um ² mit Streukuͤgelchen, die aber nur aus Staͤrkemehl und etwas Zucker bereitet ſein muͤſſen, ohne Geruch und ohne Gewuͤrz, wie man ſolche bei Zuckerbaͤckern fertigen laſſen kann, wobei man aber, auf die ſtrengſte Redlichkeit des Zucker⸗ baͤckers rechnen zu koͤnnen, uͤberzeugt ſein muß; denn durch irgend eine auch noch ſo geringe Beimiſchung riechender oder gewuͤrzhafter Subſtanzen wuͤrde das ganze Heilpraͤparat voͤl⸗ lig untauglich und unwirkſam werden. Hat man ein Glaͤs⸗ chen mit dieſen gut zubereiteten Streukuͤgelchen nur 7 ange⸗ fuͤllt, dann befeuchtet man dieſe mit drei Tropfen der dreißig⸗ ſten Kraftentwickelung Anthracin, korkt das Glaͤschen ſogleich wieder zu und ſchuͤttelt nun daſſelbe ſtark hin und her und ſeitwaͤrts, bis man deutlich ſieht, daß alle Streukuͤgelchen be⸗ feuchtet ſind. Alle dieſe 31 Glaͤschen ſtellt man in ein aus Pappe angefertigtes Kaͤſtchen, welches am ſicherſten neu ge⸗ macht ſein muß, wenigſtens darf daſſelbe unter keiner Bedin; gung vorher zu wohlriechenden Sachen und dergl. gebraucht worden ſein, ſonſt wuͤrden derartige Geruͤche das ganze Praͤ⸗ parat ſehr leicht voͤllig unwirkſam machen. Die mit Anthrax 91 befeuchteten Streukuͤgelchen, die die Groͤße von Mohnſamenkoͤr⸗ nern haben koͤnnen, benutzt man zur Heilung des Milzbrandes. Man ſtelle das Heilmittel an keinen feuchten oder ſtark riechen⸗ den, nicht zu kalten und nicht zu heißen Ort, auch nicht da⸗ hin, wo daſſelbe dem Sonnenſchein ausgeſetzt iſt, auch darf man das Heilpraͤparat nie lange dem Tageslichte ausſetzen. Gebraucht man daher das mit Streukuͤgelchen gefuͤllte Glaͤs⸗ chen, ſo trage man Sorge, daß es nicht lange geoͤffnet, nicht lange dem Tageslichte, am wenigſten dem Sonnenſcheine aus⸗ geſetzt bleibe. Man beobachte ferner ſtets die groͤßte Rein⸗ lichkeit. Bricht z. B. ein Kork ab oder geht ſonſt verloren, ſo nehme man nie einen ſchon gebrauchten, ſondern erſetze den verlornen durch einen ganz neuen. Wird dies Praͤparat ſorg⸗ faͤltig aufgehoben, ſo kann man verſichert ſein, daß es die Heil⸗ kraft Jahre hindurch behaͤlt. Nur die Vorſicht gebrauche man, die Streukuͤgelchen, mit der dreißigſten Kraftentwickelung be⸗ feuchtet, nach Verlauf eines Jahrs, ſollten ſie nicht verbraucht ſein, wegzuſchuͤtten und neue zu befeuchten mit dem Heil⸗ mittel Nr. 30.— Fuͤnf bis zehn ſolcher mit Anthrax Nr. 30. befeuchteter Streukuͤgelchen reichen vollkommen hin fuͤr jede ein⸗ zelne Gabe, um den Milzbrand zu heilen, wie ich bereits aus⸗ fuͤhrlich bei der Behandlung dieſer Krankheit angab. Sollten indeſſen Epizootien vorkommen, wie ſolche vor⸗ zuͤglich Kauſch beobachtete, wo die Milz bei der Section weni⸗ ger deſtruirt angetroffen wird, ſo iſt das eben angegebene Heil⸗ mittel moͤglicher Weiſe weniger heilkraͤftig, als dasjenige, wel⸗ ches aus den brandigen Lungen bereitet werden kann. Es wuͤrde dann dieſes eben ſo bereitet werden muͤſſen, nur mit dem Unterſchiede, daß man nicht aus der brandigen Milz drei Tropfen Milzbrandgift, ſondern eben ſo viel von der brandi⸗ gen Subſtanz der Lungen zur Bereitung des Heilmittels nimmt. Oder ſollte die Milz eben ſo gut zerſtoͤrt angetroffen werden, wie die Lunge, und das eine oder andere Praͤparat oft vergeblich angewendet werden, dann wuͤrde es noͤthig ſein, ſowohl von der Milz, als von der Lunge ein Paar Tropfen Gift aufzunehmen, beides zu miſchen und auf oben angegebene Weiſe zu potenziren.. Dieſes habe ich indeſſen nur als moͤglich angefuͤhrt, in wie⸗ fern der Milzbrand nach verſchiedenen Sections⸗Berxichten ver⸗ ſchieden erſcheinen kann... 2 Mit dem Blute eines am Milzbrande geſtorbenen Thiers habe ich gleichfalls Heilverſuche unternommen. Ich ordnete zu dieſem Behufe bei einer Kuh, die alle Zeichen des Milz⸗ brandes zeigte, einen Aderlaß an, nach welchem das Stuͤck 9² ſchnell ſiel. Bei der Section zeigte ſich die Milz eben ſo brandig, als bei allen am Milzbrande Geſtorbenen, welches mir ſicher bewies, daß ich das Blut von einer millzbrandkran⸗ ken Kuh erhalten hatte. Dieſes Blut potenzirte ich bis Nr. 6. und wendete daſſelbe eben ſo an, wie Anthracin, aber mit ſehr ungluͤcklichem Erfolge. Lag das vielleicht an der niedrigern Po⸗ tenz? Ich verlor durch dieſe Verſuche wenigſtens 3 Stuͤck hinter einander. Seitdem ſetzte ich dieſes Praͤparat zuruͤck und es that mir leid, durch dieſen Verſuch einige Stuͤcke verloren zu haben. In den Gegenden, wo der Milzbrand vorzuͤglich die Schafe ergreift, das Hornvieh verſchont bleibt, rathe ich auf die angegebene Weiſe das Anthracin aus der brandigen Milz der Schafe zu bereiten. 61. nnS. 17. Vergleichung der bisherigen Leiſtungen der Alloͤopathie in dieſer boͤsartigen Krankheit mit den Leiſtungen der 4 4 HSoomoͤopathie. Ziehen wir nach dem Vorgetragenen eine Parallele zwiſchen den verſchiedenen Behandlungsarten, ſo ſtellen ſich dem Un⸗ partheiiſchen ſehr leicht folgende große Vorzuͤge der Homoͤopa⸗ thie heraus. 5 1) Der Alloͤopathie fehlt gaͤnzlich nach ſo vieljaͤhrigen Be⸗ muͤhungen ein ſpecifiſches Heilmittel gegen den Milzbrand; die Homoͤopathie beſitzt ſolches bereits. So arm die Alloͤopathie an ſpecifiſchen Heilmitteln iſt, obgleich ſie weit laͤnger, als 2000 Jahre beſtanden, ſo iſt die Homoͤopathie verhaͤltnißmaͤßig, da ſie erſt ſeit 40 Jahren begonnen und ihre groͤßere Ausbildung erſt ſeit 20 Jahren zu rechnen iſt, ſehr reich an ſolchen ſpeci⸗ fiſchen Heilmitttln. Zu den bereits bekannten Specificis kommt nun noch Anthracin als Specificum gegen den Milzbrand. Der Grund der ſchnellen Fortſchritte der homoͤopathiſchen Wiſ⸗ ſenſchaft liegt in der ſichern Baſis, welche die, Homoͤopathie jedem denkenden Arzte giebt. Ihr Lehrgrundſatz iſt einfach, aber wahr, und durch Erfahrungen tauſendfaͤltig ſo gut als gewiß beſtaͤtiget, daß derſelbe durch alle kuͤnftige Jahrhunderte wahr⸗ 93 bleiben und unvergaͤnglich beſtehen wird.— Dagegen giebt die Alloͤopathie keine ſichere Baſis, weßhalb die auf Verbeſſe⸗ rung ihrer Wiſſenſchaft denkenden Ärzte ſeit Jahrhunderten ſtets ſich anſtrengten, neue Theorien und Syſteme zu ſchaffen, ohne deßhalb mehr Sicherheit in ihrem aͤrztlichen Handeln zu gewinnen. Ein Syſtem verdraͤngte auf dieſe Weiſe das an⸗ dere, da ſie ſaͤmmtlich nicht auf Erfahrung, die einzig ſichere Baſis in der mediciniſchen Wiſſenſchaft, gegruͤndet waren.— Die Stimme einer auf zahlreiche Facta vorſichtig gegruͤndeten Erfahrung verdient unendlich mehr Gehoͤr, als die Stimme des gelehrteſten theoreti⸗ ſchen Raiſonnementsl! 2) unter alloͤopathiſcher Behandlung ſterben durchgaͤngig von hundert am Milzbrande erkrankten Stuͤcken hier in der Wetterau 95, und in andern Gegenden, in denen der Milz⸗ brand nicht ſo gefaͤhrlich auftritt, nach Koͤrber, der uns die neueſten Erfahrungen in dieſem Jahre mittheilte, wenigſtens 80. Es mag ſein, daß in andern Laͤndern das Reſultat der alloͤppathiſchen Behandlung guͤnſtiger ausfaͤllt; allein nach den Prognoſen, welche die Schriftſteller ſaͤmmtlich bei dem Milz⸗ brande ſtellen, und danach zu urtheilen, daß man den Milz⸗ brand uͤberall bis jetzt noch als eine Geißel anſieht, wodurch eine außerordentliche Menge Vieh hinweggerafft wird, und daß die Staatsregierungen noch fortwaͤhrend bemuͤht ſind, dieſer Krankheit große Aufmerkſamkeit zu widmen, muͤſſen wir anneh⸗ men, daß hoͤchſtens 20 von 100 gerettet werden.