* — 8 8 88 6 84 . 2N — 2 A. Ms S8. 28 S SSSSSSsSS ½2888 3 88 5 . 8 wehrender; S Bchan lnon Bnnverſite⸗ von ndch Theologis zu Gieſſen zu vnderſchiedenen ges uameang in Drus e cnn „ . ſar 1 &ᷣ 2 vns b Gedrzulck 5 Sedyuckt din mahlen gehalten:: & Duch Den aß Melum fnſen 163 re 2 gern deſelbſten e Jſelſen, E ſen, Nicolaum 1 niverſitet Typogr. A 0 4 52 ben muͤſſen/ ff daß wir Mag daden Wben 90. Jampelium, der Loͤblichen cadem. AGNBE X*17 de ◻☛ ☛ 88 H 888Sd eur — “ Seregegereee Leneennhun aens w 3es edicte eene 3 6,6, Den Ehrnveſten/ Vorachtbarn/ Hoch vnnd Wolweiſen Burgermeyſtern vnd Raths ver⸗ wandten der Keyſerlichen Vralten Reichſtadt Wormbs/ meinen Großgunſtigen Heren vnd Hochgeehr⸗ ten Freunden/ G Ottes Gnad vnd Fried durch Iheſum Chriſtum vnſern Hey⸗ landt/ neben Wuͤndſchung aller zeitlicher vnnd ewiger Wolfahrt/ vnd entptetung meiner Dienſt vnd Gebetszuvor: Hrnveſte/ Vorachtbare/ Hoch vnnd Wolweiſe Herꝛn/ Grofßguͤnſtige Freunde, Es hat zwar das Concilium Toleranumgeſchloſſen/ die Biſchoffe ſollen allen Chriſten verbieten die Todten zu beweynen. So hat 5d 60 „ 680 809 20 907 9 60 98 auch der Heydniſche Poet Ennius auff ſeinem Tod⸗ 1 teslaͤger geſaget: Noemono lacrunus decoret neq. funera hetu Faxit, cur? Volito vicn“ herora virum. Vnnd da etlichen das Exempel Chriſti Johannis n. da er Lazarum beweynet/ vorgeworffen worden iſt/ haben ſie Naͤrꝛiſch vorgewendet/ der HéRR habenit geweynet daß Lazarus geſtorben/ ſondern daß er wi⸗ der vom Todt aufferſtanden ſey. Aber das iſt ja wi⸗ 61)9 2 der Vorꝛede. der die Exempel der heiligen vnnd Alten/ welche vns Syrach heyſt anſehen/ Cap. 2. es iſt wider die Ver⸗ mahnung deß Apoſtels Pauli/ der vns heyſt weynen mit den weynenden/ Roͤmer.)2. wider deß weiſen Nan⸗ nes Syrachs/ welcher vns vorſchreibet wie man die Todten beweynen ſoll/ Cap.z8. wie das Exempel A⸗ brahams/ Gen. 3. Davidts/ 2. Sam)). vnnd haben wir vnſers weynens vñ trawrens gewiſſe Vrſachen. Die erſte iſt Tneologica oder Geyſtlich/ dieweil der Teuffel/ der Todt vnnd die Suͤnde vns in den betruͤb⸗ en Jamerſtandt gebracht haben/ Roͤmer. 5. Heb. 2. wie der Nann G Ottes Moſes hieruber wimmert/ Pſalm.9 0. H E R/ das macht dein Zorn/ daß wir alſo vergehen/ vnd dein Grim/ daß wir ſoploͤtzlich dahin muͤſſen. Die ander iſt Phyſica, oder Natuͤrlich/ von welcher Ambroſius, de obitu Valentini alſo ſagt: Paſcunt frequen- ter lacrumæ,& mentemallevantfletus, refrige- rant pectus& mœſtum conſolantur, das iſt/ die Thraͤnen helffen den Menſchen/ machen leichten . Sinn/ kuͤhlen das Hertz/ vnd troͤſten den trawrigen/ welches Chryſoſtomus mit einem feinen Gleichnis erklaͤret: ſicut, ſpricht er/ per vehementes imbres mundus& aër purus efficitur, ita etiam poſt la- crumarum pluvias ſerenitas mentis ſequitur atque Vorꝛede. atque tranquillitas: Gleich wie durch viel regen die Lufft gereyniget wirt alſo ſtellt ſich nach dem weynen das Hertz zu frieden/ vnd wirt ruhſam. Diedritte iſt Ethica, daß wir darmit die Chriſtliche Bruͤderliche vñ Schweſterliche Liebe erweiſen/ vnd an Tag geben dz wir auch Menſchen ſein vnd Nenſchliche aflectus an ons haben. Als Marcus Antoninus der Keyſer⸗/ genandt Philoſophus/ den/ welcherj hn aufferzogen hatte/ hertzlich vñ ſchmertzlich beweynete/ vnd deßwe⸗ gen von andern geſtraffet wardt/ ſolches ſtuͤnde einem Keyſer vñ Philoſopho nit wolan; gaber die antwort: Sinite ut homo ſim: neque enim imperium aut Philoſophia hominem ex homine tollit, neque humanis ſenſibus aut affectibus hominem exu- it:das iſt/ lieber laſt mich doch einen Menſchen ſeyn. Dañ ob ich wol Keyſer vnd ein gelehrter Nann bin/ ſo bin ich doch auch ein Menſch wieein ander/ vnd ha⸗ be Menſchliche Siñ vnd Bewegung an mir. Daher Solon anders vñ vernunfftiger geſagt hat als Enn. Mars mea ne careat lacrumis, linquamus amicis Maæroremnut celebrent funera cum gemitu. In dem trauwren aber muß man die rechtemaß hal⸗ ten/ nicht trawren wie die Heyden/ die keine Hoffnung haben/ 1. Theſſal.a. ſondern trauwren wie die heiligen Kinder Gottes: ſanctorum lacrumas cito reprimit fidei (2) gau- . Voryiede. gaudium: das weynen der Heiligen wird bald geſtil⸗ let/ durch die Frewde deß Geyſtes vñ Glaubens: Vñ darmit je die betruͤbte Hertzen recht weynen vñ traw⸗ ren/ vñ auß der Mittelſtraß nit ſchreitten/ iſt es noch heutiges Tages ein loͤblicher Gebrauch/ bey Beſtad⸗ tung der abgeſtorbenen Chriſtliche Leichſermonen vñ troͤſtliche Predigten zuhalten/ dariñen den Vber⸗ lebenden Lehr vñ Vermahnung/ auch die momenta conſolationũ, vñ wie ſie ſich troͤſten ſoͤllẽ vorgetra⸗ gen werdẽ/ deren Predigten ich jetzo etliche vñ die vor⸗ nembſte/ welche theyls von mir vnwirdigẽ Dienern Chriſti/ theyls von andern meinen Herꝛn Collegis/ offentlich gehalten worden ſindt/ zuſamen geleſen/ vñ auß Gutachten Gelehrter Leut in Truck verfertiget hab/ nit zweiffelende/ es werde vielen Predigern/ die offtmals/ wie mir mehr als einmalwiderfahrẽ/ wegẽ langſames Anſuchens/ in Sterbenslaͤufften auff⸗ ſteigen/ vnnd extempore Predigen muͤſſen/ hiemit wolgethan vnd gedienet ſeyn. Daß ich aber E. E. V. V. G. ſolche Predigtezu⸗ ſchreibe/ verurſachet mich erſtlich der Chriſtliche ernſt vnd eyffer/ welche ſie tragẽ/ ob der reynen vñ geſunden Lehr/ welche hiebevor D. Luther S.zu Wormbs/ im Jahr Chriſti/ 2). mit vnerſchrockenẽ Heldenmuht vor Keyſerlicher Najeſtet vnd den Staͤnden deß hei⸗ ligen Vornꝛede. ligen Roͤmiſchen Reichs/ ja vor der gantzen Welt be⸗ kandt hat. Darnach auch weil ſie gegen mich/ wiewol den allergeringſten in domo Domini, eineguͤnſtige affection tragen/ wie mir deñ ſolches der Ehrnveſte vnd Wolweiſe alte Buͤrgemeyſter/ Herꝛ Johan Wil⸗ helm Krapff/ mein alter werhter Freundt/ da er we⸗ gen Beſtellung deß Rectoratus auſſen war/ alhier zu Gieſſen ohnlaͤngſt Perſoͤnlich angedeutet hat. Oba⸗ ber wol dieſes mein Vornehmen von etlichen moͤchte vbel gedeutet werden/ als daß das zugeſchriebene Wercklein zugering ſey; jedoch ſtehe ich in der ſteiffen Hoffnung/ E. E. werde ihr es belieben laſſen/ vnnd meine geneigte Herꝛn vnd Goͤnner bleiben. Der Allmaͤchtige Guͤtige Gott vnd Vatter vnſers Herꝛn vnnd Heylandts Jeſu/ woͤlle E. E. genediglich behuͤten vor allem Vbel/ zu jhrem Regiment Gluͤck vnd Segen verleihen/ vor allen anſteckenden Seuchen bewahren/ vnnd nach vollendetem Lebens lauff in das Ewige Leben verſetzen/ vmb ſeines eingeliebten Sohns vnſers Erloͤſers vñ Seligmachers willen/ Amen. Signat. Gieſſen/ den 2, Tag Auguſti, Styl. veter. Anno 161 3. E. E. VB. B. G. Dienſtwilliger Caſparus Finckius, der heiligen Schrifft D. Profeſſ. vnnd Prediger. 8(:) 5e⸗ 7 Index — ☛——i— —— 888138,35,58 S5 Se 35,3e S. 3 35 35,3Se ee Index vnnd Regiſter Gießiſcher Leichpredigten 4 Erſtes Theyls. 4 I. Jeremiæ Viertoris, bey der Begraͤbnuß Philippi Chelii,&c. Vber 1 den Spruch Eſai. 22. u. 22.25 pag. r. II. jeremix Vietòris, bey der Begraͤbnuß johannis Münſteri,&c. Vber den Spruch Dlliperar 24,9ag.3. III. Johannis Wincke manni, bey der Begraͤbnuß Helenæ Münlte- . rin, Sec. Vber den 22. Plalm. pag.39. d 1v. Jeremiæ Vietoris, bey der Begraͤbnuß Catharinæ kitzelin, vber den Spruch/ Genax.16. 10. pag 59. 5 V. Pbilippi Mylii Diaconi, bey der Begraͤbnuß Johannis Conradi Machtoltft: vber den Spruch/ kleh,.u.v.§.10. peg. 78. 6, VI. Jeremiæ Vietoris bey der Begraͤbnuß Eliſabethæ Gerlachin, auß de ſalm. v 3.28. Pag. 90.— ²½ VII. Balthalaris Mentzeri, bey der Begraͤbnuß Hieremiæ Vietoris Superintendentis, vber den Spruch/ Philipp.Lv 21. pag. rra. IIX. Johannis Winckelmanni, bey der Begraͤbnuß betri von Put- 5 kammers Pomerani, auß dem a. Pſalm. v. 6. if. pag. 132. IX. Johannis Winkelmanni bey der Begraͤbnuß Allardi Catterba- chii,&c. Vber den Spruch/ oh..v. 8. pag.Isr. X. Caſpari Finckii bey der Begtaͤ nuß Annæ Catharinæ Lautenba- chin,&c. Auß dem 12,7. Pſalm. v. 4. 6. pag. 171. 14 XI. Eaſpari Finckiſſ. bey der Begraͤbnuß Margrethæ Catharinæ von 4 Weeitelß hauſen/ vber den Spruch/ Syrach. c. l.v. 3 pag. 202. XII. Calpari Finckii, bey der Begraͤbnuß M. Hieropymi Trinckuſii, Naauß dem 39. Plalm. v. pag. 22. XIII. Caſpati Finckii, bey Begraͤbnuß Johannis Hermanni Lauteba-. chin ober den Spruch Hiob. C. 14. v. I.2. pag. 245. XIV. Caſpari Finckii, bey Begraͤbnuß Elilaberhæ Winckelmannæ, 3 auß dem a1. Pſalm. v. 6. pag. 268. XV. Capari Finckii, bey Begraͤbnuß Davidis Muldeneri, auß dem Buch Tobiæ. c. 14. v. 4.17. pag. 294. XVI. Caſpari Finckii, bey der Begraͤbnuß Claræ Mycciæ, vber den Spruch Prov. 27. v.. pag. 320.„ 9 28(:)50 Ih Erſte E hriſtliche Leichpredigt/ * Bey dem Begraͤbniſß welland deß Ehrn⸗ veſten/ vnd Hochachtbarn Hertn Philippi Chelii ſe⸗ ligen/ Fuͤrſtlichem Heßiſchen geweſenen Raths vnd Cam⸗ mermeiſters/ ſo zu Gieſſen den 27. Innii/ Annor60 6.Mor· gens nach 6. Vhrn/ ſeligin Chriſto entſchlaffen. Gehalten daſelbſten den 30. Junii⸗ JEREMIAM vIETO 1Dethder elaen Schrifft Doctorn/ Pfarꝛhern. vnd Superintendenten. Eſaiæ am 22. Capitel. Vder zeit/ wilich cuffen meinem Knecht Sliakim/ dem Sohn Hilkia vnd will jm deinen Rockanziehen/ vnd mit deinem 2 Buͤrtel guͤrten/ vnd deine gewalt in ſei⸗ 2 ne Handt geben/ daß er Vatter ſey. De⸗ rer die zu Jeruſalem wohnen vnnd deß Hauſes Juda: vnnd wil die Schluͤſſel zum Hauß David auff ſeine Schultern legen/ daß er auffthue vnnd niemandtzu⸗ ſchlieſſe/ daß er zuſchlieſſe vñ niemands auffthue/ vnd wil jhn zum Nagelſtecken an einen feſten Ort/ vnd ſoll haben den Stuel der Ehren in ſeines Vatters Hauß. A Daß —— 3 Gießiſcher Leichpredigten Daß man an ihn hange alle Herꝛlichkeit ſeines Vat⸗ ters Hauß/ Kind vñ Kindskinder/ alle klein Geraͤhte/ beyde Trinckgefaͤß vnndallerley Seytenſpiel: zu der zeit/ ſpricht der HeRR Zebaoth ſoll der Nagel wegge⸗ nommen werden der am feſten orth ſtecket/ Daß er zu⸗ breche vnd falle/ vnd ſeine Laſt vmbkomme/ dann der HERRſagts. Außlegung. In haben geliebte im HE RRR Codtiſto/ jetzo ein liebes erwuͤndſchtes Mitglied/ vnſerer Kirchen alhie/ einen alten vier vnd ſechtzig Jaͤhrigen/ einen Hochachtbarn/ Weiſen/ erfahrnen/ beruͤmbten/ anſehnlichen/ vnnd GO Ttſeligen Manu/ nemlich weiland Herꝛn Philippum Chelium, Fuͤrſtlichen Heſſi⸗ ſchen geweſenen Cammermeiſter vnd Cammerꝛaht/ ſo verſchienen Freytags/ Morgens kurtz nach ſechs Vhrn/ in Coriſto Jeſu vn⸗ ſerm getrewen HeErꝛn vnnd Heyland/ ruͤhig vnnd ſelig eingeſchlaf⸗ fen/ anhero zu ſeinem Schlaffkaͤmmerlein vñ Ruhbetlein gebracht/ die lette Ehr/ hiemit in dieſem zeitlichen Leben/ jhm zuerweiſen/ vnd vns auch darnebẽ vnſerer noturfft hiebey auß Gottes Wort zu erin⸗ nern/ damit wir nit ohne Troſt wider von einander ſcheyden/ ſondern bey dieſer vñ dergleichen Leichbeſtattung vns auch vmb ſo viel mehr ju einem ſeligen Abſchied auß dieſem betruͤbten Jamerthal ſchicken ernen. Ich hab mir aber vorgenommen/ mit G Ottes huͤlff diß mal bey vorſtehender gelegenheit zu erklaͤren die verleſene Wort auß dem Propheten Eſaia am 22. Inhalt ſolcher betreffend: Wirdt erſtlich darinn gehandelt von dem vornemen beruͤmbten Mann Elakim/ einem officirer, Conſiliario oder Raht im Koͤnigreich Juda/ auch was vor viel gutes durch verwaltung deſſen der Allmechtige 6H 4 woͤlle 1 3 ——— 4 — * — — Erſter Theyl. 3 woͤlle außrichten laſſen: Darnacher wann ſolcher die Augen zuthut/ ſein Haupt nider legen vnnd zeitliches Todtes verfahren werde/ was dann vor Vngemach groſſer Schaden ſich finden ſolle. Von dieſen beyden ſtuͤcken/ nach anweiſung deß Texts was nuͤtzliches vnnd Gott gefelliges zu reden vnnd zu behalten/ woͤlle der Vatter aller gnaden/ vns ſeinen heiligen Geyſt vmb deß H E RR Chriſti willen aller ſeiis verleihen/ Amen. Erſter Theyl. SO viel das erſte ſuuͤck betrifft/ muͤſſen wir anfangs wiſſen/ was es vmb die Perſon Eliakim vor gelegenheit gehabt habe: Seiner wirdt gedacht in dieſem Propheten am37. da er genannt wirdt ein Hoffmeiſter Koͤnigs Hiskiæ: Iſt beneben dem Cantzler Sebna vnd den elteſten Prieſtern zum Propheten Eſaia abgefertigt worden/ demſelbigen zu klagen die ſchreckliche laͤſterige Rede Rablace deß Ertzſchencken Aſſyriſchen Koͤnigs/ vnnd ſeines Rahts vnnd Tro⸗ ſtes dagegen zubegeren/ wie nach der lenge daſelbſt zu ſehen: Eben⸗ meſſiger geſtalt wirdt dieſes Eliakims auch gedacht/ Reg 18. vom 26. Verſiculan biß zu ende ſelbigen Capitels/ vnd darneben zugleich auch angezeygt/ wie in den verleſenẽ Worten/ daß er ein Sohn Hil- kia, vornemen herkommens geweſen/ vnnd gebens allerhandt vmb⸗ ſtaͤnde. Daß er Gott vor Augen gehabt vnd hertzlich gefuͤrchtet. Wolan dieſem frommen Offlicirer, vnd getrewen Conſilia- rio war nicht gut oder guͤnſtig Sebna der Cantzler oder intimus Secretarius, ſo hernacher vnter dem G Ottloſen Regunent Ma- nallæ, Hiskiæ Sohus/ dermaſſen ſich einbruderte vnnd impatro⸗- nicte, daßer Theſaurarius vnnd faſt ſo zureden Landhoffmeiſter oder Oberſter Marſchall wardt: Stoltz/ auffgeblaſen/ ein Veraͤch⸗ ter GO Ttes vnnd ſeines Worts/ der ſeine Gaben nicht zu der Ehr Gottes vnd befuͤrderung ſeines Namens brauchte/ ſondern ihmein ſumptuos vnnd groß monument, darmnit auch nach ſeinem Todt zu Prachtiren/ aufflichten ließ/ vnnd endlich im exilio jaͤmmerlich zu grundt gehen mußte. A ij Dem⸗ — — 4 Gießiſcher Leichpredigten Demnach/ damit der Allmechtige Gott ſein mißfallen wider dieſen Sebna an Tag gebe/ ſo laͤßt er hie durch den Propheten Eſaiam anzeygen/ daß zwar Sebna von ſeinem Stand ſolte geſtuͤr⸗ tzet/ ſein verachter Knecht aber Eliakim an ſeine ſtadt zu hohem Commendamäét im Koͤnigreich Juda/ Als der im geringſten biß⸗ her ſehr Trew geweſt war/ erhaben werden: Ich/ ſpricht der HE RRꝛ Wil zu der zeit ruffen meinem KnechtEliaki m, dem Sohn Hilkie: Dir Sebnæ, wilder Herꝛ ſagen/ Iſt ja allweg mein Knecht vñ lie⸗ „ber getrewer Fliakimein Dorn in Augen geweſt/ dein Luſt wer ge⸗ „weſen/ wann du jn gantz vnd gar hetteſt verderben koͤnnen/ Ich aber/ wil jhn nit allein wider dich vñ deines gleichen ſchutzen vnd ſchirmẽ/ ſondern auch den nechſten an deine ſtat erhoͤhen vnd dich verwerffen: — Dahin die folgende Wort gehen/ Ich wil jm deinen Rock anziehen vnd mit deinem Guͤrtel guͤrten: welches Notæ vnnd gleich als Inſi⸗ gnia waren/ daran man vorneme Amptsperſonen/ als ab jhrer ſon⸗ derbare Tracht/ vñ Gehencken oder Gurtein/ daran ſie jre arma vnd Wehr trugen/ erkennen ſolte:vnd daß der Hẽ R translationem præfecturæ deß Scbnæ, auff den Eliakim allhie verſtehe/ ſolches geben Sonnenklar die ohn mittel nachfolgende Wort/ Ich wil/ ſagt der HERR /jm deine Gewalt/ die Ampts verwaltung ſo du biſther *„ gehabt/ in ſeine Handt geben: Iſt ein beſonder hohe verwaltung zu Hoff vnd im Koͤnigreich geweſen/ darumb ſich durch vorgenannte Suͤnde der Sebna ſelbſt jaͤmerlich gebracht hatte Es wirdt ferꝛner angezeygt/ wie ſich Elialiim in ſolchem ſei⸗ nem/ jhm von Gott verliehenem hohem Ampt der Regierung/ bey⸗ degegen Gott vnd dann auch die Vnterthanen im Koͤnigreich Ju⸗ da vnd Jeruſalem/ verhalten werde: Nemlich nicht Stoltz/ auffge⸗ blaſen/ vermeſſen/ Tyranniſch/ oder als ein Treiber/ ſondern als ein Vatter derer die zu Jeruſalem wohnen vnnd deß Hauſes Juda. Sebna war ein rechter Scherge vnd Hohnſpraͤcher derarmen Vn⸗ terthanen geweſen: Einen ſolchen aber ſolten ſie an dem Eliakimnit haben/ ſondern als ein Vatter wuͤrde er wachen vor die Wolfahrt/ beyde. Erſter Theyl. 5 dda beyde ſeines Herꝛn Koͤnigs vnd deſſen Land vnnd Leute. eim Weiter ſagt der HE RR/ ich wil die Schluͤſſel zum Hauß“ ie David auff ſeine Schultern legen/ daß erauffthue vnd niemandt“ hen zuſchlieſſe/ daß er zuſchlieſſe vñ niemandt auffthue: Sind verbluͤmite bſß⸗ Wort/ darinn aber der He ³R eben das/ ſo er ſchon zuvor mit eyn⸗ b Ra: faͤltigen Worten angezeygt/ verſiehet/ nemlichen/ der Herꝛ/ woͤlle ie: Eliakim hierzu erhoͤhen: Deutet mit dem Schluͤſſel deß Hauß Da⸗ le⸗ vids/ auff die Koͤnigliche Hoffhaltnng vnnd Regierung in Juda/ : allermaſſen/ wie die jenigen/ denẽ in einer Haußhaltung die Schluͤſ⸗ 7 ſel vertrawt werden/ macht haben zu verwahren vnd zu verſchlieſſen/ 2 m was dem Geſindt vonnoͤhten/ vnnd iſt wol in acht zunemen/ daß der G ſi. He R ſagt: Ich wil jhm die Schluͤſſel auff ſeine Schultern legen: hen Dañ gleich wie man/ was etwas ſchwer iſt/ auff die Achſeln plegt zu öt tegen/ deſto beſſer es fort zubringen/ alſo wil der Herꝛ anzeygen daß en⸗ die Laſt der Regierung Eliakim ſehr ſchwer ſeyn wirdt/ Er jm aber nd woͤlle tragen helffen/ vnnd woͤlle der H E RRjhn tanta autoritate em vmbgeben vnd in einem ſolchen reſpeck vnd Beruff ſetzen/ das was e er thue/ ſolches gethan ſeyn vnnd bleiben ſolle. agt Der He Ro zeyget noch eins an/ nemlich was fuͤr gutes vnnd her commodireten, auß einem ſo trewen Regiment Eliakims erfol⸗ u gen werde/ ſpricht: ich wil Eliakim zum Nagel ſtecken an einen fe⸗⸗ nie ſten orth: vergleicht jhn einem ſtarcken Nagel/ den man ſchlegt in eine. Wand /allerley Gezeug groß vnd klein/ gleich als ein Hirſchgewicht/ ſei daran zuhencken: Soll ſolcher Nagel/ feſt ſtecken vnd halten/ ſo muß gy⸗ man jhn/ in ein feſte Wand ſchlagen oder ſtecken/ damit er nit ſchlap⸗ u⸗ pere/ aſſo wil der Hẽ R ſagen/ woͤlle er auch ſegnen das Guberna- ge⸗ ment Eliakim, daß es nuͤtzlich vnnd wol ſolte außgefuͤhret werden/ ci vnnd dannenher zeygen die Ehr vnnd dignitet ſeines gantzen Ge⸗ da. ſchlechts/ dahin die Wort gehen/ Er ſoll haben den Stul der Ehren 2 in ſeines Vatters Hauß/ Ja es ſoll nicht allein ſein Geſchlecht ſeiner nit Ruhm vnd Ehr haben/ ſondern es ſollen auch ſeine Angewandte ſei⸗ 1 uer vmb ein groſſes gebeſſert ſeyn/ welches auß denen Worten er⸗ ⸗ de. A jij ſchei⸗ 8 —— 1—— 1 6 Gießiſcher Leichpredigten „ſcheinet/ da ð Herꝛ ſagt: Man werde an jn hangẽ alle Herꝛligk eit ſei⸗ „nes Vatters Hauß/ Kind vñ Kindskindern/ alle kleine Geraͤht/ beyde Trinckgefaͤß vñ allerley Seytenſpiel das iſt alle Menſchen vñ Vn⸗ terthanen werden ſich dieſes Eliakim szuerfrewen vñ zuergetze habẽ. Lehr vnnd Ermahnung. Bey dieſem erſten ſtuͤck haben wir zubehalten/ wo fuͤr wir ober vnnd vnter Regenten/ Herrn vnnd Officirer, wie ſie moͤgen Namen haben/ halten ſolle. Widertaͤuffer geben fuͤr/ keiner koͤnne mit gutem gewiſſen das Ampt der Obrigkeit nicht tragen/ andere laſſen ſich hoͤ⸗ ren es ſeyen muͤſſige Leut/ die nicht viel nutzen ſchaffen/ deren man wol entrahten koͤnne/ vnnd daes an deß gemeynen hauffens wil: len vnnd gut achten ſtuͤnde/ glaublich/ ſie ſolten in dem the bald vnd zu mal die Kopff mit den Widertaͤuffern vnder einen Hut ſtecken/ vnnd ſehen wie ſie Regenten vnnd Prediger moͤchten gar aueit werden: Der Bawern Auffrhur hat deſſen ein Muſter gegebe/ 1. daß jnen aber vbel außgeſchlagen. Allhie hoͤrẽ wir viel anders davon reden: Nemlich daß der Regenten Stand von Gott verordnet: Ich/ ſpricht der HERR: wil ruffen meinem Knecht Pliakim, Ich wil thm die Schluͤſſel auff ſeine Schultern legen/ Ich wiljhn zum Na⸗ 11 gelſtecken an einen feſten orth: vngehindert ſeines Regenten ſtands/ 111. Hennet der HER R/ Eliakim ſeinen Knecht: das Regiment auff Erden ſteht in G Ottes Haͤnden derſelbige gibt jhn zun zeiten einen duͤchtigen Regenten/ es ſiehet in Gottes Haͤnden, daß es einem Re⸗ b Syr.o. genten gerathe/ derſelbige gibt jhn einen loͤblichen Cantzler: Dem * Sam. 6. Propheten David befahl der ERR/ ein Fuͤrſt zu ſeyn: Durch Gott regierẽ die Koͤnige/ vnd ſetzen die Nahtherꝛn das Recht: durch prover. 8. G Ott herꝛſchen die Fuͤrſten/ vnnd alle Regenten auff Erden: Der Dan. 4. Hoͤchſte hat Gewalt vber der Menſchen Koͤnigreich/ vnnd gibt ſie wem er will/ vnd hiebey gilt es nicht ſagen: Heri, vnnd vorzeꝛten iſt jhm alſo im Alten Teſtament geweſen Hodlie, das iſt/ Im Newen Teſtament/ gilts nicht mehr/ wie dic Widertaͤuffer einzuwenden pflegen/ Erſter Theyl. 7 pflegen/ dann der He R CRiſtus nit allein die Weltliche Reich/ Polireyen vnnd Obrigkeit abgeſchafft/ ſondern jhnen ſelbſten vnter⸗ thaͤnig geweſen/ vnd ſich durch den Apoſtel Paulum erklaͤret: Jeder⸗ man ſolle der Obrigkeit vnterthan ſeyn/ die gewalt vber jhn habe/ Rom 13. dann/ keine Obrigkeit ſey ohne von GO Tt: Sie ſey georonet von Gott/ vnnd wer ſich ſolcher wider ſetze/ der widerſtrebe Gottes Ord⸗ nung/ vnd werde ein Vrtheyl vber ſich empfangen. 3 Diß ſoll vor Augẽ ſtehen/ allen Regenten zu troſt bey der groſſen Laſt vnd Muͤhe in den Regimenten/ daß ſie gedencken/ Gott hab ſie darzu beruffen/ vnnd zu erinnerung/ daß ſie denſelbigen vor Augen haben/ Chriſtlich vnd wol Regieren/ deßgleichen GOTt mitallen frommen Regenten vmb beyſtand ſeines H. Geyſtes anruffen/ da⸗ mit jhr Regiment/ Herberge deß H. Evangeln vnnd der lieben Ge⸗ richtigkeit ſeyn vnd bleiben moͤge. Nicht weniger auch den Vnterthanen ſelbſten/ damit dieſel⸗ bigen/ bey den vielfaltigen Confuſionibus, die ſich leyder auch zu weilen in traͤglichen Regimenten finden/ ſich nit an der guten Ord⸗ nung G Ottes ſelbſten vergreifſen/ ſondern zwiſchen dem ſtand vnd dem zufaͤlligen vnrechten/ zu vnterſcheyden wiſſen/ vnd auff ermah⸗ nung S. Petri auch den wunderlichen Herꝛn gebuͤhrlichen gehor⸗ ſam leyſten/ ſich nit vnter die Auffruͤhrer mengen/ damit ſie mit den⸗ ſelbigen nicht vmbkommen/ dann der HE RR beweiſt groß Heyl ſei⸗ Pſal. 18. 20. nem Koͤnig vnd thut wol ſeinem Geſalbten: Der Koͤnig hofft auff den HE R*R/ vnd wirdt durch die guͤte deß HE Ri feſt bleiben. Regenten vnnd Oflicirer lernen fuͤrs ander allhie/ worin jhr beſter Ruhm ſtehe/ vnd wie ſie beſchaffen ſein ſollen/ damn jhre ver⸗ richtungen dem Oberſten HERRR hertzlich wolgefallen: Sie ſollen dahin jhre verwaltungen richten/ daß ſie mit Eliakim Vetter jhre Vnterthanen/ patres patriæ, vnnd fidi Conſtantini Magni, auch als dann/ wann ſie Juſtitiam gegen die Vbertretter admini- ſtriren muͤſſen/ mit groſſen Ehren koͤnnen genennet werden. Lieber/ was kan doch von trewer Obrigkeit hochſel gers geſagt wudenſde da 7 — 8 Gießiſcher Leichpredigten daß ſie Vaͤtter ſeyen? wie kein groͤſſer lieb iſt/ als Chriſtlicher Elteru gegen jhre liebe Kinder /alſo wil auch der. Geyſt allhꝛe lehreu/ daß frommer Obrigkeiten Liebe gegen jhre Vnterthanen beſchaffe ſeyn folle? Wann bey den Iſraeliten vnnd Juͤden/ ein frommer Regent vnnd Landtsvatter/ todts abging/ wie kiagte Jedermann denſelbi⸗ 2. Chro. 33. gen/ wie redten Senger vnnd Sengerin jyre Klagliedere Als Elias in einem fewrigen Wagengehn Himmel entzucket ward/ hilff Gott wie ſchrey hernach Eliſa, mein Vatter/ mein Vatter/ Wagen Iſ⸗ R⸗ rael vnnd ſeine Reuter/ die Heyden ſelbſt haben alſo jhre patres pa- 1'g.z. triæ beweynete Warlich gleich wie in der Haußhaltung die Kinder/ — ſo bald jhnen nur was vngleiches zuſtehet jhren recurs zu den El⸗ tern nemen vnd denen jhr anliegen klagen/ alſo iſt ein trewer Regent vnnd Officirer, als ein Vatter/ zu welchem alle bedrangte Ampts⸗ vnd Landskinder fliegen/ vnd haben alſo deſſen alle Regenten vñ Re⸗ gimentsperſonen ſich zu erinnern/ damit ſie ſich/ trew fried freund⸗ vnd Vaͤtterlich/ gegen jhre Vnterthanen erweiſen/ arme Witwen vnd Wayſen ſchutzen vnd ſchirmen/ vnnd maͤnniglich die billigkeit widerfahren laſſen. unun Wie viel auch an der gleichen vornemen Regenten gelegen/ hat der HE RR in den verleſenen erklaͤrten Worten/ durch zwo an⸗ .. muͤhtige Gleichnuſſen dargethan. Erſilich/ In demer ſagt: Elia- kim hab einen Schluͤſſel auff ſeiner Schultern/ was er auffthue/ ſchließ niemand zu/ vnnd was er zuſchlieſſe/ thue niemandt auff:ver⸗ ſtehet durch den Schluͤſſel/ ſonders hohen Befelch/ gleich wie in vor⸗ * nemer Leute Oeconomia vnnd Haußhaltung die Schluͤſſel nit in gemeynallen Haußgenoſſen/ ſondern den vornembſien vnd getrewe⸗ ſten Dienern vnnd Dienerin befohlen werden/ auch Heren vnnd Frawen an denſelbigen anbefohlenen verrichtungen jhnen begnů⸗ gen laſſen. Solche Schluͤſſel nun vnnd Verwalcung/ ſindt in Warheit frommen Regenten vnd Officirern, die einen genedigen Gott vnd gutes Gewiſſen zu erhalten begeren/ nicht leicht/ ſondern mechtig ſchwer. ₰ ————— — ☛—ͤͤ — —-— 1111 Erſter Theyl 8 ſchwer. Dem Eliakim allhie werden ſie nicht in die Hand gegeben/ ſondern auff die Schultern gelegt. Wer trewlich vnd am Juͤngſten Tag fuͤr G Ott verantwortlich Regiren wil/ der befindet ſolches in viei tauſent wege/ dem macht die Regierung ante annos vnnd zeit⸗ lith einen grawen Kopff. Zum andern/ Darnacher in dem der HE RR den Eliakim vergleicht einem feſten Nagel/ oder Hiuſchgewicht an eine Wandt geſchlagen/ daran man allerley daß man gern verwahret haben wol⸗ te/ pfleget zu hencken/ damit es nicht eben auff der Erden durch ſtaub vnd dergleichen vervnreiniget werde: Vnd zwar daß der Pro⸗ phet oder der Herꝛ ſelbſten allhie nicht einen eynfachen Nagel/ ſon⸗ dern einen der viel zincken habe/ oder ein Hirſchgewicht verſtehe/ iſt daher abzunemen/ in dem er ſagt: Es hange allerley Geraͤhte daran/ welches an einen einigen einfachen Nagel freylich nit koͤnnte gehencket werden. Vnd hetlein aller Warheit/ der E R durch den Prophe⸗ ten/ die Regenten vnnd Officirer, feiner vnd ſcheinlicher nicht Ab⸗ contrafeyen koͤnnen: Dann gleich wie ein Hirſchgewicht zwo ſtan⸗ gen vnnd dannan denſelbigen viel vnterſchiedliche Ende hat/ daran man allerley hencken kan/ Alſo ſindt in den Regiment nauff Erden die hohe Haͤupter gleich als die ſtangen deß Hirßgewichts/ jr Con- ſiliarii, aber Raͤht vnd Befelchshaber/ die ende/ vnd hangen an den⸗ ſelbigen viel Geraͤhte/ Herꝛn vnd Diener ſindt mit vielen wichtigen Geſchaͤfften beladen/ vnd ſtehet vermittelſt Goͤttlichen Segens/ das Regiment auff ſhnen: Gott ſelbſt giebts zuverſtehen mit denen vn⸗ terſchiedlichen herꝛlichen Namen vnd Tituln/ ſo in der Schrifft der Obrigkeit gegeben werden: Als dz ſie den Engeln Gottes verglichen werden/ z. Sam. 14. 19. genannt/ Heyland oder Salvatores, 2. Reg. 13. Goͤtter/ Pſ. 82. Exod. 4.7. 22. Grundfeſte deß Lauds/ Dſ. S2.an⸗ Nehem.*. zudeuten/ gleich wie ein gantzer Baw in hauffen muͤſſe fallen/ wann man die Seulen vñ Eckbande hinweg neme/ alſo auch die Regime⸗ gen nit beſtehen koͤnnen/ wann derſelbigen heylſame vnd nuͤtzliche Re⸗ B genten⸗ Prov. I1. Deut. 27. 1 2 3. 84— 8. 70 Gießiſcher Leichpredigten gentenſeulen entzogen werden: Dann wo nicht raht iſt/ da gehet das Volek vnter/ vñ eine gemeyn ohne Obrigkeit iſt wie die Schaff ohne Jad. 17. 18. einen Hirten/ wie es die Exempel gnugſam außweiſen. Nach Sim⸗ 21I. Jerem. 4r. ſons todt als kein Koͤnig in Iſrael war/ that ein jeglicher was jn recht dauchte: Als Gedalia, vom Koͤnig zu Babel/ vber Inda verord⸗ net/ todt war/ ſchewet ſieh Iſrael auch mitten in der Stadt nicht/ Moͤrderey zutreiben/ inmaſſen der. ERRzuvor weiſſagen laſſen/ daß viel in Iſrael ſeyn wuͤrden/ da kein rechter G. Ott/ oder wa hrer Gottesdienſi/ kein Prieſter der da lehret/ vnd kein Geſetz ſeyn wuͤrde/ da wuͤrde es dann freylich nicht wolzugehen. 3 Ferꝛner/ damit der HE RR ja kundbar gnug machte/ daß es viel ein andere gelegenheit mit dem Regentenſtand/ als dem Hauß⸗ ſtand vnnd Privatleuten in jhrer æconomia oder Hauß haltung hette/ ſo ſpricht er durch den Propheten: Es hanget allerley Geraͤht an dieſem Nagel oder Hirſchgewicht.. Solches etwas weiter zu dedueirn, ſo ſteigen zwar die Re⸗ genten nicht auff die Cantzel zu Lehren vnd zu Predigen/ gleichwol aber ſo hanget diß edle Kleynot/ das heilige Predigampt/ nech ſt dem Stiffter dem ewigen G. Ott/ zu gutem theyl/ an dem edlen Hirſeh⸗ horn Gottſeliger Regenten/ in dem ſolche das Prediga myt/ vnd deſ⸗ fen Diener ſchuͤtzen vnd ſchirmen/ vnd dem HE RRR der Herꝛlig⸗ keit die Pforten vnnd Thor hoch machen/ daß ſie cinziehen koͤnnen/ Pſalm. 24. Daher Eſa. 49. die Koͤnige Pfleger/ vnnd die Fuͤrſten Seugammen der Kirchen Gottes geuennet werden Ein ſolch Gott⸗ ſeliger Regent war olias Koͤnig Davids: Ein ſolcher herꝛlicher ſficirer vnd Kirchenvatten iſt hie geweſen Eliakim. Item Oba- dias, andeß Gottloſen K oͤnigs Achabs Hoff/ in demer hundert Propheten ſehutzte vnd ernehrte: Item Ebodmelech, ſo den Pro⸗ pheten jeremiam troͤſiete vnd rettete. er: Antichriſt zwar gibt faͤlſchlich fuͦr/ Weltliche Regenten/ der Kirchen vnnd Religion ſich nicht annemen/ oder damit bemuͤhen ſollen: GOTt aber /aͤſt befchlen dem Koͤnig gleich zu antrettung 3 ſeiner Erſter Theyl 7 ſeiner Regierung das Buch deß Geſetzes/ Deut.. Vund wann ſich alſo die Koͤnige weiſen laſſen/ vnd zuͤchtigen die Richter auffEr⸗ den/ dem HE RRR mit forcht dienen/ vnnd frewen ſich mit zittern vorallen dingen Embſig ſeyn zuhandhaben das Geſetz deß Her⸗ ren/ cuſtodes ſind tabulæ primæ vnd Eyffern vber dem Wortdeß Evangelni vnd der reynigkeit in der Lehr vnd heiligen Sacramenten/ wie vorhin vom Koͤnig David, Joſaphat, Joſia, vnnd dergleichen erwuͤhnet/ ſo folget das vbrige zu aller wolfahrt der Vnterthanen auff dem Fuß hernacher/ das iſt/ vmb Gottes willen vnd inhalt deſ⸗ ſelbigen Befelchs/ halten ſierecht vnd gerechtigkeit /erweiſen ſich als Amptleute Gottes/ vnd ſindt ein recht ſehendes Aug/ daß gleich wie ere das Aug deß Menſchen Leibregiert/ damit derſelbige recht gehe vnd nieht ſtuͤrtze/ alſo die Regenten in der Regierung das Aug der Vn⸗ terthanen/ vnd derſelbigen zeitlich vñ ewiges Gut zu befaͤrdern/ ſeyn ſollen. Vñ ſteht als dan erſtin Regimenten am beſten/ wann die Re⸗ genten/ alte verſtaͤndige/ erfahrne vnd Gotiliebende Raͤht haben/ die man auch billich ſoll ehren/ vñ vor einem alten grawen Haupt auff⸗ ſtehen: An ſolchen enden deß Edlen Hirſchgewichts hanget die wol⸗ fahrt/ kleiner vnd hohen Schulen/ ſo da ſind ſeminaria Eccleſiæ, vñ Officinæ oder Werckſtatte/ guter Kuͤnſten/ Sprachen/ Facul- teten guter Sitten vñ Gortesfurcht: Werden dieſe zuruck geſett/ inmaſſen bey den Regimenten offtmals die centauri ignorantes, gern ſehen wolten/ ſo ligen allbereyts die Pflanten ſo hernacher in d Kirchen/ vñ den gemeynen Nutzen ſollen gebraꝛcht werden/ vñ muß Barbaries vñ aller hand beſchwerliche confuſion darauff erfolgen. An dieſem Nagel vnd Edlen Hirſehgewicht hanget auch das Schwert/ ſo Gott der Obri gkeit angeguͤrtet/ das iſt/ adminiſtratio Jultitiæ, daß boͤſcn vereuchten Lenten geſtewret vund gewehret/ die ſtommen aber geſchuͤtzt vund geſchirmet/ fried vnnd einigkeit erhal⸗ ten werde/ vnndein ſeglicher vntter ſeinem Weinſtock vnnd Feygen⸗ baum ſicher vnñ ohne ſchew wohnen koͤnne. Hiervon handelt 5. Pau- lus KRom. 13. In dem er ſagt: Die Obrigkeit trag das Schwert nit ij vmb Pſal. z. Prover. z6. Sap. 6. Levit. 19. Mich. 4. m. 22. Job. 29. 7. 2 12 Erſter Theyl vmb ſonſt/ ſie ſey G Ottes Dienerin/ ein Raͤcherin zur Straff vber die ſo boͤſes thun: ſie ſyn G OT Tes Diener/ die den Schutz haben ſollen/ das iſt/ wie Regenten die boͤſen vnnd die Laſter ſtraffen ſollen/ alſo ſollen ſie hergegen die fromme/ Gottliebende/ Witwen vnnd Wayſen/ nicht laſſen vnterdruͤcken/ ſondern deren allen ſich trew⸗ lich annemen/ vnnd in dem weder Perſonen noch Geſchenck reſpe⸗ ctiren oder anſehen: O welch ein hochnoͤtiges Kleynot/ ein ruͤhmlich Geraͤhtlein iſt dieſes/ ſonderlich bey wolbeſtelten Dicaſteriis vnnd Cantzeleyen dahin in einem gantzen Landt/ die arme Vnterthanen/ wann ſie offemals/ von jhren vorgeſetzten regulis, Landtknechten/ Schultheiſſen/ Gerichtsknechten/ vnnd wie ſie mehr Namen haben moͤgen/ vbel geplagt vnd gleichſam als vor Hunde gehalten werden/ jhr refugium haben/ daß ſie als dann gnedig vnndfreundlich geho⸗ ret vnd befuͤrdert werden: Dieſes wil der HER/ Eſaiæ am 1. Cap. Trachtet nach Recht/ helffet dem vnterdruckten/ ſchaffet den Waͤy⸗ ſen recht/ vnd helfft der Witwen Sachen:vnd an ebenmaͤſſigemorth hefftig klagt vbeꝛ vnterlaſſung dieſes allen/ ſagend/ ſie nemẽ alle gern Geſchenck/ vnd trachten alle nach Gaben/ dem Waͤyſen ſchaffen ſie nicht recht/ vnd der Witwen Sach kompt nicht vor ſie/ vnd darauff ſchleuſt/ ſeine Hand ſolle vnnd muͤßte ſich wider ſolche keren. Ein ſol⸗ cher war nicht der fromme Iobus, ſondern Gerechtigkeit war ſein Kleyd/ daß er anzog wie cin Rock/ vnd ſein Rock war ſein Fuͤrſtlicher Hut/ hab ich veracht das Recht meines Knechts oder meiner Magd/ wann ſie eine Sach wider mich hatten? Was wolte ich thun wamm ſich Gett auffmaͤchte? Habe ich mit meiner Hand vber den Way⸗ ſen gefahren/ well ich mich ſahe im Thor macht zu helffen habensſo falle mein Schuͤlter von der Achſeln/ vnd mein Arm brechevon der Noͤhren. Viel mehr/ hab ich mich von Jugend auff gehalten wieein Vatter/ vnd von meiner Mutter Leib an gern getroſtet:gerettet den armen der da ſchrey/ vnd den Waͤyſen der kein helffer hatte. Es hanget auch an einem trewen Regenten vnnd Eliakim alle frewde vnd ergetzlichkeit der Vaterthanen/ groſſer vnnd kleiner/ welches — — — +⏑—————— —4———- Gießiſcher Leichpredigten. 8 welches allhie im erklaͤrten Text durch die Trinckgeſchirꝛ vñ allerley Seytenſpꝛel verſtanden wirdt/ dasiſt/ daß man Friedt vnnd Ruhe/ Frewd vnnd Gott wolgefellige ergetzlichkeit im Landt hat/ muhtig vnnd gehertzt auß vnnd ein waͤbern kann/ ſicher wohnet mit Weib/ Kind vnd Geſinde/ Hand vnd Partirwerck vngehindert treibet/ vnd was deſſelbigen mehr iſt/ daß hat man nechſt dem lieben Gott/ from⸗ men/ fleiſſigen vnd Gottſeligen Regenten/ die der RRR braucht/ vnd ein Landt damit ſegnet/ zu dancken/ Inmaſſen geruͤhmbt wirdt/ daß das Landvolck vnter dem Koͤnig Salomon in gutem friede/ frewden vnd allerley wolfahrt gelebt habe/ vnnd deßwegen auff den heutigen tag auch/ vmb ſolche hohe Beneficia, vnd daß Gott auch vnſere hohe Obrigkeit/ zu ſolchem ende/ vorthin ſegnen vnd gnedig erhalten woͤlle/ wir jninglich zu bitten haben/ Inmaſſen der Apoſtel 1. Tic. 1. wil/ dz wir fuͤr alle Obrigkeit bitten ſollen/ auff daß wir ein geruͤhiges Leben in aller ſtill/ Gottſeligkeit vnd Erbarkeit fuͤhren moͤgen: Guͤte vnnd trewe einander begeguen/ Gerechtigkeit vnd Friede ſich kuͤſſen. Dann nicht vergeblich ſteht in erklaͤrten Worten/ der HE Rꝛ woͤlle Eliakimraneinen feſten orth ſtecken: Er/ er/ thuts/ ille dat ſa- lutem Regibus: Soll Obrigkeit gluͤck vnd ſegen haben/ ſo muß ſie Gott an einen feſten orth ſtecken/ vnd jhre Kegna ſtabiliren das iſt/ ſie muß nicht bawen auff jhre Menſchliche Autoritet, Macht Weißheit/ Geſchickligkeit/ groſſe Land vnnd Reichthumb/ ſondern in Kindlichem glauben/ animo magno& excelſo, daher man ſie wol Celſiiſimos Principes nennen mochte/ ſich auff Gott verlaſ⸗ ſen/ auff denſelbigen ſehen/ jhn fuͤrchten/ zu deſſelbigen Ehren/ vnnd der Vnterhanen ewige wolfahrt alles richten. Schlegſtu einen Na⸗ gelſoder henckſi ein Hirſchgewichtin vndan eine geklaͤybte Wand/ muͤrbe oder bawfellige Mauren/ ſo hats muͤhe/ daß der Nagel od das Hirſchgewicht/ wil der ſchweren Laſt ſo du dran henckſt geſchweigẽ/ ſiecken vñ hangen bleibe: Alſo auch/ da ſich die Regenten vñ Oflici- rer fundiren woͤllen auff jhr eygene Gaben/ Kunſt vnd Weißheit/ ſokan es nit beſtehen/ ſondern folgen allerley vnglir vñ ſtraffen duf 3 em Pſalm. 85. . 4„ 5 2 Gieſßꝛiſcher Leichpredigten dem Fuß hernacher: Der Koͤnig der Aſſyrier kan einem hiervon hien 3 Liedlein ſingen: Solcher dauchte ſi ich ſeyn/ ein mechtiger feſter Na⸗ gel/ wolte kurtz vmb der groͤſten Atlanten einer ſeyn/ jm ſclbſi/ ſchrei⸗ be er zu allerley erlangte Vickorien. Ich/ ſpricht er: Habes durch meiner Hande kraͤffte außgerichtet/ vnnd durch meine Weißheit⸗ dann ich bin Klug/ meine Hand hat die Volcker funden wie ein Vo⸗ gelneſt/ vnnd ich hab alle Landt zuſammen gerafft/ wie man Eyer auffraffet: Aber der He Rt laͤßt jhm ſagen durch Elaiam, er woͤlle Ihn/ den er bißher zu einer Ruhten gebraucht/ in das Fewer werffen: Zu der zeit/ ſtehet Eſa. 10. Wird der HE Rat Zebaoth vnter die fet⸗ ten deß Aſſyriers die doͤrꝛe ſenden/ ſeyn herꝛligkeit wind er anzuͤnden/ 3 daß ſie wie ein Fewer brennen wird. e. 5 Nicht weniger iſt E. L. bekannt die Hiſtorien Nebucadne zars/ als der von ſeiner Burg herunder anſchawete die Stadt Ba⸗ b bel/ dapruſtete er ſich/ auffſpanuete ſich weydlich/ vnnd pralete her⸗ auß/ das iſt die groſſe Stadt Babel/ die ich erbawet habe zu einem lich allen Regenten vor Augen ſtehen ſoll. Als ſich debna vberhebt ſeines Ampts/ Weißheit vnnd Ga⸗ den/ wirdt er herunder vom Stul geſtoſſen/ vnd in frembde Landt 1 All vngluͤck traͤwen die liebe Propheten den Koͤnigen in Juͤ⸗ V diſchem Land/ als ſie ſich auff jhre eygene Weißheit vnd die Buͤnd⸗ E nuß/ ſo ſie mit den Egypꝛiſchen Koͤnigen machten/ verlieſſen: Sie ſind ſolcher groſſen vngebuͤhr mit euſſerſtem ſchaden vñ verderben/ ſ Groß war die geſchwindigkeit Achytophels/ als er ſich aber darauff verließ/ darzu ſolche vbel brauchte/ vnnd kurtz vmb meynete durch dieſelbige/ den Koͤmg David/ ſauber vnnd durchauß vtmm Land/ Leut vnd Leben zu bringen fellt er dahin vnd erhen ckt ſich ſelb⸗ ſtenꝛ 1 Erſter Theyl 75 ſten: So wunderbarlicher weiß kan Golt die Anſchlege der liſtigen zu nicht machen/ vnd ſtuͤrten der verkehrten Raht/ job. z. Auß der vrſach/ ſpricht Koͤnig David Pſalm 101. Ich mag deſſen nicht/ der ſtoltze Geberde vnd hohen Muht hat/ meine Augen ſehen nach den Trewen im Lande/ daß ſie bey mir wohnen/ vnd hab gern fromme Diener: Falſche Leut habe ich nicht in meinem Hau⸗ ſe/ die Luͤgner gedeyen nicht bey mir: Wolte G Ott ſolches wuͤrde auch heutiges Tags bey den Regimenten in acht genommen: Wo man mit frommen Gottsfuͤrchtigen Hauſet/ vnd fuͤhret gebuͤrliche/ rechtmaͤſſige vnnd Gott wolgefaͤllige Sachen/ da muß Gnad vnd Segen folgen: Gott hats verheyſſen/ wo nit/ ſo muß der Segen ver⸗ ſchwinden/ vnd die doloſi& viri ſanguinum werden jr leben kaum zur helffte bringen: Sintemal Gott nicht ein Gott iſt/ dem Gottloß weſen gefellt/ vnnd wer boͤß iſt/ bleibet nicht vor jhm: Er bringet die Luͤgner vmb/ vnnd hat Grewelan den Blutgirigen vndfalſchen. Auff Gott geſehen/ vnnd dem vertrawet/ ſo werden die Reich auff Erden feſt gemacht/ ſo ſtecket der Regimentsnagel feſt: Als dieſes Koͤnig David thate/ vnnd ſprach: HR/ auff dich trawe Dſalm./. Pſalm. 31. ich/ hertzlich lieb hab ich dich He r/ mein Staͤrcke/ mein Felß mein plalm. it. Burg/ mein Erretter/ mein Hort/ He du lehreſt meine Hand ſtreiten/ vnnd meinen Arm einen Ehrnen Bogen ſpannen/ ſihe/ da mußt es jhm nicht fehten/ da beweiſt der HeE R Rr ſeinem Koͤnig groß Heyl/ vnd thet wol ſeinem Geſalbten/ da muſte Abſolon vnd Seba vor ſhin zu grund gehen/ vnd blieb er ein feſtes Hirſchgewicht/ vnd lag ob allen ſemen Feinden. So lang auch Solomon bey dieſem einigen waren Gott Iſ⸗ raels blieb/ war im Koͤnigreich Gluͤck/ Heyl vnd alle Wolfahrt/ wie imerſten Buch der lenge nach zu leſen/ als er aber mutirte vnnd ab⸗ fiel/ hat er gleich Feindſchafft bekom̃en/ vnd ſind vnter ſeinem Sohn Rehabeam zehen Stem/ die Kinder Iſraelvom Hauß David abgefallen/ wiegleichfals im erſten Buch der Koͤnige nach der lenge zu ſehen: Vnd ſo vielvom erſten theyl/ nemlich der Perſon Eliakim vnd deſſelbigen gluͤcklichen Regicrung. JIetzo Im. 17. 2 s Gießiſcher Leichpredigten II Jeto folget nun der ander Theyl in verleſenen Worten: nem⸗ wie es dann zugehen/ vnnd was daraufferfolgen ſolle: Die Wort * lauten alſo: Zu der zeit/ ſpricht der ERR/ ſoll der Nagel hinweg 5„ falle/ vnd ſeine Laſt vmbkomme/ dann der Herꝛ ſagt es. Redetallhie nicht/ wie zwar etzliche meynen vom Scba, ſo bwbegen ſeines ſioltzes vnd verachtung G Ottes/ zerbrochen vnnd ge⸗ fallen/ ſondern von Eliakim deran einen feſten orth war geſteckt worden/ vnnd demnach die Juͤden wenig Danckbarkat/ wegen die⸗ ſes trewen Offioirers erweiſeten/ vnnd das groß Beneficium, ſo jh⸗ nen Gott an dieſem Regenten gegeben hatte/ nicht erkeñen wuͤrden/ traͤwet er jnen/ daß zu ſeiner zeit/ wañ Eliakim, gleich andern Men⸗ ſchen ſeinen Lauff vollendet/ er jhnen ſolte dunch den zeitlichen Todt enzogen werden/ vnnd ſie als dann erfahren/ was ſie gehabt/ wie vbel ſie verloren vñ allerley Vngluͤck/ wie gemeyniglich ſich bey den mu⸗ tationibus politiarum pflegt zu finden/ bey jnen darauff erfolgen. Sind wol die Wort inacht zunemen/ da der HE RR ſpricht: Er woͤlle den Nagel hinweg nemen daß er falle: Werden nicht der meynunggeredt/ als ob Gott den frommen Eliakim ſtraffen woͤlle/ frommer G Ott/ wie wol geſchicht frommen Abgearbeyten Obrig⸗ keiten/ da ſie der HE Aa ſeliglich außſpannet/ ſondern gleich wie ein Hirſchgewicht/ daran viel hanget/ wann es abgeriſſen wirdt/ al⸗ les dahin fellet/ was daran gehangen hat/ eins zerbricht/ das ander vervnreyniget wirdt vnd gar verditbt/ alſo es auch/ wann der from⸗ me Regent Kliakim werde dahin fahren/ ergehen ſolle. 1 e.eee Lchr. Laßt vns auch ſolches mercken vnnd behalten: Damit wir beyde von Hertzen dancken dem trewẽ Gott/ vor auch vnſere gnedi⸗ ge liebe Obrigkeit/ vnnd mit glaubigem Gebet jhn anruffen/ daß er dieſelbige/ vnnd alle andere fromme Regenten/ ſeiner heben Chriſt⸗ 27. lchen V V 3 3 ——— lich/ wann der fromme Regent Eliakim werde die Augen zuthun genommen werden/ der am feſten orth ſtecket/ daß er zerbreche vnnd Erſter Theyl. 2 — lichen Kirchen zum beſten noch lange zeit erhalten/ vnd vor gefaͤhrli⸗ chen Empoͤrungen/ aller gnedigſt behuͤten woͤlle: Als der ER Jeruſalem vnnd ſein Volck ſtraffen wolte/ traͤwet er jhnen/ Eſaiæ d am 3. Cap. mit dieſen Worten: Der HE R H ERR Zebaoth/ wirdt von Jeruſalem vnnd Juda nehmen allerley Vorraht deß Brots/ vnd allen Vorraht deß Waſſers/ Staͤrcke vnd Kriegsleu⸗P. te/ Richter/ Propheten/ Warſager vnd Elteſten/ Hauptleut vber 5 funfftzig/ vnd ehrliche Leut/ Raͤhte/ vnd kluge Reddener/ vnd ſollen Kindiſche vber ſie Herꝛſchen: Wann die Grundfeſte im Lande ſo fallen/ ſtehets vnd gehets vbel/ wie gut zugedencken/ dann gleich wie eine Stadt/ ſo von feindẽ belagert/ kein Vorraht mehran Proviant hat/ auch nicht entſetzet wird/ dem Feindt nicht lang kan vor ent⸗ kkalten werden/ man muß ſie auffgeben/ alſo wann in den Regimen⸗ eeen/ vorneme Leute vnd gleichſamb als Seulen vnd Eckbande/ mit todt abgehen vnd fallen/ ſchadet es vmb ein groſſes/ vnnd folgen ge⸗ meyniglich groſſe Enderungen vñ Confuſiones, ſo wol in der Po⸗ licey/ als in der 4 irchen ſelbſten/ Ach G Ott/ wie muß ſich ſolche/ als dann in ſolchen Faͤllen bucken vnd leiden. So lang der Prieſter jojada lebte/ ein rechte Seul im Koͤnig⸗ eich Juda/ hielt joas ob dem Gottesdienſt/ bawete den Tempel deß He RR/ vnd zerbrach die Altar Baals/ da aber Jojada der trewe Confiliarius, ſein Haupt niderlegt/ als der auß dem Weg/ wird der gute Joas durch vntrewe Diener/ ſo ers aber gut vorgeben/ dermaſ⸗ ſen verfuͤhret/ daß er die Abgoͤtterey wider anrichtete vnd frembden Goͤttern dienete/ darob er ſich ſo ſchwerlich verſuͤndiget/ daß er end⸗ lich von ſeinen eygenen Dienern im Bett erwuͤrget ward. Das ſoll einen erkennen lernen/ was an Herꝛn Hoͤffen/ fromme Naͤht vnd Otlicirer vor ein groſſe gnad Gottes ſeyn. Als der Gottſelige Koͤnig Hilkias regierte/ ſtunde es wol im Koͤnigreich Juda. Da er ſtarb/ vnnd Menaſſe ſein Sohn ſucce- dirte, wurde die Abgoͤtterey wider eingefuͤhrt vnd viel vnſchuldiges Bluts vergoſſen. Das heyſt freylich als dann ein ſchwerer Fall/ deß C herꝛ⸗ — ᷣ — — Pſal.&z. ———Nͤ—„+⏑ X◻ Perſonalia. f. 51 11 — 1 1 EGieeßiſcher Leichpredigten herrlichen Nagels/ welchen Gott hinweg genomen yiſt vnvonnoͤhten deßwegen weiter vnd mehr Exempel anzuziehen: Es weiſens die Ex⸗ ſchirm Land vnd Leuten/ Kirchen vnd Schulen/ in viel zeiten gewal⸗ tig erhalten/ mit ſeinem. H. Geyſt leyten/ fuͤhren vñ regieren/ jhr Re⸗ giment befeſtigen vñ als heylſame nuͤtzliche Naͤgel an ein feſten orth ſtecken/ damit jhre Regiment Herberge ſeyn deß Sohns Gottes/ vñ wir vnter jhren ſchutz vnd ſchirm C hriſtlich leben/ vnd endlich auch ſelig abſchtyden/ vnd in das rechte Hummhſche Regiment zu allen Außerwehlten in C hriſto Jeſu/ komen vnd moͤgen verſetzet werden: Das helffe vns Gott Varter/ Sohn/ vnd heiliger Geyſt/ Amen. „Vn wil vns auch gebuͤhren zum Beſchluß dieſer Leich be⸗ gengnuß vnd Predigt/ in gebuͤhrlichen Ehren der Ermah⸗ nung Syrachs nach am 43. vnd 44. Cap dieſes vnſers im Herꝛn ſelig abgeſtorbenen zugedencken/ nicht zwar als ob er ein En⸗ gel geweſen/ oder keine Suͤnde gehabt/ ſondern deß erꝛn Werck 1 vnd Thaten an jhm zu preiſen. Im Jahr 15 42.iſt er von ſeinen lieben Eltern/ fronĩen Ehe⸗ leuten in dieſe Welt geboren worden/ vnnd iſt ſein Vatter/ Herꝛe Pancratius Chelius ſeines herkomens ein Wuͤrtenberger/ Pfarꝛ⸗ herꝛ geweſen zu Widdersheim im Ampt Sturmfels/ auff Befelch deß alten Fuͤrſten zu Heſſen/ Landgraff Philipſen/ Hochſeliges Andenckens/ in Anno 2 8. Sontag nach Michaclis daſelbſt⸗ hin ge⸗ ordnet/ von welcher zeit her/ biß auff noch/ dieſes Pancratu Chelij Kinder vnnd Kachkoͤm̃ling/ beſagte Pfar:/ durch Gottes Gnade/ der frommen Leut Kinder weyß zu ſegnen/ inhaben. Ermelte ſeine Eltern haben jhn bald nach ſeiner ſuͤndlichen geburt/ durch die heili⸗ ge — Erſter Theyk. 15 ge Tauff/ das Bad der Widergeburt/ dem Herꝛn Chriſio vnd ſei⸗ ner lieben Gemeyn laſſen zutragen vnd einverleiben/ vnd iſt jhm da⸗ bey ſein Chriſtlicher Nam/ durch weiland den Hochgelahrten alten Herꝛn/ Doctorem Philippum Piſtorium mitgetheylet worden. Als er annos diſcretionis erlangt/ vnd die Eltern ſonder guts lngenium vñ vehigen Kopff an dieſem jhrem Sohn Philip⸗ po geſpuͤret haben/ ſie jn erſilich bey ſich in der Trivialſchul zu Wi⸗ dersheim wol vnterweiſen laſſen/ hernacher aber ſo wolauff die ho⸗ he Schul Marpurg /als Wittenberg mit ſchwerem koſten abgefer⸗ tiget/ derer Ende er ſich dañ dermaſſen erwieſen/ daß er in Anno 6s. mit groſſen Ehren Ticulum Magiſtri artium,& Philoſophiæ, conſtitutus inter 39. Candidatos loco 19. ertanget/ auch/ nach inmittels verrichten peregrinationibus naher Baſel/ Straß⸗ burg/ vnd anders wohin zu ſeiner widerkunfft ſolche ſpecimina an jhm ſehen laſſen/ daß er vnſerm alten gnedigen Fuͤrſten vnd Herꝛn/ Landgraff Ludwigen Chriſtmilter gedaͤchtnuß zu einem Diener in die Fuͤrſtliche Rent⸗Cam̃er zu Marpurg/ bey angehender der zeit Regierung/ vorgeſchlagen/ auch auff vnnd angenommen worden. Zu welchen ſchweren vnnd wichtigen Sachen er ſich dermaſſen ge⸗ ſchicket/ daß jhm nicht faſt lang hernach bey vorigem Cammermei⸗ ſter ſeinem anteceſſore, erſtlich die Regiſtratur/ hernach die Cam⸗ merſchreiberey/ ein ſehr wichtiges Ampt/ iſt vertrawet worden/ vnd er daher vber alle Innam vnd Außgab der Fuͤrſtlichen Rent⸗Cam⸗ mer rede vnnd antwort geben muͤſſen. Darbey es nicht blieben/ ſondern als ſein Anteceſſor auch Todts verfahren/ iſt dieſer vnſer im HE RNEN ſeliger Abgeſtorbe⸗ ner/ zu einem Cammermeiſter deß loͤblichen Oberfuͤrſtenthumbs Heſſen geordnet worden/ welchen hochwichtigen Ampt er biß zuab⸗ ſterben Hochgedachtes vnſerm gnedigen Fuͤrſten vnd Herꝛn/ nach ſeinem beſten vermoͤgen/ auch mit verluſt ſeiner Leibskraͤfften trew⸗ lich vnnd ruͤhmlich/ Ja alſo abgewartet/ daß jhre F. G. Chriſtmil⸗ ter gedechtnuß/ ſeiner trew vnnd auffrichtigkeit/ ſelbſten/ gnedige Zeugnuß hinderlaſſen. C j Muͤſ⸗ 3 20 Gießiſcher Leichpredigten Muͤſſen auch vorneme Perſonen die vmb vnd beyjhm gewe⸗ ſen/ vnd fleiſſig mit jm Converſirt/ ebenmaͤſſiges bezeugen. So gut vnd trewlich er es aber gemeynt/ ſo feind ſind jmher⸗ gegen der Satan vñ andere worden/ vñ verſucht wie jhm Vngnad vñ Vnglimff moͤchte bey ſeinem Landofuͤrſten verurſacht werden/ bey welchem allem/ ob es wol ſonſten heyſt: Calumnia contur- bat etiam ſapientem hominem, ſo hat er jm doch an ſeinem gu⸗ ten Gewiſſen in dieſem allen begnuͤgen laſſen/ rechter ordentlicher Mittel ſich gebraucht/ vnnd darnehen den Außgang dem lieben G Ott mit glaubigem Gebet befohlen/ vnd dabey ſo viel befunden vnnd in gewiſſe erfahrung gebracht/ da hes gut ſey auff den He R⸗ AER trawen/ vnnd ſich nicht verlaſſen auff Menſchen/ wie im vier vnd neuntzigſten Pſalmen geſchrieben ſtehet: Vnd daß dem Ge⸗ rechten ſein Lieecht muß wider auffgehen/ vnd Frewde den frommen ertzen.. 4 Nach Abſterben viel Hochgedachtes vniſers gnedigen alten Fuͤrſten vnd Herꝛn/ were zwar dieſem vnſerm alten Camermeiſter/ lieber nichts geweſen/ dañ daß er die vbrige wenige Tage ſeines Le⸗ bens privatim vnnd ruͤhig hette moͤgen zubringen/ einig vnnd allein mit GOtt vnnd ſeinem lieben Wort vmbgehen: Nach dem aber vnſerm jetzigen gnedigen Fuͤrſten vnnd Heren bekannt geweſen/ wz fur herꝛliche experientia vnnd dextcritas Judicii bey dieſem Mann/ was fur ein feiner Nagelan dem viel Geraͤht konte gehenckt werden/ vnnd ſeine F. G. dannenher gnedig begert/ daß er ſich vor einen Cammerraht vnnd zur Inſpection dero Fuͤrſilichen Rent⸗ Cam̃er vnterthaͤnig wolte gebrauchen laſſen/ hat J. F. G er ſolches nit wol koͤnnen od woͤllen abſchlagen/ ſondern vor einem Jahr ſich darzu beſtellen laſſen/ auch ſeither/ ſeinen fleiß vñ trewe nach allen moͤglichen dingen erwieſen/ zu wuͤndſchen/ daß durch Gottes willẽ/ vnnd bey geſunden Tagen/ er ſolche jhm aufferlegte Provinciam noch lenger hette verwalten koͤnnen. Betref⸗ Erſter Theyl. 2) Betreffent ſeinen Eheſtandt/ hat er ſich Ehriſtlich vnd wol⸗ bedaͤchtig/ in Anno 1570. den 24. Septemb. verheyrath/ an die Gottſelige/ in Anno 603 ſelig abgeſcheydene/ Barbaram wey⸗ land deß Ehrngeachten vnd Vornemen Herꝛn/ Petri Ditrichs/ Stadtſchreibers zu Caſſel ſeligen Tochter/ Chriſtlich vnd friedlich mit derſelbigen gantzer drey vnnd dreiſſig Jahr gelebt/ vnd mit jr ſieben Kindlein erzeugt/ deren noch zwen Soͤhne/ vnd zwo Toͤchter leben/ die eine weyland Herꝛn D. Eſaie Stammi/ Heſſiſchen Nahts/ ſeligen Witwin/ im betruͤbten Witwenſtand/ die andere aber/ Herꝛn D. Helfrici Gerlachu/ auch Heſſiſchen Nahts/ Ehe⸗ liche Haußfraw/ denen ſaͤmptlich/ wie auch dieſes Herꝛn Cammer⸗ meiſters ſeligen Nepotibus/ ſo hm jederzeit ſehr angelegen/ wir alle Wolfahrt/ Gluͤck vnd Segen von dem lieben Gott wuͤndſchen. Wir muͤſſen auch ſagen võ ſeinem Glaubens Bekanntnuß/ vñ wie er in Religions ſachen beſchaffen geweſen: Hie muͤſſen alle/ ſo mit hm vmbgangen/ Feinde vnnd Freunde bekennen/ daß er von allen beyden alten vnd newen noch heutiges tags ſchwebenden Irꝛ⸗ thumben vnd falſcher Lehr alieniſſimus geweſen/ vnd in allen Ar⸗ tickeln ſich poré vnd richtig erkennt/ zu Gottes Wort/ den Haupt Symbolis/ Auſpurgiſcher vnveraͤnderten vnd in Anno 30. Caro- 10 Quinto vbergebener Confeſſion/ deren Apologi/ Schmalkaldi⸗ ſchen Artickeln vñ Catechiſmis Lutheri/ vñ mit den gegen Lehrern/ ſonderlich den Calviniſchen/ in Lehr vnd Ceremonien/ nicht woͤllen gemeyn oder zuthun haben. Solche ſeine Confeſſion vnd vnſerer reynen Kirchen Lehr/ hat er auch wiſſen gegen die adverſarios zu verantworten/ vnd wie er in allen ſeinen Sachen magni& imper- territi animi war/ deſſen keine ſchew getragen/ zu bezeugen auch ſeine hertzliche liebe/ gegen dieſe Lehr/ iſt er die zeit vber/ ſo er allhie bey vns gewohnet/ vnd nur außgehen koͤnnen/ ſehr fleiſſig zun Pre⸗ digten gangen/ andaͤchtig dieſelbige gehoͤrt/ vnnd hat ſich auch deß HeRRR Tiſches bey weniger zeit in dieſer Gemeyn offentlich E ih theyl⸗ —— 22 Gießiſcher Leichpredigten theylhafftig gemacht/ vnd ſo offt ich auff ſein begeren/ zu jhm kom und nach dem er in jetziger letzten an Monats friſt vñ drů⸗ ber/ außgeſtandener Schwachheit deß podagræ, die letzte Tag we⸗ gen zufälligen Symptomatum beſonders Herniæ geſpuͤret/ daß Ihm etwa der liebe Gott wolte zu einem ſeligen ende verhelffen/ die natura ſuccumbirn, wie ſeine eygene Wort lauteten vnnd er die Schuldt der Natur leyſten/ hat er vnder ſchwebenden doloribus ſich embſiglich zu Gott gehalten/ mit Gebet vnd ſeufftzen/ vnnd ſo offt ich jhn zu Chriſtlicher gedult ermahnt/ vnnd daß eralle ſeine Sachen dem trewen Huliſchen Vatter Kindlich anheym ſtellen/ vnnd ſich deß verdienſtes C hriſti durch waren Glauben feſt troͤſten wolte/ hat er mir zu vnterſchiedlichen malen/ gantz bedacht vnnd Hertzhafft geantwortet/ das habe er allwege gethan/ thue es auch noch/ vnnd wiſſe daß er mit ſeinem lieben Gott in Chriſio Je ſu gruͤndlich außgeſuͤnet/ vnnd in demſelbigen deß ewigen Lebens ver⸗ ſichert ſey/ derſelbige woͤlle vnnd werde jhn auch erſoͤſen von allem vbel/ vnnd jhm auß dieſem Elend/ zur ewigen Frewde vnd Wonne helffen. Wie er ſonſten gegen Kirchen/ Schulen vnnd armen ſolche auch Erſter Theyl. 23 aueh deſſen Segens/ ſo jhm Gott reichlich verliehen/ theylhafftig zumachen geſinnet geweſen/ das iſt ſeinen hinderlaſſenen wol wiſ⸗ ſend/ vnnd ſind ſolche willig vnd Vrpuͤtig wircklich/ jhres geliebten Herꝛn Vatters vnd Schwehers Chriſtliche Affeetion zu vollnzie⸗ en. Der Allmechtige Gott/ woͤlle dieſem/ vmb den Gemeynen nutzen/ Kirchen vnd Prediger wol verdienten Mann/ an jenem groſ⸗ ſen Tag ein froͤliche Erſiaͤndnuß zum ewigen Leben verleihen/ vñ vns noch vbrigen auch mit Gnaden hernacher helffen/ Amen. Ander Leichpredigt/ Bey dem Begraͤbnuß Weyland deß Ehrnveſten vnd Hochgelahrten Herꝛn/ Joannis Muͤnſteri/ Heilbrunnenſis/ Phi- loſophiæ& Medicinæ Doctoris, feliger Gedaͤchtnuß/ vnnd Profeſſoris, bey der loͤblichen Fuͤrſtlichen Schulen zu Gieſſen/ ſo den 25. Septembr. deß 606. Jahrs daſelbſt gans Chriſtlich vnd ſelig . abgeſtorben. Gehalten Den 27. Septembr. durch Jeremiam Vietorem/ der H. Schrifft Doctorem, Pfarꝛern vndsuperintendentem daſelbſt. Philip.I. Criſtus iſt mein Leben/ vnd Sterben Diſt mein Gewinn. Sintemalaber im Fleyſch le⸗ ben/ dienet mehr Frucht zuſchaffen/ ſo weyß ich nit/ welches ich erwehlen ſoll/ dann es ligt mir beydes hart an/ ich habe luſt abzuſcheyden vnd bey Chriſto zu ſein/ welches auch viel beſſer were/ aber es iſt noͤthlicher im Fleyſch bleiben/ vmb ewert willeu. Auß⸗ — — Eccleſ.7. Aℳ 24 Gießiſcher Leichpredigten Außlegung. 3 3men bracht/ in dem ſeine Goͤttliche Allmacht 5 einer ſehr vnd hochtrawrigen gelegenheit zuſam⸗ W K vorgeſtern/ nach dero gnedigem gutem willen/ goͤnnen. Nach dem aber vns vnd allen Ehriſten gebuͤret/ in dieſem vnd anderem die Werck G Ottes anzuſehen/ vnnd nicht allein vns zuer⸗ getzen an den guten Tagen/ die vns Gott ſchaffet/ ſondern auch die boͤſe vnnd trawrige vor lieb zunemen Als woͤllen wir vns ſamptlich dem gnedigen willen G OTtes vndergeben/ vnder ſeine gewaltige Handt demuͤtigen/ vnd damit wir ohn Troſt vnd vnderꝛicht an die⸗ ſem Ort nicht von einander ſcheyden/ zu vermehrung der Gedult vnder dem Creutz/ auch deſto fleiſſiger zu G Ott wolgefelligen Le⸗ ben vnd Sterben vns zubereyten/ deßgleichen hertzliche begierde zu dem Ewigen in vns zuerwerken/ die verleſene wort deß Apoſtels S. Paul auß der Epiſtel an die Philip am ¶ mit denen der Herꝛ Po⸗ OT Erſter Theyl. 25 ctor ſeliger ſich ſo vielfaltig wiſſen zutroͤſten/ auch begeret/ daß pro concione funebri bey ſeiner Begraͤbnuß moͤchten außgelegt wer⸗ den:Kuͤrtzlich in der Furcht deß Herꝛen erklaͤren/ vnd mit deß heili⸗ gen Geyſtes beyſtand zu vnſerm beſten vermercken: Das helff vns Gott vmb Chriſti willen/ Amen. Anfangs aber iſt vonnoͤten/ die verleſene wort deſio nuͤtzlicher zuverſtehen/ daß wir vns berichten laſſen deß zuſtands S. Pauli/ der zeit/ als er dieſe wort an die Philipper geſchrieben: Vmb deß Evan⸗ gelii willen lag er damals zu Rom gefenglich/ wie auß dem erſten Capitel dieſer Epiſtel zuſehen. Bey ſolchem zuſtandt war es vmb ſein Leben vnnd Sterben/ bleiben vnd abſcheyden gar ein vngewiſſes/ er koͤnnte auch leichtlich mutmaſſen/ daß theyls der Philipper viel/ dieſes ſeines zuſtandts halben mit jm ein hertzliches mitleiden tragen/ etliche aber in die ge⸗ dancken gerahten wuͤrdẽ/ was daß fuͤr ein meynung hette/ daß Gott ein ſolch ſein thewr Werckzeug in dergleichen beſchwerlichkeit kom⸗ men lieſſe. Derohalben denen allen vorzukommen/ ſich ſelbſt auch friſch auffzumundtern/ ſo ſpricht vnd ſchreibt er an ſie/ Chriſtus iſt mein Loben/ Sterben iſt mein Gewiñ: Will ſagen/ es gelte jhm eben gleich vnſer Herꝛ Gott laſſe jhn lenger hie Wallen gehen/ oder ſpan⸗ ne jhn gar auß/ vnd neme jhn von hinnen:Er wiſſe gewieß/ Sterbe er/ daß er dem. Herꝛn ſterbe/ Lebe er aber/ daß er dem HE RRN lebe. Summa/ daßer todt vnnd lebendig in Gottes Haͤnden ſtehe/ dar⸗ auß jhn kein einige Creatur jmmermehrreiſſen ſoll: Deßwegen er auch ſeine Philipper will gebeten haben/ ſeinet wegen vnbekuͤmmert zu ſein vund zu bleiben. Gleichwolaber weil er hierneben zu Gemuͤth fuͤhrte/ welcher ge⸗ ſtalt es jhnen vnd der geplantzten Evangeliſchen Apoſtoliſchen Kir⸗ chen/ viel vortraͤglicher ſein wuͤrde/ da nach Gottes willen er lenger im Fleyſch ſein/ das iſt/ auff Erden bleiben/ Lehren/ Troͤſten/ Straf⸗ fen vnd ermahnen wuͤrde/ ſetzt er hinzu beyde ſtuͤck/ das iſt/ Leben vñ Ster ben ligen jhm ſehr hart an/ vnd wann er ſeine vnd der Kirchen nutz⸗ —— —— 2„ 26 Gießiſcher Leichpredigten nutzbarkeit gegen einander halten ſolte/ wuͤßte er bey nahe nicht/ wel⸗ ches er erwehlen ſolteꝛ Nemlich/ entweder daß jhn Gott mit gnaden abfordere/ oder aber jhn lenger bey ſeiner vielfaltig betruͤbte Kirchen vnd Gemeynde auff Erden laſſe e. Inmaſſen wir hiervon/ vnnd was ſein daruͤber endliche reſolution ſey/ im zweyten theyl weiter ver⸗ nemen werden. Lehr vnnd Troſt. Jetzt lernet ein Chriſt hierbey/ daß es will geſtorben ſein/ in dem der Apoſiel ſagt/ Sterben/ ſey ſein Gewin.i. Es iſt beftimbt daß alle Menſchen ſterben muͤſſen/ vnnd hernacher vor Gericht ge⸗ ſtellet werden/ Heb. 9. Ein jaͤmmernch ding iſt es vmb aller Men⸗ ſchen leben/ von Mutterleiban biß ſie in die Erden begraben werden/ die vnſer aller Mutter iſt/ da iſt mmer Sorg/ Forcht/ Hoffnung Syrack. 40. vnnd zu letzt der Todt/ ſo wol bey dem/ der in hohen Ehren ſizt/ als bey dem geringſten auff Erden/ ſo wol bey dem/ der Seiden vnnd Krone tregt/ als bey dem/ der einen groben Kuͤttelan hat. Die taͤg⸗ Plal. 3. liche erfahrung bezeugts/ ein Menſch iſt in ſeinem leben wie Graß/ b er bluͤhet wie ein Blum auff dem Felde/ wann der Wind darůber ge⸗ 1 het/ ſo iſt ſie nmmer da/ vnd jhre Stett kennet ſie nit mehr. Alſo leſ⸗ Plalo. ſet Gott die Menſchen dahin fahren/ wie ein Strom/ vnnd ſind wie ein Schlaff/ gleich wie ein Graß: Gott leßt die Menſchen ſterben/ Rom. vnd iſt deſſen ein vrſach die Suͤnde/ durch welche der Todt zu allen ꝑMaeenſchen getrungen/ deßwegen Moſes ſagt/ daß macht dein gorn/ Pſal.⸗0. daß wir ſo vergehen/ vnnd dein Grimm/ daß wir ſo bloͤtzlich dahin 5 muͤſſen: Hiergegen huͤlfft kein Gelt noch Gut/ groſſer Standt oder Wuͤrden/ kein Jugent/ Staͤrcke noch Schoͤnheit/ alles Fleyſch iſt Hew/ vnnd all ſein Gut iſt wie ein Blum auff dem Felde: Iſt dem⸗ nach ein groſſe vnd gefehrliche vnachtſamkeit/ daß der groͤſte theyl vnder den Menſchen Kindern dahin gehet wie ein Schaͤmen/ ma⸗ Pſal. 39. chen jhnen viel vergeblicher Sorge vnd Vmruhe/ thun offtmals jh⸗ ten Leibern vnd Seelen wehe/ ſamlen vñ wiſſen nicht/ wer es bekom⸗ men — ——————,—————— ——.,——— — ' b Erſter Theyl. 27 men wirdt: Nicht alſo/ liebe Chriſten/ ſondern in guter bereytſchafft geſeſſen/ an daß ende gedacht/ vnd Gott gebeten vmb die ſclie Wi Syrach. 7. ſenſchafft zuſterben. Inmaſſen David vnd Moſes thun im 39. vnd 90. Pſalmen/ da ſie ſagen/ Herꝛ lehre vns bedencken/ daß wir ſierben muͤſſen/ auff daß wir Klug werden/ Herꝛ lehre mich daß es ein Ende mit mir haben muß/ mein Leben ein Zielh hat vnnd ich darvon muß. Dieſe ſcienriam hatte S. Paulus gruͤndtlich ſiudiret/ daher es jhm vmb ſo viel mehr eben gleich gelte/ der Herꝛ nemejhn durch den zeitlichen Todt hin/ oder ließ jhn lenger in dieſem Leben Wallen ge⸗ hen: Vors Erſte. Nach dem abe: wegen behertzigung deß Zeitlichen abſterbens die Chriſten offtmals betruͤbt werden/ als ſollen wir zum Troſt dar⸗ gegen allhie begierlich behatten/ daß S. Paulus ſagte: Chriſtus ſey ſein Leben/ vnd daß daher am Zeitlichen abſterben er keinen verluſt/ ſondern vielmehr gewinn vnd befoͤrderung haben muͤßte/ vnd zwar ſo haben wir von ſolchem vnſerm lieben Herꝛn vñ Seligmacher nit nur daß naluliche zeitliche Leben/ wie alle Chriſten in der Außle⸗ gung deß erſten Articuls von der Schoͤpffung bekennen/ ſondern auch das Selige leben/ in dem er vns arme/ von Natur verdampte Suͤnder/ Kinder deß Zorns vund Vngenaden/ vmb ſeines thewren verdinſts willen/ durch waren Glauben an jn/ bringt zur Hulde vñ Gnade ſeines Himmliſchen Vatters/ welcher dannenher dalſo das arme Menſchliche Geſchlecht liebet/ daß alle die an in gla uben/ nit ſollen verloren bleiben ſondern zu gnaden auff vnnd angenommen/ vnd nach vollendtem Lauff deß Zeitlichen iebens/ In Chriſto Jeſu/ zu dem Ewigen kuͤnfltigen/ vnvergenglichen leben verfetzt werden/ jnmaſſen wir Chriſten bekennen/ Chriſtus habe vns arme verlorne Menſchen errettet vnnd erloͤſet/ nicht mit Golt oder Silber/ ſon⸗ dern mit ſeinem Roſenfarben Blut/ mit ſeinem vnſchuldigen Lei⸗ bert. den vnd Sterben/ auff daß wir ſein eygen ſeyen: Hieher gehoͤrt daß o han 9. Chrij dus ſelbſt ſagt/ ich gebe meinen Schaͤfflein das ewige Leben: johan. 14. Ich lebe/ jhr ſolt auch leben: Wecse hoher vnnd vnaußſprechliche Gutthat/ II. Ad. z0. Matth. 10. KRom. 8. 1IL 28 Gießiſcher Leichpredigten. Gutthat/ von deren kein Menſch auſſer Chriſto jhm hett duͤrffen traͤumen laſſen/ je billich in vns vnauffhoͤrliche Danckbarkeit ge⸗ gen Chriſtum erwecken ſoll jn zu Loben vnd zu Ehren/ daß er vns ſo thewr erkaufft/ vnd dem Satan auß ſeinen Klawen vnd Rachen ge⸗ riſſen/ deſſen Knecht wir ſonſt in ewigkeit hetten ſein muͤſſen; Ihn zubekennen mit vnerſchrockenem. Hertzen gegen die Gottloſe Welt/ vndallen derſelbigen mechtigen Anhang/ Gut vnd Blut vmb ſeinet willen auffſetzen/ der gewiſſen vngezweiffelten Hoffnung/ er werde vns wider bekennen vor Gott ſeinem Himmliſchen Vatter/ Leiden wir mit jhm/ ſo werden wir auch mit jhm Herꝛſchen/ vnnder ſich ſo trewlich bey vns einſtellen/ daß weder Todt noch Leben/ weder En⸗ gel noch Fuͤrſtenthumb/ noch Gewalt/ weder Hohes noch Tieffes/ weder Gegenwertiges noch Zukuͤn fftiges/ noch jrgendt ein ander Creatur vns ſcheyden ſolle von der liebe Gottes/ die da iſt in Chriſto Jeſu vnſerm Herꝛn.— Vors Dritte aber hierbey mit zugeſehen/ daß da wir Ewig bey vnſerm Herꝛn Chriſto ſein vnd bleiben woͤllen wir nicht allein vns erinnern/ es woͤlle geſtorben ſein/ vnd dargegen faſſen/ Chriſtus hat vns das ewige Leben erworben/ ſondern daß wir auch Selig/ in dem ſelbigen vnſerm HerꝛnChriſto allhier abdruͤcken vnd abſterben: Warlich S. Paulus bildet hm allhier gantz hertzlich fuͤr/ als den rechten Meyſter zuhelffen/ beyd vom Zeitlichen vnd Ewigen Tod/ ſeinen lieben Herꝛn Jeſum Chriſtum/ Chriſtus/ ſagt er/ iſt mein Le⸗ ben: Johan. am. ſpricht S. Petrus/ Herrꝛ/ wo ſollen wir hinge⸗ hen? Du haſt das wort deß Lebens/ vnd wir haben geglaubt vnder⸗ kandt/ daß du biſt Coriſtus der Sohn deß lebendigen G Ottes/ der den Todt verſchlungen hat in dem Sieg ewiglich. In der Offen⸗ barung/ Joh. 14. ſteht/ Selig ſind die Todten/ die in dem He dun ſterben von nun an/ ja der Geyſt ſpricht/ daß ſie ruhen von jhrer Ar⸗ beit: Die jenigen aber ſterben in dem Hern/ die all jhr Hertz/ Sinn vñ Gedancken von der Welt abwenden/ durch waren Glauben Je⸗ ſum Chriſtum jren Herꝛn ergreiffen/ denſelben in jr Hertz ſchlieſſen dar⸗ Erſter Theyl. 29 darinnen auch behalten/ vñ die ſchnoͤde boͤſe Welt/ ſampt jren boͤſen conſultoribus fahren laſſen/ vnd mit Hertzen vnd Mund jre See⸗ le in die Haͤnde jhres Erloͤſers befehlen/ darzu ſie deſto bequemer ge⸗ langen/ auch darbey erhalten werden koͤñen: Wann ſie von Jugenet auff/ Gottes wort lieben/ lernen/ vnnd in einem feinen guten Hertzen behalten/ embſig Gott bittende/ daß er darzu ſeinen heiligen Geyſt gnedig verleyhen woͤlle: Dieſes iſt das Mittel Gottes/ dardurch er vns zu erkantnuß ſeines lieben Sohns/ vnſers Erloͤſers/ zubringen Johan. 18. begehret/ deßwegen Chriſtus ſelbſt den Vatter bittet: Er woͤlle vns Johan.17. heiligen in der warheit/ ſein Wort aber ſey die warheit:hierzu wer⸗ den alle Chriſten ermahnet in 1. 19. vnd andern viel mehr Pſalmen: c. Darzu ſeind von Kindheit auff die Eltern jhre Kinder anzuweiſen Coloſ.z. ſchuldig/ ſoll ſie darzu bewegen/ daß Syrach am. ſagt: Wer den gyrack.i. Herꝛn fuͤrchtet/ dem wirts wol gehen in der letzten noth/ vnd wirdt endlich den Segen behalten: Fuͤrchtet den Herꝛn/ jhr ſeine Heilige/ Plal4. dañ die in fuͤrchten/ haben keinen mangel. War iſts/ wer den Herꝛn fuͤrchtet? Er wirt jhn vnderweiſen den beſten Weg/ ſeine Seel wirdt im guten wohnen/ das geheymniß deß Herꝛn iſt vnder denen die jhn fuͤrchten/ vnd ſeinen Bund laͤßt er ſie wiſſen. Vivas ergò benè, ſagt Auguſtinus, Ne moriaris malè, Serm. 14 vnd Cyprianus. Si vis manere in æternum, ames verbum Do- mini, quod manet in æternum.— Wann ſie ſich eines Chriſtlichen/ maͤſigen/ nuͤchtern Lebens Il befleiſſen/ wie zu dem ende Chriſtus ſelbſt ermahnet/ huͤtet euch/ daß Lucart. ewer Hertzen nicht beſchweret werden/ mit Freſſen vnnd Sauffen: Darbey der Menſch gemeiniglich wenig an ſein Sterbſtuͤndlein ge⸗ Gal.. dencket: Sauffen vnd Freſſen/ auch kein Fruͤchte deß Geyſtes/ ſon⸗ dern deß Fleyſches iſt. Ja Wein vnd Fuͤllerey dermaſſen das Hertz hinweg nemen/ daß kein Glaub vnd Hoffnung an Chriſtum/ auſ⸗ Oſe. 4. ſerhalb welchem kein Heyl zu hoffen/ vbrig bleiben: Sondern wie der Rauch die Bienen vertreibt/ alſo fuͤllerey vnd Fraaß den heiligen Geyſt vnd deſſen Gaben pflegen zuvertreiben: Wie der alte Lehrer O 3 Ba- ſal. 25. Mich. 7. Matth. Ir. Johan. S. 2. Pet. 3. Luc. 17. Luc. 1z. Matth. 25. Syrach. 5. 7) 30 Gießiſcher Leichpredigten Balilius geſchrieben. Zu dem ende ſagt auch der Prediger Salo⸗ b mon am 7. Beſſer ſey es in das Klag⸗als in das Trinckhauß gehen/ weil in jenem daß ende aller Menſchen ſey/ vnnd der lebendige es zu Hertzen neme: Das Hertz aber der Narren im Hauß der frewden ſey. Was aber hie geſagt wirdt/ von vermeydung Fuͤllerey vnnd Fraaß/ ſolches wirdt gleichfals auch verſtanden von aulen andern Laſtern/ diedem Glauben zu wider ſtreben/ ſolche als eytel Seelen⸗ giefft zu meiden/ ſintemal die Weißheit nicht in einer vnreinen See⸗ len zu wohnen pflege. Wann ſie nach begangenen Suͤnden vnnd Miſſethat/ vnnd der ſie geſtrauchelt haben/ nit in vnbußfertigkeit ligen bleiben/ ſon⸗ dern dieſelbige hertzlich erkennen/ bitterlich beweinen/ wuͤndſchen/ ſie weren nicht geſchehen/ vnnd Gott anruffen/ daß er ſolche jhre Faͤhl vnd Maͤngel jhnen auß gnaden vmb Jeſu Chriſti willen durch wa⸗ ren Glauben verzeihen/ vnd in vngnaden jhrer nicht mehr gedencken woͤlle: Deßwegen dann jhnen CoRiſtus ſelbſt rufft/ Matth. 11. Kommet zu mir alle die jhr muͤhſelig vnd beladen ſeyt: Wer zu mir kompt/ will ich nicht außſtoſſen: Dann der Her will nicht daß je⸗ mand verloren werde/ ſondern dz ſich jederman zur Buß bekehre/ hat auch ſolche luſt zu den Bußfertigen armen gefallenen Schaͤfflein/ daß er ſie ſelbſt ſuchet/ vnd auff ſeine Schuldern laͤdet/ vnd ſich dar⸗ über erfrewet. Darauff S. Hieronymus ſagt: juſtinomen non amittit, quiper pœnitentiam veram reſurgit. Hierbeyallein mit fleiß in acht genommen/ daß man die Buß nicht gefehrlich auff⸗ ſchiebe: Zwar es iſt war/ penitentia vera nun quam ſera, vnnd ware Buß kompt nimmer zu langſam/ demnach aber wir nicht wiſ⸗ ſen/ wann der Herꝛ kommen werde/ gegen Abendt/ Mitternacht/ oder Morgen/ damit wir dañ nicht vnbereyt erſchnappet werden/ ſo laßt vns jederzeit in guter bereytſchafft ſtehẽ/ vñ Oel in vnſern Lam⸗ pen haben/ auff daß wann der He Rot kompt/ wir beſtehen koͤnnen/ Syrach ſagt: Verzeuch nicht dich zum Herrn zu bekehren/ vnnd ſchiebe Erſter Theyl. 3 ſchiebe es nicht von einem Tag auff den andern/ dann ſein Zorn kompt ploͤtzlich/ vnd wirds rechnen vnd dich verderben: Spare dein syrach. 18. Buß nicht biß du eben Kranck wirſt/ ſondern beſſere dich weil du noch ſuͤndigen kanſt: Vnnd ob wir wol in dieſem Leben ſtets gegen die Sunde zu kaͤmpffen haben/ ſoconſentit doch darinn nicht/ ſon⸗ dern kempffe dargegen vnd bitt Gott/ daß er dem Teuffel vnnd ver⸗ derbten Fleyſch vnd Blut ſtewren vnd wehren woͤlle: Widerſtehet/ Jacob. 4. ſagt Jacob/ dem Teuffel ſo fleucht er von euch. Wann ſie zu ſterck ung jres Glaubens/ ſo da offt vnd vielmal IIII. in mancherley weiß geſchwecht wirdt/ nach vorhergehender Pruͤf⸗ fung ſich Speiſen vnnd Trencken laſſen/ mit dem heiligen vnnd rCorr hochwuͤrdigen Abendmal vnſers Herꝛn Jeſu Chriſti/ vnnd gewiß Statuiren, wie jhnen allda jhr Her: Chriſtus zuruffen laſſe. Nuñ hin vnd eſſe/ das iſt mein Leib/ der fuͤr dich gegeben iſt zu vergebung deiner Suͤnde/ nim hin vnd trincke/ dieſer Kelch iſt das newe Teſta⸗ ment in meinem Biut/ daß fuͤr dich vergoſſen iſt zur vergebung dei⸗ ner Suͤnde/ daß alſo jhnen auch jhre Suͤnde verziehen vnnd verge⸗ ben/ deß gleichen ſie verſiehert ſein ſollen/ nach dieſem Zeitlichen le⸗ ben/ deß ewigen ſeligen lebens/ vnnd daß ſie nicht im Todt bleiben ſollen. Daher Canon Nicenus bezeugt/ daß die Nieſſung deß Leibs vnnd Bluts Chriſti ein Symbolum ſey vnſerer Aufferſte⸗ hung von Todten/ vnnd lrenæus ſagt/ daß vnmoͤglich ſey/ vnſere Leiber im Grad hleiben ſollen/ weil ſie nurrirt vnnd genaͤhret mit dem Leib vnd Blut Chriſt. Ebenmeſſiger vrſach halben/ nennen es Coorianis. etliche Alte cibum immortalitatis, arrhabonem vitæ futuræ, Pnr 2 Peregrinationis noſtræ viaticum, anzuzeygen/ gleich wie ſich uus. niemands bald auff eine gefehrliche Reyß begebe ohn zehrpfenning/ Hierony- daß alſo ein ſeder Chriſt/ wañ er auß dieſem Klagthal durch die To⸗ mus. des Straſſen abgefordert wirdt/ billich mit dieſem Zehrpfenning/ Gottſeligem gebrauch deß heiligen Abendmals ſoll verſehen vnnd Kercken laſſen. Endlch/ wann ſie den trewen lieben Goit vmb eine ſelige hin⸗ v. fahrt 71 32 Gießiſcher Leichpredigten fahrt auß dieſem Jammerthal/ vnd ein ſeliges ſtuͤndlein werden an⸗ ruffen/ vnnd jhre Seelen in ſeine allmechtige Handt befehlen: Sa⸗ gende/ Her:/ Meine Seele befehl ich dir in deine Hende/ dutrewer Gott/ der du mich errettet vnd erloͤſet haſt: Dasthet§. Stephanus, darumb da er ſterben ſolte/ richtet er ſein Augen gen Himmel vnnd ſchrie/ Herꝛ Jeſu/ nimb meinen Geyſt auff/ vnndals er das ſagte/ entſchlieff er/ wie ein ſanffter Schlaff kam jhn ſein Abſchied an: Al⸗ ſo ſchied auch der fromme Alte Simeon: Chriſtus ſelbſten: Die⸗ Luc. 23. ſer Lehr folge ein jeglicher/ dem ſeine Seligkeit lieb iſt. Thue wie je⸗ ner auß dem Alten ſagt/ O Domine Jeſu, ultimum tuum ver- bum in cruce, ſit etiam ultimum meum verbum in haclu- ce. Vnd drucke alſoab in dem HeE RRE R Chriſto Jeſu. Vnnd zweiffele als dann nicht erſt/ wie es etwann eventualiter ſeiner ar⸗ I men Seelen halben zugehen moͤcht/ ſondern wie S. Paulus allhie ſagt/ er begere auffgeloͤſt zu werden/ vnnd zu ſein mit ſeinem lieben Herꝛn Chriſto/ alſo wiſſe auch ein jeglicher glaubiger Chriſt/ daß nach ſeiner auffloͤſung vnnd trennung/ Leibs vnnd der Seelen ſeine Seel in der Hand Gottes ſey/ der ſie wol wirdt verwaren/ da ſie kein 4 Qualanruͤhret. Hie thut nicht noth zu ſorgen/ ob ſie auch zuvor Johar.⸗. ins Fegfewer muͤſſen/ dz iſt ludibrium mundi& ſatanæ, ſie kom⸗ — men nicht ins Gericht/ ſondern dringen vom Todt zum Leben/ deſ⸗ — ſen ewige Frewde mit Menſchen Zungen auff Erden nit kan auß⸗ 4 geſprochen werden. Die Leiber aber ruhen inmittels in jhren Graͤff⸗ ten/ vnnd erwarten die froͤliche Aufferſtehung/ da ſieam Juͤngſten tag mit jren durch ſchmertzen abgetrenten Seelen/ wider ſollen ver⸗ einiget vnnd zur ewigen Frewde verſetzet werden. So viel bey dem Erſten Theyl. 1 1I. Folget nun das ander/ nemlich was in ſeinem bey erſtem theyl erwehnten anliegen ſeine endliche Reſolution geweſt ſeye: Seine wort hieruͤber lauten alſo: Ich hab zwar luſt abzuſcheyden/ cupio diſſolvi, vnd bey Chriſto zu ſein/ welches auch(verſtehet nicht viel beſſer were/ ich thete hier durch einen herꝛlichen Tauſch/ bekaͤme vor das — —,———- O9— 8ßßß——ℳ⅓;⁊———— J] *— ·„߆ — Erſter Theyl. 33 das Zeitliche das Ewige/ wuͤrde erloͤßt vom Kampff der Suͤnden/ ſintemal wer geſtorben iſt/ der iſt gerechtfertiget von den Suͤnden/ Rom. s. vnd muͤſſen auch der Teuffel vnd Tyrannen fuͤrters zu frieden laſ⸗ ſen: Nach dem es aber nothwendig iſt im Fleyſch zu bleiben/ dasiſt/ lenger auff Erden zu ſein/ zu Arbeiten vnd zu Kemffen/ vnd ſolches vmb ewert willen/ ſo laß ich auch in dem vnnd allem andern meinen trewen Herꝛn Chriſtum/ deſſen die Kirch vnd das wort iſt/ ſchalten vnnd walten. Vnnd weil S. Paulus jhm die rechnung leichtlich machen konte/ die Philipper wuͤrden troͤſtlich bekummert werden/ wann ſie ſeine begierde abzuſcheiden vernemen ſolten/ ohn daß auch damals in denen ſorgen ſtunden/ er moͤchte deßmals zu Rom vnter Nerone auff dè platz bleiben/ ſo ſyricht er ſnen zu mechtigen troſi/ ich weyß in guter zuverſicht/ daßich bleiben vnd bey euch allen ſein werde/ euch zu forderung vnnd zur frewde deß Glaubens/ ꝛc. Will ſagen ſie ſollen zufrieden vndguts Muths ſein/ dann er jhnen noch lenger im leben dienen wolte/ damit ſie je mehr vnnd mehr im Glau⸗ ben zunemen: Wie dann dieſe zuverſicht S. Paulum nit gefehlet/ ſintemaler dißmal vnter Nerone wider ledig worden/ wie auß dem 4. Capitel der 2. Epiſtel an Timotheum erſcheinet/ da er ſchreibet: 2. Tim. 4. Ich bin erloͤſet von deß Loͤwen Rachen/ da er den Neronem wegen ſeiner Tyranney einen Loͤwen nennet/ jnmaſſen auch Euſebius be⸗ Buſeb. lib. zeuget lib. z.c.22. Daß S. Paulus nach dieſem ſeinem erſten Ge⸗ 2 c.22. fengnuß noch etliche Jahr hin vnd wider/ weit vnd breyt das Evan⸗ ggeelium geprediget/ biß er entlich zum andernmal zu Rom gefenglich eingezogen vnnd enthauptet worden/ wie er abermal 2. Timoth. 4. Tim. 4. ſchreibr: Ich werde ſchon geopffert/ vnd die zeit meines Abſchieds iſt vorhanden. ehr vnd Troſt. Ir lernen hierbey wie vnnd welchergeſtalt ein Menſch be⸗ geren ſoll zu leben/ vnd hinwider auch zuſterben: Einer hoͤ⸗ ret offt ſeinen Wunder von Faama d eſäraletenade fer⸗ 1 7 34 Gießiſcher Leichpredigten ſterbens: Etliche wuͤndſchen jnen lang/ vñ wann es muͤglich were/ al⸗ lezeit zuleben/ nit daß ſie Gottes willen deſto mehr theten/ in jhrem leben dem Herꝛen vnnd andern Leuten/ in politia& Eccleſia, mit muͤhe vñ apbeit/ vnter dem Creutz/ wie S. Paulus/ dienen moͤchten/ ſondern theyls/ weil ſie in boͤem Gewiſſen den Todt fuͤrchten/ vnnd dañenher keines beſſern Lebens vmb jrer vn bunfaiatat willen/ dar⸗ innſie beharzlich fort ſetzen/ ſich zu getroͤſten haben: Theyls/ weil jdnen diß Terrenum ſo wol geliebt/ in ſeinen Luͤſten vnd Frewden/ daß ſie nach dem ewigen/ als welches ſie keinen verſtand haben/ nicht fragen. Andere moͤchts leidẽ/ daß ſie noch langleben/ damit ſie groſſe ding vor ſich vnd die jhren außrichten/ viel Gelt vnd Gut zuſamen ſchluͤgen/ Summarum, jhre ſucceſſores erſt alle wol vnd ſtadtlich verſorgen muͤſſen.+¾ Etliche aber wuͤndſchen jhnen den Todt/ ſagen alle zeit vom Sterben/ nicht daß ſie mit jhrem Todt Gott zu preiſen begerten/ wie S. Paulus thate/ ſondern zu weilen auß vngedult/ wann es jh⸗ nen nicht nach deß verderbten Fleyſches willen ergehet/ vnd ſie dem Herꝛn Chriſto das Creutz vngern nachtragen.. Etliche auß lauter Thorheit vnd Heucheley/ gerad als ob ſie ſo gar kein ſchewen fuͤr dem Todt/ ſondern groſſen Glauben zu Gott hetten: Vnd doch wann es ſolchen hernacher wider wolgehet/ jhnen leyd were/ daß ſie geſtorben weren. In warheit wann ſich bey ſolchen der Todt ſehen lieſſe/ den ſie lengſt gewuͤndſchet/ ſie wuͤr⸗ den jhn von ſich/ zu andern gar bald weiſen/ wie die erfahrung auß⸗ weiſet/ ja wann es mit Sterben ſo zu gieng/ wie wir vns befinden/ wañ wir noch geſund ſein/ vnd wir ohn ſchmertzen abſcheiden moͤch⸗ ten/ oder Golt vns wuͤndſch gewalt gebe an welchem Todt wir ſter⸗ ben wolten. Iſt alſo mit dem Todt wuͤndſchen offtmals/ mehr ein ver⸗ ſuchung Gottes/ dann ein dienſt Gottes. S. Paulus aber lehret vns allhie/ wie wir vns beyd das Leben vnd das Sterben wuͤndſchen ſollen/ nemlich da ſolches zur ehre Gottes/ vnſers vnd deß Nechſten nutzen Erſter Theyl. 35 nutzen gereichen koͤnne. Ich ſoll vnnd mag begeren zu leben/ allein daß ich Gott diene/ vnnd ſeiner lieben Kirchen vnnd den Menſchen nutzlich ſey/ vneracht ſolches mit vielem Vngemach Creutz vnnd Schmertzen ſolte zugehen: Alſo wann ein Herꝛ einen trewen Lega⸗ tenaußſendet/ der in frembden Barbariſchen Laͤndern in vieler vn⸗ ruh vnd gefahr/ groſſe Arbeit ſeinem Herꝛn vnnd dem Vatterlandt zum beſten thun muß: Ob derſelbige wol lieber daheim bey den ſei⸗ nen wolte ſein/ vnnd jhn offtmals anheim verlanget/ doch begeret er nicht vnverꝛichter ſachen abzuziehen/ ſondern dulden vnd leiden was jhm moͤglich: Alſo thut S. Paulus allhie/ vnnd zu dem ende hat Gott den Patriarchen ſo langes Leben gegeben/ welchen/ ob wir wol an Gaben nicht gleich ſein/ ſo gebuͤhret doch einem jeden nach dem Pfuͤndlein/ ſo jhm Gott gegeben/ der Kirchen vnd dem Gemeynen nutzen zu dienen/ ſolte es auch anderer geſtalt nicht geſchehen koͤñen/ dann daß wir vnſer glaubiges Vatter vnſer vor ſie zu Gott ver⸗ richteten. Ebener maſſen ſollen wir auch vmb Sterben auderer Mey⸗ nung nicht bitten/ dann ſo vns der liebe Gott lenger allhie nicht wol⸗ te haben/ oder zu gebrauchen wiſſen/ als dann im Glauben vns ein ſeliges Ende beſcheren/ vnd zu ſich in den Himmel nemen/ wie wir bey Außlegung der ſiebenden Bitte pflegen zu ſeufftzen. Deßwe⸗ gẽ ſagt S Paulus/ Ich hab mein Lauff vollendet/ hinfuͤrter iſt mir beygelegt die Kron der Gerechtigkeit/ z. Tim. 4. 2. 112 Letzlich/ haben wir allhier auch zu lernen/ was Gott anſehe/ wann er offtmals ſeine trewe Werckzeuge in Kirchen vnd Schulen auß groſſer gefahr erꝛette/ wie allhie S. Paulum auß den Banden zu Rom: Nemlich zum theyl die vorbitt ſeiner Glaubigen/ vnd das groſſe vertrawen ſolcher ſeiner Heroen auff jhn/ zum theylauch nutzen vnd notturfft ſeiner Kirchen. Dann anzuzeygen/ wie hoch vnd noͤtig es ſeyt/ daß dieſelbige fidos& conſtantes, trewe vnd be⸗ ſtendige Lehrer vnd vorgenger habe/ die da lehren vnnd auch wiſſen/ E2 den 36 Gießiſcher Leichprediaten den Widerſachern das Maul zuſtopffen ſpricht der Apoſtel/ es iſß noͤtiger im Fleyſch bleiben vmb ewert willen. Welchem nach dem alſo/ ſo werden wir bi llich betruͤbt/ wann der trewe Gott vorneme Leut/ Lumina vnnd Lehrer ſeiner Kirchen vnd Gemeynofftmals zeitlich enezeucht: Erinnern vns hierbey vn⸗ ſerer vndanckbarkeit/ vnd bitten daß G. OTt derſelbige viel in ſeine Ernde woͤlle abſenden/ ſie erhalten/ ſchutzen vnd ſehirmen/ damit dz Werck deß Herꝛen in dieſer letzten boͤſen zeit/ da durch ſtifftung deß Teuffels es allenthalben wimmelt vnnd kribbelt von falſis opera- riis, deſto ſchleiniger getrieben werde/ vnd da nicht geſtewret wuͤrde/ die arme Schaͤfflein ſo vbel verleytet werdẽ moͤchten: Es wirtaber/ Gott erbams dieſes ehe der gebuͤhr nicht betrachtet/ biß der ſchade in der Thuͤr iſt. PERSONALIA. 5 ſo hat nun auch dißmal der Allmechtige Gott/ nach ſeinem gnedigen willen/ ehe wir es vns verſehen hetten/ dieſer newen wol angeſtelten Fuͤrſtlichen Schule entzogen/ Weylandt den Ehrnveſten vnd Hochgelarten Herꝛn Joannem Mũnſte rum, der Artzney Doctorn, vnd beſtelten ordentlichen Profeſſorem derſel⸗ bigen/ ſeligen gedaͤchtnuß. Deſſen Leben vñ herkommen betreffent. Iſter in Anno 5/71. von ſeinen geliebten Eltern/ dem Ehrnwur⸗ digen vnd Hochgelarten Herꝛn M. Ludovico Münſtero, ſo nun mehr in dz 30. Jahr der Kirchen zu Hailbruñ/ das wort Gottes rein vnd vnverfelſcht vortraͤgt/ vnd der Tugentreichen Frawen Mar⸗ greta/ ſeiner eheliche Haußfrawen in dieſer Welt erzeugt vnnd Ge⸗ born/ durch dieſelbige auch dem He den C hriſto durch die Tauffe zugetragen vnd einverleibt worden/ vnnd als ſolche an dieſem jhrem Sohn/ zeitlich ein fein fehiges In genium geſpuͤret/ haben ſie jhn anfangs in particularibus Scholis zun Studiis anweiſen laſſen/ nachmals in Anno& auff gie beruͤmbte Univerfitet Tübingen deß Wüͤrtemberger Lands geſchicket/ darauff er mit guten Lün 4——— Erſter Theyl. 37 beyde Gradus Baccalaureatus vnnd Magiſterii empfangen/ vnd inter Competitores Magiſterii primum locum betomien. Im Jahr ꝰr. iſt er naher Lintz gezogen/ ſich deß Orts zu denen allda an⸗ weſenden ltalicis Doctoribus Medicis fleiſſig gehalten/ vnd bey denen ſich ſo verhalten/ daß jhm an andere vorneme Doctores Me- eos befuͤrderliche commendationes mitgetheylet. Im Jahr 94. ſindt jhm zu Wien in Oeſterꝛeich vornemer Leut Kinder ver⸗ trawet/ mit deren/ vnnd fuͤrters auch auff ſeiner lieben Eltern vnko⸗ Ren/ er inltaliã gereyſet/ darinnen er dermaſſen nicht allein vorne⸗ meoͤrter peregrinando beſucht/ ſondern auch ſich in ſtudio Me- dico exerciret vnd geuͤbet/ daß er hernacher in reditu Baſileæ, im Jahr ↄ9. den 10. Februarii publicè ʒu einem Doctore Medici- næ iſi promoviret worden/ in maſſen auch vor dieſem in Italia zu einem Poëta Cæſareo coroniret worden/ im Jahr 59. hat er ſich mit wiſſen vñ willen ſeiner geliebten/ jetzt hochbetruͤbten Eltern in heiligen Eheſtand begeben/ zu Oeringen in der loͤblichen Graf⸗ ſchafft Hohenloe/ mit ſeiner geliebten Helena Zobelin in Oerin⸗ gen/ vornemen Geſchlechts deſſen Orts/ welche Gottſelige Ma⸗ tron wir verſchienenen Donnerſtag haben anhero zur Erden be⸗ ſtattet/ vnd der Herꝛ Doctor ſeliger jetzo jhr an jhre Seitten/ ſeinem inſtendigen begeren nach ſoll gelegt werden. Vndob er wol von anfang ſeines getroffenen Heuraths zu var⸗ nemen Dienſten hette moͤgen gezogen werden/ hat jhm doch in otio literario beliebet zu leben/ in welchem er vnderſchiedliche Tracta- tus Medicos, darinn ſeinekruditio genungſam zuvernemen/ pu- bliciret, biß er im Jahr 1605. ſich zum Medico Ordinario der Reichsſtadt Wimpen/ vñ in dieſem 1606. Jahr auff gnediges be⸗ geren/ deß durchleuchtigen vñ Hochgebornen Fuͤrſten vnd Herꝛn/ Hern Ludwigs Landgraffen zu Heſſen/ Graffen zu Catzenelnbo⸗ gen/ Dietz/ Zigenhain vñ Nidda/ vnſers gnedigen Landts Vatters/ zur Ordinaria Profeſſione Medica, auff dieſe Fuͤrſiliche Schul iſt beruffen worden/ darzu er ſichdann mit ſeinem familia, Freytags 3 vor 71 38 Gießiſcher Leichpredigten vor Bartholomxæi den 22. Auguſti gehorſam eingeſtellet. Gleichwol wie nun die wenige zeit/ ſo dieſer vorneme vnd be⸗ ruͤhmbte Mañ bey vns geweſen/ er ſich ſampt den ſeinen dermaſſen erwieſen/ daß man ſich jhrer als werthe Gaͤſt/ billich zu erfrewen ge⸗ habt/ alſo were zu wuͤndſchen geweſen/ daß der liebe Gott jhn noch lange zeit vns hette guͤnnen moͤgen. Es hat aber Gottdem Allmech⸗ tigen ein anders vnd beſſers gefallen/ Sintemal da nach vollnzoge⸗ ner Franckfurter Reyſe/ ſampt ſeiner geliebten Haußfrawen/ er wi⸗ der den 16. anhero kommen/ beſagte ſeine liebe Haußfraw dermaſ⸗ ſen Bethruͤſtig worden/ daß/ gleichwolalles Fleiß vñ Wartung vn⸗ geſparet/ dieſelbige hernach an einem tebri mall gna, dafuͤr es der Herꝛ Doctor ſeliger halten woͤllen/ den 23. Septembris, Abends zwiſchen Zehen vnd Elff vhrn/ gantz ſelig vnder jnnigem hertzlichem Gebet/ vnd inter preces. ſo der Eÿrnwuͤrdige vnnd Hochgelarte Her: D. Winckelman jhr vorgeſprochen/ abgeſcheiden. Daruͤber der Herꝛ Doctor, ohn daßauch durch viel Muͤ⸗ he vnnd Wachens der vorigen Tage vnnd Naͤchte vber/ dermaſ⸗ ſen erſchoͤpffet vnd hochbetruͤbet/ daß er ſich zugleich auch in Lager gegeben/ vnd die Schwachheit deß febris ihm der maſſen zugeſetzt/ daß er ſeiner hertzlieben Haußfrawen den 2. Sc ptembris, ſelig nachgefolget/ vnd gantz Chriſilichim Herꝛnabgetrucket. Beyder jhr Confeſſion vnd vertrawen belangent/ haben ſie ſich wie gantz GottsfuͤrchtigeChriſten/ dem vertrawen auff Jeſum Chriſtum geſtanden/ erwieſen/ vnnd alle beyde ſich darmaſſen mit Gebet/ Gedult vñ Standhafftigkeit erzeygt/ daß es in Warheit nit genungſam kan geruͤhmet werden. Ewiger Gott/ wie mit hoͤchſter begierde haben ſie ſich beyde mit dem Hochwuͤrdigen Abendmalvn⸗ ſers HeErꝛn Chriſti verſehen laſſen/ Wie bedachtlich haben ſie doch alles geordnet/ wie Kindlich haben ſie jhre abweſende Eltern geſeg⸗ net vnd dem lieben Gott befohlen/ wie trewlich haben ſie gedancket denſelbigen vor jhre Baͤtterliche vnd Muͤtterliche trewe/ Wie mit groſſer gedult hat der Herꝛ Doctor ſeliger dem lieben Gott anheim ge⸗ Erſter Theyl. 