——-——— —————— Filenga 44ꝗdas peate nunda lustus ut Pabna 3 Forebit. — 1. 92, 4 Wohl ·vollbrate Mitterſchafft Und Wallfahrt zur ewigen Wohlfahrt/ Dardurch man des Himmliſchen Kleinods wird theilhafft; In einer ſonderbahren Leichen·Rede/ — Weeligen bleiben/ Moch⸗Tdlen/ Beſtrengen/ Nochweiſen/ Hoch⸗und Wohl⸗Vorgeachten 7 8 8 Ohro Koͤm. Kaͤyſerl. Mafeſt. Hof⸗Iubilirs/ und Wiederlags⸗ Verwandten zu Wien/ Wie auch Dornehmen Wit⸗ Dlieds des geheimen Rahts/ Ober-Umgelters und Ober⸗Kaſten⸗ Pflegers in des H. Roͤm. Reichs⸗Stadt ESSLIJNGEN/ Als derſelbe/ 4 Nach vollbrachter Reiß nach Wien/ am Char⸗Freytag m10. den 18. Aprilis allda ſeelig geſſorben/ am H. Oſter⸗Montag zur Erden beſtattet/ und Ihme darauf Freytags den 16. Maj. am Tag Peregrini, auf ſolenne und wohl⸗meritirte Art parentiret worden/ In ſeiner Gebuhrts⸗Stadt Eſſlingen; Vorgeſtellt und auf Begehren ausgefertiget Von. M. Dudwig Warl Ditzinger/ Miniſterii Seniorc. Eſſlingen/ druckts Adam Caſpar Eck. ———— Bernhardus de Paſſione Dominica C. XIV, fol. 186. In ſexto Folio Vitis, nobis Virtus perſeverantiæ commendatur. Sicut Caput noſtrum pro peccatis noſtris acerbitatem ſuſtinens Paſſionis, usq́; ad Conſum- mationem perſeveravit patienter: Ita& nos, ſi hujus capitis membra eſſe volu- mus, in omnibus adverſitatibus noſtris virtutem perſeverantiæ conſervemus, ut ad finem omnium Paſſionum noſtrarum, ipſo benigno JEsU Duce, venientes, cum ipſo confidenter poſſimus dieere: CONSUMMATUM EST. Hoc eſt, Tuo adjutorio, non mea virtute, BONUIM CFRTAMEN CERTAVI, CURSUM CONSUMMAVI, FIDEMSEKRVAVI. Der Hoch⸗Edlen/ Hoch⸗Ehr⸗Tugendſam und Gottſeeligen RATRONEN ZSR AueN/ Patharina Valmin. Einer gebohrnen Lattermaͤnnin/ uͤberreicht dieſes beſt⸗meritirte und unſterbliche Ehren⸗Gedaͤchkniz Dero Seeligen Ehe⸗Herren Deren Ergebenſter Fuͤrbitter und Freund 4 Audtor. 0) 3 2 eeee eee esdte eeenee ee edeee ee eee ee ö Se, s nenea aneer nes e,een Worrede. Eſus Chriſtus/ der HErr der Herrlichkeit und Hertzog des Lebens/ der durch ſein Creutz und Tod dem Tod die Macht genommen/ und das Leben/ und ein unvergaͤngliches Weſen 1 A☛ ansLiecht gebracht durchs Evangelium; Gebe uns Gnade/ Weißheit und Krafft mit Ihme zu leiden und zu ſterben/ auf daß wir auch taͤglich mit Ihme und in Ihme auferſtehen/ neu leben/ und zur ewigen Herrlichkeit erhaben V werden! Amen. Er ſo/ Geliebte in dem HErrn/ und betruͤbte von dem HErrn! Chriſto dem Vorgaͤnger/ dem Anfaͤnger und Vollender/ und ſeinen Freun⸗ 2 den/ als vorleuchtenden Fuͤrbildern/ im Glauben/ Leben/ Lieben/ Lei⸗ * den und Sterben getreulich nachfolget/ dem wirds nicht fehlen an Er⸗ reichung der vollkommenſten Seeligkeit/ und Herrlichkeit. In welcher Abſicht die Pilgrumme auf dem Weg ſich untereinander aufmun⸗ tern: Laſſet uns mit ziehen/ daß wir mit Ihm ſterben. Wie ſolche Lie⸗ bes⸗Reitzung und Auf⸗Bott ſich findet Joh. XI, v. 16. Allermaſſen/ wie Chriſtus ſonderlich ſein heilig Leiden/ Sterben und Auffer⸗ ſtehung einen Hingang zum Vatter nennet; ſo iſt wahrer Chriſten Haupt ⸗Werck nichts anders/ als eine Nachfolge durch und mit Chriſto zum Vatter; und zwar nicht nur vom Grab/ zum Grab/ von Mutter⸗Leib/ wieder in Mutter⸗Leib Syr. 40. von der Erden zur Erden/ dem Leibe nach; ſondern/ der Seelen nach/ eine ab⸗ und Bekehrung von der Finſternuͤß zum Licht/ von der Gewalt des Satans zu GOtt/ von der Welt zum Hunmel/ Ad. XXVI. Phil. III. Col. III biß der Geiſt wider in ſei⸗ ne Onelle und Urſprung eingeſencket wird/ und zu GOtt kommt/ der Ihn gegeben hat. Cohel. XII. Es redet zwar Thomas ſolche Worte im Liebes⸗Eiffer/ zu Chriſto und ſeinem Freund Lazaro; Weil das wahre Liebes⸗Band innigſt und in der Liebe Chriſti 4 verbundener Gemuͤther auch durch den Todt nicht zerriſſen wird/ Cant. VIII. ſon- dern wie die Liebe mitleidet mit den Leidenden/ und weinet mit den Weinenden/ Rom. XlI. ſo begehret ſie auch im Todt nicht getrennet zu werden von den Sterbenden. Da manofft die verliebte Klag⸗Wort hoͤrct: Ach! wolte GOtt/ ich waͤre fuͤr Ihn geſtor⸗ ben! ich koͤnnte mit ihm ſterben! Wie David nicht nur über die Leiche ſeines Her⸗ tzens⸗Freundes Jonathans; ſondern ſo gar auch uͤber den Ungluͤckſeeligen Tod Abſa⸗ lons ſich klaͤglich vernehmen laͤſſet. Dannoch aber moͤgen ſelbe auch im weitern Ver⸗ ſtand gebrauchet werden.— Es hat nehmlich der allwiſſende Heyl Ii deme das Hertz vor Liebe wallete ge⸗ 2 gen —— 4 Chriſtliche gen ſeinen Freund Lazarumſdaß er auch nachgehends bey ſeinemm Grab Thraͤnen ver⸗ goß/ v. 33.35. Phil. fI, 7. Hebr. IV, 15. ſelbigem in der ferne eine Parentation gehalten/ und aufslieblichſte und beweglichſte zu ſeinen Juͤngerngeſprochen: Laza⸗ rus/ unſer Freund ſchlaͤfft/ aber Ich gebe hin/ daß ich ihn aufwecke. Da nun ſeine Junger meinten/ Chriſtus rede vom leiblichen Schlaff/(da doch der HErr anf ſo angenehme weiß den Todt der Glaubigen vorſtellen wolte /) ſprachen ſie: Schlaͤfft er/ ſo wirds beſſer mit ihme. Da ſagts ihnen JEſus frey heraus: Lazarus iſt geſtorben/(muß ihnen alſo ein groſſes daran gelegen geweſen ſeyn.) Und Ich bin froh(faͤhret Chriſtus fort) um euert willen/ daß Ich nicht da geweſen bin/ auf gaß ihr glaubet. Aber laſſet uns zu ihme ziehen. Daſprach Thomas der da genennet iſt Zwilling/ zu den Jungern/ laſſet uns mit ziehen/ daß wir mir ihm ſierben. Es verſtehet aber der willige Thomas Chriſtum/ mit deme er zu ziehen/ und mit zu ſterben ſeine Mit⸗Bruͤder ermahnetals welcher ſeine Leyd⸗Bezeu⸗ gungen uͤber ſeines Freundes Todt ſehr tieff zu Hertzen zoge/ und meinte Chriſtus werde aus berdruß des Lebens nun auch begehren zuſterbenſaufs wenigſte in Todes⸗ Gefahr ſich begeben; Weil er wohl wuſte/ daß die Juden Ihine nach dem Leben ſtelleten/ denen er kurtz zuvor entgangen war. Weil Er nun ſein Leben aus Liebe wagen wollte/ ſo ſolten auch ſie/ ſeine Mit⸗ Schuͤler ſich aller andern Hoffnung bege⸗ beuſuiit ziehen/ mit leiden/ mit ſterben. Da dann die Liebe und Beſtuͤrtzung ihme im Unbedacht ſolche ſchnelle Reſolu- tion und hypetboliſche Reden auspreſſten/ ſein hefftiges Leyd und Schmertzen/ und alſo ſeine wahre Liebe und Freundſchafft gegen Chriſto und Lazaro auszudrucken. Wie nachgehends vornemlich Petrus/ und ſo dann mit ihme die andere Juͤnger ins gemein ſich ohnbeſonnen anerbotten hatten mit Chriſto in den Todt zu gehen. Matt. XXVI. Luc. XIV.— Unſer ſeclige Herr Palm/ welcher wohlgewuſt/ daß dieſes alles eines jeden wahren Chriſten Liebes⸗Pflicht ſeye/ hat ſich zwar deſſen niemals Vermeſſen/ dannoch aber ſolches ſo wohl im Leben/ vornehmlich im Todt rechtſchaffen practici- ret. Er zog in noͤthigen Geſchaͤfften nach Wien/ zu Wien in den Todt/ dei Leibe nach ins Grab] der Seelen nach in die Himmliſche bleibende Wohnung; Chri⸗ ſti Sterbens⸗Tag war auch ſein Todtes⸗Tag; der Charfreytag Ihme ein rechter Freytag von aller Sterblichkeit/ Muͤh und Plag/ und hat er im Todt Chriſti/ da er mit Ihme/ 2. Tim. II, in Ihine Apoc. XiV, und Ihnie/ Kom. XIV. geſtorben/ Das wahre Lehen gefunden/ und das ſeelige Ende ſeiner muͤhſeeligen Wallfarth er⸗ reichet/ auf die Einholungs⸗Worte: Heute wuͤrſtu mit mir im Paradieß ſeyn. Da indeſſen ſein verblichener Leichnam den Ruͤſtag uͤber im Grab der froͤlichen Oſtern und Weck⸗Stimme Chriſti erwartet: Lazare komm heraus! Indeſſen fehlet es nicht an ſolchen Freunden/ bey denen es heiſſet: Kommet und laſſet uns mit ziehen/ daß wir mit ihm ſterben. Die hoͤchſt⸗betruͤbte Frau Wittib/(deren Schmertzen zuerneueren/ wenner anderſt veralten kan/ mich willig enthalte; ſonſten muͤſſte ich ſagen/ der Name Wittib/ ſeve ein kurtzer Begriff alles Elends/ daher ihr der betrübteſte Name/ weil er aus drucket eine Elende/ uͤber welche alle Wetter der Truͤbſal gehen; ein Haupt/ dem die Crone abgefallen; Ein Schaͤfflein ohne Hirten; ein Taͤublein ohne Gatten; einen Gartenohne Zaun; ja/ faſt weniger nicht/ als ein Leib/ ohne Seel; ein Kaͤutzlein in verſtoͤrten Staͤtten&c. Oder/ wie jener gottſelige Lehrer eine Wittwe klaͤglich abmahlet. Muͤller Ev. Schlußk. p. u4. b. ſeq.) Dieſe zoͤge nicht nur mit/ ſondern hat das Sterben und Mitſterben ſchmertzlich genug empfunden/ indeme Sie faſt vor Leyd mitgeſtorben/ da Ihr Hertz verſchmachtet/ Ihre Freude verblichen/ ja der geſtorben/ welcher Ihr beſſer war denn zehen Soͤhne uñ obes zwar 16 —— Leich⸗Predigt. · zwar iſt/ als waͤre er nicht geſtorben/ weil er ſeines gleichen hinterlaſſen/ und in dreyfachen Eben⸗Bildern noch lebet. Syr. XXX, 4. dannoch muß Sie winſeln und klagen: Ich bin eine Wittwe/ein Weib das Leyde traͤgt/ mein Mann iſt mir geſtorben/ und meine Wayſen haben keinen Vatter. 2. 8am. XIV,;. eine ſolche iſt ja ohne dem vor den Augen der Welt ſchon wie geſtorben ge⸗ acht; aber von GOtt wohl bedacht/ bewacht; deren mit Wahrheit das Zeugnuß einer Tugend⸗Matron kan gegeben werden von der gantzen Stadt. Kuth. c. III, 11. als welche der Welt abſtirbet/ und ſichuͤbet im taͤglichen Sterben; obwohlen ihr Leyd ſcheinet unſterblich zu ſeyn. Ihr beſtes Kleinod hat Sie in der Niederlag zu Wien gelaſſen/ wird Ihr aber als eine Beylage im Himmel aufbehalten; iſt nicht verlohren/ ſondern verwah⸗ ret. Sie komint als Naemi wieder leer/ aber voller Hoffnung/ Sie werde Ihren Todten von der Auferſtehungwiedernchmen/ welches einige ihren Verluſt Ihr wie⸗ der erſetzen/ und ihr Leidenleidentlich machenkan. Wie ſchmertzlich aber der Tod der Frau Wittib/ ſo toͤdtlich iſt er den Herren Sohnen undlieben Kindern gefallen; als durch welchen ihnen nicht nur eine toͤd⸗ liche Wundengeſchlagen worden; daſichiihr hertzlich geliebter Herr Vatter ihnen noch einmal leiblich præſentirte zum ewigen Abſchied in dieſer Welt; iſt leicht zu er⸗ achten/ daß ihnen nicht anderſt zu Muth werde geweſen ſeyn/ als wenn ihnen die Sonne im Mittag untergienge; als wenn einem Baum die Wurtzeln abgehauen werden; als wennden Gliedern das Hauptentfaͤllet. Allein/ wie die Laſt/ welche Palmen druckt/ zu ihrem Wachsthum dienet; alſo wird der Seegen ihres ſeeligen Herrn Vatters auf Ihnen ruhen/ und werden gruͤnen wie die Palm⸗Baͤume. PſXCII. wie die Cedern auf dem Libano/ wie die Baͤume am Waſſer gepflantzet. Pi. l. Und wie es nicht ungefehr geſchehen; daß unſer Herr Palm vor den Augen ſeiner Hochangeſehenen und Geehrteſten Herrn Brüdern hat ſollen ſterben/ ſich als eine blaſſe Leich vor deren Augen legen/ und ihnen ein Real- Prediger der Sterblichkeit werden; ſo hat es auch da nicht gefehlet an dem Geſchmack der Bitter⸗ keit des Todes/ je ungemeiner aufrichtig/ bruͤnſtig/ und beſtaͤndig die Bruder⸗ Liebe unter Ihnen war/ welche ſonſten ſo rar.— Doch glaube/ daß niemand im groͤſſern Ernſt die Worte haͤtte brauchen koͤnnen/ kommet und laßt uns mit Ihm ſterben/ als die hoͤchſt⸗ betruͤbte Frauen Schweſlern deren theils der Verluſt verdoppelt/ und allzuſchmertzlich erneuret iſt. Welche/(wie Sie Ihn/ ſamt den Herrn Schwaͤgern/ ſo ungern haben ſehen hinwegziehen/ und ihnen darvon nichts Gutes das Hertz voraus ſagte /) nicht nur als einen getreuen Bruder/ ſondern gar als einen Vatter und Pfleger beklagen. Und du Eſſlingen/ haſt einen getreuen Patrioten und Gewiſſen⸗ hafften Haußhalter/ einen unintreſfirten Samuel/ einen Haußhaͤltigen und Gewiſ⸗ ſen ⸗hafften Joſeph/ Ebedmelech/ Obadiam/ und ſehr nutzlichen Mann verlohren; der deine Aufnahm mehr als ſeine eigene Pohlfahrt ſich angelegen ſeyn laſſen/ an deme dir mehr/ alsdu jetzt glaubeſt/ mit ihme abgeſtorben iſt. Deſſen le⸗ dige Rahts⸗ und Amts⸗Stellen der HErr mit einem gleichgeſinnten tapffern Mannerſetzen wolle! Seine Freunde beklagen, einen rechten Jonathan und Nathanael; Ich aber/ weil ich hier bin andere uͤber dieſem Fall zu troͤſten/ muß mein Beyleyd ver⸗ ſchweigen/ und in der Seille Ihnbetrauwen Ezech. XXIV, 17. J9 r 6 Chriſtliche Ihr Arme aber/ die ihr Zeugen koͤnnet ſeyn ſeiner Liebe/ habt einen in der Stille freygebigen und nicht Ruhm⸗ und Danck⸗ſichtigen Wohlthaͤter zuruck laſſen muͤſſen; deſſen Liebe ihr dannoch auch nach ſeinem Tod zu genuͤſſen haben werdet/ indeme Er aus einem ungemeinen groſſen Capital jaͤhrlich das Intereſſe euch zuge⸗ dacht hat. Um euch nach ſich zu ziehen zu dem/ wo ewige Schaͤtze und Vergnuͤ⸗ gen zu finden. Nun ſo ziehe hin/ lieber Palm/ und hole uns hald nach; ruhe wohl/ diß alle Welt erwacht/ ruh wohl zu tauſend guker Nacht! dein Gedaͤchtnuß bleibe in⸗ deſſen bey uns im Seegen/ ſo lange die Tage des Himmels waͤhren! Ja/ wir ziehen Ihme alle/ jeder in ſeiner Ordnung/ zu ſeiner Zeit/ GOtt gebe/ alle ſeelig/ nach/ und ſchicken uns indeſſen mit allem Fleiß/ dann der Tod kommt uns gleicher Weiß. Zu dem Ende ſind wir hier zuſammen getretten/ eines ſolchen um unſer Stadt⸗Weſen wohl⸗meritirten Mannes nicht nur zu ſeinen letzten wohl⸗verdienten Ehren zu gedencken/ ſondern die Betruͤbten zutroͤſten/ mit dem Troſt damit wir getroͤſtet kverden; uns unſerer Sterblichkeit zu erinnern; der Gerechten Ende zu betrachten/ ihrem Glauben zu folgen/ und vornemlich in der Verkuͤndigung des Todes Chriſti zu ſeuffzen: Unſere Seele muͤſſe ſterben des Todes dleſes Gerechten/ und unſer Ende muͤſſe ſeyn/ wie ſein Ende/ Amen. Wert⸗M 2. Tim. IV;, 7. 8. Sch habe einen guten Kampff gekaͤmpffet/ ich habe den Gauff vollendet/ ich hab lauben gehal⸗ ten. Hinfort iſt mir beygelegt die Cron der He⸗ rechtigkeit/ welche mir der HKrꝛ an jenem Tage/ der gerechte Michter/ geben wird/ nicht mir aber allein/ ſondern auch allen/ die ſeine Erſcheinung lieb haben.— — Singang. Siſt vollbracht! So lautet das mitten im Leiden und Tod dennoch freudige und merckmuͤrdige Valet-Wort Chriſti/ welches in hieſiger Kirchen am Char⸗Freytag pflegt in andaͤch⸗ tige Betrachtung gezogen zu werden und heiſſet: Es iſl voll⸗ bracht. O was Gnade/ was Freude/ was Ruhe/ wann man das Ziel erreichet hat/ und es heiſſet: Es iſt vollbracht. Aller Anfang iſt ſchwer/ der Fortgang voller Muͤhe/ aber wann —* — ——— ² 1 8— ⏑ Leich⸗Predigt. 7 wann nur endlich ein ertvuͤnſchter Ausgang erfolget/ ſo achtet man aller vorigen Muͤhe und Leidennicht. Actilaboresjucundi; Nach gethaner Arbeit läßt ſich wohl feyren; Ende gut, alles gut. Da kan man ſrolocken/ Danck⸗ und Siegs Lieder anſtimmen; Nun GOtt Lob/ es iſt vollbracht/ Jammer/ Truͤbſal und Elende/ Welt Adieu zu guter Nacht/ nun ich mich gen Himmel wende&c. Darum ruffet Chriſtus in die volle Welt hinaus: Es iſt vollbracht. Es iſt vollbracht der Raht und Willen GOttes/ was ich habe lehren/ thun und leiden ſollen; als wor⸗ zu ich mich ſeldſten willig anerbotten/ Pſal. XL.. Solches iſt biß daher meine Speiſe (Verlangen/ Saͤttigung/ Vergnuͤgen) geweſen/ daß ich thue den Willen des/ der mich geſandt hat/ und vollende ſein Werck. Joh. IV, 34. Wie ich/ nach deſſen vorbe⸗ dachtem Raht und Vorſehung/ din in die Haͤnde meiner Feinde uͤbergeben worden/ welche gethan haben/ was GOttes Hand und Raht zuvor bedacht hat/ das geſche⸗ hen ſoll. Act. II, 23. cap. IV, 28. So bin ich auch gehorſam worden biß zum Tod/ ja zum Tod ans Creutz. Phil. II. Es iſt vollbracht und erfuͤllet die Propheceyung H. Schrifft/ was ſelbe auch nach den geringſten Umſtäͤnden in allen Stuͤcken vertundiget hat/ das ge⸗ ſchehen ſollte. Weiche Vorverkuͤndigung und Vorbeſtimmung aber nicht eine Ur⸗ ſach geweſen iſt der Sunden der Feinden Chriſti/ und daß ſie nicht anderſt haͤtten ſol⸗ len thun koͤnnen; ſondern ein Zeugnuß der undetruͤglichen Alltviſſenheit und Wahr⸗ heit GOttes. Darum ſagt Chriſtus Luc. XVIII. Siehe/ wir gehen hinauf gen Je⸗ ruſalem/ und es wird alles vollendet werden/ das geſchrieben iſt von des Menſchen Sohn&c. Luc. XXII, 37. ſo gar/ daß da auch ein einiger Umſtand noch uͤbrig war/ ſprach Er/ mich duͤrſiet/ auf daß die Schrifft erfuͤllet wuͤrde/ Plal. LXIX. Darum als Petrus ſeine Geſangnehmung hindern lvolte/ wvehrete ihme Chriſtus/ und bezeugete/ daß er Mittel genug habe/ dem Leiden zu entgehen/ und ſetzet hinzu: Wie würde aber die Schrifft erfuͤllet? Es muß alſo gehen. Nlat. XXVI, 34. Und alſo muſſte nicht der geringſte Buchſtabe/ noch ein Titul vom Geſetz zuruck blei⸗ ben/ daß nicht erfuͤllet wuͤrde. Natth. V, 18. cap. III, 15. Wie dann ſolches von Chri⸗ ſto vollkommlich geſchehen/ und er nicht nur am Treutz/ wegen des innſtehenden Todes/ Begraͤbnuſſen/ Auferſtehung und Himmelfahrt ſaget: Es iſt vollbracht. Son⸗ dern auch nach ſeiner Sieg⸗reichen Auferſtehung/ ſo wohlſelbſten/ als durch andere darvon prediget/ daß das Vollbringen von Erfuͤllung der Schrifft zu verſtehen ſene/ Luc. XXIV, 25. 26.27. Da Petrus und Paulus unvertverffliche Zeugen deſ⸗ ſen abgegeben/ daß alles/ was mit Chriſto vorgegangen/ geſchehen ſene nach der Schrifft/ und zu Erfuͤllung der Schrifft. Act. D 2. cap. XIII, 29. 1. Cor. XV. Auch alles/ was die Opffer und Fuͤrbilder haben vorbeditten/ was den Alt⸗Vaͤttern iſt verheiſſen worden/ und ſie ſo ſehnlich verlangt haben; vvie ſolches gar leicht aus dem Zeugnuß Moſis/ der Pſalmen und Propheten/ nach allen Umſtaͤnden kveitlaͤuffig koͤnnte dargethan werden. Dann des HErin Raht iſt wunderbarlich/ aber Er fuͤhrets heruich hinaus. Wir/ wvir ſind die jenige/ welche viel beſchlieſſen/ und nichts daraus wird: Welche ein gutes Werck kaum anſangen/ und wanns angefangen iſt/ kaum zum Mittel fuͤhren/ und wenns zum Mittel gefuhret iſt/ es nicht vollenden. Allein Chriſtus iſt das Aund O/ wie der Vatter durch Ihn das Werck der Erſchoͤpffung vollendet hat/ Gen. II, 12. alſo in Chriſto das Werck der Erloͤſung/ 2. Cor. V. vvel⸗ ches Zeugnuß genug iſt/ daß Er der einige wahre Meſſias und Heyland der Welt ſeye/ der auch das Werck der Wiederbringung inallen faͤhigen Seelen werde vollenden. Chriſtus begreiffet aber in dem einigen Wort/ ſeiner Sprach/ noch ein mehrers/ nemlich das Werck ſelber/ worvon die Schrifft zuvor gezeuget/ 1. Petr. I, 10. 1I. Dabß nemüch auch vollbracht ſeyen die verdienſſliche Stuͤcke ſeines Mittler⸗ B 2 Amts/ —y Nn———————— ãããããããããõ/q łM M—e:W —--:—QOQ,O—ññn——— —æ 8 Chriſtliche Amts/ und das hohe vollguͤltige Erloͤſungs⸗Werck fuͤr uns/ daß nemlich der Goͤttlichen Gerechtigkeit ein vollkommenes Genuͤgen geſchehen durch ſeinen wuͤrcken⸗ den und leidenden Gehorſam/ 1. Petr. I. 18. ſeqq. Das Geſetz vollkommlich erfuͤllet/ Gal. IV, 4. Rom. III, 8. Joh. I, 3. Eſ. LIII, 4. 5. 1. Pet. II, 24. 2. Cor. V, 2. Alle Suͤn⸗ den und der Suͤnden⸗Straffen abgetragen und gebuͤſſet/ Ioh. 29. EfLIII, 4. 5. 1. Pet. II, 24. 2. Cor. V, 21. Damit GOtt voͤllig ausgeſoͤhnet/ Col.I, 20. 1. Joh. II, 2. 2. Cor. II, 18. 19. dem Satan ſein Reich zerſtoͤrt/ 1. JIoh. III 8. Hebr. II. Gen. III. Eine ewwige Erloͤſung erſunden/ Hebr. IX, 12. das Heyl erworben/ die Suͤnde verſie⸗ gelt/ die Handſchrifft getilget/ die Miſſethat verſoͤhnet/ und die Gerechtigkeit wiederge⸗ dracht worden/ da Er bereits ſchon am Creutz als Koͤnig erklaͤret worden/ Dan. IX, 24. und als der rechte Hohe⸗Prieſter mit einem einigen Opffer in Ewigkeit vollendet die geheiliget werden/ cap. X, 14. darum da Er iſt vollendet/ iſt Er worden allen/ die Ihm gehorſam ſind/ eine Urſach zur elwigen Seeligkeit. cap. V, 9. Dadas eine zeu⸗ get von der GOttheit und Krafft Chriſti/ das andere von der Vollguͤltigkeit feines Verdienſtes. Von welchen vollendenden und vollkommenmachenden Opffern das Wort im Text hergenommen iſt! Dorſchei Theo. Zachar. p. 213. Dann/ damit ihm und ſeinem Tod/ wie Damaſcenus ſagt/ dem Anſehen nach die gantze Welt haͤtte ein End nehmen und zu Truͤmmern gehen ſollen/ iſt ihre Verſoͤhnung vollbracht worden. Diß iſt die voͤllige Quittantz fuͤr alle Schuld und Straffe. Nachdeme nun der Sohn GOt⸗ tes ſein Leben vollendet hat/ was iſt fuͤr ein Ding/ welches nicht vollendet wird? Die Hoͤlle nimmt ab am Tod/ die Welt an der Sund/ die Heydenſchafft an der Abgoͤtterey/ das Geſetz an Gebraͤuchen/ die Schrifft an Figuren/ die Augen der Suͤnder an Thraͤ⸗ nen/ das Hertz an Farcht und Seuffzen/ das Gericht an Straffen. O unausſprechli⸗ ches Vollbringen!— Uber dieſes alles aber war auch vollbracht/ der Lauff ſeines Lebens und Wandels im Fleiſch/ das volle Maaß ſeiner unzehlbaren Leiden/ Rom. IX. Act. XIII, 29. da er nemlich nach dem Termin ſeiner tieffeſten Erniedrigung den erſten Grad ſeiner Erhoͤhung erreichte/ Luc. XXIV, 26. Phil. II. wie nicht weniger war alſo auch der Lauff zum Vatter vollbracht. Joh. XVI, 10. XVI, 28. Die Creutz und Blut⸗ Tauffe/ daraufer ſich ſo geaͤngſtet/ geſchehen/ Luc. XII, 5o. Matt. XX, 22. Und noch das wenigſte darvon ruckſtaͤndig/ welches/ weil er verſichert war/ daß es bald und inn⸗ ſtehend geſchehen werde/ ihm eben ſo viel war/ als wenn es bereits ſchon geſchehen waͤre. Wie er zuvor ſchon/ ehe einmal die letzte und wichtigſte Stuͤcke ſeines Leidens ange⸗ tretten waren/ von ſich ſagte: Was von mir geſchrieben iſt/ das hat ein Ende. Luc. XXII, 37. Gleichwie nunſolches zu verſtehen von einem Stuͤck des Leident/ nem⸗ lich die Rechnung unter die Ubelthaͤter/ alſo dieſe Worte von allem/ was in dem Leben vor ſeinem Tod hat geſchehen ſollen. Sonderlich da Ers in den letzten Zuͤgen redete/ da das Blut in den Adernvoͤllig vertropffet/ das Lebens⸗Fuͤncklein ſaſt gar verloſchen/ alle Kraͤfften verzehret/ die Augen gebrochen waren. Darmit ſind alle Leiden Chriſti ſo voͤllig geendet/ in ſeinem Tod/ daß in ſeiner Begraͤbnuß und Hoͤllenfahrt keine fernere Leiden zu fingiren ſind; Dannenhero Er nun nicht mehr leiden kan/ ohne Zuneigungs⸗ Weiß in ſeinen Gliedern/ Act. IX. oder Auslegungs⸗ und Verſchuldigungs⸗Weiß von den Gottloſen/ tvelche Chriſtum wider ſich ſelbſt ereutzigen/ deſſen Blut mit Fuͤſſen tret⸗ ten/ ſich verſchulden an dem Leib und Blut des HErin/ Hebr. VI 6. X, 29. 1. Cor. XI, 27. Darum Paulus mercktwuͤrdig ſchreibet: Wir wiſſen/ daß Chriſtus von den Todten aufertwecket/ hinfort nicht ſtirbet/ der Tod wird hinſort nicht uͤber Ihn herꝛ⸗ ſchen. Dann daß Er geſtorben iſt/ das iſt Er der Suͤnden geſtorbenzu einem mal Rc. Rom. VI, 9. 10. Hebr. IX, 21.: ——— Leich⸗Predigt. 9 Daher ſinget Chriſtus ein Sieges⸗Lied/ wie Moſes uͤber die Niederlag Pharao und ſeines Heers; wie man in den Hürten der Gerechten ſinget von dem Sieg: Erſchienen iſt der heralich Tag ꝛc. Laſſet uns den HErm preiſſen ꝛc. Wie Sumſon triumphirend ausrieff: Da ligen ſie bey Hauffen jud. XV, 16. Tod/ wo iſt Stachel/ Hoͤlle wo iſt dein Sieg/ I. Cor. XV. Es ſind Gluͤckwuͤnſchungs⸗und Danck⸗Wort/ da Chriſtus dem gan⸗ hen Menſchlichen Geſchlecht/ und ſonderlich ſeinem Volck gratuliret/ daß ſie eines andern Erloͤſers erwarten doͤrfften/ Match. XI. Nichts ſelber mehr buͤſ⸗ ſen/ oder ſelbſt eigene Guugthuung leiſten/ 1. Tim. II, 5. 6. noch an volliger Gnade und Heyl zweiffeln dorfften; Weil ihre Feinde bezwungen/ GOtt ver⸗ ſohnet/ das Heyl wiederbracht/ eine ſo theure Erloſung erfunden/ und der Wunſch aller Glaubigen erfuͤllet worden/ Pl. XlV, 126. Luc. II. Nun ſolle man ſich freuen/ wie man ſich freuet zur Zeit der Erndte/ und wann man Beuthe austhellet; da ſolle es heiſſen: Nun iſt das Reich/ und die Macht/ und die Krafft unſers HOttes und ſeines Chriſtus worden. Es iſt vollbracht/ willig/ maͤchtig/ wunderlich/ doch gluͤcklich/ voͤllig/ auf ewig. MNun freue dich liebe Chriſten Gemein/ und laßt uns froͤlich ſpringen/ daß wir getroſt und all in ein/ mit Luſt und Liebe ſingen. Was GOtt an uns ge⸗ wendet hat/ und ſeine ſuſſe Wunderthat/ gar theuer hat Ers erworben. Hoͤlle! ſchweig/ dann deine Glut iſt nun voͤllig ausgeloͤſchet/ IEſus iſt es/ deſſen Blut mich gantz rein von Suͤnden waſchet/ und mich frey vom Feuer ſpricht/ meinen IEſum laß ich nicht. Moſes donnert mir nicht mehr/ fur mich iſts Geſetz erfuͤllt/ JEſus/ GOtt des Vatters Ehr/ hat den groſſen Zoru geſtillt/ und das Werck mit Blut ge⸗ ſchlicht/ meinen IEſum laß ich nicht. Kommt ihr Teuffel/ ſprecht mir Hohn/ fragt/ ob ich ſey GOttes Erbe? Freylich IEſus GOttes Sohn/ bleibt mein Erbtheil/ wann ich ſterbe/ trotz/ der mir diß Gut abſpricht/ meinen JEſum laß ich nicht. Tod! dein Stachel iſt entzwey/ Chriſtus iſt zum Gifft dir worden/ von dir bin ich ewig frey/ weil du mich nicht kanſt ermorden/ trotz/ daß inich dein Sta⸗ chel ſticht/ meinen IEſum laß ich nicht. Darum/ O HErꝛ JEſu/ wann wir uns ſelbſt dir gantz zu eigen ergeben/ ſo ware es doch gering/ gegen ſo groſſe Wohlthat. Tob. XII, 2.. Ja esziſt auch ein Hohn⸗und Trotz⸗Wort gegen ſeine Feinde; der Tempel iſt zubrochen/ und wieder gebauet; hingegen iſt des Starcken gewap⸗ neten Pallaſt/ Reich und Werck zerſtort. Die Pforten der Hollen ſind uͤber⸗ waͤltiget/ der Himmel aber wieder aufgeſchloſſen; der alten Schlaugen iſt der Kopff zutretten/ und Csriſtus das Haupt der Gemeinde worden. Die Miſſe⸗ that iſt etilget/ und die Gerechtigkeit erworben und offenbahrt/ die fuͤr SOtt gilt: Der Tod iſt verſchlungen in den Sieg/ und das Leben und ein unver⸗ gaͤngliches Weſen aus Liecht gebracht worden durchs Evangelium. Dem Satan und ſeinen Werckzeugen aber/ welche das Erloͤſungs⸗Werck hähhen hindern wollen/ iſt es nicht gelungen; ſie haben mich nicht in einem Stuͤck hindern koͤnnen; ſondern wider ihr Wiſſen und Willen das heilſame Werck be⸗ fordern muͤſſen; Sie gedachten es uͤbel zu machen/ GOtt aber gedachte es gut zu machen/ zu erhalten viel Volcks Gen. L, 20. Des HErꝛ Fuͤrnehmen ſolte durch meine Hand fuͤr ſich gehen. Eſa. LIII, 10. hingegen ſolte es meinen Fein⸗ den an mir fehlen/ wie Juda/ alſo den Juden/ Joh. XIV, 30. Welche durch meinen Tod das Volck vom Verderben wolten erhalten/ Ioh. XI, So. Damit aber uber ſich und ihre Kinder das Blut des Gerechten brachten. Inzwiſchen vergebhlich * Hgt die Kirch keinen Theil/ ſintemah der Sohn in demſe ſelbe Urlaub nimmt von der Welt. Alſo/ daß wir an ke „Theil haben/ als eben an dem: Es iſt vollbracht. »* GOttes uns ſelbſt dardurch anzeigt/ de vollendet ſeye unſere Erloſung ꝛc. Da doch ein jedes Wort uns eine 10 Chriſtliche vergeblich frohlockten Pſ. XL.I. Wann Er darnieder ligt/ wird Er nicht wieder aufſtehen. Er ſteige vom Creutz/ Er helffe Ihm ſelber. Heah/ ſo recht/ wie habens verlangt/ wir habens erlebt! Da/ da/ das ſehen wir gerne. Thren. II. Ezech. XXV, 3. 6. Denen/ Chriſtus haͤtte konnen antworten: Freue dich uicht meine Feindin/ daß ich darnieder liege/ ich werde wieder auftommen. Uno ſo ich im Finſtern ſitze/ ſo iſt doch der HErꝛ mein Liecht. Mich. VII, 8. Und ſo iſt auch das Maaß der Boßheit ſeiner Feinden erfuͤllet und alles vollbracht worden/ ſo viel uͤber Ihn verhaͤnget war; da ſie Ihn weder eher greiffen/ noch laͤnger quaͤlen kunnten/ als die Stunde und Macht der Fuͤnſternuß verhanget war: Joh. VIII, 20. DSehet ſo viel Wichtigkeit hat Chriſtus mit einem einigen Wort ausdrucken wollen. O ein heilſames/ Troſt⸗und Hoffnung volles Vollbringen! da wir ſehen/ daß wir nichts daͤrffen erſt verdienen/ ſondern die vollige Erld⸗ ſung im wahren Glauben ergreiffen/ und recht gebrauchen/ in der Verſicherung es werde auch alles in und an uns vollbracht werden. Und ob wir gleich dem gelehrten Spanier Anton de Guevurra in dieſem Stuck nicht beypflichten/ da Er in ſeinem verteutſchten Monte Cuvariæ P. 2. p. 442. ſchreibet: Ain er⸗ ſten Wort/ nemlich/ Vatter vergieb ihnen ꝛc. hat die Kirche keinen Theil *ſintemahl Chriſtus nur fur die Synagog hat um Verzeihung gebetten. Am „audern Wort: Heute ſolſt du mit mir im Paradieß ſeyn. Hat die *Kirch keinen Theil/ ſintemahl Ers geredet hat zum Schaͤcher/ welcher an ſei⸗ * ner Seiten hieng. Am dritten Wort: Siehe/ das iſt deine Mutter/ das iſt dein Sohn! hat die Kirch keinen Theil/ ſintemahl Ers geredethat zum Juüͤnger/ welcher beym Creutz ſtund/ und zu der Mutter/ welche weinete. » Am vierdten Wort: Mein GOtt/ mein GOtt/ warum haſt du mich verlaſſen? hat die Kirch keinen Theil/ ſintemahl Er nur mit ſeinem Vatter redet/ und ſich uͤber denſelben beklaget. Am fuͤnfften Wort: Mich — duͤrſtet. Hat die Kirch keinen Theil/ ſintemahl Er dardurch „ gibt den groſſen Durſt welchen Er litte von wegen der Marter. Am ſieben⸗ zu verſtehen „den Wort: Vatter/ in deine Hände befehl ich meinen Geiſt. lben und durch daß inem andern Wort Sintemahl der Sohn ß das alte Geſetz ſeye nunmehr kom⸗ und daß nunmehr vollbracht und Tugend Chriſti/ ein Muſter uͤnd Exe mpel der Nachfolge/ Vorbitt 1 Bor⸗ ſorg fuͤr die Seinen/ ja ein ſchone Form der Todtes⸗Bereitung vorſtellet; So iſt doch dieſes richtig/ welches gedachter Autor hinzu ſetzet: Unter allen ſie⸗ 4 4 *men zum Ende ſeiner Vollkommenheit ben Worten/ die unſer Erloͤſer geredet hat am Creutz/ iſt kei der Kirchen ſo anmuthig und tauglich/ als das 5/ iſt keines Mummatum eſt. O welch ein hohes und tieffes Geheimnuß begreifft es! dann wie ergangen/ ſo ſolle es in ſeiner Maaß/ bey allen wahren Cheiſennt Aüruſb Es iſt vollbracht. Ob ſchon nicht auf eine verdienſtliche/ ſo gaͤntzlich voll⸗ kommene/ doch vicariſche und Nach olgungs Weiß. Da einem jeden ſeine Ord⸗ nung und Geſchaͤffte beſtimmet/ gewiſſes Maaß der Gaben und Leiden zuge⸗ dacht/ beſonders Ziel und Grad des Lauffs/ Kampffs und Lebens geſetzet iſt; welchecs —— Leich⸗Predigt n welches alles muß vollbracht werden. Wie Chriſtus im Kirchen⸗Geſang an⸗ tedend eingeführt wird: Was ich gethan und gelitten hie in meinem Leben ſpat und fruͤh/ das ſolt ihr auch erfuͤllen ꝛc.— Daher muß Chriſti Erloͤſungs⸗Werck/ wie vollkomen fuͤr uns/ alſo auch in und an uns erfullet werden/ durch den/ der das gute Werck anfangt und vollfuͤhrt/ Phil. I, 6. wie Paulus 2. Cor. V, 19. 20. eines zum andern erfordert und aus dem andern gar nachdencklich herfuͤhret; wie nemlich Chri⸗ nus nut dem Vatter uns vollkommen verſohnet/ und ſolches im Evangelio ver⸗ kundigen und anbieten laͤſſet/ daß man auch wuͤrcklich die Verſohnung anneh⸗ me; und alſo Chriſtus den Zweck ſeiner Erloſung fuͤr uns/ auch an den Men⸗ ſehen wuͤrcklich erreiche; ohne welche jene vergeblich bleibet. Solches geſchicht aber im wahren Glauben/ wenn die ihre Suͤnden und den Zorn fuͤhlende nach der Gnade begierige Seele/ das in Chriſto erkannte Heyl ergreiffet/ und in ih⸗ rer Unwuͤrdigkeit nichts als Verſchonung um Chriſti willen flehendlich ſuchet/ ſo wird ihr die Schuld vergeben/ Chriſti Gerechtigkeit zugerechuet/ und ſelbe in Chruſto angeſehen/ als wenn ſie niemahls geſund:get/ oder die vorige Schuld ſeibſten gebüͤſſet/ alle Gehotte erfuͤltet/ oder der Gerechtigkeit voͤlliges Genuͤgen gethan haͤtte; alſo iſt und bleibt die Erloͤſung Chriſti in und an dem Menſchen erfuͤllet in der Rechtfertigung. Rom. V, 8.9. Es wird aber der Rath und Wille GOttes auch vollbracht aus und durch den Glauben inder Erneuerung und Heiligungz nicht als ob man aus eigenen Kraifften/ oder durch Geſetzes Werck die Gebotte GOttes vollkommen erfullen konnte; oder als ob bey den Wiedergebohrnen auch die Wurtzel der Sunoe bereits ausgerottet waͤre; keines wegs. Dann ſo wir ſagen wir haben keine Suͤnde(nicht geſundtget/ und ſeyen nimmer ſündlich) ſo betrugen wir uns kelbſt/ und die Warheit iſt nicht in uns. Sondern wie Johannes lehret 1I. Ep. 1. 9. 7. neben und nach der Vergebung der Suͤnden/ remiget SOtt und das Blut Chriſi von aller Sunde. Weilen G0TS keine verfohnt haben will/ welche die Sunde noch lieben/ wuͤrcklich thun oder herꝛſchen laſſen/ ob ſelbe ſchon noch in ihnen wohnet und Ihnen anklebet/ Hebr. XII. dargegen das ſiebende Capi⸗ tel an die Roͤmer nicht muß mißbraucht werden; als darinnen Paulus nicht von muthwilligen/ beharꝛlichen Sunden der Wiedergebohrnen/ ſondern von Rei⸗ bungen/ Beſtrickungen/ Macht der Suͤnden und Schwachheit Suͤnden han⸗ delt/ welche der Menſch wider Willen fuͤhlet/ ſelbe nicht ſelber thut/ ſondern die Suͤnde die in Ihm iſt/ und zwar ſolches in den erſten Stuffen ſeiner Bekeh⸗ rung in einen noch zimlich geſthüch und Knechtiſchen Zuſtand/ biß man/ nach dem c. 8. durch das Geſetz des Geiſtes frey wird von dem gefangennehmenden Geſitz der Sunden. Und alſo nicht nur die Schuld/ ſondern das ÜUbel ſelbſt der Suͤnden nach und nach weggenommen/ und der Leib der Sunden nicht nur entkräfftet/ ſondern durch die Krafft des Todtes Chriſti gar getoͤdtet wird. Daß man ninnner ſundiget/ und ſo lang man in ſolchem Stand verharret/ inzwiſchen immer mehr und mehr gereiniget wird. Joh. XV. Act. XV. nicht ſündigen kan. Rom. VI, 14. Gal. II, 17. 1. Jch. III, 8. 9. 10. So werd der alte Menſch nach und nach ausgezogen/ abgeleget/ gecreutziget/ getoͤdtet/ verweſet. 2. Cor. IV. DOa mag es wohl heiſſen: Pulchrum eſt vitam comummare ante mortem. Und ob es ſchon am meiſten an dem Menſchen ſelbſt ſehlet/ welche die Gnade vergeblich empfangen und die Reinigung ihrer Sunden vergeſſen/ und nur die halbe Erloͤſung Chriſti ergreiffen/ und ſich de⸗ ren getroſten/ damnn die vielgeliebte Sunde moͤge geheget werden; ſo hat doch die Reinigung von Suͤnden ſolche hohe Gradus, daß die wenigſte die mittlere/ geſchweige 12 Chriſtliche geſchweige die hoͤhere vor dem Tod erreichen/ und alſo im voͤlligen Tod erſt der Leib der Sunden aufhoͤret; dennoch/ vorhero/ wenn ſorgfaͤltige Seeien ſich um Gewiſſen vor GOttes Gericht ſtellen/ und noch ſo viel defecte, Unreinig⸗ keit/ Befteckungen(zu deren voͤlligen Reinigung ſie doch ſo ernſtlich angetrie⸗ ben werden 2. Cor. VII, 1. 1. Joh. III, 3. weil nichts unreines in das Himm⸗ liſche Jeruſalem wird eingehen/ Apoc. XXI, 22. und ohne Vollendung der Hei⸗ ligung niemand wird den HeErꝛn ſehen/ Hebr. XII. 14.) in ſich erblicken/ ſo bitten ſie ſolche Fehler.und Maͤngel in taͤglicher Buße ab; HErꝛ gehe nicht ins Gericht! erſetzen ihren Mangel von der Fuͤlle Chriſti und ſeinem Gehorſam/ und werden alſoin Chriſto vollkommen heilig GOtt dargeſtellet/ daß Er weder Flecken noch Runhel an ihnen findet/ Eph. V. Pf. XLV. Indeme das/ was ſie nicht ge⸗ than und erfuͤllet haben/ ihnen vergeben/ zugedeckt und uͤberſehen wird. In⸗ zwiſchen/ und da ſie ſich nicht duncken laſſen/ daß ſie es bereits ergriffen haben/ jagen ſie dem Ziel/ welches vorbehaͤlt die Goͤttliche Beruffung/ ernſtlich nach/ daß ſie es ergreiffen/ Phil. III. verſparen nicht den groſſen Reſt der Suͤnden aufs Todbett/ oder unterlaſſen den Fleiß guter Wercke/ biß aufs Ende/ damit SOtt vielhabe zu vergeben/ und Chriſtus viel zu erſetzen. Weilen die Ehre der Er⸗ loſung Chriſti ſelbe vielmehr ſuchen im Wachsthum des Guten aus immer voͤl⸗ ugerm Glauben und einfaͤltiger Liebe/ Eph. IV, 13. feqq. 1. Theſſ. III, 12. c. IV;. 1. 2. Ep. I, 3. daß es unmer heiſſe: Dieſes Werck in der Liebe iſt vollbracht; in dieſem und jenem/ iſt der Wille GOttes vollbracht/ nach dem Vermoͤgen und Maaß der Gaben das G0TT dargereichet hat; da einer das Maaß und Ziel eines Kindes/ der andere eines Junglings/ der dritte eines Mannes errer⸗ chet/ nachdeme GOtt ausgetheilet hat das Maaß des Glaubens; Welcher bey vielen/ wiewol meiſtens aus eigener Schuld/ ſchwach/ bey andern ſtaͤrcker iſt/ Rom. XIV. Wer aber trachtet nach den beſten Gaben/ und beharret biß ans Ende/ der wird ſeelig// Matth. X, 24. Phil. II, 8. Sintemahl die Buß ihre ge⸗ wiſſe Art/ der Glaube ſeine beſondere Natur/ die Tugenden ihre ſonderbahre Beſchaffenheit/ die Baben ihr beſonderes Maaß/ ein jedes Werck ſeine Regel Schrancken und Ziel/ und das gantze Chriſtenthum ſeine weſentliche Stuͤcke hat/ welches alles bey einem jeden ſich muß finden/ wann Er will ſeelig wer⸗ den; daß Er/ in ſeiner Art und Maaß ſeye vollkommen und gantz in Chriſto. Col. I, 28. Jac. I, 14. da GOtt von ſeinen Ordnungen und Bedinqumgen nicht das geringſte vergibt; ohne Buß und Glauben will und kan Er keine Suͤnde vergeben/ Luc. XXIV, 47. ohne Wiedergeburt und Veraͤnderung keinen in ſein Reich aufnehmen/ Joh. III, 3. Matth. XVIII, 3. ohne Beſchwehrung und Be⸗ wehrung folgt keine Verehrung. Act. XIV. Rom. VIII. Luc. XXIV. Hebr. XII. So folget dann endlich auch die Vollbringung des Leidens/ welches ein ſtarcker Grund iſt des Troſtes und der Gedult) und zwar deß Leidens/ ſo wohl für andere/ Col. 1I, 24. welche Stelle ſehr werckwuͤrdig iſt. 2. Cor. XII, 15. 2. Tim. II, 10. I. Joh. III, 16. als welches der hoͤchſte Grad der Liebe iſt/ und mehr als die Liebe ſeiner ſelbſt zu ſeyn ſcheinet; als fuͤr ſich ſelbſten/ wenn durch langwuͤrriges Leiden das Maaß immer abnunmt/ man immer mehr und mehr/ 2. Cor. I, 10. und endlich gar erloͤſet wird von allem Ubel/ von allem Natur⸗Suͤnden⸗und Straff⸗Ubel/ 2. Tim. IV; 18. wenn es wider den Sturm der Feinde und alles Ungluͤcks wird heiſſen: Biß hieher ſolt du kommen/ hier ſollen ſich legen deine ſtoltze Wellen. Job. XXXVIII, I1. Wenn der Gerechten Fuß wird ſo hoch geſetzet ſeyn/ daß kein Feind dahin reichen/ kein Ungluͤck zur Huͤtte des Friedens nahen kan; wo kein Leid/ kein Geſchrey mehr ſeyn wird/ Apoc. XXI, 4. Eſ. LXV, 16. Ef. XXXV, 16. Sap. III. Wenn hingegen der Gott⸗ loſen Leich⸗Predigt. 13 oſen Kummer/ Plage und Klage erſt recht wird angehen ohne Ende/ ſo wirdes heiſſen bey den wohl geuͤbten und biß ans End verharrenden: Unſer Jammer Truͤbſaal und Elend iſt kommen zu einem ſeeligen End ꝛc. da es jetzt bey einzelen/ wie einmahl wenn Chriſti Erlofung an allen wird vollbracht ſeyn/ heiſſet; Tod/ wo iſt dein Stachel/ 1. Cor. XV, 25. 26. 5§. Was konnte wohl mehr den Tod verſuſſen/ als ſolche Verſicherung der voͤlligen Vollbringung aller Arbeit und Leiden/ und daß nach dem Tod der im HERRN Verſtorbenen kein weiteres Weh/ ſondern ewiges Wohl Ruhe und vollkomimnene Seeligkeit erfolgen ſolle? In welcher Abſicht und Hoffnung der Befeſtigung und Verwahrung, aus SoOtres Macht durch den Glauben/ biß zu einen ſeeligen End/ Paulus ſein Sieg⸗ und Triumph⸗ Lied anſtimmet: Ich habe einen guten Kampff ge⸗ kaͤmpffet ꝛc. O wte ſeelig der alle Stuͤcke vollbracht/ O wie ſeelig der allem Ungemach entgangen iſt! Darum ſeuffzet eine der Vollendung nachjagende Seele: Hilff daß ich ja nicht wancke von dir HErꝛ JEſu Chriſt/ den ſchwachen Glauben ſtaͤrcke/ allhier zu dieſer Friſt/ huff ritterlich mir ringen/ dein Hand mich halte feſi/ biß daß ich froͤlich ſinge/ das conſummatum eſt. „Ddiieſes bezeuget/ zum Ruhm der Gnade Gottes/ von ſich unſer ſeelige Herꝛ Palm/ daß Ihme durch vtel Kampff/ Streit/ Muͤhe/ Arbeit und Fleiß der wahren Gottſeeligkeit ſeye dargereichet worden der herꝛliche Eingang in das Reich IEſu Chriſti; da Er theilhafftig worden deſſen Herꝛlichkeit. Und daß Er/ in ſeiner Maaß/ auch Paulo nachſagen koͤnne: Ich habe einen guten Kampff gekaͤmpffet ꝛc. Welche Pauliniſche Worte der Seelige zu ſeinem Leichen⸗Tert erwaͤhlet hat; nicht/ wie meiſtens geſchicht/ aus Unbedachtſamkeit/ von denen/ wel⸗ che noch wenig von den geiſtlichen Feinden/ oder dein rechten Chriſten Kampff wiſſen/ ja den Feinden mit Willen unterworffen ſeyn/ und wider&OTT/ ſein Wort/ Geiſt und Gewiſſen ſtreiten; ſo gar den Lauff nicht begehren zu vollen⸗ den/ daß ſie nicht einmahl Fuſſe haben zu gehen/ ſondern zuruck/ in der Irꝛ/ ih⸗ ren eigenen Gedancken nach auf ſunduchen Wegen/ ja gar verlohren gehen; Weder Glauben noch g ut Gewiſſen bewahren/ und alſo falſchlich ſich des ewigen 14 getroſten; die Beuthohne Streit/ das Ziel ohne Müͤhe/ dengweck ohne Be⸗ rrung zu erreichen vergeblich hoffen. Viel weniger geſchahe ſolches von Ihm aus Hoffart und Vermeſſenheit/ als ob Er ſich haͤtte über das Ziel ruͤhmen wol⸗ len/ oder mehr duncken laſſen als Er in der That geweſen/ und den hoͤchſten Grad der vollkommenſten Heiligung erreichet zu haben/ ruhmredig vorgeben wollen; wohl wiſſend/ wann Er auch gethan haͤtte/ was Er zu thun ſchuldig geweſen/ daß Er dennoch ein unnutzer Knecht. Luc. XVII. Indeine ſeine Selbſt⸗ erkanntnuß/ Demuth und Beſcheidenheit nicht zugelaſſen/ ſich etwas zu ruͤh⸗ men als der Krafft GOttes in ſeiner Schwachheit: Wie ſeine ſchrifftliche An⸗ merckung in ſeinem Hand⸗Buch bey Aufzeichnung dieſes Texts zu erkennen gibt: Es iſt nit/ dann ich habe noch lang nicht aufs Blut gekaͤmpffet/ dahero ich keiner Crone wuͤrdig/ aber der Gnade um Chriſtus willen hoͤchſt beduͤrfftig bin. Deoch geſchahe es in der Gewißheit/ daß Er nach dieſem Leben nichts weiters zu kaͤmpffen/ zu leiden/ zu vollenden/ ſon⸗ dern gleich ewige Ruhe/ und Friede haben wuͤrde/ Apoc. XIV. da es heiſſen wer⸗ de; Es iſt vollbracht/ der HErꝛ hat mir ausgeholffen zu ſeinen ewigen Reiche/ GOit ſeye Danck/ der mir den Sieg gegeben hat durch unſern HErꝛn JEſum Chriſtum. Es geſchahe am wenigſten aus fleiſchlichen Abſichten des D zanck⸗ 14 Chriſtliche ſichtigen kaͤmpffens/ wucherlichen oder eigenen Lauffens und Rennens oder falſchen eitelen Vertrauens; ſondern ſeine exemplariſche Ubung und Beſtrebung/ ſorgfaͤltige Wiederſtrebung dem Boͤſen/ eiferige Nachjagung und Wachsthum im Guten/ und ſeeligſte Vollendung durch Chriſtum zu hezen⸗ gen/ zur Aufmunterung aller Mit⸗Chriſten. Worzu Ihme weder Gnade noch Muth/ noch endlich würckliche Erreichung fehlete. Uim deßwillen wir Ihme mehr zu graruliren/ als Ihne zu beweinen Urſach haben. Weil Er bereits vom Kampff zum Sieg und ewigen Frieden/ vom muͤhſamen Lauff zur ſtoltzen Ru⸗ he/ vom Glauben zum Schauen kommen/ und nun ein gekroͤnter Streiter JE⸗ ſu Chriſti iſt/ der vor ſeinem Thron im Koͤniglichen Schmuck eehet Ihme dienet Tag und Nacht/ und uns zuruffet: Nun ich habe ſchon erblieket alle ſolche Herzlichkeit/ und mein Geiſt iſt ſchoͤn geſchmuͤcket mit dem guͤldnen Eh⸗ ren⸗Klaid/ mit der guͤldnen Ehren⸗Crone/ ſtehe da fuͤr GOttes Throne/ ſchaue ſolche Freude an/ die kein Ende nehmen kan.. Daher wir aus Veranlaſſung dieſer Worten unſerer. Andacht zu betrach⸗ ten vorſtellen. Gines rechtſchaffenen Whriſten wohl vollbrachte Mitterſchafft/ darauf Er des ewigen Gebens wird theilhafft. Da wir werden zu bemercken haben e 4 J. Die nachdenckliche Beſchreibung der wohl wvollbrachten MRitterſchaffſfſft. II. Die gnugſame Herſicherung/ daß man des Wleinods ſoll werden theilhaft. Duaber/ HErꝛ FEſu/ hilff kaͤmpffen/ Ritterlich daͤmpffen Das Fleiſch und die Welt; Daß uns die Crone Verde zu Lohne/ Ddie nimmer zerfaͤllt! Amen. bhand Leich⸗Predigt. u Abhandlung. —Ntrer ſo vielen nachdencklichen Gletchnuſſen Chriſti von ſeiner Kir⸗ cbe/ dem Reich der Gnaden und Oeconomie GOttes/ oder klug⸗ Nllichen Verhaltung der Menſchen in demſelben/ iſt ſehr lieblich die Bergleichung unt einer Kauff⸗ und Handelſchafft eines Jubiliers Matth. XIII, 45. 46. Abermahl iſt gleich das Himmelreich einem Kauffmann/ der gute Perlen ſuch⸗ te. Und da Er eine koͤſtliche Perle fand/ gieng Er hin und ver⸗ kauffte alles was Er hatte/ und kauffte dieſeldige. Darzu und damit nicht eine uneiſtliche Kraͤmerey und Simonie daraus werde/ Matth. II, 12. ACt. VIII, 18. 19. 20. Apoc. XVIII, 1 J. ſeqꝗ. gehoͤrt ſo wohl eine ſorgfaͤltige und kluge Aufſuchung/ und des beſten Pruͤfſung/ als auch des gefundenen Kleinods Erwaͤhlung/ ſo dann deſſen Erkauffung und eigenthumliche Zueignung mit Daranſetzung und Verlaͤugnung alles andern. Wie der H. Apoſtel Paulus/ in der Abſicht auf ſolches Gleich⸗ nuß/ ſeine Praxin zum Exempel und Fuͤrbild der Nachfolge beſchreibet in ſeinem Brieff an die Phllipper c. 3, 7. ſeqq. Was mir Gewinn war/ das habe ich um Chriſti willen für Schaden geachtet. Denn ich achte alles fuͤr Schaden gegen der uͤberſchwenglichen Erkanntniß Chriſti JE⸗ ſu meines HErꝛn/ um welches willen ich alles habe fuͤr Schaden gerechnet/ und achte es fuͤr Dreck/ auf daß ich Chriſtum gewinne und in Ihm erfunden werde. Nicht daß ichs ſchon ergriffen habe/ oder ſchon vollkommen ſey: Ich jage Ihm aber nach/ ob ichs auch ergreiffen mochte/ nachdem ich von Chriſto JESlul ergriffen bin. Meine Bruder/ ich ſchaͤtze mich ſelbſt noch nicht/ daß ichs ergrif⸗ fen habe. Eines aber ſage ich/ ich vergeſſe was dahinden iſt/ und ſtrecke mich zu dem/ das da fornen iſt/ und jage nach dem fuͤrge⸗ ſteckten Ziel/ nach dem Kleinod/ welches furhaͤlt die Himmliſche Beruffung GOttes in Chriſto JEſu. Wie aber eine Perlen ein ſchoͤnes/ remes/ auserleſenes/ koͤſtliches Kleinod iſt; alſo iſt nichts ungereimtes/ daß man/ wegen ſeiner ſingulari raͤt und Vor⸗ zug vor allen andern Koſtbarkeiten/ dardurch verſtehe das hoͤchſte Gut/ GOtt ſelbſten/ nach Matth. XIX, 17. Pf LXXIII, 25½. die edelſte Gabe/ Chriſtum und das H yl in Ihme. Rom. VIII, 32. At. IV, 4. Phil. III, 7. 1. Pet. I, 18. Das alles Gold/ Silber und Jubelen uͤbertreff nde Wort GOttes/ Luc X, 42. Pſ. CXIX, 127. Pſ. XIX, II. ja das ewige Lehen/ wegen ſeiner Koſtbarkeit/ Reinig⸗ keit/ Narheit/ und runden Ewigkeit/ Matth. XVI, 26. 1. Tim. VI, 12. Apoc. XXI, 10. ſeqq. welches alles zuſammen gefaſſet/ die eintzige koͤſtliche Perle aus⸗ machet/ welche man um nichts/ weilen alles Eigene und Irꝛdiſche dargegen ein Schatten/ Koth/ nichts iſt/ einhandlen/ eintauſchen kan. Eſa LV, 12. Eph. V, 16. Apoc. III, 18. Daraus klar genug erhellet/ daß aus der Gottſeeligkeit kein Gewerb zu machen/ 1. Tim. VI, 5. daß die Gnade und Gabe nicht werde durchs eid ‿ s— Srrimche t/ Adt. VIII, 20. ſo lige es auch an niemands Lauffen oder Wollen/ dele an tes Eebe 1 dhs Wie dann das ewige Leben nicht um der Werckewillen der Gerechtigkeit/ ſondern nach den Wercken/ denen/ die in guten Wercken darnach trachten/ gegeben wird. Iit. III, 5. Eph. II, 8. Rom. II,6. Jac. J. 25. Den jenigen/ welche durchs Kaͤmpffen die Hindernuͤſſe uberwinden in Lauffen darnach ringen/ immer naͤher konunen dem Ziel und Kieinod/ undins Leben begierig eindringen/ ſolches im Glauben ergreiffen/ in der Treue bewah⸗ ren/ und in der Hoffnung deſſen volligen Beſitz und Genuß erwarten. Wie dannin unſern Text⸗Worten das Kleinod nicht nur als eine Exrungen⸗ ſchafft in E Ottes Krafft/ ondern auch der Chriſten Stand/ Beruff/ Pflicht und Ubung nicht nur als eine vortheilhaffte Handelſchafft/ ſondern als ei e Maunli⸗ che Ritterſchafft vorgeſtellet/ und uns zu berrachten Anlaß gegeben wird: Eines rechtſchaffenen Chriſten wohlvollbrachte Ritter⸗ ſſccafft/ darauf er desewigen Kleinodswirdtheuhaſft. „Dawirdann nach dem erſten Haupt⸗Puncten unſerer gemachten Abthet⸗ lung, undbey der nachdencklichen Beſchreibung einer wohlvollbrach⸗ ten Ritterſchafft/ zu ſehen haben auf deren beſchriebenen Anfang/ Fort⸗ gang und Ausgang/ nach den Worten: Ich hab einen guten Kampff ge⸗ kaͤmpffet/ ich hab den Lauff vollendet/ ichhabe Glauben gehalten. Dabey wir ſonderlich dreyerley Umſtaͤnde zu bemercken hahen: 0 Eines Theils/ wie die Schrifft ſolches Gleichniß von ritter⸗ lichen Ub ungen beliebet. Allermaſſen Paulns ſo wohl vom ernſilichen Krieg und Streit wider die Feinde/ als von den unter Griechen und Roömern be⸗ kannten und gewoͤhnlichen Ritter⸗Spielen und Wett⸗Streiten/ darinnen die junge Mannſchafft geübet und zur Tapfferkeit im ernſtlichen Streiten ertig und eſchickt gemacht wurde/ Veranlaſſung nimmt/ beydes des allgemeinen Chriſten⸗Standes Natur/ Pflichten und Ubungen/ als eies jeden inſonderheit/ in ſeinem beſondern Ampt und Beruf/ Gefahr/ Ge⸗ ſchaͤfften, Fleiß und Ausrichtung vorzuſtellen; allermaſſen die/ welche wol⸗ ſen gekroͤnet ſeyn/ muſſen nicht des Kampffs entuͤbrigt ſeyn wollen. Vie dann dem Geiſt Sottes in H Haufe gan gewoͤhnlich iſt/ daß rin gewiſſer Abſicht die Chriſten als Haußhalter/ Tagloͤhner/ Prieſlet, Kb⸗ nige Verlobte 2C. anſiehet/ in andrer Abſicht aber ſelbe beſchreibet/ ais Strei⸗ ter/ Laͤuffer und Bundsgenoſſen. Wie inunſtrm Tert/ alſo auch ſonſten in andern Zeugnüſſen Heil. Schrifft. Daa ſie werden genennet rechtſchaffene E treiter IEſu Chriſti 2. im. II, 3. §. inder ſtreitenden Kirchen/ zum Unterſcheid der weltlichen Kriegs⸗ Leuten; weilen Sie de Satane Suͤnde und Welt in 5. Tauffe dem Krieg angekundigt/ unter den Blut⸗ ahnen Chriſti geſchworen/ fuͤr die Erweiterung und Vehau⸗ ptung des Reichs Chriſti kampffen/ ihrem Vor⸗Fechter und Siegs⸗Fuͤrſten Thriſto in der Tapfferkeit nachfolgen/ biß ſie einen Sieg nach dem andern erlan⸗ gen/ das Feld behalten/ und das Reich vollig einnehmen und ruhig beſitzen. Uber eieſesnfrden ſie auch beſchrieben als Wanders⸗ deute/ Jaͤger/ Wett⸗Laͤuffer/ wegen der Pilgramſchafft darinnen ſie walen 6 ꝛ, Leich⸗Predigt. y wegen des Wegs der Sebotren Gottes/ und beſtimmten Leiden/ darinne n wir wandlen und⸗Chriſto nachfolgen; ſodann/ wegen des taͤglichen Wachs⸗ thums im Guten)/ eilfertigen Nachjagens dem Ziel/ und naͤher kommen dem ewigen Kleindd/ wie 1. Iim. VI 11. 12. Herb. VI II. 12. und I. Cor. IX, 24. So dann auch als Bunds⸗Genoſſen/ Knechte unt Maͤgde Gottes/ welche ihres Dienſts und Treue/ darzu ſie ſich thme verpflichtet/ und darbey die Verheiſſung der Gnade und allerley zeitlich und ewiger Wohlthaten empfangen/ und deren Gewehrung vergnuüͤglich erlangt haben. Luc. XII. () Nachſt dieſem/ wie ſich ein geiſtlicher Ritter ſelbſten Zeugniß ſei⸗ nes Verhaltens gibt. Da Paulus ſagt: Ich habe gekaͤmpffet ꝛc. Wol⸗ te jemand hier auf die Gedancken kommen/ der H. Apoſiel habe ſeiner ſelbſt/ der Guade und der Regeln der Erbarkeit/ Beſcheidenheit und Demuth vergeſſen; da die Weißheiterinnert. Laß dich einen andern loben/ und nicht deinen Mund/ Anen Zreinbden und nicht deine eigene Lippen. Prov whe 2. Indeme Erſelbſten lehre/ daß niemand tuͤchtig ſeye/ daß er ſich ſelbſt lo⸗ be/ſondern daß ihn der HErr lobe. 2. deüch 2 eae be er ſelhſten ſo beſtaͤndig practiciret und beobachtet/ daß er v. 12. ſeqa. ſchrelbet: Wil doͤrffen uns nicht unter die rechnen oder zehlen/ ſo ſich ſelbſt loben/ aber weil ſie ſich bey ſich ſelbſt meſſen/ und halten allein von ſich ſelbſt/ verſte⸗ hen ſie nichts. Wir aber ruͤhmen uns nicht über das Ziel/ ꝛt. conf. 2. Cor. V, 12. Dann/ ſo jemand ſich duncken laͤſſet/ er ſey etwas/ ſo er doch nichts iſt/ der betreuget ſich ſelbſt/ Gal. VI, 3. Der ſolle wiſſen/ daß et wolle ſeint Re⸗ den verſtanden haben/ nach dem Beſcheid/ den er andern gibt/ Rom. XII. 3. Ich ſage/ durch die Gnade/ die mir gegebeniſt/ jederman unter euch/ daß niemand weiter von ſich halte/ denn ſichs gebuͤhrt zu halten/ ſon⸗ dern/ daßer vonſich maͤſſiglich halte/ ein jeglicher nach dem GOtt zusgethellet hat das Maaß des Glaubens. It dannenhero ſo ferne/ daß es bey Paulo ſolte ein eiteler und vermeſſener/ und aſo ſtraͤff icher Selbſi⸗Ruhm geweſen ſeyn/ wie des hochtrabenden Phariſaͤers/ kuc. XVIII,. 1 r. 12/oder des laulichten Laodiceers/ Apoc. III, 17. daß vielmehr Paulus darvonzeuget/ was in dem Hertzen der Glaubigen/ und ſonderlich ſeines Thimothei, und auch vor den Augen aller Gemeinden offenbahr/ 2. Cor. III, 1.2. c. V, 1r. und was ſich in der That alſo befandez wie er die merckwuͤrdige Umſtaͤn⸗ de ſpecificiret. 2. Cor. XI, und XII. Phil. III. Ja es war ſo gar nicht ein GOtt mißfaͤlliger oder pralender Selbſt· Ruhm ünd Seibſt Lob/ von den Leuten nur geſehe und geachtet zn werden/ daß es vielmehr ein Zeugnuß Chriſti und des H. Geiſtes in und durch Ihn/ indem Zeugnuß ſeines guten Gewiſſens war. Wie Er ſich Rom. IX, I. darauf beziehet; Ich ſage die Wahrheit in Chriſto/ und luͤge nicht/ das mir Zengniß gibt mein Gewiſſen in dem H. Geiſt. Undc. XV, 8. wie auch 2. Cor. l. 12. Unſer Ruhm iſt der/ nemlich daß Zeugnuß unſers Gewiſſens ꝛc. Daher kunte Er/ in ſeiner Maaß/ ſeinem Meiſter und Vorgaͤnger Chriſto/ nach⸗ ftechen/ aus Joh. c. V, 31. 32: ſo ich von nirr ſelbſt zeuge/ ſo iſt mein Zeugniß nicht wahr. Ein andrer iſts/ der von mir Pfnget, und ich weiß/ daß das Zeugnuß wahr iñ! das er vonmir zeuget. Oder c. VIll 14. So ich von mir ſelbſt Kußen wuͤrde/ ſo iſt mein Zeugniß wahr; Wie auch faſt df gleiche Weiſe von Ihm geſchiche 18 LKChbhriſtliche 2. Cor. XI, 5. 6. Denn Paulus hatte den unverwerfflichen Jeugen nuß in ſic wie Johannes ſaget/ 1p weuffäcs S eugen dneußeng. Der Geiſt gibt Zeugnuß unſerm Geiſt. e 13 Daher/ wie Er aus jer. IX, 23. 24. erinnert 1I. Cor. I, 31. und 2. Cor. X, I7. Wer ſich ruͤhmen will/ der ruͤhme ſich des HErrn; ſoiſt auch des tapfften und GOttes Ehre liebenden/ ſuchenden und befoͤrdernden Pauli Haupt⸗Zweck ſei. nes Zeugnuſſes von ſich ſelbſt/ die Gnade GOttes und Krafft Chriſti in und an ſcch zu preiſſen. 1. Cor. VI, 20 C. X, 31. wiec. XV, 1o. Von GOttes Gnaden bin ich/ daß ich bin/ und ſeine Gnade an mir iſt nicht vergeblich geweſen/ ſondern ich habe vielmehr gearbeitet(mit Thun und Leiden) denn ſie alle/ nicht aber ich/ ſondern GOttes Gnade/ die in mir iſt. Und 2. Cor. III, 5. Nicht daß wir tuchtig ſeyen von uns ſelber/ etwas zu dencken/ als von uns ſelber/ ſondern daß wir tuͤchtig ſind/ iſt von GOtt/ welcher uns tüchtig ge⸗ macht hat/ ꝛc. und alſo ruhmet Er ſich der Krafft Chriſti in ſeiner eigen Schwachheit/ 2. Cor. XlI, 9. 10. daß Er in Ihme lebe/ und alles ſelbſten wuͤrcke/ Gal II, 20. daß Er ſeye der Anfaͤnger und Vollender/ Heb. XII. 2. Phil. J. der in Ihme gewuͤrcket beyde das Wollen und das Thun/ nach ſeinem Wohlgefallen. Cap. II, 13. In dem Er habe Gerechtigkeit und Staͤrcke/. XIX, 24 durch den Er alles vermoͤge/ Phil. V. 13. mit deme Er koͤnne Thaten thun/ Pr LXx, 14. und weit uͤberwinden/ Rom. VIII, 17. wie Er ausdrucklich ſagt/ Col. J. 29. Ich arbeite undringe/ nach der Wuͤrckung des/ der in muß kraͤfftiglich wuͤrcket/ c. II, 1. beſiehe Rom. XV, 18. 19. 2. Cor. IV, 8. 15 — Uund ſo willdieſer tapffere Streiter JEſu Chriſti die magnalia Dei, die groſſe Thaten GOttes durch Ihn erzehlen/ un A hriſ leuehten laſſen vor den Ken⸗ ſchen/ daß ſie ſeine gute Wercke ſehen/ und GOtt und den Vatter preiſſen. Marth. V. Anbey aber auch ſeinem gleichgeſinnten Thimotheo, Phil. II, 20. ſamt allen Gliedern der ſtreitenden Kirchen ſich ſo wohl zum Muſter und Fuͤrbild der Tapffer⸗ keit/ als auch der Nachfolge/ Phil III, 17. 1. Cor. II. 1. und des erhaltenden Sie⸗ ges und Lauffs Vollendung Moͤglichkeit und Gewißheit; wie auch endlich zur Beſchaͤmung der meiſten Traͤgheit/ und ſeiner Feinde Laͤſterung und Boßheit/ I. Cor. IV, 3. 4.§. 6. vorſtellen/ in ſolchen Gleichniß⸗Reden/ welche hergenommen und von dadeeaelechſen Ritzerr Sdielen, welche nicht nur aus Scherz cE f E 1 Te ehteerueetan ntadendkam eaſamtg ewwandze Uber dieſes achten wir faͤr uͤberftuͤſſig und unnothig von der Perſon/ hoher Gaben/ H. Ampt/ und wichtigen Verrichtungen Aeis de Perſon⸗ a zeugs Gottes/ welcher ſich nicht nur nach ſeinem beſondern Apoſtel⸗Ampt/ ſondern auch nach dem gemeinen Chriſten⸗Standt darſtellet/(welches daher er⸗ hellet/ weil er die Crone allen gemein machet/ die Chriſttun lieben und alſo von al⸗ len Proben der Liebe im Kampfferfordert/ wie Pii.1.zc. Haltet denſelbigen Kampff/ welchen ihr an mir geſehen habt/ und nun von mir hoͤret) fernern Worten unſers Tertes enthalten 1 Der Stuͤcken und Arten der geiſtlichen Ritterſchaßt darin⸗ —. 4 nn 3ee. nen Leich⸗Predigt 19 nen er ſich geübet. Das beſtehet nun in richtigen Auskaͤmpffen/ vollenden⸗ den Lauffen/ und treulichen Glauben halten, Das erſte/ welches einem wahren Chriſten und rechtſchaffenen Diener GOttes nachſeiner Bekehrung und Bekanntniß zu Chriſto begegnet/ iſt der Neid und An⸗ läufe des Satans/ Haß Spott und Verfolgung der Welt/ Widerſetzlichkeit der Vernunfft/ Reitzung der boſen Luſt/ Zaͤrtlichkeit des Fleiſches und Creutzfluͤchtig⸗ keit; welche als Haupt⸗Feinde entweder mit ſchmeichlendem Liebkoſen/ allerhand Rriegs⸗Liſt und tauſend Kuͤnſten/ oder mit offentlicher Gewalt/ Widerſtrebung und Hindernüſſe von Chriſto/ vom Guten ſuchen abzulocken. Wie den erſten Eltern Adam und Eva/ und dem andern Adam/ Chriſto ſelbſt/ wiewohl mit ungleichem Gluck/ iſt ergangen. Gen. III, 1. 5. Matth. IV, I. ſeqq. Welches blttere Geſchick Chriſtus ſeinen angehorigen und getreuen Nachfol⸗ gern langſtens zuvor verkuͤndiget und beſtimmet hat. Matth. X, 16. fegq. Joh. XV, G 3 83 Syr. II, x. 2. Tim. III, 12. und Paulo inſonderbahrem Grad zugedacht war C8. IX, 16. Da kan es nnn nichts anders geben als tauſend Streit und Widerwaͤrtigkeit; will man anderſt Chriſto getreu verbletben/ Glauben und gut Gewiſſen bewahren/ dehalten was einem gegeben iſt/ und was man mit ſo groſſer Verlaͤugnung erarbei⸗ rehat/ zua non minor eſt virtus, quam quærere parta tueri, 2. Joh. 8. Apoc. „8. Weilenes aber nicht nur geiſtliche Kriege des HErrn in und uͤber dem Neich Chriſtt gibt; ſondern auch tauſenderley leibliche Widerwaͤrtigkeiten im Reich der Natür; da der Menſch muß uinmer im Streit ſeyn/ Iob. VII, 1. lauter Muͤhe und Arbeit unter der Sonnen haben/ Gen. V, 29. Pf. XO, 10. Syr. XLI, 1. unmer Zweywider Eins/ und Eins wider Zwey. Svr. XXXIII, 16. 44. 