— Unter homoͤopathiſcher Behandlung werden jetzt ſchon nach einer nicht zu widerlegenden Erfahrung ſicher wenigſtens 80 von 100 geheilt und es ſteht zu erwarten, daß fortgeſetzte Bemuͤhun⸗ gen von Seiten der homoͤopathiſchen AÄrzte kuͤnftig ein noch viel guͤnſtigeres Reſultat liefern werden, beſonders dann, wenn jeder Viehbeſitzer, ohne zu andern Mitteln ſeine Zuflucht zu nehmen, nach homoͤopathiſchen Grundſaͤtzen ſein Vieh be⸗ handelt. l ghen n 3) Die alloͤopathiſche Behandlung iſt ſehr koſtſpielig, da den Thieren große Maſſen der Arzneimittel eingegeben werden, und fuͤr den aͤrmern Landmann deßhalb gar nicht zu benutzen, auch wenn dieſe Behandlung die gluͤcklichſten Reſultate lie⸗ ferte.— Die homͤopathiſche Behandlung wird von einem homoͤopathiſchen Arzte ohne Gewinn geleitet und verurſacht keine Unkoſten, vorausgeſetzt, daß derſelbe ſeine Heil⸗ mittel unangefochten ausgeben darf. Denn im ent⸗ gegengeſetzten Falle wird die homoͤopathiſche Behandlung we⸗ gen der unzaͤhligen Gaben des Heilmittels, die ohne Geldwerth 94 dem Apotheker theuer bezahlt werden muͤſſen, noch viel koſt⸗ barer, als die alloͤopathiſche Behandlung, wie ich oben nach⸗ gewieſen habe.—. §. 18. Von der Behandlung der vom Milzbrande angeſteckten Menſchen. Da der Gegenſtand zu wichtig iſt, da ſo viele Menſchen durch Anſteckung an den Folgen dieſer boͤsartigen Krankheit ſtarben, ſo halte ich es fuͤr meine Pflicht, meine Überzeugung hieruͤber auszuſprechen, wenn gleich dieſe bis jetzt noch nicht auf eigene Erfahrung gegruͤndet iſt. Oben habe ich die Identitaͤt des Milzbrandes des Viehes und der Menſchen nachgewieſen. Die wenigſten Schriftſteller zweifeln an derſelben. Es unterliegt daher, meiner Überzeu⸗ gung nach, keinem Zweifel, daß Anthracin auch das Heilmit⸗ tel der vom Milzbrande angeſteckten Menſchen ſein wird. ...§. 19. Von der Complication des Milzbrandes mit der Lungen⸗ faͤule oder Lungenſeuche. Den Milzbrand lernte ich bald bekaͤmpfen und ſah meine Bemuͤhungen mit dem herrlichſten Erfolge gekroͤnt. Ich dachte nicht daran, daß mir auch bald Gelegenheit werden wuͤrde, die Lungenfaͤule kennen und auch dieſe aͤrgſte der Viehſeuchen, die bis daher voͤllig unheilbar war, mit Gluͤck behandeln zu lernen. Da indeſſen meine Erfahrungen in dieſer Krankheit noch nicht zu der Reife gelangt ſind, um ſie einer offentlichen Mittheilung werth zu halten, ſo verſpare ich eine ausfuhrlichere Abhandlung uͤber dieſe Seuche fuͤr die Zukunft. Ich glaube 95 indeſſen, ein ſicher helfendes Mittel gegen die Lungenfaͤule auf⸗ gefunden zu haben).— ugleich machte ich aber auch die traurige Erfahrung, daß die Thiere, welche an Lungenfaͤule leiden, und vom Milz⸗ brande ergriffen werden, unrettbar verloren ſind, weni ſtens wollte es mir bis dahin nicht gelingen, von 5 Stuͤck auch nur eins durchzubringen. Indeſſen gebe ich nicht die Hoffnung auf, Mittel und Wege aufzufinden, um beide Seuchen, wo ſie zugleich ſich zeigen, bekaͤmpfen zu lernen.— Daß ich die Lungenfaͤule behandelte, erwieſen die Sectionen, es unterliegt dies keinem Zweifel, und daß bei denen, die an der Lungenfaͤule litten und ſchnell ſtarben, der Milzbrand hinzugetreten war, bewieſen gleichfalls die Sectionen.— 3 . 20 Beiſpiele von Heilungen. 1) Eine der beſten Kuͤhe des Pachter Gerlach in Eber⸗ ſtadt gab ploͤtzlich keine Milch, ließ den Kopf haͤngen, ſah *) Da mir zur Behandlung der Lungenfaͤule das Gift davon fehlte, obgleich ich mich vielfach ſolches zu bekommen bemuͤhete, ſo war ich auf die uns bekannten gepruͤften Mittel beſchraͤnkt, von denen mir ein Mit⸗ tel dem Zuſtande, wie wir ſolchen in der Lungenfaͤule antreffen, am meiſten zu entſprechen ſchien. Mit dieſem Mittel. behandelte ich dieſe Seuche dis jetzt mit gluͤcklichem Erfolge. Dennoch nenne ich daſſelbe noch nicht, weil ich erſt noch mehr Erfahrungen daruͤber ſammeln will, ſonſt moͤchte ich gewiſſen Scharf geſpitzten Stahlfedern wieder Stoff ge⸗ ben zu Spoͤttereien und Sarkasmen, mit denen unſerer Wiſſenſchaft we⸗ nig gedient iſt, die unſere Wiſſenſchaft auch nicht foͤrdern koͤnnen. Es iſt aber in der Regel der Fall, daß der Witzbold nur üͤber Andere ſeine witzigen und beißenden Reden auslaͤßt, waͤhrend er an ſich ſelbſt nie denkt! Alles zu tadeln, iſt weder Verdienſt, noch Kunſt, aber das beſſer zu machen, was man tadelt, das iſt eines ausgezeichneten Mannes wuͤrdig! Den Begruͤnder der Homoͤopathie oͤffentlich von Jemandem ver⸗ ungtimpft zu ſehen, der doch mit Freuden die vom Begrüͤnder gebrochene ahn betrat, muß jeden Redlichen mit unwillen erfuͤllen! Vergeſſen wir doch nie, daß ohne Hahnemann weder der groͤßte Witbold, noch irgend einer von uns die Bahn ſo gebrochen haben wuͤrde, wie ein Hahnemann! Dem Verdienſte daher ſeine Krone! Sapienti satl! 96 trübe aus den in Waſſer ſchwimmenden Augen, hatte glanz⸗ loſes Haar, zitterte ſtark, beſonders an den Hintertheilen des Koͤrpers, die Hoͤrner und Ohren waren kalt. Es wurde dem Thiere eine Gabe Anthracin X 0o in einem Stuͤckchen Brod gereicht, worauf nach Verlauf einer halben Stunde Beſſerung erfolgte. Es wurde nun eine zweite Gabe deſſelben Mittels gereicht, worauf bald das Haar ſeinen Glanz wieder bekam und ſich legte; die Kuh gab wieder Milch und fraß wieder mit der fruͤheren Freßluſt. Mit zwei Gaben des Mittels ward ſie voll⸗ kommen hergeſtellt.— ennee 19 2 Dem Bruder des Pachters, Philipp Gerlach daſelbſt, erkrankte einige Tage ſpaͤter eine Kuh am Milzbrande. Sie gab keine Milch, zitterte am ganzen Koͤrper, wankte beim Gehen, fraß nicht. Sie erhielt ſogleich eine Gabe Anthracin X 00000, worauf ſie binnen 2 Stunden wieder Milch gab, und alle Zeichen der Krankheit verſchwanden baldigſt, ſo daß keine zweite Gabe des Mittels nothwendig war. 3) Der Rechner Joh. Gerlach daſelbſt bemerkte auf dem Felde beim Laden eines Fuders Gerſte, daß einer ſeiner ſtar⸗ ken Ochſen, nachdem dieſer kurz vorher voͤllig geſund war, ploͤtzlich anfing zu zittern, den Kopf haͤngen ließ, traurig war und beim Gehen ſo wankte, daß man das Thier nur mehr gezogen, als gefuͤhrt in den Stall bringen konnte. Noch ehe es jedoch den Stall erreichte, gab man ihm eine Gabe An⸗ thracin ein, und obgleich einige Beſſerung eintrat, die Kaͤlte der Ohren und Hoͤrner ſich verlor, auch einige Freßluſt wie⸗ derkehrte, ſo gab man doch nach einer Stunde eine zweite Gabe Anthracin ein. Bald darauf legten ſich die Haare wie⸗ der glatt, das Zittern verſchwand gaͤnzlich. Zur Vorſicht gab man nach einigen Stunden noch eine Doſis und ſo war das Thier den andern Tag ſo voͤllig hergeſtellt, daß es ſeine fruͤ⸗ here Arbeit wieder verrichten konnte. 4) Abends 7 Uhr erkrankte im Stalle des Pachter Ger⸗ lach eine Kuh, gab keine Milch, zitterte, Ohren und Hoͤrner waren bald heiß, bald kalt anzufuͤhlen, ſie ließ den Kopf haͤngen, das Haar war glanzlos und ſtruppig. Sie erhielt ſogleich eine Gabe Anthracin und, da keine Beſſerung ſichtbar wurde, nach einer halben Stunde eine zweite. Nach einer Viertel⸗ ſtunde ließ das Zittern nach, die Kuh ſah munterer ſich um, zeigte auch wieder einige Freßluſt. Indeſſen ſtellte ſich nach einer halben Stunde abermals wieder Zittern ein, weßhalb ſogleich eine dritte Doſis gereicht wurde. Nun beſſerte ſich das Thier und bekam bald die gehoͤrige Freßluſt, gah wieder Milch und den andern Tag war ſie vollkommen hergeſtellt.