39 geſtellet/ da wir jn deß Abſchieds ſeiner lieben Haußfrawen verſten⸗ diget wie fteiſſig hat er hernacher gebeten/ ſein lieber G OTt woͤlle jhn ja ſeiner lieben verſtorbenen Haußfrawen mit zeitlichem Todt laſſen folgen/ Were hoch zuwuͤndſchen/ daß viel Ehriſten denſelbigen wan⸗ del vnd ſo ſeligen Abſchied dieſer Gottſeligen Perſonen jhnen vor⸗ ſetzten/ vnd an dieſen werthen Gaͤſten/ deren wir etwann nicht wuͤr⸗ dig geweſt/ ſpigelten: Der Allmaͤchtige GOTT/ Vatter vnſers Herꝛn Jeſu Chriſti/ wolle jnen beyden eine froͤliche Erſtaͤndnuß an jenem groſſen Tage verleyhen/ jhre betruͤbte liebe Eltern troͤſten/ die liebe kleine/ nachgelaſſene Wayßlein ſchuͤtzen vnnd ſchirmen/ vns allen mit gnaden zu ſeiner zeit in Chriſtlichem vertrawen hernacher helffen/ vnnd den nechſten dieſen betruͤbten Riß mit einer andern dienlichen Perſon gnedig erſetzen/ jhm ſey Lob/ Ehr vnnd Preiß in Ewigkeit/ Amen. 88888,8858,55,35,385858 858,3,85 SS25,S Dritte Leichpredigt/ Bey dem Begraͤbniſ weyland der Ehrn⸗ Tugentreichen Frawen/ Helen⸗ Muͤnſterin/ geborne Zobelin/ ſeliger Gedaͤchtnuß/ ſo den 23. 8 eptem. vorgedacht⸗ tes Jahrs/ zu Gieſſen Chriſtlich vnd ſelig Todts verfaren. Gehalten Den r5. Septem. durch Joannem Winckelmannum der H. Schrifft Doctorem, Predigern vnnd bey der loͤb⸗ lichen Fuͤrſtlichen Schulen Profeſſerem primarium. Der 0. Pſalm/ ſo genennet wirdt ein Gebet Moiſis deß Manns Gottes. 1. ☛ Er: Sott/ du biſt vnſer zuflucht/ fuͤr vnnd fuͤr. 2. Ehedann die Berge worden/ vnnd die Erde 1, 40 Gießiſcher Leichpredigten de/ vnnd die Welt geſchaffen wuͤrden/ biſtu GOTT von ewigkeit/ in ewigkeit. 3. Der du die Nenſchen laͤßt ſterben/ vnd ſprichſt⸗ kompt wider Menſchen Kinder. 4. Dann tauſent Jahr ſindt fuͤr dir/ wie der Tag⸗ der geſtern vergangen iſt/ ja wie eine Nachtwache. S. Du laͤſt ſie dahin fahren wie einen Strom/ vo ſind wie ein Schlaff/ gleich wie ein Graß/ das doch bald welck wirt. 2 6. Das da fruͤe bluͤhet/ vnnd bald welck wirt/ vnd deß Abends abgehawen wirt/ vnd verdorret. 7. Das macht dein Zorn/ daß wir ſo vergehen/ vnd dein Grim̃/ daß wir ſo ploͤtzlich dahin muͤſſen. s. Daantaſer iſterhaeftelefn fuͤr dich/ vnſe⸗ fehnakanut Suͤnde ins Liecht/ fuͤr deinem Ange⸗ icht.. 9. Darumb fahren alle vnſere Tage dahin/ durch denen Zorn/ wir bringen vnſere Jahr zu/ wie ein Ge⸗ b 10. Vnſer leben weret ſibentzig Jahr/ wans hochh kompt/ ſo ſinds achtzig Jahr/ vnd wans koͤſtlich gewe⸗ ſen iſt/ ſo iſts muͤhe vnd arbeyt geweſen/ dann es fehret— ſchnell dahin/ als floͤgen wir davon. n. Wer glaubts aber/ daß du ſo ſehr zuͤrneſttvnnd wer fuͤrcht ſich fuͤr ſolchem deinem Grimmꝛ 7 . —————— 12, Erſter Theyl. 431 22. Lehrevns bedencken/ daß wir ſterben muͤſſen/ auff daß wir klug werden. 3. Her/ kehre dich doch wider zu vns/ vnd ſey dei⸗ nen Knechten gnedig. 14. Fuͤlle vns fruͤe mit deiner gnad/ ſo woͤllen wir ruͤhmen vnd froͤlich ſein/ vnſer lebenlang. 75. Erfrewe vns nun wider/ nach dem du vns ſo lange plageſt/ Nach dem wir ſo lange vngluͤck leiden. 16. Zeyge deinen Knechten deine Werck/ vnd dei⸗ ne Ehre jhren Kindern. 77. Vnd der Herr vnſer Gott ſey vns freundlich/ vnd fordere das Werck vnſer Haͤnde bey vns/ Ja das Werck vnſer Haͤnde woͤlt er fordern. Je Oberſchrifft dieſes Pſalmens heyſſet ein Gebet Moſe deß Mans Gottes/ welches er ohn allen zweiffel gemacht Dhat in ſeinem hohen Alter/ da er von Gott dem Hẽe Ren die antwort entpfangen/ er ſolle in der Wuͤſten ſterben/ vnnd ins gelobie Land nicht kommen/ Num. 20. 27. vnd har darzu groſſe vrſach ge⸗ habt/ dann dieweil er geſehen/ daß ſechs mal hundert tauſent Mann auß Egypten Land gezogen/ vnd dieſelbige/ was von zwantzig Jah⸗ ren war/ die viertzig Jahr vber in der Wuͤſten vmbkommen/ deren Weiber waren verfaulet/ hat er in betrachtung deß elendẽ lebens der Menſchen dieſen Pſalmen gemacht/ vnnd darinn fkeiſſig erwogen/ die fluͤchtigkeit vnd muͤhſeligkeit deß lebens der Menſchen/ vnd auch die vrſach deß groſſen Elends/ vnd beyde ſich ſelbſt vnd auch andere zum Gebet auffgemundert/ daß jhnen Gott der He Rr wolte geben ſolches elend wol vnd tieff zubedencken/ woͤlle gnade einwenden/ wi⸗ der erfrewen vnd guts thun. Daß ich nun dieſen Pſalmen zu dieſem mal bey vorſtehender Begraͤbnuß zu erklaͤren vor mich enondne, 7 deſſen — 4² Gießiſcher Leichpredigten deſſen vrſach iſt/ daß die im. Herꝛn verſtorbene vnſere Mittſchweſter auß dem ſelbigen in jhr Schreibtaͤfflein gezeychnet/ die wort Moſis: „Herr /lehre vns bedencken daß wir ſterben muͤſſen/ auff daß wir klug —„werden/ ꝛc. vnnd ſieh deren auff der Franckfurter Reyß/ da ſie ſchon ſich matt vnd Schwach befunden/ erinnert. d Wur wollen denſelbigen Pſalmen in dieſen dreyen Puncten handeln: I. Setzet Moſes gegen einander den ewigen GOtt /der aller frommen einige zuflucht ift/ vnd dann der Menſchen vergaͤng⸗ liches muͤhſeliges leben auff dieſer Welt: Il. Iſt die vrſach der ſterblichkeit vnd elends der Menſchen. III. das Gebet. Nicht woͤl⸗ len wir jhn wie er wol werth were/ außfuͤr lich handlen/ ſondern jhn kurtz vberlauffen/ vnd ewer lieb zu ferꝛnerem nachdencken vrſach ge⸗ ben. Gott verleyhe es vns durch ſeines heiligen Geyſtes gnade mil⸗ tiglich/ Amen. Der Erſte Theyl. 1 Ern du biſt vnſer zuflucht fuͤr vnd fur /ꝛc. Spricht der Mann 23 Gottes Moſe:Diß iſt gleich ſam die Vorꝛede/ darinn er den ewigen vnwandelbaren Gott fuͤrſtellet/ als der from̃en einige 1 zuflucht/ da das wort zuflucht heyſſet ſo vicl als ein Wohnung nd Hauß/ wie es auch im folgenden91. Pl. ſtehet: Der Hoͤchſte iſt dein zuflucht/ Herꝛ Gott du biſt fuͤr vnd fuͤrvnſere zuflucht/ wohnung vnd Hauß. Demnach ſo iſt er auch im todt jhr zuflucht/ vnnd woh⸗ nung. Wer iſt Gott; Ehe dann die Berge worden/ vnnd die Erde vnd die Welt geſchaffen wuͤrden/ biſtu Gott von ewigken zu ewig⸗ keit. Derowegen ſo iſt dieſer Gott von ewigkeit vnd bleibet in ewig⸗ keit. Darauß erfolget/ daß er ein ewiges Hauß vnd Wohnung ſei⸗ nen Glaubigen ſeye. Aber was ſeind gegen dem ewigen vnwandel⸗ baren Gott die Men ſcennda du die Menſchen laͤſi ſterben/ vnnd ſprichſt/ kompt wider Menſchen Kinder. Qui convertis homi- nem ad contritionem. Diß redet Moſes von G Ottals demge rechten Richter/ welcher das vrtheyl hat geſprochen vber den Mn ſchen 1 Erſter Theyl. 43 ſchen nach dem Fall: Pulvis es& in pulverem reverteris. Du diſt Erden vnd mußt wider zu Erden werden/ Gen. z. Alſo richtet er Ihn zur Erden durch den zeitlichen Todt vnnd ſpricht: Kompt wi⸗ der Menſchen Kinder: Das iſt/ er leſſet andere Menſchen geboren werden/ daß alſo Menſchen auff dieſe Welt geboren werden/ vnnd ſterben wieder/ vnd iſt der Wandel der Menſchen kurtz auff Erden: Dann tauſent Jahr ſind fuͤr dir wie der Tag der geſtern vergangen iſt/ ja wie eine Nachtwache. Was iſt das leben der Menſchen fuͤr⸗ Gottsgar nichts; dann ſo tauſent Jahr fuͤr Gott ſind wie der Tag ſogeſtern vergangen iſt/ ja wie eine Nachtwache/ das iſt nur drey ſtunde/ dann die Nacht in vier Wache getheylet wirdt/ was iſt dann das leben ſo nur Achtzig Jahr weret wann es hoch kompt/ wie er heꝛ⸗ nacher bezeuget: Alſo will der Mann Gottes die Menſchen dahin antreiben/ daß ſie nach dem Ewigen leben bey Gott trachten ſollen: Dieſen Spruch fuͤhret§. Potr. 2. Epiſt.z ein/ wieder die Sptter/ die ſagen/ wo bleibt die verheyſſung ſeiner Zukunfft: Aber Petrus ſpricht/ es werde der Herꝛ nicht auſſen bleiben/ er werde gewißlich kommen/ tauſent Jahr ſeyen fuͤr Gott wie der Tag der geſtern ver⸗ gangen ſeye. Wie gar kurtz vund nichtig aber ſey daß leben der Menſchen/ erklaͤret Moſes mit dreyen Gleichnuſſen. 1. Du laͤßt ſie dahin fahren wie ein Strom Ein Strom machet ein groß gereuſch/ aber es rauſchet vnnd brauſet darvon/ vnnd alſo iſts vmb das leben der Menſchen auch Es vber fallet ſie der Todt nach G Ottes Vrtheyl wie einen Strom/ wie ein Suͤndflut vnd nimbt ſie hinweg. l. Sie ſind wie ein Schlaff. Wann der Menſch ſchlaffen gehet/ ſo ligt er da/ vnd wann er auffwacht/ iſt er nit gewar worden daß er geſchlaf⸗ fen hat/ bevorab aber/ wann die Menſchen ſicher ſein/ ſo iſts wie ein Traum vnd Schlaff/ wie ein ſehr ſchaͤdlicher Schlaff. I I. Gleich wie Graaß daß doch bald welck wirdt/ vnnd deß Abends abgeha⸗ wen wirdt/ vnd verdorret. Diß darff keiner erklaͤrung/ die erfahrung gibt vnnd bezeugt es reichlich vnd genungſam. F2 Lehr/ 71 44 Gießiſcher Leichpredigten Loehr/ Troſt vnd Erinnerung. Ir ſollen bedencken/ lieben Chriſten/ das vrtheyl Gottes vber die Menſchen darvon Moſes ſpricht: Der du die Menſchen laͤße ſterben/ ꝛe. Wie aber/ moͤchte jemandt ſa⸗ gen/ ſpricht Moſes zu Gott/ der du die Menſchen aͤſt ſterben/ qui convertis hominem ad contritionem, ſo doch im Buch der Weißheit 2. Cap. ſtehet/ durchs Teuffels neyd iſt der Todtin die Welt kommenꝛdas iſt war/ aber der Teuffel vermöchte nichts vber die Menſchen/ wie nicht Gott durch ſein gerechtes Gericht/ vmb der Eunden willen diß vrtheyl ergehen lieſſe: Du biſt Erden/ vnnd ſolt widerumb zur Erden werden/ Menſch du muſt ſterben. Dahero geſchichts/ daß wann GOtt/ in deſſen Hand vnſer leben ſtehet/ wie ein gefaͤß in der Hand eines Toͤpffers/ die.Hand abzeucht/ ſo fallen wir dahin/ vnd iſt der lauff vnſers Lebens ſehr kurtz. Dann was ſindt tauſendt Jahr fuͤr dem ewigen Gott⸗ Wie der tag/ der Geſtern ge⸗ weſen iſt. Was ſindt dan achtzig Jahr? wie wenig aber gelangen dahinan/ kaum die helffte oder der dritte theyl. Aſſo vberfellet der Todt die Leute nach Gottes Gericht/ wie ein Strom ploͤtlich. Der Menſchen leben iſt wie ein Schlaff vnd Traum/ wir ein Gra ß daß bald welck wirdt/ ꝛc. Diß bezeugt die H. Schrifft hin vnnd wider. Jacob der Patriarch ſpricht fͤr Pharaone/ Gon. 47. Die zeit mei⸗ ner Wallfahrt iſt hundert vnd dreyſſig Jahr/ wenig vnd boͤſe iſt die ꝛeit meines lebens/ vnd langet nicht an die zeit meiner Vaͤtter in jh⸗ rer Wallfahrt. Der Menſchvom Weid geborn/ ſpricht Job. 14. c. lebet ein kurtze zeit/ vñ iſt voller vnruhe/ gehet auff wie ein Blum vã fellet ab/ fleucht wie ein Schatten vnd bleibet nicht. Solches beken⸗ net auch David der Koͤnig vnd Prophet im 39. Pſal. Sihe/ ſpricht er/ meine Tage ſeind einer Hand breit bey dir/ vnd meinleben iſt wie nichts fuͤr dir/ wie gar nichts ſeind doch alle Menſchen/ die ſo ſicher leben. Sie gehen dahin wie ein ſchaͤmen/ vnd machen jhnen viel ver⸗ grblicher vnruhe/ ſie ſamblen /vnd wiſſen nicht/ wer es trigen Lun 1 Erſter Theyl. 485 Vnd abermal im oz. Pſal.ſpricht er: Ein Menſch iſt in ſeinem lo⸗ ben wie Graß/ er bluͤet wie ein Blume auff dem Felde. Wann der Wind druͤber gehet/ ſo iſt ſie nimmer da/ vnd jhre ſtette kennet ſie nit mehr. Der Koͤnig Hißkia beklagt in gleichem auch die nichtigkeir vnd fluͤchtigkeit ſeines lebens/ Eſa. 37. Meine zeit iſt dahin vnd von mir auffgeraumet wie eines Hirten. Huͤtte/ vnnd reiſſe mein leben ad wie ein Weber. S. Jacob vergleieht vnſer leben mit einem Dampff/ der ſich gar breit machet/ weret aber ein kleine zeit vnd verſchwindet/ Jacob. 4. Dieſe betrachtung nun ſoll vns dienen wider den Stoltz. Dann was erhebt ſich die arme Erde vnd Aſche? Iſt er doch ein ey⸗ teler ſchaͤndlicher Koth/ weil er noch lebet. Vund wann der Artzt ſchon lang daran flicket/ ſo gehets doch endlich alſo: Heut Koͤnig/ morgen todt/ vnnd wann der Menſch vodt iſt/ ſo freſſen jhn die Schlangen vnd Wuͤrme/ Syrach. 10. Darnach ſoll ſie vns dienen wider den Geitz. Dann wis gar nichto ſind doch alle Menſchen/ die ſo ſicher leben/ ſie gehen daher wie ein ſchaͤmen/ vnd machen jnen viel vergeblicher vnruhe/ ſie ſam̃⸗ len vnd wiſſen nicht wer es krigen wirdt/ Pſal.39. Zum dritten auch wider die ſicherheit. Dann viel Leute alſo le⸗ ben/ als ob ſie allezeit allhie bleiben woͤllen/ ſind ſicher/ vñ denckẽ nit/ wie bald es geſchehen/ wie bald der Todt gleich wie ein Suͤndflut ſie dahin neme/ ſie ſchlummern im Traum eines langen lebens/ aber wie iſts ſo bald geſchehen/ wie einem ſchlaffenden die Zeit verlaufft. II. Was aber ſollen wir vns in dieſem ſo kurtzen vnd muͤh⸗ ſeligen leben troͤſten⸗ Wohin ſollen wir vnſere gedaucken riohten⸗ Hée RNR du biſt vnſer zuflucht fuͤr vndfuͤr/ du biſt vnſer Hauß vnnd e⸗ Wohnung. Das iſt gan groͤſtlich/ daß wir wiſſen in dieſem vnſerm Elendt/ da wir die Welt verlaſſen muͤſſen/ ſo haben wir vnſere Zu⸗ flucht/ habitaculum vnd feſte Burg zu vnd bey dem ewigen Goct. Dann das iſt gewiß das Moſes ſagt/ du biſt vnſere Wohnung vnd Zuflucht/ nicht nur achtzig Jahr lang/ welche diß leben/ wann es hoch kompt/ zuwehren pflegt/ da wir in Lähmen Heuſern wohnen/ 5 3 wie 20— 46 Gießiſcher Leichpredigten 3 wie der H. Job ſagt/ ſondern fuͤr vnd fuͤr/ bey dem ewigen Gott ha⸗ ben wir vnſer bleibens/ feſte Burg vnd Huͤtten/ ſo nicht mit Henden gemacht; Alſo bettet David/ Pſal.1. Eſto mihi in Deum pro- tectorem& in locum refugii, Sey du mein Schirm vnd die ſiet⸗ te meiner Zuflucht: Item/ wie groß iſt deine gute/ die du verborgen haſt denen die dich fuͤrchten/ vnnd erzeygeſt denen die fuͤr den Leuten auff dich trawen: Du verbirgeſt ſie heimlich bey dir fuͤr jedermans Trotz/ du verdeckeſt ſie in deiner Huͤtten fuͤr den zaͤnckiſchen Zun⸗ gen. Pſal. 31. In dem haben wir ein ewiges Hauß vnd Burg/ vnnd alſo auch mitten in dem Todte: Gutes vnnd Barmhertzikeit wer⸗ den mir folgen mein lebenlang/ vnnd werde bleiben im Hauß deß Herꝛen jmmerdar/ bſal. 23. Wir wiſſen das/ ſo vnſer Irꝛdiſches Hauß dieſer. Huͤtten zerbrochen wirt/ daß wir einen Baw haben von Gott erbawet/ ein Hauß haben nit mit Henden gemacht/ das Ewig iſt im Himmel/ z. Cor.. Das iſt der Gott/ der da iſt vnd bleibet von Ewigkeit zu Ewigkeit/ fuͤr dem tauſent Jahr ſindt/ wie der Tag der geſtern vergangen iſt/ das Hauß bleibet vns/ wann Himmel vnd Erden vergehen/ Plal. 0 ½. Darnach muſſen wir trachten/ in wa⸗ rem Glauben/ in beſtendiger Hoffnung vnndeinem E hriſtlichem wandel/ vnd den Troſt faſſen/ daß ob wol Gott vns allhie leſſet ſter⸗ ben/ ob wol wir dahin fahren/ wie ein Strom/ ſo haben wir doch ein Hauß bey G Ott/ in Gott iſt vnſer Zuflucht/ mitten im Todt/ zu dem vnſer Seelen verſamblet werden/ deſſen gnade waltet vber vnd fuͤr vnd fuͤr/ Pſal. 103. vnd ſind da die Seelen der Gerechten in Got⸗ tes Hand/ da ruͤhret ſie kein Qual/ Sap.z „ III. Weylauch Moſes zu Gott ſpricht/ Der du die Men⸗ ſchen leſſeſt ſterben/ lernen wir/ daß vnſer leben nicht ſtehet in vnſer gewalt /ſondern in Gottes Hand /gleich wie ein Gefaͤß in der Hand eines Toͤpffers iſt/ daß er macht hat zu zerbrechen oder zu erhalten/ vnd ſollem demnach im Leben vnd Sterben auff den Herꝛn ſehen: Wann er ſpricht: Gehe hin in dein Kammer/ ſollen wir ſagen/ wañ mein Gott will ſo will ich mit/ hinfahren im Fried/ ſterben iſt mein . gewinn u e—ß Erſter Theyl. 47 gewinn vnd ſchad mir nicht/ wie der alte Simeon ſagt/ He Rot nun leſſeſt du deinen Diener im Friede fahren/ wie du geſagt haſt/ vnd ge⸗ buͤhret keinem Menſchen/ ſein lehen abzukuͤrtzen/ eignes gewalts/ das heyſſet Gott in ſein Gericht gefallen. Der Ander Theyl. As iſt dann die vrſach/ daß der Menſch die Edle Creatur ſo bald dahin muß/ vnd zu Staub vnd Aſchen werdens Das macht dein Zorn/ daß wir ſo vergehen/ vnd dein Grimm/ daß wir ſo ploͤtzlich dahin muͤſſen. Warumb zoͤrnet dann Gott alſo vber die Menſchen? Dann vnſer Miſſethat ſielleſt du fuͤr dich/ vn⸗ ſer vnerkañte Suͤnde ins Liecht fuͤr dein Angeſicht. Die Miſſethat. vnnd Suͤnde iſt ein vrſach ſolches elenden Weſens der Menſchen. Alſo hatten die Kinder Iſrael mit jhren Suͤnden vervrſacht/ daß ſie Gott in der Wuͤſten alſo hat fallen vnd verſincken laſſen/ Num. 14. Da iſt die verborgene Sunde/ die Erbſuͤnde/ welche die Menſchẽ nit achten/ da ſind viel verborgene Suͤnden/ ſo die Menſchen nicht fuͤr Suͤnde halten/ Gott aber ſiellet ſie ins Liecht fuͤr ſeinem Angeſicht; Darumb fahren alle vnſere tage dahin durch deinen Zorn/ wir brin⸗⸗ gen vnſen Jahr zu wie ein geſchwaͤtz. Wo man mit einander ſchwe⸗ zet/ da hat man kurtzweil/ aber wañs auß iſt/ da weyß man offt nicht was es geweſen iſt/ Alſo vnſer leben auch. Wie lang werets? Vnſer— leben weret 70. Jahr/ vnd wans hoch kompt/ ſo ſinds achtzig Jahr/ vnnd wannees koͤſtlich geweſen/ ſo iſts muͤhe vnnd Arbeit geweſen. Siebentzig Jahr machen 24 50. tage/ Achtzig aber 29 200. tage/ da laufft je einer nach dem andern dahin/ wie wenig gelangen aber an daſſelbige⸗ Da moͤchte nun jemandis einreden vnnd ſagen/ Moſes hat erlangt ein hundert vnnd zwantzig Jahr; Ealeb aber ſpricht zu Joſue/ ich bin heut fuͤnff vnnd achtzig Jahralt/ vnd bin noch heuti⸗ ges tags ſo ſtarck als ich war deß tages/ da mich Moſe auß ſandte/ wie mein Krafft war dazumal/ alſo iſt ſie auch ſetzo zuſtreiten/ vnnd auß vnd ein zugehene Antwort/ diß ſeind ſendalihe Eranpeleß aber 48 Gießiſcher Leichpredigten Aber red von gemeinem lauff deß lebens der Menſchen/ doch iſt ſener „leben auch Muͤhe vnnd Arbeit geweſen/ wie Moſe ſpricht. Wans „köͤſtlich geweſen iſt/ ſo iſis Muͤhe vnd Arbeit geweſen/ dann esfehret „ ſchnell dahin als floͤgen wir davon. Wie reymet ſich aber daß auff muͤhe vnd Arbeit/ daß der Menſch ſchnell dahin fehret/ als floͤgen wir davon/ es kan dannoch wol ein kurtze Frewde ſeine Jaes dienet ſolches geliebte im He Ren/ wider den mechtigen vnnd vergeblichen Stoltz der Menſchen/ anzuzeygen/ daß es nicht lang weret/ es bekla⸗ get aber Moſes die groſſe ſicherheit der Menſchen/ daß ſie ſolch jhr Jammer/ Elend/ vnnd den zorn Gottes wider die Suͤnde nicht er⸗ „Feunen. Wer glaubts aber daß du ſo ſehr zuͤrneſt/ vnnd wer fuͤrchtet „ſich fuͤr ſolchem deinem Grimm? Oder groſſen ſicherheit/ will der Mann Gottes ſagen/ daß die Leute jhr groß Elend/ jhre Suͤnde vñ Gottes Zorn wider dieſelbige nicht erkennen woͤllen/ Lehr vnd Troſt. Laſſet vns dieſe vrſach alle wol bedencken/ liebe Chriſten/ wo⸗ Her der Todt/ die ſterblichkeit/ muͤhe vnnd Arbeit herkomme? Gott hat zwar den Menſchen geſchaffen zum ewigen Leben/ Sap. 2. aher der Suͤnden Soldt iſt der Todt/ Rom. 6. das macht dein Zorn/ daß wir ſo vergehen/ vnd dein Grimm daß wir ſo ploͤtzlich dahin muͤſſen/ dahero muß der Menſch auß dem vrtheyl G Ottes zur Erden wer⸗ den/ Gal.3. dann durch die Suͤnde iſt der Todt in die Welt kom⸗ men/ vndauff alle Menſchen gedrungen/ Rom. 5. Es ſindt aber biß⸗ weilen ſonderliche vrſachen/ warumb Gottetliche Leute bald abreiſ⸗ ſet. Etliche zwar vmb ſonderlicher Suͤnde willen/ wie im ʒ. Plalm. ſtehet: Die Blutgirigen vnd Falſchen werden jhr leben nicht zur helffte bringen; von dem boͤſen Doeg ſagt David/ Gott wirdt dich gantz vnd gar zerſtoͤren vnd zuſchlagen/ vnd auß deinen Huͤtten reiſ⸗ ſen/ vnnd auß dem Landt der Lebendigen außrotten/ Pſal. 5. Alſo ſeind Ger/ Onan/ Abſolon vnnd viel audere als boͤſe Buben bald vnnd zeitlich/ auch jaͤmmerlich vmbkommen/ wie die zwey vnd vier⸗ tzig Erſter Theyl. 49 tzig Kinder/ ſo den Propheten Eliſæum verſpotteten/ vnnd hieſſen jhn Kalkopff/ Kalkopff/ auff deß Propheten fluch von zweyen Baͤ⸗ ren zerꝛiſſen worden/ z2. Reg. 2. Alſo hinwiderumb eylet Gott auch mit frommen Leuten offtmals bald hinweg/ darmit er ſie vieles jam⸗ mers vnd elends vberhebe/ vñ auß der gefaͤhrlichkeit in die ſicherheit nicht mehr zu ſuͤndigen bringe. Sap. 4. Wi ſollen dahero erkennen/ was die Suͤnde fuͤr ein grewel in den Augen G Ottes ſey/ vnd vns darfuͤr huͤten/ in betrachtung/ daß es ſo ein kurtz ding vmb diß leben iſt/ damit wir ja nit nach dem zeit⸗ lichen Todt in Gottes Gericht vnnd den andern Todtfallen/ da der Gottloſſen Wurm nicht ſterben/ jhr Fewer nicht verleſchen/ vnd ſie fur allem Fleyſch ein grewel ſein muͤſſen/ Ela. 66. Wir ſollen aber in warem Glauben an Chriſtum vmb vergebung der Suͤnden bit⸗ ten/ damit es mit vns gehe vnnd heyſſe nach dem;2. Plalm. Wol dem/ dem die vbertrettung vergeben ſeindt/ dem die Suͤnde bedeckt iſt. Wol dem Menſchen/ dem der Herꝛ die Miſſethat nicht zurech⸗ net/ vnd in deß Geyſt kein falſch iſt. Dann denſelbigen wirdt wider⸗ fahren/ daß Ehriſtus der He Rꝛ ſagt/ Ioh. ĩ. Warlich/ Warlich ich ſage euch/ wer mein Wort hoͤret/ vnd glaubet dem der mich geſandt hat/ der hat das ewige leben/ vnd kompt nicht ins Gericht/ ſondern er iſt vom Todt zum leben hin durch gedrungen/ vnd abermal: War⸗ lich/ Warlich ich ſage euch/ wer mein Wort helt/ der wird den Todt nicht ſchmecken ewiglich/ Ioh. S. Vnd ſo viel vom andern Theyl. Der dritte Theyl. Vu folgt das ſchoͤne gebet Moſis: Lehre vns bedencken/ 4 Vos wir ſterben muͤſſen/ auff dz wir klug werden. Die Welt Siſt roh vnd ſicher/ will Moſes ſagen/ vnd bedencken nicht den zorn Gottes wider die Suͤnde/ aber O Herꝛ behuͤte du vns fuͤr ſol⸗ cher ſicherheit/ vnd lehre vns bedencken/ daß wir ſterben muͤſſen auff daß wir klug werden. Die rechte Klugheit aber iſt Gott auß ſeinem wort erkennen/ an Chriſtum glauben/ fuͤr ighe⸗ leben/ vnnd ſich C fuͤr /1 7 50 Gießiſcher Leichpredigten fuͤr Suͤnden huͤten/ damit wir nicht in Suͤnden ſterben. He oꝛz keh⸗ re dich doch wider zu vns/ vñ ſey deinen Knechten gnedig. Das iſt ge⸗ richtetauff de Eydſchwur Gottes/ da er geſagt/ Num. 14. So war ich lebe/ ſoll alle Welt der herꝛlichkeit deß Herꝛn voll werden dann alle die Maͤnner/ die meine herꝛlichkeit vnd Zeychen geſehen haben/ die ich gethan habe in Egypten/ vnd in der Wuͤſien/ vnnd mich nur zehenmal verſucht/ vnd meiner Stimme nicht gehorcht haben/ der foll keiner das Land ſehen/ daß ich jhren Vaͤttern geſchworen habe/ auch keiner ſoll es ſehen/ der mich verlaͤſtert hat/ ꝛc. Aber nun ſpricht Moſes dagegen/ He Ru kehꝛe dich wider zu vns mit deinen gnaden/ vnnd ſey deinen Knechten gnedig/ wende nun widerumb gnade ein vñ troͤſte vns. Fuͤlle vns frͤhe mit deiner gnaden/ ſo woͤllen wir ruͤh⸗ men vnd froͤlich ſein vnſer Lebenlang. Erfrewe vns nun wider/ nach dem du vns ſo lang plageſt/ nach dem wir ſolang Vngluͤck leiden. „Zeyge deinen Knechten deine Werck/ das iſt lieben vnnd wolthun. Dann ſtraffen iſt G Ottes frembdes werck/ aber wolthun vnnd er⸗ barmung iſt ſein eygnes Werck/ ſolches werck zeyge vns/ ſagt Mo⸗ ſes/ vnnd deine ehre jhren Kindern/ Gottes ehre vnnd herꝛlichkeit iſt gnade erzeygen/ Rom. 9. Er beweiſet die Reichthumb ſeiner herꝛlig⸗ keit an den Gefaͤſſen ſeiner Barmhertzigkeit/ die er bereytet hat zur herꝛlichkeit. Im Joan. 17. bittet Chriſius: Zeygejhnen die herꝛlig⸗ keit die du mirgegeben haſt/ dz iſt die ewige herꝛlichkeit Gottes/ durch welcher anſchawen vñ genoß wir in ewigkeit ſelig ſein werden. Vnd der HErꝛ vnſer Gott ſey vns freundlich/ vnnd fordere das werck vn⸗ ferer Haͤnde/ ja das wercl vnſerer Haͤnde woͤlle er fordern. Er bittet Gott ſeine freundlichkeit woͤlte vber ſie walten laſſen: Vnd bitet das zweymal er wolte fordern die Werck jrer. Haͤnde/ dasi ſt/ jhnen gnad/ ſegen/ vnnd gluͤcklichen lauff vnd fortgang geben/ im Predigampt/ in der Kirchen/ in weltlichem Regiment vnnd Haußſtandt/ er woͤlle ſeinen Segen/ vnnd Gedeyen geben/ daß alles wol von ſtatten gehe vnd gerahte. Lehr. ——— Erſter Theyl. 9 Lehr. I. Diß gebet iſt vns auch ſehr noͤtig/ geliebte im HerꝛnChriſto Lehre vns bedencken daß wir ſterben muͤſſen auff daß wir klug wer⸗ den. Welches auch David bittet/ Pſalm. 39. Ach Herꝛ lehre doch mich daß ein ende mit mir haben muß/ vnnd mein leben ein Ziel hat/ vnd ich davon muß. Es iſt einem Menſchen gar viel daran gelegen/ ſa es ſtehet ſeine hoͤchſte wolfahrt darauff/ daß er nicht wie ein dum⸗ mes Viehe dahin ſterbe/ ohne erkandtnuß G Ottes. So bitten wir nun/ daß G Ott vns wolte vnſer ende bedencken lehren/ ja daß wir anſchreiben die tage vnſers lebens/ vnd jmmer abziehen vnd dencken es lauffe zum ende/ damit wir jmmer vnndallezeit bereyt ſeyen zum abſcheydt/ vnnd endlich im Herꝛn ſeliglich ſterben/ welches die beſte kunſtiſt: Alſo werden wir vns fuͤr Suͤnden huͤten/ wie Syrach ſagt 7 Cap. Was duthuſt ſo bedenck das Ende/ ſo wirſt du nim̃ermehr vbels thun. II. Darnach wo vngluͤck vor handen iſt/ oder im Re⸗ giment es vbel ſteht/ oder im Hauß Creutz/ Truͤbſal vnnd widerwer⸗ tigkeit iſt/ das ſichs anſehen leſſet/ Gott habe ſich von vns abgewen⸗ det/ ſo ſollen wir bitten/ Gott woͤlle mit ſeiner gnade ſich widerumb zu vns wenden/ vnd ſeinen Zorn von vns abwenden Fuͤlle vns fruͤhe mit deiner gnade/ ſo woͤllen wir ruͤhmen vnnd froͤlich ſein vnſer le⸗ benlang. Zum dritten/ ſollen wir hertzlich bitten/ Gott woͤlle das werck vnſerer Haͤnde fordern/ welches Moſes zweymalbittet:wo der Herꝛ nicht das Hauß bawet/ ſo arbeyten vmb ſonſt die daran Bawen/ wo der Herꝛ nicht die Statt behuͤtet/ ſo wachet der Waͤchter vmb ſonſt. Daher ſagt der alte Lehrer Nazianzenus recht: Oes Adον ʃε⁴e⸗ 9.: Ka] 2⁰9 dννννό̈ ς2deν iaven rν ◻—. Was Gott beſchert/ bleibet vnerwehrt: Arbeit verdierbt/ wo Gott nicht gibt. Derowegen Solomon billich bittet/ Sap. o. Sende deine G 2 Weiß⸗ 2 52 Gießiſcher Leichpredigten Weiß heit von deinem heiligen Himmel/ vnnd auß dem Thron dei⸗ ner herꝛlichkeit/ ſende ſie daß ſie bey mir ſeye vnnd mit mir arbeite/ daß ich erkeñe/ was dir wolgefalle/ dann ſie weyß alles vnd verſtehts/ vnd laß ſie mich leyten in meinen Wercken maͤſſiglich/ vnd mich be⸗ huͤten durch jhre herꝛlichkeit: So werden mir deine Werck ange⸗ nem ſein/ vnd werde dein Volck recht richten/ vnnd wuͤrdig ſein deß Throns meines Vatters. PERSONALIA. In 6 Eliebte im Herꝛn Chriſto/ wir ſind nun zu dieſem mal zu⸗ ſammen kommen ſ einer vnſerer lieben Mitſchweſtern jhre letzte ehre beweiſen/ vñ jren hinderlaſſenen Leichnam zur Er⸗ den Chriſtlich zubeſtatten/ als nemlich der viel Tugendtſamen Fra⸗ wẽ Helenæ, deß Ehrnveſten vñ. Hochgelartẽ Herꝛn Joannis Mün- ſteri, Philoſophiæ vnd Medicinæ Doctoris vndin dieſer Fuͤrſt⸗ lichen Schulen newlicher zeit beſtelten Profeſſoris Medicinæ, hertzlieben Haußfrawen. r e 4 Was nun dieſelbige anlangt/ iſt ſie im Jahr Chriſti 157. von dem Ehrnachtbarn vnd Wolweiſen joanne Zobeln. geweſe⸗ nen Burgenmeiſters/ vnd beyde Weltlicher vnd Geyſtlicher Guͤter verwalters der Satt Oeringen in der Graffſchafft Hohenloe/ vnd der Tugendtſamen Frawen Margreten Baumgaͤßnerin/ auff dieſe Welt erzeugt/ dem Henn Chriſto in der H. Tauff vorgetra⸗ gen/ vnd in den Bund der gnaden auffgenommen.— Folgents da ſie zu jhrem verſtandt kommen/ iſt ſie von jhren Kindlichen tagen an von jhren lieben Eltern zur Gottesforcht/ Gottſeligkeit/ Zucht vnd erbarkeit/ vnnd allen Weiblichen Tugen⸗ den erzogen/ alſo daß ſie fuͤr einen rechten lebendigen Spiegelder Gottſeligkeit/ Zucht/ vnnd Tugenden die zeit jhres lebens gehalten worden. Aber an jhren lieben Hauß⸗ Herꝛn iſt ſie ehelich verheurath/ im Jahr Chriſti 1599. am 10. tag deß Monats 8 eptembris, mit dem ſie ſieben Jahr die Ehe in gutem Frieden vnnd einigkeit/ ja mit luß Erſter Theyl. 53 laſt vnd lieb bewohnet/ vnnd hat ſie G Ott in jhrem werenden Ehe⸗ ſtandt mit vier Kinderlein geſegnet/ deren er aber zwey wider zu ſich genommen/ zwey Soͤhnlein aber noch in dieſem leben. Gottes wort hat ſie trefflich lieb gehabt/ welches dañ auch dzwerck in jrer Kranck⸗ heit herꝛlich bewieſen/ da jhr Mundt jhr jmmerzu vbergangen mit Spruͤchen der Schrifft vnd ſchoͤnen gebetlein/ alſo daß ſie jhren troͤ⸗ ſtern iſt zuvor kommen. Wol were zu wuͤndſchen geweſen/ daß ſie noch viel Jahr mit jhrem lieben Herꝛn hette wohnen moͤgen/ jhre Kinder G Ott dem Herꝛn aufferziehen/ vnnd jhren lieben Hauß⸗ Herꝛn erfroͤlichen moͤgen. Dem ewigen weiſen Gottaber/ der ſeine Heilige wunderbarlichen fuͤhret/ hat es anderſt gefallen/ daß weil ſie jhm lieb geweſen/ er ſie naͤher bey ſich haben woͤllen. Dann da ſie newlich mit jhrem lieben Hauß⸗ Herꝛen in der Franckfurter Meß jhrer gelegenheit nach geweſen/ hat ſie ſich ſchwach befunden zu Franckfurt/ auff dem wege in der widerkehr/ vnd jſt hernacher auß ſolcher ſchwachheit ein ſehr hitziges geſchwin⸗ des Fieber worden/ darzu allerley zufaͤlle kommen/ Hauptwehe/ groſſer Durſt/ hat kein Schlaff haben koͤnnen/ verſtopffung vnnd anders/ daher die Kraͤffte ſehr geſchwecht/ daß ſie nach dem willen Gottes endtlich jhren Geyſt auffgeben/ vnnd dieſe Welt mit dem Ruͤcken anſehen muͤſſen: Als ſie nun ſolches zeitliches vermerckt/ hat ſie ſich bald zum Herꝛn geſchickt/ demſelbigen jhre Suͤnde bekañt/ jhren Glauben an CsRiſtum jhren Seligmacher herꝛlich vnnd ſchoͤn bezeugt/ vnd zuſterckung deßſelbigen jres Glaubens das hoch⸗ heilige Abendtmal gebraucht/ vnd iſt alſo mit dem waren Leib vnnd Blut vnſers Herꝛen Jeſu Chriſti/ am nechſt verſchienen Sambs⸗ tag mit jhrem lieben Hauß⸗ Herꝛn geſpeiſet vnd getrencket worden: Darauff ſie ſich ferꝛner mit hertzlichem verlangen geſehnet nach dem ewigen Gut der heiligen hochgelobten Dreyfaltigkeit/ hat mit Hertzbrechenden worten vnd reden jhren lieben Hauß⸗ Herꝛn/ Kin⸗ der vnnd Geſinde geſegnet/ allen abweſenden/ jhrer Mutter vnnd Freunde/ alles gutes zu entbieten befohlen/ der vbrige tage aber 5 3 ie 54 Gießiſcher Leichpredigten ſie ſich vber die maſſen herꝛlich mit ſchoͤnen außbuͤndigen Troſt⸗ ſpruͤchen der Schrifft vnd gebetlein troͤſten koͤnnen/ daß ſie ein recht Sacrarium. Tempel vnd Wohnung des H. Geyſtes ſcheinlich ge⸗ weſen/ vnnd weil ſie bißweilenim Haupt iſt etwas jrꝛ worden/ hat ſie Gott ſo jnniglich angeruffen vnd gebeten fer woͤlle ſie ja nicht in ſol⸗ cher jrꝛung vnnd Fabelrede hinweg nemen. Gott der guͤtige getrewe Heẽ diꝛ/ Welcher die ſeinen nicht leſſet vber jhr vermoͤgen verſucht werden/ ſondern giebt der verſuchung ein ende/ daß ſie es ertragen koͤnnen/ hat jhr gebet erhoͤret/ daß ſie noch fuͤr jhrem Ende/ da man nicht gemeynet/ daß ſie ein wort mehr reden wuͤrde/ mit gutem ver⸗ ſtandt den Chriſtlichen bekanten Geſang/ E Re Jeſu Chriſt warer Menſch vnd Gott/ ꝛc Wiewol ſchwaͤchlich/ gebeten/ vnd bald dar⸗ auff vnder troͤſtlicher zuſprechung vnnd gebetlein/ die ſie biß an jhr Seliges ende vermercken koͤnnen/ gantz ſanfft vnd ſtille vorgeſtern den 23. zwiſchen Elff vnnd Zwoͤlffen in der Nacht im ein vnd dreiſ⸗ ſigſten Jahr jhres Alters eingeſchlaffen/ daß nun mehr ſie die H. Dreyfaltigkeit/ darzu ſie ſo ein hettzliches ſaͤhnen vnnd verlangen truge/ anſchauwet/ ruhet von aller jhrer Muͤhe vnnd Arbeit/ vnd iſt verſamlet zu den Geyſtern der vollkommenen Gerechten/ daß an jhr war worden der Spruch Syrachs am 1. Cap. Wer den He Rrn fuͤrchtet/ dem wirdt es wol gehen/ in der letzten noth/ vnd wirt endlich den Segen erhalten. G Ott der Herꝛ wolle jhren gantz trawrigen vnd ſchwachen Herꝛn/ den Hern Doctorem vnd alle jhre Freun⸗ de troͤſten ſerquicken/ vnd vns alle mit ſeinem H. guten Geyſt lehren/ leyten vnnd fuͤhren auff dem rechten ewigen Weg/ daß wir Gottſe⸗ lig leben/ vnd wañ nach Gottes willen vnſer ſtuͤndlein herbey kompt/ auch Seliglich ſterben/ Amen. 28: 5e 5 Vier⸗ — 88086868980808»8————öööö —— ——,.——— 55 Vierdte Leichpredigt/ Bey dem Begraͤbnuß der Ehrentugentſamen vnnd Gottſeligen Frawen Catharina Kitzelin/ gebornen Lerßnerin/ Deß Ehrnveſten vnd Hochgelarten Herꝛn Johannis Kitzelii beyder Rechten Li⸗ centiaten vnd Profeſſorn bey der loͤllichen Vniverſitet zu Gieſſen/ Ehelichen Haußfrawen ſeligen gedaͤchenuß/ ſo den Xll. Septemb. in Chriſto ſe⸗ li entſchlaffen/ vnd den XV. ſelbigen Monats im Jahr 1607. daſelbſt Chriſtlich zur Erden beſtattet worden. Gehalten durch IEREMIAM VIETOREM. der heiligen Schrifft D. Pfarꝛherꝛn vnnd Superin- tendenten zu Gieſſen. Auß dem Erſten Buch deß heiligen Pro⸗ pheten Moſis am 35. Capitel. „Adſie zogen von Bethel/ vnd da noch ein Feldwegs war von Ephrat/ da ⁴☛=0 gebar Rahel/ vnnd es kam ſie hart an vber der Geburt. Da es ihr aber ſo ſawer ward in der Ge⸗ burt/ ſprach die Wehmutter zu jhr: Fuͤrchte dich nit/ dann diefen Sohn wirſtu auch haben. Dajhr aber die Seel außgieng/ daß ſie ſterben mußte/ hieß ſiejhn Benoni. Aber ſein Vatter hieß ihn Benjamin. Alſo ſtarb Rahel vnnd ward begraben an den Weg gehn Eyhrat/ die nun heyſt Bethlehem/ vnnd Jacob richtet ein 4— 56 Gießiſcher Leichpredigten. ein Mahl auff vber jhrem Grab/ daſſelbigeiſt das Grabmahl Rahelbiß auff dieſen Tag. Erklaͤrung. ¶ Eliebte im HẽRꝛn Chriſto/ wir ſindt nach H Goͤttlichem allein guten vnd weiſen Willen auff diß⸗ malan dieſem Orth mit einander verſamlet/ zwar in einer groſſen loͤblichen Anzahl vnd Frequentz/ aber zu ſehr weniger frewd/ ſondern zuChriſtlichem Begraͤbnuß/ der Ehrn⸗ tugendſamen vnnd Gottſeligen Frawen Catharin Kitzelin/ gebor⸗ nen Lerßnerin/ deß Ehrnveſten vnd Hochgelahrten Herꝛn Johan⸗ niß Kitzelu/ beyder Rechten Licentiaten vnd bey der loͤblichen Vni⸗ verſitet allhier Profeſſorn/ geweſenen frommen beliebten Hauß⸗ frawen ſeligen/ welche der liebe GO T T verſchienen Sonnabend Abends gleich nach acht Vhrn/ in jhrem Chriſilichen Beruff/ auß dieſem betruͤbtem leben/ zur ewigen frewde in groſſer gedult/ beſten⸗ digkeit vnnd warem glauben an jhren Erloͤſer Chriſtum Jeſum ab⸗ gefordert. Hetten beſagter Matronen von Hertzen gern viel lengere Ta⸗ V ge in jhrem ſehr wol gerathenem Eheſtand/ vnd jhrem hochbetruͤb⸗ ten hinderlaſſenen Wittwer froͤlichern Zuſtandt/ wie billich goͤn⸗ nen moͤgen. Nach dem aber vnſer keiner das jenige/ was Gott der Allmech⸗ tige vnnd allein Weiſe/ kruͤmmet/ ſchlecht oder ſtrack machen kan/ wie dann ſonſten der Him̃liſche Vatter goͤſſet/ daß wir vns Chriſt⸗ Eccleſ?. lich am guten Tag ergetzen moͤgen in ſeiner furcht lalſo gebuͤret vns auch die Tage der Finſternuß/ oder wie der Prediger Salowon ſagt/ den boͤſen Tag/ darin vns Gott zu vnſerm beſten Vaͤtterlich Eccleſ.7. heym ſucht vnd zuͤchtiget/ vor lieb zu nemen/ welchen G Ottneben dem guten Tag ſchaffet vnd ſchicket. Vnnd dieweil vor vnſern Menſchlichen Augen/ die wir ge⸗ meyniglich nur in ſolchen Zuſtenden mehrer theyl auff das præ- ſens 8 Se H ͤͤͤͤͤ ——äää — Erſter Theyl. 57 fens oder gegenwertige ſehen/ ein ſolcher Fall/ dergleichen wir vor vnſern Augen haben/ Ja ein elender Zuſtand/ vnd daher vmb ſo viel hoͤchlicher von noͤten/ daß mit ſtarckem erlabendem Troſt den be⸗ truͤbten vñ trawrigen/ welchen Gott die Laſt auffgeladen/ auch mit erfriſchender Lehr vns allen zugeſprungen werde/ Als woͤllen wiy dißmal mit huͤlff vnnd beyſtand deß Troͤſters deß heiligen Geyſtes die abgeleſene Wort von ebenmeſigem harten Zuſtand deß Pa⸗ triarchen Jacobi mit einander fleiſſig vnd Chriſilich behertzigen. Wirdt vns erßllich darinnen beſchrieben/ wie deß frommen vnnd tewren Patriarchen Jacobs hertzliebe hinderlaſſene Rahel in beſchwerliche Kindsnoth/ darzu auff dem Felde/ kommen/ vnnd zwar nach vielſaltig außgeſtandenem Schmertzen vnd Wehen ein liebes Soͤhnlein zur Welt gebracht/ bald aber ſie die Mutter Ra⸗ hel darauff jhren Geyſt auffgegeben vnd die Welt geſegnet. Darnach wie beyſolchem groſſen zugeſtandenem Creutz der betruͤbte hinderlaſſene Wittwer Jaeob ſich beyd gegen Gott/ vnnd dann auch gegen ſeine liebe abgeſtorbene Rahel erzeygt vnd verhal⸗ ten. Hierzu wolle vns der G O TTalles Troſts/ mit ſeinen gnaden vmbChriſti willen beywohnen/ Amen. Erſter Theyl. 8 Aßt vns aber vom Anfang bey dem Erſten Theyl inache nemen/ wan dieſer leidige Zuſtand dem frommen Kaͤmpffer Sond Patriarchen Jacob begegnet. Der Tert zeygt an/ daßß es nicht vngefehrlich/ ſondern durch ſchickung G Ottes geſchehen/ damals/ als auff ſeiner Reyſe auß Meſopotamien der Patriarch Jocob auß Luza/ ſo er Bethel/ das iſt/ in Hauß G O Ttes nannte/ dieweil ſich daſelbſt der Herꝛ jm troͤſtlich offenbarete/ nach Mam⸗ re/ das iſt/ gehn Hebron ziehen/ vnnd ſeinen hochbetagten Alten lie⸗ ben Vatter Iſaar noch vor ſeinem Ende beſuchen/ vnnd demſelbi⸗ gen ſeinen Segen/ ſo hm Gott in Meſopotamna beſcheret/ zeygen/ ohn zweiffelauch bey jhm/ ſeine Hohesleibs Haußf! aw Rahelem H dre IL Geneſz. 1 58 Gießiſcher Leichpredigten ihre ſechs Wochen wolte halten laſſen. Kam zu allen ſolchen ſachen nicht auß Vorwitz oder eigenem Gutduͤnckel/ ſondern ſauber auff den Befehlch G Ottes/ wie auß vorigem 31 Capitel zuerſehen/ Da Gott zu jm ſpricht: Zeuch wider in deines Vatters Land/ das iſt/ verlaſſe Meſopotamien/ thue dich von deinem vntrewen Schwiegerherꝛn dem Laban/ Ich wil mit dir ſein. olan/ da ſie nun auff dieſer von G O Tt jhnen befohlenen Reyß ſind/ zweiffels ohn gantz begierig den lieben Vatter vnnd Schwiegerherꝛn Iſaacum zu ſehen auch nicht mehr ferꝛn zu dem⸗ ſelbigen hatten gehn Hebron/ etwan eines Roßlauffs weit bey E⸗ phrat waren/ ſo hernach Bethlehem geneñiet worden vnd das Vat⸗ terland oder die Geburtsſtad vnſers Herꝛn Chriſti/ in warheit ein recht Ephrat/ das iſt/ Brothauß/ ſintemal ſolcher orth nicht allein reich geweſen von Getreyd vnd alſo fruchtbar/ ſondern daſelbſt vns auch das ware Brod des Lebens Jeſus Co Riſtus iſt gegeben wor⸗ den/ Sihe da kompt vber Menſchlich verhoffen jhrer ſamptlich ſol⸗ ches Weh vnnd Schmertz die Hochſchwangere Rahelan/ ſie wirdt zum Kindlein dermaſſen ſchwach/ daß man ſie nicht getrawt vol⸗ lends gehn Ephrat zu bringen/ ſondern die Wehmutter der huͤlff mit jr ſich auff dem freyen Feld vnternemen muß. Der Text zeygt auch ferꝛner an/ daß die ſchmertzen ſolcher geſialt hart jhr zugeſetzet/ daß ob wolan Menſchen huͤlff nichts geſpart worden/ ſie doch end⸗ lich daruͤber bleiben müſſen/ vnnd daß die Wehmutter jhr troͤſtlich zugeſprochen/ wie billich in ſolchen noͤthen geſchehen ſoll. Vnnd da die Mutter Rahel gefuͤhlet vnnd geſehen/ daß es woltean ein ſchey⸗ dens gehen/ hab ſie das Soͤhnlein Be Noni genannt/ das iſt/ den Sohn jhres ſchmertzens/ damit es ſich Heut oder Morgen erinner⸗ te ſo offt es etwan nach der lieben Mutter fragte vnd hoͤrete/ wie ſie vber jhm blieben/ wie viel ſie mit jhm außgeſtanden/ vnd Gott deſto mehr fuͤrchten vnd auch ſeine Kinder zu deſſelbigen Ehr aufferzie⸗ hen lernete. From⸗ ——— Erſter Theyl. 59 Frommer GOTt/ wie ſolcher betruͤbter Anblick/ darzu auff dem Felde/ beneben dem groſſen vbrigen vnerzogenen Hauffen/ den frommen Jacob muß macerirt vnnd erſchoͤpffet haben/ iſtleicht⸗ licher zudencken als auß zureden/ ach wie gern hette er ſie zum Alten Vatter Iſaac gehn Hebron bracht/ der ſie niemals mit Augen ge⸗ ſehen/ vnd zweiffels ohn als ein Großvatter hertzlich ab jhr vnd den Kinderlein ſich erfrewet hette. Wie meynet ewer lieb/ daß er den lie⸗ ben Gott hertzlich werde angeruffen/ vnnd jnniglich gebeten haben/ er woͤlle doch der nothleidenden Rahel helffen: Ach mein HE RR/ wirt er geſagt haben/ du haſt mich zu dieſer Reyſe bracht/ du haſt ge⸗ ſagt:Zeuch wider in deines Vatters Land/ du/ du haſt verheyſſen/ Ich wil mit dir ſein. Es mag oder will aber dißmals nicht anders ſein /ein ſtuͤck vom hertzen muß fort/ vnd wirt jhm die ſiaͤrckſte vnnd anſaͤhnlichſte Seul im Hauß vmbgeſtoſſen. Wie er ſich aber in dieſen profundiſſimis habe verhalten/ vnd wie eluctirt, darvon werden wir in folgendem Stuͤck hoͤren. Lehr vnnd Troſt. Jeeun lernen wir allhie wie wunderbarlich vnſer HE RR * 1 Gott ſeine Heiligen vñ gemeyniglich die liebſten auff Erden Pſalm. 4. fuͤhre: Der wenigſte theyl auff Erden gibt darauff achtung darumb ſpricht Koͤnig David mit groſſem ernſi/ Erkeñet doch/ das iſt/ bedencket doch/ behertziget es vnd fuͤhret zu Gemuͤth/ daß der Herꝛ ſeine Heiligen/ ſeine liebe Glaͤubigen außerwehlte Kin⸗ der/ wunderlich fuͤhre. War nicht Jarobus ein geliebtes angenemes Glied Gottes/ ſagt nicht die Schrifft/ Jacob dilexi, ein außbuͤndiger Kaͤmpffer vnd Frommer Mann: vnd ſoll einer daher in alleweg gemeynet ha⸗ ben) kein ſolch ſchmertzlich Vngemach ſolte jhn betretten haben: Aber wie trotzt jm ſein Bruder Eſau/ daß er deß wegen ſeines Vat⸗ ters Haus verlaſſen/ vnd in Meſopotamiam ziehen muß. Wie vn⸗ trewlich geht jhm daſelbſt ſein eygen Schwieger vatter Laban vn⸗ 2 ter 1V 60 Giieß iſcher Leichpredigten ter Augen/ wie blut ſawer windts jhm der End vnnd Ort: Als auff befelch G Ottes er ſich wider auß Meſopotamien begiebt/ vnd etwa GeneTzz. dencken ſollen/ nun werde ich zu Ruh vnnd Fried kommen/ wie ſteht er in allerhand Sorgen/ wegen ſeines Bruders Eſau/ ſo jhm ent⸗ gegen zog/ er mußte ſich befahren/ Eſau wuͤrde ſagen: Manet alta mente repoſtum. Es iſt mir noch vnvergeſſen/ wie wir vor dieſem mit einander geſtanden. Als jhn aber G OTt gegen Eſau ſchuͤtzte/ vnnd demſelbigen ſein Hertz im Zaum hielte/ daß Jacob vnge⸗ raufft von jhm kam/ vnnd glimpfflich ſich von jhm auff ein ander Seneſzz. Straſſe außſchlipffte kompter in einem Kampff mit GOTt/ helt ſich aber darin ſo dapffer/ wi G OTtſo gar nicht laſſen er habe jhn dann geſegnet/ daß der Herꝛ ſpricht: Er ſoll nicht mehr Jacob ſon⸗ dern Iſrael/ dannenher nachmals das Volck G.OTtes die Kinder von Iſrael genannt worden/ heyſſen.— Bald darauff wirdt jhm ſein eygene Tochter die Dina von Ceneſ.z4. Sichem/ Hemor deß Hethiters Sohn geſchendet/ vnnd erhebt ſich daruͤber ſo ein erſchreckliches Mordbad zwiſchen Simon Levi vnd den Sichemitern/ daß der gute Jacob wol ſein Haar auß dem Kopff deßwegen rauffen moͤgen/ wie er dan klagt/ ſeine Kinder hatten jhn ſtinckend gemacht fuͤr den Einwohnern deß Lands/ wo vnſer Herz Gott jhn nicht geſtercket/ vnnd abermal zu Lutz jhm ſich offenha⸗ ret hette. Es iſt diß Creutz mit ſeinen Toͤchtern vnnd Soͤhnen kaum voruͤber/ ein newes folget/ in dem ſeine Haußhoffmeyſterin die De⸗ bora/ ſo der Rebecee Amme vor dieſem geweſt/ vnd ohn zweiffel durch dieſelblge den Sohn Jacob vmb der Kinderzucht willen war auß Mutterlichem Hertzen zugeſchickt worden/ ſich in Lager thut vnnd Tods verfaͤhret/ in warheit/ Menſchlich darvon zu reden/ gar zu vngelegner zeit/ in dem jhrer als einer alten betagten Matronen huͤlff vnd raht die Rahel den nechſten hoch beduͤrfftig war. Deßwe⸗ gen auch groß Klag vnnd betruͤbnuͤß vber dieſem Abgang der De⸗ boræ vnter Jacobs Haͤufflein entſtanden. 8 a Seneſ.3z. ———z Erſter Theyl. 6 Dagegen diß betruͤbnuß Jacob gleichfals geiroͤſtet wirt/ Gott jhm abermal erſchiene vnnd jhn ſegnete/ vnnd ſprach/ Voͤlcker vnd Voͤlcker hauffen ſolten von jhm komen/ er auch hierauff von Be⸗ thel auffricht nach Hebron zu kommen/ vnnd den Alten Vatter Iſaae zu hertzen/ demſelbigen als einem avo vnnd Großvatter ſeine Kinder zu zeygen/ die liebe Rahel ſampt der reptili turba zur Ruh zu bringen/ vnnd nunmehr gegen die ſo vielfaltige Muͤhe gehabter Reyſe ſich zuerquicken/ ſihe/ da geht erſt das rechte Creutz an/ in dem jhm ſein liebſtes Weib die ſchwangere Rahel/ darzu auff dem Feld nahe bey Ephrat nicht allein zum Kind kranck wirt/ ſondern auch ſo bald ſolches zur Welt kompt/ todts verfaͤhret/ vnd das liebe Sohnlein zu einem armen Waißlein/ er aber zu einem hochbetruͤb⸗ ten Witwer wirt. Heyſt nun das nicht/ lieber Chriſt/ Gott fuͤhret ſeine Heiligen wunderlich⸗ Jacob hette moͤgen ſagen: Heyſt das/ Sey frucht⸗ bar vnnd mehre dich/ Voͤlcker vnnd Voͤlcker hauffen ſollen von dir kommen: Du nimbſt mir mein Weib/ dadurch ich mich hette multipliciren ſollen. Wann Jacob der Rechnung Blut vnnd Fleyſches folgen wollen/ ſo hette er ſagen dorffen/ was deuſchet mich G Ott viel. Er hat mich heyſſen ziehen/ vnnd verſprochen/ Ich wil mit dir ſein: Ja wol mit mir/ viel mehr wider mich/ ich weyß nicht/ wer dero Befelch mehr erwarten ſolte. Aber geliebte/ vnſer E R R G Ott hat ein Hebraiſche Sprach/ ſagt D. Luther S. vber dieſen Terxt/ das hinderſt iſt jhm zu forderſi/ priores hat er paſſiones, po- ſteriores glorias. Jaeob erkannts auch/ iſt gedultig vnd ſtellt alles dem lieben GOtt anheim: Wir muͤſſen es auch in acht nemen/ da⸗ mit wann vns Gott gleich auch wie Jacobum ſo wunderlich fuͤh⸗ ret/ vnnd es warꝛlich zu vielmalen ſeltzam mit vns Kartet/ wir nicht gegen jhn murren/ ſondern in ſeine weiß vns ſchicken/ vnnd vns erinnern/ daß die promiſſiones Dei cum exceptione cru- cis zuverſtehen/ gedencken/ daß er doch ſeinen eygnen Sohn durch Creutz vnnd Todt zur Herꝛlichkeit erhaben daß es wolegekänpſfe H 3 vnd Chryſoſto- 62 Gireßiſther Leichpredigten vnd geſtritten ſein: Vnnd vns bey demallen gnuͤgen laſſen an dem/ daß es zeitliche Truͤbnuß ſein/ vnnd G Ott vnter den preſſuris ge⸗ trew ſein woͤlle/ vnd nicht mehr auffladen/ als wir ertragen koͤnnen/ daß er nicht betruͤbe von Hertzen/ als ob er die Seinen verſtoſſen woͤlle ewiglich/ deſſen vns der Sathan vnter den tentationibus gern bereden wolte ſonder erbam ſich wider/ vnd woͤlle deren Theyl ſein/ ſo auff jhn hoffen. Den frommen ſoll doch endlich in Finſter⸗ nuß das Leicht auffgehen/ ihr Klagen in Reyen verwandelt werden: Er woͤlle jhre trawrige Saͤcke außziehen/ vnnd ſie vmbguͤrten mit Frewden. Sihet ein hochbetruͤbter Menſch nicht eben bald daſſel⸗ bige/ ſo weyß doch G Ott die Zeit/ er hat den terminum darzu ge⸗ ſteckt/ inmittelſt gebuͤret vns zu harren vnd zu warten/ er wirt kom⸗ men vnd nicht auſſen bleiben/ deß ſollen wir jhm vertrawen. II. Fertners/ daß der fromme wolgeplagte Jacob/ zwei⸗ fels ohn/ zwar gantz vnnachla ſſig vñ embſig in dieſem ſeinem groſ⸗ ſen Creutz gebetet/ vnd nicht nachgelaſſen/ Gott ſeiner verheyſſung zu erinnern/ Ichwil mit dir ſein/ vnnd doch auffdie Maß wie er begert vnd die verheyſſung verſiund/ nicht erhoͤret worden: Das muͤſſen wir auch mercken/ auff daß wir lernen hoͤre Gott nicht all⸗ wege in ſtuͤcken vnſere jrꝛ diſche Wol fahrt betreffent nach vnſerm willen/ ſo erhoͤre er vns doch allwege zu vnſerm ewigen gutẽ/ wie der alte Lehrer Balilius ſagt Es iſt auch nicht gut/ daß einer allweg er⸗ hoͤret werde in leiblichen dingen nach ſeinem willen vnnd begeren/ ſondern nach ſeinem nutzen vñ ſeligkeit/ ſagt Chryloſtom us. Gott bleibt doch nichts deſto weniger ſeiner lieben Glaubigen getrewer vnd lieber Abba vnd Vatter: Freylich behielte biß an ſein ende vnnd ins ewige Leben hinein der Patriarch Jacob einen gnedigen G Ott an ſeinem Himmliſchen Vatter/ der Ihn ſo durch manchem truͤben Finſtern Thalfuͤhrete. Wie embſig bittet vmb friſtung deß Lebens ſeines Soͤhnleins Koͤnig David: Noch dannoch giengs nicht eben wie der Datter mey⸗ —, Erſter Theyl. 63 meynete vnnd hoffete/ ſondern Gott ſchaffte es zu ſolchem ende/ daß 2. San der Vatter David zu demſelbigen ſeinem Soͤhnlein begehrte. Demnach hierunter allezeit geſagt: Herꝛ/ dein will geſchehe/ wie jhm Himmel alſo auch auff Erden: He Rdi ſo du wilt/ kanſtu mich reynigen. Nicht mein will/ ſondern dein will geſchehe. Werde ich gnade finden bey G Ott dem Herꝛn/ ſo wirt er mich wider holen/ ſpricht er aber/ Ich hab nicht luſt zu dir/ ſihe/ hie bin ich/ er mache 2. Sam. 19. es mit mir/ wie es jhm wolgefelt. G Ott bey Leib nicht vorgeſchrie⸗ ben/ was er thun ſoll. Solte die Creatur dem Schoͤpffer ſagen/ wie ers am beſten machen koͤnte? Wer ſeidjr/ ſagt Judith in jrem Buch am d. Capitel: Daß jr G Ott verſucht/ woͤllet jhr dem Herꝛn ewers gefallens Zeit vnnd Tag beſiim̃en/ wann er helffen ſoll: Sein auff⸗ zug mit der huͤlff gegen die frommen iſt kein Zurn zeychen/ ſondern probatio noſtræ fidei, daher S. Auguſtinus ſagt: Quando Deus non exaudit in hora, non contemnit ſedexercet pe- rentem: Nur dapffer angehalten/ wann das geſchiehet/ ſolte dann Gott nieht reiten ſeine Außerwehlten/ vnd ſich gerichtet in die pro⸗ prietates vnnd Arten der Goͤttlichen verheyſſungen. Es war pin⸗ guiſſima promiſſio, in dem Gott zu Jacob ſprach: Ich wilmit dir ſein/ Er hette koͤnnen ſagen hernacher/ Mein Gott halte was du verheyſſen/ du nimpts mir mein hebes Weib/ vnnd ſprichſt doch/ Ich wil mit dir ſein/ das ſeind oppoſitiſſima. Aber/ lieber Freund/ er mußte ſeine Gedancken vnd interpretationem nach GOttes willen temperiren, meſſigen vnnd richten/ vnd ſagte promiſſion vor war halten/ ob wol ſie Fleyſch vnnd Blut entgegen lieffe. Abra⸗ ham hatte ſtattliche Verheyſſungen von ſeinem Sohn Iſaat/ daß von jhm ſolten Konig vnnd Volcker herkommen/ ja der verheyſſene Meſſias ſelbſten. Wie ſtarck gieng dem zu entgegen der Befelch Geneſ.22. Gottes/ er ſolte jn auff den Berg Moriah fuͤhren vnd daſelbſt auff⸗ offern. Hie wirdt Abraham gedacht haben/ das reimbt ſich gar nit x mit der verheyſſung Noch danoch ſo weyß er es fein zuvergleichen durch den Glauben. Koͤnig 64 Gießiſcher Leichpredigten Koͤnig David wirdt verheyſſen das Koͤnigreich vber Iſrael/ von Samuele wirdt er darzu geſalbet. Wie gehts aber ſo langſam fort? David wirdt zuvor auß dem Land gejagt/ darff ſich vor dem Saul nicht wol ſehen laſſen/ vnnd laͤßt ſich anſehen/ viel were zwar verheyſſen/ wenig aber wuͤrde gehalten werden. Noch geſchiehets aber hernacher/ da vnſers Gottes Zeit kam. Vnſer Herꝛ Chriſtus ſolte ſein der Hertzog deß Lebens/ war es auch/ iſt es vnd bleibt es in ewigkeit/ vnd muſte doch erſt leiden vnd ſterben/ Luc. 24. Alle Chri⸗ ſten vnd glaubige Kinder Gottes ſolten mit Chriſto ewig leben vnd herꝛſchen/ muͤſſen aber doch erſtlich gleichſam als dem Todt in ſei⸗ nen Rachen hinein geworffen werden/ vnnd dannoch erfahren was Joban.14. Chriſtus ſagt: Ich lebe/ jhr ſolt auch leben. An dem vnd allen ver⸗ heyſſungen Gottes ſoll kein Titul oder Puͤnetlei fehlen. III. 11I. Wir hetten allhie auch zubedencken ein Exempel der Wort Gottes/ Geneſ.z Ich wil dir viel ſchmertzen ſchaffen/ wann du ſchwanger wirſt/ mit ſchmertzen ſoltu Kinder gebaͤren. Es iſt war worden an der lieben Nahel/ die neben groſſen ſchmertzen auch vber der Geburt jhres lieben Sohnleins jhr leben laſſen muͤſſen. Hat es aber G Ott zuvor alſo denunciret, ſo habe Mann vnd Weib dabey ſich zuerinnern/ daß jhm daran nichts vngefaͤhr⸗ liches widerfahre/ vnnd ſollen ſonderlich fromme Welbsperſonen/ da es jhnen mit der liebe Rahelauch vnrichtig ergehen moͤchte/ nit meynen/ daß derowegen ſie einen vngnedigen Gott im Himmel ha⸗ ben. Der liebe Gott hat es eben darum auch an der Gottſeligen Ra⸗ helergehen laſſen/ vnd in ſeinem Wort auffgezeychnet/ auff daß al⸗ le Ehegenoſſen durch den Troſt dieſer Schnifft beſtendige Hoff⸗ nung haben koͤñten/ vnd wans offtmals kompt mit den Kindern hiß 2. Tim z. an die Geburt/ vnd aber kein Krafft zu gebaͤren mehr da iſt/ daruͤber in einem.Hauß heulen vnd weynen entſtehet/ ſte nicht verzagen/ ſon⸗ dernan G O Ttes willen vnd huͤlff jhnen Kindlich genuͤgen laſſen. dann war iſt es/ wirt auch war bleiben/ was S. Paulus ſagt: Das Weib wirt ſelig durch Kinder zeugen/ ſo ſie bleibt im Glauben/ vnd m 4 * 8 — “—“ Erſter Theyl. 65 in der Lieb/ vnd in der Heiligung ſampt der Zucht. Das iſt/ Kinder zeugen hindert das Weib nicht an jhrer ewigen Seligkeit/ wo ſie nur ſonſten ſich biß ans ende helt mit warem glauben an Chriſtum Jeſum vnſern Heylandt: Da ſoll ſie nichts/ vnnd alſo auch das Kinder zeugen nicht/ vnnd ob ſie darunter todts wuͤrde verfahren) weder gegenwertiges noch zukuͤnfftiges/ noch kein andere Creatur ſcheyden von der Liebe G O TTes/ die in Chriſto Jeſuiſt vnſerm Herꝛn. Sie ſindt auch Miterben der Gnaden deß Lebens/ daß jhnen der HE RR Ehriſtus erlangt/ vnd niemand wirt ſie jhmauß ſeinen Per.3. Haͤnden reiſſen. Vnd ob ſie kleyne Waißlein offt vnd viel mal hin⸗ der ſich laſſen/ vnnd jhrer nicht ſelbſt pflegen koͤnnen/ ſo wil ſie doch Gott ein Vatter der Witwe vnd Wayſen nicht verlaſſen/ ſondern ſoll heyſſen wie David ſpricht: Vatter vnnd Mutter haben mich p⸗ m. 27, verlaſſen/ der Herꝛ aber hat mich auffgenommen. 1 Wir hetten zwar auch zu reden bey dieſem Erſten Theyl in gemeyn von ſo vielfaltigem Jammer dieſes elenden Lebens/ vom erſten eintritt an deſſelbigen biß wider zum Abſcheyd/ Sirac. 40. vñ woher alle ſolche Truͤbſal ruͤhren/ damit wir der Suͤnden deſto ab⸗ holder wuͤrden/ vnnd vns vom zeitlichen nach dem beſtendigen ver⸗ langen lieſſen. Deßgleichen/ wie viel Vngemach vnd Betruͤdnuß auch ſey bey dem heiligen Eheweſen der Kinder Gottes/ vnnd wie ſich finden die Dorn vnd Diſteln/ ſo vns getrewet Gen. 3. vnnd wann vns ſol⸗ che ſtechen/ daß wir nicht zuruͤck fallen vnd kleinmuͤtig werden/ ſon⸗ dern ſagen auß dem Propheten Habacuc am 4. Wann Truͤbſal da iſt/ ſo denekt er an ſeine Barmhertzigkeit. Nicht weniger hetten wir erinnerung zu thun von vnſer Ge⸗ burt/ vnnd daß wir ſolche nicht liederlich oder leicht fertig achten ſol⸗ len/ ſondern gedencken/ der Allmechtige Gott(von welchem Jacob Senee. zu Rahel ſagte/ bin ich doch Gott nicht/ der dir deines Leibes frucht len d P nicht geben wil ſey es/ der vns auß Mutterleibe ziehe/ vnnd wunder⸗ Johan 0. barlich vns mache/ Leben vnnd Molthaten an vns thue. 4 inder Sirach.z. 6— Gießiſcher Leichpredigten Kinder ſolten ſich je ja auch billich erinnern/ wie ſawer ſie jren lieben muͤttern worden/ vnnd was ſehmertzen ſolche mit jhnen auß⸗ geſtanden/ deſto mehr das vierdte Gebott gegen dieſelbige fleiſſig vñ demutig/ wie aber leyder im wenigſten geſchicht/ zu Practiciren/ dahin dann gehet die erinnerung Tobiæ deß Alten/ Tob. 4. Ehre deine Muͤtter alle dein lebenlang/ dencke daran was ſie fuͤr Fahr be⸗ ſtanden hat/ da ſie dich vnter jhrem Hertzen trug. Vnd warhch/ ſo ſind den Veraͤchtern zu ermanung ſehr ſtarck die wort Sirachs am 3. Wer ſein Mutter betuuͤbt/ der iſt verflucht vom Herꝛn. Aber von ſolchen Lehrpuneten dißmal pro rei digni- tate weitleufftiger zu handeln/ wuͤrde die zeit nicht ertragen. Ewer lieb hoͤret darvon ſonſt offt vnd viel mal. Woͤllen demnach zum an⸗ dern vorgemelten Stuͤcklein mit huͤlff deß Allmechtigen G Ottes ſchreiten. Das Ander Theyl. As daſſelbige anbelangt/ muͤſſen wir hoͤrẽ wie ſich der Pa⸗ triarch Jacob in dieſem ſo groſſen vnverhofften Vnfall/ beyd gegen ſeinen trewen Gott im Himmel/ vnnd auch ge⸗ gen ſeine liebe krancke vnd bgeſtorbene Rahel gantz vnverweißlich verhalten habe. In warheit ohn hertzlich bewegnuß vnd viel bittere heyſſe Thraͤnen iſt es nicht abgangen/ dann er war kein Sroicus, Stock noch Stein/ ſondern ein Menſch/ denen betruͤbter Zuſtandt billich pflegt zu Hertzen zu gehen. Gleichwol aber ſo zuͤrnet vnnd murꝛet er nicht wider GOTt/ ſondern laͤßt denſelbigen allein recht haben/ nicht zweyffelnd/ nach dem Leyd er jhn mit frewden wider ergetzen werde. Er erkennt/ ſeine liebe Rahelem habe r nicht amir⸗ tirt oder verloren/ ſondern nur præmittirt vnnd vorher geſendet/ vnd beger mit Fried vnd Frewden in dem verheyſſenen Meſſia her⸗ nacher zu fahren. Solches erſcheinet daher/ dieweil/ ob wol Rahel, als allein faſt auff die Schmertzen ſehend/ das liebe Soͤhnlein/ Be⸗ uoni/ ein Kind der ſchmertzen nannte/ Jaeob der Vatter doch 194 8 Erſter Theyl. 67 ches nit wil in die Harꝛ zu laſſen/ ſondern es Benjamin/ das iſt/ ein Sohn der Rechten nennete/ andeutend/ daß auß ſeinen Kindern ein Junger Sohn zu Bethlehem Ephrat dem ſo fruchtbaren ort ſolte geboren werden/ welcher als der Sohn der Rechten alles Leyd in Frewd verkehren/ vnnd jhm ſeine Liebſte dißmal geſtorbene Ra⸗ helim Him̃liſchen Leben wider geben vnd ſie zu ſamptlichen ewigen Frewden erweeken vnd ſelig machen werde. Er dencket/ er habe einen Pſalm. 64. Gott/ der eine Laſt jhm jetzo aufflade/ er werde aber auch wider helf⸗ fen/ vnnd einen HEren HErꝛn/ der vom Todt erꝛette. Alſo nun helt ſich gantz Ritterlich gegen G OTt der Patriarch Jaeob in ſeinem groſſen Haußcreutz. Nicht weniger verhelt er ſich gantz loͤblich gegen ſeine liebe Kraͤchzende vnnd Abſterbende Rahel/ wie meynet E. L. daß er jhr werde gantz mechtig gepredigt haben vom verheyſſenen Samen deß weibs dem Meſſia vnſerm HE RRR Chriſto/ vnnd daß ſie ſich demſelbigen in dieſen jhren noͤthen mit Leib vnd Seel befehlen wol⸗ te: Wie hette er ſonſten/ da er eimgen fleiß an jhm erwinden vnnd ſie troſtloß ſterben laſſen/ koͤnnen Raſt noch Frieden haben? Er erweiſt ſolches abermal daher/ daß er das Kindlein nicht wil Benoni ſon⸗ dern Benjamin genennt haben. Deßgleichen/ da der Allmechtige G Ott ſeinen gnedigen wil⸗ len an jhr volnzogen/ vnnd ſie ſelig verſchieden/ ſalt er ſich nicht den Heyden gleich ſo keine hoffnung haben/ ſondern zu bezeugen ſeinen vngezweiffelten Glauben/ daß ein aufferſtehung deß Fleyſches ſein werde/ vnnd daß immittels vnſer abgeſtorbene Leiber wir ſchuldig ſeind ehrlich zur Erden zu bringen/ ſteht er von der Leich die er war⸗ lieh hertzlich beweynet hatte/ auff dem Exempel nach ſeines Groß⸗ vatters Abrahami/ vnnd thut die beſtallung/ daß der Leichnam Ra⸗ helis ehrlich moͤcht zur Erden beſtattet werden. Ob auch wol zweif⸗ fels frey er wuͤndſchen moͤgen/ daß ſie bey Abraham vnnd Saram begraben werden koͤnte/ bey welche er die Leam legen laſſen/ Jedoch weil es zeit vnd gelegenheit halben nicht wol fuͤglich ſein kemnae zue 3 1 ma Geneſ. 49. A * 68 Gießiſcher Leichpredigten mal auch die Erde deß Herꝛn iſt vnnd alles was darinnen/ ſo huͤlfft 1 er jr zum Graban dem Weg bey Ephrat/ da der liebe Gott jhr auß 4 dieſem Leben geholffen hatte/ vnnd weil billich vnnd recht/ daß der 4 Paal frommen Glaubigen nimmermehr vergeſſen werde/ ſich an jhrem nn Glauben vnd Gottſeligem Leben zubeſpiegeln /richtet er zu ſolchem Ende der Rahel ein Monument oder Grabſtein auf/ beftehlt dem lieben G Ott ſich vnd ſein armes betruͤbtes Haͤufflein/ zeucht fort/ vnd kompt nach Hebron zu ſeinem alten Vatter Iſaae/ welche wie ſie einander diß groß Leyd werden erklagt/ einander auch hinwider troͤſtlich zugeſprochen haben/ leichtlich zuermeſſen iſt. Lehr vnnd Troſt. H Jerbey ſihet ein Chriſt/ wann jhn G Ott heymſucht vnnd in truͤbnuß ſetzt/ daß jhm als dann zwar an jhm ſelbſt nicht ver⸗ botten iſt bitterlich zu weynen/ vñ ſeine Liebſte jm entzogene zu betrawren/ darneben aber auch Chriſtliche beſcheydenheit vnd Maß uhalten. Naſſe Augen hats gegeben/ da allhie die Mutter den Ab⸗ ſchied nimet/ vnnd das liebe Waißlein winſelt vnnd weynet/ wir ne⸗ men ſolches ab/ daß es Benoni/ ein Schwertzkind/ ein Soͤhnlein daß viel Thraͤnen außgetrieben/ geneñt wirt. Lieb vñ werth ſoll vns ſein jucunda recordatio vnſerer im Heren abgeſtorbenen/ vnd ſind in warheit thumme Hertzen/ die ſo liederlich vnnd offtmals ſehr leichtfertig jhrer lieben Abgeſtorbenen vergeſſen/ inmaſſen ſie mit folgenden vnverantwortlichen Worten erweiſen. Gleichwol aber/ weil wir ſie nicht widerbringen koͤnnen/ ſie auch nicht verloren/ ſon⸗ dern Gott zugeſchickt/ da ſie vns zu trewen Haͤnden befohlen/ auch vngezweiffelte Hoffnung haben/ daß wir ſie wider im ewigen Leben finden werden durch C Riſtum der vng den Weg bereytet/ durch⸗ 1 Luc.. brochen/ damit wir jhm nachfahren koͤnnen ſo wirdt billich in dem betruͤbnuß gute Maß gehalten. Vnſer HE R9 Chriſtus/ ſo der be⸗ truͤbten Witwen zu Naim jhren einigen Sohn wider gegeben/ lebt noch/ vnd wil vns wider zuſammen bringen/ daß wir ſeine Herꝛlich⸗ Johan. 17. keit/ ſo jhm der Vatter gegeben hat/ſehen. Der ————————-———-—⸗& Erſter Theyl. 69 Der Patriarch hat dieſe Maß in guter acht gehalten/ welches daher erſcheinet/ daß da es lang mit heulen vnnd weynen herumb gangen/ er das Kindlein in die Harꝛ nicht woͤllen Benoni heyſſen laſſen/ ſondern als ein auffgemunterter begert/ daß es Benjamin ge⸗ nañt wuͤrde/ dahin dann dieſen veraͤnderten Namen D. Luther ſeli⸗ ger vber dieſe wort deutet. Zu dem Ende ſagt Sirach: Bitterlich ſoltu zwar weynen/ gitac.38. hertzlich betruͤbt ſein vnnd leyd tragen/ wann eineꝛ/ vnnd ſonderlich deine Hertzgeliebte) ſterben/ ſie auch ehrlich beſtatten/ Troͤſte dich aber auch wider/ daß du nicht trawrig werdeſt/ dann davon kompt der Todt/ vnnd Hertzens trawrigkeit ſchwaͤchet die Kraͤffte: Dencke ans Ende/ dann da iſt kein widerkommenſes huͤlfft ihn nicht/ vnd du thuſt dir ſchaden. Gedenck an jn/ wie er geſtorben iſt/ ſo muſtu auch ſterben/ geſtern war es an jhm/ heut iſt es an dir. Wie aber gegen den betruͤbten hintritt jhrer lieben die Chri⸗ ſten mit jhrem Heren Chriſto/ vnnd mit ſeiner herꝛlichen Zukunfft/ auch mit der Aufferweckung von Todten/ gantz kraͤfftiglich ſollen troͤſten vnnd froͤlich ſein in dem Herꝛn/ das vernemen wir nach der leng im Erſten Sendbrieff S. Pauli an die Theſſalonicher am 4. da er ermelte Predigt mit dieſen Worten ſchleuſt: So troͤſtet euch nun mit dieſen Worten vntereinander. Es lehrets vns Job am 19. Cap. Vnzimliches trawrens iſt auch ohne daß ohnvonnoͤten/ weil vnſere liebe abgeſtorbene erloͤſt ſein von allem vbel/ vnd ewige frewd vber jren Haͤuptern/ jhrem ſeligen verlangen nach/ bekom̃en haben. Ein jeglicher betruͤbter bitte viel mehr/ daß er auch ſchawen moͤge das Antlitz Gottes vnd vnſers Heylands Chriſti in Gerech⸗ tigkeit/ vnd ſatt werden/ wann wir erwachen nach ſeinem Bild. II. Ein Chriſt laß ſich furs zweyt allhie erinnern/ daß jhm gebuͤr die Leichnam ſeiner Abgeſtorbenen nicht gleich dem vnver⸗ nuͤnfftigen Viehe vor die Hund werffen/ dergleichen die vnglaͤubi⸗ ge Heyden in viel vnterſchiedene wege gethan haben/ vnvonnoͤten ſolches jetzt nach der leng zu erzehlen/ ſondern vielmehr honorifice J 3 ehrlich Pſalm. 17. 11. KRom. 6. 1. Cor. 6. 1. Cor. j. Sirac. 7. Eccleſ.7. III. V 70 Gießiſcher Leichpredigten ehrlich vnnd wolſtendig zur Erden zubeſtatten/ in behertzigung daß ſolcher Leib bey den Tagen jrer Bilgramſchafft geweſen ein Tem⸗ pel deß heiligen Geyſies/ vnnd jhre Glieder Waffen der Gerechtig⸗ keit vnnd vnſers Hẽ Ren Chriſti: Hiermit in gleichem zu bezeugen/ daß er nicht zweiffele/ ſondern gewißlich glaube/ vnſere Leiber im Staub der Erden/ dariñ ſie als in jhre Ruhkaͤmmerlein gelegt/ nit bleiben/ ſondern widerumb reſuſcititt vnnd aufferwecket/ dem ver⸗ klaͤrten Leib deß Herꝛn Chriſti aͤhnlich gemacht werden ſollen/ vnd zwar geſaͤet werde verweßlich/ aber aufferſtehe vnverweßlich/ in vn⸗ ehre/ aber aufferſtehe in Herꝛlichkeit/ in Schwachheit/ aber auff⸗ erſtehe in Krafft: Ein natuͤrlicher Leib/ aber aufferſtehe ein Geyſt licher Leib. Dieſer vrſachen halben haben die Alten Vaͤtter vñ Kin⸗ der G OTtes jhren abgeſtorbenen ehrlich vnd wolſtendig vnter die Erden geholffen/ wie die Hiſtorien außweiſen. Alſo beſtattete ehr⸗ lich zur Erden Abraham ſeine Saram: Iſaac vnnd Iſmaeljhren Vatter Abraham/ in die zwiefache Hoͤle auff dem Acker Ephron bey ſeine geliebte Saram Joſeph vnd ſeine Bruder jhren lieben Al⸗ ten trewen Vatter den Jacobum/ wie er jhnen auch befolen hatte. In gleichem erweiſen ſich gegen Iſaac ſeine Soͤhne. Vnnd hie ha⸗ ben wir es zu ſehen an Jacob ſelbſten/ in dem er ſeine Rahel begra⸗ ben laͤſſt an den Weg gehn Ephrat. Wohet er wuͤndſchen moͤgen/ daß er ſie legen moͤgen in die ſepulchra majorum, demnach aber alle Erde deß He Run iſt/ allerhand vngelegẽheit halben es ſich auch vbel woͤlle thun laſſen/ ſo befielcht er es G Ott/ vnnd weyß/ daß auch dieſes orts ſie hm vnverlorn ſein vnnd bleiben werde. Bey ſolchen Leichbegaͤngnuſſen vnnd Beſtattung ſollen ſich die Chriſten gern finden laſſen/ man ſihet dabey vnſern Elenden Zuſtandt/ bedencket das Ende/ vnnd huůtet ſich vmb ſo viel mehr vor Suͤnden: Ohn daß iſis auch beſſer gehen in das Klaghauß/ als ins Trinckhauß/ dieweil in jenem iſt das Ende aller Menſchen/ vnd der Lebendige es zu Her⸗ tzen nimbt.. III. Endtlich daß Jacob ein Grabmal vnnd Monuunn emner ———— Erſter Theyl. 7 ſeiner lieben verſtorbenen vnnd begrabenen Rahel auffrichtet: ſolchs erinnert vns auch heutiges Tags/ daß es kein Suͤnde ſey /der ver⸗ ſtorbenen ſeligen nach jhrem Ende auff dergleichen weiſe ehrlich ge⸗ dencken/ mit Grabſchrifften oder Monumenten jhre domitoria zieren/ zufaͤlliger Mißbrauch wirt weder gelobt noch verthaͤdigt/ ſolcheraber muß nicht opponirt werden dem/ ſo an jhm ſelbſten verantwertlich vnd recht iſt. Die Patres vnd heilige Vaͤtter haben jhrer Abgeſtorbenen Graͤber gantz herꝛlich gezieret/ keines wegs nit einige anleytung zu geben/ zu einiger Abgotterey/ oder daß man erſt vor ſie bitten ſolle/ wie der alte Lyranus meynen woͤllen. Viel fu⸗ nebres deductiones werden in heiliger Schrifft beſchrieben/ nim⸗ mehr aber darbey gedacht/ einiges Opffers/ einiger Meß/ einiger Vorbit vor ſie/ dyſie erſt auß dem erdichtẽ Fegfewer erloͤſet werden moͤchten. Daß alles ſind in venta vnnd Fuͤndlein deß lendigen An⸗ lichriſt/ ſo er in der Kirchen G Ottes nicht funden/ ſondern darin ge⸗ tragen. Selig ſind die Tydten die in dem Hẽ Rdin ſierben von nun an: Das iſt/ ſo bald als jmmer im Todt die Seel von jhrem Leib Apoen. abſcheidet iſt ſie ſelig/ wirdt nit erſt im Fegfewer geauelet/ torquirt uideſt ac oder gemartet. Die fromen haben in dieſem Leben jhre preſſuras, Hud diu vi- tortur vnnd Qual/ je lenger ſie darin leben/ je mehr werden ſie tor⸗ vere, quàm quirt, ſondern wirt alles erlittenen leyds im Himmel ergetzet vnnd din torque- darmit getroͤſtet ewiglich. riꝛ Den Chriſten iſt es bey auffrichtigung zulaͤſſiger Monu⸗ Lueus. menten zu thun darumb/ daß ſie jre beſtendige Lieb auch nachmals gegen jhre geliebte Vorfahren vnnd im Herꝛn Abgeſtorbene/ vnnd daß ſolcher bey jnen vnvergeſſen ſein ſollen/ bezeugen. Deßgleichen daß ſie erweiſen/ wie feſt der Articul von der Aufferſtehung deß Fleyſches in jhrem Hertzen gegruͤndet ſey/ vnnd das ſie hierbey zu Danck dem ewigen G Ott ruͤhmen die feine herꝛliche Gaben/ ſo er ſeinen nunmehr ruhenden in jhrem Leben beygelegt/ vnnd conſe⸗ quenter andere/ ſo ſolche teſtimonia der groſſen Gaben G Ottes/ damit er die verſtorbene in jhrem Beruff vnnd Leben Tüne ge⸗ abt V 72 Gießiſcher Leichpredigten habt/ hoͤren/ ſehen vnnd vernemen/ zu Chriſtlicher nachfolge bewe⸗ gen/ jhrer ſterblichkeit erinnern/ damit ſie bey ſtehendem Leben vnnd guter geſundheit ſolche ja nicht mißbrauchen/ ſondern wol anlegen vnd Gott davor danckbar ſein. Dahin haben die liebe glaͤubige Al⸗ ten geſehen/ wie die Exempel Abraha/ allhie Jacobi vnnd vieler Ko nige in Juda vnnd zu Jeruſalem außweiſen. Welchen/ wer auff den heutigen Tag folgen kan vnnd wil/ freylich nicht ſuͤndiget/ vnnd wo keine Suͤnde iſt/ billich auch kein gemacht werden ſolle. Zu Abgoͤtterey aber tregt kein fromm Hertz Luſt oder Lieb/ ſondern fleucht ſie viel mehr/ weil in den Augen Got⸗ tes ſie rin Grewel befunden wirt. Vnnd ſo viel hetten wir dißmal bey erklaͤrung der verleſenen Worten/ darin vns der Abſchied vnd die Leichbeſtattung der Gott⸗ ſeligen Rahel beſchrieben wirt/ zu Lehr/ Troſt vñ Vnterꝛicht durch den Segen Gottes zubehalten/ der getrewe G Ott woͤlle jetzt vnnd allezeit mit ſeinem H. Geyſt vns beywohnen/ damit wir durch den Troſt ſeiner heiligen Schrifft vnnd Geſchichten beſtendige hoff⸗ nung in Chriſto Jeſu haben koͤnnen/ Amen. PERSONALI A. As aber nun weiter betrifft vnſere Chriſtlicheim He Rrn ſelig abgeſtorbene Mitſchweſter/ die Ehrn vnnd viel Tu⸗ gendſame Gottſelige Matron/ Weyland Fraw Catha⸗ rina Kitzelin/ geborne Lerßnerin/ deß Ehrnveſten vnd Hochgelahr⸗ ten Herꝛn Johannis Kitzelu/ beyder Rechten Licentiaten vnnd bey der loͤblichen Vniverſitet allhie ordinarii Profeſſoris, geweſene liebe Haußfraw ſeliger gedaͤchtnuß/ iſt ſolche/ welches dann auch iſt eine feine Gab G Ottes/ allhier auff Erden von vornemen Ge⸗ ſchlechten in Heſſen vnnd ſehr Chriſtlichen ruͤhmlichen Eltern ge⸗ born vnd herkommen. Ohnvergeſſen iſt bey vielen/ welcher geſtalt weyland Ludwig Lerßner/ jhr proavus, Vornemer vñ Hochverſtendiger Hehiſaher am⸗ 4 4 8 3* 3 * 4 * Erſter Theyl. 23 Cammermeiſter geweſen/ deß gleichen jhr beliebter Altvatter Herꝛ Henrich Lerßner/ Heſſiſcher Cantzler/ ſoin Anno 1575. todts ab⸗ gangen vnnd deßmals bey cranslation der Vniverſitet Marpurg zu Franckenberg/ ſeine Ruhſtedtlein erlangt/ wie nicht weniger jhr Herꝛ Vetter D. Jarob Lerßner/ das Vicecantzlar Ampt bey beſag⸗ ter Vniverſitet ein lange zeit loͤblich verꝛichtet/ ein ſolcher Mann/ der/ wie ich ſelbſt vielmal geſehen/ da er geſchefften halben koͤnnte in ſeinem Ehrlichen hohen Alter Diſputationes Theologicas be- ſuchen/ deßgleichen ſich fleiſſig zu den Chriſtlichen Predigten der zeit halten doͤrffte/ damit ſein beliebnuß zu G Ott vnnd der Chriſili⸗ chen warheit zubezeugen/ anderen dißmal geliebter Kuͤrtz halben zu⸗ geſchweigen/ wie jhr geliebter noch lebender Alter Vatter der Ehrn⸗ veſt vnnd Hochgetahrte Herꝛ D. Herman Lerßner ſo ſie mit jhrer ochbetruͤbten Mutter der Ehrntugentreichen Fraw Eliſabeth uſcherin/ deren Vatter geweſen der Edel vnd Ehrnveſt Vlrich Rauſcher/ Geſchlechter oder Patricius zu Franckfurt) vber viertzig Jahr der Vnnverſitet Marpurg wol vnnd loͤblich vor ein Protel. ſorem Juris gedienet/ das muͤhſelige Ampt eines Rectoris darin etzlichmal verwaltet/ ſonderlich auch/ als ein Vice Cancellarius beſagter Vniverſitet an xxv 11. Jahr wol vorgeſtanden/ von den Durchleuchtigen vnnd Hochgebornen vnſern Gnedigen Fuͤrſten vnnd Heraꝛn/ Heren Ludwigen/ vnnd Heren Georgen/ allen Landt⸗ graffen zu Heſſen/ in Gott ſelig ruhenden/ vor einen Conſiliarium vnnd Raht auff Reichstagen vnd ſonſten vielfaltig grbraucht wor⸗ den/ das iſt Landkuͤndig vñ Maͤnniglich wol wiſſend. Wie ſie aber von dieſen jhren leiblichen Eltern/ in die Weld ſuͤndlich geboꝛn/ al⸗ ſo hat ſie in der heiligen Tauff/ deren ſie jhre liebe Eltern zu tragen vnd ſie im Namen Gottes deß Vatters/ Sohns vñ heiligen Gey⸗ ſtes taͤuffen vnnd darbey den Namen Catharein geben laſſen/ die Widergeburt empfangen/ vnnd Chriſtum zu vergebung jrer Suͤn⸗ den angezogen/ vnnd iſt kommen in den heiligen Bund/ darin iſt die gewiſſe verheyſſung geſchehen/ daß G O Tt jhr trewer Vatter ſei woͤlle/ vnd ſie ſein liebes Kind ſein ſolle. K Es V 74 Gießiſcher Leichpredigten Es haben auch jhre Eltern/ die der Allmechtige GOtt dißmals in jhrem hohen betruͤbnuß/ wegen ſo wol gerahtener/ abgeſtorbenen Tochter ſeligen/ hertzlich troͤſten vnnd ſtercken woͤllen/ hernacher ſie gantz Chriſtlich bey jhrem Seligmacher Jeſu Chriſio zuerhalten/ nichts an ſich erwinden laſſen/ ſondern ſie zur Schulen vnnd zum gehoͤr der Predigen/ wie auch rechten reinem brauch deß H. Abend⸗ mals ſehr fleiſſig angewieſen/ vnnd vermittels deß Segen GOttes dieſes damit erlangt/ daß dieſe jhre Tochter nicht allein kommen zur Chriſilichen liebe gegen G Ott/ vnnd zur ſeligmachenden Erkannt⸗ nuß jhres Erloͤſers Jeſu Chriſti/ ſondern daß ſie auch in jhrer als der Eltern ſteigendem hohen Alter gleichſam als eine Seullin jhrer Haußhaltung worden iſt/ hat jhre liebe Eltern mit groſſen trewen gemeynet/ ſie geehret vnd geliebet vnnd jederzeit Kindliche vorſorge vor ſie getragen/ daß Maͤnniglich darab ein beſonderen luſten ha⸗ ben vnd ſehen muͤſſen. Nachmals als ſie im verſchienen Jahr 1606. mit raht/ wiſ⸗ ſen vnnd willen beyderſeits Angewanten Eltern vnnd Freunden/ anvorbemelten nunmehr hochbetruͤbten jren hinderlaſſen? Wilwer/ verheuratet vnd Ehelich verſprochen worden. Wiſſen wir alle/ wie jhre Gottſelige Eltern/ ſie gantz wolſten⸗ dig anhero gebracht/ vnd ſie den 2. Novembris vor der Chriſtlichen Gemeyn allhier/ ſampt jhrem vertrawten eingeſegnet worden/ iſt zwar eine kurtze geringe zeit bey vns geweſen/ muß aber darbey das bezeugen vñ zu ehren warhafftig jhr nach ſagen/ daß ſie ſich zu Gott ſeinem Wort vnd heiligen Sacramenten ſehr fleiſſig gehalten/ mit andacht zugehoͤret/ vnd man jhre Stellin der Kirchen gar langſam ledig befunden/ vnnd hette ich wundſchen woͤllen/ daß dieſe fleiſſige Zuhoͤrerin/ viel anderen Weibsperſonen zu gutem Exempel/ wir noch viel Jahr zu dieſer vnſer Gemeyn hetten behalten moͤgen. In teglicher Converſation/ iſt ſie zuͤchtig/ Gottſelig/ verſchwie⸗ gen vnnd ſehr eingezogen geweſen/ nicht hoffertig/ noch jemands zu ſtolz/ ſondern von Hertzen demuͤtig/ in jhrer Haußhaltung fleiſſig pnd Erſter Theyl. 75 vnd auffſichtig/ vnd gibt jhr hochbetruͤbter hinderlaſſener Witwer jhr diß zeugnuß/ daß ſie leyder die kurtze zeit jhrer Ehlichen beywoh⸗ nung vorallen dingen Gott jhren Schoͤpffer/ Erloͤſer vnd Heylig⸗ macher/ hertzlich geliebt/ ſehr empſig jederzeit gebetet/ jhr liebe El⸗ tern/ ſich vnnd jhren Haußherꝛn/ wie auch Maͤnniglich/ vnnd jhre Haußhaltung durchs Gebet dem ſtarcken Allmechtigen GOtt be⸗ fohlen/ daß ſie jhn mit groͤſten trewen gemeynt/ geerhrt vnd geliebt/ niemals auch jhm mit einigem vnfreuntlichen wort oder Gebaͤrden vnter Augen gangen/ daß jhm nicht zweiffelt/ woſie G OTthette lenger woͤllen/ wie ſein Chriſtlicher wundſch jederzeit geweſen/ bey⸗ ſammen laſſen/ jhr Eheſtand ein officina pacis& admirandæ concordiæ ſolte geweſt ſein. Als ſie geſpuͤret/ daß ſie G Ott in jhrem Eheſtand mit Leibs⸗ frucht begaben vnd ſegnen woͤllen/ hat ſie die zeit vber jhres ſchweren Leibs/ ſich als eine Gottſelige Mutter/ jederzeit dem trewen G Ott gantz andaͤchtig befohlen/ ſich wol fuͤrgeſehen/ daß ſie nicht etwa vn⸗ gemach vervrſachte/ Abends vnnd Morgen fleiſſig gebetet/ daß der liebe G Ott ſie Kraͤfftig bewahren vnnd zu ſeiner zeit/ mit geſunder Leibsfrucht /jhre liebe Eltern vnnd trewen Haußherꝛn dadurch zu⸗ erfrewen/ begnadigen woͤlle. Ob nun wol weder ſie ſelbſt noch jhr hoch betruͤbter Witwer/ meynen woͤllen/ daß noch ſo bald der liebe G Ott ſie mit Kindesnoͤthen angreiffen wuͤrde/ deßgleichen auch ſie ſelbſten beſagten jhren Haußherꝛn gebeten nach Franckfurt zur Meß zu ziehen/ vnnd die Notturfft zur Haußhaltung einzukauf⸗ fen/ der ſelbſten auſſerhalb dieſem vngern auſſer Stadt ſich bege⸗ ben: Sogreifft ſie doch der liebe G OTt den 12. Septen is gleich andern Tags nach abreyſen jhres lieben HE dun/ mit/ noͤthen an/ inmaſſen ſie auch noch ſelbigen Tags nach Franck/ i jhm zu⸗ zuſchreiben vnd ſeines widerkommens begert/ vnd beſcheret jr zwar folgenden Tag den 12. Septembris gleich nach dreyen Vhren nach Mittag beyweſend etzlicher Ehrlicher/ Verſtendiger/ Chriſtlicher Weiber/ nach außgeſtandenen vielen Schmertzen ein Junges K 2 Soͤhn⸗ 76 Gießiſcher Leichpredigten Soͤhnlein/ ſo nach jhrem todt beyweſend deß widerangelangten trawrigen Vatters/ der betruͤbtẽ Altmutter vñ deren Sohn/ Heren Nicolao Lerſnero getaufft/ vnd nach Vatter vnd Altvatter/ Jo⸗ han Herman genaũt worden/ daß Gott gnedig nach ſeinem willen erhalten woͤlle/ die ſchmertzen aber vnnd Engſten namen bey jhr vber aller beiweſenden verhoffen/ ſo ſchnell vberhand/ daß ohnerachtet alles angewañten groͤſten fleiß vnnd gebuͤrlicher Artzeney/ denſelbi⸗ gen Abend bald nach acht Vhr/ ſie gantz ruͤhig/ vnnd ſelig/ faſt ohn alle bewegung/ jhren Geyſt auffgegeben vnnd die arge boͤſe Welt ge⸗ ſegnet. In beſorglichem jhrem Zuſtand/ hat ſie von anfang biß zu ende/ alle jhr Anliegen mit groͤſtem ſtarckem Gebet/ dem Heiligen Chriſto befohlen/ geflehet daß der liebe Gott die Leibsfrucht gnedig erhalten vnd mit einem lebendigen Kindlein ſie vnd jhren Herꝛn be⸗ gnadigen woͤlle/ hat auch hierzu/ als eine trewe Mutter/ anjhr nichts erwinden laſſen/ zwar gewuͤndſcht/ daß wo es moͤglich jhre liebe Mutter/ jhr Haußherꝛ bey jhr ſein moͤchten. Nach dem ſie aber vber zuverſicht Gott vbereilet/ ſie auch dar⸗ zu/ jhren Haußherꝛn ſeine Reiß zuverꝛichten gutwillig dimittirt/ an dem jhr ſonſten gar nicht zweiffeile/ daß er hertzlichen Beyſtandt in jhren noͤthen leyſten wuͤrde/ wolte ſie es dem lieben GOtt/ der bey jhr were/ Kindlich heimſiellen vnd ſolchen ſorgen laſſen. Als G Ott jhr das Kindlein beſcheret/ ſindt daß jhre wort ge⸗ weſen: Du mein lieber Sohn/ wie ein harten Standt haſiu außgeſtanden/ hat jhrer ſchmertzen vergeſſen vnd mit dem Kindlein mitleiden getragen/ Ob auch wol die anweſenden Weibsperſonen/ wie auch vorgeſagter jhr Bruder ſelbſt hoffen woͤllen/ es nun mehr zum leben nicht weiter noth haben wuͤrde/ jedoch do ſie meiner als vnwuͤrdigen Seelſorger allhie begert/ vnnd ich mich darauff ohne verzug zu jhr verfuͤgt/ hat ſie mir die Hand gebotten/ vnndals ich ihr mit Troſt zugeret Gott der ſie zu einer Kindermutter gemacht/ vnnd ſie ſo Vaͤtterlich entbunden/ werde ſie nachmals auch nit ver⸗ laſſen/ gabe ſie mir zur Antwort/ lieber HEon O. Ich aekehe ott/ Erſter Theyl. 27 S Ott/ der mit dieſe Laſt abgenommen/ aber die vbrige iſt auch ſehr ſchwer/ ich werde meinen Geyſt auffgeben. Dargegenals ich jhr G O Ttes gnedigen willen auß ſeinem Wort gereycht/ ſie der groͤſten trew vñ huͤlff vnſers Erloͤſers Chri⸗ ſti erjnnerte/ vnd gebeten/ ſie woͤlle bedencken/ daß ſie in einem ſtandt ſey/ darin ſie Gott durch ſein Wort geſetzet/ vñ daß ſie nichts ſchey⸗ den koͤñte von der liebe G Ottes die ſie hette in Iẽ ſu Chriſto jhrem Hée RRN/ angehalten/ daß ſie vnter dem Creutz woͤlte gedultig ſein vnd Gott ſtill halten/ gedencken daß wir einen GOtt hetten/ der da eine Laſt aufflade/ er koͤnne aber auch helffen/ vnnd vom Todt erꝛet⸗ ten/ vñ wer auff denſelbigen trawet/ nicht koͤnne oder moͤge zuſchan⸗ den werden: Iſt ſie wol zufrieden geweſen/ vnd vnter anderem ge⸗ ſagt/ ja/ ja/ Chriſtus iſt der Weg/ auff denſelbigen wil ich abſchey⸗ den/ der wirt mich nicht verlaſſen. War ſo fertig in der H. Schrifft/ daß wann ich nur ein Troſi⸗ Spruch anfienge zuerzehlen/ ſie mir in die Rede fiehle/ vnd jhn vol⸗ lends zum Ende brachte/ Als ich jhr vorhielte zur Sterckung den Spruch/ 1 Timoth. 2. Das Weib wirdt ſelig werden/ durch Kin⸗ dergeburt/ ſo ſie bleibt im Glauben/ vnd in der Liebe/ vnd in der Hei⸗ ligung/ ſagte ſie dar zu/ ja auch ſampt der Zucht. Hatte jhr vorge⸗ nommen kuͤnfftig den 13. Septembris bey der Gemeyn hie abermal zu Communieiren/ weil ſie aber daran verhindert worden/ troͤſtete ſie ſich in hren Schmertzen damit/ daß vor wenig Wochen bene⸗ ben jhrem lieben Haußherꝛn ſie ſolch Abendmal auch zu Staͤr⸗ ckung jhres Glaubens empfangen hette. Solcher heiligen erweiſungen bey Kranckheit/ leben vnd ſier⸗ ben dieſer Gottſeligen Matron/ ſollen ſich die hinderlaſſene hoch⸗ betruͤbte/ jhr Witwer/ Eltern vnnd Freunde/ hertzlich troͤſten/ vnnd dem willen Gottes ſich ergeben/ vnd die ewige Frewde vnd Wonne jhr nicht mißgoͤnnen/ oder der vngebur vber jhrem ſeligen Abſchied ſich betruͤben. Der Will Gottes iſt geſchehen/ der laͤßt ſeine Diener vnd Dienerin in Friede fahren/ wir andern ſollen Gott bitten deſcs 3 gie 78 1 Gießiſcher Leichpredigten gleicher weiß zu auch vnſerm ſeligen Abſchied/ mit ſeinem heiligen Geyſt vns leyten vnnd fuͤhren/ vnnd in vnſern letzten noͤthen zu dem ewigen Leben vmb Chriſti willen beyſtehen woͤlle.. Der allein Weiſe/ Allmechtige/ guͤtige GOTT/ woͤlle die⸗ ſer Chriſilichen im HE RR entſchlaffenen Matronen hiernechſt/ wie auch vns allen/ die wir hernach muͤſſen/ an jenem groſſen Tag eine froͤliche Aufferſtehung zu de ewigen Leben in Chriſio Jeſu ver⸗ leihen/ Amen. n 885,35,28,82,3388,5. Se Se Se Se Se Se Se Fuͤnffte Leichpredigt/ Bey dem Begraͤbnuß deß Ehrnveſten vnnd Wolge⸗ lehrten/ IofaNNIS CoNRADIMACHTOLFFT TuBINGENSISLL. Studio- ſiſſimi 15 Welcher den 10. Tag Auguſti/ vmb 2. Vhr/ Morgens in wahrer anruffung deß Sohns Gottes/ zu Gieſſen ſeeliglich abgeſchieden/ vnd folgen⸗ des Eilfften Tags in groſſer Verſamblung daſelbſt ehr⸗ lich zur Erden beſtattet worden. Gehalten Durch Herꝛin PHILIPPUM MLIUM, DIACO- NuM zu Gieſſen. Tert dieſer Leichpredigt/ an die Hebr. y. Cap. a ₰ Drch den Glauben wardt gehorſam Abra⸗ ham/ da er beruffen ward/ außzugehen in das Land/ daß er ererben ſolte/ vnd gieng auß/ vnnd wuſte nicht/ wo er hin kaͤme. Durch den Glauben iſt er ein Frembdling geweſen in dem verheyſſenen Land/ als Erſter Theyl. 79 als in einem Frembden/ vnnd wohnet in Huͤtten/ mit Iſaac vnnd Jarob/ den Miterben derſelbigen Ver⸗ heiſſunge. Dann er wartet auff eine Statt/ die ei⸗ nen Grund hat/ welcher Bawmeiſter vnnd Schoͤpf⸗ fer Gott iſt. Außlegung. Machtzigſten Pſalmen/ Ihr Geliebten im AHER RNChrißo /ſtehet geſchrieben: ERRdu peiſeſt ſie mit Thraͤnen Brot/ vnnd trenckeſt ſie mit ogroſſem Maaß voll Threnen. Mit welchen Worten der Koͤnigliche Prophet David zu verſtehen gibt/ wann das Creutz bey frommen Coiſten komme/ ſo komme es gemeiniglich mit hauffen/ daß eins dem andern die Thuͤr in die Hand gebe. Solches erfahren wir auch dißmal an dieſem Ort/ heut 8. Tag haben wir hieher beleytet/ einen Fuͤrnemen vnnd gelehrten Studioſum vnd Candidatum Juris, am verſchienen Dienſtag abermal einen feinen gelehrten Studioſum Philoſophiæ vnd Th eologiæ, Jetzt fuͤhret vns der liebe G Ott widerumb in daß Klaghauß/ demnach er geſteriges Tags/ deß Morgens vmb 2. Vhr/ nach ſeinem heiligen willen/ auß dieſem betruͤbten Jammerthal abgefordert/ vnnd in ſein Himliſches Reich/ in weichem Frewo die Fuͤlle/ vnd lieblichs Weſen zu ſeiner Rechten iſt ewigüich/ verſetzet hat/ einen frommen vnnd wolgelehrten Studioſum Juris, JoHANNEM CONRA- Pux Machtolfft ſeeligen/ welchem wir diß mal den letzten Ehren⸗ dienſt erzeiget haben/ vnd nach gehaltener Predit ſeinen Leichnamb in den Schoß der Erden legen/ Chriſtlich vnnd Ehrlich beſtatten woͤllẽ/ darauß er am Juͤngſten Tag mit vnaußſprechlicher Klarheit vnd Herꝛligkeit wirdt aufferſtehen. 1 Dieweil es nun Chriſtlich/ nuͤtz vnnd heylſam iſt/ daß wir bey ſolchen trawrigen Begaͤngnuſſen in das Heiligthumb Gf gehen Rom. 4. v 80 Gießiſcher Leichpredigten gehen/ vnnd auß dem Wort deß Heẽ Rain Lehr vnnd Troſt ſchoͤpf⸗ fen. Als woͤllen wir auff dißmal darzu nemen ein Stuͤck der Legen⸗ den/ deß beruͤmbten Patriarchen Abrahe/ wie das in der Epiſtelan die. Hebreer am 11. Eap. von jhm eingefuͤhret wirt/ daſſelbig einfeltig erklaͤren/ vnd beſehen/ was darauß wir zu Lehr vnd Trroſt zu behalten haben/ der Vatter aller gnaden woͤlle vns darzu die Gnad ſeines h. Geyſtes mildiglich verleyhen/ Amen. So viel den Text belangt/ hatte der Apoſtel im Anfang dieſes eylfften Capitels/ nicht allein den wahren ſeligmach⸗ enden Glauben beſchrieben/ daß er wer ein gewiſſe Zuverſicht deß/ daß man hoffet/ vnd nicht zweiffeln an dem/ das man nicht ſihet/ ſon⸗ dern auchetliche loͤbliche Thatẽ erzehlet/ welche die lieben Ertzvaͤtter durch den Glauben außgericht hetten. Dieweil nun vnter denſelbigen deß waren Glaubens halben faſt am beruͤmbſten iſt der Patriarch Abraham/ welcher auch ein Vatter der Glaubigen genennet wirdt. Darumb hat er denſelbi⸗ gen nicht vbergehen woͤllen/ ſondern anzeigen/ wie herꝛlich deſ⸗ ſelbigen Glaub geleuchtet habe/ zu der Zeit/ dajhn G OT T der HE RR hab beruffen/ daß er ſolt außgehen auß ſeinem Vatter⸗ land/ vnnd von ſeiner Freundſchafft in ein Land/ das er ihm zeigen wuͤrde. Da haͤtte nun mancher groß Bedenckens gehabt/ vnnd mag jhme auch wol Fleiſch vnd Blut eingegeben haben/ daß er gedacht/ Was wiltu dich ʒeihen daß du dasgewiſſe vor ein vngewiſſes geben/ die beſte Freund/ Bekandten vnnd Verwandten verlaſſen/ vnnd dich vnter die wild frembde begeben wilt/ darvon du nicht weiſſeſt/ wer vnnd wo ſie ſeyen/ vnnd wie du von jhnen empfangen werdeſt. Aber durch den Glauben hat Abraham ſolches alles vberwunden/ GO T Tes Befelch hat bey jhm ſo viel golten/ daß er ohn einiges hinderſich ſehen gehorſam worden/ vnnd das vertrawen gehabt/ der Gott/ der jhn hieß außziehen/ der wirdt auch wiſſen/ wie vnnd wo er jhn Erſter Theyl. 8] jhn vnterbringen vnnd verſorgen ſolte/ Alſo ſteiff hat Abraham ge⸗ haͤgen an der bloſſen verheiſſung Gottes wie dañ allhie ſtehet: Er iſt außgangen/ vnd hat nit gewuſt/ wo er hin kaͤme. Darnach ſagt er: Durch den Glauben ward er ein Frembd⸗ ling in dem verheiſſenẽ Land/ zeiget damit an/ wir Abrahams Glaub ferꝛner geleuchtet hab/ als jhm nun Gott der Herꝛ das Land gezeygt gehabt/ darein er kommen ſolte/ nemblich das Land Canaan/ daß er nemblich darinn nicht als ein Eigenthumbsherꝛ/ ſondern als ein Frembdling gewohnet hab. Es hatte zwar G.OTt der Herꝛ jhm verheiſſen/ daß ſein Same daſſelbige Land beſitzen ſolte/ aber vber 430. Jahr/ Abraham ſelbſt aber hat davon auch nicht eines Fuſſes breit eignes gehabt wie S. Stephanus bezeuget Actor. 