26. da es gar viel Leute giebt/ welche den Frieden haſſen/ wie in Meſech und Kedar/ Pſ. CXXX, 5. welche immer Krieg im Sinn haben. Pſ. LV, 22. L. Sowird die Wahrnehmung ſeiner ſelbſt/ die tapffere Begegnung dem Gegenſtand und Widerſezzung dem Feinde im Kampff/ und ob er ſchon vielfaͤltig/ dennoch wegen immer anhaltender Langwierigkeit/ da ein Streit dem andern die Hand bietet/ und wenn ein Feind uͤberwunden/ ſich noch ſo viel neue hervor thun/ wie bey den Koͤpffen der Lerneiſchen Schlangen/ alſo das gantze Leben und Bemuͤ⸗ hung als ein einiger und ſtetiger Kampff vorgeſtellet. Dennoch aber, und zum Unterſcheid ſo manches fleiſchlichen/ ſundlichen/ et⸗ genwilligen Kampffẽ/ auchoͤffters wider GOtt/ den Geiſt/ das Gewiſſen/ und das Gute z.. wirder genenet: Eben derſelbige und ein guter Kampff. Eben der⸗ ſelbe verordnete Kampff. Heb. XII, 2. Cor. IV, 13. Eben der Kampff/ den Chriſtus vorgekaͤmpfft. 1. Petr. II, z1. c. V, o. Wie dann von Zeit an der erſten Rebellion/ Empdrung und Abfall der Engel und Menſchen von Gott/ der ewigen Ruhe und Frieden/ nun in der Welt/ und ſonderlich bey denen durch den feindſeeligen/ unruhi⸗ gen Mord⸗Geiſt getriebenen Unmenſchen/ inehr als bey wilden Thieren/ nichts als Krieg und Kriegs⸗Geſchrey/ Emporung eines Volcks wider das andere/ und eines Koͤnigreichs wider das andere gehoret wird. Matth. XXIV, 6. 7. da der unruhige Geiſt ausgegangen/ alle Heyden zu verſammlenin den Streit/ daß Menſchen⸗Blut vergoſſen werde wie Waſſer; ja unter den Heyden ſelbſt iſt mehr Fried und Eintrucht/ als unter den heyduiſchen Ehriſten; da die kriegeriſche Gemuͤther immer einander in den Haaren liegen/ ſich unter einander beiſſen und freſſen/ und in tauſend Proceſs und Haͤndel über dem Mein und Dein verfallen. Allein/ ob gletch das Reich des Satans und der Welt unter ſich ſelbſt uneins iſt/ ſo iſt es doch wider die Kinder GOttes/ und denſelben zu ſchaden/ gantz einig„ ie . ila⸗ 20 Chriſtliche Pilatus und Herodes/ zwey buͤſſige Woͤlffe/ wenn das Schaaf darzwiſchen kommt/ 3 einander aͤblaſſen und einmuͤthig auf das Wehrloſe Saafda Und wieſolte wohl Liebe und Friede von ſolchen zu hoffen ſeyn/ welche keine Kmder des Frirdens ſind/ wo kein Grund und Geiſt des Friedens/ ſondern die bittere Wurtzel des oſi un Reich der Finſternuß/ das uhralte Geſetz der Feindſchafft in vollen Kraͤfften ich findet? Gen. III, 1§. Einmahl/ Liecht und Finſterniß/ Chriſtus und Beltal/ der Glaubige und Unglaubige werden nimmermehr zuſammnen ſumnmen) 2. Cor. VI. ſondern inumer eines den andern Abbruch zu thun befliſſen ſeyn/ und zwar das boſe mehr dem guten/ als das gute dem boͤſen zu ſchaden inimer den meiſten Ernſt und Kraͤfften anwenden.— 1.. ABey ſo geſtalten Sachen nun/ und obwohldie Glaubige zum Frieden beruffen/ Kinder des Friedens ſind/ Frieden lieben/ Frieden ſuchen/ 8 viel an Ihnen iſt/ Frie⸗ den halten und Frieden machen/ kan dennoch nicht Friede/ ſondern immer Krieg und Streit ſeyn ſo wohl innerlich als aͤuſſerlich/ Marth. X, 34. 35. 2. Cor⸗VII, 5. indeme der Saͤtan/ Welt/ Fleiſch und Vernunfft den in der Heil. Tauff mit GOtt gemachten Vertrag/ und Ihnen geſchehene ſo ſchimpffiich als nachtheilige Abſage/ niemahl ungerochen laſſen werden/ ſo wenig als an Chriſto/ Matth. IV. So wenig Loth in Sodom üm Frieden bleiben kunte; ſondern es gehet wahren Chriſten/ wie den Iraeliten/ ſo hald ſie Egypten verlaſſen und GOtt dienen wollten/ wurde ihre Arbeit verdoppelt. Darum ſagt Syrach c. 2. Schicke dich zur Anfechtung. Dann/ weil der Satan/ ein Widerwaͤrtiger/ ſich einmahl GOtt und ſeinen Kindern widerſetzet hat/ und Ihme die Verführung durch ſeine a, kauſend Kuͤnſte/ als deſſen Tieffe der Boßheit unausgrundlich iſt/ Apoc. II, 24. ſo vielfaͤltig gelungen iſt; ſo goͤnnet Er weder HOTT die Wiedergewinnung der Seelen/ noch den Menſchen die Erloſung durch Chriſtum/ die Errettung von der Obrigkeit der Finſternuß und Verſetzung in die herꝛliche Freyheit des Reiches GOttes und Chri⸗ ſti. Daher verlaͤumbdet Er GO T bey den Menſchen/ und verklaget die arnien Menſchen bey GOtt/ und gehet herum/ recognoſciret Tag und Nacht/ wie ein bruͤl⸗ lender Lowe/ und ſuchet/ mit immer wiederholten Anlaͤuffen/ welche Er verſchlinge. I. Pet. V, 8. Apoc. XII. Dann/ dieweil Er mit ſeinem Haß Gott ſelbſt nicht errer⸗ chen kar/ ſo ſuchet er Ihmezu ſchaden und ſein Werck zu hindern in ſeinen Kindern/ ſein Ebenbild zu ſtoͤren/ ſeinen Teinpel zu verderben/ ſein Heiligthum zu enthelligen. Wo Chriſtus in emem Hertzen iſt/ ſpeyet der alte Drach Gifft und Gallen) einen gantzen Strohm ſeiner Hoͤlliſchen Wuth wider ſelbiges aus/ Apoc. XII. beſturmets auf allen Seiten/ wie das Hauß Hiobs; Und wie Er aus der allerheiligſten Staͤtte gefallen/ ſo ſuchet Er ſeine Ruhe an den allerheiligſten Oertern/ wie das Paradteß geweſen/ ob Er ſchon ein Geiſt lder Unreinigkeit und Wuͤſteney iſt. Er bietet vie an/ und gibt nichts/ weil er der Aermſte iſt; er macht einen groſſen Schein als wie die betruͤglichen Kraͤnier/ aber verkaufft Schatten/ ja Schaden fuür Gewinn/ reitzt und treibt zu Suͤnde/ Mißtrauen/ Abfall; greifft an/ wenn man am ſicherſten iſt; macht die Suͤnde anfangs gering/ hernach groß; ſuchet bald als eine gerade/ bald krunnne Schlange ſich einzuſchleichen; bald/ als ein grauſam Geſpenſt/ zu ſchre⸗ cten/ bald als ein Engel des Liechts/ ſich beliebt zu machen. Den Wolluſtigen gibt er einen Buhler und Kuppler ab). Den Raachgierigen einen Secundanten. Hen Stoltzen bläͤßt er einen hoͤhern Muthein. Die Vermmeſſene ſtellt er an die gefaͤhr⸗ lichſte Spitze. Den Geitzigen zeigt Er Schlich und Griff zum frembden Gut. Die Glaubige ſucht er zweiffelhafft/ die Betruͤbte gar verzagt/ die Nothleidende ab⸗ faͤllig und uͤberal ſein Reich groß zu machen. Wie ein gewiſſer Lehrer nachfolgen⸗ de Specification der gefaͤhrlichen Nachſtellungen und Wercken des Teuffels macht. Es iſt dem Satan/ ſchreibt Er/ nicht um em Hand Ehr/ Haab oder Gut/ ſondern um den Theil unſers ewigen Erbs zu thun/ darum ſtellet er ſich verſchlagener Weiß AVlAtelge ASnrmn ſlentete lich derchageler Mei — 2— e ——— ——— —— 12 -n Leich⸗Predigt. 2 und unverdroſſen/ als ein Landfahrer job. I. der alle Staͤdt durchwandelt/ Luc. XI. in allen Staͤnden ein; bey groſſen Herren mit Vanitaͤt und Eitelkeit(A⸗ theiſterey zu Hof mit Stcherheit(Epicuriſch⸗Sodomitiſchen Greueln) in der Eantzley mit Vundheit/ auf dem Rathhauß mit Ungerechtigkeit/ in dem Eheſtand mit Uneintgkeit/ un Spital mit Neid/ im gemeinen Leben mit Verhohnung /in der Kir⸗ cyen aber mit Ketzerey und Unbußfertigkeit; da weiß er ſonderlich ſich/ nach 2. Cor. Xl, in einen Engel des Lichts zu verſtellen/ biß er Unkraut falſcher Lehr und verdamlichen Lebens ausſaet/ Matth. XIII. dardurch er den Lauff des Evangelit hindert/ I. Theſf. Il. die Leut verblender/ 2. Cor. IV. und von der Einfalt in Chriſto JEſu/ durch aller⸗ hand Suͤnde und Laſter wider die heiligen zehen Gehott/ abfuͤhret/ 2. Cor. XI. Wie es die Exempel bezeugen. Salomo hat er getrieben zur Abgoͤtterey/ I. Reg. XI. den Iſtueliten zum Fluchen/ Levit. XXIV. Jerobeam zur Veranderung des Got⸗ tesdienſt/ 1. Reg. XIII. Abſolon zum Ungehorſam/ 2. Sam. XV. Cain zum Neidt Haß/ Todſchlag/ Gen. IV. David zum Ehebruch/ 2. Sam. XI. Achan zum Dieb⸗ ſtahl/ Joſ. am VII. die Juden zu Jeruſalem zum falſchen Zeugnuß/ Act. XVII. Achab und Iſabel zu unordentlicher Luſt/ 1. Reg. XXI. Darzu Ihmne dann ſeine Getreue/ und mit Ihme in einer verbindlichen Ver⸗ ſaͤndnuß Stehende/ in dem Argen liegende Welt/ nneiſterlich hilfft. Sap. II, 25. Matth. XXIII, I5. r. Ph. V. Eph. VI. aſs welche nur das Ihre liebet/ aber alles was Cdriſtt iſt haſſet/ Ioh. XV, 19. Daher derjenige/ der vom Boͤſen weichet/ jedermans Raub und Spott ſeyn muß Eſ. LIX, 15. welche nicht in das wuͤſte/ unordige und ungoͤttliche Weſen nitlauffen/ ſondern ſolches verabſcheuen/ beſtraffen/ der Welt fich nicht gleich ſtellen/ vor derſelben ſich unbefleckt halten/ ihre Freundſchafft verach⸗ ten/ 1. Pet. IV, 4. Jac. I, 27. c. IV, 4. Rom. XII. dieſeibe ſind den Welt⸗Kindern un⸗ leidentlich/ auch nur anzuſehen/ Sap. II, 15. darum ſie immer quaͤlen die gerechten Scelen/ I. Pet. IV, 4. 2. Ep. II, 8. Sie ſind ihnen geachtet wie Schlacht⸗Schaafe ein Fluch und Feg⸗Opffer/ Rom. VIII. 1. Cor. IV, 13. Hingegen reitzet ſie wie Delila, liebkoſet/ wie Jael/ zu ihrer Freundſchafft zu ver⸗ leiten/ und verſetzet damit in GOttes Feindſchafft/ Jac IV. Wer nur ihr Unreines anruhret/ beſudelt ſich darmit/ Syr. XIII, 1. durch ihren Hauch/ Geiſt und Wort wird man befſecket und angeſtecket/ wie vom Baſilißke/ und ein wenig ihres Sauer⸗ Taigs verſaurt den gantzen Taig/ 2. Cor. V.& VI. ihre boͤſe Wort und Exempel ver⸗ führen die Unſchuldige/ ap. IV, 12. dann ſie weiß den Laſtern Namen und Farbe der Tugenden zu geben/ undihren Gifft mit Zucker zu verſuͤſſen. Der Abfall muß Gewiſſens⸗Freyheit. Ungerechtigkeit/ Stats⸗Raiſon; Unzucht/ Galanterie; Verſchwendung/ Freygebigkeit; Hoffart/ Behauptung der Repuration und ehrli⸗ chen Ramens; Rachgier und Fluchen/ Tapfferkeit; Geitz/ Sparſaͤmkeit/ und die Poſte Suͤnden/ menſchliche Schwachheiten ſeyn. Wie jener erinnert: Die Wolluſt muß uns zur Kurtzweil ſeyn/ der Ehr⸗Geitz Tugend heiſſen; die Karg heit hat auch falſchen Schein/ macht ſich fur ſparſam preiſſen. So fuͤhrt der Satan nach und nach heut eine Weltverkehr⸗ te Sach/ ſich Meiſter zu erweiſen. Sie ſpricht: Man muͤſſe ſich in Zeit und Leut ſchicken; intt den Woͤlffen heulen; ſich nicht in ein Bockshorn ſpannen laſſen. Haͤlteſt du noch an deiner Fromigkeit? Wilſt du den Himmel mit Wercken verdie⸗ uen? ec. ja ſie wetß qute Intention zur Freyheit boͤſer Wercken fuͤrzuwenden. Mitwelchen gefaͤhrlichen Feinden/ wie der verraͤtheriſche Judas/ heimlich conſpiriret/ und ihnen nicht einen geringen Dienſtthut/ der alte Adam/ der ein⸗ heimuſche Feind/ den der Menſch gleich mit ſich auff die Welt bringet; des Menſchen eigene Haußgenoſſen/ die alte Überbliebene/ zwar bey Kindern Gottes entkraͤfftete/ aber nicht gaͤntzlich ausgerottete Inwohner Eapaade das verderbte Fleiſch und .. öö—— 2 —— —õ— 22 Chriſtliche und Blut/ Rom. VII, 23. Gal. V, 17. Jac. IV, I. 5. Da das Fleiſch geluͤſtet wider den Geiſt/ und den Geiſt wider das Fleiſch; da des Fleiſches feindſeeliger Sinn Rom. VIII. dem Sinn Chriſti und ſeines Geiſtes nicht will weichen; allo der aͤuſſere dem innern/ der alte dem neuen Menſchen immer die Ober⸗Hand/ Herr⸗ ſchafft und Sieg diſpurirt/ und darüber manche Rebellion anrichtet/ und alſo/ wie ehemahls/ der nach dem Fleiſch gebohren iſt/ den verfolget/ der nach dem Geiſt ge⸗ bohren worden/ Gal. IV, 29. da quch Widergebohrnen die Welt/ und was von der Welt iſt/ als Augen⸗Luſt/ Fleiſches⸗Luſt und hoffaͤrtiges Weſen/ noch tief un Her⸗ en ſtecket/ ob ſie ſolches ſchon haſſen und hindern/ I. Ioh. II und die Herrſchafft wwill ehaupten. Darum auch vergebens die aͤuſſere Welt geflohen wird/ wo man nicht durch den Slauben ſich ſelbſt/ und die innere im Hertzen uͤberwindet. 1. Joh. W. oder ſich enthaltet von den fleiſchlichen Luͤſten/ welche wider die Seele ſtreiten/ 1. Pet. II, 11. Jac. IV, 1. Wir wollen nicht ſagen/ mit wie vielem Hauß⸗ Creutz/ Unglück/ Armuth/ Kranckheiten/ Affecten/ Forcht und Gefahren der Menſch zu kampffen hat/ Matth. X, 36. Job. II, 27. Darzu nicht wenig contribuiret die feindſeelige/ dem Geiſt des Slaubens entge zen ſtehende Vernunfft/ oder vielmnehr Unvernunfft/ Eph. II, 3. c. IV, 17.18. Col. I, 21. 2. Cor. X, 5. daher man billich ſaget: Vernunfft wider den Glauben ficht ꝛc. Daunn das iſt die Feſtung und Be⸗ haltniß der feindſeeligen Geiſter/ der Aeiſllchen Schalckheiten/ der Irrgeiſter/ fal⸗ ſchen Propheten/ des Anti⸗Chriſts dc. welche das Wort rauben/ die Warheit ver⸗ kehren/ des Fleiſches Maximen behaupten/ den Verſtand bethoͤren/ die Sinne be⸗ aubern/ den Willen gefangen nehmen/ den Glauben kraͤncken/ das Gewiſſen ver⸗ tzen/ den Geiſt daͤmpffen/ darmit aber unbeſonnener weiß/ in Abſicht leiblicher Vortheilen/ ins ewige Verderben Leib und Seel ſtuͤrtzen wollen. Dieſer Stand aber wirddeſto haͤrter/ wenn die Lehrlinge mit dem Fecht⸗ Meiſter ſelbſt einen Gang wagen muſſen; wenn auch der beſte Freund in einen Feind/ GOtt in einen Grauſamen ſich verwandelt/ Job. VI, c. 19. c. XXX, 21. Eſ⸗ XXX. Pf. LXXXVIII. ſich/ wie Jacob als einen Gewaffneten entgegen ſetzet/ Gen. XXXII. der ſo gewalttg mit ihm ringen muſte/ daß der Staub darvon in die Hoͤhe ſtteg/ und Er ſeine Huͤffte verrenckte; und gegen das Cananeiſche Weiblein Hunemp ndlich ſich verſtellet/ zur Probe und verſuchung. Match. XV. Ef. XLIX, 1 4. Pſ LXXVII. und XIII. Darvon der wohlgeuͤbte Lutherus/ aus eigener Erfahrung alſo ſchreibet/ Jom. VI. Jen. f. 227. Chriſten ſeyen ein wohlgeplagt Volck auf Er⸗ den. Dann uͤber das aͤuſſerliche Leiden haben ſie noch ſehr viel Betrubnuß und Her⸗ tzenleyd/ und ewige Forcht und Schrecken fuͤr dem Tod/ Sund und GOttes korn/ welcheserſt der rechte Puff leyen; das auſſerliche Leiden der Chriſten/ daß ſie die Welt verfolget/ verjaget/ und allerley boͤſe Tuͤck beweiſet/ ſeye nur das A. B. C vom Leiden der Chriſten und Kinderwerck. Aber diß dringet durch/ die Angſt und Wehen die ſie im Hertzen tragen/ fuͤr SOttes Zorn/ und Forcht des ewigen Tods/ daß ſie nicht Geſellen werden der Teuffel im Abgrund der Hollen/ und ligt ihnen Ta gund Nacht auff dem Hertzen/ muͤſſen damit kaͤmpffen/ daß ſie moͤchten blutigen Schweiß ſchwitzen; daß ich viel lieber ein Jahr lang in Kercker liegen/ Hunger und Durſt leiden/ dann einen Tag ſolche Hollen⸗Angſt ausſtehen wolite voin Teuffel/ darmit er die Chriſten angreifft. 1 Idem. Im Buch von der Winckel⸗ Meß bekennet/ was vor eine harte Diſputa- tion und Kainpff mit dem Teuffel Er habe muͤſſen ausſtehen: da er Ihme vorge⸗ halten/ daß Er 15. Jahr Meß gehalten/ und groſſe Abgoͤtterey getrieben habe/ ac. Er ſagt hier brach mir warlich der Schweiß aus/ und das Hertz begunte mir zu zittern und zu bochen. Der Teuffel weißt ſeine Argumenta wohl anzuſetzen/ und hat eine ſchwere ſtarcke Sprach/ und gehen ſolche Diſputationen nicht mit langem und vielemn Bedencken zu/ ſondern im Augenbiick iſt ein Antwort ums ander. Und bis *V8QNł——.—* Leich⸗Predigt. 23 ———— zabich da wohlerfuhren/ wie es zugehet/ daß man des Morgens die Leuth tod im Der ftndet/ Er kan den Leſb erwurgen/ das iſt eines. Er kan aber auch der Seelen d bang machen mit diſpuriren/ daß ſie ausfahren muß in einem Augeablick/ wie Er mirs gar offt faſt nahe gebracht hat/ ꝛc. 11,: Wenn aun zu vorigem Leiden kommt Forcht des Gerichts/ der Schre⸗ cken und Stachel des Todtes/ ſoim Glauben zubrochen wird; der Suͤn⸗ den⸗Kampff/ PoXVIII. und 38. it. 16. Buß⸗Kampff/ Gebet⸗Kampff/ zu Stürmung des Himmels/ 8yr. XXXV. Verſuchungs⸗ Kampff/ Matth. IV. Todtes⸗Kampff/ da auch das Siech⸗Bett noch zum Kampff Platz wird; ſo mag man wol ſagen:O wie iſt meiner Feinde ſo viel/ und ſtelleu ſich ſo viel wider mich! Da geht es/ natuͤrlicher Weiß/ wie Cohel. 12. Da brechen die Augen/ vergehet das Gehoͤr/ das Hertz klopffet/ das Meer und Waſſerwogen brauſſen/ der Hunmel Krafften bewegen ſich/ dem Menſchen wird bange/ der kalte Schweiß bricht aus/ wan begehrt zu fliehen/ die Glieder erſtarren/ der eingekerckerte Geiſt concen- riret ſich. Da findet ſich offt Anklage des Gewiſſens/ ein Vorblick des Gerichts/ Præſenrirung der boͤſen Geiſter/ das Seuffzen der Creatur über den Mißbrauch/ Auf⸗ wachen der Suünden der Jugend/ offener Hoͤllen⸗Rachen; wie man im Leben offt unbedacht ſich prognoſticirt: Mitten in dei Tod auficht mich der Hollen Rachen ꝛc. zumahl/ da niemahl ausbleibet/ daß man ſo manchem Unglüͤck/ da alle elementa un Seeatüten ſich wieder einen zuſammen verſchworen zu haben/ ſcheinen/ wird in Ziel geſetzt. O daouirs wachen/ nuchtern/ maͤßig/ fuͤrſichtig ſeyn/ betten/ kaͤmpffen. In⸗ deme dieſe geſanunte Schaarder ſichtbaren und unſichtbaren Feinden(da wir nicht nur mit Fleiſch und Blut haben zu kaͤmpffen/ ſondern mit Fuͤrſten und Gewalti⸗ gen: Eph. VI.) auf allen Seiten/ auf tauſend Art und Weiſe ſuchen den Meiſter zu pielen; entweder mit groſſer Gewaltthatigkeit/ Verfolgung/ Schwerdt/ Feuer/ Gefaͤngnuß/ Schmach/ Beraubung; oder durch ſchmeichlen und Argliſtigkeit/ Verbeiſſungen/ Geſcheucken/ Licbkoſen/ Ehrenbezeugungen ꝛc. welche gleich ſind der einſchlaffrenden Schof Delilæ, den Milchtopffen Igels/ alle aber unvermerckte Blendungen und Beredungen des Satans. Matth. IV. Wobey Vernunfft/ Forcht/ Luſt/ Fleiſches Zaͤrtlichkeit/ Begierde jedem zu gefallen/ Eigen⸗Liebe/ Eigen Ehre/ Eigennutz/ die das Hertz zertheilende Sorgen/ u. d. g. das Gemuͤth immer hin und her treiben/ wie die Wellen und Rohr der Wind. Da es gewißlich ſchwer iſt/ ſich nicht bloß geben/ ſich nicht aus ſeiner Veſtung werffen laſſen/ das angefan⸗ Seeuenſen biß ans Ende feſt behalten; das beFüberende Ziſchen der Schlan⸗ en/ und der S yrenen ſich nicht verführen laſſen; Von der Welt ſich unbefleckt be⸗ wahren; ſo viel Vortheile der Welt verlaͤugnen; ſein Fleiſch creutzigen ſamt den Lſten; die Sünde nicht herꝛſchen laſſen; ſein eigen Leben haſſen; Vatter und Mutter/ Weib und Kind/ Hauß und Hof/ Ehr und Freundſchafft um des Gewiß ens willen/ hindan ſetzen; zum Narren werden in der Welt ꝛc. Dargegen Chri⸗ ſto getreu bletben/ Glauben halten/ Gewiſſen bewahren/ die Crone und was man erarbeitet hat/ behaupten/ und uͤber dem Reich Chriſti kaͤmpffen; darzu kein mit Sorgen/ Woltuſt/ Unmaͤßigkent/ Sicherheit und Zaghafftigkeit angefuͤlltes Hertz tuchtig iſt/ welches bald in ſolche Confuſion kan gebracht werden/ daß es ſich nicht wieder erhohlen kan.* Dann da muß man vor allen Dingen den Feind wohl aulskundſchafften/ ſeine Bewegungen ſorgfaͤltig beobachten einen heroiſchen Muth faſſen/ ihn in ſei⸗ uem Lager angr iffen/ ſeine Anlaͤuffe aufhalten/ ſeme Streiche auspariren und dargegen verſetzen/ in ſeiner Poſtur und Verfaſſung feſte ſtehen/ den Feind nicht eering achten/ ſich nirgend bloß geben/ zur Rechten und Lincken ſich vorſchen/ und hune Tritt weichen/ ſondern ſich leiden als ein rechtſchaffener Streiter ES Thriſti ——————————— ————x—x--—— — 24 Fhriſckehe Thriſti. Da wirds zu thun genug geben/ inwenbig Forcht/ auswendig Streu/ Gefahrlichkeit/ Muͤhe und Arbeit/ ſchaffen mit Furcht und Zuttern/ ja ein widerſtehen biß aufs Blut im Kampff wider die Sunde; will man anderſt nicht uberwunden und zum jaͤmmerlichen Sclaven der Feinde werden. Wie es dann kein giies An⸗ zeigen iſt/ wo der Teuffel und Welt uns zu frieden laſſen/ indeme daraus leicht zu ſchlieſſen/ daß wir ihnen auch nicht zu wider/ und alſo uberwunden/ ihre Frrunde und Feinde GOttes ſeyn muͤſſen. 21. Darum gehoͤren zum geiſtlichen Chriſten⸗Kampff Erfahrung und geubte Sinne/ ein Helden Muth und uͤbernatuͤrliche Kraͤfften und Staͤrcke des Geiſtes; ein ernſtlicher Gegenhaß wider den abgeſagten Feind/ ſeinem Anhang und Schlan⸗ gen Saamen; eine tapffere Entſchlieſſung Chriſtt Sache zu behanpten; Daß man demnach wider ſo maͤchtige auswaͤrtige und einheimtche Feinde in der Helden⸗Schul Chriſti wohl unterrichtet worden ſeye/ eine gute Ritterſchafft zu uͤben gelernet habe/ mit Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und Lincken fer⸗ tig ſeye. Daß uͤberdiß die Arme vom HErnn geſtaͤrcket/ und die Faͤuſte getehret ſeyen einen ehrenen Bogen zu ſpannen; daß Tapfferkeit/ unerſchrockener Muth/ Standhafftigkeit und Klugheit zugleich geteoſten Angriff thue unter dem Pauer Chriſt: und Beyſtand SOktes. Worbey nan ſein ſelbſt nicht zu ſchonen/ das Le⸗ den nicht theuer zu achten/ ſollte man auch mit Jaceb über dem Ringen die Huͤfften Perenten. Noch weniger/ wie einem tapffern Soldaten gebuhret/ man in die aͤndel der Nahrung ſich einflechte/ ſondern ſich alles enthalte/ maͤßig/ furſichtig ſeye/ 1. Cor. IX, 55. den Feind zu beobachten/ ſeine Schantz zu behaupten/ ſein ful⸗ nehmſtes Werck ſeyn laſſe/ und nicht achte/ wie Froſt und Hitz/ Hunger und Durſt/ Arbeit und Wachen demzaͤrtlichen Fleiſch ſo ſauer vorkomeſwetlen Sieg und Beuth den Uberwindenden alles wieder erſetzet. Danenhero iſt nothig daß man in der Maͤſ⸗ ſigkeit und Fuͤrſichtigkeit immer umguͤrtetſeye; und in den Waffen ſich finden laſſe; anbey aber auch/ und in Erkanntniß eigener Untuͤchtigkeit und Schwachheit/ imier neue Kraͤfften/ Succurs und Beyſtand aus der Hoͤhe von ſeinem Oberſten erbette; Ich lieg im Streit und wiederſtreb/ hilff O HEr: Chriſt dem Schwachen ꝛc. Zur lin⸗ cken und zur rechien Hand hilff mir thun ſtarcken Wiederſtand/ im Glauben feſt und wohl geruͤſt ꝛc. Wenn mich auch der Hoͤllen Schrecken und des Satans Grau⸗ ſamkeit etwa ſollten auferwecken um zu fuͤhren in den Streit/ ach ſo hilff HERR Feſ ſiegen ꝛc. GOtt der Vatter wohn uns bey ꝛc. u. d. g. Weilen aber auch die einde zu ſtarck/ zu liſtig; Zu vielzu verborgen/ zu nahe. So erſuchen emander die Mit⸗ ſtreiter uun Beyſzand um Gebetts Kampff fuͤr GOtt. Rom. XV, 30. Pf. CXVIII, G. ftn= edenck/ daß Moſis Gebetts⸗Kampff mehr wider Amalecvermocht/ als des Volcks Waffen 1c XVII. Wie vormahls Jacobs Krafft un Ningen beſtund im ehet und Weinen/ Hoſ. XII. 4 ach! der HErꝛ muß mit emem ſeyn fuͤr einen ſtreiten/ . CXVIII, 6. Mit unſerer Macht iſt nichts gethan/ wir ſind gar bald verlohren/ es muß ſtreiten fuͤr uns der rechte Mann/ Chriſtus muß bey uns ſeyn auf dem Plan mit ſeinem Geiſt und Gaben. Da mag es wohl heiſſen: Fortunate Puer, cui militat æther,& conjurati veniunt ad claſſicaventi. Und alſo kommt der Sieg vom HErꝛn. Sap. X, 12. Phil. IV, 13. Syr. IV, 33. Apoc. XII, It. Der kan den Muth geben und nehmen. Iſt GOtt fur uns/ wer mag wider uns ſeyn? Rom. VIII. Darbeh wird erfordert/ daß man immerhin in unverruckter Aufſicht auf den Vor⸗ gaͤnger/ Chriſtum/ den Anfaͤnger und Vollender des Glaubens/ den Exempeln ſei⸗ ner Thaten nacheyffere/ und aus ſeinen Zuſpruch: Halte an ſchone nicht/ erweiſe dich als einen rechtſchaffenen Streiter; ſey ſtarckin dem HErrn/ und in der Macht ſeiner Staͤrcke ic. widerſtehe im Glauben. Hebe auff die laͤſſ ge Haͤnde/ werde nicht matt in deinem Muth ic. Niemand wird gekronet/ er kaͤmpffe dann recht/ er ͤberwuͤnde dann/ aus ſolchen Loſungs⸗Worten/ ſage ich/ muß man immer neuen Muth bekommen/ mit Gedult zu lauffen den Kampff der verordnet iſt; Und 58 alſo SE — 2nNͤ—-nAn Leich⸗Predigt. 25 alſo im immer neuen hitzigen Anagriff es heiſſe: Mit dir/O GOtt! will ich Thaten thun. Der HErr iſt mit mir/ mir zu helffen; Pſ. 118. hier Schwerdt des HErrn und Gideon. Mit dir will ich uͤber die Mauren ſpringen/ und Kriegs Heerzu ſchmeiſſen. Ich forchte mich nicht fuͤr viel Hundert Tauſend/ die ſich uinher wider mnich legen/ wenn ſich ſchon Kriegs⸗Heer wider mich erhebet/ auf HErr! und hilff mir/ denn du ſchlaͤgeſt alle nieine Feinde auf den Backen/ und zerſchmetterſt der Gottloſen Zaͤhne; Du HErr biſt unſer Zuverſicht und Staͤrcke/ Pſ. 46. Es ſtehe Gott auff daß alle ſeinẽ Feinde zerſtreuet werden. Es ſoll weder Suͤnde/ Satan noch ſein Anhang Perdon erlangen/ biß es heiſſe: Hier liegen ſie bey Hauffen. Die Gottliche Krafft hat mich gemacht ſi ghafft; das hat der HErr gethan/ der ſtarck geweſen iſt in meiner Schwachheit. GOtt ſey Hanck/ der uns den Steg ge⸗ gebeuhat durch unſern HErrn JEſum Chriſtum. Dann den Muth ſincken laſſen/ am Sieg zweifflen/ heiſſet GOttes Huͤlffe verlaſſen/ und die Waffen wider ſich ſel⸗ ber kehren. Apoc. XXI, 7. 8. Esſcheinenaber uͤberfluͤſſige Worte zu ſeyn/ wann es heiſſet: Den Kampff käͤmpffen/ wie ebenfals 1. Tim. VI, 1I. allein/ es wird damit angezeiget/ der Ernſt/ Fleiß/ Wichtigkeit/ Laͤnge und Schwaͤrigkeit/ der Sache/ aber auch die darbey bewiſſene Hertzhafftigkeit/ ohne Forcht/ die Standhafftigkeit und drauffſetzen ohne Nachgeben. Daß es nemlich müſſe klnglich/ maͤnnlich/ ritterlich/ beſtaͤndig/ mit Anwendung aller Kraͤfften gefochten ſeyu/ daß es nicht gelte dte Haͤnde in die Schoß legen/ oder eine Fauſt im Sack ma⸗ chen/ leere Lufftſtreiche thun; ſondern daß man dem Feind widerſtehe/ ſeine Anlaͤuf⸗ ſe abtreibe/ ihme nicht den geringſten Lufft oder Vortheil laſſe/ nicht ein Haar breit weiche/ ſeinen Poſten behaͤupte ihme einen Streich nach dem andern anbringe; in der Sefahr das Vertrauen nicht wegwerffe/ die Haͤnde nicht fincken laſſe/ ſondern leide/ dulde/ außharre. Nobile vincendi genus patientia, vincit, qui patitur; ſi vis vincere, Hiſcepati: Gedultig halten aus/ heiſt edeluͤberwinden; Wer leidet/ der gewinnet: thu jenes/ diß zu finden! Wie Hiob ſolche tapffere Reſolurion faſſet/ wider den Koͤnig des Schroͤckens/ Ich harre/ indem ich ſtreite/ biß ich meine Veraͤnderung ſehe/ d. XIV, 14. Doch nicht/ wie einige Ayſtici ſcheinen zu wollen/ durch Einwilligung in das Boͤſe; ſondern daß man ſich nicht das Boͤſe üͤberwinden laſſe/ ſondern uͤber⸗ winde das Boͤſe mit Gutem. Wie ein Soldat/ der Froſt und Hihe/ Hunger und Durſt/ Schlaͤge und Wunden über ſeiner Ritterſchafft ausſtehen muß/ aber ſeine Mahlzeichen fuͤr lauter Kleinodien und Sieges⸗Kraͤntzlein achtet. Phil. I, 29. 30. VI, 17. Daß da keine Ruhe fuͤr das Fleiſch geſuchet/ noch Stillſtand mit der Suͤnde gemacht werde/ ſondern/ daß man immer zu Felde liege/ 2. Sam. XI, II. in der einen Hand das Schwerdt/ in der andern die Keſle führe/ Nehem. IV, 17. und in der That erweiſe/ daß der Glaube kein muͤſſiges/ traͤges/ forchtſames Ding ſeye/ ſondern eine Gottes Krafſt/ trotzig und muthig/ ꝛc. F. C. Hecl. Sol. p. 281.& Præf. ad Rom. Der wie David mit Goliath/ wie Sunſon mit den Philiſtern/ den Feinden den Garaus mache. 1. oh. V. 6 Darbey hat man aber vornemlich der rechten Mittel/ Wehr und Waffen zu gebrauchen. Wenn der Glaube angeſochten wird nut Zweiffel/ daß man umguͤr⸗ ke den Guͤrtel Gottlicher Warheit/ die nicht fehlen kan/ bewahret und frey ina: chet. Wenn das Gewiſſen angefochten wird von der Sunde daß man ſich ver⸗ wahre mit dem Krebs der Gerechtigkeit Chriſti. Daß man wider den Zern Go⸗ tes ſich ſchutze mit dem Evangelio des Fudeus Wird man angefochten von dem 14 ⸗ k. 2— 2—öxöxöxöͤͤ—— .——— — —— —— 1 8' 1 8 1 1 1 26 Chriſtliche liſtigen Raͤncken des Boͤßwichts/ verfuͤhriſchen Worten der Irr⸗Beiſter/ daß man ergreiffe das Schwerdt des Geiſtes/ das zweyſchneidige Wort Gottes/ und darmit entzwey haue alle Stricke und Knotten des Satans. Oder/ wie der geuͤbte Lutherus dieſen Anſchlaggiebt: Ficht dich Hoffart an/ ſiehe/ wie dein HERR verſpottet/ und mit den Schaͤchern verachtet wird. Stoͤßt dich Unkeuſchheit und Luſt an/ dencke wie bitterlich Chriſt zartes Zleiſch gegeiſſelt durchſtochen und zuſchlagen worden. Reitzet die Eitelkeit und Guͤter dieſer Welt/ ſiehe/ wie arm Chriſtus um deinet willen wordeniſt. Zicht dich Haß/ Neid und Rache an/ gedencke wie Chriſtus mit vielen Thraͤnen und Ruffen fuͤr dich und alle ſeine Feinde gebetten habe/ der ſich wohl billicher haͤtte raͤchen koͤnnen/ als du. So dich ein Wehe⸗Tag oder Kranckheit beſchweret/ deucke wi gering ſolches ſeye gegen die Dorne⸗Cron und Nagel Chriſti. So dich Truͤbſaal oder einigerley Widerwaͤrtigkeit leiblich oder geiſtiich bekuͤmmert/ ſtaͤrcke dein Hertz und ſprich: Ey/ warum ſolte ich nicht auch ein klein Betruͤbniß leiden? ſo mem HERR fuͤr Angſt und Betruͤbniß Blut im Garten ſchwitzet. Ein fauler und ſchaͤndlicher Knecht waͤre das/ der auff dem Bette liegen wolte/ wenn ſein HErr in Todes⸗No⸗ chen ſtreiten muß. Dieſes wird in gebundener Rede folgent er maſſen ausge⸗ drucket: Wenn Zochmuth ſich in dir empor will ſchwingen/ So ſetze JEſu Demuth an die Stell. Will boſe Luſt ſich in den Willen dringen/. Mach! daß ſie IEſu Beuſchheit niederfäll. Wenn Ehr⸗ und Geldſucht dich ficht an/ Verſuch was JEſu Armuth kan. Wirſt du Verlaugnung bey Ihm lernen, Wird Eigen⸗Lieb ſich dald entfernen. So kanſt du dann mit Paulo freudig ſagen: „Ich lebe nicht/ dann Chriſtus lebt in mir. Bein Feind wird ſeyn/ den du nicht konteſt ſchlagen/ Dieweil der Zeld/ dein JlEſus iſt mit dir. So offt ſich regt ein neuer Krieg/ Gebuͤhrt ſich dir ein neuer Sieg⸗ Wen ſolten dieſe Seeligkeiten/ Nicht von der Welt zu JESu leiten? Denn in Chriſti Leyden/ Streiten/ Creutz und Tod iſt die groͤſte Krafft und Sieg uber alle Feinde/ Heb. XlI. Setze Chriſtum wider den Satan/ Geiſt wider das Fleiſch/ Glauben wider die Weit/ und ſiehe/ wie du weit uͤberwinden wirſt in dem der dich geliebet hat/ Rom. VIII. Es iſt aber hier die Rede nicht von einem jeden/ ſondern von einem guten Kampff/ im Gegenſat eines ſo wohl boͤſen Kampffs wider SOtt/ ſeinen Geiſt/ und das Gute/ Act. VII. Da der Anti⸗Chriſtiſche und fleiſchliche Sinn ſich ſetzet wider alles/ das gut iſt/ 2. Theſſ. II. Hebr. X. und auff Cyclopiſche Weiſe ſich ſel⸗ ber unterſtehen darff den Himmel zu ſtürmen/ Ac. V. des von Natur gewoͤhn⸗ lichen Leich⸗Predigt. 27 ſichen Kampffs der Affecten und Vernunfft/ da bald Liebe/ bald Haß/ bald Geitz/ bald Verſchwendung/ bald Hoffart/ bald Niedergeſchlagenheit/ bald Freude/ bald Traurigkeit/ das Hertz beunruhigen/ Jac. IV, 1. Eines betruͤglichen Kampffs zum aͤuſſerlichen Schein/ da man ſich wider die Feinde und Laſter feindſeeligſtellet/ undeſſen mit ihnen in einer henauen Verſtaͤndniß iſt/ und nur Lufft⸗Streiche thut/ oder in der geringſten Gefahr den Muth ſincken laſſet/ Hlebr. XII. Daß das Hertz verzagt/ wie eines Weibes in Kindsnoͤthen/ Jer. XXIX, 22. Als auch eines unzulanglichen Kampffs des Fleiſches und der Vernunfft/ der GOtt verhaßten Neutralitat/ Zaͤrtlichkeit/ Traͤgheit oder unzeitigen Verſchonung der Feinde; ja dem gaͤntzlichen Nachgeben/ Gefangengeben und Unterliegen/ ꝛc. Sonderu/ da im Gegentheil die biß daher verborgene Feinde offenbahr werden/ unter denen manbißher unvermerckt/ als unter Moͤrdern geſeſſen⸗ von denen man/ mit An⸗ ugen groſſer Gewalt ſeiner eigenen Natur ſich muß loßreiſſen/ und/ da mnan un enes vermeinet im gutenFrieden zu ſtehenſjetzo erſt innen wird/ daß Chriſtus nicht lommen ſeye Frieden zu ſenden/ ſondern das Schwerdt. Es wird demnach eines guten Kampfſs gedacht/ weil derſelbe ſolle gut ſeynſin/ an/ und fuͤr ſich/ uͤber einer guten und gerechten Sache/ Regelmaͤſſig/ auff rechte Art und Weiß/ und zum rechten Zweck geſchehen/ 2. Tim. II, 5. Daß man nicht eigenwilligen Streit errege/ noch die Feinde ſelbſt wider ſich reitze/ oder ohnnoͤthig in Gefahr ſich begebe; ſondern daß man die Kriege des HErrn/ mit dem HErrn/ in dem HErrn/ fuͤr den HErrn und fur Glauben und gut Gewiſſen fuͤhre/ nach dem guten/ vollkommenen und wohlgefaͤlligen Willen des HErrn/ Rom. XII, 2. 2 Sain. X, 12. Ihrnie und ſeiner Ehre und Lehre vortraͤs ich dem Raͤchſten erbaulich/ lieblich und nuͤtzlich zu ſehen und darvon zu hoͤren/ Phil. I, 30. Hebr. XIII, 7. Dein Kaͤpffenden ſelber aber auch loblich undh ilſam/ im Fortgang tapffer/ im Ausgang glüͤcklich/ und ſiegreich in Abwendung des Boͤſen und Behauptung des Guten; wie das jederz it wurde fuür den ſchoͤnſten und ruͤhmlichſten Kampff gehalten/ wenn man uͤber dem Kampffen das Leben auffgab. Pulchrum eſt pro patria mori, I. Cor. IX, 15. Darum der Glaubtgen Martyrer Todfur HOttder allerwehrteſte geachtet iſt. Pf. CXVI, IS. Dabey der Ausgang/ 3das Ziel/ der Zweck/ der Srgtmuee das erſte ſeyn ſolle in der Intention und Eyffer des Glaubens⸗Kampffs; Die naͤchſte Sorge aber fuͤr die rechte Mittel/ Wehr/ und Waffen; ſo dann/ wie man ſeine Tapfferkeit erweiſen/ den Zuſchauern zur Nachfolge ein ſchoͤnes Exempel geben/ Phil III, 17. I. Cor. II, 1. und das Feld behalten moͤge. Ingedenck/ daß/ je hoͤher der Stand/ je wichtiger das Ampt/ je heiliger der Beruff/ je groſſer der Feind/ je mehr der Hindernuͤſſen/ je efaͤhrlicher die Verſaͤumung/ je ernſtlicher der Kampff/ Fleiß/ und Sorgfalt muͤſſe eyn. Sonderheitlich/ wo neben dem gemeinen Chriſtenſtand/ manvielfaͤltigen ſon⸗ derbahren Amts⸗Kampff zu kaͤmpffen hat mit allerhand Monſtris, wilden Thieren/ wie Paulus zu Epheſo, 1. Cor. XV, 32. mit allerhand falſchen Apoſteln/ Irꝛ Gei⸗ ſtern/ Anti⸗Chriſten/ Ketzereyen/ Secten/ Irꝛthummern/ Laſtern/ Aergernuͤſſen/ Teubenen unger Bloͤſſe/ Schande/ Gefaͤhrlichkeiten/ 2. Cor. 11. Match. X, 34. .„I. 1ed7. Daß man ſich. demnach/ und weil aus einem guten Krieg ein erwuͤnſchter Fri⸗ de entſtehen muß/ taͤglicher Anlaͤuffe verſehe/ vielfaͤltigen Anfall ſich nicht be⸗ frembden/ langwuͤrrige Unruhe nicht muͤde machen/ keine Gefahr abſchrecken laſſe; dem Ubel nicht weiche/ ſondern immer getroſter entgegen gehe; und ſich alſo zur An⸗ fechtung ſchicke/ ſich leide/ Stand halte/ nicht weiche; ſich an Gott halte/ auf daß man immer ſtaͤrcker werde. Syr. II, 1. daß man ſich verſehe mit der geiſtlichen Rüͤ⸗ ſtung/ Eph. VI. Auf den Nainen des HErꝛn/ Schirm und Schutz Gottes/ als f Mmöääͤaraäͤũgug,u¶amuwulAuwoym 28 Chriſtliche ne rechte Burg und Veſtung traue; mit GOttes Wort ſich feſt mache/ ſich ſelbſt auf muntere/ und aus den Exempeln der Alten und Vorgaͤnger/ da keiner jemahls ver⸗ laſſen worden/ der auf den HErrn gehoffet hat/ in ſeiner Hoffnung geſtaͤrcket/ und, alſo geübet werde in allerley Erkantnuß und Erfahrung/ vom Glauben in Glau⸗ ben/ von Krafft in Krafft gehe; aus jeder Acion geuͤbtere Sinne/ zum Unterſcheld des Buten und Boſen/ mehrere Staͤrcke des Geiſtes/ geſchicktere Art dem Feind zu begegnen/ und aus jedem Sieg neue Hoffnung der volligen Freyheit erlange/ und im Glauben die Welt ſchon überwunde habe/ 1. Joh. V. Und alſo fort im Glauben man darreiche die Tugend/ und in der Tugend Beſcheidenhett/ und in der Beſchei⸗ denheit Maͤſſigkeit/ und in der Maͤſſigkeit Sedult/ undin der Gedult Gottſteligkeit/ und in der Gottſeeligkeit bruͤderliche Liebe/ und in der bruͤderlichen Liebe allgemeine Liebe. Dann/ wo ſolches reichlich iſt/ wird es keinem faul noch unfruchtbarſeyn laſſen/ in der Erkaͤntniß unſers HEren IEſu Chriſti. Welcher aber ſolches nicht hat/ der iſt blind/ und tappet mit der Hand/ und vergiſſet der Reinigung ſeiner vo⸗ rigen Suͤnden. Wer aber deſto mehr Fleiß thut/ ſeinen Beruff und Erwoͤhlung feſt zu machen/ der wirdnicht ſtrauchlen; und alſo wird ihme reichlich dar⸗ gereicht werden der Eingang in das ewige Reich unſers HErrn und Heylandes IEſu Chriſti/ 2. Petr. I. Von einem ſolchen iſt nun fern/ daß er ſolte Gemeinſchafft haben wollen mit den unfruchtbaren Wercken derFinſternuͤß/ ſondern wird dieſelbe vielmehr ſtraffen;ſich huͤten/ daß er ſich von keiner Luſt/ Ehre/ Geld/ o⸗ der Gewalt beherrſchen laſſe; ingedenck/ daß/ von wem man uͤberwunden/ des Knecht ſeye man worden/ Rom. VI, 16. ſondern er beſtehet in der Freyheit von aller Eitel⸗ keit und Anhaͤngigkeit/ und erhaͤlt einen Sieg nach dem andern uͤber ſich ſelbſt: wel⸗ ches die gro te Tapfferkeit iſt/ Prov. XVI, 32. und alſo folglich uͤber alle Welt/ Suͤnde und Sata/ als welche ohne des Menſchen Einwilligung ihme nichts anhaben/ noch ſchaden koͤnnen..— Derrohalben laͤſſet ein ſolcher dem Fleiſch keinen Raum/ betaͤubet ſeinen Leib/ toͤdtet des Fleiſches Geſchaͤffte/ reiſſet die aͤrgerlichen Glieder des alten Adams aus/ und hauet ſie ab/ Matth. 18. nimmt ſeine Vernunfft gefangen; und iſt ihm üͤbrig genug/ daß er die vergangene Zeit zugebracht nach Heydniſchen Willen/ 1. Pet. IV, 2. 3. ſonderlich/ Eph. II, 2. 3. und ſiehet ſich für vor ſeinem eigenen Geiſt/ Mal. II, 15. Wtiderſtehet den Satanmit Wachen/ Faſten und Betten/ Iac IV. meidet nicht weni⸗ ger als ihren Principalen ſelbſt/ die aus des Satans Schule ſind/ Marth. VII Apoc. I. kündiget der Welt die Freundſchafft und Gleichſtellung offenhertzig auf; verach⸗ tet deren Eitelkeit/ Schmach/ Verfolgung/ Einwuͤrffe und Reitzungen großmuͤ⸗ thig; und damit er nicht in das ungoͤttliche Weſen mit eingeflochten werde/ meidet er alle Gelegenheit; und wuͤrde lieber wollen ſterben/ als ſundigen/ und ſich an dem Namen ſeines GOttes vergreiffen/ Bund/ Glauben und Gewiſſen verletzen. Sich immer vorſtellend/ daß ez kein Kampff ſeye um eine vergaͤngliche Ero⸗ ne/ ſondern fuͤr das unbefleckte und unverwelckliche Erbe das behalten iſt im Him⸗ mel; nicht um Holtz und Stein/ ſondern um das hinunliſche Jeruſalem/ ewige Perlen und Kleinod. Vornehmlich zwar/ daß man das kuͤnfftige erreiche/ aber auch das Gegenwaͤrtige/ und was bereits/ dem Recht nach einem zugehoͤrt/ im Glauben wuͤrcklich beſitzet und genuͤſſet/ nicht verliehre; das/ was man bereits er⸗ rungen/ und erarbeitet hat/ nicht ſo leicht verſchertze/ ſondern behalte/ was einemn gegeben worden/ daß ihme niemand ſeine Crone nehme/ Apoc. III, 7. 2. Ep. Joh. v. 8. daher ſo lang unermuͤdet anhalte/ biß man der Feinde Meiſter/ der vorigen Freyheit Beſitzer worden; und daher bereits in dem Leben unter die Jünglinge ge⸗ hore/ welche ſtarck ſeyn/ und den Boͤßwicht uͤberwunden haben/ 1. Joh. V. 4. als Chriſti Angehoͤrige/ ihr Fleiſch wuͤrcklich gekreutziget/ Gal. V, 24. und die Welt durch den Glauben und des Lammes Blut uͤberwunden haben/ Apoc. 12. Demnach immer nach dem vergangenen zur Hoffnung/ daß cs auch kuͤnfftig gelin⸗ ääöäãããͤãͤͤͤ Leich⸗Predigt. 29 gelingen werdeſeines Siegs nach dem andern ſich in der Warheit rühmen und ſagen konne: Run GOttlob! durch ſeine Gnade iſt wieder ein Feind gedaͤmpffet/ ob ich ſchon mehrere vor mir ſehe/ und mir viele noch unbekannt ſeyn/ ſo will ich doch nicht nachlaſſen/ biß einer nach dem andern erliegen muͤſſe. Daß deinnach die Sunde nuũermehr herrſche/ noch die Glieder begeben werden zu Waffen der Ungerechtigkeit/ Rom. VI. wird eine grundliche Erkantniß der Tieffe des Verderbens/ allerley Arten und Graden der Sunden/ ernſtlicher Haß wider die⸗ ſeibe/ ſo wohl grobe/ als vornemlich ſubtilere Boßheiten/ erfordert/ und eine Vermei⸗ dung aller Gelegenheit/ Syr. XIII.. Sap. II. Wer kanunter Schlangen und Scor⸗ ionen/ unter Mordern und Raͤubern wohnen/ und micht Schaden leiden? Es ge⸗ hort viel darzu ein Daniel unter den Lowen/ ein Joſeph unter den Weibern/ ein Loth in Sodom bleiben. Es iſt vielleichter/ daß ein Boſer zehen Fromme verkehre/ als zehen Frome einen Boͤſen beſſern/ weil das Boͤſe immer eher als das Guteeingehet. Aubey aber auch eine taͤgliche Buß/ wegen der vergangenen Suͤnden/ eine glaubige Ergreiffung der Unſchuld nnd Ausſoͤhnung des Suͤnden⸗Buͤßers und Suͤnden⸗Til⸗ gers zur Vergebung/ und eine ernſtliche Aus zitte der Krafft ſeines Bluts und Geiſtes zur Retutgung von Suͤnden/ folglich ein Fleiß der Gerechtigkeit/ Heiligkeit/ Un⸗ ſchuld und Vollkommenheit/ in der Liebe zum Guten/ und Kampff B. Auffs Blut wider das Boͤſe/ Hebr. XII, 4. daß man nicht zur verdammlichen Entſchuldigung ſeiner Traͤgheit/ welche die Suͤnde verurſachet/l. c. Matth. Xl. und/(welches ſchrock⸗ lich iſt /) der Suͤnden Liebe/zur Verringerung der beyſtehenden Krafft Chriſti gegen der Suͤnden⸗Macht/ de Unmoglichkeit von Suͤnden laſſen zu koͤnnẽ vorſchutz wider Rom. VI, 12. 14. I. Jch. III, 9. Gal. V, 15. 17. Dann/ ſo viel man der Suͤnde/ auch der Herrſchafft einer einigen Suͤnden Platz gibt/ ſo viel raͤumt man dem Sa⸗ tan ein/ 1. Joh. III, 8. Joh. VIII, 44. ob einer nun von einem gantzen Hauffen Feind zugleich/ oder von einem eintzelen Soldaten oder Stall⸗Buden gefangen oder er⸗ ſclagen wird und mh iſt doch der Sieg und Leben verlohren. Darummuß man trachten abzulegen alle Sunde/ ſo anklebet/ und traͤge machet/ Hebr. XII, r. Man muß nickt nachlaͤſſig ſeyn/ ſich zu retnigen/ von aller Befleckung des Fleiſches und des Geiſtes/ 2. Cor. VII, 1. Damit ma nicht/ ohne Ablegung der Sunde/ nach dem vorigen Wandel/ Eph. IV, 1. Petr. IV. Hebr. XII. voin Boſen uͤberwunden werde/ ſo dern ůber winde das Boͤſe mit Gutem/ Rom. XII, 21. Sy r. XXI, 2. Sinte⸗ mahl wohl zu beſorgen/ die Gottliche Snad/ die ein ſolcher ſolang verſchmaͤhet hat/ werde ſchwerlich o5 ihm ſchweben/ Syr. V. XVIII. und Luc. XII. Uno ſo iſt zugleich auch der Satan/ der ſtarcke Gewapnete/ Luc. XI, 21.(Vor deme man ſich doch nicht zu viel/ wie vor einem Rieſen die Heuſchrecken/ zu fuͤrch⸗ ten/ Num. XIII, 34.) beſieget/ wenn man ihme ſein Werck/ und der Suͤnde ihren Willen nicht laͤſfet/ wie GOtt der HErr vor ſolchein unruhigen Ubel warnet/ Gen. IV,. Die Suͤnde ruhet für der Thuͤr/ aber laß du ihr ihren Wil⸗ len nicht/ ſondern herrſche uͤber ſie. Alſo/ daß man auch gleich die erſte Bewegungen und Reitzungen der boͤſen Luſt daͤmpffe/ Jac. I. Denn wenn man nur einen Feind nach dem andern durch ein kleines Thorlein einlaſſet/ nimmt er endlich die gantze Stadt eiu. Wer eine Sch ange im Buſen heget/ den wird ſie endlich zu todt ſtechen. Darum/ ob ſchon der Satan ein ſtarcker Gewapneter/ ein GOtt der Welt/ ein HErr und Herrſcher unter dem Himmel in der Finſternuͤß dieſer Welt/ ein Tauſtud⸗Kuͤnſtler und behender Feind/ eine argliſtige Schlange iſt/ ſo iſt er doch gerichtet/ ſein Recht und Macht ihme genommen/ gebunden und eingeſchrencket/ daß er muß dem ernſtlichen Widerſtand der Glaubigen weichen ein Woͤrtlein/ im Na⸗ men und Krafft IEſu/ kan ihnfaͤllen; wenn ſonſt aller Welt Macht ihme muß unter⸗ liegen. Match. IV,. Eph. II, 2. Col I, 13. 1. Johl. V, 19. und dakein Goliath ſich wi⸗ der ihn zu ruhmen hat; als welcher/ als der ungeheure Leviathan auch der bebenden Lantzen ppottet/ Job. XLI. ſo kan ihn doch ein llene David in der Krafft des noch ſtaͤr⸗ 8.— ————— . l A 1 ' ' 1 3 G G 8 ſ n 1 ¹ l 30 Chriſtliche— ſtaͤrckern Helden/ Hoͤllen⸗Bezwingers und Schlangen Tretters/ Shriſt ſuͤberwin⸗ den/ Luc. XI. wie Jacobus darzu einen Muth einſpricht: Ep. c. IV, v. ⁷. Seyd GOtt unterthaͤnig/ widerſtehet dem Teuffel/ ſo fliehet er von euch; Sintemahl dieſe Art nicht ausfaͤhret/ als durch Faſten und Betten/ Matth. XVII, 21. I. Petr. V, 8. Und wie er ein Fliegen⸗Koͤnig heiſſet/ ſo macht ers wie die Mu⸗ kken/ welche immer wieder kommen/ wenn man ſie ſchon einmahl abgetrieben hat/ Luc. XI. darum iſt einen Chriſtlichen Streiter nicht genug den Satan nur einmahl abgetriebenzu haben; er verhuͤtet immer ſeine Wiederkunfft/ und ſieht ſich vor/ fur dein boͤſen Stundlein/ daß er nicht muͤſſig angetroffen oder übereilet werde. Er ſpricht zu dieſem großſprechenden hoͤlliſchen Goliath/ du kommſt zumir mit Schwerd/ Schild und Spieß/ ich aber komm zu dir im Namen des HEtrn Zebaoth. Will des Feindes Grauſamkeit ſchroͤck n/ ſo erinnert nian ſich Chriſti verheiſſenen Beyſtandes/ 2. Cor. XII, 9. Eſ. XLI, r0. Hebr. XII. Ich will dich nicht verſaͤumen noch verlaſſen/ Syr. II. Weiche nicht/ ĩe.— Wie man aber widerſtehen/ und was fuͤr bewehrte Wuffen und Nuͤſtung man wider dieſen maͤchtigen Feind nachdruͤcklich gebrauchen ſolle/ daß man ſein Meiſter werde? gibt Paulus aus dem geiſtlichen Zeughauß an die Hant/ Eph. VI, 10.—19. Seyd ſtarck in dem HErrn/ und in der Macht ſeiner Staͤrcke. Ziehet an den Harniſch GOttes/ daß ihr beſtehen koͤnnet gegen die liſtige An⸗ laͤuffe des Teuffels. Dann wir haben nicht(nur allein) mit Fleiſch und Blut zu kaͤmpffen/ ſondern mit Fuͤrſten und Gewaltigen/ nemlich mit den Herren der Welt, die in der Fuͤnſternuͤß dieſer Welt herr⸗ ſchen/ mit den boͤſen Geiſtern unter dem Himmel: Um deß willen ſo ergreiffet den Harniſch GOttes/ auf daß Ihr/ wenn das boͤſe Stuͤndlein kommt/ Widerſtand thun/ alles wohl ausrichten und das Zeld behalten moͤget. So ſtehet nun/ umgurtet eure Lenden mit Warheit/ und angezogen mit dem Krebs der Gerechtigkeit/ und an Beinen geſtiffelt/ als fertig zu treiben das Evangelium des Friedens/ damit ihr bereitet ſey. Vor allen Dingen aber ergrelffet den Schild des Glaubens/ mit welchem ihr ausloſchen koͤnnet alle feurige Pfeile des Boßwichts. Und nehmet den Heim des Heyls/ und das Schwerdt des Geiſtes/ welches iſt das Wort GOttes. Und bettet ſtets in allem Anliegen/ mit Bettenund Flehen im Geiſt/ und wachet darzu mit allem Anhalten fuͤr alle Heiligen. Biß man das Zeugniß er⸗ halten/ daß man in obgedachten muthigen Juͤnglings Kraͤfften/ den Boͤßwicht überwunden/ 1. Ioh. II, 13. 14. den Satanunker ſeine Fuͤſſe getretten/ Rom. XVI, 20. auf Loͤwen und Nattern gehen koͤnne. Findet alſo der maͤchtigſte und abgeſagte Haupt⸗Feind ſo kraͤffligen Wider⸗ ſtand/ daß man nur niemahlen ſeinen Willen indeſſen Zumuthen ergiebet/ daß es in Warheit heiſſe: Es kommt der Fuͤrſt dieſer Welt/ aber er hat nichts an mir; So wird einen Glaubens⸗Helden die Welt noch weniger anhaben koͤnnen; manwird durch reſolute Verlaͤugnung ihre Liebe/ Freundſchafft/ Gleichſtellung/ Guͤter/ mühſeelige und gefaͤhrliche Herrlichkeit bald uͤberwinden/ undihren Haß mit groß⸗ muͤthiger Verachtung ertragen. Ihre Augen euſt Sleiſches Luſ und hoffaͤrtiges Weſen wird einem Laſt und Eckel ſeyn/ 1. Ioh. II. und wenn man auch die gantze Welt gewinnen koͤnnte/ Matth. IV.& XVI. Wird man Chriſtum und ſeine Schmach und Ungemach fuͤr hoͤhern Gewinn und Reichthum achten/ als alle Schaͤtze Egypti/ Hebr. XI, 29. Phil.III, 8, und ehe man deren Ergotzung ſuchen ſt b te/ Leich⸗Predigt. 31 *e/ wird man lieber wollen der Welt gecreutziget ſeyn und abſterben/ Gal. VI, 14. Col. II, 20. Auch ſich nicht laſſen wieder einflechten/ damit nicht das Letzte aͤrger werde/ deun das erſte/ 2. Petr. II, 2 1. Ezech. XVIII. Der Welt Freundſchafft wird inan fuür GOttes Feindſchafft achten/ Jac. IV. Der Welt brauchen/ daß man derer nicht mißbrauche/ I. Cor. VII. Muß mau in der Welt/ ſo wird man doch nicht be⸗ gehren von der Welt zu ſeyn/ Ioh. XVII. Und wo inan ſeiner ſelbſt nicht ſchonet/ die Affecten gleich in ihrer erſten Regung daͤmpffet/ die Kinder Belial und Babels an einen Stein zerſchmettert/ wird bald das Leben des Fleiſches nach dem Fleiſch aufhoren/ das Geluͤſten des Geiſtes wider das Fleiſch Ober⸗Hand bekommen/ Rom. VIII. Gal. V. Der alte Adam verſchmachten und verweſen muſſen/ Eph. IV. 2. Cor. V. Der Eigen⸗Will/ Ligen⸗Siun⸗ Eigen⸗ Nutz/ Eigen⸗Chren/ welches alles mit zum Fleiſch gehoͤret/ Joh. III, 6.(beſiehe die Unſchatzbare Vorrede Lutheri uͤber die Ep. an die Roͤmer) abgelegt/ die Begierd⸗ ten gezaͤhmet/ der Sinn gantz geaͤndert/ ein neu Hertz geſchaffen/ und die neue Crea⸗ tur/ der geiſtliche Menſch gezeuget und Meiſter werden. Dann wie dieſes ein ſchlech⸗ ter Held iſt/ welcher andere meiſtern will/ ſich ſelbſten aber nicht zwingen und uͤber⸗ winden kan/ ſondern ſich taͤglich von ſeinen Affe cten/ ‚eitz/ Zorn/ Hoffarth/ und Flei⸗ ſchesLuſt bemeiſtern laͤſt; ſo heiſſet es billich: Fortior eſt, qui ſe, quam qui fortis- ſima vincit mœnia, Wer ſeines Muths Herr iſt/ der iſt ſtaͤrcker/ denn der Stadte gewinnet/ Prov. XVI, 22. Imperare ſibi, maximum imperium eſt. Auch die Verſuchungen und der Kampff mit GOtt/ wo man in Demuth und Gedult mit Gebet anhaͤlt/ wie Jacob/ ich laſſe dich nicht/ du ſeegneſt mich dann/ wird ein Ende gewinnen/ daß mans konne ertragen/ und das Zeugnuß erhalte: Du haſt mit GOtt und Menſchen gekaͤmpffet/ und biſt obgelegen; indeine ſich GOtt gar Pern von den Seinigen üͤberwinden laͤſſet/ wie ein Vatter/ der mit dem Kind ſcher⸗ het. Und wie ſolte GOttes Feinds Geſtalt nicht in die freundlichſſe Begegnungen verwandelt werden? Wenn man die Proben der gemilderten Verſuchungen/ 1. Cor. X. mit Anhalten des Gebets ausdauret/ und ihme entgegen haͤlt: Ich laſſe dich nicht/ du ſegneſt mich dann. Und nach der gemeinen Uberſetzung: Wenn mich der HERRgleich toͤdten wolte/ ſo will ich dannoch auff Ihn hoffen/ Iob. XIII, 15. Sey mir nux nicht ſchroͤcklich/ du meine Zuverſicht! dennoch bleib ich ſtets an dir/ Pſ. LXXIII, 23. Und ob es wehrt biß in die Nacht ꝛc. Ob ſichs anließ/ als er wolt dchehas ich uuchs doch nicht ſchroͤcken ꝛc. ſo wird es heſſen: Dein Glaub hat dir ge⸗ olffen. und ſo wird auch zugleich der letzte Feind/ 1. Cor. XV, 26. der Tod ſelber ge⸗ toͤdtet/ wann durch die Krafft des Lebens⸗Fuͤrſten und ſeines Todtes/ deſſen Stachel die Sunde zerbrochen/ und durch ſein Leben und Aufferſtehung/ wie durch das heil⸗ ſame Holtz zu Mara/ die Todes⸗Furcht und Bitterkeit verſuſſet/ das geiſtliche Licht und Leben des Glaubens/ wie erworben/ ſo mitgetheilet worden/ daß man nimmer ſich ſelber/ ſondern GOtt lebet im Glauben; ſo hat man Verſicherung/ daß man nummer konne ſterben/ ob man gleich ſterbe; weil man taͤglich ſtirbt/ und durch viel⸗ faͤltigen Todt ins wahre Leben ummertieffer eindringet; daß auch endlich die Tren⸗ nung Leibes und der Seelen nicht eigentlich ein Tod/ ſondern ein Ende der Sterb⸗ lichkeit/ und erwuͤnſchter Durchbruch ine ewige/ vollkommenſte und ſeeligſte Leben ſeyn werde/ Ioh. V, 24. 40.c. VIII,§J. c. X, 28. c. XI, 25. Rom. VIII, 11. Sehet/ ſo erhaͤlt man einen Sieg nach dem and ern/ Pſ. LXXXIV, 4. und nimmt/ mit Sim⸗ ſon/ mehr Feinde mit in den Tod/ als man im Leben erlegt hat/ Jud. XVI, 30. Wie Chriſtus durch ſeinen Tod dem Tod die Macht genommen/ Hebr. II. der Schlan⸗ gen den Stachel/ dem Goliath den Spieß zerbrochen/ und mit ſeinem eigenen Schwerdt ſelben getodtet hat. 1 Wie es nun kein Spiegel⸗Fechten mit dei Chriſten⸗Kampff/ keine Kurdwell no —õ— 32 Chriſtliche noch Muͤſſigang iſt; ſo iſt derſelbe auch nicht vergebens/ noch eiwig/ ſondern hat ſeine Zeit/ Ziel/ Maß und Frucht/ kan ausgekaͤmpffet werden; ſonderlich/ wann man in der Krafft des Geiſtes einen geiſlichen Glaubens⸗Kampff kaͤmpffet. Durch welche Specificirung 1. Tim. VI, 12. ſo wohl die Art als Waffen des Kampfs angezeigt werden; daß nemmlich die Waffen der Geiſtlichen Ritterſchafft nicht ſcyen fleiſchlich/ ſondern geiſtlich und maͤchtigzu zerſtoͤren die Befeſtungen/ 2. Cor. X,.5. da wider geiſtliche und unſichtbare Feinde/ weder Chriſam noch Weyh⸗Waſſer/ weder auſſerliches Zeichen noch Creutz etwas vermag; ſondern es muͤſſen geiſtliche Kraͤfften und Waffen den boͤſen Geiſtern entgegen geſetzet werden. Es muß ſich ci⸗ ne würckliche Abſonderung und Gegenſtand wider die Feinde finden/ ein Stand wahrer Buſſe/ der Lehre und Krafft des Glaubens; der Bereinigung mit Chriſto/ des rechtſchaffenen Weſens/ der Redlichkeit und Treue eines guten Gewiſſens/ gil⸗ ter Wercke/ Eyffers des Beruffs/ rechter Gebrauch der geiſtlichen Kraͤfften/ unter dem Schutz und Panier GOttes/ im Trieb und Anfuͤheung des guten Geiſtes; da wird der letzte Kampffdeſto leichter/ das Gemuͤth deſto ruhiger/ der Sieg deſto ge⸗ wiſſer/ Pſ. XXVII... Und ſolcher Kampff muß taͤglich/ ja ſtuͤndlich gekaͤmpffet werden/ ohne ſei⸗ ner ſeibſten zu ſchonen/ ohne die Arbeit und Gefahr zu fliehen; indeme den Verzag⸗ ten und Zaͤrtlingen das Urtheil ſchon gefäͤllet iſt/ Apoc. XXI, 8&. Dann/ ſo lang der Strett waͤhret/ hat kein Feind gewonnen/ ſo laug kan er auch nicht ſchaden. Aber da muß mans nicht anſtehenlaſſen/ biß der Feind die Ober⸗Hand und alle Vortheile Pelwonnee ebeſte Kraͤfften und Gelegenheit/ verſcwunden ſind; da man aus Blindheit und Fuͤhlloſſigkeit die Feſſel und Sclaverey nicht mercken wollen/ wie tieff man in die Knechtſchafft des Verderbens verſuncken ſeye. Dannenhero das noͤthig⸗ ſte nicht zu ver paren biß auffs letzte/ im Todes⸗Kampff nicht erſt anzufangen der Chriſten⸗Kampff/ der Buß⸗Kampff; da die Laſt/ die Noth/ die Anlaͤuffe zu groß/ der Feinde zu viel/ die Kraͤfften zu gering/ die Zeit zu kurtz/ und die Verſaumung allzu gefͤhrlich iſt. Daher die Buſſe/ der Kampff wider die Suͤnde/ und Bruch mit den Feinden nicht zu verſparen biß ins Alter oder auffs Todt⸗Bett/ Syr. V. und XVIII. noch vielweniger im Geiſt anzufangen/ im Fleiſch aber zu vollenden. Denn obwohlen auch diejenige/ welche un die eylffte Stunde beruffen worden/ vollen Lohn empfangen/ Matth. XX. und ſpate Buß/(welche doch ſelten rechtſchaffen und ernſtlich/) GOtt nicht unangenehm iſt; ſo ſind dennoch diejenigen nicht zu ent⸗ ſchuldigen/ welche frůͤhzeitigere Gnade haben empfangen/ und haben doch lieber den gantzen Tag wollen muͤſſig ſtehen/ und auff ihren Hiffen liegen bleiben. Dann alles/ was nicht in GOtt gethan geweſen/ iſt von allen Wercken des Lebens/(darin⸗ nen es die wenigſte nur ſo weit dringen/ als die erhare Heyden/ verlohren/ ja dar⸗ mit gar dem Fleiſch/ Welt und Satan gedienet worden. Dann/ da es beywettem nicht guug iſt/ nur vom Boͤnen/ zumahl nur offenbahren Sünden/ laſſen/ ohne lernen gutes zuthun/ oder ſich wuͤrcilich im Stand und Ubung guter Werck erfin⸗ denzu laſſen; ſo wollen doch die meiſte ſich keine Muͤhe koſten aſſen/ dem Boͤſen zu widerſtehen/ geſchweige/ daſſelbe zu haſſen/ oder wuͤrcklich darvon abzulaſſen/ das Hertz darvon zu reinigen/ hingegenzu guten Wercken geſchickt und darinnen fertig zu werden; ſondern es wird dieſes wichtige Geſchaͤffte groſtentheils nur fuͤr ein Re⸗ en⸗Werck/ fur ein vergeblich Werck gehalten/ und alſo die beſte Zeit verſchlaffen und verſaͤumt/ auf die Nacht verſparet/ damemand wuͤrcken kan/ Joh. IX, 4. daß nicht einmahl ein Bruch geſchicht zwiſchen ihnen und den Feinden ihres Heils; ihnen die Feinde noch nicht einmahi bekannt/ die Gefahr nicht ſo groß geachtet/ der einheimiſche Feind/ Eigen⸗Liebe/ Eigen⸗Will/ Eigen Ehre/ Eigen⸗Nutz/ c. ja die ſchroͤcklichſte Suͤnden nicht einmahl für ſo ſchaͤdltch angeſehen werden; und beſor⸗ en die wenigſte/ daß die Suͤnden und Luͤſte des Fleiſches/ ſamt den verganglichen uͤtern dieſer Welt/ von denen der Mißbrauch und Hertzens⸗Anhaͤngigkeit faſt intepa- Prov. XVIII. eingeſchloſſen/ die Leich⸗Predigt. 33 nſepar del iſt/ ihnen nicht beſſer bekommen werden/ als den Kindern Iſrael die Wachteln in der Wuſten/ oder dem Beel zu Babel die vorgeworffene und einge⸗ ſchluckte Kuͤchletn. Dannenhero findet ſich ſo wenig Verlaͤugnung ſein ſelbſt/ Abſagung der Welt/ Gefangennehmung der Vernunfft/ Verlaͤugnung falſcher Weißheit/ Geringach⸗ tung eigener Gerechtigkeit/ Widerſpruch den Luͤgen/ Haͤmpffung der Luſt. u Creutzigung des Fleiſches/ Todtung und Abhanung der Gleeder des alten Men⸗ ſchen/ Betaͤubung und Zaͤmung des Leibes/ Abbruch der Begierdten/ Vergeſſen⸗ heit deſſen/ was dahinden iſt/ Geringſchaͤtzung deſſen/ was dem irrdiſchen Sinn koſtbar und Gewinn geweſen iſt; Widerſtand dem Satan/ Vorſicht vor deſſen Verſuchungen/ Ausſchlagung deſſen Anerbott/ Auffhaltung deſſen Anlauffen/ Ein⸗ ſicht der Tieſſe der Boßheit/ Entdeckung der geiſtlichen Schalckheſten. Vielweni⸗ ger/ daß man von der Finſternuͤß zum Licht/ vom Irrthum zur Warheit/ von der Gewalt des Satans zu HOtt/ von ſich ſelbſt zum Eigenthum Chriſti/ von der Knechtſchafft zur Freyheit/ von der alten zur neuen Geburt/ vom Leib der Sunden/ um neuen Weſendes Geiſtes/ von Sinn des Fleiſches/ zu Chriſti Sinn/ vom Lauf er Welt/ zur Nachfolge Chriſti/ und wandel im Geiſt/ von der Gleichſtellung der Welt/ zur Gleichfornugkeit Chriſti/ von der Hoffart zur wahren Demuth/ vom Haß zur Liebe/ vom Zorn zur Saufftmuth/ vom Geitz zur Vergnuͤglichkeit/ in Sunima aus dem Reich des Satans und Herrſchufft der Suͤnden in das herrliche Reich IEſu Chriſtiſolte eingedrungen ſeyn/ daß man immer mit mehrerer Warheit ſagen konte: Man habe einen guten Kampff gekämpffet/ und werde ſelbigen auchin GOttes⸗Krafft ferner auskäͤmpffen. Dann eben darum nennet ſolchen Kampff Paulus anderwaͤrtig einen Glaubens⸗Kampff/ 1. Tim. VI, 12. Weilen Er allein von Bekehrten und Glaubigen kan gekaͤmpffet/ und muß im Glauben angefangen fortgeſetzet/ in/ durch und über den Glauben ausgekaͤmpfft werden. Es heiſt aber ein Glaubens⸗ Kampff/ mcht nur/ wie obgedacht damit anzuzeigen/ daß die Waffen der Chriſt⸗ lichen Ritterſchaßft nicht ſer enfleif blich/ ſondern geiſtlich/ 1 Cor. X. Sondern/ daß zu der geiſtlichen Ruͤſtung auf geiſtliche und uͤberngtuͤrliche Kruͤfften erfordert wer⸗ den/ Eph. VI, 10. alſo auch eiu richtiger Stand der Buß/ der Lehre des Glaubens/ des rechtſchaffenen Weſens/ der Redlichkeit und Treue/ ein Stand eines guten Gewiſ⸗ ſens/ guter Werck/ des Eyffers im Beruff/ rechten Gebrauchs des Worts/ in der Krafft des Geiſtes unter dem Schutz und Panter Chriſti ein Widerſtanddes Giau⸗ bens/ 1. Petr. V, 9. Jac. IV, 7. daß man ſich gleichſam mit dem Wort Gottes feſt mache/ 2. Cor. VI. 7. ſich hinter die Bruſt⸗Wehre der Krafft und Namens Chriſti ſich gleichſam verſchantze; inflbzgemn als in einem feſten Schloß und Burg/ nlaͤuffe der Feinde auffhalte/ abtreibe. Darzu der Slaube/ Weißheit/ Kraͤfften und Erfolg mitgibt/ mit Chriſto und in Ihme weit zu überwuͤnden; wie die Glaubige/ in deren Schwachheit allezeit Chriſtus maͤchtig ſeyn/ und ihre Kraͤfften vermehren will/ 2. Cor. IX, 8. Xll, 9. Eſ. XL. 29.2. Perr I, 3. Zu allen Zeiten alles vermoͤcht haben durch den/ der ſie maͤchtig gemacht/ Chri⸗ ſt un/ Phil. IV. wie das eilffte Capitel oder Epiſtel an die Hebreer trefflich davon euget. Durch ſolchen Glauben wird der Satan vertrieben/ 1. Petr. V, 9. die Welt berwunde /1. Ioh. V, 4. durch den Geiſt des Glaubeus/ 2. Cor. IV, 13. wird das Fleiſch und deſſen Geſchaͤffte getoͤdtet/ Rom. VIII. durch den Glauben wird der un⸗ uberwuͤndlichſte überwunden/ wie Jacobs und des Cananeiſchen Weibleins Exem⸗ pelbekraͤfftigen/ Gen. XXXII, 28. Matth. XV, 28. Es heiſſet aber nicht deßwegen ein Glaubens⸗Kampff/ weil ſelbiger kein Martis-Venus-Bachus- oder Proceſs⸗Streit/ oder ein thorichtes Spiegel⸗Fechten/ Feder Fechten/ Wort⸗Streit ſeyn ſoll; Denn/ ob wir ſchon im Fleiſch wandeln/ J ſtreiten —— —õ Seelen berauben durch die? 34 Chriſtliche ſtreiten wir doch nicht fleiſchlicher Weiß/ 2. Cor. X, 3. Wte bey den weltlichen Kriege Leuten/ undgeſetzloſen Soldaten⸗Volck meiſtentheils nichts iſt zu finden als ſuͤndlicher und verdammlicher Streit wider GOtt/ ſein Gebott/ Geiſt/ Gewiſſen und Frieden/ duelliren/ courteſiren/ Sodoms⸗Greuel treiben; einander wechſel⸗ weiß volltrincken/ ſpielen/ rauben/ das Land⸗Volck ſchinden; SOttslaͤſterung/ flu⸗ chen/ ſacramentiren/ GOttes Wort atheiſtiſch fur Geſpott halten/ ſind der meiſten heldenmaͤſſige Actionen/ ſo/ daß man des Teuffels Neich in vollem Flor unter ihnen ſehen kan. Dafragt man nicht nach Erbarkeit/ nach Zucht und nach Gericht; da wird veracht und nicht betracht/ was recht und loͤblich waͤre. Nulla Pdes pietasque viris, qui caſtra ſequuntur. Bleiben bey allen aͤuſſern Siegen Sclaven der Suͤn⸗ den/ Gefangene des Satans. Sondern ein Kampff in/ aus/ durch/ ſonderlich über und um den Glauben/ Ep. Jud. v. z. ſo wohl zu Erhaltung der reinen und heilſamen Lehre/ als des rechtſcha fenen Weſens und Wercks des Glaubens/ Phil. I, 27 denn/ wenn man den Glauben betrachtet/ welcher geglaubet wird/ oder das Wort voin Glauben, Rom. X, S. Gal. I, 23. Welches den Glauben lehrrt/ 1. Cor. II, 13. und wüͤrcket/ Rom. X. Joh. XVII, 20. 