— 97 5) Morgens 8 Uhr wurde dem Bauer Theophilus Buß ein Ochs krank; er zitterte heftig, ließ den Kopf haͤngen, fraß nicht, das Haar war rauh und glanzlos und verrieth alle Zei⸗ chen des Milzbrandes. Nach einer Gabe Anthracin trat keine Beſſerung ein; daher erhielt das Stuͤck nach einer halben Stunde eine zweite, worauf zwar das Zittern etwas nachließ, aber nicht aufhoͤrte. Deßhalb gab man eine dritte Doſis des Mittels ein, worauf alle Krankheitszeichen verſchwanden, nur kehrte bis zum folgenden Tage die Freßluſt nicht zuruͤck. Hier⸗ von wurde ich benachrichtigt und ließ eine Gabe Nux vomica X o eingeben, worauf der Ochs binnen 2 Stunden die e⸗ hoͤrige Freßluſt zeigte. Eine ſtarke Geſchwulſt des Schlauches behandelte ich mit homoͤopathiſchen Mitteln uͤber 8 Tage ver⸗ geblich, bis fortgeſetzter Gebrauch des Anthracin's ſolche voͤllig hob. So ward dieſer Überreſt der Krankheit nach 10 Tagen ebenfalls geheilt. h 1 pG d 6) Vier Tage ſpaͤter erkrankte in demſelben Ort Eber⸗ ſtadt Abends 6 Uhr dem Bauer Theophilus Weißel eine Kuh. Sie ſtand traurig da mit haͤngendem Kopfe, mit truͤben Augen, gab keine Milch, auch zeigte ſich ein feines Zittern an den hintern Theilen des Koͤrpers; die Ohren und Hoͤrner fuͤhlten ſich bald heiß, bald kalt an; das Haar war geſtraͤubt; druͤckte man auf den Ruͤcken, ſo ſtoͤhnte die Kuh, als ſchmerze dieſer Druck. Man gab ihr ſogleich eine Gabe Anthracin ein, und nach Verlauf einer halben Stunde eine zweite, da keine Beſſerung eintrat. Als nach Verlauf ei⸗ ner Stunde der Zuſtand, ſtatt ſich zu beſſern, ſich ver⸗ ſchlimmerte, ja die Kuh ſich legte, den Kopf von ſich ſtreckte, das Athmen ſchneller und muͤhſamer anzuſehen war, gab man alle Hoffnung auf. Es gelang indeſſen dem Beigeordneten Weil, dem Stuͤck noch eine Gahe Anthracin einzugeben. Nun wurde die Kuh ruhiger, nach einer halben Stunde munterer, ſtand auf, das Haar legte ſich wieder glatt, uud allmaͤlig ver⸗ ſchwanden die Symptome des Milzbrandes, nur fehlte bis zum andern Morgen Freßluſt. Hiervon benachrichtigt ließ ich eine Gabe Nux vomica X eingeben, und ſchon nach ei⸗ ner Stunde fraß die Kuh, wie fruͤher. Durch dieſes Beiſpiel wurde ich belehrt, daß die Gaben des Anthracin's in kurzeren Zwiſchenraͤumen gegeben werden muͤſſen; denn offenbar waͤre die Kuh ſchneller geheilt geweſen, wenn ſchon nach einer Viertelſtunde die Gabe waͤre wiederholt worden; ja faſt waͤre dieſes Stuͤck ein Opfer dieſer Verſaͤum⸗ niß geworden. 200(. 7) Zehn Tage ſpaͤter erkrankte dem Bauer Johannes 7 98 Gerlach III. eine Kuh am Milzbrand. Sie zitterte, gab keine Milch, fraß nicht und verrieth große Unruhe und Angſt, der Puls ſchlug ſchnell und hart, die Augen waren geroͤthet und ſtier, die Haare glanzlos, rauh und ſtruppig. Mit 3 Gaben Anthracin ward ſie vollkommen hergeſtellt. d 8) An demſelben Tage bekam Philipp Gerlach's II. Kuh den Milzbrand, und zeigte ſehr aͤhnliche Symptome. Sie ward auch durch 3 Gaben Anthracin, jede Viertelſtunde eine gereicht, vollkommen hergeſtellt. 3etlet tmtt 9) Eine Kuh der Wittwe von Konrad Alles ward den darauf folgenden Tag am Milzbrande krank und zeigte eben⸗ falls ſehr aͤhnliche Zeichen. Sie ward durch 4 Gaben Anthra⸗ ein gleichfalls völlig hergeſtellt. àmc 8 D 10) Wenige Tage ſpaͤter erkrankte dem Metzger Konrad Gerlach ein Ochs. Er zitterte heftig, wankte, ſtand wie be⸗ täubt da mit ſtierem Blick, geroͤtheten, wie in Waſſer ſchwim⸗ menden Augen, die in den Ecken thraͤnten; Hoͤrner und Oh⸗ ren waren kalt, das Haar borſtig und glanzlos; er miſtete nicht, zeigte oͤfters einen Drang dazu ohne Erfolg. Es waren 6 Ga⸗ ben Anthracin noͤthig, ſo daß er erſt nach 9 Stunden ge⸗ heilt war.. 2 896 nulisd. nt: 2 mn 11) Demſelben Ortsbuͤrger erkrankte wenige Tage darauf ein Rind am Milzbrande, mit den gewoͤhnlichen Zeichen die⸗ ſer Krankheit. Es bedurfte 8. Gaben Anthracin, ehe das Stuͤck in 24 Stunden ſeine voͤllige Geſundheit wieder erhal⸗ ten hatte.. 2rt 1 Dem Baͤcker Buß daſelbſt erkrankte Abends 8 Uhr eine Kuh am Milzbrande mit denſelben Zeichen. Entweder wollte dieſer Mann die Mitzbrandkoͤrner aus Unglauben nicht ge⸗ brauchen oder er verkannte die Krankheit. Er ließ ihr einen Trank eingeben, und eine Ader ſchlagen. Um 10 Uhr Abends hatte das Thier geendet. Die Section wies nur Zerſtoͤrung der Milz durch Brand aus, die uͤbrigen Organe wurden ganz geſund gefunden. 26 2ic n. 12) Der Wittwe von Johann Georg Gorr erkrankte Abends 6 Uhr ein Rind mit den gewoͤhnlichen Zeichen des Milzbran⸗ des. Man gab demſelben ſogleich eine Gabe Anthracin ein, und da nach einer Stunde ſich keine weſentliche Beſſerung zeigte, ſo reichte man eine zweite. Hierauf ließ das Zittern nach, hoͤrte aber nicht voͤllig auf, daher eine dritte Doſis gege⸗ ben wurde. Nun hoͤrte das ominoͤſe Zittern voͤllig auf und bis 11 Uhr Abends war das Stuͤck voͤllig geſunnd.— '13) Morgens 7 Uhr erkrankte dem Johannes Gerlach III. ein Stier am Milzbrande mit den gewoͤhnlichen Kennzeichen 99 dieſer heimtuͤckiſchen Krankheit. Nach der erſten Doſis Anthra⸗ cin bemerkte man wenig Beſſerung. Nach Verlauf von einer Stunde gab man die zweite Doſis, worauf das Zittern auf⸗ hoͤrte, der Stier ſich auch wieder munterer umſah. Da aber noch die Freßluſt fehlte, ſo gab man die dritte Doſis nach einer Stunde ein. Sehr bald fraß er wieder und ſchien voͤllig geſund. Nachmittags 3 Uhr erkrankte der Stier von neuem, fing wieder an zu zittern, fraß nicht, war traurig. Hierdurch war man genoͤthigt, eine vierte Doſis Anthracin zu geben, wor⸗ auf bald der Ruckfall der Krankheit mit allen Symptomen verſchwand. Bis Abends 7 Uhr war der Stier voͤllig geſund. 14) Dem Johannes Gerlach III. erkrankte ein Ochs; er hing den Kopf tief herunter, die Augen glaͤnzten und waren geroͤthet, ein feines Zittern an den Hintertheilen war bemerk⸗ bar; Stuhl war verſtopft, der Leib war aufgeblaͤhet. Die Hoͤrner und Ohren waren heiß und das Haar borſtig. Man gab ihm alle halbe Stunden eine Doſis Anthracin, und nach der vierten Doſis ſtellte ſich ein waͤſſerichter Durchfall ein, worauf das Stuͤck binnen einer halben Stunde voͤllig ge⸗ ſund war. 2K n G 1i 4 2 8g 4—’— 15) Dem Konrad Weißel erkrankte eine Kuh mit den gewoͤhnlichen Zeichen des Milzbrandes. Sie erhielt alle halbe Stunden eine Doſis Anthracin und nach der dritten bekam ſie Ihen mäͤſſerichten Durchfall, worauf ſehr bald voͤllige Heilung eintrat.. 16) Von den Ochſen des Bernhard Bus erkrankte einer am Milzbrande; er warf den Kopf herauf und herunter mit Heftigkeit, bald ſchuͤttelte er mit dem Kopf; er ſtampfte mit den Fuͤßen und bruͤllte zuweilen, die Augen waren ſtark ge⸗ roͤthet und waͤſſerten; er zitterte ſtark, die Hoͤrner und Ohren waren heiß, die Haare geſtraͤubt; Stuhlverſtopfung. Man gab ihm jede halbe Stunde eine Doſis Anthracin ein und nach 6 Ga⸗ ben entſtand weißroͤthlicher Durchfall, worauf bald voͤllige Ge⸗ ſundheit eintrat. Aus Fuͤrſorge gab man ihm alle 3 Stun⸗ den noch 3 Gaben des Mittels, um jeden Ruͤckfall zu verhuͤten. 17) Dem Johann Georg Bus erkrankte ein Ochs am Milzbrande. Mit haͤngendem Kopfe ſteht er traurig und theil⸗ nahmlos da, frißt nicht, zittert ſtark, die Haare haben ih⸗ ren gewoͤhnlichen Glanz verloren und ſind ſtruppig. Durch Verſtopfung iſt er etwas aufgeblaͤhet. Nach 5 Gaben Anthra⸗ cin, jede halbe Stunde eine Doſis gereicht, trat waͤſſeriger Durchfall ein, und das Stuͤck genas ſehr bald darauf völlig. 