7. Welches auch daher offenbar/ daß er kein koͤſtliche Haͤuſer gebawet/ ſondern in Huͤtten gewohnet hat/ vnnd nicht allein Er/ ſondernauch ſein Sohn Iſaae/ vnnd deſſelbigen Sohn Jaxcob/ als welche eben ſo wol als Abraham/ der Verheiſſung G Oꝛtes Eben waren: Das haben ſie gethan/ auff daß wann ſie G O T D hieß von einem Ort zum andern ſich begeben/ ſie deſto beſſer vnnd ohne hinderungalles auff⸗ raumen vnnd fortbringen moͤchten. Deßgleichen/ daß ſie bezeugets/ daß ſie auff Erden kein bleibende ſtatt haͤtten. 1 Ob ſie aber in dem verheiſſenen Land/ wie Frembling ge⸗ wohnet/ ſo haben ſie doch der Verheiſſung G O Ttes feſtiglich ge⸗ glaubt/ daß dieſelbige zu ſeiner Zeit an jhren Kindern wuͤrde erfuͤl⸗ let werden. Darbey aber iſt in ſolcher jhrer Wallfahrt jhr Troſt geweſen/ daß ſie gewartet haben auff eine Statt/ die einen grund hat/ vnnd deren Bawmeiſter vnd Schoͤpffer G Ottiſt. Dasiſi das Himliſche Jeruſalem/ dierechte bleibende Statt/ welche ein ſol⸗ chen vnbeweglichen Grund hat/ daß ſie nicht zerſtoͤrt/ vnnd wer einmal darinn auffgenommen wirdt/ nimmermehr widerumb dar⸗ auß verſtoſſen wirdt. Sie iſt auch nicht beſchaffen wie ander jrꝛ⸗ diſche Staͤtte/ die von Menſchen Haͤnden gemacht/ vnnd durch Menſchen Haͤnde wider zerbrochen werden/ Sendem Sceesde Gott Pſalm. ug. V. 82 CGießiſcher Leichpredigten GOTD ewig iſt/ vnnd vnwandelbar/ alſo iſt auch ſolche Statt GO Ttes ein beſtaͤndige Wehnung fuͤr alle Außerwehlte in alle Swigkeit. Alſo haben wir nun die Meynung vnnd Inhalt deß Textes Auß demſelbigen haben wir erſtlich zu mercken/ daß Abraham nicht auß Vorwitz oder Leichtfertigkeit ſein Vat⸗ terland verlaſſen/ ſondern auff G OTTES Befelch/ durch den Glauben/ damit er vns gelehret/ daß auch wir vnſer gantze Wall⸗ fahrt auff Erden/ im Glauben/ ſo ſich auff Gottes Wort gruͤndet/ anſtellen ſollen/ wie von einem jungen Menſchen der Prophet fragt: Wie wird ein Juͤngling ſeinen Weg vnſiraͤfflich gehen⸗ Vnnd gibt zur Antwort: Wann er ſich helt nach deinen Worten. Wann einer deſſen in ſeinem Hertzen gewiß iſt/ daß er in ſeinem ordentlichen Be⸗ ruff iſt/ vnd in Gottes Gebotten wandelt/ ſo kan er einen beſtaͤndigen Troſt haben/ ob jhm gleich etwas widerwertigs begegnet/ wie wir ſe⸗ hen an dem Prophetẽ Amos/ welchem der Koͤnig Amazia auffſetzig war/ weil er jhm vnd ſeinen abgoͤttiſchen Vnterthanẽ Gottes ſiraff verkuͤndigte/ vñ jm deßwegen auß dem Land gebieten ließ/ mit dieſen. worten: Du Seher gehe weg/ vnd fleuch ins Lande Juda/ vnnd jß Brot daſelbſt/ vñ weiſſage daſelbſt/ vñ weiſſage nit mehr zu Bethel/ denn es iſt deß Koͤnigs Stifft/ vnd deß Koͤnigreichs Hauß/ darauff antwortet der Prophet: Ich bin kein Prophet/ noch keines Prophe⸗ ten Sohn/ ſondern ich bin ein Kuͤhirt/ der Maulbeer ablieſet/ Aber der Herꝛ nam mich von der Herd/ vnd ſprach zu mir: Gehe hin/ vnd weiſſage meinem Volck Iſrael Berufft ſich alſoauff Gottes Be⸗ felch/ vnnd laͤſt ſich ſo gar nicht abſchrecken/ daß er/ da er zuvon ſcharpff geprediget hat/ nachmals das Kind( wie man ſagt/ mit dem Bad außſchuͤttet/ vnnd zum Koͤnig ſpricht: Dein Weib wird in der Statt zur Huren werden/ vnnd deine Soͤhne vnnd Toͤchter ſollen durchs Schwert fallen/ vnnd dein Acker ſoll durch die ſchnur außgetheilet werden/ du aber ſolt in einem vnreinen Land ſierben/ vnnd Erſter Theyl. 33 vnd Iſrael ſoll auß ſeinem Land vertrieben werden. Wann Moſes der thewre Mann vnd Prophet Gotten deſſen nicht wer verſichert geweſen/ daß jhm Gott befohlen haͤtt/ ſein Volck Iſrael auß Egy⸗ pten zu fuͤhren/ wie were es muͤglich geweſen/ daß er wider ſo viel An⸗ ſtoͤß hett beſtehen moͤgen/ da ein Auffſtand vber den andern wider jn erꝛeget ward/ die gantze gemein offtmal wider jhn murꝛete/ ja jn auch ſteinigen wolte/ daß er ein ſehr geplagter Menſch war fuͤr allen Men⸗ Nam. rz. ſcheẽ auff Erde. Dieſes meynet Syrach da er ſthreibt am 10. Eapitel: Mein Kindin Widerwaͤrtigkeit/ ſeygetroſt/ vñ trotze auff dein Ampt/ Deñ wer an ſeinẽ Ampt verzagt/ wer wil dem helffe? Ein fein Exem⸗ pel dieſes/ haben wir an dem Ertzvatter Jacob/ als demſelbigen ſein Schwiger⸗Batter Laban vntrewlich vnter Augen gieng/ befahl hm GOtt/ vnnd ſprach: Zeuch wider in das Land deiner Vaͤtter/ vnnd zu deiner Freundſchafft/ Ich will mit dir ſeyn/ Als jhm aber ſein Bruder Eſawmit 400. Mann entgegen zeugt/ der jhm hie⸗ bevor den Todt geſchworen hatt/ ober ſich dann wol foͤrchtet/ vnnd ihm angſt vnnd bang war/ ſo war doch diß ſein Troſt/ daß erauf GOᷣTtes Befelch dieſe Heimfahrt vorgenommen haͤtte/ erinnert den Herꝛn ſeiner zuſag/ vnnd ſprach: G OTt meines Vatters A⸗ braham/ vnnd GOtt meines Vatters Iſaacs/ ERR/ der du zu mir geſagt haſt/ Zeuch wider in dein Land/ vnnd zu deiner Frund⸗ ſchafft/ Ich will dir wol thun/ Ich bin zu geringaller Barmher⸗ tigkeit/ die du an deinem Knecht gethan haſt(denn ich hatte nicht mehr weder dieſen Stab/ da ich vber dieſen Jordan gieng/ vnnd nun bin ich zwey Heer worden) Erꝛette mich von der Hand mei⸗ nes Bruders/ von der Hand Eſau/ denn ich forchte mich fuͤrjhm/ daß er nicht komme vnnd ſchlage mich/ die Mutter ſampt den Kin⸗ dern du haft geſagt: Ich wil dir wol thun/ vnnd deinen Samen machen wie den Sand am Meer/ den man nicht zehlen kan fuͤr der Meng/ wie hievon geſchrieben ſtehet/ Genel 32. vnnd da eral⸗ ſo in den Wegen Gottes wandelt/ vnnd demſelbigen vertrawet/ da ſchickts Gott/ daß jhn die H. Engel beleyten nauſſen ahnd daß 3 m 2 ein II. V 84 Giirßiſcher Leichpredigten ſein Bruder Eſau auch nicht ein boͤß Wort geben muſte. Zum Andern ſehen wir allhie/ daß die ding/ ſo vns von Gott zu glauben fuͤrgeſtellt werden/ nicht allezeit mit Leib⸗ lichen Augen koͤnnen geſehen werden/ ſon dern der Glaub an dem wort hang/ vnnd an der verheiſſung G Ottes. Abraham ſahe nicht/ vnnd wuſte nicht/ wo er hin kame/ noch zoch er auff Gottes Befelch auß/ vnnd ließ G OTtfuͤr das vbrige ſorgen. Alſo ſollen wir auch auff das Wort trawen vnnd nicht zweiffeln an der Verheiſſung GOT Tes/ ob wirs ſchon weder ſehen noch begreiffen. Wenn wir nichts glauben ſolten/ wir ſehen es dann/ wo wolten die aller hoͤchſten Articul bleiben? Wir glauben daß ein einiger GOTE ſey/ vnnd in dem einigen Goͤttlichen Weſen drey vnterſchiedliche Perſonen/ ob wirs ſchon weder ſehen noch begreiffen/ wir glauben/ vermoͤg G Ottes Worts/ daß der ewige Sohn G Ottes vnſer Menſchlich Natur in Einigleit ſeiner Perſon hab auffgenommen/ vnnd durch ſolche Perſoͤnliche Vereinigung vnnd darauff erfolgtes Sitzen zur Rechten G Ottes ſein angenommenes Fleiſch dermaſſen erho⸗ het/ daß jhm als deß Menſchen Sohn/ oder nach ſeiner angenom⸗ mener Menſchheit alles vnter ſeine Fuͤß gethan ſey/ ob wir ſchon nicht ſehen/ wie jhm alles vnterthan ſey/ Heb. 2. Wir glauben/ daß Gott im anfang auß nichts Himmel vnnd Erden gemacht hab/ ob wol daſſelbig niemand geſehen: Wir glauben/ daß vnſer Herꝛ Chri⸗ ſtus im H. Abendmal gegenwuͤrtig ſey/ vnnd laut ſeiner Stifftung vnnd Teſtaments Wort/ vermittels deß geſegneten Brots vnnd Weins/ vns mit ſeinem waren Leib vnd Blut ſpeiſe vnnd trencke /ob ſchon daſſelbige mit Leiblichen Augen nicht geſchen wird. Wir troͤ⸗ ſten vns darmit/ daß zukuͤnfftig ſey eine Aufferſtehung deß Fley⸗ ſches/ vnnd ein ewiges Leben/ ob ſchon daſſelbig kein Aug geſehen/ kein Ohr gehoͤrt/ vnnd in keines Menſchen Hertz kommen iſt/ was GOT T zubereitet hat/ denen die jhn lieben/ Eſaia 64.1. Cor. 2. Denn das iſt deß rechten Glaubens Eigenſchafft/ daß er nicht zwe fe Erſter Theyl. 85 felt an dem/ das man nicht ſthet. Abraham wirdt deß wegen auch hoch geruͤmet/ Rom 4. da der Apoſtel von jhm ſchreibet: Er glaubte auff Hoffnung/ da nichts zu hoffen war. Item/ Er war nicht ſchwach im Glauben/ ſahe auch nicht an ſeinen eigenen Leib/ welcher ſchon erſtorben war/ weil er faſt hundertjaͤhrig war/ auch nicht den erſtorbenen Leib der Sara. Denn er zweiffelt nicht an der Verheiſ⸗ ſung Gottes/ durch Vnglauben/ ſonderu ward ſiarck im Glauben/ vñ gab Gott die Ehre/ vnnd wuſt auffs aller gewiſſeſt daß/ was GO T S verheiſſet/ daß kan er auch thun/ darumb iſts jhm auch zur Gerechtigkeit gerechuet. Alſo ſollen wir auch nicht ſehẽ auff das Sichtbar/ ſondern auff das Vn ſichtbar/ ſolle feſt an dem Wort hal⸗ ten/ die Vernunfft ſag dar zu was ſie woͤll/ Dieweil es heiſt: Selig ſind die nit ſehen vnd doch glauben/ wie zur Maria/ derẽ auch vnbe⸗ greiffliche ding verkuͤndiget w are Ihr Mum Eliſabeth ſagt: O ſe⸗ lig biſtu/ die du geglaubt haſt/ Lue.. Wann wir das auch thun/ vnd vnſern HE RRR Chriſtum lieb haben/ ob wir jhn ſchon nicht geſe⸗ hen/ vnnd nur an jhn glauben/ ob wir jhn ſchon nicht ſehen/ ſo wer⸗ den wir vns mit ihm frewen/ mit vnaußſprechlicher vnnd herzli⸗ cher Freoden/ vnd das End vnſers Glaubens darvon bringẽ/ nemb⸗ pet. lich der Seelen Se eligkeit. 111. Zu⸗ n Dritten vund Letzten/ daß allhie ſtehet: A⸗ braham Iſaac vnnd Jacob haben in Huͤtten gewohnet damit ge⸗ ben ſie vns zu erkennen/ wie wir veſer Leben auff Erden ſollen an⸗ ſehen/ nemblich/ als ein fr embd Land darein wir nicht erblich ge⸗ geben/ ſondern nur eine Zeitlang gelichen ſindt. Wir haben hie keine bleibende Statt ſondern die Zukuͤnfftige ſuchen wir/ Hebre. 3. Solches haben die vor erzelhte Altvaͤtter oͤffentlich bezeuger vnnd bekandt/ daß ſie Gaͤſt vnnd Frembling ſeyen auff Erden/ wie dieſes Capitel hernach von jhnen meldet. Es hats beſonders be⸗ zeuget der Ertzvatter Jacob/ als er vor Pharao ſtund/ vnnd vmb ſein Alter gefragt ward/ Genel 47. da er geſagt: Die Zeit mei⸗ ner Walffahrti iſt hundert vnnd dreiſſig Jahr 7 wenig vnnd boͤßiſt 3 die V 85 Gießiſcher Leichpredigten die Zeit Meines Lebens/ vnd langet nicht an die Zeit meiner Vaͤtten in jhrer Wallfahrt. David war ein gewaltiger Koͤnig noch ſpricht er: Ich bin ein Gaſt auff Erden/ Dlalm. 119. vnd 1. Dar. z0. Daalle Land/ Stande ſeines Koͤnigreichs beyeinander verſamlet waren/ daß ſie zuſammen legten/ was zum vorhabenden Baw deß Tem⸗ pels nothwendig war/ ſprach er vor allem Volck: Wir ſind Frembd⸗ Uinge vnd Gaͤſte vor dir/ wie vnſer Vaͤtter alle/ vnſer Leben auff Er⸗ den iſt wie ciu ſchatten/ vnd iſt kein auffhalten. Diß ſollen wir nun auch erkennen/ auff daß wir vnſer Hertz nicht henrken an das Irdiſche/ noch bawẽ auff das Vergaͤngliche⸗ ſondern wie ein Frembdling ſich nichts auffhatten laͤßt/ vnnd ſein Hertz jmmer trachtet nach ſeinem Vatterland/ daß er dahin auffs baͤldſt wider kommen moͤge: Alſo ſollen wir auch als Frembdling vñ Pilger vns enthalten von den fleiſchlichen Luſten/ welche wider die Seel ſtreiten /t. Pet. 2. Wir ſollen nicht lieb haben die Welt/ vnnd was in d Wett iſt/1. Iohan. 2. Nicht trachtẽ nach dem das auff Er⸗ den iſt/ ondern nach dem das droben iſt/ da Chriſtus iſt zur Rechten Gottes/ Coloſſ.. Beſcheret vns G Ott Guͤter/ ſollen wir jhm darfuͤr dancken/ vnd dieſelbige zu Gottes Ehre/ zu erhaltung Kirchen vnd Schulen wie auch der Armen anwenden:Solts ader Gottes Wille ſein/ daß wir vmb ſeines Namens willen Haͤuſer oder ander dinge/ ſo vns lieb ſeynd/ verlaſſen ſolten/ vns deſſen nicht beſchweren/ ſondern mit A⸗ braham auch vns vnſers lieben Vatterlands begeben/ ja vnſer ſelbſt verlaͤugnen.— Daes ſolte darzu kommen/ daß vns G Ott auß der Herberg dieſer Welt gar außgebieten wuͤrde/ da wir alles Zeitlich hinder vns laſſen muͤſſen/ alßdann wider ſeinen heiligen Willen nicht murꝛen/ ſondern nach dem Exempel der heiligen Vaͤtter/ in ge⸗ wiſſer Hoffnung erwarten der Statt/ die einen Grund hat/ wel⸗ 1 cher Bawmeyſter vnnd Schoͤpffer Gott ſelbſtiſt/ das iſt die rechte bleibende Statt das himliſch Jeruſalem/ die Statt G OTies/ da⸗ von Erſter Theyl. 87 von geſchrieben ſtehet/ Apocal. z1. Vndich Johannes ſahe die hei⸗ lige Statt/ das new Jeruſalem auß dem Himmel herab fahren/ zu⸗ bereit als eine geſchmuͤckte Braut jhrem Mann/ vñ hoͤret eine groſ⸗ ſe Stimm von dem Stul/ die ſprach: Sihe da/ eine Huͤtte GOttes bey den Menſchen/ vnd er wird bey jhnen wohnen/ vnnd ſie werden ſein Volck ſeyn/ vnnd er ſelbs G Ott mit jhnen/ wird jhr Gott ſeyn: Vnd Gott wird abwiſchen alle Thraͤnen von jhren Augen/ vnd der Todt wird nicht mehr ſeyn/ noch Leyd/ noch Geſchrey/ noch Schmertzen wird mehr ſeyn/ denn das erſte iſt vergangẽ. In ſolcher Seatt iſt ein Tag beſſer/ dann ſonſt tauſent/ Plalm. Ka. Da iſt das rechte Vatterland/ in welchem wir vnsalles auff der Wallfahrt die⸗ ſes Jamerthals außgeſtandenen leyds vnd truͤbſals reichlich ergetzen werden. Sintemal wir wiſſen es weñ vnſer jrꝛdiſch Hauß dieſer huͤt⸗ ten zubrochen wird/ daß wir einen Baw haben/ von G Ott erbawet/ ein Hauß/ nit mit Haͤnden gemacht das ewig iſt im Himmel/ vnnd vber demſelbigen ſaͤhnen wir vns auch nach vnſer Behauſung/ die vom Himmel iſt/ vns vns verlanget/ daß wir damit vberkleidet wer⸗ den. Vnnd diß ſey auch geſagt von den Lehrpuncten. PERS ONAL. IA. O viel nun denabgeſtorbenen Studioſum belangt/ deſſen Leichnamb wir jetzt anhero beleitet haben/ iſts billich/ daß deſ⸗ ſelbigen auch in Ehren gedacht werde. Er iſt geborn zu Tuͤ⸗ bingen/ im Land zu Wuͤrtenberg/ welche Statt wegen der alten be⸗ ruͤmbten vnnd hochloͤblichen Vniverſitet weit vnd breit bekand iſt/ vnd hat vorneme Eltern gehabt. Sein Batter iſt geweſen IonAN= NES CoONRADus Machtolfft/ einfuͤrtrefflicher Mann 1 Juris utriuſq; promotus Licentiatus, vnnd deß Fuͤrſtlichen Wuͤrten⸗ bergiſchẽ Hoffgerichts zu Tuͤbingen Advocarus. Seine Mutter hat geheiſſen Agnes/ iſt geweſen eine Tochter deß Ehrnveſtẽ/ Hoch⸗ gelaͤhrten/ Beruͤmbten/ vũ vmb die Hohe Schul Tubingẽ ne 95 Pſalm. 27. Epheſ.7. V. 78 Gießiſcher Leichpredigten dienten Manns/ Herꝛen ANASTASIDEMLERI, beyder Recht? Doctoris vnd Profeſſoris zu Tuͤbingen. Derſelbigen ſeiner lieben Eltern aber iſt ermelter Studioſus ſeliger all zu fru in ſeiner Kind⸗ heit/ durch den zeitlichen Todt beraubt worden/ daß er wol mit Da⸗ vid klagen moͤgen: Vatter vnd Mutter haben mich verlaſſen. Es hat nach abſterben ſeiner Eltern/ die gantz Vniverſitet zu Tuͤbin⸗ gen ſich ſeiner in Vormundſchafft angenommen/ doch zweyen in⸗ ſonderheit alle Sachen zu verwalten befohlen/ welche/ ob ſie wol be⸗ funden/ daß er ein anſehenliches von ſeinen lieben Eltern ererbt ge⸗ habt/ haben ſie jhn doch nicht in ſeim eigenen Zaum vnd Mutwillen auffwachſchen laſſen/ ſondern in der zucht vnd vermahnung zu dem Herꝛen aufferzogen/ vñ zur Schul geſchickt/ welche ſeine Vorſteher er widerumb in allen Ehren gehalten/ vnnd jhnen gehorchet/ ſeinen ſtudiis fleiſſig obgelegen/ alſo/ daß er nicht allein Philoſophiam zimlich gefaſſet/ ſonder auch im ſtudio Juris ein guten Grund ge⸗ legt hat/ vnnd daher bey menniglich ein gute hoffnung von ſich er⸗ wecket Als er nechſt verſchiene Meß/ mit Raht vnd Verwilligung ſeiner Vorſteher ſeine Studia zu continuiren/ ſich auff dieſe Lobliche Vniverſitet begeben/ hat er ſolche zeit vber ſich in allem Chriſilich vnnd loͤblich erzeiget/ G. O T T vnnd ſein heyliges Wort lieb gehabt/ darneben ſich aller Tugendt vnnd Erbarkeit beflieſſen gegen die/ ſo jhm vorgeſetzt/ Ehrcerbietig/ gegen ſeines gleichen aber freundlich geweſen/ daß menniglich mit jhm wol zu frie⸗ den geweſen/ vnnd er auch kein Kind erzurnet gehabt/ in ſeinen Stu⸗ diis, wie jhm zeugnuß gebenalle/ ſo mit jhm vmbgangen jiſt er auß dermaſſen fleiſſig geweſen/ daß man keinen Zweiffel gehabt/ wann jhm Gott ſein Leben haͤtt friſten ſollen/ er ein vortrefflichen Mann haͤtte geben koͤnnen/ der ſeinen Herꝛn Vatter ſeligen hett entſetzen/ ſeinem Vatterland vnnd gemeinem Nutzen dienen/ auch ſeiner Freundſchafft vnnd Angewandten ein Zierd ſeyn koͤnnen. Aber wie alles auff dieſem Jammerthal gantz eyteliſt/ alſo hat ſichs auch an dieſem Studioſo befunden/ denn ermitten im Lauff ſeiner ſtudio⸗ rum . ſeben Rind⸗ Da⸗ nEs aͤbin⸗ enin⸗ olbe⸗ btge⸗ dillen ldem ſiche enen dam dgep che⸗ zung gliche ſllch tlieb eſen chen fiie⸗ tü- auß vann dann ten/ einer wie han gio- rum ——— 3 Erſter Theyl. 89 rum vngefaͤhrlich vor 14. Tagen mit der jetzt regirenden Plag der Ruhr/ von G Ott iſt heimgeſucht worden. Ob dann wol der Herꝛ Medicus allen moͤglichen fleiß gethan/ auch eine Zeitlang gute Hoffnung zur beſſerung geweſen/ So hat doch Gott der Allmaͤch⸗ tig ſeinen Raht nunmehr im Werck offenbaret/ daß ſeine Seeljhm wol gefallen/ vnnd er darumb mit jhm eilen woͤllen auß dieſem boͤſen Leben/ Sap 4. Iſt am Dienſtag zu Abend ſehr matt vnd krafftloß worden/ derowegen er mich vnwuͤrdigen Diener dieſer Chriſilichen Gemein zu ſich beruffen laſſen/ vnd Troſtes begert. Als ich jhn nun erinnert/ wann er bey G Ott Gnad erlangen wolte/ daß er darzu den rechten Weg durch ware Buß an die Hand nemen wolte/ hat er zur Antwort gegeben/ er erkenne vnd bekenne fur Gott/ daß er ein armer vnd groſſer Suͤnder ſey/ hab aber das vertrawen zu Gott/ wenn ſei⸗ ne Suͤnde ſchon blutroht weren/ daß ſie doch ſolten ſchnee weiß wer⸗ den/ dieweil jhn Chriſtus mit ſeinem thewren Blut davon gewaſche hette. Darauff hab ich jhm vorgeſprochen die gewoͤhnliche offne Beicht/ die er mitgebetet/ vnnd die Abſolution darauff erfolgen laſ⸗ ſen/ vnnd nach dem er geſpuͤret/ daß die Kraͤffte mercklich abgenom⸗ en/ gebetten/ man wolte doch mit dem. Abendmal eilen/ auff daß er auch deſſelbigen hohẽ Troſtes/ zu ſeines Glaubens ſterckung moͤcht theilhafftig werden/ wie jhm dann wider fahren/ vnnd er ſolches mit aller Ehrerbietung vnd Chriſtlicher andacht empfangen/ auch Gott fuͤr ſolche Gnad hertzlich gedancket/ ſich darauff Gott befohlen/ vnd da er gefragt worden/ ob er etwan ein ſonderlich Anligen hette/ koͤndt ers offenbaren/ zur antwort geben/ er hab ein gut ruhig Gewiſſen. Nach dieſem haben wir jhm vorgeſprochen den Chriſtlichen Glau⸗ ben/ darauffer ſich erklaͤret/ daß er das alles von Grund ſeines Her⸗ tzens glaub/ auch darauff leben vñ ſterben woͤlte. Wann wir ein Ge⸗ bet geſprochen/ hat er allemal mit lauten Worten Amen geſagt. Diß hat alſo gewaͤhret biß vmb 2. Vhr deß Morgens/ daer ſeine Seel ſeinem Hern Chriſto befohlen/ ſanfft vnd ſtille/ nicht geſtorben/ ſon⸗ dern entſchlaffen/ daß er auch nicht einen Finger gereget/ iſt alſe b 5 jhm —„ A 90 Gießiſcher Leichpredigten jhm wahr worden das Wort vnſers Herꝛn Chriſti/ Iohan. 8. War⸗ lich ſag ieh euch/ ſo jemand mein Wort wird halten/ der wird den Todt nicht ſehen ewiglich. Item/ Apocalypſ. 14. Selig ſind die Todten/ die in dem Herꝛen ſterben/ von nunan: Ja der Geiſi ſpricht/ daß ſie ruhen von jhrer Arbeit/ denn jhre Werck folgen jhnen nach Alſo/ daß einer wol wuͤndſchen moͤcht/ auß dem 2 Capitel deß vier⸗ ten Buchs Moyſis: Moriatur anima mea morte Juſtorum, Meine Seel ſterb deß Todts der Gerechten/ vnd mein End ſey wie dieſer End.— Der getrewe Gott woͤlle jhm an jenem groſſen Tag ein froͤ⸗ liche Aufferſtehung verleyhen/ vnd vns ſaͤmptlich zu erkenen geben/ daß wir ſterben muͤſſen/ auff daß wir klug werden/ vnnd bey dieſem vngewiſſen vergaͤnglichen Weſen auch trachten nach der Statt/ die einen Grund hat/ deren Bawmeiſter vñ Schoͤpffer G Ott ſelbſt iſt/ damit wir darinn Buͤrger ſeyen/ mit den Heyligen vnnd Gottes Haußgenoſſen/ jmmer vnnd ewiglich. Das woͤlle vns allen verleihen/ GOtt Vatter/ Sohn vnd hei⸗ liger Geiſ/ hochgelobt in Ewigkeit/ Amen. 8885 SS S Se Se SSSSSeSSSesSsesesene ee Scechſte Leichpredigt/ Bey der Leich vnnd Begraͤbnuß der Ehrn vnnd Tu⸗ gentreichen Frawen Eliſabeth/ deß Ehrnveſten vnd hoaßgelahrien Herꝛn/ Helffrici Gerlachs/ beyder Rechten Doctorn/ vnnd Fuͤrſtlichen Heſſt⸗ ſchen Rahts in Gieſſen/ Ehelichen Haußfrawen ſeligen/ welche den letzten Auguſti im Herꝛn ſelig entſchlaffen/ vnd den 4. Septembris hernacher in Anno 1608. Chriſtlich zur Erden beſtattet — worden/ 8 Gehalten zu Gieſſen 4. . 4 urch. Jeremiam Vietorem, Der. Schriffe Doctorn/ Pfarꝛherm vnnd Superiutendenten daſelbſten. p . lalmm. eͤ Erſter Theyl. 91 PSALM. LXXIII. v. 23. 2 4.25.26. 2p. 28. ᷣEnnoch bleibe ich ſtets an dir/ Deñ du heltſt mich bey meiner rechten Hand. * Du leiteſt mich nach deinem Raht/ vnnd nimbſtmich endlich mit Ehren an. Wenn ich nur dich habe/ ſo frag ich nichts nach Himmel vnd Erden. Wenn mir gleich Leib vnd Seele verſchmacht/ ſo biſtu doch Gott allezeit meines Hertzens Troſt/ vnnd mein Theil. Denn ſihe/ die von dir weichen werden vmbkom⸗ men/ du bringſt vmballe die wider dich huren. Aber das iſt mein Freidde/ daß ich mich zu Gott halte/ vnnd meine Zuverſicht ſetze auff den HERRR HERR N’ daß ich verkuͤndige alleind dein Thun. Erklaͤrung. Ve liebteim HẽSRRn G. ꝓᷣRiſto/ Es iſt ein 4 S3 gemein aber gleichwol warhafftig Sprichwort: Nulla Calamiras ſola: Kein Creutz oder Vn⸗ 1(Sgluͤck komptallein. 13 Wir hoͤᷣren ſolches dieſe Zeit herauß in der S G) Hiſ ſorien deß frommen/ Gottſeligen Koͤnigs Hitzkix: Als der Wuͤter ich Senacherib demſelbigen/ in ſeinen Lau den vnnd Leuten/ vnnd beſonders der Hauptſtatt Jeruſalem/ mit Schnauben/ Trotzen/ Pochen vnnd gifftigen Laͤſterungen wi⸗ der GOT Tohneauffhoͤren zuſetzte/ Rieff vnd ſchrye er: Das iſt Rega, ein Tag der Noth/ vnnd ſcheltens vnnd läſtene Die inde ſind M 2 kom⸗ 92 Gießiſcher Leichpredigten kommen an die Geburt/ vnnd iſt kein Krafft da zu gebaͤhren. Hier⸗ bey bleib es nicht/ ſondern faſt vmb eine Zeit/ wirfft jhn der liebe GOᷣt in dermaſſen beſchwerliche Kranekheit/ daß er natuͤrlicher weiß deß Todts ſeyn muͤſſen/ wo der allmechtige G Ott/ein He Rꝛ deß Todts vnnd Lebens/ jhn nicht wunderbarlich reſtituirt vnnd er⸗ halten/ wie er ſelbſt bekennet in ſennem Herꝛlichen Cantico: Sihe/ vmb Troſt war mir bang/ duaber haſt dich meiner Seelen hertz⸗ lich angenommen/ dulieſſeſis mich entſchlaffen/ vnnd macheſt mich leben. 8— Wir erfahren obgedachtes Sprich worts Warheit auch bey vorſtehender Gelegenheit: Vor wenig Tagen haben wir anhero zu ſeinem Ruhebettlein gebracht/ deß Ehrnveſten vnnd Hochgelahr⸗ ten Herꝛn Heffriei Gerlachij/ der Rechten Doctoꝛn vnnd Cantzley Nahts allhter/ ein gar hertzlich liebes Toͤchterlein Chriſtinulam/ dem Gott ein froͤlch Erſtandnuß an jenem groſſen Tag verleyhen woͤlle: Jetzo begleiten wir anhero Ehrngedachtes Herꝛn hertzliebe Haußfraw ſengen Andenckens/ dadurch dem ſelbigen gleichſamb als ein ſtuͤck von ſeinem Hertzen geꝛiſſen worden: So iſt beſagter Herꝛ Doctor auch ſelbſten mit Leibs Schwachheit behafftet/ alſo daß derentwegen er ſeiner hertzgeltebten Haußfrawen ſeligen die letzte Ehr deß Geleits anhero/ wie gerner gewolt/ nicht erzeigen koͤnnen. Wolan/ wann Chriſten ſehen/ daß gemeiniglich derlliebe ge⸗ crewe G OTt alſo mit ſeinen außerwehlten Kindern pflegt zu pro⸗ eediren/ gehets nicht ab/ es beginnen ſich dero viel/ beſonders die/ ſo in der Creutzſchul noch nit eben ſo vielfaltig exerciert vnnd geuͤbt/ faſt hart daran zu ſtoſſen. Demnach/ Geliebte in. Ne dt int/ damit ſo wol wir ſelbſt/ als alle Creutz Bruͤder vnnd Schiveſtern/ in vnſers lieben GOTToes Weiß vns ſchicken/ vnnd ſein Intent hierinnen recht faſſen ler⸗ nen/ So woͤllen wir bey dieſer vorſtehenden betruͤbten Geine eit ⅛⅓ Erſter Theyl. 93 heit/ die abgeleſene Wort auß dem 73. Pſalmen mit einander kuͤrtz⸗ lich in der Forcht G OTtes beſehen: Sintemalin denſelbigen ſehr groͤſtlich angezeigt wird/ wie auch in den groͤſten vns zuſtehenden Noͤthen/ nichts ohn ſonderlichen Raht G Ottes ergehe/ vnnd wann es lang herumb gangen/ daß doch endlich alle die jenige ſo ſich zu Gott halten/ vnd jhr Zuverſicht ſetzen auff den Herꝛen Herꝛn/ mit groſſen Ehren ſollen erhalten werden. Der Allmaͤchtige Gott woͤlle vns zu allen Seiten ſeinen hey⸗ ligen Geiſt verleyhen/ daß/ was wir reden vnnd hoͤren/ zu ſeines Nahmens Lob vnd Preiß/ vns aber zu Troſt vnnd Sterckung vn⸗ ſers ſchwachen Glaubens gereichen moͤge/ in EHRiſto Jeſu Amen. — 1 O vieel den Anſang betrifft ſieht im Tittel dieſes Pſalmens/ daß jhn Aſſaph/ der Sohn Barachig/ ſo nicht allein ein vor⸗ trefflicher Muſicus/ vnnd Koͤnig Davids Capellmeiſter/ ſondern auch mit Prophetiſchen Geiſt dermaſſen begnaͤdiget gewe⸗ ſen/ daß er durch Getrieb deß Geiſtes G O Ttes/ herꝛliche Pſalmen getichtet/ gemacht vnnd hinderlaſſen hat. Die Wort lauten alſo: Ein Pſalm Aſſaph. Vnd iſt dieſem Aſſaph beſonders darumb in denen verleſenen Worten zu thun daß er demonſtrier vnnd beweiſe: Es ſey der Goͤtt⸗ lichen/ Vaͤtterlichen Lieb vnſers Himliſchen Vatters nit zu entge⸗ gen/ wañ er ſchon geſtatte/ das ſeine liebe fromme Kinder durch viel⸗ faͤltig Creutz betrubt/ vnd darneben von den Weltkindern vor Nar⸗ ren gehalten werden. 1 Es thut mir zwar wehe im Hertzen/ ſpricht er in vorgehen⸗ den Worten/ vnnd ſuicht mich in meinen Nieren/ das iſt/ Es thut mir hertzlich wehe/ vnnd beStruͤbt mich hoͤchlich/ daß/ Je mehr ich mich zum reinen Gottesdienſt halte/ je mehr ich der Gottloſen Welt muß ein Nax? ſeyn/ muß hoͤren: Ich wiſſe vnnd verſiehe nicht M 3 was I. Paral. 16.17. 2. Paralip. 29. Vv. 3 0. —A 3 94 Gießiſcher Leichpredigten was ich thue/ ſey ein grober vnverſtaͤndiger Eſel/ wiſſe mich nicht in die Welt vnnd in die Sachen zu ſchicken. Die Welt wil mich hierauß vberꝛeden/ GOTt ſey mein Feind/ ſonſt wuͤrde er mich auß allen Noͤhten zeitlich genug reiſſen/ vnnd nicht alſo vber laſſen vexi⸗ ret werden.. Aber mir nicht alſo: Der Gottloß Hauff mag ſagen was er wil. Dennoch bleibe ich ſtets an dir/ du heltſt mich bey meiner Rechten Hand. Du leiteſt mich nach deinem Raht/ vnnd nimbſt mich endlich mit Ehren an.. Zeigt in dieſen Worten Aſſaph der Pſalmiſt an: Ein Kind Gottes muß bey den viſitationibus Dei, vnnd vaͤtterlichen Heim⸗ ſuchungen Gottes nicht ſehen auff die euſſerliche vnd leibliche Guͤ⸗ ter/ vnnd dannenher muhtmaſſen/ wie es GO Tt mit jhm vorhabe/ ſolch Judicium vnnd Vrtheil trifft gar nicht zu/ ſondern heiſi ſich richten/ nach den Geiſtlichen Reichthumben GOTTos/ damit er die Glaubigen/ beyde hie leiblich vnnd dann auch dort ewiglich pflege gleichſam als zu vberſchuͤtten. Vnter welchen Geiſtli⸗ chen Guͤtern dieſes nicht der geringſten eins iſt. Erſtlich/ Daß der allmaͤchtige G OTt jhnen gantz gegenwaͤriig iſt/ vnnd nicht al⸗ lein nach ſeiner vniverſal vnnd allgemeinen Gegenwaͤrtigkeit/ da⸗ durch er ſonſt auch in der Welt alles erhelt/ ſondern mit ſeiner ſon⸗ derbarer gnaͤdigẽ Barmhertzigkeit/ damit er in den Glaubigen wob⸗ net/ zu jhnen kompt/ vnnd Wohnung bey jhnen machet/ vnd ſie da⸗ durch Tempel deß H. Geiſtes werden. 1 Das verſtehet er/ wann er ſpricht: Dennoch bleibe ich ſtets an dir. Ich bin dein vnnd du biſt mein/ vns ſoll der Feind nicht ſcheiden. Darnachen/ daß der getrewe Gott mitten in denen auch 35 en ———.— Erſter Theyl. 95 ſten Noͤthen/ ſeine liebe Kinder ſchuͤtzete vnnd fuͤhrete/ ja gleichſam als in ſeinem Schoß tregt/ aller maſſen wie ein fromb Datter o⸗ der Mutter ſein ſchwaches Kind Anfangs mit der Hand leiter vnnd fuͤhret/ biß es ſtaͤrcker auff den Beinen wird/ davon Plalm. 23. Eſa. 49. PDſalm. 103. Eſa. 43 gar troͤſtlich gehandelt wird: Das wil Aſſaph/ wannerſagt: Du heltſt mich bey meiner rech⸗ ten Hand/ Da ſonſten wann wir vnſern eigenen Kraͤfften gelaß⸗ ſen wuͤrden/ es gar bald ſchroͤckliche vnd gefaͤhrliche Faͤll mit vns ge⸗ ben wuͤrde. Zum Dritten/ daß ſie in dieſem allem bey den Kindern Got⸗ kes/ gar nichts vngefaͤhrlicher weiß zutregt/ wie zwar jhnen den Glaubigen in den tieffen Noͤhten dergleichen kleinmuͤtige Gedan⸗ cken moͤgen zuſtehen/ ſondern der ewige G Ott nach ſeinem Raht ſie leitet: Du leiteſt mich/ ſpricht Aſſaph/ nach deinem Raht. Dasiſt/ GOT Tder Himliſch Vatter weiß wol/ wie er mit ſeinen lieben Kindern heylſam fahren ſoll/ Theilet jhnen darneben durchs Wort vnd den reinen Brauch ſeiner heyligen Sacramenten/ ſeinen heyligen guten Geiſt mit/ welcher jhre ſonſten matte. Hertzen dermaß ſen mit lebendigem Troſt/ als der einige Paracletus vnd Troͤſter in aller Noht erfuͤllet vnnd erquieket/ daß ſie alle Anlaͤuff vnnd Stoͤß Fleiſch vnnd Bluts/ Ja auch deß Boͤßwichts/ ritterlich wiſſen auß⸗ Epkeſ⸗. zuſchlagen/ vnd der Geiſt Gottes jhrem Geiſt Zeugnuß giebt/ daß ſie Kinder Gottes ſeyen/ vnd ſie niemands auß deſſen Haͤnden wer⸗ de reiſſen koͤnnen.oh. 10. Rom. 8. Vnnd endlich/ wann es lang herumb gangen/ die Glaubi⸗ gen ritterlich gekempffet/ Glauben gehalten/ vnd jhren Lauff vol⸗ lendet/ der ewige G Ott in Coriſto Jeſu vnſerm He RR/ ſie zum ewigen frewdenreichen Leben wil auff vnnd annemen/ da alle Threnen ſollen von jhren Augen gewiſchet werden/ vnnd ewige Frewde vnd Wonne ſeyn vber jhren Haͤuptern. Dahin Aſſaph ſihet/ in dem er ſagt: Vnd 96 4 Gießiſcher Leichpredigten Vnd du nimbſt mich endlich mit Ehren an. Auff welches/ wann die betruͤbte Kinder GO Ttes ſehen/ ſie freylich mit S. Petro mit groſſem Muht ſagen koͤnnen: Selig ſind wir/ wenn wir geſchmehet werden vber dem Nahmen Chri⸗ ſti/ Dann der Geiſt der ein Geiſt der Heyligkeit vnd GOTTEo⸗ iſt/ ruhete auff vns/ bey jhnen iſt er verklaͤret/ bey vns aber iſt er ge⸗ Lehr vnd Troſt. 8 Aſt vns hierbey in Acht nemen vnd lernen/ daß es zwar nicht ſeltzam iſt/ wann auch die heylige Kinder G OTtes vnterm ACreutz ſeufftzen/ wintzeln/ wie ein Kranich vnnd Schwalbe/ Kirꝛen wie ein Taube/ vnd ſolches alßdann vmb ſo viel mehr/ wenn ſie neben ſich bluͤende Gluͤck/ vnd die gutẽ Tag der Gottloſen ſehen: Dabey pfleget ſich auch offtmals die Vngedult in jhnen zu uͤben: Wir ſehen es allhie/ in dem ſich Aſſaph durch den gantzen Pſalmen ſehr daruͤber graͤmet vund friſſet: So thut es ebenmaͤſſig auch Job hin vnd wider in ſeinem Buch. Jeremias der Prophet. im 12. Haba⸗ cuc am J. Es muß vnd ſollaber bey dem Seufftzen nicht bleiben/ ſon⸗ dern der Vngedult wil widerſtrebet ſeyn: Alſo thut jhm allhie Aſſaph der Sohn Barachie: Er beklaget ſich zwar vnnd gehet jhm nahe/ daßer den Gottloſen muſte ein Narꝛ/ vnnd wie ein Thier vor jhnen ſeyen. Darneben aber laufft er vber das Heyligthumb Gottes/ erho⸗ let ſich Lehr/ Troſts vnd Vnterꝛichts/ vnd lernet ſo viel: Ob es wol ein zeitlang den Gottloſen trefflich wol/ hergegen jhm vnnd den Heyligen G.O Ttes/ nach dem Vrtheil der Vernunfft vbel gehe/ vnd die Feinde deß HE RRR gedencken/ GOT T habe die From⸗ men verlaſſen/ ſich von jhnen abgethan/ wolle jhrer nicht/ ſo bleibe er doch ſtehts an jhm/ vnnd erhalte jhn G OTT bey ſeiner rechten Hand. Dem frommen G Ott gefaͤlt es alſo/ daß das Gericht an ſei⸗ nem Hauß anfahe/ vnnd ſich das Schwert auffmach vde den . ann/ Erſter Theyl. 97 Mann der jhm am nechſten iſt/ vnnd die Plage anfang in der Lach. 33. Statt/ ſo nach ſeinem Nahmen genennet iſt. Diß alles aber/ Ierem. 15. nicht auß Feindſchafft/ ſo etwa G.OTt wider die ſeinen gefaſt het⸗ te/ ſondern auß rechter Lieb/ ſintemal welche der HE RR liebet/ die ſtrafft er/ vnnd hat an jhnen Wolgefallen/ wie ein Vatter an ſei⸗ nen Soͤhnen. Daher wir auch die Zucht deß F ERRNR nicht ſol⸗ pr len verwerffen/ oder vber ſeiner Straff vngedultig werden: Der HER ſo vns zuͤchtiget/ vnnd vielmal alſo hertzet/ daß vns die Au⸗ gen daruͤber voller Thraͤnen werden/ meynets trewlich gut/ ſu⸗ chet vnſern Nutzen/ damit wir mit der Gottloſſen Welt nicht ver⸗· dampt/ nicht rohe/ ſicher vnnd muhtwillig werden/ oder ſeiner vergeſſen/ ſondern als die in Engſten ſeyn/ zu jhm ruffen vnd erhoͤret werden.. Auß welchen Vrſachen/ wir jetzt vor das zweyte mercken ſollen/ wie wir in ſolchen Exercitiis, ſo G Ott mit vns an die Hand nimbt/ verhalten/ oder zu wem wir fliehen ſollen/ Nemblich zu Gott. Es gehe mir wie es woͤlle/ HErꝛ nach deinem Willen/ ſo bleibe ich doch ſtetigs an dir/ ſagt Aſſaph: Vnd weiß/ daß ich bey dir verwahrt bin/ als der du mich bey meiner Rechten feg helieſt/ vnd zu ewigem Verderben nicht ſincken laͤſſeſt. Hierauff lieber Chriſt/ wil warlich gar genaw geſehe n ſeyn in den groͤſten Betruͤbnuſſen/ darein vielmal der Allmaͤchtige Eſa.38. Gott ſeine allerliebſten laͤßt gerahten. Ach mein Gott vnnd HE RR ſpricht Hißkias/ War mir nicht vmb Troſt bang Ja ſehr bang/ du aber nambſt dich meiner Seelen hertzlich an/ daß ſie nicht ver⸗ durbe. Wie vbel gehielt ſich doch die Iſraelitiſche Kirch/ wie heule⸗ Eſ. 49. ten vnnd ſeufftzeten die Glaubige von aller Welt verlaſſene Kinder Gottes. Sion ſprach: Der Herꝛ hat mich verlaſſen/ der Herꝛ hat meiner vergeſſene Was bekomen aber die hertzbetruͤbte in jhren ſin⸗ gultibus vnnd Seufftzen/ von G O T Tjhrem Vatter vor ein Antwort? N Kan overb.;. Or. II. II. Job. 10. Plſal. 13. VWI. 98 Gießiſcher Leichpredigten Kanauch ein Weib jhres Kindleins vergeſſen/ daß ſie ſich nicht erbarme vber den Sohn jhres Leibs? vnnd ob ſie deſſelbigen vergeſſe/ ſo wil ich doch deiner nicht vergeſſen. Sihe/ Ecce, in die Hand hab ich dich gezeichnet/ deine Mawren ſind jmmerdar fuͤr mir/ deine Bawmeiſter werden eilen/ aber deine Zerbrecher vnnd Verſtoͤrer werden davon eilen. Summa/ vnſer G O TT wil vnſer HE RR/ HERR/ Heyland vnnd Erloͤſer ſeyn vnnd bleiben. Bedunckt das kleine Haͤufflein G Ottes/ einen Hertzbetruͤb⸗ ten Chriſten vielmals/ der HE RR woͤlle ſich vielmals ſolcher treff⸗ lichen Vertroͤſtungen nicht genugſamb erinnern/ Soſpreche er mit Jobo am 10. Wiewol du ſolches in deinem Hertzen verbirgeſt/ ſo weiß ich doch daß du deſſen gedenckeſt: Vnnd laß dir auch geſagt ſeyn/ was geſchrieben ſtehet/ Eſa. 43. Fuͤrchte dich nicht/ Ich hab dich erloͤßt/ Ich hab dir bey deinem Nahmen geruffen. Du biſt mein/ Ich bin bey dix. Dein Erloͤſer vnnd Heylige in Iſrael/ dein Heyland. Trette in die Fußſtapffen Koͤnig Davids/ welchen ob wol dauchte/ der Herꝛ hette ſein eben gar zu lang vergeſſen/ vnd ſein Ant⸗ lit vor jhm verborgen/ Er muſte faſt in ſeiner Seelen Angſt verge⸗ hen/ dennoch nicht nachleßt/ auch endlich ſo hertzlich getroͤſt wird daß er außbricht vnd ſpricht: Herꝛ/ Ich hoff darauff daß du ſognaͤ⸗ dig biſt/ vnnd mein Hertz erfrewet ſich/ daß du ſo gern hilffſtꝛ Darneben erkennet/ daß durch daß Creutz ſo er jhm hett zugeſchiekt/ gar wolan jhm der Herꝛ gethan habe/ vnd daß er deinſelbigen dafuͤr zuſingen vnd zu dancken ſchuldig ſey. Laſt vns vors Dritte weitter allhie wol in acht nemen/ wie wir feſt in einem ſo kindlichen Vertrawen zu G OTt/ der ſich ſo vaͤtterlich vmb deß lieben Meſſiæ willen/ gegen vns erklaͤret/ blei⸗ ben moͤgen: Frommer G O TT/ Hie thun es warlich gar nicht vnſere Kraͤffte/ wie bald fallen wir dahin/ vnnd geben aller Welt Zeugnuß/ daß wir arme elende Menſchen ſeyn. Auff vnſern lieben Erſter Theyl. 99 lieben Himliſchen Vatter wil abermal allhir allein geſehen ſeynꝛ Du/ ſagt Aſſaph: Du/ Duheltſt mich bey meiner rech⸗ ten Hand: Denſelbigen vmb Beſtaͤndigkeit vnnd Ritterliches Außthawren/ mit glaubigem Gebet erſuchen. Solcher vnſer Gott vnd Vatter aller Gnaden/ der vns beruffen hat zu ſeiner ewigen Herꝛligkeit in C hriſto JEſu/ wird vns/ die wir ein kleine Zeit allhir leyden/ wol bereiten/ ſtarcken/ kraͤfftigen/ gruͤnden/ daß wir da ßEnde„ Pet.1. vnſers Glaubens/ Nemblich der Seelen Seeligkeit darvon brin⸗ gen. Zwar/ es verlaͤßtſich mancher auff groſſe Fuͤrſten vnnd Her⸗ ren/ derer Hulde vnd Gnade/ es mag wolauch ein Zeitlang weh⸗ ren/ ſie leiten ſich mit den Haͤnden/ endlich aber ſo bricht der Ror⸗ ſtab Egypti: Herꝛn Gunſt iſt wie Aprillenwetter/ ſie endern ſich vielmal/ Hominis voluntas ambulatoria: Wer ſich aber ſtets bey dem lebendigen G Ott/ dem Herꝛn aller HErꝛen finden laͤßt/ vnnd wen derſelbige mit der Rechten ergreifft/ ſoll nicht zu Schan⸗ den werden/ Gutes vnd Barmhertzigkeit werden jhm folgen ſein Le⸗ p benlang/ vnnd wirdt bleiben im Hauß deß HE RREN jmmer⸗ dar. Wer ſich vnter dieſes Heren Curam vnnd vaͤtterliche Pro⸗ videntz begiebt/ der wird weißlich gefuͤhret/ der ſorg nicht daß jhn G Ott durch einige Vnbedachtſamkeit werde in Angſt vnd Hohn kommen laſſen: Er wird geleitet durch Gottes Raht/ welcher wol weiß/ was er mit ſeinen lieben Erwehlten thun ſoll/ vnnd wann die Gottloſe Welt lang gemeynet/ Gott ſey jhr Feind/ hab ſie verlaſſen/ wil er ſie erſt recht zu Ehren annemen/ vnnd dermaſſen erfrewen/ daß ſie Jauchtzen vnnd vber ſeinen Wercken frolocken/ vnnd in allem ſich allein auff jhn ziehen ſollen/ wie wir in folgen⸗ den Worten deß Pſalmiſten Aſſaphs hoͤren werden. N 2 II. ſal m. 25. Pſalm. 23. m. 3. No-- Pſalm. z1. 1 j00 Gießiſcher Leichpredigten 1.1 ſietig vnnd feſtan GOCTt/ auch in den hoͤchſten Noͤhten! bleiben/ ſich erfrewen/ daß einen GO T bey ſeiner Rechten faſſe/ Daß derſelbige einen nach ſeinem allerbeſten aht lei⸗ te/ vnd endlich zuEhren annemee Mit nichten/ ſondern er wird daruͤ⸗ ber ſo hertzhafft/ ſo frewdig/ ſo vnerſchrocken daß er aller erſchaffe⸗ nen vergenglichen Ding ſauber vergiſt/ vnnd mit groſſem Helden⸗ muht herauß bricht/ ſagend. Wann ich nur dich habe/ ſo frageich nichts nach Himmelvnnd Erden. Das iſt/ mein getrewer G OTT/ wann ich nur deine Hulde vnnd Gnade habe/ ſo frag ich nichts nach allen andern Creaturen im himmel oder auff Erden/ an deiner Gnade vnd Barmhertzig⸗ keit genuͤget mir mehr/ als an aller ander Frewde vnnd Wolluſt/ wie ſolche jmmermehr moͤgen Nahmen haben: So du H ER Rmein Hirt worden/ mangelt mirs an nichts. Iſt G O T I mit mir/ wer wil wider mich ſeyn? Obich dann ſchon wandeln ſolte im finſtern Thal, fure reich doch kein Vngluͤck/ denn du biſt bey mir. Dein 7. Stecken vnnd Stad troͤſten mich/ du biſt mein Felß vnnd mein Burg. Diun helt er daſſelbige vor ein vngewiſſes vnnd naͤrꝛiſches/ Ferꝛner/ damit nicht ſemand fuͤrwerffen moͤgen dem Pſal⸗ miſten Aſſaph/ daß er auſſerhalb groſſem Ereutz ſo ammoß onnd hertzhafft wer/ den nechſten/ daes zu Kleinmuͤtigkeit vnnd dem Leyden kommen ſolte/ wuͤrde er anders reden: So ſetzt er dar⸗ auff: Wenn mir gleich Leib vnd Seel verſchmachtet/ ſobiſtit doch Gott allezeit meines Hertzens Troſt/ vnd mein Theyl. Seynd Wort eines groſſen Glaubens/ Fidei celſiſſimæ, wie — der des ten iner tlei⸗ aruͤ⸗ affe den⸗ - c. unde iren zig⸗ wie nen wer ſern Ddein nen F und dem dar⸗ tet/ ens wie der Erſter Themi 10). der Chriſttiche Poet Sedulilas vom Glauben deß Cananeiſchen Weibleins redet/ vnid wil Aſſaph ſagen von ſeinem herzlichen Vertrawen auff S OTt/ vnndin demſelbigen allein/ alle Frewde Troſt vnnd Monne zu ſuchen/ ſoll ihn auch der Todt ſelbſt/ wann Leib vnnd Seel von einander ſollen getrennet werden/ kein Schmertz noch Kranckheit/ kein Ohnmacht oder Mattigkeit abwenden: Der⸗ ſelbige hab ihm Leib vnnd Seel gegeben/ Nember ſir jhmwider/ ſo koͤnne vnnd werde er ſie hiernechſt auch wider geben vnd zuſammen bringen: Solte er ſchoͤn auch alles jrꝛdiſche verlieren/ wol vnd gut/ ſo hab er ſein Erbtheil an Gott/ das werden jhm weder Tyrañen noch der Teuffel nemen koͤnnen: Trotz jhm die Welt/ vnnd wolte ſich vn⸗ terſtehen jhn matt zu machen/ ſo wiſſe er/ daß Gott im Himmelalle⸗ zeit ſeines Hertzens Troſt ſeyn vnd bleiben werde. Ja ſagt er: Solte ich mein lieben G Ott verlaſſene Viel mehr iſt meine einige Frewde/ daß ich mich zu GOtt halte/ vnnd mein Zuverſicht auff den Herꝛn/ He Run ſetze/ vnd jhm vor ſeine mir bewiſſene Woltahten Lob vnnd Danck ſage: Mit groſſem Ernſt durch ſeinen Goͤttlichen Beyſiand ſich gehutet vor dem verfluchten Abfall vonjhm. Dann ſihe/ die von dir weichen/ werden vmbkommen/ verſtehe zeitlich vnnd ewig vnnd Alle die wider dich huren/ das iſt/ die ihr Vertrawen auff was anders als auff den lebendigen G OTtſetzen/ vnndalſo bruͤchich worden an dem Ewigen GOtt. Bringſtu vmbdas iſt/ ſie muͤſſen zu Schan⸗ den werden/ vnnd als Vnbußfertige/ ewiglich zu Grund gehen. Vnnd das iſt auch der Verſtand dieſer vbrigen Wort deß Pſalmi⸗ ſten Aſſaphs. Lehr vnd Troſt. Elche in Warheit wir vns auch nach allen muͤglichen Dingen ſollen Nutz machen/ ſintemal ſie voller Lehr vnd Troſt ſtecken. Vnd Erſtlich lernen wir/ was es fuͤr ein herꝛ⸗ lich Ding ſey vmb jnnigliche Behertzigung der groſſen Gutthaten Gottes/ ſo er an ſeinen lieben Kindern erweiſet: Hie macht dieſelbige 3 den Pſalm. 118. Luc. 16. Pſalm, 91. 18* Gießiſcher Leichpredigten den Aſſaph ſo munder vnndfreudig/ daß er alles geitlichen vergiſſet/ vnnd allein bey ſeinem gnaͤdigen Gott zu vleiben begeret: Aller maſ⸗ ſen wie auch Koͤnig David thut im ns. Pſalm. Der HEyꝛꝛ iſt mit mi/ was koͤnnen mir Menſchen thun⸗Gut iſt es auff den HeE RAN vertrawen/ derſelbig iſt mein Macht/ mein Pſaln vnnd mein aſtvns demnach ſauber vnd allein dahin ſehen/ wieauch wir mit Beher tigung der Erkantnuß Gottes vnd aller ſeiner Wol tha⸗ ten vns erfrewen/ vnnd ſolche gewiß ergreiffen moͤgen: Alle andere Schaͤtz/ ſie ſeyen ſo koſtlich/ thewer vnnd herꝛlich als ſie woͤllen/ koͤn⸗ nen vns doch in die Harr/ vnnd ſonderlieh in vnſern Engſten vnnd letzten Zuͤgen nicht zu Grund erfrewen. Tranſit omnis gloria mundi. Da muß die Behertzigung der Gnaden Gottes/ deß Ver⸗ dienſt vnſers Herꝛn Chriſti/ aller ſeiner Verheyſſungen vnnd erwie⸗ ſenen Gutthaten/ das beſte thun/ ſonſt iſt alles verlohren: Wann der Herꝛ in der Angſt/ darinn wir jhn anruffen/ nicht erhoͤret vnd troͤſtet/ ſo ſteht es mechtig vbel. Schone Geſtalt iſt ein feine Gabe deß Herꝛne Was bat ſie aber dem Abſolon vorgetragen⸗ Weiß heit dergleichen was hat ſie dem Nebucad Nezar genutzet Groſſe Stercke auch/ ſie hat aber den Goliath gefaͤllet/ vnnd iſt dem Simſon Anfangs vbel gelungen: So ſind Reichthumb freilich nicht zu verachten/ was hat aber jhrender Gottloſe Reich vor Nutzen gehabt⸗ e Werabenunter dem Schirm deß Höchſten ſist/ vñ vnter dem Schatten deß Allmechtigen bleibet/ der ſpricht zu dem HERren/ Mein Zuverſicht vnd mein Burg/ mein Gott auff den ich hoffe/ Er wird mich mit deinen Fittigẽ decken/ ſein Warheit wird mir S chirm vnd Schild ſeyn/ er wird mich ſchuͤtzen/ mir außhelffen/ mich ſaͤttigen mit langem Leben/ vnd mir zeigen ſein Heyl.— V Sprichſtu/ wie kaͤm aber einer doch zu ſolcher Hulde/ Gna⸗ de/ vnnd Liebe GOTtes deß Himliſchen Vatters? Antwort durch niemands anders/ als durch den eingebornen vnnd eingeliebten ſeinen Sohn/ vnſern HEn n vnnd Heyland Jeſum Chriſtum/ wie Erſter Theyl.— 1os wie Chꝛiſtus ſelbſt hezeuget: G O Tthab alſo die Welt geliehet das Johan. 3. er ſeinen eingebornen Sohn gegeben/ auff daß alle die am jhn glauben/ nicht ſollen verlohren werden/ ſondern habendas ewige Leben: Zu demſelbigen komm durch wahres gruͤndlich vertra⸗ wen/ er wird dich nicht hinauß ſtoſſen/ Dann er rufft dir ja/ komm erquicken: Er wil vnnd wird dein Wegſeyn zum Vatter Iohann. 144 Dein Mittler vnnd Vorſpraͤch: Vmb deſſen willen/ wind dich ſein glaubiges Kind der himliſch Vatter auff vnnd anne⸗ men] welcher ſeines eigen Sohns nicht hat verſchonet/ ſondern hat jhn vor vns alle dahin gegeben/ wie ſoll er vns mit jhm nicht alles ſchencken⸗ Der Apoſtel S. Paulus wird vber Chriſtli⸗ cher Conſideration dieſer hohen vnnd frewdenreichen Sachen ſo muhtig/ vnnd gegen Suͤnd/ Todt/ Teuffel vnnd hoͤll/ trotzig/ daß er exclamirt: Wer wil vns ſcheiden von der Liebe G O Ttes Truͤb⸗ ſal oder Angſt/ oder Verfolgung/ oder Hunger/ oder Bloͤſſe/ o⸗ der Faͤhrlichkeit/ oder Schwert. Wie geſchrieben ſteht: Vmb deinet willen werden wir getoͤdtet den gantzen Tag/ wir ſind ge⸗ achtet wie die Schlachtſchafe/ Aber in dem allen vberwinden wir weit/ vmb deß willen der vns geliebet hat/ denn ich bin gewiß/ daß weder Todt noch Leben/ weder Engel noch Fuͤrſtenthumb/ noch Gewalt/ weder Gegenwaͤrtiges noch Zukuͤnfftiges/ weder Hohes noch Tieffes/ noch keine andere Creatur vns ſcheiden mag von der Liebe GO T T es die in C Ruſto IEſu iſt in vnſerm Herꝛen. Ha Dieſe Behertzigung der Liebe G Ottes in Chriſio dem ver⸗ heiſſenen Samen deß Weibs/ an weichem er feſt glaubte/ treib den groſſen Propheten Moyſen dahin/ daß/ daer groß wurde/ nicht mehr heiſſen wolte ein Sohn der Tochter Pharao/ ſondern erwehlete viel lieber mit dem Volck GOT Tes Vngemach zuley⸗ den/ denn die zeitliche Ergetzung der Suͤnden zu haben/ vnnd dꝛe Schmach Chriſti fuͤr groͤſſere Reichthumb achtete/ En Schaͤtz Ioh. 6. duarmer beladener vnnd Muͤheſeliger/ vnnd verheiſt/ er woͤlle dich rh.n. 704 Gießiſcher Leichpredigten Schuͤtz Egypti. Dann/ ſagt der Text Hebar Er ſahe an die Beloß, S nung. uu m tns 2 n 3 3 Dieſe Betrachtung hat dermaſſen ineſtirt vnnd weidſch ge⸗ macht die heilige vnnd thewre Maͤrter vnnd Bekenner JEſu — Ehniſi/ daß ſie ſo gar nicht vor der zeitlichen Marter ſich entſe⸗ eet/ daß ſie viel mehr mit groſſen frewden darzu geeilet/ vnnd dem HEdraR mitten im Fewer/ Waſſer/ vnter den wilden Thierenꝛc. da fuͤr hertz lich gedancket/ wie die Exempel Polycarpi/ Laurentij/ vieler anderer frommen Mann vnnd Weibs/ jungen vnnd alten Perſonen gantz haͤuffig außweiſen. Bey denen allen hats geheiſſen: Hen⸗ wenn ich nur dich habe ſo frag ich nichts nach Himmel vnnd Erden Alt O bone Jꝑsu. Du threwer HE R Cpriſte/ hilff vns auch/ daß durch Beyſiand deines heiligen Geiſtes/ wir vns alſo nach deinem heiligen Willen erweiſen/ vnnd jederzeit bedencken moͤgen/ was es vor heylige beſtaͤndige Frewde bringt/ ſich allein zu dir 555 vnnd auff den HE RRN all ſein Zuverſicht ſetzen/ men. 210— 1I. Laſt vns ferꝛner auch allhie vom Aſſaph lernen/ wie wir vns in dengroͤſten Nohten/ ſo vns durch den weiſen Raht G. O T Tes treffen moͤgen/ Ja im Abſcheidt vnnd am Ende vnſers Lebens ſelb⸗ ſten/ verhalten ſollen/ Nemblich/ wil es mit Zagen vnnd Klein⸗ muͤtigkeit nicht auß gerichtet ſeyn. Aſſaph ſagt: Wenn mir gleich mein Leib vnnd Seele verſchmachtet/ ſo biſtu doch G. OTtallezeit meines Hertzens Troſt. Alſo ſollen wir vns auch errinnern/ GOTt werde vns in vnſerm Kampff vnd Creutz nicht entziehen ſeinen hey⸗ in⸗ Geiſt/ den Troͤſter in aller Noht/ wie die Chriſtliche Kirch inget: Sprich/ lieber Chriſt/ deiner Seelen zu/ vnnd ſag jhr/ der all⸗ maͤchtige G Ott ſey getrew/ vnnd werde niemand vber Vermoͤgen laſſen verſucht werden/ ſondern ſchaffen/ daß die Anfechtung ein ſolch Ende gewinne/ daß wir es ertragen koͤnnen. Ein Chriſi ge⸗ denckt I. Cor. 10. Erſter Theyl. jos denckt/ woͤlle ihm nicht mehr ſcheinen die euſſerliche helle Sonn vnd der Tag die Augen brechen vnnd koͤnnen nicht mehr ſehen/ ſo werde dannoch vmb vnnd bey jhn ſeyn vnnd bleiben/ die Sonn der Ge⸗ rechtigkeit IEſus CoRiſtus) der ſich ſotroͤſtlich/ in ſeinem lieben Wort deß Evangelij/ vnd den hochheyligẽ Sacramenten vns offen⸗ bahret. 3 Ja ſagſtu/ das alles were ja ein Ding/ wann es zuweilen auch mit den Engſten/ jnnerlichen vnnd euſſerlichen Schrecken/ zeitlich vnnd bald ein End neme: Es wird zuweilen gar lang. Was hoͤreich? Ey ſagt dann nicht Aſſaph: Wann mir gleich Leib vnnd Seel verſchmachtete/ ſo biſtu doch G OTt allezeit meines Hertzens Troſt vnnd mein Theil: Verlaͤſt mich die Welt vnnd ich ſie/ ſo ſte⸗ uch het dand wartet meiner/ der e JEſus Chriſtus mein Hey⸗ nach land/ vnd gibt mir ein/ vor das zeitlich das ewig/ vor das Leyden ewi⸗ gen ge Frewde/ was hab im aber verlohrenewarumb nicht viel mehr er⸗ udi obert vnnd gewonnen. So that jhm Jobin ſeinen Profundis: Ob Joba. aen mich dann ſchon/ ſagt er/ der HErꝛ toͤdten wuͤrde/ ſo wil ich dannoch 7 v dun hoffen/ er wird ja mein. Heyl ſeyn/ Ich weiß daß mein Erloͤ⸗ Jobi ls er lebt. Tes Denen folg ein jeglicher Chriſtim Creutz vnd im Todt ſelb⸗ ſab⸗ ſten: Dann wer hofft in G OT T vnd dem vertrawt/ der wird nim⸗ lein mer zu Schanden/ vnnd wer auff diſen Felſen bawt/ ob jhm gleich lich gehet zu Handen/ viel Vnfalls hie hab ich doch nie/ den Menſchen Cantio Ec- cleſiaſtica. zet ſehen fallen/ der ſich verlaͤßt auff Gottes Troſt er hilfft ſeinen Glau⸗ Tt bigenallen. hey⸗ In einem ſolchen Vertrawen ſchied ab der alte Simeon/ irch Luc. z. HErꝛ/ nun laͤßt du deinen Diener in Frieden fahren/ Denn meine Augen haben deinen Heyland geſehen. Auß den Vrſachen all⸗ begehrte S. Paulus auff geloͤßt zu werden/ vnnd zu ſeyn mit Phil.r.z. gen ſeinem lieben HERRR C. Hiſto/ vnnd vergaß alles was dahinden ein war. Oſelig vnnd vber ſelig/ alle die dieſem nachfolgen. Hilff O ge⸗ HEnR Chriſie/ vns vnd allen ſchwachen/ vmb dein ſelbſt willen. ſkt H Solte IIIL Pſalm. 1C. Apoc: z0. 1 106 Gießiſcher Leichpredigten Solte es auch mit frommen Chriſten vnnd Bekennern der Warheit dazu kommen/ daß jhnen vmb deß HEyꝛn Chriſti vnnd der lieben Warheit willen/ alles ſolte genommen werden/ ſie da⸗ durch an Bettelſtab kommen/ vnnd das truͤbe Elend bawen/ ſo be⸗ halten ſie dieſes Orts/ was Aſſaph dagegen vor Bericht thut/ Wañ 2n gleich Leib vnd Seel verſchmachtet/ ſo biſtu doch G Ott mein heil. Die Weftt/ die Tyrannen koͤnnen vns vnſern trewen GOtt vnnd Vatter nicht nemen/ es muß ohne das die Welt vnd aller Reichthumb derſelbigen vergehen: Das iſt das beſte Patrimoni⸗ um vnd Erbtheil/ daß wir wiſſen/ wir haben ein gnaͤdigen Gott im Himel/ ein trewen Mittler Jeſum Chriſtum/ vnd hertzlichen Troͤ⸗ ſter den heyligen Geiſt. Der Her:/ ſagt David/ im 16. Pſalmen/ iſ mein Gut vnnd mein Theil/ Du erheltſt mein Erbtheil/ das Loß iſt mir gefallen auff liebliche/ mir iſt ein ſchoͤn Erbtheil worden. Solch ewig vnſer Erbtheil woͤlle vns nur der getrewe G. Ote vmb Chriſti willen bewahren vnd erhalten/ ſo ſoll es vns an den ewi⸗ gen Reichthumbern nicht mangeln. Das Erbtheil aber der Gott⸗ loſen/ wird ſeyn im Pfuhl deß ewigen Verdamnuß mit allen Teuf⸗ feln Vnnd damit ſich ein Chriſt nicht ſelbſt bringe vmb ein ſolch herꝛlich/ lieblich/ ewig Erbtheil/ ſo bitt er G OTt/ daß er jhn biß an das Ende beſtendig bey jhm woͤlle erhalten/ dann es in alle weg am Abſchied ligt/ er huͤte ſich vor der Apoſtaſia vnnd dem Abfall. Dann wie Aſſaph bekennet/ Es ſey ſeine beſte Frewde/ ſich zu Gott halten/ Achærere Domino, an Gott feſt gleben bleiben/ ſich ſencken in die Wunden vnnd den Verdienſt JEſu Co giiſt/ vnnd ſich weder Welt noch deren Luͤſten/ weder Tyranney noch ver folgung/ oder den Todt ſelbſten/ von jhm trennen laſſen/ ſolches einige Gut gibt rechten Muht. Alſo ſagt erauch dagegen: Siehe/ die von dir weichen/ werden vnnbkommen/ Ja du bringſt vmb alle die wider dich huren. Won Erſter Theyl. j0? Von Gott weichen/ heiſt/ theils die einmal erkandte reine Goͤt⸗ liche Lehr verfaͤlſchen/ verkehren/ infleetiren/ ſeines Gefallens beugẽ vnd deuten/ oder gantz vnd zumal in einem vnd andern/ mehren oder allen Artikeln verleugnen/ vnd den grewlichen Ketzereyen/ dem ver⸗ dampten Epicureiſmo, vnd Heideniſchen Greweln beypflichten: Theus die Werck deß Liechts als Fruͤchte deß Glaubens ablegen/ vnnd ſich den todten Wercken/ der Suͤnden aller Vngerechtigkeit/ davon man vorher gewaſchen worden/ ergeben/ die Finſternuß mehr als das Liecht lieben. Wider Gott huren hat eben maͤſſigen Verſtand. Inmaſſen es vielfaltig im alten Teſtament durch die Propheten gebraucht wird. Nemblich/ wie es iſt ein Grewel vor den Augen deß HEn⸗ ren/ wenn der Menſch den leib ſo jhm GOtt gegeben/ nimbt vnnd vbergibt jhn den Huren/ vergißt ſeiner ehelichen Lieb vnnd Trew/ begehet Hurerey/ Vnzucht/ Vnkeuſchheit vnd Ehebruch/ vnnd ſolche Suͤnde/ die der gerechte G OT T zeitlich vnd ewig pflegt zu ſtraffen/ wie die ſchroͤckliche Exempel der Suͤndflut/ mit Sodo⸗ ma vnd Gomorra/ anderer zu geſchweigen/ außweiſen: Alſo wolle auch der gerechte Richter die Geiſtliche Hurerey da man Nemblich ſein Wort verlaͤßt/ gibt nicht jhm allein die Ehre/ ruffet jhn nicht allein hertzlich an/ ſondern forniciert vnnd huret mit frembden Goͤttern/ brauchet nicht allein G Oetes Wort vnnd Befelch pro Conſiliariis vnnd Rahtgebern/ nicht vngeſtrafft laſ⸗ ſen/ ſondern ſolche vnd jhre Liebhaber/ mit vngnaͤdigen Augen anſehen/ wie wir bißher deſſen viel Exempel gehoͤrt/ in den Buͤ⸗ chern der Koͤnig vnnd deren ordentlichen Außlegung. Hie ſteht von den Apoſtaten/ ſie ſollen vmbkommen/ vnnd von denen ſo wi⸗ der GOT T huren/ Er woͤlle ſie vmbbringen/ ſeine Seele werde ſich an jhnen rechnen. Der allmechtige GOTT woͤlle vns ja al⸗ len ſolches zu erkennen geben/ damit wir vmb ſo viel weniger der Welt vnd jhren Luͤſten/ groſſen HEyun oder Freunden zu gefal⸗ len/ auch das geringſte von der Warheit vnd dem Wort G. Ottes 2 be⸗ 108 Gießiſcher Leichpredigten begeben/ ſondern ſteiff vñ vnverꝛuckt bey ſeinem heyligen wort/ dem Wort der Warheit beharren. O wie noͤhiig iſ daß man bete/ HEyꝛa neige vnſere Hertzen nicht zum Geitz zur Welt/ ſondern zu deinen Zeugnuſſen. Wie wol geſchicht Jungen vnd Alten/ die der fromme Gott/ ehe dann jhre Hertzen verfuͤhret werden/ mit Gnaden abfordert/ vnnd ſie dem Teuffel/ der Welt/ allen Irꝛgeiſtern/ Verfuͤhrern vnd Ke⸗ Le.24. zern auß dem Rachen vnnd Zaͤhnen reiſſet. Bleibe auch bey vns 7, HEr:/ denn es wil allenthalben Abend werden. IV. Die Gottloſe Verkehrer/ denen jhr Gluͤck etwan ein zeit: lang grunet/ vnnd ſie daher ſich auffbruͤſten/ neben ſich den fomn⸗ men Gerechten verachten/ vnnd ſeine Seele recht quelen vnnd eng⸗ ſten/ vermeynend/ ſie haben keinen Schutzherꝛn/ trotz wer es ihn ſoll⸗ te wehren/ haben hie auch jhr Lection mitzunemen/ Hie ſteht: Wañ jhr Maaß voll ſollen ſie vmbkommen/ vnnd Gott werde ſie vmb⸗ bringen/ daß iſt/ ſich an jhnen rechnen/ nicht aber allein pœnis rem- Poralibus vñ mit zeitlichen Straffen/ ſolche weren noch zu gering/ ſondern mit ewiger Berdamnuß. Solcher Gottloſen Veraͤchter mores, Sinn/ Wort vnnd V 8.p.z. Werck werden artig beſchrieben/ im Buch der Weißheit am 2. 6 Hernacher aber im 5. Cap wird angezeigt/ wann jhnen dermaleins , jhr Vnglaub werde in die Haͤnde kommen/ wie ſie dann gebaͤhren V. werden/ Nemblich bekennen vnd ſagen/ aber viel zu ſpaͤt: Das iſt der/ welchen wir etwan vor ein Spott hatten vnd vor ein hoͤniſch Bey⸗ ſpiel/ wir Narꝛen hielten ſein Leben vor vnſinnig/ vnnd ſein Ende vor ein Schande/ wie iſt er aber nun gezehlet vnter die Kinder Got⸗ es/ vñ ſein Erb iſt vnter den heyligen/ wir aber werdenin vnſer Boß⸗ heit verzehret.„ ieſes moͤgen auch auff den heutigen Tag die Gottloſen wol bedencken/ an dieſen jhren Vorfahren ſich beſpiegeln/ vnnd ob ſchonvnſer En G Ott ein Zeitlang mit den Straffen auſ⸗ hen bleibt/ darumb jnen die Zeit nicht laſſen zu lang werden: denn er Erſter Theyl. 09 er iſt ein eiffericher Gott/ vñ wird ſein Ehr in die Harꝛ nicht ſchaͤn⸗ den laſſen. Alle Gottſelige aber/ ſo in dieſem jhrem Elenden Leben viel außſtehen muͤſſen/ ſollen inmittels der Artzney/ ſo Aſſaph jhnauſ⸗ ſerleſen/ ſich fleiſſig gebrauchen/ Gedult erweiſen/ vnter dem Wil⸗ len Gottes/ welchen er an jhnen erweiſet/ ſein threwes Hertz lernen erkennen/ all jhr Anligen auff jhn werffen/ vnd all ſein Thun ver⸗ kuͤndigen/ Loben/ Ehren vnd Preiſen. Amen. Amen. PERSONALLIA. As nun geliebte im HErmn ferner anlangt die anher zur ſtaͤtt gebrachte vnſere in Chriſto ſelig vnd wol abgeſtorbe⸗ ne Schweſter/ weyland die Ehrn vñ Tugentreiche Got⸗ ſelge Fraw Eliſabeth/ deß Ehrnveſten vnd Hochgelahrten Herꝛn Helfrici Gerlachij/ der Rechten Doctorn/ vnd Fuͤrſtlichen Heſſu⸗ ſchen Cantzley Rahts allhie/ geweſene liebe Ehegemahlin/ Iſt ſol⸗ che im Jahr 15 82. den 20. Aprilis/ von jhren beliebten Eltern/ dem Ehrnveſten vnd Hochachtbarn Herꝛn Philippo Chelio/ Fuͤrſtlichẽ Heſſiſchem geweſenen Raht vnnd Cammermeiſter zu Marpurg/ wie auch deſſen geliebten Haußfrawen Barbaren Dietrichen. De⸗ ro Eltern vor dieſem zu Caſſell im Vnter Fuͤrſtenthumb Heſſen/ vorneme vnd wolverdiente Gottliebende Leut geweſen/ nunmehr aber auch mit Gott leben/ in diß zeitliche Leben erzielet vnd geboren worden: Die ſie dann als ein Kind/ das in Suͤnden empfangen vnd geborn/ bald zu der Tauff/ dem Bad der Widergeburt vnnd Er⸗ newerung/ den Herꝛn Ehriſtum anzuziehen/ vnd von Suͤnden ge⸗ reiniget zu werden/ dem Befelch nach deß Hẽ Rꝛn Ehriſti ſelbſten/ haben bringen laſſen/ darinn jhr auch der Chriſtliche Nahm Eliſa⸗ beth iſt gegeben worden. So bald auch diß jhre Eliſabeth gehen vnd reden koͤnnen/ ha⸗ ben beſagte jhre Gottſelige Eltern ſie nicht allein zu allerhand fei⸗ nen Sitten vnd Zucht/ ſondern auch vor allen Dingen /zu Shia⸗ 3 V yo Gießiſcher Leichpredigten ben vnd Leſen/ deßgleichen zu dem Chriſilichen Catechiſmo vnnd wahrem Erkantnuß deß Herꝛn Chriſti/ auff welchen ſie getaufft/ vnd der ſie mit ſeinem Roſenfarben Blut erloͤſet/ mit groſſem Fleiß anweiſen vnnd vnterꝛiehten laſſen/ vnd warlich nicht ohn ſonderba⸗ ren Nutzen. Dann hierauß entſtanden/ daß ſie den Vatter vnſers HEdun Jeſu Chriſtt von Kindsweſen hertzlich gefuͤrchtet/ zu den Predigten Goͤttliches Worts mit Luſt vnd Andacht ſich jederzeit verfuͤget von deſſen Wundern vnnd Gnaden Thaten wol wiſſen zu reden/ vnd auch jhre liebeEltern jederzeit in groſſen Ehren gehal⸗ ten/ vnnd denen vor allen andern/ gleich ſamb als eine Frewde gewe⸗ ſen. Als im Jahr 1600. jhres Alters aber im 18. durch Gottes Direction/ der dann auch hierinn ſeine Kinder weißlich vnnd nach ſeinem Raht leitet/ ſie ſollen in den Ehelichen Stand tretten/ mit ehrengemeltem jhrem Eheman/ jetzo nunmehr betruͤbten Witt⸗ wer dem. Heren Doctor/ hat ſie vor allen Dingen daſſelbige dem lie⸗ ben G OTt durchs Gebet befohlen/ den ſelbigen ſie zu leiten vnd zu zufuͤhren jnniglich gebeten/ daruebt auff jhrer lieben Eltern Vatter vnd mutter Gutachten geſehen/ im Nahmen Gzottes den Eheſtand beſchritten/ vnnd alle hre Weg dem Allmechtigen Gott befohlen/ deſſen greifflichen Segen ſie auch die Tag vber jhres Eheſtands geſpuͤrct. Vndals der liebe G.OTtin ſolchem jhrem wehrenden Ehe⸗ ſtand/ ihr die hertzliebe Mutter/ dem betruͤbten Vatter aber ſeine getrewe Gehuͤlffin/ durch den zeitlichen Todt entzogen/ darobin Warheit vielbeſagtem jhrem Vatter dem Heren Cammermeiſier bey Leibs Vngelegenheit/ vnnd hohen wichtigen Ampts geſchaͤff⸗ ten/ gar wehe geſchehen/ hat dieſe ſeine geliebte Tochter die Fraw Doctorin ſelige/ ſich deſſelbigen in ſeinem elenden Wittwerſiandt vnd der gantzen Haußhaltung/ vnerachtet jhrer ſelbſt eigenen Leibs Vngelegenheit vñ Schwachheit/ alſo angenomen/ daß der Datter nicht Erſter Theyl. m gicct allein wol damit zu friedẽ geweſen/ ſondern offtmals gegen mir ſelbſt geruͤhmet/ daß ſeine Tochter Eliſabeth/ die geit ſeines Witwe⸗ ſtands jhm in ſeiner Haußhaltunganders nit als ein ſtarcke nuͤtzliche Columna vnd Seulẽ geweſen. Dergleichen Teſtimonia froſñien lieben Kindern billich ſehr lieb vnd wehrt ſeyn ſollen/ dann ſie haben neben vnd mit ſich den Segen der Eltern/ dadurch den Kindern die Haͤuſſer erbawet werden. In ſtehender jhrer Ehe mit dem Heren Doctor/ hat ſie zwar der liebe GOTTjhrem hoͤchſten Wunſch nach/ mit Leibsfrucht/ Nemblich nach einander mit vier Kinderlein geſegnet/ die ſie aber alle vor ſich widerumb her geſandt/ vnd dem gelieffert/ ſo ſie jhr ein zeitlang beygelegt vnd vertrawet. So lang ſie dieſes Orts geweſen/ vnd meiner Seelenſorg als eine Zuhoͤrerin gebraucht/ muß ich bekennen/ daß ſie nach geſtalten Sachen jhres Leibs/ ſich fleiſſig bey den Predigten befunden/ auch indieſer Gemein deß Leibs vnd Bluts Jeſu E hriſii/ ſich etlich mal theilhafftig gemacht. Deßgleichen hat ſie dem Duͤrfftigen ſeine nohttuͤrfftige Be⸗ gierde nicht verſagt/ die Augen der witwen vnd Walſen nicht laſſen verſchmachten/ ſondern dem Hungerigen gern mitgetheilet. Iſ auch nicht deren Weiber eine geweſen/ die da faul/ ſchwaͤ⸗ hig vnd fuͤrwitzig ſeyn/ reden das nicht ſeyn ſoll/ vnd gewohnt ſeyn/ durch die Haͤuſer vmbzulauffen/ ſondern iſt einfamb/ ſtilles vnnd zuůͦchtiges Wandels geweſen/ vñ ſich gern in jhrem haͤußlichen We⸗ ſen bey dem Gebet zu GO Tt gehalten: Darher erwachſen/ daß ſie mit jhrem geliebten Haußwirth dem Herꝛn Doctor/ in einem ſehr einigen vnd friedlichen Leben gewandelt/ zu wuͤndſchen/ wo es Got⸗ tes Will geweſen/ daß ſie noch viel Jahr ein ſolch friedlich Leben mit einander haͤtten fuͤhren moͤgen. Gleich wie aber nichts beſtendiges in dieſer Pilgramſchafft/ einer heut roht Morgen Todt/ heut geſund morgen kranck iſt/ Alſo iſt dieſe ſelige Matron auch vor vngefehr zwoͤlff Tagen Vetan i9 N 1. „2 Gießiſcher Leichpredigten ſig wordẽ/ vñ hat ſie Gott mit der jetzigen ſchwebendẽ Roten Ruhr zuſampt jhrem Lieben Toͤchterlein/ ſo wir vor wenig Tagen auch anhero zur Staͤlle gebracht/ vnd bey den lieber Altvatter gelegt/ an⸗ gegriffen/ dadurch zugleich verurſcht worden/ daß ſie vmb die Frucht jhres Leibs/ damit ſie verhofft gehabt/ zu gebuͤhrender Zeit jhren lieben Ehemannden Herꝛn Doctor zu erfrewen/ vnzeitig kommen. In ſolcher jhres Leibsſchwachheit iſt ſie mit G Ott gar wol vnd kindlich zufrieden geweſen/ vnnd hat gleich vom erſten Angriff jhrer Kranckheit alles deſſelbigen Vaͤtterlichen Diſpoſition vnnd Willen heimgeſtellt. Vor allen Dingen aber ſich jederzeit vnd alle Augenblick durchs Gebet/ jhrem lieben Herꝛn Chriſto befohlen/ vñ verſchienen Sontag Morgens fruͤe mich zu ſich fordern laſſen/ mit Bitt/ ich jhr mit Troſt vnnd Abſolution auß G Ottes Wort beywohnen/ vnd das heylige Abendmal nach der Einſatzung Chri⸗ ſti/ reichen wolte: Da ſie ſich dann in Warheit erwieſen/ wie inalle Weg einem jeden Chriſten gebuͤret/ dem lieben Gott alle jhr Anli⸗ gen geklaget/ vnd ſich einig vnd allein der Gnaden G Ottes in dem Verdienſt deß Mittlers IJEſu CoRiſti/ durch wahren Glauben hertzlich getroͤſtet/ vnnd Leib vnnd Seel/ dem Allmechtigen in ſein Hand vnd Willen befohlen/ Auch darauff mit dem hochheyligen Abendmal geſpeiſet vñ getrencket worden/ mit angehengter Chriſt⸗ licher Danckſagung vor deſſen Leyden vnnd Sterben/ vnnd der⸗ 35 auch zu ſeinem ſeligmachenden Erkandnuß haͤtte kommen laſ⸗ en: Waren auch das ferꝛner jhr Wort vnnd Erklaͤrung/ Ich zweiffel an Gottes gnaͤdigen Willen gar nicht/ vnd daß er mich er⸗ loͤßt/ bin deſſelbigen gantz gewiß/ wil auch darauff wann es alſo Gottes Will iſt/ gern von hinnen ſcheiden. Vndals nachmals jhr mit Beſcheidenheit vermelet ward/ wie der liebe Gott jr hertzliebes Toͤchterlein auch zu ſeinen Gnaden genommen/ vnd auß allem Jammer erꝛettet/ wird ſie nicht bekuͤm⸗ mert/ A Erſter Theyl. y3 — 9 mert/ oder zur Vngebuͤhr vngedultig/ ſondern ſpricht: Ich weyß/ dz 4. es bey dem lieben G Ott beſſer/ als bey vns den Eltern verſorget iſt/ di vnnd daß es bey den lieben Engelein lebet: Da es allhie auff dieſer ende Welt laͤnger bleiben ſollẽ/ haͤtte es etwa gleich mir als ein ſchwaches . Weibsbild auch viel Schmertzen leiden muͤſſen/ deren es aber nun⸗ zatig mehr vberhaben/ Hoffe Gott werde mir auch bald helffen/ daß ich 4 bey dieſem meinem lieben Toͤchterlein ſeyn moͤge. no Neben andern mehr Gebetlein/ war jhr in der Schwachheit Gif ſehr anmuhtig/ das feine troͤſtliche Liedlein/ Herꝛ Je ſu Chriſt war unnd Maenſch vnnd Gott/ der du leideſt Marter/ Angſi vnd Spott/ vnd dall wie die Wort gantz anmuͤhtig mehr lauten. Hoͤret mit groſſer An⸗ nvñ dacht zu/ ſo offt ich jhr auß Gottes Wort zuſprach/ vnd erinnerte ſſe ſelbſt: Man ſolte mit ihr Beten/ dann das Gebet waͤr das beſte Von vor ſie. Vnndob es wol von Anfang biß zu Ende an Chriſtlichen Pti⸗ Mitteln der Artzney bey jhr nit gemangelt/ auch ſich vnterſchiedlich malle alſo angelaſſen/ daß man ſich guter Beſſerung verſehen moͤgen/ Ande darnacher in Warheitjhr betruͤbter hinterlaſſener Wittwer hertzlich dem Verlangen getragen/ ſo hat jedoch der Allmaͤchtige Gott/ in deſſen uben Hand vnſere Tage ſtehen/ ein viel beſſeres mit dieſer ſeiner Tochter ſein vorgenommen/ vnd ſie verſchienen letzten Auguſti gantz ruhig vnd ligen ſtillauß dieſem Jammerthal zu ſich in das ewige Leben abgefor⸗ griſt⸗ dert/ welches wir jhr vnd allen glaubigen/ abgeſtorbenen nicht miß⸗ der⸗ goͤnnen ſollen.. nlaſ⸗ Der Allmaͤchtige Gott/ Vatter vnſers Herꝛn Jeſu Chriſti/ woͤlle jhr an jenem groſſen Tag ſampt allen Glaubigen/ eine froͤ⸗ Ich liche Erſtaͤndniß verleyhen/ vnnd vns noch vbrigen her⸗ mit allen Gnaden vnnd ſelig hernacher alſo helffen/ Amen. (:)se atd v — 1 9 P Sieben⸗ 5 VI 22 1e2e3e2e 52 35 38 32 2 2 SS,2e Se e e5 Ss e2 Sibende Leichpredigt/ Ben der Begraͤbnis/ weilandt deß Ehrnwuͤrdigen vnd hochgelahrten Herꝛn Doctoris Hieremiæ Vietoris, geweſe⸗ nen Pfarꝛhers zu Gieſſen/ vnnd Superintendenten im Ober Fuͤrſtenthumb Heſſen/ Darmbſtatiſchen theils/ Seliger gedaͤchtniß/ welcher den 8. Septemb. Seliglich entſchlaffen/ vnd den 10. Tag hernach Ehrlich zur Erden beſtat. tet worden: Gehalten 4 Durch Balthaſarem Mentzerum„Der heiligen Schrifft Doctorem vnd Profeſſorem in der loͤblichen Univer- ſitet daſelbſten. Ann. 1609. 1. Septéb. ☛☛ Vatter durch Jeſum Cnniſtum im H Geyſt/ ſey⸗ mit vns armen Suͤndern allezeit/ Amen. Geliebte im = HERRR Chriſto/es hat vns vnſer lieber HE R dt vnnd Gott nach ſeinem heiligen gerechten vnnd weiſen Raht vnnd willen/ mit anſehnlicher groſſer anzahl/ anhero ins klage Hauß gefuͤ⸗ ret/ vnſern verſtorbenen Heren Supetintendenten Seligen/ Chriſtlichem gebrauch nach/ Chriſtlich vnd Ehrlich zu der Erden/ die vnſer aller Mutter iſt/ zubeſtatten: Durch deſſen toͤdlichen ab⸗ gang ein groſſer Riß in vnſer Chriſtlichen Gemeyn gemacht/ vnnd⸗ viel Gotiſelige Hertzen hoͤchlich betruͤbt worden ſind. Damit wir dann in der furcht deß Herꝛn etwas zubetrachten haben/ dardurch vnſer betruͤbniß gelindert/ vnd wir in dieſem trawrigen zuſtandt ge⸗ troͤſtet/ im Glauben an Chriſtum geſtercket/ vnd in vnſerm gantzen Aeben vnd Wandel zur waren Gottſellgkeit/ vnd allen Chriſtlichen tugenden angeleitet vnnd erwecket werden moͤgen/ ſo woͤllen wir ei⸗ nen rechten Evangeliſchen Kernſpruch auß S. Paulo dem au ßer⸗ wehlten N 2 S G Nad Friede vnnd barmhertzigkeit von G OTt dem K 888 igen weſe⸗ guma ſi —ſſſ. Erſter Theyl. p5 wehlten Werckzeug Gottes/ in Chrilicher andacht mit einander an⸗ hoͤren. Zuforderſt aber Gott den Vatter aller Gnaden Hertzlich anruffen/ vnnd bitten/ daß er vmb ſeines allerliebſten Sohns willen durch ſeinen H. Geyſt vnſere Hertzen erleuchten/ vnnd den waren verſtandt ſeines. Worts eroffenen woͤlle/ damit wir jhn darauß recht erkennen/ ſeinen heiligen willen erlernen/ vnnd demſelbigen ge⸗ horſamlich nachfolgen moͤgen/ alles zu Lob Ehr vnnd Preiß ſeines Hochheiligen Goͤttlichen Namens vnd zu vnſer Seligkeit. Dieſel⸗ bige groſſe gnade zuerlangen/ laſſet vns mit einander in Hertzlicher andacht vnd Kindlicher zuverſicht beten das Gebet ſo vns Chriſius vnſer Herꝛ ſelber gelehret hat/ Vatter vnſer/ ꝛc. Alſo lauten nun die herꝛliche wort deß H. Apoſtels Pauli/ die wir ſendzuertlaten vor vns nehmen woͤllen/ zun Philippern 1. cap. Verl. zl. Chriſtus iſt mein Leben/ Sterben iſt mein gewinn. Erklaͤrung vorgeleſener wort. Ehebte andechtige im Herꝛn/ wann wir dieſe ab⸗ 2 N geleſene wort S. Pauli/ nach dem Buchſtaben 8 vnnd Syllaben anſehen vnnd zehlen woͤllen/ ſo 8 ſind ſie faſt kurs/ vnnd laſſen ſich leichtlich auß⸗ ſprechen vnd lernen: Aber was ſie in jhrem jnne⸗ VO/ ren Marck vor krafft vnd nachtruck haben/ wirt kein Menſch in dieſem Leben mit worten volkoͤmlich außſprechen koͤnnen. Darumb muͤſſen wir ſiefleiſſig vnnd genaw anſehen/ vnd Gottſeliglich erwegen: Folgends dann auch die vornembſte Lehr vnd troſtpuncten darauß/ nach der zeit gelegenheyt/ in Chriſtlicher kurtze anmercken. Es hat S. Paulus dieſe Epiſtel geſchrieben zu Rom/ da er vmb der Evangeliſchen Lehr vnd Warheyt willen gefangen gehal⸗ ten wardt/ vnd jhm die todts gedancken ſtets vor augen ſchwebeten/ 2 wie — VVI ns Gieſziſcher Leichpredigten wie wol er doch darunder auch troͤſtliche Hoffnung gehabt/ dermal eins die Chriſtliche gemeinen/ welche er durch das Evangelium/ ge⸗ pflantzet! nach G OTtes Gnedigem willen vnd wolgefallen wide⸗ rumb zubeſuchen/ vnd ſie ferꝛner zu vnterꝛichten vnd zutroͤſten. Da⸗ mit dann wegen ſeiner Banden vnd Gefengnis niemand ſich ab⸗ ſchrecken lieſſe/ das Evangelium von Chriſto anzunehmen vnd zu⸗ bekennen: So bezeugt er/ daß dieſelbige ſeine Bande dem Evange⸗ Chriſtus. Eſt vita. r. Naturalis. lio viel mehr zu weiterer Außbreitung dienen/ vnd er vor ſich willig vnd bereyt ſeye/ mit aller freydigkeit/ ſo wol durch Sterben als auch durch Leben/ wie es dem lieben GOtt wolgefaͤllig/ ahn ſeinem Leibe Hoch zupreiſen: Vnnd ſetzet darauff dieſen Grund: Dann Chri⸗ ſtus iſt mein Leben/ ſpricht er/ vnd ſterben iſt mein gewinn. Als wolte er ſagen/ es wirdt mich von Chriſio vnnd ſeinem Evangelio nichts abreiſſen koͤnnen/ ſolte ich ſchon auch vmb ſeinet willen ſterben muͤſ⸗ ſen/ ſo bin ich gewiß/ daß mir dañhero kein ſchade erwachſe/ ſondern ſolch ſterben iſt viel mehr mein groſſer gewinn: Sintemal Chriſius mein leben iſt/ in deme ich/ vnd er in mir lebet/ der mich im Tod nicht laſſen/ ſondern widerumb zum ewigen Himmliſchen leben auffer⸗ wecken wirdt/ dem ich auch hertzlich gerne mit trewem fleiß dienen will/ ſo lang er mich in dieſem zeitlichen leben nach ſeinem H gnedi⸗ gen wolgefallen erhalten wirdt. Chriſtus heiſt ein geſalbter/ dahero wir auch vnſern hoͤchſten ehrennahmen fuͤhren/ vnnd Coriſten genennet werden/ derſelbige Chriſtus nun iſt der Ewige Sohn Gottes/ vom Vatter im Ewig⸗ keit erzeugt/ vnnd in der Fuͤlle der zeit von der Jungfrawen Maria warer Menſch Geboren/ vnſer einiger Mitler/ Erloͤſer vnnd Hey⸗ land/ von welchem alle Propheten zeugen/ daß in ſeinem Nahmen Bagebung der Suͤnden haben ſollen/ alle die an jhn glauben/ OT. 10. Dieſer Chriſtus/ ſpricht S Paulus/ iſt mein leben/ verſtehen dardurch nicht eben vornemlich das Natuͤrliche leben/ welches er mit allen andern Menſchen gemein hette/ darvon At7. ſtehet 9 in jhm Erſter Theyl. 97 n hm leben/ weben vnd ſindt wir. ſondern das leben der gnaden/ durch mg. d den glauben in dieſer Welt/ vnnd das leben der herꝛligkeit/ durch das anſchawen in dem zukuͤnfftigen Himlliſchen weſen. Davon er ſelbſt 2. 8 4 zeugt 1. Cor. 15. Von gnaden bin ich daß bin ich/ vnnd ſeine gnad Gratia, dae an mir iſt nicht vergeblich geweſen/ vnnd 2. Corinth. 12. Da der wi Herꝛ zu jhm geſagt/ laß dir an meiner gnade gnuͤgen/ dann meine 8 Kraffe iſt in den ſchwachen mechtig. Alſo ſpricht er Gal. 2. Ich bin wllg ◻durch das Geſetz’ deß glaubens) dem Geſetz Moſis/ geſtorben auff duch daß ich G Ottlebe: Ich bin mit Chriſto gecreutziget. Ich lebe aber 85 doch nun nicht ich/ ſondern Chriſius lebet in mir. Dann was ich i ſetzo lebe im Fleyſch/ das lebe ich im Glauben deß Sohns Gottes wolte der mich geliebet hat/ vñ ſich ſelbſt fuͤr mich dargegebẽ. Das iſt das 3 ichts leben der gnaden/ durch den Glauben an Chriſtum. Darnach iſt vita gje⸗ muͤſ das leben der Herꝛlichkeit/ welches dem leben der gnaden folget/ vnd ria. nden darauß entſpringet: Wie zun Roͤmern am 6. ſtehet:das Ewige le⸗ iſtus ben iſt eine gabe G O Ttes/ durch Jeſum Chriſtum vnſern Herꝛn. niht ◻Davon S. Paulus alſo ſe chreibt/ 2. Timoth. 4. Ich habe einẽ gutẽ ffa⸗ Kampff gekempfet/ ich habe den lauff vollendet. Ich habe glauben enen gehaltẽ. Hinfurd iſt mir beigelegt die Kron der Gerechtigkeit/ welche nedi⸗ mir der Herꝛ an jenem Tage/ der gerechte Richter geben wirt/ nicht mir aber allein/ ſondern auch allen die ſeine Erſcheinung lieb haben. ſin D D Dahin gehoͤren die ſchone troſtreiche Spruͤche vnſers lieben Heren bige vnnd Seligmachers Jeſu Chriſti/ Johan. 10. Ich gebe meinen wig⸗ Schaͤfflein das Ewige Leben/ vnnd Johan. 14. Ich bin der Weg na v„vnnd die Warheit vnd das Leben. Vnnd abermal⸗ Ich lebe/ ſpricht Sho Chriſtus zu ſeinen Apoſteln/ vnd jhr ſollet auch leben. Alſo Johan. . Wer mein leyſch iſſet/ vnd trincket mein Blut/ der hat das Ewi⸗ geleben/ vnd ich werde jhn am Jungſten Tag wider aufferwecken. Dañ mein Fleiſch iſt die rechte Speiſe/ vnd mein Blut iſt der rechte Tranck/ wer mein Fleiſch jſſet/ vnnd trincket mein Blut/ der blei⸗ bet in mir/ vnd ich injhm. Wie mich geſand hat der lebendige Vat⸗ ter vnd ich lebe vmb deß Vatters willen/ alſo wer mich jſſet/ defa⸗ P 3 ige yjs Gießiſcher Leichpredigten bige wirdt auch leben vmb meinet willen. Das iſt das Brot/ daß vom Himmel kommen iſt. Nicht wie ewere Vaͤtter haben Man⸗ na geſſen/ vnd ſein geſtorben/ wer diß Brot iſſet/ Der wirdt lebenin Ewigkeit. Darauß nun klar vnndoffenbar/ wie die wort S. Pauli zuverſtehen. Chriſtus iſt mein Leben. Dieweil nemlich Chriſius in jhm/ vnd er in Chriſto lebet. Wie ſollen wir aber das verſtehen/ daß er ſagt: Sterben iſt mein gewinn? Dann Sterben iſt anders nichts als eine Auffloͤ⸗ ſung vnd Trennung des Leibs vñ der Seelen/ da die Seele ſchmertz⸗ lich von dem Leib abſcheidet vnd der Leib gantz ohne leben/ fuͤhlen vñ empfindniß gelaſſen/ entlich verweſet/ vnnd von den motten vnnd Wuͤr men gefreſſen wird. Solte das nun ein gewinn ſeine Da ein Menſch groſſe Schmertzen erdulden/ ſeines lebens beraubt werden/ vnd alles was in dieſer Welt jhm lieb vnd angenem geweſen iſt/ hin⸗ der ſich verlaſſen muß/ vnnd mehr nichts mit ſich nehmen kan/ wann es jhm nur ſo gut werden mag/ als ein Leinen Kleid/ darinn der Leichnam ein gewickelt/ in den Sarck gelegt/ vnnd in die Erden begraben wirte Zwar die Weltkinder/ diehr Himmelreich auf Er⸗ den haben woͤllen/ vnnd nur auff das jrꝛdiſche vergaffet ſeind/ vnnd haben jhr theyl in dieſem leben/ Pſalm. 17. Koͤnnen es anders nit als vor einen mercklichen groſſen ſchaden anſehen/ wann ſie durch den zeitlichen Todt dahin geriſſen werden: Wie es dann auch in war⸗ heyt/ da ſie alſo in Vnbußfertigkeit dahin fahren/ ein Ewiger vn⸗ widerbringlicher ſchade iſt/ vnd ein eingang vnnd anfang der Helli⸗ ſchen verdamniß: Aber denen Chriſtus jhr leben iſt/ die in Chriſto/ Rvnd Chriſtus in ihnen lebet/ denen iſt warhafftig das zeitliche ſterben ein inn/ deßgleichen in dð Weltt nit zufinden iſt: Da ſie durch den tod zum leben durchtrin⸗ gen/ Joh. 5. Ihr trawrigkeit in frewde verkehret wirt/ Joh. 16. Vñ alles jhr Jam̃er vnd elend ſich endet/ vñ ſie mit Ewiger Him̃liſcher Glori vnd. Herꝛlichkeit gekronet/ mit allen Außerwehlten Gottesle⸗ ben vnd regiren ewiglich/ Dan. 12. Matth. 25.O deß Seligen Ge⸗ wins daß 1 Man⸗— ebenin 4 Paul ſtusn — — nbeniſ luffl⸗ mert⸗ Nenvi nvnnd Dacin erden ſiihin⸗ n kan darinn Erden r. vnnd nit al ch den nwar, gervn Helli hriſto ſieren hen in hinmn V liſcher tesle⸗ nGe wins .88ß8—8—868ʒ⁊ʒ— Erſter Theyl. Ho wins vnnd Wechſels? O der Hocherwuͤndſchten Verenderung! Wolan das iſt einfeltig die Meynung der wort S. Pauli/ was ſol⸗ len wir nun auß denſelben von denſelben vor vns behalten. Sie ſind geliebte im Herꝛn /an heilſamer lehr/ vnd krefftigem troſt vberreich/ vnd haben wir darvon zu lernen vnd zu ſtudieren in vnſerm gantzen Leben: Jetzo woͤllen wir nur etliche wenige/ doch vornehme Punctẽ/ ſozu vnſerm jetzigen vorhaben ſonderlich dienen/ kuͤrtzlich erinnern. DocTRINE. Erſilich ſtehet allhir/ Chriſtus iſt das leben: Wie er ſelbſt ſpricht/ x. Joh. 4. Ich bin das leben. Nun iſt zwar der Ewige Sohn Gottes Chriltus dz ſelbſtendige leben/ das ewig iſt/ welches war bey dem Watter. 1. eſt vita. Joh. 1. v. z. Dannenhero alles kompt vnd erhalten wirt/ was das le⸗ ben hat /im Himmel vnnd auff Erden/ Joh.1. Col.1. Heb. 1. Damit wir aber fein vnderſchiedlich hiervon reden/ ſo laſſet vns die Artieul vnſers Chriſtlichen Apoſtoliſchen Glaubens vor vns nehmen: Da in dem Erſten Artieul von der Schoͤpffung beſchrieben wirt/ wie x. Gott der Vatter durch ſein wort erſchaffen hat/ was das Natuͤr⸗ Creatio. liche leben hat/ Gen. 1. Pſal. 3. Joh.. Col. r. Heb. 1. Indem andern Articul von der Erloͤſung wirt bezeugt vonChriſto/ daß er durch ſei⸗· nen heiligen aller volkom̃enden gehorſam vnd vnſchuldiges Leiden Redem- vnd Sterben/ vns die gerechtigkeit vnd das leben wider gebracht vñ prio. erworbẽ habe/ Dan. 5. v. 4. Vnd da wir in Suͤnden tod waren/ hat vns Gott ſambt Chriſto lebendig gemacht/ Eph 2. v.. Col. 2 v. z. In dem Dritten Articul von der Heiligung werden wir gelehret/ wie durch daß H. Predigambt welches iſt das Ampt deß. Geiſtes 3 2. Cor. 3.) Vand gebrauch der Sacramenten/ das Ewige leben ganctif⸗ durch Chrrſtum erworben vñ angebotten/ vorgetragen/ geſchẽcket/ tio. vñ in vns Verſigelt vñ beſtetiget werde: Daß wir in Krafftdeßver⸗ dienſts vnſers Herꝛn Chriſti durch das wort Gottes vnd dz Waſſer bat im wort Newgeboren werden zu dem Geyſtlichen leben. Pet.ꝛ. v. Eph. Tit.z Joh. 23.3. Vñ durch glaubige Nieſſung deß Leibs vñ Butsdeß Herꝛn in jm/ vñ er in vns lebe/ Joh. 6. Sintemaleiner 4 4. Reſuſcita- tio in vi⸗ tam. Chriſtus. eſt MEA vita. 6 Unge illa fides? 4 VLI 120 Gießiſcher Leichpredigten iſt fuͤr vns alle geſtorben/ auff daß die ſo da leben/ hinfuͤhro nit jhnen ſelbſt leben/ ſondern dem der fuͤr ſie geſtorben vnd aufferſtanden iſt. 2. Corinth. 5. vnd Rom. 4. Darzu iſt Chriſtus geſtorben vñauff⸗ erſtanden/ vnd wider lebendig worden/ daß er vber Todte vnnd le⸗ bendige He RR ſeye. Derowegen er auch am Juͤngſten Tage alle Todten aufferwecken/ vnnd denen die biß ans ende an jhn glauben/ das Ewige Leben geben wirdt/ 1. Corinth.15. Iohann.z5. 6. ll. Iſt demnachChriſtus das Leben/ n. Dieweil er/ als warer Gott/ daſſelb⸗ ſtendige leben ſelbſt iſt.2. Dieweil er vns gibt vnd erhelt das Natuͤr⸗ liche leben in dieſer Welt ſo lang es jhm wolgefellig iſt. 3. Hat er vns erworben das Ewige Leben. 4. Leſſet er vns daſſelbige vortragen/ vnnd ſchencket es in dem H. Predigampt/ vnnd machet vns leben⸗ dig durch den glauben im Geyſt/ daß wir auch als Newgeborne/ rechtſchaffene Fruͤchte deß Geyſtes bringen/ Gal.. Vnnd Geyſt⸗ lich geſinnet ſein/ welches iſt leben vñ frewde/ Rom. d. v. ⸗.5. Erwe⸗ cket er auß dem Todte zum Ewigen Himmliſchen Leben alle/ die beſtendiglich an jhn glauben/ Johann. 6. Darauß nun erfolget/ daß auſſer Chriſto das leben nicht zufinden/ Actor. 4. Vnnd derowe⸗ gen die an Chriſtum nicht glauben/ nit koͤnnen Selig werden/ ver⸗ moͤg deß klaren zeugniß Chriſti ſelbſt/ ſohann. 3. verſ. i8. Wer da glaubet der kompt nicht ins Gerich/ wer aber nicht glaubet/ der iſt ſchon gericht/ dann er glaubet nicht an den Nahmen deß Eingebor⸗ nen Sohns Gottes/ daß iſt die erſte Lehr. Zum andern ſpricht S. Paulus:Chriſtus iſt mein Lebẽ/ Da⸗ rin beſtehet das rechte Haubſtuͤck deß ſeligmachenden Glaubens/ daß ein jeder Chriſt vor ſich wiſſe vnnd feſtiglich glaube/ daß Chri⸗ ſtus nicht nur ins gemein das Ewige Leben verdienet vnnd erwor⸗ ben habe/ ſondern namhafftig daß er auch ſein leben ſeye: daß er mit S. Paulo ſprechen moͤge/ Chriſtus iſt mein leben. Woher aber ſol⸗ len vñ koͤnnen wir deſſen gewiß werden/ damit wir nicht vns ſelbſt/ o⸗ der auch andere verfuͤhren? Dañ im Bapſtthumb will man ſolchen Special glauben/ daß ein jeder vor ſich ſelbſt jhm den verdienſt vnd gut⸗ Erſter Theyl. 121 4 nach kein Menſch koͤnte gewiß ſein/ ob er vnder der zahl begriffen orne/ Beyſt. Erwe⸗ le die t daß rowe⸗ ver⸗ der Calviniſten Schwermeriſchen lehr nach/ Chriſtus/ nicht fuͤr al⸗ Derda ke ſondernallein vor etliche geſtorben iſt/ Vnd die Goͤttliche Evau⸗ deriſ geliſche verheyſſungen nicht gemein ſindt vnd allen Menſchen vor⸗ cbor⸗ getragen vnd angebotten werden ſollen/ ſondern nur etlichen weni⸗ gen/ nach dem bloſſen geheymen Raht Gottes: So bleibt es jſter⸗ Da⸗ dar in der vngewißheit/ wer dieſelbige wenige ſeyen/ vor welche bens Chriſtus geſtorben/ vnd denen die Evangeliſche Verheyſſung gel⸗ Ehn⸗ ten ſollen zu jhrer Seligkeit. Vnd wañ die Calviniſtẽ alle jhre kuͤnſt rwor⸗ daran wenden ſolten/ daß ſie eine richtige beſtendige Schlußrede ermit ma chen ſolten/ dardurch ein Menſch moͤge gewiß verfuͤhret ſein ſei⸗ eſol ner Seeligkeit: So iſt es jhnen zu thun vnmuͤglich ſo lang ſie jhre bſio⸗ falſche jreige Meynung behalten/ daß Chriſtus nicht vor alle/ lehen ſondern nur vor etliche wenige Menſchen gelitten habe vnnd ge⸗ Krd ſtorben ſeye: Darauß anders nicht als Syllogilmi ex meris gut⸗ Q Par- tiæ. — I. Voluntas Dei erga nos. 722 Gießiſcher Leichpredigten particularibus moͤgen erzwungen werden/ welche ohnſchlieſſig ſindt/ wie allen Gelehrten bekand iſt. Betreffent dann die inwendige Senſus gra Empfindung der Gottlichen gnaden/ bezeugen die Exempel der Schrifft/ vnnd gewiſſe erfahrung/ daß auch die allerheiligſte Men⸗ ner G Ottes nicht allezeit dieſelbige haben/ ſondern etwan mit dem Propheten vnd Koͤnig Dandd ſagen:Ich ſpreche in meinem zagen/ ich bin von deinen Augen verſioſſen/ Pſalm.31. Alſo Job verfluchet ſeinen Geburts Tag/ Jobz. Wie auch der Prophet Hieremias e. 20 v. 4. Vnd da arme bloͤde/ betruͤbte. Hertzen eben mit den Traw⸗ rigen gedancken angefochten werden/ ob ſie außerwehlet ſein oder nicht vnnd der Teuffel ſeine Fewrige Pfeil gegen ſie richtet/ mach⸗ et jhnen jhre Suͤnde groß/ vnd zeyget jhnen Gottes gerechten Zorn wider die Suͤnde/ vnnd ſchrecket ſie mit der helliſchen verdamniß: Wie koͤnen dieſelbige getroͤſtetwerden/ mit Empfindung Goͤttlich⸗ er Gnaden/ da ſie vielmehr durch den geſtrengen zorn deß gerechten Gottes geſehreckt werdẽ Wie dann rechte Gottſelige Hertzen auß eigener Erfahrung wiſſen/ wz fuͤr ein mechtiger ſchwerer Kampff es ſeye wañ die Anfechtung von dem ſtrengen Gericht Gottes vber die Suͤnde will vberhand nemen. Derowegen wem Gottes Ehr vnnd ſeine Seligkeit lieb iſt/ der huͤte ſich ſo wol vor dem Baͤpſtiſchem zweiffel/ als auch vor ſolcher Ealviniſchen hochgefehrlichen Ver⸗ eytung/ vnd erlerne den rechten beſtendigẽ ohnbeweglichen Grund ſeiner Seeligkeit auß Gottes wort/ vnd den Evangeliſchen verheyſ⸗ ſungen/ damit er mit frewdigem Hertzen/ ohn allen zweiffel vnnd ohngewißheyt/ mit S. Paulo ſagen koͤnnen: Chriſtus iſt mein Le⸗ ben/ Vnnd erſtlich zwar muß dieſer Grund feſt gelegt ſein/ daß Gottes vnſers Himmliſchen Vatters ernſter Goͤttlicher will ſeye/ daß alle Menſchen ſollen ſelig werden/ Ezech. 18. v. 3. Wie geſchrie⸗ ben ſtehet/ · Timoth 2. verſ. 4. GOtt vnſer Heyland wil/ daß allen Menſchen geholffen werde/ vnnd zur erkantniß der Warheyt kom⸗ men/ vnd 2. Petr. verſ.. G Ott hat gedult mit vns/ vnd will nicht daß jemand verlorẽ werde/ ſondenn daß ſich jederman zur Buß keh⸗ re. Erſter Theyl. 182 re. Darnach daß derſelbige B. ahertzige GOtt ſeinen Sohn ge⸗ ſand habe/ nicht nur etlichen wen. gen Menſchen/ ſondern d gantzen Welt/ Johann. 3. verſ. 16. Alſo hat GOT T die Welt geliebet/ 2 daß er ſeinen eingebornen Sohn gab/ auff daß alle die an jhn glau⸗ Miſo fili- ben/ nicht verlohren werden/ ſondern das Ewige leben haben. Da⸗ hero jhn S. Johannes der Teuffer nennet/ das Lamb GOTtes daß der Welt Suͤndetregt/ Johann. 1. Vundiſt eine vergebliche außflucht/ das gegentheyl einwendet/ durch das wort/ Welt/ werde nicht das gantze Menſchliche Geſchlecht/ ſondern nur allein die aesAs. Außerwelten in der Welt/ verſtanden/ ſintemal nicht ein eintziger Spruch kan vorgezeyget werden/ darin durch die Welt die Außer⸗ wehlten zuverſtehen ſeyen/ ſondern viel mehr werden offtermals die Gottloſen dardurch gemeinet/ wie die Exempel Altes vnnd Newes Teſiaments außweiſen/ Pſalm. 17. Johann. 17. i. Johann.2&c. Zum dritten/ daß vnſer lieber Herꝛ Jeſus Chriſtus/ der Welt Hey⸗ Norfum land/ nicht nur vor etliche wenige/ ſondern vor alle Menſchen/ vnd Chrilti. namhafftig auch/ vor die Gottloſen/ vnd die ſo da verdampt werdt/ gelitten habe vnd geſtorben ſeye. Dann alſo zeugt die H. Schrifft/ deß Menſchen Sohn iſt kommen Selig zumachen das verloren iſt/ Matth. 18. Luc. 19. Vnnd hat ſich ſelbſi gegeben fuͤr alle zur Erlo⸗ ſung/ 1. Timoth. z. Hat fuͤr alle den todt geſchmeckt/ Hebr. 2 iſt fuͤr vns Gottloſen geſtorben/ Rom.. Nicht allein die durch wahre Buß ſich zu GO Ttbekehren/ ſondern auch die da verleugnen den Herꝛn/ der ſie erkaufft hat/ vnd vber ſich fuͤhren ein ſchnel verdam⸗ nis/ 2. Pet. 2. Vnnd widerumbjhnen ſelbſt den Sohn G.OTtes Creutzigen vnd fuͤr ſpot halten/ Heb. 6. Vnnd den Sohn Gottes mit Fuͤſſen tretten/ vnnd das Blut deß Teſtamens vnrein achten/ durch welches ſie geheyliget ſindt/ vnnd den Geyſt der gnaden ſchmehen/ Heb. 10. Dahin auch die ſchoͤne Apoſtoliſche Verglei⸗ chung gehoͤret/ Rom. 5. Daß gleich wie durch eines Menſehen Suͤnde die verdamnis vber alle Menſchen kommen iſt( dardu Ce alle deß zeillichen vnd ewigen Todts ſchuldig wordenz) alſo iſt auch O 2 ddurch 526 Gießiſcher Leichpredigten dut ch eines/ Ce Riſti gerechtigkeit die Rechtfertigung deß lebens vber alle Menſchen kommen. Dann gleich wie durch eines Men⸗ ſchen vngehorſam viel Suͤnder worden ſind/ alſo auch durch eines gehorſam werden viel gerechten. Zum vierdten/ daß Gottes ernſier heiliger will ſey/ daß dieſe gnugthuung vnnd verdienſt deß Herꝛn pr ratio Jeſu Chriſti durch die Predigt deß H Evangelij in aller Welt ver⸗ Lyat gelii. kuͤndiget/ vnnd allen Menſchen angebotten werden ſolle/ laut deß befelchs Chriſti an ſeine Juͤnger: Gehet hin in alle Welt/ vnnd Prediget das Evangelium allen Creaturen/ Matth. 