1. Cor. III, 5. und eine Richt⸗Schnut iſt des Glaubens/ Eſ. VIII. ſo beſtehet der Kampff darinnen/ daß man die einmahl erkannte Warhett/(ich ſage nicht/ vorgefaſte und irrige Meinungen) behaupte und vertheidige biß in den Todt/ Syr. IV, 33. daß man halte ob dem Wort das gewiß iſt/ und lehren kun/ und bſeibe in der Rede Chriſti/ und bey dem Fuͤrbild der heilſamen Worten/ JIoh. X, I. Tim. VI, 3. Daher ſich nicht wiegen laſſe/ und waͤgen von aller⸗ hand Wind der Lehre durch Teuſcherey der Menſchen/ dardurch ſie die Seelen er⸗ ſchleichen zu verfuͤhren/ Eph. IV. deswegen der unnuͤtzen Fragen ſich entſchlage/ wel⸗ che nur Zanck gebehren/ mehr verwirren als beſſern; ſich ſorgfaͤltig fuͤrſehe fur den unnuhen Schwaͤtzern Wortfaͤngern/ die mit Worten handthieren/ luſt haben zu zancken/ wieder die Meinun rechtſchaffener Knechten GOttes/ 1. Cor. XI, 16. Die hüloſophie/ falſch beruͤhmte Kunſt/ loſe Verfuͤhrung/ Menſchen⸗Lehre und Welt⸗Satzun en/ nicht aber nach Chriſto/ Col. II, 8. 1. Tim. VI, 20. 21. dargegen aber maͤchtig ſich erweiſe im Wort der Warheit/ die Warheit zu behaupten/ die Wider precher zu üͤberzeugen/ ſelbe einzutreiben und das Maul uſtopffen/ nicht aus Liede zum diſputiren/ oder init Worten menſchlicher Weiß⸗ eit/ ſondern in der Kra ſt. Mit dem beſtaͤndigen Vorſatz und Ekweiß/ die War⸗ heit ohne Scheu zu bekennen/ uͤber dem Evangelio/ um Chriſti und der Glaubigen Willen ehe alles zu leiden/ als ein Haar⸗breit zu weichen/ etwas zu vergeben/ zu verdrehen oder verfälſchen zulaſſen; weil da alles noch geben iſt eine Art der Ber⸗ laͤn nunug indenne das Bewiſſen nichts kan wieder/ ſondern alles fuͤr die Warheit/ 2. Cor. XIII, 8. Al Anbey aber auch mit der Warheit der reinen Lehre/ den Glauben/ in mit und durch welchen man glaubet/ das Weſen/ Krafft und Wercke des Glan⸗ bens behalte und gut Gewiſſen bewahre/ daß man daran nicht Schiffbruch lei⸗ de/ noch den Glauben vecltere/ v. Tim. I, 18. 19. Daheroin der Goͤttlichen und le⸗ bendigen Erkanntniß/ ſchmackhafften Uberzeigung/ ſehnlichen Verlangen/ zu. ig⸗ verſichlichem Vertrauen/ wohigegruͤndeten Gemuͤths⸗Beruhigung und ſee ſten Hoffnung feſt beharre;z und der Sache ſo gewiß ſeye/ daß mnan ni t vor gefaßte oder auch wohi gut ſcheinende Meinungrn/ oder im Schwang gehende Welt⸗ und Fleiſches⸗Maximen fuͤr Warheit verfechte/ und alſo im verkehrten Eyffer mit Unverſtand /Chriſto/ ſich ſelbſt und andern Seelen mehr ſchade/ als nutze; Wie denn die Irr⸗Geiſter ain hefftigſten fur ihre Meinungen und Saͤtze ſtreiten/ und wohl Martyrer des Anti⸗Chriſts und Lüͤgen⸗Geiſtes werden. An⸗ bey aber auch/ und mit dem hartnäͤckigen Eigenſinn alle Kaltſinnigkeit/ Zwey⸗ zungigkeit/ Miſchmaſch und Sleichguͤltigkeit ernſtlich fliehe. Dann/ wie GoOtt nicht — 1 Leich⸗Predigt. 35 nicht will mit Sunden und Luͤgen ſeinen Heil. Namen und Warheit defendiret haben/ ſo kan Ihme dieſes eben ſo wenig gefallen/ daß man die Lehre mit Wor⸗ ten behaupte/ indeſſen die Krafft verlaͤugne/ in der That abtruͤnnig ſeye/ und ſeine Gotcheit ſchaͤnde. KRom. II. Wohl ingedenck/ daß der wahre und ſeeligma⸗ chende Glaube nicht einmahl mit dem Vorſatz des Boͤſen/ geſchweige nut herꝛ⸗ ſchenden Luſten/ Suͤnden und Fleiſches Wercken/ darzu der Unglauhe hauptſaͤch⸗ lich mit gehoret/ beſtehen konne/ ſo wenig als Liecht und Finſternuß/ Tod und Lehen. Darum iſt das nichts wenigers als ein Glaubens⸗Kampff/ wo Lieblo⸗ ſigkeit/ Bitterkeit/ Zanckſuchtigkeit/ Schelten/ Verdammen und Geſchrey den Borzug und Oberhand hat; ſondern da muß erwieſen werden ernſtliche Liede/ erbarmender Eyffer/ mitleidiges Widerſetzen/ demuͤthiges Behaupten/ beſchaͤ⸗ mende Uberzeugung/ Kraffte/ Erweiſung der Gewißheit des unbeweglichen Grands; dannt man nicht innerlich mehr verliere/ als man aͤuſſerlich mit Wor⸗ ten gewinget; mehr dem rechtſchaffenen Weſen in Chriſto ſchade/als der Warheit nuze; Sondern daß man in Worten unod Wercken/ Glauben und gut Gewiſſen be wahre/ Chriſto getreu bleibe biß in den Tod; dann die zuruck weichen/ an denen wird der HErꝛ keinen Gefallen haben/ es ſeye zur Rechten oder zur Lin⸗ cken. Hebr. XXXI, 38. Pſ. LXXIII, 21. Soll es nun ſeyn ein Glaubens⸗ Kampff/ ſo muß ein geiſtlicher Streiter auch den Glauben in ſeiner Krafft ha⸗ ben. Wie dann Paulus mit ſeinem geiſtlichen Sohn dem erleuchteten Timotheo zwar Perſonlich redet/ von Ihme ſolche Art des Kampffs erfordert/ und ſich zum Exrempel füͤrſtellet; aher auch darmit allen die nut Chriſto ſiegen wollen eine gemeine Kampff⸗Ordnung und Pllicht des Chriſtenthums fuͤrleget. Kom. XV, 4. Weuen alle Chriſten allgemeine Feinde und Pflichten haben. Dann bey Unbekehrten uno Unglaubigen iſt nicht allein kein Widerſtand wider Sunde/ Satan’ Welt/ Fleiſch und Vernunfft/ ſondern noch Freundſchafft/ Luſt und Lie⸗ be zu ſolchen Hingen; Hingegen Feindſeeligkeit und Widerſetzlichkeit wider GOtt/ ſeinen Geiſt/ Wort und Tugenden/ als Feinden des Creutzes Ch iſti. Phil. III. Und wo ſich auch unter Ihnen ein Kampff fiadet/ wie dann die Gottloſe keinen Frleden haben/ ſich unter einander ſelber beiſſen und auffreſſen/ ſo iſt es doch nur ein Sunden⸗Kampff/ nicht wider die Suͤnde/ ein Kampff des Fleiſches und der Vernuufft/ oder der von Unwillen der Unleidentlichkeit des Fleiſches herkommet/ da ſie ohne Gnade um gewiſſer Abſicht/ Umſtaͤnden und eigenen Vortheils hal⸗ ben/ ſich muͤſſen abbrechen/ und einiger Dinge ſich enthalten/ und um naturlicher Urſachen willen die grobſten Boßheiten meiden/ und ſich auſſerlich zum Wort und gewiſſer Keligion bekennen/ obwohlen im Hertzenſie mit allen Feinden Chrt ſtt/ der Warheit und ihres Heyls accord ſeyn und Gemeinſchafft haben; ja/ ſo lange dem Feind nachgeben/ biß ſie zu ſchwach und untuͤchtig werden zu wider⸗ ſtehen/ und letzlich muͤſſen ſehen/ daß ſie alles verſehen/ verſaͤumet/ und des Klei⸗ nods verfehlet haben. Darum ermahnet Paulus zu beobachten die Mittel und Weege/ wordurch man zum Zweck gelangen und das Ziel erreichen konne. Und deſſen allen/ ſtellet ſich Paulus zum Fuͤrbild und Erempel ſo wohl der Nothwendigkeit als Moͤglichkeit ſolches Kampffs/ als wie ſonſten der Be⸗ gnadigung und Nachfolge Chriſti dar/ 1. Tim. I, 16. 1. Cor. XI, I. Phil. III, 17. Ich habe eben denſelben guten Kampff/ den Chriſtus auf unvergleich beſſere Art/ und die Alt⸗Vaͤtter laͤngſtens vorgekaͤmpffet/ nun ausgekaͤmpffet; ich rühme mich nicht vermeſſen des Siegs vor der Uberwindung/ will Er ſagen/ ruͤh⸗ me auch nicht mein eigen Werck/ ſondern Chriſti Krafft. Dann/ weil SOTT dem Glauben zuſchreibet/ was dennoch ſeine Gnade gewurcket und vollendet hat/ ſo dann die Glaubige in ihren geſchenckten Kraͤfften auch Mit⸗Arbeiter und Mit⸗ Streiter Chriſti werden/ ſo kan ich/ ohne Gott etwas zu rauben/ auch mir zu ſchreiben was Er durch mich gethan.. Dann/ 36 Chriſtliche E Dann/ nachdem Paulus von SOTE ſonder und wunderbahr beruffen und erleuchtet worden/ daß Er die Macht der Finſternüß/ Feindſchafft der Bernift/ Betrug der Sunden/ Traͤgheit des Fleiſches/ Tumult der Begierden/ Unbau⸗ digkeit des Willens/ Nothwendigkeit des Creutzes/ Vielheit der Leiden um des Gewiſſens und um Chriſti willen erblicket/ und wohl gernercker hat die Wieder⸗ waͤrtigkeit des Anti⸗Chriſts und ſeines Anhangs/ die Eigenſinnigkeit der Juden/ den Unglauben der Griechen/ das Aergernuß und Thorheit über dem Evangelio/ die Gewaltthaͤtigkeit der Tyrannen/ die Boßheit der falſchen Bruͤder denen allen Chriſtus und ein Chriſt unleidentlich und ein Zeichen iſt dem widerſprochen wird. Luc. II. Joh. XV, 19. 1. Pet. IV, 4. Anbey Hunger/ Bloͤſe/ Schlaͤge/ Froſt/ Schwerdt/ und was dergleichen bittere Geſchicke Ihn betreffen wuͤrden welche zu ertragen/ und ſein Leben nicht zu lieben biß in den Tod.„ Wollte Er darvon Zeugnuß ablegen/ wie Er ſich getroſt zu dieſem allem habe reſolvirt/ in der Verlaͤugnung ſich nicht lang beiprochen/ init Fleiſch und Blut/ ſondern gleich zugefahren/ und die Schrancken ſeines Beruffs angetret⸗ ten habe/ mit dem Eyffer ſein Amt redltch auszurichten/ dem getreu zu ſehn der Ihn angenommen, nicht das Seine/ ſondern das zu ſuchen/ was Chriſti JEſu iſt/ allen andern es bevor zu thun/ ni ht faul/ muͤßtg/ zaͤrtlich/ forchtſam oder nachlaͤßig erfunden 4 werden/ biß Er unter Goͤttlichem Beyſtand ſo wohl ſet⸗ nem Apoſtoliſchen aſs gemeinen Beruff ein Genuͤgen gethau; alles mut dein E⸗ vangelio Chriſti erfüͤllet/ viele Seele gewonnen und zum Gehorſam des Glau⸗ bens gebracht/ Chriſti Reich erweitert/ und Er ſelbſten im Glauben/ Liebe Ge⸗ dult und Hoffnung mehr und mehr genbet worden/ nachdene Ers mehr dann zu genug geachtet/ die vergangene Zeit des Lebens als ein Anti⸗Chriſt/ Laͤſterer/ verfolgender raſender Menſch im Eyffer mit Unverſtand zugebracht zu haben. Wie Er dann/ ohne eiteln Ruhm/ zu GOttes Lob/ ſagen dorffte/ 2. Cor. X,Ir. AGt. XXIII, 1. daß Er ſich befliſſen ein gut Gewiſſen gegen GOtt und alle Menſchen u behalten/ und ſich zu bezeugen/ als einen rechtſchaffenen Streiter/ der die War⸗ eit biß in den Todt derfochten/ Syr. IV, 33. als einen Dtener GOttes in Truͤbſaa⸗ len/ in Noͤthen/ in Schlagen/ in Auffrühren/ in Thier⸗Streit/ 1. Cor. XV. im Wachen/ in Faſten/ in Beten dc. mit Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und Lincken/ durch Ehre und Schande/ c. 2. Cor. VI.& Nl. er habe ſeineneigenen Leib betaͤubet und bezaͤhinet(mit Toͤdtung/ durch den eiſt/ der Fleiſches Wercken/ Rom. VIII, 14. Indeme er dem Fleiſch entzogen/ was boͤſe Luſt nehren kan. Gal. V. Rom. VI, 12. 13. 14. damit ernicht andern predige und ſelbſt verwerfflich werde/ 1. Cor. IX. Er habe beedes gelernet/ ſatt ſeyn/ und Mangelleiden/ und bey allem ſich genugen zulaſſen; eher ſich ſelbſt abzubrechen/ auff den Handwerck zu ſchaffen/ als jemand beſchwerlich zu ſeyn/ Phil. IV. von der Welt habe er ſich ſuchen un⸗ befleckt zu halten/ ſich deren nicht gleich geſtellet; Jederman allerley/ aber kein Menſchen⸗Knecht worden; noch wider ſein Gewiſſen ſuchen Menſchen efaͤllig zu ſeyn/ Gal. I. Chriſto/ der Warheit/ oder ſeinem Gewiſſen/ etwas zu aden/ oder zu vergeben/ ſeye Er ſeinen Gegnern nie eine Stunde gewichen/ ſon: dern ſich maͤchtig erwieſen/ im Maulſtopffen/ beſtraffen und uͤberzeugen der Wi⸗ derſprecher; und habe gefangen genommen alle Vernunfft unter den Gehorſam des Glaubens/ und zerſtoͤret alle Hoͤhen und Seuech weiche ſich erhoͤhet wider das Erkauntniß Chriſti 2. Cor. X. und ſich tapffer gelitten ůber dem Evan⸗ gelio. Er habe alle Hindernuͤſſen beſtritten/ alle erſüchungen uͤberſtanden/ alle Ablockungen ausgeſchlagen/ allen Gefahren ſich mannlich entgegen geſetzt; fur dem Riß geſtanden/ nꝛemahl fuͤr dem Wolff geflohen/ noch dein WeeSogſeee cben/ ſondern ſich gefreuet in ſchweren Faͤllen ſeine Treue und Tapfferkeit zu zei⸗ gen; und habe es uinmer bey Ihme geheiſſen: Tu, ne cede malis, ſed contra audentior ito. Perfer& obdura&c. Wider den Satan habe Er mit Gebet/ nenn . Scwerd⸗ — ————ͤ——x—, 8 Q8eͤeͤ Leich⸗Predigt. 2 Schwerdt des Geiſtes/ mit dem Helm des Heyls/ mit dem Schild des Glaubens/ und Krebs der Gerechtigkeit ſich manchmahl gewehret/ Eph. VI, bey ſeinen Faͤu⸗ ſten Schlaͤgen mit Gedult ausgeharret/ und wie ein Amboß unbeweglich geblieben/ 2. Cor. XII, 7. 9. Er habe biß auffs Blut widerſtanden in dem Kampff wider die Suͤnde/ ſein Leben ſelber nicht theuer geachtet um Chriſti willen/ noch daſſelbe ge⸗ liehet biß in den Todt/ damit er das Maaß der beſtimmten Leiden fuͤr ſich und andere erfullete 2. Col. I, 24. 2. Tim. II, 10. darbey ſich allezeit bereit erwieſen ſich binden und toͤdten zu laſſen/ um Chriſti willen/ Act. XXI. die Mahl⸗Zeichen Chriſti fur ſeine hoͤchſte Ehre und Zierde gehalten/ und das ſterben des HErrn IEſu an ſeinem Leibe immer herum ſetragen; und ob Er ſchon manchen Puff habe ausſtehen muͤſ⸗ ſen/ 2. Cor. XI.& XII. ſo ſeye Er doch nie mude worden/ 2. Cor. IV.(wie ſolches in der Redeus⸗Art/ einen Kampff kaͤmpffen/ enthalten iſt) ſcye immer gutes Muths ge⸗ blieben/ mit Troſt erfuͤllet/ und uberſchwenglich in Freuden geweſen/ in allen Truͤbſa⸗ len/2. Cor. VII, 4 c. XII, ro. und weñ auswendigStreit/ und inwendig Forcht/ wenn Er uͤber die maſſen beſchweret geweſen/ auch ſo gar alſo/ daß Er ſich desLebens erwo⸗ gen/ und bey ſich beſchloſſen/ Er muͤſſe ſterben/ ſo habe Er doch alle mahl Sieg und Er⸗ loſung und genugſame Proben kunfftiger Erloſung gefunden/ 2. Cor. I. 8. 9. 10. Darum/ wenn Er allenthalben Truͤbſaalen gehabt habe/ habe Er ſich doch uicht ge⸗ aͤngſtet/ und wenn Ihme bange geweſen/ ſeye Er doch nicht verzaget/ habe er Ver⸗ folgung gelitten/ ſo ſeye Er doch nie verlaſſen worden/ habe man Ihn wollen un⸗ terdrucken/ ſo ſeye Er doch nicht umkommen/ nie verlaſſen worden/ 2. Cor. IV, 8.9. Auch die wilden Thiere/ mit denen Er gekaͤmpfft/ auch die Teuffel/ alle Monſtta und Ungeheure haben Ihm unterthan ſeyn muüſſen in dem Namen JEſu; Ja in Leiden und Meiden habe Er den groͤſten Sieg gefunden; und ſolle Ihn nun auch ferner nichts mehr ſcheiden von der Liebe SOites/ die da iſt in Chriſto IEſu/ weder Tod noch Leben/ ꝛc. Rom. VIII. Wie dann der Ihmee noch bevorſtehende Marty⸗ rer Tod/ ihme nicht anderſt ſeye/ in gewiſſer Verſicherung des Siegs/ 1. ch. V.4. als wenn Er bereits uͤberſtanden/ und der Todes⸗Kampff ſchon gekaͤmpffet waͤre/ weilen nicht nur durch langes Kaͤmpffen man geuͤbter/ und das folgende innner leichter/ ſondern durch 6 viel Siegen man auch behertzter und verſicherter wird auch folgenden begluckten Ausgangs; ſondern weil Er ſo wohl wegen taͤglicher Ge⸗ fahr/ als Willigkeit des Todtes/ taͤglich ſterbe/ 1. Cor. I, 3. Rom. VIII, 36. 1. Cor. IV, 13. wohl wiſſend: Imperatorem oportere ſtantem mori. Sonder⸗ heitlich aber/ weil er gewiß wiſſe/ Er werde den Tod nicht ſehen/ nicht ſchmecken ewiglich/ Ioh. VIII. Und alſo ſeye es ein guter Kampff geweſen/ in Anſehung des Objects, weil Er fur GOttes Ehre/ Lehre/ und gut Gewiſſen gekaͤmpfft/ gut in der Art/ gut im Ausgang. Daruber freuet ſich/ darüͤber frohlocket Paulus/ wie einer/ der nach der Schlacht von aller Forcht frey iſt/ und ſeine Seele/ aus groſſer Gefahr/ wie eine Beute darvon getragen hat; wie ein Laͤuffer/ der nach dem Er⸗ muͤden ausruhen darff; wie ein Haußhalter der mancherley Gnaden⸗Gaben/ der gut Gewiſſen behalten/ ſein Pfund wohl angewendet/ der treu verblieben/ und wi⸗ der die Raͤuber/ Verwahrloſung und Mißbrauch verwahret hat. O! ein unver⸗ leichlicher Streiter! O vortreffliche Ritterſchafft! Davids mit Goliath/ und dem Loͤwen/ Simſons mit den Philiſtern muß hier noch hinden anſtehen. Daß nun dieſes in ſeiner Maaß/ von allen und jeden Chriſten erfordert werde/ iſt daher klar; weilen die Verheiſſung der Crone alle angehet/ welche in ſolcher Ordnung ſtehen/ und im Kaͤmpffen ſich mccht traͤg finden laſſen; Indeme nie⸗ mand gekroͤnet wird/ er kaͤmpffe dann recht/ 2. Tim. II, 8. alſo wer recht kaͤmpffet/ wird gekroͤnet. Wie dann Paulus nicht nur den Lehrern/ ſondern ins⸗ gemein allen Chriſten zum Exempel und Vorgaͤnger da ſtehet/ und bezeuget/ daß alle/ welche nicht aus eigener Schuld everſchen die Gnade nicht vergeblich em⸗ pfangen/ ſondern die Mittel brauchen/ in der Drdnung bleiben/ in den rancn 6 e 38 Khriſtliche behnrden, Chriſti Erſcheinung lieb haben/ die Crone der Gerechtigkeit eupfahen ollen.— Allermaſſen es ſehr gefaͤhrlich ſtehet/ wo man keinen Feind noch Kampff in ſich fuͤhlet/ denn da iſt es gemeiniglich ein geftlhruches unzelgen daß man bereits üͤber⸗ wunden/ und der Feinde Feſſel gewohnet ſeye. Denn aus langer Erfahrung un⸗ fehlbar: Nunquam bella piis, nunquam certamina deſunt,& quo cum certet, mens pia ſemper habet. Es fehlt den Chriſten nie an Feinden/ Kampff und Kriegen/ und muß wohl Tag und Nacht ein Chriſt zu Felde liegen/ Gen. XXXI. 40. Feinde ſo wohl um ſich/ in ſich/ über ſich/ als unter ſich. Es gehet ernſtlichen Chriſten mit ihren Feinden/ wie dem Herculi mit der Lernæiſchen Schlangen/ iſt ein Kopff ab⸗ gehauen und zertretten/ ſo wachſen an dem Ungeheuer und fruchtbaren Ubel/ an ſtatt des rinen/ inumer zehen andere herfuͤr/ und wird man niemahl voͤllig fertig. Ste behalten aber dennoch ummer einen Hiobiſchen Sinn/ 1. Petr. IV, 1. und Job. XIV, 14. Ein muthiges Jacobs⸗Hertz/ Gen. XXXII, 27. einen unverzagten Davids⸗ Muth/ Pſ XVIII, 30. und ſeiner Helden Prob/ I. Parap. XII.& XIiII. Es findet ſich aber neben und unter dem Kaͤmpffen eine mitverbundene Ubung und Arbeit; Dann/ wie das Kaͤmpffen theils die Feinde hindert/ theils die Hundernuͤſſen man Sudanfen uͤberſteiget/ Sieg und Freyheit gibet; ſo muß das Ringen und Darauffſetzen nach dem Zweck und Kleinod nicht auſſen bleiben; denn es iſt nicht genug die Feinde uͤberwinden/ aber das Reich dannoch nicht erreichen und einnehinen/ wie Iſrael in der Wuͤſten. Daher wird erfordert/ daß man in Gedult lauffe den Kampff/ Hebr. XII. oder/ wie einige/ nach dem Griechiſchen/ durch den Kampff/ den Kar ff⸗Platz der ritterlichen Ubungen verſtehen/ denſelben im Eyffer und Standhafftigkeit/ durchlauffend/ den Sieg verfolge/ ſich deſſen wohl ebrauche/ in immer mehrerer Freyheit und Freudigkeit ſich ſtrecke nach dem/ das fornen iſt/ nach dem Ziel/ nach der Ruhe/ um des erfochtenen Friedens und Kleinods ſich bedienen zu koͤnnen/ zum Wachsthum im Glauben/ zum Zunehmenin der Liebe/ I. Theſ. IfI. 12. 2. Ep. I. 3. ſich dardurch neue Kraͤfften zu ſamlen zum neuen Widerſtand/ um deſto weiter in die Vereinigung mit Chriſto/ Gemeinſchafft mit GOtt/ und in den voͤlli Beſi und Genuß ſeiner Guͤter einzudringen/ und nicht vergnugt zu ſeyn/ biß lgen Zeſitz Meiſter worden/ ſollte man auch zehen Welt zu r eieden und thanpälti haben. Wie es von Alexandro M. heiſſet: Unus Pellæo juveni non ſuffcit or- bis. M 4 4 4„ uUnd iſt dieſes eben unter den Stuͤcken und Arten der ge lichen Ritterſchafft/ darinnen ſich ein Chriſt ubet/ das vollendende Lansfen and Zortfah⸗ Dann/ wie ein Kämpfferin den Schrancken/ wenn er andere unter und hinter ſich gebracht/ darum noch nicht vergnüget iſt/ noch ſtille ſtehet/ biß er das Ziel und Kleinod erreichet hat; welches zuvor ſein Aug noch ferner erblicket hatte/ ale ſe Fuß reichete. Alſo beſtrebet ſich ein geiſtlicher Wanders⸗Mann und Wettlaͤu da er ausgegangen aus Sodom/ Egypten/ Babel/ Meſech und Kedar/ 2. Cor. allen es bevor zu thun/ als wenn nur einer das Kleinod erreichen koͤnte/ 1. Cor. 24. ſtrecket ſich daher nach dem vorgeſteckten Ziel und Kleinod/ welches vorhaͤlt di Goͤttliche Beruffung in Chriſto IEſu/ Phil. III. und ruhet nicht/ biß er das ewie Leben ergreiffe/ 1. Iim. VI, 12. Wohl merckend/ daß unter ſo viel Beruffen Buun einer wohl vollende/ den Zweck erreiche und ſeelig werde; ſo/ Fen eitern n rreiche— ich die ungfrauen noch die Hochzeit verſchertzen/ und manche im Port noch den 4 64 jene danedha Feder ſolches in bgende gebundener e —.-. 4 3 gar 3443 —o ————ÿ—·———ſſ Leich Predigt. 39 Man hat genug zu thun die ein'ge Seel zu retten/ Wer noch viel anders hat/ wie kan Er das vertretten/ Je groͤſſer Amt und Gut und Pfund und Gaben ſeyn/ Je groſſer Rechenſchafft bild man ſich kecklich ein. Die gante erſte Welt mußt jaͤmmerlich vergehen/ Acht Seelen ſind allein fuͤr GOtt gerecht erſehen. Nicht zeh'n Gerechte ſind in Sodoms Nachbarſchafft/ Des Saamen vierdter Theil geht nur in Frucht und Krafft. Es ſind nur etliche in Canaan gegangen/ Auch aus den Zwoͤlffen ſelbſt iſt Judas aufgehangen. Der Zehnde danckte nur/ daß Er vom Auſſatz rein/ Ach moͤchten fünff doch klug/ und fuͤnff nur thoͤricht ſeyn! Des Richters Zukunfft wird gleich einem Blitz geſchehen/ Was unrein und gemein/ darff nicht in Himmel gehen; Es fuͤhlt die letzte Plag Egyptens erſtes Kind/ Es wird kein Hauß nicht ſeyn/ da nicht Verdammte ſind. HErꝛ GHOtt! ſo dieſes ich nach aller Laͤng bedencke So ſchneidet Angſt und Furcht durch Adern und Gelencke/ So ſchauret mir die Haut/ ſo gellt und klingt das Ohr/ So bebet Mund und Hertz und hebet ſich empor. Daher iſt es von einem ſolchen/ welcher des Hertzens Traͤg⸗ und Sicher⸗ heit/ der Suͤnden Verderblichkeit/ der Aerger⸗ und Hindernuͤſſen Vielheit/ der Heiligung Nothwendigkeit/ der Auserwaͤhlten We⸗ nigkeit/ der Gnaden kurtze Zeit und die unendliche Ewigkeit ernſtlich und reifflich überleget/ ſo fern/ daß Er nur dieſes vor ſeinen Lauff achten ſolle/ von Mut⸗ terLeib wieder dahin/ Syr. XL. oder von einer leiblichen Arbeit in die andere gehen; wie dann ein jeder ſein abgemeſſenes Ziel hat. Job. XIV, 5. ebenſo wenig/ als daß Er wie ein Eſel durch Schlaͤge ſich immer treiben laſſe. Cohel. 6. oder daß Er die erſte Bu⸗ ſe fur das gantze Werck der Gottſeeligkeit/ ein und andere Ablegung der groben Suͤnden fuͤr voͤllige Reinigung/ die angefangene Verlaͤugnung fuͤr voͤlliges Ab⸗ ſterben/ ein paar Schritt in der Nachfolge Chriſti/ fuͤr voͤllige Gleichfoͤrmigkeit/ einige gute Werck fuͤr vollkommene Heiligung/ und dardurch das wichtige Ge⸗ ſchaͤfft des wahren Chriſtenthums fuͤr gaͤntzlich ausgerichtet halten ſollte; daß Er vielmehr Mißfallen an ſich ſelber hat/ beſorgt Er moͤchte gar dahinden bleiben/ ſie⸗ het das Ziel noch ferne/ fuͤrchtet Er habe zu ſpat angefangen/ beklaget das ſtrauch⸗ len/ ſtillſtehen/ zuruck ſehen/ ermundert immer wider die laͤſſige Haͤnde und müde Knie/ und wird doch durch das Exempel ſo vieler tapffern Vorgaͤnger die Er ſchon ſiehet durch die enge Pforte zur Ruhe eingehen/ angefriſchet/ mit neuem Ernſt zu lauffen/ und Stuffen weiß naͤber zu kommen; und wenn Er ſo viel ſiehet wandlen als Feinde des Creutzes Chriſti/ ſo viel niedergeſchlagene/ erlegene/ aufgehaltene/ ſich umſehende auf dem Weeg erblicket/ fuͤhret Er ſeinen Wandel/ alldieweil Er wallet/ mit Furchten ſich weniger aufhalten zu laſſen; ſondern betruͤbet ſich/ daß man ſo bald wieder verlieren koͤnne/ was man erarbeitet habe/ daß einem ſo leicht das Ziel koͤnne verruckt werden/ und mancher immer im Circkel herum lauffe/ wie Ikaclin da 40 Chriſtliche Wuͤſten/ und mit allem Lauffen nicht einen Schritt weiter komme; daher mercket Er wohl daß nicht weniger Klugheit und Tapfferkeit erfordert werde zum Ringen nach dem ewigen Kleinod/ als zu der erreichten Stuffen Behauptung. Darum laſſet ein ſolcher mit Paulo/ von Liecht in Liecht/ von Creutz in Creutz/ von einer Enge in die andere zugehen/ ſich nicht ermüden/ noch ſich duncken/ daß Ers bereit ergriffen/ oder wenn Er je zu Zeiten einen guten Einfall und Vorſatz ſpu⸗ ret/ die Sache ſelbſt ſchon darmit gethan habe; ſondern jaget ferners nach/ daß Ers ergreiffen moͤge/ Phil. III. und laͤſſet ſich die Jagd⸗Spruͤche/ Hebr. XII, 41. I. Pet. III, 11. Matth. VI, 1. Tim. VI, I. 1. Theff. V, 15. immer neuen Muth machen; weil Er die Nothwendigkeit und Moͤglichkeit der Sache daraus unfehlbar ſchlieſſet. Darum von denen die immer zuruck bleiben/ durch ihres faules Geſchwaͤtz von der ſundlichen Schwachheit und Unmoglichkeit der Natur Krafften ſich nicht aufhalten laͤſſet; auch den ablockenden Syrenen kein Gehoͤr gibt/ noch weniger das mißguͤnſtige Geſpoͤrt und Vorrucken achtet: daß man wol⸗ le beſſer ſeyn dann andere Leuthe/ die auch trachten/ aber nur trachten/ ſeelig zu werden/ mit dem Vorwurff/ man begehre vollkonunen zu werden; Indeme man beobachtet/ daß ſolche Leuthe/ die es nur beym nechſten bleiben zu laſſen ge⸗ wohnet ſind/ alies verſäumen; und weilen das Phariſeiſche Geſchlecht nicht ins Himmelreich kommt/ auch andere nicht hinein laſſen wolle. Eben als ob das wahre Demuth und GOtt angenehm waͤre/ nicht begehren beſſere Gerechtigkeit zu haben/ als die Phariſeer und Schrifftgelehrte; und als ob das eine Verirrung und ſtraͤfflicher Hochmuth ſeye/ begehren vollkommen zu ſeyn/ wie der Vatter im Hummel/ und ſich befleiſſen zu wandlen wie Chriſtus gewandelt hat/ wieder March. V, 20. 28. Eph. V, I. 2. 1. Joh. II, 6. als ob man immer ein Kind muͤßte blet⸗ ben/ ohne begehren zu wachſen an dem mwendigen Menſchen/ ſtarck zuwerden im Geiſt/ ein Jüngling oder Mann zu werden/ und doch ein Kind zu bleiben. Als ob man immer klein bleiben/ und nicht voͤlliger werden doͤrffte/ in Erkaͤnntniß/ Er⸗ fahrung und Liebe/ auch bey taͤglichem Umkehren zur kindlichen Art/ klein und ge⸗ ring werden in den eigenen Augen/ I. Cor. XIII, Ir. Eph. IV, 13. Matth. XVIlI 5 als ob Glaub und Liebe nicht dorffte wachſen/ ſondern immer ein glimmendes ocht bleiben muͤßte; als ob man nicht ſollte ſuchen reich zu werden in aller Er: kanntniß und Erfahrung/ in Befleiſſung und Beybehaltung der GOtt efälligen Unmuͤndigkeit und Armuth des Geiſtes/ ſchnur ſtracks wieder 1. Theſf III, 12. c. IV, 1. 10. 1. TheſtI, 3. Eph. III, 16. Col. I, 9. 1I. Prov. XV, 24. Indeme 2. Cor. VII, 1. alle in dem Chriſten⸗Lauff angetrieben werden,/ zu vollenden ihre Heiligung in der Furcht des HErꝛn..“ DOSondern Er hutet ſich/ daß Er nach Sodom und Egypten nicht zuruck ſehe/ wie Loths Weib/ Gen. X. und Iſrgel/ Luc. IX, 62. weniger gar ſtill ſtehe/ oder im Lauff mit den Galatern ſich aufhalten laſſe/ Gal. III. deun wenn einer einmahl recht in Gang gekommen/ wird Ihme das Fortlauffen nimm ſo ſchwer; amwe⸗ nigſten/ daß Er mit Demas die Welt wieder lieb erinnena Judas ſich das Geld blenden/ oder mit Petro die Gefahr ſich ſollte ſchrocken laſſen/ inderſchlaͤchtig werden/ Ioh. VI, 66. oder in das vorige unordentliche ungoͤttliche Weſen wieder mitlauffen ſollte/ 2. Tim. IV. 1. Pet. IV. Er vergiſſet demnach was dahinden iſt/ und ſtrecket ſich nach dem daß fornen iſt/ laͤſſet ſich auch in die weggeworffene Steine und Hin⸗ dernuͤſſe der Ehre/ Gelds und Wolluſt nicht aufhalten/ 1. Cor. VII, z1. fol eti dc e d boͤſen Leuthen/ noch der Menge zum Boͤſen auf dem breiten Weg des Be in der Verſicherung Goͤttlichen Beyſtands/ Fort und Aushelffung; und daß ma nicht aufs ungewiſſe lauffe/ ſondern das End des Glaubens/ der Seelen Seelig⸗ keit darvon bringen/ und die deattettee den Beas das Himmliſche Je⸗ ruſalem erreichen werde; wie der Zeit und dem Leben nach dem herannahen⸗ den Tod/ alſo im Geiſt alle Augenblick ein Schritt dem ewigen Leben naͤher meone 7 dͤ— ͤ—— ͤdͤdcDIIͤͤͤͤͤͤͤͤͤͤſ— NꝰõI—Y;*ℛx——²z7 I²I 1 1 Leich⸗Predigt. 41 men; darum wird eineln ſolchen alle Zeit zu lange/ aller Verſchub lauter Ver⸗ luſt/ und heißt es bey Ihme taͤglich/ plus ultra, iminer weiter/ auch über die Saͤu⸗ len Herculis, ũber Weit/ Zeit/ und Eitelkeit hinaus; Auf der Jacobitiſchen Him⸗ mels Leiter immer einen Sproſſen hoͤher/ biß zur Stadt SOttes/ Hebr. XII. Sic itur ad aſtra. Per anguſta ad auguſta, per ſpinas ad roſas. Da muntert ein Wall⸗Bruder den andern auf/ daß keiner dahinden bleibe und verlohren gehe. Eſ. XXX. Diß iſt der Weh denſelben gehet/ ſonſt weder zur Rechten noch zur Lin⸗ cken. So wir im Geiſt leben/ der neuen Creatur und Goͤttlichen Lebeus theil⸗ hafftig worden ſind/ ſo laßt uns auch im Geiſt wandlen/ geiſtlich geſinnet ſeyn und handlen. Gal. V. Laſſet uns erbarlich wandlen. Rom. XIII. Wandeln wie wir die Glaubigen haben zum Fuͤrbilde. Phil. III. Doch dieſes alles nach dem Schraucken der einigen Regel des Worts/ der neuen Creatur/ Gal. VI. und des Gewiſſens/ auf dem Weg der Gebotten GOttes/ Pf CXIX, 5. 105. wie einen jeden der HErzberuffen hat zu wandlen 1.Cor. VII, 17. ohne müſſig zu ſtehen/ Matth. XX, 6. ſondern im Stande guter Wercke erfunden zu werden/ Iit. III. in orio negotioſo. Ohne andern bloß zuzuſehen/ ihren Lauff zu billi⸗ chen/ zu bewundern/ aber nicht zu folgen; oder andere ſich auf und abhalten zu laſſen/ wie der Syr. Xl, 23. ſondern/ wie Hercules, der das Weitlauffen aufgebracht/ in einem Athem ein Stadium von 125. Schritt habe ſollen auslauffen koͤnnen; alſo in einem Geiſt/ und durch deſſen Trieb Rom. VIII. ohne Nachlaſſen fortzufahren/ nach der Hodoſophie und Wegweißheit vorſichtig/ ohne Anſtoß zu wandlen nach dem Leit⸗ Stern des Worts und Geiſtes GOttes/ in den Fußſtapffen des Vorgaͤngers Chri⸗ ſti/ welcher der Weg ſelbſten und Wegweiſer iſt/ durch die enge Pforte/ accurat und pera fur ſich richtig/ weder zur Rechten noch Lincken auszuweichen/ in der Auf⸗ icht auf Chriſtum und ſeine Nachfolger. Hebr. XII. Phil. III, 17. I. Cor. XI, 1. darbey aber keine Lufft. Springe tentire oder GOtt verſuche/ Matth. IV. wie die hochtrabende Geiſter/ welche auf den Wolcken fahren und auf dem Wind reiten wollen. Wie die Cclopiſche Fümnel⸗ Stuͤrmer zu Babel/ Gen. XI. Eſ. XIV. 13. 14. Ich will in den Himmel ſteigen ꝛc. Nemo enim repentè fit ſummus, aſ- gendendo, non volando apprehenditur ſummitas Scalæ. Aſcendamus igitur duobus quibusdam pedibus, mediratione& oratione. Meditatio ſiquidem docet quid deſit: oratio, ne deſit, obtinet. IIla viam oſtendit, iſta deducit. Sagt der fromme Abbt Bernhardus ſehr wohl/ Serm. I. de S. Andrea. Gradus affectus, iter voluntas eſt. Aug. in P. 85. Demnach zu ſehen/ daß man nichts uͤberhupffe/ oder obenhin uͤberlauffe/ welches erſt wieder nachzuhohlen waͤre; noch weniger das Ziel ſich ſelbſt abkuͤrtze/ oder ſichs verrucken laſſe; ſondern bedaͤcht⸗ lich Schritt vor Schritt/ doch ohne Verweilung/ wie Maria auf das Gebirg endelich vom Glauben in Glauben/ von Krafft in Krafft/ von Tugend in Tugend/ durch alle Stücke und Grad der Ordnung GOttes durchgehe/ zu vollenden den Lauff und die Heiligung/ 2. Cor. VII, 1. darvon die wahre Hertzens Demuth der Grund und Giffel iſt. 1. Pet. V, 5. 6. Dann das waͤre eine falſche Demuth/ im Simn der erſte und in der That der letzte ſeyn wollen/ Matth. XIX, 30. c. XX, 16. uc.„ 30. Wie es aber ein Lauff iſt auf dem ſchmalen/ der Welt unbekannten/ und dem Fleiſch allzurauhen Weg/ da man weder zur Rechten noch zur Lincken auszutret⸗ ten/ ſondern auf der Straſſen/ die da heiſſet die richtige/ auf dem Weg des Frie⸗ dens furſichtig einher zu gehen; ſo hat man nicht nur um das Geleit der Heil. Engel/ um den Stecken und Stab Jacob und Davids/ um den Stern der Wei⸗ ſen/ ſondern um die Leitung und Führung des Heiligen Geiſtes fuͤrnemlich Anzu, halten/ daß der lehre Thun nach GOttes Wohlgefallen und fuͤhre auf ebner Bahn/ PC CXLIII. Und weil es in niemands Macht ſtehet/ wie Er wandele/ oder ſeinen Gang richte/ ſondern vom HErꝛn kommen muſ daß des Menſchen Gangatrathe — 2— Chriſtliche und befbrdert werdeſſer X.23. es auch nicht ligt an jemands Wollen oder Lauffe 1 ſondern an GOttes erbarmen/ Rom. IX. und aß der nde Mollen Wnen leite. Darum muß man immer um neue verheiſſene Kraͤfften a leite. ue verheiſſene Kraͤfften anhalten/ in neuem Vorſatz und gefaßtem Muth: Solte unich Fuvie nreuen n— 0 1 in ad nach ihren Toͤpffen ſchreyen/ Hertz und Geiſt nach Sodom ſehn? Laß mich bitten/ wachen/ kaͤmpffen/ Suͤnde/ Tod und Teufendampfſeu, und dem Anlauff widerſtehn. Wird mir Krafft und Muth genommen/ und/ wenns ſoll zum Treffen kommen/ ich nur hab den Willen noch/ ſo verleih auch das Vollbringen/ Weißheit/ Krafft in allen Dingen/ und zutragen Ehriſt Joch; Und damit man nicht verſchmachten moͤge auf dem ex Pnd nit Elia Zeh⸗ rung habe biß an den Berg GOttes/ hat man ſich mit Chriſti Wort/ Fleiſch und Blut/ als dem rechten Colliphio zu ſtaͤrcken. Denn die auf den HErꝛn hoffen/ krie⸗ gen immer neue Krafft/ daß ſie auffahren mit Fluͤglen wie die Adler/ daß ſie lauf⸗ fen und nicht matt werden/ daß ſie wandeln und nicht muͤde werden/ Ef. XL, 31. in welcher Hoffnung es immer heiſſen ſolle: Zeuch uns nach dir/ ſo lauffen wir. Cant. I, 4. Weilen aber die Abweichungen ſo heimlich und ſubtil ſind/ ſo hat man immer um Befeſtigung zu bitten/ Hebr. XII. Und mit David zu ſeuffzen: Er⸗ forſch mich GOtt/ erfahr mein Hertz/ verſuch all mein Gedancken/ und ſieh/ ob mein Thun hinderwaͤrts auf eine Seit woll wancken/ ob ich getretten ab der Bahnilaß mich 8 Her. nicht fuͤrter gahn/ auf rechtem Weg mich leite/ der dir gefall und ewig ſey! b 3 2 Darum 8 es ſchon bißweilen ſich anlaͤßt/ als ob die Kraͤfften nicht wollten zureichen auf dem Wege/ als ob der Lauff zu lang und die Zeit wolte zu kurtz wer⸗ den; ſo laͤſſet dennoch bey embſigen Seelen das eilen in den Begierden nicht nach/ und erſetzet bey ihnen das Gebet/ was den Fuſſen mangelt/ biß die Noth die Fluc t aus Sodom und Babel beſchleuniget/ das Leben zu retten; da lernet man ſo wohl der Natur als dem Himmelreich erſt recht Gewalt anthun/ nach dem Ein⸗ ang durch die enge Pforte zu ringen/ mit Furcht und Zittern zu ſchaffen/ daß man kelig werde; laſſet ſich auch die Lahme/ Hinckende und ſo weit Zuruckbleibende I. Cor. X, 1. die traditores, libellaticos, feige Hertzen/ am Eyffer der Progreſſen/ durchaus nicht hindern/ ſolte man auch mit Joſua und Caleb gantz allein ins ge⸗ lobte Land einkommen/ oder mit den Martyreren und treuen Blut⸗Zeugen das Leben laſſen muͤſſen; ehe ſonſt die beſtimmte Jahre ankommen/ zu gehen den Weg aller Welt. Und da ſtellet ſich Paulus abermahl als ein Erempel und Fuͤrbild eines Chriſt⸗ lichen Wett⸗Lauffers und Wandersmanns fuͤr; wann Er von der Vollendung ſeines Amts⸗Chriſtenthums⸗Leidens⸗ und Lebens⸗Lauff redet; daß Er den Lauff Platz in den Schrancken durchloffen biß zum Ziel. Und zeiget/ daß man nicht zu beſorgen/ daß wenn man bald anfange und ernſtlich fortfahre zu lauffen den Weg der Gebotten Gottes/ man moͤchte zu bald vollkommen werden/ und wohlg 3 e/ . aͤber dasZiel hinaus lauffen; Indeme viel eher zu beſorgen/ daß man zuruck bleibe/ ſichaufhalten laſſe/ der Sache zu wenig als zu vielthue; Sintemahl Er ſo lang/ und mit ſolchem Ernſt vor GOtt gewandelt/ und doch biß an ſein End damit zu thun gehabt/ ehe Er alle Grade und moͤgliche Stuffen aller Stucke der Amis⸗ und Chriſten⸗Pflicht durchgegangen; als em Bottſchaffter an Chriſtus ſtatt/ ſei⸗ ne Geſandtſchafft verrichtet/ 2. Cor. V. als Tuba mundi, die Apoſtoliſche Son⸗ ne/ viel hundert Meilen weit und breit den Namen Chriſti getragen fuͤr die Koͤ⸗ nige/ fur die Heyden und fuͤr die Kinder Iſtacl Act. IX. Und alſo mehr gearbei⸗ tet/ denn die andere alle. I. Cor. XV, 2. Cor. XI. 28. Rom. XV, 19. 20. Inzwiſchen alles mit dem Evangelio Seriſe erfuͤllet habe/ Act. XV. Er be aher aewandelt nit allm guten Hemlſin bor Grde und Menſchen, wie der Bund und Schuld erfordert/ r. etr. III, 32. daß er ſagen khane 1 en 4 ewiſſe ———8ͤ——————8———r ———————— Leich⸗Predigt. 43 Gewiſſen beiſt mich nicht/ Iob. XXVII, 5. Act. XXIV, 16. dieweil er in Einfaͤltigkei und Goͤttlicher Lauterkeit/ nicht in fleiſchlicher Weißheit/ ſondern in der Gnade Got⸗ tes auff der Welt gewandelt habe/ 2. Cor. I, 12. Act. XXIII auch nun kaum ein Schritt mehr uͤbrig ſeye zu volliger Vollendung und Auffloͤſung; ſo habe er ſich auch gehuͤtet/ daß Er ſich im Lauff/ auch durch Liebe der Treugeſinnten/ nicht auff⸗ halten laſſen/ Act. XXI, 12. ſo wenig als Chriſtus von Petro/ Matth. XVI, 22. wie er aber auch die ſchnellhinlauffende Zeit und Leben nicht habe wollen verlieren/ (daher er nicht nur vom Gehen/ Wandlen/ ſondern Lauffen/ Eilen/ redet) darum Er vergeſſe/ was dahinden iſt nicht ſehe/ wie viel Er bereits zuruck gelegt/ ſich nicht bey lich ſelbſt meſſe/ noch denen Traͤgen/ die weit zuruck bleiben/ zuſehe/ oder vergangene Muhe und Gefahr von dem Bevorſtehenden ſich abhalten laſſe/ ſondern mit voller Begierde und Kraͤfften ſtrebe nach dem/ das dafornen iſt. Gleichwie er nun bißher alles mit groͤſtem Ernſt und Luſt in Goͤttlicher Krafft gethan habe/ da Er/ wie die Ixaeliten/ immer das Schwerdt an der Seiten/ und den Stab in Haͤnden/ oder in einer Hand das Schwerdt in der andern die Kelle gehabt/ zu bauen und abzureiß⸗ ſen/ welche Arbeit indem HErrn auch nie vergeblich geweſen; Gal. II, 2. PrIr, 16. ſo freue er ſich nun der vollbrachten Arbeirund uͤberſtandenen Gefahr; und dancke Gott/ der Ihn treue geacht/ und tuͤchtig gemacht/ und biß hieher geholffen habe/ I. Sam. VII, 12. Der werde ihm auch als der Anfaͤnger und Vollender des Glau⸗ bens/ ferner fort und ausheiffen zu ſeinem ewigen Reich/ daß es werde heiſſen: Es iſt vollbracht. Dann was im kurtzen vollig geſchehen ſolle/ iſt ihme eben in der unbetruͤglichen Hoffnung/ als wenn es ſchon geſchehen waͤre. Denn Rom. VIII, 38. bezeuget Er ſeine Gewißheit der Bchareun und will ſagen: Es iſt mir bißher gelungen durch GOttes Beyſtand; Ich weiß auch/ daß es Gott gefaͤllt/ und zu ſeinen Ehren dienet/ daß ich mir das Ziel nicht habe verrucken laſſen; und bin gewiß/ daß auch dasjenige/ was noch in groſſer Schwachheit von mir geſchehen/ Ihme nicht unangenehin ſeye/ weilen Er die Redlichkeit des Hertzens anſiehet/ 2. Tim. IV, 2. Und doch alles/ was ich ausgerichtet/ mir vom HErrn gegeben iſt/ der in mir gewuͤrcket hat/ ſo wohl das Wollen/ als das Vollbringen/ nach ſeinem Wohlgefallen/ Phil. II, 13. Darum bin ich auch in guter Zuverſicht/ der in mir das Pu Werck angefangen/ werde es auch vollfuͤhren/ und mich feſt behalten biß ans nde.. Und darinnen will Paulus/ daß alle/ die da ſeelig werden/ und das Kleinod erreichen wollen/ ſeine Nachfolger ſollen werden/ gleich wie Er Chriſti/ 1. Cor. XI, r. hme folgen/ und auff die ſehen ſollen/ die alſo wandlen/ wie ſie ihn haben zum Fuͤr⸗ ild/ Phil. II, 17. und wiſſen/ daß das Chriſtenthum nicht ſeye ein Muͤßi gang oder Stillſtandt/ Matth. XX. ſondern wie ein ernſtlicher Kampff/ alſo ein beß ndi⸗ ger Lauff/ worinnen es endlich auch zur Vollendung muͤſſe kommen; darum nicht nur das Werck wohl angefangen/ der enge und ſchmale Weg angetretten/ in die Schrancken man bloß ſich muͤſſe begeben haben; ſondern auch wandlen/ wie man beruffen iſt/ 1. Cor. VII, 17. Darauff dann ein eyfferig Fortfahren/ ohne Zuruckſe⸗ hen erfordert werde; und ſo man einmahl entflohen dem Unflat der Welt/ ſich nicht wieder ſolle darin flechten/ voch das Ziel verrucken laſſen; Col. II. alles was am Lauffhindern kan/ ſolte ein ernſtlicher Chriſt hinweg werffen/ ſich erleuchtern/ von allen Stucken loßreiſſen. Die Suͤnde/ als den hinderlichſten Plunder ablegen/ wuͤrdiglich wandlen in ſeinem Beruff/ furſichtig/ nicht wie die Unweiſen/ Eph. V, 15. im Geiſt/ Glauben/ Liebe/ Gedult/ Gal. V. Mit groſſer Freudigkeit lauffen den Weg der Gebotten GOttes/ Pſ. CXIX, 32. Ohn Unterlaß beten/ gutes thun/ und nicht muͤde werden/ Gal. VI. und allezeit im Stand guter Wercke ſich finden laſſen; von Erkantniß in Erfahrung von Warheit in Warheit/ von Glauben in Glauben/ von Krafft in Krafft/ von Tugend in Tugend/ 1. Petr. I, 4. von der Welt in Himmel von dergeit in der Ewigkeit einzugehen; auf daß man in Kachiktdaſtaner Bereliſhaſf au —— 44 Chriſtliche auff der Wallfarth zum himmliſchen Vatterland/ das beyzeiten gethan habe/ e. was man wuͤnſchet/ wenn man ſterben ſolte/ bereits geſchehen ſeye; Und dannenhero in der hoͤſen Zeit eile ſeine Seele zu erretten/ auff daß man in dem entgegen kommen Chriſto/ und annahen zu GOtt nach und nach in ſolchen ſeeligen Stand gelange/ daß man nur noch warte auff die ſeelige Erſcheinung IEſu Chriſti/ und Einhohlung zur ewigen Ruhe/ 1. Cor. I. Da dann ein Auserwohiter in der Ge⸗ wißheit der vollendenden Krafft Chriſti und Vorſatz der Endsbeharrlichkeit getroſt ſagen kan: Ich hab den Lauff vollendet. Ich bin vollkommen in Chriſto. Worzu dann noch ferner das Letzte und Beſte erfordert wird/ nemlich Verhar⸗ rung/ Standhafftigkeit und Treue; daß man das angefangene Weſen biß ans Ende feſt behalte/ Hebr. III, 14. ſich nicht wende von dem H. Gebott und Ge⸗ rechtigkeit/ 2. Petr. II, 2 1. Ingedeuck/ daß ſonſt aller vorhergehenden Gerechtigkeit nicht mehr ſoll gedacht werden/ Ez. XVIII. Und weder Saul uoch Juda etwas ſolle helffen/ daß ſie einmahl wohl angefangen; weilen die Zuruck weichen/ werden groß Hertzenleyd haben; der HErr umbringet alle/ die wider Ihn huren/ Pſ. LXXIII. So wurde auch das Letzte immer aͤrger/ dann das Erſte geweſen; da bey ſo vielem Ruckfall und Umkehren das Auffſtehen und Wiederkehren/ durch die Macht und Gewohnheit der Sunden/ immer ſchwerer/ und wohl endlich ohnmoͤglich wird; ja ein Anzeigen iſt/ daß man noch kaum einmahl die erſte Buß der todten Wercke ge⸗ than/ und zum Himmelreich untuͤchtig ſeye. Wie nun das Anfangen ſo rahr/ ſo iſt das Verharren vielungemeiner/ und doch ſchlechterdings nothwendig/ ſonderlich/ wenn man nach ei und andern Zuruckfall/ vielen Vorſatz und Verſpruch/ bey neu⸗ erlangter Gnade kluͤger und vorſichtiger werden ſoll; dann da ſagt Chriſtus/ Matth. X.& XXIV. Wer verharre biß ans End/ der werde ſeelig und Apoc. II, 10. C. III, 12. c. XXl, 7. Weil wir aber fuͤr uns ſelber zerbrechliche Gefaͤſſe/ leicht bewegendes Rohr/ leichtglaubige Kinder ſind/ ſo haben wir um die befeſtigende Suade SOttes ſtuͤndlich anzuhalten/ daß wir nicht verſuchet moͤgen werden uͤber Vermögen. unvod eben ſolches ruͤhmet Paulus auch von ſich/ wenn er ferner weiſt/ wie der tapffere Glaubens⸗Held ſeine Ritterſchafft auch uͤbet/ im Glauben halten. Welches mag fuͤr eine deutliche Beſchreibung/ ohne Figur und Sprich⸗ wort der vorigen Gleichnuͤſſen/ und alſo als ein eigentlicher Ausdruck der Art und Weiſe des gefuhrten Ampts und Chriſtenthums in einer Haupt⸗Sumia angeſe⸗ hen werden. Weilen ohne den Glauben alles andere GOtt nicht gefallen kau⸗ Rom. XIV, 23. Hebr. XI. 16. Anbey aber auch nicht die Bloßglaubige/ ſondern beharrlich Glaubige/ Auserwoͤhlte ſind/ und ſeelig werden. Muß alſo dieſes was ſonderliches ſeyn/ und der Glaube gar leicht wieder koͤnnen verlohren/ Gal. V. Pſ. CXIX. 1. Cor. X. Col. II. aber ſo ſchwer wieder gefunden werden/ als einem Blinden das Geſicht/ und einem Todten das Leben wieder gegeben wird. Aug. Conf. art. 12. Artic. Smalc. n. 3. art. Z. Darum/ wie es die groͤſte Tugend iſt im Gluͤck und Un⸗ gluck gleiche Farbe und Geſicht behalten; alſo ſcheinets nicht ſo ſchwer zu ſeyn/ in gu⸗ ten Tagen/ als in Verſuchungen den Glauben halten/ deſſen ſich doch Paulus bee⸗ des ruͤhmet. Und daß Er habe/ wie ein kluger Baumeiſter/ das Angefangene auch ausgefuͤhret/ Luc. XiV, 30.* Wie aber durch den Glauben/ als wiroben berichtet worden ſeynd/ entweder verſtandenwird die Lehre des Glaubens/ oder das Werck/ die Krafft/ das Weſen des Glaubens/ und das Abermahl entweder ſo fern er eine Tu⸗ aend der erſten Gebotten/ und alſo ein Stuͤck iſt der Heiligung und Pflicht der Men⸗ ſchen/ oder ſo fern er iſt eine Relation und Beziehung auff GOtt und die Mittel der Begnadigung/ Rechtfertigung und Seeligmachung; ſo mag dieſes alln 32— H ⏑— 1 ——11 yöO/ʒ—— EZ hertzig/ zweyzungig ſeyn. Sondern bey mancher Schwachheit dennoch des Her⸗ Leich⸗Predigt. 45 gleich/ ſonderheitlich aber/ und als eine Frucht der Lehre des Glaubens/ Gal.j, 23. und rechtfertigenden Glaubens/ des Gehorſams/ Treue/ Erweiſung und Standhaff tigkeit des Glaubens/ verſtanden werden. Gleichwie Paulus ſeinen Timotheum antreibet dem Glauben nachzujagen/ welcher doch damahlen ſchon bereits in richtiger Glaubens Lehre und Gerechtigkeit des Glaubens ſtund; und das abermahls nicht darum/ daß Er in der Erkantniß und Krafft des Glaubens mehr geſtaͤrcket wuͤrde; ſondern daß Er ſeinen Glauben un Glauben/ in der Kugend Treue und Standhafftigkeit erwieſe. Einen ſolchen Glauben verſtehet aber Paulus/ wie derſelbe nicht nur entgegen ſtehet den Todten⸗ Krafftloſen⸗Hirn Wahn und Mund⸗Glauben/ Jac. II, 1. I. Tim. VI, 4.§. den Ver⸗ nunfftund Wort Subtiütaͤten/ mehr verwirrenden als beßrenden Streit⸗ Fragen; ſondern abſonderlich dem wanckelmuͤthigen Zeit⸗Glauben/ Luc. ViII, 1. Tim. I. der Untreu/ Falſchheit/ und Bundbruͤchigkeit/ Ef XXXVIII. 3. Syr. XXVII, 18. 1. Maccab. VIII.& XIII. Dahero heiſſet hier der Glaube eigentlich die Treue und Standhafftigkeit im Bund mit GOtt/ im Dienſt SOt⸗ tes/ undin der wahren Gottſeeligkeit. Folglic alſo/ nicht nur halten ob demn Fuͤrbild der heilſamen Lehre vom Glauben/ uber der Aehnlichkeit des Glau⸗ bens/ Rom. XII, 7. Gal. I. 2. die Krafft/ das Leben und Guͤter des Glaubens/ und Gaben des Geiſtes im guten Gewiſſen bewahren/ wie einen theuren Schatz/ 2. Cor. IV, 7. Luc. II, 5r. c. VIII, 15. Matth. XXIII, 3. 3. Joh. XIV, 23. 2. Theſ. I, 3, 11. Gal. II, 40. in allen Wercken alles aus dem Glauben thun/ und in der That ſelbigen erweiſen/ Rom. XIV. Gal. V. ſondern Chriſto getreu verbleiben/ im Beruf/ Ampt/ Dienſt/ Gehorſam und Standhafftigkeit in allem Leiden/ auch bey Fuͤh⸗ lung und Reitzung der Sunden/ Rom. VII. Denn ſo wird unter andern auch das Wort Glauben in H. Schrifft/ neben dem ſeeligmachenden Glauben/ Joh. III, 16. c. I, 12. Act. X, 43. Rom. I, 16. 17. c. III, 22. 26. c. IV, 3. 16. c. X, 10. Hebr. XI, r. T. Joh. V. Von dem/ was eine Frucht ſolches Glaubens iſt/ theils von der Treue SOttes gegen die Glaubige/ theils von der Treue gegen 8OTT und den Naͤchſten/ vielfaͤltig gebrauchet. Pf. CXxIVI, 6. Rom. II, 3. 2. Tim. II, 1 3. 19. Eſ. XXXIII, 8. LIV, 10. 1. Sam. XXVI, 23. 2. Reg. XII, 15. 2. Paral. XXXI, 15. Eſ. LIV, 10. Hoſ. IV, I. I. Cor. XIII, 7. Syr. XXVII, 17. 18. und heiſſet auch bleiben in der Rede Chriſti/ Joh. VIII, 3 t. ſeine Gebott halten/ c. XIV. in ſeiner Vereinigung beſtaͤndig verbleiben/ Ioh. VI, 56. ſich an Ihn halten/ 1. Ioh. II, 3. welche Treue das Complement aller Tugenden/ und des Glaubenseintraͤglichſte Eigenſchafft iſt; da wir ohne das auch nur als Creatu⸗ ren/ unſerm Schoͤpffer getreuzu ſeyn verbunden ſeynd/ vielmehr als Bundsgenoß⸗ n/ und wegen der Verheiſſung. Denn nicht die da glauben/ ſondern im Glauben beharren/ werden ſeelig/ Conſtantia ſola coronat. Beſiehe hiervon eine treffliche Ausfuͤhrung in des Kirchen⸗Lehrers Auguſtini Tom. 7. opp. von der Gabe der Be⸗ ſtaͤndigkeit. Denn was hilfft der Bund und Zuſage/ wenn man haͤlt wie ein loſer Bogen? Jer. VII. Wenn GOtt klagen muß: Das Regenwaſſer verſchießt nicht ſo bald/ und der Schnee verſchmeltzer nicht ſo bald auf den Steinen der Gaſſen/ als mein Volck mein vergiſt. Was hilfft im Geiſt anfangen/ und im Fleiſch vollenden/ wie Judas? Was nutzt es eine Zeitlang fein lauffen/ aber ſich abwendig machen laſſen? Eine Zeitlang glauben/ aber zur Zeit der Anfechtung wieder abfallen. Im⸗ mer hin und her wancken/ wie ein Rohr. Ein und andere gute Wercke thun/ abet nicht im Stand guter Werckbleiben/ ſondern mit dem Letztern ulles vorige verder⸗ ben? Wohlin guten Tagen/ aber nicht in der Anfechtung bey Chriſto verharren. n den Worten mit Chriſto/ im Werck aber mit ſeinen Feinden es halten. Zwey⸗ tzens 45 Chriſtliche peu Redlichkeit behalten; und wieeer der mit brennenden Fackeln Wett⸗Lauf. et/ nach der alten Weiſe/ ſeine Fackel brennend biß ans Ziel bringet/ dn Preiße halten; alſo das Oel des Geiſtes und Licht de Glaubens biß ans Ende fertig hal⸗ ten; Matth. XXV. oder wie ein Soldat auff dem Kampff⸗Plah und vor ſeinem Feind Stand haͤlt/ nicht weichet/ das iſt Standhafftigkeit. Nach eines tapffern Streiters Symbelo: Iu ne gede malis, ſed contra audentior ito. Dar⸗ um wie der Glaube Hypoſtaſis, eine Grundung/ Grund⸗ Feſte iſt/ Hebr. XI. da man ſich erbauet auf ſeinem allerheiligſten Glauben/ Ep. Iud. v. 20. und nicht weichet noch wancket/ Eph. XXVIII. Pf. CXXV. in Widerwaͤrtigkeit getroſt/ und wie ein Felß im Meer/ wider alle Stuͤrme iſt/ Pſ. XL.VI. Pſ. LXXIII, 23.Eſ.XXVIII, 161 Matth. VII, 24. Jac. I, 6. 2. Cor. XI, 3. Eine Goͤttliche Hertzens Beredung und Uberzeugung/ Luc. XI, 22. Act. XXVI. 1. Iim. I, 12. Rom. VIII, 38. Eph. III, 12. ein volles Vertrauen/ Hebr. X, 22. Rom. IV, 21. Freudigkeit und Trotz des Herhens/ 1. Ioh. IV, 17. eine erwegene Zuverſicht/ daß man tauſendmahl daruber as Leben lieſſe. Rom. VIII. Wer will uns ſcheiden? ꝛc. Wer will mir den Him⸗ mel rauben? den mir ſchon/ GOttes Sohn/ hehgelcgt un Glauben. So folget daher/ daß ein ſolcher auch auf ſeinem Poſtenfeſt ſtehet/ wie ein Soldat; ſich nicht ſelber abloſen/ weniger der Arbeit und Gefahrlichkeit durch eigene Abkürtzung des Lebens ein Ende machen wolle. Dann ſolches iſt Ungedult/ nicht Tapfferkeit. Alſo Glauben und gut Gewiſſen nicht nur wie ein koſtbarſten Schatz in einem ſtar⸗ cken Behaͤltniß bewahret; ſondern immer mehr vorſichtiger durch Nachſtellung/ Abiockung/ und alſo voll bereitet/ geſtaͤrcket/ gekraͤfftiget/ gegrundet wird/ 1. Petr. V. 10. Wie die Baͤume durch Sturm⸗Winde nur immer tieffer unter ſich greif⸗ fen/ und einwurtzlen lernen; alſo durch viele Anlaͤuffe nur deſtomehr befeſtiget wird/ einen redlichern Sinn/ mehrere Auffrichtigkeit des Hertzens/ einen Abſcheu der of fenbahren Untreu der Welt erlanget/ und an Gott feſt und unbrüchlich verbleibet/ 1. Cor. IV, 2. Luc. XII, 42. Phil. II. 1. Joh. II. Dahero das Angeſicht des Ge⸗ maths immer zu GOtt/ wie die Sonnen⸗Wende nach der Sonnen/ wie der Magnet nach dem Nord Pol richtet/ an ihme klebet/ wie eine Klette am Kleid; ſich von ſeiner Bekandtniß/ Liebe/ Dienſt und Hoffuung nicht abwendig machen laſſet/ weder Todt noch Leben ꝛc. Rom. VIII Indeme man durch eyfferigen Gebrauch der erhaltenden Mittel/ dem Glaubens⸗Toͤchtlein immer friſches Oel zugieſſet. Und ſolcher Befeſtigung und Verſieglung/ Erhaltung und Unüberwindlichkeit in den groͤſten Gefahren kan verſichert ſeyn daß man aus GOttes Macht werde bewahret werden/ und treu verbleiben konnen/ daß man nicht muthwillig ſundige und aus der Gnade falle. Dann/ nicht eigentliche Schwachheits/ ſondern vor etzliche und wohlvermeidentliche Sünden den Glauben auffheben; Wer aber nicht Glauben haͤlt/ hat auch keinen guten Kampff gekaͤmpfft. Wer aber das angefangene Werck biß ans Endfeſt behaͤlt/ der iſt Chriſti theilhafftig worden/ Hebr. III, 14. Weilen nun wahre Chriſten eben denſelben theuren Glauden einpfangen haben/ wie Paulus/ 2. Petr. I, 1. ob ſchon/ auch wohl aus eigener Schuld/ im geringern Maaß/ ſo iſt er ih⸗ nen zur Ergreiffung und Behauptung des ewigen Lebens dennoch zulaͤnglichgenug. In welchei Glauben man einen freudigen Zugang hat zuder Gnade/ darinnen man ſehet/ und ruͤhmnet ſich der Hoffnung der zukunfftigen Herrlichkeit/ die GOtt eben ſoll/ Rom. V, 2. Oidas iſt Gnade und Gabe/ die unaus prechlich/ und den redlichen Seelen zugeſaget iſt/ Apoc. III, 12. I. Cor. I, 8. Eph. IV, 30. I. Petr. V, to. Gal. II, 20. Wie Paulns nunden Anfang ſeinesChriſten⸗Standes und Apoſtel⸗Ampts mit kaͤmpffen/ den Fortgang mit laufſen/ und den usgang mit Glauben halten/ ausgedruckethak ſo zeiget Er daß dieſe Stucke ſo genau mit einander verbunden ſeyen/ daß/ wo eines fehle/ alles ſehle; und ſonderlich/ wo das Letzte mangele⸗ ent⸗ weder die vorhergehende Stücke nicht rechtſchaffen/ oder doch nicht vortraͤg ehe⸗ ſen ſeyen. Daheroſtellet er ſich auch in dieſemn Stuck zum Muſter der Nachfolg e und ͤ»ͤ —— —ä—,———— Leich⸗Predigt. 47 uñd Sottiicher Ordnung da; als ein ſolcher/ der ſich nicht über das Ziel ſondern ſeines guten Gewiſſens ruͤhme/ daß Er ſeinem HErꝛn und Heyland ſoye ſo getreu eweſen/ als immer ein Knecht dem Herꝛn/ ein Schuͤler ſeinem Lehenehder ein eſandter ſeinemf rincipalen/ ein. Haußhalter dem Hauß Vatter/ ein Soldat ſeinem Feld⸗Oberſten/ ein Bund Genoß/ ein Ehegatt/ ein Hertzens Freund dem andern ſeyn koͤnne; welches die lobwürdigſte Eigenſchafft an ſolchen iſt/ Luc. XII, 42. 1. Cor. IV, 2. Indeme/ wem viel gegeben iſt/ von dem auch viel gefordert wird⸗/ Und ſolches offfers ploͤhlich; da der Tag ſchnell uͤber einen kommt. Law. XXI. wer da nicht wachend/ unnguͤrtet/ mit brennenden Lampen angetroffen wird/ der iſt nicht geſchickt zum Reich GOttes. Und alſo/ will Paulus ſagen/ habe ich bißhero eine gute Nitterſchafft geubet/ Glauben und gut Gewiſſen/ die Beylage/ anvertraute Lalenten unſchatzbahren Schatz/ obwohlen in irdenem Gefaͤßz. 2. Cor. IV, 8. bewahret durch den Heil. Geiſt. 2. Tim. I, 14. 1, Tim. I, 18. Nachdeme mich/ wie ein Kriegs⸗Knecht oder Wettſtreiter mit einem theuren Eyd Chriſto verpftichtet/ hab ich un Gewiſſen Ge⸗ fangener/ und un HErꝛn Gebundener/ ſolche Pflicht vor meine Freyheit geachtet/ und es nicht gemacht wie loſe Leuthe/ welche an ihren Bund und Eyd nimmer ge⸗ dencken/ und alles Angeloben fur eine ſchlechte Ceremonie halten; die ohne dem ſchuldige Gelubde oͤffters und gemeiniglich Viertehaͤhrig wiederholen/ aber nicht einmahl Cedenchen zu halten; ſondern/ nachdem ich mich einmahl habe uͤberreden und von Chriſto in Pflichten nehmen laſſen/ war mein volliger Eniſ. hluß dem getreu u ſeyn/ der mich angenommen hatte; darum habe ich in Uberwindung meiner elbſten/ und in nothiger Verlaͤugnung allem andern abgeſaget/ alle vorige Vor⸗ theile fur Schaden und Koth geachtet um Chriſtt willen; meine Gerechtigkeit nach dem Geſetz/ Vorzug des Geſchlechts, Gelehrſamkeit/ Ehre und Ruhe ſeier Erkaͤnntniß und Gnade nachgeſetzet; habe mich auch weder meine Bekehrung/ noch das erwaͤhlte Creutz und aufgenommene Schmach Chriſti ſo gar niemah⸗ len gereuen laſſen/ daß/ ſo viele ich auch Vortheile des Fleiſches habe muͤſſen ver⸗ lteren/ ſo manche widrige Reitzungen und Verſuchungen erfahren/ ſo viele Ver⸗ folgungen und Truͤbſaalen daruber ausſtehen/ ſo bin ich dannoeh/ durch GOttes Guade unbeweglich auf meinem vorigen Sinn geblieben/ und nicht geweſen von denen/ die da weichen und verlohren werden. Hebr. X, 35. Luc. VIII. Bin mir daher nicht bewußt in mir in einige wuͤrckliche Sunde gewilliget zu haben/ ob ich ſchon darinn nicht meine Gerechtigkeit ſuche/ 1. Cor. IV, 4. Und alſo auch darin⸗ nen meinem HErꝛn getreu bleibe/ daß ich nicht meine ſondern ſeine Ehre ſuche; bin alſo nicht von denen(wie Lutheri Rand⸗Gloſſe lautet) die nicht halten wollen/ ihrer Sache nicht trauen/ der Streichen nicht erwarten/ ſondern ziehen zuruck/ ſchleichen darvon/ und wollen ſich mit der Flucht ſalviren. Und iſt auch noch meine Freude/ daß ich mich zu GOTT halte/ und meine Zuverſicht ſetze auf den HErꝛn/ HErm/ daß ich verkuͤndige alle ſein Thun. Pſ. LXXIII. Anbey iſt mir ummer noch ſehr leid/ daß ich die Goͤttliche Warheit die mich frey machet von al⸗ len Vorurtheilen/ Menſchen Foͤrmigkeit und Gefaͤlligkeit/ Welt und Sünde/ nicht eher habe erkannt/ ſondern anfaͤnglich und ſo lang/ im Eyffer mit Unverſtand/ als ob ich GOtt einen Dienſt daran khaͤte/ bin ein ſchnaubender Laͤſterer und Ver⸗ folger geweſen; Nachdeme mir aber Barmhertzigkeit wiederfahren/ und Chri⸗ ſtus mich tuͤchtig geachtet und treu gemacht bat. 1. Tim I. habe ich mich/ wie vorhin in der ſtrengſten Secte und nach der Gerechtigkeit des Geſehes/ aͤuſſerlich unſtraͤfflich/ alſo bißher einen gehorſamen Juͤnger und Nachfolger Chriſti/ und als einen kreuen Haußhalter der mancherley Gnaden und Gaben GOttes erwie⸗ ſen/ t. Pet. IV. und das angefangene rechtſchaffene Weſen in Chriſto/ biß ans En⸗ de feſt behalten Hebr. XIII, 14. tt hat mich auch wider meine Feinde zur feſten Statt/ zur ehrnen Mauer gemacht/ daß/ ob ſie ſchon wider nich ſtriten/ m es. 48 Chriſtliche nichts anhaben kunten. Jer. XV, 20. Sie haben mich zwar offt gedraͤnget von mei⸗ ner Jugend auf/ aber ſie haben mich nicht ubermacht. Pſ. CXXVIIII, r. Ich weiß auch noch an welchen ich glaube/ und bin gewiß/ daß auch Ihn ſein Beruff und Gaben nicht werden gereuen. 