Die landwirthſchaftliche Enquéete im Großherzogthum Heſſen. Veranſtaltet vom Großherzogl.(Diniſterium des Innern und der Iuſkiz in den Jahren 1884, 85 und 86. * 5* 5 5 II. Bancl. Berichte über die landwirthſchaftlichen Verhältniſſe in den Erhebungs⸗Gemeinden. Zweiter Theil. —= 4. Berichte über die landm. Verhältniſſe in den Erhebungs⸗Gemeinden. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. Inhalks⸗Nerzeichniz. Gemeinde Nieder⸗Florſtadt, Kreis Friedberg. Gemeinde Nieder⸗Moos, Kreis Lauterbach. Gemeinde Fürfeld, Kreis Alzey. Gemeinde Guntersblum, Kreis Oppenheim. Gemeinde Wenings, Kreis Büdingen. Gemeinde Groß⸗Rohrheim, Kreis Bensheim. Gemeinde Mühlheim, Kreis Offenbach. Gemeinde Ginsheim, Kreis Groß⸗Gerau. Gemeinde Weſthofen, Kreis Worms. Gemeinde Schwanheim, Kreis Bensheim. Gemeinde Unter⸗Schönmattenwag, Kreis Heppenheim. Gemeinde Habitzheim, Kreis Dieburg. Bericht über die landwirthſchaftlichen Verhältniſſe Gemeinde Nieder⸗Jlorſtadt, Kr. Friedberg, erſtattet von Landwirthſchaftslehrer G. Heuermann zu Friedberg. z;ê Allgemeines. Nieder⸗Florſtadt liegt an der Nidda, etwas unterhalb des Einlaufs der Horloff in letztere, 119 Meter über dem Meere. Seine Entfernung von der Eiſen⸗ bahnſtation Friedberg der Main⸗Weſer⸗Bahn beträgt 9 Kilometer, von Bruchen⸗ brücken 7 Kilometer und von Aſſenheim, Station der Friedberg⸗Hanauer Eiſenbahn, 5 Kilometer. Die größeren Städte Frankfurt, Gießen und Hanau ſind von der Station Friedberg 34, bezw. 31 und 33 Kilometer entfernt. Die Gemeinde zählt zur Zeit 1419 Einwohner in 222 Häuſern und 320 Haus⸗ haltungen, darunter 300 Ortsbürger. Die meiſten Einwohner ſind evangeliſch, nur 15 israelitiſche Haushaltungen wurden gezählt. Letztere betreiben Specerei⸗, Manu⸗ factur⸗, Vieh⸗ und Getreidehandel. Die Einwohrnerſchaft iſt im Allgemeinen ſtändig, nur junge Leute wandern in ziemlich beträchtlicher Zahl aus. Eine Abſchließung der Gemeinde, dadurch, daß die Heirathen meiſt innerhalb des Dorfes geſchehen, findet nicht ſtatt. Nieder⸗ und Ober⸗Florſtadt bildeten früher eine Gemeinde. Wenn dieſelben zur Zeit auch getrennt ſind, ſo ſind doch ihre Gemarkungen keineswegs abgeſchloſſen. Dieſer Umſtand erſchwerte die Erhebungen nicht unweſentlich. Das landwirthſchaftlich benutzte Areal der Gemarkung umfaßt im Ganzen eine Fläche von 665,58 Hectar in 4986 Parcellen, wovon 504,32 Hectar Ackerland und 161,26 Hectar Wieſe. Dieſes Land vertheilt ſich auf 309 Inmärker und ca. 150 1 ¹³⁸ —2— Ausmärker. Von den Inmärkern beſitzen 211, von den Ausmärkern 122 unter ½ Hectar. Die 28 Ausmärker mit größerem Grundbeſitz bebauen denſelben zum größten Theile von auswärts mit, nur 4 derſelben haben ihren Hauptunterhalt aus dieſem Grundbeſitz und ſind den in Betracht zu ziehenden Landwirthen Nieder⸗Flor⸗ ſtadts zugezählt, deren Zahl demnach 102 beträgt. Der landwirthſchaftlich benutzte Boden, der auf letztere entfällt, beträgt in der Gemarkung Nieder⸗Florſtadt 448,69 Hectar. Außerdem beſitzen ſie aber wiederum in der Gemarkung Ober⸗Florſtadt 94,66 Hectar Ackerland, ſo daß das Geſammtareal ihres Beſitzes ſich auf 543,34 Hectar ſtellt. Es beſitzen 35 von 0,5 bis 1 Hectar, 23 von 1 bis 2, 29 von 2 bis 5, 9 von 5 bis 10, 3 von 10 bis 20, 3 von 20 und mehr Hectar. Die Gemeinde Nieder⸗Florſtadt hat ein Beſitzthum von 118,23 Hectar Ackerland und Wieſe, die Pfarrei von 16,31 Hectar Ackerland, die Kirche von 7,40 Hectar Ackerland, zuſammen 141,94 Hectar. Auf die Beſitzer unter 0,5 Hectar und Aus⸗ märker entfallen demnach 74,95 Hectar. Die directen Staatsſteuern für die Gemarkung Nieder⸗Florſtadt betrugen für 1883/84 8470 Mk. An Communalſteuern wurden erhoben für 1884/85 12990 Mk. Letztere betrugen 1883/84 10510 Mk., 1882/83 10690 Mk., 1881/82 17690 Mk. (für ¾ Jahr), 1880 13310 Mk., 1875 7223 Mk., 1874 5472 Mk. Die Gemarkung iſt beſetzt mit: 700 Stück Aepfelbäumen, 220„ Birnbäumen, 370„ Pflaumenbäumen, 20„ Kirſchenbäumen, 1310 Stück. Die Zahl der Obſtbäume vor dem Froſtwinter 1879/80 betrug 5638. Der Wald in der Gemarkung umfaßt 281,28 Hectar, wovon 278,92 Hectar Gemeindewald ſind. Letzterer beſteht aus 236,63 Hectar Buchenhochwald, 16,39 Hectar Buchenniederwald, 10,76 Hectar Eichenhochwald, 9,32 Eichenniederwald und 5,22 Hectar Nadelholz. Steuercapital 1797,7 fl.— Aus demſelben wird jährlich Holz (ſog. Loosholz) im Werthe von 7644 Mk. für die Ortsbürger gefällt und, ſoweit dies möglich, unter dieſelben vertheilt. Der Reſt wird verkauft und der Erlös unter die Ortsbürger ebenfalls vertheilt.— Außer dem Loosholz liefert der Wald jährlich für durchſchnittlich 4500 Mk. Holz, welcher Betrag der Gemeindekaſſe zufließt. Laub⸗ ſtreu ſoll nur bei Streumangel entnommen werden, da letzterer aber bei den ganz kleinen Beſitzern in jedem Jahre vorhanden iſt, ſo werden jährlich ca. 100 Haufen auf Koſten der Gemeinde gerecht und verſteigert. Der Erlös, nach Abzug der Koſten, fällt den Ortsbürgern zu. Die Feldgüter der Gemeinde ſind im Einzelnen verpachtet für rund 2000 Mk., der Betrag fließt in die Gemeindekaſſe.— Von den Gemeindewieſen wird jährlich Heu für 8660 Mk. Geldwerth den Ortsbürgern als ſog. Loosheu zugetheilt. Jeder erhält — 3— ½ Normalmorgen, der Reſt wird verſteigert und der Erlös unter die Ortsbürger vertheilt. Das übrige Heu und das Grummet der Gemeindewieſen wird ebenfalls verſteigert, der Erlös— 4500 bis 5000 Mk.— fließt in die Gemeindekaſſe. Aus verkauftem Loosholz, Loosheu und Laubſtreu hat jeder Ortsbürger eine jährliche Baareinnahme von durchſchnittlich 12 Mk. Der Werth des Gemeinde⸗Grundbeſitzes iſt folgendermaßen veranſchlagt: Werth: Einnahme daraus für die Gemeindekaſſe: Wald 643900 Mk. 4500 Mk. Feldgüter 29930„ 2000„ Wieſen 152120„ 4750„ Summa 825950 Mk. 11250 Mk. Außerdem hat die Gemeinde ein Baarcapital von 10000 Mk., bisher zu 4 ½ pCt., jetzt zu 5 pCt. auf Hypothek in der Gemeinde ausgeliehen. Der Viehſtand in der Gemeinde iſt nach der letzten Zählung folgender: 2 Fohlen, 54 Pferde, 56 Pferde, 80 Kälber, 120 Stück Jungvieh, 10 Ochſen, 450 Stück Rindvieh, 240 Kühe, 220 Ziegen, 320 Schweine. Frage I. a. Welche Bodenverhältniſſe zeigt die Gemarkung, welchen Character hat das Klima und wie iſt hiernach im Allgemeinen die Fruchtbarkeit der Ländereien; iſt letztere ſehr günſtig, mittel oder gering? b. In welchem Verhältniß ſtehen die verſchiedenen Arten des Kulturlandes— Acker, Wieſen, Weiden, Rebland ꝛc.— zu einander und iſt dieſes Verhältniß im Allgemeinen als ein wirthſchaftlich günſtiges zu bezeichnen? c. Welches ſind die hauptſächlichſten Producte der Landwirthſchaft, bezw. welche Productionsrichtungen machen ſich im landwirthſchaftlichen Betriebe der Gemeinde vorzugsweiſe geltend? d. Iſt der landwirthſchaftliche Betrieb im Allgemeinen ein rationeller zu nennen, oder haften ihm weſentliche Mängel an und welche? 2¹³ Stehen letztere u. A. mit einer ſehr weit gehenden Parcellirung der Grundſtücke und dem herrſchenden Flurzwang im Zuſammenhang? a. Der Ackerboden am rechten Nidda⸗Ufer beſteht aus Schwemmlehm. Die Tiefe der Ackerkrume beträgt durchſchnittlich 40 Centimeter, der dann folgende Unter⸗ grund hat bis 1 Meter Tiefe ungefähr gleiche Beſchaffenheit wie die Ackerkrume, dann folgt ſandiger Lehm und Sand; nur die Kuppen ſind flachgrundig. Der Boden der an beiden Nidda⸗lUfern ſich hinziehenden Wieſen iſt ſandiger Lehm, ſtellenweiſe etwas moorig. Am linken Nidda⸗Ufer findet ſich nur noch in der Nähe des Dorfes Schwemmlehm, weiterhin ſteigt das Terrain ziemlich bedeutend und iſt dort der Boden Verwitterungsboden des Baſalts und Melaphyrs von recht wechſelnder Tiefgrundigkeit. Stellenweiſe iſt der Oberboden nur 20 Centimeter tief, darauf folgen die Geſteinstrümmer des Baſalts. Die Süd⸗ und Südoſtſeite der Gemarkung iſt von Höhenzügen und Wald um⸗ geben, von anderen Seiten hat die Gemarkung keinen Schutz. Das Clima iſt in Folge deſſen weniger günſtig, als in manchen anderen Orten der Wetterau, beſonders ſchaden Spätfröſte häufig, ſo daß z. B. reiche Obſternten ſehr ſelten ſind.— Die Wieſen und ein Theil der Ländereien liegen ſo niedrig, daß ſie bei Hochwaſſer ſehr leicht überſchwemmt werden können. Die Fruchtbarkeit des größten Theils der Ländereien muß als günſtig bezeichnet werden, nur ein Theil des Verwitterungsbodens hat eine mittlere und ſtellenweiſe eine geringe Fruchtbarkeit. b. Von der kleinen Fläche Gartenland abgeſehen, gibt es in Nieder⸗Florſtadt nur 2 Arten Culturland, Acker und Wieſe. Dieſelben verhalten ſich wie 3,1:1, welches Verhältniß, da zudem die Grasnarbe im allgemeinen eine gute iſt und die Wieſen im Winter überſtaut werden, als ein günſtiges bezeichnet werden kann. c. Die hauptſächlichſten Bodenproducte ſind Weizen(ca. 100 Hectar), Gerſte (90 Hectar), Hafer(60 Hectar) und Roggen(40 Hectar); von den Hackfrüchten: Kartoffeln(80 Hectar), Dickwurz(40 Hectar) und in den letzten 2 Jahren auch Zuckerrüben(20 Hectar), außerdem Klee(55 Hectar) und Wieſenheu. Von dieſen werden Roggen, Dickwurz und Klee vollſtändig in der Wirthſchaft verbraucht, Gerſte, Hafer, Kartoffeln und Wieſenheu theilweiſe, dagegen Weizen und Zuckerrüben voll⸗ ſtändig verkauft.— Der Obſtbau iſt ſo zurücktretend, daß die Geſammtdurchſchnitts⸗ ernte der letzten 4 Jahre(nach dem Froſtwinter) nur 420 Centner betragen hat. Auch in den 4 letzten Jahren vor dem Froſtwinter(1876—18709) ſtellte ſich der jährliche Durchſchnittsertrag nur auf 1400 Centner. Auf dem Gebiete der Viehhaltung macht ſich beſonders die Aufzucht des Rindes und die Ferkelzucht geltend. Am liebſten verkauft man junge Kühe nach dem zweiten Kalben, während die Ferkel meiſtens im Alter von 6 bis 8 Wochen abgegeben werden. Maſt tritt ſehr zurück. Die Milchproduction iſt, mit Ausnahme einiger größerer Wirthſchaften, verhältnißmäßig gering. Die Milch —].[.————] — 5— wird zum Theil als Vollmilch in der Wirthſchaft verbraucht, zum Theil verbuttert und die Magermilch entweder in der Familie verbraucht, oder zu Handkäſe ver⸗ arbeitet, oder endlich an die Schweine verfüttert. Baares Geld erzielen die Land⸗ wirthe hauptſächlich nur aus dem Verkauf von Weizen(etwas aus Gerſte), Rindvieh und Ferkel. d. Der ganze landwirthſchaftliche Betrieb kann im Allgemeinen ein rationeller nicht genannt werden.— Da die Gewannwege faſt überall fehlen, ſo bindet der Flurzwang die Landwirthe an die Dreifelderwirthſchaft. Auch iſt die Parcellirung (bei den bäuerlichen Beſitzern etwa 10 Parcellen auf 1 Hectar) eine recht beträcht⸗ liche. Die Schwierigkeiten, die hierdurch einer rationellen Bodenbearbeitung und Bewirthſchaftung entgegenſtehen und die daraus reſultirenden Nachtheile ſind be⸗ kannt.— Bis vor Kurzem war auch die Näſſe den niedriger gelegenen Ländereien ſehr ſchädlich, dieſer Uebelſtand iſt indeſſen durch die jetzt faſt vollſtändig durchgeführte Drainage beſeitigt. Der dadurch erzielte Vortheil iſt nach dem einſtimmigen Urtheile aller Betheiligten ein ſehr augenfälliger.— Aber auch die Ackercultur, ſoweit ſie in der Hand des Einzelnen liegt, iſt über das Alte noch faſt nicht hinausgekommen. Bodenbearbeitungsgeräthe beſſerer Conſtruction habe ich nur in den wenigen größeren Wirthſchaften bemerkt. Tiefcultur und künſtliche Düngemittel ſind auch nur hier in Anwendung, indeſſen wird der Zuckerrübenbau bald überall den Fortſchritt fördern. — Die Düngerwirthſchaft ſteht mit wenig Ausnahmen auf einer ſehr niedrigen Stufe. Zum Theile läuft die Jauche aus den Viehſtällen ſchon fort, zum Theil fließt ſie, vereint mit dem von den Gebäuden rieſelnden Regenwaſſer, von der Düngergrube aus in die Straßenrinnen, nachdem ſie noch vorher den in ihr ſchwimmenden Stallmiſt ausgelaugt hat. Die Düngergruben ſind meiſt bis zum Rande voll, jeder Regen, jede neue Quantität Stallmiſt, welche aufgebracht wird, macht ſie überfließen, ja nicht ſelten ſieht man ſogar, daß Rinnen beträchtlicher Tiefe, die ſich wohl im Laufe der Zeiten gebildet haben, da man doch an eine abſichtliche Herſtellung nicht denken darf, das Ausfließen erleichtern. Bei alledem iſt den Landwirthen der Werth der Jauche durchaus nicht unbekannt. Dem Futter⸗ und Hackfruchtbau, für welchen der Boden ſo ausgezeichnet paßt, wird allerdings ziemliche Aufmerkſamkeit zugewendet, ſo daß über ⅛ des Ackerlandes mit Klee und Hackfrüchten bebaut iſt. Für die Viehhaltung iſt von großem Nachtheile, daß die bäuerlichen Beſitzer faſt gar keine Wieſen haben. Von den 162,2 Hectar Wieſen der Gemarkung ſind 89,3 Hectar Beſitzthum der Gemeinde und ca. 45 Hectar gehören den wenigen größeren Beſitzern, ſo daß für die bäuerlichen Grundbeſitzer nur rund 27 Hectar übrig bleiben. Bei ihnen verhalten ſich die Wieſen zum Ackerland ungefähr wie 1: 10. Allerdings bekommt jeder Ortsbürger von ½ Hectar Gemeindewieſen das Heu. Wenn auch Ge⸗ legenheit geboten iſt den Bedarf an Wieſenheu durch Zukauf zu decken, ſo verſchlingt daſſelbe doch alljährlich einen bedeutenden Poſten Baargeld, beſonders da durch Käufer aus Nachbargemeinden, in denen zum Theil noch bedeutend weniger Wieſen vorhanden — 6— ſind, die Preiſe hoch gehalten werden. Wenn auch dieſes Geld der Geſammtheit wieder zufließt, ſo iſt doch das bezeichnete Verhältniß keineswegs dazu angethan, die Viehzucht weiter auszudehnen.* Das Rindvieh, meiſt Simmenthaler Kreuzung, zum größten Theile den voll⸗ ſtändigen Typus der Simmenthaler zeigend, wird im ganzen nicht ſchlecht gehalten und zeigt recht gefällige Formen. Von einer intenſiven Fütterung kann indeſſen nicht die Rede ſein; Kraftfutter wird faſt gar nicht zugekauft. Hier liegt ein großer Mangel im Betriebe. Ganz beträchtliche Mengen von Milch werden in der Haushaltung ſo neben⸗ bei verbraucht und der Reſt wird in der allerprimitivſten Weiſe auf Butter verarbeitet. Die Magermilch wird zum Theil verfüttert, zum Theil gegeſſen, zum kleinen Theile auf Handkäſe und Matte für die Familie verarbeitet. Baares Geld geht nur für einige Pfund Butter ein. Neben der Rindviehzucht hat die Schweinezucht immerhin einige Bedeutung. Es wird hauptſächlich Ferkelzucht getrieben, nur nebenbei mäſtet man zum Verkauf. Die Thiere werden tagtäglich auf die Weide getrieben, obwohl dort Futter nur in ein⸗ zelnen Jahren zu finden iſt. Man hat im ganzen große Antipathie gegen die eng⸗ liſchen Raſſen, wenn auch einzelne Kreuzungsproducte in der Herde zu ſehen ſind. Ein Gemeindeeber engliſcher Raſſe mußte auf Wunſch der Schweinezüchter wieder ab⸗ geſchafft werden. Die vorhandenen Eber bekundeten, daß man auf ihre Auswahl keine beſondere Sorgfalt verwendet. Das gute Ausſehen der Zuchtſauen läßt auf eine ordentliche Haltung und Ernährung ſchließen. Wenn man zur Stallhaltung über⸗ ginge und engliſches reſp. amerikaniſches Blut einmiſchte, würde man mehr Nutzen aus der Ferkelzucht und beſonders aus der Maſt ziehen können. Letzteres iſt indeſſen auch in nächſter Zeit zu erwarten, da das engliſche Blut ſich in der Wetterau ſo aus⸗ breitet, daß es in einigen Jahren die Ueberhand bekommen muß. Beſondere Unterſchiede im Wirthſchaftsbetriebe der bäuerlichen Güter wurden nicht beobachtet. Frage II. a. Wie iſt das Verhältniß der Größe der Gemarkung zur Größe der anſäßigen Landbau treibenden Bevölkerung? b. In welcher Weiſe vertheilt ſich das landwirthſchaftliche Gelände unter die anweſende Bevölkerung(todte Hand, Großgrundbeſitz, Groß⸗, Mittel⸗, Klein⸗Bauern, Taglöhner und Gewerbtreibende) und ſind in den letzten Jahren weſentliche Aenderungen in der Beſitzvertheilung eingetreten? c. Iſt die Beſitzvertheilung im Allgemeinen als eine günſtige zu bezeichnen, wenn nicht, wodurch giebt ſich die behauptete ungünſtige Ver⸗ theilung zu erkennen, welche Umſtände haben letztere veranlaßt, z. B. 8₰ 82 das geltende bäuerliche Erbrecht, die üblichen Syſteme des ehelichen Güterrechts oder der Zuſammenkauf von Grundſtücken? d. Iſt ein Theil der Gemarkung Allmendland und welchen Einfluß hat die Benutzung des letzteren auf die Lage der Bevölkerung? a. Die Größe der Gemarkung beträgt 665,58 Hectar. Davon gehen ab für ganz kleine Beſitzungen und Ausmärker 74,95 Hectar und kommen hinzu die Be⸗ ſitzungen in der Nachbargemarkung Ober⸗Florſtadt mit 94,66 Hectar,— zuſammen alſo 685,29 Hectar. Von den 309 Haushaltungen mit Landwirthſchaft haben nur 102 ein Beſitzthum über ½ Hectar, ſo daß auf letztere pro Haushaltung 6,7 Hectar entfallen. Dieſe Fläche genügt zur Ernährung und Beſchäftigung einer Familie von 2—3 Erwachſenen und 2—3 Kindern, welche Zahlen ſich aus der Einwohnerzahl ergeben, vollſtändig. — Von den 685,29 Hectar befinden ſich allerdings nur 543,35 in den Händen von Privaten, ſo daß an Privatbeſitz auf die Haushaltung 5,3 Hectar entfallen, während an den 141,94 Hectar Gemeinde⸗ ꝛc.⸗Eigenthum auch die übrigen Haushaltungen participiren. b. Die Beſitzvertheilung iſt aus der Zuſammenſtellung zur Beantwortung der Frage VIII erſichtlich. Die Kirche hat ein Beſitzthum von 7,40 Hectar, die Pfarrei von 16,31 Hectar, die Gemeinde von 118,23 Hectar. Letztere vertheilt von 214,5 Normalmorgen Wieſe das Gras unter die Ortsbürger. Trotz mannigfachen Beſitzwechſels hat ſich in den letzten Jahren in der Beſttz⸗ vertheilung wenig geändert. c. Die Beſitzvertheilung kann als eine günſtige nicht bezeichnet werden. Ungefähr die Hälfte des ganzen Beſitzes der in Betracht zu ziehenden Privaten iſt in einer Hand vereinigt, nur 6 Landwirthe beſitzen über 10, nur 9 von 5— 10 Hectar. Es entfallen auf die 87 übrigen pro Haushaltung nur 1,79 Hectar. Von den 320 Familien Nieder⸗Florſtadts haben demnach nur 15 ſoviel Grund⸗ beſitz, daß ſie davon allein leben können. Doch will man auch annehmen, daß 4 Hectar für den Unterhalt einer kleinen Familie ausreichen, ſo kommen von Gruppe III nur noch 8 hinzu, alle übrigen Familien ſind gezwungen, anderweitigen Nebenverdienſt zu ſuchen, ſoweit ſie nicht etwas zupachten können. Es betreiben auch in Wirklichkeit nur 25 Landwirthſchaft allein. Der Großgrundbeſitz iſt bereits älteren Datums, jedoch iſt die Zerſplitterung des bäuerlichen Beſitzes unzweifelhaft durch das geltende Erbrecht, nach welchem jedes⸗ mal das Gut in gleichen Theilen unter die Kinder vertheilt wird, entſtanden. So führen die 320 Familien des Ortes auch nur 95 verſchiedene Familiennamen und manche dieſer Namen kommen 10—15mal vor. d. Die Gemeinde vertheilt alljährlich von 214,5 Normalmorgen Wieſe das Heu und außerdem aus dem Gemeindewald Holz im Werth von 7644 Mk. Namentlich für die kleinen Leute iſt dies eine wohlthätige Beihülfe. Eigentliches Allmendland iſt nicht vorhanden. — 8— Frage III. a. Welches ſind die durchſchnittlichen Preiſe für die einzelnen Boden⸗ qualitäten der verſchiedenen Culturländereien(Acker, Wieſe, Weide, Wein⸗ berg ꝛc.), erſcheinen dieſe Preiſe beſonders hoch oder beſonders niedrig und auf welche Urſachen ſind die bezüglichen Erſcheinungen zurückzuführen? b. Welche Aenderungen in den Preiſen haben ſich in den letzten 5 Jahren vollzogen? c. Pflegt ein ſtarker Umſatz in Liegenſchaften ſtattzufinden und liegt hierfür(ſ. a) ein berechtigtes Bedürfniß vor? a. Die Bodenpreiſe zeigen folgende Abſtufungen: — Ackerland: 1. Boden I. Claſſe in der Nähe des Ortes und vom Wege aus zugänglich.... 4000 Mk. pro Hectar. 2. Boden I. Claſſe in weiterer Entfernung vom Orte und Boden II. Claſſe......... 3500„„„ 3. Boden III. Claſſe........ 3000„„„ 4. Boden IV. Claſſe.... 1500 2000„„„ 5. Boden von gleicher Beſchaffenheit wie Claſſe IV, aber ſehr weiter Entfernung......... 1000„„„ Die Preiſe für Wieſen ſtellen ſich in den beſſeren Qualitäten denen des Acker⸗ landes gleich, in den geringeren ſtehen ſie etwas niedriger. Die Steiggelder müſſen in 6 einjährigen Zielen bezahlt und vom 2. Ziele ab mit 5 pCt. verzinſt werden. Ich bemerke, daß die Seitens der Großh. Centralſtelle für die Landesſtatiſtik im Jahre 1877 ermittelten mittleren Kaufwerthe des Ackerlandes und der Wieſen für die einzelnen Klaſſen bedeutend(20, 25 und 33 pCt.) niedriger angegeben ſind.*) Die Bodenpreiſe ſind ſo hoch, daß eine annehmbare Verzinſung(3 pCt.) bei Abrechnung der Arbeits⸗ und Betriebskoſten, welche auf die zugekauften Grundſtücke entfallen, zur Zeit nicht erreicht wird, in manchen Fällen bleibt für Verzinſung gar nichts übrig. Da aber die meiſten Landwirthe bei dem üblichen Erbrechte nach Theilung des väterlichen Gutes ſo wenig Grundbeſitz erhalten, daß ſie ihre Arbeits⸗ kraft in eigener Wirthſchaft nicht verwerthen und das in der Wirthſchaft noth⸗ wendiger Weiſe ſteckende Betriebscapital nicht ausnützen können, ſo haben ſie aus dem zugekauften Boden,— eben durch Verwerthung ihrer Arbeitskraft und beſſere Ausnutzung des Betriebscapitals— immerhin eine Einnahme, welche die Zinſen für die Steiggelder übertrifft und mithin den Zukauf wünſchenswerth erſcheinen läßt.— Taglöhnerbeſitzungen müſſen nach ſtattgehabter Theilung durch Zukauf ver⸗ *) Die Commiſſion iſt der Anſicht, daß bei den Erhebungen der Großh. Centralſtelle für die Landesſtatiſtik der Ortsmorgen irrthümlich gleich dem Normalmorgen gerechnet worden iſt. 4 42 größert werden, wenn das nöthige Brodkorn und die ſonſtigen Naturalien, welche die Familie bedarf, von dieſen ſelbſt producirt werden ſollen, und darnach ſtrebt jeder Landmann. Auch wünſcht der Taglöhner ein Object für die Verwendung ſeiner Arbeitskraft zu Zeiten, wo dieſe nicht begehrt wird. Dazu kommt, daß manchen Taglöhnern der Acker von ihrem Herrn unentgeld⸗ lich beſtellt wird. Dieſe können demnach hohe Kaufpreiſe zahlen, da die meiſten Productionskoſten hier wegfallen. (Nicht ſelten ſtammt auch das zum Ankauf zu verwendende Geld aus ver⸗ kauftem Grundbeſitz in anderen Gemeinden(z. B. wenn die Frau von auswärts iſt) und erſcheint dann der Kauf dem Betreffenden als Umtauſch von Grundſtücken.) Unter dieſen Umſtänden, deren Urſache,— das Erbrecht—, immer wirkſam bleibt, muß die Nachfrage nach Grundſtücken ſtets ſehr rege ſein und demgemäß der Preis ſich hoch halten. b. Die Preiſe ſind erſt im letzten Jahre etwas gefallen,— allerdings trotz Zuckerrübencultur. c. Der Umſatz in Liegenſchaften iſt ein ſehr bedeutender und betrug in den letzten 5 Jahren 40 bis 50 Hectar. Es würde demnach der Geſammtgrundbeſitz der Privaten, abzüglich des Großgrundbeſitzes mindeſtens in 40 Jahren den Beſitzer wechſeln, ſofern der Umſatz auch in den anderen Jahren der gleiche bliebe und ſich auf alle Beſitzgruppen gleichmäßig erſtreckte. Urſachen für ſo großes Angebot ſind: 1. Das Verheirathen einer beträchtlichen Zahl Grundbeſitzer in andere Ge⸗ meinden, wodurch es für dieſe wünſchenswerth wird, ihr Beſitzthum zu verkaufen, um ſich am neuen Wohnorte dafür wieder anzukaufen. 2. Wegzug derjenigen Söhne von Ortsbürgern, die ein Handwerk gelernt haben, oder in den Dienſt des Staates getreten ſind(Eiſenbahn⸗ und Militärdienſt), ſowie Auswanderung nach Amerika. 3. Auch ſind einige größere Beſitzungen wegen Ueberſchuldung verſteigert worden. Die Urſachen großer Nachfrage ſiehe unter a. Ein berechtigtes Bedürfniß für den verhältnißmäßig großen Umſatz iſt unter den beſtehenden Verhältniſſen hiernach wohl nicht in Abrede zu ſtellen. Frage IV. a. Nehmen die Pachtgüter einen erheblichen Umfang ein und ſtehen die Pachtpreiſe im richtigen Verhältniß zu dem Kaufpreiſe der Ländereien einerſeits und zur Ausnutzungsfähigkeit derſelben andererſeits, eventuell welche Urſachen wirken ſteigernd auf die Pachtpreiſe ein? b. Welche Beſtimmungen gelten insbeſondere in Betreff der Dauer der Pacht, der Bezahlung der Steuern ꝛc., der Verſicherungsprämien, ſowie in Betreff vorzunehmender Meliorationen und etwaiger Pachtnach⸗ — 10— läſſe bei elementaren Unglücksfällen bei Festaliſchomn ſtandesherrlichem und privatem Grundbeſitz? c. Wirken die üblichen ſonſtigen Pachtbedingungen beſonders er⸗ ſchwerend für die Pächter oder nicht? Es ſind verpachtet, ein großes Gut von 229,7 Hectar in 2 Theilen und ein größeres Bauerngut von 26,2 Hectar im Ganzen.— Im Einzelnen ſind verpachtet: von der Gemeinde 26,8 Hectar Ackerland, 2/ Kirche 7,4 2 2 „„ Pfarrei 16,3„„ ſowie von kleinen Beſitzern 12— 15„„ theils Loostheile noch nicht ſelbſtſtändiger Kinder, theils Beſitzthum auswärts Wohnender. Der Pachtpreis der zuſammenhängenden Güter betrug bislang durchſchnittlich 20 Mk. pro ¼ Hectar, iſt jetzt bei einer Pachtung auf 22 Mk., der Zuckerrüben⸗ eultur wegen, erhöht worden. Bei den Einzelverpachtungen werden im Durchſchnitt 24 Mk. pro%¼ Hectar erzielt. Der höchſte Pachtpreis ſtellt ſich auf 40 Mk. pro ½ Hectar und wird für Aecker in nächſter Nähe des Orts erzielt, der niedrigſte auf 12 Mk. Der mittlere Kaufpreis der Ländereien beträgt 2650 Mk. pro Hectar, der Pachtpreis bei geſchloſſenen Gütern 80 bezw. 88 Mk. pro Hectar, demnach 3 bis 3,3 pCt. vom Kaufpreis. Der Pachtpreis bei Einzelverpachtungen ſtellt ſich im Mittel auf 96 Mk. pro Hectar, alſo 3,66 pCt. des Kaufpreiſes. Dem Kaufpreiſe gegenüber erſcheinen dieſe Pachtpreiſe als nicht zu hoch und werden Pächter ſich unzweifelhaft beſſer ſtehen als Käufer, beſonders wenn man noch die Bedingungen unter b berückſichtigt. Allein eine Grundrente in der Höhe des Pachtpreiſes wird bei dem gewöhnlichen bäuerlichen Betriebe wohl kaum irgendwo erreicht, und muß von dieſem Standpunkte aus der Pachtpreis für die Kleinbauern und Taglöhner, welche fragliche Ländereien gewöhnlich pachten, noch zu hoch erſcheinen. Die Pachtpreiſe werden im Allgemeinen durch dieſelben Urſachen auf dieſer Höhe gehalten, welche die hohen Kaufpreiſe bedingen(vergl. Frage III a). b. Der Pachtvertrag wird auf 6 bis 9 Jahre abgeſchloſſen, die Steuern und Brandkaſſengelder bezahlt der Verpächter, ebenſo die Meliorationskoſten, doch müſſen letztere bei den geſchloſſenen Gütern mit 5 pCt. verzinſt werden.— Auch bei Ver⸗ pachtungen im Einzelnen werden für Meliorationen Aufſchläge gemacht, ſo z. B. zur Zeit bei den Gemeindeäckern für Drainage 2 Mk. pro ¼ Hectar.— Pachtnachläſſe finden niemals ſtatt. c. Außer dem wohl allgemein üblichen Verbote des Strohverkaufs bei ge⸗ ſchloſſenen Pachtgütern ſind keine die freie Bewirthſchaftung hemmende oder den Pächter ſonſt benachtheiligende Bedingungen in Gebrauch. — 8 8 Frage V. a. In welcher Weiſe pflegen die Landwirthe ihre Mobilien und Producte gegen Feuer, ihre Früchte gegen Hagel und ihren Viehſtand gegen Unfall zu verſichern? b. Hat die Lebens⸗, Alters⸗ und Renten⸗Verſicherung Eingang in der Gemeinde gefunden, event. in welcher Weiſe und welchem Umfange? a. Gegen Feuer haben die meiſten Landwirthe ihre Producte und Mobilien bei einer größeren deutſchen Feuerverſicherung verſichert. In den letzten 10 Jahren kam ein größerer und ein kleiner Brand vor. Verſicherung gegen Hagel iſt nicht allgemein gebräuchlich und auch in verſchie⸗ denen Jahren der Umfang derſelben verſchieden. Größere Hagelſchäden kamen in dieſem Jahrhundert nur 2 vor(25. Juli 1822 und 18. Juli 1852), und iſt deshalb die Hagelgefährlichkeit der Gegend keine ſehr große. Zur Verſicherung des Viehes gegen Unfall beſteht ſeit 1862 eine Verſicherungs⸗ anſtalt. In derſelben haben zur Zeit 95 Beſitzer 210 Thiere zu einem Geſammt⸗ werth von 37136 Mk. verſichert. Die Thiere werden vierteljährlich abgeſchätzt und bei Unglücksfällen ¾ des Werthes vergütet, außerdem dem Beſitzer die Haut über⸗ laſſen.— Die laufende Prämie beträgt vierteljährlich 1 Pf. auf 2 Mk.= 2„Ct. der Verſicherungsſumme, reicht dieſelbe zur Deckung der Verluſte nicht, ſo wird ein entſprechender Zuſchlag erhoben. In den letzten Jahren hat ſie jedoch mehr wie aus⸗ gereicht, ſo daß ein kleiner Reſervefonds angeſammelt werden konnte. Die Verwal⸗ tungskoſten betragen ca. 46 Mk. b.. Lebens⸗, Alters⸗ und Renten⸗Verſicherung haben noch keinen Eingang gefunden.. Frage VI. In welcher Weiſe befriedigen die Landwirthe in der Regel ihre Creditbedürfniſſe hinſichtlich des Real⸗ und des Perſonalcredits und welches ſind bei beiden Arten des Credites die gewöhnlichſten Darlehens⸗ bedingungen in Bezug auf Zeitdauer und Zinsfuß und werden dabei auch Amortiſationsfriſten(Güterziele) angewendet? Der Realcredit wird zum größeren Theile aus den Geldern der Kirche und der Gemeinde Nieder⸗Florſtadt, ſowie dem Mathildenſtifte Friedberg, zum kleineren Theile bei Privaten von Auswärts und einzelnen wohlhabenderen Dorfeinwohnern befriedigt. Bei gegenſeitiger vierteljährlicher Kündigung beträgt der Zinsfuß 5 pCt. bezw. 6 pCt. Die noch zu 4 ½ pCt. eingetragenen Darlehen der Gemeinde Nieder⸗Florſtadt müſſen jetzt auch mit 5 pCt. verzinſt werden.— Amortiſationsfriſten ſind nicht in Anwendung. — 12— Obwohl es unmöglich war, die Mobiliarſchulden auch nur annähernd mit Sicherheit feſtzuſtellen, ſo unterliegt es doch keinem Zweifel, daß der Perſonalcredit nur zu einem verſchwindend kleinen Procentſatz bei öffentlichen Kaſſen befriedigt wird. Die 3 Vorſchuß⸗ und Credit⸗Vereine in den umliegenden Orten(Reichelsheim, Aſſen⸗ heim und Bruchenbrücken) werden für dieſe Zwecke ſo gut wie gar nicht benutzt, etwas bedeutendere Darlehen ſind beim Mathildenſtift Friedberg und dem Vorſchuß⸗ und Credit⸗Verein Friedberg aufgenommen worden. Der übrige Theil des Creditbedürf⸗ niſſes wird von den beſſer Situirten durch Darlehen auf Schuldſcheine bei Privaten und zum Theil dadurch befriedigt, daß die Geſchäftsleute und Handwerker erſt nach verkaufter Ernte bezahlt werden, worauf man von Neuem wieder borgt.— Weniger gut ſituirte Landwirthe verfahren ebenſo, da ſie aber auch nach der Ernte ihre Schul⸗ den bei allen Geſchäftsleuten und Handwerkern nicht abtragen können, ſo kommt es ſehr häufig vor, daß bei einzelnen, die mit der Rechnung nicht drängen, mehrere Jahre nach einander geborgt wird. Iſt eine ziemliche Summe zuſammen, ſo wird ein Handſchein ausgeſtellt und es beginnt die Verzinſung(wahrſcheinlich wohl ſchon eher!). Häufig wird auch noch ein kleines Darlehen von den Geſchäftsleuten dazu entnommen— um die Summe abzurunden—. Erſcheint der Betreffende dem Ge⸗ ſchäftsmanne ſchließlich für eine ſo hohe Summe nicht mehr ſicher genug, ſo wird die Forderung ausgeklagt und im Hypothekenbuche eingetragen. Es ſind derartige For⸗ derungen für Waaren, Vieh und Darlehen bei Geſchäftsleuten in den letzten 5 Jahren im Hypothekenbuche 39 eingetragen. Auch wurde mir von verſchiedenen Landwirthen dieſe Praxis bei Befriedigung des Perſonalcredits unumwunden eingeſtanden und von ortskundigen Perſonen oben Erwähntes beſtätigt.— Hier gehen jedenfalls durch hohe Zinſen ꝛc., zu theuer bezahlte und ſchlechte Waare, Kauf von Waaren ohne wahres Bedürfniß, bloß um dem Geſchäftsmann, bei dem man geborgt hat, einen Gefallen zu thun, und weil die Gelegenheit da iſt, ohne baares Geld zu kaufen ꝛc., bedeutende Summen verloren. Einſtellvieh iſt nicht vorhanden. Frage VII. a. Wie ſtehen im Allgemeinen die Arbeits⸗ und Geſindelöhne in der Gemeinde, genügt die ortsanſäſſige Bevölkerung zur Beſtreitung der landwirthſchaftlichen Arbeiten oder ſind fremde Arbeiter nöthig und woher kommen letztere? b. Iſt für die landwirthſchaftliche Bevölkerung Gelegenheit zum Nebenverdienſt vorhanden, event. haben dieſe Nebenverdienſte(Arbeiten im Wald, Hausinduſtrie, Fabrikbetriebe, Fuhrweſen ꝛc.) eine beſondere Bedeutung für den Wohlſtand der Landwirthſchaft treibenden Bevölkerung und der Gemeinde im Allgemeinen? —— 44 —— 44 — 13— c. Gibt es Landwirthe in der Gemeinde, die mit Rückſicht auf den Umfang und die Rentabilität ihres landwirthſchaftlichen Betriebes an ſich auf Nebenverdienſt und Tagelöhnerarbeit angewieſen wären, ſolche Arbeiten aber aus Standesvorurtheil, Trägheit ꝛc. nicht ausführen? a. Die Taglöhne berechnen ſich pro Tag ohne Koſt: Für den Mann: im Sommer 1,80 Mk., im Frühjahr und Herbſt 1,40„ im Winter 1,20„ Für die Frau: im Sommer 1 Mk., im Frühjahr und Herbſt 80— 90 Pf., im Winter 60— 70„ Kleinere Bauern bezahlen mehr, im Frühjahr, Sommer und Herbſt durchſchnitt⸗ lich 1,20 Mk. mit Koſt. An Geſinde werden bezahlt: für einen Knecht jährlich 200— 260 Mk., für eine Magd„ 80— 120„ Außerdem erhält der Knecht 1000 Quadratmeter Kartoffelland gedüngt und ge⸗ ackert, die Magd 1 Paar Schuhe und einige Schürzen. In den größeren Wirthſchaften rechnet man die Koſt pro Jahr: für einen Knecht auf ca. 220 Mk., für eine Magdd„„ 160„ In den Bauernwirthſchaften ſcheint ſich die Koſt höher zu ſtellen, da dort die Dienſtboten mit der Familie leben, jedoch habe ich keine, irgendwie zuverläſſige An⸗ gaben darüber bekommen können, weil man derartige Berechnungen dort nicht macht. Nach meiner Berechnung(Anlage I ſtellt ſich hier die Koſt pro Jahr: für einen Knecht auf 275 Mk., für eine Magdd„ 200„ Die ortsanſäſſige Bevölkerung genügt zur Beſtreitung der landwirthſchaftlichen Arbeiten mehr wie vollſtändig. d. Gelegenheit zu Taglohnarbeit geben beſonders das nahe gelegene, 2200 Morgen große Gut Wickſtadt, welches im Sommer etwa 100 Arbeiter beſchäftigt, der Wick⸗ ſtädter und Florſtädter Wald, in welchem ca. 60 Arbeiter durch 3 Wintermonate Holz ſchlagen, ſowie das Braunkohlenbergwerk bei Oſſenheim, in welchem das Jahr durch ca. 15 Perſonen Arbeit finden. Es iſt jedoch zu bedenken, daß die ſämmtlichen Winterarbeiten für die große Zahl reiner Taglöhner nicht einmal ausreichen. Von den Gewerbetreibenden haben ungefähr 20 Perſonen Arbeit in Frankfurt a. M., während ihre Familie in Nieder⸗Florſtadt lebt. 1 — 11— c. Landwirthe, welche aus Standesvorurtheil ꝛc. Gelegenheit zum Nebenverdienſte nicht benutzten, kommen in Nieder⸗Florſtadt nicht vor. Frage VIIII. a. Wie vertheilt ſich der ermittelte Betrag der Immobiliarverſchul⸗ dung auf die einzelnen Beſitzgruppen(größerer, mittlerer und kleinerer Grundbeſitz) und auf welche Gruppe entfällt der ſtärkſte Procentſatz der Schuldenlaſt? b. Datirt der Schuldenſtand aus älterer oder aus neuerer Zeit, im letzteren Fall, wie hat derſelbe im letzten Jahrzehnt zugenommen? c. Sind in den letzten 5 Jahren die Zinſen und Güterziele im All⸗ gemeinen regelmäßig bezahlt worden oder ſind bemerkenswerthe Rückſtände bekannt? d. Welche Urſachen haben einen erkennenswerthen Einfluß auf die Ver⸗ ſchuldung z. B. das beſtehende Erbrecht oder die üblichen ehelichen Güter⸗ ſyſteme, unwirthſchaftlicher Ankauf von Grundſtücken zu hohen Preiſen, ungenügendes Betriebscapital, zu frühe Gründung eines eigenen Haus⸗ halts, Verſchwendung und nachläſſige Wirthſchaft, die Aufeinanderfolge ſchlechter Ernten u. ſ. w.? Von der Ermittelung der Mobiliarſchulden mußte in Nieder⸗Florſtadt abgeſehen werden, da nur ein ſehr geringer Theil des Perſonalcredits bei öffentlichen Kaſſen befriedigt wird, mithin jede, irgendwie ſichere Unterlage fehlte.— Die Kaufſchillings⸗ ſchulden wurden in der Weiſe feſtgeſtellt, daß, unter Controlle der Bürgermeiſterei, jeder Beſitzer die noch reſtirende Summe ſelbſt angab. Für Erhebung der Mobiliar⸗ ſchulden war dieſer Modus ſelbſtverſtändlich nicht anwendbar. a. Tabelle A zeigt, daß einem Geſammt⸗Grund⸗ und Gebäudewerthe der 102 in Betracht zu ziehenden Beſitzungen(der Beſitz unter 0,5 Hectar wurde nicht berück⸗ ſichtigt) von 1782075 Mk. eine Geſammtimmobiliarverſchuldung von 191546 Mk., das iſt von 10,75 pCt. des Werthes, gegenüberſteht.— Von den 102 Grundbeſitzern ſind 90 verſchuldet und zwar bei einem Grund⸗ und Gebäudewerthe von 827000 Mk. mit 191546 Mk.= 23,16 pCt. des Werthes. Der Werth der Beſitzungen der 12 un⸗ verſchuldeten Landwirthe beträgt demnach 955075 Mk. und entfällt zum allergrößten Theile auf 2 Beſitzungen der Gruppe 6, nämlich mit 840000 Mk. Der größte Procentſatz der Verſchuldung entfällt auf die Gruppe 1 und 2 (0,5— 1 bezw. 1—2 Hectar), nämlich 26,8 reſp. 33,96 pCt. des Liegenſchaftswerthes der Gruppe oder 31,54 reſp. 37,09 pCt. des Liegenſchaftswerthes der in der be⸗ treffenden Gruppe überhaupt verſchuldeten Beſitzungen. Aber auch Gruppe 3 und 4 (2—5 bezw. 5— 10 Hectar) haben nicht unbedeutende Immobiliarſchulden, nämlich ☛ 8 —— †—-* 22,86 reſp. 15,86 pCt. des Liegenſchaftswerthes. Gruppe 5 und 6 ſind nur unbe⸗ deutend verſchuldet. Nach Tabelle B betreiben Landwirthſchaft allein 25 Beſitzer, mit einem Liegen⸗ ſchaftswerthe von 1276275 Mk. und 88564 Mk. Schulden= 6,93 pCt. des Werthes. Hiervon ſind verſchuldet 20 mit 286,700 Mk. Liegenſchaftswerth zu 30,89 pCt., während 5 mit einem Liegenſchaftswerthe von 889575 Mk. unverſchuldet ſind. Die höchſte Verſchuldung zeigt Gruppe 2(Gruppe 1 fehlt), nämlich 64,52 pCt. oder auf den Liegenſchaftswerth der Verſchuldeten bezogen ſogar 89,92 pCt.! Gruppe 3 und 4 weiſen ebenfalls eine erhebliche Verſchuldung auf, nämlich 36,71 reſp. 13,60 pCt., während Gruppe 5 und 6 nur unerheblich verſchuldet ſind. Erwerb durch Tagelohn neben Landwirthſchaft(Tabelle C) haben 31 Beſitzer mit einem Geſammtliegenſchaftswerth von 160495 Mk. und einer Immobiliarver⸗ ſchuldung von 33792 Mk.= 21,05 pCt. des Werthes. Verſchuldet ſind hiervon 26 mit einem Liegenſchaftswerthe von 137,195 Mk. zu 24,63 pCt., unverſchuldet 5 mit einem Liegenſchaftswerthe von 23300 Mk. Hier ſind nur die 3 erſten Gruppen ver⸗ treten und zwar iſt die 1. am ſtärkſten verſchuldet mit 30,58 pCt., dann folgt die 2. Gruppe mit 27,97 pCt. und endlich die 3. mit 13,02 pCt. Auf den Werth des verſchuldeten Beſitzes bezogen beträgt die Verſchuldung bei Gruppe 1 47,10 pCt., bei Gruppe 2 27,97 pCt. und bei Gruppe 3 14,79 pCt. Die Verſchuldung derjenigen Landwirthe, welche Nebenerwerb durch Taglohn haben, iſt mithin bedeutend geringer, als derjenigen derſelben Gruppe, die Landwirthſchaft allein betreiben(ſoviel zugepachtet haben, daß ſie ihre Arbeitskraft in der eigenen Wirthſchaft verwenden können). Landwirthſchaft und Gewerbe betreiben 46(Tabelle D). Deren Liegenſchaften haben einen Werth von 345305 Mk. und ſind mit 69190 Mk. Schulden= 20,03 pCt. belaſtet. Hiervon ſind 44 mit einem Liegenſchaftswerthe von 303405 Mk. zu 22,83 pCt. verſchuldet, unverſchuldet 2, mit einem Werthe von 41900 Mk. Die 4 erſten Gruppen ſind ſämmtlich ziemlich gleichmäßig verſchuldet, am ſtärkſten Gruppe 4 mit 26,20 pCt., am ſchwächſten Gruppe 3 mit 18,97 pCt. Gruppe 5 zählt nur 1 Beſitzer der unverſchuldet iſt, Gruppe 6 fehlt. b. Es haben ſtattgefunden in den 5 Jahren: von 1863 bis 68 76 Eintragungen im Hypothekenbuche, im Betrage von 59783 Mk., darunter 3 Eintragungen wegen ausgeklagter Forderung. Davon ſind zur Zeit gelöſcht 44; von 1868 bis 73 70 Eintragungen im Betrage von 55790 Mk., darunter 8 Eintragungen wegen ausgeklagter Forderungen. Davon ſind gelöſcht 34; von 1873 bis 78 57 Eintragungen im Betrage von 45441 Mk., darunter 10 Eintragungen wegen ausgeklagter Forderungen. Davon ſind gelöſcht 14; von 1878 bis 83 130 Eintragungen im Betrage von 106641 Mk., darunter 39 Eintragungen wegen ausgeklagter Forderungen. Davon ſind gelöſcht 19. Es erſcheint hiernach kaum zweifelhaft, daß die Verſchuldung in den letzten Jahren zugenommen hat. Betrachtet man die große Zahl von Eintragungen wegen ausgeklagter Forderungen in der Zeit von 1878— 83, ſo muß man zu dem Schluſſe — 16— kommen, daß eine große Zahl von Landwirthen damals ihren Verpflichtungen— Kaufleuten und Handwerkern gegenüber— nicht nachkommen konnte. Es wird deshalb den übrigen Landwirthen wohl auch an Geld gemangelt haben, und iſt nicht anzu⸗ nehmen, daß die während des betr. Zeitraumes aufgenommene große Summe von 106641 Mk., welche das Doppelte der Summe darſtellt, die in je einem der 3 gleichen vorhergehenden Zeiträume aufgenommen wurde, zur Abtragung alter Schulden benutzt worden iſt, oder eine entſprechende Werthsvermehrung der Güter(durch Meliorationen, beſſere Betriebseinrichtung oder dgl.) ſtattgefunden habe. Von der ſpeciellen Darlegung der Zunahme der Verſchuldung in den ein⸗ zelnen Jahren des letzten Decenniums glaubte man abſehen zu können, weil, wenn auch die ſehr mühevolle und zeitraubende Arbeit des Vergleichs ſämmtlicher Löſchungen des ganzen Hypothekenbuches in jedem einzelnen Jahre mit den neuen Eintragungen des betr. Jahres gemacht worden wäre, die Größe der event. Werthsvermehrung der Güter in dem betr. Jahre nicht hätte feſtgeſtellt werden können. Zudem kann eine, in einem beſtimmten Jahre hypothekariſch geſicherte Schuldſumme nicht dem betr. Jahre zur Laſt gelegt werden, ſondern ſtammt für gewöhnlich aus früheren und zwar verſchiedenen früheren Jahren. Sehr vielfach wird nämlich, um eine Anzahl von Schuldpoſten, die in ganz verſchiedenen Jahren contrahirt wurden, abzutragen, eine Hypothek aufgenommen Aus dem Hypothekenbuche läßt ſich demnach die Zunahme der Verſchuldung nur für eine Gruppe von Jahren mit Sicherheit beweiſen. c. Die Güterziele und Zinſen wurden bislang noch ziemlich pünktlich bezahlt, jedoch muß erwähnt werden, daß dieſes in verſchiedenen Fällen auf Koſten des In⸗ ventars, der Gebäude ꝛc. geſchah, und für Betriebsverbeſſerungen ſelbſtverſtändlich kein Capital aufgewendet werden konnte, ſo daß man einen Rückſchlag zu fürchten hat. d. Als Urſachen der Verſchuldung ſind anzuführen: 1) Das beſtehende Erbrecht, wodurch zunächſt derjenige Sohn, welcher die, im Verhältniſſe zu den Ländereien die ihm zufallen, unverhältnißmäßig große Hofraithe übernimmt, genöthigt wird, den Geſchwiſtern den ihnen daran zuſtehenden Theil ab⸗ zubezahlen. Außerdem iſt eine unvermeidliche Folge des Erbrechts, die außergewöhn⸗ liche Nachfrage nach Grundſtücken und der daraus reſultirende zu hohe Preis derſelben, was wiederum zu Verſchuldung führt. 2) Die niedrigen Getreidepreiſe der letzten Jahre. 3) Vielfache Ueberſchwemmungen der Wieſen und niederen Ländereien.(Seit 1870 kamen 5 mehr oder minder großen Schaden verurſachende Ueberſchwem⸗ mungen vor.) 4) Die außerordentlich hohen Steuern und Abgaben.(Nach Anlage I und II berechnen ſich die Steuern excl. Tilgungsrente auf 7—8 pCt. des Rohertrags oder bei dem größeren Gute auf ca. 18 pCt. des Einkommens, bei dem Taglöhnergütchen auf etwa 8 pCt. des Einkommens. Letzteres hat hohe Einnahmen aus Taglohn, wird dagegen durch die Grundſteuer und die darauf veranlagte Gemeindeſteuer weniger bedrückt.) ,— — 2 ——(— 1— — 7— 5) Der hohe Zinsfuß, welcher für erſte Hypothek 5 pCt., für Nachhypothek gar 6„Ct. beträgt. 6) Der mangelhafte, veraltete landwirthſchaftliche Betrieb, welcher ſeinen Grund hat: a. in dem Mangel an Betriebscapital; b. in der unfreien Bewirthſchaftung des Ackerlandes, bedingt durch die Zer⸗ ſplitterung deſſelben und dem Fehlen der Gewannwege; c. zum großen Theile in der den bäuerlichen Beſitzern eigenen geiſtigen Schwer⸗ fälligkeit, welche verhindert, daß dieſelben mit den Fortſchritten des land⸗ wirthſchaftlichen Betriebes bekannt werden und auf Verbeſſerungen hinzielende Verſuche in eigener Wirthſchaft anſtellen. 220G6 3086 31 V 000,0 †8 96,666 3 4couen 9 00 ½ʃ⁷ι 80˙68 6 02 l — 0or r 002ʃ6 6 118 1 6 3 8 948,8 39,6 3 5 1 5 008˙81 618 9 1— 9.0 1 : PIncplang 9¹ε 00/001 9†9˙161 926˙5, 019˙881 000˙268 88˙† 06 67,01 66, 00½ 006 ½ 006,69 19,73 1 4Gou n ee 9 69,61 10, 668,8 008,1 860,6 0§,08 86,01 1 62 0 98,01 8†,21 866,88 064,91 82*,91 008,116 08,59 6 01— 2 F 99,86 66,†8 666,99 IIr,II 878,†G 260,083 89,06 83 6 2 8 60,18 08,†8 860,9† 4211 8 ⁷,88 061,831 10,88 15 3 1 5 2 FOI8 89 11 668˙88 0rI2 611˙9 28 ˙201 08,16 08 I 40 1 :ro—inqplaog e 2½01 00/001 9†0/161 926˙3, 029˙881 2½0˙8/ 9/†, 301 68,0 66,8 00, 00½ 006,606 26,0983 3 4qoun O 9 96,8½ 10/6 368,8 008,I 600˙6 061,801 14,9† 8 05 01 6 98,01 8†,2I 836/,88 001,91 821/91 008,113 08,†9 6 01 6 r 98,65 66,†8 666,99 IIF,II 8†8,FG 661,686 38,86 68 6 3 8 96,88 08,†6 80, 97 6 8ʃ88 690,181 89,c9 86 81 3 08˙93 89˙1 668˙88 OrI2 611˙96 288˙961 60˙6 48 I 9ʃ0 1 Snaarefldlhl uajnqp! 2 E 2E 2 nueee 4n9 1p o e e ae gun 10p5 I0v 8 a8 ueza Aateucel, evnunheülde ewinrhlcg hu ohide wlwaneg 1b*I —1 rgoe ueg V Jula0⸗ L⸗a0Ge dia aa ee 10688 81˙326 9 000,078 96,936 3 aoul en 03 00 ʃ0† 2091 1 0½ 0l — 8 u 0I 8— 4— 5 918˙8 69˙5 6 6 —— 4 1 40 :poinſplaod 68˙08 00/001 799˙88 008˙05 FrI 89 00 /98 30161 05 6,00 5S8 00 ¼ 00 1— 006,69 19,†6 I aGoulen 05 69,61 d8 † 668,8 008,1 660,5 06†,08 86,01 1 02— 01 09,81 89,96 866,86 066,61 878,II 00,821 79,16 2 0I 6 11,98 69,18 888,88 019˙⁸ 89 ,66 66,06 26,66 8 4— 32 66,68 06,66 185/,06 00 189˙61 900/66 61† 8 5 2 00˙0 00˙0——— 1— 60 :Incplaog qun 96˙9 00/001 799˙88 008˙6 †I”39 91/6,915,1 29/968 95 68,0 1⁵,8 00½ 00 ½ 5 006,606 1,088 8 aceuten 03 17,S 68,† 668,8 008,1 860,6 061,I2 86/15 6 O 0l 09,81 89,96 866,86 066,61 8†8,II 00†,841 19,16 2 Or 6 12,98 69,18 886,88 01⁰˙⁸ 891,66 66 /,06 26,65 8 6 3 66/9 06,86 185˙06 001 189˙61 O08† I r8 9 5 00,0 00˙0—— 22 8— I— 0 ab tnnmen oh afug 10 10 105 10 nndide. wg a& ub ee e wec G G gun a0p 16 unrunnch c i anathe⸗ erälägd au tlg wan raem S1v*1]6 190s 500 ggad :uogog p gte g. - GOS S— GO=A S -G GOS S 3¹³ 009˙83 85˙9 9 b ——— ahout'n 03 9 ——— 02— 01 9 „— 01& F 001˙6 61˙9 1 4— 3 8 J r„, 2 009˙91 60˙8 5 I= 40 1 : ncplaod 1. 89 †6 00˙00 1 36488 919 9½1/63(61˙181 30˙† 93 3——— 18 84— aGom n 9 ————— 05— 01 8 „ 7 84 91 2 T 64,†1 26,18 796,01 990/ 86 †,8 088,12 09,86 6 2 8 26,45 89,88 998,11 088,1 980,01 089,0; 80,11 4 5 1 6 3 012† 01˙(8 598˙11 066˙1 59˙01 281˙06 68 ⁷ 01 1— 0 1 : ponGplaog g 90˙15 00˙001 36498 919 9½1/63 967/˙091 09˙8† 18 —— 8 8——— aGom n O 9 — 85———— 0½ 01 9 5 21 6 7 7 o 77./ 80,81 26,18 796,01 990, 865†,8 080,18 6 ,93 01 4=— 3 8 16,16 89,88 998,11 088,I 980,01 089,07 80,1I 4 5 1 5 8⁰⁷08 01˙⁰8 698˙11 086˙1 3759,01 98/88 87˙01 FI 1= 00 1 a1p* 2htwaskwg wamng 10 10 10 u121 üwg abp⸗ 19 ⸗ 1 S2G e c gun a0po 1v 4O uauaonſt u onc un uahhh Aunanahürs oruhlg un ens Biitg 1S)s : uagoog uegavugojobod, dun lvpgte— ——— ——— aGou'n 083 9 000 9G 86˙81 1 02— 01 9 —— 01=— 9 F ——— 4— 2 8 6 I ö 006 † 99˙0 1 I= 40 1 : rnſplag 88˙36 00˙001 061˙69 0r9˙ 09,˙9† 90†/908 2118 Ff ———————— 1Gout u 03 9 vr 8 17, 7„ 06— 901 2 06,98 98, I 086,6 0007 087, 006,18 91,81 3 01 9 5 26,81 68,68 168,86 922,6 589,91 068,LII 9†,8 11 64— 2 g 86,66 66,13 906,†] G!,S 191,6 600,69 T5,LI II 5— 2 3 8 09˙93 61˙18 166˙15 069˙9 217*/91 0⁰968 16˙81 05 I— 0 1 :poinGplrod n 80˙03 00˙001 061˙69 0rG* 0⁰ 9˙9† 9098˙†8 89˙101 r ———————— a1Gout n 083 9 ———— 000,28 86,81 ¹ 0 2 05,95 28 †1 086,6 006/½ 087†, 006,18 91,81 3 01=. 5 26,81 38,58 29,83 42ʃʃ 689,91 0 8,LII.8 11 4.—— 3 8 86,66 66,16 906,†1 G!.IS 191,6 200,69 fG,Ll 11 5] 3 31˙ 61˙18 266˙1 069˙9 11*61 018 7*¶11 16 1— 0 1 abOοε☛σ ehnedehemnahedyn macß 8 8 I ehhe Iss eon e u u 0rſt un urec Sace namhärg awfih un Le 5 Awanh, 192416 : u*gazog ogaoated n igtee. 95 — 22— Frage IX. a. Wie geſtaltet ſich die Rentabilität des landwirthſchaftlich benutzten Bodens bei großen, mittleren und kleineren(eigenen oder gepachteten) Gütern? b. Wenn die Rentabilität als eine unbefriedigende erſcheint, ſind die Gründe zurückzuführen hauptſächlich auf 1. die Fruchtbarkeits⸗Verhältniſſe der Gemarkung, 2. die mangelhafte Melioration und die Zerſplitterung der Grundſtücke, 3. die im Verhältniß zur Ausnutzungsfähigkeit zu hohen Preiſe des Bodens, 4. einen mangelhaften landwirthſchaftlichen Betrieb, 5. ein zu großes Gebäudecapital, 6. ungünſtige Arbeiterverhältniſſe, 7. ungünſtige Abſatzverhältniſſe(ſchlechte Preiſe, unrationelle Einrichtungen für den Abſatz u. ſ. w.), 8. frühzeitiges Zurückziehen der Eltern und Belaſtung der Güter mit hohen Altentheilen und Leibrenten, 9. beſondere unwirthſchaftliche Gewohnheiten der Landwirthe, z. B. zu ſtarke Pferdehaltung u. dgl., 10. hohe Steuern und Umlagen und ſonſtige dem Commiſſär bekannt gewordene Verhältniſſe? Es iſt zunächſt zu erwähnen, daß nur bei dem größeren Gute ſchriftliche Auf⸗ zeichnungen vorhanden waren und zwar auch hier nur über den Naturalertrag vom Acker, über Einnahmen aus verkauftem Getreide und Ausgaben an Handwerker. Beim kleineren Gute mußten alſo alle, beim größeren die meiſten Zahlen aus dem Gedächtniſſe der Beſitzer geſchöpft werden, ja beim kleineren Gute erklärte der Be⸗ ſitzer ſogar häufiger, daß er über beſtimmte Poſten auch nicht eine annähernde An⸗ gabe machen könne, ſo daß der Commiſſär ganz auf ſich und den beiſitzenden Orts⸗ gerichtsmann reſp. Bürgermeiſter angewieſen war. Obwohl nun jede Zahl auf's ſorgfältigſte, zum Theil durch Meſſungen und Wägungen, zum Theil durch Berech⸗ nungen und Vergleiche controllirt reſp. corrigirt wurde, ſo iſt doch klar erſichtlich, daß bei den einzelnen Poſten ſich Fehler einſchleichen konnten, beſonders wenn man bedenkt, daß der Commiſſär alle ſpeciellen Verhältniſſe des betreffenden Gutes un⸗ möglich bei jedem Punkte genau vor Augen haben kann. Man wird ſich deſſen bei — 239— der Benutzung der einzelnen Zahlen bewußt ſein müſſen. Im Allgemeinen geben aber die beiden Anlagen einen vorzüglichen Einblick in den Betrieb der beiden Güter. I. Beſitzſtand⸗Nachweis, beſtehend aus den Nachweiſen über den Werth von Grund und Boden mit Obſtbäumen, Gebäude⸗ capital, Inventarcapital(todt und lebend) und umlaufendes Be⸗ triebscapital(Vorrath). Größeres Gut. Das Gebäudecapital beträgt.... 21,4% vom Grundeapital. Das Inventarcapital(todt und lebend) beträgt 13,4„„„ Das umlaufende Betriebscapital beträgt.... 4,3„„„ Kleineres Gut. Das Gebäudecapital beträgt.... 44„„„ Das Inventarcapital(todt und lebend) beträgt. 10,3„„„ Das umlaufende Betriebscapital beträgt.... 5,8„„„ II. Natural⸗Rechnung, beſtehend aus den Nachweiſen über Natural⸗Ertrag und Natural⸗Bedarf nebſt Schlußfolgerungen. Die Erträge des Ackers ſind, wenn auch an und für ſich nicht gering, ſo doch bei der vorzüglichen Bodenbeſchaffenheit noch einer ganz beträchtlichen Steigerung fähig. Die Milchproduction iſt ſehr ſchwach.— Der Natural⸗Bedarf für den Viehſtand weiſt nach, daß die Ernährung für Milchproduction, beſonders beim größeren Gute nicht ausreichend iſt. Es entfallen pro Tag auf 1000 Pfd. lebend Gewicht bei dem größeren Gute circa: Trockenſubſtanz: darin verdauliche Nährſtoffe: 16,5 Pfd. Nh. 1,28 Pfd., Fett 0,21 Pfd., Nfr. 9,77 Pfd., Nährſtoffvh. 1: 8. Bei dem kleineren Gute: Trockenſubſtanz: darin verdauliche Nährſtoffe: 21,8 Pfd. Nh. 1,8 Pfd., Fett 0,33 Pfd., Nfr. 12,3 Pfd., Nährſtoffvh. 1: 7,3. Beim kleineren Gute iſt das Futter wohl ausreichend, das Nährſtoffverhältniß aber immerhin ein zu weites, beſonders da hier die Thiere arbeiten müſſen.— Es wird ja freilich auch größeres Jungvieh gehalten, aber auch für ſolches iſt das Ver⸗ hältniß noch zu weit. Die Stallmiſtkoſten(48,9 Pfg. beim größeren und 60 Pfg. beim kleineren Gute) ſind keine geringe, jedoch ſind die für Stroh und Heu einzuſetzenden mittleren Marktpreiſe wohl etwas hoch. Auch ſtehen die mittleren Marktpreiſe für Kartoffeln ꝛc. bedeutend über den Preiſen der letzten beiden Jahre, ſo daß zur Zeit der Stallmiſt billiger produ⸗ cirt wird. III. Geldrechnung, beſtehend aus den Nachweiſen über Geld⸗ einnahmen und Geldausgaben. Beide Güter weiſen einen Ueberſchuß der Einnahmen auf. Da aber die Durch⸗ ſchnittsmarktpreiſe der letzten 5 Jahre eingeſetzt ſind, ſo ſtellt ſich die Einnahme alſo — 24— für die augenblicklichen Verhältniſſe noch zu hoch, weil, wie bemerkt, Getreide und Kartoffeln den niedrigſten Stand der letzten 5 Jahre haben. Außerdem iſt zu be⸗ denken, daß noch mancherlei, wenn auch nicht abſolut nothwendige, ſo doch heut zu Tage unvermeidliche Ausgaben exiſtiren, die nicht in Rechnung gebracht werden konnten(Genußmittel, Vereinsbeiträge ꝛc.). Bei dem größeren Gute reicht der Ueber⸗ ſchuß zur Bezahlung der Zinſen für Kaufſchillingſchulden nicht aus, jedoch hat der Beſitzer nur im Hinblick auf eine ſichere Erbſchaft ſoviel Aecker zugekauft.— Die Einnahmen ſetzen ſich zuſammen: aus Producten des Ackerbaus zu der Viehzucht zu aus Taglohn zu Größeres Gut... 57,2 pCt. 37,6 pCt. 5,2 pCt. Kleineres Gut. 31,1„ 26,2„ 42,7„ IV. Rentabilitäts⸗Berechnung, beſtehend aus den Nachweiſen über den Rohertrag(excl. der für die Production in der Wirthſchaft wieder verwendeten Producte), die Productionskoſten und den Reinertrag. a. Der Reinertrag beträgt: bei dem größeren Gute..... 2,00 pCt. „„ kleineren„.... 0,77„ Der Grund für den unverhältnißmäßig niedrigen Reinertrag des kleineren Gutes gegenüber dem größeren iſt nicht in einem geringeren Rohertrage zu ſuchen, ſondern hauptſächlich in dem im Verhältniſſe zum Grundcapital doppelt ſo hohen Gebäudecapital. Stände letzteres hier im ſelben Verhältniſſe zum Grundcapital, wie bei dem größeren Gute, ſo würden an Verzinſung 142 Mk. geſpart und ſtiege dann der Reinertrag auf 1,93 pCt. b. Wenn man auch die abſolute Genauigkeit der ermittelten Zahlen anzweifelt, ſo iſt doch mit Sicherheit zu erſehen, daß eine normale Verzinſung des Grundcapitals hier nicht, und wahrſcheinlich auch in den allermeiſten Wirthſchaften nicht er⸗ reicht wird. Urſachen dieſer niedrigen Verzinſung ſind: 1. Die verhältnißmäßig zu hohen Bodenpreiſe. Ich nehme an, daß die Boden⸗ preiſe dann zu hoch ſind, wenn— bei einem Betriebe, wie er bei dem Bildungsgrade des dort eingeſeſſenen mittleren und kleineren Landwirths vorausgeſetzt werden kann— unter Zugrundelegung der Durchſchnittspreiſe der letzten 10 Jahre für die land⸗ wirthſchaftlichen Producte nicht eine Grundrente in Höhe der üblichen Verzinſung ganz ſicher ſtehender Capitalien erreicht wird. Berückſichtigt man die große Zer⸗ ſplitterung der Grundſtücke, das Fehlen faſt aller Gewannwege, wodurch eine freie und rationelle Bewirthſchaftung faſt ganz unmöglich gemacht wird, ſo muß man wohl zu dem angeführten Urtheile über die Bodenpreiſe kommen, ſelbſt wenn man 3 pCt. als normal betrachten will. 2. Mangelhafter landwirthſchaftlicher Betrieb, wie in Frage I d ausge⸗ führt wurde. — 25— 3. Unverhältnißmäßig hohe Steuern. Während z. B. in der nahen Kreisſtadt Friedberg für Beamte mit ähnlichem Einkommen, wie die in Betracht gezogenen Landwirthe die Staats⸗ und Communalſteuern zuſammen circa 3 pCt. des Ein⸗ kommens betragen, zahlen die Landwirthe in Nieder⸗Florſtadt 7 bis 8 pCt. des Roh⸗ ertrags oder bis 18 pCt. des Einkommens. Frage X. Zu welchen Schlußbetrachtungen gelangt die Commiſſion auf Grund ihrer Erhebungen über die Geſammtlage der landw. Bevölkerung der Gemeinde, bezw. von welchen Verhältniſſen oder Maßnahmen glaubt ſie eine Beſſerung der wirthſchaftlichen Lage erwarten zu dürfen? Die Erhebungen zeigen zunächſt, daß eine wirkliche Nothlage bei einer größeren Anzahl Landwirthe Nieder⸗Florſtadt's unverkennbar iſt. Es ſind(wie Frage VIIIa zeigt) von 102 Landwirthen 90 mit Immobiliarſchulden belaſtet und zwar 20 die nur Landwirthſchaft betreiben mit 30,8 pCt., 26 die nebenbei Erwerb aus Taglohn haben mit 24,6 pCt. und 44 die nebenbei Gewerbe treiben mit 22,8 pCt. des Liegen⸗ ſchaftswerthes. Zieht man weiterhin die Perſonalſchulden in Rechnung, die dort ge⸗ wöhnlich ebenfalls hoch ſind, wo man hohe Hypotheken trifft, jedenfalls aber ſo hoch, wie die Hypotheken zu veranſchlagen ſein werden, und bedenkt, daß die Grundrente im Durchſchnitt unzweifelhaft unter 2 pCt. bleibt, ſo ergibt ſich, daß die Grundrente bei der allergrößten Zahl von Landwirthen, da 5—6 pCt. Zinſen bezahlt werden müſſen, zur Deckung der letzteren nicht ausreicht. Ein Theil der Zinſen muß von dem Arbeitslohne der Familienmitglieder, den Zinſen des Gebäude⸗, Inventar⸗ und umlaufenden Betriebscapitals(alles zuſammen macht bei dem größeren Gute 1002 Mk. 70 Pf.) gedeckt werden und von dem Reſt hat die Familie Wohnung und Unterhalt zu beſtreiten. Daß dies bei den verhältnißmäßig kleinen Betrieben ſehr häufig nicht möglich iſt, faſt immer aber ein Leben voll Entbehrungen bedingt, bedarf keiner Aus⸗ führung. Es darf deshalb nicht Wunder nehmen, daß, wie in Frage VIIb begründet wurde, die Verſchuldung in den letzten Jahren zugenommen hat. Die Nothlage wird hervorgerufen durch die hohe Verſchuldung und die unge⸗ nügende Rentabilität der Güter, es ſind deshalb die Urſachen der Verſchuldung und ungenügenden Rentabilität, wie ſolche in Frage VIIId und IXb aufgeführt wurden, auch die Urſachen der Nothlage, und die Mittel, welche dieſe Urſachen beſeitigen können, werden auch die Nothlage beſeitigen. Was zunächſt das beſtehende Erbrecht anbetrifft, ſo würde eine Abänderung zu Gunſten eines Anerben ſchon deshalb auf kaum überwindliche Schwierigkeiten ſtoßen, weil die Zerſplitterung ſchon ſoweit vorangeſchritten iſt, daß eine nahmhafte Abfindung der jüngeren Geſchwiſter ohne Theilung des Gutes nicht mehr möglich iſt, voraus⸗ geſetzt, man will das Gut nicht ſo mit Schulden belaſten, daß dadurch dieſelben un⸗ günſtigen Verhältniſſe erwachſen. 1 6 — 26— Eine Steuerentlaſtung des Landwirths iſt unbedingt anzuſtreben und zwar ſowohl durch gerechtere Vertheilung der Staatsſteuern, als ganz beſonders durch Herabmin⸗ derung der Communalſteuern. Während ein Beamter mit ähnlichem Einkommen wie der Beſitzer des in Anlage I näher beſchriebenen Gutes kaum 1,5 pCt. ſeines Ein⸗ kommens an Staatsſteuern zahlt, hat letzterer von ſeinem Einkommen(ca. 1500 Mk., wovon noch 325 Mk. Zinſen abgehen) über 7 pCt. oder reichlich 3 pCt. des Roh⸗ ertrags zu zahlen.— Die Communalſteuern betragen beim größeren Gute gar 11 pCt. des Einkommens. Bedenkt man, daß die Gemeinde dazu eine jährliche Einnahme aus Wieſen, Feldgütern, Wald und Capitalzinſen, veranſchlagt zu 11750 Mk. hat, ſo muß man wohl zu der Ueberzeugung kommen, daß hier in Anbetracht der Lage der Landwirthſchaft geſpart werden muß. Wollte der Staat ſolche Ausgaben, zu denen er die Gemeinde zwingt, ohne daß dieſelbe allein den Nutzen davon hat, z. B. Lehrer⸗ gehalte, auf die Staatskaſſe übernehmen, ſo würde dadurch eine gerechtere Vertheilung ſolcher Laſten und eine Herabminderung der Geſammtſteuern in ſolchen Gemeinden herbeigeführt, die reich an Kopfzahl aber arm an Glücksgütern ſind. Von großer Wichtigkeit iſt es, daß Vorkehrungen gegen Ueberſchwemmungen unter ſtaatlicher Beihülfe getroffen werden. 3 Zum allergrößten Theile aber muß die gegenwärtige mißliche Lage durch Ver⸗ beſſerung des ſehr im Argen liegenden landwirthſchaftlichen Betriebes beſeitigt wer⸗ den, nur ſo bekommt die Landwirthſchaft eine feſte Grundlage. Die Müäglichkeit iſt da, das beweiſen einzelne Güter, ja ſchon eine nur oberflächliche Inſpection einer Anzahl Wirthſchaften.— Zur Verbeſſerung des Betriebes bedarf der Landwirth in erſter Linie billiges Betriebscapital, wie ſolches vielleicht von einer Landescredit⸗ kaſſe gewährt werden könnte. Eine ſolche Creditkaſſe würde dann auch den zur Zeit ſehr hohen Zinsfuß für Hypotheken, welcher die Landwirthſchaft ſehr drückt, herab⸗ mindern können. Um eine Grundlage für rationelle Ackercultur zu ſchaffen, wäre dann weiterhin die Zuſammenlegung der Grundſtücke ins Auge zu faſſen, die, wenn auch manche ihrer Vortheile durch das geltende Erbrecht alsbald wieder zerſtört werden, doch allein ſchon durch Schaffung ordentlicher Gewannwege außerordentlich ſegensreich wirken muß. Ohne jederzeit paſſirbare Gewannwege iſt eine beſſere Fruchtfolge und Ackercultur nicht möglich, nachher könnte Belehrung, eventuell Muſtereinrichtung Wandel ſchaffen.— Eine beſondere Aufmerkſamkeit wäre der beſſeren Verwerthung der Milch zuzuwenden. Eine Centrifugenmolkerei, ſei es Sammel⸗ oder Genoſſen⸗ ſchaftsmolkerei, mit beſchränktem Betriebe, d. h. ohne Käſefabrikation, würde hier zum Ziele führen können, Kälberaufzucht und Schweinehaltung verwerthete die abgerahmte ſüße Milch, während der Butterabſatz ja ſehr geſichert iſt. Die Magerkäſefabrikation macht den Betrieb zur Zeit ſehr unſicher und für ländliche Verhältniſſe zu complicirt. Hat der Landwirth erſt eine entſprechende ſichere Einnahme aus dem Viehſtalle, dann füttert er von ſelbſt beſſer und ebenfalls iſt er auf Vergrößerung des Viehſtandes bedacht. Von großer Bedeutung iſt es dann endlich, daß mit allen Mitteln darauf hin⸗ gearbeitet wird, den jungen Landwirthen eine entſprechende Fachbildung zu geben, ſowohl durch den Beſuch von Ackerbauſchulen, als durch practiſche Ausbildung in — 27— guten Wirthſchaften, damit dieſelben den Verbeſſerungen mehr zugänglich werden. Mag der Beſuch von Schulen bei einer großen Anzahl Landwirthen wirklich auf pecuniäre Schwierigkeiten ſtoßen, in eine beſſere Wirthſchaft könnten die meiſten ihre Söhne doch ſchicken. Sofern die angeführten Mittel nicht hinreichen, die Nothlage zu beſeitigen, müßte man jedenfalls verſuchen, die Getreidepreiſe zu heben. Da die niedrigen Getreide⸗ preiſe unzweifelhaft die Folge ausländiſcher Concurrenz ſind, ſo wäre dies nur durch Schutzzoll zu erreichen. Ob in Nieder⸗Florſtadt die zuerſt erwähnten Mittel aus⸗ reichen würden, den Betrieb rentabel zu machen, wird man mit Sicherheit ohne Verſuch kaum entſcheiden können, aber ebenſo wenig kann man auf das Gegentheil ſchließen. Man muß ſich vielmehr der Anſicht zuneigen, daß ein rationeller Betrieb allein ſchon genüge, wenigſtens jede Gefahr für die Exiſtenz des Landwirths, ſoweit er noch nicht überſchuldet iſt, zu beſeitigen, da es immerhin einzelne, und zwar bäuerliche Betriebe gibt, die ſo viel abwerfen, daß von Nothlage nicht die Rede ſein kann, ohne daß die⸗ ſelben ſich von den übrigen durch etwas anderes, als die beſſere Bewirthſchaftung unterſchieden. Es iſt jedoch unzweifelhaft gewiß, daß die meiſten Landwirthe einen rationellen Betrieb nicht ſo urplöͤtzlich einführen werden, ſie brauchen dazu lange Zeit. Nicht einmal die bedrängte Lage, ja wirkliche Noth, in welche manche derſelben durch die plötzlich ſo enorm gewachſene Concurrenz gerathen ſind, hat dieſe Schwerfälligkeit von ihnen abzuſtreifen vermocht, das ſehen wir, was bleibt da anders übrig, als mit dieſer, allerdings bedauernswerthen Charaktereigenſchaft des mittleren und kleineren Landwirths zu rechnen, wenn man ihm überhaupt helfen will. Von dieſem Stand⸗ punkte aus ſind Schutzzölle als Hülfsmittel freudig zu begrüßen, ſie geben dem Land⸗ wirthe Zeit und Muth zur Einführung von Verbeſſerungen, denn wer den Landmann kennt, weiß, daß er Verbeſſerungen eher zugänglich iſt, wenn es ihm wohl geht, als wenn er mit der Noth kämpft, im letzteren Falle iſt ſein einziger Gedanke—„ſparen.“ Der Berathung über den Bericht wohnten außer den Unterzeichneten bei: Kreis⸗ rath Dr. Braden, Kreisausſchußmitglied Keller aus Oſſenheim, ſowie Bürgermeiſter Alles, Baron von Löw, Oeconom Schaubach und Ortsgerichtsmann Dauernheim, ſämmtlich von Nieder⸗Florſtadt. Nieder⸗Florſtadt, 27. Auguſt 1885. Jaup, Geheimerath. G. Heuermann. ————— Anlage I. Gemeinde Nieder⸗Florſtadt. Beſitzſtand, Natural⸗ und Geld⸗Rechnung und Rentabilitäts⸗Berechnung eines mittleren Bauerngutes von 9,12 Hectar. Der Beſitzer iſt verheirathet, 42 Jahre alt, Vater eines Töchterchens. Außerdem lebt noch der Vater des Beſitzers, ein 75 Jahre alter Mann, der nur noch einzelne häusliche Arbeiten verrichten kann. Im Ganzen beſteht alſo die Familie aus 4 Perſonen, wovon 2 Erwachſene ihre Arbeitskraft der Wirthſchaft widmen. 6 I. Beſitzſtand. A. Grund und Boden mit Obſtbäumen(Grundcapital). 8,22 Hectar Ackerland mittlerer Kaufwerth: Steuercapital incl. Gebäude: 0,90„ Wieſe 24235 Mk. 250 fl. in 45 Parcellen(nach Gütergeſchoß 93 Parcellen). 0,42 Hectar Pachtland, Pachtzins Mk. 46,10, mittlerer Kaufwerth Mk. 1200. 5u Obſtbäume: 3 15 größere Aepfelbäume à Mk. 10(meiſt krank) Mk. 150 1„ Birnbaum........„ 15 15 junge Aepfelbäume à Mk. 5....„ 75 4 4„ Virnbäume a. Ml. 5....„ 20 10„ Zwetſchenbäume à Mk. 1,50..„ 15 Summe Mk. 275 Wiederholung: Eigener Grund und Boden..... Mk. 24235 Pachtland..........„ 1200 Oöſtbänme..........„ 275 — Mk. 25 10 zu übertragen Mk. 25710 — 29— Uebertrag.. Mk. 25710 b B. Gebäude. Eine Hofraithe, beſtehend aus 1 Wohnhaus, 1 Shenet und 3 Ställen, laut Brandlataſter..„ 5258 (NB. Ortsgerichtliches Taxatum Mk. 3600) Auf Grund und Boden laſten Mk. 6500 Schulden. C. Viehſtand. 5 2 Pferde(4 und 12 Jahre alt)..... Mk. 900 3 Kühe, Simmenthaler Kreuzung Gberden ic angeſpannt)......„ 900 4 Ninder, desgl...........„ 660 2 Kälber, desgl...........„ 80 V 1 Zuchtſau mit 5 Läufer........„ 190 15 Stück Geflügel incl. 2 Gänſe.....„ 24 „ 2754 D. Todtes Fubenigr, 2 Fuhrwagen.... Mlk. 150 2 Pflüge und 1 dauſetpan.......„ 55 6 1 Egge.........„15 4 Pferdegeſchirre...........„ 60 1 Häckſelmaſchine...........„ 30 I 1 Rübenſchneidmaſchine.........„ 10 1 Getreide⸗Windfege..........„ 20 Faß⸗ und Bandgeſchirr.........„ 20 Handgeräthe incl. Säcke........„ 70 Hausrath incl. Kochgeſchirr.......„ 100 S E. Vorrath an umlaufendem Betriebeghita ſiehe Rentabilitätsberechnung......„ 1067 Werth des wefnntuen Beſibes.. Mlt. 35319 Inventar der engeren Familienwohnung(Mobiliar incl. Betten, Bettwäſche ꝛc.) Mk. 1400. — II. Natural-Rechnung. A. Natural⸗Ertrag. Aus dem Acker⸗ und Wieſenbau. Der Acker wird nach der in der Gemarkung allgemein üblichen verbeſſerten Dreifelderwirthſchaft bebaut. Im Sommerfeld werden gewöhnlich noch etwas Kar⸗ toffeln gezogen. Außerdem wird ca. 1 Hectar mit Stoppelerbſen zur Gründüngung beſtellt, die⸗ ſelben werden jedoch bei Futtermangel auch abgefüttert. Getreide 5— 3 ⸗ Anbanu 3 SS[=[SIS2[8 7 3[2 V A Centner ee Korn..... 0,94 Hectar 22 53 br ſ ⸗ Hafer.... 1,14„ 36 36 laEt 2 7 Weizen.... 1,94„ 75,44 103,46 ö[S.⸗Gerſte 3.7 1,54„ 77 68,60 Kartoffeln.. 1,20„—— 340 1 Zuckerrüben.. 0,34„———[163 Dickwurz.. 0,84„————[504 Krant. 2, 745 0,10.„———— 30 Klee 560„—————[ l96 Wieſenben 0,88„ 5*——— l= l-Z[70/,4 Obſt... 4,52.————[——[—[4 V Der Durchſchnittsertrag berechnet ſich pro ¼ Hectar wie folgt: 6 bei Korn auf 5,32 Ctr. Körner, 14,00 Ctr. Stroh, 1 Hafer 2 7,89„„ 2 7,89 11 1 „ Weizen„ 9,72„„ 13,33„„ „Gerſte„ 12,50„„ 11,40„„ „ Kartoffeln„ 70,83„ Kuollen, .„ Zuckerrüben„ 120,00„ Rüben, „ Dickwurz„ 150,00„„ „Kraut„ 75,00„ „ Klec⸗„ 40,00„ getrocknet, „ Wieſen„ 20,00„ Heu und Grummet.— Aus dem Viehſtand. Milch. Durchſchnittlich jährlich pro Kuh 1500 Liter, pro Tag und Kuh 4,1 Liter,= Summa 4500 Liter. Rindvieh. 1 Kuh und 1 Rind werden jährlich verkauft, zuweilen auch 2 junge Kühe.— Jährlich treten 4, mitunter 5 Kälber zu, von denen 2 verkauft werden.(Rinder werden nur wenn nicht tragend verkauft.) Schweine. Es ſind von einer Zuchtſau in 2 Würfen durchſchnittlich 12 Ferkel erzielt. Von dieſen werden ca. 7 Stück als Ferkel verkauft und 1—2 fett(à 150 Pfd. Schlachtgewicht), 3 Stück für die Haushaltung geſchlachtet V(Schlachtgewicht ca. 125 Pfd.). Geflügel. 1000 Eier, etwas abgängiges Geflügel und etwas Federn. — 31— B. Natural⸗Bedarf. Für Saatgut: Korn 0,94 Hectax.... 3 Ctr. 26 Pfd. Hafer 1,14„ 2„ 39„ Weizen 1,94„..... 6„ 79„ Gerſte 1,33„.... 4„ 69„ Kartoffeln 4,20 1„... 0... 36„„ Zuckerrüben 0,3434„„„ 3 Dickwurz 0,84„.....„ 5„ Klee 0,60„....„ 24„ Stoppelerbſen 1,00„..... 3„ 50„ Kraut 0,10„.....=„ 1„ Für den Viehſtand: Hafer, den Pferden... 33 Ctr. 17 Pfd. Gerſte, den Schweinen und dem Rindvieh 16„—„ Kartoffeln, meiſt den Schweinen, etwas dem Rindvieh.... 1468„„ Rüben, hauptſächlich dem Rindvieh.. 504„=„ Klee, desgl.... 96„„ 4 Stroh, ſämmtlich zu Futter und Streu (ca. 70 Etr. verfüttert)... 261„„ Wieſenheu und Grummet, den Pferden 103 Ctr., dem Rindvieh 69 Ctr. 172„„ (Zugekauft werden durchſchnittlich 70 Ctr., von 1,4 Hect. Loostheil[Vater u. Sohn je ½ N.⸗Mg.] 16 Ctr., von ⁄¼ Hectar Außenthaltwieſen des Vaters 16 Ctr.) Kleie, vom eigenen Mahlgut 11,25 Ctr., zugekauft 5 Ctr.... 16„ 25„ 4 Oelkuchen...........„„ Nichfai1.ͤ. 2„ Rübenſchnitzel......... 49—„ Milch, abgerahmte........ 876 Liter Molken, Abfälle. Auf 1000 Pfd. lebend Gewicht entfallen täglich für das Nutzvieh: Trockenſubſtanz 16,5 Pfd. Darin ſind verdauliche Nährſtoffe: Nh. Pfd. Fett Pfd. Nfr. Pfd. Mührnoſdei. 1,28 0,21 9,77 Die Nährſtoffmenge iſt unzureichend und das Verhältniß n e. — Der Werth der für den Viehſtand aufgewendeten Producte beträgt Mk. 2763 davon ab die Koſten der für die Pferde verwendeten Producte...„ 758 bleibt für Nutzvieh noch zu verrechnen... Mk. 2005 Der Werth der aus dem iäni iellan Poohuen berchue ſic im Ganzen auf cqa.......„ 1486 Es wären demnach von den Koſten für uühevades rrbucte durch den Stallmiſt noch zu decken.... Mk. 519 Aus obigen Futter⸗ und Srrenrechunngen verechurt ſich die lährliche Stallmiſt⸗ production des Rindviehs und der Schweine auf rund 1060 Centner, ſo daß der Centner Stallmiſt ohne die Koſten für Verpflegung, Stallmiethe ꝛc. auf 48,9 Pf. zu ſtehen kommt. Für die Familie (einſchließlich Tanlühi e ein Mann und eine Frau durch 90 Tage.) Roggen........ 16 Ctr. 74 Pfd. Weizenmehlll........ 3„—„ Gerſte............ 28„ 26„ Kartoffeln... G. 1.. 60„„ Fleiſch(incl. Knochen).„ 31„ (Selbſtproducirtes Schweinefleiſch 375 Pfund, zu⸗ gekauftes Rindfleiſch 156 Pfund) Butter....„ 85„ Schmalz à 10 Pfund vom Schwein—„ 30„ Kaffee(Cichorien)...........„ 52„ Zuder.............„ 12„ Salz.......„...... 1„ 50„ ganze.... 1460 Liter Milch abgerahmte ciſchutisweie retiſ.. 1715„ Buttermilch ca..... 260„ Branntwein........... 140 Eier.......... 41000 Stück Graupen und Gries..........— Ctr. 40 Pfd. Reis..........—„ 35„ Nudeln..„ 1410„ Käſe, Latwerge, Gemüſe, Aepfel, Oel, Gewürz 20. (NB. Der Knecht erhält 16 Ctr. Kartoffeln.) Hiernach berechnet ſich pro Tag und Kopf(Kleie, Mahlzins, Knochen ꝛc. ab⸗ gezogen): 725 Gramm Getreide, 1025„ Kartoffeln, 111,5„ Fleiſch, 33— 19 Gramm Butter, 7„ Schmalz, 11,9„ Kaffee, 2,7„ Zucker, 34,2„ Salz, „ Graupen, Gries und Reis, 9,12„ Nudeln, 0,66 Liter ganze Milch, 0,92„ abgerahmte Milch, reſp. Käſe davon, —„ Buttermilch, Branntwein, Gemüſe, Eier, Oel, Gewürz ꝛc. Darin ſind enthalten: Rohe N.⸗Subſtanz Fett Nfr. Extractſt. Nährſtoffvh. 173,9 Gramm, 94,0 Gramm, 810,5 Gramm, 1:6 Es iſt in Betracht zu ziehen, daß ein gewiſſer Theil der Nahrungsmittel nicht wirklich verſpeiſt wird. Der Werth der verbrauchten Nahrungsmittel beträgt jährlich ca. Mk. 1430 oder täglich Mk. 3,91, pro Tag und Kopf 65 Pf. Die Lebensweiſe der Familie iſt folgende: Erſtes Frühſtück: Kaffee mit Brod und Butter oder Latwerge, häufig auch Kaffee mit Kartoffeln. Zweites Frühſtück: Brod mit Käſe und event. Butter, zuweilen(Ernte ꝛc.) mit Wurſt(Schnaps). Mittageſſen: 5mal wöchentlich etwas Fleiſch oder Wurſt, Gries⸗, Erbſen⸗ ꝛc. Suppe, Gemüſe, Kartoffeln und Brod. Vesperbrod: Kaffee mit Brod und Butter oder mit Brod und Schmier⸗ reſp. Handkäſe oder Brod mit Latwerge(Schnaps). Abendbrod: Kartoffeln mit Milch(Butter⸗ und Dickmilch), Brod, grünen Salat. Sonntags etwas beſſer. Geſinde und Taglöhner eſſen mit der Familie. III. Geld-Rechnung. A. Einnahmen. 28,67 Ctr. Gerſte 3 Mk. 8,80.......... Mk. 252,30 68,65„ Weizen à Mk. 11,25..........„ 772,30 60„ Kartoffeln à Mk. 2,50.........„ 150,— 600 Stück Kraut à 8 Pf............„ 48,— 163 Ctr. Zuckerrüben à 80 Pf..........„ 130,40 130 Pfd. Butter à 90 Pf............„ 117,— zu übertragen.. Mk. 1470,— —————-——————— — 34— 1 Rind und 1 Kuh, reſp. 2 junge Kihſe Piummn orchſchiith 2 Kälber à Mk. 30 7 Ferkel.. 1—2 fette Schweine Aus den Gemeindewieſen und dem Gemeindewald für verkauftes, nicht vertheiltes Loosheu und Lanade erchſinnttli jih lich(2 Mann) Fuhrlohn ca. B. Ausgaben. Steuern und Umlagen: Grund⸗ und Gebäudeſteuer Gemeindeumlagen hierauf.. Staats⸗Einkommenſteuer(incl. Mk. 4,86 iu den alten Vater).. Gemeinde⸗Einkommenſteuer Tilgungsrente(bis 1888 zu zahlen) Löhne: 1 Mann 90 Tage à Mk. 1,20 nebſt voller Koſt 1 Frau 90„ à.„ 0/70„— 1 Knecht 16 Ctr. Kartoffeln, 1 Paar Schnha und 1 Magd 1 Paar Schuhe und. Unterhaltung der Gebäude: Wirkliche Ausgabe.. Unterhaltung des todten Inventars: Wirkliche Ausgaben: dem Wagner. dem Schmied. dem Sattler.... für Hausrath und Handgeräthe Inventar der engeren Familienwohnung. Verſicherungs⸗Prämien: Wirkliche Ausgaben: für Gebäude. für Feuerverſicherung des Inventars, der Producte und des Viehs. Uebertrag Mk. 1470,— 2 500,— 1 60, 1 90,— „ 120,— 1 24, „ 100,— Summa Mk. 2364,— Mk. 75,18 „ 138,45 „ 34,14 „ 26,95 „ 83,12 — Mk. 357,84 Mk. 108,— 1 63,— „ 220,— 2 120,— „„ 211, 1 50,— Mk. 20,— 11 75,— 1 20,— 1 10,— —— 1 125,— 11 20,— Mk. 6,31 „ 15,30 Mk. 21,61 Mk. 1063,84 zu übertragen — —O——O—˖···—·——————— —4 — Uebertrag für Unfallverſicherung des Viehs SDicbieß⸗ verſicherungskaſſe) Pferde⸗Remonte Zukauf von Saatgut: Erbſen 3,50 Ctr.. Kleeſamen 24 Pfd. Zukauf von Futter: Kleie 5 Ctr. à Mk. 4,75 Viehſalz 2 Ctr., Oelkuchen Wieſenheu 70 Ctr. Heizung und Beleuchtung: Holz für Mk. 114, zuumnkohlen circa 50 Ctr. à 42 Pf... Petroleum 72 Liter à 24 Pf. Zukauf von Nahrungsmitteln: Weizenmehl, 3 Ctr. à Mk. 17. Rindfleiſch, 156 Pfd. à 60 Pf. Kaffee, 52 Pfd. à 90 Pf. Zucker, 12„ à 50„ Salz, 150„ à 10„. Branntwein, 140 Liter à 35 Pf.. Graupen und Gries, 40 Pfd. à 24 1f. Reis, 35 Pfd. à 20 Pf.... Nudeln, 40 Pfd. à 34 a Gewürze ec. Mk. 2 Mk. I 21,61 Für Reinhaltung der Wäſche(zum Theil von der Frau beſorgt) Bekleidung Arzt und Apotheke. Thierarzt. 5 Pachtzins für 0,42 Hrrln Acerland Summa Mk. 1063,84 „ 149,61 1 72, „ 58,08 „ 141,75— „ 152,28 „ 301,60 7 22,— „ 250. 11 25,— 2 10,— „ 46,10 Mk. 2192,26 4¹³ — 36— C. Vergleichung der Geld⸗Einnahmen und Geld⸗Ausgaben. Die Einnahmen betrugen Mk. 2364,01. Die Ausgaben betrugen....„ 2192,26 Ueberſchuß.. Mk. 171,75 Davon ſind zu bezahlen Zinſen von Mk. 6500 Kaufſchillingſchulden zu 5 pCt.=......„ 325,— Bleibt Minus.. Mk. 154,75 IV. Rentabilitäts-Verechnung. A. Rohertrag welches durch anderweitige Verdienſte, die hier nicht berechnet werden konnten, gedeckt werden muß. (excl. der für die Production in der Wirthſchaft wieder verwendeten Producte.) Erlös aus verkauften Producten(Mk. 2364— 124). Werth der für die Familie, einſchließlich Dienſtboten, aus der Wirthſchaft entnommenen Producte(Mk. 1430— 301,60) Summa B. Productionskoſten. 1. Gebäudecapital: Zinſen von Mk. 5258 à 4 pCt. Mk. 210,32 Verſicherungsprämie........„ 6,31 Abnutzung, 0,8 pCt.......„ 42,06 Inſtandhaltung.......„ 50,— 2. Capital des lebenden Inventars: Zinſen von Mk. 2754 à 4 pCt. Mk. 110,16 Verſicherungsprämie, 2,5 pGt.....„ 68,85 Abnutzung, 8 pCt. vom Werth der Pferde (Ter. 900)..........„ 72,— 3. Capital des todten Inventars: Zinſen von Mk. 530 à 4 pGt..... Ml. 21,20 Verſicherungsprämie, 0,2 pCt.....„ 1,06 Erneuerung und Inſtandhaltung(wirkliche Ausgaben).......„ 125,— 4. Zinſen des umlaufenden Betriebscapitals(50 pCt. der jährlichen baaren Ausgaben= Mk. 1067 zu 6 pCt.)....... 5. Hagelverſicherungsprämie. War bis zum letzten Jahre zu durch⸗ ſchnittlich Mk. 5000 verſichert, davon 0,8 pCt. Prämie. zu übertragen Mk. 2240,— „ 1128,40 — . Mk. 3368,40 Mk. 308,69 251,01 II 147,26 72 64,02 7 40,— — 2 Mr. 810,98 — — Uebertrag Mk. 810,98 6. Feuerverſicherung der Producte(wirkliche Ausgabe)....„ 6,87 7. Steuern und Umlagen(excl. Tilgungsrente und Perſonalſteuer)„ 213,63 8. Saatgut„ 58,08 9. Kraftfutter und Heu Gugekauftes und von den Außenthaltwieſen) 10. Heizung und Beleuchtung(25 pCt. der Pumaüen Ananohe „ 165,15 75 pCt. für die Familie)„ 38,07 11. Thierarzt..„ 10,— 12. Arbeitslöhne: 1 Knecht, Mk. 220 und 1 Paar Schuhe= Mk. 7 und Koſt zu Mk. 2757 Mk. 502,— 1 Magd, Mk. 120 und 1 Paar Schuhe= Mk. 6 und Koſt zu Mk. 200...„ 326,— Taglöhner, 1 Mann und 1 Frau durch 90 Tage(à Mk. 1,20 bezw. 0,70 und Koſt)„ 290,— Lohn der Familienmitglieder: Der Mann verwendet 210 Tage, die Frau 150 Tage in der Wirthſchaft.„ 597,— —„ 1715,— Summa.. Mk. 3018,38 C. Reinertrag. Der Rohertrag betrug.... Mk. 3368,41 Die Productionskoſten betragen.„ 3018,38 Bleibt Reinertrag.. Mk. 350,03 Es ſind noch hinzuzurechnen: a) Wohnungenniethe für die Familie.„ 100,— b) ⅛ der Einnahmen aus dem Fuhrgeſchäft(½ als Taglohn gerechnet)...„ 66,— Es ſind nämlich ſämmtliche für Pferde⸗ haltung und Geſchirr entſtehenden Koſten der Wirthſchaft zur Laſt geſchrieben. Es ſtellt ſich demnach der Reinertrag auf.. Mk. 516,03 Das Grundcapital beträgt incl. des Werthes der Pachtländer Mk. 25710, davon 516,03 Mk. Zins, macht eine Verzinſung von 2 pCt. Anlage II. Gemeinde Nieder⸗Florſtadt. Beſitzſtand, Natural⸗ und Geld⸗Rechnung und Rentabilitäts⸗Berechnung eines Taglöhnergütchens von 4,32 Hectar. * 0, 60(, Ar Der Beſitzer iſt 57 Jahre alt, verwittwet, Vater von 5 Kindern im Alter von 24, 22, 19, 15 und 11 Jahren. Von dieſen verwenden der Vater, 1 Sohn und die Tochter(15 Jahre alt) ihre Arbeitskräfte nur auf die Wirthſchaft, 2 Söhne gehen nebenbei auf Taglohn, ein Sohn beſucht noch die Schule. — I. Beſitzſtand. A. Grund und Boden mit Obſtbäumen(Grundcapital). 4,19 Hectar Ackerland mittlerer Kaufwerth: Steuercapital incl. Gebäude: 0,13„ Wieſe 10726 Mk. 94,9 fl. in 35 Parcellen.(Nach Gütergeſchoß 55 Parcellen.) 0,60 Hectar Pachtland, Pachtzins Mk. 57, mittlerer Kaufwerth Mk. 1400. Obſtbäume: 4 größere Aepfelbäume(ſehr ſchlecht) à Mk. 3 Mk. 12 1 großer Birnbaum.....„ 15 3 junge Aepfelbäume à Mk. 4.....„ 12 5„ Zweetſchenbäume à Mk. 3....„ 15 Summe.. Mk. 54 Wiederholung. Eigener Grund und Boden..... Mk. 10726 Pachtland.........„ 1400 Obſtbäume.........„ 54 —3 Mk. 12180 zu übertragen.. Mk— 12180 Uebertrag. Mk. 12180 B. Gebände. Eine Hofraithe, beſtehend aus 1 Wohnhaus, 2 Ställen und 1 Scheuer, laut Brandcataſter......„ 4750 (Ortsgerichtliches Taxatum Mk. 2000.) C. Viehſtand. 2 Kühe, Simmenthaler Kreuzung(werden zur Arbeit benutzt)........... Mtk. 600 1 Rind..„ 120 4 Schweine(1 Zuchtfau, 1 Läufer, 2 Raueh. 8 90 13 Stück Geflügel incl. 3 Gänſe....„ 18 —— 1 828 D. Todtes Inventar. 1 Fuhrwagen... MNl. 100 2 Pflüge mit 1 Karren..„ 35 1 Ggge...„ 10 2 Kuhgeſchirre...........„ 15 1 Häckſelbank...„ 10 1 Rübenſchneidmaſchine........„ 10 1 Getreide⸗Windfege(alt).......„ 10 Faß⸗ und Bandgeſchirr.........„ 15 Handgeräthe inel. Säcke........„ 30 Hausrath incl. Kochgeſchirr.......„ 55 V—„ 290 E. Vorrath an umlaufendem Betriebscapital ſiehe Rentabilitätsberechnung.....„ 590 Werth des geſammten Beſites. Mk. 18638 Inventar der engeren Familienwohnung(Mobiliar incl. Betten, Bettwäſche ꝛc.) Mk. 1600. II. Natural-Rechnung. A. Natural⸗Ertrag. Aus dem Acker⸗ und Wieſenbau. Wirthſchaftsſyſtem: Ortsübliche verbeſſerte Dreifelderwirthſchaft. — 40— Getreide—— 8 ₰ 8— 4 E233 Anbann 5 2 23 2 5 5 Centner. Gorn....... 0,6 Hectar 15,6] 30 Hafer. 06 7 18 17,15 Weizen.. 1,9„ 35 37,30 3 Gerſte. 20 0,8 3 34,1 32 Kartoffeln...... 0,8„—— 228,5 Diekwurz T) 0,44„———[260 Klee........ 0,5 b————[88 Wieſenhen..... ,13„————[10,5 Obſt, ſehr wenig und dazu faſt werthlos. Wenn der Klee ſchlecht, Hafer und Wicken im Gemenge zum Erſatz. Der Durchſchnittsertrag berechnet ſich pro ¼ Hectar wie folgt: bei Korn auf 6,5 Ctr. Körner, 12,5 Ctr. Stroh, „ Hafer 2 7,5„„ 7 7,12 7 7 1 Weizen 1 8,75 71 1 12 11 11 11 Gerſte 1 10,4 1 1 10 11 1„ „Kartoffeln„ 71,4„ Kuollen, „ Dickwurz„ 150„ Rüben, „Klee„ 40„ Heu, „ Wieſenheu„ 20„ Aus dem Viehſtand. Milch. Durchſchnittlich jährlich pro Stück 1095 Liter, pro Tag und Kuh 3 Liter= Summa 2190 Liter.— Rindvieh. Alle 2 Jahre 1 Rind, event. 1 Kuh, mager. Jährlich treten 1 bis 2 Kälber zu, von denen jedes 2. Jahr eins angeſetzt wird. Schweine. Von 1 Zuchtſau jährlich in 2 Würfen 12 Stück Ferkel, davon werden 3 gemäſtet, 9 als Ferkel verkauft. Geflügel. Etwas abgängiges und meiſt 3 Gänſe. 850 Eier. B. Natural⸗Bedarf. Für Saatgut. Korn 0,6 Hectar. 4 Hafer 0,6„...... 1„ 50 ⸗ Weizen 1,0„... 3„ 50„ Gerſte 0,8„..... 2„ 30„ Kartoffeln 0,8 5 Dickwurz 0,44 Hectar....— Ctr. 2,5 Pfd. Klee 0,55„.....„ 22 Stoppelerbſen 1,00„ 3„ 50„ Für den Viehſtand. Hafer.. 5 Ctr. 50 Pfd. Gerſte...... 5„ 20„ Kartofſeln......... 144„ 50„ Rüten...... 260„„ Klee..... 88„„ Stroh berfüttert 32 Ctr.).. 416„ 50„ Wieſenheu und Grummet(ugekauft ca. 80 Ctr. von ½¼ Hectar Loosheu= 8 Ctr.)... 98„ 50„ Kleie(vom eigenen Mahlgut 8,6 Ctr.,„ zugekauft 5 Ctr.).... 13„ 60„ Oelkuchen.. 1„ 50„ Milch(abgerahmte und Buttermilch den Ferkeln etwas, ſüße ca. 150 Liter). 1350 Liter, Abfälle. Auf 1000 Pfd. lebend Gewicht entfallen täglich: Trockenſubſtanz 21,4 Pfd. Darin ſind verdauliche Nährſtoffe: Nh. Pfd. Fett Pfd. Nfr. Pfd. Nährſtoffverh. 1,8 0,33 12,3 177,3. Der Werth der für den Viehſtand aufgewendeten Pondurle beügt Mk. 1520 Der Werth der erzielten Producte beträgt.....„ 120 Bleibt— W 805 Davon ab für Arbeitsleiſtung der Zugthiere.......„ 380 Bleibt durch Stallmiſt noch zu decken... NMt. 420 Aus obigen Futter⸗ und Streuſtrohmengen berechnet ſich eine Stallmiſtproduction von 847 Centner, davon ab Verluſt bei der Arbeit= ¼ der von den Arbeitsthieren producirten Excremente, bleiben 706 Centner, ſo daß der Centner, ohne Stallmiethe und Pflegekoſten, auf 60 Pf. zu ſtehen kommt. Für die Familie. Roggen.......... 13 Ctr. 50 Pfd. Weizenmehl.......... 1„ 50„ Gerſte........... 26„ 50„ Kartoffeln.......... 60„„ Fleiſch(incl. Knochen).... 440 Pfd. (Selbſt producirtes Schweinefleiſch 400 Pfd., zugekauftes Rindfleiſch 40 Pfd.) Butter.. 33680„ Schmalz......... 30„ Kaffee(Eichoritn) 440 7 Zucker.... 10„ Sz 130 Milch, ganze....... 365 Liter, „ abgerahtitte....... 200„ „ Bulttermilch. 100„ Branntwein......... 80„ Eier.. 250 Stück, Reis und Griezs...... 50 Pfd., Nudeln....—. 100 .. 3 Latwerge, Gemüſe, Gewürz, Käſe ꝛc. Hiernach berechnet ſich pro Tag und Kopf: 604 Gramm Getreide, 1025„ Kartoffeln, 92„ Fleiſch, 6,9„ Bulter, 6,8„ Schmalz, 9,1„ Kaffee, 2,2 2 Zucker, 34„ Salz, 0,17 Liter Milch, ganze, 0,13„„ abgerahmte und Buttermilch, 11,3 Gramm Reis und Gries, 22,6„ Nudeln, Latwerge, Gemüſe, Branntwein, Gewürz, Käſe ec. Darin ſind enthalten: Rohe N.⸗Subſtanz Fett Nfr. Extractſt. Nährſtoffvh. 115,3 Gr. 51,4 Gr. 659,1 Gr. 1*6,8. Der Werth der verbrauchten Nahrungsmittel beträgt jährlich ca. Mk. 1044 oder täglich Mk. 2,86, pro Tag und Mann(erwachſenen) 52 Pf.(Die 2 jüngſten Kinder zu 1 ½ Mann gerechnet.) Die Lebensweiſe der Familie iſt folgende: Erſtes Frühſtück: Kaffee mit Brod, ſelten etwas Butter oder Matte, Latwerge, häufig Kartoffeln. Zweites Frühſtück: Brod mit etwas Butter, zuweilen(Ernte) Wurſt, (Schnaps). — 413— Mittageſſen: Milch⸗, Erbſen⸗, ꝛc. Suppe. Sonntags immer Fleiſch, ſonſt wöchentlich 2mal, ſo lange Milch vorhanden iſt, im Winter, wenn die Milch fehlt, faſt jeden Tag etwas. Gemüſe, Kartoffeln, Brod. Vesperbrod: Kaffee mit Brod, bei Feldarbeit Latwerge oder Matte. Abendbrod: Kartoffeln mit Milch, Brod, grünen Salat. Sonntags auch Abends Wurſt. III. Geld-Rechnung. A. Einnahmen. 11 Ei Hafer Ml. 7,50......... Ml. 82,50 31,5„ Weizen à Mk. 11,25..........„, 3654,37 16 Nind reip. Kuh a. Mk. 200.......„ 100,— 1ſ Kalb Mk. 25)...........„ 31,— 9 Ferkel 4 Ml. 12.............„ 108, 3 Gänſe 3-Ml..............„ 12,— 90 Pfd. Butter à 90 Pfg...........„ 81,— 600 Stück Eier à 6 Pfg...„ 36,— Taglohn, 1 Mann 270 Tage à Mk. 1 40(Braunkohlengrube),— 1 Mann 150 Tage à Mk. 1,40(landw. bea„ 888,— Für verkauftes Loosholz und Loosheu....„ 12, Tuhuſ.. Mk. 1404,87 B. Ausgaben. Steuern und Umlagen: Grund⸗ und Gebäude⸗Steuer...... Mk. 28,47 Gemeinde⸗Umlagen hierauf.......„ 51,76 Staats⸗Einkommenſtener........„ 16,29 Gemeinde⸗Einkommenſteuer......„ 14,80 1 Tilgungsrente(bis 1888 zu bezahlen)..„ 30,44 —ꝗMů‚x Mk. 141,76 Pacht für 0,6 Hectar Ackerland.......„ 57,— Unterhaltung der Gebäude: Wirrliche Ansgahe...........„ 50,— Unterhaltung des todten Inventars: Wirkliche Ausgabe: eWagner, Schuſed, Saftler C.)......„ 50,— für Hausrath und Handgeräthe........„ 5,— Inventar der engeren Familienwohnung..........„ 20,— zu übertragen. Mk. 323,76 Uebertrag.. Mk. 323,76 Verſicherungsprämien: Wirkliche Ausgaben: für Gebäude.. Mk. 5,70 für Feuerverſicherung des Inventars, der Producte und des Viehs...„ 8,40 (Gegen Unfall iſt das Vieh nicht verſichert.) —„ 114,10 Zukauf von Saatgut: Erbſen 3,50 Ctr.... Ml. 42, Kleeſamen 22 Pfd.„ 14,74 ʒ-„ 556,74 Zukauf von Futter: Wieſenhen........... Nk. 120,— Kleieee„ 22,50 Oelkuchen.„5 10, „ 152,50 Heizung und Beleuchtung: Holz für Mk. 40, Braunkohlen für Mk. 44 Ml. 82, Petroleum 50 Liter à 24 Pf. 3 4„ 12,—— Zukauf von Nahrungsmitteln: Weizenmehl, 1,5 Ctr. 2 Mk. 17... Mk. 25,50 Fleiſch, 40 Pfd. à 60 Bf.......„ 24,— Kaffee, Zucker und Salz....„ 56,— Branntwein, 50 Liter à 35 Pf..„ 17,50 Neis, Gries, Nudeln.„ 46,20 Käſe, Obſtgelée, Eſſig, Oel aec......„ 13,72 —„ 186,42 Für Reinhaltung der gewöhnlichen Wäſche...„ 28,— Belleidung...............„ 300,— Arzt und Apotheke......... I....„ 20,— Thierarzt..„ 5,— Summa.. Nkr. 1180,52 C. Vergleichung der Geld⸗Einnahmen und Geld⸗Ausgaben. Die Einnahmen betrugen.. Mk. 1404,87 Die Ausgaben betrugen....„ 1180,52 Ueberſchuß.. Mk. 224,32 — 45— IV. Rentabilitäts-Berechnung. A. Rohertrag (excl. der für die Production in der Wirthſchaft wieder verwendeten Producte). Erlös aus verkauften Producten... Mk. 804,87 Werth der für die Familie aus der Wirthſchaft entnommenen Producte(Ml. 1044,59—186,42).......„ 858,17 Summa. Mk. 1662,94 B. Productionskoſten. 1. Gebäudecapital: Zinſen von Mk. 4750 à 4 pCt.... Mk. 190,— Verſicherungsprämie.......„ 5,70 Abratzung 0,8 pGCt.......„ 38,— Inſtandhaltung.........„ 50,— — Mk. 283,70 2. Capital des lebenden Inventars: Zinſen von Mk. 828 à 4 pCt..... Mk. 33,12 Verſicherungsprämie, 2 pCt......„ 16,56 — QC„ 49,68 3. Capital des todten Inventars: Zinſen von Mk. 290 à 4 pCt..... Mk. 11,60 Verſicherungsprämie, 0,2 pCt.....„—,58 Erneuerung und Inſtandhaltung...„ 55,— — 4 67,18 4. Saatgut⸗Zukauf...„ 56,7/4 5. Zinſen des umlaufenden Betriebscapitals. 60„Ct. der jährlichen baaren Ausgaben= Mk. 590 zu 6 pCt.)....„ 35,40 6. Hagelverſicherungsprämie, 0,75 pCt. vom Werth der Getreide⸗ Ernte Mk. 1495.....„ 11,21 7. Feuerverſicherung der Producte wirkliche Ausgabe).„ 4,50 8. Steuern und Umlagen(excl. Tilgungsrente und aſonaltae„ 80,13 9. Futterzukauf...„ 152,50 10. Heizung und Velaute G* ver der terſanmmter Ausgrben).„ 23,50 11. Thierarzt.... 5, 12. Arbeitslöhne)..................„ 900,— Summa.. Mk. 1669,54 *) Betrachtet man: 1. daß der Boden ziemlich ſchwer iſt, 2. daß Wieſen faſt vollſtändig fehlen, 3. daß verhältnißmäßig viel Hackfrüchte gebaut werden, 4. daß doch mindeſtens eine Arbeitskraft durch 365 Tage der Wirthſchaft zur Laſt gelegt werden muß(Bedienung des Viehs, Bewachung ꝛc.) der zu beſtimmten Zeiten weitere Kräfte beizu⸗ geben ſind, auch wenn erſtere im Winter keine vollſtändige Beſchäftigung hat, ſo wird obiger Arbeits⸗ 1 — 46— C. Reinertrag. Der Rohertrag betrug.... Mk. 1662,94 Die Productionskoſten betragen„ 1669,54 Bleibt Minus.. Mk. 6,60 Der Werth der freien Wohnung kann auf Mk. 100,— veranſchlagt werden. Davon ab 7 6,60 Mithin beträgt der Reinertrag Mk. 93,40 Das Grundeapital incl. des Werths der Pachtländer ſtellt ſich auf Mk. 12180, 5 hiervon Mk. 93,40 Zins, ergibt eine Grundrente von 0,77 pCt. lohn nicht zu hoch erſcheinen. In der größeren Wirthſchaft, wo die Arbeit hauptſächlich durch Ge⸗ ſinde und Taglöhner beſorgt wird, ſtellt ſich derſelbe für die gleiche Fläche ähnlich. Jedenfalls iſt es unrichtig, der Wirthſchaft nur ſoviel Arbeitstage zur Laſt zu legen, als nothwendig ſind, die vor⸗ kommenden Arbeiten zu verrichten. Die in der Wirthſchaft beſchäftigten Kräfte haben zu beſtimmten Zeiten darin freilich keine volle Beſchäftigung, können aber auch nicht irgendwo anders verwendet, reſp. entlaſſen werden, und zwar eben der Wirthſchaft wegen. Letztere muß deshalb auch die Koſten ſolcher arbeitsloſer, reſp. nicht voll benutzter Tage tragen. —O—O—— Bericht über die landmwirthſchaftlichen Verhältniſſe Gemeinde Nieder⸗Moos, Rreis Lauterbach, erſtattet von Bürgermeiſter Muth in Salz. ··qꝑ·q·q—— Allgemeines. Nieder⸗Moos liegt an der öſtlichen Abdachung des Vogelsbergs, nördlich von und nahe an dem Bergrücken, welcher den Vogelsberg mit der Rhön verbindet, und die Waſſerſcheide zwiſchen den Zuflüſſen der Kinzig und Fulda, reſp. zwiſchen dem Rhein⸗ und Weſergebiet bildet, circa 446 Meter über dem Meeresſpiegel an der Straße von Steinau nach Grebenhain und Lauterbach. Die nächſten Bahnſtationen ſind Steinau an der Frankfurt⸗Bebraer Bahn, Lauterbach an der Linie Gießen⸗Fulda und Stockheim an der Linie Gießen⸗Gelnhauſen der Oberheſſiſchen Bahnen. Steinau iſt 22 Kilometer, Lauterbach 29 Kilometer uid Stockheim 39 Kilo⸗ meter von Nieder⸗Moos entfernt. Die Gemeinde zählt zur Zeit 285 Einwohner in 44 Häuſern und 44 Haus⸗ haltungen, darunter 6 Jsraeliten in 1 Haushaltung, die einen Handel mit Specerei⸗ und Manufactur⸗Waaren, Frucht, Mehl und Schnaps in einem Laden und Hauſir⸗ handel in den benachbarten Orten betreibt. Die chriſtliche Bevölkerung iſt ausſchließlich evangeliſch. Die Einwohnerſchaft iſt im Allgemeinen eine ſtändige, ſeit Langem an⸗ geſeſſen. Nach Amerika ſind ſeit Jahren nur 5 Perſonen ausgewandert, dagegen ſind/ 5 Familien mit 28 Seelen nach Weſtfalen verzogen. Die Heirathen finden meiſtens unter Ortseingeſeſſenen und mit Perſonen be⸗ nachbarter Orte ſtatt. Ausnahmen ſind vereinzelt. Eine Theilung der Güter findet faſt gar nicht ſtatt. 1 ¹⁴ Das landwirthſchaftlich benutzte Areal der Gemarkung umfaßt im Ganzen eine Fläche von 411,59 Hectar. Hierzu kommen noch Hofraithen 2,11 Hectar, Waldungen 23,165 Hectar, ſowie an Chauſſeen, Wegen, Bächen und Oedungen 21,2375 Hectar, die ganze Gemarkung demnach 458,1025 Hectar. Die Zahl der Hofraithen beträgt 46, alles übrige Areal iſt in 955 Parcellen getheilt. Hiervon gehören 822 Parcellen mit ca. 367 Hectar den Ortseinwohnern, 133 Parcellen mit ca. 80 Hectar den Ausmärkern, der Reſt des Flächengehalts entfällt auf die Chauſſeen und Wege ꝛc. Die Freiherren Riedeſel zu Eiſenbach ſind die ſtärkſt begüterten Ausmärker mit ca. 29 Hectar in 41 Parcellen. Die Zahl der Ausmärker beträgt im Ganzen 48. Mehrere Nieder⸗Mooſer Landwirthe beſitzen noch einen anſehnlichen Flächengehalt in der Gemarkung Crainfeld. Der landwirthſchaftlich benutzte Boden der Gemarkung beſteht aus 161 Hectar 66 Ar Ackerfeld und 249 Hectar 93 Ar Wieſen, von letzteren iſt jedoch ein großer Theil nur einſchürig. Das den Ortseinwohnern gehörige Land vertheilt ſich auf 48 Beſitzer, von denen 15 unter 1 Hectar(hiervon nur 5 zur Berechnung), 8 von 1 bis 5 Hectar, 8 von 5 bis 10 Hectar, 14 von 10 bis 20 Hectar(incl. Gemeinde) und 3 über 20 Hectar bewirthſchaften. Die directen Steuern für die Gemarkung Nieder⸗Moos betrugen im Jahr 1884/85 1411 Mk. 38 Pf., wovon 73 Mk. 20 Pf. auf die Ausmärker entfallen. An Com⸗ munalſteuern wurden für 1884/85 erhoben 2600 Mk. Letztere betrugen 1865 709 fl. 2 kr., in 1870 583 fl. 54 kr., in 1875 1182 M. und in 1880 1809 Mk. 56 Pf. Die Gemarkung iſt nach der Zählung von 1883 beſetzt mit: 196 Aepfelbäumen, 91 Birnbäumen, 171 Pflaumen⸗ und Zwetſchenbäumen und 218 Kirſchbäumen. Der Obſtertrag iſt jedoch ſo unſicher und ſo unbedeutend, daß nur ſelten wenige Haushaltungen für ihren Gebrauch einiges Obſt erzielen. Der Wald in der Gemarkung umfaßt 23 Hectar 16,5 Ar und gehört meiſtens den Freiherren Riedeſel, nur ein ſehr kleiner Theil entfällt auf Private, die Gemeinde beſitzt ca. 1 Hectar. Der im Beſitz der Freiherren Riedeſel befindliche Teich hält ca. 1 Hectar. Das Geſammtſteuercapital der Waldung beträgt 30,3 fl. Der Viehſtand in der Gemeeinde iſt nach der letzten Aufnahme folgender: 4 Fohlen, 14 Pferde, 18 Pferde, 8 Kälber bis 6 Wochen alt, 11 Kälber von 6 Wochen bis ½ Jahr, . 1 Sehr ä04 dner n, bus ehamir 270 Stück Rindvieh, 20 Ochſen, 124 Kühe, 181 Schafe, 60 Schweine, 3 21 Zuchtſauen, b 81 Schweine, 29 Ziegen, 16 Bienenſtöcke. In der Gemarkung Nieder⸗Moos befinden ſich ſehr gute Baſaltſteinbrüche; leider können aber die Steine wegen Mangel einer Bahnverbindung nur hier und in den benachbarten Orten zur Verwerthung kommen. Die Gemeinde und einige Private haben auf geeigneten Grundſtücken einen lobenswerthen Anfang mit Weidenculturen gemacht, der anſcheinend viel verſprechend iſt. Frage I. a. Welche Bodenverhältniſſe zeigt die Gemarkung, welchen Character hat das Klima und wie iſt hiernach im Allgemeinen die Fruchtbarkeit der Ländereien; iſt letztere ſehr günſtig, mittel oder gering? b. In welchem Verhältniß ſtehen die verſchiedenen Arten des Kulturlandes— Acker, Wieſen, Weiden, Rebland ꝛc.— zu einander und iſt dieſes Verhältniß im Allgemeinen als ein wirthſchaftlich günſtiges zu bezeichnen? c. Welches ſind die hauptſächlichſten Producte der Landwirthſchaft, bezw. welche Productionsrichtungen machen ſich im landwirthſchaftlichen Betriebe der Gemeinde vorzugsweiſe geltend? d. Iſt der landwirthſchaftliche Betrieb im Allgemeinen ein rationeller zu nennen, oder haften ihm weſentliche Mängel an und welche? Stehen letztere u. A. mit einer ſehr weit gehenden Parcellirung der Grundſtücke und dem herrſchenden Flurzwang im Zuſammenhang? a. Der Boden der Gemarkung Nieder⸗Moos iſt ein verwitterter Baſaltboden; auf den Höhen und ſtärkeren Abhängen iſt der Boden ſteinigt, an den weniger ſtarken Abhängen und im Thale iſt der Lehmboden vorherrſchend. Der Oberboden iſt ſeicht und nur 10—30 Centimeter tief, worauf Felſen oder Geröll und in den niedrigen Lagen zäher Letten folgt. Der Boden iſt kalt, leidet mitunter an Näſſe, wodurch die Winterfrucht leicht ausfriert, kann aber auf längere Zeit dauernd trockene Witterung nicht vertragen. Es kamen ſchon Jahre vor, in denen die Sommerfrucht ſo kurz blieb, daß ſie nicht gemäht werden konnte und gerupft werden mußte. Der Boden iſt nur zum kleinen Theil kleefähig. Das Terrain iſt im Thal ziemlich eben, erhebt ſich dann auf beiden Seiten um 100— 150 Meter Höhe ohne gerade ſchroffe Höhen aufzuweiſen. Die Tiefen ſind durchgängig zu Wieſen und Weiden benutzt, doch finden ſich auch viele und gerade die beſſeren Wieſen an den Abhängen und Höhen im Ackerfeld die naſſen und feuchten Stellen der meiſtens großen Grundſtücke einnehmend. Der Wald iſt nicht bedeutend und liegt in mehreren Parcellen auf den Höhen und Abhängen in der Gemarkung zerſtreut. Der ſog. Nieder⸗Mooſer Teich, 33 Hectar groß, grenzt nur an die Gemarkung, liegt aber in der Gemarkung Ober⸗Moos; in der Gemarkung in der Richtung nach Freienſteinau haben die Freiherren Riedeſel noch einen Teich in der Größe von 1 Hectar angelegt, der aber im Grundbuch noch als Wieſe bezeichnet iſt. Die Höhenlage an den nördlichen Abhängen des Bergrückens zwiſchen Vogelsberg und Rhön, ſowie die Terrainverhältniſſe der Gemarkung ſelbſt, bedingen ein rauhes, kaltes Klima, doch iſt dasſelbe um vieles weniger rauh als das der benachbarten Gemarkungen Ober⸗Moos und Gunzenau. Die Fruchtbarkeit iſt nur in der Nähe des Ortes eine mittlere, im großen Ganzen kann ſie nur als eine geringe bezeichnet werden, oft iſt ſie ſehr gering. b. Es gibt nur zwei Arten Culturland in Nieder⸗Moos und zwar Aecker und Wieſen, ſehr wenig Gartenland. Das Verhältniß der Acker⸗ zu der Wieſenfläche iſt ungefähr wie 2:3, demnach ein für die Viehzucht günſtiges zu nennen. Der Ertrag der Wieſen iſt jedoch auch gering; künſtliche Wäſſerungsanlagen fehlen, es kommen zwar einige Wäſſerungsanlagen von dem Bach aus vor, ſie können aber nicht als regelrecht bezeichnet werden. Einem Theil der Feldwieſen werden von den Aeckern und unter dem Dorfe von dem Orte aus düngende Beſtandtheile bei Regenwetter zu⸗ geführt und von dieſen auch eine zweite Schur, nämlich Grummet, geerntet; der größte Theil der Wieſen wird nur einmal gemäht und dient dann als Hutweide für das Rindvieh. c. Die hauptſächlichſten Bodenproducte der Landwirthſchaft ſind Wieſenheu und Getreide, von letzterem namentlich Korn, Gerſte und Hafer; von dieſen kommt ſelbſt bei guten Jahren wenig zum Verkauf. Alle übrigen Feldproducte, wozu Weizen, Erbſen, Kartoffeln, Rüben, Klee ꝛc. gehören, treten zurück und werden in der eigenen Wirthſchaft verbraucht. Ein Erlös aus Obſt kommt wenig oder gar nicht vor. Der Haupterlös kommt aus der Viehzucht, beſonders der Jungvieh⸗ und Schweinezucht. Der aus der Milch gewonnene Rahm wird verbuttert und dieſe meiſtens verkauft, die magere und ſauere Milch wird, inſoweit ſie nicht für den Haushalt erforderlich iſt, zum Verfüttern, beſonders für Schweine verwendet. d. In der Regel wird die ſog. Vierfelder⸗Wirthſchaft betrieben, es folgen: 1. Korn oder Weizen, 2. Gerſte und Kartoffeln, 3. Hafer, Erbſen und Kartoffeln, 4. Klee, Flachs, Wurzelgewächſe oder Brache. Der landwirthſchaftliche Betrieb iſt im Allgemeinen kein rationeller zu nennen, wenn auch einzelne Beſitzer ſich auszeichnen, mitunter ihre Wirthſchaften gut führen und vorwärts ſtreben. Die Grundſtücke ſind meiſtens groß, es kommt vor, daß Be⸗ ſitzer bis zu 8 Hectar an einem Stück haben. Die Grundbeſitzer ſind deshalb in der Bewirthſchaftungsweiſe von einander ziemlich unabhängig. Die Feldwege ſind jedoch — 5— noch von Alters her oft unzweckmäßig angelegt und erſchweren die Bewirthſchaftung. Für eine höhere Cultur iſt der ſteinige, oft undurchläſſige Boden und die in Folge deſſen herrſchende Näſſe ſehr hinderlich, die Fruchtfolge könnte aber beſſer eingerichtet und damit der Ertrag geſteigert werden, wenn anſtatt daß jetzt oft drei Halmfrüchte nach einander folgen, mit Halmfrüchten, Blatt⸗ oder Hackfrüchten abgewechſelt würde. Bei der Unſicherheit des Korn⸗ und Kleebaues dürfte auf den Anbau von Futterpflanzen, wie Wicken ꝛc., ſowie Wurzelgewächſen mehr Gewicht gelegt werden. Bei den Wieſen würde ſich mitunter Entwäſſerung, beſonders Drainage, ſowie Düngung ſehr dankbar erweiſen, es fehlt aber faſt durchgängig an den Mitteln hierzu, dem Betriebscapital. Der Viehſtand iſt wohl dem Grundbeſitzſtand angemeſſen, könnte aber durch ver⸗ mehrten Futterbau und Anwendung von Kraftfuttermitteln lohnender gemacht werden. Die Raſſe des Rindviehes iſt ſchwer zu beſtimmen; reines Vogelsberger Vieh kommt wenig vor. Es iſt meiſtens ein Gemiſch von Vogelsberger mit verſchiedenen Vieh⸗ ſchlägen ohne beſondere Zuchtrichtung. Die Kühe haben ein Lebend⸗Gewicht von 6—7 Centner und liefern pro Stück jährlich 1000— 1200 Liter Milch. Die Milch⸗ wirthſchaft wird noch nach herkömmlicher Weiſe betrieben; neuere Methoden ſind nicht in Anwendung. Die Schweinehaltung richtet ſich nach dem Rindviehſtand; es wird die Landraſſe gezüchtet, zum Füttern werden die Abfälle der Haushaltung, der Milch und des Ge⸗ treides ſowie der Kartoffeln verwendet, ſowohl zur Zucht als auch zur Maſt. Schafe werden ſo viel gehalten, daß ſie die für den Haushalt erforderliche Wolle liefern. Künſtliche Düngemittel werden gar nicht verwendet; auch Kraftfutter wird ſelten zugekauft. Außer der von dem eigenen Mahlgut erhaltenen Kleie und dem von eigenen Producten gewonnenen Samen⸗ und Leinkuchen wird im Bedürfnißfall Hafer oder Gerſtenſchrot verfüttert. Frage II. a. Wie iſt das Verhältniß der Größe der Gemarkung zur Größe der anſäßigen Landbau treibenden Bevölkerung? b. In welcher Weiſe vertheilt ſich das landwirthſchaftliche Gelände unter die anweſende Bevölkerung(todte Hand, Großgrundbeſitz, Groß⸗, Mittel⸗, Klein⸗Bauern, Taglöhner und Gewerbtreibende) und ſind in den letzten Jahren weſentliche Aenderungen in der Beſitzvertheilung eingetreten? c. Iſt die Beſitzvertheilung im Allgemeinen als eine günſtige zu bezeichnen, wenn nicht, wodurch giebt ſich die behauptete ungünſtige Ver⸗ theilung zu erkennen, welche Umſtände haben letztere veranlaßt, z. B. das geltende bäuerliche Erbrecht, die üblichen Syſteme des ehelichen Güterrechts oder der Zuſammenkauf von Grundſtücken? 2¹⁴ d. Iſt ein Theil der Gemarkung Allmendland und welchen Einfluß hat die Benutzung des letzteren auf die Lage der Bevölkerung? a. Wenn man die Größe der Gemarkung(458 Hectar) mit der Zahl der Haus⸗ haltungen(44) in Vergleich zieht, ſo entfällt auf eine Haushaltung ein Areal von 10 Hectar im Durchſchnitt, das eine mittlere Haushaltung ernähren und auch be— ſchäftigen kann. b. Die Vertheilung des Grundbeſitzes unter die einzelnen Beſitzer iſt ſchon unter „Allgemeines“ angegeben und wird bei Beantwortung der Frage VIII näher erörtert werden. Ein Großgrundbeſitz iſt nicht vorhanden. Den Freiherren Riedeſel gehören ca. 11 Hectar Wald und 10 Hectar landwirthſchaftlich benutzter Boden, der, wie auch das Gelände der Pfarrei mit 3 ½ Hectar, einzeln verpachtet iſt. Die Gemeinde an ſich hat einen Beſitzſtand von ungefähr 14 Hectar. Weſentliche Aenderungen im Beſitzſtand ſind in den letzten Jahren dadurch vor⸗ gekommen, daß mehrere Güter wegen Schulden oder Familienverhältniſſe zum Ver⸗ kaufe kamen und von anderen Einwohnern ganz oder theilweiſe erworben wurden. c. Die Beſitzvertheilung kann als eine günſtige bezeichnet werden. d. Das der Gemeinde gehörige Gelände beſteht aus ca. 1 Hectar Ackerland, das übrige ſind Wieſen oder Triften. Das Ackerland wird verpachtet, von den Wieſen wird das Heugras jährlich verſteigert, ein Theil derſelben iſt auch dem Faſſel⸗ ochſenhalter zur Fütterung des Faſſelviehes überlaſſen, die Triften dienen zum ge⸗ meinſchaftlichen Beweiden. Früher war mehr Gemeindegelände vorhanden, wurde aber vor ungefähr 80 Jahren unter die Ortsbürger erblich vertheilt. Frage III. a. Welches ſind die durchſchnittlichen Preiſe für die einzelnen Boden⸗ qualitäten der verſchiedenen Culturländereien(Acker, Wieſe, Weide, Wein⸗ berg ꝛc.), erſcheinen dieſe Preiſe beſonders hoch oder beſonders niedrig und auf welche Urſachen ſind die bezüglichen Erſcheinungen zurückzuführen? b. Welche Aenderungen in den Preiſen haben ſich in den letzten 5 Jahren vollzogen? c. Pflegt ein ſtarker Umſatz in Liegenſchaften ſtattzufinden und liegt hierfür(ſ. a) ein berechtigtes Bedürfniß vor? a. Nach den Ermittelungen der Großherzoglichen Centralſtelle für Landesſtatiſtik hätten im Jahre 1877 die Kaufwerthe in Nieder⸗Moos betragen pro Hectar: 1. Gl. 2, Gl. 3. Cl. 4. Gl. Durchſchnitt. Ackerland 1370 Mk. 1020 Mk. 890 Mk. 680 Mk. 925 Mk. Wieſen 1710„ 1020„ 890„ 680„ 830 2 — 7— Ich habe, um eine ſichere Grundlage zur Berechnung der Güterwerthe zu er⸗ halten, Auszüge aus den Veräußerungsacten der Immobilien von 1873 bis 1882 am Großherzoglichen Amtsgerichte Herbſtein gefertigt. Hiernach betragen die Kauf⸗ preiſe pro Hectar in 1873 210 Mk., 1874 550 Mk., 1875 850 Mk., 1876 393 Mk., 1877 970 Mk., 1878 858 Mk. incl. Hofraithe, 1879 340 Mk., 1880 429 Mk. mit Hofraithe, 1881 bei einem Gute 784 Mk. mit Hofraithe, desgl. 639 Mk. ohne Hof⸗ raithe, desgl. 620 Mk. mit Hofraithe, 1882 752 Mk. Die Uebergabsverträge ſind außer Betracht geblieben, weil Einſitzberechtigungen, Auszugleiſtungen und ſonſtige Laſten mit ausbedungen werden, deren Werth ſchwer oder mitunter gar nicht beſtimmt angegeben werden kann. Beſonders maßgebend dürften die in 1881 ſtattgefundenen Verkäufe zweier Güter, eines mit Hofraithe 22,23 Hectar haltend für 15955 Mk. und eines mit Hofraithe 14,34 Hectar haltend für 9209 Mk. ſein. Den jetzigen Güterpreis ohne Hofraithen kann man nicht höher als 400 Mk. pro Hectar annehmen. Es ſtehen eben noch 3 Güter zum Verkauf, wegen Mangel an Käufern ziehen aber die Gläubiger vor, vorerſt vom Zwangsver⸗ kaufe abzuſtehen und, um Verluſte zu vermeiden, beſſere Zeiten abzuwarten. Der Rückgang der Güterpreiſe iſt dem ſtarken Angebot und beſonders der geringen Renta⸗ bilität des landwirthſchaftlichen Betriebs zuzuſchreiben. b. Die Preiſe ſind, wie aus Vorſtehendem erhellt, in den letzten Jahren be⸗ deutend, gegen die Mitte der ſiebenziger Jahre um die Hälfte zurückgegangen. c. Der Umſatz in Liegenſchaften war beſonders um das Jahr 1880 und 1881 ein bedeutender und würde, da noch, wie erwähnt mehrere Güter verkäuflich ſind, ein reger ſein, wenn nicht noch viele Zielzahlungen rückſtändig wären. Ueberdies liegt für die noch gut ſtehenden Landwirthe kein Bedürfniß, keine Luſt vor, ihren Beſitz⸗ ſtand zu vergrößern. Frage IV. a. Nehmen die Pachtgüter einen erheblichen Umfang ein und ſtehen die Pachtpreiſe im richtigen Verhältniß zu dem Kaufpreiſe der Ländereien einerſeits und zur Ausnutzungsfühigkeit derſelben andererſeits, eventuell welche Urſachen wirken ſteigernd auf die Pachtpreiſe ein? b. Welche Beſtimmungen gelten insbeſondere in Betreff der Dauer der Pacht, der Bezahlung der Steuern ꝛc., der Verſicherungsprämien, ſowie in Betreff vorzunehmender Meliorationen und etwaiger Pachtnach⸗ läſſe bei elementaren Unglücksfällen bei fiskaliſchem, ſtandesherrlichem und inrüem Grundbeſitz? Wirken die üblichen ſonſtigen Pachtbedingungen beſonders er⸗ ſchwerend für die Pächter oder nicht? a. Außer den Aeckern und Wieſen der Freiherren Riedeſel und der Pfarrei iſt noch ein Bauerngütchen von 10 Hectar verpachtet. Das ganze verpachtete Areal wird etwas über 30 Hectar betragen. Der Pachtpreis beträgt ungefähr 5 pCt. des Kauf⸗ werthes der Grundſtücke. Neuerdings verſuchte Verpachtungen kamen wegen zu ge⸗ ringem Gebot gar nicht zu Stande. b. Die Aecker werden gewöhnlich auf 4 Jahre, die Wieſen dagegen nur auf 1 Jahr verpachtet. Die Steuern werden von den Eigenthümern der Grundſtücke bezahlt. Verſicherungen kommen nicht vor, auch keine Meliorationen; Pachtnachläſſe bei ele⸗ mentaren Unglücksfällen werden nicht gewährt. Frage V. a. In welcher Weiſe pflegen die Landwirthe ihre Mobilien und Producte gegen Feuer, ihre Früchte gegen Hagel und ihren Viehſtand gegen Unfall zu verſichern? b. Hat die Lebens⸗, Alters⸗ und Renten⸗Verſicherung Eingang in der Gemeinde gefunden, event. in welcher Weiſe und welchem Umfange? a. Im Ganzen haben 16 Landwirthe ſowie der Pfarrer und Lehrer ihre Mobilien und Producte, mitunter auch das Vieh gegen Feuer verſichert. Hagelverſicherung und ſonſtige Viehverſicherungen kommen nicht vor. (Im Jahr 1884 wurde die Gemarkung von einem bedeutenden Hagelſchlag betroffen.) b. Die Lebens⸗, Alters⸗ und Rentenverſicherung hat noch wenig Eingang ge⸗ funden. Nur der Pfarrer und Lehrer haben ſich verſichern laſſen. Frage VI. In welcher Weiſe befriedigen die Landwirthe in der Regel ihre Creditbedürfniſſe hinſichtlich des Real⸗ und des Perſonalcredits und welches ſind bei beiden Arten des Credites die gewöhnlichſten Darlehens⸗ bedingungen in Bezug auf Zeitdauer und Zinsfuß und werden dabei auch Amortiſationsfriſten(Güterziele) angewendet? Die Landwirthe befriedigen in der Regel ihre Creditbedürfniſſe hinſichtlich des Real⸗ und Perſonalcredits durch Anleihen bei der Sparkaſſe Herbſtein, mitunter auch bei Privatperſonen. In beiden Fällen werden 5 pCt. Zinſen vergütet. Leider borgten aber früher manche Landwirthe Vieh bei Juden, liehen manchmal auch noch Geld dazu und führten ſo ihren Ruin herbei. Bei dieſen im Rückgang befindlichen Landwirthen, deren Güter zum Verkauf ſtehen, kommt es jetzt vor, daß die Gläubiger denſelben, gegen durch Protocoll gewahrten Eigenthumsvorbehalt, das Vieh aufſtellen, um die Güter in der Bewirthſchaftung zu erhalten. Frage VIII. a. Wie ſtehen im Allgemeinen die Arbeits⸗ und Geſindelöhne in der Gemeinde, genügt die ortsanſäſſige Bevölkerung zur Beſtreitung der landwirthſchaftlichen Arbeiten oder ſind fremde Arbeiter nöthig und woher kommen letztere? b. Iſt für die landwirthſchaftliche Bevölkerung Gelegenheit zum Nebenverdienſt vorhanden, event. haben dieſe Nebenverdienſte(Arbeiten im Wald, Hausinduſtrie, Fabrikbetriebe, Fuhrweſen ꝛc.) eine beſondere Bedeutung für den Wohlſtand der Landwirthſchaft treibenden Bevölkerung und der Gemeinde im Allgemeinen? c. Gibt es Landwirthe in der Gemeinde, die mit Rückſicht auf den Umfang und die Rentabilität ihres landwirthſchaftlichen Betriebes an ſich auf Nebenverdienſt und Tagelöhnerarbeit angewieſen wären, ſolche Arbeiten aber aus Standesvorurtheil, Trägheit ꝛc. nicht ausführen? a. Die Taglöhner und Dienſtboten werden durchgängig in den Haushaltungen verköſtigt. Die Taglöhne berechnen ſich im Allgemeinen pro Tag: für den Mann auf 60 Pf. bis Mk. 1, im Heumachen auf Mk. 1,50, für die Frau auf 50 bis 60 Pf., im Heumachen auf Mk. 1. An Geſindelohn werden bezahlt: für einen Knecht jährlich Mk. 100 bis 200, für eine Magd jährlich Mk. 50 bis 100. Die Dienſtboten erhalten außerdem noch Leinentuch, Wolle, Flachs und Werk⸗ tagskleider im Werthe von Mk. 10 bis 30. Die Koſt für einen Knecht berechnet ſich auf ca. Mk. 180, für die Magd auf ungefähr Mk. 150. Die ortsanſäſſige Bevölkerung genügt zur Beſtreitung der landwirthſchaftlichen Arbeiten, nur Dienſtboten werden öfter aus anderen Gemeinden angenommen, da⸗ gegen ſuchen auch wieder Einheimiſche außerhalb Arbeit. b. Für die Bevölkerung bietet ſich wenig Gelegenheit zu Nebenverdienſt. Mehrere Familien betreiben die Leinweberei, wenig andere arbeiten an der Straße. c. Die Landwirthe, überhaupt ſämmtliche Einwohner in Nieder⸗Moos ſind fleißig, ſolche, welche aus Standesvorurtheil u. ſ. w. die ihnen gebotene Gelegenheit zum Verdienſt ablehnen, gibt es nicht. 1 — 10— Frage VIII. a. Wie vertheilt ſich der ermittelte Betrag der Immobiliarverſchul⸗ dung auf die einzelnen Beſitzgruppen(größerer, mittlerer und kleinerer Grundbeſitz) und auf welche Gruppe entfällt der ſtärkſte Procentſatz der Schuldenlaſt? b. Datirt der Schuldenſtand aus älterer oder aus neuerer Zeit, im letzteren Fall, wie hat derſelbe im letzten Jahrzehnt zugenommen? c. Sind in den letzten 5 Jahren die Zinſen und Güterziele im All⸗ gemeinen regelmäßig bezahlt worden oder ſind bemerkenswerthe Rückſtände bekannt? d. Welche Urſachen haben einen erkennenswerthen Einfluß auf die Ver⸗ ſchuldung z. B. das beſtehende Erbrecht oder die üblichen ehelichen Güter⸗ ſyſteme, unwirthſchaftlicher Ankauf von Grundſtücken zu hohen Preiſen, ungenügendes Betriebscapital, zu frühe Gründung eines eigenen Haus⸗ halts, Verſchwendung und nachläſſige Wirthſchaft, die Aufeinanderfolge ſchlechter Ernten u. ſ. w.? Zur Beantwortung dieſer Frage dienen anliegende Tabellen A, B, C und D als Grundlagen. Zu deren Aufſtellung wurden benützt: 1. das nach den Geſchoſſen des Großherzoglichen Steuercommiſſariats aufge⸗ ſtellte Güterverzeichniß, 2. das Verzeichniß der Gewerbetreibenden, 3. das Verzeichniß der Eintheilung in Gruppen, 4. die aus den Immobiliarveräußerungsacten am Großherzoglichen Amtsgerichte Herbſtein gemachten Auszüge, 5. der Auszug aus dem Brandcataſter, 6. der Auszug aus den Hypothekenbüchern, 7. die Werthbeſtimmungen durch das Großherzogliche Ortsgericht, Mittheilungen der Sparcaſſen Herbſtein und Lauterbach, .Mittheilungen des Großherzoglichen Bürgermeiſters Hoffmann ſowie der Ortsgerichtsmänner über die muthmaßlichen Mobiliarſchulden, 10. Das von Großherzoglichem Miniſterium des Innern und der Juſtiz mitge⸗ theilte Actenmaterial. a. Wie aus der Tabelle A zu erſehen iſt, ſteht dem Immobiliarbeſitz der 37 in Betracht gezogenen Grundbeſitzer, bezw. Haushaltungen im Werthe von 360490 Mk. eine Geſammtverſchuldung von 93345 Mk. gegenüber, es ſind ſomit 25,89 pCt. jenes Liegenſchaftswerthes mit Schulden belaſtet. Der Grundbeſitz der 33 Haus⸗ haltungen die verſchuldet ſind, hat einen Werth von 304510 Mk. und ſind mithin ◻⏑ — 11— 30,65 pCt. deſſelben verſchuldet. Nicht verſchuldet ſind 4 Beſitzer, deren Liegen⸗ ſchaften einen Werth von 55,980 Mk. haben. Der Grundbeſitz derjenigen Perſonen, die nur Landwirthſchaft betreiben(Tabelle B)— 16 an der Zahl— hat einen Werth von 192940 Mk. und iſt mit 58139 Mk., alſo mit 30,13 pCt. verſchuldet. Von dieſen 16 Beſitzern ſind 14 verſchuldet und zwar bei einem Werth ihrer Liegenſchaften von 168190 Mk. mit 34,57 pCt.; 2 Haushaltungen, deren Liegenſchaften einen Werth von 24750 Mk. haben, ſind ſchuldenfrei. Erwerb durch Taglohn neben der Landwirthſchaft findet in 4 Haushaltungen ſtatt(Tabelle C). Ihre Liegenſchaften haben einen Werth von 7400 Mk. und ſind mit 4350 Mk. Schulden, alſo mit 58,78 pCt. belaſtet; ſchuldenfreie Taglöhner⸗ familien ſind nicht vorhanden. Neben Landwirthſchaft betreiben Gewerbe 17 Haushaltungen(Tabelle D), deren Liegenſchaften einen Werth von 160150 Mk. haben und mit 30856 Mk. Schulden, oder mit 19,14 pCt. belaſtet ſind; von denſelben ſind 15 verſchuldet und zwar bei einem Werthe ihrer Liegenſchaften von 128920 Mk. mit 30856 oder 23,93 pCt.; 2, deren Grundbeſitz einen Werth von 31230 Mk. darſtellt, ſind nicht verſchuldet. Was die Vertheilung der Verſchuldung unter die einzelnen Beſitzgruppen be⸗ trifft, ſo iſt die Gruppe 2(1—2 Hectar) am ſtärkſten und zwar mit 88,25 pCt. des Liegenſchaftswerthes belaſtet, dann folgt Gruppe 3 mit 42,29 pCt., Gruppe 1 mit 34,14 pCt., Gruppe 5 mit 26,93 pCt., Gruppe 4 mit 21,99 pCt. und als am geringſten belaſtet Gruppe 6 mit 14,73 pCt. Schuldenfrei iſt keine Gruppe. Nach Tabelle B(Landwirthſchaft allein betreibende Beſitzer), 16 an der Zahl, ſtellt ſich die Verſchuldung folgendermaßen: Gruppe 1(Keinen Beſitzer), Gruppe 2 desgl., Gruppe 3 51,43 pCt., Gruppe 5 34,07 pCt., Gruppe 4 22,27 pCt., Gruppe 6 13,79 pCt. Die ganze Verſchuldung dieſer Abtheilung beträgt 30,13 pCt. des Liegen⸗ ſchaftswerthes. Läßt man die ſchuldenfreien Beſitzer weg, ſo ergiebt ſich folgender Procentſatz der Verſchuldung für 14 Beſitzer: Gruppe 3 51,43 pCt., Gruppe 5 39,20 pCt., Gruppe 4 24,78 pCt., Gruppe 6 13,80 pCt., alle zuſammen gerechnet 34,57 pCt. Nicht verſchuldet ſind 2 Beſitzer mit einem Liegenſchaftswerthe von 24,750 Mk. Auf Tabelle C(Familien die Landwirthſchaft und Taglohn betreiben) finden ſich nur 4 vor, wovon 2 in Gruppe 1 und 2 in Gruppe 2 gehören und zwar in Gruppe 2 mit 64,39 pCt., Gruppe 1 mit 53,00 pCt. Verſchuldung. Im Durchſchnitt ſtellt ſich die Verſchuldung dieſer Abtheilung auf 58,78 pCt. Nicht verſchuldete Be⸗ ſitzer finden ſich nicht vor. Landwirthſchaft und Gewerbe betreiben 17 Beſitzer, Tabelle B, und zwar in Gruppe 2 1 Beſitzer mit 113,82 pCt. Verſchuldung, Gruppe 3 4 Beſitzer mit 39,53 pCt. Verſchuldung, Gruppe 1 3 Beſitzer mit 28,40 pCt. Verſchuldung, Gruppe 4 4 Beſitzer mit 21,56 pCt. Verſchuldung, Gruppe 6 2 Beſitzer mit 15,05 pCt. Verſchuldung, — 12— Gruppe 5 3 Beſitzer mit 6,44 pCt. Verſchuldung. Bei allen zuſammen gerechnet be⸗ trägt dieſelbe 19,14 pCt. Nicht verſchuldet ſind 2 Beſitzer mit 31,200 Mk. Liegenſchaftswerthes. Bleiben dieſe bei der Berechnung weg, ſo ſtellt ſich die Verſchuldung in dieſer Abtheilung wie folgt: Gruppe 2 1 mit 113,82 pCt., Gruppe 3 4 mit 39,53 pCt., Gruppe 1 3 mit 28,40 pCt., Gruppe 4 4 mit 21,56 pCt., Gruppe 5 1 mit 20,32 pCt., Gruppe 6 2 mit 15,05 pCt., bei allen auf 23,93 pCt. Auffallend iſt die ſtarke Verſchuldung einzelner Beſitzer in Gruppe 1 1 mit 55,67 pCt., Gruppe 2 1 mit 103,52 pCt., 1 mit 113,82 pCt., Gruppe 3 1 mit 88,— pCt., 1 mit 51,43 pCt., Gruppe 4 1 mit 82,— pCt., Gruppe 5 1 mit 61,70 pCt., 1 mit 114,39 pCt., 1 mit 81,90 pCt. Demnach 3 die mehr Schulden und 6 die über die Hälſte bis beinahe ganz ſoviel Schulden als Liegenſchaftswerth haben. Ein anderer Procentſatz der Verſchuldung ergibt ſich, wenn man nur die durch Eintrag ins Hypothekenbuch geſicherten Schulden mit den Liegenſchaftswerthen ver⸗ gleicht. Für die 37 Haushaltungen beträgt der Liegenſchaftswerth 360,490 Mk. Die Hypothekenſchulden betragen 54,285 Mk. oder 15,06 pCt., oder für die mit Hypo⸗ theken belaſteten 17 Beſitzer mit einem Werth von 136,120 Mk. 39,88 pCt. und zwar in der Gruppe 1 bei 5150 Mk. Werth 1883 Mk. Schulden oder 36,56 pCt. 2 2 II 1960 2 2 1029 2 2 2 52,50 2 3 2 1 1660 2 2 3601 2 If 2 30,88 2 2 4 2 21830 2 2 10539 2 173 2 48,28 II 5„ 67120„„ 30491„„„ 145,13„ 2 6 2 28400 2 75 6742 2 IT 2 23,74 2 Bei den nur Landwirthſchaft treibenden 16 Haushaltungen iſt der Werth des Geſammtgrundbeſitzes von 192,940 Mk. mit 36,680 Mk. oder mit 19,01 pCt. Hypo⸗ thekſchulden belaſtet. Nimmt man nur die mit Hypothekſchuld belaſteten Beſitzer, ſo ergeben ſich bei einem Werthe von 62,440 Mk. 58,74 pCt. Schulden. Die angegebene Schuldenlaſt ruht auf 1 Haushaltung der 4. Gruppe mit einem Werthe von 10,310 Mk. und 7459 Mk. oder 72,35 pCt. Hypothekſchuld und 5 Haushaltungen der 5. Gruppe mit einem Werthe von 52,130 Mk. und einer Hypothekſchuldenlaſt von 29,221 Mk. oder 56,05 pCt. Die Schuldenlaſt dieſer Beſitzer ſchwankt zwiſchen 10,30 pCt. und 100,37 pCt. Der Liegenſchaftswerth der Haushaltungen, die neben Landwirthſchaft Taglohn⸗ arbeit betreiben, im Betrage von 7400 Mk. iſt mit 2474 Mk. oder 33,43 pCt. Hypo⸗ thekſchuld belaſtet; dieſelben vertheilen ſich auf 3 Haushaltungen mit 5600 Mk. Werth und 44,18 pCt. Schulden, wovon in die 1. Gruppe 2 Haushaltungen mit 3640 Mk. Werth 1445 Mk. oder 39,70 pCt. 2.„ 1 Haushaltung„ 1960„„ 1020„„ 52,50 gehören. II — 13— Die 17 Haushaltungen, in denen neben der Landwirthſchaft Gewerbe— jedoch meiſtens nur nebenſächlich— betrieben wird, beſitzen Liegenſchaften im Werth von 160,150 Mk., die mit 15,131 Mk. oder mit 9,45 pCt. Hypothekenſchulden belaſtet ſind. Dieſelben vertheilen ſich auf 8 Haushaltungen, deren Grundbeſitz 67,580 Mk. werth iſt und eine Belaſtung von 22,39 pCt. ergibt. Nach Gruppen ſtellt ſich die Verſchuldung: 1 Gruppe 1 Haushalt mit 1510 Mk. Werth 438 Mk. oder 29 pCt. Schulden 2„ „ 3 Haushalte„ 11660„„ 8601„„ 30,89„„ 2„„ 11520 3080„„ 26,60„ 15 1 2 2 14490 2 2 1270 2 2 8,76 2 2 „ 1 28400„„ 642„„ 23,77„„ b. Von den Hypothekenſchulden datieren: 8 Eintragungen von 1837—1863 mit dem Betrag von rund 4000 Mk. 7„„ 1864— 1873„„„„„ 20000„ 16 11 1 1874—1884 2„„ 1 1 30000 11 Der Art der Sicherſtellung nach dienen von den Hypotheken: 2 von 1837— 1863 mit 1000 Mk. als Caution, 6„ 1837— 1863„ 3000„ für Darlehen oder Schulden, 3„ 1864— 1873„ 5000„ zur Sicherung minderjähriger Kinder, 4„ 1864— 1873„ 15000„ für Darlehen oder Schulden, 4„ 1874— 1884„ 6000„ zur Sicherung minderj. Kinder oder Frauen, 2„ 1874— 1884„ 24000„ für Darlehen oder Schulden. Die Hypothekſchulden, welche durch Uebernahme auf den elterlichen Gütern ruhten oder in Folge der Herauszahlung an Geſchwiſter entſtanden, ſind unbedeutend; in 2 oder 3 Fällen ſind ſie, als auf gekauften Gütern laſtend, mitübernommen worden. Hauptſächlich wurden die Verſchuldungen durch Handel mit den Juden hervorgerufen, zu deren Befriedigung dann Anlehen bei den Sparkaſſen Herbſtein und Lauterbach aufgenommen werden mußten. Auffallend iſt hierbei, daß ſich die Händler ſo vor⸗ ſichtig von ihren ruinirten Schuldnern zurückgezogen haben, daß nur ein oder zwei Hypothektitel zu ihrer Sicherheit eingetragen ſind. Die Kaufſchillingsſchulden, an denen 29 Haushaltungen participieren, im Betrage von 28500 Mk. rühren von dem zu Ende der 1870 und Anfangs der 1880er Jahre erfolgten Verkaufe mehrerer Güter her und ſind meiſtens an die Sparkaſſe Herbſtein, welche die Kaufbriefe durch Ceſſion erworben hat, zu bezahlen. An denſelben ſind alle Gruppen unverhältnißmäßig hoch, insbeſondere die Gruppen 1 und 2, betheiligt. Die Kaufſchillingsſchulden betragen 9,7 pCt. des Liegenſchaftswerthes ſämmtlicher 37 Haushaltungen. Die Mobiliarſchulden im Betrage von beiläufig 15500 Mk., wurden mittelſt Hilfe des ſehr ortskundigen Großherzoglichen Bürgermeiſters und der Ortsgerichts⸗ männer ermittelt, die Angaben ſind indeſſen eher zu niedrig als zu hoch gegriffen, da man ſog. geheime Schulden oft nur vermuthen kann. Dieſe Schulden betragen in 2 2 — N⸗ 1 — 11 Procenten des Liegenſchaftswerthes in den Gruppen 1 bei 2 Haushaltungen 2 pCt., Gruppe 2 bei 3 desgl. 23 pCt., Gruppe 3 bei 4 desgl. 9 pCt., Gruppe 4 bei 4 desgl. 4,4 pCt., Gruppe 5 bei 6 desgl. 3,3 pCt., Gruppe 6 bei 2 desgl. 4 pCt. Die Mobiliarſchulden überhaupt betragen 4,29 pCt. des Liegenſchaftswerthes der 37 Haushaltungen. Die Kaufſchillingsſchulden vertheilen ſich in die Abtheilungen auf die Landwirthſchaft allein Betreibenden..... mit 11844 Mk. oder 6 pCt. „ und Taglohnarbeit Betreibenden.„ 354„„ 4,78„ „„ Gewerbe„.„ 10883„„ 6,80„ die Mobiliarſchulden auf die Landwirthſchaft allein Betreibenden..... mit 9615 Mk. oder 5 Ct. „ und Taglohnarbeit Betreibenden.„ 1522„„ 20,56„ „ Gewerbe„.GI, 4842„„ 3 3 des Liegenſchaftswerthes. c. Die Zinſen und Güterziele werden bei den meiſten Landwirthen, wenn auch nicht pünktlich, ſo doch regelmäßig bezahlt; bei einzelnen ſtehen ſie jedoch mitunter von mehreren Jahren zurück. d. Das beſtehende Erbrecht und die üblichen ehelichen Güterſyſteme haben keinen erkennenswerthen Einfluß auf die Verſchuldung, da die Güter nicht getheilt werden und in der Regel auch nur zu einem geringen Preis in Anſchlag kommen. Dagegen trugen die Ankäufe von Grundſtücken zu hohen Preiſen weſentlich zur Verſchuldung bei. Mit wenig Ausnahmen fehlt es auch an dem erforderlichen Betriebscapital. Zu frühe Gründung eigenen Haushaltes hat noch keine Veranlaſſung zu einer Verſchuldung gegeben. Ebenſo kann man Verſchwendung und nachläſſiger Wirthſchaft nur in ſeltenen Fällen die Schuld an dem Rückgange der Vermögensverhältniſſe bei⸗ meſſen, wohl aber dem oft verſtändnißloſen und nachtheiligen Handel mit Juden, ſowie die ſchon jahrelangen ungenügenden Ernten und niedrigen Preiſe der landwirth⸗ ſchaftlichen Producte; außerdem hat auch der vorjährige Hagelſchlag manchem Land⸗ wirthe wieder Schulden verurſacht. ————— ——— 1Gout n 03 9 039,8 1 28,06(E 009“2 81˙6 1 01 71 1 2—&=2 8 E 2 1 3 —— 190 1 :poInplaog 9˙08 00˙001 66 676,e1 180 93 83, 5f 01050oo p5 985 9 81, OuII IIG,O 000/6 691, Srl, 030, 86,51[9 9 aam 9 80,ʃ8 26,06 689,2 C1849 92o ehhs ss,de 9,r oO 0 0 2 98,† 66,01 eSFI 006,8 9*0,1 686,01 016,86 10,06 2 01 4 5 66,S 1218 FSIIS S.I 1616 109,8 086,61 80,81 0 6= 2 8 96,88 18,9 915,9 619˙1 28 660,1 016,1 60,† 8 5 1 3 28 FI'Ts 86˙9 218˙ 0⁰G 589˙9 888˙1 088˙21 91 3 1— 0 1 :1 inqplaod qun uc 68˙93 00˙001 †9˙86 6416˙0eͤ1 18098 83† 067099 67e 18 82,1 02,II 116,01 000/⁸ 691,1 3 5L,9 080,†2 83,59 8 aGout n O 9 86,96 16,06 38,k1 218,9 9,0 165,08 014971 40,861 gl 053— 01 6 66,16 36,01 68,†I 006,8 970,I 686,01 018,09 61,60 8 01= 1 63,87 1118 rSI,S Sr.I 16ʃʃ⁶ 109,8 086,61 30,81 9 6= 3 8 96,88 28,9 91†,9 619˙1 912,8 660,1 016,1 60,† 8 5 1 5 †I78 86˙9 218˙ 0 8 †80ʃ 888˙1 088˙11 91˙ 9 1— 0 1 201511 ve uoancp. 2 2 2E 2 ndch 1ppc u522 Sod ut ee wie uajnpl uojnp. uoojnqp. gnpq⸗ gun 12l 16 8 Iponle aS u*zuecach I ee e icee tplinveg ⸗uaeddG Joun 21b21IS 82 29949 — p paogoe duee V SaocC⸗aae ee e i diiinpaag aad Siafpueg — ℳ— 1Gout'n 05 02— 0 01 (— 6— *— : PInGpladg 681˙8 FrS’II 089˙99 061891 869,5 869, 010,61 4Gouuen 08 289,5r 106 166,668 0 †8,811 0 5— I 42,⁸ 911, 6†1 098,08 01 108˙ T00˙3— 08' 6 — 1 :roInplaog quu ucee — S S FIS'II 089˙99(0*6/1361 95 506 869, 010,6-1 00,13 10¹˙6 066,081 79,1 AM, 09†,88 06/†8 100˙6 08r † 6 † GS. S . 1v*ο 2G1,Lvp uonp. 20 2 10 11210188 1vpg euebors Seg ie ee ecinc, u*inpt uainſp. uinp. gnpg gun aapl 16 O 1wrJ uanuspoait ut uohussorch uhßh onnlgois urlcpigiveg ⸗unofodäch jont Sie 508 34989 5 :ugozsg un lvpg ae g. 17 acout n 03 —— 02 1 9 eee 01 * 22 42=P 3 — 32— 8 1— 0 : onqplaod 8 ʃ80 00˙001 0 9/† 669˙1 F8 FI/ 00 †02 8979 3 —— 12— 1 B— 4Gou n 03 ——————*(02=— 01 — 8———— 61 7„. 5„ 5 98,79 99,66 167,3 3111 083 680, 092 8⁸ 6,5 3 5— 00˙90 Fg †† 656˙1 0⁰G FgI rrT 079/9 60˙1 3 1 0 :r—nqplaog qun 8 ʃ8 00˙001 0 9˙† 689˙1 F8 FI/ 00 †0 89/9 F ————————— 1Gout n 03 — O2= 01 6—— 5—— 01= n,—, 5, e„, 85 3 68,†9 99,60 16 †,3 311'T 085 680,1 092,8 6/6 3 5 00˙90 Fg † 686˙1 0⁰G F8I /T 079'9 60˙1 3 1 0 1vο☛ 3hnnawsglpoel glncn 108 10 1 10 d nolaac, üug 10 u3b e G gun a0p. 10 v uinsicsns. nanece n autd net nahäeg eg wum wene wonss 82 ggaS :uogiozog ungapgojob du ge ſ— —-— A. O-— SMS. S —- SN. O aGout n 05 05 601 01 8— 6— I :pooincplaod 86˙93 00˙001 9 8,08 38† 98800 191˙GI 036 821 6˙90 1 90,01 98,96 8868 0001 gfg 85 9(040,66 83,8 † aouu u 68,06 7ʃ6 976,3 219I,(675,7 081 06— 96,16 91,61 016,2 006,1(086 080,8 0 16 66,56 91 86,68 06,81 098, 2p 282, 109(8(4 0971 99 38,81I 76,61 466 8 000 66†,8 n 016,8 06,1 6 088 0991 888˙8 0ꝓε 88r 069' 8G- 10˙ 1 : r*InGplaog Qu 5L˙61 00˙001 928,08 38† 988,O Ielo 061091 8191 0˙01 98˙93 885˙8 000˙1 97†9 6 †//9 010˙ 85˙8 † aſout n T,9 T6/6 9†6, 219I ee, ,e g 95 96,16 91,61 016,7 6006,1 066 080,8 0116 66776 1— 89,68 06/81 098,43 3„8/, 1098 0 09,71 68,81I 76,81 9668 000 26 ⁵,8 016,8 0,1 5— 088 09,61 888˙8 OGh' 86 † 069 G- 201 1 49Od* SraSk vie acfnht 108 108 1 10 2 u12121 vg. 4⸗ 1126215 S52G e gun aapl jdv imih s h kaurach as ban) adu aſulten arhike hn rinhe :ungoneg 2gaoatoh dn gnee. — 19— Frage IX. a. Wie geſtaltet ſich die Rentabilität des landwirthſchaftlich benutzten Bodens bei großen, mittleren und kleineren(eigenen oder gepachteten) Gütern? b. Wenn die Rentabilität als eine unbefriedigende erſcheint, ſind die Gründe zurückzuführen hauptſächlich auf 1. die Fruchtbarkeits⸗Verhältniſſe der Gemarkung, 2. die mangelhafte Melioration und die Zerſplitterung der Grundſtücke, 3. die im Verhältniß zur Ausnutzungsfähigkeit zu hohen Preiſe des Bodens, einen mangelhaften landwirthſchaftlichen Betrieb, ein zu großes Gebäudecapital, ungünſtige Arbeiterverhältniſſe, ungünſtige Abſatzverhältniſſe(ſchlechte Preiſe, unrationelle Einrichtungen für den Abſatz u. ſ. w.), 8. frühzeitiges Zurückziehen der Eltern und Belaſtung der Güter mit hohen Altentheilen und Leibrenten, 9. Beſondere unwirthſchaftliche Gewohnheiten der Landwirthe, z. B. zu ſtarke Pferdehaltung u. dgl., 10. hohe Steuern und Umlagen und ſonſtige dem Commiſſär bekannt gewordene Verhältniſſe? a. Zum Zwecke der Beantwortung der Frage IX wurde ein größeres, ein mittleres und ein kleineres Gut ausgeſucht, um zur Feſtſtellung der bezüglichen Ver⸗ hältniſſe und Thatſachen zu gelangen(ſ. Anlagen I, II und III). Bei der Auswahl der Güter wurde außer auf die mittlere Güte der Bodenart und die gewöhnliche Be⸗ wirthſchaftungsweiſe beſonders auf die Beſitzer ſelbſt geſehen und ſolche ausgewählt, die bei Fleiß und Sparſamkeit einen geraden Sinn zeigen und von denen offene und wahrheitsgetreue Angaben erwartet werden konnten, und dieſe Vorausſetzungen haben ſich bei der Aufnahme auch vollſtändig bewährt. Zwei der Beſitzer betreiben noch Gewerbe neben der Landwirthſchaft— der eine iſt Schmied, der andere Leinweber— die Gewerbe werden aber nur nebenher betrieben, die Hauptſache bleibt immer die Landwirthſchaft. Das Nähere ergibt ſich aus den Anlagen ſelbſt, es wird auf dieſelben verwieſen und zur Erläuterung Folgendes bemerkt: 1= — 20— J. Beſitzſtand⸗Nachweis. Der Werth des Grund und Bodens wurde unter Zuziehung des Ortsgerichts für ſämmtliche in Betracht kommende Beſitzer nach der allgemeinen und beſonderen Lage und Güte der einzelnen Beſitzungen beſonders abgeſchätzt, weil die Güterpreiſe außerordentlich zurückgegangen ſind und die von Großherzoglichem Miniſterium des Innern und der Juſtiz mitgetheilten Preisangaben aus dem Jahr 1877, die ſich auf die enorm hohen Preiſe in den 1870er Jahren gründen, nicht maßgebend ſein können, wie dieſes ja auch aus dem angefertigten Auszug aus den gerichtlichen Verkaufsacten hervorgeht. Der Werth des Culturlandes ſchwankt zwiſchen 100— 1500 Mk. pro Hectar, die geringwerthigen Lagen ſind jedoch in hohem Grade vorherrſchend, ſo daß man den durchſchnittlichen Werth eines Gutes nur ungefähr zu 400 Mk. pro Hectar veran⸗ anſchlagen kann. Ein Werthanſatz für Obſtbäume iſt unterblieben, weil der Ertrag ſehr ungewiß und gering iſt und ſich der Werth der Obſtbäume kaum von dem anderer, Nutz⸗ oder Brennholz liefernden Bäume unterſcheidet. Das Gebäudecapital iſt nach dem Brandcataſter angegeben. Wenn gleich dieſe Werthe geringer berechnet ſind als die Baukoſten ausmachen, ſo betragen ſie doch mit wenig Ausnahmen faſt durchgängig das Doppelte des Verkaufswerthes der Hofraithen, was ſeinen Grund darin hat, daß die Bevölkerung mehr ab⸗ als zunimmt, keine neuen Hofraithen nothwendig ſind, manchmal Güter vereinzelt verkauft werden, wo⸗ durch die Hofraithe für die Bewirthſchaftung entbehrlich wird und ſich für verkauft werdende Hofraithen ſelten Liebhaber finden, wenn nicht etwa ein Tauſch ſtattfindet. Hierdurch tritt die eigenthümliche Erſcheinung hervor, daß meiſtens das Gebäude⸗ capital höher als das Grundcapital iſt, was allerdings auf die Rentabilität von einigem Einfluß iſt. Es beſtand Anfangs die Abſicht, auch die Hofraithen abſchätzen zu laſſen und nur den Verkaufswerth in Rechnung zu bringen, man kam aber davon ab, weil nach der Inſtruction die Brandverſicherungscapitalien angenommen werden ſollten, ähnliche Verhältniſſe wohl auch noch an anderen Orten beſtehen und dann eine ungleichartige Behandlung entſtanden wäre. Außerdem würde ſich hierdurch der Werth der Liegen⸗ ſchaften noch bedeutend vermindert haben und ſich ein viel höherer Procentſatz der Verſchuldung herausſtellen. Der Werth des Viehes iſt nach dem durchſchnittlichen Beſtand und nach den Preiſen der letzten Jahre berechnet. Bei dem todten Inventar iſt auf die Abnutzung gebührende Rückſicht genommen. Das umlaufende Betriebscapital ergibt ſich aus der angenommenen Norm, der Hälfte der jährlichen Baarausgaben. Das Verhältniß der einzelnen Betriebscapitalien zum Grundcapital ſtellt ſich, wie folgt: —— Größeres Gut. Das Gebäudecapital beträgt..... 