18) Dem Konrad Weißel erkrankte ein Rind am Milz⸗ brande. Es zitterte heftig, zuckte mit den Hinterfüßen und 7 100 zeigte die gewoͤhnlichen Symptome der Krankheit. Es erhielt 4 Gaben Anthracin, alle halbe Stunden eine, worauf ein Schweiß uͤber den ganzen Koͤrper entſtand. Es genas ſehr bald voͤllig. 19) Zwei Schafe, die alle Zeichen des Milzbrandes hat⸗ ten, wurden mit 2— 3 Gaben Anthracin voͤllig geheilt. Außer⸗ dem wurde der Heerde Schafe prophylaktiſch eingegeben und in dem heißen Sommer fielen im Ganzen nur 10 Stuͤck, waͤh⸗ rend fruͤher kaum 100 reichten, die durch Milzbrand verloren ingen. 3 39 Dieſes theilte ich aus den Protokollen mit, die in Eber⸗ ſtadt, einem Fuͤrſtlich Solms⸗Lichiſchen Dorfe, gefuͤhrt wur⸗ den uͤber die Heilkraft des Anthracin's. Um nicht durch zu viel Mittheilungen zu ermuͤden, fuͤhre ich aus den verſchiedenen Protokollen, die aus andern Ortſchaften mir zugeſendet wur⸗ den, nur noch folgende Thatſachen an. Der Buͤrgermeiſter Henſel in Soͤdel theilt Folgendes mit: 20) Mir ſelbſt erkrankte eine Kuh; ſie hing den Kopf, zeigte keine Freßluſt, hatte truͤbe und etwas thraͤnende Au⸗ gen, die Haare ſtanden uͤber den ganzen Koͤrper aufrecht, Hoͤr⸗ ner und Ohren waren abwechſelnd kalt, der Puls ſchlug ſehr ſtark und geſchwind, und endlich ſtellte ſich Zitttern in den Hinterſchenkeln ein, wobei die Kuh mit gekruͤmmtem Ruͤcken daſtand. Sie wurde durch Ihr mir mitgetheiltes Mittel voll⸗ kommen hergeſtellt. 21) So erkrankte dem Ortsbuͤrger Konrad Stier eben⸗ falls eine Kuh mit denſelben Kennzeichen des Milzbrandes, und wurde ebenfalls durch Ihre Mittel geheilt. 22) Ferner erkrankte dem Ortsbuͤrger Heinrich Schnei⸗ der III. eine Kuh mit denſelben Kennzeichen der Krankheit. Durch die Mittel, die ich von Ihnen erhielt, wurde ſie voll⸗ kommen geheilt. 23) Demſelben Ortsbuͤrger erkrankte kurz darauf eine an⸗ dere Kuh mit allen Zeichen des Milzbrandes, und ward eben⸗ falls geheilt. 9 24) Desgleichen erkrankte dem Johannes Schneider eine Kuh mit den ſchon angegebenen Kennzeichen des Milzbrandes, die ebenfalls durch die von Ihnen erhaltenen Mittel voͤllig ge⸗ heilt wurde. Der Schullehrer Marr zu Geißnidda theilte mir folgende Heilungsfaͤlle mit, die ſaͤmmtlich vom Buͤrgermeiſter Binding als wahr beglaubigt wurden... 25) Dem Ortsbuͤrger und Gemeinderaths⸗Mitgliede Jo⸗ hannes Koch erkrankte eine ſeiner Kuͤhe am Milzbrande; 101 ſie ſtand ſehr traurig, ohne Freßluſt, ließ den Kopf haͤngen, hatte kalte Ohren und beſonders war die Naſe eiskalt und trocken, die Augen waren truͤbe und waͤſſerig, die Haare ſtrup⸗ pig, und ſie hatte nicht den dritten Theil von der gewöͤhnli⸗ chen Milch gegeben. Ich gab 7 Koͤrner(d. h. Streukuͤgelchen mit Anthrax befeuchtet) in etwas Brod und Mehl, und als ſich nach Verlauf von ½ Stunde etwas Beſſerung zeigte, gab ich ein zweites Pulver von 8 Koͤrnern. Hierauf wurde die Kuh ſichtbarlich beſſer, und als ich bemerkte, daß ſich der Af⸗ ter aufbließ, und zuweilen ſchwarzes Blut in der Groͤße einer welſchen Nuß hervorkam, gab ich nach Verlauf einer Stunde das dritte Pulver, aus 9 Koͤrnern beſtehend. Hierauf wurde das Abtreiben des Blutes befoͤrdert, und die Kuh legte ſich und fing an wiederzukaͤuen. Nach Verlauf einer Stunde brachte man ihr etwas Kleeheu, und ſie zeigte ſolche Freß⸗ luſt, daß man ihr nicht anſehen konnte, daß ſie krank geweſen war. Waͤhrend ich noch mit dieſer Kur beſchaͤftigt war, kam der Ortsbuͤrger Ernſt Scherer und theilte mir mit, daß von ſeinen Kuͤhen, die ſo eben von der Weide gekommen ſeien, die eine, wie er glaube, am Milzbrande krank ſei. Ich eilte ſogleich hin und fand die Kuh ſo gefaͤhrlich krank, daß Jeder, auch ſelbſt der Hirt, der zugegen war, behauptete, wenn das Pul⸗ ver nicht eine beſondere Wunderkraft beſitze, ſo wuͤrde es keine halbe Stunde mehr mit dem Stuͤck dauern, und es waͤre todt. Der Milzbrand war hier im hoͤchſten Grade ausgebrochen. 26) Die Kuh hing den Kopf, hatte truͤbe in Waſſer ſchwimmende Augen, kalte Ohren und Naſe, zitterte am ganzen Koͤrper, beſonders an den Hintertheilen des Koͤrpers, ſehr heftig, hatte einen dem Anſehen nach ſtark mit Milch gefuͤllten Euter, aber beim Melken gab ſie keinen halben Schop⸗ pen Milch. Ich reichte ihr ſogleich 8 Koͤrner, weil dieſes eine große und ſtarke Kuh war, und als ſich nach einer Vier⸗ telſtunde keine Beſſerung zeigte, gab ich ihr 9 Koͤrner ein. Hierauf wurden die Haare wieder etwas glaͤtter, auch das heftige Zittern minderte ſich etwas. Nach Verlauf einer hal⸗ ben Stunde gab ich das dritte Pulver, aus 10 Koͤrnern be⸗ ſtehend. Bald darauf ward die Kuh ruhiger und legte ſich, und nach Verlauf einer Viertelſtunde kaͤuete ſie wieder, die Ohren und Naſe waren warm, das Zittern hatte ganz aufge⸗ hoͤrt, und bis zum andern Morgen gab ſie die gewoͤhnliche Quantitaͤt Milch wieder, fraß gehoͤrig und war geſund.. 27) Am 4. Mai des Morgens bemerkte der ſchon er⸗ waͤhnte Ortsbuͤrger Johannes Koch, daß ein Ochs nicht freſ⸗ ſen wolle und benachrichtigte mich davon. Ich fand an dem 10⁰2 Stuͤck alle bereits bezeichneten Kennzeichen des Milzbrandes im hohen Grade ausgebildet. Ich gab ſogleich 8 Koͤrner und nach Verlauf einer halben Stunde 9 Koͤrner, und da ſich hier⸗ auf nur wenig Beſſerung zeigte, nach einer halben Stunde 10 Koͤrner. Bald darauf ward der Ochs ruhig, kaͤuete wie⸗ der, die Haare wurden glatt, Ohren und Naſe warm, es ſtellte ſich Freßluſt ein, und ſo wurde der Ochs gerettet. 28) Am 6. Mai, Nachmittags, zeigte der hieſige Schä⸗ fer Meiſinger an, daß von den Schafen der Wittwe Joh. Georg Eichs ein Stuͤck den Milzbrand im hoͤchſten Grade habe. Der Schaͤfer behauptete, er habe die Probe angeſtellt, und nach ſeiner Uberzeugung wuͤrde das Thier in einer halben Stunde todt ſein. Die Probe, die der Schaͤfer machte, beſtand darin: Man haͤlt dem Schafe das Maul mit der Hand ſo feſt zu, daß es keinen Athem holen kann, alsdann laͤßt es den Urin gehen; hat es den Milzbrand, ſo geht ſtatt des Urins Blut ab. Ich ließ, um mich zu uͤberzeugen, die Probe nochmals anſtellen und ſah, daß wirklich nur Blut abging. Ich gab dem Schafe 7 Koͤrner ein, und nach einer halben Stunde 8 Koͤrner, worauf ſich in ſo fern Beſſerung zeigte, daß das Schaf ſein Junges wieder an ſich trinken ließ. Nach Verlauf einer halben Stunde gab ich nochmals 9 Koͤrner. Bald dar⸗ auf wurde das Schaf wieder viel munterer, ſpitzte die Ohren, der Gaumen wurde warm, und in Zeit von einer Stunde konnte man an der Freßluſt dieſes Schafes nicht unterſcheiden, daß es noch kurz vorher ſo krank geweſen war. 29) Am 11. Mai des Morgens fruͤh meldete der Ortsbuͤr⸗ ger Konrad Daͤchert, von ſeinen Kuͤhen zeige ein Stuͤck keine Freßluſt und gebe nur ſehr wenig Milch. Ich begab mich ſogleich zu dem Ortsbuͤrger und fand die Kuh ſehr trau⸗ rig, den Kopf haͤngend, die Ohren und Naſe kalt, die Haare ſehr borſtig in die Hoͤhe ſtehend; ſie athmete kurz, und beim Athemholen hoͤrte man ein lautes Ächzen. Ich gab der Kuh 8 Koͤrner ein, und da ſich das Achzen noch nicht geben wollte, nach einer halben Stunde nochmals 9 Koͤrner. Hierauf wurde das Achzen ſchlimmer; daher gab ich nach einer halben Stunde nochmals 9 Koͤrner ein. Bald darauf ging eine Menge ſchwarzer, ſtinkender duͤnner Stuhlgang ab und das Achzen verlor ſich; die Kuh wurde ruhiger, legte ſich nieder und kaum war eine halbe Stunde vergangen, ſo kaͤuete ſie wieder, zeigte Freßluſt, alle Symptome des Milzbrandes waren wie weggezaubert, auch gab ſie wieder die gehoͤrige Portion Milch; ſie ward voͤllig hergeſtellt. 