2. Tim. II, 13. Rom. XI, 79. Wie ich nun dte erſte Liebe niemahlen verlaſſen/ und der andern Buß der gefallenen nicht nothig gehabt/ wie Apoc. II, ſo habe auch memahlen die leichtfertige Hertzen/ die Fladder⸗Geiſter/ Heucheley/ Wanckelmuth und Untreue an andern leiden koͤnnen/ wie die Welt mit Eyden/ Pacten/ lugenhafften Verheiſſungen ſpielet/ Brieff und Siegel gibt/ Leib und Seel verpfaͤndet/ und doch nicht Glauben haͤlt; dahero die heylſame Lehre des Glaubens in Luͤgen verkehret/ die Gabe und Krafft des Glau⸗ bens in den Fruͤchten verlaͤugnet/ den Bund eines guten Gewiſſens mit GO T bricht und zernichtet. Ich aber darff/ durch die Befeſtigungs Gnade GOttes/ auf Chriſti Allwiſſenheit mich beruffen/ und getroſt ſagen: Ich bin von dir nicht gewichen mein Hirte/ auch habe ich Menſchen⸗Tage nicht be⸗ gehrt/ das weiſſeſt du. jer. XVII, 16. Sondern ich habe das Wort/ die Gna⸗ de/ und Beylage/ als den anvertrauten edelſten Schatz/ bewahret durch den Heil. Geiſt. Ich weiß auch/ daß mich Chriſtus feſt behalten werde biß ans Ende/ und wie ich jetzo im Glauben und in der Gnade ſtehe/ und Hoffnung habe der zukuͤnff⸗ tigen Herꝛlichkeit die GOtt geben ſolle/ ſo wird Er auch fuͤr mich/ als der Anfanger und Vollender des Glaubens/ ſorgen und bitten/ daß mein Glaube nicht aufhoͤre. Und wie Er mich aus ſechs Truͤbſaalen erloͤſet/ auch in der ſiebenden nicht ſtecken laſſen; Sondern wird mich beſt behalten biß ans Ende. 1. Cor. I, 8. 9. als der mir das Pfand des ewigen Erbes gegeben und mit ſeinem Geiſt verſiegelt hat/ biß auf den Tag ſeiner Zukunfft/ Eph. IV, 30. und niemand mich aue ſeiner Hand reiſ⸗ ſen laſſen. Joh X, 29. Rom. VIII, 35. ſegq. Er wird nicch erloͤſen von allem Ubel/ und ausheiffen zu ſeinem ewigen Reich. 2. Tim. IV, 18. Darum ich biß ans End will beſtaͤndig ſeuffzen und auhalten: Ach! laß mich ja nicht wancken von dir HErꝛ JEſu Chriſt/ den ſchwachen Glauben ſtaͤrcke allhier zu dieſer Friſt; hilff ritterlich mir ringen/ dein Hand mich nehmn in acht/ biß daß ich froͤlich ſinge/ GOtt lob/ es iſt vollbracht. Bin auch der ſeeligſten und ungezweiffelten Hoffnung der baͤldeſten Einhohlungs⸗ und Lob⸗Stimme/ ohne mich die Welt ſicher/ oder den Satan zaghafft machen zu laſſen: Ey du from̃er und getreuer Knecht/ du biſt mir uͤber wenigem getreu geweſen/ ich will dich uͤber viele ſetzen/ gehe ein zu deines HErꝛn Freude. Damit es frohlockend heiſſe: Nun hab ich uͤberwunden/ Angſt/ Leiden/ Creutz und Tod; durch meines IEſu Wunden/ bin ich verſoͤhnt vereint mit GOtt; Gutes und die Barmhertzigkeit werden mir nachfolgen. Pſ. XX. Hinc juſtorum animæ plerum- que contemplatione interna, etiam priusquam carne ſpolientur, hilareſcunt, & dum vetuſtatis debita ſolvunt, novi jam muneris lætitia perfruuntur. Gregorius. und eben das iſts/ was uns nun in dem Zweyten Haupt⸗Puncten unſerer Abtheilung zu betrachten uͤbrig iſt/ nemlich: Die gnugſame Verſicherung/ daß/ nach wohl vollbrachter Ritterſchafft/ man des Kleinods werde theilhafft. Aus den Worten: Hinfort iſt mir beygelegt die Crone der Gerechtigkeit/ welche mir der HErꝛ: an jenem Tage/ der gerechte Richter geben wird/ nicht mir aber allein/ ſondern auch allen/ die ſeine Erſcheinung lieb haben. Da dann ſo wohl des Kleinods merckwurdige Beſchreibung/ als auch deſſen Glaue Leich⸗Predigt. 49 bens volle Zueignung und Verſicherung/ oder des Kleinods beſchriebene Koſtbarkeit/ angemaßte Eigenthumlichkeit/ und bedungene Allgemeinheit zu eroͤrtern waͤre/ wann Zeit/ Raum und andere Umſtaͤnde noͤthige Ausführung und Beitlaͤuffigkeit gonnen wolte.— Es heiſet aber in ſeiner Sprach: Im uͤbrigen/ uͤber dieſes alles/ und zur Vergeltung deſſen allen was bißher gethan und gelitten habe/ iſt noch uͤbrig das Conſequens, die Frucht/ nicht Verdienſt/ als ob um der Wercke willen der Gerechtigkeit die ich gethan/ es geſchehen ſolte/ Iit. III. ſondern ein Stuck der Ordnung Sottes/ wie auf die Mittel das End folget. Und alſo/ wenn einem in der Weſt alles genommen waͤre/ iſt das jenige/ was uͤberbleibet/ die beſtaͤn⸗ ig Habe und Schatz/ welchen weder Motten noch Roſt freſſen kan/ Matth. VI, 19. 1. Iim VI. Hebr. X, 34 Pſ. LXXII, 26. und das wird ſeyn die offentliche en aben der Ehren Cron/ das herꝛliche Erb und Kleinod/ welches den Überwindern verheiſ⸗ ſen/ und ſeinem volligen Benuß nach aufbehalten iſt im Himmel. Indeſſen/ wi Paulus ſagen/ habe ich das meinige gethan/ mirs rechtſchaffen ſauer werden laſ⸗ en/ obwohlen es mir bereits nicht anderſt iſt/ als einem Weibe/ die/ wann ſie ge⸗ ohren hat/ nicht mehr an die Schmertzen und Traurigkeit gedencket. Joh. XVI, Act. XX, 24. Ich habe meinen Lauff vollendet mit Freuden; die Verſicherung der Beuth hat mir den beſchwerlichen Streit ertraͤglich gemacht/ und die Liebe zum Vatterland hat mir den weiten Weg verkürtzet. Prov. XIV, 32. Ich weiß auch/ daß die Zeit meines Abſchieds vorhanden iſt/ dann ich werde ſchon geopffert. Welches Chriſtus mir /wie dem Bruder Petro offenbahret hat/ Act. XX, 28§. 2. Pet. I, 14. wie vorhin Moſen/ Aaron/ Hißkia/ Simeon und andern wiederfahren iſt. Die Welt und Feinde der Warheit moͤgen mich zum Feg⸗Opffer machen/ von mir urtheilen als einem Lotter Buben und Maleficanten/ memen Tod fuͤr Schande/ und meine Hinfahrt fuͤr ein Verderben achten; mir tſis eine Aufloſung/ Fried⸗ und Freuden⸗Fahrt/ Heimhohlung/ Croͤnungs Tag. Nan iſt es an GOtt/ auf den kommt es an/ daß Er das Seinge thue/ ſeine Zuſa⸗ ge annur erfuͤlle/ und mir aushelffe zu ſeinem ewigen Reich; daß auf den Streit die Beuth/ auf den Krieg und Sieg die Crone/ daß nach der Arbeit der Lohn/ und auf die Treue der Preiß folge; deſſen bin ich auch in gewiſſer zuverſicht/ daß/ der das gute Werck in mir angefangen/ werde es auch vollfuͤhren. Phil. I, 6. Und daß es nicht umſonſt ſeye/ daß man ſo hart Leben fuͤhre. Mal. III, 14 Und was ſage ich? Es wird mir ſo gar nicht fehlen koͤnnen/ weilen mir bereits ſchon beygeleget iſt die Crone der Gerechtigkeit ꝛc. Crone und Reich/ Zterde und Genuß iſt auch nach gemeiner Redens Art einerley. d. i. Ich habe nicht nur die Verheiſſung der ewigen Belohnung/ Brieff und Sigill darfuͤr/ die Hoff⸗ nung als einen feſten Aucker/ Matth. X. und 19. und 25. Rom. XXV. Eph. XI, 12. 1. Tim. IV, 8. deſſen/ der nicht luͤgen kan/ noch betrügliche expectanz- decreta gidt/ Hebr. VI, 16. feqq. der auch nicht ungerecht iſt/ daß Er vergeſſe unſeres ercks in der Liebe v. 10. ſondern/ wie ich das Recht und Anſprach aus der Din⸗ gung, Matth. XX. aus der Kindſchafft/ und erfuͤllten Condition, nicht zwar aus erdienſt, ſondern nach der Ordnung und Wohlgefallen GOttes/ und Natur des Chriſten Stands/ habe; ſo bin ich deſſen in meinem Hertzen ſo gewiß verſichert/ daß ich nimmer zweiffle/ Hebr. XI, 1. weil ich weiß/ daß Chriſtus ſolches gewiß erworben/ GOtt alles zubereitet hat im Himmel/ da es aufbehalten iſt. Matth. XXII, 4. Jac. I, 12. 1. Pet. I, 4. Weilen das Sigel der Gerechtigkeit das Pfand des Lwigen Erbes/ der Heil. Geiſt/ und deſſen Zeugniß mir gegeben iſt/ Rom. VIII. 2. Cor. I, 22. c. V, F. Eph. I, 14. ja bereits groſſen theils den Beſitz/ Vorſchmack/ Genuß/ und Erſtlinge darvon habe/ Hebr. 4. 5. 2.Cor. XII. und in Ln —— 50 Chriſtliche Maaß bereits ſeelig bin. Rom. VIII. Tit. III,§. Eph. II. Das beſte Theil aber und vollkommene Gut/ deſſen ich in dieſem Leibe und Leben nicht voͤllig faͤhig geweſen bin/ Gal. III.& IV. Wie ein unmuͤndiges Kind/ welches wohl Erbe/ aber noch nicht in die voͤllige Poſſeſſion immitiret iſt/ weil es ſolches zu faſſen und zu behaup⸗ ten noch nicht faͤhig iſt/ 1. Pet. I, 4. iſt mir beygelegt/ als ein gewiſſer unſchaͤtz⸗ barer Schatz bey GOtt/ als einem Pfleger und Vormund/ und in ſeinen treuen Haͤnden/ als einen beſten Schatz⸗Kaſten/ in ſicherer Verwahrung/ 1. Cor. I, z. 2. Tim. I, 12. da weder Feinde noch Diebe denſelben rauben koͤnnen/ wenn ich michs nur nicht ſelbſten verluſtig machen will;(als welcher zwar allen erworben aber nur Glaubigen und Beharrenden eigen wird und bleibet) da GOtt/ und alles wus ſein iſt/ mein eigenthum iſt. Darum Paulus ſonſten es nennet ein Ergreiffen des ewigen Lebens. 1. Tim VI, 12. Iſts nicht ſo? wer lauffen ſoll/ muß gute Fuͤße haben/ wer ſtreiten ſoll/ muß tapffere Faͤuſte haben/ wer was ergreiffen und hatten ſoll/ muß tuͤchtige Haͤnde haben? nun aber helffen zu dieſem lauffen weder Aſahels ſchnelle Fuͤſſe/ noch Sim⸗ ſons ſtarcke Faͤuſte/ noch die Finger Ogs zu Baſan oder Goliaths; ſondern wie zum Geiſtlichen Gehoͤr auch Midas Ohren nicht groß genug ſeyn/ Matth. XIII, Apoc. II, 3. ſo kan einer an aͤuſſerlichen Gliedern lahm und ein Krippel ſeyn/ und doch Haͤnde und Fuͤſſe haben nach dem inwendigen Menſchen/ an der neuen Crea⸗ tur; denn wie das Lauffen und Kaͤmpffen/ ſo muß auch das Ergreiffen Geiſt⸗ lich ſeyn/ und mit Glaubens⸗Haͤnden geſchehen. Es iſt aber auch darinnen ein Gleichnuß hergenommen von dem Siegern im Wett⸗Lauff und Wett Kampff; da der jenige/ welcher dem andern vorkommt/ die Crone oder Kleinod/ das an einem erhabenen Ort vorgeſteckt iſt/ erreicht/ und er⸗ greifft/ oder von den Kampffs⸗Richtern und Schieds Leuthen ſolches empfangt und annimmt; Alſo wird ein geiſtlicher Streiter angefriſchet/ zu lauffen/ zu kaͤmpffen/ anzuhalten/ biß Er das Ziel erreicht/ das Kleinod ergriffen/ und eine ſchone Cron einpfanget von der Hand des HEren. Da iſt nun die ergreiffende Hand der Glaube/ der nach dem vorgeſteck⸗ ten und erkannten Kleinod in begierigem Verlangen ſich ausſtreckt/ nicht nur die Zuſage und Verheiſſung des Guten ergreifft und auf ſich ziehet/ ſondern ſich aller Mittel ſorgfaͤltig bedienet/ die verheiſſene Sache und vorgelegte Gabe und Preiß ſelber gegenwaͤrtig und wuͤrcklich zu erlangen/ zu beſitzen/ zu genuͤſſen. Und das nicht in der leeren Einbildung/ wie ein Traͤumender offt vermeint einen groſſen Schatz ergriffen zu haben/ und zu beſitzen/ ſich aber/ wenn Er erwachet/ leer und betrogen findet/ Eſa. XXIX, 8. ſondern in der Gewißheit und Warheit/ daß man wiſſe/und wahrnehme/ daß man das Gute habe und beſitze/ z. Tim. I, 12. daß man GOtt/ das hochſte Gut/ beſitze/ Pſ. LXXIII. und Chriſtus durch den Glauben im Hertzen wohne/ Eph. III, 177. daß man innigſt mit der Heil. Dreyeinigkeit ver⸗ einiget ſeye/ und Gemeinſchafft habe; und aus der Fuͤſle IEſu nehme Gnade um Gnade/ Ioh. I. In Ihme habe Leben und volle Genuge/ c. 10. daß man alſo nicht nur wiſſe/ was einem von GOtt gegeben worden/ was man errungen/ er⸗ kaͤmpffet/ erarbeitet habe/ 1. Cor. II,/ 2. 1. Joh. VIII. wie man geſeegnet worden mit geiſtlichem Seegen in Himmliſchen Guͤtern/ durch Chriſtum/ Eph. I, 3. ſon⸗ dern wuͤrcklich ins umnunuee Weſen verſetzet/ Eph. I, 6. zur Gemeinſchafft der Geiſter der vollkommenen Gerechten/ Hebr. XII. zum Hummliſchen Wandel und Converſation, Phil. III. Col. III. komen ſeye. Daß man alſo bereits aus Gnaden nicht nur ſeelig ſeye gemacht worden/ Eph. II, 8. Tit. III, 7. ſondern auch bereits im Ge⸗ nuß und Vorſchmack/ noch viel groſere und herꝛlichere Seeligkeit hoffe und erwar⸗ tee/ Hebr. II, r. und demnach theils in einigem Genuß/ theils in nochgroͤſſerer Soß⸗ nung ſchon beligſeye Rom. VIII, 24. Darum ſo feſt das Kleinod halte/ GOtt nicht laſſe/ Gen. XXXII. daß man auch gewiß werde/ duß die Seele nichts ſcheiden werde von Leich⸗Predigt. 31 von der Liebe SOttes/ die da iſt in Chriſto JEſu/ Rom. VIII. Dannenhero ſich ernſtlich angelegen ſeyn laſſe zu beharren im Glauben/ Matth. XX. X&XXIV. feſt zu halten an der Demuth/ 1. Petr. V. und dem weißen Rath zu folgen/ Prov. XIV. 13. Zaſſe die Zucht/ laß nicht davon/ bewahre ſie/ denn ſie iſt dein Le⸗ ben. Sleich wie dieſes alles Wege und Bedingungen ſind zum Leben/ ſo ſoll ein Chriſt ſich deren befleiſſen/ damit er endlich das andere auch moͤge erreichen/ und auf den Weg das Ziel erfolgen/ wie auch die Saat/ die Erndt/ auff den Streit/ die Beut. Dannobwohl die Beruffene aus GOttes Macht durch den Glauben muͤſ ſen bewahret werden zur Seeligkeit/ das Ende ihres Glaubens zu erlangen/ I. Petr. I, 5. 9. Und der das gute Werck in den Glaubtigen angefangen hat/ daſſel⸗ bige auch vollfuͤhren muß und will/ Phil. I.& II. und der das ewige Leben verheiſſen hat/ es ſelber wuͤrcken/ und ſchencken muß; ſo will ers doch keinem gezwungener Weiß aufdringen/ volentibus, non invitis, vita æterna datur. Dahero erfordert Paulus/ daß man ſich niemahlen/ und ſonderlich/ wenn man ſchon ſo weit kommen iſt/ erſtim Ausgang ſolle abwenden/ mude machen laſſen/ und dann erſt/ nach ſo vieler Mühe und Schweiß/ des beſten Preiſſes verluſtig werde. Wie aber im Wett⸗Lauff und Kampff die Streiter nicht ſo wohl auf den Werth der Beuthe/ als die Ehre des Siegs achten/ alſo koͤnte man im Glaubens Kampff auff bedes ſehen/ und ſo wohh um der Koſtbarkeit als Herrlichkeit willen des Preiſſes alles darauff ſe⸗ en.(i Dann eben das iſt es/ was Paulus mit der einigen Benamſung des Lebens vorſtellet/ wenn Erſpricht: Eegreiffe das ewige Leben/ welches iſt der ergriffene Stand. In Gegenſatz gegen das zeitliche/ irrdiſche und vergaͤngliche Leben; (oder/ wie das Wort Leben/ für die Mittel und Unterhaltung des Lebens kan genom⸗ men werden/ wie Matth. XVI, 25.) als welches mehr ein Schatten/ als was War⸗ hafftiges/ mehr ein taͤglicher Todt und Kraͤnckung/ als Leben iſt/ und den meiſten/ das/ was zum Leben gegeben iſt/ ihnen zum Todtgereichet; da keinen hilfft/ wenn er gleich die Pue Welt gewoͤnne/ und doch Schaden an ſeiner Seelen nehme/ l. c. Luc. XVI. Darum zu beklagen/ daß dennoch der irrdiſch⸗geſinnte Menſch ſein Le⸗ ben/ ſein Vergnuͤgen/ darinnen ſuchet/ und das Lehen ſeiner Seelen faſt gantz dar⸗ innen beſtehet/ was doch ſein Todt iſt/ und nur den Namen darbey hat/ daß er lebe/ aber lebendig todt/ und von dem Leben das aus GOtt iſt, entfernet iſt/ weilen die Finſternuͤſſe das Licht des Lebens nicht haben begreiffen koͤnnen. Darum weiſſet Paulus auff was beſſers/ gegen welchem man alles andere verſchmaͤhen und fahren laſſen kan/ nemlich das ewige Leben/ welches man zuergreiffen: Welches iſt Chriſtus ſelbſt/ die Gnade GoOttes in ſelbigen/ die ewige Seeligkeit und alle Gu⸗ ter und Schaͤtze des Himmels. Welches alles ein Leben wird genennet/ weilen der Seelen wahres Leben/ Ruhe/ Vergnuͤgung/ Friede/ Erhaltung und Saͤtti⸗ gung darinnen beſtehet/ Ef. XXXVIII, 16. als die mit nichts. rrdiſches und Ver⸗ gaͤngliches kan in der Warheit geſaͤttiget werden; weilen ſie ein unſterblicher Geiſt/ alles aber auſſer GOtt eitel und vergaͤnglich in der Welt iſt/ 1. Joh. III. darum heiſt die Seeligkeit ein unvergaͤngliches/ unverwelckliches Erbe/ 1. Petr. I, 4. 1. Cor. IX, 25. eine unverwelckliche Crone/ ein unvergaͤngliches Weſen und Leben/ ſo Chriſtus aus Licht gebracht durchs Evangelium/ 2. Tim. 1, 10. davon einem das Hertz lebet und wallet. Solches Leben aber iſt alſo/ wie gedacht/ vornemlich und im Haupt⸗ Begriff/ Chriſtus ſelbſt/ welcher nicht nur ſagt. Joh. XIV, 6. Er ſeye das Leben. Paulus Ihn auch fur ſein einiges und eigenes Leben erkennet und rühmet/ Gal. II, 20. Phil. I, 21. ſondern/ welcher auch iſt und heiſſet das ewige Leben/ 1. Joh. V, 11. 20. hernach und ( Gericus in Ep. ad Phil p. 219. 3. 82 Khriſtliche und mit Chriſto die Krafft und Wuͤrckung des Lebens das aus GOtt und in ſich ewig iſt/ Joh. III, 36. Wer an den Sohn Gottes glaubet/ der hat das ewige Leben/ Joh. VI, 53. 24. C. X, 28 c. XVII, 3. alſo heiſt ein ewiges Leben/ was Wurtzel und Grund in HOtt hat/ von dem ewigen GOtt den Urſprung hat/ und alſo auch eine ewige Wehrung hat. Daher wird nicht nur das Recht zum ewigen Leben/ ſon⸗ dern der wuͤrckliche Beſitz und Genuß deſſen/ wiewohl noch kaum um Anfang/ ver⸗ ſtanden; auf das Recht aber allein wegen eines kuͤnfftigen vollkommenſten. Ge⸗ nuſſes die Abſicht genommen. Col. III, 3. da ſeyn wird Frende die Fuͤlle und leb⸗ liches Weſen zur Rechten GOttes immer und ewiglich/ Pf. XVI. Ef. LIII. Da in⸗ deſſen die Gute des HErrn/ iſt beſſer denn leben/ Pf. LXIII, 4. Und alſo iſt GOtt/ das hochſte Gut/ gemeint/ Pf. LXIII. In dem iſt Leben/ Friede/ Freude und voͤlle Genu⸗ ge/ JIoh. X, 1I. c. XVI, 32. O! der iſt gewiß geitzig/ wer ſich an GOtt nicht genn⸗ gen laͤſt/ daß es heiſſe: GOtt und genug! Daß man allenn Eiteln und Suͤndluchemn abgeſtorben/ nicht in Sunden/ ſondern der Sünden Todt ſeye/ ſein eigen Leben haſſe/ und was man noch ruckſtelliger Zeit im Leibe lebet/ nicht ſelbſt/ nicht ſich/ ſon⸗ dern Chriſto/ ja Chriſtus in Hertz und Seele lebe.. 9 Sehen wir aber auch auff die Bewegungs⸗Grunde/ welcheda gemacht werden bekandt/ ſo iſt ſehr nachdrückliches davon enthalten in den letzten Worten Pauu: Dazu du auch beruffen biſt. Da dann der glaubige Strei⸗ ter erinnert wird/ ſo wohl ſeiner Pflicht und Schuldigkeit/ darzu er beruffen/ und den Beruff habe angenommen, des verheiſſenen Kleinods Wuͤrdigkeit/ welches kan anfriſchen/ als auch des Beruffs Wichtigkeit. Es ſtehet einem Chriſten keines wegs frey/ nachdem er einmahl beruffen iſt/ den Beruff erkant und angenommen/ und innere Uberzeugung hat/ die Nothwendig⸗ keit und Müglichkeit der Sache erkennet;darzu ſich in der Tauffe verbunden/ indeſſen auch den Beruff profitiret hat/ daß er handele wie er will/ ſondern daß er wuͤrdig wandele ſeinen Beruff/ Eph. IV. 1. 1. Cor. VII, 15—25. 1. Petr. II. 9. 21. nun aber iſt ein jeder beruffen zur Heiligung/ von der Weltzu GOtt/ von ſeinem Eigenen zur Verlaͤugnung/ zur Nachfolge Chriſti/ zur Herrlichkeit und Tugend Chrſti/ von der Fuͤnſternuß zum Licht/ von der Sunde zur Gerechtigkeit/ von dem Unglauben zum Glauben/ der Warhelt und Heiligung des Geiſtes/ vom heidniſchen Wandel zur Gottſeeligkeit/ vom Muͤſſiggang und Stiltſtehen zur Arbeit/ vom Hofſarrh zur Demuth/ von der Wolluſt zur Keuſchheit der Seelen/ vom Gold zu GOtt/ von der ſundlichen Ergoͤtzung zum Creutz Chriſti/ von dem Todt zum Leben/ und vom Le⸗ benzum Todt. Und iſt es ein Anzeigen eines groſſen Verderben des Hertzens/ und Traͤgheit auch bey Widergebohrnen/ daß man immer noch darzu ermaͤhnet werden muß/ was man doch an ſich ſelbſt willig thun ſoll/ und die Art des neuen Menſchen ſolches mit ſich bringt; wer darff das Feuer ermahnen und treiben/ daß es brennen ſoll? Wer darff einen guten Baum zwingen Fruͤchte zu bringen? Die Art bringt es ſelbſten mit; alſo ſolle es bey wahren Chriſten auch ſeyn. Wer wolte nun ſich ei⸗ nes andern annehmen/ ohne worzu er beruffen/ und was ihme beſohlen iſt? Wer darff der hoͤchſten Majeſtaͤt widerſtreben/ ohne Verbrechen/ wer darff die Höchſte Guͤtigkeit verachten/ ohne Schuld/ wer darff ſeinen Pflichten entgegen handlen/ oh⸗ ne Straffe der Untreue? Hieſſe das der Gerechtigkeit nachjagen/ voll Ungerech⸗ tigkeit ſeyn/ und von einer Ungerechtigkeit zur andern gehen? Hieſſe das ver nuglich ſeyn/ und das arme Leben Chriſti erwehlen/ dem Geitz ſtellen? Hieſſe das Glauben halten taͤglich die Treue brechen? Hieſſe das Liebe uͤben/ im Zauck/ Neid/ und Haß eben? Hieß das gedultig ſeyn/ Creutz und Schmach fliehen? Wer iſt dann von Chriſto zur Liebe der Welt/ und nicht von der Welt beruffen? Weriſt dann 13 Muſſiggang und nicht zur Arbeit /zu guten Tagen und nicht zum Kampff zur Hof⸗ fart und nicht zur Demuth/ zum Suͤnden⸗Dienſt und nicht zum Hahfen Jaes Leich⸗Predigt. 53 Dienſt beruffen? O! verwegene Menſchen die ihren Beruff wiſſen/ und dem Goͤttlichen Beruff zuwider handlen/ ſich Chriſto verloben/ und doch ſeinem Geiſt und ihrem Gewiſſen widerſtreben! Die Crone/ das Leben/ Hoffen und Begehren/ aber nicht die Haͤnde darnach moͤgen ausſtrecken 3 wie inancher Fauler nicht mag den Mund auffthun zum eſſen. Darum haͤlt der Geiſt GOttes denen Beruffenen billich vor des Beruffs Vortrefflichkeit/ und des Kleinods Koſtbarkeit⸗ Daß man nicht nurzum Namen/ ſondern Weſen und Werck/ nicht nur zum An⸗ fang/ ſondern zur Vollendung beruffen. Will doch GOtt keine Arbeit ohne Beloh⸗ nung/ keine Verlaͤugnungohne Entgeltung/ und hundertfaͤltige Erſetzung/ keine Gottſeeligkeit ohne Genuß und Gewinn/ keinen Tritt ohne Lob/ keinen Kampff ohne Sieg/ kein Leiden und Truͤbſaal ohne Labſaal/ keme Verletzung ohne Ergoͤ⸗ tzung/keine Liebe ohne Gegen Liebekeine Treue ohne Croͤnung laſſen. Wer ſolte deun nicht den Koth fahren laſſen/ wenn er ein Berlein und Kleinsd darfuͤr zu erhalten weiß? Wer wolte die Welt nicht fuͤr den Himmel/ Gold fur GOtt/ tauſend Leben furs ewige Leben geben? Was thun die Menſchen nicht um zeitlichen Gewinns/ Ehre und Wolluſt willen? wie ſchafft/ wie laufft/ wie kaͤmpfft/ wie leidet man ſich um der Eitelkeit willen? iſt das hoͤchſte ewige Gut nicht mehr werth? Das Zeitliche muß verſchwinden/ das ewig Gut macht rechten Muth. Wie leichtlich kan man eine Bauren⸗Hutte um einen Koͤniglichen Pallaſt/ eine verwelckliche Krone/ um ein unvergaͤngliches Erbe/ aller Welt Freundſch afft um Goͤttliche Gemeinſchafft/ alle Welt⸗Freude um die Wolluſt in GOtt und Freude des Himmels geben? Ein Chriſt iſt zu groſſen und ewigen Dingen wiedergebohren.“. Zumahl/ wenn man bedencket des Beruffs Beſchaffenheit/ daß man mit Lauffen/ Rennen/ Strelten/ und eigenem Arbeiten ſolches iucht erſt ſelber darff er⸗ werben/ ſondern/ daß gottliche Krafft will uns machen ſieghafft/ alles will ſelbſt in uns wurcken/ anfangen und vollfuͤhren/ nach dem ernſtlichen/ kraͤfftigen Beru durchs Wort/ welches Geiſt und Krafft giebt; daß man nur der geſchenckten Kraͤff⸗ ten ſolle wohl gebrauchen. Iſt doch der Lauff und Kampff nicht werth des Lohns/ alle Truͤbſal nicht werth der Herrlichkeit; iſt es doch nur ein Weg/ Ordnung und Bedingung zum Ziel/ Zweck und Kleinod zu gelangen/ c. VI, 23. Rom. XI, 5.(k) und dorffte fich ntemand Hoffnung und Einbildung machen ſolcher Herrlichkeit/ wenn Gott ihn nicht aus Gnaden darzu beruffen und eingeladen/ Chriſtus ihme die Schrancken geoffnet⸗ und den Zugang bereitet haͤtte/ Eph. III, 12.c. I. 18. Darum heiſt es nicht: Man werde mit Kaͤmpffen das ewige Leben verdienen/ ſon⸗ dern das Ziel erreichen/ und das aus Gnaden vorgeſteckte Kleinod aus Gnaden/ obwohl aus Recht der Verheiſſung und des Beruffs/ wegen erfuͤllter Bedingung/ empfangen; weilen keine Proportion iſt zwiſchen einen kurtzen Lauff und Kampff/ und der unſchaͤtzbaren Crone des Lebens/ ſo wenig als zwiſchen einem Konigreich und Reiß dahin/ ſolches Land einzunehmen. 8 Auff dieſe ſonderheitliche und beſondere Glaubens⸗Zueignung und angemaßte Eigenthumlichkeit wird nun auch beſchrieben des Kleinods Koſtbarkeit. Warum aber überhaupt das ewige Leben/ die Herrlichkeit und Seeligkeit/ und der⸗ ſelben Stuͤcke und Graden nit einer Crone/ von köſtlichem Zeug kunſtlicher Form/ und unſchaͤtzbaren Werth/ verglichen oder beſchrieben werde? wie Sap. V, 17. 1. Petr. V, 4. Jac. I, 12. Apoc. II, I1. wie es auff menſchliche/ dennoch auff die aller⸗ ehrlichſte/ appetibelſte/ aber auch niemahl genug ausgedacht und unausſprechliche Weiſe geſchicht/ mit einem einigen Wort/ anzuzeigen/ daß auch tauſend Worte nicht zureichen/ 2. Cor. Xll, 4 wollen wir lieber einſtens erfahren/ andern aher ietzo nur einige Gelegenheit geben/ nachzudencken/ als viel Untuͤchtiges und Unzulaͤngli⸗ ches darvon vorbringen. Cronen findet man nicht auff den Straſſen/(ob man wohl Irrdiſche/ weil ſie auch ihre ſtachlichte Darel haben/ nicht aus dem Koth auf⸗ her (LX) F. C. Apol.. m. 60. fegg. p. 270, 271, a. Decl. Sohl. 54 Chriſtliche heben ſollte) weil ſelbe ſind Regalien, Kleinodien/ ein Zugehoͤr/ und vornemlich ein Ornat der Koͤnigen/ ein Preiß⸗Tugend⸗und Ehren⸗Belohnung der tapfferſten Gemůther.. Dann/ wie vor Zeiten den Siegern/ Koͤnigen/ Hochzeit⸗Leuten/ und den ledig Verſtorbenen/ ꝛc. Cronen aufgeſetzt wurden; theils zur hoͤchſten Zierde/ Schmuck und praͤchtigem Anſehen vor allen; theils zu ihrer Bereicherung und Kleinodien Vermehrung; theils zu eigener Freude und Vergnuͤgung; theils zum Siegs⸗Zei⸗ chen der Uberwindung. So werden alle Guͤter und Schaͤtze des ewigen Lebens eine Crone/ und Zuſammenfaſſung der edelſten Koſtbarkeiten genennet/ wellen die Auserwoͤhlte ſind Helden/ Sieger/ Koͤnige und Prieſter/ welche das Reich der Herrlichkeit einnehmen/ und ewig über Suͤnde/ Satan und Todt herrſchen/ und unt Chriſtoregieren werden. Wie in andrer Abſicht/ und wegen des Todes die Seeligkeit ein Leben/ wegen des Hungers ein Manna/ Speiß und Tranck/ wegen der Bäoͤſſe/ ein Kleid/ wegen der Arbeit/ eine Ruhe/ wegen der Gefahr eine Sicher⸗ heit/ wegen der Eitelkeit eine bleibende Stadt und Vatterland ꝛc. genennet wird: alſo wird hiermit der hoͤchſte und herrlichſte Stand der Seeligen; ja ein ſonderbah⸗ rer Grad der unterſchiedenen Herrlichkeit/ in der allen Auſſerwoͤhlten allgemeinen Seeligkeit/ angeditten/ Pſ. XL V. Apoc. I, 6. 1. Petr. II. Und wie die Cronen eine Zierdte und Schmuck des Haupts ſeyn/ und hoch ſte⸗ hen/ das ſie von jederman konnengeſehen werden; alſo wird darmit angezeiget/ wie der HErr uͤber ihnen werde der Seeligen herrliche Crone und Wonne/ ja/ ewige Freude werde uͤber ihrem Haupte ſeyn/ Freude und Wonne werde ſie umgeben/ wie eine Crone das Haupt/ Eſ. XXXV. gekroͤnet werden ſie ſeyn am Verſtand mit voll⸗ kommener Weißheit/ am Willen mit Heiligkeit/ am Leibe mit Klarheit und Un⸗ ſterblichkeit/ an Leib und Seelmit unausſprechlicher Seeligkeit. Und wie Cronen unter den Kleinodien das koſtbarſte ſind; ſo wird auch der hoͤchſte Schatz des ewi⸗ gen Lebens darmit angezeiget/ welche alle Glaubige hoͤher geachtet haben denn al⸗ ler Welt Guͤter/ wie Hebr. X. von den Glaubigen es heiſſet: Sie haben den Raub ihrer Guͤter nicht geachtet/ weilen ſie eine beſtaͤndige Habe bey ſich ſelbſt in den Him⸗ meln hatten. Dann/ wann einer die gantze Welt gewonne, ſo iſt es doch weit we⸗ niger dann der Gewinn ſeiner Seelen/ Matth. XVI. Weilen die Herrlichkeit Lei⸗ bes und der Seelen nicht iſt/ wie eine irrdiſche/ rerwel elaihe Crone von Blumen/ Epheu/ und wenn es auch Tauſend ſchoͤn waͤre. An deren die 12. Edelgeſteine und Perlen des himmliſchen Jeruſalems prangen und funckeln werden; wie die Alten auff ſolche Gedancken kommen/ aus Apoc. XXI. nemlich der Saphir der vollkom⸗ menen Erkantniß. Der Smaragd Engliſcher Reinigkeit und Heiligkeit. Der Carfunckel Soͤttlicher Klarheit. Der Ruͤbin feuerflammender Liebe. Der Achat volliger Genugſamkeit. Der Chyſolit guldener Schoͤnheit. Der Jaſpis beſtaͤndiger Geſundheit. Der Sarder Goͤttlicher Treue und Gütigkeit. Der Tuͤrckis himmliſcher Freude und Seeligkeit. Der Chalcedonier beſtaͤn⸗ diger Ruhe und Sicherheit. Und dann der Diamant der ſeeligen Ewigkeit. Gleichwie aber auch die Cronen unterſchiedener Gattung ſeyn/ wie aus der änti⸗ quitaͤt bekant/ ſo wird auch ein Unterſchied ſeyn in den Graden der zukuͤnfftigen Herilicheeit 1. Cor. XV, 4I. c. III, 8. Dan. XII, 3. Num. XXXI, 26. ſoh XIV,7. ennoch wird eine jede Crone ſeyn/ eine ſchoͤne Crone/ Sap. V. eine unvergaͤngliche und unverwelckliche Crone/ 1. Cor. IX, 1. Petr. V, 4. jac. I, 12. Apoc. III, 15. in der contradiſtinction der irrdiſchen vergaͤnglichen/ beſchwerlichen Cronen/ Prov. XXVII Z4. Ez. XXI, 26. Syr XI, 2. 3. 4. Matth. V, 20. Sap II, 8. Hernach/ wie die Cronen in ihrer Ruͤnde eine Ewigkeit anzeigen; ſo wird dardurch die Circul⸗Runde Unendlichkeit des ewigen Lebens bedſten d8 r Leich⸗Predigt. 55 Freude die Fuͤlle und liebliches Weſen zur Rechten GOttes imer und ewiglich ſeyn werden/ Pſ. XVI, II. Eſ. XXXV. Im Gegenſatz/ wie gedacht/ der verwelcklichen/ vergaͤnglichen Cronen von Laub oder Blumen/ 2. Cor. IX. Wie die Cronen mit vielen Edelgeſteinen und Perlen ſind beſetzt; ſo wird auch mit angeditten die vielfaͤltige Herꝛlichkeit. Und wie Cronen oͤffters von groſſem Gewicht ſind/ wie 2. Sam. XII, 30. einer Centner ſchweren Cron gedacht wird; ſo folget eine ewige und uͤber alle Maß wichtige Herꝛlichkeit. 2. Cor. IV, 17. Rom. VIII, 18. Es heiſſet aber mit einem beſondern Zuſatz eine Crone der Gerechtigkeit/ nicht nur darum/ weil die Glaubige alsdann ohne Suͤnde ſeyn/ und wie die Sonne von vollkommener Klarheit/ ohne Flecken/ auch ſo gar an ihrem Leibe leuchten werden; und gegen ihren Feinden im vollkommenen Sieg/ im Koͤniglichen und Helden⸗Schmuck prangen werden; Da GOTT ſelbſt ihr Lohn und Cron ſeyn wird/ ja ſie werden ſeyn ein ſchoͤne Crone/ in der Hand des HErꝛn/ Eſa. LXII, 3. ſeine Ehre und Ruhm/ der ihre Seele/ als eine Ausbeute darvon getragen. Und alſo wird ſeyn eine Vollkomenheit ohne Stuͤckwerck 1. Cor. XIII. Leben/ ohne Tod; Tag ohne Nacht. Gewißheit ohne Zweiffel. Sicherheit ohne Furcht. Ruhe/ ohne Arbeit. Vergnügung/ ohne Zerſtorung. Schoͤnheit/ ohne Ungeſtalt. Staͤrcke ohne Schwachheit. Genuß/ ohne Verdruß. Saͤttigung ohne Eckel. Freude ohne Traurigkelt. Freundſchafft/ ohne Falſchheit. Heiligkeit/ ohne Sündlich⸗ keit. Gluͤckſeeligkeit/ ohne Abbruch; Sondern weil ſelbe den Gerechten nach Gerechtigkeit wird gegeben. Nicht zwar als ob ſelbe aus Verdienſt erworben wuͤrde; weilen nicht allein auch die beſte Wercke gegen ſolche Belohnung keine Proportion haben/ Luc. XVII, 10. 1. Cor. IV, 4. ſondern das ewige Leben zwar wohl ein Lohn/ aber eine Gnaden⸗Belohnung iſt/ Matth. XX. Rom. VI, 23, c. XI, 6. Da auch die Auserwaͤhlten die Cronen vor des Lammes Stuhl und Füſ⸗ ſen legen/ Apoc. IV, 10. und ihre Unwürdigkeit zu erkennen geben. Darum heiſſet ſelbe eine Crone der Verheiſſung/ jac. 1I, 12. Weilen GOtt ſeine Ga⸗ ben in den Seinen kroͤnet. Und alſo nicht umſonſt iſt/ daß man dem HEran dienet/ Malach. III. Matth. XIX. Rom. III. ſondern wie mau in allerley guten Wercken getrachtet hatte nach dem ewigen Leben/ ſo wird auch der HErꝛ vergelten nach ei⸗ nes jeden Wercken. Eine Crone des Lebens/ jac. I, 12. Weil die Rechtfer⸗ tigung, Gerechtigkeit und Seeligkeit des ewigen Lebens dem Tod entgegen geſetzt wird/ Rom. VI, 16. Dannoch aber/ wie Chriſtus mit Gerechtigkeit ſolches erwor⸗ ben/ ſo wird es auch nicht Selbſt⸗und Geſet Gerechten/ ſondern den Evangeliſche Glaubens⸗Gerechten/ welche in und durch Chriſtum voͤlliges Recht darzu und vollkommene Gerechtigkeit haben/ aus dem Recht des Bundes und auch Gerechtig⸗ keit der Verheiſſung gegeben; Weilen GOtt nicht ungerecht iſt/ daß Ihn ſeine Gaben und Verheiſſungen ſolten gereuen. Rom. XI, 29. So dann erforderts die vergelten⸗ de Gerechtigkeit Sottes ſelber/ daß/ wie ſie das Boͤſe ſtraffen muß/ alſo das Gute belohne/ 2. Theſſ. I, 6. 7. und zwar abermahl mit ſolcher Gerechtigkeit/ dat ob ſchon die Belohnung in ihrem valor alle Wercke unendlich uͤbertrifft/ dennoch die Vergeltung eine proportion habe nach den Wercken/ Rom. II, 6. Dan. XII, 3. 1. Cor. XV, 41. 42. 2. Cor. I, 5. daß einem jeden ſeine gewiſſe portion zukom⸗ me/ Pſ. XVI, 6. LXXIII, 26. obwohlen ſolches ſcheinet verneinet zu werden/ Apoc. XXI, 7. da es heiſſet: Wer uͤberwindet/ der wird alles erben ꝛc. und auch darmit/ weil die Rede iſt von einer einigen Crone. Worvon aber zu anderer Zeit. Darum ſagt Auguſtinus ſehr wohl: Wem gebe der Gerechte Richter die Cron/ wo der barmhertzige Vatter die Gnade nicht darzu geſchencket haͤtte? Oder wie waͤre Gerechtigkeit/ wo nicht die Gnade vorgegangen/ die den Gottloſen gerecht machet 7 wie wuͤrde jene ſchuldig gegeben/ wo nicht dieſe unverſchuld ge⸗ ſchenckt worden waͤre? Ja/ wie rechnet Er die Gerechtigkeit unſern e 6 56 Chriſtliche cken zu/ wo Er nicht aus ſeiner Gerechtigkeit verberge/ waß Ungerechtigkeit noch in Ihnen iſt? Wie hielte Er ſie eines Lohns werth/ wo Er nicht aus un⸗ maͤßlicher Guͤte/ das/ ſo an Ihnen noch ſtraffwuͤrdig waͤre tilgere? die Worte hiervon in D. Speners Glaubens⸗Gerechtigkeit/ p. 942.§. 33. ſind wuͤrdig hie⸗ her geſetzet zu werden: Den Ort 2. Tim. IV, 8. aulangend/ ſchreibet der theure Lehrer/ auf welchen dir Phariſeiſche Geiſter ſich auch beziehen/ iſt der jenige/ wel⸗ chen auch andere ihres theils pflegen anzufuhren/ wie wir Ihn auch finden bey dem Cardin. Bellarmin. L. s. de Juſtif. c. 16. col. rI19. I120. da Er wider Du- randum diſputiret/ und bey andern. Wir wollen deßwegen denſelben ſo viel lite⸗ ber gruͤndlich betrachten/ t. Bekennen wir gern/ daß die Cron/ dero Er Melt ung thnt/ moͤge das ewige Leben bedeuten/ wie es auch heiſſet die unverwelckliche Cro⸗ ne der Ehren/ 1. Pet. I, 5. 4. die Cron des Lebens. Apoc. II, 10. Solche Cron laß ich gelten 2. Daß ſie die Cron der Gerechtigkeit heiſſe/ weil ſie der Gerechtigkeit gegeben wird. Aber daraus folget noch nicht/ daß ſie denn eigentlich der Gerechtig⸗ keit der Wercke oder der Hetligung/ oder wegen derſelben/ gegeben werde. Daun Paulus hat uns eine andere Gerechtigkeit gelehret/ nemlich die Berechtigkeit Chri⸗ ſti/ welche dem Glauben geſchencket wird; dieſer Gerechtigkeit wird nun die ihr aus Goͤttlicher Verheiſſung gehoͤrige Cron gegeben. Wolte Gegentheil dieſen Verſtand nicht annehmen/ ſo muͤſſen ſie einen andern/ denen von Ihnen vorgege⸗ benen Verſtand/ aus dieſem Ort oder aus andern erweiſen. MNein Sel. Præ- ceptor Her: D. Dannhauer hat Ihnen/ nach ſeiner Art/ kurtz und nachdruͤcklich geantwortet/ und ihren Schluß⸗Fehler Ihnen gezeiget; es folge— es ſecye eine Crone der Gerechtigkeit/ ſo muͤſſe es gleich bald eine Crone der Gerechtigkeit des Geſetzes ſeyn/ indeme eben ſo wohl eine Gerechtigkeit des Evangelii iſt/ nemlich in Chriſto/ in dero kein eigen Verdienſt Platz hat. So folge auch nicht/ daß es nothwendig muſſe ſeyn eine Gerechtigkeit der Perſon/ indeme auch die Sach/ vor die Paulus und andere Streiter JIEſu Chriſti kampffen/ und„ mit ihrem Blut ſie verſieglen/ eine ſolche gerechte Sache iſt/ daß die derſelben gerechten Sache und dero Gerechtigkeit gebuhrende Cron ihren Streitern gegeben werden ſolle. So gibt es auch nicht nur eine ſolche Gerechtigkeit/ die in den Schulen particularis genennet wird/ dahin die Belohnungen der Verdtenſte/ und was in Handel und Wandel vorgehet/ gehoͤrt; ſondern auch die allgemeine 4 Gerechtigkeit/ das jenige zu thun/ was recht und billich iſ/ zu dero alſo auch de Treue und Warheit in Leiſtung des Verſprechens zuzehlen iſt. Welche Ge, Cron der Gerechtigkeit aus dem Recht der Goͤttlichen Warheit gegeben wird. (Siehe auch oben§. 32. den Ort Ambroſi wie Er nachmahl feruer zeiget/ wie in der Schrifft das Wort der Gerechtigkeit/ ſo offt die Warheit/ Gnade/ Treue/ uns verdienet hat. Ich habe an einem andern Ort in einer Leich⸗Predigt/ das meiſte/ was hiervon geſagt werden moͤchte/ in wenig Wort zuſammen gezogen/ ſo ich kein Bedenckens habe/ ſie zu wiederhohlen. Es iſt eine it/ Matth. Lrich⸗Predigt. 57 Matth. VI, 1. 2. Cor. IX, 20. Ja auch 2. ‚oͤttlicher eigentlicher Gerechtigkeit/ ſo ſich durch Verſpruch/ zu Gebuͤng ſolcher Cron/ verhunden. 3. Sie wird allein den Gerechten gegeben: die nemlich in wahrem Glauben an Chriſtum ſeine Ge⸗ rechtigkeit Ihnen zu eigen gemacht/ und nachmahl einen gerechten Wandel/ zu der GOtt ſchuldigen Hanckbarkeit/ zu fuühren angefangen. Bleibet alſo eine Crone damit bey uns/ ob ſchon nicht die Gerechtigkeit des Geſetzes/ die wir nicht haben/ jedannoch die Gerechtigkeit des Evangelu von HOtt aus Gnaden gekroͤnet wird. So iſt ſie auch 4. eine Erone der gerechten Sache/ darvor Paulus und andere Chrt⸗ ſten/ ob ſie ſchon vor ihre Perſon nicht voͤllig gerecht ſind/ ſtreiten. Sondern 5. dieweil die vollkommene Gerechtigkeit/ die wir im Goͤttlichen Ebenbild durch den Fall verlohren/ ein Stuͤck dieſer Cron iſt/ und uns darmit wiederbracht wird. Eſ. XI. 10. Und iſt nochmahl hier groſſer Troſt/ daß weil uns dißfalls nichts hoͤher an⸗ ficht/ als das/ da wir hie niemahl uoch koͤnnen GOtt den HErꝛn in vollkomine⸗ ner Gerechtigkeit dienen/ wir unſere ſuͤndliche Schwachheiten in dem Grab wer⸗ den ligen laſſen/ und in dieſer Cron vollig gerecht und ohne Mackel erſcheinen/ un⸗ ter den 24. Aelteſten. Apoc. IV, 4. welches fromme Chriſten vor das vornehinſte ſolcher Herꝛlichkeit halten. 3. Dieſe Cron wird gegeben. Eſtius ſuchet hierinnen ſonderlich den Nachdruck/ daß es heiſſe azzee, reddet, es wird Chriſtus ſolches nicht nur hloß dahin geben/ ſondern wieder geben/ unñ alſo als eine Schuld/ odeꝛ anvertrautes/ veluti debitum quoddam& creditum, ſive depoſitum, quod jure reddendum ſit. Aber des ſonſt gelehrten Manncs Subtilitaͤt iſt hie vergebens. 1. Die Maͤintztſche Bibel bleibet dey den bloßen Worten/ geben. 2. Das Wort arae heiſſet nicht nur etwas ſchuldiges wieder geben/ ſondern auch insgemein geben/ auch was aus Gnaden geſchiehet/ Matth. VI, 6. 18. Rom. II, G. NMatth. XXVII, 58. befielet Pilatus, daß der Leichnam IEſu dem Joſeph(der darum als um eine Gnade gebetten hatte) gegeben würde. 759,36„, Matth. XX, 8. heißt der Hauß⸗Vatter den Arbeitern den Lohn geben/ welcher aufs wenigſte von Seiten der jenigen/ die nur eine Stunde gearbeitet/ ein nicht verdienter Lohn geweſen. 3. Iſt das Wiederſgehen aus Pflicht eine Sache/ welche Gottlicher Majeſtaͤt durchaus un⸗ zumlich iſt. Rom. XI, 35. Wer hat Ihmne etwas zuvor gegeben/ das Ihme wuͤrde wieder vergolten? Aber von dem ewigen Leben heiſſets⸗ daß es eine Gabe/ eine Gnaden⸗Gabe/ zeuua ſehe. Alſo hat das Gleichnuß von einer Schuld und creckitirter Sache durchaus keinen Platz. 4. Wollen wir das Gleichnuß eines vertrauten Guts nehmen/ da ich eben nicht dagegen ſeyn will/ wegen des andern Worts/ es iſt mir beygelegt; ſo muß es aber eine ſolche Erklaͤrung bleiben/ wel⸗ che dem Glauben aͤhnlich/ und nicht aufhebe/ daß ſie ein Geſchenck ſeye. Es ver⸗ ehren offt Eltern ihren Kindern ein und andere Geſchencke/ welche ſie zu ſolcher Zeit noch nicht wohl brauchen koͤnnen/ daher zeigen ſie Ihnen zwar dieſelbe/ daß ſie wiſſen ſie ſeyen nun ihr/ aber ſie heben ihnen ſolche auf/ biß auf die Zeit/ da ſie ihr noͤthig haben/ oder nunmehr brauchen konnen. Da iſt eine ſolche Gabe in ge⸗ wiſſer Maaß auch eine Beylage/ und hats das Kind zu ſeiner Zeit zu fordern/ obs wohlen ein bloſes Geſchenck iſt. Alſo iſt bereits in der heiligen Tauff und erſter Aufnahm in die Kindſchafft GOttes/ das gantze Erb/ und alſo auch dieſe Cron den Kindern GOttes aus lauter Gnaden geſchencket: Aber da dieſe ſo bald einige derſelben Guͤter in ihren Beſitz bekomulen/ dero ſie hier noͤthig ha⸗ ben/ und ſie gebrauchen konnen/ ſo iſt hingegen vieles von ſolchen Guͤtern/ und ſonderlich dieſe Cron ein ſolches Gut/ das uns in dieſem Leben noch nicht zukommt/ ſondern GOtt hats uns nur in ſeinem Wort und Verheiſſung gezeiget/ aber he⸗ bet es uns auf/ biß der Tag komme/ da es uns gegeben werde. Herꝛ D. Dann⸗ hauer redet wiederum ſehr wohl: Es folget nicht/ Er wird geben/ oder wie⸗ der geben/ ſo wird eben ſolches 1 geſchehen/ durch eine eigentli⸗ che 88 Chriſtliche che Vergeltung; dann es iſtzweyerley Vergeltung/ eine da man nur ct⸗ was vor etwas anders gibt/ ein andere da man wegen etwas ein anders gibt. Die erſte iſt/ als da vor die Trubſaalen Troſt/ vor die Arbeit Ruhe/ vor Bu⸗ tes Boͤſes/ oder hingegen gegeben wird.(Wie es heißt Eſa. LXI, 3. Da Ihnen Schmuck fuͤr Aſchen/ und Frenden Oel fuͤr Traurigkeit/ und ſchoͤne Kleider vor einen betruͤbten Geiſt gegeben werden; Wo jenes erſte ja nicht die Urſach des empfangenden gehalten wird/) und dabey iſt kein Verdienſt; die andere Art/ da vor empfangenes Geld dem Krancken die Cur wiederfaͤhret/ und hat ein Verdienſt oder Wuͤrde Platz. Die erſte Art kan zwiſchen GO 2T und den Menſchen ſtatt haben/ nicht aber die andere/ nemlich wegen angezogener Urſach aus Kom. XI, 35. Es heiſſet 5 Chriſtus ein gerechter Richter ſolcher Vergeltung. Dieſes iſt das jenige/ worauf fuͤrnemlich Bellarminus die Krafft ſeines Schluſſts ſetzen will/ und darinnen Durando widerſpricht/ der SO TT darinnen vielmehr zu einem barmhertzigen Richter mache: hingegen will Er es verſtanden haben/ Er wer⸗ de ſolches geben/ als ein gerechter Richter/ und alſo aus Gerechtigkeit/ nicht bloſer Freygebigkeit. Es ſtöſſet aber auch ſolches unſere Lehr nicht uͤber Hauffen. Dann es iſt wahr/ daß Er nicht aus bloſer Freygebigkeit/ ſondern auch aus Ge⸗ rechtigkeit dieſe Cron/ an jenem Tage giebet; es iſt aber nicht jegliche Gerech⸗ tigkeit ſo bald eine Gerechtigkeit/ die ein Verdienſt belohnet. Ich ſetze nochmahl hieher die jenige Wort/ deren ich mich anderwaͤrtlich gebrauchet: Hier moͤchte ſich gleich dann fragen/ weil Chriſtus in Aufſetzung der Cronen ein gerechter Richter heiſſet/ ob dann nicht daraus folge/ daß durch den Kampff und gute Werck/ von den Glaubigen dieſe Cron verdienet werde; weil ja ein gerechter Richter jeglichem nach ſeinem Verdienſt lohnet? Wir ſagen nein darzu/ und hilfft dieſer Spruch widriger Meinung im geringſten nicht. Dann die Elteſten werffen ſelbſt Apoc. IV, 10. ihre Cronen zu den Fuͤſſen des Stuhls/ zum Zeug⸗ nuß/ daß ſie allein Sie aus Gnaden haben. So heiſſets Pſ. XXI, 4. Du uͤber⸗ ſchutteſt Ihn/ oder in ſeiner Sprach/ du kommeſt Ihin zuvor mit gutem See⸗ gen/ ehe es heiſſet/ und ſetzeſt eine guldene Crone auf ſein Haupt. Und in dem Gott gnaͤdig iſt/ bezahlt Er einem jeglichen/ wie Er verdienet/ Pf. IXII, 13. Ja Er iſt gerecht/ indem Er Suͤnde vergiebet/ 1. Joh. I, 10. So iſt auch an dem groſſen Tag des Gerichts Barmhertzigkeit/ 2. Iim. I, 18. Ein mehrers folget hie nicht. Und bleibet doch Chriſtus darinnen ein gerechter Richter. 1. Um ſein ſelbſt willen/ weil es Goͤttlicher Gerechtigkeit gemaͤß/ daß da Chri⸗ ſtus es ſo ſauer worden uns zu erloͤſen/ ſolches nicht vergebens geſchehen ſeye; ſondern das jenige/ was der HEr; uns verdienet/ auch wuͤrcklich gegeben wer⸗ de allen/ die ſein Verdienſt Ihm zu eigen gemacht. 2. Um Goͤttlichen Ver⸗ ſpruchs/ Treue und Warheit willen. Dann auch der jenige/ welcher aus Gna⸗ den etwas verſprochen/ macht ſich damit ſchuldig/ ſein Verſprechen zu halten. Daalsdann der andere ihn bey ſeiner Zuſage halten/ſich aber keines Verdienſts fu men kan.(Siehe Hebr. VI, 10. 1I.) Iſt GOtt alſo darinnen mehr gegen ſi ſelbſt als gegen uns gerecht. 3. In Gegenhaltung gegen den Gottloſen/ da es ungerecht ſeyn wuͤrde/ wo es Fromme nicht beſſer haben wuͤrden/ als ſie/ ja auch gegen andern, die bereits eben in ſolchem Glauben die Seeligkett wüuͤrcklich eranger: daß ſie denen in ſolchen Fußſtapffen nachfolgenden nicht ge⸗ wegert werden kan. Und Lutherus Tom. 56. Altenb. f. 60. b. ſiehe/ wie ſtoltz iſt der Mann mit ſeiner Gerechtigkeit/ ſo er doch ſonſt allenthalben ſich einen Suͤnder bekennet/ und nichts uberall ſeyn will/ und ob er wohl ſaget/ daß ihm nichts bewuſt ſey/ doch fuͤr GOTT derhalben ſich nicht gerecht achtet. Aber ſeines Lauffs oder Ampts halben gegenden Leuten ruͤhmet er ſich allenthalben auffs hoͤchſte/ und wil ihm ſolchen Ruͤhiicht ————A+* nn ——49i&⏑⏑8—— Leich⸗Predigt. 59 nehmen laſſen/ wie 1. Cor. III. ſpricht: Es waͤre mir lieber/ ich ſturbe/ denn daß mir jemand meinen Ruhm ſollte zu micht machen. Und das ſollſeine Crone und herrli⸗ cher Schmuck am juͤngſten Tag ſeyn/ daß Er ſein Ampt treulich ausgerichtet hat/ und der undanckbaren Welt geholffen/ ob er wohl nicht dardurch die Seeligkeit er⸗ langet/ ſondern durch Chriſtum und ſeine Tauffe. ꝛc. c. Deus non debendo, ſed pro mittendo ſe debitorem facit. Dominus ſua dona in nobis coronat. Auguſt. Daher wird ſo wohl darmit die Sicherheit der Traͤgen/ als die Ver⸗ meſſenheit der Geſetzlichen beſtrafft und gezeiget/ daß nicht auſſer der Ordnung GOttes/ und ohne die Wercke/ aber auch nicht durch die Wercke die Cron erlangt werde. Wie ſich dann Paulus auff den HErrn/ deſſen das Reich iſt/ und nicht nur abſoluté Macht hat/ ſondern zugleich auff den ge⸗ rechten Richter berufft/ daß es/ wie bey den unpartheyiſchen Schieds⸗Richtern/ mit offentlicher Erklaͤrung und Zuerkantniß werde geſchehen durch Chriſtum/ Act. XVII, 31. Rom. II, 6. 2. Cor. V, 10. Hebr. VI, 1. Daes nicht wird gehen/ wie mein⸗ ſtens in der Welt/ da die Beßheit wird belobt und belohnt/ die Frommigkeit aber verdaͤchtig/ verhaßt/ verachtet und verfolget wird/ bey denen/ die Boͤſes gut/ und Gutes boͤß heiſſen/ Cohel. III, 16. 17. c. VIII 14. Und iſt merckwuͤrdig/ daß Pau⸗ lus nicht ſagt: Darum/ um meines Kampffs/ Lauffs und Wohlverhal⸗ tens willen/ ſondern hinfort iſt mir beygelegt ꝛc. anzuzeigen/ daß die Belohnung nicht ein Verdienſt/ ſondern als eine unfehlbare/ ja/ vey denen/ die ſel⸗ nes gleichen ſeyen/ eine unmittelbahre Folge der Wercken ſeye/ und ſelbe nach dem letzten Todtes⸗Kampff keine weitere Leiden noch Arbeit vor ſich haben/ nach Ap. XIV, 13. Wenn die Muͤſſige und Verzagte mit Schmach und Schande werden gekleidet/ mit Schwefel⸗Stanck und Feuer⸗Crone werden belohnet werden/ welche hier mit Ungerechtig⸗und Gewalthaͤtigkeit den Preiß erlanget/ und nach ergengrtche Ehre und Cronen geſtrebet/ oder auf ungerechte Weiſe/ wie dazu⸗ mahl Herodes oder Nero/ der Paulum gefangen hielt/ Gutes mit Boͤſem/ Liebe unt Haß/ Gottſeeligkeit mit Verfolgung belohnet haben. Es ſagt aber Paulus/ daß die Crone/ welche von Ewigkeit her bereitet/ Matth. XXV, 34. I. Cor. II, 9. Chriſtus erworben/ Rom. VI. 23. durchs Evangelium verkuͤndiger und anerbietet/ 2. Tim. I, 10. Col. I, 5. Ihme ſeye beygelegt/ und werde Ihme an jenem Tag gegeben werden; dann ob ſchon GOtt hier den Glaubigen viele Gnaden⸗ Belohnungen gibt/ ſie kroͤnet mit Ehre und Schmuck; ſo heiſt es doch: Das Beſte 6 Letzte. aus KRht als ob Paulus nicht gleich nach ſeinem Abſchied von der Welt ſeelig worden waͤre/ indeme erja oben geſagt/ es ſeye nichts weiters uͤbrig/ kein Kampff noch Lauff/ wie in der Welt/ ruckſtaͤndig; ſein Wunſch auch/ gleich nach dem Todt bey Chriſto zu ſeyn/ Phil. I, 2 3. Ihme nicht wird gefehlet haben; ſondern daß Ihme der voͤllige Genuß/ Grad und Offenbahrung der Seeligkeit/ biß an den allgemeinen Gerichts⸗Tag/ da der aufferweckte Leib auch mit theülhafftig ſolle wer⸗ den der Ehre/ gleichſam als ein fidei commiſs, Coll. I, 5. auffbehalten/ und vor allen Engeln und Menſchen nicht nur der Seelen/ ſondern auch dem Leibe nach/ und alſo dem gantzen Menſchen mitgetheilet ſolle werden; Und alſo giebt Chriſtus die Crone ſeinen Glaubigen auff dreyerley Weiß/ und zu drey unterſchiedenen Zei⸗ ten; indem Leben bereits/ der Verheiſſung/ dem Recht und Anfang nach/ durch den Glauben und Hoffnung/ Ioh. V, 24. Rom. VIII, 2 4. I. Joh. III, 2. im Tod/ der Seelen/ nach voͤlliger/ Ap. IV, 4. am Juͤngſten Tag auch dei Leibe nach/ Phil. III. 1. Cor. XV. und alſo vollkommen/ Hebr, XI, 40. Da Paulus bezeuget/ daß keine Vollendung ohne die Verſamlung aller Glaubigen geſchehe. Und daß mi de⸗ 60 Chriſtliche dann vollen Lohn empfangen werde/ 2. Joh. 8. Matth. KNV, 23. Gleichwie David vor laͤngſt geſalbet war zum Koͤnige uͤber Iſrael/ auch bedungene Mittel beobachtet hatte/ aber dennoch viel Jahre im Elend herum ziehen/ darauf warten/ und ohne ſichern Poſſes bleiben muſte. Dann/ was beygeleget iſt/ und an jenem groſſen Tag/ ſo zu ſagen/ an dem altgemeinen Land⸗und Creuß Tag der Welt/ wel⸗ cher nicht nur 24. Stunden/ ſondern wie die Crayß Taͤge offt gantze Monat und Jahre waͤhren/ auch laͤnger ſeyn wird als die gemeine Tage/ weilen ſonderlich keine Nacht mehr daraufferfolgen wird/ was/ ſage ich/ an ſolchem Tage erſt ſoll gegeben werden/ das muß Paulus nicht gleich nach dem Todes Tag einpfangen haben. Wenn man nicht ſagen wolte/ Paulus betruͤge ſich/ und wiſſe die Sache nicht recht/ welches einem im dritten Himmel unterrichteten und unverwerfflichen Zeu⸗ gen zu nahe geredt waͤre. Wolte man aber eine grammatiſche Figur, Verwechſelung oder Vernennung der Zeit ertichten/ ſo konte man bey andern ſtellen der Schrifft ſolchen Griff auch prætendiren/ und wuͤrde alſo aller Verſtand der Schrifft ungewiß. Wolte man aber durch den Tag/ wovon Paulus redet/ nicht den allgemeinen/ ſondern je⸗ des particularen Gerichts⸗Tag verſtehen/ ſo ſtehen die letztere Worte des Textes im Weg/ welche dieſen Tag characteriſiren und ſolenniſiren mit der Offenbahrun gJE⸗ ſu Chriſti/ 2. Tim. I, 12. Col. I, 12 Oder koͤnte man ſagen: Was Paulus gleich nach den Todt empfangen/ das ſtelle er hie vor/ wie es an jenem Tag vor Engel und Menſchen erſt ſoll offenbar werden/ und nicht anderſt werde angeſehen werden/ als wenn ers erſt von der Hand des Richters/ bey deme es biß dahin auffgehalten wor⸗ den waͤre/ empfangen haͤtte/ da die offenbahre Gerichts⸗Erklaͤrun /Entſcheidung und Einfuͤhrung in die vollkommene Herrlichkeit ſolle erfolgen. Ob um deß willen die Worte un Text alſo moͤgen geſetzt worden ſeyn/ daß es heiſſet: Er wird wieder geben/ nemlich nicht nur das/ was er von Ewigkeit her bereitet/ und verheiſſen/ ſon⸗ dern was er wuͤrcklich vorgezeiget/ und eingehaͤndigt/ aber wieder zutreuen Haͤnden/ und ſichern Verwahrung zuruck geleget hat; oder da das Beſeſſene erſt zur beſtimm⸗ ten Zeit iſt offenbahr/ oder der Begabte alsdann offentlich in ſeinem Beſitz beſtaͤt⸗ tigt worden/ laſſen wir andernzu üiberlegen anheim geſtellet ſeyn. Uns erfreuet die Sache und erwarten wir der SOtt geziemenden Art/ wie alsdann der Gerechte/ als ein Koͤnig/ als eine Braut werde prangen/ Apoc. I. mit Sitzen auf dem Stuhl der Herriichkait Chriſti/ und richten die zwoͤlff Geſchlechte Iſrael/ Luc. XXII. I. Cor. VI. und damit niemand dencken moͤge/ dieſe Herrlichkeit werde allein Paulo wiederfahren/ und alſo gehe ihn das Kaͤmpffen und Lauffen auch allein an/ ein an⸗ derer doͤrffte es beym nechſten bewenden laſſen; welches bey etlichen falſche Demuth/ bey den meiſten Traͤgheit und falſche Fleiſches⸗Ruhe iſt; ſo zeiget der H. Apoſtel/ daß er nicht nur von dem ſonderbahren Apoſtel⸗Ampt und Propheten Lohn/ ſondern wie zugleich von den gemeinen Chriſten⸗Pflichten/ alſo auch von einer allgemei⸗ nen Seeligkeit rede/ die Er allen mit ſich gonne/ und nicht ſeye/ wie die Neidi⸗ ſche/ welche ſcheel ſehen/ wenn der HErr auch gegen Geringere guͤtig iſt/ Marth. XX. noch weniger ſeye es beſchaffen wie mit irrdiſchen Cronen/ welche nur ein Haupt let⸗ den koͤunen/ wie die Welt nur eine Sonne; ſondern wie er ihnen Weg und Mittel zeige/ und den würcklichen Genuß goͤnne und wuͤnſche/ und verſichere; und darmit uns lehre/ wie auch wir einem jeden unſrer Mit⸗Bruͤder ſolchen goͤnnen und wuͤn⸗ ſchen ſollen/ als Mit⸗Erben der Gnade GOttes/ I. Perr. III, 7. wenn Erſpricht: Nicht allein aber mir/ ſondern auch allen/ die ſeine Erſcheinung lieb haben/ und lieb gehabt haben. Darmit Er nicht nur ſtehet auff die/ welche den Juͤngſten Tag erleben/ ſondern vorher im Glauben verſtorben ſeynd; der Seelen nach ſich ſehnen nach ihren Leibern/ Apoc. VI, 10. und den Ahaxhebe —— Leich⸗Predigt. 6¹ nen werden vorkommen/ 1. Theſſ. IV, 17.(welche entgegen geſetzt werden den Atheiſten und Epicurern/ 1. Cor. XV, 12.19. 1. Theff. XIV, 13. 2. Tim. II, 18. Cohel. III, 19. Sap. IV, 2.) Und alſo im Stand guter Wercke erfunden werden. Darum verleugnendas ungoͤttliche We en/ und die weltliche Luͤſten/ und zuͤchtig/ Frechtund gottſeelig leben in der Welt/ und warten auf die ſeelige Hoffnung/ und rſcheinung der Herrlichkeit des groſſen GOttes/ und unſers Heylandes JEſu Chriſti/ Lit. II, 1r. Und zuvor ernſtlich ſich bereitet haben/ EL. KXX, 18. Damit Paulus ſelbſt eine Application von ſich nicht nur auff Lehrer/ Martyrer und Aung⸗ ſcauen/ ſondern alle andere Glaubige machet/ 2. Cor. IV, 13. 2. Petr. I, 1. Phil. I, ult. jede mit ſich zu reitzen/ ein ſehnliches Verlangen nuch dem furgeſteckten Ziel und Kletnod zu erwecken; wie die Begierdte in der Welt zu gefahrlichen Cronen un⸗ maͤßig/ der Eckel aber fur Chriſti Dornen⸗Crone unbeſchreiblich/ und doch ohne dieſe/ die Himmliſche nicht zu erlangen iſt; Jeden in ſeiner Muͤhe zu troͤſten/ und zubezeugen/ daß die Gewißheit ſeiner zukuͤnfftigen Herrlichkeit Er nicht habe durch eine auſſerordentliche Offenbahrung; noch die Crone des Lebens ſeye eine ſolche be⸗ ſondere Gnaden⸗Gabe/ welche ſonſt keinem als Ihme/ und der nur Apoſtoltſche Krafften habe zu theil werden konne; ſondern/ wie die Crone allgemein ſeye/ in Anſehung des Haupt⸗Weſens der Herrlichkeit/ ſo ſeye dieſes auch eine allgemeine Condition und Pflicht/ daß ſelbe durch Kaͤmpffen muͤſſe erlangt werden; und wie ehedeſſen zwar im Wettlauffen nur der erſte/ im Wett⸗oder Ernſt: Kampffaber alle die ſich am beſten gehalten/ die Cronen erlanget/ ſo werde es auch bey Chriſten erge⸗ hen/ I. Cor. IX, 24.— Es iſt aber die Erſcheinung Chriſti nicht eigentlich ſeine Offenbahrung im Fleiſch/ 1. Tim. III, 16. dardurch erſchienen der Auffgang aus der Hohe/ Luc. 78. und die heilſame Gnade allen Menſchen/ Tit. II, 11. noch weniger eine ſonderbahre auſſerordentliche Erſcheinung/ wie im A. T. oder nach ſeiner Aufferſtehung ſeinen Juͤngern und den H. Weibern/ oder Stephano und Paulo wiederfahren. Denn ſeelig ſind die Augen die nicht ſehen/ und doch glauben/ Joh. XX, 11. Petr. I, 8. Soiſt es auch nicht von einer geiſtlichen Erſcheinung im Glauben/ und Verklaͤrung in der Seelen/ Gal. I, 10. welche allen Menſchen nothig iſt/ 2. Cor. III, 18. c. IV, 6. zu⸗ verſtehen; ſondern von der kunfftigen/ herrlichen/ und aller Welt in die Augen leuchtenden Erſcheinung Chriſtt in ſeiner Herrlichkeit am Juͤngſten Tag/ da ſeine und ſeiner Glaubigen in und mit Ihme verborgene Herrlichkeit wird offenbahret werden/ Col. III, 3. 4. 1. Petr. I, 5. 8. iſt hier die Rede. Worvon Matth. XXV, 31. 1. Theſſ.IV, 16. und in andern Stellen mehr gehandelt wird; daruͤber ein beruͤhm⸗ ter Lehrer alſo ſchreibet: Wenn die Schrifft/ ſo offt die letzte Zukunfft des HErrn ſeine Erſcheinung nennet/ wird nicht vergebens gemercket/ daß ſolche darauff ſehe/ daß Chriſtus bereits nach beyden Naturen/ dann Ihm ja vornehmlich von der Menſchheit wegen die Erſcheinung zukommet/ bey uns hie auff Erden ſeye/ Matth. XXIIX, 20. ob wir ſchon denſelben noch nicht ſehen koͤnnen; alſo/ daß ſeine Zukunfft vielmehr eine Erſcheinung ſey deſſen/ der da bey uns iſt(Siehe 2. Theff.II, 8) als eine neue Zukunfft deſſen/ der da noch nicht bey uns waͤre. Wie wir uns bey Gedaͤchtnüß der Erſcheinung Chriſti unſerer Schuldigkeit zu erinnern/ magjeglicher ſelbſt/ Tit. II, 1I. 12. 13. ſehen. So wird es auch an Troſt daraus nicht mangeln. Iſts eine Erſcheinung/ ſo iſt der HErr bereits bey uns/ und ſteht uns bey. Welche Gegeuwart/ ob ſie ſchon unſern Augen nicht ſichtbar/ dennoch dem Glauben uͤber alle maſſen troſtlich ſt. Sonderlich/ weil auff dieſelbe eben durch dieſe Erſcheinung die ſichtbare Gegenwart unſers liebſten Heylands uns alſo wiederbracht wird/ daß wir derer in Ewigkeit nicht verluſtig werden moͤgen. Sa man auch in der andern Bitte darum bittet: Zukomme uns dein Reich! Act. XIII. nichts mehrers wuͤnſchet/ ale auffgeloͤſet/ 41 bey IEſu Chriſto zu* 62 Chriſtliche Phil. I. Indes/ wie der Hirſch ſchreyet nach friſchem Waſſer/ alſo die Seele nach dem lebendigen GOtt duͤrſtet und ſchreyet/ Ef. LXII. und mit Simeon auff die Erloͤſung wartet/ Luc. II. 257. Mit der gantzen Creatur/ und ſonderlich mit denen/ die des Geiſtes Erſtlinge haben/ ſich nach der Offenbahrung der Herrlichkeit/ Freyheit und vollkommenen Wiedergeburth ſehnet/ Rom. VIII. Matth. XIX. Act. III. Ap. XXII, 23. Darum ſuchen die Glaubige immer naͤher entgegen zu kommen zur Aufferſte⸗ hung der Todten/ Phil. III. ſie eilen zur Zukunfft des HErrn/ 2. Petr. III, II. 12. jeder Verzug dunckt ſie zu lang in der Moͤrder⸗Gruben und ſterblichen Huͤtten/ 2. Cor. V, I. ſeqq. wie dann Paulus zugleich darmit ſeinen unerſchrockenen Muth/ gutes Gewiſſen/ Verachtung der Welt/ Bereitſchafft auff den Todt/ Freyheit des Gerichts/ Hoffnung des Lebens/ Gewißheit der Gnade/ Liebe zu JEſu/ Verlan⸗ gen nach ſeiner Gemeinſchafft und ewigen Freyheit bezeuget; Welches ntemand thun kan/ welcher nicht das Heyl in Chriſto gruͤndlich erkannt und geſchmecket hat wie freundlich der HErr iſt; und weiß/ was GOtt bereitet hat denen/ die Ihn lieb haben. Alſo vielweniger/ welche noch Welt und Sunde lieben/ fur dem Todt und Gericht ſich ſcheuen; denen ihr Hertz ſagt/ daß Chriſti Erſcheinung ihnen wie ein Plitz in die Augen leuchten, ſie erſchroͤcken/ alle ihre Sunden entdecken/ und vor Engel und Menſchen ſiezzu ſchanden machen werde; Daher ſie lieber wuͤnſchen/ Chri⸗ ſtum nie zuſehen/ und da ſie Ihn ſehen muͤſſen/ daß alle Berge uͤber ſie fielen/ und alle Huͤgel ſie bedecken moͤchten. Da hingegen die Glaubige ihre Erloͤſung durch ſolche Erſcheinung mit aufgerichteten Haͤuptern erwarten/ und ihnen lange wird indeſſen zu wohnen in der Gottloſen Fitta Pſ. CXX. Ihre Luſt an dem HErrn ha⸗ ben/ Pſ. XXXIV. ihre Freude ſeyn laſſen/ daß ſie ſich zu GOtt halten/ Pf. LXXIII. und warten auff ſein Heyl/ Gen XLIX. Und wie ein gehorſamer Unterthan auff ſeinen Fuͤrſten/ wie ein Kind auff ſeinen Vatter/ wie eine Braut auff den Braͤuti⸗ gam/ wie ein Bedrangter auff den Erloͤſer und Advocaten/ ſich freuen. In deren Liebe keine Furcht iſt/ ſondern eine Freudigkeit auff den Tag des Gerichts/ x. Ioh. IV, 17. 