81 pCt. vom Grundcapital Das Inventarcapital(todt und lebend) beträgt 51„„„ Das umlaufende Betriebscapital beträgt.. 8„. 3 Mittleres Gut. Das Gebäudecapital beträgt...... 114„„ 3 Das Inventarcapital(todt und lebend) beträgt 41„„„ Das umlaufende Betriebscapital beträgt.. G, 15 5 Kleineres Gut. Das Gebäudecapital beträgt...... 132„. 4 Das Inventarcapital(todt und lebend) beträgt 48„„„ Das umlaufende Betriebscapital beträgt.. 12„„ 9 II. Natural⸗Rechnung, beſtehend aus den Nachweiſen über Natural⸗Ertrag und Natural⸗Bedarf nebſt Schlußfolgerungen. Bei der Naturalrechnung iſt hinſichtlich des Ertrags zu erwähnen, daß die officiellen ſtatiſtiſchen Angaben in manchen Poſten, hauptſächlich aber in Bezug auf die Kartoffel⸗ und Rübenernten unrichtig ſind und mit den mittleren Erträgen nicht übereinſtimmen und deßhalb nach eingehender Beſprechung mit dem Großherzoglichen Bürgermeiſter und ſachkundigen Landwirthen andere Ertragsberechnungen zu Grund gelegt werden mußten. Die Erträge des Viehſtandes ſind gering, weil die Milchproducte nur ſehr niedrig verwerthet werden können und wenig oder gar kein Kraftfutter zugekauft wird; letzteres würde ſich auch bei der geringen Verwerthung der Producte nicht lohnend erweiſen. Die Koſten des Stallmiſtes berechnen ſich hoch, auf ungefähr 60 Pf. pro Centner, viel höher als ſolcher verkäuflich im Preiſe ſteht; ein Wagen voll Miſt von ca. 20 Centner berechnet ſich auf ungefähr 12 Mk., während er bei einem etwaigen Verkaufe nur mit 4—5 Mk. bezahlt wird. Der Bedarf an Saatgut, beſonders des Kornes, iſt hier ſehr ſtark und beträgt mindeſtens das Doppelte von dem in der Wetterau ꝛc., während die Ernte, beſonders die Körnerernte, noch nicht halb ſo viel vom Morgen als dort ausmacht. Der Naturalbedarf der Familien iſt in Fleiſch gering, dagegen in Kartoffeln und Milch bedeutender als man gewöhnlich annimmt, namentlich muß die Milch das mangelnde Fleiſch erſetzen. Im Ganzen genommen müſſen die Leute, wenn gerade nicht dürftig, ſo doch ſehr genügſam leben; Handwerker leben gewöhnlich beſſer, als gering bemittelte Bauersleute. Die Koſten der Nahrungsmittel eines erwachſenen Mannes werden ſich durchſchnittlich am Familientiſch auf 180— 200 Mk. pro Jahr ſtellen. Die mitgetheilten Durchſchnittspreiſe aus den nächſtgelegenen Marktorten konnten auch hier nicht bei allen Artikeln, beſonders bei dem Fleiſch, der Butter und der Milch den Berechnungen zu Grunde gelegt werden, weil die wirklichen Preiſe, die hier erzielt werden, ſehr davon abweichen und geringer ſind und deßhalb das Ergebniß ein viel unrichtigeres geworden wäre. 3¹⁴ 22— III. Geldrechnung, beſtehend aus den Nachweiſen über Geld⸗ einnahmen und Geldausgaben. Die Geldrechnung weiſt nach, daß der größere Beſitzer einen kleinen Ueberſchuß hat, bei dem mittleren ſtellt ſich Einnahme und Ausgabe beinahe gleich, der kleinere kommt nicht herum und muß Schulden machen. Der Grund liegt hauptſächlich darin, daß in den beiden erſten Haushaltungen faſt nur erwerbsfähige Familien⸗ glieder ſind, während die Familie des Letzteren zum größten Theil aus erwerbsun⸗ fähigen Kindern beſteht, die zudem noch beträchtliche Ausgaben für Nahrung und Kleidung veranlaſſen. IV. Rentabilitäts⸗Berechnung, beſtehend aus den Nachweiſen über den Rohertrag(excl. der für die Production in der Wirthſchaft wieder verwendeten Producte), die Productionskoſten und den Reinertrag. a. Ein Reinertrag ſtellt ſich bei keiner Wirthſchaft heraus, wenngleich die Bewirth⸗ ſchaftungskoſten, insbeſondere die Arbeitslöhne ſehr gering berechnet ſind. b. Die Unrentabilität iſt beſonders auf folgende Gründe zurückzuführen: 1. Die im allgemeinen geringen Fruchtbarkeitsverhältniſſe der Gemarkung und überhaupt der Gegend, bedingt durch die Höhenlage, den nicht tiefgrundigen Boden mit theils ſteinigtem, theils undurchlaſſendem lehmigem Untergrund, wodurch beſon⸗ ders der Anbau der Winterfrucht und des Klees ſehr unſicher iſt und die Frucht ſo⸗ wohl bei anhaltender Näſſe wie auch bei längerem Regenmangel ſehr leicht und oft Schaden leidet, zumal da bei der kurzen Vegetationsperiode der Sommerfrücht, namentlich der Gerſte ein öfterer Wechſel zwiſchen Sonnenſchein und Regen nöthig iſt. 2. Die mangelhafte Melioration, hauptſächlich in Bezug auf Ent⸗ und Be⸗ wäſſerung, Pflege und Düngung der Wieſen. Die Grundſtücke ſind nicht zerſplittert, ſondern meiſtens von beträchtlicher Größe, jedoch mitunter von unregelmäßiger Form und, in Folge von unzweckmäßig angelegten und nicht gut, manchmal ſchlecht unter⸗ haltenen Feldwegen für Fuhrwerke ſchwer zugänglich. 3. Die beſonders in den 1870er Jahren zu hohen Güterpreiſe gegenüber der Ertragsfähigkeit der Grundſtücke. 4. Der mangelhafte landwirthſchaftliche Betrieb. Während des langen Winters, gewöhnlich in der Zeit vom 1. November bis Anfangs April kann keine Bodenbe⸗ arbeitung, überhaupt wenig Feldarbeit vorgenommen werden; dann häufen ſich die Arbeiten und bei ungünſtiger Witterung können oft die Aecker nicht genügend vorbe⸗ reitet und die Saat nicht rechtzeitig ausgeſtellt werden; noch öfter kommt es vor, daß die Frucht ſpät reift und dann durch die Witterung Schaden leidet. 5. Das zu große Gebäudecapital. 6. Die ungünſtigen Abſatzverhältniſſe. Bei dem Mangel an in der Nähe liegender größerer Städte und induſtrieller Betriebe, ſowie der entfernten Lage von der Bahn können einestheils die landwirthſchaftlichen Producte nur zu ſehr — ◻—ñ —-——— — 29— geringen Preiſen verkauft werden, während andererſeits die zu kaufenden Waaren viel theuerer, als an anderen, günſtiger gelegenen Orten bezahlt werden müſſen. 7. Die Steuern, beſonders die hohen Communalſteuern, welche ſchon ſeit Jahren den doppelten und jetzt noch mehr als den doppelten Betrag der Staats⸗ ſteuern ausmachen, ſind ſehr drückend und wirken nachtheilig auf die Rentabilität. Frage X. Zu welchen Schlußbetrachtungen gelangt die Commiſſion auf Grund ihrer Erhebungen über die Geſammtlage der landw. Bevölkerung der Gemeinde, bezw. von welchen Verhältniſſen oder Maßnahmen glaubt ſie eine Beſſerung der wirthſchaftlichen Lage erwarten zu dürfen? Die Gemeinde Nieder⸗Moos kann für den Amtsgerichtsbezirk Herbſtein als typiſch angeſehen werden, ſowohl was die Bodengüte, die klimatiſchen und die Frucht⸗ barkeitsverhältniſſe ſowie die Bewirthſchaftungsweiſe der Güter anbetrifft, als auch in Bezug auf die Vermögens⸗ und Schuldverhältniſſe der Einwohner. Gibt es im Bezirk auch beſſer ſtehende Gemeinden, ſo gibt es auch wieder andere, wo es ebenſo oder noch ſchlimmer ausſieht(wie Holzmühl, Metzlos 2c) und wo mitunter Aecker wüſt liegen bleiben. Wie in Nieder⸗Moos, ſo iſt in vielen Orten eine ſehr bedenk⸗ liche Ueberhandnahme der Verſchuldung unverkennbar. Geht man den Urſachen der Verſchuldungen auf den Grund, ſo findet ſich, daß dieſelben hauptſächlich in Folgen⸗ dem beſtehen: Hin den ungünſtigen climatiſchen und Fruchtbarkeitsverhältniſſen; in der jahrelangen Aufeinanderfolge unbefriedigender Ernten, ſowie .heines Hagelſchlags im Jahr 1884; in den ſchon mehrjährigen niedrigen Preiſen der landwirthſchaftlichen Producte; .in dem Mangel an Verkehr, insbeſondere einer Bahn zum beſſeren Abſatz und der Wegbringung der landwirthſchaftlichen Producte und billigeren Beſchaffung der von auswärts zu beziehenden Bedürfniſſe; 6. in dem Mangel an Gelegenheit zu Nebenverdienſt; 7. in dem Mangel an genügendem Betriebscapital; 8. in dem Mangel an geeigneteren Creditinſtituten zur Befriedigung der Geld⸗ bedürfniſſe der Landwirthe und zur Beſeitigung des Wuchers; 9. in dem Ankauf von Gütern oder Grundſtücken ohne Mittel zur Einhaltung der Ziele; 10. in dem nachtheiligen Zwiſchenhandel mit Vieh; 11. in den verhältnißmäßig hohen Steuern, insbeſondere den Communalſteuern; 12. in der Belaſtung und Erſchwerung des Liegenſchaftsumſatzes; insbeſondere aber: 13. in den geſteigerten Anſprüchen des Lebens in Bezug auf Genußmittel und beſonders auf die Kleidung, die mit den von Alters her gewohnten Anzügen aus 1 e e e — 24— ſelbſtgezogenen Producten und ſelbſtgewebten Stoffen nicht mehr zufrieden ſind und denen durch den Hauſierhandel auf die ſchädlichſte Weiſe Vorſchub geleiſtet wird, und 14. in einem falſchen Schamgefühl, das Viele veranlaßt, bei Geldbedürftigkeit ſich an Händler zu wenden, anſtatt ein ſolides Creditinſtitut in Anſpruch zu nehmen, in dem Glauben, daß ſo die Schulden verſchwiegen blieben, infolge davon: Uebervor⸗ theilung im Handel beſonders mit Vieh und Ausbeutung durch die Händler bis zur gänzlichen Zerrüttung der Vermögensverhältniſſe der Schuldner. Als Mittel zur Verbeſſerung der Lage der landwirthſchaftlichen Bevölkerung dürften erſcheinen: 1. beſſere Bewirthſchaftung, mehr Einſchränkung der Ackerfläche auf die dazu geeigneten Bodenarten und vermehrter Futterbau, dadurch genügendere Bearbeitung und Düngung der Aecker, beſſere Wieſenpflege, Anlage von Ent⸗ und Bewäſſerungen; 2. zweckmäßigere Anlage der Feldwege, größere Regulirung der Grenzen der Grundſtücke; 3. rationellere Viehzucht und beſſere Haltung ſowohl in Beziehung auf Jung⸗ viehzucht als auch auf Milchwirthſchaft; .Vereinigungen zur beſſeren Verwerthung der Milchproducte; 5. Ausdehnung und beſſerer Betrieb der Schweinezucht; 6. größere Vorſicht beim Ankauf von Gütern und Vieh; 7 8 .Anſammlung eines flüſſigen Betriebscapitals; . mehr Sparſamkeit im Haushalt und in der Kleidung; „billigere Beſchaffung der Bedarfsartikel auf genoſſenſchaftlichem Wege; 10. Buchführung; 11. Errichtung von Creditinſtituten zum Zwecke der Befriedigung des Perſonal⸗ credits(Darlehnskaſſen); 12. Errichtung einer Landescreditkaſſe zur Gewährung von Darlehen an Land⸗ wirthe gegen Hypotheken mit Amortiſation; 13. Erleichterung der Steuerlaſt, Geſtattung des Abzugs der Schuldzinſen bei der Steuerveranlagung; 14. Entlaſtung der Gemeinde durch Uebernahme der Schul⸗ und Straßenkoſten ſowie einigen Unterſtützungskoſten auf die Staatskaſſe; 15. Erleichterung und Herabſetzung der Koſten bei dem Umſatz von Liegen⸗ ſchaften; 16. Verringerung der Gerichts⸗ und Beitreibungskoſten; 17. vermehrte Einführung der Baarzahlung durch kürzere Verjährungsfriſten der Schulden für Wirthshauszechen, für geiſtige Getränke ꝛc.; 18. Beſchränkung der Schenken und Gaſtwirthſchaften auf das Bedürfniß, Ver⸗ bot des Branntweinzapfens der Ladenbeſitzer; 19. geſetzliche Beſtimmungen zur Einſchränkung des Hauſierhandels; 20. Aufhebung des Eigenthumsvorbehalts bei Viehhändeln, beſonders bei ſog. Einſtellvieh; — —— — 25— 21. Verſicherungen gegen Feuer, Hagel, Viehſterben, beſonders aber Lebensver⸗ ſicherungen; 22. Verbeſſerung der Verkehrsverhältniſſe, insbeſondere Erſchließung der Gegend durch eine Bahnanlage, dadurch beſſere Verwerthung der Producte, billigere Beſchaf⸗ fung der Bedürfniſſe, Verwerthung der Naturproducte, Schaffung von Nebenverdienſt durch Anlage gewerblicher Etabliſſements, Hausinduſtrie ꝛc. Schließlich dürfte noch zu erwägen ſein, ob nicht auf geſetzlichem Wege Beſtim⸗ mungen zu treffen ſeien zur Einſchränkung des Schuldenmachens auf bäuerliche Güter bis auf ein gewiſſes Maß des Werthes und damit geſetzliche Gewährung eines für den Gläubiger unangreifbaren Minimalbeſitzes. Der Berathung über den Bericht wohnten außer den Unterzeichneten der Groß⸗ herzogliche Kreisrath Schönfeld von Lauterbach, Großherzoglicher Bürgermeiſter Hoff⸗ mann zu Nieder⸗Moos, ſowie die Ortsgerichtsmänner Druleib, Meinhardt und Schöttel zu Nieder⸗Moos und die Landwirthe Paul Dahmer und Konrad Schmelz zu Nieder⸗ Moos bei. Man war im Allgemeinen mit den Ausführungen des Commiſſärs einverſtanden und nur zu den unter Nr. 14, 17, 18 und 19 in der Beantwortung der Frage X und den am Schluſſe derſelben vorgeſchlagenen Mittel zur Verbeſſerung der Lage der landwirthſchaftlichen Bevölkerung glaubten die Herren Geheimerath Dr. Jaup und Kreisrath Schönfeld ihr Einverſtändniß ganz oder theilweiſe nicht geben zu können. Nieder⸗Moos, den 12. Auguſt 1885. Jaup, Geheimerath. Muth. 0,7„ Weichholzwald, Oedung Anlage I. Gemeinde Nieder⸗Moos. Beſitzſtand, Natural⸗ und Geld⸗Rechnung und Rentabilitäts⸗Berechnung eines größeren Bauerngutes von 18,5 Hectar. Der Beſitzer iſt verheirathet, 51 Jahre alt, lebt in zweiter Ehe, ſeine Frau iſt 38 Jahre alt. Aus erſter Ehe iſt ein Sohn im Alter von 25 Jahren, aus zweiter Ehe ſind 4 Kinder im Alter von 16, 11, 9 und 1 Jahr vorhanden, außer⸗ dem wird 1 Knecht gehalten. In der Wirthſchaft werden demnach 5 Perſonen be⸗ ſchäftigt, 2 Kinder gehen in die Schule und eines bedarf noch der Pflege. Im Ganzen beſteht alſo die Familie aus 8 Perſonen, wovon 5 Erwachſene (3 Manns⸗ und 2 Frauensperſonen) ihre Arbeitskraft der Wirthſchaft widmen. Der Beſttzer iſt außerdem noch Grobſchmied, betreibt aber dieſes Geſchäft nur zeitweilig. I. Beſitzſtand. A. Grund und Boden(Grundcapitah). 9 Hectar AOckerland 84„ Wieſe 0,1„ Grabgarten mittlerer Kanfwerth: Steuercapital incl. 0,/2„ Grasgarten 3000 Mk. Gebäude: 97 fl. und Nadelholz (in 34 Parcellen.) Obſtbäume: Die wenigen Obſtbäume bleiben außer Anſchlag, weil dieſelben nur ſelten einen Ertrag liefern und bei dem Verkauf von mit Obſtbäumen beſtandenen Grundſtücken andern(ohne ſolche) gegenüber kein Preisunterſchied iſt. — 27— Wiederholung. Grund und Boden B. Gebäude. Eine Hofraithe, beſtehend aus Wohnhaus, Sſolund, Sihne und Schmiede, laut Brandcataſter C. Viehſtand. 1 Pferd 5 Kühe. 3 Rinder. 2 junge Stiere. 2 Kälber. 2 Schweine 10 Schafe. 15 Hühner. 1 Bienenſtock. D. Todtes Inventar. 3 Oeconomie⸗ und 1 kleiner Wagen. 3 Pflüge und 2 Eggen. Dreſchmaſchine mit Göpel. Häckſelmaſchine. Häckſelbank. Brechmaſchine. Fegmühle Hobelbank. Schmiedgeſchirr Geſchirr und Ketten. Holzgeſchirr und Handgeräthe. Säcke.. Hausgeräthe und Küchengeſchier. Mk. 8000 6490 1727 50 200 60 5 5 25 5 150 60 60 30 80 4— 1080 II E. Vorrath an umlaufendem Betriebscapital ſiehe Rentabilitätsberechnung „ 600 Werth des ranaiten Veſbes. Mk. 19180 Inventar der engeren Familienwohnung(Mobiliar incl. Betten, Leinenzeug, Bettwäſche ꝛc.) Mk. 800. — 28— II. Natural⸗Rechnung. A. Natural⸗Ertrag. Aus dem Acker⸗ und Wieſenbau. Die Bewirthſchaftung des Ackerfeldes iſt die hier übliche Vierfelderwirthſchaft. (1. Korn oder Weizen, 2. Gerſte oder Kartoffeln, 3. Hafer, Erbſen, Kartoffeln ꝛc., 4. Brache, Klee, Flachs, Sommerrübſen oder Wurzelgewächſe. Heu und Grummet wird nur von natürlichen Wieſen gewonnen. Künſtlich angebaute Wieſen oder ſolche mit künſtlicher Be⸗ oder Entwäſſerung kommen nicht vor. Der Anbau der Früchte und der Natural⸗Ertrag derſelben ſtellt ſich hiernach durchſchnittlich ungefähr folgen⸗ dermaßen: Getreideſ 2e 4 S S 3 Anbannu Iee 5 Ss 95 S8 5 8 Centnuſerv. 1 33 Korn. 2,00 Hect. 36 76 A&— Weizen.. 0,25„ 4 8 6μ△μμάό̈ (Winter oder Sommer) Laepe.] s Gerſte.... 1,75/„ 35 42 drrdLe] 3 Hafer... 2, 215 4,75„ 33 56 6 Kartoffeln.. 0,75„——[120 Kohlraben, Nunkelno oder⸗ Rüben. 8 0,600„——[120 Klee. 0,600„-——=[48 Hülſenfrüchte(Erbſen u. Linſen).. 0,25" 7„-————-—— 13 Flachs.... 0,252„-——szℳ—2ʃ2 Wieſen und Grasgarten 8,60„-—————---Z[516 Raps oder Nübſen 3 0,25„-— ⁵ᷣVA 11-—A Brache.— 0,55„-— 4-—-lL-=-égg= P 7 50L Der Durchſchnittsertrag batechnet ſich annähernd pro ¼ Hectar wie folgt: (Es wird hierbei bemerkt, daß die von der Großherzoglichen Centralſtelle für Statiſtik mitgetheilten Zahlen offenbar bei manchen Producten, beſonders bei den Kartoffeln und Rüben, unrichtig ſind.) bei Korn auf 4,50 Ctr. Körner, 9,50 Ctr. Stroh, 2 Weizen 2 4 2 2 8 2 72 2 Gerſte 2 5 2 2 6 2 2 „ Hafer„ 4,71„ 8 7 7 „ Kartoffeln„ 40„ Knollen, „ Wurzelgewächſe„ 50 4„ 00— — 29— bei Klee auf 20 Ctr. Heuwerth, „ Hülſenfrüchte„ 3„ Körner, 5 Ctr. Stroh, „ Flachs„ 2„ Samen, 2„„ 1 Oelfrüchte 1 3 1 1 „ Wieſen„ 15„ Heu und Ohmet. Aus dem Viehſtand. Milch. Durchſchnittlich im Jahre pro Kuh 1000 Liter, pro Tag und Kuh ca. h 3 2,9 Liter, im Ganzen 5000 Liter. Rindvieh. Jährlich werden verkauft: 1 Paar Stiere für ca. Mk. 400, 1 Kuh für ca. Mk. 200, 1 Kalb für ca. Mk. 30, ferner wird 1 Rind gemäſtet und geſchlachtet im Gewicht von ca. 250 Pfd.; 2— 4 Kälber werden zum Erſatz des abgehenden Rindviehes aufgeſtellt. Schweine. Schweine werden angekauft oder gezüchtet und in der Regel zweimal umgeſetzt. In den Haushalt werden gewöhnlich 2 Stück im Gewichte von zuſammen 350 Pfd. geſchlachtet, für verkaufte Schweine werden jähr⸗ lich Mk. 200 erlöſt. Schafe. In der Regel gehen 6 ſelbſtgezüchtete Lämmer zu und 6 Stück Lämmer oder gelte Schafe werden verkauft; 25 Pfd. Wolle. Geflügel. Ungefähr 700 Stück Eier und junge Hahnen oder alte Hühner. Honig. Ungefähr 10 Pſd. B. Natural⸗Bedarf. Für Saatgut. Korn 2 Hectar... 10 Ctr. Pfd. Weizen 0,25“ 1„„ Gerſte 1,75„.. 6„=„ Hafer 1,75„..... 8„„ Hülſenfrüchte 0,25„....„ 80 Kleeſamen 0,60„....„ 35„ Lein 0,25„.....—„ 80„ Rübſen 0,25„...=„ 20„ Kartoffeln 0,75„.... 20„„⸗ Für den Viehſtand. Gerſte, den Schweinen, Hühnern...... 10 Ctr. Hafer, dem Pferd und dem Rindvieh.... 15, Kartoffeln, den Schweinen........ 50„ Rüben, dem Rindvieh.......... 120„ Klee(in Heuwerth), dem Rindvieh..... 48„ Heu und Grummet, dem Pferd, Rindvieh und den Schafen...... 516„ Stroh, desgl., zum Füttern und Streu.... 180„ Kleie, den Milchkühen......... 4 Ctr. Oelkuchen, desgle........... 5„ Oelkuchen, zugekauft......... 40„ Milch, den Saugkälbern........ 1500 Liter, Milch(abgerahmt), den Schweinen..... 1500„ Der Werth der für den Viehſtand verwendeten Producte beträgt in runder Summe annähernd... Mk. 21 90 Die Koſten der für das Pferd— verwendenden Producte abzurech⸗ nen halte ich nicht für richtig, weil dasſelbe nur zu landwirthſchaftlichen Arbeiten verwendet wird, die Arbeitsleiſtung für die Wirthſchaft erforder⸗ lich iſt und Leiſtung und Koſten gleich zu rechnen ſind. Der Werth der aus dem Viehſtand erzielten Jerodneie einhni 9 im Ganzen in runder Summe annähernd auf....„ 1650 Es würden demnach für die Koſten der verwendeten Pehdurie durch den Stallmiſt noch zu decken ſein.... Mt. 540 Die Stallmiſtproduction iſt annähernd auf 900 Centner zu ſchätzen(die Schafe gehen den Sommer über auf die Weide und kommen nicht in den Stall, auch das Rindvieh geht im Sommer und Herbſt auf die Weide, wodurch weniger Stallmiſt gewonnen wird). Der Centner Stallmiſt kommt demnach auf ungefähr 60 Pf. zu ſtehen. Hierzu treten noch die Koſten für die Verpflegung des Viehes ꝛc., wodurch ſich der Koſtenpreis des Miſtes mindeſtens noch um 10 Pf. pro Centner erhöht und ſich auf 70 Pf. ſtellt. Für die Familie: Kornu. 25 Ctr. Gerſie......... 10„ Weizen......... 3„ Erbſen.. 2„ Kartoffeln... 50„ Fleiſch und Schmalz 600 Pfd. (außer dem ſelbſtproducirten Fleiſch und der Wurſt befinden ſich hierunter etwa 30 Pfd. zur Kirchweih zun anſie⸗ iich Butter.....r. G. 52„ Oel....... 60 Liter Milch, ganze und coleuünte...... 1800„ Lir...... 300 Stück Käſe, Schmierkiſe 2c.......... 100 Pfd. Gemüſe 2ꝛc............. 60„ Kaffee 2c.............. 60 ⸗ — Zucker............. 20 Pfd. Salz.............. 200„ Reizsz............... 50„ Branntwein............ 50 Liter Petroleum............ 30„ Gewürze ꝛc. Es berechnet ſich hiernach der Verbrauch der 8 Perſonen ſtarken Familie pro Kopf und Tag auf rund ungefähr: 685 Gramm Getreide, 860„ Kartoffeln, 100„ Flleiſch und Schmalz, 9„ Buttel, 10„ Kaffee, 3„ Zucker, 35„ Salz, 0,60 Liter Milch. Käſe, Schmierkäſe, Gewürze ꝛc. für die Familie, Branntwein für die Erwachſenen. Der Werth der verbrauchten Nahrungsmittel beträgt laut beſonderer Berechnung jährlich Mk. 1170, täglich Mk. 3,20 oder für jede Perſon täglich 40 Pf. Die Lebensweiſe der Familie iſt folgende: Erſtes Frühſtück: Kaffee, Brod oder Kartoffeln mit Schmierkäſe, Sonn⸗ tags und während der Ernte mit Butter. Zweites Frühſtück: Nur von Anfangs Mai bis October Brod mit Käſe oder Schmierkäſe, Kaffee oder etwas Branntwein. Mittageſſen: Sonntags und im Sommer und Herbſt auch zweimal in der Woche Fleiſch oder Wurſt, Fleiſchbrühe, Milch⸗, Reis⸗ oder Kartoffelſuppe, Kartoffel⸗ gemüſe, Mehlſpeiſe oder gebackene Mehlſpeiſen, zuweilen gebackene Eier. Vesperbrod: Nur von Mai bis October: Kaffee mit Brod, Butter oder Schmierkäſe. Abendbrod: Kartoffeln, Salat oder Schmierkäſe, Dickmilch. Sonntags wird inſofern beſſer als an den Werktagen gelebt, daß es in der Regel Fleiſch gibt, zum Brod Butter genoſſen und der Kaffee beſſer gekocht wird. Der Knecht ißt mit der Familie, ebenſo die zuweilen angenommenen Taglöhner. III. Geld-Rechnung. A. Einnahmen. (26 Ctr. Frucht(Korn, Gerſte, Hafer)........ Mk. 130,— 100 Wfd. Vntter à 80 Pf............„ 80⸗ zu übertragen.. Mk. 210,— 400 Stück Eier à 4 Pf.. Für verkaufte Hahnen. Vieh: 2 Stiere. 1 Kuh 1 Kalb.. 3 Schweine. 6 Schafe und Lämmer Schmiedlohn ꝛc... B. Ausgaben. Steuern und Umlagen: Directe Steuern Tilgungsrente Communalſteuer. Schulgeld. b Taglöhne: Außer der Koſt. Unterhaltung des todten Inventars: Wagner und Sattler... Schmied⸗Arbeit wird ldi reſorn doshalb: nur Eiſen. Haus⸗ und Handgeräth Unterhaltung der Gebäude: Wirkliche Ausgaben Verſicherung. Verſicherungsprämie: Viehſchaden verſichert. Inventar der engeren Familienwohnung: Wirkliche Ausgabe. Zukauf von Vieh: Zukauf von Kraftfutter: 18 Ctr. Oelkuchen. Summa II Für Ankauf von Schweinen, Erſatz des Pferdes. zu übertragen Uebertrag. Es iſt weder gegen Mobilien⸗Feuerſchaden, Hagelſchlag oder 2 II 2 Mr. 1280,— 120, 32— Uebertrag. Mk. 567,— Heizung und Beleuchtung: Holz;............ Mk. 50,— Petroleum, Lampen.........„ 15, 6 Zukauf von Nahrungsmitteln: Fleiſch, 20 Pfd. à 50 Pfg....... Mk. 10,— Kaffee, Zucker, Reis, Gewürze, Cichorie...„ 120,— Salz..........„ 20,— Branntwein.........„ 20,— Käſe Ac.............„ 15, Sämereien, Gemuſe.........„ 10,— —— 5 195, Bekleidung, Schuhe c................„ 200,— Arzt und Apotheke................„ 20,— Schulbücher, Schreibmaterial.............„ 10,— Verſchiedenes, Taſchengeld............„ 30,— Dienſtboten: Dem Knecht baac..............„ 120,— — Summa Mk. 1200,— C. Vergleichung der Geld⸗Einnahmen und Geld⸗Ausgaben. Die Einnahmen betrugen..... Mk. 1280,— Die Ausgaben betrugen.....„ 1200,— Ueberſchuß.. Mk. 80, Für Capitalzinſen, Kaufſchillingsziele und Zinſen hiervon iſt nichts in Ausgabe geſtellt, weil der Beſitzer auch Capitalausſtände hat, von deren Zinſenertrag er die Zinſen, welche ſeinem Sohne erſter Ehe laut Hypothekeintrag von ſeinem mütterlichen Vermögen zuſtehen, bezahlt. Ebenſo kann er die Güterziele von ſeinen Ausſtänden beſtreiten. IV. Rentabilitäts-Verechnung. A. Rohertrag. (excl. der für die Production in der Wirthſchaft wieder verwendeten Producte). Erlös aus verkauften Producten(ſ. oben)....... Mk. 1160,— Werth der für die Familie aus der Wirthſchaft entnommenen Producte(ſ. oben).......„ 1038,— Summa. Mk. 2198,— — 354— B. Productionskoſten. Gebäudekapital: Zinſen von Mk. 6490 à 4 Ct. Mk. 259,60 Verſicherungsprämie.......„ 4,— Abnutzung 0,75 pCt........„ 48,07 Inſtandhaltung........„ 80,— .Capital des lebenden Inventars: Zinſen von Mk. 3010 à 4 pCt. Mk. 120,40 Verſicherungsprämie 2 ½ pCt....„ 75,25 innbind vom Werth des Vledesn Mk. 300 811 pPCt......„ 24,75 Capital des todten Inventars: Zinſen von Mk. 1080 à 4 pCt.... Mk. 43,20 Verſicherungsprämie 2 pCt....„ 21,60 Erneuerung und Jaäenüihaltng. wirkliche Ausgübe......„ 120,— Zinſen des umlaufenden Betriebscapitals. Letzteres beträgt 50 pCt. der jährlichen baaren Ausgaben= Mk. 600. Hiervon 6 pCt. Hagelverſicherungsprämie 0,75 pCt. vom Werihe n der Getreide⸗ Ernte= Mk 1150. .Feuerverſicherung der Producte. Steuern und Umlagen(excl. Tilgungsrente und Einkommenſteuer) Kraftfutter 5 Heizung und Beleuchtung, 25 pCt. der geſammten Nussube (75 pCt. auf die Familie erechueh) von Mk. 65. Thierarzt.. 7 .Arbeitslöhne: Taglöhner: 12 Frauentage incl. Verköſtigung Mk. Lohn für die 5 erwachſenen Perſonen der Familie: Mann, die Hälfte für die Landwirth⸗ ſchaft(die andere Hälfte der Zeit für Schmiedeprofeſſion) gerechnet...„ Frau, desgl. die Hälfte der Zeit für die Landwirthſchaft(die andere Hälfte zur Pflege der Familie) gerechnet Sohn, Lohnanſchlag und Verköſtigung.„ Mk. 395,27 „ 220,40 „ 184,80 au übertragen. Mt. 718,— Mr. 1081,35 rl — 35— Uebertrag.. Mk. 718,— Mk. 1081,35 Tochter, desgl......„ 280,— Knecht, Lohn in Baar und Naturalien ſowie Verköſtigung.....„ 300,— „ 1298,— 12. Verſchiedenes................„ 20,65 Summa Mk. 2400,— C. Reinertrag. Der Rohertrag betrug.... Mk. 2198,— Die Productionskoſten ſind...„ 2400,— Bleibt Deficit Mk. 202,— Der fehlende Betrag macht noch mehr als den Werth der Wohnung aus; eine Verzinſung des Grundcapitals ergibt ſich nicht. Anlage II. Gemeinde Nieder⸗Moos. Beſitzſtand, Natural⸗ und Geld⸗Rechnung und Rentabilitäts⸗Berechnung eines mittleren Pauerngutes von 15,20 Hertar. Der Beſitzer iſt verheirathet, 56 Jahre, ſeine Frau 55 Jahre alt, hat 3 Kinder, 6 nämlich 2 Söhne im Alter von 28 und 16 Jahren, 1 Tochter 18 Jahre alt. Außer⸗ dem lebt noch die Mutter der Frau, welche 80 Jahre alt iſt. Dieſe kann natürlich gar keine Arbeit verrichten; der jüngſte Sohn iſt wegen fehlerhafter Augen nicht zu allen Arbeiten brauchbar. Im Ganzen beſteht alſo die Familie aus 4 erwachſenen (2 Männer⸗ und 2 Frauen⸗) in der Wirthſchaft arbeitenden, aus 1 wenig und 1 nicht arbeitenden Perſonen, im Ganzen 6 Perſonen. Ein 21 Jahre alter Sohn be⸗ findet ſich beim Militär. I. Beſitzſtand. A. Grund und Boden mit Obſtbäumen(Grundcapital). Oo2 Hertar Grab⸗ und Graszarten mittlerer Kaufwerth: Steuercapital incl. 5,47„ Ackerland enelüt 9,19„ Wieſen 6000 Mk. Gebäude: 114 fl. 4 kr. —(in 40 Parcellen.) Obſtbäume: 5 Aepfelbäume, 4 Birnbäume. Der Werth bleibt außer Anſchlag, weil der Ertrag ſehr gering iſt. Wiederholung: Grund und Boden........ Mk. 6000 Mk. 6000 zu übertragen.. Mk. 6000 Uebertrag.. Mk. 6000 B. Gebäude. Eine Hofraithe, beſtehend aus Wohnhaus, Sunn mg und Scheuer, laut Brandlataſter.....„ 6850 c. Viehſtand. 4 Kühe.... J........ Ml. 1000 2 zweijährige Stiere.....„ 300 4 Rinder............„ 400 3 Schweine............„ 110 6 Schafe.............„ 120 D. Todtes Inventar. 2 Wagen....... Mr. 200 1 Pflug und 2 Eggen.„ 50 4 Walze...„ 5 Fahrgeſchirre, Ketten........„ 40 1 Häckſelbant...........„ 5 1 Fegmühle............„ 15 1 Brechmaſchine.........„ 10 Handgeräthe............„ 80 Säcke und Klengtuch.........„ 50 Haus⸗ und Küchengeräthe........„ 100 — 5⁵5⁵ E. Vorrath an umlaufendem Betriebscapital ſiehe P dereanahn...... 8 385 Werth des wiaunnien Beigs MNt. 15720 Inventar der engeren Familienwohnung Mk. 800. Natural-Rechnung. A. Natural⸗Ertrag. Aus dem Acker⸗ und Wieſenbau. Die Bewirthſchaftung des Ackerfeldes iſt im Allgemeinen die in der Gemarkung übliche Vierfelder⸗Wirthſchaft, wie ſie in der erſten Anlage erwähnt wurde. Der Anbau der Früchte und der Natural⸗Ertrag derſelben ſtellen ſich hiernach durchſchnittlich folgendermaßen: 4¹⁴ Oc r. 3,22 Getreide— 8— Flachs— kabeh s E A. S52 6 8 9S (5,7 Centner d helr S⸗ Korn. 1,15 Hectar 24 40 ta Weizen.. 0,25.„ 4 6— Gerſte. 0,95⸗„„ 20 20 , Hafer. 3,2.2 0,857„ 20 35 8. r Erbſen.. 0,2„ 4 6 mee 7 Kartoffeln.. 0,70“„—— 100 de. Klee.. 0,40⸗„——— 30 Rüben und Dicwurzel. 0,40/„——[—— 80 Flachss O,251S„ Z— 2 2,5 Brache. O52,„====—=— Kraut.. 0,05 v„—————-ℳõ—A—— Wieſen und Grasgarten 9,49„———[—[=[——[450 16 6 Der Durchſchnittsertrag berechnet ſich pro ¼ Hectar wie folgt: bei Korn auf 5,21 Ctr. Körner, 8,70 Ctr. Stroh, 2 Weizen 2 4,00 2 2 6,00 2 I 2 Gerſte 2 5,26 I/ 2 5,26 22 II 2 Hafer 2 5,87 2 2 10,29 2 2 2 Erbſen 2 4,00 2 II 6,00 II/ „ Kartoffeln„ 35,71„ Knollen, „ Dickwurzel„ 50,00„ Nüben, „ Flachs„ 2,00„ Samen, 2,50„ Faſer, „ Klee„ 18,75„ Heuwerth, „ Wieſen„ 11,85„ Heu und Grummet. Aus dem Viehſtand. Milch. Durchſchnittlich im Jahr pro Kuh 1000 Liter, pro Tag und Kuh ca. 2,9 Liter, im Ganzen demnach von 4 Kühen 4000 Liter. Die Kühe werden angeſpannt und müſſen die ganzen Zugarbeiten ver⸗ richten. Die Saugkälber erhalten 3 bis 6 Wochen lang die ganze Milch der Mutter. Rindvieh. Jährlich werden 1 Paar zweijährige Stiere und 1 Kalb, alle zwei Jahre 1 Kuh oder 1 Rind verkauft. Schweine. Gewöhnlich werden 4 Ferkel angekauft. Davon im Herbſt 2 oder 3 Schweine wieder verkauft und 1 oder 2 gemäſtet und für den Haus⸗ halt geſchlachtet. — 39— Schafe. Durchſchnittlich werden 2 Lämmer und 1 geltes Schaf verkauft; außer⸗ dem von den Schafen ca. 18 Pfd. Wolle geſchoren. Geflügel. Wird nicht gehalten. B. Natural⸗Bedarf. Für Saatgut: Korn 1,15 Hectar. 7 Ctr.— Pfd. Weizen 0,25„ 1 ,„=„ Gerſte 0,95„ 4„=„ Hafer 0,85 7 5„ 5 Erbſen 0,25„ 11„„ Kartoffelln 0,70„ 18„—„ Rüben 0,40„=„=„ Lein 0,25„ 1„=„ Klee 0,40„—„ 20„ Für den Viehſtand: Gerſte, den Schweinen......... 4 Ctr. Hafer.............. 10„ Kartoffeln............. 32„ Dickwurzel......... 80„ Kleie, vom eigenen Milhu..... 5.„ Oelkuchen... 1„ Klee, grün gefüttert, in Heuwerth.... 30„ Heu und Grummet....450„ Stroh, zum Füttern und Streuen..... 107 Milch, ganze, den Saugkälbern...... 800 Liter Milch, abgerahmte, den Schweinen..... 800„ Der Werth der für den Viehſtand verwendeten Puodnrir beträgt in runder Summe annähernd.. Mk. 1560 Der Werth der eäielen iapre kacine ig in runder Summe annähernd auf...„ 1050 Es würden demnach für die Krſi der ipendecen nadue u durch den Stallmiſt zu decken ſein.... Mk. 510 Die Stallmiſtproduction iſt annbermd anf 800 Gentnor zu ſchätzen.(Die Schafe gehen von April bis October auf die Weide, auch das Rindvieh wird vom Mai bis Ende September des Tags über außer dem Stall gehalten, wodurch weniger Miſt als bei der ganzjährigen Stallfütterung erzeugt wird.) Der Centner kommt demnach auf ungefähr 64 Pf. zu ſtehen, wozu noch die Koſten für Zinſen, Verpfle⸗ gung ꝛc. des Viehſtandes treten. — 40— Für die Familie (einſchließlich der To Wualähm din und Handüeere, die mit der Familie eſſen.) Korn..... 17 Ctr. Meize................. 3„ Gerſtedy............ 10„ Erbſen 2„ Kartoffeln............. 50„ Fleiſch und Schmalz 200 Pſd. Zugekauftes zadiralh........ 45„ Butter............... 80„ Oel, zum Schmelzen....... 40 Liter Kaffee.............. 50 Pfd. Zucker...............„ Reis oder Hirſen............ 40„ Salz........... 150„ Milch, ganze und abgerahmte.... 2000 Liter Branntwein.... 50„ Käſe und Schmierkäſe, Gemüſe und Verſchiedenes. Es berechnet ſich hiernach der Verbrauch der 6 Perſonen ſtarken Familie pro Kopf und Tag auf rund ungefähr: 685 Gramm Getreide, 1140„ Keartoffeln, 45„ Hülſenfrüchte, 68„ Flleiſch und Schmalz, 16„ Oel, 18„ Butter, 11„ Kaffee, 2„ ZBuker, 34 Salz, 0,90 Liter Milch, Etwas Branntwein(nur für die Erwachſenen), Gemüſe, Käſe, Schmierkäſe, Gewürz. Der Werth der verbrauchten Nahrungsmittel beträgt annähernd jährlich Mk. 950, täglich Mk. 2,60 oder für jede Perſon 44 Pf. Die Lebensweiſe der Familie iſt folgende: Erſtes Frühſtück: Kaffee, Brod oder Kartoffeln, im Sommer bei der Ernte und Sonntags mit Butter, ſonſt Schmierkäſe oder trocken. Zweites Frühſtück: Nur im Sommer, Brod mit Käſe oder Butter, bis⸗ weilen auch Kaffee. Im Winter kein zweites Frühſtück. Mittageſſen: Nur Sonntags Fleiſch oder Wurſt; an den Werktagen meiſtens Milchſuppe und ſonſtige von Kartoffeln, Mehl, Kraut, Kohlraben ꝛc. zube⸗ reitete Speiſen. — 41— Vesperbrod: Im Sommer und Herbſt Brod mit Butter oder Schmierkäſe, Latwerge, Kaffee oder Branntwein. Im Winter fällt das Vesperbrod weg. Abendbrod: Kartoffeln, Schmierkäſe oder Salat und Dickmilch. III. Geld-Rechnung. A. Einnahmen. 2 Ctr. Gerſte 7.. 5„ Hafer 27. 1„ Elbſen 4. 120 Pfd. Butter à 80 Pf. Vieh, 1 Paar Stiere.. für Kuh, Rind oder Kalb jährlich uurſinätug für verkaufte Schweine 3„ Schafe 1 Nebenverdienſt durch Fahren und Handarbeiten. Summa B. Ausgaben. Steuern und Umlagen: Directe⸗Steuern......... Mk. 42,20 Gemeindeumlagen..........„ 84,— Tilgungsrente...........„ 22,— Taglöhne: Für landwirthſchaftliche T Taglöhner wird nichts ausgegeben. Unterhaltung der Gebäude: Wirkliche Ausgabe.—. Mk. 50,— Verſicherungsprämie.........„ 8,— Unterhaltung des todten Inventars: Wirkliche Ausgaben: dem Wagner.. Mk. 15, dem Schmied......„ 20,— für Hausrath und Handgeräthe.„ 20,— —-—- Inventar der engeren Familienwohnung. Verſicherungs⸗Prämien: Das Inventar an Mobilien, Vieh und Producte iſt nicht gegen Feuer, Sterben oder Hagelſchlag verſichert. Zukauf von Vieh: 4 Ferkel zu übertragen 16, 7 35,— 11,— 96,— 2 300,— 100, 100,— 7 50,— 50,— — Mk. 758,— Mk. 148,20 55,— 20,— 7 / 50,— Nr. 331, 20 —— Mk. Für Kleider und Schuhe ꝛc. werden jährlich baar ausgegeben ca.„ 100,— Die Werktagskleider werden von ſelbſtgezogenem Flachs reſp. Wolle angefertigt. Uebertrag.. Mk. 331,20 Zukauf von Kraftfutter: 1 Ctr. Oelklichen.....„ 8,— Heizung und Beleuchtung: Holzs...........Ml. 40,— Peirblenm.......„ 10,— —— 2 50,— b Zukauf von Nahrungsmittel: 40 Pfd. Reis....... Mk. 8,— 15„ Rindfleiſch à 60 uf......„ 9,— 50„ Kaffee..„ 50,— 8„ Zucker.......„ 4,— 150„ SGglz...„ 15,— Oel, Branntwein, Käſe, Gewürze, Gemüſe.„ 110,— 1 Bekleidung: Arzt und Apotheke..............„ 10,— Thierarzt....„ 5,— Verſchiedenes......„ 39,80 Binſen...............„ 30,— Summa.. Mk. 770,— C. Vergleichung der Geld⸗Einnahmen und Geld⸗Ausgaben. Die Einnahmen betrugen.... Mk. 758 Die Ausgaben betrugen...„ 770 Deficit.. Mk. 12 Außerdem ſind für den beim Militär befindlichen Sohn jährlich ca. Mk. 100 zuzuſchießen und iſt das Fehlende durch Anleihe aufzubringen. IV. Rentabilitäts-Berechnung. A. Rohertrag (excl. der für die Production in der Wirthſchaft verwendeten Producte.) Erlös aus verkauften Producten(ſ. oben)....... Mk. 708,— Werth der für die Familie aus der Wirthſchaft entnommenen Producte(ſ. oben Mt. 950 weniger Mk. 157=—.„ 793,— Summa Mk. 1501,— — 413— B. Productionskoſten. . Gebäudecapital: Zinſen von Mk. 6850 à 4 pGt... Ml. 274,20 Verſicherungsprämie(Brandkaſſegeld)..„ 8,— Abnutzung à 0,75 pCt.......„ 51,37 Inſtandhaltung.........„ 50, Mk. 383,57 „Capital des lebenden Inventars: Zinſen von Mk. 1930 à 4 Ct.... Mr. 77,20 Verſicherungsprämie 2 pCt......„ 38,60 Jährlicher Zukauf von Ferkeln....„ 50,— „ 165,80 .Capital des todten Inventars: Zinſen von Mk. 555 à 4 pCt... Ml. 22,20 Verſicherungsprämie 0,2 pGCt....„ 1,11 Erneuerung und Inſtandhaltung, wirkliche Ausgabe.......„ 5 5„ —„ 78,31 Zinſen des umlaufenden Betriebscapitals. Letzteres beträgt 50 pCt. der jährlichen baaren Ausgaben= Mk. 385 zu 6 pCt..„ 23,10 .Hagelverſicherungsprämie, 0,75 pCt. vom Werth der Getreide⸗ Ernte= Mk. 314 à 0,75 pGt........„ 6,12 . Feuerverſicherung der Producte 1,5 pro Mille......„ 3,22 „Steuern und Umlagen(excl. Tilgungsrente und Einkommenſteuer)„ 120,— „Kraftfutter......„ za* 8,— .Heizung und Beleuchtung 25 pCt. der geſammten Ausgabe(75 pCt. werden auf die Familie gerechnet)....„ 12,50 . Thierauakaʒa„ 5,— .Arbeitslöhne: Taglöhne, Lohn für den Wirthſchafter ſelbſt Lohnanſchlag und Koſt. 330 Lohn für die 2 Söhne gleich Knechten: dem älteſten 160 Mk. Lohn und 160 Mk. für Koſt.. Mk. 320 dem jüngſten nur für die Koſt„ 160 —„ 480 Lohn für die Frau, desgleichen für die halbe Zeit.(Die halbe Zeit für die Hauswirth⸗ ſchaft gerechnet)....„ 160 zu übertragen.. Mk. 970 Mk. 805,62 — 44— Uebertrag Mk. 970 Mk. 805,62 Lohn für die Tochter, gleich einer Magdd.... Mk. 100 für die Koſt......„ 160 -„ 200 ——„, 20, 12. Verſchtedenes„ 14,38 I Summa.. Mk. 2050,— C. Reinertrag. Der Rohertrag betrug.... Mk. 1501 Die Productionskoſten betragen„ 2050 Verglichen, ergibt Deficit.. Mk. 549 Für die Wohnung wäre noch ein entſprechender Betrag abzurechnen; eine Ver⸗ zinſung des Grundcapitals ergibt ſich jedoch nicht, ſondern es bleibt noch eine be⸗ deutende Unterbilanz. Anlage III. Gemeinde Nieder⸗Moos. Beſitzſtand, Natural⸗ und Geld⸗Rechnung und Rentabilitäts⸗Berechnung eines Der Beſitzer iſt 39 Jahre alt und lebt in 2. Ehe, ſeine Frau iſt 28 Jahre alt; er hat 5 Kinder im Alter von 12 bis 2 Jahren, davon das älteſte aus 1. die übrigen aus 2. Ehe. Die Familie beſteht demnach aus zwei arbeitsfähigen Perſonen. Neben dem Landwirthſchaftsbetrieb verſieht der Beſitzer noch einen Theil des Kirchendienſtes (das Läuten), im Winter betreibt er noch die Leinweberei mit einem kleinen Garn⸗ handel. Eine Stube hat er vermiethet. 2ℳν I. Beſitſtand. A. Grund und Boden(Grundcapital). 3,00 Hectar Ackerland.. „ pf„.„ d. 3,24„ Wieſe mittlerer Kaufwerth: Steuercapital incl. Gebäude: 4,03„ Garten 2500 Mk. 44 fl. 44 kr. — 11 20 Parcellen. Obſtbäume: Die wenigen Obſtbäume(3 Aepfel⸗, 3 Birnen⸗ und 4 Zwetſchenbäume) liefern einen kaum nennenswerthen Ertrag(ungefähr 3 Mk.) und bleiben deßhalb außer Anſchlag. Wiederholung. Grund und Boden............ Mk. 2500 zu übertragen.. Mk. 2500 — 6 1 felderwirtſchaft. Uebertrag B. Gebände. Ein Wohnhaus mit Stall und Scheuer, laut Brandkataſter C. Viehſtand. 3 Kühe, Vogelsberger, werden zu allen landwirth⸗ ſchaftlichen Bawbeſion verwender... Mk. 600 1 Rind..„ 7 2 Ziegen....„ 45 2 Schweinchen(nur zitwei„ 60 7 Hühner...„ 10 D. Todtes Inventar. 1 Wagen mit Zugehör..... M. 100 1 Pflug und 2 Eggen...„ 30 Fahrgeſchirr.......„ 20 1 Häckſelbant........„ 5 1 Fegmühle.. e..„ 45 Scheuer⸗ und Handgeräthe.....„ 50 Hansrath, Kochgeſchirr ac.......„ 60 Webſtuhl mit Zugehör.......„ 120 E. Vorrath an umlaufendem Betriebscapital ſiehe Rentabilitätsberechnung Werth des geſammten Beſites Inventar der engeren Familienwohnung Mk. 440. Natural-Rechnung. A. Natural⸗Ertrag. Aus dem Acker⸗ und Wieſenbau. Mk. 2500 „ 3290 „ 700 „ 490 „ 306 Mk. 7316 Die Bewirthſchaftung des Ackerfeldes iſt im Allgemeinen die hier übliche Vier⸗ Nach Korn folgen Gerſte oder Kartoffeln, im 3. Jahr Hafer oder Kartoffeln ꝛc., im 4. Jahr Wurzelgewächſe, Klee, Brache ꝛc. Der Anbau der Früchte aus dem Natural⸗Ertrag derſelben ſtellt ſich ungefähr durchſchnittlich wie folgt: 0 9/ 0 6 4A( eh 65 kh 7 lee-& — ) Getreide 5 5 S 3 ⁸ Anbanu(S2SSGs 5 5[6 Sſa. Centuner. Korn. 0,75 Hectar 15 30 96 Gerſte. 0,65„ 13 15 K⸗] l= Hafer.... 0,50„ 10 16 p ft Sommerweizen 240 b0,15„ 2,50 5 Kartoffeln.. ,50„——[60 Rüben, Kraut ꝛc. 54,0 0,30„——— 60 Klee.. 5 0,15—— 12 Wieſen. 2,21„——[——[[162 6, 2A LN Der Durchſchnittsertrag berechnek ſich pro ¼ Hectar wie folgt: bei Korn auf 5 Ctr. Körner, 10 Ctr. Stroh, 2 Gerſte 1 5 2 2 5,77 1„ 2 Hafer 2 5 2 1/ 8 2 2 „ Sommerweizen„ 4,17„„ 8,35„ 9 „ Kartoffeln„ 30„ Knollen(gute geſunde), „ Rüben„ 50„ Rüben, „ Klee„ 20„ Heuwerth, „ Wieſen„ 12,50„ Heu und Grummet. Aus dem Viehſtand. Milch. Durchſchnittlich im Jahr pro Kuh 1000 Liter, pro Tag und Kuh 2,8 Liter, im Ganzen alſo 3000 Liter. Die Milch von den Ziegen(ca. 300 Liter) wird in dem Haushalt und für die Schweine verwendet. Rindvieh. In der Regel werden alle Jahr 1 jährig Rind und 2 Saugkälber verkauft. Schweine. Im Frühjahr werden gewöhnlich 4 Ferkel gekauft, hiervon im Herbſt wieder 2 verkauft und 2 für den eigenen Bedarf gemäſtet zu einem Schlachtgewicht von 90 bis 100 Pfund per Stück. Geflügel. Für Saatgut. Korn Gerſte Hafer Sommerweizen 0,15„ Etwa 550 Stück Eier. B. Natural⸗Bedarf. 0,75 Hectar. 4 Ctr.— Pfd. 0,65„ 2„ 50„ 0,50 2 2 2 50 1/ 7 60 11 — 418— Kartoffeln 0,50 Hectar... 13 Ctr.— Pfd. Rüben u. Kraut 0,00„..—„ 4„ Klee 0,15„„ 83„ Für den Viehſtand. Gerſe 1 Ctr.— Pfd. Haſer. 7„ 50„ Kartoffeln und Abfälle vom daushelt. 10„=„ Rüben.—. 60„„ Klee, wird grün gefüttert..... 12„=„ Heu und Grummet 169„„ Stroh. 65„„ Kleie, von eigenem Mahlgut 4„—„ Rapskuchen, gekauft....—„ 75„ Milch, unabgerahmt für die Kälber. 600 Liter, „ abgerahmt für die Schweine.. 800„ Der Werth der für den Viehſtand verwendeten Audiiſs beträgt in runder Summe annähernd.. 750 Der Werth der ergeltän Moopet berehie im Gande in runder Summe auf.. 2„ 550 Es würden ninnin für die Koſten der verwendeten Wode nc. durch den Stallmiſt zu decken ſein.... MNk. 200 Die Stallmiſtproduction iſt annähernd auf 350 Centner z1 ſchätzen, ſo daß der Centner auf 57 Pf. zu ſtehen kommt, wozu noch die Koſten für Zinſen, Verpflegung ꝛc. des Viehſtandes treten. Hierzu wird noch bemerkt, daß das Rindvieh von Mitte Juli bis Anfang October größtentheils auf der Weide(abgeerndtete Grundſtücke) ernährt wird, worunter aber auch die Stallmiſtproduction beeinträchtigt wird. Für die Familie. Korn........... 10 Cir. 50 Pfd. Gerſte...... 9„—„ Sommerweizen.... 1„ 50„ Korn⸗ oder Brodmehl cetunt).. 4„—„ Weizenmnehl.......—„ 60„ Kartoffeln......... 347—„ Fleiſch... 180 Pfd. (Hiervon 160 Pfund ſelbſtgezüchtetes Schweinefleiſch und 20 Pfund gekauftes) — 49— Schmalz(von den Sühweinen).. 20„ Sel. 25 Kiter, Butter.........,50 Pfd. Kaffee... 30„ Zndcker....... 8, Salz........... 120„ Neis...... 15„ Milch(zur Suli uorerahmd),.... 1600 Liter Eier...... 250 Stück, Branntiwein.......... 20 Liter Petroleum,..... J. G. 125„ Käſe, Latwerge, Gewürze, Gemüſe ec. Es berechnet ſich hiernach der Verbrauch der Familie pro Kopf und Tag auf ungefähr: 490 Gramm Getreide und Mehl, 725„ Kartoffeln, 35„ Fleiſch, 11„ Schmalz und Oel, 10„ Bultter, 6„ Kaffes, 1,5„ Bulcker, 23„ Salz⸗ 0,62 Liter Milch, Käſe, Eier, Gemüſe ꝛc. Der Werth der verbrauchten Nahrungsmittel beträgt annähernd jährlich Mk. 697 und täglich Mk. 1,91; auf 1 Perſon, meiſtens Kinder, kommen demnach täglich ca. 27 Pf. Die Lebensweiſe der Familie iſt folgende: Erſtes Frühſtück: Kaffee, im Winter mit Kartoffeln, Schmierkäs oder Salz, im Sommer mit Brod. Bei Feldarbeit zum Brod Butter. Sonntags Kaffee und Brod mit Butter. Zweites Frühſtück: Gibts nur im Sommer und beſteht in Brod und übrig gebliebenem Kaffee oder aus Brod und Käſe, bei Feldarbeit auch etwas Branntwein. Mittageſſen: Milch⸗, Mehl⸗ oder Kartoffelſpeiſen; Fleiſch gibts faſt nur Sonntags, bisweilen auch gebackene Eier. Vesperbrod: Nur im Sommer Kaffee, Brod, Schmierkäſe, Latwerge, bis⸗ weilen auch Butter und ſtatt Kaffee Branntwein. Abendbrod: Meiſtens geſottene Kartoffeln, Schmierkäſe, Latwerge, Salat und Dickmilch, abwechſelnd ſtatt Dickmilch auch Kaffee. — 560— III. Geld-Rechnung. A. Einnahmen. Aus Frucht: Nichts. 125 Pfd. Butter à 80 Pf. 300 Stück Eier à 4 Pf.... Vieh: Jährlich wird 1 Rind oder in n mehweren Zahren eine ne Kuh verkauft und dafür durchſchnittlich pro Bam 5 Jährlich 2 Saugkälber à Mk. 20... Jährlich 2 Zuchtſchweine à Mk. 30. Aus Obſt wird nichts eingenommen. Aus der Leineweberei und dem Garnhandel⸗ Für Kirchendienſt... Für Wegearbeit bei der Gemeinde. Für Hausmiethe Summe B. Ausgaben. Steuern und Umlagen: Directe Steuern und Patent...... Mk. 20,40 Tilgungsrente....„ 10,— Communal⸗Steuer.......„ 39,— Schulgeld.... 9 1,70 Capitalzinſen.. Die Schulden find theilweiſe, weil Bermögen der Kinder erſter Ehe, unverzinslich, ſonſt würden die Zinſen mehr betragen. Unterhaltung der Gebäude: Wirkliche Ansgahe........ Mk. 30,— Verſicherungsprämie.........„ 9,— Unterhaltung des todten Inventars: Wirkliche Ausgabe: Wagner und Schmied...... Mk. 20,— Haus⸗ und Handgeräthe......„ 15,— Inventar der engeren Familienwohnung. Mobilien⸗Brandverſicherung. Gegen Hagelſchlag und Viehkrankheit iſt nicht verſichert. zu übertragen Mk. Mk. 2 Mk. 100, 36,— 473,— 74,— 1 58,50 39, 35,— 10, 9,60 226,10 M8 —½ I Uebertrag.. Mk. 226,10 Zukauf von Saatgut: Saatfrucht oder Kartoffeln..... Mk. 30,— Klee⸗ und Gemüſeſamen.......„ 5,— g. Zukauf von Vieh: 1 3 dder 4 Fertel...........„ 45,— Zukauf von Futter: Oelkuchen, Etr...............„ 6,— Heizung und Beleuchtung: 6 Holz....... a... Mlr. 35,— Petroleum.....„ 6,25 —„ 41,25 Zukauf von Nahrungsmitteln: Mehl und Früucht.........Ml. 53,— Fleiſch....„ 10,— Oel zum Schmelzen und Backen..„ 16,25 Kaffee, Zucker und Reis........„ 36,20 Salz.........„ 10,— Branntwein.....„ 10,— Käſe, Latwerge, Gemüſe, Gewürze Cc..„ 20,— —„ 155,45 Bekleidung...............„ 100, Schulbücher und Schreibmaterial...........„ 6,— Arzt und Apotheke.................„ 10,— Verſchiedenes...........ͤ:)n......„ 6,20 Summa. Mk. 612, C. Vergleichung der Geld⸗Einnahmen und Geld⸗Ausgaben. Die Einnahmen betrugen... Mk. 473,— Die Ausgaben betrugen....„ 612,— Deſicit Mk. 139,— Die Mehrausgabe wird durch Anleihe gedeckt. IV. Rentabilitäts-Berechnung. A. Rohertrag (exel. der für die Production in der Wirthſchaft wieder verwendeten Producte). Erlös aus verkauften Producten(ſ. oben)....... Mk. 292,— Werth der für die Familie aus der Lainehſöiſt entnommenen Producte(ſ. vben)... 3„ 523,— Summa Mk. 815,— 12. — 52— B. Productionskoſten. . Gebäudecapital: Zinſen von Mk. 3290 à 4 pCt.... Mk. 131,60 Verſicherungspräntie........„ 3,90 Abnutzung 0,75 pGt.......„ 24,67 Inſtandhaltung.........„ 30,— .Capital des lebenden Inventars: Zinſen von Mk. 790 à 4 pCt. Mlk. 31,60 Verſicherungsprämie, 2 pCt......„ 15,80 Jährlicher Zulauf von Ferlel..„ 45,— . Capital des todten Inventars: Zinſen von Mk. 430 à 4 pCt.... Mk. 17,20 Verſicherungsprämie, 0,2 pCt.....„—,86 Erneuerung und Inſtandhaltung...„ 35,— Zinſen des umlaufenden Betriebscapitals. Letzteres beträgt 50 pCt. der jährlichen baaren Ausgaben= Mk. 306, hiervon 6 pCt. Hagelverſicherungs prämie, 0,75 pCt. vom Werth der Getreide⸗ Ernte= Mk. 400 à 0,75 pCt.... . Feuerverſicherung der Producte. . Steuern und Umlagen(excl. T Tirangarente) . Futterzukauf.. .Heizung und Beleuchtung(25 Et. der gefannken Aingaben). .Thierarzt. .Arbeitslöhne: Rechnet man für die Wirthſchaft 400 Arbeitstage(½ Männer⸗ und ½ Frauentage) und den Tag, einer wie den andern gerechnet, zu Mk. 1,50, ſo ergiebt dieſes. Verſchiedenes. Summa C. Reinertrag. Der Rohertrag betrug. Mk. 815,— Die Productionskoſten betragen.„ 1043,— Bleibt Minus.. Mk. 228,— Mk. 190,17 „ 53,06 „ 18,36 2 3,— „ 4,— 59,— 1 0, „ 10,31 1 2,— „ 600, 5 5,70 Mk. 1043,— 1— — 536— Für dieſen Betrag würde die Wohnung anzuſetzen ſein oder müßte der Arbeits⸗ lohn reducirt werden. Von einem Reinertrag kann keine Rede ſein; hierzu gibt freilich das verhältnißmäßig große Gebäudecapital Veranlaſſung, jedoch nur theilweiſe. Das⸗ ſelbe iſt hier nach der Brandverſicherungsſumme berechnet, der Verkaufswerth beträgt jedoch nur etwas mehr als die Hälfte desſelben. Würden die Koſten nur hiernach berechnet, ſo würden ſich die Productionskoſten etwas vermindern, indeſſen ergäbe ſich doch keine Verzinſung des Grundcapitals. 5 ¹ Bericht über die landwirthſchaftlichen Verhältniſſe Gemeinde Türfeld, Kreis Alzen, erſtattet von H. Michel, Bürgermeiſter in Neu⸗Bamberg. AIllgemeines. Fürfeld liegt am Fuße des Eichelbergs, welcher der höchſte Punkt der Provinz Rheinheſſen iſt. Der Ort, ſowie die Gemarkung dürften unter die höchſtgelegenen der Provinz gehören und haben demenſprechend ein etwas rauhes Klima. Die Ge⸗ markung liegt auf der Waſſerſcheide zwiſchen Alſenz und Apfelbach und bildet theilweiſe die Landesgrenze nach Bayern hin. Die bayeriſche Eiſenbahnſtation Hochſtätten iſt ſeine nächſte Eiſenbahnverbindung und ca. 5,25 Kilometer entfernt, doch geht die Haupt⸗ verkehrsrichtung nach der ca. 10 Kilometer entfernten preußiſchen Stadt Kreuznach und der Rhein⸗Nahe⸗Bahn, zu einem kleinen Theil nur nach den Heſſiſchen Ludwigsbahn⸗ Stationen Flonheim(ca. 12 Kilometer) und Gau⸗Bickelheim(ca. 12 Kilometer). Die Gemeinde hat nach dem Stande der letzten Zählung 1108 Einwohner mit 213 Häuſern, in welchen 204 Haushaltungen ſich befinden. Nach Confeſſionen ge⸗ trennt ſind darunter 400 Katholiken, 463 Evangeliſche, 130 Freiproteſtanten und 115 Juden. Letztere bilden hiernach einen hohen Procentſatz(über 10 pCt.) der Be⸗ völkerung, treiben faſt ausſchließlich Handelsgeſchäfte, auch Geldgeſchäfte, und zwar im Orte, wie auch in der Umgegend. Die Geſammtgemarkung hat eine Größe von 1248,17 Hectar, wovon nach dem Stande des Centralkataſters ſich 927,13 Hectar Acker⸗, 31,86 Weinberg⸗, 27,36 Wieſen⸗, 218,02 Wald⸗, 3,46 Steinbruch und Oedungsfläche befinden, 5,94 Hectar ſind Hof⸗ raithen, das übrige unbeſteuerte Fläche(Straßen, Bäche ꝛc.) 1¹⁵ — 2— Der landwirthſchaftlich benutzte Theil der Gemarkung beſteht hiernach aus: 927,13 Hectar Ackerland, vertheilt in 3079 Parcellen, 31,86 Hectar Weinberge, ver⸗ theilt in 213 Parcellen, 27,36 Hectar Wieſen, vertheilt in 94 Parcellen, Geſammtzahl der wirklich vorhandenen Parcellen 3386. Die Zahl der im Grundbuche eingetragenen Parcellen beträgt hiergegen 5100. Die Differenz erklärt ſich daraus, daß häufig im Grundbuche zwei, drei und mehr Parcellen vorkommen, welche in einem Grundſtück vereinigt ſind. Dieſe Geſammtfläche vertheilt ſich unter 597 Beſitzer, wovon 219 Ausmärker abgerechnet, 226 unter 1 Hectar, 99 von 1 bis 5, 39 von 5 bis 10, 11 von 10 bis 20, 3 von 20 und darüber beſitzen. Die Steuercapitalien der Gemeinde ſind folgende: pro 1874 pro 1884/85 1. Einkommenſtenercapital......... 10800 fl. 12160 fl. 2. Gewerbſteuercapital....... 22429„ 2454„ 3. Grundſteueuercapital hiervon: von Grundſtücken...... 17256 fl. 5 1574„ Gehäuden....... 3150„ 20415„ 3 J von Grundſtücken..... 17805 fl. brn 4804,5„ Gebäudern.. 3213„ — 20518„ Eine nennenswerthe Veränderung in den Steuercapitalien iſt hiernach in den letzten 10 Jahren nicht vorgekommen. Die Einkommenſteuercapitalien haben ſich um ca. 1400 fl. erhöht, was aber wohl im Hinblick auf die allenthalben ſtattgehabte Steigerung derſelben natürlich erſcheint. An Umlagen wurden erhoben in 1883/84 6416 Mk. gegen 6104 Mk. in 1880, 2808 fl. in 1875, 590 fl. in 1870 und 650 fl. in 1865. Der Obſtbaumbeſtand der Gemarkung iſt nicht beſonders bedeutend und betrug in 1883 1516 Apfelbäume, 1800 Birnbäume, 2500 Zwetſchen⸗, 6 Aprikoſen⸗ und Pfirſich⸗ und 400 Nußbäume. Die Gemeinde beſitzt einen Wald von 137,47 Hectar, faſt ausſchließlich Eichen⸗ ſchälwald. Die Rinden, ſowie das Holz wurden verſteigert und fließt der Netto⸗Erlös in die Gemeindekaſſe. In Jahren in denen das Streumaterial rar iſt, wird ein be⸗ ſtimmter Theil des Waldes, ein ſog. Schlag, zur Gewinnung von Streumaterial be⸗ ſtimmt. Daſſelbe wird in Haufen zuſammengeſcharrt und unter die Ortsbürger ver⸗ ſteigert. Der Erlös wird nach Abzug der Unkoſten in baar unter die Ortsbürger vertheilt. Der Capitalwerth des Gemeinde⸗Waldes iſt zu 83940 Mk. abgeſchätzt mit einem Steuercapital von 1785 fl. 15 kr. und erträgt der Gemeinde alljährlich durch⸗ ſchnittlich an Rinden 4430 Mk., an Holz 3131 Mk., an Streumaterial 73 Mk., im Ganzen 7634 Mk. Die letzte Aufnahme des Viehſtandes der Gemeinde lieferte folgendes Ergebniß: ͤö——— u* 4 Fohlen, 96 Pferde, 150 Kälber bis zu ½ Jahr alt, 50 Stück Jungvieh von ½ bis 2 Jahr, 3 Zuchtſtiere, 567 Stück Rindvieh, 14 Ochſen, 350 Kühe, 32 Schafe, 150 Schweine, 10 Zuchtſchweine, 230 Ziegen, 70 Bienenſtöcke. Frage I. a. Welche Bodenverhältniſſe zeigt die Gemarkung, welchen Character hat das Klima und wie iſt hiernach im Allgemeinen die Fruchtbarkeit der Ländereien; iſt letztere ſehr günſtig, mittel oder gering? b. In welchem Verhältniß ſtehen die verſchiedenen Arten des Kulturlandes— Acker, Wieſen, Weiden, Rebland ꝛc.— zu einander und iſt dieſes Verhältniß im Allgemeinen als ein wirthſchaftlich günſtiges zu bezeichnen? c. Welches ſind die hauptſächlichſten Producte der Landwirthſchaft, bezw. welche Productionsrichtungen machen ſich im landwirthſchaftlichen Betriebe der Gemeinde vorzugsweiſe geltend? d. Iſt der landwirthſchaftliche Betrieb im Allgemeinen ein rationeller zu nennen, oder haften ihm weſentliche Mängel an und welche? Stehen letztere u. A. mit einer ſehr weit gehenden Parcellirung der Grundſtücke und dem herrſchenden Flurzwang im Zuſammenhang? a. Der größere Theil der Gemarkung Fürfeld hat einen ſchweren, lettigen Boden, deſſen Bearbeitung ſchwierig iſt, und bedingt, daß die jeweiligen Arbeiten nur bei günſtiger Witterung vorgenommen werden dürfen. Doch kommt auch ganz leichter Sandboden vor und zwar in raſchem Wechſel mit ſchwerem Boden(ſog. Adern). Das Klima von Fürfeld iſt, wie unter Allgemeines bereits bemerkt wurde, der hoheu Lage wegen ein etwas rauhes, doch ſo, daß an Hängen und ſüdlichen Lagen der Wein⸗ ſtock noch recht gut gedeiht. — 4— Die Fruchtbarkeit iſt im Allgemeinen eine gute, ſteht gegen die umliegenden Ge⸗ markungen Neu⸗Bamberg und Frei⸗Laubersheim etwas zurück, gegen Tiefenthal und die angrenzenden bayriſchen Gemarkungen etwas voran. Das Terrain iſt ſtark hügelig. Dem raſchen Wechſel der Bodenarten entſprechend, kommen ſtellenweiſe ſehr frucht⸗ bare Ländereien, aber auch ſolche vor, deren Ergiebigkeit nicht befriedigend iſt. Die Acker⸗, Wieſen⸗ und Weinbergfläche der Gemarkung iſt wie folgt unter die einzelnen Bonitätsclaſſen vertheilt: 1. Ackerfeld: 2. Wieſen: 3. Weinberge: Claſſe Ar Q.⸗M. Claſſe Ar OQ.⸗M. Claſſe Ar OQ.⸗M. 1 2888— 1 637 50 1 801 50 2 10116 25 2 1257— 2 2385 25 3 27912— 3 791 75 4 25797 50 4 49 75 5 26089 50 Zuſ. 92713 25 Zuf. 2735— Zuſ. 3185 75 Wiederholung: Ackerfeld.... 927,13 Hectar Wieſen..... 27,36„ Weinberge... 31,86„ Total. 986,35 Hectar Abweichungen des wirklichen Werthes gegen die eingeſchätzte Bonität kommen vor und ſind durch Bodenverbeſſerung, Drainage ꝛc. bedingt. Im Allgemeinen dürfte jedoch der wirkliche Werth mit der eingeſchätzten Bonität ohngefähr zuſammentreffen mit Ausnahme der Weinberge. Die Bonitirung der Wein⸗ berge müßte neu geregelt werden. Es müßte eine 3. Bonitätsclaſſe eingereiht werden und das Ganze etwa folgenderweiſe claſſificirt werden: 1. Claſſe Thal, 2. Claſſe Berg, 3. Claſſe Urſelbach. ⸗ b. Es gibt 3 Arten Culturland: Acker, Wieſe und Weinberg. Wenig Garten⸗ land beim Dorfe wird zur Erzeugung der Bedürfniſſe für die eigene Hauswirthſchaft benutzt. Das Verhältniß der verſchiedenen Culturen iſt unter Allgemeines näher an⸗ gegeben und im Ganzen nicht gerade ungünſtig, doch wären mehr Wieſen erwünſcht. Die vorhandenen Wieſen können nicht bewäſſert werden. Als Viehweide ſcheinen die⸗ ſelben nicht geeignet, weil zu ſehr parcellirt und in ungenügender Ausdehnung vor⸗ handen. Die Behandlung und Düngung der Wieſen iſt eine mangelhafte, die Erträge deßhalb auch mittelmäßig. c. Die hauptſächlichſten und wichtigſten Producte des landwirthſchaftlichen Be⸗ triebes ſind Getreide und Wein. Sämmtliche Getreidearten als Weizen, Roggen, Gerſte und Hafer werden ſtark und in gewiſſer Reihenfolge angebaut, doch überwiegt in neuerer Zeit der Anbau der Gerſte, weil dieſe gute Erträge liefert und leichter verwerthbar iſt als Weizen und Roggen, welche mitunter ſchwer verwerthbar ſind. Der Kartoffelbau iſt nicht ausgedehnt und beſchränkt ſich hauptſächlich nur auf den — 5— Bedarf der eigenen Wirthſchaft. Die Kartoffel leidet in dem ſchweren naſſen Boden leicht durch Fäulniß und iſt ein bevorzugter Anbau nicht lohnend. Der Anbau von Pferdezahnmais iſt verhältnißmäßig ſtark und bietet einigen Erſatz für das mangelnde Wieſenheu. Der Obſtbau iſt nicht bedeutend. Viel Birnen, welche größtentheils zu den weniger edlen Sorten zählen und zur Obſtweinbereitung verwendet werden, werden gepflanzt. Die Viehzucht iſt der Acker⸗ und Wieſenfläche entſprechend und nicht beſonders hervorragend. Die Milch wird zu Butter und Käſe in der üblichen Weiſe verarbeitet, die Molken als Schweinefutter verwendet und ſo die darin enthaltenen Nährſtoffe völlig ausgenützt und verwerthet. Nur einer der größten Gutsbeſitzer in der Gemeinde betreibt einen ausgedehnten Milchverkauf nach dem nahegelegenen Kreuznach.— Die übliche Fruchtfolge iſt: Korn, Kartoffel oder Dickrüben, Gerſte, Klee oder Luzerne, Korn oder Weizen, Kartoffel, Gerſte, Hafer, ſodaß alſo nach einem 9 bis 10 jährigen Turnus eine neue Düngung ſtattfindet. Hin und wieder kommt etwas Brache vor. Eine Bemerkung des Commiſſärs, daß eine Brache bei rationellem Betriebe nicht vorkommen ſollte, wurde dahin beantwortet, daß in gewiſſen, äußerſt ſterilen Böden dieſelbe nicht ganz entbehrt werden könne. d. Der Betrieb iſt im Allgemeinen ein den beſtehenden Verhältniſſen angepaßter und an der Hand der Erfahrung herausgebildeter, und kann nicht gerade unrationell genannt werden, obwohl ja Verbeſſerungen möglich und nöthig ſind und auch gemacht werden, doch geht man in dieſer Beziehung langſam und vorſichtig vor. Viele land⸗ wirthſchaftlich techniſche Fortſchritte der Neuzeit haben bereits Eingang gefunden. Die Felder ſind nicht übermäßig parcellirt und wird bei Erbtheilungen darauf geſehen, daß die Grundſtücke ungetheilt bleiben, Felder von 8 bis 9 Morgen Größe kommen häufiger vor, einzelne ſogar bis zu 12 bis 13 Morgen, auch ſind dieſelben meiſtens durch Feld⸗ wege zugänglich. Ein großer Theil der Gemarkung leidet durch ſtagnirende Näſſe des Bodens und iſt Drainagebedürftig, doch gehen die Meinungen in der Gemeinde über die Zweck⸗ mäßigkeit einer ſolchen Maßregel ſehr auseinander. Es beſtehen bezüglich dieſer Frage 2 Parteien, wovon die eine behauptet, faſt die Hälfte der Gemarkung könne durch zweckmäßig angelegte Drainage ſehr weſentlich verbeſſert werden, während eine Minder⸗ heit der Gegenpartei behauptet, kaum der 8. Theil leide zeitweiſe durch Näſſe, eine Drainanlage werde wegen des ſchweren undurchläſſigen Untergrundes ſehr bald wir⸗ kungslos werden. Der größere Theil der Gegenpartei iſt zwar im Prinzip mit der Drainirung einverſtanden, hat aber über die Art der Ausführung Bedenken. Sie ſei in zu großem Maßſtabe beabſichtigt. Es fehle an Vertrauen in die ausführenden Organe, insbeſondere zu dem von dem Bürgermeiſter zugezogenen Techniker. Ein Verſuch der gemacht worden ſei, habe dieſen Mangel an Vertrauen als gerechtfertigt dargethan. Der Commiſſär lehnt jede Verantwortung für die Richtigkeit dieſer An⸗ gaben ab, und beſchränkt ſich blos darauf, hier objectiv den Kern des Widerſtreites der Meinungen bloszulegen. Ein Gutachten von fachmänniſcher Seite wäre erwünſcht. Dem Commiſſär erſcheint eine Drainirung der naſſen Stellen nothwendig und nützlich — 6— und hält derſelbe durch dieſe Maßregel eine weſentliche Beſſerung der beſtehenden Verhältniſſe für möglich. Flurzwang beſteht in Fürfeld nicht. Starker Futterbau wird nicht getrieben, da der Schwerpunkt des landwirthſchaft⸗ lichen Betriebes im Körnerbau liegt. Würde letzterer noch etwas zurücktreten und der Futterbau und die Viehzucht mehr ausgedehnt werden, ſo wäre dies nach einer jetzt ſehr häufig auftretenden Meinung rationeller, doch geht die Anſicht vieler Landwirthe in Fürfeld dahin, daß von der herrſchenden Wirthſchaftsmethode weſentlich abzuweichen nicht rathſam ſei. Die vorhandenen Viehraſſen ſind Donnersberger⸗ und Glanraſſe. Es werden 3 Gemeindefaſſel gehalten und kommt alſo auf 117 Kühe ein Faſſel, was entſchieden nicht ausreichend iſt. Es müßten 4 Bullen gehalten werden. Die Verwerthungsweiſe der Milch iſt bereits oben angegeben. Ein entſchiedener Nachtheil ſind die häufigen Viehhändel im Orte, was ſeinen Grund vielfach in der verhältnißmäßig großen Zahl von Handelsleuten haben mag. Die Schweinezucht iſt nicht bedeutend. 1 Eber wird gehalten und zwar durch einen Privatunternehmer. Künſtliche Düngemittel wurden in den letzten Jahren ſtärker angewendet und die Erträge ſind dadurch weſentlich geſteigert worden. Die Wieſen ſind Stiefkinder, werden ungenügend gedüngt, was aber um deß⸗ willen nicht ſchwer ins Gewicht fällt, weil überhaupt nicht viel Wieſen(27 Hectar) vorhanden ſind. Compoſtdüngung kommt nicht vor. Die größeren Güter werden offenbar rationeller und intenſiver bewirthſchaftet als die mittleren und kleineren. Die größeren Beſitzer gehen mit gutem Beiſpiel voran. Frage II. a. Wie iſt das Verhältniß der Größe der Gemarkung zur Größe der anſäßigen Landbau treibenden Bevölkerung? b. In welcher Weiſe vertheilt ſich das landwirthſchaftliche Gelände unter die anweſende Bevölkerung(todte Hand, Großgrundbeſitz, Groß⸗, Mittel⸗, Klein⸗Bauern, Taglöhner und Gewerbtreibende) und ſind in den letzten Jahren weſentliche Aenderungen in der Beſitzvertheilung eingetreten? c. Iſt die Beſitzvertheilung im Allgemeinen als eine günſtige zu bezeichnen, wenn nicht, wodurch giebt ſich die behauptete ungünſtige Ver⸗ theilung zu erkennen, welche Umſtände haben letztere veranlaßt, z. B. das geltende bäuerliche Erbrecht, die üblichen Syſteme des ehelichen Güterrechts oder der Zuſammenkauf von Grundſtücken? — 7,— a. Iſt ein Theil der Gemarkung Allmendland und welchen Einfluß hat die Benutzung des letzteren auf die Lage der Bevölkerung? a. Die Größe der Gemarkung iſt 1248,17 Hectar, der landwirthſchaftlich be⸗ nutzte Theil 986,35 Hectar, die Zahl der Haushaltungen mit Landwirthſchaft überhaupt 204, hiervon von über 0,5 Hectar 183 mit 708,47 Hectar Beſitz. Das Uebrige entfällt auf kleine Beſitzer unter 0,5 Hectar, todte Hand und Pachtgüter. Es kommen hier⸗ nach durchſchnittlich auf eine Haushaltung 5,32 Hectar, und im Durchſchnitt nach der Zahl der Haushaltungen und der Bevölkerung pro Haushaltung(1108: 204) ca. 5 Köpfe. Wie ſich aus der Beantwortung zu Frage IX ergibt, ſind die Erträge des Bodens kaum hinreichend, um eine ſolche Durchſchnittshaushaltung zu er⸗ nähren, von einem Vorwärtskommen ſolcher Beſitzer kann hierbei freilich kaum die Rede ſein. b. Die bei Frage VIII ermittelten Reſultate geben Aufſchluß, wie die Acker⸗ fläche in Fürfeld unter die einzelnen Beſitzer vertheilt iſt. Der meiſtbegüterte Beſitzer hat ein Areal von 42,8 Hectar. Großgrundbeſitz iſt hiernach nicht vorhanden. In der todten Hand befinden ſich rund 20 Hectar evangeliſches Pfarrgut, 5 Hectar evan⸗ geliſches Schulgut und 3,6 Hectar der Gemeinde gehörig. Sämmtlich verpachtet. Weſentliche Aenderungen in der Beſitzvertheilung ſind ſeit langer Zeit nicht vorge⸗ kommen. Ein anſehnlicher Theil der Gemarkung iſt in den Händen von Ausmärkern, welche zum Theil denſelben ſelbſt bewirthſchaften, zum größten Theil aber iſt der Beſitz Auswärtiger in der Gemeinde verpachtet. c. Die Beſitzvertheilung kann als ſehr günſtig bezeichnet werden, da wie aus der Beantwortung der Frage VIII ſich ergibt, der weitaus größte Theil des Grund⸗ beſitzes in den Händen von mittleren Beſitzern(1—20 Hectar) ſich befindet, eigent⸗ licher Großgrundbeſitz nicht vorhanden iſt und in der todten Hand ſich nur circa 28 Hectar befinden. d. In der Gemeinde Fürfeld iſt kein Allmendland. Frage III. a. Welches ſind die durchſchnittlichen Preiſe für die einzelnen Boden⸗ qualitäten der verſchiedenen Culturländereien(Acker, Wieſe, Weide, Wein⸗ berg ꝛc.), erſcheinen dieſe Preiſe beſonders hoch oder beſonders niedrig und auf welche Urſachen ſind die bezüglichen Erſcheinungen zurückzuführen? b. Welche Aenderungen in den Preiſen haben ſich in den letzten 5 Jahren vollzogen? — 8 c. Pflegt ein ſtarker Umſatz in Liegenſchaften ſtattzufinden und liegt hierfür(ſ. a) ein berechtigtes Bedürfniß vor? a. Die durchſchnittlichen Preiſe für die einzelnen Bodenqualitäten der verſchiedenen Culturländereien wurden nach den Angaben ſachverſtändiger Landwirthe wie folgt ermittelt: I. Cl. II. Gl. III. Gl. IV. Cl. v. Cl. Ackerland, pro Quadrat⸗-Meter 64 Pf. 48 Pf. 38,4 Pf. 19,2 Pf. 12,8 Pf. Wieſen,„ e 54,3„ 40„ 32„ 32„ Weinberg,„„ 96„ 64„ Dieſe Preisermittelungen ſind auf thatſächlich ſtattgehabte Beſitzwechſel baſirt, wovon wir als Belege einige Fälle hier anführen. Aecker: 1. Zu Ende 1884 hat Franz Carl Brunk an Joh. Rodrian VII. Gewann „Goldkaute“ verkauft zu 4 Mk. pro Klafter= 64 Pf. pro Quadrat⸗Meter. 2. Im Jahr 1885 iſt verſteigert worden von Ph. Pet. Leininger, Altenbamberg, Gewann„Kreuzgrund“ zu 3,70 Mk. pro Klafter= 59 Pf. pro Quadrat⸗Meter. 3. Im Jahr 1885 hat Valt. Steitz III. an Bürgermeiſter Baum verkauft Ge⸗ wann„Tiefengraben“ zu 3 Mk. pro Klafter= 48 Pf. pro Quadrat⸗Meter. 4. Im Jahr 1884 hat Lehrer Kraft an denſelben verkauft zu 50 Pf. pro Klafter= 8 Pf. pro Quadrat⸗Meter. Erſtangeführter Verkauf kann als höchſter, letzterer als niedrigſter Preis der in letzterer Zeit thatſächlich erzielt worden iſt, angenommen werden. Weinberge: 1. Im Frühjahr 1885 hat Wilh. Wolf an Lehrer Merz verkauft im„guten Winkel“ zu 6 Mk. pro Klafter= 96 Pf. pro Quadrat⸗Meter. 2. Zu gleichem Preiſe hat derſelbe gekauft von Ww. Georg Rodrian II. im „Bremsthaler Berg“ zu 4 Mk. pro Klafter= 64 Pf. pro Quadrat⸗Meter. 3) Im September 1885 hat Franz Schmitt gekauft„im Löffel“ zu 2,50 Mk. pro Klafter= 40 Pf. pro Quadrat⸗Meter. 4. 1884 hat Pfarrer Pabſt gekauft von Salomon Tautſch im„Bremsthaler Berg“ zu 5,20 Mk. pro Klafter= 83 Pf. pro Quadrat⸗Meter u. ſ. w. Der höchſte Preis der in letzterer Zeit hiernach erzielt wurde iſt 96 Pf., der niedrigſte 40 Pf. pro Quadrat⸗Meter. Hierbei iſt noch zu bemerken, daß Beſitzwechſel in den allerbeſten Qualitäten höchſt ſelten vorkommen. Beſitzwechſel in Wieſen haben in letzterer Zeit gar nicht ſtattgehabt. Die ermittelten Preiſe weichen erheblich ab, gegen die im Jahre 1877 Seitens der Großherzoglichen Centralſtelle für die Landesſtatiſtik ermittelten, mittleren Kauf⸗ werthe, und ſind ſeitdem weſentlich höher gegangen. Bei Güterverſteigerungen werden ortsüblich 4 Ziele gewährt, der Steigpreis iſt ſogleich zu verzinſen. Die Güterpreiſe ſind im Verhältniß zur Rentabilität abnorm hoch, was hauptſächlich ſeinen Erklärungs⸗ grund darin findet, daß in Fürfeld nicht häufig Güterverſteigerungen ſtattfinden, wo⸗ — 9— durch den Landwirthen die Gelegenheit ihren Beſitz zu vergrößern nur ſelten geboten wird. Auch die anſäſſigen Handwerker benützen ſolche Gelegenheiten um ihre Erſpar⸗ niſſe um jeden Preis in Grundbeſitz anzulegen. Aus den tabellariſchen Ueberſichten zu Frage IX geht freilich aber auch hervor, daß dieſe Landwirthſchaft und Gewerbe⸗ treibenden am ſtärkſten verſchuldet ſind. Einen weiteren Erklärungsgrund findet das beſtehende Mißverhältniß zwiſchen Bodenpreis und Bodenrente darin, daß ſehr viele mittlere und kleinere Landwirthe nicht kaufmänniſch rechnen und der Meinung ſind, bei einer kleinen Vergrößerung ihres Grundbeſitzes mit denſelben Betriebskoſten aus⸗ kommen zu können, was ja auch in manchen Fällen zutreffen mag, z. B. wo die vorhandenen Arbeitskräfte, das lebende und todte Inventar eine ſtärkere Ausnutzung noch geſtatten. Auch durch Zwiſchenhändler, welche Grundſtücke aufkaufen, um ſie zu höherem Preiſe wieder zu verkaufen, wird mitunter ein Einfluß auf die Preiſe geübt. b. Die Preiſe ſind in den letzten 5 Jahren höher gegangen wie unter a bereits bemerkt, doch macht ſich der Aufſchlag hauptſächlich nur bei den beſſeren Bodenquali⸗ täten bemerkbar. Geringe Felder ſind manchmal nur ſchwer unterzubringen. c. Der Umſatz iſt wie unter a bereits erwähnt kein großer. Ein Umſatz ohne berechtigtes Bedürfniß kommt inſofern vor, als die anſäſſigen Handelsleute mitunter Güter kaufen, um ſie zu höheren Preiſen wieder zu verkaufen. Frage IV. a. Nehmen die Pachtgüter einen erheblichen Umfang ein und ſtehen die Pachtpreiſe im richtigen Verhältniß zu dem Kaufpreiſe der Ländereien einerſeits und zur Ausnutzungsfähigkeit derſelben andererſeits, eventuell welche Urſachen wirken ſteigernd auf die Pachtpreiſe ein? b. Welche Beſtimmungen gelten insbeſondere in Betreff der Dauer der Pacht, der Bezahlung der Steuern ꝛc., der Verſicherungsprämien, ſowie in Betreff vorzunehmender Meliorationen und etwaiger Pachtnach⸗ läſſe bei elementaren Unglücksfällen bei fiskaliſchem, ſtandesherrlichem und privatem Grundbeſitz? c. Wirken die üblichen ſonſtigen Pachtbedingungen beſonders er⸗ ſchwerend für die Pächter oder nicht? In der Gemeinde Fürfeld ſind ziemlich viele Pachtgüter. Der Pachtpreis be⸗ trägt ca. 3 pCt. des Kaufpreiſes. Die Pächter können bei rationeller Bewirthſchaf⸗ tung leidlich beſtehen, da die Pachtbedingungen günſtige ſind. Urſachen, welche ſteigernd auf die Pachtpreiſe wirken, ſind dem Commiſſär nicht bekannt geworden, eher wäre wohl anzunehmen, daß das häufige Angebot von Pachtgütern auf die Preiſe ernie⸗ drigend wirken müßte, obwohl ein Procentſatz von 3 des Kaufwerthes auch gewiß nicht als niedrig betrachtet werden kann. — 10— Wir beſchränken uns darauf, aus vielen Verpachtungsprotocollen, in welche uns Einſicht gewährt wurde, hier einige bemerkenswerthe Fälle hervorzuheben: 1. Im Jahr 1884 wurden 770 Klafter Acker„hinterm Göbel“ verpachtet von Phil. Rodrian VII. an Carl Franz Brunk zu 100 Mk. 2. Ende September 1885 wurden 745 Klafter Acker„zu Wiesborn“ verpachtet von Erben Val. Lahr an Heinrich Bretz zu 70 Mk. 3. Verpachtung vom 19. Februar 1883 von Ww. Val. Lahr an Jac. Petry 427 Klafter zu 30,50 Mk., an Joh. Steitz III. 318 Klafter zu 19,50 Mk., an F. Alexander 404 Klafter zu 13,50 Mk. 4. Verpachtung vom 7. März 1882 von Ww. Elz u. A. an Konr. Steitz 715 Klafter zu 23 Mk., an Nicol. Becker 848 Klafter zu 10 Mk. 5. Verpachtung vom 2. März 1882 von Arnold, Geſammtareal 69841 Qua⸗ drat⸗Meter, Geſammterlös 779,50 Mk. Hiernach ſind 770 Klafter mit 100 Mk. bezahlt und 848 Klafter mit 10 Mk., und iſt ein außerordentlicher Unterſchied in dem Pachtwerth der einzelnen Qualitäten vorhanden, doch richtet ſich derſelbe ziemlich genau nach dem Kaufwerth, von welch letzterem durchſchnittlich 3 pCt. als Pachtpreis angenommen werden kann. Bezüglich der Größe der Pachtgüter kann im Allgemeinen angenommen werden, daß nur die mittleren und kleineren Parcellen zur Verpachtung kommen. b. Die Pachtzeit beträgt 9 Jahre, der Verpächter zahlt Steuern und Umlagen, überhaupt ſämmtliche öffentliche Laſten. Pachtnachläſſe bei elementaren Unglücks⸗ fällen werden nicht gewährt. In Betreff der Verſicherungsprämien und vorzunehmenden Meliorationen ſind in der Regel keinerlei Beſtimmungen getroffen, da dergleichen bei Pachtgütern nicht in Betracht kommt, Auch Hagelverſicherung iſt in der Gemeinde nicht üblich. c. Die Pachtbedingungen ſind im Allgemeinen günſtig für die Pächter. Frage V. a. In welcher Weiſe pflegen die Landwirthe ihre Mobilien und Producte gegen Feuer, ihre Früchte gegen Hagel und ihren Viehſtand gegen Unfall zu verſichern? b. Hat die Lebens⸗, Alters⸗ und Renten⸗Verſicherung Eingang in der Gemeinde gefunden, event. in welcher Weiſe und welchem Umfange? a. Die Bewohner pflegen Mobilien und Producte nur gegen Feuersgefahr zu verſichern. Brände ſind in neuerer Zeit häufiger vorgekommen. Die in Betracht kommenden Geſellſchaften ſind: die Magdeburger, Aachen⸗Münchener, Colonia und Providentia. Hagelverſicherung findet nicht ſtatt, da Hagelſchaden faſt gar nicht vorkommt. Die Viehverſicherung hat gleichfalls noch gar keinen Eingang gefunden. Die Eigenthümer tragen in Verluſtfällen den Schaden. Der weſentlichſte Grund, welcher — 11— gegen die Viehverſicherung ins Feld geführt wird, iſt der, daß der ſorgſame Wirth⸗ ſchafter nur ſelten Verluſte habe und im Verſicherungsfalle das Riſico für den nach⸗ läſſigen Wirthſchafter tragen müſſe. b. Lebens⸗, Alters⸗ und Rentenverſicherung hat unter der landwirthſchaftlichen Bevölkerung gar keinen Eingang gefunden. Frage VI. In welcher Weiſe befriedigen die Landwirthe in der Regel ihre Creditbedürfniſſe hinſichtlich des Real⸗ und des Perſonalcredits und welches ſind bei beiden Arten des Credites die gewöhnlichſten Darlehens⸗ bedingungen in Bezug auf Zeitdauer und Zinsfuß und werden dabei auch Amortiſationsfriſten(Güterziele) angewendet? Hinſichtlich des Realcredits iſt allgemein üblich: Der Schuldner gibt 2— Zfache Sicherheit in Grundſtücken, trägt die Gebühren und Koſten für Aufnahme der Ur⸗ kunden und bezahlt 5 pCt. Zinſen pro Jahr. Eine Kündigungsfriſt von ½¼ Jahr iſt beiden Theilen eingeräumt. Bei dieſer Art der Darlehnsgewährung, ſowie auch bei Bezahlung der Kaufſchillingſchulden kommt eine wucheriſche Behandlung des Schuldners ſeitens des Gläubigers nicht vor. Solche Geſchäfte werden zum weitaus größten Theil von Privaten in und außerhalb des Ortes gemacht. Beſtehende öffent⸗ liche Anſtalten werden hierbei nur ſelten, oder gar nicht benutzt. Die bei Güterverſteigerungen entfallenden Steigpreiſe werden in den meiſten Fällen an dritte Perſonen cedirt und zwar in der Regel an Privatcapitaliſten. Die zu Frage VIII gepflogenen Verhandlungen haben dargethan, daß häufig Rückſtände vorkommen. Im Allgemeinen herrſcht in Bezug auf das geſammte Realcreditweſen inſofern Ordnung, als nur gegen ſchriftliche Ausweiſe bezahlt wird, und unreelle Manipulationen kaum vorkommen können. Hinſichtlich des Mobiliarcredits liegen die Verhältniſſe viel weniger günſtig. Nur ganz kleine Leute befriedigen ihr Bedürfniß in dieſer Beziehung bei der Spar⸗ und Leihkaſſe zu Bingen. Die übrige Bevölkerung thut ſolches ausſchließlich bei Privaten. Auffallend iſt die ſehr geringe Benützung öffentlicher Creditinſtitute, ins⸗ beſondere der für Fürfeld in Betracht kommenden Spar⸗ und Leihkaſſe zu Bingen. Dieſelbe gewährt Darlehn ohne Unterpfand gegen Stellung eines Bürgen und unter Garantie der Gemeinde bis zum Höchſtbetrage von 300 Mk. gegen 5 pCt. Zinſen und gewährt gewöhnlich 3 Termine für die Rückzahlung, während bei Capitalauf⸗ nahmen bei Privaten durchweg 6 pCt. Zinſen bezahlt werden müſſen. Die, trotz der günſtigeren Bedingungen auffallend geringe Benutzung der Binger Anſtalt, hat ihren Hauptgrund darin, daß bei dieſer Art der Capitalaufnahme völlige Discretion aus⸗ geſchloſſen iſt. Man fürchtet hauptſächlich die Mitwiſſenſchaft des Ortsvorſtandes bei — 12— dieſem Modus. Stärker begüterte Leute, welche einigermaßen auf andere Weiſe ſich Credit zu verſchaffen vermögen, ſetzen ſich leider lieber einer wucheriſchen Behandlungs⸗ weiſe aus, als einer Indiscretion. Es iſt dies ein ſehr wichtiger Punct, welcher bei der Erörterung über die Organiſation öffentlicher Creditinſtitute die eingehendſte Wür⸗ digung verdient. Gar manchmal iſt der Wohlſtand einer Wirthſchaft, auch in Fürfeld, durch dieſes falſche Schamgefühl zu Grunde gegangen. Früher war es hauptſächlich ein Handelsmann und Geldverleiher, der in Wechſeln machte. Nachdem derſelbe aber raſch ein ſehr beträchtliches Vermögen erworben, iſt er nach einer größeren Stadt ver⸗ zogen. Es wird behauptet, daß hierdurch dieſe Verhältniſſe ſich gebeſſert hätten. Auch die Wiedereinführung der Wuchergeſetze und das Bekanntwerden beſtrafter Wucher⸗ fälle hat offenbar günſtig gewirkt. Amortiſationsfriſten werden nicht angewendet. Frage VII. a. Wie ſtehen im Allgemeinen die Arbeits⸗ und Geſindelöhne in der Gemeinde, genügt die ortsanſäſſige Bevölkerung zur Beſtreitung der landwirthſchaftlichen Arbeiten oder ſind fremde Arbeiter nöthig und woher kommen letztere? b. Iſt für die landwirthſchaftliche Bevölkerung Gelegenheit zum Nebenverdienſt vorhanden, event. haben dieſe Nebenverdienſte(Arbeiten im Wald, Hausinduſtrie, Fabrikbetriebe, Fuhrweſen ꝛc.) eine beſondere Bedeutung für den Wohlſtand der Landwirthſchaft treibenden Bevölkerung und der Gemeinde im Allgemeinen? c. Gibt es Landwirthe in der Gemeinde, die mit Rückſicht auf den Umfang und die Rentabilität ihres landwirthſchaftlichen Betriebes an ſich auf Nebenverdienſt und Tagelöhnerarbeit angewieſen wären, ſolche Arbeiten aber aus Standesvorurtheil, Trägheit ꝛc. nicht ausführen? a. Die ortsanſäſſige Bevölkerung genügt vollkommen zur Beſtreitung der land⸗ wirthſchaftlichen Arbeiten. Es liegt in der Natur des landwirthſchaftlichen Betriebes, daß derſelbe nicht zu allen Jahreszeiten conſtante Beſchäftigung bietet. Manche Ar⸗ beiter ſuchen ſich daher während des Winters mit allerlei Nebengeſchäften, wie z. B. Strohſohlen⸗, Sieb⸗ und Wetzſteinfabrikation zu beſchäftigen. Außerhalb ſucht Niemand Beſchäftigung, es hält ſich im Ganzen das Angebot und die Nachfrage nach land⸗ wirthſchaftlichen Arbeitern ſo ziemlich die Waage. Die Lage der Taglöhner iſt aber inſofern in letzterer Zeit eine ungünſtigere geworden, als ihnen im Winter nicht ge⸗ nügende Beſchäftigung geboten iſt, trotzdem die Löhne höher gegangen ſind. Insbe⸗ ſondere wirkt hierauf der Umſtand ein, daß jetzt meiſtens alsbald nach der Erndte der Ausdruſch der Frucht durch Maſchinen beſorgt wird, was früher während des Winters durch Handarbeit geſchah. Hierdurch war auch ſelbſt bei langandauerndem ungünſtigem Wetter eine Beſchäftigung möglich. — 13— Die ortsüblichen Taglöhne ſind folgende: pro Mann ohne Koſt.... 1,40 Mk., pro Frauenzimmer ohne Koſt. 1,00„ Fürs Geſinde werden durchſchnittlich an Jahreslohn bezahlt, wobei allerlei Nebenbezüge, das ſogenannte Zubehör, mit einbegriffen ſind: für einen Knecht 210— 270 Mk., für eine Magd 120— 140„ und wird nach Mittheilungen ortskundiger Männer die Koſt auf 200— 240 Mk. taxirt, dürfte aber vielleicht etwas niedrig gegriffen ſein. b. Kleine Leute verſchaffen ſich im Winter, wie unter a erwähnt, allerlei Neben⸗ verdienſte, ſonſtige Gelegenheit hierzu bietet ſich jedoch ſehr wenig. Der Gemeindewald bietet wohl etwas Beſchäftigung, jedoch nicht gerade während der kritiſchen Winterszeit. Größere Fabriken und Gewerbebetriebe gibt es nicht. c. Kleine Landwirthe, welche nach Umfang ihres Beſitzes auf Nebenverdienſt angewieſen wären, ſolchen aber aus Vorurtheil oder Trägheit verſchmähen, gibt es kaum. Die kleinen Beſitzer treiben entweder ein Gewerbe oder gehen in Taglohn, was auch aus den Ueberſichten zu Frage VIII hervorgeht, und nutzen ſo ihre Arbeits⸗ kraft völlig aus. Ganz vereinzelte Ausnahmen hiervon kommen nicht in Betracht. Frage VIII. a. Wie vertheilt ſich der ermittelte Betrag der Immobiliarverſchul⸗ dung auf die einzelnen Beſitzgruppen(größerer, mittlerer und kleinerer Grundbeſitz) und auf welche Gruppe entfällt der ſtärkſte Procentſatz der Schuldenlaſt? b. Datirt der Schuldenſtand aus älterer oder aus neuerer Zeit, im letzteren Fall, wie hat derſelbe im letzten Jahrzehnt zugenommen? c. Sind in den letzten 5 Jahren die Zinſen und Güterziele im All⸗ gemeinen regelmäßig bezahlt worden oder ſind bemerkenswerthe Rückſtände bekannt? d. Welche Urſachen haben einen erkennenswerthen Einfluß auf die Ver⸗ ſchuldung z. B. das beſtehende Erbrecht oder die üblichen ehelichen Güter⸗ ſyſteme, unwirthſchaftlicher Ankauf von Grundſtücken zu hohen Preiſen, ungenügendes Betriebscapital, zu frühe Gründung eines eigenen Haus⸗ halts, Verſchwendung und nachläſſige Wirthſchaft, die Aufeinanderfolge ſchlechter Ernten u. ſ. w.? Bei der Bearbeitung dieſer Frage iſt der Commiſſär in folgender Weiſe vor⸗ gegangen. — 14— Es wurde vom Steuercommiſſariat in Bingen ein Verzeichniß ſämmtlicher Grundbeſitzer mit Angabe der Areal⸗Größe an Aeckern, Wieſen und Weinbergen, auf⸗ geſtellt. Hieraus wurde eine Liſte der in Betracht kommenden Haushaltungen ge⸗ bildet(von über 0,5 Hectar) und dieſe Haushaltungen in Gruppen eingetheilt, analog, wie dies in Meſſel geſchehen, und deren Beſitzwerth incl. Gebäude unter Mitwirkung des Bürgermeiſters und ſachkundiger Männer von Fürfeld abgeſchätzt und eingetragen. Zugleich wurde den beiden Hppothekenämtern Bingen und Alzey ein Verzeichniß aller in Betracht kommenden Perſonen mitgetheilt und von dieſen Behörden die auf den betreffenden Namen ſtehenden Einſchreibungen ausgezogen. Hierbei ergab ſich als Geſammtbetrag aller z. Zt. beſtehenden Einſchreibungen die Summe von 522,909 Mk. Das hierbei gewonnene Material wurde hierauf einer wiederholten Berathung orts⸗ und ſachkundiger Männer unterbreitet und hierbei aus⸗ geſchieden 248,661 Mk. bezahlte, aber noch nicht gelöſchte Einſchreibungen, alſo über 47 pCt. des Geſammtbetrages. Die auf dieſe Weiſe gewonnene Nettoſumme kann als Mindeſtbetrag der effectiv vorhandenen Hypotheken⸗ und Kaufſchillingſchulden be⸗ trachtet werden, da nur ſolche Beträge ſtehen blieben, von denen mit Gewißheit an⸗ genommen werden konnte, daß ſie noch nicht bezahlt ſeien. Ein Verſuch zur Ermittelung der Mobiliarſchulden ſchlug fehl, indem nur be⸗ züglich eines ſehr geringen Betrages dieſer Art Schulden einigermaßen Uebereinſtim⸗ mung unter den verſchiedenen Gewährsmännern herrſchte. In ſehr vielen Fällen, ſowohl bezüglich einer überhaupt vorhandenen Mobiliar⸗Verſchuldung, als auch der Höhe derſelben, traten ſehr widerſprechende Anſichten hervor. Mit ziemlicher Sicher⸗ heit konnten nur 20,500 Mk. Mobiliarſchulden ermittelt werden, oder 7,47 pCt. der feſtgeſtellten Netto⸗Einſchreibungen. Dieſes Verhältniß erſchien offenbar unzutreffend und es wurde daher von einer weiteren Verarbeitung des in dieſer Richtung ge⸗ wonnenen Materials abgeſehen. Der Commiſſär hält ſich verpflichtet und berechtigt, an dieſer Stelle darauf hinzuweiſen, daß in Fürfeld eine weitgehende Parteizerriſſenheit beſteht, welche, gleich⸗ wie ſie den Gang der Erhebungen erſchwerte, auch die Objectivität der Gewährs⸗ männer gerade in dieſer heiklen Frage offenbar beeinflußte. Dies vorausgeſchickt fügen wir dem gewonnenen Zahlenmaterial und den auf⸗ geſtellten tabellariſchen Ueberſichten erläuternd Folgendes bei: a. Es wurden, gleichwie dies in der Muſterbearbeitung von Meſſel geſchehen, nur ſolche Beſitzer in Rechnung gezogen, deren Grundbeſitz über 0,5 Hectar beträgt. Kleinere Wirthſchaften können nicht mehr als eigentliche Landwirthſchaftsbetriebe an⸗ geſehen werden und würden einen mehr ſtörenden als klärenden Einfluß auf das Geſammtbild geübt haben. Nach Ausſcheidung dieſer, und Zuſammenfaſſung der einen gemeinſamen Haushalt führenden Beſitzer unter einer Nummer, kommen noch 133 Haushaltungen in Frage mit einem Geſammtbeſitz von 698,47 Hectar im Werth von 2630175 Mk. incl. Gebäude, dem eine(Immobiliar⸗) Verſchuldung von 274248 Mk. gegenüberſteht. Es ſind alſo 10,43 pCt. des geſammten Liegenſchaftswerthes mit Immobiliarſchulden belaſtet. Ueberhaupt verſchuldet ſind 85 Haushaltungen, — 15 mit einem Geſammtbeſitz von 394,15 Hectar, im Werthe von 1487500 Mk., in Höhe von 274,248 Mk. oder in Procenten 18,44. Nicht verſchuldet 48 Beſitzer mit 304,32 Hectar, im Werthe von 1142675 Mk. Ausſchließlich vom Betriebe der Landwirthſchaft(Tabelle B) leben 67 Haus⸗ haltungen, mit einem Areal von 528,05 Hectar, im Werthe von 1904525 Mk., dieſe ſind mit 165488 Mk., alſo mit 8,70 pCt. verſchuldet. Dieſe Verſchuldung ruht auf 40 Haushaltungen, welche mit 17,26 pCt. des Liegenſchaftswerthes verſchuldet ſind. Nicht verſchuldet ſind 27 Haushaltungen im Geſammtwerthe von 946035 Mk. Be⸗ merkenswerth iſt hierbei die intenſive Belaſtung der überhaupt Verſchuldeten. Aus Tabelle C iſt erſichtlich, daß in 12 Haushaltungen neben Landwirthſchaft noch Taglohnarbeiten betrieben werden. Deren Geſammt⸗Immobiliarbeſitz hat einen Werth von 70820 Mk., dem 8074 Mk. Schulden gegenüberſtehen, alſo 11,40 pCt. Hiervon ſind 8 verſchuldet und zwar in Höhe von 19,10 pCt. ihres Liegenſchafts⸗ werthes. Nicht verſchuldet ſind 4 Haushaltungen mit 28550 Mk. Werth. Auch in dieſer Abtheilung iſt der ſtarke Procentſatz der Schulden unter den überhaupt mit Schulden belaſteten(19,10 pCt.) bemerkenswerth. Die Tabelle D gibt ein Bild derjenigen, welche neben Landwirthſchaft noch ein Gewerbe betreiben. 54 an der Zahl, haben ſie einen Liegenſchaftswerth von 654830 Mk., der mit 100686 Mk. oder mit 15,38 pCt. belaſtet iſt. 37, mit 485660 Mk. Beſitz ſind in dieſer Gruppe mit dieſen 100686 Mk. oder bis zu 20,73 pCt. belaſtet. Nicht verſchuldet ſind 17 Beſitzer mit 169170 Mk. Liegenſchaftswerth. In dieſer Abtheilung ergibt ſich die höchſte Belaſtung und zwar im Allgemeinen zu 15,38 pCt., ſowie auch die intenſivſte der Verſchuldeten mit 20,73 pCt. Bezüglich der Vertheilung der Schuldenlaſt unter die nach der Areal⸗Größe ge⸗ machten Gruppen ſind im Allgemeinen(Tabelle A) die Gruppen 1 und 2 am ſtärkſten belaſtet und zwar mit 16,37 und 16 pCt. des Geſammtwerthes ihrer Liegenſchaften, während die Gruppen 3 und 4 auf nahezu die Hälfte herabgehen mit 8,86 und 8,69 pCt. Eine Zunahme ergibt ſich wieder bei Gruppe 5 und 6 mit 10,96 und 11,40 pCt. Am intenſivſten iſt die Gruppe 6 belaſtet mit 32,11 pCt. Unter den Landwirthſchaft allein betreibenden iſt das Verhältniß unter den einzelnen Beſitzgruppen wieder ein etwas anderes. Gruppe 6 zeigt hier den ſtärkſten Procentſatz mit 11,40 und auch den intenſivſten mit 32,11 pCt., während nach der Höhe der Geſammtſchulden in dieſer Abtheilung die Gruppen 2 mit 10,73 pCt., 3 mit 9,53 pCt., 5 mit 8,39 pCt., 4 mit 6,67 pCt. und zuletzt 1 mit 5,55 pCt. nach⸗ folgen. In dieſer Abtheilung finden ſich überhaupt nur 2 Beſitzer unter Gruppe 1, hierdurch wird natürlich das Reſultat weniger zuverläſſig. Tabelle C, Abtheilung der Landwirthſchaft und Taglohn treibenden, zeigt in Gruppe 2 die ſtärkſte Verſchuldung mit 15,94 pCt. und die intenſivſte mit 33,36 pCt., Gruppe 1 geht auf 10,50 pCt. und Gruppe 3 auf 6,69 pCt. zurück, während die Gruppen 4, 5 und 6 in dieſer Abtheilung nicht vertreten ſind. Unter Denjenigen, welche Landwirthſchaft und Gewerbe betreiben(Tabelle D), iſt die Gruppe 5 mit 19,60 pCt. am ſtärkſten und die Gruppe 2 mit 32,59 pCt. 2¹⁵ — 16— am intenſivſten belaſtet, während Gruppe 6 hier nicht vertreten iſt. Zu erwähnen wäre hier noch, daß in Gruppe 5 nur 2 Beſttzer eingereiht ſind, welche beide verſchuldet ſind. Die zunächſt liegende Folgerung iſt die, daß die ſchwächſt begüterten Beſitzer (Gruppe 1 und 2) am ſtärkſten, und die mittleren Beſitzer(Gruppe 3 und 4) am ſchwächſten verſchuldet ſind, während die ſtärkſten Beſitzer zwiſchen beiden ohngefähr die Mitte halten. Das Verhältniß der Hypotheken zu den Kaufſchillingſchulden verdient beſon⸗ derer Erwähnung. Während die Hypotheken in Höhe von 105279 Mk. beſtehen, er⸗ reichen die Kaufſchillinge die Summe von 168969 Mk., worunter ohne Zweifel ein großer Theil Rückſtände, da ein ſtarker Beſitzwechſel in den letzten Jahren nicht ſtatt⸗ gefunden hat. Es führt dieſe Thatſache zu der Annahme, daß die Steigerer von Grundſtücken bei den hohen Preiſen und der geringen Rentabilität nicht in der Lage waren, ihre Ackerziele pünktlich zu bezahlen. Die Kaufſchillingſchulden bedingen übrigens nach Verhältniß denſelben Zinſenaufwand, wie die Hypotheken, da dieſelben gleich dieſen mit 5 pCt. ſofort verzinſt werden müſſen(vergl. Frage III a). Die Hypothekſchulden ſämmtlicher 133 Beſitzer für ſich allein betrachtet, ſtellen 4 pCt. des Geſammtwerthes dar. Von dieſen 133 ſind 36 mit Hypotheken belaſtet in Höhe von 105279 Mk. mit einem Beſitzwerth von 468840 Mk. oder in Pro⸗ centen 22,45. Bei den Landwirthſchaft allein betreibenden 67 Beſitzern ſtehen einem Liegen⸗ ſchaftswerth von 1904525 Mk. an Hypotheken gegenüber 51647 Mk. oder 2,71 pCt. Die in dieſer Abtheilung überhaupt mit Hypotheken belaſteten 15 Beſitzer mit einem Beſitzwerth von 245750 Mk. ſind ſonach mit 21,02 pCt. belaſtet. Die Landwirthſchaft und Taglohn betreibenden 12 Beſitzer haben bei einem Beſitzwerth von 70820 Mk. an Hypothekſchulden 3770 Mk. oder 5,32 pCt., darunter 5 belaſtet mit dieſen 3770 Mk., bei einem Liegenſchaftswerth von 23560 Mk., in Procenten 16. In dieſer Abtheilung ſind blos die Gruppen 1, 2 und 3 vertreten. Landwirthſchaft⸗ und Gewerbetreibende ſind 54 da mit 654830 Mk. Beſitz und 49862 Mk. Hypotheken. Es ergibt ſich hier eine Belaſtung von 7,60 pCt. im Ganzen, welche auf 16 Beſitzern mit 199480 Mk. Liegenſchaftswerth ruht und hier⸗ nach eine Intenſität von 25 pCt. hat. Die hypothekariſche Belaſtung in Beziehung zu den einzelnen Beſitzgruppen geht aus folgender Zuſammenſtellung hervor: Im Allgemeinen: Gruppe 1 6 Beſitzer mit 17510 Mk. Beſitz, hat 4756 Mk. Hypothekſchulden, 2 2 1 5 2/ 79 490 2 22 2 26741 2 2 2 3 7 2 2 79590 1* 2 2 15371 2 2 2 4 5 2 2 134160 22 2 2 27620 2 2 „ 5 3„„ 158090„„„ 30791„„ „ 6—— zuſammen 36 Beſitzer mit 468840 Mk. Beſitz, hat 105279 Mk. Hypothekſchulden. — 17— Landwirthſchaft allein betreibende: Gruppe 1 1 Beſitzer mit 3120 Mk. Beſitz, hat 300 Mk. Hypothekſchulden, „ 2 4„„ 24190„„„ 5356„„ 2 3 5 2 2 56 3 30// 2 1 1 37 1/ 2 2 4 3 2/ 84070 2 2 2 12620 2 I/ 2 5 2 2 2 780⁴4⁰/ 2 I/ 22000 2 2 zuſammen 15 Beſitzer mit 245750 Mk. Beſitz, hat 51647 Mk. Hypothekſchulden. Landwirthſchaft und Taglohn betreibende: Gruppe 1 1 Beſitzer mit 1710 Mk. Beſitz, hat 500 Mk. Hypothekſchulden, 2 3 2 II 12620 2 2 2 2270 72 2 2 3 1 2/ 9250 2 2 II 1000 f 2 zuſammen 5 Beſitzer mit 23560 Mk. Beſitz, hat 3770 Mk. Hypothekſchulden. Landwirthſchaft und Gewerbe treibende: 2 Gruppe 1 4 Beſitzer mit 12680 Mk. Beſitz, hat 3956 Mk. Hypothekſchulden, II 2 8 II 2 426 80 F// 2 1 9 1 1 5/ 2 II 3 1 2 I/ 14030 2 2 i 3000 I/ 2 2 4 2/ 2 50090/ II/ 15000 2 2 2 5 1 fI/ 80000 2 2 2 8791 2 2 zuſammen 16 Beſitzer mit 199480 Mk. Beſitz, hat 49862 Mk. Hypothekſchulden. Es ergibt ſich hiernach im Allgemeinen bei Gruppe 2 eine ungewöhnlich hohe Verſchuldung mit 206975 Mk. Beſitz und 26741 Mk. Hypotheken, welche auf 15 Beſitzern ruhen und 33,64 pCt. ihres Liegenſchaftswerthes betragen. Gruppe 6 iſt nicht mit Hypotheken belaſtet, während in Gruppe 1 6 Beſitzer mit 27,16 pCt., Gruppe 4 5 mit 20,58 pCt., Gruppe 5 3 mit 19,48 pCt., Gruppe 3 7 mit 19,31 „Ct. belaſtet ſind. Kehren wir nach dieſen Details zur Hauptfrage zurück, ſo entfällt im Allge⸗ meinen der ſtärkſte Procentſatz der ermittelten Immobiliarverſchuldung auf den Klein⸗ beſitz(Gruppe 1 und 2) mit rund 16 pCt., hierauf folgt der größere Beſitz in den Gruppen 5 und 6 mit 11 pCt. und zuletzt der mittlere Beſitz, Gruppe 3 und 4, mit 9 pCt. ihres jeweiligen geſammten Liegenſchaftswerthes. b. Der Umſtand, daß, wie Eingangs erwähnt, von den 522909 Mk. einge⸗ ſchriebenen Forderungen nur noch 274248 Mk. als effectiv beſtehend ermittelt wurden, läßt die ſcheinbare Vermuthung hervortreten, daß der Schuldenſtand im letzten Jahr⸗ zehnt abgenommen habe. Dieſe Vermuthung wird ſich jedoch als haltlos erweiſen, wenn man berückſichtigt, daß bei Bezahlung der Güterziele in der Regel nicht gelöſcht wird, alſo die Einſchreibung 10 Jahre beſtehen bleibt, während in 4 Jahren die Güterziele abgelaufen ſind. Es iſt daher die Annahme begründet, daß ſtets ein großer Abſtand zwiſchen den beſtehenden Einſchreibungen und den wirklich beſtehenden Kauf⸗ ſchillingforderungen beſtanden hat. — 18— Die Anſichten zuverläſſiger Gewährsmänner gehen dahin, daß der Schuldenſtand im letzten Jahrzehnt etwas abgenommen habe; doch bezieht ſich dies hauptſächlich auf die(überhaupt nicht ermittelten) Mobiliarſchulden. Die Belaſtung mit Hypotheken datirt aus älterer Zeit und beſteht noch in ſolcher Stärke, daß eine Abnahme kaum angenommen werden kann. Die Kaufſchillingſchulden ſtammen naturgemäß mehr aus neuerer Zeit, ob eine weſentliche Abnahme derſelben aber angenommen werden kann, erſcheint in Anbetracht ihrer Höhe ebenfalls zweifelhaft. c. Die Hypothekenzinſen und Güterziele werden zum Theil pünctlich, im All⸗ gemeinen jedoch nicht pünctlich bezahlt, und es kommen häufig Rückſtände vor, was beſonders auch bei den Kaufſchillingen hervortritt, da deren Höhe weit diejenige Summe überſteigt, welche durch die in den letzten Jahren ſtattgehabten Beſitzwechſel gerecht⸗ fertigt erſcheint. d. Die Urſachen, welche einen erkennbaren Einfluß auf die Verſchuldung üben, ſind aufs engſte verbunden mit denjenigen, welche auf die unbefriedigende Rentabilität einwirken und es kann daher im Allgemeinen auf die zu Frage IX gemachten Dar⸗ legungen verwieſen werden. Im Einzelnen ſei bemerkt, daß häufig die Veranlaſſung zum Schuldenmachen mangelndes Betriebscapital, unwirthſchaftlicher Ankauf von Grundſtücken zu hohen Preiſen, häufige Viehhändel, in naehen Fällen auch häufiger Wirthshausdeſuch und nachläſſige Wirthſchaft iſt. 19 /19˙1L“ 38/†08 8† 008,883 89,69 3 19oul n 05 060,168 Or.,OII 8 02— 01 029,683 60,02 01 0 2 06 †,LII-r, 88 II 6— 5 691,06 61,21 61 6— 1 026˙61 09˙9 9 1— 60 : n(plaog en T**˙81 00˙00]1 876 †ʃ 696˙891 675701 000,187†9 11†68 98 IIIs 33,81 000,06 000,06 25 002,1 80,68 1 aqoul n 06 09,86 T2,93 888,87 176,ε˙† 16,08 018,018 18,98 2 02 0l 21 61,95 089,12 010/†f 069,16 016/889 Or,191 36 01 16,51 00,51 188,68 016,11 128,01 096,83 35,19 06(5 85,86 60,51 Or0,88 666,9 1F!,J96 018,911 38,86 05 6 8016 28˙† 669˙91 809˙8 9 000˙69 611I 91 1— :ro—Inqplaog d 8†001 00/001 856*†ʃ 696˙891 616˙01 1./I˙089/3 2*869 881 O.,II 36,81 000,06 000,00 006,887† 69,801 4 1qeuu n 05 98,01 12,93 886,9, 6,½† 16,08 098,40ʃ 2961 91 05 01 69,8 61,95 089,12 010,†f 069,15 07†3 ⁷ο8 Cr,I86 68 0= 98,8 00,51 188,68 016,41 128,01 086,028 28,001 18 6 7 00,91 60,51 00,88 666,9 1I,J93 66,905 10,97 68 29˙91 28˙† 669˙91 809˙8 9 † 059˙18 61*†1 06 1 90 & S1151SalvGp uocjncp. 16 10 1 168 oe appG eu51 eee ie uainp u⸗nep enp g gun 42p]6 16g nere unndcac, en ee ine ee Jou Seeeh 8 4 aogeje dumbg V -gjolang 2u m ag ie iiiplaas aad Sap ee — G. S— GSM S ”0. S (90˙976 09 1ʃ 26 006,86 99,69 8 acomen 9 060,468 0r.,OII 8 02 0 026,661 88,94 8 0Ie 5 Or,Er 86 †1 F 9— 5 8 668,16 18, r 5 3 083˙5 16˙0 1 1 4.,0 I :rin(plaod 1ere 93˙11 00˙001 887˙91 ITS8'8II 279,1 06/˙86 9†˙08 Or II,ss 88,08 000,00 000,09 008,61 30,68 1 aGou n O 9 4 7 7 7 4 4 7 2†,96 67,63 96½,87 9⁰½,93 000,33 Of8,F8I 88,80 9 O 0 99,6 Of.,6 G1LIp 66†,63 059,51 06/,ε † 60,601 2† r 69,61 0L,II 198,81 066˙9 128,1I 00†,TI 18,68 11 6= 2 8 L5, 09,8 96˙9 009 99˙9 060,†8 19 ½ 2 5— 6 8 19˙6 8⁰ʃ 008 008 081˙8 39˙0 1 1— 4,0 1 :rInſplaog d 02 8 00˙001 887˙91 18'II 159˙10 220˙†06, 20˙860 19 Of.,II 868,08 000,00 000,09— 006,88† 49,800 aGoul n O 9 68,8 6†,63 99½,87 9,93 000,56 068,186 82,891 81 05 O 6 29,9 Or.,6 IL,Sr 667†,66 069,61 090,189 28,181 26 01 4 p 89,6 0L.II 198,81 066˙9 18,II 069,561 78,56 91 9 3 8 81,01 09,8 96˙9 009 919˙0 68†,06 88,81 6 3 20˙0 8¹ʃ0⁰ 008— 008 007†˙9 86˙1 6 1— 90 1 .. apOε uemeru Annl 8 d lü Aleu 14L a4pJ⸗*& 45 2 1 5 1 uoajn 5. nanne äcſ ni iogns onch m unluß Sungapti uasäs Pr ind„ 8 5u0s9 : uagnorog up pge 0ʃ83 06˙0 p ——— aGout'n 03 ——— 05— 01 58— 01 9 081,1 90/⁶ 1 4— 5 021,LI 90/½ 3 9 0⁰0˙9 60 1 1 90 : ponſplaod ap 01˙61 00˙001 520˙8 508† 021˙9 016˙6 01˙91 8 ———————— 160uu n 03 8— 85— 02— 91 7 1 7,. 01 2 68,8 16,96 OFLIS OFL. 000,¹ 016,† 01.,6 g 4 3 98,88 08,19 F9 †˙ †91˙8 016˙6 066,91 85, 7 5 N F6/66 61˙9 000— 00 0121 2000 1 I=— 40 : rn(plaoqg 0f'II 00˙001 520˙8 508˙† 011˙8 088˙0 00˙16 61 ———————— 1Geul n 05 3————— 02 01 21 7„ n— 7„ 1 69,9 19,93 OrL OrL, 000,T 000,58 GLIII † 4— 5 T6,01 08,19 Fe†˙0 791˙9 026˙5 090,†8 6†,8 9 2 09˙01 61˙9 00 5 000 09⁷† 98˙1 3 I= 0 a4p*& Si acnenve woohnol 2 1 u10 aug 19 =u 218 5⁰°=u SD 42(—— gun 42P 1G 10b 8 1on cr u nou old nh Aunhs utg Puh gs 2a ehae m : uogajog uagavugojobv dun uggee d— —- G—-— GSS S GOO S 0½1˙691 †I˙68 A ——— 10ou n 05 9 „ 06 01 0 08f,Ip FL.II 6 01 e F 0†,59 68,91 9 6= 5 8 000,16 69,8 9 5= 5 0†61 68,1 8 1— 40 1 :poinGplaod Jn 8ʃ05 00˙001 989,001 18/0, 398˙6† 099,687 85˙011 18 — 5—————— IGaut n 05 9 09,6 6/† 68,⁵6 16,1 164,8 02†,961 66,15 6 06 2 97,61 18,65 616,63 616,/†1 000,01 001,161 78,88 2 01 r L*] 08,51 088,51 088,6 000,8 Of8,88 00/81 9 4= 2 8 66,68 06,16 09,15 98, 61I,61 08 ½,99 56,01 11 3 6 8 26˙16 27˙51 660/61 809(88 966G 086 20 86˙6 81 1— 1 : r—.ncplaog i 88˙01 00˙001 989/001 758/0 398˙6 † 088/7⁰9 5†6†1 Fc — 5—————— IGom'n 03 9 09,615 8 5, † 386,†3 1611 16ʃ18 027†,931 66,13 5 056 9l 86,01 18,63 616,65 416,†1 000,61 081,861 80,06 2 01 0 r 9*, 8 8,81 088,51 088,6 000,8 068,†1 68,68 61 6— 5 8 F.S 06,16 09,15 88½ G1L,61 08†,AI TLITS 21 3 3 10˙11 ˙61 600˙61 809,8 996˙9 09 5,2 68˙I 91 1— 60 1 19 201121Salv pl uaomcpl 2 2 2 woſene doß Iraac u9215 S0G=u 1 G 3 gun 10P 16 b 2 4S thhind t kaegi hhy ainhten asheze wnen ene mu : uagiog agaoatoh dn iee. — 23— Frage IX. a. Wie geſtaltet ſich die Rentabilität des landwirthſchaftlich benutzten Bodens bei großen, mittleren und kleineren(eigenen oder gepachteten) Gütern? b. Wenn die Rentabilität als eine unbefriedigende erſcheint, ſind die Gründe zurückzuführen hauptſächlich auf 1. die Fruchtbarkeits⸗Verhältniſſe der Gemarkung, 2. die mangelhafte Melioration und die Zerſplitterung der Grundſtücke, 3. die im Verhältniß zur Ausnutzungsfähigkeit zu hohen Preiſe des Bodens, 4. einen mangelhaften landwirthſchaftlichen Betrieb, 5. ein zu großes Gebäudecapital, 6. ungünſtige Arbeiterverhältniſſe, 7. ungünſtige Abſatzverhältniſſe(ſchlechte Preiſe, unrationelle Einrichtungen für den Abſatz u. ſ. w.), 8. frühzeitiges Zurückziehen der Eltern und Belaſtung der Güter mit hohen Altentheilen und Leibrenten, 9. Beſondere unwirthſchaftliche Gewohnheiten der Landwirthe, z. B. zu ſtarke Pferdehaltung u. dgl., 10. hohe Steuern und Umlagen und ſonſtige dem Commiſſär bekannt gewordene Verhältniſſe? Die Beantwortung dieſer Frage ſtieß in Fürfeld auf ungewöhnliche Schwierig⸗ keiten, indem ſich keine geeigneten Beſitzer finden wollten, welche in der Lage und gewillt waren, die erforderlichen Angaben zu machen. Die allermeiſten Beſitzer führen über ihre Erträgniſſe, über ihre Einnahmen und Ausgaben keine genauen Bücher und waren deßhalb nicht in der Lage, das erforderliche Material zu liefern, zum größten Theil waren ſie auch nicht gewillt, wohl einestheils, weil ihnen die in alle Einzeln⸗ heiten gehenden Fragen des Commiſſärs läſtig erſchienen, anderntheils aber, weil ſie fürchteten, es handele ſich um eine höhere Beſteuerung. Nach mancherlei Bemühungen gelang es, den Beſitzer eines kleineren Gütchens von 4,77 Hectar ausfindig zu machen, deſſen Wirthſchaftsbetrieb für die kleinen Beſitzer in Fürfeld typiſch iſt, abgeſehen davon, daß der Mann keine Kinder hat und deßhalb etwas mehr für Taglöhne verausgabt, auch eine etwas beſſere Lebensweiſe führt, als in dieſer Beſitzgruppe üblich iſt. — 24— Die weiter bearbeitete Wirthſchaft eines mittleren Beſitzers von 9,96 Hectar iſt für den üblichen Betrieb dieſer Gruppe ganz zutreffend. Ein größerer Beſitzer, welcher bereit geweſen wäre, die nothwendigen Angaben zu machen, war abſolut nicht zu finden, es konnte deßhalb dieſe Art des Betriebes leider nicht vorgeführt werden. Es iſt bereits unter Id bemerkt, daß die größeren Güter rationeller und intenſiver bewirthſchaftet werden und läßt ſich hieraus folgern, daß das Endreſultat einer Rentabilitätsberechnung bei dieſer Betriebsart ein etwas günſtigeres geweſen wäre, als es das mittlere und kleinere Gut aufweiſen. Kraft⸗ futter und künſtliche Düngemittel werden hier ſtärker angewandt und hierdurch die Erträge geſteigert. Für die beiden ausgeführten Rentabilitätsberechnungen ſei hier erläuternd Folgen⸗ des bemerkt: I. Beſitzſtand⸗Nachweis, beſtehend aus den Nachweiſen über den Werth von Grund und Boden mit Obſtbäumen, Gebäude⸗ capital, Inventarcapital(todt und lebend) und umlaufendes Be⸗ triebscapital(Vorrath). Das Verhältniß der einzelnen Betriebscapitalien zum Grundeapital ſtellt ſich wie folgt: Mittleres Gut. Das Gebauderapital beträgt........ 16 0p vom Grundcapital. Das Inventarcapital(todt und lebend) beträgt.. 61 ½„„ 8 Das umlaufende Betriebscapital beträgt.... 2„„ 2 Kleineres Gut. Das Gebäudecapital beträgt........ 32„„„ Das Inventarcapital(todt und lebend) beträgt.. 10„ 5„ Das umlaufende Betriebscapital beträgt.... 3„„„ II. Natural⸗Rechnung, beſtehend aus den Nachweiſen über Natural⸗Ertrag und Natural⸗Bedarf nebſt Schlußfolgerungen. Die Erträgniſſe wurden ſo eingeſtellt, wie ſie dem Commiſſär von den beiden Beſitzern thatſächlich gemacht wurden, ſie ſtimmen übrigens mit den mittleren Erträg⸗ niſſen, wie ſie bei Aufnahme der Erndteerträge vorliegen, im Weſentlichen überein, bis auf Wein. Wein wurde im Durchſchnitt geerndtet in den letzten 10 Jahren per Hectar 29,5 Hectoliter. Bei den beiden Rentabilitätsberechnungen wurde jedoch das günſtige Weinjahr 1884 zu Grund gelegt. Das Endreſultat wird hierdurch nicht unweſentlich in günſtigem Sinne beeinflußt, doch muß hierbei bemerkt werden, daß der 10 jährige Durchſchnittsertrag von 29,5 Hectoliter per Hectar= rund 4 ½ Ohm per Heſſiſchen Morgen, der ſich nach dem ſtatiſtiſchen Material ergibt, etwas ſehr niedrig gegriffen erſcheint, der Commiſſär hat daher Anſtand genommen, dieſe Zahlen als Grundlage der Berechnung zu wählen. — 25— Die Koſten der Stallmiſtproduction für das mittlere Gut ſtellen ſich auf etwa 56 Pf., für das kleinere auf 50 Pf. Die Factoren dieſer Berechnung beruhen auf annähernder Schätzung, insbeſondere i*ſt die Gewichtsſchätzung des producirten Dunges ſehr unſicher, es kann daher dem nach dieſer Richtung gewonnenen Reſultut ein weſent⸗ licher Werth kaum beigelegt werden. Der Natural⸗Bedarf für die Familie erweiſt, daß die Beſitzer, abgeſehen von dem verbrauchten Wein und Obſtwein, eine recht beſcheidene Lebensweiſe führen und daß die Kartoffel, das Brod der Armen, vorherrſcht, dagegen der Fleiſchverbrauch ein geringer iſt. Der für die Familie eingeſtellte Verbrauch an Getreide iſt ſelbſtredend ſo zu verſtehen, daß nur das daraus gewonnene Mehl für die Familie verbraucht wurde und zwar das nach Abzug des Mahllohnes, des ſog.„Molters“, noch verbleibende Reſtquantum, während die Kleie in dem Verbrauch für den Viehſtand erſcheint. Der wirkliche Brodſtoffverbrauch für die Familie reducirt ſich hierdurch ſehr weſentlich, wie aus den Anlagen I und II erſichtlich. Die Koſten der Nahrungsmittel dürften ſich hiernach pro Perſon auf ca. 75—80 Pf. ſtellen.(Bei einem täglichen Verbrauch bis zu 2,71 Mk. in der 3 Perſonen ſtarken Familie und zeitweiſe 1 Taglöhner des kleineren Beſitzers.) III. Geldrechnung, beſtehend aus den Nachweiſen über Geld⸗ einnahmen und Geldausgaben. Aus der Geldrechnung geht zunächſt hervor, daß ſelbſt die kleinſten Landwirthe weſentliche Mengen Getreide verkaufen. Dieſe, im Gegenſatz zu der vielfach aufge⸗ ſtellten Behauptung, der kleine Beſitzer habe überhaupt kein Getreide zu verkaufen, ſtehende Thatſache führt zu mancherlei Folgerungen. Hervorgehoben muß hier werden, daß der Getreidebau in Fürfeld nicht etwa ausnahmsweiſe ſtark betrieben wird, viel⸗ mehr nur in demſelben Verhältniß, wie dies in der ganzen Gegend üblich iſt und daß derſelbe ſogar gegen früher in neuerer Zeit bedeutend eingeſchränkt wurde. Die beiden dargeſtellten Wirthſchaftsbeiſpiele thun dar, daß der mittlere Beſitzer 57 pCt. ſeiner Getreideernte zum Verkauf brachte, während der kleine Beſitzer immer noch 46,25 pCt. ſeines ſämmtlichen Getreides verkaufte. Dies Reſultat wird vielleicht etwas weniger auffallend erſcheinen, wenn man erwägt, daß in jeder Wirthſchaft, ob groß oder klein, der Natural⸗Bedarf zu dem Natural⸗Ertrag in einem ziemlich conſtanten Verhältniß ſtehen wird, d. h. in allen ſolchen Wirthſchaften, wo die vorhandenen Kräfte öconomiſch ausgenutzt werden und der Unterhalt für Letztere direct aus dem Natural⸗Ertrag entnommen wird. Wo dies Letztere nicht der Fall, wird an Stelle des verringerten Natural⸗Bedarfs eine ſtärkere Ausgabe für Taglöhne, reſp. an Stelle des Minderverbrauchs an eigenen Producten für den Viehſtand, ein vermehrter Zukauf von Futtermitteln treten. Hierbei kommt im vorliegenden Falle in Betracht, daß Weinbau getrieben wird, welcher un⸗ verhältnißmäßig viel Handarbeit erfordert, wodurch ſich der Conſum der eigenen Wirthſchaft verſtärkt, ſtärkere Düngerproduction nöthig wird und hierdurch wiederum — 26— der Getreidebau zurückgedrängt wird. Wäre daher nicht Weinbau mit den beiden dargeſtellten Wirthſchaftsbetrieben verbunden, ſo würde ſicherlich ein noch höherer Procentſatz Getreide verkauft worden ſein. Als Endreſultat der Geldrechnung erſcheint in den 2 Wirthſchaften ein weſentlich verſchiedener Betrag als Ueberſchuß. Dieſe Differenz erklärt ſich dadurch, daß der kleine Beſitzer für Arbeitslöhne einen Betrag von 220 Mk. baar verausgabt, während der größere Beſitzer in dieſer Rubrik blos 126 Mk. zu verrechnen hat, da er ſeine Arbeiten zum allergrößten Theil durch ſeine Familienangehörige verrichtet. Bringt man für die zwei Söhne des Letzteren den mittleren ortsüblichen Knechtlohn in Abzug mit 480 Mk., ſowie von dieſen 480 Mk. wieder ab 150 Mk. für Bekleidung, ſo bleibt noch eine Mehrausgabe von 330 Mk., welche an dem Ueberſchuß in Abzug ge⸗ bracht, letzteren auf 473,50 Mk. reduciren würde. Es ſtellt ſich dann das Endreſultat der Geldrechnung mehr in Uebereinſtimmung mit demjenigen des kleinen Beſitzers. Das immerhin noch günſtigere Reſultat des mittleren Beſitzers iſt weſentlich dadurch herbeigeführt, daß derſelbe einen äußerſt ſparſamen Haushalt führt. Der verbleibende Reſtbetrag mit 473,50 Mk. ſtellt dann den Lohn dar, den der Beſitzer und ſeine Frau für ihre Mithülfe in der Wirthſchaft erübrigen. Dieſe Summe erreicht aber kaum die Höhe die ein Knecht⸗ und Magdlohn zuſammen betragen. Ein Knecht und eine Magd, welche ohne alles Vermögen ſind, können alſo nach Ablauf eines Jahres an⸗ nähernd ebenſoviel erübrigen, als der Beſitzer eines Bauerngutes von 10 Hectar. Dem kleinen Beſitzer von 4,77 Hectar bleibt für ſeine perſönlich geleiſtete Arbeit an baarem Gelde nichts mehr übrig und iſt derſelbe auf Nebenverdienſt angewieſen, wenn er überhaupt vorwärts kommen will. Hierbei iſt zu berückſichtigen, daß in der Geld⸗ rechnung nur die ganz unumgänglichen Lebensbedürfniſſe in Ausgabe geſtellt ſind, ſo, daß durch irgendwelche Luxusausgaben, wie Geſellſchaften, Vergnügungen, Wirths⸗ hausbeſuch, das Endreſultat ein anderes werden würde. Selbſt dieſe verſchwindenden Beträge nach Ablauf des Betriebsjahres, ſtellen ſich in Wirklichkeit unter jetzt beſtehenden Verhältniſſen noch weſentlich niedriger, da die eingeſtellten Verkaufspreiſe der Haupterzeugniſſe nach dem Durchſchnitt der Jahre 1878—83 in der Gemeinde Bingen berechnet ſind, welcher Ort für Fürfeld in Be⸗ tracht kommt. Dieſe Preiſe ſind jedoch in jüngſter Zeit bedeutend und zwar um 18— 20 pCt. bei Weizen, um 10 pCt. bei Roggen und 10 pCt. bei Hafer niedriger gegangen.(Die Durchſchnittspreiſe der übrigen verkauften Producte treffen annähernd mit den jetzt beſtehenden zuſammen.) Bei Zugrundelegung des effectiven Verkaufspreiſes wird ſich für den Beſitzer des kleinen Taglöhnergütchens ſchon ein Ausfall von 36—37 Mk. ergeben, während der mittlere Beſitzer ca. 82 Mk. einbüßt. Es erhellt aus dieſer Thatſache zunächſt, daß eine weſentliche Einnahmequelle, ſelbſt für den kleinſten Landwirth der Verkauf von Getreide iſt, und daß der Preis deſſelben ein Factor iſt, welcher die Rentabilität ſeines Betriebes ſehr weſentlich be⸗ einflußt. — 27— IV. Rentabilitäts⸗Berechnung, beſtehend aus den Nachweiſen über den Rohertrag(exel. der für die Production in der Wirthſchaft wieder verwendeten Producte), die Productionskoſten und den Reinertrag. Die Grundrente der zwei dargeſtellten Wirthſchaften beträgt: für das mittlere Gut von 9,96 Hectar 1,45 pCt., „„ lleillele„ def„ 2,20„ ſte könnte ſich vielleicht, wenn ein größeres, rationell und intenſiv bewirthſchaftetes Gut dargeſtellt hätte werden können, bis auf ca. 3 pCt. erheben. Das Ergebniß ſtellt die Zinſen des Grundcapitals incl. Unternehmergewinn dar. Dieſe Zahlen ge⸗ ſtalten ſich unter Berückſichtigung des in der Geldrechnung Bemerkten, für heutige Ver⸗ hältniſſe noch weſentlich ungünſtiger. Die angeführten Zahlen in den Rentabilitätsberechnungen wurden nach beſtem Wiſſen und Gewiſſen ermittelt und da wo dies nöthig erſchien nach Maßgabe der Inſtruction, ſowie dem ſtatiſtiſchen Material rectificirt. Für die annähernde Richtig⸗ keit, ſowie für die gezogenen Schlußfolgerungen ſteht der Commiſſär voll ein. a. Die Rentabilität erſcheint als unbefriedigend, denn eine Verzinſung des Grundcapitals von 1,45 bis zu 2,20 pCt. kann nicht als angemeſſen bezeichnet werden, ganz abgeſehen davon, daß die dirigirende geiſtige Thätigkeit des Unternehmers hierin inbegriffen iſt. b. Die unter Frage IX b aufgeſtellten Fragepuncte ſollen hier der Reihe nach beſprochen werden: 1. Die Fruchtbarkeitsverhältniſſe der Gemarkung ſind im Allgemeinen recht günſtige, wie aus den höheren Natural⸗Erträgen der dargeſtellten 2 landwirthſchaftlichen Betriebe ſchon hervorgeht, was aber auch durch Nachſtehendes weiter erhellt. Nach der dem Commiſſär zugänglich gemachten Hauptüberſicht der Jahre 1874 und 1875 im Kreiſe Alzey hat Fürfeld: Weizen, Roggen, Gerſte, pro 1884 geerntet pro Hectar 32,40 32,00 28,80 Ctr. Körner, durchſchnittlich der Kreis Alzey„ 9 27,07 92,00 25,00„ 2 pro 1875 Fürfeld Ji en 32,40 25,20 19,20„„ durchſchnittlich der Kreis Alzey„„ 16,70 27,80 34,30„„ Es geht hieraus hervor, daß die Erträgniſſe der wichtigſten Fruchtarten in Für⸗ feld die Durchſchnittserträge des Kreiſes Alzey, welcher wohl als einer der beſſeren des ganzen Landes betrachtet werden dürfte, im Ganzen noch übertreffen. Der Grund einer unbefriedigenden Rentabilität kann alſo nicht in mangelnder Fruchtbarkeit liegen. 2. Es iſt bereits unter Frage I d bemerkt worden, daß durch Drainirung der naſſen Felder Verbeſſerungen herbeigeführt werden können. Auch durch Bodenmiſch⸗ ungen würden bei dem raſchen Wechſel der Bodenarten Verbeſſerungen zu erzielen ſein. Die Grundſtücke ſind in Fürfeld nicht übermäßig zerſplittert. Es kommen Aecker von 8— 10 Morgen häufig vor, ſelbſt von 12—13 Morgen ſind da. — 28— 3. Der Preis des Bodens iſt zu hoch und iſt in den letzten Jahren noch ganz unmotivirter Weiſe geſtiegen. Es iſt unter Frage III a bereits verſucht worden, dieſe auffallende Thatſache zu erklären. 4. Der landwirthſchaftliche Betrieb iſt unter Frage I d näher charakteriſirt, Ver⸗ beſſerungen ſind möglich und nöthig, doch geht man langſam und vorſichtig vor. Derſelbe entſpricht nicht ganz den Anforderungen, die man heutzutage zu ſtellen be⸗ rechtigt iſt. Insbeſondere müßte die reine Brache abgeſchafft, reſp. durch ſtärkere Benützung der künſtlichen Düngemittel entbehrlich gemacht werden, auch auf die Vieh⸗ haltung mehr Nachdruck gelegt werden. 5. Großartige Gebäude kommen nicht vor. 6. Die Arbeiterverhältniſſe ſind in Fürfeld eher günſtiger als ungünſtiger wie ſonſtwo in der ganzen Gegend. 7. Die Abſatzverhältniſſe ſind ſehr ungünſtig. Fürfeld iſt ein vom Eiſenbahn⸗ verkehr abgelegener Ort. Welche große Nachtheile dies hat, ſoll weiter unten näher erörtert werden. 8. So lange die Eltern leiſtungsfähig ſind, arbeiten ſie mit, oder die ſtärker Begüterten machen ſich ihren ſog. Vorbehalt, d. h. ſie behalten ſich nach der Verthei⸗ lung unter ihre Kinder ſo viele Güter zurück, als zu ihrem ferneren Lebensunterhalt nöthig ſcheint. Eine Belaſtung der vertheilten Güter mit Leibrenten und hohen Alten⸗ theilen iſt nicht üblich. 9. Mit Pferden wird wohl in einzelnen Fällen etwas Luxus getrieben, doch kommt dies im Allgemeinen nicht in Betracht. Sonſtige unwirthſchaftliche Gewohn⸗ heiten in engerem Sinne kommen nicht vor. 10. Die Grundſteuern ſind neueſtens um etwas ermäßigt worden, was als eine Erleichterung empfunden wird. Die Umlagen ſind in den letzten Jahren höher ge⸗ worden, betragen aber immerhin kaum 65 pCt. der directen Steuern, da der Ge⸗ meindewald als weſentliche Einnahmequelle für die hohen Communallaſten eintritt. Die Schulkoſten belaſten das Gemeindebudget ſchwer. Eine ausſchlaggebende Be⸗ deutung auf die Rentabilität üben Steuern und Umlagen nicht aus. Dagegen werden vielfache Klagen laut über die Höhe der Abgaben bei Beſitzwechſel von Immobilien. Faſſen wir hiernach die Haupturſachen zuſammen, welche eine unbefriedigende Rentabilität des landwirthſchaftlichen Betriebes bedingen, ſo finden wir folgende: 1. Die im Verhältniß zur Ausnutzungsfähigkeit des Bodens zu hohen Preiſe deſſelben. 2. Einen mangelhaften landwirthſchaftlichen Betrieb. 3. Geſtiegene Arbeitslöhne, gefallene Preiſe der wichtigſten landwirthſchaftlichen Producte. 4. Ungünſtige Abſatzverhältniſſe. Der ungewöhnlich hohe Preis, namentlich der beſſeren Felder, iſt im Vorher⸗ gehenden mehrfach erörtert und zu erklären verſucht worden. Daß dieſe Verhältniſſe mit der Zeit nach irgend einer Richtung ſich corrigiren müſſen, iſt zweifellos. Wahr⸗ ſcheinlich iſt freilich, daß bis dies geſchehen, an den gemachten Rechenfehlern manche — 29— Exiſtenz zu Grunde gehen, und das Emporkommen junger ſtrebſamer Kräfte ſehr er⸗ ſchwert wird. Aber auch nach anderer Richtung hin kann ein beſſeres Verhältniß zwiſchen Bodenpreis und Rentabilität dadurch herbeigeführt werden, daß der landwirthſchaft⸗ liche Betrieb ein beſſerer und intenſiverer wird. Obwohl die Ertragsfähigkeit des Bodens an beſtimmte Grenzen gebunden iſt und nicht willkürlich geſteigert werden kann, ſo erſcheint doch in Berückſichtigung der in Fürfeld üblichen Wirthſchaftsmethode die Grenze des Möglichen noch nicht erreicht. Insbeſondere müßte die reine Brache, ein in der modernen Landwirthſchaft überwundener Standpunct ganz abgeſchafft, reſp. durch ſtärkere Anwendung künſtlicher Dünger, zweckmäßige Fruchtfolge, ſorgfältige Bodenbearbeitung einerſeits, ſtärkere Viehhaltung, Zukauf von Kraftfutter, größere Düngerproduction andererſeits, entbehrlich gemacht werden. Wie allerwärts, ſo auch in Fürfeld, haben ſich in den letzten 20— 25 Jahren die Exiſtenzbedingungen der Landwirthe ſehr verſchlechtert durch die ungeheuer geſtei⸗ gerten Productionskoſten, insbeſondere der um ca. 100„Ct. geſtiegenen Arbeitslöhne, denen auf der anderen Seite ein Rückgang des Preiſes der wichtigſten landwirth⸗ ſchaftlichen Erzeugniſſe, insbeſondere des Getreides gegenüberſteht. Daß beide Um⸗ ſtände in Verbindung zuſammen eine außerordentliche Verſchlechterung der landwirth⸗ ſchaftlichen Verhältniſſe erzeugen müſſen, kann keinem Zweifel unterliegen. Zweifellos iſt aber auch, daß dieſen Dingen gegenüber der Landwirth völlig machtlos iſt. Die geſtiegenen Arbeitslöhne ſind eine Thatſache, welche ruhig hingenommen werden muß, an deren Rückrevidirung nicht gedacht werden kann; man muß einfach mit ihr rechnen und anerkennen, daß dieſelbe durch das Sinken des Geldwerthes und durch geſteigerte Lebensanſprüche bedingt wird. Anders jedoch verhält es ſich mit den geſunkenen Preiſen der wichtigſten land⸗ wirthſchaftlichen Erzeugniſſe. Der Import ausländiſcher Bodenproducte nimmt von Jahr zu Jahr größere Dimenſionen an. Die Anbauflächen der großen Exportländer vergrößern ſich, die Transportmittel verbeſſern und verbilligern ſich, die Wege ver⸗ kürzen ſich(Panamacanal). Auf dieſe Weiſe werden unſerer heimiſchen Landwirthſchaft Productionsgebiete nahegerückt, welche durch ihren auf Menſchenalter noch vorhaltenden Reichthum an Pflanzennährſtoffen unſerem Ackerboden unzweifelhaft überlegen ſind. Dieſen Dingen gegenüber haben Regierungen und Reichstag anerkannt, daß unſere Landwirthſchaft des Schutzes bedürfe und den beſtehenden Zoll auf landwirthſchaft⸗ liche Erzeugniſſe neuerdings in angemeſſener Weiſe erhöht. Die jetzt beſtehenden landwirthſchaftlichen Zölle können nicht dazu dienen, eine weſentliche Vertheuerung der nothwendigſten Lebensbedürfniſſe zu bewirken, vielmehr ſollen ſie hauptſächlich einer weiteren Entwerthung der landwirthſchaftlichen Erzeugniſſe vorbeugen. Sie ſollen und können aber auch dazu dienen, einen Ausgleich für die beſtehende Verſchiedenheit der Verhältniſſe zwiſchen in⸗ und ausländiſcher Production zu bieten, reſp. erſtere letzterer gleichzuſtellen, keineswegs aber dazu, wie häufig behauptet wird, lediglich den Großgrundbeſitzern Ströme Goldes mühelos in den Schoos zu leiten auf Koſten des conſumirenden Publicums. Eine weitere nothwendige und berechtigte Wirkung dieſer 4* — 30— Zollmaßregeln wird die ſein, ein erdrückendes Hereindrängen des ausländiſchen Ge⸗ treides abzuwehren und das inländiſche wieder mehr zur Geltung zu bringen und verwerthbar zu machen, was leider in letzterer Zeit kaum mehr der Fall war. Con⸗ currenz iſt wie überall, ſo auch in der Landwirthſchaft nöthig und nützlich, damit ſie nicht erlahme und vorwärts ſtrebe, aber eine vernichtende, durch die unüberſteigbare Gewalt der Verhältniſſe weit überlegene Concurrenz müßte zum Ruin führen. Die ſoeben erwähnte ſchwere Verwerthbarkeit namentlich des Getreides, insbe⸗ ſondere des Weizens, wird für Fürfeld noch aufs ſchärfſte verſtärkt durch die vom großen Verkehr entfernte Lage des Ortes. Hiervon nur ein Beiſpiel: Im ver⸗ floſſenen Jahre war der Wein gut gerathen und lieferte namentlich in quantitativer Hin⸗ ſicht einen reichen Ertrag. Viele kleinen Beſitzer waren nicht in der Lage ihr Erzeugniß keltern und einlegen zu können. Hierdurch wurden die Zwiſchenhändler vollſtändig zu Herren der Situation, da directe Käufer bei ſolchen Conjuncturen in die entlegene Gegend nicht kamen. Dieſe Situation wurde denn auch gründlich ausgebeutet. Die Preiſe wurden unverantwortlich herabgedrückt und außerdem mußte der Verkäufer hohe Proviſionen zahlen. Einzelnen Maklern ſind zu dieſen Zeiten ihre täglichen Verdienſte bis zu 100 Mk. und mehr nachgerechnet worden.