103 30) Am 17. Mai des Abends zeigte der Ortsbuͤrger Konrad Schneider an, daß er beim Nachhauſefuͤhren ſeiner Kuͤhe von der Weide an der einen Kuh Kraͤnklichkeit bemerkt habe. Ich begab mich ſogleich an Ort und Stelle und fand, daß die Kuh alle Merkmale des Milzbrandes zeigte; ſie hing den Kopf, hatte truͤbe waͤſſerichte Augen, kalte Ohren und Naſe, zitterte mit den Hintertheilen u. ſ. w. Ich gab ſo⸗ gleich 8 Koͤrner, worauf ſich das Zittern verminderte. Nach einer halben Stunde reichte ich ihr 9 Koͤrner, worauf binnen einer halben Stunde die Ohren und die Naſe wieder warm wurden, das Haar bekam ſeine fruͤhere Glaͤtte wieder, doch hatte das Zittern noch nicht voͤllig aufgehoͤrt; daher gab ich noch 9 Koörner. Nun verſchwand das Zittern gaͤnzlich, es zeigte ſich Luſt zum Legen, die Kuh legte ſich, und das Wie⸗ derkaͤuen ſtellte ſich bald ein. Den folgenden Morgen fraß ſie wieder, wie fruͤher, und gab auch wieder die gehoͤrige Quantitaͤt Milch. indnm ir e n e e 31) Am 26. Mai meldete der hieſige Schaͤfer Meiſinger, es haͤtten ſich bei ſeiner Heerde 3 Stuͤck, 2 Hammel und ein Schaf als milzbrandkrank gezeigt, er habe daher jedem 2 Pul⸗ ver und dem dritten, welches laͤnger krank geweſen, 3 Pulver, jedes 7 Koͤrner enthaltend, eingegeben nach der ihm gegebenen Vorſchrift. Darauf habe ſich ſehr bald ein blutiger Durchfall eingeſtellt, welches ein ſicheres Zeichen des Milzbrandes ſei, die Freßluſt habe ſich wieder gezeigt, und ſo ſeien dieſe 3 Stuͤck voͤllig vom Milzbrande geheilt worden. Am 27. Mai gegen Abend zeigte der Ortsbuͤrger Konrad Schwab allhier an, daß eine ſeiner Kuͤhe krank ſei. Ich fand den Zuſtand der Kuh ſo ſchlecht, daß ich alle Hoffnung zur Heilung aufgab. Ich erfuhr bei naͤherer Erkundigung zu mei⸗ nem Bedauern, daß die Kuh ſchon fruͤh Morgens ſehr wenig Milch gegeben und wenig Freßluſt gezeigt habe. Der uner⸗ fahrene junge Burſche, der die Kuh wartete, dachte nicht an dieſe boͤſe Krankheit, und glaubte, es wuͤrde ſich von ſelbſt wie⸗ der geben. So hatte ſich die Krankheit im Verlaufe des Ta⸗ ges zur groͤßten Gefahr ausgebildet. Ich gab ihr 8 Koͤrner ein, und da ſich nach einer halben Stunde keine Beſſerung zeigte, nochmals 9 Koͤrner. Hierauf entſtand ein dunkler, ſchwaͤrzlicher, ſehr ſtinkender Durchfall ohne Minderung der ge⸗ faͤhrlichen Zeichen, weßhalb ich nach einer halben Stunde noch⸗ mals 9 Koͤrner reichte. Nun wurde der Durchfall noch ſtaͤr⸗ ker, die Augen blieben beſtaͤndig voller Waſſer, die Haare ſtruppig, die Ohren und Naſe kalt, und ich ſahe ein, daß hier keine Rettung zu hoffen ſei. Nach 1 ½ Stunde ſtarb 1⁰4 das Stuͤck. Die Milz wurde bei der Section brandig ge⸗ funden 1) u che m ie ii de rn. 32) Am 1. Juni, Nachmittags, zeigte der Ortsbuͤrger Konrad Benner eine kranke Kuh an. In meiner Abweſenheit gab der Buͤrgermeiſter Binding der Kuh, an der er alle ſchon angegebenen Zeichen des Milzbrandes erkannte, 9 Koͤrner ein, worauf ſich die Kuh baldigſt beſſerte. Nach einer Stunde gab ich nochmals 9 Koͤrner ein, worauf zwar alle bedenklichen Zeichen der Krankheit verſchwanden, aber noch kein Wiederkaͤuen erfolgte; deßhalb gab ich nochmals 9 Koͤrner ein, und in einer Stunde ſtellte ſich Wiederkaͤuen und Freßluſt ein. So wurde das Stuͤck voͤllig hergeſtellt. on iin en e ee e Ddieſe Faͤlle kamen vom 2. Mai bis zum 5. Juni l. J. vor. Der Buͤgermeiſter Binding beglaubigt das vom Lehrer Marx gefuͤhrte Protokoll folgendermaßen: Der Großherzogl. Praͤceptor Marr dahier gab mir dieſen Aufſatz zur Durchle⸗ ſung. Und da ich mit denen darin enthaltenen Heilungen des Milzbrandes eben ſo gut wie Jener bekannt bin, ſo beurkunde ich andurch, daß in dieſem Aufſatz nicht ein Wort in Anſe⸗ hung der Heitung des Milzbrandes in hieſigem Orte, und zum Lobe*) und Dank dem Erfinder und Befoͤrderer dieſes nicht mit Gelde zu bezahlenden Mittels zu viel, ſondern im Gegentheil noch zu wenig geſagt worden iſt, da man ſeit der Zeit, wo dieſes Mittel hier in Anwendung gebracht worden iſt, durch den guten Erfolg, der ſich hier auf vielfache Art be⸗ waͤhrt hat, die Furcht vor dieſer verheerenden Krankheit groͤßten⸗ theils verloren hat. 2u2d ege e m „Geißnidda den 8. Juni 1835. nfeL. 3. 1 un, Binding iant uz puuhienne enn igd uſr e Burgermeiſter Hiieer in Lich wurden in Zeit von 8 Wochen im Monat Januar und Februar l. J. etwa 15 Stuͤck Hornvieh vom Milzbrande befallen, 9 Stuͤck wurden von mir behandelt und gerettet, die uͤbrigen ſtarben bei alloͤopathiſcher Behandlungsart. Ich theile dieſe 9 Faͤlle hier mit. 33) Karl Raths Kuh erkrankte ploͤtzlich am Milzbrande. Sie ſtand mit geſenktem Kopfe wie betaͤubt und theilnamlos Aet *) Waͤre in dieſem Falle die Doſis öfter wiederholt worden, um die Reaction noch mehr in Thaͤtigkeit zu ſetzen, ſo wuͤrde auch dieſes Stuͤck wahrſcheinlich gerettet worden ſein. eA, “) Das Lob, welches der Lehrer Marx dem ihm mitgetheilten Heil⸗ mittel giebt, habe ich der Kuͤrze wegen weggelaſſen und nur die Thatſachen ausgezogen und mitgetheilt. 1. 2118 105 da, zuckte und zitterte mit den Beinen, auf denen ſie ſich nur mit Muͤhe erhalten konnte; die Ohren waren kalt; die Freß⸗ luſt fehlte; Stuhl⸗ und Harnverhaltung. aich gab dem Stuͤck jede Viertelſtunde eine Gabe Anthracin X 0000 und nach 4 Ga⸗ ben war ſie ſo weit hergeſtellt, daß nur noch eine harte Ge⸗ ſchwulſt des Euters, mit verminderter Milchabſonderung vorhan⸗ den war. Übrigens waren alle Symptome der Krankheit ver⸗ ſchwunden. Dieſe Geſchwulſt beſeitigte ich, indem ich alle 6- Stunden eine Doſis Anthracin gab, auf welche Weiſe binnen 2 Tagen die Geſchwulſt verſchwunden war. Wnn 134) Chriſtoph Lotz's Kuh hatte nach Ausſage von drei Sachverſtaͤndigen den Milzbrand im hohen Grade. Sie zit⸗ terte mit dem ganzen Koͤrper, hatte kalte Hoͤrner und Ohren, das Haar war geſtraͤubt und rauh, die Augen ſchwammen gleichjam in Waſſer und waren geroͤthet und betaͤubt, und theilnamlos ſtand ſie da. Durch 3 Gaben Anthracin war ſie binnen 1 Stunde vollkommen hergeſtellt. Irs 35) Joh. Albachs Kuh erkrankte ploͤtzlich am Milzbrande; die Freßluſt fehlte ihr, ſie zitterte mit den Hinterfuͤßen, gab keine Milch, die Hoͤrner und Ohren waren kalt, die Augen liefen in den Ecken uͤber; die Hinterfuͤße ſtanden dicht zuſammen und einwaͤrts. Es reichten 2 Gaben Anthracin hin, um die Kuh in% Stunden vollkommen herzuſtellen. 28 36) Des Dreher Meyers Kuh fing ploͤtzlich eines Tages an zu zittern, ſo heftig, daß man glaubte, ſie wuͤrde jeden Augenblick hinfallen; ſie drehete den Kopf nach oben in der Luft herum, die Hoͤrner und Ohren waren einen Augenblick eiskalt und den andern gluͤhend heiß, die Freßluſt fehlte, das Haar war glanzlos und emporſtehend. Eine einzige Gabe Anthracin heilte dieſen heftigen Anfall vom Milzbrande voll⸗ kommen und ſehr bald. ch 1di 49 357) Fried. Eiſes Kuh fraß nicht, die Haare waren ge⸗ ſtraͤubt, das Athemholen war beſchleunigt, die Hoͤrner und Ohren waren heiß; ſie aͤchzte und ſtoͤhnte beim Druck mit der flachen Hand auf den NRuͤcken; Stuhl⸗ und Harnverhaltung. Drei Gaben des Heilmittels waren hinreichend, um die Krand⸗ heit in zwei Stunden vollkommen zu heille. 