18. Sap. V, 1. Weil ſie verſichert iſt/ daß alsdann werde die Verheiſſung Eſ. XXX, 18. erfuͤllet werden; Dahero beyſeiner/ aus gewiſſen Zeichen abgenom⸗ menen/ inſtehenden Zukunfft auffſehen/ und ihre Haͤupter empor heben/ weil ſie wiſ ſen/ daß ſich ihre Erloͤſung nahe; Luc. XXI, 28. daß der HErr ſie werde erloͤſen von allem Übel/ und ihnen aushelffen zu ſeinem ewigen Reiche/ aus dem Dienſt⸗Hauſe Egypti in das rechte Canaan/ aus Sodom und Babel in das himmliſche Jeruſa⸗ lem/ zur Stadt GOttes/ einfuhren. Wo dieſes nicht waͤre/ und wir wolten allein in dieſem Leben auf GOtt hoffen/ ſo wuͤrden wir die Elendeſte ſeyn unter allen Men⸗ ſchen/ 1. Cor. XV, 19.. 1 Und deſſen haben ſich alle warhafftig Glaubige zu getroͤſten/ wann die Gott⸗ loſe ihr eigen Hertz verdammt/ daß ſie fuͤr Angſt verſchmachten moͤchten/ und wuͤn⸗ ſchen/ da Chriſtus nimmermehr wiederkomme! welche aber mit gutem Gewiſſen/ und nach dem Maaß der Gnaden/ das ihnen gegeben iſt/ in ihrem Beruff Gerren verblieben/ ſich durch ſo viel Feinde und Huͤndernuͤſſe durchgeſchlagen/ Chriſto treulich nachgefolget/ weder zur Rechten noch zur Lincken ausgewichen/ oder doch bald wieder die richtige Straſſe gefunden haben/ und in der That/ ohne Ungedult/ ſondern aus billichem Uberdruß uͤber die Suͤnde/ Aergernuſſe und Eitelkeit/ nichts mehr wünſchen/ als Chriſti baͤldeſte und Majeſtaͤtiſche Erſcheinung/ darmit ſie vor aller Welt mit einem ſo groſſen Koͤnige/ welchen ſie geliebet haben/ ob ſie ihn ſchon nicht geſehen/ prangen koͤnten/ vor dem ſie ſich nicht doͤrffen fuͤrchten/ als fuͤr einem ſtraffenden Richter; Sondern ſich ſeiner erfreuen/ als eines Bluts⸗Freundes/ Im⸗ manuels/ Bruders/ Braͤutigams/ Haupts/ Belohners/ von deme ihnen offentlich das Lob werde wiederfahren/ welches ihnen die Welt mißgoͤnnet und abgeſprochen; die ſtehen wegen ihrer lebendigen Hoffnung immer umguͤrtet/ ſind wie die Knechte/ die auff ihren Herrn warten/ wachen und halten mit den Jungfraͤulichen Seen re —„— 2—** Leich⸗Predigt. z ihre Lampen fertig/ biß die Herꝛlichkeit des HErꝛn mitten in der Finſternuß Ihnen froͤlich erſcheine/ und ſie zur Hochzeit des Lamms eingehohlet werden/ zu erlangen das Ende ihres Glaubens/ der Seelen Seeligkeit/ 1. Pet. I. Indeſſen heißt es: Ach! komm HEr: JEſu! der Geiſt und die Braut ſpricht: Komm/ ach komme bald/ und dein Lohn mit dir/ und deine Vergeltung fuͤr dir. Ichzeh⸗ le Stunden/ Tag und Jahr; und wird mir allzulange/ biß es erſcheine daß ich aar/ O Leben! dich umfange/ damit/ was ſterblich iſt in mir/ verſchlungen wer⸗ e gantz in dir/ und ich unſterblich werde. adde S. 3-8. Dann wirds heiſſen: Komm/ willkomme! dann wirds an ein kuͤſſen gehen: was ich dir geſagt du Fromme! ſiehe/ iſt es nicht geſchehen. Biſt du nun nicht Engelrein? Koͤnnt der Himmel ſchoͤner ſeyn? bin ich GOtt/ nicht lauter Liebe? iſt auch was/ das dich betruͤbe? O was Freud/ was vor Ergoͤtzen muß ſeyn in der Seeligkeit! uͤber das was davon ſchwaͤtzen wir in Schwach⸗ und Dunckelheit; tauſend/ tauſend/ tau⸗ ſend mahl ſchoͤner wirds ſeyn uͤberall. Koͤnnt man doch nur Fliegel kriegen/ und gleich jetzt ſo bald hinfliegen. Und ſo iſt der Gerechte/ wegen guten Gewiſſens und ſeeligſter Hoffnung un Tod getroſt. Prov. XIV, 32. Und ſinget Triumphs⸗ Lieder: Komm du ſchoͤne Freuden⸗Crone/ bleib nicht lange/ deiner wart ich mit Verlangen. Phil. I, 18. feqa. Sehet/ das iſt jetzo die Schrifftmaͤßige Beſchreibung der wohl⸗vollbrachten Rittterſchafft/ und die Ver⸗ ſicherung/ daß man darauf des Himmliſchen Kleinods ſoll werden theilhafft. NMutzanwendung. LAraus iſt leicht zu erſehen: Durch wie viel Streit/ Muͤh⸗ ſeeligkeit/ Arbeit und Standhafftigkeit im Leben/ Lei⸗ den und Sterben man muͤſſe ringen nach der ſeeligen Ewigkeit/ und ewigen Seeligkeit/ nach dem herꝛlichen Sieg und Beuth. Dannenhero mag man wohl ſagen: Es ſeye leicht/ ſchwer/ ja wohlgar unmoͤglich ſeelig zu werden/ nachdeme man nemlich den unterſchiedenen Zu⸗ ſtand der Menſchlichen Hertzen und ihres Verhaltens betrachtet. Gleichwie ſonſt in den meiſten Stucken des wahren Chriſtenthums die gemeine Schul⸗Regeln micht angehen: daß es nemlich unmoͤglich ſey/ daß einerley Sache zugleich ſeye und nicht ſeyn koͤnne. Da doch Z. E. Liecht und Finſternuß zugleich ſeyn kan zu einer Zeit und in einem Subject; obwohl ohne Zuſammenſtimmung Chriſtus und Belial/ Gerechtigkeit und Sünde/ Geiſt und Fleiſch/ Altes und Reues/ Warheit und Lugen/ vollkommene und unvollkommene Erleuchtung. Bekeheung und Verkehrung. Natur und Gnade. Wiedergebohren und unwie⸗ dergebohren; groß und klein; alt und neu; vollkommen und unvollkommen; ein Mann und Kind/ geehrt und veracht/ freudig und traurig/ willig und ge⸗ zwungen/ frey und gebunden/ tod und lebendig/ ſeelig und muͤhſeelig/ arm und reich/ ſchwach und ſtarck ſeyn. Leicht iſt es demnach ſeelig zu werden den Rechtglaubigen/ dem neuen Menſchen, in der Krafft des Anfaͤngers und Vollen⸗ ders des Glaubens/ durch deſſen Geiſt der Liebe denen Nachfolgern und Liebha⸗ bern IEſu/ denen ſein Joch ſanfft und ſeine Laſt leicht wird/ und ſeine Gebotte nimmer ſchwer ſind. Schwer iſts den jenigen/ welche ſich nicht wollen recht an⸗ greiffen 64 Chriſtliche— greiffen/ wehe thun/ dem Fleiſch noch zu viel Raum und Freydeñ geben, nicht ases verlaͤugnen/ nicht allen Sunden wollen abſagen/ ſondern noch die bequemlichſte behalten/ ihr Hertz theilen/ zweyen Herren zugleich dienen wollen/ ſich mit aͤuf ſerlichen Dingen viel Sorge und Muͤhe mache; die hindern ſich ſelbſt/ erſticken den Geiſt/ oder kommt Ihnen doch im Geſetzlichen Zuſtand/ ohne den Kindlichen Geiſt der Liebe/ alles ſchwer/ bitter/ und ſauer vor, ja es iſt meiſtens gezwungen/ Matth. XIX, 25. unmöglich iſt es ohne wahre Hertzens Bekehrung, ernſtlichen Haß/ und volligem Ablaß vom Suͤnden⸗Dienſt; und wo man bey ſeinem irꝛdi⸗ ſchen Sinn/ weltfoͤrmiger Unart/ bloß aͤuſſerlichem Kirchen⸗Dienſt/ und kaum Heydniſch erbaren Leben bleiben will; welches alles mit dem Glauben nicht be⸗ ſtehen kan, ohne welchen es unmuͤglich iſt GOtt zugefallen.. Ol wie viel/ ja alles iſt demnach daran gelegen/ daß man im rechten Stand der Ordnung GOttes und Gott gefälligen Beſchaffenheit des Hertzens ſtehe/ will man ſeelig werden. Welche Seeligkeit zwar ein pur lauter Gnaden⸗Geſchenck/ aber nur fuͤr die bußfertigen/ glaubige/ und des Glaubens Krafft im guten Ge⸗ wiſſen/ in ungefaͤrbter Liebe und Stand guter Wercke Bezeugende/ iſt; da es ſwar nicht auf das eigene Rennen oder Lauffen/ ſondern allein auf GOttes Er⸗ darmen ankommt; indeſſen keinem traͤgen/ oder faulen/ ſchlaͤffrigen/ theoreti- ſchen/ in der Eitelkeit verwickelten Felixv-Hertzen zukommt; ſondern denen wie⸗ derfahret/ welche im lebendigen Glauben/ die Gnaͤde nicht vergeblich empfangen/ ſondern die geſchenckte Kraͤfften/ als Mit⸗Arbeiter/ treulich anwenden/ ringen/ lauſſen/ nachjagen dem Kleinod/ biß ſie es ergreiffen/ und vom Wiſſen zum Weſen/ vom Hoffen zum Genuß/ vom Recht zum Beſitz kommen. Wie dann Chriſtus/ die Condition, Ernſt/ Eyffer und ſchwere Heſchaͤfft deren/ die da wol⸗ len ſeelig werden vorſtellet und erwecket/ wenn Er Luc. XIII, 24. ſpricht: Ringet darnach/ daß ihr durch die enge Pforten eingehet; Dann viel werden(N⁸B. das ſage ich Euch) darnach trachten/ wie ſie hin⸗ ein kommen/ und werdens nicht thun koͤnnen. In welchen Worten Chriſtus deren/ die da wollen ſeelig werden/ theils noͤthigen Fleiß/ theils vor ſich habende ſchwere Reiß/ theuls vieler verge⸗ bene Weiß zu erkennen geben/ und darmit bezeugen wollen/ wie es denen ewi⸗ glich fehlen werde/ welche noch nicht einmahl das Wollen/ Trachten/ noch weni⸗ ger im Werck ſelbſten den ernſtlichen Anfang haben; weder den Weg wiſſen/ noch was die enge Pfort ſey verſtehen; noch viel weniger/ wenn ſie es auch wü⸗ ſten/ Luſt haͤtten dardurch einzugehen; wenn es gar mit denen ſo ſchwer werde hergehen/ welche doch fuͤr der Seelen Seeligkeit ſorgen und nach dem Reich GOt⸗ tes trachten. Es wurde nemlich Chriſtus von einem zwar unbekannten/ doch ohne Zweiffel von einem ſolchen/ welcher ſein Juͤnger/ oder Reißgefaͤhrte aus Balilea nach Jeruſalem war/ ſeinen Predigten bißhero beygewohnet/ und ſeinen Wunderu mit zugeſehen/ darbey aber der Leuthe Traͤgheit zu glauben/ vorgefaßte Meinungen/ Widerſpenſtigkeit des Hertzens/ Aergernuß des Treutzes/ Liebe der Eitelkeit/ Beſtrickung der Luͤſten/ und Gewohnheit der Sunden/ Fuͤrwitz und Neubegirigkeit/ Irꝛthum und Blindheit/ beobachtet hatte/ gefraget: Meineſt du/ daß wenig ſeelig werden? Deme Chriſtus nicht gleich und gerad zu mit Ja oder Nein antworten wolte/ um niemand auf einer Seite zaghafft/ auf der andern aber ſicher/ noch beederſeits einem eine Hindernuß zu machen; ſondern jedem eine Sorgfalt zu erwecken/ das Seinige nach allen verliehenen Kraͤfften ernſtlich zu thun/ die Mittel ſorgfaltig zu gebrauchen/ den Ausgang aber demn Hrrn zu empfehlen und zu uͤberlaſſen/(a) als der ohne dem ſchon ehedeſſen in ) F C Deol. Sohd,. m. 320. 5. Gleich⸗ Leich⸗Predigt. 86 Gleichnuß vom viererley Acker/ von den klugen und thoͤrichten Jungfrauen/ ja eine Parallel- Stelle/ Math. VII, 1z3. 14. gelehret/ daß deren wenig ſeyen/ die den Weg zum Leben/ geſchweige das Leben ſelber finden/ oder durch die enge Pforte in den Tempel GOttes/ in das Himmliſche Jeruſalem/ zur Gemetnſchafft der Glaubigen und GOttes eingehen wuͤrden. Weiſen der meiſten Theil der Menſchen entweder aus Blindheit/ oder Sicherheit/ aus Eitelkeit oder Schlaͤffrigkeit/ die Gnaden⸗Zeit verſaͤumen/ und erſt zu ſpat die Rothwendigkeit eines befſern Ernſt erſehen; wenn die Vorbereitungs und Gnaden Zeit vorbey und die Thuͤrn verſchloſſen worden/ erſt anfahen drauſſen zu ſtehen und ſich anzu⸗ melden/ ja/ mit Vorwendung der Religion/ Vertraulichkeit und Gemeinſchafft mit Chriſto zwar beweglich/ aber zu ſpath und Fergeben Guade ſuchen/ und in der Schlaͤffrigkeit und Thorheit auch die Jungfraͤuliche Geiſter ſich verkuͤrtzen. O wo will dann der Sunder und Gottloſe erſcheinen! Allein/ was auch den Glaubigen/ den Wachſamſten/ Sorgfaͤltigſten/ Ge⸗ ſchaͤfftigſten/ fuͤr ſich ſelbſt unmuͤglich/ wegen eigener Untuͤchtigkeit ſo wohl/ als andern vielfaͤltigen Hindernuͤſſen; Das iſt bey GOtt/ durch GOtt/ mit GOtt moglich/ nicht zwar durch ſeine abſolute Macht/ ſonſten wuͤrde Er Partheyiſch ſcheinen/ ſondern in dem rechten und geſeegneten Gebrauch ſeiner geſchenckten Kraͤfften/ ſo man nemlich in Goͤttlicher Ordnung mit Furcht und Zittern ſchaffet daß man ſeelig werde. Dann da erfordert Chriſtus einen ernſtlichen Fleiß/ ein Ringen/ Beſtreben/ ein Kaͤmpffen mit allen Kraͤfften/ ein Fortfahren/ Anhalten/ Nachjagen/ Aus⸗ dauren/ um Sehnen und Bearbeiten darnach/ daß man wuͤrcklich eingehe durch die enge Pforte. Worzu gehoret ein Enthalten/ Entfernen/ Abtretten von der vori⸗ gen Bahn/ ein Verlaſſen der vorigen Wegen/ Eſ. LV, 7. eine Abſonderung von voriger Geſellſchafft/ eine Aenderung des Sinnes/ eaagruuns ſein ſelbſt/ Ent⸗ haltung alles andern/ Vorſetzung des rechten Zwecks/ Antrektung des rechten BMes⸗ Uberwindung aller Hindernüͤſſen/ Durchbruch durch allen Gegenſtand/ er Berharrung in den gehoͤrigen Schrancken/ Verhuͤtung der Ausweichung weder zur Rechten noch zur Lincken/ verbleiben auf der Straſſe/ welche da heißt die Rich⸗ tige/ taͤgliches Naͤher⸗ und Weiterkommen/ Unterlaſſung alles Zuruckſehens/ Zu⸗ ruckweichens/ oder ſchlaͤffrigen Stillſtehens 3 biß man in die enge Pforte/ und Einſchrenckung des Tugend⸗und Creutz vollen Lebens Chriſti getretten/ und dardurch zur Freyheit von der Welt und Fleiſches/ zur willigen Nachfolge/ Gleich⸗ foͤrmigkeit und Himmliſchen Wandel/ Stand und Burger⸗Recht/ je mehr und mehr weiter gelangt. Solches betrachten die„e des Satans/ fliehen die bißher beliebige eigene Wege/ ſchaͤndliche krumme Irꝛwege/ das Verlocken der Syrenen/ der Irꝛwiſchen/ Welt⸗Kinder/ Sap. II. aus Egypten/ Sodom/ Babel aus durche rothe Meer ins gelobte Land/ in die Stadt SOttes einzugehen. Wie Gott der HErz ſagt: Folge nicht der Menge zum Boͤſen/ Exod. XXIII. es ſind wenig die den rechten Weg finden/ halte dich zu den wenigen. Siſte gradum Via- tor, es iſt genug daß du die dergangene Zeit zugebracht haſt nach Heydniſchem Willen und Wandel. 1. Petr. IV. Du ſieheſt/ wie jeder geht nach ſeinem Wahn/ und niemand iſt auf rechter Bahn; wie die Gottloſen irren von Mutter Leib an/ wie dein eigen Hertz immer den Irꝛweg will/ ach! wilt du dann irꝛ gehen für und fur? und nicht eimmahl dencken: wo kommeſt du her? oder wo wilt du hin? wird es nicht heiſſen bey denen/ welche die rechte Wege des HErrn nicht wiſſen/ und abkehren/ wenn ihr Ausgang wird ſeyn der Hoͤllen Rachen/ Schlund und Pfort/ O wir Narren/ wir haben des rechten Wegs verfaͤhlt§ap. V. da wir den Weg Cains/ Balaams/ der Ehehrecher geloffen ſeynd/ Prov. VII, 30. 19. 20. Syr. XXIII. 2. Petr. II, 12-16. Eph. II, 2. 3. 1. Joh. II. Phil. II. Pf. L. 18. Dabey man nicht auf die gemeine Exempel der andR) e ſehen/ die ſich hier und dar laß⸗ ſen 4 65 Khriſtliche n aufhalten/ oder wie der meiſte Pauff nach dem Lauff dieſer Welt wandles dle er Weg zur Ehren⸗ und Lebens Pforte ſo rauh/ od/ und wenig Gefertſchafft dar⸗ auf zu finden; wie ſo viel Judiſche Sinne in der Wuͤſten mitten in dem Lauff niedergeſchlagen da ligen/ welche im luͤſternen Hertzen das knechtiſche Egypten Canaan vorgezogen/ eine kleine Mühe geſchiehen und das Ziel ſich verrucken laſ⸗ ſen; daß man ja nicht ſtille ſtehe/ wie Loths Weib/ noch die Saͤulen Herculis ſi um Ziel ſeße ſondern die Stadt GOttes/ das Batterland ſuche/ welches ewi⸗ bleibet/ Heb. XI, 13. ſegq. von Glauben in Glauben/ von Krafft in Krafft gehe zu Vollendung der Heiligung/ und ſich nicht leicht duncken laſſe/ daß mans ſchon ergriffen habe. Phil. III. Doch aber nicht nachlaſſe biß man hinan komme zum Ziel/ zu einerley Glauben/ Eph. IV. Hebr. XII, 22. 23. und darüber keine Zeit verſaͤume/ nichts aufs kuͤnfftige verſpahre/ das heute ſorgfaͤltig in acht nehme/ an die kurtze Zeit/ jetzgge Gelegenheit/ lange Arbeit/ vielfaltigen Streit/ der Sache Nothwendigkeit/ und des erreichten Ziels und Standes See⸗ ligkeit/ ja der zuruck bleibenden ewige Ungluͤckſeeligkeit gedencke/ und gleich⸗ ſam geiſtlich ehrgeitzig ſeye/ ſich keinen vorkommen zu laſſen/ der erſte zu ſeyn/ und ſo niemand mit wolle/ allein fortfahre/ nicht mude werde. Ach! darum ſuche Hendſetter du Geiſtlich Lahmer/ blinder Menſch/ erbitte den Geiſt GOttes zumn egweiſer/ der dich auf richtige Bahn fuͤhre/ auf ebner Bahn fort/ und in alle Warheit leite/ Pſ. CXLIII. flehe immer/ ſiehe/ ob ich auf rechtem Wege bin/ und fuͤhre mich auf ewigem Wege. Pſ. CXXXIX. Jud. XVIII, 5. Daß h nauffe den Weg deiner Gebotte; Lauffe und nicht müͤde werde/ Eſa. XL. Vergiſſe aber auch das nicht/ das du aufſeheſt auf Chriſtum/ ſeheſt auf die/ welche alſo wand⸗ len/ wie wir Chriſtum und ſeine Heiligen haͤben zum Vorbild/ J. Cor. XI, T. Phil. III, 17. und den Lauff wohl vollendeſt/ 2. Tim. IV. Denn das Himmelreich muß Gewalt leiden/ und die Ihme Gewalt thun/ die reiſſen es zu ſich/ Matth. X 12. es muß mit Furcht und Zittern geſchaffet ſeyn/ daß man ſeelig werde/ Phil. II. 12. d. i. man muß mit Gewalt hinein tringen/ wie die Soldaten durch die ge⸗ ſchoſſene Brechen in die Veſtung eindringen. Es muß biß aufs Blut widerſtan⸗ den/ biß auf den Tod gekaͤmpffet ſeyn in dem Kampff wider die Suͤnde/ Heb. XII, 4. Dieſes alles aber nicht aus eigenen Kraͤfften nach eigenem Gutduncken; ſondern wie die Welt ringet nach Reichthum und Ehre/ ja nach ihrem Ungluck: ſo ein Chriſt in der Goͤttlichen Wegweißheit klug ſeye aufs Gute/ Rom. XII. ſtarck ſey in dem HErꝛn/ und in der Macht ſeiner Skaͤrcke; lauffe aber nicht als aufs ungewiſſe/ ſondern daß man eingehe durch die enge Pfort. Welches nicht nur ein wohlgemeinter Rath/ ſondern ein ernſtlicher Befehl/ eine unveraͤnderliche Ord⸗ nung SOttes/ ohne welche Weiſe niemand kan ſeelig werden/ Matth. XVI. Act. XIV. Verfehlt man des Wegs/ ſo verfehlt man des Orts/ ſo iſts ewig gefehlt. Danck ſey dir O IEſu/ daß du mir kund thuſt den Weg zum Leben. Pf. XVI. Und das iſt die ſchwere Reiſe/ welche Chriſtus heiſſet die jenige antretten/ welche da wollen ſeelig werden. Da Er durch die verblüͤmnte Redens⸗Art nichts anders verſtehet/ als die Einſchrenckung in die Gebotte GOttes; Und iſt ein Gleichnuß hergenommen von den Schrancken und Lauff⸗Bahn/ darein/ nach der alten Gewohnheit/ die jenigen tretten mußten/ welche nach dem Ziel/ um das vorgeſteckte Kleinod lauffen und rennen wolten; da die vielerley Arten der Be⸗ mühungen bey den Alten mit eben dem Wort beſchrieben wurden/ welches Chri⸗ ſtus hier braucht. Oder/ wie die Roͤmer ihre Furcas hatten/ dadurch ihre Ge⸗ fangene mußten ſchlupffen/ und ſich unter das Joch der Leibeigenſchafft biegen; Wie dann die Redens⸗Art dieſes Orts gar nachdruͤcklich gebraucht wird, Matth. XI, 29. Nehmet auf Euch mein Joch und lernet von mir/ ꝛec. Rom XIY. 7. 8. 1. Cor. VI, 20. Oder wie die Alten den Tugend⸗ und Laſter⸗Weg/ da vergele 1 Leich⸗Predigt. 6⁷ 7 wird Veben und Todt/ Seegen und Fluch/ durch das Pythagoriſche Npſilon ha⸗ en vorgeſtellet/ da der Weg zur Lincken breit/ der zur Rechten aber eng und ſchmal/ und alſo auch der Weg natuͤrlicher Tugend dem Fleiſch bitter und un⸗ angenehmiſt; wie auch die Heydniſche Welt⸗Weiſen den Weg zum Tempelder Tugend rauh und unwegſam/ und durch die Pforde der Tugend erſt den Eingan um Teunpel der Ehren gelehret haben.(b) Gewiß durch ein enges Loch muß ma lechen/ wie die Schlange/ daß man die alte Haut abſtreiffe/ welches geſthicht/ durch Widergeburth und Erneurung. Chriſtus/ ſein Wort/ Wandel/ Fuͤrbild/ Let⸗ den/ Verdienſt/ iſt der Weg/ Ioh. XTV. Hebr. X, 20. C. V,. c. XII, 14. Es heiſt aber eingehen durch die enge Pforte; ſein Creutz auff ſich nehmen/ und Chriſto nachfolgen; als welcher das Creutz erwoͤhlte/ da er kunte Freude haben/ Hebr. XII. ſich unter das Joch und Creutz ſchmiegen und biegen; das Fleiſch creu⸗ gigen ſamt den Luſten und Begierdten; ſein eigen Leben haſſen/ den Blunder des ſeichthums/ welcher am Lauffen nur hindert/ hinweg werffen/ alle impecimenta wormit man durch einen engen Weg nicht fortkommen kan/ zuruͤck laſſen, in dem engen Paß und Schrancken der Nachfolge in den Fußſtapffen Chriſtt alle Anklebe⸗ reyen abſtreiffen; das man aber anbey keine Lufft⸗Spruͤnge wage/ ſich nicht uͤber⸗ ſteige/ weder zur Rechten nochzur Liucken abweiche/ noch auff gefaͤhrliche Neben⸗ Wegetrette. GOttes Wege ſeynd viel hoͤher/ als unſere Wege/ man kan gar leicht neben abfallen/ Eſ. LV. c. XXX, 21. Dannenhero muß man nimmer wandlen ſeinen eigenen Gedancken nach auff dem breiten Weg der Welt Kinder/ welche ſich groſſe Freyheit machen) alles fuͤr erlaubt achten/ weite Gewiſſen haben; wandlen eitel krumine Irr⸗und Abwege/ in Augen ⸗Luſt/ Fleiſches Luſt und hoffaͤrtigen We⸗ ſen/ 1. Joh. II. Welches ein gefaͤhrlicher Weg nach Jericho iſt/ deren/ die es mit dem reichen Jungling halten/ Matth. XIX. deme das Gold lieber wahr dann&Ott/ und Moſis Sinn ferne von ihnen iſt/ welcher lieber wolte mit dem Volck GOttes Ungemach ausſtehen/ dannzeitliche Ergoͤtzung der Suͤnden haben/ und die Schmach Chriſtifuͤr hoͤhern Reichthum achtete/ denn die Schaͤtze Egypti/ Hebr. Xl. Und eben alſo will Chriſtus/ daß von denen/ die da wollen ſeelig werden/ der irrdiſche Sinn der Welt⸗Kinder ferne ſeue; daßſie ſich der Welt nicht gleich ſtellen/ der Welt⸗ Perundſchaff fliehen/ das ungoͤttliche Weſen verlaugnen/ zuͤchtig/ gerecht und gott⸗ ſeelig in der Welt leben ſollen; daß das Creutz Chriſti/ deſſen man vorhin ein Feind geweſen/ ſo angenehm werde/ das man ſich nichts ruhme/ dann allein des Creutzes hriſtt/ durch welches einem die Welt gecreutzigt iſt; daß man ſich rühme der Truͤb⸗ ſal /und ſolchen Sieg unter dei Creutz ReichChriſti finde/ daß man je laͤnger je mehr r herrlichen Freyheit von dem Dienſt der Suͤnden und des ver gaͤnglichen We⸗ ns/ und zur Erſtgeburth hindurch dringe; daß Chriſti Sinn/ Leben und Wan⸗ del einem wie die andere Natur/ und alles andere Koth und Schaden/ ja der vorige Wandel einem nicht mehr moͤglich ſeye. Welches wird Muͤhe/ Arbeit/ Schnauffen/ Schwitzen/ ſich wehe und Gewalt anthun/ genug ko⸗ ſten/ biß ſolches ein wenig zum Gang/ geſchweige zum Stand komme; Und iſt es nicht ſo leicht vollbracht/ als geredt oder gedacht. Denn alle/ die nur Gottſeelig leben wollen/ muͤſſenſchon Verfolgung leyden/ die Welt wird einßen lachen/ ſpot⸗ ten/ Sap. II, e eg I. Petr. IV, 3 4. und wird man ſich muͤſſen drucken/ aͤngſten laſſen/ ja durch viel ruͤbſal in das Reich GOttes ſuchen einzukommen/ Act. XV. Der ſchmale Wegtſt Truͤbſal voll/ den man zum Himmel wandlen ſoll/ gar ſchwerlich laͤſt ſich Fleiſch und Blut zwingen zu deni ewigen Gut; gern wolt die Welt zwar ſeelig ſeyn/ wann nur nicht waͤr die ſchwere Pein/ die alle Chriſten lei⸗ den; doch kan es anderſt gar nicht ſeyn/ darum ergeb ſich nur darein/ wer ewi Pein will meiden. Denn da iſt kein anderer Weg zuu Leben/ als per aſpera a aſtra, (b) Dr. Luther Kirchen Poſtill äͤber Joh, I.. 68 Chriſtliche aſtra, per anguſtaad auguſta, per ſpinas ad roſas. Von Freuden geht man nicht zur Freud/ die GOtt einmahl wird geben/ durch Truͤbſaal und viel Traurigkeit geht man ins ewige Leben; und wer zu Ehren kommen wilt/ mu ß zuvor leyden/ Prov. XV. GOtt fuͤhret erſt in die Hoͤlle betrübet/ erniedriget/ ehe Er erhohet/ erfreuet; Gott fuhret all zeit wunderlich/ die/ ſo ſein Hertz ergoͤtzen/ was leben ſoll/ muß erſt⸗ lich ſich in Todtes⸗Hoͤle ſetzen/ was ſteigen ſoll zur Ehr empor/ ligt auff Erd/ un muß ſich vor im Koth und Staube weltzen; und diß hat GOttes lebſter Sohn ſelb wohl erfahren auf Erden/ denn ehe Er kam zum Ehren Thron/ muſt Er gecreutzigt werden/ Er gieng durch Trubſal/ Angſt und Noth/ ja durch den herben bittern Tod/ trang Er zur Hunmels⸗Freude. Joſeph muſte durch den Kercker zum Thron auff⸗ ſteigen/ deſcenſus juvat aſcenſun, mag man ſagen wie vom Gewicht an emer Uhr; Iſrael muſte durchs rothe Meer/ ungeheure Wuͤſte/ und ſchroͤckliche Heer der Feinde ſich in Cangan durchſchlagen/ und David wurde die Cron ſauer genug ge⸗ macht. Solche Pilgrimme/ Wallende/ werden offt ſagen: Kurtz und boß iſt die Zeit meiner Wahifahrt; wie ſich ſehnt ein Wanders⸗Mann/ daß ſein Weg ein End moͤg habin/ ſo wuͤnſche ich daheim zu ſeyn bey dem HErrn: mein Wandel iſt im Himmel. Wer aber doch fortfaͤhret/ wenn auch ein Drach oder Loͤwe un Wege lage/ Prov. XXVI. und ob man ſich gleich auff allen Seiten wolte an einem reiben/ und die Beine unterſchlagen/ der wird das Ziel/ die SOttes Stadt/ die ſtoltze Ruhe erreichen/ wenn jene/ die zuruck weichen/ werden groß Hertzenleid haben/ b. EXXIII. 25. hingegen/ wer beharret biß ans End/ ſolle ſeelig werden/ Matth. X.& XXIV. Fal. 1, 29. 2. Joh. v. 8. Dahero gibt Chriſtus gleich darneben auch zu beden⸗ en: „Vieler vergebene Weiß ſeelig zu werden/ daß ſie es nicht recht anfangen/ keinen rechten Ernſt bezeigen/ es beynn bloſſen Wiſſen/ Sagen und kaltſinnigen Wollen bleiben laſſen; oder die rechte Mittel nicht ergreiffen; daß es eine Nothwendige Luc. X. nicht erwoͤhlen/ nicht wollen abſagen/ allem dem/ das ſie haben/ weil ſie ſo ſauer ankommt vorige Gewohnheit und Vortheile zu laſſen; in⸗ deſſen dennoch GOttes Willen wiſſen/ den Beruff hoͤren die andere Exempel der Vorgaͤnger vor ſich ſehen/ die Verheiſſungen ihnen gefalzen laſſen/ ummer darvon reden/ darnach fragen/ ſichs wunſchen/ und uͤber dem Wuͤnſchen/ wie die Faulen ſterben/ nimmermehr aber das Werck ſelbſt rechtſchaffen angreiffen/ oder NB. in gu⸗ ten Werckentrachten nach dem ewigen Leben/ Rom. II,⁷. trachten aber aus eigenen Kraͤfften/ auch ſelbſt erwehlte Weiß/ nicht nach der Ordnung Gottes/ durch Buß und Abſterben; trachten aber nicht beſtaͤndig/ alſo nicht richtig/ ohne gehori⸗ gen Fleiß; noch fuͤr umgaͤnglich nothwendig halten/ daß man ſich ſo wehe thun/ abbrechen/ die vorige liebe Geſellſchafften verlaſſen/ ſingulair werden ſolle; bey ſich gedenckend: wer wandelt denn alſo? Als einige einfaͤltige/ albere/ fuͤr der Welt verachtete Leuthe; es iſt wohl gut/ wer es thun kan/ aber es ſteht jetzund nicht mit der heutigen Lebens⸗Art; Chriſtus wird nicht begehren/ daß man ſeine Eh⸗ ren⸗Stellen verlaſſen/ ſein Vermoͤgen verſchleudern/ den Seegen nicht genieſſen/ ſeine beſte Freunde aufgeben ſolle; Es iſt eben ein guter Rath/ kein ernſtlichen Be⸗ fehl; wer es faſſen kan/ der faſſe es; wir ſeynd keine Apoſtel noch Heiligen; GOtt wirds ſchon wohl machen/ Er iſt Aaumher wir befehlen Ihme unſere Wege/ be⸗ halten unmer die Hoffnung und Verlangenſeeligzu werden/ und laſſen uns von nie⸗ mand die Seeligkeit abſprechen; Ihr wiſſets/ daß mit ſolchen Ausfluͤchten die Welt ſich nicht ſo einſchrencken/ oder/ wie ſie ſpricht/ in ein Bockshorn treiben/ ihre privi- legirte Suͤnden Gewohnheiten nehmen laſſen will/ ondern bahnet ſich ſelber einen Weg in ihrem Sinn/ der ihrem Fleiſch am bequemſten 15 ſie fingiret ſich Buß und Glauben/ wie es ihr am anſtaͤndigſten iſt; ſie ſchnitzelt ich ſelbſt ein Creutz/ daß ihr nicht zu beſchwerlich iſt; indeſſen begehret ſie doch ſeelig zu werden aber ohne wahre Buß/ Glauben/ Verlaͤugnung/ Heiligung/ Erneurung/ Bemühung; mit e⸗ n 3 Leich⸗Predigt. 55 chengehenohne Andacht/ beichten ohne Buß/ Abendmahl brauchen ohne rechten Hunger und Durſt/ Beſſerung ver prechen/ ohne ernſtlichen Vorſatz/ und endlich auf dem Todbett/ ohne Haß der Suͤnden/ ohne Luſt zu Chriſto auff SOttes Barm⸗ herblee ich Perlafſen iſt der gemeine breite Weg/ aber gefaͤhrliche Weg/ ſchaͤnd⸗ licher Selbſt⸗Betrug. Die8eſetz iſ faſt der gemeinſte Sinn/ der ſo genandten Chriſten/ den Chriſtus ausdrucken und bezeugen wollen/ wor mit ſich die armne Seelen bethoͤren und auff⸗ halten/ damit ſie das Ziel nicht erreichen/ und die Seeligkeit verſchertzen; indenie ſie des rechten Wegs verfehlen/ die Sache nicht recht angreiffen; und daher in der That zu erkennen geben/ daß es ihnen nicht recht Ernſt ſey zum HErrn; und daß ſie die Seeligkeit nicht ernſtlich wollen/ weilen ſie die wahren Mittel darzu zugelan⸗ gen/ nicht ernſtlich gebrauchen; ſondern nur trachten/ ſpeculiren/ diſputiren/ wie weit/ wie rauh der Weg ſey? obs moͤglich ſey ſelben zu finden? und alſo deren wenig ſind/ die ihn finden/ Matth. VII, 13. niemahl aber zum kraͤfftigen Wollen und ſeeligen Vollbringen den HErrn anruffen um ſeinen Geiſt/ der ſie tüchtig ma⸗ che/ treibe und fuhre aufrichtiger Bahn; daher kein Vermoͤgen/ keine Luſt Chriſtt Regelzu folgen bey ſich finden. Judeſſen meynen der Sache genug gethan zu haben/ wenn ſie nur Chriſti Worte billigen/ und ihr Verlangen bezeugen/ Horer/ ob ſchen nicht Thaͤter des Worts ſeyen; ſich was düncken laſſen/ daß ſie gleichwohl den Vor⸗ theil haben/ daß ſie aͤuſſerlich in der rechten Religion ſtehen/ getaufft ſeyen/ zum Abendmahl und Kirchen gehen/ HErr/ HErr ſagen/ haben wir nicht fur dir geſſen und getruncken/ und auff den Gaſſen haſtu uns gelehret/ Luc. XIII, 26. und geden⸗ cken/ bey ſolchen aͤuſſerlichen/ auch der Natur/ ohne Gnade/ moͤglichen Wercken/ beyſolchem falſchen Vertrauen/ ſichern Tinbgdun nd vermeſſenn Beredung koͤn nees ihnen nicht fehlen; aber ach du armer Menſch! getroͤſteſt du dich allein des Hingangs Chriſti fur dich/ und wilt Ihme nicht folgen/ wirſt du wohl ewig zuruͤck bleiben. Warum verſchiebeſt du das wichtigfte Geſchaͤfft auff morgen? ſo du des heu⸗ tigen Tages nicht verſichert biſt? Denckeſt du nicht/ du wolleſt mit andern Föon zu gleichem Ziel kominen/ wer dir vorkomine/ habe nicht mehr; du wolleſt dir nicht ſo viel Sorge und Muͤhe machen/ zum Lauffen helff doch nicht ſchnell ſeyn? Was ſeynd das anders als Auffhaltungen auff dem Weg/ Traͤgheit und Nachlaͤſſig⸗ keit/ daruͤber ſchon ſo viel Tauſend ſeynd betrogen worden? Muͤſſen nicht die gutmeinende Seelen/ die Jungfrauen ſelbſten ſehen/ daß ihnen bey ſolchem Wandel die Thuͤren vor dem Angeſicht zugeſchloſſen werden. Iſt Chriſtus der Weg/ warun geheſt du denſelben nicht? Iſt Er die Warheit/ warum glaubeſt du Ihm nicht? Itt Er das Leben/ warum ſucheſt und liebeſt du Ihn nicht? Iſt Er der wahre Weg/ ſo verlaß die falſche? Iſt Er der einige Weg/ laß die andere fahren. Iſt Er der Lebens⸗ Weg/ ſo meide die Straſſe des Todes. Iſt Er die enge Pforte/ ſo melde die breite. Iſt Er der Creutz⸗Weg/ ſo meide die Wolluſt⸗Straſſe. Iſt Er der kuͤrtzeſte Weg/ ſo lauffe nimmer laͤnger im Circkel/ in der Irre herum. Gehe mnit auff Golgatha/ an den Oelberg/ ſo wirſt dumit zur Himmels⸗ Burg kommen; Andre moͤgen durch die Wellen/ und durch Wind und Klippengehen/ ihren Wandel u beſtellen/ und da Sturm und Noth ausſtehen; bey dir heiſſe es: Dannoch bleib ich ſtets an dir/ denn du haͤlteſt mich bey meiner rechten Hand/ du leiteſt mich nach deinem Rath/ PL. LXxXIII. Und die ſo richtigfur ſich wandeln/ kommen zum Frie⸗ den; wie weit ihr nun kommen/ wie offt Lutuſß angen/ wie nahe oder fern ihr ſeyd? iſt euch zu puͤffen hoͤchſt uthy Aber/ 9 glce Leut gleich zum Reich GOt⸗ tes werden beruffen/ und ihnen der Eingang in ſolches Reich wird anerbotten/ und die offene Thuͤre in der Gnaden⸗Zeit gezeiget/ ſo erwehlen ſie doch eigene Wege/ gehen die enge Creutz⸗Pforte vorbey/ oder werden bey allem Dichten und Trachten nach der Seeligkeit mit Feſſeln und Stricken Reichthums/ Ehre und Wolluſt zuruck und von einer Zeit zur andern auffgehalten; da 4 fliegende Andacht bald dlcder er⸗ 5 C hriſtliche verſchwindet/ die Liebe zum Guten erkaltet/ der Eyffer verliſchet/ und ſo eine gute Bewegung da geweſen/ ſelbe gleich wieder gedaͤmpffet wird/ daß der Geiſt erſticken muß; wenn man lieber Chriſtum/ als den Mammon/ lieber gut⸗Gewiſſen/ als Ehre und Wohlleben laſſen will; Indeſſen beym irrdiſchen Sinn/ Geitz/ Hoffarth/ Voͤllerey/ Haß/ Wucher/ ꝛc. ohne Reinigung des Hertzens/ Wiedergeburth/ Glau⸗ ben und gut Gewiſſen/ dannoch immer ein Chriſt ſeyn und ſeelig werden will; aber im Ausgang ſehen muß/ daß man ſehr ferne vom Reich GOttes geblieben/ kaum ein Anfang zum Wandelim Geiſt/ geſchweige eine Vollendung/ ſcye gemacht; daß man bißhero/ wie im Finſtern getappet/ wie die Leute zu Sodoin Loths Thuͤre/ alſd die enge Pforte nicht finden koͤnnen. Und daß nicht aus einem abſoluten Rath⸗ ſchluß GOttes/ als ob ihnen keine kraͤfftige Gnade/ Beruff/ Anleitung und Huͤlffe waͤre angebotten/ und gegoͤnnet worden; ſondern aus eigener Schuld/ wie di Umſtaͤnde der Worten Chriſti es geben; wegen ſolcher Leute eiteln Sinn/ Schlaͤf⸗ frigkeit/ Zaͤrtlichkeit/ Nachlaͤſſigkeit. Weilen aber Chriſtus wol geſehen/ daß ſich vielan dem Wort/ geſchweige an der Sache ſelbſt/ werden ſtoſſen und gedenctken/ es ſeye garzu viel geredt/ die Sache zu ſtreng gemacht und zu eng eingeſchrencket/ daß auch die/ welche nicht ſo atheiſtiſch/ epicuriſch und gottloß ſeyen/ wie andere bekandte Welt⸗ Kinder; ſondern mit Kirchengehen/ Beichten/ Beiten/ Allmoſen geben/ buͤrgerlich⸗ erbarn Wandeltrachten/ wollen und meinen ſeelig zu werden/ dennoch ſollen nicht ins Himmelreich kommen/ und alles eigene/ eigenmachtige trachten/ rennen/ lauffen/ und auſſere Gottesdienſt/ ohne wahre Hertzens. Buß/ Wiedergeburth/ Verleug⸗ nung/ Abſterben/ Erdultung und Nachfolge Chriſti ſolle unſonſt ſeyn; indeme kaum der Gerechte moͤge erhalten werden/ 1. Petr. II, 4 18. und alſo die groͤſte An⸗ zahl der armen Seelen/ auch deren/ ſo ſichzum Evangelio bekennen/ und inder auſſern Kirchen ſtehen/ verlohren gehen; ſo geiget Er den Ernſt und Warheit der Sache/ wenn Er ſpricht: Ich ſage euch. Jeh/ der Hertzens Kuͤndiger/ der Allwiſſende/ der Mund der Warheit/ der treue und warhafftige Zeuge/ der Hütter Iſrael/ treue Hirt/ ſorgfaͤltige Menſchen⸗Huͤter/ Rath und Richter/ der ich der Menſchen Tragheit/ Hindernuͤſſen Vielheit/ goͤttlicher Kraͤfften Nothwendigkeit/ und noͤthiger Arbeit am beſten weiß/ und nicht kommen bin unertraͤgliche Buͤrden auffzuladen/ die Sache ſchwerer und wichtiger zu machen/ als ſie au ſich ſelbſt iſt/ wie es manchmahl Aertzt und Kraͤmer machen; ſondern ſage es jederman zur Warnung/ Auffinunterung/ Angreiffung des Wercks/ und erwuͤnſchten Durch⸗ und Eindringung durch die enge Crentz⸗Pforte ins Land der Lebendigen/ zur Stodt Sttes und Gemeinſchafft der Heiligen und Seeligen/ ringet/ ringet/ rii⸗ get darnach ꝛc.. 14— Weilen nun diefes eine von den gemeineſten und gefaͤhrlichſten Hindernuſſen Iſt/ daß man/ ohne im gehoͤrigen Stand zu ſtehen/ das Chriſtenthum fuͤr ſo leicht/ fur eine ſchlechte und bloß aͤuſſerliche Sache haͤlt; eigenmaͤchtige Buß/ ſelbſt erdichteten Glauben/ eigene Kraͤfften/ auf Pelagianiſch/ fuͤr das rechtſchaf⸗ fene Weſen in Chriſto ausgibt/ und das Geheimnuß des Creutzes weder verſtehen will noch weniger zu erfahren begehrt; da es heißt im Gegenſatz und Wieder⸗ ſpruch wider die ernſtliche Chriſten/ wir wollen auch ſeelig werden; man darff nur glauben/ nur glauben; Wenns auch ſchon ein todter und Teuffels⸗ „Blaub wuͤre. Jac. II. Darunn ſo verſucht es GOtt/ der Liebhaber des Lebens/ der ſeine Ordnung um keines Menſchen wilten/ Er ſey der Hoͤchſte oder Niederſte/ aͤndert/ bald mit Guͤte/ bald mit Ernſt den Menſchen herumn zu bringen/ und Ihn Jauf den Weg des Lebens zu leiten; damit Er weder zur Rechten noch zur Lin⸗ cken nimmer austrette/ und einen beſtaͤndigen Antrieb habe den Fußſtapffen Chri⸗ ſti nachzuwandlen/ und mit Ihme durchs Leiden zur Herꝛlichkeit einzugehen. Wie dann auch der H. Apoſtel Paulus vermahnet alle Ehriſten/ daß ſie anbſigſeen en — Leich⸗Predigt. 71 ſollen ihre eigne Seeligkeit mit Forcht und Zittern auszuwuͤrcken. Und Petrus ſagt: Wann der Gerechte kaum erhalten wird/ wo will der Gottloſe und Suͤn⸗ der erſcheinen? Ja der Weg iſt ſo genau und ſchmal/ der zum Leben fuͤhret/ daß der HErꝛ auch die jenige/ die da ſeelig werden ſollen/ einen Brand nennet/ der aus dem Feuer gezogen wird/ bey dem Propheten Amos und Zacharias; auch an mehreren Orten ſaget/ daß es ſchwerlich zugehe/ die Seeligkeit zu kriegen; Arantt Lutherus in ſeinem Brieff vom Ablaß an Abertum den Ertz⸗Biſchoff zu intz. Da weiß nun Chriſtus wie es eines jeden Zuſtand erfordert/ kluͤglich und ſchicklich die Sache anzugreiffen/ damit ja an Ihme kein Mangel noch Schuld funden werde. Er rufft den Verirꝛten/ der Welt Nachwandlenden immer von hinden nach: Hieher/ hieher/ das iſt der Weg/ den ſolt ihr gehen/ ſonſt weder zur Rechten noch zur Lincken/ Ea. XXX, 21. jer. VI, 16. Da auf einer Seiten Wolluſt/ Ehre/ Reichthum/ Venus, Bachus dec. auf der andern Gewalt/ Forcht/ Krieg/ Sicherheit/ Fried/ Verzweifflung rufft hieher! und das Gemuͤth bald da/ bald dorthin geriſſen wird und wankket/ daß es nicht weißt/ was es woͤhlen ſoll; ſo kommt GOTE/ und gibt der Sache einen Aus⸗ ſchlag/ in dem Er den Menſchen durch den Sinn fahret/ auf keine Weiſe es Ihm gelingen laͤßt/ ſeine Frechheit bricht/ Ihme die Eitelkeit verleidet/ ſein zum Guten kraͤges Hertz erwecket mit zugeſchtektem Leiden am Leib/ Ehre/ Gut/ Gewiſſen; ſetn Fleiſch peitſchet und zuͤchtiget/ biß es muͤrb und elend wird/ Ihme wie Ro und Maͤuler Zaͤume und Gebiß ins Maul leget/ wenn es nicht zu Ihm will; bi es die Anfechtung lernet aufs Wort mercken/ und wenn es Ihin uͤbel gehet/ lerne den HErꝛn ſuchen und zu Ihme kommen; da wird die Welt nach und nach ver⸗ haßt/ es geſchicht ein Stillſtand der Sünden/ die Wolluſt wird zur Wermuth/ und die Welt zum Kercker; da ſchlaͤgt man in ſich/ und heißt es: was mache ich doch? wo kommſt du her/ und wo wilt du hin? was will dein Weg fuͤr einen Ausgang nehmen? Darauf folgt ein Umkehren/ ein nachfragen nach dem gu⸗ ten Wege/ ein Antritt der erſten Buß⸗Glaubens⸗Liebes und Creutzes⸗Wegen/ Jer. VI, 16. und wo dieſe Zucht der Weißheit nicht waͤre/ Ioh. VI. würde man verlohren gehen; und je ſchwerer ein Menſch von der Eitelkeit und Welt/ beſon⸗ ders wo man in Ehren/ Reichthum und guten Tagen noch jung von Jahren und bey guten Kraͤfften ſtehet/ abzuziehen iſt/ je laͤnger halt das Gericht üͤber das „Fleiſch und die Zucht des Vatters an/ biß man ſo mortificirt/ gelaͤutert/ und be⸗ waͤhret worden durch die Hitze der Truͤbſat/ daß man wie neugebohren/ durchs Creutz einen Eckel fur des Fleiſches Luſt/ einen Abſcheu fur der Welt/ und Ver⸗ laͤugnung ſein ſelbſt/ Goͤttliche Kraͤfften zum neuen Leben findet; die Demuͤthi⸗ gungen und Zuͤchtigungen des HErꝛn lieb hat/ Ihme darfur dancket/ nun wohl erkennet/ was fur heilſame Fuucht der Gerechtigkeit unter dem Bitter⸗ſuß der züͤchtigenden Truͤbſaal enthalten ſey Hebr. XII. und daher noch darzu GOtt um das bittet/ was man vorhin nach dem Fleiſchlichen Sinn hat verabſcheuet; nun aber als die zwar bittere aber heylſame Artzney wider die Suͤnden erkennt/ und bey ſich wohl findet/ daß ohne das Creuß/ der Sinn frech/ das Fleiſch geil/ das Hertz hoffaͤrtng alles gleich wieder un Natur⸗Leben maͤchtig/ dem Geiſt und neuen Ge⸗ urth zu wider ſeye/ und dahero zur Toͤdtung ſeiner ſelbſt wuͤnſchet/ daß GOtt hier fahre fort und ſchone dort/ und laſſe alles hier wohl büſſen; wohl merckend/ wenn es gienge nach des Fleiſches Muth/ in Kunſt und Gunſt mit groſſem Gut/ man würde bald erkalten/ aber darum ſechicke GOtt die Truͤbſal her/ damit das „Fleiſch gezuͤchtiget werd/ zum ewigen Leben erhalten; Dahero ein ſolcher geuͤb⸗ ter Sinn lieber will mit Lazaro im Hundoſtall/ als mit dem reichen Schlemer un einem praͤchtigen Pallaſt und bey der koͤſtlichen Tafel ſitzen; lieber dem E⸗ henbild CEhriſti/ als dem Herꝛlichen dieſer Welt gleich ſeyn will; wohl wüfſenn 4 2—KC hriſtliche — daß der Zeit leiden nicht werth ſey der Herꝛlichkeit die an den Glaubigen ſoll F fenbahret werden; und daß die Trubſaalſ die zeitlich und leicht iſt/ ſchaffe eine ewige und uͤber alle maſſe wichtige Herꝛlichkeit/ denen die nicht ſehen/ auf das Sichtbare/ ſondern auf das Unſichtbare; Wie der Glaube wie Gold gelaͤutert/ das Gebet erwe⸗ cket/ Vertrauen auf ſich ſelbſt niedergeſchlagen/ und indem der alte Menſch ver⸗ weſet/ der innere von Tag zu Tag zu GOtt erneuert/ durch des einen Abnehmen des andern Wachsthum befoͤrdert werde; und wann das Weitzenkornlein er⸗ ſtorben und recht vermodert/ daß neue Gewaͤchs und Frucht des Lebens herfur geüne und man alſo durch die enge Pforte in die ſeeligſte Freyheit/ in das wuhre eben eindringen werde. Wohlan dann/ laſſet uns Chriſto folgen/ und nicht eigene Wege inehr wand⸗ len/ noch das Creutz⸗Leben Chriſti fliehen! der ſchmale Weg iſt breit genug zum Leben/ wenn man nur ſanfft/ gerad und ſtille gehet. Und wann es gleich durch Tod und Dornen gehet/ ſo triffts doch nur die Ferſen/ und nicht das Hertz; Das ſanffte Joch kan ja nicht harte drucken/ es wird das boͤſe nur dardurch gedruckt. Die leichte Laſt macht erſt ein leicht Gemuͤthe/ das Hertz hebt ſich darunter hoch empor/ der Geiſt kriegt Lufft ſein Wandel komint in Flor/ und ſchmeckt dardurch des HErꝛn Guͤte ꝛc. als welcher es an der Weßzehrung nummer manglen laͤßt/ daß die Seele nicht verſchmachte auf dem Wege. Matth. XV, 32. Der da will Stecken und Stab/ eine Feur⸗ und Wolcken⸗Saͤule/ und ſein Wort ein Liecht auf dem Wege ſeyn; den Gang befordern/ ſeinem Engel befehlen/ daß Er ſblle die Pilgrimme zum Himmel auf den Haͤnden tragen; Der Wegweiſer der H. Geiſt/ ſoll durch⸗ und aushelffen in der groͤſten Gefahr/ Wege im Meer geben und in den Fluthen ſichern Lauff. Eſ. XLIII, 16. 19. Sap. X, 17 c. XIV, 3. c. XIX, 7. Und nach den engeſten Einſchrenckungen/ die Fuͤſſe wieder auf weiten Raum ſtellen. Daraus kan nun ein jeder leicht abnehmen/ daß das wahre Chtiſten⸗ thum nicht beſtehe im Muͤßigang/ Faullentzen/ Sorgloſigkeit/ gu⸗ ten Tagen/ und ſuͤndlichen Ergoͤtzungen; ſondern/ daß es ſeye ein groſſer Ernſt/ ein wichtiges Werck/ ein groſſes Geſchaͤff/ ein eruſt⸗ licher Lauff/ ein ſchwerer Kampff/ ein unermudetes Ringen/ ein ſo groſſes beſtaͤndiges Geſchaͤfft/ daß es wie kaͤmpffen/ lauffen/ ſtandhalten/ alle Kraͤfften Leibes und der Seelen/ Erkanntniß/ Muth/ Tapfferkeit/ Fuͤrſichtigkeit/ Tauerhafftigkeit/ u. d. g. erfordere; wie die Alten pflegten zu ſagen: Ein Chriſtlicher Ritter muſſe drey Hertzen haben, erſtlich ein Hiobs⸗Hertz/ zur Gedult im Leyden/ denn wie Chriſtus im Felſc elitten hat/ ſo muſſe man ſich auch wappnen mit gleichem Sinn/ 1. Pet. IV. Darnach ein Jacobs⸗Hertz/ zur Beſtaͤndigkeit im Gebet; Ich jaſſe dich nicht/ du ſeegneſt mich dann/ Gen. XXII, 27. Endlich ein Davids⸗Hertz/ zur Frendigkeit und Vertrauen zu GOtt/ denn mit meinem GOtt kan ich uͤber die Mauren ſprin⸗ en/ PL. XVIII, 30. Aber auch ein ſeeliger Stand des Glaubens/ ein Durch⸗ bruch um Leben/ und glſo eine freudige Ausrichtung des Goͤttlichen Beruffs: in er Ubung und Stand ſich alle die jenige munihn erfinden laſſen/ welche/ mit der Huͤlff Chriſti/ das ewige Himmelreich erjagen/ das End des Glaubens davon tragen/ ſeelig ſterben/ die Cron des Lebens ererben/ das hoͤchſte Gut beſitzen/ und nach der Zeit die vollkommene Seeligkeit erlangen wollen. Inmaſſen Paulus/ welcher eben ſo wenig als Chriſtus gewohnet war neue Buꝛden und unertraͤgliche aſten den Seelen auffzulegen; noch mit unnothiger und unmoͤgli⸗ cher Arbeit die Menſchen zu beladen noch mitgeſetzlichen Zwang die iſfen zuig⸗ en; 4 —= PFSerngchee ——, Leich⸗Predigt. 73 ſten; dennoch ſo ernſtlich darauff dringet/ daß/ wan einer ein GOttes Menſch ein wah⸗ rer Chriſt/ ein Widergebohrner/ ein Diener und Nachfolger Chriſti/ ein von der Welt zu Gott Beruffener/ ein im Chriſten. Beruff getreuer Knecht ſeyn/ bleiben/ und ſich erweiſen wolle/ damit er die Gnude bewahren/ und die erworbene und ver⸗ heiſſene Seeligkeit erreichen moͤge; der muͤſſe in der Krafft Chriſti/ nach dem Trieb des Evangeliſchen Geiſtes/ mit willigen Hertzen/ in eyffriger Begierde/ der Heili⸗ gung nachjagen/ im Guten immer volliger werden/ ob der Warheit halten/ die Gunade ſorgfältig bewahren/ im Glauben verharren/ in GOtt immer voͤlliger eindringen/ und je mehr und mehr zum Leben in und aus GOtt/ zum Beſitz und Heuh der warhafftigen geiſtlichen und himmliſchen Guͤter gelangen/ mit großmuͤ⸗ thiger Verleugnung ſeiner ſelbſt/ williger Abſagung alles andern/ Vermeidung al⸗ ler Hindernuͤſſen/ Ablegung der Sicherheit/ Leichtſinnigkeit/ Traͤgheit/ Nachlaͤſſig⸗ keit/ und ſonderlich der Liebe dieſer Welt und der beſtrickenden Eitelkeit. Wohlwiſſend/ wie aus der angebohrnen Unart des Menſchlichen Hertzens/ und wegen des Aergernuͤſſes der allgemeinen Exempel/ die Menſchen ſo untuͤchtig ſeyen zum Guten/ ſo widerſpenſtig dem Rath GOttes/ und Ungehorſam ſeinem Geiſt und Beruff/ daß dus Fleiſch lieber am Marck ſtehen/ auf ſeinen truͤben He⸗ fen ligen bleiben/ oder ſeinen Luͤſten und gewohnten Eitelkeiten nachgehen/ als ſich in die Schrancken des Goͤttlichen Beruffs einſchreucken laſſen/ Chriſto fol⸗ den(BGutes thun lernen/ ſeinem eigenen Willen Gewalt anthun/ wider das Fleiſch/ Welt/ Suͤnde und Satan ſich ſetzen/ aufs kuͤnfftige hoffen/ indeſſen was leiden/ und die Verheiſſung GOttes trauen wolle; wordurch es aber im ver⸗ derbten Stand der Suͤnden/ des Zorns/ auſſer der Gnade GOttes/ unter dem Gewalt der ſchroͤcklichſten Seelen⸗Feinden/ im unſeeligſten Mangel/ Tod und Entfernung von dem Leben aus GOtt bleibe und ewig verlohren gehe. Ja Er wußte nicht nur wie ſchwerlich ſich Fleiſch und Blut zwingen lieſſe zu dem ewigen Guth/ und daß es nicht ſo leicht und gemein ſeye zu Chriſto bekeh⸗ ret zu werden; daß es in Erblickung des groſſen Seelen⸗Verderbens/ in Fuͤh⸗ lung der Laſt und Gefahr der Seelen/ tauſend Kampff und Mortificationen er- fordere/ biß man Vernunfft/ Fleiſch und Welt bezwinge/ dem Wort und Geiſt gehorſam werde/ und ſich Chriſto unter ſein Joch ergebe; ſondern er wilt auch/ und zwar aus eigener Erfahrung/ zu erkennen geben/ wie nicht weniger Ernſt/ Kampff und Arbeit es erfordere un Stand der taͤglichen Buſe/ des Glaubens und der Heiligung zu verharren/ und nicht mehr zuruck fallen wollen in das vorige ungoͤttliche Weſen; wie viel Reitzungen/ Ablockungen/ Stricke und Aufhaltun⸗ gen ſich finden/ daß man immer zu wachen/ zu ſchaffen habe/ daß man das Ge⸗ genwaͤrtige nicht wieder verliere/ und den Sturm der Luͤſten und Gedancken auf⸗ zuhalten/ ſich Gewalt anthue; zu geſchweigen was Goͤttliche Krafft/ was fuͤr Fleiß und unermuͤdete Arbeit es erfordere in der Gnade gegruͤndet/ in der Liebe gewur⸗ zelt/ in der Hoffnung befeſtiget/ in der Heiligung vollendet zu werden; immer mehr und mehr um Guten zu wachſen/ ſtaͤrcker im Geiſt/ reicher in der Erkanntnuß und Liebe/ geübter in der Erfahrung/ und zum Goͤttlichen Ebenbild taͤglich mehr und mehr erneuert zu werden. O gewißlich/ da gilt es ſchaffen mit Furcht und Zittern daß man ſeelig wer⸗ de/ im Meiden/ Leiden/ uͤberwinden und behaupten. Saget mir/ wenn ihrs an⸗ derſt einmahl verſucht habt/ welches doch kaum ein Anfang des thaͤtigen Chriſten⸗ thums iſt/ was es koſte ſich ſelbſt verlaͤugnen/ ſich ſelbſt uͤberwinden/ die vorige Gewohnheit nur auſſerlich unterlaſſen/ ich geſchweige zur wahren Veraͤnderung des Sinnes kommen/ daß man warhafftig einen Eckel und Haß vor den vori⸗ genunarten bekomme? das gute nicht nur lerne billicht/ erwaͤhlen/ ſondernwarhaff⸗ tig uͤben und lieben/ daß es einem wie die andere Natur und Gewohnheit werde? Gewiß kein Ungluͤck nie die Seel betrübt/ die in Gedult zum Creutz ſich gidt i () Apol p. 27. b. 29. b. 2 a. 99. a. adde Exempl. Lat. p. 134. 74 Chriſtliche ſchadt kein Tod noch Hoͤlle. Unleidſamkeit bringt ſteten Streit und iſt der Sun⸗ den Quelle. Des Eigenwillens boͤſe Art haͤlt SOTT in uns ſiets Widerparth; wiewohl wirds mit uns ſtehen/ waͤr dieſer todt/ dann lebte GOtt/ und koͤnnt ſein Saam aufgehen. Der Eigenwill des Satans Bild/ iſts der die Seele ſo ver⸗ willdt/ und ſtuͤrtzt aus GOttes Weſen/ in Untergang; durch Creutz und Zwang muß ſie wieder geneſen; Drum lehrte Chriſtus: Eins iſt noth! und ſetzt uns auf ein neu Gebot/ durchs Wort vom Creutz und Leiden. Wer hierum wirbt/ der Sund abſtirbt/ und von ſich ſelbſt kan ſcheiden/ indem ſteht auf ein neuer Mann nach Geiſt und Krafft/ der alles kan/ zu GOttes Wohlbehagen; Was dem gefällt/ fur gut Er haͤlt/ Macht Preiß und Hanck ausklagen. Durchs Creutz gieng unſer HEr; allein zu ſeiner Herꝛlichkeit auch ein/ den Weg mußt Er erwah⸗ len. Die Warheit ſpricht: Gehſt du ihn nicht/ weh deiner armen Seelen! Gewiß/ 3wer ſich ſelbſt uͤberwinden lernt in Goͤttlicher Krafft/ hat den groſten Sieg uͤber die Welt erhalten. Ach! wann die ſo Chriſten ſeyn wollen/ es nur einmah⸗ ſo weit darinnen braͤchten/ als es die Heyden aus den Natur Krafften gebracht haben! Sehet ihr nicht wie ſchwer/ wie ſchwer es bey dem Menſchen herge⸗ het/ biß Er zur Erkanntnuß ſeiner ſelbſt/ ſeines Elends/ ſeines Verderbens ge⸗ bracht wird/ daß Er Mißfallen an ſich ſelbſt haben/ ſeine hoffaͤrtige Einbildung von ſich ſelbſt/ die Eigen⸗Liebe ablegen/ den Willen brechen/ ja ſich ſelbſt haſſen ternt; ſind Ihme das nicht lauter unmoͤgliche/ unanſtaͤndige Dinge? daß man ehe ein wildes Pferd und Baͤeren/ als den Menſchen/ die affecten baͤndi et. Jac. III. Was fuͤr metamorphoſes muͤſſen nicht da fuͤrgehen/ biß aus dem hieriſchen Unmenſchen/ ein vernunfftiger Menſch/ aus einem Menſchen ein Chriſt werde? wie nun dieſes gantz gemein iſt/ daß die Leuthe ſich nicht fuͤr ſo boͤß/ und ihren Huntand nicht fuͤr ſo gefaͤhrlich halten/ als Er an ſich ſelbſten iſt/ und alſo ſchwer hergehet/ biß man zur wahren Erkantnuß ſein ſelbſt/ und des Heils gebracht wird; alſo iſt das Werck noch weit/ weit groͤſſer und wichtiger/ biß nian in Ablegung des Boſen zu Erlangung des erkanten Guten kommet; den da findet ſich nicht nur die natuͤrliche Untuͤchtigkeit/ daß niemand von ſich ſelber was gutes dencken/ wollen oder vollbringen kan; ſondern/ daß noch dazu der vorkommenden/ bereitenden/ in⸗ wüͤrckenden Gnaden ſo groſſe Wiederſetzlichkeit/ auch oͤffters den Menſchen ohnwiß⸗ ſend/ un Hertzen begegnet; wie ſauer kommt dem Fleiſch an/ ſeine gewohnte Wol⸗ luſt laſſen/ daß einem Saͤugling kaum ſo unertraͤglich faͤlt/ der Mutter Bruͤſte zu laſſen? wie wehrt ſich der alte Adam/ wanns ihme ans Leben gehet/ und wie ſetzet ſich das Fleiſch ſo ſtarck wider den Geiſt; wie unleidentlich iſt ihme das Creutz Chri⸗ ſti/ wie feindſeelig iſt der fleiſchliche Sinn wider GOtt und ſein Gebot/ und wilt ſich nicht gefangen geben; was fuͤr Gewalt muß man der Ratur anthun/ und mit Paulo das Fleiſch betaͤuben/ caſteyen/ Zaum und Gebiß anlegen/ und in der Krafft des Todes Chriſti toͤdten/ will man nur ſein ſelbſt Meiſter werden? was erfordert dann das fuͤr Kampff/ die Vernunfft/ den Satan/ die Welt zu uberwinden/ von der Macht und Liebe der Finſternuß zum Licht durchdringen? Wie ſicht die Vernunſſt wider den Glauben/ daß es mehr/ als zu wahr iſt/ daß der Glaube nicht iedermans Ding ſeye/ 2 Theſſ. III, 2. und wie ſchwer will ſich das Hertz loß reiſen laſſen von der Liebe der Welt/ von ſeinem vorigen Troſt/ von ſeinem Gotzen/ wie beym Phari⸗ ſaͤiſchen Juͤngling gezeiget wird/ daß es leichter ſeye/ daß ein Schiff⸗Seil durch ein Nadel⸗Oehr gehe/ dann daß ein Reicher ins Reich GOttes komme/ Matth. XIX. Unſere Symboliſche Buͤcher ſtellen die Sache wichtig genug vor(1) Alle erfahrne Chriſtliche Hertzen wiſſen/ ſchreiben ſie/ daß dieſe Stuͤck uns leider in der Haut ſtecken/ und angebohren ſeynd/ nemlich/ daß wir Geld/ Gut/ und alle andere Sachen/ groͤſſer/ denn GOtt achten/ ſicher ————=—————————— ——8— ... 9. ———.ͤͤͤI eA-un 7 2288—-nn8Ö8 —— ⏑— 8 + s⸗ Leich⸗Predigt. 75 ſicher dahingehen und leben. Item/ daß wir immer/ nach Art fleiſch⸗ licher Sicherheit/ alſo gedencken/ GOttes Zorn und Ernſt ſey nicht ſo roß uͤber die Sünde/ als Er doch gewiß iſt. Item/ daß wir den ed⸗ len unausſprechlichen Schatz des Evangelii/ und Verſoͤhnung Chri⸗ ſti nicht hertzlich/ nicht ſo theuer und edelachten als ſie iſt. Item/ daß wir wider GOttes Werck und Willen murren/ wenn Er in Truͤbſalen nicht bald hilffet/ und machts/ wie wir wollen; Item/ wir erfahren taͤglich/ daß es uns wehe thut/ wie auch David und die Heiligen ge⸗ klagt/ daß es den Gottloſen in dieſer Welt wohlgehet. Daruͤber fuͤh⸗ len alle Menſchen/ wie leicht ihr Hertz brennet/ jetzund mit Ehr⸗Geitz/ dann mit Grimm und Zorn/ dann mit Unzucht ꝛc. Dann die menſch⸗ liche Natur iſt durch die Erb⸗Sünde unter des Teuffels Gewalt gege⸗ ben/ und iſt alſo gefangen unter des Teuffels Reich/ welcher man⸗ chen groſſen weiſſen Menſchen in der Welt/ mit ſchroͤcklichen Irrthum/ Ketzerey und anderer Blindheit/ betaͤubet und verfuͤhret/ und ſonſt die Menſchen zu allerley Laſter dahin reiſet. Wie es aber nicht můg⸗ lich iſt/ den liſtigen und gewaltigen Geiſt/ Satan zuuͤberwinden/ ohne die Huͤlffe Chriſti. Alſo können wir uns aus eigenen Kraͤfften aus dieſem Gefaͤngnuͤß auch nicht helffen. Es iſt in allen Hiſtorien von Anfang der Welt zu ſehen und zu finden/ wie ein unſaͤglicher groſſer Gewalt das Reich des Teuffels ſey. Man ſieht/ daß die Welt vom Hoͤchſten biß zum niederſten voll GOtteslaͤſterung/ voll groſſer Irr⸗ thum/ gottloſer Lehre/ wider GOTT und ſein Wort iſt. In der ſtarcken Feſſeln hält der Teuffel jaͤmmerlich gefangen viel weiſſer Leuth/ die fuͤr der Welt heilig ſcheinen; die andern fuͤhret er in andere grobe Laſter/ Geitz/ Hoffarth ꝛc. So uns Chriſtus darum gegeben iſt/ daß Er dieſelbige Suͤnde und ſchwere Straffe der Suͤnde weg⸗ nehme/ die Suͤnde/ den Todt/ des Teuffels Reich uns zu gut über⸗ wuͤnde/ kan niemand hertzlich ſich freuen des groſſen Schatzes/ niemand die uͤberſchwenglichen Reichthuͤmer der Gnaden erkennen/ NB. er fuͤhle dann vor erſt dieſelbige Laſt/ unſer angebohren groß Elend und Jammer ꝛc. Ein ſolch recht Chriſtlicher Glaube iſt nicht ſo ein leicht/ ſchlecht Ding/ als die Widerſacher wehnen wollen/ wie ſie dann ſagen: Glaub/ glaub/ wie bald kan ich glauben/ ꝛc. Esiſt auch nicht ein Menſchen Gedancke/ den ich mir ſelbſt machen koͤnte; Sondern iſt eine goͤttliche Krafft im Hertzen/ dardurch wir neu gebohren werden/ dardurch wir den groͤſten Gewalt des Teuffels und des Todts uͤber⸗ winden/ wie Paulus ſagt zun Coloſſern; In welchem Ihr auch ſeyd aufferſtanden durch den Glauben/ den GOtt würcket/ ꝛe. Derſelbe Glaube/ dieweil es ein neu Göttlich Licht und Leben im Hertzen iſt/ dadurch wir andern Sinn und Muthkriegen/ iſt lebendig/ haͤfftig und reich von guten Wercken. Und das empfinden die Menſchen/ wann ſie ſie ihr Herg fragen/ wie ſſe gegen SOttes Willen geſinnet ſeden/ o 8. ſie auch gewiß darfuͤr halten/ daß GOtt ihrer wahrnehme/ und ſie erhoͤre? Dann ſolches gewiß zu glauben/ und alſo auff einen unſicht⸗ baren GOtt ſich gantz wagen und verlaſſen/ und(wie Petrus ſagt) den Chriſtum/ den wir nicht ſehen/ lieben und groß achten/ das komt auch die Heiligen ſchwer an;(wie ſolt es dann einem Gottloſen leicht ſeyn?) NB. dann aber heben wir an recht zu glauben/ wann unſere Her⸗ tzen erſt erſchreckt werden/ und durch Chriſtum wieder auffgerichtet/ da wir durch den H. Geiſt neu gebohren werden/ wie oben geſagt. Darunn iſts gut/ daß man dieſes klar unterſcheide/ nemlich/ daß die Ver⸗ nunfft und freyer Wille vermoͤge etlicher maſſen aͤuſſerlich erbar zu leben; aber neu gebohren werden/ innwendig ander Hertz/ Sinn und Muth kriegen/ das wuͤr⸗ cke allein der H. Geiſt. Alſo bleibet weltliche aͤuſſerliche Zucht/ dann GoOtt will ungeſchicktes/ wildes/ freches Weſen nicht haben/ und wird doch ein rechter Unterſcheid gemacht/ unter aͤuſſerlichen Welt⸗Leben und Frommkeit/ und der Fromkeit/ die fuͤr GOtt gilt/ die nicht philoſophiſch auſſerlich iſt/ ſondern inwendig im Hertzen/ c. Wenn ihr anderſt je euer Fleiſch zu creutzigen die Glieder des alten Menſchen/ die Sünde zu toͤdten angefangen habt/ na Matth. XVIII, 8. ſo werdet ihr aus der Erfahrung wiſſen/ und an andern Exempeln es wahrnehmen/ wie ſchwer es hergehe/ wann man eine einigegewohmte Untugend laſſen/ und ablegen ſoll; der Flucher/ Spieler/ Saͤuffer/ Stoltzer ꝛc. will lieber die Seeligkeit/ als ſolche Unart meiden/ und wenn ers nicht um zeitlicher Abſicht willen thuͤt/ wird ers Chriſto und ſeiner Seelen nicht zu lieb thun; iſt es nicht als wenn ihm ein Stuͤck vom Hertz genommen würde/ ſo man ihme was verwehrt und abbricht; er kan ſich eher an einem Leibes⸗Schaden ſchneiden und brennen laſſen/ ehe er ſich wehe thun laſſe der Seelen zum beſten/ die Suͤnd zu tilgen; und iſt es nicht ſo? Wenn man dem alten Adam/ der vergifften Schlangen ein Glied/ einen Kopff abhauet/ ſo wachſen zween andere darfuͤr; und je mehr man am Hertzen rei⸗ niget/ je nehe findet man unrecht; ſehet! iſt dann das Geſchaͤfft nicht groß? und das Wer wer? ggoWwar wenn esnach der Menſchen Wahn und ſelbſtgeformten Allemode Chri⸗ ſtenthum gienge/ ſo iſt die Sache nicht ſchwer/ es iſt mit Kirchengehen ohne Andacht/ Beichten ohne Buß/ aͤuſſerlicher Erbarkeit ohne Haß der Suͤnde/ gutes thun aus eigenen Kraͤfften/ Glauben ohne Liebe/ leicht ausgerichtet; aber nach Goͤttlicher un⸗ veraͤnderlicher Ordnung wird wahre Hertzens⸗Buß/ abſterben mit Chriſto/ Wandel nach dem Geiſt/ Creutzigung des Fleiſches/ Werſangnung ſein ſelbſt/ Nachfolge Chriſti/ Gleichfoͤrmigkeit ſeinem Sinn/ und Bild/ Auffnehmung ſeines Creutzes/ Durchbruch durch die enge Pforte ꝛc. erfordert. Worvon leichter zu ſagen/ als das Werckzu uͤben iſt. Und wenn man dann bekehret iſt/ den Beruff zur Guade ange⸗ nommen hat/ im Glauben ſtehet/ was fur Sorgfalt gehoͤrt darzu Glauben und gut Gewiſſen zu bewahren? Was fuͤr Fuͤrſichtigkeit und Gebet Befliſſenheit/ die Gna⸗ de nicht mehr zu verliehren; findet ſichs nicht/ daß es ſchwerer ſeye betten/ als pfluͦ⸗ gen/ difficilius orare, quam arare; was fuͤr Vorſichtigkeit bey ſo vielen Rachſtel⸗ lungen/ was fur Klugheit wider der Schlangen Liſt/ was fuͤr Tapfferkeit wider ſo viele Anlaͤuffe und Verſuchungen/ was fuͤr Standhafftigkeit bey ſo vielen Leiden/ was fur Ubung und Arbeit in den haͤuffigen Beruffs und Chriſten⸗Wercken/ was fur Eylfertigkeit in der kurtzen Zeit den Lauff zu vollenden und der Zukunfft Chriſti i ſtaͤter Umgürtung und Bereitſchafft entgegen zu kommen/ und das zu thun/ was man wuͤnſchet/ wenn man ſterben ſolte/ das geſchehen waͤre? Dieſes alles wigde rein 55 Chriſtliche —— — ◻☛— ☛—*— ⏑—— —. ⁸— 28 Leich⸗Predigt. 