(Die Makler ließen ſich durchgängig 10 Pf. Proviſion pro 8 Liter bezahlen, was bei einem Durchſchnittswerth von 1,20 Mk. pro 8 Liter 8 ½ pCt. des Werthes darſtellt! Es ſind ſogar Fälle bekannt, in denen 20 Pf. pro 8 Liter bezahlt wurden, in einer Nachbargemeinde!) Daß auf dieſe Weiſe dem Landwirth ein gut Theil ſeines ſauer verdienten Geldes wieder entriſſen wird, iſt klar. Frage X. Zu welchen Schlußbetrachtungen gelangt die Commiſſion auf Grund ihrer Erhebungen über die Geſammtlage der landw. Bevölkerung der Gemeinde, bezw. von welchen Verhältniſſen oder Maßnahmen glaubt ſie eine Beſſerung der wirthſchaftlichen Lage erwarten zu dürfen? Wenn wir auf Grund der vorhergehenden Erhebungen und Erörterungen das Bild zuſammenfaſſen, das die Gemeinde Fürfeld in landwirthſchaftlicher Beziehung gewährt, ſo wird daſſelbe kein beſonders freundliches ſein. Eigentlich blühende Wirth⸗ ſchaften, welche nur durch die Erträgniſſe ihrer Felder zu Wohlſtand und Vermögen gelangen, ſind kaum da. Die Landwirthe führen vielmehr bei recht beſcheidener Lebens⸗ weiſe und mäßigen Lebensanſprüchen einen harten Kampf ums Daſein und eine Nothlage würde eintreten, wenn aufeinanderfolgend einige ſchlechte Ernten eintreffen würden und eine weitere Verſchuldung des Grund und Bodens dadurch herbeige⸗ führt würde. Obwohl die ausgeführten Rentabilitätsberechnungen, wie bereits erwähnt, in manchen unweſentlichen Einzelnheiten keinen Anſpruch auf abſolute Genauigkeit machen, ſo treffen ſie doch ohne Zweifel in ihrem Endreſultat mit der Wirklichkeit annähernd — 31— zuſammen und geben einen richtigen Maßſtab für die Beurtheilung der Geſammtlage. Dies wird um ſo mehr klar werden, wenn man der geringen Rentabilität die vor⸗ handene Verſchuldung gegenüberſtellt, insbeſondere die Belaſtung mit den vor allen übrigen Schulden graven Hypotheken. Die Mobiliarſchulden konnten leider nicht ermittelt werden und der Commiſſär hat es abſichtlich vermieden, Zahlen anzugeben, welche auf vagen und widerſprechenden Mittheilungen beruhen, ſoviel aber ſteht feſt, daß auch Mobiliarſchulden in ſehr be⸗ deutenden Beträgen vorhanden ſind. Das Vorhandenſein einer ſchwierigen Lage iſt hiernach kaum zu verkennen. Bei Fortdauer dieſer Verhältniſſe iſt in abſehbarer Zeit ein Zuſammenbruch der ſtärker verſchuldeten Wirthſchaften unvermeidlich. Hierdurch würde zunächſt ein vermehrtes Angebot von Gütern ſtattfinden und der Preis derſelben auf einen niedrigeren Punct zurückgehen. Eine ſolche Kriſis würde, ſo ſehr ſie zu beklagen wäre, doch eine Art läuternder Wirkung auf die zu ungerechtfertigter Höhe hinaufgeſchraubten Güter⸗ preiſe üben. Wenn wir nunmehr zu einer Erörterung derjenigen Maßnahmen übergehen, welche uns geeignet erſcheinen, eine Beſſerung dieſer Zuſtände herbeizuführen, ſo theilen wir dieſelben in 2 Categorien und zwar: 1. in ſolche, welche durch Selbſthülfe möglich ſind; 2. in ſolche, welche nur durch Eingreifen, reſp. die Unterſtützung des Staates ausführbar ſind. Unter diejenigen Maßregeln, welche zur Selbſthülfe gehören, zählen wir in erſter Linie einen verbeſſerten, intenſiveren landwirthſchaftlichen Betrieb. Die in den Ren⸗ tabilitätsberechnungen erſcheinenden hohen Natural⸗Erträge laſſen zwar auf den erſten Anſchein den Betrieb in einem nicht ungünſtigen Lichte erſcheinen, doch läßt die unter Frage Ied gegebene Darſtellung der herrſchenden Wirthſchaftsmethode mancherlei Mängel erkennen, deren Beſeitigung von großem Nutzen wäre. Hierunter verſtehen wir zunächſt die Abſchaffung oder doch wenigſtens Einſchränkung der Brache und die ſtärkere Anwendung künſtlicher Düngemittel. Die Viehhaltung könnte wohl auch verſtärkt werden, doch ſind nach dieſer Richtung hin gewiſſe Grenzen gezogen wegen mangelnder Wieſen, ſowie der Nothwendigkeit den Kleebau in beſtimmten Grenzen zu halten. Im Laufe der Erhebungen iſt auch der Commiſſär der Anſicht begegnet, daß es unter gegenwärtigen Zeitverhältniſſen vortheilhafter ſei, mehr extenſiv zu wirth⸗ ſchaften, die Brache zu verſtärken, das Betriebscapital zu verringern, beſonders die Ausgaben für künſtliche Düngemittel einzuſchränken ꝛc. Daß ſolche Anſichten bei ſonſt intelligenten Landwirthen Platz greifen können, erſcheint dem Commiſſär als ein bedauerliches Symptom, das ein grelles Licht wirft auf die verzweifelte Stim⸗ mung in ſolchen Kreiſen und das er hier nicht unerwähnt laſſen will; er muß jedoch hinzufügen, daß dieſe Anſichten nur vereinzelt vorkommen. Ein weiteres wichtiges Mittel zur Hebung der landwirthſchaftlichen Verhältniſſe von Fürfeld würde die ſyſtematiſch ausgeführte Entwäſſerung der naſſen Gemarkungs⸗ 3¹⁵ — 32— theile ſein. Die Gemeinde iſt leider in zwei ſich ſchroff gegenüber ſtehende Parteien geſpalten; hierunter hat auch dieſe gemeinnützige Frage zu leiden. Eine Unterſuchung der bezüglichen Verhältniſſe durch ſachkundige Kraft, ſowie den Gegenſtand behandelnde Vorträge würden wohl geeignet ſein, dem Guten ſchließlich zum Durchbruch zu ver⸗ helfen. Die Mitwirkung des landwirthſchaftlichen Vereins nach dieſer Richtung hin wäre gewiß von Nutzen. Als ferner geeignet zur Beſſerung der Lage erſcheint die Einführung des land⸗ wirthſchaftlichen Genoſſenſchaftsweſens, insbeſondere zunächſt die Einführung von Con⸗ ſumvereinen. Fürfeld iſt bis jetzt von den auf dieſem Gebiete gemachten Fortſchritten völlig unberührt geblieben. Der Nutzen und die Vorzüge ſolcher Vereinigungen im Allgemeinen ſind von berufenſter Seite ſo oft und ausführlich beleuchtet worden, daß eine nochmalige Erörterung hier höchſt überflüſſig erſcheinen müßte. Es ſei uns nur erlaubt, darauf hinzuweiſen, wie gerade in dem abgelegenen Fürfeld ſolche Vereine am Platze wären, dem mächtigen Zwiſchenhandel gegenüber, ſowie gegenüber dem er⸗ ſchwerten Bezug vieler Bedürfniſſe. Vielfach wird jetzt als Mittel zur Beſſerung der landwirthſchaftlichen Verhält⸗ niſſe die Einführung des Molkereiweſens empfohlen. Unter gewiſſen Vorausſetzungen laſſen ſich gewiß durch Verarbeitung der Milch im Großen mit Maſchinen einige Vortheile erringen, ob dieſe Vortheile aber ſo durchſchlagender Art ſind, daß ſich darauf die Hoffnung auf Beſſerung der landwirthſchaftlichen Verhältniſſe im Allge⸗ meinen gründen läßt, bezweifeln wir. Nur unter Vorausſetzungen, die für Fürfeld nicht zutreffen, würden wir die Einführung des neuen Verfahrens dorten für berechtigt und lebensfähig halten. Wir beſchränken uns daher darauf, unſere Anſicht dahin auszuſprechen: von der Einführung des Molkereiweſens ſind für die mittleren und kleineren Landwirthe weſentliche Vortheile nicht zu erhoffen und es erſcheint zweckmäßiger, das Augenmerk auf Verbeſſerung der alten Methode, reſp. auf Beſeitigung der derſelben noch an⸗ haftenden Mängel zu richten. Unter denjenigen Maßregeln, welche nothwendig ſind, jedoch außerhalb des Be⸗ reiches der Selbſthülfe liegen, nennen wir in erſter Reihe den Weiterbeſtand land⸗ wirthſchaftlicher Schutzzölle in angemeſſener Höhe. Der Commiſſär hat ſeine perſön⸗ lichen Anſichten in dieſer Frage unter Frage IX ausführlicher dargelegt. Hiernach ſollen dieſe Zölle in der Hauptſache dazu da ſein, der vaterländiſchen Landwirthſchaft als Compenſation zu dienen, für die in der Macht der Verhältniſſe liegende Ueber⸗ legenheit ausländiſcher Productionsgebiete. Dieſe Zölle ſind in jüngſter Zeit erhöht worden und halten wir damit den ſoeben ausgeſprochenen Zweck unter gegenwärtigen Verhältniſſen für erreicht. Ein Theil der Mitglieder der Commiſſion war in dieſer Frage abweichender Anſicht und erblickt keinen Nutzen für die Landwirthſchaft in den Zöllen. Die Verbeſſerung des landwirthſchaftlichen Creditweſens durch Gründung einer landwirthſchaftlichen Landes⸗Creditbank würde von hohem Nutzen ſein und manche bedrohte Exiſtenz von dem Untergange retten. Bei einer äußerſt beſcheidenen Boden⸗ — 33— rente kann die Landwirthſchaft gewiß keine hohen Zinſen bezahlen. Den Beſtrebungen, den Landwirthen nach Möglichkeit billiges Geld zu verſchaffen, iſt deßhalb der beſte Erfolg zu wünſchen. Leider aber dürfte einer allgemeinen, ausgebreiteten und ſegens⸗ reichen Wirkſamkeit einer von Staatswegen zu gründenden Anſtalt dieſer Art, der Umſtand ſehr hinderlich ſein, daß es wohl ſchwerlich möglich ſein wird, den Credit⸗ ſuchenden in discreter Weiſe Darlehen zu gewähren. Welch ſchwerwiegende Bedeutung aber dieſer Umſtand hat, iſt unter Frage VI bereits ausgeführt worden. Auch ſo⸗ lange die Landwirthe, wie dies namentlich bei den kleineren und mittleren Bauern der Fall iſt, nicht kaufmänniſch rechnen und genan Buch führen, wird das Credit⸗ nehmen für ſie ſtets eine ſehr precäre Sache ſein, da den Wechſelfällen des land⸗ wirthſchaftlichen Betriebes, Mißernten ꝛc. und der geringen Bodenrente, ſtets eine conſtante Verzinſung ihrer Schulden gegenüberſteht, welche wie ein Damoklesſchwert über ihrem Haupte ſchwebt. Jeder Anreiz dazu und jede Erleichterung des Credit⸗ nehmens hat daher nach dieſer Richtung hin auch wieder ihre Bedenken. Ein ge⸗ fährliches Experiment, das viele mittlere und kleine Landwirthe machen und daran zu Grunde gehen und das in der übertriebenen Sucht nach Vergrößerung ihres Areals wurzelt, iſt der Zukauf von Grundſtücken zu hohen Preiſen, wozu ſie ſich dann die Mittel durch Aufnahme einer Schuld verſchaffen. Solche Leute ſteigern oder kaufen oft zu unſinnigen Preiſen Grundſtücke an, zu deren Bezahlung reſp. Verzinſung ſie dann das Doppelte und Dreifache der Bodenrente aufbringen müſſen. Daß ſich bei ſolchen Rechenmeiſtern nachher erſchreckende Deficits ergeben, iſt leicht vorauszuſehen. Viel zweckentſprechender würde es erſcheinen, das Areal nicht auf Koſten des Be⸗ triebscapitals zu vergrößern, vielmehr intenſiver zu wirthſchaften und das erforder⸗ liche Betriebscapital aus eigenen Mitteln zu entnehmen. Mit anderen Worten: Beſſer etwas weniger Ackerfläche und dieſe ausgiebig bewirthſchaften, als mehr Aecker, aber Mangel an Betriebscapital und Schulden! Dies erſcheint insbeſondere für die mittleren und kleinen Beſitzer beherzigenswerth, während für größere Güter mit arrondirtem Beſitz und genauer Buchführung ein mäßiger Procentſatz Schulden weniger gewagt erſcheint, da hier ſofort die Grenze genau erkannt werden wird, bis zu welcher gegangen werden darf. Trotz dieſer Bedenken, welche wir nicht verſchweigen zu dürfen glaubten, halten wir die Schaffung einer ſtaatlichen Einrichtung, durch die der Landwirthſchaft billiges Geld verſchafft werden könnte, für äußerſt nützlich und ſegensreich, für einen der mächtigſten Hebel, mit denen der Staat überhaupt eingreifen kann. Sowohl Denjenigen, welche nun einmal bis zu einem bedrohlichen Grade verſchuldet ſind, ſowie Den⸗ jenigen, welche durch die unvermeidlichen Wechſelfälle des landwirthſchaftlichen Be⸗ triebes unvermuthet in Geldverlegenheit gerathen, iſt dadurch ein Weg eröffnet, auf dem ſie ſich vor gewiſſenloſer Ausbeutung ſchützen können. Wäre es möglich, eine ſolche Anſtalt derartig zu organiſiren, daß ſie in der landwirthſchaftlichen Bevöl⸗ kerung, insbeſondere bei den Mittel⸗ und Kleinbauern ſich allgemein Eingang zu ver⸗ ſchaffen vermöchte, ſo wäre eine Art landwirthſchaftliche Exiſtenzverſicherung im beſt⸗ möglichen Sinne erreicht. Wie aus der Beantwortung der Frage VI erſichtlich, werden für alle einge⸗ ſchriebenen Forderungen in Fürfeld durchweg 5 pCt. Zinſen bezahlt. Wäre es mög⸗ lich, den Zinsfuß auf 4 oder 3 ½ pCt. herabzudrücken, was unter gegenwärtigen Conjuncturen ganz gut angenommen werden kann, ſo würde bei den 105,279 Mk. Hypotheken eine jährliche Zinſenerſparniß von 1052 bezw. 1577 Mk. eintreten. Auch die rückſtändigen Kaufſchillingſchulden könnten durch Umwandlung auf dieſes Niveau herabgeſetzt werden, wodurch eine jährliche Entlaſtung dieſer einen Gemeinde bis zum Betrage von 2500 Mk. und mehr möglich wäre. Solche Zahlen ſprechen ſehr deutlich. Es drängt ſich hier ſchließlich noch die Frage auf, ob nicht vielleicht die För⸗ derung und weitere Ausbreitung der Darlehenskaſſen ein beſſeres Mittel zur Erreichung des vorgeſteckten Zieles ſei, und daß alſo dieſer Punkt in das Capitel der Selbſt⸗ hülfe verwieſen werden könnte. Wir glauben, daß das Eine das Andere nicht aus⸗ ſchließt und daß da, wo die Vorbedingungen zur Gründung von Darlehenskaſſen vorhanden ſind, dieſem Wege ſogar der Vorzug zu geben ſei, ſchon deßhalb, weil hier eine Verunterpfändung von Immobilien in Wegfall kommt. Doch ſind dieſe Vor⸗ bedingungen ſehr häufig nicht vorhanden und hier müßte die Staatsanſtalt die Lücke ausfüllen. Wo untigennützige, thätige und energiſche Männer ſich vorfinden, um die Leitung der Darlehenskaſſe zu übernehmen, wo unſaubere Elemente ſtreng fern ge⸗ halten werden, da wird auch die Solidarhaft nicht verhängnißvoll werden, wo dieſe Vorausſetzungen jedoch nicht vorhanden ſind, da kann ſie ſehr üble Folgen haben. Eine Concurrenz einer ſtaatlichen landwirthſchaftlichen Credit⸗Anſtalt gegen die be⸗ ſtehenden und ſich bewährenden Darlehenskaſſen, wäre wohl ſicherlich nicht zu fürchten, da eine ſolche Anſtalt doch nur in der Weiſe gedacht werden kann, daß ſie nach Maß⸗ gabe der jeweiligen günſtigſten Conjuncturen des Geldmarktes arbeitet und der Staat dabei keine Subventionen zu leiſten hat. Die Zuſammenlegung der Grundſtücke iſt zwar für Fürfeld keine brennende Frage, da, wie aus den Erhebungen hervorgeht, keine übergroße Zerſplitterung vor⸗ handen iſt, auch die Grundſtücke meiſtens durch Wege zugänglich ſind. Doch könnten auch ſelbſt unter den obwaltenden Verhältniſſen noch bedeutende Vortheile erzielt werden. Durch Verminderung der Grenzfurchen könnte an nutzbarer Fläche gewonnen werden, die Wegeanlagen könnten zweckmäßiger eingerichtet und die Bebauung der Felder erleichtert werden. Die Einführung des Maſchinenbetriebes würde in vielen Fällen möglich werden, wo er ſich vorerſt noch verbietet,— kurz alle Vortheile, welche die Zuſammenlegung bietet, kämen den Grundbeſitzern zu gut. Der erſchwerte, ja zu manchen Zeiten oft ganz unmöglich gemachte Abſatz der wichtigſten landwirthſchaftlichen Erzeugniſſe, muß nothwendigerweiſe auch die Aufmerk⸗ ſamkeit lenken auf den Nutzen, den eine Bahnverbindung in dieſer Beziehung gewährt. Steht es ſchon richtig und findet allgemein Beſtätigung, daß die wichtigſten landwirth⸗ ſchaftlichen Erzeugniſſe oft ſchwer⸗ oder ganz unverkäuflich ſind, in den dem großen Verkehr erſchloſſenen Gegenden, ſo muß ohne Zweifel dieſes Uebel um ſo drückender — 35— auf ſolchen Gegenden laſten, welche bei Anlegung der großen Verkehrsſtraßen der Jetzt⸗ zeit, der Eiſenbahnen, ſtiefmütterlich weggekommen ſind. Hier iſt die Nachfrage natur⸗ gemäß noch mehr abgeſchwächt und Diejenigen, welche unbedingt verkaufen wollen oder müſſen, ſind auf Gnade und Ungnade dem Zwiſchenhändler preisgegeben. Dieſe Zuſtände ſind in Frage IX ausführlicher dargelegt. Dem ſteht als weiterer Nach⸗ theil zur Seite der erſchwerte und vertheuerte Bezug der einzukaufenden Bedürfniſſe. Beide Umſtände, welche in gleicher Weiſe das Gedeihen und die Exiſtenzbedingungen ſolcher Gegenden ungünſtig beeinfluſſen, müſſen zum wirthſchaftlichen Rückgang der⸗ ſelben im harten Concurrenzkampf des Lebens weſentlich beitragen. Die Aufſchließung derſelben durch Erbauung von Secundärbahnen müßte, gleichwie der Geſammtbevölke⸗ rung, ſo auch insbeſondere der Landwirthſchaft recht ſehr zu ſtatten kommen. Ueber die Höhe der Koſten beim Beſitzwechſel in Immobilien wurden vielfach Klagen laut. Eine Herabſetzung derſelben in ein gerechteres Verhältniß zu dem Wechſel in mobilen Werthen wäre erwünſcht. Vielfach wird auch als Grund für den Rückgang des bäuerlichen Wohlſtandes Luxus, Genußſucht und Wohlleben angeführt. Dieſen Gründen kann im Allgemeinen eine gewiſſe Berechtigung nicht abgeſprochen werden, doch treffen ſie für Fürfeld nicht beſonders zu. Die Bevölkerung im Ganzen lebt einfach und anſpruchslos und über⸗ triebener Luxus iſt nicht bemerkbar. Die landwirthſchaftliche Bevölkerung in Fürfeld hat in dieſer Beziehung kaum gleichen Schritt gehalten mit den mehr und mehr ge⸗ ſteigerten Lebensanſprüchen anderer Berufsſtände. Dagegen glauben wir eine andere ſtark verbreitete Unſitte nicht mit Stillſchweigen übergehen zu ſollen, nämlich die Streit⸗ und Proceßſucht. Der Ort genießt darin kein günſtiges Renommée. Dieſer Punkt mag wohl auch den Wohlſtand in der Gemeinde ungünſtig beeinfluſſen. Es wäre ſehr von Nutzen, wenn eine friedlichere Stimmung in der Gemeinde Platz greifen würde und die Erkenntniß ihrer wohlthätigen Wirkungen. Der Berathung über gegenwärtigen Bericht, welche heute hier ſtatthatte, haben außer den Unterzeichneten beigewohnt: der Großherzogliche Kreisrath des Kreiſes Alzey Herr Wolf, das Kreisausſchußmitglied Herr Haag, der Großherzogliche Bürger⸗ meiſter von Fürfeld und 3 Mitglieder des dortigen Gemeinderaths. Fürfeld, den 10. October 1885. Jaup, Geheimerath. Weidenhammer, Landesöconomierath. H. Michel. Anlage I. Gemeinde Fürfeld. Beſitzſtand, Natural⸗ und Geld⸗Rechnung und Rentabilitäts⸗Berechnung eines mittleren Bauerngutes von 9,96 Hectar. Der Beſitzer iſt verheirathet, 69 Jahre alt, Vater von 7 Kindern, hiervon 4 Söhne und 3 Töchter. 2 Söhne von 25 und 23 Jahren helfen in der Wirthſchaft, die beiden andern ſind nach Amerika ausgewandert, die Töchter ſind verheirathet. Es wird noch eine Magd gehalten. Im Ganzen beſteht alſo die Familie aus 5 Perſonen(3 Männer und 2 Frauen), welche ihre Kräfte dem landwirthſchaftlichen Betriebe widmen. I. Beſitzſtand. A. Grund und Boden mit Obſtbäumen(Grundcapital). 9,26 Hect ckerl 0,30 He in Vemd mittlerer Kaufwerth: Steuercapital incl. Gebäude: 0,40„ Weinberge 34030 Mk. 161 fl. (in 31 Parcellen.) Obſtbäume: 12 größere Aepfelbäume à Mk. 18... Mk. 216 22„ Birnbäume à Mk. 15„ 330 4 jüngere Obſtbäume à Mk. 2....„ 8 15 meiſtens junge Zwetſchenbäume à Mk. 2„ 30 Summe. Mk. 584 — 37— Wiederholung: Grund und Voden....... Mk. 34030 Obſtbäume.....„ 584 Mk. 34614 B. Gebäude. Eine Hofraithe, beſtehend aus Wohnhaus, Sünmg, Ethene und Schuppen, laut Brandkataſter....„ 5350 C. Viehſtand. 2 Pferde(12 und 14 Jahre alt)..... Mk. 500 4 Kühe à Mk. 280....„ 1120 2 Stück Jungvieh(1 Rind, 1 Kalb).„ 230 3 junge Schweine à Mk. 18....„ 54 16 Stück Geflügel(13 Fücne à Mk. 1, 3 Ginſe 3 Mk. 3)....„ 22 --„ 1226 D. Todtes Inventar. — 1 zweiſpänner Wagen mit Zubehör.... Mk. 200 3 Pflüge und 3 Eggen.........„ 120 Fahrgeſchirr für 2 Pferde........„ 60 1 Windmühle..........„„ 25 1 Kelter und Birnmühle........„ 150 Faß⸗ und Bandgeſchirr...„ 144 Handgeräthe incl. Säcke und Siebe....„ 25 Hausrath incl. Kochgeſchirr.......„ 80 „ 804 E. Vorrath an umlaufendem Betriebscapital ſiehe Rentabilitätsberechnung.......„ 612 Werth des wamten Beſibes.. Mk. 42806 Inventar der engeren Familienwohnung Mk. 1000. II. Natural-Rechnung. A. Natural⸗Ertrag. Der Anbau der Früchte und der Natural⸗Ertrag derſelben ſtellen ſich hiernach Aus dem Acker⸗, Wieſen⸗ und Weinbau. durchſchnittlich wie folgt: Getreide 2 2 5 2 ½ 33 2 Anban 115 S S55 55 Cenner. Hectol. Lum.. 17,15 Hect 5) 110 m24 Hafer. 4 7„[31 31 27 Weizen.... 1,00„ 34 58 4 Gerſte.. K. 416 7 1,62„ 59 55 7 Kartoffeln.. 0,98„—— 220 Wühenie 0,75„———[450 92 Klee.. 2,19„————[220 Wicken oder rrsfütet(0,18 4—-—— V[20 Wieſen. 0,30„-——————[36 95 Obſt...————— 32 Weinberg. 0,39, Hect.—J— 1——=ä—— 19 Brache. 50„—-———— Der Durchſchnittserträg berechnet ſich pro ¼ Hectar wie folgt: bei Korn auf 10,60 Ctr. Körner, 23,30 Ctr. Stroh, 2 Hafer 2 8,90 2 2 8,90 2/ 1 Weizen 1 8,50 1 1 14,50 1 1 2 Gerſte 2 9,10 II 2 8,43 2 IT „Kartoffeln„ 55,10„ Knvollen(geſunde), „ Rüben„ 150,—„ Rüben, , dis., 2,1„ Heuwerth, 1 icken 2 2) 2 2 „ Wieſen„ 30,—„ Heu und Grummet, „ Wein„ 12,18 Hectoliter Wein. Aus dem Viehſtand. Milch. Durchſchnittlich im Jahr pro Kuh 2000 Liter, pro Tag und Kuh 5,5 Liter, im Ganzen alſo 8000 Liter. Rindvieh. Durchſchnittlich wird alle Jahr eine Kuh verkauft und innerhalb 1 Jahr treten 3 Kälber zu, von denen im Durchſchnitt jedes Jahr 2 Stück verkauft werden. Schweine. 3 Maſtſchweine mit durchſchnittlich zuſammen 675 Pfund Schlacht⸗ gewicht, welche als Ferkel angekauft wurden. Geflügel. Durchſchnittlich 1200 Eier und 4 Stück junges Geflügel. B. Natural⸗Bedarf. Für Saatgut: Korn 1,18 Hectar...... 4 Ctr. 50 Pfd. Hafer 0,87„..... 2„—„ — 39— Weizen 1,00 Heckar.... 4 Ctr.— Pfd. Gerſte 4,62„.... 5„ 5 o Kartoffeln 0,98„..... 25„„ Rüben 0,75„.....=„.„ Klee 2,19„(Eſparſette) 4 2„ „(Luzerne und Rothklee).... ⸗ 28„ Wicken 0,18 Hectar.....—„ 70„ Für den Viehſtand: Korn............ 2 Ctr.— Pfd. Hafer......... 99„* ⸗ Gerſte........... 4„ 25 Kartoffeln........ 165„„ Rüben......350„„ Klee(in Heuwerth) 220 5 Wicken(in Heuwerth)...... 20„„ Wieſenheu und Grummet..... 36„—„ Stroh... 284„„ Roggenkleie, vom eigenen ꝛiadiuu 5 6„ 20„ Kleie, gekauft...... 6„„ Rapakuchen........ 4„=„ Milch........... 320 Liter Der Werth der für den Viehſtand verwendeten Podneir beträgt in runder Summe annähernd... Ml. 2500 Der Werth der ielten noodue terchue is in runder Summe annähernd auf... 12„ 19550 Es würden demnach für die Koſten der verwendeten Pdnet noch durch den Stallmiſt zu decken ſein..... Mt. 950 Die Stallmiſtproduction iſt annähernd auf 1700 Gentner zu ſchäben, ſo daß der Centner auf etwa 56 Pf. zu ſtehen kommt, wozu noch die Koſten für Zinſen, Ver⸗ pflegung ꝛc. des Viehſtandes treten. Für die Familie. Roggen.... 24 Centner Weizen(als Mehl zubetu...... 4„ Kartbffeln.......... 30„ Fleiſch... 450 Pfund (Hiervon ca. 360 Pfund ſelbſtproducirtes Schweinefleiſch, incl. Wurſt, exel. Schmalz und 90 Pfund zugekauftes Rindfleiſch) Butter............ 70 Pfund Schmalz......... 30„ Kaffee............. 26„ ncker.......... 25„ Salz........ 140„ Milch.......... 750 Liter Obſtwein........... 640„ Wein........... 320„ Eter........... 74750 Stück 400 Stück Handkäſe, 22 Töpfe Latwerge, Ge⸗ müſe ꝛc. Es berechnet ſich demnach der Verbrauch der 5 Perſonen ſtarken Familie pro Kopf und Tag auf rund ungefähr: 767 Gramm Getreide reſp. Mehl 500 Gramm, 822„ Kartoffeln, 124„ Fleiſch, 19„ Butter, 9„ Schmalz 7„ Kaffee, 7„ Zuckher, 38 2 Salz, 0,41 Liter Milch, 8 0,35„ Obſtwein, 0,16„ Meinl, Käſe, Eier, Gemüſe, Latwerge ꝛc. Der Werth der verbrauchten Lebensmittel beträgt annähernd jährlich Mk. 1200 und täglich ca. Mk. 3,30, oder pro Kopf und Tag ca. 60 Pfg. Die Lebensweiſe der Familie iſt folgende: Erſtes Frühſtück: Kaffee, Butter und Schmierkäſe oder Latwerge. Zweites Frühſtück: Brod und Käſe, zuweilen etwas Wurſt und Obſtwein. Mittageſſen: Suppe, Gemüſe und Fleiſch, gewöhnlich geſalzenes Schweine⸗ fleiſch. Vesperbrod: Kaffee und Latwerge, Käſe ꝛc, oder etwas Wein oder Obſt⸗ wein anſtatt Kaffee. Abendbrod: Kartoffeln oder eine Kartoffelſpeiſe, Brod, Eier ꝛc. III. Geld-Rechnung. A. Einnahmen. 1 20 Ctr. Korn 3 Ml. 8,80... Nk. 176, 30„ Weizen à Mk. 10,70........„ 321,— zu übertragen. Mk. 497,— Uebertrag. Ml. 497/ 49„ Gerſte Ml 8,60...........„ 421,40 50 Pfd. Noihkleeſamen.............„ 22,10 200„ Butter à Mk. 1............„ 200,— 4 Ctr. Aepfel à Mk. 3,50..„ 14,— (das übrige Obſt wird in der danshaltun berurnuc Vieh: Alle Jahre 1 fette Kuh.....„ 250,— 5„ 2 Kälber............„ 60,— 1 Maſtſchwein............„ 100,— 750 Stück Eier à 6 Pf..............„ 45,— 4„ junges Geflügel............„ 3,— 15,50 Hectoliter Wein à Mk. 25..„ 387,50 (ca. ½ Hectoliter wird als Füllwein veröraucht) Summe Mk. 2000,— B. Ausgaben. Steuern und Umlagen: Grund⸗, Gebäude⸗ und Staatseinkommenſteuern Mk. 80,16 Gemeindeumlagen und Einkommenſteuern..„ 55,44 Mk. 135,60 Geſinde⸗ und Taglöhne: 1 Magd....... Mt. 70,— 1 Mann 40 Tage à Mk 1...„ 40,— 1 Frau 20 Tage à Mk. 0,80......„ 16,— —-„ 126,— Unterhaltung der Gebäude: Wirkliche Ausgabe.............„ 50,— Unterhaltung des todten Inventars: Wirkliche Ausgaben: dem Wagher........ Mt. 20,— dem Schmied.........„ 50,— dem Sattler......„ 10,— für Hausrath und Handgeräthe...„ 15,— 200 Pfähle zum Ausbeſſern der Weinberge„ 8,80 —„ 103,830 Inventar der engeren Familienwohnung..........„ 25,— Verſicherungs⸗Prämien: Für Gebäude 0,1 pCt......... Ml. 5,35 Für Inventar und Producte......„ 11,20 —„ 16,55 zu übertragen.. Mk. 456,95 Uebertrag.. Mk. 456,95 Zukauf von Vieh: Alle 6 Jahre 1 Pferd à Mk. 600 oder 15 uhi Mk. 100,— 3 Ferkel Mk. 18..„ 54,— „ 154,— Zukauf von Kraftfutter: 6 Ctr. Kleie à. Ml. 6...... Mk. 36, 4„ RNapakuchen à Ml. 7,560.....„ 30,— Heizung und Beleuchtung: 3 Holz............ Mk. 34,— 40 Ctr. Steinkohlen.„ 28,— Petroleum, Streichhölzer ꝛec........„ 24,— 5 Zukauf von Nahrungsmittel: 400 Pfd. Weizenmehl.... Ml. 92,— 90„ Rindfleiſch à 60 Pf.....„ 54,— 26„ Kaffee, 25 Pfd. Zucker, Salz 2 20.„ 55,20 —„ 109,20 “ Vekleidung....„ 300,— Arzt und Apotheke............„ 10,— Thierarzt...............„ 3,— Verſchiedenes.......H 11,35 Summa. Mk. 1196,50 C. Vergleichung der Geld⸗Einnahmen und Geld⸗Ausgaben. Die Einnahmen betrugen... Mk. 2000,— Die Ausgaben betrugen....„ 1196,50 Bleibt Ueberſchuß.. Mr. 805,50 IV. Rentabilitäts-Berechnung. A. Rohertrag (excl. der für die Production in der Wirthſchaft verwendeten Producte.) Erlös aus verkauften Producten(ſ. oben)..... Mk. 2000,— Werth der für die niln n aus der an gſihaltt entnommenen Producte.. 2 1000,— Summa.. Mr. 3000,— — 13— B. Productionskoſten. 1. Gebäudecapital: Zinſen von Mk. 5350 3. 4 pGt.... Ml. 214,— Verſicherungsprämie 0,10 pGt.....„ 5,35 Abnutzung(Amortiſation) 0,75 pot. 33„ 40,12 Inſtandhaltung..„ 50,— Mk. 309,47 4 2. Capital des lebenden Inventars: Zinſen von Mk. 1426 à 4 pCt.... Mk. 57,04 Verſicherungsprämie 2 pCt......„ 28,52 Jährlicher Zukauf von 3 Ferkeln...„ 54,— -„ 139,56 3. Capital des todten Inventars: Zinſen von Mk. 804 à 4 pCt..... Mk. 32,16 Verſicherungsprämie 0,10 pCt...„—,80 Erneuerung und Inſtandhaltung, wirkliche Ausgabe...„ 103,80 --ͤ i„ 136,76 4. Zinſen des umlaufenden Betriebscapitals. Letzteres beträgt 50 pCt. der jährlichen baaren Ausgaben= Mk. 612,50 à 6 pCt.„ 36,75 5. Feuerverſicherung der Producte 0,10 pGCt........„ 3,— 6. Steuern und Umlagen.............„ 125, 7. Kraftfutter....„ 66,— 8. Heizung und Beleuchtung, 25 pöt. ber oeſunten aarane 95 pCt. werden auf die Familie gerechnet).....„ 21,50 v 7 3,— 10. Arbeitslöhne: Für Taglöhner...... M. 56,— Für die Magd incl. Koſt..„ 270,— Lohn für die 4 Perſonen der Familie: für den Beſitzer und deie Frau... Mk. 600 für die beiden Söhne„ 38300 „ 1400,— —„ 1726, 12. Verſchiedenes...............„ 32,96 Summa Mk. 2600,— — 44— C. Reinertrag. Der Rohertrag betrug.... Mk. 3000 Die Productionskoſten betragSen..„ 2600 Bleibt Reinertrag.. Mk. 400 Rechnet man den Werth der freien Wohnung mit Mk. 100, ſo ſteigert ſich der Reinertrag auf Mk. 500. Das Grundcapital iſt incl. Obſtbäume eingeſchätzt auf Mk. 34614. Hiervon Mk. 500 Zins, beträgt der Zins des Grundcapitals(Grundrente) nebſt Unternehmer⸗ gewinn rund 1,45 pCt. AARARARQARQARAQARÜQRQÜRAQRQKRQK’RQKRK’AP’P’PD’OOQ; Anlage II. Gemeinde Fürfeld. Beſitzſtand, Natural⸗ und Geld⸗Rechnung und Rentabilitäts⸗Berechnung eines kleineren Vauerngütchens von 4,77 Hectar. Der Beſitzer iſt verheirathet, 65 Jahre alt, hat keine Kinder und außer ſeiner Frau noch eine Magd, die in der Wirthſchaft mithilft. Die Familie beſteht alſo im Ganzen aus 3 Perſonen, welche ihre Arbeitskraf dem Betriebe der Wirthſchaft widmen. 3 A I. Beſitzſtand. A. Grund und Boden mit Obſtbäumen(Grundcapital). 4,65 Hectar Ackerland nittlerer Kaufwerth: Steuercapital inel. Gebäude: 0,12„ Weinberge 14950 Mk. 103,7 fl. (in 26 Parcellen.) 1 Obſtbäume: 6 größere Aepfelbäume à Mk. 20.... Mk. 120 6„ Birnbäulte à. Ml. 15....„ 90 14 Zwetſchenbäume à Mk. 2......„ 28 Summe Mk. 238 Wiederholung. Grund und Boden........ Mk. 14950 Obſtbäume.........„ 238 — Mk. 15188 zu übertrag8en.. Mk. 15188 Uebertrag. Mk. 15188 B. Gebäude. Ein Wohnhaus mit Stallung und Scheuer, laut Brandcataſter„ 4750 „ C. Viehſtand. 3 Hühe* Mk. 2350......Ml. 750 KaA J. 1 Rinud.......„ 60 læ. lt 3 junge Schweine à Mt. 18„ 54 ſehe. 7 Huühner à Mk. 1......... 7 1 Schaf.. lI.........„ 33 — 904 D. Todtes Inventar. 1 zweiſpänniger Wagen mit Zubehür. Ml. 150 3 Pflüge und 2 Eggen........„ 100 Fahrgeſchirr für Rindbieh........„ 12 1 Schrotmühle.........„ 6 1 Pflugkärrchen.„ 15 Faß⸗ und Pand⸗Geſchirr.......„ 120 6 Handgeräthe inel. Säcke.....„ 25 Hausrath incl. Kuiharſchin.....„ 80 1 Kolter...„ 40 —„ 548 E. Vorrath an umlaufendem Betriebscapital 5 ſiehe Rentabilitätsberechnung....„ 475 Werth des veirnuen Beſitzes Mklk. 21865 Inventar der engeren Familienwohnung Mk. 800. II. Natural-Rechnung. A. Natural⸗Ertrag. Aus dem Acker⸗ und Wieſenbau. Der Anbau der Früchte und der Natural⸗Ertrag derſelben ſtellen ſich durch⸗ ſchnittlich wie folgt: Getreide[z 2 8 — 2S Anbau=3[asasaas 8 S[ ſs 5 Centuer. Hectol. Korn...... 0,87 Hectar 24 70 Le 5⸗ Hafer. 0,37„ 11 12 1. 2 Weizen..... 0,53„ 17 37¾ 2e) Gerſte.. 5,3 1,00„ 28 24 Ba³s Kartoffeln.... 0,50„—— 1120 3 Rübenn.....9,47ſ O,41„—— 1180 Glee..... 0,53„-— 60 Wicken(grün gefüttert). 0,11„—=SI112 Obſt.....—72220 Weinberg. 0,13 Hectaxr———— N=N—INZ8 Brache.. 0,20„——===— Der Durchſchnittsertrag berechnet ſich annähernd pro ¼ Hectar wie folgt: bei Korn auf 6,90 Ctr. Körner, 20,12 Ctr. Stroh, / Hafer 2 7,43 2 I/ 8,11 2 II 11 Weizen 1 8,02 11 11 17,45 1 2 1 Gerſte 11 6,60 11 11 5,66 1 11 „ Kartoffeln„ 53,57„ Knollen(geſund) „ Rüben„ 110„ Rüben „ Klee„ 28,30„ Heuwerth „ Wicken„ 27,27„„ „ Wein„ 15,38 Hectoliter. Aus dem Viehſtand. Milch. Durchſchnittlich im Jahre pro Kuh 2200 Liter, pro Tag und Kuh ca. f 6 Liter, im Ganzen 6600 Liter. Rindvieh. Durchſchnittlich wird alle 2 Jahre eine fette Kuh überzählig und innerhalb 2 Jahren treten 3 bis 4 Kälber zu, von denen im Durchſchnitt jedes Jahr ein Kalb verkauft wird. Schweine. 3 Maſtſchweine mit durchſchnittlich 180 bis 200 Pfd. Schlachtgewicht, wovon 1 verkauft wird. Geflügel. Circa 630 Eier. B. Natural⸗Bedarf. Für Saatgut. Korn 0,87 Hectar..... 3 Ctr. 50 Pfd. Hafer 0,37„..... 1„—„ Weizen 0,53„..... 2„„ Gerſte 1,06 Hectar 3 Ctr. 50 Pfd Kartoffeln 0,56„ 1„ 5 Rüben 0,41„....—„ 4„ Klee 0,53 2(Eſparſette) 1„ „ Luzerne und RNothklee....—„ 4„ Wicken 0,11 Heckuarrr—„ 45„ Für den Viehſtand. Kor........ 4 Ctr. 50 Pfd. Hafer.......... 4„„ Gerſte... 3„ 50„ Kartoffeli......... 80„„ Rüben..180„=„ Klee(meiſtens grün gefüttert). 60„„ Wicken(ſogen. Grasfutter, grün eiüer. 12„„ Stroh.... 143„—„ Kleien von eigenem Mahlgut.... 4„ 80„ „ gelauſft. 3„=„ Rapskuchen, 350 Stück à 2 vſp.. 7„„ Lanbſtren... 35—„ Milch, großentheils abgerahmt... 2190 Liter. Der Werth der für den Viehſtand verwendeten Zar diri beträgt in runder Summe annähernd....... Mk. 1300 Der Werth der itliim ooduas terchue ſ in runder Summe annähernd auf...„ 900 Es würden demnach für die Koſte der verwendeten Pruiudt durch den Stallmiſt noch zu decken ſein..... Mtk. 400 Die Stallmiſtproduction iſt annähernd auf 800 Centner zu ſchätzen, ſo daß der Centner auf etwa 50 Pfennig zu ſtehen kommt, wozu noch die Koſten für Zinſen, Verpflegung ꝛc. des Viehſtandes treten. Für die Familie: Noggen... 16 Ctr. Weizen(als Mehl vaauf)“ 4„ Kartoffeln..... 25„ Fleiſch.. 375 Pfd. (hiervon 350 Pfd. von 2 felbſt gemäſteten Schweinen und 25 n dindiaich, à 60 9 33) Butter... 70„ Schmalz........... 21„ — 49— Kaffee 26 Pfd. Zucker 20„ Salz 80„ Milch. 730 Liter Obſtwein 300„ Wein..... 160„ (40 Liter als Füllwein verbraucht) Eier..... 300 Stück Käſe. 140 Pfd. Latwerge 40 Liter Gemüſe ꝛc. Es berechnet ſich hiernach der Verbrauch der Familie pro Kopf und Tag auf rund ungefähr: 913 Gramm Getreide reſp. 594 Gramm Mehl, 1140„ Kartoffeln, 170„ Fleiſch, 32 3 Butter, 10„ Schmalz, 12„ Kaffee, 10„ Zucker, 36 5 Salz, 0,66 Liter Milch. 0,42„ Wein und Obſtwein, Käſe, Eier, Gemüſe ꝛc. Der Werth der verbrauchten Nahrungsmittel beträgt annähernd jährlich Mk. 1050 und täglich Mk. 3, oder pro Kopf und Tag Mk. 1. Hierbei iſt das verbrauchte Getreide⸗ und Kartoffelquantum voll in Anſatz ge⸗ bracht, während in Wirklichkeit nur das verbrauchte Mehl und die zubereiteten Kar⸗ toffeln von der Familie genoſſen wurden, alle Abfälle aber, Kleie, Kartoffelſchalen ꝛc. für den Viehſtand Verwendung fanden. In Berückſichtigung dieſer Verhältniſſe kann der thatſächliche Verbrauch an menſchlichen Nahrungsmitteln auf jährlich Mk. 990 und täglich Mk. 2,71 angenommen werden. Die Lebensweiſe der Familie iſt folgende: Erſtes Frühſtück: Kaffee, Brod mit Butter, Käſe oder Latwerge. Zweites Frühſtück: Ein Glas Obſtwein mit Brod und Handkäſe. Mittageſſen: Suppe, Gemüſe und Fleiſch. Vesperbrod: Kaffee mit Brod, Latwerge und Schmierkäſe. Abendbrod: Kartoffeln und Milch, zuweilen Käſe und Butter. A. Einnahmen. 15 Ctr. Weizen à Mk. 10,70. 16„ Gerſte à Mk. 8,60 6„ Hafer à Mk. 7,60.. 150 Pfd. Butter à Mk. 1... Vieh: Alle 3 Jahre 1 fette Kuh à Mk. 300, pro Jahr „ 2„ 1 Rind„„ 150 „ 2„ 3 Kälber„„ 90 1 Maſtſchwein.. 6 Ctr. Obſt à Mk. 3.. 6 Hectoliter Wein à Mk. 25 Für Eier. B. Ausgaben. Steuern und Umlagen: Grund⸗, Gebäude⸗ und Einkommenſteuer. Gemeinde⸗Umlagen und Einkommenſteuer. Unterhaltung der Gebäude: Wirkliche Ausgaben Unterhaltung des todten Inventars: Wirkliche Ausgabe: dem Wagner. dem Schmied. dem Sattler......... 100 Pfähle zum Ausbeſſern im Weinberg für Hausrath und Handgeräthe. Inventar der engeren Familienwohnung: Wirkliche Ausgabe. Verſicherungsprämie: Für Gebäude. Inventar und Producte Zukauf von Vieh: 3 Ferkel à Mk. 18. zu übertragen III. Geld-⸗Rechnung. I 2 Summa 72 I Nl. 970,— 57,36 35,82 7,60 7 Mk. II II II 2 Mk. 160,50 137,60 12,60 54,— 271,28 — ,— 29————.ä —,— — Uebertrag. Mk. 271,28 Zukauf von Kraftfutter: 3 Ctr. Kleie.......... Mk. 18, 7„ Napathchen.........„ 52,50 h 70,50 Laubſtren, 35 Gtr.................„ 17,50 Heizung und Beleuchtung: Holz............ Mk. 30,— Steinkohlen...=„ 30,— Petroleum und Streichhölzer.„ 18,— 23 7 1 Zukauf von Nahrungsmitteln: 4 Ctr. Weißmehl... Mrk. 92,— Fleiſch, 25 Pfd. Rindfleiſch à 6 60 Pfg....„ 15,— 26 Pfd. Kaffee à Mk. 1,20, 20 Pfd. Zucker à 40 Pf., 80 Pfd. Salz 3. 10 Pf...„ 47,20 —„ 154,20 Berleidung, Schuhe ec................„ 100,— Arzt und Apothele..............„ 10,— Thierarzt.......„ 3,— Jahreslohn der Magd(exel. au.....„ 100, Für Taglöhner......„ 120.— Verſchiedenes................... 7 10,52 Summe Mk. 935,— C. Vergleichung der Geld⸗Einnahmen und Geld⸗Ausgaben. Die Einnahmen betrugen..... Mk. 970,— Die Ausgaben betrugSen.....„ 935,— Bleibt Ueberſchuß.. Mk. 35,— IV. Rentabilitäts-Berechnung. A. Rohertrag. (exel. der für die Production in der Wirthſchaft wieder verwendeten Producte). Erlös aus verkauften Producten(ſ. oben)....... Mk. 970,— Werth der für die Familie aus der Baielgiehit entnommenen Producte(ſ. oben).......„ 900,— Summe Mk. 1870,— S 10. 11. 12. — 52— B. Productionskoſten. . Gebäudecapital: Zinſen von Mk. 4750 à 4 pCt.... Mk. 190,— Verſicherungsprämie 0,10 pCt..„ 4,75 Abnutzung(Amortiſation) 0,75 5 p„ 35,62 Inſtandhaltung....„ 35,— . Capital des lebenden Inventars: Zinſen von Mk. 904 à 4 pCt..... Mk. 36,16 Verſicherungsprämie 2 pCt......„ 18,08 Jährlicher Zukauf von 3 Ferkeln...„ 54,— .Capital des todten Inventars: Zinſen von Mk. 548 à 4 pCt..... Mk. 21,92 Verſicherungsprämie 0,1 pGt..... 3 0,55 Erneuerung und Iuſtandjaltum, wirkliche Ausgabe...„ 64,50 . Zinſen des umlaufenden Betriebscapitals. Letzteres beträgt 50 pCt. der jährlichen baaren Ausgaben= Mk. 475 à 6 pCt. Hagelverſicherungsprämie 0,75 pCt. vom Werthe der Getreide⸗ Ernte(Mk 900, iſt nicht verſichert, pegen geringer Geſahe) 3 à 0,75 pCt. Feuerverſicherung der Producte 0, 1 pCt. Steuern und Umlagen. Kraftfutter und Laubſtreu Heizung und Beleuchtung, 25 pCt. der Ggenmten Tuemmi (75 pCt. auf die Familie).... Arbeitslöhne: Lohn für den Beſitzer und ſeine Frau. Für die Wirthſchaft ſind etwa 400 Arbeits⸗ tage erforderlich(½ Männer⸗ und ½ Frauentage)..... Mk. 480,— Lohn für die Magd nebſt Batbſinnn..„ 300,— Für Taglöhner...„ 120,— Thierarzt. Verſchiedenes. Summe Mk. II 2 I/ 265,47 108,24 Mr. 1620,— — 339— C. Reinertrag. Der Rohertrag betrug.... Mk. 1870,— Die Productionskoſten ſind...„ 1620,— Bleibt Reinertrag.. Mk. 250,— Rechnet man hierzu den Werth der freien Wohnung für die Familie mit Mk. 80, ſo beträgt der Reinertrag Mk. 330. Das Grundcapital incl. Obſtbäume iſt eingeſchätzt auf Mk. 15188. Hiervon Mk. 330 Zins, beträgt der Zins des Grundcapitals(Grundrente) nebſt Unternehmer⸗ gewinn rund 2,20 pCt. ——— ſſͤſͤſ Bericht über die landwirthſchaftlichen Verhültniſſe der Gemeinde Guntersblum, Kreis Oppenheim, erſtattet von F. L. Hirſch in Alsheim. ——— AIllgemeines. Guntersblum, ein freundlicher, in dem Rheinthal gelegener Marktflecken, war bis zu dem Frieden von Lüneville eine Beſitzung, auch Reſidenz, der Grafen von Leiningen⸗Dachsburg. Von dieſer Zeit an zu Frankreich gehörend, wurde Gunters⸗ blum nach den Beſchlüſſen des Wiener Congreſſes dem Großherzogthum Heſſen zuge⸗ wieſen und nach kurzer proviſoriſcher Verwaltung im Jahr 1816 einverleibt. Der Ort, ſowie ein Theil der Gemarkung liegt in dem Rheinthal, der andere Theil auf der Höhe, grenzt im Oſten an den Rhein, wird von der Heſſiſchen Lud⸗ wigseiſenbahn durchſchnitten und durch den Rheindurchſtich in zwei Theile getheilt. Nach der letzten Volkszählung hat die Gemeinde 2116 Einwohner, hiervon ſind 1505 evangeliſcher, 345 katholiſcher, 60 verſchiedener Confeſſion und 106 Juden. Die Bevölkerung iſt im Allgemeinen eine ſtändige und ſeßhafte; Auswanderungen kommen immer vor, ohne aber überhand zu nehmen. Die Heirathen finden meiſtens innerhalb der Gemeinde ſtatt; bei Verheirathungen aus wohlhabenden Familien nach auswärts, werden die Güter großentheils von den Familiengliedern übernommen. Die Gemarkung hat einen Flächengehalt von 3031,27 Hectar in 8945 Parcellen; von dieſem Grundeigenthum ſind: 1382 Hectar Ackerland und Grabgärten, 563 Hectar Weiden und Wieſen, 161 Hectar Weinberg, 14 Hectar Hofraithen, 584 Hectar Wald und 327 Hectar unbeſteuerbare Fläche. 1 ¹⁶ Nach Abzug der auf Hofraithen, Wald und unbeſteuerbare Flächen entfallenden 925 Hectar, bleiben 2106 Hectar für den landwirthſchaftlichen Betrieb. Dieſes Grundeigenthum vertheilt ſich auf 1033 Beſitzer, von denen 548 Einwohner von Guntersblum und 485 Ausmärker ſind. Der Beſitz der Ausmärker hat, ohne den Wald, einen Flächengehalt von 775 Hectar und bleiben für die Bewohner von Gun⸗ tersblum 1331 Hectar, die nach der Größe des Beſitzes vertheilt ſind, wie folgt: weniger als 0,5 Hectar haben 244 Beſitzer, von 0,5 bis 1 Hectar 83 Beſitzer, von 1 bis 2 81, von 2 bis 5 63, von 5 bis 10 48, von 10 bis 20 20, von 20 und mehr 9 Beſitzer. Das Geſammtſteuercapital von Guntersblum mit Schmittshauſen betrug im Jahr 1883/84 89459 fl.= 153358 Mk. gegen 84700 fl.= 145200 Mk. im Jahr 1874. Die Gemarkung iſt beſetzt mit: 1400 Aepfelbäumen, 600 Birnbäumen, 300 Pflaumen⸗(Zwetſchen⸗) Bäumen, 25 Kirſchbäumen, 10 Aprikoſen⸗ und Pfirſich⸗ und 65 Wallnußbäumen. Nach der letzten Aufnahme der Viehzählung ſind in der Gemeinde: 10 Fohlen, 150 Pferde, 161 Pferde und Eſel, 1 Eſel, 50 Kälber bis 6 Wochen alt, 140„ von 6 Wochen bis 2 Jahre, 3 Zuchtſtiere, 473 Kühe, 8 Schafe, 228 Schweine, 481 Ziegen und 130 Bienenſtöcke. 666 Stück Rindvieh, Frage I. a. Welche Bodenverhältniſſe zeigt die Gemarkung, welchen Character hat das Klima und wie iſt hiernach im Allgemeinen die Fruchtbarkeit der Ländereien; iſt letztere ſehr günſtig, mittel oder gering? b. In welchem Verhältniß ſtehen die verſchiedenen Arten des Kulturlandes— Acker, Wieſen, Weiden, Rebland ꝛc.— zu einander und iſt dieſes Verhältniß im Allgemeinen als ein wirthſchaftlich günſtiges zu bezeichnen? 2 — 3— c. Welches ſind die hauptſächlichſten Producte der Landwirthſchaft, bezw. welche Productionsrichtungen machen ſich im landwirthſchaftlichen Betriebe der Gemeinde vorzugsweiſe geltend? 4. Iſt der landwirthſchaftliche Betrieb im Allgemeinen ein rationeller zu nennen, oder haften ihm weſentliche Mängel an und welche? Stehen letztere u. A. mit einer ſehr weit gehenden Parcellirung der Grundſtücke und dem herrſchenden Flurzwang im Zuſammenhang? a. Der Boden der Gemarkung Guntersblum iſt verſchieden. Die nahe dem Rhein gelegenen Felder haben einen mit Thon gemiſchten Sandboden, die Unterlage iſt theilweiſe Kies und theilweiſe undurchlaſſender Thon; die Ackerkrume iſt ſeicht. Die übrigen in der Ebene gelegenen Felder haben einen tiefgrundigen fruchtbaren Lehmboden; an dem mit Reben bepflanzten Hange und auf der Höhe etwas Kalk⸗ mergel, dann Lößboden und Lehm mit Kalkſtein als Unterlage. Die Fruchtbarkeit iſt eine mittlere, die in den tiefer gelegenen Feldern durch das Druckwaſſer des Rheines geſchädigt wird. Der Boden iſt klee⸗ auch luzernefähig und, mit Ausnahme des von Reben beſetzten Hanges, eben. b. Es gibt drei Arten Culturland in Guntersblum, Acker, Wieſe und Weinberg und wenig Gartenfeld. Das Verhältniß des Ackerfeldes zu den Wieſen iſt ungefähr wie 5:1— zu den Weinbergen wie 14:1. Von den hier in Betracht kommenden Wieſen— der größte Theil der, durch den Rhein bewäſſerten, Wieſen gehört dem Staat, der Gemeinde und dem Grafen von Oberndorf— werden nur ungefähr 100 Morgen von dem Rhein bewäſſert, während annähernd 900 Morgen innerhalb des Rheindammes liegen, nicht bewäſſert und auch nicht gedüngt werden, in Folge deſſen weniges und ſaures Gras liefern. c. Die Bodenproducte ſind vorzugsweiſe Getreide, Kartoffeln, Klee, Rühben und Wein, von erſterem vorherrſchend Roggen und Gerſte, weniger Weizen und Hafer. Dem Rapsbau, der in den letzten Jahren durch die niederen Preiſe vernachläſſigt wurde, haben ſich die Landwirthe wieder mehr zugewendet. Der Obſtbau iſt nicht bedeutend, der ſtrenge Winter von 1879/80 hat einen großen Theil dieſer Bäume vernichtet. Das meiſte Obſt wird auf der Gräflich Obern⸗ dorf'ſchen Beſitzung Schmittshauſen geerntet. Der Ertrag iſt im Durchſchnitt circa 1800 Centner Aepfel und Birnen und 250 Centner Zwetſchen. Dem Molkereiweſen wird viele Aufmerkſamkeit geſchenkt. Die Milch, ſoweit dieſe nicht in der eigenen Wirthſchaft verbraucht wird, wird zum Theil nach Mainz ver⸗ ſendet, zum größten Theil aber in einer Genoſſenſchaftsmolkerei zu Butter und Käſe verarbeitet, während die Rückſtände zur Schweinemaſt verwendet werden. Die Fruchtfolge iſt: Raps⸗Korn, Gerſte mit Klee, Weizen, Kartoffeln und Hafer, oder gedüngt zu Kartoffeln oder Rüben, Korn oder Weizen, auch Gerſte und Klee. Im Allgemeinen iſt die Fruchtfolge keine ſtreng geregelte, da die Wirthſchaft eine mehr freie iſt. d. Der landwirthſchaftliche Betrieb iſt im Allgemeinen ein rationeller, wovon recht blühende Wirthſchaften Zeugniß ablegen.. Die Grundſtücke ſind, mit wenigen Ausnahmen, durch Feldwege zugänglich. Die Parcellirung iſt nicht gerade ungünſtig zu nennen, es entfallen auf den Hectar circa 3 Parcellen; nach Ausſcheidung von Kühkopf und Schmittshauſen(1280 Hectar) entfallen auf den Hectar circa 5 Parcellen. Zur Entwäſſerung der durch Druckwaſſer des Rheins(bei längere Zeit an⸗ dauerndem Hochwaſſer) geſchädigten Felder wurde im Jahr 1868 eine Waſſermaſchine erbaut, die recht erſpriesliche Dienſte geleiſtet hat. Der Futterbau nimmt eine hervorragende Stellung ein und mehr als die Hälfte des landwirthſchaftlich benützten Bodens wird zu dieſem Anbau verwendet; das Ver⸗ hältniß gegen Getreide iſt wie ca. 6:5. Es wird ſelten mehr als zweimal nach⸗ einander Getreide gebaut. Der Viehſtand iſt in den meiſten Wirthſchaften ein geringer, und werden in der Gemeinde 473 Stück Großvieh gehalten von 1000— 1100 Pfund Lebendgewicht; auf den Hectar entfallen ca. 0,4 Stück. Dieſer Mißſtand wird aber durch vorzügliche Fütterung theilweiſe gehoben. Im Allgemeinen iſt der Viehſtand ein guter und das Rindvieh meiſt Simmenthaler Kreuzung. Von der Gemeinde werden 3 Original⸗ Simmenthaler⸗Bullen gehalten, die aber um einen Bullen vermehrt werden ſollten, da faſt 160 Stück ſprungfähiges Vieh auf einen Bullen kommen. Von einigen größeren, nur Milchwirthſchaft treibenden, Grundbeſitzern werden die Kühe, Schwyzer und Simmenthaler, angekauft, abgemolken und als Fettvieh wieder verkauft. Von dieſen wird keine Nachzucht getrieben. Die Verwendung von künſtlichen Düngern iſt ſehr bedeutend, und herrſcht im Allgemeinen das Beſtreben, durch reichliches und gutes Bebauen der Felder den Ertrag zu ſteigern. Frage II. a. Wie iſt das Verhältniß der Größe der Gemarkung zur Größe der anſäßigen Landbau treibenden Bevölkerung? b. In welcher Weiſe vertheilt ſich das landwirthſchaftliche Gelände unter die anweſende Bevölkerung(todte Hand, Großgrundbeſitz, Groß⸗, Mittel⸗, Klein⸗Bauern, Taglöhner und Gewerbtreibende) und ſind in den letzten Jahren weſentliche Aenderungen in der Beſitzvertheilung eingetreten? c. Iſt die Beſitzvertheilung im Allgemeinen als eine günſtige zu bezeichnen, wenn nicht, wodurch giebt ſich die behauptete ungünſtige Ver⸗ theilung zu erkennen, welche Umſtände haben letztere veranlaßt, z. B. das geltende bäuerliche Erbrecht, die üblichen Syſteme des ehelichen Güterrechts oder der Zuſammenkauf von Grundſtücken? —a— — d. Iſt ein Theil der Gemarkung Allmendland und welchen Einfluß hat die Benutzung des letzteren auf die Lage der Bevölkerung? a. Die Gemarkung hat einen Flächengehalt von 3031,26 Hectar, die Zahl der Haushaltungen beträgt 445. In Betracht kommen aber nur 304 Haushaltungen mit einem Beſitzſtande von 1220 Hectar. Außer Betracht bleiben: 244 Haushaltungen mit weniger als 0,50 Hectar mit im Ganzen 49,91 Hectar, Civil⸗ und evangeliſche Gemeinde mit 141,42 Hectar, 485 Ausmärker mit 1292,33 Hectar, unbeſteuerbare Fläche(den Rhein eingeſchloſſen) 327,50 Hectar. Es entfallen demnach auf jede, der in Betracht kommenden 304 Haushaltungen rund 4 Hectar; ein Verhältniß, das zwiſchen der für die Landwirthſchaft benützten Fläche, zu der Landbau treibenden anſäſſigen Bevölkerung, als günſtig bezeichnet werden kann. b. Die Vertheilung des Grundbeſitzes beantwortet die Frage VIII, und iſt in der Gemeinde eigentlich kein Großgrundbeſitz. Die auf der Rheininſel gelegenen Be⸗ ſitzungen— ca. 1281 Hectar— gehören dem Staat und dem Grafen von Oberndorf in Mannheim; in der todten Hand befinden ſich ca. 22 Hectar der evangeliſchen Gemeinde gehörendes Gelände, das mit Ausnahme der Weinberge verpachtet iſt. Die bürgerliche Gemeinde beſitzt ca. 119 Hectar Ackerfeld und Wieſen, von denen das Ackerfeld verpachtet iſt, während das Erträgniß der Wieſen jedes Jahr verſteigert wird. Vor wenigen Jahren wurde die ehemals Gräflich Leiningen'ſche Beſitzung von ca. 70 Hectar parcellirt verſteigert; in der Beſitzvertheilung ſind ſeit langen Jahren keine bemerkenswerthen Aenderungen vorgekommen. c. Nach obigen Angaben kann die Beſitzvertheilung als günſtig bezeichnet werden. d. Allmendland beſitzt die Gemeinde nicht; ca. 4 Hectar für Gartenbauwirth⸗ ſchaft geeignete Felder ſind in kleineren Parcellen verpachtet und wird für den Hectar 180 Mk. erlöſt. Frage III. a. Welches ſind die durchſchnittlichen Preiſe für die einzelnen Boden⸗ qualitäten der verſchiedenen Culturländereien(Acker, Wieſe, Weide, Wein⸗ berg ꝛc.), erſcheinen dieſe Preiſe beſonders hoch oder beſonders niedrig und auf welche Urſachen ſind die bezüglichen Erſcheinungen zurückzuführen? b. Welche Aenderungen in den Preiſen haben ſich in den letzten 5 Jahren vollzogen? c. Pflegt ein ſtarker Umſatz in Liegenſchaften ſtattzufinden und liegt hierfür(ſ. a) ein berechtigtes Bedürfniß vor? a. Die Preiſe von Acker, Wieſe und Weinberg ſind je nach der Lage und Bodenqualität verſchieden. Während Aecker und Wieſen, die dem Druckwaſſer des Rheines ausgeſetzt, in den letzten durch Hochwaſſer ausgezeichneten Jahren, erheblich im Preiſe zurückgingen, haben die mittleren und guten Ackerfelder, ſowie die Wein⸗ berge ihren Werth ſeit einer Reihe von Jahren behauptet. Die Preiſe ſtellen ſich ungefähr wie folgt: geringe Ackerfelder und Wieſen für den Quadrat⸗Meter auf 0,04 Mk. mittlerer Werth der Ackerfelder„„„„ 0,30„ gute Ackerfelder„„„„ 0,50„ geringe Weinberge„„ 5„ 0,48„ mittlere„„„„„ 0,80„„ gute„,„ 1,00„„ (Die durch die Taxation ermittelten Werthe des Grundeigenthums ſtimmen mit den durch die Großherzogliche Centralſtelle für die Landesſtatiſtik angegebenen Preiſe nicht überein, während hier die Durchſchnittspreiſe für Ackerfeld und Wieſen 2700 Mk. und für Weinberg 7842 Mk. pro Hectar angegeben ſind, wurde durch die Taxation für Ackerfeld und Wieſen nur 2380 Mk. und für Weinberg 6800 Mk. pro Hectar ermittelt.) Die tiefer gelegenen, dem Druckwaſſer des Rheines ausgeſetzten Felder, ſind in den letzten zehn durch Hochwaſſer bezeichneten Jahre, ſtetig im Preiſe zurückgegangen und waren nach dem Rheindammbruch von 1882 faſt werthlos. Zur Entwäſſerung der durch das Hochwaſſer beziehungsweiſe Druckwaſſer geſchädigten Felder erbaute die Gemeinde im Jahr 1868 eine Waſſerhebmaſchine mit einem Koſtenaufwand von circa 60000 Mk. Die Inbetriebſtellung und Unterhaltung dieſer Maſchine koſtet für einen 24ſtündigen Betrieb ca. 60 Mk. Amortiſation und Capitalzinſen ſind dabei nicht gerechnet. Der Erfolg entſprach den darauf verwendeten Koſten und iſt zufrieden⸗ ſtellend. Dem Fallen der Preiſe der tiefer gelegenen Felder entſpricht auch die geringe Grundrente, die oft die darauf verwendete Arbeit nicht lohnt. Bei den Verſteigerungen werden gewöhnlich 5 Zahlungstermine beſtimmt und die Kaufgelder mit 5 pCt. verzinſt. b. In den letzten 5 Jahren ſind die Preiſe der geringen, dem Druckwaſſer des Rheines ausgeſetzten Felder, zurückgegangen, die der mittleren und beſſeren Felder, ſowie die der Weinberge haben ſich behauptet. c. Durch Parcellirung und Verkauf der ehemals Gräflich Leiningen'ſchen Beſitzung wurde der Umſatz in Liegenſchaften verſtärkt. Ein berechtigtes Bedürfniß zu Ver⸗ äußerungen liegt aber im Allgemeinen nicht vor, und finden ſolche, wenige Ausnahmen abgerechnet, nur bei Erbvertheilungen ſtatt. Frage IV. a. Nehmen die Pachtgüter einen erheblichen Umfang ein und ſtehen die Pachtpreiſe im richtigen Verhältniß zu dem Kaufpreiſe der Ländereien einerſeits und zur Ausnutzungsfähigkeit derſelben andererſeits, eventuell welche Urſachen wirken ſteigernd auf die Pachtpreiſe ein? — —n— — 7— b. Welche Beſtimmungen gelten insbeſondere in Betreff der Dauer der Pacht, der Bezahlung der Steuern ꝛc., der Verſicherungsprämien, ſowie in Betreff vorzunehmender Meliorationen und etwaiger Pachtnach⸗ läſſe bei elementaren Unglücksfällen bei fiskaliſchem, ſtandesherrlichem und privatem Grundbeſitz? c. Wirken die üblichen ſonſtigen Pachtbedingungen beſonders er⸗ ſchwerend für die Pächter oder nicht? Die Verpachtungen ſind im Verhältniß zur Größe der Gemarkung nicht be⸗ deutend und ſind ungefähr 70 Hectar verpachtet. Der Pachtpreis entſpricht 3 ½ bis 4 pCt. des mittleren Kaufwerthes der Grundſtücke. Die Dauer der Pachtzeit iſt gewöhnlich 9 Jahre und werden die Steuern und Gemeinde⸗Umlagen meiſtens von den Pächtern bezahlt. Bei durch elementare Er⸗ eigniſſe verurſachten Schäden wird keine Entſchädigung von dem Verpächter gewährt. Frage V. a. In welcher Weiſe pflegen die Landwirthe ihre Mobilien und Producte gegen Feuer, ihre Früchte gegen Hagel und ihren Viehſtand gegen Unfall zu verſichern? b. Hat die Lebens⸗, Alters⸗ und Renten⸗Verſicherung Eingang in der Gemeinde gefunden, event. in welcher Weiſe und welchem Umfange? a. Die meiſten Landwirthe haben ihre Mobilien und Producte bei einer der größeren deutſchen Feuerverſicherungsgeſellſchaften verſichert. Seit einer langen Reihe von Jahren kamen Brände von Bedeutung nicht vor. Gegen Hagelſchlag wird nicht verſichert, da nennenswerther durch Hagel verurſachter Schaden bis jetzt nicht vorkam; nur der Raps iſt theilweiſe verſichert. Die Viehverſicherungen haben noch keinen Eingang gefunden. b. Es ſind nur wenige Perſonen bei der Darmſtädter Renten⸗ und Lebensver⸗ ſicherungs⸗Anſtalt verſichert. Frage VI. In welcher Weiſe befriedigen die Landwirthe in der Regel ihre Creditbedürfniſſe hinſichtlich des Real⸗ und des Perſonalcredits und welches ſind bei beiden Arten des Credites die gewöhnlichſten Darlehens⸗ bedingungen in Bezug auf Zeitdauer und Zinsfuß und werden dabei auch Amortiſationsfriſten(Güterziele) angewendet? Die gegen Verpfändung von Immobilien aufgenommenen Capitalien werden größtentheils von den Sparkaſſen zu Alzey, Oppenheim und Worms, wenige auch von vermögenden Einwohnern der Gemeinde, dargeliehen. Eine regelmäßige Amor⸗ tiſation fand noch nicht ſtatt, ſcheint aber allmälig Eingang zu finden. Im vorigen Jahre wurde eine Darlehenskaſſe ins Leben gerufen, die aber nur die Bedürfniſſe ihrer Mitglieder in laufender Rechnung(gegen Schuldſcheine werden keine Darlehen gewährt) befriedigt. Die Geſchäfte wucheriſchen Characters werden ſelten bekannt, kommen in den letzten Jahren auch weniger vor und werden Darlehen dieſer Art nur auf Wechſel gegeben, da durch dieſes Inſtrument der kleine und unerfahrene Mann leicht benützt werden kann. In hieſiger Gemeinde iſt kein Einſtellvieh. Frage VII. a. Wie ſtehen im Allgemeinen die Arbeits⸗ und Geſindelöhne in der Gemeinde, genügt die ortsanſäſſige Bevölkerung zur Beſtreitung der landwirthſchaftlichen Arbeiten oder ſind fremde Arbeiter nöthig und woher kommen letztere? b. Iſt für die landwirthſchaftliche Bevölkerung Gelegenheit zum Nebenverdienſt vorhanden, event. haben dieſe Nebenverdienſte(Arbeiten im Wald, Hausinduſtrie, Fabrikbetriebe, Fuhrweſen ꝛc.) eine beſondere Bedeutung für den Wohlſtand der Landwirthſchaft treibenden Bevölkerung und der Gemeinde im Allgemeinen? c. Gibt es Landwirthe in der Gemeinde, die mit Rückſicht auf den Umfang und die Rentabilität ihres landwirthſchaftlichen Betriebes an ſich auf Nebenverdienſt und Tagelöhnerarbeit angewieſen wären, ſolche Arbeiten aber aus Standesvorurtheil, Trägheit ꝛc. nicht ausführen? a. Die Taglöhne berechnen ſich durchſchnittlich für den Tag ohne Koſt(bei den meiſten Arbeiten aber erhalten die Arbeiter auch Wein): für den Mann auf 1,40 Mk., „ die Frau„ 1,00„ An Geſinde werden bezahlt: für einen Knecht jährlich 250— 300 Mk., „ eine Magd„ 157—170„ —hn- — — 9— Bei den Arbeiten in den Weinbergen, die großentheils in Accord vergeben ſind, ſtellt ſich der Verdienſt pro Tag auf ungefähr 2 Mk. Zur Beſtreitung der landwirthſchaftlichen Arbeiten genügt gewöhnlich die orts⸗ anſäſſige Bevölkerung; zur Zeit der Traubenleſe kommen Arbeiter(Mädchen und Frauen) aus den benachbarten Rheinorten. Die Koſt für einen Knecht berechnet ſich auf circa 240 Mk., für eine Magd auf 180 Mk. b. Einen Nebenverdienſt gewähren nur die Steinbrüche, die im Winter eine Anzahl Arbeiter beſchäftigen. c. Landwirthe oder Einwohner, welche aus Standesvorurtheil ꝛc., die ihnen gebotene Gelegenheit für Arbeit und Verdienſt ablehnen, gibt es hier nicht. Frage VIII. a. Wie vertheilt ſich der ermittelte Betrag der Immobiliarverſchul⸗ dung auf die einzelnen Beſitzgruppen(größerer, mittlerer und kleinerer Grundbeſitz) und auf welche Gruppe entfällt der ſtärkſte Procentſatz der Schuldenlaſt? b. Datirt der Schuldenſtand aus älterer oder aus neuerer Zeit, im letzteren Fall, wie hat derſelbe im letzten Jahrzehnt zugenommen? c. Sind in den letzten 5 Jahren die Zinſen und Güterziele im All⸗ gemeinen regelmäßig bezahlt worden oder ſind bemerkenswerthe Rückſtände bekannt? d. Welche Urſachen haben einen erkennenswerthen Einfluß auf die Ver⸗ ſchuldung z. B. das beſtehende Erbrecht oder die üblichen ehelichen Güter⸗ ſyſteme, unwirthſchaftlicher Ankauf von Grundſtücken zu hohen Preiſen, ungenügendes Betriebscapital, zu frühe Gründung eines eigenen Haus⸗ halts, Verſchwendung und nachläſſige Wirthſchaft, die Aufeinanderfolge ſchlechter Ernten u. ſ. w.? a. Zur Feſtſtellung des Flächengehaltes des Grundbeſitzes der in Betracht kommenden Landwirthe, wurde ein Auszug aus dem Gütergeſchoſſe des Steuercom⸗ miſſariates benützt. Die Hypothekſchulden wurden mit Zugrundlegung der Auszüge der Hypothekenämter zu Mainz und Worms feſtgeſtellt; die Forderungen auf Güterkauf⸗ preiſe nach den Angaben der Sparkaſſen von Alzey, Oppenheim und Worms und der Kenntniß der Commiſſion eingetragen; Mobiliarverſchuldungen wurden nur in ſoweit berückſichtigt, als dieſe durch die Einſchätzungscommiſſion beſtimmt werden konnten, alle zweifelhaften Fälle aber weggelaſſen. Die Abſchätzungen des Werthes von Grund und Boden wurden durch die Feld⸗ geſchworenen, im Beiſein des Commiſſärs vorgenommen; für die Abſchätzungen des 2 ¹⁶ — 10— Werthes der Gebäude waren im Allgemeinen die Taxationen des Brandcataſters maßgebend, die Kaufwerthe fanden immer Berückſichtigung. Die durch die Centralſtelle für die Landesſtatiſtik ermittelten Kaufwerthe ſind durchſchnittlich höher, als die hier zu Grunde gelegten Taxationen; von dem Com⸗ miſſär wurde wiederholt auf dieſen Widerſpruch aufmerkſam gemacht, durch die Taxa⸗ toren aber nicht berückſichtigt. Nach den beiliegenden Tabellen über Verſchuldung und Werth der Liegen⸗ ſchaften— keine Berückſichtigung finden die unter 0,50 Hectar Liegenſchaft Beſitzen⸗ den— ſind dieſe in 6 Gruppen getheilt, ſowie die Art des Erwerbes„Landwirth⸗ ſchaft allein— Landwirthſchaft und Taglohn und Landwirthſchaft und Gewerbe“ feſtgeſtellt. Dem Immohbiliarbeſitz der in Betracht kommenden 304 Grundkeſitzer, bezw. Haushaltungen— ſiehe Tabelle A— im Werthe von 4554280 Mk. ſteht eine Ge⸗ ſammtverſchuldung von 552020 Mk. gegenüber und ſind demnach 8,08 p„Ct. dieſes Liegenſchaftswerthes mit Schulden belaſtet. Von dieſen ſind 145 Haushaltungen verſchuldet, deren Grundeigenthum im Werth von 2213320 Mk. mit 24,93 pCt. be⸗ laſtet iſt. Nicht verſchuldet ſind 159 Beſitzer, deren Liegenſchaften einen Werth von 2340960 Mk. haben. Nur Landwirthſchaft treiben 126 Perſonen, deren Beſitz im Werth— Tabelle B— von 2435030 Mk. mit 308470 Mk.= 12,67 pCt. verſchuldet iſt. Von dieſen ſind 50 Haushaltungen bei einem Grundbeſitz im Werth von 1472020 Mk. mit 20,90 pCt. verſchuldet; nicht verſchuldet ſind 76 Haushaltungen mit einem Grund⸗ beſitz im Werth von 1963010 Mk. Von 83 Beſitzern— Tabelle C— wird neben Landwirthſchaft noch Taglohn betrieben, deren Grundeigenthum bei einem Werth von 234450 Mk. mit 40760 Mk. = 17, 38 pCt. verſchuldet iſt; hiervon ſind 43 Haushaltungen mit einem Grund⸗ beſitz im Werth von 127500 Mk.= 31,97 pCt. verſchuldet; nicht verſchuldet ſind 40 Beſitzer, deren Grundeigenthum einen Werth von 106950 Mk. hat. Neben Landwirthſchaft treiben 96 Haushaltungen— Tabelle D— noch Ge⸗ werbe, deren Liegenſchaften im Werth von 934800 Mk. mit 202790 Mk.= 21,60 pCt. verſchuldet ſind; von dieſen 52, deren Grundeigenthum einen Werth von 508990 Mk. hat, mit 39,84 pCt. verſchuldet; nicht verſchuldet ſind 44 Haushal⸗ tungen mit einem Beſitzwerth von 425810 Mk. Nach der allgemeinen Ueberſicht— Tabelle A— iſt Gruppe 2 an ſtärkſten belaſtet mit 25,97 pCt., es folgt dann Gruppe 1— Beſitz von 0,50 bis 1 Hectar — mit 23,44 pCt., während Gruppe 6— 20 und mehr Hectar— die geringſte Belaſtung mit 7,24 pCt. hat. Unter die einzelnen Beſitzgruppen vertheilt, trifft die höchſte Verſchuldung: nach Tabelle B die Gruppe 3, Beſitz 2—5 Hectar, mit 10,51 pCt. 2 C 2 2 2, 2 1— 2 2 2 1 9/ 1 3 II D 2 2 2, 2 1—2 2 2 37,13 2 2 f 2 — 11— Die geringſte Belaſtung trifft: nach Tabelle B die Gruppe 6, Beſitz 20 u. mehr Hectar, mit 7,23 pCt. C„ 2 3, 7 2— 5 1 1 3,96 1 2„ D 2 7 4, 2 5— 10 11 15,82 Die Hypothekſchulden auf den Liegenſchaftswerth ſämmtlicher 304 Haushal⸗ tungen vertheilt, gibt eine Belaſtung von 4,10 pCt.; belaſtet ſind aber nur 139 Be⸗ ſitzer mit 11,38 pCt. Nach dem Liegenſchaftswerth der betreffenden Gruppen be⸗ tragen die Hypothekſchulden bei: Gruppe 1 mit 39 Haushaltungen Mk. 29660= 27,24 pCt. 7 2 „ 2„ 39.„ 35070= 10,02„ „ 3„ 30 7„ 35520= 8,35„ „ 4„ 22 3„ 47570= 10,37„ 5„ 9„ 40000= 9,07„ „ é iſt nicht mit Hypothekſchulden belaſtet. Der Werth des Geſammtbeſitzes der nur Landwirthſchaft treibenden Haushal⸗ tungen beträgt 2435030 Mk., iſt mit 85170 Mk.= 3,13 pCt. Hypothekſchulden belaſtet. Nach dem Liegenſchaftswerth der einzelnen Gruppen fallen Hypothek⸗ ſchulden auf: Gruppe 2 mit 4 Haushaltungen Mk. 1500= 4,49 pCt. „ 3„ 14 5„ 16100= 9,08„ 7, 17 4„ 27570= 10,54„ 5 9—„ 140000= 9,07„ Gruppe 1 iſt hier nicht vertreten und Gruppe 6 nicht mit Hypotheken belaſtet. Bei den Landwirthſchaft und Taglohn treibenden Haushaltungen beträgt der Werth der Liegenſchaften 234450 Mk., die Verſchuldung 16750 Mk.= 7,19 pCt. Nach Gruppen entfallen von dieſer Hypothekenverſchuldung, den Liegenſchaftswerth der betreffenden Gruppe zu Grund gelegt, auf: Gruppe 1 mit 21 Haushaltungen Mk. 8130 19,44 pCt. 2„ 20„„ 8650 12,10„ „ 3 iſt nicht mit Hypotheken belaſtet, Gruppe 4—5 fallen fort. Landwirthſchaft und Gewerbe betreiben 96 Beſitzer, deren Grundeigenthum von 934800 Mk. Werth, mit 85870 Mk.= 9,20 pCt. verſchuldet iſt. Von dieſer Verſchuldung entfallen nach dem betreffenden Liegenſchaftswerth auf: I 7 Gruppe 1 mit 18 Haushaltungen Mk. 21530= 32,10 pCt. „ 2„ 15„„ 24920= 23,43„ „ 3„ 14„„„ 19420= 7,87„ 4 5„„ 20000= 22,50„ Nicht mit Hypothekſchulden belaſtet ſind die Gruppen 5 und 6. In den meiſten Fällen wird als Urſache der Belaſtung mit Hypothekſchulden die Uebernahme der ſchon auf dem elterlichen Hauſe ruhenden Schulden durch eines der Kinder bezeichnet; theilweiſe ſind auch Neubauten die Urſache, ferner noch Ankauf von — 12— theuren Grundſtücken mit darauf folgenden ſchlechten Ernten; in nur wenigen Fällen wird als Urſache der Verſchuldung ſchlechte Wirthſchaft und leichtſinniges Leben angegeben. Die Mobiliarverſchuldung iſt niederer, als die Belaſtung mit Hypotheken, und trifft hauptſächlich die Gruppen 3, 4 und 6. Nach der allgemeinen Ueberſicht— ſiehe Tabelle A— ſind von dieſen drei Gruppen 58 Familien verſchuldet, deren Grundbeſitz im Werthe von 1457530 Mk. mit 77000 Mk.= 5,27 pCt. verſchuldet iſt. In Procenten der Geſammt⸗Mobiliarverſchuldung treffen: die nur Landwirthſchaft treibenden Haushaltungen...... 76,07 pCt. die Landwirthſchaft und Taglohn treibenden Haushaltungen.. 2,82„ die Landwirthſchaft und Gewerbe treibenden Haushaltungen.. 21,11„ Als Urſache der Mobiliarverſchuldung wird angeſehen: theilweiſe mangelndes Betriebscapital, ſchlechte Ernten, in wenigen Fällen aber auch die Aufnahme von Capitalien zur Bezahlung der Termine von gekauftem Grundeigenthum, da dieſe nicht rückſtändig bleiben konnten. Die Güterſteigſchillinge und Zinſen werden im Allgemeinen pünktlich bezahlt und kommen nennenswerthe Rückſtände nicht vor. Dieſer Verſchuldung ſteht aber eine Capitalrente von 51000 Mk. gegenüber. Dieſe Rente iſt zu einem großen Theile in Handel und Induſtrie verdient worden, während der größte andere Theil auf Perſonen fällt, die ſich von dem Geſchäft zu⸗ rückgezogen haben. 13 096˙079, 31†099 601 008,66(// 3 063,009 Caul I 09† 1T9 T6,ISI 95 OI,SFr 06,801 88 006,905 06,66 r 093/˙361 85˙38 r :roIn(plaog 86˙76 00/00t 020760,0 00018 00 ½188 08/181 0ZzG,GIZ2Z 82l9 95 Sr,o 8,1I wüeee ee 0ee 089,9 26 21,9,1 9 G1 63,6²1 097,90- 000 8 097,89 000,0 006,0 †] G†,3 6 08 †5 61.03 0lf,lII 006,81 007, 02C,1 014,807 91rI 83 F6.,6 80,15 08,91! 009˙986(88,26 060,166 083,6 † 01,601 08 96,00 9 ,81 06,801 003, 088,89 020,6(8 000,905 02,96 68 96† 18˙6 061†⁹ 009,0 085/˙93 09966 068˙801 31˙26 68 :roInplaog d 11 2I 00,00t 023030,0 000˙18 001188(088,181 086†/— 00˙0631 708 T6,2 28,01 000,09 000,c8 000,6 086,868, 08,083 6 29,6 63,6² 097,90- 000 8 097, 89 000,07 083,101,1 00,086 05 80,01 61106 O15,III 008,81 007†,7 019,1 080,90111 0†,E 85 18,81 80,15 068,91I 009˙86 088,10 066,66 066,848 08,803 89 26,06 9 ł1 049.,80- 003, 083,89 020,96 006,3 09,911 18 Fr/86 18˙6 061*†0 009˙1 085/˙83 099˙66 00185 0†˙6 88 Seee eiee,, e n e e ihn w 1 2. u aeichsenn Panron an aauh nunt enihühns arhents ir hehm üe puageſe umbg V munjqsaaund gulamec ac vungjuſplaa aod Si*ap vee aGout n 05 05 901 01 6 32 6 1 80 aGou n 06 0 91l 01 6 ( 868 5 1 1= 8.0 aGout n 06 08 91 O 4 5 5 1 1 0 aD*& 1* —-— GOPMAS S—- GNGS S - OS S 29 —ᷓ;———— 010˙996711 36˙96† 9 ¼ 008,666 09,98, 4 8 alpm n 0 9 070,909 GC6 eE Ol 0 0l 4 09†,169 65,181 95 01 5 088,98 88,11 8 58 9 25 8 0 9˙02 66/6 35 — 1o :rIn(plaog e 06/06 00˙001 01†809 00069 008,191 011˙%8 060/G11I rOr 00 85,00 ,61 000,09 000,298 000,5 5 089,876 0 ½,91/ 9 adou 9 FLéF6 16, 6 097,901 000 097,89 000,0† 006,0 † 0†,6² 6 05 01 66,†8 80,9 018,08 00,6 6*6,0† 016,16 009,198 01 86 21 l 5 60,18 78,91 06,10 009,I 6875 001,9 088,191 08,66 P 6 3 3 06†8 21*8G 001ʃ6— 06˙8 000˙† 016/86 76˙9 f 5 1 3 8—— 1 3 8— Fr 9O f : r—n(plaog d 29˙61 00,001 01†8809 000˙69 008,191 011˙(8 080˙(8†6 96˙886 9561 88,1-†,6I 000,09 000,78 000,5 8 086,8588, 08,086 6 aloul n 06 9 21,OT 12,† 091,901 000,8 097,89 000,/07 O26,970, 09,9965 G ,e 01 4. 90,8 80,95 018,08 00,6 6(T6,0† 016,16 090,666 66,6s f H. 19,01 78,91 006,16 006 ü68,6 005,9 O0 ¼,56 Ss, 6 3 3 93˙6 218½ 001/6— 006˙8 000˙1 098˙001 86˙68 1 3 —————— 1 90o 50a*. lx uon! 2 1 nies 39 16213 S0Cd e eee iie unInſp uoinqp! u⸗Inc. npgS gun 12 s 16vL Iporle 4S u⸗rueocac, u n ee gee iene eedeee Dede 52 299a : uograxeg mop p grate g 15 06˙901 28 18 Of 086,0 6 1 I 028,07 08,01 II 0109 889˙61 86 :poinſplaod en 26/18 00,001 09 0† 009˙3 089,13 08/91 009151 131† gr 19, 96,1 008, 008 8 068,†1 6 1, 8 6†,08 69,69 087,16 003, 089,61 09,8 087†,L2 08,16 03 61 †† 98˙ 087˙81 009,0 0⁰0˙6 081˙8 068 Tf 311 15 :pojnqplaod qu ue 898˙21 00˙001 09 10*† 009˙3 089,16 08/91 0††ꝙ 89/8 88 96,⁸ 96,1 008, 008 5 081,05 88,½ 8 81,61 69,569 085,15 006, 089,61 069,8 008,6 1T OL,ST 18 79˙81 98˙(08781 008˙1 0006 081˙8 0½6/101 01†8 6 † Virohh hen a, d ween, wne e wh we 2 1 2 6 hsississd wenneh an au euuhn enſtes aunnnenge w hehn igo : uognorzog unegavugojobvd dun lvp ge a1Gou n 06 05 01 0I „ 2 56 = 0 aGoul n 06 96. 01 01 6 3 6 1= 40 1Goul n 06 08 I. 01— 6 ——32 5 1 I— 60 a19& 1v16 GOS S S—GNOS SD — 00 S 3 018'Cr 811,8 f ——— ahom'n 0 9 096,FG G,l 05 l 001,801 18,81 8 01 G 066,511 86,96 6 9„ 3 8 068,88 68,81 l 3 011˙39 06˙51 2 I 90 I :ponGplrod †8˙6G 00˙001 06 1606 003112 031/66 028˙,8 066˙800 8989001 30 ————————— aGom'n 0O 9 2„, 2, 9 1 11, 57, 96 l 7 90,c8 18,G62 09]1,1g 000,9 091, 000/,0 048,88 19,93 8 01 6 84,1 98,18 009,89 006,1E 086,38 06†,61 00ʃ,975 16,0† 7„ 3 00,89 99,66 068,6 4— 00†,r 066,56 08,901 66,86 3 1 5 †6/90 19,21 O02 G9 0811 080˙16 07109 0†˙1 1 0o : r—InGplaogd 69˙15 00˙001 0616063 00312 057/66 028˙9,8 008† 986 9 †61 96 ————————— 1Gout n 03 9 —— 096,†g M, 38,01 18,61 091,18 000,9 091, 000,06 046,961 2† † 8 0 7 89,L1 98,18 009,99 006,II 086/38 06 †,61 09,6c8 08,12 95., 3 81,18 99,29 038,67 5 00 †, † 056,/ †6 04,61 09,0; 66 31 3 29˙6 1921 011ʃι½ 081 1 080˙/16 081˙681 09˙6 4C 60 1bOo*☛ 2 naenwfdl arn 2 26 2 2 u212 f 19p =u 215 5⁰ uuiv 20 4³((— 6 6 gun J2 16 10G 4 140 raneacch wanzagg n aahasd han außibihas anshunte aidein auih n : ugiog agaoate den eee — 17— Frage IX. a. Wie geſtaltet ſich die Rentabilität des landwirthſchaftlich benutzten Bodens bei großen, mittleren und kleineren(eigenen oder gepachteten) Gütern? b. Wenn die Rentabilität als eine unbefriedigende erſcheint, ſind die Gründe zurückzuführen hauptſächlich auf 1. die Fruchtbarkeits⸗Verhältniſſe der Gemarkung, 2. die mangelhafte Melioration und die Zerſplitterung der Grundſtücke, 3. die im Verhältniß zur Ausnutzungsfähigkeit zu hohen Preiſe des Bodens, 4. einen mangelhaften landwirthſchaftlichen Betrieb, 5. ein zu großes Gebäudecapital, 6. ungünſtige Arbeiterverhältniſſe, 7. ungünſtige Abſatzverhältniſſe(ſchlechte Preiſe, unrationelle Einrichtungen für den Abſatz u. ſ. w.), 8. frühzeitiges Zurückziehen der Eltern und Belaſtung der Güter mit hohen Altentheilen und Leibrenten, 9. Beſondere unwirthſchaftliche Gewohnheiten der Landwirthe, z. B. zu ſtarke Pferdehaltung u. dgl., 10. hohe Steuern und Umlagen und ſonſtige dem Commiſſär bekannt gewordene Verhältniſſe? a. Zur Beantwortung dieſer Frage wurde ein größeres, ein mittleres und ein kleineres Gut genommen. Die Auswahl paſſender Beſitzungen und Perſönlichkeiten bot große Schwierigkeiten; für das mittlere und kleinere Gut wären etwas größere Wirth⸗ ſchaften geeigneter geweſen, zu eingehenden Unterſuchungen wollten ſich aber keine an⸗ deren Beſitzer hergeben. Nach langem und zweckloſen Umherfragen mußte das genommen werden, was geboten war, wenn überhaupt die Arbeit ausgeführt werden ſollte. Die Nachweiſe über die Erträgniſſe, Koſten und Rentabilität der einzelnen Be⸗ ſitzungen ſind aus den Anlagen I, II und III zu erſehen. Zur unmittelbaren Be⸗ antwortung der Frage IX wird Folgendes hervorgehoben. I. Beſitzſtand⸗Nachweis, beſtehend aus den Nachweiſen über den Werth von Grund und Boden mit Obſtbäumen, Gebäude⸗ — 18— capital, Inventarcapital(todt und lebend) und umlaufendes Be⸗ V triebscapital(Vorrath). b Das Verhältniß der einzelnen Betriebscapitalien zum Grundcapital ſtellt ſich wie folgt: Größeres Gut. Das Gebäudecapital beträgt.... 30„% vom Grundcapital. Das Inventarcapital(todt und lebend) beträgt. 16,20„„„ Das umlaufende Betriebscapital(Vorrath) beträgt. 6,80„„„ Mittleres Gut. Das Gebäudecapital beträgt..... 32„„ 9 Das Inventarcapital(todt und lebend) beträgt. 9,50„„„ Das umlaufende Betriebscapital(Vorrath) beträgt. 6,10„„„ Kleineres Gut. Das Gebäudecapital beträgt.... 341„„„ Das Inventarcapital(todt und lebend) beträgt.. 13,40„„„ Das umlaufende Betriebscapital(Vorrath) beträgt. 7,46„„ 5 II. Natural⸗Rechnung, beſtehend aus den Nachweiſen über Natural⸗Ertrag und Natural⸗Bedarf nebſt Schlußfolgerungen. Bei der Berechnung des Natural⸗Erträgniſſes von Acker, Wieſe und Weinberg wurde nicht ein Durchſchnittsertrag, ſondern das in dem betreffenden Jahre wirklich erzielte Natural⸗ und Geld⸗Erträgniß der zur Unterſuchung herangezogenen Wirth⸗ ſchaften, angenommen. Das Herausgreifen von einem, mit Ausnahme des Körner⸗ ertrages von Roggen, guten Jahre iſt allerdings für die Rentabilitäts⸗Berechnung nicht maßgebend. Es bietet aber den großen Vortheil, daß beſtimmte Angaben und Zahlen vorliegen, die für das betreffende Jahr zutreffend ſind. Von den drei, zur Unterſuchung dieſer Verhältniſſe, genommenen Gütern waren genaue Angaben über die ſeit einer Reihe von Jahren erzielten Erträge ꝛc. nicht zu erhalten, da keiner der Beſitzer Aufzeichnungen hat, aus denen der Natural⸗ und Geld⸗Ertrag ſowie die Aus⸗ gaben einer Reihe von Jahren zu erſehen war. Die Ernteberichte für die Landes⸗ ſtatiſtik ſchienen für dieſe Berechnungen nicht zuverläſſig genug. Die Erträgniſſe des Viehſtandes ſind gut, die Milch wird theilweiſe nach Mainz verſendet, zum größten Theil aber in der Dampfmolkerei Guntersblum zu Butter und Käſe verarbeitet und werden durchſchnittlich 2000 Liter pro Tag à 10 Pf. angekauft. Die gewonnenen Fabrikate, Butter und Käſe finden immer Abſatz. Der Centner Stallmiſt ſtellt ſich durchſchnittlich auf 44 Pf., während in der kleineren Wirthſchaft der Centner ſich auf nur 28 Pf. ſtellt, berechnet ſich derſelbe in der größeren Wirthſchaft auf 48 Pf. pro Centner. Die Koſten der Nahrungsmittel berechnen ſich pro Tag und Kopf annähernd: bei dem Beſitzer des kleineren Gutes auf 40 Pf. ohne Wein, 1 1 1 1 mittleren 2 1 54 1 mit 1 „„„„ größeren„„ 30„„„ — 19— III. Geldrechnung, beſtehend aus den Nachweiſen über Geld⸗ einnahmen und Geldausgaben. Aus der Rechnung geht hervor, daß die Beſitzer der drei zur Unterſuchung heran⸗ gezogenen Güter am Jahresſchluß einen baaren Geldbetrag erübrigen von 1860 Mk. beziehungsweiſe 120 und 10 Mk. und weniger ausgegeben als eingenommen haben. Dieſe Erträgniſſe beziehungsweiſe Ueberſchüſſe wurden erzielt durch die Molkerei⸗ producte und bei den Beſitzern des mittleren und größeren Gutes durch die Einnahme aus verkauftem Weine. Der Ertrag aus dem Körnerbau iſt gering und nicht lohnend, zur Führung der Wirthſchaft aber iſt dieſer Anbau unumgänglich nothwendig. IV. Rentabilitäts⸗Berechnung, beſtehend aus den Nachweiſen über den Rohertrag(excl. der für die Production in der Wirthſchaft wieder verwendeten Producte), die Productionskoſten und den Reinertrag. Nach der Rentabilitätsberechnung beträgt die Grundrente: bei dem größeren Gut 3 pt., ſiehe Anlage I. , mittleren 11 2,21 1 2 11 II, „„ kleineren„ 2„„„ III. Die Rentabilität iſt, ſo weit die Erträgniſſe der Viehhaltung und des Wein⸗ baues in Betracht kommen, zufriedenſtellend, in Bezug des Erträgniſſes des Getreide⸗ baues unbefriedigend. Die Berechnung der Rentabilität iſt ein ſchwieriges Unternehmen, das Erträgniß wird, durch die verſchiedenen mitwirkenden Factoren, immer großen Schwankungen unterworfen ſein und bleiben. Veranlaßt durch den billigen und leichten Verkehr wird der Getreidebau in den billiger producirenden Ländern immer mehr ausgedehnt und dadurch die Rente aus dieſem Anbau geringer. Die Fruchtbarkeitsverhältniſſe ſind nicht ungünſtig, mit Ausnahme der, dem Druckwaſſer des Rheines ausgeſetzten, tief gelegenen Felder. Durch Zuſammenlegung der Felder könnte der Grundbeſitz verbeſſert werden, es würde dadurch nicht nur Arbeit erſpart, ſondern auch durch das Fortfallen von Furchen Feld gewonnen. Die mittleren Kaufwerthe der Ackerfelder ſind in Guntersblum mäßig. Es liegt aber doch in der Natur der Sache, daß mit dem Zurückgehen des Zinsfußes der Werth des Grundeigenthums ſteigt. Seit einer langen Reihe von Jahren iſt dieſes der Fall, ſelbſt nach den ſchweren Kriegsjahren zu Anfang des Jahrhunderts war der Werth des Grundeigenthums nicht nieder, ſank aber durch die billigen Frucht⸗ preiſe der zwanziger Jahre faſt zur Werthloſigkeit herab und ſtieg, von dieſer Zeit ab, einzelne Schwankungen abgerechnet, langſam aber ſtetig im Werth. Aber nicht der Zinsfuß allein beſtimmt den Preis des Grundeigenthums, ſondern auch Angebot und Nachfrage.. Die Bewirthſchaftung iſt im Allgemeinen eine gute und entſpricht den Anfor⸗ derungen, die an eine rationell geführte Landwirthſchaft geſtellt werden kann; durch die günſtigen Verkehrsverhältniſſe iſt der Abſatz der Producte und Bezug von Dünge⸗ und Futtermitteln ein leichter. Der Verbrauch von Futter⸗ und Düngemitteln iſt ein — 20— bedeutender. Im vorigen Jahre wurden von den 60 Mitgliedern des in Guntersblum beſtehenden Conſumvereines für 62000 Mk. Futterartikel und Düngemittel bezogen. Im Allgemeinen findet man hier keine unwirthſchaftlichen Gewohnheiten, es müßte denn der Verbrauch von Wein dazu gerechnet werden. Bei der heiteren und lebensfrohen Art, die Rhein⸗ und Weinländer auszeichnet, und bei der Gaſtlichkeit die hier gefunden wird, iſt der Verbrauch von Wein größer, als dieſes in weniger ge⸗ ſegneten Gegenden gefunden wird. Rentabilitätsberechnung nach dem 10jährigen Durch⸗ ſchnittsertrage. Nach dem 10jährigen Durchſchnittsertrage, mit Zugrundlegung der ſeatiſtiſchen Ernteberichte und den ermittelten Durchſchnittspreiſen der letzten 6 Jahre des Marktes von Mainz, zeigt die Rente ein anderes Bild und beträgt: bei dem größeren Gut 0,80 pCt., „„ mittleren„ 1,50„ „„ kleineren„ 2,85„ Bei der Geldrechnung wurde der Mehr⸗ beziehungsweiſe Minder⸗Erlös inſofern berückſichtigt, daß dieſer zugeſetzt oder abgezogen wurde. Frage X. Zu welchen Schlußbetrachtungen gelangt die Commiſſion auf Grund ihrer Erhebungen über die Geſammtlage der landw. Bevölkerung der Gemeinde, bezw. von welchen Verhältniſſen oder Maßnahmen glaubt ſie eine Beſſerung der wirthſchaftlichen Lage erwarten zu dürfen? Die beantworteten Fragen— ſiehe Fragen Ibis IX— ſollen ein annäherndes Bild der in der Gemeinde Guntersblum beſtehenden landwirthſchaftlichen Verhältniſſe geben und zeigen, daß: a. dieſe Gemeinde ein wohlhabender Ort iſt, b. die Beſitz⸗ und Vermögens⸗Verhältniſſe im Allgemeinen als günſtig zu be⸗ zeichnen ſind, c. die Bodenverhältniſſe, mit Ausnahme der dem Rhein nahe und tief gelegenen Felder, den mittleren Anforderungen auf Fruchtbarkeit entſprechen, d. die Preiſe der Felder ſich in mäßigen Grenzen bewegen und e. der landwirthſchaftliche Betrieb vorherrſchend ein rationeller iſt. Die Verſchuldung iſt, mit dem Werth des Grundeigenthums verglichen, nicht bedeutend. Die Landwirthe ſind meiſtens fleißig und ſparſam, die Arbeitskräfte nicht zu theuer, und ſind die Bewohner dadurch in der Lage, ihren jeweiligen Verpflich⸗ tungen nachzukommen. Der Betrieb der Wirthſchaften zeigt, daß die meiſten Landwirthe den Anforde⸗ rungen, welche die Umgeſtaltung der landwirthſchaftlichen Verhältniſſe erfordert, nicht — 21— rath⸗ und thatlos gegenüber ſtehen. Eine Darlehnskaſſe mit Conſumverein und eine Molkerei⸗Genoſſenſchaft wurden in's Leben gerufen und iſt deren Geſchäftsgang be⸗ friedigend. Aber nicht ſämmtliche Landwirthe gehören dieſen Vereinen an, dieſes iſt namentlich für den kleinen Mann zu bedauern, der leichtgläubiger und dadurch den Uebervortheilungen mehr ausgeſetzt iſt, als der beſſer geſtellte und gebildetere Land⸗ wirth. Nur in gemeinſamem thatkräftigen Zuſammenhalten und Zuſammenwirken kann die Landwirthſchaft unter den heutigen Verhältniſſen der Concurrenz der billiger producirenden Länder und der rückſichtsloſen Macht des Großcapitals und der Börſe die Stirne bieten. Das Beſtreben, Grundeigenthum zu erwerben, beſteht namentlich bei den noch theilweiſe den Taglöhnerkreiſen angehörenden Bewohnern. Die mittleren und größeren Landwirthe ſuchen ihren Beſitzſtand auch zu vergrößern, legen aber mehr Gewicht auf die Abrundung und Vergrößerung der eigenen Grundſtücke. Es kommen nur wenige Fälle vor, daß der Ankauf von Grundeigenthum mit dem Vermögen bezw. Beſitzſtand nicht im Einklang ſteht und ſind die Landwirthe meiſtens in der Lage ſelbſt theuer gekaufte Felder zu bezahlen. Bei dem Beſtreben, Grundeigenthum zu erwerben und bei getheiltem Beſitzſtand wird der Landwirth nicht mehr in die Lage kommen, daß, wie zu der Väter Zeiten, der Ertrag der Felder die fälligen Termine der Kaufgelder bezahlt. Dieſe Zeiten liegen hinter uns und im Intereſſe des kleinen und mittleren Beſitzers iſt dieſes nicht zu bedauern. Kämen dieſe Zeiten aber wieder und das Groß⸗ capital träte als Käufer auf, dann wäre der Kleingrundbeſitz verloren und der er⸗ werbſame kleine Bauer würde zum beſitzloſen Taglöhner. An die Stelle der vielen kleinen Beſitzer träten wenige Großgrundbeſitzer, eine erhaltende und erwerbende Claſſe würde ausgeſchieden. Solche Zuſtände wären aber ein Unglück für die Bevölkerung und deren wirthſchaftliche Verhältniſſe, deßhalb hat der Staat das größte Intereſſe an der Erhaltung des kleinen und mittleren Bauernſtandes. Mit dem Fortſchreiten der Landwirthſchaft wird auch die Theilung der Arbeit immer mehr eine Nothwendigkeit. Kann dieſe auch nicht ſo, wie bei der Induſtrie durchgeführt werden, ſo iſt doch nicht zu verkennen, daß für einzelne landwirthſchaftliche Betriebe und Wirthſchaftsarten die eine Gegend mehr, die andere weniger geeignet iſt. So ſind z. B. in unſerem engeren Vaterlande ganze Kreiſe des Odenwaldes und des Vogelsberges für die Viehzucht ſehr geeignet, während heute der dortige Bauer durch den vorherrſchenden Getreidebau ein kümmerliches Daſein führt. Den beſten Beweis, was bei verſtändiger Wirthſchaft erreicht werden kann, liefern die Urcantone der Schweiz, die, von Natur arm, durch tüchtige Viehzucht zu einem behaglichen Wohl⸗ ſtand gelangt ſind. Zu ähnlichen Verhältniſſen können gerade für dieſen Wirthſchafts⸗ betrieb geeignete Bezirke des Odenwaldes und Vogelsberges auch gelangen, an An⸗ regungen dazu fehlt es nicht. Eine Reihe von Jahren wird freilich noch darüber hingehen, bis dieſe Wirthſchaftsreformen durchgeführt ſind und Sache der landwirth⸗ ſchaftlichen Vereine wird es ſein, dieſe brennenden Fragen nicht mehr von der Tages⸗ ordnung ſchwinden zu laſſen. In dieſe Uebergangsperiode ſind wir ſchon theilweiſe eingetreten und bedarf die Landwirthſchaft bis zur Durchführung dieſer Reform der — 22— größten Fürſorge denkender Männer, der landwirthſchaftlichen Vereine und des Staates. Die neue Wirthſchaftspolitik des Reiches zeigt, daß dieſen wichtigen Fragen Rechnung getragen wird, und iſt ſie deßhalb mit Freuden zu begrüßen. Ein geringer Schutz gegen die erdrückende Concurrenz des unter anderen Verhältniſſen und billiger producirenden Auslandes, der zudem den conſumirenden Theil der Bevölkerung kaum belaſtet, war zur Erhaltung der kleineren und mittleren Landwirthſchaften geboten, während der große Beſitzer eher Mittel und Wege findet, ſich ſelbſt zu helfen. Von Staat, Kreis und Gemeinde werden immer größere Anforderungen an den Steuerzahler geſtellt, ebenſo werden die Ausgaben einzelner Perſonen und Familien immer größer; um dieſen nachzukommen müſſen die Wirthſchaften mit Fleiß und Umſicht geführt werden. Die Zeiten, daß das Hochzeitskleid das Staatskleid für das Leben blieb, ſind für immer begraben. Neue Zeiten bringen andere Anſchau⸗ ungen, verlangen andere Mittel und andere Menſchen. Mögen die Bewohner von Guntersblum auch ferner den Beweis liefern, daß ſie den Anforderungen, die an den jeweiligen Betrieb der Landwirthſchaft geſtellt werden, gewachſen ſind und dadurch zeigen, daß ſie das älteſte Gewerbe der Menſchen in Ehren und hoch halten. Der Berathung über den Bericht des Commiſſärs wohnten außer den Unter⸗ zeichneten bei: der Großherzogliche Amtmann Fuhr in Vertretung des Großherzog⸗ lichen Kreisraths von Oppenheim, das Kreisausſchußmitglied Bürgermeiſter Stallmann von Wald⸗Uelversheim, von Guntersblum Beigeordneter Schätzel und die Landwirthe Küſtner, Röſch, Rothermel und Schmitt. Die Commiſſion war im Allgemeinen mit den Ausführungen des Commiſſärs einverſtanden, glaubte jedoch noch hinzufügen zu ſollen, daß die Errichtung einer Landescreditkaſſe und die weitere Ausbildung des landwirthſchaftlichen Unterrichts⸗ weſens beſonders geeignet ſein dürften, auch der Landwirthſchaft in Guntersblum förderlich zu werden. Guntersblum, den 26. November 1885. Jaup, Geheimerath. Weidenhammer, Landesöconomierath. F. L. Hirſch. Anlage I. Gemeinde Guntersblum. Beſitzſtand, Natural⸗ und Geld⸗Rechnung und Rentabilitäts⸗Berechnung eines größeren Gutes von 20,12 Hectar. Der Beſitzer iſt verheirathet, 33 Jahre alt, ohne Kinder, der Vater 67 Jahre alt, iſt ohne an den anſtrengenden Arbeiten Theil zu nehmen, in der Wirthſchaft thätig. 2 Knechte und 1 Magd helfen dieſelbe führen. Mit Zurechnung von Knechten und Magd ſind in dem Haushalt 6 Perſonen. I. Beſitzſtand. A. Grund und Boden mit Obſtbäumen(Grundcapital). 17,12 Hectar Ackerland 175 Weinberge mittlerer Kaufwerth: Steuercapital incl. Gebäude: 7 22 125„ Wieſe 54000 Mk. 511 fl. in 51 Parcellen.) 10,012 Obſtbäume: 3 größere Birnbäume à Mk. 20.... Mk. 60 6 junge Aepfelbäume à Mk. 5....„ 30 34 Steinobſtbäume à Mk. 2.....„ 68 Summe.. Mk. 158 Wiederholung. Grund und Boden........ Mk. 54000 Obſtbäume..........„ 158 Mk. 54158 zu übertragen.. Mk. 54158 — 214— Uebertrag.. Mk. 54158 B. Gebäude. V Eine Hofraithe, beſtehend aus Wohnhaus, Eihennn⸗ Stlung und Schuppen, laut Brandkataſter...„ 18000 b C. Viehſtand. 3 Pferde(alt 18, 10 und 5 Jahre) Mk. 1500 11 Kühe(Schwyzer und Simmenthaler Kreuzung)„ 4400 1 Nind(trächtig)......„ 250 3 Schweine.............„ 250 20 Hühner............„ 20 6 Pienenſtöce.........„ 60 — 6480 2 D. Todtes Inventar. 2 Wagen............ Mk. 350 3 Karren..........„ 150 4 4 Pflüge...........„ 150 ſ 3 Gggen............„ 30 1 Walgze............„ 60 3 Pferdegeſchirre........„ 150 1 Häckſelmaſchine.......„ 50 1 Juttermühle...... 4 40 1 Getreideputzumhle.........„ 20 1 Keltern...„ 480 3 Abladebutten und nſiue der lherüihe.„ 150 1 Vorſtellbütte.....„ 10 Fäſſer...„ 100 Handgeräth und Säcke 26c....„ 100 Hausrath und Kochgeſchirr.......„ 160 —„ 2300 E. Vorrath an umlaufendem Betriebscapital ſiehe Rentabilitätsberechnung.....„ 3470 Werth des geſammten Beſites.. Mk. 84408 Inventar der Familienwohnung(Mobiliar, Betten, Bett⸗ wäſche u. ſ. w.) Mk. 2000. II. Natural-Rechnung. A. Natural⸗Ertrag. Aus dem Acker⸗, Wein⸗ und Wieſenbau. Die Bewirthſchaftung iſt die in der Gemarkung übliche und als rationell zu bezeichnen. Der Anbau der Früchte und der Natural⸗Ertrag ſtellen ſich ungefähr wie folgt: Getreide 5 82 S. 3 SlTeskassss Anbau SSsſess2 9 5 8 6 5SS 65ʃ Cenliner. Hectol. gelr. 57 Raps(Oelſaat).. 0,50 Hect. 26 30— , Korn.... 3,75„ 75 300 4 1, Gerſte..... 3,/5„ 165 230 2 ſee 1e Hafer... 2.⸗4 4,25„ 50 70 4 Kartoffeln.. 1,00„S 240 Küben.. 221,545„.,l 1400 Kdlee 42s 4,25„ bKczssee„ 590 Wieſclil.O. ,25„o 50 Mais(grün gefüttert)......... ͤ 100 Wicken„ 7= 60 Wein... 1,75 Hect. I 80 Der Durchſchnittsertrag berechnet ſich pro ¼ Hectar wie folgt: bei Raps auf 13 Ctr. Körner, 15 Ctr. Stroh, 5 1 Korn 1 5 11 11 20 11 1 1 Gerſte 2 11 1 1 15,30 2 7 „ Hafer„ 10„„ 14„„ „Kartoffeln„ 52„ Knollen, „ Rüben„ 200„ Rüben, „ Klee„ 39„ Heuwerth, 1 Wieſen 2 10 11 1 72 Mais 1 66 72 2 „ Wicken„ 30„ 7(grün gefüttert), „ Wein„ 11,42 Hectoliter. Aus dem Viehſtand. Milch. Durchſchnittlich im Jahr pro Kuh 3650 Liter, pro Tag und Kuh 10 Liter, im Ganzen 40150 Liter. 3‧*⁶ — 26— Rindvieh. Wird ſämmtlich angekauft, ausgemolken und als fett verkauft, im Durchſchnitt werden im Jahr 5 Stück an⸗ und verkauft. Der Verluſt pro Stück Mk. 50, im Ganzen Mk. 250. Geflügel. Ungefähr 1400 Eier; abgängiges Geflügel. Honig. 60 Pfund. B. Natural⸗Bedarf. Für Saatgut. Korn 3,75 Hectar..... 8 Ctr. 40 Pfd. Gerſte 3,75„..... 7„ 50„ Hafer 1,25„ 1„ 80„ Kartoffeln 1,00„ 24„—„ Rüben 1,75„..—„ 12„ Eſparſette. 1„ 50„ Kle⸗ 4,25„ Luzerne—„ 28„ Mais 0,37„.=„ 30„ Wicken 0,50„ 14„—„ Für den Viehſtand. Gerſte............. 2 Ctr. Hafer............. 413„ Kartoffeln............. 70„ Rüben........... 1080„ Klee, Luzerne, grün gefüttert und in Heuwerth. 590„ Wieſenheu und Grummet, ſauer...... 50„ Stroh, zum Streuenn......... 300„ 9„ Füttern........ 150„ Kleie, eigenes Mahlgut......... 10„ „ zulgelquft.......... 220„ Palmkuchen........... 182„ Malztreber.......... 460„ Salz............. H.„ Milch............. 600 Liter. Der Werth der für den Viehſtand verwendeten Producte beträgt in Lunder Summe................. RMk. 7023 Abzug der für die Pferde verwendeten Producte......„ 1080 bleiben zu verrechnen für Rindvieh, Schweine und Geflügel..... Mk. 5943 Der Werth der erzielten Producte beträgt annähernd.....„ 4500 Es würden demnach für die Koſten der verwendeten Producte noch durch den Stallmiſt zu decken ſeimn............ Mrk. 1443 — — 2/,— Die Stallmiſt⸗Production iſt auf ungefähr 3000 Centner zu veranſchlagen und berechnet ſich demnach der Centner Stallmiſt zu 48 Pf. Hierzu kommen noch die Koſten für Verpflegung, Zinſen ꝛc. des Viehſtandes, ſo daß der Centner Stallmiſt 50 Pf. koſten wird. Für die Familie (einſchließlich der Taglöhner, Mann und Frau, etwa 100 Tage.) Korn(nach Abzug von 10 Ctr. Kleie)....... 30 Ctr. Weizen(als Mehl gekauft)........... 3„ Karioffen.... 30„ Fleiſch... 900 Pfd. (hiervon ſind ſelbſt producirtes Schweinefleiſch 600 Pfd., zugekauftes Rindfleiſch 300 Pfd. und abgängiges Geflügel) Butter.. 150„ Schmalz................. 30„ Kaffee.. 52„ Cichvrien............. 12„ Zudker....... t.h.=......... 52„ Salz............ 150„ Milch............. 730 Liter Eier........... O....... 700 Stück Wein............... 600 Liter Treſterwein.... 1200„ (Der Treſterwein iſt ein Product, das aus den wenig Werth habenden aus⸗ gepreßten Weintrebern durch Zuſatz von Waſſer und Zucker gewonnen und den Arbeitern gegeben wird.) Käſe, Honig, Gemüſe ꝛc., pro Tag und Kopf 30 Pf. Es berechnet ſich hiernach(Taglöhner) Knechte und Magd, ſowie die im Hauſe verkehrenden Gäſte, der Verbrauch der 6 Perſonen des Haushaltes auf Mk. 1840, pro Kopf und Tag 84 Pf., ohne Taglöhner 80 Pf. 680 Gramm Getreide(3 Ctr. für Taglöhner abgerechnet), 680„ Kartoffeln, 205„ Fleiſch, 36„ Butter, 7,2„ Schmalz, 12„ Kaffee, 12 Zucker, 0,34 Liter Milch. Der Verbrauch von Wein läßt ſich auf den Kopf nicht austheilen, während der Beſitzer und Frau täglich ca. 1 ³ Liter verbrauchen, wird ſich der Reſt von obigen 600 Liter auf die Gäſte vertheilen. Die Taglöhner erhalten gewöhnlich keine Koſt, aber täglich Wein und müßten die verbrauchten 1200 Liter auf 4 Männer und 2 — 28— Frauen= 1 Mann, demnach 5 Perſonen, vertheilt werden, es käme dann pro Kopf und Tag 0,65 Liter. Der Vater des Beſitzers trinkt ſeinen eigenen Wein und kommt bei dieſer Ver⸗ theilung nicht in Betracht. Die Lebensweiſe der Familie iſt folgende: Erſtes Frühſtück: Kaffee mit Weck, die Dienſtboten Kaffee mit Brod und Käſe, des Sonntags Butter. Zweites Frühſtück: Brod mit Butter oder Wurſt, die Dienſtboten Brod und Käſe(Ernte und Herbſt) mit Wein. Mittageſſen: Suppe, Gemüſe oder Kartoffeln und Fleiſch, zeitweiſe Mehlſpeiſen. Vesperbrod: Kaffee mit Brod und Butter oder Käſe, auch Wein ſtatt Kaffee. Abendbrod: Kartoffeln mit Sauermilch, Brod und Käſe, Salat mit Wurſt, Fleiſch oder Eier, mit Wein. III. Geld-Rechnung. (Nach Maßgabe des letzten Jahres.) A. Einnahmen. 26 Gtr. Raps à Mk. 18,50......... Ml. 351,— 25„ Korn à Ml. 8...........„ 200, 155„ Gerſte à Mk. S,15....„ 13506,25 1110„ Kartoffeln à Ml. 1,7575.„ 192,50 320„ Zuckerrüben à 90 Pf.„...„ 288, 39400 Liter Milch* 10 Pf.........„ 3040, 7(4 Hectoliter Wein à Mk. 33..........„[.-2442, 500 Stückh Eier à 6 Pf 30,25 Summe. Mk. 8800,— (Die Einnahmen aus den verkauften Producten ſind die wirklich erlöſten Preiſe.) B. Ausgaben. Steuern und Umlagen: Grund⸗ und Gebäudeſtenuer...... Mlk. 153,42 Gemeinde⸗Umlagen hierauf.......„ 131,64 Staats⸗Einkommenſteuer........„ 84,66 Gemeinde⸗Einkommenſteuer.......„ 39,18 — Mk. 402,90 zu übertragen.. Mk. 402,90 —— — 29— Uebertrag Mk. 660,— Löhne: Für Dienſtboten...... Für Taglöhner: 2 Mann 300 Tage à Mk. 1,40„ 840,— 1 Jtau 280„„„ 1„ 280,— (Die Taglöhner erhalten jeden Tag pro Mann 1,33 Liter, die Frau 0,66 Liter Wein, Ernte und Herbſt Brod und Käſe, mehr Wein.) Unterhaltung der Gebäude Unterhaltung des todten Inventars: dem Wagner............ Mk. 60,— dem Schmied............„ 100,— dem Sattler..........„ 25,— dem Küfer..........„ 25,— Hausrath, Handgeräthe und Milchkannen..„ 50,— Inventar der Familienwohnung Verſicherungs⸗Prämie: für Gebäude..... Mk. 17,50 für Inventar und Producte.......„ 15,50 füir Arbeiter......„ 24,— Zukauf von Vieh: Es werden durchſchnittlich im Jahr 5 Kühe an⸗ und verkauft, der Verluſt berechnet ſich pro Stück Mk. 50. Mk. 250,— 3 Fertek..........„ 60, Zukauf von Kraftfutter: 220 Ctr. Kleien.......... Mk. 1100,— 180„ Palmkuchen........„ 1260,— 460„ Malztreber....„ 304,— Be Galg;.......... 16,80 Zukauf von Saatgut: Kleeſamen, Mais und Wicken Zukauf von künſtlichen Düngern: 2 Ctir. Chiliſalpeter........ Mk. 28,— 3„ Guanod„ 43,20 30„ Sußerphosphat.......„ 186,— 8„ Weinbergsdüinger..„ 24,— zu übertragen Mk. 402,90 „ 14780, 1„ 80,— „ 260,— 2 60,— „„ 57,— „ 310, „ 2680,80 1 45,— „ 281,20/ . Nr. 5056,90 Unterhaltung der Weinberge: Ncbertrag. Mr. 5936,90 für Pfähle, Pflöcke, Draht r...........„ 50,— Heizung und Beleuchtung: Kohlen, 80 Ctr........ Mlk. 48,— Holz........„ 20,— Petroleum, 100 Liter.........„ 24,— 99 Für Maſchinendreſchen...............„ 46,— Zukauf von Nahrungsmitteln: 300 Pfd. Welzenmehl...... Mlk. 60,— 300„ Fleiſch.... 1771092, 52„ Kaffee und Eichorie....„ 90,— 52„ Zuücker......„ 20,80 150„ Salz....„ 15, 400„ Zucker zur Bereitung von Treſterwein„ 120,— —„ 497,80 Belleidung....................„ 220, Arzt und Apptheke.............. h.„ 50, b Thierarzt-ʒ.. h.......„ 10,— Verſchiedenezs.... a.......„ 19,30 Summe Mk. 6940,— C. Vergleichung der Geld⸗Einnahmen und Geld⸗Ausgaben. Die Einnahmen betrugen... Mk. 8800,— Die Ausgaben betrugen....„ 6940,— Ueberſchuß Mk. 1860,— IV. Rentabilitäts-Berechnung. (Nach Maßgabe des letzten Jahres.) A. Rohertrag (excl. der für die Production in der Wirthſchaft wieder verwendeten Producte). Erlös aus verkauften Producten...... Mk. 8800,— Werth der für die Familie aus der wirthſchaft entnommenen Producte(ſ. oben 1827— 497)......„ 1330,— Summe Mk. 10130,— B. Productionskoſten. 1. Gebäudecapital: Zinſen von Mk. 18000 à 4 b0... Mk. 720,— „ 1 7,50 zu Feriragen.. Mt. 737,50 Verſicherungsprämie. — 31— Uebertrag.. Mk. 737,50 Abnutzung(Amortiſation) 0,75 pGt...„ 135,— Inſtandhaltung.........„ 60,— Mk. 932,50 2. Capital des lebenden Inventars: Zinſen von Mk. 6480 à 4 pCt.... Mk. 259,— Verſicherungsprämie, 2 ½ pCt.....„ 162,— Abnutzung(Amortiſation) der Pferde im Werthe von Mk. 1500, 10 pGt...„ 150,— 3 Ferkel.........„ 60,— Ankauf von Vieh, beziehungsweiſe Verluſt bei An⸗ und Verkauf......„ 250,— „ 881,— 3. Capital des todten Inventars: Zinſen von Mk. 2300 à 4 pCt.... Mk. 92,— Verſicherungsprämie, 0,2 pGt.....„ 4,60 Erneuerung und Inſtandhaltung...„ 260,— „ 356,60 4. Zinſen des umlaufenden Betriebscapitals. Letzteres beträgt 50 pCt. der baaren Ausgaben= Mk. 3450, hierbon 6 pCt...„ 207% 5. Feuerverſicherung der Productce.„ 7,50 6. Hagelverſicherungsprämie, 0,75 pCt. vom Werth der Getreide⸗ Ernte(hagelt ſelten)= Mk. 5000.....„ 37,50 7. Verſicherung von 2 Arbeitern„ 24,— 8. Steuern und Umlagen(excl. Einkommenſteuer)......„ 285,06 9. Kraftfitter.................„ 2694,80 10. Künſtliche Dünger............„⸗ 281,20 11. Heizung und Beleuchtung, 25 pCt. der geſammten Ausgaben, (75 pCt. kommen auf den Haushalt)........„ 23,— 12. Thierarzt................„ 20,— 13. Arbeitslöhne: 3 Dienſtboten........ Mk. 1060,— Taglöhner: 2 Mann 600 Tage à Mk. 1,40 Mk. 840 1 Frau 280„„„ 1„ 280 —„ 1120, Mann und Frau.... Mk. 650 Batter.........„ 150 —„ 800,— --„ 2180,— 14. Verſchtedenes................„ 19,84 Summa Mk. 8750,— C. Reinertrag. Der Rohertrag betrug.... Mk. 10130,— Die Productionskoſten betragen.„ 8750,— 1 Bleibt Reinertrag.. Mk. 1380,— 6 Der Werth des Grundcapitals nebſt Obſtbäumen beträgt Mk. 54160. Der Reinertrag(ohne Wohnung) Mk. 1380 entſpricht an Zinſen 2,55 pCt. Die Woh⸗ nung zu Mk. 120 gerechnet, erhöht den Reinertrag auf Mk. 1500 und die Zinſen auf Mk. 280. Ein Haufen im Felde ſitzendes Stroh, ca. 150 Centner im Werthe von Mk. 225, verbrannte. Die Verſicherung war 2 Tage vorher abgelaufen und erhielt der Beſitzer keine Entſchädigung, dadurch wurde der Rohertrag um Mk. 225 gemindert. Werden dieſe Mk. 225 zum Reinertrag geſchlagen, dann erhöht ſich die Rente mit Wohnung auf 3 pCt. Nachtrag. Geld- und Ventabilitäts-Vechnung. (Nach Maßgabe der Durchſchnittserträge.) Geld-Rechnung. Einnahmen. 16 Gtr. Rabs à Ml. 13 8..Nl. 208,— 80„ Roggen à Mk. 9„ 14720,— 1410„ Gerſte à Ml. 9.„ 990,— 50„ Kartoffeln à Mk. 2,50.„ 125,— 40 Hectoliter Wein à Mk. 35„ 1400,— Eier, Milch und Zuckerrüben wie oben.......„ 1258, Summe.. Mk. 7701,— (Die Preiſe der Getreide und Kartoffeln ſind etwas niedriger als die Durchſchnitts⸗ preiſe der letzten 6 Jahre in Mainz genommen.) Ausgaben. Die Ausgaben betragen wie bei der Geldrechnung oben... Mk. 6940,— Vergleichung der Geld⸗Einnahmen und Geld⸗Ausgaben. Die Einnahmen betragen rund.. Mk. 7700,— Die Ausgaben betragen.„ 6940,— Ueberſchuß.. Mt. 760,— Rentabilitäts-Berechnung. Rohertrag. Erlös aus verkauften Producten 3 Werth der für die Wunie, aus der itlſcſte entnommenen Producte. Summe Productionskoſten. Die Productionskoſten bleiben wie oben. Reinertrag. Der Rohertrag beträgt.... Mk. 9050,— Die Productionskoſten betragen.„ 8750,— Bleibt Reinertrag.. Mk. 300,— Mk. 7700,— 3. NM. 0050,— Mk. 8750,— Das Grundcapital mit Obſtbäumen iſt abgeſchätzt zu Mk. 54160. Dem obigen Reinertrag noch Mk. 120 Wohnungsmiethe zugerechnet, ergibt Mk. 420, die einem Zinserträgniß von 0,80 pCt. entſprechen. ————OòO Anlage II. Gemeinde Guntersblum. Beſitzſtand, Natural⸗ und Geld⸗Rechnung und Rentabilitäts⸗Berechnung eines mittleren Pauerngutes von 9,31 Hectar. (Hiervon ſind 1,09 Hectar Pachtgut.) Der Beſitzer iſt verheirathet, 48 Jahre alt, Vater von 3 Kindern, einer Tochter von 18 Jahren und 2 Kindern von 9 und 6 Jahren. Der Vater, die Mutter und die erwachſene Tochter führen mit Hülfe eines Knechtes die Wirthſchaft. Zur Ernte und Herbſtzeit werden Taglöhner zugezogen. Mit Zurechnung des Knechtes beſteht die Haushaltung aus 6 Perſonen. I. Beſitzſtand. A. Grund und Boden mit Obſtbäumen(Grundcapital). 6,24 Hectar Ackerland— mittlerer Kaufwerth: Steuercapital: 1,10„ Wieſen 20300 Mt 210 fl. 0,88„ Weinberge 4 Grundſteuercapit. (in 36 Parcellen.) 1,09 Hectar Ackerland ſind Pachtgut, Werth 3840„ 43 24140 Mk. DObſtbäume: 9 kleine Birn⸗ und Aepfelbäume à Mk. 5 Mk. 45 25 junge Zwetſchenbäume à Mk. 3...„ 175 Summe Mk. 120 — 35— Wiederholung: Grund und Boden...... Mk. 24140 Obſtbäuue„ 120 Mk. 24260 B. Gebänude. Ein Wohnhaus mit Scheuer und Stall.. Mk. 4190 Keller und Kelterhaus....—„ 1400 „ 5590 C. Viehſtand. 1 Pferd........... Mrk. 500 3 Kühe...„ 750 2 Schweine..........„ 150 15 Hühner.............„ 15 2 Gänſe..........„ 5 „ 1420 D. Todtes Inventar. 1 Wagen............ Ml. 60 1 Karren... H......„ 50 3 Pflüge und 1 Egge....„ 40 1 Windmühle mit Sieben........„ 25 1 Pferdegeſchirr........„ 40 1 Kelter......„ 50 Herbſtgeräthe, Fäſſer und Bütten....„ 145 Handgeräthe und Säcke........„ 50 Hausrath incl. Kochgeſchirr......„ 50 0 E. Vorrath an umlaufendem Betriebscapital ſiehe Rentabilitätsberechnung rund.......„ 1 220 Werth des geſammten Beſibes Ml. 33000 Inventar der Familienwohnung(Mobiliar, Betten, Bett⸗ wäſche ꝛc.) Mk. 1000. II. Natural-Rechnung. A. Natural⸗Ertrag. Aus dem Acker⸗, Wieſen⸗ und Weinbau. Die Bewirthſchaftung des Feldes iſt im Allgemeinen die in der Gemarkung übliche, bei dem Getreidebau wird darauf geſehen, daß dieſer nie mehr als zweimal nacheinander gebaut wird. — 36— Der Anbau der Früchte und der Natural⸗Ertrag derſelben ſtellen ſich ungefähr wie folgt: Getreide 5 3½ Anbanu 8l2 3 5 Centner. Hectol. Kohl(Oelſaat)... 0,23 Hect. 9,65 9 Korn.... 1,25 ₰ 28 100 Gerſte.1,37„ 56 62 Hafer.... 12.,2. 0,3 6 8 12 Kartoffeln... 0,36——[72 Rüben... hS.7 1,11„———[420 Klee....&.f 1, /7——— 1⁴⁰ Wieſen 1,10)„——1—=— 26 Mqis. 0,12„⸗=— A= 0,30 Wein.....(9„= 38 Brache 0,25„———— Der Durchſchnittsertrag berechnet ſich pro ½ Hectar wie folgt: bei Kohl auf 10,50 Ctr. Körner, 10 Ctr. Stroh, 2 Korn 2 5,60 2 2 20 7/ 2 2 G erſte 2 1 0 2 2 1 1 2 2 2 Hafer 2 5,30 2 2 8 I/ 7 „ Kartoffeln„ 21„ Knollen, „ Rüben„ 94„ Rüben, „ Kler„ 20„ Heuwerth, „ Wieſen„ 6„„ „ Mais„ 62„ „ Wein„ 11 Hectoliter Wein. Aus dem Viehſtand. Milch. Durchſchnittlich pro Kuh im Jahr 2555 Liter, pro Tag und Kuh 7 Liter, im Ganzen 7665 Liter. 9 Rindvieh. Durchſchnittlich alle 3 Jahre eine Kuh, in 2 Jahren 3 Kälber. Geflügel. 1000 Eier und etwas abgängiges Geflügel. B. Natural⸗Bedarf. Für Saatgut: Korn 1,25 Hectau.... 4 Ctr.— Pfd. Gerſte 1,37„...... 4„ 40„ Hafer 0,37„.....—„ 80„ Kartoffeln 0,86 Hectar..... 22 Ctr.— Pfd. Rüben 1,11„..... 10000 St. Pitanzen, Klee 1,75„( Pfd. Luzerne)— Ctr. 60 Pfd. Mais 0,12„......—„ 25„ Für den Viehſtand: Gerſte............ 1 Ctr. Hafer, dem Pferde.......... 6, Kartoffeln, den Schweinen und dem Rindvieh. 30„ Rüben, dem Pferde„„. 250„ Klee(Luzerne wird grün gefüttert).....—„ „ in Heuwerth, dem Pferde und Rindvieh. 440„ Wieſenheu und Grummet(ſauer)..... 26„ „ augeldnftt.... 90„ Gras, zugekauft, zum Streuen...... 20„ Stroh, zum Streuen......... 110„ 3„ Futtern........ 64„ Kleie, eigenes Mahlgut......... 7„ „ zugekauft........ 52„ Palmluchen............. 22„ Salz......... 3„ Milch............ 1000 Liter Der Werth der für den Viehſtand verwendeten Producte beträgt in runder Summe annähernd............... Mk. 1540 Die Koſten der zur Fütterung des Pferdes verwendeten Producte abgezogen mit.„.„ 290 bleiben.. Mk. 1250 Der Werth der erzielten Producte beträgt.....„ 930 Für die verwendeten Producte wären durch den Stallmiſt zu decken Mk. 320 Die Stallmiſtproduction iſt annähernd auf 800 Ceutner zu ſchätzen, es wird dem⸗ nach der Centner mit 40 Pf. zu berechnen ſein, wozu noch die Koſten für Zinſen und Verpflegung des Viehſtandes kommen. Für die Familie (einſchließlich des Knechtes und der Taglöhner.) Korn und Gerſte(nach Abzug von 7 Ctr. Kleie) 21 Centner Weizenmehl.. 2„ Kartoffeln............ 200„ Fleiſch 500 Pfund (Hiervon ſindſ elbſtproducirtes Schweinefleiſch, 350 Pfund, zugekauftes Rindfleiſch 150 Pfund.) Butter Zucker Salz. Milch. Eier Wein. Treſterwein. Schmalz. 1 Kaffee.. Cichorie. — 38— 104 Pfund 40„ 52 2 26„ 40 2 100„ 900 Liter 900 Stück 200 Liter 800„ Käſe, Gemüſe ꝛc. 640 427 107 23 9,20 11,60 5,80 b 9,20 b 23 0,4 — Der Verbrauch der aus 6 Perſonen beſtehenden Familie(den Knecht mit ein⸗ gerechnet) berechnet ſich pro Kopf und Tag auf ungefähr: Gramm Getreide(nach Abzug der Kleie 502 Gramm), 2 2 2 0,4 Liter 2 Kartoffeln, Fleiſch, Butter, Schmalz, Kaffee, Cichorie, Zucker, Salz, Milch, Wein und Treſterwein, Käſe, Gemüſe, Eier, ꝛc. (Der Treſterwein iſt ein Product, das aus den aus den ausgepreßten Wein⸗ trebern, die wenig Werth haben, durch Zuſatz von Waſſer und Zucker gewonnen wird.) Die Lebensweiſe der Familie iſt folgende: Erſtes Frühſtück: Kaffee mit Brod, Butter oder Käſe. Zweites Frühſtück: Brod mit Käſe oder Butter, bei anſtrengender Arbeit Wurſt oder Fleiſch, zeitweiſe Wein. Mittageſſen: Suppe, Gemüſe oder Kartoffeln mit Fleiſch oder Mehlſpeiſen und öfter Wein. Vesperbrod: Brod mit Käſe oder Butter, Kaffee oder Wein. Abendbrod: Kartoffeln mit Sauermilch, Brod und Käſe oder Suppe, zu⸗ weilen Salat mit Wurſt oder Eier. Der Werth der von der Familie verbrauchten Lebensmittel beträgt ungefähr jährlich Mk. 1180, pro Kopf und Tag 54 Pf. III. Geld-Rechnung. (Nach Maßgabe des letzten Jahres.) A. Einnahmen. 9 Cfr. Rapees....... Mk. 117, 43„ Gerſte..........„ 37/2, 176„ Zuckerrüben.....„ 158, 200 Pfd. Bntter............„.„ 200,— 3880 Liter Milch....„ 388, Vieh: Alle 3 Jahre 1 fette Kuh 2 Mk. 255„ 85,— „ 2„ 3 Kälber à Mk. 33.......„ 50,— 34 Hectoliter Wein Mk. 35......... e 1190,— Summe.. NMt. 2560,— (Die Einnahmen der verkauften Producte ſind die wirklich erlöſten Preiſe.) B. Ausgaben. Steuern und Umlagen: Grund⸗ und Gebäudeſteuer....... Mk. 63,06 Gemeinde⸗Umlagen hierauf.......„ 53,58 Staats⸗Einkommenſteuer........„ 24,42 Gemeinde⸗Einkommenſteuer.......„ 9,54 — Mk. 150,60 Pacht für 1,09 Hectar Feld............„ 163,48 Löhne: Dem Knecht für das Jahr...... Mk. 200,— Taglöhne: 1 Mann 50 Tage à Mk. 1 40„ 70,— 1 Frau 120„„„ 1.„ 120,— ——„„ 390,— (Die Taglöhner erhalten täglich Wein, im Herbſt auch Brod und Käſe.) Unterhaltung der Gebäude..............„ 35,— Unterhaltung des todten Inventars: dem Wagner............ Mk. 35, dem Schmied...........„ 60,— dem Sattler........„ 10,— für Hausrath und Handgeräthe......„ 24,— 129 Inventar der Familienwohnung...........„ 40,— zu übertragen.. Mk. 908,08 Uebertrag.. Mk. 908,08 Verſicherungs⸗Prämien: Für Gebäude.... Mk. 5,03 Für Mobilien, Inventar, Producte: und Vieh.„ 7,50 12,93 Zukauf von Vieh: 2 Ferkel...............„ 20,— Zukauf von Kraftfutter: 90 Ctr. Wieſenhe.......... Mt,. 180,— 52„ Kleie...........„ 260,— 22„ Palmluchen........„ 154, 3„ Sal;......... 8740 -„ 602,40 Znkauf von Streumittel............„ 12,— Unterhaltung der Weinberge: für Pfähle, Pflöcke, Draht ꝛc............„ 17,50 Zukauf von künſtlichen Düngern: 16 Ctr. Superphosphat........ Mk. 128,— 1 ½ Guanod.........„ 30,— 11 158,* Für Maſchinendreſchen...............„ 30,— Heizung und Beleuchtung: Kohlen, 50 Ctt.......... Mk. 32,50 Holz...........„ 20,— Petroleum, 78 Liter.........„ 18,72 „ 71,22 Zukauf von Nahrungsmitteln: 200 Pfd. Weizenmehl......... Mk. 40,— 150„ Rindfleiſch......„ 96 Kaffee, Zucker und Salz ꝛc.......„ 93,60 200 Pfd. Zucker für Treſterwein.....„ 60,— —„ 289,60 Bekleidung................. 15 7, G2 300,— Arzt und Apothele................) 7 30,— Thiergrzt...................„ 6,— Verſchiedenes.............. 42 12,67 Summe Mk. 2440,— C. Vergleichung der Geld⸗Einnahmen und Geld⸗Ausgaben. Die Einnahmen betrugen... Mk. 2560,— Die Ausgaben betrugen....„ 2440,— Bleibt Ueberſchuß.. Mk. 120,— — 41— IV. Aentabilitäts-Berechnung. (Nach Maßgabe des letzten Jahres.) A. Rohertrag (excl. der für die Production in der Wirthſchaft verwendeten Producte.) Erlös aus verkauften Producten... MNk. 2560,— Werth der für die Familie aus der rrulſcufte entnommenen Producte..... 2 874,— Summe.. Mt. 3434,— B. Productionskoſten. . Gebäudecapital: Zinſen von Mk. 5590 à 4 pCt.... Mk. 223,16 Verſicherungsprämie...„ 5,03 Abnutzung(Amortiſation) 0,75 r*„ 41,35 Inſtandhaltung......„ 35,— Mk. 304,98 .Capital des lebenden Inventars: Zinſen von Mk. 1420 à 4 pCt.... Mk. 56,80 Verſicherungsprämie 2 ½ pCt.....„ 35,— Zukauf von 2 Ferkeln....„ 20,— Abnutzung(Amortiſation) des Pferdes im Werthe von Mk. 500, 10 pCt....„ 50,— „ 161,80 . Capital des todten Inventars: Zinſen von Mk. 510 à 4 pCt..... Mk. 20,40 Verſicherungsprämie....„ 1,— Erneuerung und Inſtandhaltung...„ 129,— „ 150,40 . Zinſen des umlaufenden Betriebscapitals. Letzteres beträgt 50 pCt. der jährlichen baaren Ausgaben= Mk. 1240 à 6 pPCt..„ 74,40 . Feuerverſicherung der Producte..„ 2,— Hagelverſicherungsprämie, 0,75 pCt. vom Weui der Getreide⸗ Ernte= Mk. 2000...„ 15,— Steuern und Umlagen(excl. Einkommenſteuer)..„ 116,64 Kraftfutter und Streumaterial...........„ 614,40 Künſtliche Dünger..„ 128,— Heizung und Beleuchtung, 25 pCt. der geſammten Aueöube Gs pCt. kommen auf den Henehai).....„ 17,75 Thierarzt.............„ 6,— zu übertragen.. Mk. 1591,37 4¹⁶ Uebertrag. Mk. 1591,37 12. Arbeitslöhne: Dienſtboten(ein Knecht)...... Mlk. 400, Taglöhner: 1 Mann 50 Tage à Mk. 1,40 Mk. 70 4 Frau 120„„„ 1„ 120 „ 190,— Mann und Frau.... Mk. 600 Tochter.....„ 200 „ 800,— —„ 1390, 13. Berſchiedenes.................„ 18,63 Summe Mk. 3000,— C. Reinertrag. Der Rohertrag betrug..... Mk. 3434 Die Productionskoſten betragen..„ 3000 Bleibt Reinertrag.. Mk. 434 Das Grundcapital ſammt Obſtbäumen beträgt Mk. 24140 und entſpricht der Reinertrag(ohne Wohnung) von Mk. 434 einer Verzinſung des Capitals von 1,80 pCt. Den Miethwerth der Wohnung zu Mk. 100 gerechnet, erhöht den Reinertrag um dieſen Betrag und die Rente auf 2,21 pCt. Nachtrag. Geld- und Rentabilitäts-Rechnung. (Nach Maßgabe der Durchſchnittserträge.) Geld-Rechnung. Einnahmen. 8 Ctr. Naps Mk. 13......... M. 104, 15„ Roggen à Mk. o9...„ 135, 32„ Gerſte à Mk. 9............„ 288, 20„ Kartoffeln à Mk. 2,50..........„ 50,— 240„ Zuckerrüben à 90 Pf...........„ 210, 24 Hectoliter Wein à Mk. 35........„ 840,— Butter, Milch und Erlös aus Vieh wie oben......„ 123, Summe Mk. 2356,— f 4 4 — 419— Ausgaben. Die Ausgaben erleiden gegen oben eine Aenderung. Der Durch⸗ ſchnittsertrag von Wieſenheu erhöht ſich gegen den Natural⸗ Ertrag von oben um 45 Centner, wodurch der Ankauf um ſo viele Centner à Mk. 2 vermindert wird und Mk. 90 weniger Ausgaben entſtehen, Mk. 2440— Mk. 90=.. Mk. 2350,— Vergleichung der Geld⸗Einnahmen und Geld⸗Ausgaben. Die Einnahmen betragen... Mk. 2356,— Die Ausgaben betragen....„ 2350,— Ueberſchuß.. Mk. 6, Rentabilitäts-Berechnung. Rohertrag. Erlös aus verkauften Producten... Mk. 2356,— Werth der für die Nanilie aus der irtſchaſe entnommenen Producte...... 894,— Summe.. NMk. 3250,— Productionskoſten. Die Productionskoſten vermindern ſich gegen oben um 90 Mk. durch weniger Zukauf von Kraftfutter und betragen... Mk. 3000,— Reinertrag. Der Rohertrag beträgt.... Mk. 3250,— Die Productionskoſten betragen.„ 3000,— Bleibt Reinertrag.. Mk. 250,— Das Grundcapital mit Obſtbäumen iſt abgeſchätzt zu Mk. 24140. Dem Rein⸗ ertrag den Mieth der Wohnung mit Mk. 100 zugeſetzt, ergibt Mk. 350 und ent⸗ ſpricht dieſer einer Rente von 1,50 pCt. ꝙOO«OAO; Anlage III. Gemeinde Guntersblum. Beſitzſtand, Natural⸗ und Geld⸗Rechnung und Rentabilitäts⸗Berechnung eines kleineren Bauerngütchens von 2,37 Yectar. Der Beſitzer iſt verheirathet, 46 Jahre alt, hat 3 Kinder, eine Tochter von 20 Jahren, 2 Söhne von 14 und 11 Jahren. Der Mann, die Frau und Tochter führen gemeinſchaftlich die Wirthſchaft. Die von der Wirthſchaft nicht in Anſpruch genommene Zeit wird von dem Manne zum Anbauen von Weinbergen im Accord be⸗ nützt, während die Tochter im Taglohn arbeitet. I. Beſitzſtand. A. Grund und Boden mit Obſtbäumen(Grundcapital). 2 Hectar Ackerland mittlerer Kaufwerth: Steuercapital incl. Gebäude: 0,37„ Wieſen 6300 Mk. 69 fl. (in 8 Parcellen.) Obſtbäume: 4 größere Aepfelbäume à Mk. 25.... Mk. 100 3„ Virnbäume 3 Mk. 25....„ 75 13 kleinere Bäume à Mk. 1......„ 13 Summe Mk. 188 Wiederholung. Grund und Boden. Mk. 6300 Obſtbäume...........„ 188 —;/YA Mk. 6488 zu übertragen.. Mk. 6488 — — Uebertrag Mk. 6488 B. Gebäude. Ein Wohnhaus mit Stall und Scheuer, laut Brandcataſter.„ 2000 C. Viehſtand. 2 Kühe, werden zum Bebauen der hhalder denit Mk. 400 1 Kalb...„ 70 2 Schineine.....„.....„ 168 8 Hühner.............. 8 —„ 646 D. Todtes Inventar. 1 Wagen...... Mlk. 60 2 Pflüge und 1 Egge...„ 40 Fahrgeſchirr für die Kühe........„ 10 Faß, Bütten und Geſchirr.......„ 20 Handgeräthe und Säcke........„ 20 Hausrath und Kochgeſchirr........„ 30 —„ 180 E. Vorrath an umlaufendem Betriebscapital ſiehe Rentabilitätsberechnung.„ 510 Werth des vunünden Beſites Mk. 9824 Inventar der Familienwohnung(Mobiliar, Betten 2c.) Mk. 600. II. Natural-Rechnung. A. Natural⸗Ertrag. Aus dem Acker⸗ und Wieſenbau. Die Bewirthſchaftung des Ackerfeldes iſt die in der Gemarkung wird Getreide nie mehr als zweimal nacheinander angebaut. übliche und Der Anbau und der Natural⸗Ertrag der Früchte ſtellen ſich hiernach wie folgt: Getreide. 8sa l8⁵ Anbanu=SSSBZS3 ⁵ ½ 5 Centuer. Korn. 0,25 Hectar 6 20 Gerſte 0,50„ 20 24 Hafer.. 0,20„ 4 8 Kartoffeln 0,40„—— 50 Rüben 0,40„——[—[250 Klee. 0,25„———[ 25 Wieſen 0,37„——— I—=—5 Der Durchſchnittsertrag berechnet ſich pro ¼ Hectar wie folgt: bei Korn auf 6 Ctr. Körner, 20 Ctr. Stroh, „ Gerſte„ 10„„ 12„„ 2 Hafer 1 5 1 2 10 1 2 „Kartoffeln„ 31,25„ Kunollen, „ Rüben„ 178,57„ Rüben, „ Klee„ 25„ Heuwerth, „ Wieſen„ 8,30„„ Aus dem Viehſtand. Milch. Durchſchnittlich im Jahre pro Kuh 1825 Liter, pro Tag und Kuh 5 Liter, im Ganzen Rindvieh. Durchſchnittlich 3650 Liter. wird alle 3 Jahre eine Kuh abgeſchafft und durch Nachzucht erſetzt, auch jedes Jahr ein Kalb verkauft. Geflügel. Ungefähr 700 Eier. B. Natural⸗Bedarf. Für Saatgut. Korn 0,25 Hectgar...... Elr. 80 Pſd. Gerſte 0,50„ 1„ 50„ Hafer 0,20 7 u* 40 2 Kartoſfeln 0,40„...... 10„—„ Rüben 0,40„ 6000 St. Pflanzen à 20 Pf. und Zuckerrüben, Eſparſette..— Ctr. 10 Pfd. Kle⸗ 0,25„ Luzerne..—„ 12„ Für den Viehſtand. Kartoffeln 20 Ctr. Rüben 180„ == Klee, theils grün gefüttert Cenndertc).... 25 Etr. „ zugekauft..... 20„ Kleien, von eigenem Mahlgut.... 24„ „ zugelauft......... 25„ Rapstuchen............. 2„ Wieſenhen, ſaueres.......... 5„ 9 zugekauft.......... 20„ Stroh, zum Streuen.......... 20„ „„ Füttern....... 32„ Riedgras, für Streu zugekauft....... 20„ Milch, ganze und abgerahmte....... 500 Liter. Der Werth der für den Viehſtand verwendeten rodts belrigt in runder Summe ungefähr.. Mk. 580 Der Werth der eegüllen raprcte terainet ia im Ganzer an⸗ nähernd auf...„ 470 Für die verwendeten Producte wären durch den Stallmiſt zu decken Mk. 110 Die Stallmiſtproduction beträgt 400 Centner und wird ſich demnach der Centner auf 28 Pf. ſtellen. . Für die Familie: Korn(nach Abzug von 2 Ctr. Kleien)..... 5 Ctr. 20 Pfd. Brod(zugekauft 270 Laib à 6 fr) Weizenmehl..... 2„=„ Kartoffeln.............. 20„„ Fleiſch.. 365 Pfd. (hiervon 300 Pfd. ſelbſtprodueirtes Schweinefleiſch und 65 Pfd. zugernnſtes Irindileiſch Butter...... 30„ Schmalz............. 30„ 1 Kaffere........ 25„ Eichorie............. 25„ Zückeer„.......... 10„ Salz............... 100 Milch.............. 730 Liter Eier... J.......... 200 Stück Käſe, Gemüſe zc ꝛc. Es berechnet ſich hiernach der Verbrauch der Familie pro Kopf und Tag auf ungefähr: . 530 Gramm Getreide(wegen des zugekauften Brodes ſchwer feſtzuſtellen) 550„ Kartoffeln, 100 Gramm Fleiſch, 8,22„ Putter, 8,22„ Schmalz, 6,85„ Kaffee, 6,85„ Cichorie, 2,74„ Zucker, 30„ Salz, 0,40 Liter Milch. Der Werth der von der Familie verbrauchten Nahrungsmittel beträgt jährlich Mk. 727 und täglich Mk. 1,99, pro Kopf und Tag 40—50 Pf. Die Lebensweiſe der Familie iſt folgende: Erſtes Frühſtück: Kaffee, Brod mit Butter, Käſe oder Latwerge. Zweites Frühſtück: Brod mit Käſe oder Butter, bei anſtrengender Arbeit zuweilen Wurſt oder Fleiſch. Mittageſſen: Suppe, Gemüſe oder Kartoffeln mit Fleiſch. Vesperbrod: Brod mit Käſe oder Butter, im Winter und des Sonntags Kaffee. Abendbrod: Geſottene Kartoffeln mit Sauermilch, Brod und Käſe oder Suppe. Sonntags Salat mit Wurſt. III. Geld-Rechnung. (Nach Maßgabe des letzten Jahres.) A. Einnahmen. 13 Ctr. Gerſte............ Mlk. 153,— 4„ Haferr........:)...„ 30,— 70„ Zuckerruben..„ 63,— 160 Pfd. Butter.....„ 144, 500 Stück Eier....., 30,— Vieh: Alle 3 Jahre 1 fette Kuh à Mk. 200, pro Jahr 5, 67,— Jährlich 1 Kalb....„ 33,— Der Mann und die Tochter verdienen mit T Taglohn und Wingerts⸗ baulohn im Accord...........„ 510, „Summe.. Mk. 1030,— B. Ausgaben. Steuern und Umlagen: Grund⸗ und Gebäudeſteuer....... Mk. 20,82 Gemeinde⸗Umlagen hierauf.......„ 18,06 Staats⸗Einkommenſteuer........ 85 9,78 Gemeinde⸗Einkommenſteuer.......„ 3,90 —:- Mk. 52,56 zu übertragen.. Mk. 52,56 — 49— Uebertrag.. Mk. 52,56 Unterhaltung der Gebäude......„ 15,— Zinſen von Mk. 2000 Kaufſchillingſchulden 4 1 pEt....„ 80,— Unterhaltung des todten Inventars: dem Wagner............ Mk. 5,— dem Schmied.......„ 12,— Hausrath und Handgeräthe..... 5 6,— 25 5 Inventar der engeren Familienwohnung..........„ 15,— Verſicherungsprämie: für Gebäude... A„ 3,50 (Inventar, Producte und Vich ſin nicht verſichert) Zukauf von Saatgut: Kleeſamen..................„ 2,40 Dickrübenpflanzen...........„ 12,— Zukauf von Vieh: 2 Ferkel...............„ 20,— Zukauf von Kraftfutter: 25 Etr. Kleiceh..........Mb. 50, 1 2„ Rapeluchen.........„ 1 6, 20„ Klec.....„ 50,— 20„ Wieſengras.........„ 40,— ——„ 157,— 20„ Streugras.............„ 15,— Heizung und Beleuchtung: Holz und Kohlen......... Mk. 40,— Petroleum ec............„ 10,— 1 50, Zukauf von Nahrungsmitteln: Brod 270 Laib à 6 Pfd.......„ Mlk. 178, Weizeumehl 2 Ctr...........„ 40,— Fleiſch, 65 Pfd. Rindfleiſch.......„ 39,— Kaffee, Zucker, Schmalz und Salz.....„ 50,— —„ 307,— Bekleidnung.................„ 250,— Arzt und Apothete................„ 10,— Thietarzat...„ 2,— Verſchiedenes...................„ 5,54 Summe Mk. 1020,— — 50— C. Vergleichung der Geld⸗Einnahmen und Geld⸗Ausgaben. Die Einnahmen betrugen..... Mk. 1030,— Die Ausgaben betrugen„ 1020,— Ueberſchuß Mk. 10,— IV. Rentabilitäts-Berechnung. (Nach Maßgabe des letzten Jahres.) A. Rohertrag. (excl. der für die Production in der Wirthſchaft wieder verwendeten Producte). Erlös aus verkauften Producten(ſ. oben)....... Mk. 520,— Werth der für die Familie aus der Wirthſchaft entnommenen Producte(ſ. oben).........„ 420,— Summe.. Mk. 940,— B. Productionskoſten. 1. Gebäudecapital: Zinſen von Mk. 2000 à 4 pGt. Mk. 80,— Verſicherungsprämie. 3.. 5 3,50 Abnutzung(Amortiſation) 0,75 vet.„ 15,— Inſtandhaltung......„ 20,— — Mk. 118,50 2. Capital des lebenden Inventars: Zinſen von Mk. 646 à 4 pCt..... Mk. 25,84 Verſicherungsprämie 2 ½ pCt.„ 16,15 (Es iſt nichts verſichert.) Jährlicher Zukauf von 2 Ferkeln...„ 20,— — 3 61,99 3. Capital des todten Inventars: Zinſen von Mk. 180 à 4 pCt..... Mk. 7,20 Erneuerung und Inſtandhaltung, wirkliche Ausgabe.......„ 23,— „ 30,20 4. Zinſen des umlaufenden Betriebscapitals. Letzteres beträgt 50 pCt. der jährlichen baaren Ausgaben= Mk. 470 à 6 pCt....„ 28,20 5. Steuern und Umlagen(excl. Einkommenſteuer).„ 38,88 6. Kraftfutter, Streu und Saatgut„ 188,40 7. Hagelverſicherungsprämie 0,75 Fel vom Wethe der Getreide⸗ Ernte= Mk. 320.. 2 2,40 zu iiertengen Mt. 468,57 — Uebertrag.. Mk. 468,57 8. Heizung und Beleuchtung, 25 pCt. der geſammten Ausgabe.„ 12,50 9. Thierarzt................„ 2,— 10. Arbeitslöhne: Für die Wirthſchaft ſind zu berechnen ungefähr 210 Arbeitstage. 110 Tage für 1 Mann pro Tag Mk. 2, 100 Tage für 1 Frau pro Tag Mk. 1,50.„ 370,— 11. Verſchiedenes.................„ 12,93 Summe. Mk. 864, C. Reinertrag. Der Rohertrag betrug.... Mk. 940,— Die Productionskoſten betragen.„ 864,— Bleibt Reinertrag.. Mk. 76,— Das Grundcapital nebſt Obſtbäumen beträgt Mk. 6488. Da der Reinertrag (ohne Wohnung) mit Mk. 76 das Zinserträgniß bildet, ſo entſpricht dieſer einer Verzinſung von Mk. 1,16. Den Miethwerth der Wohnung eingerechnet und zu Mk. 60 angenommen, erhöht den Reinertrag um dieſe Summe, das Zinserträgniß auf 2 pCt. Nachtrag. Geld- und Ventabilitäts-Vechnung. (Nach Maßgabe der Durchſchnittserträge.) Geld-Rechnung. Einnahmen. 2 Ctr. Noggen A Mk............. Mk. 18,— 414„ Gerſte A Ml. 9.............„ 126,— 5„ Hafer...... ⸗ 37,— Butter, Eier, Erlös aus Vieh und Zuckerrüben wie oben..„ 337,— Tag⸗ und Wingertsbaulohn............„ 510,— Summe. Mk. 1028,— Ausgaben. Die Ausgaben betragen wie bei der Geldrechnung oben Mk. 1020,— — 52— Vergleichung der Geld⸗Einnahmen und Geld⸗Ausgaben. Die Einnahmen betragen... Mk. 1028,— Die Ausgaben betragen....„ 1020,— Ueberſchuß Mk. 8,— Rentabilitäts-Berechnung. Rohertrag. Erlös aus verkauften Producten... Mk. 518,— Werth der für die Aumiie aus der Wiugſchaft, entnommenen Producte...„ 420,— Summe Mk. 938,— Productionskoſten. Die Productionskoſten bleiben wie oben........ Mk. 814,— Reinertrag. Der Rohertrag beträgt.... Mk. 938,— Die Productionskoſten betragen..„ 814,— Bleibt Reinertrag. Mk. 124,— Der Werth des Grundcapitals nebſt Obſtbäumen beträgt Mk. 6488. Da der Reinertrag, den Miethwerth der Wohnung zu Mk. 60 eingerechnet, mit Mk. 184 das Zinserträgniß bildet, ſo entſpricht dieſer einer Rente von 2,83 pCt. = — Bericht über die landmwirthſchaftlichen Verhältniſſe der Gemeinde Wenings, Rreis Büdingen, erſtattet von dem Gräflich Stolbergiſchen Domänenrath Brumhard zu Gedern. ———— Allgemeines. Weningss liegt am ſüdweſtlichen Abhange des Vogelsberges, ca. 275 Meter über dem Meere, 3 Kilometer von der Staatsſtraße Lauterbach⸗Ortenberg. Seine nächſte Eiſenbahnſtation iſt Büdingen, von wo es ca. 14 Kilometer entfernt iſt und wohin eine wohlunterhaltene, wenn auch theilweiſe bergige Kreisſtraße führt. Von größeren Städten liegt Wenings, wie der ganze Vogelsberg, weit ab entfernt. Die Gemeinde zählt zur Zeit 912 Einwohner in 130 Häuſern und 155 Haus⸗ haltungen, worunter 22 jüdiſche Haushaltungen mit 123 Seelen.— Die Juden treiben ihre Geſchäfte nicht gerade zum Vortheil der Landwirthe ſowohl innerhalb der Gemeinde Wenings, als außerhalb; auch auswärtige Juden kommen hin und wieder nach Wenings, um dorten Geſchäfte zu machen.— Die chriſtliche Bevölkerung iſt ausſchließlich evangeliſch. Die Einwohnerſchaft iſt im Allgemeinen ſehr ſtändig. Die Auswanderungsluſt iſt nicht groß, in den letzten 3— 4 Jahren ſind etwa 6 Fa⸗ milien ausgewandert. Die Heirathen finden meiſt innerhalb der Gemeinde ſtatt, nur ausnahmsweiſe bei Dienenden nach auswärts, trotzdem iſt die Gütertheilung eine große und auch der Güterwechſel nicht unbedeutend. Das landwirthſchaftlich benutzte Areal der Gemarkung umfaßt im Ganzen 1121 Hectar in ca. 9600 Parcellen, wovon 721 Hectar Ackerland, 352 Hectar Wieſen, 33 Hectar Hutweide und 15 Hectar Gärten. Dieſes Land vertheilt ſich nach dem 1¹⁷ — 2— Grundbuch auf ca. 310 Beſitzer und zwar beſitzen 220 unter 1 Hectar mit 113,82 Hectar, 39 von 1—5 Hectar mit 102,57 Hectar, 30 von 5— 10 Hectar mit 204,82 Hectar, 15 von 10—20 Hectar mit 213,87 Hectar, die Gemeinde 151,63 Hectar, Fürſt Mſeenburg⸗Birſtein 204,52 Hectar, Graf Solms⸗Laubach 54,96 Hectar, die Pfarrei und Schule 9,34 Hectar, Ausmärker 65,47 Hectar. Das Birſtein'ſche Gut iſt im Ganzen verpachtet, das Laubach'ſche theilweiſe an den Pachter des erſteren, theilweiſe wird die Creszens der Wieſen jährlich verſteigert; das Gemeindegut— meiſtens Wieſen— wird in der Weiſe genutzt, daß das Heu⸗ gras verſteigert wird und dann von Anfang Auguſt die Wieſen durch das Rindvieh beweidet werden. Die directen Steuern für die Gemarkung Wenings betrugen 1883/84 6339,12 Mk. An Communalſteuern hat die Gemeinde für 1883/84 erhoben 7095,52 Mk.(incl. 295,52 Mk. evangeliſche Kirchenſteuer). Die Communalſteuern betrugen 1865 2382,86 Mk., 1870 3680,56 Mk., 1875 6050 Mk., 1880 4592,64 Mk.(incl. 292,64 Mk. evangeliſcher Kirchenſteuer). Die Gemarkung iſt beſetzt mit ca. 900 Aepfelbäumen, 800 Birnbäumen, 6000 Pflaumen⸗ und Zwetſchenbäumen, 200 Kirſchbäumen und 30 Wallnußbäumen. Die Bäume ſind, namentlich die Zwetſchenbäume, vielfach in einem ſehr vernachläſſigten Zuſtande und derart, daß ſie, ohne ſelbſt nennenswerthen Nutzen zu gewähren, für das Land, auf welchem ſie ſtehen, nur von Nachtheil ſind.— An der Kreisſtraße Wenings⸗Merkenfritz ſind ganz ſchöne Aepfel⸗ und Birnbäume vorhanden, auch iſt in deren Nähe Seitens der Gemeinde eine Obſtplantage angelegt, die, wenn die Bäume gedeihen werden, ſpäter großen Nutzen bringen kann. Der Wald der Gemarkung umfaßt 738,10 Hectar, wovon 396,79 Hectar der Gemeinde Wenings, 80,87 Hectar der Gemeinde Merkenfritz und 259,44 Hectar Privaten— dem Fürſten zu YNſenburg⸗Birſtein— gehören. Das Holz des Ge⸗ meindewaldes wird verkauft, mit Ausnahme von dem den Bürgern zuſtehenden Be⸗ rechtigungsholz. Es hat zu beziehen jeder der(ca. 180) Ortsbürger: 2 Raummeter Buchen⸗Knüppel, 1 Raummeter Buchen⸗Stöcke und 6 Raummeter Buchen⸗Reiſer, wofür nichts als der Holzhauerlohn zu erſetzen iſt.— Die im Gemeindewald durch die Re⸗ flectanten ſelbſt aufgemacht werdende Laubſtreu wird in Looſen vergeben, wovon jedes 1 Morgen groß iſt. Für ein ſolches Loos werden 2 Mk. zur Gemeindekaſſe bezahlt. Der Werth des Waldes beträgt 649000 Mk. mit 1766 fl. Steuercapital. Die Einnahme aus verſteigert werdendem Holz beträgt ca. 4500 Mk. Die Normalſteuercapitalien der Gemarkung Wenings betrugen: in 1874 in 1884/85 Einkommenſteuercapital.... 4295 fl. 4805 fl. Gewerbſteuercapital..... 902„ 1133„ Grundſteuercapital..... 12673,2„ 13272,8„ Gebändeſteuercapital..... 1352„ 1379„ Zuſammen.. 19222,2 fl. 20589,8 fl. —— a — 3— Der Viehbeſtand der Gemeinde iſt nach den Notizen, wie ſie die letzte Auf⸗ nahme(1884/85) enthält: 3 Fohlen,. 50 Pferde, 53 Pferde, 20 Kälber bis ½ Jahr alt, 7 180„ von 1¹½1 bis 2 Jahr alt, 2 Zuchtſtiere, der Gemeinde gehörig, 452 Stück Rindvieh, 8 andere Stiere und Ochſen, 242 Kühe, 900 Schafe incl. der Hofgutsherde, 176 Schweine, 80 Ziegen, 20 Bienenſtöcke. Frage I. a. Welche Bodenverhältniſſe zeigt die Gemarkung, welchen Character hat das Klima und wie iſt hiernach im Allgemeinen die Fruchtbarkeit der Ländereien; iſt letztere ſehr günſtig, mittel oder gering? b. In welchem Verhältniß ſtehen die verſchiedenen Arten des Kulturlandes— Acker, Wieſen, Weiden, Rebland ꝛc.— zu einander und iſt dieſes Verhältniß im Allgemeinen als ein wirthſchaftlich günſtiges zu bezeichnen? c. Welches ſind die hauptſächlichſten Producte der Landwirthſchaft, bezw. welche Productionsrichtungen machen ſich im landwirthſchaftlichen Betriebe der Gemeinde vorzugsweiſe geltend? d. Iſt der landwirthſchaftliche Betrieb im Allgemeinen ein rationeller zu nennen, oder haften ihm weſentliche Mängel an und welche? Stehen letztere u. A. mit einer ſehr weit gehenden Parcellirung der Grundſtücke und dem herrſchenden Flurzwang im Zuſammenhang? a. Der Boden der Gemarkung Wenings iſt der einen großen Theil des Vogelsbergs auszeichnende Baſaltboden; zum großen Theil nur ſehr ſeichtgründig und deshalb einer Tiefcultur nicht überall zugänglich. In Jahren, die weder zu trocken noch zu naß ſind, iſt derſelbe im Stande, eine mäßigen Anſprüchen an die Ergiebigkeit des Landes entſprechende Ernte zu bringen. Das Terrain iſt hügelig, theilweiſe auch bergig. Die Wieſen liegen ſämmtlich in Thälern und werden, ohne gerade mit künſtlichen Bewäſſerungsanlagen verſehen zu ſein, im Herbſt und Winter mit dem von den Bergen reſp. Aeckern kommenden Waſſer überrieſelt, wodurch die⸗ ſelben in den Stand geſetzt werden, gute Ernten zu geben. Obwohl die Gemar⸗ kung vielſeitig von Wald umgeben iſt, machen ſich die von den höchſten Bergen des Vogelsberges darüber wehenden Winde oft in ſehr unliebſamer Weiſe geltend, namentlich im Frühjahr, wo, wenn bei Tage Sonnenſchein und Nachts Froſt war, die Oſt⸗ und Nordoſtwinde die emporgehobenen Wintergetreide⸗ und Kleepflanzen ver⸗ nichten. Das Klima iſt das des Vogelsberges, alſo rauh und wenig günſtig. Die Fruchtbarkeit der Ländereien iſt— mit Ausnahme eines großen Theils der Wieſen — hiernach nur eine kaum mittlere, ja vielfach eine recht geringe. b. Das Verhältniß der Wieſen zu dem Ackerland iſt wie 1:2, der Hutweiden zu demſelben wie 1: 20, die Gärten wie 1: 50. c. Die hauptſächlichſten Bodenproducte der Landwirthſchaft ſind Korn, Gerſte, Hafer, Weizen, dann hauptſächlich Kartoffeln, Klee, Rüben, hin und wieder auch etwas Winterſamen und im letzten Jahre auch etwas Zuckerrüben nach der Fabrik Stock⸗ heim. Der Weizen wird ſämmtlich verkauft, ebenſo der Ueberſchuß an Gerſte und Hafer; Korn und Kartoffeln verbrauchen die Landwirthe meiſtens in ihrer Wirth⸗ ſchaft ſelbſt. Mit letzteren wird nicht geſpart, ſobald ſie reichlich gewachſen ſind; iſt das Gegentheil der Fall, ſo iſt nicht ſelten Mangel und Noth zu conſtatiren. Die Obſtbaumzucht iſt, wie ſchon Eingangs erwähnt, weniger als mittelmäßig. Die Gemeinde verkauft von ihr gehörigen Bäumen wohl für 300 Mk. Apfel; die Privaten verkaufen wenig oder nichts und begnügen ſich, wenn ſie von ihren Zwetſchen⸗ hecken und Birnbäumen ſoviel gewinnen, daß ſie Latwerge auf ihr Brod zu ſtreichen haben. Die Rindviehzucht bildet einen Hauptzweig der Landwirthſchaft. Es wird ziem⸗ lich viel Jungvieh aufgezogen und verkauft, mit ſeltenen Ausnahmen wird aber ein Handel ohne Vermittelung eines Juden abgeſchloſſen, denen die geringen Bauern auch in ſehr häufigen Fällen ſog. Einſtellvieh halten müſſen. Auch in Schweinezucht wird Ziemliches geleiſtet.— Die Milch wird, ſoweit ſie nicht in der Haushaltung verbraucht wird, verbuttert, doch iſt man damit im Begriff einen Anſchluß an die Fürſtliche Käſerei in Birſtein zu erlangen, um die Milch dorthin verkaufen zu können. Die Fruchtfolge in Wenings iſt: 1. Gerſte, 2. Hafer, 3. Brachfrucht, 4. Winter⸗ getreide. d. Der landwirthſchaftliche Betrieb iſt kein rationeller; vor allen Dingen fehlt es vielen Weningſer Einwohnern an Sinn für Ordnung und Reinlichkeit in ihren Hofraithen. Was an Dünger, Pfuhl, Holz u. ſ. w. verloren geht, iſt nicht gering anzuſchlagen. Gewerbebetrieb neben der Landwirthſchaft iſt nur in ganz minimaler Weiſe vorhanden, einige Schuhmacher, Schmiede und Schreiner, verſchiedene Metzger und Wirthe, die nur für die Ortseingeſeſſenen arbeiten, iſt alles! Als Taglöhner be⸗ ſchäftigen ſich ziemlich viel Einwohner, die auf dem Pachthofe und bei den reicheren Bauern, auch im Gemeindewald hinreichend Arbeit finden. ₰ 5— In Beziehung auf Ackerbau und Wieſencultur ſei bemerkt, daß auch wohl natür⸗ liche Hinderniſſe einer rationellen Betriebsweiſe entgegenſtehen. Einmal iſt dies das rauhe Clima, welches nicht geſtattet, Culturgewächſe in größerer Ausdehnung zu bauen, dann der ſeichte Boden, welcher, wie ſchon bemerkt, gründliche Bearbeitung nicht zuläßt. Ferner iſt die Parcellirung eine überaus ſtarke(ca. 8,5 Parcellen pro Hectar inel. Einrechnung des zum großen Theil in größeren Flächen liegenden Fürſt⸗ lich Birſtein'ſchen Hofguts) und die einzelnen Felder ſind bei Weitem nicht alle durch Wege direct zugänglich. Welche Nachtheile aus einem ſolchen Zuſtande erwachſen, bedarf keiner Auseinanderſetzung. Der Viehſtand iſt in ſeiner Art fortgeſchritten, ob aber die Bauern das Richtige darin getroffen haben, Simmenthaler ſtatt des einheimiſchen Vogelsberger Schlages einzuführen, iſt eine Frage, die verſchieden beurtheilt werden kann und wird. Allein, wie geſagt, es iſt nicht zu leugnen, daß die Landwirthe mit der Einführung der Simmenthaler Raſſe mit Verſtändniß und Conſequenz zu Werke gegangen ſind, es zeugen davon die gleichmäßig ausſehenden, wenn auch nicht gerade großen und ſtarken Thiere. Die beiden dermalen vorhandenen Gemeindebullen ſind Simmenthaler reine Raſſe und ſtattliche Thiere. Was die Verwerthung der Milchproducte anbetrifft, ſo wurde früher ſchon ge⸗ ſagt, daß dieſelbe darin beſteht, daß die Milch zu Butter verarbeitet wird, daß man aber einen Anſchluß an die Molkerei in Birſtein erſtrebt, wodurch dann gewiß ein größerer Ertrag für die einzelnen Haushaltungen erzielt werden kann, als bisher. Künſtliche Düngemittel wurden von den Kleinbauern in Wenings ſeither gar nicht angewandt. Sollte die Zuckerrüben⸗Cultur ſich mehr ausdehnen, ſo wird dies in Zukunft wohl mehr der Fall ſein müſſen. Die Wieſen werden nur durch die Herbſt- und Winterwäſſerung in gutem Er⸗ trag erhalten. Die Anwendung von Kraftfutter für das Rindvieh iſt eine ſehr ge⸗ ringe und beſchränkt ſich auf die Hingabe von etwas Oelkuchen und der von dem Brodgetreide entfallenden Kleie; gegen Frühjahr wird auch von letzterer hin und wieder noch etwas zugekauft. Frage II. a. Wie iſt das Verhältniß der Größe der Gemarkung zur Größe der anſäßigen Landbau treibenden Bevölkerung? b. In welcher Weiſe vertheilt ſich das landwirthſchaftliche Gelände unter die anweſende Bevölkerung(todte Hand, Großgrundbeſitz, Groß⸗, Mittel⸗, Klein⸗Bauern, Taglöhner und Gewerbtreibende) und ſind in den letzten Jahren weſentliche Aenderungen in der Beſitzvertheilung eingetreten? c. Iſt die Beſitzvertheilung im Allgemeinen als eine günſtige zu bezeichnen, wenn nicht, wodurch giebt ſich die behauptete ungünſtige Ver⸗ theilung zu erkennen, welche Umſtände haben letztere veranlaßt, z. B. 2¹⁷ das geltende bäuerliche Erbrecht, die üblichen Syſteme des ehelichen Güterrechts oder der Zuſammenkauf von Grundſtücken? d. Iſt ein Theil der Gemarkung Allmendland und welchen Einfluß hat die Benutzung des letzteren auf die Lage der Bevölkerung? Die Gemarkung umfaßt an landwirthſchaftlich benutztem Boden 1121 Hectar. Bei vorliegender Betrachtung ſind hiervon in Abzug zu bringen: a. Fürſtlich Birſtein'ſches Hofgut.... 204,52 Hectar, b. Gräflich Laubach'ſches Gut..... 54,96„ e. Gemeindeländexci........ 151,63„ d. Pfarr⸗ und Eihnlgelünde.... 9,34„ e. Ausmärker........ 65,47„ nannen.. 485,92 Hectar, ſo daß noch verbleiben....... 