28. Marca6. Wie dann S. Paulus ſchon zu ſeiner zeit bezeuget/ daß das Evan⸗ gelium in alle Welt kom̃en vnd fruchthar ſeye. Col. Entlich/ daß alle/ die durch das H. Evangelium/ in krafft deß H. Geyſtes/ der durch daß Predigampt kraͤfftiglich wuͤrcken will/ an Chriſium glauben/ vnnd darin biß an das ende beharꝛen/ ſollen Seelig ſein/ die aber nicht glauben/ ſollen verdampt ſein/ Marc. 16. Johann.z. Wann nun dieſer grund recht vnd wol gelegt/ vnd Goͤttliche Ord⸗ nung in guter Achtung gehalten wirdt/ da koͤnnen wir dann gewiß⸗ lich finden/ wie ein glaubiges Hertz mit gutem beſtandt ſagen koͤn⸗ nen: Chriſtus iſt mein Leben. Nemlich durch die H. Tauffe ſindt wir/ die ue ſeenden getaufft ſindt/ Chriſto eingeleibt/ vñ zu Kindern Gottes angenom̃en wordẽ/ durch den glauben an Chriſto Jeſu. Rom. s. Gal.z. Vnd iſt ſ olche Kindtſchafft vns vielfaltig be⸗ ſtetiget durch Goͤttliche verheyſſung/ mit tewrem Eydſchwur beſte⸗ tiget/ Vnd inſonderheyt auch durch den heylſamen gebrauch deß Hochwuͤrdigen heiligen Abentmals/ da wir/ vermittels Brots/ vñ Weins eben mit dem Leib vnnd Blut deß Heren Chriſti geſpeiſet/ getrencket werdẽ/ welches iſt vor vnſere Suͤnde dahin gegeben/ vnd vergoſſen/ vnd alſo das wahre Loßgelt vnd Bezahlung vor vns/ vñ hierdurch wirdt vnſer glaub trefflich geſtercket/ daß d heilige Geyſt wohnet in vnſerm Hertzen/ daß wir ſeine Tempel ſeyen/ vnnd durch jhn ruffen zu Gott/ Abba/ lieber Vatter/ Rom. 8. Gal. 4. Darvon S. Paulus alſo ſchreibet/*.Cor,. G Ott/ Iſts der vns befeſiiget/ ſampt . Fides, lebena Men⸗ heines ernſter Hern Elt ver, ut deß vnnd arc 16. Evan⸗ hdaß es der ſſtum ͤͤr — gfein ann.z. 4 Ord⸗ gewiß nkoͤn⸗ eſindt vñzu hriſto iig be⸗ beſte⸗ hdeß tsvñ deſſet vnd vñ Soyſß durch rvon ligetl ampt Erſter Theyl. 125 ſampt euch in Chriſtum/ vnnd vns Geſalbet vnd Verſiegelt/ vnd in vnſer Hertz das Pfandt/ den Geyſt gegeben hat. Vnnd zum Epheſ. 1 Durch CoRiſtum habt jhr gehoͤrt das wort der war⸗ heyt/ nemlich das Evangelium von ewer Seligkeit/ durch welchen jhr auch/ da jhr glaubtet/ verſiegelt worden ſeyt mit dem H. Geyſt der Verheiſſung/ welcher iſt das Pfand vnſers lebens/ zu vnſer Erloͤſung/ daß wir ſein Eygenthumb wuͤrden zu Lob ſeiner Herꝛ⸗ ligkeit. Dieſes alles aber/ geliebte im HE RRR/ wirdt ni* troſt geſagt den rohen/ ſicheren Weltkindern/ die das wort GOT⸗ tes nichts achten/ oder von ſich ſtoſſen/ vnnd ſich ſelbſt nicht wert achten deß Ewigen Lebens/ Actor 13. Sondern denen/ die GOT⸗ tes wort lieb haben/ gerne hoͤren vnnd betrachten/ vnnd darvon re⸗ den Tag vnnd Nacht/ an Chriſtum glauben/ vnnd wandeln wir⸗ diglich Chriſto vnd dem Evangelio. Dann deren Leben Chriſtus M die werden auch vom Geyſt Chriſti regiret/ Rom. 8. Daß ſie nicht nach dem Fleyſch wandeln vnnd nicht Fleyſchlich geſinnet ſein/ vnnd nicht mit Weltlichen begierden/ Suͤnden vnnd Schan⸗ den ſich beflecken. Sondern begeben jhre Gliedmaſſen zu Waffen der Gerechtigkeit/ Rom. s. Vnd jhre Leiber zum Opffer/ das da Le⸗ bendig/ Heilig vnnd G O Tt wolgefellig iſt/ welches iſt der Ver⸗ nuͤnfftige G Ottes dienſt/ Rom. 12. Soll dann auch etwas vmb Coniſii vnnd ſeines worts willen gelitten ſein/ ſo ſindt ſie mit S. Paulo/ darzu frewdig/ daß ſie gleichfoͤrmig werden dem Ebenbildt deß Sohns G O Ttes/ Rom. 8. Gleich wie im Leiden vnnd Ver⸗ folgung/ alſo auch hiernechſt in der Verklaͤrung vnnd Herꝛligkeit/ Phiipp. 3. Dann es je gewißlich war/ ſterben wir mit/ ſo werden wir mit leben/ dulden wir/ ſo werden wir mit Herꝛſchen/ 2. Ti⸗ moth.. Vñ dañenhero erwechſet die; Lehr/ die wir allhie anmercke ſol⸗ ke: Nemlich dz ſterbẽ vnſer gewiñ ſeye. Sintemal ſo ein Edler wech⸗ ¶r ſel darauß erfolget. Dañ ſpricht S. Paulus Nom. 8. Ich halte es eru Q 3 darfur/ 3. s lu- VII. 126 Gießiſcher Leichpredigten darfuͤr/ daß dieſer zeit leiden der Herꝛlichkeit nicht wert ſeye/ die an vns ſoll offenbar werden. Vnnd ſtehet 2. Cor. 4. Vnſer truͤb⸗ ſal die zeitlich vnd leichter iſt/ ſchaffet eine ewige vnnd vber alle maß wichtige herꝛlichkeit/ vns/ die wir ſehẽ nit auff das ſichtbare/ ſondern auff das vnſichtbare. Dann was ſichtbar iſt/ das iſt zeitlich/ was aber vnſichtbar iſt/ das iſt ewig. Alſo ſagt Aſaph Pſalm. 73. Herꝛ/ wann ich nur dich habe/ ſo frage ich nicht nach Himmel vnnd Er⸗ den/ wann mir ſchon mein Leib vnnd Seel verſchmachtet/ ſo biſtu doch allezeit meines Hertzen troſt vnnd mein theyl. Dieſe edle ſterb⸗ kunſt finden wir bey Platone, Ariſtotele, Cicerone, oder andern Weiſen Heyden nicht/ die ſich ſelbſt wider den todt nicht haben gruͤndlich troͤſten koͤnnen/ ſondern allein in der Chriſtlichen Kirch⸗ en/ in den H. Evangeliſchen verheyſſungen/ welche zu anderer zeit E. L.außfuͤhrlieh vorgetragen/ vnd jetzo da die ſtundt abgelauffen/ nit moͤgen widerholet werden. Ein jeglicher aber befleiſſige ſich/ daß er Gottes wort gerne hoͤre/ vnnd nach demſelben Gottſeliglich lebe/ auff daß Chriſtus durch den glauben in ſeinem Hertzen wohne/ Eph.z. Vnd er in Chriſto/ vnd Chriſtus in jhm lebe/ Gal. 2. Vnd alſo Chriſtus ſein leben ſeye: Darauff dann gewißlich erfolgen wirdt/ daß auch das ſterben ein Seliger vnd erwuͤndſchter gewinn ſein muß. Vnnd laſſet vns jmmerdar in vnſerm Hertzen Gottſelig⸗ lich bedencken den Spruch S. Pauli Rom. 14. Vrſer keiner lebet jhm ſelber/ vnnd keiner ſtirbet jhm ſelber/ leben wir ſo leben wir dem HE RtRNN/ ſterben wir ſo ſterben wir dem He RRR. Darumb/ wir leben oder ſterben/ ſo ſindt wir deß HE R RN. Dann wie abermals SPaulus ſagt/ Coloſ.2. Ewer lebeniſt verborgen mit Chriſto in Gott. Wannaber Chriſtus ewer leben ſich offenbaren wirt/ dann werdet jhr auch offenbar werden mit jhm/ in der Heiligkeit. Dem⸗ ſelben vnſerm einigen h E RRR/ Koͤnig vnnd Fuͤrſten deß lebens/ he Lob/ Ehr vnnd Danck geſagt/ von nun an biß in ewigkeit/ men. Pen. ewinn ſſelig⸗ rlebet rdem wir mals ſtoin dann Dam dens gkeit SLR- Erſter Theyl. 27 PERSONALIA. Was nunanlangt/ geliebteim Herren Chriſto/ die Perſon/ Leben vnd Wandel vnſers lieben Herꝛn Superintendenten ſeligen/ iſt faſt vnvonnoͤthen bey E. L. ferꝛner Erinnerung zuthun/ als bey denen er in die 28. Jahr lang das Pfarꝛampt/ vnd vnder denen auch viel Jahr die Superintendens alſo vñ derogeſtalt gefuͤhret/ vñ ver⸗ waldet/ daß darin ſeine vorneme herꝛliche Gabẽ zulehrẽ/ auch Trew/ Vorſichtigkeit/ Weißheyt/ vnnd Verſtandt herꝛlich geleuchtet/ vnd bey GOTT mit ſeinem Segen vnnd Gedeyen ſich reichlich erwieſen/ darvor wir jhm billich ewig Lob vnd Danckſagen/ daß die Reine/ Ware/ Evangeliſche/ Seligmachende Lehr vnveruͤckt bey vns vnnd allen andern Benachtbaren ſeiner Superintendentz zu⸗ gehoͤrigen Kirchen/ erhalten/ vnd alle Irꝛige vnnd falſche Lehr/ vnd Meynung mit gutem Grundt widerlegt vnnd außgeſetzet worden ſind. E. Lwerden jhm fuͤr G OTt vnnd aller Welt zeugniß geben/ wie hefftig er geeyffert vber der Reinẽ vnverenderten Augſpurgiſchẽ Confeſſion/ wie ſie Anno 30. Keyſer Carolo dem fuͤnfften zu Aug⸗ ſpurg vberꝛeychet worden/ vnd dem Catechiſmo D. Lutheri: Auch wie feint er allen Calviniſchen Greweln vnd Irꝛthumen/ wie nicht weniger auch dem Bauͤpſtiſchen Sawerteig vnnd Aberglauben/ ge⸗ weſen vnnd wider allerhandt Ketzerey vnnd Irꝛthumb jederzeit ſei⸗ ne Zuhoͤrer auß G O Tes wort befeſtiget/ vnnd dieſelbige zuflie⸗ hen mit groſſem ernſt abgemahnet habe/ vnnd darinnen mit ſeinen lieben Herꝛn Collegis einen beſtendigen Conſens vnnd eintraͤch⸗ eigkeit trewlich erhalten. Wie hoch er jhm auch angelegen ſein laſ⸗ ſen das Straffampt wider allerley Laſter/ Sunde/ vnnd Vbertre⸗ tung der Gebotten Gottes/ vnnd wie hefftig er geeyffert vber der Ehre Gottes/ das iſt E. L. ſaͤmbtlich gantz wol bekandt: Vnd wel⸗ che dieſelbige ſeine Trewhertzige Warnungs⸗ vnd Straffpredigtẽ nicht achten/ vnnd darab ſich beſſern/ vnnd von jhren Suͤndenab⸗ ſtehen werden/ die ſollen gewiß ſein/ daß ſie derowegen an Pen groſſen VWIN 128 Gießiſcher Leichpredigten groſſen Tage deß Herꝛn vor Chriſti Richterſtul eine ſehr ſchwere vnnd ſcharpffe Rechnung werden thun muͤſſen. Vnſeꝛe loͤbliche Vniverſitet hat er mit rechtem trewen gemeynet/ vnnd keinen fleiß geſparet/ wo deroſelben etwas zu heylſamen dienſt vnnd guter Be⸗ forderung von jhm geſchehen koͤnnen. Sein taͤglicher Wandel in gemeynem Leben vnnd Haußweſen/ im Eheſtandt/ in der Kinder⸗ zucht/ vnnd was demſelben anhengig/ iſt vielen wolbekandt/ vnnd inſonderheyt/ wie fleiſſige Beiſchulen er jederzeit bey den ſeinigen erhaltẽ. Welches aber alles mit nichtẽ dahin gemeynet als ob wir jn gantz ſuͤndloß vnd ohne mangel halten wolten/ ſintemal er ſelbſt ſich vor einen armen Suͤnder von Gott erkennet/ vnd vmb verzeyhung hertzlich vnnd fleiſſig angeruffen/ auch wol vor gut nemen koͤnte/ da er wolmeynendes Hertzens vnd der gebuͤr von andern ſeinen Freun⸗ den erinnert/ vnnd jhm zugemuͤt gefüͤhret wuͤrde/ was ſeinem Ampt vnnd Perſon wol anſtehe/ vnnd zu gemeyner Erbawung diene. Nach dem aber vnſer lieber Herꝛ Superintendens Seliger in ſei⸗ nem Hohen Ampt je mehr vnnd mehr mit taͤglicher Muͤhe/ Sor⸗ ge vñ Arbeit vberladen/ vñ dardurch an ſeinen Leibskraͤfften merck⸗ lich geſchwechet/ vnnd inſonderheit mit Hauptfluͤſſen deromaſſen ſtarck angegriffen/ d danenher hochbeſchwerliche andere ſchwach⸗ heyten zubeſorgẽ/ vñ derowegẽ zu vnderſchiedlichen heylſamẽ Artz⸗ neyen jm trewlich gerathen worden. Als hat er deroſelben eine zeit⸗ lang fleiſſig/ vñ vnder andern auch vor wenigẽ Monatẽ das War⸗ me Bad zu Wißbadẽ gebrauchet/ dardurch zwar durch Goites ſe⸗ gen eine zeitlang den andern Kranckheyten in etwas gewehret/ aber doch die beſchwerliche Hauptfluͤſſe nit ſind hinweg genoſñ̃en oder außgetrucknet worde/ vñ nach dem nechſt vor wenig? Tagen durch ſonderbare Providentz vñ Regierung deß Allmechtigen ein Chriſt⸗ licher. heyrathzwiſchen ſeiner geliebten Tochter/ vnd dem Hochge⸗ lahrten Herꝛn M.)ohanne Stumpfio, Phyſices Profeſſore or- dinario getroffe/ vñ daſſelbige Verloͤbniß in bey ſein Vornehmer/ Ehrlicher/ ſo wol einheimiſcher als auch frebder Leut/ in C beiſllehe Aſdrn zimlicher de ölice nflei Be⸗ ndelin under⸗ vnnd inigen wirſn ſiſic hung ite da reun⸗ Ampt diene. inſa⸗ Sor⸗ nerck⸗ naſſen wach⸗ Art⸗ ezeit⸗ War⸗ tes ſe⸗ ſaber doder durch hriſt⸗ ige⸗ ol- mer/ ichet laa — Erſter Theyl. 729 er frewde gehalten worden/ darbey dann vnſer lieber Superin⸗ tendens Seliger auß Vaͤtterlicher ſorgfeltigkeit allen fleiß an⸗ gewendet/ damit alles in guter Ordnung vnnd gebuͤr wie dann auch durch GO TTESSegen geſchehen) verꝛichtet wuͤrde: Sindt dardurch ſeine alte gewoͤhnliche Haubtfluß etwas erꝛegt/ al⸗ ſo/ daß er nechſt Donnerſtags morgens ein fluß im rechten Augẽ empfunden/ vnnd daruͤber geklagt/ wie dann auch daſſelbige Aug ſehr toͤdlich geweſen. Hat aber gleichwol ſoſchen zufall/ damiter ſei⸗ nen frembden lieben Geſten vnnd Freunden ferꝛner beywohnen/ vñ die angefangene Chriſtliche froͤligkeit/ nicht eben zerſtoͤren moͤchte/ nicht allzuhoch geachtet: gleichwol/ wie vnterſchiedlich wahr ge⸗ nommen wordẽ hat er jhm zu zeiten das Haubt in die Hand gelegt/ vnnd tieffe ſeufftzen von ſich gehen laſſen/ auch bey der Abentmal⸗ zeit etliche nachdenckliche rede gefuͤhret/ von ſeinem Geburtstag welcher ain nechſtverſchienenen Montag geweſen) vnnd wie wun⸗ derbarlich jhn vnſer lieber HERR GO T Tgefuͤhret/ dem er auch ſonderlich gedanckt hat/ vor ſeine groſſe Gnade vnnd Segen gegen jhm vnnd die ſeinigen/ vnnd vmb ferꝛner gnad gebeten/ er iſt vnderſchiedlich auffgeſtanden/ vnnd ob er wol die anweſende Geſt zur froligkeit ermahnet/ hat er doch vor ſich wenig trincken woͤllen/ ſondern hald mit einem hie/ baldt mit einem andern da rede gehaltẽ/ vnnd vnder andern einen ſehr guten freund an das Fenſter gefuͤhret/ vnnd von etlichen mißverſtenden/ ſo zwiſchen jhme vnd andern vor⸗ gefallen/ geredt/ vnd mit groſſer Bewegung geſagt/ es ſeye jm leyd/ daß er im mißverſtandt ſiehen ſoll/ er wolle alles auß ſeinem Her⸗ ten fallen laſſen/ vnnd anders nicht/ als Chriſilich vnnd freundtlich geſinnet ſein/ vnd nach muͤglichkeit alle gute beforderung erweiſen. Demnach hat er ſich wider geſetzt/ vnnd hat man die geringſte trawrigkeit oder Wehethumban jhm nicht geſpuͤret/ auſſer dem/ dz er zu zeiten tieff geſeufftzet. Nach dem nun die neun Vhr vor vber wahren/ vnnd die zehen herbey nahen woltẽ/ habe ich nach beſchehe⸗ ner GOT Tes Danckſagung meinen asſapka von den vbrigen Heren VIV. Bo Gießiſcher Leichpredigten Herꝛn Geſten genommen/ jhnen ſambt vnd ſonders/ vnnd als auch dem He RRR Superintendenten Seligen gute Nacht gewuͤnd⸗ ſchet/ vnnd ſie in Gottes Schutz vnnd Bewahrung befohlen/ mich nach Hauß verfuͤget/ vnnd zur ruhe begeben Ehe dann ich aber ent⸗ ſchlaffen/ werde ich ploͤtzlich erfordert/ in deß Herꝛn Superinten⸗ den Behauſſung zukommen/ vnnd da ich etwas von guter ſtercken⸗ der Artzeney bey mir hette/ mitzubringen/ dann der Herꝛ Superin⸗ tendens ſey/ leyder/ gefallen. Als ich nun ſo baldt mich eilendt ange⸗ legt/ vnd ankommen/ da befinde ich nut trawren den groſſen ſchwe⸗ ren vnfall. Der ſich dann alſo begeben( wie ich trewlich vnnd mit fleiß berichtet worden daß nemblich ein vornemer Freundt vmb ze⸗ hen Vhr nach Hauß gehen woͤllen/ welchen der Herꝛ Superin⸗ tendens beleytet/ vnnd jhn gewarnet/ daß er vorſichtig gehe/ dieweil die Treppe ſtickel vnnd boͤſe/ damit er nicht falle. Iſtalſo derſelbige vor vnd der Herꝛ Superintendens nachgegangen. Vnnd da jener vnden an der Treppen geweſen/ vnnd der Herꝛ Superintendens kurtz hinder jhm/ da ſincket er darnieder/ alſo daß er mit dem Haupt an jenem hergefallen/ vnd den Mantel mit genomen/ vnd durch den Fall die Handt vor der Stirn etwas entgetzet worden. Wie er da ligt/ iſt ſo baldt alle bewegung in beyden Armen hinweg/ vnnd emp⸗ findet er nichts/ iſt auch die ſprach gantz erlegen/ allein der Athem gehet richtig vor ſich/ vnnd iſt der Puls noch volkommen. Als nun der Herꝛ Superintendens in die Stube getragen/ vnnd auffein Bett gelegt/ welches nach zehen Vhren geſchehen/ haben die dar⸗ zu erforderten Herꝛn Doctores Medici in meinem vnnd andern ahmveſen alles gar genaw beſehen vnnd betrachtet/ vnnd dieweil der Athem ſo gar richtig vñ Natuͤrlich/ wie auch der Puls wolgangen/ ond ſonſt keine euſſerliche gefehrliche Verletzung zubefinden/ zu de⸗ nen Remediis gegriffen/ welche zu der Apoplexia dienlich/ vnnd zwar hat ſich anfangs alles wol anſehen laſſen/ alſo/ daß ſie mir zu⸗ geſprochen vnd bewogen/ daß ich naher Hauß mich widerumb ver⸗ fuͤget Aber vmb 2. Vhr nach Mitternacht werde ich widerumb er⸗ for⸗ 4 sauch wuͤnd⸗ mmich erent⸗ einten⸗ rck en⸗ perin⸗ tange⸗ ſchwe⸗ ndmit moze⸗ perin⸗ iewenl ſelbige aſenet udens Daupt ch den eer da demp⸗ them is nun uffen e dar⸗ dern ellder ngen Erſter Theyl. 73 fordert/ da es dann ploͤtzlich vmbgeſchlagen/ vnd gnugſame anzey⸗ gungen ſich ſpuͤren laſſen/ daß es am abſchied ſein wuͤrde/ welcher dann vnder hertzlichen/ ernſten/ demuͤtigen ſeufften vnd gebet vmb drey Vhr in der Nacht erfolget/ vnnd alſo vnſer lieber Herꝛ Supe⸗ rintendens ſeynen Geyſtauffgegeben/ vnnd ſeinem He RoiR vnd Erloͤſer Jeſu Chriſto zu trewen Henden zugeſtellet hat. Wie wol nun/ dilecti, bey vielen vnderſchiedenen Menſchen wie es zugeſchehen pflegt vnderſchiedene vrtheyl hicruͤber moͤchten gefelt werden/ ſo behalten wir doch dieſen Grundi S. Pault: Chri⸗ ſtus iſt mein Leben/ Sterben iſt mein gewinn. Wer Chriſto lebt/ glaubt vñ dienet/ dem muß der Todt kein ſchade/ ſondern ein gewiñ ſein Leben wir/ ſo leben wir dem HeE RRR/ Sterben wir/ ſo ſterben wir dem Herꝛn/ darumb wir leben oder ſterbẽ/ ſo ſind wir deß. Herrn. Vnndiſt zumahl ein gefehrliches vrtheyl/ wie etwan einer auff die⸗ ſe der ander auff andere weiſe ſein ende bekompt/ daß man darauß vrtheyl fellen woͤlle von der Seligkeit oder Verdamnuß. Als der fromme Alte Her: Matheſius auff der Cantzel im Jochimsthalin der Predigt ſpurete/ daß jhn der Schlag treffen wuͤrde/ ſprach er: Schlag/ liebe HERR ſchlag/ alſo haſtu auch deinen lieben Juͤnger vnnd Apoſteln Johannem geſchlagen: Vnnd iſt darauff in wenigen ſtunden Seliglichen verſchieden. Gleich maͤſſiger Ex⸗ empel koͤnten auch auß der H. Schrifft erzehlet werden/ da es not were. Offtermals wuͤndſchen fromme Leute daß ſie vorlangem Laͤ⸗ ger moͤchten behuͤtet werden/ vnnd hat vnſer lieber HE RR GOtt ſeinen waren heyligen Raht/ vnd hohe vrſachen/ waruinber dieſem Menſchen dieſe/ einem andern eine andere beſchwehrliche ſchwach⸗ heyt zuſchickt/ wie viel frommer Gottſeliger Chriſten werden hin⸗ geraffet durch die geſchwinde Peſtilentz oder durch andere erſchreck⸗ liche mittel ſolte man darumb ſo Vnchriſtliche vrtheyl von jhnen fellen? Summa/ wie Aſſaph ſagt/ Pſalm. 73. HE R/ wann ich nur dich habe/ ſo frage ich nichts nach Himmel vnnd Erden/ vnnd S. Paulus Roͤm. 8. Ich bin gerih daß beder Tohr noch leben/ 21 ws⸗ Jahann. ſ. VIK-,.. 32 Gießiſcher Leichpredigten weder Engel/ noch Fuͤrſtenthumb/ noch gewalt/ weder gegenwerti⸗ ges noch zukuͤnfftiges/ weder hohes noch tieffes/ noch keine andere Creatur/ moͤge vns ſcheyden von der Liebe G Ottes/ die in Ehriſto Ieſu iſt vnſerm Hᷓ drrn. Alſo iſt gewiß/ daß kein todt ſer ſeye auch wie er woͤlle/ den rechtglaubigen ſchaden koͤnne/ ſondern auß jhnen ein Eingang ſey zum Ewigen Leben/ zu demſelben woͤlle vns alle ſamdt gnedig verhelffen durch Jeſum Chriſtum/ GOT T vnſer Heyliger Vatter/ welchem ſambt dem H. Geyſt ſey Lob/ Ehr vnnd Danck in Ewigkeit/ Amen. SSESSSe Se eSe Seee ree eeeeeeee Achte Leichpredigt/ Bey der Begraͤbniß weyland deß Edlen/ Veſten vnd gelehrten Studioſi, Petri von Putkammers auß Pommern/ ſo sam xvr. Tag deß Monats Septembris, zwiſchen 4. vnnd †. Vhr nach Mittag/ im Jahr 1609. im Herꝛn ſeliglich entſchlaffen/ vnnd den folgenden Dienſtag/ welcher iſt der 19. Tag gedachten Mo⸗ nats Chriſtlich zur Erden beſtattet/ Gehalten zu Gieſſen Durch⸗. Johannem Winckelman/ der heiligen Schrifft Dockorem. in der lͤblichen Vniverſitet Profeſſorem vnd auch Prediger daſelbſten:. Ein Chriſtliche Leichpredigt vber die Wort deß Koͤ⸗ nigs vnd Propheten Davids im 39. Pſalm. Ber HẽR lehre doch mich/ daß es ein Ende mit mir haben muß/ vnd mein Leben ein Ziel hat/ vnd ich davon muß. Sihe meine Tage ſind einer Hand breit bey dir/ vnd mein Leben iſt wie nichts fuͤr dir/ wie gau , 8 vnd rn/ſo knach —— ——·ꝑ·ꝑ Erſter Theyl. 1 gar nichts ſind alle Menſchen/ die doch ſo ſicher leben⸗ Sela. Sie gehen daher wie ein Schemen/ vnd machen ihn viel vergeblicher Vnruhe/ ſie ſamlen vnnd wiſſen nicht/ wer es krigen wird. Nun HER/ weß ſol ich mich troͤſten? ich hof⸗ feauffdich. Erꝛette mich von aller meiner Sunde/ vnnd laß mich nicht den Narꝛen ein Spott werden. Ich wil ſchweigen vnd meinen Mund nit auff⸗ thun/ du wirſts wolmachen. Wende deine Plage von mir/ dann ich bin ver⸗ ſchmacht von der Straffe deiner Hand. Wenn du einen zuůͦchtigeſt vmb der Suͤnden wil⸗ len/ ſo wirdt ſeine Schoͤne verzeret wie von Mot⸗ 9 /Ach wie gar nichts ſindt doch alle Menſchen/ hela. Hoͤre mein Gebet HẽRꝛ vñ vernim mein ſchrey⸗ en/ vnnd ſchweige nicht vber meinen Thraͤnen/ dann ich bin beyde dein Pilgerim vnd dein Buͤrger/ wie al⸗ le meine Vaͤtter. Laß ab von mir daß ich mich erquicke/ ehe dann ich hinfahre/ vnd nicht mehr hie ſey. Erklaͤrung deß Textes. 3 Ir haben/ Geliebte im HẽRR Chriſto⸗ abermals einen Prediger da fuͤr augen/ als nemlich einen vornehmen gelehrten Studioſum vom Adel/ 90 R„ welcher 34 3 Gießiſcher Leichpredigten welcher durch den zeitlichen Todt im ein vnnd zwantzigſlen Jaht ſeines Alters/ auß vnſerm Mittel vorgeſtern geriſſen/ vnnd predigt vns von der Vnbeſtendigkeit vnſers Lebens/ daß kein Alter/ weder Kindheit noch Jugendt/ maͤnlichs Alter/ nach grawe Haar vorm Todt geſichert ſeynd. Da ſollen wir nun an jhm bedencken/ oder jhn da an anſehen mit der Erinnerunge/ daß wie er geſtorben iſt/ ſo muͤſſen wir auch ſterben/ anders nicht/ als ob er zu mir vnnd dir ſag⸗ te: Geſtern war es an mir/ heute iſt es an dir. Item ruͤhme dich nicht deß Morgenden Tages/ dann du weiſt nicht/ was heute ſich begebẽ mag/ Proverb. 27. Solcher Sterbligkeit vnnd Vngewißheit vnſers Lebens er⸗ innert ſich der Koͤnig vnnd Prophet David in denen vorgeleſenen Worten deß 39. Pſalms/ da er auch/ wie es ſich angeſehen leſt/ faſt todt kranck geweſen/ vnnd zu Zeiten vngedultig/ alſo daß die Vn⸗ gedult jhme etwa vergeßliche Wort außgetrieben: Derowegen er jhme im Eingange deß Pſalms faſt fuͤrſetzt/ ſeinen Mund vnnd Zungen im Zaum zu halten/ damit er ja nicht mit Außſtoſſung vergeßlicher Wort/ dem Gottloſen Vrſach vnd Anlaß zulaͤſtern/ zu frolocken vnnd zu ſpotten gebe. Vnnd doch dieweil Fleiſch vnnd Blut vnbendig iſt/ ſo leufft die Vngedult mit vnter/ derowegen er ſich zu G O TTwendet vnnd bittet: Erſilich/ vmb das vorneme Stuͤck der Weißheit/ welchsiſt Betrachtung der Sterbligkeit/ damit er die wenige vbrige geit ſeines Lebens ſich moge zur Gedult begeben. Zum andern/ bittet er vmb Enꝛettung von der Suͤnden/ von ſeiner Plage/ vnnd vmb Erquickung in ſemeer Kranckheit vor ſeinem Ende. Weil dann David dieſen Pſalm dem Capellmeiſter Jedithun zu ſingen vbergeben/ als ſol er hiemit auch vns vbergeben ſeyn/ vnd wollen alſo auß den vorgeleſenen Worten hoͤren: 1 Das Gebett deß Gerechtẽ vmbdie vornehme Weißheit/ welche iſt/ bedencken/ daß er ſterben * . 3 Erſter Theyl. 35 11 Das vbrige Gebet vmb Erꝛettung von allen ſeinen Suͤnden/ von der Plage vnd vmbErqui⸗ ckung in ſeiner Kranckheit. Darvon nun etwas nuͤtzliches vnd heilſames zu reden vnd zu hoͤren wolle vns der guͤtige GOtt die Gnade ſeines h. Geiſtes mil⸗ tiglich verleihen/ Amen. Das erſte Theyl. 3 Ber HẽR lehre doch mich daß es ein Ende mit mir haben muß/ vnd mein Leben ein Ziel hat/ vñ ich davon muß. Alhie moͤchte nun balt jemands gedencken/ was dem hey⸗ ligen Mann diß Gebet außgetrieben habe/ daß er ſein Sterbſtuͤnd⸗ lein vnnd Abſchied von dieſer Welt betrachten moͤge⸗ darauff iſt die Antwort/ dieweil/ wie er im vorigen Pſalm geklaget/ er zum Lei⸗ den gemacht/ vnnd ſein Schmertzen jmmer vor jhme ſey. Darge⸗ gen aber andere gehen frey daher ohne alle Sorge/ ſchlampampen/ haben einen guten froͤlichen Muth/ vnd leben jmmer zu im Sauß. Oder aber ſchinden vnnd ſcharꝛen ein vergebliche Bemuͤhung/ dasthut jhme wehe/ da wirdt er vngedultig. Dargegen troͤſtet er ſichwiederumb/ daß es nicht mit jhmein die lenge wehren werde/ es werde einsmahls ein Ende mit hme haben/ vnnd bittet demnach: Hẽrꝛlehre mich/ daß ein Ende mitmir haben mußzꝛe. Warumb? auff das ich gedultig ſey/ vnnd auff dich allein ſehe. Sihe meine Tage ſindt einer Hand breit bey dir/ vnd mein Leben iſt wie nichts fuͤr dir/ wie gar nichts ſeynd doch alle Menſchen die doch ſo ſicher leben/ ſie gehen daher wir ein Schattẽ/ vñ machen jn viel vergeblicher Vuruhe/ Wonn das Sie ſamlen vnd wiſſen nicht wer es 3e Gießiſcher Leichpredigten es kriegen wirdt. In dieſen Worten betrachtet David die kun⸗ tze Zeit vnd Fluͤchtigkeit menſchliches Lebens/ dazu auch die Eitel⸗ keit deſſelben/ die vergebliche Sorge/ Vnruhe vnnd Sicherheit der Menſchen/ gleich als ob ſie allezeit wolten allhie leben/ dazu fuͤhret eraugenſcheinliche Gleichnuͤſſe/ die Nichtigkeit vnnd kurtze Zeit zu leben ſich ein zubildden. Sihe meine Tage ſeyndt einer Hand breyt bey dir ꝛc. Ein Hand kan man baldt vberſehen in einem Augenblick. Alſo iſt vnſer Leben fuͤr G O T T wie ein Au⸗ genblick. Ja mein Leben iſt wie nichts fuͤr dir. Auch betrachtet er per epiphonema die Eitelkeit der Menſchen. Wie gar nichts ſeyn doch alle Menſchen/ die ſo ſicher le⸗ ben.Profectò vanitas omnis homo ſtans. Er ſtehet vnnd mey⸗ net er ſtehe vnnd habe ſeine Sache auffs gruͤne bracht/ darnach ver⸗ gleicht er die Menſchen einem Schaͤmen/ der gar ein nichtig Ding iſt/ vnnd ſtirbt im ſehen. Alſo verhelt ſichs auch vmb die Menſchen die doch ſo ſicher leben/ vnnd machen jhnen viel vergebliche Vnru⸗ he/ tumultuiren/ ſorgen/ lauffen/ rennen/ ſamlen/ ernden vnd wiſſen doch nicht wem. Ja offt ſparen ſie jhren Feinden vnnd lachenden Erben. Lehre. Ir ſollen mit dem Koͤnig vnnd Propheten David auch jmmer zu ſprechen: HERR lehre doch mich/ daß ein Ende mit mir haben muß ⸗ daß mein Leben ein Ziel hat/ vnnd ich davon muß. Moſes der Prophet/ der auch ein ſehr viel geplagter Mann war/ bittet ebener maſſen im ↄ0. Pſalm: Lehre vns bedencken daß wir ſterben muͤſſen/ auff daß wir klug werden. Die Heyden haben ge⸗ ſagt: Magnam partem ſapientiæ eſſe meditationem mor- tis, das iſt/ es ſey ein groß Stuͤck der Weißheit/ die Betrachtung deß war wir nge⸗ nol- rung deß Erſter Theyl. 37 deß Todts. Solches aber ſollen wir Cori ſten amallermeiſten be⸗ dencken. Vnnd dieweil dieſe weißheit nicht ſtehet in vnſern Kraͤff⸗ len/ die wir gerne wolten jmmer allhie bleiben/ ſcharꝛen/ in Wolluͤ⸗ ſien leben/ alſo gar/ daß viele gedencken/ hetten wir hie Mehl/ wir wolten G O T Tden Himmel laſſen. So muß man GO TT den HERRN bitten/ daß er vns wolle ſolche Kunſt lehren. Ja fragſtu wann wir dieſelbe ſtudiret haben/ wo zu wirdt ſie vns nuͤtze ſeyne Auff das wir klug werden/ welche klugheit iſt anders nicht/ als GOTT bey guter Zeit recht erkennen/ vnd vns fuͤr Suͤnden be⸗ huͤten. Bedencke das Ende/ ſo wirſtu nimmermehr ſuͤndigen/ Syr. 7. Da iſt vns von noͤhten/ daß wir bald kauffen Golt ſo mit Fewer durchleutert iſt/ welches anders nichts iſt als daß wir GOTTes Wort fleiſſig hoͤren/ leſen vnnd betrachten/ vnnd darauß die heilſa⸗ me Erkandtnuß G OTtes vnnd den ſeligmachenden Glauben er⸗ langen/ folgends vns auff die Reiſe vnd. Heimfahrt anß dieſer Wele ſchicken. Dann zu gleicher Weiſe wie einer der durch einen dicken Wald wandern ſol/ darin viel vngehewre Thier/ Moͤrder vnnd Raͤuber zu befuͤrchten/ macht ſich geruͤſt mit Wehr vnnd Waffen damit er allem widerwertigem Anlauff begegnen moͤge: Alſo ſollen auch wir vns jederzeit gefaſt machen/ damit wir aller Anfechtung deß Teuffels/ der Welt/ boͤſer Neigung vnſerer Natur/ vnnd dem Todt ſelbſt begegnen vnd vnter Augen gehen/ vnnd entlich in wah⸗ rem ſeligmachendem Glauben vnnd Anruffung Gottes abdrucke moͤgen. Solches ſollen bedencken nicht allein die Alten welche/ wie man ſagt/ auff der Gruben gehen/ ſondern auch die jungen Leu⸗ ke/ wie geſchrieben ſtehet: Gedenckean deinen Schoͤpffer in deiner Jugendt/ ehe dann die boͤſen Tage kommen vnd die Jahre herzu tretten/ da du wirſt ſagen/ ſie gefallen mir nicht/ Eccleſ. 12. 2. Darnach ſehen wir alhie/ wie ein kurtz Ding es vmb vnſer Leben/ vnnd gar bald mit vns geſchehen ſey. Sihe mei⸗ ne B8 Giießiſcher Leichpredigten ue Tage/ ſpricht David/ ſeynd einer Hand breit bey dir vnd mein Leben iſt wie nichts fuͤr dir/ wiegar nichts ſeynd doch alle Menſchen/ die ſo ſicher leben. Homa ſtans. Der Menſch der da ſiehet/ ja wol ſtehet/ heut ſiehet er/ morgen ligt er/ heut friſch vnnd roth/ morgen todt/ heut jung vnnd ſtarck/ morgen aber im Sarck. Vnnd zwar alſo verhelt ſichs mit vnſerm Leben bey vnnd fuͤr G Ott/ fuͤr welchem tauſend Jahr ſeyn wie der Tag der geſtern vergangen iſt/ vnnd wie eine Nacht⸗ wache/ Pſalm 90. 2. Pet. 3. Wann wir lange leben ſo leben wir hundert Jahr/ aber wie wenig vnndentzeln ſeyn ſie/ die an ein ſolch hohes Alter gelangen? Gleich wie aber ein Troͤpfflein Waſſers iſt gegen dem gantzen Meer/ vnnd ein Koͤrnlein San⸗ des gegen dem gantzen Sand am Meer/ alſo ſeyn tauſend Jahr gegen der Ewigkeit. Wir Menſchen fahren dahin /GO TT aber bleibet der er iſt vnnd ſeine Jahr nemen nicht ab Pſalm. 02. Vnſer Leben weret ſibentzig Jahr/ vnnd wenns hoch koͤmpt ſo ſeyns achtzig Jahr/ vnnd wann es koͤſilich geweſen iſt/ ſo iſtes Muͤhe vnnd Arbeit geweſen. Meine Zeit iſt dahin/ vnnd von mir auffgereumet wie eines Hirten Huͤtte/ ſpricht der Koͤnig His⸗ kias in ſeiner Kranckheit/ vnndreiſſe mein Leben ab wie ein We⸗ ber/ Eſaiæ 38. S. Jacob vergleichet vnſer Leben mit einem Dampff/ Jacob. 5. der ſich weit außbreitet/ aber bald vergehet. Was machts aber? das machet dein Zorn daß wir ſo vergehen vnnd dein Grim daß wir ſo ploͤtzlich dahin fahren ꝛc. Wer glau⸗ bet aber daß du ſo ſehr zuͤrneſt/ vnnd wer fuͤrchtet ſich fuͤr ſolchem deinem Grim/ ſagt Moſes/ Pſalm. 0. da er auch ſtraffet die groſ⸗ ſe Sicherheit der Menſchen/ die ohne betrachtung jhres En⸗ des vnnd deß Zorns G OTTES wider die Suͤnde jmmer ſo ſicher dahin leben/ als wolten ſieallezeit hie bleiben. Wir/ geliebte im HERRR/ weil es ſo ein kurtz/ nichtig vnnd vnbeſtendig Ding iſt vmb vnſer Leben/ ſollen nicht ſicher ſeyn/ ſondern allzeit bereit dem hdir⸗ lchts lowo het er gonnd homit rſchn Nacht⸗ en wir an ein pfflein Sau⸗ Jahr TT 1. 1Oz. nytſo oiſtes on mir His⸗ We⸗ einem gehet. gehen glau⸗ lchem 4greſ 8En nerſo tliebte Ding bereit dem Erſter Theyl. 39 dem Heren zu begegnen vnnd ſagen. Wann mein Gott wil /ſo wil ich mit hinfahren im Fried/ ſterben iſt mein gewin vnd ſchadt mir nicht. Chriſius iſt mein Leben/ ſterben iſt mein Gewin. Ich begere abzuſcheiden vnnd bey Chriſto zu ſeyn. 3. LAaſſet vns zum dritten auch betrachten die groſſe Ei⸗ telkeit/ gantz vnnu⅛tze vnnd vergebliche Studia vnnd Bemuͤhungen der Menſchen/ davon David ſagt: Profectò omnis homo vanitas. Fuͤrwar es iſt ein eitel Ding vmb alle Men⸗ ſchen/ ſie gehen dahin wie ein Schemen/ vnd machen jhnen viel vergeblicher Vnruhe/ ſie ſamlen vnnd wiſſen nicht wer es kriegen wirdt. Wir haben deſſen ein Exempelan dem reichen Mann/ Lucæ 12. deſſen Schewren alle voll Frucht waren. Er brach die alten ab/ vnnd bawet groͤſſere/ vnnd begab ſich auff ein ſicheres Leben/ ſprechende: Liebe Seele/ du haſt einen groſſen Vorꝛahte auff viel Jahr/ habe nun Ruhe iß vnd trinck vnnd habe einen guten Muht. Aber GO T T ſprach zu ſhm: du Narꝛ/ dieſe Nacht wirdt man deine Seele von dir for⸗ dern/ vnnd wes wirds ſeyn/ daß du bereitet haſt? Von dieſer Ei⸗ telkeitſagt Salomon im Prediger am 5. Cap. Wer Gelt liebet wirdt Geldes nimmer ſatt/ vnnd wer Reichthumb licbet der wirdt kein Nutz davon haben/ das iſt auch eitel. Vnnd abermahl/ cap. 6. Es iſt ein Vngluͤek daß ich ſahe vnter der Sonnen/ vnnd iſt gemeyn bey den Menſchen/ einer dem GOT T Neichthumb/ Ehre vnnd Gewalt gegeben hat/ vnnd mangelt jhm keines daß ſein Hertz begehret/ vnnd G O T T jhme nicht gibt daſſelbe zu ge⸗ meſſen/ ſondern ein ander verzehret es/ das iſt auch eitel. Wir ſollen ſolcher eitelen Sorge vnnd Vnruhe muͤſſig gehen/ vnd gedencken/ es ſey ein groß Gewin/ wer gottſelig iſt vnd leſſet jhme genuͤgen/ 1. Timoth. 6. Fuͤr allen dingen aber ſollen wir folgen dem Raht deß Sohns Gottes/ Apoc 3. Jeh rahte dir daß du Golt von mir keuffeſt das mit Fewer durchleutert iſt/ das iſt d ware Lbewachende Elau⸗ 2 be 117 40o0 EGiileßiſcher Leichpredigten be vnd das Vertrawen auff den lebendigen G Ott/ das durch reich werdeſt in G Ott/ vnnd weiſſe Kleider/ daß du dich anthueſi/ vnnd nicht offenbahr werde die Schande deiner Bloͤſſe/ das iſt der Rock vnd Kleid deß aller heyligſten Gehorſams Jeſu Chriſti/ vnnd ſalbe deine Augen mit Augenſalbe/ daß du ſehen moͤgeſt/ dz iſt Gott recht erkenneſt. Das ſol vnſere hoͤchſte vnd vornembſte Bemuͤhung ſeyn. Vnd ſo viel vom erſten Theil. Der ander Theyl. K He dann David zum Gebet ſchreitet/ ſo be⸗ ☛ zeuget er zuvor ſein Vertrawen zu G Ott/ damit das Ge⸗ bet auß einem ſolchen Vertrawen herflieſſe. Dann dieweil er betrachtet hatte die Fluͤchtigkeit/ nichtigkeit vñ Eitelkeit dieſes Le⸗ bens/ welche andere viel achteten/ ſondern lebeten ſicher/ ſambleten vnnd ſcharꝛeten/ ſo gedenckt er hergegen nach einem beſtendigen Troſt gegen dieſes ſein Elend vnnd ſyricht: Nun HERRwes ſolich mich troͤſten? Ich hoffe auch dich. Er nunc Domi⸗ ne quid expecto: ſpes mea in te eſt. Das iſt/ was ſol ich nun/ OHeRR/ zu gewarten haben/ mein Hoffnung ſtehet zu dir? die ſiebentzig Interpretes habens in dieſem Verſtandt gegeben: Et nunc quæ expectatio mea? Et nunquid Dominus?& ſub- ſtantia(¶Sœνemea apud te eſt? Es wil David ſo viel ſagen: Nach dem es nichtig vnnd eitel Ding vmb diß Leben iſt/ vnnd wir hie kein bleibens haben/ welches viele Leute gar nicht achten/ ſondern lebẽ frey ſicher dahin /freſſen/ ſauffen ſamblen vnd ſcharꝛen vñ habẽ darin gleich jhr hoͤchſtes Gut/ was ſol ich aber nach dieſem Leben zu gewarten haben? Was ſolich mich gegen die Nichtigkeit/ Vergen⸗ ligkeit vnnd Eielkeit dieſes Lebens zu getroͤſten haben? Darauff antwortet er: Alle mein Hoffnung/ Troſt vnnd Zuflucht ſtehet Herꝛ zu dir/ bey dir hab ich mein Bleibens/ du biſt mein hoͤchſtes Gut/ daß mir niemand raubẽ wird. Darauff begibt er ſidinſoſch r⸗ loſend fromn kleinm Geſpo diß vol vnndn Syott Mu Erſter Theyl. 141 Vertrawen zum Gebett vnnd ſpricht: Erꝛette mich von aller meiner Suͤnden/ vnnd laß mich nicht den Narꝛen ein Spott werden. Dieweil er all ſein Vertrawen vnnd Zuflucht zu GOT Tgenommen vnnd aber erwegt/ daß die Suͤnde zwi⸗ ſchen GO T T vnnd vns Menſchen ſcheidet/ vnnd jmmer zu auffſteiget/ vnd dazu der Feind der Teuffel ſie groß machen wil/ ſo bittet er daß G O TT/ dem er geſuͤndigt/ jhm dieſelbe vergeben/ nachlaſſen vnnd jhn davon frey machen woͤlle/ damit er ja nicht den Narꝛen zu Spott werde. Denn der Satan freilich ein ſolcher Narꝛ iſt/ der ſelbſt in der Warheit nicht beſtanden/ vnd ſein Fuͤrſtenthumb verlaſſen hatte/ vnd ſuchet nunmehr anders nicht/ als daß er Men⸗ ſchen zur ewigen Schmach vnnd Schande bringen/ vnnd hernach ſein Geſpoͤtt mit jhnen treyben moͤge. Darzu ſeyn dann da die Got⸗ loſen deß Teuffels Werckzeuge/ die in Wolluͤſten leben vnnd den frommen zu wieder ſeynd/ die lauren drauff/ daß da die Frommen kleinmuͤtig zweiffelhafftig oder je vngedultig wuͤrden/ ſie auch jhr Geſpoͤtt mit jhnen treiben moͤgen. Weñ ich nun/ wil David ſagen/ diß von dir habe/ daß du mich von aller meiner Suͤnden erꝛetteſt/ vnnd mein gnediger GOT T biſt/ damit ich den Narꝛen niche zu Spott werde/ wol mir/ So wil ich Schweigen vnd mein Mund nicht auffthun/ duwirſts wol machen. Da kompt er auff ſein erſtes Vornemen/ da er jhm fuͤr geſetzt ſeinen Mund zu bewahren/ damit er nich ſuͤndige mit ſeiner Zungen durch vngedult. Alſo ſagt er allhie: Ich wil Schweigen/ du wirſt wol machen. Befehlet GO2 Tſein gantz Leben/ Weſen vnnd alle ſeine Sachen. Darnach bittet er auch vmb Abwendung ge⸗ genwertiger Plage: Wende deine Plage von mir dann ich bin verſchmachtet von der Plage deiner Hand. Dieſe Wort wie auch die folgende/ zeigen an/ daß David da⸗ maln in einer Kranckheit gelegen/ darumb er dann biltet vmb Ab⸗ P 3 wen⸗ 11 42 Gießiſcher Leichpredigten wendung ſeiner Plage/ mit der Anzeigung/ daß er verſchmachtet ſey von der Straffe der Hand GO Ttes Erkennet alſo G OT⸗ TES Hand/ Gericht vnnd Straffe/ die ſo ſchwer ſey/ daß ein Menſch ſie nicht ertragen koͤnne/ ja alle ſeine Kraͤffte muͤſſen jhme vergehen vnnd ſeine Herꝛligkeit vnnd Schoͤne verfallen. Wenn du/ ſpricht er/ einenzuchtigeſt ſo wirdt ſeine Schoͤne verzehret wie von Motten. Gleich wie ein Kleid von Motten verzehret vnnd zerſchlieſſen wird/ alſo eines Menſchen Schoͤne auch/ wann du jhn zuͤchtigeſt vmb der Suͤnden willen/ legſt jhn auffs Bette/ vnnd da zu dann das gewiſſen der Suͤnde wegen auch auffwachet/ ſo verſchmachtet er/ vnndalle ſeine Schoͤ⸗ ne vnd Kraͤffte verfallen. Darauff er dann abermahl ein Epipho- nema ſetzt vnnd ſpricht: Uch wie gar nichts ſindt doch alle Menſchen. Als wolte er ſagen: Aller Menſchen Pracht/ alle ihre Macht/ alle ihre Herligkeit vnnd Vermoͤgen iſt einnich; tig Ding. Bald helt er darauffan mit dem Gebet: HSRR hoͤre mein Gebett vnnd vernim mein Schreyen vnnd ſchweig nicht vber meinen Threnen. Diß Seufftzen vnnd Ruffen Davids gibt verſtehen/ daß er damals in groſſer Angſt vnnd Noth muͤſſe geweſen ſeyn. Er vermeldet eine Vrſach dabey/ darumb G O T T ſein Gebet erhoͤren vnnd ſeine Plage wenden ſolle: Dann ich bin beyde dein Bilgerim vnnd dein Buͤrger/ wie alle meine Vaͤtter. Dasiſt/ ich bin kein Weltkind/ ich ſetze mein Datum nicht auff diß Leben/ ſondern ein Bilgerim bin ich allhie/ vnnd dein Bilgerim/ ich walle dir/ vnnd woͤhne in Hůͤtten ſo lang duwilt/ ich bin dein Buͤrger. Bey dir vnnd nicht in der Welt habe ich mein Buͤrgerꝛecht/ wie auch alle Meine Vaͤtter/ Abraham/ Iſaac vnnd Jacob in Huͤtten gewohnet/ vnnd haben von einem Ort zum andern ui naen muͤ Erſter Theyl. 143 muſſtn/ dann/ wie S. Stephanus ſagt/ Act. 7. haben ſie nicht ei⸗ nes Fußbreit eigenes gehabt im gelobten Lande. Mit welchem jhrem Wallen ſie bezeugt/ daß ſie ein Vatterland vnnd bleibende taͤtt ſuchen/ nicht in dieſer Welt/ ſondern bey dir. Eben alſo bin ich dein Bilgerim vnnd Buͤrger/ vmb welcher vrſach willen mit der Teuffel vnnd die Welt ſehr auffſetzig. Zum dritten bit⸗ ket er vmb Erquickung vnnd Linderung in ſeiner Kranckheit: Laß ab von mir/ daß ich mich erquicke/ ehe dann ich dahin fahre/ vnnd nicht mehr hie ſey/ Das iſt/ ehe dann ich ſterbe. Mit welchen Worten er bittet vmb Linderung ſeines Elendes/ vnnd Erquickung in ſeiner Kranckheit/ damit er ſich ein wenig erholen vnnd zu ſich ſelbſt kommen moͤge/ daßer GOTT anruffen vnnd als dann in Frieden hin fahre nach dem Willen Gottes/ vnd den Todt vberwinde. Lehr vnd Troſt. N David ſollen wir vns lernen gegen den Todt vnnd Nichtigkeit vnſers Lebens troͤſten/ alſo daß wir vn⸗ ſer Zuflucht nemen zu GO TT) als der vns gewiß nach dieſem Leben ein deſſer Leben geben wudt Aber HERR wes ſol ich mich troͤſten? Ich hoffe auff dich. Demnach da wir wiſſen/ wir muͤſfen diß Leben/ Vatter/ Mutter/ Bruͤder/ Schweſtern/ vnndalles was vns lieb iſt in dieſer Welt verlaſſen/ ſo haben wir vnſer aſylum vnnd Zuflucht/ ja vnſere beſſer Haab vnnd Gut bey G Ott/ auff den hoffen wir im Leben vnnd Todt/ vnnd in ſonderheit auff vnſern Erloͤſer CgRiſtum Je ſum. Wenn nun der Todt fuͤr Augen iſt/ ſo ſagen wir: Ich hoffe h E RRauff dich/ du biſt mein Zuflucht. Eſto tumihi in Deum protecto- rem& in loqum refugii. Sey du mein Schirm vnnd die Ste⸗ te meiner Zuflucht/ Pſalm. 31. Dieſe Hoffnung/ welche zum Grunde hat ein veſtes Vertrawen auff den guͤtigen getrewen — war⸗ — ————————— 44—Gießiſcher Leichpredigten warhafften Gott leſſet nicht zu Schanden werden/ Rom z. ſondern ſie dringt hinder das inwendige deß Vorhanges/ das iſt/ in Him⸗ mel/ da vnſer vorleuffer Chriſtus Jeſus hingangen iſt/ Heb. 6. vnd waltet alſo Gottes Barmhertzigkeit im Todt vber die/ ſo jhn fuͤrch⸗ ten/ Pſal.03. Zum andern ſollen wir fleiſſig das Gebet Davids in acht nemen/ er bittet vmb dreyerley. Erſilich vmb Erꝛettung von allen ſeinen Sunden/ damit er die Kranchheit Straffe vnnd Plage ver⸗ dienet hatte/ wie er dann hernach bald bekennet daß er von GOTt vmb der Suͤnden willen gezuͤchtiget werde. Alſo ſeyn nun Kranck⸗ betan vnnd allerley Plagen/ wie auch der Todt ſelbſt der Suͤnden old/ Rom.. Ebener maſſen erkennet der H. Jobauch daß Gott groſſe Vrſache habe den Menſchen zu plagen vmb ſeiner Suͤnden willen. Da der He RR C„ duſtus den armen Gichtbruͤchtigen Menſchen geſund machen wil/ nimpt er zuvor die Vrſach der Kranckheit hinweg/ als nemlich die Suͤnde: Sey getroſt/ ſpricht er/ mein Sohn/ dir ſind deine Suͤnde vergeben/ Matth9. vnd darauß vernemen wir/ warumb vns G OTt allerley Schwachheit vnnd Kranckheit zuſchicke/ nemlich daß er vns dadurch zu Erkentnuß vnſer Suͤnde bringe. Dann wenn wir jmmer freyfriſch vnd geſund dahin gehen/ ſo werden wir muthwillig vnnd Frech/ da muß G Ott mit einer guten ſcharffen Staupen kommen/ vnnd vns zuruͤck hal⸗ ten. Wann dann alſo Kranckheit kompt/ ſo wird man wol vngedul⸗ üig/ aber die Frommen wenn ſie in ſich ſelbſt gehen/ ſo erkennen ſie GOTTES zuͤchtigung vnnd ſagen: Ich wil deß H E dirn Zorn tragen/ dann ich habe jhm geſundiget/ Mich. 7. Sie ſprechen mit dem Propheten Jeremia im! 0. Cap. Zuͤchtige mich He A/ doch mit maſſen/ auff daß du mich nicht auffreibeſt. Sie ſeyn wie die geilen Kelber/ aber wann ſie gewitziget vnnd gezuͤchtiget werden ſo ſchlagen ſie ſich auff die huffte/ dañ ſie werden zu Schanden vnd ſtehen ſchamrot/ Jer.31. G Ott der Herꝛ thut hierin wie ein weiſer Artzt/ der einen verwundten vnd krancken Menſchen heilen wil/ der vong rnnn Vnge mitm nachd manw hinwe⸗ ob wol geben/ er Vn dannd Nom. daß er. ſedem ich bi Pan Erſch ondern Him .6.vnd füͤrch⸗ inacht nallen gever⸗ OU ranck⸗ uͤnden Gott ünden dtigen ich der chter arauß vnnd ntnuß ſeſund 9Ott c hab gedu⸗ nen ſie E Rrhj fechen FAN nwie erden nvnd veiſer wil der Erſter Thehl.„ der ſchneidet vnnd brennet erſt nicht daß er verderbe/ ſondern daß er heile. Alſo plagt/ ſchlegt vnnd verwundet vnſer HeE RR GOTT vns auch/ nicht daß er vns verderbe/ ſondern daß er vns zur Buſ⸗ ſe vnnd Gebet bringe. Die Narꝛen/ ſo geplagt waren vmb jhrer Vbertrettung vnnd der Suͤnden willen/ daß jhnen ekelt fuͤr aller Speiſe/ vnnd wurden todt kranck/ vnnd ſie zum He Ra R rief⸗ fen in jhrer Noht/ vnnd er jhnen halff auß jhren Engſten ꝛc Pſalm. 107. Dieſe Hand vnnd Zuͤchtigung erkennen die Frommen vnnd ſagen: Es iſt mir gut HE RR/ daß du mich gezuͤchttget haſt/ auff daß ich deine Rechte lernete/ Pſalm 19. Darumb wann wir auch mit Kranckheit heimgeſuchet werden/ ſollen wir auch die Vrſach erkennen vnnd mit David ſchreyen: Erꝛette mich vonaller meiner Suͤnde/ vnnd laß mich den Nar⸗ ꝛen nicht ein Spott werden. Das iſt/ daß ich ja nicht durch Vngedult murꝛe vnd verzweiffele/ vnd die Gottloſen jhr Geſpoͤtt mit mirtreiben.. Darnach bittet David vmb Abwendung der plage. Dann nach dem die Vrſach der Kranrkheit weggenommen iſt/ ſo darff man wol GOTt bitten/ daß er die Kranckheit ſelbſt auch von vns hinweg nemen woͤlle/ doch nach ſeinem Rath vnnd Willen. Dann ob wol G Ott vns zu Gnaden angenommen vnnd die Suͤnde ver⸗ geben/ jedoch alldieweil die Wurtzel der Suͤnden in vns ſieckt/ hat er Vrſach vns zu zuͤchtigen/ doch zu vnſerm Nutz vnnd Guten/ dann denen/ die G O T T lieben/ alles muß zum beſien gereichen/ Rom. 8. vnd bey dieſem Gebet ſollen wir das an David mercken/ daß er die Kranckheit vnd Plagen Gott zuſchreibt als primæ cau- ſæ demoberſten richter: Wende deine Plage von mir/ dann ich bin verſchmacht von der Straffe deiner Hand. Wann du einen zuͤchtigeſt vmb der Suͤnde willen ꝛc. Er ſchreibt ſie nicht dem Satan zu/ noch den Vnholden/ laufft — T nicht 3 46 Gießiſcher Leichpredigten nicht zun zauberern vnnd ſuchet da hůlff vnnd Raht/ wie heut zu tage viel thun/ ſondern erkennet GO Tt fuͤr die hoͤchſte Vrſache ahn welchen der Satan vns kein Haar auff vnſerm Heupt krüͤmmen koͤnne Alſo thut Job auch vnnd ſpricht: Der HER R hats gegeben/ der He RR hats genommen/ der Name deß HeERRR ſey gebenedeyet/ Job.. Wann mich der H E R R ſchon toͤdten wuͤrde/ ſo wit ich doch auffjhn hoffen. Dieſe Be⸗ trachtung dienet vns dazu/ daß/ wann wir in Kranckheit oder an⸗ derm Elend ſtecken/ zum HE RRR lauffen vnnd eilen/ als dem hoͤheſten Artzt vnnd rechten Meiſter zuhelffen/ vnnd nicht zum Teuffel oder anderen verbottenen Mitteln. Ich wil an mei⸗ nen Ort gehen/ ſpricht der EnR/ biß daß ſie jhre Schuldt erkennen vnnd mein Angeſicht ſuchen/ wannes jhnen vbel gehet ſo werden ſie mich fruͤhe ſuchen muͤſſen/ vnnd ſagen. Kommet wir wollen wieder zum HE RRo/ dann er hat vns zerꝛiſſen/ er wirdt vns auch heilen/ er hat vns geſchlagen er wirdt vnsaucch verbinden/ Oſe.. Es dienet diß auch nicht wenig zum Troſt vnnd Gedult/ daß weil wir wiſſen alles was wir leiden/ ſolches vns durch ſonderliche Verſehung G OTtes zukomme/ doch vmb vnſer Suͤnde willen/ ſo muͤſſen wir den Willen G Ottes erkennen/ gedultig ſeyn vnd mit dem H. Job ſagen: Der Name deß HEdirn ſey gelobet. Zunm dritten bittet David vmb Linderung der Kranckheit vnnd Erguickung: Laſt ab von mir/ daß ich mich erqui⸗ cke/ ehe dann ich hinfahre vnnd nicht mehr hie ſey. Aber warumb bittet David diß/ vnnd warumb moͤgen wir auch vmb Abwendung der Kranckheiten vnnd Plagen/ oder aber ſe vmb Linderung vnnd Erquickung bitten? auff daß wir noch len⸗ ger allhie den Namen G OTTES deß HERR Rverkuͤndi⸗ gen moͤgen/ dann im Todt gedenckt man dein nicht/ wer wil dir in der Hellen dancken? Pſaſm s. Verlaß mich ja nicht in mener ter/ -„ ͤA8 — de Erſter Theyl. 137 Alter/ daß ich deinen Arm verkuͤndige meinen Kindskindern. Die Helle lobet dich nicht/ ſpricht Hißkias der Koͤnig/ ſo ruͤhmet dich der Todt nicht/ vnnd die in die Grube fahren/ warten nicht auff deine Warheit ſondern allein die da leben/ loben dich/ wie ich jetzo thue/ ð Vatter wirdt den Kindern deine Warheit kund thun. HE R hilff mir/ ſo wollen wir Lieder ſingen/ ſo lange wir leben im Hauſe deß HERRN. 2. Damit wir ſelbſt in der Erkandnuß G.OT Tes/ vnnd im Glauben zunemen/ Buſſe thun vnnd wann wir Erquickung erlanget/ deſto beſſer vnnd embſiger beten/ vnnd darnach im Frie⸗ den dahin fahren. Darumb ſagt abermal Hißkias: Ach HE R ich leide Noth/ lindere es mir/ Eſaie;8. Wolan Da⸗ vid/ Aſſaph/ Job/ Hißkias vnnd andere ſind erhoͤret worden/ wir werden auch gewißlich/ ſo wir alſo mit jhnen beten vnnd ſchreyen/ erhoͤret werden nach dem Raht vnnd Willen G O T⸗ TES) daß wir ſagen werden mit David: Der ERR hat mich gezuͤchtiget/ aber nicht dem Todt vbergeben/ Pſalm. 118. Zum dritten haben wir zu mercken/ daß David ſagt: Ich bin verſchmacht von der Straffe deiner hand. Iiem Wann du einen zuchtigeſt ſo wirdt ſeine Schoͤne ver⸗ zehret wie von MNotten. Allhie ſtehet vns zu bedencken die Vrſach/ warumb die edle Creatur der Menſch/ der ſchoͤn vnnd wol gezieret von G OTTgeſchaffen/ alſo durch Kranckheit verſtellet/ vnnd auch durch den Todt gefreſſen werden muͤſſe. Die Suͤnde vnnd Gottes Straffe von wegen der Suͤnde iſt die Vrſach/ Pſal. 90°. Das machet dein Zorn daß wir ſo vergehen/ vnnd dein Grim daß wir ſoploͤtzlich dahin muͤſſen. Daher kompts/ das Eſaias der Prophet ſagt/ Cap. 40. Alles Fleiſch iſt Hew/ vnndalle ſeine Guͤte iſt wie eine Blume auff dem Felde. Das Hew verdorꝛet/ die Blum verwelcket/ dann deß HE RR Geiſt blaͤſet drein. Das X 2 ſollen — . 1 748 Gießiſcher Leichpredigten ſollen die Jungen Leute bedencken/ die auffjhre Schoͤne prangen vnnd ſtoltzieren/ vnnd ſtarcke Leute/ die auff jhres Leibes Kraͤffte prangen. Des iſt bald geſchehen/ daß ein ſchoͤnes Bluͤmlein ver⸗ welcket/ vnnd alſo ein junger froͤlicher Menſch ſagen muß mit dem Koͤmg Hißkia: Er ſeuiget mich tuͤrꝛ auß/ du machſt es mit mir ein Ende/ den Tag vor Abend/ Eſa.8. GO T That nicht Luſt an der Stercke deß Roſſes/ noch Gefallen an jemands Bei⸗ nen/ der HE RR hat Gefallen an denen/ die jhn fuͤrchten vnnd auff ſeine Guͤte warten Auff GOT ſollen wir vnſer Vertrawen ſe⸗ ten/ vnnd vns an ſein Wort halten/ ſo werden wir den Todt nicht ſchmecken ewiglich/ Johan. d. ſondern die allergewiſſeſte Hoff⸗ nung deß ewigen gantz ſeligen Lebens haben. Zum vierdten vnnd endlich lernen wir auß den Worten Davids: Ich bin dein Bilgerim onnd dein Buͤrger wie alle meine Vaͤtter. Wie wir vnſer Leben anſehen ſollen. Es iſt ein Wallfahrt vnnd Pilgramſchafft/ da wir nach dem Willen G O TTESwal⸗ len allhie auff Erden. Aber vnſer Buͤrgerꝛecht vnnd Vattertand haben wir anderswo/ bey G O T Tim Hunmel. Wir ſeyn allhie wie die lieben heyligen Vaͤtter/ die m Huͤtten wohneten/ vnd bekan⸗ ten damit/ daß ſie ein Vatterlandt/ nicht das jrꝛdiſche/ ſondern das himliſche ſuchten/ Hebr. 11. 13. Jacob der Ertzvatter nennet fuͤr Koͤnig Pharaoni ſein Leben em Wallfahrt/ Geneſ. 47. Petrus ſchreibet an die Pilgerim vnnd Frembdlinge/ vnnd vermahnet da⸗ her die Chriſten/ daß ſie/ ſo lange ſie allhie wallen/ jhren Wan⸗ del fuͤhren mit Furchten/ 1. Pet. 1. derowegen ſollen wir vnſer Datum nicht auff diß Leben ſetzen/ ſondern dencken daß wir allhie ſeyn nur wallende Bilgerim. Wann aber ein Bilgerim in eine Her⸗ berge fompt/ gedenckt er daſelbſt nicht dann nur vber Nacht zu blei⸗ ben/ vnnd morgends die Herberge wiederumb zuverlaſſen vnndan ſeinem Ort anzulangen. Alſo wir auch/ ſollen hinauß dencken nach dem himliſchen Vatterland/ vnd nach der Stattdie einen Grund hat/ “ * Erſter Theyl. 149 hat/ nach der ſichern Wonung vnd Huͤtten/ die nicht weggefuͤhret wirdt/ deren Nagel nimmer ſollen außgezogen/ vnnd jhrer Seule keine zerꝛiſſen werden/ Eſa. 30. Cap. So viele von vorgeleſenem Text. PDERSONALIA. As die Vrſach ſey dieſer vnſer Verſamlung/ iſt am Ta⸗ ge/ vnnd iſt im Eingange der Predigt gedacht/ daß wir allhie einem vornemen/ gelahrten jungen Geſellen vnnd Studioſo vom Adell/ ſo vorgeſtern im HeE RRa ſelig entſchlaffen/ ſeine letzte Ehre erzeigen in Beleitung ſeines hinderlaſſenen Leich⸗ nams zu ſeinem Ruhekaͤmmerlein. Derſelbe Edle vnnd gelahrze junge Geſell/ Peter von Putkamer/ iſt eines vornehmen Adelichen Geſchlechts auß Pommern. Sein Vatter iſt geweſen der Edle vnnd Veſte Johann von Putkammer zu Barnaw erbgeſeſſen ꝛc. Seine liebe Mutter aber/ die noch im Leben/ iſt auch vornehmes/ al⸗ tes/ Adelichen Geſchlechtes eine der von Riſtawen ꝛc. Dieſelben ſei⸗ ne Chriſtliche vnnd Adeliche Eltern/ haben dieſen jhꝛen Sohn/ im Jahr CoRiſti 1588. auff dieſe Welt gezeuget/ vnnd dem Herꝛn Chriſto in der heyligẽ Tauffe fuͤrtragen laſſen/ damit er jhme vnnd ſeiner Kirchen einverleꝛbet wuͤrde. Hernach da er zum Verſtandt vnnd Jahren kommen/ haben ſie jhn zeitlich zur Gottſeligkeit/ G Ottes Furcht/ vnnd guten Tugenden erzogen/ vnd im zehenden Jahr ſeines Alters in die Schul zu Stolp in Pommern verſchi⸗ cket/ dz er daſelbſt die erſte Anfaͤnge guter Kuͤnſte faſſete. Als er aber an demſelbigen Ort den Grund in Lateiniſcher Sprache vnnd an⸗ dern Kuͤnſtẽ gelegt/ iſt er vorthan in die vorneme Fuͤrſtliche Schuel zu Stettin in Pvmmern gezogen/ daſelbſt er dann vier Jahr ver⸗ harꝛet/ vnd hat ſeinen Grund in literis& ſtudiis humanioribus wol gelegt. Folgends hat er ſich auff die hohe Schul zu Wittẽberg begeben/ an welchem Ort er ſich dermaſſen ver haltẽ/ dz jme die. Her⸗ ten Profeſſores vnd andere ehrliche Leute d wolgewogen Sad 3 ſen 5o Gieeßiſcher Leichpredigten ſen. Aber daſelbſt iſt er gleichwol in einen beſchwerlichen Vnfall ge⸗ rahten/ darauß jhm aber G Ott gnediglich geholffen. Vor einem Jahr am 31. Aprilis iſt er anhero auff dieſe vnſere hohe Schul komen/ da er Anfangs bey mir beneben dem Ehrnveſten vñ hochge⸗ lahrten Herꝛn Gregorio Horſtio der Artzeney Doctore vnnd in dieſer loͤblichen Univerſitet Profeſſore, vnnd auch andern Ade⸗— lichen vnnd ſonſten vornemen Studioſis, an meinem Tiſch gewe⸗ ſen/ da ich jhme dann das Zeugnuß geben kan/ daß er ſich recht vnd wol wie einem ehrlichen vom Adel vnnd Studioſo geʒzimet/ verhal⸗ ten/ hat gerne conferiret vnd ſich weiſen laſſen/ hernach weil er ſich auffs Studium Juridicum vnnd Politicum gantz vndgar zu be⸗ geben vorgenommen/ hat er in privatis diſpurationum Collc- giis, mit opponiren vnnd reſpondiren ſich fleiſſig geuͤbt/ daß wann er nach G Ottes Willen hette leben ſollen/ er einen vornehmẽ Mann geben koͤnnen. Es iſt vns auch wol wiſſend/ daß er die Prediger Goͤttlichs Wortes beſucht/ vnnd das heylige Abendmal beneben ſeinen Co⸗ habitatoribus fleiſſig mit Ehrerbietigkeit gebraucht hat. Es hat aber auch G Ott der Herꝛ nach ſeinem allein weiſen Raht/ vns an jhme fuͤr geſtellet ein Exempel der Vnbeſtendigkeit vnnd Nichtigkeit menſchliches Lebens/ darvon wir zuvor gehoͤret/ daß wann wir meynen wir ſtehen ſo liegen wir. Dann er ploͤtzlich mit der Schwachheit der dyſenteria od rote Ruhr angegriffen die im ſo hart zugeſetzt/ daß er am ſiebenden Tage diß jrꝛdiſche Leben enden muͤſſen. Aber mit nichten wie die Gottloſen. Dann am nechſt verſchienen Sontag bin ich Morgends vor der Predigt zu jhm kommen vnnd habe jhn beſucht/ welches jhm wolgefallen. Daher er ſich zu G Oit bald geſchicket/ vnnd vnder der Predigt/ nach em⸗ pfangener Abſolution/ das heylige Abendmahl mit groſſer Ehrer⸗ bitigkeit gebraucht/ fleiſſig gebetet/ vnnd iſt am ſelbigenin beyſein deß Herꝛn Diaconi dieſes Ortes vnter dem Gebet im Herꝛn ſelig⸗ lich entſchlaffen zwiſchen vier vnnd fuͤnff Vhren nach Mraa⸗ Wund Erſſter Theyl. r Vnnd iſt alſo auß dieſer Vorſchule/ darinnen alles Wiſſen Stuͤckwerck iſt/ in die himliſche Academiam vnnd hohe Schul zuvolkommener Erkantnuß vnnd Anſchawung Gottes verſetzet worden. GO T T der Allmechtige wolle vnsalle auch hienechſt gnediglich/ wann Zert vñ Stunde kompt/ hernach helffen/ vnd vns ſamptihme an jenem Tage eine froͤliche Aufferſtehung verleihen/ AMEN. SS Se 3 28 32 Se Se Se e 88,88,88 SS55,88 S Die Neundte Leichpredigt/ Bey der Begraͤbniß weyland deß Wolvornehmen vnd Wolgelahrten ALARDICATTERPDACHII, der Rechten Studioſi, ſo den 2. Tag Septembris dieſes 1611. Jahrs Morgens fruͤh zwiſchen; vnnd4. Vhr im Herꝛn ſeliglich entſchlaffen/ vnnd den folgenden 27. Tag zu Gieſſen auff dem Gottsacker zur Erden Chriſtlich beſtattet/ 1 Gehalten durch IO HANNEM WINCKE LMANNUM, der heiligen Schrifft Doctorem, in d loͤblichen Univerſi- tet zu Gieſſen Profeſſotem, daſelbſt Pfarꝛherꝛn vynnd Superintendene ten. Eine Chriſtliche Leichpredigt vber den Spruch deß heiligen Evangeliſten vnd Apoſtels — Johannis. Ep. c. 1.. Vnnd das Blut Jeſu Chriſti ſeines Sohns macht vns rein von aller Sunde. Es niß/ ſondern im Liecht wandeln ſollen/ dieſelbe fuͤhret er auß dem grund/ dieweil ſie gemeynſchafft haben mit Gott dem Vatter vnd ſeinen Sohn Chriſto Jeſu/ darumb muͤſſe auch zwiſchen GOTe vnd jhnẽ ein gleichfoͤrmigkeit vñ aͤhnligkeit ſein. Demnach iſi Gott ein Liecht vnd kein Finſterniß in jhm/ ſo ſollen ſie auch im Liecht vnd nit in der Finſternuͤß wandeln/ damit werden ſie beweiſen/ daß ſie mit Gott gemeinſchafft haben. Weil aber bey einfeltigen Chriſten hierauß dieſe gedancken entſtehen moͤgen: So vnſer gememſchafft mit G Ott erfordert/ dz gleich wie Gott ein Liecht iſt/ das iſt/ ein heilig/ rein vnnd vnbefleckt weſen/ vnnd in jhm kein Finſternuͤß/ das iſt/ kein vnwiſſenheyt/ kein vnheiligkeit vber alle iſt/ der auch will/ daß wir wie Liechter in der Weltleuchten vnnd ſcheinen/ vnnd nit in der Finſternuͤß wandeln/ das iſt/ ohne Suͤnde vnnd vnreinigkeit gerecht vnnd heilig leben ſol⸗ len/ wo woͤllen wir dann bleiben? Dann wir tragen das ſuͤndliche Fleiſch vnnd Blut am Halſe/ die ſuͤnde ſteckt in vns/ das boͤſe ligt vns an/ da wirdt gewißlich vmb der vbrigen Suͤnde vnnd vn⸗ reinigkeit willen vnſere gemeinſchafft mit GO Tt zergehen vnnd auffgehabẽ werden/ dann die Suͤnde ſcheidet zwiſchen GO T T vnnd vns/ Eſaiæ 59. Dieſen gedancken zu begegnen/ gibt S. Jo⸗ hannes ein anrisorov, vnnd gegenartzney/ dardurch wir von Suͤn⸗ den purgirt vnnd gereiniget werden/ vnd auch in der gemeinſchafft mit GOtt bleiben/ nur wann wir nicht wieder vnſer gewiſſen in Szandan leben/ dardurch die gemeinſchafft mit GOtt auffgeloͤſet Daſſelb æ*ide, Gegenartzeney vnnd troſt wider die Suͤn⸗ de iſt dieſer Spruch: Das Blut JEſu C Riſti ſeines Sohns Erſier Thel. 153 Sohns macht vns rein von aller Sunde. Welches ein ſehr ſchoͤner Evangeliſcher Spruch iſt/ der allen Chriſten ge⸗ mein vnnd bekandt ſein ſoll. Dann darin wirdt jhnen geſchenckt die ſchoͤne Purpur/ welche iſt Chrifti Blut/ darvon der H. Am⸗ broſius ſagt: Sanguis Chriſti purpura eſt, qutinficit ſan- ctorum animos non ſolùm colore reſplendens, ſed etiam- pateſtate, quâ reges facit,& meliores reges, quibus regnum donat æternũ, dz iſt/ das Blut Chriſtl iſt die rothe Purpur/ damit die Hertzen vnd Sinn der Heiligt angeſtrichen werden/ vnd glenget— nicht allein von farben ſchon/ ſondern auch von krafft/ dardurch es Koͤnige machet/ vnnd vmb ſo viel deßda beſſer Koͤnuge/ als denen es ſchenckt ein ewiges Koͤnigreich. Weil dañ der im He a ſelig entſchlaffener Junger Ge⸗ ſell vnd Studioſus Juris, Dominus ALARDuS CATTER- 3AEHIuS, nicht lang vor ſeinem ſeligen Abſchied von dieſer Welt zwen Abend nach einander mit dieſem heilſamen Geiſtlichen Labſal eingeſchlaffen/ vnd endlich verſchieden/ ſo woͤllen wir ſolches kurtze troͤſtli üchlein Ehren/ vns hinderbliebenen aber zu vnſerer lehr vũ troſt erklaren/ vnd dai auch was wir darbey zu lernen haben/ anmelden/ darzu woͤlle vns der fromme gaͤtige G Ott die gnade ſeines heligen Geyſies miltiguich verleihen/ Amen. Erklaͤrung deß Texts. Das Blut Jeſu Coriſti ſeines Sohns macht vns rein von aller Suͤnde. Durch das wort/ Blut/ wirdt verſtanden das gantze vnſchuldige leiden vund ſterben C Riſti/ ja ſein gantzer voͤlliger gehorſam/ den er ſeinem Vatter biß zum ſchmaͤhlichen Todt deß Creutzes geleiſtet. Es hat aber Co Riſtus ſein heiliges Blut vergoſſen/ 1. In ſeiner zarten Kindheit/ In ſe⸗ ner Beſchneidung. 2. Da er im Gäarten die blutige Schweiß⸗ tropffen geſchwitzet/ daß ſie auff die Erde gefallen. 3. In ſeiner V Geiſ⸗ — ¹ Aℳ 7 54 Gießiſcher Leichpredigten Geiſſelung vnnd Kroͤnung/ da jhm ſein Ruͤcke voll blutige ſirie⸗ men gemahlet/ vnnd ſein heiliges Haupt mit Doͤrnern zerſtochen worden. 4. Am Creutz dajhm ſeine Haͤnde vnnd fuͤſſe mit Negeln durchſtochen vnnd gebohret. 5. Als jhm ſeine Seite mit einem Speer geoͤffnet/ da Waſſer vnd Blut herauß gefloſſen/ da der gantze Sack zerriſſen vnd das Blut Chriſti vergoſſen. Wes iſt diß Blut? Jeſu Chriſti. Jeſus Chriſtus aber iſt nicht nuhr Menſch/ ſondern auch wahrer Ewiger Gott/ darumb der Apoſtel hinzu ſetzt/ Seines Sohns/ deß Ewigen Vatters/ daher hat es die krafft/ daß er vns rein machen kan von allen Suͤnden/ wie dann S. Pau⸗ lus ſagt/ Gott hat ſeine Gemeyn mit ſeinem eignen Blut erworbẽ/ .20. 21. Nicht ſagt aber der Apoſtel Johannes/ das Blut Chriſti macht vns rein nur von der Erbfuͤnde/ oder von etlichen Suͤnden/ ſondern von aller Suͤnde. Alſo daß kein Sunde ſo groß/ noch der Suͤnde ſo viel ſeyen/ daß ſie Chriſti deß Sohns Gottes Blut nicht koͤnne rein machẽ vnd hinweg nehmen. Solches Predigt nun ſchreibt der trewe zeuge Chriſtj in die Welt daß es alle Menſchen/ horen/ leſen/ vnd wiſſen ſollen. Lehr vnd Troſt.Y Hierauß lernen wit. daß weil das Blut Jeſu Co iſti deß Sohns G Ottes vns rein machet von aller Suͤnde/ ſo muͤſſen wir ſündhafftig/ vnnd vnrein ſein. Vnnd zwar wir ſeind nicht nurein nur von auſſen/ wie etwa ein Wandt mit einer Macul beſudelt/ die leichtlich kan radirt vund auſigefeget werden/ wie die Schullehrer im Baptſthumbgeſagt/ Naturalia eſſe integra/ die Natur im Menſchen ſey vnverderbet vnnd gantz vnverꝛuͤckt/ ſondern durch vnnd durch ſein wir vnrein vnnd auſſetzig durch die Suͤnde/ voller eyter beulen vnnd Kranckheyt von der oberſten Haupſchedel an biß auff die vnderſte Fuſſole/ Eſaiæ 1. Alles inwendige/ Hertz vnnd Secl ſeind vnrein/ das auß dem Hertzen gleich wie auß einem 5 Erſter Theyl. 155 ben Brunnen herkommen boͤſe gedancken/ Mordt/ Ehbruch/ ꝛc. Matth. 1. Welche vnreinigkeit wir nit nur an vns gezogen haben/ ex converſatione hominum, durch beywohnung anderer Leu⸗ te boͤſe Exempel ex imitatione, wie die Pelagianer vorgeben/ ſon⸗ dern vnſere Natur/ empfengnuͤß vnd Geburt iſt vnrein vnd ſuͤndig der Same darauß wir gezeuget/ iſt vnrein. Dann Adam zeugete Kinder nach ſeinem Bild/ Gen.. In Suͤnden ſeind wir empfan⸗ gen vnd geborn/ Pſalm. ꝓ1. Quis mundum dabit de immundo conceptum ſemine? Wer will einen reinen geben/ da keiner rein iſte Wir haben vngerechtigkeit geſoffen wie Waſſer/ Job. 15. Wer kan ſagen? Ich bin rein vund mein Hertz iſt lauter von Suͤnden: TOVv. 20. Es haben dieſe vnreinigkeit der Menſchen auch etliche vnder den Heyden erkant/ vnnd dahero jhre expiationes vnd au ßfegung gehabt/ darmit ſie vermeinet dieſelbe außzufegen vnnd außzuſeu⸗ bern/ wie dieſelbigen Sacra Herodotus erzehlet/ lib.2 Auch hat der ſpitzfuͤndige Dhiloſophus Ariſtoreles quandam naturæ qau- rm das iſt/ ein boßheit der Natur erkant. Aber wie grof die Suͤn⸗ del wie tiefflic in dit 2atux ein gewurtzelt/ vñ was fuͤt cin gremel ſie- in daAllar talenwiem gleichem auch wie ſie moͤge expiirt vnd außgeſuͤnet werden/ ſolches haben ſie nicht gewuſt. Wir aber wiſſen auß Gottes wort/ wie abſchewlich vnd heſlich wir von vnſe⸗ rer Gchurt hero vervnreiniget/ vnnd durch vnnd durch auſlebig ſeind. Die Frommen vnnd Glaͤubigen/ wiewol ſie Vergebung jhrer Suͤnde in der heiligen Tauff empfangen/ vnnd durchs Blut CoRiſti von Suñdẽñ gẽrẽmĩget worden/ daß ſie jhnen zur Ver⸗ damnuͤß nicht mehr zugerechnet werden/ vnnd haben darzu auch den Geyſt der Heiligung empfangen/ der ſie heiliget vnnd verne⸗ wert/ daß ſie nit mehr nach dem Fleiſch leben/ ſondern durch den Geiſt/ das iſt/ durch Geyſtliche Bewegung/ glauben vnnd GOt⸗ tes furcht/ das Fleyſch mit ſeinen boͤſen luͤſten toͤdten/ vnnd laſſen die B 2 Suͤnde — 756 Gießiſcher Leichpredigten Suͤnde in jhrem ſterblichen Leibe nicht herꝛſchen/ jedoch koͤnnen ſie die Suͤnde in dieſem leben nicht außfegen/ ſondern jhre Fuͤſſe Auuch nrein/ Joh 13. Sie habẽ an ſich allerley boͤſe neygungẽ/ affecten vnd begierden/ die ſich vielmahl ſtarck in jnen regen/ vnd ge⸗ luͤſtet das Fleyſch wider den Geyſt/ Gal 5. Wir ſeind alleſampt wie die vnreinen/ ſagt das Volck G O Ttes/ Eſa. 64. Vndalle vnſere Gerechtigkeit iſt wie ein vnflaͤtig Kleyd. Darumb bitten die Heili⸗ gen jmmerzu vmb Reingung vnnd Vergebung jhrer Suͤnde David ſagt/ reinige mich von meinen verborgenen Sunden/ Pſal. 19. Vund abermal: Amplius lava me, Waſch mich wol/ daß ich ſchneweiß werde /ꝛc. Pſalm 1. Der Herꝛ Chriſtus ſpricht zu Pe⸗ tro/ werde ich dich nicht waſchen/ ſo haſtu kein theyl an mir/ Joh. 13. Summaſes iſt das aller Heiligen Stim/ ſpricht Auguſtinus, ſo wir ſagen/ wir haben keine Suͤnde/ ſo verfuͤhren wir vns ſelbſten/ vnd die warheyt iſt nicht in vns/ Johan. i. So dann nun Gott der Herꝛ iſt ein Liecht/ dz iſtein reines vñ heiliges weſen/ wir aber ein vn⸗ reines vnd vnheiliges weſen/ wandeln in finſternuͤß/ ja ſeindt finſter⸗ nuͤß/ ſo koͤnnen wir in warheyt keine gemeynſchafft mnit jhm haben/ wir werden dann geremiget. Die Sunde ſcheydet zwiſchen G Ott vnd vns/ vnd verbirgt ſein Antlit fuͤr vns/ Eſa. 0 Die boͤſen hlelbẽ nicht fuͤr jhm/ Pſalm. 5. So ſagt das Buch der Offenbarung Jo⸗ hannis/ daß nichts vnreines in das Heiligthumb deß H E RRN eingehen ſoll/ Apoe. 21. Alſo woͤllen wir nun deß ewigen Sohns Gottes liebe Braut ſein/ die keine flecken oder runtzeln an ſich habe/ Ephef So muſſen wir von Suͤnden gewaſchen vnnd gereiniget werden. 8 1. Demnach muͤſſen wir zum andern lernen/ wo durch wir von Suͤndẽ muͤſſen gereiniget werden. Ich habe geſagt/ es haben etliche vnder den Heyden auß den euſſerlichen Suͤnden etlicher maſſen jhre vnreinigkeit erkandt/ vnnd der vrſachen auch jhre beſondere Sa- eta vnnd weiſe der außſuͤhnung vnnd reinigung gehabt/ wie dieſel⸗ be —— — Erſter Theyl.* 57 be Herodotus erzehlet. Euripides ſagt:&æaaa vNdra muzur' Ar- eua ara. Das Meer waſche ab alles was die Menſchen getruͤbt haben Als Telemachus die Palladem anbeten will waͤſcht er zu⸗ por die Haͤnde. Dieſen brauch helt auch Pilatus. Dañ da er den vn⸗ ſchuͤldigen Herꝛn Chriſtum vberanwortet hatte/ weſcht er die Haͤn⸗ de. Aber wañ er ſchon den gantzen Jordan vber ſeine Haͤnde gegoſ⸗ ſen/ vnnd andere Heyden den eunen Oceanum, ſo hette weder er noch ſie auff ſolche weiſe jhre Suͤnde abwaſchen koͤnnen. Obaber wol ſolche ceremonien vnndreinigung von den heiligen Vaͤttern ſhren Vrſprung haben moͤgen/ ſo haben ſie doch dieſelbigen cor⸗ rumpirt vnd verfelſcht/ haben kein wort Gottes darbey/ vnd keinen verſtandt gehabt. Darumb Auguſtinus ſienennet exꝑiationes larvatas, es iſt lauter Larvenwerck geweſt. Dahin wir auch das Pa⸗ piſtiſche Weihewaſſer vnnd Fegfewer ſetzen. Es koͤnnen auch die Suͤnde nicht durch eygene Werck vnd verdienſt außgefegt werden/ welche auch in den Heiligen vnreinigkeit an ſich haben/ vnnd ſeind wie ein vnflaͤtig Kleyd/ Efaiæ 64. Im Alten Te aude— Vaͤtter vnnd Juͤden allerley Opffer gehabt/ alſo daß ſie das Blut der Farñ/ Boͤrk vnnd Kaͤlber auff den Altar/ vnnd vber das Volck geſprenget zur auß ſuͤhnung. Aber auch dieſe Beſprengung deß Bluts hat an ſich ſelbſi die Suͤnde nicht außſuͤhnen koͤnnen/ vñ wann die Leute darumb geopffert/ daß ſie vermeynet vmb dieſes Wercks willen werden ſie fuͤr GOTt gereiniget von Suͤnden: ſo hats GOTt vor ei grewel verworffen/ wie die Schrifft von Cain wendige an jhrem Leibe/ Schuͤſſeln vñ andern Gefaͤſfßi aber inwendig waren ſie vollraubs vnnd vnmeſſigkeit atth. 15. Vnd ſeind dergeſtalt dieſe Juͤdiſche Purificationes vi 8 Reini⸗ gung auch nach S. Auguſtini Meinung lauter Larvaut weſen. Die Epiſtel zun Hebreern ſagt es ſey vnmuͤglichs durch Ochſeu vnd Boͤcke Blut die Suͤnde wegnehmen/ Hebr. 10. B 3 War⸗ 5s Gießiſcher Leichpredigten Warzu hat ſie dann G OTt den Vaͤttern gebotten? War⸗ umb werden ſie expiationes oder auſſuͤnung genennet? 1. Sind ſie eben durch dieſe euſſerliche Beſprengung vnnd Reinigung der jnnerlichen vnreinigkeit/ vnflats vnnd Suͤnde erinnert worden. Darnach haben ſie gereiniget rypics das iſt/ im vorbilden/ nemlich weil ſie ſind geweſen Fuͤrbilder der zukuͤnfftigen guͤter/ Hebr.ꝛo. Das iſt/ ſie ſeind bey dieſem Blut der Ochſen vñ Boͤcke/ Beſpren⸗ gungen vnnd euſſerlichen Reinigungen erinnert worden deß zu⸗ kuͤnfftigen Bluts/ welches ſoll vergoſſen werden/ dardurch ſie einig vnd allein muͤſſen von Suͤnden gereiniget werden. Von welchem Blut S. Johannes alhie ſagt: Das Blut Jeſu Chriſti ſei⸗ nes Sohns reiniget vns von aller Sunde. Dann der⸗ ſelbe iſt durch ſein eygen Blut ins allerheiligſte gegangen/ vnnd hat ein ewige Erloͤſung erlangt/ Heb. 9. Vnd ſein Blut/ daß erauffge⸗ opffert hat durch ſein ewigen Geyſt/ kan die gewiſſen reinigen von den Todtẽ. wercke Darumb wañ Abel von ſeiner Herde hat geopf⸗ fert jiſt er nit nur auff dz euſſerliche Blut deß Viehes vergafft gewe⸗ ſen/ ſondern hat mit ſeinem glauben viel weiter au ßgeſchen vnd ſich erinnert bey dem Vieheblut/ daß dermal eines werde der verheiſſene Meſſias kommen/ vnd ſein ſelbſt Blut vergieſſen/ dardurch er rein gemacht werde von ſuͤnden. Dahin hat auch David geſehen/ Pſal. Daer ſo jnniglich betet:waſch mich wol/ reinige mich/ ſpreng mich mit Iſopen/ das ich rein werde/ ꝛc. Das Blut Chriſtinun haat allein das Lob/ daß es vns rein machen kan von allen Sunden. ¶einigt vns dann das Blut Chriſti von aller Suͤnde/ ſo machts vns rein/ ſchoͤn vnd from fuͤr Gott. Nimbt es die Suͤnde hinweg /ſo nimbts auch den ewigen Todt hinweg/ als der Suͤnden ſoldt/ vnnd muß der zeitliche Todt denen/ ſo durch den glauben mir Co Riiſti Blut beſprenget werden/ ein eingang ſein zum ewigen Leben. Nimbts die Suͤnde vnd den Todt hinweg/ ſo erloͤſrts vns von vn⸗ ſerm Feinde dem Teuffel vnd aller Helliſchen macht/ wie geſchrie⸗ ben Erſter Theyl. 59 ben ſtehet/ Hebr. 2. Er hal die macht genommen/ dem der deß Todtes gewalt hatte/ dem Teuffel/ vnd hat erloͤſet die/ ſo durch furcht deß Todtes im gantzen leben Knechte ſein muͤſten. Ja weiter/ ſo wir mit dem Blut C hriſti angeſtrichen ſein/ ſo haben wir das rechte Purpurfarb Kleyd an vns/ dafuͤr der Teuffel fliehen muß/ vnd wir als Koͤnige vberwinden jhn. Das bezeugẽ vns nun viele Spruͤche der H. Schrifft. Wir werden gerecht ohne verdienſt/ auß gnaden/ durch die Erloͤſung durch Cpiſtum geſchehen/ welche vns G.O T T der Vatter Befungeſeler zum Gnadeſtul durch den Glauben in ſeinem Blut/ om. Darumbpreiſet Gott ſeine liebe gegen vns/ daßChriſtus fur vns geſtorben iſt/ da wir noch Suͤnder waren/ ſo werden wir vicl⸗ mehr erhalten fuͤr dem Zorn/ nach dem wir durch ſein Blut gerecht woꝛden ſeind/ Rom Chriſtus hat vns geliebet/ vnd gewaſchen mit ſeinem Blut/ vnd hat vns gemacht zu Prieſtern vnnd Koͤnigen fuͤr Gott/ Apoc. J. Alſo ſagt der Elteſte im Buch der Offenbarung am 7. Cap von den Heiligen nunmehr erloͤſten Seelen: Dieſe ſeinds die kommen ſind auß groſſem truͤbſal/ vnd habe jhre Kleyder gewa⸗ ſchen/ vnnd haben jhr Kleyder hell gemacht im Blut deß Lambs. Darumb ſind ſie fuͤr dem Stul Gottes/ vnd dienen jhm Tag vnd Nacht in ſeinem Tempel/ ꝛc. In welchem(Chriſto) wir haben die Erloͤſung durch ſein Blut/ Epheſ.. Item/ der Vatter hat vns verſetzt in das Reich ſei⸗ nes Sohns/ in welchem wir haben die Erloͤſung durch ſein Blut/ Vergebung der Suͤnden/ Col. 1. vnnd hernach/ es hat jhm wolgg⸗ fallen/ dain jhm wohnen ſoll alle Fuͤlle/ vnnd alles in jhm verſuͤhne wuͤrde in jhm ſelbſt/ es ſey auff Erden oder im Himmel/ darmit 3 er friede mache durch das Blut an ſeinem Creutz durch ſich elbſt.. In dieſen vnnd andern mehren zeugnuͤſſen hoͤren wir/ das dem Blut E/ Riſti zugelegt wirdt Vergebung der Suͤnde/ Rei⸗ mgung —— 6so Gießiſcher Leichpredigten Todt/ Teuffel/ vnd allen vnſern Feinden. 19 Darbey muͤſſen wir nun diß mercken/ daß diß Blut Cᷣ Ri⸗ Jeſu allein reinige von Suͤnden/ bringe verſuͤhnung mit Gott/ Erloͤſung vom Todt vnnd Teuffel/ vnnd ſonſten kein ander Blut nicht. Das Blut Abel ſchrie Raach gen Himmel vber Cain/ Ge⸗ ne 4. 3 Da Joas durch die boͤſen Juͤden den frommen Propheten Zachariam ſteinigen/ vnd ſein Blut zwiſchen dem Tempel vnd Al⸗ tar vergieſſen lies/ da ſprach der Prophet/ der Herꝛ wirdts ſehen vnd ſuchen/ 2. Paral. 24. K Das Blut Chriſti aber ruͤffet viel beſſer/ als nenilich/ wie ge⸗ ſagt/ Verſoͤnung/ Erloͤſung/ Vergebung der Suͤnd Woher hats ſolche kra be Das kompt/ geliebte im Herꝛn/ her von der ho⸗ — Sohn Gottes vnnd deſſen hertzlichen lie⸗ be/ der ſein Blut vergoſſen/ darvon S. Johannes ſagt: Das Blut Jeſu Chriſti deß Sohns Gottes. Esiſt keines gemeinen pur helli⸗ gen Menſehen Blut/ welches mit nichten allen Menſchen reini⸗ gung von Suͤndẽ erlangen koͤnnen Sondern eines ſolchen heiligen vnd von Suͤnden abgeſonderten Menſchen Blut der in einigkeit der Perſon auch Gottes Sohn vnd warer Gott iſt/ wie geſchrieben ſtehet: Gott hat ſeine Gemeyn mit ſeinem eygenen Blut erkaufft/ Act.z0. Vnd das war alſo von nulhen. Dann es war der ewige/ ohnendliche Gott erzuͤrnet/ dem keine Creatur/ noch alle Creaturen nicht hetten koͤnen gnug thun/ ſondern alle Menſchen hetten in der Helen ewig buͤſſen muͤſſen So war es auch vnmugl ch daß ein pur enſch hette koͤnnen den Zorn deß groſſen Gottes/ der ein verzeh⸗ rendes Fewer war/ Deut. 4. tragen/ vnd jhm in ſolchen ſchmertzen vnd Hellen angſt das lob der gerechtigkeit zuſchreiben/ deßgleichen auch den Teuffel mit ſeiner Helliſchen macht vberwinden/ vom ewigen Todt erloͤſen/ die ewige Gerechtigkeit/ ewiges Leben vnd ſe⸗ ligkeit/ den verlornen Menſchen widerbringen vnd geben. Darumb F* muſte nigung von Sunden/ Rechtfertigung fur G Ott/ Erloſung vom Erſter Theyl. 16) muſie die Perſon/ von deren ſolche ↄnmiruam vnd hohe werck her⸗ kommen ſollen/ Goͤttliche gewalt vnd macht haben/ vnd alſo warer 59 ewiger Gott ſein. Es muſte aber auch dieſer Helffer vnnd Seligmacher warer/ Menſch ſein ohne Suͤnde. Dann dieweil Adam vnd in Adam wir alle geſuͤndiget hatte/ vnd ware vngehorſam geweſen/ ſo muſte auch durch eines andern Adams oder Menſchen gehorſam/ leiden vnnd ſterben viel gerecht werden/ Rom. 5. Vnnd durch eines Menſchen Blutvergieſſung die gnugthuung fuͤr vnſer Suͤnde geſchehen. Daher ſagt die Epiſtel an die Hebr. am 2. Cap. Nach dem nun die Kinder Fleiſch vnd Blut haben/ iſt ers gleichermaſſen theilhafftig worden/ auff daß er durch den Todt die macht neme/ dem der deß Todtes gewalt hatte/ das iſt/ dem Teuffel /ꝛc. Dieſer Sohn GOt⸗ tes vnnd warer Menſch muſte ein vnzertrennete Perſon ſein/ damit diß Fleiſch/ darin die Verſuͤhnung mit GOtt geſchehen/ vnnd der Welt das leben bracht werden ſolle/ Johan. 6. War ein recht leben⸗ dig machendes Fleiſch/ vnnd koͤnne vns reinigen von aller Suͤnde/ vnd die Gewiſſen von den todten wercken. Dann wo dem nicht alſo were/ das iſt/ wann GOtt vnnd Menſch nicht ein ere/ ſo were derſelbenleiden vnnd ſierben endlich ding/ kei ſchen verdienſtes vnd ni da hies es ja wie der Ketzer Neſtorius ſagte/ du darffſt dich nicht ruͤhmen Jude/ dañ du haſt nit Gott ſon⸗ dern einen Menſchen gecreutziget. Dahin dann auch ſchlecht die Zwingliſche Allæoſis, welche im leiden vnnd ſterben Chriſti nur an der Menſchlichen Natur hencket/ vnd die Perſon deß Sohns Got⸗ tes vnnd den Hertzog deß Lebens auß den Augen ſetzt/ darfuͤr D. Luther S. ſotrewlich gewarnet hat. Weil aber der Sohn GOttes Fleiſch vnd Blut an ſich genommen in ſeine Perſon/ vnnd derſelbe theilhafftig wordẽ wie dieſe Kinder/ ſo heiſts Gott hat ſein Gemeyn erworbẽ mit ſeinem eygnen Blut/ dz Blut Jeſu Chriſti deß Sohns Gottes reiniget vns von aller Suͤnde/ dahero ſeind alle werck Chri⸗ * ſti/ die er vmb vnſerer Erloͤſung willẽ verꝛichtet/ vnẽdlich Soclich X ohn⸗ —— 2— 162 Gießiſcher Leichpredigten ohnermaͤßlich/ vnnd ſolche heilſame werck/ dardurch wir erloſet/ ge⸗ reaihnaihen verſuͤhnet/ lebendig vnnd ſelig gemacht werden In welchen wercken ein ſede Natur das ihre thut/ aber nach der Re⸗ gul deß Conoilii Chalcedonenfis cum eommunione alteri- us naturæ, das iſt/ mit gemeinſchafft d andern Natur/ darvon zur andern zeit ferꝛner bericht geſchicht. n Zum dritten muͤſſen wir aber auch lernen wie die Reinigung von allen Suͤnden/ ſo durch das Blut Jeſu Chriſti deß Sohns Gottes geſchicht/ vns zu geei en/ vñ wie wir derſeben ver⸗ ſichert werden. Das geſchicht durch die Beſprengung an den Po⸗ /in vnſerer Hertzen. Dann erſtlich wird dieſe guthat/ nemblich die Reinigung von Suͤnden durch das H Evangelium allen Men⸗ ſchen angebotten/ vnd wird auch der H. Geyſi/ der durch dz Blut⸗ vergieſſung Chriſti erlanget iſt/ in vnſere Nertzen gegeben/ der zuͤn⸗ det dann den Glauben an/ dardurch wir dieſe ſo groſſe wolthat deß Sohns Gottes ergreiffen vnd annehmen. Dañ durch den glauben werden die Hertzen gereiniget/ Act.is. Alſo iſt das wort deß A Evangelij 541 rleieh das Becken Da⸗ rin vns Cᷣ Riſti 5 n aber der glaube an Co niſtum eſum iſt ſo zureden der Nopen ſirauch/ dardurch die Poſten vn⸗ ſerer Hertzen angeſprengt vnd geſirichen/ vnnd vnſer Gewiſſen al⸗ ſo von todten wercken gereiniget werden. Wann nun ein Menſch hoͤret das wort deß Evangelii/ das vnſer HE R Chriſtus ſein Blut am Stam deß Creutzes fur alle Menſchen Suͤnde vergoſ⸗ ſen habe/ vnnd glaubt von Hertzen/ daß dieſe wolthat auch jhm gel⸗ te/ daß C niſtus ſeine Suͤnde/ ſo vielauch derſelben ſein moͤgen/ mit ſeinem Blut außgetilget vnnd abgewaſchen/ daß ſie jhm nicht mehr ſollen zugerechnet werden/ ſondern ſey fuͤr GOTt jetzo rein/ vnnd erloͤſet von aller ſtraff der Suͤnden/ ſo iſt er jetzo in ſeinem Ge⸗ wiſſen wol zu frieden/ ſo hat der Teuffel kein Anſpruch zu jhm. Alſo werden die Hertzen durch das Blut C Riſti gereiniget/ vnnd Eerden gereiniget durch den glauben/ der dieſe guthat ergreifft unn annim Erſter Theyl. 163 annimbt. Wann dann ein glaubiger Menſch alſo von Suͤnden rein iſt/ in dem ſie jhm vergeben ſeind vnnd nicht mehr zugerechnee werdẽ/ ſo richtet der heilige Geyſt ferꝛner auch das in jm auß/ daß er in betrachtung d groſſen wolthat Gottes hinfuͤr den Suͤnden feind wird/ ſiirbt jnen ab/ befleiſſiget ſich der Gerechtigkeit vnd guter wer⸗ cke/ wie der Apoſiel lehret/ z. Cor. 5. So einer fuͤr alle geſtorben iſt/ ſo ſind ſie alle geſtorben. Vnnd er iſt darumb fuͤr ſie alle geſtorben/ auff daß die/ ſo da leben/ hinfuͤronit jhnen ſelbſt leben/ ſondern dem d fůr ſie geſtorben vnd aufferſtanden iſt. Vnd abermal: Chriſtus Je⸗ ſus hat ſich ſelbſt fuͤr vns gegeben/ auff daß er vns erloͤſet von alleꝛ vngerechtigkeit/ vñ reiniget jm ſelbſt ein Volck zum Eygenthumb/ das eifferig were zu guten wercken/ Tit. 2. Ob aber jhm dennoch ſchwachheyt anhengt/ ſo wird er doch gleichwol durch Chriſti Blut gereiniget/ daß dieſelbe jhm nit ſoll zugerechnet werdẽ/ ja ſie iſt auß⸗ getilget in den Augen Gottes wie ein Wolcke. Darnach in der Q Tauff wirdt vns auch die Reinigung von Suͤnden geſchenckt vnd zugeeignet/ wie der Apoſtel bezeuget/ Epheſ.5. Chriſtus hat jhm ein Gemeyn geheiliget/ vnnd hat ſie ge⸗ reiniget durchs Waſſerbadt im Wort/ auff dz er ſie jm ſelbſt darſtel⸗ lete ein Gemeyndie heilig were/ die nit habe ein flecken od runtzel od deß etwas/ ſondern daß ſie heilig were vund vnſtrefflich. Demnach wirdt durch diß Waſſer badt die H. Tauff nicht nur bedeutet die in⸗ wendige reinigung von Suͤnden/ ſondern wirt durch dieſelbe vns auch zugeeignet/ in dem wir an vnſern hertzen mit dem Blut Chri⸗ ſti angeſprenget werden durch den glauben/ den der H. Geyſt in vns wircket/ dahero die Tauff genennet wirdt ein Badt der Widerge⸗ burt vnd Ernewerung deß heiligen Geyſtes/ Tit.z. Auch iſt die H. Tauff ein gewiß Pfand vnnd Verfigelung der Reinigung von Suͤnden vnd ein Bundt deß guten Gewiſſens mit Gott durch die Aufferſtehung Chriſti/ 1. Pet. z. Zu dem wird im. mal auch dieſe guthat/ die Rei⸗ nigung von Suͤnden/ ſo durchs Blut Cy Riſti erlangt/ vns ap⸗ X 2 plicirt W 164 1 Gießiſcher Leichpredigten plieirt vnnd zugeeygnet. Dann vom Kelch deß.. Nachtmals wird geſagt: Dieſer Kelch iſt das Newe Teſtament in meinem Blut. Das Newe Teſtament oder Bund aber iſt/ daß vns GOtt will die Suͤnde vergeben vnd vnſer gnediger G OTt ſein. Dieſen und hat er auffgerichtet durch ſein Blut/ vnnd bekrefftiget am Stam̃ deß Creutzes mit vergieſſung deſſelbige. Im Abendmalaber beſtetiget er denſelbigen in vns durch deſſelbigen Bluts mitthey⸗ lung vnnd Nieſſung. Darumb dieſer Bundt durch diß mittel den uaigen krefftiglich zugeeignet wirt/ dann da jnen eben das Blut/ ſo am Stam̃ deß Ereutzes vergoſſen/ vnd dardurch vergebung der Suͤnden erworben/ im H. Abentmal zu crincken gegeben wird/ werden ſie durch das Pfand jhrer Erloͤſung ja freylich verſichert/ daß jhnen jhre Suͤnde ver ind da vnd rſicherung koͤ nwerden. Vnd wird alda/ was ſonſten im wort in gemeynfuͤrgetragen wirdt/ einem jeglichen in ſonderheit Agegehen/ applicirt vnnd zugeeignet/ alſo daß ein Chriſt alſo in ſei⸗ nem Hertze gedencket: Sihejetzt empfengeſtu eben das Pfand dei⸗ ner Erloͤſung/ eben das Blut Chriſti/ ſo zu vergebung deiner Suͤn⸗ de vergoſſen/ vnnd dieſelbe dir erlangt worden. Alſo iſt das wort die⸗ 8 aends S. Johannis ja ein ſchoͤner/ außbuͤndiger/ troͤſtlicher pruch. Zumpierdten werden durch denſelbigen auch vnderſchiedliche Irꝛthumb vnnd Ketzereyen widerlegt vnd vmbgeſtoſſen. Dann erſilich ſioͤſſet er vmb die laͤſterung Arrü vnd aller an⸗ dern Ketzern/ ſo die epige Gottheyt Chriſti verleugnẽ weil alhie ge⸗ ſagt wirdt/ das Blut Jeſu Chriſii ſeines Sohns reiniget vns von aller Suͤnden/ alſo iſt dieſer Erloͤſer Gottes Sohn/ der Eingebor⸗ ne vom Vatter/ vnd einige Sohn Gottes/ eines mit dem Vatter/ Joh. 10. Vnndalſo warer ewiger GOtt/ immaſſen dann auch dz werck/ von aller Suͤnden rein machen/ von keiner pur Creatur ver⸗ richtet werden kan/ ſondern iſt Goͤttlich. 3 Darnach wirdt dardurch widerlegt der Irꝛthumb vnnd Ke⸗ kerey 4 Erſter Theyl. 65 tzerey Neſtorii, der das Blut Cniſti angeſehen hat anders nicht als eines geheiligten Menſchen blut/ in dem GOTT wohne/ der aber nicht warer G OTt were in einer einigen Perſon. Dargegen ſagt S. Johannes/ es ſey Jeſu Co Riſti/ deß Sohns G. O TTes Blut: Vnnd Gott hat ſein Gemeyn mit ſeinem Blut erworben/ Actor. z0. Zum dritten/ iſt dieſer Spruch zuentgegen dem Paͤbſtiſchen ⸗ Aberglauben/ da ſie dem Weihwaſſer/ Fegfewer/ eignen verdien⸗ ſten/ vnnd wercken/ krafft die ſuͤnde zu buͤſſen vnd hiniveg zu nemen zuſchreiben. Dargegen ſagt S. Johannes: Das Blut Jeſu C hri⸗ ſi ſeines Sohns/ mache rein von aller ſuͤnde. Das iſt das rechte Purgatorium. Zum vierdten/ lehren die vornembſten vnder den Calviniſien/ daß Gott in ſeinem bloſſen Raht etliche Leut zum Ewigen leben er⸗ wehlet/ vmb welcher willen allein Chriſtus ſein Blut vergoſſen/ die auch allein dardurch von ſuͤnden gereinigt werden muͤſſen/ diean⸗ dern alle habe Gott in ſeinem bloſſen Raht zur ewigen verdamnuͤß verworffen/ ja geſchaffen/ fur welche Chriſtus ſein blut nit vergoſ⸗ ſen/ koͤnnen auch dardurch von Suͤnden nicht gereiniget werden. Dargegen ſagt S. Johannes/ das Blut Jeſu Chriſti macht vns rein von aller Suͤnde/ vnnd wann es ſchon der gantzen Welt Suͤn⸗ de were. Solaͤſſet Chriſtus der Herꝛ diß ſagen/ vndpredigen in al⸗ ler Welt/ das Blut Jeſu Chriſti reiniget vns/ mich/ dich/ von allen Suͤnden/ daß alle Welt du vnd ich/ ja alle Menſchen es hoͤren/ ler⸗ nen vnd wiſſen ſollen. Daßaber viel Menſchen nicht kraͤfftiglich von ſuͤnden ge⸗ reiniget werden/ ſondern bleiben in jhrem koht vnd vnflat/ deſſen vr⸗ ſach iſt/ daß ſie das Evangelium vnd H. Sacramenta verachten/ verſchmaͤhen/ darin jhnen ſolche guthat fuͤr getragen vnd angebot⸗ ten wird/ leben in ſuͤnden wider jhrgewiſſen/ darin ſie ſich ſo gar ver⸗ tieffen/ daß ſie nicht darauß kommen koͤnnen/ ſondern werden auß gerechtem Gericht Gottes verlaſſen/ daß es g.he nach dem lnn 6. 3 de 2 24 6s6 Gießiſcher Leichpredigten deß Herꝛn/ Oſeæ 33. Iſrael du bringſt dich in vngluck/ aber dein Heyl ſtehet allein bey mir. — Zumfuͤnfften haben die Novatianet iſten fuͤrge⸗ geben/ daß Chriſti Blut erſtmals in der H Tauff vnd erſten Beke⸗ rung von Suͤnden reinige/ Aber wañ einer nach d Tauff vnd belk rung ſuͤndige/ grobe laſter begehe/ vnd verleugne die warheit/ ſo rei⸗ nige es nicht mehr/ darumb wann ſolche grobe Suͤnder ſchon buß gethan/ haben ſie doch dieſelbige in die Chriſtliche Gemeyn nicht woͤllen widerumb auffnehmen. Aber S. Johannes macht keinen vnderſchied: Chriſti Blut reiniget vns von aller Suͤnde/ ſie werden vor oder nach d bekerung begangen. Daß aber von der Sunde in de —e.e wird/ ſie werde weder in dieſer noch in der zukuͤnff⸗ FMigen Welt vergeben/ iſt nicht die ſchuldt deß Bluts Chriſti/ daß daſſelbe nicht genug were ſolche Suͤnde in H. Geyſt außzutilgen/ ſondern kompt daher/ daß die in H. Geyſt ſuͤndigen/ von der ein⸗ malerkantẽ warheit/ dere ſie in jhrem Gewiſſen gentzlich vberzeugt ſein/ abfallen/ verwerffen das Evangelium/ dardurch der H. Geyſt will krefftig ſein/ ſchmaͤhen jhn vnd die Gnade Gottes/ tretten den Sohn Gottes mit Fuͤſſen/ vnd achten das Blut Chriſii/ dardurch ſie geheiliget ſind/ vnrein. Hebr. xo. Endtlich dienet dieſer Spruch wider die Anferhtung der Suͤnden vnd hoͤſe Gewiſſen. Wirſiu in deinem Gewiſſen gequelet von wegen deiner Suͤnde/ die groß vnd vielfaltig ſeindt/ ſo reiniget dz Blut Jeſu Chriſti deß Sohns Gottes von aller Suͤnde/ ſie ſey ſo groß vnnd ſo vielfaͤltig als ſie mmer woͤlle/ ſo iſis gnugſam vns von dem allen zureinigen. Da ſihe an die hohe Perſon den Ewi⸗ gen Sohn Gottes/ vnnd ſein hertzliche liebe/ dardurch er ſein Blut fuͤr vns vergoſſen. Cain/ Saul/ Achitopfel/ Judas/ verzweiffeln darumban G Ottes Gnade/ daß jhre Suͤnde alzu groß ſeyen/ vnd ſpricht Cain: Meine Suͤnde ſind groͤſſer als daß ſie mir vergeben werden. Aber ſolches redt Cain mit vnwarheyt. S. Paulus ſagt/ Iſt die Suͤnde mechtig/ ſo iſt G Ottes Gnade viel maͤchagafa iſt bri⸗ Erſter Theyl. o Chriſtus das Lamb G Otteo/ welches traͤgt die Suͤnde der Weln Derowegen/ wann du ſchon der gantzen Welt Suͤnde auff dir li gen hetteſt/ ſo ſoltu dannoch nicht verzagen/ dann Chriſtus hat ſeß getragen/ auff dem wir ſie legen ſollen. Deſſen werden vns nun Exempel in H. Schrifft fuͤrgeſtel⸗ let Moyſis, Naronis, Davidis, Manafſis, Mariæ Magdalenæ, Zachæi, Thomæ, Petri, deß einen Schechers am Creutz/ welche alle groſſe vnnd grobe Suͤnder vnnd Suͤnderin geweſen/ noch ſind ſie von G Ott zu gnaden angenommen/ vnnd durch Chriſti Blut von allen Suͤnden gereinigt/ zum troſt allen armen Suͤndern/ da ß wann jhre Suͤnde ſchon weren ſo viel als deß Sandes am Meerlja uaollr Mält Saundeauff mnen legen/ daß de glich iſt/ ſo iſt doch Co Riſti Jeſu Blut gnugſam ſie davon rein zumachen/ 8 welches mir vnnd dir/ vnnd einem jeden in der H. Tauff verſiegelt iſt. Da ſihe nur zu/ daß dunicht wider dein Gewiſſen ſicherlich vnd vnbußfertiglich ſundigeſt/ vnd dich in Suͤnde vertieffeſt/ daß Gott auß gerechtem Gericht die Hand abthue/ dich verlaſſe/ vnd du dañ in einen verkehrten Siñ gerahteſt/ vnnd als dann der gerechte Zorn Gottes vñ zeitliche vnd ewige Straff dich vber fall/ wie Cain/ Ju⸗ dam vnd andere/ oder aber auch da du durch die Erkantniß Chriſti dem vnflat dieſer Welt entrunnẽ/ vñ durch Chriſti Blut von Suͤn⸗ den gereiniget biſt/ du thuſt wie ein Saw/ die nach der ſchwemme ſich widerumb im Koht weizet/ da auch das letzte erger mit dir werden wuͤrde als das erſte/ z. Pet.2. Vnſers He dꝛn Chriſti Blut macht vns rein von Suͤnden/ mi dz wir hinfuͤro jmmer in Suͤnden leben ſollen/ ſondern vnſer Gewiſſen werden dardurch gereiniget von todten wercken/ zu dienen dem lebendigen Gott/ Heb.. Vnnd ſo wir der Suͤnden abgeſtorben ſeind/ wie ſollen wir in Suͤnden le⸗ ben/ ꝛc. Rom. 6.. Der Allmechtige/ uͤtige GOtt/ gebevns allen die Gnade feines H. Geyſtes/ daß wir dieſen Evangeliſchen Troſtſpruch immer in vnſerm Hertzen haben/ vnnd vns wider de Zaktehen 3 Er ———————— — 168 Gießiſcher Leichpredigten der ſuͤnden darmit allezeit hertlich troͤſten moͤgen/ AMEN. PERSONALIA. 