77 kein Menſchausrichten/ wenn es ihme nicht wuͤrde von dem HErrn gegeben/ Eſ. XXVI. niemand wuͤrde Buße thun/ wenn ihn der HErr nicht bekehrte/ jer. XXXI. niemand wuͤrde glauben/ wenn ihm GOtt nichtuͤberredet/ ſein Geiſt nicht uͤberzeu⸗ get/ und durch uͤbernatuͤrliches Licht/ der Glaub im Hertzen gewuͤrcket und ange⸗ zuͤndet wird/ Joh. VI. Eph. I. niemand wuͤrde was gutes thun/ wenn Gott nicht der Anfaͤnger und Vollender ſeyn wollte/ Phil. I.& II. niemand wuͤrde im Guten beharren/ wo der HErr das Hertz nicht treu machte und befeſtigte; niemand wuͤrde die Truͤbſaalen und Verſuchungen ertragen/ wenn der HErr ſelbige nicht maͤſſigte/ ertraͤglich machete und unterſtuͤtzte; niemand wuͤrde das Ewige erreichen/ wenn GOtt nicht ſelbſt darzu aushelffte/ durch ſeine Macht bewahrte/ befeſtigte/ grunde⸗ te/ und durch Chriſti Fuͤrbitt nicht der Glaubige erhalten wuͤrde/ daß der Glaube nicht aufhoͤre; dieſes alles aber wird keinem gegeben/ der in der Widerſpenſtigkeit ſeiner Natur/ Fleiſches und Vernunfft bleibet/ nicht wider ſich ſelber kaͤmpffet/ ſet⸗ nen Willen bricht/ und an GOtt ſich gantz gelaſſen und ledig ergiebt. Wie hoffaͤrtig und thoͤricht ſind dann die Meuſchen/ welche ſich doͤrffen duncken laſſen/ ſie wollen das ewige Leben durch ihr eigenes Rennen und Lauffen verdienen? da ſie doch ohne Chriſto und ſeinen Geiſt nichts vermogen/ und ohne das alles zu thun ſchuldig ſeyn. Wie unbeſonnen ſeynd diejenigen/ welche gute Werck und Tu⸗ genden/ als Wege und Bedingungen zur Seeligkeit/ fuͤr unnothig achten/ und die Gebotte der guten Werck/ und den Antrieb zur Heiligung fuͤr einen bloſen wohlge⸗ meinten Rath/ nicht aber fur den eruſtlichen Willen GOttes anſehen; da doch der Glaube ohne die Wercke todt/ und kein faul und müͤſig/ ſondern geſchaͤfftig Ding iſt/ welches neben keinen herrſchenden Suͤnden beſtehen kan.(1) Und was machen die aus Paulo und ſeinen Ermahnungen/ welche doͤrffen wider alle Warheit und Natur des verheiſſenen Geiſtes/ vorgeben/ man koͤnne die Gebotte GOttes keines Wegs/ weder nacheinigen Graden nach allen Stuͤcken halten/ und thun; ja im ge⸗ ſundern Verſtand/ doch nicht nur Zurechnungs⸗ſondern wuͤrckender weiß/ erfuͤllen; ſondern nur beobachten/ betrachten/ hochachten/ und beſtehe alles Halten nur in der Beſtrebung; Ach! wenn werden dann die einen Anfang am Halten gemacht/ und der Sunden Freyheit Abſchied gegeben/ haben? Die laſſen wir es mit GOtt und den Evangeliſchen Bekennern ausmachen.(m)) Und was thun die Chriſto fur eine Unehre an/ welche wollen Chriſti theilhafftig ſeyn/ und dannoch ſeine Krafft verlaͤugnen/ mit der Schwachheit ſich entſchuldigen/ und doch immer im Natur⸗ Stand ſtehen wollen; da man nicht nur ſchwach/ ſondern gar unvermogend iſt; mit der Schwachheit entſchuldigt man jetzo offenbahre Boßheiten/ und Baum⸗ ſtarcke Sunden/ darinnen doch die Glaubige die groſſe Krafft des Geiſtes empfin⸗ den; und ob man ſchon die Schwachheit der Widergebohrnen/ und ſonderlich der An⸗ faͤnglingen wohl weiß/ aber beſeuffzet/ und keinen Schand⸗Deckel der Suͤnden daraus machet; ſo iſt doch leicht abznnehmen/ daß welche Entſchuldigung der Sun⸗ den in ihrer ſelbſterdachten Schwachheit haben wollen/ noch keine Widergebohrne ſeyen/ noch in der Vereinigung Chriſti und ſeiner Krafft ſtehen; ſonſten wuͤrden ſie/ zu GOttes Lob ſagen koͤnnen/ indem beywohnenden Maaß der unendlichen Krafft des Todtes und Lebens Chriſti/ ſie erhalten taͤglich Sieg uͤber Suͤnde/ Welt und Fleiſch/ Eph. III. 2. Cor. III. 1. Ioh. V. anzuzeigen/ daß Chriſtus in ihnen kein ge⸗ mahlter/ todter/ ſchlaffender/ ſondern lebendiger/ erloͤſender/ vollendender Chriſtus ſeye. Darum auch Lutherus nennet den Glauben ein allmaͤchtig Ding/ ein ge⸗ bbacftig Ding/ das immer im Thun iſt; und alſo glaubige Leute/ ſolche/ in denen ie Gnade maͤchtiger iſt/ als die Suͤnde/ Rom. V. Darum wer nicht durch die Erkantniß JEſu Chriſti hat allerley Goͤttlicher Krafft/ was zum Leben und Goͤtt⸗ lichen Wandel gehoͤrt/ 2. Petr. I, 3. ſelbſt ſchuld daran iſt.. Aber was iſt gemeiners/ als daß man matMaſſiggang/ Wohlleben ja gan mt () Præf. Lutheriin Ep. ad Rom.(m) 4pol. A c.p. 43. ſegg. 78 Chriſtliche und ſorgloß/ als ob kein Teuffel/ kein Feind mehr in der Welt; als ob die Suͤnde be⸗ reits voͤllig getilget/ das Fleiſch wurcklich geſtorben/ und der ollige Sieg erfochten Chriſten genügen ohne Krafft/ am eingebildeten Glauben und falſchen Vertrauen ohne Hottlichen cket und anklaget: O! Hertz/ wie verderbt und falſch biſt du/ ach GOtt/ ich verkla⸗ ge mein Hertz bey dir. O wie betruglich gehet es mit mir um. Wie offt will es lſey nicht ſo ſchwartz/ noch die Holle ſo heiß/ als wir ſolche im Wort GOttes abgemahlt finden. Man koͤnne es mit der Welt halten/ und gleich wohl ſeelig werden. Es ſeye genug/ ein burgerliches Leben vor den Leuten alſo fuhren/ daß man an einem nichts ſtraffen koͤnne/ wenn man ſchon im innerſten Grunde des Hertzens nicht geaͤndert und bekehrt ſey. Alſo geſchicht es/ leider! in: dem wir meinen wir dienen GOtt/ ſo dienen wir dem Teuffel ſelbſt/ in Heucheley/ eingebildeter Heiligkeit/ eigener Ehre/ im Geſuch ſuͤndlicher und fleiſchlicher Ergo⸗ bung und in einem der Welt gantz gleichformigen Leben und Wandel. Da doch dein Wort uns einen Chriſten weit anders beſchreibet. Ein Chriſt muß nicht nur auſſerlich fuͤr den Leuten/ ſondern auch iuwendig fuͤr GOtt fromm und heilig ſeyn. Dieſes wenn ichs bedencke/ mein Gott/ ſo muß ich üͤber die Falſchheit meines Hertzens ſehr erſchrecken. Siehe/ du gottloſes Hertz/ wie verkehreſt du mir die klaren Worte meines JEſu! da derſelbe geſagt/ man ſoll ſeine Buſſe nicht verſpahren/ ſon⸗ dern ſich zu GOtt wenden/ wenn man die Stimme des HErrn hoͤret; ſo wilſt du mir einblaſen/ es ſey noch Zeit genug; man habe noch Raum darzu/ die Gnaden⸗ Thur werdenicht ſo gehling zugeſchloſſen werden. Wenn der Seeligmacher ſpricht/ die Pforte zum Himmel ſey enge/ went ſeyen derer/ dieden Weg dazu finden/ man muſſe Gewalt thun/ und darnach ringen wann man wolle ſeelig werden; ſo willmir das verderbte Hertz immer em anders einbilden. Ach HErr/ behuͤte mich fuͤr meinem eigenen Hertzen/ und laß mich von denſelben ja nicht hintergangen werden/ Amen! Und was iſt ihrer vielen/ Lauffen/ Rennen/ Abendmahlgehen anders/ als ein aͤuſſerlicher Heuchelſchein/ da man im innwendigen immer zuruck bleibet? Iſt nicht der meiſten ihr Kampff nichts an⸗ ders als ein Kampff des Fleiſches und der Vernunfft/ nicht aber des Geiſtes noch weniger des Glaubens? Da man aus politiſchen Raiſonen, oder weil ein Laſter dem andern contrar iſt/ als Geitz und Verſchwendung/ manche Sunde unterlaſt/ welches doch weder llberwindung ſeiner ſelbſt/ Liebe der Tugend/ oder Aenderung deß Hertzens iſt. Und greiffen nicht die meiſte mehr nach dem Schatten/ nach dem Verbottenen/ und ringen eher nach dem Todt/ als nach dem Leben? Bey den letz⸗ ten epicuriſchen Zeiten hat es das Anſehen/ als ob einer dem andern in der Ungerech⸗ tigkeit ſuchte den Rang abzurennen/ und in der Boßheit den Preiß zuerlangen; man erdenckt neue Sunden/ und wills dem andern zuvor thun; Gottſeeligkeit iſt faſt durchgehens zur Schande/ zur Ketzerey und Bannmaͤſſigen Suͤnde worden. Wer nicht thun kan/ was ihngeluͤſtet/ gilt nichts. Worbey die meiſten die Luͤſte des Fleiſches treiben/ und was fur Muthwillen ihnen nur in den Sinn kommt/ darein willigen ſie/ und ſind nicht ruhig/ biß ſie es ins Werck gerichtet haben. Was ihnen Satanund Welt/ Eigen⸗Nutz und Ehr⸗Geitzzumuthet/ dem widerſtehen ſie nicht/ vollbringens ohne Bedencken/ gefallen ſich ſelbſt wohl in ihrer Boßheit/ ruͤhmen ihre Sunden. Auch die Alten dencken an ihre Jugend⸗Suͤnden nicht ohne Veranugen/ und gefallen ihnen als groſſe Helden⸗Thaten z verrathen ſich aber ͤ———'—-'O s 2—— — —ẽõs1111111 ———* 22— — 89n Leich⸗Predigk. 79 aber darmit/ daß ſie daruͤber noch nie wahre Buße gethan/ aufs wenigſte in der Luſt ſelbe aufs neue begehen/ und Ihnen zugerechnet worden. Man ſtudirt auf Lügen und Truͤgen/ und iſt keine Treue im Lande. Viel ver⸗ ſprechen und ſein Geliebde weder GOTT noch dem Naͤchſten halten/ iſt jetzo eine gemeine Mode. Beſſerung des Lebens zuſagen/ aber nicht im Sinn haben/ und in der That fur unmoͤglich halten/ iſt gewohnte Heu⸗ cheley/ wormit man Gottes ſpottet. O Jammer/ O Seelen gefaͤhrlicher Ubel⸗ ſtand! das heißt nicht Glauben halten/ ſondern die Treue brechen/ die man ſo theur geſchworen. Was Wunder/ wenn GOtt auch ſeinen Frieden von Ihnen nimmt ſamt ſeiner Barmhertzigkeit und Gnade. Es waͤre beſſer/ daß man den Weg der Warheit nie erkaunt haͤtte(wie auch die wenigſte ſelben nicht recht erkannt haben) als daß man den Schein hat ſolchen zu kennen/ und ſich wen⸗ det von dem Heu. Gebott/ und in der That alles verlaͤugnet. Was wollen die fur ein Ende/ Troſt und Preiß hoffen? ein ſchroͤckliches Warten des Zorns GOt⸗ tes und ſeines FeuerEyffers/ weil ſie ſich ſelber den Zorn(als einen Schatz) ge⸗ haͤuffet haben auf den Tag des Gerichts. Rom. II. Wancken wie ein Rohr/ bald zur Rechten/ bald zur Lincken ausweichen/ von der geringſten Gelegenheit ſich vom lautern Sinn berucken laſſen/ durch Luſt und Forcht leichtlich von GOtt ab⸗ fallen; um geringer Urſach willen die Warheit und Glauben verlaͤugnen/ ſich Chriſti und ſeiues Dienſts ſchaͤmen/ und doch darbey Rechtglaubige ſeyn und heiſſen wollen/ iſt jetzo die gemeine Ubung der Weltformigen und canoniſirten falſchen Froͤmmigkeit. Hingegen haͤlt man feſt an der Liebe der Welt/ bleibet der Suͤnde und dem Fleiſch getreu/ laͤßt ſich ja von der Verſammlung und Rotte der Gottloſen nicht ſondern; haͤlt den Bund mit Satan und Hoͤlle unbrüchlich/ und darff ſich wohl noch groß duncken bey der Standhafftigkeit im Boͤſen. Wie ſollen ſolche die Erſcheinung Chriſti lieb haben/ die Ihn nicht lieben? welches die Welt⸗Liebe in Ihnen verrathet/ I. Ioh. II. ihr eigen Gewiſſen verdammet ſie/ daß ſie anathemata, verflucht ſeyen. 1. Cor. XVI. daß Er Ihnen zum Gericht und Straffe kommen werde. Darum fuuchen ſie Ihm in ihrem Hertzen/ befleiſſigen ſich/ wider das Zeugnuß und Gericht des Gewiſſens/ zu glauben/ und mit Worten zu behaupten/ es ſeye keine Auferſtehung/ Gericht/ Himmel noch Holle. Werden aber dermahlen erſchroͤcken fuͤr der Seeligkeit der Gerechten/ Sap. V. und bey der Erſcheinung Chriſti unter Berg und Huͤgel ſich verſchlupffen wollen. Apoc. VI. Ol was fuͤr Fuͤrſichtigkeit wird da erfordert/ daß man wandle als die Weiſen/ und nicht als die Unweiſen/ und ſich ſchicke in die Zeit; daß man in gantz ver⸗ andertem und erneurtem Sinn ſich dieſer Welt nicht gleich ſtelle! Und was hilfft es ob den Worten der Lehre Chriſti halten/ im Hertzen und Leben aber darvon ab⸗ fallen/ und die Krafft verlaͤugnen? Und wer iſts/ der nicht über die im Hertzen erkaltete Liebe/ uͤber die Kaltſinnigkeit im Gottesdienſt/ uͤber den ſchlechten Luſt zum Goͤttlichen Wort/ uͤber den kaltſennigen Eyffer über der Lehre und fuͤr die Ehre GOttes/ üͤber die Falſchheit und Unbarmnhertzigkeit/ uͤber Partheylichkeit und Pgennuß/ üͤber Haß und Schaden⸗Freud/ uͤber Unterdruckung und Gewalt⸗ thaͤtigkeit/ uͤber Laͤſterung und Verunglimpffung klaget? Aber/ wie viel ſind derer/ welche ſich ſelbſt wehe thun/ die Eigen Liebe ablegen/ der Welt⸗Liebe ab⸗ ſagen/ und der wahren IEſus und Rechſten⸗Liebe Platz machen durch Daͤmpf: ung der unreinen Luſt/ und geilen Brunſt/ unzuͤchtiger Huren⸗Liebe? da man olluſt mehr liebet dann GOtt/ iſt nun unter den ſo genannten Chriſten keine Schande mehr/ ſondern Galanterie worden; Krieger in Voͤllerey ſeyn/ iſt je⸗ hund Tugend und Tapfferkeit; das Wuͤhern nach des Naͤchſten Weib/ der gei⸗ len/ vollen und muͤſſigen Haͤngſten/ die unzuchtige Geberden/ Entbloͤſungen/ Kleidungen und Neihungen des frechen Weiber⸗Volcks will nun unbeſtrafft ſeyn/ und mit der keuſchen Liebe JEſu noch wohl ſtehen koͤngen. Und iſt das nicht die 2 meiſte 80 Chriſtliche meiſte Sorge des falſchen Chriſtenthums zu behaupten/ das offenbahre Fleiſches⸗ Wercke/ jã Sodomitiſche Greuel den Glauben und Liebe nicht verletzen? das heißt ja die Liebe verjagen und nicht der Liebe nachjagen? Und wo iſt wahre Vertraulichkeit unter Ehegatten und Bluts⸗Freunden? wo iſt die hertzliche Bru⸗ der⸗Liebe? wo iſt Mitleiden mit den Elenden? wo iſt Huͤlff⸗Begierigkeit und Willigkeit gegen die Armuth/ wo Rath und That gegen die Nothleidende und Verlaſſene? Jaget denn nicht einer den andern/ daß Er Ihn verderbe/ und iſt manchem leid/ daß Ers nicht aͤrger machen kan? Und wer macht ſich daruͤber Gewiſſen/ wer ſcheuet den Zorn und Gericht GOttes? wem kommtſolcher Sinn und Lebens Art ſchwer und ſauer an? aber was Uberwindung und Richtigkeit der Begierden erfordert die vernuͤnfftige/ will nicht ſagen Chriſtliche Liebe. Und wie rahr iſt die Gedult in Truͤbſal/ die Gleichmuͤthigkeit bey aͤuſſerlichen Veraͤnderungen/ die Zufriedenheit bey allen Schickſaalen/ die edle Gelaſſenheit/ die Gemuͤths⸗Ruhe und Seelen⸗Stille im Harren und Warten auf Goͤttlichen Troſt? wer preißt die Weißheit und Gerechtigkeit SOttes im Leiden? Wer enthaͤlt ſich vom Murren? wer ruͤhmet ſich der Truͤbſaal/ wer freuet ſich im Lei⸗ den? wer zeiget Chriſti und die Glaubens Prob/ welcher/ wenn er rechtſchaffen iſt/ Gedult wuͤrcket? wie unleidentlich iſt das Creutz dem Fleiſch; wem will ſol⸗ ce butere Artzney mit ihrer ſuͤſſen Frucht ſchmecken? will nicht der alte Adam immer in Roſen ſitzen/ verſchonet bleiben und ſeines Willens leben? wie viele ucht und mortification braucht es nicht biß das Fleiſch und rohe Sinn gebrochen/ gedemuͤthiget werde/ und ſich unter das Joch beugen lerne? Und/ wo ſind die Exempel der Sanfftmuͤthigen/ Friedliebenden und Friede machenden? wer hat gelernet die Boͤſe tragen? wem brudelt nicht gleich das Hertz/ bey der geringſten Beleidigung/ wie ein ſiedender Topff? iſt man nicht williger zur Raache/ als zum Vergeben? wer rathet eher zum Frieden/ als zum Krieg? wo ſind die Taube bey den Scheltworten/ die Stumme bey Verachtun⸗ gen/ die Seegnende gegen die Flucher/ die Langmuͤthige gegen Hitzige angreiffe/ die Flehende und Seuffzende bey anderer Verſtellung der Geberden im Zorn wer ertraͤgts/ wenn man Ihn ſchaͤndet/ raubet/ in das Geſicht ſtreichet? muß nicht gleich die reputation gerettet/ Injurie gerochen/ und wenn der Rechſte nicht leich nachgeben/ und vor der Grandeze ſich beugen will/ aufgegeben und ver⸗ olget werden? Ja eine ſaure minie und ungleiches Wort glsbald eine Gottslaͤ⸗ ſterung ſeyn? O! wie ſchwer faͤllts den Ehrgeitzigen/ ſenſiblen Gemüthern/ die Beleidigung vergeſſen/ Feinde mit Wohlthun und Liebe gewinnen! Kan doch durch eine liebliche Beſtraffung der Nechſte unleidentlich werden. Chriſtus lebte in hoͤchſter Schmach und Verachtung; und du kanſt nicht eine geringe Unehre leiden; da wir doch aller Verachtung werth/ und wahre Chriſten daran zu erken⸗ nen ſind/ wenn ſie der Welt Haß und Verachtung ertragen koͤnnen. a/ wer u Ehren kommen will/ der muß zuvor leiden/ durch Spott und Sohn zur Ehren⸗ Pron gelangen. Und wenn mancher auch je zu Zeiten einen guten Vorſatz faſ⸗ ſet/ ein und andern Zug thut/ wie bald verliſcht die Andacht/ wie bald laͤſſet Er nach/ ehe Ers ſich ſelber verſiehet/ finden ſich Gedancken und Begierden auf an⸗ dere objecten? Gleich wie an einem Seitenſpiel die Seiten von ſich ſelbſt ſich nicht hoͤher ſpannen/ als ſie gezogen worden/ aber von ſelbſten wohl nachlaſſen/ oden gar zerſpringen. 1 MNun ſaget an/ was fuͤr Arbeit/ Kampff/ Ernſt und Uberwindung erforderts dann ſich von der Welt unbefleckt behalten im Stand guter Wercke erfunden zu werden/ im Boͤſen ab und im Guten zuzunehmen/ je mehr und mehr den Sieg üͤber Sunde/ Fleiſch/ Welt/ Satan erhalten/ aus dem Tod ins Leben eindrin⸗ gen/ zum Goͤttlichen Sinn/ Gemeinſchafft/ Wandel/ Stand und habitu des gu⸗ ten kommen/ und darinnen Friede und Freude der Seelen und änen Borſchinaes de ͤ2ͤe 88 ͤͤ———— Leich⸗Predigt. 81 des ewigen Lebens genüiſſen. Iſt es nicht eben/ als wie vom Predig⸗Amt Pan⸗ lus ſagt. r. Tim. III. es ſeye nicht otium, ſondern negotiorum negotioſiſſimum negotium. Aber dieſes iſt unter den meiſten heutigen ſo genannten Chriſten gar eine unbekannte Sache worden/ wie eine geüͤbte Feder ſchreibet: Welche meynen daß ſie nun nichts mehr zu kaͤmpffen und zu uͤberwinden haͤtten/ ſondern Chriſtus haͤtte(welches an ſich nach dem lautern Sinn des Evangelu wahr iſt) allen Kampff fuͤr ſie üͤber ſich genommen/ und wer da ſagte/ daß man die Suͤnde üͤberwinden muͤßte/ der ſuchte ſeine eigene Gerechtigkeit aufzurichten/ und ſchaͤn⸗ dete das Verdienſt Chriſti. Aber die da ſolches meinen/ die ſollen wiſſen/ daß ſie die jenige ſind/ welche das heilige Verdienſt Chriſti ſchaͤnden. Denen haͤtte Chriſtus nur darum gelitten und überwunden/ daß Er uns von der Suͤnden⸗ Straffe/ nicht aber von der Suͤnde ſelbſt erloͤſete; ſo waͤre Chriſtus ein Suͤn⸗ den⸗Diener/ und gleich einem Menſchen/ der einen Ubelthaͤter von ſeiner zuer⸗ kannten Straffe alſo erkauffen wollte/ damit Er ins kuüͤnfftige nicht nur aufs neue/ ſondern noch dazu ungeſtrafft ſuͤndigen koöͤnnte. Das aber ſey ferne von dem allerheiligſten Hohen⸗Prieſter zu gedencken/ der durch ſein eigenes Blut in das Hetlige eingegangen iſt/ und eine ewige Erloſung erfunden hat/ nicht allein von der Suͤnden⸗Straffe/ indem Er uns die Sunde vergibt/ ſondern auch von der Suͤnde ſelbſt/ indeme Er uns reiniget von aller Unkugend! 1. Joh. I, v. 9. Wer Chriſti heiliges Verdienſt nur zum Deckel ſeiner Suͤnde machen will/ der hat eine gottloſe Lehre/ und das Wort Chriſti iſt nicht in Ihm. Wer Suͤnde thut/ der thut auch unrecht/ und die Suͤnde iſt das Unrecht; Und ihr wiſſet/ daß Er iſt erſchienen/ auf daß Er unſere Suͤnde weg⸗ nehme/ und iſt keine Sunde in Ihm: Wer in Ihm bleibet/ der ſundiget nicht; wer da ſuͤndiget/ der hat Ihn nicht geſehen noch erkannt; Laſſet Euch nicht verfuͤhren; Wer recht thut/ der iſt ge⸗ recht/ gleich wie Er gerecht iſt; wer Suͤnde thut der iſt vom Teuf⸗ fel/ denn der Teuffel ſündiget von Anfang/ dazu aber iſt erſchie⸗ nen der Sohn GOttes/ daß Er die Wercke des Teuffels zerſtore. 1. Joh. III, v 4. 5. 6. 7. 8. So nun Chriſtus kommen iſt/ die Wercke des Teuffels zu zerſtoͤren/ ſo muͤſ ſen ja bey dem/ der in Chriſto IEſu iſt/ die Wercke des Teuffels aufhoͤren; Wie ſtimmet aber ſolches mit dem heutigen Chriſtenthum? Und ob gleich dieſes wahr iſt/ daß allein Chriſto aller Sieg uüber Suͤnde/ Tod/ Teuffel/ Welt und Höolle/ muß zugeſchrieben werden/ und wir von uns ſelber als von uns nichts nichts vermogen oder verdienen/ welchen Ruhm die eigenthaͤtige ſtoltze Werckheilig⸗ keit Chriſto raubet und ihr ſelbſt beymiſſet: ſo iſt doch dieſes falſch und irrig zu ſagen/ daß Chriſtus allein in ſeiner aus Maria angenommenen Menſchheit ge⸗ ſieget und uͤberwunden habe/ hingegen aber zu laͤugnen/ daß Er auch in allen Menſchen/ die warhafftig an Ihn glauben/ ſiege und uͤberwaͤnde; welches nichts anders iſt/ als die Offenbahrung Chriſti um Fleiſch nach der Krafft verlaͤugnen/ und das iſt der Geiſt des Wieder⸗Chriſts/ 1. Joh. IV, v. 3. Wenn wir alles/ was von Chriſto geſchrieben iſt/ allein auf ſeine Menſchli⸗ che Perſon ziehen wollen; ſo iſt allein Chriſti Menſchheit mit GOtt vereiniget worden/ ſo iſt Chriſtus allein aufgeſtanden/ und allein gen Himel gefahren/ und ſo iſt auch unſer Glaub eitel: So wir aber glauben/ daͤß wir in Chriſto und durch Chriſtum mit GOtt vereiniget werden/ in Chriſto und durch Chriſtum auferſtehen/ und zur Herꝛlichkeit eingehen werden; warum ut, wir dann/ daß wir in Chriſto und durch Chriſtum auch Suͤnde/ Tod/ Teuffel/ Welt und Holle/ uͤberwinden ſollen/ und üͤberwinden koͤnnen? Was hilfft mirs/ daß Chriſtus in ſeiner Perſon Todt/ Sünde 5 Teuffel/ Welt und Hoͤlle uͤber⸗ wun⸗ 82 Kbhriſtliche wunden hat/ wenn Ers nicht auch in mir uͤberwindet 7 darum iſt der Kampff und Sieg Chriſti/ den Er in ſeiner Menſchlichen Perſon vollendet hat/ alſo anzuſehen/ daß Er auch in uns muͤſſe vollendet werden: und durch ſei⸗ nen Sieg hat Chriſtus den Sieg in die gantze geheiligte Menſchheit eingefuͤhret/ auf daß ult die in Ihm erfunden wuͤrden/ in Ihm ſiegen koͤnnten/ gleich wie r geſteget hat. ahin gehen alle Zeugnuͤſſe der etzen Schrifft/ da den Gliedern Chriſti eben daſſelbige beygelege wird/ was Chriſto beygeleget iſt. Zum Exempel: Es ſtehet von Chriſto Joh XVI, 33. daß Er die Welt überwunden habe: Eben dieſes ſtehet auch von den Glaubigen/ I. Joh. V, 4. 5. Es ſtehet von Chriſto Joh. XV, 18. 19. 20. und cap. XVII, 74. 15. 16. daß Er nicht von der Welt ſey/ und daß die Welt Ihn gehaſſet und verfolgt habe: Und eben an denſelbigen Orten wird dieſes auch den Glaubigen beygeleget. Es ſtehet von Chriſto Luc. XI, 22. und Coloſt II, 15. daß Er den Drachen und ſeine Fuͤrſtenthümer uberwunden habe; und eben dieſes ſtehet auch von den Glaubigen/ 1. Joh II, 13. 14. Apoc. II, II. Eph. VI, II. 12. 13. Es ſtehet von Chriſto Rom. VI, 1o. duß Er der Suͤn⸗ den geſtorben ſey zu einem mahl/ was Er aber lebe/ das lebe Er GOtte; Und eben dieſes ſtehet von den Glaubigen/ verſ. 5. 6. 11. 12.13, 14. Der andern viel⸗ faͤltigen Zeugnuͤſſen zu geſchweigen. Daßin gehet auch das 2. und 3. Capitel der heiligen Offenbahrung/ da alle Verheiſſungen unter der Bedingung der Uberwindung gegeben ſind: Waͤre nun dieſes wahr/ daß Chriſtus allein in ſei⸗ ner Perſon ſüberwunden haͤtte/ warum haͤtte dann Chriſtus ſelbſt auch von uns die Uberwindung erfordert? Alſo bleibet es eine heilige veſtgegrundete Warheit/ daß die jenige/ welche mit Chriſto in die Herꝛlichkeit eingehen wollen/ die müſſen in Chriſto üͤberwin⸗ den gleich wie Er uͤberwunden hat; Und weil Ihm uun ſeine erſtgebohrne Bruͤder in der been me am aͤhnlichſten werden/ darum werden ſie Ihm auch am aͤhnlichſten in der Herꝛlichkeit. Ohne die Heiligung aber wird niemand den HErꝛn ſehen/ Heb. XII, 14. Und in das Himunliſche Jeruſalem wird nicht hinein gehen irgend ein Gemeines/ und das da Greuel thut und Luͤgen/ ſondern die geſchrieben ſind in dem lebendigen Buche des Lamms, und GOttes Gebot halten/ Apoc. XXI, 27. cap. XIV, 15. das ſind warhafftige Worte GOttes. Sollten demnach nicht die Kinder der Welt die Chriſten beſchaͤmen/ und zu meh⸗ rerem Fleiß und Eyffer 3*ο weil ſie kluger ſind in ihrem Geſchlecht/ Luc. XVI. was macht ſich mancher fuͤr Sorge und Muͤhe zur Ehre und Anſehen zu gelan⸗ gen/ und dennoch/ wenn Er alles erhalten hat/ iſts ein Schatten/ eine ache die in der bloſen Einbildung und Achtung der Leuthe beſtehet. Wie ſauer laͤßt ſichs der meiſte Hauffe werden Geld und Gut zu erlangen? Er laͤßt ſich den Schlaff/ eſſen und trincken nicht ſo lieb ſeyn/ ſchonet ſeines Leibs und Lebens nicht; da ſiehet man die Leuthe durch die Wellen und durch Wind und Klippen gehn/ ihren Handel zu beſtellen/ und da Sturm und Noth ausſtehn/ dardurch ſie doch mehr nicht gewinnen, als daß ſie meiſtens die Seele verfuͤhren/ das Ewwige ver⸗ ſaͤumen/ das Gewiſſen verletzen/ einen groſſen Unflatt auf die Seele laden/ und noch den meiſten nicht gegeben iſt es zu genuͤſen; ſondern werden Scla⸗ ven des Mammons/ oder maͤſten darmit den Bauch zur Schlachtung; o⸗ der/ wenn ſie deſſen gedeucken zu genuͤſen/ muͤſſen ſie darvon/ wie Luc. XII. und XVI. Syr. XI. und wem kommen die ſchwereſte Bemuͤhungen in ſundlichen Ergoͤtzungen ſauer an? Was fuͤr Fatiquen machen ſich die groſſen auf Jagden/ ſu⸗ chen ihre Recreation in Kriegen? Der Schweiß und das Springen im Tantzen/ da mehr Schritte gethan werden/ als wenn man Botten⸗weiß lauffe/ iſt der Welt eine Erhohlung von der Arbeit; Und was macht man ſich vor Schmertzen und Unruh durch Wolluſt; wie ſucht man alle Gelegenheit die Begierdten zu ſaͤttigen? wie ſtreitet/ wie taͤmpffet man daruͤber/ die vermeinte Privilegia und Suͤnden⸗Freyhei⸗ ten barkeit des hoͤchſten Guts/ alles verlaſſen/ flie deſſen Erlangung hindern kan? ſolte der/ die unvergaͤngliche Schaͤtze des Himmels/ Leich⸗Predigt.— 883 ten zu behaupten/ und ſich nach ſeiner Einbildung/ gluͤckſeelig zu machen? Was ha⸗ ben nicht Menſchen oͤffters gethan/ eine irrdiſche Crone darvon zu tragen? Jener Konig ließ kurtz vor ſeinem End ſeinen Sohn zu ſich kommen/ und ertlaͤret ihn zu ſeinem Nachfolger im Reich; damit er ſich aber zuvor moͤchte dazu habilitiret/ Præeſentirte er ihin einen guldenen Apffel/ mit der Inſtruction, er ſolte in der Welt ſich umſehen/ der Leute Sitten erkundigen/ und wenn er den allergroͤſten Narren finden wůrde/ demſelben ſolchen Apffel uͤberantworten/ und hernach Land und Leu⸗ teregieren. Ob nun wohldieſer Printz allerhand Thorheiten in der Welt geſehen/ hatte er doch auf Zureden ſeines Hoffmeiſters mit dem Apffel noch immer an ſich ge⸗ halten/ biß er üͤber Meer in ein Laͤnd kommen/ da ein Konig regierte/ der nach ſeines Hertzens Gutduncken lebete/ und ſich ohne alle Scheu in allen Laſtern herfuͤr gethan. Daruͤber verwunderte er ſich/ gieng zum Kaͤmmerling/ und fragte ihn/ wie ſie denn mit einem ſolchen Koͤnig austommen koͤnten/ und was es vor eine Beſchaffenheit damit hatte? Dieſer antwortete/ es ſey in dem Land der Gebrauch/ daß ſie einen Koͤnig nur auff ein Jahr lang erwaͤhlten/ und der moͤchte bey ſeiner Herrſchafft thun/ was ihm geluͤſte; Wenn das Jahr um ſey/ werde Er ſeines Ampts entſetzet/ und in ein Gefaͤngnuͤß geworffen/ darinnen Er die Zeit ſeines Lebens jaͤmmerlich zu⸗ bringen muͤſte; Der Printz ſagte hierauff: Auf ſolche Weiß werde es Muͤhe haben/ jemand zur Koͤniglichen Charge zu bereden; Allein der Kammerling antwortet wieder/ daß um dieſe jaͤhrige Ehre/ ungeachtet des traurigen Erfolgs/ allemahl ein poß Gereiß ſey. Der Printz ſagte bey ſich: Nun hab ich die Zeit meiner Wahl⸗ arh keinen groͤſſern Narren angetroffen/ habe auch damit in aller Eil ſich zum Koͤ⸗ nige verfuͤgt/ Ihm das Geſchenck ſeines Vatters præſentirt, und ſey alſo wieder in ſein Land gezogen. Wie gleich ſeynd doch dieſem Konig die Welt⸗Kinder/ die eine kurtze Freud/ Augen⸗Luſt/ Fleiſches Luſt/ und hoffaͤrtiges Leben erkieſen/ deſſen ſie nicht das Jahr uͤber ja nicht 24. Stunden verſichert ſind/ und ſetzen ſich darüber in ewige Unluſt! ſind Worte Herr D. Pfeiffers in den Erquickſt. p. 684. Was ſolte denn ein wahrer Chriſt thun/ der zum ewigen Leben beruffen/ und dem das koͤſtliche Kleinod des ewigen Lebens verheiſſen iſt? ſolte der nicht in ſolcher Hoffnung alles fur Koth dargegen achten? ſolte der nicht leicht alles vergeſſen/ was dahinden iſt/ und ſich ſtrecken nach dem das vornen iſt; ſolte nicht ein ſolcher in wahrer Erkantniß der unſchaͤtzbaren Rergnaglüchket und vergnüglichen Unſchaͤtz⸗ en und hinweg denen was ihn an dem vergaͤnglichen Schein und Schatten⸗Werck der Welt nicht vorziehen? hieſſe das nicht die Schwein⸗Traͤber dem vaͤtterlichen Erb/ ein Linſen⸗Gericht dem Recht der Erſtgeburt vorziehen? Solte man das rechtſchaffene Weſen in Chriſto dem todten Weſen der Welt nachſetzen? Wem ſolte eine Muͤhe dauren/ den We zu ge⸗ hen/ der zur Tugend/ zum Leben fuͤhret? wer kan ohne Frevel Chriſti Befe lIzuwi⸗ der thun? wer kan ohne Irrthum Chriſti Nachfolge verlaſſen? Solte der Chriſti Sminn haben/ und vom guten Geiſt getrieben werden/ der nicht dem Guten/ der Hei⸗ ligung nachwandelt? Solte dem ein Ernſt ſeyn zum Leben/ welcher die dahin fuͤh⸗ rende Mittel verachtet? Iſt denn das auch ein wahrer Glaube/ der nicht ſeine Fruͤch⸗ te bringet? Iſt denn auch ein geiſtliches Leben/ wo kein Wachsthum iſt? ſolte dem das ein rechter Ernſt ſeyn/ wo man nicht trachtet nach den beſten Gaben/ alles in be⸗ ſten Stand und Gang zu bringen? Solle man dann gleich mud und nachlaͤſſig wer⸗ den/ wenn man nicht alles auff einmahl erjagen kan? heiſt denn das ſeinen Beruff und Erwaͤhlung feſt machen/ ſtill ſtehen/ zuruͤck ſehen? heiſt das ſeinen Beruff wuͤrdiglich wandlen/ dasjenige traͤg und ſaumſeelig thun/ was einem befohlen iſt/ ja das Gegentheil erwaͤhlen? da Paulus/ ſo gut er war/ immer begehrte beſſer du werden; und du meineſt ſchon alles ausgerichtet/ alle Gerechtigkeit bereits erfuͤllet zu haben/ laͤſſet dich etwas duncken/ ruhmeſtdich uber das Maaß und Ziel/ und Abſ 84 Chriſtliche zuerkennen/ daß du nicht wiſſeſt die Stuffen der Heiligung/ wie ferne du noch ſeyeſt und kaum angefangen habeſt. Wer ſolte nicht ſuchen Glauben und gut Gewiſfen/ Chriſtum und die Gnade GOttes/ Gnade und Warheit/ Warheit und Recht/ Friede und Ruhe der Seelen/ Wort und Geiſt zu behgupten/ und alles daruͤber wagen/ das Leben nicht theuer ach⸗ ten? und ſich immer Pauli Claſſicum anfriſchen laſſen: diß Gebot befehl ich dir/ daß du eine gute Rtterſchafft uͤbeſt/ und behaͤlteſt Glauben und gut Gewiſſen/ 1. Tim. I, 18. wer ſolte nicht immer wider Fleiſch und Welt in Waffen liegen/ alles verkauffen/ daß man nur das koͤſtliche Perlen/ Chriſtum/ das ewige Leben erarnen möge. O! was Reue/ Ach! und Wehe wird die treffen/ welche ihr Heyl verſaͤu⸗ men/ ſich von dem Irrdiſchen beſtricken/ von den Liſten bethoͤren/ durch die ankleben⸗ de Suͤnde traͤg machen/ am Guten hintern/ das Ziel verrucken/ in Irrthum ver⸗ fuͤhren/ zu Knechten der Suͤnden und Sclaven der Eitelkeit machen laſſen/ und end⸗ lich werden ſehen muͤſſen/ daß ſie haben des rechten Weegs verfehlet/ die Schantze verſehen/ das Kleinod verſchertzet/ und ſeye nun all ihr Sorgen/ Lauffen/ Muhe und Arbeit vergebens. Wer im Leben nicht hat lernen ſeinen Feinden begegnen/ noch durch ſeine Tapfferkeit ſich ihnen kormidabel gemacht hat/ wie will er im Todt beſtehen? wie will er entgehen dein/ das geſchehen ſoll/ und beſtehen fuͤr des Men⸗ ſchen Sohn? was wird er zu gewarten haben/ als was er ſich ſelber/ wie einem Schatz/ geſamlet und gehaͤuffet hat auff den Tag des Zorns? als den Zorn GOttes/ Rom. II. als Jammer und Wehtlagen/ mit allen Thoren die des rechten Wegs ge⸗ fehlet/ Sap. V. die mit Spott und Hohn an ſtatt der Ehren⸗Cron werden gekroͤnet werden/ mit dem Feyer Kleid der hoͤlliſchen Flammen. Das ſolte wohl die Thoren auf beſſere Gedancken bringen/ daß ſie aus frembden Schaden klug wuͤrden; zumahl/ wenn man wahrnehmen/ und der Welt⸗Menſch Beſtehen muß/ daß auch bey der Sunde und Eitelkeil groſſe Muͤhſeeligkeit und Ar⸗ beit ſich finde; da man wider das Gewiſſen handelt/ dem Geiſt entgegen wandelt/ wider den Stachel lecket/ gehet es ohne Beſtraffung/ Forcht/ Unruhe/ ohne Kampff wider die Warheit/ ohne Anklagung und Verurt eilung nicht ab! da hin⸗ gegen die Muͤhe im taͤthigen Chriſtenthum auff ſuſſe Ruhe/ der hefftigſte Kampff/ aufftrefflichen Sieg/ der langwierigſte Lauff zum erwuͤnſchten Ziel/ die ſchwereſte Arbeit inden vergnuͤglichſten Lohn ſich endet; daß es heiſſet: Ich habe eine kleine Zeit Muͤhe und Arbeu gehabt/ und habe groſſen Troſt funden/ Syr. LI, 35. c. VI, zꝛ0. da unter dieſem allem der Geiſt GOttes immer der Schwachheit auffhilfft/ die Kraͤfften erneuert/ den Willen antreibt/ und jeder Grad den man erreichet/ jede Schwachheit die man uͤberwunden hat/ neuen Muth/ Luſt und Hoffnung ibt weiter zu kommen/ und weit zuuͤberwinden, durch den/ der uns geliebet/ und in ch⸗ tig macht; Ja/ das Exempel des unvergleichlichen Vorgaͤngers ziehet die Begier⸗ de immer nach; die Fuͤrbilder der Glaubigen haben eine beſchaͤmende Reitzung; die Apoſtoliſche Ermahnung hat einen kraͤfftigen Trieb; die Liebe des ermahnen⸗ den/ der Umſtand der Zuſehenden/ das erblickte Kleinod der Himmliſchen Beruf⸗ fung/ hat einen mehr denn magnetiſchen Zug/ und den geuͤbten Sinnen/ den gewohnten Streitern iſt das Schwerſte mummermehr ſchwer/ x. Joh. V. dem Glauben und Tugend iſt kein Ding unmoͤglich/ dem Fleiß kein Weg 5 weit/ der Tapfferkeit kein Feind zu ſtarck/ der Treue keine Reitzung zu lieb/ der iehe keine Gefahr zu groß/ dem Beſitz und Genuß keine Vergnuͤgung zu verglei⸗ chen Im GSegentheil iſts einem Bekehrten und Glaubigen ſchwer/ was Boͤſes zu thun/ ſein Gewiſſen leidet es nicht in Sunde zu willigen/ ſo wenig als das Aug ein Staͤublein leiden kan. Es kommt ihn ſauer an nur oſes ſehen ſollen/ geſchweige zuthun; er kan die Ungerechtigkeit nicht leiden/ gottloſes und epicuriſches Weſen/ machet ihn Seuffzen; alle Falſchheit und Untren iſt ſeine hoͤchſte Beleidigung, dir ieb Leich⸗Predigt. 85 Liebloſigkeit kraͤncket ſein Hertz/ die Creutzes⸗Flucht haͤlt er fuͤr das ſchliunſte Anzei⸗ gen/ und die Rachgierigkeit fur eine Entzundung von der Hoͤllen; er kan keiue Wan⸗ ckelmuͤthigkeit leiden/ und iſt ihme die Kalt⸗und Leichtſinnigkeit ein Merckmahl ſchlechter Hoffnung des ewigen Lebens; daher/ wie die Heyden/ welche durch den Greuel der Sunde noch weit tieff genug nicht eingeſehen haͤtten/ dennoch einen ſol⸗ chen Greuel vor den Laſtern bezeugteu/ daß/ wenn ſie auch ohne Straffe frey ſuͤndi⸗ gen koͤnten/ ſie es nicht thun wollten; ſo macht es eine geiſtlich⸗geſinnte Seele. Nun dann/ M. L. wie ſeyd ihr hierbey geſinnt? ſeyd ihr der Nothwendigkeit/ Möoglichkett/ Nutzbarkeit und Loͤblichkeit dieſer Sache verſichert/ aus Pauli An⸗ trieb/ des Beruffs Inhalt/ des Glaubens Krafft/ und Beſchaffenheit/ der genug zu erkennen gibt/ daß das wahre Chriſtenthum gantz was anders ſeye/ als man msge⸗ menn/ und ſonderlich der ubel berichtete/ ſichere Menſch/ darfur haͤlt; der ſich verraͤth/ daß ers noch nicht einmahl angefangen habe; allermaſſen diejenige/ welche der Uu⸗ moglichkeit ſo ſtarck das Wort reden/ genug Anzeigung geben/ entweder daß ſie kei⸗ ne Luſtzu Chriſti Laſt/ oder noch wenig Sieg gegen ihre Feinde in ſich erfahren ha⸗ ben; oder daß ſie ſich einen Heyland einbilden/ der ferne von thnen/ in einem weit⸗ entlegenen Himmel uͤber ihnen/ aber nicht in ihnen wohne/ wuͤrcke/ wandle/ lebe und herrſche/ und wenig Luſt habe ſich nahe zu ihnen zu thun/ und den Sieg im Fleiſch in ihnen auszuführen; eben/ als ob es etwa ſeiner Ehre/ ſeinem Verdienſt und Vorzug etwas abgienge/ ſo er noch in uns/ und wir mit ihm in ſeiner Krafft Uberwindere wuͤrden/ Apoc. XII. oder ob mochten wir ſtoltz werden/ wenn wir durch ſeinen Beyſtand unſere Hoff⸗Art und andere Suͤnden bemeiſterten. Erken⸗ net ihr nun was fuͤr Krafft/ Muͤhe/ Arbeit/ Kampff/ Ernſt/ Munterkeit und Tapf⸗ ferkeit zum wahren Chriſtenthum/ und Erreichung des ewigen Lebens gehore? ſo beſinnet Euch/ was habt ihr fur einen Vorſatz/ wollt ihr der treuen Apoſtoliſchen Er⸗ mahnung/ des Erfahrnen/ und fur euer Heyl ſo wohlgeſinnten Vorgaͤngers/ Pau⸗ li folgen? Machet ihr euch auch zum Lauff fertig? Iſts euch auch ein Ernſt die Hindernuͤſſe der Seeligkeit zu fliehen/ und dem Guten nachzujagen/ alle Gelegen⸗ heit auszuſpuren/ euren Vortheil im Guten zuerſehen; euch keine Muͤhe dauren zu laſſen/ und alle Mittel ſorgfaͤltig zu ergreiffen/ zum Zweck und Ziel zu gelangen? trachtet ihr auch in rechten Stand und Ubung des thaͤtigen Glaubens/ zum Beſitz und Genuß der ewigen himmliſchen Guͤterzu gelangen? oder/ wenn ihr Nachlaͤſſig⸗ keit ſpuͤret/ ermahnet ihr euch ſelbſt und untereinander alle Tage/ Eb. III, 13. c. XII, 15. huͤtet ihr euch auch ernſtlich/ nicht aus der Gnade zu fallen? oder ſo ihr ſtrau⸗ chelt und fallet/ ſuchet ihr durch wahre Buße wieder auffzuſtehen? Ach! wer iſt/ ſo er irre gehet/ der nicht gern wieder zurecht kaͤme/ der faͤllet/ daß er nicht gern wieder auffſtunde? Glaubet ihr dann/ daß mantaͤglich ſo offt fallen/ und doch das Ziel er⸗ reichen koͤnne/ wenn nie kein Fortgang/ ſondern immer lauter Zuruͤckgang iſt? Ach! ja ich hoffe ihr werdet das Wort der Ermahnung an euern Seelen nicht laſſen fruchtloß abgehen/ ihr werdet euerer Pflichten des Beruffs nicht vergeſſen/ ihr wer⸗ det den Weg und Ordnung des Heyls nicht auſſer acht/ ihr werdet die Beuten nicht aus Haͤnden laſſen; Ihr werdet die Krafft des Glaubens nicht verlaͤugnen/ noch die theure Beylage verſchertzen. Ihr wiſſet ja/ daß kem Fauler was erlanget/ daß ein feiger Soldat keine Beute bekommet/ und daß man einem die Crone nicht ent⸗ gegen traͤgt/ non niſi certanti pulchra eorona datur. Habt ihr auch je recht be⸗ dacht/ daß das Chriſtenthum ein Kampff/ und der kein Chriſt ſeye/ der keinen Kampff fuͤhlet/ noch das Beluͤſten des Geiſtes wider das Fleiſch/ Gal. V. Nullus ſervus Chriſti ſinie tribulatione eſt: ſi putas te non trahere perſecutiones, non- dum cœpiſti eſſe Chriſtianus. Aug. in Pſ. LV. Tom 8. Col. 543. Iſt doch das ge⸗ meine Leben nichts als Streit und Muͤſeeligkeit/ ob. VII. Syr. XL. Wie ſolt es im Chriſten⸗Leben/ welches unter dem Creutz entſtehet/ am Kaͤmpffen mangeln? laſ⸗ ſet ihr euch denn befrembden/ daß ihr Streit habery da doch das gemeine und Chri⸗ ſten⸗ 86 Chriſtliche gen Kamnpff nicht erreicht wird/ oder ein gefaͤhrlicher Stand der Seelen iſt/ ſo muß ich doch der Menſch immer mit ſich ſelbſt ſchleppen und mit den Schalckheiten ſtrei⸗ ten/ Jac. IV, 1. 2. 3.(n) Wo iſt dann euer Streit wider euch ſelbſt und die Welt? Predigten/ P. I. p. 157. ſeq.. Habt ihr dem Satan und Welt in der Tauffe nicht abgeſagt/ und GOTT Treue geſchworen? warum brechet ihr den Bund und ſchlaget Euch zum Feind/ zu der Welt Freundſchafft? gebt thr auch dem betruͤglich ablockenden Feind gleich abſchlaͤgige Antwort wie Nehemia c. VI, 3. Ich hab ein groß Geſchaͤfft auszu⸗ richten/ ich kan nicht kommen/ es moͤcht das Werck nachbleiben/ woich die Hand abthaͤt. Spuͤhret ihr die geſetzte/ verordnete Feindſchafft nicht des Schlangen⸗ Saamens und wider denſelben/ ſo ſtehts gefaͤhrlich mit Euch/ ſo ſeyd ihr bereits uͤberwunden/ und ſchlaffet in den Banden, die ihr nicht fuhlet. O! arme Men⸗ ſchen/ indeme ihr meinet Friede zu haben/ ſtreiten die Luͤſten wider eure Seelen: durch Wolluſt ſind die tapfferſten Helden untuͤchtig und uͤberwunden worden. Dencket nicht mancher/ was Er fuͤr ein Thor ſolte ſeyn/ ſich ſo viel Muͤhe ma⸗ chen/ ſeng ſich einſchrencken zu laſſen/ das Chriſtenthum ſeye kein melancholiſches/ aͤngſtliches Weſen ſo/ man werde doch ſeelig/ eben wie die ſo ſichs haben ſiuer werden (n) Form. Conc. Decl. ſolll. ꝑ. 290, a. 259. a. daruͤber der irꝛdiſchen und eitlen Dingen ſo leicht den wir von vorigen Gewohnheiten und Handlungen unterlaſſen/ und im ver⸗ aͤnderten/ und auf das warhafftige gekehrten Sinn/ das/ was man vorhero ſo gemen/ ſo lieb/ ſo groſſer Gewinn war/ füͤr lauter Hindernuß und Schaden ach⸗ Leich⸗Predigt. 8) werden laſſen; man ſehe/ wie inancher/ der lang geloffen und ernſtlich gekaͤmpf⸗ fet/ dennoch klage/ daß Ers noch nicht weit gebracht/ fuͤhle erſt ſein Unvermoͤgen/ müſſe doch endlich ſich an die lautere Gnade halten/ und lerne erſt ſehen/ daß man noch weit mehr vor ſich/ als zuruck geleget habe; darum wolle mans beym nech⸗ ſten bleiben/ GOTT laſſen Sorgen/ Chriſtus habe alles fuͤr uns ausgerichtet/ wenn wir uns deſſen getroͤſten/ ſehe es/ als haͤtten wir es alles ſelbſt gethan. O du arme Seele/ wißteſt du wie vtel Boßheit des Fleiſches und der Vernunfft/ Ver⸗ blendung des Satans hinter ſolchen Ausflüchten ſteckte/ du wuͤrdeſt erſchroͤcken. Ich will dir nur dieſes ſagen: Haben die/ welche ſo ernſtlich kaͤmpffen/ noch ſo wenig aus eigener Schuld/ beſieget/ und ſtehen in Gefahr des Zuruckfalls/ darzu deine Sicherheit/ Verſpottung/ viel beytraͤgt; was ſteht dir dann noch bevol/ wenn der Feind dir ſich einmahl zeigen wird? Laſſet ihr Euch die Schwermuͤ⸗ tigkeit abſchroͤcken/ ſo ſeyd ijrzu zaͤrtlich/ zu mißtrauiſch gegen GOtt; aller An⸗ fang iſt ſchwer/ im Werck ſelbſten hilfft der HErꝛ fort/ dura placent fortibus, wie ſollte man mit Chriſto nicht konnen Thaten thun/ Kriegs⸗Heere bezwingen? Hebr. XI. auf dann zum Streit/ zum Lauff ihr willige Seelen/ Hannibal ante portas, der Feind iſt nahe/ was wolt ihr ſchlummern/ ad armia! certandum eſt, nulli veniunt ſine Marte triumphi; acti labores jucundi, nach gethaner Arbeit laßt ſichs wohl ruhen. Gibt es nicht Leuth genug/ die Luſt zum jaͤgen haben/ auf den Jagden in tauſend Gefahr und Muhe ſich begeben/ und verwilden faſt mit unter dem Wild? Warum jagt man nicht das wilde Thier/ den alten Adam/ biß er ermuͤdet/ erligen muß/ und im Netz des Worts beſtricket/ einen Fang nach dem andern bekommet und geſchlachtet wird? Warum jagt man nicht/ biß man eine Unart des wilden Hertzens und ungezaͤhmden Begierden nach den an⸗ dern ausjaget/ Eigenliebe/ Zorn/ Geitz/ Hoffart/ hoͤſe Luſt u. d. g. vertrieben ha⸗ be? Warum jaget man nicht dem rahreſten Wildprett/ der Gottſeeligkeit nach/ und ſetzet auf die fliegende Gelegenheit/ und eilet Gutes zu thun/ damit einem das beſte nicht entgehe/ und das gethan werde/ was man wuͤnſchet/ wenn man entkraͤfftet/ untuchtig worden/ und ſterben ſolte/ das geſchehen waͤre?: Wer beſtrebet ſich nicht in allem ſeinem Thun/ zum Ziel und zu ſeinem Zweck zu gelangen? ey/ ſo laſſet uns mit Geringachtung alles andern nicht ablaſſen/ iß wir das ewige Leben erreichet/ und uns in deſſen Recht und Beſit feſt ge⸗ . bründet haben. Wie aber keiner den Genuß ohne Verdruß/ das Brod ohne Ar⸗ eit/ die Cron ohne Kampff/ das Ziel ohne Lauffen erreichen kan; alſo wenn uns Ernſt iſt zum Leben/ zum hoͤchſten Gut/ wird uns kein Schweiß noch Fleiß/ keine Mühe noch Gefahr zu ſchwer duncken/ ſondern werden die Mittel und Weg eyfe⸗ tigſt beobachten/ zeitlich und ewig in GOtt ſeelig zu werden. O wie werden wir onnen vergeſſen; wie viel wer⸗ ten muͤſſen? damit man nicht ſeinen Lohn dahin habe/ ſo man nicht auf das warhafftige ſiehet. Wie viel wird man vergeſſen/ entwohnen/ unterlaſſen/ und erſt neu uͤben lernen muͤſſen/ biß man im neuen Weſen des Geiſtes das Chriſten⸗ thum nur ein wenig in Gang und Stand bringe! O wie viel Verlaͤugnung und Uberwindung ſein ſelbſt gehoͤrt hierzu/ daß man ſeiner alten Natur Gewalt an⸗ thue; wie viel gehoͤrt aber hierzu geiſtliche Staͤrcke und Tapfferkeit; und wer hat mit Laͤſſigkeit und nachgeben jemahlen ſeinen Feind bezwungen? daher muß man ſeiner ſelbſt nicht ſchonen/ keine Fehlſtreiche thun/ die Vortheile wiſſen/ wie manden Feind recht treffen koͤnne/ wo es Ihme am weheſten thut/ und am erſten ſchadet/ und daß man in unterliegen des Fleiſches den Sieg des Geiſtes behaup⸗ te. Sind nun ſo viel/ die unmer wollen kriegen/ und was zu ſtreiten haben muͤſſen/ 88 Chriſtliche muͤſſen/ daß ſie gleichſam im Krieg und Streit/ wie in threm Element leben/ und Ihnen nicht wohl iſt/ wenn nicht was auszufechten gibt; warum ſtreiten ſie nicht wider den Satan/ wider die Welt/ und wider ihr Fleiſch und Vernunfft? Warum laßt man dieſen Haupt⸗Feinden ſo gern den Sieg/ oder laͤßt die Haͤnde ſo bald ſincken und ſich im Lauff ſo leicht aufhalten? ſtreitet hingegen wi⸗ der die Warheit/ widerſtrebet dem Geiſt/ und indem man meinet zu gewinnen/ verlieret man das beſt. Ach! was ſolte ſich einer koſten laſſen/ den Glauben/ gut Gewiſſen/ Chriſtum/ die Gnade GOttes/ und das ewige Leben zu behaupten/ welches ſo viele von ſich ſtoſſen/ und deſſen ſich ſelbſt unwuͤrdig und verluſtig ma⸗ chen? Wie treulich ſpricht da Syrach einen Muth ein c. II. Liebes Kind/ wilt du GOttes Diener ſeyn/ ſo ſchicke dich zur Anfechtung/ halte feſt/ und leide dich/ und wancke nicht/ wenn man dich davon lo⸗ cket. Halt dich an GOtt/ und weiche nicht/ auf daß du immer ſtaͤrcker werdeſt/ alles was dir wiederfahret das leide/ und ſey ge⸗ dultig in allerley Trubſaal ꝛe. Man ringet in der Welt gemeiniglich nach Ungerechtigkeit/ Geld/ Gut/ Anſehen/ Ehre/ Wolluſt und Frieden/ als wenn das hoͤchſte Gut darinnen beſtuͤnde; da es doch nichts anders iſt/ als ein blindes Rin⸗ gen nach Ungluͤck: Und wie ſchwer/ wie unbequem/ wie unmoͤglich dunckt dem Fleiſch der Weg zur Gottſeeligkeit; wie leicht verleiden die Dorn und Diſtel/ die Felſen und Kuppen, die erblickte Morder/ Thiere und Lebens⸗Gefahr den Weg/ den Ernſt/ und ſchlaͤgt die Hoffnung des erwuͤnſchten Ausgangs darnieder? ſolte man da nicht wiſſen/ daß/ was dem Fleiſch ſo leicht/ der Vernunfft ſo anſtaͤndig/ der Welt ſo gleichfoͤrmig/ der Seelen/ dem Geiſt ſo hin⸗ derlich und ſchaͤdlich ſeye; hingegen worfuͤr der Natur⸗Menſch ei⸗ uen Abſcheu hat/ daß es zum Geheimnuß des Creutzes⸗Reiches Chriſti gehoͤre. Siehe! lieber Menſch/ in der Natur findeſt du die Spuhr/ daß alles muß durch Leiden ſeyn gebohren. Des Fruͤhlings Zier/ bricht nicht herfuͤr/ biß ſie des Winters erſt iſt recht durchfrohren. Drum friſch hinan zur Creutzes Bahn/ wenn du zum Himmel wilſt ſeyn erkohren; wer willig uzgt was Gott auffegt/ der trifft den Weg zu den zwoͤlff Perlen Thoren. Der Ko⸗ nig geht zur Creutzes⸗Staͤtt/ und laͤßt die Leidens⸗Angſt Ihn wohl zu hitzen. Sein Reichs⸗Genoß kan nicht ins Schloß des Himmels kommen ohne Müh und Schwitzen. Wer Roſen bricht/ der acht es nicht/ wenn Ihn die Dorne gleich ein weni ritzen. Wer ſiegt im Streit/ der wird mit Freud die Lebens⸗Cron wiß beſitzen. 8 Worauff ſich vergebliche Hoffnung machen/ die Zaͤrtlinge/ welche nichts leiden wollen; die Creutzfluͤchtige/ die nur gute Tage haben wollen; die Wanckelmuͤthi⸗ ge/ die nicht ausharren; die Nachlaͤſſige/ welche bald uͤberdruͤſſig werden. Und eben ſo wenig die ſich ſelbſt bethoͤrende Phantaſten/ welche ohne einmahleinenernſt⸗ lichen Anfang gemacht zu haben/ ohne ſich einmahl den ſtreitenden warhafftig zu⸗ eſellt/ wider die Feinde ſich gerüſtet/ ihnen die Fehde angekuͤndiget/ geſchweige den Lauff und Kampff angefangen zu haben/ ſich ſchon einbilden/ ſie ſeyen der Welt bereits entflohen/ ob ſie ſchon noch mitten im Unflath und Netzen ſtecken; ſich dun⸗ cken laſfen/ ſie haben alle Gerechtigkeit ſchongethan; ſie haben den Sieg des Glau⸗ bens/ ſeyen Kinder und Erben des Reichs/ ſie ſeyen zum Frieden/ zum Leben/ zum Genuß hindurch gedrungen; ſind bey ſich ſelber ſatt/ reich und ſeelig genug; da es doch gemeiniglich iſt ein gefaͤhrlicher Stillſtand der Seelen/ Bethoͤrung der Sin⸗ nen/ Einſchlaͤfferung des Feindes. Gewiß/ wer nie rechten Kampff gehabt/ und keinen Kampfffuͤhlet/ muß entweder im Todt der Suͤnden fuͤhlloß/ und bereits alſo uͤberwunden/ oder ein Engel ſeyn. Darum wer das Ewige erjagen will/ der ſtehe ⁰³Z ſſ- Z2Z Z——ͤͤͤ“ͤ1 ———————D— Leich⸗Predigt. 89 ſtehe nimmer ſñ oder hoffe es nicht damit auszurichten/ daß Er nur immer darau dencke/ was Ihme obliege/ darvon ſage/ die Sache fuͤr gut und nothig hal⸗ te/ die es thun/ lobe; indeſſen immer cunctire es aufſchiebe und andern nachgaffe/ oder allgemaͤchlich ſchleiche/ krieche/ gehe/ ſondern tapffer lauffe/ ſchaffe/ drauff ſetze; ſoll es nicht ſo gefaͤhrliche Zuruckfaͤlle geben/ daß man in einer Stund weiter abweiche/ als man in einem Jahr vor ſich gekommen; indem ohne dem das Aug ummer weiter fuͤr ſich hinaus ſiehet/ als der Fuß reichet. Und ſchlechtes An⸗ zeigen des Chriſten⸗Ernſts iſt/ wo man immer vom Wohl⸗und Ruheſtand weiß u ſagen; wo keine Verfolgung/ Streit und Arbeit iſt/ iſt auch keine Gottſeelig⸗ eit/ 2. Iim. III, 12. Darum nehmet Euer ſelbſten bey Zeiten wahr/ weil melſtens/ da man ſollte kaͤmpffen wider ſeinen eignen Willen/ Suͤnde/ Welt und Satan; fuͤhret man immer Streit mit/ ja wider GOtt und Chriſtum/ iſt ein Anti Chriſt wider ſeinen Geiſt und Wort/ und glſo leider! wider ſein eigenes Heyl. Act. VII. Alſo gibt es wohl Kaͤmpffer/ aber ſie ſind Daͤmpffer und Wiederwaͤrtige wie Sa⸗ tan. Wie auch Wiedergebohrne/aber mit ſeuffzen/ klagen: Was ich nicht will/ das thue ich/ und was ich ſoll/ thue ich nicht zund lernen gegen GOtt paſſiv, wider ſich ſelbſt und alles Boͤſe aber activ und mannlich werden; damit ſie nicht ſcheinen wider GOtt zu ſtreiten/ Act. V, 35. oder auf Cyclopiſche Art den Hunmel ſtuͤr⸗ men. Die Zeit iſt kurtz; ein jeder eile und errette ſeine Seele aus Sodoin/ die Gerichte ſind nahe; Er fliehe ehe der Winter oder die Nacht uͤber Ihn falle/ da niemand wuͤrcken noch lauffen kan/ will Er nicht ſtrauchlen/ den Kopff verſtof⸗ ſen/ und fallen; das Ziel iſt weit. Ach! ſparets doch nicht/ biß ihr alt und ſchwach werdet/ biß die Gnade verſaͤumet/ die Sunde Euer Meiſter worden; hindert Euch nicht mit dem Exempel des Schaͤchers; wuͤrdet ihr ihn recht anſehen/ ſo wuͤrdet ihr finden/ was Kampffes Ihn am Creutz gekoſtet habe? wollet ihr deſſen auf dem Todbett erwarten? wird der Satan ſein bißheriges Eigenthum ſo leicht fah⸗ ren laſſen? und wie wird der das ewige Leben ergreiffen/ der HOttes noch nie ernſtlich begehrt/ und das irꝛdiſche Leben noch zu behalten wuͤnſchet. Hat nicht Paulus den Lauff/ ſo bald moͤglich/ zu vollenden geſucht/ und ſeinen Kampff aus⸗ gekaͤmpffet in der Welt/ und un Tod volligen Sieg erlangt/ deſſen Er vorher ſchon gewiß geweſen? Sollte uns nicht das Exempel der ſtarcken Juͤnglingen beſchaͤmen/ die Zeugnuß haben/ daß ſie den Boͤßwicht uͤberwunden haben/ 1. Joh. II, 13. Sollten wir noch einem einigen Philiſter in Canaan Raum laſſen/ oder der Kinder Babels verſchonen/ und den Feind lin eigenem Buſen hegen; oder uns/ wie Simſon/ Ihme gar vertrauen/ und in den Schoß legen wollen? O! wie wird Er uns endlich mitfahren? wie wird man im letzten End ſiegen/ da man bißhero nie hat lernen noch wollen kriegen? wenn die gantze Macht der Finſter⸗ nuß wird auf das Hertz zuſturmen/ wird alles verſaͤumet und verlohren ſeyn. O Jammer/ un ewigen Streit alsdann unter den Feinden ligen/ im ewigen Todt verderben müͤſſen! Und wer will denen helffen? welche nur irdiſche Cronen/ und zwar meiſtens unrechtmaͤſſiger Weiß/ ſuchen/ ja mit einer nicht vergnuͤgt ſeyn/ ſondern nach allen zugleich trachten/ und die ewige fahren laſſen; die in Ehre/ Reichthum und Wolluſt der Welt das hoͤchſte Guͤt ſuchen 3 Oder die da meinen/ man koͤnne das ewige Leben hier nicht ergreiffen/ und alſo Pauli Wort wollen zu nichte machen/ oder nur in Gedancken darnach greiffen/ nach dem Schatten ſchnappen/ nicht den Weg gehen/ noch den Mitteln nachjagen/ weni⸗ ger daruͤber kaͤmpffen/ oder was leiden wollen; um ihretwillen wird GOTT die Ordnung gewiß nicht aͤndern; wer nicht fliehen/ lauffen/ kaͤmpffen will/ der wird des ewigen Lebens verfehlen. Wer ſich noch nicht uberwunden/ wenn will Er die Welt beſiegen? wer der Welt noch nicht meiſter iſt/ wenn will Er dem Satan baſtand werden? denn durch alle dieſe Feinde muß man ſich durchſchla⸗ gen/ da ein emiger maͤchtig genug einen underan chlagen. Datunn 90 Chriſtliche Darumirre du nicht meine Seele/ und ſinge keine Sieges Tleder vor dei Streit/ und bilde dir keinen Frieden noch Ruhe ein vor dem Sieg; nimm auch keinen Stillſtand an/ und laſſe dich im Lauffnicht aufhalten biß du in Chriſti Krafft deine Progreſſen merckeſt/ und deſto mehr Luſt bekommeſt weiter zu ringen/ und einen Sieg nach dem andern zu erhalten; Laſſe dich immer duncken/ du hoͤreſt die Poſau⸗ nen zum Streit/ du werdeſt getrieben durch Zuruff GOttes/ den Trieb ſeines Gei⸗ ſtes/ die Exempel der Glaubigen/ zum Lauff! zum Kampff! zum Sieg! darum werde nicht laß noch muͤde. I. Cor. XIII. Gal, VI, 9. rüſte dich jage nach/ ſetze drauff/ hebe immer auf die laͤſſige Haͤnde und die mude Knie; willſt du die Cro⸗ ne empfangen/ ſo eile nach dem Ziel; wer viel meint zu erlangen/ der ſucht und muht ſich viel; kaͤmpffe den guten Kampff des Glaubens/ uche deinen Lauff zu vollenden/ und das ewige Leben zu ergreiffen/ bitte GOtt um Staͤrcke und Freudigkeit zu lauf⸗ fen den Weg ſeiner Gebotten/ Pſ. CXIX, 32. und das um ſo viel deſto ernſtlicher/ deſto beſtaͤndiger/ deſto kluͤglicher/ je mehr Hindernuͤſſe dir im Weg ſtehen/ je liſti⸗ ger der Feindſje ſtaͤrcker ſeine Macht je groſſer deren Mengeje traͤger das Fleiſch/ je verfuͤhriſcher die Vernunfft/ je aͤrglicher die Welt/ je manchfaͤltiger die Gefahr/ je mehr der Exempel des Schadens ſolcher unterlaſſenen Pflicht/ je mißlicher der ſpaͤte Anfang/ je gewißlicher der zeitige und ewige Schade der Unterlaſſung⸗ Wart aus/ ſteh feſt gleich einer Mauer/ gieb dich in SOttes Haͤnden/ und wo dir wird der Streit zu ſauer/ dich zum Gebette wende und Chriſtum bitt/ daß Er woll mit dem Heiligen Geiſt dich ſtaͤrcken, ſo wird Er ſich genaͤdiglich mit Troſte laffen mercken. Gott iſt getreu/ und mercket wohl der Menſchen ihr Ge⸗ brechen/ Er weißt/ wie lang Er warten ſoll uns wieder zuzuſprechen; wenn Er empfind daß ſeinem Kind/ das Hertz will unterſincken/ ſo ſpricht Er zu/ ſchafft Fried und Nuh/ und gibt Ihm Wein zu trincken. Wo wenig Kampff/ iſt wenig Sieg/ wotgenig Sieg/ wenig Beut/ wo wenig Beut/ wenig Freud/ und niemahl rechter Fried.. „ Dieſes ſollten alle die beobachten/ welche ihren Beruff bedencken/ und wiſ⸗ ſen/ daß Chriſten nicht zur Sunde/ Eitelkeit/ Ergoͤtzung und Muͤſſiggang/ ſondern zum lerneu/ verlaͤugnen/ ſchaffen/ ſtreiten/ lauffen/ beruffen ſind; dahero ſie ſich Chriſti fuͤr uns nicht laͤnger zu getroͤſten/ als/ ſo lang ſie im Beruff und Stand der Ordnung HOttes/ wahrer Buß/ Abſcheu der Sunde/ und Fleiß der Heiligung ſtehen; da heißt es: Iſt GOTS füͤr uns wer mag wider uns ſeyn? weilen Chriſti Verdienſt keine Freyheit zu ſuͤndigen gibt/ die Sunde aber nicht nur eine Untertaſſung und Berſaͤumung des Guten iſt/ ſondern eine Gefangenſchafft des Satans/ Daͤmpffung des Geiſtes/ Entkraͤfftung und Niederſchlagung/ daß es her⸗ nach weder in des Menſchen Willen noch Kraͤfften ſtehet Buſe zu thun/ wie dann die meiſte heutige pelagianiſch⸗ geſinnte Menſchen meinen/ und Buße in faſt bloß aͤuſſerlichen Ceremonien mehrentheils ſetzen; Von Erneuerung aber/ Heiligung/ Stand und Fleiß guter Wercke faſt nichts halten; und meinen die Pflichten ſte⸗ hen frey/ wer es thun koͤnne/ oder udae der thue es/ anderen doͤrffe man kein Gewiſſen daruͤber machen; Chriſtus ſeye kein neuer Geſetzgeber/ ꝛc. Eben als wenn durch Chriſtum Sunden⸗Freyheit waͤre eingefuͤhret/ das Geſetz aufgelo⸗ ſet und nicht viel mehr durch den Glauben aufgerichtet worden/ welcher mus leben⸗ dig ſeyn/ und gute Wercke haben/ ſolle Er vor GOtt gelten/ und nicht durch Ubels⸗ thun/ Glaube/ Gewiſſen/ Gnade und Seeligkeit verſchertzet werden; und warum macheſt du aus Chriſto einen neuen Geſetzgeber/ der unmoͤgliche Dinge und un⸗ ertraͤgliche Laſten aufgeleget habe/ da doch es lauter dem Glauben moͤgliche und noͤthige Stuͤcke ſind? Daher jener wohl geſprochen:(o) Es ſeyen dreyerley Art Menſchen, welche alle unterſchiedene Meinungen haben/ von der Weiſe ſeelig zu werden/ und begehren ſeelig zu werden; Einige ſind/ ſpricht Er/ die Ihnen ihr Chriſtenthum gar zu ſchwer machen; Und weil ſie aus dem Wort wifſendas an (0) Dr. Ermiſch Florileg. p. 661. — ͤ————* ͤ„ rp— S Leich⸗Predigt. 