635,08„ welche ſich auf 155 Haushaltungen vertheilen, ſo daß auf jede Haushaltung durch⸗ ſchnittlich 4,10 Hectar kommen. Aus dieſen Angaben und aus den Zuſammenſtellungen zu Frage VIII ergibt ſich dann die Beantwortung der weiteren Fragen, wenn noch weiter bemerkt wird, daß ein beſonderes bäuerliches Erbrecht nicht gilt, daß vielmehr, wenn die Eltern ſterben oder ſich zur Ruhe ſetzen, die ſämmtlichen Güterſtücke unter die einzelnen Kinder vertheilt werden. Bei etwaiger Auswanderung oder bei Concurſen findet ein Verkauf der Grundſtücke ſtatt; freiwillige Verkäufe ſind ſelten und beſchränken ſich nur darauf, daß, wenn Einzelne ihren Verpflichtungen nicht anders nachzukommen im Stande ſind, ſie ſich durch Verkauf von Güterſtücken helfen. In den letzten Jahren haben aus Ueberſchuldung der früheren Beſitzer herrührende Verkäufe in größerem Maße ſtatt⸗ gefunden. Die Güterpreiſe ſind dadurch ſehr gedrückt und viele Leute haben ſich mehr Grundſtücke angeſchafft, als ihnen dienlich war. Die vielen Kaufſchillinge, die zu zahlen ſind, geben davon Zeugniß. Allmendländereien beſtehen nicht. Die Gemeindeländereien werden, wie ſchon erwähnt, in der Art verwerthet, daß die Heuernte der Wieſen verſteigert und der Erlös zur Gemeindekaſſe vereinnahmt wird. Die der Gemeinde gehörenden Hutweiden werden theilweiſe zur Ernährung des Schafpviehes benutzt, theilweiſe treiben die Ein⸗ wohner von Wenings ihre Kühe und Rinder auf dieſelbe, damit ſie ſich dort noth⸗ dürftig ernähren können; ein verhältnißmäßig geringer Theil iſt auch zur Urbar⸗ machung und Gewinnung der nöthigen Winterkartoffeln an geringe Leute gratis abgegeben; es ſind dies die Ländereien, auf welchen die oben erwähnte Obſtplantage hergeſtellt iſt. Frage III. a. Welches ſind die durchſchnittlichen Preiſe für die einzelnen Boden⸗ qualitäten der verſchiedenen Culturländereien(Acker, Wieſe, Weide, Wein⸗ — 7,— berg ꝛc.), erſcheinen dieſe Preiſe beſonders hoch oder beſonders niedrig und auf welche Urſachen ſind die bezüglichen Erſcheinungen zurückzuführen? b. Welche Aenderungen in den Preiſen haben ſich in den letzten 5 Jahren vollzogen? c. Pflegt ein ſtarker Umſatz in Liegenſchaften ſtattzufinden und liegt hierfür(ſ. a) ein berechtigtes Bedürfniß vor? a. Die Bodenqualität iſt eine äußerſt verſchiedene und ſind demgemäß die Preiſe für einzelne Ländereien auch ſehr ſchwankend. Die höchſten Preiſe mögen 10 Pf. für den Quadratmeter Ackerland und 20 Pf. für Wieſen ſein; ein mittlerer Kaufwerth kann zu 6 reſp. 12 Pf. angenommen werden, wogegen das geringſte Ackerland zu 3 Pf. verkäuflich iſt und für Wieſen nur bis zu 5 Pf. gegeben werden; es gibt aber auch Gelände, welches nicht einmal zu dieſen geringſten Preiſen verkauft werden kann, namentlich bei Zwangsverſteigerungen kommt es vor, daß Käufer abſolut nicht auf⸗ zutreiben ſind. Bei vorliegender Berechnung und namentlich bei den Zuſammenſtellungen zu Frage VIII wurden die genannten Preiſe zu Grunde gelegt, doch ſei dabei bemerkt, daß dieſelben hiermit eher zu hoch als zu niedrig angeſetzt wurden. b. Namentlich in den letzten Jahren ſind die Preiſe für Ländereien ganz be⸗ deutend herabgegangen. c. Der Umſatz in Liegenſchaften iſt nicht bedeutend inſofern, als man freiwillige Verkäufe in Betracht zieht, Zwangsverkäufe und ſolche, die den Zweck haben, die Beſitzer aus dringenden Verlegenheiten zu helfen, ſind jedoch nicht ſelten, ja in den letzten Jahren, wie ſchon bemerkt, recht häufig geweſen. Frage IV. a. Nehmen die Pachtgüter einen erheblichen Umfang ein und ſtehen die Pachtpreiſe im richtigen Verhältniß zu dem Kaufpreiſe der Ländereien einerſeits und zur Ausnutzungsfähigkeit derſelben andererſeits, eventuell welche Urſachen wirken ſteigernd auf die Pachtpreiſe ein? b. Welche Beſtimmungen gelten insbeſondere in Betreff der Dauer der Pacht, der Bezahlung der Steuern ꝛc., der Verſicherungsprämien, ſowie in Betreff vorzunehmender Meliorationen und etwaiger Pachtnach⸗ läſſe bei elementaren Unglücksfällen bei fiskaliſchem, ſtandesherrlichem und privatem Grundbeſitz? c. Wirken die üblichen ſonſtigen Pachtbedingungen beſonders er⸗ ſchwerend für die Pächter oder nicht? Abgeſehen von dem Fürſtlichen Hofgut und den Gräflich Laubach'ſchen Ländereien, welches erſtere im Ganzen verpachtet iſt, während letztere größtentheils als Wieſe benutzt und die Crescens jährlich verſteigert wird, kommen Pachtungen und Verpach⸗ tungen nur ganz ausnahmsweiſe vor, nur die Pfarr⸗ und Schulländereien werden verpachtet. Es hat faſt jeder Weningſer Einwohner ſoviel eigenes Gelände als er bewirthſchaften kann und will und für Einzelpachtungen würden ſich keine Liebhaber finden. Frage vV. a. In welcher Weiſe pflegen die Landwirthe ihre Mobilien und Producte gegen Feuer, ihre Früchte gegen Hagel und ihren Viehſtand gegen Unfall zu verſichern? b. Hat die Lebens⸗, Alters⸗ und Renten⸗Verſicherung Eingang in der Gemeinde gefunden, event. in welcher Weiſe und welchem Umfange? a. Etwa ein Drittel bis die Hälfte der Einwohner von Wenings haben ihre Mobilien bei irgend einer Geſellſchaft gegen Feuer verſichert, theilweiſe jedoch ohne Berückſichtigung ihres Viehſtandes. Eine Anzahl Landwirthe hatte ſeither bei einer Hagelverſicherungs⸗Geſellſchaft in Berlin verſichert; unverhältnißmäßig hohe Nachzahlungen haben aber Mißſtim⸗ mung gegen dieſe Verſicherung hervorgerufen. Bei den hin und wieder vorkommenden Hagelſchlägen wäre zu wünſchen, daß die Landwirthe ſich bewegen ließen, doch wieder in größerer Zahl einer ſoliden Geſellſchaft beizutreten. Viehverſicherungen finden leider nicht ſtatt; es beſteht weder eine Ortsviehver⸗ ſicherungsanſtalt, noch haben ſich Viehbeſitzer einer anderen Anſtalt angeſchloſſen. Es muß dies als ein Mißſtand hervorgehoben werden, der einzelnen Einwohnern ſchon großen Nachtheil gebracht hat. b. Lebens⸗, Alters⸗ und Rentenverſicherungen haben in Wenings nicht Platz gegriffen, es ſei denn, daß Lehrer und Gemeinde⸗Einnehmer in eine derartige Geſell⸗ ſchaft ſich hätten aufnehmen laſſen. Frage VI. In welcher Weiſe befriedigen die Landwirthe in der Regel ihre Creditbedürfniſſe hinſichtlich des Real⸗ und des Perſonalcredits und welches ſind bei beiden Arten des Credites die gewöhnlichſten Darlehens⸗ bedingungen in Bezug auf Zeitdauer und Zinsfuß und werden dabei auch Amortiſationsfriſten(Güterziele) angewendet? Zur Befriedigung ihrer Creditbedürfniſſe hinſichtlich des Real⸗ und Perſonal⸗ credits ſtehen den Weningſer Einwohnern mancherlei Gelegenheiten zu Gebote, von denen auch ein ausgedehnter Gebrauch gemacht wird. Auf Hypotheken gibt namentlich die Sparkaſſe in Büdingen, welche gegen 5 pCt. auf gegenſeitige Kündigung ohne regelmäßige Amortiſation, in letzterer Zeit auch — 9— gegen 5 pCt. und 1 pCt. feſte Amortiſation darleiht. Auch Juden haben Hypotheken⸗ titel zur Sicherſtellung von Forderungen an einzelne Einwohner in Händen. Beträge bis zu 500 Mk., ſpäter bis zu 300 Mk. wurden ſeither gegen Bürg⸗ ſchaft der Gemeinde, die ſich dann wieder durch zwei Bürgen zu ſichern ſuchte, von der Sparkaſſe zu Büdingen gegeben. Es wurden 10jährige Abzahlungstermine feſt⸗ geſetzt, die in der Regel auch eingehalten wurden, doch hat die Gemeinde ſo unlieb⸗ ſame Erfahrungen gemacht, daß ſie jetzt keine Schuldſcheine unter ihrer Bürgſchaft mehr ausſtellt. Genannte Kaſſe gibt auch Darlehn auf 1½ jährige Rückzahlung. Bei weitem die meiſten Einwohner von Wenings ſind der Sparkaſſe Büdingen mit Be⸗ trägen bis zu 400 Mk. und darunter verpflichtet. Kaufſchillingsreſte bei genannter Kaſſe hat faſt jeder Einwohner von Wenings zu entrichten. Die Ziele werden gewöhnlich auf 5 Jahre geſtellt und ſind der Spar⸗ kaſſe außer 5 pCt. Zinſen in der Regel 2 pCt. Proviſion von dem Verkäufer zu vergüten. Die Abzahlungen erfolgen in der größeren Mehrzahl regelmäßig. Außer⸗ dem borgen die Einwohner von Wenings nicht unbedeutend bei den Vorſchuß⸗ und Creditvereinen in Büdingen und Gedern, welche nicht nur Darlehen auf Schuldſcheine geben, ſondern namentlich auch Kaufſchillinge übernehmen; in einzelnen Fällen hat dies auch der Creditverein und die Sparkaſſe in Ortenberg gethan. Vor Kurzem hat ſich auch in Wenings eine Darlehnskaſſe gebildet, welche ebenfalls für die Credit⸗ Bedürfniſſe ſorgt. Bedenkt man ſchließlich, daß bei der reichlichen Anweſenheit von Juden— auch reichen— in Wenings dieſe borgen, daß auch Juden aus der Um⸗ gegend Geſchäfte nach und in Wenings machen, ſo bekommt man einmal ein Bild von der Leichtigkeit, mit welcher Schulden gemacht werden können, aber auch ein Bild, und zwar ein ſehr unvortheilhaftes, von den vielen Schulden, die in der That gemacht werden. Wie die Landwirthe aus denſelben je herauskommen werden, namentlich bei den jetzigen geringen Getreidepreiſen, bei den geſtiegenen Abgaben, iſt dem Referenten unerfindlich, es ſei denn, daß ein ganz anderer Geiſt der Ordnung, der Rührigkeit, ein ganz anderes Beſtreben nach verbeſſerten Maſchinen, nach beſſerer Cultur, nament⸗ lich Anwendung von künſtlichem Dünger, nach Zuſammenlegen der Grundſtücke ꝛc. über die Leute komme! Frage VII. a. Wie ſtehen im Allgemeinen die Arbeits⸗ und Geſindelöhne in der Gemeinde, genügt die ortsanſäſſige Bevölkerung zur Beſtreitung der landwirthſchaftlichen Arbeiten oder ſind fremde Arbeiter nöthig und woher kommen letztere? b. Iſt für die landwirthſchaftliche Bevölkerung Gelegenheit zum Nebenverdienſt vorhanden, event. haben dieſe Nebenverdienſte(Arbeiten im Wald, Hausinduſtrie, Fabrikbetriebe, Fuhrweſen ꝛc.) eine beſondere — 160— Bedeutung für den Wohlſtand der Landwirthſchaft treibenden Bevölkerung und der Gemeinde im Allgemeinen? c. Gibt es Landwirthe in der Gemeinde, die mit Rückſicht auf den Umfang und die Rentabilität ihres landwirthſchaftlichen Betriebes an ſich auf Nebenverdienſt und Tagelöhnerarbeit angewieſen wären, ſolche Arbeiten aber aus Standesvorurtheil, Trägheit ꝛc. nicht ausführen? Die Taglöhne berechnen ſich im Allgemeinen durchſchnittlich pro Tag ohne Koſt für den Mann auf 1,20 Mk., „ die Frau„ 0,80 An Geſinde werden bezahlt: für einen Knecht 250 Mk., „ eine Magd 120„ nebſt ein Paar Schuhen und berechnet man ſich die Koſt für einen Knecht auf 200, für eine Magd auf 150 Mk. Die ortsangeſeſſene Bevölkerung genügt vollkommen zur Beſtreitung der land⸗ wirthſchaftlichen Arbeiten, fremde Arbeiter kommen nicht nach Wenings; die Ein⸗ heimiſchen ſuchen zu gewiſſen Zeiten wohl mehrfach Arbeit außerhalb bei Wegbauten, Holzhauereien, einige auch bei dem Hüttenwerk in Hirzenhain. Der Pachter des Fürſtlichen Hofgutes deckt ſeinen Bedarf an Taglöhnern aus⸗ 2 ſchließlich bei den Weningſer geringeren Leuten; ſolche die aus Standesvorurtheil keine Gelegenheit ergriffen durch Taglohn etwas zu verdienen, gibt es in Wenings nicht. Daß einige aus Trägheit oder Leichtſinn nichts ſchaffen wollen, kommt wohl vor, doch iſt dies nur ſehr vereinzelt. Frage VIII. a. Wie vertheilt ſich der ermittelte Betrag der Immobiliarverſchul⸗ dung auf die einzelnen Beſitzgruppen(größerer, mittlerer und kleinerer Grundbeſitz) und auf welche Gruppe entfällt der ſtärkſte Procentſatz der Schuldenlaſt? b. Datirt der Schuldenſtand aus älterer oder aus neuerer Zeit, im letzteren Fall, wie hat derſelbe im letzten Jahrzehnt zugenommen? c. Sind in den letzten 5 Jahren die Zinſen und Güterziele im All⸗ gemeinen regelmäßig bezahlt worden oder ſind bemerkenswerthe Rückſtände bekannt? d. Welche Urſachen haben einen erkennenswerthen Einfluß auf die Ver⸗ ſchuldung z. B. das beſtehende Erbrecht oder die üblichen ehelichen Güter⸗ ſyſteme, unwirthſchaftlicher Ankauf von Grundſtücken zu hohen Preiſen, —— õ/— — 11— ungenügendes Betriebscapital, zu frühe Gründung eines eigenen Haus⸗ halts, Verſchwendung und nachläſſige Wirthſchaft, die Aufeinanderfolge ſchlechter Ernten u. ſ. w.? Die hier aufgeworfenen Fragen beantworten ſich zuſammen aus den angefügten Zuſammenſtellungen und aus den Beantwortungen zu Frage VI. Vorausgeſchickt mag werden, daß ſich ein noch ungünſtigeres Verhältniß heraus⸗ ſtellen wird, wenn man bedenkt, daß die Werthe der Grundſtücke im Ganzen eher zu hoch, als zu niedrig angenommen, und daß eher mehr, als weniger Schulden vor⸗ handen ſind. Es iſt eine traurige Thatſache, daß in Wenings ganz coloſſal viele Schulden gemacht worden ſind. Nur ein ganz geringer Procentſatz der dortigen Einwohner ſind ohne jegliche Schulden, bei weitem die meiſten haben ſolche aller Art und es wird ihnen ſchwer halten, dieſelben abzutragen; es fehlt vor Allem an den erforder⸗ lichen Betriebscapitalien, vielfach an der nöthigen Energie, an dem Sinn für Ordnung und Betriebſamkeit und dem Beſtreben, ſich an den langen Winterabenden einen Neben⸗ verdienſt zu ſchaffen. Dazu kommen die vielen Juden, die überall an den Bauern Geſchäfte machen, ſie, ohne daß dagegen gerichtlich eingeſchritten werden kann, über⸗ vortheilen und ſie von ſich in immerwährender Abhängigkeit erhalten. Dazu kommen ferner die geringen Getreidepreiſe, die bedeutenden Koſten, welche aus dem Verfahren bei Errichtung von Hypotheken, Kaufbriefen ꝛc. erwachſen, die bei dem Güter⸗ wechſel und bei dem geringen Werth, welchen die Grundſtücke theilweiſe beſitzen, dieſen oft ſelbſt überſteigen, das Mangeln von jeglichem induſtriellen Verkehr, die Entfer⸗ nung von größeren Städten, die Zerſplitterung des Grundbeſitzes; es kommt dazu das damit zuſammenhängende unrationelle Bewirthſchaften der Grundſtücke, das rauhe Clima, der theilweiſe geringe Boden und dergleichen ungünſtige Verhältniſſe mehr, die alleſammt dazu angethan ſind, die Rentabilität des landwirthſchaftlich benutzten Bodens in Wenings zu beeinträchtigen. Nach Anſicht Verſchiedener, die mit den Verhältniſſen von Wenings vertraut ſind, ſoll der eben ungünſtige Zuſtand nur ein vorübergehender ſein, Wenings ſoll ſich in einem Reinigungsproceß befinden, der zu beſſeren Zuſtänden führt.— Ver⸗ faſſer hofft und wünſcht, daß dies wahr ſein möge! Speciell zu den Schulden⸗Zuſammenſtellungen ſei noch folgendes angeführt, dabei aber vorweg bemerkt, daß die Differenz, welche ſich zwiſchen der allgemeinen Ueberſicht und den einzelnen nach Beſchäftigung getrennten Gruppen mit 3 Perſonen ergibt, daher rührt, daß in der allgemeinen Ueberſicht ein Lehrer und zwei Forſtwarte ſub⸗ ſummirt ſind, deren Berufsart ſich in keiner der in Betracht kommenden Gruppen einreihen ließ. Wie aus der allgemeinen Ueberſicht(Tabelle A) zu erſehen, ſteht dem Immo— biliarbeſitz der 96 in Betracht gezogenen Grundbeſitzer, beziehungsweiſe Haushaltungen im Werth von 770420 Mk. eine Geſammtverſchuldung von 181991 Mk. gegenüber, — 12— es ſind ſomit 23 pCt. jenes Liegenſchaftswerthes mit Schulden belaſtet. Der Grund⸗ beſitz der 88 Haushaltungen, die verſchuldet ſind, hat einen Werth von 735730 Mk. und ſind mithin 25 pCt. desſelben verſchuldet. Nicht verſchuldet ſind 8 Beſitzer mit einem Liegenſchaftswerth von 34690 Mk. Der Grundbeſitz der nur Landwirthſchaft treibenden 42 Perſonen(Tabelle B) zeigt die geringſte Verſchuldung, namentlich in den Gruppen 4 und 5(5—20 Hectar). Hier beträgt der Werth 455930 Mk., die Verſchuldung mithin 18 pCt. Von dieſen 42 Perſonen ſind 40 bei einem Liegenſchaftswerth von 438810 Mk. mit 18,5 pCt. verſchuldet, 2 mit einem Liegenſchaftswerth von 17120 Mk. nicht verſchuldet. Erwerb durch Taglohn neben der Landwirthſchaft findet in 17 Haushaltungen ſtatt(Tabelle C). Hier zeigt ſich die höchſte Verſchuldung, indem bei einem Liegen⸗ ſchaftswerth von 55100 Mk. die Geſammtſchulden 22667 Mk., alſo 41 pCt. betragen. In der Gruppe 1 ſind 3 Perſonen ſchuldenfrei, während die übrigen 14 bei einem Liegenſchaftswerth von 51930 Mk. mit 43,5 pCt. verſchuldet ſind. Neben Landwirthſchaft treiben 34 Haushaltungen Gewerbe(Tabelle D), deren Liegenſchaften einen Werth von 251250 Mk. haben und mit 76451 Mk. oder mit 30 pCt. belaſtet ſind. Von ihnen ſind 32 verſchuldet und zwar bei einem Liegen⸗ ſchaftswerth von 238950 Mk. mit 32 pCt.; 2 mit einem Werth ihrer Liegenſchaften von 12300 Mk. ſind ſchuldenfrei. Ein anderer Procentſatz der Verſchuldung ergibt ſich, wenn man nur die hypo⸗ thekariſch geſicherten Schulden mit den Liegenſchaftswerthen vergleicht; für alle 96 Perſonen iſt der Werth der Liegenſchaften bei 85769 Mk. Hypothekſchulden nur mit 11 pCt. belaſtet, oder da 51 Haushaltungen mit Hypothekenſchulden belaſtet ſind, für dieſe mit 22 pCt. und zwar: in der 1. Beſitzgruppe für 5 Haushaltungen mit 33„Ct. 7 2 2 8 72 2 7 I 2 38,5 2 72 II 3. I 2 1 4 I II 1 6 1 7 2 7 2 4 5 I// 1 7 72 72 2 6 1 7 2 5 2 8 2 1 6 3 2 Bei den nur Landwirthſchaft treibenden Haushaltungen iſt der Werth des Ge⸗ ſammtbeſitzes mit 455930 Mk. nur mit 39769 Mk., mithin mit 8,7 pCt. belaſtet, die angegebene Schuldenlaſt vertheilt ſich: auf Beſitzgruppe 3 für 4 Haushaltungen mit 17 pCt. 2 2 4 2 10/ 2 17,3 I/ 2 5 2 7 II/ 19 2 Der Liegenſchaftswerth der Haushaltungen, die neben Landwirthſchaft Taglohn⸗ arbeit betreiben, iſt mit 27,3 pCt. an Hypothekſchulden belaſtet; dieſelben vertheilen ſich auf 11 Haushaltungen, die mit 42,4 pCt. belaſtet ſind und zwar: in Beſitzgruppe 1 für 3 Haushaltungen mit 50 pCt. 2 2 872 2 2 4 2 II 2 9 44 4 2 2 7 3 72 2 72 2 2 6 7 5 7 2 77 4 22 2 72 2 5 3, 5 2 —— 13— Die Haushaltungen, in denen neben der Landwirthſchaft Gewerbebetrieb ſtatt⸗ findet, beſitzen Liegenſchaften im Werth von 251250 Mk., die mit 12,2 pCt. Hypotheken belaſtet ſind; in Betracht kommen 18 Haushaltungen, welche mit 22,8 pCt. belaſtet ſind und zwar: in Beſitzgruppe 1 für 2 Haushaltungen mit 17 pCt. 2 3 0 II 7 2 1/ II 45, 2 2 2 2 3 7 7 7 2 14 2 / 1/ 4 II 5 2 2 3 4, 2/ 2 11 5 1 1 11 1 3,7 1 Im Ganzen iſt die Verſchuldung durch Hypotheken die höchſte, dann folgen die Kaufſchillingsſchulden, die 6,5 pCt. des geſammten Liegenſchaftswerthes ausmachen und mit welchen 61 Haushaltungen belaſtet ſind. Von den in der allgemeinen Ueberſicht A enthaltenen Haushaltungen ſind 68 mit dem darin angegebenen Betrag von Mobiliarſchulden belaſtet; unter den aus⸗ ſchließlich Landwirthſchaft treibenden Haushaltungen haben 32 ſolche Schulden; unter den auch Taglohn treibenden 12; unter denjenigen mit Gewerbebetrieb 22. Die Veranlaſſung der Belaſtung des Grundbeſitzes iſt meiſtentheils darin zu ſuchen, daß die Landwirthe eine Menge Verpflichtungen haben, die ſie nicht erfüllen können; ſie conſolidiren dadurch, daß ſie eine Hypothekſchuld aufnehmen, dieſe kleineren hier und da erwachſenen Schulden, und ſind dann wenigſtens ſicher, daß ſie auf Ab⸗ und Rückzahlungen nicht gedrängt werden können, wenn ſie ihre Zinſen wenigſtens berichtigen. Daß das Schuldenmachen in neuerer Zeit ganz bedeutend zugenommen, und daß die Schulden überhaupt ſo zu ſagen erſt neueren Datums ſind, iſt außer allem Zweifel. 069 †8 85˙36 8 081˙91 68˙11 T 02— 0I& 01— 6 F 000,† 31,⁵ 1„. 3 8 00†,F 38,† 8 2 5 021⁷ 9†/ g 1 90 1 :SInplaog b 96 00OL 166,181 rIG/9 806˙6† 697(, 8 097,& 905809 88 b 3 81 0,95 616,1† 800,91 491,6 660,86 020,895 87,506 FI 06 01 2 F6 9,98 89,99 686,81 868,5² 810,17 056,088 68,703 08 0I= 2 18 2,86 699,1 016,31 160,9 808,51 09,881² L5 l 86(= 2 8 gr 1,11 616,03 180,9 609,01 99/,9 060,T 99,91 51 5— 11 4 85 99 209˙9 089˙1 6980 911 01*˙83 09˙9 6 I=.0 — :rInqplaod Cun 96 0/001 166˙181 FIg'9F 806/6 69 ½, 8 055,011 19009G 96 11 0,98 826,2† 800,91 991,6 660,86 061,143 28,916 91 03 0I1 8 F6 9,98 846,99 683,91 868,51 810,1† 099,086 68,703 09 0I G6 h 08 2,88 698,1† 016,61 190,91 808,31 019,981 66,18 FS„ 5 28 1.,11 56,06 789078 609,01 887,9 0†,60 86,06 91 5 1 3 p6 99 200˙9 099 698˙T 911˙ 089˙93 90˙6 51 I 90 a1p* Sidalek vipl rder 05 2 2 2 1 r m A Ung 19 9 ubeh ee e aeg— un aop 3 usſussoach un Vanu olſt u eh ee Harnulde a ehg Ind ahm ohuns woris 80- gg 3 gaago⸗ ubg V 'Sbum⸗ a aec un bungjnqplaag aad gaatpvꝛg 15 O2LLL.. 031˙81 68,TI I 0— 0 — 01 6 000˙† 11† 1 4 5 — 22— 51 8— 1 0 :pojnplaog aſpr 9˙81 000t 15018 68˙61 668˙16 697 68 018'88 FI ˙938 Or 21 2er 687,E 863, 696,9 gIe,Ie 016,016 66,9912 6 03— 0. II 6,18 811,0 6 T81,2 6†6,8 089 51 083,821 18,631 61 0o 08 7˙81 918†71 267˙9 187˙ 168˙8 059'6† 79,08 6 6= 5 *— 3 I——— 5 1 ————— 1 60 :polncplaoq 81 000- 23018 68˙661 668˙1 692 68 086˙0 rS8 r 91 L8p 687,c8 836,1 696,9 616,1 080/76 89,1L/1 81 05— 0 LI 6,18 814,08 TSI,2 6†6,8 089,51 83,811 18,661 61 01 83 †/81 218 26 7˙ 187˙9 168˙8 059/80 91†ε 01 6— 35 ——— 8— 2 5 1 ———————— 1— 2ʃ0 .. 19D2& S612112,lvp uaanp. d 2 20 1E 2 u12515 2vp⸗S ⸗u215 Sod ee e uncp uacincp. u⸗Inqp. agnyg⸗ gun 12pl6 1 ℳg uu⸗ ca h u urzueoac u ee iei icplnves eegocee e 50 iie : uogpajog ug lvpigzaate g 1v*16 O ₰ ND 20. -—- GN O — 021 9†/ 9 ——— 0 5 01 5 01 4 ——— 6 5 3 4 v 021˙9ε 9†/ g 1— 0 : rnſplaod *½ꝑ† 0001 1299˙35 615˙9 96†/ 09071 096˙10 50* FI 8 2— 2— vr 2 e Fr 7.8g 186,81 89,8 969 288, 090,08 96 76 p 01— 4 5 88 191 96,8 069˙*89 181,1 000,01 89,8 g— 3 8 Or 6,81 216,6 6 †/ 9 5911 068,1 18,6 3 3 3 09 01 183 06 † 68 693˙3 069*¼ 91 g 1= 0 — : roInplaog Qu I 00011 299˙5 516˙9 16/ 090 †1 001˙ 6 †˙9 † LI 8 2, 5 7 e F 7,86 F86,g1 869,8 9690 988 090,08 96,†8 F 0I 6 p 88 191 964,8 068˙1 789 16,1 000,01 89,8 98„(— 3 8 Of 6,81 216,5 6 † 9 59 11 068,½ 18,6 5 8 3 29 01 I22, 2 03 † 68 5983˙5 069 09˙† 9 1— 40 av*ορ S6151lvepx uaip. 105 10 2 205 10 112121E 19 ueorß Seg ee ee iii uninſpl uninp uoginqp. aqnpqod gun aap 16 g 1voa]s 28 u*udoach u ec vIgoes=uipllnvag ⸗adzoddeh p ve ih : uogoajeg uo*gapugojobod eun lvgp ge d— 009˙31 89˙5 3 009˙31 89˙ 2 : SnGplaod e 38 000J 1†'99 848,61 086˙06 819˙08 096886 96˙91 38 96 uo sS,II 088 961, 1488, 091, 61,98 3 18 9,68 969,576 G,6. 889,1 86†,81 061,3 70,06 1 18 6,6 660,15 888,9 888,6 888,0 019,19 86,†8 01 19 2,86 49, 11 83 6 66†,01 129† 00 ½ 88 F8,II 8 05 1† 8ʃ⁰9 096 5911 58 065˙81 78˙9 9 : pojnGplaog du u 08 000- 19 799 8428˙61 086˙ 819˙08(09 108 19˙881 F 6 2,01 888,II 08 ʃ8 961,3 L8, 091,† 81,98 6 18 9,68 969,66 C7,3 889,1 867,81 061,32 70,06 2 18 6,16 660,16 888,0 888,6 888, 019,19 8,†8 01 88 2,86 68,1I c863 667†,O L26† 000,97 31 81 01 06*† 84⁰9 096 5911 †8 065˙81 †8˙9 9 avο 2nushlvee wafht E E u2101 K9g 2b0 e qun 12 16b ninteee damehe un aeh üu hmbuß e Pe en ebeen — 22 8940 : ugoazog ogroated du igee — 058— 91 01 9„ 5 5 L= 6(0 06 91 01 6 G. 53 5 =90 05— 01 01 0. 9 5 5 1I 1 20 avε -— 005- S N. e Frage IX. V a. Wie geſtaltet ſich die Rentabilität des landwirthſchaftlich benutzten Bodens bei großen, mittleren und kleineren(eigenen oder gepachteten) I Gütern? b. Wenn die Rentabilität als eine unbefriedigende erſcheint, ſind die Gründe zurückzuführen hauptſächlich auf 1. die Fruchtbarkeits⸗Verhältniſſe der Gemarkung, 2. die mangelhafte Melioration und die Zerſplitterung der V Grundſtücke, 3. die im Verhältniß zur Ausnutzungsfähigkeit zu hohen Preiſe des Bodens, 4. einen mangelhaften landwirthſchaftlichen Betrieb, 5. ein zu großes Gebäudecapital, 6 7 —Kdc⸗ ungünſtige Arbeiterverhältniſſe, ungünſtige Abſatzverhältniſſe(ſchlechte Preiſe, unrationelle Einrichtungen für den Abſatz u. ſ. w.), 8. frühzeitiges Zurückziehen der Eltern und Belaſtung der Güter mit hohen Altentheilen und Leibrenten, 9. Beſondere unwirthſchaftliche Gewohnheiten der Landwirthe, z. B. zu ſtarke Pferdehaltung u. dgl., 10. hohe Steuern und Umlagen und ſonſtige dem Commiſſär bekannt gewordene Verhältniſſe? Es wurde, ähnlich wie bei Meſſel, ein größeres und ein mittleres Gut aus⸗ geſucht, um die oben geſtellten Fragen ſpeciell zu beantworten. Die Gewährsmänner gehören der beſſeren Claſſe der Weningſer Einwohnerſchaft an und zeichnen ſich durch Thätigkeit und das Beſtreben aus, auch neben ihrer Landwirthſchaft noch etwas zu verdienen. I. Beſitzſtand⸗Nachweis, beſtehend aus den Nachweiſen über den Werth von Grund und Boden mit Obſtbäumen, Gebäude⸗ capital, Inventarcapital(todt und lebend) und umlaufendes Be⸗ triebscapital(Vorrath). Das Verhältniß der einzelnen Betriebscapitalien zu dem Grundcapital ſtellt ſich wie folgt: 3 9. —* Größeres Gut. Das Gebäudecapital beträgt...... 52,4 pCt. vom Grundcapital Das Inventarcapital(todt und lebend) beträgt 44,8„ 9 4 Das umlaufende Betriebscapital beträgt.. 8„„ 9 Kleineres Gut. Das Gebäudecapital beträgt...... 57,6„„„ Das Inventarcapital(todt und lebend) beträgt 18„„„ Das umlaufende Betriebscapital beträgt.. 5„„ II. Natural⸗Rechnung, beſtehend aus den Nachweiſen über Natural⸗Ertrag und Natural⸗Bedarf nebſt Schlußfolgerungen. Die angegebenen Natural⸗Erträgniſſe ſtimmen mit denen, welche die Statiſtik aufführt, im Weſentlichen überein, nur nicht bei dem Hafer, welcher in der Ueber⸗ ſicht von 1875 offenbar zu gering angegeben iſt. Die Acker⸗ und Wieſen⸗Erträgniſſe, auch die Erträgniſſe aus dem Viehſtand, namentlich was die Milchproduction an⸗ langt, ſind ſehr gering. Der Rindviehſtand an und für ſich iſt wohl in guter Ordnung, allein es fehlt an einer richtigen Verwerthung der erzielten Producte, ſo⸗ wie an einer rationellen Fütterung, welche die Milcherträgniſſe gewiß weſentlich er⸗ höhen würde; es würden dadurch auch die Productionskoſten für den Dünger ver⸗ mindert werden. Was den Naturalbedarf für die Familie betrifft, ſo erſcheint die Conſumtion an Fleiſch ſehr gering; daß die Leute bei weniger Genuß von Kaffee u. dergl. und bei mehr Aufwendung für Fleiſch zu harter Arbeit fähiger werden würden, iſt wohl außer Frage. III. Geldrechnung, beſtehend aus den Nachweiſen über Geld⸗ einnahmen und Geldausgaben. Die Geld⸗Rechnung weiſt nach, daß die beiden in Betracht genommenen Beſitzer am Ende des Jahres noch Ueberſchüſſe haben, die jedoch zum großen Theil zur Deckung von Schuldzinſen verwendet werden müſſen. Das geringe Quantum an Getreide, welches verkauft werden kann, muß auch hier auffallen; es würde mehr zum Verkauf übrig bleiben, wenn durch Anwendung von künſtlichem Dünger, durch Einführung einer rationellen Fruchtfolge, die aller⸗ dings erſt möglich ſein wird, wenn alle Felder von Wegen direct und zu jeder Zeit zugänglich ſein werden, die Natural⸗Erträgniſſe auf eine genügende Höhe gebracht würden. IV. Rentabilitäts⸗Berechnung, beſtehend aus den Nachweiſen über den Rohertrag(excl. der für die Production in der Wirthſchaft wieder verwendeten Producte), die Productionskoſten und den Reinertrag. Die Rentabilitäts⸗Berechnung hat zu dem Reſultat geführt, daß bei beiden in Betracht genommenen Wirthſchaften circa 3 pCt. als Grundrente herausgerechnet — 20— werden konnte, die als nicht unbefriedigend bezeichnet werden kann. Immerhin iſt dieſelbe aber noch weſentlicher Erhöhung fähig, namentlich wenn rationellere Bewirth⸗ ſchaftung der Grundſtücke eintreten wird, wenn die Leute durch vermehrten Fleiß und durch Anwendung von verbeſſerten Ackergeräthſchaften, durch beſſere Ausnutzung der erzielten Producte, ſowohl aus dem Feldbau als aus dem Vieh größere Erträge zu erzielen ſuchen. Die Kaufpreiſe für den Grund und Boden ſind ja wohl der⸗ malen ſehr gering, aber die Leute ſollten ſich dennoch hüten, zu dem Gelände, welches ſie beſitzen, noch mehr hinzuzukaufen; ſie ſollten— und dies gilt nicht nur für die beiden Gewährsmänner, ſondern für ſämmtliche Landwirthe in Wenings und auch diejenigen der Nachbarorte— ihr Gelände, was ſie haben, gründlicher bearbeiten und die Koſten, welche ſie auf Erwerbung von neuen Grundſtücken verwenden müſſen, lieber zur Melioration derjenigen verwenden, welche ſie bereits haben. Den größten Nutzen gewährt nicht immer der ausgedehnte Beſitz, ſondern oft mehr der geringere, den man den Verhältniſſen entſprechend gut ausbeuten kann. Frage X. Zu welchen Schlußbetrachtungen gelangt die Commiſſion auf Grund ihrer Erhebungen über die Geſammtlage der landw. Bevölkerung der Gemeinde, bezw. von welchen Verhältniſſen oder Maßnahmen glaubt ſie eine Beſſerung der wirthſchaftlichen Lage erwarten zu dürfen? Von der verſammelten Commiſſion wird einſtimmig angenommen, daß die Lage der landwirthſchaftlichen Bevölkerung von Wenings wirklich ungünſtig iſt und daß daran Schwierigkeiten ſchuld ſind, die gehoben werden müſſen, daß die Leute aber auch geneigt ſind fortzuſchreiten, wie ſie dies durch Verbeſſerung in Beziehung auf Viehzucht auch ſchon bewieſen haben. Eine beſſere Verwerthung der Milch durch Einrichtung einer Sammelmolkerei mit beſchränktem Betriebe, zu welcher der Pachter des fürſtlichen Hofgutes gewiß auch beitritt, würde nicht ohne gute Folge bleiben. Der Futterbau muß ausgedehnt, eine beſſere Cultur der Felder angeſtrebt werden; die Landwirthe müſſen Gelegenheit erhalten und wenn ſie geboten wird, ergreifen, ſich in ihrem Berufe auszubilden, um zu lernen, was es heißt, rationell zu wirthſchaften, Buch und Rechnung zu führen! Es muß mit der ſchlechten Fruchtfolge gebrochen, es muß die Parcellirung der Grundſtücke und ihre Unzuträglichkeit aufhören, mit anderen Worten, es muß auf Zuſammen⸗ legung derſelben hingewirkt werden. Es muß angeſtrebt werden, daß die Creditbe⸗ dürftigen, obwohl ſchon jetzt vielfach auch ſolide Gelegenheit zur Befriedigung des Creditbedürfniſſes geboten iſt, ſicher Geld, vielleicht durch ſtaatliche Anſtalten zu ge⸗ ringem Zinsfuß und mit entſprechender Amortiſationsfriſt erhalten können. Auch dem Ueberhandnehmen des Hauſirhandels durch gewinnſüchtige Händler muß geſteuert werden. Endlich würde es weſentlichen Einfluß auf die landwirthſchaftliche Bevöl⸗ kerung haben, wenn die enormen Koſten, welche bei Verkäufen und Hypothekerrich⸗ — —e ——,-— — 21= tungen erwachſen, geringer würden und wenn das gerichtliche Beitreibungsverfahren verbilligt würde! Von einem anweſenden Gemeinderathsmitglied wurde als zweckmäßig zur Ver⸗ minderung der Gemeinde⸗Umlagen ein außerordentlicher Holzhieb vorgeſchlagen. Referent glaubt von einer ſolchen Maßregel für jetzt abrathen zu müſſen. Die außer⸗ ordentlich niedrigen Holzpreiſe, die dermalen in hieſiger Gegend erzielt werden, laſſen ihm, abgeſehen von vielem anderen, ein derartiges Mittel dermalen nicht zweckmäßig erſcheinen. Der Berathung über vorſtehenden Bericht wohnten außer den Unterzeichneten bei: Kreisrath Klietſch von Büdingen, das Kreisausſchußmitglied Bürgermeiſter Roth von Ortenberg, Pachter Hahn von Wenings, Bürgermeiſter Kehm und der geſammte Gemeinderath von da, und die Bürgermeiſter von Hitzkirchen, Kefenrod und Bind⸗ ſachſen. Ged ern, den 10. December 1885. Jaup, Geheimerath. Weidenhammer, Landesöconomierath. Brumhard, Domänenrath. 3¹½ Anlage I. Gemeinde Wenings. Beſitzſtand, Natural⸗ und Geld⸗Rechnung und Rentabilitäts⸗Berechnung eines größeren Bauerngutes von 20 Hectar. 8 Der Beſitzer iſt verheirathet, 56 Jahre alt, Vater von 6 Kindern, von denen ein 11 Jahre alter Sohn und zwei 15—17jährige Töchter ſoweit als angängig in der Wirthſchaft mitarbeiten. Ein Knecht und eine Magd werden gehalten, ſo daß die Familie aus 7 Perſonen beſteht. Beſitzer betreibt neben ſeiner Landwirthſchaft einen kleinen Butterhandel, ſo daß er wöchentlich ca. 80 Pfund Butter in Wenings auf⸗ kauft, die er mit einem Aufſchlag von 10 Pf. pro Pfund an einen Abnehmer wieder abſetzt. I. Beſitzſtand. A. Grund und Boden mit Obſtbäumen(Grundcapital). 12,75 Hectar Ackerland mittlerer Kaufwerth: Steuercapital incl. Gebäude: 7,25„ Bieſe 10000 Mk. 201,6 Mk. (in 258 Parcellen.) 6 Obſtbäume: 9 größere Aepfelbäume à Mk. 20... Mk. 180 14„ Virnbäume à Ml. 12....„ 168 9 kleine Aepfelbäume à Mk. 5....„ 45 30 Zwetſchenbäume à Mk. 1,50„ 45 Summe. Mk. 438 , -—9— — 23— Wiederholung. Grund und Boden........ Mk. 10000 Obſtbäume..........„ 438 Mk. 10438 B. Gebäude. 3 Eine Hofraithe, beſtehend aus Wohnhaus, Lünlnnd Scheuer und Schuppen, laut Brandkataſter......„ 5490 C. Viehſtand. 1 Pferd, 6 Jahre alt... 3. Mk. 600 4 Kühe, Simmenthaler Rrusun, werden ange⸗ ſpannt....„ 1200 5 Kalbinnen............„ 1150 5 Rinder und Kälber........ oc„ 600 5 Schafe...........„ 125 5 1 Ziege.„ 10 1 Mutterſchwein mit Jungen.„ 200 2 Läufer........„ 70 2 Maſtſchweine...........„ 100 5 Gänſe............„ 15 10 Hühner.............„ 10 ——„ 14030 D. Todtes Inventar. Wagen, Pflüge, Eggen, 1 Hüſckmaſchine Wuidſn Joße und 8 Bandgeſchirr, zuſammen....„ 600 E. Vorrath an umlaufendem Betriebscapital ſiehe Rentabilitätsberechnung........„ 833 Werth des geſammten Beſitzes.. NMk. 21441 Inventar der engeren Familienwohnung Mk. 500. Außer⸗ dem Activcapital, als Caution für einen Sohn beſtellt Mk. 1000. — 24.— II. Natural-Rechnung. A. Natural⸗Ertrag. Aus dem Acker⸗ und Wieſenbau. Es werden angebaut reſp. geerntet: V Getreide 2 5 5 5635 1 Anbanu 5lZZ2S[ 3. S5[3 5 A Centner. r. e Korn.. 2,5 Hect. 50 90 I , Hafer. 2,5„ 57 65 6266b] Weizen. 2,00„ 62 60 ,, Gerſte. 2 2,00„ 55 40 Kartoffeln. 1,00„——[200 — Futterrunkel. 0,75„——— 460 Zuckerrüben 0,25„—— I—[—[120 Klee. 1,25„————[—[125 Winterſamen! 0,50.„——— 1I——= 7,50 Wieſen.. 7,25„—-——— I— 1—[512 Oböt 6 2 Der Durchſchnittsertrag pro ¼ Hectar berechnet ſich annähernd: bei Korn auf 5 Ctr. Körner, 9 Ctr. Stroh, 2 Hafer 2 5,7 Ir 2 6,5 II 2 „ Weizen„(o e„„„ 2 G erſte 22 6 ,8/ 2 5 2 2 „ Kartoffeln„ 50„ Kuollen, „ Dickwurz„ 150„ „ Zuckerrüben„ 120„ rein, nach Abzug von Schmutz, „ Klee„ 25„ Heuwerth, 4 „ Wieſen„ 18„ Heu und Grummet. Aus dem Viehſtand. Milch. Durchſchnittlich pro Tag und Kuh 3 Liter, im Jahr 4400 Liter. Rindvieh. Durchſchnittlich werden alle Jahre 2 Kühe verkauft; die entfallenden Kälber werden aufgeſtellt, die Kuhkälber zur Nachzucht benutzt, während die Ochſenkälber caſtrirt und mit etwa 2 Jahren als Zugochſen zu wohl Mk. 150 pro Stück verkauft werden. Schweine. Die Schweine werden theils als Läufer verkauft, theils fett gemacht. 1 Maſtſchwein wird in die Haushaltung geſchlachtet, 2 je etwa 180 bis 200 Pfund ſchwer verkauft. — 25— Schafe. Die entfallende Wolle wird im Winter von den weiblichen Familien⸗ mitgliedern geſponnen und das Garn zu Bekleidungsſtücken verwendet. Ein Theil der Lämmer und der alten Thiere wird jährlich verkauft. B. Natural⸗Bedarf. Für Saatgut. Korn 2,5 Hectar à 400 Pfd..... 10 Ctr. Hafer 2,5„„ 360„.... 9„ Weizen 2„„ 400„.... 8„ Gerſte 2„„ 100„... 8„ Kartoffeln 1„„ 2400„). 24„ Klee 1,25„„ 36„ 45 Pfd. Für den Viehſtand. Hafer, dem Pferde.......... 30 Ctr. Gerſte, den Schweinen......... 20„ Kartoffeln.......... 120„ Rüben, dem Rindvieh und den Schafen... 480„ Klee, wird ſämmtlich grün gefüttert.... 125„ Stroh, wird ſämmtlich zum Streuen und Füttern gebraucht.-.... G.... 255„ Wieſenheu und Grummet: dem Pferde........ 50 Ctr. „ Nindvieh....... 420„ den Schafen....... 30„ —% 500„ Roggenkleie, vom eigenen Mahlgut..... 5„ Rapskuchen.... 8 Milch, größtentheils abgerahmt oder als Sauermilch 1500 Liter. Der Werth der für das Rindvieh, Schweine und Geflügel ver⸗ wendeten Producte beträgt etwa.......... Mk. 1900 Der Werth der von dieſen erzielten Producte etwa....„ 1300 Es würden demnach noch durch den Stallmiſt zu decken ſein.. Mk. 600 Bei Annahme einer Ausfuhr von ca. 1000 Centner ſtellt ſich der Centner dann ähnlich wie in Meſſel auf etwa 60 Pf. Für die Familie( Perſonen): Roggen......... 30 Ctr. Gerſte........ 20„ Weizen............. 5„ Kartoffeln. Fleiſch Butter. (1 Schwein à: 200 Pfd. und 100 vid fuſches dudſei) Kaffee und Eichorien Schmalz Salz Milch, incl. 2uuernilg Eier Branntwein Es berechnet ſich ſonach der Varbrauch der Familie pro Kopf und Tag auf rund ungefähr: 1050 Gramm Getreeide, 1100„ Kartoffeln, 60„ Fleiſch, 14„ Butter, 9„ Kaffee und Cichorie, 12„ Schmalz, 30 Salz, 0,60 Liter Milch. 60 Ctr. 300 Pfd. 70„ 45„ 60„ 150„ 1500 Liter 400 Stück 20 Liter In Geldwerth dürfte dieſer Conſum Mk. 920— 950 betragen; er kommt des⸗ halb bei 7 Familienmitgliedern incl. der zeitweilig beſchäftigten Taglöhner Mk. 2,60 bis Mk. 3 täglich und pro Kopf und Tag ca. 40 Pf. Die Art der Mahlzeiten iſt ähn⸗ eſſel angegeben. Mit Butter und Fleiſch wird ſehr ſparſam umge⸗ gangen. Bier oder Apfelwein wird niemals, Branntwein während der Erntezeit hin lich wie bei M und wieder in mäßiger Portion verabreicht. Geſinde und Ta 10 Ctr. 18 glöhnern gemeinſchaftlich ein. III. Geld-Rechnung. A. Einnahmen. Roggen à Mk. 7,50. Hafer à Mk. 6,25 54„ Weizen à Mk. 8,50. 120„ Zuckerrüben à 80 Pf.. 7 ½„ Winterſamen à Mk. 10 150 Pfd. Butter à 70 Pf.. 2 Kühe* Mk. 250... 2 Ochſenkälber à Mk. 150 Für Schweine. zu übertragen Die Familie nimmt ihre Mahlzeiten mit 75,— 112,50 459,— 96,— 75,— 105,— 500,— 300,— 300,— Mk. 2022,50 —er — a Uebertrag. Mk. 2022,50 Für Lämmer und Schafe............„ 80,— „ Gänfe............. 7 15,— 250 Stück Eier................„ 10,— Verſchiedenes..... 9 7,50 Aus dem Butterhandel.......... e300,2 Summe Mk. 2435,— 55 B. Ausgaben. Steuern und Umlagen: Staatsſteuer........„ Mk. 55,80 Communalſteuler..........„ 96,68 Tilgungsrente........„„ 54,40 Mk. 206,88 Taglöhne: 1 Mann 60 Tage à Mk. 1,30...... Mk.(8,— 1 Frau 60 Tage à Mk. 0,60.....„ 36,— 114 (nebſt vollſtändiger Beköſtigung) 3 Geſindelöhne: 1 Kuccht............ Mk. 200,— 1 Magd(gering.........„ 60,— „ 260,— (ebenfalls mit voller Beköſtigung) Unterhaltung der Gebäude: Durchſchnittlich pro Jahr............„ 50,— Unterhaltung des todten Inventars: Wirkliche Ausgabe: dem Wagner......... Mk. 25,— dem Schmied.......„ 45,— dem Sattler..........„ 10,— für Hausrath W.........„ 25,— —„ 105,— Inventar der Familienwohnung............ 7„ 40,— Verſicherungs⸗Prämie: im Ganzen etiwa... 1.........„ 12,— Pferderemonte...Gi. SGl... ii„ 50,— (das Pferd wird durch Ankauf erſebt) Zukauf von Kraftfutter: 7 Ctr. Rapstuchen à Ml. 8.......„ 56,— zu übertragen.. Mk. 893,88 Uebertrag. Mk. 893,88 Zukauf von künſtlichen Vüntemns 2 Ctr......„ 17,— Heizung und Verenchkung: Holz.„ 70,— Petroleum, Oel..„ 50,— —ñ„ 120,— Außer dem angekauften Holz werden noch für ca. Mk. 10 Werth Berechtigungsholz ver⸗ verbrannt. Zukauf von Nahrungsmitteln: 2 Etr. Mehl à Ml. 20.... Mk. 40,— 100 Pfd. Fleiſch..„ 60,— 45„ Kaffee und Scjare„ 45,— Salz......„ 14,— Branntwein.........„ 12,— Verſchiedenes.......„ 9,— —— 1 180,— Bekleidung...................„ 400,— Arzt und Apothele..................„ 10,— Thierarzt...„ 10,— Verſchiedenes............„ 16,12 Summe.. Mk. 1647,— C. Vergleichung der Geld⸗Einnahmen und Geld⸗Ausgaben. Die Einnahmen betrugen... Mk. 2435,— Die Ausgaben betrugen....„ 1647,— Ueberſchuß Mk. 788,— Die Zinſen von Mk. 3108(à 5 pCt.) Schulden ſind in Abzug zu bringen. IV. Rentabilitäts-Verechnung. A. Rohertrag (excl. der für die Production in der Wirthſchaft wieder verwendeten Producte). Erlös aus verkauften Producten...... Mk. 2135,— Werth der für die Familie aus der wirtſchafte entnommenen Producte.......e 2 750,— Summe. Mk. 2885,— — A B — 29— B. Productionskoſten. 1. Gebäudecapital: Zinſen von Mk. 5490 à 4 pCt.... Mk. 219,60 Verſicherungsprämie........„ 6,— Abnutzung(1 pCt.).....„ 54,90 Inſtandhaltung.........„ 50,— Mk. 330,50 3 2. Capital des lebenden Inventars: Zinſen von Mk. 4080 à 4 pCt.... Mk. 163,20 Verſicherungsprämie, 2 ½ pCt.....„ 102,— (nicht verſichert) Abnutzung vom Werth des Aſerdes We 600 à 8 pCt.).....„ 48,— „ 313,20 3. Capital des todten Inventars: Zinſen von Mk. 600 à 4 pCt.... Mk. 24,— Verſicherungsprämie.....„ 1,20 Erneuerung und Inſtandhaltung...„ 105,— 3„ 130,20 4. Zinſen des umlaufenden Betriebscapitals(6 pCt. von Mk. 833)„ 50,— 5. Hagelverſicherungsprämie.............„ 20,— 6. Feuerverſicherung der Producte...........„ 5,— 7. Steuern und Abgaben.............. 2 120,— 8. Kraftfutter und künſtliche Dünger...„ 73,— 9. Heizung und Beleuchtung, 25 pCt. der nſnumten Ausgaben„ 37,50 10. Thierarat 2 5,— 11. Arbeitslöhne: Taglöhne und Koſt... Mk. 14,— 6 Knecht und Magd einſchließlich Koſt.„ 610,— 781 Summa.. Nr. 1868,40 C. Reinertrag. Der Rohertrag betrug.... Mk. 2885,— Die Productionskoſten betragen.„ 1868,40 Bleibt Reinertrag.. Mk. 1016,60 welche als Grundrente und Arbeitsverdienſt für die Familie verbleiben. Rechnet man letzteren— den Arbeitsverdienſt der Familie— per Jahr: für den Mann zu....... Mk. 360 für die Frau 3u.......„ 160 für die beiden Töchter„ 280 Zuſammen.. Mk. 800 ſo bleiben als Reinertrag...... Mk. 216 Hierzu den Werth der Familienwohnung mit„ 104 ſo erhöht ſich derſelbe auf.... Mk. 320 oder bei Annahme eines Werthes des Grund und Bodens mit Obſtbäumen von Mk. 10438 auf ca. 3 pCt. dieſes Werthes. —,— Anlage II. Gemeinde Wenings. Beſitzſtand, Natural⸗ und Geld⸗Rechnung und Rentabilitäts⸗Berechnung eines mittleren Bauerngutes von 6,6 Hectar. * Der Beſitzer iſt verheirathet, 34 Jahre alt, und hat drei noch kleine Kinder. Seine Mutter und ein lediger Bruder leben bei ihm. Alle führen einen gemein⸗ ſchaftlichen Haushalt, zu welchem aber die Mutter und der Bruder ihren Theil an Naturalien beitragen, welchen beide aus eigenen Grundſtücken und Vieh erzielen. Alle Arbeit wird gemeinſchaftlich geleiſtet. In Nachſtehendem iſt aber nur dasjenige berückſichtigt, was auf den Antheil des Hausbeſitzers entfällt, ſo daß nur zwei er⸗ wachſene Perſonen und drei Kinder in Betracht kommen. Der Beſitzer ſcheint ein ſehr verſtändiger Mann zu ſein; er iſt auch fleißig und verdient ſich durch Steinbrechen und Chauſſeearbeiten im Winter eine erkleckliche Summe. Seine beſcheidene Wohnung nebſt Hofraithe iſt entgegen denjenigen der meiſten Einwohner von Wenings in gutem Zuſtande, der Viehſtall gewölbt, die Miſt⸗ ſtätte mit Pfuhlloch und Jauchepumpe verſehen; der Mann wird, zumal er nur Mk. 1500 Kaufſchillinge, aber keine anderen Schulden zu zahlen hat, vorwärts kommen. A S I. Beſitzſtand. A. Grund und Boden mit Obſtbäumen(Grundcapital). 4 Hectar Ackerland mittlerer Kaufwerth: 2,6„ Wieſen 5200 Mk. in 60 Parcellen.) — 32— Obſtbäume: 6 große Aepfelbäume à Mk. 20.. Mk. 120,— 2 Birnbäume à Mk. 12.....— 24,— 15 Zwetſchenbäume à Mk. 1,50..„ 22,50 Summe.. Mk. 166,50 2 Wiederholung: Grund und Boden...... Mk. 5200,— Kaax Mk. 5366,50 B. Gebäude. . Eine Hofraithe, beſtehend aus Wohnhaus, Stall und etwas entfernt davon ſtehender Scheuer, laut Brandkataſter„ 3090,— C. Viehſtand. 1 Kuh, Simmenthaler Kreuzung, wird mit der der Mutter und dem Bruder gemein⸗ ſchaftlich gehörigen Kuh zuſammen zu allen landw. Arbeiten angeſpannt, 1.. Mk. 300,—* 1 zweijähriges Rind..„ 170,— 2 jüngere Rinder à Mk. 80..1e..„ 160,— 2 junge Schweine à Mk. 15.....„ 30,— 1 Schwein zum Schlachten„ 70,— 6 Hühner à Mk. 1„ 6,— „ 736,— D. Todtes Inventar. Werth im Ganzen..........„ 230,— V E. Vorrath an umlaufendem Betriebscapital 6 ſiehe Rentabilitätsberechnung.....„ 2470,— Werth des Tenminten Befites.. Mk. 9692,50 Inventar der engeren Familienwohnung ca. Mk. 600. II. Natural-Rechnung. A. Natural⸗Ertrag. Aus dem Acker⸗ und Wieſenbau. Es werden angebaut reſp. geerntet: ͤͤͤ‧‧‧‧⁄‧⁄‧ Getreide 4 5 E 22 3 8 2. 3i2 Anbanu SSSEA2Z[3[5 5 6 S G. 5 ‿△ Centner. e s Korn....... 0,75 Heckar· 20 30 K. s Hafer..... 0,65„⸗ 20 24 „ Weizen.... 0,75„ 18 24 Me Gerſte..... 50 C*h„ 18 15 Kartoffeln(Knollen). 2,6 20,25 5„——[60 Klee(trocken)....(,3„——[—[45 Rüben..... ,12—— 1[—[1[80 V Zuckerrüben. 0,25„————— 120 Wieſen. 2,06„————— 180 5,0S, ,AA Der Durchſchnittsertrag berechnet ſich annähernd pro ¼ Hectar wie folgt: bei Korn auf 6 ⅞ Ctr. Körner, 10 Ctr. Stroh, 2 H afer 2 6 2 3 7 2 8 2 7 11 Weizen 11 6 11 1 8 1 11 5 1„ Gerſte„ 6 1 7 5 1 7 „ Kartoſfeln„ 60„ Knollen, „ Rüben„ 160„ Rüben, „ Klee„ 30„ Heuwerth, „ Wieſen„ 18„„ „ Zuckerrüben„ 120„ Aus dem Viehſtand. Milch. Durchſchnittlich von der Kuh 2900 Liter pro Jahr. Rindvieh. Durchſchnittlich wird alle 2 Jahre eine Kuh und dazwiſchen ein Rind verkauft, jährlich tritt ein Kalb hinzu, welches, wenn es ein Kuhkalb, 8 aufgeſtellt oder wenn es ein Ochſenkalb, ca. 14 Tage alt verkauft wird. Schweine. Das Schwein, welches im Sommer angekauft wird, wird in die Haushaltung geſchlachtet. Sind reichlich Kartoffeln da, ſo werden auch 2 Schweine angekauft, von denen dann eines wieder verkauft wird. Geflügel. Etwa 100 Stück Eier werden verkauft. B. Natural⸗Bedarf. Für Saatgut: Korn 0,75 Hectar à 480 Pfd... 3 Ctr. 60 Pfd. Hafer 0,75 11 2 400 1. 3 7„/) Weizen 0,75„„ 400„ 3 Ctr.— Pfd. Gerſte 0,,5„„ 420„.. 3„ 15„ Kartoffeln 0,25 1„ 2400 2.. 6)/ Klee 0,375„„ 9„..„ 13„ Für den Viehſtand: Gerſtedldl 5 Ctr. Karthffeln...... 34„ Rüben... 860„ Klee, wird ſämmtlich grün gefüttert..... 45„ Wieſenheu und Grummei....... 160„ Stroh...........93„ Roogenkleice. 4„ Napskuchen......... 4„ Milch......... 330 Liter. Der Werth der für das Rindvieh, die Shein und das„Genügst verwendeten Producte beträgt etwa..... Mk. 735 Der Werth der erzielten Producte beträgt.„ 580 Bleiben durch den Stallmiſt zu decken ca... Ml. 155 oder bei einer ungefähren Ausfuhr von 300— 350 Ctr. ca. 50 Pf. pro Centner. Für die Familie (Mann, Frau und 3 kleine Kinder) Roggen....... 16 Centner Weizen(als Mehl augtuuſ.... 3„ Gerſte... 10„ Kartoffeln1l... 20„ Fleiſch. 230 Pfund (1 Schwein 180— 200 Pfd., 3 exel. Schmalz und ½ Jahr lang Sonntags 1 Pfd. Rind⸗ oder Eawemeſliſch Butter....... 25„ Schmalz.......... 30„ Kaffee und Eichorie.......20„ Salz............ 52 Milch............ 550 Liter Eier............. 300 Stück Käſe, Gemüſe eꝛc. Es berechnet ſich ſonach der Verbrauch der Familie pro Kopf und Tag auf rund ungefähr: — ☛ — yfᷣł̃ ———— — 35— 1000 Gramm Getreide, 800„ Kartoffeln, 80„ Fleiſch, 9„ Butter, 10„ Schmalz, 8„ Kaffee und Cichorie, 20 Salz, 0,30 Liter Milch. Der Werth der verbrauchten Nahrungsmittel beträgt etwa Mk. 500 oder bei Annahme von 3 Erwachſenen(die 3 Kinder zu einer erwachſenen Perſon gerechnet) à Perſon Mk. 170 pro Jahr und pro Tag und Kopf ca. 40 Pf. Die Lebensweiſe der Familie iſt etwa: Erſtes Frühſtück: Kaffee, Brod mit Schmierkäſe oder Latwerge. Zweites Frühſtück: Brod mit Butter oder Handkäſe, hin und wieder etwas Branntwein. Mittageſſen: Zweimal wöchentlich Fleiſch, Gemüſe oder Kartoffeln. Vesperbrod: Kaffee, Brod mit oder ohne Butter oder Schmierkäſe. Abendbrod: Kartoffeln mit Dickmilch oder Kaffee. Die Familie lebt, wie aus Vorſtehendem hervorgeht, äußerſt einfach und ſparſam, namentlich iſt der Fleiſchconſum ein ſehr geringer. III. Geld-Rechnung. A. Einnahmen. 17 Ctr. Hafer à Ml. 6,25........... Mk. 106,25 15„ Weizen à Mk. 8,50...........„ 127,50 120„ Zuckerrüben à Ml. 0,80.........„ 96,— 170 Liter Milch nach Birſtein à 8 Pf.........„ 136,— Alle 2 Jahre 1 Kuh à Mk. 300, per Jahr„ 150,— In der Zwiſchenzeit 1 Rind oder Kalb, pro Jahr aus Mk. 80„ 40,— Hin und wieder ein Schwein...„ 40,— 100 Stück Eier à 4 Pf.............„ 4—, Summe.. Mk. 699,75 oder rund Mk. 700. B. Ausgaben. Steuern und Umlagen: Staateſteuern.......... Mk. 21,— Communalſteuern..........„ 41,— Tilgungsrente(hört 1891 auf)......„ 20,— Mk. 82,— zu übertragen.. Mk. 82,— Uebertrag.. Mk. 82,— Zinſen.. 5„ 75,— Unterhaltung der Gebäude: Wirkliche Ausgabe....„ 30,— In den letzten 3 Jahren wurden beſonders größere Repara⸗ turen nöthig; Wölben des Stalles und Errichtung eines Pfuhlloches wurde vorgenommen. Unterhaltung des todten Inventars: Wagner. Mk. 10,— Schmied........„ 15,— Sattler, Handgeräthe 2c.........„ 10,— 8 Inventar der Fainiltenwohnung.„ 15,— Verſicherungs⸗Prämien: Für Gebämde.. ol. Mk. 3,55 Für Inventar und Producte.......„ 7,80 4 11,35 Zukauf von Vieh: 2 Ferkel à Mr. 12.....„ 24,— Zukauf von Kraftfutter: 4 Ctr. Napskuchen à Mk. 7.......... l..„ 28,— Zukauf von künſtlichen Düngern: 2 Ctr. 3. Mk. 8,50..............„ 17,— Heizung und Beleuchtung: Holz......... Mk. 24,— Oel, Peitoleum 2ec.....„ 20,— 21 Zukauf von Nahrungsmitteln: 1 200 Pfd. Mehl à 20 Pf...... Mk. 40,— 30„ Fleiſch 4 60 Pf.....„ 18,— Kaffee, Cichorien l..„..„ 25,— Salz, Eſſig, Gewhürz.......„ 5,— 86 Bekleidung.„ 140,— Arzt und Apotheke.............„ 6,— Thierarzt.......„ 3,— Verſchiedenes........„ 6,65 Summe Mk. 605,— C. Vergleichung der Geld⸗Einnahmen und Geld⸗Ausgaben. Die Einnahmen betrugen.. Mk. 700,— Die Ausgaben betrugen....„ 605,— Bleibt Ueberſchuß. Mk. 95,— — ᷣ& — 37— IV. Rentabilitäts-Berechnung. A. Rohertrag (excl. der für die Production in der Wirthſchaft verwendeten Producte.) Erlös aus verkauften Producten.... Mk. 700, Werth der für die Kannii aus der tWiahſcaſte entnommenen Producte... 2 362,— Summe.. Nr. 1062,— B. Productionskoſten. 1. Gebäudecapital: Zinſen von Mk. 3090 à 4 pCt.... Mk. 123,60 Verſicherungsprämie....... 3,55 Abnutzung(Amortiſation) 1 u6...„ 30,90 Inſtandhaltung........„ 30,— — Mk. 188,05 2. Capital des lebenden Inventars: Zinſen von Mk. 736 à 4 pCt... Mk. 29,44 Verſicherungsprämie 2 pCt......„ 14,72* Zukauf von Ferkeln.......„ 24,— —„ 68,16 3. Capital des todten Inventars: Zinſen von Mk. 230 à 4 pCt. Mk. 9,20 Verſicherungsprämie.....„ 42,— Erneuerung und Inſtandhaltung...„ 35,— —„ 45,12 4. Zinſen des umlaufenden Betriebscapitals. Dasſelbe betrug 50 pCt. der jährlichen baaren Aeneben= Ml. 270 à 6 GCt..„ 16,20 5. Hagelverſicherungsprämie......„ 5,— 6. Feuerverſicherung der Producte.......„ 2,80 7. Steuern und Umlagen(excl. Tilgungsrente)„ 62,— 8. Kraftfutter und künſtlicher Dünger.... 2„ 45,— 9. Heizung und elenehtäun, 25 At. der weiamnten Ausoebe 11,— 10. Thierarzt.....„ 3,— 11. Verſchiedenes..........„ 15,66 Summe. Mk. 462,— C. Reinertrag. Der Rohertrag betrug.... Mk. 1062,— Die Productionskoſten betragen.„ 462,— Bleibt Reinertrag.. Mk. 600,— Es bleiben alſo für Arbeitslohn für die beiden erwachſenen fleißigen Familien⸗ glieder und für Grundrente zuſammen Mk. 600 zu verzeichnen. 4¹⁷ — 38— Wird auch hier, wie bei dem erſten Beijpil der Arbeitslohn: des Mannes zu........ Mlk. 360 der Frau zu............„ 160 Arbeitslohn der Familie z 31u... MNk. 520 angenommen, ſo bleiben als Grundrente..„ 80 Der Werth der Familienwohnung hinzugerechnet mit„ 80 erhöht ſich dieſelbe auf.... Ml. 160 und berechnet ſich bei einem Grund⸗ und Bodenwerth mit Obſtbäumen von Mk. 5366 ebenfalls auf circa 3 pCt. von Letzterem. ——yA; — Bericht über die landmwirthſchaftlichen Verhältniſſe Gemeinde Groß⸗Rohrheim, Kr. Vensheim, erſtattet von Wilhelm Rohn in Schwanheim. ·qʒ·— Allgemeines. Groß ⸗Rohrheim liegt in der Rheinebene, im ſogenannten Ried, circa 92 Meter über dem Meeresſpiegel, etwa 20 Kilometer von Darmſtadt und 10 Kilometer von Worms entfernt, an den Eiſenbahnlinien Darmſtadt⸗Worms und Frankfurt⸗Mannheim mit Bahnſtation. Die Gemeinde zählt zur Zeit 1751 Einwohner, welche 439 Haushaltungen bilden und 340 Häuſer bewohnen. Unter der Bevölkerung ſind 61 Israeliten, die Frucht⸗ und Viehhandel, größtentheils in loco, betreiben, die chriſtliche Bevölkerung iſt faſt ausſchließlich evangeliſch. Die Einwohnerſchaft iſt im Allgemeinen eine ſehr ſtändige, ſeit langer Zeit angeſeſſen. Seit 1853 ſind nur 2 Familien ausgewandert; dagegen von 1850— 1853 etwa 20 Familien mit circa 120 Seelen, darunter 10 Fa⸗ milien auf Koſten der Gemeinde. Die Heirathen finden mit wenig Ausnahmen inner⸗ halb der Gemeinde ſtatt. Der Grundbeſitz wird im Allgemeinen unter die ſämmt⸗ lichen Kinder, jedoch ohne Theilung der Pareellen, vertheilt. Das landwirthſchaftlich benutzte Areal der Gemarkung umfaßt im Ganzen eine Fläche von 1380,55 Hectar in 5838 Parcellen, wovon 894,88 Hectar Ackerland und 485,67 Hectar Wieſen. Außerdem wurden noch 55,30 Hectar Wieſen, in 174 Par⸗ cellen, in der Gemarkung Hammerau gelegen, welche den Einwohnern von Groß⸗ Rohrheim gehören, in die Aufnahme miteinbezogen, um ein vollſtändiges Bild über 1 ¹⁸ — 2— die landwirthſchaftlichen Verhältniſſe derſelben zu gewinnen. Dieſes ganze Areal vertheilt ſich auf 498 Beſitzer, und zwar: auf 407 angeſeſſene Einwohner, ſodann die Gemeinde, Pfarrei, Kirche und Schule und 87 Ausmärker. Von den Erſteren be⸗ wirthſchaften 168 unter 1 Hectar, 177 von 1 bis 5, 50 von 5 bis 10, 10 von 10 bis 20 und 2 von 20 bis 30 Hectar. Die Normalſteuercapitalien der Gemeinde Groß⸗Rohrheim betrugen: Grundſteuercapital Einkommen⸗ Gewerb⸗ Jahr ſteuercapital ſteuercapital Hauptſumme Grundſtücke Gebäude Summe fl. 4/10 fl. 1/10 fl. 4/10 fl. 1110 fl. 1/10 fl. ¹½10 1874 14690— 1951— 16389 3 2180 5 25eo 8 1721o 8 1884/5 15170— 2143— 16400 1 4818 5 21218 6 38531 6 Die directen Steuern für die Gemarkung Groß⸗Rohrheim betrugen für 1884/85 6365,58 Mk. An Communalſteuern hat die Gemeinde für 1884/85 erhoben 9000 Mk. Letztere betrugen in 1870 1300 fl., in 1875 4000 Mk., in 1880 5000 Mk. Die Gemarkung iſt beſetzt mit: 580 Aepfelbäumen, 190 Birnbäumen, 690 Zwetſchenbäumen und 44 Wallnußbäumen. Der Wald in der Gemarkung umfaßt 255,58 Hectar, ſämmtlich Gemeindewald. Das Holz wird verkauft und der Erlös nach Abzug des Hauerlohns ꝛc. und der Culturkoſten an die Bürger vertheilt, was etwa 5— 6 Mk. pro Bürger beträgt. Der Werth des Waldes iſt im Vermögensverzeichniß der Gemeinde zu 175000 Mk. auf⸗ genommen, ſoll aber nach der Schätzung des Ortsgerichts mehr als das Doppelte betragen. Das Steuercapital deſſelben beträgt 953 fl. Der Nutzen außer dem Holz⸗ erlös iſt unbedeutend. Der Viehſtand in der Gemeinde beſteht zur Zeit in: 34 Fohlen, 160 Pferde, 194 Pferde, 68 Kälber bis 6 Wochen alt, 81„ voon 6 Wochen bis ½ Jahr, 8 3 5 Snndich ö932 Stück Rindvieh, 9 Ochſen, 431 Kühe, 358 Ziegen, 5 Schafe, 930 Schweine, 46 Zuchtſauen, 28 Bienenſtöcke. b 976 Schweine, ——— — 3— Die vorſtehende Aufnahme gründet ſich auf die ſpeciell für dieſen Zweck vor⸗ genommene Zählung. Der namhafte Unterſchied zwiſchen dieſer und der letzten allge⸗ meinen Reichs⸗Biehzählung erklärt ſich dadurch, daß die Letztere zur Zeit des Hoch⸗ waſſers, wobei Groß⸗Rohrheim ganz überſchwemmt, und viel Vieh auswärts unter⸗ gebracht war, ſtattfand. Frage I. a. Welche Bodenverhältniſſe zeigt die Gemarkung, welchen Character hat das Klima und wie iſt hiernach im Allgemeinen die Fruchtbarkeit der Ländereien; iſt letztere ſehr günſtig, mittel oder gering? b. In welchem Verhältniß ſtehen die verſchiedenen Arten des Kulturlandes— Acker, Wieſen, Weiden, Rebland ꝛc.— zu einander und iſt dieſes Verhältniß im Allgemeinen als ein wirthſchaftlich günſtiges zu bezeichnen? c. Welches ſind die hauptſächlichſten Producte der Landwirthſchaft, bezw. welche Productionsrichtungen machen ſich im landwirthſchaftlichen Betriebe der Gemeinde vorzugsweiſe geltend? d. Iſt der landwirthſchaftliche Betrieb im Allgemeinen ein rationeller zu nennen, oder haften ihm weſentliche Mängel an und welche? Stehen letztere u. A. mit einer ſehr weitgehenden Parcellirung der Grundſtücke und dem herrſchenden Flurzwang im Zuſammenhang? a. Das Ackerland der Gemarkung Groß⸗Rohrheim iſt größtentheils leichter Lehmboden, der an einzelnen Stellen mehr oder weniger in ſtrengen Lehmboden über⸗ geht, nur ein ganz kleiner Theil iſt Sandboden. Der Oberboden iſt nicht ſehr tief, durchſchnittlich etwa 50— 60 Centimeter, darunter liegt rother Letten, theilweiſe auch Sand. Der Boden iſt faſt durchweg luzernefähig, doch verträgt er längere Zeit dauernde trockene Witterung nicht ſehr gut. Das Terrain iſt ganz eben. Die Wieſen, die ebenfalls ganz eben ſind, liegen etwas tiefer als das Ackerland und haben faſt durchweg Moorboden, der ſehr an Näſſe leidet. Bei hohem Waſſerſtand im Rhein, von dem ſie nicht ſehr fern liegen, leiden ſie an Grundwaſſer. Der Boden der Ge⸗ markung Hammerau iſt mehr Lettenboden, der bei anhaltender Trockenheit im Sommer ſehr hart und feſt wird, was die Ertragsfähigkeit beſchränkt. Auch hier zeigt ſich bei hohem Waſſerſtand im Rhein an vielen Stellen Quellwaſſer. Die Gemarkung, welche mit der Hammerau zuſammenhängt, iſt nach Nord⸗Oſt und Süd⸗Oſt von Hochwald umgeben, nach Süden und Weſten ganz offen, und wird daſelbſt eine große Strecke vom Rhein begrenzt. Das Clima iſt das der Rheinebene, ſonach günſtig. — 41— Die Fruchtbarkeit der Ländereien kann im Allgemeinen als eine recht gute be⸗ zeichnet werden, und geht nur an einzelnen Theilen bis zu einer mittleren herab. Die Wieſen in der Gemarkung Groß⸗Rohrheim liefern ziemlich viel Heu, jedoch weniger gute Qualität, die in der Gemarkung Hammerau umgekehrt, ſehr gute Qualität bei weniger Quantum. Der Flächeninhalt der Gemarkung Groß⸗Rohrheim vertheilt ſich nach dem Cen⸗ tralcataſter in folgende Bonitätsclaſſen: I. Claſſe II. Claſſe III. Claſſe IV. Claſſe Hectar Ar Hectar Ar Hectar Ar Hectar Ar Ackerland: 39 87,00 153 23,00 464 67,25 236 79,75 Wieſen: 10 26,75 11 17,75 23 05,50 441 35,50 Das Ortsgericht hat jedoch dieſe Eintheilung als nicht mehr zutreffend erachtet, und die Gemarkung ihrem jetzigen Werth entſprechend in die nachſtehenden Bonitäts⸗ claſſen eingeſchätzt: I. Claſſe II. Claſſe III. Claſſe IV. Claſſe Hectar Ar Hectar Ar Hectar Ar Hectar Ar Ackerland: 56 45,25 226 84,40 301 62,66 309 95,75 Wieſen:—— 21 12,50 111 80,00 352 74,97 Die Wieſen der Gemarkung Hammerau mit 12 Hectar in die I. und mit 43 Hectar 30,69 Ar in die II. Claſſe. b. Es gibt nur zwei Arten Culturland in Groß⸗Rohrheim, Acker und Wieſe, wenig Gartenland. Die Wieſen ſind Feldwieſen ohne Bewäſſerung. Das Verhältniß der Acker⸗ zu der Wieſenfläche iſt ungefähr wie 2:1, incluſive der Wieſen in der Hammerau wie 8: 5. Bei der unbeſtreitbar beſſeren Rentabilität der Viehzucht gegen⸗ über dem Getreidebau iſt dieſes Verhältniß, welches alle Bedingungen zu einer ge⸗ deihlichen Viehzucht in ſich vereinigt, als ein wirthſchaftlich ſehr günſtiges zu be⸗ zeichnen. c. Die hauptſächlichſten Bodenproducte der Landwirthſchaft ſind Wieſenheu und Getreide, von letzterem namentlich Gerſte und Korn, nur wenig Spelz und Hafer; alsdann Kartoffeln, Rüben und Klee. Mit Ausnahme der Gerſte, welche faſt aus⸗ ſchließlich zum Verkauf angebaut wird, werden im Allgemeinen nur noch etwas Zucker⸗ rüben, Spelz und Kartoffeln verkauft.— Der Obſtbau iſt ohne Bedeutung.— Bezüglich der thieriſchen Producte iſt namentlich die Rindviehzucht und Schweine⸗ haltung, weniger die Schweinezucht zu erwähnen; während demgegenüber die Milch⸗ production zurücktritt. Die Milch wird verbuttert, und die Rückſtände zum größeren Theil als Käſe, zum kleineren als Schweinefutter verwerthet. Vorzugsweiſe geltend machen ſich demnach in der Productionsrichtung: Wieſenheu, Gerſte, Korn, Schweinefleiſch und Rindvieh. Die im Allgemeinen übliche Fruchtfolge iſt wie nachſtehend: 1. Kartoffeln und Rüben, 2. Gerſte, 3. Korn, Klee(meiſt Luzerne), 4. Hackfrucht, 5. Gerſte, Spelz, 6. Korn oder Hafer, Klee. d. Der landwirthſchaftliche Betrieb iſt im Allgemeinen ein nicht unrationeller, wobei allerdings geſagt werden muß, daß bei einzelnen Wirthſchaften mehr —— — 5— oder weniger zu wünſchen übrig bleibt. Sämmtliche Grundſtücke ſind durch Feldwege direct zugänglich, auf 1 Hectar kommen circa 5—6 Parcellen, und ſteht in dieſer Beziehung einem rationellen Betrieb nichts entgegen. Der Futter⸗ und Hackfruchtbau ſteht mit dem Getreidebau, namentlich in Be⸗ rückſichtigung des Reichthums an Wieſen, in günſtigem Verhältniß, und es kommt nur ſelten vor, daß mehr als zweimal hintereinander Getreide gebaut wird. Der Viehſtand iſt im Allgemeinen ganz befriedigend(einzelne Wirthſchaften könnten aller⸗ dings mehr leiſten) und kommen an Rindvieh pro Hectar Acker und Wieſe im Durch⸗ ſchnitt 0,4 Stück Großvieh und 0,3 Stück Jungvieh— 1— 3jährige Rinder ꝛc.— und verdient die Rindviehzucht alle Anerkennung. Der Viehſtand iſt im Allgemeinen von guter Qnalität und paßt für die wirthſchaftlichen Verhältniſſe. Das Rindvieh i*ſt meiſtentheils Simmenthaler Kreuzung, ebenſo auch die vier Gemeindefaſſel. Die Milchproduction iſt nur mittelmäßig, kann aber bei der geringen Qualität des Heues und dem größeren Intereſſe für Rindviehzucht als befriedigend erachtet werden. Dem Molkereiweſen dürfte im Allgemeinen mehr Beachtung zugewendet werden. Die Schweinehaltung und Zucht wird im Allgemeinen mit gutem Erfolg betrieben. Der größte Theil der Schweine iſt engliſche Kreuzung, ebenſo auch der Gemeinde⸗Eber. Zur Zucht und Maſtung werden Kartoffeln, Getreide und Molkereiabfälle verwendet. Künſtliche Düngemittel haben bis jetzt nur in ſehr beſcheidenem Maße Verwen⸗ dung gefunden, während eine größere Anwendung derſelben ſehr zweckmäßig ſein dürfte. Ebenſo dürfte eine fleißige Compoſtdüngung der Wieſen, wo bis jetzt noch wenig geſchehen iſt, die Grasnarbe und Qualität des Futters weſentlich beſſern. Auch dürfte im Allgemeinen ein größerer Zukauf von Kraftfutter ſtattfinden. Frage II. a. Wie iſt das Verhältniß der Größe der Gemarkung zur Größe der anſäſſigen Landbau treibenden Bevölkerung? b. In welcher Weiſe vertheilt ſich das landwirthſchaftliche Gelände unter die anweſende Bevölkerung(todte Hand, Großgrundbeſitz, Groß⸗, Mittel⸗, Klein⸗Bauern, Taglöhner und Gewerbtreibende) und ſind in den letzten Jahren weſentliche Aenderungen in der Beſittzvertheilung einge⸗ treten? c. Iſt die Beſitzvertheilung im Allgemeinen als eine günſtige zu bezeichnen, wenn nicht, wodurch giebt ſich die behauptete ungünſtige Ver⸗ theilung zu erkennen, welche Umſtände haben letztere veranlaßt, z. B. das geltende bäuerliche Erbrecht, die üblichen Syſteme des ehelichen Güter⸗ rechts oder der Zuſammenkauf von Grundſtücken? 6= d. Iſt ein Theil der Gemarkung Allmendland und welchen Einfluß hat die Benutzung des letzteren auf die Lage der Bevölkerung? a. Die Größe der Gemarkung(= 1380,55 Hectar) incluſive des aus der Ge⸗ markung Hammerau in die Aufnahme miteinbezogenen Theils(= 55,30 Hectar) beträgt 1430,85 Hectar, die Zahl der Haushaltungen mit Landwirthſchaft 407. Hiervon können nur 1020,20 Hectar und 298 Haushaltungen überhaupt in Betracht gezogen werden, da der übrige Theil, und zwar mit 37,53 Hectar auf ganz kleine, nicht in Betracht zu bringende Beſitzungen, und der Reſt auf die Gemeinde, Pfarrei, Kirche und Ausmärker entfällt. Es kommen demnach auf eine Haushaltung durch⸗ ſchnittlich 3,42 Hectar. b. Die Beantwortung der Frage VIII gibt ein Bild der Vertheilung des Grund⸗ beſitzes unter die einzelnen Beſitzgruppen, ein Großgrundbeſitz iſt darnach nicht vor⸗ handen. In der todten Hand befinden ſich circa 34—35 Hectar der Pfarrei und Kirche gehöriges Gelände, das im Einzelnen verpachtet iſt; die Gemeinde beſitzt circa 267 Hectar, von denen, wie zu d erwähnt, 115,06 Hectar an die Ortsbürger vertheilt ſind, 22,92 Hectar Acker ſind verpachtet, und von 125,15 Hectar Wieſe wird das Gras alljährlich verſteigert, der Reſt iſt als Beſoldungsgut für verſchiedene Gemeinde⸗ bedienſtete verwendet. Weſentliche Aenderungen in der Beſitzvertheilung ſind ſeit geraumen Jahren nicht vorgekommen. c. Die Beſitzvertheilung kann— wenn man den größeren Grundbeſitz der Ge⸗ meinde und Pfarrei, welcher jedoch der Bevölkerung wieder indirect zu gut kommt, außer Acht läßt— als günſtig bezeichnet werden. Nach Frage IX reichen 4 Hectar zur Ernährung einer Haushaltung von 4—5 erwachſenen Perſonen aus, während im Allgemeinen im Verhältniß der Zahl der Haushaltungen zur Kopfzahl 4 Perſonen (etwa 2 Erwachſene und 2 Kinder) auf eine Familie kommen, zu deren Ernährung 3,42 Hectar unter beſcheidenen Anſprüchen wohl ausreichen, um ſo mehr, da hierzu noch 25 Ar Allmenden von der Gemeinde kommen. Zieht man daneben den Grund⸗ beſitz der Gemeinde und Pfarrei mit circa 58 Hectar Ackerland, der ſich als Pachtgut in den Händen der kleinen Beſitzer befindet, in Betracht, ſo iſt damit auch genügende Beſchäftigung geboten. d. Von dem Grundbeſitz der Gemeinde ſind 115,06 Hectar an die Ortsbürger als Allmend vertheilt, und hat zur Zeit jeder Bürger hiervon 9,50 Ar Acker und 15 Ar Wieſe, und übt dieſer Allmendgenuß unter den wirthſchaftlichen Verhältniſſen nach c, ſowie der Frage VIII, wonach unter 298 Beſitzer 236 unter 5 Hectar be⸗ wirthſchaften, auf die Lage der Bevölkerung einen ſehr wohlthätigen Einfluß. Frage III. a. Welches ſind die durchſchnittlichen Preiſe für die einzelnen Boden⸗ qualitäten der verſchiedenen Culturländereien(Acker, Wieſe, Weide, Wein⸗ 8 „ — 7— berg ꝛc.), erſcheinen dieſe Preiſe beſonders hoch oder beſonders niedrig und auf welche Urſachen ſind die bezüglichen Erſcheinungen zurückzu⸗ führen? b. Welche Aenderungen in den Preiſen haben ſich in den letzten 5 Jahren vollzogen? c. Pflegt ein ſtarker Umſatz in Liegenſchaften ſtattzufinden und liegt hierfür(ſ. a) ein berechtigtes Bedürfniß vor? a. Die verſchiedenen Bodenqualitäten der Gemarkung Groß⸗Rohrheim laſſen ſich, und zwar: das Ackerland in 4, und die Wieſen in 3 Claſſen bringen, die in der Gemarkung Hammerau in 2(ſiehe Frage J a). Die durchſchnittlichen Preiſe derſelben(welche auch der Werthsberechnung nach Frage VIII zu Grunde gelegt ſind) betragen nach der Schätzung pro Quadratmeter: I. Claſſe II. Claſſe III. Claſſe IV. Claſſe Gemarkung Acker 40 Pf. 35 Pf. 28 Pf. 24 Pf. Groß⸗Rohrheim Wieſe—„ 10„ 16„ 144„ Gemarkung Hammerau„ 30„ 24„—„—„ Die wirklich erlöſten Preiſe aus den in der Gemarkung Groß⸗Rohrheim in den letzten 5 Jahren(1879/84) verkauften Grundſtücke betragen pro Hectar: I. Claſſe II. Claſſe III. Claſſe IV. Claſſe ) höchſter Preis 5835 Mk. 4895 Mk. 4702 Mk. 4343 Mk. Acker: niedrigſter„ 32676„ 2086„ 2135„ 1152„ Durchſchnitts⸗„ 3668„ 3882„ 3182„ 2832„ höchſter„„ 1600„ 1974„ 2264„ wuie niedrigſter„„ 1600„ 1070„ 554„ Durchſchnitts⸗,„ 1600„ 1581„ 1373„ (Der Durchſchnittspreis iſt nicht aus dem höchſten und niedrigſten Preis, ſondern aus dem Erlös von den ſämmtlich verkauften Grundſtücken gezogen.) Bei den Verſteigerungen werden gewöhnlich 6 Zahlungstermine beſtimmt, die Kaufgelder werden verzinſt. Die Preiſe für das Ackerland ſind der Grundrente(ſiehe Frage IX) gegenüber noch etwas hoch, dagegen die der Wieſen niedrig; die Urſache zu letzterer Erſcheinung liegt in dem in den letzten Jahren häufig vorgekommenen hohen Waſſerſtand im Rhein und deßfallſigen öfteren Grundwaſſer in den Wieſen und der damit verbundenen Verſchlechterung des Graſes. b. Die Preiſe ſind in den letzten Jahren von dem Ackerland nur um weniges, dagegen von den Wieſen viel zurückgegangen. c. Der Umſatz in Liegenſchaften iſt dem Verhältniß der Bevölkerung und Ge⸗ markungsgröße entſprechend. Frage IV. a. Nehmen die Pachtgüter einen erheblichen Umfang ein und ſtehen die Pachtpreiſe im richtigen Verhältniß zu dem Kaufpreiſe der Ländereien einerſeits und zur Ausnutzungsfähigkeit derſelben andererſeits, eventuell welche Urſachen wirken ſteigernd auf die Pachtpreiſe ein? b. Welche Beſtimmungen gelten insbeſondere in Betreff der Dauer der Pacht, der Bezahlung der Steuern ꝛc., der Verſicherungsprämien, ſowie in Betreff vorzunehmender Meliorationen und etwaiger Pachtnach⸗ läſſe bei elementaren Unglücksfällen bei fiskaliſchem, ſtandesherrlichem und privatem Grundbeſitz? ce. Wirken die üblichen ſonſtigen Pachtbedingungen beſonders er⸗ ſchwerend für die Pächter oder nicht? a. Die Pachtgüter betragen circa 100 Hectar, beſtehen nur in Ackerland(von den Wieſen wird das Gras alljährlich verſteigert) und werden nur von den kleinen Grundbeſitzern gepachtet. Die einzelnen Parcellen haben durchſchnittlich eine Größe von 15— 20 Ar. Der Pachtpreis beträgt im Durchſchnitt pro Hectar circa: I. Claſſe 140 Mk., II. Claſſe 120 Mk., III. Claſſe 100 Mk., IV. Claſſe 80 Mk., mithin 3 ½ pCt. des mittleren Kaufwerthes. Der Nutzen der Pächter aus den Pachtgütern beſteht hauptſächlich in der Verwerthung ihrer Arbeitskraft, und wird dabei berück⸗ ſichtigt, daß von dem Rohertrag der Pachtgüter keine Grundſteuer und ebenſo nichts für Gebäudecapital(weil die Gebäude ſchon für die eigene Wirthſchaft vorhanden ſind) in Abzug zu bringen iſt, ſo ergibt ſich neben der Arbeitsrente auch noch ein kleiner Gewinn. b. Die Pachtdauer iſt im Allgemeinen 6 Jahre, die Steuern ꝛc. werden vom Verpächter bezahlt, Vergütung für Verbeſſerungen oder Pachtnachläſſe bei elementaren Unglücksfällen finden nicht ſtatt. Fiscaliſcher und ſtandesherrlicher Grundbeſitz iſt nicht vorhanden. c. Die anderweitigen Pachtbedingungen ſind für den Pächter nicht beſchwerend. Frage V. a. In welcher Weiſe pflegen die Landwirthe ihre Mobilien und Producte gegen Feuer, ihre Früchte gegen Hagel und ihren Viehſtand gegen Unfall zu verſichern? b. Hat die Lebens⸗, Alters⸗ und Renten⸗Verſicherung Eingang in der Gemeinde gefunden, event. in welcher Weiſe und welchem Umfange? a. Beinahe ſämmtliche Landwirthe haben Mobilien und Producte bei den Feuer⸗ verſicherungsgeſellſchaften Providentia, Aachen⸗Münchener und Colonia verſichert, 9— Verſicherung gegen Hagel, ſowie des Viehſtandes gegen Unfall hat bis jetzt noch nicht ſtattgefunden. b. Lebens⸗, Alters⸗ und Rentenverſicherung haben noch keinen Eingang gefunden. Frage VI. In welcher Weiſe befriedigen die Landwirthe in der Regel ihre Creditbedürfniſſe hinſichtlich des Real⸗ und des Perſonalcredits und welches ſind bei beiden Arten des Credites die gewöhnlichſten Darlehens⸗ bedingungen in Bezug auf Zeitdauer und Zinsfuß und werden dabei auch Amortiſationsfriſten(Güterziele) angewendet? Die gegen Verunterpfändung von Immobilien aufgenommenen Capitalien ſind zum weitaus größten Theil von Privatleuten aus der Umgegend von Groß⸗Rohrheim dargeliehen worden, und nur zu einem kleinen Theil von den Sparkaſſen Lorſch und Zwingenberg. Hinſichtlich der Zeitdauer beſteht bei allen das Recht gegenſeitiger dreimonatlicher Kündigung, der Zinsfuß iſt mit wenigen Ausnahmen von 4 ½ pCt. allgemein 5 pCt.; regelmäßige Amortiſation findet nicht ſtatt. Beträge bis zu 300 Mk. leiht die Sparkaſſe Lorſch auch auf einfache Schuld⸗ ſcheine gegen Stellung eines Bürgen, deſſen Zahlungsfähigkeit von der Bürgermeiſterei anerkannt wird, auf die Dauer von längſtens 3 Jahren gegen 5 pCt. Zinſen aus, und werden dieſe Anlehen im Gewöhnlichen mit einem Dritttheil alljährlich zurück⸗ bezahlt. Dieſelbe hat auf dieſe Weiſe an Einwohner von Groß⸗Rohrheim geliehen: im Jahre 1879 ca. 1800 Mk., 1880 ca. 1250 Mk., 1881 ca. 1689 Mk., 1882 ca. 1560 Mk., 1883 ca. 540 Mk., 1884 ca. 830 Mk. Kleinere Anlehen auf kürzere Zeitdauer können auch leicht von vermögenden Einwohnern von Groß⸗Rohrheim zum laufenden Zinsfuß beſchafft werden. Frage VII. a. Wie ſtehen im Allgemeinen die Arbeits⸗ und Geſindelöhne in der Gemeinde, genügt die ortsanſäſſige Bevölkerung zur Beſtreitung der landwirthſchaftlichen Arbeiten oder ſind fremde Arbeiter nöthig und wo⸗ her kommen letztere? b. Iſt für die landwirthſchaftliche Bevölkerung Gelegenheit zum Nebenverdienſt vorhanden, event. haben dieſe Nebenverdienſte(Arbeiten im Wald, Hausinduſtrie, Fabrikbetriebe, Fuhrweſen ꝛc.) eine beſondere Bedeutung für den Wohlſtand der Landwirthſchaft treibenden Bevölkerung und der Gemeinde im Allgemeinen? c. Gibt es Landwirthe in der Gemeinde, die mit Rückſicht auf den Umfang und die Rentabilität ihres landwirthſchaftlichen Betriebes an — 10— ſich auf Nebenverdienſt und Tagelöhnerarbeit angewieſen wären, ſolche Arbeiten aber aus Standesvorurtheil, Trägheit ꝛc. nicht ausführen? a. Die Taglöhne berechnen ſich im Allgemeinen durchſchnittlich pro Tag ohne Koſt: für den Mann auf 1,40— 1,60 Mk., für die Frau auf 1,20 Mk. An Geſinde werden bezahlt: für einen Knecht jährlich 200— 220 Mk., für eine Magd„ 120— 130„ und wird die Koſt für einen Knecht auf ca. 220 Mk. und für eine Magd auf ca. 180 Mk. berechnet. Die ortsanſäſſige Bevölkerung genügt vollkommen zur Beſtreitung der land⸗ wirthſchaftlichen Arbeiten, und kommen fremde Arbeiter nicht nach Groß⸗Rohrheim. b. Der Nebenverdienſt der Bevölkerung von Groß⸗Rohrheim erſtreckt ſich im Winter auf die Holzhauerei im Gemeindewald und den an die Gemarkung angrenzen⸗ den fiscaliſchen Wald; in letzterem wird aber die Betheiligung in Folge der großen Concurrenz durch die Arbeiter der näher dabei liegenden Orte ſehr beſchränkt. Die Arbeiten werden im Accord ausgeführt, und iſt der ganze Verdienſt der beſchäftigten Holzhauer von Groß⸗Rohrheim, etwa 60 an der Zahl, auf ca. 7000— 8000 Mk. zu veranſchlagen. Bei den Culturarbeiten in dem Gemeindewald, die im Frühjahr im Taglohn ausgeführt werden(pro Tag 1,60 Mk.), verdienen dieſelben ca. 300— 400 Mk. Zu erwähnen bleibt auch noch der Verdienſt der landwirthſchaftlichen Taglöhner zu Groß⸗Rohrheim während der Heu⸗ und Grummeternte in der Gemarkung Hammerau. Der Fiscus beſitzt daſelbſt einen großen Complex von Wieſen, wovon das Gras all⸗ jährlich verſteigert wird. Von den auswärtigen Steigerern laſſen viele das Gras im Accord mähen und trocknen, und bringt dieſe Beſchäftigung den genannten Arbeitern einen guten Lohn ein. Im Ganzen iſt ſowohl der landwirthſchaftliche Taglohn wie auch der Nebenverdienſt eng begrenzt, und ſuchen deßhalb eine große Anzahl von kleinen Grundbeſitzern ihre Arbeitskraft im Pachtgut zu verwerthen.(S. Frage IV. a.) c. Landwirthe, welche aus Standesvorurtheil u. ſ. w. die ihnen gebotene Ge⸗ legenheit zum Verdienſt ablehnen, giebt es in Groß⸗Rohrheim nicht. Frage VIII. a. Wie vertheilt ſich der ermittelte Betrag der Immobiliarverſchul⸗ dung auf die einzelnen Beſitzgruppen(größerer, mittlerer und kleinerer Grundbeſitz) und auf welche Gruppe entfällt der ſtärkſte Procentſatz der Schuldenlaſt?.„ b. Datirt der Schuldenſtand aus älterer oder aus neuerer Zeit, im letzteren Fall, wie hat derſelbe im letzten Jahrzehnt zugenommen? — 11— c. Sind in den letzten 5 Jahren die Zinſen und Güterziele im All⸗ gemeinen regelmäßig bezahlt worden oder ſind bemerkenswerthe Rückſtände bekannt? d. Welche Urſachen haben einen erkennenswerthen Einfluß auf die Ver⸗ ſchuldung z. B. das beſtehende Erbrecht oder die üblichen ehelichen Güter⸗ ſyſteme, unwirthſchaftlicher Ankauf von Grundſtücken zu hohen Preiſen, ungenügendes Betriebscapital, zu frühe Gründung eines eigenen Haus⸗ halts, Verſchwendung und nachläſſige Wirthſchaft, die Aufeinanderfolge ſchlechter Ernten u. ſ. w. a. Wie aus der Tabelle A zu erſehen, ſteht dem Immobilienbeſitz der 298 überhaupt in Betracht gezogenen Grundbeſitzer bezw. Haushaltungen im Werthe von 3539491 Mk. eine Geſammtverſchuldung von 186600 Mk. gegenüber, es ſind ſomit 5,27 pCt. jenes Liegenſchaftswerths mit Schulden belaſtet. Der Grundbeſitz der 100 Haushaltungen, die verſchuldet ſind, hat einen Werth von 807543 Mk. und ſind mithin 23,10 pCt. deſſelben verſchuldet. Nicht verſchuldet ſind 198 Beſitzer, deren Liegenſchaften einen Werth von 2731948 Mk. haben. Der Grundbeſitz derjenigen Perſonen(Tabelle B), die nur Landwirthſchaft be⸗ treiben— 190 an der Zahl— hat einen Werth von 2766097 Mk. und iſt mit 108514 Mk., alſo mit 3,92 pCt. verſchuldet; von dieſen 190 Perſonen ſind 55 ver⸗ ſchuldet und zwar bei einem Werthe ihrer Liegenſchaften von 532795 Mk. mit 20,36 pCt.; 135 Haushaltungen, deren Liegenſchaften einen Werth von 2233302 Mk. haben, ſind ſchuldenfrei. Erwerb durch Taglohn neben der Landwirthſchaft findet in 48 Haushaltungen ſtatt(Tabelle C), ihre Liegenſchaften haben einen Werth von 195484 Mk. und ſind mit 35061 Mk., alſo mit 17,93 pCt. belaſtet; 23 Haushaltungen mit einem Grund⸗ beſitz im Werthe von 120302 Mk. ſind verſchuldet, mithin mit 29,14 pCt., während 25 Haushaltungen mit einem Grundbeſitz im Werthe von 75182 Mk. ſchuldenfrei ſind. Neben Landwirthſchaft treiben Gewerbe 60 Haushaltungen(Tabelle D), deren Liegenſchaften einen Werth von 577910 Mk. haben und mit 43025 Mk. oder mit 7,44 pCt. belaſtet ſind; von ihnen ſind 22 verſchuldet und zwar bei einem Werth ihrer Liegenſchaften von 154446 Mk. mit 27,85 pCt.; 38, deren Grundbeſitz einen Werth von 423464 Mk. darſtellt, ſind nicht verſchuldet. Was die Vertheilung der Verſchuldung unter die einzelnen Beſitzgruppen betrifft, ſo iſt im Allgemeinen die Gruppe 1(Beſitz von 0,50—1 Hectar) am ſtärkſten, und zwar mit 15,68 pCt. des Liegenſchaftswerths belaſtet, während die Gruppe 4(Beſitz von 5— 10 Hectar) mit nur 1,68 pCt. verſchuldet iſt, und die beiden oberſten Gruppen (eſitz von 10— 20 und 20—30 Hectar) ganz ſchuldenfrei ſind. Bezüglich der Ver⸗ theilung der Verſchuldung nach den Tabellen B— D unter die Beſitzgruppen der nach der Beſchäftigung geſchiedenen Haushaltungen tritt bei den ausſchließlich Landwirth⸗ — 12— ſchaft treibenden Haushaltungen der höchſte Procentſatz bei der Gruppe 2 mit 11,85 pCt. des Liegenſchaftswerthes ein; ebenſo iſt bei den Haushaltungen, die außer Landwirthſchaft Taglohn betreiben, die Beſitzgruppe 2 am höchſten, mit 21,84 pCt. des Liegenſchaftswerths belaſtet; während bei Landwirthſchaft mit Gewerbe die Beſitz⸗ gruppe 1 am höchſten, mit 16,39 pCt. des Liegenſchaftswerths verſchuldet iſt. Von der Ermittelung der Mobiliarverſchuldung mußte mit Rückſicht auf die Schwierigkeiten, die ſich dem entgegenſtellten, abgeſehen werden. Nach der Schätzung des Ortsgerichtsvorſtehers ſoll dieſelbe nicht über 6—8 pCt. der Immobilienverſchul⸗ dung betragen. Was den Gewerbebetrieb der in der Tabelle D aufgeführten Haushaltungen betrifft, ſo erſtreckt ſich derſelbe auf Bäckerei, Metzgerei, Wirthſchaft, Specereikram und die kleinen Handwerke ꝛc., und nur auf den localen Bedarf. b. Der Schuldenſtand datirt zum weitaus größten Theil aus älterer Zeit, hat ſich jedoch in dem letzten Jahrzehnt nicht unbeträchtlich vermehrt. Die Tabelle E giebt ein Bild über die Zu⸗ und Abnahme der Hypothekverſchuldung in den letzten 10 Jahren, zu deren Erläuterung das Nachſtehende beigefügt wird: Die Geſammtverſchuldung in der Gemeinde Groß⸗Rohrheim beträgt 263386 Mk., wovon auf die in Betracht gezogenen 298 Grundbeſitzer(ſ. Tab. A) 186600 Mk. oder 70,85 pCt., der Reſt mit 76786 Mk.= 29,15 pCt. auf die nicht in die Auf⸗ nahme mitbezogenen ganz kleinen Grund⸗ und Häuſerbeſitzer entfällt. Die Zu⸗ und Abnahme der Verſchuldung in der Tabelle M erſtreckt ſich auf die Geſammtſchulden von 263386 Mk., eine Ausſcheidung des auf die nicht in Betracht zu ziehenden kleinen Grundbeſitzer ꝛc. entfallenden Theils war nicht möglich. Während demnach im Zeit⸗ raum vom 1. Juli 1874/84 im Hypothekenbuch 223 Einträge mit einer Geſammt⸗ ſumme von 243012 Mk. ſtattgefunden haben, wurden nur 193 Hypotheken im Ge⸗ ſammtbetrage von 175141 Mk. gelöſcht, die Verſchuldung hat ſomit um 67871 Mk. zugenommen, wovon 70,85 pCt.= 48086 Mk. auf die in Berechnung gezogenen 298 Grundbeſitzer entfallen. c. Die Zinſen und Güterziele werden im Allgemeinen pünktlich bezahlt, be⸗ merkenswerthe Rückſtände ſind nicht bekannt. d. Als hauptſächlichſte Veranlaſſung der Belaſtung mit Hypotheken wird die Uebernahme der auf dem elterlichen Haus bereits ruhenden Schulden mit dem Haus durch eins der Kinder bezw. durch die Nothwendigkeit der Herauszahlung des Erb⸗ theils an die Geſchwiſter durch dasjenige, welches das Haus übernommen, bezeichnet, nur von den von 1877—83 contrahirten Schulden iſt die eigentliche Urſache auf den Schaden an Ernten und Gebäuden, welcher durch den hohen Waſſerſtand im Rhein und des dadurch in den Wieſen und niederen Feldern zu Tage getretenen Quellwaſſers und ſogar zweimaliger gänzlicher Ueberſchwemmung verurſacht wurde, zurückzuführen. Nur in ſechs Fällen wurde nachläſſige Wirthſchaft, in einem Trunkſucht, in einem leichtſinniger Handel mit Juden und in einem Fall geleiſtete Bürgſchaft für Andere als eigentliche Urſache der Verſchuldung ermittelt. 13 816,182/3 28˙608 861 893,61 8,06 3 868,8 17 66,61 01 860,886 66,108 r 24,967 08,083 29 6 †,975 16, 80 Or 896˙811 90˙93 99 :rInGplaoq 0193 00˙001 009,981 810,008 III 001 79,01 06,6 F8,8I 8e1,8II 3†,88 9 28,03 02,05 156,02 181,8ʃ8 61,601 88 12,96 20,58 988,60 086,883 80,00 28 0˙G 89˙11 688˙68 866/36 8011 F6 :ro—nplaog d 26˙9 00˙001 009˙981 1676699˙9 6†0301 866 —— 893,601 86,00 3 868,1F, 66,c8I 01 89,1 06,6 78*,8I 16,00 1,T 18,0 †g 00 6†,9 0110† 176,04 196,691,1 96,688 001 12,61 10,38 988,60 66†,07 66,811 L2 89˙91 88˙11 688˙38 981903 69˙8 † 6⁰ 4 a1p& 21lvip. uoin(p. d0 d u12101 112621 820 32roch aec uanp npg qun 12 10-g u⸗u⸗dcac u uaznac un uoega J u Srn — pa⸗goe gh V 06 601 — 90 19*& 1pa unahahozG⸗Hoac) 2guu ee iiinpaag aag Sapvee d S CO. S N S O 609˙988˙5 29˙989 91 896,601 86,00 3 9 06 9 8rLISS 69,601 8 06 601 9 901,806 09,286 IT 01 5 996,679 00,261 90„ 3 8 388,8 †! 28,18 96 5 1 3 509˙01 20˙G ⸗ 1— 0 1 : oIn(plaod 1r2 99/,05 00/001 7LG/801 96/680 8/8†1 90 —— 82—— 08 05 9 — 44— 0 01 0 2/6 8 ʃ9 968,1 008/01 61,33 1 01 † T1,06 6⁵,19 Tr9,99 595,168 T8,16 83 6— 5 8 86† 96,08 88⁰ʃ98 6*r,TSI 8,S 36 5 3 54 06,16 28˙0 936 78ʃʃ †I0 T 1— 4 T :rinGplaog quli 36/9 00/001 7L9/801 260/9905 0†˙88 061 ——— 893,641 80,00 5 09 05 9 8IAS8 39,60]¹ 8 05 01 1½/0 8 ʃ⁹ 966,1 90†˙886 34,608 G 01 2 † 98,9 3 †,19 119,99 816,026 T8,986 88 6 8 28,II 66,08 88⁰˙98 188,886 88,60 2 5 3 FrI 28˙0 936 987˙1 18˙9 2 1— 90 1 192*& 2G2aHvp. uodinſp 2 2 11211 19 u2613 82 odh a2 unIncp. 2 gun 12% 6 14g 1] 29 uu*nach un unoac un uodd Jdun n 901 ad : uogrreg ug lpige g. 681˙ 68˙36 95 6⁵9,8 L1, 1 898,15 06,1 9 319 †f 4†/ꝙ 81 :polnGplaod 1c †L/˙66 00/001 190˙9 509˙061 59˙08 86 66,61 26,15 269 1 180,0† 6†,II. ꝗr.,s 29,17 809,† 166,†p 21,01 4 20 1˙98 88˙98 91ʃ61 086˙9 86˙8 61 :r—nplaog de 86 21 00/001 190˙9 †87/61 8, 8† 18,01 26,15 269,1 829,85 99,81 2 r8,I5 19,I† 809,†1 668,99 68,11 81 96/1 88˙98 9 1ʃ61 666˙67 8†6 08 au SGra*ας ο uon p. 2 1 u 196215 890 2ad ae uoojnqp. npS gun 215 16 g u⸗00ac un u*na un uood Joun ne 3oendg .uogorjog uoogapugojobod dun pgze ſ— 06 05 06 01 04 „. 3 8„1 l 90 08 05 06 01 01 C . 52 5. I I— 0 08— 05 05 0I. 01— 9 9 5 56„1 I= 90 abO*& 1p0a* — GS. S — en. S 28 2 ¹8 F9 †˙8 † 8301 88 96,92 86,6 6 666,81 6,61 8 628,881 89,88 11 869,94 68,81 6 079˙8 5ʃ6 81 :pjnGplaod e 8˙16 00˙001 60/9† 9††/†α 08˙18 36 26,03 98,25 861,II 868,6 † 08,IT 6 C†,8. 641⁸ 009,1 868˙11 68,6 1 81,96 90,15 059,II 1*† 28,01 8 80 38˙88 98˙8† 2⁰9˙81 601˙0 18 ⁷ II :*.νlal d F2 00˙001 60˙/9 † 016˙22 8091 09 V 3—— 292,92 86,05 3 06/6 98,66 861,II 8†8,911 60,18 G 90,1 6ʃ1⁸ 009,0 61⁷,01 96,6 B 89,6 90,46 0r9,II 686,061 98,†5 21 68˙91 98˙9 † 29,/81 66/811 28˙11 F6 abOP* 20a.ε p. uain. 2 u12121 ⸗112 S2 Jood a0 u incp donpꝗo gun ans 16 g u**ncac ul uo noack u uod Joun 9 a aitg S 9 : ugajog ogaoato dun p gjae. 06 06 06 I. 0 2 9„ 53 56 1 — 80 0 6 05 06 OI Ol 3 9 383 5 I 650 08 06 05— 0 1 0 32 8— 52 56 1 1— 60 av& 1p 22 SSͤ. S S S - S 5 — 17 E. Aeberſicht über die Zu⸗ und Abnahme der Verſchuldung in der Gemeinde Groß⸗Rohrheim vom 1. Juli 1874/84. neu aufgenommene abgetragene Capi⸗ folglich Capitalien talien Sahrgan g. mehr aufge⸗ mehr abge⸗ An⸗ Betrag An⸗ Betrag nommen tragen zah-= Alwusx e, e,, 1. Juli bis Ende 1874 9 9197 14 11 9706 136—— 508 99 1875 13 10532 15 19 14022 84—— 3490 69 1876 17 19642 55 13 8783 22 10859 33—— 1877/ 18 22195 60 17 14700 50 7495 10—— 1878 28 26667 1 15 15348 42 11318 59—— 1879 33 31034 4 10 9443 43 21590 61—— 1880 23 27056 68 26 19760 31 7296 37—— 1881] 21 30685 85 23 20552 98 10132 87—— 1882 24 31795 260 35 35804—— 4008 76 1888 20 19724 59 7 11081 10 8643 49—— 1. Jan. bis 1. Juli 1884 17 14481 24 17 15937 69—— 1456 45 Summe.. 223 243012 11/ 193 175140 64 77336 36 9464 89 Mk. 67871,47. — 18— Frage IX. a. Wie geſtaltet ſich die Rentabilität des landwirthſchaftlich benutzten Bodens bei großen, mittleren und kleineren(eigenen oder gepachteten) Gütern? b. Wenn die Rentabilität als eine unbefriedigende erſcheint, ſind die Gründe zurückzuführen hauptſächlich auf 1. die Fruchtbarkeits⸗Verhältniſſe der Gemarkung, 2. die mangelhafte Melioration und die Zerſplitterung der Grundſtücke, 3. die im Verhältniß zur Ausnutzungsfähigkeit zu hohen Preiſe des Bodens, 4. einen mangelhaften landwirthſchaftlichen Betrieb, 5. ein zu großes Gebäudecapital, 6. ungünſtige Arbeiterverhältniſſe, 7. ungünſtige Abſatzverhältniſſe(ſchlechte Preiſe, unrationelle Einrichtungen für den Abſatz u. ſ. w.), 8. frühzeitiges Zurückziehen der Eltern und Belaſtung der Güter mit hohen Altentheilen und Leibrenten, 9. beſondere unwirthſchaftliche Gewohnheiten der Landwirthe, z. B. zu ſtarke Pferdehaltung u. dgl., 10. hohe Steuern und Umlagen und ſonſtige dem Commiſſär bekannt gewordene Verhältniſſe? a. Zum Zweck der Beantwortung dieſer Frage wurden ein größeres, ein mittleres und ein kleines Gut, den landwirthſchaftlichen Verhältniſſen in Groß⸗Rohrheim ent⸗ ſprechend, ausgewählt, um an dieſen drei Beiſpielen zur Feſtſtellung aller auf die Frage bezüglichen Verhältniſſe und Thatſachen zu gelangen(ſ. Anl. I, II und III. Für das ausgewählte größere Gut(Anl. I) war die Abſicht, ein etwas größeres von ca. 15—16 Hectar, und für das mittlere(Anl. II) ein Gut von 8—9 Hectar aus⸗ zuwählen, was jedoch, da der Charakter der Wirthſchaft und die Perſon des Beſitzers ebenſo wie der Umfang des Gutes in Betracht gezogen werden mußten, nicht gut mög⸗ lich war. Uebrigens dürfte die Wahl keineswegs als eine ungeeignete anzuſehen ſein, da das Reſultat der Rentabilität der in ihrem Umfange ſich ſo nahe berührenden Güter der Anlage I und II ein weſentlich verſchiedenes iſt, und zu näherer Betrach⸗ tung veranlaßt. Die Ergebniſſe der Erhebungen können als ausdrucksvolles Bild ſowohl von der Geſammtlage, wie auch von den einzelnen Verhältniſſen der Landwirthſchaft trei⸗ — 10— benden Bevölkerung von Groß⸗Rohrheim angeſehen werden, wo Ausnahmen nebenbei nur weniger beſtehen. Ueber die thatſächlichen Verhältniſſe im Einzelnen geben die Anlagen I, II und III näheren Aufſchluß, und wird aus und zu dieſen Special⸗ erhebungen das Folgende, zur Beantwortung der Frage IX gehörig, bemerkt: I. Beſitzſtand⸗Nachweis, beſtehend aus den Nachweiſen über den Werth von Grund und Boden mit Obſtbäumen, Gebäude⸗ capital, Inventarcapital(todt und lebend) und umlaufendes Be⸗ triebscapital(Vorrath). Das Verhältniß der einzelnen Betriebscapitalien zum Grundcapital ſtellt ſich wie folgt: Größeres Gut. Das Gebäudecapital beträgt......... 21% vom Grundcapital. Das Inventarcapital(todt und lebend) beträgt.. 10„„ 5 Das umlaufende Betriebscapital(Vorrath) betrwägt. 2,6„„ 9 Mittleres Gut. Das Gehäundecapital beträgt.......22„„ 3 Das Inventarcapital(todt und lebend) beträgt.. 10„„ 3 Das umlaufende Betriebscapital(Vorrath) beträgt. 2,4„„ 7 Kleineres Gut. Das Gebäudecapital beträgt......... 38„„ 5 Das Inventarcapital(todt und lebend) beträgt.. 15„„„ Das umlaufende Betriebscapital(Vorrath) beträgt. 4,3„„„ II. Natural⸗Rechnung, beſtehend aus den Nachweiſen über Natural⸗Ertrag und Natural⸗Bedarf nebſt Schlußfolgerungen. Was den Natural⸗Ertrag betrifft, ſo ſtellt ſich der in den Anlagen eingeſetzte Ertrag von Acker und Wieſe im Durchſchnitt etwas höher als der nach den officiellen Ernteberichten der Großherzoglichen Bürgermeiſterei Groß⸗Rohrheim in der daſigen Gemarkung in den letzten acht Jahren durchſchnittlich erzielte, und kann als ein ganz guter betrachtet werden. Auch die Erträge des Viehſtandes erſcheinen, mit Ausnahme der Milchproduction, der neben dem Intereſſe für Rindviehzucht ꝛc. weniger Werth beigelegt wird, ganz befriedigend, und zwar kommt jene, ausſchließlich des kleinen Gutes, wo dieſelbe, unter Berückſichtigung der Verwendung der Kühe zur Bewirth⸗ ſchaftung des Gutes, als ganz befriedigend angeſehen werden kann, über gering und ſehr mittelmäßig nicht hinaus. Bezüglich des Naturalbedarfs der Familie ergibt ſich aus den Naturalrechnungen der drei Güter der Nachweis, daß die Familien der Beſitzer im Allgemeinen ganz gut und vollſtändig ausreichend leben, und namentlich ihr Bedarf an Protein reichlich gedeckt iſt. Die Koſten der Nahrungsmittel eines erwachſenen Mannes dürften ſich im Durchſchnitt pro Tag auf 55— 65 Pf.(= 220 Mk. pro Jahr) ſtellen, und geht daraus hervor, daß nur ihrem Nährwerth nach verhältnißmäßig billige Nahrungs⸗ mittel zur Ernährung verwendet werden. — 20— III. Geldrechnung, beſtehend aus den Nachweiſen über Geld⸗ einnahmen und Geldausgaben. Ausweislich der Geldrechnung haben am Ende des Jahres der Beſitzer des größeren Gutes einen baaren Geldbetrag von 28 Mk., der des mittleren einen ſolchen von 260 Mk., und der des kleinen Gutes einen von 94 Mk. erübrigt, demnach weniger Geld verbraucht als eingenommen. Der Ueberſchuß des Beſitzers des größeren Gutes iſt aber ein ſo geringer, daß, wenn derſelbe einigermaßen mit Schulden belaſtet wäre (was thatſächlich nicht der Fall iſt), deſſen Rückgang ohne größere Anſtrengung un⸗ vermeidlich wäre. Der kleine Geldüberſchuß deſſelben gegenüber den Beſitzern der beiden anderen Güter erklärt ſich theilweiſe durch den Aufwand für fremde Arbeits⸗ kraft, die herangezogen werden mußte, weil die Familie ſolche nicht ausreichend leiſten kann. Sodann geben die Geldrechnungen im Verein mit den Naturalrechnungen Auf⸗ ſchluß über die Menge von verkäuflichen Natural⸗Erzeugniſſen der verſchiedenen Beſitz⸗ thum⸗Gruppen in der Gemeinde, ſowie welchen Theil der Nahrungsbedürfniſſe die Familien der Beſitzer aus der Wirthſchaft entnommen haben, und welcher Theil für gewöhnlich zugekauft wird. Schließlich iſt aus der Geldrechnung in Gemeinſchaft mit der Naturalrechnung annähernd erſichtlich, von welchem Umfang an ein Gut in der Gemeinde Groß⸗Rohr⸗ heim eine Familie nahezu zu beſchäftigen und zu ernähren vermag, ohne daß der Beſitzer auf Nebenverdienſt abſolut hingewieſen iſt, und dürfte als dieſe Grenze da⸗ ſelbſt zur Zeit ein Umfang von ca. 4 Hectar anzuſehen ſein(ſ. Frage I. IV. Rentabilitäts⸗Berechnung, beſtehend aus den Nachweiſen über den Rohertrag(excl. der für die Production in der Wirthſchaft wieder verwendeten Producte), die Productionskoſten und den Reinertrag. Die Grundrente reſp. Zins des Grundcapitals(Reinertrag) beträgt: bei dem größeren Gut..... 0,93 pCt., „te mittleren„... 3,20„ „„ kleineren„.... 3,44„ wobei die Zinſen des Gebäudecapitals, ſowie die Abnutzung(Amortiſation) deſſelben bereits als Productionskoſten in Abzug gebracht ſind. Der Arbeitslohn für die von den Familien der Beſitzer geleiſtete Arbeit wurde in ziemlicher Uebereinſtimmung mit den Beſitzern feſtgeſtellt, und dürfte wohl an⸗ nähernd den thatſächlichen Verhältniſſen und dem Charakter der Wirthſchaft ent⸗ ſprechen; poſitive Zahlen ſind hierbei allerdings nicht zu finden. Es dürfte hierbei nicht überflüſſig ſein, zu erwähnen, daß die Familie(incl. Geſinde) nicht zu allen Zeiten des Jahres ausreichende Beſchäftigung in der Wirthſchaft findet, und viel überſchüſſige Arbeitskraft zum Nachtheil der Beſitzer verloren geht, weil eine ander⸗ weitige Verwerthung derſelben ſich bei den örtlichen Verhältniſſen nicht ermöglichen läßt. Ebenſo wird die Grundrente bei dem größeren Gut noch ganz beſonders da⸗ durch geſchmälert, weil zur Bewirthſchaftung deſſelben bei der größeren Ausdehnung — 21— der Gemarkung zwei Pferde gehalten werden müſſen, obgleich deren Arbeitskraft nicht ausgenutzt werden kann. b. Die Rentabilität des landwirthſchaftlich benutzten Bodens in Groß⸗Rohrheim kann im Allgemeinen als eine nahezu befriedigende angeſehen werden, wenn auch einzelne Beſitzer bei mangelhaftem Betrieb oder Einwirkungen, die nur einen ganz ſpeciellen Einfluß haben, niedrigere Grundrenten erzielten. Dabei kommen aber aller⸗ dings die Durchſchnittspreiſe der letzten 5 Jahre, die hier als Grundlage dienten, in Betracht, mit jedem weiteren Rückgang der Preiſe unter dieſe Durchſchnittspreiſe, wie das thatſächlich in der allerletzten Zeit der Fall war, iſt eine Verringerung der Grundrente verbunden. Beſondere Urſachen, wodurch die Rentabilität weſentlich beeinträchtigt wird, ſind uns nicht bekannt. Die Güterpreiſe können im Ganzen genommen als der Qualität des Bodens entſprechend bezeichnet werden, und ſind jedenfalls nicht allzu hoch. Da⸗ gegen dürfte im Allgemeinen eine größere Anwendung von künſtlichen Düngemitteln, ſowie vermehrter Zukauf von Kraftfutter und beſſere Pflege und Düngung der Wieſen ſich als nutzbringend erweiſen und die Rentabilität ſteigern. Frage X. Zu welchen Schlußbetrachtungen gelangt die Commiſſion auf Grund ihrer Erhebungen über die Geſammtlage der landw. Bevölkerung der Gemeinde, bezw. von welchen Verhältniſſen oder Maßnahmen glaubt ſie eine Beſſerung der wirthſchaftlichen Lage erwarten zu dürfen? Schon am Schluß der Frage IX wurde bemerkt, daß eine größere Anwendung von künſtlichen Düngemitteln und vermehrter Zukauf von Kraftfutter, ſowie beſſere Pflege und Düngung der Wieſen die Rentabilität erhöhen würden. Namentlich könnten die Wieſen durch fleißige Compoſtdüngung viel gebeſſert werden. Dieſes liegt jedoch nur in der Hand der einzelnen Grundbeſitzer, deren Einſicht dieſe Beſſerung überlaſſen bleiben muß. Sonſtige Maßnahmen zur Beſſerung der wirthſchaftlichen Lage der Bevölkerung von Groß⸗Rohrheim dürften kaum in Anwendung zu bringen ſein, insbeſondere ſoweit ſolche von den Landwirthen ſelbſt ausgehen ſollen. Der Berathung über den Bericht, welcher das vorſtehende Reſultat hatte, wohn⸗ ten außer den Unterzeichneten bei: der Großherzogliche Kreisrath Dr. Uſinger, das Kreisausſchußmitglied Martin Boxheimer IV. von Lampertheim, der Großherzogliche Bürgermeiſter von Groß⸗Rohrheim und zwei Landwirthe von da, von denen der eine dem Gemeinderath angehört. Der gleichfalls zur Berathung eingeladene Landwirth Georg Göbel von da war nicht erſchienen. Groß⸗Rohrheim, den 8. Auguſt 1885. Jaup, Geheimerath. Wilh. Rohn. Anlage I. Gemeinde Groß⸗Rohrheim. Beſitzſtand, Natural⸗ und Geld⸗Rechnung und Rentabilitäts⸗Berechnung eines größeren Vauerngutes von 12 Yectar. Der Beſitzer iſt verheirathet, 46 Jahre alt, Vater von 4 Kindern, wovon 1 Sohn und 3 Töchter. Eine Tochter, 19 Jahr alt, arbeitet in der Wirtthſchaft, die übrigen 3 Kinder gehen noch in die Schule. Außerdem wird noch ein Knecht ge⸗ gehalten, der mit in der Familie lebt. Im Ganzen beſteht alſo die Familie aus 7 Perſonen, wovon 4 Erwachſene (2 Manns⸗ und 2 Frauensperſonen) ihre Arbeitskraft mehr oder weniger der Wirth⸗ ſchaft widmen. I. Beſitzſtand. A. Grund und Boden(Grundeapital). 8,40 Hectar Ackerland mittlerer Kaufwerth: Steuercapital incl. Gebäude: 3,59)„ Wieſen 30185 Mk. 166 fl. (in 57 Parcellen.) 14 1 Obſtbäume: Sind nicht vorhanden. Wiederholung. Grund und Boden........ Mk. 30185 B. Gebäude. Eine Hofraithe, beſtehend aus Wuhihonc, Stalnig und Sijener, laut Brandcataſter.....„ 6450 zu ihertrogen. Mt. 30635 Uebertrag.. Mk. 36635 C. Viehſtand. 2 Pferde(16 und 23 Jahre alt)..... Mk. 550 1 Fohlen(1 Jahr alt)...„ 175 3 Kühe, Berner Kreuzung(werden nicht ange ſpannt)..„ 800 1 Stier....„ 3600 2 Rinder(1 und 11½ Jahr alt)„ 280 1 Kalb...„ 35 8 junge Schweine und 1 Zuchtſan.„ 400 21 Stück Geflügel incl. 6 Gänſen...... 40 20 D. Todtes Inventar. 2 Fuhrwagen............Mk. 175 2 Pflüge und 1 Egge........„ 40 2 Pferdegeſchirre...........„ 30 1 Häckſelmaſchine...........„ 50 1 Getreide⸗Windfege..........„ 20 Handgeräthe incl. Säcke.........„ 60 Hausrath und Kochgeſchirr........„ 100 —„ 475 E. Vorrath an umlaufendem Betriebscapital ſiehe Rentabilitätsberechnung.....3„ 800 Werth des zefimitken Beſttes.. Mk. 40490 Inventar der engeren Familienwohnung(Mobiliar incl. Betten, Bettwäſche ꝛc.) circa Mk. 1200. II. Natural-Rechnung. A. Natural⸗Ertrag. Aus dem Acker⸗ und Wieſenbau. Die Bewirthſchaftung des Ackerfeldes iſt im Allgemeinen die in der Gemarkung übliche(ſiehe Frage D). Der Anbau der Früchte und der Natural⸗Ertrag derſelben ſtellt ſich hiernach durchſchnittlich ungefähr folgendermaßen: FE2. Anb a u SIe 2 SLSl l Centnſer. Korn 1,60 Hectar 40 85 Spelz 0,38„ 13 16 Gerſte 2,66„ 100 92 Häafer. 0,509„ 14,5 8 Kartoffeln. 1,25„——[280 RNüben.. 0,88„——[—[650 Klee.. 1A13„———— 150 Wieſen. 3,59„-In260 Der Durchſchnittsertrag berechnet ſich annähernd pro ¼ Hectar wie folgt: bei Korn auf 6,25 Ctr. Körner, 13,20 Ctr. Stroh, 2 Spelz 2 8,70/ 2 10,50 2 2 2 Gerſte 11 9,40 2 1 9 2 2 2 Hafer 2 7,25 II II 9 2 I/ „Kartoffeln„ 56„ Knpollen(geſunde), b „ Rüben„ 175„(excl. Stoppelrüben) Rüben, „Klee„ 33„ Heuwerth, „ Wieſen„ 18„ Heu und Grummet. Aus dem Viehſtand. Milch. Durchſchnittlich im Jahre pro Ku 4,2 Liter, im Ganzen 4600 Liter. Rindvieh. Durchſchnittlich werden alle Jahre 2 Stück Rinder oder Stiere(an Stelle des einen oder anderen manchmal auch eine Kuh) überzählig, und 2—3 Kälber treten zu, von denen nur ſehr ſelten eins verkauft wird. Schweine. 8 Maſtſchweine mit durchſchnittlich 140— 150 Pfund Schlachtgewicht. Das Zuchtſchwein wurde erſt kürzlich angeſchafft. Geflügel. Durchſchnittlich 900 Eier und etwas abgängiges Geflügel. B. Natural⸗Bedarf. Für Saatgut. Korn 1,60 Hectar. Spelz 0,38 Gerſte 2,66 Hafer 0,50 Kartoffeln 1,25 Rüben 0,88 Klee 1,13„ 7 5 Ctr. 50 1„ 50 10„ 1„ 50 35 1„ „ 10 — 40 h 1530 Liter, pro Tag und Kuh Pfd. Für den Viehſtand. Hafer, den Pferden..... 13 Glr. Gerſte, den Schweinen und dem Rindvieh, zum kleinen Theil auch den Pferden und dem Geflügel 20„ Kartoffeln, den Schweinen und dem Rindvieh.. 205„ Rüben, dem Rindvieh und den Pferden.... 650„ Klee, wird zu ⅜ mit den Pferden und dem Rind⸗ vieh grün gefüttert, ⅛ wird excl. des zum eigenen Bedarf gezogenen Samenklee gedörrt und mit dem Rindvieh verfüttert, in Heuwerth... 150„ Stroh, wird ſämmtlich für den Viilitand zu Vltie und Streu verwendet...... 211„ Wieſenheu und Grummet: von den eigenen Wieſen.... 260 Ctr. zugekauft auf den Wieſen... 25„ —-’ 2835„ hiervon den Pferden ca. 110 Ctr. „ dem Rindvieh, 175„ Kleien, von eigenem Mahlgut... 11 Ctr. „ zugekauft....... 10„ — 21 2 Rapskuchen oder Palmmehl........ 5„ Milch, etwa zur Hälfte abgerahmt..... 1200 Liter. Molken ꝛc. Der Werth der für den Viehſtand verwendeten Producte beträgt in runder Summe annähernd.... Mk. 2700 Werden hiervon die Koſten der für die pfene derwendeten Predree abgezogen mit rund......„ 650 ſo bleiben für Rindvieh, Schweine und d Geflügel nac zu n verrechnen ca. Mk. 2050 Der Werth der von Rindvieh, Schweinen und Geflügel erzielten Producte berechnet ſich im Ganzen in runder Summe annähernd auf (1550— 96)......... e.... 143. 182 d42 1ℳ 1450 Es würden demnach für die Koſten der verwendeten dn noch durch den Stallmiſt zu decken ſein... 41. Mk. 600 Die Stallmiſtproduction von Rindvieh und Schweinen it annähernd auf 1200 Centner zu ſchätzen, ſo daß der Centner auf etwa 50 Pf. zu ſtehen kommt. Hierzu treten noch die Koſten für Zinſen, Verpflegung ꝛc. des Viehſtandes, ſo daß der Stall⸗ miſt pro Centner auf mindeſtens 60 Pf. zu ſtehen kommen wird. — 26 Käſe, Gemüſe 28. Kopf und Tag auf rund: 780 115 15 7 7,8 2 32 II Butter oder Hausmacherwurſt. mal Mehlſpeiſe ꝛc. mit Suppe. Für die Familie(tinſchließlich dem Knecht): Korn 34 Ctr. 50 Pfd Spelz. 3„ 50„ Weizen(als Mehl veauſ 4„ 50„ Kartoffeln. 40„—„ Fleiſch ca...6. 590 Pfd. (hiervon 520 Pfd. ſelbſtproducirtes Schweinefleiſch incl. Wurſt, excl. Schmalz und ca. 70 Pfd. zu⸗ gekauftes indſitünh) Butter. 80„ Schmalz 35„ Kaffee 49„ Zucker 10„ Salz.. H...9 4165„ Milch(zum kleineren rral aögeraynd)..... 1200 Liter Eier. 500 Stück Es berechnet ſich hiernach der Verbrauch der 7 Perſonen ſtarken Familie pro 830 Gramm Getreide, Kartoffeln, Fleiſch, Butter, Schmalz, Kaffee, Zucker, Salz, 0,47 Liter Milch, Käſe, Eier, Gemüſe ꝛc. Es ſind darin circa 120— 130 Gramm Protein enthalten, welche, wenn auch nicht vollſtändig verdaulich, wohl ausreichend erſcheinen. Der Werth der verbrauchten Nahrungsmittel beträgt annähernd jährlich Mk. 1080 und täglich circa Mk. 2,95 oder pro Kopf und Tag 40 Pf. Die Lebensweiſe der Familie iſt folgende: Erſtes Frühſtück: Kaffee, Brod mit Schmierkäſe, auch Butter. Zweites Frühſtück: Brod mit Hand⸗ oder Schmierkäſe, manchmal auch Mittageſſen: 5— 6mal wöchentlich Fleiſch mit Gemüſe und Suppe, 1—2 Vesperbrod: Brod mit Schmierkäſe, Handkäſe oder Butter. — 27— Abendbrod: Geſottene Kartoffeln mit Kaffee, Käſe oder Butter, manchmal auch Salat oder geröſtete Kartoffeln mit Wurſt. Die Taglöhner werden nicht verköſtigt. III. Geld-Rechnung. A. Einnahmen. 8 Ctr. Spelz à Mk. 8.. 70„ Gerſte à Mk. 8,30 110 Pfd. Butter à 90 Pfg.. Vieh: 2 Stück Rindbieh....... Mk. 470, 5 Maſtſchiveine............„ 380,— 3 Gänſe 400 Stück Eier. Summe B. Ausgaben. Steuern und Umlagen: Grund⸗ und Gebäudeſteuer....... Mk. 49,80 Gemeinde⸗Umlagen hierauf.......„ 52,24 Staats⸗Einkommenſteuer........„ 24,42 Gemeinde⸗Einkommenſteuer.......„ 12,02 Tilgungsrente(hört jetzt auf)......„ 53,54 Geſinde⸗ und Taglohn, Accordarbeiten: 1 Knecht......... Ml. 170,— 14 Mann, 35 Tage à Mk. 1,50......„ 52,50 4.Ftau, 18„„„ 1,20....„ 21,60 Frucht⸗ und Heumähen, im Accord....„ 70,— Fruchtdreſchen mit der Dreſchmaſchine....„ 63,— Unterhaltung der Gebäude: Wirkliche Ausgabe. Unterhaltung des todten Inventars: Wirkliche Ausgabe: dem Wagner..... Mk. 25,— dem Schmied..........„ 75,— dem Sattler.........„ 10,— für Hausrath und Handgeräthe....„ 20,— Inventar der Familienwohnung zu übertragen Mk. 64,— 1 581, 99,— „ 850,— „ 10,— . 2 24,— . Nk. 1628,— „ 192,02 „ 3776,10 2 40,— „ 130,— 2 20,— Mk. 759,12 Verſicherungsprämie: Wirkliche Ausgabe: für Gebäude. für Inventar. für Producte. Zukauf von Vieh: 8 Stück Ferkel. Zukauf von Futterſtoffen: 25 Ctr. Heu(in Wieſengras) „ Kleiet... „ Rapskuchen oder Palmmehl— 10 5 Heizung und Beleuchtung: Holz und Steinkohlen. Petroleum Zukauf von Nahrungsmitteln: 300 Pfd. Mehl von 450 Pfd. Weizen 28 Fleiſch, 70 Pfd. Vedieiſh à 50 9 P. Kaffee, 40 Pfd.. Zucker, 10 Pfd.. Salz, 165 Pfd.. Diverſes Bekleidung. Arzt und Apotheke. Verſchiedenes. C. Vergleichung der Geld⸗Einnahmen und Geld⸗Ausgaben. Die Einnahmen betrugen. Die Ausgaben betrugen Ueberſchuß IV. Rentabilitäts-Berechnung. A. Rohertrag. (excl. der für die Production in der Wirthſchaft wieder verwendeten Producte). Erlös aus verkauften Producten(ſ. oben) Uebertrag Mk. 6,45 7,50 1 4,50 Mk. 40,— „ 50,— „ 35,— Mk. 120,— 2 15,— Mk. 51,— 2 3 35,— 2 48,— 2 4, „ 16,50 2 2,50 Summe Mk. 1628,— „ 1600,— Mk. 28, Werth der für die Familie aus der Wirthſchaft entnommenen Producte(ſ. oben 1080— 157) Htdlaat Summe Mk. 759,12 „ 18,45 „ 96,— „ 125,— „ 135,— „ 157,— „ 270,— „ 20, „ 19,43 Mk. 1600,— Mk. 1628,— „ 923,— Mk. 2551,— — 29— B. Productionskoſten. 1. Gebäudecapital: Zinſen von Mk. 6450 à 4 pCt.... Mk. 258,— Verſicherungsprämie....„ 6,45 Abnutzung(Amortiſation) 0,75 w6t„ 48,37 Inſtandhaltung......„ 40,— Mk. 352,82 2. Capital des lebenden Inventars: Zinſen von Mk. 2580 à 4 pCt.... Mk. 104,— Verſicherungsprämie 2 ½ pCt.....„ 64,40 Jährlicher Zukauf von Ferkeln....„ 96,— — ͦ-¹. 2564,40 3. Capital des todten Inventars: Zinſen von Mt. 475 4 4 pGCt... Ml. 19,— Verſicherungsprämie 0,15 pCt..... 8 0,70 Erneuerung und Inſtandhaltung, wirkliche Ausgabe.....„ 130,— —„ 149,70 4. Zinſen des umlaufenden Betriebscapitals. Letzteres beträgt 50 pCt. der jährlichen baaren Ausgaben= Mk. 800, hiervon 6 pCt..„ 48,— 5. Hagelverſicherungsprämie 0,75 pCt. vom Werthe der Getreide⸗ Ernte(ſehr geringe Gefahr)= Mk. 1800 à 0,75 pCt....„ 13,50 6. Feuerverſicherung der Producte...„ 4.50 7. Steuern und Umlagen, excl. T Tilgungsrente und Perſonalſteuern„ 102,04 8. Futterſtoffe...„ 125,— 9. Heizung und Beleuchtung, 33 v6r. der weſammten Auehube e7 pCt. auf die Familie)...„ 45— 10. Arbeitslöhne: Geſinde, 1 Knecht, jährlich Mk. 170 und Koſt. Mk. 350 Taglöhner, 1 Mann 35 Tage und 1 Frau 18 Tage à Mk. 1,50 uud 1,20.......„ 74 Accordarbeiten, Frucht- und Heumähen und Dreſchen...„ 133 Lohn für die 3 erwachſenen Perſonen der Familie (Maun, Frau und Tochter)......„ 700 —39„ 1257,— (Auf 1 Hectar Acker und Wieſe ſind ca. 75 Arbeitstage (½ Männer⸗ und ½ Frauen⸗Arbeit) gerechnet, bei der Ausdehnung der Gemarkung wohl den Verhältniſſen und dem Wwiithihaſtsletrio eitſprechenb) 11. Verſchiedenes.....„ 9,04 Summe. Mk. 2371,— C. Reinertrag. Der Rohertrag beirug.... Mk. 2551,— Die Productionskoſten betragen.„ 2371,— Bleibt Reinertrag Mk. 180,— Rechnet man hierzu noch den Werth der freien Wohnung, den die Familie von der Wirthſchaft genießt, da alle Koſten der Gebäude(ſ. Productionskoſten) der Wirthſchaft zur Laſt geſchrieben wurden und ſchätzt man denſelben auf Mk. 100, ſo beträgt der Reinertrag Mk. 280. Das Grundeapital iſt eingeſchätzt auf Mk. 30185. Hiervon Mk. 280 Zins, ſo beträgt der Zins des Grundcapitals(Grundrente) plus Unternehmergewinn rund 0,93 pCt. Anlage II. Gemeinde Groß⸗Rohrheim. Beſitzſtand, Natural⸗ und Geld⸗Rechnung und Rentabilitäts⸗Berechnung eines mittleren Bauerngutes von 9,80 Yectar. Der Beſitzer iſt verheirathet, 47 Jahre alt, Vater von 2 Töchtern, die eine 16, die andere 13 Jahre alt, wovon die erſtere in der Wirthſchaft thätig iſt. Außerdem leben noch der 71 Jahre alte Vater und die 63 Jahre alte Mutter der Frau in der Familie, welche Beide noch recht rüſtig ſind, und ihre Arbeitskraft in der Wirthſchaft verwerthen. Im Ganzen beſteht alſo die Familie aus 6 Perſonen, wovon 5 Erwachſene (2 Manns⸗ und 3 Frauensperſonen) ihre Arbeitskraft mehr oder weniger der Wirth⸗ ſchaft widmen. t I. Beſitzſtand. A. Grund und Boden mit Obſtbäumen(Grundcapital). 6,72 Hectar Ackerland 1 mittlerer Kaufwerth: Steuercapital incl. Gebäude: 3,08„ Wieſen 23460 Mk. 130 fl. 6 kr. (in 48 Parcellen.) Obſtbäume: 6 größere Aepfelbäume à Mk. 12... Mk. 72 4„ Birnbäume à. Ml. 12...„ 48 7 junge Aepfelbäume à Mk. 4....„ 28 37 Zwetſchenbäume à Mk. 2.....„ 74 ——— Summe Mk. 222 3¹⁸ — 32— Wiederholung. Grund und Boden........ Mk. 23460 Obſtöäute..........„ 220 B. Gebäude. Eine Hofraithe, beſtehend aus aßnne, Süſbund Ethener laut Brandkataſter C. Viehſtand. 1 Pferd, 23 Jahre alt..... Mk. 150 3 Kühe, Simmenthaler Krenzunde werden n üih angeſpannt.....„ 1050 3 Rinder, 1=1 2 jährig......„ 360 2 Kälber...........„ 80 5 junge Maſtſchweine...„ 125 1 Zuchtſau mit 9 Ferkeln.....„ 125 6 Gänſe und 14 Stück Kihner.. e. Ha.„ 40 8 Bienenſtöcke........„ 40 D. Todtes Inventar. 1 Fuhrwagen mit Leitern....... Ml. 100 2 Pflige und 1 Ggge.........„ 35 1 Pferdegeſchirr........„ 15 1 Häckſelbank..........„ 5 1 Getreide⸗Windfege.........„ 15 Handgeräthe inel. Säceee..„ 80 Hausrath und Kochgeſchiurerr......„ 80 ſiehe Rentabilitätsberechnung — Werth des geſammten Befites Inventar der engeren Familienwohnung Mk. 1200. E. Vorrath an umlaufendem Betriebscapital Mk. 23680 „ 5230 zeb flach K(ce „ 1985 „ 330 „ 570 Mk. 31795 33—. II. Natural-Rechnung. A. Natural⸗Ertrag. Aus dem Acker⸗ und Wieſenbau. Die Bewirthſchaftung des Ackerfeldes iſt im Allgemeinen die in der Gemarkung übliche(ſ. Frage I.), und wird nie mehr als zweimal hintereinander Getreide gebaut. Der Anbau der Früchte und der Natural⸗Ertrag derſelben ſtellen ſich hiernach durchſchnittlich ungefähr wie folgt: Getreide 1 5 5 88 53 8 S Anbanu SIeea 5 5[[8 8Q α Centner. Korn.. 1,40 Hect. 38 80 be⸗ Spelz.„ 0,25„ 9 12 n Gerſte. 1,75„ 67 66 1 Hafer.. 165 0,25„ 9 9 Kartoffeln 1,00„—(—[256 Futterrüben. ,,„——— 600 Zuckerrüben. f 0,40„————[220 Klee. 0,90„————— 140 Wieſen 3,08„—————[290 Obſt.——————— 4 Der Durchſchnittsertrag berechnet ſich annähernd pro ¼ Hectar wie folgt: bei Korn auf 6,75 Ctr. Körner, 14,40 Ctr. Stroh, 2 Spelz 2 9,—„ 1 12,— 2 2 1 Gerſte 2 9,60 11 11 9,50 1 1 1 Hafer 11 9,— 1 1 9,50 2 2 „ Kartoffeln„ 64„ Knollen(geſunde), „ Futterrüben„ 200„ Rüben(incl. Stoppelrüben) „ Zuckerrüben„ 140 5„ „ Kler„ 40„ Heuwerth, „ Wieſen„ 24„ Heu und Grummet. Aus dem Viehſtand. Milch. Durchſchnittlich im Jahr pro Kuh 2000 Liter, pro Tag und Kuh 5,5 Liter, im Ganzen alſo 6000 Liter. Rindvieh. Durchſchnittlich werden jedes Jahr 2 Rinder oder Stiere abgeſetzt, und 2 bis 3 Kälber kommen zu, von denen keins verkauft wird. — 34— Schweine. 5 Maſtſchweine durchſchnittlich 130 bis 150 Pfund Schlachtgewicht und ca. 14 Ferkel, wovon 5 Stück aufgezogen und gemäſtet und 9 Stück jung verkauft werden. Geflügel. Durchſchnittlich 1200 Eier und 3 Gänſe. B. Natural⸗Bedarf. Für Saatgut. Korn 1,40 Hectac.... 5 Ctr.— Pfd. Spelz ,25A„ 4—„ 10„ Gerſte 1,75„.. 7„—„ Hafer 0,25„.....—„ 70„ Kartoffeln 1„.... 28„—„ Rüben 0,71„..—„ 10„ Klee 0,90„-.—,— 30„ Für den Viehſtand. Hafer, dem Pferde.... 8„ 30„ Gerſte, den Schweinen, dem Rindvieh und dem Geflügel........ 22„—„ Spelz, den Schweinen... 2„ 90„ Kartoffeln, den Schweinen und dem Rindvieh... 193„—„ Rüben, dem Rindvieh und dem Pferd. 600„—„ Klee, wird etwa zur Hälfte mit dem Pferd und dem Rindvieh grün ge⸗ füttert, zur Hälfte getrocknet mit dem Rindvieh— ausſchließlich des für den eigenen Bedarf gezogenen Samenklee — in Heuwerth... 140„—„ Stroh, daſſelbe wird ſämmtlich für den Viehſtand zu Futter und Streu ver⸗ wendet...„ 167„„ Wieſenheu und Grummet: dem Pferde ca. 50 Ctr. „ Nindvich cq.... 240„ — 290„„ Roggenkleie, vom eigenen Mahlgut.. 11„—„ Rapskuchen ca... 3„ 30„ Milch(zum größten Theil abgerahmt). 1100 Liter. Se EE — 35— Der Werth der für den Viehſtand verwendeten Producte beträgt in runder Summe annähernd... Nl. 2520 Werden hiervon die Fuſen der eöür das Pfen verwendeten Producte abgezogen mit rund....—.I.„ 300 ſo bleiben für Rindvieh, Schweine und Geflügel noch zu verrechnen ca. Mk. 2220 Der Werth der vom Rindvieh, Schweinen und Geflügel erzielten Producte berechnet ſich im Ganzen in runder Summe annähernd auf„ 1520 Es würden demnach für die Koſten der verwendeten Prydm noch durch den Stallmiſt zu decken ſein..... 14* M. 700 Die Stallmiſt-Production von Rindvieh un Shweinen in annähernd auf 1300 Centner zu ſchätzen, ſo daß der Centner auf etwa 54 Pfennig zu ſtehen kommt, wozu alsdann noch die Koſten für Zinſen und Verpflegung ꝛc. des Viehſtandes hinzuzurechnen ſind. Für die Familie: Korn....... ͤ...:...... 31 Ctr. Spelz...... 5„ Weizen(als Mehl Getuſ.......... 3„ Kartoffeln.... nnnan........ 35 Ctr. Fleiſch ca...-. 620 Pfd. (hiervon ca. 520 Pfund ſelbſt produeirtes Schweinefleiſch, incl. Wurſt, excl. Schmalz, und ca. 100 Pfund zugekauftes Rindfleiſch) Butter.............. 130„ Schmalz.............. 140„ Kaffee 2c.................. 60„ Zucker................ 50„ Salz........1.1 30 Milch,(nur wenig rögerahnd)..... 1 500 Liter Eier............. 800 Stück Käſe, Gemüſe, Obſt, Honig ꝛc. Es berechnet ſich hiernach der Verbrauch der 6 Perſonen ſtarken Familie pro Kopf und Tag auf rund ungefähr: 860 Gramm Getreide, 800„ Kartoffeln, 140„ Fleiſch, 30„ Butter, 9„ Schmalz, 13„ Kaffee, 11„ Zucker, — 36— 30 Gramm Salz, 0,68 Liter Milch. Käſe, Eier, Gemüſe, Gewürz ꝛc. Das darin enthaltene Protein kann auf ca. 130 bis 140 Gramm veranſchlagt und als vollkommen ausreichend betrachtet werden. Der Werth der verbrauchten Nahrungsmittel beträgt annähernd jährlich Mk. 1240 und täglich ca. Mk. 3,40, oder pro Kopf und Tag 54 Pf. Die Lebensweiſe der Familie iſt folgende: Erſtes Frühſtück: Kaffee, Brod mit Butter, Schmierkäſe ꝛc. Zweites Frühſtück: Brod mit Butter oder Handkäſe, bisweilen auch Wurſt. Mittageſſen: Im Allgemeinen 6mal Fleiſch mit Gemüſe oder Kartoffeln und Suppe, 1mal Mehlſpeiſe mit Milchſuppe. Vesperbrod: Kaffee, Brod mit Latwerge, Butter oder Schmierkäſe. Abendbrod: Geſottene Kartoffeln und Kaffee mit reichlich Milch, Brod mit Schmierkäſe oder Butter, auch Wurſt. III. Geld-Rechnung. A. Einnahmen. 2 Elr. Korn à. Mk. 8,75.......... Mtk. 17,50 V 38„ Gerſte à Mk. 8,30.........„ 315,40 220„ Zulckerrübelt A Mk. 1...........„ 220, 140 Pfd. Butter à 90 Pf............„ 126, Vieh: 2 Rinder oder Stiere 2C............„ 460,— 2 Maſtſchweine........„ 150,— Ferkek.............„ 80,— 3 Gänſe...............„ 10,— 400 Stück Eier...............„ 24,— Summe.. Mk. 1402,90 B. Ausgaben. Steuern und Umlagen: Grund⸗ und Gebäudeſteuer..... Mk. 39,20 Gemeindeumlagen hierauf„ 42,65 Staats⸗Einkommenſteuer.„ 19,54 Gemeinde⸗Einkommenſteuer.......„ 9,61 Tilgungsrente(hört jetzt auf)......„ 38,20 — Mk. 149,20 zu übertragen.. Mk. 149,20 Uebertrag Arbeitslöhne(Accordarbeiten): Fruchtdreſchen mit der Dampfdreſchmaſchine.. Mk. 60,— Fruchtmähen, ca. 3 Morgen à Mk. 4...„ 12,— Unterhaltung der Gebäude: Wirkliche Ausgabe. Unterhaltung des todten Inventars: Wirkliche Ausgabe: dem Wagner...... Mk. 20,— dem Schmied...........„ 40,— dem Sattler.....„ 10,— für Hausrath und Handgeräthe..„ 20,— Inventar der Familienwohnung Verſicherungs⸗Prämie: Wirkliche Ausgabe: für Gebäude.......... Mk. 6,28 für Inventar ꝛc.........„ ,5,— für Producte..........„ 3,50 Pferderemonte: Das Pferd wird durch Ankauf gedeckt, und ind als baare Aus⸗ gaben pro Jahr anzunehmen..... Zukauf von Kraftfutter: Rapskuchen, 3 ½ Ckr......... Mk. 26,— Malztreber...........„ 25,— Heizung und Beleuchtung: Holz.............„ 120,— Petroleum...........„ 12,— Zukauf von Nahrungsmitteln: 200 Pfd. Mehl von 300 Pfd. Weizen... Mk. 35,— 100„ Nindfleiſch à 50 Pf.......„ 50,— 60„ Kaffee à Mk. 1,40......„ 84,— 50„ Zucker à 36 Pf.......„ 18,— 130„ Salz.........„ 13,— Diverſes............„ 3,— zu übertragen Mk. 149,20 2 2 7 7 2 2 Mk. 72, 50,— 90,— 25,— 14,78 30,— 51,— 132,— 203,— 816,98 Nebertrag. Mk. 316,98 Bekleidung..........„ 300,— Thierarzt..................„ 5,— Verſchiedetes.............„ 20,92 Summe.. Mk. 1142,90 C. Vergleichung der Geld⸗Einnahmen und Geld⸗Ausgaben. Die Einnahmen betrugen... Mk. 1402,90 Die Ausgaben betrugen..„ 1142,90 Ueberſchuß.. Mk. 260,— IV. Rentabilitäts-Berechnung. A. Rohertrag (excl. der für die Production in der Wirthſchaft wieder verwendeten Producte). Erlös aus verkauften Producten(ſiehe oben)...... Mk. 1402,90 Werth der für die Familie aus der Wirthſchaft entnommenen Producte(ſiehe oben 1240— 203).......„ 1037,— Summe.Mk. 2439,90 B. Productionskoſten. 1. Gebäudecapital: Zinſen von Mk. 5230 à 4 pGt.... Mk. 209,20 Verſicherungsprämie......„ 6,28 Abnutzung(Amortiſation) 0,75 3 vot.„ 39,22 Inſtandhaltung...„ 50,— Mk. 304,70 2. Capital des lebenden Inventars: Zinſen von Mk. 1985 à 4 pCt.... Mk. 79,40 Verſicherungsprämie, 2 pCt.....„ 39,70 Abnutzung vom Werth des ſandes anr 150 à 10 pCt.).„ 15,— „ 134,10 3. Capital des todten Inventars: Zinſen von Mk. 330 à 4 pGt... MNk. 13,20 Verſicherungsprämie, 0,15 pCt..„ 0,50 Erneuerung und Inſtandhaltung(wirkliche Ausgabe).......„ 90,— ——„ 112,70 —— zu übertragen. Mk. 551,50 — 39— Uebertrag.. Mk. 551,50 4. Zinſen des umlaufenden Betriebscapitals. Letzteres beträgt 50 pCt. der jährlichen baaren Auslagen= Mk. 570. Piemon 6 pCt....„ 34,20 5. Hagelverſicherungsprämie vom Weth d der Getreide⸗ Ernte=— Mr.. 1325 à 0,75 pGt.......„ 10,— 6. Feuerverſicherung der Producte.........„ 3,50 7. Steuern und Umlagen(excl. Tilgungsrenten)..„ 81,85 8. Kraftfutter..„ 51,— 9. Heizung und Beleuchtung, 30 pCt. der ceſammten Ausguben (70 pCt. auf die Wunulic).) GC„ 39,60 10. Thierargt....„ 5,— 11. Arbeitslöhne: Accordarbeiten.... Mk. 72,— Lohn für die 5 erwachſenen Perſonen der Familie: Mann, Frau und Tochter. Mk. 700 Schwiegervater und Schwie⸗ germutter..„ 220 „ 920,— —„ 992,— (Für den Wirthſchaftsbetrieb ſind pro Hectar Acker und Wieſe ca. 75 Arbeitstage(½ Männer⸗ und ½ Frauentage) gerechnet, was dem in Anſatz dehenchten ttitelolin Lätiünht) 12. Verſchiedenes.... S„ 11,25 Summe.. Mk. 1779,90 C. Reinertrag. Der Rohertrag betrug Mk. 2439,90 Die Productionskoſten betragen.„ 1779,90 Bleibt Reinertrag. Mk. 660,— Rechnet man hierzu den Werth der freien Wohnung, den auch hier die Wirth⸗ ſchaft leiſtet, mit Mk. 100, ſo ſteigert ſich der Reinertrag auf Mk. 760. Das Grund⸗ capital iſt inel. Obſtbäume eingeſchätzt auf Mk. 23680. Hiervon Mk. 760 Zins, ſo beträgt der Zins des Grundcapitals(Grundrente) plus Unternehmergewinn rund 3,20 pCt. Anlage III. Gemeinde Groß⸗Rohrheim. Beſitzſtand, Natural⸗ und Geld⸗Rechnung und Rentabilitäts⸗Berechnung eines kleinen Vauerngütchens von 4,06 Hectar. Der Beſttzer iſt verheirathet, 46 Jahre alt, Vater von 2 Töchtern. Die eine Tochter, 18 Jahre alt, arbeitet in der Wirthſchaft, die andere Tochter, 16 Jahre alt, hat bis jetzt noch nicht viel leiſten können. Die Frau iſt kränklich und deren Arbeits⸗ kraft ſehr beſchränkt. Außerdem lebt noch der Vater, ein 73 Jahr alter, beinahe ganz arbeitsunfähiger Mann ein halbes Jahr in der Familie, die andere Hälfte bei dem Bruder des Beſitzers. Im Ganzen beſteht alſo die Familie aus 4 eventuell 5 Perſonen, wovon 4 (1 Manns⸗ und 3 Frauens⸗Perſonen) ihre Arbeitskraft mehr oder weniger der Wirth⸗ ſchaft widmen. 5N IL Beſitzſtand. A. Grund und Boden mit Obſtbäumen(Grundcapital). 2,96 Hectar Ackerland mittlerer Kaufwerth: Steuercapital incl. Gebäude; 1,10„ Wieſe 10140 Mk. 58,3 Mk. (in 23 Parcellen.) 0 Obſtbäume: 6 Zwetſchenbäume....... Mk. 20 Wiederholung: Grund und Boden....... Mk. 10140,— Obſtbäume..... 9 20,— Mk. 10160,— zu übertragen.. Mk. 10160,— — 11— Uebertrag.. Mk. 10160,— B. Gebäude. Ein Wohnhaus mit Scheuer und Stall laut Brandkataſter.„ 3940,— C. Viehſtand. 2 Kühe, Simmenthaler Kreuzung, werden viel eingeſpannt........ Mk. 700, 2 Ninder..........„ 290,— 1 Kalb........„ 40,— 1 Ziege........„ 12,— 4 junge Maſtſchweine....„ 160,— 10 Stück Geflügel incl. 2 Gänſen....„ 16,— —„ 1228,— D. Todtes Inventar. 1 Einſpänner⸗Wagen mit Leitern..... Mk. 90,— 1 Pflug und 1 Egge........„ 25, Fahrgeſchirr für das Rindvieh......„ 10,— 1 Häckſelmaſchine.......„ 40,— 1 Rübenmühle...........„ 10,— 1 Getreidewindfege.........„ 15, Handgeräthe incl. Säcke.......„ 40,— Hausrath incl. Kochgeſchirrt.....„ 60,— —„ 290,— E. Vorrath an umlaufendem Betriebscapital ſiehe Rentabilitätsberechnung........„ 445,— Werth des geſammten Vefites.. Mk. 16063,— Inventar der engeren Familienwohnung ca. Mk. 800. II. Natural-Rechnung. A. Natural⸗Ertrag. Aus dem Acker⸗ und Wieſenbau. Die Bewirthſchaftung des Ackerfeldes iſt im Allgemeinen die in der Gemarkung übliche(ſiehe Frage I), Getreide wird niemals öfter als zweimal hintereinander ge⸗ baut. Der Anbau der Früchte und der Natural⸗Ertrag derſelben ſtellen ſich hiernach durchſchnittlich ungefähr folgendermaßen: Getreide* 3 5 58 S8 3.. 35S=EZSS3 3 5 † S⸗* Anbanu ISs55 Centner. Korin...... 0,50 Hectar 16 32 Spelz......0)/10„ 4,5 6 Gerſte..... 0,90„ 35 34 Hafer 762 0,10—„ 3 3 Kartoffeln. 0,50„——[128 Futterrüben... O,45„——— 360 Zuckerrühen.. o.7 0,12„———— 70 Klee.. 60,30„—-———50 Wieſen....... 1,00„—————— 110 Obſt.„„—————— 1 Der Durchſchnittsertrag berechnet ſich pro ¼ Hectar wie folgt: bei Korn auf 8 Etr. Körner, 16 Ctr. Stroh, 2 Sp elz 2 1 1 2 2 1 4 2 2 2 Gerſte 1 9,80 1 1 9,60 1 1 2 Hafer 2 7,50 2 2 11 2 2 „ Kartoffeln„ 64„ Knollen, geſunde, „ Futterrüben„ 200„ Rüben, „ Zuckerrüben„ 150 9 „ Klee„ 42„ Heuwerth, „ Wieſen„ 25„ Heu und Grummet. Aus dem Viehſtand. Milch. Durchſchnittlich im Jahr pro Kuh 2000 Liter, pro Tag und Kuh 5,5 Liter, pro Ziege 300 Liter, pro Tag 0,8 Liter; im Ganzen alſo 4300 Liter. Rindvieh. Durchſchnittlich werden alle 2 Jahre 3 Rinder oder Stiere(an Stelle des einen oder andern manchmal auch eine Kuh) verkauft, die hinzu⸗ tretenden Kälber recrutiren die Nachzucht. Schweine. 5 Maſtſchweine, und zwar 4 mit durchſchnittlich 140 Pfund und 1 mit durchſchnittlich 200 Pfund Schlachtgewicht. Erſtere werden verkauft, letzteres für die Haushaltung geſchlachtet. Geflügel. Durchſchnittlich 600 Eier. B. Natural⸗Bedarf. Für Saatgut: Korn 0,50 Hectar...... 2 Ctr. 20 Pfd. Spelz 0,10„......—„ 50„ Gerſte 0,90„...... 3 Ctr. 50 Pfd. Hafer 0,10„....„ 25„ Kartoffeln 0,50„...... 16„„ Rüben 0,45„......—„ 6„ Klee 0,30„.....=„ 10„ Für den Viehſtand: Spelz........... 1 Ctr.— Pfd. Haſer 2„ 75 Gerſte..... 10„=— Kartoſſeln........ 82„ Rüben... 360„—„ Klee wird mit Ausnahme zur Samenge⸗ winnung ſämmtlich grün gefüttert, in Heuwerth....... 50„=„ Wieſenheu und Grummet, von eigenen Wieſen.. 110 Ctr. zugekauft, als Gras auf den Wieſen.... 70„ —⁰ 14⁰0 ,„„ Stroh.... 75„—„ Kleien, vom eigenen Mahlgut. 7 Ctr. „ zugekauft. 13„ —— 20„/„ Malzkeimen... 7„—„ Laubſtreu oder dürres Gras. 40„—„ Milch, zum größeren Theil abgerahmt. 800 Liter. Der Werth der für den Anhiam verwendeten Arvdm beträgt in runder Summe annähernd...... Mk. 1340 Der Werth der erzielten nrbuee berne 1 im„cenen in runder Summe annähernd auf.....„ 1150 Es würden demnach für die Koſten der verwendeten Producte noch durch den Stallmiſt zu decken ſei......... Mk. 190 Die Stallmiſtproduction iſt annähernd auf 800 Centner zu ſchätzen, ſo daß der Centner auf etwa 23,7 Pf. zu ſtehen kommt, wozu noch die Koſten für Zinſen, Ver⸗ pflegung ꝛc. des Viehſtandes treten. Für die Familie Koöri......... 14 Centner Gerſte........... 6„ Spel;z...... 3 Centner Weizen(als Mehl eugerrui). 3„ Kartoffell........ 30„ Fleiſch....... 330 Pfund (hiervon 230 Pfd. ſelbſtproducirtes Schweine⸗ fleiſch inel. Wurſt ꝛc., und ca. 100 Pfd. zu⸗ gekauftes Rinſeiſd) Butter........ 70„ Schinalz........... 15„ Kaſfee............ 33„ Zucker............ 10„ Salz..... 125 Milch, zum ſehr kleinen Thel dbrerun 1200 Liter Eier.... 600 Stiick Käſe, Gemüſe, Latwerge: ꝛc. Es berechnet ſich hiernach der Verbrauch der Familie pro Kopf und Tag auf rund ungefähr: 790 Gramm Getreide, 910„ Kartoffeln, 100„ Fleiſch, 21„ Bultter, 5„ Schmalz, 10„ Kaffee, 3„ Zucker, 38 Salz, 0,73 Liter Milch, Käſe, Eier, Gemüſe, Latwerge ec. Es ſind darin ca. 125— 130 Gramm Protein enthalten, wohl bei mittlerer Arbeit ausreichend. Der Werth der verbrauchten Nahrungsmittel beträgt annähernd jährlich Mk. 820 und täglich Mk. 2,25 oder pro Kopf und Tag ca. 50 Pf. Die Lebensweiſe der Familie iſt folgende: Erſtes Frühſtück: Kaffee, Brod mit Schmierkäſe oder Latwerge. Zweites Frühſtück: Brod mit Hand⸗ oder Schmierkäſe, ſelten Butter. Mittageſſen: 4—5mal wöchentlich Fleiſch mit Gemüſe und Suppe, an den übrigen Tagen Mehlſpeiſe oder Kartoffelgemüſe mit Suppe. Vesperbrod: Brod mit Käſe, zuweilen auch Butter. Abendbrod: Geſottene Kartoffeln und Kaffee, Brod mit Schmierkäſe oder Latwerge, oder geröſtete Kartoffeln ꝛc. mit Suppe ꝛc. — 415— III. Gerd-Rechnung. A. Einnahmen. 15,5 Ctr. Gerſte Aà Mk. 8,30......... Mrk. 128,60 70„ Zltckerrüben à MI. 1..........„ 70,— 140 Pfd. Butter à Mk. 0,90....„ 126,— Vieh: Alle 2 Jahre 3 Stück Kendwie S— Mr. 600, vr dahr„ 300,— 4 Maſtſchweine..... 4„ 280,— Mr. 904,60 Hierzu der von dem Beſitzer im Winter außerhalb der Wirth⸗ ſchaft im Walde verdiente Holzhauerlohn mit durchſchnittlich„ 80,— Summe Mk. 984,60 B. Ausgaben. Steuern und Umlagen: Grund⸗ und Gebäudeſteuer....... Mk. 17,49 Gemeinde⸗Umlagen hierauf.......„ 19,66 Staats⸗Einkommenſteuer........„ 9,77 Gemeinde⸗Einkommenſteuer.......„ 4,— Tilgungsrente(zum Letztenmal).....„ 14,92 — Mk. 66,64 Unterhaltung der Gebäude: Wirkliche Ausgabe..............„ 20,— Unterhaltung des todten Inventars: Wirkliche Ausgabe: dem Wagner........ Mk. 15,— dem Schmied...„ 20,— für Hausrath und Handgeräthe...„ 10,—— Inventar der engeren JFamilienwohnung..........„ 15,— Verſicherungs⸗Prämien: Wirkliche Ausgabe: für Gebäude...... Mk. 4,73 für Inventar.„ 4,05 für Producte..........„ 1,75 —ñ„ 10,53 Zukauf von Vieh: 5 Ferkel............. H.....„ 60,— zu übertragen.. Mk. 217,17 Uebertrag. Ml. 217,17 Zukauf von Futterſtoffen: 70 Ctr. Heu, als Gras gekauft..... Mk. 100,— 413„ Kleien........„(8,— ,„ Malzkeimen....„ 39,20 — ä„ 217,20 Laubſtken, auch dürres Grazszs..........„ 20,— Heizung und Beleuchtung: Hola. 2C............. Ml. 80,— Petroleumn.......„ 10,— — 2 90,— Zukauf von Nahrungsmitteln: Mehl aus 3 Etr. Weizen....... Mk. 35,— Fleiſch, 100 Pfd. Rindfleiſch......„ 50,— Kaffee 33 Pfd............„ 39,60 Zucker 10 Pfd........... 5 3,60 Salz 125 Pfd...........„ 12,50 Diberſes............„ 1,30 —„ 142,— Bekleiding................... 0„ 180,— Arzt und Apotheke................„ 8,— Thierarzt..................„ 3,— Verſchiedenesz...........„ 13,23 Summe.. Mk. 890,60 C. Vergleichung der Geld⸗Einnahmen und Geld⸗Ausgaben. Die Einnahmen betrugen... Mk. 984,60 Die Ausgaben betrugen.„ 8090,60 Bleibt Ueberſchuß.. Mk. 94,— Rentabilitäts-Verechnung. Rohertrag. (excl. der für die Production in der Wirthſchaft wieder verwendeten Producte.) Erlös aus verkauften Producten(ſiehe oben)...... Mk. 904,— Werth der für die Familie aus der Wirthſchaft entnommenen Producte(ſiehe oben 820— 142)........„ 678,— Summe Mk. 1582,— 10. 11. 12. — 17— Productionskoſten. .Gebäudecapital: Zinſen von Mk. 3940 à 4 pCt.... Mk. 147,60 Verſicherungsprämie.....„ 4,73 Abnutzung(Amortiſation) 0,75 w6..„ 209,55 Inſtandhaltung.....„ 20,— .Capital des lebenden Inventars: Zinſen von Mk. 1228 à 4 pCt... Mk. 49,12 Verſicherungsprämie 2 pCt......„ 24,56 Jährlicher Zukauf von 5 Ferkeln...„ 60,— .Capital des todten Inventars: Zinſen von Mk. 290 à 4 pCt.. Mk. 11,60 Verſicherungsprämie 0,15 pCt..... 9 0,30 Erneuerung und Inſtandhaltung...„ 45,— . Zinſen des umlaufenden Betriebscapitals. Letzteres beträgt 50 pCt. der jährlichen baaren Ausgaben= Mk. 445. Hiervon 6 pCt. Hagelverſicherungsprämie vom Werth der Getreide⸗Ernte e Gheingt Gefahr) Mk. 625 à 0,75 pCt.. . Feuerverſicherung der Producte. .Steuern und Umlagen(excl. Tilgungsrente und Nerſlhene) .Futterſtoffe und Laubſtreu. „Heizung und Beleuchtung 33 öt der vennmre Nns en pCt. auf die Familie). Thierarzt. Arbeitslöhne: Lohn für die 4 Perſonen der Familie. (Unter Berückſichtigung des größeren Zeitaufwandes, den die Bewirthſchaftung des Gutes durch Rindviehgeſpann erfordert, ver⸗ hältnißmäßig ſtärkeren Hackfruchtbau und größere Viehhaltung, ſowie Zukauf von 70 Ctr. Heu als Gras auf den Wieſen(= 0,75 Hectar Wieſe) und ſelbſtgemachtes dürres Gras oder ſelbſtgerechte Laubſtreu wurden 400 Arbeitstage(½ Männer⸗ und ½ Frauen⸗ tage) gerechnet. Die Rentabilität des Gutes wird durch dieſen vermehrten Zeitaufwand keineswegs beeinträchtigt, eher geſteigert.) Verſchiedenes.—. Summe Mk. 201,88 „ 133,68 „ 56,00 „ 26,70 5 4,78 „ 1,75 „ 37,15 „ 237,20 7 30,— 2 3,— 2 550,— 9 9,56 Mk. 1292,60 4¹⁸ 48— 3 Reinertrag. Der Rohertrag betrug.... Mk. 1582,— Die Productionskoſten betragen.„ 1292,— Bleibt Reinertrag.. Mk. 290,— Rechnet man hierzu den Werth der freien Wohnung, den die Wirthſchaft leiſtet, mit Mk. 60, ſo beträgt der Reinertrag Mk. 350. Das Grundeapital inel. Obſtbäume iſt eingeſchätzt auf Mk. 10160. Hiervon Mk. 350 Zins, beträgt der Zins des Grund⸗ capitals(Grundrente) plus Unternehmergewinn rund 3,44 pCt. Bericht über die landwirthſchaftlichen Verhältniſſe Gemeinde Mühlheim a. A., Ar. Offenbach, erſtattet von C. Lucke, Hof Patershauſen. ···ʒʒ—O Einleitung. Bevor der unterfertigte Commiſſär für die Gemeinde Mühlheim im Kreiſe Offenbach zur Erſtattung des Befundes der landwirthſchaftlichen Lage in dieſem Orte übergeht, ſei es geſtattet, im Intereſſe des Verſtändniſſes für den Geſetzgeber, dem doch die Enquéte Material zuſammenzutragen berufen iſt, die Wahl des Ortes Mühlheim und die Verſchiedenheit der Verhältniſſe desſelben zu denen des als Muſter gegebenen Ortes Meſſel im Kreiſe Darmſtadt kritiſch zu beleuchten. Noch unberührt von dem modernen Welttreiben, in idylliſcher Abgeſchiedenheit liegt der zum Muſter genommene Ort Meſſel mit ſeinen 678 Einwohnern und 137 Häuſern. Nur Landbau und die damit zuſammenhängenden Nebenbeſchäftigungen treiben ſeine Bewohner. Der Typus eines Bauerndorfes iſt nach jeder Richtung hin noch vollſtändig gewahrt. Wie ganz anders ſieht es dagegen in Mühlheim aus!? In 333 Häuſern und 611 Haushaltungen iſt eine Bevölkerung von 2446 Seelen anſäſſig, welche die Land⸗ wirthſchaft nur betreibt, um Beſchäftigungen der verſchiedenſten Art beſſer zu fun⸗ diren. In Mühlheim gibt es keinen einzigen Bauer, dem Sinne des Wortes nach; Handel, Gewerbe und Arbeitsleiſtung für und in Fabriken aller Art in Offenbach und Hanau, bezw. Frankfurt a. M., bilden die Erwerbsquellen der Bevölkerung, denn in Mühlheim beſitzen 735 Beſitzer 500 Hectar, alſo im Durchſchnitt 10% 21 Hectar, während in Meſſel 144 Beſitzer 535 Hectar oder im Durchſchnitt jeder 1 ¹⁹ 3³¼ 1 Hectar. Statt dem Bauerndorfe gleicht Mühlheim einer kleinen Stadt oder noch zutreffender einer Vorſtadt. Wenn trotzdem die Wahl der Commiſſion auf Mühlheim gefallen, ſo hat wohl die Erwägung Platz gegriffen, daß es wünſchenswerth ſei, ein Bild zu erhalten von den Erwerbsverhältniſſen und der allgemeinen Lage einer Bevölkerung, welche die Landwirthſchaft als Hauptſache nicht betreibt, daß es ferner wünſchenswerth ſei, kennen zu lernen den Kulturzuſtand, in welchem ſich Acker und Wieſen eines ſolchen Ortes befinden und welcher Ertrag aus denſelben unter ſolchen Verhältniſſen heraus⸗ gewirthſchaftet wird. Soll nun für den Geſetzgeber Material dabei herausſpringen,— und das iſt doch der Kern der Erhebungen— ſo muß es dem Commiſſär nicht verargt werden können, wenn er nicht überall dem Muſter zu folgen im Stande iſt, wie es die In⸗ ſtruction vorſchreibt. Der Inſtruction und dem gegebenen Muſter zu folgen, war der Commiſſär bemüht, doch war ein Abgedrängtwerden durch die ganz anders gearteten Verhältniſſe unvermeidlich. 