38) Dem Plattſchmied Moͤrle I. erkrankte eine Kuh. Sie zitterte am ganzen Koͤrper, von den Hinterbeinen an bis vor in den Kopf; es kam ruckweiſe in den Kopf, mit welchem ſie dann nickte; die Freßluſt fehlte, das Fell war rauh und ſtrup⸗ pig, Hoͤrner und Ohren eiskalt; das Zittern nahm ſchnell zu; ſie wankte, konnte nicht mehr auf den Beinen ſich erhalten und legte ſich mit großer Unruhe. Nach zwei Gaben des 106 Mittels, alle Viertelſtunden eine gegeben, ſtand die Kuh wie⸗ der auf und zeigte Freßluſt; ſie erhielt noch 2 Gaben und nach einer Stunde war ſie voͤllig hergeſtellt. 39) Die Kuh der Wittwe von Andreas Diez zitterte ploͤtz⸗ lich, beſonders mit den Hinterfuͤßen, fraß nicht; der Ruͤcken war empfindlich gegen Druck; die Haare waren nicht ſo glatt wie fruͤher; ſie gab keine Milch. Man erkannte dieſe Krank⸗ heit als Milzbrand, mißtrauete aber der homoopathiſchen Be⸗ handlung, und uͤberließ die Behandlung einem Andern, der ſogleich einen Aderlaß anordnete und Traͤnke dem Thiere ein⸗ ſchuͤtten ließ, allein nicht nur ohne Beſſerung der Krankheit, ſondern unter Zunahme der Krankheit. Jener ſtand nun ffrei⸗ willig von der weitern Behandlung ab, indem er die Kuh fuͤr verloren erklaͤrte. Nun kam man in der groͤßten Noth zu mir, um die homoͤopathiſche Behandlung noch als letzte Zuflucht (noch heut zu Tage oft das Schickſal der Homoͤopathie!) zu verſuchen. Ich erklaͤrte, ich wolle gern den Verſuch unterneh⸗ men, ſtehe aber durchaus hier fuͤr keinen guͤnſtigen Erfolg. Ich ließ nur alle Viertelſtunden ein Pulver reichen, und wi⸗ der mein Erwarten beſſerte ſich die Kuh ſchon nach dem er⸗ ſten Pulver, noch mehr nach dem zweiten und dritten, und nach dem vierten war ſie in wenigen Stunden vollkommen hergeſtellt. iolT2 MAHIGIIoG 6 1811—; 40) Die Kuh des Glaſers Georg Andreas Scherf ſchien anfangs mehr im Halſe zu leiden, indem ſie ſich geberdete, als habe ſie etwas im Halſe und wolle dies herausſchaffen; ſie erbrach bald darauf zweimal gruͤne Maſſen, verlor die Freß⸗ luſt. Der Beſitzer des Stuͤcks uͤberließ die Behandlung einem Andern, der dem Thiere Traͤnke eingab. Nicht lange darauf fing die Kuh an zu zittern, wankte hin und her, daß man ſah, es werde ihr ſchwer, ſich auf den Beinen zu erhalten; ſie aͤchzte und ſtoͤhnte viel, die Haare ſtraͤubten ſich, der Stuhl war verhalten. Nun erkannte man an den Kennzeichen, daß die Kuh vom Milzbrande befallen ſei und holte bei mir das Heil⸗ mittel. Die Heilung konnte ich hier nicht ſo ſchnell zu Stande bringen, wie bei den fruͤheren. Nach den erſten 4 Pulvern beſſerte ſich die Kuh etwas, namentlich ließ das heftige Zit⸗ tern etwas nach. Die naͤchſten 4 Pulver brachten auch wie⸗ der einige Beſſerung zu Wege und ich verlor den Muth daher nicht; denn offenbar war doch die Krankheit in ihrem rapiden Verlauf gehemmt und das Reactionsvermoͤgen geſtaͤrkt worden. Die naͤchſten 4 Pulver brachten ſo viel Beſſerung hervor, daß das Zittern voͤllig nachließ, die Haare wieder ihren Glanz be⸗ kamen; nur war noch kein Stuhlgang erfolgt und es zeigte 107 ſich noch keine Freßluſt, auch gab die Kuh noch nicht die früͤ⸗ here Quantitaͤt Milch. Nun ließ ich ihr noch 2 Gaben An⸗ thracin eingeben, alle 6 Stunden eine, und nach 24 Stunden, alſo in 36 Stunden vom Anfang meiner Behandlung an, war das Stuͤck vollkommen geheilt.. mad ſ ie 41) Chriſtian Albons Ochs erkrankte ploͤtzlich ebenfalls am Milzbrande; er zitterte heftig, fraß nicht, die Haare wa⸗ ren nicht mehr glatt, ſondern ſtruppig; Hoͤrner, Naſe und Ohren waren eiskalt anzufuͤhlen. Nach 4 Gaben Anthracin war der Ochs in 4 Stunden voͤllig hergeſtellt. Da nach der erſten Gabe ſchon Beſſerung eintrat, ſo ließ ich die Wirkung des Heilmittels 1 Stunde lang abwarten und jede Stunde eine Doſis geben.„ysn n anees en Durch den Buͤrgermeiſter Metzger in Nonnenroth erhielt ich bis zum 26. Mai folgende fuͤnf Faͤlle beglaubig.. „ 42) Dem Beigeordneten Martin Fritz allhier erkrankte eine Kuh am Milzbrande. Sie zitterte ſtark, die Haare hat⸗ ten ſich geſtraͤubt, die Milchabſonderung war vermindert, die Freßluſt fehlte; Ohren und Hoͤrner waren kalt; ſie ſtand wie betaͤubt da. Es wurden der Kuh alle Stunden 5 Streukuͤgel⸗ chen mit Anthracin befeuchtet gegeben, und nachdem 5 Gaben eingegeben waren, hielt man die Kuh fuͤr ganz geſund. Nur waren Luftgeſchwuͤlſte auf dem Ruͤcken entſtanden, und ſtrich man mit der flachen Hand laͤngs dem Felle hin, ſo knitterte und knatterte es, wie von Luft, die ſich zwiſchen Fell und Fleiſch feſtgeſetzt hat. Dieſes Symptom beſeitigte ich mit 8 Gaben Anthracin, alle 6 Stunden eine Doſis eingegeben. 43) Dem Johannes Doͤll erkrankte auch eine Kuh mit allen den gewoͤhnlichen Zeichen des Milzbrandes; ſie ward durch 2 Gaben des genannten Heilmittels in ein Paar Stun⸗ den vollkommen hergeſtellt. Henjam 44) Dem Konrad Steul ward eine Kuh, die ebenfalls alle Zeichen des Milzbrandes hatte, durch 3 Gaben des Mit⸗ tels ſehr bald hergeſtellt.. bie 45) Dem Adam Scheld erkrankte eine Kuh unter den gewoͤhnlichen Zeichen des Milzbrandes; ſie erhielt 2 Gaben Anthracin und ward bald geſund. 39 46) Dem Johannes Peter Koch ward eine Kuh, die am Milzbrande erkrankt war, durch 2 Gaben des Mittels voll⸗ kommen hergeſtellt. 3 Pin oln In meinem Notizenbuch uͤber den Milzbrand fand ich uͤber dieſe Heilungsfaͤlle Folgendes bemerkt, Bei der einen Kuh blieb nach der Heilung des Milzbrandes das Fell wie feſtgewachſen; daſſelbe war wie Stein ſo hart anzufuͤhlen. Der 108 Beſitzer der Kuh kam deßhalb zu mir, aber auch dieſer Reſt der Krankheit wurde durch fortgeſetzten Gebrauch des Anthra⸗ cin's, alle 6 Stunden eine Gabe, in 72 Stunden voͤllgg beſei⸗ tiget.— Eine andere Kuh bekam nach der Heilung eine große Geſchwulſt auf dem Ruͤcken. Hiervon durch den Beſitzer be⸗ nachrichtiget, ließ ich alle 6 Stunden Anthracin fortreichen, und in 48 Stunden verſchwand die Geſchwulſt- 8 47) Dem Johannes Wolff in Baͤrſtadt erkrankte Abends ploͤtzlich eine Kuh, nachdem ſie noch kurz vorher munter von der Weide gekommen war, am Milzbrande. Die Freßluſt fehlte gaͤnzlich; Ohren, Naſe und Hoͤrner waren eiskalt, die Haare uͤber den ganzen Koͤrper ſtruppig, die Augen ſtarr, glaͤnzend und beſtaͤndig ſtark waͤſſernd; aus dem Maule lief beſtaͤndig viel Geifer, die Milch war gaͤnzlich verſchwunden; Stuhlver⸗ ſtopfung. In Zeit von einer Stunde wurden dem Thiere 4 Gaben des bekannten homdoͤopathiſchen Heilmittels gegen den Milzbrand gereicht, und man hatte ſchon nach Verlauf dieſer kurzen Zeit die Freude, zu ſehen, daß die Krankheit gehoben ſei. Es zeigte ſich wieder Freßluſt, Wiederkaͤuen. Nachdem alle Kennzeichen, an welchen man die verheerende Krankheit erkennt, verſchwunden waren, blieb nur noch Rauhigkeit des Felles zuruͤck, indem die Haare ihren fruͤheren Glanz nicht wieder bekommen hatten. Das Heilmittel wurde fortgeſetzt, alle 6 Stunden eine Gabe gereicht, und ſo ward in 3 Tagen auch dies beſeitiget. 48) Dem Ortsbuͤrger Jaͤger in Baͤrſtadt erkrankte gleich⸗ falls eine Kuh am Milzbrande mit denſelben Kennzeichen. Auch ſie wurde durch einige Gaben Anthracin voͤllig geheilt. Der Buͤrgermeiſter Zinn beglaubigte dieſe Thatſachen als wahr, welches Zeugniß, ſo wie alle die hier angefuͤhrten, in meinen Haͤnden ſich befindet und Jedermann zur Einſicht be⸗ reit liegt. 