1— 5 Geliebte im HE R Chriſto/ wir ſind auff diß mahl zuſam⸗ men kommen/ daß wir beneben anhoͤrung Goͤttliches worts/ einem vnſerer Mitbruͤdern einem Wolvornemen vnd gelehrten Jungen Geſellen vnd Studioſo Juris, Dn. Ar ARDoO CATTER BACHIo, den der Allmechtige guͤtige G Ott nach ſeinem allein weiſen Raht vnd wolgefallen vorgeſtern Morgens fruͤe zwiſchen 3. vnd 4. Vhrn auß dieſem Jammerthal zu ſich in ſein Himmliſchen frewden Saal abgefordert/ ſeine letzte Ehr erzeigen/ vnd ſeinen hin⸗ derlaſſenen Leichnam Chriſtlich vnnd ehrlich zur Erden beſtatten. Was dann deſſelben herkommen/ Leben/ ſtudia vnd abſchiedt von dieſer Welt anlangen thut/ iſt er von vornemen/ Ehrlichen Eltern im Jar Chriſti 190. zu Bremen auff dieſe Welt geboren. Denn ſein Vatter iſt der Ehrnveſte vnnd Vorachtbar Peter Catterbach/ ſo herkompt auß dem Geſchlecht der Catterbacher zu Coͤln am Rein/ welches deßwegen beruͤmbt/ daß es viele Vornehme vnnd Manhaffte Krigsleute gegeben. Inmaſſen denn dieſer Peter Cat⸗ terbach auch ein zeitlang ein Dapferer Krigsman geweſen/ aber her⸗ nacher hat er ſich zu Bremen nider gethan in ein heußlich Weſen/ vnd hat ſich bey der Buͤrgerſchafft daſelbſten erbarlich vnd redlich verhalten/ alſo daß er bey derſelben wolgeachtet/ vnd einer vnder den vornehmen Oldermannen iſt. Seine Mutter aber iſt geborn auß einem vornchmen Ge⸗ ſchlecht der Heimmingen/ eine Tugentſame/ Ehrliebende Gotts⸗ fuͤrchtige Matron. Dieſe Gottſelige Eltern haben jhren Sohn/ den ſiedem He Rd Chriſto in der H. Tauff fuͤrgetragen/ bald von ſeinen Kindlichen Tagen an zu aller Gottſelgkeit/ Tugendt vnnd Erbarkeit aufferzogen/ vnnd beneben dem/ daß ſie jhn in der Schulen vnd Gymnaſio zu Bremen inſtituiren laſſen in linguis & artibus, haben ſie jhm auch einen domeſticum vnd privarum P Iæ- Erſter Theyl. 169 Præceptorem gehalten. Hernacher iſt er von ſeinen Eltern nach Goßlar zu ſeinem Vettern einem jureconſulto vnnd Branden⸗ burgiſchen Raht verſchickt/ daſelbſte er anderthalb Jahr verharꝛet/ vnd den anfang deß Studir Juris gemacht. Von dannen hat er ſich mit wiſſen vnd willen ſeiner kieben Eltern gehn Leyden in Hollandt begeben/ vnd daſelbſten ſein Studium Juris continuirer, alſo daß er ein Publicum ſpecimen eruditionis ediret, vnd de juſtitia &c jure diſputiret. Folgents iſt er gehn M upurg gezogen da er ſich ein Jahrlang verhalten/ vnd ſeinen ſtudiis vnd privatis exer- eitiis fleiſſig obgelegen. Von Marpurg iſt er auff vnſere Loͤbliche Vniverſitet kommen im Majo deß vorigen 1610. Jahrs/ vnd hat ſich mit fleiß/ fromigkeit/ auffrichtigkeit vñ redlichkeit alſo erzeigt/ daß er deßwegen ein gut lob vnd zeugniß hat/ iſt dem ſtudio Juris ſehr fleiſſig obgelegen/ vnd hat ſich in Collegis diſputationum ſehr wol geubt/ daß ſein Collegæ an jhm ein beſondere luſt vnd ge⸗ fallen getragen. Nuniiſt er zwar vorhabens geweſen/ weil er ſich nicht beym beſten befunden/ die Lufft zu endern vnd ſich naher Coͤln zubegeben/ bevorab ſein ſtudium Jutis fortzuſetzen vnnd zu abſolviren. Abeꝛ vnſer HE RR G Ott hat ein anders mit jhm vorgehabt. Dann er den 12. Tag deß Monats Septembris mit einem„hitzigen vnnd maligna febri vberfallen/ vnd alſo auffs Beth gelegt worden. Ob aber wol zwen vornehme Doctores Medicinæ keinen fleiß geſpa⸗ ret/ danit er zu ſeiner geſundheit bracht vnnd beym Leben erhalten werden moͤchte/ So hat doch die Kranckheit je lenger je mehr vber⸗ bhandt genonunen/ derowegn er fleiſſig gebeten/ vnd ſich zum Seli⸗ gen abſcheydt geſchickt/ hat den Montag den 23. tag Septembris am Abendt ſich Gott befohlen/ vnd iſt mit dem Erklaͤrten Spruch eingeſchlaffen/ dann da er jhm fuͤrgeſagt/ hat er ſelbſt geſagt/ mit dem Spruch will ich einſchlaffen/ hat aber die Nacht kein ruhe ge⸗ habt/ folgenden Tag auch nicht/ hat aber am ſelbigen Tag empſig gebeten vnd Gottſelrg Geſpraͤch mit ſeinen anweſenden freunden/ . 82 dar⸗ 70 Sieß ſcher Lelchpredigten darunter beneben etlichen Tiſchgeſellen auch ſein Tiſchherꝛ Dn. M. Tholdius, vnd ein ander bekanter Prediger geweſen/ gehalten. Ob aber er wol deß Sontags zuvor ehe dann er ſich zu Bett gelegt/ das H. Abendtmal entpfangen/ ſo hat er doch begirigkeit gehabt es nachmals zu gebrauchen/ welches auch volgenden Tags geſchehen were/ wo G Ott der HE RR nicht mit jhm auß dieſem Elenden Suͤndlichen Leben fortgeeilet. Er hat deß Abents abermal den Spruch S. Johannis/ das Blut JEſu Cxiſti ſeines Sohns/ macht vns rein von aller Sunde/ auff ennne⸗ rung in ſein. Hertz gezogen vnd geſagt/ darmit woͤlle er einſchlaffen/ auch Leben vnnd Sterben. Iſtauch damit ſanfft eingeſchlaffen/ folgenden Morgens/ daes ſich mit jhi zur heimfart angelaſſen/ hat er dem vmbſtehenden ſeinen privato Præceptori, vnd fami- Lari ein zeichen gegeben zum andernmahl in dem er jm ſeine Hand nach vermoͤgen gedruckt/ daß er den gedachten Spruch in ſeinem Hertzen habe/ vnd damit diß zeitliche Leben enden woͤlle. Daß nun der weiſe G Ott alſo mit Jungen Leuten/ die ſich trefflich wol anlaſſen/ hinweg von dieſer Welt eylet/ vnd manchem boͤſem Buben langes Leben laͤſſet/ deſſen hat er ſein vrſach/ dieweil er mit ſhme eylet auß dem Leben vnder den Suͤndern/ damit falſche Lehr ſie nicht ver fuͤhre/ noch die reitzende luſt das gute vederbe/ weil Gott ſie lieb hat/ vnnd naͤher bey ſich haben/ bey ſich fuͤr ſtinem An⸗ geſicht verbergen/ vnd auß der groſſe gefaͤbrlichteit zu fuͤndigen in die Sicherheit nicht mehr zu ſuͤndigen bringen will/ wie Auguſti- nus ſagt/ vnnd das Buch der Weißheit am 4. Cap. die vrſach deß Rahts G Ottes anzeigt/ damit Eltern vnd Freunde in ſolchen faͤl⸗ len wol ſollen zu freden ſein. Den boͤſen Buben friſtet er das leben/ damit ſie raum haben buß zuthun/ vnd jhr leben zu beſſern. GOtt der H e x t gebe daß wir auch ein jeder zu ſeiner zeit Seliglich ſter⸗ ben/ vnd am Tag der gewuͤnſchten Poſaun des Ertzengels mit die⸗ ſem Alardo vnnd allen Glaͤubigen zum ewigen Leben aufferſle⸗ hen moͤg/ dem ſey Lob/ vnd Ehr geſagt in Ahſßkeſe Amen men. Die 17] Die Zehende Leichpredigt/ Vber den ſeligen Todt vnd Abſchied auß dieſem elen⸗ den Leben/ deß tugendſamen lieb vnd holdſeligen wol⸗ gerahtenen Jungfraͤwleins/ Aunæ Catharinæ Lautenbachin/ Deß Ehrnveſten vnnd Hochgelehrten Heren/ Joſephi Lauten⸗ bachti/ der Artzney Doctoris, vnd Profeſſoris in der Lob⸗ lichen Vniverſſtet zu Gieſſen/ vielgeliebten Toͤchterleins/ Gehalten Durch Caſparum Finckium/ der heiligen Schrifft Profeſſorem vnd Predigern daſelbſten. Leichpredigt vber die Wort Koͤnigs Salomonis auß dem 127. Pſalmen: Ihe Kinder ſind eine Gaben deß HERRN/ vnnd Leibsfrucht iſt ein Geſchenck. Wie die Pfeile in der Handt eines Starcken/ alſo gera⸗ then die junge Knaben. Wol dem/ der ſeine Koͤcher derſelben voll hat die werden nicht zuſchanden/ wann ſie mit jhren Feinden handeln im Thor. EXORDIUM. J Lieb der Elkerngegen die Kinder/ Ge⸗ y liebkẽ im HERRn Chriſto/ iſt gant hertzich M bheyß/ junig vnnd bruͤnſtig/ daß es Chriſtus vor vn⸗ 88C muͤglich helt/ wañ ſie die Kinder) Brot heiſchen/ daß jhn der Vatter oder Mutter einen Stein/ wann ſie Fiſch for⸗ dern/ jhnen eine Schlange darꝛeichen ſolte/ Matth. 7. Von „ 2 der ℳ 72 EGießiſcher Leichpredigten der Mutterliebe ſpricht der He aur alſo Eſai. 49. Kan auch ein Weib jhres Kindleins vergeſſen/ daß ſie ſich nicht er⸗ barme vber den Sohn jhres Leibs? vnnd ob ſie deſ⸗ ſelbigen vergeſſe/ ſo wil ich doch dein nicht vergeſſen. Von der Vatterlieb lauten die Wort deß 103. Pſalmens: Wie ſich ein Vatter vber Kinder erbarmet/ ſo erbarmetſich der HeRR ovber die ſojhn fuͤrchten. Gleich wie aben dieſe Lieb iſt hertzlich/ alſo iſt ſie hergegen in widerwertigenfaͤllen ſehr ſchmertzlich/ vnd gehet nach dem gemey⸗ nen Sprichwort Bernhardi: Novus fructus, novus luctus: Ach was geliebet das betruͤbet!/ je lieber Hertz/ je groͤſſer Schmertz. Kin⸗ der kommen von Hertzen/ vnd gehen auch wider zu Hertzen. Hiero⸗ nymus der alte Kirchenlehrer ſchreibet ad Daulam de morte Ble- lillæ, von einem Chriſtlichen Eheweib mit Namen Melania/ daß ſie auff einen Tag jhren lieben Ehevogt/ beneben zween Soͤhnen verlohren/ vnnd doch weder geheulet noch geweinet habe. Herodo⸗ tus bezeuget/ daß der Koͤnig in Egypten Pſammenitus/ nicht ge⸗ weinet habe/ als man jhm ſeine Kinder vor den Augen zun blutigen Schlacht gefuͤhret. Da er aber geſehen/ daß dergleichen ſeinen gu⸗ ten Freunden widerfahren/ hat er ſich gekruͤmmet wie ein Wuͤrm⸗ lein/ gekirꝛet wie ein verlaſſenes Turteltaͤublein: Vnd als er efra⸗ get wordẽ warumb er ſeine freunde vnd nicht ſeine leibliche Kinder beweinde/ habe er dieſe Vrſach angezeyget: Domeſtica mala majora ſunt lacrumis, das. Haußereut/ daß einem an ſeiner Leibs⸗ ſrucht trifft/ iſt viel zu groß darzu/ als daß es koͤnne beweinet werdẽ. Oſja/ die Noht iſt offt ſo groß/ daß kein Traͤnlein herauß will. La- erumæ prænimio doloroareſcunt, ſprechen die Phyſici, die Thraͤneguelle vertrucknen wegen deß groſſen Trawrens. Was Kinder vor Braͤſtigkeit machen/ darvon weyß einem der fromme Patriarch Jacob ein Lidlein zu ſingen. Dann alsjhm angekůͤniget wardt/ ſein liebſter Sohn Joſeph were von einem r. em Erſter Theyl. 123 den Thier zerꝛiſſen/ mein Gott/ wie wanne er ſich wie tieff gieng esjhm zu Hertzen: Er war wie ein todter Menſch. Hernacher aber als er die froͤliche Bottſchafft bekame. Joſeph lebet noch/ vnd iſt ein Herꝛ in gantz Egyptenlandt: Dachte doch ſein Hertz viel anders/ danner glaubt jhnen nicht. Da ſiea⸗ ber alle Wort ſagten/ die er zu jhnen geſagt hatte/ vnd ſahe die Wa⸗ gen die jm Joſeph geſandt hat jhn zu fuͤhren/ ſtehet im Text: Et re vixit ſpiritus chus: Der Geyſt Jacobs jhres Vatters ward wider lebendig/ Geneſ. 45. Als der helliſche Schaden⸗ fro dem gedultigẽ Hiob ſein Haab vnd Gut/ vnd alles was jhm der getrewe Gott beſcheret/ genommen vnd verderbet hatte/ weinet er ſo ſehr noch nit. Da jhm aber angekuͤniget wardt/ daß ſeine Soͤhne vnd Doͤchter ertoͤdtet waren/ da ſtund er auff vñ zerꝛeiß ſein Kleyd/ vnnd raufft ſein Haupt/ vnnd fielauff die Erden/ vnd betet an/ vnd ſprach: Ich bin nacket von meiner mutter Leib kommen/ nacket werdt ich wider dahin fahren: Der HERR hats gegeben/ der HERRhats genommen/ der Na⸗ me deß HERRR ſey gelobet/ Hiob 1. Als Koͤnigs Davids Soͤhnlein todt kranck war/ wie verhelt er ſich? Er war kein Stoicus od Cyelops/ ſondern ließ es jhm tieff zu Hertzen gehen/ aß vñ tranck nicht vor Bekuͤmernuß/ gieng hienein/ vnd lag vber Nacht auff der Erden/ 2z. Samuel. 12. Ab ſolon war ein boͤſer Bub/ vnd thateihm gebrandte Leydt an: Noch dennoch daer hoͤret/ daß er ſchmertzliches todtes verbliechen war/ gehets jhm durch das Vatter⸗Hertz/ vnd wil ſich faſt zu todt hermen/ 2. Samuel. 18. Als Koͤnig Solomon das Kindlein/ daruͤber die beyde Huren ſtreitig in zwey Theyl zer⸗ hawen wolte/ ſprichtder Text von der rechten Mutter: Et commo- ta ſunt viſcera ejus, Ihr Mutterlich Hertz erbrandt v⸗ ber jhren Sohn/ Reg. 3. c. Jaje froͤmmer die Eltern ſeyn/ je D 3 wfher 74 Gießiſcher Leichpredigten weher es jhnen thut/ wann GOTT ſhte liebe Soͤhnlein oda Toͤchterlein etwa mit Leibsſchwachheit angreiffet/ oder wol gar durch den zeitlichen Todt von jhrem Schoß wegreiſſet/ vnd durch ſeine Frongeyſterlein auff Abrahams Schoß leget. Was mag dz vor ein Vrſach habenꝛdie ſetzet vns Solomon/ der die Kinder auch lieb gehabt/ in ſemem Liedt im hoͤhern Chor/ da er ſpricht: Sihe Kinder ſeynd ein Gaabe deß HER& EN/ vnnd Leibsfrucht iſt ein Geſchenck. Wie die Pfeil in der Handt eines Starcken/ alſo gerahten die/ unge Kna⸗ ben/ ꝛc. Weil dann nun der grundtgute/ vnd allein weiſe Herꝛ vnd G Ott/ der G Ott/ welcher giebt vnd nim pt/ Hiob 1. Auch ein liebes/ wol gerahtenes Kind/ daß ſeinen lieben gottſelige Eltern/ bey ſeiner Lebenszeit die T auſentfrewde gemacht/ durch den Todt wi⸗ himliſchen Vatters geweſen/ vi wider zu ſich genommen: So woͤlle wir jhm zu ſeinem letzten Ehren/ vnnd Hech;e eitgeſchenck/ vns aber zur Lehr vnnd Vnderꝛicht/ die a bgeleſene Wort erſtlich kurtz vnnd inaller Einfalt erklaͤren, darnach beſehen/ was wir darauß zu behal⸗ ten haben werden/ vnnd alſo vor die frewdige ochzeitpredigt/ eine Chriſtliche Leichpredigt thun. 5 Der groſſe himliſche Kinderfreundt/ der ſeinen Luſt hat mit den Menſchenlindern vmbzugehen/ der ſich vber vns arme Kinder erbarmet/ wie ein jrꝛdꝛſcher Vatter vber ſeine cheleibliche Kinder⸗ leitt/ der der rechte Vatter iſt/ vber alles was da Kinder heyßt im Himmel vnnd auff Erden/ der vns Macht gegeben hat/ daß wir ſei⸗ ne Kinder werden, woͤlle vns zu vnſerm Chriſtichen vorhaben ver⸗ . leyhen/ * der he geyſtt Ecce chetw derab herali den E 2.L Gol Eſa. Ma tungg tiſſim Erſter Theyl. 7 ⁷ leyhen/ den Geyſt der Kindtſchafft/ vmb ſeines from̃es Kindes Je⸗ ſu/ vnſers Mitbruders vnd Emanuels willen/ Amen. Erklaͤrung deß Texts. Amit nit jemand gedenckẽ moͤchte /es were in res ludicra. D geringſchaͤtziges Ding/ Kinderſpiel/ daran ſo hoch vnnd viel eben nicht gelegen/ brauchet Solomon/ oder viel mehr der heilige Geyſt durch jhn/ ſeinen gewoͤhnlichen aſteriſcum, das geyſtliche Nota bené, vnnd Theologiſche auffmercks woͤrtlein/ Ecce, Sihe/ welches die meiſte Zeit/ wo es in.. Schrifft gebrau⸗ chet wird/ andeutet attentionem, rem novam, eximiam, deſi- derabilem aut mirabilem eine andacht/ auffſehen/ eines newes/ berꝛliches/ anmuͤhtiges oder wunderliches Ding/ wie auß folgen⸗ den Spruͤchen zu ſehen: Sihe G Ott iſt mein Heyl/ Eſa. 72. Sihe/ ein Jungſraw iſt ſchwanger/ vnd wirt einen Sohn gebaͤhren/ den wirdt ſie heyſſen Immanuel/ Eſa. 7. Sihe/ dein Koͤnig kompt zu dir ſanfftmuͤtig/ Matth. 27.ꝛt. Was iſt es denn nun darauff wir ſo genaw vnd fleiſſig ach⸗ tung geben ſollene Hoͤret mir zu/ wil der Koͤnig xAire& Ceoiae, di- tiſſimus, wie jhn Suidas nennet/ der reicheſte von Gut vnd Weiß⸗ heit/ ſagen: Kinder ſindt eine Gabe deß HERRR. Durch Kinder/ werdẽ hie eigendlich nicht verſtanden geyſtliche Kinder/ welche Gott aufferzeucht vnd erhoͤhet/ Eſ.j. wel⸗ chenicht von dem Gebluͤt/ noch von dem Willen deß Fleyſches/ noch von dem Willen deß Mannes/ ſon/ dern auß GO T ggeboren ſind/ Johan.). Durchs Waſſerbadt im Wort/ Epheſ.⸗. Durchs Badt der Widergeburt vnnd Erhewerung im heiligen Shn it.3. Gieß ſcher Leihpredigtecaʒz Tit.z. Durch Waſſer vnnd Geyſt/ Johan.z. welche ha⸗ hen den Geyſt der Kindſchafft/ vnnd durch deſſelben ruffen Abba/ hertzlieber Vatter/ Rom. 8. ohnangeſehen/ daß die⸗ ſeauch Gaben Gottes ſeyn. Es werden auch nicht die ebenverſian⸗ den/ welche ein Menſch oder der ander in dieſem zeitlichen Leben adoptirt/ vor Kinder auffnimpt/ ſie alimentiret/ vnd ernehret/ daß ſie hm den Namen erhalten/ vnd ſein Geſchlecht vermehren/ damit es nicht gar zu Grundt vnd vndergehe: ſondern Kinder heyſſen die/ welche in dem reinen vnd vnbefleckten Ehebette nach Gottes Ord⸗ nung/ Seyd fruchtbar vnn dmehreteuch/ vnnderfuͤllet die Erdẽ vñ macht ſie euch vnderthan/ Gen. j. von Vatter vnnd Mutter in dieſe Welt gezielet werden. Dann den Verſtandt geben die nechſtfolgende Wort: Vnd Leibsfrucht iſt ein Ge⸗ ſchenck. Es olligiret vnnd ſchleuſſet ſich auch auß dem nechſten 128. Pſalmen/ in welchem jungen Eheleuten ein ſolches Epithala- mium vnd Brautlied gemacht wird von Gott dem heiligen Geyſte Dein Weib wirdt ſeyn wie ein fruchtbar Weinſtock vmb dein Hauß herumb/ deine Kinder wie Oelzweig vmb deinen Tiſch her. Sihe alſo wirdt geſegnet der Mann der den HẽRax fuͤrchtet. Daß dieſe Kinder ein ſonderlich Ehrengeſchenck vnd thewere Gnadengabe Gottes ſeyn/ erweiſet die Propoſition/ Sum̃ vnd In⸗ halt dieſes gantzen Pſalmens/ welche auff dieſen Worten ſtehet: An ttes Segen iſt alles gelegen/ ſo wolin weltlichemals im Hauß⸗ regiment. Die beweiſet Koͤnig Solomon mit zweyen Argumenten vnnd Vrſachen. Das erſte benimbt er von dem Exempel der from⸗ men vnnd angenemen Freunden GO Tteo/in vorgehenden Wor⸗ ten: Seinen Freunden gibt ers im Schlaff. Will ſo viel ſagen: wann die Frommen vnd Glaͤubigen jhres Beruffs Wanten 1 ht an vndge ſch di S finant gedene Seine Kinde einigr die hei Exem themit Schan 6 mmache ben/v ſieher: demiͤ mitd bond inſhr nem jhrvt gen ſich haben/ ſuchen lebeten, 0 4 Vnder Kinda Erſter Theyl. 7 Ior anbefohlenes Ampt/ nach dem Vermoͤgen daß jhn Gott gibr vnd goͤnnet/ verꝛichten/ vnnd den Außgang jhm befehlen/ ſo geher es ſchleuniger vnd gluͤcklicher fort/ als wan die Kinder dieſer Welt/ die Scharꝛ vnd Wucher⸗Hanſen/ per fas& nefas, durch allerley finantzerey/ ſchinderey/ hilpersgrieff vnd andere verbottene Mittel/ gedencken jhren Paters⸗ Bauch zu erhalten/ vnnd reich zu werden. Seinen andern Grundt vnnd Beweißthumb erholet er von dem Kinderzeugen/ vnd derſelbigen auffzucht zur Gottſeligkeit/ welche einig vnd allein von G Ott herkomme. Dann es bezeuget ſo wol die heilige Schrifft an Eli/ Samuelis/ Davidis vnd anderer mehr Exempel /als die taͤgliche Erfahrung/ daß offtermals diejenige/ wel⸗ che mit allem Fleiß ſeyndt aufferzogen worden/ zu Gottloſen Schandbuben/ vnnd vermaledeyten Hellenbrenden worden. Sprichſtu/ was darff Solomon ſo viel dicentes vñ ruͤhmẽs machen von den Kindern/ werden ſie doch auch den Gottloſen gege⸗ ben/ vnnd offtmals mit groſſer Anzahl vnd Gluͤck/ wie geſchrieben ſtehet: HERR’/ mache dich auff/ vberweltige jhn/ vnnd demuͤtige jhn/ erꝛette meine Seele von den Gottloſen mit dem Schwert von den Leuten deiner Hand/ Her: von den Leuten dieſer Welt/ welche jhr Theyl haben in jhrem Leben welchen du den Bauch fuͤlleſt mit dei⸗ nem Schatz/ die da Kinder diefuͤlle haben/ vund laſſen jhr vbriges jhren Jungen/ Pſalm. 7. vnd darauff befleiſſi⸗ gen ſich die Gottloſen ſonderlich/ daß ſie viel Kinder vnnd Erben haben/ duͤrffen auch wol jr hoͤchſtes Guth vnd Himmelreich daran ſuchen/ wie zu ſehenan den Venusbruͤdern/ die vor der Suͤndflut lebeten/ Geneſ. 76. Luc. 17. Was hat es dann nun vor eine Meynung/ vnd was vor einen Vnderſchieds/ wann zugleich die Frommen vnnd die Gottloſen Kinder haben? Die Antwort iſt leichtlich zuerachten: was die 3 From⸗ 78 Gießiſcher Leichpredigten Frommen haben an Kindern/ oder andern zeitlichen Guͤtern/ das haben ſie von vnd durch GOTtes Segen/ welcher allein reich machet/ Proverb. 10. Die Gottloſen aber von ſeiner Langmuͤtig⸗ keit/ vnnd erkennen darbey nicht/ daß ſie dardurch zur Buſſege⸗ leytet werden/ Rom. 2. Die Gottſeligen haben das jhrige erlan⸗ get durch das liebe Gebet/ wie die Fromme Hanna vmb jr Samu⸗ elchen bate/ r Samuel. 1. Die Gottloſen aber laſſen es gehen wie es gehet/ duͤrffen auch wol meynen/ die Kinder werden durch jhr luſt⸗ gieriges Beyſchlaffen zur Welt gebracht. Die Glaubigen erkennẽ dardurch Gottes Werck/ vnd halten jhre Leibserben ſo viel muͤglich iſt anzur G Ottes Furcht/ vnd ſuchen darinnen G Ottes Ehr vnd Ruhm einig vnd allein; wann hergegen die Gottsvergeſſene nichts anders thun/ als daß ſie von ſich vnd jhren erzielten Kindern groß⸗ ſprechen/ wie zu ſehen auß dem 144. Pſalmen/ wenn David jhren Stoltz vnd Ruhmrettigkeit mit dieſen Worten beſchreibet. Daß vnſer Soͤhne auffwachſen in jhrer Jugendt wie die Pflantzen/ vnd vnſere Doͤchter wie die außgehawene Excker/ gleich wie die Pallaͤſt/ vnnd vnſere Kammern voll ſeyen/ die herauß geben einen Vorꝛaht nach dem andern: daß vnſere Schaffe tragen tauſendt vnnd hundert tauſendt auff vnſern Doͤrffern: Daß vnſer Ochſen viel erarbeyten/ kein Verluſt noch Plage auff jhren Gaſſen ſey: will jeto nicht ſagen/ daß die Gottloſen jhr Theyl haben nur in dieſem Leben/ wie der i. Pſalm ſaget/ vnd deß reichen Schlampampers Exempelaußweiſet/ Luc. 6. Da⸗ her ſinget David od Salomon in ſeinem wol componirten Braut⸗ liedt alſoꝛ Dein Weib wird ſein wie ein fruchtbar Wein⸗ ſtock vmb dein Hauß herumb/ deine Kinder wie Oel⸗ zweige zibei der wird 1 Fimn nt E ſprich jung hieſot fen/t Kraff Hede Pfell ſchlag Aſſoon diege ten/vn weilj beſchuͤ einem ein ſel derſe ſiem Gottl Fnede halten genpa Duw — ——— ͦᷣL C ,1u1ö. n/ das rreich muͤng⸗ ſege⸗ eeran⸗ Samu⸗ wie es hrluſt⸗ rkennẽ uͤglich rvnd nichts groß⸗ ihren Daß je die vene nern dem und nſer auff infht aga Da⸗ au an⸗ el⸗ dige Erſter Theyl. 79 zweige vmb deinen Tiſch her. Sihe alſo wird geſegnet der man der den HERRA fuͤrchtet. Der HERR wird dich ſegnen auß Zion/ daß du ſeheſt das Gluͤck Jheruſalem dein Lebenlang: vnd ſeheſt deiner Kinder Kinder/ Friede vber Iſrael. Was aber die Kinder vor ein nuͤtzliche Gabe ſeyn/ das erklaͤ⸗ ret Solomon mit einem kurtzen Gleichniß: Wie die Pfeil/ ſpricht er/ in der Hand eines Starcken/ alſo gerahten die junge Knaben. Die Pfeil in der Hand deß Starcken/ heyſſen hie ſo viel/ als res valde lædens, aut alioqui efficax, ſolche Waf⸗ fen/ welche groſſen ſchaden dem Feinde thun/ oder ſonſten ſondere Krafft haben. Gleich wie nun die Kriegs Soldaten/ oder dapffere Helden/ getroſt dem Feind das Antlit bieten/ jhn erlegen/ vnnd die Pfeil nach jhm ſchieſſen/ wann er auch allbereyt in die Flucht ge⸗ ſchlagen iſi/ das Haſen⸗Panier auffwirfft/ vñ Verſchen Gelt gibt: Alſo wil Koͤnig Solomon ſagen/ wann frommen Hauß⸗Leutlein die Feinde vnnd Widerſpenſtige ans Leder woͤlle/ ſie in Dreck tret⸗ ten/ vnd gar an jhnen Ritter werden/ ſo ſoll es jhnen dannoch fehlen/ weil jhre liebe Kinderlein bey jhnen Fuß halten/ ſie vertretten/ vnnd beſchuͤtzen/ wo nicht mit der Fauſt oder dem Schwert/ jedoch mit einem heyſſen jnnigen Gebet zu Gott. Darumb wol dem/ das iſt ein ſeliger vnd von Gott hochbegabter Mann/ der ſeine Koͤcher derſelben voll hat: die werden nit zu ſchanden/ wann ſie mit jhren Feinden handeln im Thor:Das iſt/ wann ein Gottliebender Haußvatter ſeine friſche Junge Soͤhne wirdt zum Friedeſchildt vnd Beyſtandt haben/ ſo wirdt er ſeine Sach wol er⸗ halten/ wann er vor der Rotenthuͤr erſcheinen/ vnd mit ſeinen Ge⸗ genpart hadern oder rechten ſoll. Im Thor/ ſpricht Solomon: Dieweil vor Zeiten die Koͤnige/ Richter vnd Oberherꝛn/ vnder den⸗ 2 ſelben —— 7— 180° Gießiſcher Leichpredigten ſelbenpflegten die Partheyẽ zu verhahan vndinen Recht zu ſprechẽ· 1 2 wie auß folgenden Spruͤchlein heliger Schrifft zuerſchen Be⸗ ſtellet das Recht im Thor/ ſo wirdt der Herꝛ der Gott Zebaoth den vbrigen in Joſeph genedig ſeyn/ Amos 5. ede einer mit dem andern Warheit/ vnnd richtet recht vnd ſchaffet Frieden in euwren Thoren/ Zach.8. Boas gieng hinauff ans Thor/ vnnd ſatzte ſich da⸗ felbſt/ Ruth. 4. Seine Kinder werden ferꝛn ſeyn vom Heyl/ vnnd werden zu ſchlagen werden im Thor/ da kein erꝛetter ſeyn wirdt/ Hiob.. Beraube den Armen nicht/ ob er wolarm iſt/ vnd vnterdrucke den Elenden nicht im Thor/ Proverb. 22. Weißheit iſt dem Narꝛen zu hoch: Er darff ſeinen MNundt im Thor nit auff⸗ thun/ Proverb.4. Wann jemandt einen eygenwilli⸗ gen vngehorſamen Sohn hat/ der ſeines Vatters vnnd Mutter Stimm nicht gehorchet/ vnnd wann ſie jhn zůchtigen/ jihn en nicht gehorchen wil/ ſo ſoll hn ſein Vatter vnnd Mutter greiffen/ vnnd zu den Elte⸗ ſten der Statt fuͤhren/ vnnd zu dem Thor deſſelben Orts /ꝛc. Deuter. ʒ. Dieſes ſey alſo kuͤrtzlich vnnd Sum mariſcher Weiſe/ nach Gelegenheit der Zeit vnnd Orts/ geſaget von Erklaͤrung der abge⸗ leſenen Wort/ woͤllen nun vns dieſelbe nutz machen/ vnd gleichfals in geliebter Kuͤrtze beſthen/ was wir darauß zu mercken haben. Lehr/ Erinnerung/ Vuderꝛicht vnnd Troſt. 2 Rſtlich ſehen wir hierauß/ was von dem heiligen Eheſtand iu halten ſey. Daß derſelbige ein heiliger/ herꝛlicher/ GOtt . wol⸗ Erſter Theyl 187 wolgefaͤlliger Standt ſey iſt daher abzunemen/ dieweil Gott ſo eſtn 4. groſſen vnd koͤſtlichen Segen/ ſeine Geſchenck vnnd Gaben darein, eie geleget hat/ daß darinnen Kinder erzielet/ zarte Him̃el⸗Pflaͤntzlein 4* Nerr ut. aufferzogen werden zu Gottes Lob vnd Ehr/ welche ſeinen Namen ᷣn he mit lautſtimmigen Mundt außbreytten/ Pſalm. 8. Dqlum& ſo- ⁷1. lum, Himmel vnd Erden erfuͤllen/ vnnd dem Teuffel ſein Luͤgen⸗ reich durch G O Ttes huͤlff vnnd Beyſtandt anfallen vnnd zerſtoͤ⸗ ren. Daher es kompt daß der boͤſe Voland dieſem Standt vñ Ord⸗ nung G Ottes ſo hefftig zuwider iſt/ Ehleuten nach Leib vnd Leben ſtehet/ jhnen alles Vnheyl zufuͤget/ wie auß Hiobs vnnd Tobiæ Hiſiorien zu ſehen/ auch offtmals jungen Leullein/ die ſich einander Hertzlich lieb haben/ wann ſie heyrathen woͤllen/ Stuel vnd Baͤnck in den Wege wirfft/ daß ſie nicht wol/ oder mit groſſer Beſchwe⸗ rung fortkommen koͤnnen: vnnd wo der Friedſtorige Ehefeind/ nit ſelbſt hinkommen kan/ dafertiget er etwa eine leichtfertige Dirne vnnd Magdt/ oder alte Vedelab/ wie Eneas Sylvius, der hernach Bapſt/ vnd Pius ſecundus, iſt genennet worden/ in ſeinem Buͤch⸗ lein von den boͤſen Weibern/ geſchrieben hat: Nonaudet Itygius Platotentare quodauder E ffrenu Monachus. plenaq frauduanus. Das iſt/ wo der Teuffel nicht hinkommen kan/ da ſendet er etwa ei⸗ nen loſen Muͤnch/ oder altes Weib hin. Ja wañ vnſer kleine Wich⸗ tichen noch in der Wickeln vnnd Wiegen liegen/ ſo lauret er bereyt auff ſie/ daß Gott ſeine gute Engel auff ſie beſcheiden muß/ Matt. 18. wann ſie erwachſen/ vnnd auff den Wegen jhres Beruffs ſeyn/ Pſal.)r. ſo feyret er gleichfalls nit/ ſondern lauffet vnd rennet/ dich⸗ tet vnd trachtet/ wie er jhre friſche Ehe moͤge trennen vnnd zu nicht machen/ wieim Buch Tobiæ Landt vnd Weltkuͤndig gemacht iſt. Darumbje groͤſſer dieſe Gabe vnd Geſchenck G Ottes iſt/ je mehr vnnd hefftiger ſtehet der Teuffel darnach/ daß er ſie frommen Ehe⸗ leutlein auß der Hand reiſſe. 3 3 Die⸗ öm—= 3 zz. Gießiſcher Leichpredigten Dieſe lehr iſt wol zu mercken/ nit allein wider die verdampte Ketzer die Nicolaiten/ Tatianer/ Encaatiten/ Hierarchiten/ vnnd Manicheer/ welche verbotten Ehelich zu werden/ vnd den Eheſtand der Hurerey gleich gehalten haben: Item wider die Adamiten/ Wi⸗ dertauffer/ vnnd die Sectirer domus amoris, welche alle Fleiſch⸗ liche Brunſt haben zugelaſſen/ vnnd gut geheyſſen: Sondern auch wider den Roͤmiſchen Bapſt/ welcher die Ehe vor ein Fleyſch⸗ lich Werck anſihet/ daß er ſich auch nit geſchaͤmet hat/ d arauffzu ziehen die Wort deß heiligen Apoſtels Pauli/ Roman. g. die im Fleiſch leben/ können G OTT nicht gefallen. War⸗ lich ja/ diß iſt ein rechte Lehr der Teuffel/ wie Paulus ohnlangſt daruͤber den Anſchlag gegeben hat/1. Timoth. 4. der Meyſter der Eyiſtel an die Hebreer thut einen ſolchen Macht⸗Spruch: Die Ehe ſoll ehrlich gehalten werden bey jederman/ vnnd das Ehebett vnbefleckt. Die Hurer aber vnnd Ehe⸗ brecher wirdt G OTT richten/ Hebr.)3. Dann GOte der H E RR/ der Kanctus Sanctorum„Danicl. 9. der aller⸗ heiligſte/ welchem die Engeliſche Cherubin vnnd Seraphin mit ſtarckem Gethoͤn vnnd Poſaunen ⸗ſchall taͤglich zuruffen/ heilig/ heilig/ heilig iſt der HERR Zebaoth/ Eſai. s. hat jnen ſelbſten eingeſetzet/ zu Manniglichen geſprochen: Seyt frucht⸗ bar vnnd mehret Euch/ vnd erfuͤllet die Erden/ Geneſ. .ltem: Es iſt nicht gut/ daß der Meanſch allein ſey/ Geneſ. 2. Dem Erſten Paradeiß Breutgam hat er ſeine Braut an die Seiten gefuͤhret/ jhm die. Hochzeit gemacht⸗; die reyne keuſche Frongeyſterlein/ die heilige Engelein/ haben darauff jhre Frewden⸗ feſt gehalten/ die Voͤgelein vnder dem Siel haben mit jren Zuͤng⸗ lein vnnd Stimmlein lieblich nach allem Hertzen Luſten qunddili⸗ ret/ Erſter Theyl. 183 ret/ vnd zur Hochʒeit gepfieffen. Gott hat dieſen Standt mit drey en Gebotten vmbzeunet/ vnnd feſt verwahret. Der Ewige Sohn G Ottes/ vnſer HE RR vnnd Heyland Coriſtus Jeſus/ hat jhm keine Gedancken gemacht/ nit allein der Hochzeit zu Cana in Ga⸗ lilea/ ſondern auch dem Mahl beyzuwohnẽ/ nach welchem Braut vnd Breutgam zuſammen geleget werden/ G OTtes Gabe vnnd Geſchenck zu erwerben/ wie das Griechiſche woͤrtlein/ /οσ auß⸗ weiſet/ Johan. 2. Er verlobet ſich mit ſeiner teuwer erarnten Hef⸗ Siba vnnd Geſponſen in Gerechtigkeit vnnd Warheit in Ewigkeit/ Oſeæ 2. Epheſ. 6. nimmet vnnd fuͤhret in den Tagen ſeines Fleyſches vom Eheweſen ſo viel ſchoͤne Parabeln vnnd Gleichnuͤſſen/ vnnd verſchaffet daß im Eheſtandt iſi/ wie Auguſti- nus fein ſchreibet/ donum triplex, dreyerley Gut: Erſtlich bo⸗ num fidei, daß zween Ehegaden einander macht haben vber jhre Leiber/ ſich mit einander ſo hart verbinden/ daß eins auff das ander alle ſeinen Troſt vnd Vertrawen ſetzet/ ſich nicht vonjhm ſcheydet in Lieb vnnd Leyd/ der Todt komme dann/ vnd reiſſe ſie von einan⸗ der. Zum andern/ bonum prolis, daß darinnen Kinderchen gezielet werden/ welche/ wie in den vorgeleſenen Worten ſiehet/ ein Geſchenck vnnd Gaben ſein /nicht eines jrꝛ diſchen Potenta⸗ ten/ Fuͤrſten oder Koͤnig/ ſondern deß HERRC Naller HéERRSN’/ vnnd deß Koͤnigs aller Koͤnigeny. Tim. 6. Apocal.)7. Daß alſo das Haußmuͤtterlein muß im Hauſe ſeyn/ wie ein Reben voll Trauben fein/ vnd die Kinderlein vmb den Tiſch/ wie Oel⸗Pflayntzlein geſundt vnnd friſch/ Pſalm. 128. Zum dritten/ donum Lacramenti, das hohe Geheymnuß/ daß gleich wie ein Mann liebet ſein Weib/ alſo auch C Riſtus die Gemeyn/ Epheſ 6. dahin das gantze Canticum Canticorum, oder hohe Liedt Solomonis gehoͤret. Ein vnperſchempter Gaſt iſt der Jeſuit vnnd Cardinal Bel⸗ lar- —— —— m 484 Gießiſcher Leichpredigten larminus, daß er diſputiret/ die Muͤnch ſeyen im Stand der Voll nil kommenheit/ alldieweil ſie ohne Weiber vnd Eheloß ſeyen. Jener diec Biſchoff bey Sleidano ſagte/ es were beſſer/ daß ein Pfaff ein Hur/ ſaget als ein Ehefrauw hette. Zwar die Muͤnch vnd Pfaffen ſeind ohne dan ehrliche weiber/ aber nicht ohne garſtige Huren/ ſie ſeynd Eheloß/ ſen abet Ebrloß/ vnnd ſtehen in keinem Standt der Vollkommen heit: der ſonſten wuͤrden die heiligen Patriarchen/ die teuwere Propheten/ die werche Apoſieln gar zu kurtz kommen/ weil ſie im Eheſtandt ge⸗ ſenl lebet: aber dannoch mehr Vollkommenheit an ſich gehabt/ als alle Muͤnche/ wann man ſie auch beſampt den Cardinalen vnnd dem — 4 Dapſiſelöſenin enem Mrſälſieſſe ĩVordißmalmochteich ihne ſ anders nicht wuͤndſchen/ als daß ſie taͤglich einmal leſen muͤßten die be Wort Sap.z. Die Kinder der Ehebrecher gedeyen nit/ las vnnd der Same auß vnrechten Bett wirdt vertilget auß werden. Bnnd ob ſie gleich lang lebeten/ ſo muͤſſen ſie pf doch endlich zuſchanden werden/ vnnd jhr Alter wirdt geki doch zu letzt ohne Ehren ſeyn. Sterben ſie aber baldt/ gſp ſo haben ſie doch nichts zu hoffen/ noch Troſt zur ret Zeit deß Gerichts/ dann die Vngerechten nemen ein ich boͤß Ende. ein 8 11. Hierauß erſprieſſet die ander Lehr/ daß die Eltern jhre 9. 6 Kinder nicht vnbillich lieb haben. Dann die ſeynd ja ſo ein Edldle Die G O Ttes Gab/ ſo ein vortreffliches Geſcheuck deß HeE RRE RN/ ſott warumb ſolt man ſie nicht lieb haben⸗ Sie machen jhren Eltern wiſſ manchmal die Himmel Frewde/ vertreiben die Melancholey vnnd mat trauwrige Gedancken/ bringen auch mehr als einmal zu wegen/ daß der Vatter vnnd Mutter/ die ſich ein weil einander ſauwer angeſchen b haben/ wider einig vnd die beſte Freunde werden/ warumb ſolt man 4 ſie nicht lieb haben? ſie ſeynd der Steck vnd der Stab jhres Alters/ eſi wie an der Witwen Sohn zu Nain zuſchen/ warumb ſolt man ſie bob nit 1 chſonẽ gten die nnit/ tilget en ſie virdt aldt/ t zur nein nihre Edſe tEN ltern vnnd daß ſh man ſtets/ mmſie nit Erſter Theyl. hy, nit lieb haben ſie erhalten das gantze Geſchlecht/ vnnd werden die Eltern in jhnen gleichſam wider lebendig/ wie der Comicus fein ſaget: In libris liberisq; vives mortuus, In Buͤchern vnd Kin⸗ dern wirſtuleben/ wann du gleich geſtorben biſt/ warumb ſolt man ſie nit lieb haben⸗ Wann ſie ſich in jhrem Leben wol verhalten/ nach der Gottſeligkeit vnd anderen Tugenden ſtreben/ ſo werden die El⸗ tern in der Todtengrufft geehret/ wie die Gelehrten à contrario ſenſu ſchlieſſen/ auß dem Ariſtotele libr. 1. Ethic. cap. 12. wa⸗ rumb ſolt man ſie nicht lieb haben Als jene ehrliche Haußmutter jhrem Hertzlieben Ehvogt Admeto die Kinderlein in die Handt gabe/ ſagte er mit Frewdigkeit: Charum donum ex chara manu, das iſt ein liebe Gabe/ von lieber Hand/ warumb ſolt man ſie nit lieb haben? G Ott vnſer Himmliſcher Vatter hat ſie ſelbſten lieb/ auß ſirem Muͤndelein hat er jhm eine Nacht zugerichtet/ Pſalm. 8. Vnſer holdſeliger trawter Emanuel hat ſie gehertzet vnd gekuͤſſet/ vmbfangen/ die Haͤnde auff ſie geleget/ ſie geſegnet/ vnnd geſprochen. Laſſet die Kinder zu mir kommen/ vnd weh⸗ ret jhnen nit/ dañ ſolcher iſt das Himmelreich/ warlich ich ſage euch/ wer nicht das Reich G Ottes nimpt als ein Kindlein der wirdt nicht hinein kommen/ Matth. 19. Marc. o. Luc.) 8. warumb ſolt man ſie nicht lieb haben⸗ Die Engel/ hre Bruͤderlein/ haben ſie lieb/ Matt. 1. warten jhnen ſo trewlich auff den Dienſt/ Hebr. 1. daß ſie jhre ſtrauchlende vnge⸗ wiſſe Fuͤßlein nicht an einen Stein ſtoͤſſen/ Pfalm. 91. warumb ſolt man ſie nicht lieb haben⸗ Ein Weib wirdt ſelig durch Kin⸗ der zeugen/ ſo ſie bleibet im Glauben/ vnnd in der Lie⸗ be/ vnnd in der Heiligung/ vnd in der zucht/. Timoth. 2. ſie ſeynd vnſer Fleiſch vnnd Blut/ warumb ſolt man ſie nicht lieb haben? Dann niemandt hat jemals n eygen Fleyſch a ge⸗ 186 Gieeßtſcher Leichpredigten gehaſſet/ ſondern er nehret es/ vnnd pfleget ſein/ gleich wie auch der HE R die Gemeyne/ Epheſ. 5. Ein Eſel iſt ein tolles Thier/ hat weder Verſtandt noch Witz/ Pſalm. ze. noch dañoch hat er ſeine junge Eſel ſo lieb/ daß er auch mitten durch das Fewer lauffet/ vnd ſie erꝛettet/ wann vnnd wo er kan. Wann die Schlang dem Pelican ſeine Jungẽ ertoͤdtet/ ſo hacket er mit ſeinem Schnabel die Bruſt entzwey/ wie beneben den Naturkuͤndigern Ambroſius vnnd Auguſtinus bezeugen/ beſprenget ſie mit dem Blut/ damit ſie wider lebendig werden/ wie die bekannte Verßlein lauten: Janguine dat vitam pullu-Eg yptiusgales, Tumihidas ditan ſanguine Chriſtetuo. Was woͤllen dann wir Menſchen thun/ welche Gott mit einer ver⸗ nuͤnfftigen Seel begabet/ vnnd die Lieb ſo tieff in das Hertz einge⸗ pflantzet/ daß ſie nimmermehr/ oder ja gar langſam vnd ſchwerlich herauſſer wurtzeln/ oder mit Spieſſen vnd Hellparden außgetrotzet werden kan/ wie wir abnemen auß Eſaia cap. 49. vnnd Matth. 7. Die Philoſophi vnnd Vernunffts gelehrten legen ein feine Frage ein/ wie es doch komme daß Vatter vnnd Mutter welcher Eltern noch bey Leben/ jhre Kinder mehr lieben/ als die nochlebende Eltern vnnd geben die richtige Antwort: quia in nobis inſita ſunt Z0. Pyra quædam, id eſt, ſemina æternitatis weil jederman gern wolte ein ewigen Namen vnd Gedaͤchtniß hinder ſich laſſen. Dann was in dem Vatter oder Mutter auff hoͤret/ dz hebet an dem Sohn oder Dochter wider an. Eben wie man einen jungen Baum/ der ſei⸗ ne Frucht bringet/ leber hat/ als einẽ alten/ der nun das ſeine gethan hat/ vnnd deſſen Leben/ Krafft vnnd Safft vertrucknet iſt. Dieſe Lehr dienet vns wider die Ehloſen/ vnnd alle die jenige/ welche deß Ehelichen Lebens Suͤſſigkeit noch nicht geſchmecket/ vnnd deß wegen es vbel traduciren vnnd außmachen. Mancher/ Eannc ſihet/ wie eiwan ein Mann oder Weib/ ſeine Hupeſe dan⸗ 1 daͤnt teren ein tahte was liche prof alsch gilii Das ſein. ſprach typon werd nerm ckenr theyl tern! Kind ſerei ter. Dat vñw keifl chen ſolte Der herun neht Erſter Theyl. 87 daͤntzelt haͤlſet/ hertzet/ druͤcket vnnd kuͤſſet/ hat er es ſeinen lau⸗ teren Hohn/ darff auch wol ſagen: Sihe Narꝛ/ haſtu auch ein Kind. Aber wann ſolche dermal eins auch in dieſen Stand ge⸗ rahten/ ſo ſeynd ſie viel thoͤrichter als andere/ vnnd thun ſelbſten/ was ſie andere thun geſehen haben/ bevorab wann ſie ein Ehr⸗ liches Hertz im Leibe haben. Darumb verſtunde der alte Schul⸗ profeſſorohannes Murmellius dieſen Handel viel beſſer. Denn als er ſeinen Schuͤlern vnnd Zuhoͤrern den ſchoͤnen Verß deß Vir⸗ gilii außlegen ſolte: Omnisin A ſcanio cariſtat cura parentis: Das iſt/ auff den jungen Aſcanium, hat der Vatter Eneas all ſein Heyl/ Hoffnung vnnd Troſtgeſetzet/ wandte er ſich vnnd ſprach: O meine liebe Soͤhne/ dieſen Verß wil ich euch jetzo nicht exponiren/ Vrſach/ jhr koͤnnet jhn nicht verſtehen. Als dann aber werdt jhr jhn verſtehen/ wann jhr auch Kinder habt: Vnndals je⸗ ner maͤchtige Koͤnig mitten vnder ſeinen Kindern auff einen Ste⸗ cken ritte/ befahle er ſeinen Leuten/ ſie ſolten darvon eher nicht vr⸗ theylen/ biß ſie auch Kinder hetten. Ja was ſoll ich ſagen? Die El tern haben jhre Kinder von Natur lieber/ dann hinwiderumb die Kinder jhre Eltern: Daher das Sprichwort kommen: Es kan beſ⸗ ſer ein Vatter zehen Kinder ernehren/ als zehen Kinder einen Vat⸗ ter. Zu Genth in Flandern/ da Carolus V. geboren/ waren ſo wol Vatter als Sohn wegen jhren Vnthaten gefenglich eingeleget: vñ weil ſie beyde den Todt verwircket/ wardt zu letzt von der Obrig⸗ keit ſententiirt vnd geſprochen/ ſie ſolten ſich mit einander verglei⸗ chen/ welcher auß jhnen vor den andern ſterben wolte/ dann einer ſolte ſein Leben als eine Beute darvon tragen. Was geſchicht⸗ Der Vatter ſtirbt vor den Sohn/ vnnd laͤßt jhm den alten Kopff herunder reiſſen. Darumb wardt hernacher eine Seul auffge⸗ richtet/ daran dieſe Wort geſchrieben: Amor deſcendit, non 4 2 aſcen- 4 4 1 4 j88 Gießiſcher Leichpredigten aſcendit, daß iſt/ die Liebe ſteiget herunder von den Eltern zu den Kindern/ aber nicht widerumb von den Kindern hinauff zu den El⸗ tern. In heiliger Schrifft finden wir viel Exempel/ daß die Eltern bey Chriſto vmb jhre Kinder Huͤlff vnd Rath geſuchet haben: Aber von den Kindern finden wir kaum eins. Fragſtu aber/ Zu welchem Ende vns in heiliger Schrifft die Liebe der Eltern gegen die Kinder ſo offt vorgehalten/ vnnd hoch ge⸗ ruͤhmet wirdt/ ſo iſt diß die Antwart/ es geſchehe darumb/ auff daß wir G Ottes inbrunſtige Lieb/ die er gegen vns ſeine Kinder traͤget/ deſto baß erkennen lernen/ quia Deus unumquemq; curat, tan- quam ſolum curet,& ſic omnes ranquam ſingulos, wie Au- guſtinus ſchreibet/ weil G Ott vor einen jeden alſo ſorget/ als ſorget er von jhn allein/ alſo vor alle/ als vor einẽ jeden inſonderheit: ſic in· tendit ſingulis, ac ſivacet à cunctis:ſic intendit cunctis, ac ſi vacet a ſingulis, ſpricht der alte Lehrer Gregorius libr. 25. mo- ral. cap. 19. III. Wir lernen vors dritte/ daß man die Kinder nicht ſoͤl⸗ le verachten/ vnnd hoͤher nicht halten/ als wann ſie auß einem Stro⸗ wiſch gemacht/ oder ongefehr in dieſe Welt bracht worden weren. Solt man ſie verachten/ ſie ſeynd G OTTes Gabe/ GOTTes Geſchenck/ GOTTes Segene Solt man ſie verachten/ verach⸗ tet ſie doch Ehriſtus nicht/ ſondern hieß ſie zu ſich kommen/ Matt. 18. wardt ſelbſt in dieſe Welt geborẽ/ wie ein ander Kindt/ doch ohne Suͤnde/ Luc 2. Hebr. 2.4. vnd wie die Kinder Fleyſch vnnd Blut haben/ alſo iſt er auch deſſelbigen theylhafftig worden? Solt man ſie verachtẽ/ heyßt doch d heilige Geyſt ſelbſt ein Geyſt der Kinderſchafft/ Nom. d. vnd nimpt von Kindern ſo offt vnderſchiedene ſchoͤne Gleichniſſen? Solt man ſie verachten/ ver⸗ achten ſie doch die Engel nicht/ vnnd kompt ſo viel gutes von jhnen Staͤnde/ ſo G Ott auff Erden eingeſezet hat? Solt man ſie verachten/ warumb ſeynd ſie dañ ſo hoch gewuͤr⸗ diget/ Erſter Theyl. 189 diget/ daß ſie zu Martyrerchen worden/ daß ſie durch den Todt ins Leben kommen/ daß die Kirche jhr mit aller Ehren gedencket? Jalveteſlores mart)rum, uos lucis ipſò inlimine, Chriſti inſecutorſuſtulit, Ceuturbonaſcentes roſas. Nicht allein aber ſoll man nicht verachtẽ der Reichen/ ſondern auch nicht der Armen Kinder/ die an dem Hunger⸗Tuch nagen/ mit ge⸗ ſunden Zaͤhnen vbel eſſen/ vnnd weder zu beiſſen noch zu brechen haben. Dann arme Leutlein haben eben ſo wol Fleyſch vnnd Blut/ als die Reiche/ jhre Kinder ſo lieb als andere/ vnnd gilt hie ins ge⸗ meyn der Teutſchen Sprichwort: Ein jeder Kraͤh/ meynet jhr Kindt were ein Pfauw. Die alte Kirch hat keinen Vnderſcheyd ge⸗ macht/ in dem ſie alle vnnd jede Kinderchen in der Kirchen hat præ⸗ ſentiren vnnd vortragen laſſen/ vnnd das auß den Vrſachen/ welche der Diſcipulus de tempore ſerm. 2, de purificatione Mariæ ſetzet: 1. darmit zu bezeugen/ daß ſie GOTtes Gabe weren. 2. daß man Gott dancke vor alle Gut vnnd Wolthaten/ die er der Mutter vnd den Kindt erzeyget. 3. daß man vor das gantze Leben deß Kin⸗ des bete. O wie ſchnell vnnd mißlich faͤhret vnderweilen die Weltliche Obrigkeit mit Eltern die ein groſſes Haͤufflein zu Hauß haben! Da darff man wol die vergeßliche Rede hoͤren/ wann ſie bitten/ man woͤlle doch jhre arme Kinder anſehen/ vnnd ſo geſchwindt mit jhnen nicht fahren: Kanſtu die Kinder zielen/( hette es ſchier gar he⸗ rauß geſaget/) ſo magſtu ſie auch nehrẽ:haſtu das Korn gemahlen/ danck dirs der Teuffel/ du ſolts bezahlen. Darauff faͤhret man zu/ nimpt jhnen was ſie haben/ daß die Kinder nach dem lieben Brot wimmern/ Panem propter Deum betteln/ rauben vnnd ſtelen/ vnnd endlich in Suͤnde vnnd Laſier gerahten. Andere Leut dir klag Aa 3 iche CGieß iſcher Leichpredigten ichs O Iheſu /erſchrecken/ wann ſie mit Kindern Verfallen/ laſſen ſich wol verlauten: Ja wann es Laͤmmer weren/ die lieffen baldt dar⸗ von. Dieſe Geſellen haben gewiß dieſen Pſalmen nit ſtudiret/ den⸗ cken nicht daß ſie GOTTes Gabe ſeyn/ der ſie jhnen zum guten vnnd frommen verehret habe/ vnnd darumb ſeynd ſie auch jhrer nicht werth. IV. Seynd die Kinder eine Gabe vnnd Geſchenck deß HERRER/ ſo laß man alle Sorg vnnd Trauwrniß fahren/ Er wirdt ſie wol verſorgen vnnd ernehren. Wann G OTT ſchaffet ein Haͤßlein/ ſchaffet er ihm auch ein Graͤßlein/ lautet das gemeyne Sprichwort: Warumb betruͤbet ſich dann dein Hertz/ bekuͤmmert ſich vnnd traͤget Schmertz/ wol vmb das zeitlich Gute Vertrauw du deinem HEdReN G Ott/der alle ding geſchaffen hat. Joſeph in Egypten verkauffet wardt/ vom Koͤnig Pharao gefangen hart/ vmb ſein Gottsfuͤrchtigkeit/ macht jhn G O TT zu eim groſſen HEd/ daß erkondt Vatter vnnd Bruͤder ernehren. Iſaac war ein Frembdling vnd armes Waißlein/ daß auff Erden weder Vat⸗ ter noch Muttet hatte: Aber G Ott war ſein Vatter vnd Pfleger/ vnd macht an jm war/ was imꝛ 7. Pſal. Davids geſchrieben ſtehet: Mein Vatter vnnd MNutter haben mich verlaſſen/ a⸗ ber der HERR nimpt mich auff, Vnnd Pſalm o. Du ſiheſt ja/ denn du ſchauweſt das Elendt vnnd Jammer:Es ſtehet in deinen Haͤnden/ die Armen be⸗ fehlens dir: du biſt der Waiſen helffer. Wer iſt der⸗ der den HERREAfuͤrchtete Sein Samie wirdt das Landt beſitzen/ Pſaln. 5. Der Same deß Gerechten wirdt geſegnet ſeyn/ Pſalm. 37. Der Same deren ſo Luſt zu deß HERREN Gebotten haben/ wirdtge⸗ waltig ſeyn auff Erden/ das Geſchlechte der From⸗ men men inſht Menſc gedult dem T den wi ihnene tige h gottſel lein vnd Muß amu heuletr Erſter Theyl 19) men wirͤt geſegnet ſeyn. Reichthumb vnd Fuͤlle wird in jhrem Hauſſe ſeyn. . In dieſer geſchwinden teuwren Zeit wirdt mancher armer Menſch wegen ſeiner vielen Kinder gar klein lauts/ gerahtet in Vn⸗ gedult/ wuͤndſchet jn alles Vnheylan den Halß/ gibt ſich auch wol dem Teuffel/ darmit er jhrer moͤchte loß werden. Aber dieſe Vnhol⸗ den wiſſen nicht/ daß ſie mit den Kindern/ vnd nicht die Kinder mit ihnen eſſen Dem He Rꝛ wil getrauwet ſeyn/ der wirdt nottuͤrff⸗ eige Huͤll vnnd Fuͤll verſchaffen/ die Gottſeligkeit hat Brot/ Vn⸗ gottſeligkeit leidet Not. Der glaubigen Sareplaverin Mehlkaͤſt⸗ lein vnnd Oelkrug war nimmer ledig/ wann hergegen in Jogbs Hauß jmmerdar einer ſeyn muß/ dem es an Brot mangelt/ z. muel. 3. Auff dem Todtbett lieget mancher/ vnd kan nicht erſterben/ heulet vnnd weynet wegen ſeiner kleinen vnerzogenen Kinder: Ach wie wirdt es den armen Schwartenhaͤlßlein ergehen? Ach wer wird ſich jhrer annemen? Von jederman werden ſie verſchuͤpffet vnnd verſtoſſen werdẽ: Maͤnniglich wird die Fuͤß an ſie wiſchen woͤllẽ/ ſie werden den Bettelſtab an die Hand nehmẽ/ vñ ſtipem colli giren muͤſſen. Aber dz heyßt an dem liebẽ Gott verzaget/ der ein Vatter iſt vnnd heyßt der Witwen vnnd waiſen/ Pſalm. ss. Wieſolte ſie der verlaſſen/ der ſie erſchaffen hat wann ſie den an⸗ ſchreyen/ ſo wirdt er jhnen die froͤliche Antwort geben: Nemo læ- dat quos ego ſuſcipio, nemo exſpoliet quos ego defendo, das iſt/ Niemandt ſoll mir die antaſten/ welche ich auffneme: Nie⸗ mandt ſoll die berauben/ welchen ich Schutz vnnd Schirm halte/ wie deß heiügen Auguſtini Troſtſpruͤchlein lautet/ ſerm. 171. de rempor. V., Seynd die Kinder ſoein teuwere Gabe Gottes/ ſo muͤſſen wir wol zu ſehẽ/ dz wir dieſelbe nit verwarloſen/ ſie in Windt ſchla⸗ gen/ vnd nichts achten/ ſondern ſich dahin bearbeiten/ daß ſie Gott/ dem —— — —— — 1 Gieeßiſcher Leichpredigten dem Geber/ wider nuͤtz werden vnd dienen Das geſchicht als dann/ wann die Eltern jhr Ampt thun/ vnd. ſie aufferziehen in der Furcht deß HeE RRR/ vnnd von Jugend auff gewehnen zur Gottſeligkeit. Dann die iſt zu allen dingen nuͤtz: Hujus& illius pietas dat præmia vitæ, vnnd hat die Verheyſſung dieſes vnd deß zukuͤnfftigen Lebens /h. Timoth. 42 ſiein der diſci⸗ plin vnnd Zucht halten/ vnderꝛichten/ vermahnen/ vnnd nach Ge⸗ legenheit ſiraffen. Laſt nicht ab/ ſpricht Solomon/ den Kna⸗ ben zuzuͤchtigen: Dann wann du jhn mit der Ru⸗ then hauweſt/ ſo darff man ihn nicht toͤdten. Du hauweſt ihn mit der Ruthen/ aber du erꝛetteſt ſeine Seel von der Hellen/ Proverb. 22. Woiſt ein Sohn/ den der Vatter nicht zuͤchtiget? Hebr./)2. Doch muß man die moderation vnnd Maß halten/ darmit man die Kinder nicht zum Zorn reitze/ vnnd außſchellig mache/ wie Paulus lehret/ Epheſ... ihuen bey Lebens Zeit wol vorſtehen/ darmit wann die Eltern die Welt mit dem Ruͤcken angeſehen haben/ ſie mit GOtt vnnd Ehren ein Stuͤck Brot eſſen/ vnd nach Notturfft einen Ehr/ Nehr/ vnnd Zehr Pfenning haben koͤnnen. Wer das nicht hur der iſt aͤrger als ein Heyde/ vnnd hat den Glauben verlaͤugnet/). Tim. F. Bevorab aber ſollen die Eltern/ Kindern ein guten Namen vnnd Leymuth hinderlaſſen/ auff daß nicht ſpoͤt⸗ tiſche Cains⸗Kinder jhnen etwas ſchmitzliches vorwerffen koͤnnen: Habes liberos, ſpricht Baſilius, collige ipſis theſaurum æter- num, relinque illis non divitias multas, ſed memoriam ho- neſtam, das iſt/ Haſtu Kinder/ ſo ſammle jhnen einen ewigen Schat nicht viel Reichthumb/ ſondern ein ehrliches Gedaͤchtniß. 42 Auch jmmerdar fleiſſig vor ſie beten/ wie Monica vor jhren Au. guſtinum, das Ambroſius ſagte: Im poſſibile eſt, ut filius tot la- lactun werde meiſta den wuͤ einen, Nüt erſaͤu Matt gelten rach/ wurtz doch vo werder iſt nitc ſonden den T nen he Joabe GOtt den wer verfreſſ hen nich zu/ das ten Ga anjener Eins. woldul Kinder V ſieu. Erſter Theyl. 193 is dam/ lacrumarum percat, Es iſt vnmuͤglich/ daß der Sohn verlohren werde/ vor welchen ſo viel iſt geweynet vnd gebetet worden. ỹ. Aller⸗ ſeigkatt meiſt aber ſollen ſie zuſehen/ daß ſie die kleine Kinder mit einem wil⸗ biers d den wuͤſten Leben mi aͤrgemn. Ver aͤrgert dieſer geringſten evnd einen/ die an mich glauben/ dem were beſſer/ daß ein näci. Muͤhlſteinan ſeinen Halß gehencket wuͤrde/ vnnd er aché erſaͤuffet wuͤrde im INeer/ da es am aller tieffeſten iſt/ Kna⸗ Matt 18. Dann offtermals kompts/ daß die Kinder der Eltern ent⸗ rNu⸗ gelten müͤſſen. Die Kinder der Ehebrecherin/ ſpricht Sy⸗ .Du rach/ muͤſſen ihr entgelten/ ihre Kinder werden nicht iſene wurtzeln/ vnd jhre Zweig werden nit Frucht bringen. ohn/ doch vornemblich/ wann ſie auch G Ott haſſen/ Exod. ꝛ0. ſie ußman werden auch offtmals mit gemeynen Straffen troſſen/ wie klar drnih iſt jnit allein an den Kindern in der Suͤndtflut/ vnnd zu Sodoma/ ölchr ſondern auch denen/ die mit ſeynd ins Gefaͤngnuß gefuͤhret wor⸗ . den/ Thren.ꝛ. an den Kindern zu Bethlehem/ Matth. 2. den Soh⸗ unndie nen Heli /i. Sam. 2, den Nachkommenen Sauls/ 2. Sam. ꝛ1. vnd 9. Joabs/ 2. Sam z. mEhr, Das mußaber G Ott·im Himmel geklaget ſeyn/ daß auff htthut G Ottes Grundt vnd Boden/ ſo boͤſe vnnd ſchnoͤde Eltern gefun⸗ auben den werden/ welche jhren armen Kindern nicht allein alles verthꝛin/ Nindern verfreſſen vnnd verpraſſen/ ſondern ſie auch gehen laſſen/ wie ſie ge⸗ hen/ nicht einmal krumb anſehen/ wann ſie boͤſes thun/ ſagẽ wol dar⸗ ännen: zu/ das wirdt ein Hahn werden/ vnnd ſagen recht; Dennam liech⸗ ater- ten Galgen wirdt man ſie dermal eins kraͤhen hoͤren/ vnd was wird m ho- an jenem groſſen Tag Gott der Himmliſche Vatter darzu ſagene wgm Eins wirdt er mit jhnen reden in ſeinem Zorn: Hoͤreſtu chtniß wol du boͤſer Vatter/ du leichtfertige Mutter/ ich habe dir ſchoͤne mnAu- Kinder gaben verehret/ wie haſtu dieſelbige angeleget? Haſtu mit iustot ſie zu Himmel⸗Pflaͤntzlein aufferzogen? Traun Neyn: Ey ſo gehe Bh mit 194 Gießiſcher Leichpredigten 4 mit jnen in das Helliſche Fewer/ das dir vnd allen Teuffeln be reytet iſt von anbegin/ Natth. 25. Darentgegen/wid ſene ſus fromme Frauw zu Eſſeda deſſen groſſen Ruhm haben/ daß ſie/ als Muut der Keyſer Valens jre Kirche vor der Stat mit dem Schwert vber⸗ zoßt fallen wolt/ jr Soͤhnlein ergreiffet/ mit jhm zur Kirchen ſo ſehr eylet/ ihne daß ſie auch vergaß jhr Haußthuͤr nach ſich zu ziehen: Vnd als ſie 6 der Hauptman fraget/ wo ſie hienauß woͤlle⸗ Zu meinen Bruͤdern ſha vnnd Schweſtern/ ſagt ſie/ die man jetzt hinrichten wil. Warumb nnaa nimpſtu dann das Kindlein mit dir⸗ Ja lieber GO.TT/ Ich wolte 9— auch nicht gern allein im Himmel ſeyn/ mein Soͤhnlein ſoll auch mit mir da bleibe. Vber dieſen Wortẽ entſetzt ſich der Hauptman/ 55 —* vnd wil deß Tyrannen Befelch nit außrichten. Brid VI. Seynd die Kinder nicht vnſer/ ſondern G Ottes Gab ſolon vnnd Geſchenck/ warumb woͤllen wir ſie ihm nicht Hertzlich gern wie D + Werzuſtenen wañ er ſie/ als das ſeinige/widerumb durch den zeit⸗ Elpi lchen Todt abfordert /es geſchehe auch baldt oder langſam/ im Er⸗ totem ſten/ oder andern Jahr. O wie ſelig ſeynd die Kindelein/ wann ſie/ betrüͤb wie dieſes vnſer liebes Mitſchweſterlein/ hr weiſſes Weſterhembd⸗ lein mit Chriſti Blut verportelt reyn vnnd vnbefleckt im lieben Ge⸗ bl bet vnd Glauben nit ſich in das Ruhbettlein bringen/ Ach ja/ mei⸗ kumn ne Geliebte/ wir ſeyn alt gnug zu ſterben/ wann der Name G Ottes puen vber vns angeruffen/ vnd wir in der ſeligen roten Flut mit dem koſt⸗ Todt barlichen Blut vnſers lieben Iheſu gefaͤrbet/ vnndin ſeinen Todt ſiemi getauffet ſeynd. Dann diß Bad der Widergeburt/ iſt die rechte getr Suͤndflut/ die weil wir dardurch von vnſern Suͤnden abge⸗ hat waſchen werden/ Act. 22. Eph.ʒ. Tit.z. den Heran C hriſtum tn du wie ein Hochzeitliches Ehren⸗Kleyd anzichen/ Galat. z. daß nichts verdammliches mehr an vns ſeyn muß/ Rom. wolhe 8. Das iſt aber ein Jamer vber allen Jamer/ wann getauffte Kin⸗ angn der jr Weſterhaͤmbdlein verunꝛeynige/ vergeſſen deß Bunds nn deß ln be id ſene ſie als tvber⸗ reylel/ als ſie ruͤdern grumb wolte lUauch tman/ SGab hgern nzelt⸗ nEr⸗ inſie :zmöd⸗ nGe. mei⸗ Ottes koſt⸗ Todt rechte bge⸗ dum daß om. Kiu⸗ uds deß Erſter Theyl. 195 deß guten Gewiſſens /. Pet. z. welchen G Ott auß deß eini⸗ gen Mittlers Bitt vnd Blut mit jhnen auffgerichtet hat. Daß ein liebes Soͤhnlein/ ein wolgerahtenes Haußtoͤchterlein/ auff der Mutter Schoß/ oder in Vatters Armen/ wie ein lieblich bluͤhendes Roͤßlein verſchwelcket/ ſeine Auglein zuthut/ vnnd ſein Selichen faͤhret vom Mundt auff gen Himmel zu den liebẽ Engelein/ deſſen iſt wol zu vergeſſen/ da es auch ein Blutduͤrſtiger Tuͤrck an ſeinem Wuͤrgſpieß fuͤhret oder an einen Zaun⸗Pfal ſpiſſet/ oder ein grim⸗ miger Herodes von ſeiner Mutter Bruſt reiſlet/ vnnd vor jhrem Angeſicht zermetzige laͤſſet. Wann aber ein Kindt auß dem geſchirꝛ ſchlaͤget/ ſich alles gutes erweget/ dem boͤſen ergibet/ wie Juncker Cain/ verachtet den Sohn Gottes/ vnnd ſpottet ſeiner Eltern vnd Bruͤder/ wie Canaan vnd Iſmael betruͤbet ſeinen Vatter/ wie Ab⸗ ſolon/ verſpatzieret vnnd verzettelt das Jungfraͤuwlich Kraͤntzlein/ wie Dina/ oder ſtehet ſeinem Tauffpaten nach Leib vnd Leben/ wie Elpidophorius, oder veracht vnnd verleumbdet ſeinen præcep- torem, wie Damaſoeni vnd Caſſiani Schuͤler/ dz iſt ein ſo Hertz⸗ betruͤbtes Leydt/ daß es mit weynenden Augen nit genungſam kan beklaget werden. 196 Gießiſcher Leichpredigten daß ſie nicht moͤgen geneſen an G Ottes Troſt/ der auch ſie erloͤßt hat von dem groſſen Schaden/ dariñ die Schlang Evam bezwang G Ottes Zorn auff ſich zu laden.ã nimpt ſie G Dttauch darumd ſo baldt/ vnd ehe ſie ſichs verſehen/ hinweg/ dieweil ſie jhm lieb vnnd wolgefaͤllig ſeynd/ Sapient. 4. Daher auch der Heydniſche Poc Menandergeſchrieben hat: à,ο ει ᷣμάeν. ,hHavei veds, das iſt/ wen ſein G Ott lieb hat/ der ſtirbet jung. Dann ſie kommen auß der truͤbſeligen Wanderſchafft dieſes Jammerigen Lebens: Diutur- na enim hujus vitæ peregrinatio eſt quotidiana laborum& dolorum cumulatio, ſpricht der alte Lehrer Bernhardus, das iſt je lenger einer in dieſem Leben wallet/ je mehr Schmertzen/ Angſt/ Truͤbſal vnnd Noth er außſtehen muß: Diu xixere eſt diu tar- queri, ſpricht Auguſtinus: Lang leben/ heyßtlang gepeiniget wer⸗ dʒñ Der liebe getrewe Gott/ thut eben/ als legte er die Kindelein bey Zeiten zu Bett in ſein Schlaffkaͤmmerlein/ biß ſein Zorn vor⸗ übergehe/ Eſai. 26. daß ſie dem kuͤnfftigen Vngluͤck entrinnen/ Eſai. 56. 3. Daß junge Leut zu ruͤck dencken ſollen/ vnnd nicht meynen ſie haben mit dem Todt einen Bundt/ vnd mit der Hellen einen Anſtandt gemacht/ ſondern daß auch jhr Leben ſey elend vnnd eilend/ wie seneca ſagt: Punctum eſt, quod vivimus, & adhuc puncto minus: Vnſer leben iſt wie ein Stippichin/ vnd noch kleiner als daſſelbig: Freylich muͤſſen ſie dahin ſehen: Ich muß fort: Wañ danne Daß weyß Gott allein. Darumb heyßts: Wache vñ ſehe zu/ Matth. 24. 25. Quodmorieris certum eſt, incertum ubi& quando. Quiaigitur mors u bique te expectat,& tu, ſi ſapis, ubiq; eam expectes, vermahnet Auguſtinus, Daß du ſterben wirſt/ das iſt gewiß: Vngewiß wo oder wann. Demnach weil der Todt allenthalben auff dich lauret/ ſo warte du wider ſei⸗ ner/ wann duanders klug biſt. 4. Faͤhret Gott ſo ſchnell mit jhnen fort/ daß ſie nit in aͤrgerniß/ Suͤnde vnd Schande hie Zeitlich vnd dort Ewiglich gerahten/ auch falſche Lehr hren Verſtandt meva⸗ ruͤcke. — Erſter Theyl. 97 rucke. Im Buch der Weißheit Cap. 2. ſyrechen die Venus vnnd Bachuskinder alſo: Vol her laßtt vns wol leben/ weils da iſt/ vnnd vnſers Leibs gebrauchen/ weil er jung iſt:wir woͤllen vns mit dem beſten Wein vnd Salben fuͤllen: Laßt vns die Neyenblummen nicht verſeumen: Laßt ons Kraͤntz tragen von jungen Roſen/ ehe ſie welck werden/ vnſer keiner laß jhm fehlen mit Prangen/ daß man allenthalben ſpuͤren moͤge/ wo wir froͤlich geweſen ſeyn/ wir haben doch nichts mehr darvon dann das. Laſſet vns den armen Gerechten vberwel⸗ tigen/ vnnd keiner Witwen noch alten Nannes ſcho⸗ nen: Laßt vns der alten Greiſſen Straff nicht ach⸗ ten/ was wir thun koͤnnen/ das ſoll recht ſeyn. Dann wer nicht thun kan/ was jhn gelaſtet/ der gilt nichts. Aber was ſaget der Geyſt G Ottes darauff⸗ Solches ſchla⸗ gen ſie an vnnd fehlen: jhre Boßheit hat ſie geblendet/ das ſie G OT Tés heymliches Gericht nicht erken⸗ nen. Wann Julianus der Mammeluck in dem Erſten Bad were erſaͤuffet worden/ ſo hetten Gregorius Magnus vnnd Nazianze- nus vber fhn nicht dieſes Klaggeſchrey fuͤhren doͤrffen O qualem peſtem Eccleſia nutrit! Owas vor einen durchdeuffelten Vn⸗ gluͤck⸗ſtifftenden Buben zeucht die Kirch in jhrem Schoß auff 5. Wil G Ott allen jungen Leuten damit das Creatur liebende Hertz benemen/ darmit ſie nicht ſich allzuſehr an das Zeitliche hen⸗ cken/ vnd das Ewige Gut/ welches allein macht rechten Mut/ hin⸗ dan ſetzen. Daher exclamiret der alte Bernhardus: O munde im- munde, ſi brevitertranſiens ſic me tenes, quid faceres, ſi per- maneres? O du ſchnoͤde vnnd bloͤde Welt/ helſtu mich ſo hart/ Bb 3 da —— ———— — 4 4 i 1¹ 4 5 198 Gießiſcher Leichpredigten da du doch vergaͤnglich biſt/ was wuͤrdeſiu dann thun/ wann du E⸗ wig verbliebeſt? 5. Es geſchieht auch darumb/ weil offt die Welt frommer Kinder nicht wehrt iſt/ Heb. 11. Wie mit dem Exempel deß Knaͤbeleins Abia/ Jeroboams Sohn/ die Gelehrten beweiſen woͤl⸗ len/. Reg. 14. 7. Damit die Eltern nicht meynen/ ſie ſeyens allein die Kinder hetten/ ſehen mehr auff die Frucht jhres Leibs/ als auff GOTt den Schoͤpffer/ mehr auff die Gabe/ als auff den Geber. Dann der iſt ſchon auß Gottes Munde verfluchet/ der ſichauff Menſchen verlaͤ ſſet/ Ier.77. NGBibe Gott damit zu verſtehen/ daß gewißlich ein Ewiges Leben bereyt vnnd außſtendig ſey. Dann wie wolte der fromme GOT T darzu kommen/ daß er ſo ein groſſe Anzahl der Menſchenkinder zu einem ſo kurtzen Leben erſchaffen haben ſolte? In demſelben wil GO T Tden Eltern jhre liebe vorhergeſchickte Kinderlein mit aller Frewden wider auff jhren Schoß legen/ wie er dem Patriarchen Jacob ſeinen viel geliebten Joſeph/ dem hoch betruͤbten Widtweiblein zu Nain jhren Sohn wider gab. Dann jhrer keines wardt verlohren/ ſondern nur vorhin geſchicket; vnnd ob ſie ſchon nicht wider zu vns kommen/ dann das begeren ſie ſelbſten nicht/ jhnen iſt droben viel zu wol darzu/ ſo werdẽ wir doch/ wie David ſaget/ zu jnen kom̃en: Scheyden thut weheſa⸗ ber Widerkommen bringet frewde/ Widerkommen macht/ daß ich ſcheydens nicht acht. Da Joſeph ſeiner Leiblichen Bruͤder/ mit welchen er theyls vnder einem Hertzen gelegen war/ vnd deß jungen Gackelneſtleins Benjamins anſichtig wirdt/ faͤllet erjm vmb den Halß/ weinet vor Frewde/ hertzet vnd kuͤſſet jhn: Eben ſolche Frew⸗ de wirdt dort auch ſein/ wann G Ott vns alles das wider zuſiellen wirdt/ was vns in dieſem Leben lieb geweſen. Dann wirdt der Tag erſt Frewdenreich/ wann vns GOTt zu jhm nemen/ vnnd ſeinem Sohn wirdt machen gleich/ als wir dann jetzt bekennen/ da wirdt ſich finden Frewde vnnd Muth zu ewiger Zeit beym hochſten Gut/ G Ott woͤll daß wirs erleben. Derowegen liebe Eitern/ die jhr ewere duE, Welt peldeß nwoͤl⸗ zallein tauff Geber. auff ſehen, Dann groſſe daffen liebe jhren jebten Sohn othin indas werd thela⸗ fßich mit ngen bden reiv⸗ jellen Erſter Theyl J99 ewere Kindelein in der zarten Blut jhres Alters verlieret/ hoͤret auff mit trauwren vnnd klagen/ warumb wolt jhr verzagen? G Ott ſol man nit widerſtreben/ durch den Todt gehen wir ins Leben. Endlich vnd zum Beſchluß/ daß die Kinder den Pfeilen vergliechen werden/ darauff die Starcken ſich verlaſſen/ vnd gegen jhre Feinde ſich ſchutzen vndauffhalten/ darbey hetten wir die Lehr zu mercken von dem Ampt der Kinder/ vnnd wie ſie ſich gegen jhre Eltern verhalten ſollen: Dieweil aber dieſe Lehr in die Haußtaffet gehoͤret/ vnnd offtmals verhandelt wirdt/ woͤllen wir es jetzo bey ob⸗ geſetzten bewenden laſſen. Vnſer lieber Herꝛ vnd Erloͤſer Chriſtus Jeſus/ verleyhe vns ſeine Gnade/ daß wir auch werden wie die Kinder/ denn ſonſten koͤn⸗ nen wir nit in ſein Reich kommen/ Matth. 18. daß wir in Kindlicher Zuverſicht jhn taͤglich anſchreyen vmb ein ſeliges Sterbſtuͤndtlein vnd nach vollendeten Lauff vnſers Lebens ſeine Kinder vnd Erben ſeyn vnd bleiben moͤgen in alle Ewigkeit/ Amen. PERSONALI A. Wir haben/ Geliebete im Henn/ im Anfang dieſer Predigt anmeldung gethan/ auß was Vrſachen wir allhier im Klaghauß zuſammen kommen ſeynd: Nemblich/ daß wir einem auß vnſern frommen vnnd wolgezogenen Jungfraͤwlein/ Annæ Catharinæ/ deß Ehrnveſten vnd Hochgelahrten Herꝛen Joſephi Lauten- bachii, der Artzeney Doctoris, vnnd Profeſſoris Primarii in vn⸗ ſer loͤblichen Vniverſitet/ meines Hertzlieben Gevatters/ Eheleib⸗ liches/ Hertzliebes/ Erſigebornes Doͤchterlein/ letzte Ehr erzeygett/ vnnd iſt nun an dem/ daß wir es vor ſeinen Augen/ die er mit Leibs Thraͤnen wol genetzet hat/ in die Erde beſcharꝛen/ die vnſer aller Mutter iſt. Daſſelbe iſt jhm vnnd ſeiner lieben Haußfrawen von GOtt als ein ſondere Edele Gabe geſchencket worden/ vnnd zur Welt kommen/ im Jar nach Chriſſi vnſers Herꝛn vnnd Sehaeza, 6 20. Gießiſcher Leichpredigten Geburt 1603. den 14. Tag Novembris, deß Morgens kurtz vor Neun Vhr/ vñ hernacher den 177. gemeldtes Monats zu Friedberg dem He Run Chriſto durch die heilige Tauff einverleibet worden/ dardurch es Gottes liebe Dochter/ Chriſti Schweſter/ vnd deß hei⸗ ligen Geyſtes Tempelein worden iſt. So baldt es hat reden koͤnnen/ hat es ſonderliche anzeygung eines trefflichen/ Sinnreichens/ vnnd tieffen Verſtandts ans Liecht gegebẽ/ daß ſich Maͤnniglich vber ein ſolches Alter hat verwundern muͤſſen. Beten/ leſen vnd nehen hat es ſo baldt vnd wol gefaſſet/ daß es viele/ die aͤlter/ als es/ geweſen/ weit vbertroffen. Zu Vntugenden vnnd andern der Jugend Leichtfertigkeiten/ hat es ſo gar kein Luſt vñ neygung gehabt/ daß es andere ſeiner Geſpielen manchmal dar⸗ ob ins Angeſicht Vernuͤnfftiglich geſtraffet. Was jhm ſeine liebe Mutter anbefohlen/ hat es treuwlich/ mit groſſem Luſten/ vñgleich⸗ ſam fliehendt außgerichtet/ hr in Schwachheit zu Haͤnden gangẽ/ ſich in der Kuͤchen gebrauchen laſſen/ vnnd ſeinen Fuß vor jhren zu ſtellen/ vnd manchen ſauwern Tritt vnd Schritt zu ſparen ſich vn⸗ terſtanden. Aber der Allmaͤchtige/ Hochweiſe Himmel⸗Herꝛ/ deſſen Ehrengabe/ vnnd Genaden Geſchenck dieſe AnnaCatharina auch geweſen/ hat weit einanders mit jhr vorgehabt. Dann am Ende deß Maji/ deß abgewiechenẽ 1611. Jahrs/ hat ſie angefangen zn ſeu⸗ cheln/ ſicham Hufftwehe zu klagen/ daß ſie lagerhafftig wordẽ/ vnd nicht hat gehen/ ſondern nur ſitzen koͤnnen: Vnd ob ſchon jhr lieber Vatter/ als der in der Artzeney wol erfahren/ vnnd nunmehr viel Fuͤrſilichen/ Edelen vnnd Vnedelen Perſonen Raht/ Huͤlff vnnd Taht mit Lob vnd Ruhm glleyſtet/ wie dann Maͤnniglich bekannt/ alle Natuͤrliche Mittel vnnd die beſte Artzeneyen zu brauchen an Handt genommen/ ſo hat doch nichts helffen oder verfangen woͤl⸗ len/ biß ſie endtlich den 25. Novembris vmb Catharinen Tag/ die Schwachheit gar ins Bett gedrucket/ vnnd von Tag zu Tag mehr hat vberhandt genommen:da ſie der Herr/ der ein La ſt auffleget/ vñ wider whder retten 60t malse wegu Elend beinal einge Cape che A vndſe wieein tetſſen auffge Taux deß E Kaͤmn Syan Ewig Lamb. compo Gotte vnsa fuͤhren vnnda Amen — Erſter Theyl. 20] wider außhilffet/ vnd die ſeine wol weyß auß der Anfechtung zu er⸗ retten/ den 21. Decembris vnder ſiaͤtigem Gedett vnnd Auruffung G Ottes/ auch bitterem weynen jhrer lieben Eltern/ welche ſie nie⸗ mals erzuͤrnet/ ſanfft vnd ſtill/ ſine motu& metu, ohne einige Be⸗ wegung auß dieſem Jammerthal in ſeinen Frewdenſaal/ auß dieſer Elendsburg in die Engelsburg zu ſich vnd den klugen Jungfraͤw⸗ lein abgefordert hat/ daß ſie nicht geftorben/ ſondern ſanfft vnd ſuͤß eingeſchlaffen iſt/ wie deß Jairi vnnd erleuchteten Profeſſoris zu Capernaum Haußtoͤchterlein: Vnndob ſchon vnſere Natuͤrli⸗ che Augen ſie vor ein Steintodtes Maͤgdtlein anſehen/ ſoruhet vnd ſchlaͤffet ſie dannoch allda in jhrer Baar: vnnd da ſteauch jeho wie ein Weitzenkoͤrnlein in den Acker Gottes geſaͤet wirdt/ ſo war⸗ tet ſie doch auff den froͤlchen Oſter Morgen/ biß die liebe Sonne auffgehen/ vnnd der ſelige Regenbogenin Woͤlcken ſtehen/ vnd ſein Tauw im letzten Wetter herab tropffen wirdt: als dann wirdt ſie deß Sohnes Gottes Stimm vnnd Donner hoͤren/ vnd auß jhrem Kaͤmmerlein/ vñ Ruhbettlein friſch vnd geſundt herfur gehen/ eine Spannewen Leib voller Herꝛlichkeit/ Klarheit/ Gerechtigkeit/ vnd Ewiger Vnſierblichkeit vberkommen/ vnnd auff der Hochzeit deß Lambs mit allen frommen keuſchen Jungfraͤuwelein ſingen wol⸗ componirte Geſaͤngelein/ mit. Hertzen/ Mundt vnd Stimmlein/ zu Gottes Lob vnd Ehr allein. Vnſer lieber He oiꝛ vnnd Heyland Iheſus Chriſtus beſcher vns auch/ wie dieſem Anne Cathaͤrlein/ ein ſeliges Sterbſtundlein/ fuͤhre vns ins Himmels Gaͤrtelein/ behuͤte vor der Hellen Pein/ vns Vnd alle fromme Kindelein/ die mit ſeim Blut erloͤſet ſeyn/ Amen/ men. (1)5 ☛ 7 Cr Die v . 202 3 ““ telieb Die Eylffte Leichpredigt/ ſeimn Bey der Adelichen vnnd Anſehnlichen 5 Begengnuͤß/ Weyland der Edlen/ Ehr vnd ugent vm ſamen Frawen/ Margrethæ Catharinæ von Weitelshau⸗ inBr ſen/ genandt Schrautenbach/ gebornen vorn fiddw . Rolßhauſen/— vndes Deß Edlen/ Geſtrengen/ vnd Veſten Junckerns/ JFo und han Wolfen von Weitelshauſen/ genant Schrautenbach/ Fuͤrſt⸗ anden lichen Heſſiſchen beſtelten Obriſt Lieutenants/ wie auch Hauptmans der Statt vnnd Veſtung Gieſſen/ hertz⸗. uße 1 liebes Ehgemahls/ un 1 „ Welches den 26. Tag Julii zu Langenſchwalbach in Chriſtodem Herrꝛn ſeliglich entſchlaffen/ vnnd folgendts den Xxx. zut Gieſſen in dem. 6 groſſer verſamblung/ Ehrlich vnd Adelich zur Er⸗— ſbenn 6 den beſtattet worden/ G 1 Gehalten durch. 41 aun 3 Laſparum Finckium/ der H. Schrifft in der lͤblichen 3. 8 Vniverſitet daſelbſten Profeſſorem vnnd l octu Predigern. 1 vngli 1 Text auß den Worten Syrachs Car.l. aucht 4 Wer den He«Ra forchtet dem wirdtes min wolgehen in der letzten Noht ond wirrd unn ₰ damit endlich den Segen behalten. d & Inebetruͤbte/ vnnd herzbewegende Hiſiorienwundt ei v vns beſchrieben/ Geneſt35. von dem Patriarchen Ja lertr cob/ vnnd ſeinem Adelichen Ehegemahl der Rahel. ichh Dann als er mit derſelben eine gute geraume ʒeit hat⸗ te dige 2⁰03 Erſter Theyl. te lieb vnd Leyd außgeſtanden/ vnnd jetzo nach Hauß zeucht lnach ſeinem lieben Heymat vnd Vatterland/ der meynung/ er woͤlle ſeine liebe Kinderlein vnd zarte Haußfruͤchtichin ſeinem alten abgelebten Vatter dem Iſaat/ gleichſam in ſeinem Schoß ſchuͤtten/ vnd jhm die tauſend frewde machen/ da fellet jhm vnverhofft ſein anſchlag in Brunnen/ vnnd wirdt jhm zu Waſſer: Sintemal da er noch ein feldweges von Ephrata war ſihe/ da gebar ſeine hertzgeliebte Rahel/ vnd es kam ſie hart an vber der Geburt/ daß jhr die Seel außgieng vnnd ſterben mußte vnter den wiltfrembden/ vnnd begraben werden an dem Wege gehn Ephrad/ die damals hieſſe Bethlehem. Deſe Jamergeſchicht erinnert vns von vielen ſtuͤcklein/ als . daß es wahr ſey/ was Petrus der wehrte Apoſtel ſchreibet/ judici- um à domo Dei incipit, 1 Pet. 4. Das Gericht faͤhet an dem Hauſe G Ottes an.. Daß alle die Gottſelig le⸗ ben woͤllen/ muͤſſen Verfolgung leiden/ Creutbruder vnd Creutzſchweſtern ſein/ in den Creutzorden tretten/ vnnd den Creutz⸗ gang dieſes Thraͤnenthals wol durchwandeln muͤſſen/ 2. Timz. 3. Daß Bernhardus recht geſagt habe: Novus fructus, novus luctus, Newe frewo/ new leydꝛbeſchert dir Gottein Kind/ ſo kompt vngluͤck geſchwind. 4. Daß GOTt der Herꝛ ſeine Wohnung auch bey denen vom Adelhabe. Dann Nahel die Edle Haußmut⸗ ter/ war ſhrer ankunfft nach von Abrahams Hauß/ vnd Geſchlecht vnd koͤnte jre Anichen weit herꝛechnen.. Worinnen der Adeliche ruhm vnd Lobſpruch beſtehe/ nemlich nicht in groſſem reichthumb/ damit ſie ſampt jhrem lieben Haußherꝛn reichlich begnadiget war/ daß Jacob Gott ein fein Deo gratias ſinget vñ ſpricht/ Geneſ.z2. Hẽeh ich bin zugering aller Barmhertzigkeit vnd al⸗ ler treuw/ die du an deinem Knecht gethan haſt( dann ich hatte nicht mehr weder dieſen Stab da ich vber dieſen Jordan gieng/ vnd nun bin ich zwey Heer wor⸗ Cc 2 den) . 204 Gießiſcher Leichpredigten den) auch nit in der ſchoͤnheit/ darmit ſie Gott auch begabet hatteꝛ Rahel war huͤbſch vnnd ſchoͤn/ ſpricht Moſes Geneſ 29. ſondern in wahrem glauben an den HeE RRR Meſſiam. Dann da⸗ rumb zog ſie mit jhrem Haußherꝛn gehn Bethel/ daß ſie dem GOT Tes dienſt beiwohnen/ vnnd die Predigt vom verheyſſe⸗ nen Weibsſamen vnnd hochgebenedeyten Schlangentretter anhoͤ⸗ ren moͤchte. Dieſem heiligen Exempel vnd Vorbild/ Geliebte jhm Herꝛn Coriſto/ hat auch trewlich nachgefolget/ Weiland die Edle vnnd vieltugendſame Frawe MARGKRETHA CA T HRINA von Wettelshauſen/ genand Schrautenbach/ gebor⸗ ne von Rolßhauſen/ deß Edlen/ Geſtrengen vnnd Veſten Junckherꝛen]onax- NorrEx von Weitelshauſen/ genand Schrautẽbach/ Furſclichen Heßiſchen Obriſten Li⸗ eutenant/ vnd Hauptman dieſer vnſer Statt vnnd Veſtung Gieſ⸗ ſen/ nunmehr hertzbetruͤbten Witwers/ hertzliebes Eßegemal. Dañ ſieals ein fromme glaubige Dochter Rahels/ jr Creutz vnd Elend in dieſem Angſihauß vnd Elendsthal die zeit jhres lebens wol auß⸗ geſtanden/ GO Ttes ſcharffe Vatters Ruht wolgeſchmecket/ jhre groſſe Leibsſchwachheit/ darinnen ſie von jhrem letzten Kindelbet angeratheẽ/ mit hoͤchſter gedult vñ demut ertragen/ in ſolchem jrem Creutz aber nicht verzaget/ ſondern auff C hriſtum den Oberſten Creutzheren getrawet vnnd gebawet/ vnnd den getrewen Gott biß an jhr ſeliges End von grund jres Hertzens gefuͤrchtet hat/ alſo daß diß abgeleſene Spruͤchlein Syrachs deß hochweiſen Lehrers aller⸗ dings an jhr war worden iſt: Wer den Herꝛn fuͤrchtet/ ꝛe. Nun wuͤndſchen wir zwar hertzlich/ daß jhr G Ott das Leben lenger ge⸗ friſtet hette/ vnnd haben mit vnſerm Herꝛn Hauptman ein Ehriſt⸗ liche Condolentz vnnd mitleiden Aber wir richten nichts auß/ dero⸗ wegen haben wir ein anders vor/ vnnd woͤllen jhr zur letzten Ehren/ vns vnsbbe auch di dieſes klaren den Ch gnadey Burgſ 4 der den Chriffe Perd dem we endlich heyſſete tuffen from vn in ſeinen gelio/ Aſoo wi net Gen Verge ner So⸗ wer denſ ten: Vn dem H gi ſaſſiefär Laligule un iſm thatte. neſ 29. inn da⸗ ſiedem heyſſe⸗ anho⸗ Hern vnnd 1NA bor⸗ geſten ſen/ en li⸗ Gieß Dañ Liend auß⸗ jhre deibet jrem rſten tbiß daß aller⸗ dun r ge⸗ riſt⸗ cro⸗ tenl yns — Erſter Theyl. 205 vns vberblibenen aber/ mit welchen GOtt der He dtot dermal eins auch diviſion vnd theylung halten wirdt/ zum troſt vnd vnderꝛieht/ dieſes Spruͤchlein/ nach gelegenheit der zeit vnnd orts/ kuͤrtzlich er⸗ klaͤren/ vnd darnach beſehen/ was wir darauß zumercken haben wer⸗ den. Chriſtus Jeſus der groſſe Edelman/ woͤlle vns ſein miltreiche gnade verleihen/ ſein wort alſo anzuhoͤren/ daß wir den Adelichen Burgſitz im Himmel zu Lehn empfangen moͤgen/ Amen. Erklaͤrung der Wort. Wer iſt nun der/ welchem es wolgehen in der letzten noht/ vñ der den Segen behalten ſoll ewiglich? Hieher/ hieher/ jhr lieben Chriſten⸗Kinder/ ruffet Syrach/ ich wils fein kurtz vnd rund ſagen: Wer den Hẽ«Rn fuͤrchtet wer den HᷓERRn fuͤrchtet dem wirt es wolgehen in der letzten noht/ vnnd wirdt endlich den Segen behalten. Den He R fuͤrchten aber heyſſet Gott von rechtem reinem hertzen dienen/ jhn ehren vnnd an⸗ ruffen/ an jhn glauben/ vnnd einen heiligen wandel fuͤhren/ zuchtig/ from vnnd gerecht leben in dieſer Welt/ ihn vor Augen haben/ vnd in ſeinem Angeſicht wandeln/ wandeln wuͤrdiglich dem Evan⸗ elio/ wi diglich G OTT) wuͤrdiglich dem Chriſtenberuff. lſo wirdt der Sohn GOTTES die furcht Iſaaes geneẽ⸗ net/ Geneſz1. vnnd Pſalm. 130. ſpricht David alſo: Bey dir iſt Vergebung/ daß man dich fuͤrchte: Das iſt dein eingebor⸗ ner Sohn/ Her:/ iſt vnſer einiger ewiger Mitler vñ Hoherprieſter/ wer denſelbigen erkennet/ d kan dich recht fuͤrchten/ ehren vnd anbe⸗ zen: Vnd in andern Pſalme faſſet ers fein kurtz zuſamen: Dienet dem Herꝛn mit furcht, vñ wolallen die auff jn traws. Fuͤrchten dann die Gottloſen GOTT nicht auch⸗ Traun ſa /ſie fuͤrchten ſich wol mehr vor jhm als die Frommen. Nero vnnd Caligula waren Gottsvergeſſene Buben/ jedoch wann GOTT im himel donnerte/ wuſten ſie ſich in dranean Shasn San c 3 0 205 Gießiſcher Leichpredigten ſo wol in Grichiſcher als Lateiniſcher Sprach/ hat GOTt ſeinen Namen von der furcht/ daher der Poet ſpricht: Primus in orbe Deos fecit timor. Darumb muͤſſen wir hie wiſſen/ daß zweyerley fuͤrcht ſey/ ſeryilis& filialis, ein Knechtiſche vñ Kindliche furcht. Die Knech⸗ tiſche furcht/ iſt ein ſolche furcht/ da ſich der Menſch furchtet wie ein Knecht vor ſeinem Herꝛn/ wann der ſich in etwas vergreiffet/ muß er gewertig ſein/ daß er den Ning an der Thuͤr muß laſſen/ oder daß man jhm mit der Thuͤr vor den hindern ſchlagelod wann man ſich fuͤrchtet/ wie ein Dieb vorm Hencker/ wie ein Tagloͤhner vor dem/ welchemer arbeitet: Der geſtalt fuͤrchten ſich alle gefallene Suͤnder vor GO TT) wie wir ſehen an vnſern Paradeiß Eltern/ Geneſ.3. an Cain/ Gen. 4. vnd vielen andern mehr. Darnach ſo iſt ein Kindliche furcht/ wann die Frommen vnd Glaubigen G OTt durch den Mittler erkennen/ jhn ehren/ lieben/ vnd jhm dienen/ vnd zun Haͤnden gehen wie ein Sohn ſeinem lieben Vatter/ vnnd ſetzet all ſein zuverſicht auff jhn/ trawet vnnd bawet auff jhn in allen vorfallenden noͤhten/ helt jhn vor ſeinen ſchutz vnd ſchatz ſpricht mit David auß dem 3Pfalmen: Ich furchte mich nicht/ vor viel hundert tauſent die ſich vmbher wi⸗ der mich legen. Der HẽR&Riſt mein Liecht/ vor wem ſoll ich mich fuͤrchten/ der HẽRR iſt meines Lebens Krafft/ vor wem ſollmir grauwen? Pſalm. 27. Herꝛ/ wann ich nur dich habe/ ſo frage ich nichts nach Him⸗ mel vnnd Erden/ vnnd wann mir gleich Leib vnnd Seel verſchmachtete/ ſo biſtu doch allzeit meines Her⸗ Bens troſt vnd mein theyl/ Pſalm. 73. Dann dieſe frucht entſpringet auß einem rechtſchaffenen lebendigen Glauben/ der Glaube aber auß dem gehoͤr deß Goͤttlichen Worts/ Rom. vom Hes entſet T einweiſ ccrnoc aller bo cket ſan Bernh Spon die Se durchle ſtraffea ſogarv runt P daß ſie der ſera ſen/ da fallen Tluuaaih Sünèe lheylsa tes gru werden gewiſſe hohen⸗ underſ man Ahnen nen M und ſch t ſeinen norhe itſey Knech⸗ tet wie raffen enoder inman ner vor fallene radeiß en vnd lieben/ lieben balwet tz vnd mich wi⸗ wem bens xn/ jim⸗ und Her⸗ rucht der ts/ om. Erſter Theyl. 207 Rom. 10. Darumb ſpricht Habacue der Prophet in ſeinem Gebet: HER ich habe dein Gericht gehoͤret/ daß ich mich entſetze/ cap. 4. Dieſe furcht wird in dem Menſehen daher erkant/ wañ er als ein weiſer ſorgfellig iſt/ vnd ſich vor Suͤnden hutet weil er noch ſuͤndigen kan/ Wie Syrach lehret/ Cap. 18. Auch die aller boͤſeſte vnd grimmigſte Thier werdẽ von wolluͤſten abgeſchre⸗ cket/ auß furcht der ſtreich vnnd ſtraff/ wie Auguſtinus ſchreibet: Bernhardus fuhret diß gleichniß: Gleich wie ein Pferdt mit zweyẽ Sporen geſtochen wirdt/ daß s deſto ſchneller lauffe: Alſo wirdt die Seeldeß Menſchen geregieret durch lieb vnnd furcht: Dann durch lieb der vergeltniß wirt er zum gutẽ gelocket/ durch furcht der ſtraffe aber/ wirdt er vom boͤſen abgehalten: Vnd ſaget der Poet nit ſogar vnrecht: Oderunt peccare boni virtutis amore, Ode- runt pecoare mali formidine pœnæ: Vnd wiſſen die fromme/ daß ſie vielmehr gutes thun ſollen vmb GO T T es/ eben vmb der ſtraff willen/ vnnd furchten ſich rines theyls/ dieweil ſie wol wi ſ⸗ ſen/ daß ſie offt vnnd manchmal fehlen/ in dem Tage wol ſibenmal fallen/ vnd auch an jhn wahr ſey was der Apoſtel Jacob ſagt/ ⁊onar zlaiotche aaene Ach wir fehlen vnd fallen allzumahl Vnd daß jhre Suͤnde G OTtes Zorn/ zeitlich vnnd ewige ſtraff verdienen: rines theyls aber fuͤrchten ſie ſich nicht: Dann wann ſie denckenun Got⸗ tes grundloſe Barmhertzigkeit/ vnnd ſeine troͤſtliche verheiſſung/ ſo werden ſie von ſolcher furcht erloͤſet/ queit vnnd ſemperfrey vnd ver⸗ gewiſſert/ daß ſie Kinder deß ewigen Lebens ſein. Wanneiner au ff hohen Thurn ſtehet/ vnnd dencket wie vbel er ankaͤme/ wann er her⸗ under ſtuͤrtzete/ ſo gehet es nicht ab er erſchrecket vnnd fehrct zuſa⸗ men: Hergegen aber wann er betrachtet/ daß er mit der Mawer oder Lehnen wol verwahret ſey/ daß er nicht fallen koͤnne ſo faſſet er ſei⸗ nen Muht wider: Alſo wann die Glaubige jhre anklebende Suͤnde vnd ſchwachheit betrachten/ fuͤrchten ſie ſich vor der ſtraff: Wann ſie 77. 208G Gießiſcher Leichpredigten ſie ſich aber mit wahrem Glauben in die Wundẽ Chriſti einſchlieſ⸗ ſen/ vnd auff ſeine groſſe Barmhertzigkeit die/ alle Norgen new iſt/ die von der Welt her geweſen/ die biß an die Wol⸗ cken gehet/ die ſo groß iſt als er ſelber/ die man weder mehren noch wehren kan/ ſich ſtoͤnen vnnd ſteuren/ ſo werden ſie getroſt vnnd richten ſich widerumb auff/ alle furcht gehet von jhnen weg/ daß ſie mit dem Apoſtel auß frewdigem muht vnd Geyſt ſagen: Wer wil die auſſerwehlte Gottes beſchuldigen/ G O ẽt iſt hie der da gerecht macht/ wer wil verdam⸗ men/ Cyriſtus iſt hie der geſtorben iſt/ ja vielmehr der aufferwecket iſt/ Wer will vns ſcheyden von der lie⸗ be GOTTéss Truͤbſal oder angſt? Oder Verfol⸗ gung? Oder Hunger? Oder bloͤſſe: Oder fehrligkeit⸗ Oder Schwerdt? Wie geſchrieben ſtehet: Vmb deinet willen werden wir getoͤdtet den gantzen Tag. Wir ſindt ge⸗ achtet fuͤr Schlachtſchafe/ Aber in dem allen vberwinden wir weit/ vmb deß willen/ der vns gelibet hat. Dann ich bin gewiß/ daß weder Todt noch Leben/ weder En⸗ gel noch Fuͤrſtenthumb/ noch Gewalt/ weder gegen⸗ wertiges noch zukuͤnfftiges/ weder hohes noch tieffes/ noch kein ander Creatur/ mag vns ſcheiden von der liebe G OTTES/ die in oRiſto Feſuiſt vnſerm Herrn. Dieſe furcht G Ottes macht/ daß Gott alle werck der Glau⸗ bigen wolgefallen/ ob ſie gleich vnvollkommen ſeyen. Ein kleines Kind/ bringet ſeinem Vatter die Schuhe/ mit gunſt zu reden: Das gefellet dem Vatter viel beſſer/ als wann der Knecht groſſe Kloͤtzer in in daß Wort Gen. dich au melbuc ruͤhme lein/we Haup woͤllet mir deß cenep. 605 nochhe freyen Suͤnde noch ni Cori dern A Aberdo verhey .vnnd S dannoc failen Wasi biſtut beyde verket beniſt GOtt tſchlig unew Vol⸗ weder werden het von dGeyſt digen/ dam⸗ rder rlie⸗ erfol⸗ gkeite deinet ndt ge⸗ inden Dann En⸗ gen⸗ ffes/ nder ſerm hlau⸗ leines Das löher nn Erſter Theyl. 209 in daß Hauß traͤget. Sara redet nur ein freundtliches ſeubetliches Wort/ daß ſie jhren frommen Abraham einen Her:n heyſſet/ Gen. 18. Horſtu wol Petre/ du groſſer Chriſt⸗Cantzler/ flugs mach dich auff/ vnnd ſchreib mir das in mein Bibel vnnd ewiges Him⸗ melbuch/ ſpricht der HE ꝛ vnſer G. OTt/ das muß alles groß ge⸗ ruͤhmet vñ koͤſtlich ding ſein/ k. Pet. z. Das arme guthertzige Weib⸗ lein/ wer es auch geweſen/ geuſſet ein wenig Nardenwaſſer auff das Haupt Chriſti/ Matth. 26. Johan. 12. Jaja ſagt der Her:ꝛ Jeſus/ woͤllet jhr Evangeliſten das Evangelium beſchreiben/ ſo vergeſſet mir deß frewleins nicht: Kuͤrtzlich davon zuredẽ/ Bona opera pla- cent propter perſonam reconciliatam, Vuſer werck gefallen GOTt wol vmb vnſers Bruders Chriſti willen/ vnnd ob ſie ſchon noch hoͤckicht vnnd krum ſein/ ſo tretten wir doch darmit vnter den freyen außgebreyteten Himmel/ darunter regiret Vergebung der Suͤnden/ vnnd wann der Teuffel ſchon Fewer ſpeyete/ ſo muß dan⸗ noch nichts verdamlichs ſein/ an denen die da ſein in Coriſto Isſu/ Rom. 8. Das ſehen wir an den beyden Bruͤ⸗ dern Abel vnnd Cain/ einer Opfferte ſo wol als der ander/ Geneſ. 4. Aber daran ligt es: Abtl iſt lieber Sohn durch den glauben an den verheyſſenen Heyland/ Hebr. ir. Das ſehen wir an den Phariſeern vnnd Schrifftgelehrten zu Jeruſalem/ die Opfferten auch/ noch dannoch ſpricht Chriſtus zu jhnen/ Matth.9. Ich habe wolge⸗ fallen an Barmhertzigkeit vnnd nicht am Oſſper: Was iſt die Vrſach? Im is. Pſalmen ſtehet: Bey den Heiligẽ biſtu heilig/ vnnd bey den frommen biſtu from/ vnnd bey den reinen biſtu rein/ vnd bey den verkehrten biſtu verkehret: Vnd Rom. 4. Was nicht auß dem Glau⸗ ben iſt/ das iſt Suͤnde. Wann dann nun die Perſon bey GOttrechtſchaffen iſt durch den Glauben/ ſo laͤſt erihm GOTt Od alle — —=—8bſͤſͤſͤſͤſͤſͤ . le Gießiſcher Leichpredigten alle jhre Werck/ alle ihre Arbeyt/ Eſſen/ Schlaffen/ wolgefallen. Dieſe furcht G Ottes hat in G Ottes Wort herꝛliche vnnd ſtatliche Verheyſſung/ vnnd nicht allein dieſes/ ſondern auch deß zukuͤnfftigen Lebens/). Timoth. 4. ſie iſtnutz zu allen dingen/ nit allein im Leben/ ſondern auch mitten in dem Todt/ vnd in der lezten Noth: Wer den HẽRRRfurchtet/ dem wirdt es wolgehen in der letzten Noth/ vnnd wirdt den Se⸗ gen behalten ewiglichs; es wirdt nicht allein ſeinen hinderlaſſe⸗ nen Kindlein wolgehen/ alle ſeine verlaſſenſchafft wirdt jhm nicht allein geſegnet ſein vnnd bleiben/ ſondern Gott der E ou will auch mteht alles! ſtehet 4 weißhe wolzuſ chenge tes gera giengſt offd ſein Lohn vnnd Kron ſein ins Himmelsthron. So viel kuͤrtzlich von deß Texts Meynung vnd Erklaͤrung. Lehr/ Troſt vnnd Erꝛinnerung. In lernen darauß Erſilich/ wie man ſich verhalten ſolle/ wann man ſeliglich von dieſer Welt abſcheyden vnd loß trucken will/ oder welches ſey die ars bene moriendi, die kunſt einen froͤlichen Feyerabend zumachen auß dieſem ſchnoͤden boͤſen leben. Die lehret vns Syrach in vnſerm abgeleſenen Spruͤch⸗ lein: Wer den Hermn fuͤrchtet dem wirdt es wolgehen in der letzten Noht. Der Keyſer Auguſtus wuͤndſchet jhm zum offtermals die Euthanaſian/ das iſt/ daß er wol ſterben moͤge: Aber es ware keine ware G OTtes furcht bey jhm/ darumb hatte er die ſterbekunſt nit recht geſtudiret. Die lernet ſich nit auß der Natur/ es offenbaret ſie nit vnſer verderbtes Fleyſch vñ Blut/ dañ ſonſtẽ wuͤrde Moſes ver⸗ gebens gebeten habe: Aber Her: lehr vns bedenckẽ daß wir ſterben muͤſſen/ auff das wir klug werden/ Pſ.oo. Das Geſetz Gottes lehret die kunſt auch nit/ ſondern ſareterunaan. mehr moriot ſterb ve phyrius der Be weilern Rnodi geſtorbe kunſthe mas P Seelen nehmen ten eine. rowile lib deſſ concili luvie di mnich zu dieſer vr Handv GOtte tkung d gefallen. he vnnd nauch zuallen dt/ vnd wirdt nSe⸗ derlaſſe⸗ imnicht alllauch lich von enſͤlle vnd loß ndi die hnoͤden Fpruͤch⸗ gehen als die re keine unſtnit hartt ſi ſes ver⸗ iß wir 3.Das vns vit mehr Erſter Theyl 2M mehr mit dem Todt/ Deuter. 27. Verflucht ſey der nicht alles thut was in dem Buch deß Geſetzes geſchrieben ſtehet. Viel weniger iſt ſie zu finden bey der Philoſophi vnnd Welt weißheit. Socrates vnnd Plato ſprechen die weißheit ſey die kunſt wol zuſterben: Aber wann ſie ſolche jhre kunſtpraetitiren vnd brau⸗ chen gewoͤllet/ ſo hat ſie gar den ſtich nicht gehalten. Dann Socra⸗ tes geraͤht in Verzweiffelung/ vnnd toͤdtet ſich ſelbſtẽ mit Gifft. Es gieng jhm aber faſt wie jenem Suppen vnnd Schmobtzenfreſſer zu Hoff/ der ſo jaͤmmerlich wimmerte: Hæreo dum morior, dum morior perco, Ich ſterb/ weiß nicht wo auß noch ein/ In dem ich ſterb/ verderb in Pein. Plato ſoll von den Leuſen gefreſſen ſein Por⸗ phyrius ſtuͤrtzete ſich ins Fewer/ weil er nit erforſchẽ konte/ warumb der Berg Aetna Fewer außwuͤrffe. Ariſtoteles ſprange ins Meer/ weil er nicht wiſſen koͤnte warumb es ab vnd zu fluͤſſe/ wie Cælius Rhodigmus ſchreibet: Die ſo darvor halten er ſey anff dem Bett geſtorben/ melden daß jhn ſeine Diſeipel das diſce mori oder ſterb⸗ kunſt haben lehren woͤllen vnnd zu jhm geſagt: Qui ſuſcipit ani- mas Philoſophorum, ſuſcipiet etiam tuam animam: der die Seelen der Philoſophen auff nimpt/ wirdt deine Scelauch auff⸗ nehmen. Die verblendete Leut zu Athen baweten dem Todt zuEh⸗ ren eine Kirch/ gerad als wan daß das rechte Kunſt ſtuͤck were. Cice⸗ ro wil ein groſſer Helt ſein/ vnd hat luſten zuſterben/ wie er ſchreibet lib.de ſenectut. O præclarum diem, cum ad illud animorum concilium cœtumq́ proficiſcar,& cum ex hac turba& col- luvie diſcedam. das iſt/ O deß herꝛlichen gewuͤndſchtẽ tages/ dar⸗ an ich zu der Verſamlung vnd Menge der Seelen ziehen/ vnd auß dieſer vnruhe vñ Sundenſchlam wandern werde. Aber ehe man ein Hand vmbwendet/ endert ſichs mit jm: Vrſach/ es war keine rechte G Ottes furcht/ kein glaub/ kein beſtendige Hoffnung/ keine Wir⸗ ckung deß H. Geyſtes bey jm/ dañ er rid ferꝛner: Quod ſihoc d 2 erro /. 