91 man ſich ſelbſt muͤſſe verlaͤugnen/ ringen/ ſtreiten/ kaͤmpffen/ wachen/ warten/ ja⸗ gen/ lauffen/ harren/ verwahren/ creutzigen ſein Fleiſch ſamt den Liſten und Begier⸗ den ꝛc. ſo ſind ſie faul und traͤg/ begehren keine Hand recht anzuſchlagen/ noch ſich ums Himmelreich zu bekummern/ aus thoͤrichter Beyſorge: Man werde es doch zu nichts rechtes in der Welt koͤnnen bringen; drum moͤge mans nur nicht einmahl an⸗ fangen. Gerad als wenn Schuͤler und Soldaten nicht muſten von unten anfan⸗ gen/ und/ obs gleich ſchwer iſt/ die Wetßheit zu erlernen/ und den Sieg zu erringen/ ſich jedoch darnach bemuͤhen/ ſo viel immer moͤglich. Wer nie anfaͤngt/ wird mm⸗ mer vollenden/ wer mie begehrt zu lernen/ wird nimmer außlernen; wer nicht will kriegen/ wird nimmer ſiegen. Zugeſchweigen/ daß Satan mit vielen ſelbſt erwaͤhl⸗ ten Gottesdienſten/ als Faſten/ Wallfahrten/ Barfußgehen/ ſtetigem Zweiffel an der Gnade GOttes/ einſamen Leben/ geiſſeln peitſchen und dergleichen/ das recht⸗ ſchaffene Chriſtenthum und den GOttgefaͤlligen Gottesdienſt/ in der Schrifft ge⸗ hündet/ den Menſchen ſuchet gar zu bitter/ zu ſchwer und unmoͤglich zu ma⸗ en. Andere ſind/ die ihnen ihr Chriſtenthum gar zu leicht machen/ meynende; Es habe nicht viel auff ſich/ man koͤnne leicht in der Onade GoOttes blelben/ und ſee⸗ lig werden/ wenn man nur auſſerlich ſey kein Hurer/ Dieb/ Ehebrecher/ Ungerech⸗ ter/ Freſſer/ Saͤuffer und dergleichen. Laſſens daher beym aͤuſſerlichen Gottes⸗ dienſt bewenden/ weil ſie auf Chriſtum getaufft ſeyn/ fleiſſig in die Kirch/ zur Beicht und Abendmahl gehen/ ſo werde ihnen auch der Hunmel nicht entſtehen/ ob ſie gleich im uͤbrigen innerlich im Hertzen wenig davon empfinden/ noch weuiger ſich nach der Chriſtlichen Vollkommenheit ſehnen und bemuhen. Das ſind Beitler/ die nim⸗ mermehr erwerben; das ſind Einfaͤltige/ die nie mehr lernen; das ſind Verzagte/ die nicht weiter kaͤmpffen wollen. Da doch das Chriſtenthum iſt eine taͤgliche Arbeit auff den Lohn/ ein taͤgliches Streiten um die Cron/ ein immerwehrendes Schaffen und Wuͤrcken/ damit man alle Tage anfangen/ fortfahren/ und biß in den Todt ſoll anhalten ꝛc. zu geſchweigen/ daß Satan viel verblendet zu glauben/ ſie ſeyen zur Seeligkeit prædeſtinirt/und koͤnnen davon nicht entfallen/ ſie moͤgen machen was ſie wollen. Aber wiſſe/ daß ſolche Verſicherung der Seeligkeit zweyerley iſt/ nach der Beſchreibung eines geiſtreichen Lehrers; eine iſt wohl gegruͤndet/ die andere aber ungegruͤndet. Jene/ ſo wohl gegruͤndet/ iſt diejenige/ da die glaubigen und gottliebenden Seelen/ nach GOttes ewigwaͤhrenden Verheiſſungen in Chri⸗ ſto IEſu/ das ewige Leben erwarten/ und in Gedult und guten Wercken darnach trachten. Dieſe aber/ ſo ungegruͤndet iſt/ heiſt die/ ſo denen Unglaubigen und Un⸗ bußfertigen vom Teuffel/ und ihrem eigenen fleiſchlichen Hertzen gemacht wird/ wider die Draͤuung GOttes/ der da ſpricht: Ungnade und Zorn/ Truͤbſaal und Angſt uͤber alle Seelen der Menſchen/ ſo da Boſes thun/ Rom. II, 8. 9. Und ſolche iſt ein vergiffteter ſuͤſſer Wein/ damit der Satan die Gottloſen einſchlaͤffert/ und be⸗ zaubert/ daß ſte der Hoͤllen⸗Pforten nicht eher erblicken/ als wenn ſie hineingehen. ahero auch ein wohlbekandter Lehrer ſchreibet: Ich halte dafuͤr/ daß mehr Leute durch die Sicherheit/(da ſie ſich bey ihrem ſundlichen Weſen die Seeligkeit gewiß einbilden) in die Hoͤlle fahren/ als durch Verzweiffelung. Gleichwie die Iſraeliti⸗ ſche Jungfern an ihrem Reihen ſangen. Saul hat tauſend geſchlagen/ David aber zehen tauſend/ 1. Sam. XXI, vI. Alſo mochte man wohl ſagen⸗ durch Verzweif⸗ lung fahren wohl tauſend zur Hoͤllen/ alleine die fleiſchliche Sicherheit/(und die ungegründete Hoffnung der Seeligkeit) hatzehen tauſend in die Hölle bracht. Inddeſſen Erwegung ſo nimm dich/ mein lieber Chriſt/ wohl in acht/ daß du dir nicht etwan die Seeligkeit ohne Grund einbilden moͤgeſt. Denn ſonſten wirſt du dich ſelbſten betrugen/ und bey deiner ſuſſen Einbildung zum Teuffel fahren. Es wird dir ergehen/ wie manchen Rebellen/ welche gedencken eine Koͤnigliche guͤldene Crone zu bekommen; aber an derſelben ſtatt bekommen ſie wohl eine gluͤende Cro⸗ — ne 92 Chriſtliche ne von Eiſen/ und den Scheiter⸗Hauffen ſtatt des Koniglichen Throns. Denn da iſt es mehr als zu wahr/ was der Freund Hiobs Bildadt/ ſaget: Die Hoffnung der Heuchler wird verlohren ſeyn/ denn ſeine Zuverſicht vergehet/ und ſeine Hoffnung iſt eine Spinneweb/ Hiob. VIII, v. 13. 14. Noch andere ſind/ ſo die Mittel⸗Straſſe erwoͤhlen und ſagen: Es ſeye zwar ſehr ſchwer/ ja faſt unmoͤglich ſeelig werden/ in Anſehung der Welt/ des Satans/ und unſers ſchwachen Fleiſches. Gleichwohl ſey es moͤglich durch die Kraff GᷣOtt tes/ der wolle das Seine thun und uns nicht verlaſſen/ wenn wir nur das Ünſerige dabey thun/ und im Chriſtenthum nicht traͤge werden; hie heiſſe es: Hand in Hand; Gott reiche uns ſeine allmaͤchtige Gnaden⸗Hand aus den Wolcken/ damit Er uns ſtaͤrcke und erhalte; der Menſch muͤſſe ſeine Glaubens⸗Hand wieder aus⸗ ſtrecken/ damit GOtt faſſen und ſchaffen/ ſo viel an ihm iſt/ daß er ſeelig werde mit Furcht und Zittern. Mit dieſſen hielte es unſer ſeelige Herr Palm/ wollte aber nicht viel darvon geruͤhmet wiſſen/ ſondern lieſſe folgendes judicium von den Perſona- „lienüͤber: Die Perſonalien konten wohl ihren Nutzen haben/ wann man der Ge⸗ „meine die Warheit ſagte/ und nicht ſo viel heuchelte und ſchmeichelte/ auch wenn „man weder Hochmuth noch Demuth darinn ſuchte/ ſondern ſie zur Warnung ent⸗ „weder/ oder zur Nacheyfferung dienen lieſe; mit was vor einem Sinn ich jetzo die⸗ „ſes ſchreibe/ weiß ich wohl; aber ich bin doch nicht verſichert/ ob nicht ein oder das „ander darunter ſtecket/ GOtt weiß es/ der wolle meinen Sinn von Tag zu Tag „laͤutern/ nichts zu begehren oder haben zu wollen/ als was er will/ und daß ſein „Wille/ er ſeye ſuß oder ſauer/ mir allezeit angenehm/ und anbetens wuͤrdig ſeye. So viel wir ahn gekant haben/ und aus ſeinem Schreiben geſichert ſind/ ſo bielt Er ſich ſelber fur ſeinen groͤſten Feind/ und wurde durch ſteten Kampff Meiſter uͤber ſeine Begierdten und viele Vortheile der Welt/ die andere/ wann ſie die Ge⸗ legenhelt gehabe haͤtten/ nicht wuͤrden hindan geſetzt haben/ wie ſein eigenes Schrei⸗ enlautet: GEmmanuel! Mein indemſelben Mochwertheſter Herr Wetter. Siſt ſo/ Gelegenbeit macht Dieb/ und wer unter den Woͤlffen iſt/ ſolle mit heulen; aber wie mir viel Dings abgeſchmackt/ elend/ blind und bloß vor⸗ kommt/ und zwar von denen Wercken vor welchen ich von Natur einen Eckel/ oder ſie zu laſſen andere Abſichten habe; alſo ſeynd viel Sachen/ die meinem natu- relnaͤher kommen/ die ich nicht ſo apprehendire/ und dahero deſto gefaͤhrlicher; 8 chem nach ich und die mit nur eines Sinnes ſeynd/ den hoͤchſten zu bitten haben/ daß Er mich vor meinem eigenen Geiſt bewahren/ ſeine liſtige Anſchlaͤge mir offenbah⸗ ren/ wider dieſelbe mir neben dem Ernſt auch die Dauerhafftigkeit zum Kampfſ geben/ und mich unter ſeiner Creutz⸗Fahnen üͤberwinden laſſen wolle! Es betrubte Ihn auch nichts mehr als Ungerechtigkeit und Gottloſigkeit der letzten Welt; die Hegung des Boͤſen/ und Hindernuſſe des Guten; ſuchte daher ſeine Seele zur Ausbeute darvon zu bringen. An aͤuſſerlichen Feinden hat Er ſich wohl gerochen mit der ſicherſten Raache/ durch Sanfftmuth/ Nachgeben/ Verge⸗ ben und Fuͤrbitte fuͤr ihre Bekehrung/ Erkantniß ihres Unrechts/ und ewigen Freundſchafft. Bekuͤmmerte ſich aber um den Schaden Joſephs hefftig/ und wunſch⸗ te alles zu verbeſſern/ und fuͤr fernern Riß zu ſtehen. Die Gottsfuͤrchtige hielt Er aller Liebe und Ehre werth. Creutz und Schmach ſahe Er an als ein nothiges 5 ri * ᷣ—'— 2 ˙=7 I Leich⸗Predigt. 93 richt des alten Adams. Die Kranckung des Leibs/ eine Anmahnung zum Auff⸗ bruch/ die Verlaſſung der Welt eine Erreichung des ewigen Lebens; Sem Siech⸗ Bette/ als ein Siegs⸗Bette... Semeletzte Todtes⸗Bereitung aber/ wie ſie neben andern bericht/ iſt von ei⸗ gjem Chriſtlichen Freund aus Wienſſchrifftlich uberſchicket worden/ war folgende; „ Mein Vorhaben iſt anjetzv nicht in der Beſchreibung ſeines Lebens weit⸗ laͤufftigzu ſeyn/ ſondern nur etwas weniges von des Seelig Verſtorbenen recht⸗„ ſchaffener Vorbereitung zu ſeinem Abſchted(wie es dann der Herr/ ſelbige mit⸗⸗ anzuhoren/ und einiger Maſſen etwas mit beyzutragen/ gefuͦget) zu der betrubten„ Puuerlaſſenen Troſt/ wie auch anderer/ die Erſcheinung Chriſti liebhabenden⸗ eelen Erweckung/ zu entwerffen. Dieſe ſeine wahre Vorbereitung zeigte ſich in⸗ ſeinem Verhalten 1.) Gegen ſich ſelbſt. 2.) Gegen den Neben⸗Men⸗“ ſchen/ und 3.) gegen GOTT. „1. Das Verhalten gegen ſich ſelbſt beſtehet darinnen/ daß der Menſch acht auff ſich und ſeine Seele habe/ um dieſelbige zu verſorgen. Hierzu gehoͤret daß wir allezeit zum forderſten unſer Gewiſſen pruffen/ und unſer gantzes Leben,„ examiniren/ wie wir vor GOtt ſtehen/ und bißhero vor GOtt gewandelt haben? umuns/ durch ſolche Pruͤffung unter die gewaltige Hand Gottes zu beugen„ Nleichſannzn nichts zu werden/ damit die Groͤſſe der Gnade GOttes und der Erx⸗ armung IEſu Chriſti deſto uͤberſchwenglicher an und in uns moͤge offenbahr„ werden. Ein ſolches zerknirſchtes und gebeugtes Hertz fande ſich bey dem See⸗„ lig⸗Verſtorbenen/ ohneracht Er wuſte/ daß Er die Gnade GOttes nicht vergeb⸗n lich empfangen hatte; ſo erkante Er doch/ daß Er nicht allezeit diejenige Treue⸗ gegen dem Zug Gottes an ſeiner Scelen/ und gegen ſo viele Gnadenwürckungen„ des H. ‚eiſtes erwieſen/ wie Er wohl haͤtte ſollen und koͤnnen thun. Dahero„ war Er recht eingekehret in die Erkantniß ſeines Elends welche Ihnzu folgenden,, Worten bewog: O Hrr/ wer bin ich/ daß du dich zu mir Untreuen und Undanck⸗,, baren in ſo groſſen Gnaden wendeſt; daß du mich bißher getragen mit groſſer Ge⸗, dult/ und gerichtet mit vielen Verſchonen? Ich bin zu gering aller Barmhertzig⸗„ keit und Treue/ die du an deinem Knecht erwieſen haſt. Du biſt mit mir umge⸗, gangen wie ein Vatter mit ſeinem Sohn/ aber ich habe mich offt von dir gewen⸗, det/ da hatteſt du nun wohl Urſach auch mir den Ruͤcken zukehren; aber ich fliehe,, zu deiner Barmhertzigkeit/ zu welcher alle Glaubige/ Bußfertige/ die im Glau⸗, en an deinen Sohn IEſum Chriſtum zu dir kommen/ einen freyen Zutritt ha⸗„ en/ und bitte: Ach HErr! gehe nicht ins Gericht mit deinem Knecht/ denn vor,, dir iſt kein Lebendiger gerecht. Weßwegen Er auch ſeine Kranckheit nicht als,„ etwas von ungefehr Ihm zugeſtoſſenes/ ſondern als etwas aus der guten Hand ſei⸗„ nes lieben himmliſchen Vatters hergekommenes/ anbey als ein zu ſeiner ſeeligen, Laͤuterung und Pruͤffung heilſam abzielendes Mittel anſahe/ und die verborgene„ Wege und Fuͤhrungen SOttes darunter venerirte und erhebte. Er war verſi⸗„ chert/ daß was GOtt mit Ihme vornahm/ aus keinem Haß geſchehe/ ſondern;, aus bloſſer lauterer Liebe zuͦ ſeinem unſterblichen Weſen weil nemlich dieſes nicht, voͤllig kunte gerettet und recht gereiniget werden/ wo Er in dieſem finſtern Ker⸗,„ cker des Leibs immerzu bliebe. Alſo war ſeine vornehmſte Sorge vor ſeine Seele%, dieſelbe SOtt zu befehlen/ und alſo ihr eine ewige Wohnung zu erlangen. Zu dem,, Ende war ſein liebſter Umgang mit denen jenigen welche mit Ihm von dieſer,, rechten zu Bereitung zum Todt/ von der Eitelkeit dieſer Welt/ und von der Herr⸗, lichkeit der Kinder Gottes in jenem Leben erbaulich redeten. Er ließ ſich zu Be⸗⸗ zeugung ſeiner hertzlichen Liebe zu dem Wort GOttes aus dem Halliſchen Ge⸗,, dngbn ein und das andere geiſtliche Lied/ aus welchem Er etwa bey ſeinen ge lnden Tagen manchen Troſt/ Krafft und Eramerung mag geſchoͤpffet haben 2 94 Chriſtliche „vorleſen/ als: JEſu/ hilff ſiegen/ du Fuͤrſte des Lebens. Jt. Ruhe iſt „das beſte Guth ꝛc. It. Sieh hier bin ich/ Ehren⸗Koͤnig ꝛc. Welche „alle Er mit der innigſten Hertzens⸗Bewegung unter ſtetigen Application auff „ſeinen Seelen⸗Zuſtand anhoͤrte. Er ſuchte hienebenſt auch anderer Gebett und „ Furbitte/ nicht nur als ein Zeugnuß/ daß Er mit gehoͤrte zur Gemeinſchafft der „Heiligen/ ſondern auch/ weil Er ſolches Gebet/ da es im Glauben geſchiehet/ von „groſſer Krafft erkannte. Wann nun vor ſeinem Krancken⸗Bette ans der Fuͤlle „ des Hertzens ein Gebett geſchah/ befande Er ſich jederzeit an ſeinem innern Men⸗ „ſchen ſonderlich geſtaͤrcket/ und erwegte Er auch nach der Hand ein und andere „Worte aus deiſelbigen/ und verwandelte es/ ſo zu ſagen/ in ſein Gebluͤth und „geiſtliche Nahrungs⸗Safft... »Die ſeelige Vorbereitung unſers in GOtt ruhenden Herrn Palms/ „zu einem ſeeligen Ende erhellet vor 2.) aus dem loͤblichen Verhalten gegen „ſeinem Neben⸗Menſchen/ nemlich in der hertzlichen ungeheuchelten Liebe ge⸗ „gen denſelbigen. Rechtſchaffene Chriſten/ wo ſie ſehen/ daß es mnit ihnen zu „Ende gehen will/ ſind begierig/ wo ſie nur koͤnnen/ andere zu vermahnen/ ſie zu un⸗ „terrichten/ und zum Guten antreiben/ mit allem Ernſt und Eyffer. Worinnen „abermahlunſer Seeligverſchiedener ein Chriſtl. Denckmahl ſeines gegen ſei⸗ „nem Neben⸗Menſchen rechtſchaffenen Verhaltens bezeuget; den Anfang machte „Er/ wie billich/ von den lieben Seinigen. Da ich Ihm zeit waͤhrender ſeiner „Kranckheit unter andern das 14. Cap. Johan. vorlaſe/ wurde Er gar kraͤfftig be⸗ „weget durch die Worte verf. 18. Ich will euch nicht Watſen laſſen/ ich konmme „zu euch. Welche Worte Er mit ſonderbahrer Bewegung auff ſeine Frau Liebſte „und liebe Kinder applicirte. Da Er nun bey Fortſehung des Diſcurſes von mir „auff die Worte Elkana zu ſeinem Weibe der Hanna/ 1 dam. I, 8. gewieſen wur⸗ „de/ da Er prach: Bin Ich dir nicht beſſer den 10. Soͤhne? Der liebe him̃⸗ „liſche Vatter werde den lieben Seinigen mehr ſeyn als 10. Maͤnner und als 10. „Vaͤtter/ ſagte Er: Ja ich bin des in gewiſſer Zuverſicht/ daß der liebe GOtt ſich „ihrer treulich und vaͤtterlich annehnien werde. Wie nun ein glaubiger Chriſt/ „je naͤher Er ſich ſiehet dem Ende zu ſeyn/ je mehr bemuͤth Er c gleichſam alle „Augenblickzu ſeines Neben⸗Menſchens Beſten anzuwenden. So thaͤt auch un⸗ „ſer Seeligverſtorbene. Erberuffte ſeine zwey Herrn Soͤhne/ und ertheilte „ihnen nebſt beygefugten herrlichen Ermahnungen/ wie ſie ſich gegen ſich ſelbſt/ ge⸗ „gen ihren Neben⸗Menſchen/ gegen die Frau Mutter und Herr Vettern/ und ge⸗ „gen Gott/ nemlich zuͤchtig/ gerecht und gottſeelig ſolten verhalten/ ſeinen vaͤtter⸗ „lichen Seegen. »Weil auch zu dem rechtſchaffenen Verhalten eines Chriſten gehöͤret „in dem Zeitlichen eine ſolche Richtigkeit zu machen/ daß nach ſeinem „Todt keine Gelegenheit zu einigem Streit oder Mißverſtandniß übrig bleibe; „ſo finden wir abermahls Urſach auch dißfalls die gute Diſpoſition des ſeeligen „Herrn Palms zu preiſen. „Sonderlich gehoͤret zur wahren Vorbereitung des Todtes in Anſehung des „Neben⸗Menſchen/ daß wir allen und jeden Menſchen alles und jedes Un⸗ „ recht/ ſo uns Zeit Lebens von demſelbigen angethan worden/ willig „vergeben/ und auch ſolches begierlich bezeugen/ ſintemahl keine Seele GOtt „gefaͤllig abſcheiden kan/ welche einigen Widerwillen und Groll mit ſich von Got⸗ „tes Thron bringt. Worinnen abermahl unſer in GoOtt ruhender ein herrlich „Zeugnuß ſeiner guten Bereitſchafft zum Todte abgeleget/ daß Er nemlich gegen „alle Menſchen eine hertzliche und auffrichtige Liebe/ und alſo gegen keinem Men⸗ „ſchen in der Welt et was Widriges habe. Die ——— AO—(— Leich⸗Predigt. 95 Die rechtſchaffene Vorbereitung unſers theuren Herr Palms erhellet“ letzlich ausſeinem treuen Verhalten gegen GOtt. Da habe bey demſelbigen gefunden einen wahren lebendigen Glauben. Es iſt bereits in dem erſten Theile⸗ gemeldet worden/ wie inniglich Er ſich bey der Erkantniß ſeines Elends an die“ Barmhertzigkeit GOttes in Chriſto IEſu gehalten; dieſen ſeinen Glauben als ein rechtes Weſen und„earn in Ihm/ hat Er durchgehends bezeuget/ daß Er ſich“ nichts anders zu getroͤſten haͤtte als des aus heiſſer Liebe vor Ihm vergoſſenen“ Blutes IEſu Chriſti/ mit Verlaͤugnung und Hindanſetzungaller eigenen Ge⸗“ rechtigkeit. Ich erinnerte Ihn eines mahls der Treue GOttes aus Phil. I, 6. 1. Theſſ V, 24. daß Er diejenigen/ die Er einmahl ergriffen/ nicht ſo geſchwind laſee ſe aus ſeinen Haͤnden reiſſen. Owie innig und feſt hielt Er ſich an dieſes attribu- tumoder Eigenſchafft GOttes! Ich/ ſprach Er/ bin gewiß/ daß der treue GOtt? auch ſeine Treue an mir beweiſen/ und mich in der einpfangenen Gnade biß ans, Ende erhalten werde. Er hat geſagt/ fuhr der Seelige fort/ Ich will dich nicht verlaſſen oder verſaͤumen. Ey wie wolte Er dann an mir erſt den“ Anfang machen. Ich bin gewiß/ daß weder Tod noch Leben/ weder Gegenwaͤr⸗ tiges noch Zukuͤnfftiges mich ſcheideu mag von der Liebe GOttes in Chriſto JE⸗ ſu/Rom. VIII. Meinen JEſum laß ich nicht ꝛc. welche Worte Er ſehrofft zu⸗ wiederhohlen pflegte/ ich bleib an Ihm als eine Klette am Kleid behangen. Ich“ bin/ ſagte Er weiter/ ein lebendiger Reben an dem Weinſtock IEſu Chriſto. Ich“ bin ein Gliedan ſeinem Leib/ des troſt ich mich von Hertzen/ von Ihn ich unge⸗“ Heden bleib/ in Todes⸗Noth und Schmmertzen/ c. Ich weiß daß ich ein Kind⸗ SOttes und Erbe des ewigen Lebens bin/ der H. Geiſt/ der das Pfand und Siegel⸗ meines Erbes iſt/ ſchreyet unablaͤſſig: Abba/ lieber Vatter! und alſo iſt an unr⸗ nichts verdammliches/ weil ich in Thriſto IEſu bin/ Rom. VIII, 1. Wer will⸗ mich Weſagen oder beſchuldigen? Chriſtus iſt hie der geſtorben und aufferwecket iſt. Da ich ihme eines mahis das 17. Cap. Joh. vorlaß/ und dabey anmerckte/ wie“ dieſes hoheprieſterliche Gebet auch ihn angehe/ wie der HErr IEſus/ als der mitlei⸗ dige und allenthalben wohlverſuchte Hoheprieſter auch jetzo/ da Er zur rechten Hand HOttes erhoͤhet ſey/ vor ihm bette/ und ſeine Noth ſeinem himmliſchen Vat⸗“ ter vortrage/ da ſprach Er: Ja/ das glaube ich gewiß/ wir haben an Chriſto gar zu“ einem mitleidigen Heyland/ ich weiß auch/ daß der H. Geiſt bey GOtt mich ver⸗“ tritt mit unaus prechlichen Seuffzen. Es wurde Ihme auch mancher ſuͤſſer Blick in die offene Seiten und Wun⸗⸗ de ſeines Heylandes JEſu Chriſti vergoͤnnet; Er ſahe gleichſam un Geiſte ſein aus heiſſer Lieb vergoſſenes Blut aus ſeinen Adern rinnen. In dieſe offene. Seiten und Wunden fiohe Er gleichſam als eine ſchuͤchterne Taube/ und war⸗ Ihme eben als wann Ihm ſein Heiland zurieff aus Hohel. 1. Komm mei⸗ ne Taube/ in die Felßloͤcher in die Steinritzen. Als Er am Char⸗. Freytag gegen dem Abend in einem hefftigen Paroxyſmo lag/ erinnerte ich!. hn/ diß waͤre eben die Stunde/ in welcher ſein Heyland Kon laͤngſt aus⸗ iebe vor Ihn ſein Leben gelaſſen; drum ſollte Er auch in dieſer Ereutzes⸗⸗ Stunde ſeinem Gott geduſtig aushalten/ und glauben/ daß es zu einem guten⸗ Ende werde ausſchlagen/ da ſprach Er: Ach ja/ mein Heiland wird⸗ mir helffen uͤberwinden/ Ich halte mich an Ihn/ und will Ihn. nicht laſſen. Gleich wie ſich fein ein Voͤgelein in hohle Baͤum verſtecket/ ꝛc.“ Ich fragte Ihn/ warum dann der HErr IEſus am Creutz ſeine beyde Arme auß⸗“ geſpannet hatte? Da antworte Er mir/ es waͤre deswegen geſchehen/ daß E 8 alle Müͤhſeelige und Beladene in ſeine Liebes⸗Arnie indchee. einfuſſeu — Fhriſtliche— „wie Er ſie ſelbſten ſo liebreich lockete Matth. XI. und Joh. XII, 32. Wann vich erhoͤhet bin von der Erden, will ich ſie alle zu mir ziehen. 81 „ Serner auſſerte ſich die wahre Vorbereitung unſers Seeligverſtorbenen zu „ſeinem Tod in der Gelaſſenheit und willigen Ergebung in den Wil⸗ »len GOttes. 25 „ Es befande ſich bey Ihm das gedultige Leiden der Schmertzen/ und Be⸗ „ſchwerden ſeiner Kranckheit/ Er murrete nicht darwider/ ſondern war damit „wohl zu frieden/ eingedenck/ daß Er ſo wohl dieſelbe/ als nun nach dem Ab: „ſchied die ewige Feuer⸗Qual wohl verſchuldet haͤtte; Was es vor eine Guade „ſey/ daß der Hunmliſche Vatter dieſe Ihm gar erlaſſen/ und daß ſolch Leiden „Hitz/ Schmertzen und dergleichen als ein Feuer ſey/ damit der HERR bereits vin dieſem Leben die Seele von vielem ſundlichen Unrath reinige/ und gleichſam »ausbrenne da ſie ſonſt vielleicht noch nicht in dem Stand waͤre/ vor dem »HErrn würdiglich zu erſcheinen. Denn es gehoͤret einmahl das Leiden und „ſolche Schmertzen zu dem verweſen des aͤuſſerlichen Menſchens/ damit der innerliche immer mehr erneuert werde 2. Cor. IV, 16. Dannenhero unter⸗ „warff der Seelige allezeit ſeinen Willen dem Willen ſeines Himmliſchen Vat⸗ 5 dan und ſprach mit Chriſto: Vatter nicht mein Will/ ſondern dein Will ge⸗ „ſchehe. „ AnN dieſer ſeiner Glaubens⸗Freudigkeit noch mehr ſich zu beſtaͤrcken gebrauch⸗ „te Er die zu ſolcher Staͤrckung noͤthige Mittel/ das Wort GOttes und „das Heil. Abendmahl. Es iſt leider! bey den meiſten/ die ſich Chriſten „nennen/ dahin gekommen/ daß ſie meinen wann ſie ſich mit dem Heil. Abend⸗ „mahl vor ihrem Ende verſehen laſſen/ ſo ſey Ihnen diß bloß auſſerliche Werck/ „oder opus operatum, ſchon ein Zehr⸗Pfenning in dem Himmel/ ſie mochten „wahre Buße gethan haben oder nicht, ſie moͤchten in einem Zuſtand ſeyn da⸗ „rinnen ſie wollten. Aber bey unſerm Seeligverſtorbenen war es kein ſolcher „Aberglaube/ Er brauchte es noch in einem ſolchen Stande/ da Er den Tod „des HExꝛn/ oder ſeinen Gehorſam/ Leiden/ Sterben und Verdienſt verkuͤn⸗ „digen/ oder durch ſolche Erinnerung ſo wohl/ als die Krafft des Leibes und Bluts „Chriſti ſelbs ſeinen Glauben ſtaͤrcken konnte. Da ward es Ihm zum rechten „Zehr⸗Pfenning/ wir es die Alten genennet/ mit welchem Er durch das fin⸗ „ſtere Todtes⸗Thal ſicher durchwandern koͤnnen. „ Darauf folgte dann letzlich ein hertzlich Sehnen und Verlangen „nach der Ewigkeit/ nicht zwar aus Verdruß des Lebens oder der hefftigen „Hitze und Leidens/ ſondern aus hertzlicher Liebe zu ſeinem GOtt und Hei⸗ „land JEſum Chriſtum. Welches Verlangen ſich ſonderlich zeigete; als ich „Ihm aus 2. an die Corinth. das 5. Cap. vorlaß. Da ſprach Er: Ach wie a gerne moͤchte ich auch daheim ſeyn/ und meine Wallfahrt zu vollenden! Wie „der Hirſch ſchreyet nach friſchem Waſſer/ ſo ſchreyet meine Seele 1 „GOTS zu dir. Pf. XLII. und mit der Braut Offenbah. XXII. ult. Amen „ja komm HEr: JEſu! komm bald; Komm du ſchoͤne Freuden⸗Crone bleib „nicht lange/ deiner wart ich mit Verlangen. Da Ihm das Lied: Sieh hier bin ich Ehren⸗Koͤnig ꝛc. und aus denſſelbigen der letzte vers(DieſerZeiten „Eitelkeiten/ Reichthum/ Wolluſt/ Ehr und Freud/ ſind nur Schmer⸗ „tzen meinem Hertzen/ welches ſucht die Ewigkeit. Laß dich finden/ groſ⸗ „ſer GOtt ich bin bereit) vorgeleſen wurde/ empfand ſeine Seele abermahls . eine — 42*— ———9 Oõᷓs(Q—- . Kiich⸗ Predigt. N eine kraͤfftige Ruͤhrung/ alſo daß Er uselif: Ach ſo komm doch mein JEſu/ ich bin bereit) die Lenden ſind umguͤrtet/ die Lampen hat noch Oele. Ach! wie⸗ lang/ ach lange iſt dem Hertzen bange/ und verlangt nach dir! Vatter in. deine Haͤnde befehl ich meinen Geiſt/ du haſt mich erloͤſet/ HErꝛ⸗ du getreuer GOtt! und in dieſer ſeeligen Bereitſchafft ſtunde der theure. Knecht GOttes/ als eine geſchmuͤckte Jungfrau biß gegen 12. Uhr am H. Char⸗⸗ Freytag/ da der Himmnliſche Braͤutigam kam/ und die geliebte Seele heim nuͤſet ohne Aufhoͤren/ und vor dem Stuhl GOttes und des Lamms/ bey dem⸗ aͤſernen Meer) ſamt allen von der Erden erkaufften auserwaͤhlten Erſtge⸗⸗ bohrnen ein ewiges Hallelujah und Triumph Lied anſtimmet. IEſus Chri⸗. ſtus der Fuͤrſt und Hertzog des Lebens/ der dem Tod die Macht genommen/ und denen Glaubtgen Leben und unvergaͤngliches Weſen wiederbracht hat/ ſey ge⸗⸗ preiſet vor alle dem Seeligverſtorbenen ewieſene Barmhertzigkeit und Treue;⸗ r lehre uns durch ſeinen Heil. Geiſt ſtets gedencken an unſern Abſchied gus⸗ der Zeit/ damit wir uns bereiten zu der Ewigkeit. Er erquicke die betruͤb⸗⸗ te Hinterlaſſenen mit ſeinem Gottlichen Troſt/ und ſey ihr Mann/ Vat⸗ baa in das rechte Hochzeit⸗Hauß/ allwo ſie nunmehro Freude und Wonne“ ter/ Bruder/ ja alles in allem/ daß ſie alſo in Ihm/ auch ſchon in dieſer⸗ Zeit finden Leben und volles Genuͤgen/ und ſamt dem Seeligverſtorbenen un⸗« verrct an Ihm hangen biß ans Ende/ und dort ſein Angeſicht ſchauen in⸗ igkeit! 3 Iſt alſo nun dieſes die Summa ſeiner Meinung: O Seeligkeit! O groſſe Freud! hier iſt gut ſeyn in Ewigkeit; allhier im rechten Vatterland/ wo JEſus ſitzt zur rechten Hand. Allwo die Freud kein Ende hat: Hier iſt gut ſeyn in die⸗ ſer Stadt/ die mit Rubinen ausgeſchmuͤckt/ und heller als Demanten blickt. Ach lach du arme Welt/ was iſt dein Gut und Geld hier gegen dieſe Cronen/ und mehr als guͤldene Thronen/ die Chriſtus hingeſtellt dem Volck das Ihm ge⸗ faͤllt? Hier iſt der Engel Land: der Seeligen Seelen⸗Stand: hier hoͤr ich nichts als ſingen: hler ſeh ich nichts als ſpringen: hier iſt kein Creutz/ kein Leiden/ kein Tod/ kein buteres Scheiden. Aber zuvor hieß es: Es gibt mir doch diß Leben keine Ruh: der erſte Tritt/ den ich zur Erden thn der ſtellet mich ſo manchem Feind entgegen: Ich ſehe Streit vor mir auf ¶ len Wegen.—— 1 Ich ſchwure ja/ mein Hertzog/ IEſu/ hier/ mein General/ zu deinem Streit⸗ Panier. Mir lieſſeſt du das Chriſten⸗Orden⸗Zeichen/ das rothe Creutz/ in meiner Tauffe reichen. t Bald zogſt du mir des Geiſtes Waffen an/ das Schwerdt/ dein Wort/ ich in die Fauſt gewan/ den Schild am Halß aus Glaubens⸗Gold formiret/ ich trag an mir/ was deine Nitter zieret. 9. Ich bilde mir die faule Ruh nicht ein: Ich bin geruͤſt es muß gefochten ſeyn/ haſt du nicht ſelbſt/ mein HErꝛ/ dich muͤd geſtritten? Sollt ich/ dein Knecht/ er⸗ waͤhlen traͤge Sitten? 9. 84 Noth oder Tod/ ſo rufft ein gut Soldat/ der Krafft im Arm/ und Hertz im Hertzen hat. Er ſucht dem Feind ſich/ wer Er iſt/ zu weiſſen. Sollt nicht ſo keck ein JEſus⸗Ritter heiſſen?: 9 8 1 Woͤ find ich Feind? ach derer mehr als viel! dort bruͤllt ein Loöw/ der mich verſchlingen will; der Hoͤllen⸗Hund/ der Wolff/ der alte Drache; Mit Feuer fuͤllet Ihmn den Rachen GOttes Raache. 1 Hiier fuͤhret auf der Welt⸗Fuͤrſt ſeine Welt: Ein gantzes Heer ſteht wider ich zu Feld. Ihr Zorn und Haß/ ihr Neid/ ihr Hohn und Luͤgen/ die Waffen ind/ womit ſie mnich bekrregen.„ a. q h —————— 98 KChriſtliche Was ſuch ich Feind? Ich find ihr ſelbſt in mir. Mein ſuſterns Fleiſch auf⸗ ruͤhret fuͤr und fur. Begterd nach Gut/ nach Wolluſt und nach Ehren/ ſich wider Geiſt und Seele ſtets empoͤren. 6OT ſelbſt an mir zu pruͤffen die Gedult/ in Ungnad offt verſtellet ſeine Huld. Der letzte Feind/ der Tod) ſteht mit dem Bogen/ hat gegen mich die Se⸗ nen angezogen. Fleiſch/ Hoͤll und Welt mag kommen auf den Plan: Ich trett getroſt den Kampff der Chriſten an/ mit Chriſtus Huͤlff. Wie arm auch mein Vermogen; will ich doch nicht die Waffen niederlegen. Du wirſt mir Krafft/ HErꝛ JEſü/ theilen mit: Wenn mit dem Feind ich nur nicht mache Fried: ob ich erlieg/ ſo haſt du doch geſieget. Wie ſchwach ich kaͤmpff/ der Wille dich vergnuͤget. Ich halte ſtill’ bekaͤmpfft mit GOtt und Tod. Gott ſucht mein Heyl: der Tod/ als SOttes Bott/ zum Abdanck⸗Platz mich fuͤhrt/ zu GOttes Tirone/ da wart auf mich die guͤldne Sieges⸗Crone. Ach ſchoͤne Cron in meines HErrn Hand! Wen ſeh ich dich dortin der Engel⸗ Land? Kaͤmpff meine Seel/ lauff an/ und halte Glauben/ ob Blut und Suͤnd dir unter Augen ſtauben. Wohl mir! wenn ich den guten Kampff gekaͤmpfft/ menn meine Feind jetzt alle ſind gedaͤmpfft. O ſuͤſfe Muͤh! die ſo zur Ruhe fuͤhret. O ſeelige Seel! wenn dich die Crone zieret! Mit dieſen letztern wollen auch wir es halten/ und was uns aus eigenen Kraͤfften zu ſchwer/ ja unmoͤglich/ ſuchen in der alles leicht machenden/ und Ver⸗ moͤgen gebenden Krafft Chriſti zu erlangen und auezurichten/ zu GOttes Lob; in der Verſicherung/ daß auf ein ernſtliches Ringen ein ſeeliges Vollbringen/ auf den Krieg/ der Sieg/ auf den Streit die Beut/ auf den Lauff die Ruhe und Seeligkeit/ auf das Jagen das Ergreiffen erfolgen werde; und alſo das Jageu/ Lauffen/ Kaͤmpffen/ nicht werde ewig/ der Beſitz/ Genuß/ Freude aber und Ver⸗ Wügen werde unendlich ſeyn. Das macht den Gerechten im Tod getroſt. Prov. IV, 32. Er ſiehet auch mit einem Aug an die Belohnung/ Hebr. XI. daß es nicht ewig werde kaͤmpffens und Lauffens Helten ſondern eine ewige Ruhe vor⸗ handen ſcye fuͤr das Volck der Rechten GSttes/ und eine ſtoltze Ruhe und Zeit der Erquickung fuͤr dem Angeſicht des HErꝛn/ da kein Feind/ kein Leid/ kein Ge⸗ ſchrey mehr ſeyn werde. Apoc. XIV. Da wird es bey einem geplagten Moſes und Hiob/ bey einem herum getriebenen David/ und wider Vernunfft und Hoffnung glaubenden Abrahain recht heiſſen: Ich habe einen guten Kampff ekaͤmpfft/ ich hab den Lauff vollendet ꝛc. Die vorige Muͤhe/ Gefahr und Truͤb⸗ maat iſt nicht werth der Herꝛlichkeit/ die au uns ſoll offenbahret werden. Rom, VIII. Es iſt uns die Helffte von ſolcher Himmliſchen Salomoniſchen Herꝛlich⸗ keit nicht geſagt worden. Dann/ wann an groſſer Herren Hofin/ ſchreibt eine gelehrte academiſche Feder/ Inveſtituren/ Lehn⸗Enipfangungen/ Ritterſchla⸗ gungen fuͤrgehen/ was Pomp und Solennitaͤt/ zulauffens und Schau⸗Begierde iſt da? was fuͤr Magnificenz wird denn in dem actu ſeyn/ wenn ſo viel 1000. Candidaten von der Hand des HEran das ewige Reich und die ſchoͤne Crone empfangen werden? was fuͤr ein Panegyricum von gecroͤnten Haͤuptern wirds da abgeben? gegen welchem actu alle inthroniſirung hoher Welt⸗Potentaten lauter Dockenwerck/ ein eitles zu rechnen ſeyn. Muͤß man ſchon vor der Croͤ⸗ nung/ als ein geſalbter David viel Ungemach ausſtehen; Mit Jacob/ nach er⸗ langtem Recht der Erſtgeburth/ noch viel Jahre dienen; ja den Raub aller zeitlichen Guͤter erdulden. Hebr. X. So hat mans doch gegen jener Herzichteir und ſeeligen Ewigkeit fuür Koth/ fuͤr einzele Tage zu achten/ Gen. NXXIX. und wird man alles vorigen Leidens wegen der uͤberſchwenglichen Freude nicht neßr * geden⸗ 1111 ————.r·ͤ ͤsͤͤ ͤ— ͤnsS—— — Leich⸗Predigt. 99 gedencken. Joh. XVI. Si menaces nautis pelagi fluctus, ſi tempeſtates& hye- mes agricolis, ſi vuinera& cædes militibus, ſi graviſſimi ictus plagæque pu- gilibus leves videntur,& tollerabiles ſunt, propter ſpem temporalium& pereuntium commodorum; multo magis cum cœlum præparatur in præmium, nihil ex præſentibus aſperitatibus debet grave cenſeri. Chryſoſt. in Matth. VII. Tom. e 230. Ol wie wird man ſich freuen/ daß man ſo vieler Muͤhſeeligkeit entgangen! wie wird man ſich wundern/ daß man dem Eitlen ſo lang koͤnnen anhangen; wie wird manim herrlichen Sieg vor GOtt prangen; wie wird man die fur thoͤricht/ die nicht darnach trachten/ und unſeelig halten/ die nicht dahin gelangen; Owie wird man die Welt ſo gern um den Himmel geben/ Gold gegen GOtt fuͤr Koth wegwerffen/ alle Arbeit und Truͤbſaalen fuͤr viel zu gering achten gegen der genüͤſſenden Herr⸗ lichkeit; und wird das/ was ſo ſauer errungen worden/ nur deſto hoher geachtet/ und GOtt deſto freudiger gelobet werden. O! was wirds auff dem Todt: Beit fur ein leichtes Sterben geben/ wie wird der Abſchied ſo freudig die Auffloͤſung ſo an⸗ genehm/ die Heunhohlung ſo erwuͤnſcht ſeyn/ wenn es in Warheit heiſſen wird: Nun hab ich uͤberwunden/ Angſt/ Leiden/ Creutz und Todt. Dann wird man/ wenn auch der abgemattete Leib nach der Ruhe im Grab zum ewigen Sabbath und Verklaͤrung wird gelangen/ ohne Sunde/ ohne Muͤhe/ ohne Sorge/ ohne Gefahr/ ohne Leiden in vollkomniener Gerechtigkeit und Heiligkeit ſtehen/ mit der Crone des Lebens im koͤniglichen Schmuck prangen/ uͤber alle Feinde triumphi⸗ ren/ und vor Freuden jubiliren. Wer kan hier ohne Hertzens⸗Bewegung daran dencken/ wie Chriſtus ſchon mit ausgereckten Arm die Crone darhalte/ begierig ſeye ſelbe den Siegenden auffzuſetzen/ und ihre Treue zu loben /und aus Gnaden zu be⸗ lohnen. Dann wirds heiſſen: Komm/ willkomme! dann wirds an ein Küſſen gehen/ was ich dir geſagt du Fromme! Siehe/ iſt es nicht ge⸗ ſchehen? biſt du nun nicht Engel⸗rein? koͤnnt der Himmel ſchoͤner ſeyn? bin ich/ GOtt/ nicht lauter Liebe? Iſt auch was/ das dich be⸗ truͤbe? Ol was Freud/ was vor Ergoͤtzen muß ſeyn in der Seelig⸗ keit? uͤber das/ was davon ſchwaͤtzen/ wir in Schwach⸗und Dunckel⸗ heit/ tauſend/ tauſend/ tauſendmahl/ ſchoͤner wirds ſeyn uͤberall. Koͤnt man doch nur Flügelkriegen/ und gleich jetzt ſo bald hinfliegen! Mit dieſen Worten troͤſtet euch unter einander/ und gedencket: Iſt der ſeelig Abgeſtorbene gekroͤnet/ warum beweinen wir Ihn noch/ da Er nun trium⸗ phiret/ jauchzet und jubiliret? Was dencken wir/ daß wir uns wegen deſſen ſo muͤhſeelig machen/ der ſo ſeelig iſt? ſprichſt du: Ich beweine nicht den Seeligen/ ſondern mich Elenden. Eyſo ſiehe zu/ daß durch Eigenwillen dir nicht niederge⸗ ſchlagen werde die lebendige Hoffnung Ihn gleich zu werden/ und der Trauer⸗ Geiſt dir nicht das Ziel verrucke/ und den Deinigen das Verlangen nach dir nicht fehle; weilen ſie doch nicht werden vollendet werden ohne dich; und dencke/ daß der Geliebte allen Nachgebllebenen zuruffe: Uber ein Kleines werde ich euch/ und ihr mich wieder ſehen/ und unſere Hertzen werden ſich in GOTT und vollkommener Liebe ewig freuen. Nun/ Danck ſey dir/ Err IEſu/ daß du durch dein Wort und Geiſt uns unterrichten und erinnern wollen unſerer Pflichten/ und mit Verheiſſung ewiger Belohnung der Treue uns neuen Muth zumtapffern Ringen und feeligem Vollbringen in gehei⸗ ligten Chriſten⸗Kampff und Lauff geben wollen; Ja Dans . ey 100 Chriſtliche ſey dir/ du Anfanger und Vollender des Glaubens/ daß du abermahl ein Chriſtliches Mitt⸗Glied unſerer Gemeinde haſt/ nach ſchwerem Kampff und Leiden/ zum erwuͤnſchten Ziel und Sieg gelangen laſſen/ und uns eine Probe gezeiget/ wie deine SGOttes Rrafft in den Schwachen ſo maͤchtig/ die Verſuchun⸗ gen ertraͤglich/ die Arbeit und Leiden nur zeitlich/ und die Heim⸗ hohlung ſo ſeelig ſeye. Ach! laß diß Wort der Ermahnung auch an unſerer aller Seelen dergeſtalt geſegnet ſeyn/ daß wir alle in Betrachtung des ruckſtelligen Lebens kurtzer Zeit/ und bereits ſo viel hingeſtrichener Gelegenheit/ einen ernſtlichen Vor⸗ ſatz faſſen bey dem herrlichen Exempel manches tapffern Dor⸗ gaͤngers/ der Welt vollig zuentgehen/ und uns in die Schran⸗ cken des gottlichen Beruffs begebende/ in ſelbigen/ mit erbette⸗ nen Kraͤfſten/ uns zu erweiſen als rechtſchaffene Streiter eines ſo groſſen Zelden; und daher mit unermuͤdetem Lauffen und Kaͤmpffen nach dem vorgeſteckten Ziel und Kleinod des ewigen Lebens ringen/ und nicht nachlaſſen/ biß wirs ergreiſſen/ und in vollem Genuß des Lebens dich ewiglich lieben/ loben/ dienen/ dancken/ und triumphirend ausruffen moͤgen: Tod/ woiſt dein Stachel/ Hoͤlle/ wo iſt dein Sieg? GOtt aber ſey Danck/ der uns den Sieg gegeben hat/ durchunſerm HErrn JIEſum Chriſtum/ Amen. PERSO- PERSONALIA 101 ☛ all. PERSONALIA. ,8 hat es dann dem allweiſen und wunderbahren —Gott gefallen/ auch unſern ſeeligen Heren Palm durch einen unvermutheten Hintritt aus dieſer Welt u ſich zu fordern/ an ſtatt Derſelbe ſein werthes Vatterland wieder zu ſehen/ und ſein Leben allda zu beſchlieſſen gehoffe hatte/ welches Er allhier vor ſo. Jahren empfangen/ da Deſſen Geburt Anno 1660. auf den 27. Martii eingefallen/ und zwar von wohlbenahmſten Eltern/ indem deſſen Herꝛ Vatter geweſen/ Herꝛ Johann Heinrich Palm/ der Röm. Kaͤiſerl. Majeſtaͤt reſidirender Rath und hochanſehnlicher Verburgerter allhier/ die Frau Mutter aber Frau Anna Catha⸗ rina/ weiland Herꝛn David Mauchards vieljaͤhrigen hochverdien⸗ ten Burgermeiſters allhier Seel. Frau Tochter/ welche beede diß ihr liebes Kind ſo gleich zu dem Bad der Wiedergeburth befoͤrdert/ und zu Tauff⸗Gezeugen erbetten/ Herꝛn Johann Leonhard Kreide⸗ mann hochverdienten Burgermeiſter allhier/ auch Frau Eliſabe⸗ tha/ ehmahlen Herꝛn Georg Friedrich Wagners vortrefflichen syndici und hernach Herꝛn Balthaſar von Rhau V. J. Doctoris und hochanſehnlichen Burgermeiſters allhier/ Frau Eheliebſtin/ welche Ihne darbey vertretten/ und in ſeinem Namen den Gnaden⸗Bund mit GOtt geſchloſſen haben;* Worauf dann jetzt wohlgedachte deſſen liebe Eltern ihre meiſte Sorge ſeyn laſſen/ wie Sie ſolch ihr liebes Soͤhnlein Chriſtlich aufferziehen moͤchten/ maſſen Sie Ihne ſo wohl zu Hauß zu al⸗ lem Guten angehalten/ als auch in den Schulen in anſtaͤndigen Wiſſenſchafften unterrichten laſſen/ ſonderlich aber die wahre Got⸗ tesfurcht/ als den Grund aller andern Tugenden Ihme wohl ein⸗ gepraͤget haben/ biß Er ſo weit erwachſen/ daß Er nach ſei⸗ ner ſelbſtigen Erwählung die Kauffmannſchafft zu ergreiffen/ Luſt getragen/ wie Er dann Anno 73 nacher Ulm zu etaniten c 104 PERSONALIA und beruͤhmten Kauff⸗Leuthen/ nemlich Herren Johann Daniel Fingerlin und Bunt ſich begeben/ und bey denenſelden/ obſchon un⸗ ter anfaͤnglichen zimlich harten Strapazzen biß Anno 1681. geblieben/ anbey aber einen trefflichen Grund zum kuͤnfftigen Stabiliment geleget/ auch Krafft ſeines guten Teſtimoni ſich allda redlich und ehrlich aufgefuͤhret hat/ wobey Er inſonderheit dem lieben GᷣOtt gedancket/ daß derſelbe Ihn von vielen gefäͤhrlichen Anſtoͤſſen/ ſonderlich vor boͤſer Geſellſchafft gnaͤdiglich behuͤtet habe; zu Er⸗ langung weiterer Experientz nun hat Ihne ſein lieber Herꝛ Vat⸗ ter Seel. in obgedachtem Jahr mit ſich nacher Wien genommen/ und ſelbigen dem Herꝛn Jacob Garben/ der Roͤm. Kaͤiſerl. Ma⸗ jeſtaͤt und Ihro Koͤnigl. Majeſtaͤt in Pohlen reſpective Hof⸗ Und Cammer⸗Jubilier auch Niederlags⸗Verwandten daſelbſt recom⸗ mendirt/ bey welchem Er ſich einige Zeit aufgehalten/ und her⸗ nach mit Rath und That ſeines geliebteſten Herꝛn Bruders/ Herꝛn Johann David von Palm als dermahligem Roͤm. Kaͤiſerl. Ma⸗ jeſtaͤt wuͤrcklichen Hof⸗Cammer⸗Raths/ General-Commifſäriar⸗Amts Directtoris Und geheimen Referendari, nicht allein mit wohlgedach⸗ tem Heren Garb in eine Handlungs⸗Compagnie eingetretten/ ſon⸗ dern ſich auch Anno 1686. den 16. April. in eine Blutsverwand⸗ ſchafft mit Ihme eingelaſſen/ allermaſſen Er deſſen damahlige Jung⸗ fer Stieff⸗Tochter/ Sophia Catharina/ dero leiblicher Herꝛ Jatter Seel. Herꝛ Valentin Lattermann Kaͤiſerl. Niederlags⸗Verwand⸗ ter zu Wien geweſen/ in erwehntem Jahr geehlichet/ welche dermah⸗ len als hochſtbetruͤbte Jrau Wittib den unverhofften Todfall ihres liebſten Ehe⸗Gemahls deſto ſchmertzlicher beweinet/ je vertrauter und hertzlicher ihre miteinander beſeſſene 24. Jaͤhrige Ehe gewe⸗ ſen/ und je inniglicher Sie bekannter maſſen einander geliebet/ ja je mehr Truͤbſalen Sie in der Stille und wahren Gelaſſenheit zu GOtt mit einander erdultet/ und dadurch ihr rechtſchaffenes Ehe⸗ Band je laͤnger je mehr befeſtiget haben; jedoch kan Derſelben zu ſonderbahrer Conſolation gereichen/ daß der Seelig⸗Verſtorbene auch ſeines gleichen hinter ſich gelaſſen/ indeme aus gemeldter Ehe zwar§. Söhne gezeuget worden/ darvon aber nur drey ſich am Leben befinden/ nemlich die zwey aͤltere Herren Johann Hein⸗ rich und Frantz Gottlieb/ welche ſich ebenfalls der Handlung er⸗ geben/ und ſich beeyfferen in ihres Seel. Heren Vatters Fuß⸗ ſtapffen zu tretten/ der Juͤngere Namens Leopold Carl aber ſich noch bey der Frau Mutter befindet/ und ein wohl geartetes Kind von guter Hoſfnung iſt/ auf welche alle der HErꝛ den Vaͤtterli⸗ chen Seegen wolle ruhen laſſen! Den Lebens⸗Lauff unſers Sect erꝛn — — 2 ☛— 2——εʃ ꝙ— 2 +—— △‿‿ +(‚BVBB PERSONALIA. 105 Herꝛn Palms aber etwas weiter fortzufuͤhren ſo hat derſelbe An⸗ no 1690. als ſich der Handlungs⸗Contract mit offt beruͤhrtem Herꝛn Garb Seel. nicht ohne merckliche Vermehrung ſelbigen Ne⸗ gotii geendiget/ mit Herꝛn Iſaac Mondent Seel. Frau Wittib ein Neues ſtabilirt/ und ſelbiges durch GOttes Seegen/ welchen Er augenſcheinlich empfunden/ und dafuͤr GOtt mit ſtetem Lobe gedancket/ dergeſtalten eingerichtet/ daß Er zu deſſen Fortpflan⸗ tung auch ſeine beede Herren Bruͤder Jonathan und Franciſcum nach und nach zu ſich genommen/ welche ſich ſo fort mit Ihme afſocürt) Und biß anjetzo in rechtſchaffener Bruͤderlicher Treu und ſtetiger Harmonie getebet haben; Zwiſchen ſolcher Zeit nun wurde Er um ſeiner ſonderbahren Erfahrenheit/ von GOTT verliehenen guten Talents und aufrichti⸗ gen Liebe willen zu ſeinem Vatterland/ von einem Hoch⸗Edlen Ma⸗ giſtrat wohlbedacht/ und zu beſondern Ehren⸗Stellen gezogen/ allermaſſen derſelbe Anno 1694. in den kleinen Rath aufgenom⸗ men/ darauf als Caſten⸗Pfieger erwaͤhlet/ hernachmahls aber als Kriegs⸗Depuratus Und ſolcher Steur⸗Einnehmer ernennet wor⸗ den/ nach dieſem bediente Er das Mittel⸗Umgelter⸗Amt/ und als Er Anno 1708. in das geheime Collegium beruffen/ wuürde Er ſo gleich als Ober⸗Umgelter und Caſtens Ober⸗Pfleger declarirt/ welches erſtere Officium Er/ als die beſchwerlichſte Function/ ruͤhmlichſt gefuͤhrt/ ungerne aber als eine Promotion zu dem Re⸗ genten⸗Amt/ deſſen ſchwere Verantwortung Er gar wohl und nachdencklich uͤberleget/ auf ſich genommen. Mit was vor Treu Vigilantz und Application num der Seel. Herꝛ Palm allen dieſen Aemtern vorgeſtanden/ und wie Er ſein unintereſſirtes und aufrich⸗ richtiges Gemuͤth in allen Amtlichen und Privat Actionibus bezeliget/ ſonderlich ſeinen zu fuͤrwaͤhrenden wieder Aufnehmens ſeines lieben Vatterlands getragenen unermuͤdeten Eyffer/ ſo wohl allhier in der Stadt/ als auch auſſerhalb derſelben/ bey denen Ihme an dem Kaͤiſerl. Hof/ bey denen Kaͤiſerl. und Reichs⸗Armeen/ und ſonſten anvertrauten/ und jederzeit mit erſprießlichem Nutzen verrichteten Commiſſiombus hervor leuchten laſſen/ darvon will man nach der dem Seelig⸗Verſtorbenen ſelbſt beygewohnten Mo⸗ deſtie lieber das unpartheyiſche Zeugnuß einem geſammten Hoch⸗ loͤblichen Magiſtrat/ und einer gantzen allhieſigen werthen Bur⸗ gerſchafft/ ja allen denen jenigen/ welche mit Ihme umgegan⸗ ſen. hiemit heimſtellen/ als ſich mit eitler Ruhms⸗Meldung auf⸗ alten;— Wie 104 PERSONALIA Wie dann was ſein gefuͤhrtes Chriſtenthum/ Leben und Van⸗ del betrifft/ gnugſam bekannt iſt/ daß Er ſeinem lieben GOTT treulich gedienet/ und ungeacht allen daruͤber erlittenen Unge⸗ machs/ dannoch der wahren Gottſeeligkeit ſich beſtaͤndig befliſ⸗ ſen/ alſo daß man wohl ohne Schmeicheley oder eiteln Ruhm den demſelben mit Grund der Warheit ſagen kan/ Er ſeye ge⸗ weſen Aufrichtig gegen GOtt: Chrerbietig gegen ſeinen Vorgeſetzten: Hertzlich geſinnt gegen ſeinen Freunden: Liebreich gegen die Untergebenen: Gutthaͤtig gegen den Armen: Mitleidig gegen die Verlaſſenen: Huͤlffreich gegen Wittwen und Weiſen: Sorgfaͤltig auf ſein bevorſtehendes Ende/ worzu Er ſon⸗ derlich bey letzthin oͤfftern verſpuͤrten Unpaͤßlichkeiten ernſt⸗ lich bereitete.— Von welchen und von ſeiner Kranckheit etwas weniges zu ge⸗ dencken/ ſo iſt Derſelbe ſchon geraume Jahr hero mit dem NMalo hypochondriaco, ſeithero einem Jahr aber mit einem Drucken auf der Bruſt und Magen/ auch empfindlichen Schmertzen im Rucken behafftet geweſen/ welches unter andern natuͤrlichen Urſachen Ihme ohne Zweiffel auch von vielen Faſtidionen Widerwaͤrtigkei⸗ ten und harten Strapazzen verurſacht worden; Dannenbero Er der Herren Mecicorum Raths und Hülffe ſich die letzte Jahre hero vielfaͤltig bedienen müſſen/ nachdeme Er ſich aber in etwas rerabürt geglaubet/ und in Handlungs⸗Afſairen mit ſeinen Herren Bruͤdern zu ſprechen/ und deßhalben eine Reiſe nacher Wien zu Ihnen zu thun reſolvirt gehabt/ ſo hat Er ſich zwar vor ungefehr 6. Monat mit ſeiner Frau Ehe⸗Liebſtin dahin erhoben/ aber bald nach ſeinem Darſeyn den alten Affect wieder verſpuͤhret/ indeme vorgemeld⸗ tes Drucken und Spannen des Magens Orinci und des Ruckens ſich wieder ſtarck eingefunden/ und man geurtheilet hat/ daß das Meſenterium gaͤntzlich verſtopfft/ und die hypachondria, ſonderlich aber die lincke ſehr verhartet ſeye/ welches Ihn dann 5. Wochen lang in das Bett geleget hat: Er erholte ſich aber dem Anſehen nach hiervon wieder zimlich/ ſo wohl durch gebrauchte Medicamenta als unermuͤdeten Pflag ſeiner Frau Ehe⸗Liebſtin/ alſo daß Er wieder ausfahren konnte/ und dardurch zur Heim⸗Reiße ſich pro⸗ iren üuE= 4 — PFERSONALIA. 105 viren wollte/ allein es uͤberfiele Ihne circa æquinoctium ein gefahr⸗ liches Recidiv/ und ſchluge ſewwichen Affect mit gedachtem unablaͤßlichen Trucken und groſſer Hitze darzu; Er verlohre daͤ⸗ mit allen Appetit zum Eſſen/ und nahmen die vorhin zimlich ver⸗ lohrene Kraͤfften je laͤnger je mehr ab/ ob man ſchon von denen vornehmſten Herren Medicis Tbien alle erſinnliche Mittel appli⸗ cirte/ und an ſorgfaͤltiger Wartung das geringſte nicht erwin⸗ den lieſſe /ſo wollte doch alles ſolches propter pertinaciam malinveterati und uͤberhand genommener Schwachheit/ nichts effectuiren/ ſon⸗ dern es kam endlich darzu/ daß Derſelbe am Grünen Donner⸗ ſtag Nachts mit einem ſolchen ſtarcken Froſt und groſſer Schwaͤ⸗ che uͤberfallen worden/ daß man angefangen an ſeiner Wieder⸗ geneſung zu zweiffeln/ als welches/ und daß ſeines zeitlichen Lebens Ende nahe ſeye/ unſer Seel. verſtorbene Herr Palm auch ſelbſten vermercket hat/ und durch den Konigl. Daͤhniſchen Legations⸗Prediger/ Herꝛn Magiſter Langjahr/ nach abgetegter Beicht/ den wahren Leih und Blut unſers HERRN und Heilan⸗ des JESu Chriſti/ ſich reichen aſſen; worauf Er alles/ was Er noͤthig erachtet/ befohlen/ alsdann von ſeiner geliebteſten Frau Ehe⸗Liebſtin/ Herren Bruͤder und Herren Sohn/ den letz⸗ ten Abſchied nahm/ und am Char⸗Freytag/ nachdeme Ihm vorhero eine heſſtige Diarrhæa uͤberfallen hatte/ unter groſſem Durſt/ jedoch eyfrigem Gebett ſeiner ſelbſt/ und Anweſenden/ Nachts um halb Ein Uhr ſeinen Geiſt aufgegeben; und alſo nach üͤberſtandenem Kampff ſeelig uͤberwunden/ mithin ſeinem Erloͤ⸗ ſer IEſu Chriſto und durch deſſen Gnade und Verdienſt auch im Sterben gefolget/ nachdeme Er in dieſer zeitlichen Muͤhſeeligkeit zugebracht 50. Jahr und 22. Tag. Die Palmen traͤget nun Merꝛ Valm in ſeinen Haͤnden/ Dem GO TT gegeben ha den Lauff und Kampff zu en⸗ en. Die Laſt die Ihn gedruckt/ die hebet Ihn empor/ Daß Er nun ewig ſteht in voller Frucht und Flor. Auch wie ein Palmen⸗Baum noch ſeine Sweige gruͤnen/ Weil Jhnen der Verluſt noch wird zum beſten dienen/ Sie werden Pflantzen ſeyn des HErm Gerechtigkeit/ Und deren Fruͤchten ſich erſtrecken weit und breit. Dd Auf 106 PERSONALIA. Auf die Frau Wittib laß der HErꝛ auch reichlich ſlieſſen Die Stroͤme ſeines Troſts/ ihr Leiden zu verſuͤſſen. Und die durch dieſen Fall betruͤbet worden ſeyn Von nechſten Freunden/ ſprech Er dieſe Gruͤnde ein: Es hat nun unſer Freund recht gluͤcklich uͤberwunden/ Durch ſeine Ritterſchafft das beſte Kleinod funden/ Er iſt nun Geeliger/ als der der Ihn beweint/„ GOtt macht es eſſer/ als nach der Vernunfft es ſcheint. Wohl ſeelig/ daß Er iſt dem Leiden nun entgangen/ Daß keine Leidenſchafft an Ihn mehr kan gelangen/ Wo Er vergnuͤget iſt in ſtiller ſtoltzer Ruh/ SSOtt helff uns alleſamt auch dermahleins darzu! A R E R. Orauer⸗ ˙ —* — SROAh K =— S 93 S. n —— 1 1¹ — 2 S, 2 VV, TI 2 Shſh, A— 2N 72 7 0 Drauer⸗ und Droſt⸗Gedichte. ſeNa Viris non eſt Patriæ certiſſima ſedes, Dum varias ducunt Lucis in orbe moras; Z⸗Et quæ terra dedit vivendi exordia, ſæpe Non eadem vitam, verum aliena rapit. Viventem, PALMl, primò Te Suevia vidit, Defuncti exuvias Auſtria condit humi; Quæque fuit vivo velut altera Patria, triſtes Mutatâ Loculos ſorte Vienna parat. Hic Tibi mortis erant metæ, fatoque negatum, Ad primæ Patriæ vela referre Lares, Etſi poſcebant Te curæ& ClIRIA noſtra, Non Votis flexa eſt, non Libitina prece. Hinc iter ad cœli Patriam, quæ Tertia, factum, Ad nitida è tenebris aſtra vocante Deo. Sic ſuperas(Virtus quæ Palmæ eſt) tendit inauras, Et vitto Palmam Victor ab orbe refers. Nec locus invidiæ eſt; Et Nos, ſi Fata citabunt, Sedis idem patriæ conficiemus iter. Luget& boc PAL AII comitatur Curmine fumus COILLEGIIIM SECRETIUIS Reipubl. Eſflingenſ. II. O 108 Troſt⸗und Trauer⸗Gedichte. —,— wunderbahre SCktes Weiſe/ Gantz unerforſchlich di dein Grund/ 3 Berr Palm der von der Wiener Reſe 63 Bieher in den Gedancken ſtun; Der reiſt hin zu der Sternen Porl Da Seiner Seelen ewig wohl. Es iſt Jeruſalem die Schoͤne/ Dahin die Reiß iſt eingericht/ Da neben tauſend Lobgethdone Man nichts als nur Jubelen ſicht/ Er gehet durch die Perlen⸗Thor/ Soͤrt Sagen/ die gehort kein Ohr. Die Stadt von lauterm Gold poliret/ uUnd deren Mauren Jaſpis ſeyn/ Worbey das Fundament gezieret Mit aller Arth der Edel G'ſtein/ Von Smaragd/ Sardis/ und Saphier/ Glaͤntzt alles ſchimmerend herfuͤr. Da debr man Lebens⸗Stroͤhme flieſſenn/ om Stuhl des Lammes wie Cryſtall/ Man thut hier keine Thor zuſchlieſſen/ Nichts Unreins ſindt man uͤberall; Man laͤſſet nichts Gemeins hinein/ Es muß im Buch geſchrieben ſen. Die Nacht iſt hier gleich wie der Morgen/ Das Zoltz des Lebens traͤget Frucht/ Man darff nicht das geringſte Sorgen/ Die Seele findet was ſie ſucht/ 1ofi Man braucht kein Sonn und Monden nicht/ Das Lamm iſt ſelbſt das ewig Licht..2. So prangt Zerr Palm im weiſen Aleide/ Mlit Palmen⸗Zweigen vor dem Thron/ Des Lamms/ ſo Seiner Seelen Weyde/ Geziert mit guldner Ehren⸗Cron/ Diß iſt die recht Jubelen⸗Stadt/ Die nun Herr Palm erreichet hat. Die 9 Trauer⸗und Troſt⸗Gedichte. 109 Die Stadt wo ſtete Ruh der Seelen/ Die nimmer hier zu finden war/ Man kauffet ohne Geld Jubelen/ Seurt ewig mit das Jubel⸗Jahr/ Ach! daß wir mochten allzumahl/ Bald halten mit das Freudenmahl. In machender Reflexion auff ſein Herrn Palmen ſeel. gefuhrte Profeſſion, zu letzten Ehren entworffen ex Apocal. cap. XXI. XNXAI. Von Jeremia Godelmann, J. U. I. P. t. Ampts Burgermeiſter, in des Heil. Rom. Reichs⸗Stadt Eßlingen. 6660600000,5eSCsoeo eeoeneeeeoneeeeeeee III O willſt du immer hin/ mein Elimelech/ fliehen/ Soll denn aus Bethlehem Naemi mit dir ziehen? Wie! ſolle Moab denn ſeyn unſer Auffenthalt? Ach! wennfurs Leben dort der Todt uns uberfallt? Eh ich als Wittwe ſoll von dannen wiederkehren/ So wolte lieber mich allhier mit Kummer naͤhren. So mag Naemi wohl einſt vor geweſen ſeyn/ Daß einen Riß die Reiß thu zwiſchen beeden ein. Es hat auch ihre Sorg ſo gar ſie nicht betrogen/ Daß/ da ſie ohne Mann betruͤbt zuruͤck gezogen/ Sich uͤber ſie erregt das Volck der gantzen Stadt/ Soll das Naemi ſeyn/ die uns verlaſſen hat? Ach! heiſ Naemt nicht/ prach ſie mit tauſend Threnen/ Die GOtt betruͤbet hat durch Raub des Manns und Soͤhnen. 20 zoge voll hinaus/ und war noch eins ſo reich/ a ich die Armuth floh/ den Feind und Todt zugleich. Nun komm ich wieder leer/ der Todt hat auffgerieben Was zu erhalten mich von hinnen hat getrieben. 9! wunderbahrer GOtt/ der mich euch wieder giebt/ Zuvor ein Freuden⸗Weib/ von Hertzen nun betruͤbt. Ich ſeh/ es laſt ſich nicht des HErren Rath entgehen/ Geſchicht er nicht allhier/ ſo muß er dort geſchehen. Ihr fordert billich das/ was ich nicht bringe mit/ DBom Rath und Burgerſchafft/ von meinem Leib ein Glied. Drum koͤnt ihr küͤnfftig hin nicht mehr Naemi nennen/ Die Mara worden iſt/ durch allzu bittres Trennen. Ich will mein Lebenlang bey euch gern einſam ſeyn/ Vergoͤnnet daß ich nur den Mann und mich bewein. Ee Wer no Trauer und Troſt⸗Gedichte. Wer ſollt/ Frau Palmin/ Euch verwehren Eure Threnen/ Da nach Herrn Palmen ſich mit Ihr noch andre ſehnen; Zu denen ich mich auch leydmuͤthig zugeſell Weil unter Freunden Er mir goͤnnet eine Stell. Wer haͤtte das gedacht/ daß wir durch das Ergoͤtzen/ Bey letztem Creyß⸗Conventzu Ulm uns ſolten letten? Die uns vorlaͤngſt verknuͤpfft der gleiche Jugend Sinn/ Und mit den Jahren auch/ Ampt/ und des Gluͤcks Gewinn. Doch was beklag ich Ihn/ was ſchadet das Betruͤben/ Daß nach dem Sterben uns noch uͤberlaͤſt das Lieben? Es wird mir die Eſtim und Lieb fuͤrs Palmen⸗Hauß Niemahlen weder Zeit noch Sterben loͤſchen aus. Mit dieſem wolte den Sinn der hoͤchſtdetruͤbten Frau Wittib Leid⸗ muͤthig ausdrucken, zugleich auch ſeine hertzliche Condolenz und Devotion gegen die Palmiſche Hochanſehnliche Fami⸗ lie aufftichtig bezeugen S Eberhardt Friderich Ecker/ J. II. L. Hochfuͤrſtl. Wuͤrtemb. Rath/ und aͤlterer Conſu- —. lent allda. 026Ee StsC02e 0900 03080 ,030280,55,86,,9386 ,036060 IV. As iſt dieſe gantze Welt? Unſers GOttes groſſes Hauß/ 4 Da der Spoͤtter Iſmael Iſaac ſich zur Seiten ſtellet 22 Da ein rauher Eſau ſtets mit dei Jacob ſich geſellet/ Da Boßheit und Froͤmmigkeit zugleich gehen ein und aus: Sie iſt das beruͤhmte Feld/ welches guten Saamen traͤgt/ Chriſten/ die nicht leren Schein/ ſondern That und Krafft beweiſen/ Und mit wahrer Heiligkeit ihren edlen Urſprung preiſen: Welches aber auch zugleich leer und todtes Unkraut hegt. Leute/ die zu Chriſto zwar HERR! HERRI ſagen mit dem Mund/ Sein in Fleiſches Zuverſicht ſich zu troͤſten immer pflegen/ Und doch ſicher wandlen fort in beltebten Suͤnden⸗Wegen/ Deren gantzes Chriſtenthum ſich auf Sand gruͤndt ohne Grund. Haßte nun der nach dem Fleiſch ehmals den Verheiſſungs⸗Sohn/ Konte Eſaus wilder Sinn Jacobs Fromkeit nicht ertragen; 8 Iſts dann Wunder/ wann nochjetzt/ die der Heiligung nachjagen/ Haß/ Verfolgung/ Schmach und Spott haben von der Welt zu Lohn? Die Welt iſt und bleibet Welt! Luͤgen bleibt der Warheit Feind/ Der verguchen Schlangen⸗Saam kan den/ der aus Gott/ nicht leiden/ Boßheit haſſet allezelt/ die ſich von der Boßheit ſcheiden/ 2 Finſternuß eiüraget nicht/ die des Liechtes Kinder ſeynd. 3 Wer der frechen Sunder⸗Rott ſich nicht gleich in Boßheit ſtellt/ Wer/ was ungerecht/ nicht recht/ Finſterniß nicht Licht will nennen/ Wer/ was ſchwartz/ nicht will vor weiß/ und/ was ſauer/ vor ſuͤß erkennen/ Der iſt frembd/ veracht/ verhaſt/ und verworffen in der Welt. Recht ſo! fahre immer fort/ tolle Welt! diß iſt dein Sinn!— Du liebſt nichts/ als nur was dein: die aus dir ſind auserwehlet/ Und nicht von dir/ denen hats an Verfolgung nie gefehlet /)/ Als auskehricht und verbannt warffeſt du ſie allzeit hin. ) Und Und zwar zuͤrnt die arme Welt billich mit der frommen Schaar: Kan ſie doch in ihrem Thun denenſelben nichts recht machen; Muß ein hartes Urtheil ſtets hoͤren uͤber ihre Sachen/ Sich von ihnen als unnütz ſeh'n verworffen gantz und gar. Ruͤhmt ſie von dem Glauben viel und von ihrem Chriſtenthum/ Thriſten heiſſen's todtes Werck/ leeren Schein/ hiſtoriſch Weſen/ Hirn⸗Geſpenſt/ was ſich die Welt als ihr Beſtes auserleſen/ Reiſſen ihr damit den Grund ihrer falſchen Hoffnung um. Prangt die Welt mit ihrer Ehr/ iſt Gold ihre Zuverſicht/ Haͤlt ſie als ein Paradiß ihre Luſt und Froͤlichkeiten/ So heiſt Chriſten alles das Unflath/ Thorheit/ Eitelkeiten; Solcher Dingen Liebe ſteh mit der Lieb des Vatters nicht. Summa/ Chriſten iſt die Welt/ als ein Fluch ans Creutz gehenckt; So ſind dann auch ſie der Welt hangende am Creutz geachtet Als ein Fluch und unnuͤtz Volck/ ſtets in ihrem Sinn geſchlachtet/ Nurzu ſeh nunleidentlich/ nicht wehrt/ daß man ihrer denckt. Sollte unſer wehrter Freund/ der in ſeinem Theilauch hat Dieſe Art der argen Welt gnug und mehr als gnugerfahren/ Konnen ſeine Meynung uns noch mit Worten offenbahren; Wahrlich! Erſolt ruffen aus: So machts die Welt in der That! O dann/ wohl dir/ edle Seel! die Welt und ihr toller Hauff/ Und ihr Thun plagt dich nicht mehr: Ihrer Boßheit und Getummel Biſt entriſſen hochſtvergngt; triumphireſt in dem Himmel Haſt gekaͤmpfft/ geglaubt/ vollbracht den dir hier beſtimmten Lauff! Eſul wir ſind in der Welt! Sond re uns doch von ihr aus/ Daß ſie uns doch liebe nicht/ ſondern allzeit muͤſſe haſſen/ Halt uns von ihr unbefieckt/ auff daß/ wann wir einſt erblaſſen/ Wir aus dieſer Schlangen. Hoͤhl gehn mit Freud ins Vatters Hauß. So wolte ſeine gegen dem ſeel. Herrn Palmen/ als ſeinem liebſten Ge⸗ vattern und wehrtiſten Freund unverruckt habende Liebe und Ver⸗ bindung bezeugen Special Superintendent zu Blaubaͤuren. b Johann Philipp Burckh/ Madrigal. D in i unſer Lei Niichts/ als ein Kercker unſrer Seelen; Darinn ſie ſich mit vieler Laſt muß quaͤlen/ Daß dieſer/ nicht allein auffrecht erhalten wer Sondern/ wann auch dieſer faͤllet/ und verſenest wird in die Erd/ Endlich uns die Seeligkeit/ als zur Beuthe uͤbrig bleib. (a) Wiewohl hat dann der Kauffmann dort gethan! Der ſtets nach edlen Perlen tracht) und als nach vielem Schweiß/ Er ſie einſt zu Geſichte brachte Auf deren Kauff ſo gleich all ſem Vermoͤgen wandte an. (a) Matth. XIII, 45. 