314 49 53) Der Thierarzt Stoll in Nauheim theilte mir brieflich mit, daß er 5 Stuͤck vom Milzbrande durch das von mir erhaltene Heilmittel vollkommen geheilt habe. Zwei Faͤlle dagegen, wo der Milzbrand gleich mit Convulſionen und Tod aufgetreten ſei, habe er nicht damit heilen koͤnnen, der Tod ſei zu ſchnell erfolgt. Eine naͤhere Beſchreibung, mit welchen Symptomen die Krankheit ſich bemerkbar gemacht hat, fuͤgt derſelbe nicht bei. Als Thierarzt verdient er indeſſen wohl vollen Glauben, daß er wirklich den Milzbrand geheilt habe, zumal dieſe Krankheit jaͤhrlich in jener Gegend herrſcht, alſo zu oft beobachtet wird, um ſie nicht zu erkennen. 54) Der Buͤrgermeiſter Heyer in Woͤlfersheim theilte im 109 Maͤrz d. J. Folgendes mit. Mir ſelbſt erkrankte eine Kuh. Sie hing den Kopf, zeigte keine Freßluſt, hatte truͤbe und etwas thräͤ⸗ nende Augen, die Haare ſtanden uͤber den ganzen Koͤrper aufrecht; Hoͤrner und Ohren waren abwechſelnd kalt; auch war das Maul naß und kalt. Überdies ſchlug der Puls ſehr ſtark und geſchwind und gewahrte man innerliche Stoͤße nach der Bruſt; endlich ſtellte ſich Zittern im ganzen Koͤrper, namentlich aber in den Hin⸗ terſchenkeln ein, wobei die Kuh mit gekruͤmmtem Ruͤcken da⸗ ſtand, unaufhoͤrlich mit den Hinterfuͤßen trat und mit dem Schwanze wedelte. Sobald ſich die erſten Zeichen eingeſtellt hatten, ließ ich die Pulver anwenden und die Kuh wurde ge⸗ rettet.— Vorher, oder ehe man die Heilkraft dieſer Pulver (ich hatte naͤmlich dem Buͤrgermeiſter Pulver aus Milchzucker mit Anthracin zukommen laſſen in der gewoͤhnlichen Doſis) kannte, ſind mir waͤhrend zweier Jahre, ohnerachtet alle be⸗ kannten Mittel mit aller Genauigkeit angewendet wurden, 4 Kuͤhe und 1 Rind gefallen, bei welchen ſich dieſelben Symptome zeigten, daher die Rettung dieſer Kuh den Pulvern zugeſchrie⸗ ben werden muß.—— 55) Sodann erkrankte dem Ortsbuͤrger Georg Konrad Keller ebenfalls eine Kuh, bei der ſich dieſelben Kennzeichen blicken ließen, die aber auch gerettet wurde. fn 1. 56) Ferner erkrankte dem Ortsbuͤrger Nikolaus Aledter eine Kuh. Auch dieſe wurde gerettet. 1 48 57) Dem Wirth Heyer erkrankte geſtern ebenfalls eine Kuh an derſelben Krankheit, denn alle beſchriebenen Kenn⸗ zeichen ſtellten ſich ein. Sobald ſich aber dieſe Kuh klagte, wurde ihr ein Pulver beigebracht und damit fortgefahren. Nach⸗ dem ſie 4 Pulver erhalten hatte, war ſie voͤllig hergeſtellt. 58— 70) Der Buͤrgermeiſter Kraͤmer in Altenbuſſek be⸗ richtet mir am 2. Septbr. l. J., daß er durch die von mir gegen den Milzbrand erhaltenen Koͤrner in ſeiner Gemeinde -12 Stuͤck Hornvieh geheilt habe, die alle Zeichen des Milz⸗ brandes verrathen haͤtten. 523 7¹) Der Buͤrgermeiſter Koͤhler in Langsdorf theilte mir folgenden Bericht mit. Dem Foͤrſter Sames erkrankte eine Kuh am Milzbrande; ſie zitterte heftig, das Waſſer lief ihr ſchon in Menge aus den Augen, die Haare waren geſtraͤubt. Gleich nach Eingeben der fuͤnf Streukuͤgelchen beſſerte ſie ſich und nach der zweiten Gabe bekam ſie wieder Freßluſt und ward voͤllig geſund. 17615 72) Dem Andreas Roth erkrankte desgleichen eine Kuh mit den gewoͤhnlichen bekannten Symptomen des Milzbrandes und ward durch daſſelbe Mittel geſund. 110 73) So erkrankte dem Albert Roth ein Rind am Milz⸗ brande. Aun ange Ruloen 121 21i55 Mat 74) Desgleichen dem Henrich Koͤhler ein Rind. 75) Dem Pachter Kloch ein Rind.. 76) Dem Schullehrer Neumann eine Kuh. 77) Dem Johann Henrich Kremer II. ein Rind an der⸗ ſelben Krankheit, welche alle durch das homoͤopathiſche Heil⸗ mittel gerettet wurden.. 313/ 13at.ni) nle ne. Dagegen muß ich bemerken, daß den hieſigen Ortsbuͤrgern Philipp Henrich Bauſch eine Kuh, dem Henrich Fay eine Kuh und dem Philipp Henrich Koͤhler ein Rind, und dem Johannes Wenzel zwei Kuͤhe am Milzbrande Nachts erkrank⸗ ten, wo man das Mittel nicht anwenden konnte, und auch alle an der Krankheit ſtarben. 11are 112010 1 78— 80) Der Buͤrgermeiſter Herget in Wohmbach theilt mir folgenden Bericht mit:„Anbei uͤberſende ich Ihnen 3 Protokolle, welche die Heilung von 3 am Milzbrande erkrank⸗ ten Stuͤcken Vieh beglaubigen. Es freuet mich, Ihnen den guͤnſtigen Erfolg der homoͤopathiſchen Heilmittel mittheilen zu koͤnnen. Ich und jeder Ortsbuͤrger bringe Ihnen dafuͤr Dank. Die Gemeinde Wohmbach litt ſchon ſeit 8 Jahren an der boͤ⸗ ſen Krankheit des Mitzbrandes unter dem Rind⸗ und Schaf⸗ vieh, und alle Mittel, die wir dagegen anwendeten, blieben fruchtlos, denn jedes erkrankte Thier, welches die Kennzeichen verrieth wie die jetzt Geheilten, ſtarb. Da ich nun zu der überzeugung gelangt bin, daß Ihre Mittel in dieſer boͤſen Krankheit helfen, ſo empfehle ich mich und meine Gemeinde dankbar Ihrer fernern Guͤte u. ſt w... 81) Der Muͤllermeiſter Braͤuning in der Kolber Muͤhle theilte mir folgenden Heilungsfall mit. Meine Kuh gab keine Milch, bekam kalte Ohren, der Euter war ſehr heiß, ſie fiel nieder, ſprang wieder auf, fing dann an, heftig zu zittern, die Haare ſtraͤubten ſich, der Leib ward ganz aufgedrungen, aus den Naſenloͤchern lief blutiger Schleim. Ich gab der Kuh nun gleich von den erhaltenen Milzbrandkoͤrnern ein, worauf ſie bald voͤllig hergeſtellt ward., um chirsch. n. 82— 83) Der Ortsbuͤrger Jakob Heil in Butzbach ſchreibt mir Folgendes:„Vor Anwendung der homoͤopathiſchen Mittel mußte ich mit dem groͤßten Schmerz zwei meiner beſten Rin⸗ der verlieren, aber durch einen guten Freund hier aus der Stadt, der ſachkundig iſt, wurden mir die homoͤopathiſchen Pulver gerathen, wovon der Erfolg nach Wunſch ausfiel. Einige Tage nachher, als die zwei obigen Stuͤcke gefallen wa⸗ ren, erkrankte mir ebenfalls eine Kuh, welcher ich von dem 5 111 von Ihnen geſchickten Mittel geben ließ, und nach 6 Stunden war die Kuh wieder geſund.— Kurze Zeit darauf erkrankte abermals eine meiner Kuͤhe ebenfalls am Milzbrande. Sie bekam 7 Pulver, worauf ſie geſundete, aber die Beine und der Euter ſchwollen, welches ſich indeß nach fortgeſetztem Ge⸗ brauch des Heilmittels bald voͤllig verlor.“ 811363 84— 85) Der Pachter Weber in Oſtheim ſchreibt mir: „Der Erfolg von dem mir mitgetheilten Heilmittel gegen den Milzbrand iſt ſehr guͤnſtig geweſen. Denn mir erkrankte eine Kuh und ein Ochs, welche beiden Stuͤcke durch Anwendung des vorgeſchriebenen Heilmittels voͤllig geheilt wurden. Daß beide Stuͤcke am Milzbrande krank waren, habe ich an den Kennzei⸗ chen der Krankheit geſehen. Dabei muß ich noch bemerken, daß dem hieſigen geweſenen Buͤrgermeiſter J. Philipps auch ein Ochs erkrankte, der aber Ihr Heilmittel nicht anwendete und auch richtig ſeinen Ochs verlor.“ 3i e 86) Dem Ortsbuͤrger Gernand Rumpf erkrankte eine Kuh am Milzbrande mit den gewoͤhnlichen Kennzeichen dieſer Krankheit. Durch eine Gabe des homoͤopathiſchen Heilmittels wurde ſie vollkommen hergeſtellt. Die andern Kuͤhe erhiel⸗ ten, um den Milzbrand zu verhuͤten, das Mittel laͤngere Zeit hindurch und es erkrankte kein Stuͤck wieder. 1(au 87.— 93) Der Pachter Eberhardt Huber jun. zu Wiſſels⸗ heim verlor im vergangenen Jahre, wie derſelbe mir ſchreibt, 9 Stuͤck Hornvieh am Milzbrande, ob er gleich keine Koſten ſcheuete und alle empfohlenen Mittel in Anwendung ſetzte. In dieſem Jahre erkrankten abermals 7 Stuͤck mit allen be⸗ kannten Kennzeichen des Milzbrandes. Ein guter Freund rieth ihm, das von mir mitgetheilte homoͤopathiſche Heilmittel zu gebrauchen. Dieſes geſchah und jene 7 Stuͤck wurden ſaͤmmt⸗ lich geheilt, und zwar die meiſten binnen 3 Stunden. Es wurden alle Viertelſtunden 5 Streukuͤgelchen gereicht. 