222 Gießiſcher Leichpredigten erro quod hominum animas immortales eſſe credo, liben- ter erro, non mihi hunc errorem, quo delector, dum vivo ex- torqueri volo. Wann ich rꝛe daß ich glaube die Seele ſeyen vn⸗ ſterblich/ ſo jrꝛe ich gern/ vnnd will mir dieſen jrꝛthumb damit ich mich beluſtige/ behalten vnnd nicht nemen laſſen/ ſo lang ich lebe. Thomas Aquinàs hatte lange troſt vnnd hertzlabung bey Ariſto⸗ tele vnnd Platone zuſamen geſucht/ als jhn aber GOTt auff das Angſilager warffe/ wolte nichts verfangen: Endlich erwiſchet er in der todtes angſt die Bibel/ drucket ſie an ſeine Bruſt vnnd ſprach: Ego credo omnia, quæ in hoc libro ſunt ſcripta, Ich glaube alles was in dieſem Buch geſchriebẽ ſtehet Aber er thaͤt einen groſ⸗ ſen fehlſchuß. Rolandus Caroli Magni nepos von ſeiner Schweſter Bertha/ als er in dem Krieg die Welt geſegnen vnd ſei⸗ nen Freunden das longum vale, die hundert tauſent guter Nacht geben ſolte/ hatte die ſterbekunſt weit beſſer geſtudiret: Dann er er⸗ griff ſeine beyde Bruͤſte vnd ſprach: In hac carne mea, videbo Deum meum, in dieſem meinem Fleyſch/ wil ich meinen getrewẽ Gott ſehen. Die Papiſten woͤlllen die ſterbe kunſt recht vnnd allein wiſſen als ſehet alle her/ wann einer in der letzten Noht ligt/ ſo weiſen ſie jhn nicht auff die ware G Ottes furcht/ ſondern Balſimiren jhn an ſeinen Gliedmaſſen mit geweihetem Del/ brauchen darbey das Sprichwort: Wer wol ſchmiret der feret. Nun iſt es war ſie fahrẽ/ aber nicht vber ſich wie Elias der Wunderprophet/ ſondern vnter ſich/ wie Coreh/ Dathan vnnd Abiron. Vber das ſo wei ſen ſie die arme Leut zu den abgeſtorbenen Heiligen. Sebaſtianus vnnd Nochus ſoll die Peſt vertreiben/ Petronella das Fieber/ Johanes der Evangeliſt das Gifft/ Apollonia das Zahnwehe/ Olilia das Au⸗ genwehe. Aber ſtrack zu iſt der nechſte weg/ ſagt jener from̃e Fuͤrſt⸗ luche Raht zu Hertzog Georgen in Sachſen/ als er von den Muͤn⸗ chen jetzt zu dieſem balt zu jenem Calender Heiligen gewieſen ward. GOTTwill gefuͤrchtet ſein/ der HE Ro Chriſtus will angeruf⸗ fen ſein/ der wil mit wahrem glaube ergrieffen ſein. Der iſt allein der letten glaubi getruch Hoff klagen Nome tezum meyſte erwide daßer umb g Hen oder paratu Heſſus ufffa Gotti forgen „liben. dyoex. eyen vn⸗ unitich ich lebe. Ariſio⸗ zuff das heter in ſprach: iglaube n groſ⸗ feiner nd ſei⸗ Nacht increr⸗ idebo gettewwe allein weiſen renſhn ey das faht vnter ſie die vnnd Erſter Theyl. 295 der Weg/ die Warheit/ vnd das Leben/ Johan. 14. Wer ſein Wort helt der wirdt den Todt nicht ſchme⸗ cken ewiglich/ Johan. 8. Vnndob er ſchon hie zeitlich ſtirbt/ mit nichten er drumd gar verdirbt/ ſondern er wil mit ſtarcker Hand jhn reiſſen auß deß todtes Bandt/ da ſoll er dann mit jhm zu gleich/ in frewden leben ewiglich. II. Solles dem der den Herꝛn furchtet ſo wol gehen in der letzten Noth/ O wie wirt es dann hergegen den Gottloſen vnnd vn⸗ glaubigen darinnen gar vbel gehen Wann ſie auff das Todtbett getrucket werden/ ſo zittern vnnd beben ſie/ weil ſie jhr Hauß vnnd Hoff/ Gelt vnnd Gut/ Weib vnnd Kind dahinden laſſen muͤſſen/ klagen vnnd ſagen: O Todt wie bitter biſtu/ Syrach 41. Der Edle Roͤmer Cajus Marius/ war ein Mann von 70. Jahren/ vnnd hat⸗ te zum ſibendẽ mal den Conſulatum vnd das Koͤnmgliche Burge⸗ meyſter Ampt verwaltet/ gleichwol aber da er ſterben ſolte/ murrete er wider ſein Fortunam/ vnnd Abgott/ vnnd beſchweret ſich hefftig daß er ſterbẽ ſolt ehe er ſein anſchlag ins werck gerichtet hatte. Dar⸗ umb gieng es jhm nicht wolin der letzten Noht. Aber die den Herrn fuͤrchten die ſchen auff Gott wie die Augen der Knecht oder Maͤgd auff die Haͤndejhrer He oꝛꝛn vnnd Frawen/ ſingen jhr Paratus ſum, ich bin bereyt/ ich bin bereyt/ ſprechen wie Eobanus Heſſus auff dem Todtbett: Aſcendam ad Deũ meũ, ich will hin⸗ auff fahren zu meinem GOTt. Wiſſen gewiß/ daß der getrewe Gott jhre hinderlaſſene Wichtichin/ Weib vnd Kindlein/ wol ver⸗ ſorgen werde/ erinnern ſich/ daß er iſt vnnd heyßt ein Vatter der Witwen vnnd Waiſen: Darumb klinget jhn G Ott das Todten⸗ gloͤcklein/ ſo ſingen ſie mit frewden ein Alleluja darauff/ ſagen mit demalten Simeone: HẽR nun leſſeſtu deinen Diener im friede fahren: Oder mit Paulo: Ich begehre auffgeloͤ⸗ ſet zu ſein/ Phil.ꝛ. Wann mein Golt wil /ſo wil ich mit hinfah⸗ d 3 ren M₰As. 274 Gießiſcher Leichpredigten ren im fried/ ſterben iſt mein gewin vnnd ſchad mir nit/ vnd darumb gehet es jnen wolin der letzten Noht. Wann der Gottloſe der den H Ern nicht fuͤrchtet auff dem Todbett lieget /iſt er vngedultig/ wirfft vñ ſchmeiſt/ flucht vnd ſchwert/ ſchlaudert Gott den Bettelſack wol gar voꝛ die Thuͤr vnnd gehet jhm vbel in der letzten Noht. Aber die den HéẽRRRfuͤrchten/ die Intoniren deß frommen Hiobs frew⸗ denliedlein/ Cay. 1. Haben wir gutes empfangen von der Hand deß HERR/ vnnd ſolten das boͤſe auch nicht annemen? Davids Cantorey klinget vor ihren Ohren: Obes wert biß in die Nacht/ vnnd wider an den Morgen/ doch ſollmein Hertz an GOTTes INacht verzweif⸗ feln nicht noch ſorgen/ Pſalm./z0. Pauli Troſtſpruͤchlem leuchtet jhnenins Hertz/ G O t iſt getreuw der vns nicht lͤſt verſucht werden vber vnſer vermoͤgen/. Corinth. 10. Denen die GOTlieben muß alles zum beſten dienẽ/ Rom. 8. Darumb gehet es jnen wolin der Letzten Noht. Wann der Gottloſe zu dem Tod krancket/ hencket er nur an den Menſchlichen Mitteln/ ſuchet auch wol raht bey Chriſtal⸗ ſehern/ Zauberern/ Segenſprechern/ ja bey dem Teuffel ſelbſien/ helt ſich nach dem verß der Poeten: Flectere ſi nequeo ſuperos Acheronta movebo, Wann GO T T nicht helffen wil/ ſo helff der Teuffel: Vnnd gehet jhm nicht wol in der letzten Noht. Aber der den HERRRfurchtet/ der bleibet bey ſeinẽ lieben GOTT. Dann er hat auß ſeinem Wort ſtudiret/ daß er ſey der rechte Magiſter ad ſalvandum der rechte Meyſter zu helf⸗ fen/ der bewehrte Himmliſche Artzt/ vnnd daß ſein Hand nicht ver⸗ kurtzet ſey/ ſondern alles endern koͤnne/ daß ſie ub en zas ein er nut Erſter Theyl. 25 fein ziel wie groß auch ſey der ſchaden/ darumb ſpricht er mit dem armen Auſſetzigen/ Matth 8. HERr ſo du wilt kanſtu mich wol reinigen/ Ach. Herꝛ hilff mir/ es iſt dir ja nur vmb ein Wort zuthun/ ſprich nur ein Wort/ ſo werde ich geſund/ doch nicht mein/ ſondern dein hochheiliger gnediger will geſchehe: Vnter deſſen will ich deinen Zorn gern tragen. Dann ich habe dir geſuͤndiget. Dar⸗ umbgehet es jhm wol in der letzten Noht. Wann man dem Gottloſen von ſterben ſchwetzet/ wiler nicht hoͤren/ ſagt es ſey noch nicht Matthæi ultimo, antwortet mit Koͤ⸗ nig Xerxe:Miſſa hæc faciamus, neq; triſtium rerum mentio- nem faciamus cum jucunda in manibus habeamus. Auß mit den trawrigen ſibenſachen/ wir woͤllen von etwas luſtiges ſprach halten/ es thut noch nit von noͤhten daß der Prieſter mit dem Sa⸗ crament komme. Dann er furchtet den HE RRR nicht. Es iſt aber nur vmb ein vmbſehen zuthun/ ſo beginnet er ſeine vier zu ſtrecken/ vnnd gehet jhm nicht wol in der letzten Noht. Aber der den HẽRRXAfurcht ſpricht: Ro in potentiis Domini, Pſ. 112. Zeit vnnd Stund ſind vngleich/ ich will nicht thun wie die thoͤ⸗ richte Jungfrawe die die Gnadenzeit verſeumeten/ Mat. 25. Dar⸗ umbgehet es jm wol in der letzten Noht. Wann der ſoden HERRRnitfuͤrchtet/ ſterben ſoll/ O ſo iſt er gar Wehrloß. Der Teuffelſtreichet mit ſeinẽ Henckers⸗ ſchwert auff jhn zu/ ſo mangelt jhm das bewehrte Fechtſchwert deß Worts GO Ttes: Der bleyche Todt ſcheuſſet ſeinen Pfeil nach ihm/ da mangelts jhm am wolgeftederten Pfeil deß lieben Gebets. perꝛet die Hell den Rachen nach jhm auff/ vnnd fordert jhn als ſein eygen/ Ach da mangelts jhm am ſchildt deß Glaubens/ troͤſtet ſich nicht deſſen/ daß der Herꝛ Ehriſtus zur Hellen gefahren/ vnnd ſie verſtoͤret habe/ vnd gehet jhm darnach vbel in der letzten Noht. Deraber den gewaltigen HERR Zebaoth fürch⸗ e 216 Gießiſcher Leichpredigten fuͤrchtet/ der trit getroſt auff den Plan/ hat ſeine Geyſiliche Wehr vnnd Waffen in guter Polirung/ machet ſein auffhebens vnnd ſpricht: Wo iſt der Todt/ wo iſt der Teuffel/ vnd alle Teuffels Eyd⸗ genoſſenſchafft: Hie bin ich/ zwar vor mich ſelbſten ein armer ſchwacher Menſch/ aber in Chriſto der mich ſtercket/ ein groſſer Held/ darumb Hell/ ſoltu nicht ſiegen/ das ſoll vnnd muß ſein. Dar⸗ umb Todt ſoltu nicht wuͤrgen/ das ſoll vnnd muß ſein. Darumb Teuffel/ ſoltu nicht verſchlingen/ das ſoll vnnd muß ſein. Ver⸗ ſchlingſtu mich aber/ wie du nit thun kanſt/ ſo ſoltu das wiſſen/ daß dir ein groſſer Knochen ſoll vberzwerch in den Hals kom̃en daß du daran erwuͤrgen ſolt. Vrſach/ ich furchte den HE RR/ Vrſach/ ich bin ein Geyſtlicher Ritter/ Vrſach/ ich bin in deß H. Apoſtels auli ruͤſtkammer geweſt/ Epheſ. 6. Ich habe mich jederzeit nach der Regel gehalten: Sit gladius verbum, ſit firmum oratio te- lum, Sitq́; fides clypeus, cætera Chriſtus aget. In Summa/ es muß mir wolgehen in meiner letzten Noht. III. Dieſes alles nun/ Geliebte in. Herꝛn ſoll vns zum drit⸗ ten darzu diene/ daß wir bey Leib vnd Lebẽ ſo toll vñ tollkuͤhn nit ſeyn ſollen/ daß wir die freundholde Ladung Koͤnigs Davids/ Pſal.4. Kompt her jhr Kinder hoͤret mir zu/ ich will euch die furcht deß HẽRRn lehren/ auß der acht laſſen ſollen/ vnd ge⸗ dencken/ wir woͤllen deß lebens gebrauchen/ dieweil wir es haben/ die Mayen Blumen ja nicht verſeuhmen/ Sap.z. Sondern wan wir kranck werden/ wann der Todt die Hirnſchaͤdel vns eintrucken woͤlle/ dann ſey es noch zeit gnug daß wir Gott die⸗ nen/ vñ den Herꝛn fuͤrchtẽ. Ach Neyn/ Neyn/ es heyßt eine Noht ei⸗ neletzte Noht/ ein ſolche Noht/ darin vergeht all vnſer geſicht/ vnnd vnſer Ohren hoͤren nit/ daß vnſer Zunge nit mehr ſpricht/ vnnd vns vor angſt das Hertz zerbricht/ vnſer verſtand ſich nicht beſint/ all Menſchlich hilff zugleich zerꝛint. Vnſer argſter abgeſagter Feind der Teuffel iſt dan allererſt geſchefftig/ ſeine verliepte P feil ſc 1— et ſacn benvo⸗ vnd wi dem E me. D inſich ſchlch me ha theyla in Me eur To Bett einand ein gto te. D etzele fangol den ziehen 2* in lettẽ nachde ſtand Herꝛn fneden Der A 682 hoͤreſ wahr w ſerla,d alteq. 6 Wah no vnnd leEyd⸗ narmer groſſer n. Dar⸗ darumb .Wer⸗ en daß daß du Vrſach/ lpoſtels eit nach atlote- umma/ im drit⸗ nit ſeyn ſalz4. ich die ond ge⸗ haben, dap.. ſchaͤdel ott dit⸗ loht ei⸗ vnnd indvns nt all Fend chleuſ⸗ ſet — Erſter Theyl. 217 ſet er nicht allein kraͤfftig vnnd maͤchtig/ ſondern der Ehrliche Ra⸗ benvogel/ ſtellet ſich wol mit angenommener Leiblicher geſtalt ein/ vnd wil mit gunſt zumelden/ ſeinen hindern gar an vns armen Kin⸗ dern Eve wiſchẽ/ damit er die Seele in ſein Drachenmaul bekom⸗ me. Dem H. Bernhardo kompt der boͤſe Volant vor ſein Todtbett in ſichtlicher geſtalt. Aber er bekam von dem frommen Vatter eine ſchlechte antwort: Quid hic ſtas horrenda beſtia nihiljuris in me habes. Was ſieheſtu hie du greßlich Thier/ du haſt kein part vñ theylan mir. Selneccerus gedencket eines Bergmans zu Freyberg in Meiſſen/ als derſelbige in ſeiner letzten Noht age/ kompt Monſi⸗ eur Teuffel ſichtiglich zu jhm hienein/ ſetzet ſich gutherꝛiſch beis Bett/ wolte kurtzumb haben er ſolle jhm ſeine bewuſte Suͤnde nach⸗ einander erzehlen/ dann darumb were er kommen/ daß er dieſelbem ein groß Regiſter/ welches der Boßwicht bey ſich hatte/ verzeichne⸗ te. Der gute alte Mann antwortet jhm in ſchrecken/ wolan ich wil erzehlen ſo viel ich weyß/ Doch/ ſagt er/ ſchreib zum erſten von an⸗ fang obenan: Deß Weibes Samen ſoll der Schlangen den Kopff zertretten/ Geneſ. 3. Darauffmuß erab⸗ ziehen. Hie ſihet man zweyerley/ Erſilich daß der Teuffel bey denen ſo in letzte zůͦgen liegẽ/ ſich als ein Gernegaſt vngebeten einſtelle. Dar⸗ nach daß die ſo den Herꝛnfuͤrchten jm durch Chriſti ſtaͤrck wider⸗ ſtand thun. Hoͤre aber lieber hoͤre/ du gottloſer Erdhane/ der du den Herꝛn nit fuͤrchteſt/ wie wirt es dir ergehen? O gedenck was zu deinẽ frieden dienete Schiebe ja deine Buß nicht auff biß daß man ſaget: Der Menſch thut einen harten laͤger: Sondern heut/ heut gebe GOTT die Ehr /vnnd furchteſhn/ heute ſo du ſeine ſtim hoͤreſt verſtock dein Hertz nicht/ Pſalm. 95. Esiſtwol wahr wie man ſaget/ Pœnitentia ſera, nunquam eſt ſera, ſi ſit ſeria, die Buß iſt nimmer zu langſam/ wann ſie ernſtlich iſt. Der alte Ambroſius ſaget aber fein darauff; Sed kars pœnitentia ſe. Ee ra X l. 2)8 Gießiſcher Leichpredigten ra eſt vera, langſam iſt eine geſparte vnnd auff die langebanck ge⸗ ſchobene Buß rechtſchaffen. Vnnd Auguſtinus macht eine weit außſehende Regel: Legi& perlegi totam Scripturam S.& non inveni ſalvatum in fine, niſi ſolum latronem, Ich habe die H. Schrifft heruͤber vnd hinnuͤber durchleſen/ vnd habe keinen Gott⸗ loſen gefunden der an ſeinem Endt ſey ſelig worden/ ohn allein den Schaͤcher am Creutz. Derowegen gehe du taͤglich in der furcht ein⸗ her/ uͤſte dich zum Sterbſtuͤndlein/ lebe jmmerdar alſo daß du dich nicht ſcheweſt zuſterben/ ſeufftze jederzeit mit Bernhardo: In tre⸗ mẽéda mortis hora, veni Jheſu abſq; mora, cũ me jubes emi- grare Iheſu chare tunc appare, das iſt/ Wann mein Stuͤndlein vorhanden iſt/ vnd ſoll hinfahren mein Straſſen: So gleit du mich Herꝛ Jeſu Chriſt/ mit huͤlff mich nit verlaſſe/ meine Seel an mei⸗ nem letzten End/ befehlich He di in deine Haͤnd/ du wirſi ſie wol bewahren. I V. Wir woͤllen noch ein Lehr mercken auß vnſerm Spruͤch⸗ lein. Was iſt die vrſach/ daß es den Maͤrtyrern vnd trewen Blut⸗ zeugen GOTTes in jhrem letzten End ſo wol gangen iſt/ daß ſie ſo manhafft/ frewdig/ vn mehrmals lachend den Grißgram⸗ menden Todt erlitten haben⸗ Ihr ſiben Iſraelitiſche Bruͤder/ warumb goß der alte vund grundgute Gott ſeinen Gnadengeyſt vber euch ſo reichlich auß/ nit nur mit Loͤffeln/ ſondern mit groſſen Schoͤffelne Ihr fuͤrchtet Gott den Herꝛn/ vnnd hedachtet/ daß nach ewerem Elend were bereyt ein Leben in Ewigkeit. Wie kamſtu darzu/ du in Gottgelehrter Chryſoſtome/ daß du in den Augen der gantzen Welt ſageſt/ Mors eſt bona, melior, optima, der Todtiiſt gut/ iſt beſſer/ iſt allerbeſt. Dufuͤrchteſt Gott/ vnnd bedachteſt dich recht/ erwere bona pro- pter requiem, wegen der ewigen ruhe/ melior, wegen der Ernewe⸗ rung /trefflich gut/ wegen deß ewigen Guts vnnd ſicherheit/ da kein vngluͤck. ſtifftender Teuffel hinkomĩen kan. Wie war dir C ypriane/ du Doctor ſuaviſſime& beatiſſime, wje dich dein fromier Sohn 2 Augt wardt Amen daßna magd ftomn wortet Noht cralle ſein be vndgl keit D deß N ſchmar Occic ſtumie feſtigle Summ bleibe mach Nom beydd Def devnn mach ewwigl henin genbe het anck ge⸗ eineweit Rnon edie.). nGott⸗ ltein den rcht ein⸗ dudich In tre- eemi. uͤndlein du mich an mei⸗ ſie wol zpruͤch⸗ Blut⸗ hen iſt ggram⸗ te vnnd uß nit tGott reytein llehrter Mors lerbeſt. a pro- rnewe⸗ dakein riant/ Sohn Au⸗ Erſter Theyl. 219 Auguſtinus nennet/ daß du ſageſt als dein Bluturtheyl verleſen wardt/(Cyprianus ſoll mit dem Schwert gerichtet werden:) Amen⸗ Du furchteſt deinen vnnd meinen GOTt/ vnnd wuſteſts/ daß nach deinem Elend dir were bereyt ein Leben in Ewigkeit. Was mag doch/ Meine in GO Ttgeliebte/ vervrſachet haben/ daß der fromme Baſilius/ als er mit dem bittern Todt betrawet wardant⸗ wortete:mors mihi beneficii loco erit,&c. Der Todt hat kein Noht/ der Todt iſt kein Todt/ mir iſt er ein lieber Gaſt/ mir wirdt er alle liebe vnnd freundſchafft erzeygen/ weil wir ſo lange zeit nicht ſein beynander geweſen? Er furchtet den Barmhertzigen HE Rdin/ vnd glaubet daß nach dieſem leid jm were bereyt ein Leben in Ewig⸗ keit. Deß 82. Jaͤhrigen Polycarpi jammerte jederman/ doch als er deß Nachrichters Beut ſein ſolte/ vnnd jhm angedeutet war/ wie er ſchmertzliches Todtes verbliechen ſolte/ ſagte das fromme Hertz/ Occideris me, beaveris me, Wann du mich wirſt toͤdten/ bring⸗ ſtu mich außallen Noͤhtene Er furchtet den Herꝛn/ vnnd glaubet feſtiglich/ daß nach dieſem leyd jm were bereyt ein Leben in ewigkeit. Summa ſummarum: Die furcht deß Herꝛn iſt reyn/ vnd bleibet in Ewigkeit/ Pſalm.)9. Die furcht deß Herm machet/ daß wir ſchreien/ Abba Hertzlieber Vatter/ Rom. 8. Die furcht deß Hérꝛn hat die Verheyſſung beyd dieſes vnnd deß andern Lebens/ h. Timoth. 4. Die furcht deß HẽRRRiſt Ehre vnnd Ruhm/ frew⸗ de vnnd eine ſchoͤne Krone. Die furcht deß HERR macht das Hertz froͤlich/ vnnd gibt frewde vnd wonne ewiglich. Ver den Herm furchtet/ dem wird es wolge⸗ hen in der letzten Noht/ vnnd wirdt endtlich den Se⸗ gen behalten. G O T T lieben/ das iſt die allerſchoͤneſte weiß⸗ heit. Vñ wer ſie erſihet/ welche groſſe wunder ſie thut. Die furcht Ee 2 deß 220 Gieeßiſcher Leichpredigten deß HẽRRN iſt der weißheyt anfang/ Vnnd iſt im her⸗ tengrund allein bey den glaubigen/ vnd wohnet allein bey den auß⸗ erwehlten Weibern/ Vnd man findet ſieallein bey den gerechten/ vnnd glaubigen. Diefurcht deß He R iſt der rechte Gottes⸗ dienſt/ Der behuͤt vnnd macht das hertze from/ vnd gibt frewde vnd wonne. Wer den HE*R furchtet/ dem wirdt es wolgehen/ vnnd wanner troſtes bedarff/ wirt er geſegnet ſeyn. So kompt nun her jhr Kinder(vnd Pfarꝛkinder) hoͤret mir zu/ ich wil euch die furcht deß HERRRlchren/ Dann die den HéẽR&R ARfurchten haben keinen mangel/ Pſalm.34. Ver iſt jemals verlaſſen/ der in der furcht deß Herꝛn blieben iſt/ Syrach. 2.— V. Iſt noch eine Lehr vorhanden/ daß die Churkinder G O Ttes die jhn fuͤrchten finaliter oder Cndlich/ auß der gnaden G DOttes nicht fallen koͤnnen: Dann Syrach fein Teutſch ſpricht: Vnd wirdt endlich den Segen behalten. Vnnd zum VI. Daß esalles erdichtet ſey was die Papiſten von dem Fegfewer plappern/ daß die verſtorbene noch jre noht nach dem todt haben vnnd außſtehen muſſen. Dann Syrach heyſſet das abſcheyden auß dieſem Jammerthal die lette Noht: Aber von die⸗ ſem Lehrſtuͤck handeln wir ſonſten in vnſern ordentlichen Predigten. O getrewer G OTtſerleuchte vns armen Men ſchen/ daß wir dich von grund vnſers Hertzens fuͤrchten/ daß es auch vns wolgehe in der letzten Noht/ vnd wir deinen Segen behalten ewiglich/ Amen/ Herꝛ Jeſu/ AMNEN. PERSONAIL.L IA. N Is der fromme G Ott mit vnſerm lieben Herꝛn Haupt⸗ — man vnnd ſeinem trewen Hertzen diviſion vnd theylung — gehalten/ haben wir balt im anfang vnnd eingang ange⸗ mel⸗ im her⸗ den auß⸗ rechten/ Gottes⸗ wde vnd en/ vnnd ot nun ich wil dieden im.34. Herm rkinder gnaden pricht: qpiſten ht nach ſſet das on die⸗ digten. wirdich gehein Amen/ — jdaupt⸗ vlung ange⸗ mel⸗ Erſter Theyl. 2²¹ meldet. Weil nun ein Ehrlicher Nam koͤſtlicher iſt als Golt vnnd Silber/ Syrach. 3). Vnnd das gedaͤcht⸗ niß deß Gerechten im ſegen bleibet/ Prov. o. Daß ſeiner nimmermehr kan oder ſoll vergeſſen werden/ Pfalm. hꝛ. alldieweil ſein Nam in den Himmel ge⸗ ſchrieben iſt/ Luc. jo. in das Buch deß Lebens/ Apot. . als kan ich vermoͤg tragendes ampts nit vnterlaſſen/ vnſer lieben Edlen Hauptfrawen/ vñ Gottſeligen/ den Herꝛn furchtendẽ Mit⸗ ſchweſter/ in allen Ehren zugedencken. Dieſelbige/ Geliebte in CoRiſto dem HeRRR/ iſt in dieſe Welt geboren worden/ im Jahr nach Chriſti vnſers ſelig⸗ machers geburt 1 1. von vornehmen Adelichen/ Chriſtlichen Sottsfuͤrchtigen Eltern. Ihr Vatter ſelig/ iſtgeweſen Weyland der Edle/ Geſtrenge vnd Veſte Juncker/ Hans Caſpar von Rolß⸗ hauſen/ ein Manhaffter dapperer Kriegsmañ/ der auch im Kriegs⸗ weſen vnderſchiedene vorneme befelch bedienet. Ihr Altvatter ſeliger hat geheyſſen Fritz von Rolßhauſen/ welcher Hoff/ Mar⸗ ſchalck geweſen iſt zu Caſſel/ auch ein vornemer Obriſter in Franck⸗ reich/ darin man noch auff dieſe zeit von ſeinen Ritterlichen thaten zu ſagẽ weiß/ der hat auch ſeine Kindern ſehr wol vñ trewlich vorge⸗ ſtanden. Die Fraw Mutter5iſt geweſen/ weyland die auch Edle vnd Viel⸗Tugentſame Fraw Anna Catharina/ geborne von Nordeck zu der Rabenaw/ welche aber allzuzeitlich/ da dieſe jhre Tochter nur drey Jahr vnnd 16. Wochen alt geweſen/ abgeſtorben/ nemlich im 24. Jahr jhres alters. Dieſe Chriſliche vnd vornehme Adeliche Eltern haben offt⸗ erwehnte vnſer Adeliche Mitſchweſter GOTT dem He gunals ſeine Gabe balt in der H. Tauffe vorgetragen/ darinnen ſie den He*n Chriſtumangezogen/ vnnd mit jhm in ſeinen Todt be⸗ graben iſt/ Hernacher iſt ſie in allen Adelichen tugenden mit allem Ee 3 fleiß 2r Gießiſcher Leichpredigten fleiß auffer zogen worden/ allermeiſt aber in der wahren Gottts⸗ lichge furcht/ biß ſo lang ſie ſich durch ſonderbare ſchickung Gottes Ehe⸗ giſch lichen verheyrat mit vnſerm Herꝛn Hauptman/ welches geſchehen im Jahr 6 05. den 20. Octobris. heitje Was ſie mit demſelbigen vor ein Gottſeliges/ Ehrliches/ 60 friedliches/ keuſches vnnd Chriſtliches Leben gefuͤhret/ iſ den Herꝛn dashe Predigern zu Darmbſtat/ da der Herꝛ Hauptman das Hoffmar⸗ geſet ſchalck Ampt ein gute zeit ruͤhmlich verwaltet/ vnnd auch vns an lieber dieſem ort wol bewuſt. Im Eheſtand hat ſie mit jhm gelebt 7. Jahr aange vnnd darinnen ein Toͤchterlein vnnd Soͤhnlein erzeuget/ welchea11ls; ynda le beyd noch leben/ ſo lang der liebe G OTt wil. So iſt auch das in: auffd mal gewiß vnnd war/ daß ſie GOT Tes Wort von grund jhres let/ v hertzens lieb gehabt/ die Prediger aller Ehren wehrt gehalten/ die be h H. Sacramenta fleiſſig vnd mit groſſer andacht gebrauchet/ auch wart taͤglich zu G OTT mit Lautſtimmigem Mundt in allemjhrem Creutz geruffen hat/ wie ſolches jr hinderlaſſenes Betbuͤchlein/ auch ui jhr Symbolum außweiſet/ das alſo lautet: Ach Herꝛ Wend ſienu mein Elend. habec Wie die Gott der Herꝛ allhier bey vns mit allen Leibs ſchwach⸗ abern heit angegriffen/ iſt mir in friſchem gedaͤchtniß. Dann als ſie vnnd ge de 8 jhren lieben Junckern/ GOTT/ mit einem Maͤnlichen Leibs Er⸗ Sin ben kurtz nach Martini begnadiget iſt ſo wol Ihr liebes Kindlein/ als malki ſie ſelbſten in ſchwere ſchwachheit gerathen. Da ſolte nun einer ſich Gott billich verwundern/ vber die groſſe gedult die ſie in jr vnd jrer Leibes einen. frucht braͤſtigkeit getragen hat/ vber die hertzliche zuverſicht/ ſo ſie gehor zu GOTtgehabt/ vber das fleiſſige Gebet/ mit welchem ſie Tag getro vnnd Nacht zu GOTT geſchrien. O ſanctum pectus. Ach deß geesr frommen Gemuͤts vnd Gebluͤts/ Ob wol Ihr lieber Juncker vnnd in ſole Haußßherꝛ mit jhr hertzlich wol zufrieden geweſt iſt/ hat ſie jhn doch inden gebeten zum mehren mal /er woͤlle wegen jhrer Leibs gebrechligkeit nen/ nit trawrig oder vnmutig werden/ hat auch gegen ander ban ha 97 1 im N Gottts⸗ tes Ehe⸗ ſſchehen hrliches n.Henn offmar⸗ hvnsan 7. Jahr elche a⸗ dasein⸗ nd jhtes ten/ die t auch njhrem nauch Wend hwach⸗ je vnnd bs Er⸗ einals ie ſich ſoſie Erſter Theyl 223 lich geruͤhmet/ daß jhr Juncker jhr niemals abholt worden/ ohnan⸗ geſehen/ daß ſie ſo lange zeit geſeuchelt vnd gekrancket hette. Was ſoll ich aber ſagen? als ſie vermercket daß die ſchwach⸗ heit je lenger je mehr vberhand neme/ hat ſie ſich mit dem frommen G Ott bey zeiten verſoͤhnen woͤllen/ hm jhre Suͤnde bekennen/ vnd das hochwuͤrdige Abendtmal/ das zu vergebung vnſer Suͤnden ein⸗ geſetzet/ brauchen woͤllen. Dannenheroes geſchehen/ daß jhr hertz⸗ lieber Juncker mir am vergangen Sonnabend d. Tage einen bot⸗ ten geſchickt/ begerend/ daß ich ſo wol ſeine/ als ſeiner Haußfrawen/ vnd anweſenden Adelichen Perſonen Beicht anhoͤren wolte. Dar⸗ auff dann an G Ottes ſiat/ ich vnwuͤrdiger Diener mich eingeſtel⸗ let/ vnnd die Beicht nach altem Chriſtlichen brauch angehoͤret ha⸗ be. Hie muß ich aber vor dem Angeſicht GOT Tes /in der gegen⸗ wart ſeiner lieben Engeln vnnd dieſer gantzen Gemeyn bekennen/ daß ich mich hoͤchlich vber das geknirſchte vnnd zerſchlagene Hertz verwundert habe. Dañ balt im anfang hat ſie angedeutet/ wie Gott ſie nun eine gutezeit mit Leibsſchwachheit habe daheym geſucht /ſie habe auch alle Menſchliche huͤlff vnnd Mittel gebrauchet/ keins aber wolte etwas verfangen: Woͤlle demnach das einige noch vbri⸗ ge/ den Sauerbrunnen/ brauchen: vnnd weil ſie ſich vor eine arme Suͤnderin erkeñe/ zu vor Gott beichten/ vñ darauff das h. Abend⸗ mal kuͤnfftigen Sontags empfahen/ darnach moͤchte es der liebe Gott mit jhr machen wie er woͤlle/ ſie were bereyt jhm ʒu folgen auff einen oder den andern weg. Als ſie nun die Ablolution von mir an⸗ gehoret/ vnd mit viel ſchoͤnen troͤſtlichen Spruͤchen Gottes Worts getroͤſtet/ hat ſie wider geſagt/ ſie werenun wol zu frieden/ Gott moͤ⸗ ge es mit jhr machen nach ſeinem H. Vaͤtterlichen willen: Hat alſo in ſolchem groſſen vertrawen folgenden Sontag das H. Abendmal in dem Ampthauß/ weil ſie das Kirchen Gewelb nicht ertragen koͤn⸗ nen/ mit groſſer andacht vnd gebuͤrlicher Reverentz entpfangen. Nach verꝛichtung dieſes alles/ hat ſie ſich mit jrem Junckern im Namen deß He Ra auff die Reyſe begeben/ mit welcher doch die — — — — — 224 Gießiſcher Leichpredigten die vnvernuͤnfftige Pferde nicht ſein zufrieden geweſen/ in dem ſie ſetzo in dieſe/ balt in die andere Nebengaß gelauffen ſein/ vnnd nicht haben fort gewolt. Doch hat der HeE NR in dieſen ſachen allein ſei⸗ ne Regirung. Als ſie zu Langen Schwalbach gluͤcklich angelanget/ vnnd die Sauerbrunnen Chur an hand genommen/ hat ſich zwar anfangs wol angelaſſen/ balt aberſich wider geendert/ vnnd weil ſie durch die langwirige ſchwachheit abgemattet geweſen/ iſt ſie den 26. Julii deß Morgendts zwiſchen 4.vnnd ʒ. ohn einigen ſchmertzẽ in Gott ſeliglich entſchlaffen/ ohn einige bewegung eines Gliedts/ daß man auch jhr die Augen nicht hat zutrucken doͤrffen. An troſt Goͤttliches Worts hats jhr nicht gemangelt: Dann jhr hertzlieben Juncker hat bey jhr das beſte gethan/ jhr mit ſchoͤnen Troſtſpruͤ⸗ chen zugeruffen/ die liebe die er gegen ſie im Lebẽ getragẽ/ auch mit⸗ ten in der Todtes Noht leuchten laſſen/ biß ſie endlich außgeleſchet iſt wie ein Liechtlein. Weil ſie dann nun von Kindlichen tagen an wol gelebet hat/ ey vie kan ſie dann vbel geſtorben ſeyn e Er hlei⸗ bet darbey/ Meine Geliebte/ Wer den HERR fuͤrchtet/ dem wirdt es wolgehen in derletzten Noht: Vnnd weil ſie faſt einen Lebenslauff mit ð Edlen Rahel gehabt/ wie im anfang angedeutet/ ſo wirdt ſie auch nahe im Himmel bey Ihr ſitzen/ vnnd mit jhr in frewden leben vnnd ſchweben ewiglich. Der Allmaͤchtige guͤtige Gott/ woͤlle jrem Leichnam/ den wir jetzt in die Erde beſchar⸗ ren woͤllen/ eine froͤliche Aufferſtehung verleihen/ vnnd vns vberge⸗ bliebene mit ſeinem heiligen Geyſt regieren/ daß wir taͤglich das Ende bedencken/ nichts arges thun/ ſondern recht klug werden/ Ihm ſey dißmal Lob/ Ehr/ vnnd Danck geſagt von Ewigkeit zu Ewigkeit/ AMNEN/ AMNEN. 29(:)5 ꝗ 5 Die ndenſe no niche lein ſa⸗ llanget/ ich zwar weilſie iſie den hmerze Bledts An noſt ralieben ſiſpru⸗ ch mit⸗ ſleſchet agen an Er blei ind weil anfang vnnd achtige eſchat⸗ vberge⸗ ich das verden/ gkeitzu cht/ 225 82e 8535,35 25,28,2,36,38,3,9,98 3 85 38 38,3 35 3 Die Zwoͤlffte Leichpredigt/ Bey Begraͤbnuß deß Ehrnhafften vnd Wolgelahr⸗ ten Herꝛn/ M. HIERONYMITRINCKUSII, . Francofurtani,§§. Theologiæ Studioſi, Welcher den 5. Tag Septembr. Anno 1612. ſeliglich in Gott ent⸗ ſchlaffen/ vnnd ſolgenden Donnerſtag zu Gieſſen ehrlich zur Erden beſtattet worden iſt/ Gehalten durch CASPARUM FINCKXIUM, der heiligen Schrifft Profeſſorem vnd Predigern in der loͤllichen Vni⸗ verſitet Gieſſen. Terxt auß dem 39. Pſalmen Davids/ v.s. Aber He&lehre doch mich daßes ein End mit mir habenmuß/ vnnd mein Eeben ein Ziel hat/ vnnd ich darvon muß. EXORDIUM ſo ſicher biſt/ den Himmel vmb⸗ 226 Gießiſcher Leichpredigten vmblauffen laͤſſeſt/ nicht bedenckeſt/ daß dein Leben ein Ziel hat/ vnd du darvon muſt/ auch zu der Zeit/ wann du es dich am wenigſten verſiheſt. O du armer verblendter Menſch wie weit fehleſtu/ denn freylich heiſt es alſoꝛ Heut roht/ morgen todt/ heut ſtarck/ mor⸗ gen im Sarck/ heut ſchon/ morgen Thon/ heut reich/ morgen ein — eich/ heut gelehrt/ morgen gewehrt/ heut Student/ morgen ein End/ heut Magiſter/ morgen ins Todtsregiſter. Koͤnig Franciſeus in Franckreich verſtunde Syrachs Apho- riſmum vñ Kernſpruͤchlein von Enderung deß weltlichen Gluͤcks. Denn als der Keyſer Carl/ deß Namen der fuͤnffte/ jhn gefaͤnglich hielte/ vnd auff einmal an die Seul/ die ins gefangenen Koͤnigs Lo⸗ ſament ſtunde/ ſein Symbolum vnnd gewoͤhnlichen Reimen an⸗ ſchriebe; Plus ultra, jmmer weiter/ mahlet er dieſe Wort darbey: Hodie mihi, cras tibi, was mir heut begegnet/ das kan dir morgen auch widerfahren. Aber Syrach redet eigentlich vom lieben ſter⸗ ben/ vnd wil gleichſam auß dem geiſtlichen Liederbuch mit vns ſin⸗ gen: Heut ſind wir Menſchen geſund vnd ſtarck/ morgen todt vnd ligen im Sarck:Heut bluͤhen wir wie ein Roſen roht/ bald kranck vñ — eodt liſt allenthalben Muͤhe vnd Noht. Daß dieſes mehr als wahr ſey/ bezeuget die taͤgliche Erfah⸗ rung auch allhier an vnſerm Ort: Geſtern war es an einem vnſers Mittels/ verſtorbenen Haußtoͤchterlein: Heut iſt es an dem wolge⸗ lahrten/ frommen/ vnnd in vnderſchiedenen Sprachen wolgeuͤbten Herꝛn/ Hieronymo Trinckhuſio Frãcofurtano-⸗Geſtern daeꝛ eines ſeligen Todts verbliechen/ hat man ſeine liebe Mutter ſeelige zu Franckfurt in die Erde geleget: Heut legen wir jhn in dieſelbe. Geſtern hat er beſagter ſeiner Mutter/ einer Witwen/ als ein from⸗ mer Sohn/ die letzte Ehr erzeigen ſoͤllen: Heut erzeigen wir ſie jhm allhier zu Gieſſen. Vor zehen Tagen hat ſeine geliebte Schweſter/ die mit jhm vnter einem Hertzen gelegen/ auch loß getrucket/ daß jr der Hertzbendel gekrachet/ vnnd durch den Todt jhm die hundert auſent guter Nacht gegeben hat Heut gibt er ſie vns/ vnd verkun⸗ — diget digetat ts inſü terleiba teriſt tsdoch der M Syrac W Anger lieder ſiaͤtige gedench lich auſ bittevr benm ſetund rechten wir in, Gotte Wun IMa hat vnd venigſten fehleſu rck mor⸗ orgen ein orgen ein Apho- Gläͤcks. ffaͤnglich inigs lo⸗ imen an⸗ darbey: morgen tben ſter⸗ vns ſin⸗ lodt vnd ranck vñ Erfah⸗ mynſers nwolge⸗ ſgeuͤdten tendacr er ſeelige dieſelbe in from⸗ ſie im hweſter tidaßſr verkuͤn⸗ digtt Erſter Theyl. 227 diget auß ſeinem todten Sarck/ der da vor vnſern Augen ſtehet/ daß es ein jaͤmmerlich Ding ſey vmb aller Menſchen Leben/ von Mut⸗ terleib an/ biß ſie in die Erde begraben werden/ die vnſer aller Mut⸗ ter iſt/ Syrach. 40. Vnd wañ der Artzt ſchon lang an vns geflicket/ es doch endlich alſo gehe/ heut Koͤnig morgen Todt/ vnnd wann der Menſch todt iſt/ jhn die Schlangen vnnd die Wuͤrmeffreſſen/ Syrach. 10. Wir nunaber woͤll dieſes ſo wenig achtẽ als die Kuhe auff dem Angerehoͤher nit halten als wañ vns ein laͤdige Taͤſche entfiehleꝛvñ liederlich voruͤber rauſchen laſſene O Nein Sondern wir wollen in ſtaͤtiger Bereitſchafft ſtehẽ/ vns zum ſeeligẽ Sterbſtuͤndlein ſchicke/ gedencken/ daß Heut werde dermals eins an vns auch kommen taͤg⸗ lich auß den abgeleſenen Prophetiſchen Worten ſingen vnd ſagen/ bittẽ vnd bettẽ: Ach Herꝛ lehre doch vns/ daßes ein End mit vns ha⸗ ben muß/ vnnd vnſer Leben ein Ziel hat/ vnnd wir davon muͤſſen/ vñ ſetzunder dieſem ſehnlichem Gebett etwas tieffer nachſinnen/ ſeinen rechten Verſtand vortragen/ vnd darneben Anmeldungthun/ was wir in geliebter kurtz darauß zu lernenhabẽ werden. O JeſuChriſte Gottes Sohn/ der du vor vns genug haſt gethan/ Achſchleuß in die Wunde dein du muſt allein vnſer einiger Troſt vnnd Helffer ſein/ AMEN. Erklaͤrung deß Texts. ABer HeẽRR'ſpricht Koͤnig David/ lehre mich doch bedencken/ daß es ein end mit mir haben muß/ vnd mein Leben ein Ziel hat. Etliche haben dieſe wort dahin verſtanden/ als wann David auß Vorwitz ſeinen fatalem vitæ periodum die Zeit vnd Stund ſeines letzten hintrits vnnd Abſchieds auß dieſem armen Leben/ von G Ott habe wiſſen vnnd ergruͤbeln woͤllen. Aber'hre Meynung iſi jrrig/ vnnd koͤnnen wir ſie vor gut vnnd recht nicht laſſen 27 paſ⸗ 2 jren. 61. 228 Gießiſcher Leichpredigten ſiren. Denn Davidſals ein Prophetiſcher Mann/ wol wuſte/ daß die Jahl ſeiner Monden bey dem getrewen GOtt ſtuͤnde/ vnd daß gewiß were/ daß er ſterben muſte/ aber nicht wiſſen kondte/ wo/ wañ/ oder wie er ſterben wuͤrde: Das hat jhr die Himmliſche Weißheit allein vorbehalten/ zu dem Ende/ daß wir hiealſo lebeten/ auſ daß wir vns taͤglich nicht ſcheweten zu ſterben: Vnd wann das Stuͤnd⸗ lein herbey komme/ alſo ſterben/ daß wir vns nicht ſcheweten/ nach ſeinem Willen laͤnger zu leben. Demnach ſiehet David anders wo⸗ hin: Dann alldieweil jhm ſehr wol bewuſt ware/ hatte es auch mit weynenden Augen geſehen/ daß der mehrertheil der Menſchen ſo ro⸗ he vnnd ſicher in den Tag hinein lebte es an keinem Bubenſtuͤck er⸗ winden lieſſe/ nicht bedachte/ wie G OT T ſo in ſtarcker eyfferiger Gott were/ der auch die Suͤnde der Vaͤtter heimſuche an den Ki⸗ dern/ biß ins dritte vnnd vierdte Glied: In Summa anders nicht thaͤte/ als wann er mit dem Todt einen Bund/ vnnd mit der Hell eine Anſtand gemacht/ vnd mit dem Teuffel auff ein Dutzgeſoffen hette/ auch wol Niobes Gottloſen Spruch in dem Mundfuͤhrete: Major ſum, quam cui poſſit fortuna nocere, ich bin viel ſo groß vnnd gut darzu/ als daß mir G. OTt oder das Gluͤcke ein ichtwas ſchaden moͤge: Dervwegẽ leſſet er ſeine hertzlich Thraͤnẽ die Wan⸗ gen herunter flieſſen/ bittet vnnd flehet zu dem gewaltigen Herꝛen Zebaoth/ daß er bey jhm woͤlle Freund der beſte ſein/ jhm anzuͤnden ein Liecht in dem Verſtand/ damit er ſich jederzeit erinnere/ wie diß Leben ſo eilend vnnd elend ſey/ daß es nur tawre ſibentzig Jahr/ oder zum hoͤchſten achtig Inr/ ſey wie ein Geſchwaͤt/ vnnd faͤhre invns ſchnell dahin als floͤgen wir darvon/ Pſalm. o0. Auch gegen dieſe Eemm vnnd Nichtigkeit deß Lebens/ auß ſeinem heiligen Wort ſein lechzendes Hertz laben/ troſten vnd ſtarcken moͤge. Vmb welt⸗ liche Ehr/ zeitliches Reichtumb/ vergaͤngliches Gelt oder Gut oder Gewalt iſtsjhm nicht zu thun: Er dencket wie jene fromme Fraw bey Baſilioꝛ Nalcat virm percat pecunia, Ade liebes Leben/ vnnd du ſchnoͤdes Gelt fahre hin. So hatte er auch dieſes alles genug ñ 11 vol⸗ vollat IlVa- buſ wiler, vnnd nagete ſeinvi vnnd ter M Pſaln geEr einzi zumag kaum kenge anne rechtr vmbg vmbe kctn diena Ma bhne muß. her tket ſover tracht an Schr uiſte daß vnd daß vo wañi/ Veſfheit auſ daß Stuͤnd⸗ en /nach ders wo⸗ auch mit den ſoo⸗ Iſtuͤck er⸗ fferiger een Km⸗ ersnicht der Hell geſoffen fuͤhrete: ichtwas Wan⸗ Herꝛen zuͤnden wiediß igr oder einvns endieſe Wort ib welt⸗ zutoder eFraw n onnd ugvi pol⸗ logoß Erſter Theyl 229 vollauff/ wie ſolte er denn darumb bitten? Omnis appetitus eſta privatione/ ſagen auch die Philoſophi. Sondernes iſt jhm vmb das ſterben zu thun/ das ſterben ligt jm eben hart an/ die Sterbkunſt wil er gern recht vnd wol ſtudiren/ daß er nicht allein hie zeitlich wol vnnd ſeelig ſtuͤrbe/ ſondern auch der ander Todt jhn nicht ewiglich nagete vnnd plagete: Kuͤrtzlich/ er wil ein Kind deß ewigen Lebens ſein vnnd bleiben/ beydes itn Leben vnd Todt. Ey ſprichſtus Was darff doch dieſes viel lehrenseviel lernens vnnd ſtudirense Koͤnig David war je ein Prophet/ ein hocherleuch⸗ ter Mann/ ein Mann nach dem Hertzen Gottes/ Act. 13.1. Reg. 16. Pſalm. 88. vnnd hatte deſſen ſcientiam experientalem ein lan⸗ ge Erfahrung/ wie ſolte er dann nicht gewuſt haben/ daß ſein Leben ein Ziel haͤtte/ vnd ſo wol er ſelbſten als wir andere Kinder Eva all⸗ zumal darvon muͤſſen/ ehe wir vns in dem Gaſthoff dieſer Welt kaum recht hetten vmbgeſehen/ wie es dann der Augenſchein zu al⸗ len Zeiten erwieſen hat/ daß die Menſchenkinder faſt alle zehen Jahr ein newe Welt erlebene Hierauff antworten wir kuͤrtzlich vnd einfaͤltig/ daß jhm kein rechtverſtaͤndiger die Gedancken machen ſolle/ als wann David ein vmbgewenter Laban/ oder thoͤrichter Nabel geweſen were/ daß er vmb der Gaͤnſe willen/ oder vor die lange weil/ ſo ein demuͤtige Col⸗ leet vnd aͤngſtigliche Bitt angeleget habe: Sondern wir ſollen vns dienen laſſen/ vnnd wiſſen/ daß es weit ein anders ſey/ wann ein Meuſchohne GO Ttes Gnaden Geyſt/ bloß vnnd obenhin auch ohne ſauen Danck welß/ daß er die Welt mit dem Ruͤcken anſehen muß:Ein anders/ daß er ſolches mit rechtem Glaubẽ/ mit gantzem Hertzen erkennet/ ernſtlich vnnd hailſamlich betrachtet/ alſo beden⸗ rket/ daß er ſich fuͤrchte vor G Ottes Zorn/ welcher macht/ daß wir ſo vergehen/ vnnd ploͤtzlich davon muͤſſen/ Pſalm.⸗ o. vnnd in Be⸗ trachtung deſſen/ von Suͤnden abgeſchrecket/ vnnd zu dem ewigen Leben erhalten werden. Dieſes ſtudiret ſich nicht in der Particular⸗ Schulvnſers verderbten Fleiſches vnnd Bluts/ Fraw Huideee 3 inde 230 Gießiſcher Leichpredigten blinde Vernunfft proficiret vnd lehret in jhrem Narꝛenhauß auch nichts darvon: Sondern es muß ein ander Doctor vnd Lehrmeiſter auff den Pulten ſteigen/ welches Nahmen in der teutſchen Bibel mit groſſen Buchſtaben geſchrieben wird/ vnd heiſſet HErꝛ. Herꝛ lehre doch mich bedencken/ daß es ein End mit mir haben muß/ daß mein Leben ein Ziel hat/ vnnd daß ich darvon muß/ betet vns Koͤnig David vor. Es iſt nicht ohn/ Geliebte/ die Heyden haben auch gewuſt/ daß ſie ſterben muͤſten/ daß jhr Leben ein Ziel haͤtte/ vnnd ſie darvon muͤſten. Plato hat geſagt: Philoſophia eſt meditatio mortis, das iſt/ die rechte Philoſophi vnnd menſchliche Weißheit iſt anders nichts/ als ein ſtetswerende Betrachtung deß Todtes. Andere wei⸗ ſe Leut haben offt vnnd manchmal die Trawerklage gefuͤhret: aAνετ G‿ i, alles was in dieſem Leben iſt/ iſt vnbeſtaͤndig vnnd vergaͤnglich/ felicitas nõ eſt diuturna, ſed diurna: das Gluͤck hatt groſſe Duͤck/ weret nicht lange/ ſondern nur einen Tag oder Stunde. Aeſchylus verglieche das Leben deß Menſchens einem Schatten deß Rauchs/ wie Stobæus gedecket. Cicero ſagt in ſom· nio Scipionis: Noſtra hæc, quæ dicitur vita, mors eſt, Die⸗ ſes vnſer Leben heiſt nit recht ein Leben/ ſondern viel mehr ein Todt: Vnnd faſt alle Heydniſche Traga dien klagen vber die Vnbeſtaͤn⸗ digkeit vnnd Vergaͤngligkeit der menſchlichen Dingen. Aber ein maͤchtig groſſer Vnterſcheid iſt vnter der Philoſophiſchen oder Heydniſchen/ vnd vnter der Chriſtlichen oder Geiſilichen Betrach⸗ tung deß Todtes. Dann die verblendete Heyden haben den Todt bald angelachet/ wie Democritus/ bald angeweynet/ wie Heracli⸗ tus/ vnnd haben doch nicht gewuſt/ was jhn recht verurſache/ viel weniger haben ſie ſich gegen denſelben troͤſten koͤĩen: Sondern das iſt jhr allgemeiner vnnd beſier Troſt geweſen/ den Pompejus auch brauchte in ſeiner Widerwertigkeit: Ferendum eſt, quod muta- ri non poteſt, das iſt: Das jenige ſo man nicht endern kan/ muß mit Gedultgetragen werden. Wir Chriſten aber wiſſen von wan⸗ nen gerede außz in N Feyer demiſ Menſ gesth plieire daß u ſeltin Abex. mein. denha gewuͦ tinsd 9 ſß auch meſſter Bibel Hen iß daß König zewuſt darvon nortls, ander⸗ re wei⸗ ühret: gvnnd Gluͤck g odet einem ſom- Die⸗ Todt: eſtaͤn⸗ ber ein n oder etrach⸗ Todt eracli e vicl indas zauch muta- 1 muß wan⸗ nen Erſter Theyl. 23] nen der Todt komme/ haben auchauß GO TTES Wort ge⸗ lernet/ wie wir gegen denſelben vnſer bloͤdes Hertz laben vnnd erqui⸗ cken ſollen. Ja den Frommen vnd Glaͤubigen thut die Vrſach deß Todtes viel weher/ als der Todt ſelbſten. Denn gleich wie David als er von Landen vnd Leuten verſtoſſen war/ mehr klagete vber die Suͤnde als vber die Straff der Suͤnden/ mit welcher Gott jhn in ſeinem Elend belegete: Alſo thuts jhnen vielmehr wehe/ daß ſie mit Suͤnden behafftet ſein/ als daß ſie den Todt/ welcher der Suͤnden Sold iſt/ herhalten muͤſſen/ vnnd ſehen alſo nicht allein auff jhre Wunden/ ſondern haben auch ſo bald Mittel vnnd Weg an der Hand/ vnnd dencken was der Prophet Oſeas auß Cyriſti Mund am 13. Capitel geredet hat: Todt ich wil dir ein Gifft ſein/ Hell ich wil dir ein Peſtilentz ſein. Vnd ſo viel ſey nach Gelegenheit der Zeit geredet von den abgeleſenen wenigen Worten: Was haben wir dar⸗ auß zu mercken vnd zu lernen⸗ Lehr/ Troſt/ Erꝛinnerung vnnd Vermahnung. Erſilich haben wir hie die Lehr/ de arte benè moriendi, wie ein Menſch wol abtrucken vnnd auß dieſem Leben ein gewuͤndſchtẽ Feyerabend machen ſoͤlle/ wer dieſe Kunſt nicht recht ſtudiret/ mit dem iſt es vmb ſeiner arme Seelen ſeeligkeit gethan. Darumb/ lieber Menſch/ was du thuſt/ ſo bedencke das Ende/ ſo wirſtu nimmer ar⸗ ges thun/ ſpricht Syrach Cap. 7. Vmb dieſes Kunſtſtuͤcklein ſup⸗ pliciret auch Moſes zu Gott Pſalm. 0. Her/ Lehr vns bedencken daß wir ſterben muͤſſen/ auff daß wir klug werden: Darnach win⸗ ſelt in den abgeleſenen Worten der Koͤnigliche Prophet David: Aber. Herꝛ/ lehre doch mich/ daß es ein Ende mit mir haben muß/ vñ mein Leben ein Ziel hat/ vnd ich darvon muß/ Pſalm. 39. Die Hey⸗ den haben auch die Eughanaſtam. die Kunſt ſeelig zu ſterben jhnen gewuͤndſchet/ ſind auch auff Mittel bedacht geweſen/ wie ſie dermal eins darzu kommen koͤndten. Julius Caſar hielte das fuͤr 8885 anff⸗ 23² 1 Gießiſcher Leichpredigten ſanfften Todt/ wann einer vhrploͤtzlich vberꝛauſchet wuͤrde/ dahin fiehle vnd ſtuͤrbe: Das hat er bald in ſelbſt eigener Perſon erfahren. Dann auff dem Rahthauß zu Rom war er vnverſehens von Caſ⸗ ſio vnnd Bruto in drey vnnd zwantzig Wunden zu todt geſtochen. Seinem Feind Pompejo gieng es bey nahe eben alſo: Dann da er nach Aegypten floſſe/ vnnd bey dem Koͤnig vmb newe Kriegshuͤlffe anhalten wolte/ ward jhm wider alles Verhoffens/ am Vfer ſein Scheddel abgeſchlagen/ ſein Epitaphium vñ Grabmal ward auch zimlich ſchlecht: Hic ſitus eſt Pompejus M. Valerius Maximus, der treff liche Hiſtorienſchreiber gedencket deß Hegeſiæ Cyrenai- ci, der gerieht in die Gedancken/ er koͤndte wol ſterben/ vnnd deſto eher zur Vnſterbligkeit gelangen/ wann er an ſich ſelbſten ein Atro⸗ pPos wuͤrde/ vñ ſich mit eigener Hand vom Leben zum Todt braͤch⸗ te. Aber wann jetzo die Zween beſte Freunde/ Leib vnd Seel von ein⸗ ander ſcheiden ſolten/ vnd es an den Bindriemen gehen woltejiſtjhr Prophet der Poet worden: Vitaq; cumfremitu fugit indignataſubumbras. Vngern ließ er das Lebẽ ſein/ vnd wiſcht mit Furcht zur Hell hienein. Dannenhero ſeynd die vielfaͤltige Weheklagen kommen vber das Elend vnd die kurtze Zeit deß menſchlichen Lebens. Theo⸗ phraſtus hat die Natur/ oder vielmehr Gott angeklaget/ daß er den ſchwartzen nichtswuͤrdigen Raben ſo ein langwiriges/ hergegen den Menſchen/ der ſo ein edele Creatur Gottes iſt/ ein ſo gar kurtzes Le⸗ ben gegehen habe. Von Koͤnig Xerxe meldet Herodotus/ daß er bit⸗ terlich gewweynet habe/ als er ſeines vnzehlichen groſſen Kriegsvolcks anſichtig worden/ in Betrachtung/ daß vber hundert Ja hr jhr kei⸗ ner wuͤrde beym Leben ſein. Alexandridas beklaget ſich beym Ari⸗ ſtotele, quod moriendum nobis ſit, antequam aliquid mor- te dignum commiſiſſemus. Daß wir ſterben muͤſſen/ ehe wir et⸗ was/ das deß Todtes wuͤrdig/ außgerichtet hetten. Als Themiſto⸗ lles/ der vortreffliche Kriegsfuͤrſt/ auff eine Zeit ſein Heer muſterte/ vnnd ſorst dencke jm get bereit leesne entgeg vertre nicht Dien droben lehred Moſe bahret te Kun bekem dentra Todt mette Au nerüt dahin fahren. en Caß lochen. indaer ehuͤlfſe fer ein dauch dimus, renai- d deſto Atro- braͤch⸗ nein⸗ riſtihr lrar r Hell mmen Theo⸗ erden enden es Le⸗ bit⸗ volcks hr kei⸗ Ari- mor- wir et⸗ iſto⸗ ſertt/ vnnd Erſter Theyl. 233 vnnd einen jungen Kriegsman ſehr trawrig ſtehen ſahe/ vnd fragte warumb er ſo jaͤmmerlich außſehe/ bekam er die Antwort: Ich habe noch keine rittermaͤſſige Thaten gethan/ das martert vnnd quelet mich; als wolt er ſagen/ in dem Krieg gehet es gar mißlich zu/ vnnd ehe ich kaum habe die Hand vmbgewendet/ ſomuß ich in deß Tod⸗ tes Klipffe vnnd Clauſen/ vnnd wolte wol gern/ wenn ich zuvor eine Ehr eingeleget hette/ das ſolte mich deſio froͤlicher vnnd ruͤhiger machen zu ſterben. Zu Athen baweten die arme Leut dem Todtei⸗ ne Kirche/ vnnd meyneten ſie wolten jhn damit verſoͤhnen. Senera gibt allen denen/ die ſich vorm Todtfuͤrchten/ dieſen troſtloſen Troſt: Effice mortem tibi cogitatione familiarem, ut ſi ita ſors tulerit, poſſis ei obviam ire, mache dir den Todt gemein/ ge⸗ dencke offt an jhn/ auff daß/ wann er bey deiner Thuͤr anklopffet/ du jm getroſt getraweſt entgegẽ zu gehen. Das war der Heyden Vor⸗ bereitung zum Todte. Agag der Amaleciter Koͤnig meynet/ er wol⸗ le es recht treffen mit dem/ daß er Samueli/ der jn ſchlachten wolte/ entgegen gieng vnnd ſagte: Alſo muß man deß Todtes Bitterkeit vertreibẽ/ k Sam. 15. Aber dieſe alle haben die bewehrte Sterbkunſt nicht gelehrnet/ nicht gewuſt/ wie ſie ſich darzu recht ſchicken ſollen. Die muß vns ein ander Meiſter Lehren vnnd vorſchreiben/ wie wit droben haben angedeutet. Vors ander/ was iſt das vor ein Meiſter vnnd Lehrer: Hen lehre du/ du mich bedencken/ daß ich ſterben muß/ ſagen David vnd Moſes. Vnſer He dir vnd G Ott aber lehret ſie in ſeinem geoffen⸗ bahreten H. Wort/ auß dem gibt er vns dieſen Bericht/ dieprobier⸗ te Kunſt ſtehe darinnen/ daß der Menſch ſeine Suͤnde erkenne vnd bekenne/ vber dieſelbe hertzliche Rew vnnd Leyd trage/ an den Suͤn⸗ dentraͤger Chriſtum Jeſum ſich halte/ gaͤntzlich glaube/ daß Suͤnd/ Todt/ Teuffel/ Leben vnd Gnadalles in Haͤnden er hab/ vnd koͤn erꝛetten alle die zu jhm tretten/ in aller Anfechtunge mit dem heili⸗ gẽ Auguſtino ſagẽ: Turbabor, ſed non perturbabor, quia vul- nerũ Chriſti recordabor, das iſt: Mein Suͤnd mich werdẽ kraͤn⸗ Gg cken 1. 234 Gießiſcher Leichpredigten cken ſehr/ mein Gewiſſen wird mich nagen/ jrſind ſo viel wie Sand am Meer/ doch wil ich nicht verzagen/ gedencken wil ich an Chriſti Todt/ ſein heylige fuͤnff Wunden roht/ die werden mich erhalten. In ſolchem Glauben aber muß ein jeder biß an ſein Ende beharꝛen/ Matth. 14. vnd da er je bißweilen ſchwach vnnd kleinglaubig wird/ offtmals deß hochheyligen hochwuͤrdigen Abendmals gebrauchen/ Terretur auté adverſarius, cum videt Chriſtianorum labia cruore Chriſti rubentia, ſaget Damianus/ das iſt: Der Teuffel/ welcher bey denen die ſeelig ſterben woͤllen/ ſehr geſchaͤfftig iſt/ wird geſchrecket vnnd eingetrieben/ wann er ſiehet/ daß der Chriſten Leff⸗ tzen mit jres Erloͤſers Roſenfarben Blut geferbet ſind. Cœna Do- mini, ſchreibet der heylige Ilgnatius Epiſt 11. an die Epheſ. opti- mum remedium eſt adimmortalitatem, medicamentum vitæ quam habemus in Deo, per Chriſtum, das heylige A⸗ bendmal iſt ein heylſames Mittel zur Vnſterbligkeit/ ein Artzeney zum Leben/ das wir haben in Gott/ durch vnſern HeE Ren Jeſum Chriſtum. O· Luther ſeeliger/ erzehlet eine Hiſtorien von einem Buͤrger zu Torgaw/ welcher in ſechs oder ſieben Jahren nicht war zum Nachtmalgangen. Als jhn aber G Ott auff das Todbett worfſe/ begeret er deß Prieſters vnd deß Sacraments. Aber als jhm die Ho⸗ ſtien auff die Zunge geleget worden/ ſehret die Seelauß vnnd kan deß Nachtmals nicht genieſſen. Der hatte zu lang gewartet/ vnnd die Sterbkunſt bey Zeitẽ nicht angefangen zu ſtudiren/ vñ darumb gieng eo jhm nach Auguſtim Spruͤchtein: Scrò parantur reme- dia, cũmortis imminent pericula: Ich fruͤcht fuͤrwar die Goͤtt⸗ liche Gnad/ die er ſo lang verachtet hat/ wirdt ſchwerlich auff jhm ſchweben/ wer aber die gnad erkenet/ ſich zum ſeligen Stuͤndlein bey Leibesleben ſchicket im ingreſſu vnd Anfang ſeines Lebens Chriſto incorporiret vnd inverleibet iſt/ in progreſſu oder Fortgang/ ſich d Gottesfurcht befleiſſet/ dem muß es auch wolgehẽ in egreſſu, in d letztẽ Noht/ Syrach 1. Der kan der Coͤrperbrechung vnd Elfuu eines die Sand n Chyniſt ethalten. beharzen, big wird/ rauchen/ um labia Teuffel iſt/ wird ſten Leff⸗ ena Do- if opti⸗ nentum cjſige A⸗ Artzeney Jeſum Buͤrge warzum t worffe ndie.Ho⸗ und kan tet vnnd darumb Ir reme- ve Goͤlt⸗ auff ihm dlein bey Chrſo gſſichd eſlu, ind krlſung ſeines Erſter Theyl. 235 ſeines Leibes ſehnlich erwarten/ mit Frewdigkeit vnd helden Muht ſeiner Seelen zuſprechen: Exi anima, exi anima ex odioſò hoccorporis antro Liberanunc tandem cælica regna pete. Iſthictucaro lenta jace, mala ſarcina vitæ Debita jam pridem vermibus eſca jace. Das iſt: Jahre auß/ mein liebes Seelichen/ fare auß/ vnd ver⸗ laſſe willig vnnd gern das verhaſte Grab deines Leibes: Gebe gute Nacht der Welt/ vnd fahre frey ins Himmels Thron. Duaber mein verderbtes Fleiſch vnd Blut/ lege dich in die Erdengrufft/ du biſt doch ohne laͤngſt darzu verwidmet wegen anklebender Suͤnde/ daß du den Schlangen vnd Wuͤrmen ſolteſt zu theyl werden. O wolte Gott/ daß alle Menſchen alſo geſinnet weren Wol⸗ te Gott/ daß ſie weiſe weren/ vnd vernemen ſolchs/ daß ſie verſtuͤn⸗ den was jhnen hernacher begegnen wuͤrde/ wie Moſes wuͤndſchet in ſeinem letzten Lobgeſang/ Deuter. 32. Wolte Gott daß ſie taͤglich zujhm ſchryen: Gott der Vatter wohne vns bey/ vñ laß vns nicht verderben/ mach vns aller Suͤnden frey/ vnd hilff vns ſeelig ſterben: So wuͤrde warlich der leydige Teuffel vnnd hoͤlliſche Schadenfro nicht an mehrerm Theil ſein Part vnd Theil haben. Dann zum dritten lernẽ wir/ daß es ſehr viel an dieſer Sterb⸗ kuͤnſt gelegen ſey/ weil David ſo hertzlich fiehet/ daß jhn der Grund⸗ gute GO TT wolle bedencken laſſen/ daß er ſterben muͤſſe/ daß ſein Leben ein Ziel habe/ vnnd er darvon muͤſſe. Was iſt denn daran gelegẽ/ vnd worzu frommet vnd dienet es vns? Daß es nuůtzlich ſey/ haben abermals auch die Heyden erkand/ die doch von dem wahren Gott nichts gewuſt haben/ Actor am 7. Cap. Galat. 4. 1. Theſſal. 4. Als Pauſanias der Lacædemonier Koͤnig/ auß eitele Hochmuht in beyſein vieler Leut den Philoſophũ Simonidem bate/ dz er jhm wolte ein ſonderbare vnd heylſame Lebens regel vorſchreiben/ gab er jhm bald die Antwort/ er ſolte immerdar an den Todt gedencken/ Gg 2 ſich ₰ℳ; 236 Gießiſcher Leichpredigten ſich vor einen ſterblichen Menſchen erkennen/ gewiß darvor halten es were noch nicht aller Tag Abend/ es koͤndte hn noch manches truͤbes Elend vbergehen/ vnd dzer in kurtzem ſterben muͤſte. Wann die Aegyptier jhr Gequas/ das Fraßfeſt hielten/ lieſſen vnd hieſſen ſie den vngeladenen Gaͤſten ein Todtenbiltnuß im Sarck ligend/ vortragen vnd ſagen: Imhunc intuens bibe,& ſis animo hilarie Poſt mortem enimtalis eris: Hoͤre lieber Gaſt/ ſchaw dieſen an/ vnnd trincke/ dann nach dem Todt wirſtu auch ein ſolcher werden. Der Keyſer Severus hat jhm noch bey ſeinem Leben einen Tod⸗ tenkaſten machen laſſen/ ſich offtermals ſelbſten darein geleget/ jhn gekuͤſſet vnd geſprochen: Tu õ locule tuis anguſtiis complecte- ris eum, quem orbis totius amplitudo nequit complecti. O du Todten Saͤrcklein/ du biſt zwar gar eng/ aber du wiſi kurtz oder laͤngſt den in dich faſſen/ den ſonſten der gantze Erdkreiß nicht be⸗ ſchlieſſen kan. 1 Gleich wie aben dieſe Heyden die Betrachtung deß Todtes in jhrem finſtern Reich ex libro naturæ, auß dem Buch der Na⸗ tur vor nuͤtzlich gehalten haben/ alſo haben die Chriſten ſolches viel beſſer gelernet ex libro ſcripruræ, auß Gottes Wort. Baſilius Magnus/ Biſchoff zu Cæſarea Eappadocien/ wann der Biſchoff⸗ liche Proceſſiones vnnd Pracht gehalten/ hat jm einer auß ſeinen Dienern/ mitten in ſeinem Ehrnweſen in die Ohren ruffen muͤſſen: Mortem cogita pater, ac ſepulcrum tuum perfici iube, Lie⸗ ber geiſtlicher Vatter/ gedencke an deinen Todt/ vnd laß dein Grab verfertigen. Alſo hat auch getahn Johannes/ Biſchoff zu Alexan⸗ dria/ welcher/ wegen groſſer Gutthaten/ die er dem lieben Armut erwieſen/ Eleemon genennet worden iſt. Dann ſo bald er zum Biſt⸗ thumb kommen/ hater befohlen ſein Grab zuzurichten/ aber doch bey ſeinem Leben nicht zu verfertigen/ vnd daſſelbe darumb/ auff daß wann erdarzu vermahnet wuͤrde/ an ſein Abſterben gedaͤchte. Dann die meditatio mortis dienet vns l. zur Betrachtung alles Elends/ Creutzes vnd Jammers/ daß wir Menſchen in dem Leben auß⸗ ſeye ufſß Loyd lore, daß v horri lich v daßr meht ſtern denck cat h ſrich ruͤck Glöch leinst iſt.Pa Hier- denck Hoff Pfan wie ho ſeiner Manſ Aug. einged mitein abſerd hat.D ſchena mgenn bedenr rhalten manches Wann dhieſſen kltgend/ ohilari: ſeſenan/ werden. en Tod⸗ gget ſhn aplecte. lecti. O erp oder nicht be⸗ Todtes der Na⸗ ches viel Saſillus ſchof ß ſeinen nuͤſſen: be, Lie⸗ nGrab Aeexan⸗ Armut n Biſt⸗ zerdoch 5auff daͤchte. galles aben auf⸗ Erſter Theyl. 237 außſtehen muͤſſen. Denn gleich wie wir geboren werden in luctu, in Leyd jin labore Muͤh vnd Arbeit/ Pſal.) 0. Alſo ſterben wir in do⸗ lore, wie Nazianzenus redet/ in groſſem Hertzbrechende ſchmertze/ daß vnſer Ingreſſus heyſt flebibilis, progreſſus debilis, egreſſus horribilis, trawrig vnſer Eingaͤg/ ſchwach vnſer Fortgaͤg/ ſchroͤck⸗ lich vnſer Außgang/ wie Auguſunus ſchreibt. II. Nutzet ſie darzu/ daß vnſer ſuͤndlicher Adam ſampt allen ſeinen Luͤſten je mehr vnnd mehr gedempffet vnd getoͤdtet werde/ vnd wir von Suͤnden vnd la⸗ ſtern abgehalten werdẽ/ nach Syrachs Warnungsſpruͤchlein: Ge⸗ dencke an dein Ende/ ſo wirſtu nimmer Arges thun. Nihil ſic revo- cat hominem àpeccatis quàm imminéris mortis cogitatio, ſpricht Auguſt. Nichts helt den Menſchen von Suͤnden mehr zu ruͤck/ als daß er dencket GOTTwerde jhm dermal eins das todten Gloͤcklein klingeln. II. Fuͤhret die Betrachtung deß Sterbſtuͤnd⸗ leins den Menſchen von dem was ſichtlich/ zeitlich vnd vergaͤnglich iſt.Facilè omnia contemnit, qui ſe moriturũ cògitat, ſchreibt Hieron in Epiſt. ad Paul. der verachtet alles leichtlich/ welcher ge⸗ denckt/ daß er ſterben muß. IV. helt ſie vns auch ab vom Stoltz vnd Hoffart/ vnd reitzet dagegen vns zur Nidertraͤchtigkeit. Wann der Pfawe ſeineſchoͤne glentzende Feddern anſihet/ wie ſpannet er ſich: wie hoch blehet er ſich auff Wie ſtoltz gehet er einher. Aber wann er ſeiner ſchwartzen Fuß gewar wird/ fellet jm ſein muht. Alſo wann d Menſch am zeitlichen henget/ auff die Herꝛligkeit ſeines Hauß ein Aug hat jiſt er auffgeblaſen wie ein Kroͤte/ wenn exaber hinwiderũb eingedenck wird/ dz jm all ſein Nerꝛligkeit nit werde nachfahren/ dz er mit einer Schippen Erde endlich vor lieb nemẽ muͤſſe/ ſo geht es nit abſer denckt hinder ſich/ wañ er anders ein Chriſtlich Hertz im Leibe hut. Daher vermahnet d Geiſtreiche Lehrer Bernhardus die Me⸗ ſchen alſoꝛ Cogita ò homo, unde veneris,& erubeſcce ubi ſis,& ingemiſce, quò vadas,& contremiſce, das iſt: O Menſchẽkind bedencke/ von wannen du herkommen biſt/ vnnd ſchaͤme dich/ wo du ſeyeſt/ vnd ſeufftze/ wo du hinfahren muſt/ vnd zittere. Cum fex cũ Gg 3 fimus, XII. 238 Gießiſcher Leichpredigten fimus cũ res viliſſima ſimus, unde ſuperbimus neſcimꝰ quã: do perimus, ach wz erhebt ſich doch die arme erde vnd Aſchen/ iſt es doch ein lauter Koht/ Syr. 10. Jetzunder/ geliebte im HErꝛn/ ligen da vor vnſern Augen etliche Todtengeraͤffel/ die thun anders nit/ als wann ſie mich vnd euch anredeten: Quod tu es, ego fui, quod ego ſum,. tu erxis, wz du biſt/ das bin ich geweſen/ wz ich bin/ das wir⸗ ſtu werden. Vnd hie hat Gott gevrtheilet recht/ wer iſt jetzunder. Herꝛ oder Knecht: Warlich ja/ wer dieſes Spectacelrecht anſchawet/ der muß ſeinen ſtoltze Muht fallen laſſen/ es were dañ Sach/ dz er Gott vnd ſeinẽ wahrẽ Wort gar abgeſaget habe. V. Dienet die Betrach⸗ tung deß ſterbens ad non differendã pœnitentiã, daß man die Buß nit von Tag zu Tag auffſchiebe/ ſondern ſich zu Gott be⸗ kehre/ dieweil man noch im Leben iſt. Dann in dem Todt gedencket man Gottes nit/ Pſ. s. Mortui non laudabunt te Domine, die Todten werdẽ dir O HErr dein Lob verkuͤnden nimmermehr/ Pſ. 115. Non quærit Deus dilationem in voce corvina, ſed con- feſſionem in gemitu columbino, Gott wil kein auffſchub haben in d Rabẽſtim/ Cras, Cras, ſondern daß man ſeine Suͤnde beichte/ vnd daruͤber kirꝛe wie ein Taube/ ſpricht Auguſtinus vber den 102. Pſalm. Obſerva ultimum Cras, quia ignoras quod ſit ultimũ Cras: ſufficit quod vixiſti uſque ad hodiernũ peccator, habe acht auff das letzte Cras, deñ du weiſt nicht was es vor ein Cras ſein wird. Ach du armer Suͤnder/ es iſt gnug daß du den heutigen Tag erlebet haſt/ ſchreibet abermals Auguſtinus an beſagtẽ Ort. Guts muͤſſen wir thun/ weil wir die Zeit haben/ Galat. 6. bey Leibes leben/ 2. Cor.. im Liecht wandeln/ weil wir es haben/ Joh. 12. Den HErꝛẽ ſuchen/ weil er noch zu finden iſt/ Eſa. 55. Vñs ermahnen dieweiles noch Heut heiſſet/ Hebr.3z. Võ Schlaff auffſtehẽ/ dieweil die Stũ⸗ de da iſt/ Roman. 13. Dem Hern ſingen/ ſo lang wir hie ſein/ Pſal. 104. Qui non ſuſcipit modò tempus pœnitentiæ, poſt mor- tem non invenit locũ indulgentiæ: Wer jetzunder nicht Buſſe thut vber ſeine Suͤnde/ dem koͤnẽ ſie nach dem Todt nicht verziehẽ werden. qu. iniſtes ligen ts nit, quod as wir⸗ a.her zet der Gott etrach⸗ an die ott be⸗ encket , die pf con- haben ſchte/ 102. timũ habt Sſein Tag Huts eben/ Ene eilts Stü⸗ Pfal. nof- uſſe ziche den. Erſter Theyl. 239 werden. V J. Endlich/ ſo dienet die Betrachtung deß Todtes darzu/ daß wir bey Zeiten vnſern Sachen vorſtehẽ/ vnſer Anbefohlenes de⸗ ſto ſchleuniger vnd fleiſſiger verꝛichten/ vnſer Kinder berichten/ vnd das Hauß beſtellen/ wie der Prophet Eſaias zu Hiſtia ſagete: Di- ſpone domui tuæ, quia morieris, beſtelle dein. Hauß/ Vrſach/ du ſolt ſterben/ vnd nicht leben/ Eſa.8. Letzlich vnd zum Beſchluß/ habẽ wir auchallhier die Lehr de termino vitæ humanæ, daß einem jeden Menſchen von Gott ein Termin vnnd Ziel geſetzet ſey/ welches er nicht vberſchreitten koͤnne/ ſondern davon muͤſſe/ wañ das Stuͤndelein herbey kompt/ vnnd das Zeigerlein außgelauffen iſt. Dieſes aber muß nicht gezogen werden auff die Stoiſche Neceſſitet/ daß man von einem Dieb oder Mord ſagen wolte/ ſein Todt ſeye jhm alſo beſcheret geweſen/ es habe nit anders ſeyn koͤñen/ er ſey darzu prædeſtiniret vnd verſehen geweſen/ Nein: Sondern man muß ſehẽ auff Gottes Wort/ das helt vns die Goͤtiliche Verheiſſung alſo vor: Wer Vatter vnd Mutter ehret/ der ſoll ein langes Leben han/ Exod 20. vnd Exod. 23. ſtehet alſo ge⸗ ſchrieben: Auferam infirmitatem de medio tui& numerum dierum tuorum implebo, Ich wil alle deine Kranckheit von dir nemen. Proverb. z. Mein Kind vergeſſe meines Geſetzes nicht/ vnd dein Hertz behalte mein Gebot/ Dann ſie werden dir langes Leben/ vnd gute Jahr vnd Friede bringen. Prov. 4. So hoͤr mein Kind vñ nim an meine Rede/ ſo werden deiner Jahr viel werden. Hieher ge⸗ hoͤrt auch/ was der hocherleuchte Apoſtel Paulus ſchreibet/ 1. Ti⸗ moth. 4. Hujus& illius pietas fert præmia vitæ: Die Gottſee⸗ ligkeit iſt zu allen dingen Nutz/ vnd hat die Verheiſſung dieſes vnnd deß zukuͤnfftigen Lebens. Vber daß ſo iſts gewiß/ daß die fromme mehrmals vmb Erlaͤngerung jhres Lebens Gott gebetten/ vnd auch erlanget haben. Hißkias bekam das nuncium mortis, daß er ſterbẽ ſolte vnd nicht leben/ Eſa.ʒ8. 4. Reg. 20. Als er ſich aber zur Wand wendete vnd zu Gott flehet/ erlanget er noch 15. gantzer Jahr. So bittet auch David/ daß jn doch der getrewe Gott nit woͤlle Beoriſ en 240 Gießiſcher Leichpredigten ſen in der helffte ſeiner Tagen/ Pſaloz. vnd bezeuget Paulus/ daß er in Aſia wunderbarlich vor dem Todt ſey erhalten worden/ 2. Cor. 1. vnd zu was Ende hat Gott anders die Artzeney geſchaffen/ als daß der Menſch bey ſeiner gewuͤndtſchten Geſundtheit erhalten wuͤrde/ Eccleſ. 33. Soiiſt es auch das einmahl wahr/ daß etliche Leut jhnen ſelbſt jhr Leben verkuͤrtzen: Dann wer ſich in Gefahr gibt/ der kompt darinnen vmb/ Eccleſiaſt 3. Derowegen muß man von dieſem vorgeſetzten Lebenszʒiel nit abſoluteè vnnd bloß dahin vrtheilen/ ſondern alſo ſchlieſſen: Wer fromb iſt/ dem gibt Gott ein langwirig Leben: Wer aber ein boͤſer Bub iſt/ der bringt ſein Leben kaum vber die helfft/ wie Gott getre⸗ wet hat/ Pſal.4. Levit. 20. Prov. 10. Hettẽ die Leut vor der Suͤnd⸗ flut den Geiſt Gottes/ wie auch die zu Sodomay/ſich ſtraffen laſſen/ ſo hettẽ ſie zweiffels ohn ein lang Lebensfriſt gehabt. Ger vñ Onan/ Judæ Soͤhn/ warẽ Neguaͤme vor Gott/ Geneſ. 18. Item die beyde Soͤhn Eli/ beneben dem Edlen fruͤchtichen Abſolon/ vnd deßwegen muſten ſie dem Wuͤrger eine harte Stirnsknippe außhalten. Gleichwol geſchicht es je vnterweilen/ daß auch die Frommen mitten in der beſten Flor vnnd Blut jhres alters hingeriſſen werden: Aber ihr Todt gereichet jhnen nicht zum Fluch/ wie den Gottloſen/ ſondern zum guten: Gott raffet ſie nur hinweg vor dem Vngluͤck/ daß es jhnen mit mit den Belials Kindern vber den Kopff gehe/ Eſa. S6. Verbirget ſie heimlich in ſeinem Gezelt vor jedermans Trotz/ Pſalm.7. Vnd behuͤtet ſie/ daß die vbermachte Boßheit d Welt⸗ ratzen vnnd Geltkatzen jhren Verſtand nicht verꝛuͤcke/ Sapient. 4. Welchen der fromme Gott alſo abfordert: Owie trefflich wol iſt dẽ geſchehen: der zeitlich Todt/ iſt hm kein Todt/ ſondern ein ſanffter ſuͤſſer Schlaaff/ er verſchwelcket wie ein ſchoͤnes Naͤgelbluͤmlein/ ligt in der Erden in der Ruhe/ wie ein feines geſundes Kindlein/ das auff ſeiner Mutter Schoͤßlein raſtet/ ligt vnd lachet im Schlaaff mitten vnter den heiligen Engelein GOTTEG/ ſintemaler in ſeinem Leben gehoͤret hat die Freundholte Wort/ welche jhm ſein hochver⸗ dienter dientet lich ich uiſ vnsalle vnndle daß wi ſungſa in Ewi an vr Trin allhie die let Leicht daßer ſaunen tes. Frang ſe We die he derro⸗ faͤrbet s ms je beyde hwegen mitten einem chvet⸗ ienter faͤrbet/ vnnd von ſeiner Miſelharatapgſhan wor⸗ Erſter Theyl. 24— dienter trawter Emanuel in die Ohren geruffen hat: Warlich war⸗ lich/ ich ſage euch/ wer mein Wort wirdt halten/ der wird den Todt nicht ſchmecken ewiglich/ Johan. 8. Dieſer vnſer Erloͤſer vnnd Secligmacher gebe vnnd verleyhe vnsallen ein ſeeliges Stundlein/ fuͤhre vns ins Himmels Gaͤrtlein/ vnnd lehre vns hie bedencken wol/ daß wir ſeynd ſterblich allzumal/ daß wir allhier kein bleibens han/ muͤſſen all darvon/ gelehrt/ reich/ jung/ alt oder ſchon/ dem ſey Lob vnd Preiß geſagt/ von nun an biß in Ewigkeit/ Amen. PERSONALIA. r ſeyd/ Geliebte im Herꝛn/ im Anfang dieſer SPredigt bericheet worden/ wie Syrachs Spuͤch⸗ lein: Geſtern wars an mir/ heut iſts an dir/ auch an vnſerm Mitbrudern Herin M. Hieronymo Trinckhuſio war worden/ vnnd daß wir deß halben allhie auffm Gottesacker zuſammen kommen ſein/ jm die letzte Ehr zu erzeigen/ vnnd ſeinen hinderlaſſenen Leichnam wie ein Weitzenkoͤrnlein in die Erden zulegẽ/ daß er darinen vermodern ſoll/ biß auff den letzten Po⸗ ſaunen Schall vnd Donnerſchlag deß groſſen Got⸗ tes. Dieſer Hert Magiſter Hieronymus/ iſt zu Franckfurt am Mayn von Chriſtlichen Eltern in die⸗ ſe Welt geboren/ vnd balde dem Hegꝛn Chriſto durch die heylige Tauffe inverleibet/ vnnd darinnen/ als in der roten Suͤndflut mit ſeinen Roſenfarben Blut ge⸗ den. * 293 3 Gieß iſcher Leichpredigten den. Beſagte ſeine liebe Eltern/ die nun auch alle bende m G Ott ruhen/ haben ihn zur waren Gottes Furcht fleiſſig angehalten/ im Catechiſmo trewlich vnterwie⸗ ſen/ vnnd bey jhnen in die Stattſchulen gehen laſſen/ darinnen er ſo wol zugenom̃en/ daß er von dannen na⸗ her Marpurg auff die damalige Vniverſitet verſchi⸗ cket worden iſt/ da er ſein wolangefangene ſtudia mit fleiß hat continuiret. Demnach aber daſelbſten ein Reformation an⸗ geſtellet/ vnnd die Religion auff Calviniſch verendert worden/ hat er ſich auff Raht ſein Obern zu vns na⸗ her Gieſſen auff die loͤbliche Vniverſitet begeben/ hat vnter mir/ da ich damals noch Philoſophiam profi⸗ tierte/ Anno07. publicè diſputirt/ vñ bald darauff den 8. Tag Octobris beneben andern 27. gelehrten jungen Naͤnnern me promovente& perorante den gradum Magiſterii mit Lob erlanget. Hernacher hat er ſich gantz vnnd gar auff das Studium S8. Theologiæ geleget vñ im jahr ⸗609. ein Diſputation gehaltẽ von H. Abendmal/ vnter Herꝛn D. Henrico Eceardi/ damals vnſerm Collega vnnd Mitprofeſſore. Im Jahr /6)0. iſter nach Jena/ auff dieloͤbliche Vniverſitet verꝛeiſet/ daſelbſten er ſieh fleiſſig geuͤbet in in dem Kollegio Herꝛn Doctoris Petri Piſcatoris ſei⸗ 1 nes nes gen i cauſ⸗ lentze migel auff. ſeinen dioſe wart tation Vanſe Gna derni daiſch einma junch cô§yr offene geuͤbe berlief Jranc gehoͤre han ebeyde Furcht ſerwvie⸗ laſſen/ tenna⸗ eiſcht liamit Man⸗ endert s na⸗ / hat prof⸗ rauff thrten rante ſdas 9 ein Herm vnnd bliche betin is ſai Hies Erſter Theyl. 243 nes Schwagers. Alls aber derſelbe mit Todt abgan⸗ gen/ iſt er nach Wittenberg uberiorum profectuum cauſa, verꝛucket/ allda hat er gleichfals nicht gefaul⸗ lentzet/ iſt kein waſſeriger Hopffenbruder vnnd ſchleu⸗ miger Spuͤlbecher geweſen/ wie man ſolcher Geſellen auff Vniverſiteten hin vnnd wider findet/ ſondern hat ſeinem ſtudiren/ leſen vnnd beten/ wie das einem Ftu⸗ dioſo Theologiægebuͤhret/ Tag vnnd Nacht abge⸗ wartet/ vnter Hern D. Thoma Frantzio zwo Diſpu⸗ tationes gehalten/ die erſte de Providentia, von der Verſehung: Die ander de Prædeſtinatione, von der Gnadenwahl der Kinder Gottes zum ewigen Leben. Darbey hat ers noch nicht bewinden laſſen/ ſon⸗ dern weiler auch in Hebraͤiſcher/ Syriſcher vnd Chal⸗ daiſcher Sprach woliſt erfahren geweſen/ hat er noch einmalpublicè diſputiret vnter einem gelehrten Ad- junctofacultatis Philoſophicæ, deeditione Lexi- ci Syriaci, welche ſeine diſputationes alle ſeynd in offenem Truck außgangen. ANiichts weniger hat er ſich auch im Predigen offt geuͤbet/ darzu jhm G Ott vor andern eine feine Gabe verliehen/ wie ich dann felbſten jhn von ehrlichen Franckfurtiſchen Buͤrgersleuten ſehr hab ruͤhmen ehoͤret. geh In dieſem noch ſchwebenden 1612. Jahr im Monat Julio iſt er wider auff vnſer hohe Schul onnen ene Meynung/ weil er 4 9 244 Gießiſcher Leichpredigten in derſelben ſein ſtudiũ Theologiæ hiebevor angefangen/ wolte er es nun recht zum Ende fuͤhren/ vnnd dann auff Erforderung eines Ehrnveſten Wolweiſen Rahts zu Franckfurt/ der jhn in ſeinem ſtu⸗ dire reichlich vnd ehrlich verleget/ ſich auffs heylige Predigampt be⸗ geben. Aber ehe er ſein Rechnung vñ Facit kaum außgemacht hatte/ kompt der allein weiſe Gott/ vnd machet jm einen Strich dardurch/ vnnd muß er wider verſehens mit ſeinem Exempel das gemeine Sprichwort beſiaͤtigen: Homo proponit, Deus diſponit, der Menſch deckts/ Gott lẽckts. Dañ den 5. Tag Septembris hat jn ein hiziges Fieber angeſtoſſen/ welches jmploͤtzlich ſo hart zugeſetzet/ daß er gantz abgemattet den 9. ermeltes Monats/ in warer Anruffung Gottes/ vnd Erkandtnuß ſeines Sohnes Jeſu Chriſti/ vnnd Troſt deß heiligen Geiſtes/ ſeinen Geiſt ſanfft vnd ſtill auffgegeben hat /e⸗ ben in ſeinem bluͤhenden Alter/ nemblich in 26. Jare. Wir zwar hetten jhm ſein Leben hertzlich gern laͤnger gegoͤn⸗ net/ bevorab weil wir die ſtarcke Hoffnung geſchoͤffet/ es wuͤrde auß jhm ein vornemer man werden. At ſuperis aliter viſum eſt: Dem getrewen GOtt hat es anders gefallen/ vnd ſeine vns vnbekandte Vrſache gehabt/ warumb er mit jhm ex hac regione mortis, auß dieſem Angſihauß vnd Thraͤnenthal geeilet/ vnd auß dieſer jrꝛdiſchẽ Schulin die Himliſche Academiam heim geholet/ darinnen er nun mit den Cherubiniſchen vnd Seraphiniſchen Muſicanten/ mit lautſtimmigem Mund intoniret vnd quidduliret das ꝛenue Hey⸗ lig/ heylig heylig iſt Gott/ der Herꝛe Zebaoth/ Eſa. s. Was wollen wir vns dann vber ſeinen Abſchied viel bekuͤmmern⸗ Was betruͤbt ſich ſeiner Angewandten Seel/ vnnd iſt ſo vnruͤhig in jnen: Warumb wuͤndſchẽ ſie jm nit vielmehr Gluͤck darzu vñ ſagen: Salve Trinckuſi, Cælorum in ſede recepte: Wolan/ Hiobs Troſiliedlein/ ſoll zum Beſchluß vnſer Danck⸗ yſalmlein ſein. Der Herꝛ hats gegeben/ der Her: hats ge⸗ nom̃en/ der Name deß Herm ſey gelobet/ von nun an biß in alle Ewigkeit/ Amen. Herꝛ Jeſu Chriſte/ Amen. Die volte tr geines em ſu⸗ mpt be⸗ thatte durch/ emeine nit, der ztſnein get daß uffung Tooſt hatie⸗ gegoͤn⸗ deauß Dem kandte , auß diſche 145 882 38 ,38 35,8,20 Se Se 5 2e Se 3 S.Sr Se ee es Die Dreyzehende ceichptedigt Gehalten in der Pfartkirchen zu Gieſſen/ bey der⸗ Begraͤbnuß Johannis Hermanni Lautebachii/ Deß Ehrnveſten vnnd Hochgelahrten Herꝛn Joſe⸗ phi Lautebachii/ der Artzeney Doctoris vnd Profeſ- ſoris, Soͤhnleins/ G 3 Durch CASPARUM FINCKIUM, der heiligen Schrifft Profeſſorem vnd Predigern. Text auß dem Buch Hiob Cap. 14. Der Renſch vom Weibe geborn/ le⸗ bet kurtze zeit/ vnd iſt voller Vnruh: Ge⸗ het auff wie ein Blum/ vñ fellt ab/ fleucht wie ein Schatten vnd bleibet nicht. 2 EXORDIuM. [Ʒ☚ Eliebte im Herꝛn Chriſto/ wir haben heut den Tag der Vnſchuldigen Kindelein/ welche He⸗ 2 rodes der Bluthundt mit ſeinem Wuͤrgeſchwert jaͤ⸗ merlich hat hinrichten laſſen/ Matth. 2. vnd wiegen noch daran vnſer liebes Chriſtkindelin/ das iſt/ ſagen Gott lob im hoͤchſten Thron/ daß er vns geſchencket hat ſeinen einigen Sohn/ daß er den Armen habe vermeldt den Hirten vnnd Schoͤpffer aller Welt/ vnd daß er diß alles vns hab gethan/ ſeine groß Lieb darmit zuzeygen an/ auff daß wir endlich in ſeim Reich in Frewden leben ewiglich.— 1 4 Gleich wie aber das zarte Jeſulein in den 3 ſeines he⸗ i es —— 1 ⸗—.——— X I.— 146 Gießiſcher Leichpredigten. ſches viel Elendts außgeſtanden/ vnd das trawrige Symbolum ge⸗ fuͤhret hat: Anni mei in gemitibus: Alſo will es auch/ daß wir in das Reich/ welches er vns durch ſeine genadenreiche Geburt vnnd Menſchwerdung zuwegengebracht hat/ komen vnd eingehen durch viel Truͤbſal/ Act. 4. durch Verfolgung/ z. Tim. 3.durch ſtachlichte Dor⸗ nen/ Canrtic.2. Taulerus der Gottſelige Geyſtreiche Lehrer/ ſchreibet in ſei⸗ ner dritten Predigt de exaltatione crucis, es habe ein Altvatter vor der zeit Gott hertzlich angeruffen/ dz er doch woͤlle ſo wol thun/ vnd jhn den Herꝛn Chriſtum ſehen laſſen:vñ als er ſeiner Bitt ge⸗ waͤhret worden/ ſey jhm zu letzt erſchienen ein kleines liebliches Kin⸗ delein/ welchs mitten in einem Dornſirauch geſeſſen/ darauß hab er abgenommen/ daß Chriſius vnter den Dornen der Truͤbſal verſie⸗ rket ſey/ vnd wer jhn ſehen vnd zu jhm komen woͤlle/ der muͤſte ſich durch ſolche Dornſtreuche zu jhm dringen/ vnangeſehen/ dz er von von denſelbigen offtermals gerietzet vnd gekratzet werde. Dauuen⸗ hero redet der Alte Lehrer Bernhardus ſeinen Herꝛn Chriſtum ak⸗ ſoan: Pertranſibo mare& aridam,& nuſquam mſtin cruce te inveniã, dz iſt/ Wañ ich dich ſchon im Meer/ oder auff Erden ſuchen werde/ ſo werde ich dich doch nirgentswo antreffen/ als bey dem lieben Creutz. So haben auch die Alten Mahler Chriſtumge⸗ mahlet ein holdſeliges vnd liebreiches Kindelein/ einen runden Apf⸗ fel/ der die ewige Frewde bedeutet/ mit einem Guͤldenen Creutzlein in der Handt haltend/ darmit anzudeuten/ Wer den Apffel haben woͤlle/ der muͤſte das Creutz auch mit ſich nemen/ vnd beden cken/ es were dannoch das alte Verßlein war worden: Poſt lachrumas ri- ſus, poſt exilium Paradyſus. V Daher iſt die alte vnnd gute Gewonheit koſen/ daß/ wann das Iheſu⸗Kindlein vnſerm Sohnlein vnd Doͤchterlein ſeine Ga⸗ beaußtheylet/ es auch der Ruthen nicht zuvergeſſen pfleget/ wie es dann dieſe ſeine Weiß noch gar newlich Practiciret hatt/ nemlich am verſchienen Donnerſtags dieſes Chriſt⸗ Monats. Dannals 2 damals dama frevd fd da wa veſten gtive harte mann ſeiner lieben gutG len vnñ tar ne der S dams. zeitlich ſagt i kurze fleucht ben. D wieget Säͤhn nach ſe gen vn gekuͤſſ cketes ſezet: warvon lebte ſit lein ſch eſtand lumgt, ßwirm t vnnd en durch te Dor, et in ſei lwatter lthun/ Bpitt ge⸗ esKin⸗ habe verſie⸗ ſteſich zervon attnen⸗ tumab⸗ Cluce Erden als bey umge⸗ nAyf⸗ ußlein lhaben ken es nas Il- wann eGa⸗ wit o mlich als es mals Erſter Theyl. 4„ damals von Hauß zu Hauſe gieng/ andern Kinderlein die Himel⸗ frewde machete/ jhnen/ durch die liebe Eltern/ Zucker/ Gelt/ Depf⸗ fel/ Biern/ Honigkuchen/ vnd andere Siebenſachen verehrete/ ſihe/ da wandert es mit ſeinem wolgeſchnitzten Creutzlein in deß Lhrw veſten vnd Hochgelahrten Herꝛn D. Lautenbachii/ vn ſers reſpe- ctivè Collegæ vnd lieben Gevattern Hauß/ warff es auß ſeinem harten Krippelein/ jhn ſein hertzliebes Soͤhnleins/ Johannis Her- manni/ Wiegelein/ beſcheret jm ein ſeliges Stuͤndelein/ nam es auß ſeiner groſſen Pein/ vñ fuͤhrets ins Himmels Gaͤrtelein/ zu ſeinem lieben Schweſterlein/ dem fromen Annen⸗Caͤtherlein/ ſolt mit hm gut Geſaͤngelein/ mit. Hertzen/ Mundt vnd Haͤndelein/ ſingen/ ſpie⸗ len vnd froͤlich ſein/ zu ſeinem Lob vnd Ehrallein. Dann ob jhm wol dieſer ohannes Hermannulus gleich war nach dem Fleyſch/ Hebr. 2. ſo war er jhm doch vngleich nach der Suͤnden. Ach darinnen war es wie David vnndalle andere A⸗ dams Kinder entfangen vnd geboren/ Pſal. ⸗r. muſte deßwegen dem zeitlichen Todt eins herhalten/ vnnd zwar beftnden/ was Hiob hier ſagt in den abgeleſenen worten: der Menſch vom Weibe geboren lebet kurtze Zeit/ vnnd iſt voller vnruhe. Gehet auff wie ein Blum/ vnd faͤllet ab⸗ fleucht wie ein Schatten/ vnd bleibet nicht. Freylich ja iſt es nicht geblie⸗ ben. Dann ob ſchon ſeine liebe Eltern das Iheſukindlein auch ge⸗ wieget/ es hertzlich vnd ſöͤhnlich gebeten haben/ es woͤlle jhr vnd jres Soͤhnleins Hertz noch lang zu einer Wiege behalten:ſo hat es doch nach ſeinem weiſen raht vnnd willen die Hoͤltzerne Ir diſche Wie⸗ gen vmbgeſtoſſen/ das darin gelegene Soͤhnlein genommen/ alſo gekuͤſſet/ daß jm der Hertzbendel gekrachet/ vnd als ein verſchwel⸗ cketes Bluͤmlein ins Himliſche Paradeiß tranſ plantiret vnd ver⸗ ſetzet: Vrſach Hiobs abgeleſenes Spruͤchlein galt jhmauch: Es war von einem Weib geboren/ mit weh vnnd ſchmertz in Gottes Zorn/ vnd lebte hie ein kleine Jeit in jamer not vñ duͤrfftigkeit: Es bluͤhete wie ein Bluͤrn⸗ lein ſchon/ balt flog es wie ein ſchatten darvon/ ſein thun vnd weſen hat kein beſtandt/ im Augenblick wardt es Gewandt. Ji ⸗ Wanm 7; 248 Gießiſcher Leichpredigten Wann dañ nun ſolches widerfaͤhret nicht allein den Armen kleinen Wichtichin/ ſondern auch vns/ vnd allen Menſchen Kin⸗ dern ins gemeyn/ ſo thun wir recht vnd wol daran/ daß wir vns vn⸗ ſer nichtigkeit vnd flichtigkeit erinnern/ die abgeleſene wort/ darinen vns dieſelbe vorgemahlet wirdt/ mit einander betrachten/ vnd denn beſehen wie wir vns dieſelbe nutz machen ſollen. Vnſer hertzliebes Iheſulein/ welches alle ding erhelt allein/ vns traͤgt vnder ſeim Hertzelein/ wie ein Mutter jhr junges Kindelein/ woͤll mit ſeiner ge⸗ naden bey vns ſeyn/ Amen.— Erklaͤrung der wort. Der Menſch vom weib geborn lebt kurtzezeit/ ppricht der Mañ/ welchen Gott mit Noah vñ Danieln vergleichet/ Ezechiel. 4. in welchem Gott dem Teuffet ein phererrum oder Todtebahr auffgerichtet hatte/ wie Tertullianus der vhralte leh⸗ rer redet. Er ſaget nicht/ der Man/ das Weib/ das Kindt/ der Knecht oder die Magdt/ ſondern der Nenſch vom weibe geboren/ vnd wil damit zweyerley anzeygen. Erſtlich/ das niemandt erempt vnd ſemper frey ſey/ ſondern ein jeglicher der dieſe welt beſchreyhet vnnd beſchreitet/ muͤſſe dem zeitlichen todt herhalten/ lebe ein kurtze zeit/ vnd ſey voller Vnruh. Darnach wil er mit dieſem wort die eytelkeit deß gantzen Menſch⸗ lichen geſchlechts vorbilden. Dañ in heiliger Schrifftiſt das woͤrt⸗ lein Menſch/ nomen contumeliæ, humilitatis& vanitatis, das iſt/ deutet an daß es vmbjhn ein nichtiges/ fluͤchtiges/ jaͤmer⸗ liches vnnd armſelges ding ſey. Was iſt doch der Menſch daß du ſein gedenckeſt/ ſyricht David Pſalm.8. wie gar nichts ſeindt doch alle Menſchen/ Pſalm 39. vnd wann Pilatus vnſers he ꝛirn Chriſti betruͤbten Jamerſtandt den Juͤ⸗ den vor Augẽ ſtellen will/ ſpricht o zu jnẽ: Ecce ho mo, Sehet/ welch ein Menſch · Ja vnſer e ꝛn Chriſtus ſelbſten nennet ſich ſicht Erni nehm Well viri, verat Soh weiſe kurt Todt feiſſet Zeit⸗ mech⸗ fange Zeit? vaͤlte vnnd vnder tesmi vnnd Aren den Kin⸗ vnsvn. darinen nd denn Itzliebes der ſeim aner ge⸗ tezeit leichet moder altelch⸗ ndt der welbe ſondern ſſedem Vnruh. Nenſch⸗ swort⸗ Itatlé, ſaͤmer⸗ enſch ſegar dwann ani⸗ jehet neunet ſih weiſen. Erſter Theyl. 149 ſich deß Menſchen Sohn/ ſeine groͤſte vnnd aller tieffeſte Ernidrigung damit anzuzeygen: Dann die jenigen/ welche vor⸗ nehmer Ankunfft/ in groͤſten Digniteten vñ Wuͤrden ſeyn vor der Weldt/ werden in der heiligen Hebraiſchen Sprach genennet filii viri, Kinder oder Soͤhne eines Mañs: Hergegen/ welche ſchlecht/ veracht/ vnnd gering ſeyn/ heyſſen filii hominum, Kinder oder Sohne der Menſchẽ/ welches vnvonnoͤten iſt mit Exempeln zu be⸗ Dieſer Menſch vom Weibe geboren lebet ein kurtzze zeit. Es iſt nur vmb ein vmbſehens zuthun/ ſo kompt der Todt mit ſchnellen Fuß/ truͤcket jhm die Hirnſchaͤdel ein/ vnnd reiſſet jhn auß dem Landt der Lebendigen. Eyſprichſtu: Adam lebte 930. Jahr/ heyſt das ein kurtze Zeit? Mathuſalem lebte9 69. Jahr/ heyſt das ein faehe Hai 2 La⸗ mech/ der zum Erſten die polygamam vnnd Lahme Ehe ange⸗ ngen lebte ſiebenhundert vnnd 77. Jahr/ heyſt das ein kurtze eit e Darauff geben wir zur Antwort: Nicht ohn iſt es/ die Ert⸗ vaͤtter vor der Suͤndflut haben nicht ſo eine furtze Zeit gelebet vnnd haben jhres langen lebens vnderſchiedene gehabt/ vnder welchen dieſe die vornembſie ſein. Die erſte iſt geweſen Got⸗ tes mildtreicher Segen. Dann wer anders als er iſt vnſer leben/ vnnd vnſer Tage lenge? Er hat ein langes leben ſeinem vor⸗ nembſten Segen vnd Ehrenlohn ſein woͤllen/ wie zuſehen Deuter. 11. Exod. 20. die uder iſt geweſen⸗earia, das herꝛliche Tempe- rament, daß alle humores oder feuchtigkeiten/ in welchen das lebẽ mehrer theyls beſtehet/ wie Ariſtoteles lehret in ſeinem Buͤchlein de longitudine& brevitate vitæ, gant freundtlich haben zu⸗ ſamen gehalten/ vnd keine der andern zuwider geweſen iſt/ daß man davonmit Ovidio nicht hatt ſagen konnen. 14, Fri- 4 Al. 2 50 Gießiſcher Leichpredigten Prigidapugnabantcalidis, bumentia ſiccis. 89 Die Dritte/ der geſunden Ort/ vnd die woltemperirte Lufft. Dañ attzet ſie haben gelebet vnd gewohnet nicht weit vom Paradeiß/ da weder ſunde die Suͤndtflut/ noch die Peſnilentz/ oder ein andere Anſteckende pera Schwachheit die Lufft verfelſchet hatie. Schreibet doch Plinius dasi libr. 7. c. 49. daß ein Ort ſey mitten in Jtalia/ an welchen die Leut quan lenger als ſonſten gelebet haben. So meldet auch Oroſius libr. z. ſeute rerum Emanuelis, daß in Braſilia ſo ein geſunde vnd reyne Lufft ſtenit ſey/ daß man faſt keiner Artzney bedarff: Dañ wann die Menſchen trun geſundt ſeyn/ ſo heyſſet es wie der Poet ſpricht: 1 NMM Si valeant homines, ars tua, Phæbe, jacet. eanv) Die Leut aber ſo darinen ſterben/ ſollen nicht ſterben wegen Kranck⸗ unn heit/ ſondern wegen hohes Alters. Ein gleicher Ort ſoll noch auff den heutigen Tag in Irꝛlandt ſeyn/ wie Munſterus vnnd andere mäſ ſchreiben. Die vierdte vrſach iſt geweſen victus ſimplicitas, daß 9 vhs eyey ſie ſich in Eſſen vnd Trincken haben naͤhrlich vnd ſpaͤhrlich gehal⸗ dn ten. Dann das Senecæ Verßlein mehr als war ſey/ bezeuget die 1ſi taͤgliche Erfahrung:— multos morbos fercula multa ferunt. kiin Viel Trachte vnd Gericht/ bringen viel Kranckheiten vnd Gicht. N 5 Vonden Eſſeern/ welche den Namẽ ohne die That gehabt/ ſchrei: Manſ bet Joſephus lib. 2.c.. de bello Judaico, daß ſie gar langgelebt uver haben/ weil ſie nicht viel gefreſſen vnd geſoffen haben/ wie etwa heu⸗ nacht tiges Tags die Gequas vnd Fraßbruͤder thun. Vnd hieher gehoͤ⸗ Ar ret die wolbekannte Fabel von Podagra vnd der Spinnen/ welche ncns mit einander vber Feldt gezogen /ꝛc. Dañenhero wirt auch das Po⸗ chend dagra oder Zipperlein der Herꝛen Kranckheit genent: Vnd ſchrei⸗ hewer bet darvon Hieronymus,(wie ſeine wort angezogẽ werden in dʒ dli eretis, titul.de Conſecrat. diſtinct. 5. Capitul. legimus,) alſo: denlen Legimus quoſdam morbo articulari& podagræ humori- dulich bus laborãtes preſcriptione bonorum ad ſimplicem men- dardon ſam A tanck⸗ hauff andere 6 daß gehal⸗ get die Bicht. ſchrei⸗ gelebt aheu⸗ gehoe velche Po⸗ chruu nde- aſß: of- nen- ſam Erſter Theyl. 751 ſam& pauperes cibos convaluiſſe, das iſt/ wir leſen/ daß etliche ſo mit den Podagra behafftet/ wann ſie jhre Haab vnd Guͤter ver⸗ artzet/ vndan ſchlechte Speiſe ſich gewoͤhnet haben/ widerumb ge⸗ ſundt worden ſeyen Derwegen iſi die fuͤuffte vr ſach dieliebe Tem. Peranria, die Meſſigkeit/ daß ei Menſch das Ochſenrecht helt/ das iſt/ nicht mehr jſſet vñ trincket als die Leibsnotturfft erfordert/ quantum pios decet& pudicis utile eſt, nur ſo viel als fromen Leuten wolanſtehet/ vnd ſie nicht Vnkeuſch machet/ wie die Chri⸗ ſten in der erſten Kirchen/ nach Auſſag Tertulliani, geſſen vnd ge⸗ truncken haben. Auß der vrſach nennet Georgias Leontinus die Meßigkeit vitæ ſuæ longioris magiſtram& conſervatricem, ein vrſach vnd die erhaltung ſeines langen Lebens. Vnd als er auff ein malgefragt wardt/ was doch die Vrſach wehre/ daß er ſo Alt worden were/ hat er dieſe runde Antwort gegebẽ/ 13e⸗ gdm ri ido- Ne deexa zeæεεν, Er hab niemals den Luſten zu buͤſſen jechtwas vn⸗ maͤſſig gethan. Es ſchreibt auch Strab. lib.n. Die Leutlein in In⸗ dien ſeyen wegen jrer Maͤßigkeit entweder nie kranck geweſen/ oder da ſie je kranck worden/ ſeyen ſie gar liederlich vnnd leichtlich wider geſund gemacht worden von den Sophiſten/ das iſt/ von jren Phi- loſophis vnd Weiſen. Derhalben wann allhie Hiob ſpricht/ Der Menſch vom Weibe geboren/ lebt ein Kurtze zeit/ iſt ſolches mehrer theyls zuverſtehen von dem Menſchen nach der Suͤndflut. Es iſt war/ nach der Suͤndflut lebte Moyſes 130. Jahr/ vnnd hat jhm weder Aug noch Zahn wehe gethan. Der Alte Roͤmer Pomponius At- ricus iſt ſo friſch blieben/ daß er in;0. Jahr kein Artzney hat brau⸗ chen dorffen/ aber das war aliquid præſertim, ein beſonders vnd hewer newes Ding/ geraͤth auch alſo vnder tauſenden nicht einem/ wie die taͤgliche Erfahrung bezeuget. Vnſer abgeſiorbnes Mitbruͤ⸗ derlein beſtaͤtget es auch mit ſeinem ſelbſt eigenen Exempel. O ja/ du lieber G.O TTꝛ Vnſer Leben faͤhret ſchnell dahin/ als floͤgen wir darvon/ Pſalmo 90. Nit allein aber lebt der Menſch vom Weib geborn ein Kurtze Ji 4 Zeit/ 5 —— 252 Gießiſcher Leichpredigten Zeit/ ſondenn iſt auch voller vnruhe. Voller vnruhe am lei⸗ be/ welcher/ wie die Medici berichten/ dreyhundert Schwacheiten vnd worffen iſt. Quot ſunt membra, tot ſunt mortes, der Tod gucket zu allen Gliedern herauß/ ſpricht der ſelige Herꝛ Lutherus. Voller vnruh an der Seelen/ weiler von Todt/ Suͤnd/ Teuf⸗ fel/ Hell/ vñ der Gottloſen Welt angefochten wird/ vnd mehrmals mit Jeremia Winſeln vñ Klagen muß auß ſeinem Lamentatio- nibus. Ich bin ein Elender Nañ/ der die Ruhte ſeines Grimmes ſehen muß. Er hat mich gefuͤhret vnd laſ⸗ ſen gehen ins Finſternis/ vnnd nicht ins Liecht. Er hat ſeine Hand gewendet wider mich/ vnnd handelt gar anders mit mir fuͤr vnd fuͤr. Er hat mein Fleyſch vnnd Haut alt gemacht/ vnnd meine Gebeyn Zer⸗ ſchlagen. Er hat mich Verbauwet/ vnnd mich mit Gall vnnd muͤhe vmbgeben. Er hat mich ins Fin⸗ ſternis geleget/ wie die Todten in der Welt. Er hat mich Vermauret/ daß ich nicht herauß kan/ vnd mich in harte Feſſel geleget/ vnnd wann ich gleich ſchreye vnnd ruffe/ ſo ſtopfet er die Ohren zu vor meinen gebett/ Thren. cap.z. voller vnruhe in ſeinem gantzen Le⸗ ben/ welches/ wann es koͤſtlich geweſen/ muͤhe vnnd Ar⸗ beit geweſen iſt/ Pſalm. ↄ0. Syrach ſpricht es ſey ein E⸗ lendt vnnd Jaͤmmerlich ding vmb aller Menſchen Leben von Mutterleib an/ biß ſie in die Erden begra⸗ ben werden/ die vnſer aller Mutter iſt/ cap. 40. Naſci- mur in luctu, ſagt vnnd klagt Nazianzenus, vivimus in labo- re,& tandem morimur in dolore, in Leydt werden wir geboh⸗ ren/ mulit benw mit zu einer! Was lein? genlu mach auch ligke Mat keinge in den lipa, d; da aufff beljje an /di ab da vndze ſichh Eiſ Quic gorid nes War denſe Erſter Theyl. 753 realinmaht vnnd Arbeit leben wir/ mit groſſem Schmerben ſter⸗ en wir. Dieſes alles illuminiret vnnd erklaͤret der fromme Hiob mit zweyen gemeynen Gleichnuͤſſen. Das erſie iſt genommen von einer Blumen. Er gehet auff wie ein Blum vnd faͤllet ab. Was iſt doch lieblichers/ luſtigers/ vnd anmuͤtigers alß ein Bluͤm⸗ lein? Wann es der Menſch anſiehet/ ſo machet es jhm einen Au⸗ genluſt/ der Geruch erquicket jhn/ die ſchoͤne Geſtalt vnnd Farbe machet daß er ſich manchmal Creutziget vnnd verwundert/ das auch Chriſtus ſpricht/ Solomon ſey in aller ſeiner Hert⸗ ligkeit nicht bekleydet geweſen als derſelbigen eins/ Matth. 