46. * 4 Die 12 Trauer⸗und Troſt⸗Gedichte. Die Perlen ſchaͤtzt man hoch; (b) Und ob Europa gleich daran nicht Mangel hat; „So muß doch Aſien und Africa ſie ſchicken/ Damit die Hoffart koͤnn den Maden Sack ausſchmuͤcken/ Die ihrer Nichtigkeit ſucht dieſen eitlen Rath. Ach wer iſt weiſe doch! Und ſucht den wahren Schmuck der Seelen1n/ Der/ wann auch dieſe flieht aus unſerer Leibes⸗Hoͤhlen/ Vor GoOttes Richter⸗Stuhl der eins beſtehen kan. Da es auf die Froͤmmigkeit und den Glauben kommet an/ Der/ mit Chrtſti Blut beſprenget/ Suͤnde/ Teuffel/ Hoͤll verdringet. Der Heiland wird dort nicht nach eiteln Schaͤtzen fragen; Noch ſehen anf das HEr:! HErꝛ! ſagen. Wohl dem der dieſes faßt! (c) Und/ wann Er Guͤter hat/ den Armen ſie genieſen laßt. Als an denen Chriſtus einſt wird das Maß der Liebe nehmen. Wohl denen dann! die ſich bequemen (d) An guten Wercken reich zu werden/ (e)(Die/ wann verſchwindt alle andre Sach/ Uns in den Hummelfolgen nach; Die ihre Hoffnung nicht aufs ungewiſſe gruͤnden/ Die werden nach der Zeit/ das wahre Leben finden Ein Schatz darnach kein Dieb kan ſteigen Und den der Frechen Motten⸗Zahn Niemahls benagen kan; An dem kein Zeit noch Roſt die Kraͤffte koͤnnen zeigen. Daß/ ihr Herꝛ Vetter! diß auch redlich habt erwieſen/ Wird ohne Heucheley geprieſen; Doch meid ich viele Wort' Die ihr in der Lebens⸗Zeit niemahl ſonderlich geliebet/ Sondern Euch in Gottesforcht und des Nechſten Lieb geübet: Man laß die Arme ſagen Die manchen Troſt von Euch hinweg getragen/ Wohl Euch! ihr ruhet nun im Hunels Port. Dieſes ſetzte ein dem Seelig⸗Verſtorbenen hochverbundener Vetter und Gevatter Johann David Mauchart/ D. Phyſ. Ord. zu Marbach. (b) Rolf. Diſp. de Margaritis.(c) Matth. XXIV, 40. 45.(d) 1. Tim. VI, 18, f. (e) Apoc. XIV, 13z. 1 40, 0e2O,de2G,0320,0386,0326,0520,020,920,9320,b320,0380,02 „ . Valmiſches„— Denck⸗ und Chren⸗Wahl. S iſt betruͤbt/ daß uns HErꝛ Palm entriſſen worden In vorhin ſchwerer Zeit/ da man klagt aller Orten/ Daß Trauer⸗und Troſt⸗Gedichte. u5 Daß alles angehaͤufft mit Plagen ohne Zahl/ Da ſchmirtzet uns noch mehr Herꝛn Palmen Todes⸗Fall. Er war der Troſt/ der nicht nur Wort austheilte/ Nicht leere Worte gab/ der auch den Schaden heilte/ So viel Er hat vermocht/ der Eſſlingen gebaut Mit klugem Rath und Dienſt/ der trefflich durchgeſchaut. Ja freylich rcäheſchau t die Warheit die Er liebte/ Und in dem Chriſtenthum nach GOttes Wort ſich übte: Der als ein Chriſt in Lieb gewandelt offenbahr/ Dem falſcher Schein und Tand durchaus zuwider war. Er bleibt LUTHERI Lehr/ in GOttes Wort beſchrieben/ Ergeben biß in Tod: von Göttes Geiſt getrieben/ Sucht Er im Glauben hier die neue Creatur Bey Chriſto/ dem ein Greul die ſundliche Natvr. Der Kayſer ſelbſt hat Ihn geliebet und begnadet/ Doch war Ihm GOttes Gnadam liebſten: unbeſchadet Der Seelen wandelt Er in dieſer argen Welt/ Haͤlt SO TT/ und Gottes Wort theurer als Ehr und Geld. BSerr Palm den Palmen gleich/ 3offt hart und ſehr gedruͤcket Wuchs merctlich auch im Truck/ und uͤberwand/ gebücket/ Eintringend durch die Pfort/ die Ihme IEſus zeigt/ Der auch im Todt zu Ihm mit ſondrer Gnad ſich neigt. Drumb iſt Herrn Palmen auch in ſeinem Tod gelungen/ Er hat nun ausgekaͤmpfft/ beſiget und bezwungen/ In JEnu alle Feind: Die Welt war ſein nicht werth/ Die Palm⸗ und Cedern⸗Baͤum veracht/ und Diſteln ehrt. Nun traͤgt Er Freudenvoll Triumph⸗und Sieges Palmen/ Die Seel iſt ſchon gekroͤnt/ und ſingt die HimmelsPſalmen/ In ſchoͤnſter Harmoni: Nuu iſt die Reiß pollbracht/ Er hat vor laͤngſten ja nach ſeiner Ruh getracht. Dann/ Er/ wie Joſeph dort/ ſich ſelbſt ein Grab erwehlet/ Und nach des HERRN Wortrecht ſeine Tag gezehlet. So fand Ihn ja der Todt bereitet und geſchickt/ Daß Er/ wie SIMEON/ am End den HERRerblickt. Den HeRded aller HERRR/ dem Er mit Ernſt zu dienen Befliſſen war/ ſieht Er im Lichte: Weg Rubinen/ Weg Diamanten/ weg Juwelen/ alles Licht Der Creatur iſt Nacht vor GOttes Angeſicht. Er iſt in Oeſterreich zum Himmelreich getommen/ Hat WJER/ die Kayſers Stadt den Leib ſchon weggenommen/ Verſenckt und eingeſchart/ ſo ruht in IEſu Schoß Die Seele/ wohl verwahrt im ſchoͤnſten Himmels⸗Schloß. Herrn Palmen Tugend⸗Nahin/ ſoll ſtets im Seegen bleiben/ So lang noch Chriſten ſind/ und was wir von Ihm ſchreiben/ Aus ſchuld ger Chriſten⸗Pflicht/ aus keinem falſchen Schein/ Diß alles ſolle GOtt zu Lob geſchrieben ſeyn. Ja Gott ſey Lob und Preiß vor ſo viel ſchoͤne Gaben/ Die Palm gehabt/ o Schad⸗ daß wir ſie nicht mehr haben. Doch bleibt deſſelben Seg' in ſeinem Hauß zurüͤck/ Auff welches IEſu Licht ſtrahlt lauter Snden Bii Der 1i6 LTrauer⸗und Troſt⸗Gedicht. a Berrn Soͤhnen Der Wirtib tuffgebeugt/ Zer ohn/- welche weinen/ Laß GOtt nach truͤbem E'woͤlck die Freuden⸗Sonne ſcheinen/ Das Palmiſche Geſchlecht laß Gott den Palmen gleich Floriren hier und dort/ in ſeinem Snaden⸗Reich. Dem wohlſeeligen Herrn Palmen/ ſeinem geweſenen hochwerthi⸗ ſten Herrn und Goͤnnern/ ſetzet dieſes zu letzten ſchuldigſten Spren⸗und bezeugt damit ſein über deſſen Tod/ betruͤdtes emuͤth M. Johann UIrich Pregizzer, — Pfarrer in Unter⸗Tuͤrckheim. 8Oc GGSete S 90006068 Serr Palm iſt vor der Reyß/ nach ſeinem Hauß/ geſtorben/ und hat das Vatterland doch ſo nach Wunſch erreicht: Dahin der Zugang Ihm iſt worden noch ſo leicht/ Nachdem die Sinnligkeit hinweg/ die uns verdorben. Er war Eßlingens Zierd/ doch ihnen ſelbſt verborgen/ Dieweil ſein ſcharffes Aug die meiſte hat geblendt/ Daß ſie ihn nicht alſo/ wie ſie geſollt/ gekennt/ Indeſſen trug Er doch fuͤr ſie die treuſte Sorgen. Ich weiß/ die edle Zweig/ die Er hat hinterlaſſen/ Die werden bey der Stadt auch einſt ihr beſtes Thun; Die Gnade GOttes woll auff Ihnen allen ruhn/ und Ihre Mutter auch mit ſeiner Lieb umfaſſen! Im Jahr Alſo wolte ſich uͤber den ſeel. Hintrit des auffrich⸗ 1rn tigen verrn Palmen erklaͤren 2 Sin Weyd⸗WBenoß. Da nun die gantze Welt Kommr auff die Toden⸗Bahr! 0436G 95:2669306.0,936280 ,03080 936G 936,G,0306C,0300 Deut. XXXIV, I. 3. Der HErr zeiget ihm die Gegend der Breite Fericho der Palmen⸗Stadt. Gen. XIX, 22. Eile und errette dich daſelbſt/ denn ich kan nichts thun/ biß daß du hinein kommſt. Punderbar ſind GOttes Wege/ dunckel undofft lang verborgen/ Darum ſollen wir alleine Iön den Hoͤchſten laſſen ſorgen/ 5 Weil Er dadurch alles aͤndert/ was die Sunde hat verſehr't/ In den guten Zuſtand bringet/ was der Fall hat gantz verkehrt. e . 5 Trauer-und Troſt⸗Gedichte. u7 Von dem Licht ſind wir gewichen/ Finſterniß hat uns umgeben Es lig't die Natur im Dunckein/ bey dem Leben iſt kein Leben/ Darum Gottgar wunderbarlich bringet aus dem duncklen Licht/ Was verborgen viele Jahre/ endlich klar dadurch ausbricht. Alſo fuͤhret GOtt die Menſchen off t durch wunderbahre Wege/ Biß Er ihnen offenbahret/ wie er ſonſten nichts auff ege/ Als was nutzet jeder Seele/ was ſie fuhret aus der Zeit/ Da ſich alles muß veraͤndern/ bringet in die Ewigkeit. Koͤnte uns Herr Palm beſchreiben/ wie Ihn hier GOtt habe geführet/ Nach dem aͤuſſerlichen Wandel/ und auch innerlich geruͤhret/ Aus dem Vatterland zu reiſen in den Ort der Palmen⸗Stadt/ And re Lander zu beſuchen/ da Ihn GOtt begleitet hat/ Wuͤrde Er von vielem Wunder/ von den duncklen Wegen ſagen/ Doch ſein Leichnam davon zeuget/ Freunde die Ihn ſeyr beklagen/ Da Er auch nach GOttes Schickung muſte eilen aus dem Land/ in[das himmliſch Vaterland. Wodurch Ihn Gott heimgehohlet in(den beſten Ehren Stand. Von dem Licht wurd' Ergeleitet/ durch die Finſterniß zum Licht/ Nun iſt alles gantz vollkoinmen/ Ihme keine Freud gebricht: Darum ſtellet ein das Trauren/ Er hat ſeinen Lauff vollbracht/ In dem Glauben obgeſteget/ GOtt hat alles wohl gemacht. Zu Bezeugung der ſchuldigen Condolens gegen ſeinem groſſen Wohltdaͤter/ nahen Anverwandten/ theuer geachten Gon⸗ ner und Gevattern/ ſetzte dieſes M. Sobias Koͤſtlin/ Stadtpfarrer zu Boͤnigheun. SairsSeenSSaneeds SensenensSeeens VIII. Uber 2. Thimoth. IV,7. 8. GW ſeinen Kampff auskaͤmpfft/ und in a) den Kampffs⸗Geſetzen b) Der Siegs⸗Gab/ die der HErr des Kampffs vorſetzt/ nachrennt/ c) Enthaͤlt mit allem Ernſt ſich aͤller Strick nnd Retzen/ Die ihm d) mit Liſten legt der Feind/ den er e) doch kennt/ Der wird gekroͤnt; Der wird gekroͤnt/ der Rechte den!guten Kampff durchkaͤmpffet/ Im Fechten feſt und g) nicht ſtreichend in die Lufft: Mit Muth/ und Rath/ und Staͤrck h) was zu beſiegen/ daͤmpffet/ Auch ſelbſt den Satan jagt in ſeine Hollen Krufft/ Der i) Sieg! ausrufft! Der Siegl! ausrufft/ und hat/ muſt k) manchen Stoß vertragen/ Auch!) Sorg/ Gefahr und Furcht/ Arbeit und Wachſamkeit/ Im Siegen fuͤhlt er auch ſelbſt m) des beſiegten Plagen/ Zum Kleinod und n) zur Ruh rang Er mit Mattigkeit/ Durch Streit in Freud! Durch a) 2. Tim. II, 5. b) Phil. III, 14. C) 1. Cor. IX, 25. 2. Tim. II, 3. 4. d) 1. Petr. V, 8.9. e) 2. Cor. II, 1r. f) 1. Tim. VI, 12. g) 1. Cor IX, 26. h) Ebr. XI, 34. 1) 1. Cor. XV, 54. 57. k) 1. Cor. IX, 27. 1) Offenb. II. und III. vom ſieben fachen Kampff und Sieg. m) Eſa. LXIII, 3. Off. XII, 7- 17. n) Matth. NXI, 28, 19. 2. Cor. XI, 9, 10, u18 Trauer⸗-und Troſt⸗Gedichte. Durch Streit in Freud fuͤhrt uns GOtt nach Natur und Gnaden 0) Das iſt der Weg zur Ruh/ durch Unruh ruhen in Ruh/ Am End iſts lauter Na, was uns daucht lauter Schaden; So fuͤhrt GOtt in geheim ſich uns p) durch eßen zu/ ffolge traue q Ihm harre du! ſchweige ruffe r) Ihm folge du im Geiſt in Seel/ im Leib und Leben/ 1 Trau/ harre/ ſchweig und ruff! laß dir ſein s) Liebes⸗Sail/ Auch ſelbſt im Creutz den t) Zug zu ſeiner Treue geben/ Und zeigen/ daß ſein Rathiſt/ wird/ gibt lauter Hail/ u) Sich ſelbſt zum Theil. Sich ſelbſt zum Theil macht GOtt dem Hertzen ſeiner Stillen/ Die v) mit verſchloſſenem Grund auff ihren Vatter ſehn⸗ w) In ſeinem Opffer[Weg.) entſagend eignem Willen/ Wie Iſaac und der HErr/) gelaſſen Ihm nachgeh'n/ Und in Ihm ſteh'n! Und in Ihm ſtehen feſt/ die alſo y) Glauben halten/ Ihu ſelbſt recht treu/ ſich auch ²) recht treulich ihm vertrau n/ 1) Sein Regiment an ſich anbettend laſſen walten/ Und 2) ihrer Veſtung Grund 3) in Ihn hinein veſt baun/ Umb Ihn zu ſchau'n. Um Ihn zu ſchaun/ muß auch der Lauff vollendet werden/ 4 Das Ziel des obern Ruffs ergriffen und erreicht/ 5) GOtt ſelbſten iſt der Zweck/ ſonſt nichts auff dieſer Erden/ Wohl dem/ den Satan nicht in falſche Zwecke zeicht/ Und der nicht weicht! Dann o) der nicht weicht/ an dem hat GOtt ein Wohlgefallen/ Weil er in ſeinem Kampff/ auch 7) Glaub⸗und Lauffen veſt Dem Hẽrren in dem Leib ſucht ernſtlich 8) zuzuwallen/ 9) Und nach Mariaͤ Sinn an IEſu wehlt das Beſt/ 10) Das nie verlaͤſt. 11) Das nee verlaͤſt/ daſonſt/ was man liebt/ laͤſt im Sterben/ Iſt IEſus und der Glaub/ ſo 12) ſein im Grund genießt/ Der laͤßt den/ der ihn hat/ im Grunde 13) wuͤrcklich erben/ Was ſich 14) im Schauen erſt aus Gott in ihn gautz gießt/ Und all's verſuͤßt. Ja 0) Pſ. XLII.& XLIII.&LXXVII. p) Eſa. XXVI, 16. Matth. XIX, 2 7- 29. c. XIII, 44. 45. Phil. III,). q) Pf. XXXVII, 3. 4.5. 7. 34.47. r) Joh. XXI, 19. Matth. X, 38. s) Hof. Xl, 4. t) Hohel. c. I 3. u) Pf. XVI, 5. 6.& LXXIII. 26. Klagl. 1II, 24. 25. v) Pſ. XXXIX, II.& XLVI, rI. Zach. II, 17. Pſ. V, 4. &CXXX, 6. w) 1. B. Moſ. XXII, 1-- 14. X) Joh. XIV,3 1. Eſa. LIII, 7. Mich. VII,. Hab. II, 1. y) 1. Tim. I, 19. Ebr. VI, 11— 20. X, 19— 23. Jer. V, 2. 2) Offenb. II, 10. 2. Tim. I, 12. 1) Pſ. XXIII, 4. 2) 2. Pet. III, 17. 3) 1. Petr. I5. V, 19. 4) 1. Cor. 9. 24. 26. 5) Phil, III, 14. Pf. LXXIII, 2 5, 6) Ebr. X, 38. 39. Syr. II, 1. 7) 1. Cor. XV, 59. 8) 2. Cor. V,6. 9) Luc. X, 42. 10) Joh. XVII. 27. Offenb. XIV, 13. 11) Spr. XI, 4. Zeph. l. 18. Matth. XVI, 26. Ez. VII, 19, Weißh. V, 8. 12) Eſa. XLIII. 1. 2. Pf. XLV, 15.& Lhr 2. Ebr. XI, 1. 13) Rom. VIII, 24. Eph. J 11. 1. P. J, 4.14) 2. Cor, V, 7. 1,1 — — Trauer⸗und Troſt⸗Gedichte. 119 Ja all's verſußt/ was auch hier 15) bitter⸗ſauer geſchmecket/ Das herrlich Erb/ die Crone der Gerechtigkeit/ Womit das Haupt vom HErrn dem Nichter/ wird bedecket/ Das ſich nach Ihm 16) ausſtreckt in Glaubens⸗Freudtgkeit/ Mit Forcht und Streit. 17) Mit Forcht und Streit gehts her von auſſen und von innen/ Wann guter Kampff und Glaub/ auch Lauff biß zu dem Zweck Regieren ſollen ſtets die aus⸗und innre Sinnen/ Pur lautres Weſen koſts! weg Schein! weg Heucheley! 1 18) Weg aller Dreck! Weg aller Dreck! es geht der Zweck auff Goͤttlichs Weſen/ Es ſcheine noch ſo ſchon/ ſo taugt es hieher nicht; Wann nicht dein Geiſt darin anff ewig kan geneſen/ Und ihn 19) aus Finſternuß verſetzt ins wahre Liecht/ . Hiernach dich richt. Hiernach dich richt/ O Hertz/ nach Kaͤmpffen/ Glauben/ Lauffen/ Durch Creutz/ Gebet/ Gedult! wo nicht? ſo miß der Cron/ Die dir dein HErr durch Blut von GOtt ſelbſt muſt erkauffen/ Die bey dem/ der ihu liebt/ iſt bloſſer Gnaden⸗Lohn/ Vons Menſchen Sohn! Vons ehan Sohn wirſt du die Gnaden⸗Cron erlangen/ Wo ſs menn ſahnlich wird dein Kampff/ dein Glaub/ dein Lauff! Wann Er erſcheinen wird/ wirſt du von Ihm empfangen/ Was Er dir zugeſagt im Bunde deiner Tauff! . Fluͤg zu Ihm auff! 20) Flug zu Ihm auff/ ſo ſchnell als Adler und als Tauben/ Von deiner Creutzes⸗Laſt/ ſo dich ſehr tieff abſenckt; Laß dir daß Sichtbare nicht allen Troſt wegrauben/ Das Creutz iſt leicht dem/ 21) der ins Unſichtbar ſich lenckt/ 22) Und an Gott haͤngt! 23) Und an GOtt haͤngt ein Geiſt/ derrecht iſt abgeſchieden Von aller Creatur/ ob ſchon anfangs 24) aus Zwang; Doch endlich auch mit Luſt/ in Einſamkeit hienieden/ So eyffert GOtt in uns umb ſeinenerſten Rang/ Duchs Creutz offt lang! Durchs Creutz offt lang dunckt dich werdſt du von Gott gefuͤhret/ Wann du nach dem Gefuͤhl das Urtheil wuͤrcklich„ tritetz Da(dich 25) der Laͤutrungs⸗Zweck noch nicht gnug reucRre⸗ b . j d f. Unpdu zu deinem Gold noch ſo viel 26) Schlacken geelin, ercplst Dich ſelbſt verſtellſt. Dich ſelbſt verſtellſt du Hertz/ wann du nicht leidſam duldeſt Die Hitz/ die dich befaͤllt/ dem HErrn nicht in dir ſchweigſt; Zum herberen Gefühl der Noth dich ſelbſt verſchuldeſt/ 2,]) Und wider dich dich ſelbſt in dir auffs herbſte beugſt/ Dich ſelbſt betreugſt. G g 15) Luc. 16, 25. Offenb.„, 14— 17. 16) Rom. 8, 19. 23. 17) 2. Cor. 7, 5. 18) Phil. 3, Dich 71,) 287 k.pa. 2, e is. 30973.2 dhe. 31. 1. B. Moſ. 8, 10. 11. 21) ². Cor. 4. 17. 18. 22) 1. Cor. 17, 17. 23) 1. Iim. 5, 5. Hohenl. 3, 3. 24) Hoſ, 2, 6, 7, 25) 2 ch. 1. Petr. 1, 7. 26) Spr. 25, 4. Mal. 3, 3. 27) Pſ. 42, 6, 2 2 4 2 4 13, 9. o Trauer und Troſt⸗Gedichte. Tich ſelbſt betreugſt du Menſch/ wann du un Creutz di— Nur mit der Noth die da/ ohnein demer des Nia ge, Beft Im Hertzen deß/ zu dem du ſo offt 28) Vatter ſageſt/ 14 1e. b5 20) Wanndich dein Vatterzieht/ und ſucht ſein Kind/ was ſchadts? Viel Nutzen hats! Viel Nutzen haté! 1) Es treibt zu Ihm 2) zum Wort 3) zum Betten/ 4 Zum Geiſt zum Glauben/ und zu der Gottſeeligkeit/ Zieht ab von Luſt/ Ehr/ Geld/ hilfft viel die Seel zu retten) 9) Verſtegelt GOttes Lieb, 10) befoͤrdert Helligkeit/ 11) Ja Seeligkelt. 1* Ja Seeligkeit hierſchon! 12) Troſt/ 13) Klarheit wird es mehren/— 14) Macht Chriſto gleich! 15) gantz ſtill, 16) von Sanfft und Demuth voll 17) Macht GHOtt tim Inneren viel Hallelujah hoͤren/ 18) Bibt Geiſtes Ruh und 19) Freud/ 20) Hoffnung und 21) Lieb lehrts wohl Hier faͤlt der Groll! ½ Hier faͤllt der Groll! hier kommt 22) Verlangen nach dem Himmel 22) Bewahret fur der Hoͤll! 24) verkuͤndigt das Gericht; 25) Fangts an den Frommen an/ 26) erloͤſt ſie vom Getuͤmmel Der innund auſſern Welt/ 27) giebt innen himmliſch Liecht!. 4 Faſt was gebricht. 28) Faſt was gebricht dem Sinn zum rechten neuen Leben/ 29) Und unſer Hoffnung Grund der vollen GOttes ſchau/ Wird uns im rechten Brauch des Creutzes ſo gegeben/ Daß es auch ſelbſten wird 30) ein reicher Labſals⸗Thau/ Auff grüner Au. 30) Auff gruͤner Au iſt auch der ſein Creutz recht gebrauchet/ Er bleibt nicht lau/ 31) er waͤchſt/ riecht wohl/ bringt Fruchtferquickt/ Weil 32) Chriſti Troͤſter ihn von innen ſo anhauchet/ Daß er am Fleiſch nicht mißt/ was er im Geiſt 33) erblickt/ Zu GOtt geruͤckt. Zu EOtt geruͤckt im Sinn/ wanns Creutz ihn niederdrucket; Und ſo vertauſcht Er ſchon den Himmel mit der Erd/ Indem er noch auff Erd/ und 34) geht noch ſehr gebucket/ Wenn Gott will/ daß der Geiſt nicht auffgehalten werd/ 35) Vons Leibs Beſchwerdt/ Vons Leibs Beſchwerdt 36) reißt ſich und andern Laſten/ Der neue Sinn heraus/ und 37) ſchwingt ſich Hunmel⸗an/ Da Er allein in GOtt und ſeinem Wunſch kan raſten/ Auch bald zu kommen auff der Unſern Vorgangs⸗Bahn/ Zum lieben Mann. Zum lieben Mann geht jetzt ihr Seuffzer⸗Geiſt mit Thraͤnen 38) Sie ſchmertzt der Riß des HErrn/ Ihr Einſamkeit bringt Leyd/ Nichts kan ſie als zu Gott/ dem 39) Schoͤpff r und Mann/ ſich ſehnen/ GOtt iſt der Recht/ der todt wars Bild/ doch liebt ſie beyd/ Das wuͤrckt Ihr Eyd.— as 23) Eſa. 64, 8. Mal. 1, 6. Rom. 8, 15. Matth. 6. 26. 32. 29) Ebr. 12, 5— 10. 1) Pf. 32, 9. 2) Efa. 28, 19. 3) Jon. 2, 8. 4) Rom. 8, 26. 5) 2. Cor. 1, 9. 9) Tob. 12, 13. 10) Ebr. 12, 10. 11) Matth. 5, 4. Jac. 1, 12. 1²) 2. Cor. 1, 5. 14) Rom. 8, 29. 15) PI 62, 12, 16) Pf. 119, 67. 71. 17) Rom. 5, 3. 2. Tim. 4, 18. 18) 1. Petz. 4, 14. 19) Jac. 1, 2. 20) 2. Cor. 1, 10. 21) Ruth. c. 1. 22) Ebr 13,14. 2. Cor. 5, 2.§. 23) 1. Cor. II, 32. 24) Luc. 23, 31. 1. P. 4. 18. 25) 1. P. 4, 17. 26) Hoſ. 2, 14. 27) Pſ. 97, rr. 112, 4. 28) 2. Cor. 4, 16. 29) Pſ. 17, 15. 30) Hoſ. 5, 4. c. 14,6. 30) H. 23. 31) Pſ. 92, 13— 16. 32) Jch. 15, 26. 33) 2. Cor. 4, 16. 44) Pf. 38, 7. 35) B. Weißh. 9, 15. 36) z. Cor. 5, 4.6, 37) Phil. 1, 23. 3, 20. 38) Efa. 39,14. 59) Efa. 54.5. Troſt⸗ und Trauer⸗Gedichte. 11 Das wuͤrckt Ihr Eyd/ den SJE durch Tauff und Eh geſchworen/ In jener GOtt/ in der dem Mann/ den nn S0te rieff Von Ihr hinweg zu ſich! Er hat ſie doch erkohren Zur Braut! So ward Eva des Manns Weib/ 40) da Er ſchlieff/ 5 Hier liegt was tieff! Hier ligt was tieff! Sie ſoll des 41) andern Adams werden/ Sein eigen Weib jetzund in Ihrer Einſamkeit/ Da nun der Erſte ruht/ und ſchlaͤfft in ſeiner Erden/ Erwartend inniglich des Leibes Herrlichkeit/ Zur Ewigkeit. Zur Ewigkeit richt ſie Ihr Sinnen und Gedencken/ Da findt Siezweenden himmliſchen undirrd'ſchen Mann: In jenen Fuͤll/ und deſſen Theil mag ſie ſich ſchencken Mit Ihrem Sinn und Fleh'n/ daß ſie auch komm hinan Zum Engeln Plan! 40) 1. B. Moſ. 2, 21. 22. 41) 1. Cor. 15, 47. 2. Cor. 11, 2. Aus ſchuldigſt⸗danckbarer Verbindung ſeines hochwertheſten Herrn Vetters, und ſonderbaren Guttdaͤters/ wie auch rechtſchaffenen und treu ge ann⸗ ten Patrioten ſeines Vatterlands/ doͤchſtdetrubter und gitrender Frau Wittib/ als ſeiner Hochzuehrender Frau Baaß Gevatte. in/ zu hertzlich gemeintem Troſt auffgeſetzt von Fohann Friedrich Walliſern/ Pfarrern zu Lehrenſteinsfeld/ Hochfreyherrl. — Schmidb⸗Herrſchafft. 92e 0320,0:56,9320,9:56,026,9326,9329:940,9556,6320,9420, IX Madrigal. Satz. Betruͤbtes Wien! Drinn ich zur Wittwe worden bin; Solt Eſſlingen dann nicht der Orte Seyn? wo du ſolteſt ſterben? Mußt ich dann durch des Kaͤiſers Pforte Zur Todten⸗Pforte zieh'n? Ach wie betruͤbte Trauer⸗Worte! War mirs nicht vor in meinem Sinn/ Ich werd mehr Leid als Freud erwerben. Ach weiſſer Wunder⸗GOtt G Wie wunderlich iſt dein regieren! Mit Manne zog ich hin/ ohn Manne kam ich her. So laßt GOtt Wittwe mich heimfuͤhren/ Daß Er den Palm⸗Baum ſtets mit Creutzes⸗Laſt beſchwer/ Daß deſto beſſer wachſen kau/ Biß Er das Ziehl erreicht und ſteiget Himmel an. Gegen⸗ 22 T roſt⸗ und Trauer⸗Gedichte.. Gegen⸗Satz. Wergnuͤgtes Wien! Drinn ich zum Freyer worden bin. Es ſolt nicht Eſſlingen der Orte Senn/ wo ich ſolte ſterben; Ich mußte durch des Kaͤiſers Pforte Zur Lebens⸗Pforte zihn. Ach wie vergnügte Freuden⸗ Worte! Es war mir vor im Sinn/ 4— Ich werd nun Freud nach Leid erwerben. Ach treuer Wunder⸗GOtt! Wie ſeeliglich iſt dein Regieren/ Mit Kummer! Mara kam ich her/ ohn Kigunner zieh ich hin/ So laßt als Braut mich Gott heimfuühren. Mit Palmen in der Hand des Sieges zum Gewinn. GOtt Lob! daß ich nun ſagen kan: Ich hab das Ziehl erreicht und ſteige Himmel an Dieſes ſetzet aus dem verſicherten Sinn des Seel. Herr Palmen und deſſen betruͤbter Frau Wittwe/ aus leydtragendem Hertzen M. Gottlieb David Rumpus, Pfarrer zu Lußhein. 89028GO2803320,0380,320,0320,0320,0320,0360,0360,0380, O2 X. Macus PALMARIUIM virtuseſt tendere Surſum, Has onerent etſi mille premantque manus. IE verò expreſſiſſe neget quis, ſtrenue PALMl, Virtutem PFALMA vitaâ obituque tuo. Pie Defuncli memoriæ hoc conſecrat Joann. Pridericus Sutor. Pedag. Eſfling. Rector& Alumn. Ephor. 2800800:8600 CCSc 00660000 XI. 4 e „Fer Palm iſt doch nicht todt/ wiewohl Er iſt geſtorben/ Weil ja das Leben ſelbſt durch Sterben wird erworben. Es gieng das Lebens⸗Liecht allhier ſchon in Ihm auf⸗ Dadurch Er auch zu GOtt gerichtet ſeinen Lauft. Er hat die rechte Perl zu ſuchen Ihm erleſen/ Und iſt ein Reiſender nach Chriſten⸗Art geweſen: —— Als Trauer⸗und Troſt⸗Gedichte. 123 Als deren Niederlag iſt gleichfalls nicht zu Zauß/ Ihr Zandel ſtreckt ſich weit durch alle Bimmel aus. Sie ſind nur Pilger hie/ die nach dem Kleinod jagen/ Und es zugleich in ſich durch dieſe Wuͤſten tragen/ Hier iſt kein Gut vor ſie/ das Liebens⸗wuͤrdig ſey/ Im Glauben eilen Sie die Creatur vorbey. Sie gehn von Arafft zu Rrafft„pblöhon im Druck und Schmer⸗ teu/ Da die Aufſteigungen und Pfade ſind im Hertzen/ Biß daß ſie kommen einſt zu GOtt gen Zion hin/ Da ihre Beylag iſt/ mit voͤlligem Gewinn. Darauf war auch Herꝛ Palm bedacht auf ſeinen Reiſen/ Sich hier in ſeinem Lauff vor GOtt treu zu erweiſen. Es traff Ihn mancher Kampff/ viel Schmach und Haß der Welt/ Weil Er die Warheit ihr mit Nachdruck vorgeſtellt. Ihn konnte keine Laſt noch Luſt der Welt ſo zwingen/ Daß Er nicht ſuchte ſtets aufs neu in GOtt zu dringen/ Und ſeine Lampen hielt mit Oele wohl geſchmuckt/ Damit Er ewiglich mit Palmen werd erquickt. Frau Palmin ſeye dann nun wiederum zu frieden/ Weil auf ein kleines nur ihr Herr iſt abgeſchieden! Dann Er den beſten Tauſch und Wechſel nun gethan: Den Simmel vor die Erd hat Er genommen an. * Pf. LXXXIV, 7. 5. LXX. Alo bezeuget ſeine aufrichtige Liebe und Condolenz uͤber den Seel. Hintritt ſeines ehemahligen hochweithiſten Heren Hoſp its mit hertzlicher Wuͤnſchung Goͤttlichen Troſtes vor die betruͤdte Hin⸗ Kha Nndreas Broß/ geweſener E2ASANS2ANSSANSSSSaNSaSSnNSsakSaNs XII. MWa⸗ durch verbottnen Gnuß des Baums dort war verlohren/ Hat GOtt durch ſeinen Sohn ſelbſten nun wiederbracht: Indem Er Ihn zum Heyl der Menſchen auserkohren/ Vorerſt den Glaubigen zum Lebens⸗Baum gemacht. Wohl dann Herꝛn Palmen Seel/ die ſich mit&Ott beſtrebet/ Durch Glauben/ Buß/ Gebett zu werden einverleibt Dem Baum/ aus deſſen(a) Safſt im Grund zu ſeyn belebet/ Von auſſen fruchtbarlich: drum ſie m 4 jetzt bleibt. 9 H* a (a) Rom, Rom. NI, 17. 124 Trauer⸗und Troſt⸗Gedichte. Hat ſchon manch rauher Wind verſucht Sie umzuwehen/ Gleichſam den palmen⸗Baum bom Baum zu reiſſen aus, Hat Er doch hertzlich gſucht aus Ihm in Ihm zu ſtehen/ So Ihm gelnngen auch biß in das Endhinaus. Doch iſt der Palm⸗Baum jetzt/ denckſt du/ ja ausgehauen/ Hat nicht die Todes⸗Axt Ihn endlich doch gefaͤllt? Rein/ nein des Glaubens⸗Aug das weiter kan durchſchauen Als du/ das ſieht/ wie Er ins Paradieß geſtellt. Des Todes Macht hat nur die Rinde abgeſchmiſſen/ Den Leih/ der zwar verweßt/ doch wird verklaͤrt zulett! Der Kern/ die Seele/ iſt mit nichten weggeriſſen: Iſt ſie nicht vielmehr jetzt in JEſum recht verſetzt?. Der( treu⸗gerechte Paim nun wie ein(d) Palm⸗Baum bluͤhet. Sü Rruchtbar/ grun/ und friſch zu ſeines IEſu Preiß/ Weil Er aus Ihme ſelbſt dem(e) Lebens⸗Zoltz ſtets ziehet In ſich den Lebens⸗Safft in GOttes Paradiß. Frau Palmin aber nun der(t) Sulamitin gleichet/ Die von dem Kreut gedruckt ſich nicht von GOtt abneigt/ Vielmehr durch Creutzes⸗Laſt des Pelm Baimns Lang erreichet/ in grade Laͤn Wann Seel und Geiſt zu GOtt in 98 Ade rc kafft aufſteigt. Ein Baͤumlein/ auf dem Feld vom Wind herum getrieben/ Die Wurßlen in die Erd nur deſto tieffer ſchlaͤgt: So die gepruͤffte Seel/ die doch in GOtt geblieben/. Erſt wurtzelt tieff im Grund/ und(s) Geiſtes Fruͤchten traͤgt. (b) Eph. IV, 13. 14.(c) Eſa. LXI, 3. fin.(d) Pſ. XClI, 13-15.(e) Offenb. XI, 7. c. XXII, 14.(f) Hohelied Sal. VII, 7.(g) Gal. V, 22. Zum aufrichtig treueſten Angedencken ſeines ehmahl hochweriheſten Herin Hoſpitis aufgeſetzt von Theophilo Seeger, damahligen Informat. XIII. O Jammer⸗volle Poſt: Herr Heinrich Palm iſttodt! Wie? kan es dann wohl ſeyn/ daß auch ſafftreiche Palmen * Gantz wider die Natur in ſchwerer Laſt und Noth Erbrechen/ und wie Staub in ſchwartzer Erd zermalmen? Ach freylich ja ſo iſts/ Ihn naget ſchon der Roſt: O Jammervolle Poſt! Daß *Nititur in pondus Palma,& conſurgit in altum, Quo magis hæc præmitur, hoc mage tollit onus. Trauer⸗und Troſt⸗Gedichte. 125 Daß GOtt erbarm/ wie gehts ſo plotzlich an den Knauff Des Hauſes/ daß davon faſt alle Pfoſten zittern/ Der Hoͤchſte bricht herein mit ſeinem Wunder. Lauff/ Und faͤnget an ſo ſehr/ ich weiß nicht wie/ zu wittern/ Allein ein kluges Aug das merckets und verſtehts Das Gott erbarm wie gehts! O wunderbahrer GOtt! wer findet doch die Spuhr Von deinem Wunder⸗Weg/ darauff du Fromme ſendeſt? Du biſts der allezeit aufftieffen Wegen fuhr/ Und niemand ſpuͤhrt den Fuß/ wohin du dich offt wendeſt Mit maucher frommen Seel in Leben oder Todt/ DO wunderbahrer GOtt! O wunderbahrer GOtt! So ſprach die edle Seel/ In Ibrem Todtes Kampff mit offt erhohlten Worten/ Damit vernahm Sie ſchon mit Wunder den Befehl/ Daß SJE hintretten ſoll an jene Sieges⸗Pforten/ Aus Ihrem Wunder⸗Kampff/ aus aller Angſt und Noth/ O wunderbahrer GOtt! Betrauret dieſen Fall/ Ihr ſehr bedrangte Leuth/ Ein Pfleger iſt euch todt/ euch ſtirbt ein treuer Vatter/ Gerechtigkeit zieh an den Traur⸗Rock in der Zeit/ Es geht dahin ein Zeug und guter Menſchen⸗Rather/ All die ihr ſolches fuͤhlt gleich einem Donner⸗Knall/ Betrauret dieſen Fall! „ Das heiſt ein Kauffmann ſeyn/ der gute Perlen ſucht/ Und/ daß Er eines hab/ verkaufft was er beſitzet: So war Herrn Seeligen allzeit die beſte Frucht/ Daß Er nach jenem ſah/ als aus dem Geiſt erhitzet; Dann nur das Himmelreich war ſein Gewinn allein/ Das heiſt ein Kauffmann ſeyn! So nimm Hochtheurer Held/ von deinem Feldherrn an Die ſchoͤne Ehren⸗Kron mit Perlen ausgezieret/ — Dein Kampff hats wohl verdient/ nun ſey der Creutzes⸗Fahn Zu deinem Fuß gelegt/ und in den Saal gefuͤhret/ Wo frohe Ritter ſtehn/ hier iſt Dein Lohn beſtellt/ Nimms an Hochtheurer Held! Hemmt EllRE Thraͤnen⸗See/ die Euch der Kummer plagt/ Aus treuem Freundſchaffts⸗Band/ Ihr Hocherhabne Palmen/ Er geht voran/ Ihr nach/ Er iſt ja gnuͤg betagt/ Schmüͤckt nur die* Lampen hell/ Ihr werdet frohe Pſalmen Mit ſingen in der Freud/ weg mit dem Ach und Weh/ . Hemmt EURE Thraͤnen⸗See! »*Wien wird noch werden Wein! Wien hat euch Leyd gebracht/ Wien bringt Euch wieder Freud/ allwo noch Pfeiler ſtehen An dieſem Palmen⸗Hauß/ daß es ſo bald nichtkracht/ Der * Matth. XIII, 4r.* Leich⸗Text 2, Tim, IV, 17,* Palmen per anagr, Lamb V * Waen per anagr. Wein. 1 5 8 n6 Trauer⸗und Troſt⸗Gedicht. Der Felß/ darauff es ſteht/ wird nimmer untergehen/ Dann Chriſtus iſt der Felß/ drum ſeyder Troſt allein: Wien wird noch werden Wein. Der gantzen ſehr beruͤhmten Palmiſchen Familie und wehrten An⸗ verwandten zu Troſt und gebuhrender Ehrenbezeugung abge⸗ ſtattet von einem Miitt Inuigem Gebett Verpflichteten. eSSSSAS SasSas SanSaeSaeeasSas — Nachgeſchickte 1 Thren⸗Gedaͤchtnuſſe. Grab⸗Schrifft. Jer ligt ein Edler Palm/ der ſich vor Dorn und Hecken In eine dunckle Krufft ſchon laͤngſten wolt verſtecken. 54 Hier lieget Eſſlingen/ zu deinem groſſen Schad/ Ein nußliches Mit⸗Glied von dem Geheimen Rath. Ein Artzt/ der ob der Chur ſich hat zu tod gekraͤncket Den frembde Maladie hat in das Grab geſencket. Er opffert fuͤr den Leib ſein eigen Leben auf/ An dem Er Wunden ſah vom Fuß zum Haupt hinauf. Herꝛn Palmen findt man hie dem weder Neid noch Blamen Den Vorſatz oder Muth der Treue jemahls nahmen. Des wahren Gottesdienſts und GOttes Diener Freund. Der Uugerechtigkeit und aller Laſter Feind. Ein Kauffmann der ſich hat hemühet zu erkauffen Die Edle Perlen und das Kleinod zu erlauffen Das ewig machet reich/ ligt unter dieſem Stein/ Des Hertz des Glaubens⸗Gold und Liebs⸗Rubin faßt ein. Von Arimathia ein Joſeph fuͤllt die Hohle/ Den Richtern jener Welt man ſeinen Geiſt zuzehle. Der ein Nathanael und als Gamaliel Von dem was wieder GOtt bewahrte ſeine Seel. Der ſich der boͤſen Welt faſt allzufrüh entriſſen/ Daßz wahrer Freyheit Er moͤg deſto eh genuſſen. Und wartet/ biß dich auch erloͤßt des HERREN Hand/ Vom Joch der Sunden und Egyptens Sclaven⸗Stand. Du wirſt/ Jeruſalem/ ja keines wegs mißgoͤnnen Dem Edlen Geiſt zur Ruh/ nachdem Er mußte trennen Von M 6⸗ — rauer und Troſt⸗Gedichtt., Von ſeinem Leibe ſich; ders mit dir gut gemeint/ Und wuͤnſchet bald zu ſeyn ewig mit dir vereint. Solches ſetzet, aus auffichtigem Hertzen/ zu wohlve dienten Ehren ſeinem hochgeehrteſten Zerrn Gevattern/ liebwertheſten Freund uund Nachbarn Priderich Balthaſar von RhauLI. J. D. Einer ohnnnttelbahren Reichs⸗Ritterſchafft in Schwaben/ Orts am Kocher/ Conſiliarius und Stadt Ammann allhier. eoooooooocceecoeOGeweeweGooeecooceooe 8 3 II. As/ ſagt mir/ iſt ein Leib/ was ohne Haupt die Slieder? Monſtroſe Mißgebnrth/ zerſtickter Schlangen⸗Schwautz⸗ Wo in dem Regiment die Haupter ſincken meder/ So geths eade olch ans Hertz der Leib erſchuttert gantz. Der hohen Ce dern Fall ſtuͤrtzt auch zugleich die Tannen/ Wie eines Hügels Sturtz das niedre Thal erſchrockt. Da dort die Qlell verſtopfft/ die Fluͤſſe auch zerrannen; Der Sonnen zinſterniß der Sternen Lieeht bedeckt Fehlt einer Heerd der Hirt ſo wird ſie ſth zerſtreuen/ Und aller wilden Thier Frey⸗Beuthe muſſen ſcyn. Haut man die Wurtel ab den allergruͤnſten Meyen/ So wird zugleich der Safft der Aeſte trocknen ein. Wenn ohne Steuermann und Ruder iſt ein Schiffe/ Wenn Ihm der Seegel fehlt und richtiger Compaß/ So rennt es hin und her/ biß ins Verderbens Luff/ Und ſchuͤttet ſeine Wnar in das ungrundlich Naß. So/ wenn der Mutter Bruſt dem Saͤugling wird entzogen/ So iſt Er Iſmagel dort in der Wuͤſten gleich. und wenn dem Taͤulblein iſt der Ehegatt entflogen/ So ſetts ſich dnhnnernehr auf eine gruͤne Eych. Itt nun Herꝛ Palm ſchon nicht das Haupt allhier geweſen/ So war Er doch wohl mehr ale Aug und Ohr dem Haupt. Wie Hand und Fuß zu ſeyn dem Leib Er ſich erleſen/ Vor der Regenten⸗Stell/ die Ihm die Wahl erlaubt. Er war das Hertz der Stadt/ wos Blut zuſammen ſi neras Heth be das Leben ſelber but zuſau men flieſſet/ Von wannen ſich die Krafſt in alle Glieder gieſſet Ohn die der ge ntze Letb iſt elend ranck un 8 Solch Zeugnuß eben Ihm dir a 5 gte Proben/ Da Er gew bnhafft hauf gemeinen Nütz; Daß es nur Uberfluß mnt rten wollen loben/ Den/ deſſen Redlichkeit dem Neid noch bietet Trutz 3 31 Drum 128. Trauer⸗und Troſt⸗Gedichte. Drum nicht Frau Palmin Ihr allein/ auch Wir beklagen/ Daß mit dem werthen Hauß zugleich auch unſrer Stadt/ Wie mit mir redliche Rathts⸗und Amts⸗Freunde ſagen/ Den Vatter/ Freund und Zierd der Tod geraubet hat. So zeuget und beſeuffzet den fruͤhzeitigen Verluſt ſeines geehrteſten eh⸗ mahligen Herrn Collegæ und ſehr wehrteſten Freundes Fohann Philipp Weickers⸗Reuter/I. J. D. J h Phüipp We Ober⸗Steurer 1.1.0 Forſtmeiſter.* MSSa2S3a16 34NS2a12e2SD4S2aIe2, 3u2S Drauer⸗Gedichte 17 Der Valmiſchen Freundſchafft. 2 B gleich von einem Blut her alle Menſchen ſtammen/ * So hat ſie das Gemuͤth doch ſo getheilt von ſammen; Daß gleich nicht einig blieb der erſten Bruͤder⸗Paar/ ☚——Da Neid und Eigenlieb der erſte Schiedsmannwar. Und da Fried oder Krieg die Hertzen ſollen binden/ So ſah' durch bede man die Eintracht mehr verſchwinden. Dann was der Fried vereint/ hat Widrigkeit zerſtreut/ Und was der Krieg gepaart/ hat auch der Fried entzweyt. So gehts/ wenn aus dem EINS mau einmahl ausgegangen/ Und Glieder Ketten gleich nicht aneinander hangen/ Daß aller Orten man das wahr zv ſeyn erfaͤhrt: Was Einigkeit ernaͤhrt/ das hab der Krieg verzehrt. Wir Palmen)/ welche hat ein einger Stamm getragen/ und eine Bruſt geſaͤugt/ mit Warheit koͤnnen ſagen: Daß gleicher Sinn und Lieb uns worden eingefloͤßt/ Welch Band pon Jugend auf kein Zwieſpallt auffgelößt. und wie uns Bruder hatſtets eine Seel beſeelet/ So hat der Seegen auch mit allen ſich vermaͤhlet. Auch dieſen Piſchel Pfeil bißher kein Neid zerbrach/ Daß nicht bey jedem Griff er ſich die Haͤnd verſtach. Es trennt auch nicht der Todt/ kein Seſhſ kan entfernden— Uns wenn ſchon Land und Meer Uns theilet Erd und Sternen. Die Seele bleibt vereint/ es ſteht fur einen Mann Johann David von Palm/ Frantz/ Heinrich/ Jonathann⸗ Aus zweymahl Zweyen zwar den Zweyten wir beweinen/ Nach dem was ſterblich iſt; doch wird uns einſt vereinen Die Wiederbringungs⸗Zeit/ mit dem was jetzt auffreibt Der Todt/ da unterdeß der Geiſt vereinigt bleibt. uNS eine Mutter hier und Todten⸗Krufft wird ſchlieſſen/ Und einer Seeligkeit dort UNSER Geiſt genieſſen/ 8 4 8 1 ₰ Wem — Troſt⸗und Trauer⸗Gedichte. 9 * de e 2 Wenn ſedem ſeine Zeit und Lauff erfuͤllt wird ſeyn/ Zu gehen durch viele Creiß ins einig Centrum ein. . Des ſeelig Verſtorbenen. — Weydtragende Bebruͤdere. 9920, 9586,0560,9520,9550,9320 9320,9356.930,9386,9350,0526 II. Wey JEſus Freundinnen/ und Lazarus zwey Schweſtern/ Maria/ die erwaͤhlt das beſte Theil in GOtt/ Und Martha/ welche ſorgt fur morgen/ heut und geſtern/ 8 Beweinen bede gleich des liebſten Bruders Todt. Doch ſeynd ſie glucklich noch bey Leyd und Liebes Thraͤnen/ Weil/ was der Todt geraubt/ das Leben ihnengiebt. Indeme Chriſtus den/ nach Zweiffel/ Klag und Sehnen/ 1 NeuL-lebend ſtellet dar/ der ſterbend ſie betruͤbt. O rahre Scbweſter⸗ reu⸗ da man ſonſt gern ſicht ſterben/ (Bruder⸗. 4 o Was Leben und Geblut doch naͤchſt verbunden hat; Damit man Geld und Gut alleine moͤg ererben/ Gibt Eltern/ Bruͤder/ Kind/ der Geitz an jenes Statt. So war das Schweſtern⸗Hertz bey uns niemahl geſinnet/ Uns iſt der groſte Schad/ was andern iſt Gewinn/ Intauſend Thraͤnen uns faſt alle Krafft zerrinnet/ Wenn Bruder/ Maͤnner/ Kind zugleich der Todt nimmt hin. Ach waͤre JEſusda/ diß waͤre nicht geſchehen/ Denckt Fleiſch und Unvernunfft mit Martha hoͤchſt betruͤbt. Doch/ wenn Er kommen wird/ ſo wird auch aufferſtehen/ Iſt Slaubens Hofmung noch/ das/ was wir ſiets geliebt. Und diß kan eintzig uns die Wittwen⸗Thraͤnen hemmen/ Was mit des HErrn Mund vergwiſt die Allmachts⸗Hand/ Wir ſollen aus dem Todt Mann/ Bruder/ Kinder nemmen/ und neu verkuupffit ſeyn mit ewgen(Eebens Band. So wolten mit hoͤchſtbetrubter Feder ihre Schmertzen uͤber de — der⸗Fall eines ſo getreuen und hertzlich geliebten dder Se — mehr anzeigen als ausdrucken HB liſabetha Margaretha⸗ Derrn Johann Chriſtoph Magyri/ weyl. Hochfhritl. 1 Wuͤrtenb. Stadt⸗ und Ampts Bogten zu Mar⸗ Hnu bach/ hinterbliebene hoͤchſt⸗betruͤhbte Wittib. Und una Negina/ Herrn Friedrich David Cleſſen/ weyl. Hochfurſil. Wuürtenb. Stadt und Ampt Vogten zu Kirchheim unter Theck/ hinterbliebene hoͤchſibetruͤbte Wittib. ₰ Wenn g rauer⸗und Troſt⸗Gedichte. Enn uns gegeben waͤr vom Loben Wort zu machen/ Und waren uͤberzeugt/ daß groſſer Nutz darbey; Auch wiſten nicht zuvor/ daß an dergleichen Sachen/ - Den wuͤrcklich lobt das Werck/ gantz nichts gelegen ſey. So fehlte uns es nicht von ungemeiner Liebe/ Von ungefaͤrbter Treu/ und wahrer Redlichkeit/ Von unermudtem Fleiß/ und innerm Geiſtes Trieb/ Vom Dienſt dem Vatterland/ und Unpartheiligkeit/ So viel zu ſetzen her/ daß dieſer Raum nicht faſſen— Konnt/ was ein jeder doch ohn uns zuvor ſchon weiß/ Daß Er genug verdient der Patrioten laſſen Zu ſehn geſchrieben ein/ zu ſeinem Ehren⸗Preiß.— Doch iſt Ihm diß genug/ daß Ihn GOtt beſſer kennt/ 4 Vor die Schwaͤger⸗und Bruͤderliche ge⸗gen uns jederzeit real- verſpuͤhr⸗ te Liede/ und genoſſene Gute/ ſeßen dieſes obige zu Hertn Pal⸗ men ſeinem hoͤchſt⸗verdienten/ n jewohl unzulaͤnglichem Nach⸗ Ruhm/ billigſt anhero Fohann Zoſt Wiliardts/ Naria Magdalena/ eine gebohrne Valmin. 800,0,9303680,930220 G,0903020 060 07080050,05005080. IV. SEin Hert wie tieff biſt du in dir geerummtt/ 6 Wie beuget ſich mein Schmertz im Grund? Was nur betruͤbt in mir zuſammen ſtimmet/ Mein Girren hemmt inir Wort und Mund. Der Riß durchſchneidt mir Bein und Marck Der mit den Mann legt mn den Sarck 5 3 Nun hab ich ſaaa⸗ Martet⸗Wochen. In — Krauer und droſt⸗Gedichte.— ett 4 ⁵ʃ II In Einſamkeit haſt du mich nun geſetzet/ Voll Leids bin ich/ von Freuden leer/ Dein Schwerdt hat mich biß auf Stelderlchet Und mich geſenckt ins Trauer⸗ Wie ich Pann wehr/ fadt ich die Wum, Ja/ darff ich reden derb und rund/ Ich murrte wider dich von innen/ Wann Du nicht bliebſt in mneinen Sinnen. Mein Hert iſt weg/ der vnum ſelbſt macht mir Enge/ bey Ihm/ weil Er mi 3age An hh be te ich mein Ge und eeRanwßf da s ihr, Er reißte hin zu emen Gott/ Ia eunſam beim zu Imetma Notd Im nun ach gar zertrennet) Mein Aug mit Recht von räͤnen rennet. Wie wir O Gott d dich nun ſind geſchteden/ Er war bey dir/ Ich aber hier/ So gieb— deiſ ne muxm Ihm Ruh in dir und Stille Mir Sein Schauen Ihn/ mein Trauen mich Erfulle gantz/ und zieh in dich/ So bleiben ſoir n in dir vereinigt. vürm Was Er Bun ae, werd mir bcleangg 4 meine ieh Im Men HcEn laß 1979 rhinen Baln⸗au,wae Idlennes Fefir hr wohl ge Daß ſed Gebrau cabsaune 14, Te engeh de gh wn ean Viaa ſe otnea uanshaſh VI. Willen ſtille/ 4. mich 6 Daea tendat ai 6 *— ₰ 2 62 Trauer· und Troſt⸗— Sied meinem Geiſt dich ſelbſt zur Ehe⸗/— Mach wahres Wohl aus memem gehe. Mhtenta f ie bin ich ſieh! le mich einen uͦſſen 85 Maſeſät undöfeg a4 an/ 5 ſh Um inn're Staͤrck mein'n Eh⸗ Herm ſo zu miſſen) a4. Wies recht und dein Geiſt ſchaffen kan. 12 Gieb Wort/ Liecht/ Krafft/ Gebet/ Gedult. Mel. Zeig ſelbſt im Creutz mir deine Sulb) Te um S. Und deine Guͤt auf engem ABege/ 2 Daß mein Gemuth in Dich ſich lege. Wuͤrck treuen Kampff ſchenal Sieg und Siegts⸗ Palmen, Fuͤll Mich mit dir/ ſenck Dich in mich/ 1I. Aant a⸗ Was nicht aus dir/ in mir ſich muͤß zermalmen/ dan Ich laß dich nicht/ ich halte dich. Du biſt mein Munn/ mein HErꝛ/ mein Gut, Mein Troſt/ mein Staͤrck/ mein Schutz/ mene anuth. Mein Alls/ als mein/ ich nichts mehr achte/ 30 Nur ſelbſt nach dir ich nunmehr trachte. um din. un Dß bleib mein Wo der vo en men 3 GOttes Aoufgder aa 25 Der Engel 4 Wo IEue it/ des euen Bundes Feue 21 n 1 Zeruſalem der Ber Zion/ 4*— ectr Sten 9 2 nan gus0 ae 94 Da ſreb mens eftund Sen bare— 89 as dahin füchrt ir Gewinn Sokbieib ich bey dem den ich liebe/ mich nicht betrube. 5.—„ Wei Er allda⸗ ſlg aackana ſ Cre Amen es geebr 7, A de n* Wer zu JEſu Enalhe n Wird es wohl hethe, n 88 Amnire Er Stt 3 4 14 3Han a. egt 0 reu zu mindern d— Ar* uUnd das Glͤck zu ſpahln. B zu Snd, 1 da as zu erſt keide 1177 e Und 6* anbhie Freuden. 1 30 20 **½ Fbr. NXlI, 2. 3. 4. c. NI, 10.** GaLV. re FIV. und 492 —8 en 18 18 G Wunder⸗GOtt! brach Deine treu eue Seete, 8 Mein Hertzens⸗Schatz! mein Palm! offt voll Verwundrung aus/ Im A 4/—2 1 Trauer⸗ und Troſt⸗ Gedichte. 33 Im Kranck⸗und Todten⸗Bett e) Nereen hnſpffund Strauß/—— Den Lebenslang ich denck und jeden Tag ich 13 Doa 5 nicht ſagen kan/ als nur: O under⸗GOtt! 32 Deinem⸗ Todt. 7 1, In meiner Neh In meiner Noth recht wunderbahr regieret/ Oes HErren Wunder⸗ Hand/ die mich mit denerdanat An deme/ was vergnuͤgt/ ich alles reichlich fand. Nun aus der Eh in Wittwen⸗Stand inich fuhret/ Und mir den ra raubt/ von dem kem Creutz no was man nennt/ mich je getrennt. Mich hat getrennt der Todt dem wir eutgegen 18 Bn Aus unſerm Eßlingen nach Wien n gezogen ſeyn⸗ Damit/ wo ich von Gott das Leben hohlte eint Mein Schatz darfur ſich ſollt dem Todt hinle— Wo meine geuuantſund⸗ ſpeißt mich mein nderGo e MRi Thraͤnen Brodt. 12 Mit Thraͤnen⸗Brod von— an Auf unſrer Wiener⸗Reiß war wohl uns Beden vor⸗/ F Da bey dem Ahſchied ſich faſt aller Muth verlohr/ 4 4½ 3* 4 Nun Lruehe m Batbet und Ge Tlhne* 4 Hat nicht einia aatin mein wunderbahrer don Des Lie han f 2 Des Liebſten Todt war iſt genug b n. 4 Auff andre Wund teſnwunderbahr rr„— Lufer ee han eeege. 14 en Nimmt Ihn ſein SOtt! uan S aunn rittenſ an iin Der Kampff aiatas ümſgan „ 5* uA20 Welt gute Nacht! und Jumnnn— muſE r. Das war/ mein ewreh ſd leee wenonamu Ach! daß es edeenee henröhee eſieiy l Daß ichz u Dir und dauffgenommen! So uff ich Freuden⸗ voll unt Welt gute Ract Es iſt vollbracht. - 2* Es wied venneage, deß eck 105 bewe S Durch meines Mannles Todt/ du cbens Furſt Hen en 4 Daß meine matte Seel gefaſtu wuͤrdigiſt/ 5 Kse e 1 Or Ja achteſts nach dem Geiſt fur deinen Theil in Freuden/ 34 Ensſ un— oruff ich Wunder⸗voll ni 7 1 N 91 hae eeet 1 ne e e S. girret ihrem ſeel. Ehe⸗Schas nach Bophia Watharina Walmin/ Gebohrne Lattermaͤnnin tecſtbantee wa 2000000000·90000000 000900080 0000000000 VI. Ahl dem der Seelund Geiſt in GOttes Willen ſencket/ Jund ſeinen Willen gantz des Vatters Willen ſcencte, Der bleibt im Grunde ſtül/ ob ſchon Vernunfft ſich ſtreubt/ Weil ſich ſein Hertz mit GOtt Mich ASerunft einverleibt.— Welch Glaub und Geiſtes Frucht/ dem HErrn in allem ſchweigenn/ und unter ſeinem Winck den Siun in Demuth beugen? So/ daß der Geiſt in ſich des HSeef a)arehh Mit Chriſti Sinn am Ereutz in Leidſamt Wer ſich Gott laͤſt/ und ſich ver aanab uttt enete Was eigen Willkuͤhr wehlt/ und Tragen buͤcket/ 9 konunt zum Grund der de zähe und Seu Zum SOttesdiens im Geiſt/ fuhlt ei SOttes Huld. Glaubſt du/ und murreſt nicht in deinem herben Leyden/ So ehrſt du GOtt/ und Chriſti Creutzes Bild Ja ſein Geiſt ruht auff dir/ ut was wild. Still ſcyn bringt Huͤlff und Srare, witd ne die auff Wer GOtt gelaſſen ſteht/ demn ſteht der ſuunnofen Weil ſein vergnuͤgt Beiſtſlh 6 öhe Im ſanfft und Berde e di Er iſt der HErr! wir! Ruchr⸗ Er veßß uſteyſ wir nicht ef t die duefſs wſ d 1 r maͤchtig/ wi wie nichts/ 5 L Gebieten iſt ſein Recht/ gehorchen unfer eden neru Bewiſſen/ Schrtfft/ Natur des Hevlands gantzes L Und aller Glaub N nertneren zun Ergeben/ 52 3 n 1eE Des/ das iſt wit esauch Nahme n—— 4 8 In Gottes Rachkund acht/ und ſeinen weiſen 9, Auch iſt ja in dem dueun dienad und Dulf ugoen Weil durch Gedult im Kampff das Kleinod wird er Sedenn wan 0 Gottes esen uund veerten verehrt/ l wehrt Ach! gib uns anhugie Daͤmpff henchinamsſmak enn 149 dm ummd 3 224. Trauer⸗und Troſt⸗Gedichte. 85 In unſerem Gemuͤth manchmahl erwecken will, Durch Glauben und Gebett/ mach unſern Willen ſtill. Den theuren Vatter haſt du von uns weggenommen 5. O Gott! O Vatter/ nunſind wir um den gekommen! Der deine Stell an uns mit Treu und Fleiß vertratt/ Nun fuüͤhre du uns ſelbſt nach deinem Vatters⸗ Rath! Leib/ Leben/ Seel/ Vernunfft/ und was wir ſonſten haben/ Sind die von dix durch Ihn uns anvertraute Sabem Wie auch ſein Zweck mit uns aus rechtem Vatter Sinn/ Auff Sitten und Vernunfft und Fromkeit zielte hin. Wie war ſein Hertz mit Lieb/ Vorſorg und Treu erfuͤllet/ Auff unſre Zucht und Wohl? Sein Todt uns nun verhuͤllet Mit Flor und deneklem Kleid von auſſen an dem Leib Daß uns die aͤußre Traur der inn ren Denckmahl bleib. O Wunder⸗Rath: Er kam zu uns umb wegzugehen/ Von uns an dem Ort/ da wir konten vor Ihm ſtehen/ Und mit durchſchnittner Seel des Vatter Kampff und Noth/ Ja Todt anſchau'n/ wie tieff verborgen fuhrſt du SOtt. Was uns geſchmertzt muſt ſelbſt uns ein ge Labſalbringen/ Was uns geſchwaͤcht muſt uns ſelbſt ſtaͤrcken in dem Ringen/ Des Vatters Ankunfft gab den Augen Freud und Weyd/ Der Weggang lauter Leyde dochauchdas Daſeyn Frrud Wir ehren deinen Schluß und beugen unſre Sinne/ In dir gelaßnem Grund/ und halten in uns inne/ Richt einzuwilligen in das was Fleiſch und Blut Vor Einwurff thut/ gewiß/ daßdus zuletzſt machſt gut. Es ruhe nun in dir des theuren Vatters Seele/ Auff ſeine Klarheit wart der Leib in ſeiner Hoͤle/ Und werde du uns ſelbſt an ſeiner Statt was wir/ An Ihm gehabt/ und doch ſelbſt war zu dancken dir! rau Mutter/ Ier muͤth woll HOtt mit Troſt erfullen/ aß Ihre wahre Ruh werd Ihres Ge es Wällen eie rd e Se Freud/ In rechten Tugenden der rechten Froͤmmigkeit. EEr war als Vatter uns ja eine Gab vom Himmel/ Sein Angedencken zieh aus dieſe Getmmel/ Se dugcden iengadaudns tedetnnrtenman Im Geiſt/ im Glauben/ ſchon/ wo ſein Geiſt/ gehend ein. GOit mach uns ſtumm und taub zureden und zu hoͤren/ en r Gott in ns Vernunfft ſich will empoͤren/ deſhence Senaunzaufteb eyn. ne Fehann Heinrich/ und N n, — Frantz Gottiib Palm, 8 Beede Bruͤder und des ſeel. Verßothenen Soͤhne. 2 * 136 Trauer⸗-und Troſt⸗Gedichte. 1 VII. Ogeht Ihr/ Vatter/ hin? wie/ wolt Ihr uns verlaſſen? 8* Sir⸗ wie Wech die Hemat Jhruns 1 Wenn IHR vom Reiſen ſagt/ wenn Ihr Euch uns entfernt/ Weil Euern Abſchied wir zu tragen nicht gelernt.. Ach! Euer auſſen ſeyn iſt/ als wenn untergangen Die Sonne unſerm Hauß/ das nach Euch traͤgt Verlangen/ Wir zehlten Tag und Stund nachoͤfftern von uns gehyn/ Biß Euer Angeſicht wir kunten wieder ſehn. Nun aber will durchaus uns unertraͤglich fallen Die Wiener⸗Reiſe/ die nichts gutes ahnt uns allen; Wir ſorgen/ Wien/ dac uns die liebſte Mutter gab Den Vatter endlich noch moͤcht reiſſen in das Grab. Und diß/ was wir beſorgt/ und ſonderlich mir kleinen/ Faſt unertraͤglich faͤlt/ wir alle nun beweinen. BVatter! laſt Ihr mich denn gantz allein allhier? Ach! nehmet mich mit Euch/ daß ich Euch nicht verlier. HR ſchicket mir zum Troſt die Mutter gantz verlaſſen war wiederum anheim; in etwas mich zu faſſen Im groͤffeſten Verluſt/ den ich noch nicht verſteh/ Biß mir einſt werden wird empfindlicher das Weh. Doch unter allem Troſt halt ich den fur den Groͤſten/ Daß EuRER Liebe mich und Fuͤrbitt darff getroͤſten Nach Eu REM Todt/ und daß uns GOtt werd ſtehen bey. Der geb/ daß Euer Geiſt zweyfaͤltig auff mirſehyy Ich will EllC H folgen nach in Frommigkeit und Tugend/ Und in des Naͤchſten Dienſt/ nach bingelegter Jugend. Dasß es noch heiſſen ſoll/ durch GOttes Gnad und Gab/ Daß ſeines Gleichen hier Palm hinterlaſſen hab.„ So beklaget ſeines innigſtgeliehten Herrn Vatters fruͤbzeitigen Ver⸗ luſt/ und bezeuget zugleich ſeine Hoffnung und Fuͤrſat, dor mee, und kianne Zelsdes Palaniben Punaen n. de lunoh⸗ Secpold Wark Palm. RSRSRSSArSSanSenèSeanSenSendeSeSenns VIII. nfarit n Her Aee Chl ich betrübtes Kind/ zweymahl verwayſter Wayſe/ Dem in dem rauhen Nord das edle Schweden⸗Land Das Leben gab von dem ich mich Leibnitzin heiſſe/ Durch einer Paimin Frucht/ die mir der Todt entwandt. . 8 7 Ar.— 0 Hab — Trauer⸗und Troſt⸗Gedichte. Hab ich im Eßlingen/ das meine Eltern flohen/ Gefunden Eltern Treu 2 83 meiner Eltern ſtatt/ an] Da ich verlachen kunt des Ungluͤcks ferners Trohen/ Weil meines Vettern Schooß mich auffgenommen hat. Allein eh ichs gedacht/ ſeh ich auch den verblaſſen/ 6 Tochter tt nen mi e Deer Seinen Soͤhnen mich als Seu ſeer zugezehlt/ Und muſte allerdings mich klagen gantz verlaſſen/ 1 Wenn mich die wehrte Baaß nicht haͤtt als Kind erwaͤhlt. Nun ſamt der Mutter ich zwey Vaͤtter dort verehre/ Doch eine Mutter mir auff Erden uͤbrig bleibt/ Die zu behalten mir kein Ungluͤck forthin wehre/ Biß mit den Lebenden der Todt uns dort vereint! Wormit erneuert das unſterbliche Angedencken der ſeelig Verſtor⸗ benen Anna Latharina Leibnitzin. 920220,0786,0326,9320,0380 ,9360,0480,0280,9380,0Ooe 2 1xX. [X Sünd/ du Todes⸗Ouell/ du weſentliches Sterben! 9 Du Drach und ESlangen Saam du inn⸗ und aͤuſſers Gifft! Du ſchroͤcklichs Hoͤll⸗Gewuͤrck! du allgemein Verderben! Du Satans⸗Pfeil/ ſo auch das Marck der Seelen trifft! Du Unausſprechlichkeit! du eingedrungnes Weſen/ Ins Geiſt- und Menſch⸗Geſchopff! du Schaͤndung der Natur! Du Grund/ warum der Meuſch nie voͤllig kan geneſen! Du Wider⸗SOtt! du Wider⸗Chriſt! du ſtete Jammer⸗Spuhr! O Tod/ du Süͤnden⸗Frucht! du Sunden⸗Lohn/ und Spiegel/ Du Schrecken der Ratur! du nFundarekohn⸗ pes Du Pruͤfer unſers Sinns du feurger Schmeltzungs Tuͤgel! Du Schwitz⸗Bad/ deine Hit zeigt recht der Suͤnden⸗Dampff! Du Ordnuug nach dem Fall! du Mittel zur Verklaͤrung! Du zeigeſt Lieb und Zorn; O dunckles Wunder⸗Bild! In dir erkaͤmpfft das Kind/ vom Vatter die Brwahrung;: Der Suünden letztes Recht wird auch in dir geſtillt. O Wunder⸗Rath in dir! den du/ O GOTT! erfunden/ Daß weil der Menſch ſich ſeibſt/ agendo hat verwundt/ Ihm patiendo nur die Wunde wird verbunden/ und Ihm ſein eigen Thun in eignem Leiden kund/ 8 4 4. ₰— Das 338 Trauer⸗und Troſt⸗Gedichte. Das ſundliche Geſchaͤfft des Menſchen/ bracht S0TT Leidden/ Was unrecht/ daß Er auch empfind/ das Er gethan? Das iſt der Gegen⸗Kelch/ den GOTT der Sund beſcheiden/ Den Schmertzen ihres Tods ſieht GOTI mit Freuden an.— Wie moͤcht es beſſer ſeyn? So wird im Grund zernichtet/ Was ehmahls wider GOT ſich hat im Grund gezeugt/ So wird die Schuld des Fleiſchs/ im Fleiſche ſelbſt eutrichtet/ Wann ſich des Menſchen Will in GoTTES Willen beugt. Der Leib iſt GOTTES Holtz/ das Sterben iſt das Faͤllen/ Das Grab macht Ihn zur Aſch/ GOTT iſt der Chymicus, Der groſſe Laborant, aus Ihme wird ausquellen/ Der Cryſtall hohe Leib/ den man dort tragen muß. O mein verborgner GOTT. O hoher Sublimirer/ Des niedern Fleiſch: Gebaͤus/ in einem Bau aus Dir! Du Retter aus dem Fall; Geheimnuß voller Fuhrer/ Des Menſchen durch die Schand/ in deine GoTTE Zier! So ſchaͤndlich wird der Menſch/ ſo ſchaͤndlich muß Er ſterben/ So ſchaͤndlich faulet Er/ und wird zu Staub im Grab/ Und doch dringt deine Ehr durch alles diß Verderben/ Auf daß Dein Wunderwerck durchaus den Vorzug hab. So muß was wider uns/ zu erſt erfullet werden/ Auf das was fuͤr uns iſt/ hernach aucg folgen moͤg. Wer in den Himmel will/ muß we or dieſer Erden! Durch das/ was wiedrig iſt geth jetzt der Himmels⸗Weg; 4 Wer uch. Seele will erhalten/ muß ſie haſſeun/ Wer ſich ſelbſt ſucht und liebt/ ſich ſelbſt verliert und haßt/ Wer alles finden will/ muß was Er hat verlaſſen/—— nit u Nach JESul Sinn und Bild; wer iſt der ſolches faßt? 9 G02S kan den Menſchen bald ein ſolches kraͤfftig lehrenl Im Geiſt/ in dem Er lebt. Im Leib/ wann Er nun ſtirbt; Da Leib und Seel/ und Geiſt ſich muß zum Urſprung kehren/ 5 und GOtt gant ſonderlich um unſre Seelen wirbt 1u Daß kan ein eingier Pfeil des Todes uns bald zeigen/ —₰ D.le wd Eeabuſd denn Geſ t deſfen i a lernt die Serl ſich bald zum wahren Gut zu neige n Da wud in Ihr erweckt/ was tieff u Saläcris lag! 1 und ſolchen Beg zu GOTT/ iſt nun ſein Seel gegangen). Werther Herꝛ Oncle! Ihn hat ſein GOTT auch gelehrt/ Daß zu dem obern Schatz/ unmoͤglich z Aangeu Woͤ von dem unteren das Hertz nicht abgekehrt/ Ihm gabe GoTè das Liecht/ Ehr/ Stand und Gut zu habemn/ Dem innern Sinne nach/ als haͤtt Er ſolches nicht/ Er ſuchte ſeinen SOTT)/ und nicht nur ſeine Saben/ Auf wahrer GOttes Lehr/ war ſeine Luſt gericht. 29 64471 4 Derzweifflung nicht Großmuth/ gibt piche Wehr zur Hand/ Troſt⸗und Trauer⸗Gedichte. 339 Die Lection, ſo heißt: Brich deinn/ dult ahdren V Willen! Hat Ihn/ GOT/ Zeit und Amt und Stand auch wohl gelehrt/ Und ach! wie ſchnelle kams/ paſſive zu erfüͤllen/ Die Ordre, die das Fleiſch ſtets forcht/ der Geiſt nur ehrt! Sein Glaube legte ſich in ſeines Heilands Bilde/ Und rang nach Krafft/ zum Sieg/ in Leibs und Seelen Streit/ Die Lieb/ blieb auch im Tod/ wie in dem Leben milde; ſtieg auf zur Ewigkeit. So gab Er GO2 den Geiſt ſleg au zu Ewigkeit. Solches wolte zu Bezeugung ſchuldigſter Devotion gegen ſei⸗ 2 nem/ da Er lebie/ Vaͤtterlich gegen Ihm Geſinnten/ da⸗ dero auch/ nachdeme Er tod/ kint lich zu ehrenden und hoch⸗ wertheſten Herꝛn Vetter mit bey etzen Johann Heinrich Magirus, Stadtſchreyberey Scribent zu Beyhlſtein. ESSRNS2AESS22SSaSSnNSSanSSansSausans IX SSST Mann und Weib aus zwey ein Fleiſch durchs Band der Ehe/ unsd iſt auch uͤber diß eins worden Hertz und Seel/ DSSo iſt es moͤglich nicht/ daß je zu trummern gehe Diß Band durch eines Theils hinriß ins Grabes Hoͤl. Die wahre Liebe hat ein unverweßlich Leben/ Iſt ſtaͤrcker als der Todt/ beherrſcht die Eitelkeit/ Mackt ſeelen in dem Todt feſt aneinander kleben/ Sie bleibt ein Pelican/ ein Phoͤnix ihrer zeit: Es ſtuͤrtzt in Indien das Ehweib ſich in Flammen/ Ins Feuer ſo den Leib des Ehemanns verzehrt/ Damit auch bleib im Todt die Seel und Leib beyſammen/ Die eine Liebes Glut im Leben hat genaͤhrt. Wird ohne Blut und Todt das Haupt nie abgeſchnitten/ So wird nicht ohne Blut vom Mann getrennt ein Weib. Die weiblich Palme hat ſtets Untergang gelitten/ Wenn ihr der Palmen⸗Baum getrennet ward vomn Leib. Es ſcheint mehr Tapfferkeit mit deme gleich zu ſterben Mit deme das Geſetz zu Lieb und Leid verknuͤpfft Und lauter Zartlichkeit noch hegen in den Scherben Ein Leben/ das der Todt noch niemahl uͤberhuͤpfft. Darum hat Porciã nicht wollen uůberleben Des Edlen Brutus Tod/ ob Haar/ Strick und Gewehr Ihr gleich entzogen ward; hat ſie ſich doch vergeben Mit Opffer⸗Glut/ daß ſie die Liebe nicht verſehr. Doch das iſt Unvernunſſt und Heydniſches Beginnen) Die , 140 Trauer⸗und Troſt⸗Gedichte. Die Haare rauffet aus/ in Thraͤnen will zurinnen/ Sich in den Abgrund ſtuͤrtzt/ das Haupt ſtoßt an die Wand. Das heiſſet mit Gewalt das Schickſaal wollen meiſtern/ Und dem Verhaͤngniß ſelbſt fuͤrſchreiben Maaß und Ziel Durch des Geliebten Todt ſich ſelber gantz entgeiſtern Daß uͤber dem Verluſt man nicht den Schmertzen fuͤhl. Da doch/ fuͤr der man faſt mußt alle Brunnen ſtopffen/ Und der kein Trauer⸗Kleid ſchwartz gnug geweſen iſt/ Die Zeit benommen leicht den Schmertz und Hertzens Klopffen/ Und aus dem Trauer Flor dem Antlitz muſchen mißt. Auch hat ſich manche ſchon darmit zu troͤſten wiſſen), Daß der ſie hat begleit zu ihres Mannes Grab/ Doch ihrer Hoffnung noch nicht ſey zugleich entriſſen/ V und was der Tod geraubt/ das Leben uͤbrig hab. Doch/ wie das erſt zu viel/ nun diß zu wenig heiſſet/ Ein tugendlich Gemuth behaͤlt die Mittel⸗Maß. Mn Thraͤnen ſie zugleich ſich nicht das Hertz ausreiſſet/ Ob ſchon des Hertzens Freud mitgeht die Todes Straß. Es kan ein Eh⸗Weib wohl in Liebe und Gedancken Mit dem Verſtorbenen noch ſtets vermaͤhlet ſeyn) Ein Grabmahl richten auf m ihres Herhens Schrancken Und ins Gedaͤchtnuͤß⸗Plan ſein Bildnuͤß graben ein. Auch wohl kein frembdes Bild mehr an die Seite ſehen/ Dem/ den ſie noch im Todt mit treuer Liebe meint/ Weun zweyte Ehe ſollt die erſte Lieb verletzen 8 Als ob ſie nur ſich ſelbſt und nicht den Mann beweint. Doch muß man dem Geſchlecht nicht zweyfach Wunden ſchlagen/ Noch mit dem Haupt zugleich die Bruſt dem Kind entzih'n; Wie Turtel⸗Tauben zwar den Todt des Buhlen klagen Mit Girren/ doch das Neſt und Junge mnuner fiieh n. Durch Finſterniß der Mond verlieret offt die Sonnen/ Doch laßt Er ſeinen Lauff und ſchwache Wuͤrckung nicht/ Ob Ihm das Silber⸗Liecht und Anmuth ſchon zerronnen/ Hellt nach dem Trauer⸗Flor Er wieder das Geſicht. Iſi dann der Mann die Sonn/ das Weib der Mond im Hauſe/ Muß Sie erblaſſen zwar/ wenn jener untergeht/ Doch naͤhrt die Ho nung ſie/ daß/ nur nach kleiner Pauße/ Ihr Liecht werd neu uufhehn ſie ſchrecken kein Comet. Was Artemiſia fuͤr Nachruhm hab erlanget Bezeugt das Wunderwerck/ ihres Mauſoli Grab/ Damit dem Todte ſie zu trotze hat gepranget/ Da ſie den eignen Leib dem Mann zum Grabe gab. Indem ſie ſeine Aſch mit ihrem Tranck vermiſchet und beeder Bildnuſſe verſetzte in Agat/ Zum Zeichen/ wie diß Steins Liecht nimmermehr verliſchet/ So ihre Liebes⸗Flamm werd brennen frͤh und ſpat. 3 Trauer⸗und Troſt⸗Gedichte. 140 Wiewohl faſt jene Braut ſcheint ihr den Preiß zu nehmen/ Die aus des Braͤutgams Aſch ein Sand⸗Uhr machen licß/ Und mit der Thraͤnen⸗Fluth den Sand⸗Lauff zu beſchaͤmen/ Bey jedes Koͤrnlein Fall ein Dutzend Ach! ausſtieß. a duß ſie nimmermehr des Liebſten moͤg vergeſſen/ Sollt die Bewegung Ser der Todten Aſche ſeyn Die Uhr/ nach welcher Sie wollt ihre Tage meſſen/ Biß beeder Seel und Leib die Ewigkeit verein. Noch mehr gefaͤllet mir Melanien Entſchluſſen/ Da vom Geſetz der Eh' Sie G0TT gemachet frey. Sie danckte voller Troſt/ daß GO TTES zu genüͤſſen/ Und ſeine Braut zu ſeyn/ Sie nunmehr tüͤchtig ſey. Das letzt und Chriſtlichſte Frau Palmin hat erwaͤhlet Da ihr der friſche Schmertz das erſte gab an Hand/ Das Trauren nach Vernunfft hat bißher nicht gefehlet/ Doch troͤſtet nun ihr Hertz der Wiederbringungs⸗Stand. Auch klaget biß dahin/ daß mit Ihr hat verlohren Den allertreuſten Freund/ und Glaubens Mit⸗Ringer/ it Deme das Geſchick zum Leiden hat erkohren Den zu dem Sterben ſich ſchickenden Witzinger. E VB 82 L. — —— — 7 ſ 1 1 —jj— Colour& Grey Control Chart Blue CQyan Green Vellow Hed Magenta White Grey 1 Grey 2 Grey 3 Grey 4 Black ———— 8880