611 Haushaltungen in 333 Hänſern, reſp. Hofraithen characteriſiren den ſtädtiſchen Anſtrich des Ortes und der Kaufpreis der Häuſer iſt darum außer Ver⸗ hältniß zu den etwa zu den Gebäuden gehörenden Grundſtücken. Aus dieſen Gründen trägt der Commiſſär Bedenken, die hypothekariſch ver⸗ ſicherten Schulden in Beziehung zu den landwirthſchaftlichen Verhältniſſen und zu den Reſultaten ſeiner Erhebungen zu ſetzen; vielmehr glaubte er es als ſeine Auf⸗ gabe betrachten zu ſollen, diejenigen Verhältniſſe klar zu legen, welche den Land⸗ wirthſchaftsbetrieb in Bezug auf ſeine Rentabilität ungünſtig beeinfluſſen und iſt demgemäß verfahren. Allgemeines. Mühlheim, 157 Meter über dem Meeresſpiegel, 4 Kilometer von Offen⸗ bach, 9 Kilometer von Frankfurt, an der Eiſenbahnlinie Frankfurt⸗Bebra und am Main gelegen, mit Eiſenbahnſtation gleichen Namens verſehen, hat ſeinen ganzen Verkehr nach den Städten Offenbach, Frankfurt und Hanau; derſelbe wird jedoch der Hauptſache nach per Achſe vermittelt. Der Ort hat 2446 Einwohner, 333 Häuſer und 611 Haushaltungen. Von der Bevölkerung gehören 2352 der katholiſchen, 59 der evangeliſchen Con⸗ feſſion und 35 dem moſaiſchen Glauben an. Die Bevölkerung iſt in Mühlheim eine altangeſeſſene. Keine Familie iſt ſeit 1878 mehr ausgewandert. Stark war die Auswanderung in den Jahren 1840 bis 1860, auch vielfach auf Koſten der Gemeinde. Mit dem Aufblühen der Induſtrie in den benachbarten Städten hat ſich dann das Auswanderungsbedürfniß gemindert, um mit dem genannten Jahr ganz aufzuhören, event. ſich in das Gegentheil zu verkehren. 222—= — 3— Trotzdem die Cheſchließungen meiſtens unter Gemeindegliedern ſtattfinden, iſt doch ein häufiger Güterwechſel im Orte. Das landwirthſchaftlich benutzte Areal umfaßt laut Ausweis der Steuerbehörde 553,12 Hectar, laut Ausſage des Gemeindevorſtandes nur 500 Hectar, 305 Hectar Acker und 95 Hectar Wieſen in 8022() Parcellen zerſtückelt, ſind in den Händen von 735 Beſitzern. Die Durchſchnittsgröße der Parcellen iſt 1½% Hectar! 402 Be⸗ ſitzer bewirthſchaften unter 1 Hectar, 283 von 1 bis 5, 49 von 5 bis 10, 1 von 10 bis 20.; Im Beſitze der Gemeinde und unter die älteſten Ortsbürger vertheilt als All⸗ menden befinden ſich 32 ½ Hectar. Ferner Ackerland und Wieſen im Beſitze der Gemeinde 21 ¹¼ Hectar Acker verpachtet zu 24 Mk. pro Hectar, 6 ½ 2 Wieſe 2 2 16 2 7 2 23 4 2 2 2 2 8 I 2 2 Im Beſitze des Fiscus ſind circa 5 Hectar verpachtet zu 16 Mk. pro Hectar. Die todte Hand beſitzt als Pfarrland 10 Hectar, welche zu 80 Mk. pro Hectar verpachtet ſind. Von den directen Steuern betrug die hier in Betracht zu ziehende Grundſteuer von dem Geſammtſteuercapital 2266 Mk. 80 Pf. Nach Abzug des auf den Gemeinde⸗ wald entfallenden Grundſteuercapitals verbleiben von den landwirthſchaftlich benutzten Flächen aufzubringen 1723,50 Mk., pro Hectar 3,09. An Communalſteuern erhob die Gemeinde Mühlheim in 1883/84 15363 Mk. 1*) in 1865/66 3 017 fl. 55 kr.(5172 Mk.), in 1870/71 2946 fl. 16 ¼ kr., in 1875/76 6773 Mk., in 1880/81 10924 Mk. Während die Communalſteuern in Meſſel das Doppelte, ſind die Steuern für communale Zwecke um das Dreifache in Mühlheim ſeit 1865/66 geſtiegen. Die Gemarkung iſt beſetzt mit 236 Aepfelbäumen, 18 Birnbäumen, 44 Pflaumen⸗ und Zwetſchen⸗Bäumen, 126 Kirſchbäumen, 16 Aprikoſen⸗ und Pfirſichbäumen und 6 Wallnußbäumen. Der Wald der Gemarkung umfaßt laut Ausweis der Steuerbehörde ein Areal von 414,86 Hectar und trägt netto 9055 Mk. Der Werth des Waldes beträgt 660,000 Mk., das Steuercapital desſelben 1381,3 Mk. Im Gemeindewalde werden jährlich 300 Haufen Waldſtreu gemacht. Dieſelben werden verſteigert und bringen der Gemeindekaſſe jährlich circa 600 Mk. ein. Nach der vom Commiſſär gemachten reſp. bewerkſtelligten Aufnahme beſteht zur Zeit folgender Viehſtand im Orte: *) Wäre dieſe Steuer von den Grundſteuerzahlenden reſp. von den Grundbeſitzern allein auf⸗ zubringen, d. h. hätte Mühlheim keinen ſtädtiſchen Charakter, dann würde an Communalſteuer vom Hectar 27,78 Mk., dazu Grundſteuer 3,09 Mk. pro Hectar, in Summa 30,87 Mk. pro Hectar zu zahlen ſein,— de facto wäre hiernach Staat und Gemeinde der Grundbeſitzer, der Bauer nur noch Pächter ſeiner Ländereien. 2 Fohlen, 74 Pferde, 76 Pferde, 4 Kälber bis 6 Wochen alt, 12 2 1 1½ Jahr alt, S8„„ 2 Jahr alt, 240 Stück Rindvieh, 4 Zuchtſtiere, 212 Kühe, 11 KHnbiſn 12 Schweine, 180 Ziegen, 4 Bienenſtöcke. Frage I. a. Welche Bodenverhältniſſe zeigt die Gemarkung, welchen Character hat das Klima und wie iſt hiernach im Allgemeinen die Fruchtbarkeit der Ländereien; iſt letztere ſehr günſtig, mittel oder gering? b. In welchem Verhältniß ſtehen die verſchiedenen Arten des Kulturlandes— Acker, Wieſen, Weiden, Rebland ꝛc.— zu einander und iſt dieſes Verhältniß im Allgemeinen als ein wirthſchaftlich günſtiges zu bezeichnen? c. Welches ſind die hauptſächlichſten Producte der Landwirthſchaft, bezw. welche Productionsrichtungen machen ſich im landwirthſchaftlichen Betriebe der Gemeinde vorzugsweiſe geltend? 4. Iſt der landwirthſchaftliche Betrieb im Allgemeinen ein rationeller zu nennen, oder haften ihm weſentliche Mängel an und welche? Stehen letztere u. A. mit einer ſehr weit gehenden Parcellirung der Grundſtücke und dem herrſchenden Flurzwang im Zuſammenhang? a. Mühlheim hat laut Bonitirungsregiſter Acker: Wieſen: I. Claſſe 55,78 Hectar, 14,87 Hectar, II.„ 117,47„ 44,95„ III.„ 191,80„ 24„ IV.„ 45,84„ 58,18„ Nur zum kleinſten Theile findet ſich in der Gemarkung guter, tiefgrundiger Lehmboden, der durchweg luzernefähig iſt Cvide I. Cl.), in dieſem Theile liegen in er in —5— den tieferen Lagen vorzügliche Wieſen. Alles übrige fällt ab vom gut eultivirten humoſen Roggenboden bis zum ſchlechten, leichten, humusarmen Sandboden. Das Terrain der Hauptſache nach eben, dacht ſich langſam nach dem Main zu ab. Bei günſtigem Clima, wie überall in der ſüddeutſchen Tiefebene, iſt die Frucht⸗ barkeit verſchieden, wie die beſchriebenen Bodenarten. b. Mühlheim hat nur 2 Culturarten— Acker und Wieſe— das Verhältniß des Ackers zur Wieſe iſt wie 3:1 wird aber ungünſtig, da faſt ⅛ der Wieſen als ſehr geringe zu bezeichnen ſind. Ein großer Theil dieſer geringen Wieſen iſt nun noch als Gemeindeeigenthum verpachtet, was eine Hebung derſelben für die Dauer verhindert. Es wird im Uebrigen fleißig mit Compoſt und Pfuhl gedüngt und eine möglichſt große Nutzung angeſtrebt. c. Korn und Kartoffeln ſind die hauptſächlichſten Producte des Landbaues. Etwas Weizen, auch Rüben(Dickwurz) zum Bedarf wird gebaut. Luzerne und Klee erſcheinen nur vereinzelt, wie auch der Anbau der Sommerfrüchte. Thierzucht wird nur ganz vereinzelt betrieben und liegt der Schwerpunct der geſammten Production in der Milchwirthſchaft, welche, angeregt durch die Nähe der Städte, ſich als Baſis des landwirthſchaftlichen Betriebes herausgebildet hat. Be⸗ einträchtigt wird das Erträgniß aus der Milchwirthſchaft durch den Mangel an Nachzucht. Nachdem die Kühe einige Jahre kalben gelaſſen, wird die Kuh fett gemacht und für das Erträgniß der fetten Kuh eine friſchmilchende gekauft, wobei meiſtens ein Bedeutendes zugelegt werden muß. Die Productionsverhältniſſe des Landwirthſchaftsbetriebes geben kurz recapitulirt folgendes Bild: Kartoffeln, Korn und Milch, das ſind die Producte, welche zum Verkauf gebaut werden, reſp. producirt werden von den geſpannfähigen Grundbeſitzern in Mühlheim.— Ein Fruchtwechſel exiſtirt(Hackfrucht, Halmfrucht), eine Fruchtfolge nicht. Bei den meiſten Landwirthen dürfte aber wilde Wirthſchaft, bedingt durch die Dungvorräthe und das jeweilige Bedürfniß, üblich ſein. d. Wie es bei dem allgemeinen Verhältniß in Bezug auf die Erwerbsthätigkeit der Bevölkerung nicht anders der Fall ſein kann, iſt der Typus der einzelnen Land⸗ wirthſchaftsbetriebe ein grundverſchiedener, je nachdem die Landwirthſchaft Haupt⸗ oder Nebenbeſchäftigung iſt, immerhin muß jedoch anerkannt werden, daß das Bemühen, durch regelmäßige Düngung und gute Bearbeitung möglichſt gute Ernten zu erzielen, vorherrſchend iſt, was ſchon daraus erhellt, daß viel Dung auch hie und da Latrine aus Offenbach geholt wird. Künſtlicher Dünger wird nicht verwendet. Die Gemarkung iſt in Gewanne gelegt und überall ſind durch Gewannwege die Ackerſtücke zugänglich gemacht, ſo daß Flurzwang nicht mehr vorhanden iſt; aber die Parcellirung iſt doch ſo groß— es gehen durchſchnittlich 20 Parcellen auf den Hectar—, daß rationeller landwirthſchaftlicher Betrieb abſolut ausgeſchloſſen erſcheint. Durch Anbau von Luzerne auf den beſſeren Lagen, eventuell Deutſchklee und von Incarnatklee mit Korn gemiſcht auf geringerem Boden zur Grünfütterung iſt dem Futterbau genügende Beachtung zu Theil geworden, wenn er auch in noch größerer — 6— Ausdehnung betrieben werden könnte, beſonders ſollte der Anbau von Mais zur Grünfütterung im Sommer zunehmen, denn der Milchwirthſchaftsbetrieb fordert ge⸗ bieteriſch einen möglichſt vielſeitigen Futterbau. Aus dem gleichen Grunde wird denn auch an die Milchkühe Kraftfutter in ge⸗ nügender Menge verwendet, und zwar Kleien, Saatkuchen, Biertreber. Schweinehaltung wird nur zum eigenen Bedarf betrieben; etwa zum Verkauf gelangende fette Schweine ſind Producte der Nebengewerbe(Müllerei, Bäckerei ꝛc.). Die vorhandenen Geſpannkräfte— 74 Pferde und viele Zugkühe— geben wir über das Bedürfniß hinaus, und finden ihre eigentliche Hauptverwendung in den auch von den geſpannfähigen Beſitzern betriebenen Nebengewerben, z. B. Milchhandel, Waſcherei, Lohnfuhrwerksbetrieb und anderes mehr. Das im Orte vorhandene Pferdematerial repräſentirt übrigens einen im Allge⸗ meinen ſehr geringen Werth, ſowohl was den Geldwerth, als was die Arbeitskraft anbetrifft. Meiſtens als abſtändige Pferde eingekauft, werden ſie dem geringen Ar⸗ beitsanſpruch entſprechend mit Kleien, Kartoffeln, Dickwurz, alſo mit geringwerthigen Futtermitteln, ernährt. Der durchſchnittliche Zuſtand von Feld und Wieſen, von lebendem und todtem Inventar, von Haus und Hof macht im Allgemeinen einen guten Eindruck. Durch ihre vielſeitige Beſchäftigung erſcheint die Bevölkerung intelligent und geweckt. Auch im Landwirthſchaftsbetriebe läßt ſie es an Arbeitſamkeit und Fleiß nicht fehlen, aber oft genug verweigert der geringe Boden, wenn die Witterung nicht günſtig iſt, den entſprechenden Lohn. Frage II. a. Wie iſt das Verhältniß der Größe der Gemarkung zur Größe der anſäſſigen Landbau treibenden Bevölkerung? b. In welcher Weiſe vertheilt ſich das landwirthſchaftliche Gelände unter die anweſende Bevölkerung(todte Hand, Großgrundbeſitz, Groß⸗, Mittel⸗, Klein⸗Bauern, Taglöhner und Gewerbtreibende) und ſind in den letzten Jahren weſentliche Aenderungen in der Beſitzvertheilung eingetreten? c. Iſt die Beſitzvertheilung im Allgemeinen als eine günſtige zu bezeichnen, wenn nicht, wodurch giebt ſich die behauptete ungünſtige Ver⸗ theilung zu erkennen, welche Umſtände haben letztere veranlaßt, z. B. das geltende bäuerliche Erbrecht, die üblichen Syſteme des chelichen Güterrechts oder der Zuſammenkauf von Grundſtücken? d. Iſt ein Theil der Gemarkung Allmendland und welchen Einfluß hat die Benutzung des letzteren auf die Lage der Bevölkerung? Die Größe der landwirthſchaftlich benutzten Flächen beſteht in der Gemarkung aus 553 Hectar, welche — 7 von 283 Haushaltungen mit 1— 5 Hectar, 1 49„„ 510„ 2 1„„ 10— 20 2 bebaut werden. Abzüglich der 402 Grundbeſitzer, welche zuſammen circa 50 Hectar beſitzen, verblieben für die vorgenannten 503 Hectar oder im Durchſchnitt 111 ⁄64, Hectar pro Haushaltung übrig. Nur bei den Haushaltungen, welche mehr als 5 Hectar bewirthſchaften, kann auch nur in beſchränktem Maße zugeſtanden werden — der leichten Bodenbeſchaffenheit und geringen Fruchtbarkeit halber—, daß dieſe durch Bewirthſchaftung ihrer Ländereien ſich auskömmlich zu ernähren vermögen, wes⸗ halb denn auch thatſächlich ohne Nebenbeſchäftigung nicht ein einziges Hausweſen exiſtirt, ſei es nun der Mann, die Frau oder die Kinder, welche durch Nebenverdienſte die fehlenden Mittel zur Aufrechterhaltung der Exiſtenz herbeiſchaffen müſſen. Aus den vorhin gegebenen Nachweiſen erhellt, daß einmal die größere Hälfte der Gemarkung in Kleinbeſitz zerſplittert iſt, welcher den Haushaltungen höchſtens den Erbau ihres Kartoffelbedarfs geſtattet, die andere Hälfte zwar im Beſitz von nur 50 Haushaltungen ſich befindend, doch nicht ausreicht, beſonders bei der ſchweren Be⸗ laſtung— wie ſpäter nachgewieſen werden wird— für ſtaatliche und communale Zwecke, um dieſe Haushaltungen unter Aufrechterhaltung des status quo zu ernähren. Die Gemeinde beſitzt 32 ½ Hectar Allmendland, welche ½¼ Hectarweiſe unter die Ortsbürger dem Alter nach vertheilt wird. Da hier die Ortsarmen beſondere Berückſichtigung finden, ſo dürften die Allmenden in etwas die Armenlaſt erleichtern. Einen beſonderen Einfluß auf die Lage der Bevölkerung wird hierdurch nicht ausgeübt. Die ſchon unter Allgemeines nachgewieſenen Beſitzverhältniſſe des Fiscus, der Gemeinde und der todten Hand ſind unbedeutend und ohne allen Einfluß auf die Lage der Bevölkerung. Frage III. a. Welches ſind die durchſchnittlichen Preiſe für die einzelnen Boden⸗ qualitäten der verſchiedenen Culturländereien(Acker, Wieſe, Weide, Wein⸗ berg ꝛc.), erſcheinen dieſe Preiſe beſonders hoch oder beſonders niedrig und auf welche Urſachen ſind die bezüglichen Erſcheinungen zurückzuführen? b. Welche Aenderungen in den Preiſen haben ſich in den letzten 5 Jahren vollzogen? c. Pflegt ein ſtarker Umſatz in Liegenſchaften ſtattzufinden und liegt hierfür(ſ. a) ein berechtigtes Bedürfniß vor? Die Preiſe der einzelnen Bodenqualitäten ſind je nach Lage und Cultur ſehr verſchieden; in Acker und Wieſen und variiren ſie bei beiden Arten von 4000 Mk. pro Hectar bis zu 800 Mk. für die gleiche Fläche. Der Durchſchnitt dürfte ſich im All⸗ gemeinen — 8— für I. Claſſe Acker und Wieſen auf 2400 Mk., 1 II. 1 1 2 1 1 1600 11 für III. und Iv.„„„„„ 800„ ſtellen. Nach Anſicht des Commiſſärs ſind dieſe Bodenpreiſe außer allem Verhältniß zum Bodenwerth und als reine Affectionspreiſe zu bezeichnen, welche provocirt ſind, einmal durch die dichte Bevölkerung und dem damit geſteigerten Andrang nach Seß⸗ haftmachung der einen Haushalt Gründenden, andererſeits durch die Neigung, ander⸗ weit gemachten Erwerb durch Ankauf von Grund und Boden zu befeſtigen. Wenn es auch hoch anerkannt werden muß, daß durch die ganze Bevölkerung des platten Landes in Heſſen überall das Streben geht, Erſparniſſe aus Arbeit durch Ankauf von liegenden Gründen zu befeſtigen, ſo muß es doch tief beklagt werden, daß durch die durch Erbtheilungen ꝛc. erfolgte Verparcellirung der Gemarkungen, und der Andrang von Käufern zu dieſen kleinen Parcellen der Grund⸗ und Bodenpreis auf eine geradezu ſchwindelhafte Höhe getrieben iſt, welche einen großen Theil anderwärts er⸗ ſparter Arbeit(Capital) als fortgeworfen erſcheinen laſſen müſſen, weil eine auch nur annähernd entſprechende Rente von dem angelegten Capital nicht herauszuwirth⸗ ſchaften iſt. Eine weſentliche Aenderung in den Preiſen von Grund und Boden iſt in Mühl⸗ heim nicht eingetreten, doch iſt der Zudrang zum Ankauf frei werdender Ländereien nicht mehr ſo groß, was aber wohl mehr auf das Zurückgehen des Erwerbes und der Nebenbeſchäftigungen zurückzuführen iſt. Wenn trotzdem ein lebhafter Beſitz⸗ wechſel ſtattfindet, ſo iſt das auf bei ſo ſtarker Bevölkerung des Ortes unaufhörlich wechſelnde Verhältniſſe zurückzuführen. Frage IV. a. Nehmen die Pachtgüter einen erheblichen Umfang ein und ſtehen die Pachtpreiſe im richtigen Verhältniß zu dem Kaufpreiſe der Ländereien einerſeits und zur Ausnutzungsfähigkeit derſelben andererſeits, eventuell. welche Urſachen wirken ſteigernd auf die Pachtpreiſe ein? b. Welche Beſtimmungen gelten insbeſondere in Betreff der Dauer der Pacht, der Bezahlung der Steuern ꝛc., der Verſicherungsprämien, ſowie in Betreff vorzunehmender Meliorationen und etwaiger Pachtnach⸗ läſſe bei elementaren Unglücksfällen bei fiskaliſchem, ſtandesherrlichem und privatem Grundbeſitz? c. Wirken die üblichen ſonſtigen Pachtbedingungen beſonders er⸗ ſchwerend für die Pächter oder nicht? Im allgemeinen Theil dieſer Arbeit iſt das Areal, welches verpachtet iſt und der dafür erzielte Pachtpreis ſchon des Näheren erörtert. Die Pachtdauer iſt gewöhnlich 6, beim Pfarrlande auch 9 Jahre. Die Pacht⸗ — 9— raten erſcheinen im Verhältniſſe zum Preiſe der Ländereien ſehr mäßig und dürften ihrem Verkaufswerth nach nicht 2 pCt. eintragen. Bemerkenswerthes zu den in Frage IV, Abſatz b und c enthaltenen Auskunfts⸗ anforderungen iſt nicht anzuführen. Frage V. a. In welcher Weiſe pflegen die Landwirthe ihre Mobilien und Producte gegen Feuer, ihre Früchte gegen Hagel und ihren Viehſtand gegen Unfall zu verſichern? b. Hat die Lebens⸗, Alters⸗ und Renten⸗Verſicherung Eingang in der Gemeinde gefunden, event. in welcher Weiſe und welchem Umfange? Verſicherung der Mobilien findet bei den meiſten Beſitzern bei einer der deutſchen Feuerverſicherungsgeſellſchaften ſtatt, dagegen Verſicherung gegen Hagelſchaden konnte nicht conſtatirt werden. Eine Viehverſicherungskaſſe iſt im Orte vorhanden, in welcher 180 Kühe verſichert ſind, und beträgt der jährliche Beitrag im Durchſchnitt 1,80 Mk. pro Kuh und Jahr. Andere Verſicherungsformen, z. B. auf das Leben, Alters⸗ und Renten⸗Ver⸗ ſicherung haben nicht conſtatirt werden können. . Frage VI. In welcher Weiſe befriedigen die Landwirthe in der Regel ihre Creditbedürfniſſe hinſichtlich des Real⸗ und des Perſonalcredits und welches ſind bei beiden Arten des Credites die gewöhnlichſten Darlehens⸗ bedingungen in Bezug auf Zeitdauer und Zinsfuß und werden dabei auch Amortiſationsfriſten(Güterziele) angewendet? Das Creditbedürfniß, ſo weit es als Realcredit, alſo gegen hypothekariſche Sicherheit zu befriedigen iſt, wird von Creditbedürftigen bei der Nähe von Offenbach und Frankfurt a. M. von Privaten, Stiftungen, eventuell von der Sparkaſſe in Offen⸗ bach ꝛc. leicht gedeckt, ſo weit es innerhalb der pupillariſchen Sicherheit ſich befindet; im Allgemeinen zu 5 pCt., ausnahmsweiſe niedriger. Amortiſation findet nicht ſtatt. Der perſönliche Credit findet ebenfalls ſeine Deckung in den Städten und iſt ganz uncontrolirbar. Seit 1884 iſt eine Spar⸗ und Hilfskaſſe in Mühlheim gegründet, welche in ge⸗ deihlicher Fortentwickelung ſich befindet und in 1884 in 80 Fällen zuſammen von 24,000 Mk. in Beträgen von 1600, 1500, 1000, 300, 200, 150, 100 bis zu 50 Mk. hinunter ausgeliehen hat gegen Schuldſchrift und Bürgſchaft zweier Bürgen. Welche Summen Einwohner von Mühlheim bei Sparkaſſen in Offenbach, Frank⸗ furt a. M., eventuell Hanau angelegt haben, konnte nicht feſtgeſtellt werden. Frage VII. a. Wie ſtehen im Allgemeinen die Arbeits⸗ und Geſindelöhne in der Gemeinde, genügt die ortsanſäſſige Bevölkerung zur Beſtreitung der landwirthſchaftlichen Arbeiten oder ſind fremde Arbeiter nöthig und woher kommen letztere? b. Iſt für die landwirthſchaftliche Bevölkerung Gelegenheit zum Nebenverdienſt vorhanden, event. haben dieſe Nebenverdienſte(Arbeiten im Wald, Hausinduſtrie, Fabrikbetriebe, Fuhrweſen ꝛc.) eine beſondere Bedeutung für den Wohlſtand der Landwirthſchaft treibenden Bevölkerung und der Gemeinde im Allgemeinen? c. Gibt es Landwirthe in der Gemeinde, die mit Rückſicht auf den Umfang und die Rentabilität ihres landwirthſchaftlichen Betriebes an ſich auf Nebenverdienſt und Tagelöhnerarbeit angewieſen wären, ſolche Arbeiten aber aus Standesvorurtheil, Trägheit ꝛc. nicht ausführen? Bei der Kleinheit der einzelnen Beſitzungen finden ſich Knechte und Mägde kaum vor, auch außer in der Kartoffelernte beſchäftigt der Landwirthſchafttreibende nur äußerſt ſelten Taglöhner. Der Geſindelohn iſt in dem einen Fall, wo ſolche vorgefunden ſind: für den Knecht pro Jahr 150— 200 Mk., „ die Magd„„ 100. 150„ Taglohn wird gezahlt: für den Mann pro Tag im Sommer 2 Mk., 2 2 2 2 II 2 W int er 1 7 5 0 2 „ die Frau„„„ Sommer 1—1,20 Mk, 2 2 II 2 2 2 Winter 0,80 2 Außer in der in Mühlheim ſelbſt exiſtirenden chemiſchen Fabrik ſucht und findet die Bevölkerung Mühlheims in den Fabriken Offenbachs, in Frankfurt a. M. oder in Hanau Beſchäftigungen der mannigfachſten Art und je nach Geſchicklichkeit, Fleiß oder beſonderer Gelegenheit ſtufen ſich die erzielten Verdienſte npro Tag oder Woche derart ab, daß es müſſig erſchien, hier beſondere Feſtſtellungen auch nur zu verſuchen. Die Bedeutung des Landwirthſchaftsbetriebes verſinkt vollſtändig hinter der Größe der anderweitig betriebenen Beſchäftigungen und deren Erträgniſſen. Nur in den wenigſten Fällen erſcheint die Landwirthſchaft noch als Hauptbe⸗ ſchäftigung, wo dieſes aber der Fall, da iſt nicht ſie die eigentliche Ernährerin des Hausſtandes, ſondern die Nebenverdienſte bewirken der Hauptſache nach eine allmälige Verbeſſerung der Vermögensverhältniſſe des Grundbeſitzers. Hiernach erſcheint die Schlußfolgerung gerechtfertigt, daß bei der Kleinheit und großen Zerſplitterung des Grundbeſitzes die Vereinigung von induſtrieller Beſchäftigung — 11=— mit der Landwirthſchaft als eine überaus glückliche zu bezeichnen iſt. Dieſe Ver⸗ einigung allein ſchützt die Landwirthſchaft treibende Bevölkerung vor Verarmung und hat vielmehr eine relative Wohlhabenheit zur Folge. Landwirthe, welche mit Rückſicht auf den Umfang und die Rentabilität ihres land⸗ wirthſchaftlichen Betriebes auf Nebenverdienſte angewieſen, ſolche aber aus Standesvorur⸗ theil oder Trägheit nicht in Anſpruch nehmen, ſind dem Commiſſär nicht bekannt geworden. Frage VIII. a. Wie vertheilt ſich der ermittelte Betrag der Immobiliarverſchul⸗ dung auf die einzelnen Beſitzgruppen(größerer, mittlerer und kleinerer Grundbeſitz) und auf welche Gruppe entfällt der ſtärkſte Procentſatz der Schuldenlaſt? b. Datirt der Schuldenſtand aus älterer oder aus neuerer Zeit, im letzteren Fall, wie hat derſelbe im letzten Jahrzehnt zugenommen? c. Sind in den letzten 5 Jahren die Zinſen und Güterziele im All⸗ gemeinen regelmäßig bezahlt worden oder ſind bomerleneverthe Rückſtände bekannt? d. Welche Urſachen haben einen erkennenswerthen Einfluß auf die Ver⸗ ſchuldung z. B. das beſtehende Erbrecht oder die üblichen ehelichen Güter⸗ ſyſteme, unwirthſchaftlicher Ankauf von Grundſtücken zu hohen Preiſen, ungenügendes Betriebscapital, zu frühe Gründung eines eigenen Haus⸗ halts, Verſchwendung und nachläſſige Wirthſchaft, die Aufeinanderfolge ſchlechter Ernten u. ſ. w.? Wie ſchon im allgemeinen Theil nachgewieſen, gibt es in Mühlheim 735 Grund⸗ beſitzer bei 611 Haushaltungen und 333 Häuſern reſp. Hofraithen. Es ſind alſo 124 ledige Beſitzer und 278 Grundbeſitzer, welche einen Hausſtand haben, und bei den 333 Beſitzern zur Miethe wohnen, alſo Grundbeſitz ohne Hofraithen haben. Das ſind Verhältniſſe, welche die Fixirung des Schuldenſtandes in Mühlheim äußerſt erſchweren oder geradezu unmöglich machen. Von den Beſitzern unter 1 Lertit ünd hypothekariſch verſchuldek... 245 unverſchuldet.......159 — 402 Von den Beſitzern von 1—5 Hectar: von 1= 2 Hectar...... 15 „ 2 5„....... 12 unverſchuldet........ 256 — 283 zu übertragen.. 685 — 12— Uebertrag.. 685 Von den Beſitzern von 5—10 Hectar: verſchuldet......... 1. unberſchulder....... 48 — 49 Von den Beſitzern von 10—20 Hectar: verſchuldet..... 4 unverſchuldet........— — 1 Summa 735 Wie ſehr ſich Mühlheim von dem Dorfscharakter entfernt und die Eigenſchaften einer kleinen Stadt angenommen hat, beweiſt nachfolgende Zuſammenſtellung, welche auch maßgebend ſein dürfte für alle ſtarkbevölkerten Orte Heſſens: 1. 22 Beſitzer von 0,50—1 Hectar beſitzen zuſammen 156262 Quadratmeter im Werthe von 102700 Mk. mit 49090 Mk. Schulden. 2. 15 Beſitzer von 1—2 Hectar beſitzen zuſammen 221822 Quadratmeter im Werthe von 77633 Mk. mit 39445 Mk. Schulden. 3. 12 Beſitzer von 2—5 Hectar beſitzen zuſammen 376926 Quadratmeter im Werthe von 111930 Mk. mit 56231 Mk. Schulden. Darnach berechnet ſich der Quadratmeter zum Durchſchnittswerth von 16 Pf.: Grund⸗ Werth der Werth der und Bodenwerth: ſämmtlichen Hofraithen: einzelnen Hofraithe: 1. 15001,92 Mk. 87798,08 Mk. 3990,82 Mk. 2. 35491,52„ 43141,09„ 2876,09„ 3. 60308,16„ 51621,84„ 4301,82„ Oder es bewerthet ſich die Geſammtbeſitzung pro Hectar: 1. auf 6572 Mk. 2.„ 3500„ 3.„ 2900„ In einem Falle ſtellt ſich bei einem Beſitz von 5— 10 Hectar ohne Hofraithe der Taxwerth von 54405 Quadratmeter= 5570 Mk. oder pro Quadratmeter auf 10,23 Pf. In dem einzigen Beſitze von 10— 20 Hectar ſind 149723 Quadratmeter incl. Hofraithen auf 62605 Mk. bewerthet oder pro Quadratmeter 42 Pf.= 4200 Mk. pro Hectar. Zieht man nun den Durchſchnittswerth der Aecker mit 16 Pf. pro Quadrat⸗ meter und repartirt man den Reſt auf die zu dieſem Beſitz gehörigen zwei Hofraithen, ſo ſtellt ſich das Exempel wie folgt: Acker und Wieſen: Hofraithen: jede Hofraithe: 25955,68 Mk. 36649,32 Mk. 18324,66 Mk. Nimmt man den Häuſerwerth nach dem Durchſchnitt von ad 1—3, ſo ſtellt ſich derſelbe auf 3722,91 Mk. pro Haus reſp. Hofraithe. — 13— Hiernach ſtellt ſich der Geſammtwerth: 333 Häuſer reſp. Hofraithen...... 1239729 Mk. 400 Hectar Acker und Wieſen..... 640000„ Summe.. 1879729 Mk. Vergleicht man die Hypothekenſchulden mit dem ermittelten Grund und Boden⸗ werth wie folgt: Grund und Bodenwerth: Schulden: 1. 15001,92 Mk. 49090 Mk. 2. 35491,52„ 39445„ 3. 60308,16„ 56231„ ſo würde daraus eine vollſtändige Ueberſchuldung reſultiren, und eine ſo hohe Be⸗ leihung nicht zu verſtehen ſein, wenn der Darleiher in Folge des ſtädtiſchen Charakters des Ortes nicht den Hauptwerth auf die Gebäude legte. Nimmt man den Reingewinn aus dem feſtgeſtellten Gebäudekapital zu 4 pCt. den aus dem ermittelten Grund⸗ und Bodenkapital zu 2 pCt. an, ſo ſind zum Soll zu ſtellen: 4 Ct. von 1239729,— Mk.= 49589 Mk. oder pro Haus 148,93„ 2 pCt. von 640000,—„ 12800„ oder pro Hectar 32,—„ Es wohnen in Mühlheim von 611 Haushaltungen 278 zur Miethe und 124 ledige Grundbeſitzer, in Summa 402, dieſelben haben jeder 123,35 Mk. Miethe zu zahlen, um die Zinſen des in Mühlheim für Gebäude angelegten Kapitals zu ver⸗ zinſen. Es wird das der Wirklichkeit ſehr nahe kommen, und beweiſt erſtens, daß das Gebäudekapital in Mühlheim kein integrirender Theil des Landwirthſchaftsbe⸗ triebes mehr iſt, ſondern als ein für ſich beſonders rentirendes Object aufzufaſſen ſein wird. Zweitens, daß das Gebäudekapital ein gut rentirendes iſt, denn der Be⸗ ſitzer wohnt ſelbſt für Reparaturkoſten und die Gebäudeſteuer. Zur Zeit iſt die Hofraithe ein beſonderes Handelsobject mit beſonderem Hypo⸗ thekenfolio geworden, d. h. alſo, ein beſonderes Grundſtück. Die Schlußfolgerung hieraus wird in Frage X gezogen und des Weiteren erörtert werden. Nach dieſer Abſchweifung, welche dem Commiſſar bei den beſonderen Verhält⸗ niſſen Mühlheims nöthig erſchienen iſt, weil dieſe Verhältniſſe in vielen Orten Heſſens als typiſch gelten dürften und von großem nachtheiligem Einfluß auf die Vertheilung der Communalſteuern im Beſonderen ſich erweiſen, auf die Frage VIII zurückkehrend, ſtellt ſich die Verſchuldung der landwirthſchaftlichen in Betracht zu ziehenden 50 Grundbeſitzer, welche mehr als 5 Hectar beſitzen, als minimal heraus, denn von den⸗ ſelben ſind nur 2 verſchuldet, mit zuſammen 42974 Mk.— Alle ſtützen ſich auf Nebenbeſchäftigungen der verſchiedenſten Art. Ein Zurückgehen der Beſitzer im Vermögensſtande hat ſich nicht bemerkbar ge⸗ macht und haben ſich die Hypothekenſchulden in den letzten 10 Jahren nicht vermehrt. — 14— Zinſen und Güterziele werden im Allgemeinen pünktlich bezahlt, wenigſtens iſt dem Entgegenſtehendes dem Commiſſär nicht bekannt geworden. In einem Orte, wie Mühlheim, wo Nebenbeſchäftigungen aller Art als Haupt⸗ ſache, die Landwirthſchaft als Nebenſache, gelten, iſt wirthſchaftliches Emporkommen, und desgleichen Niedergang eine nothwendige Conſequenz der vielſeitigen Unterneh⸗ mungen der Bevölkerung, es muß aber hervorgehoben werden, daß Vermögensverfall, aus welchen Urſachen auch immer, zu den Seltenheiten gehören. Bei den größeren Beſitzern iſt es ſeit Langem nicht vorgekommen, was ja ſchon aus der geringen Ver⸗ ſchuldung derſelben hervorgeht. Frage IX. a. Wie geſtaltet ſich die Rentabilität des landwirthſchaftlich benutzten Bodens bei großen, mittleren und kleineren(eigenen oder gepachtetete Gütern? b. Wenn die Rentabilität als eine unbefriedigende erſcheint, ſind die Gründe zurückzuführen hauptſächlich auf 1. die Fruchtbarkeits⸗Verhältniſſe der Gemarkung, 2. die mangelhafte Melioration und die Zerſplitterung der Grundſtücke, 3. die im Verhältniß zur Ausnutzungsfähigkeit zu hohen Preiſe des Bodens, 4. einen mangelhaften landwirthſchaftlichen Betrieb, 5. ein zu großes Gebäudecapital, 6. ungünſtige Arbeiterverhältniſſe, 7. ungünſtige Abſatzverhältniſſe(ſchlechte Preiſe, unrationelle Einrichtungen für den Abſatz u. ſ. w.), 8. frühzeitiges Zurückziehen der Eltern und Belaſtung der Güter mit hohen Altentheilen und Leibrenten, 9. Beſondere unwirthſchaftliche Gewohnheiten der Landwirthe, z. B. zu ſtarke Pferdehaltung u. dgl., 10. hohe Steuern und Umlagen und ſonſtige dem Commiſſär bekannt gewordene Verhältniſſe? In den 2 Anlagen zur Beantwortung dieſer Frage iſt es verſucht worden, nach dem vorgeſchriebenen Muſter in möglichſt objectiver Weiſe feſtzuſtellen die Ren⸗ — 15— tabilität des landwirthſchaftlich benutzten Bodens, feſtzuſtellen ferner die landwirth⸗ ſchaftliche Betriebsweiſe in Mühlheim. Unter Hinweis auf die in der Muſter⸗Enquéte zu Frage IX gegebenen Deduc⸗ tionen glaubte der Commiſſär hier davon abſtehen zu können. Die als Muſter für den allgemeinen Rentabilitätsnachweis vom Commiſſär ge⸗ wählten zwei Güter ſind typiſch für den landwirthſchaftlichen Allgemeinbetrieb in Mühlheim. Das eine Gut iſt mit 50095 Mark bei rund 15 Hectar oder pro Hektar mit 3333 Mark, das Andere bei 4 Hectar mit 12624 Mark oder mit 3131 pro Hectar für die Geſammtheit des Unternehmens belaſtet. Wie der Kaufmann, der Gewerbetreibende, der Induſtrielle ſein geſammtes Vermögen zu Buch ſtellt, dann ſein Unternehmen mit dem allgemein gültigen Zinsfuß belaſtet und die Zinſen von ſeinem Gewinn nach vorheriger Verrechnung der General⸗ unkoſten ſeines Geſchäftes, ſeines Betriebes, ſeiner Fabrik, in Abzug bringt, ſo glaubte der Commiſſär es auch machen zu ſollen, um ein klares Bild von der Ren⸗ tabilität des Landwirthſchaftsbetriebes entrollen zu können in der ihm zugewieſenen Gemeinde Mühlheim im Speciellen, im Allgemeinen für den Landwirthſchaftsbetrieb überhaupt. Alſo: Zu Anlage I: Das Geſammtunternehmen iſt belaſtet mit 50000 Mk. in runder Summe. Es wird allſeitig behauptet, mehr als 3— 3 ½ pCt. kann man in der Landwirthſchaft mit ſeinem Gelde nicht machen. Nehmen wir 3 p„Ct., den niedrigſten Satz, ſo ſind für das Unternehmen zum Soll als Verzinſung für 50100 Mk. à 3 pCt. zu ſtellen....1530 Ml. Nach Abzug ſeiner Generalunkoſten verbleibt ein Ueberſchuß von. 311„ dem Unternehmer. Es verbleibt alſo ein Manco von...... 1219 Mk. d. h. um ſich ſelbſt, ſeine Arbeitskraft, ſeine Intelligenz verwerthen zu können, reſp. die ſeiner Angehörigen, in eigener Unternehmung, hat der Unternehmer auf das Er⸗ trägniß aus ſeinem Capital verzichten müſſen oder aber er hat es, um ſich aufrecht erhalten zu können, mit verlebt.— Ueberſteigen die Schulden, mit denen ſein Ge⸗ ſammtunternehmen belaſtet iſt, in ihrem Zinsbetrage ſeinen ihm verbleibenden Ueber⸗ ſchuß, ſo iſt er unrettbar dem Vermögensverfall anheimgegeben. Zu Anlage II: Das Geſammtunternehmen iſt belaſtet mit 12624 Mk., 12600 Mk. rund circa 3 pCt.= 378 Mk. zum Soll. In der Geldrechnung figurirt ein Ueberſchuß von 67,66 Mk., der aber nur entſtanden iſt, weil in derſelben 300 Mk. hereingebrachter Verdienſt der Tochter ein⸗ geſtellt ſind, während ſich die Leiſtungen für dieſelbe auf etwa 100 Mk. pro Jahr belaufen. Läßt man die 200 Mk. außer Rechnung, ſo verbleibt ein Plus von Einnahmen nicht mehr, ſondern dieſelben ſind um 143,34 Mk. kleiner als die Ausgaben. 2¹⁹ — 16— Es ſtellt ſich die Rechnung wie folgt: 3 pCt. Zinſen....... 378, Mk. Mehr Ausgaben als Einnahmen. 143,34„ Summa Verluſt.. 521,34 Mk. Deckte ſeine Tochter nicht einerſeits den Verluſt, andererſeits wäre er verſchuldet, ſo wäre auch dieſer Unternehmer, von dem im Uebrigen dasſelbe gilt wie ad 1, dem Ruin verfallen. Die Rentabilität des Landwirthſchaftsbetriebes iſt daher als abſolut ſchlecht zu bezeichnen. Welches ſind nun die Urſachen dieſer ſchlechten Rentabilität? 1. Durch das Emporſchnellen des Grund⸗ und Bodenpreiſes weit hinaus über den reellen Werth desſelben! Die Urſachen ſind in Folgendem zu ſuchen: Während in früheren Jahrzehnten die ſich als Ueberſchuß durch die Bevölke⸗ rungszunahme herausſtellenden Einwohner, welche aus ihrem Beſitz aus dieſem oder jenem Grunde verdrängt, zur Auswanderung ſich gezwungen ſahen, weil ſie auf ihrem ihnen durch Erbſchaft zugefallenen Beſitz ſich ohne Nebenverdienſt nicht ernähren konnten, fingen die Ortſchaften an, als durch das Emporblühen der Induſtrie in Heſſen ſich Nebenverdienſte aller Art fanden, ihren Ueberſchuß zu behalten. Während vordem die Größe und Zahl der Beſitzungen ſich gleich blieb, weil die Abziehenden ihre Ländereien billig abgaben, nahm nun mit dem Aufhören der Auswanderung die Verparcellirung des Beſitzes rapide zu. Ledige Perſonen, welche bei der Vertheilung der Nachlaſſenſchaften nur Ländereien erbten— in Mühlheim ſind zur Zeit deren 124— ſuchten Auswärts Verdienſt und bauten ſich dann bei Gründung ihres Haus⸗ ſtandes von dem Erſparten eine Hofraithe. Andere, mit baar Geld abgefunden, oder mit Erſparniſſen von Außen zurückkehrend, bauten oder kauften zuerſt eine ſolche, und begannen dann eine Parcelle nach der anderen anzukaufen. So häufte ſich mit dem Wachſen der Bevölkerung und mit der Mehrung der auswärtigen Arbeitsgelegenheiten die Zahl derer, welche ſich anſäſſig machen wollten, eventuell welche Grundbeſitz zu erwerben ſuchten. Dazu kamen die hohen Getreidepreiſe in den fünfziger und An⸗ fangs der ſechziger Jahre. Das Steigen des Grund⸗ und Bodenpreiſes datirt that⸗ ſächlich aus der Zeit des Beginns der Induſtrie und des Eiſenbahnbaues. Bei der Gepflogenheit, die Hofraithe einem der Kinder zu einem beſtimmten Preiſe, dagegen die Ländereien in Natura an alle Kinder vertheilt, zu vererben, wurden, ſo weit ſich durch Verheirathungen nicht wieder Conſolidationen vollzogen, immer mehr landwirthſchaftliches Anweſen in immer kleinerem Umfange geſchaffen. Je mehr der Grundbeſitz zerſplitterte, je kleiner die Parcellen wurden, je mehr alſo ſich Gelegenheit bot, Grundbeſitzer zu Anfang auf ſo kleinen Ackerſtücken zu werden, je mehr wuchs die Zahl der Concurrenten auf ſolche. Das Ausbieten der Aecker auf Ziele, wodurch dem in ſicherem Verdienſt ſtehenden Handwerker und Arbeiter Gelegen⸗ heit geboten wurde, kleine Erſparniſſe ſofort zur Abzahlung von Zielen zu verwenden, — 17— leiſtete dieſer Vermehrung der Concurrenz Vorſchub. Die menſchlichen Leidenſchaften, Ehrgeiz bei dem einen, Neid gegen den anderen, das Trumpfen auf den eigenen Reich⸗ thum bei den größeren, leiſteten dem Steigen der Güterpreiſe auch ſchon um deſſent⸗ willen Vorſchub, als die Güter auf den Ortsgerichten auf Ziele allerarten öffentlich verſteigert wurden und noch werden. So hat der Grund und Boden in unſerem Lande, und überall da, wo die Induſtrie in Beziehung zur Landbevölkerung getreten und eine große Dichtigkeit der Bevölkerung auf dem Lande ſtatthat, einen Affections⸗ werth angenommen. Ein Gleiches gilt von den ein beſonderes Handelsobject bildenden Hofraithen. Das in dieſelben zu ſteckende Capital ſteht in den allermeiſten Fällen in keinem Verhältniſſe zu dem Umfange der Ländereien und ihrer Ertragsfähigkeit. Eine treffende Illuſtration geben wiederum die in Anlage I und II angegebenen Werthe der Hofraithen: In I ſind die Ländereien bewerthet mit..... 26000 Mk. „„„„ Hofraithen„„.... 16890„ „ II„„ Ländereien„„..... 6400„ 1 1/ u,„ Hofraithen 2.. 4000 7 In beiden Fällen ſteht der eine zum anderen außer allem Verhältniß, je kleiner der Beſitz, je ungünſtiger die Geſtaltung beider zu einander, wie in Frage VIII nach⸗ gewieſen iſt. Das Verhältniß der einzelnen Betriebscapitalien zum Grundcapital ſtellt ſich wie folgt: Größeres Gut. Das Gebäudecapital beträgt...... 60 pCt. vom Grundeapital Das Inventarcapital(todt und lebend) beträgt 20„„„ Das umlaufende Betriebscapital beträgt.. 5„„„ Kleineres Gut. Das Gebäudecapital beträgt...... 60„„„ Das Inventarcapital(todt und lebend) beträgt 20„„„ Das umlaufende Betriebscapital beträgt.. 8„ Wenn nun der Commiſſär in logiſcher Reihenfolge die Momente aufzählt, welche die Rentabilität nach einander ungünſtig beeinfluſſen, ſo muß er in erſter Linie anführen, daß die Grundurſache des ganzen Uebels in der Theilbarkeit des Grundbeſitzes beſtanden, und in der Gewohnheit unſerer Bauern, ihre Aecker an ihre Kinder gleich zu vertheilen. Alſo: 1. Zerſplitterung des Beſitzes. 2. Zu hohe Preiſe für Grund und Boden. 3. Geſpann⸗ und Handarbeits⸗Verſchleuderung aller Orten und Enden durch die Zerſplitterung. 4. Die Gepflogenheit, die Hofraithe, das Haus im Orte, nicht als integrirenden Theil des Grundbeſitzes zu betrachten, ſondern gleich in den Städten als beſonderes Handelsobject. — 18— 5. Die Fruchtbarkeitsverhältniſſe nur in ſofern, als ſie nicht im Verhältniſſe ſtehen zur Größe der Anweſen und zum Erwerbspreiſe; denn je geringer die Frucht⸗ barkeit, je größer müſſen die zur Ernährung einer Familie gehörigen wirthſchaftlichen Einheiten ſein, und je verhältnißmäßig billiger der Erwerbspreis. 6. Die Belaſtung mit Steuern und Umlagen ſteht außer allem Verhältniß zu den heutigen landwirthſchaftlichen Erträgniſſen, beſonders aber ſteht der Grundſteuerreiner⸗ trag mit 12247,06 Mk. nicht im richtigen Verhältniß zum Gebäudeſteuernutzungswerth von 10933,71 Mk. Der Werth der ſteuerpflichtigen Gebäude in Mühlheim überſteigt den Grund⸗ und Bodenwerth um mindeſtens das Doppelte, wie ſchon in Frage VIII nachgewieſen. Frage X. Zu welchen Schlußbetrachtungen gelangt die Commiſſion auf Grund ihrer Erhebungen über die Geſammtlage der landw. Bevölkerung der Gemeinde, bezw. von welchen Verhältniſſen oder Maßnahmen glaubt ſie eine Beſſerung der wirthſchaftlichen Lage erwarten zu dürfen? Die Gemeinde Mühlheim ſtellt ſich als vollſtändig von bäuerlichen in ſtädtiſche Verhältniſſe übergegangene dar; ſie iſt typiſch für alle in der Nähe großer Städte gelegene Orte, deren Bevölkerung ihren Haupterwerb in dieſen Städten ſucht, und der Landwirthſchaftsbetrieb erſcheint nur noch als eine Stütze zur Conſolidation des auswärts erlangten Erwerbes. Wenn auch der Commiſſär aus den eben angeführten Geſichtspunkten für ſolche Orte eine allgemeine Zuſammenlegung der Grundſtücke einer wirthſchaftlichen Einheit nicht glaubt befürworten zu können— um den Ankauf nicht allzuſehr zu erſchweren— ſo iſt doch der Erlaß eines Geſetzes über die Zu⸗ ſammenlegung der Grundſtücke innerhalb der Gewanne dringend geboten. Der wei⸗ teren Parcellirung des landwirthſchaftlich benutzten Bodens und nach der Conſoli⸗ dation, der zuſammengelegten Flächen, müßte auf geſetzlichem Wege Einhalt gethan werden, um ſo die Preisbildung allmälig wieder in dem Werth entſprechende Bahnen zu lenken und die Bildung eines geſpannfähigen und damit präſtationsfähigeren Be⸗ ſitzerſtandes zu ermöglichen. Das Realcreditverhältniß liegt in Heſſen mangels einer Bauernlandſchaft event. Landescreditkaſſe noch ſehr im Argen, und es erſcheint dem Commiſſär dringend ge⸗ boten, daß auf dieſem Gebiete bald Wandel geſchaffen werde, nicht etwa, um dem Bauern das Schuldenmachen zu erleichtern, ſondern um der Landbevölkerung bei Auszahlung der Erbportionen, bei eintretenden Kündigungen von Privatcapitalien, Gelegenheit zu geben, amortifirbare unkündbare Darlehen zu geringem Zinsfuß auf⸗ nehmen zu können. Durch die Einführung der Capitalrentenſteuer iſt die Grund⸗ und Gebäudeſteuer in Heſſen um etwas ermäßigt. Da dieſe Steuern in ihrer Geſammtheit quotiſirt erſcheinen(Grund⸗, Gebäude⸗, Einkommen⸗, Gewerbe⸗ und Capitalrenten⸗Steuer), glaubt der Commiſſär im Intereſſe einer gerechteren Vertheilung der Communal⸗ laſten in den ſtädtiſchen Charakter habenden Orten Folgendes befürworten zu ſollen: — 19— In den Orten mit ſtädtiſchem Charakter iſt eine Neueinſchätzung des Gebäude⸗ ſteuernutzungswerthes der ſteuerpflichtigen Gebäude vorzunehmen, und um ſo viel, als das Gebäudeſteuercapital ſteigt, das Grundſteuercapital herunterzuſetzen. Bei der Steuereinziehung ſind Grund⸗ und Gebändeſteuer beſonders auszuſchlagen und ſind die Communallaſten fortan nach Grund⸗, Gebäude⸗, Einkommen⸗, Gewerbe⸗ und Capitalrenten⸗Steuer gleichmäßig pro Mark gezahlter Steuer zu repartiren. Hier⸗ durch wird eine nicht unweſentliche Entlaſtung der Grundbeſitzer eintreten und der etwas ſtärker herangezogene Hausbeſitzer wird durch ſeine Miethpreiſe mit leichter Mühe das Mehr ſeiner Steuern auf denjenigen Theil der Bevölkerung abwälzen, der bei der Steuerbeitreibung ſich gewöhnlich als ſchlechter Steuerzahler herausſtellt. Auf dieſe Weiſe wird er wenigſtens indirect zum Beitrag für Staat und Gemeinde herangezogen. Zum Schluſſe ſei hier noch angeführt, daß in Mühlheim beträgt: die Grund⸗ und Gebäudeſteuer...... 6,48 Ml. die Communalſteuer nach Grund⸗ und Gebäudeſteuer ausgeſchlagen 7,64„ Summa. 14,12 Mk. pro Hectar der landwirthſchaftlich benutzten Fläche. Die Staatsſteuer beträgt in 188e in Summa..... 13947 Ml. Die Communalſteuer........19363„ Summa. 29310 Mk. Das macht pro Kopf der Bevölkerung 11,97 Mk., pro Haushalt 48 Mk., pro Hectar der landwirthſchaftlich benutzten Fläche 53 Mk. Wäre alſo die Bevölkerung Mühlheims nur auf den Landbau angewieſen, ſo wäre ſie nicht im Stande, den oben angeführten Steuerbetrag von 14,12 Mk. pro Hectar zu zahlen, ohne in abſehbarer Zeit zu verarmen. Zur heutigen Schlußverhandlung hatten ſich eingefunden, Geheimerath Dr. Jaup von Darmſtadt, Kreisrath Hallwachs von Offenbach, Kreisausſchußmitglied Knipp von Offenbach, Bürgermeiſter Büttner von Mühlheim und zwei Mitglieder des Ortsgerichts. Nachdem der Commiſſär die Reſultate der von ihm in Mühlheim abgehaltenen Enquete verleſen, erklärte die Commiſſion ſich mit dem Inhalte derſelben einver⸗ ſtanden und bemerkte zu den in Frage X vom Commiſſär gemachten Vorſchlägen wie folgt: Zu dem Vorſchlage, den Erlaß eines Conſolidationsgeſetzes betreffend, ſchlägt die Commiſſion vor, daß in dem qu. Geſetz vorzuſehen ſein möchte:„Die Theilbar⸗ keit der Parcellen unter 10 Ar iſt verboten.“— Die Commiſſion glaubt ſich auch dahin äußern zu ſollen, daß ſie eine Conſolidation in Mühlheim für beſonders ſchwierig halte. Zu dem ferneren Vorſchlage des Commiſſärs, daß im Intereſſe der gerechteren Vertheilung der Communallaſten Grund⸗ und Gebäudeſteuer beſonders auszuſchlagen und letztere im Verhältniß zum Gebäudeſteuernutzungswerth zu ſetzen und um die — 20— etwaige Erhöhung die Grundſteuer herunterzuſetzen ſei, nimmt die Commiſſion von dieſem Vorſchlag mit Intereſſe Act, kann ſich aber darüber, ob dieſer Vorſchlag im Allgemeinen ausführbar ſei, nicht ſchlüſſig machen. Mühlheim a. M., den 24. Januar 1886. Jaup, Geheimerath. C. Lucke. — Anlage I. Gemeinde Mühlheim. Beſitzſtand, Natural⸗ und Geld⸗Rechnung und Rentabilitäts⸗Berechnung eines größeren Bauerngutes von 14,97 Hectar Beſitzer des Gutes ſind drei Brüder und eine Schweſter. Ein Bruder iſt ver⸗ heirathet. Die Arbeitskraft dieſer fünf Perſonen vertheilt ſich neben dem Landwirth⸗ ſchaftsbetrieb noch auf den Handel mit Specereiwaaren, den Milchhandel und auf Führung eines bezahlten Gemeindeamts. Es werden noch ein Knecht, ein Schweizer und eine Dienſtmagd gehalten. I. Beſitzſtand. A. Grund und Boden mit Obſtbäumen. 13,15 Hectar Ackerland/ mittlerer Kaufwerth: Steuercapital incl. Gebäude: 1,82„ Wieſen 26000 Mk. 284,8 fl. äin 135 Parcellen.) 937 Obſtbäume: 5 Apfelbäume(abſtändig) à Mk. 5..... Mk. 25 60 junge Aepfelbäume à Mk. 1.25.....„ 75 Summe.. Mk. 100 Wiederholung. Grund und Boden......... Mk. 26000 Obſtbäume.....:.......„ 100 —/YNꝑͤMMk. 26100 B. Gebände. Zwei Hofraithen, je aus Wohnhaus, Stallung, Lhener und Schoppen beſtehend, laut Brandcataſter.....„ 16890 C. Viehſtand. 2 Pferde(9 und 5 Jahre alt)...... Mk. 1000 1 Fohlen(1 ½ Jahr alt).....„ 200 zu übertragen.. Mk. 1200 Mk. 42990 — 292— Uebertrag.. Mk. 1200 Mk. 42990 8 Aühe 5. Mk. 250.......„ 2000 1 Rind........„ 200 1 Kalb(6 Monate alt).......„ 60 3 Maſiſchweine...........„ 180 30 Hühner........„ 30 — 3670 II D. Todtes Inventar. 9 Wagen... Mk. 200 2 Milchwägelchen zum dr ücken„ 200 3 Pflüge...„ 80 2 Eggen„ 60 3 Pferdegeſchirre.....„ 50 1 Häckſelmaſchine.........„ 20 1 Getreide⸗Windfege.........„ 25 Handgeräthe incl. Säcke....„ 100 Hausrath, Kücheneinrichtung und Milchgeſchirr.„ 200 —„ 935 E. Vorrath an umlaufendem Betriebscapital Vorräthe an Saatgut, Futterſtoffen, Victualien ꝛc.....„ 1000 Werth des geſammten Beſitzes.. Mk. 48595 Inventar der engeren Familienwohnung(Mobiliar incl. Betten, Bettwäſche ꝛc.) circa Mk. 1500. II. Natural-Rechnung. A. Natural⸗Ertrag. Aus dem Acker⸗ und Wieſenbau. Die Bewirthſchaftung iſt der Hauptſache nach die zweifeldrige, d. h. Korn und Kartoffeln, im ſchweren Felde wird Luzerne, Klee, Wicken ꝛc. zu Grünfutter für das Vieh angebaut, auch etwas Weizen und Hafer, letzterer ſo viel als für die Pferde zum Futter reicht. Der Anbau der Früchte und der Natural⸗Ertrag derſelben ſtellen ſich hiernach durchſchnittlich ungefähr wie folgt: Jeb. Getreide 85 3 1.. „ 8,8—— — ES=- Anbanu S (SſS5[23S28[285 6 G[ 6 55 Centner. Weizen. 1,60 Hectar 55 70 Roggen... 4,00„ 80 160 Gerſte...... 4,25„ 6 9 Hafer..... 2. 9 1,40„ 42 60 Wickfutter...., 20 0,50„——— Kartoffeln.. Aen 4440 3,000„——(600 Dickwurz Giüben) 1,60„——[— 1000 Wieſen.... 1,82„————— 180 Obſt..„=110 Luzerne, Rothklee zc. grün verfüttert.. 930 Bexfa—-————— Der Durchſchmittsertrng der chin ſich annähernd p pro Morgen wie folgt: bei Weizen auf 9 Ctr. Körner, 15 Ctr. Stroh(beſter Boden), 2 Roggen 7 5 1 1 10 1 1 1 Gerſte 1 6 11 2 9 11 7 1 Hafer 11 7 11 1 10 7 11 „ Kartoffeln„ 50„ Knollen, „ Dickwurz„ 160„ Rüben, „ Klee„ 40„ Heuwerth, „ Wieſen„ 25„Heu und Grummet. Aus dem Viehſtand. Es wird Milchwirthſchaft der Art betrieben, daß nur diejenigen Kühe fett gemacht werden und an den Metzger gehen, welche nicht wieder trächtig werden oder zu alt ſind. Dadurch decken im Durchſchnitt die Kälber, welche geboren werden, etwaigen Ausfall bei dem Wiederankauf friſchmilchender Kühe. Es wird gut gefüttert mit Trebern, Kleien, Saatkuchen, zuzüglich der in der Wirthſchaft producirten Futter⸗ ſtoffe. Fehlendes Heu und Stroh wird angekauft. Ein Durchſchnittserträgniß von 6 Liter pro Kuh und Tag erſchien deshalb nicht zu hoch. Alſo: 2190 Liter pro Kuh und Jahr, 8 ✕ 2190= 17520 Liter Jahresertrag. Fette Schweine werden nicht abgeſetzt und Schweinezucht nicht betrieben. Es werden von den Hühnern etwa 1500 Eier gelegt, und jährlich einige Hühner, welche abgängig, verkauft und etwa 1000 Stück Eier. B. Natural⸗Bedarf. Für Saatgut. BWeizen....... 5 Ctr. 60 Pfd. Korn.......... 16„—„ Gerſte 1 Ctr. 50 Pfd. Hafer.......... 4„ 20„ Kartoffeln..... 75„—„ Rüben, anzukaufen.......„ 6„ Klee, 5,—„ 10„ Für den Viehſtand. Hafer, für die Pferde...... 36 Ctr.— Pfd. Gerſte, für das Geflügel..... 4.„ 50.„ Kartoffeln, für die Pferde..... 60„—„ „„ das Nindhieh... 100„„ „„ die Schweine. 100„„ Dickwurz(Rüben), für das Rindvieh 1000„—„ Klee, wird grün gefüttert, Stroh, wird für den Viehſtand gebraucht und zugekauft ca........ 30„=„ Heu und Grummet, wird verfüttert, und werden durchſchnittlich Heu zugekauft 60„„ Kleie, die von eigenem Mahlgut verfüg⸗ bar werdende wird an die Maſtſchweine verfüttert mit etwa...... 10„ P„ An die Kühe werden folgende zugekaufte Futtermittel als Kraftfutter gegeben: 18 Gebräu Treber à Mk. 244.. Mk. 432 100 Ctr. Kleie à Mk. 5...„ 500 42„ Kuchen à Mk....„ 84 Mk. 1016 Düngerkoſten⸗Berechnung. Es iſt hier bei der Muſter⸗Enquéte Meſſ el eine Düngerberechnung in ganz allgemeinen Zahlen und ſind ebenſo die Koſten der Erzeugung desſelben ganz allgemein berechnet. Zu beſſerem Verſtändniß will der Commiſſär für Mühlheim hier verſuchen, dieſe Berechnung genauer zu präciſiren, unter Weglaſſung der Koſtenberech⸗ nung der Ernährung der Pferde, da dieſen die Arbeitsleiſtungen derſelben gegenüber⸗ zuſtellen ſind.— Eine abſolute Genauigkeit wird jedoch nicht für die gefundenen Zahlen beanſprucht. Der Werth der Milch in Mühlheim an Ort und Stelle beträgt pro Liter 13 Pf. Es werden 17520 Liter gemolken: Der Werth der 17520 Liter 13 Pf.=...... Mk. 2277,60 An die Kühe iſt verfüttert: An Kraftfutter.......... Mt. 1016 190 Ctr. Heu à Mk. 3.......„ 570 zu übertragen.. Mk. 1586 Mk. 2277,60 — 25— Uebertrag.. Mk. 1586 Mk. 2277,60 100 Ctr. Kartoffeln à Mk. 1......„ 100 1000„ Rüben à 50 Pf...„ 500 1,30 Hectar Grünfutter à 120 Ctr. deuwerm à Mr. 3....„ 480 280 Etr. Stroh à Mk. 1.......„ 280 Wartung und Pflege(1 Schweizer)....„ 400 —— ¶ĩw, 3346,— Koſten des Düngers. Mk. 1078,60 Die Kühe ſind pro Kopf mit 250 Ctr. Dung pro Jahr zu rechnen. 8 250 Ctr. Dünger= 2000 Ctr. koſten Mk. 1078,40 oder pro Centner 53,6 Pf. Wird Pferde⸗ und Schweinemiſt mit circa 400 Ctr. noch dazu gerechnet, dann wird die Production von Dung ſcheinbar billiger, die Rechnung aber auch um ſo unzu⸗ verläſſiger. Für die Familie (inel. der Dienſtboten und Fün iſe Maldüen während 90 Tage). Roggen.....3. 36 Ctr. Weizen............... 32„ Kartoffeln............... 80„ Fleiſch.... 1016 Pfd. (davon 600 Pfd. Schweinefleiſch eigener Pro⸗ duction, 416 Pfd. Rindfleiſch und 260 Pfd. Wurſt werde ziae anſl) Butter....... 1850„ Kaffee und Cichprie....... 104„ Zucker............ 95„ Salz..... 200„ Milch ſtheilweiſe abgerahmt).. 2880 Lilter Obſtmoſt und Bier für Mk. 300 Eier..... 500 Stück Käſe, Latwerge, Gemüſe wird ſoviel als ſelbſtproducirt auch conſumirt. Die verbrauchten Nahrungsmittel berechnen ſich hiernach pro Kopf und Tag auf circa: 1160 Gramm Getreide, 1400„ Kartoffeln, 220„ S Fleiſch, 27„ BMButter, 18„ Kafſſee, 5 Zucker, 1 Liter Miſch. — 26— Die ganze Lebensweiſe mit dem Geſinde, welches am Tiſche der Familie ißt, kann als analog derjenigen bezeichnet werden, welche des Näheren bei Meſſel geſchildert iſt, nur treten an Stelle des Brodes beim erſten Frühſtück und Nachmittagsbrod Brödchen ſtatt Brod, weshalb auch ein ſo großes Quantum Weizen als con⸗ ſumirt zur Berechnung gezogen werden mußte. Es wird auskömmlich gelebt und ſind die Genußmittel, Bier und Obſtmoſt, den Familiengliedern ſogar als reichlich zuge⸗ meſſen zu betrachten. Der Werth der vom Landwirthſchaftsbetriebe erzeugten und von der Familie conſumirten Nahrungsmittel beträgt circa Mk. 1600 oder pro Tag Mk. 4,40 und pro Kopf und Tag 55 Pf. III. Geld-Rechnung. A. Einnahmen. 17 Ctr. 40 Pfd. Weizen à Mk. 9........ Ml. 159,50 38„ Korn 2 Mk. 7,50..........„ 285,— 185„ Wartoffeln 2 Wr. 1,50....„ 277,50 14600 Liter Milch, in Offenbach abgeſetzt zu 20 Pf....„ 2920,— 10 Ctr. Obſt à Mk. 3............„ 30,— 1000 Stück Eier à 7 Pf. und 8—9 Hühner zuſammen..„ 79,— Miethen aus dem zweiten Wohnhauſe....„ 110,— Deputat⸗Holz und aus eigenem Walde........„ 100,— Ladenmiethe des Specereigeſchäftes..........„ 100,— Fuhrlöhne für Eis aec.............„ 120,— Vergütung für Koſt und Logis des als Gemeindebeamten an⸗ geſtellten Familiengliedes............„ 360,— Summe. Mk. 4541,— B. Ausgaben. Steuern und Umlagen: Grund⸗ und Gebäudeſteuer....... Mk. 75,— Gemeinde⸗Umlagen hierauf.......„ 90,— Staats⸗Einkommenſteuer........„ 39, 2 Gemeinde⸗Einkommenſteuer.......„ 45,— Tilgungslente..........„ 62,48 „ 312,20 Taglöhne und Geſindelohn: 90 Tage inel. Koſt à Mk. 1...... Mk. 90,— 90 2 2 7 60 Pf. 2 54, 3 Dienſtboten Aà Mk. 150......„ 450,— d94 Unterhaltung der Gebäude: 6 Wirkliche Ausgabe...............„ 200,— zu übertragen.. Mk. 1106,20 Unterhaltung des todten Inventars: Wirkliche Ausgabe: dem Wagner. dem Schmied. dem Sattler. für Hausrath und Handgeräthe. Inventar der Familienwohnung: Wirkliche Unterhaltungskoſten Verſicherungsprämie: Wirkliche Ausgabe: für Gebäude... für Mobiliar und Einſchnitt für Hagelſchaden. Pferde⸗Remonte: Uebertrag Pferde werden ſelbſt gezogen, als vüitlinhe. baare Ansahe iſt anzuſetzen... Zukauf von Kraftfutter ꝛc.: 18 Gebräu Treber à Mk. 24. 100 Ctr. Kleien à Mk. 5.. 12„ Saatkuchen à Mk. 7. 60„ Heu à Mk. 3. 30„ Stroh à Mk. 2 Heizung und Beleuchtung: Holz und Kohlen Beleuchtung. Zukauf von Nahrungsmitteln: 416 Pfd. Fleiſch à 60 Pf.. 260„ Wurſt à 50 Pf. 104„ Kaffee und Surrulut 25„ Zucker. Obſtmoſt und Bier. Bekleidung Arzt und Apotheke. Thierarzt.... Verſchiedenes(Insgemein) Summe 432. 500,— 84,— 180,— 60,— Mk. 1106,20 72 2 2 2 fI 2 136,— 30,— 125, 320,— Mr. 4230,— — 28— Vergleichung der Geld⸗Einnahmen und Geld⸗Ausgaben. Die Einnahmen betrugen..... Mk. 4541,— Die Ausgaben betrugen.....„ 4230,— Ueberſchuß. Mk. 311,— IV. Rentabilitäts-Verechnung. A. Rohertrag Baarer Wirthſchaftserlös.......O.... Mk. 4541,— Werth der aus der Wirthſchaft für die Familie entnommenen Producte....59.„ 1600,— Summe„ Ml. 6141,— B. Productionskoſten. 1. Gebäudecapital: Zinſen von Mk. 16890 à 4 pCt.... Mk. 436,— Verſicherungsprämie........„ 20,17 Abnutzung(Amortiſation)......„ 12 7,50 Juſtandhaltung.........„ 200,— Mk. 783,67 2. Capital des lebenden und todten Inventars: Zinſen von Mk. 4600 à 4 pGCt.... Mk. 184,— Pferderemonte.........„ 60,— Verſicherungsprämie........„ 23,10 —„ 267,10 3. Erneuerung und Inſtandhaltung des todten Inventars..„ 186, 4. Zinſen des umlaufenden Betriebscapitals. Dasſelbe betrug 50 pCt. der jährlichen baaren Ausgaben= Mk. 2100 à 6 pCt.„ 126,— 5. Hagelverſicherungsprämie..........„ 18,— 6. Steuern und Umlagen(excl. Tilgungsrente und Perſonalſteuern)„ 165,— 7. Kraftfutter........ hf.. 1 G19 1256,— 8. Heizung und Beleuchtung, 25 pCt. der Geſammtausgabe„ 80,— 9. Thierarzt...........„ 5,— 10. Löhne: Taglöhner: 1 Mann und 1 Frau 90 Tage à Mk. 1,60 und Koſt à 70 Pf. pro Kopf, alſo 90 Tage 4 M. 3..... Ml. 270,— Geſinde: 2 Knechte und 1 Magd inel. Koſt.„ 1200,— Lohn für 2 erwachſene Perſonen der Familien mit täglich 80 Pf., da dieſelben auch in den zu übertragen.. Mk. 1470,— Mk. 2816,77 — Uebertrag. Mk. 1470,— Mk. 2816,77 Nebenbeſchäftigungen Verwendung ihrer Ar⸗ beitskraft finden= 600 Tage à 80, Pf..„ 480,— Lohn für 2 erwachſene Perſonen(incl. Fahrkoſten der einen nach Offenbach behufs Verkaufs der Milch), welche gänzlich in der Landwirthſchaft beſchäftigt ſind mit Mk. 2 pro Tag, 600 Tage à M. 3.....„ 1200,— „ 3235,— Summe.. Mk. 5986,77 C. Reinertrag. Der Rohertrag betrug........ Mk. 6141,— Die Productionskoſten betragen.....„ 5986,— Bleibt Mk. 155,— Hierzu der Durchſchnittswerth der Wohnung, laut Nachweis in Frage VIII, mit rund.„ 145,— Bleibt Reinertrag.. Mk. 300,— Das Grundcapital beträgt Mk. 26000, mithin beträgt die Verzinſung desſelben Anlage II. Gemeinde Mühlheim. Beſitzſtand, Natural⸗ und Geld⸗Rechnung und Rentabilitäts⸗Berechnung eines kleineren Bauerngutes von 4 Hectar. Der Beſitzer iſt verheirathet, 48 Jahre alt, hat 7 Kinder, davon 2 erwachſene Töchter, von welchen eine in die Fabrik geht, eine als Hülfe in der Wirthſchaft thätig iſt. Die Familie ſtellt demnach 3 Perſonen zur Arbeit in der Wirthſchaft. Die in der Fabrik arbeitende Tochter gibt ihren ganzen Erwerb den Eltern, wofür derſelben Unterhaltung und Bekleidung gewährt wird. I. Beſitzſtand. A. Grund und Boden mit Obſtbäumen(Grundcapital). 3,50 Hectar Ackerland mittlerer Kaufwerth: Steuercapital incl. Gebäude: 0,50„ Wieſen 6400 Mk. 38,5 fl. (in 29 Parcellen.) Obſtbäume: Sind nicht vorhanden. Wiederholung. Grund und Boden............ Mk. 6400 B. Gebäude. Eine Hofraithe, beſtehend aus Wohnhaus, Stallung, Scheuer, laut Prandkataſter......„ 4000 zu übertragen.. Mk. 10400 — 31— 8 Uebertrag.. Mk. 10400 C. Viehſtand. 3 Kühe, werden ganz mäßig ene pnmt,.. Nk. 900 2 Scheine.......(. 9 60 14 Stück Hühner.........„ 14 — 974 D. Tadteß Subentar, 1 Wagen. 5. Mk. 190 1 Pflug und 1 Egge........ b. n, 30 1 Paar Fahrgeſchirre für Kih... d. 0, 10 1 Häckſelbank.... afll, 10 Handgeräthe incl. Säcke........„ 50 Hausrath inel. Kochgeſchirr......„ 50 —„ 250 E. Vorrath an umlaufendem Heiriebzenpitnt ſiehe Rentabilitätsberechnung.... e. 500 Werth des geſammten Beſites.. Nt. 12124 Inventar der engeren Familienwohnung Mk. 500. II. Natural-Rechnung. A. Natural⸗Ertrag. Aus dem Acker⸗ und Wieſenbau. Die Bewirthſchaftung iſt der Hauptſache nach zweifelderig, alſo Kartoffeln und Korn. Einige beſſere Aecker tragen Dickwurz, Gerſte, Klee. Die Felder des Be⸗ treffenden ſind in einem guten Culturzuſtande, doch iſt der Boden derſelben leicht und ſchätzt der Beſitzer ſeine Felder gegen den ermittelten Durchſchnittskaufpreis auf nur 30 00 Mk. Der Anbau der Früchte und der Natural⸗Ertrag derſelben ſtellen ſich hiernach durchſchnittlich ungefähr wie folgt: de re Je 7, G⸗ Getreide 3 5 2 22 †. 9,1 B 8 88 3 8 S . An ba nlle SS 1a Sſs ſäslssläs 5 Centner. 0„* ½ 3 fex Korn......... 1,50 ⸗Hectar] 24 60 4 kae s Kartoffeln....... 1,50⸗„——(300 „R. Dickwirz........ 0,20„——— 150 e C Gerſt ö 940.„ 4 4 25 Cc........ 9,„——— Wieſen. 1,50„———- I=— 1= 50 3¹⁹ — 32— Der Durchſchnittsertrag berechnet ſich annähernd pro Morgen wie folgt: bei Korn auf 4 Ctr. Körner, 10 Ctr. Stroh, 1 Gerſte 1 6 1 1 10 1 1„ „ Kartoffeln„ 50„ Knollen, „ Rüben„ 160„ Rüben, „ Klee„ 40„ Heuwerth, „ Wieſen„ 25„ Heu und Grummet. Aus dem Viehſtand. Milch. Durchſchnittlich werden von den ſehr gut gehaltenen und richtig er⸗ nährten Kühen bei mäßiger Anſpannung 6 Liter Milch pro Kuh und Tag gemolken. Alſo pro Kuh und Jahr 2190 Liter oder von 3 Kühen in Summa 6570 Liter. b Rindvieh. Die Kühe kommen zu bis ſie das Alter, in welchem ein Abſatz noth⸗ wendig wird, erreicht haben, dann werden ſie fett verkauft, zu dem Erlös der Kälber werden noch jährlich baar Mk. 30 zugeſetzt und damit die Differenz zwiſchen Ein⸗ und Verkauf gedeckt. Geflügel. Durchſchnittlich werden 500 Eier verkauft. B. Natural⸗Bedarf. Für Saatgut. Korn 1,50 Hectar.. 6 Ctr.— Pfd. Gerſte 0,10„ P 30„ Kartoffeln 1,50„.... 40„„ Rüben 0,50„ incl. Stopbelr.„ 8„ Klee 0,20„„.., 8„ Für den Viehſtand. Gerſte........... 1„ 70„ Kartoffeln......... 100„—„ Dickwurz und Stoppelrüben.... 150„ ⸗ Klee, wird grün gefüttert..... 20„„ Wieſenheu und Grummet, 50 Ctr. zuge⸗ lauft reſp. erpachtet...... 100„„ Stroh........... 64„„ Laubſtrer. 40„—„ qAleie.. 91„„ Der Werth der für den Viehſtand verwendeten Producte beträgt in runder Summe annähernd.............. Mk. 1140 Der Werth der erzielten Producte berechnet ſich im Ganzen in runder Summe annähernd auf. ö. 940 Demnach würden zu decken ſein durch den Stallmiſt..... Mk. 200 2 — 33— Die geſammte Production von Dünger dürfte auf 750 Centner zu ſchätzen ſein, mithin koſtet der Dünger, zum großen Theil allerdings mit Waldſtreu durch⸗ mengt= 26,6 Pfennig, excl. Verpflegungskoſten des Viehes und der Capitalzinſen des lebenden Inventars. Für die Familie: Roggen, 6 Ctr. zugelauft.........224 Ctr. Weizen, als Mehl zugekauft... 2„ Kartoffeln............ 30„ Fleiſch, davon 75 Pfd. zugekauft... 600 Pfd. (hiervon 500— 540 Pfund Schweinefleiſch, denn es werden alljährlich 2 Schweine gut gemäſtet und im Februar als Ferkel eingekauft) Schmalz, ſelbſtproducirtes......... 70„ Kaſfee und Surrogat.............. 35„ Salz.. 1900„ Milch, 1 ½ Liter täglich, pro Zahr........550 Liter Obſtmoſt und Bier........ 100„ Eier.......... 500 Stück Gemüſe, ſelbſtgebautes. Die verbrauchten Nahrungsmittel berechnen ſich pro Kopf und Tag auf: 900 Gramm Getreide, 1000„ Kartoffeln, 220„ Fleiſch, 24„ Schmalz, 12„ Kaffee, 0,4 Liter Milch. Der Werth der verbrauchten Nahrungsmittel berechnet ſich pro Jahr auf rund Mk. 780, oder pro Tag Mk. 2,13 und pro Kopf und Tag auf 40—50 Pf. Die Lebensweiſe der Familie iſt in Folge der großen Kinderzahl ſehr frugal. Erſtes Frühſtück: Kaffee und Brod. Zweites Frühſtück: Nur Brod. Mittageſſen: Außer Freitag täglich etwas Fleiſch mit Gemüſe und Kar⸗ toffeln. Vesperbrod: Kaffee, Brod. Abendbrod: Kartoffeln in der Schale und Kaffee, Sonntags Wurſt mit Kartoffelſalat und Brod. III. Geld-Rechnung. A. Einnahmen. 160 Ctr. Kartoffeln à Mk. 1,50...... Mk. 240,— 6020 Liter Milch à 13 Pf., aus dem Haus verkauft„ 782,60 zu übertragen.. Mk 1022,60 .— 34— Uebertrag.. Mk. 1022,60 500 Stück Eier à 6 Pf..........„ 30,— Verdienſt der einen Tochter(netto).... 9„ 300,— Summe.. Mk. 1352,60 B. Ausgaben. Steuern und Umlagen: Grund⸗ und Gebänudeſteuer MRr. 24,56 Gemeindeumlagen hierauf 3 Staats⸗Einkommenſteuer Gemeindeumlagen hierauf Tilgangslente.....„ 12,— —⁰ Mk. 66,36 Unterhaltung der Gebäude: Wirkliche Ausgabe..............an. ſo⸗ 40,— Unterhaltung des todten Inventars: Wirkliche Ausgabe: dem Wagner.......... Mk. 15, dem Schmied....Hte h⸗„ 25,— für Hausrath und Handgeräthe.„ 10,— —„ 50,— Inventar der Familienwohnung.........„ 25,— Verſicherungs⸗Prämie: Wirkliche Ausgabe: für Gebäude........... Ml. 5, für Mobiliar...........„ 5,50 „ 10,50 Zukauf von Vieh: Zuſatz auf Kühe jährlich........ Mk. 30,— 2 Ferkel jährlich..........„ 25,— ——„ 55,— Zukauf von Kraftfutter und Streu: 91 Etr. Kleie............ Ml. 155,— 100„ Waldſtrer......„ 25,— —õCꝓPrṔ„ 480,— Heizung und Beleuchtung: 1 Holz und Kohlen.......... Ml. 60,— Petrolenmn............„ 19,50 2,„ 70,50 zu übertragen..Nr. 806,36 — 35— Uebertrag.. Mk. 806,36 Zukauf von Nahrungsmitteln: 6 Ctr. Roggen à Mk. 7,50... Mlk. 45,— 2„ Weizen à Mk...)....„ 18,— 75 Pfd. Rindfleiſch à 50 Pf......„ 37,50 Kaffee, Surrogate, Salz 2c........„ 50,— -„ 150,50 Bebleidun.........„ 300,— Arzt und Apothele..............„ 6,— Thierarzt..............„ 2,— Diverſes(Insgemein).„ 20,— Summe.. Mk. 1284,86 C. Vergleichung der Geld⸗Einnahmen und Geld⸗Ausgaben. Die Einnahmen betrugen... Mk. 1352,60 Die Ausgaben betrugen...„ 1284,86 Neberſchuß Mk. 67,74 IV. Rentabilitäts-Berechnung. A. Rohertrag (excl. der für die Production in der Wirthſchaft wieder verwendeten Producte). Geſammteinnahme..... Nk. 1352,60 Werth der von der Familie aus der Wirthſchaft eninommenen Producte(ſiehe oben 780— 1500).....„ 630,— Summe.. Mk. 1982,60 B. Productionskoſten. 1. Gebäudecapital: Zinſen von Mk. 4000 à 4 pCt.... Mk. 160,— Verſicherungsprämie.... 1* 7 5,— Abnutzung(Amortiſation) 0,75 3 vot 1„ 30,— Inſtandhaltung.....„ 40,— Mk. 235,— 2. Capital des todten und lebenden Inventars: Zinſen von Mk. 1224 à 4 pCt... Mk. 49,— Verſicherungsprämie für Mobiliar und Ein⸗ ſchnitt.. 3 5,50 Jährlicher Zukauf von Kühen, Draufgeld„ 30,— „ 2 Ferleln.„ 24,— Unterhaltungskoſten des todten Inventars„ 50,— —„ 158,50 zu übertragen.. Mk. 383,50 — 36— Uebertrag.. Mk. 383,50 3. Zinſen des umlaufenden Betriebscapitals. Letzteres beträgt 50 pCt. der jährlichen Auslagen= Mk. 640. Hiervon 6 pCt..„ 38,40 4. Hagelverſicherungsprämie von Mk. 800 à 1 pCGt.....„ 9,60 5. Steuern und Amlagen..............„ 35,— 6. Kraftfutter und Waldſtreu............„ 480,— 7. Pacht für Wieſen..............„ 50,— 8. Beleuchtung......„ 5,— 9. Thierarzt„ 2,— 10. Arbeitslöhne: Lohn für drei in der Wirthſchaft beſchäftigte Perſonen und zwar eine männliche, zwei weibliche= 600 Arbeitstage und zwar: 200 Tage à Mk. 2....... Mt. 400, 100„„„ 1....„ 400,— 2 800,— Summe. Mk. 1813,50 C. Reinertrag. Der Rohertrag incl. der von der einen Tochter außerhalb erarbeiteten Mk. 300.... Mk. 1982,16 Die Productionskoſten betragen.....„ 1813,50 Bleibt Reinertrag.. Mk. 168,66 Hierzu der Werth der Wohnung mit...„ 145,— Summe.. Mk. 313,66 Zieht man hiervon denjenigen Theil des Ver⸗ dienſtes der Tochter ab, welcher nicht noth⸗ wendig erſcheint, um die aus der Wirthſchaft für Unterhalt derſelben entnommenen Pro⸗ ducte zu decken mit....„ 200,— denn die Tochter ißt Mittags meiſtens in Offenbach, ſo verbleibt wirklicher Reinertrag.. Mk. 113,66 Nach dem mittleren Durchſchnittskaufpreis iſt der Grund und Boden mit Mk. 6400 bewerthet, was alſo eine Rente von rund 1,50 pCt., nach der Angabe des Beſitzers, daß ſein Gelände nur Mk. 3000 werth ſei, aber eine Verzinſung von 3,1 pCt. ausmacht. Dieſe Gegenüberſtellung iſt eine Illuſtration zu dem vom Commiſſär aufgeſtellten Satz in den Vorfragen:„Der Grund⸗ und Bodenpreis hat das Verhältniß zum Grund⸗ und Bodenwerth bereits in ſchwindelhafter Weiſe überſchritten.“ RRQᷓRQARAQAÖRAQA”RARQRA’”RARAQARAQ’”;A;RESDO’; Bericht über die landwirthſchaftlichen Verhältniſſe der Gemeinde Ginsheim, Rr. Groß⸗Gerau, erſtattet von dem Großherzoglichen Landwirthſchaftslehrer K. Stimmel, unter Mitwirkung von J. Urban, Groß⸗Gerau. Allgemeiners. Ginsheim, circa 85 Meter über dem Meere, liegt ungefähr 5 Kilometer oberhalb der Einmündung des Maines in den Rhein, an dem ſog. kleinen Rhein. Die Entfernung nach Mainz beträgt 7,5 Kilometer, nach der Bahnſtation Biſchofsheim 2,5 Kilometer, nach der Kreisſtadt Groß⸗Gerau 12,5 Kilometer, nach Darmſtadt 27,5 Kilometer. Die nächſte Bahnſtation, Biſchofsheim, liegt an der Linie Mainz⸗ Darmſtadt, Mainz⸗Mannheim, Mainz⸗Frankfurt. Die Verbindung mit Mainz wird meiſt durch ein ausſchließlich zu dieſem Zweck verwendetes kleineres Dampfboot, welches an den Markttagen(Dienstags und Freitags) geht— Marktſchiff— hergeſtellt. An ſonſtigen Verkehrswegen ſind zwei von dem Kreis beziehungsweiſe von dem Staate erbaute Straßen nach Biſchofsheim und in der Richtung nach Groß⸗Gerau⸗Darmſtadt vorhanden. Die Verbindung mit dem linken Rheinufer wird durch Nachen, durch das Dampfboot Ginsheim⸗Mainz und durch die ſtehende Brücke bei Mainz hergeſtellt. Bei ſehr hohem Waſſerſtand litt bislang der Verkehr, da alsdann die fliegende Brücke bei Koſtheim nicht gangbar war. Durch Erbauung einer ſtehenden Brücke bei Koſtheim wird deshalb einem längſt dringenden Bedürfniß entſprochen und der Verkehr um Vieles erleichtert. Die Maincanaliſation, von welcher die Gemarkung berührt wird, dürfte dagegen vorausſichtlich kaum einen weitergehenden Einfluß auf den Producten⸗ abſatz ausüben. 1 ²⁰ — 2.— Vom allergrößten Einfluß auf die Ertragsfähigkeit wie den Preis des Grund und Bodens ſind die Waſſerverhältniſſe. An Druckwaſſer leiden bei mittlerem Waſſer⸗ ſtand(9—10 Fuß Mainzer Pegel) circa 200 Hectar, bei hohem Waſſerſtand(15 Fuß Mainzer Pegel) circa 350 Hectar, meiſt von dem beſten Feld. In Folge dieſes Uebelſtandes ſind in den letzten 10 Jahren die Erträge und Preiſe der an Druckwaſſer leidenden Grundſtücke ganz bedeutend zurückgegangen, im Verhältniß gegen frühere Preiſe bei circa 200 Hectar um ein Drittel und bei weiteren 200 Hectar um ein Drittel bis zur Hälfte. Für leidlichen Abfluß des Druckwaſſers ſind Abzugsrohre durch den Damm gelegt, demnächſt ſoll noch ein weiteres angebracht werden. Ueberfluthungen der ganzen Flur ſind in den letzten 50 Jahren zu verzeichnen und zwar in den Jahren 1845, 1850, 1862, 1876, 1880, 1882, 1883 und ſind die⸗ ſelben immer in Folge von Dammbrüchen entſtanden, welche neben dem großen directen und kaum exact berechenbaren indirecten Flurſchaden, außerdem noch der Gemeinde durch die Dammreparaturen ſehr ſchwere pecuniäre Opfer verurſachten. Die Gemeinde zählt 1510 Einwohner in 233 Häuſern und 290 Haushaltungen, darunter 21 Jsraeliten, welche ihre Geſchäfte zum Theil außerhalb betreiben. Die chriſtliche Bevölkerung zerfällt in 76 Katholiken und 1413 Evangeliſche. Die Ein⸗ wohnerſchaft iſt ſtändig. Es wanderte vor 5 Jahren ein einzelner Mann aus, vor⸗ dem, vielleicht in 25 Jahren, Niemand. Die Heirathen finden meiſt innerhalb der Gemeinde ſtatt, die Güter werden jedoch ohne Ausnahme getheilt. Das landwirthſchaftlich benutzte Areal der Gemarkung beträgt im Ganzen 889,4 Hectar in 3760 Parcellen. Hiervon ſind 748,9 Hectar Ackerland und 140,3 Hectar Wieſen. 512 Hectar Ackerland und Wieſen vertheilen ſich auf 152 Beſitzer, davon haben 48 unter 1 Hectar, 42 von 1—2 Hectar, 42 von 1—5 Hectar, 14 von 5— 10 Hectar, 3 von 10— 20 Hectar, 3 über 20 Hectar. Die directen Steuern für die Gemarkung Ginsheim betrugen für 1884/85 10658 Mk. An Communalſteuern hat die Gemeinde erhoben: im Jahre 1865 2815 fl., 1870 3185 fl., 1875 9052 Mk., 1880 13537 Mk., 1883/4 14580 Mk. Die Gemarkung iſt beſetzt mit 4450 Aepfelbäumen, 1700 Birnbäumen, 6700 Pflaumen⸗ und Zwetſchenbäumen, 25 Kirſchbäumen, 58 Aprikoſen⸗ und Pfirſichbäumen, 230 Wallnußbäumen. Waldung iſt in der Gemarkung nicht vorhanden. Die Einwohner decken ihren geringen Bedarf an Holz, da überall Steinkohlen gebrannt werden, aus den Weiden⸗ anlagen am Rhein. Die Laubſtreunutzung iſt daher auch ſehr unbedeutend und beſteht nur in etwas Weidenlaub, das von ärmeren Leuten geſammelt wird. Ein Zukauf von Streumaterial findet meiſt nicht ſtatt, nur in ſchlechteren Jahren und wird dann meiſtens Stroh gekauft. Die Kopfweiden nehmen eine größere Fläche längs des Rheines ein. Mit der Anpflanzung von Korbweiden wurden ſeitens der Gemeinde ſchon Verſuche gemacht, jedoch iſt die Anpflanzung ſolcher Weiden nicht weiter ausgedehnt worden. Von den Kopfweiden, welche in vierjährigen Schlägen abgeholzt und als Wellen verkauft werden, wurden ſchon einige Strecken abgeholzt und mit Obſtbäumen angelegt. Die Korbweiden werden verſteigert und jährlich circa 30 Mk. daraus erlöſt. — 3— Von landwirthſchaftlichen Genoſſenſchaften beſteht in Ginsheim eine Darlehns⸗ kaſſe(eingetragene Genoſſenſchaft), die von den Landwirthen ziemlich ſtark benutzt wird, und eine Ortsviehverſicherungskaſſe. An ſonſtigen Vereinen beſtehen 2 Geſang⸗ und 1 Kriegerverein, eine Vereinigung, bei der die Mitglieder gemeinſchaftlich den Arzt bezahlen(der Beitrag beträgt pro Monat 50 Pf. und für jedes Kind weitere 5 Pf.) und ein Krankenunterſtützungsverein, deſſen Mitglieder pro Monat 60 Pf. Beitrag bezahlen. Der landwirthſchaftliche Verein zählt 3 Mitglieder, welche Landwirthe ſind. An landwirthſchaftlichen Zeitungen wird nur die Zeitſchrift des landwirthſchaftlichen Vereins geleſen. Der Viehſtand der Gemeinde iſt folgender: 15 Fohlen, 96 Pferde, 112 Pferde und Eſel, 1 Eſel, 12 Kälber bis 6 Wochen alt, 58„ von 6 Wochen bis ½ Jahr, 100„ von ½1 bis 2 Jahr, 381 Stück Rindvieh, 4 Zuchtſtiere, 207 Kühe, 635 Schweine, 42 Zuchtſauen, 499 Ziegen, 65 Bienenſtöcke. b 677 Schweine, —-ꝛ——xã— Frage I. a. Welche Bodenverhältniſſe zeigt die Gemarkung, welchen Character hat das Klima und wie iſt hiernach im Allgemeinen die Fruchtbarkeit der Ländereien; iſt letztere ſehr günſtig, mittel oder gering? b. In welchem Verhältniß ſtehen die verſchiedenen Arten des Kulturlandes— Acker, Wieſen, Weiden, Rebland ꝛc.— zu einander und iſt dieſes Verhältniß im Allgemeinen als ein wirthſchaftlich günſtiges zu bezeichnen? c. Welches ſind die hauptſächlichſten Producte der Landwirthſchaft, bezw. welche Productionsrichtungen machen ſich im landwirthſchaftlichen Betriebe der Gemeinde vorzugsweiſe geltend? d. Iſt der landwirthſchaftliche Betrieb im Allgemeinen ein rationeller zu nennen, oder haften ihm weſentliche Mängel an und welche? — 4— Stehen letztere u. A. mit einer ſehr weitgehenden Parcellirung der Grundſtücke und dem herrſchenden Flurzwang im Zuſammenhang? a. Der weitaus größere Theil der Gemarkung beſteht aus Alluvium, der kleinere aus oberem Dilluvialſand und Schotter. Zur näheren Charakteriſtik möge noch an⸗ geführt ſein, daß dieſe Alluvionen noch jetzt der Ueberfluthung des Hochwaſſers unter⸗ liegen würden, wenn ſie nicht durch künſtliche Dämme geſchützt wären; ſie beſtehen in der Regel aus dem feinerdigen, zähen, fruchtbaren Schlamm oder„Schlick,“ welchen die Hochfluth des Rheins ſchwebend mit ſich führte, ehe ſie ihn auf die überſchwemmten Gefilde ablagerte. Unter dieſem 1—2 Meter mächtigen, meiſt ungeſchichteten Schlick folgt in der Regel eine harte Kruſte, von den Riedbewohnern„Rheinweis,“„Brand“ oder„Alm“ genannt; das Cement der Kruſte iſt Kalk, welcher die Sande oder Kieſe der dilluvialen Unterlage feſt mit einander verkittet. Noch jetzt bringt der Rhein bei Hochwaſſer eine ſehr große Maſſe feinſten Denudationsmateriales aus den höher liegenden Gebirgen mit herunter; die Ufer⸗ dämme verhindern den Strom zumeiſt, dieſe fruchtbare, feinzertheilte und ſtoffreiche Erde auf den Wieſen und Feldern der niederen Rheinebene abzulagern und zugleich dadurch, wie in früheren Zeiten, ſeine Uferſtrecken allmälig zu erhöhen; ſo führt denn alljährlich der Rhein eine ungemeſſene Fülle fruchtbaren Boden an unſeren Landſtrecken vorüber in die holländiſchen Niederungen, welche dieſem willkommenen Gaſte ihre Schleußen öffnen, oder bringt ſie hinaus in die Nordſee. Im Allgemeinen kann die Gemarkung als ein Landſtrich mit mildem, ſüd⸗ deutſchem Witterungs⸗Charakter bezeichnet werden. Eine 14 ährige Reihenfolge von meteorologiſchen Beobachtungen 1866— 1879 incl. gibt für Mainz bezw. wohl auch für Ginsheim folgende Anhaltspuncte: Mittlere Temperatur: Winter.... 0,31 R, Frühjahr... 17,14„„ Sommer.... 15,31„„ Herbſt..... 7,S81„„ Jahresmittel. 7,642°R. Mittlere Regenmenge: Winter.... 12,69 Centimtr. Frühjahr.... 13,82 3 Sommer... 19,26„ Herbſt.... 15,12„ Jahresmittel. 60,89 Centimtr. Im Durchſchnitt fallen auf ein Jahr: 5— Regen⸗ Schneetage Winter.... 31,— 13,10 Frühjahr... 40,80 4 93 Sommer. 43,—— Herbſt 38,— Jahresmittel. 152,80 Die Fruchtbarkeit der Felder darf wohl an und für ſich mit Ausnahme des geringen Sandes, welcher aber nur in geringer Ausdehnung vorhanden iſt, eine durch⸗ aus günſtige genannt werden. Die Unſicherheit und Schwierigkeit der Erträge in Folge der häufigen Hochwaſſer aber drückt dieſe gute natürliche Anlage in um ſo fühlbarerer Weiſe herunter, als die maßgebenden Marktverhältniſſe eine von Jahr zu Jahr wachſende Häufung und ſtetige Verbilligerung der landwirthſchaftlichen Er⸗ träge fordern müßten. b. Die Gemarkung Ginsheim weiſt nur zwei Arten von Culturländereien auf: Ackerland und Wieſen, im Verhältniß wie 5: 1. Letztere liegen meiſt außerhalb der Dämme— Stromwieſen—, die innerhalb der Dämme liegenden ſind tiefe, dem Druckwaſſer ſtark ausgeſetzte Stellen. Die Wieſen außerhalb der Dämme ſind Gemeindegut. Ein Theil der Crescenz wird auf dem Halm verſteigert; dabei gelangen jährlich immerhin bis zu 2800 Centner Heu nach Auswärts. Im Intereſſe der Ginsheimer Landwirthe muß dem Wunſch Ausdruck gegeben werden, daß die Landesculturtechnik Mittel und Wege finden möchte, das Areal überfluthbarer Wieſen, dieſer unſchätzbarſten Düngerlieferanten, wirthſchaft⸗ lich noch möglichſt zu erweitern. c. Die hauptſächlichſten Producte ſind Getreide und hiervon wieder in erſter Linie Gerſte. Dann folgen Kartoffeln. Dem Obſtbau wird ſeit einigen Jahren eine im höchſten Maße anzuerkennende Aufmerkſamkeit gewidmet. So erhielten gelegentlich des 50 jährigen Jubiläums des Gartenbauvereins die Gemeinde und 3 Private Prämien.(Die Gemeinde und 1 Privatmann goldene Medalllen.) Die Rindviehhaltung in der Gemeinde Ginsheim zielt im Weſentlichen weniger auf Milchproduction, als auf Aufzucht. Es ſucht jeder Landwirth im Jahr 1 bis 2 Stück Großvieh verkaufen zu können. Die Milch wird in üblicher Weiſe zu Butter und Käſe verarbeitet. Der Preis für Butter iſt durchſchnittlich 90 Pf. pro Pfund. Die Matten gelangen, ſoweit ſie nicht in der Haushaltung als Käſe verbraucht werden, als ſolche zum Verkauf und werden von Groß⸗Gerauer Käſefabrikanten zu 10 Pf. pro Pfund abgeholt. Die Pferdehaltung iſt etwas ſtark und hat in den letzten Jahren, auf Koſten der Verwendung von Kühen zum Zuge, noch zugenommen. Es hat dieſe immerhin bedenkliche Erſcheinung wohl hauptſächlich darin ihren Grund, daß ein großer Theil des Feldes ſehr abgelegen iſt. Die Gemarkung erſtreckt ſich bis an die 5 Kilometer vom Dorf abliegende Mainmündung und iſt gerade dieſer fern liegende Theil mit vom beſten Felde. Die Ungunſt dieſes Verhältniſſes wird noch durch den Umſtand ver⸗ ſchärft, daß bei ſchlechten Wegen ſelbſt die Straße über Biſchofsheim benutzt werden 6— muß und die Beſitzer dann damit noch einen Umweg von mehr als 1 weiteren Kilo⸗ meter zurückzulegen haben. Fohlenzucht wird nur behufs Deckung des eigenen Be⸗ darfs getrieben. Der Schweinezucht und Haltung wird eine immerhin ſchon aner⸗ kennenswerthe Sorgfalt gewidmet. Die Gemeinde hält 2 Eber engliſcher Kreuzung. d. Der landwirthſchaftliche Betrieb iſt, einige Wirthſchaften ausgenommen, ein ziemlich guter, rationell kann derſelbe jedoch noch nicht genannt werden. Als Haupt⸗ hinderniß eines ſolchen— intenſiveren— Betriebes muß in erſter Linie die Unſicher⸗ heit der Grundſtücke und damit wohl in engſtem Zuſammenhang der Mangel an Betriebscapital und vollends an Reſerven wie nicht minder die theilweiſe abſolut unwirthſchaftliche Entfernung der Grundſtücke vom Wirthſchaftshof bezeichnet werden. Die Grundſtücke ſind größtentheils durch Feldwege zugänglich, ein Flurzwang findet nicht ſtatt. Der Boden an ſich wäre der höchſten Cultur wohl fähig, aber unter den angedeuteten Verhältniſſen dürfte eine ſolche vorerſt wirthſchaftlich kaum räthlich er⸗ ſcheinen. Frage II. a. Wie iſt das Verhältniß der Größe der Gemarkung zur Größe der anſäſſigen Landbau treibenden Bevölkerung? b. In welcher Weiſe vertheilt ſich das landwirthſchaftliche Gelände unter die anweſende Bevölkerung(todte Hand, Großgrundbeſitz, Groß⸗, Mittel⸗, Klein⸗Bauern, Taglöhner und Gewerbtreibende) und ſind in den letzten Jahren weſentliche Aenderungen in der Beſitzvertheilung eingetreten? c. Iſt die Beſitzvertheilung im Allgemeinen als eine günſtige zu bezeichnen, wenn nicht, wodurch giebt ſich die behauptete ungünſtige Ver⸗ theilung zu erkennen, welche Umſtände haben letztere veranlaßt, z. B. das geltende bäuerliche Erbrecht, die üblichen Syſteme des ehelichen Güterrechts oder der Zuſammenkauf von Grundſtücken? d. Iſt ein Theil der Gemarkung Allmendland und welchen Einfluß hat die Benutzung des letzteren auf die Lage der Bevölkerung? a. Die Größe der Gemarkung beträgt 889,4 Hectar, die Zahl der Haushal⸗ tungen mit Landwirthſchaft 75 und das entſprechende Gemarkungsareal ca. 364 Hectar, welche allerdings wohl unter den günſtigen Vorausſetzungen intenſiven Betriebes als vollkommen genügend und ausreichend erſcheinen könnten, ſelbſt weitergehende Anſprüche zu befriedigen, während dermalen daraus kaum den allerbeſcheidenſten genügt wer⸗ den kann. b. Die Beantwortung der Frage VIII gibt ein Bild von der Vertheilung des Grundbeſitzes unter die einzelnen Beſitzgruppen; in der Hand größerer Beſitzer befinden ſich 152,90 Hectar; der Fiscus beſitzt 240 und die Gemeinde 15 Hectar. — 7— c. Die Beſitzvertheilung iſt als eine im Großen und Ganzen ungünſtige zu be⸗ zeichnen. Die letzte Urſache dieſer ungünſtigen Verhältniſſe muß in dem geltenden bäuerlichen Erbrecht gefunden werden. Durch dasſelbe wird einer für den dermaligen allerdings relativ immerhin niederen, aber unter der gegebenen vollſten Meliorations⸗ unfähigkeit der Grundſtücke wirthſchaftlich allein zu rechtfertigenden Intenſitätsgrad einer immer ausgeſprocheneren Zwergwirthſchaft Thür und Thor geöffnet, mit pro⸗ greſſiv immer mehr zunehmender Ueberlaſtung durch Gebäude und todtes Inventarien⸗ capital. Dieſe an ſich ſchon enormen Nachtheile wachſen zu noch unleidlicherer Höhe durch die in der immer zerriſſeneren Gemenglage auch maßloſeren Entfernungen. Dieſer Mißſtand„den Herd ſo weit von der Küche zu haben,“ muß in dem Maß, als doch ein intenſiverer Betrieb zum Durchbruch kommen ſollte, immer empfindlicher werden. Die weiten Entfernungen zwingen den einzelnen Betrieben, wie ſchon erwähnt, die theueren Pferdehaltungen auf. Um dieſe dann entſprechend auszunützen, genügen in ſehr vielen Fällen die eigenthümlichen Ländereien nicht mehr; es wird noch zuge⸗ pachtet, aber unter Anlegung von Pachtpreiſen, welche bei der Zahl günſtiger ſituirter Concurrenten an ſich ſchon geſchraubt, bei dem durch die gegebenen Verhältniſſe aufge⸗ zwungenen relativ niederen Intenſitätsgrad aber vollends von vornherein ſich als abſolut unwirthſchaftlich erweiſen müſſen.— Aus dieſer Verkettung von Umſtänden dürfte ſich die Thatſache erklären, daß im Großen und Ganzen die meiſten Landwirthſchaft in kleinerem Umfange allein betreibenden Haushaltungen nach einem Jahre voll ſchweißvoller Arbeit und Mühe im günſtigſten Falle kaum Nennenswerthes vor ſich gebracht haben. d. Die Gemeinde beſitzt 13,25 Hectar Allmendland. Dieſes iſt verpachtet und wird der Ertrag desſelben im Betrag von 677,50 Mk. an die Ortsbürger vertheilt. Einen Einfluß auf die Lage der Landbau treibenden Bevölkerung hat dies nicht. Frage III. a. Welches ſind die durchſchnittlichen Preiſe für die einzelnen Boden⸗ qualitäten der verſchiedenen Culturländereien(Acker, Wieſe, Weide, Wein⸗ berg ꝛc.), erſcheinen dieſe Preiſe beſonders hoch oder beſonders niedrig und auf welche Urſachen ſind die bezüglichen Erſcheinungen zurückzuführen? b. Welche Aenderungen in den Preiſen haben ſich in den letzten 5 Jahren vollzogen? c. Pflegt ein ſtarker Umſatz in Liegenſchaften ſtattzufinden und liegt hierfür(ſ. a) ein berechtigtes Bedürfniß vor? a. Die mittleren Kaufwerthe in der Gemarkung Ginsheim betragen pro Qua⸗ dratmeter: — 3— Ackerland Wieſe I. Claſſe.... 0,48 Mk. 0,40 Mk. II. ti1. e e 4 0,38„ 032„ III.„. 0,28„ 0,24„ IV„.... 0,18„ 0,20„ V,. 0,08„ 0,16„ im Durchſchnitt. 0,24 Mk. 0,20 Mk. Im Allgemeinen zeigen die vorſtehenden Kaufwerthe nichts Auffälliges. Für einzelne Fluren könnten ſie allerdings zu niedrig erſcheinen, allein dieſe Geringwerthig⸗ keit hängt auf das Engſte mit der größeren Gefährdung durch Waſſer zuſammen. b. In den letzten 5 Jahren haben ſich die Preiſe nicht geändert. Ein Sinken derſelben datirt ſchon aus früheren Jahren. c. Der Umſatz in Liegenſchaften iſt von keiner Bedeutung. Frage IV. a. Nehmen die Pachtgüter einen erheblichen Umfang ein und ſtehen die Pachtpreiſe im richtigen Verhältniß zu dem Kaufpreiſe der Ländereien einerſeits und zur Ausnutzungsfähigkeit derſelben andererſeits, eventuell welche Urſachen wirken ſteigernd auf die Pachtpreiſe ein? b. Welche Beſtimmungen gelten insbeſondere in Betreff der Dauer der Pacht, der Bezahlung der Steuern ꝛc., der Verſicherungsprämien, ſowie in Betreff vorzunehmender Meliorationen und etwaiger Pachtnach⸗ läſſe bei elementaren Unglücksfällen bei fiskaliſchem, ſtandesherrlichem und privatem Grundbeſitz? c. Wirken die üblichen ſonſtigen Pachtbedingungen beſonders er⸗ ſchwerend für die Pächter oder nicht? a. Die Pachtgüter umfaſſen ein Areal von 240 Hectar. Die Pachtpreiſe ſind der dermals möglichen Ausnutzungsfähigkeit der Ländereien gegenüber unbedingt zu hoch. Sie bewegen ſich zwiſchen 2— 8 pCt. vom mittleren Bodenpreis; bei dem zur Aufnahme gelangten mittleren Bauerngut beträgt der Pachtzins 7,5 pCt. Die Urſache dieſer unwirthſchaftlich hohen Pachtſchillinge wurde ſchon gelegent⸗ lich der Frage II entwickelt. b. Die Dauer der Pachtzeit iſt 9 Jahre. Die Beſtimmungen in Betreff der Bezahlung von Steuern u. ſ. w. ſind die gewöhnlichen. Beſtimmungen über etwaige Pachtnachläſſe bei elementaren Unglücksfällen beſtehen nicht, jedoch wurde bei ſtarken Ueberfluthungen ſchon an Steuer und Pacht etwas nachgelaſſen, wenn auch nicht in dem Maße, wie es wohl im Intereſſe der Beſchädigten dringend zu wünſchen geweſen wäre. — 9— c. Die üblichen ſonſtigen Pachtbedingungen wirken nicht erſchwerend auf die Pächter. Frage V. a. In welcher Weiſe pflegen die Landwirthe ihre Mobilien und Producte gegen Feuer, ihre Früchte gegen Hagel und ihren Viehſtand gegen Unfall zu verſichern? b. Hat die Lebens⸗, Alters⸗ und Renten⸗Verſicherung Eingang in der Gemeinde gefunden, event. in welcher Weiſe und welchem Umfange? a. Die Landwirthe haben ihre Mobilien und Producte meiſtens bei der Aachen⸗ Münchener Feuerverſicherung und der Geſellſchaft Providentia verſichert, einige wenige bei der Magdeburger. Gegen Hagel waren früher keine Landwirthe verſichert. Erſt in den letzten Jahren haben einige damit angefangen. Das Vieh iſt ſämmtlich in der Ortsviehverſicherung verſichert. Die Verſicherungsprämie der Gemeindeviehverſicherung wird in der Weiſe er⸗ hoben, daß bei eintretendem Schaden der zu leiſtende Erſatz auf die Mitglieder im Verhältniß ihrer Verſicherungsſumme ausgeſchlagen wird. b. Die Lebens⸗, Alters⸗ und Rentenverſicherung hat noch keinen Eingang ge⸗ funden. Frage VI. In welcher Weiſe befriedigen die Landwirthe in der Regel ihre Creditbedürfniſſe hinſichtlich des Real⸗ und des Perſonalcredits und welches ſind bei beiden Arten des Credites die gewöhnlichſten Darlehens⸗ bedingungen in Bezug auf Zeitdauer und Zinsfuß und werden dabei auch Amortiſationsfriſten(Güterziele) angewendet? Die gegen Verunterpfändung von Immobilien aufgenommenen Capitalien ſind mit wenigen Ausnahmen von der Sparkaſſe zu Groß⸗Gerau. Das gegen Bürgſchein geliehene Geld iſt weitaus zum größten Theil von der Darlehnskaſſe in Ginsheim. Von der Sparkaſſe Groß⸗Gerau waren an Ginsheimer Einwohner Ende 1879 ausgeliehen auf Hypotheken............. 2/1439 Mk. in 1880 wurden neu ausgeliehen............ 21200„ 292639 Mr. zuriickbezahlt wurden....... 18707„ Reſt Ende 1880.. 273052 Mk. in 1881 wurden neu ausgeliehen 11900„ 285852 Mk. zurückbezahlt wurden........ 9037„ Reſt Ende 1881.. 276795 Mk. — 10— Reſt Ende 1881.. 276795 Mk. in 1882 wurden neu ausgeliehen............ 11 /50„ 288545 Mk. zurückbezahlt wurden.............. 10260„ Reſt Ende 1882.. 278285 Mk. in 1883 wurden nen ausgeliehen........... 53525„ (hiervon an die Gemeinde 37300 Mr.) 331810 Mk. zurückbezahlt wurden.............. 9700„ Reſt Ende 1888.. 322110 Mk. in 1884 wurden neu ausgeliehen............ 7900„ 330010 Mk. zurückbezahlt wurden............... 18908„ Reſt Ende 1884.. 311102 Mr. Die Sparkaſſe Groß⸗Gerau leiht Capitalien gegen Verunterpfändung von Im⸗ mobilien zu 4 ½ pCt. Kündigung iſt wohl vorbehalten, wird aber von der Sparkaſſe nicht verlangt und können alſo Capitalien jederzeit zurückbezahlt werden, ohne daß weitere Zinſen als bis zum Tage der Abtragung des Capitals bezahlt werden müſſen. Amortiſation findet nur in 2 Fällen ſtatt. Beträge bis zu 350 Mk. leiht die Sparkaſſe gegen Bürgſchaft der Gemeinde zu 5 pCt. rückzahlbar in 5 Zielen. Die Sparkaſſe übernimmt auch Kaufſchillinge gegen einen Nachlaß von 1„Ct. und betragen dieſe Kaufſchillinge Ende 1884= 8005 Mk. Von der Darlehnskaſſe Ginsheim wurden an Einwohner von Ginsheim aus⸗ geliehen: 1880 an 42 Wrſunan Die Beträge variiren von 30—1000 Mk. zuſammen................ 10175 Mk. zurückbezahlt wurden.......... 4760„ 1881 an 66 Perſonen von 15— 2000 Mk....... 16033„ zurückbezahlt wurden......... 5365„ 1882 an 67 Perſonen von 15— 1400 Mr...... 147721„ zurückbezahlt wurden.......... 9050„ 1883 an 33 Perſonen von 15— 3000 Mk...... 9792„ zurückbezahlt wurden......... 8589„ 1884 an 41 Perſonen von 20— 4000 M..... 15820„ zurückbezahlt wurden.... 9775„ Die größten Beträge werden in der Regel von Geſchäftsleuten(meiſt Obſt⸗ händler) geliehen. — 11— Die Darlehnskaſſe leiht ihre Gelder gegen Schuldſcheine und Kaufſchillinge aus. Der Zinsfuß iſt 5 pCt. und ½ pCt. Proviſion. Die Darlehen werden regelmäßig auf ½ Jahr gegeben. Die Proviſion wird bei jeder Prolongirung erneuert. Hypotheken hat die Darlehnskaſſe nicht. Die Darlehnskaſſe beſteht ſeit 1880. Frage VII. a. Wie ſtehen im Allgemeinen die Arbeits⸗ und Geſindelöhne in der Gemeinde, genügt die ortsanſäſſige Bevölkerung zur Beſtreitung der landwirthſchaftlichen Arbeiten oder ſind fremde Arbeiter nöthig und wo⸗ her kommen letztere? b. Iſt für die landwirthſchaftliche Bevölkerung Gelegenheit zum Nebenverdienſt vorhanden, event. haben dieſe Nebenverdienſte(Arbeiten im Wald, Hausinduſtrie, Fabrikbetriebe, Fuhrweſen ꝛc.) eine beſondere Bedeutung für den Wohlſtand der Landwirthſchaft treibenden Bevölkerung und der Gemeinde im Allgemeinen? c. Gibt es Landwirthe in der Gemeinde, die mit Rückſicht auf den Umfang und die Rentabilität ihres landwirthſchaftlichen Betriebes an ſich auf Nebenverdienſt und Tagelöhnerarbeit angewieſen wären, ſolche Arbeiten aber aus Standesvorurtheil, Trägheit ꝛc. nicht ausführen? a. Die ortsanſäſſige Bevölkerung würde zur Beſtreitung der landwirthſchaftlichen Arbeit genügen, wenn nicht die meiſten Arbeiter in den Steinbrennereien, bei der Brückenbaugeſellſchaft und im Hafen Guſtavsburg arbeiteten und müſſen aus dieſem Grunde noch fremde Arbeiter, meiſt als Knechte oder Mägde, angenommen werden. Für Taglöhner werden durchgängig bezahlt, ohne Koſt: für einen Mann 1,70 Mk., „ eine Frau 1„ An Geſinde:. für einen Knecht 200— 300 Mk., „ eine Magd 100— 150„ b. Gelegenheit zum Nebenverdienſt für Landwirthe iſt nicht vorhanden. Die Nachfrage ſeitens des Handels und der Induſtrie nach ſtändigen Arbeitern iſt wohl ſehr bedeutend, doch bleibt die Auffaſſung, als könnte damit reichlich Gelegenheit für Füllarbeit gegeben ſein, vollkommen ausgeſchloſſen. c. Es läßt ſich wohl nicht leugnen, daß eine ganze Reihe von Familien ſich in günſtigeren Verhältniſſen befinden würden, wenn die männlichen Glieder ihre Kraft der Induſtrie als Arbeiter widmen wollten, anſtatt ſich unter den denkbar ungünſtigſten Verhältniſſen weiter mit ausſchließlicher Landwirthſchaft zu quälen. Dies Verhältniß müßte noch um ſo viel günſtiger ſich geſtalten, wenn nebenher die übrigen Familien⸗ 2²⁰ glieder für ihren Theil ihre Arbeitskraft durch gartenmäßige Cultur eines bleineren Grundſtückes zu verwerthen ſich angelegen ſein ließen. Dadurch würden neben einer Verbeſſerung der eigenen Wohlfahrt die Exiſtenzbedingungen für die übrigen, auch ferner auf reine Landwirthſchaft angewieſenen Familien ſchon in Abſicht auf eine zweck⸗ mäßigere Abrundung ihres Beſitzes nicht minder günſtig beeinflußt. Die Förderung der Intereſſen der Landbau treibenden Bevölkerung verknüpft ſich damit in zwingendſter Weiſe mit einer wachſenden Blüthe des Handels und der Induſtrie und folglich auch mit allem dem, was dieſen frommt. Frage VIII. a. Wie vertheilt ſich der ermittelte Betrag der Immobiliarverſchul⸗ dung auf die einzelnen Beſitzgruppen(größerer, mittlerer und kleinerer Grundbeſitz) und auf welche Gruppe entfällt der ſtärkſte Procentſatz der Schuldenlaſt? b. Datirt der Schuldenſtand aus älterer oder aus neuerer Zeit, im letzteren Fall, wie hat derſelbe im letzten Jahrzehnt zugenommen? c. Sind in den letzten 5 Jahren die Zinſen und Güterziele im All⸗ gemeinen regelmäßig bezahlt worden oder ſind bemerkenswerthe Rückſtände bekannt? d. Welche Urſachen haben einen erkennenswerthen Einfluß auf die Ver⸗ ſchuldung z. B. das beſtehende Erbrecht oder die üblichen ehelichen Güter⸗ ſyſteme, unwirthſchaftlicher Ankauf von Grundſtücken zu hohen Preiſen, ungenügendes Betriebscapital, zu frühe Gründung eines eigenen Haus⸗ halts, Verſchwendung und nachläſſige Wirthſchaft, die Aufeinanderfolge ſchlechter Ernten u. ſ. w.? a. Wie aus der Tabelle A zu erſehen, ſteht dem Immobiliarbeſitz der 152 über⸗ haupt in Betracht gezogenen Grundbeſitzer im Werthe von 1516425 Mk. eine Ge⸗ ſammtverſchuldung von 326202 Mk. gegenüber, es ſind ſomit 21,51 pCt. deſſelben verſchuldet. Der Grundbeſitz der 103 Beſitzer, welche verſchuldet ſind, hat einen Werth von 818700 Mk. und ſind mithin 39,84 p„Ct. desſelben verſchuldet. Nicht verſchuldet ſind 49 Beſitzer, deren Liegenſchaften einen Werth von 697725 Mk. haben. Der Grundbeſitz derjenigen Perſonen(Tabelle B), welche nur Landwirthſchaft betreiben— 75 an der Zahl— hat einen Werth von 983900 Mk. und iſt mit 142295 Mk., alſo mit 14,46 pCt. Schulden belaſtet; von dieſen 75 Perſonen ſind 51 verſchuldet und zwar bei einem Werth ihrer Liegenſchaften von 477125 Mk. mit 29,8 pCt.; 24 Haushaltungen, deren Liegenſchaften einen Werth von 506775 Mk. darſtellen, ſind ſchuldenfrei. — 13— Landwirthſchaft und Taglohnarbeit betreiben 20 Haushaltungen(Tabelle O), deren Liegenſchaften einen Werth von 69950 Mk. darſtellen und mit 28864 Mk. oder 41 pCt. desſelben verſchuldet ſind; von dieſen 20 Haushaltungen ſind 14 verſchuldet und zwar bei einem Werth ihrer Liegenſchaften von 53200 Mk. mit 54 pCt.; 6 Haushaltungen, deren Liegenſchaften einen Werth von 16750 Mk. darſtellen, ſind ſchuldenfrei. Neben Landwirthſchaft treiben Gewerbe 57 Haushaltungen(Tabelle D), deren Liegenſchaften einen Werth von 462575 Mk. haben und mit 155043 Mk. oder mit 33,5 pCt. belaſtet ſind; von ihnen ſind 38 verſchuldet und zwar bei einem Werth ihrer Liegenſchaften von 288345 Mk. mit 53 pCt.; 19, deren Grundbeſitz einen Werth von 174200 Mk. darſtellt, ſind nicht verſchuldet. Was die Vertheilung der Verſchuldung unter die einzelnen Beſitzgruppen betrifft, ſo iſt im Allgemeinen die Gruppe 1 am ſtärkſten und zwar mit 44 pCt. des Liegen⸗ ſchaftswerthes belaſtet, während die oberſte Gruppe ſchuldenfrei, die 4. mit 14 pCt., die 5. mit 24 pCt. des Liegenſchaftswerthes belaſtet ſind. Ganz ähnlich vertheilt ſich die Verſchuldung nach den Tabellen B, C, D, unter die Beſitzgruppen der nach Beſchäftigung geſchiedenen Haushaltungen, indem die aus⸗ ſchließlich Landwirthſchaft treibenden Haushaltungen in den Gruppen 1 und 2 am ſtärkſten und zwar je mit 30 pCt. ihres Liegenſchaftswerthes verſchuldet ſind, während auch hier die zwei oberſten Gruppen ganz ſchuldenfrei ſind; bei den Haushaltungen, welche außer Landwirthſchaft Taglohnarbeit betreiben, tritt die höchſte Verſchuldung in der Gruppe 2 mit 42 pCt. des Liegenſchaftswerthes hervor, die nächſt niedere mit 40 pCt. bei der Gruppe 1, während die übrigen Gruppen ſchuldenfrei ſind. Ein anderer Procentſatz der Verſchuldung ergibt ſich, wenn man nur die durch Eintrag in das Hypothekenbuch geſicherten Schulden mit den Liegenſchaftswerthen ver⸗ gleicht; für alle 152 Haushaltungen iſt der Werth der Liegenſchaften dann nur mit 16,4 pCt. belaſtet oder da nur 103 Haushaltungen mit Hypothekſchuld belaſtet ſind, für dieſe 30,4 pCt. und zwar in der Beſitzgruppe 1 für 34 Haushaltungen mit 46,4 pCt., 2 2 2 2 5 2 2 3 5, 1 I 2 3 2 32 2 2 30, 9 7 2 4 I/ 1 1 2 2 9 1 8 22 2 5 2 1 2 22 6 7 2 Bei den nur Landwirthſchaft treibenden Haushaltungen iſt der Werth des Ge⸗ ſammtgrundbeſitzes von 983900 Mk. mit einer Hypothekenſchuld von 92835 Mk. belaſtet mithin mit rund 9 pCt. Die angegebene Schuldenlaſt ruht in der Beſitzgruppe 1 auf 6 Haushaltungen mit 21,7 pCt., 2 2 14/ 2 26 2 3 82 22 2 2 30,2 12 4 2 9 2 2 6,7 2 des Werthes der Liegenſchaften derſelben. — 11— Der Liegenſchaftswerth der Haushaltungen, welche neben Landwirthſchaft Tag⸗ lohnarbeit betreiben, iſt mit 38,2 pCt. an Hypothekſchulden belaſtet; dieſelben ver⸗ theilen ſich auf 14 Haushaltungen, deren Liegenſchaftswerth mit 50,2 pCt. verſchuldet iſt; 10 Haushaltungen der 1., 4 der 2. Beſitzgruppe ſind je mit 41 pCt. und 63,4 pCt. belaſtet. Die Haushaltungen, in denen neben der Landwirthſchaft ein Gewerbe betrieben wird, beſitzen Liegenſchaften im Werthe von 462575 Mk., welche mit 27,9 pCt. Hypo⸗ thekſchulden belaſtet ſind; dieſelben vertheilen ſich in der Beſitzgruppe 1 auf 18 Haushaltungen mit 57,2 pCt., 2 2 7 2 II 4 1/ 4 II 3 2 10 2 II 32 72 4 2 2 2 2 38,9 II 5 1 2 6 7 7 1 2 b. Die Eintragungen in das Hypothekenbuch gruppiren ſich in der folgenden Weiſe: Abtheilung B. Abtheilung C Abtheilung D Totalſumme Ge⸗ Ge⸗ Ge⸗] der Hy. fanrant Hy⸗ fauant Hy⸗ fammt dy⸗ des do⸗ Ngerd Pö⸗ igelde ſud. geid. hne büblde ſtheken betrag theken betrag theken betrag ſtheken betrags Mk. Mk. Mk. Mk. Eingetragen waren bis 1870 16 24377 4 3911 15 43545] 35 71833 Eingetragen wurden: von 1870 bis 1875 9(10323 4 15077 3 884380 16 34243 „ 1875„ 1880 J13 35595 5 7734 10 45296 28 88628 „ 1830„ 1885 13 2253 1— 10 31651 24 54188 Summe 51 92835 ſ 14 26722 38(129335]103 248892 Eine merkliche Zunahme der hypothekariſchen Belaſtung hatte danach im letzten Jahrzehnt nicht ſtattgefunden. Die Mobiliarverſchuldung beträgt rund 10 pCt. der Hypothekarbelaſtung und zwar ebenfalls wieder abgerundet für B 21,5 pCt., C 4,4 pCt., D 3 pCt. Von den in der allgemeinen Ueberſicht A enthaltenen 152 Haushaltungen ſind 102 mit 24705 Mk. Mobiliarſchulden belaſtet; unter den ausſchließlich Landwirth⸗ ſchaft treibenden Haushaltungen haben 51 nicht geſicherte Schulden; unter den neben Landwirthſchaft Taglohn treibenden beträgt die Zahl 10, unter den neben Landwirth⸗ ſchaft ein Gewerbe betreibenden Haushaltungen 27. c. Die Zinſen und Güterziele ſind in den letzten 5 Jahren im Ganzen regel⸗ mäßig bezahlt worden; Rückſtände ſind bei Einzelnen vorhanden. d. Wohl als Haupturſachen der zunehmenden Verſchuldung laſſen ſich im Großen und Ganzen anführen: in erſter Linie das beſtehende Erbrecht, dann die unwirth⸗ ſchaftliche Planlage der Grundſtücke incl. ihrer dermaligen abſoluten Meliorations⸗ unfähigkeit in Folge ihrer Planlage einerſeits, wie der derzeitigen ungeregelten Inun⸗ — 15— dationsverhältniſſe andererſeits, ferner eine durch letztere Verhältniſſe nur zu oft bedingte in ihren Folgen tief und lang wirkende Ertragsunſicherheit, welche die ge⸗ ſammelten Reſervecapitalien verſchlingt und dann das Betriebscapital in der nach⸗ theiligſten Weiſe ſchädigt; die progreſſiv zunehmende Ueberlaſtung mit Gebäudecapital. Das Gebäudecapital beträgt in den rein landwirthſchaftlichen Betrieben für Gruppe 1 im Durchſchnitt 108 pCt. des Grundcapitals, I 2 2 2 6 3 7 II 72 7 3 1/ II 5 0 2 I II I 4 2 If 2 8 2 I/ 72 5 72 2 2 9 2 7 2 6 2 2 6 2 2 hohe Arbeitslöhne und ſchließlich die außerordentlich angewachſenen Gemeindeumlagen. (I269 LI1“193 6 † 00,696 06,81 8 ahouen 06 9 007†, 117,93 3 0 I. 4 006,02 6 ,16 8 O 6 008,16 9 188 01 6= 5 3 911,6 ½ C.L5 21 5ö1 5 0626 9166 FI 1=90 1 :Polnſplaod Jn T8˙68 0000 305˙9, 01˙†1 0950 68˙/8716 00 1 SIS 603—s 901 ————— 5——— aGou n 0 9 89 66,9 16 7,03— 99, 2rI”O 00,06 03,01 1 G 91 2 81 06,11 989,18 009,6 OrLII 9688,03 006,116 18,8 ½ 11 0 6 35 9*† 68,98 818,031 041,1 169,66 190,88 006,896 C9,001 68 6= 3 8 87 76,6 19,31 669,1 FrI,9 30½,86.28,991 00,18 26 1 3 80 8066 085˙91 099,8 60†˙ 19199 SF'6I 686/˙96 Fs 1—60 :rnGplaog 1916 00001 305˙9 901*U5ℳ 0950 68˙87.8 9LO. 98 391 5—— 01,696 O66 5 aGouen 06 9 s 66,9 26†,03— 99, 6†1,05 00 †, 8 19,98 8 0½ 01 4 FI 06,11 989,18 009, 0OrLII 968,05 00⁄59 08,†6 FI 0 S f 96 68,98 8 8,061 111 289,66 190,88 00,587 IF 6†= 3 2 68 76,66 ITG,32 669,1⁄ rrI,9 304,88 008,976 25,09 6† 2 1 8068 083˙1 099,8 69†˙, 19199 218˙0⁄1 60˙88 8† f 000 2G121S lvp. uaincp. 26 1 Ueſhnc wvpac ul515 S3G ede ee i uain;. uainp u⸗p aonpgoeh un 1ep 10S Woni 2S u⸗uac u e n ee ge ne ⸗eedee ie 51b0 82 9g49 Ippaogej oup obgW V rahSug) gm a i inginplaags aae S12a ve 17 1 ½11900 99,00 3 F 001,696 06,6611 8 10om n 03 000,18 10,01 1 02— 601 006,08 31,81 3 01 2 003,E 60,61 p 6 2 008,86 87,01 8 6 219 88˙9 9 I. 42*0 :poInGpal 8˙63 00˙00ͤ1.65˙I 66˙61 95 66 68/66 XIII 93˙891 Ig ————————— 10ou n 03 ——— 8—— 602 05 F. 68 11 C9,, O0h 018,8 Lner 09,061 98,09 6 01— 24 8† Fr. S⸗ 266,89 0½ν 788,51 863,85k 009,601 061ʃ1 25. 3 88 96,c6 666,98 9†9,9 T08,† 82†,s 066,16 G2,I6 23 18 521 186˙01 003˙1 297ʃ9 †19˙9 110˙63 981† 9 I— 09/0 : r—inGplrod ien 95/I 00 ˙001 C66/1l 66˙61 9566 68˙66 006˙986 68˙999 2 5—— 5 002,696 06,6616 8 0am n 03 —— 8 000,18 10,01 I 06 01 31 68,11 297,6 005 † 018,8 Arel 005,16 28,9, II 05=— 6 86 Fr S 266,89 06⁷11 188,51 863,8† 008,908 606,98 93— 3 08 96,66 366,98 959,9 T08,† 827,26 006,16I 84,66 565 35 08 822 186˙01 005/1 29 † 7L8˙9 0 ⁄98 99˙8 31 I— 0900 a1po*& acnent echänen wang engg eehe, renaghn güg, Aehs we en u2 usnor Veueoach un Lets Aatuc ⸗zunne adnhig u gb asnse, IWarſ : ugoog u p ge g. SBͤ S S S — S S C. CLandwirthſchaft und Tagelohnarbeiten betreiben: Größe des. 371 Ar Wert l. Hypotheken⸗ Kaufſchilling⸗ Mobiliar⸗ Geſammt⸗ in P t t d Areal Zafl Aare und rihne. Hypathen iuun g. ahulben ſahulden dir rhrarhed Pereenne Hectar Wieſen M. M. M. M. M. ſchulden ſchaftswerths Hectar 1 0,50— 1 13 8,46 38,200 13,318 1,022 1,120 15,460 53,56 40 2 1— 2 7 10,01 31,750 13,404—— 13,404 46,44 42 3 2— 5————————— 4 5— 10————————— 5 10— 20————————— 6 20 u. mehr———————— 23 18,47 69,950 26,722 1,022 1,120 28,864 100,00 41 0 — Hiervon ſind verſchuldet: 1 0,50— 1 10 6,46 32,075 13,318 1,022 1,120 15,460 53,56 48 2 1— 2 4 5,75 21,125 13,404—— 13,404 46,44 63 14 12,21 53,200 26,722 1,022 1,120 28,864 100,00 54 Nicht verſchuldet: 1 0,50— 1 3 2,00 6,125 2 1— 2 3 4,26 10,625 19 006†/I.8˙. 61 ——— aGom n 03 005,7 10,94 06— 01 000,06 148,8 1 of 6 001,0 ½ 71 81 9„— 5 066,0† 17,8 9 5] 01 1 88˙⁸ 2 1I— 000 :reuplaog 80 00˙0011 8r0'CCI 060˙G 81166 88/˙661(18/885 9˙† 88 ————————— ahout n 05 89 66,6812 267†,03* 9†*8 I,O 000,08 g0 06— 01 8⁰ 6 b1 10,51 005˙1 008, 110,8 00,06 90,81 6 01— 6 * 91,88 17,IS— 89,91 894†8 009,801(1,63 01 6.— 2 ꝗf 88,†1 616,56 060,1 08, 668,61 008, 06,6 1 5 09 00˙18 688˙8† 0†8/1 01˙6 660,9Ff 6,18 161 81 I— 020 :reInGplaog n 9*88 00,00J1 810˙CCI 060 8116.6 C88˙661 4½ 9 06/˙661 20 ————.————— 1Gom'n 03 88 66,82 2657,03—, 9*8½ 35I,O 00 †,5 09,96 3 06 I 66 62,1 120,51 008,1 008,5 120,8 001,0 87,15 8 01— 6 66 91,88 167,16 8 869,91 892†/6 00ʃ,871 68,07 91 9— 5 r 88,†1 6116,86 060,1 Ofg, 688,61 08,66 16,2 81 6 f 10 00˙18 688˙8† 0†80 01ʃ6 680/9 C6 † 6 7091 88 1—. Senoc szlvipl dechad 10 1 2 2 2 1an u 19p 1292 S9 ⸗JSoGodh e 1 qun a2p 16 b tnehch äirandun aadarnh Sgent ainſelias arshatie nih hum aena 3* : uognog gaoated d eee. OS S- GGOS. S — OSS S — 20— Frage IX. a. Wie geſtaltet ſich die Rentabilität des landwirthſchaftlich benutzten Bodens bei großen, mittleren und kleineren(eigenen oder gepachteten) Gütern? b. Wenn die Rentabilität als eine unbefriedigende erſcheint, ſind die Gründe zurückzuführen hauptſächlich auf 1. die Fruchtbarkeits⸗Verhältniſſe der Gemarkung, 2. die mangelhafte Melioration und die Zerſplitterung der Grundſtücke, 3. die im Verhältniß zur Ausnutzungsfähigkeit zu hohen Preiſe des Bodens, 4. einen mangelhaften landwirthſchaftlichen Betrieb, 5. ein zu großes Gebäudecapital, 6. ungünſtige Arbeiterverhältniſſe, 7. ungünſtige Abſatzverhältniſſe(ſchlechte Preiſe, unrationelle Einrichtungen für den Abſatz u. ſ. w.), 8. frühzeitiges Zurückziehen der Eltern und Belaſtung der Guüter mit hohen Altentheilen und Leibrenten, 9. beſondere unwirthſchaftliche Gewohnheiten der Landwirthe, z. B. zu ſtarke Pferdehaltung u. dgl., 10. hohe Steuern und Umlagen und ſonſtige dem Commiſſär bekannt gewordene Verhältniſſe? a. Zum Zwecke der Beantwortung der Frage IX wurden zwei Wirthſchaften aufgenommen, ein mittleres Bauerngut und ein Taglöhnergütchen, um an dieſen zwei Beiſpielen zur Feſtſtellung aller auf die Frage bezüglichen Verhältniſſe und Thatſachen zu gelangen, ſiehe Anlagen I und II. Es wurde bei der Auswahl der Güter mit möglichſter Sorgfalt vorgegangen, um typiſche Wirthſchaften der Unterſuchung zu unterziehen. Dank der außerordentlich ſachkundigen Orientirung des Großh. Bürger⸗ meiſters dürfte dies auch gelungen ſein. Die Erhebungen, welche nach Anweiſung des Commiſſärs zu deſſen Erleichterung während ſeiner Reconvalescenz von J. Urban, früherem Schüler der Ackerbauſchule Darmſtadt, gemacht worden ſind, führten zu dem der Wirklichkeit wohl entſprechenden Ergebniß, daß die Taglöhnerfamilie ſich ungleich beſſer ſtellt, als die Bauernfamilie. Bezüglich der Thatſachen und Verhältniſſe im Einzelnen mag auf die Anlagen I und II verwieſen ſein und ſoll hier nur Folgendes als zur unmittelbaren Beant⸗ wortung der Frage gehörig hervorgehoben werden. 21— I. Beſitzſtand⸗Nachweis, beſtehend aus den Nachweiſen über den Werth von Grund und Boden mit Obſtbäumen, Gebäude⸗ capital, Inventarcapital(todt und lebend) und umlaufendes Be⸗ triebscapital(Vorrath). Das Verhältniß der einzelnen Betriebscapitalien zum Grundcapital ſtellt ſich wie folgt: Mittleres Bauerngut: Das Gebäudecapital beträgt...... 57 pCt. vom Grundcapital. Das Inventarcapital(todt und lebend) beträgt 14„ 5 9 Das umlaufende Betriebscapital(Vorrath) beträgt. 6„„ 5 Taglöhnergütchen: Das Gebäudecapital beträgt.... 119„„„ Das Inventarcapital(todt und lebend) beträgt 9„ 95„ Das umlaufende Betriebscapital(Vorrath) beträgt. 44„„ 5 II. Natural⸗Rechnung, beſtehend aus den Nachweiſen über Natural⸗Ertrag und Natural⸗Bedarf nebſt Schlußfolgerungen. Bei der Naturalrechnung iſt zunächſt hinſichtlich des Naturalertrages von Acker und Wieſe hier zu erwähnen, daß der in den Anlagen eingeſetzte Naturalertrag na⸗ mentlich in Betreff der Körner mit den Mittelernten, welche nach der officiellen Statiſtik in Ginsheim erzielt werden ſollen, annähernd übereinſtimmt. Die Erträge des Viehſtandes entſprechen der allgemeinen dermal wirthſchaftlich gerechtfertigten In⸗ tenſitätsſtufe. Was den Naturalbedarf der Familie betrifft, ſo erweiſen die Naturalrechnungen, daß die Familien der Beſitzer ſich einfach aber auskömmlich nähren. III. Geldrechnung, beſtehend aus den Nachweiſen über Geld⸗ einnahmen und Geldausgaben. Die Geldrechnung weiſt nach, daß der Beſitzer des Bauerngutes eine Mehraus⸗ gabe von 559,35 Mk. hat. Es iſt dies beſonders charakteriſtiſch, indem dies in dieſer Claſſe der Beſitzgröße hier durchaus nicht als ein außergewöhnliches Vorkommniß inſofern betrachtet werden dürfte, als zugeſtandenermaßen gerade die mittleren und kleineren Landwirthe im Allgemeinen aus ihren Schulden nicht herauskommen, viel⸗ mehr eher noch in ihren Verhältniſſen von Jahr zu Jahr mehr zurückgehen. Ein Glück, daß ſie dieſe Anleihen wenigſtens bei reellen Geldinſtituten und nicht bei Wucherern machen. Der Beſitzer des Taglöhnergütchens hat dementgegen einen Ueberſchuß von 21 Mk. IV. Rentabilitäts⸗Berechnung, heſtehend aus den Nachweiſen über den Rohertrag(excl. der für die Production in der Wirthſchaft wieder verwendeten Producte), die Productionskoſten und den Reinertrag. Die Rentabilitätsberechnung hat zu dem Reſultat geführt, daß bei dem mittleren Bauerngut der Zins des Grundcapitals plus Unternehmergewinn 2 pCt. beträgt, während das Taglöhnergütchen einen Zins des Grundcapitals plus Unternehmerge⸗ winn von 3,6 pCt. abwirft. Wenn man dabei noch den thatſächlichen Umſtand in Er⸗ — 22— wägung zieht, daß neben dieſer höheren Verzinſung der Beſitzer des Taglöhnergütchens mit ſeinem Sohne außerhalb der Wirthſchaft noch baar an Taglohn rund 1500 Mk. verdient, ſo muß man zwingend zu der mit der Wirklichkeit in vollſtem Einklang ſtehenden Ueberzeugung kommen, daß unter den gegebenen Verhältniſſen der die Land⸗ wirthſchaft als Nebengewerbe betreibende Taglöhner ſich beſſer und ſicherer mit ſeiner ganzen Familie ſtellt, als der nur auf Landwirthſchaft angewieſene Beſitzer eines „mittleren“ Bauerngutes. b. Wie bei d in Frage VIII. Frage X. Zu welchen Schlußbetrachtungen gelangt die Commiſſion auf Grund ihrer Erhebungen über die Geſammtlage der landw. Bevölkerung der Gemeinde, bezw. von welchen Verhältniſſen oder Maßnahmen glaubt ſie eine Beſſerung der wirthſchaftlichen Lage erwarten zu dürfen? Die Gemeinde Ginsheim kann wohl im Allgemeinen als typiſch angeſehen werden für alle diejenigen Gemeinden der Rheinebene in der Provinz Starkenburg, welche mitten im Inundationsgebiete des Rheines gelegen in ihrer ganzen ferneren Exiſtenz in erſter Linie von der raſchen und glücklichen Löſung der Frage einer den modernen Anſprüchen vollkommen entſprechenden Waſſerwirthſchaft abhängen. Außer⸗ dem bietet ſich in der Gemeinde Ginsheim noch im beſonderen der getreue Typus für diejenigen dieſer Ortſchaften, welche an einer Hauptverkehrsader und in der Nähe unſerer Haupt⸗, Handels⸗ und Induſtrieplätze, mitten in die moderne volkswirthſchaft⸗ liche Umwälzung hineingeſtoßen ſich derſelben noch nicht vollkommen genügend ange⸗ paßt haben. Die veranſtalteten Erhebungen dürften wohl darauf hinweiſen, daß für eine ganze Kategorie landwirthſchaftlicher Betriebe ihre Arbeitsleiſtung als ſolcher volkswirth⸗ ſchaftlich auf dem Punkte angelangt iſt, entbehrlich zu werden. Im eigenſten Inte⸗ reſſe, wie im Intereſſe des Ganzen ſollten ſich dieſe Familien je eher je beſſer einer anderen Hauptbeſchäftigung zuwenden. Je mehr Handel und Induſtrie proſperiren, um ſo eher wird es ihnen gelingen, eine ihren Kräften, Fähigkeiten und Neigungen entſprechende Beſchäftigung zu finden. Die Arbeitskraft derjenigen ihrer Familienglieder, welche dem auswärtigen Arbeits⸗ verdienſt nicht nachzugehen vermöchten, könnten dann auf der Flur wenn auch kleinerer aber nunmehr mit Betriebscapital geſättigter Grundſtücke bei in der Hauptſache aus⸗ geſprochen gartenmäßiger Cultur eine überaus lohnende und angemeſſene Verwendung finden. Außerdem könnte noch eine weitere ſehr zweckmäßige und ausdehnungsfähige Gelegenheit zu hausinduſtriellem Nebenverdienſt geſchaffen werden, wenn es gelänge, die Cultur edler Korbweiden an den Ufern des Rheines, als ihrem natürlichſten Standorte, in größerem Maßſtabe einzubürgern, eventuell vorübergehend eine Korb⸗ flechtſchule zu etabliren. — 29— Die unter dieſer Vorausſetzung frei werdenden Grundſtücke würden die will⸗ kommene Gelegenheit bieten, einer gewiſſen anderen Zahl landwirthſchaftlicher Betriebe die zu ihrer Lebensfähigkeit abſolut erforderliche Abrundung wirthſchaftlich zu er⸗ möglichen. Der landwirthſchaftliche Betrieb ſteht, wie a. a. O. ſchon erwähnt wurde, nicht auf der volkswirthſchaftlich gebotenen Intenſitätsſtufe. Aus dieſer Thatſache darf aber der landwirthſchaftlichen Bevölkerung Ginsheims kein Vorwurf gemacht werden. Eine jede weiterausgebildete Wirthſchaftsintenſität müßte unter den augenblicklichen Productionsverhältniſſen vorerſt noch als ein wirthſchaftlicher Mißgriff erſcheinen. Eine wirthſchaftlich gerechtfertigte höhere Intenſitätsſtufe verknüpft ſich zunächſt mit der Vorausſetzung, daß es gelingt, der Gemarkung die Garantie einer möglichſt weitgehenden Ertragsſicherheit den Ueberfluthungen gegenüber zu gewähren und weiterhin eine ſolche Regelung der Planlage der Grundſtücke herbeizuführen, daß jedes der letz⸗ teren in landbautechniſcher wie wirthſchaftlicher Rückſicht dem vollſten Maße moderner Anſprüche genügt.— Eine wirthſchaftliche Planlage der Grundſtücke fordert nach dem früher Erwähnten hier eine Gruppirung der für den gartenmäßigen Feldbau beſtimmten Grundſtücke in einem Gürtel rings um das Dorf, dem weiter nach außen die im engeren Sinne landwirthſchaftlich benutzten Grundſtücke ſich anzuſchließen hätten. Wie a. a. O. ſchon hervorgehoben, kann es ſich in culturtechniſcher Beziehung hier nicht einſeitig nur darum handeln, das ſchädliche Waſſer abzuhalten, ſondern es muß vielmehr eine möglichſt umfaſſende ſyſtematiſche„Waſſerwirthſchaft“ im Auge behalten werden, um durch ſie in dem irgend erreichbar höchſten Maße den fruchtbaren Rheinſchlamm, dies landwirthſchaftliche Rheingold, an die Scholle zu bannen. Erſt wenn durch eine ſolche umfaſſende landbautechniſche und wirthſchaftliche Vorbereitung der Flur eine ſichere Grundlage geſchaffen ſein wird, kann wirthſchaftlich korrekt daran gedacht werden, weitere Vorſchläge im Intereſſe der Landbau treibenden Bevölkerung zu machen. Am beſten läßt ſich was dann anzuſtreben damit characteriſiren, daß eben eine progreſſiv intenſivere Erſatzwirthſchaft mit zweckentſprechendſter Geſammtorganiſation der landwirthſchaftlichen Betriebe überhaupt, wie ganz beſonders der in ihnen ver⸗ wendeten Arbeit ſich Bahn brechen muß. Da dies aber für einen weniger gewandten Wirthſchafter vorerſt wohl noch vielfach unerreichbar iſt, ſo muß dann weiter zunächſt in das Auge gefaßt werden, die beruf⸗ liche Leiſtungsfähigkeit durch eine bedürfnißgemäße theoretiſch und praktiſch gründliche Fachbildung der landbautreibenden Bevölkerung auf eine den modernen Anſprüchen entſprechendere Stufe zu heben. Dieſe Fürſorge darf aber nicht auf den männlichen Theil der Bevölkerung allein beſchränkt bleiben, vielmehr muß auch der weibliche Theil daran participiren. Die Errichtung von Haushaltungsſchulen für Bauerntöchter dürfte ſich in dieſem Sinne beſonders empfehlen. Schließlich würden ganz unbeſtreitbar Prämiirungen ganzer Wirthſchaftsbetriebe, welche in wirthſchaftlich und techniſch muſtergiltiger Durchführung es verſtanden haben, 24 ſich den gegebenen localen Verhältniſſen anzupaſſen, in eminenteſter Weiſe umfaſſend fördernd wirken. Wenn im Vorſtehenden keine Detailvorſchläge in Abſicht auf die ſpätere Betriebs⸗ organiſation gemacht worden ſind, ſo geſchah dies in der Ueberzeugung, daß unter den gegebenen Verhältniſſen eine practiſch richtige Löſung der hier in Betracht kommenden Frage nur auf dem Wege ſtrengſter und eingehendſter Individualiſirung durch den einzelnen Wirthſchafter ſelbſt von Fall zu Fall gefunden werden kann. In der Natur der Verhältniſſe gründet anknüpfend an die weitgehendſte Arbeitstheilung auf Grund dieſer ſorgfältigſten Individualiſirung andererſeits die Forderung einer möglichſt um⸗ faſſend ausgedehnten Cooperation. Das Ideal einer ſolchen dürfte wohl darin ge⸗ funden werden, wenn der routinirte Kaufmann in gleichberechtigter Theilhaberſchaft mit dem Landwirth ein Compagniegeſchäft in der Weiſe entrirte, daß letzterer ſeine ganze Kraft der Production widmen könnte, während erſterer den kaufmänniſchen und das Rohproduct zugleich veredelnden Theil zu übernehmen hätte. So könnte in der Gemeinde Ginsheim, um nur einen jetzt ſchon nahe liegenden Gedanken anzudeuten, durch Maſſenproduction einiger weniger aber umſichtig gewählter Obſtſorten und einem Verſchleiß in der angedeuteten Weiſe wohl ſicher ein ſehr lucratives Geſchäft gemacht werden. Außerdem wird es unter den gegebenen Verhältniſſen den Landwirthen nur auf cooperativem Wege möglich ſein, die immer weniger zu entrathende Tiefcultur all⸗ gemein durchzuführen ſowohl in Rückſicht auf die erforderlichen Spannkräfte wie die hierfür unentbehrlichen Geräthe. Wenn ſchließlich die Erhebungen in ſehr nahe liegender Weiſe andeuten, daß wohl die Mehrzahl der rein landwirthſchaftlichen Betriebe charakteriſirt ſein dürfte durch ein unverhältnißmäßig großes Grundcapital, weitaus unzureichendes Betriebscapital und abſoluten Mangel an Rerſervecapital, ſo kann, ſoweit dieſe Ueberlaſtung durch un⸗ verhälnißmäßiges Gebäudecapital begründet iſt, dieſer Mißſtand durch allmälige Ver⸗ größerung der Anweſen in der eben angedeuteten Weiſe etwas an Schärfe verlieren. Da aber dieſer Proceß ſich jedenfalls doch nur ganz langſam vollziehen kann, häufig auch gar nicht ſtattfinden wird, ſo muß dieſelbe eben als eine unvermeidliche Folge der naturalen Theilung des Liegenſchaftsbeſitzes in Kauf genommen werden. Im Uebrigen ſollte aber vor allem bei Kauf und Pachtung nur ein ganz ſorgfältiger Vor⸗ anſchlag die Grundlage für die Schätzung des Gutswerthes abgeben. Iſt dann ſo eine wirthſchaftlich vernünftige Grundlage geſchaffen, dann muß nach verſtändiger und individualiſirendſter Wirthſchaftsorganiſation mit verſtändnißvoller und ſparſamer Be⸗ triebsleitung unter mäßiger Inanſpruchnahme des Credits mit den jährlichen Wirth⸗ ſchaftsüberſchüſſen das Betriebscapital nach und nach auf ſeine berechtigte Höhe ge⸗ bracht und Reſervecapitalien in genügender Menge angeſammelt werden. Nur ſo werden die Betriebe aus ſich ſelbſt ergänzt und geſtärkt, nur ſo werden ſie auf eigene Füße geſtellt! Wer ſie von außen ſtärkt, mit Hülfe des Credits, kann zwar als gewandter Wirthſchafter raſcher zum Ziele kommen, aber kann auch gerade daran zu Grunde — 25— gehen. Jede weitergehende Inanſpruchnahme des Credits gibt immer wohl oder übel die Wirthſchaft der unberechenbaren Gewalt der Conjuncturen preis. Der Organi⸗ ſation der Arbeit iſt, weil ſie bislang wohl am meiſten zu wünſchen übrig läßt, eine ganz beſondere Aufmerkſamkeit zu widmen. Die Commiſſion iſt der Ueberzeugung, daß die vorhandenen Creditinſtitute dem Bedürfniß vollkommen ausreichend genügen. Der Berathung über den Bericht, welche das vorſtehende Reſultat hatte, wohnten außer den Unterzeichneten bei: der Großherzogliche Kreisrath Freiherr v. Loew, das Kreisausſchußmitglied Bürgermeiſter Miſchlich zu Nauheim, der Bürgermeiſter, ſowie der Beigeordnete von Ginsheim mit zwei Gemeinderäthen und Gutsbeſitzer v. Molsberg zu Langaue. Ginsheim, am 13. Februar 1886. Jaup, Geheimerath. K. Stimmel, Großherzoglicher Landwirthſchaftslehrer. J. Urban. ᷓᷓᷓᷓAᷓQᷓAQᷓÖQᷓAQᷓÖOÖ’ Anlage I. Gemeinde Ginsheim. Beſitzſtand, Natural⸗ und Geld⸗Rechnung und Rentabilitäts⸗Berechnung eines mittleren Bauerngutes von 6,44 Hectar Der Beſitzer iſt verheirathet, 47 Jahre alt und hat 4 Kinder, wovon 1 Sohn ſich z. Z. beim Militär befindet. Die übrigen Kinder ſind 2 erwachſene und 1 jüngere Tochter.(Letztere beſucht noch die Schule.) Die Frau iſt 50 Jahre alt und noch rüſtig. Die Familie beſteht alſo aus 5 Erwachſenen(2 Männer und 3 Frauen) und einem Kinde. Hiervon ſind z. Z. 4 Perſonen in der Wirthſchaft thätig. I. Beſitzſtand. A. Grund und Boden mit Obſtbäumen. mittlerer Kaufwerth: Steuercapital incl. 4,44 Hectar Ackerland(Eigenthum) Mk. 12850 Gebäude: 2,00⸗„„(Pachtung)„ 2400 Mk. 214,1 (in 44 Parcellen. Weiteſte Entfernung 10 bezw. 11 Kilometer[1 Hectar Ge⸗ lände] mittlere Entfernung 4 Kilometer). Obſtbäume: 4 größere Apfelbäume à Mk. 30. Mrk. 120 1„ Birnbaum a Mk. 15...„ 15 6 jüngere Aepfelbäume à Mk. 5......„ 30 4„ VBirnbeiume aA Ml. 3.....„ 12 40 Zwetſchen⸗ und Kirſchbäume.....„ 130 Summe. Mk. 307 Wiederholung. Grund und Boden.......... Mk. 15250 Obſtbäume„ 307 Mk. 15557 zu übertragen.. Mk. 15557 Uebertrag. Mk. 15557 B. Gebäude. Eine Hofraithe, beſtehend aus Wohnhaus, Stallung und Scheuer, laut Brandcataſter....„ 8840 C. Viehſtand. 1 Pſferd........... Mk. 500 2 Kühe(1 Berner Kreuzung und 1 Odenwälder Raſſe)...........„ 580 2 Rinder........„ 170 4 Kalb.........„ 25 2 Ziegen. ö„ 14 2 Mutterſchweine a Mk. 70.......„ 140 2 Maſtſchweine.......„ 215 2 Läuflingsſchweine..........„ 79 10 Ferkel.„ 80 10 Stück Geflüigel........„ 12 —„ 1811 D. Todtes Inventar. 2 Wagen(a. Mk. 160 und b. Mk. 30)... Mk. 190 1 Vorder⸗ und 4 Hinterpflüge......„ 37 1 Gage„ 10 1 Pferdegeſchirr...........„ 25 1 Getreide⸗Windfege..........„ 10 Handgeräthe incl. Säcke.........„ 20 Hausrath inel. Kochgeſchiir.......„ 80 9 E. Vorrath an umlaufendem Betriebscapital ſiehe Rentabilitätsberechnung........„ 936 Werth des geſammten Beſitzes.. Mk. 27516 Inventar der engeren Familienwohnung Mk. 1200. II. Natural-Rechnung. A. Natural⸗Ertrag. Aus dem Ackerbau. Die Bewirthſchaftung iſt die im Allgemeinen in der Gemarkung übliche. Der Anbau der Früchte und der Natural⸗Ertrag ſtellen ſich hiernach durchſchnittlich un⸗ gefähr wie folgt: 3²⁰ Getreide[8.5 88 8 8:8 3[2S8 2 Anbanu 5[3[45 25 0 [3l asl Centner. Korn.........1,10 Heckar 34 60 Hafer...... 0,60 o 35 35 Weigzen....... 0,60„ 22 38 Gerſte...... 242. 0,90„ 36 40 Kartoffeln..... 1,30„—— 360 Rüben..... 22 1,20„——[800 Klee..... 0,,74.„—— I—— 1125 Obſt 5. d.——J— 1— I= 15 Der Durchſchnittsertrag berechnet ſich pro ½ Hectar wie folgt: bei Korn auf 7,72 Ctr. Körner, 13,63 Ctr. Stroh, „Hafer„ 10,41„„ 14,50„„ 2 Weizen 1 9,16 1 2 16,25 1 11 1 Gerſte 2 10 11 1 11,11 1 1 „Kartoffeln„ 69,23„ Knollen(gute), „ Rüben„ 166,66„ Rüben, „ Klee„ 37,20„ Heuwerth. Aus dem Viehſtand. Milch. Durchſchnittlich im Jahr pro Kuh 2372,5 Liter, pro Tag und Kuh circa 6,5 Liter, im Ganzen alſo 4745 Liter. Rindvieh. Durchſchnittlich werden alle 3 Jahre 2 Rinder reſp. Kühe und 1 Kalb verkauft. Schweine. 3 Maſtſchweine mit durchſchnittlich 230— 240 Pfund Schlachtgewicht. Außerdem noch 16—18 Ferkel. Geflügel. Durchſchnittlich 1100 Eier und etwas abgängiges Geflügel. B. Natural⸗Bedarf. Für Saatgut. Korn 1,25 Hectar.. 5 Ctr.— Pfd. Hafer 0,75„... 2„ 70„ Weizen 0,37„..... 1„ 50„ Gerſte 1,62„.... 6„—„ Kartoffeln 1,20„.... 30„„ Rüben 0,75„..„„ 8 Klee 0,50„.....—„ 16.„ Für den Viehſtand. Korn..... 1 Ctr.— Pfd. Hafer...... 22„„ Gerſte....... 6„„ Kartoffeln.......... 310„„ Rüben........ 9300„„ Klee wird zum Theil grün, zum Theil als Heu gefüttert, im Heuwerth.. 125„—„ Heu und Grummet(angekauft)... 50„=„ Stroh........ 173„—„ Roggenkleie vom eigenen Mahlgut 10,20, hierzu noch 5 Ctr. zugekauft... 15„ 20„ Weizenkleie.......... 8„—„ Palmkuchen......... 3„—„ Milch halb ganz, halb abgerahmt.. 1000 Liter. Der Werth der für den Viehſtand verwendeten Producte beträgt Mk. 2290,50 Der Werth der erzielten Producte berechnet ſich im Ganzen auf„ 1000,— Es würden demnach durch den Stallmiſt noch zu decken ſein. Mk 1290,50 Die Stallmiſtproduction iſt annähernd auf 1000 Centner zu ſchätzen, ſo daß der Centner auf etwa Mk. 1,29 zu ſtehen kommt, wozu noch die Koſten für Zinſen, Verpflegung u. ſ. w. des Viehſtandes treten. Für die Familie. Roggen... 28 Ctr. Weizenmehl...... 2„ Kartoffeln.......... 20„ Fleiſch..... 600 Pfd. (hiervon ſelbſtproducirtes Schweinefleiſch und Wurſt ca. 500 Pfd. und 100 Pfd. zugekauftes Rindfleiſch, hin und wieder ein abgängiges Stück Geflügel) Buttey............ 75„ Schmalz(ſelbſt producirt)....... 70„ Kaffee........ 535360„ Zner......... 26„ Saälz.........a.. 150„ Milch(gaua)........... 400 Liter Eier.............. 800 Slück Käſe............ 500 Pfd. Obſt. 500„ Es berechnet ſich hiernach, wenn man für den beim Militär befindlichen Sohn 100 Pfd. Fleiſch und 25 Pfd. Butter, welche demſelben geſchickt wird, abrechnet, der Verbrauch der noch 5 Perſonen zählenden Familie pro Kopf und Tag auf ungefähr: — 30— 824 Gramm Getreide, 547„ Kartoffeln, 133„ Fleiſch, 14„ Butter, 11„ Schmalz, 13„ Kaffee, 5„ Zucker, 40 Salz, 0,20 Liter Milch, 137 Gramm Obſt, 437„ Käfe, Eier, Gemüſe u. ſ. w. Der Werth der verbrauchten Nahrungsmittel beträgt annähernd jährlich Mk. 878,50 und täglich ca. Mk. 2,40 oder pro Kopf Tag ca. 50 Pf. Die Lebensweiſe der Familie iſt folgende: Erſtes Frühſtück: Kaffee, Brod mit Schmierkäſe oder Latwerge. Zweites Frühſtück: Brod mit Butter oder Käſe. Mittageſſen: Gemüſe oder Kartoffeln, Suppe, Mehlſpeiſe und viermal wöchentlich Fleiſch. Vesperbrod: Brod mit Butter oder Käſe, wenn zu Hauſe gegeſſen wird auch Kaffee. Abendbrod: Salat, geröſtete oder gequellte Kartoffeln, wozu Butter, Käſe, zuweilen auch Fleiſch oder Wurſt. Geld-⸗Rechnung. Einnahmen. 24 Etr. Gerſte à Mk. 8,50.........Ml. 204,. 20„ Weizen à Ml. 10...........„ 200,— 240 Pfd. Butter à 90 Pf.............„ 216,— 300„ Häſe à 10 Pf.............. D 30,— Etwas Geniſiſe..............,„ 10,— Vieh. Alle 3 Jahre 2 Rinder oder Kühe à Mk. 280...„ 187,— Hierzu 1 Kalb.............. So 35,— 1 feites Schiwein..............⸗ 90,— 16 Ferkel à Mk. 8............„ 128,— 400 Gier à 6 Pf..............„ 24,— 30 GEtr. Kartoffeln a Mk. 3...........„ 90, 10„ Obſt a Mik. 4............„ 40,— Ackerlohn.................„ 60,— Summe Mk. 1314,— — 31— Die Preiſe für Getreide ſind die von den Händlern an Ort und Stelle ge⸗ zahlten Durchſchnittspreiſe. B. Ausgaben. Steuern und Umlagen: Grund⸗, Gebäude⸗ und Einkommenſteuer... Mk. 33,— GEommunalſteuer...........„ 59,60 Tilgungsreltte..........„ 2,14 — Mk. 94,74 Ackerpacht..............„ 365, Zinſen für Hypothek⸗ Schuld..... Mk. 302,— Zinſen für ſonſtige Schulden(Darlehnskaſſe).„ 50,— 97 Unterhaltung der Gebäude: Wirkliche Ausgabe........„ 40,— Unterhaltung des todten Inventars: Wirkliche Ausgabe: dem Wagner........ Mlk. 25,— dem Schmied....„ 50,— für Hausrath und Handgeräthe. 1„ 20,— a Inventar der Familienwohuung.......„ 15,— Verſicherungsprämie: Wirkliche Ausgabe: für Gebände....... Mlk. 10,16 für Inventar...........„ 6,95 —-„ 147,11 Zukauf von Kraftfutter ꝛc.: 5 Ctr. Noggenkleie à Mk. 6,50..... Ml. 32,50 8„ Weizenkleie à Mk. 5......„ 40,— 3„ Palmkuchen 4A Mk.......„ 21,— 3 Heu und Grummet(auf dem Halm)....„ 60,— f —„ 153,50/ Heizung und Beleuchtung: 8 Holz............ Mlk. 40,— Kohlen..„ 40,— Petroleum.............„ 10,— — 1„ 90,— Zukauf von Dünger:. Guand%........„ 35,„ zu übertragen.. Mk. 1357,35 32 Zukauf von Nahrungsmitteln: 200 Pfd. Weizenmehl à 20 Pf. 100„ Fleiſch à 60 Pf. 50„ Dreſchlohn(mit der wiſümnrſcim ddenſhen) Bekleidung. Arzt und Apotheke. Thierarzt. Verſchiedenes. Uebertrag Kaffee, 20 Pfd. Zucker, 150 Pfd. Salz„ 93,— Summe Mk. 1357,35 „ 193,— „ 102,— „ 250,— 1 15,— 1 6,— 1 50,— Mr. 1873,35 C. Vergleichung der Geld⸗Einnahmen und Geld⸗Ausgaben. Die Einnahmen betrugen. Die Ausgaben betrugen Mehrausgaben als Einnahmen. „ 1314, Mk. 1873,35 Mr. 559,35 IV. Rentabilitäts-Berechnung. A. Rohertrag. (excl. der für die Production in der Wirthſchaft verwendeten Producte.) Erlös aus verkauften Producten Werth der für die Familie aus der ruityſcheſte entnommenen Producte Summe B. Productionskoſten. 