6. c. Aber huͤlff lieber Gott/ wie baldt iſt es mit eineẽ Bluͤm⸗ lein geſchehen/ beſonders wañ es auff dem Felde ſiehet/ Blumẽ die in den Garte wachſen/ als Roſen/ Lilien/ Naͤglein/ Nareiſſen/ Tu- lipa, Corona Imperialis, vñ dergleichen/ die bluͤhen eine zeitlang/ dz der Gartner ſeine Beluͤſtigung daran hat. Aber die Bluͤmlein die auff freyem Feld wachſen/ als Marien Tropfflein/ Sonnenwir⸗ bel /je lenger je lieber/ vergis mein nit/ gamanderle/ violen/ vñ ſo fort an/ die ſeind am aller vbelſten daran/ wer voruͤber gehet/ briechet ſie ab/ das Viehe kneippet ſie ab/ ſie werden mit den Fuͤſſen zertretten vnd zertrappet/ daß ſie ploͤtzlich verwelcken vnnd verſchwelcken/ wie ſich hieruber das liebliche Violbluͤmlein bey dem Poeten beklaget: Non habeo violæ nomen, violando quodobſine, Sedpedibus duris quod violanda terar. Ein ſolche Bluam deß Feldes iſt der Menſch/ Pſalm. 103. Eſa. 40. Quid ſunt homines niſi flores in campo, ſpricht der alte Gre- gorius. War vnſer abgeſtorbenes Hauß⸗Soͤhnlein nicht ein ſchoͤ⸗ nes Bluͤmlein? Bluͤet es nicht wie ein außgefuͤlletes Roͤßlein⸗ War es nicht lieblich vnd anmuͤtig ſeinen lieben Eltern? Die ſtun⸗ den je in der hoffnung/ ſie wuͤrden dermal eins ſeines liebliche Ehrẽ⸗ Kk geruchs 1N. 554 Gießiſcher Leichpredigten geruchs vnd frewden⸗Fruͤchten genieſſen. Aber dem heßlichen vnd euff greßlichen Todt war es weder zu ſchoͤn noch zu lieblich. Dernamm ſͤm ſeine krumme Senſe vñhiewe es darnieder. Der heilige Chriſt ſol⸗ te jhm/ wie andern fromen Kindelein/ ſeine Gaben beſcheren. Aber er kam wider alles verhoffen/ vnnd verehrete jhm ein Todtenkaͤſt⸗ niſche lein/ das ſolte ſein Præſent ſein/ darinnen ſolte es in der Erden raſi⸗ nem en/ biß an den froͤlichen Lentzen des lieben Juͤngſtentages/ daran tung! GOᷣTtalle wolriechende Bluͤmlein vnnd Paradeiß zweiglein wix- nrrſcr derumb durch ſein kraͤfftiges Wort auß der Todtengrufft hervor fun bringen wirdt.— ſtun Das ander gleichniß nimpt Hiob von dem Schatten/ wel⸗ eincri ches ſonſten der heilige Geyſt offtmals gebrauchet hat/ alsꝛ. Chro⸗ gen v nic. 9. Pſal.õo.143. Eccleſiaſtæ 7. Sapient. z2.&c. Ex fleucht hen wie ein Schatten vnd bleibet nicht. In der gantzen Welt han iſt kein vergenglicher vnd nichtiger ding als der Schatten. Waun Felſen die Soñ ſcheinet/ folget er dem Leib gleichſam auff dem Fuß nach/ Ende vnd ſcheinet ein groß ding ſeyn. Wannſie aber vntergeht/ vndvon aͤni⸗ den Wolcken verborgen wirt/ ſo verſchwindet er/ vnnd iſt eben/ als gſſch wann er niemals were dageweſen. Iſt nun der natus mulieris, der habee Menſch vom Weib geborn ein Schatten/ ſo iſt er kein Wehrobs 6 nicht/ ſo tawret er traun nicht lang/ ſo heyſſet ſein rechter Name/ uun b Morgen hinweg/ ſo lautet ſein Symbolum, Genadt dir bund Gott/ der iſt hin. In betrachtung dieſes/ nennet der Chriſtliche ſebgch Poet Prudentius die Menſchen nicht diuturnos, ſondern diur- gaaber nos, Arme Kinder Ev⸗/ die nicht lang/ ſondern nur einen Tagle⸗ tinwoͤ ben. Vnnd hieher gehoͤren die gleichnuͤſſen heyliger Schrifft/ daß kunſte das leben vergliechen wirdt dem Schlaff/ einem Geſchwaͤtz/ denpe einer Nachtwach/ Pſalm.)o. einem Dampff/ Pſalm 37. ei⸗ Ibom nem Nauch Jacob⸗ einer Hirten Huͤtten/ Eſaz7 einer hi Waſſerblaſen/ Oſeæ 10.&c. Welche allezumal vns fuͤhren vn auff hen vid dernañ diſt ſol⸗ n. Aber tenkäͤſt⸗ enraſt⸗ daran lein wi⸗ hervor n/ wel⸗ Chro⸗ leucht Welt Wauu bnach Indvon en als eris der chrobs Name, dt dir fli ſdiur- Tagle⸗ i daß vaͤß/ 37. einer hren auff Erſter Theyl. 155 auff die betrachtung der nichtigkeit vnnd fluͤchtigkeit vnſers clendt jaͤmerlichens lebens. Lehr/ Vermahnung vnnd Troſt. Worzu dienet vns aber dieſe detrachtunge Plato der Heyd⸗ niſche Philoſophus hatt pflegen zuſagen/ Mortis meditatio- nem eſſe ſublimem quandam Philoſophiam, die betrach⸗ tung deß Todtes/ ſey die hoͤchſte Weißheit. Syrach der weiſe Leh⸗ ter ſpricht: Was du thuſt ſo bedencke das Ende/ ſo wir⸗ ſtu nimmer Arges thun. Traun ſa/ wañ man bedencket/ das einer in die Todtengrufft hinab muß/ ſo bleibt viel boͤſes vnterwe⸗ gen/ vñ wirt viel guts geſtifftet. Deßwegen haben die liebe Altẽ bey Ihrem leben jhre ſchoͤne Graͤber machen laſſen; als Joſepff von Arimathia/ hatte jhm ſein Grab/ da er noch lebete in ſeinem eige⸗ nen Garten als ein beſonder Luſthaͤußlein/ in einan gantzen newen Felſen hawen vnnd zubereyten laſſen/ darmit er vrſach hatte das Ende ſeines lebens zubedencken/ Matth.27. Im andern Buch der Koͤnigen leſen wir von Joſia/ als er die vielfaͤltige Abgoͤtterey ab⸗ geſchaffet/ die groſſe Grewel abgetahn/ die Haine außgerottet/ da habe er jhre Staͤtte erfuͤllet mit Nenſchen Knochen. Wa⸗ rumb das Ohne zweiffel zu dem Ende/ daß das Volck in anſe⸗ hung der Todtenbein deß liebe Sterben gedaͤchte/ vñ ſein leben beſ⸗ ſerte Plutarchus ſchreibet von Lycurgod Lacædemonier Ge⸗ ſetzgeber/ er habe befohlen die Todten bey die Kirchen vnd Altar zu⸗ graben/ auff daß die jenigen/ welche in die Kirchen gehen/ vnd bet⸗ ten woͤllen/ zeitlich an den Todt gedaͤchten/ vnd jhnen die Sterb⸗ kunſt eben ſo hart angelegen ſein lieſſen/ als den Gottesdienſt. Von den Perſen gedencket Herodotus lib. 1. Ciceror. Tuſculan. Pomponius Mela lib. 1.cap. ↄ. daß ſie jhre Todten haben in die Haͤuſer begraben/ ſich der nichtigkeit vñ fluͤchtigkeit Menſchlichẽ lebens zuerinern: Sie haben auch plegen zuſagen: defunctos vita meliores ac prudentiores magiſtros eſſe, quàm vivos, Kk 2 das 8 8 — 4— 1 l- 56 Giießiſcher Leichpredigten. 5 das iſt/ von den Todten lerne man viel mehr als von den Lebendi⸗ daß gen. Als die Kinder Iſrael auß Aegypten zogen/ ſich auß der be⸗ ind ſchwerlichẽ dienſtbarkeit loß wircketen/ Silberne vñ Guͤldene Ge⸗ nem faͤß/ vnd andere Kleynodien von den Einwohnern abborgelen; be⸗ nim kuͤmmerte ſich Moyſes der Mann G Ottes vmb nirgents anders ode mehr/ als vmb deß fromen Joſepfs Todten⸗Knochen/ die name er Ge mit ſich/ vñ zoge die betrachtung deß Todes allẽ andern dingẽ vor/ derl wie Drocopius Gazéus andeutet: Hebræis, ſpricht/ erquia car- uns nalia ſectabantur, juſſiſunt mutua accipere vaſa aurea& ar- wir gentea, Moyſes eligit viri juſti offa, quæ præfert immenſis werd fÆygyptiorũ theſauris. Die liebe Alten habẽ ein feine erinnerung deß Todtes vnnd letzten Staͤndeleins vor Augen geſtellet/ indem 9 ſie ein Kindelein gemahlet haben/ welches mit ſeinem Haͤndelein hi auff ein Todtenkopff vñ Hirnſchedel liegt/ vñ ein Sandtſeigerlein 19 neben ſich ſtehen hatt. Dañ die betrachtung deß abſterbens helt vns uuß Menſchen/ wann wir anders ein Chriſtlich Hertz im Leib haben/ aual von Suͤnden/ Schanden/ Laſtern/ vñ Vnthaten/ wie auch Augu Al ſtini Spfuͤchlein bezeuget: Nihil ſic revocat à peccato, quum wißt frequens mortis meditatio. Sie helt vns auch ab von dim ſich zeitlichen/ vnnd macht das wir ſireben nach dem ewigen Gutt/ ſche welchs allein macht rechten Muht/ wie Hicron. ſehreibt in Epiſt. Ntt ad Cyprian. Qui quotidiè recordatur ſe eſſe moritururm, Alt cõtemnit pręſentia& feſtinat ad futura. Daruſñ. O Menſch alſo bedencke das Ende/ ſo wirſtunmmermehrvbels tlun. RN Das ſage ich liebe Bruͤder/ ſpricht Paulus 1. Corinth.). Wii Die Zeit iſ kurtz: Weiter iſt das die meynung/ di da zu Weiber haben/ daß ſie ſeyen als hettẽ ſie keine/ vnd de da weynen/ als weyneten ſie nicht/ vnd die ſich Frew⸗ N en/ als Freweten ſie ſich nicht/ vnnd die da kauffen/ ſiim als beſeſſen ſie es nicht/ vñ die dieſer Welt brauchen⸗ ut Erſzer Theyt. d finn daß ſte derſelbigen nicht mißbrauchen/ deñ das weſen 29 in dieſer Welt vergehet. Albertus Magnus ſchreibet in ſei⸗ en 33 nem Buch de vegetabilibus von den ſchwartzen Raben/ daß ſie nimmermehr wider in jhr Neſt kommen/ wann man jhnen Aeſchen an oder Pulver von zerbrochenen Glaß hinein geſtrewet hatt: Alſo/ geror Geliebte jhm HẽRRo kann die groſte Kolſchwartze Nabe/ acar. d der leidige Teuffel in vnſer Hertz nicht einniſteln/ wann er ſihet/ daß Kat. win es mit Aſchen vnnd Staub beſprenget haben/ das iſt/ wann 39 wir bedencken/ daß ni defltl len Pasen ateee Aen cung werdẽ muͤſſen/ vñ in vnſerm gantzen leben ſeyn wie Graß vñ Glaß/ n dem Ja/ daß wir noch viel ſchwaͤcher ſeyen als Glaß. Virrum enim, dehein ſpricht Auguſtin. etſi fragile eſt, tamen ſervatum diu durat: gaken das Glaß obes ſchon ſchwach iſt/ je doch wann es verwahret vnnd Etvns auffgehaben wirdt/ ſo tawret es lang. dſqh Wann dieſe nichtigkeit vnd fluͤchtigkeit deß Lebens betrach⸗ laon. teten die ſtoltzen vnd auffgeblaſene Pflaſtertretter/ ſo wirt jhnen ge⸗ nuim wißlich der Pfawenmuht fallen werden. Ach was erhebet dem ſich doch die arme Erde vnd Aſcheꝛ iſt er doch ein eitel Hun ſchendtlicher Kott/ weil er noch lebet. Vnnd wann der Lpit Artzt ſchon lang daran flicket/ ſo gehets doch endtlich uſh alſo/ heute Koͤnig/ INorgen Todt. Vnnd wann der zur Menſch Todt iſt/ ſo freſſen ihn die Schlangen vñ die 4. Wuͤrme/ ſpricht Syrach cap. 10. Laß nun ſtoltziern Herꝛn vnd Fuͤrſten/ vnd alle ſunge vom Adel wegen jhrer hoher Ankunfft vnd t d Geburt/ ſie ſeind dannoch arme Erdenkloͤß/ ſend Staub vnnd ddie Aſchen/ wie Abraham von ſich rundt herauß bekeñet/ Geneſ.18. ii⸗ ſi muͤſſen wider zur Erden werden/ Geneſ. 3. dawirt anders fer⸗ V nicht: ſie werde nicht ſterben wie Fuͤrſten oder Junckern/ ſonder wie hen/ Bawern/ werden auch dort hin keine Fuͤrſten oder Junckern mit daß n Kk 3 brin⸗ ₰⁴/Il. 758 Gießiſcher Leichpredigten gen ſlaß ſchinden vnd ſchaben/ wuchern vnd ſchachern/ ale Mam⸗ mons diener/ ſie werdens nicht ewig antreiben/ wie die Blum vergehet/ vnd jhre ſchoͤne geſtalt verduͤrbet/ alſo wird der Reiche in ſeiner Haab verwelckẽ/ ſchreibt Jacob cap.. hatte der reiche Schrepfer/ Lue am 2. nit einen feinen Anſchlag? Er wolte zu ſeiner Seelſagen: Liebe Seel du haſt einen groſſen Vorꝛaht auff viel Jahr/ habenun Ruh/ Iß⸗ Trinck/ vnd hab einen guten Muht. Aber ſein Anſchlag/ bekam einen boͤſen Außſchlag. Dann G Ott ſprache zu jhm. Du Narꝛ/ dieſe Nacht wirdt man dein Seel von dir for⸗ dern/ vnnd weß wirt es ſein/ daß du bereytet haſtꝛ Was hilfft es dann nun den Menſchen/ wann er ſchon der gantzen Welt Guͤtter gewunnen hette/ vnnd ſolte doch Schaden leiden an ſeiner Seelenꝛ koͤnne er auch etwas nemen ſeine Seel zuerloͤſen? Matth. 16. Auwe Neyndie Herꝛlichkeit deß Hauſes faͤhret keinem nach/ nackent vnd bloß ſeind wir alle auff die Welt komen/ nackent vnd bloß muͤſſen wir wieder dahin fahren/ Hiobr. 1. Tim. 6. Keiner nimpt mehr mit ſich/ dañ ein Tuch zum Grab darmit ſchabab/ wie der großmaͤchtige Saladinus in Aſia kurtz vor ſeinem Todt ein weiß Leinentuch an einer Stangen per umber tragen/ vnd außruffen ließ/ Ecce Saladinus totius olim Orientis terror atq; Aſiæ dominator, ex omnib. quas retulit victoriis, ex omnibus quæę acquiſivit trophæis, lacerũ hune & vilem panniculum ſecum defert, dasiſt: Sihe Saladinus, vor dem hiebevor der gantze Orient ſich furchtete/ vnnd der gantz Aſiam vnder ſich bracht hat/ nimpt von allen ſeinen Paniren vnnd Triumpff zeychen/ mehr nichts mit /als dieſes zan 8 ſchlechtes Erſter Theyl. 5s ſchlechtes Tuch/ wie Fulgoſus lib.. c.z. vñ Platina in Cœleſti- noz. anmelden. Laß Freſſen vnnd Sauffen/ Tolliſiren vnnd Schwermenalle Epieuriſche Maͤſtſew/ es wirdt mit jhnen nicht lang wehren/ der Todt kan jhnen das Cantate baldtlegen/ vnnd das rut, risex tem pore vertreiben: Als dann werden ſie tewer genugſam bezahlen muͤſſen/ was ſie auff jhres Cral vnnd Pralfeſt durch den Kragen in den Magen gejaget haben. Laß Toll vnd Toͤ⸗ richt vnnd nimmermehr Klug ſein die jungen Geſellen/ es wirdt ſich mit jhnen fein ſchicken/ der Todt ſchleichet jhnen auff breytem Fuß nach vnnd wirdt jhnen die Haar dermaſſen abſchneiden/ daß der rote Safft darnach gehen wirdt/ vnd jhnen der Anſchlag gantz in Brunnen fallen/ wie m Buch der Weißheit cap. z.geſchrieben ſtehet: hat es jhnen wolgethan in corpore, weil ſie haben gelebet in tempore, ſo ſollen ſie es dermaleins/ wie der Prophet redet/ fuͤhlen: Alle jhre Salva Guardi wirdt durch den Todt zu nichts gemacht werden/ der Teuffel wirdt ſie auch nicht vngezopffet paſ⸗ ſieren laſſen/ wann ſie nicht bey Leibes Leben vber jhre Suͤnde vnd wuͤſtes Weſen hertzlich Rew vnd Leyd gehabt haben. Darumb/ O Menſch/ bedencke das Ende/ ſo wirſtu nimmer⸗ mehr arges thun/ Syrach. Cap. 7. Zum andern/ was mag doch jmmermehr die Vrſach ſeyn/ daß der Menſch vom Weibe geboren/ ſo kurtze Zeit lebet/ daß ſein Leben ſo nichtig vnd fluͤchtig iſte Der heilige Apoſtel zeyget die Vrfſach mit kurtze Worten an/ wañ er ſpricht: Vmb der Suͤn⸗ de willen iſt der Todt in die Welt kommen/ Roman.z. Der Todt iſt der Sunden Soldt/ Roman. c. O He dure Gott/ das macht dein Zorn daß wir alſo vergehen/ vnnd dein Grim̃ daß wir ſo ploͤtzlich dahin muͤſſen. Dann vnſer Miſſethat ſtelleſtu vor dich/ nſe.* kandte XAII. 60 Gießiſcher Leichpredigten kandte Suͤnde ins Liecht vor dein Angeſicht. Dar⸗ umb fahren allvnſer Tag dahin durch deinen Zorn/ wir bringen vnſer Jahr zu wie ein Geſchwetz. Vnſer leben wehret 70°. Jahr/ weñs hoch kompt ſo ſindt es 80. Jahr/ vnd weñs koͤſtlich geweſen iſt/ ſo iſts Muͤhe vnnd Arbeit geweſen: Denn esfaͤhret ſchnell dahin alß floͤgen wir darvon/ Pſalm. ↄ0. Mancher machet hm die Rechnung/ er woͤlle noch ein zeitlang leben/ dencket an die alten Verßleln.: Zehen Jahr ein Kindt/ zwanzig Jahr ein Juͤngling! dreyßig Jahr ein Mann/ vierzig Jahr wolgethan/ funfftzig Jahr ſtille ſtahn/ ſechtzig Jahr gehets Alter an/ ſibenzig Jahr ein Greiß/ achtzig Jahr nim̃er Weiß/ Neuntzig Jahr der Kinder ſpott/ hun⸗ dert Jahr gnadt dir GOTt. Aber dieſe Außrechnung fehlet gar offt/ ehe mancher ſeine Jarꝛechnung halb hat außgerechnet/ ſo reg⸗ net es jhm ins facit, vnnd machet Gott einen groſſen Strichen durch ſeine Rechnung. Daßalles vervrſachet die Suͤnde/ durch welcheauß Neidt deß Teuffels der Todt in die Welt kommen/ Japient. 2. vnnd auff alle MNenſchen hin⸗ durch gedrungen iſt/ Roman. 5. Vmb welches willen der alte Kirchenlehrer mit dem Helliſchen Schadenfro ſich alſo Zencket vnnd abwirffet: Ubi eſt quod dixiſti nequam nequaquam moriemini? Ecce omnes morimur. Hoͤrſtu wol Teuffel/ du Ertzluͤgener vnd Moͤrder; wo bleibſtu mit deinem nequaquam, jhr werdet mit nichten ſaben.Siße die taͤgliche erfahrung luͤgen⸗ ſiraffet dich. Denn wir ſterbenja/ G O T T erbarmes/ alle zumal in vnſern Kopff hinein. Darumb/ O Menſch/ bedencke das Ende ſo wirſtu nimmermehr arges thun/ Syrach. cap. 7. 3 Zum dritten/ Hiob ſpricht/ der Menſch lebe kurtze Seit/ Zei einla Bett wund daßſ mehr Ehrn thun vnnd vivai daß 38,C atger zur. lenth ſchre klage Diu- gema dingt rach ſchwe gewa wieſſe gegen vnden nehm wuͤnd erkoͤn Erſter Theyl. z8 Dar Zeit/ thue ich vnd du dañ recht/ daß ich mir/ du dir/ von GOTT dorh ein langes leben wuͤndſchene jhn darumb bitten vnnd anruffene Inſer G Betreffendt die Gottloſen/ die thun vnrecht daran. Dann jhr d wundſch ruͤhret her von Weltlicher vnnd Fleyſchlicher Begirde/ tes daß ſie eiwa lenger moͤchten in weltlichen Wolluͤſten leben/ deſto Nuͤhe mehr Gelt vnnd Gutt zuſammen kratzen/ zu hoͤhern digniteten, ahin Ehren vnd Wuͤrden kom̃en. Daß aber die Glaubigen daran recht ehm thun/ bezeuget das eigene Exempel Davids Pſalm 6. vnnd 102. ie vnnd im 119. betet er alſo: Veniant mihi miſericordiæ tuæ, ut dung vivam: Laß mir deine Barmhertzigkeit widerfahren Jaßt daß ich lebe. Hiskiæ Exempeliſt allen wolbekaunt/ auß Eſai. jre) 38. Cap.. 8 bun⸗ Ey moͤchte jemandt ſagen/ wer wolte doch begehren in dieſer leger argen ſchnoͤden Welt/ darinnen der Teuffel nun gut Herꝛe vnnd ſ teg⸗ zur Raben Wirth iſt/ lenger zu lebẽ/ ſtehet es doch ſo wunderlich /al⸗ rihen lenthalben ſo gefaͤhrlich/ daß man moͤchte auß allen Winckeln durth ſchreyen nach dem Todt/ vnnd mit dem Martyre Polycarpo Keſt klagen vnd ſagen: O Domine, in quæ me reſervaſti tempora! Sir Diu vivere eſt diu rorqueri‚ lang leben/ iſt anders nichts als lang b hin⸗ geemartert werden/ ſpricht Auguſtinus. Hergegen iſt es ein gutt tralle ding vmb den Tod/ ſonderlich der Glaubigen. Spricht nicht Sy⸗ encket rach Cap. 41. alſo: O Todt wie wol thuſtu dem Duͤrfftigen/ der guam ſchwach vnd alt iſt/ der in allen ſorgen ſiecket/ vnnd nicht beſſers zu⸗ fal!du gewarten hatt⸗ 1 uam, Antwort/ das iſt alles war an ſeinem Ort vnnd mit ge⸗ aͤgen⸗ wieſſem vnderſcheydt/ wañ nur kein Vngedult vnd Widerwillen zumal gegen G Ott/ verzweiffelung vnd anmeulung ſeiner Gericht mit edas vnderlauffet. Gleichwol aber habẽ rechtſchaffne Chriſten vier vor⸗ rach nehme vrſachen/ warumb ſie ein langes vnnd viel Jaͤhriges Leben h. wuͤndſchen koͤnnen:die erſte iſt/ daß ſie GOtt koͤnnen lernen beſer Irde erkoͤnnen/ ut ea diſcant ea in terris, quorum Liehti perſeve- 2 7 1 rat .& 462 Gießiſcher Leichpredigten rat in Cœlis, wie Hierony mus redet/ das lernen auff Erden/ wel⸗ ches beharret vnnd wehret im Himmel/ damit ſie an jenem groſſen Tag nicht Bloß gefunden /z Corinth.⸗. vñ die Schand jrer Bloͤſſe nicht offenbahr werde/ Apocal. 3.2. daß die Geyſiliche gabe in jnen gemehret/ vnd ſie von einer klarheit in die ander transformiret vñ verklaͤret werden/z2. Corinth. 33. daß ſie andere widerumb in den Weg deß Herꝛen vnterweiſen/ Pſalm 9.92. 116.die Vbertretter den Weg lehrẽ/ Pſal.jr. Alſo thut ein Lehrer vnnd Prediger wol daran/ wann er GOTT vmb erlengerung vnd fortſtreckung ſeines lebens anſpricht/ bevor⸗ ab wann er betrachtet/ wie vbel es zugehe/ wann geſunde Lehrer hinweg geraffet werden/ wie zuſehen/ Eſai. 3. vnnd andere auff die Canzel ſteigen die an ſtatt der Warheit die Luͤgen predigen/ Judig. 2.2. Theſſ. 2.z. Tim. 4. Darumb als Biſchoff Martinus in ſeinen letzten Zuͤgen lag/ ſprach er GOTralſo an: Domine, ſi populo tuo ſum neceſſarius non recuſo laborem. Fiat vo- luntas tua:das iſt/ Ach mein Hertzliebes Iheſulein/ kan ich dir len⸗ ger dienlich ſein/ ſo will ich gar gern bleiben hie/ vmb deinet willen ſparen kein Muͤh: Doch es geſchehe nur was du wilt/ dann mir eins wie das ander gilt. Das koͤnnen auch thun Gottſelige Eltern vnd Haußleutlein/ damit ſie jhren armen Brotwuͤrmlein beſſer vorſte⸗ hen/ jnen das Geſetz ſchaͤrpffen/ ſie in deß Herꝛn furcht zu allen gutẽ aufferziehen/ vnnd nicht allein mit jhnen erfuͤllen koͤnnen ſolum, die Erde/ ſondern auch polum, den Himmel/ vñ recht hochgewach⸗ ſene Paradeiß Baͤum auß jhnen machẽ/ vnd Gott ſo viel getroͤſter antworten/ wenn er das Edele depoſitum, die zu trewen Haͤnden jhnen anbefohlene Beylage an jenem groſſen Tage von jhnen ab⸗ forden wirdt. 4. daß ſie G OTtes groſſe Guͤte/ vnnd hohe woltha⸗ ten lenger ruͤhmen vnnd preiſen moͤgen/ Pſalm. 115. Pſalm. 30. Plal Ss. Doch muß G OTt nichts vorgeſchrieben/ kein Zeit ene Zie den wei groſſen chand daß die thettin orinth. rweiſen Pſal.r. OTT bevor⸗ R lehrer auff die digen/ artinus nine, ſi iat vo- dirle⸗ ttwillen mir eins ern vnd vorſte⸗ len gutẽ ſolum, erach⸗ etroͤſter janden nen ab⸗ roltha⸗ n. 3 0. eit oder Zil Erſter Theyl. 163 Ztel geſetet werden/ ſondern die jenigen welche ein langes leben von m erbetteln woͤllen/ muͤſſen auch teglich gedencken anders nicht als wann Syrach vor jhnen ſtunde/ vnnd ſieanredete: O Men ſch/ was du thuſt ſo bedencke das Ende ſo wirſtu nimmer⸗ mehr arges thun. Zum vierdten/ iſtvnſer zeitliches Lebẽ ſo kurtz/ ſo nichtig/ vnnd fluͤchtig/ vnnd noch darzu voller vnruhe/ wie Hiob ſaget/ weſſen haben mir arme Kinder Adæ vns dañ vnderdeſſen alhier zu troͤſten Gegen die kurtze der zeit/ haben wir vns zu troͤſten mit dem Ewigen Seligen Leben. Deñ wann wir alhie Ritterlich gerungen/ einen guten Kampff gekempffet/ Glauben gehalten/ vnſern Lauff vollendet/ vnnd vns die kurtze zeit vber im Kar⸗ ren der truͤbſal wol muͤde gezogen haben/ ſo kompt der ewige barm⸗ hertzige GO TT.) der vnſers Lebens laͤnge iſt/ vnnd reiſſet vns durch den zeitlichen Todt auß dieſem vnruͤhigen Leben/ fuͤhret vns ins Himmelreich/ darinnen leben wir nicht hundert oder etlich tau⸗ ſent Jahr/ ſondern Ewig/ Ewig. Ojucunda Cataſtrophe: O deß herꝛlichen Wechſels als deñ haben die Tag ein Ende/ Eſa. o. als dan wird auffgehoben die ſchmach ſeines Volckes/ Eſai. 25. als dann halten wir einẽ Sab⸗ bat nach dem andern Eſaia. cs. vergeſſen der vorigen Angſt/ Eſaia. s5. ernden mit frewden ein/ was wir mit thraͤnen hie haben außgeſehet/ Pſalm. 26. jauch⸗ zen vor gutem Muht/ Eſai. 65. haben ewige Frewde vnd wonne auff vnſern Haupten/ ewige Frewde vnd wonneergreiffen wir/ Eſai. 35. alle Thraͤnen werden von vnſern Augen abgewiſchet/ Apoc. 2). vnſer Kla⸗ gewirdt verwandelt in einen Nzen Pale⸗ Eh 2 1 1 . XI. d 1643 Gießiſcher Leichpredigten lich wandeln wir vor dem Hẽ RR im Lande der Le⸗ ale bendigen/ Pſalm.))6. Alhie leben wir wie in einer Collation 30. oder Zech. Wañ man ſich ein Stund oder edliche in fide ſincera 3 & charitate vera erfroͤlichet hatt/ ſo zeucht man wider von ein⸗ aben ander/ vnnd thut offt das ſcheyden/ beſonders vnder nechſt⸗ange⸗ ſeyt wandten/ die ferrne von einander ſein/ hertzlich wehe. Kommen noer auch woliin dieſem leben nicht wider zuſammen. Bißweilen gehet mit es auch nach dem Sprichwort:poſt tres ſepe dies vileſcit piſcis & hoſpes: Vber dreyer Tagen zeit/ iſt man der Gaͤſt gern queit. ge Aber im Ewigen Leben/ werden kein propemptica geſchrieben in werden/ keiner wirdt dem andern das valete vnnd die gute Nacht wit geben; ſondern wir werden beynander ſein vnnd bleiben zu ewigen vn Tagen: Da wirdt recht erfuͤllet werden/ was Chriſtus ſeiner lie⸗ t ben Chriſtenheit mit Hand vnnd Mundt zugeſaget hatt: Ich bin 3 dein vnnd du biſt mein/ vnd wo ich bleib da ſolt du ſein/ vns ſoll der Feind nicht ſcheyden. Die Gerechten erben das Land /vj 1 bleibẽ ewiglich dariſen/ pricht Koͤnig David/ Pſ 7. ſal bo, 6 44 1„ e Gegen vnruh aber vnſers Lebens/ haben wir vns eben deſſen zu 19 troͤſten/ daß es ſo kurtz iſt. Dann nimpt vns der fronie Gott ſo baid nu hinweg/ ſo komen wir bald auß d vnruhe/ wir kom̃en wie Auguſtin. G ſchreibet/ ex labore in reꝗuiẽ ex ſide in ſpẽ, ex peregrinatio- h 4 — neinmanſioneé, auß der Vnruh/ in die Ruhe/ auß dem Leyd in ie ☚. AFrewdt/ auß der Gefaͤhrlichkeit in die Herꝛlichkeit/ auß dem fidere I ins videere, auß dem Glauben ins Schauwen/ auß der Fremdde ſii Herherge ins rechte Vatterlandt/ darin wir ein bleibende Staͤtee nic G haben; all vnſer Jammer vnd Elendt kompt zum einem ſeligen ve Endt. Darumb/ O Tod wie wol thuſtu dem armen vnd ri duͤrfftigen/ der da Schwach vnnd Altt iſt/ der in aleem 9 Sorgen ſiecket/ vnd nichts beſſers zu hoffen noch zu-⸗ be gewarten hat/ Syrach. Kap. 4). der Todtiſt beſſer ae⸗ 5 aals 2 . 5 Erſter Theyl. 165 1 L alts ein ſiech Leben/ das ſtaͤtig trancket/ Syrac. Cap. ation 30.. 39 99— Zum Fuͤnfften vnnd Letzten wie ſollen wir aber vns vnterdeſſen verhalten/ alldieweil wir noch in der vnruhe/ fange⸗ ſeyn? wir ſollen mit allen fleiß zuſehen/ datz wir nicht vngedultig 3 3 werden/ ſondern viel mehr mit frewden ein Alleluja darein ſingen/ t Uine mit dem gedultigen Hiob ſagen/ der Nam̃ deß HéRren ſey naunt. gelobet/ Hiob.. wann das geſchicht/ ſo gehet vns deß Liecht hrieben imerdar auff mitten in der Finſternis/ Pſal. 2. wann Nächt wir ſchon in der Finſternisſitzen/ ſo iſt doch der HeẽRꝛ euge vnſer Liecht/ Miche. 7⁷. vnnd wirdt war/ was Bernhardus ſa⸗ nerli⸗ get: UÜbi eſt multum crucis, ibi eſt multum lucis& conſo- htin lat ionis: Wo viel Creutzes vnd Truͤbſal iſt/ da iſt auch viel Liech⸗ fülhe tes vnd Troſtes. Darumb ruͤhmen wir vns auch der Truͤb⸗ aii ſalen/ dieweil wir wiſſen/ das Truͤbſal gedult bringt/ era gedult erfahrung/ erfahrung hofſnung vnnd hoff⸗ ſobald nung nicht zuſchanden werden laͤſſet/ dieweil die liebe guſtin. GO TEes außgegoſſen iſt in vnſer Hertz durch den natio- heiligen Geyſt/ welcher vns gegeben iſt/ Roman. 3. 1— War iſts wir habẽ allenthalbe Truͤbſal/ aberwir aͤng⸗ ende ſtigen vns nicht/ vns iſt bange/ aber wir verzagen Staͤtte nicht/ wir leiden Verfolgung/ aber wir werden nicht ſcignyverlaſſen/ wir werden vndergedruͤckt/ aber wir kom̃en zond nicht vmb/ vnd tragen vmb allezeit das Sterben deß allen HẽRꝛn Jeſu an vnſerm Leibe/ auff daß auch das Le⸗ hzu⸗ ben deß HERRJẽſuan vns offenbahr werde/z. eſſer Corinth. 4. Dieſen Troſt haben die Arme Heyden nicht gehabt/ als ei⸗.; ſon⸗ 2 ———— ygᷓ— wcn⸗ 166 Gießiſcher Leichpredigten ſondern in aller jhrer Vnruh iſt das jre beſte Labſal geweſt: Feren- dum eſt, quod mutari non poteſt, was man nicht endern kan muß mans mit gedult ertragen: etliche haben ſich vber die fortu⸗ nam, oder das Gluͤck vnnuͤtze gemacht: Andere ſeindt in ver⸗ zweiffelung vñ vngedult zum Teuffel gefahren. Duaber/ gelieb⸗ ter Chriſt/ laß vngedult vngedult ſein/ faſſe/ nach Chriſtiver⸗ mahnung/ deine Seel mit gedult/ es willdoch nicht anders ſein. Eneas Sylvius erzehlet ein fein Apophthegma deß Key⸗ ſers Alphonſi, welcher zuſagen gepfleget: Ein hundert Eentner vngedult benimpt dem Creutz nicht ein Quintlein/ ſondern meh⸗ ret es viel mehr. Dergleichen erzehlet auch Lutherus von einem Churfuͤrſten zu Sachſen. Opatientia, ruffet Auguſtinus, tu o- mnia vincis adverſa non colluctando, ſed ſufferendo, non murmurando, ſed gratias agendo. O liebe gedult/ du vberwin⸗ deſt alle widerwertigkeit/ nicht mit widerſtreben/ ſondern mit Lei⸗ den/ nicht mit munꝛen/ ſondern mit dancken. Daß nunauch wir in aller vnſer Vnruh/ Creutz/ Jammer vnd Elendt wie daß moͤge na⸗ men haben/ gedultig ſein/ der Weiſſagung erwartẽ/ nicht zweiffeln/ ſie werden gewißlich kommen vnd nicht auſſenbleiben/ vnd in wa⸗ rem Glauben biß an vnſer Endt beharꝛen/ das gebe vnnd verleihe vns die heilige hochgelobte Dreyfaltigkeit/ Amen/ du lieber Gott/ Amen. PFERSON AL. l A.. MEingang dieſer vnſer Predigt/ haben wir geliebte Chri⸗ ſten berichtet/ wie derzeitlich Todt abgebrochen ein ſchoͤnes Bluͤmlein/ vnnd einem zarten Haußſoͤhnlein/ nemlich Jo⸗ hanni Hermannulo Lautebachio/ den Garauß gemacht habe. Daſſelbige abgeſtorbene Mitbruͤderlein iſt Anno ei. den s. De. cẽbris ein wenig nach halb 3. Vhr nach Mittag nach langwuͤri⸗ be groſſer ſchmertzlicher arheit der Mutter zur Wa egonnweer . en Feren. mkanf fortu. in ver⸗ ſelieb⸗ ſtiver⸗ anders Key⸗ entner nmeß⸗ einem „tuo- „non erwin⸗ nit Lei⸗ wirin gena⸗ iffeln in wa⸗ erleihe Gott, Erſter Theyl. 6*ν Dens. Decembris folgent iſt es Chriſtlich getaufft/ vn Johan Herman genañt wordẽ/ o. Decembris Anni 1612. hat es anfangen zu Krancken/ hats mit einer Fiebriſchenhitz angegrif⸗ fen/ ſindt jhme ſtarcke Fluͤß auff die Bruſt geſuncken/ die groſſen ſchweren Huſten erreget/ da es auch zugleich etliche Zaͤhnlein vor⸗ ſtieſſe:war doch aber in wenigen Tagen viel matter vnd welcker als von Zaͤhnen geſchicht/ 3. Decembris ſind jme Blaͤtterlein außge⸗ fharen/ doch wenig/ als wolten die Vrſchlechtẽ herfuͤr brechen:hatts aber die erlechte Natur nicht fortbringen koͤnnen/ ſondern iſt jhme die boͤſe Matery heuffig zur ſchwachen Bruſt geſchlagen/ vnnd es darumb ſo hart gefangen/ das esofft aanezerſpin len. Iſt jhme zwar mit eußſerlichen vnnd inerlichen Kindermitteln fleiſſig gerhaten worden/ den boͤſen Zaͤhnen anhaͤngigen Schleim erweichen vnnd abzuloͤſen: Weil aber wegen groſſermattigkeit deß Kindes gar kein Außwurff hatt folgen woͤllen/ iſt das Kindt durch ſtaͤttigs roͤchſelen vnnd daͤmpffig Athemen endtlich von al⸗ len kraͤfften vnd ſo weit darnider komien/ daß es alſo wegen mangel Luffts mit gantzem geſunden. Hertzlein hat ſierben/ vnnd vnder der Hochbetruͤbten Etrern Haͤnden/ Seufftzen vnd Gebett ſein Geyſt vffgeben muͤſſen: Welches geſchehen den 24. Decembris 1612. ein viertheil einer Stundt vor 7. Vhr gegẽ die Nacht. Hatt alſo ge⸗ lebt 1. Jahr/. Tag/ 4. Stundẽ vnd ein viertel einer Stundẽ. Iſt ſonſtẽ ein gant lieblich/ holdſelig Kind geweſen/ daß ſeinen liebẽ El⸗ viel frewde gemacht. Hat doch in dieſer wenigẽ Zeit auch ſonſten et⸗ lich mal harte ſchwere anſtoͤſſe gehabt/ welche es aber durch Goͤtt⸗ liche hulffe vberwunden. GOtt verleihe dem verweßlichẽ Coͤrper⸗ lein/ vnnd auch vns Chriſiglaubigen allen an jenem groſſen Tag 44 froͤliche/ ſigreiche Aufferſtaͤndtniß zum ewigen Leben/ Amen!/ nen. 2(:)5e⸗ 4 Die IV. 1 3 68.* Se2SeneiSSei aEisMsie SEsioe ane Ssea Die Vierzehende Leichpredig /) Vber der Chriſtlichen Begraͤbnuß/ weilandt der Eh⸗ renunaenſamen Jiawene Eliſabethæ/ gebor⸗ nen Weiſſin/ Deß Ehrwuͤrdigen vnnd Hochgelahrten Herm⸗ Jo⸗ hannis Winckelmanni/ der heiligen Schrifft Doctoris vnd Pro- feſſoris in der Loͤblichen Vniverſitet Gieſſen/ auch Ober⸗Heſſiſchen Darmbſtadiſ chentheyls Superintendenten/ vnd Pfarꝛherꝛn zu Gieſſen/ Ehlichen Haußſrawen.. Gehalten den 1. Tag Novembris, AnnororI. Durch Caparum Finckium der heiligen Schrifft profeſſorem vnnd Predigern daſelbſten. Auß den Worten deß Koͤnigs vnnd Propheten Davidts Pſalm. z1. In deine Hande befehle ich meinen Geyſt/ du haſtmich erloſer Heri dut trew⸗ er GOtt. Eliebte im Hẽꝛn Chriſo, San nchſte S angewante/ vndliebſte Blutfreunde/ ſonderlich aber 3— ſeinen geweſen Ehegatten zu betrawren vnnd zube⸗ weynen iſt Natuͤrlich/ wie vnder andern an der Per⸗ Antonius Sa- ſa Konig Dario zuſehen. Dann der Hiſtorien Schreiber meldet/ lauusz. alser zwo groſſe Schlachten/ vñ faſt ſein gantzes Koͤnigreich ver⸗ fe3 lohren/ habe er kein Zeychen der Trawrigkeit von ſich gegebẽ/ als er aber gehoͤret/ wie das ſein liebes Ehegemahl mit Todt abgangen hat Erſter Theyl. 169 hat er bitterlich gewinſelt vnnd gemeynet. Ja der heilige Geyſt be⸗ zeuget/ daßder Vatter aller Glaubigen Abraham/ ſeine Saram bitterlich beklaget vnnd beweynet habe/ Gen. 23. Dann das gehet Ihm ſo tieff zu Hertzen das daß gantze Menſchliche Geſchlecht/ durch den leydigen Fall vnſerer Erſten Paradeiß⸗Eltern ſo jaͤmer⸗ lich verderbet iſt/ daß er dem Todt in ſeine Rappuſe kommen muß/ Geneſ. 3. Darnach kroͤpffet jhn ſein viduatus vnnd einſamkeit/ daß er nun als ein armes Turteltaͤublein auß dem truͤben Elendts⸗ Bach trincken/ vñ einſam ohne ſeines Geſellichen/ auff duͤrrem Aſi ſitzen/ vnd das Jamerliedt Kirꝛen muß. Ach es heyſt wie der Predi⸗ ger Salomon ſpricht: Wehe dem der allein iſt/ wenn er felt/ ſo iſt kein ander da/ der ihm auffhelffe. Zum dri⸗ ten/ bedencket er die groſſe lieb vnnd trew/ die jhm ſein liebes Hauß⸗ mutterlein in werender Ehe erzeiget hatte: Wie ſie jhm vnder dem Finger hergegangen/ auff jhn gewartet als eine Dienſimagdt/ jhnen Herꝛ geheiſſen/ Pet.z. Item/ wie ſie jhres Vatters Hauß verlaſſen/ den Wanderſtab in die Haͤnde genommen/ vnnd mit jhm in der wilden Frembde herumbher gezogen ſey. Zum vier⸗ den/ ſihet er auch in ſeinem Klaggeſchrey auff die Kirche vnnd po⸗ ſteritet: Ach/ dencket er wie gehet es doch ſo wunderlich zu? Wie werden heilige Leut ſo hauffig hinweg geraffet? vnnd bleiben hergegen die Boͤſe Cains Buben lebendig⸗ Wie wirdt es mit den Nachkoͤmliengen werden? Er ſihet alſo in den heiligen Geyſt/ daß ein ander Geſchlechte kommen/ daß den HẽRen nicht mehr kennen werde/ wie Judic.⁊ geſchrie⸗ ben ſtehet. Welches dann in warheit wol zubeweynen iſt. Wann ich hoᷣre/ ſpricht Lutherus, daß ein frommer Menſch geſtorben iſt/ ſo erſchrecke ich/ vnd forchte/ G Ott ſey der Welt gramꝛc. Auguſti- nus vnd Ambroſius konten das weinen auch nicht laſſen/ wañ ſie horeten/ daß etwa ein Gottfuͤrchtiger Menſch/ oder Preædicant/ die Welt geſegnet haͤtte/ quia difficil invenicur, ſagt Ambroſius, Mm qui ‿ 7 Gießiſcher Leichpredigten qui tali oſſicio dignus habeatur, dieweil man nicht baldt einen haben kaun/ der ſolches Ampt recht vnnd wuͤrdiglich verwalten koͤnne., e Nun vnſer lieber Herꝛ Superintendens vnnd Geyſtlicher Kirchen⸗Vatter/ weynet vnd trawret jetzo auch/ weil jhn der allein weiſe GOT Tan dem Ort angegriffen/ da es jhmam aller wehe⸗ ſten thut/ weil er jhm ſeinen Augenluſt/ wie der Prophet Ezechiel Cap. 24. das beliebte Haußmuͤtterlein nennet/ genommen hat/ weil er jm ſein rechtes Aug/ ſein halbes Hertz/ ſeinẽ Troſiſiab in ſei⸗ nem Ehrlichen Alter/ weggerieſſen/ vnd jn abermal/ in den betruͤb⸗ ten Widtwenſtandt geſcoct hat.— 1 Wir haben deßwegen ein Hertzlich Mitleiden mit jhm als vnſerm trewẽ Paſtorn vnd Seelſorgern:Keiner iſt in dieſer anſehn⸗ lichen/ volckreichen Verſamlunge/ der nicht zum wenigſten einen juigen heyſſen Seufftzer fahren laͤſſet. Aber wir richten gleich wot damit wenig auß/ vnsiſt darmit nicht groß gedienet/ was der Herꝛ gegeben/ vnnd ein kleine Zeit gelehnet hat/ daß hat er nach ſei⸗ nem hochweiſen Raht/ wid zuſich genomen. Darumb woͤllen wir viel mehr ſehen/ weſſen wir vns in vnſerm trawren vñ klagen troͤſte ſollen; weil aber darzu die abgeleſene wenige Wort deß Koͤnigs vñ Propheten Davids/ ſehr dienlich ſein/ dieweil auch/ die im He dirn verſtorbene ſelige Matron/ dieſelbige biß an jhr Letztes Ende gefuͤh⸗ ret hat/ auch jhr letzte Wort geweſen ſein; als woͤllen wir ſie auch dießmal mit einander auß G Ottes Wort betrachten/ ſie Erſtlich kurtz vnnd Summariſcher weiſe erklaͤren/ darnach auch beſehen/ was vor Lehr vnnd Troſt wir darauß zumercken haben werden. Der G OTt vnnd Vatter alles Troſies/ woͤlle vns von ſeiner hei⸗ ligen Hoͤhe den Troͤſter den heiligen Geyſt zuſenden/ daß wir das lehren vnd hoͤren/ was vnſer Seelen ſeligkeit erſprißlich iſt/ Amen. Erklaͤrung der Wort. en Der Kaͤnig vnd Prophet David hat genug zu 1 vnd . la⸗ ErſterTchel.„, ddteinen enbalten klagen gehabt als er dieſe Wort geſprochen/ vnnd den ganten z1. Pſfalmen gemacht hat. Dañ die trewloſe Buͤrger zu Kegila/ welche yſllcher er zuvor von der Handt der Philiſter erloͤſet/ wolten jhn/ zu einem der allein ſchoͤnen Deo gratias, Sauln/ ſeinem abgeſagten Feindt in die lr wehe⸗ Haͤnde auff dieFleyſchbang lieffern/ wie zuſehen 1. Samuel. Cap. Ezechlil 23. Daer nun in den tauſent⸗Engſten war/ vnnd wuſte bey den nenhat Meenſchen weded hilff noch raht zu finden/ wendet er ſich zu ſeinem abin ſ⸗ trewen Herꝛn vnd G Ott/ ruffet jhn 34 daß er ſein Ruͤckbuͤrg vnd betrͤba Friede⸗Schildt/ ſein Starcker Fels vñ urg ſeyn woͤlle, befihlet jm erſilich ſeinen Leib/ Standt vnd Beruff/ in den vorgehenden/ dar⸗ mas nach auch ſeine arme Seel in dieſen abgeleſenen worten/ welche der anſehne Sohn GO Ttes ſelbſten am Stamm deß fronen Creutz/als hm manen jetzo die Seel begoͤnte außzugehen/ in ſeinem heiligen Mundt ge⸗ iich wof fuͤhret hat /da er geſprochen/ Lue. c.23. Vatter/ in deine Haͤnde wasder befehl ich meinen Geyſt: Daher es kommen iſt/ daß die Alte ach ſi⸗ Kirchenlehrer/ dieſen 1. Pſalmen/ den vierdten Paſſional Pſal⸗ llen wir men nennen. nnniſt In deine Haͤnde befehl ich meinen Geyſt/ ſagen dun David vnd Chriſtus. Du weyſt/ mein He RR vnnd G OTt/ vnd henen ſieheſt/ wie es mir gehet/ wie mich meine vnnd deine Feinde Haͤtzen grüh⸗ vnnd Faͤtzen/ Jagen vnnd Plagen/ daß ſie an mir Ritter wer den/ e auch opnnd das Leben nemen moͤchten. Soll es denn alſo ſeyn/ traun/ wol erch vnnd gut/ Nehmen ſie vnnd toͤdten mir den Leib/ liegt nichts da⸗ gehen ran/ ich habe einen Geyſt oder Seelichen/ das ſollen vnd muſſen ſie aden. mir wol vngetoͤdtet laſſen; Vrſach/ ich befehle es in deine Haͤnde/ nerhch du Herꝛ haſt es mir gegeben/ du Herꝛ haſts bißhero ſo manchmal vir das auß der tieffen Hellen geriſſen/ du Herꝛ wirſis auch hinfuͤhro wol Amn. wiſſen zubewahten vnnd nicht allein wider die leibliche vnnd euſ⸗ ſterliche/ ſondern auch wider meine Geyſiliche Feinde zube⸗ envid ſchüben..... kla⸗ 4. Rm 2 In r 72 Gitßiſcher Leichpredigten In deine Haͤnde: Wir muͤſſen alhie nicht ſo grobe Ge⸗ dancken haben/ als wann GOTt/ der in ſeinem Weſen ein Geyſt iſt/ Johan. 4. leibliche/ ſichtigliche Haͤnde habe: Wie die Audea- ni oder Anthropomorphitæ geirret haben: Sondern die heilige Schrifft redet« /deummdas auff Menſchliche weiſe: vnnd wil der Koͤnigliche Prophet ſo viel ſagen: Mein lieber Himliſcher Vatter gleich wie ein jrꝛdiſcher Vatter/ der doch Boͤſe iſt/ ſein kleines vn⸗ muͤndiges Kindelein/ zwiſchen die Beyn in ſeinen Schoß nimpt/ es mit ſeinen Haͤnden vmbſchrancket/ daß das liebe Kindt ſich ge⸗ wiß verſihet/ es ſey nun gantz wol verwahret: Alſo verlaſſe ich mich auch auff dich/ Ich ergebe mich in deinen Gnadenſchos/ auff vñ in denſelbigen wirſtu mich mit deinen liebreichẽ Vatters Haͤn⸗ den wol wiſſen wider alles Vngluͤck zuverthaͤdigen/ Trotz auch al⸗ len meinen Feinden/ vnd ſonderlich dem Teuffel. In deine Haͤnde: Haͤnde werden G O T T in heiliger Schrifft zugeleget/ weil er alles kan/alles wircket/ alles erhelt/ alles regiret/ vber alles Herꝛſchet/ wie ſonſten der Pvet ins Gemeyn von Weltlichen Herꝛn vnnd Potentaten ſaget: An neſcis, lon- gas regibus eſſe manus das iſt/ Weyſtu nicht daß Koͤnige vnnd Fuͤrſten lange Arme oder Haͤnde haben? Daher ſpricht/ Hiob in ſeinem Buch am 10. Capit. Niemandt iſt der auß deiner Handt erretten moͤge. Vnd David p ſalm az. Duthuſt deine Handt auff/ vnnd in der Exiſtel an die Hebræer am 10. Schrecklich iſts in die Haͤnde deß Lebendigen G Ot⸗ tes(verſtehe wann er Zornſturmet) Zufallen. Darauß dann erſcheinet/ daß David Gottes Macht/ der Macht ſeiner gehaͤſſi⸗ gen Feinden entgegen ſetzet/ denckende: Weriſt Saul e Zwar/ muͤchtig iſt er genug/ vnd Menſchlich darvon zureden/ mir viel zu Starck/ Geſe chwindt vnd Liſtig: Wer ſeindt die Trewloſe Buͤrger zu Kegila? Freylich ſeindt jhrer mehr als meiner. Aber hergegen wer weriſt meine einant als all huldie ten P haben auch geva leinhe Gol leine amz. L'p duv ſchen esin: ſen. den. des2 betzu duge nich woͤlle aller. Vo Jato Erſter Theyl. 73 let Ge⸗ wer iſt G Ott auff den ich Trawe vnnd Bauwe/ welchen ich vor in Geſ meinen Felß vnnd Burg/ Schutz vnnd Trotz halte? O er iſt viel Audea. einander Herꝛichen als der trotzige Koͤnig Saul/ Er iſt maͤchtiger de helige als alle Menſchen. Darumbergebe ich mich jhm gantz vñ gar/ jhm dwilder huldige ich einig vnnd allein/ er wirdt mir/ wegen meiner geleiſte⸗ Vatte ten Pflicht/ wol Schutz vnnd Schirm halten/ meine Seelhandt lintspn⸗ haben/ darnach wiſſen ſich meine Feinde zurichten. Jua In deine Haͤnde: Inoder vnder eines Hand ſein/ heyſi nuſſeich auch in heiliger Schrifft ſo viel/ als vnd eines cura& tutela, ſorge jes uff gewarſam/ auffſicht vnd wartung ſein/ wie auß folgende Spruͤch⸗ t. Hän⸗ lein heiliger Schrifft zuſehen: Der Gerechtẽ Seele ſeind in auchal Gottes. Hand/ Pro.z. Niemants wirt meine Schaͤf⸗ lein auß meiner Handt reiſſen/ Johan. Jo. Alſo Eſai⸗ nhellige am z. Capitel/ als jhre Sache ſehr vbel ſiunden/ ſagete die Juden: dſtalts Sis princeps noſter, ſit hæc ruina ſub manu tua, das iſt/ ſey guwven duvnſer Fuͤrſt huͤlff du dieſem Vnfal/ neme dich deß zer⸗ 1s, lon. ſcheiterten Koͤnigreichs an/ helffe jhm wider auff die Beyn/ bringe igevnnd es in vorigen Standt/ vnnd erhalt es forders im Baw vnnd We⸗ huui ſen. Matth 4. vnnd Pſalm. 19. das ſie(die Engel) dich auff deinet den Henden tragen das iſtein Getrewes/ Fleiſſiges/ Wachẽ⸗ uthuſt des Augeauff dich haben. Demnach lauffet Davidis Pſalm⸗Ge⸗ ram 10. bet zu dieſem verſtandt hinnauß: Du Barmhertziger H E RR/ SOt⸗ du genediger GO T T/ auff dieſer Welt habe ich nichts beſſers/ — nichts Koͤſtlichers/ nichts Hoͤhers als eben meine Seel/ auff die uß vim woͤlleſtu gutte achtung geben/ ſie dir als ein tewres Pfandt vnnd gchäͤſi aller Koͤſilichſte Schatz laſſen befohlen ſein/ darmit ſieauff keinem fan Weg oder weiſe koͤnne oder moͤgebeſchaͤdiget werden. Virge In dein e Haͤnde/ ſpricht er/ nicht Abrahams/ Iſaacs/ ngegen Jacobs/ oder ſonſten in eines verſtorbenen heiligen Haͤnde. Dann G Mm 3 dieſer 4 nn 174 Gießiſcher Leichpredigten dieſer Koͤnigliche Prophet iſt nicht gut Papiſtiſch; er thut nicht wie die Papiſtiſche Blendtlinge/ welche jre Seel in Mariæ, der Mut⸗ ter Chriſti/ Haͤnde befehlen/ alſo bittende: Maria mater gratiæ, tu nos ab hoſte protege, in hora mortis ſuſcipe, dz iſt/ Maria du Mutter der Barmhertzigkeit/ Beſchirme du vns vor vnſern Feinden/ vnnd in der Todtesnot neme vns zu genaden auff. Dann das vermag kein Mutterkindt/ daß es G.O T T in ſein Ampt fallen/ vnnd ein eintzige Seele bewahren koͤnne/ die Feinde die der Seele nachſtellen/ ſeind viel Zumaͤchtig vnnd Geſchwindt darzu/ Epheſ6. In deine Haͤnde befehl ich meinen Geyſt. Durch das Wortlein Geyſt verſtehet der Prophet nit Gott/ welcher ein Seyſt iſt/ Joh. 4.2. Cor.. nit den heiligen Geyſt der die dritte Perſon der Gottheit iſt/ vnd deß Vatters vñ deß Sohns Geyſt ge⸗ nenet wird/ weil er vnaußſprechlicher weiſe vvom Vatter vñ Sohn außgehet/ Rom. 8.2. Theſſ. 2. er verſtehet auch nicht den Windt/ welcher auch ein Geyſt genenet wird/ Gen. d. Exod 17. Pſal. 107. Joh.z. viel weniger verſiehet er die gute Geyſter/ welche von Gott auff ſeinen Leib beſcheyden waren/ Pſal.1. Heb. 1. ſondern er mei⸗ naeet alhie ſeine Seele/ wie diß Wort in heiliger Schrifft hin vñ wi⸗ der gebrauchet wird. Seinen Geyſt nenet er ſie/ weil ſie Gott jm gegeben hat/ daß er auß Leib vnnd Seel ein Menſch worden war/ Geneſ..-... u 8 ne A Du haſt mich erloͤſet/ HERr/ du trewer G Ott: Erloͤſet nicht allein von dem ſorglichen Netz/ vnd gefahrlichen viel⸗ faͤltigen ſiricken/ die mir meine Feinde geleget hatten/ ſondern auch von dem Zeitlichen Todt; vnnd nicht allein von dem Zeitlichen/ ſondern auch dem Ewigen Tod/ vnd daß er deſſen gewis ſey/ nimpt er ein Argument vnnd Beweiſthumbaà veratitare promiſſio nũ Dei von den Warhaffugen. Himmalfeſten verheiſſungen G Ot⸗ tes tts!d vnnt nen!: di vnnd wißt heiſ weile anru nade Pſaln heit/ neE heitſ vnsei trichtwi⸗ der Mut. et gratiæ Mana or vnſen ff. Dann en Amyt de die der de darzu . Durch cherein di dritte ayſige⸗ a Sohn Windt/ ſal. o. on Golt ner mei⸗ in vñ wie Goltjm den war 3Ott henvit⸗ mauch nlichen vinunyt Monũ 60c tis Erſter Theyl. ees den er treuv nennet/ Dieweil er dem Jacob die treuw/ vnnd dem Abraham die Genade gehalten/ wie er ſei⸗ nen Vaͤttern vorlaͤngſt geſchworen hatte/ SNich. 7. Treuw/ weiler diewarheit ſelbſten iſt Pſatm. 116 Joh 4. vnnd nicht Lugen kan/ Hebr 6. Treulb/ weil er alles ge⸗ wißlich helt/ was er zuſaget/ Pſalm. 33. weil alle ver⸗ heiſſung in jhm Amen vnd Ja ſeind /2. Cor.j. Treuw weil er iſt gut vnd genaͤdig/ von groſſer gute allen die jn anruffen/ Pſalm. 86. weil er iſt freundlich/ vnd ſeine Ge⸗ nade weret ewig/ vnnd ſeine Warheit fuͤr vnnd fuͤr⸗ Pſalm. 100. weil ſeine Wege ſeyndt eitel Guͤte vnd War⸗ heit/ denen die ſeinen Bundt halten/ Pſalm.z. weil ſei⸗ ne Guͤte iſt ſo wett der Himmel iſt/ vnnd ſeine War⸗ heit ſo weit die Wolcken gehen/ Pſam. 77. Treuw/ weil er vns ein ſolche liebe erzeyget/ daß wir G O Tes Kinder heyſſen/*. Johan. 3. ſeinen Sohn vor vns dahin giebet zum aller ſchmaͤlichſten Todt deß Creutzes/ Philipp. 2.hn vns machet zu ei⸗ nem trewen Hohenprieſter zubeſchutzen vnſer Suͤnde/ Heb. 2. Treuiw/ weiler vns nit laͤſſet verſuchet werden vber vnſer vermoͤgen/ i. Cor. 18. vnnd ſo viel ſey Kuͤrtzlichen vnnd einfaͤltig geſagt von Erklaͤrung deß abgeleſenen Texts: Lehr/ Troſt vnd Erꝛinnerung. Erſtlich/ meine Geliebte/ haben wir alhie die notwendige Lehr zumercken/ wo wir mit vnſerer Seel hinauß ſollen/ wann die vom Leib abgeriſſen wirdt/ vnnd durch den zeitlichen Todt abſcheyden muß. Die muͤſſen wir dem treuwen Gott in ſeine Haͤnde befehlen/ mit Coiſto vnnd Davide ſagen: In deine Haͤnde beſchle 1 AXIV. 776 Gießiſcher Leichpredigten ichmeinen Geyſt/ du haſt mich erloͤſet/ Heoe/ du trewer Gott/ oder wie die Chriſiliche Kirche auß dieſen Wor⸗ ten ſinget: Wann mein Stuͤndtlein vorhanden iſt/ vnd ſol hinfah⸗ ren mein Straſſe/ ſo geleyt du mich Her: Jeſu Coriſt/ mit huͤlff mich nicht verlaſſe/ mein Seel an meinem letzten End/ befehl ich dir in deine Haͤndt/ du wirſt ſie wol bewahren. Als der Keyſer Adria- nus ſterben ſolte/ gerieth er in groſſen Vnmuht vnnd Trawernis/ ſprach ſeine Scelalſo an: SAnimula vagula, blandula, Pallidula, rigidula, Hoſpes comesq corporis, Quæ nunc abibuiinloca. Ach du mein armes Bleiches/ Iꝛendes/ Freundtliches See⸗ lelein/ daß du dich biß anhero in meinem Leib/ als in einer Herberg auffgehalten haſt/ wo wirſtu doch nun jmmermehr hinkommene Die verteuſterte Leut im Bapſithumb duͤrffen auch wol ſagen: Ich lebe vnnd weyß nicht wie lang/ ich ſterbe vnd weyß nit wann/ ich fahre vnnd weyß nicht wohin/ mich wundert daß ich ſo froͤlich bin. Hochgelobet aber ſey G Ott/ wir wiſſen wo ſie hinſoll/ vnnd darumb wenden wir der Papiſten Narꝛenthaͤtinge alſo vmb: Ich lebe vnnd weyß nicht wie lang/ ich ſterbe vnnd weyß nicht wann/ ich fahre vñ weyß/ Gott lob/ wo hin/ mich wundert dz ich ſo traw⸗ rig bin Wir ſagen mit David: In dein Haͤnde befehle ich meinen Geyſt mi Chriſto: Vatter in deine Haͤnde/ be⸗ fehle ich meinen Geyſt/ Luc. 23 mit Stephano/ HERR Jeſu nim meinen Geyſt auff/ Luc. 7. vnnd gleich wie dieſes deß Herꝛn Chriſti letztes Wort geweſen iſt am Verfluchten. Holtz deß Creutzes/ alſo Beten wir teglich mit dem frommen Martyre Dionyſio: O Domine Jheſu, ultimum tuum verbum in cru- ce, se,ſit Jheſi ſetztes len K landn ſchlec vnnd Nacht darint herzu nen an fahr ve weite⸗ der and einem dich Iheſu daße Nung Leben! 5. duh dẽ Her groß w worder vndlaſ gen Ap leiden befehl Soſet velche XR /dn in Wor⸗ dhinfah⸗ mnit if rAdria. awerni es Ser⸗ Herberg ömmene lſagen: twann/ ofroͤlich vnnd nb. Ich wann/ otraw⸗ hle ch d/ be⸗ ERR Idieſes niholz artyre in cru⸗ ce, Erſter Theyl. 177 ze, ſit ultimum meum verbum in hac luce, O du lieber Herꝛ Iheſu/ dein letztes Wort am Creutz/ laß auch in dieſem Leben mein letztes Wort ſein/ auff daß/ wann vns G Ott das Todten⸗Gloͤck⸗ lein Klingelt/ wir auch alſo ſage koͤlen: Her: Iheſu/ du trewer Hey⸗ land mein/ mein Seygerlein iſt außgelauffen/ der Tod hat mich er⸗ ſchliechen/ es wil an ein ſcheydens gehen/ die zwen beſie freunde/ Leib vnnd Seel/ woͤllen ein ander das Valete/ vnnd die Tauſent gutte Naccht geben: Nun wirdt der Leib in die Erde geleget/ daß er habe darinnen ſeine ruhe/ biß der juͤngſte Tag/ der herꝛliche Lentze nahe herzu/ die Seelaber iſt vnſterblich/ die muß fort/ immer fort an ei⸗ nen andern Ortt/ alle dieweil ſie vnſterblich iſt. Es iſt aber groß ge⸗ fahr vorhanden/ ſie muß durch den Finſtern Tahl deß Todtes eine weite Reyſe thun/ d Straſſen⸗Reuberiſche Teuffel lauret auff ſie/ der ander Todt knapffet nach ihr. Derowegen muß ich mich nach einem gutten Freund vmbſehen. Keinen beſſern aber weyß · ich als dich/ Herꝛ mein getrewer GOTt/ als dich mein trawter HeR N Iheſu.· Niemandt kan groͤſſer freundtſtuͤck vnnd liebe beweiſen/ als daß er ſein Leben laͤſſet vor ſeine Freunde/ Johan.5. Nun haſtu aber/ O Herꝛ Iheſu Chriſte/ ſpricht Bernhardus, dein Leben vor mich gelaſſen/ als ich noch dein Feindt war/ Rom. 5. du haſt mein Seelichin ſo teuwer erarnet/ ſo koſtbarlich erwor⸗ be: Herꝛ dein lieb ſo groß dich gezwungẽ hat/ dz dein Blut an mir ſo groß wunder that/ vnnd bezalet meine Schuldt/ daß mir Gott iſt worden huld: So nim auch nun dieſe meine Seel in deine Haͤnde/ vnd laſſe ſie dir zumal wol befohlen ſein. Thun wir dem alſo/ ſo folgen wir der Vermanung deß heili⸗ gen Apoſtels Petri in ſeiner 1. Epiſtelam 4. Capit. Welche da leiden nach G Ottes willen/ die ſollen hm jhre Seel befehlen/ als dem trewen Schoͤpffer in guten wercken: So ſetzen wir vnſers He Aꝛn vnnd Meiſters Exempel recht nach/ welcher/ gleich wie er am Oelberg ſeinen T Dess Kamuh nie den 1 n. leben —.———— ———C—C—————— — MAr 78 Gießiſcher Leichpredigten lieben Gebet anfinge/ Matth. 26. alſo beſchleuſſet er auch dieſelbi⸗ gen mit dem Gebet/ vnd fehret in einem wolrichenden Reuchwerck dahin/ leget ſeinen Geyſt in die trewe Vatters Haͤnde/ entſchlaffet fein ſamfft vnnd ſtill/ vnnd verſchwelcket wie ein zartes Roͤßlein/ oder liebliches Garten Bluͤmlein: Wir oͤhmen nach Hieronymo, Baſilio, Luthero vnnd viel Chriſtglaubigen Hertzlein/ welche in jhrem letzten Stuͤndtlein die Centners wort behalten/ jhren Geyſt dem bono Domino, wie jhn Ambroſius in ſeiner letzten bekend⸗ nis nennet/ wider gelieffert/ vnnd in dulci jubilo, mit friedt vnnd frewdt von hinnen geſcheyden/ vnnd zu dem Hiĩliſchen Vaͤtter⸗ chen als ſein liebe Kindelein als ſeines eingeliebten Soͤhnleins Bruͤ⸗ derlein/ deß heiligen Geyſtes geweſene Tempelein/ auffgefarẽ ſeyn ins Himmels Gaͤrtelein/ zu allen heiligen Frongeyſterlein. Zum andern haben wir auch hie ein kurtzes aber notiges Lehrſtuͤcklein/ wider die Propoſitiones univerlales, d Papiſten/ das iſt/ daß es nicht genug ſey/ daß wir wiſſen vnnd glauben/ Gott ſey ein gnediger Barmhertziger/ vnnd trewver G. Ott/ ſondern daß auch ein jeder inſonderheit vor ſich das ſchließlich darvor hal⸗ ten ſoll/ Er/ Er/in individuo, habe auch einen ſolchen E RRN vnd GOtt. Dann in dieſen Kernhafften worten bekennet David/ daß GOtt ſein G Ott ſey/ der ſeinen Geyſt wolbewahren koͤnne vnnd wolle. Dieſe Glaubens kunfi brauchet vnd practiciret der Hocherleuchte Apoſtel Paulus/ in der Epiſtel an die Galater Cap.z. Chriſtus hat mich/ mich/ geliebet vnnd ſich ſelb⸗ ſten vor mich dargegeben. Vnnd abermals: Ich habe ei⸗ nen guten Kampffgekaͤmpffet/ ich habe den Lauff vol⸗ lendet/ Ich habe Glauben gehalten: Hinfurth iſt MJ beygeleget die Kron der Gerechtigkeit/ welche MJR der Hert an jenem Tag der gerecht Richter ge⸗ ben benit hiervon N. außd mitdi werde werde den jh Bellarn bet ſide vielmeh ſogenro get hett Eralse vnnd r jeto nich ſchaff net wird glauhet 0 2 gewiſer Seclſa keit deß (ſerm. 6 b Accher Vind cum col Erſter Thehl.„„ dieſeb, 3 ben wirdt /2. Timoth. 4. Dar fromme Hiob ſinget vns auch bekend⸗ edt vnnd Vaͤtter· ns Bruͤ⸗ fareſeyn . rnoͤliges dapiſten n Gott ſondemn wor hal⸗ EAAN David n koͤnne iret der Galata hſelb⸗ abeti⸗ fffvol⸗ rthiſt eſche terge⸗ ben hiervon ein Geyſtreiches Liedlein: Ich weyß/ ſpricht er/ daß MEIN Erloͤſer lebt/ vnnd er wirdt mich hernacher auß der Erden aufferwecken/ vnnd werde darnach mit dieſer NEINER Haut vmbgeben werden/ vñ werde in NENEðN Fleyſch Gott ſehen denſelben werde ich NIRſehen/ vnnd REINE Augen wer⸗ den jhn ſchawen/ vnnd kein Frembder/ Cap.). Darauß dann auch erſcheinet/ wie groͤblich jrꝛe der eſuit Bellarminus, wann er von Schwarm⸗Geyſt getrieben/ ſchrei⸗ bet/ fidem eſſe ignorantiam, der Seligmachende Glaube ſey viel mehr eine vnwiſſenheit. O weñ dem alſo were/ ſo wuͤrde David ſo getroſt ſeine Seele/ die Seel welche ſeine Feinde ſo ſehr geengſti⸗ get hetten/ G OTtnit ſo hertzlich vnnd emſiglich befohlen haben/ Erals ein Vbelgeplagter Mann/ wuͤrde ſich auff ſeine warheit vnnd trew nicht ſo Starck geſtaͤnet vnnd geſteuwret haben. Will jetzo nicht ſagen/ daß der Glaube in heiliger Schrifft ein Wiſſen⸗ ſchafft/ ein Liecht/ einErkantnus/ eine Weißheit/ gene⸗ net wird: Credens ſcit ſe credere, ſpricht Auguſtinus, wer da glaubet/ der weyß auch daß er glaubet. Zum dritten/ haben wir in dieſem Todten Gebet einen gewiſſen Grundt vnd Zeugnis/ dz die Seel vnſterblich ſey/ daß die Seel/ à cuius ſalute corporis ſalus pendet, an welcher Selig⸗ keit deß Leibes Seligkeit verknuͤpffet iſt/ wie Bernhardus redet ((erm. 6 de advent. Domini nicht außgehe wie ein loͤder Aſche/ nicht dahin fladdere wie ein oͤder vnnd duͤnner indt/ Sapient. 2. ſed cum corpore abeat, non autem cum corpore obeat.auß dem Leib zwar fahre/ aber nicht mit d dm Nn 2 Leib XIV. 80 Gießiſcher Leichpredigten— Leib vndergehe/ wie abermal Bernhardus redet/ Epiſt. 3tz.) Deñ were dem alſo/ ſo were David/ ja Chriſtus ſelbſt/ nicht hell weiß ge⸗ weſen/ daß er Gott ſeine Seel/ die jetzo auß jhrem portatili ſepul chro. vñ gebrechlichẽ Leibe/ fahrẽ wolte/ Gott ſo trewlich befiehlet. Vnnd gehoͤret h dieher was Chriſtus pricht Matth. am 22.Gott ſey ein G Oc Abrahams, Jſaaes vnnd Jatobs/ nicht aber ein G O T Tder Todten ſondern der Le⸗ bendigen; Dann darauß muß folgen/ daß ſie noch der Seelen nach leben/ dicweil jhr Leib bereit zu Aſchen vnnd Staub worden war. Hieher gehoͤrt das Moſes ſpricht/ die Patriarchen ſeyen zu jhrem Volck verſamlet worden/ Gen. 29. hieher gehort/ daß alhie David/ das Vorbildt C Riſti/ vnd C Riſtus ſelbſten/ Gott ſeine Seel beflehlet/ Pſal. ʒ1. Luc. 23. Hieher gehoͤret/ daß deß armen Lazan Seellin Abrahams Schoß getragen wirt/ vnnd darauff ruhet wie ein liebes geſundtes Kindelein auff ſeiner Mutterſchoß/ Luc. 16. hieher gehoͤret/ daß Paulus ſo ſaͤhnlich bege⸗ ret auffgeloͤſet zu werden/ vnnd bey Chriſto zu ſein/ Philip. i. vnnd daß die Seele der Erwuͤrgeten zu G Ott ſchreyen: HẽRR du heiliger vnnd warhafftiger/ wie lang rich⸗ teſtu vnd rechneſt nicht vnſer Blut an denen/ die auff 4 Erden wohnen/ Apor. 6. dahin ſihet auch Chriſtus/ wann er Matthæiam 1o0. ſpricht: Fuͤrchtet cuch nicht vor denen/ die den Leib toͤdten/ vnnd die Seelnicht ködten moͤ⸗ gen. Dieſe Lehr diener vns Erſtlich wider die Epicureer/ Geauas vñFraßbruͤder/ welche mehr auff den Leib vñ jren Paterß⸗ bauch ſehen/ als auff jhre arme Seele/ nicht bedencken/ was der A⸗ poſtel Penua pas ꝛ Ich ermahne euch als die Frembd⸗ linge linget Liſſe hettede vor den Ortd Seeler am 22. die Ke (in lib. biusm Menſcl Sodan nusſin Seeln e die Je digen/ — vygehe Decin ſpielan den die nſch Vnda Articu ben vnd Bopft weit we nach d tet vnd .) Deñ 2 lepul cfehle. Gett lobs, KrLe Seelen worden eyen zu chort dbſten/ daß deß wwirt/ ff ſalna ibege⸗ ſein/ hreyen: rich⸗ auff vanner enen/ nmaͤ⸗ Erſter Theyl..5 18, linge vnd Bilgerim/ enthaltet euch von Fleyſ hüchen Luͤſten/ welche wider die Seele ſtreitten/ j. Epiſt. C. 2. hette der reiche Schlemmer vnd Dem̃er jm taͤglich dieſe warnung vor den Ohren klingen laſſen/ ſo were er nicht kommen an den Ort der Qual/ Luc. j6. Sie dienet vns vors ander wider die Saduce eer/ welche der Seeele vnſterblichkeit verneynet haben/ wie abzunehmẽ auß Matth⸗ am 22 den Apoſtoliſchen Geſchiechten am 23. Capitel. J Item widern die Ketzer vnnd Irꝛgeyſter/ welche Auguſtinus Arabicos nennet/ (in lib. de hæreſ. hæreſ. 83.) welche im Landt Arabia, wie Euſe- bius meldet(libr. 6. hiſtor. Eœcleſiaſt. cap. 27.)narꝛiret haben/ die Menſchliche Sele gehe zu gleich mit dem Leib zu bodẽ vñ truͤm̃ern. So dann auch wider die Inetopſychitas, welche/ wie Damaſce- nusſin l.de hæreſ. auff gezeychnet hat/ geſagt haben/ der Menſchẽ Seel were gleich der Seelen der vnvernuͤnffngen Thieren. Sie dienet vns vors dritte wider die Alaſtores vñ Laͤſterer die Jeſuiten/ welche Lutherum ſaͤligen/ vnd vns mit jhm/ beſchuͤl⸗ digen/ er habe der Seelen vnſterblichkeit/ als en portentum vnd vngehewer ding verwor ffen/(in aſſertione articul. per Leon. Decim. dam. arricul. 37.) da doch der tewre Mann das gegen⸗ ſpiel an ſo viel ortern gelehret hatt. Das diſputiret er an dem Ort den die Widerſacher Gottes vnnd ſeiner vns vorruͤcken/ ob der Roͤ⸗ miſche Bapſt habe macht newe Articul deß Glaubens zumachen? Vnd an ſtatt der Antwort/ machet er einen vnderſchiedt vnder den Articuln die immediatè vñ ſchnurſtracks den Chriſtlichen Glau⸗ ben vnd vnſerer Seligkeit anruͤhren: vnnd hie ſeye der HẽE Rat Bapſt viel zugering vnnd ohnmaͤchtig darzu/ dieweil Gottes wort weit weit vber jhn ſey/ vnnd dieſelbige annehme vnnd glaube. Dar⸗ nach dañ vnder den ver meynten Artieuln/ welche der Bapſt gedich⸗ tet/ vnd keinen grund in Prophetiſcher vnd Apoſioliſcher Schrifft Nn 3 haben „* 7182 Gießiſcher Leichpredigten haben/ ſondern derſelben zuwider/ vnd Lehre der Teuffel ſein. Nun ſagt D. Luther war ſein/ daß der Bapſt vnder ſeine Artickel oder Menſchen Lehr/ bißweilen auch die gemenget habe/ welche in heili⸗ ger Schrifft grund haben/ vnd dz zu dem Ende/ damit er ſeine fal⸗ ſche ſelbſt erdichtete Lehr der Chriſtenheit auffdringe: vnder ſolchen iſt auch geweſen der von vnſterblichkeit der Seelen/ welche Bapſt gutt herꝛlich allererſt auff dem Concilio Lateranenſi, im Jahr 151 3. beſtaͤtiget vnnd Canoniſiret hat/ geradt als wann er insym- bolo Apoſtolico außgelaſſen were. Auff dieſe vnnd kein andere weiſe/ nennet jhn Lutherus ein portentum, vnd thut recht daran. Denn wer wolte jhn eben darumb glauben/ weil der Roͤmiſche An⸗ ti Chriſt jhn zu glauben befohlen vnd beſtaͤtiget hatt⸗ Es thaͤten die Jeſuiten wol daran/ wann ſie in jhren eignen Buſem riechen. Dann die Hiſtorien zeugen/ daß etliche Baͤpſt auff gut Sadduceiſch vnnd Epicuriſch die Aufferſtehung deß Fley⸗ ſches vnd der Seelen vnſterblichkeit verneynet haben: Wolte Gott daß noch auff den heutigen Tag in Italien dergleichẽ Geſellen nit gefunden wuͤrden. Es iſt ja manniglich bewuſt/ was Petrus Pom- Ponatius darvon geglaubet hat. Es iſt vns vnverborgen/ daß Bapſt Paulus/ dieſes Namens der dritte /auff ſeinem letztẽ Angſi⸗ lager geſaget hatt: Nunc experiar utrum anima ſit immorta- lis; jetzo wil ich allererſt erfahren ob die Seel vnſterblich ſey. Wir haben vors vierte hie eine feine troͤſtliche Lehr/ wo vnſer Seel nach jrem Abſchiedt hinkomme⸗ Der Gottloſen Seele falle in den elliſſche Sumpff dariñen jr Wurm nimmehr ſtirbet/ Eſai. 6. welchermit Schweffel vnnd Fewer brennet/ Apocal. s.9.)4.27. Aber die Seele der Frommen vnnd Glaubigen fahren von Mundt auff gehn Himmelin die Selge Ruhe zu Abraham/ Luc.. in G Ottes Handt/ da ſie kein Qual anruͤhret/ Sap. 3. in dz ſchoͤne luſtbare Pa⸗ . Nn kelodar i heili ine fal⸗ ſolchen Bapſt Jahr öym. andere daran. he An⸗ eignen ſtauff Fley⸗ Gott len nit Pom- daß Angſt⸗ ofta- wo Seelt nehr ewer mnen in die ndt/ bate Pa⸗ Erſter Thehlyl. 85 Paradeiß/ Luc. 23. ins bundtlein der Lebendigen/ vor den Stull G O Ttes vnnd deß Lambs/ Apocal. 7. da ſie ruhet von aller jhrer MNuͤhe vnd Arbeit/ Apot. 13. ruhet in G Ott/ mit G Ott/ durch Gott/ in felici jucundita- te,& jucunda felicitate, wie Auguſtinus vnnd Proſper reden/ in der ſeligen ewigkeit/ vund in der ewigen ſeligkeit. Ihre Koͤpff ſeynd auff der Welt gefunden wordẽ/ welche ver⸗ meynet/ wann der Menſch ſterbe/ ſo lebe ſeine Seele/ ë* ᷣ‿ε derßar wie Plato in Axiocho redet/ od in cãpo Elyſio, wie es Virgilius der Poet nenet. Aber dieſe meynung iſt falſch vnd Heydniſch/ weil in G Ottes Reich/ darinnen die Seele lebet) alles iſt bloß GOtt allein/ vnnd nichts anders/ wie der Alte Taulerus fein ſagt. Die Papiſten haben fuͤnff Orter/ dahin ſie jhre Seele loſi⸗ ren. Deñ i. haben ſie die Hell/ in welcher die Gottloſen vnnd ewig⸗ verdampten jren Auffhalt haben. 2. Limbum puerorum das iſt/ einen ſolchen Ort/ darinnen die vngetaufften Kindelein ſein ſollen/ doch/ ob ſie ſchon der anſchauwung deß Angeſichts Gottes berau⸗ bet ſein/ daß jnen weder Wehe noch Wohll ſey. 3. Limbum Pa- trum, darinnen die Patriarchen vnnd Ertz⸗Vaͤtter jhr weſen ge⸗ habt haben ſoͤllen/ che dann der Herꝛ Chriſtus im Fleyſch offen⸗ bahret worden. 4.1gnem purgatorium, das Fegfewerals in wel⸗ chem die vbrige Suͤnde ſollen außgefeget vnnd außgeſoͤhnet wer⸗ den/ vnnd dorffen die heutige Bapſiknecht woll alle Menſchen da⸗ hin verfahriren/ doch/ daß einer laͤnger als der ander darinnen das Mahl zehren ſoͤlle vnd muͤſſe. 5. Cœlum, denlieben Himmelin welchem die Engel vnnd alle Chriſtkinder GO TTES ein Ewiges Te Deum laudamus, quinticen vnnd quiddiliren. Aber in heiliger Schrifft werden vns nur zwey Orter nam⸗ hafft gemacht/ dieſer Geſtalt/ wer glaubet vnnd getauffet wirdt/ der wirdt ſeelig/ wer aber nicht glaubet/ der wirdt 184 Gießiſcher Leichpredigten wirdt verdammet. Marc. 16. Wer an ihn glau⸗ bet/ der wirdt nicht gerichtet/ wer aber nicht glau⸗ bet/ der iſt ſchon gerichtet/ denn er Glaubet nicht an den Namen deß eingebornen Sohns G OT Tés/ Johann.z. Die Seele der Glaubigen kommen in Abrahams Schoß/ Luc. js. vnd der HERꝛ weyß die Gottſeligen auß der Verſuchung zuerloͤſen/ die Vngerechten aber zubehaltẽ zum Tage deß Gerichts zu peinigen: Aller⸗ meyſt aber die/ ſo da wandeln nach dem Fleyſch in der vnreinen Luſt/ vnd die Herſchafften verachten/ thur⸗ ſtig/ eigenſinnig/ nicht erzittern die Majeſteten zulaͤ⸗ ſtern /ꝛc. ⁊2. Pet. 2. Denn ſo wir muthwillig ſundigen/ nach dem wir die erkandnis der warheit empfangen habe/ habe wir furter kein ander Opffer mehr vor die Suͤnde/ ſondern ein erſchrecklich wartẽ deß Gerichts vnd deß Fewers eyffer/ der die widerwertigen verzeh⸗ ren wirt. Hebr.)o. Nun daß die Seelen der Gottloſen in der verdambten ewigkeit vnd ewigen Verdamnis anders nit zuthun haben/ als heulen vnd Zahnklapffenn/ das iſt auß außgezognen Spruͤchen H. Schrifft kundtbahr. Was hat es aber vor ein gelegenheit mit den Seelen der Gerechtẽ? Iſts wahr/ wie etliche geſchwermet haben/ daß ſie in einem harten Schlaffligen? Traun Neyn: Dann in der Offen⸗ barung am 6. Capitel ſiehet geſchrieben/ daß die Seele deren/ die erwuͤrget weren/ vmb deß Wort GOTTE Swillen/ vnnd vmb deß Zeugnis willen daß ſie hatten/ ſchreyen mit groſ⸗ ſa Stimm vnnd ſprechen: Hẽr du heiliger/ vnd ar⸗ * 4 qf⸗ glau⸗ glau⸗ ichtan Tes/ hams ſellgen naber Aller⸗ in der thur⸗ zuld⸗ digen angen or die richts etzeh⸗ eigkeit len vnd ſchrifft Seelen ßſiem Offen⸗ deren villen tgyoſ war⸗ ha — Erſter Theyl. 189 Haſſager lang richteſtu/ vnd rechneſt nicht vnſer Blut an denen die auff Erden wohnen. Vnd jhnen wird gegeben einem jeglichen ein Weißkleyd/ vnnd wirdt zu jhnen ge⸗ ſagt/ daß ſie noch ruheten ein kleine zeit/ biß das vollendt darzu kaͤ⸗ men jhre Mitknecht vnnd Bruͤder/ die auch noch ſoͤllen ertoͤdtet werden/ gleich wie ſie. Vnnd weil GOttiſt ein G Ott der Le⸗ bendigen/ Matth. 2. ſo leben ſie auch/ Rom. 13. bege⸗ ren hertzlich conſummationem totius corporis, daß jhre gantze Geſelſchafft moͤge erſetzet werden, Vnderdeſſen ſeyndt ſie heim⸗ lich verborgen in G Ottes Gezelt vor jeder ans trotz/ Pſalm. 30. halten gut Geſprech mit jm von allen Hohen vnd Goͤttlichen Geheimniſſen/ wie Moyſes vñ Elias/ Matth. 17. Marc 9. Luc.v. Sehen jn von Angeſicht zu Angeſicht/ Geneſ.32.3. Corinth. z. ſehen jhn wie er iſt/). Johan. 3. ſehen jhn vnnd kein Frembder/ Hiob. 19. ſehen das gute deß HẽRRNim Landt der Lebendigen/ Pſalm. 27. ſehen ſein Antzlitz in Gerechtigkeit vnnd werden ſat/ wann ſie erwachen nach ſeinem Bilde/ Pſalm.)7. Wir haben zum fuͤnfften auch einen Troſt in den worten: Du haſt mich erloͤſet. Dann ob wir wol in dieſemlebendie uͤſſen/ vnnd Tag vnnd— Nacht den Chriſten Creutzgang auff vnnd ab ſpatziren/ ſo ſollen Jamerſtraſſen wo wir doch zuletzt in eine gute gereume Ruheſtaͤdt kommen/ in ein ſicheres luſtiges Zimmer/ darinnen vns kein Vngluͤck/ Not vnnd Gefahr treffen ſoll/ der grundtgute G OTt/ will vns Erloͤſen von allem Vbel/ daß Davids Gebet endlich vnſer Triumphierliedlein ſeyn ſoll: Du haſt mich erloͤſet du treuwer G OTL. Oo Dann ———Q—Q——COQ—C—BC—OC—L—V—Z—CQC—j³ — V 86 Gießiſcher Leichpredigten Dann wir haben einen G Ott der da hilffet/ vnnd den Hẽ«rn Hẽarn der vom Todt erꝛettet/ Pſal. ss. welchen Troͤſtlichen Labſpruch D. Luther ſeliger in ſeiner Todtes Noht auch im Mundt gefuͤhret hat/ vnd zu mehrem mahl wider⸗ holet. Auß Sechs Truͤbſalen/ ſtehet im Buch Hiob/ wirdt er(G Ott) dich erꝛetten/ vnnd in der ſiebenden wirdt dich kein Vngluͤck ruͤhren. In der Thewrung wird er dich vom Todt erloͤſen/ vnd im Krieg von deß Schwerts Handt. Er wirdt dich verbergen vor der Geyſſelder Zungen/ daß du dich nichtfuͤrchteſt vor dem Verderben/ wann es kompt. Im Verderben vnd Hunger wirſtu lachen/ vnd dich vor den wilden Thie⸗ ren im Landenicht fuͤrchten. Sondern dein Bundt wirdt ſein mit den Steinen auff dem Felde/ vnnd die wilde Thier auff dem Lande/ werden Friedt mit dir halten. Vnnd wirſt erfahren/ daß deine Huͤtte frieden hat/ vnnd wirſt deine Behauſung verſorgen/ vnnd nicht ſuͤndigen. Vnnd wirſt erfahren/ daß deines Samens wirdt viel werden/ vnd deine Nachkomme⸗ ne wie deß Graß auff Erden. Vnd wirſt im Alter zu Grab kommen/ wie Garben eingefuͤhret werden zu ſeiner zeit/ Cap. ⸗. Wann aber gleich dieſes nicht erfuͤllet wirdt in der zeit vnſer truͤbſeligen Wanderſchafft/ ſo ſoll es doch zu guter letzt geſchehen durch den Todt/ der ſoll vns kein Todt ſein/ ſondern ein Erloͤſung von allem Vbel. Daher er genennet wird von dem ſelige Blutzeu⸗ gen zeltliche beiſſern haben. teſtu die wort:T ſchehen Habey) alanet haſt ſo. dogchet vnnd ſal ss. Todtes hlwider⸗ h Hiob/ benden wrung on deß vor der teſtvor en vnd Thie⸗ Bundt nddie mit dir frieden vnnd deines omme⸗ Alterzu den zu eit vnſer iſchehen erloſurg Bhutzeu⸗ gen Erſter Theyl. 187 gen Cypriano, refrigerium, eine Heritzlabung oder Erguickung/ Bernhardus heyſt jhn finem laborum& januã vitæ, ein Ende aller Muͤhſeligkeit/ vñ Thuͤr zum Leben/ Prudentius reparatio- nem vitæ, ein widerbringung deß Lebens. Dem Apoſtel Paulo muß er lauter Gewwin ſeyn/ Philip.). vnnd nach der Hebrai⸗ ſchen art zu reden/ ſo viel heyſſen als zu den heiligen Ertzvaͤttern verſamlet werden/ Geneſ. 5. daher ſpricht Nazianzenus, der Tod der frommen ſey anders nicht als ein Renſcau dem ſichen o,/u GOTT Chryſoſtomus gleichfals/ nennet jhn einen Fortzug au. allem Guten/ ein Erloͤſung von dem Vbel /ein Wanderung von d Erden gehn Himmel/ von den Menſchen zu den Engelein/ vnnd zu dem Heren vnd Schoͤpffer der Engel. Darumb ſyricht Sa⸗ lomon/ der Tag deß Todtes ſeye beſſer als der Tag der Geburdt/ E celeſ. 7. dañ wer geboren wirdt/ der faͤhet an zu⸗ ſterben/ welcher ſtirbet/ der faͤhet an zu leben/ ja zu leben Ewiglich · Vmb diſer Vrſachen willen/ ſoll der H. Apoſtel Petrus/ als ſeine Dochter am Fieber kranck lag/ vñ er gefragt ward/ warum̃ er jr nit wie andern mit huͤlffe beyſpringe? geantwortet haben: Der Todt ſey ſeiner Dochter beſſer als das Lebẽ/ wie Volateranus ſchreibet. Vñ diß hat auch die frome Martyrer ſo mutig gemacht/ dz ſie den zeitlichen Todt/ vñ wann ſie darmit von den Tyrañen vñ Eyſen⸗ beiſſern ſeynd bedrawet wordẽ/ gleichſam außgelacht/ vñ verachtet haben. Als jener Tyranniſche Amptman zu Baſilio ſagte/ furch⸗ teſtu dich nit vor meiner vñ deß Keyſers gewalt? Bekam er die ant⸗ wort: Warumb ſolte ich mich darvor fuͤrchten? Was wird dañ ge⸗ ſchehen? Was ſollich leide⸗ Der Tyran ſprach/ Verlierung deiner Habe vnd Guttes/ das Elendt/ Schmerkzen/ vnd Todt. Darauff erklaͤret ſich das fromme Hertz alſo: O wann du ſonſtẽ was anders haſi/ ſo bedrawe mich darmit. Dann was dumir jetzt erzehlet haſt/ dz gehet mich reyn nichts an. Deñ. was Verlierung meines Gut⸗ Oo 2 tes .—— ———————.— — Mw. 188 Gießiſcher Leichpredigten tes anreychel/ iſt daſſelbig gar gering/ ohne daß ich etwan einpar al⸗ ter Hoſen habe/ vñ ein wenig Buͤcherchen/ in welchen ich das ewige Leben ſtudiret/ deß Landes kanſtu mich nicht verweiſen/ dieweilich in keinen Ort eingeſchrancket bin/ vnnd halte weder dieſes Landt noch das/ in welches ich ziehen werde/ vor Mein/ ja ich weyß/ daß die gande Erde deß HẽRRen iſt/ Pſalm. 24. auff welcher ich ein Bilgram vnnd Frembotling bin/ Pſalm.39. der Todt aber wirdt mir ein groſſe wolthat ſein/ dann er wirdt mich cher ſchicken zumeinem G Ott/ welchem ich lebe vnnd diene/ vnnd mein Ampt mehres theyls verꝛichtet habe/ vnd zu welchem ich ohne das lang geeilet habe. Deßgleichen als Babylas zur blutigen Schlachtbang ge⸗ fuͤhret wardt/ vnnd beneben ſeinen dreyen Soͤhnen ſterben ſolte/ ſprach er mit frewdigen Muht vnd Geyſt auß dem 116. Pſalmen: Revertere in requiem anima mea, Sey nun wider zu⸗ frieden meine Seel/ dann der HẽRR thut dir Gut⸗ Wann nun dieſem allen alſo/ warumb erzittern wir ab dem Todt: Warumb bekuͤmmert ſich vnſer Seel/ vnd iſt ſo vnruͤhig in vns? Warumb begeren wir nicht mit dem Apoſtel Paulo auffgeloͤſet zu werden/ vnnd bey Chriſto zu ſein: Warumb wollen wir nicht im frieden heimfahren/ Wie der alte Simeon Vnnd vns ſehnen nach vnſers Leybs Erloͤſung? Warumb ſeind wir ſo vngehalten/ wann vns Gott vnſere liebe Ehegenoſſen/ geliebte Kinderlein/ Vatter vnd Mutter/ durch den Todt von vnſer Seiten wegreiſſet? Ach ſie ſterben ja nit/ ſondern leben/ non obeunt, ſed abeunt, non percunt, ſed præeunt, ſie ſeind vnverlohren/ vnd werden nur vorhergeſchicket/ ſie inpmal as ewigt jewellich ſes Landt daßdit velcher an.39. idt mich ne/ vnnd ich ohne hang ge⸗ denſolte ſamen: derzu⸗ Gut⸗ ab dem vndiſt mit dem ihriſio ahren/ Leybs ns Gott Mutter/ erben ja unt, ſed chicket ſie Erſter Theyl. 189 ſie werden weggeraffet dor dem Vngluͤck/ onnd jhr Seel vnnd Geyſt /ja jhr Staub vnnd Aſchen Leben in G Ott/ wie in einem ſtillen Kaͤmmerlein/ vnnd auff einem weichen Ruhbette⸗ lein/ vñ warten mit froͤlicher hoffnung auff den Lieblichen Lentzen/ da auß vnſerm verdorꝛeten Leib/ ein Spannewer Leib herfuͤr wach⸗ ſen wird/ voller Herꝛlichkeit/ Klarheit/ Gerechtichkeit vñ Vnſterb⸗ lichkeit Selig ſeyndt die Todten/ die im Hérin ſterben von nun an/ Apoc.)4. Sie fabuen dahia u Jeß Chriſco jhr Hand thun ſie außſſtrecken/ ſie ſchlaffen ein vnnd ruhen fein/ kein Menſch kan ſie auffwecken/ dañ Jeſus Chriſtus Gottes Sohn/ der will jnen Thuͤr vñ Tempelauffthun/ einlaſſen zum Ewigẽ Leben. Endtlich vnd zum Beſchluß/ daß aber dieſes alles wahr ſey/ vnd wir daran nit zweiffeln ſollen/ das lernnen wir darbey/ daß der Koͤnig David Gott einen treiven G Ottnennet. Dann er hats vns in ſeinem teuwren werthen Wort ſo offtmals verheyſſen/ vnnd ſolche ſeine verheyſſung mit Traͤn warem Eydſchwur beſtaͤiget/ auff daß wir es ja moͤchtẽ gewiß ſein. Vnd dieſe Gewißheit laͤſt er in vnſerm Hertzẽ beſtaͤtigẽ durch die heilige Sacramenta/ die Tauffe iſ der Bund eins guten gewiſſens.. Pet.z. ſie waſchet vns von vnſern Sunden/ Actor. 2. Eph. 5. pflantzet vns in Chriſtum/ Rom. 6. onnd in derſelbigen ziehen wir jhn an/ wiez rechte Hochzeitkleydt/ Gal.3. vñ weil wirim heiligen Abendtmal vermittelſt Brodts/ mit ſeinem wahren Leib geſpeiſet/ vermittelſt Weins/ mit ſeinem teuwren Roſenfarben Blut getrencket werden/ ſo koͤnnen vnſere Leibe in dem Grab nicht bleibẽ/ wie Irenæus recht vnd wol geſchloſſen hat/ weil Chriſti Leib ein lebendigmacher Leib iſt/ ja der heilige Geyſt iſt das Pfandt vnſers Erbes/ Epheſ. j. vnnd verſiegelt in vnſerm Hertzen/ daß vns G Ott ſein verheiſſene Trewe woͤlle ewig halten/ daß wir Oo Kin⸗ * ——— ÿ—— 190 Gießiſcher Leichpredigten Kinder vnnd Erben G Ottes/ vnndmit Erben Ihe⸗ ſuChriſti ſeyn/ daß wo er iſt/ auch wir ſeyn ſollen/ daß weder Todt noch Leben/ weder Gegenwertiges noch Zukunfftiges/ weder Hohes noch Tieffes/ weder En⸗ gel noch Fuͤrſtenthumb/ noch einige Creatux vns ſcheyden koͤnne/ von der liebe G Ottes/ die wir haben in Chriſto Iheſu vnſerm HERRR/ Roͤm. 8. vnnd eben darumb/ daß wir der Trewe G Ottes gewiß ſeyn/ beſchleſſen wir alle vnſere Gebetlein mit einem ſtarcken Amen/ machen vns die gewiſſe Rechnung/ wir muͤſſen vnſerer Bitt gewaͤhrt werden/ vñ wiſſen gewiß/ daß vns von der Liebe Gottes nichts/ nichts ſcheyden koͤnne/ Noͤm. 8. vnnd daß wir von dem Todt zu dem Leben kommen/ J. Johan. 3. einig vnd allein durch Chriſtum/ welcher iſt der Weg/ die Warheit vnd das Leben/ Joh4. Aber von dieſer Lehr wirdt zu anderer zeit weitlaufftiger gered. Daß wir ſie vnnd alle andere alſo moͤgen gehoͤret haben/ darmit wann vnſer Sterbſtuͤndelein herbey kompt/ vnnd G O T Tauch vns das Todtengloͤcklein Klingelt/ wir darauß vns Troſtes erhole koͤnnen/ vnnd dem bono Domino vnſere Seelgetroſt vnnd mit Freuwdigkeit in ſeine Haͤnde befehlen/ darzu verhelffe vns G Ott Vatter/ Sohn vnd heiliger Geyſt/ Hochgelobter GOT/ von nun an biß in Ewigkeit/ Amen/ Hea Jeſu Chriſte/ Amen. PERSONALIA. Ir haben auff dißmal/ Geliebteim He Rotn/ mit groſſer Betruͤbniß zur Erden beſtattet/ eine auß vnſern liebe vor⸗ nemen Mitſchweſtern/ die Tugentſame Fraw Eliſabe⸗ tham/ ir von . ainig arheit rgured. darmit Tauch b groſſet ebe vor⸗ ſabe⸗ ham/ 1 1 r Erſter Theyl. 19) tham/ deß Ehrwuͤrdigen vnd Hochgelahrten Herꝛn/ Johannis Winckelmanni, der heiligen Schrifft Doctoris, vynnd brofeſſoris in dieſer Loͤblichen Univerſitet, auch Su- perintendentis vnnd Pfarꝛherꝛs allhie/ Eheliche Hauß⸗ frawe:dieſelbige iſt von Ehrlichen Eltern zu Wetter in dieſe Welt geboren/ als nemlich dem Ehrnhafften/ Vorachtbarn/ Johan Weiſſen geweſenen Fuͤrſtlichen Rentmeiſter daſelbſten; vnnd Fraw Gertraudte/ Derſchiſchen Schulteiſſen zu Fronhauſen an der hohen Hart/ Ehleibliche Tochter. Dieſe jhre Chriſtliche Eltern haben ſie jhrem Herꝛn Chriſto in der heiligen Tauff vortragen laſſen/ vnnd hernacher der Vat⸗ ter/ dieweil die Mutter jhr zeitlich mit Todt abgangen/ als ſie zu jhrem Verſtandt kommen/ zur Gottes furcht/ aller Erbarkeit/ vnd Chriſtlichen Tugenden aufferzogen/ hat ſie jhren Catechiſmum fleiſſig lernen laſſen/ beneben andern Gebetlein vnnd Pſalm. Sie iſt auch im Schreiben vnd Leſen fertig geweſen. Nach dem aber auch jhr lieber Vatter Todtes verblichen/ iſt ſie auß ſonderlichem Bedencken jrer neheſten Freunde vnd An⸗ gewanten/ hieher nach Gieſſen/ zu dem auch Ehrwuͤrdigen vñ Hochgelahrtẽ Herm D. Jeremia Vietori/ vnſers geweſenen Superintendenten vnd Pfarꝛherꝛs ſeligẽ/ gefuͤhret worden/ zu dem Ende/ daß ſie bey ſeiner Ehrwuͤrdẽ Hauß⸗ mutter ſo viel beſſer Haußhalten lernete; bey welchem ſie ſich in die zwey Jahr auffgehalten/ alſo daß ſie jhr wegen jhres Fleiſſes/ Gettſeligkeit vnd Arbeitſamkeit ein gut Zeugnis gegeben. Als ſie aber zu jhren Mañbaren Jahren kommen/ vnnd jhr vnderſchiedtliche gelegenheiten zu Heyrahten vorgeſchlagen wor⸗ den/ hat ſie mit Raht jhrer nechſten Blutfreunde/ auch Ver⸗ willigung aller jhrer vier Vormuͤnder/ ſich an Ehrngedachten . Herꝛn MAIV. 192 Giießiſcher Leichpredigten Herꝛn D. Winckelmannum/ nuhn mehr hochbetruͤbtẽ Widtwer/ zuverloben erwehlet/ auch mit demſelben offentliche Sponſalia ce- jebriret.... Aber in was Vngelegenheit ſie ohne jhre ſelbſt/ vnnd jhres Herꝛn Breutigams Vervrſachung geweſen/ iſt menniglich alhie bewuſt/ darauß jhnen G O Tt genediglich geholffen/ daß ſie haben endlich erfahren die warheit deß Spruchs im 37. Pſalm: Befehle dem HE RR R deine Wege/ vnnd hoffe auff jhn/ er wirdts wol machen/ vnd wirt deine Gerechtigkeit herfuͤr bringẽ wie das Liecht/ vnd dein Recht wie den Mittag. Demnach haben der Herꝛ Doctor vnd Jungfraw Eliſabeth jhre Ehe durch den offentlichen Kirchgang vnnd Ehrliche/ zier⸗ liche Hochzeit alhier zu Gieſſen volnzogẽ/ da dann/ wie menniglich bewuſt/ ſie ſich gar fein in dieſem Stand angefangen zu verhalten/ hat G Ottes Wort fleiſſig gehoͤrt/ das H. Abendtmal auch noch fuͤr kurtzerzeit mit jhrem lieben Haußherꝛn/ vnnd deſſen Kindern gebrauchet/ hat jhren Eheherꝛn geehret vnnd geliebet/ vnnd ſich in ſeinen Sin wol ſchicken lernen/ daß/ wann es Gott gefallen/ diß ein wolgehaltene Ehe geweſen were. Aber GOTt der Herꝛ hat nach ſeinem allein weiſen vnd ohnerforſchlichen Raht mit jhr von dieſer boͤſen Welt hinweg geeilet/ vnnd ſie ohnverſehens jhrem lieben Haußherꝛn auß ſeinem Schhoß hinweg genommen. Dañ ſie am nechſten verſchienen Montag ſich zwar hat angefangen zu kla⸗ gen/ vnnd Dienſtags noch etwas mehr. Doch hat ſie deſſelbigen morgens in hoffnung guter Beſſerung jrem liebe Haußherꝛn ver⸗ goͤnnet ſeinem Beruff nach zu zihen/ der aber/ nach dem er ver⸗ nommen/ daß die Schwachheit vberhandt nemen/ vnnd gefaͤhrlich werdẽ woͤlle/ ſebig? Abends noch in groſſer Eyl widerum̃ zu Hauß gelanget /aldaer aller erſtrecht vermerckt wie es vmb jre Schwach⸗ heit bewandt/ dz es/ leyder/ die jetzo algemeyn einreiſſende Seuch vñ Peſt ſey/ die auch/ ohnangeſehē/ daß groſſer fleiß vom Herꝛn Medi⸗ co 7. jnnig trewer hertzic jhrele befehle mir /d ſie ſo! ſchaff Herer Eheg ſtehun Gerec Vaͤtt denck her ge⸗ Seele auff vndſe vnnd: 80 Wdiwe, nfaliace. und jhres glichalhie jſiehabnn Befehle virdtwo as(iccht Eliſabeh he/ zir⸗ henniglich werhalten/ auchnoch Kindern indſichin en dißein ehatnach vondieſe em heben guſiram nzu ka iſſebign hennver⸗ ancrver⸗ efährich au Hauß chtache Seuchwü Medi⸗ 0 Erſter Theyl. 193 eo vnd Chirurgo angewendet/ jhre Kraffte dermaſſen geſchiwechet/ daß ſie jhren Geyſt auffgeben muͤſſen. In wehrender Kranck heit hat ſie mit Gebet vnnd Seufftzen ſich G O Ttin ſeinen Vaͤtter⸗ lichen Schutz mit Leib vnnd Seel trewlich befohlen/ vnnd dem Herꝛn in jhrem Creutz ſtill gehalten/ biß ſolang der Treuwe Gott jr re Qual den 14. dieſes Monats Novembr. Morgens fruͤh vmb 7. Vhr hat abgekurktzt/ da ſie nach Beſtellung jrer ſachen etlichmal jnniglich geſagt: HeẽRR Ieſu dir befehle ich meinen Geyſt du trewer G O T Tdu haſt mich erloͤſet: hat mit jhrem Haußherꝛn hertzlich gebeten/ der jhr auch den Segen geſprochen/ vnnd ſeyn diß jhre letzte Wort geweſen: He di Jeſu nim meinen Geyſt auff/ dir befehle ich mich dutrewer GOtt: O Herꝛ Chriſte nun verleihe mir/ daß ich im Glauben ſanfft vnnd ſeliglich entſchlaffe/ darauff ſie ſo baldt im ſelbigen nun die Augen zugethan/ iſi ſanfft einge⸗ ſchlaffen/ vnd hat mit weniger bewegung jhren Geyſt/ jhrem lieben Herꝛn vund Erloͤſer vnder dem Gebet vnd Traͤhnen jhres lieben Ehegemals vnd der Vmbſtehenden vbergeben. Der Allmechtige ewige G Ott/ woͤlle jhr ein froͤliche Auffer⸗ ehung verleyhen/ vns zu jhr vnd den Geyſtern der volkommenen erechten mit gnaden verhelffen/ die eingeriſſene Seuch entweder Vaͤtterlich von vns abwenden/ oder mitten in ſeinem Zorn einge⸗ denck ſeyn/ ſeiner Grundloſen Barmhertzigkeit die von der Welt her geweſen iſt/ woͤlle vnſern Herꝛn Superintendenten vnd trewen Seelen⸗ Hirten vor fernerem Leydt behuͤten/ ein wachendes Aug auff jhn vnnd ſein gantzes Hauß haben/ darmit wir ſeiner trewen vnd ſeligen Dienſten in der Kirchen ſo wol hie/ als auff dem Lande/ vnnd in vnſer loͤblichen Vniverſitet noch lange Zeit genieſſen vnd gebrauchen moͤgen/ vmb ſeines Hochheiligen/ Hochge⸗ benedeyten Namens Ehren willen/ Amen/ 82 Amen. 1 W8:5e- e Pp Die ———— AV.. 194 ESSSS SS e SeSeSS SeS Se Se 38 38 3e S53 82 Die Funfftzehende Leichpredigt/ Bey Begraͤbniß/ deß Ehrnveſten vnnd Vorachtbarn Herꝛn Davidis Nuldneri geweſenen Vogto zu der. Haida/ im vnder Fuͤrſtenthum̃ Heſſen/ welcher iu Gieſſen den 4. Januarit/ Anno 1613. in Chriſto ſelig⸗ lich entſchlaffen iſt/ Gehalten in der Pharꝛkirchen/ Durch Caſparum Finckium/ der H. Schrifft Profeſſorem vnnd Predigern. Textauß dem Buch Tobiæ Cap. 14. v. 14. . 15.16. 17. Vnnd als baldt nach ſeiner Mutter Todt zoch Tobias von Niuive mit ſeinem Weib/ Kindern vnd Kindtskindern/ vnnd Zoch in Meden zu ſeinem Schweher/ vnd ſeines Weibs Freunden/ vnd fandt ſie Friſch vnd Geſundt in einem ruͤhlichen Alter/ vnd erpfleget jr/ vnd als ſie ſtorben/ druͤcket er ihnen auch die Augenzu/ vnnd trieget alſo das gantze Erb vnd Guͤter Raguelis/ vnnd lebet bis ins fuͤnffte Ge⸗ ſchlecht/ vnnd ſahe ſeine Kinder vnnd Kindskinder. Vnd als er Neun vñ auuus dar alt war/ begru⸗ ben jhn ſeine Freunde/ vndall ſein Geſchlecht blieb im heiligen Wandel vnnd Leben/ alſo/ daß ſie angenem waren dtzoch rnvnd ſeinen fandt r/vnd rauch bvnd eGe⸗ inder. egtu⸗ jebim henem varen Erſter Theyl. 195 waren fuͤr G O Tt vnnd den leuten vnnd allen die im Landt wohneten. EXORDIUM. Nſer lieber Hen vnd Heyland Chriſtus Iheſus ver⸗ mahnet ſeine Juͤnger vnd alle zum Menſche zweiten⸗ mal/ daß ſie wachen vnd Beten ſoͤllen/ Natt. 24. vnd 25. vnd das darumb/ dieweil ſie nicht wiſ⸗ ſen wann der Breutgam kommen werde. Als dannaber/ Geliebte im HẽRRn/ Wachen wir recht vnnd Chriftlich/ wañ wir in gutter Bereitſchafft ſtehen/ taͤglich vns zu dem Sterb⸗ ſtuͤndelein ſchicken/ in der Furcht deß He ReEneinhergehen/ vber vnſere begangene Suͤnde hertzliche Rew vnnd Leydt tragen/ vnnd die Buß von Tag zu Tag nit auff ſchiebẽ. Es iſt wol war/ was die Alten geſagt haben: Pœnitentia vera nunquã eſt ſera, ũi ſit ſe- ria, eine Rechtſchaffene Buß iſt nim̃er zuſpat/ wann ſie nur Ernſt⸗ lich iſt. Aber es iſt hinwiderumb war was Hieronymus ſaget: Ra- rò pœnitentia ſera eſt vera, Selteẽ iſt ein langeſparte Buß Ernſt vnnd Rechtſchaffen. Wann ein Baum lange auff die eine ſeiten gehangen hatt/ vnnd gefellet wirdt/ ſo muß es ein harter Windt ſein/ der jhn auff die ander ſeite werffe/ vnnd wie er dann fellet/ alſo liget cr. Darnach nachen wir/ wann wir vnſer Hauß beſtellen bey leibes Leben/ damit nach vnſerm Toͤdtlichen abgang vnder vn⸗ ſern Angewandten/ ſich kein Gezenck oder Geſtaͤnck erꝛege/ wie GOTtder Hẽ RR durch den Propheten Eſaiam Koͤnig Hißki⸗ am vermahnen ließ: Diſpone domuituæ, quia morieris; Beſtelle dein Hauß/ dañ duwirſt ſterben/ vnd nit Le⸗ bendig bleiben/ Eſai.z8. Pp 2 Zum ————— ·ʒ—* Av. 96 Gießiſcher Leichpredigten Zum dritten/ wann wir offtermals das hochwuͤrdige A⸗ bendmal zu ſterckung vnſers Glaubens gebrauchẽ/ vns die gewiſſe rechnung machen/ ob wir gleich durch den zeitlichen Todt auß dem Landt der Lebendigen geriſſen werden/ ſo werden wir doch in corde tetræ vnnd dem Bauch der Erden/ vnnd in der Todtengrufft nicht verbleiben/ dieweil wir mit dem Lebendigmachenden Leib vnd Blut vnſers Herꝛn vnd ErloͤſersChriſu ii Iheſu ſeynd geſpeiſet vnd getrencket worden. Das will aber auch nach Chriſti Vermahnung darbey ſein/ daß wir. mit Moyſe auß dem 90. Pſflehentlich bitten vnd beten: Ach Hẽr/ lehre vns bedencken daß wir ſterben muͤſ⸗ ſen/ auff daß wir Klug werden. O He aa lehr vns beden⸗ cken woll/ daß wir ſeynd ſterblich allzumal/ daß wir alhie kein Bley⸗ bens han/ muͤſſen alle darvon/ Gelehrt/ Reich/ Jung/ Alt oder Schon. 2. Ihn anruffen/ daß er vns woͤlle behuͤten vor einem boͤſen ſchnellen Todt. 3. Vnnd daß wir an jenem groſſen Tage moͤgen wirdig ſein zuſiehẽ vorm Angeſicht deß Nen⸗ ſchen Sohns/ wie die liebe Alten auch vorlaͤngſt gebetẽ h haben: Inilla die libera me à verbo aſpero: Lieber GOtt/ am Jung⸗ ſten Tage laß mich hoͤren nit das trauwrige Wort/ lre/ gehet hin/ ſondern dsa Frewdereiche venite, kommet her/ Matt. 25. vnnd Abermals: Inter oves locum nobis præſta,& ab hæ- dis nos ſequeſtra, ut confortes beatitatis vivamus, eum ju- ſtificatis in ævum æternitatis: Laß vns ja vnder den Schaffen ſtehen/ vnd mit jhn in den Him̃el gehn/ auff daß wir in der Seug⸗ keit/ leben vnd ſchweben in Ewigkeeieie. Vuſer lieber abgeſtorbener Mitbruder/ weiland der E hrn⸗ veſte vnd Vorachtbare Herꝛ David SNuldenerus geiveſener Vogt zur Haͤida in Vnderheſſen/ hat die zeit ſei⸗ üdige, legewiſſe taußdem in corde tengrufft Leib vnd weiſet vnd kbey ſein nd beten: enmuͤſ⸗ is beden⸗ an Bley⸗ Attoder or einem in Tage Nen⸗ tehaben⸗ „ Jung⸗ gehet Matt. abhæ. um ju- ſchaffen Sälg⸗ Ehrm⸗ erus/ diezeit ſa⸗ n Erſter Theyl.