94) Der Pachter Jakob Weber in Niederweißel ſchickte mir ein Schreiben, deſſen Hauptinhalt folgender iſt:„Der Milzbrand herrſchte unter dem Hornvieh ſehr ſtark, als ich von Ihnen das homoͤopathiſche Mittel erhielt in dieſem Fruͤh⸗ jahre. Ich wendete dieſes Mittel ſogleich an, um die Krankheit zu verhuͤten. Die Folge davon war, daß ſich ſeitdem im Ver⸗ lauf dieſes Jahres(das Schreiben iſt vom 17. November) nur noch bei zwei Stuͤcken dieſe furchtbare und verheerende Krankheit zeigte. Von dieſen zwei Stuͤcken wurde ein Ochs ſehr bald voͤllig wieder geheilt. Ein anderer Ochs wurde ebenfalls von dieſer Krankheit befallen und nach 5 Gaben durch das Heilmittel von derſelben befreiet. Jedoch hoͤrte die darauf folgende — 112 Nacht der im Stalle ſich befindende Schweizer einen heftigen Schrei von demſelben Ochs, und als er zu ihm eilte, fand er das Thier todt.— Beſonders bemerke ich noch, daß die furchtbare Krankheit in meiner Schafheerde ausgebrochen war, und ich verlor bisweilen in einer Woche 18 Stuͤck. Ich gab auch jedem einzelnen Schafe von dem empfohlnen Heilmittel ein zur Vorbauung, wie ich es von Ihnen hoͤrte, und ſeit der Zeit habe ich unter den Schafen bis jetzt keine Spur dieſer boͤsartigen Krankheit gemerkt“*).— Aun Der Buͤrgermeiſter Ringshauſen zu Nidda theilte folgen⸗ des Schreiben uͤber den Erfolg des beim Milzbrand angewen⸗ deten Heilmittels, welches derſelbe durch mich erhielt, mit, aus welchem ich nur das Weſentliche hier mittheilen will. 95) Der Wittwe Chriſtoph Wilhelm Orths erkrankte eine Kuh am Milzbrande; dieſelbe ſtand da mit geſtraͤubtem Haar, den Kopf bis zur Erde haͤngend, hatte truͤbe, ſehr geroͤthete Au⸗ gen, kalte Ohren und Hoͤrner, eiskalte, aber mit dickem Schleim uͤberzogene Naſe, und gab, als ſie gemolken werden ſollte, keine Milch; genug die Kuh verrieth alle Kennzeichen des Milz⸗ brandes. Sie erhielt alle Viertelſtunden eine Gabe des Heil⸗ mittels, jedoch dauerte es 2 Stunden, ehe ſie ſich wieder munter umſah und beſſerte, ſo daß 8 Gaben noͤthig wurden, waͤhrend welcher Zeit ich mich nicht von ihr entfernte, um genau beob⸗ achten zu koͤnnen, wie ihr das Heilmittel bekaͤme. Nach Ver⸗ lauf von 2 Stunden ſah ſich das Thier auch nach dem Kalbe um und zeigte auch wieder Freßluſt. Da aber die Freßluſt nicht ſo wiederkehren wollte, wie fruͤher, ſo befahl ich, dem Thiere geſtoßenen Schwefel zu geben, worauf die Kuh bis zum andern Tage hergeſtellt war).— 96) Den 22. Mai kam Wilhelm Doͤpfer zu mir mit der Anzeige, er habe eine kranke Kuh. Ich begab mich ſo⸗ gleich zu ihm und fand die Kuh ausgeſtreckt im Stalle lie⸗ gen mit allen Kennzeichen des Milzbrandes, welche Krankheit mir recht wohl bekannt iſt, da ich ſie leider oft in meinem 1* *) Dies wuͤrde ebenfalls ein Beweis ſein fuͤr meine Behauptung, daf bei einem ſorgfaͤltigen Gebrauch des Anthracin's der Milzbrand zu verhuͤten iſt.— chS„o ſ *) Dieſes Beiſpiel beweiſt, wie wenig man ſich auch ſelbſt auf die Verſtändigern unter den Menſchen verlaſſen kann. Warum wurde nicht Anthrax fortgegeben, alle 2— 4 Stunden eine Gabe? Auf ſolche eigenmaͤchtige Eingriffe in meine angegebene Behandlungsart mag manch⸗ mal noch der Tod da erfolgen, wo bereits Rettung eingetreten war;— oder es erfolgt gar keine Wirkung des Mittels!— 113 eigenen Stalle ſah. Ich gab ſogleich eine Gabe des Heilmit⸗ tels ein und nach einer Viertelſtunde die zweite. Hierauf ſing ſie ſchon wieder an zu freſſen, und es verloren ſich alle Zeichen der Krankheit; ſie erhielt nun noch eine dritte Gabe, worauf ſie voͤllig geſund wurde. Um indeſſen nicht weitlaͤuftig jeden einzelnen Krankheitsfall niederzuſchreiben, will ich nur die Namen der Ortsbuͤrger auf⸗ zaͤhlen, welchen milzbrandkrankes Hornvieh durch das Heil⸗ mittel gerettet wurde. Dieſe ſind: 97) Ludwig Koch, 98) Gaſtwirth Ludwig Uhl, 99) Commiſſionsrath v. Krug, 100) Henrich Wilhelm Lehr, 101) Henrich Lupp, 102) Konrad Ludwig Runk, 103) Ludwig Wagener, G 104) Henrich Geiſt, 105) Peter Runk IV., 106) Friedrich Ringshauſen, 107) Philipp Uhl, 108) Philipp Kaiſer. Alle dieſe Stuͤcke, faͤhrt der Buͤrgermeiſter in ſeinem Schreiben fort, bedurften nur 3, hoͤchſtens 4 Gaben und wur⸗ den völlig geſund. Dagegen fuͤhre ich folgende mißgluͤckte Faͤlle an, wo die Heilmittel zu ſpaͤt gegeben wurden. Dem Henrich Jakob Ringshauſen erkrankte Abends eine Kuh. Man hielt die Krankheit fuͤr das ſogenannte Lumpenwerk, daher ſchuͤttete ihr der Kuhhirt einen Trank ein. Den folgenden Morgen erkannte man zu ſpaͤt, daß die Krankheit nichts An⸗ deres, als der Milzbrand ſei. Obgleich ihr noch ein Paar Ga⸗ ben des Heilmittels eingegeben wurden, ſtarb das Thier dennoch. Eben ſo verhielt es ſich bei einer Kuh des Peter Runk IV. — Auch bei der Kuh des Loͤb Katz wurden die Mittel zu ſpaͤt angewendet.—— Eine Kuh des Henrich Geiſt erkrankte Nachmittags und erhielt 4 Gaben nach einander, worauf ſich die Kennzeichen des Milzbrandes wieder verloren und das Thier Freßluſt zeigte. Der Mann legte ſich nun um 9 Uhr ruhig ſchlafen, fand aber des Morgens die Kuh todt im Stalle*).. *) Dieſes Recidiv wuͤrde geheilt worden ſzin, wenn der Beſitzer der Kuh die Nacht hindurch dieſelbe beobachtet haͤtte, um den neuen Ausbruch der Krankheit ſogleich mit einigen Gaben des Heilmittels zu bekaͤmpfen. 8 8 * 114 Dem Herrn Pfarrer Wais ſtarb gleichfalls eine Kuh am Milzbrand, indem die Mittel zu ſpaͤt angewendet wurden. Der Knecht hatte mit der Kuh geackert, und fuͤhrte Mittags dieſelbe auf die Weide, wo ſie nicht frißt und ſich milzbrandkrank zeigt. Nun laͤuft der Knecht gleich in die Stadt, und holt das Heil⸗ mittel, von welchem man ihr auch eingab, allein vergeblich; denn als man ſie nach Hauſe treiben wollte, ſtuͤrzte ſie ſogleich hin und ſtarb. Das Merkwuͤrdigſte iſt aber noch Folgendes. Es erkrankte dem Hrn. Commiſſionsrath v. Krug das beſte Pferd, weßhalb der hieſige Kreisthierarzt zu Rathe gezogen wurde. Als dieſer kam und das Pferd naͤher unterſucht hatte, erklaͤrte er, das Pferd habe den Milzbrand und ſei wahrſcheinlich verloren. Er ſchlug dem Thier eine Ader, verſchrieb einen Trank und gab etwas von dieſem ein, befahl auch, mit dem Eingeben fortzufahren, indem er in einer Stunde wieder kommen werde. Der Be⸗ ſitzer des Pferdes holte ſich aber ſchleunigſt bei mir ein Glaͤs⸗ chen mit Anthrax, ſtellte die verſchriebene Medicin bei Seite und gab nun 50 Koͤrner vom Heilmittel und zwar in 1 Stunde 6 Mal ein. Als der Kreisthierarzt wieder kam, war derſelbe ganz erſtaunt uͤber die große Veraͤnderung, die mit dem Pferde vorgegangen war, und ſagte: Ihr Pferd iſt wieder geſund. Er gab dem Thiere etwas Heu, welches von demſelben ge⸗ freſſen wurde.*) 1 Die uͤbrigen mißgluͤckten hier mitgetheilten Faͤlle beweiſen gegen die Heil⸗ kraͤftigkeit des Mittels nichts, denn man kann nur da ſichern Erfolg davon erwarten, wo daſſelbe gleich beim Beginn der Krankheit und ai⸗ lein angewendet wird. 4 5 *) In den Faͤllen, wo ſchon Traͤnke eingegeben wurden, mag eine ſo ſtarke Gabe von 50 Streukugelchen paſſend ſein, ſonſt aber kann ich zu einer ſolchen Gabe nicht rathen. Daß in dieſem Falle Anthrax das Pferd rettete, unterliegt wohl keinem Zweifel, denn waͤre von dem Pferde⸗ trank, wie ſolcher bei Pferdekuren verſchrieben wird, fortgegeben worden, ſo wuͤrde das Pferd mehr an den Folgen des Trankes, als an denen des Milzbrandes geſtorben ſein.— 4