1. Gebäudecapital: Zinſen von Mk. 8840 à 4 pCt. Verſicherungsprämie.— Abnutzung 0,75 pCt. Inſtandhaltung. 2. Capital des lebenden Inventars: Zinſen von Mk. 1811 à 4 pCt. Verſicherungsprämie 2 pCt.. zu Mk. 353,60 „ 10,16 „ 37,50 „ 40,— Mk. 72,44 „ 36,22 übertragen Mk. 1254,— „ 700,50 Mr. 1954,50 Mk. 441,26 „ 108,66 Mr. 549,92 Uebertrag 3. Capital des todten Inventars: Zinſen von Mk. 372 à 4 pGt..... Mk. 14,88 Verſicherungsprämie 0,2 pGCt.....„ 0,74 Erneuerung und Inſtandhaltung, wirkliche Ansgabe.........„ 95,— 4. Zinſen des umlaufenden Betriebscapitals Mk. 936. Hiervon 6 pCt...... 5. Hagelverſicherungsprämie. Werth der Getreide⸗Ernte Mk. 1200 à 0,75 pCt............. 6. Steuern und Umlagen. 7. Kraftfutter und Heu 8. Dünger(Guano)... 9. Heizung und Beleuchtung. 10. Thierarzt.. 11. Lohn für 4 Perſonen der Fumii. 12. Verſchiedenes.. Summe C. Reinertrag. Der Rohertrag betrug.... Mk. 1954,50 Die Productionskoſten betragen.„ 1838,51 Bleibt Reinertrag. Mk. 115,99 Mk. 549,92 „ 110,62 „ 56,16 „ 9,— „ 79,31 „ 153,50 1 35, 11 25,— 1 10,— „ 800,— 1 10,— Mr. 1838,51 Rechnet man hierzu den Werth der freien Wohnung, den thatſächlich die Wirthſchaft leiſtet, mit Mk. 200, ſo ſteigert ſich der Reinertrag auf Mk. 315,99. Das Grundcapital incl. Obſtbäume iſt eingeſchätzt auf Mk. 15557. Hiervon Mk. 315,99 Zins, beträgt der Zins des Grundcapitals(Grundrente). plus Unternehmergewinn 2 pCt. Anlage II. Gemeinde Ginsheim. Beſitzſtand, Natural⸗ und Geld⸗Rechnung und Rentabilitäts⸗Berechnung eines CTaglöhnergütchens von 0,85 Hectar. Der Beſitzer iſt verheirathet, 48 Jahre alt und Vater von 4 Kindern, wovon ein erwachſener Sohn, zwei erwachſene Töchter und eine noch ſchulpflichtige Tochter. Der erſteren eine dient. Die Frau iſt 50 Jahre alt und noch ziemlich rüſtig. Im ganzen beſteht alſo die Familie aus 6 Perſonen, wovon 5 Erwachſene— 1 Manns⸗ und 2 Frauens⸗Perſonen— ihre Arbeitskraft mehr oder weniger der Wirthſchaft widmen. Der Beſitzer ſelbſt arbeitet in einer Fabrik(Brückenbaugeſellſchaft), der Sohn iſt Maurer und gewöhnlich in Biſchofsheim beſchäftigt. I. Beſitzſtand. A. Grund und Boden mit Obſtbäumen(Grundcapital). mittlerer Kaufwerth: 0,68 Hectar Ackerland(Eigenthum) 822 Mk. Steuercapital incl. 0,08„ Acekerland(Pachtung) 192„ Gebäude: 0,090„ Wieſe. 130„ 20 Mk. Obſtbäume: 6 größere Aepfelbäume à Mk. 30.... Mk. 180 4„ Virnbäume à Mk. 15....„ 60 18 junge Aepfelbäumte à Ml......„ 90 1 junger Birnbaum.........„ 3 50 Zwetſchenbäume à Ml. 3......„ 150 Summe Mk. 483 Wiederholung. Grund und Boden.. Mk. 1194 Obſtbäiume.........„ 4089 Mk. 1677 zu übertragen.. Mk. 1677 — 35— Uebertrag B. Gebäude. Ein Wohnhaus mit Stall laut Brandkataſter . C. Viehſtand. 4 Ziegen à M.......... Mlk. 28 1 Schiein.....„ 60 6 Hühner.„ 9 2 Gänfe„ 6 D. Todtes Inventar. Handgeräthe incl. Säcke.... Mtk. 15 Hausrath incl. Kochgeſchirr.......„ 35 E. Vorrath an umlaufendem Betriebscapital ſiehe Rentabilitätsberechnung..... Mk. I 2 1677 2000 103 50 750 Werth des geſammten Beſitzes.. Mk. 4208 Inventar der engeren Familienwohnung Mk. 500. II. Natural-Rechnung. A. Natural⸗Ertrag. Aus dem Acker⸗ und Wieſenbau. Die Bewirthſchaftung des Ackerfeldes iſt die im Allgemeinen übliche. Getreide 5— s[²*⸗ Anbau là3 5SsS ſsſ Centner. Korn....... 0,085 Hectar 2,5 4 Geyſte.. 0,175„ 77 Kartoffeln.... 0,420„——[72 Rühen...... 00,050„———[20 Kraut....... 0,030„———[[10 Wieſen... 0,090„———ß—1=— 4 Obſt.......———- I— I= I11 — 36— Der Durchſchnittsertrag berechnet ſich pro ½¼ Hectar wie folgt: bei Korn auf 7,34 Ctr. eine 11,76 Ctr. Stroh, „ Gerſte„ 10, O00„„ 10, 00„„ „ Kartoffeln„ 42,85„ Knollen ggeſunde), „ Rüben„ 100,00„ Rüben, „Kraut„ 83,33„ Kraut, „ Wieſen„ 11,11„ Heu und Grummet. Aus dem Viehſtand. Milch. Durchſchnittlich im Jahr pro Ziege 150 Liter, pro Tag und Ziege 0,41 Liter, im Ganzen alſo 600 Liter. Ziegen. 6 bis 8 junge Ziegen. Schweine. 1 Maſtſchwein mit circa 200 Pfund Schlachtgewicht. Geflügel. Etwa 500 Eier. B. Natural⸗Bedarf. Für Saatgut: Korn 0,100 Hectau..„ Etr. 40 Pfd. Gerſte 0,255„.... 1„—„ Kartoffeln 0,375„...... 9„—„ Rüben 0,030„......—„ 2„ Für den Viehſtand: Gerſte........... CECtr. 50 Pfd. Kartoffeln.. 28„„ Rüben....... 20„—„ Wieſenheu und Grummet. 4„—„ Stroh.......... 16„=„ Noggenkleie......... 12—„ Milch. 25 Liter. Der Werth der für den Viehſtand verwendelen Producte beträgt in runder Summe annähernd.... Ml. 223,75 Der Werth der erzielten Producte terce ſch im Ganten in runder Summe annähernd auf....„ 206, Es würden demnach für die Koſten der verneubeten Berducie nocj durch den Stallmiſt zu decken ſein... MNk. 17,75 Die Stallmiſtproduction iſt annähernd auf 90 Cantner zu ſchätzen, ſo daß der Centner auf etwa 20 Pf. zu ſtehen kommt, wozu dann noch die Koſten für Zinſen und Verpflegung des Viehſtandes treten. Für die Familie. Roggen........... 21 Ctr.— Pfd. Kartpffeln.......... 40„=„ — — 37— Fleiſch.... 590 Pfd. (hiervon 200 Pfd. von einem eigenen Schwein und 390 Pfd. meiſt Rind⸗ fleiſch anrganit) Butter.:. 60„ Schmalz 8„ (ſelbſtproducirt 12 nb euui 66 pd) Kaffee. 8„ Zucler.........15„ Salz........ 100 Milch........ 730 Liter Eier... 700 Stück ſapitrodtein 500, gcuuſt2 200 Stic) Käſe... 260 Pfd. Gemüſe, Obſt ꝛc. Es berechnet ſich hiernach der Verbrauch der Familie pro Kopf und Tag auf ungefähr: 505 Gramm Getreide, 548„ Kartoffeln, 161„ Fleiſch, 16„ Bultter, 21„ Schmalz, 21„ Kaffee, 4„ Ducker, 28 Salz, 0,40 Liter Milch, 71 Gramm Käſe. Der Werth der verbrauchten Nahrungsmittel beträgt annähernd jährlich Mk. 1187 und täglich Mk. 3,25 oder pro Kopf und Tag ca. 50 Pf. Die Lebensweiſe der Familie iſt folgende: Erſtes Frühſtück: Kaffee, Brod mit Latwerge oder Schmierkäſe. Zweites Frühſtück: Brod mit Käſe oder Butter. Mittageſſen: Die Männer kommen Mittags nicht nach Hauſe, ſondern nehmen Brod und Fleiſch oder Wurſt mit. Die Frauen eſſen Kartoffeln oder Ge⸗ müſe, Suppe, dreimal wöchentlich Fleiſch, Mehlſpeiſe ꝛc. Vesperbrod: Kaffee mit Brod, zuweilen auch Latwerge oder Schmierkäſe. (Die Männer nehmen ſich Kaffee mit.) Abendbrod: Salat, geröſtete oder geſottene Kartoffeln, Suppe, Eier, Kaffee mit Brod. — 38— III. Geld-Rechnung. A. Einnahmen. 2 Etr. Korn à Mk. 8. 5,5„ Gerſte à Mk. 8,50. 2„ Obſt à Mk. 4 Arbeitslohn der Männer. B. Ausgaben. Steuern und Umlagen: Grund⸗, Gebäude⸗ und Einkommenſteuer. Communalſteuer. Tilgungsrente Ackerpacht... Ortskrankenka ſebeitrag pro Monat 60 Pf.. Fabrikkaſſe für Frantemmterintung pro Monat Mk. 1,24.. Unterhaltung der Gebäude: Wirkliche Ausgabe. Unterhaltung des todten Inventars: Wirkliche Ausgabe. Inventar der engeren Familienwohnung. Verſicherungsprämie für Gebäude. Zukauf von Vieh: 1 Ferkel. Zukauf von Futterſtoffen: 70 Ctr. Roggenkleie à Mk. 6,50 6„ Heu à M. 2.. 5„ Stroh à Mk. 1,50. Heizung und Beleuchtung: Kohlen. Holz Petroleum. Zukauf von Nahrungsmitteln: Mehl 2 Ctr.. Butter. zu übertragen Ml. 16,— „ 46,15 1 8,— 2 1450, Summe Rr. 1520,75 Mk. 16,68 „17,92 0,42 „ 35,02 .„ 3,— Mk. 7,20 „ 14,88 —„ 22,08 11 20, 1 3,— „ 15,— „ 2,30 1 12, Mk. 78,— 1 12,— . 7,50 „ 107,50 Mk. 50,— 20,— „ 10, —„ 80,— Mk. 40,— 7 54,— Mr. 94,— Mk. 299,90 — 39— Uebertrag.. Mk. 94,— Mk. 299,90 Schmalz.............„ 42,— Brod.............„ 274,— Käſe...........„ 26,— Fleiſch..........„ 232,— Eier........„ 12,— Kaffee, Zucker, 6uu........„ 133,— Milch.............„ 29,70 —pA„ 834,70 Betleidung..............„ 230,— Arzt und Apothekey........„ 20,— Acker⸗ und Fubrkohn........„ 50,— Zinſen von Hyyothefſchuld. 24,75 Zinſen von Kaufſchillingsſchuldd....„ 40,— Summe Mk. 1499,35 C. Vergleichung der Geld⸗Einnahmen und Geld⸗Ausgaben. Die Einnahmen betrugen... Mk. 1520,75 Die Ausgaben betrugen....„ 1499,35 Bleibt Ueberſchuß.. Mk. 21,40 IV. Rentabilitäts-Verechnung. A. Rohertrag (excl. der für die Production in der Wirthſchaft wieder verwendeten Producte.) Erlös aus verkauften Producten..... Ml. 70,75 Werth der für die Funie aus der wiegicaſte entnommenen Prodnete.. 2 320,40 fe MNt. 391,15 B. Productionskoſten. 1. Gebäudecapital: Zinſen von Mk. 2000 à 4 pCt.... Mk. 80,— Verſicherungsprämie.......„ 2,30 Abnutzung 0,75 pCt........„ 15,— Inſtandhaltung.........„ 20,— Mk. 1 117,30 zu übertragen.. NMr. 508,75 45 Uebertrag. Mk. 508,45 2. Capital des lebenden Inventars: Zinſen von Mk. 103 à 4 pGt..... Mk. 4,12 Verſicherungsprämie 2 pCt......„ 2,06 Jährlicher Zukauf von 1 Ferkel...„ 12,— 11 3. Capital des todten Inventars: Zinſen von Mk. 50 à 4 pGt.... Mk. 2,— Verſicherungsprämie 0,2 pCt. 4 2 0,10 Erneuerung und Iuſlnghaltun wirkliche Auagähbe......„ 3, —qł—„ 5,10 4. Zinſen des umlaufenden Wieharnitals Mk. 750. Hierdon 6 pPGt......„ 45,— 5. Hagelverſicherungsprümie Mk. 100 4 0,75 vt...„ 0,75 6. Steuern und Umlagen......„ 8,78 7. Für zugekauftes Futter und Stroh....„ 90,— 8. Heizung und Beleuchtung..„ 20,— 9. Für die Wirthſchaft ſind circa 50 Arbelstage räwig Lohn für 1 Perſon.... 3. 9 70,— 10. Für Acker⸗ und Fuhrlohn.....„ 50,— 11. Verſchiedenes............„ 5,— Summe. Mk. 430,11 C. Reinertrag. Die Productionskoſten betragen.. Mk. 430,11 Der Rohertrag betrug.„ 391,15 Deficit Mk. 38,96 Rechnet man hierzu den Werth der freien Wohnung, welchen die Wirthſchaft für die Familie leiſtet, mit Mk. 100, ſo beträgt der Reinertrag Mk. 61,04. Das Grundcapital incl. Obſtbäume iſt eingeſchätzt auf Mk. 1677. Hiervon Mr. 61,04 Zins, beträgt der Zins des Grundcapitals(Grundrente) plus Unternehmergewinn 3,6 pCt. Dabei darf hier nicht vergeſſen werden, daß der Beſitzer mit ſeinem Sohn außer⸗ halb der Wirthſchaft noch baar an Taglohn Mk. 1450 verdient. Bericht über die landmirthſchaftlichen Verhältniſſe Gemeinde Weſthofen, Kreis MWorms, erſtattet von den Landwirthen C. Beſt in Oſthofen und O. Möüllinger auf dem Mühl⸗ heimer Hof und Landwirthſchaftslehrer Leithiger in Alsfeld. Allgemeines. Weſthofen im Kreiſe Worms liegt im rheinheſſiſchen Hügelland, circa 120 Meter über dem Meeresſpiegel, 6 Kilometer von ſeiner nächſten Bahnſtation Oſthofen(Linksrheiniſche Bahn Mainz⸗Worms), 12 Kilometer von ſeiner Kreisſtadt Worms. Die Eiſenbahnlinie Worms⸗Bingen nähert ſich Weſthofen in der Station Gundersheim auf 4 Kilometer. Die Gemeinde zählt zur Zeit 1740 Einwohner, im Jahre 1875 waren es 1688, im Jahre 1880 1739. Dieſelben wohnen in 300 Häuſern und bilden 368 Familien. Dem Glaubensbekenntniß nach ſind 1189 evangeliſch, 389 römiſch⸗katholiſch, 145 frei⸗ proteſtantiſch, 17 jüdiſch. Die Einwohnerſchaft iſt eine im Allgemeinen ſehr ſtändige, ſeit vielen Generationen denſelben Familien angehörig. Die Heirathen finden nicht nur innerhalb des Gemeindebezirks ſtatt, vielmehr vermiſchen ſich die Weſthofener Familien häufig mit den Familien der umliegenden Orte. Die Erbtheilung in Natura, wie ſie allgemein üblich iſt, erſchwert dieſe Heirathen um deswegen nicht, weil der Umſatz in den Liegenſchaften fortwährend ein ſehr bedeutender iſt. Das landwirthſchaftlich benutzte Areal der Gemarkung umfaßt im Ganzen eine Fläche von 1475,90 Hectar in 5211 Parcellen, wovon 1289,86 Hectar Ackerland, 3,72 Hectar Wieſen, 125,75 Hectar Weinberge, 0,92 Hectar Weichholz, 45,70 Hectar unbeſteuerbare Flächen und 9,94 Hectar Hofraithe ſind. Dieſes Land vertheilt ſich 1²¹ — 2— auf 354 Beſitzer, welche in der Gemeinde wohnen und 502 Ausmärker. Von den Inmärkern beſitzen 123 unter 0,5 Hectar, 60 von ½— 1 Hectar, 44 von 1—2 Hectar, 72 von 2—5 Hectar, 30 von 5— 10 Hectar, 18 von 10— 20 Hectar und 7 von 20 und mehr Hectar. Die directen Steuern für die Gemarkung Weſthofen betrugen 1884/85 21792 Mk. An Communalſteuern hat die Gemeinde 1884/85 16254 Mk. erhoben. Dieſelben be⸗ trugen 1865 7312 Mk., 1870 9220 Mk., 1875 11331 Mk. und 1880 12410 Mk., ſind alſo ſeit 1865 um 122 pCt. geſtiegen. Die Gemarkung iſt beſetzt mit: 800 Aepfelbäumen, 300 Birnbäumen, 2000 Zwetſchenbäumen, 30 Kirſchbäumen und 50 Wallnußbäumen. Die Gemeinde ſelbſt hat keinen Grundbeſitz der ihr Einnahme bringt. Andern⸗ falls hat ſie aber auch keine Schulden. Die einzige Einnahme iſt der Erlös aus der Gemeindejagd im Betrage von 2167 Mk. Der Viehſtand in der Gemeinde iſt nach der letzten Aufnahme folgender: 3 Fohlen, I1 Trhie 118 Pferde, 12 Kälber, 112 Stück Jungvieh, 8 Bullen, 483 Stück Rindvieh, 7 Ochſen, 344 Kühe, 18 Schafe, 312 Schweine, 350 Ziegen, 200 Bienenſtöcke. Frage I. a. Welche Bodenverhältniſſe zeigt die Gemarkung, welchen Character hat das Klima und wie iſt hiernach im Allgemeinen die Fruchtbarkeit der Ländereien; iſt letztere ſehr günſtig, mittel oder gering? b. In welchem Verhältniß ſtehen die verſchiedenen Arten des Kulturlandes— Acker, Wieſen, Weiden, Rebland ꝛc.— zu einander und iſt dieſes Verhältniß im Allgemeinen als ein wirthſchaftlich günſtiges zu bezeichnen? — 3— c. Welches ſind die hauptſächlichſten Producte der Landwirthſchaft, bezw. welche Productionsrichtungen machen ſich im landwirthſchaftlichen Betriebe der Gemeinde vorzugsweiſe geltend? d. Iſt der landwirthſchaftliche Betrieb im Allgemeinen ein rationeller zu nennen, oder haften ihm weſentliche Mängel an und welche? Stehen letztere u. A. mit einer ſehr weit gehenden Parcellirung der Grundſtücke und dem herrſchenden Flurzwang in Zuſammenhang? a. Der Boden der Gemarkung Weſthofen iſt ein Schwemmlandsboden, deſſen Bildung überwiegend in die Zeit des Diluviums zum geringeren Theil des Alluviums fällt. Der Grobkalk, welcher hierunter liegt, tritt an manchen Stellen zu Tage, an anderen trifft man ihn erſt in größerer Tiefe. Das Terrain iſt wellig wie allgemein im rheiniſchen Hügelland. Als Bodenart ſind zu nennen: im Seebachthale zumeiſt Thonmergel, an dieſen anſchließend Kalkmergel; hie und da findet man kleinere Stellen mit Sandboden, im Seebach⸗ und Altbachthale auch wohl etwas Gerölle. Die Geſteine treten ſelten ſo nahe an die Oberfläche, daß hierdurch der Tiefen⸗Bearbeitung Schranken geſetzt würden. Der Boden iſt leicht zu bearbeiten. Feuchtigkeit ſchadet ihm weniger wie anhaltende Trockenheit. Im Allgemeinen iſt er mehr als ein Gerſtenboden zu be— zeichnen, der für Roggen ſicherer iſt als wie für Weizen. Alle Culturpflanzen können es mit Vortheil auf demſelben angebaut werden. Das Klima iſt dasjenige des Rheinthales mit über 100 durchſchnittlicher Jahres⸗ temperatur. Der Mangel an Waldungen, der übrigens für ganz Rheinheſſen typiſch iſt, ſoll die Trockenheits⸗ und Feuchtigkeitsperioden ſchärfer hervortreten laſſen, als wie wünſchenswerth erſcheint. Das Klima iſt für den Weinbau vorzüglich geeignet. Die Fruchtbarkeit der Ländereien iſt daher nach jeder Richtung hin als ſehr günſtig zu bezeichnen. b. Die Gemarkung umfaßt im Ganzen eine Fläche von 1420,25 Hectar ohne die Hofraithegründe und unbeſteuerbaren Flächen(Chauſſee, Wege, Bäche ꝛc.). Dieſe Fläche vertheilt ſich auf: 1289,86 Hectar Ackerland, 3,72„ Wieſe, 125,75„ Weinberge, 0,92„ Weichholz, 1420,25 Hectar Areal. Die Wieſen treten alſo hier vollſtändig in den Hintergrund. Dieſe geringe Fläche, welche ſich im Thale des Altbaches befindet, iſt ohne Einfluß auf die Be⸗ wirthſchaftungsweiſe der Weſthofener Güter. Das Ackerland hat die Wieſen verdrängt, und dieſe wirthſchaftliche Maßregel hat ihre volle Berechtigung, wenn man berück⸗ — 4— ſichtigt, daß ausdauernde Kleearten: Luzerne und Esparſette, in der Ackercultur unterworfenem Boden mit ihren tief gehenden Wurzeln viel höhere und ſichere Erträge bringen müſſen, als wie nur ſpärlich oder wohl auch gar nicht bewäſſerbare Wieſen. Der in ſo günſtiger Lage ſich befindende Landwirth, der den Anbau des ausdauernden Klee's ſo vollſtändig in der Hand hat, wie hier, kann natürlich auch den Marktcon⸗ junkturen für die thieriſchen und pflanzlichen Producte viel leichter folgen und die⸗ ſelben ausnützen, als wie der auf unſichere Wieſen als hauptſächliche Futterlieferanten angewieſene Landwirth. Neben dem Ackerbau kommt als weſentlich von Bedeutung in Weſthofen nur noch der Weinbau in Betracht. Das Verhältniß der beiden ſtellt ſich ungefähr wie 10:1. Es hat ſich dieſes Verhältniß im Laufe der Zeit aus der Betriebsweiſe der Güter unter Berückſichtigung der für den Weinbau beſonders geeigneten Lagen wohl aus beſonderer Liebhaberei ꝛc. ergeben. Es wird dieſes Verhältniß als ein im Allgemeinen recht günſtiges bezeichnet und zwar, weil hierdurch der eigentliche Ackerbau das Funda⸗ ment der Wirthſchaft bleibt, und der doch immerhin mit großen Chancen verbundene Weinbau das Gleichgewicht in der wirthſchaftlichen Exiſtenz der Landwirthe nicht weſentlich zu ſtören, wohl aber, hauptſächlich in guten Weinjahren, den Einzelnen recht bedeutend aufzuhelfen vermag. Der ſichere Wohlſtand derjenigen Reborte, welche den Schwerpunkt ihrer Production auf den Ackerbau, gegenüber denjenigen, welche ihn auf den Weinbau gelegt haben, beruht auf dem nicht zu engen Verhältniß dieſer beiden Culturarten zu einander. In Weſthofen ſpeciell würde zwar in guten Jahr⸗ gängen ein erweiterter Weinbau größere Einnahmen erzielen laſſen, im Durchſchnitt der Jahre, bei den heutigen Preis⸗ und Abſatzverhältniſſen, aber wohl kaum. Außer⸗ dem iſt die Anlage der Weinberge local bedingt. Wirthſchaftlich kommt noch in Betracht, daß ein zu erweiterter Rebbau durch die bedeutende Düngerentnahme aus der Wirthſchaft, bei nicht ſtarkem Kunſtdüngerzukauf, einen Raubbau für das Ackerland zur Folge hat. Das Verhältniß der Culturarten kann daher als ein günſtiges bezeichnet werden. c. Als Hauptproducte der Landwirthſchaft ſind für Weſthofen zu nennen: Ge⸗ treide, Raps, Zuckerrüben, Kartoffeln, Kleeheu, Wein, Obſt. Zum Verkauf kommen von dieſen: Weizen, Roggen, Gerſte, Raps, Zuckerrüben und Wein. Von den thieriſchen Producten kommen hauptſächlich Maſtvieh und Butter in Betracht. In Bezug auf die Productionsrichtung ſei zunächſt erwähnt, daß die folgende Fruchtfolge bis vor Kurzem mehr oder weniger allgemein eingehalten worden iſt: 1. Brache, gedüngt, 2. Raps, 3. Korn, 4. Weizen, 5. Kartoffeln und Rüben, 6. Gerſte mit Kleeeinſaat, 7. Klee(Rothklee, oder Luzerne und Esparſette gemiſcht), 8. Klee, 9. Klee, 10. Korn, 11. Kartoffeln und Rüben, 12. Hafer. Da ein Zwang in der Einhaltung einer beſtimmten Fruchtfolge durch nichts geboten iſt, ſo kommen häufig Abweichungen vor. In den meiſten Wirthſchaften wird in neuerer Zeit der Roggen, der Erzielung größerer Strohmengen wegen, ſtärker angebaut. Im Allgemeinen wird man die Productionsrichtung annähernd als richtig charakteriſiren, wenn man annimmt, daß die Weſthofener Landwirthe, abgeſehen von den in der eigenen Wirthſchaft ver⸗ — 5— brauchten Stoffen, ⅛ ihrer Einnahmen aus dem Acker⸗ und Weinbau und ⅛ aus der Viehzucht erzielen. Die Einnahmen aus dem Acker⸗ und Weinbau dürften ſich ungefähr wie folgt zuſammenſetzen: 0,2— 0,3 aus dem Wein, 0,3 aus Roggen, 0,2 aus Gerſte, der Reſt aus Weizen, Raps, Zuckerrüben(Kartoffeln), Stroh, Klee⸗ ſamen ꝛc. In der Viehzucht ſteht als Hauptproductionsrichtung die Maſt faſt allgemein im Vordergrund, die Milchproduction kommt erſt in zweiter Linie. Es wird dies auch durch die Haltung des Simmenthaler Vieh's bedingt. Nur die kleineren Beſitzer, deren Gutsbewirthſchaftung die Haltung von 2 oder 4 Kühen erheiſcht, um ſie zugleich zum Zuge zu benutzen, erzielen naturgemäß die größere Einnahme durch den Verkauf von Butter reſp. Käſe. Vollmilch wird in bemerkenswertherer Weiſe nicht verkauft. Die Schweinezucht wird durchweg wenig betrieben, ſie deckt nicht den Bedarf an jungen Schweinen, welche gemäſtet werden und dann für den eigenen Haushalt dienen. d. Der landwirthſchaftliche Betrieb kann im Allgemeinen als ein rationeller bezeichnet werden. Vom theoretiſchen Standpunkt aus würde man für die meiſten Güter eine etwas intenſivere Betriebsweiſe der Ackerländereien wünſchen müſſen, denn die Erträge, wie ſie durch die Anlagen I, II und III für das Jahr 1884 als für die übrigen Güter typiſch hingeſtellt werden, in der Höhe von nur 7—10 Centner, höchſtens 12 Centner bei Getreide pro ½¼ Hectar, ließen ſich ohne Zweifel bei den gegebenen Fruchtbar⸗ keitsverhältniſſen, durch beſſere Bearbeitung und ſtärkere Düngung, hauptſächlich unter Anwendung von größeren Mengen künſtlicher Düngemittel, noch weſentlich ſteigern. Hierzu muß allerdings bemerkt werden, daß das den Erhebungen zu Grunde gelegte Jahr 1884 in Bezug auf Körnererträge entſchieden als ungünſtig zu bezeichnen iſt. Die Gefahr, daß eine zu hohe Intenſität die Rente ſchmälern würde, liegt hier noch lange nicht vor. Practiſch ſcheitert der Wunſch, die ſchnellere Herbeiführung einer intenſiveren Bewirthſchaftung der Ackerländereien durch ſtärkere Anwendung von künſt⸗ lichen Düngemitteln bewirken zu wollen, an der Unkenntniß und Unklarheit der Land⸗ wirthe in der Anwendung derſelben. In dieſer Beziehung wird man hauptſächlich durch das Beiſpiel, welches die größeren durchweg beſſer bewirthſchafteten Güter den kleineren geben werden, eine Aenderung erwarten können. Eigene Erfahrung wird dann bald das Richtige finden laſſen. Bezüglich des Weinbaues wird anerkannt, daß die Bearbeitung und Behandlung der Weinberge eine richtige iſt. Ebenſo iſt die Behandlung des erzielten Productes eine zweckentſprechende. Die Viehzucht, bei der die Maſt, wie ſchon erwähnt wurde, im Allgemeinen im Vordergrunde ſteht, wird faſt durchweg rationell betrieben. Fraglich könnte es er⸗ ſcheinen, ob nicht die Verwerthung der Milch durch Trennen des Rahms von der Magermilch vermittelſt der Centrifuge, ſei es, daß ſich mehrere Landwirthe gemein⸗ ſchaftlich eine ſolche anſchaffen und auf derſelben die Milch ſcheiden und hernach die Producte zurücknehmen, oder daß ſich ein Einzelner entſchließt, dies auf ſeine Rechnung — 6— gegen Entſchädigung von Seiten der Anderen zu thun, erhöht werden könnte. Auf jeden Fall würde hierdurch eine qualitätreichere Butter erzielt und an der Arbeitskraft weſentlich geſpart werden können. Frage II. a. Wie iſt das Verhältniß der Größe der Gemarkung zur Größe der anſäſſigen Landbau treibenden Bevölkerung? b. In welcher Weiſe vertheilt ſich das landwirthſchaftliche Gelände unter die anweſende Bevölkerung(todte Hand, Großgrundbeſitz, Groß⸗, Mittel⸗, Klein⸗Bauern, Taglöhner und Gewerbtreibende) und ſind in den letzten Jahren weſentliche Aenderungen in der Beſitzvertheilung eingetreten? c. Iſt die Beſitzvertheilung im Allgemeinen als eine günſtige zu bezeichnen, wenn nicht, wodurch giebt ſich die behauptete ungünſtige Ver⸗ theilung zu erkennen, welche Umſtände haben letztere veranlaßt, z. B. das geltende bäuerliche Erbrecht, die üblichen Syſteme des ehelichen Güterrechts oder der Zuſammenkauf von Grundſtücken? d. Iſt ein Theil der Gemarkung Allmendland und welchen Einfluß hat die Benutzung des letzteren auf die Lage der Bevölkerung? a. Die Ausmärker beſitzen in der Gemarkung Weſthofen 321,22 Hectar Areal, eine Fläche, welche von der Größe der Gemarkung abzuziehen iſt, wenn man das Verhältniß der letzteren zur Größe der anſäſſigen Landbau treibenden Bevölkerung in Betracht ziehen will. Es entfallen demnach auf die Inmärker 1068,69 Hectar(incl. Hofraithen). Dieſe Fläche wird von 354 Familien bewirthſchaftet. Es entfällt alſo auf eine Familie eine Fläche von durchſchnittlich ca. 3 Hectar. b. Das landwirthſchaftliche Gelände vertheilt ſich wie folgt: 123 Beſitzer mit je unter 0,5 Hectar...... 21,73 Hectar, Hofraithen derſelben.......... 1,17„ 60 Beſitzer mit je 0,5— 1 Hectar...... 44,07„ 44„„„ 1— 2„. 65,23„ 2„„„ 2— 3„.. 227,06„ 30„„„ 5 10„...... 212,41„ 148„„„ 10—20„...... 254,49„ 17„„„ 20 und mehr..... 231,08„ Hofraithen derſelben.......... 8,49„ Die Ansmärker mit......... 364,16„ Steuerfreies Gelände(Chauſſeen, Wege ꝛc.) mit. 45,70„ 1475,89 Hectar. Weſentliche Aenderungen in der Beſitzvertheilung ſind in den letzten Jahren nicht vorgekommen. — 7— c. Die Beſitzvertheilung kann in ſofern als eine günſtige bezeichnet werden, als die Hälfte der Familien ſo viel Grundbeſitz hat, daß der Arbeitsbedarf der Wirthſchaft die Arbeitskraft der Familie voll in Anſpruch nimmt oder ſie ſogar überſteigt, die anderen Beſitzer aber durch Nebenbeſchäftigung, Taglohn oder Gewerbe, leicht Gelegen: heit haben, ihre Arbeitskraft in der Gemeinde ſelbſt zu verwerthen. Aus Tabelle B zu Frage VIII geht hervor, daß in Weſthofen ein Grundbeſitz von 2 Hectar hinreicht eine Familie zu ernähren und ihr auch Beſchäftigung zu geben. Der durchſchnittliche Beſitz pro Familie beträgt 3 Hectar. d. Die Gemeinde hat keinen Grundbeſitz, ebenſo exiſtirt kein Allmendland. Frage III. a. Welches ſind die durchſchnittlichen Preiſe für die einzelnen Boden⸗ qualitäten der verſchiedenen Culturländereien(Acker, Wieſe, Weide, Wein⸗ berg ꝛc.), erſcheinen dieſe Preiſe beſonders hoch oder beſonders niedrig und auf welche Urſachen ſind die bezüglichen Erſcheinungen zurückzuführen? b. Welche Aenderungen in den Preiſen haben ſich in den letzten 5 Jahren vollzogen? c. Pflegt ein ſtarker Umſatz in Liegenſchaften ſtattzufinden und liegt hierfür(ſ. a) ein berechtigtes Bedürfniß vor? a. Als durchſchnittliche Preiſe für die einzelnen Bodenqualitäten ſind die folgen⸗ den anzunehmen: bei Ackerland pro Hectar 1. Claſſe 4800 Mk., 22 2 2 2 2. 22 4120 22 / 2/ 2 3. f/ 3200 2 2/ 2 2 4. 2 2400 2 2 2 2 2 5. 2 1800 22 „ Weinbergen„„ 1.„ 8000„ und mehr, 2 2 2/ 2. 2 6200 2 / f/ 2 2 3. 2 4000 2 / 2/ 2 4. 2 2720 2 Die Wieſen kommen in der Gemarkung kaum in Betracht. Der Preis derſelben ſchwankt pro Hectar zwiſchen 2400— 4000 Mk. Dieſe Preiſe ſind unter Berückſich⸗ ſichtigung der Rentabilität der Weſthofener Güter(Frage VIII, Anlage I, II und III) wie auch der bezahlten Pachtpreiſe(Frage IV) als entſprechend zu bezeichnen. b. Die Bodenpreiſe haben in den letzten 5 Jahren keine Aenderungen erlitten. c. Es findet in den Liegenſchaften ein ſehr bedeutender Umſatz ſtatt. Es ſind nämlich nach dem vorliegenden Mutationsverzeichniß in andere Hände übergegangen: 1879— 1880... 102,85 Hectar, 1880 1881.. 61,91„ 1881 1882 90 47„ 18891883. 28,88„ 1883 1884... 50,33„ 343,44 Hectar. Hiernach würde jedes Grundſtück in der Gemeinde Weſthofen ſeinen Beſitzer in 22 Jahren einmal wechſeln. Ein Bedürfniß für einen ſtarken Güterwechſel ſcheint im Charakter der Bevölkerung zu liegen, zum Theil aber auch durch die in Natura ſtattfindende Erbtheilung bedingt zu ſein; ob derſelbe aber einen berechtigten wirth⸗ ſchaftlichen Grund hat, möchte bezweifelt werden. Auf jeden Fall hat dieſer ſtarke Umſatz in den Liegenſchaften keine erſichtlichen wirthſchaftlichen Nachtheile gehabt und kann daher derſelbe hier auch nicht als volkswirthſchaftlicher Fehler bezeichnet werden. Frage IV. a. Nehmen die Pachtgüter einen erheblichen Umfang ein und ſtehen die Pachtpreiſe im richtigen Verhältniß zu dem Kaufpreiſe der Ländereien einerſeits und zur Ausnntzungsfähigkeit derſelben andererſeits, eventuell welche Urſachen wirken ſteigernd auf die Pachtpreiſe ein? b. Welche Beſtimmungen gelten insbeſondere in Betreff der Dauer der Pacht, der Bezahlung der Steuern ꝛc., der Verſicherungsprämien, ſowie in Betreff vorzunehmender Meliorationen und etwaiger Pachtnach⸗ läſſe bei elementaren Unglücksfällen bei fiskaliſchem, ſtandesherrlichem und privatem Grundbeſitz? c. Wirken die üblichen ſonſtigen Pachtbedingungen beſonders er⸗ ſchwerend für die Pächter oder nicht? a. Es ſind in der Gemeinde ca. 500 Morgen AOckerländereien und Weinberge verpachtet. Hierunter befinden ſich 2 Güter, welche als ganze Wirthſchaften von Pächtern gepachtet ſind. Die übrigen 250 Morgen ſind in einzelnen Parcellen an faſt alle Größenelaſſen der Weſthofener Gutsbeſitzer verpachtet. Die Pachtpreiſe ſchwanken je nach Qualität des betr. Grundſtückes zwiſchen 20— 50 Mk. pro ¼ Hectar. Als Durchſchnitt kann bei Parcellenpacht 30— 40 Mk., bei der Verpachtung der ganzen Güter 25 Mk. angenommen werden. Die Pachtpreiſe ſtehen im Allgemeinen im richtigen Verhältniß zum Kaufpreis und zur Ausnutzungsfähigkeit der Ländereien. b. Die Grundſtücke werden gewöhnlich auf 9 Jahre verpachtet. Die Steuern, welche durchſchnittlich ungefähr 5 Mk. pro ¼ Hectar betragen, bezahlt der Verpächter. c. Als Bedingung wird dem Pächter bei Uebernahme des Grundſtückes auf⸗ gegeben, dasſelbe in 9 Jahren einmal mit Stallmiſt zu düngen, anderen Falls er in eine Strafe von 50 Mk. verfällt. Ferner muß er das Grundſtück bei der Abgabe — 9— mit Kleebeſtand(Luzerne, Esparſette), welcher ſich im 2. Jahre befindet, überliefern. Sonſtige läſtige Beſtimmungen ſind nicht bekannt. Ebenſo haben die Pächter der 2 ganzen Güter auffallend erſchwerende Beſtimmungen nicht in ihren Contracten. Frage V. a. In welcher Weiſe pflegen die Landwirthe ihre Mobilien und Producte gegen Feuer, ihre Früchte gegen Hagel und ihren Viehſtand gegen Unfall zu verſichern? b. Hat die Lebens⸗, Alters⸗ und Renten⸗Verſicherung Eingang in der Gemeinde gefunden, event. in welcher Weiſe und welchem Umfange? a. Die Mobilien ſind in Weſthofen zu ungefähr%, gegen Feuer verſichert. Gegen Hagel verſichern einzelne Landwirthe, aber auch nicht regelmäßig. Der Vieh⸗ ſtand wird allgemein nicht verſichert. b. Der Lebensverſicherung ſind nur einzelne Perſonen beigetreten. Alters⸗ und Rentenverſicherung findet keine Betheiligung. Frage VI. In welcher Weiſe befriedigen die Landwirthe in der Regel ihre Creditbedürfniſſe hinſichtlich des Real⸗ und des Perſonalcredits und welches ſind bei beiden Arten des Credites die gewöhnlichſten Darlehens⸗ bedingungen in Bezug auf Zeitdauer und Zinsfuß und werden dabei auch Amortiſationsfriſten(Güterziele) angewendet? Als Creditinſtitute, welche Geld an die Weſthofener Gutsbeſitzer ausleihen, reſp. auch welches annehmen, kommen in Betracht: Die Spar⸗ und Creditkaſſe e. G. in Weſthofen, diejenige in Oſthofen und die Volksbank und Sparkaſſe in Worms. Außer⸗ dem wird das Creditbedürfniß noch in beträchtlicher Höhe durch Privatkapitaliſten aus dem Orte ſelbſt oder aus den benachbarten Orten hauptſächlich Oſthofen befriedigt. Die Spar⸗ und Creditkaſſen nehmen für entliehene Capitalien bei Perſonalcredit 5 pCt. und 1 pCt. Proviſion und bezahlen für überwieſenes Geld 3 ½ pCt. Die Zeitdauer iſt gewöhnlich 1 Jahr, doch können Prolongationen ſtattfinden. Die Schuldner der Kaſſen müſſen einen cautionsfähigen Bürgen ſtellen. Amortiſationen finden nicht ſtatt, jedoch iſt partielle Rückzahlung geſtattet. Privatcapitaliſten nehmen ſowohl bei Creditgewährung gegen Schuldſchein wie gegen Hypotheken 5 pCt. Bei Verſteigerungen von Aeckern werden gewöhnlich 5 Zahlungstermine à 1 Jahr feſtgeſtellt. Jedoch iſt der Steigerer verbunden, das Capital vom Verſteigerungstag an mit 5 pCt. zu verzinſen. Berückſichtigt man, daß in Weſthofen überhaupt 613775 Mk. Geſammtſchulden (Hypotheken⸗, Kaufſchillings⸗ und Mobiliarſchulden) feſtgeſtellt wurden, daß anderer⸗ — 10— ſeits über 1100 Mk. Capitalrentenſteuer bezahlt wird, was auf ein Capitalvermögen von über 1500000 Mk. ſchließen laſſen würde, ſo erſcheint es unbegreiflich, wie ſich der Zinsfuß hier ſo hoch halten kann, da er doch ſonſt überall zurückgeht. Frage VII. a. Wie ſtehen im Allgemeinen die Arbeits⸗ und Geſindelöhne in der Gemeinde, genügt die ortsanſäſſige Bevölkerung zur Beſtreitung der landwirthſchaftlichen Arbeiten oder ſind fremde Arbeiter nöthig und wo⸗ her kommen letztere? b. Iſt für die landwirthſchaftliche Bevölkerung Gelegenheit zum Nebenverdienſt vorhanden, event. haben dieſe Nebenverdienſte(Arbeiten im Wald, Hausinduſtrie, Fabrikbetriebe, Fuhrweſen ꝛc.) eine beſondere Bedeutung für den Wohlſtand der Landwirthſchaft treibenden Bevölkerung und der Gemeinde im Allgemeinen? c. Gibt es Landwirthe in der Gemeinde, die mit Rückſicht auf den Umfang und die Rentabilität ihres landwirthſchaftlichen Betriebes an ſich auf Nebenverdienſt und Tagelöhnerarbeit angewieſen wären, ſolche Arbeiten aber aus Standesvorurtheil, Trägheit ꝛc. nicht ausführen? a. Die Taglöhne berechnen ſich im Allgemeinen durchſchnittlich pro Tag ohne Koſt aber mit ½— 1 Liter Wein: für den Mann auf 1,20 Mk., 7 die Frau 2 0,80 1 Hierzu treten bei ſtändigen Arbeitern Nebenvortheile, z. B. Ueberlaſſung des Geſchirres zur Feldarbeit ꝛc. An Geſinde werden bezahlt: für einen Knecht jährlich 200— 250 Mk., „ eine Magd„ 130— 160„ Viehwärter(Schweizer) erhalten jedoch gewöhnlich einen höheren Lohn. Die Koſt berechnet ſich für den Knecht auf ca. 300 Mk., „ die Magd„„ 230„ Für die regelmäßigen Arbeiten eines Morgens Weinberg werden 40— 45 Mk. im Accord pro Jahr bezahlt. Die ortsanſäſſige Bevölkerung genügt z. Z. vollſtändig zur Beſtreitung der landwirthſchaftlichen Arbeiten, nur z. Z. der Ernte werden 50— 60 auswärtige Ernte⸗ arbeiter(vom Donnersberg und aus der Gegend von Pirmaſenz) von den größeren Beſitzern angenommen. Während dieſer Zeit haben die kleineren Beſitzer, die auf Nebenverdienſt angewieſen ſind, und deren Zahl recht bedeutend iſt, in der eigenen Wirthſchaft zu thun, außerdem übernehmen dieſelben bei ihrer verhältnißmäßig günſtigen — 11— wirthſchaftlichen Lage lieber Accordarbeiten in den Weinbergen. Im Allgemeinen kann man aber annehmen, daß das Arbeitsangebot größer iſt als die Nachfrage, was auch noch dadurch beſtätigt wird, daß die Arbeitslöhne durchſchnittlich niedriger ſind wie in den benachbarten Gemeinden. Eine weitere Folge der ſchon erwähnten günſtigen wirthſchaftlichen Lage der auf Nebenverdienſt angewieſenen Bevölkerung iſt es ferner, daß nur ſelten Arbeiter nach auswärts gehen, ſelbſt wenn bedeutend höhere Arbeits⸗ löhne bezahlt werden. b. Als Nebenverdienſt kommen in Weſthofen die Ziegelbrennereien in Betracht. Dieſelben fabriciren hauptſächlich Backſteine und Dachziegel, brennen Kalk, verfertigen aber auch einen feuerfeſten Stein, deſſen Abſatzgebiet ein ziemlich weites iſt. Die Ziegelbrennereien beſchäftigen das ganze Jahr hindurch ca. 50 Arbeiter, im Winter ſind aber noch einmal ca. 30 Perſonen in den Kalkſteinbrüchen thätig. Wenn dieſe Fabrikation auch nicht ausſchlaggebend iſt für den wirthſchaftlich geſunden Zuſtand der Gemeinde, ſo iſt deren Exiſtenz doch nicht ohne Eiufluß. c. Solche Landwirthe gibt es nicht. Allgemein wird aber über die geringere Leiſtungsfähigkeit und Unzuverläſſigkeit der Arbeiter geklagt. Frage VIII. a. Wie vertheilt ſich der ermittelte Betrag der Immobiliarverſchul⸗ dung auf die einzelnen Beſitzgruppen(größerer, mittlerer und kleinerer Grundbeſitz) und auf welche Gruppe entfällt der ſtärkſte Procentſatz der Schuldenlaſt? b. Datirt der Schuldenſtand aus älterer oder aus neuerer Zeit, im letzteren Fall, wie hat derſelbe im letzten Jahrzehnt zugenommen? c. Sind in den letzten 5 Jahren die Zinſen und Güterziele im All⸗ gemeinen regelmäßig bezahlt worden oder ſind bemerkenswerthe Rückſtände bekannt? d. Welche Urſachen haben einen erkennenswerthen Einfluß auf die Ver⸗ ſchuldung, z. B. das beſtehende Erbrecht oder die üblichen ehelichen Güter⸗ ſyſteme, unwirthſchaftlicher Ankauf von Grundſtücken zu hohen Preiſen, ungenügendes Betriebscapital, zu frühe Gründung eines eigenen Haus⸗ halts, Verſchwendung und nachläſſige Wirthſchaft, die Aufeinanderfolge ſchlechter Ernten u. ſ. w.? a. Um die Frage VIII. ſachgemäß beantworten zu können, iſt der Grundbeſttz, zunächſt die Aecker, Weinberge und Wieſen, für jeden Beſitzer parcellenweiſe abgeſchätzt worden. Hierzu wurde ſodann der Taxationswerth der Gebäude addirt. Es iſt alſo in den Tabellen A. B. C. D. in der Columne 4: Werth incl. Gebäude, der that⸗ ſächliche augenblickliche Werth aufgeführt. 12— Zwecks Feſtſtellung der Verſchuldung wurden zunächſt Verzeichniſſe über die Belaſtungen des Grundbeſitzes von Weſthofen aus den Hypothekenämtern Alzey und Worms aufgeſtellt. Weiterhin wurden dann aber die Gutsbeſitzer über ihre Ver⸗ ſchuldung ſelbſt befragt. Von dieſen haben ungefähr ⅛ Auskunft ertheilt. Da die Richtigkeit derſelben bei Einzelnen bezweifelt wurde, ſo iſt dann ſchließlich in einer Commiſſion unter Zugrundelegung der eingeſchriebenen und der ſelbſt angegebenen Schulden für jeden Einzelnen das Reſultat definitiv feſtgeſtellt worden. Abſolut ge⸗ naue Zahlen waren hierdurch natürlich nicht zu erlangen, immerhin dürfte der Wirk⸗ lichkeit ziemlich nahe gekommen ſein. Als Grundſatz galt bei dieſer Abſchätzung, wo nicht thatſächliche Unterlagen gegeben waren, die Verſchuldung nicht zu hoch zu greifen. Es iſt daher möglich, daß die Schuldenlaſt thatſächlich einige Procent(aber höchſtens 5— 6 Procent) höher iſt, ſo daß dann die Verſchuldung des Immobiliarbeſitzes um ½ bis 1 Procent höher zu ſtehen käme. Wir haben aber Veranlaſſung, die ange⸗ gebenen Zahlen im Allgemeinen als richtig anzunehmen. Von den 354 Ortsbürgern beſitzen 231 mehr wie ½ Hectar und dieſe ſind in den Tabellen berückſichtigt. Von dieſen 231 ſind 149 verſchuldet, 82 nicht, was einem Procentſatz von 64,5 reſp. 35,5 entſprechen würde. Von dieſen 231 betreiben die Landwirthſchaft ohne Nebenbetrieb 98, Landwirthſchaft und Tagelohn 53, Landwirthſchaft und Gewerbe 80. Von den 98 Landwirthſchaft allein treibenden Bewohnern ſind 56 verſchuldet, 42 nicht, entſprechend 57 reſp. 43 Procent. Von den 53 Landwirthſchaft und Tage⸗ lohn betreibenden ſind 30 verſchuldet, 23 nicht, entſprechend 56,6 reſp. 42,4 Procent. Von den 80 Landwirthſchaft und Gewerbe Betreibenden ſind 63 verſchuldet, 17 nicht, entſprechend 79 reſp. 21 Procent. Die letztere Kategorie iſt alſo in Bezug auf die Verſchuldungszahl nicht unweſentlich ſchlechter geſtellt als wie die erſtere. Von den 1034,34 Hectar werden 734,14 Hectar von der Landwirthſchaft allein, 56,2 Hectar von der Landwirthſchaft und Tagelohn, 244 Hectar von der Landwirth⸗ ſchaft und Gewerbe betreibenden Bevölkerung bewirthſchaftet, was einem Procentſatz von 71,1 reſp. 5,4 reſp. 23,5 entſpricht. Die Landwirthſchaft als ausſchließlicher Betrieb ſteht alſo weſentlich im Vordergrund. Bei den Landwirthſchaft und Gewerbe betreibenden Bewohnern kommen hauptſächlich die Handwerker, ferner aber Ziegel⸗ brenner und Müller in Betracht. Aus Tabelle C. iſt erſichtlich, unter welcher Größe der Beſitzer eines Gutes in Weſthofen gezwungen iſt ſich auf Nebenverdienſt zu ſtützen. Nur 4 Bewohner befinden ſich in Gruppe 3(mit 2—5 Hectar Beſitz), welche auf Tagelohn angewieſen ſind, während, wie aus Tabelle B. hervorgeht, ſchon 9 Beſitzer mit 1—2 Hectar ſich ohne Nebenbeſchäftigung zu erhalten vermögen. Für Weſthofen würde alſo ein Beſitz von circa 2 Hectar ſchon hinreichen, eine Familie zu ernähren und zu beſchäftigen. Der Immobiliarbeſitz in Weſthofen berechnet ſich auf 4,754,134 M. Der Mo⸗ biliarbeſitz und der Beſitz der nicht in Betracht Gezogenen iſt hier mindeſtens noch auf 1 ¼ Millionen zu ſchätzen, ſo daß der Geſammtbeſitz hier auf circa 6 Millionen zu veranſchlagen ſein dürfte. Compenſirt man die Baarcapitalien mit den Schulden, — 2——, —— — 13 was jedoch nicht ganz richtig iſt, da die Baarcapitalien die Schulden weit übertreffen, ſo würde auf den Kopf der Bevölkerung ungefähr durchſchnittlich ein Güterwerth von 3450 M. entfallen. Was nun die Verſchuldung anbetrifft, ſo beträgt dieſelbe 12,91 Procent vom Liegenſchaftswerth der ſämmtlichen in Betracht gezogenen Gutsbeſitzer oder 23,09 Procent vom Liegenſchaftswerth der Verſchuldeten. Am höchſten verſchuldet ſind die 3 niedrigſten Gruppen mit 0,5— 5 Hectar Beſitz, nämlich 48,3 reſp. 34,17 reſp. 28,01 Procent des Liegenſchaftswerthes der Verſchuldeten. Der Grund hierfür mag wohl darin zu ſuchen ſein, daß dieſe kleineren Beſitzungen, die ja, wie oben gezeigt wurde, unter 2 Hectar nicht mehr im Stande ſind, eine Familie zu ernähren und ihr volle Beſchäftigung zu geben, ihre Arbeitskraft nicht voll ausnutzen und verwerthen können, auch wohl oft nicht wollen. Die meiſten derſelben befinden ſich noch in einer Lage, die es ihnen erlaubt, ſich nicht ſo vollſtändig als Arbeiter zu fühlen, wie ſie es ohne dieſen kleinen Beſitz ſein müßten. Am günſtigſten ſituirt ſind von den Bewohnern Weſthofens diejenigen, die ſich mit der Landwirthſchaft allein beſchäftigen, und zwar nimmt die Verſchuldung mit zunehmender Größe des Beſitzes ab. Sie beträgt 9,54 Procent vom Beſitz der ſämmtlichen berückſichtigten Bewohner oder 19,27 Procent vom Liegenſchaftswerth der Verſchuldeten. Die Landwirthſchaft und Tagelohn betreibenden Bewohner ſind mit 16,45 Procent des geſammten Liegenſchaftswerthes, reſp. mit 35,53 Procent des Liegenſchaftswerthes der Verſchuldeten allein belaſtet. Bei den Landwirthſchaft und Gewerbe betreibenden ſtellt ſich dies auf 19,77 Procent reſp. 27,25 Procent. Man könnte den Grund für dieſe ſtärkere Verſchuldung der Landwirthſchaft und Gewerbe betreibenden Bewohner gegenüber denjenigen, die Landwirthſchaft allein betreiben, darin ſuchen, daß die letzteren mehr Aufmerkſamkeit auf den Landwirthſchaftsbetrieb ver⸗ wenden und daher beſſere Reſultate erzielen, oder daß die erſteren für ihren Gewerbe⸗ betrieb mehr Betriebscapital nöthig haben. Vielleicht wirken aber auch beide Faktoren zuſammen. Am ſtärkſten iſt in allen Erwerbsclaſſen der geringſte Beſitz belaſtet und zwar am höchſten Gruppe 1 der Landwirthſchaft und Gewerbe treibenden mit 49,44 Procent des Liegenſchaftswerthes. Im Uebrigen ſei auf die Tabellen ſelbſt verwieſen. b. Aus welcher Zeit der Schuldenbeſtand datirt, iſt mit nur einigermaßen Sicherheit nicht feſtzuſtellen. Im Allgemeinen kann aber wohl augenommen werden, daß die neuere und neueſte Zeit zur Steigerung der Verſchuldung zwar in bemerk⸗ barer, aber doch nicht auffälliger Weiſe beigetragen hat. c. Zinſen und Güterziele ſind im Allgemeinen regelmäßig bezahlt worden. d. Die große Maſſe der Schulden iſt in Weſthofen durch Käufe von Grund⸗ ſtücken veranlaßt worden. Erbtheilsgelder und andere Urſachen bilden die minimalere Veranlaſſung zur Contrahirung von Schulden. Wenn man nun annimmt, daß der Schuldendruck in neuerer Zeit etwas ſtärker geworden iſt, ſo liegt die Urſache hier⸗ von einmal in den aufeinander folgenden ſchlechten Weinjahren und dann in den niedrigen Preiſen der übrigen landwirthſchaftlichen Produkte, hauptſächlich des Getreides. 087˙9606(3˙9 88 219,269 91,921 2 1Geutn 05 9 988,688 06,k6 9 0 2 686,06 † 66,f0 O 88 †, F68 P,, 6,. 3 IL2II 61,6 3 I 3 087'8² Goel 61 1 0 Pinſplaog z6né 60,96 00⁰001 2I,SI9 88,801 3c6,690 IIGIIE I9. 99 Of 6 O0e,H 00,l 00, 000,08 6 6,088 79,. 3 aGouten 05 9 18,914 60,8 1 200,111 008,08 01,7 196,07 810,879 63,091 3 05 91 4 16,914 06,61 361,61 000,6 796,98 836,88 67, 017 Eor O 10,868 Grs 096,606 991,0 086,06 6686,8 987,6 ⁵ 27 e, 3 3 2136 08,e fIIIs 000,61 001,8 19,66 816,/ ʃ6 FO 66 5 1 5 0688 0,(l 268,66 9368 84⁄ 611. 515 686 161 25Oo i 20 :ro—inplaog 166 00,001 2 I9 587˙301 896,695 IfLIIe SLIIE SOL S 98,8 76,7 009,9 000,1 000, 000,08 998,776, 80,186 1 acom n O5 9. Or.o-(08 700,1I 006,06 061,,6 LGe„h, 9,,90 GkJe, e. l 4 16,8 O6,E 561,64 000,6 796,9 Sehce 2h.96,[†le 06 0O. 3. 2,I ere 096,6063 90⁄,05 086,06 653,84[3,ftI 901268 34— 3 8 S OS,e Fers 00e l e F9,36 ⸗ohe 95,29 f 3 1 2 r 0O 0˙ 168˙66 9668 84 8 811 76 697 696 10 0o 0 ad* vnrcur wet dachatdh 2 2S 2 20S 25 uſouen 60 49 125215 Sod ecce ec Gpl 6 6 G gun 1 6 Jlb. 28 lnnihdt zaandun Bamht, uhuein auiechss annhohne ahih an ueihee — p aoga je out V ua Pa e ee i iiinplaac ag ee ————— 15 909˙600,% 016616 37 219,c39 87,921 983,808 19,92 9 886,679 19,88 81 060,86 18,16 91 9† 79˙9 F : poInGplaod e 16˙61 00˙001 686†65 68100 258˙01 878,1I 916˙0891 0.e 99 96,8t 9,01 O0els 00— 000,06 889,691 e 92,1 76,66 001,98 00 093,66 0063,38 6†O,9fg 89,86² 01 67,01 29,65 190,89 8 816,9 g†6,I 76 1198 II48 31 98,66 26,8 TII,IOo 68 6 601,8 916, 0748,668 86,68 83 28,48 20,9 598˙21 008 06˙9 II'eI 7611 06˙9 8 00˙0 00˙0———— 88—— : roInqplaog qun uo 5G/6 00/001 686†63 68 00 28301 828,II 189˙060 6 †1 86 96,8 29,01 00,18 000,1— 000,08 696,067 66,661 9 FI, r6,66 001,98 00† 03,66 006,38 TSS,6f8 66,908 91 L211 29,61 190,89 819,96 8†,I 696,9†, 51111 21,91 28,78 F†IT,IOoT 68 3 601,8 916, 6 068,469 0,E 8* 66,6 20,9 †98˙11I 008 06˙9 F†II'SI 0*9˙0½ 50ʃ1 6 00˙0 00˙0———— av* SlrocnsIlvenl aachucht 1 2 2 mn, nd 119521 Sd Soc 42 6— gun 12p v titts g zätreät iünäßya Bitans aunſeſten aeshanzs aeehn aaeh : ungajeg e pge g aGout en 03 03 01 01 6 3 aGout'n 08 06 01 01 (— 6— I 6 —½— 10. ab*ο◻ Ipaa]s G OOS O G OOS 2 O OS. O 128†91 18˙93 8 ——— ahou'n 05 9 —— 0½ 01 6 * 01 G f 216,09 96/† 6 6= 35 8 861,66 FL.II Z 6 3 936˙1 13001 FI 1— 0 PinGplal e 80˙ 9 00000 38˙09 7r68 926,85 rE 819171 68˙66 08 00,0 00,0 8 8————— acem n 06 9 00,0 00,0 8————*— 02— 01 4 00,0 00,0—— 01 8 61,61 S⸗ 966, 008, 966,1 096,81 96,† 6 4— 3 3 F1 88 99,61 968,6 068,5 016,6 c81, 929,17 88,0 2 3 3 2L'9 56˙1 †03˙88 761( 060716 058,1I 81918 08˙01 15 1— 60 :nGplaog gu 9†91 000011 228,00 Fr6˙8 936'853 1 788˙009 05˙90 8⁰ 00,0 00,0 5——— 1 pu n 05 9 00,0 00,0—— 5 6s 01 5 00,0 00,0 355 601— 18,6 65, 966,6 008, 936,1 EL,6 7 86,6 F 6— 27 8 66,01 99,61 968,6 08, 016,6 681, 808,86 ET.,I FI 1 5 FI86 56˙01 105/88 761˙ 06016 069,11 706˙381 19ℳ0 6 1. 2holse, ü 2 2 26 2 neſeſe 49 b euons Sd ede eege ee eee ee eciie dnp9S gun wpjs 19p Iwoeh 9 uncah u e en eeh iee en ⸗ndeee i Sa wadg : uogorjog uoogavngojoby gun p„p ge d— 17 800˙3198 58/60 LI 190,98 66,11 T Ep.III 88,91 3 146,001 20,91 9 0†6,IF 1*˙9 F FC/1 68˙9 9 : oInqplaog 96˙16 00˙00 19 ˙§893 6 661˙891 8IO28 rII“CSBG6 91781 99 68,⁸ 98, 000/4— 000,6 5 119,091 96,16 16,81 98,6 268,5s 009,9 006˙0 168,81 697,181 19,16 3 96,06 28, 181,13 000,6 95†7,01 489,I 891/50] 18,06 g 90,58 19,668 36,901 799.91 8†6,c† 81 909,188 82,09 08 18,c9 16,16 C6,96 068,8 O6,e8 98,01 670,61 18775 21 F 6 † 6106 61ĩ†⁴ 581˙9 89928 68˙91 119˙601 21˙1 03 : ro.Incplaog 1261 00,00L 197˙893 6 †0 † 661˙881 91018 199109,9 004†8 08 38,8 98,1 000,6 000,0 5 119,091 86,18 1 8†,II 96,6 268, 56 009,6 006,0 18,81 086,116 06,6 8 28,6 2841 181,16 000,6 9rI,OI 89,1 916,FIS 69,98 9 68,†6 19,66 6,901 799,91 716, r L91,18 † 08,97 6 rs,86 13,18 6,96 08,8 Of6,e. 298,01 686,003 66,18 15 69˙68 6106 617³ 6818 89948 869˙9e1 98˙981 99˙81 95 Srnek vie Srag 2 2 2 2 2 hie üpg ⸗u b S e 19G gun 12p] 10v unhc iissst iüntyp an. anuſeſ ahue ih nn üeen uognoazog ogaoateh un ige aGout'n 03 0 6 01 0 6 9. 3 56 I [ 80 aGout n 03 09 01 01 G 5 565 1 60 aGom'n 083 05— 01 01 93 5 J 1 0 a195 1boa*s GTS S S O S S 2²¹ — 18— Frage IX. a. Wie geſtaltet ſich die Rentabilität des landwirthſchaftlich benutzten Bodens bei großen, mittleren und kleineren(eigenen oder gepachteteten) Gütern? b. Wenn die Rentabilität als eine unbefriedigende erſcheint, ſind die Gründe zurückzuführen hauptſächlich auf 1. die mangelhafte Melioration und die Zerſplitterung der 10. die Fruchtbarkeits⸗Verhältniſſe der Gemarkung, Grundſtücke, die im Verhältniß zur Ausnutzungsfähigkeit zu hohen Preiſe des Bodens, ‚jeinen mangelhaften landwirthſchaftlichen Betrieb, ‚ein zu großes Gebäudecapital, ungünſtige Arbeiterverhältniſſe, ungünſtige Abſatzverhältniſſe(ſchlechte Preiſe, unrationelle Einrichtungen für den Abſatz u. ſ. w.), frühzeitiges Zurückziehen der Eltern und Belaſtung der Güter mit hohen Altentheilen und Leibrenten, Beſondere unwirthſchaftliche Gewohnheiten der Landwirthe, z. B. zu ſtarke Pferdehaltung u. dgl., hohe Steuern und Umlagen und ſonſtige dem Commiſſär bekannt gewordene Verhältniſſe? a. Die 3 den Berechnungen in Anlage I., II. und III. zu Grunde gelegten Güter ſind mit Ausnahme des erſteren größeren, welches entſchieden intenſiver wie die Mehrzahl der Weſthofener Güter bewirthſchaftet wird, als typiſch zu betrachten. Es war deshalb der Wunſch der Commiſſäre, an Stelle dieſes ein anderes zu nehmen, leider mußte aber davon abgeſehen werden, da die entſprechende Auskunftsertheilung verweigert wurde. Im Allgemeinen iſt es aber möglich, auch aus der Beſchreibung dieſes Gutes richtige Schlüſſe auf die Bewirthſchaftung der größeren Güter in Weſt⸗ hofen zu machen. Hierzu kommt noch, daß dieſe größeren Güter durchſchnittlich inten⸗ ſiver und rationeller bewirthſchaftet werden als wie die kleineren. I. Beſitzſtand⸗Nachweis, beſtehend aus den Nachweiſen über den Werth von Grund und Bodenmit Obſtbäumen, Ge⸗ bäudecapital, Inventarcapital(todtund lebend) und umlau⸗ fendes Betriebscapital(Vorrath). — 19— Das Verhältniß der einzelnen Betriebscapitalien zum Grundcapital ſtellt ſich wie folgt: Größeres Gut. Das Gebäudecapital beträgt...... 11,5 pCt. vom Grundeapital Das Inventarcapital beträgt...... 9,6„„ 5 Das umlaufende Betriebscapital beträgt.. 5„ 2„ Mittleres Gut. Das Gebäudecapital beträgt...... 28,8„„ 6 Das Inventarcapital beträgt...... 14,2„„„ Das umlaufende Betriebscapital..... 3,2„„ 4 Kleineres Gut. Das Gebäudecapital beträgt...... 35,4„„„ Das Inventarcapital beträgt...... 15,8„„ 3 Das umlaufende Betriebscapital beträgt.. 5,7 In einem außergewöhnlichen Verhältniß ſteht alſo nur das Gebäudecapital des größeren Gutes zum Grundcapital. Der Grund hierfür liegt darin, daß die vorhan⸗ denen Gebäude nicht etwa nicht ausreichend wären, oder dem Zweck nicht entſprächen, ſondern in der Brandkaſſe zu niedrig aufgenommen, wie überhaupt zu niedrig taxirt ſind. II. Natural⸗Rechnung, beſtehend aus den Nachweiſen über Natural⸗Ertrag und Natural⸗Bedarf nebſt Schluß⸗ folgerungen. Die Natural⸗Rechnungen geſtatten den beſten Einblick in das Syſtem der Wirthſchaftsweiſe. Sie zeigen hier zunächſt, was und wieviel producirt wird, ſie geben aber auch ein Bild, mit welchen Mitteln die Production durchgeführt wird. Aus den Angaben über den Natural⸗Ertrag geht hervor, daß wie ſchon bei Beantwortung der Frage I. erwähnt wurde, die Durchſchnittsertäge an Körnern bei den gegebenen Fruchtbarkeitsverhältniſſen durchaus keine hohen ſind. Nur Raps ent⸗ ſpricht den Erwartungen, indem nämlich 13,8 reſp. 15,2 Ctr. pro Morgen angegeben werden. Aber die Durchſchnittserträge von Roggen mit 7 reſp. 8 reſp. 9,5 Ctr., von Weizen mit 7 reſp. 10,7 Ctr., von Hafer mit 7,4 Ctr. pro ¼ Hectar im größeren Gute ſind entſchieden als niedrige zu bezeichnen, während die anderen Er⸗ träge noch als mittel angeſehen werden können. Es weißt dies entſchieden auf die Nothwendigkeit einer intenſiveren Bewirthſchaftung der Weſthofener Güter hin. Einige beſondere Bemerkungen verdienen die Berechnungen über den Natural⸗ ertrag und den Naturalbedarf aus dem Viehſtand. Aus dieſen ergibt ſich nun, daß der Stallmiſt in der kleineren Wirthſchaft auf 61 ¼ Pf., in der mittleren auf 66 Pf., in der größeren auf 107 Pf. zu ſtehen kommt. Ueber 50— 60 Pf. iſt der Centner Stallmiſt in keiner Wirthſchaft werth, es würde daher in keiner Wirthſchaft die Vieh⸗ zucht rentiren. Am günſtigſten ſtellt ſich noch das Reſultat der kleineren Wirthſchaft, in welcher der Schwerpunkt der Viehzucht auf der Milchproduction liegt; nebenbei wird Aufzucht und Schweinemaſt getrieben. Nicht ganz ſo günſtig iſt das Reſultat in der mittleren Wirthſchaft, in welcher Milchwirthſchaft, Aufzucht, Schweinemaſt und — 20— Schweinezucht getrieben wird. Sehr ungünſtig iſt das Reſultat im größeren Gute, in welchem die Rindviehmaſt ganz weſeutlich im Vordergrund ſteht. Dieſe Reſultate würden die Anſicht Derjenigen unterſtützen, welche ſagen, daß eine weitere Ausdehnung der Viehzucht, ſpeciell der Rindviehzucht, für die dortigen Verhältniſſe nicht empfehlens⸗ werth ſei. Eine ſehr weſentliche Verbeſſerung derſelben iſt nicht möglich. Vielleicht wäre es daher ſogar angezeigt, und iſt dies auch gefordert worden, bei dem rück⸗ ſchreitenden Gang der Preiſe für thieriſche Producte die Viehzucht überhaupt ein⸗ zuſchränken. Freilich iſt hierzu zu bemerken, daß dies nur für ſolche Wirthſchaften in weiterem Maße angänglich und empfehleuswerth iſt, die ihre Ländereien in hoher Cultur haben, und denen auch die in dieſem Falle in viel höherem Grade nöthigen practiſchen und theoretiſchen Kenntniſſe nicht abgehen. Bezüglich der Lebensweiſe der Bevölkerung ſelbſt iſt zu erwähnen, und wird dies auch durch die Anlagen in das richtige Licht geſetzt, daß dieſelbe nicht nur eine über⸗ aus kräftige, ſondern vielfach ſogar eine luxuriöſe iſt. III. Geldrechnung, beſtehend aus den Nachweiſen über Geld⸗ einnahme und Geldausgaben. Zu den Geldrechnungen iſt zunächſt noch zu bemerken, daß in denſelben in den Ausgaben die Zinſen für geliehene Capitalien nicht mit aufgeführt wurden. Es würde hierdurch der Ueberſchuß in dem größeren Gut um ca. 1500 Mk. geringer ausfallen. Thatſächlich würde derſelbe alſo betragen, im größeren Gut 6432 Mk. 42 Pf., im mittleren 229 Mk. 28 Pf. und im kleineren 86 Mk. 76 Pf. Unter Zugrundelegung dieſer Ergebniſſe würden alſo die Weſthofener Landwirthe noch Capitalien anzuſammeln im Stande ſein. Am ungünſtigſten ſtellt ſich zweifellos das Ergebniß des mittleren Gutes. Wäre dasſelbe nur mit 6— 10000 Mk. belaſtet, ſo würde der Geldüberſchuß nicht hinreichen, die Zinſen zu decken und der Beſitzer müßte in ſeinem Vermögensſtand zurückgehen. Dieſen mittleren Gruppen mit 5— 10 und mit 10—20 Hectar Beſitz ge⸗ hören in Summa 27 verſchuldete Beſitzer an und zwar iſt deren Beſitz mit ca. 16 bis 17 pCt. ihres Liegenſchaftswerthes belaſtet. Würde ſich für dieſe das Reſultat der Geldrechnung ähnlich ſtellen, wie in Gut der Anlage II, in welchem in dem Er⸗ hebungsjahr allerdings größere Weinbergsanlagen den Geldüberſchuß verringert haben, ſo wäre deren Lage immerhin eine ſolche, daß ſie ſich kaum in ihrem Beſitzſtand zu er⸗ halten vermöchten. Ebenſo würde es aber auch mit einem Theil der 79 verſchuldeten Beſitzer der Gruppen 2 und 3 mit 1—2 Hectar und mit 2—5 Hectar der Fall ſein, die mit 34 reſp. 28 pCt. ihres Liegenſchaftswerthes verſchuldet angegeben ſind. Unter Zugrunde⸗ legung der Reſultate des Gutes in Anlage III würde eine Belaſtung mit 28 bis 34 pCt. einen Rückgang im Vermögensſtand bedingen. Im Ganzen würden alſo immerhin eine Anzahl Landwirthe zu kämpfen haben, um nicht zurück zu gehen, während die übrigen mehr oder weniger Fortſchritte machen würden. Alles in Allem überwiegt aber in Weſthofen die Capitalanſammlung zweifellos noch weſentlich den Capitalbedarf. Die Geldrechnungen geben ferner darüber Aufſchluß, nach welcher Richtung ſich die Production hauptſächlich bewegt. Wir haben bei Beautwortung der Frage I ſchon — 21— das Weſentlichſte erwähnt, verweiſen hier aber noch beſonders auf die fraglichen Rech⸗ nungen ſelbſt. So viel geht aus denſelben hervor, daß der Schwerpunkt ſehr vor⸗ wiegend auf dem Ackerbau(mit Weinbau) liegt und daß, da weſentliche Fortſchritte in der Viehzucht nicht zu machen ſind, welche ein günſtigeres Reſultat zur Folge haben würden, er auf dem Ackerbau liegen bleiben muß. Alle Beſtrebungen, welche weſent⸗ lich günſtigere wirthſchaftliche Reſultate bezwecken, müſſen hier anſetzen. IV. Rentabilitätsberechnung, beſtehend aus den Nachweiſen über den Rohertrag(excl. der für die Production in der Wirthſchaft wieder verwendeten Producte), die Productions⸗ koſten und den Reinertrag. Nach den Rentabilitätsberechnungen bringt das größere Gut einen Reinertrag von 4,6 pCt., das mittlere von 0,5 pCt., das kleinere von 3,6 pCt. Nur beim größeren Gut würde daher ein kleiner Unternehmergewinn reſultiren, wenn man an⸗ nimmt, daß das im Grund und Boden angelegte Capital nicht höher, wie mit 3 ½ bis 4 pCt. zu verzinſen ſei. Dagegen verzinſt ſich das im mittleren Gute angelegte Capital in ſehr unbefriedigender Weiſe. Es erklärt ſich dies zum Theil aus dem verhältnißmäßig hohen Arbeitsbedarf. Während nämlich das größere Gut nur für 86 Mk. Arbeitslöhne pro Hectar verausgabt, iſt der Aufwand beim mittleren Gut 177 Mk., beim kleineren Gut 170 Mk., alſo faſt doppelt ſo hoch wie bei dem erſteren. Bis zu einem gewiſſen Grade erklärt ſich der größere Arbeitsbedarf der kleineren Güter, großen gegenüber. Hier werden arbeiterſparende Maſchinen und Geräthe angewandt, Arbeitstheilung und Arbeitszuſammenlegung findet in ausgedehnterem Maße ſtatt ꝛc. Ob aber hauptſächlich beim mittleren Gute der Arbeitsaufwand nicht trotzdem zu hoch i*ſt, ob nicht eine beſſere Ausnutzung der Arbeitskräfte reſp. eine Erſparniß derſelben eintreten könnte, ſcheint ſehr fraglich. Weiterhin erklärt ſich aber auch das günſtigere Reſultat des größeren Gutes dem mittleren gegenüber aus dem verhältnißmäßig ge⸗ ringeren Betrage für Verzinſung, Verſicherung, Amortiſation und Reparatur des Ge⸗ bäudecapitals. Dasſelbe beträgt nämlich für das erſtere nur ca. 26 Mk., für das mittlere ca. 55 Mk. pro Hectar, alſo auch wieder doppelt ſo viel. Hierzu iſt zu be⸗ merken, daß ſich das größere Gut in Bezug auf die Gebänude in einer außergewöhn⸗ lich günſtigen Lage befindet, indem dieſelben bei der Uebergabe ſehr niedrig in Anſchlag gebracht worden waren und auch ſehr niedrig verſichert ſind. Außer der Gebäudemiethe und den Arbeitslöhnen iſt noch die Intenſität der Bewirthſchaftung von Einfluß auf das Wirthſchaftsreſultat. Das größere Gut wird, wie überhaupt die größeren Güter in Weſthofen, intenſiver be⸗ wirthſchaftet, wie die mittleren und kleineren Güter. Es iſt dies leicht erſichtlich aus den Naturalerträgen der den Anlagen zu Grunde gelegten Güter. Hier iſt auch im Allgemeinen bei faſt allen Gütern in Weſthofen der Hebel anzuſetzen, um eine höhere Rente zu erzielen: Erhöhte Maſſenproduction unter Anwendung größerer Betriebs⸗ mittel. Selbſt die größeren Güter können in dieſer Beziehung noch viel weiter gehen. b. Die Rentabilität der Weſthofener Güter iſt nur als eine theilweiſe befriedigende zu bezeichnen. — 22— Beſondere äußere Urſachen ſind für dieſe Erſcheinung hier in Weſthofen wohl kaum anzuführen. Sie liegen in dem allgemeinen Druck, unter dem ſich die Land⸗ wirthſchaft ſeit einem Decennium befindet. Dem fortwährenden Preisrückgang der landwirthſchaftlichen Hauptproducte, beſonders des Getreides, einerſeits und den ge⸗ ſteigerten Ausgaben für Löhne, Steuern, öffentliche und private Zwecke andererſeits. Es kann für Weſthofen als zweifellos ſicher angenommen werden, daß die Güter bis in die neueſte Zeit herein gut rentirt haben, ſonſt würde nicht die Verſchuldung, bei dem ſtarken Umſatz in den Liegenſchaften, bei den ſonſtigen ziemlich hohen Anſprüchen der Bewohner an das Leben, eine verhältnißmäßig ſo niedrige ſein. Daß die Renta⸗ bilität vielfach auch heute noch eine befriedigende iſt, geht daraus hervor, daß ein Preisrückgang in den Grundſtücken nicht ſtattgefunden hat. Hierbei muß allerdings noch bemerkt werden, daß eine Beſſerung des Betriebes ganz allgemein ſtattgefunden hat und noch ſtattfindet. Der Druck, unter dem ſich die Landwirthſchaft befindet, hat ſich allerdings in Weſthofen nicht in dem Maße fühlbar gemacht, als wie in Gemeinden und Gegenden mit weniger günſtigen Boden⸗ und climatiſchen Verhältniſſen, er macht ſich aber da⸗ durch bemerkbar, daß die Gutsbeſitzer ihre Ausgaben nach jeder Richtung hin ein⸗ ſchränken, abgeſehen von den überall gehörten ſonſtigen Klagen. Im Allgemeinen kann aber die Lage der landwirthſchafttreibenden Bevölkerung in Weſthofen als eine geſunde bezeichnet werden, und iſt auch nicht zu bezweifeln, daß die theilweiſe ungenügende Rentabilität, wenn nicht neue Hemmniſſe eintreten, durch erhöhte Anſtrengung, durch intenſivere Betriebsweiſe bald beſeitigt ſein wird. Frage X. Zu welchen Schlußbetrachtungen gelangt die Commiſſion auf Grund ihrer Erhebungen über die Geſammtlage der landw. Bevölkerung der Gemeinde, bezw. von welchen Verhältniſſen oder Maßnahmen glaubt ſie eine Beſſerung der wirthſchaftlichen Lage erwarten zu dürfen? Die Gemeinde Weſthofen kann im Allgemeinen als typiſch für den ſüdlichen Theil der Provinz Rheinheſſen, insbeſondere des Kreiſes Worms betrachtet werden. Verſchiedentlich iſt ſogar die Anſicht ausgeſprochen worden, daß die benachbarten Ge⸗ meinden, ſowohl nach dem Rhein, wie nach dem Bergland zu, wirthſchaftlich beſſer ſituirt ſeien, als wie Weſthofen. Aus dem Bericht geht nun hervor, daß die wirthſchaftliche Lage der landwirth⸗ ſchafttreibenden Bevölkerung als eine durchaus befriedigende und geſunde bezeichnet werden muß. Die Verſchuldung mit durchſchnittlich 12,91 pCt. des geſammten Im⸗ mobiliarbeſitzes oder mit 23,09 pCt. des Immobiliarbeſitzes der Verſchuldeten kann bei den z. Z. ſtationär bleibenden Bodenpreiſen zu Bedenken keinen Anlaß geben. Wenn auch Einzelne in ihrem Vermögensſtande zurückgehen, ſo vermag ſich doch der größte Theil der Verſchuldeten zum mindeſten in ſeinem Vermögensſtand zu erhalten, der größere Theil der Bevölkerung macht aber auch heute noch wirthſchaftliche Fortſchritte. — 23— Es iſt dies der Fall, trotzdem die Rentabilität der Weſthofener Güter nicht durchaus eine befriedigende iſt. Wie aber aus den Geldrechnungen hervorgeht, treten, trotz der recht guten Lebensweiſe der Bewohner, Geldüberſchüſſe auf, die, wenn keine oder nicht bedeutende Schulden vorhanden ſind, zur Capitalsbildung oder zum Ankauf von Grundſtücken verwendet werden. Um die Rentabilität der Weſthofener Güter zu heben, erſcheint es wünſchens⸗ werth, auf eine intenſivere Bewirthſchaftung, hauptſächlich der mittleren und kleineren Güter hinzuwirken. Die Benutzung der künſtlichen Düngemittel, die beſſere und tiefere Bearbeitung des Bodens ſind diejenigen Angriffspunkte, auf die im Bericht mit Recht beſonders hingewieſen wird. Bei der immerhin ziemlich bedeutenden Zerſplitterung der Grundſtücke erſcheint es wünſchenswerth, eine Zuſammenlegung derſelben durch Conſolidation, vielleicht auch nur einzelner Fluren, zu verſuchen. Von einzelnen Grundbeſitzern wird dies ſogar gewünſcht und für den Betrieb als äußerſt zweckmäßig bezeichnet. Allgemein, und auch mit Recht, iſt der Wunſch nach einer billigeren Credit⸗ quelle. Der jetzt bezahlte Zins von 6 pCt. für Geld aus den Kaſſen oder von 5 pCt. von Privatcapitaliſten bei einvierteljähriger Kündigungsfriſt, iſt entſchieden zu hoch und entſpricht durchaus nicht dem Wirthſchaftsgange und Reſultat des land⸗ wirthſchaftlichen Betriebes. Außerdem wird über die Schwierigkeit geklagt, mit der die Landwirthe, welche oft über ein bedeutendes Vermögen verfügen, zu thun haben, um nur einige tauſend Mark geliehen zu erhalten. Jedenfalls wäre daher eine Ein⸗ richtung zu erſtreben, welche bei gleichzeitiger Amortiſation und billigerem Zinsfuß eine allzu hohe Belaſtung der Güter bei Geldaufnahmen vermeiden läßt. Einzelne Stimmen ſprechen ſich für die Bildung einer Landescreditkaſſe, welche dieſe Vortheile in ſich vereinigt, aus. Der Wunſch nach beſſeren Verkehrsverhältniſſen behufs beſſeren Abſatzes der landwirthſchaftlichen und auch induſtriellen Producte, geht jetzt durch den beſchloſſenen Bau einer Secundärbahn von Oſthofen nach Weſthofen in Erfüllung. Die Bewohner Weſthofens erhoffen durch dieſen Eiſenbahnbau in dem Anſchluß an den Weltverkehr für ihren Ort neues Leben und neue Anregung. Beſonders die Gewinnung von Sodaſteinen, die weiterhin wieder mehr Nebenverdienſt für die auf Tagelohn ange⸗ wieſene Bevölkerung zur Folge hat, dürfte durch den erleichterten Abſatz eine größere Zukunft haben. Es iſt zu wünſchen, daß dieſe Hoffnungen erfüllt werden. Der Berathung über den Bericht, welche das vorſtehende Reſultat hatte, wohnten außer den Unterzeichneten bei: der Großh. Kreisrath Freiherr von Gagern, der Vice⸗ präſident des landwirthſchaftlichen Vereins für Rheinheſſen Stephan von Heßloch, der Bürgermeiſter Chr. Orb, der Beigeordnete Hirſch, der Müller Chr. Schwan und die Gutsbeſitzer Fr. Orb, Math. Hees II. und Math. Hees III. zu Weſthofen. Weſthofen, den 22. Mai 1886. Jaup, Geheimerath. C. Beſt, Landwirth in Oſthofen. O. Möllinger, Landwirth auf dem Mühlheimerhof. Leithiger, Landwirthſchafslehrer in Alsfeld. Anlage I. Gemeinde Weſthofen. Beſitzſtand, Natural⸗ und Geld⸗Rechnung und Rentabilitäts⸗Berechnung eines größeren Gutes von 63,16 Hectar. Der Beſitzer iſt verheirathet, 37 Jahre alt, Vater von 3 Kindern, 2 Mädchen und 1 Knaben, welche noch unerwachſen und ſchulpflichtig ſind. Außerdem wohnt die Mutter des Beſitzers im Hauſe. An Arbeitsperſonal wird gehalten: 1 Verwalter, 3 Pferdeknechte, 2 Vieh⸗ wärter, 1 Köchin und 1 Dienſtmagd. Außerdem werden das ganze Jahr hindurch circa 4—5 Taglöhner gehalten, wozu zur Erntezeit, während 10—12 Wochen, noch 8—10 Akkordarbeiter und 4—6 weitere Arbeiter kommen. I. Beſitzſtand. A. Grund und Boden mit Obſtbäumen(Grundcapital). 60,19 Hectar Ackerland 1,78„ Weinberg mittlerer Kaufwerth: Steuercapital incl. Gebäude: 1,19„ Wieſe Mk. 225175 Mk. 3594,2 63,16 Hectar. Obſtbäume: 35 größere Apfelbäume à Mk. 20..... Mk. 700 10 junge„ à Ml. 2....„ 20 10 größere Birnbäume a Mk. 20....„ 200 30 Zwetſchenbeiume 2 Mk. 10......„ 300 3 Nußbäume à Ml. 40.....„ 120 Summe Mk. 1340 — 25— Wiederholung. Grund und Boden.. Mk. 2251 75 Obſtbänme.........„ 1340 —9 Mk. 226515 B. Gebäude. Eine Hofraithe, beſtehend aus zweiſtöckigem Wohnhauſe, Stallungen, 3 Scheuern, Re⸗ miſen ꝛc., laut Brandcataſter.... Mk. 23330 Ein Keller mit Kelterhaus......„ 2570 —„ 25900 C. Viehſtand. 6 Pferde......... Mrl. 3000 7 Maſtochſen..„ 3380 3 Faiſel............„ 1200 9 Kühe(Simmenthaler Kreuzung)....„ 3150 14 Rinder: 4 Zuchtrinder(hochträchtig)...„ 1600 . 10 Maſtrinder........„ 2500 4 Kalb„ 50 4 junge Schibeine........„ 120 15000 II Gewöhnlich ſind noch 2 Fohlen zur Aufzucht da, momen⸗ tan keine. Statt der Maſtrinder werden manchmal auch mehr Maſtochſen eingeſtellt. Für die Haltung von 2 ſprungfähigen Faſſeln werden von der Gemeinde jährlich Mk. 350 vergütet. D. Todtes Inventar. Fuhr⸗ und Ackergeräthe: 5 zweiſpännige Wagen....... Mk. 850 1 einſpänniger Wagen........ 5 85 1 zweiſpänniger Karren„ 150 5 einſpännige„„ 350 2 Jauchekarren mit Fäſſern.......„ 120 1 Pflugkarren“„ 20 7 Vorder⸗ und 10 verſchiedene Hinterpflüge..„ 200 5 Ruchadlo⸗Pflüge....„ 100 5 Hack⸗ und Häufelpflüge.......„ 100 1 Hack⸗ und 1 Wingertspflug......„ 60 1 Sack'ſcher 4 ſchaariger Pflug......„ 80 5 Cgagen„ 1 50 2 Eggſchlitten....„ 20 4 Ringeliwalze........„ 80 zu übertragen.. Mk. 2365 Mk. 267415 — 26— deriru.. Mk. 2365 Mk. 267415 1 Glattwalze....„ 35 6 Ackerwagen und 6 Paar Zugſcheite..... 7 50 1 Schmierbock und 1 Wagenwinde.....„ 25 — 1 Sachſche Säemaſchine........„ 300 1 Pferderechen(Tigerſyſtem).......„ 160 Pferde⸗, Ochſen⸗ und Stallgeſchirr: Sämmtliche Pferde⸗ und Ochſengeſchirre incl. Zugketten, Halfter und Stallketten...„ 500 Pferdeſtriegel und Kartätſchen......„ 20 Futterkaſten....... 7 5 6 wollene Decken und 6 Regendecken.„ 50 Dunggabeln und Miſthaken.......„ 10 3 Diingerkarren...........„ 50 3 Stalllaternen...........„ 4 50 Kuhketten.........„ 75 2 Faſſelhalsbänder mit Ketten„ 12 8 Stalleimer......„ 12 2 Futterbütten...„ 10 Futterkörbe und Melkſtühle„ 5 1 Häckſelſchneidmaſchine......„ 100 1 Rübenbrockler........... 37 25 1 Schrotmühle...„ 30 1 Troikar und 1 Schlundröhre, 1 Aderkiſie, 1 Klyſtierſpritze, 1 Maulgatter ꝛc.... 5 30 Scheuer⸗ und Speichergeräthe: 1 4pferdige Göpeldreſchmaſchine.....„ 450 1 engliſche Putzmühle....„ 80 Siebe, Gemäß, Körbe, Süaufen, dreſhſete.„ 30 H Leitern....„ 10 5 Wagentücher, 80 Säcke.....„ 90 Antheil an einem Trieur........„ 20 1 Sackkärrchen......„ 12 Feld⸗, Garten⸗ und Bandeſchitr: Spaten, Schippen, Pickel, Rechen, Heugabeln, Senſen, Sicheln, Gießkannen, Axt und Beil ꝛc.„ 200 Herbſt⸗ und Kellergeräthe: 1 Kelter mit eiſerner Schraube.....„ 250 2 Abladebütten, 1 Feldzuber......„ 60 1 Qadfaß.............„ 30 zu übertragen.. Mk. 4705 Mk. 267415 — 27— Uebertrag. Mk. 4705 Mk. 267415 1 Traubenmühle........„ 70 2 Tragbutten...........„ 10 Fäſſer dib. Größe..........„ 820 Hausgeräthe: Möbel der Verwalterſtuhe.......„ 150 5 Geſindebetten mit Zubehör......„ 200 3 Schränke.......„ 15 Geſindeſtubeneinrichtung.....„ 30 Geſinde⸗ und Küchenhandtücher......„ 25 1 Mehlkaſten.......... 7 10 1 Butterfaß, 2 Milchzuber, 2 Melkeimer, Ab⸗ rahmgefäße und andere Müldgerüüſhafte 3„ 75 Waſchbütten.....„ 30 Küchengeſchirre..........„ 180 2 kupferne Keſſel..........„ 20 Laternen und Lampen.......„ 10 1 Hundehütte, Halsband und Kette„ 10 —„ 6760 E. Vorrath an umlaufendem Betriebscapital ſiehe Rentabilitätsberechnung.....„ 11000 Werth des geſammten Beſitzes.. Mk. 285175 Inventar der engeren Familienwohnung incl. Mohiliar, Betten 2c...... Mk. 6500 1 Landauer⸗ und 1 Jagdwagen, 1 Schlitten nebſt Geſchirr und Reitzeug.„ 1800 Mk. 8300 II. Natural-Rechnung. A. Natural⸗Ertrag. Aus dem Acker⸗, Wein⸗ und Wieſenbau. Die Bewirthſchaftung des Ackerfeldes iſt die im Allgemeinen in der Gemarkung übliche, eine mehr oder weniger freie. Der Anbau der Früchte und der Natural⸗Ertrag waren im verfloſſenen Jahre 1884 wie folgt: Getreide ⸗3 S42 3 I Anbau eSI2sas S 8SS5ν Centue r. Hectol. Reps. 3,2 Hect. 195 385 Fer Roggen 12,25„ 464 1800 Heke Weizen 2,0„ 86 225 5 Gerſte.... 10,5„ 520 1150 Hafer....243.,6 3,9„ 115 200 Kartoffeln. 3,7„— 850 2 Dickrüben 2,0„——(— 19⁰0 Zuckerrüben.. 2,5 4,8„———[— 8600 Klee..... 14,6„————[- 1800 Wieſe..... 1,2„—=-——- 150 Obſt...——=RN B 30 Weinberg 1,8 Hect.—-=—-—=—=-=[1²0 Brache 3,7„—— 8. Der Durchſchnittsertrag berechnet ſich pro ¼ Hectar wie folgt: bei Reps „ Roggen „ Weizen „ Gerſte „ Hafer „ Kartoffeln „ Dickrüben „ Zuckerrüben „ Klee „ Wieſen „ Wein Milch. Durchſchnittlich im Jahr pro Kuh 1600 Liter, pro Tag und Kuh ca. 31,2„ I/ 2 Aus dem Viehſtand. 4,4 Liter, im Ganzen alſo 14400 Liter. Rindvieh. Im letzten Jahre wurden 7 Ochſen und 10 Rinder zur Maſt ein⸗ geſtellt und fett verkauft, was dem Durchſchnitt entſpricht, manchmal ſind es mehr Ochſen und entſprechend weniger Rinder; 10 Kälber treten zu, wovon 5 verkauft und 5 aufgezogen werden. den per Jahr durchſchnittlich 5 fett verkauft, ebenſo 2 Faſſel. Schweine. 4 Maſtſchweine mit durchſchnittlich 280 Pfund Schlachtgewicht werden aufgezogen und eingeſchlachtet. Heu und Grummet, 16,6 Hectoliter Wein. Abgängige Milchkühe wer⸗ auf 15,2 Ctr. Körner, 30,5 Ctr. Stroh, 2 9,5 2 2 36,7 2 2 / 10,7/ 2 28,0 fIf 2 2 12,4 2 2 27,4 2 2 2 7,4 2 2 12,8 2 2 „ 57,4„ Knollen, „ 237,5„ Nuüben, „ 187,5„„ 4 30,8„ Heuwerth, N — Pferde. 29 theils angekauft, theils ſelbſt gezüchtet werden. B. Natural⸗Bedarf. Für Saatgut: Reps 3,2 Hectar.— Ctr. 36 Pfd. Roggen 12,3„.34„ 50„ Weizen 2,0„.. 6„ 50„ Gerſte 10,5„.. 24„„ Hafer 3,9)„ 9„ 50„ Kartoffeln 3,7„.. 80„=„ Dickrüben 2,0„—„ 30„ Klee: Luzerne„ 80„ Esparſette 50„ 8„—„ Für den Viehſtand: Für die Pferde: Hafer 120 Ctr. à Mk. 7,50 (davon 7 Ctr. zugekauft) Hen 500 Ctr. 4 Mk. 2,20... Streuſtroh 250 Ctr. à Mk. 1,90. Für das Rindvieh und die Schweine: Roggen 2. Qual. geſchroten 30 Ctr. à Mk. 6,— Gerſte„„„ 30 Ctr. à Mk. 6,50 „„ Gugekauft) 46 Ctr. à Mk. 6,10 Dickrüben 1900 Ctr. à Mk.—,70 5 zugekauft 150 Ctr. à Mk.— 770 Kartoffeln für die Schweine 50 Ctr. à Mr. 1,40 Heu und Grummet der Wieſe 150 Ctr. à Mk. 2,50 Klee wird faſt ſämmtlich zu Heu gemacht. Der zweite Schnitt wird theilweiſe grün gefüttert, theilweiſe zu Samen ſtehen gelaſſen. Heu und Heuwerth dem Rind⸗ vieh 1300 Ctr. à Mk. 2,50. 3 Getreide⸗ und Repsſtroh und Spreu wird mit Ausnahme von ca. 1000 Ctr. Kornſtroh, welches verkauft wird, in der Wirthſchaft als Streu verbraucht; für das Rindvieh noch ca. 2500 Ctr. durchſchnittlich à Mk. 1,50 Rübenſchnitzel werden von der Zuckerfabrik den abge⸗ lieferten Rüben entſprechend zurückgeliefert ca. 1800 Ctr. Werthanſatz incl. Mk. 120 Fracht. zu übertragen Es werden durchſchnittlich alle 3 Jahre 2 Fohlen aufgezogen, welche (davon 8 Ctr. zugekauft) Mk. 900,— „ 1250,— „ 475,— Mk. 2625,— Mk. 180,— 1 195,— „ 280,60 „ 1330, 1 105,— 11 70,— 1 375,— „ 3250,— „ 3750, 7 480,— Mk. 12640,— Uebertrag.. Mk. 12640,60 Weitere zugekaufte Futtermittel: Weizenkleie 260 Ctr. à Mk. 4,80........„ 1248,— Palmkuchen 150 Ctr. à Mk. 6,80.......„ 1020,— Viehſalz 4 Ctr. à Mk. 2,30 2 9,20 Außerdem noch die Küchen- und Milchabfälle, Molken ꝛc., Laubgipfel aus den Weinbergen.„ 152,80 Schrotlohn für Roggen und Gerſte.......„ 42,40 Für Vieheinkauf werden verausgabt.......„ 4700,— Werth der für den Viehſtand verwendeten Producte.... Mk. 19813,— Für Bullenhaltung und Sprunggeld gehen ein.....„ 700,— Bleibt.. Mk. 19113, Die Koſten der für die Pferde verwendeten Producte beträgt.„ 2625,— Für Rindvieh und Schweine zu verrechnen.. Mk. 16488,— Der Werth der vom Rindvieh, Schweinen u. ſ. w. erzielten Producte berechnet ſich auf ungefähr...„ 9200, Es würden daher noch durch den Stallmiſt zu decken ſein..„ 7288,— Die Stallmiſtproduction von Rindvieh und Schweinen iſt annähernd auf 9000 Ctr. zu ſchätzen, ſo daß ſich der Centner auf circa 81 Pf. berechnen würde. Hierzu treten nun aber noch die Koſten für Zinſen, Verpflegung, Stallmiethe u. ſ. w. für den Viehſtand mit circa Mk. 2320 oder pro Centner mit circa 26 Pf., ſo daß der Stallmiſt pro Centner auf circa Mk. 1,7 zu ſtehen kommen würde. Für die Familie (einſchließlich des Verwalters, 3 Pferdeknechte, 2 Viehwärter, 1 Köchin, 1 Dienſtmagd; Taglöhner nur beim Repsdreſchen und der Weinleſe): Conſumartikel Für die Familie Für das Perſonal Geſammtbedarf Al. Aϑ MAl. A l. ₰ Roggenbrod(wird gekauft). 400 Pf., 46— 5000 Pf.] 575— 5400 Pf. 621— Weißbrod und Milchbrödchen 11600„ 251—] 40„ 4— 1640„ 255— Weißmehl(zugekauft)... 400„ 72— 450„ 81— 850„ 153— Kartoffeln...... 30 Ct 60]/— 130 Ct. 260— 160 Ct. 320— Fleiſch........ 820 Pf. 487— 1000 Pf. 528— 1820 Pf. 1015— (davon 1070 Pfd. ſelbſtpro⸗ ducirtes Schweinefleiſch und 750 Pfd. zugekauftes Rind⸗ fleiſch à 64 Pf.) Butter à 80 Pf..... 180 Pf. 144— 180 Pf. 144— 360 Pf. 288— Schmalz à 50 Pf..... 20„ 104 32„ 16 52„ 26 Kaffee und Cichorien... 50„ 85— 50 à ,50— 100„ 135,— zu übertragen.. 1155— 1658— 2813— — 31— Conſumartikel Für die Familie Für das Perſonal Geſammtbedarf Ml. ₰‿ A. A A. lieberinn.. 1155— 1658— 2813— Zucker........ 85 Pf. 30 60 15 Pf. 540 100 Pf. 36— Salz. l50„ 5.150„ 15200„ 20 Reis, Gries, Nudeln ꝛc... 50„ 10— 50„ 10— 100„ 20— Eſſig, Oel und Gewürz..— 10— 15— 25— Eier 1800 Stück Gugekauſt). 1300 St. 78— 500 St. 30— 1800, St. 108— Milch à Liter 10 Pf.. 1800 Lit. 180— 1800 Lit. 180— 3600 Lit. 360— Handkäſe à Stück 10 pf.. 220 St. 22— 3000 St. 300— 3220 St. 322— Wein.... 450 Lit. 135,— 250 Lit. 75— 700 Lit. 210— Bier....... 320„ 76 40 40„ 9/60] 360„ 36 Treſterwein...——— 5000„ 200— 5000„ 200— Gemüſe, Salat, Obſt 20..— 50—— 100—— 150— Summa.. 1752— 2598— 4350— Es berechnet ſich hiernach der Verbrauch des 14 Perſonen ſtarken Haushaltes pro Tag und Kopf auf rund ungefähr: 750 Gramm Brod(weiß und ſchwarz), 1000„ Kartoffeln(läßt ſich nicht genau abſchätzen, da die Abfälle in den Stall kommen), 192„ HKFleiſch, 38„ Butter, 6„ Schmalz, 11„ Kaffer, 11„ Zucker, 22 Salz, 0,75 Liter Milch, 1,2„ Wein und Treſterwein, Bier, Käſe, Eier, Gemüſe, Salat, Obſt ꝛc. Es ſind hierin ca. 130— 140 Gramm verdauliches Protein und mindeſtens 100 Gramm Fett, welche Nährſtoffzuſammenſetzung zur kräftigen Ernährung einer erwachſenen Perſon reichlich genügt. Der Werth der verbrauchten Nahrungsmittel beträgt annähernd jährlich Mk. 4350 oder täglich ca. 11 Mk. 91 Pf. oder pro Tag und Kopf ca. 92 Pf. Die Lebensweiſe der Familie iſt folgende: Erſtes Frühſtück: Kaffee, Brod mit Butter und Milchbrödchen. Zweites Frühſtück: Brod mit Butter, Käſe, Schinken, Wurſt, hierzu Wein. Mittageſſen: Suppe, Rindfleiſch mit Beilage, Braten oder Wurſt mit Kartoffeln oder Gemüſe mit Wein. Vesperbrod: Im Winter Kaffee, im Sommer Brod mit Butter und Käſe, Schmierkäſe, Wurſt oder Schinken hierzu Wein. — 32— Abendbrod: Braten oder Wurſt mit Kartoffeln oder Salat, zuweilen Eier, Thee. Das Geſinde erhält: Erſtes Frühſtück: Kaffee mit Brod und Schmierkäſe. Zweites Frühſtück: Brod mit Handkäſe. Mittageſſen: Suppe, Fleiſch, Kartoffeln oder Gemüſe mit Wein. Vesperbrod: Brod mit Schmierkäſe und Wein. Abendeſſen: Suppe oder Dickmilch, oder Fleiſch, Wurſt und Kartoffeln. Die Tagelöhner erhalten nur beim Repsdreſchen die Koſt wie das Geſinde, bei der Weinleſe Kartoffeln, Schmierkäſe und Brod als Mittageſſen. III. Geld-⸗Rechnung. A. Einnahmen. 195 Ctr. Reps à Mk. 13,60. Repsſtroh und Repsſpreu 400„ Roggen à Mk. 8... 79,5 Weizen à Mk. 10 466„ Gerſte à Mk. 9.. 560„ Kartoffeln à Mk. 1,80. 3600„ Zuckerrüben à Mk. 1 19„ Kleeſamen à Mk. 42. 1000 Kornſtroh à Mk. 1,95. 1080 Pfd. Butter à Pf. 80. 2600„ Weichkäſe à Pf. 10 15 Ctr. Obſt.......... Für Rindvieh: 10 Maſtochſen... Mk, 4400,— 2 fette Faſſel.„ 950, 6 abgemolkene fette Puhe.„ 1700,— 5 Kälber....„ 150,— Für 2 aufgezogene Fohlen 1500 Mk. auf 3 Jahre vertheilt Für Haltung von 2 Faſſeln, Vergütung von der Gemeinde pro Jahr Sprunggeld à 50 Pf., pro Jahr.. Für 111 Hectoliter Wein à Mk. 400. Von der Mutter des Beſitzers für Düngung ihrer Weinberge Für geleiſtete Geſpannarbeit: Dem Schwiegervater das Zuͤbereilen und Ausſtellen von 24 Morgen Ackerland zu übertragen 7 2652,— 160,— 3200,— 795,— 4194,— 1008,— 3600,— 798,— 1950,— 864,— 260,— 60,— 7200,— 500,— 350,— 350,— 3666,— 200,— 192,— „Mr. 31999,— —— 3²¹ Uebertrag. Mk. 31999,— 8 Morgen Weinberg: 6 Laub⸗ und Rebenfuhren Mk. 6,— 36 Garren Dung....„ 36,— 32 Ladfaß Myſt...„ 32,— —„ 74,— b. Von der Mutter für Moſtfahren...„ 30,— c. Auf dem eigenen Gut in Weſthofen für gaberiteng eſelen und Einfahren von 20 Morgen.... 200,— Summe M. 5 32303,— B. Ausgaben. Steuern und Umlagen: Grund⸗ und Gebäudeſteuer.. Mk. 628,90 Gemeinde⸗Umlagen hierauf.......„ 574,60 Staats⸗Einkommenſteuer.......„ 228,— Gemeinde⸗Umlagen hierauf„ 90,30 - Mk. 1521,80 Löhne: Gehalt des Verwalters.„ 350,— Löhne für 3 Pferdeknechte, 2 Viehwärter, 4 Magd 1 Mäd⸗ chen, welches den Haushalt erlernt, erhält keinen Lohn)„ 1100,— Taglöhne für Taglöhner und Frauen..„ 2440,— (Männer erhalten im Sommer Mk. 1 30, im Winter Mk. 1, 110, Frauen im Sommer 86 Pf., im Winter 80 Pf., dieſelben erhalten im Allgemeinen keine Koſt, jedoch pro Tag ca. 1 Liter Wein.) Accordlöhne: a. für Erntearbeiten. Mk. 450,— b. für Weinbergsarbeiten.„ 240,— c. für Dampfdreſchen„ 450,— Betrag der Küferrechnung.„ 75,— dl-ʒee, 5105,— Unterhaltung der Gebäude: 3 Durchſchnittliche wirkliche Ausgaben„ 300,— Unterhaltung des todten Inventars: Dem Wagner Mk. 130,— Dem Schmied„ 325,— Dem Sattler.„ 120,— Dem Schloſſer 8 10,— Dem Spengler—„ 50,— zu übertragen Mk. 635,— Mk. 6926,80 — 34— 2 2 915,— 100,— Uebertrag.. Mk. 635,— Mk. 6926,80 Dem Tüncher(Anſtrich von Geräthen und Maſchinen).........„ 15,— Dem Schreiner....„ 10,— Dem Küfer für Reparaturen.....„ 25,— Für Wagenfett und Thran.. 3 30,— Zur Anſchaffung von Geräthen und Tiaſüinan.„ 150,— Hausrath und Handgeräth....„ 50,— Unterhaltung des Inventars der Familienwohnung Verſicherungsprämien: Für Gebäude.... Mtk. 31,08 Für Inventar und Produkte......„ 75,— Pferde⸗Remonte: Als jährliche baare Aiaben ſind anzunehmen: Für Zuchtfohlen....... Mk. 125,— Für Arbeitspferde..........„ 240,— Rindvieh⸗Ankauf: Für Maſtochſen, Rinder und Faſſel Schweine⸗Ankauf: Für 4 junge Schweine Weinbergsanlagen und Unterhaltung: Zur Deckung der Anlagekoſten, der 4 jährigen Bebauungskoſten und für 4 jährigen entbehrten Ertrag, ſowie für Inſtand⸗ haltung der Anlagen ſind als jährliche Ausgabe mindeſtens 25 Mk. pro ½¼ Hectar zu verrechnen; für 1,78 Hectar Zukauf von Futter und Kraftfutter: 260 Ctr. Weizenkleie à Mk. 4,80..... Mk. 1248,— 150„ Palmkuchen à Mk. 6,80.....„ 1020,— Fracht für 1800 Ctr. Rübenſchnitzel..„ 120,— 46 Ctr. Gerſte 2. Qual. à Mk. 6,10...„ 280,60 7„ Hafer* Ml. ,50...„ 52,50 Schrotlohn.........„ 42,40 150 Ctr. Dickrüben à 70 Pf..„ 105, 4„ Viehſalz à Mk. 2,30......„ 9,20 Künſtliche Dünger: 160 Ctr. Superphosphat, 50„ Chiliſalpeter, 10„ Knvochenmehl, zu übertragen 2 2 22 . Mk. 106,08 365,— 4600,— 100,— 180,— 2877,70, 17920,58 —— m. Uebertrag.. Mk. 17920,58 10 Ctr. Chlorkalium,— 4„ Weinbergsdünger,„ 1750,— Zukauf von Saatgut: 3 10 Pfd. Dickrübenſamen à 65 Pf...... Mk. 6,50 8 Ctr. Esparſette à Mk. 17,50......„ 140,— 8„ Saathafer 3 Mk. 8S„ 64,— „ 210,50 Heizung und Beleuchtung: Für Kohlen.........Mf 200,— Petroleum.......„ 100,— 2 300,— Zukauf von Nahrungsmitteln: Für Roggenbrod 5400 Pfd. à 11 ½ Pf.... Ml. 621, „ Weisbrod und Milchbrödchen.....„ 255,50 „ Weizenmehl 850 Pfd. à 18 Pf...„ 153,— „ 750 Pfd. Fleiſch à 64 Pf.......„ 480,— „ Kaffee und Cichorien.......„ 135,— „ Dulher 100 Pfd..........„ 36,— „ Salz 200 Pfd.........„ 20,— „ Reis, Gries, Nudeln........„ 20,— „ Eſſig, Oel und Gewürz.......„ 25,— „ Eier 1800 St. à 6 Pf....„ 108,— „ Vier 360 Liter.........„ 86,— „ Zucker für Treſterwein.......„ 150,— „ Schlachtlohn........„ 10,— -ʒ-eͤ„ 2099,50 Bekleidung......„ 600,— Arzt und Apptheke...............„ 80,— Thierarzt................„ 60,— Diverſe perſönliche Ausgaben für Reiſen, Cigarren ꝛc...„ 800,— Pacht für ca. 23 Hectar Aecker und Weinberge(dieſelben gehen ſpäter in den Beſitz über)....„ 2900,— Mr. 24370,58 C. Vergleichung der Geld⸗Einnahmen und Geld⸗Ausgaben. Die Einnahmen betrugen.... Mk. 32303,— Die Ausgaben betrugen.....„ 24370,58 Bleibt Ueberſchuß..„ 7932,42 — 36— IV. Rentabilitäts-Verechnung. A. Rohertrag. Erlös aus verkauften Producten, Bullenhaltung und geleiſteter Spannarbeit.. Mk. 32303,— Werth der für die Familie aus der Wirthſchaft entnommenen Producte: Kartoffeln... Mk. 60, Fleiſch 220 Pfd. à 50 8f..„ 110,— Butter.....„ 144, Schmalz...-.„ 10,— Milch.........„ 180,— Kiſe..........„ 22,— Wein...........„ 135, Gemüſe..........„ 50,— „ 711,— Summa Mk. 33014,— B. Productionskoſten. 1. Gebäudecapital: Zinſen von Mk. 25900 à 4 deet... Mkl. 1036,— Verſicherungsprämie......„ 31,08 Amortiſation 1 pCt......„ 259,— Inſtandhaltung, wirkliche Ausgabe.„ 300,— —„1626, 2. Capital des lebenden Inventars: Zinſen von Mk. 15000 à 4 pCt..... Mlk. 600, Verſicherungsprämie à 2 ½ pCt...„ 375,— Amortiſation vom Werth der Pſade; 8 or von Ml. 3000....„ 240, Für Ankauf von Zuchtfohlen..„ 125,— Für Ankauf von Matochien⸗ Rindern und Faſſel...„ 4600,— Für Ankauf von Schweinen..„ 100, „ 6040,— 3. Capital des todten Inventars: Zinſen von Mk. 6760 à 4 pGt..... Mk. 270,40 Verſicherungsprämie 0,20 pCt......„ 13,50 Erneuerung und Inſtandhaltung...„ 865,— Zukauf von Maſchinen.......„ 150,— —-„ 1298,90 — zu übertragen.. Mk. 8964,98 14. 15. 16. Uebertrag .Zinſen des umlaufenden Betriebscapitals. Letzteres beträgt 50 pCt. der jährlichen baaren Ausgaben= Mk. 11000 à 6 pCt. . Amortiſation und Eiterhalthng der Meinherdaanläan 60. Geld⸗ rechnung: Ausgabe) . Hagelverſicherungsprämie: Vom Werth der Getreideernte: Mk. 15400 1,75 pCt. Mk. 115,50 Vom Werth der Repsernte: Mk. 2800 1 ,50 pCt.„ 42,— Vom Werth der Weinernte: Mk. 4000 1, ,50 pGi.„ 60, . Feuerverſicherung der Producte . Steuern und Umlagen(excl. Eintomnenſtene . Zukauf von Futter . Zukauf von künſtlichem Dünger . Zukauf von Saatgut.. . Heizung und Beleuchtung, 25 pCt. der Frlrlrfkten Ausgaben Mr. 300 .Zukauf von Nahrungsmittel für das Perſonal: Noggenbrod........... Mk. 575,— Weißbrod 2C............„ 4,— Weiſutehl.....„ 31,— Fleiſch..........„ 96,— Kaffee und Cichorien........„ 50, Zucker....„ 5,40 Salz..........„ 15,— Neis, Gries 2c...........„ 10,— Eſſig, Oel 2c..„ 15, Eier..........„ 30,— Bier.......„ 9,60 Thierarzt Arbeitslöhne: Für das Perſonal(ſ. Geldrechnung).. Mk. 5105,— Thätigkeit des Beſitzers, nicht als Unter⸗ nehmer, ſondern als Verwalter..„ 350,— Verſchiedenes . Mk. 8964,98 1 660,— „ 180,— „ 207,50 „ 45,— „ 1203,50 „ 2877,70 „ 1750, „ 210,50 2 75,— 2 891,— 2 60,— „ 5455,— „ 119,82 Mk. 22600,— — 38— C. Reinertrag. Der Rohertrag betrug.... Mk. 33014,— Die Productionskoſten betragen..„ 22600,— Bleibt Reinertrag. Mk. 10414,— Das Grundcapital im Betrage von Mk. 226515 bringt alſo in dieſem Gute einen Reinertrag(Grundrente und Unternehmergewinn) von Mk. 10414. Es würde dies einer Verzinſung des Grundcapitals von 4,6 pCt. entſprechen, wozu die freie Wohnung des Unternehmers(als Unternehmergewinn) weiterhin in Anſchlag zu bringen ſein würde. —— Anlage II. Gemeinde Weſthofen. Beſitzſtand, Natural⸗ und Geld⸗Rechnung und Rentabilitäts⸗Berechnung eines mittleren Gutes von 13,58 Hectar. Der Beſitzer iſt verheirathet, 41 Jahre alt, Vater von 3 Kindern, 2 Mädchen und 1 Knaben. Die Kinder ſind noch unerwachſen, das älteſte erſt ſchulpflichtig. Die Familie beſteht alſo aus 5 Perſonen, wovon 2 Erwachſene(Beſitzer und Frau) ihre Arbeitskraft der Wirthſchaft widmen. Geſinde wird gehalten: 1 Knecht und 1 Magd, im Hauſe wohnhaft mit voller Verköſtigung. 1 Taglöhner findet das ganze Jahr Beſchäftigung. Zeitweiſe auch deſſen Vuin und noch einige andere Arbeiter.— I. Beſitzſtand. A. Grund und Boden mit Obſtbäumen(Grundcapital). 10,45 Hectar Ackerland Ceigenthinr) 0,73„ Weinberg„ 2,40„ Ackerland(Pachtgut) (in 29 Parcellen.) mittlerer Kaufwerth: 45180 Mk. s Obſtbäume: 2 größere Aepfelbäume à Mk. 20..Mk. 40 25 junge„ 3 Mt. 8..„ 200 7 große Birnbäume 3. Ml. 25.....„ 175 6 junge„ à Mk. 5......„ 30 30 Zwetſchenbäume à Mk. 7,50.....„ 225 Summe Mk. 670 — 40— Wiederholung. Grund und Boden...... Mlk. 45180 Obſtbäume........„ 670 Mk. 45850 B. Gebäude. Eine Hofraithe, beſtehend aus Wohnhaus mit Keller, Scheuer, Stallung, Kelterhaus und d Shnedenerrüit 4 laut Brand⸗ kataſter.„ 12300 C. Viehſtand. 2 Pferde(7 und 14 Bacfs) Mlk. 1200 6 Kühe.......„ 1800 2 Rinder..„ 160 3 Maſtſchweine und 1 trächtige Zuchtſau.„ 600 21 Stück Geflügel incl. 6 Gänſe.....„ 40 —„ 3800 D. Todtes Inventar. 1 größerer Erntewagen mit Dielen und Zubehör Mk. 230 1 einſpänniger Karren..„ 120 6 Pflüge mit 2 eiſernen Larzernſüge, 1 Sac⸗ und Häufelpflug.....„ 175 2 Eggen und 1 Eogſihlſiten.„ 78 1 Walze.......„ 25 1 Jauchefaß............„ 8 Zugſcheite ac......„ 35 1 Schmierbock(Wagenwippe)....„ 8 Pferdegeſchirr, Decken, Zugketten......„ 260 Stall⸗ und Putzgeſchirr, 2 Laternen.....„ 32 Kuhketten......„ 12 Aderlaßfliete und Maulgatter........„ 2 1 Pferderechen..........„ 40 1 Häckſelmaſchine.„ 100 1 Schrotmühle.„ 110 4 Rübenbrockler..........„ 20 1 Getreide⸗Windfege.„ 50 1 Weinkelter„ 250 14 Traubenmühle...........„ 60 zu übertragen.. Mk. 1615 Mk. 61950 — 11— Uebertrag Mk. 1615 Mk. 61950 Weinfäſſer, Ladfaß, Bütten und kleineres Beibſt und Keltergeräthe......„ 140 Drahtſpanner, Setzeiſen und Rebſcheere..„ 12 Handgeräthe incl. Säcke, Siebe, Gemäß, Körbe, 1 Waage, Axt, Beil...„ 124 Hausrath incl. Kochgeſchirr, uterſuß, Bactro Waſchbütte.....„ 270 1 Mehl⸗ und 1 leietrſen.....„ 55 1 Leiter.........„ 4 . 1 Jauchepumpe..„ 30 1 vollſtändige Schmiedeeinrichtung mit Reifbieg⸗ maſchine, kl. Drehbank, Schleifſtein ꝛc...„ 350 (Der Beſitzer war früher Schmied, hat das Gewerbe aber niedergelegt und beſorgt nur noch für ſeine eigene Wirthſchaft die Repara⸗ turen ꝛc.) 2 Geſindebetten ꝛc.„ 100 „ 2700 E. Vorrath an umlaufendem Betriebscapital ſiehe Rentabilitätsberechnung......„ 1450 Werth des geſammten Veſttes. Ml. 66100 Inventar der engeren Familienwohnung(Mobiliar incl. Betten, Bett⸗ wäſche ꝛc.) Mk. 2600. II. Natural-Rechnung. A. Natural⸗Ertrag. Aus dem Acker⸗ und Weinbau. Die Bewirthſchaftung iſt im Allgemeinen die in der Gemarkung übliche. 1. Brache mit Stalldung, 2. Reps, 3. Korn, 4. Weizen, 5. Kartoffeln(Rüben), 6. Gerſte mit Klee(Rothklee allein oder Esparſette und Luzerne gemiſcht, 2 reſp. 3 Jahre), 8. Korn(mit 1 Ctr. hochprocent. Superphosphat pro ¼ Hectar), 9. Korn(mit 2 Ctr. hochprocent. Superphosphat), 10. Kartoffeln, 11. Hafer. Der Anbau der Früchte und der Natural⸗Ertrag ſtellen ſich hiernach durchſchnitt⸗ lich wie folgt: — 412— Getreide 2 58 4 2⁸ Anbau IDs S ſPSS s Es Centner. Hect. Repsß 0,38 Hect. 21 40 Korn... 3,30„ 106,6 350 Weizen... 0,60„ 17 30 Gerſte.. 1,25„ 64 70 Hafer 1,00„ 48 5⁵ Kartoffeln 1,00„—— 200 Zuckerrüben. 0,25„——— 190 Runkel⸗(Dick⸗) Rüben... 0,44„——— 460 Gelbrüben 0,25„————- L¹⁵ Klee, Rothllee) Luzerne 3,38„—-——— ſNV—[465 Esparſette 73 (hiervon 90 Ctr. grün ge⸗ füttert.) Pferdezahnmais 0,10 Hect.——— 1— 1——[25⁵0 (grün gefüttert.) Wicken u. Hafer 0,25„— l-=l=-l= l35 Obſt.....—==25 Weinberg. 0,73 Hect.————-——-—-——= 33 Brache... 0,50—„————=-—ä— Der Durchſchnittsertrag berechnet ſich hiernach pro ½¼ Hectar wie folgt: bei Reps auf 13,80 Ctr. Körner, 26,30 Ctr. Stroh, 1 Korn 1 8,08 1 1 26,50 1 1 2 Weizen 2 7,08/ 2 12,50/ 2 1 Gerſte 1 12,80 2 1 44,— 1 11 2 Hafer 2 12,— 1 1 13,75 1 1 „ Kartoffeln„ 50,—„ Knollen, „ Zuckerrüben„ 190,—„ Rüben, „ Runkelrüben„ 260,—„ 2 „ Gelbrüben„ 150,—„„ „ Klee„ 35,15„ Heuverth, „ Wein„ 11,3 Hectoliter Moſt. Aus dem Viehſtand. N Milch. Durchſchnittlich werden 5 Kühe gemolken und liefern im Jahr pro Kuh 1460 Liter, pro Tag 4 Liter, im Ganzen 7300 Liter. Rindvieh. Durchſchnittlich wird jedes Jahr 1 Kuh fett verkauft und treten 4 Kälber zu, von denen 3 verkauft werden. — 43— Schweine. 3 Maſtſchweine mit durchſchnittlich 225 Pfund Schlachtgewicht werden eingeſchlachtet, und 14 Ferkel werden theils aufgezogen, gemäſtet oder jung verkauft. Geflügel. Durchſchnittlich 1260 Eier und etwas abgängiges Geflügel. B. Natural⸗Bedarf. Für Saatgut: Raps 0,38 Hectau....— Ekr. 10 Pfd. Korn 3,30„.... 10„—„ Weizen 0,60„... 2„„ Gerſte 1,25„ 4„—„ Hafer 1,00„.... 2„ 20„ Wicken 0,25„—„ 60„ Kartoffeln 1,00„... 24„„ Runkelrüben 0,44„...„ 06„ Gelbrüben 0,25„=„ 01„ Klee: Luzerne...—„ 16„ Esparſette 1,00„ S. 1„ 60„ Rothklee 0,38„....„ 15„ 1 Pferdezahnmais 0,10„...— 20„ Für den Viehſtand: Hafer für die Pferde.... 45 Ctr. 80 Pfd. Gerſte, geſchroten, den Schweinen und dem Rindvieh.. 20„—„ Korn, geſchroten, den Schweinen und dem Rindvieh... 14„ 60„ Kartoffeln, geſchroten, den Schweinen und dem Rindbieh...... 146„„ Runkelrüben, dem Rindvieh.. 1460„=„ Gelbrüben, dem Rindvieh.. 150„—=„ Klee, a. an Rindvieh grün gefüttert Oeumeai 90„=„ Heu. 165„—„ Grummet..... 30„=—„ „ b. an Pferde: Hen.. 180„—„ Wicken und Hafer als Grünfutter dem miraueh (Heuwerth).... 35„—„ Pferdezahnmais desgl. grün.. 150„—„ Stroh wird ſämmtlich für den Viehſtand als Futter und Streu verwendet.... 545„—„ Roggenkleie, vom eigenen Mahlgut.... 13„ 30„ — 4— Weizenkleie zugekauft......... 20 Ctr.— Pfd. Milch(großentheils abgerahmte) Molken und Abfälle..... 2500 Liter Gals.............3 Gir. Wid. Der Werth der für den Viehſtand verwendeten Producte beträgt in runder Summe................„. Mk. 3870 Werden hiervon die Koſten der für die Pferde verwendeten Producte abgezogen mit.............. ſo bleiben für Rindvieh, Schweine und Geflügel noch zu verrechnen.. Mk. 2820 Der Werth der von Rindvieh, Schweinen und Geflügel erzielten Producte berechnet ſich im Ganzen auf TId...... Es würden demnach für die Koſten der verwendeten Producte noch durch den Stallmiſt zu decken ſein............. Mk. 820 Die Stallmiſtproduction von Rindvieh und Schweinen iſt auf ca. 2000 Centner berechnet, ſo daß der Centner auf 41 Pf. zu ſtehen kommt. Hierzu treten nun aber noch die Koſten für Zinſen, Verpflegung ꝛc. des Viehſtandes mit 500 M., ſo daß der Stallmiſt pro Centner mindeſtens 66 Pf. zu ſtehen kommen wird. Für die Familie (einſchließlich ein Knecht, eine Magd und für Vesperbrod der Taglöhner): „ 1050 Roggenmehl(vom eigenen Mahlgut).. 24 Ctr.— Pfd. Weizenmehl(gekauft)....... 6„=—„ Kartoffeln.......... 30„„ Fleiſeh...— 3„ 10„ (hiervon ſelbſtproducirtes Schweinefleiſch 630 Pfund incl. Wurſt, Schmalz und 180 Pfund zugekauftes Rindfleiſch ꝛc.; 8 außerdem überzähliges Geflügel). Anfter............. 110 Pfund Schmalz........... 45„ Kaffee und Cichorien......... 40„ Zncker............. 25„ Sqlz............ 200„ Mileh............ 1460 Liter Weichläſe............ 200 Pfund Handkäſe(000 Stück)........ 200„ Latwoerge............ 100„ Milchbrode............ 150 Stück Gries.............. 10 Pfund Reig............. 25„ Gerſte......... 10 Pfund Nudel..... 6„ Gewürz(10 Mk.)..........—„ Oel......... 5 Liter Eſſig............. 60„ Eier.......... 1040 Stück Weit......... 900 Liter Treſterwein für das Geſinde...... 1000„ Gemüſe, Salat und Obſt. Es berechnet ſich hiernach, wenn man das Geſinde, die Taglöhner und die im Hauſe zuweilen verkehrenden Gäſte abrechnet, der Verbrauch der 5 Perſonen ſtarken Familie pro Kopf und Tag auf rund: 450 Gramm Getreide, 380„ Kartoffeln, 120„ Iileiſch, 20„ Butter, 7„ Schmalz, 8„ Kaffee, 7„ Zucker, 32„ Salz, 22 Eier, 0,57 Liter Milch, 0,48„ Wein, Käſe, Gemüſe, Salat, Latwerge, Gewürz, Eſſig, Oel, Obſt ꝛc. Es ſind darin ca. 102 Gramm verdauliches Protein enthalten. Zieht man in Betracht, daß unter den 5 Perſonen der Familie 3 Kinder unter 10 Jahren ſind, welchen durchſchnittlich nur 75 Gramm Protein in der täglichen Nahrung zukommen, ſo entfallen auf die beiden erwachſenen Perſonen 142 Gramm Protein, was als eine gute Koſt angeſehen werden darf. Der Werth der von der Familie verbrauchten Nahrungsmittel beträgt annähernd jährlich Mk. 1100 und täglich Mk. 3,05 oder pro Kopf und Tag ca. 75 Pfg. Die Verköſtigung des Geſindes und der Taglöhner jährlich Mk. 730. Zuſammen für Familie und Geſinde Mk. 1830. Die Lebensweiſe der Familie iſt folgende: Erſtes Frühſtück: Kaffee, Brod mit Butter oder Latwerge,(die Kinder nehmen Milch und Milchbrod.) Zweites Frühſtück: Brod mit Butter, Handkäſe, Hausmacherwurſt oder Schinken, hierzu Wein. Mittageſſen: Im Allgemeinen täglich Suppe, Fleiſch mit Kartoffeln oder Gemüſe, dazu Wein,(wöchentlich einmal Mehlſpeiſe.) Vesperbrod: Kaffee, Brod mit Butter, Käſe, Latwerge. — 46— Abendbrod: Suppe, Fleiſch oder Wurſt mit Kartoffeln oder grünem Salat, zuweilen Eier. Sonntags Braten. Beſitzer und Knecht trinken zum Vesperbrod ſtatt Kaffee Wein. Die Taglöhner erhalten das Vesperbrod und zwar Brod mit Käſe oder Schmier⸗ käſe und ½ Liter Wein; Vormittags ebenfalls ½ Liter Wein. III. Getd-Rechnung. A. Einnahmen. Für 21 Ctr. Reps à Mk. 13.......... Mk. 273,— „ 44„ Korn à Mk. 8........„ 352,— „ 15„⸗ Weizen A Ml. 10..........„ 150,— „ 40„ Gerſte 8 M. 8,75.........„ 350,— „ 190„ Zuckerrüben aà Mk. 1........„ 190,— 9 6 Pfd. Runkelrübenſamen à 60 Pf.......„ 3,60 „ 64„ Luzernekleeſamen.......„ 30,— „ 320„ Butter 2 85 Pf...........„ 272,— „ Milch...............„ 20,— „ Vieh: 1 Kuh(10—11 Ctr.).........„ 330,— 3 Kälher............„ 90,— 3 feite Schweine.........„ 255,— 11 Ferfel............„ 176,— „ Wein: 24 Hectoliter à Mk. 400 pro Stück....„ 800,— Summe. Mk. 3284,80 B. Ausgaben. Steuern und Umlagen: Grund⸗ und Gebäude⸗Steuer....... Mk. 181,21 Gemeinde⸗Umlagen hierauf.......„ 165,54 Staats⸗Einkommen⸗Steuer.......„ 55,38 Gemeinde⸗Umlagen hierauf.......„ 21,93 Mk. 424,06 Löhne: Tagelöhne an Männer 340 Tage à Mk. 1,40. Mk. 476,— Tagelöhne an Frauen 70 Tage à 90 Pf...„ 63,— Accordlöhne für Getreideabmachen.....„ 50,— Geſindelöhne: dem Knecht.......„ 210,— der Magd....„ 130,— 2 zu übertragen.. Mk. 1353,06 929, Unterhaltung der Gebäude: Durchſchnittliche Ausgabe Unterhaltung des todten Inventars: dem Wagner. dem Sattler. 3 für Wagenfett und Thran. für Hausrath und Handgeräthe. Für Inventar der Familienwohnung (Die Schmiedreparaturen werden von dem Beſitzer alle ſelbſt gemacht.) Verſicherungs⸗Prämien: Für Gebäude. 3 Für Inventar und Producte. Pferde⸗Remonte, als baare Ausgabe ſind jährlich anzunehmen.. Für Weinbergs⸗Anlagen und inraihaliung derſelben ün jürli anzunehmen. Zukauf von Kraftfutter: 20 Ctr. Weizenkleie à Mk. 5. Viehſalz. Zukauf von künſtlichem Dünger: Für Superphosphat, Chiliſalpeter. Zukauf von Saatgut: 60 Pfd. Wicken à 12 Pf.. 60„ Esparſette à 18 Pf.. 5„ Rothklee. 20„ Pferdezahnmais Heizung und Beleuchtung: 80 Ctr. Kohlen à 65 Pf.. 130 Liter Petroleum à 24 Pf. 10 Liter Oel à 72 Pf.. Zukauf von Nahrungsmitteln: 600 Pfd. Weizenmehl à Mk. 20 180„ Rindfleiſch à 64 Pf. 40 25„ Zucker à 36 Pf. zu übertragen „ Kaffee und Cichorien; à Mk. 1 45. Uebertrag Mk. 1353,06 „ 120,— Mk. 40,— „„ 20,— „ 5, 1 50,— 11 115,— 2 50,— Mk. 14,76 „ 19,10 —„ 33,86 1 96,— „ 22,50 „ 100.— 3 6,90— „ 200,— 4 Mk. 7,20 „ 10,80 11 3,— 2 2,— 2 23, Mk. 54,— „ 31,20 „ 7,20 —„ 90,40 Mk. 120,— „ 115,20 2 58,— 2 9,— Mk. 293,20 Mk. 2210/,72 — 48— Uebertrag. Mk. 293,20 Mk. 2210,72 200 Pfd. Traubenzucker fi Wefindemem„ 40,— 200„ Salz à 8 Pf......„ 16, 150 Stück Milchbrödchen à 3 Pf......„ 4,50 Gries, Reis, Gerſte, Nudeln cc......„ 12,50 Eſſig, Oel und Gewürz.......„ 20,60 --„ 395,80 Mahl⸗, Backlohn und Sülaait.....„ 54,— Bekleidung......„ 350,— Arzi und Apothett 7 45,— Mk. 3055,52 C. Vergleichung der Geld⸗Einnahmen und Geld⸗Ausgaben. Die Einnahmen betrugen.... Mk. 3284,80 Die Ausgaben betrugen....„ 3055,52 Bleibt Ueberſchuiß.. Mk. 229,28 IV. Rentabilitäts-Berechnung. A. Rohertrag (excl. der für die Production in der Wirthſchaft wieder verwendeten Producte.) Erlös aus verkauften Producten... Mk. 3284,80 Werth der für die Familie und das Gefinde aus der rgjſcuſt entnommenen Producte(1830— 450)...... 2 1380,— Summa.. Mr. 4664,80 B. Productionskoſten. 1. Gebäudecapital: Zinſen von Mk. 12300 à 4 pot. Mlk. 492, Verſicherungsprämie....„ 14, 6 Amortiſation 1 pEGt........„ 123,— Inſtandhaltung..........„ 120,— Mk. 749,76 2. Capital des lebenden Inventars: Zinſen von Mk. 3800 à 4 pCi..... Mk. 159, Verſicherungsprämie 2 ½ pCt...„ 70,— Amortiſation vom Werth der piene; Mr. 1200 8 pGt.....„ 96,— Q—qłx:„ 318,— zu übertragen.. Mk. 1067,76 Uebertrag.. Mk. 1067,76 3. Capital des todten Inventars: Zinſen von Mk. 2700 à 4 pCt..... Mk. 108,— Verſicherungsprämie 0,15 pCt.....„ 2,85 Erneuerungen und Inſtandhaltung...„ 115,— —-„ 225,85 4. Zinſen des umlaufenden Betriebscapitals. Letzteres beträgt 50 pCt. der jährlichen baaren Ausgaben= Mk. 1527 à 6 pCt.„ 91,62 5. Amortiſation und Unterhaltungskoſten für eeindedenlunen à Ml. 20 pro ¹¼ Hectar...„ 60,— 6. Hagelverſicherungsprämie vom Weri der Getreideernte=— Mr. 2200 à 0,75 pCt.......„ 16,50 Desgl. von der Weinernte== Mk. 1100 à 1 ,50 6.„ 16,50 7. Feuerverſicherung der Producte.......„ 6,60 8. Steuern und Umlagen(excl. Einkonmmenſteuer).....„ 346,75 9. Kraftfutter.............„ 106,90 10. Künſtliche Dünger.............„ 200,— 11. Saatgutzukaf...„ 23,— 12. Heizung und Beleuchtung 25 pEt. der geſammten Ausgabe..„ 22,60 13. Arbeitslöhne: Tagelöhner, Accord⸗ und Geſindelöhne... Mk. 929 Anſchlag für Koſt des Geſindes und der Tag⸗ löhner..„ 730 Lohn für den Beſitzer und deſſen Frau..„ 50 -„ 2400, Summa Mk. 4617,08 C. Reinertrag. Der Rohertrag betrug..... Mk. 4664,80 Die Productionskoſten betragen..„ 4617,08 Bleibt Reinertrag.. Mk. 47,72 Rechnet man hierzu noch den Werth der freien Wohnung, den die Familie von der Wirthſchaft erhält und der mit Mk. 150 entſprechend angeſchlagen ſein dürfte, ſo erhebt ſich der Reinertrag auf ca. Mk. 200. Dieſe Summe iſt als Zins eines Grundcapitals(incl. Obſtbäume) von Mk. 45850 zu betrachten, oder knapp 0,5 pCt. Grundrente und Unternehmergewinn. 4²¹ Anlage III. Gemeinde Weſthofen. Beſitzſtand, Natural⸗ und Geld⸗Rechnung und Rentabilitäts⸗Berechnung eines Taglöhnergütchens von 2,65 Hectar. Der Beſitzer iſt verheirathet, 35 Jahre alt, ohne Kinder. Seine Frau kann ihn nur wenig unterſtützen, weil ſeit einigen Jahren ihr linker Arm erkrankt iſt, ſo daß letzterer die meiſte Zeit in Gypsverband liegt. Der Beſitzer bebaut neben ſeinem Felde noch ca. 5 Morgen Weinberge um Lohn. I. Weſitzſtand. A. Grund und Boden mit Obſtbäumen(Grundcapital). 2,08 Hectar Ackerland mittlerer Kaufwerth: Steuercapital incl. Gebäude: 0,52„ Weinberge 6950 Mk. 122,70 Mk. (in 13 Parzellen.) Obſtbäume: 2 Apfelbäume à Mk. 50...... Mk. 100 9 junge Zwetſchenbäume à Mk. 2...„ 18 Summe. Mk. 118 Wiederholung. Grund und Boden........ Mk. 6950 Obſtbäume„ 118 Mk. 7068 — zu übertrag3en.. Mk. 7068 — —— ——ͦ—ᷣ—ÿ—ÿ—ʒ—·F—L—Q˖—— — 51— Uebertrag Mrk. 7068 B. Gebänude. Eine Hofraithe, beſtehend aus Wohnhaus mit Keller, Scheune mit Luulnn und ühgieiiehle laut Brand⸗ catafter...—„ 2500 C. Viehſtand. 2 Kühe(dieſelben werden ngeipann). Ml. 600 1 junges Maſtſchwein.....„ 25 —„ 625 D. Todtes Iunbventar. 1 Erntewagen mit Zubehör..... Mk. 110 1 Vorder⸗ und 2 Hinterpflüge....„ 32 1 Egge mit Eggeſchlitten......„ 12 Fahrgeſchirr für Rindvieh......„ 30 Stall⸗ und Putzgeſchirr.......„ 15 Jauchepumpe....„ 50 Schrotmühle und Häckſelbank.....„ 12 Getreide⸗Windfege........„ 12 Weinfäſſer........„ 82 2 Herbſtbütten und 1 Tr Tragbutte....„ 23 Gabeln, Hacken, Säcke, Leiter„ 30 Küchengeräthe, incl. Pukterſtß Bacha, Waſchzuber...„ 84 19 7 E. Vorrath an umlaufendem Betriebscapital ſiehe Rentabilitätsberechnung...... 2— 400 Werth des geſammten Befites. 1 Mk. 11085 Inventar der engeren Familienwohnung(Mobiliar incl. Betten) Mk. 1250. II. Natural-Rechnung. A. Natural⸗Ertrag. Aus dem Acker⸗ und Weinbau. Der Anbau und der Ertrag der Früchte iſt folgender: Wein 4 ½ Liter. „ 1200 Liter Wein. Aus dem Viehſtand. BSCetreide ſe 8 5 5 8 ⁸ 5 Anbanu 2 2822 5 35 9 Centner Liter. Roggen 0,67 Hectar 18 50 Gerſte.... 0,60„ 27 30 Kartoffeln(Knollen) 0,39„—— 60 Dick⸗ und Gelbrüben 0,24„———[160 Klee.... 0,44„————[50⁰ Weinberg. 0,25„—-—- Iͤ- H200 Der Durchſchnittsertrag berechnet ſich pro ½¼ Hectar wie folgt: bei Roggen auf 7 Ctr. Körner, 18,70 Ctr. Stroh, 2 Gerſte II 11 2 2 12,50 2 2 „ Kartoffeln„ 38,4„ Knollen, „ Dick⸗ und Gelbrüben, 167„ Rüben, Klee—„ 28,4„ Heuwerth, Milch. 1 Kuh wird gemolken und liefert pro Jahr 1050 Liter, pro Tag Rindvieh. Im Durchſchnitt zieht der Beſitzer alle 4—5 Jahre 1 Kalb auf und verkauft eine fette Kuh; jedes Jahr wird gewöhnlich ein Kalb(14 Tage alt) verkauft. Schweine. Jedes Jahr wird ein Ferkel gekauft, mit Haushaltungsabfällen ge⸗ mäſtet und liefert beim Schlachten ca. 200 Pfd. Fleiſch in die Haus⸗ haltung. B. Natural⸗Bedarf. Für Saatgut: Korn 0,67 Hectar Gerſte 0,60„ Kartoffeln 0,39„ Gelbrüben 0 Dickrüben 4 Esparſette. Luzerne Geflügel. Wird wegen ſehr beſchränktem Raum keins gehalten. — 53— Für den Viehſtand: Kartoffeln 42 Ctr. à Mk. 1,50 ô..... Mk. 63,— Gelbrüben 55 Gtr. à Mk. 1..........„ 55,— Dickrüben 100 Etr. à Mk. 0,60.........„ 60,— Heu und Grummet 50 Ctr. à Mk. 2,75.....„ 137,— Stroh 80 Cir......„ 120,— Stoppelrüben 35 Ctr. à Mk. 0,60.„ 21,— Kleie(gekauft) 15 Etr. à Mf. 5.........„ 5,— Rapskuchen(gekauft) 3 Ctr. à Mk. 7,50...„ 22,50 Viehſalz 2 Ctr. à Mk. 1,20... 3 2,40 Gipfel und Laub von 2 Morgen Wenben, Wiid, Ab⸗ fälle ꝛc. für das Schwein... 2 24,10 Werth der für den Viehſtand verwendeten Wwinri. MNr. 580,— Werth der vom Rindvieh und Schwein erzielten Producte(⅞ Kuh= Mk. 60, 1650 Liter Milch= Mk. 165, Kihinen 2 Etr.— Mk. 120)....„ 345,— Die Arbeit der beiden Kühe iſt zu berechnen auf.„ 90,— Es würden demnach für die Koſten der verwendeten Producte noch durch den Stallmiſt zu decken ſein.... Mk. 145,— Die jährliche Stallmiſtproduction iſt ca. 4⁰0 Ctr., ſo daß der Centner auf 36 ¼ Pf. zu ſtehen kommt, wozu noch die Koſten für Zinſen, Verpflegung ꝛc. des Viehſtandes mit ca. 25 Pf. treten, ſo daß der Centner ca. 61 ½ Pf. koſtet. Für die Familie: Roggen(wird gegen Brod getauſcht und zwar 2 Ctr. Korn gegen 160 Pfd. Brod): Verbrauch pro Kopf und Tag Roggen... 10 Ctr.= Mk. 80,— 700 Gr. Weizenmehl(wird veauf 2„=„ 10,— 140„ Kartoffeln... 12„=„ 18,— 820„ Rindfleiſch und Wurſt. 80 Pfd.=„ 50,— 55„ 1 Schüein..... 2 Ctr.=„ 120,— 140„ Butter....... 50 Pfd.=„ 40, 35 5 Schmalz....... 14„=„ 14,— 10„ Kaffee...... 26„=„ 30,— 18„ Cichorie...... 16„=„ 1,— 11„ Zucker...... 15=„ 5,40 11 Milch....... 220 Ltr.=„ 30,80 0,30 Ltr. Salz...... 70 Pfd.=„ 7,— 48 Gr. Handkäſe 350 Stück.. 50„=„ 35, 1½2 St. 35„ Eier 200 Stück...=„ 12,— 12„ zu übertragen.. Mk. 486,20 — 54— Uebertrag. Mk. 486,20 Weißbrödchen 500 Stück.—„ 15,— Erbſen, Linſen, Bohnen. 40 Pfd.=„ 8,— Sägo....... 30„=„ 10/ Nudeln....... 6„=„ 2,40 Salqtöl..... 3 Lir.„ 4, Eſſig....... 24„=„ 1, Wein....... 160„=„ 40, Treſterwein....300„=„ 30, Obſt....... 4 Etr.=„ 36, Gemüſe, Schmierkäſe ꝛc. ꝛc. Mk. 635,60 In der Nahrung pro Kopf und Tag ſind 120— 125 Gramm Protein. Der Werth der verbrauchten Nahrungsmittel beträgt annähernd jährlich Mk. 640, alſo täglich Mk. 1,75 oder pro Kopf und Tag 87 Pf. Die Lebensweiſe der Familie iſt folgende: Morgens: Kaffee, hierzu Weck oder Brod mit Butter(Schmierkäſe). Mittageſſen: Suppe, zweimal wöchentlich Rindfleiſch, zweimal wöchentlich Schweinefleiſch, Wurſt, Gemüſe, Kartoffeln, Salat, Wein. Abendeſſen: Kaltes Fleiſch oder Wurſt, Salat, Wein. III. Geld-Rechnung. A. Einnahmen. 6,20 Ctr. Korn à Mt. 8.......... Mk. 49,60 24,80„ Gerſte à Ml. 8,50...........„ 210,80 Butter und Schmierläſe............„ 104,— Bieh: Jährlich 1 Kalb............„ 25,— Alle 5 Jahre 1 Kuh à Mk. 300 pro Jahr....„ 60,— 1 Ohm Wein..............„ 910, Hierzu der außerhalb der Wirthſchaft verdiente Arbeitslohn.„ 120,— Summe Mk. 879,40 B. Ausgaben. Steuern und Umlagen: Grund⸗ und Gebäudeſteuer....... Mk. 21,48 Gemeinde⸗Umlagen hierauf.......„ 19,62 Staats⸗Einkommenſtener.......„ 4,86 Auf perſönlichen Verdienſt.......„ 1,62 Gemeinde⸗Umlagen hierauf.......„ 1,94 Auf perſönlichen Verdienſt......„—,64 — Mk. 50,16 ——;———— zu übertragen.. Mk. 50,16 Uebertrag Mk. 50,16 Unterhaltung der Gehäude............„ 30,— Scheuerzins...........„ 10,— Unterhaltung des todten Inventars: Sattler............ Mk. 5,— Wagtter.............„ 10,— Schmied.....„ 10,— Hausrath und Handgeräthe......„ 10,— 8 —— 1 Für Weinbergsanlagen und Unterhaltung derſelben....„ 20,— Verſicherungsprämie: Für Gebäude...„ 3,— (Inventar und Producte ſin nicht verſichert.) Zukauf von Kraftfutter und kini ünom Dingern Rapskuchen... Mkß. 22,50 Kleiele..„ 75,— Biehſalz............„ 2,40 Künſtlicher Dunger..........„ 20,— „ 119,90 Zukauf von Vieh: 1 Ferkel.................„ 15,— Zukauf von Saatgut: 1 Liter Gelbrübenſamen...... Mk. 1,60 1 Pfd. Dickrübenſamen........„ 1,— 30„ EGaparſette......... 9 5,40 3 Stroh.................„ 6,90 Heizung und Beleuctmg: Kohlen.......... MNMNrk. 40, Hollz............„ 5,— Feuerzeug.............„ 2,— Petroleum.........„ 20,— —„ 67, Zukauf von Nahrungsmitteln: Weizenmehl............ Ml. 40,— Rindfleiſch, Waurſt..........„ 50,— Kaffee, Cichorie, Auctr.......„„ 39,40 Salz.......„ 7,— Handläſe............„ 35,— Eier..............„ 12,— Wecke...............„ 15,— zu übertragen. Mk. 198,40 Mk. 364,96 Uebertrag Mk. 198,40 Mk. 364,96 Erbſen, Vohnen, inſer Sand.....„ 18,— Nudeln......„ 2,40 Salatöl, Eſſig...........„ 8,— —PA„ 226,80 1½ Etr. Traubenzucker für Treſterwein..........„ 9,— Backlkohnäö......„ 2,— Bekleidung....„ 110,— Arzt und Apotheke....„ 50, Verſchiedenes(Cigarren 2c.)...........„ 30,— Summe Mk. 792, 76 C. Vergleichung der Geld⸗Einnahmen und Geld⸗Ausgaben. Die Einnahmen betrugen.... Mk. 879,40 Die Ausgaben betrugen....„ 792,76 Bleibt Ueberſchuß Mk. 86,64 IV. Rentabilitäts-Verechnung. A. Rohertrag (excl. der für die Production in der Wirthſchaft wieder verwendeten Producte.) Erlös aus verkauften Producten.... Mk. 879,40 Werth der für die Familie aus der Wirthſchaft entnommenen Producte(635,60— 235,80).. 3.. 2 400,— Suume 5. r. 1279,40 B. Productionskoſten. 1. Gebäudecapital: Zinſen von Mk. 2500 à 4 pCt... Mk. 100,— Verſicherungsprämie....„ 3,— Abnutzung(Amortiſation) 0,75 3 vot..„ 18, 5 Inſtandhaltung......„ 30,— Scheuerzins..........„ 10,— — Mk. 161,75 2. Capital des lebenden Inventars: Zinſen von Mk. 625 à 4 pCt.... Mk. 25,— Verſicherungsprämie à 2 pCt.....„ 12,50 Jährlicher Zukauf von 1 Ferkel...„ 15,— d 30 zu übertragen. Mk. 214,25 Uebertrag Mk. 214,25 3. Capital des todten Inventars: Zinſen von Mk. 492 à 4 pGt. Mk. 19,68 Verſicherungsprämie mit 0,2 pCt....„— ,98 Erneuerung und Inſtandhaltung...„ 35,— —„ 55,66 4. Zinſen des umlaufenden Betriebscapitals. Letzteres beträgt 50 pCt. der jährlichen baaren Ausgaben= Mk. 386. Hiervon 6 TG„ 24,— 5. Amortiſation und Unterhaltungskoſten für Weinbergsanlagen, Mk. 20 pro 1½ Hecktar............„ 20,— 6. Hagelverſicherungsprämie: Auf die Getreideernte à 300 à 0,75 pCt... Mk. 2,25 „„ Weinerunte„ 300„ 1,5„..„ 4,50 —— 1 6,75 7. Feuerberſicherung der Prodlicte 2 pGt.........„ 1,30 8. Steuern und Umlagen, excl. Einkommenſteuer.....„ 41,10 9. Kraftfutter und künſtlicher Dünger.........„ 142,40 10. Saatgut⸗Zukauf...„ 8,— 11. Heizung und Beleuchtung, 25 pCt. der geſammten Ausgaben„ 16,75 12. Arbeitslöhne: Die Arbeit des Beſitzers und die nur geringe Wünitſe der Frau ſind für die Wirthſchaft berechnet mit.... 2 450,— Snuunn KNi 980,21 C. Reinertrag. Der Rohertrag betrug.... Mk. 1159,40 Die Productionskoſten betrugen.„ 980,21 Bleibt Reinertrag.. Mk. 179,19 Rechnet man hierzu den Werth der freien Wohnung, mit Mk. 75, ſo beträgt der Reinertrag Mk. 254. Das Grundeapital incl. Obſtbäume iſt geſchätzt auf Mk. 7068. Hiervon Mk. 254 Zinſen. Es betragen daher die Zinſen des Grundcapitals (Grundrente) plus Unternehmergewinn 3,6 pCt. , Bericht über die landwirthſchaftlichen Verhältniſſe der Gemeinde Ichwanheim, Rreis Bensheim, erſtattet von Großh. Heſſ. Landwirthſchaftslehrer Dr. Tobiſch in Friedberg. Allgemeines. Schwanheim, Kreis Bensheim, liegt in der Ebene zwiſchen unterer Berg⸗ ſtraße und Rhein, etwa 4 Kilometer von erſterer und 9,5 Kilometer von letzterem entfernt. Es iſt mit Bensheim und Langwaden durch eine Kreisſtraße verbunden. Die Stationen Bensheim, Auerbach und Zwingenberg der Main⸗Neckar⸗Bahn ſind zu Fuß in einer bis ¾ Stunden zu erreichen. Von Lorſch beträgt der gradlinige Ab⸗ ſtand circa 5, von Worms 17,5 Kilometer.— Die Meereshöhe von Schwanheim be⸗ trägt etwa 93 Meter. Die Gemeinde Schwanheim umfaßt nach der Zählung von 1880: 113 Haus⸗ haltungen, 96 Wohnhäuſer und 527 Einwohner, wovon 521 auf Proteſtanten und 6 auf Israeliten kommen. Letztere betreiben ihre Geſchäfte zum Theil im Ort, zum Theil außerhalb desſelben. Die Bevölkerung Schwanheims iſt im Allgemeinen eine lang angeſeſſene; erheblicher Zu⸗ und Abzug findet nicht ſtatt. Von 1851 bis 1855 ſind 85 Perſonen, davon 72 im Jahre 1851, auf Koſten der Gemeinde nach Amerika ausgewandert. Seit dieſer Zeit haben keine Auswanderungen mehr ſtattgefunden. Die Heirathen erfolgen zwar meiſt innerhalb der Gemeinde, doch kommen nicht ſelten auch Ehen zwiſchen Schwanheimer Gemeindegliedern und ſolchen benachbarter prote⸗ ſtantiſcher Ortſchaften vor. Die Gemarkung Schwanheim erſtreckt ſich öſtlich des Jägersburger Waldes, etwa von Norden nach Süden, in einer Länge von circa 5 Kilometer und einer Breite von 500 bis 1300 Meter. Sie iſt weſtlich von dem genannten Walde und der Ge⸗ 1 ²² — 2— markung Großhauſen, ſüdlich von der Gemarkung Lorſch, öſtlich von den Gemarkungen Bensheim und Fehlheim, ſowie nördlich von Rodauer und Langwadener Grundſtücken begrenzt. Der Ort liegt ungefähr in der Mitte der öſtlichen Gemarkungsgrenze. Die Gemarkung iſt in 13 Fluren eingetheilt und umfaßt ein landwirthſchaftlich benutztes Areal von 404,8 Hectar in 1884 Parcellen, wovon 328 Hectar Acker, 16 Hectar Wieſe und 60,8 Hectar Wald ſind. Dieſes Land vertheilt ſich auf 199 Eigenthümer, von denen 118 unter 1 Hectar, 66 von 1 bis 5 Hectar, 9 von 5 bis 10 Hectar, 5 von 10 bis 20 und einer(Gemeinde) über 20 Hectar beſitzen. Das Normalſteuercapital der Gemarkung Schwanheim belief ſich 1874 auf 13095,5 fl., 1884/85 auf 13344,9 fl., und die Gemeindeumlagen betrugen 1865 644 fl., 1870 600 fl., 1875 1800 Mk., 1880 3500 Mk. und 1883/84 3800 Mk. Die Feldmark iſt mit 2300 Obſtbäumen beſetzt, worunter ſich 795 Apfelbäume, 205 Birnbäume, 990 Zwetſchenbäume, 290 Pflaumenbäume und 20 Nußbäume befinden. Die oben erwähnten 60,8 Hectar Wald gehören ausſchließlich der Gemeinde. Der Holzertrag desſelben wird verkauft, jeder Ortsbürger erhält davon den Erlös für 25 Wellen oder einem Raummeter Holz und der Ueberſchuß fließt in die Ge⸗ meindekaſſe. Der Erlös für Gras⸗ und Streunutzung, auf Schneiſen, an Wegen und Gräben, wird ganz unter die Ortsbürger vertheilt. Eine Laubſtreunutzung findet nicht ſtatt. Der Werth des Gemeindewaldes beträgt 43600 Mk., das Steuercapital desſelben 259,7 fl. und der jährliche Nutzungswerth 720 Mk. Der Viehſtand der Gemeinde iſt nach der letzten Aufnahme folgender: 11 Fohlen, 20 Wande 31 Pferde, 11 Kälber unter 6 Wochen, 1 29 Kälber von 6 Wochen bis ½ Jahr, 165 Rinder und junge Stiere von ½ bis 2 Jahre, 377 Stück Rindvieh, 2 Zuchtſtiere, 170 Kühe, 292 Sehlachtſehweine, 13 Zuchtſauen, 1 Zuchteber, 72 Ziegen und 24 Bienenſtöcke. 306 Schweine, — 3— Frage I. a. Welche Bodenverhältniſſe zeigt die Gemarkung, welchen Character hat das Klima und wie iſt hiernach im Allgemeinen die Fruchtbarkeit der Ländereien; iſt letztere ſehr günſtig, mittel oder gering? b. In welchem Verhältniß ſtehen die verſchiedenen Arten des Kulturlandes— Acker, Wieſen, Weiden, Rebland ꝛc.— zu einander und iſt dieſes Verhältniß im Allgemeinen als ein wirthſchaftlich günſtiges zu bezeichnen? c. Welches ſind die hauptſächlichſten Producte der Landwirthſchaft, bezw. welche Productionsrichtungen machen ſich im landwirthſchaftlichen Betriebe der Gemeinde vorzugsweiſe geltend? d. Iſt der landwirthſchaftliche Betrieb im Allgemeinen ein rationeller zu nennen, oder haften ihm weſentliche Mängel an und welche? Stehen letztere u. A. mit einer ſehr weit gehenden Parcellirung der Grundſtücke und dem herrſchenden Flurzwang in Zuſammenhang? a. Der Boden der Gemarkung Schwanheim iſt durchweg Schwemmland, der Quartiärformation, ſpeciell vorwiegend dem Thon⸗ und Kleiboden, zum Theil auch dem jüngeren Sand*) angehörend, und landwirthſchaftlich größtentheils als Lehm⸗ boden, aber an manchen Stellen auch als Thonboden, ſandiger Lehm⸗ bezw. lehmiger Sandboden zu bezeichnen. Die ſüdliche Spitze der Gemarkung(Fluren 4 und 5) neigen etwas zu Näſſe, jedoch genügen Waſſerfurchen im Verein mit den vorhandenen Abzugsgräben, um ſie vor Verſumpfung zu bewahren. Die klimatiſchen Verhältniſſe ſind günſtig, wie es nach der geographiſchen Breite, der geringen Meereshöhe, der Nähe des Rheins, ſowie ausgedehnter Waldungen und dem Schutz, welchen der Odenwald gegen Oſten gewährt, zu erwarten iſt. Die Feld⸗ arbeiten beginnen meiſt Ende Februar, und man kann faſt beſtimmt darauf rechnen, dieſelben bis Mitte November fortzuſetzen. Sonnenſchein und Regen wechſeln in der Regel angemeſſen ab, und Hagelſchäden zählen zu den Seltenheiten. Das Terrain iſt ſehr eben, der Boden tiefgründig, größtentheils luzerne⸗ ſowie rothkleefähig, und die durchſchnittliche Fruchtbarkeit der Gemarkung als recht gut zu bezeichnen. b. Es gieht— den Wald ausgenommen— in der Schwanheimer Gemarkung im Weſentlichen nur 2 Arten von Culturland, nämlich Aecker und Wieſen, die ſich etwa verhalten wie 20: 1. Dieſes ungünſtige Verhältniß wird jedoch dadurch ge⸗ beſſert, daß die Schwanheimer Landwirthe in auswärtigen Gemarkungen relativ mehr Wieſen beſitzen. Immerhin iſt ihr Wieſenbeſitz knapp zu nennen. Die Wieſen der Gemarkung Schwanheim ſind mittlere Feldwieſen und für Bewäſſerung eingerichtet. *) Nach den Bezeichnungen von Ludwig. — 41 c. Die hauptſächlichſten Bodenproducte ſind: Getreide, Hackfrüchte, Klee und Heugras, von erſterem namentlich: Gerſte, Spelz, Roggen und Weizen. Von Hack⸗ früchten kommen beſonders Dickrüben und Kartoffeln in Betracht.— Die Hauptrolle bei dem Schwanheimer Landwirthſchaftsbetrieb ſpielt die Viehzucht, nächſtdem die Production von Braugerſte. Die Bewirthſchaftung des Ackers iſt eine freie, wobei jedoch folgende Regeln gelten: 1. Der Stalldünger wird zu Dickrüben, Kartoffeln und Wintergetreide an⸗ gewendet. 2. Halmfrüchte folgen höchſtens 3 mal, in der Regel nur 2 mal aufeinander. 3. Gerſte wird nach Hackfrucht oder Weizen gebaut. 4. Wetzen folgt auf Hackfrucht, Klee oder Gerſte, im letzteren Fall mit Grün⸗ düngung. . Spelz folgt nach Hackfrucht oder Klee. .Roggen kommt nach Gerſte. .Hafer wird nach Spelz oder Weizen gebaut. .Rothklee folgt auf Gerſte oder Weizen. . Luzerne folgt auf Gerſte. .Flurzwang findet in der Gemarkung Schwanheim nur bei den Wieſen ſeatt, die Ackerparcellen ſind ſämmtlich direct zugängig und haben, wenn auch zum Theil klein, eine Form, welche die Bearbeitung begünſtigt.— Unter den Schwanheimer Landwirthen herrſchen augenſcheinlich Fleiß, Sparſamkeit und geiſtige Regſamkeit. Die Wirthſchaftsführung iſt daher im Allgemeinen eine ſehr ſorgfältige, bei welcher hochgradige Verſtöße nicht zu Tage treten. Der Anbau an Getreide überwiegt den an Futtergewächſen und Hackfrüchten nur unbedeutend(6: 5). Halmfrüchte werden, wie ſchon unter c. geſagt, höchſtens 3 mal, in der Regel aber nicht länger als 2 Jahre hintereinander gebaut. Ein Verkauf von Kartoffeln und Rüben findet nur in be⸗ ſchränktem Maße, ein ſolcher von Heu und Stroh gar nicht ſtatt. Die Wieſen, welche nicht zur Bewäſſerung eingerichtet ſind, erhalten regelmäßige Compoſtdüngungen. Die Knappheit der Wieſenfläche ſucht man durch Zukauf von Heugras auszugleichen, und die Fütterung wird außerdem durch regelmäßige Verwendung von Schrot, Kleie und Oelkuchen aufgebeſſert. Dementſprechend iſt auch die Viehhaltung eine ziemlich ſtarke, indem ſich pro Hectar etwa 750 Pfd. lebend Gewicht berechnen. Auch die Fütterung, Einſtreu und Düngerproduction erweiſen ſich ſowohl nach allgemeinen Beurtheilungs⸗ gründen, wie nach den ſpeciellen Berechnungen in den Anlagen, als genügend. Künſt⸗ liche Düngemittel kommen nur ausnahmsweiſe zur Verwendung, ungeachtet mit Be⸗ ſtimmtheit angenommen werden kann, daß dieſelben, namentlich Phosphate und Chili⸗ ſalpeter, in vielen Fällen ſehr rentabel ſein würden. Der Ackerbau könnte ferner durch tieferes Pflügen, Complettirung der Ackerwerkzeuge und Einführung der Drill⸗ ſaat weſentlich gehoben werden. Der ausgedehnte Spelzbau ſcheint bei den gegen⸗ wärtigen Preisverhältniſſen kaum gerechtfertigt. Auch bezüglich der Düngerbehand⸗ lung, Compoſtbereitung, ſowie Auswahl und Zubereitung des Saatgutes ſind ſicher⸗ . G 0 0 A — — lich noch mancherlei Verbeſſerungen möglich. Ferner iſt als ſehr bedauerlich zu be⸗ zeichnen, daß die durch den Froſtſchaden des Winters 1879/80 zu Grunde gegangenen Obſtbäume noch lange nicht erſetzt ſind.— Die Haltung von Arbeitspferden dürfte zweckmäßig bei manchen Gütern etwas eingeſchränkt, oder durch Zugochſen bezw. Zug⸗ kühe erſetzt werden. Auch bei der Auswahl der Zuchtthiere, der Fütterung und Pflege des Viehſtandes, dem Bezug der Wirthſchaftsbedürfniſſe und der Verwerthung der Producte kommen gewiß mancherlei Fehler vor.— Ferner iſt zu rügen, daß wohl der größere Theil der Schwanheimer Landwirthe keine geordnete Buchführung hat, obwohl eine ſolche unbeſtreitbar eine vorzügliche Lehrmeiſterin und Rathgeberin iſt. Endlich iſt noch zu bemerken, daß behufs Schonung der Zugthiere und Wagen eine Verbeſſerung der Feldwege wünſchenswerth wäre, und daß dem Schutz des Holzwerks auf den Hofraithen für die Folge durch Imprägnation Rechnung getragen werden ſoll. Frage II. a. Wie iſt das Verhältniß der Größe der Gemarkung zur Größe der anſäſſigen Landbau treibenden Bevölkerung? b. In welcher Weiſe vertheilt ſich das landwirthſchaftliche Gelände unter die anweſende Bevölkerung(todte Hand, Großgrundbeſitz, Groß⸗, Mittel⸗, Klein⸗Bauern, Taglöhner und Gewerbtreibende) und ſind in den letzten Jahren weſentliche Aenderungen in der Beſitzvertheilung eingetreten? c. Iſt die Beſitzvertheilung im Allgemeinen als eine günſtige zu bezeichnen, wenn nicht, wodurch giebt ſich die behauptete ungünſtige Ver⸗ theilung zu erkennen, welche Umſtände haben letztere veranlaßt, z. B. das geltende bäuerliche Erbrecht, die üblichen Syſteme des ehelichen Güterrechts oder der Zuſammenkauf von Grundſtücken? d. Iſt ein Theil der Gemarkung Allmendland und welchen Einfluß hat die Benutzung des letzteren auf die Lage der Bevölkerung? a. Die Gemarkung Schwanheim umfaßt, wie ſchon die Einleitung beſagt, 344 Hectar Acker und Wieſe. Die Zahl der Haushaltungen mit Landwirthſchaft beträgt 142. Es berechnen ſich demnach, unter der Vorausſetzung, daß die Schwanheimer Gemeindeglieder in anderen Gemarkungen etwa ebenſo viel Grundbeſitz haben, als auswärtige Gemeindeangehörige in der Gemarkung Schwanheim, auf eine Haushaltung durchſchnittlich etwa 2,42 Hectar. Dieſe Fläche erſcheint natürlich nicht ausreichend, um die auf eine Durchſchnittshaushaltung entfallenden Perſonen, welche ſich nach einer Ermittelung bei den 72 Haushaltungen, deren Einkommen vorzugsweiſe aus der Landwirthſchaft fließt, etwa auf 3 Erwachſene und 2 Kinder ſtellen, zu beſchäftigen und zu ernähren. Dementſprechend betreibt auch eine große Zahl Schwanheimer Ein⸗ wohner noch andere Erwerbszweige als die Landwirthſchaft, und finden namentlich viele derſelben in den nahen Großherzoglichen Waldungen guten Verdienſt. — 6— b. Die Tabellen zu Frage VIII gewähren ein Bild bezüglich der Vertheilung des Grundbeſitzes auf die einzelnen Beſitzgruppen. Ein Großbeſitz exiſtirt danach nicht. In todter Hand befinden ſich von der Gemarkung Schwanheim etwa 3532 Ar, wovon 747 Ar der Kirche, 1115 Ar der Pfarre, 96 Ar der Schule und 1574 Ar dem Hoſpital zu Bensheim gehören. Der Gemeindebeſitz beträgt— einſchließlich des Waldes— circa 9038 Ar. Außerdem befindet ſich in Schwanheim ein einzeln ver⸗ pachteter, zum Familieneigenthum des Großh. Hauſes gehöriger Beſitz von 525 Ar. Weſentliche Aenderungen der Beſitzvertheilung haben in den letzten Jahren nicht ſtattgefunden. c. Auf die 344 Hectar Acker und Wieſe der Schwanheimer Gemarkung kommen 199 Eigenthümer, auf einen der letzteren alſo durchſchnittlich 1,7 Hectar, woraus ſich ergiebt, daß ein großer Theil derſelben auf den betreffenden Grundbeſitz einen ſelbſt⸗ ſtändigen Haushalt nicht baſiren kann. Die weitere Vertheilung genannter Fläche kann vom Standpunkte des landw. Gewerbes wohl nicht als beſonders günſtig be⸗ zeichnet werden, indem über die Hälfte derſelben ſich in den Händen der beiden unter⸗ ſten Beſitzgruppen befindet. Dieſes Verhältniß wird jedoch offenbar durch den aus⸗ wärtigen Beſitz, ſowie dadurch, daß namentlich die mittelgroßen Grundbeſitzer ihren Betrieb durch Zupachtung zu erweitern trachten, in günſtiger Weiſe modificirt. Inner⸗ halb der 72 Landgüter der Gemeinde Schwanheim, welche das Haupteinkommen ihrer Eigenthümer begründen, iſt die Beſitzvertheilung recht günſtig zu nennen, weil darunter von etwa 0,3 bis 16 Hectar die verſchiedenſten Abſtufungen vorkommen, die mittelſte Größenclaſſe(2 bis 5 Hectar) die höchſte Zahl von Gütern aufweiſt, und die beiden oberſten Claſſen die größere Hälfte des Geſammtbeſitzes umfaſſen.— Daß es neben⸗ bei im Ort zahlreiche Grundeigenthümer giebt, die durch eigenen Landwirthſchafts⸗ betrieb nicht genügend beſchäftigt ſind, iſt für die größeren Landwirthe inſofern vor⸗ theilhaft, als letzteren dadurch ein techniſch tüchtiges, ſolides Hülfsperſonal in loco zur Verfügung ſteht. d. Die Gemeinde beſitzt eine Fläche von 33615 Quadratklaftern Ackerland, welches in 135 Parcellen à 249 Quadratklaftern eingetheilt iſt und parcellenweiſe, unentgeltlich, auf Lebenszeit an verheirathete Ortsbürger und an Ortsbürgerwittwen vergeben wird. Dieſes Allmendland iſt, namentlich für die kleineren Grundbeſitzer, als eine nicht zu verachtende Einnahmequelle anzuſehen. Frage III. a. Welches ſind die durchſchnittlichen Preiſe für die einzelnen Boden⸗ qualitäten der verſchiedenen Culturländereien(Acker, Wieſe, Weide, Wein⸗ berg 2c.), erſcheinen dieſe Preiſe beſonders hoch oder beſonders niedrig und auf welche Urſachen ſind die bezüglichen Erſcheinungen zurückzuführen? v. Welche Aenderungen in den Preiſen haben ſich in den letzten 5 Jahren vollzogen? ———ʒ————————————— c. Pflegt ein ſtarker Umſatz in Liegenſchaften ſtattzufinden und liegt hierfür(ſ. a) ein berechtigtes Bedürfniß vor? a. In der Gemarkung Schwanheim kommen im Weſentlichen nur 4 Acker⸗ und 3 Wieſenclaſſen vor. Die mittleren Kaufpreiſe ſind gegenwärtig etwa folgende: Acker 1. Claſſe 4200 Mk. pro Hectar, „ 2.„ 3930 „ 3.„ 2600 „ 1.„ 1680 Wieſe 1.„ 2900„ „ 2.„ 1900 7 3. 1 1700 1 1 2 Ausnahmsweiſe werden bedeutend höhere, oder bedeutend niederere Preiſe gezahlt. So ſind z. B. in den letzten 5 Jahren für Acker 2. Claſſe bis hinauf zu 4700 Mk. angelegt, anderſeits ſolcher ſchon für 1600 Mk., Acker 3. Claſſe für 1700 Mk. und Acker 3.— 4. Claſſe für 1100 Mk. hingegeben worden. Inwieweit aber hierbei etwa unrichtige Claſſification oder Vermeſſung mitgewirkt haben, vermag Unterzeichneter augenblicklich nicht zu beſtimmen. b. Seit 1879 hat im Allgemeinen ein Steigen der Bodenpreiſe in der Gemarkung Schwanheim ſtattgefunden. c. Der Umſatz in Liegenſchaften iſt kein erheblicher, was auch mit den geringen Veränderungen der Beſitzvertheilung(videatur Frage II., b.) im Einklang ſteht. 12 2 7 Frage IV. a. Nehmen die Pachtgüter einen erheblichen Umfang ein und ſtehen die Pachtpreiſe im richtigen Verhältniß zu dem Kaufpreiſe der Ländereien einerſeits und zur Ausnutzungsfähigkeit derſelben andererſeits, eventuell welche Urſachen wirken ſteigernd auf die Pachtpreiſe ein? b. Welche Beſtimmungen gelten insbeſondere in Betreff der Dauer der Pacht, der Bezahlung der Steuern ꝛc., der Verſicherungsprämien, ſowie in Betreff vorzunehmender Meliorationen und etwaiger Pachtnach⸗ läſſe bei elementaren Unglücksfällen bei fiskaliſchem, ſtandesherrlichem und privatem Grundbeſitz? c. Wirken die üblichen ſonſtigen Pachtbedingungen beſonders er⸗ ſchwerend für die Pächter oder nicht? a. Pachtgüter gibt es in Schwanheim nicht, dagegen ſind Kirchen⸗, Pfarr⸗, Schul⸗ und Gemeindegrundſtücke, ſowie die des Hoſpitales in Bensheim, der Groß⸗ herzogl. Familienbeſitz und einige Privatgüter parcellenweis verpachtet. 2²² — 2= Die Pachtbeträge ergeben pro Flächeneinheit bei der gleichen Bonität wohl noch erheblichere relative Unterſchiede wie die Kaufpreiſe. Die meiſten Pachtgrundſtücke haben ſchon ſeit langer Zeit ihre Inhaberfamilie nicht gewechſelt, und es iſt im All⸗ gemeinen Sitte, letztere bei Neuverpachtungen nicht zu verdrängen. Die Pachten ſtellen ſich in dieſem Fall verhältnißmäßig niedrig. Wenn dagegen derartige Rück⸗ ſichten nicht zu nehmen ſind bezw. nicht genommen werden— und letzteres ſoll neuerdings häufiger geſchehen— ſo pflegen die Meiſtgebote naturgemäß höher zu werden. Als Durchſchnitt ſolcher, bei freier Concurrenz zu Stande kommender Pacht⸗ beträge kann man gegenwärtig pro Hectar annehmen: für Acker 1. Klaſſe Mk. 160, / 2 II/ 1 44, 2 II 3. 