— 197 ſeines gantzen Lebens fleiſſig gewachet vnd geheten/ vnd doch nit ge⸗ wuſt wañ ſein Herꝛ vnd Breutgam koien wuͤrde. Dann am ver⸗ ſchienen Freytag theylete er ſeinen lieben Encklein vñ Kindelein mit frewden dz newe Jahr auß/ vnd nam von jnem widerumb allerhand Kindiſche Gegengaben/ fiel aber baldt derzußf in eine ſchiwere Schwachheit/ welche jhm vorgeſtern ſo hatt zuſezete/ daß er den Geyſt auffgeben muſte: Darauff haben wit jhin jetzo die Letzte Ehr erzeiget/ den hinderlaſſeuen Leichnam in die Erde geleget/ vnd ſeindt nun in dem Klaghauß zuſammen komen/ vns abermals vn⸗ ſer Sterblichkeit zuerinnern: Vñ weil g eben wie d junge Tobias nachſeiner lieben Haußmutter Todt außgezogen iſt zu ſeinen Kin⸗ dern vnd Freunden/ die hm auch die Augen zugedruckt vnd begra⸗ ben haben/ woͤllen wir jm zu Ehren/ vns zur Vnderꝛicht vnd Leh⸗ re die abgeleſene Wort kurtzlich erklaͤren/ vnd darnach beſehen/ was wir darauß zu lernen haben werden. GOTt gebe Mundt vnnd Weißheit zu lehren/ allen fommen Chriſten Verſtandt/ vndoffe⸗ ne Ohren zu hoͤren vmb Chriſti willen/ Amen Kurtze Erklaͤrung deß Texts. Das Buch/ darauß dieſe Wort genommen ſeyndt/ iſt nicht im Canone/ vnd vnder den Prophetiſchen Schrifften wie Hiero⸗ nymus bezeuget in ſeinen Vorꝛeden vber die Sprichworter Sa⸗ lomonis/ vund vber die Buͤcher der Koͤnige/ vnd koͤnnen deßwegen keine Hauptarticul deß Chriſilichen Glaubens feſt darauß Probi⸗ ret vnd bewieſen werden. Gleichwolaber iſtes ein Lehrhafft Buch/ welches vielnuͤtzliche Vermahnunge vnd Erinnerunge in ſich be⸗ greiffet/ vmb welches willen es von den lieben Alten vor wuͤrdig geachtet worden/ daß es den Prophetiſchen vnnd Canoniſchen Buͤchern Altes Teſtamentes angehengt/ vnd in det Kirchen Got⸗ tes offentlich iſt verleſen worden. Dannhero cs Liber Eccleſtaſti- cus oder ein Kirchenbuch woll mag genennet werden. Nun in die⸗ ſem Buch wirdt vns Cap. 11. beſchrieben der Toͤdtliche Abgang Pp 3 nicht 198. Gießiſcher Leichpredigten nicht allein deß Alten/ ſondern auch deß ſungẽ Tobie/ welcher als baldt nach ſeiner lieben Mutter Todt von Daemve u gerrmta im Neun vnnd Neuntzigſten Jahr ſeines Alters auch hingefallen vnnd geſtorben iſt. Die abgeleſene Wort/ in welchen ſeine Legenda beſchrieben wirdt/ ſeindt an ſich ſelbſten deutlich vnnd klar/ vnnd bedoͤrffen ſonderlich keiner Erklaͤrung/ bevorab weil ſie ſeindt ver⸗ ba hiſtorica, Hiſtoriſche Wort/ welche man jeder Zeit Schlecht vnnd Recht nach dem Buchſtaben/ vnnd wie ſie lauten verſiehen vnnd annemen muß/ wie der Canon Theologicus lauttet. Es wirdt darinnen Erſtlich angezeiget/ wie ſich der Junge Tobias auß dem Staub gemacht/ vnnd von Nintve weggezogen ſey. Die vrſach ſolches ſeines Abzugs vnd Auffbrechens vernemẽ wir auß den nechſt vorhergehenden worten/ dieweil jhn ſein Alter Vatter vermahnet hatte/ er vnd ſeine Kinder ſolten nicht zu Nini⸗ ve bleiben/ ſondern wann ſie jhre Mutter begraben hetten neben jhn in ſein Grab/ als dann ſolten ſie ſich auffmachen vnnd von hinnenziehen. Dann/ ſpricht er/ ich ſehe daß die Suͤnde Ninive wirdts mit jr ein Ende machen. Solchem befelch kompt er als ein gehorfamer Sohn aller dings nach. Darnach ſo wirdt vermeldet wo er hingezogen ſey/ nem⸗ lich in Meden zu ſeinem Schwaͤher vnnd ſeines Weibes Freun⸗ den/ welche er noch Friſch vnnd Geſundt in einen guten ruͤhlichen Alter gefunden hat. Daß ein groſſe Hertzenfrewde ſich da erhaben habe/ iſt leichtlich zuermeſſen/ beſonders weil die gute Alte Leutlem jhre Kinder vnnd Kindeskinder geſehen/ vnnd hiebevor/ wie El⸗ tern pflegen/ ein inſtaͤndiges verlangen nach jihuen werden gehabt haben. Dann als Tobias von jhnen den Abſchiedt vnd das ulti⸗ mum vale, oder gute Nacht nahme/ war diß Raguelis votum vnd ſaͤhnlicher Wundſch: Der heilige Engeldeß HẽRRn ſey Erſter Theyl. 199 ſey bey dir auff dem Wege/ vnd bringe dich Geſundt wider Heym/ daß du deine Eltern Geſundt findeſt: Vnnd G Ottgebe/ daß meine Augen moͤgen Ewere Kinder ſehen/ ehe ich Sterbe. Dieſer ſeiner Bitte wirdt er ſetzo gewaͤhret/ vnnd wirdt vor Frewden/ wie es pfleget ins gemeyn bey frommen Leuten vnnd Eltern zuzugehen/ geweynet/ ſeine liebe Englein vnd Kinderlein gehertzet vnd gekuͤſſet haben. Zum dritten/ berichten vns die abgeleſene Wort/ wie ſich Tobias ſampt ſeinem Weiblein gegen die Alte/ ſeinen Schwaͤher vnd Schwieger Mutter verhalten haben. Der Terxt ſaget nicht/ daß ſie jnen dieſes oder jehnes Vnheylan den Halß gewuͤndſcht ha⸗ ben/ wie etwa heutiges Tages von leichtfertigen Doͤchtern vnnd Dochter Maͤnnern geſchicht es wirdt auch nicht gedacht/ daß ſie ſich mit jhnen abgeworffen haben: Sondern ob ſie ſchon als Alte Leut etwa Niedlich vnnd Kindtlich geweſen ſein/ ſo haben ſie ſich doch in jhre weiſe frin wiſſen zuſchicken/ haben jhrer Gepfleget vnnd Gewartet/ vnnd als ſie geſtorben/ haben ſie jhnen die Augen zugedruͤcket/ ſie Ehrlich zur Erden beſtattet/ vund nach jhrem Todt das gantze Erbe vñ Guͤter Rague⸗ lis gekrieget vnnd an ſich bracht. Zum vierdten/ wirt deß Tobia Alter namhafft gemacht in dieſen Worten: Vnnd lebet in das fuͤnffte Geſchlecht/ vnnd ſahe ſeine Kinder vnnd Kindtskinder. Item/ als er Neun vnd Neuntzig Jahr alt war. Oß er aber wol ein heiligen vnſtraͤfflichen Wandel gefuͤhret/ From̃/ Zuͤchtig/ vnd Gerecht gelebet hatte in dieſer Weit jedoch iſt er auch einer auß derẽ Zahl geweſen/ welche in Sunden entfangen vnnd geborn wer⸗ ——y—.——————— 20G Gießiſcher Leichpredigten werden/ er hat wie alle andere Adams Kinder gemangelt deß Ruhms den ſie vor G Oꝛ T haben ſollen/ vnnd nicht koͤnnen ſagen/ ſein Hertz werereyn/ vnnd er werelauter von Suͤnden. Derohalben hat jhn zu guter Letz der Todt auch auffgerieben. Dann als er Neun vnd Neuntzig Jahr alt war/ ſaget der Text/ welche er in G O Ttes forcht froͤlich zugebracht hatte/ begraben jhn ſeine Freunde. Gleich wie er ſeinen Eltern die lette Ehre erzeiget/ jnen die Augen zugedruͤ⸗ cket/ vnnd ſie Ehrlich zur Erden beſtattet hatte/ alſo thun jhm ſeine Freunde/ Kinder/ vnnd Angewandte hinwiderumb/ vnd wirdt jhm ſenne Horiſehgten auch nach dem Todt belohnet. Zum Fuͤnfften/ wee verhalten ſich aber ſeine Freunde im 33 vnd Wandel nach ſeinem letzten Hintritt vnd Seligen Ab⸗ üha 2 Sie ſchlagen nicht auß dem Geſchir/ wie man redet/ es et mit jhnen nit/ wie den Kindern Iſrael/ von welchen im Buch der Richter Cap. 2. alſo geſchrieben ſtehet: Danun Joſua der Sohn Nun geſtorben war/ der Knecht deß HẽRRn/ als er hundert vñ zehen Jahr alt war/ begruben ſie jn in den Grentzen ſeines Erbtheils zu Thimnath He⸗ res auff dem Gebirge Ephraim von Mitternacht werts am Berge Gaas. Daauchalle die zu der zeit gelebt hatten/ zu jhren Vaͤttern verſamlet worden/ kam nach jhnen ein ander Geſchlecht auff/ daß den HéẽRM nicht kennet/ noch die Werck/ die er an Iſra⸗ elgethan hatte. Da theten die Kinder Iſrael vbel fuͤr demn Heazvnd dieneten Baalim/ vnnd verlieſſen den den! den. pten tern her Hes ren/ allſe Lebe viel ſe wir we vnnd zufüie ret han chete dern bes Fr Stat Heroi deme Statt zerſto worde Blut vnd in mit de lt deß d nicht lauter dtauch hralt froͤlich Glech ugedruͤ⸗ zm ſeine rdthm undeim gen Ab⸗ redet es Buch u der NXN/ nſieſn e nacht er zeit orden/ ſ den Ia⸗ elfuͤr lieſen den — Erfſſter Theyl. 20] den HeRR jhrer Vaͤtter G Ott/ der ſie auß Egy⸗ ptenlandt gefuͤhret hette/ vnd folgeten andern Goͤt⸗ tern nach/ auch den Goͤttern der Voͤlcker/ die vmb ſie⸗ her wohneten/ vnd beteten ſie an/ vnd erzuͤrneten den HesREN. Denn ſie verlieſſen je vnnd je den HER⸗ ren/ vnd dieneten Baal vnd Aſtharoth/ ꝛc. Sondern all ſein Geſchlecht bleibet im heiligen Wandel vnnd Leben/ alſo daß ſie angenem waren vor G Ott vnnd den Leuten/ vnnd allen dieim Landt wohneten. So viel ſey kuͤrtzlich geſaget von den Worten vnnd jhrem verſtandt/ wir woͤllen nun etliche Schoͤne Lehrſtuͤcklein darauß mercken. Lehr/ Erinnerung/ vnnd Troſt. Erſtlich lernen wir/ daß es nicht vnrecht ſey/ wann Noht vnnd Gefahr vorhanden iſt/ ſich auß den Fuͤſſen zumachen vnnd zu fliehen. Dann weil der ſunge Tobias von ſeinem Vatter geho⸗ ret hatte/ daß die Suͤnde Ninive mit jr ein End machen werde/ ma⸗ chet er ſich endtlich auff/ mit ſeinem Weib/ Kindern vnd Kindskin⸗ dern/ vnd zeucht in Meden zu ſeinem Schwaͤher/ vnd ſeines Wei⸗ bes Freundẽ/ damit jn das Vngluͤck/ welches Gottvber dieſe groſſe Stattbeſchloſſen/ jhn vnnd die ſeinigen nit treffe. Dann es meldet Herodotus in ſeinem Erſten Buch/ daß Cyaxares Medus/ nach dem er mit den Scythen gluͤcklich gekrieget vnd geſieget hatte/ die Statt Niniven mit.Heeres krafft bezwungen/ eingenommen vnnd zerſtoͤret habe: Vnnd ob ſie ſchon nach der zeie wider iſt Erbawet worden/ ſo iſt doch hernacher mit jhr vhel gchauſet/ vnnd von dem Blutduͤrſtigen Tyrannen Tamerlane abermals eingenommen/ vnd in die Aſchen geleget worden. Gleich wie nun Tobias ſich mit der Flucht ſalviret/ vnnd ſein Leben als ein Beut darvon bracht D har . MHV. 4 202 Giießiſcher Leichpredigten hat/ alſo haben andere heiligen/ weñ es jr Ampt vñ Beruff hat er⸗ leiden woͤllen/ auch den Fuͤſſen zugeſprochen/ vnnd ſich darvon ge⸗ macht. Moſes da er den Egyptiern erſchlagen hatte/ flohe er vor Pharaone/ hielt ſich im Landt Midian/ vnnd wohnete bey einem Brunen/ Exod. 2. Jacob gieng ſeinem zornigen Bruder Eſau auß den Augen/ Gen. 2 8. David flohe vor Saul vñ ſeinẽ vngerathenẽ Sohn Abſolon/ vnd befahle dem Herꝛn ſeine Flucht/ vnd bate jhn er woͤlle ſie zehlen/ Pſalm. 56. Eſaias entweich der Gottloſen Je⸗ ſabel/ 1. Reg. 19. Ja vnſer lieber Herꝛ vnnd Heylandt Iheſus Chri⸗ ſtus/ der He R/ vor welches Angeſicht der Himmel vnnd die Erde fleucht/ Apocal. 20. vor welches Schelten das Meer vnnd die Waſſer fliehen/ Pſalm.)04. vnd 114. der flohe vor einem Vnmaͤchtigen Wurm/ Koͤnig Herode/ Matth.ꝛ. vor den Phariſeern/ Matth 12 vor den Juden/ Johan. 7. vnd 8. die Liebe Apoſteln ſeynd auff Chriſti vermahnung von einer Statt in die ander geflohen/ MNatth.)0. es flohe Paulus zu Iheruſalem/ Actor. 9. zu Damaſco/ 2. Cor. 11. Act. 9. es flohe Petrus/ Actor. 12 es flohe nach jhrem Exempel Polycar⸗ pus beim Euſebio lib. 4. Cap. 15. es flohe Hieronymus ex rupe Tarpeia in Bethlehem/ wie zuſehen auß ſeiner Epiſtel ad Mar- cellinumi dergleichen thate Ambroſius/ wie zu ſchen auß ſeinem vita ad Paulinum: Dergleichen Athanaſius beim Socrate lib. 3. cap. 13. vnd lib. 4 cap.2 0. vnnd als jhin die Ketzter ſeine Flucht vor⸗ warffen/ vnnd ſchmitzlich auffruͤcketen beim Socrate lib. 3. Hiſtor. Eccleſiaſt. cap. 6. gabe er ſnen dieſe richtige antwort:oi fugere mi- hiturpe, vobis immerentem me perſequi turpius, das iſt/ iſt es mir ein Schandt daß ich die Flucht neme/ ſo iſt es euch viel ein groͤſſer Schandt/ daß jhr mich armen Vnſchuldigen Mann Ver⸗ folget vnnd das gebrandte Leydt mir anthut. Deß Marei Arethu⸗ ſii Flucht/ entſchuldiget Nazianzen. Orat. 3. adverſ. Julian. mit den fhater⸗ vonge⸗ eer vor Heinem auauß ralhene datejhn ſen Ie⸗ eChri⸗ vund helten vnd xrode Johan. ng von flohe Act.9. oear⸗ 8 1 upe IMar- ſeinem felib. ht vor⸗ Hiſtor reml- iſt i vielein Va⸗ rethu⸗ an.mit den Erſter Theyl. 18 den Wortẽ Chriſti/ Matth. 16. Wann ſie euch aber in einer Stattverfolgen/ ſo fliehet in die andere. Paciãt ergo, fa- ciant ſervi Chriſti, miniſtri verbi& Sacramenti ejus, quod pręcepit ſeu ꝑmiſit, imò quod fecit ipſe. Fugiãt omninò de civitate in civitatẽ, quando eorum quiſꝗ; à perſecutoribus quæritur, ut abaliis, qui non ita requiruntur, non deſera- tur Eccleſia, Vermahnet Auguſtinus lib. 2. Epiſt. 180. ad Ho- noratum, das iſt/ ſo thun nun die Diener Chriſit/ die Prediger ſei⸗ nes Worts/ vnnd Auſſpender ſeiner Sacramenten/ was er ſelbſten befohlen vnd zugelaſſen/ ja was er ſelbſten gethan hatt. Sie fliehen nurſvon einer Statt in die ander/ wañ einer auß jnen von den Ver⸗ folgern geſuchet wirdt/ damit nicht die Chriſtliche Kirch von an⸗ dern/ welche nicht alſo geſuchet werden/ verlaſſen werde/ doch muß alzeit ein jeder dahin ſehen/ ob es ſemn Ampt vnnd Beruff zulaſſe/ daß er fliehe. Nã& ſancti aliquando fugiebant, aliquando ho- ſtibus ſponte occurrebant, ſpricht Euſebius Emiſſenus/ dann auch die heilige vnderweilen flohen/ vnderweilen giengen ſie den Feinden vnd Haſchern ſebſten entgegen. Zum andern habe wir alhier einẽ feinen Troſt zumercke daß GOtt der Her die ſeinige woll wiſſe auß der Ver⸗ ſuchung zu erloͤſen/ vnd hergegen die Vngerechten zu behalten zum Tage deß Gerichts/ zu peinigen/ wie der Apoſtel Petrus ſchreibet 2. Epiſtel. Cap. 2. dann als die gemeine Landſiraff vber die Statt Niniven ergehen ſolte/ ließ er den jungen Tobiam durch ſeinen Alten abgelebten Vatter vermahnen/ daß er wolte auß ziehen/ wie er auch gethan/ als wir jetzo angehoͤret ha⸗ ben. Vnſer lieber G Ott der raffet die Frommen vnd Glaubi⸗ gen eutweder hinweg vor dem Vngluͤck/ Eſai. 56. ver⸗ ſchleuſt ſie in jhrem Kaͤmmerlein einen Augenblick Qq 2 biß Xv. 204 Gießiſcher Leichpredigten biß der Zoru voruͤber gehe/ Eſai. Cap. 26. oder verbir⸗ get ſie heimlich in ſeinem Gezelt vor jedermans Trotz/ Pſalm. 27. oder ſchonet jhrer wie ein INann ſeines Sohnes ſchonet/ Nalach. 3. Wie er ſchonet deß Noein der Archen/ Geneſ. 7. wie er ſchonet der Kinder Iſrael mitten vn⸗ der den Plagen Egypti/ wie in dem andern Buch Moſis auß vn⸗ derſchiedenen Capiteln zu ſchen/ wie er ſchonet deß Frommen Lohts vnder denen zu Sodoma/ Geneſ. 19. wie er ſchonet deß Propheten Jeremiæ vnnd ſeines Dieners oder Schreibers Baruch/ Jerem. 38. vnnd 45. Als die Statt Iheruſalem zu Boden fiele/ ließ Gott nicht eben Kraudt mit Kohl gehen/ ſondern wie Euſebius ſchrei⸗ bet lib.z. Cap ʒ.ließ er die ſeine außfuͤhren in ein Staͤttlein genant Pellam/ jehnſſeit deß Jordans gelegen. Gleich wie nun dieſes den Fromen vnd Glaubige troͤſtlich iſt/ alſo ſoll es die Gottloſe vñ Vn⸗ glaubige zur Buſſe reytzen. Wann der Storcl ſein Neſt von einem Hauß auff das ander traͤget/ ſo helt jeder man darvor/ es ſey ein Vrgluͤck vorhanden/ wie auch die Erfahrung ſolches mehr als ein⸗ mal war gemacht hatt: Alſo/ wann fromme Leutabziehen/ vnnd durch den Todt hingeraffet werden/ pfleget es hernacher nicht wol zuzugehen. Wie gieng es nach dem Tod Joſuæe Droben ha⸗ ben wir gehoͤret/ daß ein ander Geſchlecht kommen ſey/ welches von dem HẽRR nichts gewuſt habe. Als der Biſchoff Auguſtinus die Augen zuthate/ war die Statt Hippon/ darinnen er Biſchoff geweſen/ von den Wandalis erobert vnnd geplundert. Als Ambroſius/ geweſener Biſchoff u Meylandt mit friedt vnnd frewdt dahin fuhre/ fielen die Gothen vnnd Wenden in Welſch⸗ land/ vñ weil jm die Keyſerin Juſtina das gebrande Leyd hatteange⸗ than/ ward jren Vnderthanẽ viel vngemachs zugefuͤget Wie gieng es mit dem H. Bernhardoꝛſeine Kloſter⸗Bruͤder hieltẽ auff jn/ we⸗ 4 gen berbir⸗ Trotz/ ſeines Noein itten vn⸗ auß vn⸗ en lohts ropheten Igem. ß Golt ſchrei⸗ gerant teſes den vñ Vr⸗ wneinem ſcyein ralsin⸗ vnnd er nicht öben ha⸗ elches diſchof armnuen fundert. dt vnnd Welſch⸗ leange⸗ iegieng jin we⸗ gen 1 Erſter Theyl.· 205 gen Strengkeit der Diſeiplin/ vnd waren jhm heimlich feind. Als er aber vnder der Erden lag/ gieng es jhnen alſo/ daß ſie jhn mit Nadeln herauſſer gegraben hetten/ ſchrieben auch zum Ehrnmal auff ſein Grabſtein: Nullum turba di, diſcordes pacificadi, Laſus ſuflinui necmihi complacui. Auff D. Luthers Seligen Todt/ folget der beſchwerliche Krieg in Teutſchland/ vnd entſtunden viel Rottirer vñ Sectirer. Vnd hie⸗ her gehoͤret die Bedrawung G Otes beym Eſaia Cap.z. Dann ſiheder HExR HER Zebaoht wirdt von Iheru⸗ ſalem vnd Juda nemen allerley Vorꝛaht/ allen Vor⸗ raht deß Brodts/ vnnd allen Vorꝛaht deß Waſſers⸗/ Starcke vnd Kriegsleut/ Richter/ Propheten/ War⸗ ſager vnnd Elteſten/ Hauptleute vber funfftzig vnnd Ehrliche Leute/ Raͤthe vnnd weiſe Werckleute/ vnnd kluge Redener/ vnnd wil jhnen Juͤnglinge zu Fuͤrſten geben/ vnd Kindiſche ſollen vber ſie herſchen. Zunm dritten daß nicht allein der Alte Tobias/ ſondern auch Raguel vnnd der ſunge Tobias darnider fallen vnnd ſierben/ darbey werden wir erinnert/ daß der Tod auch den frommen nicht ſchone/ diewe alle Menſchen in Adam geſuͤndiget ha⸗ ben/ Roͤm. 5. wo iſt jemand der da lebet/ vñ den Todt nit ſehes der ſeine Seel erꝛette auß der Hellen Hand/ ſpricht Ethan der Eſrahit Pſalm 89. Anderer heiligen Maͤnner GSOᷣTes Exempel wil ich/ weil ſie wolbekandt/ nicht einziehen: Laſt vns allein anſehen Moyſen: Der war eind Nan G Ottes/ Pſalm.ↄo. ex war Dei nuncius, GOTTESMundtbott/ Qa 3 wie 206 Gießtſcher Leichpredigten wie er von Chryſoſtomohomil. 25. ſuper Geneſ. vnnd Baſilio hom.. I.hexamer. vnd Ambroſio lib. 1. Cap. 2. hexam. genennet wirdt/ Prophetarum initiator& Theologus, aller Propheten Vrſprung vnnd Brunnenguel der heiligen Schuift wie jhn Eu⸗ ſcbius lib.5. de demonſtrat. Evangelic. neñeet/ jegislatorum il- luſtriſſimus, divinorum myſteriorum ſpectator& præſul, der allerberuͤmbſte Geſetzgeber/ der die Goͤttliche Geheymnis mit Augen geſehen hatt/ wie hn Nazianzenus orat. 6. ad Gregoriũ Nyſſenum heiſſet: Der Vortreffliche Dapffere Heldt/ welcher drey vnnd funfftzig Reyſen gethan/ welcher hundert vnnd drey vnd ſiebentzig Geſpraͤch mit G Ott gehalten/ vnnd funfftzig groſſe Wunderwerck gethan hat. Aber wo iſt er hin? Der Todt hat jhn auffgerieben/ wie hm G OTt der HE R ſelber angeſaget hatte/ Numer. 17. in ſumma/ das iſt der alte Bundt/ INenſch du muſt ſterben. Wider den zeilichen Todt hilfft kein Harniſch/ Spies oder Helleparde/ vnnd wann auch der Ritter S. Georg mit allen vierzehen Notthelffern der Papiſten darauff genußbau⸗ met oder gemahlet weren: Contra vim mortis, non eſt medica- mẽ in hortis. wider den Tod kein kraud gewachſen iſt/ mein from⸗ mer Chriſt. Wider den ewigen Tod aber iſt ein bewehrtes Recept dz Reißlein von Nazareht Iheſus ConRiſtus/ wer in denſelben einge⸗ impffet vnd geyroffet iſt/ der hat einen freyen Paß/ vnd ſiehet den Todt nit Ewiglich/ Joh. s. Zum vierdten/ lernen wir/ daß das Gebet vnd der gottſeli⸗ ge Wuͤndſch oder Segen der Eltern bey G O T T dem HER⸗ REN viel vermag. Als der junge Tobias auß Meden wider nach Hauß zoge/ ſegnete jhn Raguel/ vnnd wuͤndſchet von G Ott/ daß er geben woͤlle/ daß ſeine Augen moͤgen ſeine Kinder ſehen/ ehe dann er ſterbe/ Wie wirleſen Tobia C. 10⸗ 10. di worte Med tobde ſterbe 3z der 1 8 piteln Fruc den. nico me; Tob⸗ ſiege ſollen ter Gebo daßt Dann eigen gen vnnd diewe gepfla dinge wuͤrde Baſſii genenner ropheten hn Eu) drumil. preſul, nnismit regoriũ welcher nd drey ggroſſe that jhn t hattt/ ſchdu arniſch/ Geotg ußbau⸗ edica- nfrom⸗ eceptdz einge⸗ ee den ottſe HeN⸗ wider HOtt ſeine hieC. 19 Erſter Theyl. 20 10. dieſer wundſch wird jhm jetzund war. Dann in den abgeleſenen worten ſiehet/ Tobias/ ſen Weib/ Kinder vñ Kindtskinder ſeyen in Meden zu Ragueln ankommen. Dergeſtaldt nach hatt auch Ja⸗ cob der Patriarch ſeine Kinder geſegnet/ als er jetzo abdruͤcken vnd ſterben wolte/ Geneſ. 49. Moſes ſegnte auch feine Gemeyn/ Deut. 33.dergleichen thaͤten auch Joſua/ Joſuæ Cap. 24 vnnd Samu⸗ elli. Reg. Cap z. vnnd David/ j. Chronic. in den zwey letzten Ca⸗ piteln/ vnnd Tobias/ Tob. Cap. 3. Mathathias/ 1. Maccab. Cap. . der Herꝛ Chriſtus ſelbſten Johan. 19. weiche Segen nicht ohne Frucht abgegangen ſein Deñ deß Vatters Segen bawet den Kindern Heuſer/ aber der Mutter Fluch reiſſet ſie nieder/ ſpricht Syrach. Cap. 3. Zum fuͤnfften/ haben die Kinder jhre Lecton mitanhey⸗ me zutragen/ wie ſie ſich gegen jre Eltern verhalten ſollen. Von Tobia ſtehet alhier er habe ſeiner Eltern gepfleget/ vnnd als ſie geſtorben/ jhnen die Augen zugedruͤcket. Dergleichen ſollen alle fromme Kinder auch thun. Wie aber ſollen ſie jhrer El⸗ ter Pflegen? 1. ſollen ſie dieſelbigen Ehren/ vermoͤg deß vierdten Gebots/ du ſolt dein Vatter vnnd Nutter Ehren/ auff daß dirs Wolgehe vnnd du lang Lebeſt auff Erden. Dann den Vatter Lrrete peiſ Syrach/ c.z. iſt deine eigen Ehre/ vnnd deine Mutter verachten iſt dein ei⸗ gen Schande/. Sollen ſie taͤglich vor die Eltern bitten vnd vnnd beten. 3. Will ſichs gebuͤren/ daß ſie dieſelbe auch lieb haben/ dieweil ohne das die Natur die liebe in der Menſchen Hertz hart ein⸗ gepflantzet hat. 4. ſollen ſie jhnen in rechten vnnd billichmaͤſſigen dingen gehorſamen. Doch wann ſie etwas vnehrliches begeren wuͤrde/ ſolle ſie die Apoſtoliſche Regel in acht nemen: Nan muß Gott 3— 208 4 Gießiſcher Leichpredigten G Ott mehr gehorchen als den Menſchen/ Actor. 4. vnnd 5. V. Wirdt von Kindern erfordert/ daß ſie jhre Eltern/ wann ſie Alt vnnd Abgelebt/ ſollen ernehren vnnd verſorgen. Wie Joſeph thate Geneſ. 47. wie David thate/ 1. Sam. 22. wie Ruht die Moabitin thate/ Ruht Cap. 1. vnnd 2. ja wie der Herꝛ Coriſtus ſelber thate/ Joh. 19. der Storck iſt ein vnvernuͤnfftig Thier/ jedoch wann ſeine Eltern verlebet ſeyn/ ſo traͤget/ ernehret vnnd etzet er ſie. Wir haben auch Exempel bey den Heyden/ welche jhre Eltern mit Bruͤſten im Gefaͤngnis ernehret vnd erhalten haben/ beſiehe Va⸗ ler. Maxim lib.. Cap. 4. Anton Sabellie. lib. 3. Cap. 6. darzu ver⸗ mahnet auch Syrach. Cap.8. Liebes Kindt/ pflege deines Vatters im Alter. Diſcipulus de tempore bringt Serm. 24. ein denckwuͤrdiges Exempel auff die Bahn von einem Sohn/ der ein auffgeſetztes gebratenes Huhn in ankunfft ſeines Vatters beyſeits geſetzet/ hnen mit einem ſtuͤck Brodts vnnd Ko⸗ fendt abgewieſen habe. Als aber der Vatter hinweg war/ hat er ſein Huhn wider laſſen aufftragen: vñ ſo bald iſt ein Kroͤte daraus wor⸗ den/ welche jhm ins Angeſicht geſprungen/ vnnd darinnen hangen blieben: Vnd wann ſie jemandt abnemen wolte/ ſahe ſie jhn an/ als wolte ſie jhm ſelbſt ino Geſicht ſpringen. Auch wann jhr der Sohn nicht zu eſſen gegeben/ hat ſie jhm auß dem Angeſicht gefreſſen/ welches gewehret hat in die 13. Jahr. V I. Die Eltern/ wann ſie Alt werden/ ſeyndt ſie wuͤnderlich/ vnd graͤmen jehandts. Seynd auch etwan Gebrechlich/ Schwach vnnd Kranck/ wie das Sprichwort lautet: Senectus per ſe morbus eſt, das Alter iſt an vnd vor ſich anders nichts als Schwachheit. Sie ſeind auch wol vnverſtendig vñ Kindiſch nach dem andern Sprichwort: Bis pueri ſenes, die Altẽ werdẽ zweymal zu Kindern: Da wil es nun den Kindern anſte⸗ hen/ daß ſie jnen/ nach Syrachs vermahnung e. z. eiwz zu gut haltẽ mit jnen gedult haben/ jrer nichts deſto minder pflegen vnd warten/ ſie ktor.4. Eſtern en. Wie Nuht Loriſtus rjedoch zeter ſie tem mit he Va⸗ rzu ver⸗ deines Sam. enem ft eines ud Ko aterſein us wor⸗ bangan janals Sohn friſſen/ ſie Al dauch ſchwont vor ſich ſtendig nes, dit nanſſit⸗ it halle varten/ ſie — Erſter Theyl. b 209 ſie heben vnnd tragen/ wecken vnd decken/ ehren vnd nehren. Mann lieſet eine Hiſtoriam von einem Sohn/ der ſeinen Vatter nicht wolte mit jhm eſſen laſſen/ er vergoͤnnete jhm auch nicht in einer Kammer zu ſchlaffen/ ſondern der gute alte Schweyß/ muſte ſich vnder der Treppen/ wie deß armen Hirten Hundt/ behelffen: Vnd als er im kalten Winter ein Kleydt von jm begeret/ wegen grimmi⸗ ger Kaͤlte/ gab jhm der vndanckbare Sohn zwo elen Tuch/ ſeinen alten Rock darmit zu pletzen vnnd außzubeſſern. Was traͤget ſich zu e Deß Sohnes Junges Soͤhnelein macht einen Auffzug/ kompt zu ſeinem Vatter/ vnnd bittet auch zwo Elen Gewandt von jhm: Vnnd als jhn Vatter Geck fragte/ was er damit machen wolte/ gibt er die Antwort: Er woͤlle ſie auffheben/ vnnd jhm/ dem Vatter/ wann er nun auch Alt worden were/ einen Rock oder De⸗ cke darauß machen/ wie er jetzvnder ſeinem Eltern⸗Vatter gethan hette. O recht das gehet dem Sohn dermaſſen durchs Hertz/ daß er ſich beſſert/ dem Vatter einen warmen Peltz ſchicket/ vnnd jhn zu Tiſch vnd Kammer wider auff vnd einnimpt. VI I. wann die al⸗ ten Eltern/ noch Hab vñ Guͤtter haben/ ſollen die Kinder dieſelbige jhnen fein zuraht halten/ wie Tobias vnd ſein Weib gethan haben/ ſonderlich das Weib/ welches auff die vier K. K. K. K. achtung ge⸗ geben: Das iſt/ hat geſehen nicht allein auff die Kirch/ vnd Kinder/ ſondern auch auff die Kuͤch/ vnd auff die Kammer.1I X. Wann die Eltern geſtorben/ ſollen ſie denſelbigen/ wie Tobias/ die Augen zudruͤcken/ vnd ſie ehrlich zur Erden beſtatten laſſen/ wie hierzu der Alte Tobias ſeinen Sohn vermahnet/ Tobiæ 4. Lieber Sohn hoͤre meine Wort/ vnd behalte ſie feſt in deinem Her⸗ tzen. Wenn GOT wirdt mein Seel wegnemen/ ſo begrabe meinen Leib. Item: Auch wann deine Nut⸗ ter geſtorben iſt/ ſo begrabe ſie neben mich. IX. Entlich ſoll man die Eltern nit allein nit betruͤben/ wann ſie noch im Leben . Rr ſeyn/ r. 216 Gießiſcher Leichpredigten ſeyn/ ſondern man ſoll jhnen auch nach dem Tod keinen Schandt⸗ flecken anheucken/ dann durch ein Gottloſes Vnweſen/ wirdt die todte Erde vervnehret/ wie auch der Heydeniſche Philoſophus Ari⸗ ſtoteles diſputiret/ lib.1. Ethic. Nicom achic. cap. 1 ². das haben die Nachkoͤmlinge deß abgeſtorbnen ſungen Tobiæ wolin acht ge⸗ nommen. Dañ alſo lautet der Schlus deß gantzen Buchs Tobiæ: Vnndall ſein Geſchlecht blieb im heiligen Wandel vnnd Leben/ alſo daß ſie angenem waren/ vor GO Tö vnnd den Leuten/ vnnd allen die im Lande wohneten. 4 Zum Sechſten/ es ſollen vnnd muſſen aber auch die El⸗ tern jr Ampt thun/ die Kinder von Jugendt auff in der Furcht deß Herꝛen aufferziehen/ jhnen baldt das Carnirchen an den Halß hen⸗ cken/ vnnd zur Kirchen vnnd Schulen fuͤhren/ in betrachtung/ daß ſie an jenem groſſen Tag vor ſie Rede vnd Antwort geben muͤſſen. Kinder ſeynd ja ein Gabe deß Herꝛn/ vñ Leibes frucht iſt ein Geſchenck/ Pſalm. 27. warumb wolten dann die El⸗ ten ſie nicht zu allem guten anhaltene Kinder ſeyndt ein Ge⸗ ſchenck deß HERREN/ darumb/ wann ſie auß der Art ſchla⸗ gen/ ſollen ſie fleiſſig vnderꝛichtet/ vermahnet/ abgehalten/ vnd nach gelegenheit geſtraffet werden/ Thorheit/ ſpricht Salomon Prov. 22. ſtecket den Knaben im Hertzen: Aber die Ru⸗ the der Sunht⸗ wird ſie ferme von jhm treiben. Kinder ſindt ein Geſchenck deß HERRe RN/ Filii ſunt monumen- ta divinæ beneficentiæ, non irritamenta humanæ avari- riæ, ſpricht der alte Lehrer Hieronymus/ darumb ſoll der Vatter jhnen etwas ſamlen/ darmit ſie nach jhrem Todt auch etwas zu⸗ Erwarten haben/ wie alhie der Tobias ſeines Schwaͤhers gantzes Erbe ſthandt⸗ dirdt die dus Ari⸗ i haben acht ge⸗ 3 dandel /vor Lande die Er cht deß iſß hen⸗ ng daß nuͤſſen. frucht die El Ge⸗ tſchla⸗ ndnach Pror. Ru⸗ Kinder umen- avari- Vatter pas zu⸗ ntzes Erbe Erſter Theyl. 2„ Erbe vnd Guͤter krieget/ vnnd mitallem fleiß dahin ſehen/ nicht zwar daß ſie geitzen vnd finantzen/ ſondern daß ſie nicht an den Bettelſtab gerahten/ vnd ledigauß deß Vatters Hauß Heut oder Morge gehen muͤſſen/ wie ein arme Dienſtmagt. Derwegen ſoll d Vatter ſeinen Wochenlohn nicht eher vertrincken als er jn verdie⸗ net/ darmit nicht zuhauß das Weid vnnd Kinder daheim darben vnnd arme Ritter backen muͤſſen. Von den Raben ſchreiben die Naturkuͤndiger/ daß ſte jhre blotte Jungen verlaſſen/ entweder auß vergeßlichkeit/ oder aber weil ſꝛe ſie nit kennen/ wegen der Farb da⸗ ran ſie den Alten vngleich ſeindt: Alſo haben die Vaͤtter/ welche jrer Kinder vergeſſen Raben art an ſich: Vnnd gleich wie ſie Raben⸗ Vaͤtter ſein/ alſo ziehen ſie auch Rabenkinder/ welche ſie hernacher auff dem Rabenſtein ſterben/ oder am liechten Galgen muͤſſen paumeln ſehen. Es thun auch die Muͤtter nicht recht/ welche jhr Doͤchterlein daheim auff dem Stull ſitzen laſſen/ laſſen es den Halß jmmerdar zum Fenſter hinnauß hencken/ machen jhm alle bundte Trachten/ geben jm ein gutt truͤncklein Weins/ daß es roht werde wann es außgehet. Daß das wolgerahten ſoll/ kann ich nicht glauben/ beſonders wann die zarte Fruͤchtlichen in den Ehe⸗ ſtandt ſchreiten ſollen. Dann was bringen ſie als dann jhrem Frey⸗ ersman mit zur Morgen gabe Mehr nits als ein hoffertigen Siñ/ ein verſchnaucktes Maul/ ein par ſchnappiſche Pantoffeln/ ein weiſſen Wendthalß vnnd ſpitzige Fingerlein. Ey der ſchoͤnen Mit⸗ giefft! Deßgleichen thun die Vaͤtter nicht recht/ welche meynen es ſey genug/ wann das Haußſoͤhnlein ein ſammetes Schaͤplein/ ein ſpitziges Huͤtlein/ ein außgefuͤltes Gaͤnß beuchlein/ vnnd verguͤlde⸗ ten Dolchen hat/ es mehr nichts lernen laͤſſet als Singere/ Sprin⸗ gere/ Dantzere/ Sauffere/ Freſſere/ welches warlich weder der alte/ noch der junge Tobias zugelaſſen hette. Wie gehet es aber wann auch dis Edele Bluͤtlein im Eheſtand lebet: Ach es iſt deß Pflaſter⸗ trettens vnd der guten Tage gewohnet/ es Wemne ſich der Arbeit/ r 2 die XV. 272 Gießiſcher Leichpredigten die Mutter vnd Schwiegermutter muß die Milch vnnd Treber Hellerlein herfuͤr ſuchen/ vnnd wann alles/ wie es pfleget/ genauw zuſamen gehet/ ſo ſchmeiſt man die Frawallen Tag zum Mor⸗ genbrot/ vnnd laufft endtlich gar darvon in Krieg zum Teuffet zu/ der wirdt Eltern vnd Kindern den verdienten Lohn wolzugeben wiſſen. Zum Sibenden/ daß nicht allein von des Jungen To⸗ bie Schwaͤher vnd Schwiegermuteer geruͤhmet wird/ ſie haben in einem gauͤhlichen Alter/ ſondern auchdaß der junge Tobias biß ins fuͤnffte Geſchlecht gelebet/ Kinder vnnd Kindtokinder geſehen habe/ vnnd neun vnnd neuntzig Jahr alt worden ſey/ darbey haben wir zu lernen/ daß ein hohes Alter vnnd langeo Leden ein ſonderli⸗ cher Segen vnd Gabe Gottes ſey/ wie vns ſolches beſtaͤtiget wirdt im 91. Pſalm. Dann darinnen verheiſſet G O T T dem/ welcher im Schirm des Hoͤchſten ſist/ vi vnter dem Schat⸗ ten des Almaͤchtigen bleibet /ꝛc. daß er ihn woͤlle ſaͤ ttigen mit langem Leben/ vnnd jhm ſein Heyl zeygen. Ach wie hertzlich weynet der gute Koͤnig Hißkias/ als er das nuncium mortis bekam/ vnnd jhm angezeiget war/ das Vhrlein ſeines 7 Lebens were außgelauffen/ vnnd dahin kommen/ daß er ſa gen ſolte: Munde vale, gutte Nacht Leben/ ich muß fort. SNeinezeit/ ſpricht er/ iſt dahin/ vnnd wirdt von mir auffgereumet wie eines Hirten Huͤtte/ vnnd reiſſe mein Leben ab⸗ wie einen Weberfaden. In dem er noch alſo ſeuffnet/ ſchicket jhm G.O T Tdas froͤliche nuncium vitæ durch den Propheten Eſaiam: Ich habe dein Gebet erhoͤret/ vnd deine Thraͤ⸗ ne geſehen: Sihe ich will deinen Tagen noch fuͤnffze⸗ hen Jahr zulege/ Eſa.8. Wir muͤſſen aber nicht gedencken/ als lebten dann einen weſe Apoc Jude wenit 9 dem halbe derbe ſes/ Fuͤch Tuber genauw n Mor⸗ Teufſct zugeben en To⸗ ſehaben bias biß geſehen phaben nderii⸗ twudt weſchet ktigen .Ach nclum feines nſolte⸗ ezeit umct nab chicka heten hri⸗ jfßtk⸗ ckeul als Erſter Theyl. 513 als wann das eben ein langes Leben were/ welche nur viel Tage er⸗ Ieane hde das Alter iſt Ehrlich/ nicht das viel Jahr hat/ ſondern Klugheit vnder den Menſchen tſt das rechte grawe Har/ vnd ein vnbefleckt Leben/ iſt das rechte Alter. Abraham/ das Fromme/ großglaubige. Hertz/ lebte nicht ſo lang als Adam/ Seth/ Mathuſalem/ Sem; Vnnd dannoeh ſpricht der heilige Geyſt/ Geneſ.⁊1·.er ſey geſtorben in einem ruͤhigen Alter/ da er Alt vnnd lebens Saat ge⸗ weſen. Vrſach/erſtarb in Domino, in dem HERR/ Apocal. 14& cum Domino, mit dem HERRRR/Nonm. c. Zu dem wann ein Frommer vnnd Glaubiger ſtirbet /ſo verlieret er weniger als nichts. Dann er kompt in das Ewige Leben/ darzuj hn GO Terſchaffen hat/ Sapient. ꝛz vnnd deſſen er durch dem Glauben an Chriſtum theylhafftig worden iſt/ Joh. 3. Der⸗ halben/ wer ein langes Leben/ vnnd das rechte Alter erhalten wil der befleiſſige ſich der Gottſeligkeit/ die hat Verheyſſung die⸗ ſes/ vnnd deß andern Lebens/ j. Tim. 4. erlebe From⸗ Zuͤchtig/ vnd Gerecht in dieſer Welt/ Tit. z. er lebe alſo/ daß er ſich nicht ſchewe zuſterben/ ſondern getroſt ſagen koͤnne: Mortem non flebo, quia tecum Chriſte manebo. das iſt/ He an Chriſte ich bin ein Glied an deinem Leib daß frew ich mich von Hertzen/ von dir ich vngeſcheiden bleib/ in Todtes noht vnnd Schmertzen. Wann ich gleich ſterb ſo ſterb ich dir/ ein ewiges Lebt haſtu mir/ mit deinem Todt erworben. Er ſterbe aber auch alſo/ daß er ſich nicht ſchewe laͤnger zu leben: Vnd da je einer/ wie dann der Bruͤder mehr ſein/ ſein Leben mit groben Suͤnden beflecket hatt/ ſo thue er wie der Alte Bernhardus/ der zu G O T T von ſich al⸗ ſo pricht Tempus meum perdidi, quia perdite vixi, pro quo Rr 3 quid —-——— 94 Gießiſcher Leichpredigten quid agam noninvenio, niſi quòd cor contritum& humi- liatum Deus, non deſpicies, Meine Suͤndt betruͤben mich GᷣO Ttes Gnadt erfrewet mich/ zwey ding weyß ich/ das erſt/ ein armer Suͤnder bin ich/ das ander/ G Ott iſt Barmhertzig/ das er⸗ ſte das bekenne ich/ das ander feſte glaube ich/ darumb von Hertzen bicelchaeh GOᷣTTſey mir Suͤnder genedig/ ſo werde ich ewig elig. 1 Zum ſiebenden vnndletzten/ daß auch zu einet ſon⸗ derlichen ehre gedache wirt/ dz die alte vnd junge/ Eltern vñ Soͤhne ſeyn begraben worden/ darbey woͤllen wir kuͤrtzlich behalten/ daß es ein Chriſtlich vñ Ehrliches Werck ſey/ die Abgeſtorbenen zur Er⸗ dẽ zubeſtatten Die Roͤmer haben jhre Todten zu Aſchen vnd Pul⸗ ver verbrandt/ welches Sylla ſollangeordnet haben. Voretlich vnnd funfftzig Jahren hat man in der Inſel Zazyntho Ciceronis Grabſtaͤt funden/ darinnen geweſen ſind/ zwey glaͤſerne Gefaͤß/ ei nes voller Aſchen von ſeinem verbrandtẽ Leichnam/ in dem andern ſeiner gutẽ Freundt Traͤhnen/ welche ſie wegen ſeines Todtes hat⸗ ten fallen laſſen. Gleichformigerweiß die Todten zuverbreñen/ ha⸗ ben auch die Indianer vnd Tartern gehabt. Die Perſier haben ſie den Hunden vnnd Raben auffs Feldt vorgeworffen. Die Maſſa⸗ getæ haben auff die Todten jhre canes ſepulchrales, vnd Bau⸗ ers Ruͤdden gehalten. Etliche haben die todte Leich ins Waſſer ge⸗ worffen. Die Araber lieſſen ſie im miſt verfaulen. Die Seythe fraſſen ſie in jhre dicke Baͤuche. Aber dieſes alles iſt GOTTes Wort ʒuwider. Dann das iſt ſein Will vnd Ordnung: Du biſt Erden/ vnnd ſolt wider zur Erden werden/ Geneſ.z. ſie muſſen alle vnder die Erde/ ftehet Ezechielis 3). Nicht allein die Patriarchen vnnd Tobiæ Freunde/ ſondern auch G DOtt ſelbſt wardt ein Todtengraͤber als Moſes auff dem Berg Nebo ſtarbe/ Deuteron. 34. vund wirdt in heiliger Schrifft vor ei⸗ nen Chumi. en mich/ serſtſen das er⸗ harten ier ſon⸗ Sohne daßes zur Er nd Pub⸗ orellich iteronis efaß e⸗ andern tes hat⸗ en ha⸗ aben ſie Maſſa⸗ Bau⸗ ſe ge⸗ Schthe TTes dubiſt ancſ. lis z) mauch WBerg vorei⸗ nen Erſter Theyl. 215 nan ſonderlichen Fluch vnnd Zornzeichen G.OT Tes geachtet/ wann einer iſt vnbegraben blieben/ wie zu dem vngehorſamen Pro⸗ pheten geſagt wirdt/ dein Leichnam ſoll nicht in deiner Vaͤtter Grab komen/h. Reg.)3. vnnd Jcremiæ Cap. 16. trauwet Gott den Iſraeliten/ ſie ſoͤllen weder beklaget noch begra⸗ ben werden. Von Koͤnig Jojakim leſſet er außruffen/ er ſoͤlle ein Eſels Begraͤbnis habẽ/ Jerem. 22. Die zu Athen/ haben/ wie lian. ſchreibt ein ſolch Geſetz gemacht/ Si quis in inhuma- tum hominis cadaver incidit, omninò id terra obruet, wer eines verſtorbenen Leichnam antriffet/ der ſoll hn mit Erden be⸗ ſcharꝛen. Doch ſchreibet Agathias/ daß dermal ems etliche Wan⸗ dersleut einen vnbegrabenen Leichnam im Feldt liegendt funden/ vnnd denſelben in der Eyl begraben haben. In derſelben Nacht aber iſt zu jhnen durch ein Geſicht geſaget worden: Die Erde koͤnte odeꝛ woͤlte dieſes Mannes Aaß nicht leiden/ weil er ein Blutſchen⸗ der geweſt/ vnd mit ſeiner eigenen Mutter zugehalten hette/ Baldt darauff haben ſie deß Morgens den Leichnam im Feldt widerumb bloß liegendt gefunden/ als wann jhn die Erde außgeſpeyet hette. Von den jenigen/ welche ſich ſelbſt entleiben/ haben auch die Athe⸗ nienſer ein Geſetz gemacht: Qui ſibi manum admoverit, inſe- pultus jaceat. Wer ſich ſelbſten vmbringet/ der ſoll vnbegraben liegen bleiben. Da liegt aber nicht an/ es werde einer begraben wo er woͤlle Dann die Erde iſtdeß HeRan vnnd alles was darinnen/ Pſalm.14. Hiob. 47. wie ſich hiermit die heilige Martyrer vnd Blutzeugen Gottes jehands getroͤſtet haben Esiſt auch darumb ein frommer Chriſt nicht verdampt/ wann vmb er⸗ kantniß der him̃lſchen Warheit willen vnbegraben/ hingeworffen wirdt/ wie Auguſtinus weitlaufftig erweiſet lib x. de civitat. Dei, cap. 1².13. dann da heiſt es wie der Poet ſaget: Cœlo tegitur, qui non habet urnam: Wer inkeinen Todtenſarck geleget wirdt/ der ————— )äö ℳ W. 126 Giileßiſcher Leichpredigten der wirdt mit dem ſchoͤnẽ Himmel bedecket. ltem. ſepelit natura auch relictoss die/ ſo vnbegraben bleiben/ begraͤbet die Natur auch die/ Ha welche am Galgen/ auff dem Rad/ oder ſonſien auſſerhalb der Er⸗ 56 den verweſen/ kommen alle in den Buſem der Natur/ vnnd wirdt ſpin — ſie G OTt am Juͤnſten Tag/ durch ſein Allmechtige/ vnendtliche vele Krafft/ wol wiſſen widerumd herfuͤr zubringen. So viel ſey auch ſatt geſagt von den Lehrpuͤnctlein/ welche ich Ewer Lieb auß den abgele⸗ thu ſenen Worten habe vor bringen woͤllen/ Ohnangeſehen/ daß jhrer J mehr koͤnten herauſſer gepreſſet werden.— en ERSONAIMIIAAAAG 4 Dann nun iſtes an dem/ daß wir vnſers Alten verſiorbenen den Mutbruders in allen Ehrn/ wie er wol werht/ gedencken. In dieſe Abt Welt iſt er geborẽ im Jahr nach vnſers Erloͤſers Chriſti Geburt Zun 1547. Sein Vatter ſeliger iſt geweſen der Ehrnveſte vnnd Wol⸗ deß weiſe Herꝛ Henrich Muldener/ Nahtsverwandter/ vnd in letzten dan Jahren jmmer Regirender Buͤrgemeiſter zu Caſſel/ dem auch die fiſe direction vnd Auffſicht vber die Saltz⸗Soden zu Allendorffan- Si befohlen/ hat ſolche ſeine beide Aempter mitallem Fleiß vnd gutem Lob trewlich verwaltet. Seine Mutter aber iſt geweſen die Tu⸗— gendſame Matron/ Ellſabetha/ geboren auß dem Vornehmen ſch benambten Geſchlecht der Wallenftein zu Caſſel. Von dieſen ſei⸗ ng nen Frommen vnd Gottſeligen Elterniiſt er zur wahren G Ottes den furcht/ vndallen anderen herlichen Tugenden baldi von Kindliche wiſ Tagen an aufferzogen worden/ vnnd gleich wie der Alte Tobias/ hn weiler den HERRen fuͤrchtet von gantzem Hertzen/ Gnade fandt dh vor Salmanaſſare dem Koͤnige zu Aſſyriẽ: Tobiæ. alſo/ weil der wt Selige Herꝛ David Muldnerus den HERRNgefuͤrchtet hatt/ gar hat er gnade funden/ bey den Durchleuchtigen vnnd Hochgebor⸗ 4 nen Fuͤrſten vnnd Herꝛn/ Herꝛn Philipſen/ Herꝛn Wilhelmen/ dn Landtgraffen zu Heſſen/ ꝛc. Hochloͤblicher Gedaͤchtniß; So dun E 6. a natura uch die der Er⸗ dwidt dtüche wauch abgele⸗ ſßra — rbenen n ieſe ehurt Wol⸗ leßten uch di effon⸗ zutem je Tu⸗ thmen en ſi Ottte dlich obins fandt deil der thatt gebor⸗ men dann auch Erſter Theyl. 2)7 auch letzlich bey dem Durchleutigen Hochgebornen Fuͤrſten vnnd Herꝛn/ Hern Moritzen/ Landtgraffen zu Heſſen /ꝛc. Vnd weil jhre F. G. Landtgraff Wilhelm ein ſonderen Fleiß vnd Trew an jm ge⸗ ſpuͤret/ haben ſie jhm das officium Secterarii antragen laſſen/ welches er aber in Vnderthaͤnigkeit abgeſchlagen/ vnnd iſi jhman ſtatt deſelbigen Ampts die Vogtey zur Haiden im Vnderfuͤſten⸗ thum bheſſen genedig anbefohten worden/ welches er durch viele Jahr her trewlich verwaltet. Von ſeinen Freunden vnnd Angewandten were viel zuſa⸗ gen/ wann es die zeit erleiden moͤchte. Dann ſein Bruder iſt ge⸗ weſen/ der Ehrnveſte vnd Hochgelahrte Herꝛ/ Valentinus Mui. denerus, der Arzeney Doctor vnnd Leib⸗Medicus er ſtmals deß Abts zu Fulda/ hernacher an dem Saͤſchiſchen Hoff zu Coburgck. Zur Ehe hat er genommẽ die Tugenſame Matronen Sabinam/ deß Weitberuͤmbten Mediei vnnd Poeten Euricii Cordi/ Wey⸗ landt in den beiden Vnwerſiteten/ Erfurdt vnnd Marpurg Pro⸗ feſſoris/ vnd hernacher Statt Mediei zu Bremen neptem oder Dichtern/ deß Hochgelahrten Herꝛn Philippi Cordi/ der Artzeney Doctoris vnnd Statt Phyſici zu Hildesheim/ Dochter/ mit welcher er in werendr Ehe gezeuget hat durch G OTTes Segen ſechs Kinder/ einen Sohn vnd fuͤnff Dochter. Der Sohn ſampt dreyen Doͤchtern/ ruhet nunmehr in dem Herꝛen. Auß den vber le⸗ benden Dochtern aber iſt eine mit Namen Martha/ vertrawet ge⸗ weſen/ dem Ehrwuͤrdigen vnnd Hochgelahrten Herꝛn D. Jo⸗ hanni Winckelmanno/ vnſerm jtzigen Superintendenti vnnd Se⸗ elſorgern/ iſt aber baldt in G O T T verſchieden. Die andere iſt verlobet geweſen dem Ehrngeachten/ Wolvornehmen vnnd Wol⸗ gelarten Herꝛn M. Jacobo Myccio Præceptori in vnſerm Paæ⸗ dagogio Primario: Die dritte Eliſabetha Heren Chriſtopho⸗ ro Zolnero à Speckswinckel/ die vierde: Anna/ Herꝛn Conrado Sos gleich —————— V.* 278 Gießiſcher Leichpredigten Gleich wie er nun beſampt ſeiner lieben Haußfrawen ein Frommes/ Erbares/ vnnd Gottſeliges Leben gefuͤhret/ G. OTtes Wort fleiſſig angehoret/ alſo hatt er ſeine Kinder zur G. OT Tes⸗ furcht vnd allen Chriſtlichen Tugenden fleiſſig aufferzogen. Als hm aber ſein liebes Eheweib vor dreyen Jahren durch den zeit⸗ lichen Todt von der Seiten geriſſen worden/ hat er/ wie ein armes verlaſſenes Turturtaublein/ allein gelebet/ vnd darmit e G Ottes Wort deſto fuͤglicher betrachtẽ/ vnd die heilige Bibel fleiſiger leſen koͤnte/ ſeinen Dienſt auffgegeben/ vnnd den vergangenen Som⸗ mer ſich hieher zu vns naher Gieſſen zu ſeiner lieben Dochter Cla⸗ ren vnnd Dochterman Herꝛn M. Myccium verfuͤget/ mit jhnen friedtlich vnnd froͤlich gelebet/ die Predigt deß heiligen Goͤttlichen Wortes fleiſſig/ vnd mit groſſer Andacht angehöret/ das heilige A⸗ bendtmal offt gebrauchet; War auch am verſchienen Sontag im willẽ daſſelbege mit ſeiner Dochter vñ Dochterman nochmals zu⸗ entfange. Aber als er am Newen Jahrstag mit frewdẽ ſeinen Enck⸗ lein vnd Kindelein das Newe Jahr außgetheilet hatte/ wie drobẽ im eingang vermeldet/ wirdt er Ploͤtzlich Schwach wegen zufallender Catharrorum ſuffocativorum, darvonandere mehr auß ſei⸗ uem Geſchlecht geſtorben ſeindt; vnnd hatj hu die Schwacheit in dreyen Tagen ſo gar abgemattet/ daß er ſich baldt zur Reiſe geſchi⸗ cket/ vnd als er kurtz vor ſeinem ſeligen Abſchied das Hochwuͤrdige Abendmal zu einem viatico vnd Zehrpfeung von mir mit groſſer Ehrerbietung entfangen hatte darauff iſt er faſt vber eine Stundt Chriſtlich im Herꝛn entſchlaffen. In ſeinen groſſen Schmertzen iſt er ſehr gedultig geweſen/ hat hertzlich gebetet/ ſich einig vnnd allein ſeinem Herꝛn vnnd G OTt befohlen/ vnnd mit vielen Spruͤchen H. Schrifft getroͤſtet/ man hat jhm keinen vorhalten konnen/ den er nicht gewuſt vnnd gantz außgeſprochen hette/ vnnd wann mit Ihm oder vor jhn iſt gebetet worden/ hat er allezeit das Gebet mit einem ſtarcken Amen beſchloſſen/ die Haͤnde auch offt zuſamen ge⸗ faltzet ven ein Ttes Tes⸗ n. Als en zeit⸗ armes Ottes erleſen Som⸗ Ca⸗ jhuen lichen ge A⸗ tagim alo zu⸗ Enck⸗ beim lender uß ſei⸗ eit in eſchi⸗ dige oſſer tundt teniſt allein ſchen ener mit tmit nge⸗ aleet Erſter Theyl. 279 faltzet vnnd geſprochen: O Domine Jheſu veni, Omein lieber Herꝛ Iheſu kom. Endtlich hat er ſeiner lieben Dochter die Handt gereichet/ r vnd allen vmbſtehenden Freunden vnd Angewandten gutte Nacht gegeben/ vnnd baldt darauff vnder dem lieben Gebet/ ſeinen Geyſt wider gegeben dem/ der jn geſchaffen/ vnd iſt alſo kom⸗ men in die Zahl der jenigen/ welche in dem. Herꝛn ſterben/ vnd ruhen von ſrer Arbeit/ vnd frewẽ ſich mit Chriſto ewiglich. Seine Freun⸗ de haben jhm auch wie Tobꝛe/ die Augen zugedruͤcket/ vnnd jhnen jetzunder ehrlich begraben. G Ott vergelte es/ vnnd beſchere jhnen vnnd vnsallenauch ein ſeliges Sterbſtuͤndtlein/ verleihe daß ſie vnnd alle Chriſten bleiben im heiligen Wandel vnnd Leben daß ſie angenem werden Gott vnd den Leuten/ vndallen die im Lande wohnen: Ihm ſey Lob Ehr vnnd Preiß geſaget von nun an biß in Ewigkeit/ Amen. 88823 S Se SS 38,5S S.2 25 e. e Se 25 Se 8,8 Die Sechzehende Leichpredigt/ Bey Begraͤbnis der Tugentſamen Na⸗ tronẽ Clare/ Herꝛn RM. Jacobi Nyecii/ præceptoris alhier Claſſiei vnd Primarii/ Ehlichen vielgeliebten Haußfrawen/ welche den 14. Tag Majt jhrem lieben Batter nachgefolget vnnd auff Sontags den 16. ejuſdem Chriſtlich vnnd Ehrlich zur Erden beſtattet wor⸗ den iſt/ Gehalten zu Gieſſen in der Pharꝛkirche Durch CLaſparum Finckium/ der heiligen Schrifft Profeſ⸗ ſorem vnnd Predigern daſebſten.. Ss 2 Tert 1 XV. 220 Gießiſcher Leichpredigten Textauß den Sprichwoͤrtern Salomonis Cap. 27. v.). Rhuͤme dich nicht deß Norgenden Tags denn du weiſſeſt nicht/ was Heut ſich begebenmag. Erklaͤrung. & Eliebte im HERRSN CRiſto/ Als Gott der He Ra das herꝛliche Gebew Himmels vnnd der S Erden/ vnnd zuletzt vnſern erſten Vatter Adam ge⸗ ☛ ſchaffen hatte ſprach er entlich: Es iſt nichtgut⸗ daß der Menſch allein ſey/ ich will ihm ein Gehuͤlffin machen/ die vmb hn ſey: Die vmbjn ſey/ verſtehe mit nehren vnnd mehren Dann in dieſen Worten ſetzet G Ott den Eheſiand ein/ daß zwey/ das iſt/ Mañ vnd Warb/ ſollen ſeyn in einem Fleyſch/ ſich mit allen trewen meinen/ Lieb vnd Leid miteinander außſtehen/ eines bey dem andern Hilff vñ Raht/ Schutz vnd Troſt ſuchẽ ſol⸗ le. Item/ daß ſie mit einander ſollen Kinder zielen/ dieſelbige in der wahren Furcht G OT Tes aufferiehen/ mit jhnen die Welt vnd den Himmel fuͤllen/ auff daß die Eltern an jhnen hie zeitlich vnnd dort ewiglich Frewde haben moͤchten. Gleich wie es nun nicht fehlen kan/ daß dieſe Beywohnunge Mannes vnnd Weibs lieblich/ freundtlich vnnd luſtig ſey; Alſo gibts hergegen ſehr truͤbe vnnd naſſe Augen/ wann ſie durch den Eheſcheider/ den Menſchen Freſſer/ den zeitlichen Tod voneinan⸗ der geriſſen werden: Wann der Mann zu einem Witwer/ das Weib zu einer Witwe/ vnnd die vnerzogene Kindelein/ die kleine Brodt⸗ — 7 den Jeut 7 5Gott und der am ge⸗ ülffin nehren eſtand leyſch/ fiehen eheſol⸗ ein der (lt vnd vnnd nunge 3 Aſ b chden einan/ das kleine podt⸗ Erſter Theyl. 221 Brodtwuͤrmblein/ zuverlaſſenen Waißlein werden/ beſonders wen es geſchicht zuder zeit/ wann man ſich deß Fals am wenigſten verſe⸗ hen hat. Freylich heiſt es daAhlhdn unnerſeden wer hat— dicher dacht. Daß daruͤber Witwer/ Witwe/ Waißlein nicht Hertzlich ſollen bekuͤmmert werden/ kan ein jedes Chriſtliches Hertz heyſich ſelbſten ohn Erinnerung wolermeſſen. Das Tur⸗ turtaublein iſt ein Vnvernuͤnfftiges Voͤgelein/ doch wann eines ſein Geſellichen verliehret/ ſo trawert es ſein Lebenlang/ ſetzet ſich auff keinen gruͤnen Aſt/ trincket kein reines/ ſondern truͤbes Waſ⸗ ſer/ was ſollen dann wir Menſchen thun/ vnnd in ſonderheit wir Chriſten⸗ Welcher maſſen aber ſoll man ſich verhalten in ſolchem hertzbetruͤbten Leydt? Lieber GOT T/ weil Syrach ſpricht/ Cap. 38. von Trawrigkeit komme der Todt/ vnd die Traw⸗ rigkeit ſchwaͤche die Kraͤffte deß Hertzens/ ſo will ſichs vor allen dingẽ gebuͤren/ daß ſie in der Trawrigkeit maß halten/ n it trawren wie die Heyden/ die keine Hoffnung haben/ 7. Theſſal. 4. vnnd bedencken/ daß GOtt der HE R heiſſe ein Vatter der Witwen vnnd Weyſen/ daß ſein eingeliebter Sohn tewer verſprochen er wolle vns arme Weyßlein nicht ver⸗ laſſen/ Johan. 14. Jaer woͤlle ſie allezeit ernehren/ Leib vnnd Seel auch wol bewahren. Dañ er ſorget vor vns/ huͤt vnnd wacht/ es ſtehet alles in ſeiner Macht. Welches alles dann wir in gegen⸗ ver ligem betruͤbten Fall mit einander beherꝛtzigen/ weil der vn⸗ barmhertzige Todt auch einen Riß getahn hat zwiſchen zweyen Chriſilichen Ehleuten/ den Hauß⸗Vatter vrploͤtzlich wider alles verhoffen in das bitter Elendt deß Witwen Standts geſetzet/ vnd den kleinen vngezogenen Kindelein jhren beſten Freundt/ die Mut⸗ ter/ welcher Bruſt ſie geſogen/ vnd vnd jhrem Heꝛtzengelegen/ ge⸗ Ss 3 nom. * 90 222 Gießiſcher Leichpredigten genommen hat. Dieweil wir dann dem willen Gottes nicht wider⸗ ſtehen gekoͤnnet/ haben wir muͤſſen mit ſeinem allein weiſen Raht⸗ zufriedenſein/ vnnd demnach wir jhren hinderlaſſenen Leichnam jetzo zum G Ottes Acker getragen/ vnd in die Erde/ als ein frucht⸗ bares Weitzenkorlein beſcharꝛet/ jhrem vielgeliebten Vatter an die Seiten gelegt haben/ ſo wollen wir nun vns vnſer Sterbligkeit vnnd Nichtigkeit erinnern/ darvon aus den abgeleſenen Worten eine einfeltige kurtze Predigt thun: den Text zum erſten erklaͤren/ vnnd darnach anhoͤren/ was wir daraus zulernen haben wer⸗ den/ darzu vns der uͤtige G OTT ſane Genade verleihen woͤlle Amen. Erklaͤrung der Wort. Wann heutiges Tages groſſe Potentaten vnd Herꝛn/ mit vns/ den Vnderthanen/ reden vnnd ſprach halten/ halten wir vns vor ſelige vnd begnadigte Leut/ behalten jre Wort im friſchen Ge⸗ daͤchtnis. Wann aber Salomon der Konig viel groͤſſer vnnd hoͤ⸗ her geweſen iſt als ſie/ iſt geweſen wie Suidas redet/ Rex MSra 89 eoie ditiſſimus, der aller Reicheſe an Gelt vnnd Weißheit/ daß auch die Koͤnigin von Mittag/ vom Ende der Erden kommen iſt ſeine Weißheit zuhoren/ 1. Reg..2. Chronic. 9. Matth. 12. ſo ſol⸗ len wir je billich ſeine Wort/ darmit et jetzunder mich auch vnnd dich vnnd alle Menſchen anredet/ wollin acht nemen. Ruͤhme dich nicht/ prichter/ deß Norgenden Tages. Durch den Morgenden Tag/ verſtehet er nicht nur den Tag/ der/ wann Gott wil/ Morgen werdẽ wirdt: Sondern ein jegliche folgende vn zukuͤnfftige Zeit aller maſſen/ wie vnſer Herꝛ C hriſtus Matth. c. 6. die Art zurede fuͤhret: Sorget nit vor den andern Nor⸗ gen/ dann der Norgende Tag wirdt vor daß ſeine ſorgen.— . Ey r 4 Erſter Theyl. 223 Ey moͤchte jemandt ſagen/ ſoll ichs dann gehen laſſen wie es gehet? Soll ich roch vnnd ſicher in Tag hienein leben/ die liebe Waldtvoͤgelein ſorgen/ den Himmel herumher lauffen laſſen/ nicht gedencken/ was ich Morgenden Tages Handthiren ſolle/ wie ich meinen Kindelein Morgen das Brodt ins Hauß ſtellen moͤge: xe Nichtalſo dahin iſt Salomon nicht gemeinet: Sondern das wit er habẽ/ daß niemand ſoͤlle vermeſſen ſeyn/ niemand in die Gedau⸗ cken gerathen/ ſeine Haut ſeye viel zufeſt darzu/ als daß ſie der Todt mitſeinem Goliaths Spieß durch ſtechenkoͤlen; oder er ſelbſi ſey ſei⸗ nes Lebes maͤchtig es ſtehe in ſeiner hander habe mit dem Todauff ein Duß getruncken/ mit jhme einen Bundt vnnd mit der Hellen einen Anſtandt gemacht: Sondern ſolle vielmehr behertzigen/ es ſtehe alles bey dem lieben G OT D/ der reiſſe vnſern Lebens⸗Fa⸗ den ab/ nicht wann es vns/ ſondern jhm gefalle/ vnnd deßwegen jhm auff die. Hande ſehen/ vnnd ſo offt wir den andern oder dritten Tag etwas gedencken/ oder zubeſchlieſſen anfangen/ jmmer vnnd al⸗ weg darbey ſagen: Wils GOTT: Wuss der fromme getreuwe GOᷣTt/ ſawil ich dieſes oder jenes außrichten. Was iſt aber die Vrſach/ daß man das Morgenden Tages ſich nit rüͤhmẽ ſoll⸗ Die hat Salomon auß dem Pſalmbuͤchlein ſei⸗ nes lieben Vatters Davids ſtudiret/ vnnd ſetzet ſie auch hinzu: Dann du weiſſeſt nit/ was ſich Heut begeben moͤge. Erſchleuſſet Aminori ad majus, vnnd will ſo viel ſagen: Ach du armes Menſchen Kindt/ was wiltu viel auff den Morgenden Tag bochen vnnd bawen/ da es noch nichs aller Tag Abendt iſt/ du nit wiſſen kanſt/ quid ſerus veſper vehiat, was ſich noch vor Abendt moͤge begeben vnnd zutragen: Vnver Dieſe ſeine Meinung widerholet er in ſeinem Prediger Cap. 9. Wanner alſo ſpricht: Der Nenſch weiß ſeine Zeit nicht/ ſondern wie die Fiſch gefangen werden mit einem ſchaͤdt⸗ rhofft kompt zumal offt. . XVi. V 224 Gießiſcher Leichpredigten ſchaͤdtlichen Hamen/ vnnd wiedie Voͤgelmit einem tahe Strick gefaugen werden/ ſo werden auch die Nen⸗ 5 ſchen beruͤckt zur boͤſen Zeit/ wann ſie ploͤtzlich vber ſie Tag felt. In dieſen Worten brauchet er zwey Gleichnis/ das erſte iſt be⸗ dern nommen von den Ziſchen/ das andern von den Voͤgeln. Die Fiſch Ten ſeyndt jhm Waſſer wolverwahret/ noch dannoch wann ſie meinen/ ſie woͤllen jhr Leben erhalten/ ſo verliehren ſie es: Wann ſie meinen ſie ſchnappen nach ihrer Speiſe/ ſo ertappen ſie den Angel/ der jnen den Bauch auffreiſſet/ vnnd werden alſo vnverſehens auß jhrer der⸗ feſten Verwarſam gezogen: Alſo/ wann der Menſch dencket/ er Da woͤlle jhm nun ſein Leben recht nuͤtz machen/ jetzo woͤlle er ſein dieg Haußlein gaͤntzlich außbawen/ ſeinen Kindelein wol vorſtehen/ Sie ſo muß er das Valete nehmen/ vnnd ſein Weib/ Freundte vnnd mei Kinder zu letz ſehen/ auch wol in jhrem abweſen vnnd in der wilden alle Frembde/ daß ſie jhm die Augen nicht zutruͤcken konnen/ Gleicher maſſen wie die Vogel/ die doch ſonſten die groͤſte Freyheit vñ Sich⸗ Da erheit haben/ vnverſehens gefangen werden/ wann ſie jhre Speiß flog vnd Geſelſchafft ſuchen: Alſo wann wir meinen/ wir haben vnſer Da Sach an dz truckene bracht/ ſo kompt der Tod vñ zerknirſchet vns/ a wie ſolches die taͤgliche Erfahrung im Alten vnnd Newen Teſta⸗ b W ment/ vnnd das gegenwertige Exempel vnſerer abgeſtorbenen den Mitſchweſter erkleret vnd beweiſet. Wann wir in den llergroͤlten Ehren ſein/ ſo kommen wir wol baldt vnden auff die Eſels Banck. Vret Wann wir Reichtumb Gelt vnd/ Gutt haben zuſamen geraſpelt/ ſiohn ſo werden wir zu armen Setlern/ wan wir darfuͤr halten wir ſepen ſien Starck/ ſo werde wir Laͤgerhafftig/ vñ muͤſſen entdlich in den Tod⸗ We ten Sarck. Dañ in dieſen abgeleſenen Worten ſiehet nit allein Sa⸗ ſich lomon auff die Nichtigkeit vñ Fluͤchtigkeit Menſchliche Lebens/ wan ſondern auch auff die Vnbeſtendigkeit deß Gluͤcks in dieſem Lebẽ: mein einem Men⸗ öberſie ſteiſthe⸗ Wgiſch meinen/ emeinen derſnſen uß jhrer encketſer ecr ſan ſiehen tee vnnd rwilden Gleicher Sieh⸗ Speiß in vnſer het vns Teſta⸗ erbenen paſ Banck. raſpelt t ſcpon nTod⸗ in Sa⸗ lebens alcbt: en ſeg⸗ icht — ¹ Erſter Theyl. 3²5 liche folgende Zeit; alſo verſtehet er alhier nicht nur diem arti fi⸗ cialé, das iſt/ den Tag welcher zwiſchen Auffgang vñ Niedergang der Sonnen begriffen wird auch nit diem naturalem, das iſt/ den Tag/ welcher 4. Stunde/ Tag vnnd Nacht in ſich begreiffe fet/ ſon⸗ dern ein jeglich baldt zuküͤnffuige Zett So viel von den Worten de 3 exts: Lehr/ Erinnerung/ vnnd Troft. Wir lernen darauß Erſtlich/ daß es nichts newes ſey/ daß der Menſch ploͤtzlich vnnd vnverſehens dahin fellet vnnd ſurbet. Dann Salomon ſetzet hie den terminum gar kurtz/ vnnd ſpannet die Zeit vnſers Lebens ſo eng ein/ daß es kaum einen Tag wehre. Siehe/ meine Tag ſindt einer Hand breit bey dir/ vnd mein Leben iſt wie nichts vor dir/ wie gar nichts ſeind alle Nenſchen/ die doch ſo ſicher Leben? ſpricht Koͤnig David Pſalm.39. Meine Tag ſeindt leichter dahin ge⸗ flogen dann ein Weber Spul/ klaget Hiob Cap./4. Darumb O Menſch ruͤhme dich nicht deß INorgenden Tages dann du weiſſeſt nit/ was ſich noch heut bege⸗ ben mag. Es melden die Hiſtorien Schreiber/ das etliche Muͤtter vor Frewdenploͤtzlich geſtorben ſeyn/ wann ſie jhrer Kinder widerumb ſeyndt anſichtig worden/ von welchen ſie zuvor gehoͤret hatten/ daß ſie nit mehr bey Leben wehrẽ. Sophoc Poet erſticket an einem Weinbeerlein&euxis racleotes lachte ſich zu tod Arceſilas ſoffe ſich tod. Cornellus Gallus ſtarb vor Lieb. Heraclitus Epheſius ward von den Hundẽ gefreſſen. Wie viel hat dz Fewer vom. Himlel in einem Nun verzehret⸗ Wie viel hat d Dolier vrploͤtzlich erſchla⸗ genevnnd haben wir noch heutiges Tages friſche Exempel vor Au⸗ Tt gen —p—·-······——-—— XV 3²26 Gießiſcher Leichpredigten gen/ deren/ welche woll ſtehendt vnnd andern vnder den. Haͤnden ge⸗ geſtorben ſein? Darumb Menſch/ ruͤhme dich nicht deß Morgenden Tages/ dann du weiſt nit/ was ſich heut begeben mag. Julius Cæſar hatte ſo viel Schlachten gethan/ ſo viel Voͤl⸗ cker bezwungen/ ſo offtmals getriumphiret. Aber als er auff dem Nahthauß zu Rom in allen Ehrn ſaſſe/ vnnd ſich des Todtes am wenigſten verſahe/ wirdt er von Caſlio vnnd Bruto mit dren vnd zwantzig Wunden zu Todt geſtachen. Wie gieng es ſeinem Feindt/ dem Pompejo? Der will uͤber Meer in Egypten reiſſen/ bey dem Koͤnig neuwe Hilff wieder den Eæſarem auffbringẽ: Aber baldt wirdt jhm zum Deo gratias ſein Kopff an dem Vffer abge⸗ ſchlagẽ Sein Bruder Aſcleꝑius Medius, hatte vber die zwantzig Jahr vber Meer geſchiffet/ ohne Gefahr ſeines Lebenß. Als er aber einmal kuͤhl Waſſer auß einem nen ſchoͤffen wolte/ ſturtzet er wider alles andencken hinnein vnnd erſeuffet jamerlich. Keyſer Jovinianus/ vnd Keyſer Ludwig der fuͤnffte/ ſturbe auff der Jagt: Anderer Exempel ſeindt ſo viel/ daß man ſie faſt nicht alle zehlen kan. Darumb Menſch/ ruͤhme dich nicht deß ONorgenden Tages/ dann du weiſt nicht was ſich noch heut bege⸗ ben mag.. II. Wir ſollenaber vors Ander hier nit gedencken als wann wir vngefehr leben oder ſterben/ wie die Epicureer im Buch der Weißheit Cap. ſagen: Ohngefehr ſeindt wir gebohren/ vnnd fahren wieder dahin/ als wern wir nie geweſt. Dargegen ſpricht David/ Pſlam. 34. Meine Seel ſtehet in deinen Haͤnden/ vnnd Hiob. Eapit. 41. der Menſch(Herꝛ) hat ſeine beſtimpte Zeit/ die Zall ſei⸗ ——;— 0ꝓ1́W2 nicht daß! tuͤrlic der nich wir den ge tdeß heut (Val ffdem Lodtes dug ſeinem eiſſen Abar abge⸗ autzig raber rurtzet deyſer Jagt: zehlen nden ege⸗ mnals e im ſwir wwir Erſter Theyl. 2²27 ſeiner Monden ſtehet bey dir/ du haſt ein Ziel geſetzet das wird er nit vbergehen. Vnnd Syrach Eap. 1 Gott hat den Menſchen geſchaffen auß der Erden/ vnnd macht jhn wider zur Erden/ vnnd beſtimpt jhnen die Zeit jhres Lebens. Von den Frommen vnnd Glaubigen ſpricht Chriſtus Matt. 10. kaufft man nicht zwen Sper⸗ ling vmd einen Pfenning? Noch fellet der ſelben kei⸗ ner auff die Erden ohn eweren Batter. Nun ſindt aucheuwer Haar auff den Hauptern gezehlet. Da⸗ rumb fuͤrchtet euch nicht/ jhr ſeit beſſer als viel Sper⸗ ling. Noli falli, novit te Dominus Deus tuus,& ſic tenovit, ut capillos tuos habeat numeratos. Quid ergo times?lacru- mas ſuorum numerat Pſalm. 6ᷓ 5.& mortem inpretio habet, Pſal. 1r6. ſchreibet Auguſtinus ſehr troͤſtlich vber den 104. Pſal⸗ men/ welches Wort zu Teuſch alſolauten: Lieber Chriſt/ laſt dich nicht verfuͤhren: Dein HxnR vnnd dein G OTT kennet dich/ er kenet dich alſo/ daß er deine Haar auff dem Haubt gezehlet hat. Wz fuͤrchſtu dich dann? Er zehlet ſeiner Glaubigen Kinder Thraͤñen/ vnnd jhr Todt iſt wehrt gehalten/ vor ſeinen Augen. Tertullia⸗ nus ſaget/ die Bletter konn en nicht von den Baumen fallen ohne GOT Tes Willen vnnd Verſehung. Das iſt vns nun gar troͤſt⸗ lich. Dann dardurch werden wir in vnſern Hertzen vergewiſſert/ daß vnſer Leben nit in deß Teuffels/ nit in der Menſchen/ oder Na⸗ tuͤrlichen vrſachen/ ſondern in Gottes Handen ſiehe/ vnd daß vns der Tod nicht ein. Haͤrlein kruͤmmen koͤnne ohn ſeinen Willen/ vns nicht ſcheiden koͤnne von der Liebe G. OT Tés/ die wir habenin EpRiſto Jeſu vnſerm HERRSN/ Tt 2 Roͤm. A⁴VI.— 328 Gießiſcher Leichpredigten Roͤmer. 8. Darumb/ leben wir ſo leben wir dem HẽRRA/ſterben wir ſo ſterben wir dem HERRR/ wir leben oder ſterben/ ſo ſeyndt wir deß HERRRR Roͤmer 4.. III. Zum Dritten/ wie ſollen wir vns verhalten wann wir hoͤren/ daß dieſer oder jener Menſch mit dem jehen Todt vberfallen wirdt? Wir ſollen vns. 1. vorſehen/ daß wir nicht frevendtlich vrtheilen Ver biſtu ſpricht Paulus Roͤmer. 13. daß du einen frembden Knecht richteſt: Stehet er ſo ſtehet er ſeinem Hẽ RR/fellet er ſo fellet er ſeinem HẽRRN Vnnd der Apoſtel Jarob Cap. 4. Wer ſei⸗ nem Bruder affterꝛedet/ ond vrtheilet ſeinen Bruder/ der affterꝛedet dem Geſetze/ vnnd vrtheylet das Ge⸗ ſetze. Vrtheileſtu aber das Geſetze/ ſo biſtu nicht ein Thaͤter deß Geſetzes/ ſondern ein Richter. Es iſt ein einiger Geſetzt geber/ der kan Selig machen vnd ver⸗ dammen. Als Pilatus etlicher Galileer Blut mit jhrem Opffer vermiſchet hatte/ Item/ als der Thurn zu Siloha Achtzehen Men⸗ ſchen erſchlagen hatte/ Luc. 13. geſielen viel vnnd mancherley Vr⸗ theil daruͤber: Aber der HE RR Chriſtus ſtraffete die Meiſter Kluglinge zum zweyten mal vnd ſprach: Meinet jhr daß ſie allein Suͤnder geweſen ſeyen? Ich ſage Nein: ſondern/ ſo ihr euch nicht beſſert/ werdet jhr alle auch alſo vmb⸗ kommen. Sondern II. ſollen wir das beſte hoffen/ vnnd vrthei⸗ ken nach der Chriſilichen lieb/ welche allesvertrawet/ alles hoffet/ als dulder/). Cor.)3. Vnnd III. in vns ſelbſt gehen/ vns dem . v N N NA alten Todi nicht Mer. deter nem Erſter Theyl. 329 vns erſilich ſelbſten anklagen/ vnnd dann aller erſt von andern vr⸗ theilen/ wie Syrach vermahnet Cap. 8. Ante judicium explo- ra te ipſum,& in tempore inquiſitionis veniam conſequeris IV. Vns vor Sicherheit huͤtten/ nicht in den Tag hienein leben/ nicht thun als wann der Todt geſtorben were/ die Buß von Tag zu Tag nicht auff ſchieben/ in Betrachtung/ daß vns der Tod hin⸗ weg nehme/ wir ſeyen bereit oder vnbereit: Ideo latet ultimus di- es, ut obſerventur omnes dies ſpricht Auguſtinus. Darumb jſt vns der letzte Sterbtag vnd das juͤngſte Gericht verborgen/ auff dz man allẽ Tag in gutter Bereitſchafft ſtehe. V. Inſonderheitaber wañ wir ſehen/ dz Gott from̃e Leut bald hinweg nimpt/ ſolle wir vns die Rechnung machen/ die Rey werde es vns auch bringe. Siehe/ die es nicht verſchuldet hatten den Kelch zutrincken/ muſten ihn trincken/ vnnd du ſolteſt vngeſtraffet blei⸗ ben? Du ſolt nicht vngeſtraffet bleiben ſondern du muſt auchtrincken/ ſeehet geſchrieben Jerem. 49Vnnd gils bey den Froſñen das Spruͤchlein Auguſtini SiT ſano putan- da non eſt, quam bona vita præceſſit, lib. 1. de Civitat. Dei, c. 11. der kan vor keinen boͤſen Todt geachtet werden/ vor welchem ein gut Leben hergangẽ iſt. Vnd abermals: Non poteſt malè mo- ri, qui benè vixit: Et vix benè moritur, qui malsè vixit, das iſt/ der kan nit vbel ſterben/ welcher wolgelebet hat/ vnd der/ welcher vbel gelebet hat/ kan kaum wol ſterben. VI. Demnach/ wann wir je vrtheilen woͤllen/ ſo muͤſſen wir einen Vnderſchiedt haldten vnder dem ploͤtzlichẽ Abgang der Menſchen. Dañ dieſelbige ſeynd dreyer⸗ nrflichſchdNuchloſe Gotavergeſſen loſe Bubẽ/ an welchẽ Hopffen vnnd Malt verlohren/ vnnd die in Vnbusfertigkeit mut⸗ williglich verharꝛen. Darnach ſeyndt wol Fromme vnnd Ehrliche Leut/ welche aber etwa Schwachheit vnd beſondere Gebrechen au ſich haben. Zum dritten/ ſeynd rechte fromme Leut/ welche offene — Tt 3 Zeug⸗ △ VI. 330 Gießiſcher Leichpredigten Zeugnis der Gottſeligkeit haben. Den Erſten iſtich Planet ſchon geleſen/ vnnd trifft ſie der Außſpruch deß Propheten Aſaphs Pſalm. 73. Du ſetzeſt ſie auff daß ſchluͤpferige/ vnnd ſtuͤrtzeſt ſie zu Boden. Wie werden ſie ſo ploͤtzlich zu nicht? Siegehen vnder/ vnnd nemen ein Ende mit ſchrecken/ wie das die Exempel außweiſen /an den beiden Soͤh⸗ nen Jude/ Ger vnnd Onan/ welche nequam waren vor G Ott/ Geneſ.z d. an Abſolon Davidts Sohn/ 2. Samucl. 18. an Belſa⸗ ſern dem letzten Koͤnig zu Babel/ Dani.z. an Nerone/ der ſich ſelb⸗ ſten vmbbracht; an Domitiano welchẽ ſein Kaͤmerer erwuͤrgete/ an Marimino/ welchem ſeme Kriegsknecht das Liecht außblieſen; an Decio/ der in enem Sumpff ſtarbe vnnd verdarbe/ an Ario/ der ſein Eingeweidt auff der Heimlichkeit außſchuͤttete/ an jenem Bi⸗ ſchoff zu Carthago/ welcher mit dreyen Donnerſtralen vomn Him⸗ melherab getroffen vnd verbreñet ward/ weil er die H Hochgelobte Dreyfaltigkeit gelaͤſtert hatte an jenem loſen Muͤnch zu Berlin/ welcher ſo baldt auff der Cantzel todt bliebe/ als er den heiligen tewren Apoſteln Paulum in der Predigt hatte luͤgen heiſſen. An Luciano dem Spoͤtter/ welchen die Hundt verzehret haben/ weil er Chriſtum einem Land vnd Leutbetriger geſcholten. Das iſts was die heilige Schrifft ſpricht: Den Gottloſſen wirdt das vngluͤck toͤdten/ Pſalm. 34. die Boͤſen werden auß⸗ gerottet/ die aber deß Herꝛen harꝛen/ werdẽ das Land erben/ Pſalm. 37. die Blutgirige vnd Falſchenwer⸗ den jhr Leben nicht zur Helfft bringen/ Pſal. 55. jhre Fuͤß lauffen zum Tod hienunder/ jre Gaͤnge erlangẽ die Hell/ Proverb. 5. Eyffer vnd Zorn verkuͤrtzen das Leben/ vnnd Sorge machtalt vor derzeit/ Syrach. Cap. — — ỹ—— —— mðòꝗ k⸗*.⸗-*r— —— 4 2=2ᷣ—— 7 * Erſter Theyl. 33) Eap 30. Von dem andern hauffen hoffen wir ins gemein alles geittes vnnd halten darvor/ daß ſie GO T T zwar am Fleyſch zuůchtige/ doch aber jhnen an der Seel ſchone. Zum Exempel haben wir Loths Frauw/ welche G OT Tin eine Saltzſeul verwandelte Geneſ. 12. weil GOTt dieſelbe durch ſeinen Engel auß Sodoma außfuͤhren ließ/ helt D. Lutherus S. darvor/ ob ſie ſchon am Leib ſeygeſtraffet worden/ ſo habe ſie doch keinen Schaden an jrer See⸗ le Seligkeit genomen. Dergleichen halten die Theologi vnnd Ge⸗ lehrte von den Soͤhnen Aarons/ Nadab vnnd Abihu/ Levitic. 10. von Hiohs Kindern/ Hiob. von dem Propheten/ 1. Reg. 13. von dem Juͤngling Eutycho/ Actor 19. Zum dritten werden auch wol die rechte From̃e vnnd Glaubigen mit einem jehen ſchnellen Todt vberꝛauſchet/ wie Abel/ Geneſ. 4 wie Jongthan/ 2. Samuel. i. wie Stephanus/ Actor. 7. vnnd der Evangeliſt Johannes/ der dem He³ReR Coiſto am aller liebſten geweſen/ ſoll am ſchlag ge⸗ ſtorben ſein. Wer woͤlte dann nun ſo thoͤricht ſein/ der ſo bloß dahin urtheylen woͤlte/ wer ploͤzlich ſtirbet/ der iſt ein boͤſer Bub geweſen⸗ ca cat ſucceſibus opto, Quiſquisa entu facta notanda putat. Sprich auch der Heydeniſche Poet. IV. Wann dann nun dieſem allen alſor ſo ſehen vnnd lernẽ wir vors vierte/ wie vnverſchampte Gaͤſte die Muͤnch vnd Je⸗ ſuitẽ ſein/ wañ ſie Chriſtlichẽ rechtſchaffenen Lehrern jr ⁵‿εαιιι vorwerffen/ vnd darauß ſchlieſſenwoͤllen/ ſie ſeyen keine reine Lehrer vndwahre Gliedmaſſen der Chriſtlichen Kirchen/ wie den vor we⸗ nig Jahre n einer auß Papiſtiſcher Leſter Schul entſprungen iſt/ mit namen Adamus Tannerus/ welcher von dem wolverdienten vñ Hochgelahrtẽ Eyfferigen Thologo/ Weyland Herꝛn Doctore Hunnio/ ſeliger Gedaͤchtnis/ dieſe Wort auß ſeinem Stinckenden Rachen — V ℳ Xy ea Gießiſcher Leichptedigten Rachen außgeſpeiet hat: Hunnius non attritus virihus, nec ſe- necta cõfectus, ſed corpore vigens& pollens, maximè eo ip- tempore defloruit, quando ſecundùm corpus maximè flo- ruit. Iſt das/ geliebter Chrjſt/ nicht eine Schandloſe Laͤſterunge Dann daß ich nicht antworte/ der ſelige Herꝛ D. Hunnius habe ein Ehrliches Anſehnliches Alter erꝛeichet/ ſo wiſſen wir ja/ daß La⸗ zarus in der beſten Flor ſeines Alters geſtorben/ vnd iſt doch Chriſti lieber Freundt geweſen/ Johan. uu. der Witwen Sohn zu Sarepta war mitten in dem Leben/ mit dem Todt vmbfangen/ 3. Reg. 17. wie dann auch Joſias/ 4. Reg. 23. Traun ja/ Der gerechte kompt vmb/ vnd niemandt iſt/ der es zu hertzen neme⸗ vnnd heilige Leut werden auffgeraffet vnd niemandt achtet darauff den die Gerechten werden weggerafft vor dem Vngluͤck/ vnd die richtig vor ſich Gewandelt haben wie der Herꝛ Hunnius) kommen zum Friede vnd ruhen in jhren Kammern/ Eſa. 57. Demnach ſo iſt das Alter ehrlich/ nicht das lang lebet oder viel Jahr hatt/ ſondern/ Klugheit vnder den Nenſchen iſt das rechte grawe Haar/ vnnd ein vnbefleckt Leben iſt das rechte Alter/ Sap. 4. Mit was vor Klugheit vnd herꝛlichen Tugenden aber gezieret geweſen iſt/ der Hochgelahrte D. Hunnius iſt Welt⸗ kuͤndig/ vnnd haben die Jeſuiten jhre Fuͤhrmanni Ijhm zu Regenſpurg auff dem Colloquio aſo abgelauffen das ſie Ihnen ſo baldt nicht wieder wachſen werden. Zum dritten/ derPre⸗ diger Salomon ſpricht C.o. Es begegnet einem wie dem andern/ dem Gerechtẽ wie dem Gottloſen/ dem Gu⸗ ten vnd Reinen wie dem Vnreinẽ dem der da opffert/ wie wie gch gch wele Lebe rwolr empe Mo lch hen an ſer liche er wi ruffe baldt nd ei gehal Don auffr weni bens cken IlI, Anti Con bezeu wey te au 4 ’ Erſter Theyl. 333 ecle⸗ wie dem/ der nicht opfert. Wie es dem guten gehet/ ſo o. gehets auch dem Suͤnder/ wie es dem Meineydigen ung goehet/ ſo gehets auch dem der den Eydt fuͤrchtet: Auß shaqc welchẽ Worten erſcheinet/ daß man nit ſo Jeſuitiſch vom T od vñ ela. Leben frommer Chriſten/ beſonders eyfferiger/ vnd vmb die Kirche rſü wolverdienter Lehrer vrtheylen ſoͤlle. Droben haben wir etliche Ex⸗ ngha empel geſenet ehrlicher/ fommer/ Gottſeliger Leut/ welche ſich deß 9,y. Morgenden Tages mcht haben ruͤhmen koͤnnen/ vnnd auch ploͤtz⸗ lich geſtorben ſeyn. Jett erinnere ich mich auch deß Exem pels Jo⸗ echte hanis deß Tuffers. Der hatte ſich in der Welt kaum recht vmidſe⸗ eh) hen/ als er Kopffs kuͤrzer gemacht wardt. Solte jhm darumb das undt an ſeiner Lehr vnd Ehr nachteilig geweſt ſeyneovinianus der loͤb⸗ mft liche Keyſer regirete nur ſieben Jahr/ vnnd Acbanalide welchen/ er wider auß dem Pxilio vnnd Elendt naher Alexandriam ge⸗ delt ruffen/ vnnd widerumb in ſein voriges Ampt geſetzet hatte/ iſt jhm vnd baldt gefolget/ ſolten ſie darumb ein boͤſe/ vnd hergegen Julianus dos vnd Conſtantius eine gute Sache gehabt habene Simeon Styli⸗ att Les iſt zu ſeiner Zeit vor einen groſſen heiligen vnd wunder⸗Mann cte gehalten worden/ vnnd iſt doch/ wie Sophronius ſchreibet/ vom Doonnncr erſchlagen worden. Zum vierdten/ was darff der Jeſuit chte aauff vnſerer Geyſtreicher Lehrer Tod vnd Leben ſehene Er ſehe ein ndnn wwenig hinder ſich/ was die ſchoͤne Baͤpſt vor ein beſchmiſſenes Le⸗ Btho bensEnd⸗genommen haben. Bapſt Adrianus ſtarb an einer Muͤ⸗ mt. cken im Jahr 1159. wie Radevicus bezeuget/ c.76. Bapſt Pius aeſit III. ſtarb an einem Schwaͤrn/ wie Volateranus bezeuget lib. 23. pro Anthrop. Bapſt Paulus ll. als er des Tags zu vor ein froͤlich den Conſiſto riũ gehalten/ ſiarb des Nachts am Schlag/ wie Platina Gè„ bezeuget/ in vita Celeſtin.II. im Jahr /14 71. Bapſt Johan der zwey vnnd zwan tzigſte/ der vermeinte/ er wuͤrde tang leben/ mach⸗ a,) e auch beyan dern viel Dicentes vnd ruͤhmens darvon: Aber wvier Vo zu 334 Gießiſcher Leichpredigten zu Viterbien felt in ſeinem New erbawten Pallaſt ein Gemach auffjn/ daß er alle Vier ſtrecken muſte. Als der Bapſt lunoccnri General Rector ſeyn wolte/ die Rechtglaubige Lehrer vor Ketzer vnnd Schelmen hielte/ vnnd in der Kirchen Gottes vbel hauſete/ wird er von einem in GOTt eyfferigen Prediger/ der in den letzten Zuͤgen lag/ ad tribunal juſtitiæ divinæ, vor den Richterſtull Gottes gefordert/ im Jahr Chriſti 2 53. Flugs darauff hoͤret man eine Stim/ welche in ſeinem Hoffealſo rieffe: Duarmer elender Menſch kom zur Rechenſchafft: Vnd fort deß andern Tages/ iſt der Bapſt im Bett Todt gefunden/ vnd hat ein blaw Mahlam Halß gehabt/ als wañ er mit einem Stecken were geſchlagẽ wordẽ. Bapſt Anaſtaſius der ander/ hat wie Arius auff dem heimlichen Gemach ſein Eingeweid außgeſchuͤttet/ wie Platina ſchreibt in vita Anaſtaſii. II. Bapft Johannes der drepbchende/ der ehrliche Vogel /iſt im Ehebruch ergriffen/ vnnd wie ſein verdienter Lohn war/ erſtochen worden/ wie abermal Platina ſchreibet in vita eius. Johanues der achte felt in der angeſtalten Proceſſion darnieder/ vnnd bekompt ein Kind(dann die Hure hatte ſich vor eine Manß⸗ perſon außgegeben) vnnd ſtirbet/ wie ſolches alle Hiſtorien Schrei⸗ ten in acht nehmen/ ſo wuͤrden ſie vns ohne Zweiffel zufrieden laſſen/ vnd Rechtglaubigen Lehren jhren Todt vnnd letzes En⸗ de nicht ſchmitzlich vorwerffen. Aber ſie haben eine Hurenſtirn/ vnnd ſchaͤmen ſich keiner luͤgen. Dann jhr Vatter heiſt der Teuf⸗ fel/ Johan. 8. V. Wir lernen zum fuͤnſſten/ weil ſich niemandt deß Morgenden Tages ruͤhmen kan/ vnnd nicht weyß was ſich noch heut begeben mag ê/ daß diß Leben vnndalles was darinnen iſt vnnd ſich zutraͤget/ gar mißlich vnnd vnbeſiaͤndig ſey/ vnd man wol 4* Erſter Theyl. 333 Cicerone ſagen moͤge: O fortuna, ut nunquam es bona, dar vnbeſtaͤndige Gluͤck behelt allzeit ſeine Tuͤck. Nebucaduezar ruͤh⸗ mete ſich deß Morgende Tages/ ſprach auß Hochmut: Dz iſt die groſſe Babeldie ich erbawt hab zum Koͤniglichen Hauſe/ durch meine groſſe Macht zu ehren meiner Herꝛlichkeit. Aber ſein Ruhm war allzu fruͤh vnnd freventlich. Dann vom Himmel kam jhm ein ſolche Stim zu: Dir Nebu⸗ cadnezar wirdt geſagt/ dein Koͤnigreich ſoll von dir genommen werden/ Daniel am 4 Darumb/ lieber Chriften Menſch/ Ruͤhme dich nicht deß Norgenden Tags/ denn du weyſt nit/ was ſich heut begeben mag. Herodo⸗ tus ſchreibet von Sceloſtricint Koͤnige/ welcher vier andere Koͤnig. gefangen hatte/ vnnd ſie bezwange/ daß ſie jhm ſeine Kutſchen zie⸗ hen muſten. Der eine gefangene Koͤnig ſihet das Radt gar ſior an/ vñ als jhn der vngefangene Koͤnig daruͤber zu Reden ſetzete/ gabe er die Antwort: Ich ſehe/ wie das Radt ſo ſchnell herumb lauffet/ wie das/ was oben ſtehet/ baldt herunder koͤmpt/ vnd dencke darbey/ wie das Gluͤck mit mir geſpielet habe. Das gehet dem Koͤnig alſo durchs Hertz/ daß er in ſich gehet/ vnnd bedencket/ was dieſem Koͤ⸗ nig jetzo widerfahre/ das koͤnne jhm dermal eins auch begegenen/ Darumb/ lieber Menſch/ ruͤhme auch du dich nicht deß Morgenden Tages/ denn du weyſt nit/ was ſich noch heut begeben mag. Bibulus der Edele Roͤmer/ mit dem Zuna⸗ men Bonus/ hatte einen groſſen Sieg erlanget/ daß jhm auch der Raht zu Rom einem herꝛlichen Triumpff angeſtellet. Es kam ſo weit/ daß er mit groſſen Ehren ins capitolium ſolte gefuͤhret wer⸗ den. Aber vnverſehens felt ein ziegel vom Tach/ vnnd traff den Bibulum ſo hart/ daß jhm das bibere vergieng/ vnnd er in ſeinen Vv 2 groͤſten A⁵VI 4. 336 Gießiſcher Leichpredigten groͤſten Ehren ſterben muſte Darumb lieber Menſch/ ruͤhme dich nicht deß Norgenden Tages/ dann du weyſt nit/ was ſich noch heut begeben moͤge. Aches iſt war was Eli⸗ hu im Buch Hiobs Cap. 34. ſagt: Ploͤtzlich müͤſſen die Leut ſterben/ vund zur Mitternacht erſchrecken vnnd vndergehen: Die Mechtigen werden Krafftloß weg⸗ genommen/ VI. In bewachtung nun dieſes alles/ follen wir in timo⸗ re Domini erkennen vnnd lernen/ daß alle das jenige/ was wir vns zu thun vornehmen/ nicht ſiehe in vnſerer freyen Willkuͤhr/ ſondern in dem willen G Ottes/ wann der nicht das fac totum iſt/ „vnd gluͤck vnnd ſegen darzu gibt/ ſo iſt es alles vmb ſonſt: ſine illo Derat. ꝗlib. vel operante ut velimus, velcooperante cum volumus, ad arbit. c. 17. bona pictatis opera nihil valemus, ſpricht Auguſtinus das iſt/ ohnejhn/ der da wircket daß wir woͤllen/ oder mitwircket wann wir woͤllen/ ſeyndt wir zu allen Wercken der Gottſeligkeit erſtorben. Vnnd ins gemeyn in allem vnſerm beginnen vnnd thun/ gilt das guͤldene Spruͤchlein/ auß dem 127. Pſalm. Wo der HERR nicht das Hauß bawet/ ſo arbeyten vmb ſonſt die da⸗ ran bawen. Wo der HẽxR nicht die Statt behuͤtet/ ſo wachet der Wechter vmbſonſt. Es iſt vmbſonſt daß hr fruͤhe auffſteher/ vnnd hernach langeſitzet/ vnnd eſſet euwer Brot mit ſorgen. Dann ſeinen Freunden gibt ers ſchlaffend. Deo non dante, nihil va- labor, ſagt Nazianzenus/ An GO T Tes ſegen/ iſt alles gele⸗ gen: Ohn Gottes geben/ kan niemand leben.. Darumb ſtellet es der Apoſtels S. Paulus in den willen deß HeERRR/ daß er Timotheum balt zu ſeinen lieben Pölth ſen⸗ 88 1 1 —.,— ———õꝑ imo- rir kühr/ 1 elllo 5 ad zeiſt nwir rben. tdas RN da⸗ tet/ onff nen va- gele de en ſer — Erſter Theyl. ſenden woͤlle/ Philip.. In der Epiſtel an die Roͤmer am ꝛ. ſpricht er er flehe allezeit in ſeinem Gebet/ ob ſichs einmal zu⸗ tragen woͤlle daß er u jhnen kaͤme durch GO Tes willen/ Item in der i. Corinth. 4. Ich will gar kuͤrtzlich zu ſo der HERR will. Vnnd.. Corinth. 16. euch kommen/ Ich hoffe/ ich will etliche Héẽ Rr zulaͤſt. Nomo proponit, denckis/ GOTt lenckts. Daher ver ſo am 4. Capitel: 2 Zeit bey euch bleiben/ ſo es der Deus diſponit, der Menſch mahnet der Apoſtel Jacob al⸗ Wolan die jhr nun ſaget/ heut oder morgen woͤllen wir gehen/ in die oder die Statt/ vnnd wollen ein Jahr da lig gewinnen. Die jhr n wirdt. Dann was en vnnd handthieren/ vnnd icht wiſſet was morgen ſeyn iſt ewer leben? Ein Dampffiſts/ der eine kleine Zeit wehret/ darnach verſchwindet er. Dafuͤr jhr ſagen leben/ woͤllen wir den Apoſtel Paulum nicht halten kon zoge/ vnnd ſich vor dem Gefengnuͤß ten ſie zu letzt mit jhm dieſen Endſchl Deß HẽRREa wille geſ auch der Alte Lehrer Cyprianus/ a ſolte gedultig ſein/ ob heyten zuſchickete: quod Dominus quotidiè juſſit nos orare, * ſollet/ ſo der HERR will/ vnnd wir diß oder das thun. Als auch die Juͤnger ten/ daß er naher Jeruſalem vnd Banden huͤttete: Mach⸗ uß: Voluntas Domini fiat, chehe. Auff dieſen ſchlag ſagte„ locr das Volck vermahnete/ cs 2n fanm 4⸗ Ihn gleich G O T T Seuche vnnd Kranck⸗ Meminiſſe, ſpricht er/ debemus, volunta- tem nos non noſtram, ſed Dei facere debere, ſecundum wiſſen/ daß wir nicht vnſern/ ſondern GOTT len/ aller dings/ wie er vns im Vatter Vnſer taͤ beten. Vy 3 das iſt/ wir ſollen es willen thun ſol⸗ glich hat geheyſſen Den⸗ XVI. 338 Gießiſcher Leichpredigten Derſelbige vnſer lieber He R vnnd GOTt/ mache ro mir 1 vns wie cs jhm gefelt verleihe vns Genadt daß wir mit Frewden A ſingen vnnd ſagen: Was mein G Ott will das geſchehe allzeit/ ſein 6 Will der iſt der beſte Item: Wann mein Gott will ſo will ich mit 6 hinfahren in Friedt/ ſterben iſt mein Gewinn vnd ſchadt mir nicht. lich Sein heiliger Nam ſey hochgeehret in alle Ewigkeit/ Fiat, fiar, lie Amen/ das iſt es werde wahr/ Amen. we ’ PERSONALIA. 83 6 Nſere abgeſtorbene Mitſchweſier/ geliebteim He RReER. Des Riſto/ hat ſich auch nicht koͤnnen ruͤhmen deß Morgen⸗ 1 den Tages/ vnnd nicht gewuſt/ was ſich heut begeben ahhl moͤchte/ ſintemal ſie am nechſt verlauffenẽ; 2. Tag Maji/ ploͤtzlich ner 6 ſchwach worden/ vnnd balt deß Morgens jhr Leben hat laſſen muͤſ⸗ m ſin/ wie balt hernach ſoll erwehnet werden. In dieſe Welt iſt ſie ge⸗ wol boren worden im Jahr 78. fal Ihr Vatter /ſeliger/ iſt geweſen der Ehrngeachte vnd Vor⸗ and nehme Herꝛ/ David Muldner von Caſſel auß dem Vorneh⸗ nd men vnnd alten Geſchlecht daſebſten der Wallenſtein buͤetig/ heoe weyland Vogt vnnd Verwalter deß Fuͤrſilichen Cloſters Heida goch V im Vnder Fuͤrſtenthumb Heſſen/ welcher dann auch newlicher erfu Zeit alhier/ gleich falß ſelig in dem Herꝛn entſchlaffen/ vnd ehrlichẽ ben zur Erden beſtatet iſt worden. Ihre Mutter aber iſt geweſen die o Tugentſame Marron/ Sara /ein Dichtern deß weitberuͤmpten die vñ Vornehmen Poeten vñ Medici, Euricii Cordi von Simeß⸗ a hauſen in Ober⸗ Heſſen ſo erſilich in den Vralte vnd weitberuͤhm⸗ gejo pten Academiis Erfurdt vñ Marpurg Profeſſor geweſen/ nachh Gat mahls zu Bremen Medicus worden. Dieſer ihr Vatter war Herꝛ ten/ Philippus Cordus auch Medirus zu Hildeßheim. Dieſes Bru⸗ ſeder der Valerius Cordus nicht allein bey den in Teutſchlandt/ benet ſondern auch bey den in Welſchlandt Hochgeruͤmpt wirdt/ we⸗ Za. gen Erſter Theyl. 339 wegen ſeiner vornehmen Buͤchern/ ſo von den Medicis vnd Apote⸗ ker hochgehaltẽ werden. Von dieſen jren Vornehmen/ Ehrlichen/ Frommen vnd Gottſeligen Eltern iſt ſte von Jugent auff alſo zur GOTTes Furcht/ Ehrbarkeit/ Zucht vnnd allen andern C hriſt⸗ lichen Tugenden auffer zogen/ daß ſie von menniglich in Ehren ge⸗ liebt worden. In Anno Chriſti 1596. den 22. Aprilis/ iſt ſie Verheurathet wordenan vorgedachten Herꝛn M. Jacobum Myccium Præ/ ceptorem damal Marpurgi Pædagogicum/ vnnd mit dem ſel⸗ bigen in ſiehender Ehe gelebt/ durch Gottes genedigs Verleyhen/ ſiebenzehen Jahr vnnd drey Wochen/ zu Marpurg zehen/ vnnd alhier die vbrige Zeit/ friedſamb/ vnnd wie im heußlichen weſen ei⸗ ner ehrlichen Matronen wollanſtendig/ bedachtſam/ vorſichtig/ nachdencklich/ auch gantz ehrlich vnnd auffrichtig/ als welche ſeht woll nach jhres Herꝛn Magiſtri vnd Ehevoigten/ Willen vnd Ge⸗ falle ſich zu richtẽ vnd zu erzeigen wuſte. Im Abweſen hat eines deß andern zum beſten vnd freundtlichſten gedacht/ auch nechſt GOtt vnd ſeinem heiligen Wort/ eines am andern ſein beſte Frewdt vnd hoͤchſten Troſt in dieſer hohniſchen/ ſchnoͤden vnnd boͤſen Welt gehabt. Durch GOT Tes Segen haben ſie miteinander erzieh⸗ let fuͤnff Soͤhne vnd zwo Toͤchter/ deren die zweyte/ Sarula/ bene⸗ ben noeh dreyen Sohnen/ Chriſtophoro/ Davide⸗Philippo vnnd Johanne Gothofredulo/ durch G. O TTes Gnad beym leben/ die andere drey aber ſeyndt baldt nach jhrer Geburth auß dieſem Jamerthal durch den zeitlichen Todt in die Himeliſche Frewd ab⸗ gefordert worden. Gleich wie aber Ihre viel geliebte Eltern nit allein Gottes Wort vnnd die rechte reine Religion lieb vnd werth gehal⸗ ten/ ſondern auch darzu ſie/ beneben jhren andern Schweſiern jederzeit zum trewlichſtẽ angewiſen: Gleichermaſfen hat auch ſie/ beneben jhrem geliebten Herꝛn/ jhre Kin derſein zu warer GOT⸗ Tesfurcht/ rechter reyner Religion/ Zucht vnnd Erbarkeit/ auch an⸗ XVI. 340 Giießiſcher Leichpredigten andern Chriſtlichen Tugenden an zu halten jederzeit ſich bemu ⸗ erſchit het/ iſt jnen mit guten Exempeln/ warer Gottesfurcht/ zuchtigem/ Vorh ehrlichen Handel vnnd Wandel vorgangen/ GOTTes Wort tvegen fleiſſig vnnd gern gehoͤret/ mit den jhrigen zu Hauß ſolches wider⸗ den T holet vnnd embſig getrieben/ jhren Glauben durch die heylſame vnzah Nieſſung deß Abendtmahls deß HE RREn zum offtern geſtercket/ Kamy auch denſelbigen mit allem jhrem Chriſilichen Thun vnnd Leben vnnd . erwieſen. Als aber am Tage der Himmelfart vnſers HE R R Himm C Riſtiſie deß Morgens zur Predigt woͤllen gehen/ hat ſie dig ver wegen jnnerlichen jhrer Weiblicher Schmertzen/ ſo ſie auff ein newes gefuͤhlet/ zu Hauſe verbleiben muͤſſen. Hierzu ſindt nach 1 1 Mittag(vnverſehens) darvon auch ſie ſelbſten nicht gewuſt/ kom⸗ nerund men andere Weibliche ymptomata vnd Zufaͤlle/ darauff dann gefolget ſehr viel Ohnmachten/ welchejr/ als einem zarten onhlei⸗ wanne bigen Weiblein/ ſo hart zugeſetzt/ daß alda keine Medicamenta, and Labſal oder Sterckung Menſchlicher Huͤlff haben etwas vermoͤgẽ woͤllen/ ſondern nach dem ſie beneben den vmbſiehenden andaͤchtig gebeten/ inbruͤnſtig geſeufftzet vnnd hertzlich geſchriehen/ H E R R 4 Jeſu dir Leb ich/ dir Sterb ich/ dein bin ich Todt oder Lebendig/. 1 wie auch andere herꝛliche Gebett vnnd Spruͤche mehr/ ift ſie vnter 5 dem Gebett der Anweſenden/ bey noch gutem vnd richtigem Ver⸗ dI ſtandt/ biß an jhren letzten Seufftzer/ gantz ruͤhig in der zwoͤlfften 4 Stunde jhrer Kranckheit ſeligim HE RRN entſchlaffen. Vnnd ob ſie wol nicht lange zuvor in offentlicher vnſer Chriſtlicher Ver⸗ ſamlung/ beneben den jhrigen/ das heilige Hochwuͤrdige Abendt⸗ mal gebrauchet: Hat ſie doch nichts deſto weniger/ deßwegen vnd zum Troſt/ jhren vielgeliebten Herꝛn Schwagern vnnd werthen Gevattern/ den Ehrwuͤrdigen vnd Hochgelahrten Herꝛn Johan. nem Winckelmannum, SS. Theologie D. Profeſſorem pri. marium, Pfarꝛherꝛn vnd Superintendentenalhier/ zu ſich erbetẽ vnnd hohlen laſſen/ welcher auch willig vnnd gern auff jhr bitten erſchie⸗ Erſter Theyl. 34 ni erſchienen/ ſie reichlich getroͤſtet/ auch jhrem vhrigen Chriſtlichen 2 DVorhaben voͤllige⸗genuͤge zuthun in willens/ wann ſie nur deſſen/ 89 wegen vnverſehen vnd vberheufften Schmertzens vnd vorſtehen⸗ . den Todtes Kampff hette moͤgen theylhafftig werdẽ. Wir machen ame opusabergar keinen Zweyffel/ daß in dieſem jhrem letzten Todtes ca Ka mpff der heilige Geyſi werde mit ſeinem ſpirituali refrigerio tben vnnd Geyſtlichem Labſall jhre Seele erquicket/ vnnd auch waren AN Himmliſchen Troſt wider allerhandt Anfechtung jhr gantz gnr⸗ ſi dig verlehen haben. an nach O Her: Jeſu Chriſte/ laßvns auch deine Die⸗ vn⸗ ner vnd Dienerin zu dir in Frieden heimfahren/ vnd ſe wann wir nicht mehr reden koͤnnen/ ſo neme genedig na an das Seufftzen in vnſer letzten Noht/ vmb nogi dein ſelbſt willen/ Amen. chug r 8 n Ende deß Erſten Theyls Gießiſcher hug 6 eichpredigten. Va l. 8 ſſien Innd Va⸗ endi⸗ nvnd rihen han- npii. In qbett bitten ſchi- 6R“————— eeeeeen, SSe Se. IN OBITUM PAULI(CASPRAITE LII) FIlNCkKII, QMII NASCEBATUR, EIT renaſcebatur Marpurgi Cattorum-Anno M DC V. ipfa Dominica Oculi, 3. Martii. dena- ſcebatur 4. ejuſdem. FlNOX rus aſpexit mundum, deſpexit eundenm, . Immundummundum didit ut eſenimis. MAäd pluresi Vit, dixitq;, noviſima Verba: Care parens,& ru mater amata vale. Nolite exanimemmæòti lugere partntes, Incœloſedem qua remoretur habet. Johannes Melchior Finckius, Caſpari Frater Germanus, hodié in Griechgoja Paftor. 83eS 2e 2222 8,28,3,38 35,38 35,32 35 38 383 5 2 DE OBITO JoHANXN1 CAspA.*—+f RI FINCXII, SVI NASCEBATVR ANNO 1609. ☚ menſe lulio pridie Margretæ, denaſcebatur 23. Novembris, Anns 1612. G JoHANNIS PHILIPPIFINCKII, quinaſcebatur Gieſſe, Anno 1612. 20. die duguſti, deuaſcebatur 24. eiuſdem, ad Reverendum& Clariſſimum pirum, Dn. CASPARuM FINGC K 1uM,&c. Compatrem& Callegam chariſſimum, 1 edentem SYNOPSIN DEBA- FTISMO.—. QUiid facias, Fincłi, Paſtorvenerande, duorum Dumluges obitum natorũ, quostibi Morta 2 Suſtulit — IE 6 1 ET 2, a4. un— K— 3— 4 5 * 1 8„—— Suſtulit ex ulnisteneros, cœloque locavit- Nẽpe animo decet eſſe bono, ꝗa ſanguine Chri- Ablutiin ſacro baptiſinate, perfidamundi ſti) Securitemnuntirritamenta profani. Hæc ſacri fontis meditari cælica dona Noſtrum eſtęqualis quos ſorsconjũxit, ut ambo Filiolostenero Chriſtoofferremusin ævo, Atque uno functos terra obrueremus in anno. Hac opera rectète nunc, cari ſſime Fincki, Solaris, publiceque doces quidconferat illud Auguſtum Chriſti de nomine Sacramentum. Profert hæc geminos fructustua cura, teipſum Recreat,& ſacræ fert maxima commoda pubi. 2— Sic, ſic perge bonis ſacri perferre laboris Egregios fructus alios, Clariſſime Fincki, Sionomen laudesque tuæ per ſeclavigebunt. Conradus Theodoricus, Practicæ Philoſophiæ Profeſſ- Public.& Pædagogiarcba. EPITAPHIUA EGREGIE INDOLIS PuERuII JO- HANCASPARVUILI, VIRIREVERENDIET Clariffimi Dn. CASPARIS FINCKII, S§. Theologiæ Pro feſſoris& Eccleſiaſtæ, Fi LIoL. Aſcebar: natus vixi trieteride; vixi, In vita ut fuerit ſarcina ViràA mibi. . 1 2 4 Crux Crux mihi lux fuit hæc,& vero caſſa colare Plena dolore mero mæititiag fuit. Nſatis hoc, verum& ſe maſelè exercuitinme Morta ferox, vires exetuitq; ſuas. FLEBILIS ingreſſu- brogreſtu PEBIII 8, atg. Eęrelſu miſera hæc ſic mihi vita fuit. Tu terram quicung gerisq terisa ViArox, Vitam hanc, non aliam polliceare tibi. Poſitumà M. Johan. Philippo Ebelio Gieſſeno.