6 72 2 1 20, 4 96. Dieſe Pachtſätze repräſentiren, die unter Frage III., a, angeführten Durch⸗ ſchnittspreiſe zu Grund gelegt, eine Verzinſung des Liegenſchaftscapitals von bezw. 3,81 pCt.— 4,30 pCt.— 4,62 pCt. und 5,82 pCt. Bei dem mittleren und kleinen der ſpeciell berechneten drei Gutsbetriebe ergeben ferner die thatſächlich gezahlten Pachtgelder 6,82 bezw. 3,78 pCt. der betr. Grundwerthtaxen, wogegen die bei der Bewirthſchaftung durchſchnittlich erzielten reſp. Grundrenten bei dem größeren, mittleren und kleinen dieſer 3 Beiſpiele von Gütern ſich auf 1,90 pCt.— 2,95 pCt. und 0,29 pCt. ſtellen. Die Pachtpreiſe ſind demnach im Vergleich zu den Kaufpreiſen, noch mehr im Verhältniß zu der Ertragsfähigkeit des Bodens zu hoch und nur dadurch erklärlich, daß das Zupachten von Land vielen Familien ermöglicht, ihre Arbeitszeit beſſer auszunutzen. Es dürfte ferner Beachtung verdienen, daß nach obigen Verzinſungs⸗ angaben die geringeren Bodenclaſſen der Regel nach im Verhältniß zu den Kaufpreiſen höhere Pachten zu bringen ſcheinen als die beſſeren Claſſen, doch darf dieſe Betrachtung hier wohl nicht fortgeſetzt werden. b. Bei Kirchen⸗, Pfarr⸗ und Hoſpitalgrundſtücken erfolgt die Verpachtung auf 9, bei Privatgütern in der Regel auf 6 Jahre. Die Steuern laſten ſtets auf dem Verpächter, die Verſicherung der Früchte jedoch iſt Sache des Pächters und für durch Naturereigniſſe entſtandene Schäden wird kein Pachtnachlaß gewährt. c. Beſondere Pachtbedingungen, welche die rationelle Bewirthſchaftung der betr. Grundſtücke erſchwerten, kommen nicht vor. Frage V. a. In welcher Weiſe pflegen die Landwirthe ihre Mobilien und Producte gegen Feuer, ihre Früchte gegen Hagel und ihren Viehſtand gegen Unfall zu verſichern? b. Hat die Lebens⸗, Alters⸗ und Renten⸗Verſicherung Eingang in der Gemeinde gefunden, event. in welcher Weiſe und welchem Umfange? —.,— — 9— a. Obwohl Brände von Bedeutung ſeit mehr als 60 Jahren in Schwanheim nicht vorgekommen ſind, haben die meiſten Landwirthe ihr Mobiliar und ihre Producte bei der Aachen⸗Münchener Feuerverſicherungsgeſellſchaft oder bei der Providentia verſichert. Hagel⸗ und Viehverſicherung finden nicht ſtatt. b. Lebens⸗, Alters⸗ und Rentenverſicherung haben in der Gemeinde Schwanheim noch keinen Eingang gefunden. Frage VI. In welcher Weiſe befriedigen die Landwirthe in der Regel ihre Creditbedürfniſſe hinſichtlich des Real⸗ und des Perſonalcredits und welches ſind bei beiden Arten des Credites die gewöhnlichſten Darlehens⸗ bedingungen in Bezug auf Zeitdauer und Zinsfuß und werden dabei auch Amortiſationsfriſten(Güterziele) angewendet? Beinahe ſämmtliche hypothekariſchen Darlehen ſind aus dem Vermögen der Schwanheimer Kirche und aus der Zwingenberger Sparkaſſe aufgenommen. Letztere verleiht auch bis 100 Mk. auf 2 Jahre gegen Bürgſchaft. Der hypothekariſche Zins⸗ fuß pflegt 4 ½ bis 5 pCt., der beim Mobiliarcredit ſtets 5 pCt. zu betragen. Wucheriſche Darlehen dürften in Schwanheim kaum vorkommen. Frage VII. a. Wie ſtehen im Allgemeinen die Arbeits⸗ und Geſindelöhne in der Gemeinde, genügt die ortsanſäſſige Bevölkerung zur Beſtreitung der landwirthſchaftlichen Arbeiten oder ſind fremde Arbeiter nöthig und wo⸗ her kommen letztere? b. Iſt für die landwirthſchaftliche Bevölkerung Gelegenheit zum Nebenverdienſt vorhanden, event. haben dieſe Nebenverdienſte(Arbeiten im Wald, Hausinduſtrie, Fabrikbetriebe, Fuhrweſen ꝛc.) eine beſondere Bedeutung für den Wohlſtand der Landwirthſchaft treibenden Bevölkerung und der Gemeinde im Allgemeinen? c. Gibt es Landwirthe in der Gemeinde, die mit Rückſicht auf den Umfang und die Rentabilität ihres landwirthſchaftlichen Betriebes an ſich auf Nebenverdienſt und Tagelöhnerarbeit angewieſen wären, ſolche Arbeiten aber aus Standesvorurtheil, Trägheit ꝛc. nicht ausführen? a. Der Taglohn ſtellt ſich im Durchſchnitt, wenn keine Koſt gegeben wird, auf 1,60 Mk. für den Mann und 1,20 Mk. für die Frau. — 10— Ein tüchtiger Knecht erhält jährlich 250—270 Mk., eine ebenſolche Magd 130 bis 170 Mk., und die Koſt ſchätzt man für einen Knecht auf 250 Mk., für eine Magd auf 180 Mk. Die einheimiſche Bevölkerung genügt vollkommen, um die in der Gemeinde vor⸗ kommenden landw. Arbeiten zu verrichten, fremde Arbeiter finden daher keine Ver⸗ wendung, im Gegentheil, die Schwanheimer müſſen zur Verwerthung ihrer Zeit vielfach auswärtige Arbeitsgelegenheit aufſuchen. b. Der nahe Jägersburger Wald bietet den Männern beim Holzfällen, den Frauen bei den Waldculturen vielfache Arbeitsgelegenheit; auch werden daſelbſt Eicheln und Bucheln im Antheil geſammelt. Geſchickte Mäher können ferner durch Grasmähen für die Bensheimer Oeconomen Geld verdienen. Dieſe Nebenverdienſte ſind als eine weſentliche Unterſtützung für die kleineren Schwanheimer Landwirthe anzuſehen und reichen zur Verwerthung der längeren, nicht von der Landwirthſchaft beanſpruchten Zeiträume ziemlich aus, ſind jedoch nicht zur Ausfüllung kurzer Zwiſchen⸗ pauſen geeignet. c. Landwirthe, welche aus Standesvorurtheil oder gar aus Trägheit die Ge⸗ legenheit zu lohnendem Nebenverdienſt nicht benützten, kommen in Schwanheim höchſtens ausnahmsweiſe vor. Frage VIII. a. Wie vertheilt ſich der ermittelte Betrag der Immobiliarverſchul⸗ dung auf die einzelnen Beſitzgruppen(größerer, mittlerer und kleinerer Grundbeſitz) und auf welche Gruppe entfällt der ſtärkſte Procentſatz der Schuldenlaſt? b. Datirt der Schuldenſtand aus älterer oder aus neuerer Zeit, im letzteren Fall, wie hat derſelbe im letzten Jahrzehnt zugenommen? c. Sind in den letzten 5 Jahren die Zinſen und Güterziele im All⸗ gemeinen regelmäßig bezahlt worden oder ſind bemerkenswerthe Rückſtände bekannt? d. Welche Urſachen haben einen erkennenswerthen Einfluß auf die Ver⸗ ſchuldung, z. B. das beſtehende Erbrecht oder die üblichen ehelichen Güter⸗ ſyſteme, unwirthſchaftlicher Ankauf von Grundſtücken zu hohen Preiſen, ungenügendes Betriebscapital, zu frühe Gründung eines eigenen Haus⸗ halts, Verſchwendung und nachläſſige Wirthſchaft, die Aufeinanderfolge ſchlechter Ernten u. ſ. w.? a. Der Zuſammenſtellung erſichtlich, ſteht dem Immobiliarbeſitz der 72 dies⸗ bezüglich überhaupt in Betracht gezogenen Güter, im Werth von 1085504 Mk., eine Hypothekenſchuld von 118728 Mk. gegenüber, und betragen demnach die Hypotheken⸗ — 11— ſchulden im Geſammtdurchſchnitt der 72 Landgüter 10,94 pCt. des Liegenſchaftswerthes. Kaufſchilling⸗ und Mobiliarſchulden konnten nicht genau ermittelt werden, ſind jedoch nach Angabe ortsangehöriger Vertrauensmänner auf höchſtens 6 pCt. des Grund⸗ und Gebäudewerths anzuſchlagen, wonach ſich die durchſchnittliche Geſammtverſchuldung im Maximum zu 17 pCt. berechnen würde.— Von den genannten 72 Gütern ſind 19, mit einem Liegenſchaftswerth von 474,691 Mk., ſchuldenfrei, dagegen 53, bei einem Werth der Grundſtücke und Gebäude von 610813 Mk., mit 19,44 pCt. desſelben verſchuldet. Der Grundbeſitz der 33 Güter, deren Inſaſſen nur mit Bewirthſchaftung der⸗ ſelben bezw. ihren perſönlichen Angelegenheiten beſchäftigt ſind, hat einen Werth von 606716 Mk. und iſt durchſchnittlich mit 7,88 pCt. verſchuldet. Ueberhaupt verſchuldet ſind von genannter Gruppe 20 Betriebe im Liegenſchaftswerth von 276235 Mk., auf welchen demgemäß eine Verſchuldung von 17,31 pCt. kommt. Nichtverſchuldet ſind von obengenannten 33 Gütern daher 13 mit einem Grund⸗ und Gebäudewerth von 330481 Mk. Nebenerwerb durch Taglohn kommt bei 21 der Güter vor. Dieſelben haben einen Liegenſchaftswerth von 188,362 Mk. und ſind mit einer Hypo⸗ thekenſchuld von 22,07 pCt. desſelben belaſtet. Darunter ſind nur 2, im Werth von 15790 Mk., ſchuldenfrei, dagegen 19, im Werth von 172572 Mk., mit 24,09 pCt. desſelben hypothekariſch belaſtet. Anderer Nebenerwerb als durch Tagelohn, z. B. durch Profeſſionen, Handel, Aemter ꝛc. findet bei 18 der genannten 72 Betriebe ſtatt. Dieſelben repräſentiren einen Grund⸗ und Gebäudewerth von 290426 Mk., worauf 10,1 pCt. Hypotheken⸗ ſchulden ſtehen. Unverſchuldet ſind in dieſer Gruppe 4 Güter im Werth von 128420 Mk., verſchuldet hingegen 14 im Werth von 162006 Mk. Rückſichtlich der Vertheilung der Hypothekenſchulden unter den einzelnen Größen⸗ claſſen iſt im Allgemeinen zu ſagen, daß die procentiſche Verſchuldung mit der Größe des Beſitzes abnimmt. Sie erreicht innerhalb der Geſammtheit der qu. 72 Güter bei der erſten Größenclaſſe(unter 1 Hectar) den höchſten Betrag von 38,52 pCt. und ſinkt bei der 5. Claſſe(10— 20 Hectar) auf den niedrigſten Stand von 2,48 pCt. Im einzelnen zeigen ſich jedoch einige Abweichungen genannter Regel. So iſt bei den Betrieben ohne Nebenerwerb die hypothekariſche Verſchuldung in der vorletzten Größen⸗ claſſe(5—— 10 Hectar) und bei den Gütern mit anderem Nebenverdienſt als Taglohn, ſogar in der 2. Größenclaſſe(1—2 Hectar) am geringſten. Der Vergleich der mit Rückſicht auf Nebenbeſchäftigung gebildeten 3 Gruppen von Gütern untereinander ergibt für die reinen Landwirthſchaftsbetriebe die geringſte durchſchnittliche Verſchuldung, nämlich 7,88 pCt., für die Taglöhnergüter dagegen die höchſte mit 22,07 pCt., während die dritte Gruppe 10,10 pCt. hypothekariſche Schulden aufweiſt. Unter allen nach Nebenbeſchäftigung und Größe auseinandergehaltenen Gruppen kommt die höchſte Hypothekenverſchuldung bei der kleinſten Größenclaſſe(unter 1 Hectar) der Taglöhnergüter vor, nämlich 45,91 pCt. des Liegenſchaftswerthes, die niedrigſte Belaſtung mit 0,65 pCt. bei der 4. Claſſe(5—10 Hectar) der reinen — 12— Landwirthſchaftsbetriebe. Betreffs ſonſtiger bezüglicher Unterſuchungsergebniſſe wird auf die Tabellen verwieſen. b. Der Schuldenſtand datirt größtentheils aus älterer Zeit und hat demgemäß in den letzten 10 Jahren nicht zu⸗, ſondern abgenommen, indem von Anfang 1875 bis Ende 1884 an neuen Hypotheken 57, im Geſammtbetrage von 97580 Mk. aufgenom⸗ men, dagegen 68 Hypotheken im Betrage von 121487 Mk. abgezahlt wurden. c. Zinſen und Güterziele wurden in den letzten 5 Jahren im Allgemeinen regelmäßig bezahlt, und ſind bemerkenswerthe Rückſtände nicht bekannt geworden. d. Als erſte Urſache der vorhandenen Schulden werden die früheren Kriege und die in den 20er Jahren dieſes Jahrhunderts ſtattgehabten Mißernten angegeben. Die hierdurch entſtandene Verſchuldung dürfte ſich zum Theil bis in die neueſte Zeit ver⸗ erbt haben, und ihre Abzahlung durch die aus der Bevölkerungszunahme reſultirende Vermögenstheilung gehemmt worden ſein. Andere Verſchuldungsurſachen ſind in größerem Umfange nicht hervorgetreten, obwohl in einzelnen Fällen ſicherlich noch mannigfache Gründe, z. B. überhohe Kaufpreiſe, unrationelle Wirthſchaft und Ver⸗ ſchwendung dabei mitgewirkt haben. 13 169 2† 50 3I 61 022⁷νε& 64,6g F 0²& 01 L26,401 87,87 2 01 001,8† 66,6 8 6— 7 086,86 06,9 p 5 016˙5 19˙0 T 1— 0 :rnpla0g F†'61 00/001 837811 918˙019 86 fI 80 66,91 L7,C 000,9 068,68 12,01 I 9— 01 69,01 2⁵, 967†,9 291,19 80,91 8 01— 08,11 60,89. 188,89 86,988 8⁵,66 08 6— 3 8⁵, 89,91 6 †I,61 069,08 90,11 11 5ö 60˙0† 17**†1 01I“21 891˙6 † 96˙† 8 1= 90 :rInplaog d 76˙01 00/001 851811 709/80“1 08/893 31 85, 27,G 009,9 099,193 0/02. 6 02— 01 37ʃ5 L5,0 667†,9 981,685 16,59 01 01— 6 66,0 60,86 188,89 69,0g † L2501 88 7— 3 10,81 89,91 6⁵,61 089,601 9,86 91 8 69/˙89 17*†1 01I42 88 † †† 25˙0 6 1— 9,0 a1Do⸗ S912Slpp. uglnſp. 10 112151g 1pp⸗c 1513 S20 gzodg aac uan gnpg gun a2plo 1d Iwaie ua⸗doach u uoudac un u⸗ocda Jou Sorwenitg guaqabiuin gjo unahu va Iſp uaogo umbg V uaz vp haaguv aapvaa X SMN 20.— GOS N GO 0. 29 guome ig an e na e diiinplaa aa Bunapvec ——————jjjj—— 18O88 98˙28 81 0rI,801 88,88 6 9 l 4 126,141 gr. Sr 4 01 f 001,8; 68,6 8 6 3 8 029˙0 95˙1 1 5 2 —— 1 90 1 : pnplag 18˙11 00˙001 918†(86/976 †6˙5 05 66,91 09,81 006,9 068,68 12,01 1 6 O b 29 F. 626,1 088,81 86,0 1 01— 3 5 22, 86,02 938,98 669,7†05 0 ⁸0 91 6= 2 8 86/83 862 2118 058˙61 96˙6 5 5 5 ————— 1 9˙0 5 V :incplaog d 88˙⁷ 00˙001 918 2† 91/909 08˙091 88 F6, 09,81 006,9 080,8 I 66,68 8 02 91 8 99,0 r, 616,¹ 108,96]1 10,†6 8 61 6 7 69,77 86,1 968,98 268,875 66,59 61 6.— 3 8 60˙03 86˙⁷ 1128 067˙81 18 † g 6 6 —— 1—— 1— 40 1 1p& 20112iSrlv(pl uon(pl 2 u12121 1 1196915 S0 oloda a0 u⸗Incp. p⸗S gun J216 16 g Iwor 2 u2ru*a un unuedoach un uncda du Sod end : uogeg up p grae g. 15 067˙91 1* 8 05 —— 01 —— 8 06/˙91 1* 5 5 —— 1 :PInplaog aen 60˙†3 00˙001 2997 57˙31T 06˙88 61 5, 5, 7* 96 68, G6 060, 276,6 88, 3 01 97†,81 68,0† 10ʃ,91 19 ,06 68,16 1 4 88,63 80,13 Or,8 062,66 99,9 5 3 16˙0† 06˙98 000˙1 88⁷58 187 2 1 :rInplaog g 20˙36 00˙001 2991† 699/˙881 19† 15 85 5 06 66,6 97,8 060, 616,61 88, T 01 97,81 38,0† 1ʃ 91 F92,06 28,13 4. 6 61,61 80,16 OL 056,ε† 20,01 9 5 16˙ † 05˙98 000˙1 98/68 187 2. 1 1po*& SHs,vp. uogincpl 20 10 112101 12913 S2 cd a2 uaoinqp. poH gun a2i6 10g u⸗* ᷣPoac ul uo*ncach u uod Joun 9Qο☛ Ses Wſeg : uogoajoeg uogavngojeb w vpſgro 9. —+—— a4u*& 1b*a NS SN0. OS 3 02*˙86] 2½8/ 089˙811 16˙08 3 02 0 01— 6 r „. 3 8 06 ½ 8,1 1 5 1 6 . 026˙5 190 1 I 0 T :eIncplaog J II8 00˙001 2†9˙66 900˙691 71*88 FI —— 7 25 C. l 5 16,81 66,† 006,† 090,86 61,0 1 01— F 16,11 18,80 867,01 965,16 86,61 2 6 5 8 FI,6 r8.rs 286,½ 080,88 ,2 2 5 5 0 66˙16 80 090˙5 029˙6 29˙0 I I— 0 T — :Incplaag qu 01˙01 00/001 9†8˙66 927·063 68˙799 81 089,8T 16,08 5 06 G 16,81 66,5 006,† 090,95 61,6 1 01 p 26,11 78,89 86/,01 96†,16 86,61 2 6— 3 8 86,01 r8,†s 183 1 009,† 16,8 9 5 5 0221 802 090˙5 079˙11 96˙0 6 1— ʃ 1 4u ο◻ 2rdisav. uoancp. 0 1 uleds 19 =1622 S00 ecd 0 uaojn(p. npqoH gun 42]6 19 g woſd 2 uoPoac u u*noach un u*eocac Jou e Se nſeg .u*gorog ogaaee de ige. — 47— Frage IX. a. Wie geſtaltet ſich die Rentabilität des landwirthſchaftlich benutzten Bodens bei großen, mittleren und kleineren(eigenen oder gepachteteten) Gütern? b. Wenn die Rentabilität als eine unbefriedigende erſcheint, ſind die Gründe zurückzuführen hauptſächlich auf 1. die Fruchtbarkeits⸗Verhältniſſe der Gemarkung, 2. die mangelhafte Melioration und die Zerſplitterung der Grundſtücke, 3. die im Verhältniß zur Ausnutzungsfähigkeit zu hohen Preiſe des Bodens, 4. einen mangelhaften landwirthſchaftlichen Betrieb, 5. ein zu großes Gebäudecapital, 6. ungünſtige Arbeiterverhältniſſe, 7. ungünſtige Abſatzverhältniſſe(ſchlechte Preiſe, unrationelle Einrichtungen für den Abſatz u. ſ. W.), 8. frühzeitiges Zurückziehen der Eltern und Belaſtung der Güter mit hohen Altentheilen und Leibrenten, 9. Beſondere unwirthſchaftliche Gewohnheiten der Landwirthe, z. B. zu ſtarke Pferdehaltung u. dgl., 10. hohe Steuern und Umlagen und ſonſtige dem Commiſſär bekannt gewordene Verhältniſſe? Den bezüglichen Vorſchriften gemäß fertigte Unterzeichneter behufs Beantwortung obiger Frage für 3 Güter, welche ſeitens der ortsangehörigen Vertrauensmänner als die geeignetſten Beiſpiele des größeren, mittleren und kleinen Landwirthſchaftsbetriebes innerhalb der Gemeinde erachtet wurden, die beiliegenden Berechnungen an. Aus dieſen Arbeiten iſt Nachſtehendes zu reſümiren bezw. zu folgern. J. Beſitzſtand⸗Nachweis, beſtehend aus den Nachweiſen über den Werth von Grund und Boden mit Obſtbäumen, Ge⸗ 1 bäudecapital, Inventarcapital(todtundlebend) und umlau⸗ fendes Betriebscapital Gorrath). Das Verhältniß der einzelnen Betriebscapitalien zum Grundeapital ſtellt ſich wie folgt: Größeres Gut. Das Gebäudecapital beträgt...... 24,51 pCt. vom Grundecapital Das Inventarcapital beträgt...... 11,45„„„ Das umlaufende Betriebscapital beträgt.. 3,13„„„ Mittleres Gut. Das Gebäudecapital beträgt...... 30,98„ 3„ Das Inventarcapital beträgt...... 12,99„„ Das umlaufende Betriebscapital..... 4,50„„„ Kleineres Gut. Das Gebäudecapital beträgt...... 51,34„„„ Das Inventarcapital beträgt...... 13,89„„ 9 Das umlaufende Betriebscapital beträgt.. 5,99„„ Die Betriebscapitalien ſind demnach in dieſen Beiſpielen relativ um ſo größer, je kleiner das Grundcapital iſt. II. Natural⸗Rechnung, beſtehend aus den Nachweiſen über Natural⸗Ertrag und Natural⸗Bedarf nebſt Schluß⸗ folgerungen. Da bei den aufgenommenen 3 Gütern kein ganz beſtimmter Anbau eingehalten wird und zuderläſſige Aufzeichnungen fehlten, erſchien es unterzeichnetem Commiſſär bei Ermittelung der durchſchnittlichen Bodenerträge beſſer, erſt die muthmaßlichen Durchſchnittsernten pro Hectar für das betr. Gut feſtzuſtellen und danach ſowie nach den für die vorkommenden Kulturpflanzen angenommenen Anbauflächen die Geſammt⸗ ernten zu berechnen, als letztere in Pauſchzahlen aufzunehmen. Die Annahmen der Ernten pro Flächeneinheit erfolgten im Einvernehmen mit den betr. Beſitzern, unter Berückſichtigung der officiellen Ernteberichte, der Productionsbedingungen(Klima, Boden ꝛc.) und der Urtheile ortsangehöriger Vertrauensmänner. Die Ertragsſätze wurden für die drei Güter gleich angenommen, weil deren Vorſteher übereinſtimmend angaben, daß ſie durchſchnittlich relativ ungefähr gleichviel ernten dürften und weil die Grundwerthſchätzung, die Düngerproduction, ſowie die ſonſtige Wirthſchaftsführung keinen Anlaß zur Annahme eines diesbezüglichen Unterſchiedes boten. Im Vergleich zu den officiellen Ernteberichten mußten die Bodenerträge im Allgemeinen weſentlich höher angeſetzt werden. Der jährliche Geſammtertrag an Milch wurde aus den für richtig erachteten bezw. berichtigten Angaben der betr. Parteien über Milchverbrauch, ſowie Butter⸗ und Käſeverbrauch und Verkauf in Kilogramm berechnet. An den betr. Stellen der Na⸗ turalrechnungen wurden jedoch, weil der Muſterbericht die Milch nach Litern angibt, bei der Geringfügigkeit des Unterſchiedes, die ermittelten Kilogrammzahlen als Liter⸗ zahlen angeſetzt. Die Berechnungen über die Ernährung des Perſonalſtandes ergeben zwar, in Uebereinſtimmung mit dem Augenſchein, daß dieſelbe kräftig iſt und namentlich hinlänglichen Gehalt an Eiweißſtoffen beſitzt, doch iſt der Fleiſchantheil nicht eben V b 2— 2— — 19— reichlich, bei dem kleinen Gut ſogar recht knapp bemeſſen, und dürfte es immerhin zweifelhaft ſein, ob die Zuſammenſetzung der Nahrung rationell iſt, oder ob nicht vielleicht mit weniger Aufwand derſelbe Effect erzielt werden könnte.— Die Be⸗ köſtigung der Schwanheimer Landwirthe erſcheint ferner im Allgemeinen ordinärer, daher auch wohlfeiler, wie bei den Meſſeler Beiſpielen, indem ſich die jährlichen Er⸗ nährungskoſten in Schwanheim pro erwachſene Durchſchnittsperſon auf 187,5 Mk., 165 Mk. bezw. 156 Mk. und für einen erwachſenen Mann auf 187 bis 225 Mk., durch⸗ ſchnittlich alſo auf 206 Mk. ſtellen dürften, wogegen letztere bei Meſſel auf 250 Mk. angegeben werden. III. Geldrechnung, beſtehend aus den Nachweiſen über Geld⸗ einnahmen und Geldausgaben. Nach den Geldanſchlägen hat jedes der 3 Güter noch einen baaren Ueberſchuß, und zwar iſt derſelbe— wie zu erwarten war— bei dem größten Gut am höchſten, bei dem kleinſten dagegen am niedrigſten(485 Mk., 367 Mk. und 65 Mk.). Es iſt jedoch zu bemerken, daß Schuldzinſen dabei nicht in Ausgabe geſtellt ſind, und daß ein Theil des Ueberſchuſſes— wie bei Meſſel— in erſparten Verſicherungsbeträgen beſteht, da das größere Gut nicht gegen Hagel, die beiden anderen Güter ſogar nur in der„Brandkaſſe“ verſichert ſind. Die angeführten Ueberſchüſſe wurden übrigens von den betreffenden Beſitzern nach Berückſichtigung ihrer Schuldzinſen als mit den thatſächlichen Ergebniſſen ihres Haushaltes während der letzten 10 Jahre ziemlich übereinſtimmend bezeichnet. Auch bei den Schwanheimer Beiſpielen ergibt ſich, wie in Meſſel, daß die baaren Geldeinnahmen aus der Viehhaltung die aus dem Verkauf von Bodenproducten erheblich überſteigen, relativ am meiſten bei den kleinen, am wenigſten bei dem mitt⸗ leren Gut. Ob aber hieraus gerade jene Folgerungen zu ziehen ſind, welche in dem Meſſeler Bericht aus der gleichen Erſcheinung gezogen ſind, möchte der Commiſſär zu weiterer Erwägung empfehlen. IV. Rentabilitätsberechnung, beſtehend aus den Nachweiſen über den Rohertrag(excl. der für die Production in der Wirthſchaft wieder verwendeten Producte), die Productions⸗ koſten und den Reinertrag. Die Grundrente berechnet ſich bei dem größeren Gut auf 1,90 pCt., bei dem mittleren auf 2,95 pCt. und bei dem kleinen auf 0,29 pCt. des Liegenſchaftswerthes, wobei jedoch zu bemerken iſt, daß für Leitung und Ueberwachung des Betriebes keine Koſten angeſetzt ſind, ſo daß letztere Thätigkeiten ihr Entgelt unter den als Grund⸗ rente bezeichneten Beträgen ſuchen müſſen. Wenn man den Anſpruch auf eine drei⸗ procentige Grundrente für gerechtfertigt hält, ſo findet demnach ein Unternehmerge⸗ winn in vorliegenden Beiſpielen nicht ſtatt. Das kleine Gut, im Umfange von— einſchließlich Pacht⸗ und Allmendland— etwa 5 Hectar Acker(Wieſen fehlen demſelben gänzlich), nimmt 2 Männer und 2 — 20— Frauen nicht vollſtändig, ſpeciell aber 618 Arbeitstage in Anſpruch. Hieraus iſt zu ſchließen, daß ein ſolcher Umfang ungefähr zur Beſchäftigung einer Durchſchnitts⸗ familie, beſtehend aus 3 Erwachſenen(ein rüſtiger Mann und 2 Perſonen von Frauenleiſtungsfähigkeit) und 2 Kindern, paſſend ſein möchte, und, da eine ſolche Familie etwa ebenſohohen Aufwand erfordern dürfte, wie in dem vorliegenden Bei⸗ ſpiel, ſo iſt anzunehmen, daß ſie auf einem derartigen Gut, wenn dasſelbe nicht oder nur unerheblich verſchuldet wäre, ein ganz gutes Auskommen haben müßte, wobei zu berückſichtigen iſt, daß im Vergleich zu unſerem Beiſpiel der Ackerpacht im Betrage von 160 Mk. in Wegfall käme. Ueberhaupt läßt ſich aus den vorliegenden Berech⸗ nungen folgern, daß zur Beſchäftigung einer Durchſchnittsfamilie eine Fläche von 4 bis höchſtens 5,5 Hectar gehört, und daß der Beſitzumfang, welcher zur Ernährung einer ſolchen Familie bei mittelgutem Betrieb ausreicht, zwiſchen 4 und 4,5 Hectar liegt. Gründe der unbefriedigenden Erfolge. Die Rentabilität des landwirthſchaftlich benutzten Bodens der Gemeinde Schwan⸗ heim kann auf Grund der berechneten 3 Beiſpiele, nach den unter IVa. darüber ge⸗ machten Angaben, ſelbſtverſtändlich nicht als befriedigend bezeichnet werden. Die natürlichen Fruchtbarkeitsverhältniſſe der betreffenden Gemarkungen tragen nicht die Schuld hieran, ebenſowenig thut dies die Unterlaſſung dringend wünſchens⸗ werther Meliorationen, womit jedoch nicht geſagt werden ſoll, daß keinerlei bleibende Bodenverbeſſerungen ausgeführt werden könnten. Zu bedauern iſt, daß der Beſitz der meiſten Landwirthe nur zum Theil in der Gemarkung Schwanheim, anderntheils in mehr oder weniger entfernten fremden Ge⸗ markungen liegt, wogegen wieder zahlreiche Grundſtücke der Schwanheimer Gemarkung auswärtige Beſitzer haben. Es kann wohl nicht zweifelhaft ſein, daß durch dieſe Sachlage die Bewirthſchaftung nicht unerheblich erſchwert und vertheuert wird. Da wir zu der Anſicht gekommen ſind, daß bei der üblichen Art und dem durchſchnittlichen Niveau der Wirthſchaftsführung nur eine ungenügende Verzinſung der Grundwerthe erfolgt, die mittleren Kaufpreiſe letztere aber noch überſteigen, ſo müſſen wir auch ſagen:„Die Preiſe des Bodens ſind im Vergleich zu ſeiner ge⸗ wöhnlichen Rentabilität zu hoch.“ Gewiß würde dem Boden ein bedeutend höherer und wahrſcheinlich ein im Ver⸗ gleich zu ſeinen Preiſen recht befriedigender Reinertrag abgewonnen werden, wenn die Betriebseinrichtung und ⸗Führung völlig im Einklang mit der gegenwärtigen techniſchen und wirthſchaftlichen Erkenntniß ſtände. Eine derartige Bewirthſchaftung i*ſt aber ſelbſtverſtändlich nur das betreffende Ideal, hinter welchem der Durchſchnitt einer bäuerlichen Bevölkerung ſtets mehr oder weniger zurückbleiben wird. Es kann da⸗ her hier nur in Frage kommen, ob die bäuerlichen Beſitzer des Großherzogthums Heſſen im Allgemeinen und die der Gemeinde Schwanheim im Speciellen hinter genanntem Ideal weiter zurückgeblieben ſind, als es in der Natur der Sache liegt, und ob hierin ein Hauptgrund mangelhafter Ertragsfähigkeit beſteht. Daß der bäuerliche Be⸗ trieb im Allgemeinen den Fortſchritten der Erkenntniß ferner ſteht und langſamer folgt, —— — 2— wie die meiſten anderen Zweige des Erwerbslebens, und daß dies einen Hauptgrund für ſeine gegenwärtigen Nothſtände abgibt, kann wohl mit Beſtimmtheit behauptet werden, was aber ſpeciell den Schwanheimer Landwirthſchaftsbetrieb betrifft, ſo iſt er gewiß innerhalb unſeres Großherzogthums als ein relativ recht guter zu bezeichnen, wie dies bereits unter I, d zum Ausdruck gebracht wurde. Wie nachtheilig aber das Zurückſtehen des Betriebes hinter der wiſſenſchaftlichen Erkenntniß auf den wirth⸗ ſchaftlichen Erfolg einwirken kann, zeigt deutlich das Beiſpiel des kleinen Gutes, deſſen auffallend unbefriedigende Rentabilität offenbar, neben einem zu großen Ge⸗ bäudecapital, in einem zu geringen Erlös aus der Viehzucht beruht, welcher wieder theils durch unrationelle Fütterung des Großviehs, theils durch ungenügende Eier⸗ production entſteht. wahrſcheinlich noch weſentlich verſchlechtern, wie umgekehrt, ein Heben der Preiſe die⸗ ſelbe muthmaßlich ebenſo beſſern würde, iſt im Allgemeinen wohl unbeſtreitbar und geht auch aus den Schwanheimer Erhebungen hervor. Ebenſo kann mit Beſtimmt⸗ heit behauptet werden, daß auch für die Gemeinde Schwanheim Abſatzeinrichtungen geſchaffen werden könnten, welche geſtatten, höhere Preiſe zu erzielen und dement⸗ ſprechend ertragsſteigernd wirken würden. Bezüglich der Steuern und Umlagen hält ſich der unterzeichnete Commiſſär nicht für berufen, ein Urtheil darüber abzugeben, ob die directen Steuern in der Ge⸗ meinde Schwanheim etwa zu hoch eingeſchätzt, oder ob die Umlagen relativ hoch ſind, doch hebt er an dieſer Stelle nochmals hervor, daß die Schwanheimer Ortsbürger größtentheils ein Stück Allmendland von etwa 0,15 Hectar in Benutzung haben, welches namentlich für die kleineren Güter als Gegengewicht der Gemeindelaſten von Belang iſt. Daß eine Verminderung der Steuerlaſt ſehr wünſchenswerth wäre, um der Landwirthſchaft das glückliche Ueberſtehen der Kriſis, in welcher ſie ſich gegen⸗ wärtig offenbar befindet, zu erleichtern, geht wohl auch aus den Schwanheimer Er⸗ hebungen deutlich hervor. Die Gebäudecapitalien dürften im Allgemeinen in Schwanheim nicht zu hoch ſein, obgleich dieſer Fall bei dem kleinen Gut vorzuliegen ſcheint. Ob unwirthſchaftliche Pferdehaltung in vereinzelten Fällen vorkommt, darüber hat ſich Unterzeichneter noch kein beſtimmtes Urtheil gebildet. Zu frühzeitiges Zurückziehen der Eltern ſowie Belaſtung von Gütern mit hohen Altentheilen oder Leibrenten kommt in Schwanheim, ſoweit Unterzeichnetem bekannt geworden, nicht, als Regel keinesfalls vor. Die Arbeiterverhältniſſe ſind für die Landwirthe als Arbeitgeber nicht ungünſtig zu nennen, denn es fehlt für die größeren Güter nicht an geeigneten Hülfskräften, und ſind dementſprechend die gezahlten Löhne auch nicht als hoch zu bezeichnen. Anders ſteht es dagegen mit der Arbeitsgelegenheit für die kleineren Landwirthe. Es fehlt letzteren offenbar eine Nebenbeſchäftigung, welche ſich gut mit dem land⸗ — 22— wirthſchaftlichen Betrieb vereinigen läßt. Sie nutzen deßhalb ihre Arbeitszeit mangel⸗ haft aus, und rüſtige Männer müſſen ſich nicht ſelten mit Frauenarbeiten abgeben. Die Einführung einer geeigneten Hausinduſtrie oder anderer paſſender Nebenverdienſte würde daher die Lage der kleinen Landwirthe weſentlich verbeſſern. Weitere Umſtände, welche zu der nicht durchaus befriedigenden Lage der Schwan⸗ heimer Landwirthe beitragen, ſind Unterzeichnetem nicht bekannt geworden. Rückſichtlich des Unterſchiedes in der Rentabilität der Güter verſchiedenen Um⸗ fanges und der materiellen Lage der betreffenden Familien ergibt ſich aus den be⸗ rechneten Belegsbeiſpielen Folgendes. Bezüglich der Grundrente tritt eine geſetz⸗ mäßige Beziehung zu der Größe des Betriebes nicht hervor, indem das mittelgroße Gut die höchſte Rente ergibt. Die materielle Lage der betreffenden Familien erweiſt ſich dagegen, wie vorauszuſehen, offenbar um ſo günſtiger, je größer der Betrieb iſt, denn, ungeachtet die Zahl der Familienmitglieder in den drei Beiſpielen ſich im All⸗ gemeinen verhält wie die Größe des Beſitzes, iſt auch der verbleibende Ueberſchuß bei dem größten Gut am höchſten, bei dem kleinſten am niedrigſten, die Ernährung und ſonſtige Lebensweiſe bei dem erſten am beſten, bei letzterem am ordinärſten bezw. dürftigſten. Berückſichtigt man außerdem, daß auch die Verſchuldung im Allgemeinen eine beträchtlich geringere iſt, je größer die Güter ſind, ſo muß man wohl zugeben, daß die Inhaber der größeren Güter ſich durchſchnittlich weſentlich beſſer ſtehen, als die der kleineren. Das Geſammturtheil des Commiſſärs geht dahin, daß eine bemerkenswerthe Noth⸗ lage bei den Schwanheimer Landwirthen im Allgemeinen bis jetzt nicht vorliegt, daß deren Situation aber, namentlich in Anbetracht ihres im landwirthſchaftlichen Betrieb angelegten Vermögens, nichts weniger als glänzend iſt, daß ſie das Gleichgewicht ihres Budgets großentheils ihrer ſehr ſparſamen Lebensweiſe zu danken haben, und daß dieſes Gleichgewicht, namentlich bei vielen kleinen Landwirthen, ein recht ſchwach begründetes iſt, daher durch Erſchütterungen, wie ſie z. B. im Einzelnen Familien⸗ unglück, in der Gemeinde Naturereigniſſe, unter der Geſammtheit der heſſiſchen oder deutſchen Landwirthe Preisrückgänge zu bewirken vermöchten, leicht in ausgeſprochene Nothlage umſchlagen könnte. Frage X. Zu welchen Schlußbetrachtungen gelangt die Commiſſion auf Grund ihrer Erhebungen über die Geſammtlage der landw. Bevölkerung der Gemeinde, bezw. von welchen Verhältniſſen oder Maßnahmen glaubt ſie eine Beſſerung der wirthſchaftlichen Lage erwarten zu dürfen? Unter Frage IX. wurde dargelegt, daß die wirthſchaftlichen Verhältniſſe der Gemeinde Schwanheim ſchon nach dem Status der vorliegenden Enquete(1884) nicht als durchaus befriedigend, im Hinblick auf etwaige ungünſtige Veränderungen aber, für ungeſichert anzuſehen ſind. Als ein Beiſpiel letzterer wurden dabei Preisrückgänge — 23— der landw. Producte angeführt. Was nun ſpeciell dieſe Befürchtung anbelangt, d. h. die Preiſe der landw. Verkaufsproducte möchten im Vergleich zu den unſerer Enquete zu Grunde gelegten einen dauernden Rückgang erfahren, ohne daß der nachtheilige Einfluß deſſen durch andere Factoren aufgehoben wird, ſo iſt dieſelbe heute nicht blos eine ſehr berechtigte, ſondern es handelt ſich diesbezüglich, angeſichts der wirthſchaftlichen Weltlage und Tendenz, ſowie der thatſächlichen ſeitherigen Preiſe, um eine ausge⸗ ſprochene Gefahr, gegen welche Stellung zu nehmen geboten erſcheint. Die Maßnahmen, welche gegen die in der Gemeinde Schwanheim zu Tage getretenen wirthſchaftlichen Mißſtände bezw. Gefahren zu ergreifen ſind, glaubt unter⸗ zeichnete Commiſſion, der Natur der Sache entſprechend, in ſolche eintheilen zu ſollen, welche ſich auf die Gemeinde Schwanheim beſchränken können und ſolche, welche nur in größerem Umfange durchführbar ſind, wobei freilich die Begrenzung dieſer beiden Gruppen nicht ganz zweeifellos ſein wird. Die Verbeſſerungen, welche ſpeciell für die Gemeinde Schwanheim in Ausſicht zu nehmen ſind, laſſen ſich wieder unterſcheiden in ſolche, bezüglich deren der einzelne Betrieb ſelbſtſtändig iſt und ſolche, welche das Zuſammenwirken einer Mehrzahl bis Vielzahl von Gemeindemitgliedern erfordern. Endlich wird es ſich empfehlen, die Förderungsmitttel, über welche der Guts⸗ vorſtand zu entſcheiden hat, danach zu trennen, ob ſie Einrichtung oder Führung des Betriebes betreffen. Bevor die unterzeichnete Commiſſion ſpecielle Vorſchläge in gedachten Richtungen macht, bringt ſie noch den Satz in Erinnerung, daß der Erfolg eines jeden größeren Unternehmens von einer Mehrzahl von Faktoren abhängt, die dabei nur in einem beſtimmten Verhältniß in Thätigkeit zu treten vermögen, ſo daß ſeine Größe ſich nach dem im relativen Minimum vorhandenen Faktor richtet, während die im Ueber⸗ ſchuß gebotenen Productionsbedingungen nicht voll zur Wirkung gelangen, daher, wenn künſtlich herbeigeführt, ſchlecht verzinſt werden oder gar theilweis verloren gehen, wenn es aber Naturgaben ſind, nicht nach Möglichkeit benutzt werden. So iſt auch das Gedeihen der Kulturpflanzen von Klima und Jahreswitterung, natürlicher Bodenbeſchaffenheit, Düngung, Bearbeitung, Auswahl des Saatguts bezw. der Pflänzlinge, Saatzeit, Art der Ausſaat(einſchließlich Saatquantum) oder Pflanzung, Pflege während des Wachsthums, der Ertrag außerdem noch von dem Verfahren bei der Ernte, Aufbewahrung und Verwerthung abhängig. Da die natürlichen Frucht⸗ barkeitsbedingungen, nämlich Klima und bleibende Bodenbeſchaffenheit, in Schwanheim günſtig ſind, ſo wird es im Allgemeinen daſelbſt auch rentabel ſein, ſämmtliche Boden⸗ ertragsfaktoren, welche der Menſch mehr oder minder beherrſcht, erſteren entſprechend hoch zu geſtalten. Daß die bis jetzt im Allgemeinen eingehaltene Tiefe der Ackerung bis zu höchſtens 20 Centimeter dieſen Anforderungen nicht entſpricht, dürfte keinem Zweifel unterliegen und glaubt die Commiſſion, daß eine allmählig durchgeführte Vertiefung der Ackerkrume weſentlich zur Steigerung der Erträge beitragen, insbeſondere auch die zeitweiſe etwas zu feuchte Beſchaffenheit des ſüdlichſten Theils der Gemarkung Schwanheim in günſtiger Weiſe beeinfluſſen würde. Weiterhin dürfte mit Pflug und 3²² — 24— Egge allein, welche in den meiſten Schwanheimer Landwirthſchaften die einzigen Spannwerkzeuge für die Bodenbearbeitung ſind, eine unter allen Umſtänden befriedigende Bearbeitung nicht durchführbar ſein, ſondern müßten mindeſtens noch Exſtirpatoren, ſowie Glatt⸗ und Scheibenwalzen zur Verfügung ſtehen. Referent hat unter I, d, die Düngerproduction als genügend bezeichnet. Hiermit war jedoch nur gemeint ge⸗ nügend, um die Naturalerträge auf ihrer jetzigen Höhe zu erhalten, nicht um den Boden entſprechend den günſtigen bleibenden Productionsbedingungen an Pflanzen⸗ nährſtoffen zu bereichern und trotz höherer Ernten auf dieſer geſteigerten Fruchtbarkeit zu behaupten. Zu letzterem Zweck wird vielmehr unbedingt eine vermehrte Dünger⸗ zufuhr erforderlich ſein, umſomehr, wenn letztere ſich künftig durch Vertiefung der Ackerkrume auf eine ſtärkere Bodenſchicht vertheilt. Hierbei hat natürlich in erſter Linie die möglichſte Erhaltung und beſte Verwendung der Nährſtoffe des ſelbſterzeugten Düngers in Betracht zu kommen und ſind wir überzeugt, daß bei der Behandlung und Verwendung des Stalldüngers und Compoſtes noch gar manches gebeſſert werden kann. Aber die eigene Düngergewinnung dürfte ſchwerlich genügen, um bei geſteigerten Ernten die Entnahmen an Nährſtoffen zu decken und können daher Verſuche mit Handelsdünger, namentlich mit Stickſtoffdünger und Phosphaten nur angelegentlichſt empfohlen werden. Den unter I, d, ſeitens des Referenten gegebenen Rathſchlag zu erwägen, inwie⸗ weit etwa Weizenbau an Stelle des Spelzbaues treten ſollte, kann die Commiſſion nur bekräftigen. Bei der großen Differenz in Anſprüchen und Ertragsfähigkeit der verſchiedenen Sorten derſelben Kulturpflanze kann die ſorgfältige und wiederholte Prüfung der Frage, ob die derzeit angebauten Varietäten die geeignetſten ſind, nicht dringend genug angerathen werden. Auch glauben die Unterzeichneten nicht, daß in Bezug auf Stärke und Präparation des Saatguts im Allgemeinen ganz richtig ver⸗ fahren wird.— Rückſichtlich der Saatzeit erwähnen Unterzeichnete nur, daß die zeitige Ausſaat im Durchſchnitt der Jahre der ſpäten weit vorzuziehen iſt. Als einen unbedingt gebotenen Fortſchritt erachtet die Commiſſion die Ein⸗ führung der Drillcultur in der Gemarkung Schwanheim. Endlich bemerkt dieſelbe bezüglich des Pflanzenbaues nur noch, daß der Erſatz der durch den Winter 1879/80 zu Grunde gegangenen Obſtbäume wohl mit aller Energie durchgeführt werden ſollte. Auch für die Viehzucht gilt der oben ausgeſprochene Satz. Ihr Erfolg hängt vorzugsweiſe von der richtigen Wahl des Zieles, von der wirthſchaftlichen Leiſtungs⸗ fähigkeit des Viehſtandes unter den gegebenen Haltungsverhältniſſen in Richtung des Haltungszweckes, ſowie von der angemeſſenen Fütterung und Pflege ab. Die in Schwanheim gewählte Allgemeinrichtung der Viehzucht entſpricht nach Anſicht der Unterzeichneten vollkommen den vorliegenden Verhältniſſen. Die Be⸗ ſchaffung des Viehſtandes, namentlich die im Wege eigener Aufzucht anlangend, erinnern Unterzeichnete daran, daß ein diesbezügl. häufig vorkommendes Grundübel die Plan⸗ loſigkeit, d. h. die ungenügende Feſtſtellung des Züchtungszieles und der zur Erreichung desſelben erforderlichen Etappen iſt. Sie halten es für wichtig, zu unterſuchen, ob auch in Schwanheim in dieſer Hinſicht weſentliche Fehler gemacht werden und ſprechen — — 25— zugleich betreffs der Rindviehzucht ihre Anſicht dahin aus, daß die bekannten Zeichen der Milchergiebigkeit bei der Züchtung zu wenig beachtet werden, und daß die kleineren Landwirthe alle Urſache haben, auf einen möglichſt zugkräftigen Schlag hinzu⸗ arbeiten. Der Anſicht des Referenten, daß 2 Gemeindefaſſel für die vorhandenen Kühe zu wenig ſeien(I ch), ſchließt ſich die Commiſſion nicht an, während erſterer ſeinen diesbezüglichen Ausſpruch damit begründet, daß in der betr. Literatur 70 Kühe, ſelbſt bei gleichmäßiger Vertheilung der Sprünge über das ganze Jahr, als die zuläſſige Maximalzahl auf einen ausgewachſenen Stier angegeben würden. Betreffs der Pferdeaufzucht kann wohl nicht zu oft daran erinnert werden, daß dieſelbe nur dann zu einem befriedigenden Ergebniß führt, wenn den jungen Thieren in irgend welcher Weiſe Gelegenheit zu angemeſſener Bewegung verſchafft wird.— Bei der Fütterung kommen jedenfalls ſehr erhebliche Verſtöße gegenüber dem bezügl. Erkenntnißſtandpunkt vor, beſtehend darin, daß das ſog. Nährſtoffverhältniß vielfach unrichtig, ſpeciell im Winter zu„weit,“ im Sommer dagegen häufig zu„eng“ iſt. Unterzeichnete ſchreiben dieſem Umſtande großentheils die bei den vorliegenden Er⸗ hebungen feſtgeſtellten unbefriedigenden Milcherträge und die erſtaunlich niedrige Grund⸗ rente des als Beiſpiel eines kleinen Schwanheimer Landwirthſchaftsbetriebes ſpeciell betrachteten Gutes zu. Uebrigens kommt bei letzterem auch der relativ ſehr geringe Erlös aus der Federviehhaltung in Betracht und ſpricht die Commiſſion ſich bei dieſer Gelegenheit dahin aus, daß die kleinen Landwirthe Urſache haben, dieſem Zweig ge⸗ bührende Aufmerkſamkeit zu widmen und daß überhaupt derartige unſcheinbare Ein⸗ nahmequellen häufig vernachläſſigt werden, während bei den kleinen Landwirthen— ſonſt guten Betrieb vorausgeſetzt— deren volle Ausnutzung häufig darüber entſcheidet, ob ein Einnahmeüberſchuß verbleibt oder nicht. Ferner iſt in Uebereinſtimmung mit dem im Erhebungsbericht Geſagten, jedem einzelnen Gutsvorſteher, welcher noch keine Buchführung beſitzt, dringend an's Herz zu legen, eine ſolche einzurichten und zu unterhalten, ſo gut er eben kann. Auf elegante, ſprachlich correcte Ausführung kommt es dabei weniger an, vielmehr ſind Verſtändlichkeit, ſowie richtige Darſtellung der Thatſachen und Vorkommniſſe die Hauptſache. Diejenigen Landwirthe der Gemeinde, welche von den dargebotenen Gelegenheiten, ſich gegen Unglücksfälle zu verſichern, bis jetzt nicht vollen Gebrauch machen, müſſen insbeſondere angeſichts der prekären Lage, in welcher ſich die meiſten unter ihnen befinden, ernſtlich gewarnt werden, ſich in ſo unbedachter Weiſe den betr. Gefahren ferner auszuſetzen. Sehr zu loben ſind die Schwanheimer Gemeindeangehörigen wegen ihrer ſoliden, anſpruchsloſen Lebensweiſe und kann man ſie nur darin beſtärken, dieſelbe ſo lange beizubehalten bis die Lage der Landwirthſchaft ihnen einen volleren Lebensgenuß erlaubt. Anderſeits ſind ſie aber auch davor zu warnen, daß genannter löblicher Trieb nicht hin und wieder in falſche Sparſamkeit ausarte, welche ſpäter größere Opfer erfordern würde. — 26— Rückſichtlich der Betriebsorganiſation iſt zunächſt zu ſagen: es iſt undenkbar, daß in unſerem hochentwickelten Vaterlande ein beſtimmter Betriebscharacter lange Zeit hindurch mit Vortheil beibehalten werden kann. Die Schwanheimer Landwirthe werden daher, gleich ihren anderen Berufsgenoſſen fortwährend darauf zu achten haben, ihren Betrieb den Anſprüchen des Verkehrlebens entſprechend zu erhalten bezw. um⸗ zugeſtalten. Unterzeichnete ſind ferner im Einklang mit den ſeitens ihres Referenten unter VII b und IX b gegebenen Darſtellungen der Meinung, diejenigen Landwirthe der Gemeinde Schwanheim, deren Grundbeſitz nicht vollkommen zur Beſchäftigung der Familie ausreicht, ſollten ſich bemühen, ihre Geſammtthätigkeit in der Art zu modifi⸗ cieren, daß ſie einen Nebenverdienſt einführen, welcher die Verwerthung jeder Kraft und jeder, wenn auch noch ſo kurzen Zwiſchenzeit geſtattet; vielleicht Korbflechterei. Solche Nebenbeſchäftigungen würden auch den Begehr nach Pachtgrundſtücken vermindern und die überhohen Pachten ermäßigen. Mit der Möglichkeit jede Freizeit zu verwerthen, würde auch die Unbequemlichkeit, welche die auswärtigen Grundſtücke mit ſich bringen, allgemeiner empfunden werden und dies zu häufigerem Tauſch der auswärtigen gegen einheimiſche Grundſtücke führen, was ſicherlich auch jetzt ſchon nach Möglichkeit zu empfehlen iſt. Mit dieſem Punkte ſind wir aber bereits zu einer der Maßnahmen gekommen, deren Durchführung nicht von einem einzelnen Gutsvorſteher abhängt. Gleich dem Erhebungs⸗Commiſſär erachtet auch die unterzeichnete Commiſſion es für wünſchenswerth, die Feldwege der Gemarkung Schwanheim zu verbeſſern und obgleich ſie die Schwierigkeiten nicht verkennt, welche der Erfüllung dieſes Wunſches entgegenſtehen, ſo glaubt ſie doch, daß man denſelben im Auge be⸗ halten ſollte. Sie iſt der Anſicht, daß die Durchführung der Feldbereinigung in dieſer Beziehung ſehr günſtig wirken würde, daß man an manchen Stellen unterirdiſche Abzüge anbringen könnte, in jedem Falle aber Pflaſterung der ſchlechten Stellen helfen würde. Der Referent hat in ſeinem Bericht die Rentabilität der Verwendung von Handelsdünger empfohlen. Der Erfolg hiervon iſt aber natürlich nur dann zu erwarten, wenn die betreffenden Düngerarten den ihrem Preiſe entſprechenden Gehalt an wirkſamen Beſtandtheilen beſitzen, und da man ihnen denſelben nicht anſehen, auch den reellen und betrügeriſchen Händler nicht jederzeit unterſcheiden kann, ſo ſind bei dem Bezug von Handelsdüngern Kauf unter Gehaltsgarantie und chemiſche Unter⸗ ſuchung durch eine landw. Verſuchsſtation unerläßliche Vorbedingungen der Erfolgs⸗ ſicherheit. Dieſe chemiſchen Unterſuchungen ſind aber bei kleinen Bezügen relativ zu koſtſpielig, was allein ſchon dafür ſpricht, daß die Landwirthe einer jeden Gemeinde zu einem landw. Conſumverein zuſammentreten ſollten. Ein ſolcher wird ihnen aber, namentlich wenn er ſich dem Verband der Heſſiſchen landwirthſchaftlichen Conſum⸗ vereine anſchließt, auch beim gemeinſamen Bezug anderer landw. Bedarfsartikel ähnliche Dienſte leiſten, wie im Düngerhandel, ſo namentlich bezüglich der Kraftfuttermittel und Sämereien. — 27 Die genoſſenſchaftliche Vereinigung hat ſich aber keineswegs auf den Bezug von landw. Verbrauchsmaterialien zu beſchränken, ſondern wird ſich auch auf gemeinſame Verwerthung der Verkaufsproducte erſtrecken müſſen. Auch iſt die volle Ausnutzung der Fortſchritte des landw. Maſchinenweſens den Schwanheimer Landwirthen nur bei genoſſenſchaftlicher Vereinigung möglich, und weiter iſt die Gründung einer Ortsviehverſicherungskaſſe ein dringendes Bedürfniß. Aber nicht blos die Pflege der landw. Genoſſenſchaften müſſen wir empfehlen, ſondern auch die der„landw. Vereine“ im engeren Sinne iſt auf das lebhafteſte zu befürworten. Denn die Aufgabe der letzteren iſt ja die Wahrung der Geſammt⸗ intereſſen und die Förderung der Fachbildung der Landwirthe ihres Bezirkes. Es iſt diesbezüglich für die Gemeinde Schwanheim die Bildung eines Ortsvereins und eine allgemeinere Betheiligung an dem Provinzialverein erwünſcht. Nur durch die landw. Vereine vermögen die Einzelnen vielfach ihren berechtigten Wünſchen Gehör zu ver⸗ ſchaffen, durch ſie werden die Mitglieder vor vielen Mißgriffen bewahrt, ohne ſie würden dem Einzelnen viele Fortſchritte ſeines Gewerbes lange entgehen, nur ſie ver⸗ mögen die landw. Literatur ohne erhebliche Opfer ihrem Kreiſe dienſtbar zu machen, Gründe genug, ſich eifrig dabei zu bethätigen. Sorgt doch auch der Heſſiſche Staat durch Anſtellung von Beamten für den fachwiſſenſchaftlichen Beirath ſeiner landw. Vereine.— Im Anſchluß an vorſtehende Beſprechung über das landw. Vereinsweſen dürfte es paſſend ſein, hervorzuheben, daß die Landwirthe, welche jetzt am Ruder ſind, auch die fachliche Ausbildung der künftigen Generation ſtets im Auge behalten ſollten, und daß diesbezüglich der jetzige Beſuch der Ackerbauſchule des landw. Provinzial⸗ vereins ſeitens der Söhne Schwanheimer Landwirthe noch ungenügend erſcheint. Des Verſicherungsweſens wurde bereits inſoweit gedacht, als die Benützung desſelben von dem einzelnen Landwirth bezw. der Gemeinde abhängt, dabei aber der Hagelverſicherung nicht ſpeciell Erwähnung gethan. Die Schwanheimer Landwirthe ſind gegen Hagel nicht verſichert. Wenn nun auch Hagelſchläge in der Gemarkung Schwanheim zu den Seltenheiten zählen, ſo erſcheint gegenüber ſo großen Schäden, wie ſie die Verhagelung bewirken kann, die Verſicherung doch dringend geboten, wobei uns die diesjährigen bezüglichen Schäden natürlich lebhaft vor Augen ſtehen. Wir glauben indeſſen, daß es ſich hierbei um einen auf unſer ganzes Großherzogthum übertragbaren Wunſch handelt, deſſen Erfüllung nicht ohne Mitwirkung der Regierung möglich ſein wird. Dasſelbe gilt von den noch folgenden Punkten. Wir haben geſehen, daß das Grundeapital bei den drei berechneten Beiſpielen aus der Gemeinde Schwanheim ſich abgerundet zu 3, 2 und 0,3 pCt. verzinſt, wo⸗ gegen der hypothekariſche Zinsfuß immer noch auf 4,5 bis 5 pCt. ſteht. Denken wir uns, im Einklange damit, ſowie mit unſeren Erhebungen über Verſchuldung, einen kleinen Beſitz, der mit 20 pCt. verſchuldet wäre, hierfür 5 pCt. Zinſen zahlen müßte, dagegen nur 1 pCt. Grundrente abwürfe, ſo würde letztere vollſtändig zur Beſtreitung der Schuldzinſen aufgehen. Das ſind gewiß Mißverhältniſſe, und in den meiſten Gemeinden unſeres Großherzogthums ſieht es in dieſer Richtung ſicherlich — 28— noch ſchlechter aus. Es muß demnach äußerſt wünſchenswerth erſcheinen, den Heſſiſchen Landwirthen billigeren Credit zu verſchaffen. Es wird ferner ſofort einleuchten, daß die obigen, auf Selbſthülfe gerichteten Rathſchläge ſich nur allmählig ins Werk ſetzen laſſen. Daher iſt auch die Befürchtung naheliegend, es möchte ein Fortſchreiten der gegenwärtigen Mißſtände, ehe die ge⸗ planten Verbeſſerungen durchgeführt werden können und gegen erſtere anzukämpfen vermögen, die Mehrzahl des Bauernſtandes ruiniren und aus der Heimath verdrängen. Daher iſt es gewiß angezeigt, raſch und ſicher wirkende Schutzmittel anzuwenden, welche geeignet ſind, die der Landwirthſchaft drohende Gefahr ſo lange abzuhalten, bis erſtere genügend erſtarkt iſt, um ſelbſt den Kampf erfolgverheißend aufnehmen zu können. Als ſolche Maßregeln erſcheinen aber den Unterzeichneten namentlich möglichſte Beſchränkung der Steuerlaſten und thunlichſte Verhinderung eines weiteren Rückganges der Fruchtpreiſe. Sollten Kornzollerhöhungen in letzterer Hinſicht ſich als ungenügend erweiſen, ſo glaubt die mitunterzeichnete Erhebungscommiſſion, daß die gewiß berechtigten Bedenken gegen eine weitere Steigerung der Kornzölle gegen⸗ über der großen Gefahr, in welcher die deutſche Landwirthſchaft ſchwebt, zurückzu⸗ treten haben, während die übrigen Theilnehmer der heutigen Berathung theilweiſe einer Erhöhung der Kornzölle überhaupt nicht geneigt ſind, theilweiſe die Inausſicht⸗ nahme einer ſolchen Maßregel vorerſt nicht angezeigt erachten. An der Berathung nahmen außer den Unterzeichneten der Großherzogliche Kreis⸗ rath Dr. Uſtnger von Bensheim, die Kreisausſchußmitglieder Rohn von Schwanheim und Boxheimer von Lampertheim, ſowie der Großherzogliche Bürgermeiſter und einige Ortsvorſtandsmitglieder von hier Theil. Schwanheim, 3. Juli 1886. Jaup, Geheimerath. Dr. Tobiſch. Anlage J. Gemeinde Schwanheim. Beſitzſtand, Natural⸗ und Geld⸗Rechnung und Rentabilitäts⸗Berechnung eines größeren Bauerngutes von 16,00 Hectar. Der Beſitzer iſt 44 Jahre alt, verheirathet, ſowie Vater von 4 Söhnen und 2 Töchtern. Er ſelbſt, die beiden Töchter, 20 und 17 Jahre alt, ſowie ein 15 jähr. Sohn arbeiten in der Feld⸗ und Hofwirthſchaft, die Frau beſorgt den Haushalt, 2 Söhne beſuchen die Ortsſchule, ein Sohn endlich iſt noch nicht ſchulpflichtig. Das Geſinde beſteht in einem Knecht und einer Magd. Das Mähen wird zum Theil von Akkordarbeitern beſorgt. 2 4 I. Beſitzſtand. A. Grund und Boden mit Obſtbäumen(Grundcapital). 12,6 Hectar Ackerland 1 nittlerer Kaufwerth: Steuercapital incl. Gebäude: 3,4„ Wieſe 3 Mk. 43670. Mk. 835,40. (in 69 Parcellen.) Obſtbäume: 20 größere Apfelbäume à Mk. 15..... Mk. 300 4„ Virnbäume àA Ml. 12.....„ 48 14 junge Zwetſchenbäume à Mk. 3....„ 42 Summe Mk. 390 Wiederholung. Grund und Boden....... Mk. 43670 Obftbälme........„ 390 Mk. 44060 zu übertragen.. Mk. 44060 Uebertrag.. Mk. 44060 B. Gebäude. Eine gepflaſterte Hofraithe mit Wohnhaus, Großviehſtall, 2 Scheunen, Schweineſtällen und Dungſtätte, laut Brand⸗ cataſter.„ 10800 C. Viehſtand. 2 Zugpferde(8 und 6 Jahr).... Ml. 1100 2 Fohlen(2 und 1 Jahr)........„ 650 4 Kühe, Simmenthaler Kreuzung,(werden nicht 2 angeſwanit)h)„ 1200 3 4 Rinder und junge Stiere.....„ 500 3 Külber.„ 210 6 Schmeililile„ 310 20 Hühner„ 20 9. Gälſe e.„ 25 eb. .. D. Todtes Inventar. e 1 größerer Wagen.. Mlk. 150 as 4 kleinerer Wagen....„ 130 Keppe lre 4 Pflüge incl. Vordergeſtelle....„ 80 2 Gagen„ 20 1 Pflugwagen 5 30 2 Pferdegeſchirre inel. Halftern und Ketten.. 86 60 4 Pferdedecken.. S..„ 12 1 Häckſelmaſchine„ 30 1 Göpeldreſchmaſchine.“„ 23 1 Getreidereinigungsmaſchine..... 3 90 Handgeräthe, als: Werkzeng, Ketten, Säcke, Körhec„ 100 Hausrath incl. Kochgeſchirr......„ 100 ——„ 1032 E. Vorrath an umlaufendem Betriebscapital Wird gleich der Hälfte der Jahresausgaben angenommen (ſiehe Rentabilitätsberechnung)..„ 1380 Werth des geſammten Beſitzes.. Mk. 61287 Inventar der Familienwohnung(Mobiliar incl. Betten, Bett⸗ . wäſche 2c.) Mk. 2100. II. Natural-Rechnung. A. Natural⸗Ertrag. Aus dem Acker⸗ und Wieſenbau. Die Bewirthſchaftung des Ackers iſt eine freie nach den unter Frage I darge⸗ legten Grundſätzen. Durchſchnittlicher Anbau und Geſammt⸗Ertrag pro Jahr: 5 Getreide.l, ſn 2s 8 † 25 85SS Anbau 5 SlS[Ea 5 S6[ ë☛άᷣß 8 Centner. Weizen.. 1,37 Hecl. 49,3 95,9 Spelzs.. 1,85„ 66,6 129,5 Nodgeh.... 1,00„ 22,0 45,0 Geifte.....3,25„ 104,0 110,3 9 Hafer...., †/1,00„ 34,0 40,0 Kartoffeln... 1,25„—— 300 Keoppe t'Sei Dickrüben.... 2.70 1,25„——— 1000 250 Stoppelrüben...5)„——— 25— Klee... 1,75 1 I15— Wieſe... 3,4„————[272 /— Stoppelwicken. 1,0„——— 1——— Obſt..—-=—— 115 16 4 Außer den in vorſtehender Tabelle aufgeführten Producten wird noch Klee⸗, Runkelrüben⸗ und Stoppelrübenſamen ſowie Gemüſe zum eigenen Bedarf gezogen. Die Durchſchnittserträge können pro. ¼ Hectar wie folgt angenommen werden: Weizen 9 Cltr. Körner und 17,50 Ctr. Stroh, Spelz 9 2 2 II 17,50 2 2 Roggen 5,50 II 2 2 11,25 I/ 2 Gerſte 8 2/ II 8,50 2 2 Hafer 8,50„„„ 10,00„„ Kartoffeln 60 Dickrüben 200„ Wurzeln und 50 Ctr. grüne Blätter, Stoppelrüben 12,50„ Klee 45„ Wieſe 20„ — 32— Aus dem Viehſtand. Milch jährlich im Ganzen 8300 Liter, mithin pro Kuh jährlich 2075 Liter und täglich 5,68 Liter. Rindvieh. Alle 2 Jahre werden 7 Stück gemäſtet und zwar theils ausrangirte Kühe, theils junge Rinder und Stiere. Pferde. Durchſchnittlich alle 2 Jahre wird ein Fohlen erzeugt. Die jungen Pferde werden mit 4 Jahren zur vollen Arbeit eingeſtellt, und kann man annehmen, daß ſie dann 16 Jahre dienſttauglich bleiben. Hieraus würde ſich berechnen, daß innerhalb 8 Jahren 3 ausgebildete junge Pferde zum Verkauf kommen. Schweine werden jährlich 11 fett gemacht. Geflügel. Es werden jährlich etwa 7 Gänſe und 15 Hühner zum Verkauf disponibel. Der Eierertrag beträgt etwa 1560 Stück. B. Natural⸗Bedarf. Für Saatgut: Weizen 1,37 Hectar à 4 Ctr 5 Ctr. 48 Pfd. Spelz 4,85„„ 5„. 9„ 25„ Raggen 1,00 11 4 11. 4„„ Gerſte 3,25„„ 1„. 13„„ § d fer 1 00 11 11 3 2. 3. 5 Kartoffeln 1,25„„ 28„ 39„—„ Stoppelwicken 1,00„Rzu Gründüngung 3„ 30„ Für den Viehſtand: Hafer, den Pferden... 31 Ctr.— Pfd. Gerſte, dem Rindvieh und den Schweinen 15„=„ Kartoffeln„ 2 2„ 205„,„ Runkelrüben„..... 875„„ Stoppelrüben„.... 25„=„ Klee in Heuwerth: den Pferden.... 54 Clr. dem Rindbieh.... 261„ 315 7„,„„ Wieſenheu und Grummet: den Pferden..... 136 Ctr. dem Nindvieh.... 136„ 272 ,„„ Stroh zu Futter: den Pferden.... 73 Etr. dem Rindvieh.... 100„ 173„„ Stroh zu Streu: den Pferden. dem Rindvieh Kleie von eigenem Mahlgut Palmkuchen.— Runkelrübenblätter Vollmilch. Magermilch. Buttermilch. 3 Molken, Abfälle ꝛc. Der Werth der für den Viehſtand verwendeten Der Werth ſich auf Es würden demnach für die Ko noch durch den Stallmiſt zu decken ſein Der vom Rindvieh und von den 1669 Ctr. und koſtet mithin der Centn haltung der Ställe und Stallgeräthe, Für die Familie (einſchließlich Geſinde und Taglöhner): Weizenmehl.. 6 Ctr. Noggen(22 † 3— 4 Ctr.). 21„ Gerſte(104— 13— 15— 38 Ctr.) 38„ Kartoffeln(300 35 205)..... 60„ Fleiſch und zwar von 3 ſelbſtgeſchlachteten Schwei⸗ nen 4 200 Pfd.=... 600 Pfd. und zugekauftes Rindfleiſch 150„ 750 Pfd. Butter. 104„ Schmaßs 60„ Kaffee wöchentlich 1 Pfd.. 52,„ Zucker 1 1 2. 52 1 Milch jährlich etwa. 2000 Liter, Eier jährlich. 936 Stück, Käſe(in Handkäſewerth ausgedrückt) 255 Pfd. Salz, wöchentlich 3 Pfd., jährlich 156„ Reis, Gries, Graupen ꝛc.. 130 der aus dem Viehſtand erzielten Producte berechnet ſowie die der Wartung der Thiere kommen. 2 II Producte beträgt Mk. 3455,90 ſten der verwendeten Producte .127.I. Mk. 1074,30 Schweinen erzeugte Dünger berechnet ſich auf er 64 Pfg., wozu noch die Koſten der Unter⸗ 11 — 34— Bier fährlichä 30 Liter. Außerdem Gemüſe, Obſt, Speiſeöl, Eſſig, Gewürz, Cichorien. Es berechnet ſich hiernach für jede der 10 auf dem Gut lebenden Perſonen (incl. Geſinde, welches mit der Familie ſpeiſt) pro Tag etwa: 616 Gramm Getreide, 822„ Kartoffeln, 103„ Fleiſch, 14„ Butter, 8„ Schmalz, ½ Liter Milch, 7 Gramm Kaffee, 7„ Zucker, 21„ Salz, ſowie ein durchſchnittlicher Gehalt der Nahrung pro Tag und Kopf von 135 Gramm Stickſtoffſubſtanz, was jedenfalls ausreichend erſcheint. Der Werth der verbrauchten Nahrungsmittel beträgt annähernd jährlich Mk. 1722 und täglich Mk. 4,61, oder pro Kopf und Tag ca. 50 Pf. Die Beköſtigung bezüglich der Art der Speiſen und Getränke iſt— abgeſehen von Wegfall des Obſtmoſtes— der in dem Muſterbericht für das größere Gut an⸗ gegebenen gleich. III. Gerd-Rechnung. A. Einnahmen. 43,82 Ctr. Weizen(49,3— 5,48) à Mk. 11,09.... Mk. 485,96 57,35„ Spelz(66,6— 9,25) à Ml. 6,550...„ 372,77 38„ Gerſte(104— 13— 15— 38) à Mk. 8,33„„ 316,54 125„ Nunkelrüben(1000— 875) à 70 Pf.....„ 87,50 263 286 Pfd. Butter(390— 104) 3 M. 1......„ 286,— 646„ Schmierkäſe(1156— 510) à 10 Pf...„ 64,60 Pferde alle 8 Jahr 3 junge Thiere zuſammen Mk. 1600; pro Jahr„ 200,— Rindvieh alle 2 Jahr 7 Stück à Mk. 200= Mk. 1400;„„„ 700,— Schweine jährlich 8 Stück 4 Mk. 80.........„ 640,— 7 Gänſe und 15 Hühner à Mk. 4 und 80 Pf...... 9 80,— 624 Eier(1560— 936) per 10 Stück 65 Pf......„ 40,56 Lohnfuhren.......„ 10,— Summe.. Mk. 3243,93 B. Ausgaben. Steuern und Umlagen: Directe Steuern......... Mk. 179,92 Gemeinde⸗Umlagen..........„ 221,19 Grundzins.......„ 2,39 Arbeitslöhne: 1 Knecht jährlich....... Mk. 210, 1 Magd„.........„ 150,— Mäherlohn„ 60,— Unterhaltung der Gebäude: Maurer⸗, Dachdecker⸗ und Weißbinderarbeiten, Kaminfeger Unterhaltung des todten Inventars: Dem Wagner........... Mk. 25,— „ Schmied...........„ 36, „ Sattler....„ 15,— Neuanſchaffungen an Hausrath und danduerihe„ 24,— Inventar der Familienwohnung.....„ 20,— Verſicherungsprämien: Für Gebäude.... Mk. 12,42 „ Inventar und Producte.„ 18,70 Viehankauf: 11 kleine Schweine à Mk. 25 Zukauf von Futtermitteln ꝛc.: 14 Ctr. Palmkuchen à Mk. 7.... Mk. 98,— 2„ Salz à Ml. 2,60.....„„ 5,20 Zukauf von Düngemitteln und Streumaterialien findet nicht ſtatt. Heizung und Beleuchtung: Holz....H... Mk. 140,— 100 Liter Petroleum à 25 Pf...)an...„ 25,— Feuerzeug, Dochte cK.„ 1,— Zukauf von Nahrungs⸗ und Genußmitteln: 3 Ctr. Roggen(4+ 21— 22) à Mk. 8,86 Mk. 26,58 6„ Weizenmehl à Mk. 191„ 114,— 150 Pfd. Rindfleiſch à 56 Pf..„ 84,— 52„ Kaffer Mk. 11.....„ 52,— Mk. 396,50 „ 1490 „ 26,20 „ 120,— „, 12 2 275,— „ 103,20 „ 106,— zu übertragen Mk. 276,58 Mr. 1538,02 — 36— Uebertrag.. Mk. 276,58 Mk. 1538,02 52 Pfd. Zucker à 40 Pf.......„ 20,80 156„ Salz à 10 Pf.„ 15,60 Reis, Gries c.„ 58,80 30 Liter Wier a 24 Pf.....„ 7720 „ 378,98 Seife, Soda, Stärke ꝛec.....„ 26,— Wagenfett, Thrau, Wichſee............„ 20,— Wiekenſamen 3 Ctt„ 27,— Belleidung und Wäſehe„ 560,— Arzt und Apotheeel„ 40,— Thierargt.......... 3 5,— Schulgeld und Bücher..., 4,— Zeitungen, Vereinsbeiträge, Almoſen...........„ 10,— Zerſtreuungen, Tabak, Kinderſpielzeug ꝛc.........„ 150,— Summe Mk. 2759,— C. Vergleichung der Geld⸗Einnahmen und Geld⸗Ausgaben. Die Einnahmen betragen.... Mk. 3243,93 Die Ausgaben betragen.....„ 2759,— mithin Ueberſchuß.. Mk. 484,93 IV. Rentabilitäts-Verechnung. A. Rohertrag. Erlös aus verkauften Producten abgerundet...... Ml. 3244,— Werth der für Familie, Geſinde und Taglöhner verbrauchten Nahrungs⸗ und Genußmittel Mk. 1722,— Davon angekauft rund für.„ 379,— mithin Werth der betr. ſelbſterzeugten Producte Mk. 1343,— davon ab als auf Geſinde und Taglöhner kommender Theil....... mithin Werth der für die Familie aus der Wirthſchaft entnommenen Producte..—„ 1043,— Summa.. Mk. 4287,— „ 300,— ——— 12. 13. 14. B. Productionskoſten. .Gebäudecapital(Mk. 10800): Binſen 4 pGCt........Mlk. 432,— Verſtcherungsprämie.........„ 12,42 Amortiſation 0,75 pCt.„ 81,— Inſtandhaltung, wirkliche Ausgabe....„ 26,20 .Capital des lebenden Inventars Get 401): Zinſen 4 pGt.... 3. Mrk. 160,60 Verſicherungsprämie 2 ½ pCt...„ 100,37 Zukauf von kleinen Schweinen.....„ 275,— .Capital des todten Inventars Wir 1032): Zinſen 4 pCt......... Ml. 41,28 Verſicherungsprämie 0,2 pCt.....„ 2,06 Erneuerung und Inſtandhaltung, wirkliche Anzsgabe.......„ 100,— .Zinſen des umlaufenden Betriebscapitals, 6 pCt. von Mk. 1380 .Hagelverſicherung 0,75 pCt. vom Werth der Getreideernte mit Mk. 3010. . Steuern und Umlagen abzüglich Nerpulſeue Gos, 5 1u51 abgerundet. 5 . Futtermittel incl. Viehſalz .Heizung und Beleuchtung, 25 pCt. von Mt. 166.. .Feuerverſicherung der Producte von etwa Mk. 4000, 1,5; dſt . Ankauf von Samen. .Arbeitslöhne: 1 Knecht.........Ml. 210,— 1 Magd.....„ 150,— Mähelohn„ 60,— Beſiter... Ml. 400,— Erwachſener Sohn...„ 308,— 2 Töchter......„ 607,— „ 1315,— Angekaufte Nahrungs⸗ und Genußmittel, jluneſt dirſelben f das Geſinde kommen(379— 300). Thierarzt... Verſchiedenes, als: Wagenfett, Antheil des Gendes an Arzt und Apotheke, an Seife und dergl.. Suum Mk. 2 2 — Nkt. 551,62 1735,— 79, 5,— 20,— 3678,— C. Reinertrag. Der Rohertrag beträgt.... Mk. 4287,— Die Productionskoſten betragSen.„ 3678,— Bleibt Reinertrag. Mk. 609, Rechnet man hierzu noch den jährlichen Nutzungswerth der Familienwohnung mit Mk. 250, ſo erhebt ſich der Reinertrag auf Mk. 859. Das Grundcapital iſt abgeſchätzt auf Mk. 44060; mithin berechnet ſich die Grundrente plus dem Unter⸗ nehmergewinn auf etwa 1,9 pCt. Anlage II. Gemeinde Schwanheim. Beſitzſtand, Natural⸗ und Geld⸗Rechnung und Rentabilitäts⸗Berechnung eines mittleren Bauerngutes von 5,4 Yeckar. Auf dem Gut leben 5 erwachſene Perſonen und 2 Kinder. Der Beſitzer iſt 57 Jahre alt, verheirathet und Vater dreier Söhne. Einer derſelben iſt außerhalb des Hauſes als Pfarrer verſorgt, ein zweiter lebt mit Frau und 2 Kindern(6 und 5 Jahr) bei den Eltern, der Dritte, 26 Jahre alt, iſt noch ledig und ebenfalls zu Haus. Der Beſitzer, der verheirathete Sohn und deſſen Frau ſind ausſchließlich in dem qu. Landwirthſchaftsbetrieb bezw. dem Haushalt beſchäftigt, der ledige Sohn dagegen wird nur zum Theil durch denſelben in Anſpruch genommen und nutzt die übrige Zeit mit Lohnarbeit aus. Die Frau des Beſitzers endlich, 53 Jahre alt, arbeitet im weſentlichen in dem gemeinſamen Haushalt. I. Beſitzſtand. A. Grund und Boden mit Obſtbäumen(Grundcapital). 4,9 Hectar Ackerland mittlerer Kaufwerth: Steuercapital incl. Gebäude: 0,5„ Wieſe Mk. 15305. Mk. 197,90. (in 35 Parcellen.) Obſtbäume: 11 größere Apfelbäume à Mk. 15..... Mk. 165 2 kleinere 3 à M. 2... 7 4 6 Birnbäume à Mkl. 11....... 9 60 2 kleine Birnbäume à Mk. 2......„ 4 10 kleine Zwetſchenbäume à Mk. 2....„ 20 Summe. Mk. 253 — 10— Wiederholung. Grund und Boden..... Mk. 15305 Obſtbänmne.........„ 253 —/ Mk. 15558 B. Gebäude. Eine Hofraithe mit zwhndans⸗ 2 Ställen, Lhenune und Dungſtätte......„ 4820 C. Viehſtand. 3 Kühe, Sinmnenhale Krenzung. Ml. 900 1 Rind...„ 250 1 junger Stier„ 100 2 Gälber...„ 100 6 Schweine...„ 240 16 Stück Geflügel, darunter 2 Gänſe„ 20 —„ 1610 D. Todtes Inventar. 1 größerer Wagen....... Mlk. 160 2 Pflüge.......„daaher. enn.„ 60 1 Egge........„ 12 3 Kuhgeſchirre und guhkäten„ 18 1 Häckſelbank... t.. 1.*=..„ 3 1 Windfege.....„ 8 Handgeräthe einſchließlich Sicke. 3.„ 75 Hausrath einſchließlich Kochgeſchir.... 7 75 — 411 2 E. Vorrath an umlaufendem Betriebscapital Wird gleich der Hälfte der jährlichen baaren Geldansguhen angenommen(v. Geldrechnung).....„ 00 Werth des geſammten Beſitzes.. Mk. 23099 Inventar der Familienwohnung(Mobiliar, Betten, Wäſche c.) Mk. 400. — 1421— II. Natural-Rechnung. A. Natural⸗Ertrag. Aus dem Acker⸗ und Wieſenbau. Die Bewirthſchaftung des Ackers iſt ebenfalls eine freie, nach den unter Frage I dargelegten Grundſätzen. Durchſchnittlicher Anbau und Geſammt⸗Ertrag pro Jahr: Getreide v2 25 3 8 ₰ 8 5[52ES Anbau 8[SBS=SSS[aà8 8[s 2s 8às Centner Weizen.... 0,25 Hect. 9,00 17,5 3 Spelz...... 0 /0„ 27,00 52,5 Noggen..... 0,50„ 11,00 22,5 abe Gerſte... 1,20„ 38,40 40,3 4 Hafer.. 223 0,13„ 4,42 5,2 uf Kartoffeln. 0,80„——[192 eſau Runkelrüben..„40 0,80„——[—[640 160 321ℳN Klee.... 1,03„—— B—I—=—[185,4 Tabal. 60,29„—— 5 G— Stoppelrüben 0,5 Het.———— 25—— Stoppelwicken 0,33„.—=— Wieſe 0,50„ 2,3———— 40,0 Obſt.. 2 2————— 10 Die Durchſchnittserträge ſind wie bei dem größeren Gut anzunehmen. Aus dem Viehſtand. Milch jährlich im Ganzen 4807 Liter, mithin pro Kuh jährlich 1602 Liter und täglich 4,39 Liter. 1 Rindvieh. Alle Jahre werden 2 Stück Rindvieh fett gemacht. Schweine werden jährlich 6 fett gemacht. Geflügel. Durchſchnittlich werden jährlich disponibel: 1 Gans und 4 Hühner. Der jährliche Eierertrag wird auf 1400 Stück veranſchlagt. B. Natural⸗Bedarf. Für Saatgut: Weizen 0,25 Hectar à 4 Ctr.. 1 Ctr.— Pfd. Spelz 0,75 2 II 5 2. 3 2 75 2 — 42— Roggen 0,50 Hectar à 4 Ctr.. 2 Ctr.— Pfd. Gerſte 1,20„„„ 4„. 4„ 80„ Hafer 0,13 11 7 3„.„ 39„ Kartoffeln 0,80„„ 28„. 22„ 40„ Stoppelwicken 0,33„„„. 1,„„ V Für den Viehſtand: Gerſte, dem Rindvieh und den Schweinen 12 Ctr.— Pfd. Kartoffeln 7,„ 86„ 60„ Runkelrüben„ 1o, Stoppelrüben„ 3 25„„ Klee in Heuwerth dem Rindvieh... 185„ 40„ Wieſenheu„„. 100„„ Futterſtroh„„.. 50„—=„ Sireuftrooh 8„ 50„ Waldſtren........ 15„—„ Runkelrübenblätter...... 160„—„ Kleie von eigenem Mahlgut 5 Ctr. „ zugetauft... 4„ 9 Napabnchen...... 2„„ Vollmilch.......... 924 Pfd. Magermilch...... 1976„ Buttermilch........900„ Molken, Abfälle ꝛc. Der Werth der für den Viehſtand verwendeten Producte beträgt Mk. 2099,74 Der Werth der aus dem Wiehtond Pünen Mihdunn beiteüiet ſich auf. 4„ 1207,90 Es würden ennnas ſir die Koſten der verwendeten Prudurte noch durch den Stallmiſt zu decken ſein...... Mk. 891,84 Der erzeugte Stalldünger berechnet ſich auf 1048 Centner und koſtet mithin der Centner etwa 85 Pf., wozu noch die Koſten der Unterhaltung der Ställe und Stallgeräthe, ſowie die der Wartung der Thiere kommen. Für die Familie: Weizenmehl........... 5 Ctr. 20 Pfd. 1 Noggen...... 14„„ Gerſte....... 20„„ Kartoffeln......... 30„=;,„ — 13— Fleiſch und zwar von 2 ſeügeſclai teten Schweinen... 260 Pfd. und zugekauftes Rindfleiſch. 078 338 Pfd. Butter.............. 52„ Schmallz..... 24„ Kaffee............... 40„ Zucker......... S. 5²2 Milch etwa........... 1095 Liter, Eier. 560 Stück, Käſe(in Handkäſewerth ausgrich) Teleh.1 100 Pfd. Sal;. 3. 104„ Reis, Gries, Graupen 2C... 78 Außerdem Gemüſe, Obſt, Speiſeöl, Efſig, Gewürz, Cichorien. Schätzt man die von vorſtehenden Naturalien lebenden Perſonen gleich 6 Er⸗ wachſene, ſo berechnet ſich auf eine ſolche pro Tag etwa: 781 Gramm Getreide, 685„ Kartoffeln, 77„ Fleiſc), 12„ Butter, 5„ Schmalz, ½ Liter Milch, 10 Gramm Kaffee, 42„ Zucker, 24„ Salz, ſowie ein durchſchnittlicher Gehalt der Nahrung pro Tag und„abſtracte Ernährungsperſon“ von 144 Gramm Stickſtoffſubſtanz, was jedenfalls ausreichend iſt. Der Werth der jährlich verbrauchten Nahrungsmittel beträgt annähernd Mk. 990, was pro Tag durchſchnittlich Mk. 2,71 ergibt, oder pro Kopf und Tag 45 Pf. Die Beköſtigungsart weicht von der des größeren Gutes im Allgemeinen nur durch Wegfall des Bieres und geringeren Fleiſchconſum ab. III. Geld-Rechnung. A. Einnahmen. 8 Crlr. Weizen(0— 1) à Mk. 11,0)...... Mk. 88,72 23,25„ Spelz(27— 3,75) à M. 6,50....„ 151,12 1,60„ Gerſte(38,40— 4,80— 12— 20) à Mk. 8,33„ 13,33 4,03„ Hafer(4,42— 0,39) à Mk. 7,140.....„ 29,82 zu übertragen.. Mk. 282,99 Uebertrag Mk. 282,99 53 Ctr. Kartoffeln(92— 22,4— 86,6— 30) à Mk. 3,22„ 170,66 200„ Runkelrüben(640— e 70 Riahſ.„ 140,— V 5„ Tabak à Mk. 24.„ 120,— 2 Stück Rindvieh..„ 400,— 4 Schweine à Mk. 65.„ 260,— 1 Gans und 4 Hühner.„ 7,— 182 Pfd. Butter(234— 52) à Mx. 1..„ 182, 300„ Schmierkäſe(600— 300) à 10 Pf.„ 30,— 840 Eier(1100— 560) per 10 Stück 65 Pf.„ 54,60 Nebenverdienſt durch Taglohn etwa 4„ 120,— Summe Mk. 1767,25 B. Ausgaben. Steuern und Umlagen: Directe Stenern.........Mi. 45,42 Gemeinde⸗Unlagen..„ 44,57 Grundzins...„ 7,62 Mk. 97,61 Unterhaltung ver Gebäude: Maurer, Dachdecker, Weißbinder, Kaminfeger eꝛc. 5 31,— Unterhaltung des todten Inventars: Dem Wagner........ ha.. Ml. 12,— „ Schmied........ 0.„ 12,— „ Saltler....„ 2,— Neuanſchaffungen an Handgeräthen und Oensruih„ 12,— Inſtandhaltung des Mobiliars 3„ 10,— 2 48,— Ausgabe beim Tabaksbau„ 10,— Verſicherungs⸗Prämien: Für Gebäude(Inventar und Producte ſind nicht verſichert) 3 5,86 Ankauf von Samen: 1 Ctr. Wickenſamen„ 9,— Viehankauf: 6 Ferkel à Mk. 15..„ 90,— Zukauf von Futtermitteln und Streu: 4 Ctr. Kleie a Mk. 5,50.. Mk. 22,— 2„ Rapskuchen a Mk. 7,50....„ 15,— 60„ Wieſenhen à Mk. 2,50.„ 150,— 2 7. zu übertragen.. Mk. 187,— Mk. 291,47 V nrbertan.. Mk. 187,— Mk. 291,47 15 Etr. Laubſtren.... 5 7,— 1,75„ Viehſalz à Mk. 2,50.„ 4,38 -„ 108,38 Heizung und Beleuchtung: Holz.......... m. 120,— V Petroleum, Feuerzeug a 16...„ 12, 189 V Zukauf von Nahrungs⸗ und Genußmitteln: 4 1 b 5,2 Ctr. Weizenmehl à Mk. 19... Mk. 98,80 5„ Roggen(14+ 2— 11) à Mk. 8 86„ 44,30 78 Pfd. Nindfleiſch 4 56 Pf......„ 43,68 40„ Kaſſee Aà Mk. 1.......„ 40,— 52„ Zuder* 40 Pf.......„ 20,80 104„ Salz à 10 Pf.......„ 109,40 Reis, Gries ꝛc.......„ 20,20 —üpõ„ 278,18 Seife, Soda, Stärke ꝛc...............„ 26,— Wagenfett..... SeilLia. Pitmiladdh... D..„ 6,— Bekleidung und Wäſche..................„ 300, Arzt und Apothekee.....„ 25,— Thierarzt.....).....r. 9. 19. t.. h. t. ac, 3,— Ackerpacht......... 49.... H..„ 87,— Verſchiedenes...............„ 52,97 Summe.. Mk. 1400,— C. Vergleichung der Geld⸗Einnahmen und Geld⸗Ausgaben. Die Einnahmen betragen..... Mk. 1767,25 Die Ausgaben betragen.....„ 1400,— mithin Ueberſchuß Mk. 367,25 IV. Rentabilitäts-Berechnung. A. Rohertrag. Erlös aus verkauften Producten(1767,25— 120).... Mk. 1647,25 Werth der von der Familie verbrauchten Nah⸗ rungs⸗ und Genußmittel...... Mk. 989,32 davon angekauft für...—„ 278,18 mithin Werth der aus der Wirthſchaft für die Familie entnommenen Producte...—„ 711,14 Summa Mk. 2358,39 46— B. Productionskoſten. . Gebäudecapital(Mk. 4820): Zinſen 4 pCt.........MNII 192,80 Verſtcherungsprätnie......... 7 5,86 Amortiſation 1 pCt......„ 48,20 Inſtandhaltung, wirkliche Ausgabe.„ 31,— Capital des lebenden Inventars(Mk. 1600): Zinſen 4 pGt.... NI. 64,40 Verſicherungsprämie 2 ½ pCt......„ 40,25 Zulauf von Ferkeln.....„ 90,— „Capital des todten Inventars(Mk. 411): Zinſen 4 pCt....... Ml. 16,44 Verſicherungsprämie 0,2 pCt.„ 0,82 Erneuerung und Inſtandhaltung, wirkliche Ausgahbe........„ 38,— . Zinſen des umlaufenden Betriebscapitals, mit 6 pCt. von Mk. 700 .Hagelverſicherung 0,75 pCt. vom Werth der Getreideernte mit Mk. 1078. Feuerverſicherung der Producte 1,5 pCt. von etwa Mk. 1363 gibt abgerundet. . Steuern und Umlagen arnilih leſonaſeuer ℳ7 61— 22 .Ankauf von Samen. 1 .Auslagen beim Tabaksbau.. .Arbeitslohn für den Beſitzer und deſſen Familie. .Ankauf von Futtermitteln und Waldſtreu. Thierarzt und Medicamente(Mk. 3+ 2) 4 .Antheil der ndwieehſchaſt an„Heizung und d Belaucuung. . Wagenfett.. . Verſchiedenes Summe C. Reinertrag. Der Rohertrag beträgt.... Mk. 2358,39 Die Productionskoſten betragen.„ 1962,27 — Bleibt Reinertrag.. Mk. 396,12 Mk. 277,86 „ 194,65 „ 55,26 2 42,— „ 8,09 2 2, „ 74,63 „ 9,— 1 10,— „ 1044,40 „ 198,38 „ 5,— „ 33,— 2 6,— „ 2,— Mr. 1962,27 — 47— Rechnet man hierzu noch den jährlichen Nutzungswerth der Familienwohnung mit Mk. 100, ſo erhebt ſich der Reinertrag auf Mk. 496. Das Grundcapital iſt abgeſchätzt auf Mk. 15558. Hierzu iſt noch zu rechnen der Werth von ca. 0,5 Hectar Pachtacker mit Mk. 1275, wonach ſich der Geſammtwerth des Bodens, von welchem obige Mk. 496 die Verzinſung darſtellen, gleich Mk. 16833 ergibt. Es berechnen ſich demnach auf Grundrente plus Unternehmergewinn 2,95 pCt. Auf das Pacht⸗ land kommen von obigen 496 Mk. 37,50, wogegen der Pachtzins ſich auf Mk. 87 beläuft. Anlage III. Gemeinde Schwanheim. Beſitzſtand, Natural⸗ und Geld⸗Rechnung und Rentabilitäts⸗Berechnung eines kleinen Bauerngutes von 3,3 Bectar. Der Beſitzer des Gutes iſt 52 Jahre alt, Wittwer und Vater von 4 Kindern, von denen jedoch 2 außerhalb des Hauſes verſorgt ſind. Auf dem Gut leben außer dem Eigenthümer ein verheiratheter Sohn, deſſen Frau nebſt kleinem Kind, ſowie eine 28 jährige, ledige Tochter, zuſammen alſo 4 erwachſene Perſonen und ein kleines Kind. Erſtere ſind auf dem Gut mit Landwirthſchaft und Haushalt derart be⸗⸗ ſchäftigt, daß nur der Sohn zeitweiſe Lohnarbeit verrichten kann. I. Beſitzſtand. A. Grund und Boden mit Obſtbäumen(Grundcapital). e ¹ nittlerer Kaufwerth: Steuercapital incl. Gebäude: 3,3 Hectar Ackerland Mk. 9340. Mk. 116. (in 24 Parcellen.) Obſtbäume: 1 Apfelbaum.. Mk. 10 Wiederholung. Grund und Boden........ Mk. 9340 Obſtbämmne......„ 10 — Mk. 9350 zu übertragen. Mk. 9350 — 49— Uebertrag.. Mk. 9350 B. Gebände. Eine Hofraithe, beſtehend aus Vaünbai⸗ Re ͤviigſäl. Eehenir und 2 Schweineſtällen....„ 4800 C. Viehſtand. 2 Kühe.......... M. 600 2 Rinder. 9 C.....„ 260 1 Kalb...........„ 60 5 Schweine.... 1a.„ 150 2 Gänſe.„ 6 6 Hühner.....1 3 6 — 1082 D. Todtes Inventar. 1 Wagen... 1I. Mlk. 60 1 Pflug mit Vordergeſtell„. e e„ 12.. 1 hbölzertte Egge..........„ 5 2 Kuhgeſchirre mit Ketten.....„ 12 1 Windfege.........„ 25 1 Häckſelbank..........„ 3 Handgeräthe inel. Säcke......„ 50 Hausrath............„ 50 — 217 E. Vorrath an umlaufendem Betriebscapital Wird gleich der Hälfte der jährlichen baaren Galdanagähen angenommen(v. Geldrechnung).... 1-e 560 Werth des geſammten Beſtbes.. Nr. 16000 Inventar der Familienwohnung(Mobiliar, Betten, Wäſche ꝛc.). Mk. 130. II. Natural-Rechnung. A. Natural⸗Ertrag. Aus dem Acker⸗ und Wieſenbau. Die Bewirthſchaftung des Ackers iſt ebenfalls eine freie, nach den unter Frage I dargelegten Grundſätzen. Der durchſchnittliche Anbau und der Geſammt⸗Ertrag pro Jahr berechnen ſich wie es die folgende Tabelle darſtellt: — 50— Getreide 2 5 3 5S 5S22 ſZ S. 3 8[SsSSS* Anbau 3 S[2[S2353 8 5SS[28S 8S Centner. Weizenn..... 0,25 Hect. 9,00 17,50 Spelz.... 0,55„ 19,80 38,50 Roggen 0,43„ 9,46 19,35 Gerſte... 1,35„ 43,20 45,90 Kartoſſeln. 0,75„—— 180 Runkelrüben.. 0,75„——— 600 150 Kleec.... 0,75„——[———[135 Tabat. ,12„———— 2,5— Stoppelrüben 0,25 Hct.——— 12,5—— Stoppelwicken 0,25„ 7———,——— Obſt....... hu. ue—————1 Außerdem wird zum eigenen Bedarf Gemüſe und ein Theil der Sämereien gebaut. Die Durchſchnittserträge ſind wie bei dem größeren und mittleren Gut anzu⸗ nehmen. Aus dem Viehſtand. Milch im Ganzen jährlich 3500 Liter, alſo pro Kuh jährlich 1750 Liter und täglich 4,79 Liter. Rindvieh. Es kann angenommen werden, daß alle 6 Jahre 1 Kuh und 7 Rinder zum Verkauf kommen. Schweine werden jährlich 5 Stück fett gemacht. Geflügel. Durchſchnittlich werden jährlich disponibel: 1 Gans und 2 Hühner. Eierertrag jährlich 260 Stück. B. Natural⸗Bedarf. Für Saatgut: Weizen 0,25 Hectar à 4 Ctr.. 1 Ctr.— Pfd. Spelz 0,55 11 1 5 1. 2 1 75 1 Roggen 0,43„„ 4„. 1„ 72„ Gerſte 1,35„„ 4„ 5„ 40„ Kartoffeln 0,75„„ 28„ 21„=„ Stoppelwicken 0,25„„ 3„.—„ 75„ Für den Viehſtand: Gerſte, dem Rindvieh und den Schweinen 10 Ctr.— Pfd. Kartoffeln 2„„„ 2 134„ 2 Runkelrüben„....... 600„„ Stoppelrüben„ 1 12„ 50„ Klee in Heuwerth dem Rindvieh 4135„„ Wieſenheu„„ BI. 152„„ Futterſtroh„„ I. 50„„ Streuſtroh.......... 71„ 25„ Waldſtren........... 25„„ Runkelrübenblätter........ 150„—„ Kleie von eigenem Mahlgut 6 Ctr. „ zugekauft...... 5„ —— 11„ Napskuchen........ 331„—„ Vollmilch........ 230 Pfd. Magermilch.......... 400„ Buttermilch........ 644„ Molken, Abfälle ꝛc. Der Werth der für den Viehſtand verwendeten Producte beträgt Mk. 1811,31 Der Werth der aus dem Wiehind Erzolten Pbnrit ſerechüde ſich auf...„ 958,80 Es würden dentauch für die Koſten der verwendeten Purbuete noch durch den Stallmiſt zu decken ſein... Nk. 852,30 Der erzeugte Stalldünger berechnet ſich auf etwa 857 Centner und kommt mit⸗ hin der Centner auf etwa 99 Pf. zu ſtehen, wozu noch die Koſten der Unterhaltung der Ställe und Stallgeräthe, ſowie der Wartung der Thiere kommen. Für die Familie: Weizeumehl........ 1 Ctr. 40 Pfd. Roggen........... 12„—„ Gerſte.......... 15„„ Kartoffeln...„ 25„„ Fleiſch von einem fiuſieſhlagtee Schwein... 120 Pfd. zugekauftes Rindfleiſch. 2.„ — 172 Pfd. Butker............. 952„ Schmalz...ü... 8„ Gaffe.............. 26„ Zudker........... 13„ Milch ettcpwa............. 800 Liter, Eier.. Sedee 60 Stück, Käſe(in Handkäſewerth austehriah).. 100 Pfd. Salz...... 104„ Reis, Gries, Graupen 26.... 429„ Außerdem Gemüſe, Obſt, Speiſeöl, Eſſig, Gewürz, Cichorien. Von vorſtehenden Naturalien leben 4 erwachſene Perſonen, halb männlichen, halb weiblichen Geſchlechts, und es berechnen ſich auf jede derſelben durchſchnittlich pro Tag etwa: 767 Gramm Getreide, 856„ Kartoffeln, 59„ Kleiſch, 18„ Butter, 2„ Schmalz, ½ Liter Milch, 9 Gramm Kaffee, 4„ Zucker, 36„ Salz, ſowie ein durchſchnittlicher Gehalt der Naßrung pro Tag und erwachſene Durchſchnittsperſon von 146 Gramm Stickſtoffſubſtanz, was jedenfalls ausreichend iſt. Der Werth der jährlich verbrauchten Nahrungsmittel beträgt Mk. 624,29, was pro Tag Mk. 1,71 ergibt, oder pro Kopf und Tag 42 Pf. Die Art der Beköſtigung iſt im Allgemeinen ähnlich wie auf dem mittleren Gut, jedoch der Menge nach reichlicher, dabei aber wohlfeiler und dementſprechend ordinärer, weiter im Nährſtoffverhältniß, ärmer an Fleiſch, Eiern, Obſt, Kaffee und Zucker, dagegen reicher an Kartoffeln, trockenen Gemüſen(Reis, Gries ꝛc.) und Salz. III. Geld-Rechnung. A. Einnahmen. 8 Ctr. Weizen 3. Ml. 11,00o9........ Mt. 88,72 17,05„ Spelz Ml. 6,50..„ 110,82 12,30„ Gerſte. Ml. 8,33. 5, 106,62 2,50„ Tabal à Mk. 24... 3 60,— Für das in 6 Jahren verkaufte Rindvich wird rund Mt. 1600 angenoummnen, pro Jahr daher........„ 266,— 4 fette Schweine à Yel. 80..........„ 920, 4 Gans und 2 Hühner........„ 4,50 zu übertragen.. Mk. 956,66 . Uebertrag 180 Pfd. Butter(170— 52) à Mk. 1.. 380„ Schmierkäſe(580— 200) à 10 Pf. 200 Eier(260— 60) per 10 Stück 65 AI Nebenverdienſt durch Taglohn Summe B. Ausgaben. Steuern und Umlagen: Directe Steilertt......... Mlk. 34,02 Communalſtelern.........„ 28,92 Tilgungsreute.....„ 0,22 Löhne: Zur Aushülfe 10 Tage à Mk. 1,60. Ausgaben beim Tabaksbau: Für Pflanzen und für Verpackung Unterhaltung der Gebäude: Maurer, Dachdecker, Weißbinder, Kaminfeger ꝛc. Unterhaltung des todten Inventars: Dem Wagner.......... Mk. 6,— „ Schmied.....„ 13,— „Sattler....I.O. G..„ 1,— Hausrath und Handgeräthe....„ 5,— Inventar der Familienwohnung Verſicherungs⸗Prämien: Für Gebäude(Inventar und Producte ſind nicht verſichert) Ankauf von Samen: 0,75 Ctr. Wickenſamen und andere Samenarten Viehankauf: 5 Ferkel à Mk. 12.. Zukauf von Futtermitteln und Streu: 52 Ctr. Wieſenheu à Mk. 2,50..... Mk. 130,— 5„ Kleie à Mk. 5,50.......„ 27,50 3„ Mapskuchen à Mk. 7,50....„ 22,50 1,5„ Viehſalz à Mk. 2,50...... 7 3,75 Für Waldſtreu..... 110G II.. 16.„ 12,50 zu übertragen Mk. 956,66 „ 118,— 2 38,— 1 13, „ 60,— Mr. 1185,66 Mk. 63,16 . W2llhes 7 4u1g0. „ 203 L0, „ 25,— „ 3,— „ 5,52 „ 12,— „ 60,— „ 196,25 Mt. 400,93 Uebertrag. Mk. 400,93 Heizung und Beleuchtung: Holz....... C.„. 0...., Mk. 100,— Petroleum, Feuerzeug 2 2C....b. O. I. 14.„ 12,48 —Ö́A„ 112,48 Zukauf von Nahrungs⸗ und Genußmitteln: 4,26 Ctr. Roggen(12+ 1,72— 9,46) à Mk. 8,86 Mk. 37,74 1,40„ Weizenmehl à Ml. 1...„ 26,60 52 Pfd. Rindfleiſch à 56 Pf....„ 29,12 26„ Kafſfee à. Ml. 1.......„ 26,— 13„ Iucker a 40 Pf........„ 8,20 104„ Galz 1 10 Pf........„ 10 ,40 Reis, Gries Tc.......„ 30,— —„ 165,06 Seife, Soda, Stärle dC..........„ 15,— Wagenfett.............„ 3,— Bekleidung und Wäſche..........„ 200,— Arzt und Apothele......„ 10,— Thierargt. 2,— Ackerpacht... h.) 60,— Verſchiedenes......... 1h..50. li... w dſ..„, 52,— Summe. Mk. 1120,47 C. Vergleichung der Geld⸗Einnahmen und Geld⸗Ausgaben. Die Einnahmen betragen..... Mk. 1185,66 Die Ausgaben betragen....„ 1120,47 mithin Ueberſchuß.. Mk. 65,19 IV. Rentabilitäts-Berechnung. A. Rohertrag. Erlös aus verkauften Producten(1185,66— 60).... Mk. 1125,66 Werth der von der Familie verbrauchten Nah⸗ rungs⸗ und Genußmittel..... Mk. 624,29 davon angekauft für...„ 165,06 mithin Werth der aus der Wirthſchaft für die Familie entnommenen Produte——ͤ„ 4959,23 Summe.. Mk. 1584,89 S S 9 NAS B. Productionskoſten. . Gebäudecapital(Mk. 4800): Zinſen 4 SCt........... Mk. 192, Verſicherungsprämnie....... 5 5,52 Amortiſation 1 pCt.....„ 48,— Inſtandhaltung, wirkliche Ausgabe...„ 10,— .Capital des lebenden Inventars 5 1082): Zinſen 4 pCt... MNl. 43,23 Verſicherungsprämie 2,5 pCt......„ 27,05 Zukauf von Jerkeln.......„ 60,— . Capital des todten Inventars Ser 210: Zinſen 4 pCt...—.. Mlk. 8,68 Verſicherungsprämie 0,2 pCt...... 3 0,43 Erneuerung und Inſtandhaltung, wirkliche Ausgabo........„ 25,— .Zinſen des umlaufenden Betriebscapitals, 6 pCt. von rund Mk. 560 Hagelverſicherung 0,75 pCt. vom Wüah der Getreideernte mit rund Mk. 940.. . Feuerverſicherung der Producte 1,5 pCt. von e circa Mr. 1200 . Steuern und Umlagen Kaäalin irſonmtendm.. . Ankauf von Samen.. Auslagen beim Tabaksbau. Arbeitslöhne: An fremde Arbeitskräfte..... Mk. 16,— Für den Beſitzer und deſüin Famile anzu⸗ nehmen....„ 851,— . Ankauf von Futtermitteln und Waldſtreu. . Thierarzt und Medicamente(Mk. 2+ 1). .Antheil der Landmiuſchunt an nnd und d Belchtung, . Wagenfett.— 3 .Verſchiedenes Summa C. Reinertrag. Der Rohertrag beträgt.... Mk. 1584,89 Die Productionskoſten betrag3en.„ 1626,08 mithin Mehrbetrag der letzteren.. Mk. 41,19 Mk. 255,52 „ 130,33 „ 34,11 9. 33,60 „ 7,05 2 1,80 „ 42,42 „ 12, 2 10,— „ 867,— „ 196,25 11 3,— 28,— „ 3,— „ 2,— Mk. 1626,08 5²² — 56— Rechnet man jedoch den jährlichen Nutzungswerth der Familienwohnung zu Mk. 80, ſo ergibt ſich eine Rente von etwa Mk. 39. Der Grundbfſitz iſt abgeſchätzt auf Mk. 9350, das Pachtland auf Mk. 4250. Das Grundcapital, als deſſen Ver⸗ zinſung obige Mk. 39 anzuſehen ſind, beträgt demnach Mk. 13600, und die Ver⸗ zinſung desſelben berechnet ſich auf 0,29 pCt. Auf das Pachtland kommen von ge⸗ nannten Mk. 39 etwa Mk. 12, wogegen der jährliche Pachtzins dafür Mk. 160 beträgt. Bericht über die landmwirthſchaftlichen Verhältniſſe Gemeinde Unter⸗Schönmattenwag, Kreis Heppenheim, erſtattet von Dr. Aug. Heidenreich in Affolterbach. Allgemeines. Unter⸗Schönmattenwag liegt in dem Ulfenthal, 12 Kilometer von Hirſchhorn(nächſte Bahnſtation), wo der Ulfenbach, in ſeinem unteren Laufe auch Larbach genannt, ſich in den Neckar ergießt. Das Ulfenthal iſt in ſeiner unteren Hälfte, in der Unter⸗Schönmattenwag liegt, ein ziemlich enges Thal mit verhältnißmäßig wenig Ackerländereien. Der Wald zieht weite Strecken bis in das Thal hinab und umſäumt da ein ſchönes, ertrag⸗ reiches Wieſengelände. Der Ulfenbach ſelbſt iſt ein ziemlich kräftiger, auch in den Sommermonaten waſſerreicher Bach und in Folge deſſen von zahlreichen Mühlen und anderen Induſtriewerken beſetzt, die jedoch wegen allzu großer Entfernung vom Bahn⸗ verkehr zum Theil nur ein kümmerliches Daſein führen können, zum Theil ganz zum Stillſtande verurtheilt ſind. Die Gemeinde zählt zur Zeit(1884) 1319 Einwohner in 195 Häuſern und 240 Haushaltungen. Die Bevölkerung iſt faſt ganz katholiſch(1284 Katholiken und 35 Proteſtanten). Trotz der großen Zahl überſchüſſiger Arbeitskräfte und trotz der während der letzten 10—15 Jahre eingetretenen Verminderung lohnender Verdienſtgelegenheiten läßt ſich nur geringe Neigung zur Auswanderung wahrnehmen. Ungefähr 10 Perſonen 1 ²³ — 2— ſind während der letzten 10 Jahre nach Amerika ausgewandert und ungefähr 8 Ar⸗ beiterfamilien in demſelben Zeitraum nach Mannheim, Ludwigshafen und Mainz verzogen. Das landwirthſchaftlich benutzte Areal der Gemarkung umfaßt im Ganzen eine Fläche von 446,2 Hectar in 1066 Parcellen, wovon 207,2 Hectar Ackerland in 593 Parcellen und 139 Hectar Wieſengelände in 473 Parcellen. Dieſes Land vertheilt ſich auf 178 Ortseinwohner, von denen 63 unter 0,5 Hectar, 26 von 0,5— 1 Hectar, 36 von 1—2 Hectar, 26 von 2—5 Hectar, 13 von 5— 10 Hectar, 11 von 10— 20 Hectar und 3 Ortseinwohner 20 und mehr Hectar beſitzen. Außerdem beſitzen: die Gemeinde 1,1 Hectar Ackerland und 0,6 Hectar Wieſen, die Kirche 1,1 Hectar Acker⸗ land und 1,34 Hectar Wieſen, der Fiscus 8,01 Hectar Ackerland und 11,1 Hectar Wieſen und Freiherr von Dorth in Neckar⸗Steinach 14,7 Hectar Ackerland und 23,8 Hectar Wieſen. Der Wald in der Gemarkung umfaßt 1456,6 Hectar, wovon 20,2 Hectar Nadelholz, 1169,6 Hectar Eichenſchälwald und 266,5 Hectar Eichenniederwald. Hier⸗ von entfallen: auf Private........... 313,7 Hectar oder 21,5 pCt., „ die Gemeinde......... 39,0„„ 2,7„ „ den Fiscus...... 619,02„„ 42,5„ „ Freiherrn v. Dorth in Neckar⸗ ⸗Steinach. 433,8„„ 33,3„ Bezüglich der Beſteuerungsverhältniſſe Unter⸗Schönmattenwags iſt das Folgende hier aufzuführen: das Einkommenſteuercapital betrug in 1874= 4025 fl., in 1884 „ Gewerbeſteuercapital„.„ 1874= 1080„„ 1884 „ Grundſteuercapital: von Grundſtücken 8446 fl. 8412 fl. „ Gebäuden 1525 fl. wouf- in 1874, 1617 fl. 11bao in 1884. Geſammtſteuercapital betrug in 1874= 15076 fl., in 1884== 15381,3 fl. An directen Steuern wurden in der Gemeinde ausgeſchlagen: in 1883/84= 4730,16 Mk., an Communalſteuern: 4230 fl., 1121 72 12 „ 1883/84= 7540,„ „ 1380= 6300,„ „ 1875= 7568,„ „ 1870= 4925,„ „ 1865= 3025,„ Die Gemarkung iſt beſetzt mit: 5123 Apfelbäumen, 1203 Birnbäumen, 1627 Zwetſchenbäumen, 243 Kirſchenbäumen. — 3— Der Viehſtand in der Gemeinde iſt nach der letzten Aufnahme der folgende: 15 Pferde, 212 Kühe, 28 Kalbinnen über 1 ½ Jahr, 3 z 1&△„ 1 Vanene unter 1“½ Jahr, 257 Stück Rindoieh, 2 Ochſen, 2 Stiere unter 2 Jahre, 1 Schaf, 159 Ziegen, 123 Schweine und 86 Bienenſtöcke. Frage I. a. Welche Bodenverhältniſſe zeigt die Gemarkung, welchen Character hat das Klima und wie iſt hiernach im Allgemeinen die Fruchtbarkeit der Ländereien; iſt letztere ſehr günſtig, mittel oder gering? b. In welchem Verhältniß ſtehen die verſchiedenen Arten des Kulturlandes— Acker, Wieſen, Weiden, Rebland ꝛc.— zu einander und iſt dieſes Verhältniß im Allgemeinen als ein wirthſchaftlich günſtiges zu bezeichnen? c. Welches ſind die hauptſächlichſten Producte der Landwirthſchaft, bezw. welche Productionsrichtungen machen ſich im landwirthſchaftlichen Betriebe der Gemeinde vorzugsweiſe geltend? d. Iſt der landwirthſchaftliche Betrieb im Allgemeinen ein rationeller zu nennen, oder haften ihm weſentliche Mängel an und welche? Stehen letztere u. A. mit einer ſehr weit gehenden Parcellirung der Grundſtücke und dem herrſchenden Flurzwang in Zuſammenhang? a. Die Abhänge der Höhenzüge, welche das Ulfenthal zu beiden Seiten begleiten, ihre Vorſprünge und Einbuchtungen ſind bis zur Thalſohle mit einem ziemlich flach⸗ gründigen Verwitterungsboden des bunten Sandſteingebietes, welchem dieſer Theil des Odenwaldes angehört, bedeckt. Dagegen findet ſich in der Thalebene ein ſandiger bis reiner Lehmboden, welcher an einzelnen Stellen auf einer undurchlaſſenden Thonſchicht ruht und dann etwas an Näſſe leidet, im Uebrigen aber das fruchtbarſte Ackerland der Gemarkung repräſentirt. Der weitaus größte Theil des Ackerlandes liegt am Waldabhange des öſtlich das Thal begrenzenden Höhenzuges und ſeiner Vorſprünge und zwar in ziemlich ſteiler 4— Lage. Bei heftigen Gewitterregen wird der beſſere Theil des Bodens in die Tiefe geſchwemmt und es iſt ein unverhältnißmäßig großer Aufwand an Dünger und Arbeit nöthig, um dieſe Ackerländereien in ihrer Ertragsfähigkeit überhaupt nur zu erhalten. Durch eine richtige und allgemein durchgeführte Anlage von Terraſſen, wodurch das ſtarke Gefälle unterbrochen und vermindert werden würde, könnte Vieles zur Beſſerung dieſer Lage der Grundſtücke beigetragen werden. Dieſe Lage des Ackerlandes und der flachgründige Boden bringen es auch mit ſich, daß die Erträge in trockenen Jahren um Beträchtliches hinter den in feuchteren Jahrgängen zurückſtehen. Das mehr nach dem Höhenrücken zu und auf demſelben gelegene Ackerland hat eine weniger ſteile Lage, iſt tiefgründiger und an ſich frucht⸗ barer, aber zu weit von dem Orte entfernt und mit zu ſchlechten Wegen damit ver⸗ bunden, als daß eine nutzbringende Bewirthſchaftung desſelben möglich wäre(ſiehe d.). Hiernach läßt ſich im Allgemeinen ſagen, daß die Fruchtbarkeit der an den Ab⸗ hängen gelegenen Ackerländereien eine geringe, des auf der Höhe gelegenen Ackerlandes eine mittlere und diejenige der im Thale gelegenen Grundſtücke eine gute iſt. Die Wieſen bilden den werthvolleren Theil des landwirthſchaftlich benutzten Geländes in der Gemarkung Unter⸗Schönmattenwag. Der größte Theil derſelben liegt im Ulfenthal, ein anderer Theil im Finkenbacher Thal und wenige Hectar ſind Waldwieſen. Sämmtliche Thalwieſen ſind bewäſſerbar und recht ertragreich, beſonders die unmittelbar unter dem Orte gelegenen ſogen. Hofwieſen, denen das mit vielen Dungſtoffen verſetzte Abwaſſer des Dorfes und deſſen vielen mangelhaften Dungſtätten zu Gute kommt. Die auf der rechten Seite des Ulfenbaches gelegenen, ebenfalls be⸗ wäſſerbaren Wieſen ſind weniger ergiebig und wäre da eine periodiſch wiederkehrende Düngung mit Compoſt oder künſtlichem Dünger, deſſen Verwendung für dieſe Zwecke in Unter⸗Schönmattenwag kaum gekannt iſt, jedenfalls ſehr am Platze. b. Das Verhältniß von Ackerland zu Wieſen iſt 1,5: 1, alſo ein außerordent⸗ lich günſtiges. Allein es iſt begreiflich, daß bei dieſem Verhältniß und dem geringen Ertrag an Körnerfrüchten, welchen das Ackerland liefert, und dem Umſtande, daß auch das auf Waldboden gewonnene Kornſtroh ausnahmslos verfüttert wird, der Streu⸗ bedarf eine Befriedigung aus dem Feldbau nicht finden kann und daß ganz natur⸗ gemäß hier der Wald das nothwendige Streumaterial liefern muß und zwar ſo lange, als ein angemeſſenes Erſatzmittel für die Waldſtreu nicht gefunden ſein wird. Torf⸗ ſtreu kann wegen der großen Transportkoſten zur Zeit nicht in Betracht kommen; Sägemehl wird, ſoweit ſolches in der Nähe käuflich zu haben iſt, ganz allgemein zur Einſtreu verwendet. c. Die Hauptproducte der Landwirthſchaft ſind Wieſenfutter, Kartof⸗ feln und Korn. Alle übrigen Erzeugniſſe, wie Buchweizen, Spelz, Hafer, Gerſte, Rübſen, Dickrüben, Rothklee, treten dagegen weit zurück. Das Wieſenfutter(in Gras⸗ und Heu⸗ oder Grummetform geerntet) iſt die Baſis einer verhältnißmäßig ſtarken Viehhaltung; Korn und insbeſondere Kartoffeln ſind die unentbehrlichen und wichtigſten Nahrungsmittel der Bewohner Unter⸗Schön⸗ mattenwags. — 5— Die wenigen größeren Wirthſchaften halten ſich bei der Bewirthſchaftung des weniger guten Ackerlandes an eine beſtimmte Fruchtfolge: Kartoffeln und Buchweizen, Korn, Hafer, und benutzen ihre im Thale gelegenen Grundſtücke in ziemlich freier Wirthſchaft zum Anbau der übrigen Producte.— Die mittleren und kleineren Beſitzer halten ſich dagegen ein oder zwei ihrer beſten, dem Orte näher gelegenen Grundſtücke zum wechſelnden Anbau von Weißkraut, Gelberüben, Erdkohlraben und Hanf und das übrige Ackerland zum Anbau von Kar⸗ toffeln und Korn in regelmäßiger Abwechſelung. Rothlee wird ſelbſt von den größeren Beſitzern nur ausnahmsweiſe und nicht in regelmäßiger Wiederkehr angebaut. d. Der landwirthſchaftliche Betrieb kann im Allgemeinen ein rationeller nicht genannt werden. Es ſind zwar auch in Unter⸗Schönmattenwag einige beſſer geleitete Wirthſchaften, aber im Allgemeinen läßt der Zuſtand derſelben Vieles zu wünſchen übrig. Der wichtigſte Zweig des landwirthſchaftlichen Betriebes in Unter⸗Schön⸗ mattenwaag iſt bei dem großen und ertragreichen Wieſenbeſitz naturgemäß die Vieh⸗ haltung und gerade mit ihr könnte es um Vieles beſſer beſtellt ſein. Die Zahl der vorhandenen Thiere könnte bei der vorhandenen Vertheilung des landwirthſchaftlich benutzten Bodens ja genügen(es kommen ca. 1 Stück Großvieh auf 1,8 Hectar), aber ihre Haltung(Ernährung und Pflege) iſt weit davon entfernt eine rationelle zu ſein. Bei einer verſtändigen, anhaltenden Verwendung geeigneter Kraftfuttermittel könnten die Erträge aus dem vorhandenen Viehmaterial mehr als verdoppelt werden und was das bedeuten will, kann aus den Anlagen zu Frage IX erſehen werden. Durch eine rationellere Behandlung der Wieſen(regelmäßige Düngung und richtige Bewäſſerung) und manche Verbeſſerungen in der Anlage könnten ſehr viel höhere Erträge gewonnen werden. Ein weſentlicher Mißſtand, welcher ſich in der Bewirthſchaftung des in der Gemarkung gelegenen Ackerlandes recht empfindlich fühlbar macht, beſteht auch in den ſchlechten Feldweganlagen. Es wurde Seitens des Ortsvorſtandes ſ. Zt. verſäumt, die Frage der zweckmäßigeren Veranlagung der Feldwege gelegentlich der im Jahre 1847 vorgenommenen Parcellenvermeſſung zu regeln und ſo iſt dieſelbe auch heute noch ungelöſt zum großen Schaden der Mehrzahl der Grundbeſitzer. Der Viehhandel in der Gemeinde iſt ziemlich lebhaft, da verhältnißmäßig wenig Rindvieh nachgezogen wird. Derſelbe liegt faſt ausſchließlich in den Händen der Juden und bildet ſehr häufig den Ausgangspunkt wucherartiger Creditoperationen (ſiehe Anlage III zu Frage IX). Die Schweinezucht iſt unbedeutend. Der Bedarf an Einlegeferkeln wird in der Regel in den Nachbarorten gedeckt. Der Obſtbau hat trotz der großen Zahl an Obſtbäumen, welche meiſt junge, nicht tragfähige Bäume ſind, keine große Bedeutung. Die mehr im Thale ge⸗ legenen Bäume leiden häufig an ſpäten Frühjahrsfröſten; die etwas höher gelegenen Anlagen geben beſſeren Ertrag. Die Baumanlagen ſelbſt laſſen Manches zu wünſchen — 6= übrig und könnten auch hier, bei etwas mehr Verſtändniß für die Sache, weſentlich höhere Erträge erzielt werden. Frage II. a. Wie iſt das Verhältniß der Größe der Gemarkung zur Größe der anſäſſigen Landbau treibenden Bevölkerung? b. In welcher Weiſe vertheilt ſich das landwirthſchaftliche Gelände unter die anweſende Bevölkerung(todte Hand, Großgrundbeſitz, Groß⸗, Mittel⸗, Klein⸗Bauern, Taglöhner und Gewerbtreibende) und ſind in den letzten Jahren weſentliche Aenderungen in der Beſitzvertheilung eingetreten? c. Iſt die Beſitzvertheilung im Allgemeinen als eine günſtige zu bezeichnen, wenn nicht, wodurch giebt ſich die behauptete ungünſtige Ver⸗ theilung zu erkennen, welche Umſtände haben letztere veranlaßt, z. B. das geltende bäuerliche Erbrecht, die üblichen Syſteme des ehelichen Güterrechts oder der Zuſammenkauf von Grundſtücken? d. Iſt ein Theil der Gemarkung Allmendland und welchen Einfluß hat die Benutzung des letzteren auf die Lage der Bevölkerung? a. Die Zahl der Haushaltungen mit Grundbeſitz beträgt 178, wovon jedoch nur 115 mit einem Beſitze von 467 Hectar in Betracht gezogen werden konnten, da der Beſitz der übrigen 63 Haushaltungen zu klein iſt, um hier berückſichtigt werden zu können. Es kommen hiernach auf eine Haushaltung durchſchnittlich 4 Hectar Grund⸗ beſitz, wovon ca. 2,6 Hectar Wald und 1,4 Hectar Ackerland und Wieſen. Dieſer Beſitz iſt für die Ernährung und Beſchäftigung einer Familie durchaus unzureichend (Frage VII. b. In den Anlagen zu Frage VIII ſind die einzelnen Beſitzgruppen in der Ge⸗ meinde Unter⸗Schönmattenwag überſichtlich zuſammengeſtellt. Der Beſitz der Ge⸗ meinde, des Staates, der Kirche und des Freiherrn v. Dorth in Neckar⸗Steinach iſt dabei nicht in Betracht gekommen. c. Die Beſitzvertheilung von Ackerland und Wieſen kann mit Rückſicht auf die Erwerbsverhältniſſe in der Gemeinde ja im Allgemeinen als eine günſtige bezeichnet werden; von landwirthſchaftlichem Standpunkte aus muß jedoch betont werden, daß der Beſitz an Ackerland und Wieſen allzu ſehr zerſplittert, daß nur ganz wenige Be⸗ triebseinheiten vorhanden ſind, welche einen normalen landw. Betrieb geſtatten und dem Beſitzer und ſeiner Familie auskömmliche Beſchäftigung gewähren, daß Unter⸗ Schönmattenwag überhaupt eine Normalgemeinde in Bezug auf die landwirthſchaft⸗ liche Betriebsweiſe des Odenwaldes nicht iſt. In Bezug auf die ungünſtige Vertheilung des Waldbeſitzes in der Gemarkung muß erwähnt werden, daß die Gemeinde zu Anfang dieſes Jahrhunderts einen Beſitz an Wald und Wieſen von ca. 880 Hectar hatte, welcher im Jahre 1823 zu gleichen — 27— Theilen unter die damals vorhandenen 49 Ortsbürger vertheilt wurde, ſo zwar, daß jedem Bürger ein Loos von ca. 18 Hectar Wald mit etwas Wieſengelände(im Finkenbacher Thal gelegen) und Ackerland zufiel. Von dieſen 49 Bürgerlooſen ſind heute noch 5 ungetheilte Looſe und 13 Looſe, vertheilt, im Beſitze verſchiedener Orts⸗ bürger, 3 ganze Looſe im Beſitze der Gemeinde(von dieſer ſpäter wieder aufgekauft) und 29 ganze Looſe ſind Eigenthum des Freiherrn von Dorth in Neckar⸗Steinach geworden. Der fiscaliſche Beſitz in der Gemarkung Unter⸗Schönmattenwag datirt aus alter Zeit. Frage III. a. Welches ſind die durchſchnittlichen Preiſe für die einzelnen Boden⸗ qualitäten der verſchiedenen Culturländereien(Acker, Wieſe, Weide, Wein⸗ berg ꝛc.), erſcheinen dieſe Preiſe beſonders hoch oder beſonders niedrig und auf welche Urſachen ſind die bezüglichen Erſcheinungen zurückzuführen? b. Welche Aenderungen in den Preiſen haben ſich in den letzten 5 Jahren vollzogen? c. Pflegt ein ſtarker Umſatz in Liegenſchaften ſtattzufinden und liegt hierfür(ſ. a) ein berechtigtes Bedürfniß vor? a. Die Bodenqualitäten, insbeſondere des Ackerlandes, zeigen außerordentlich große Unterſchiede und ſind dementſprechend auch die Verkaufspreiſe ſehr verſchieden. Dieſelben betragen im Durchſchnitt: Acker 1. Claſſe 2200 Mk. pro Hectar, / 2./ 1400 4/ 11 2 „ 3.„ 1000„„„ 1/ 4. 2 400 I 7 7 Wieſe 1.„ 2800„„ 3 2 2 12 1600 II 7 7 II 3 2 1000 2 II 7 2 4. 1 600 1 2 Der Preis der Waldungen iſt ſehr verſchieden je nach Art, Qualität, Alter des Beſtandes, je nach Lage und Qualität der Bodenverhältniſſe. Der Durchſchnittspreis pro Hectar Eichenſchälwald(der wichtigſten Waldeulturart in der Gemarkung Unter⸗ Schönmattenwaag) dürfte ſich auf etwa 400 Mk. ſtellen. Die vorſtehenden Zahlen ſtimmen nicht ganz mit den Seitens der Großherzogl. Centralſtelle für die Landesſtatiſtik ermittelten überein; ſie ſind niedriger als dieſe letzteren, was ſich vielleicht in der Weiſe erklärt, daß die Angaben der Bürgermeiſterei oder des Ortsgerichtes, auf welche ſich die Ermittelung der Großherzogl. Centralſtelle ſtützt, mit Rückſicht auf die Taxationen für Zwecke der Errichtung von Hypotheken gemacht ſind. 8 — 8— Die Preiſe für beſſere Qualitäten Ackerland ſind verhältnißmäßig hoch. Dieſe Erſcheinung erklärt ſich aus dem Umſtande, daß die Ausdehnung dieſer Grundſtücke eine ſehr beſchränkte, dem Bedürfniß, beziehungsweiſe der Nachfrage nicht ent⸗ ſprechende iſt. b. Die Preiſe des Wieſenlandes und der beſſeren dem Orte näher gelegenen Qualitäten Ackerlandes haben eine Aenderung nicht erfahren. Dagegen iſt der Preis der entfernter liegenden Ackerländereien mit Rückſicht auf die ſchlechten Wegverhältniſſe und das theuere Lohnfuhrwerk weſentlich zurückgegangen. Ja, es iſt in letzter Zeit vorgekommen, daß ſolche Grundſtücke kaum zu verwerthen waren. c. Ein beſonders ſtarker Umſatz in Liegenſchaften iſt nicht zu beobachten. Frage IV. a. Nehmen die Pachtgüter einen erheblichen Umfang ein und ſtehen die Pachtpreiſe im richtigen Verhältniß zu dem Kaufpreiſe der Ländereien einerſeits und zur Ausnutzungsfähigkeit derſelben andererſeits, eventuell welche Urſachen wirken ſteigernd auf die Pachtpreiſe ein? b. Welche Beſtimmungen gelten insbeſondere in Betreff der Dauer der Pacht, der Bezahlung der Steuern ꝛc., der Verſicherungsprämien, ſowie in Betreff vorzunehmender Meliorationen und etwaiger Pachtnach⸗ läſſe bei elementaren Unglücksfällen bei fiskaliſchem, ſtandesherrlichem und privatem Grundbeſitz? c. Wirken die üblichen ſonſtigen Pachtbedingungen beſonders er⸗ ſchwerend für die Pächter oder nicht? Die Zahl und der Umfang der zur Verpachtung kommenden Grundſtücke(Acker⸗ und Wieſengelände) iſt gering. Freiherr von Dorth in Neckar⸗Steinach verſteigert jährlich zweimal die Crescenz ſeiner Wieſen auf dem Halm. Der Großherzogl. Fiscus verpachtet gleich der katholiſchen Kirche die Nutznießung der Wieſen auf 6 und 9 Jahre. Letztere erzielt für einige Hofwieſen in beſter Lage, 1,3 Hectar umfaſſend, einen jähr⸗ lichen Pacht von 193 Mk. Für Ackerland, welches parcellenweiſe ebenfalls auf 6 und 9 Jahre verpachtet wird, wurden in den beſſeren und mittleren Lagen ziemlich hohe Pachtpreiſe erzielt, dagegen konnten für geringere, vom Ort entfernt liegende Grundſtücke in den letzten Jahren oft keine Abnehmer gefunden werden. Die kathol. Kirchenkaſſe erzielt für 1,1 Hectar Ackerland in mittlerer Lage einen jährlichen Pacht⸗ ertrag von 99,60 Mk. Im Allgemeinen kann man jedoch ſagen, daß die Pacht⸗ ländereien keinen nennenswerthen Einfluß auf die Wirthſchaftsverhältniſſe der Bevöl⸗ kerung Unter⸗Schönmattenwags ausüben. Eine beſondere Bedeutung kommt, wie dieſes bei Frage VII des Näheren noch dargelegt werden wird, dagegen dem Waldfruchtbau oder dem ſogen. Rodlandbau zu. Der Waldboden wird nach dem Abtrieb des Eichenſchälholzbeſtandes den Waldarbeitern — 9— gegen eine gewiſſe Vergütung zum einmaligen Anbau von Korn überlaſſen. Die Fläche, welche in dieſer Weiſe jährlich zum Anbau von Korn benutzt wird, iſt auf 70 bis 80 Hectar zu ſchätzen. Frage V. a. In welcher Weiſe pflegen die Landwirthe ihre Mobilien und Producte gegen Feuer, ihre Früchte gegen Hagel und ihren Viehſtand gegen Unfall zu verſichern? b. Hat die Lebens⸗, Alters⸗ und Renten«Verſicherung Eingang in der Gemeinde gefunden, event. in welcher Weiſe und welchem Umfange? a. Die Mehrzahl der beſſer ſituirten Einwohner haben ihre Mobilien und Pro⸗ ducte gegen Feuersgefahr bei verſchiedenen größeren Verſicherungsgeſellſchaften ver⸗ ſichert; ein großer Procentſatz der Bewohner iſt dagegen nicht verſichert. Brände von Bedeutung ſind bis jetzt ſehr ſelten geweſen. Gegen Hagelſchaden iſt Niemand verſichert. Zum Zwecke der Verſicherung des Viehbeſtandes gegen Unfall war im Jahre 1874 auf Anregung des jetzigen Bürgermeiſters eine Viehkaſſe gegründet worden. Dieſelbe wurde jedoch im Jahre 1881 wieder aufgelöſt, da bei dem lebhaften Vieh⸗ handel, welchen ein großer Theil der weniger gut ſituirten Landwirthe treibt, und dem Umſtande, daß dieſe Kategorie von Viehbeſitzern mit ihrem Rindvieh überdies noch ein anſtrengendes Lohnfuhrwerk unterhält, die beſſeren Viehhalter ihre Rechnung dieſen gegenüber nicht finden konnten. b. Die Lebens⸗, Alters⸗ und Rentenverſicherung hat bis jetzt noch keinen Ein⸗ gang in der Gemeinde gefunden. Frage VI. In welcher Weiſe befriedigen die Landwirthe in der Regel ihre Creditbedürfniſſe hinſichtlich des Real⸗ und des Perſonalcredits und welches ſind bei beiden Arten des Credites die gewöhnlichſten Darlehens⸗ bedingungen in Bezug auf Zeitdauer und Zinsfuß und werden dabei auch Amortiſationsfriſten(Güterziele) angewendet? Etwa 35 pCt. der geſammten gegen hypothekariſche Sicherheit angeliehenen Capitalien ſind von der Spar⸗ und Leihkaſſe in Heppenheim a. d. B. geſchoſſen; an dem Reſt ſind der Beneficiat⸗ und Schulfonds in Bensheim, die Civildiener⸗ und Officierswittwenkaſſe in Darmſtadt, die katholiſche Kirchenkaſſe in Unter⸗Schönmatten⸗ wag und einige vermögende Einwohner des Ortes und der Umgegend betheiligt. Alle Privatanlehen ſtehen auf gegenſeitige Kündigung zu 5 pCt., die Capital⸗ ſchuld der Gemeinde zu 4 ½ pCt. Neuerdings erhalten die Gemeinden das Geld zu 4 pCt. und Private, bei guter Sicherheit und nicht zu kleinen Poſten, zu 4 ½ pCt. — 10— Die Sparkaſſe in Heppenheim hatte gegen hypothekariſche Sicherheit ausgeliehen: Ende 1879 zu 4 ½ pCt.= 23264,29 Mk., „ 5„= 55026,43„ Zuſammen 78290,72 Mk. Ende 1883 zu 4 ½ pCt.= 18654,60 Mk., „ 5„= 42470,14„ Zuſammen 61133,74 Mk. Die Sparkaſſeverwaltung führt den Rückgang dieſer Darlehen von 78290,72 Mk. auf 61133,74 Mk. darauf zurück, daß ſie wegen ſchlimmer Erfahrungen, die ſie bei zwangsweiſer Verſteigerung beliehener Grundſtücke gemacht hatte(dieſelben fielen der Sparkaſſe anheim), genöthigt war, eine große Zahl derartiger Darlehensgeſuche auf Hypothek abzuweiſen. Daß indeſſen die geſammte hypothekariſche Verſchuldung nicht abgenommen, geht aus den bei Frage VIII gegebenen Zahlen hervor. Die Sparkaſſe in Heppenheim leiht außerdem eine beſtimmte Summe in Beträgen von 50— 400 Mk. auf einfachen Schuldſchein zu 5 pCt. Zinſen gegen Bürgſchaft der Gemeinde, welche ſich ihrerſeits durch Bürgen zu decken ſucht, auf die Dauer von 5 Jahren aus, welche Anlehen mit ⅛ jährlich zurückbezahlt werden müſſen. Der Stand dieſer Darlehen war: Ende 1879 in 103 Poſten= 8520,— Mk., „ 1883„ 56„—= 4596,56„ Der Rückgang im Stande dieſer auf Schuldſcheine dargeliehenen Capitalien hat nach Anſicht der Sparkaſſenverwaltung ſeinen Grund darin, daß ſie von 1878 an nur noch äußerſt ſelten Geſuche derart berückſichtigte, weil einerſeits der Gemeinde⸗ vorſtand die ihm zur Verfügung ſtehende Summe bereits allzu weit überſchritten hatte und weil andererſeits ſich die Verwaltung überzeugt hatte, daß ein großer Theil dieſer angeliehenen Gelder nicht mehr vorſchriftsmäßig, d. h. zur Aufbeſſerung des land⸗ wirthſchaftlichen Betriebes verwendet wurde. Als Beleg hierfür und namentlich auch für die wenig gewiſſenhafte Art, in welcher in den 1870er Jahren derartige Geſuche Seitens des Ortsvorſtandes Befürwortung fanden, mag die Thatſache angeführt werden, daß die Gemeinde in letzter Zeit über 1000 Mk. uneinbringlicher Schuld⸗ ſcheinziele und ⸗Zinſen dieſer Art, welche im Weſentlichen in jener Zeit aufgenommen worden waren, übernehmen mußte. Eine ähnliche Bewegung der Mobiliarſchulden in der Gemeinde Unter⸗Schön⸗ mattenwag läßt ſich bei dem Spar⸗ und Creditverein zu Wald⸗Michelbach wahr⸗ nehmen. Der Beſtand derſelben war Ende 1879 in 25 Poſten 3900 Mk., Ende 1883 in 9 Poſten nur noch 1445 Mk. Die Verwaltung des Spar⸗ und Credit⸗ vereins Wald⸗Michelbach gibt ebenfalls als Grund dieſer Erſcheinung an, daß ſie die Darlehensgeſuche einer ſtrengeren Prüfung als früher unterziehe. Vergleicht man damit auf der anderen Seite die Bewegung der bei dieſen In⸗ ſtituten gemachten Einlagen von Einwohnern Unter⸗Schönmattenwags, ſo ergiebt ſich das Folgende: — 11— Bei der Sparkaſſe in Heppenheim war der Stand der Einlagen: Ende 1879= 42955,70 Mk., „ 1883= 51654,62 Mk.; bei dem Spar⸗ und Creditverein Wald⸗Michelbach: Ende 1879= 35,85 Mk., „ 1883= 331,97 Mk. Die Zunahme dieſer Einlagen iſt nach Anſicht ortskundiger Männer auf die beſſeren Verdienſte der dienenden Claſſe(es dienen eine große Zahl junger Leute auswärts, deren Erſparniſſe, ſoweit ſie nicht von der Familie in Anſpruch genommen werden, bei der Sparkaſſe in Heppenheim angelegt wurden) und derjenigen Ortsein⸗ wohner zurückzuführen, welche keinerlei Grundbeſitz haben und ausſchließlich auf den Ertrag ihrer Händearbeit, ſei es als gewöhnliche Taglöhner, ſei es als Handwerker, angewieſen ſind. Frage VII. a. Wie ſtehen im Allgemeinen die Arbeits⸗ und Geſindelöhne in der Gemeinde, genügt die ortsanſäſſige Bevölkerung zur Beſtreitung der landwirthſchaftlichen Arbeiten oder ſind fremde Arbeiter nöthig und wo⸗ her kommen letztere? b. Iſt für die landwirthſchaftliche Bevölkerung Gelegenheit zum Nebenverdienſt vorhanden, event. haben dieſe Nebenverdienſte(Arbeiten im Wald, Hausinduſtrie, Fabrikbetriebe, Fuhrweſen ꝛc.) eine beſondere Bedeutung für den Wohlſtand der Landwirthſchaft treibenden Bevölkerung und der Gemeinde im Allgemeinen? c. Gibt es Landwirthe in der Gemeinde, die mit Rückſicht auf den Umfang und die Rentabilität ihres landwirthſchaftlichen Betriebes an ſich auf Nebenverdienſt und Tagelöhnerarbeit angewieſen wären, ſolche Arbeiten aber aus Standesvorurtheil, Trägheit ꝛc. nicht ausführen? a. Die Taglöhne berechnen ſich im Allgemeinen pro Tag wie folgt: 1. ohne Koſt: für den Mann auf 1,30— 2,— Mk. „„ die Frau„ 0,90— 1,10„ 2. mit Koſt: für den Mann auf 1,00— 1,70 Mk. „„„ die Frau„ 0,60— 0,80„ An Geſindelöhnen werden bezahlt: für einen Knecht jährlich 150— 200 Mk., nebſt einem Leinenanzug, zwei Hemden, ein Paar Stiefeln, im Geſammtwerthe von 30 Mk.; für eine Magd jährlich 80— 100 Mk., nebſt einem Kleid, Schuhen, Hemden, Halstuch, Schürzen ꝛc., im Werthe von zuſammen 30 Mk. — 2— Der Werth der Koſt iſt für den Knecht zu veranſchlagen auf 150 Mk., für die Magd auf 110 Mk. Es gibt nur wenige Beſitzer in Unter⸗Schönmattenwag, welche ſich Geſinde halten. Die Mehrzahl derjenigen, welche ab und zu fremder Arbeitskräfte bedürfen, hilft ſich mit Taglohnarbeitern. Den Taglöhnern wird gewöhnlich die Koſt gegeben, da dieſelben ohne Koſt nur ſchwer zu haben ſind. Die ortsanſäſſige Bevölkerung findet bei den landwirthſchaftlichen Arbeiten nur zum kleineren Theile auskömmliche Beſchäftigung. Die Zahl der Haushaltungen, welche überhaupt keinen oder keinen nennens⸗ werthen Grundbeſitz haben, beträgt 62; die Zahl derjenigen Haushaltungen, welche Grundbeſitz haben, aber darauf für ſich und ihre Familie eine auskömmliche Beſchäf⸗ tigung nicht finden und deßhalb auf Nebenverdienſte im Taglohn oder irgend einem Gewerbe angewieſen ſind, beträgt 167, zuſammen gibt es alſo in der Gemeinde 229 Haushaltungen(95 pCt. der vorhandenen Haushaltungen), welche auf Nebenverdienſt beziehungsweiſe ausſchließlich auf den Verdienſt ihrer Händearbeit angewieſen ſind. b. Für einen großen Theil dieſer überſchüſſigen Arbeitskräfte, insbeſondere für diejenigen, welche neben der Arbeit in der eigenen Wirthſchaft auf Nebenverdienſte im 135 Taglohn angewieſen ſind, bietet der in der Gemarkung gelegene umfängliche Wald⸗ beſitz, insbeſondere der Eichenſchälwald, mancherlei Verdienſtgelegenheit. Die Arbeiten in den Nadelholz⸗ und Eichenniederwaldungen finden während der Wintermonate ſtatt, diejenigen in den Schälwaldungen in den Sommermonaten. Die Rindenernte beginnt im Monat Mai und währt einige Wochen. Nach der Ernte wird das auf dem Boden liegende, übrig gebliebene Reißholz verbrannt— der be⸗ treffende Schlag wird, wie der techniſche Ausdruck lautet, über Land gebrannt. Der Waldboden wird dann behackt, die aufgehackte Erde mit angebranntem Strauchwerk ꝛc. zu kleinen Haufen aufgeſetzt und dieſe nochmals durchgebrannt oder, wie man ſagt, geſchmodet, die zurückbleibenden Aſchenhäufchen werden dann über den Boden, der auch von Steinen gereinigt wird(dieſelben werden an die Grenze verbracht oder zu Stein⸗ roſſeln zuſammengetragen) ausgebreitet, Korn darauf geſäet und eingehackt.— Den Waldarbeitern bleibt in der Regel der Waldboden gegen eine Vergütung von circa 10 Mk. für 0,5 Hectar(eine Fläche, wie ſie gewöhnlich von einer Familie zum An⸗ bau übernommen wird) zum einmaligen Anbau von Korn in der vorher beſchriebenen Weiſe überlaſſen. Noch vor 10 Jahren konnte vorher, alſo im erſten Jahre des Abtriebes, noch eine Buchweizenernte gewonnen werden. Das iſt jetzt nicht mehr möglich, da das Reisholz, welches beim Ueberlandbrennen mit verbrannt wird, ſich immer mehr auf die Abfälle der Eichenſtockausſchläge reducirt, während in früheren Jahren bei weitem größere Mengen Rauholz(Haſelnußſträucher, Birken, Hainbuche ꝛc.), welches zwiſchen den Eichenſtöcken aufwuchs, vorhanden war und zum Verbrennen liegen blieb. In dieſer Zeit wurde der Waldboden beſſer durchgebrannt beziehungs⸗ 7. weiſe aufgeſchloſſen und es gab mehr Holzaſche, welche mit dem durchgebrannten — 12— Waldboden vermiſcht, ein vorzügliches Düngemittel in ausreichender Menge für zwei Ernten lieferte. In dieſer Zeit waren die Ernten ſowohl an Buchweizen, als auch an Korn um Vieles reicher als jetzt, wo nur noch in den ſeltenſten Fällen eine Buchweizenernte vorweg gewonnen werden kann, und die auf dieſen Waldfruchtbau verwandte Arbeit lohnte ſich in Folge deſſen um Vieles beſſer. Dieſes Verſchwinden des ſogen. Rauholzes in Folge planmäßiger Ausrottung Seitens der größeren Waldbeſitzer(Großh. Fiscus und Freiherr von Dorth), hat noch eine andere nachtheilige Wirkung auf die Erwerbsverhältniſſe der Gemeinde. Eine große Anzahl der Bewohner nämlich ernährt ſich mit der gewerbsmäßigen Anfertigung von Gartenſtühlen, Rechen, Schienenkörben, Waſchklammern ꝛc., welche Artikel zumeiſt aus dem Holz der Haſelnußſträucher angefertigt werden. So lange nun dieſes Holz in den Schälwaldungen der Gemarkung und den angrenzenden Waldungen in aus⸗ reichender Menge aufwuchs, hatten dieſe Gewerbetreibenden ein billiges Roh⸗ material; in dem Maße jedoch, wie das Haſelnußholz ausgerottet wird, ſind dieſe Bewohner gezwungen, ihren Bedarf an geeigneten Hölzern aus anderen Gegenden zu beziehen und einen viel größeren Aufwand an Geld und Zeit dafür zu machen. Dieſe Art der Hausinduſtrie geht in Folge deſſen ſtetig zurück und es werden dement⸗ ſprechend Arbeitskräfte frei, die jedoch in dem Orte und in der Umgegend zur Zeit keine Verwendung finden können. Was hier von dem Haſelnußholze und der damit verbundenen Hausinduſtrie geſagt wurde, gilt auch für das Holz der Birke beziehungsweiſe für das feine Aſtholz derſelben, welches in vielen Orten des Odenwaldes und insbeſondere in Unter⸗Schön⸗ mattenwag ausgedehnte Verwendung für die Anfertigung von Kehrbeſen findet. Die Kunſt des Beſenbindens wird von faſt allen Einwohnern des Ortes ausgeübt, von vielen als Berufsarbeit während des ganzen Jahres, von anderen, insbeſondere den Grundbeſitzern, die nebenher auf Taglohnverdienſt angewieſen ſind, während der Wintermonate. Aber die Birke, welche ja an ſich ein ſehr nützlicher, genügſamer Baum und Strauch iſt, war den Waldbeſtänden zum Schaden und dem Forſtſchutzperſonal zur Plage geworden, da ihr Holz von den Beſenbindern ſehr vielfach als herrenloſes Gut betrachtet wurde und überdies mit dem Einſammeln desſelben noch mancherlei anderer Forſtſchaden und Unfug verbunden war. In Folge deſſen wird auch die Birke möglichſt auszurotten geſucht und die Beſenbinder ſind gezwungen, viele Weg⸗ ſtunden weit bis Eberbach, Mosbach ꝛc. zu gehen, um ſich ihren Bedarf an Birken⸗ reiſig zu decken. Sie ſind zu dieſem Zwecke oft 2—3 Wochen vom Hauſe entfernt und haben überdies nicht unbedeutende Vorlagen für den Transport des Beſenreiſigs zu machen. Daß unter dieſen Umſtänden der Verdienſt ein geringerer werden mußte, iſt begreiflich und auch dieſe Induſtrie ſieht keiner freundlichen Zukunft entgegen, zu⸗ mal da derſelben in dem Piaſavabeſen ein nicht ungefährlicher Concurrent er⸗ ſtanden iſt. — 14— Manche Kleinbauern ſuchen auch durch Fuhrweſen mit Rindvieh und vereinzelt auch mit Pferden ſich Verdienſtquellen zu verſchaffen, doch iſt auch dieſes Geſchäft kein glückbringendes und dem landwirthſchaftlichen Betrieb zumeiſt von Nachtheil. c. Landwirthe oder ſonſtige Bewohner der Gemeinde, die aus Standesvorurtheil oder Trägheit ꝛc. eine Verdienſtgelegenheit ablehnen, giebt es nicht. Frage VIII. a. Wie vertheilt ſich der ermittelte Betrag der Immobiliarverſchul⸗ dung auf die einzelnen Beſitzgruppen(größerer, mittlerer und kleinerer Grundbeſitz) und auf welche Gruppe entfällt der ſtärkſte Procentſatz der Schuldenlaſt? b. Datirt der Schuldenſtand aus älterer oder aus neuerer Zeit, im letzteren Fall, wie hat derſelbe im letzten Jahrzehnt zugenommen? c. Sind in den letzten 5 Jahren die Zinſen und Güterziele im All⸗ gemeinen regelmäßig bezahlt worden oder ſind bemerkenswerthe Rückſtände bekannt? d. Welche Urſachen haben einen erkennenswerthen Einfluß auf die Ver⸗ ſchuldung, z. B. das beſtehende Erbrecht oder die üblichen ehelichen Güter⸗ ſyſteme, unwirthſchaftlicher Ankauf von Grundſtücken zu hohen Preiſen, ungenügendes Betriebscapital, zu frühe Gründung eines eigenen Haus⸗ halts, Verſchwendung und nachläſſige Wirthſchaft, die Aufeinanderfolge ſchlechter Ernten u. ſ. w.? a. Der Stand der Immobiliarverſchuldung des hier in Betracht gezogenen Grundbeſitzes ergibt ſich aus den beiliegenden 4 Tabellen. Es muß hier auf den außerordentlich hohen Procentſatz der Immobiliarver⸗ ſchuldung überhaupt hingewieſen werden. Am ſtärkſten belaſtet iſt der Grundbeſitz derjenigen Perſonen, deren Exiſtenz auf den Betrieb einer kleinen Oeconomie und auf Taglohnarbeit gegründet iſt(Tabelle O). Es gehören dahin 52 Perſonen, wovon 45 Perſonen, deren Grundbeſitz einen Werth von 172820 Mk. hat, mit 72792 Mk. oder 43 pCt. des Werthes verſchuldet ſind. In der Tabelle B figurirt unter der erſten Beſitzgruppe ein Auszügler, alſo ein Mann ohne Nebenverdienſt, der, weil auch in der allgemeinen Ueberſicht aufge⸗ nommen, hier nicht weggelaſſen werden konnte. Was die nicht geſicherten Schulden, die Perſonal⸗ oder Mobiliarſchulden an⸗ langt, ſo wurde wohl ein gewiſſenhafter Verſuch gemacht, dieſelben feſtzuſtellen, aber wir vermögen bei der verhältnißmäßig großen Zahl von Ortseinwohnern überhaupt und der hier in Betracht kommenden Perſönlichkeiten im Beſonderen eine Garantie für die Richtigkeit dieſer Einſchätzung nicht zu übernehmen. Nur ſo viel ſteht feſt, — 15— daß die aufgeführte Mobiliarverſchuldung unzweifelhaft vorhanden iſt. Zweifelhaft könnte nur ſein, ob dieſelbe in Wirklichkeit keine größere iſt. Wir haben deßhalb ge⸗ glaubt, die Reſultate der bezüglichen Erhebung in die Tabellen wohl aufnehmen, aber bei den Ermittelungen in Spalte 9 und 10 nicht in Betracht ziehen zu ſollen. Von den in die allgemeine Ueberſicht aufgenommenen 115 Haushaltungen ſind nach den erwähnten Aufnahmen 47 mit Mobiliarſchulden belaſtet; hiervon entfallen 6 in die Gruppe der rein Landwirthſchaft treibenden(B), 21 in die Gruppe der Land⸗ wirthſchaft und Taglohn treibenden(C), 20 in die Gruppe der Landwirthſchaft und Gewerbe treibenden(D). b. In weitaus den meiſten Fällen muß als Urſache der hypothekariſchen Be⸗ laſtung die Uebernahme des elterlichen Beſitzthums mit den darauf ruhenden Laſten und eventuell Herauszahlung der geſchwiſterlichen Erbtheile angeſehen werden. Ein Auszug aus den Hypothekenbüchern der Gemeinde ergibt eine Zunahme der hypothekariſchen Einträge während des letzten Jahrzehntes. Die Zahl der hypo⸗ thekariſchen Einträge von 1864—1873 incl. betrug 127, die Zahl der Löſchungen in dieſer Zeit 79, die Zunahme der Einträge 48. In der Zeit von 1874—1883 incl. betrug die Zahl der hypothekariſchen Einträge 200, die Zahl der Löſchungen 75, die Zunahme der Einträge 175. Die Zunahme der Einträge in der letzten Periode übertrifft diejenige in der erſten Periode um 27. Ein großer Theil dieſer hypothekariſchen Einträge rührt daher, daß Bäcker, Brodhändler, Beſenhändler(für ihre Vorlage für Beſenreiſig), Gerber und Leder⸗ händler— daß alle dieſe Gläubiger, welche zur Zeit Zahlung ihrer Forderung nicht erwarten konnten, ſich ſo gut wie möglich Deckung dafür durch Einträge in das Hypothekenbuch zu verſchaffen ſuchten. c. Wie bei Frage VI des Näheren ausgeführt wurde, hat die Zahlung von Zinſen und Zielen in den letzten Jahren Manches zu wünſchen übrig gelaſſen. Der Grund dieſer Erſcheinung liegt einestheils wohl darin, daß ein Theil dieſer Schulden in den Schwindeljahren 1872—1876 in etwas leichtſinniger Weiſe contra⸗ hirt und unwirthſchaftlich verwendet wurden; auf der anderen Seite kann jedoch auch kein Zweifel darüber beſtehen, daß ſich die Erwerbsverhältniſſe ſowohl in Bezug auf die zahlreich vertretene Hausinduſtrie, als auch insbeſondere in Bezug auf den Wald⸗ fruchtbau in den letzten Jahren zunehmend ungünſtiger geſtaltet haben(ſ. Frage VII). 016˙96 30˙9½ 91 ——— aGout'n 0O9 9 068˙† 5910 3 0 01 G6 — 3— 01 6 600,16 6/,81 5 6=— 3 3 088,13 91,6 9 5 2 81˙6 87/1 3 1— 0 :PoinGplaog †6 28 00,001 z61“61 00861 I19'C 989,1, 69, 610 61,060 66 80,1 08 4 898,91 8 008,6 894,6 980,9 4 9,98 8 aGoutn O 9 b S†,I6 28,6 69,61 008,1 068/ 511,T 098,06 06,06 2 05 0 2 b 16,88 16,91 T9f,88 008,1 00†/9 190,08 299,0011 01ʃ8 81 01 6 5 F6,9f 06,66 0eIr 008/6 006,6 0⁰968 L21,96 88,˙9 35 6= 3 3 66,60 91,08 897,66 006,8½ 981˙6 116˙20 710,900 F. J7 08 538 5 b 8 28˙9† 189˙31 185/†6 000 11 51496 2186˙3, †181 6 1 60 :r*.nſplaog Qus V 26˙18 00˙001 vGI46I 00861 118˙9 88I, 6 19919 18,99 cll V 80,13 0841 898,01— 008,6 894,0 930,64 8,99 3 1Geutn 9. 66,† 28,6 59*,61 008,1 068,† 51IéGT 063,981 ogl II 03— 0I 6 f6,88 16,91 19,88 008,1 00†,8 790,08 599,001 04ʃ68 81 01=. 5 66,88 06,66 01,Er 008,9 006,0 069,68 681,/II 19,87 95 6 3 3 19,97 91,08 897,66 006, 981˙ 126,1G 168151 09,86 98 868 3 81˙68 18˙31 288 †6 000 1 212 92 610/59 29˙61 93 1 0 G Srrdcneglvoet aahich. 1 2 1 2 E nnpnes 4n9 1pp⸗ b ee ec 420 G 1 gun 10p 16 b 10 uouedcach u Söees,e Seses eumeelabe Aruehc dn rd 21b9 Won 22 29949 J gge uobg V vBvauanvimugip⸗aazun acuama ag iinplaa aa e 0 8˙89 10˙ † 8 —— aGout n 03 08˙88 10˙ † 8 02 1 — 1— 5— 1 :Polncplaog e 28˙8 00001 TII66 000ʃ1 00 †'8 r189˙15 188˙58 989˙901 8 ,s ree 999,6 008,5 9987† 960,87 2,06 5 Ageut en 06 26,97 06,16 866,91 008˙1 009˙ 868/81 66†,98 96 †6 3 0 ½3 00 81⁰6 95˙01 000˙8 0⁰6— 000˙8 0rS'8 80˙1 1 5— : rolncplaog d 27˙6 00000 †TI66 00 00†'88 71816 190,9OII Faloel I 85,66 79, 999,6— 008,5 998,/† 960, 2 2 aqout n 06 9¹*F 06,26 866,91 008˙ 009˙ 868,81-r8.,02 96,66 8 02 0 * 81˙†6 93˙01 090˙G 0⁰— 000˙9 0rS˙8 800 1 5— 1 a1pOo*& 261HS,lve, ui 1 2 2 u01 19pG b1 Sg=pgoda deer iie unoncp. u⸗Incp. unInp gnyq gun ap 16 99 IoaJ uzuocach u eee h e gee ip nves eidee e e 20d audg :uogrreg pge g. — ◻ 00 — ₰ 00 — G S — 2 X₰ ₰ᷣ — — „„ 01 6 F 228,I1 96,6 8 6=— 35 2 900ʃ6 187† 8 3 096 2†ʃ0 1 1= 60 f : Poin(plaog Jpn Le OOOOL L8E9J. der 989,1 56761, 28,2471l(8/911 9 5 b 88,68 89,46 969,06 008,1 008 988,05 664/,89 06,50 8 01 6 5 b 89,87 96,66 129,61 00†,— 149,61 068,†† 61,9 31— 3 3 87,66 96,68 626,†6 008˙T 980] 8 ⁵6,86 026,ε 9,03 FI 6 3 b 99,/8† 28˙91 39˙001 0⁰G 00⁰ 398˙6 29016 69˙8 1I 1— 0o V — 1 : pojnqplaod G 86˙8G 00˙00J1 8389 †1 06/† 988711 36 1⁄1 OIagel oloer 20 88,88 89,16 969,03 008,I 008 968,06 664,89 09,50 8 01—. 5 35, Pg 96,6 179,61 008, 149,61 696,90 ILc 91 4= 3 3 02ʃ † 66,68 646,5 008˙1 9801 876,86 961,86 g8 25 21 1 3 002* 28˙81 309,01 095 00 698˙6 60˙/66 90˙6 81 1— 0 491⸗ Lipnehoſ Hus iog di 6 d di 3 1g. 10*g ap* 10 5 1 2. 1 3 4 uenn cact ut uozuncac un uaſelh acht eInndnſlbe aeuhtg n dee enaſg, 157JG 8 : uogog uoogavgojob eun vgpge— 19 029˙0 † 86˙16 9 — aGout n 03 0re'II 59/51 1 02 0l „— 01— 6 08116 88,⁸ 1 6— 3 668,II 88,† 8 5 1118 89˙0 1 1— 90 :poInqplaod 91˙8 00000 398˙66 000˙9.20,GI 122 1 8509M 6191 9 10,61 vI9 302,6— 000 302, O66,65 86,8 1Gouu en 03 L1 99,5 19, 0½ F12 698,†8 98,08 3 052 01 88,†8 88,81 888,55 000, 00 5 88,6 028,98 06,88 9 01. 66,c8 92,16 6/4,966 00 5 8 006, 676,06 28 ,ʃ½ 61,66 01 4— 3 06,7g 19 78 fSIL,88 08,3 010 T86,08 T06,66 88,66 91 81 31 9† 10˙1 286/81 006˙1 9½ 098˙91 618˙18 98˙6 81 1 9˙0 :roinqplaog qu uoq.να 9†˙08 000011 398˙66 000˙9 429, e L. 8 108 96˙981 30 10,61 FI,9 302,— 000˙0 60, 066,66 86,c8 I ahom n 03 18, 99,5 197,3— 0⁄½, FIL,I 606,0† 86,6 † 8 03 01 88,†8 88,81 888,55 00, 001,8 88,6 028,98 06,88 9 01— 98,18 2216 674,06 00 ,3 006,6 676,06 216,08 8/½8 11 6= 32 T6,GF 19,†8 feL,ess 008, 0011 186,08 660,14 89,16 81 2 61†8 10˙91 C6˙ 02I„ 9„ 098˙81 2†00T*0˙01 7 I 9˙0 whesnenogt eehi 1 1 1 W aa at eres =11 218 590 ⸗=J och& 42( Cun 12E 10v ö“ 3 : uogoeg gaoatod dun p gtee. - G0”Aͤ S— SS S - GMen S — 20— Frage IX. a. Wie geſtaltet ſich die Rentabilität des landwirthſchaftlich benutzten Bodens bei großen, mittleren und kleineren(eigenen oder gepachteten) Gütern? b. Wenn die Rentabilität als eine unbefriedigende erſcheint, ſind die Gründe zurückzuführen hauptſächlich auf 1. die Fruchtbarkeits⸗Verhältniſſe der Gemarkung, 2. die mangelhafte Melioration und die Zerſplitterung der Grundſtücke, 3. die im Verhältniß zur Ausnutzungsfähigkeit zu hohen Preiſe des Bodens, 4. einen mangelhaften landwirthſchaftlichen Betrieb, 5. ein zu großes Gebäudecapital, 6. ungünſtige Arbeiterverhältniſſe, 7. ungünſtige Abſatzverhältniſſe(ſchlechte Preiſe, unrationelle Einrichtungen für den Abſatz u. ſ. w.), 8. frühzeitiges Zurückziehen der Eltern und Belaſtung der Güter mit hohen Altentheilen und Leibrenten, 9. Beſondere unwirthſchaftliche Gewohnheiten der Landwirthe, z. B. zu ſtarke Pferdehaltung u. dgl., 10. hohe Steuern und Umlagen und ſonſtige dem Commiſſär bekannt gewordene Verhältniſſe? Die Beſitzvertheilung des landwirthſchaftlich benutzten Bodens iſt in der Ge⸗ markung Unter⸗Schönmattenwag eine ſolche, daß überhaupt keine Wirthſchaften exiſtiren, die den eigenen Bedarf an Brodfrucht hervorbringen, und nur wenige, welche dem Beſitzer und ſeiner Familie annähernd auskömmliche Beſchäftigung bieten. Unter den in Anlage B zu Frage VIII zuſammengeſtellten 11 Haushaltungen, welche neben der Landwirthſchaft einen Nebenverdienſt nicht weiter ſuchen, befinden ſich zwei Aus⸗ zügler und eine Wittwe. Es giebt keinen Beſitzer darunter, der 4 Hectar Ackerland und 3 Hectar Wieſen zuſammen bewirthſchaftete. Der Hauptbeſitz dieſer Gruppe beſteht in Wald und man kann wohl ſagen, daß der landwirthſchaftlich benutzte Boden in einer Weiſe vertheilt, zu Betriebseinheiten oder Landwirthſchaften verbunden iſt, der eine Beurtheilung ſeiner Rentabilität von rein landwirthſchaftlichen Geſichtspunkten aus kaum bei den wenigen ſogen. größeren Wirthſchaften in der Gemeinde zuläßt. — 21— Alle übrigen Wirthſchaften haben einen ſo geringen Umfang an landwirthſchaftlich benutztem Boden, daß bei der Beurtheilung ihrer Rentabilität die rein landwirthſchaft⸗ lichen Momente gegenüber anderen Einflüſſen, wie ſie ſich z. B. in der Individualität des Wirthſchafters, ſeiner Frau und Kinder, ihrem Fleiß, der Achtſamkeit in der Benutzung der kleinſten Vortheile, dem Intereſſe für die Viehhaltung dem Geſchicke in Behandlung und Pflege der wenigen Thiere ꝛc. geltend machen, weit zurücktreten. Außerdem üben bei der Kleinheit der Verhältniſſe(Anlage II und III an ſich kleine Verſehen ſofort außerordentlichen Einfluß auf die Geſtaltung der Rechnung. Dasſelbe gilt von den Angaben der betreffenden Beſitzer, die ja nicht den geringſten Anhalt für dieſelben an irgend einer Aufzeichnung bieten können. Es konnten über⸗ haupt nur mit größter Mühe annähernd zuverläſſige Zahlen in dieſer Beziehung ge⸗ wonnen werden. Ferner ſpielt das Gebäudecapital, welches bei dem Beiſpiel der Anlage II 61 pCt., demjenigen der Anlage III 157 pCt. des Grundcapitals beträgt, in dieſen Fällen ſelbſtverſtändlich eine ganz andere Rolle, wie in einem normalen landwirth⸗ ſchaftlichen Betrieb und es kann deshalb das Reſultat der gleichmäßig angewendeten Methode der Rentabilitätsrechnung in dieſen beiden Fällen nicht ohne Weiteres mit demjenigen in Vergleich gezogen werden, welches bei der in Anlage I unterſuchten Wirthſchaft gefunden wurde. Es muß überhaupt der Unterſuchung dieſer kleinen Wirthſchaften ein mehr allgemeines volkswirthſchaftliches Intereſſe entgegengebracht werden und kann derſelben ſpeciell für die Beantwortung der hier in Betracht kommenden Frage der Rentabilität des landwirthſchaftlich benutzten Bodens in der Gemarkung Unter⸗Schönmattenwag eine allzu große Bedeutung nicht beigelegt werden. Der außerordentlich beſchränkte Beſitz an Ackerland und Wieſen geſtattete nicht bei der Auswahl der zu beſchreibenden Wirthſchaften, insbeſondere für die in Anlage II und III auszuwählenden, weſentliche Abſtufungen in den Beſitzverhältniſſen des landwirthſchaftlich benutzten Bodens zu machen. Das ausſchlaggebende Unterſcheidungs⸗ merkmal für die in Anlage II und III unterſuchten Wirthſchaften iſt der Waldbeſitz. Ein ſolcher Beſitz an Wald, insbeſondere Eichenſchälwald, auch wenn er nicht bedeu⸗ tender als der des in der Anlage II behandelten Gütchens iſt, übt immer einen gün⸗ ſtigen Einfluß auf die Erwerbsverhältniſſe des Beſitzers. Er bietet, abgeſehen von ſeiner an ſich guten Rente durch die regelmäßigen Erträge, auch mancherlei kleine Nebenvortheile, welche der Wirthſchaft zu Statten kommen, ſo namentlich in Bezug auf Streu und geringwerthiges Abfallholz. Es iſt überhaupt für die bäuerlichen Wirthſchaften eines großen Theiles des Odenwaldes der verhältnißmäßig große Beſitz an Waldland charakteriſtiſch und viele Gegenden des Odenwaldes verdanken ihren relativen Wohlſtand in erſter Linie dieſem Beſitz. Ein weiterer Umſtand, der die Auswahl der hier zu behandelnden Wirthſchaften erſchwerte, lag, da es ſich ja nicht um eine Unterſuchung der Lage des Handwerks oder der Gewerbe überhaupt handelt, darin, daß es darauf ankam, paſſende Beſitzer zu finden, die neben ihrer Wirthſchaft kein eigentliches Handwerk betreiben, ſondern — 22— als land⸗ oder forſtwirthſchaftliche Arbeiter thätig ſind. Die Anfertigung von Beſen, womit ſich beide Beſitzer in den Wintermonaten beſchäftigen, kann für kein Handwerk gelten, es iſt dieſe Beſchäftigung, wie bei Frage VII des Näheren ausgeführt wurde, eine von dem landwirthſchaftlichen Mittelſtande ganz allgemein gepflegte Haus⸗ induſtrie. Dieſes vorausgeſchickt, ſei hier in eigentlicher Beantwortung der Frage noch das Folgende erwähnt: Die Rentabilität des landwirthſchaftlich benutzten Bodens, ſoweit ſich derſelbe zu ſolchen landwirthſchaftlichen Betrieben vereinigt findet, die ein Urtheil vom land⸗ wirthſchaftlichen Geſichtspunkte aus zulaſſen, kann als eine befriedigende nicht bezeichnet werden. Die Gründe hierfür dürften im Weſentlichen zu ſuchen ſein: 1. In der geringen Fruchtbarkeit des Ackerlandes im Allgemeinen(ſiehe Frage D. z 2. In der ſchwierigen und koſtſpieligen Bewirthſchaftung desſelben, bedingt in der ſteilen Lage und großen Entfernung eines großen Theiles der Grundſtücke vom Ort und der mangelhaften Anlage der Feldwege(Frage I und II). 3. In einem etwas zu großen Gebäudecapital. 4. In einer etwas zu ſtarken Belaſtung des Grundbeſitzes durch Communal⸗ umlagen. 5. In einem wenig rationellen Betrieb. Punkt 1 und 2 ſind in der Beantwortung der Fragen I und II hinlänglich erörtert. Zu Punkt 3 ſei erwähnt, daß das Gebäudecapital der in Anlage I unterſuchten Wirthſchaft 42 pCt. des Grundcapitals beträgt, während für die vorliegenden wirth⸗ ſchaftlichen Bedürfniſſe ⅞ desſelben mehr als genügen würde. Zu Punkt 4 ſei nur darauf hingewieſen, wie in den kleineren Wirthſchaften der Anlage II und III die Ausgaben für Steuern und Umlagen(incl. Perſonalſteuern und Tilgungsrente) einen viel kleineren Procentſatz des Rohertrages ausmachen, das Wirthſchaftsreſultat alſo bedeutend weniger beeinfluſſen, als bei der relativ größeren Wirthſchaft. Es iſt dieſes eine Erſcheinung, der man überall begegnen wird und die deshalb nicht ohne Intereſſe für die Frage der Steuerveranlagung überhaupt ſein dürfte. In der Wirthſchaft der Anlage I betragen die Steuern und Umlagen 13 pCt. des Rohertrages, Anlage II 7 pCt. und Anlage III 2,8 pCt. des Rohertrages. Die Steuern und Umlagen der Wirthſchaft in Anlage I betragen ca. 17 pCt. des Rein⸗Einkommens des Wirthſchafters(1135,22 Mk.), wie es ſich zuſammenſetzt aus den Renten der verſchiedenen in der Wirthſchaft thätigen Capitalien und dem Arbeitsverdienſt des Wirthſchafters mit ſeiner Familie. Zu Punkt 5 ſei unter Hinweis auf alles das, was bei Beantwortung der früheren Fragen in dieſer Beziehung ausgeführt wurde, hier nochmals hervorgehoben, daß in der unrationell betriebenen Viehwirthſchaft der wunde Punkt des landwirth⸗ ſchaftlichen Betriebes in der Gemeinde Unter⸗Schönmattenwag liegt. Durch reich⸗ lichere und richtigere Ernährung könnte der doppelte Nutzen aus dem vorhandenen — 29— Viehſtand gezogen werden, es würde mehr und beſſerer Stalldünger gewonnen und damit das Mittel zur Steigerung der Erträge des Ackerlandes. Durch etwas ſorgfältigere und rationellere Pflege der Wäſſerwieſen, durch regel⸗ mäßige Düngung derjenigen Wieſenländereien, die keine ausreichende Bewäſſerung finden können, mittelſt künſtlichen Düngers könnten bereits weſentlich höhere Erträge erzielt und damit die Baſis der Viehhaltung mehr geſichert und erweitert werden. Frage X. Zu welchen Schlußbetrachtungen gelangt die Commiſſion auf Grund ihrer Erhebungen über die Geſammtlage der landw. Bevölkerung der Gemeinde, bezw. von welchen Verhältniſſen oder Maßnahmen glaubt ſie eine Beſſerung der wirthſchaftlichen Lage erwarten zu dürfen? Die Gemeinde Unter⸗Schönmattenwag kann, wie aus der Beantwortung der vorhergegangenen Fragen zur Genüge hervorgetreten ſein dürfte, für die landwirth⸗ ſchaftlichen Verhältniſſe nur eines Theiles des ſüdlichen, ſüdöſtlichen und ſüdweſtlichen Odenwaldes als typiſch angeſehen werden. Während wir in der Mehrzahl der Ge⸗ meinden dieſer Gegend einen zahlreichen, mittleren Bauernſtand finden, kann von einem ſolchen in Unter⸗Schönmattenwag nicht wohl die Rede ſein. Wir finden nur in wenigen Gemeinden ein ähnliches Mißverhältniß zwiſchen der anſäſſigen Bevölke⸗ rung und dem Umfang des landwirthſchaftlich benutzten Bodens. In Bezug auf das, was die Lage des Grundbeſitzes in der Gemarkung Unter⸗ Schönmattenwag gemeinſames hat mit der Lage derjenigen bäuerlichen Beſitzer in den übrigen Gemeinden des hier in Betracht kommenden Theiles des Odenwaldes, ſei hier hervorgehoben: 1. Der im Allgemeinen noch mangelhafte, hinter den Anforderungen der Zeit zurückgebliebene Stand des landwirthſchaftlichen Betriebes, insbeſondere auf dem Ge⸗ biete der Viehzucht, der Viehernährung und Pflege, der Erzeugung und Verwerthung der Milch. Der Betrieb muß im Allgemeinen als zu wenig intenſiv bezeichnet werden. 2. Die verhältnißmäßig hohe hypothekariſche Belaſtung. Eine Beſſerung auf dieſem Gebiete kann nur eintreten, wenn die vorhandene, kündbare Hypothekenſchuld nach und nach umgewandelt wird in eine unkündbare Rentenſchuld mit Amortiſations⸗ zwang in mäßigen Grenzen. Ein Mittel zur Erreichung dieſes Zieles erblicken wir in der Errichtung einer Landescreditkaſſe. 3. Die hohe Belaſtung des Grundbeſitzes durch Communalabgaben. Haben wir doch Gemeinden im Odenwald, in welchen die Communalſteuer das 4⸗ und 5fache der Staatsſteuer beträgt. Hier könnte nur durch Uebertragung eines Theiles der Communallaſten auf den Staat und eine gerechtere, den Einkommensverhältniſſen und den heutigen poli⸗ tiſchen Rechtsverhältniſſen der Gemeindeangehörigen mehr Rechnung tragende Veran⸗ lagung der Gemeindeumlagen geholfen werden. — 24— Was ſpeciell die Lage der grundbeſitzenden Bevölkerung der Gemeinde Unter⸗Schönmattenwag, wovon 93 pCt. auf Nebenverdienſte angewieſen ſind, an⸗ langt, ſo geht aus den vorausgegangenen Erörterungen ohne Schwierigkeit hervor, daß die Erwerbsverhältniſſe derſelben zurückgehen. Das vorhandene land⸗ und forſt⸗ wirthſchaftlich benutzte Areal vermag den vorhandenen zahlreichen Arbeitskräften eine auskömmliche Beſchäftigung nicht zu bieten; der vorhandenen und in zahlreichen Haus⸗ haltungen ausgeübten Hausinduſtrie wird allmälig die Exiſtenz⸗Baſis entzogen und die Zeit dürfte nicht mehr ferne ſein, wo ſich ein großer Theil dieſer Arbeitskräfte gezwungen ſehen wird, auszuwandern oder ſich auswärts, mit vorläufiger Zurück⸗ laſſung der Familie, Verdienſtgelegenheiten zu ſuchen. Auf der andern Seite unterliegt es dagegen keinem Zweifel, daß durch Anlage einer Secundärbahn dem Laufe des Ulfenbaches entlang, die Unternehmungsluſt ge⸗ weckt, daß neue Induſtrieen geſchaffen und die vorhandenen einen neuen Aufſchwung nehmen würden und daß ſomit im Thale ſelbſt ausreichende Verdienſtgelegen⸗ heiten nicht allein für die überſchüſſigen Arbeitskräfte der Gemeinde Unter⸗Schön⸗ mattenwag, ſondern auch für diejenigen der ganzen Umgegend geſchaffen werden könnten. Bei der heutigen Schlußberathung, der außer den Unterzeichneten der Großh. Amtmann Bichmann von Heppenheim, das Kreisausſchußmitglied Johann von Ober⸗ Schönmattenwag, der Bürgermeiſter und der Ortsgerichtsvorſteher von hier bei⸗ wohnten, wurde Weſentliches zu dem vorſtehenden Bericht nicht bemerkt. Unter⸗Schönmattenwag, den 5. Auguſt 1886. Jaup, Geheimerath. Dr. Aug. Heidenreich. Anlage I. Gemeinde Unter⸗Schönmattenwag. Beſitzſtand, Natural⸗ und Geld⸗Rechnung und Rentabilitäts⸗Berechnung eines größeren Bauerngutes von 25,2 Yectar. Der Beſitzer iſt verheirathet, 55 Jahre alt, Vater von 6 Kindern, wovon 2 Söhne und 4 Töchter. Die letzteren, im Alter von 20, 22, 27 und 29 Jahren, arbeiten nach Bedarf in der Wirthſchaft und beſchäftigen ſich in der übrigen Zeit mit Weißzeugnähen und Kleidermachen. Der älteſte Sohn iſt 17 Jahre alt und be⸗ ſtändig in der Wirthſchaft beſchäftigt; der jüngere Sohn iſt 13 Jahre alt und noch ſchulpflichtig. Die Frau iſt 58 Jahre alt und noch rüſtig. Der Beſitzer ſelbſt iſt etwas kränklich und nicht mehr ganz arbeitstüchtig. Die Kinder ſind alle geſund und arbeitsfähig. I. Beſitzſtand. A. Grund und Boden mit Obſtbäumen(Grundcapital). 3,11 Hectar Ackerland in 11 Parcellen, mittlerer Kaufwerth Mk. 2510,— 2,6„ Wieſen 7 10 7 1 1 1 6300,— 13,0 1 Schälwald 11 14 2 1 1 2 3360,— 6,5„ Niederwald„ 10„„„„ 1940,— 25,2 Hectar in 45 Parcellen, mittlerer Kaufwerth Mk. 14110,— Steuercapital incl. Gebäude: fl. 150,9. Obſtbäume: 36 tragbare Apfelbäume à Mk. 10..... Mk. 360 8„ Birnbäume à Mk. 8.....„ 64 4„ Zpwetſchenbäume à Mk. 2.... 5 8 9 neuangepflanzte Apfelbäumchen à Mk. 1..„ 9 Summe. Mk. 441 26— Wiederholung. Grund und Boden......... mk 14110 Obſtbäume...„ 441 Mk. 14551,— B. Gebänude. Ein Wohnhaus mit Stall, Holzſtall und Keller, eine Scheuer mit Stall, Schuppen und Vorhalle, laut Brandcataſter.„ 6100,— C. Viehſtand. 2 Ochſen........... M. 560,— 4 Kühe à Mk. 200....„ 800,— 1 Rind.........„ 80,— 2 Läufer, Ankaufspreis.... 5 38,— 9 Hühner Ie..„ 13,50 3 5 Bienenſtöcke à⸗ Mk. 8......„ 40, —„ 1531,50 D. Todtes Inventar. 6. 1 ſchwerer und 1 leichter Fuhrwagen mit Heu⸗ und Miſtleitern.... Mk. 200,— alaff- 1 amerik. Wendepflug mit Aurberneſel 3— 25,—. 1 Ggge....„ 12, 67, Ketten und Anſpanngeſchirre.„ 50, 92⁵ 1 Häckſelmaſchine.........„ 50,— Np. 1 Getreidewindfege....„ 20,— ur 1 Obſtkelter mit Mahlvorrichtung!. 9 15,— Faß⸗ und Bandgeſchirr.. 3„ 35,— Handgeräthe incl. Säcke und Wagentücher.„ 80,— Hausrath incl. Kochgeſchirr......„ 110,— E. Vorrath an umlaufendem Betriebscapital ſiehe Rentabilitätsberechnung........ 560,— Werth des geſennten Beſtbes.. Mr. 233 23339,50 50 Inventar der engeren Familienwohnung(Mobiliar incl. Betten, Bettwäſche und vorräthiges Leinentuch) Mk. 720. — 27— II. Natural-Rechnung. A. Natural⸗Ertrag. Aus dem Acker⸗ und Wieſenbau. Circa 2 Hectar des Ackerlandes werden nach dem ortsüblichen Syſtem der ver⸗ beſſerten Dreifelderwirthſchaft bewirthſchaftet(Kartoffeln[Heidekorn und Buchweizen], Korn, Hafer); der Reſt des Ackerlandes, welches die mehr zu Thal liegenden, frucht⸗ bareren Parcellen umfaßt, wird in ziemlich freier Wirthſchaft zum Anbau von Früh⸗ kartoffeln, Weißkraut, Hanf, Rübſen mit darauffolgenden Runkelrüben, Spelz⸗ und Korngemenge(Miſchfrucht) mit darauffolgenden Stoppelrüben und Gerſte benützt. Rothklee wird nicht in regelmäßigem Turnus, ſondern nur ausnahmsweiſe einmal in geringer Ausdehnung angebaut. Der Anbau dieſer Früchte und der durchſchnittliche Natural⸗Ertrag ſtellt ſich hiernach ungefähr wie folgt: Getreide Rübſen Hanf ſ8522 4[2=SE 4——— 8 S S 5 Anbaug le 4 L22 6 58 S[S8⸗ Centner 9⸗b- Buchweizen. 0,25 Hect. 4,00 7 ſa. Korn... 0,75„ 15,00 36 925 Hafer... 0,75„ 13,50 21 8 G.„ Miſchfrucht: N Spelz.. 2,05 15 Ae Korn. 0,25„.5,00— ,4 Gerſte.. 0,12„ 3,50 4,5 Rübſen, Winter) 0,12„—— 2,5 6 Hanf.. 0,12„-—— 10,6 0,2 Kartoffeln. 0,75„—————— 180 Runkelrüben. 0,12„————- 1——[—[100 Stoppelrüben. 0,25„———————— 25 Wieſen. 2,60„——-— J9—-— 1—[-[250 Obſt.———— A---— 1— 29 Der Durchſchnittsertrag berechnet ſich pro ¼ Hectar annähernd wie folgt: bei Korn auf 5 Ctr. Körner, 12 Ctr. Stroh, II Hafer 2 4,5 2 2 7 II 2 11 Miſchfrucht 11 7,5. 7. 11 15 2 2 FI G erſte 2 7 0 2 2 9 II/ „ Buchweizen„ 4,0„. 7,„(lufttrocken), „ Winterrübſen„ 5,0„„ 12„ 12 — 28— bei Kartoffeln auf 60,0 Ctr. geſunde Knollen, „ Runkelrüben„ 100,0„ Rüben, „ Wieſen„ 24,0„ Heu und Grummet. Aus dem Wald. Das ganze in der Gemarkung Unter⸗Schönmattenwag gelegene Areal an Eichen⸗Schälwald wird auf Grund eines Ortsſtatutes in 13 jährigem Turnus be⸗ wirthſchaftet. Zu dieſem Ende iſt das ganze Areal in 13 große Schläge eingetheilt, von welchen in jedem Jahre nur ein Schlag zum Abtriebe kommt. In Folge deſſen können die Beſitzer der in einem ſolchen Schlag gelegenen Parcellen nur alle 13 Jahre zur Nutznießung derſelben gelangen. So ſehr der Flurzwang im Feldbau einer jeden rationellen Bewirthſchaftung hindernd im Wege ſteht, ſo nützlich wirkt in der Schälwaldwirthſchaft das Feſthalten an einer beſtimmten, ausreichenden Umtriebszeit, wie ſolches durch den Zwang eines derartigen Ortsſtatutes garantirt iſt, und wie ſolches insbeſondere den kleineren Privat⸗Waldbeſitzern gegenüber ſehr oft angezeigt erſcheint. Nur wäre eine Con⸗ ſolidation bezw. Separation der Beſitzverhältniſſe in dem Sinne von großem wirth⸗ ſchaftlichem Vortheile, daß der Beſitz nach Möglichkeit gleichmäßig in den Betriebs⸗ ſchlägen vertheilt würde, wodurch eine gleichmäßigere Nutzung und eine beſſere Ver⸗ werthung der verſchiedenen Producte möglich würde. Die 14 Schälwaldparcellen des Beſitzers liegen zerſtreut in 5 der vorſtehend bezeichneten Schlägen, gelangen alſo innerhalb 13 Jahren einmal und zwar in 5 Portionen zur Nutzung. Der Ertrag iſt ungefähr der folgende: 1874 circa 110 Ctr. Rinden, 45 Meter Holz, 1877 If 100 2 2 40 2 2 1878 2 100 2 2 40 2 2 1880„ 60„ 86 30 1882„ 130„„ 55 p„„ Aus dem Viehſtand. Milch. Durchſchnittlich im Jahre pro Kuh 870 Liter, pro Tag und Kuh 2,5 Liter, im Ganzen 3580 Liter. 1 Rindvieh. Alljährlich kommt im Frühjahr 1 Paar Ochſen zum Verkauf, wo⸗ gegen 1 Paar jüngere wieder eingekauft werden. Alle 4 Jahre kommen ca. 3 Kühe zum Verkauf und jährlich 2 Kälber. Schweine. Es werden jedes Frühjahr 2 Läufer gekauft, für den Haushalt gemäſtet und mit einem Schlachtgewicht von circa 150 Pfund pro Stück geſchlachtet. Geflügel. Durchſchnittlich 600 Eier pro Jahr. Honig. Durchſchnittlich 12— 15 Pfund. — 29— B. Natural⸗Bedarf. Für Saatgut: Korn 0,75 Hectar..... 3 Ctr. 25 Pfd. Hafer 0,75„..... 3„ 25„ 4 Spelz.—„ 75„ Midfrnßt Oe,(2amn..., ³5. Gerſte 0,12„„ 60„ Kartoffeln 0,75„... 27„„ Buchweizen 0,25„„ 50„ Hanfſamen 0,12„....„ 45„ Rübſen 0,12„„ 4„, Rübſamen 0,25„.....=„ 1„ Für den Viehſtand: Buchweizen, den Schweinen..... 3 Ctr.— Pfd. Hafer, dem Rindyieh....... 10„ 25„ Gerſte, den Hühnern... 92„ 90„ Kartoffeln, dem Rindvieh u. den Schweinen 100„=„ Rüben,„„..... 125„„ Wieſenheu und Grummet..... 250„—„ Stroh....... 86„ 50„ Kleie von eigenem Mahlgut 5„ 25„ Rapskuchen von eigenem Eihlan... 1„—„ Waldſtreu...—.. 200„„ Rapskuchen zugekauft....... 4„—„ Viehſalz.... 14„—„ Milch, entrahmt und Buttermilch ca. 180 Liter. Der Werth der für den Viehſtand verwendeten Producte(incl. des zugekauften Kraftfutters, ſiehe Gelirechmmnd) beträgt in runder Summe annähernd.... Mk. 1436,— Der Werth der von Rindvieh, Schweinen uun Geflügel ezielten Producte berechnet ſich im Ganzen in runder Summe annähernd auf„ 936,— Es würden demnach an den Koſten der für den Viehſtand ver⸗ wendeten Producte noch durch den Stallmiſt zu decken ſein.... Mk. 500,— Die Stallmiſtproduction von Rindvieh und Schweinen iſt annähernd auf 800. Ctr. zu ſchätzen, ſo daß 1 Centner auf etwa 63 Pf. zu ſtehen kommt. Dieſe Con⸗ trolle iſt im Uebrigen keine ſehr zuverläſſige, da in dem vorliegenden Falle eine ganze Reihe von Zahlen naturgemäß auf Schätzung beruhen muß. Für die Famitlie: Roggen, ſelbſt gebaut..... 16 Ctr. 50 Pfd. Roggen in Form von Brod zugekauft 12„ 40„ Weizen(Spelz), ſelbſt gebaut.... 41)„ 75 1„ Weizen(als Mehl lunſt)... 2„ 70„ Kartoffeln....... 80„„ Fleiſch ca. 3„ 80„ (Hiervon ca. 330 Pfd. ſelbſtproducirtes Schweinefleiſch ſinel. Wurſt] und excl. Schmalz u. 50 Pfd. zugekauftes Rind⸗ fleiſch.) Butter.....„ 52„ Schmalz.....„ 16„ Rapsöl von eigenem Sclar Kaffee......=„ 25„ Cichorie, 52 Paquete. Zucker............„ 52„ Salz 1„„ Petroleum...... 50 Liter, Milch, unabgerahmt.... 1050„ Milch, aüerahnt, und d Vutternih. 1600„ Obſtwein.... 600„ Dörrobſt. Eier............ 400 Stück, Weißkraut..... 250„ Holz, eigenen Wachsthums 6 Meter, Hanf, ſelbſt gebaut zu Kleidung... 20 Pfund. Der Verbrauch an Nahrungsmitteln für die 8 Perſonen ſtarke Familie berechnet ſich hiernach pro Kopf und Tag auf rund circa: 531 Gramm Getreide, 1400„ Kartoffeln, 65„ SFleiſch, 9„ Butter, 3„ Schmalz, 4„ Kaffee, 8„ Zucker, 17 Salz, 0,9 Liter Milch, 0,2„ Obſtwein. Der Werth der verbrauchten Nahrungsmittel beträgt annähernd jährlich Mk. 7 1030 und täglich Mk. 2,90, oder pro Kopf und T Tag ca. 35 Pf. Die Lebensweiſe der Familie iſt folgende: Erſtes Frühſtück: Kaffee mit Brod, Butter oder Schmierkäſe; zuweilen auch ſtatt Kaffee ꝛc. eine Milchſuppe. Zweites Frühſtück: Nur während 7 Monaten; in den 5 Wintermonaten fällt dasſelbe aus. Brod mit Käs und Obſtwein, zu Erntezeiten auch Käs und Butter. Mittageſſen: Suppe(Kartoffel⸗ oder Milchſuppe), Kartoffeln oder ein an⸗ deres Gemüſe und Kartoffeln und täglich Fleiſch, mit Ausnahme der Faſten und Freitags, alſo im Ganzen an 300 Tagen. Vesperbrod:(Fällt während der 5 Wintermonate aus), wie zweites Früh⸗ ſtück, an Sonntagen Kaffee. Abendeſſen: Milch⸗ oder Kartoffelſuppe, Brod mit Käs und Obſtwein, oder Kartoffeln und Dickmilch, Brod und Schmierkäſe. Die Eier werden in der Suppe, den Mehlſpeiſen, geſotten oder gebacken gegeſſen. III. Geld-Rechnung. A. Einnahmen. 1 Ctr. Rübſen.......... Mk. 11,— 75 Pfd. Butter u 80 Pf.............„ 60,— 730 Liter Milch à 15 Pf............„ 109,50 200 Stück Eier Aà 5,5 Pf.............„ 11,— 10 Pfd. Honig à 80 Pf.............„ 8,— Vieh: Ueberſchuß aus dem jährlichen Ochſenhandel. Mk. 60,— in 4 Jahren 3 Kühe à Mk. 180= Mk. 540„ 135,— jährlich 2 Kälber à Mk. 25......„ 50,— ——„ 245,— Aus dem Wald: In 13 Jahren eine Geſammt⸗Einnahme von ca. Mk. 3250 pder pro Jahr ca.........„ 250,— Summe.. Mk. 694,50 B. Ausgaben. Steuern und Umlagen: Grund⸗ und Gebäudeſteuer....... Mk. 47,34 Gemeinde⸗Umlagen hierauf.......„ 93,80 Staats⸗Einkommenſteuer........„ 17,88 Gemeinde⸗Einkommenſteuer.......„ 16,32 zu übertragen.. Mk. 175,34 3²³ — 32— Uebertrag.. Mk. 175,34 Tilgungsrente...........„ 14,20 Forſtwartbeſoldung........... 5,84 Pfarrholzgeld.............„ 3,12 Schälfrucht....II......„ 2,18 er- und Hahnen eld..„—,62 Hüihner id Hahnemm— Mk. 201,30 Taglöhne..............„ 50,— Mahllohn von 16 ½ Ctr. Korn à 85 Pf........„ 14,— Unterhaltung der Gebäude: Wirkliche Ausgabe.....„ 30,— Unterhaltung des todten Zn nlune duitlch 2ueuauo: Dem Wagner.... Mk. 20,— „ Schmied.....„ 30,— Ergänzung der Handgeräthe....... 34 5,— „ des Hausrathes......„ 5,— o Verſicherungsprämien(wirkliche Ausgabe): Für Gebäude..„ 7,32 (Die Mobilien ſind nicht gegen Feuer und die Crescenzien nicht gegen Hagel verſichert). Zukauf von 3500 Dickwurzpflanzen.........„ 3,50 Zukauf von 1 Paar Einlegeferkel............„ 35,— Zukauf von Kraftfutter: 2 4 Etr. Rapaluchen............„ 32,—— Zukauf von Futterſalz(1 Ctr.).........„ 2,30 Heizung und Beleuchtung: 20 Meter Golz............ Ml. 60, 50 Liter Petrolenmm.........„ 13,— ——„ 73,— Zukauf von Nahrungsmitteln: 1240 Pfd. Kornbrod à 9 Pf...... Mk. 115,73 200„ Weizenmehl....„ 40,— 50„ Fleiſch A 60 Pf.......„ 30,— Kaffee und Cichorte.......„ 37,50 ulcker..........„ 20,— Kochſalz.......„ 10,— — 253,23 Bekleidung.„ 362, Arzt und Apotheke........ ͤ......„ 10,— 7. Verſchiedenes„ 5,35 ———;— Summe Mk. 1139,— ———„——ÿ— — 32— C. Vergleichung der Geld⸗Einnahmen und Geld⸗Ausgaben. Die Einnahmen betragen..... Mk. 694,— Die Ausgaben betragen.....„ 1139,— Die Ausgaben betragen mehr als die Einnahmen Mk. 445,—, welche gedeckt werden durch Mk. 100 Kapitalzinſen und der Reſt durch Arbeitsverdienſt der Töchter und Fuhrlohn, welcher mit dem Ochſengeſpann gelegentlich erzielt wird. Der Beſitzer erklärt übrigens, daß er in den letzten Jahren gezwungen war, zur Deckung des Deficites ein kleines Kapital aufzunehmen. IV. Rentabilitäts-Berechnung. A. Rohertrag. Erlös aus verkauften Producten...... Ml. 694,— Werth der für die Vunilit aus der wirſhafte entnommenen Producte.... 2, 825,40 Summa.. Mrk. 1519,40 B. Productionskoſten. 1. Gebäudecapital: Feuerverſicherungsprämien....... Mk. 7,32 Abnutzung à 0,5 pCt.........„ 30,50 Inſtandhaltung.„ 30,— Zinſen aus Mk. 6100 à 4 pCt...„ 244,— —-;3 Mk. 311,82 2. Capital des lebenden Inventars: Zinſen aus Mk. 1531 à 4 pGt..Mk. 61,24 Unfallverſicherungsprämie à 2 ½ pCt....„ 38,27 —„ 99,51 3. Capital des todten Inventars: Zinſen aus Mk. 597 A 4 pGt.... Ml. 23,88 Feuerverſicherungsprämie 0,15 pGt....„— ,90 Erneuerung und Inſtandhaltung....„ 60,— —„ 84,78 4. Zinſen des umlaufenden Betriebscapitals, dasſelbe beträgt 50 pCt. der jährlichen baaren Auslagen= Mk. 577 à 6 pCt.....„ 33,60 5. Hagelverſicherungsprämie 1 pCt. vom Werth der Getreideernte (M. 540)....„ 5,40 6. Feuerberſicherungsprämtie von Mk. 1800 0, 15 pEt.„ 2,70 7. Steuern und Umlagen(excl. Tilgungsrente und Perſonalſteuern) 2 151,90 zu übertragen.. Nr. 689,71 — 34 Uebertrag.. Mk. 689,71 8. Kraftfutter und Zukauf von Schweinen.„ 69,30 9. Rübenſetzlinge und Rübſamen...„„ 4,— 10. Heizung und Welehtmng, 25 der der Geſamutursgabe„ 30,25 11. Thierarzt..... 1130. 11. Dp, 3,— 12. Arbeitslöhne: Taglöhner 1 Mann 30 Tage à Mk. 1,30 und Koſt... n...., Mk. 50, Wirthſchafter und Sohn..... 1, 474,50 Franu....„ 120, Tüchtet.„ 51,— --„ 695,50 Summe Mk. 1491,76 C. Reinertrag. Der Rohertrag beträgt.... Mk. 1519,40 Die Productionskoſten betragen.„ 1491,76 Bleibt Reinertrag.. Mk. 27,64 Rechnet man hierzu den Werth der freien Wohnung, welche mindeſtens auf Mk. 100 Miethwerth zu veranſchlagen iſt, ſo ergibt ſich ein Reinertrag von Mk. 127 und eine Verzinſung des Grundcapitals incl. Obſtbäume, welches zu Mk. 14551 ge⸗ ſchätzt iſt, von 0,87 pCt. Die nächſte Urſache dieſer geringen Rente liegt in der ſchlechten Viehhaltung des Beſitzers. Betrachtet man die geringen Erträge aus Milch, aus Jungvieh und aus der Ochſenhaltung, ſo iſt das Urtheil a priori geſtattet, daß durch dieſen Factor allein eine weſentliche Steigerung der Rente herbeigeführt werden könnte. Der Beſitzer hatte ſeither gleich anderen größeren Waldbeſitzern der Gemeinde die ganze Crescenz(Holz und Rinde) ſeiner zum Abtrieb kommenden Schälwald⸗ parcellen auf dem Stocke verkauft und ſich um das ganze Erntegeſchäft nicht weiter zu kümmern. Seinen Holzbedarf erſtand er wie jeder andere Nichtwaldbeſitzer bei Dritten. Der Schälwaldbeſitz gewinnt dadurch den Character einer Capitalanlage und verliert diejenige wirthſchaftliche Bedeutung, welche er in anderen Gegenden des Odenwaldes dadurch beſitzt, daß es dem Beſitzer mit ſeiner Familie und dem Geſinde auf mehrere Wochen lohnende Arbeit in einer Zeit ſichert, wo alle anderen land⸗ wirthſchaftlichen Arbeiten gewöhnlich ruhen. Anlage II. Gemeinde Unter⸗Schönmattenwag. Beſitzſtand, Natural⸗ und Geld⸗Rechnung und Rentabilitäts⸗Berechnung eines Taglöhnergütchens mit Waldbeſitz von 6,1 Hectar. Der Beſitzer iſt verheirathet, 56 Jahre alt, die Frau iſt 55 Jahre alt; beide Gatten ſind körperlich rüſtig und arbeitstüchtig. Sie beſitzen 1 Sohn von 21 Jah⸗ ren, 1 Mädchen von 16 Jahren und ein ſolches von 12 Jahren. Dieſe 3 Kinder ſind noch im Elternhauſe und in der elterlichen Wirthſchaft thätig. Ein zweiter Sohn von 18 Jahren hat das Bäckereihandwerk erlernt und iſt zur Zeit in der Fremde.— In den Jahren, in welchen der Beſitzer in ſeinem eigenen Walde keine Eichenlohrinden zu ernten hat, übernimmt derſelbe mit ſeinem Sohne und ſeiner älteren Tochter dieſe Erntearbeiten bei anderen Waldbeſitzern und zwar in der Regel im Akkord. Zur Zeit der Getreideernte geht ſeit einigen Jahren der älteſte Sohn auf 10— 14 Tage zur Uebernahme der Erntearbeiten nach der Rheinebene und nach Rheinheſſen, in Winterszeit werden Beſen aus Birkenreiſig angefertigt. Mit Ueber⸗ nahme der Erntearbeiten einer Lohhecke iſt gegen Entrichtung einer Pacht von Mk. 10 bis Mk. 12 in der Regel verbunden das Recht zum Anbau von Korn auf dem betreffenden Waldboden, ſo zwar, daß der Beſitzer des in Rede ſtehenden Taglöhner⸗ gütchens noch regelmäßig jährlich ca. zwei Morgen Korn auf Waldboden, ſog. Rod⸗ landkorn oder Röderkorn anbaut. Es geſchieht dieſes in erſter Linie des Stroh⸗ bedürfniſſes für Futterzwecke wegen.— Außerdem geht der Sohn noch ab und zu in Taglohnarbeit. Der Grundbeſitz iſt mit einer Hypothekſchuld von Mk. 1539 belaſtet, wovon jährlich à 5 pCt. Mk. 76,95 Zinſen zu zahlen ſind. — 36— Beſitzſtand. A. Grund und Boden mit Obſtbäumen(Grundcapital). 1,17 Hectar Ackerland in 8 Parcellen, mittlerer Kaufwerth Mk. 655,— 0, 92 2 Wieſen„ 8 2 1„„„ 1020, 3,30„ Schälwald„ 1„„„„ 940,— 0,71„ Niieerwald„ 1„ 5,„ 240,— 6,10 Hectar in 18 Parcellen, mittlerer Kaufwerth Mk. 2855,— Steuercapital incl. Gebäude: fl. 26,7. Obſtbäume: 15 tragbare Apfelbäume à Mk. 10... Mk. 150,— 3„ Virnbäume à Ml. 5....„ 15,— Summe. Mlk. 165,— Wiederholung. Grund und Boden........ Ml. 2855,— Obſtbäume....:.........„ 165,— — Mk. 3020,— B. Gebäude. Ein Wohnhaus mit Eihener und Vnden ihmweläſtaſt mit Knieſtock.....„ 1850,— C. Viehſtand. 2 Kühe à Ml. 250.... Nk. 500,— 2 Maſtſchweine(als Milchferkel neuuid.„ 20,— 4 Hühner à Mk. 1,50.... 7 6,— —-l„ 5926,— D. Todtes Inventar. 1 Fuhrwagen mit Heu⸗ und Miſtleiteren.. Mk. 78,— 1 amerik. Wendepflug mit zurherüeſl.„ 25,— 14 Egge..„ 12,— Ketten und Anſpanngeſchirre...„ 33,— 1 Häckſelbank mit Meſſer.......„ 7,— Faß⸗ und Bandgeſchirr.......„ 12,— 1 Stoßtrog...„ 1,— Handgeräthe incl. Säcke und Kürbe. e.„ 46,98 Hausrath und Kochgeſchirr.......„ 21,— -„ 2235,98 7. zu übertragen.. Mk. 5631,98 Uebertrag. Mk. 5631,98 E. Vorrath an umlaufendem Betriebscapital ſiehe Rentabilitätsberechnung......... 310,— Werth des geſammten Beſitzes.. Mk. 5941,98 Inventar der engeren Familienwohnung(Mobiliar, Betten, Bettwäſche, vorräthige hausgemachte Leinwand) Mk. 277. / II. Natural-Rechnung. A. Natural⸗Ertrag. Aus dem Acker⸗ und Wieſenbau. Das vorhandene Ackerland wird bis auf eine Parcelle in regelmäßiger Ab⸗ wechslung zum Anbau von Korn und Kartoffeln verwendet. Auf der einen kleinen Parcelle wird abwechſelnd ein Theil zum Anbau von etwas Hanf, Weißkraut und Gelberüben, der andere Theil zum Anbau von Korn oder Kartoffeln benutzt. Der Anbau dieſer Früchte und der durchſchnittliche Ertrag ſtellt ſich ungefähr wie folgt:. Getreide Hanf 2 5 5 5*55* Anbau 2 ſ3[3[5 0 5 S5 6 ſa a⸗ Centner. Korn....... 0,5042 Hert.(17 Hanf........ 0,0400„= 0,30 0,10 Kartoffeln 3.. 0,5042„- 95 Heu und Grummet: aus Baumgarten. 1200 Q.⸗M.— 2 „ Wieſen.. 0,9200 Hect.Z 57 Oöf............. Z..V71171110 Der Durchſchnittsertrag berechnet ſich pro ¼ Hectar hiernach annähernd: bei Korn auf 3,50 Ctr. Körner, 8,50 Ctr. Stroh, „ Kartoffeln„ 48„ „ Wieſen„ 15,50„ Heu und Grummet. Aus dem Rodland. 0,5 Hectar= 4 Ctr. Korn und 12 Ctr. Stroh. Aus dem Wald. 0,7115 Hectar Eichenniederwald liefern vorläufig keinen weiteren Ertrag als ca. 20 Ctr. lufttrockne Streu. 3,3031 Hectar Eichenſchälwald gelangten innerhalb 13 Jahren(ſiehe Bemerkung zu Anlage I) in 3 Portionen zum Abtrieb und lieferten ungefähr die folgenden Erträge: 1874 50 Ctr. Lohrinde und 20 Meter Holz, 1876 80 1 1 1 1 1 1881 70 2 2 72 28/ I/ zuſammen. 200 Ctr. Lohrinde und 80 Meter Holz in 13 Jahren. Aus dem Viehſtand. Milch. Durchſchnittlich im Jahre pro Tag und Kuh 2 ½ Liter oder zuſammen pro Tag 5 Liter und pro Jahr 1825 Liter. Rindvieh. Alle 3 Jahre durchſchnittlich 4 Kälber zum Verkauf oder auf ein Jahr 1 ⅛ Kalb. Hie und da einmal ein Kalb angebunden und als ein⸗ jähriges Rind verkauft. Schweine. Es werden jedes Frühjahr zwei Milchferkel gekauft und gemäſtet und mit einem Schlachtgewicht von durchſchnittlich 1 Ctr. pro Stück in der Haushaltung verwendet.. Geflügel. Von 4 Hühnern werden durchſchnittlich 240 Stück Eier erzielt. B. Natural⸗Bedarf. Für Saatgut: Kartoffeln 0,5042 Hectar.... 15 Ctr.— Pfd. Korn 0,5042„——= 1—— 30„, Hanfſamen...—„ 30„ Für ca. 2 Morgen Rodland werden ge⸗ braucht an Korn.... Für den Viehſtand: Heu und Grummet, auf eigenen Wieſen 57 Ctr.— Pfd. 2 1 1 zugekauft. 30 7/)„ Stroh, auf eigenem Boden gewonnen. 17„—„ 7„ Rodland 4. 12„„ Kartoffeln...... 20„—„ Roggenkleie, eigenes Mahlant... 2„ 30„ Futtermehl, zugekauft.. 12„„ Magſamenkuchen 50 Stück, zugekauft. 1„—,„ Oelkuchen 200 Stück, zugekauft... 4„„ Viehſalgzg. 1„—„ Waldſtreu, aus eigenem Wald 20 Ctr. „ zugekauft.... 30„ —-ꝛ 50 Gtr. Pfd. Milch, unabgerahmt....... 30 Liter, Mager⸗ und Buttermilch,...... 200„ Der Werth der für den Viehſtand verwendeten Producte(incl. des zugekauften Kraftfutters und Wieſenheues) beträgt in runder Summe Mk. 484,— Der Werth der von Rindvieh, Eihmanen und Getüger erzidlten Producte beträgt annähernd... 4..„ 420, und würden hiernach an den Fſtn des uilade duri den Stall⸗ miſt zu decken ſein...... Mk. 64,— Die Stallmiſtproduction von Rindvieh und Schweinen ſſt annähernd auf 200 Centner zu ſchätzen und ſtellt ſich 1 Centner Miſt auf 32 Pf. Für die Familie: Korn, auf eigenem Boden gebaut.... 5 Ctr. 20 Pfd. „ auf Rodland gebaut 2„ 30„ 7 Ctr. 50 Pfd. „:z in Form von Brod gekauft 12„—„ Weizen, als Mehl zelauft.. 2„ 70„ Kartoffeln....t.... 60„—„ Fleiſch... 2„ 15„ (Hiervon ca. 210 Pfd. ſelbſtgemäſtetes Schweinefleiſch linel. Wurſt] und 5 Pfd. zugekauftes Lahnneiſeeen und r woieiſg Butter....—„ 52„ Kaffee..........„ 26„ Salz. 1„—„ Rapsöl............ 6 Liter, Petroleum........15„ Milch, unabgerahmt.... 365„ „ abgerahmt, und Butermüch.. 945„ Obſtwein... 160 Eier....... 240 Stück, Dörrobſt und Gemüſe. Gewürze, Zwiebel, Eſſig ꝛc. Hauffaſer...... 10 Pfund zu Kleidung, Holz, eigenen Wachsthums.... 6.7 Meter. — 40— Der Verbrauch an Nahrungsmitteln für die 5 Perſonen ſtarke Familie berech⸗ net ſich hiernach pro Kopf und Tag auf rund ca.: 533 Gramm Getreide, 1643— Kartoffeln, 60„ Fleiſch, 14, Butter, 7,0„ Kaffee, 5,4 Salz, 0, 7 Liter Milch, Obſtwein. Der Werth der verbrauchten Nahrungsmittel beträgt annähernd jährlich Mk. 628 und täglich Mk. 1,72, oder pro Kopf und Tag ca. 35 Pf. Die Lebensweiſe der Familie iſt folgende: Erſtes Frühſtück: Kaffee mit trockenem Brod. Zweites Frühſtück: Brod mit Schmierkäſe oder Butter; fällt in den Wintermonaten aus. Mittageſſen: Kartoffeln, Gemüſe und Fleiſch(ſoweit das ſelbſtgeſchlachtete reicht) oder Milch⸗ oder Kartoffelſuppe mit Mehlſpeiſe und Obſt. Vesperbrod: Brod mit Schmierkäſe oder Butter und Apfelwein; fällt im Winter aus. Abendeſſen: Dickmilch, Kartoffeln und Brod. III. Geld-Rechnung. A. Einnahmen. Aus dem Wald: auf den entſprechenden Jahresertrag reducirt ca..... Mk. 100,— Aus dem Viehſtand: 52 Pfund Butter à 80 Pf..... Mk. 41,60 180 Liter Milch à 15 Pf...„ 27,— Erlös aus Nachzucht durchſchnittlich..„ 40,— —„ 108,60 Aus Hausntiethe..............„ 56,— „ Arbeitstoh....„ 325,— Summe.. Mk. 589,60 B. Ausgaben. Steuern und Umlagen: Grund⸗ und Gebäudeſteuer....... Mk. 10,98 Gemeinde⸗Umlagen hierauf.......„ 20,48 Staats⸗Einkommenſtener........„ 4,86 7 zu übertragen.. Mk. 36,32 — 11— Uebertrag. Mk. 36,32 Gemeinde⸗Einkommenſteuer.......„ 4,44 Tilgungsrente........„ 4,68 Forſtwartbeſoldumug......... 5 1,76 Pfarrholsgeld............„—,52 Schälfrucht... 1.......„—,43 Hühner⸗ und Hahnengeld.„—,84 — Mk. 48,99 Capitalzitſen.................„ 76,95 Pacht für Rodland.................„ 10,— Unterhaltung der Gebäude: Wirkliche Ausgabe..............„ 10,— Unterhaltung des todten Inventars: Wirkliche Ausgahbe.............„ 10,— Verſicherungs⸗Prämien: Für Gebäude(Mobilien und Feldfrüchte ſind nicht verſichert).„ 2,22 Zukauf von Kraftfutter(Heu und Streu): 30 Ctr. Hen auf dem Halm.... Ml. 60,— 3 Wagen Waldſtrer........„ 10,— 4 Ctr. Rapakuchen..........„ 32,— 14„ Magſamenkuchen........„ 7,50 1½„ Futtermehl.......„ 4,— 1„ Bichſalgz..........„ 2,50 8—— 11 116, Zukauf von 2 Milchferkeln.............„ 20,— Heizung und Beleuchtung: Holz a............Mk. 22, Petrolenm.............„ 4,— —„ 26, Zukauf von Nahrungsmitteln: Kornbrod............. Mr. 105,/ 2 Weißitehl...........„ 39,— Fleiſch.........„ 2,75 Kaffee und Cichorie...„ 28,60 Nhedl e ee e. e. e ,Sahs ae eätte 4,80 Sal;...........„ 10,40 Gewürze, Zwiebel 26.........„ 3,— Mahllohn für 7 Etr. Koru.......„ 4,90 —⁰-„ 198,77 Bekleidung................„ 100, Arzt und Apotheke................„ 5,— Summe.. Mk. 623,93 9 C. Vergleichung der Geld⸗Einnahmen und Geld⸗Ausgaben. Die Einnahmen betragen.... Mk. 589,60 Die Ausgaben betragen......„ 623,93 Die Ausgaben betragen mehr.. Mk. 34,33 Nach Lage der Verhältniſſe und nach eingezogenen Erkundigungen iſt anzunehmen, daß Beſitzer nur ein Schwein ſelbſt ſchlachtet und das andere verkauft oder daß der⸗ ſelbe, wenn ſeine Angaben der Wahrheit gemäß, einige Schulden von dem einen Jahre zum anderen Jahre hinüberſchleppt. Beſitzer genießt den Ruf eines ſorgfältigen Wirthſchafters und pünktlichen Zahlers. IV. Rentabilitäts-Berechnung. A. Rohertrag. Erlös aus verkauften Producten incl. Waldproducte.. Ml. 218,60 Werth der für die Familie aus der Wirthſchaft entnommenen Producle.....1„ 421,— Hauzmietſpe.......„ 56,— Summa Mk. 695,60 B. Productionskoſten. 1. Gebäudecapital: Zinſen aus Mk. 1850 5, 4 pCt..... Mk. 74,— Verficherungaprümte 5 2,22 Abnutzung pCt 7 9,25 Inſtandhaltungdgdg.„ 10,— Mk. 95,47 2. Capital des lebenden Inventars: Zinſen aus Ml. 526 à 4 pCi..... Mk. 21,04 Unfallverſicherungsprämie 2 ½ pC...„ 13,15 Zukauf von 2 Milchferkeln......„ 20,— „ 54,19 3. Capital des todten Inventars: Zinſen aus Mk. 235,98 à 4 pCt.. Mk. 9,44 Feuerverſicherungsprämie 0,15 pGCt....„— ,35 Erneuerung und Inſtandhaltung.....„ 10,— „ 19,79 4. Zinſen des umlaufenden Capitals. Die Hälfte der jährlichen Baar⸗ Musgaben= Mt. 310 3. 6 pGt..........„ 18,60 5. Hagelverſicherungsprämie 1 pCt. vom Werthe der Getreideernte.„— ,85 7 zu übertragen.. Mk. 188,90 — 43— Uebertrag. Mk. 188,90 6. Feuerverſicherung der Producte 0,15 pCt. aus Mk. 450...„= ,67 7. Steuern und Umlagen(excl. Tilgungsrente und Einkommenſteuer)„ 41,46 8. Heu, Streu, Kraftfutter...... alAall. k⸗ 123,50 9. Heizung und Beleuchtung 25 pCt. der Geſammt⸗Ausgabe...„ 11,75 10. Thierarzt... 3,— 11. Arbeitslöhne: Berechnet man, was den Verhältniſſen entſprechen dürfte, den Geſammtverdienſt des bei den männlichen Gliedern der Familie auf etwa Mk. 500 und den baar vereinnahmten Lohn auf Mk. 325, ſo bleiben noch Mk. 175, wovon Mk. 50 auf den Rodlandbau entfallen dürften und der Reſt für die Arbeit in der eigenen Wirthſchaft in Anſatz zu bringen wäre. Es kommen hiernach für Männerarbeit in Anſatz..... Mk. 125,— „ Frauenarbeit„„.....„ 50, „ 175,— Die Rodlandsarbeit iſt compenſirt gegen den Werth der erzielten Producte, was hier nicht weiter in Betracht kommt, und die Arbeiten der Rindenernte eigenen Wachsthums ſind compenſirt gegen den Ertrag an Holz und einen etwas geringeren Anſatz der Geld⸗Einnahmen aus Rinden. Die Productionskoſten betragen hiernach.. Mk. 544,28 C. Reinertrag. Der Rohertrag beträgt.... Mk. 695,60 Die Productionskoſten betragen.„ 544,28 Bleibt Reinertrag.. Mk. 151,32 Rechnet man hierzu den Werth der freien Wohnung mit Mk. 50, ſo würde der Reinertrag auf Mk. 201,32 Pf. ſteigen. Das Grundcapital incl. Obſtbäume iſt ein⸗ geſchätzt zu Mk. 3020. Hiervon Mk. 201,32 ergibt eine Rente(plus Unternehmer⸗ gewinn) von 6,6 pCt. Die Rente des vorliegenden Beiſpieles II iſt ſicher zu hoch und der Fehler der Rechnung dürfte zum Theil vielleicht in einem etwas zu niedrigen Anſatze des Arbeits⸗ lohnes ſtecken. Nimmt man indeſſen denſelben etwas höher an, dann vermindert ſich das baare Arbeits⸗Einkommen entſprechend und die Geſammt⸗Einnahmen würden etwas zu weit hinter den Ausgaben, die ſehr genau abgewogen ſind, zurückbleiben, was wiederum mit der Tendenz der Vermögensbewegung des Beſitzers, ſoweit ſich darüber — 44— Sicheres erfahren ließ, nicht in Uebereinſtimmung zu bringen iſt. Einen weſentlichen Antheil an der hohen Rente hat ja auch der verhältnißmäßig hohe Ertrag des Ge⸗ bäudecapitals, welches über die Hälfte Grundcapital ausmacht. Außerdem iſt der Schälwaldbeſitz zu niedrig taxirt. Gegenüber dem Beſitzer der im dritten Beiſpiel unterſuchten Wirthſchaft, erklärt ſich die höhere Rente aus dem höheren Ertrag des Viehſtandes. Der Mehrertrag an Milch, abgeſehen von der Nachzucht, macht über Mk. 100 aus bei demſelben Beſtand von 2 Kühen und kommt hierzu noch der Ertrag der Schweinehaltung. — 45— Anlage III. Gemeinde Unter⸗Schönmattenwag. Beſitzſtand, Natural⸗ und Geld⸗Rechnung und Rentabilitäts⸗Berechnung eines Taglöhnergütchens ohne Waldbeſitz von 1,5 Hectar. Der Beſitzer iſt verheirathet, 59 Jahre alt, die Frau iſt 48 Jahre alt. Beide Gatten ſind körperlich rüſtig und arbeitstüchtig. Sie beſitzen 3 Kinder, einen Sohn von 15 Jahren und einen ſolchen von 10 Jahren und eine Tochter von 13 Jahren. Die Kinder leben im Elternhaus und ſind nach Kräften in der Wirthſchaft thätig. Der Beſitzer übernimmt neben den Arbeiten ſeiner eigenen Wirthſchaft bei den Be⸗ ſitzern von Eichenſchälwald in der Gemarkung Rindenernte⸗Arbeiten im Akkord, geht zur Getreideerntezeit auf 10— 14 Tage über den Rhein behufs Uebernahme von Erntearbeiten und beſchäftigt ſich im Winter mit Anfertigung von Kehrbeſen. Der Grundkbeſitz iſt mit einer Hypothekſchuld von Mk. 940 belaſtet, für welche jährlich Mk. 45 Zinſen aufzubringen ſind. Außerdem hat der Beſitzer noch ca. Mk. 180 Perſonalcreditſchulden. Derſelbe hält ſich trotz des wenigen eigenen Wieſen⸗ futters zwei Kühe, weil er ſonſt ſeine zum Theil weit entfernt liegenden Aecker nicht würde bebauen können. Vor zwei Jahren iſt dem Beſitzer eine Kuh verunglückt und war er in Folge deſſen gezwungen, als Erſatz eine Kuh auf Credit zu kaufen und zwar, wie dieſes ſo üblich, von einem Handelsjuden, der ſich das Eigenthumsrecht vorbe⸗ halten. Der Beſitzer ſucht nun jährlich eine friſchmelkende Kuh mit Kalb zu ver⸗ kaufen, um wiederum eine geltgehende, geringpreiſigere Kuh anzukaufen und mit dem erzielten Ueberſchuß eine Anzahlung auf letztere zu leiſten. Hat der Mann Glück und kann dieſe Manipulation öfter wiederholen, dann wird auch die Anzahlung auf die geringwerthigere Kuh, die angekauft wird, allmählich wachſen und die Kuh kann ſchließlich wiederum ſein freies Eigenthum werden. Allein ſelten wird das angeſtrebte Ziel erreicht, viel häufiger wird dieſes Spiel zur Ausſaugung des Mannes durch — 46— Wucherer benützt und der Beſitzer würde gut thun, ſich das zum Ankauf einer Kuh nothwendige Capital auf einer Darlehenskaſſe oder bei der Sparkaſſe Heppenheim zu leihen. I. Beſitzſtand. A. Grund und Boden mit Obſtbänmen(Grundcapital). 1,05 Hectar Ackerland in 9 Parcellen, mittlerer Kaufwerth Mk. 700,— 0,43„ Wieſen„ 4„„„ 2 700,— Mk. 1400,— Steuercapital incl. Gebäude: fl. 1,5 Obſtbäume: 10 Apfelbäume à Mk. 10....... Mk. 100,— 6 Birnbäume I Mf. 5.. 3 30,— Summe.. Mk. 130,— Wiederholung. Grund und Boden......... Ml. 1400,— Oöſtbänne„ 130,— Mk. 1530,— B. Gebäude. Ein Wohnhaus mit Scheuer und Schoppen, Keller und Stall„ 2400,— C. Viehſtand. 2 Kühe a Mf. 250.. hyr 500,— 6 Hühner„ 10,— „ 510,— D. Todtes Inventar. 1 Fuhrwagen mit Heu⸗ und Miſtleitern. Mlk. 80,— 1 deutſcher Pflug mit Vordergeſtell...„ 8,— 4 neue Ggge)........„ 20,— Ketten und Anſpanngeſchirre......„ 25,— 4 Häckſelbant.......„ 5,— Faß⸗ und Bandgeſchir..„ 6,50 Handgeräthe, Säcke und Körbe....„ 26,20 Hausrath und Kochgeſchirr......„ 18,— —„ 183,70 9 zu übertragen.. Mk. 4628,70 Uebertrag. Mk. 4628,70 E. Vorrath an umlaufendem Betriebscapital ſtehe Rentabilitätsberechnung........„ 205,— Werth des geſammten Beſitzes.. Mk. 4833,70 Inventar der engeren Familienwohnung(Mobiliar, Betten, Bettwäſche, hausgemachte Leinwand) Mk. 214. II. Natural-Rechnung. A. Natural⸗Ertrag. Aus dem Acker⸗ und Wieſenbau. Das vorhandene Ackerland dient in regelmäßiger Abwechslung zum Anbau von Korn und Kartoffeln. Eine Parcelle wird theilweiſe benützt zum Anbau von Hanf, eine andere, 269 Quadratmeter haltende Parcelle, dient ausſchließlich dem An⸗ bau von Weißkraut und eine dritte, 116 Quadratmeter haltende Parcelle iſt zu Grasland mit 4 Obſtbäumen angelegt. Hiernach ſtellt ſich der Anbau und der durchſchnittliche Ertrag wie folgt: Getreide Hanf 4 8 ⁸ 2 Anbau 22lS2IS ſS A 5 8[8 S 2. Centner Korn....... 0,474 Hect. 7,20 18 Hanf...... 0,040——[0,25 0,9 Kartoffeln....... 0,474„————[125 Wieſen.— 40 Obſt———— 1——5 Der Durchſchnittsertrag berechnet ſich pro ¼ Hectar hiernach annähernd: bei Korn auf 3,50 Ctr. Körner, 8,50 Ctr. Stroh, „ Kartoffeln„ 63„ „ Wieſen„ 23„ Heu und Grummet. Aus dem Rodland. 0,5 Hectar= 4 Ctr. Korn und 12 Ctr. Stroh. Aus dem Viehſtand. Milch. Durchſchnittlich im Jahre pro Tag und Kuh 1 ½ Liter, zuſammen 3 Liter und pro Jahr 1095 Liter. 4²³ — 48— Rindvieh. Von 2 Kühen in 3 Jahren 4 Kälber à Mk. 28 und pro Jahr= 1 ½ Kalb. Geflügel. Von 7 Hühnern 280 Eier. B. Natural⸗Bedarf. Für Saatgut: Kartoffeln......... 16 Ctr. Pfd. Korn....... 1„ 80„ Hauffamen.„ 25„ Für ca. 2 Morgen Rodland werden ge⸗ braucht an Korn.... 1„ 50„ Vü den Viehſtand: Heu und Grummet, eigenen Wachsthums 40 Ctr.— Pfd. 2 2 zugekauft. 50„ Stroh, auf eigenem Boden gewonnen. 18„—„ .„ Rodland„. 12„„ Kartoffeln... 30„=„ Roggenkleie, eigenes Mahlgut.... 2„ 30„ Oelkuchen 100 Stück, Buntkanft 2„=„ Salz...—„ 50„ Waldſtren cq........50„—„ Der Werth der für den Viehſtand verwendeten Producte(incl. des zugekauften Kraftfutters, Wieſenheues und des auf dem Rodland erzeugten Strohes) beträgt in runder Summe... Mk. 424,— Der Werth der von Aindvünh und Geiüügel eielte rudres beträgt annähernd.... e 215,— und würden mithin durch den Stalmiſ zu decken fin Mi. 109,— Die Stallmiſtproduction iſt annähernd zu ſchätzen auf 190 Centner und würde ſich hiernach 1 Centner Miſt auf 57 Pf. ſtellen, was bei dem geringen Werth des⸗ ſelben ſehr viel genannt werden muß und der ſchlechten Viehhaltung vollſtändig ent⸗ ſprechend erſcheint. Für die Familie: Korn, auf eigenem Boden gebaut. 5 Etr. 40 Pfd. „ auf Rodland gebaut 2„ 50„ 7 Ctr. 90 Pfd. 7„, in Form von Brod zugekauft.. 7„ 50„ Weizen, als Mehl gekauft..... 1„ 35„ Kartoffeln. Fleiſch. Butter. Kaffee. Salz Rapsöl. Petroleum. Milch, unabgerahmt Eier. Hanffaſer ca. Dörrobſt, Zwiebel, Gewürz, Gemüſe, Salat. — 419— „ algernhunt und Buttermilch ca. 79 Ctr.— Pfd. — 5 u 26 11 — 5 1„„ 6 Liter, 13 2 365„ 700„ 280 Stück, 9 Pfund, Der Verbrauch der 5 Perſonen ſtarken Familie an Nahrungsmitteln berechnet ſich hiernach pro Kopf und Tag auf rund ca.: 422 Gramm Getreide, 2199„ 1,4 2 el„ 1,37 ⸗ 5,4„ Kartoffeln, Fleiſch, Butter, Kaffee, Salz, 0,6 Liter Milch. Der Werth der verbrauchten Nahrungsmittel beträgt annähernd jährlich Mk. 400 und täglich Mk. 1,10, oder pro Kopf und Tag ca. 22 Pf. Die Lebensweiſe der Familie iſt folgende: Erſtes Frühſtück: Kartoffelſuppe(im Winter noch Brod). Zweites Frühſtück: Fällt während der Wintermonate aus; im Sommer beſteht es aus Brod und Schmierkäſe oder hartgeſottenem Ei. Mittageſſen: Kartoffeln und Gemüſe, Milchſuppe. Fleiſch nur an Kirch⸗ weih und ausnahmsweiſe an einem hohen Feiertag. Vesperbrod: Brod mit Käs oder Butter; fällt während der Winter⸗ monate aus. Abendeſſen: Kartoffeln und Dickmilch. III. Geld-Rechnung. Aus dem Viehſtand: A. Einnahmen. 52 Pfund Butter à 80 Pf.. Erlös aus Kälbern. Miethe.... Arbeitsverdienſt. Mk. 41,60 2 37,— 2 40,— „ 200,— Summe.. Mk. 318,60 — 50— B. Ausgaben. Steuern und Umlagen: Grund⸗ und Gebäudeſteuer....... Mk.—,48 Gemeinde⸗Umlagen hierauf.......„—,88 Staats⸗Einkommenſtener........„ 4,86 Gemeinde⸗Einkommenſteuer.......„ 4,44 Tilgungsrente...........„ 1,24 — Mk. 11,90 Capitalzinſen..................„ 47,— Pacht für Rodland..............„ 10,— Unterhaltung der Gebäude: Wirkliche Ausgabe..............„ 5,— Verſicherungs⸗Prämien: Für Gebäude(Mobilien und Feldfrüchte finh 54 erſiher 3 2,40 Unterhaltung des todten Inventars...„ 5,— Zukauf an Hen.................„ 80,— „„ Streu..............„ 15,— „„ Kraftfutter: 2 Ctr. Napskuchen...............„ 16,— Zukauf an Viehſalz...............„ 1,25 Heizung und Beleuchtung: Holz;............... Mk. 30,— Petrolenin...........„ 3,38 —„ 33,38 Zukauf von Nahrungemülen, Brod... Mll. 63,84 Mahllohn............ 5 4,90 Weißmehl........„ 9,— Fleiſch......„......„ 2,75 Kaffee............„ 5,50 Rapaöl.............„ 4,50 Salz........„ 10,— Gewürze, Zwiebel........„ 2,— —„ 102,79 Bekleidung...............„ 80,— Summe Mk. 409,72 C. Vergleichung der Geld⸗Einnahmen und Geld⸗Ausgaben. Die Einnahmen betragen..... Mk. 318,60 k. Die Ausgaben betragen.....„ 409,72 die Ausgaben betragen mehr. Mk. 91,12 — 51— Es iſt ſicher, daß die Verhältniſſe des Beſitzers, der ein außerordentlich fleißiger, genügſamer und ſparſamer Mann iſt, dennoch zurückgehen und muß die Urſache hier⸗ von in erſter Linie in dem außerordentlich geringen Ertrage des Viehſtandes gefunden werden. In zweiter Linie kommt hier wie bei allen Wirthſchaften Unter⸗Schön⸗ mattenwags die außerordentlich beſchwerliche Bewirthſchaftung des ſehr entfernt liegenden Ackerlandes und der verhältnißmäßig geringe Ertrag der entfernter liegen⸗ den Wieſen in Betracht. IV. Rentabilitäts-Berechnung. A. Rohertrag. Erlös aus verkauften Producten des Viehſtandes..... Mk. 78,60 Werth der für die Eunii. aus der er Werläſchnſt entnommenen Producte....„ 310,95 Hansmielhe..............„ 40,— Summe Mk. 429,55 B. Productionskoſten. 1. Gebäudecapital: Zinſen aus Ml. 2400 à 4 pCt.... Mk. 96, Verſicherungsprännie.........„ 2,40 Abnutzung 1, fGt.........„ 12,— Inſtandhaltung.........„ 5,— — Mk. 115,40 2. Capital des lebenden Inventars: Zinſen aus Mk. 510 à 4 pCt...... Mk. 20,40 Unfallverſicherungsprämie 2 ½ pGt....„ 12,75 Sai⸗ 3. Capital des todten Inventars: Zinſen aus Mk. 188 à 4 pCt...... Mk. 7,52 Feuerverſicherungsprämie 0,15 pGCt....„—,28 Erneuerung und Inſtandhaltung.... ᷑„ 5,— 12, 4. Zinſen des umlaufenden Betriebscapitals. Die Hälfte der jihe 3 ¹ lichen Baarauslagen, alſo aus Mk. 205 à 6 pCt....„ 12,30 5. Hagelverſicherungsprämie 1 pCt. vom Werthe der Getreideernte.„— ,86 6. Feuerverſicherung der Producte 0,15 pCt....„— ,,59 7. Steuern und Umlagen(excl. Tilgungsrente und Einkommenſteuer)„ 1,36 8. Heu, Streu und Kraftfutter...„ 112,25 9. Heizung und Beleuchtung(25 pCt. der Geſammtausgabe)..„ 8,34 10. Arbeitslöhne(ſ. die Bemerkung an derſelben Stelle der Anlage II)„ 150,— Die Productionskoſten betragen hiernach.. Mk. 447,05 ——— — 52— C. Reinertrag. Die Productionskoſten betragen.. Mk. 447,05 Der Nohertrag beträgt....„ 429,55 Die Productionskoſten mehr.. Mk. 17,50 Rechnet man den Werth der freien Wohnung mit Mk. 50, ſo bleibt ein Ueber⸗ ſchuß des Rohertrages, beziehungsweiſe ein Reinertrag von Mk. 32,50. Das Grundcapital incl. Obſtbäume beträgt Mk. 1530 und würde ſich hiernach mit wenig über 2 pCt. verzinſen. Bericht über die landwirthſchaftlichen Verhältniſſe Gemeinde Habitzheim, Rreis Dieburg, erſtattet von W. Haas in Darmſtadt, unter Mitwirkung des Gutsbeſitzers F. Ramge in Ueberau. — Norbemerkung. Dem Berichterſtatter war ſeiner Zeit vom IV. Ausſchuß der II. Kammer der Landſtände das Referat über den Antrag der Abgeordneten Schade und Genoſſen auf Erhebungen über die Lage des kleinen und mittleren Grundbeſitzes, durch welchen die Anordnung der landwirthſchaftlichen Enquete überhaupt veranlaßt worden iſt, über⸗ tragen worden. Hierbei hatte er Gelegenheit gefunden, über die allgemeinen Geſichtspunkte, die Lage der Landwirthſchaft überhaupt, über die vermuthlichen Reſultate und Conſequenzen der anzuſtellenden Unterſuchung ſich ausführlich auszuſprechen. Dieſer Umſtand, ſowie der weitere, daß der Berichterſtatter an der demnächſtigen Berathung der Geſammtergebniſſe der Enquete in der II. Kammer unter Umſtänden ebenmäßig Theil zu nehmen hat, legt ihm bei gegenwärtiger Arbeit eine gewiſſe Reſerve und die Verpflichtung auf, mehr noch als die übrigen Herren Referenten die geſtellten Fragen möglichſt objectiv und nur in der unumgänglich erforderlichen Weiſe zu beantworten, ſowie weitgehende Deductionen genereller Natur zu unterlaſſen. Bei den mangelhaften Kenntniſſen des Berichterſtatters in der eigentlichen Technik des landwirthſchaftlichen Betriebes glaubte er ſich für die dahin einſchlagenden Fragen der Unterſtützung eines ſachverſtändigen Practikers verſichern zu dürfen, welche ihm durch das dankenswerthe Entgegenkommen des Herrn Franz Ramge— Ueberau geboten wurde. 1 ²⁴ — 2= Allgemeines. Habitzheim liegt an der nördlichen Abdachung des heſſiſchen Odenwaldes, 155,8 Meter über dem Meere, 15 Kilometer von Darmſtadt, 6 ½ Kilometer von der Kreisſtadt und Station der Main⸗Rhein⸗Bahn Dieburg, 3 beziehungsweiſe 4 Kilo⸗ meter von den Amtsgerichtsſtädten und Bahnſtationen Reinheim und Groß⸗Umſtadt entfernt. Die Entfernung von der nächſten Bahnſtation Lengfeld(Odenwaldbahn) beträgt nur 1 ½ Kilometer. Die Gemarkung wird an der weſtlichen Grenze von dem Gerſprenzbach, ſüdlich von dem Bahnkörper der Odenwaldbahn berührt, ohne daß hierdurch die Feldbewirth⸗ ſchaftung beeinträchtigt erſcheint. Nach der letzten Volkszählung(December 1885) zählt die Gemeinde 954 Ein⸗ wohner in 150 Wohnhäuſern mit 186 Haushaltungen. 3 Unter den Einwohnern befinden ſich 619 Evangeliſche, 263 Katholiken, 72 Iſraeliten. Die letzteren betreiben zumeiſt Handelsgeſchäfte innerhalb und mehr noch außerhalb des Ortes. Der Hauptſache nach hat die Einwohnerſchaft eine entſprechende Seßhaftigkeit bewahrt. Einwanderungen ſind ſelten, die Wegzüge haben ſeit zehn Jahren ebenfalls ſtark nachgelaſſen und finden nur in einem ſolchen Maaße ſtatt, daß die Be⸗ völkerungsziffer ſich ſtändig ziemlich gleich bleibt. Die Zahl der Iſraeliten hat im Laufe der letzten 10 Jahre abgenommen. Auffallend iſt, daß die weggegangenen Iſraeliten zumeiſt nach Amerika ausgewandert ſind. In Bezug auf die Verheirathungen nach außerhalb und von außerhalb in den Ort iſt kein abnormales Verhältniß zu conſtatiren. Zumeiſt finden die Heirathen zwiſchen Ortsangehörigen ſtatt. Die nach außen Heirathenden überſteigen in der Zahl die durch Verheirathung in den Ort Einziehenden. Das landwirthſchaftlich benutzte Areal der Gemarkung hat einen Geſammt⸗ flächeninhalt von 808,12 Hectar, iſt eingetheilt in 3914 Parcellen Ackerland und 446 Parcellen Wieſen, zuſammen in 4360 Parcellen. Das Ackerland umfaßt 759,6 Hectar, das Wieſenland umfaßt 49,6 Hectar. Wald iſt in der Gemarkung nicht vorhanden. Von der Geſammtfläche landwirthſchaftlich benutzbaren Bodens ſind 443,5 Hectar in der Hand von Ortseinwohnern, 365 Hectar in der Hand von Ausmärkern. Unter dem Beſitz der letzteren befindet ſich das der Hauptſache nach in geſchloſſenem Pachtgut bewirthſchaftete Grundeigenthum der Standesherrſchaft Löwenſtein⸗Wertheim mit 232 Hectar und das parcellariſch verpachtete Gut des Freiherrn von Wamboldt⸗ Birkenau mit 10 Hectar. Der landwirthſchaftlich benutzbare Boden vertheilt ſich auf 255 Ortseinwohner und 295 Ausmärker. Die Zahl der letzteren iſt ſonach eine höhere als die der erſteren und auf der Beſitzfläche beſteht nur eine geringe Differenz zu Gunſten der Ortseinwohner. Nach beiden Richtungen findet ſucceſſive eine Zunahme bezüglich der Ausmärker ſtatt. — 3— Von den Orts⸗Einwohnern bewirthſchaften 158 unter 1 Hectar, 37 von 1—2 Hectar, 23 von 2—3 Hectar, 15 von 3—5 Hectar, 12 von 5— 10 Hectar, 10 von 10—20 Hectar eigenes Gelände, während der Löwenſtein'ſche Pachter neben dem Hofgut kein eignes Beſitzthum bebaut. Die Normalſteuercapitalien der Gemarkung waren: Pitannen Beden Grundſteuercapital Danpiſumur ſteuercapitul] ſteuereabta Grundſtücke Gebäude zuſammen fl. fl. fl. fl. fl. fl. 1874 5720 1240 14,646 2164 16,811 23,771 1884/85 6290 1348 14,644 2324 16,968 24,606 mehr 570 108— 160 157 835 weniger—— 2——— Für das Rechnungsjahr 1885/86 wurden in Habitzheim erhoben: I. an Staatsſteuern und zwar: Einkommenſteuer..... Mk. 1713,60 Capitalrentenſteuer.....„ 81,60 Gewerbeſtener......„ 353,26 Grundſteuer.......„ 4373,25 zuſammen.. Mk. 6521,71 II. an Communalſteuern....„ 11336,46 Die Communalſteuern ertrugen in 1865.... fl. 3351= Mk. 5/42,28 in 1870...„ 4005=„ 6865, 1 in 1875.......„ 8938,— in 1880..„ 10100,— Es hat hiernach eine ſehr namhafte Steigerung der Gemeindeumlagen, von 1865 bis 1885 nahezu eine Verdoppelung, ſtattgefunden. Die Höhe erklärt ſich aus der Vermögensloſigkeit der Gemeinde. Der Coefficient der Communalumlagen war: pro Gulden Steuercapital II. Claſſe III. Claſſe durchſchnittlich 1865 5 kr. 3 H. 4 kr. 1 H. 4,7 kr. 1870 7 fI 1 2 4 II 3 2 5,7 I/ 1875 40,456 Pf. 1880 47,07 2 ——————— — 4— Die im Laufe der letzten 20 Jahre eingetretene Erhöhung der Communalſteuer iſt das Reſultat verſchiedener Wegbauten und einer Minderung des Steuercapitals durch Wegzüge ꝛc. In der Gemarkung Habitzheim finden ſich vor: 750 Aepfelbäume, 508 Birnbäume, 721 Pflaumen⸗ und Zwetſchenbäume, 40 Wallnußbäume. Die Gemeinde beſitzt keinen Wald, das ihr zuſtehende Acker⸗ und Wieſengelände iſt ganz unbedeutend. Die letzte Viehzählung ergab: 4 Fohlen, 4 60 Pferde, 64 Pferde, 48 Kälber, 340 Jungvieh, 4 Bullen, 594 Stück Rindvieh, 12 Ochſen, 190 Kühe, 4 Schafe, 230 Schweine, 20 Zuchtſauen, 175 Ziegen, 8 Bienenſtöcke. 250 Schweine, — Frage I. a. Welche Bodenverhältniſſe zeigt die Gemarkung, welchen Character hat das Klima und wie iſt hiernach im Allgemeinen die Fruchtbarkeit der Ländereien; iſt letztere ſehr günſtig, mittel oder gering? b. In welchem Verhältniß ſtehen die verſchiedenen Arten des Kulturlandes— Acker, Wieſen, Weiden, Rebland ꝛc.— zu einander und iſt dieſes Verhältniß im Allgemeinen als ein wirthſchaftlich günſtiges zu bezeichnen? c. Welches ſind die hauptſächlichſten Producte der Landwirthſchaft, bezw. welche Productionsrichtungen machen ſich im landwirthſchaftlichen Betriebe der Gemeinde vorzugsweiſe geltend? d. Iſt der landwirthſchaftliche Betrieb im Allgemeinen ein rationeller Jzu nennen, oder haften ihm weſentliche Mängel an und welche? — 5— Stehen letztere u. A. mit einer ſehr weit gehenden Parcellirung der Grundſtücke und dem herrſchenden Flurzwang in Zuſammenhang? a. Die Gemarkung Habitzheim beſteht durchweg aus einem milden, leicht durch⸗ läſſigen Lehmboden. Der Untergrund iſt ebenfalls lehmig. Nur in einem ganz kleinen, nach der Gerſprenz zu gelegenen Theile iſt ein mehr thoniger Boden zu conſtatiren. Ausweislich des Centralcataſters vertheilt ſich das Gelände wie folgt auf die Bonitätsclaſſen: Ackerfeld 1. Claſſe Hectar 26,0675 „ 2.„„ 250,292 „ 3.„„ 439,437 „ 1.„ 37,310 Wieſen 1.„ 6,210 2 2. 2 2 17,595 „ 3.„„ 22,182 2 4. 2 2 4,057 Die Gemarkung hat eine wellenförmige Oberfläche.— Zum größeren Theile liegt das Gelände in einer durch den Semderbach gebildeten Thalmulde, welcher ſich kleinere Mulden anreihen, zum geringeren Theile in verſchiedenen nach der Gerſprenz ſich abſenkenden Thalmulden. Irgendwelche nennenswerthe Terrainerhöhung iſt nicht vorhanden. Die Geſtaltung der Gemarkung kann als äußerſt günſtig bezeichnet werden. Sie ſchließt ſich faſt kreisförmig um den in der Mitte gelegenen Ort, welcher Umſtand der raſcheren Erledigung der Feldarbeit zum Vortheil gereicht. Der Boden iſt ohne Ausnahme ſehr kleefähig und beſonders auch für Kartoffel⸗ bau gut geeignet. Er verträgt reichliche Feuchtigkeit und iſt andererſeits gegen Trocken⸗ heit nicht ſonderlich empfindlich. Dem Klima gebührt das Prädicat„mild,“ doch iſt das höher gelegene Ackerfeld dem Nord⸗ und Oſtwind ſtark ausgeſetzt. Die Fruchtbarkeit iſt, was das tiefer liegende Gelände betrifft, ſehr gün ſtig, auf den höher gelegenen Stellen immerhin noch befriedigend und hiernach im Durchſchnitt recht gut. b. Die Gemarkung weiſt nur Ackerfeld und Wieſenland im Verhältniß von 15 zu 1 auf. Dieſes Mißverhältniß wird jedoch durch die große Kleefähigkeit des Bodens vollſtändig ausgeglichen. Wäſſerungsanlagen fehlen bei den ſämmtlich im Thal gelegenen Wieſen gänzlich, ſind allerdings auch nur auf den vom ziemlich tief fließenden Semderbach berührten Flächen ausführbar, würden ſich aber da als vortheilbringend erweiſen. Die Wieſen werden mit Compoſt und Jauche, auch ausnahmsweiſe mit künſtlichem Dünger gedüngt und geben an und für ſich gute Erträge. Eine Steigerung der Letzteren iſt nicht ausgeſchloſſen. — 6— c. Als Bodenproducte werden Getreide und zwar Weizen, Roggen, Gerſte in annähernd gleichem Verhältniß, ferner Hafer, weiter an Futterkräutern ſämmtliche Kleearten, viel Wurzelgewächſe und Kartoffel, ſowie etwas Reps angebaut. Der Zuckerrübenbau hat in den letzten Jahren ebenfalls Eingang gefunden. Zur Zeit ſind jährlich 20 Hectar mit Zuckerrüben beſtellt. Weizen, Roggen und Gerſte gelangen in ſtarken Quantitäten zum Verkauf, repräſentiren dafür aber auch die ganze aus der Gemeinde exportirte Waare, da der Hafer⸗, Kartoffel⸗ und Kleebau der Hauptſache nach auf den eignen Bedarf beſchränkt iſt. Mit Klee ſind jährlich etwa 95 Hectar beſtellt. Als nicht rentabel hat ſich der klimatiſchen Verhältniſſe halber, welche die Bäume häufigen Fröſten ausgeſetzt erſcheinen laſſen, der Obſtbau erwieſen. Deſſenohner⸗ achtet wird der Pflege der vorhandenen Obſtbäume eine genügende Aufmerkſamkeit geſchenkt. Der Viehſtand iſt ein relativ ſtarker. Auf 443 Hectar von Ortseinwohnern bewirthſchaftetes Gelände werden 44 Pferde und 494 Stück Rindvieh gehalten. Die Qualität des Letzteren iſt durchweg befriedigend. Neben einer beſchränkten Anzahl von Repräſentanten der Landrace finden ſich faſt nur Thiere Simmenthaler Kreuzung vor. Die Gemeinde hält 3 Bullen, davon ſind zwei reine Simmenthaler. Das Verhältniß der Faſſel zum Rindviehſtand erſcheint zwar auf den erſten Blick nicht normal, doch wird der Mangel an ausreichendem Bullenmaterial durch den Umſtand ausgeglichen, daß im Ort faſt immer noch einige ſprungfähige Privatfaſſel vorhanden ſind. Die Schafzucht iſt aufgegeben; dagegen werden ſehr viele Ziegen gehalten. Wenngleich die Vorbedingungen für eine gedeihliche Viehwirthſchaft hiernach vorhanden zu ſein ſcheinen, ſo ſind doch die Erträgniſſe derſelben ungenügend. Der Abſatz von Milch und Molkereiproducten weiſt keine nennenswerthen Ziffern auf. An Milch gelangen aus der ganzen Gemeinde täglich nur 300 Liter zum Verkaufe, wovon 200 Liter auf den Pachthof entfallen. Die Butterung iſt im Allgemeinen auf den Hausbedarf beſchränkt. Nur wenig und zu ungenügenden Preiſen(75— 80 Pfg.) wird an Händler verkauft. Befriedigender ſtellen ſich dagegen die Erfolge der Nachzucht dar. Auch die Schweinemaſt wird ſtark getrieben, zumeiſt mit Kartoffel⸗, Gerſtenſchrot⸗ und Kleiefütterung. Die Schweine gehören der engliſchen Kreuzung an und hält die Gemeinde einen Eber rein engliſcher Race. Der Viehhandel iſt im Schwunge, wie angegeben wird, mit befriedigenden Erlöſen, doch befindet er ſich ganz in der Hand der Makler. Als eine ſehr erfreuliche Erſcheinung iſt zu bezeichnen, daß die Dreifelderwirth⸗ ſchaft mit Flurzwang factiſch beſeitigt erſcheint. Auf Grund nach und nach für die ganze Gemarkung erzielter freiwilliger Ver⸗ einbarung ſämmtlicher Grundbeſitzer ſind alle Parcellen auf, vorläufig noch im Privatbeſitz befindlichen, zumeiſt ganz unbebaut bleibenden Wegen jederzeit und überall zugänglich und hat der Uebergang zur freien Feldbewirthſchaftung in der That nahezu vollſtändig ſtattgefunden. Eine allgemein geltende Regel der Fruchtfolge — 7— wird deßhalb dermalen nicht mehr eingehalten. Hackfrucht und Futterbau treten immer mehr in den Vordergrund. d. Es ſollte nach den vorſtehenden Ausführungen angenommen werden dürfen, daß in Habitzheim die Vorausſetzungen für einen zweckmäßigen landwirthſchaftlichen Betrieb gegeben ſeien. Wenn nun auch einzelne Landwirthe der Gemeinde ſich durch eine verſtändige Bewirthſchaftung auszeichnen, ſo iſt die Wirthſchaftsweiſe im Großen und Ganzen doch keine rationelle zu nennen und dürfte die Richtigkeit dieſes Urtheils ſich durch folgende Thatſachen beweiſen laſſen. 1. Die Viehfütterung iſt nicht ausreichend, Kraftfutterzukauf unterbleibt ſo gut wie vollſtändig. Demzufolge iſt die Rentabilität weit unter mittel. 2. Ganz minimal iſt, abgeſehen vom Zuckerrübenbau, die Anwendung von künſtlichem Dünger, obgleich angeſichts der Bodenqualitäten deſſen Verwendung weſentlich beſſere Erndteerträge verſprechen würde. Die Körnererndten gehen aus dieſem Grunde in ihren Erträgniſſen langſam aber ſtetig zurück und verlangt der Boden entſchieden eine beſſere Düngung. 3. Vielfach iſt ein Mangel an Betriebscapital vorhanden. Durch häufige Guts⸗ übergaben entſteht bei zahlreichen Landwirthen ein ſtarkes Mißverhältniß zwiſchen Inventar, Gebäude⸗ und Grundſtückbeſtand, das durch entſprechende Entlaſtung ver⸗ mittelſt Veräußerungen oder durch Hereinziehung fremden Capitals nicht ausgeglichen wird. Bei allen denjenigen Landwirthen, von welchen der Beſitz eines entſprechenden Betriebscapitals bekannt iſt, kann auch eine rationellere Wirthſchaftsweiſe und größere Rentabilität nachgewieſen werden. Hierbei erſcheint bemerkenswerth, daß zu den Landwirthen dieſer Kategorie eine relativ große Zahl von Kleinbauern gehört. 4. Es beſteht eine ſtarke, ſachlich nicht begründete, Neigung insbeſondere der kleineren Landwirthe zur Vergrößerung des bewirthſ chafteten Geländes durch Erpachtung. Man ſcheint auf dieſem Wege die unausgeſetzte, eine allmählige Vertreibung der Orts⸗ bewohner von ihrem Eigenthum bedeutende Zunahme des Grundbeſitzes der Ausmärker in der Gemarkung Habitzheim, welche an und für ſich ſchon den Beweis liefert, daß die Lage der Landwirthſchaft eine ungünſtige iſt und ein Rückgang der Verhältniſſe ſtattfindet, ausgleichen zu wollen. Das Pachtfeld liegt aber nun zumeiſt in benachbarten Gemarkungen, ſeine Bebauung iſt demnach ſchwieriger. 5. Trotz im Ganzen vorhandener Vorliebe für den Futterbau und obgleich die Verhältniſſe durch die Nähe einer Bahnſtation einer Milchausfuhr günſtig ſind, wird, wie bereits erwähnt, der Milchwirthſchaft nur wenig Beachtung geſchenkt. Keinerlei dem heutigen Stand des Molkereiweſens entſprechende verbeſſerte Einrichtungen ſind vorhanden. 6. Die Parcellirung der Grundſtücke iſt keine abnormale. Auf den Hectar Gelände entfallen ca. 5 Parcellen. Der Zuſtand iſt ſonach beſſer als in zahlreichen anderen Gemarkungen, auch der nächſten Nachbarſchaft. Ebenſo iſt die Geſtaltung der Parcellen durchweg nicht unzweckmäßig. Trotzdem würde eine Feldbereinigung, welche bei der Gleichmäßigkeit der Bodenqualität keinerlei Schwierigkeiten bietet und — 3— auch bereits angeſtrebt wird, im Intereſſe eines rationelleren Betriebs gelegen ſein. Zur Zeit unterliegen die meiſten Gewannwege, als im Privatbeſitz befindlich, der Beſteuerung, dieſer Umſtand könnte beſeitigt werden. Ebenſo iſt eine zweckmäßigere Lage der Wege und die mindeſtens gewann⸗ bezw. flurweiſe Zuſammenlegung der Grundſtücke höchſt wünſchenswerth, zumal eine Parcellenvermeſſung noch nicht ſtatt⸗ gefunden hat. Frage II. a. Wie iſt das Verhältniß der Größe der Gemarkung zur Größe der anſäſſigen Landbau treibenden Bevölkerung? b. In welcher Weiſe vertheilt ſich das landwirthſchaftliche Gelände unter die anweſende Bevölkerung(todte Hand, Großgrundbeſitz, Groß⸗, Mittel⸗, Klein⸗Bauern, Taglöhner und Gewerbtreibende) und ſind in den letzten Jahren weſentliche Aenderungen in der Beſitzvertheilung eingetreten? c. Iſt die Beſitzvertheilung im Allgemeinen als eine günſtige zu bezeichnen, wenn nicht, wodurch giebt ſich die behauptete ungünſtige Ver⸗ theilung zu erkennen, welche Umſtände haben letztere veranlaßt, z. B. das geltende bäuerliche Erbrecht, die üblichen Syſteme des ehelichen Güterrechts oder der Zuſammenkauf von Grundſtücken? d. Iſt ein Theil der Gemarkung Allmendland und welchen Einfluß hat die Benutzung des letzteren auf die Lage der Bevölkerung? a. Die Zahl der Haushaltungen mit Landwirthſchaft, in welchen mehr wie 0,5 Hectar bewirthſchaftet werden, iſt 183, während die Gemarkung 808,19 Hectar landwirthſchaftlich benützbaren Boden umfaßt. Nach Abzug des im ſtandesherrlichen und im Beſitz der übrigen Ausmärker befindlichen Landes entfallen auf jede Haus⸗ haltung durchſchnittlich 2,77 Hectar. Zieht man nur die bei Frage VIII berückſichtigten 124 Haushaltungen, in welchen ausſchließlich oder in erſter Linie Landwirthſchaft betrieben wird, in Betracht, ſo ergeben ſich 3,71 Hectar, ſonach ein annehmbares Verhältniß. b. Die Vertheilung des landwirthſchaftlichen Geländes unter die anweſende Bevölkerung ergibt ſich aus der Einleitung und den Ausführungen zu Frage VIII. In der todten Hand befinden ſich, den Pfarrfonds Lengfeld und Ueberau gehörig...... 7,950 Hect. Der Staat beſitt.. 3,068„ Beide Areale ſind verpachtet. Im Eigenthum der Gemeinde ſtehen......... 9,157„ Dieſes Gelände iſt den Lehrern als Schulbeſoldungsgut über⸗ 2 wieſen und wird von denſelben ſelbſt bewirthſchaftet. Zum(unbebauten) Gelände der Ludwigsbahn gehören.... 7,226„ — 9— Weſentliche Aenderungen in der Beſitzvertheilung ſind in den letzten Jahren, ſoweit die anweſende Bevölkerung in Betracht gezogen wird, nicht vorgekommen. c. Iſt auch die Vertheilung des den Ortsanweſenden gehörigen Geländes nach Vorſtehendem nicht unvortheilhaft, ſo erſcheint im Gegenſatz hierzu die Beſitzvertheilung innerhalb der Gemarkung im Allgemeinen als eine nicht vortheilhafre. Zunächſt bleibt vom Standpunkte des in Habitzheim ausſchließlich vertretenen Mittel⸗ und Kleinbauernthums aus lebhaft zu bedauern, daß demſelben der namhafte ſtandesherr⸗ liche Großgrundbeſitz gegenüberſteht. Um ſo fühlbarer iſt dieſes Verhältniß geworden, als dieſer Beſitz früher parcellariſch an die Ortseinwohner verpachtet war, was mit dem Jahre 1849 aufgehört hat. Von da an wurde das Gut geſchloſſen verpachtet. Dieſer Umſtand macht ſich bis heute in nachtheiliger Weiſe fühlbar. Außerdem iſt, wie bereits erwähnt, der große, ſtets zunehmende Beſitz der übrigen Ausmärker, dem eine Beſitzvermehrung der Habitzheimer in den Nachbargemarkungen nicht gegenüber⸗ ſteht, recht beklagenswerth. Als Urſache dieſer Verſchiebung kann eben immer nur der im Durchſchnitt unrationelle Betrieb und die dadurch bedingte ungenügende Ren⸗ tabilität des Landbaus bezeichnet werden. Die Standesherrſchaft hat ihren Beſitz übrigens in den letzten Jahren nicht zu vermehren geſucht. d. Allmendland iſt nicht vorhanden. Frage III. a. Welches ſind die durchſchnittlichen Preiſe für die einzelnen Boden⸗ qualitäten der verſchiedenen Culturländereien(Acker, Wieſe, Weide, Wein⸗ berg ꝛc.), erſcheinen dieſe Preiſe beſonders hoch oder beſonders niedrig und auf welche Urſachen ſind die bezüglichen Erſcheinungen zurückzuführen? b. Welche Aenderungen in den Preiſen haben ſich in den letzten 5 Jahren vollzogen? c. Pflegt ein ſtarker Umſatz in Liegenſchaften ſtattzufinden und liegt hierfür(ſ. a) ein berechtigtes Bedürfniß vor? a. Für Acker⸗ und Wieſenland ſtellen ſich die Preiſe gleichmäßig im Durchſchnitt wie folgt: in 1. Bonitätsclaſſe pro Quadratmeter 48 Pf. 2. 40 3. 32 II 2 If 2 / 2 12 4. 2 2/ 20/ Die diesbezüglichen amtlichen Angaben der Landesſtatiſtik ſtimmen mit den wirklichen Erlöſen annähernd überein. Die Preiſe ſind hoch. Daß ſie trotz allem erzielt werden, erklärt ſich aus der unverſtändigen Sucht der Leute, ohne Rückſicht auf die Zuträglichkeit eines ſolchen Beginnens und auf den thatſächlichen Mangel an 2 10— Betriebscapital, den Grundbeſitz zu vergrößern, weiter auch aus den unvernünftig hohen Pachtzinſen und aus der ſtarken Betheiligung der gutſituirten Landwirthe der Nachbargemeinden bei vorkommenden Gutsverſteigerungen. In einem der bei Frage VIII in Betracht gezogenen Fälle iſt conſtatirt, daß der betreffende Landwirth neue Aecker gekauft, den Kaufpreis durch Aufnahme eines Darlehns auf Handſchein gedeckt und gleichzeitig zur Ausgleichung der in den Wirthſchaftseinnahmen und Ausgaben ſeit mehreren Jahren eingetretenen Unterbilanz Grundſtücke verkauft hat, deren baarer Erlös ſucceſſive in der Wirthſchaft verbraucht wurde. b. Die Preiſe ſind im Allgemeinen in den letzten Jahren um ein Weniges zurückgegangen, namentlich trifft dies bezüglich der vom Ort entfernt liegenden Grund⸗ ſtücke zu. Bei den nahe gelegenen iſt jedoch der Preis ſtabil geblieben. c. Der Liegenſchaftsumſatz iſt nicht unbedeutend, aber kein übermäßig ſtarker. Frage IV. a. Nehmen die Pachtgüter einen erheblichen Umfang ein und ſtehen die Pachtpreiſe im richtigen Verhältniß zu dem Kaufpreiſe der Ländereien einerſeits und zur Ausnutzungsfühigkeit derſelben andererſeits, eventuell welche Urſachen wirken ſteigernd auf die Pachtpreiſe ein? b. Welche Beſtimmungen gelten insbeſondere in Betreff der Dauer der Pacht, der Bezahlung der Steuern ꝛc., der Verſicherungsprämien, ſowie in Betreff vorzunehmender Meliorationen und etwaiger Pachtnach⸗ läſſe bei elementaren Unglücksfällen bei fiskaliſchem, ſtandesherrlichem und privatem Grundbeſitz? c. Wirken die üblichen ſonſtigen Pachtbedingungen beſonders er⸗ ſchwerend für die Pächter oder nicht? a. Außer dem ſtandesherrlichen Pachtgut, welches 232 Hectar umfaßt— und über deſſen Pachtverhältniſſe keinerlei Auskunft zu erhalten iſt—, ſind in der Ge⸗ markung Habitzheim ſelbſt im Ganzen nur 42 Hectar verpachtet. Der Pachtpreis iſt, wie bereits erwähnt, ohne Ausnahme exorbitant hoch und beträgt bei einem mittleren Kaufwerth von Mk. 3486 per Hectar Mk. 160, mithin 5 pCt. Daß unter dieſen Umſtänden in den betreffenden Wirthſchaften ohne Nutzen, vielfach mit Verluſt ge⸗ arbeitet wird, iſt einleuchtend. Die Urſachen der Höhe der Pachtpreiſe ſind weiter oben angeführt. b. Das parcellenweiſe verpachtete Gelände wird in der Regel auf 6—12 Jahre verpachtet. Die Steuern zahlt der Eigenthümer; bei Unglücksfällen, Hagelſchlag ꝛc. 5 kann Pachtnachlaß nicht beanſprucht werden. c. Die ſonſtigen Pachtbedingungen wirken nicht erſchwerend. — 11— Frage V. a. In welcher Weiſe pflegen die Landwirthe ihre Mobilien und Producte gegen Feuer, ihre Früchte gegen Hagel und ihren Viehſtand gegen Unfall zu verſichern? b. Hat die Lebens⸗, Alters⸗ und Renten⸗Verſicherung Eingang in der Gemeinde gefunden, event. in welcher Weiſe und welchem Umfange? a. Gegen Feuerſchaden ſind nahezu alle Landwirthe der Gemeinde bei einer Mobiliar⸗Feuerverſicherungs⸗Geſellſchaft, wenigſtens bezüglich der Mobilien und Geräthſchaften, verſichert. Das Gegentheil iſt bezüglich der Hagelverſicherung der Fall. Nur 10 bis 12 Landwirthe pflegen ſich gegen Hagelſchaden zu verſichern. Recht bedauerlich iſt, daß auch die Viehverſicherung ebenfalls noch nicht in Aufnahme gekommen iſt. Eine Ortsviehkaſſe mit Rückverſicherung würde ſehr am Platze ſein. b. Die Lebens⸗, Alters⸗ und Rentenverſicherung hat bislang gar keinen Eingang gefunden. Frage VI. In welcher Weiſe befriedigen die Landwirthe in der Regel ihre Creditbedürfniſſe hinſichtlich des Real⸗ und des Perſonalcredits und welches ſind bei beiden Arten des Credites die gewöhnlichſten Darlehens⸗ bedingungen in Bezug auf Zeitdauer und Zinsfuß und werden dabei auch Amortiſationsfriſten(Güterziele) angewendet? Obgleich drei Bezirksſparkaſſen zu Groß⸗Bieberau, Groß⸗Umſtadt und Reinheim ihren Sitz in unmittelbarer Nähe von Habitzheim haben, ſo wird deren Hilfe zur Befriedigung des Realcredits von den Bewohnern dieſer Gemeinde nur im Mindermaße in Anſpruch genommen. Es ſind bei einem Geſammtbetrag der hypothekariſch geſicherten Darlehen von rund etwa Mk. 300000 entnommen: bei den Bezirksſparkaſſen, der katholiſchen Sparkaſſe zu Zipfen und ſonſtigen Fonds........... Mk. 107187 bei einheimiſchen Privatcapitaliſten..........„ 34088 und der Reſt bei auswärtigen Privatcapitaliſten. Die hypothekariſchen Darlehen werden in der Regel auf unbeſtimmte Zeit, bezw. vierteljährige Kündigung verabredet, eine Amortiſation findet nur ausnahmsweiſe und in dieſem Falle durch Vereinbarung von 6—10 Zielen ſtatt. Sehr bezeichnend iſt, daß bei einem Stand der Geſammthypothekenforderung der sub 1 höchſtbetheiligten Be⸗ 2²⁴ — 12— zirksſparkaſſe zu Reinheim von Mk. 21428 ſeit 1879 nur Mk. 205,15 abgetragen wurden. Was den bei Grundſchulden üblichen Zinsfuß anbelangt, ſo ſind die Darlehen zur Hälfte des Geſammtbetrags etwa zu 4 ½ pCt., zur anderen Hälfte zu 5 pCt. geliehen. Die zweifelhafte Ehre im Beſitze zweier durch Hypothek geſicherter, zu 6„Ct. verzinslicher Forderungen von zuſammen Mk. 1372 zu ſein, genießen zwei auswärtige Iſraeliten! Was die Kaufſchillingsforderungen anbelangt, ſo ſind dieſelben zumeiſt inner⸗ halb ſechs Jahren zu tilgen, zu 5 pCt. verzinslich und mit geringer Ausnahme in der Hand der Bezirksſparkaſſen. Die Terminszahlungen erfolgen im Allgemeinen prompt. Auffallend erſcheint, daß dem relativ hohen Betrage der von auswärtigen Pri⸗ vaten nach Habitzheim gewährten Hypothekdarlehen nicht unbedeutende Activcapitalien der Einwohner gegenüberſtehen. Neben den gegen Verunterpfändung von Liegen⸗ ſchaften aus geliehenen Guthaben(ſ. oben Mk. 234088) ſind aus Habitzheim in den drei oben erwähnten Sparkaſſen zuſammen Mk. 90419 eingelegt und werden daſelbſt zu 4, bezw. zu 3 ½ pCt. verzinſt. Bei einzelnen Wohlhabenden dürfte auch noch etwas Beſitz an Werthpapieren vorhanden ſein. Dieſe Thatſache iſt mit Rückſicht darauf beachtenswerth, daß für die Bedürfniſſe des Perſonalecredits irgend welche örtliche Einrichtungen nicht beſtehen. Die Einwohner ſind in dieſer Beziehung vielmehr ebenfalls auf die Bezirkskaſſen und die Privathilfe angewieſen, ohne nachweislich davon einen ausgiebigen Gebrauch zu machen. Denn von dem bei Frage VIII aufgeführten Geſammtbetrag von Mk. 21429, welcher nicht einmal alle Mobiliarſchulden repräſentiren dürfte, da ein guter Theil eben nicht zugeſtanden wird, hat die Sparkaſſe Reinheim, die eigentliche Creditanſtalt des Bezirks, an Habitzheimer auf Handſchrift nur Mk. 7269 ausgeliehen, zu 5 pCt. verzinslich. Dies läßt erkennen, daß die nur unter Mitwirkung der Ortsbehörden ausführbaren Geldaufnahmen bei dieſem immerhin fern gelegenen Inſtitut den Ortsangehörigen nicht convenirt. Da nun andrerſeits den Privatcapitaliſten die Darlehen auf Hand⸗ ſcheine nicht genügend geſichert erſcheinen, fließt der örtliche Capitalüberſchuß nach der Sparkaſſe ab, ohne den Einheimiſchen wieder zu Gut zu kommen. Hieraus erklärt ſich auch, weßhalb zu dem offenſichtlichen Mangel an eignem Betriebscapital die Unter⸗ laſſung der Hereinziehung fremden Betriebscapitals in den Wirthſchaftsbetrieb tritt. Ohne Zweifel hat aus dieſen Gründen der Wucher in Habitzheim freies Feld. Die Errichtung und der verſtändige Betrieb einer Darlehnskaſſe würde von größtem Segen begleitet und ſowohl den Geldbeſitzenden wie den Geldbedürftigen von Vortheil ſein. Bei Handſchriftſchulden pflegt eine Rückzahlung in 6 Terminen bedungen zu werden. Frage VII. a. Wie ſtehen im Allgemeinen die Arbeits⸗ und Geſindelöhne in der „Gemeinde, genügt die ortsanſäſſige Bevölkerung zur Beſtreitung der — 13— landwirthſchaftlichen Arbeiten oder ſind fremde Arbeiter nöthig und wo⸗ her kommen letztere? b. Iſt für die landwirthſchaftliche Bevölkerung Gelegenheit zum Nebenverdienſt vorhanden, event. haben dieſe Nebenverdienſte(Arbeiten im Wald, Hausinduſtrie, Fabrikbetriebe, Fuhrweſen ꝛc.) eine beſondere Bedeutung für den Wohlſtand der Landwirthſchaft treibenden Bevölkerung und der Gemeinde im Allgemeinen? c. Gibt es Landwirthe in der Gemeinde, die mit Rückſicht auf den Umfang und die Rentabilität ihres landwirthſchaftlichen Betriebes an ſich auf Nebenverdienſt und Tagelöhnerarbeit angewieſen wären, ſolche Arbeiten aber aus Standesvorurtheil, Trägheit ꝛc. nicht ausführen? a. An Arbeitslöhnen werden in der Regel in der Gemeinde bezahlt: pro Mann und Frau ohne Unterſchied Mk. 0,70 und Verköſtigung. Als Geſindelöhne ſind üblich: für einen Knecht jährlich Mk. 200, für eine Magd„„ 120. Abgeſehen von dem ſtandesherrlichen Hofgut, welches fremde Arbeiter beſchäftigt, genügt die ortsanſäſſige Bevölkerung zur Beſorgung der Arbeiten vollkommen. Die Einheimiſchen ſuchen nur ausnahmsweiſe und in geringer Zahl auswärts Arbeit. 5 b. Die Nebenverdienſte im Ort ſind ohne beſondere Bedeutung. Mit Gewerbe⸗ betrieb beſchäftigen ſich neben der Landwirthſchaft circa 48 Perſonen. Es ſind die üblichen, in jedem Ort vorkommenden Gewerbe. Die Frage c iſt zu verneinen. Arbeitsſcheue und Trunkenbolde gibt es nur 2 im Orte. Frage VIII. a. Wie vertheilt ſich der ermittelte Betrag der Immobiliarverſchul⸗ dung auf die einzelnen Beſitzgruppen(größerer, mittlerer und kleinerer Grundbeſitz) und auf welche Gruppe entfällt der ſtärkſte Procentſatz der Schuldenlaſt? b. Datirt der Schuldenſtand aus älterer oder aus neuerer Zeit, im letzteren Fall, wie hat derſelbe im letzten Jahrzehnt zugenommen? c. Sind in den letzten 5 Jahren die Zinſen und Güterziele im All⸗ gemeinen regelmäßig bezahlt worden oder ſind bemerkenswerthe Rückſtände bekannt? — 12— d. Welche Urſachen haben einen erkennenswerthen Einfluß auf die Ver⸗ ſchuldung, z. B. das beſtehende Erbrecht oder die üblichen ehelichen Güter⸗ ſyſteme, unwirthſchaftlicher Ankauf von Grundſtücken zu hohen Preiſen, ungenügendes Betriebscapital, zu frühe Gründung eines eigenen Haus⸗ halts, Verſchwendung und nachläſſige Wirthſchaft, die Aufeinanderfolge ſchlechter Ernten u. ſ. w.? Zu Tabelle A. Der Geſammtimmobilienbeſitz der hier in Betracht kommenden 123 Grundbeſitzer beziffert ſich auf 37618 Q.⸗Meter Hofraithen im Werth von Mk. 292450 3989632 3 Acker und Wieſenland„„„„ 1286770 4027250 Q.⸗Meter zuſammen Mk. 1579220 dem eine des Liegen⸗ der Ge⸗ ſchaftswerths ſammmtſchuld Hypothekenſchuld von Mk. 237562 oder 15,04 pCt. bezw. 74,67 pCt. Kaufſchillingsſchuld„„ 59124„ 3,74„ 4 18,59„ Mobiliarſchuld„„ 21420„ 1,36„„ 6,74„ Geſammtſchuld von Mk. 318115 oder 20,14 pCt. bezw. 100,00 pCt. gegenüber ſteht. Nicht verſchuldet ſind 16, gleich 13 pCt. dieſer Grundbeſitzer mit einem Immobilienbeſitz von 2400 Q.⸗Meter Hofraithen im Werthe von Mk. 22200 544828 5 Acker⸗ und Wieſenland„„„„ 174400 547228 Q.⸗Meter zuſammen Mk. 196600 oder 13,58 pCt. obigen Immobilienbeſitzes bezw. 12,45 pCt. des Liegenſchaftswerths. Verſchuldet ſind 107= 87 pCt. der Grundbeſitzer mit einem Immobilien⸗ beſitz von 35218 Q.⸗Meter Hofraithen im Werthe von Mk. 270250 3444804„ Acker⸗ und Wieſenland„„„„ 1112370 3480022 Q.⸗Meter zuſammen Mk. 1382626 oder 86,42 pCt. obigen Immobilienbeſitzes bezw. 87,55 pCt. des Liegenſchaftswerthes. Die hierauf haftenden Hypothekſchulden von Mk. 237562 ſind gleich 17,18 pCt. des Liegenſchaftswerths, Kaufſchillingsſchulbnn„„ 591244„„ 4,27„„„ Mobiliarſchulden 2 2 21429 I1 11 1,55 1„ 11 11 „Geſammtſchulden von Mr. 318115 ſind gleich 25,00 pEt. des Liegenſchaftswerths. — 15— Die hypothekariſchen Eintragungen von Mk. 237562 laſten nur bei 79, alſo bei 64,23 pCt. bezw. 74 p„Ct. der verſchuldeten Grundbeſitzer auf 26380 Quadratmeter Hofraithen im Werthe von Mk. 211050 2275789„ Acker⸗ und Wieſenland„ 2„„ 740420 2302169 Quadratmeter zuſammen im Werthe von Mk. 951470 oder 57,16 pCt. des Geſammtimmobilienbeſitzes bezw. 60,25 pCt. des Geſammtliegen⸗ ſchaftswerthes. Die Eintragungen betragen hiernach 24,96 pCt. der eingeſchriebenen Werthe. Bezüglich der Vertheilung auf die einzelnen Beſitzgruppen iſt zu bemerken: Von ſämmtlichen Grundbeſitzern gehören 32,52 pCt. zur Beſitzgruppe 1, (Beſitz von 0,50— 1 Hectar), 26,02 pCt. zur Gruppe 2(Beſitz von 1—2 Hectar), 25,21 pCt. zur Gruppe 3(Beſitz von 2—5 Hectar). Zu dieſen 3 Gruppen(Beſitz von 0,50— 5 Hectar) gehören ſonach 83,75 pCt. der Grundbeſitzer, während zu den Gruppen 4, 5 und 6 nur 16,25 pCt. gehören und zwar 5,69 pCt. reſp. 9,75 pCt. reſp. 0,81 pCt. An dem Geſammtwerth des Liegenſchaftsvermögens participiren die Gruppen 1, 2, 3 mit 8,48 pCt., reſp. 12,76 pCt., 25,66 pCt., zuſammen mit 46,90 pCt.; die Beſitzgruppen 4, 5, 6 dagegen mit zuſammen 53,10 pCt., und zwar mit 12,00 pCt., reſp. 36,65 pCt., reſp. 4,45 pCt. Von der Geſammtſchuldenlaſt entfallen auf die drei erſten Gruppen 56,83 p Ct., und zwar 15,85 pCt., reſp. 14,15 pCt., 26,83 pCt., während auf die Gruppen 4—6 zuſammen 43,17 pCt. und zwar 12,37 pCt. reſp. 30,02 pCt. reſp. 0,78 pCt. kommen. Im Verhältniß der Geſammtſchuldenlaſt zum Liegenſchaftswerth iſt die Gruppe 1 am ſtärkſten belaſtet, nämlich mit 37,18 pCt., dann kommt die Gruppe 3 mit 21,06 pCt., die Gruppe 4 mit 20,78 pCt., die Gruppe 2 mit 20,33 pCt., die Gruppe 5 mit 16,49 pCt. und ſchließlich die Gruppe 6 mit 3,56 pCt. des Liegen⸗ ſchaftswerths. Den Immobiliarbeſitzwerth der nicht verſchuldeten Grundbeſitzer in Abzug ge⸗ bracht, ſo iſt das Schuldenverhältniß der Gruppen 1—6= 43,65 pCt. reſp. 25,82 pCt. reſp. 24,12 pCt. reſp. 20,78 pCt. reſp. 19,92 pCt. reſp. 3,56 pCt. Berückſichtigt man indeſſen nur diejenigen Grundbeſitzer, auf deren Immobilien⸗ beſitz Hypotheken haften, ſo beläuft ſich die Zahl der betreffenden Grundbeſitzer zu der Geſammtzahl der betreffenden Gruppe 1 2 3 4 5 6 auf 30 19 19 4 5 0 oder 75 pCt., 59 pCt., 60 pCt., 57 pCt., 59 pCt. 0 und die Hypothekſchuld auf 34,72 pCt., 22,96 pCt., 25,91 pCt., 18,82 pCt., 24,09 pCt. des Beſitzwerthes. Am ſtärkſten iſt alſo auch hierbei wieder die Gruppe 1 belaſtet, dann folgt Gruppe 3, 5, 2, 4 und die Gruppe 6 iſt gar nicht mit Hypothekenſchulden belaſtet. — 16 Mit über 50 pCt. des Beſitzwerthes ſind verſchuldet aus der Gruppe 1 2 3 4 5 6 Grundbeſitzer 12 4 2 1 1 0 oder 30„Ct., 12 pCt., 7 pCt., 14 pCt., 8 pCt. 0 und zwar in der erſten Gruppe 6 Grundbeſitzer bis zu 60 pCt. und je 1 mit 70 pCt., 71 pCt., 79 pCt., 87 pCt., 96 pCt. und ſogar mit 128 pCt., aus der 2. Gruppe 2 Beſitzer mit 54 pCt., 1 Beſitzer mit 53 pCt. und 1 Beſitzer mit 90 pCt.; aus der 4. Gruppe 1 Beſitzer mit 50 pCt. und aus der 5. Gruppe 1 Beſitzer mit 53 pCt. Zu Tahelle PB. Landwirthſchaft allein betreiben 58 oder 47,15 pCt. fraglicher 123 Grundbeſitzer; deren Immobilienbeſitz beläuft ſich auf 78878 Quadratmeter Hofraithen im Werthe von Mk. 128200 2795360 3 Acker und Wieſenland„„„„ 802610 2814238 Quadratmeter zuſammen im Werthe von Mk. 1020810 gleich 69,88 pCt. des Geſammtimmobiliarbeſitzes bezw. 64,64 pCt. des Geſammt⸗ liegenſchaftswerthes. Hierauf laſtet: des Liegen⸗ der Ge⸗ ſchaftswerthes ſammtſchuld eine Hypothekſchuld von Mk. 120974 oder 11,85 pCt. bezw. 77,46 pCt. „ Kaufſchillingsſchud„„ 22929„ 2,25„„ 14,68„ „ Mobkbilirſchuld„„ 12282„ 1,20„„ 7,36„ „ Geſammtſchuld von Mk. 156185 oder 15,30 pCt. bezw. 100,00 pCt. Nicht verſchuldet ſind 10= 17,23 pCt. obiger Grundbeſitzer mit einem Immobiliarbeſitz von 1769 Quadratmeter Hofraithen im Werthe von Mk. 13500 455756„ Acker und Wieſenland„„„„ 146010 457525 Quadratmeter zuſammen im Werthe von Mk. 159510 Das ſind 16,26 pCt. obigen Immobilienbeſitzes bezw. 15,62 pCt. obigen Liegen⸗ ſchaftswerthes. Verſchuldet ſind dagegen 48= 82,77 pCt. obiger Grundbeſitzer mit einem Immobiliarbeſitz von 17109 Quadratmeter Hofraithen im Werthe von Mk. 114700 2339604 9 Acker⸗ und Wieſenland„ 4„„ 746600 2356713 Quadratmeter zuſammen im Werthe von Mk. 861300 oder 83,74 pCt. obigen Immobiliarbeſitzes bezw. 84,38 pCt. obigen Liegenſchafts⸗ werthes. Es haften hierauf: Hypothekſchulden von Mk. 120974 Kaufſchillingsſchulͤden„„ 22929 2,66„„„ Mobiliarſchulden„„ 12282 4,43„„ 2 Geſammtſchulden von Mk. 156185= 18,13 pCt. des Liegenſchaftswerths. Hypothek⸗Eintragungen ruhen nur bei 32= 55,17 pCt. obiger Grundbeſitzer überhaupt bezw. bei 66,66 pCt. der verſchuldeten 48 Grundbeſitzer auf 14,04 pCt. des Liegenſchaftswerths, ſ 11984 Quadratmeter Hofraithen im Werthe von Mk. 80200 1455921„ Acker und Wieſenland„ 5„„ 464600 1467905 Quadratmeter zuſammen im Werthe von Mk. 544800 alſo auf 52,16 pCt. obigen bezw. auf 62,29 pCt. des verſchuldeten Immobiliarbeſitzes, reſp. auf 53,37 pCt. obigen bezw. auf 63,25 pCt. des verſchuldeten Liegenſchafts⸗ werthes. Die Hypothek⸗Eintragungen von Mk. 120974 belaufen ſich hiernach auf 22,17 pCt. des Liegenſchaftswerths der mit Hypothek belaſteten Grundbeſitzer. Bei Betrachtung der einzelnen Gruppen ergibt ſich: Der Liegenſchaftswerth vertheilt ſich auf die Gruppe 1—3 mit 3,31 pCt. reſp. 9,50 reſp. 15,64 pCt., alſo zuſammen 28,53 p Ct., dagegen kommen auf die Gruppen 4—6 15,66 pCt., reſp. 98,94 pCt., reſp. 6,87 pCt., zuſammen demnach 71,47 pCt. An den Geſammtſchulden dieſer Grundbeſitzer participiren die Gruppen 1—3 mit 7,01 reſp. 11,24„Ct. reſp. 10,72 pCt., zuſammen mit 28,97 p Ct. während die Gruppen 4—6 mit 18,15 pCt., reſp. 51,28 pCt., reſp. 1,60 pCt., zuſammen mit 71,03 p Ct. betheiligt ſind. Die Verſchuldung der Gruppe 1 iſt am ſtärkſten, ſie beträgt 32,46 pCt. des Beſitzwerthes. Die Gruppen 2, 4, 5 ſind annähernd gleich belaſtet, nämlich mit 17,94 pCt., reſp. 17,71 pCt., reſp. 16,02 pCt., die Gruppe 3 iſt geringer, nämlich mit 10,54 pCt. und die Gruppe 6 am geringſten, nämlich mit 3,56 pCt. belaſtet. Nur auf die verſchuldeten Grundbeſitzer die Geſammtſchulden vertheilt, ſo macht die Schuld der Gruppe 1= 44,25 pCt. von deren Liegenſchaftswerth, bei Gruppe 2= 20,93 pCt., bei Gruppe 3= 13,72 pCt., bei Gruppe 4= 17,71 pCt., bei Gruppe 5= 20 pCt. und bei Gruppe 6= 3,56 pCt. Anders verhält ſich die Belaſtung des mit hypothekariſchen Eintragungen belaſteten Immobiliarbeſitzes. Bei Gruppe 1 2 3 4 5 6 find es 5 9 8 4 6 0 Grundkeſtzer, oder 48 pCt., 60 pCt., 57 pPCt., 66 pCt., 55 pCt. 0 obiger Grundbeſitzer und betragen die Hypothekenſchulden 34,41 pCt., 21,54 pCt., 13,23 pCt., 18,81 pCt., 25,44 pCt. des betr. Liegenſchaftswerthes. — 18— Mit über 50 pCt. des Liegenſchaftswerthes ſind verſchuldet 4 Grundbeſitzer aus der 1. Gruppe und zwar mit 56 pCt., 58 pCt., 87 pCt. und 96 pCt; aus der 2. Gruppe 1 Landwirth mit 60 pCt.; aus der 4. Gruppe 1 Landwirth mit 51„Ct. und aus der 5. Gruppe 1 Landwirth mit 53 pCt. Zu Tabelle C. Landwirthſchaft und Taglohn betreiben 17 oder 13,82 pCt. fraglicher 123 Grundbeſitzer. Der Immobiliarbeſitz derſelben beläuft ſich auf 3094 Quadratmeter Hofraithen im Werthe von Mk. 22900 150991 8 Acker und Wieſenland„ 2„„ 48050 154085 Quadratmeter zuſammen im Werthe von Mk. 70950 gleich 3,83 pCt. des Geſammtimmobiliarbeſitzes bezw. 4,49 pECt. des Geſammtliegen⸗ ſchaftswerthes. Die hierauf laſtende Schuld beträgt: des Liegen⸗ der Ge⸗ ſchaftswerthes ſammtſchuld Hypothekſchuld Mk. 22370 oder 31,53 pCt. bezw. 74,54 pCt. Kaufſchillingsſchuld„ 6572„ 9,26 8„ 21,89„ Mobiliarſchuld„ 1072„ 1,51„„ 3,57„ Geſammtſchuld Mk. 30014 oder 42,30 pCt. bezw. 100,00 pCt. Nicht verſchuldet ſind 2= 11,76 pCt. obiger Grundbeſitzer mit einem Immobiliarbeſitz von 231 Quadratmeter Hofraithe im Werth von Mk. 1700 19767 9 Acker und Wieſenland„„„„ 6250 19998 Quadratmeter zuſammen im Werth von Mk. 7950 das ſind 12,98 pCt. obigen Immobiliarbeſitzes bezw. 11,20 pCt. obigen Liegen⸗ ſchaftswerthes. Verſchuldet ſind dagegen 15= 88,24 pCt. obiger Grundbeſitzer mit einem Immobiliarbeſitz von 2863 Quadratmeter Hofraithen im Werthe von Mk. 21200 131224„ Acker und Wieſenland,„„„ 41800 134087 Quadratmeter zuſammen im Werthe von Mk. 63000 oder 87,02 pCt. obigen Immobiliarbeſitzes bezw. 88,80 pCt. obigen Liegenſchaftswerths. Die hierauf haftenden Hypothekſchulden von Mk. 22370 ſind gleich 35,50 pCt. des Liegenſchaftswerths, Kaufſchillingsſchulden,„ 6572„„ 10,43„„ 2 Mobiliarſchulden„„ 1072„„ 4,71„„„ Geſammtſchulden von Mk. 30014 ſind gleich 47,64 pCt. des Liegenſchaftswerths. Die Hypothekſchulden entfallen auf 14= 82,35 pCt. obiger bezw. auf 93,33 8 pCt. der verſchuldeten Grundbeſitzer mit einem Beſitzſtand von — 19— 2650 Quadratmeter Hofraithen im Werthe von Mk. 19700 121310 3 Acker und Wieſenland„„„„ 39900 123960 Quadratmeter zuſammen im Werthe von Mk. 59600 alſo auf 80,45 pCt. obigen, bezw. auf 92,45 pCt. des verſchuldeten Immobiliarbeſitzes, reſp. 11 84,60 1 11 1 1 94,60 11 1 11 Liegenſchaftswerths. Auf 37,53 pCt. des betreffenden Liegenſchaftswerthes beziffern ſich ſomit die Hypothekſchulden. Nach Gruppen betrachtet, fällt der Liegenſchaftswerth mit 56,83 pCt. auf Gruppe 1 und 43,17 pCt. auf Gruppe 2. Die Geſammtſchuld vertheilt ſich auf Gruppe 1 mit 56,84 pCt. und auf Gruppe 2 mit 43,16 pCt. In Gruppe 1 iſt die Geſammtſchuld= 42,30 pCt. des Liegenſchaftswerthes, gleich wie in Gruppe 2; dagegen iſt ſie bei Gruppe 1 auf den verſchuldeten Grund⸗ beſitz gerechnet= 45,95 pCt. und bei Gruppe 2= 50,06 pCt. des betreffenden Liegenſchaftswerthes. Auf mit Hypothek belaſtete Grundbeſitzer vertheilt, macht die Hypothekenſchuld der Gruppe 1= 34,24 pCt., der Gruppe 2= 41,82 pCt. Eine Verſchuldung über 50 pCt. iſt vorhanden aus der Gruppe 1 bei 5 Grund⸗ beſitzern, nämlich mit 54, 58, 61, 70 und 79 pCt., aus der Gruppe 2 bei 2 Grund⸗ beſitzern mit je 54 pCt. des Liegenſchaftswerthes. Zu Tabelle D. Landwirthſchaft und Gewerbe betreiben 48= 39,03 pCt. fraglicher 123 Grundbeſitzer. Der Immobiliarbeſitz derſelben beträgt: 15646 Quadratmeter Hofraithen im Werthe von Mk. 141350 1043281 4 Acker und Wieſenland„„„„ 34064110 1058927 Quadratmeter zuſammen im Werthe von Mk. 487460 gleich 28,78 pCt. des Geſammtimmobiliarbeſitzes bezw. 30,87 pCt. des Geſammt⸗ liegenſchaftswerthes. Darauf laſtet. des Liegen⸗ der Geſammt⸗ ſchaftswerths ſchuld eine Hypothekenſchuld von Mk. 94218 oder 19,33 pCt. bezw. 71,42 pCt. „ Kaufſchillingsſchuld„„ 29623„ 6,08„„ 22,40„ „ Mokbilaiarſchuld„„ 8075„ 1,65„„ 6,12„ „ Geſammtſchuld von Mk. 131916 oder 27,06 pCt. bezw. 100,00 pCt. Nicht verſchuldet ſind 4= 8,33 pCt. obiger Grundbeſitzer mit einem Immobiliarbeſitz von 400 Quadratmeter Hofraithen im Werthe von Mk. 7000 69305„ Acker und Wieſenland„„„„ 22140 69705 Quadratmeter zuſammen im Werthe von Mk. 29140 — 20— das ſind 6,59 pCt. obigen Immobiliarbeſitzes bezw. 5,98 pCt. obigen Liegen⸗ ſchaftswerthes. Verſchuldet ſind dagegen 44= 91,66 pCt. obiger Grundbeſitzer mit einem Immobiliarbeſitz von 15246 Quadratmeter Hofraithen im Werthe von Mk. 134350 973976„ Acker und Wieſenland,„„„ 323970 989222 Quadratmeter zuſammen im Werthe von Mk. 458320 oder 93,41 pCt. obigen Immobiliarbeſitzes bezw. 94,02 pCt. obigen Liegenſchaftswerths. Die darauf laſtenden Hypothekſchulden von Mk. 94218 ſind gleich 20,55 pCt. des Liegenſchaftswerths. Kaufſchillingsſchulden,„ 29623„„ 6,46„„„ Mobiliarſchulden„„ 8075„„ 1,76 — Geſammtſchulden von Mk. 131916 ſind gleich 28,78 pCt. des Liegenſchaftswerths. Die Hypothekeinſchreibungen bei 33= 68,75 pCt. obiger bezw. 75,00 pCt. obiger verſchuldeter Grundbeſitzer mit I 2 2 11746 Quadratmeter Hofraithen im Werthe von Mk. 111150 698558„ Acker und Wieſenland„ 3„„ 2395920 710304 Quadratmeter zuſammen im Werthe von Mk. 347070 alſo mit 66,56 pCt. obigen, bezw. 71,90 pCt. obigen verſchuldeten Immobiliarbeſitzes Teſp.„ 71,19„„„ 5,,7„„ Liegenſchaftswerths ſind gleich 27,15 pCt. der reſp. Liegenſchaftswerthe. Es entfallen auf die Gruppen 1—3 vom Liegenſchaftswerth 77,67 pCt. nämlich 12,29 pCt., reſp. 15 pCt., reſp. 50,38 pCt.; auf die Gruppe 4 und 5 zu⸗ ſammen 22,33 pCt. nämlich 6,07 pCt., reſp. 16,26 pCt., Gruppe 6 iſt nicht vor⸗ handen. Von der Geſammtſchuld entfallen auf die Gruppe 1—3 zuſammen 79,93 pCt. nämlich 16,98 pCt., reſp. 11,01 pCt., reſp. 51,94 pCt. auf die Gruppen 4 und 5 8,38 pCt., reſp. 11,69 pCt., zuſammen alſo 20,07 pCt. Die Verſchuldung iſt im Verhältniß zu dem Liegenſchaftswerth bei den Gruppen 1 und 4 faſt die gleiche, nämlich 37,39 pCt., reſp. 37,33 pCt. des Liegenſchafts⸗ werthes; dann kommt die Gruppe 3 mit 27,59 pCt., Gruppe 2 mit 19,86 pCt. und Gruppe 5 mit 19,48 pCt. Die Schuldenlaſt auf die mit Schulden behafteten Liegenſchaften ausgeſchlagen, ſo ergibt ſich auch hier die größte Verſchuldung bei Gruppe 1, nämlich mit 41,77 „Ct. des Liegenſchaftswerthes. Dieſer Gruppe ſteht in der Verſchuldung am nächſten die Gruppe 4 mit 37,33 pCt., dann folgt Gruppe 3 mit 29,63 pCt., Gruppe 2 mit 22,46 pCt. und Gruppe 5 mit 19,48 pCt. Die Hypothekſchulden indeſſen nur auf den entſprechenden mit Hypothekein⸗ tragungen belaſteten Grundbeſitz ausgeſchlagen, ſo entfallen auf die Gruppe 1= 35 pCt.; die Gruppe 3 folgt dieſer mit 31,48 pCt., dann kommt die Gruppe 5 mit 713,02 pCt. und zuletzt die Gruppe 2 mit 13,02 pCt. des betreffenden Liegenſchaftswerths. 21 Mit über 50 pCt. ſind aus der erſten Gruppe 3 Grundbeſitzer belaſtet und zwar mit 58 pCt., 71 pCt. und 128 pCt., aus der 2. Gruppe ein Landwirth mit 67 pCt. und aus der 3. Gruppe 1 Landwirth mit 53 pCt. und 1 Landwirth mit 90 pCt. Intereſſant iſt die Vergleichung der Tabellen bezw. der Verhältnißzahlen der⸗ ſelben untereinander. Es betragen im Vergleich mit Tabelle A: Bei den Tabellen: A d( wirth( vwirth J(eLadwirth⸗(Landwirth.(Landimirth⸗ i e 3 aft aft de Algemeinen) ſchaft allein) u. Wafth) u. dhuit⸗) Die Zahl der Grundbeſitzer 100,00 pCt. 47,15 pCt. 13,82 pCt. 39,03 pCt. der Immobilienbeſitz. 100,00„[69,88„ 3,83„[28,78„ der Liegenſchaftswerth. 100,00„[64,64„ 4,49„ 30,87„ im Vergleich zu dem Liegen⸗ ſchaftswerth der betreffenden Tabelle: die Hypothekſchuld.. 15,04„[11,85„[31,53„ 19,33„ die Kaufſchillingſchuld. 3,74„ 2,25„ 9,26„„ 6,08„ die Mobiliarſchuld. 1,36„ 1,20„ 1,51„ 1,65h„ die Geſammtſchuld. 20,14„ 15,30„[42,30„[27,06„ im Vergleich zu der Summe der betreffenden Tabelle: die Zahl der nicht verſchul⸗ deten Grundbeſitzer.. 13,00„[17,23„[11,76„8,33„ die Zahl der verſchuldeten Grundbeſitzer.... 87,00„ 82,77„[88,24„[91,66„ der Liegenſchaftswerth des verſchuldeten Grundbeſitzes 87,55„ 84,344„88,80„ 94,02„ im Vergleich zu dieſem mit Schulden belaſteten Liegen⸗ ſchaftswerth: die Hypothekſchuld.. 17,18„ 14,04„ 35,50„[20,55„ die Kaufſchillingsſchuld 4,27„ 2,66„ 10,43„ 6,46„ die Mobiliarſchuld. 1,55„ 1,43„ 1,71„ 1,76„ die Geſammtſchuld... 23,00„[18,13„ 47,64„ 28,78„ Die Zahl der mit Hypo⸗ theken belaſteten Grundbe⸗ ſitzer: im Vergleich zu ſämmtlichen Grundbeſitzern.... 64,23„(55,17„[82,35„[68,75„ im Vergleich zu den ver⸗ ſchuldeten Grundbeſitzern. 74,00„[66,66„[93,33„ 75,00„ Der Liegenſchaftswerth des Be⸗ ſitzes der mit Hypothek be⸗ laſteten Grundbeſitzer zu dem Geſammtliegenſchaftswerth 60,25„[63,25„[94,60„[75,77„ 22 Bei den Tabellen: A (im Allgemeinen) B (Landwirth. ſchaft allein) C (Landwirth⸗ ſchaft u. Taglohn) D (Landwirth⸗ ſchaft u. Gewerbe) Die Hypothekſchulden im Ver⸗ gleich zu dem entſprechenden belaſteten Liegenſchaftswerth Mit über 50 pCt. des Liegen⸗ ſchaftswerths ſind verſchul⸗ dete Grundbeſitzer im Ver⸗ gleich zu ſämmtlichen Grund⸗ beſitzern 24,96 pCt. 16,23 2 Die Hypothekſchulden vertheilen ſich auf das Jahr mit pCt. das Jahr mit„Ct. das Jahr mit pCt. das Jahr mit pCt. 1839 0,20 1855 1841 0,45 1856 1842 0,29 1857 1844 0,18 1858 1845 7,50 1860 1846 0,65 1861 1848 1,40 1862 1850 0,92 1863 1851 1,04 1864 1852 0,32 1865 22,17 pEt. 12,07 7 0,60 1866 0,80 0,80 1867 1,65 0,82 1868 3,77 5,75 1869 0,77 0,65 1870 0,45 5,64 1871 2,43 0,35 1872 4,52 1,05 1873 020 1,327f 1874 0,00 115 1875 5,12 37,53 pCt. 41,18 2 1876 1877 1878 1879 1880 1881 1882 1883 1884 1885 27,15 pEt. 12,50 I 1,60 7,57 3,90 5,85 3,64 4,02 14,64 5,45 1,— 1,50 Die letzten 10 Jahre ſind danach mit 49,72 p„Ct. betheiligt und von dieſen Jahren der Jahrgang 1882 am ſtärkſten mit 14,64 pCt., dann kommt 1877 mit 7,57 pCt., 1879 mit 5,85 pCt. und 1883 mit 5,45 pCt. ſämmtlicher Hypothekſchulden. Ueber Zahl und Betrag der Einſchreibungen und Löſchungen giebt folgende Tabelle eingehenden Aufſchluß: Ein⸗. mehr einge⸗ mehr gelöſcht 2 Zeit 75 ſchreibungen 3 Löſchungen iihreenen ul⸗ acßreiugre 5„ 5 Betrag 5 Betrag Betrag Betrag 2 on E C TLI A e 111. Juli 1862 bis 30. Juni 18636 3 y4285 71] 1 891 43 3394 288—— 21.„ 1863„ 30.„ 1864 5 6257 14 13 11665 71—— 5408 57 31.„ 1864„ 30.„ 1865] 11] 10731 14½ 231 15373 11——]4641 87 4 ¹1.„ 1865„ 30.„ 1866 6]/ 7500— 5) 2202 85 5297,15—— 5 1.„ 1866„ 30.„ 1867 9 6894 85 7 5279 63 1615 22—— 61.„ 1867„ 30.„ 1868 15 23091 42] 10 23057 13 34 29—— 711.„ 1868„ 30.„ 1869 5 18342 86 7 2317724—— 4334 38 zu übertragen 54]1 77103712] 661 81647— 10340 94] 14384 82 Ein⸗ Laſ mehi eliige meht gelöſcht S;=eRe;— Löſchungen ſſchrieben als als einge⸗ 5 Zei 1¹ 56 ſchreibungen ſihung ſchrieben chrkehon 5 4 65 5 Betrag S Betrag Betrag Betrag — A AT dTI Uebertrag. 54 77103 12¹ 66 81647— 10340 94 14384 82 8111. Juli 1869 bis 30. Juni 18700 4 3043 72 3 1697 15 134657—— 91.„ 1870„ 30.„ 18711 5 35297 14 7 8062 28 27234 86—— 10[1.„ 1871„ 30.„ 1872 11 17185 72 8 4911 59 12273833—— 11¹1.„ 1872„ 30.„ 18738 7 8417 14 9 29285 155—— 20868 01 12ʃ1.„ 1873„ 30.„ 1874 4 3034 29 9 21771 43—— 1873714 37[1.„ 1874„ 30.„ 1875 4¹ 16088 57 5 6428 57 9660——— 141.„ 1875„ 30.„ 1876 9 8686— 8 8940 011—— 254/01 15˙1.„ 1876„ 30.„ 187 5 26530— 3 1165 72 25364288—— 16[1.„ 1876„ 30.„ 1878 1 2180— 3 925 70 1254 30%—— 171.„ 1878„ 30.„ 1879¹ 15 18892— 13 25308277—— 6416 27 481.„ 18/9„ 30.„ 1880 9 24637 14 8] 1161671] 13020433—— 10l.„ 1880„ 30.„ 1881 7 9950— 7 5050 14 4899 86—— 20 1.„ 1881„ 30.„ 1882 81 16913 711 7 14716 27 219744—— 21 1.„ 1882„ 30.„ 1883 7 57275— 4 27815 71 29459 29—— 22¹1.„ 1883„ 30.„ 1884 2 2000— 3 1377 86 622 14—— 2311.„ 1884„ 30.„ 18856 5 6434 10 10 1726916—— 10839/06 zuſammen 23 Jahre 157333670— 1173 267780— 187680— 72000— Es haben hiernach in den letzten 12 Jahren(1873— 1885) ſtattgefunden: Eintragungen 78 im Betrag von....... Mk. 192620 und Löſchungen im Betrag von.......„ 142380 in dieſer Zeit wurden mehr eingeſchrieben als gelöſcht„ 86490 dagegen mehr gelöſcht als eingeſchrieben.....„ 36250 ſomit mehr eingeſchrieben als gelöſcht.....„ 50240 während ſeit 1863 Mk. 65890 mehr eingeſchrieben als gelöſcht wurden. Von den Einſchreibungen betrug die höchſte in 1882/83 29,73 pCt. ſämmtlicher Ein⸗ ſchreibungen der letzten 12 Jahre, dann kommt 1876/77 mit 13,77 pCt. und 1879/80 mit 12,79 pCt. Die geringſte Einſchreibung hat ſtattgefunden mit 1,04 pCt. in 1883/84. Die Entſtehung und der Betrag der Mobiliarſchulden konnte nicht mit völliger Genauigkeit feſtgeſtellt werden; ſicherlich iſt der Betrag derſelben ein weſentlich höherer. Zinſen und Güterziele wurden richtig bezahlt, bemerkenswerthe Rückſtände nicht ermittelt, während Klagen meiſt nur wegen der Zinszahlung angeſtrengt wurden. Als Urſache der Verſchuldung glaubt man mit Rückſicht auf das Alter der meiſten Hypothekeinträge die Uebernahme älterer Schulden ſeitens der Nachfolger, unnöthige und unverſtändige Gutsvergrößerung anführen zu ſollen. Ungenügende Wirthſchaftsergebniſſe ſpielen ebenſo eine Rolle. Bei den zahlreichen Auswanderungen, welche als eine Folge der Aufhebung der parzellariſchen Verpachtung des ſtandesherr⸗ lichen Guts bezeichnet werden, ging viel baares Capital nach auswärts, die Hypo⸗ thekſchulden blieben dagegen im Orte zurück. 009˙961 31† 91 8— 40ou n 6 9 087˙66 F6˙1 3 05— 0I 01 6 08 †,19 01,1 F(„= 23 3 066,15 r,2 0 3 1 5 027681 F6† 8 1— 0 :poInGplrog e 00˙95 00,001 SIg 655'Ie SI’'6 390186 039'389'I— Sfg 201 96 8 8²,0 00,6— 00ʃ— 081,04 98,06 adom en O 9 36,61 60,08 87†,(6 00877† 068,9 886,†8 0†8,61† 33,661 01 05— 8²,06 28,61 998,68 005, T0O 696,06 097,681 08,16 2 01 5 51 88,96 9rg,8 O6,1 611,6 149,19 088,868 86,18 16„— 3 68,05 21,1 IIO, 599,] 79,† C66,86 008 †7I 836,68 45 6 3 A 99/9 † 98/01 FIrO 217 8 408,II 0 598 019II 285 98 1— 0o f :roIncplaog i FL/03 00,00 ILSI 667'15 761˙6 390189 O386 19,1 31307 88] 99,8 8*,0 006,6 00,8 08LO 8,035 1Geen O 9 67†,91 60,08 847,66 0087 068,9 886,†8 068,8 9116 31 05 0f 6 8² 06 28,51 998,68 00 †,† 100,† 896,06 097,681 08,16 1 0I 8„7 90,16 88,96 9f8,68 O671 61,6 149,19 096,90 5 80,16 18 9— 3 3 88,03 G1, 110,775 699,] T69, † L66,86 06,103 8 ½ 9† 38 56 2 81⁸G 28˙01 FIO LIPg 4089,1I 0*98 086/˙882 01ʃ665 Or 1—40o 2aaoplvi agiätdl 20 2 2 10 2 3 d9 1vp u b ee ede w 1 G gun 26 10 b 158 runsszs i ieztt ißt) aſnn auiegtn aishanze ahihh waiehe 1—% ago⸗e ouutobgW V un ahagu 42G u dngnp aag aa Saatpvꝛc 25 019˙61 ½ 01 — aGout'n 03 087 ˙66„6 ˙16 6 02 01 — eIr 0⁰0,28 86,11 8 C 5 066,81 8 ,3 8 5 1 066˙8 18˙6 8 I 6˙0 : poinplaod 8181 0000!1 c81 9eI 383531 656/66 vI16/061 009˙198 29˙(9,3 87 9„8 09,1 00ʃ5— 00ʃ6 8 081,00 98,03. 1 aGouu en 03 00,06 86,13 670,08 008 †(068,.9 608,99 011,00(6,61I 6 0.. 01 EAhl ei, 6,, 000, kes, 296,06 098,664 94, 9 01= 6 ,81 61,01 968,91 06,6 197,3(10˙/31. 019,661 00,18 II 6— 2 66,0;5 F,I Fee, e oe e ,ees ee 5 6 †f IO 4 096˙01 689 2110 † 866˙9 0111⁶ 5ʃ9£ 8 1 90 : r—nGplaog n 08˙01 00000 81˙901 28366l 6536/ 66 116˙031 018˙020,1 F 838 84. 9 8 09,1 006,½ 00ʃ— 081,0, 8.O aloutn 06 20,9=l Seele 60,0 osk 068.9) 698,89 066,66† Clr.gh I 0e 1 IA?, 6,, 00-k ee,e 596,06 098,661 925 9 O 5 r9,01 31,01 968,9 0486 195,6 210,61 099,601 689,6† †1 4— 2 56 11 F, eel ee e eee ees eee 97†˙68 10˙½ 096˙01 689 1½0˙ † 806˙9 091˙88 98˙8 II 1 20 a1p 20.εν,p uoginqp! 1 2 1 u2 49 =H21 d ede ee ie uoincol uinp uinſp! 3npS gun 10 ss 16 98 Iworr uoupda u ee ee e ⸗ureceee aas aaft : uogog uopp p gate g. GOS S - GS S - G OS. S 0600 66˙T 3 ——— aGom n 08 9 — 05 0f 6 —— 01 6 5 8—— 3 3 0½ι 08,1 1 8 1 7 005˙9 69˙0 T 1 90 : poInqplrod F9 † 000010 r10˙08 620˙1 320˙9 029˙36 000˙99 0†/9 91 ————————— aGouten 0O 9 8 55— S——— 06 0l 2 — 8——— 01 98 .„, 7, 6 3 3 90,00 9 LSF 966,61 6 060,5 768,01 088,65 28,0 5 2 1 3 8 96˙(† †8˙90 8⁰0˙11 080˙T 8875*† 9†0*II 0216 80 II 1 0 : r.nplaog di 08˙† 000001 rIO0'0s8 520˙ 310˙9 029˙3 0 6˙0 ¼1 071 A1 ———————— 4Gout n 0O 9 — S— 95— 0I1 5——————— 01ö 9 5 , 2,, 6 3 08, † 91,8† 966,61 6, 060,5 768,01 089,08 21,1 0 5 3 08˙† 78˙9 890˙21 080˙1 68 †/† 9†0˙II 088˙0 † 86˙8 81 1— 9,0 1 avο⅔ 2emepiet asanucd 08 10 1 10 1 1nle ug 10 1195215 5G=Socrode ec Gpl— 1 gun aaꝓ 10 b 5 4O uouascaſt un u edoach u Auuh Aafnt enubtdes le n Viae dwang 1b*1] : uogrjog unogapugozoby dun p ge d 27 089˙†1 89ʃ½ 08†,8 99,6 088˙9 81ʃ0 :poinGplaod e 8⁰8 00001 916181 10˙8 98963 816†6 0689'8 36˙86 1Gout'n 03 861 69,11 65 5,g1 63 † I 086,6 ½ 30%1 0416 86,8 060,I 005 09,01 4 7 7 7 1 4 009,66 T0,8 29,66 6l eee, Seee eees W6e biae loll Wartl(es, 41676 985, Oe9o.p 22 86˙91 969˙36 2 ⁄1 008˙5 178'41 069/80 61˙11 :poInſplaog qu ee 90˙6 0000 916, 1lI 2208 989,63 816†6 097,8 68˙01 8y6 69,R G2),l— 65 086,6½ 0, †1 88 18 888 060,1 005, 09,01— 009,66 108 6836 F, 076,69 09. eet. ee 009,76 C6.,†9 9G jor agJh e, 6168 986, 081,84½ 9½,91 6816 860l 966656 S6l 0086 lIS2 006,634 8461 2rocusnlvch aaaan 1 2 1 1 wa b91=e 420 gun 42] ꝑ : uognajog ogroate de ige. — 053— 0I. 01— 4 1 6= 68 6 5= I 1— 90 F — a1Gout n 08 1 05— 01 1 01 91 6— 5 01 5— 1 91 L= 80 87† — aGom'n 06 I 05 01 I 01 11(2 61 5 LI 1= 60 1gvg apo⸗ 12a* - GOS S 3²⁴ - GNOOSS S GMODSS 29 — 28— F rage IX. a. Wie geſtaltet ſich die Rentabilität des landwirthſchaftlich benutzten Bodens bei großen, mittleren und kleineren(eigenen oder gepachteten) Gütern? b. Wenn die Rentabilität als eine unbefriedigende erſcheint, ſind die Gründe zurückzuführen hauptſächlich auf 1. die Fruchtbarkeits⸗Verhältniſſe der Gemarkung, 2. die mangelhafte Melioration und die Zerſplitterung der Grundſtücke, 3. die im Verhältniß zur Ausnutzungsfähigkeit zu hohen Preiſe des Bodens, 4. einen mangelhaften landwirthſchaftlichen Betrieb, 5. ein zu großes Gebäudecapital, 6. ungünſtige Arbeiterverhältniſſe, 7. ungünſtige Abſatzverhältniſſe(ſchlechte Preiſe, unrationelle Einrichtungen für den Abſatz u. ſ. w.), 8. frühzeitiges Zurückziehen der Eltern und Belaſtung der Güter mit hohen Altentheilen und Leibrenten, 9. Beſondere unwirthſchaftliche Gewohnheiten der Landwirthe, z. B. zu ſtarke Pferdehaltung u. dgl., 10. hohe Steuern und Umlagen und ſonſtige dem Commiſſär bekannt gewordene Verhältniſſe? a. Zum Zwecke der Beantwortung der Frage IX wurde der Anleitung gemäß ein größeres, ein mittleres und ein kleines Gut ausgeſucht, um durch eine genaue Beſchreibung dieſer 3 Wirthſchaften die nöthigen Anhaltspunkte zur Beantwortung der Frage zu gewinnen. Bei der Auswahl der Güter nahm man hauptſächlich da⸗ rauf Bedacht, Beſitzer zu bekommen, von denen man möglichſt zuverläſſige Angaben erwarten konnte. Mit der Auswahl konnte man auch inſofern zufrieden ſein, als die 3 Beſitzer mit großer Bereitwilligkeit die erforderliche Auskunft ertheilten. Daß aber die vorgeführten Zahlen, obgleich ſie mit Sorgfalt geſammelt wurden, keinen Anſpruch auf abſolute Richtigkeit machen können, iſt bei dem conſtatirten Mangel einer geord⸗ neten Buchführung ſelbſtverſtändlich. Das größere Gut kann inſofern nicht ganz als tyviſch bezeichnet werden, als dasſelbe gegenüber anderen Gütern mit mancherlei Nebenvortheilen(directer Milchverkauf, eigener Arbeitskräfte) arbeitet. Umſomehr — 20— war das Reſultat überraſchend, als man allgemein den Nachweis einer entſprechenden Rente erwartete, während gerade das Gegentheil eintrat. Betreffs des mittleren Gutes iſt zu erwähnen, daß der Beſitzer zumeiſt auf fremde Arbeit angewieſen iſt. Die Frau iſt kränklich und liegt derſelben noch die Beſorgung der Kinder ob. I. Beſitzſtand⸗Nachweis, beſtehend aus den Nachweiſen über den Werth von Grund und Boden mit Obſtbäumen, Ge⸗ bändecapital, Inventarcapital(todtundlebend) und umlau⸗ fendes Betriebscapital Gorrath). Das Verhältniß der einzelnen Betriebscapitalien zum Grundcapital ſtellt ſich wie folgt: Größeres Gut. Das Gebäudecapital beträgt....... 24 pCt. vom Grundcapital Das Inventarcapital beträgt....... 12„ 9„ Das umlaufende Betriebscapital beträgt... 3„„ 4 Mittleres Gut. Das Gebäudecapital beträgt....... 32„„„ Das Inventarcapital beträgt....... 42„„„ Das umlaufende Betriebscapital...... 3„„„ Kleineres Gut. Das Gebäudecapital beträgt....... 49„„„ Das Inventarcapital beträgt....... 39 5„ 3 Das umlaufende Betriebscapital beträgt... 3„„„ II. Natural⸗Rechnung, beſtehend aus den Nachweiſen über Natural⸗Ertrag und Natural⸗Bedarf nebſt Schluß⸗ folgerungen. Bezüglich der Natural⸗Erträge iſt zu bemerken, daß auch hier wie in Meſſel die Ernteſtatiſtik durchaus nicht mit den mittleren Ernteerträgen ſtimmt. Die ſta⸗ tiſtiſchen Angaben ſind zum Theil namhaft tief unter Mittel, zum Theil aber auf ein Minimum herabgeſetzt, das in der Wirklichkeit in Mißjahren noch übertroffen werden dürfte. Die Gründe hierfür dürften einerſeits in der Befürchtung der Be⸗ theiligten, die Aufnahme erfolge nur um den Anlaß zu erneutem Anziehen der Steuer⸗ ſchraube, anderntheils aber auch in Verwechſelungen bezüglich der neuen Maaße und Gewichte zu ſuchen ſein. Die Ernte⸗Erträge bei dem größeren Gute wurden aus dem 10jährigen Durch⸗ ſchnitt der gut geführten Ernte⸗Regiſter, dem einzigen vorgefundenen Buchnachweiſe, des Beſitzers, feſtgeſtellt und ſind als zuverläſſig zu betrachten. Bei 2 und 3 wurden ſie nach Schätzung feſtgeſtellt. Die Erträge des Viehſtandes ſind verhältnißmäßig gering, weil der Milch⸗ production kein entſprechender Werth beigelegt wird. In Anbetracht der Kleewüchſig⸗ keit des Bodens, und bei Verwendung von Kraftfutter, ließen ſich dieſelben noch ganz — 30— bedeutend ſteigern, und würden ſich die Koſten für den producirten Stallmiſt, welche nicht gerade ſehr hoch erſcheinen, noch weſentlich verringern laſſen. Was den Bedarf an Saatgut betrifft, ſo iſt derſelbe in Folge der ſchwachen Düngung ſehr ſtark. Beim Naturalbedarf für die Familie treten die Kartoffeln in den Vordergrund, da dieſelben in dieſer Gemarkung von ausgezeichneter Güte wachſen. Die hier angeſetzten Zahlen kommen nicht voll zur Verwendung, da ein Theil davon als Abfall noch Verwendung als Viehfutter findet. III. Geldrechnung, beſtehend aus den Nachweiſen über Geld⸗ einnahmen und Geldausgaben. Die Geldrechnung weiſt nach, daß bei Beſitzer I die Einnahmen die Ausgaben gerade decken, bei II betragen die Ausgaben 512 Mk. mehr wie die Einnahmen und bei III werden die Ausgaben bis auf 6 Mk. durch die Einnahmen gedeckt. Beſitzer I i*ſt nicht nur ſchuldenfrei, ſondern hat auch eine ganz erkleckliche Capital⸗Zinſen⸗Ein⸗ nahme, wodurch ſich erklärt, daß derſelbe trotz der ſchlechten Rente ſeines Gutes immer noch Fortſchritte macht. II iſt nicht ganz ſchuldenfrei und ſetzt thatſächlich jährlich noch Geld zu, wie dies die Geldrechnung nachweiſt. Das Deficit wird durch ſucceſſiven Verkauf von Grundſtücken gedeckt. III hat noch 2000 Mk. Hypothek⸗ und 800 Mk. Handſchulden und iſt außerdem durch Erbtheilung allzuſtark mit Gebäudecapital überlaſtet. IV. Rentabilitätsberechnung, beſtehend aus den Nachweiſen über den Rohertrag(excl. der für die Production in der Wirthſchaft wieder verwendeten Producte), die Productions⸗ koſten und den Reinertrag. Aus der Rentabilitätsberechnung geht hervor, daß bei I keine Grundrente, bei II eine ſolche von 0,7 pCt. und bei III 0,99 pCt. ſich ergiebt. Bezüglich I iſt zu bemerken, daß hier eventuell die Arbeit der Familienglieder doch etwas hoch veran⸗ ſchlagt iſt. b. Die Rentabilität des landwirthſchaftlich benutzten Bodens in Habitzheim iſt hiernach als eine nicht befriedigende zu bezeichnen und es fragt ſich, auf welche Gründe dieſe geringe Rentabilität zurückzuführen iſt. Die Fruchtbarkeitsverhältniſſe der Gemeinde ſind im Allgemeinen als ſehr gut zu bezeichnen, ebenſo iſt die Zerſplitterung der Grundſtücke keine ſo weitgehende, daß von einer Zuſammenlegung derſelben ganz hervorragende Vortheile zu erwarten wären, wenn auch eine richtige Weganlage und eine wirthſchaftlich richtige Form der Grund⸗ ſtücke recht wünſchenswerth erſcheinen. Die Bodenpreiſe ſind allerdings im Verhältniß zur Ausnutzungsfähigkeit zu hoch; allein dieſelben ſind doch noch bedeutend niedriger, wie in einigen angrenzenden Gemarkungen von gleicher Lage und Güte, in denen eine beſſere Rentabilität nach⸗ weislich iſt. Das Gebäudecapital ſteht im Allgemeinen zum Grundwerth im richtigen Ver⸗ hältniß und die Arbeiterverhältniſſe ſind günſtig. — 31— Auch die Abſatzverhältniſſe ſind nicht als ungünſtig zu bezeichnen, und durch Leibrenten ꝛc. ſind die Güter nicht ſtärker wie ſonſt auch belaſtet. Die eigentlichen Gründe der ungenügenden Rentabilität ſind daher anderwärts zu ſuchen und bereits bei den vorderen Fragen zum Theil ausführlich erörtert. Als die vornehmſten ſind zu recapituliren: 1. die ſtarke Neigung zum Pachten und die hohen Pachtzinſen; 2. ein mangelhafter landwirthſchaftlicher Betrieb; 3. ungenügendes Betriebscapital. Die hohen Pachtpreiſe in Habitzheim ſind wirklich eine ganz auffallende Erſchei⸗ nung; nach den vorgelegten Verpachtungsprotocollen wird der Morgen(¼ Hectar) durchſchnittlich mit nahezu 40 Mk. bezahlt. Es zeigen dieſe Preiſe, daß die Land⸗ wirthe den Rechenſtift noch viel zu wenig, zum Theil wohl gar nicht gebrauchen. Das Feld wird blos gepachtet, weil man denkt ſo nebenher noch 1—2 Hectar mit bebauen zu können. Die Arbeit, die hierfür aufgewendet, wird nicht in Anſchlag gebracht. Was die unrationelle Betriebsweiſe anbelangt, ſo iſt in erſter Linie eine ratio⸗ nellere Ernährung des Viehſtandes in's Auge zu faſſen. Durch Zugabe von Kraft⸗ futter könnten die Erträgniſſe des Viehſtandes noch ganz bedeutend geſteigert werden. Auch eine vernünftige Anwendung von künſtlichem Dünger dürfte ſehr überraſchende Reſultate zu Tage fördern. In Folge der Betheiligung mehrerer Landwirthe an der Actienrübenzuckerfabrik in Groß⸗Gerau, durch welche die Zuckerrübencultur eingeführt wurde, ſcheint indeſſen der Anwendung des künſtlichen Düngers und der Tiefcultur Bahn gebrochen zu ſein. Zu alledem gehört aber Geld(Betriebscapital) und es zeigt ſich faſt ohne Aus⸗ nahme in augenfälliger Weiſe, daß dasſelbe fehlt. Endlich repräſentiren die Wirthſchaftsgebäude vielfach einen zu hohen Werth. Sie wurden zumeiſt zu einer Zeit errichtet, als das ſtandesherrliche Gut noch parcellariſch an die Ortseinwohner verpachtet war und ſind für die heutigen Verhältniſſe zu aus⸗ gedehnt. Frage X. Zu welchen Schlußbetrachtungen gelangt die Commiſſion auf Grund ihrer Erhebungen über die Geſammtlage der landw. Bevölkerung der Gemeinde, bezw. von welchen Verhältniſſen oder Maßnahmen glaubt ſie eine Beſſerung der wirthſchaftlichen Lage erwarten zu dürfen? Die Gemarkung Habitzheim liegt in einer für den Betrieb der Landwirth⸗ ſchaft ſich vorzugsweiſe eignenden Gegend, die örtlichen Bedingungen, die Hülfs⸗ und Verkehrsmittel laſſen faſt nichts zu wünſchen übrig. Es müßte ſich dem⸗ nach in Habitzheim, einem für viele Gemeinden des vorderen Odenwaldes typiſchen Orte, ein einigermaßen rentabler Betrieb ermöglichen laſſen. Wenn dies an⸗ ſcheinend trotzdem nicht der Fall iſt, wenn die Erhebungen ein entgegengeſetztes Re⸗ — 329— ſultat ergeben haben und in den der Hauptſache nach in richtiger Auswahl heran⸗ gezogenen Wirthſchaften nicht nur ein Stillſtand, ſondern theilweiſe ein ſehr bedenk⸗ licher Rückgang conſtatirt wurde, ſo ſcheint dies darauf hinzudeuten, daß die Land⸗ wirthſchaft im Odenwald, dort wo Mittel⸗ und Kleinbeſitz vorherrſcht, in der That ſich einer roſigen Lage nicht erfreut. Andererſeits zeigt ſich aber auch zur Evidenz, daß die thatſächlich gefundene Unrentabilität vielfach durch den völligen Verzicht auf Anwendung der, ſowohl dem Einzelnen, wie der örtlichen Geſammtheit der Land⸗ wirthe ſich darbietenden Hülfsmittel und Maßregeln erzeugt wird. Wenn es geſtattet wäre, in perſonelle Einzelheiten näher einzugehen, ſo würden an der Hand von Beiſpielen ſtaunenerregende Mittheilungen darüber gemacht werden können, wie fern den Landwirthen noch oft die einfachſte Buchführung liegt, wie ſehr die Beſitzer ſelbſt überraſcht waren, erſtmals durch die für die Zwecke der Enqueéte angeſtellten Unterſuchungen ihrer Betriebsverhältniſſe auf den gänzlichen Mangel einer Wirthſchaftsrechnung aufmerkſam gemacht worden zu ſein. Der Landwirthmuß rechnen und, wenn er es nicht kann, muß er rechnen lernen! Dieſen Satz ſollte man über die Hausthüre einer jeden Bauernwirthſchaft ſchreiben! Beſſere berufsfachliche Bildung! Das iſt das Erſte und Wich⸗ tigſte aller auf die Hebung der Landwirthſchaft hinzielenden Beſtrebungen. Zur Genüge konnte man ſich bei den Erhebungen in Habitzheim von der Nothwendigkeit überzeugen, den Landwirthen gerade in dieſer Beziehung ein beſſeres Verſtändniß für die Bedürfniſſe ihres Standes, für die Pflichten gegenüber der heranwachſenden, viel⸗ leicht dermaleinſt unter noch ſchwierigeren Verhältniſſen zum Kampf um's Daſein berufenen Generationen, in genügendem Maße beizubringen. Allerdings muß hierzu aber auch die Bildungsgelegenheit eine weſentlich gün⸗ ſtigere werden. Die Zahl der landwirthſchaftlichen Winterſchulen, der für den heſſiſchen Mittel⸗ und Kleinbeſitz in erſter Linie geeigneten Fachanſtalten, erſcheint zu gering und iſt weſentlich zu vermehren. Wie kann man erwarten, daß gerade bei der heutigen un⸗ günſtigen Lage der Landwirthſchaft beiſpielsweiſe Schüler in erheblicher Zahl die einzige Schule dieſer Art für die Provinz Starkenburg in der für die Beſucher aus den meiſten Bezirken einen ſtändigen Aufenthalt und damit namhafte Unterhaltskoſten bedingenden Stadt Darmſtadt frequentiren? Der Beſuch der nur aus Wintercurſen beſtehenden Ackerbauſchulen iſt deshalb durch Näherlegen derſelben zu erleichtern. In jedem Kreiſe ſollte eine ſolche Anſtalt, und zwar an einem central gelegenen Punkte errichtet werden, der von den Schülern täglich leicht erreichbar iſt. Hierdurch würden die Ausgaben auf das Schulgeld und höchſtens eine Mittags⸗ mahlzeit am Schulorte reducirt ſein. Nur in dieſem Falle kann man auf eine ent⸗ ſprechende Benützung der in Rede ſtehenden Anſtalten rechnen. Für den vorderen Oden⸗ wald wäre Groß⸗Umſtadt als alle Bedingungen für eine landwirthſchaftliche Winterſchule „erfüllender Ort anzuſehen. Zweifellos würde dort ein ſtarker Beſuch aus der ganzen Um⸗ — 365— gegend zu erwarten ſein. Die Commiſſion ſpricht ſich aus dieſem Grunde für als⸗ baldige Inangriffnahme der diesbezüglich erforderlichen Organiſationsmaßregeln aus. Beſſere Fachbildung wird die Landwirthe in Habitzheim von der Nothwendigkeit reichlicheren Zukaufs von Kraftfuttermitteln und der ausgiebigeren Anwendung künſt⸗ lichen Düngers überzeugen. Aber auch ohne dieſe Anregung laſſen die localen Verhältniſſe ein verſtändniß⸗ volleres Vorgehen nach jenen beiden Richtungen ſehr empfehlenswerth erſcheinen und darf in dieſer Beziehung auf das Vorbild mehrerer benachbarter, namentlich ſolcher Gemeinden hingewieſen werden, in welchen landwirthſchaftliche Rohſtoffbezugsvereine (Conſumvereine) beſtehen. Den Landwirthen Habitzheims iſt deshalb die Errichtung eines landwirth⸗ ſchaftlichen Conſumvereins im Anſchluß an den beſtehenden heſſiſchen Landesverband dringend zu empfehlen. Ingleichen erſcheint bei dem conſtatirten großen Mangel an Betriebscapital in den Wirthſchaften die Bildung eines Darlehnskaſſenver eins geboten, da für den Perſonalcredit und eine zweckmäßige Ausnützung desſelben die vorhandenen Bezirksſparkaſſen nachweislich nicht genügen. Ebenſo iſt die Begründung einer ſtaatsſeitig garantirten Boden⸗ creditanſtalt(andescreditkaſſe) angeſichts der— wenn auch durchſchnittlich nur um jährlich einige Tauſend Mark— aber unausgeſetzten Steigerung der Ge⸗ ſammtgrundſchuld in Habitzheim unabweisliches Bedürfniß. Die hierdurch erzielbare Herabſetzung des Zinsfußes und die Inangriffnahme der ſeit Jahren faſt ganz ceſſi⸗ renden allmäligen Tilgung durch Annuitätszahlungen muß unter allen Umſtänden angeſtrebt werden, wenn einer, bislang allerdings noch nicht eingetretenen, Ueberſchul⸗ dung vorgebeugt werden ſoll. Von ganz beſonderem Vortheil würde angeſichts der bereits ſtark betriebenen Schweinemaſt und der günſtigen Verhältniſſe des Futterbaues, ſowie den ſehr günſtigen Verkehrsbedingungen die Errichtung einer Genoſſenſchaftsmolkerei mit beſchränktem Betriebe ſein, welche gleichzeitig den Milchverkauf in nicht zu entfernt gelegene größere Städte und die Fabrikation von Tafelbutter aus centrifugirtem Süßrahm unter Rückgabe der Magermilch an die Mit⸗ glieder für Fütterungszwecke aufzunehmen hätte. Für die Viehverſicherung fehlt es an einer örtlichen Organiſation und wäre eine Ortsviehverſicherungskaſſe mit Rückverſicherung bei einer größeren Verſicherungs⸗ anſtalt zu erſtreben. Zur Durchführung einer Feldbereinigung liegt nach Anſicht der Commiſſion gerade kein abſolutes und ſehr dringendes Bedürfniß vor, immerhin würde aber eine beſſere Feldweganlage und eine beſſere Geſtaltung der Parcellen ſehr nützlich ſein. Schließlich dürfte es für die Landwirthe in Habitzheim empfehlenswerth er⸗ ſcheinen, in der Erpachtung von Wirthſchaftsgelände mit Verſtändniß Maß einzu⸗ halten. Die Pachtpreiſe ſind durch die unbegreifliche Sucht, ein möglichſt großes — 34— Areal im Bau zu haben, offenbar in einer Weiſe in die Höhe geſchraubt, die nur dazu dienen kann, die betheiligten Landwirthe zu ruiniren. Der Berathung über die Reſultate der ſtattgehabten Erhebungen und die vor⸗ ſtehenden Vorſchläge haben der Großh. Geheimerath Dr. Jaup, der Großh. Landes⸗ öconomierath Dr. Weidenhammer von Darmſtadt, der Großh. Kreisrath Heß von Dieburg, das Kreisausſchußmitglied Dreſſel von Groß⸗Zimmern, der Großh. Bürger⸗ meiſter Rapp und die ſämmtlichen Mitglieder des Gemeinderaths von Habitzheim, ferner der Gutsbeſitzer Franz Ramge von Ueberau und der Berichterſtatter beigewohnt. Es ergab ſich hierbei vollſtändige Uebereinſtimmung hinſichtlich aller weſentlichen Theile des Berichts. Darmſtadt, im September 1886. Jaup, Großh. Geheimerath. Haas. Anlage I. Gemeinde Habitzheim. Beſitzſtand, Natural⸗ und Geld⸗Rechnung und Rentabilitäts⸗Berechnung eines größeren Bauerngutes von 17,8465 Hectar. Der Beſitzer iſt verheirathet, 45 Jahre alt, beſitzt 5 Kinder, nämlich 4 Söhne und 1 Tochter. Der älteſte Sohn, 20 Jahre alt, iſt in der väterlichen Wirthſchaft beſchäftigt, ebenſo der zweitjüngſte, 16 Jahre alt, der zweite Sohn beſucht auswärts ein Gymnaſium. Der jüngſte iſt zu Hauſe, aber an den landwirthſchaftlichen Ar⸗ beiten nicht betheiligÄt. Zu der Haushaltung gehört noch die Mutter des Beſitzers, eine noch rüſtige Frau von 68 Jahren, welche an den Hausarbeiten Theil nimmt. Die Tochter, 21 Jahre alt, iſt ebenfalls in der Wirthſchaft beſchäftigt. Im Ganzen beſteht die Familie mithin aus 8 Perſonen, von welchen 6 in der Wirthſchaft thätig ſind.„A I. Beſitzſtand. A. Grund und Boden mit Obſtbäumen(Grundeapital). 15,3902 Hectar Ackerland mittlerer Kaufwerth: Steuercapital incl. Gebäude: 2,4563„ Wieſe Mk. 56920. Mk. 610,8. (in 95 Parcellen.) Obſtbäume: 7 größere Aepfelbäume à Mk. 20..... Mk. 140 8„ Virnbäume à Mk. 15.....„ 120 8 junge Aepfelbäume à Mk. 5......„ 40 3„ Birnbäume a Ml. 5......„ 15 18 Zwetſchen⸗, Kirſchen⸗ und ſonſtige Obſtbäume à Mk. 3......„ 54 Summe Mk. 369 — 36— Wiederholung. Grund und Boden......... M. 56020 Oöſtbäume. 369 — Mk. 57289 B. Gebäude. Eine Hofraithe, beſtehend aus Wohnhaus, 2 Ställen, Shen Futterküche, laut Brandcataſter.....„ 14050 C. Viehſtand. 3 Pferde(13, 8 und 4 jährig)..... Mk. 1900 6 Kühe Seinmenihiltr Frenzunh⸗....„ 1800 9 Rinder.....„ 130⁵5 710 Einlegſchweine.......„ 318 1 32 Stück Geflügel..... 9 21 —-qãxq„ 5344 D. Todtes Inventar. 2 größere Fuhrwagen incl. Fibehl.... Mr. 400 he 5 1 Stuhlwägelchen...„ 170 Kachfr 2 Pferdegeſchirre und Decken„ 130 lec s* 3 Pflüge und 2 Eggen.„ 200 1 Hach und 1 Häufelpflug...... 8 30 4 Häckſelmaſchinet. 3 55 14 Wurzelmühle......„ 22 1 Windmühle Cnumücſch„ 36 1 Kelter......„ 30 1 Aepfelmühle.......„ 65 2 Pfuhlfäſſer incl. Züüehir..... 4 36 1 Schlitten....I. K....„ 60 4 Walze......„ 35 Faß⸗ und Bandgeſchirr„ 120 ¹ Handgeräthe und Säcke........„ 200 Hausrath und Küchengeſchirr......„ 200 ——„ 1789 E. Vorrath an umlaufendem Betriebscapital ſiehe Rentabilitätsberechnung......„ 191 Werth des meinmnten Befites.. Mk. 80443 h, Inventar der engeren Familienwohnung Mk. 5400. II. Natural-Rechnung. A. Natural⸗Ertrag. Aus dem Acker⸗ und Wieſenbau. Die Bewirthſchaftung des Ackerfeldes iſt im Allgemeinen nach dem Syſtem der Dreifelderwirthſchaft; doch iſt zu bemerken(ſ. Frage J), daß dasſelbe nicht mehr ſtreng eingehalten wird, da die Verhältniſſe der Gemarkung(Benutzung der Gewann⸗ wege) eine freiere Bewirthſchaftung zuläßt. bau gleich. Der Futterbau ſteht dem Getreide⸗ Der Anbau der Früchte und der Natural⸗Ertrag ſtellen ſich hiernach durch⸗ ſchnittlich ungefähr wie folgt * * Getreide 8 5 58⁸G 2 Anbau, 55 A& E5S 82 Centner. Korn. 2,20 Hectar 74 180 8 Hafer. 1,50„ 66 66, Keizen.. 4,40„ 158 176 Gerſte. 4. 72 0,80„ 35 41 Kartoffeln... 1,80„——[576 Rüben..., 1,60„——[— 1280 Klee(Rothklee, Luzerne u. Eſparſette). 2,90„—— 418 Mais... 0,25„————= 50 Wieſen. 2,490„————[—(288 Der Durchſchnittsertrag berechnet ſich pro ½¼ Hectar wie folgt: auf 8,50 Ctr. Körner, 20 Ctr. Stroh, bei Korn „ Hafer „ Weizen „ Gerſte „Kartoffeln „ Rüben „ Klee „ Wieſen 2 2 2 I/ 2 I I 11 9 11 80 200 36 30 / 11 2 2 2 10/ 2 2 13 If 2 geſunde Knollen, Rüben, Heuwerth, Heu und Grummet. 2 Aus dem Viehſtand. Milch. Durchſchnittlich per Tag 44 Liter, ergibt pro Jahr 16000 Liter, per Kuh im Jahr 2670 Liter, und per Kuh im Tag 7,3 Liter. — 38— Rindvieh. Durchſchnittlich werden alle 2 Jahre 3 Kühe und jedes Jahr 1 Rind und 2 Kälber verkauft. Schweine. Jährlich 12 Stück Maſtſchweine. Geflügel. 600 CEier. B. Natural⸗Bedarf. Für Saatgut: Korn 2,20 Hectar.... 6 Ctr. 60 Pfd. Hafer 4,50„.. 3„ 75„ Weizen 4,40„... 15„ 40„ Gerſte 0,80„ 2„ 24„ Kartoffeln 1,80„ 5„ 60„ Rüben 1,60„....—„ 20„ Luzerne 0,50„....—„ 24„ Eſparſette 0,75„. 1.„ 80„ Rothklee 1,65„.—„ 50„ Mais 0,25.„ 32„ (Der Kleeſamen wird'ſelbſt gezogen.) Für Dreſcherlohn: Korn.......... 5„ 40„ Hafer......... 5„—„ Weizen........6 11„ 50„ Gerſte........ 2„ 50„ Für den Viehſtand: a. Pferde: Hafer.......... 97 Ctr. Rüben.. 120„ Klee......... 20„ Heu, Hei. 100„ Stroh als Streu.......90„ 4 b. Rindvieh: Kartoffeln.... 90 4 Rühen........ 11460„ Kleehen......... 398„ Grummet...... 93„ Stroh zu Stten...... 2395„ „„ Jutter..... 14148„ Biehſalz...... 4„ 5 Biertreber 52 Sud. 39 c. Schweine: Gerſte. Kartoffeln Kleie von eigenem Mahlgut Stroh. Milch abgerahmt Wolkem) etwa 3000 Liter. 17 Ctr. 240„ 21„ 90„ Der Werth der für den Wihiimd verwendeten radiei beträgt in runder Summe circa Werden hiervon die Foſinn der ma die Pfabe verwendeten n ducte mit rund abgezogen, ſo bleiben ri Rindvieh, Schweine und Geflügel nniß zu verrechnen. Der Werth der von Rindvieh, Schweinen und cenrae enele Producte berechnet ſich im Ganzen auf circa Es würden demnach für die Koſten der verwendeten Pepuute noch durch Stallmiſt zu decken ſein. Mk. 5200 „ 1120 Mk. 4080 „ 3000 Mk. 1080 Die Stallmiſtproduction von Rindvieh und Schweinen iſt annähernd auf rund 3900 Ctr. zu ſchätzen, ſo daß der Centner auf etwa 28 Pf. zu ſtehen kommt, ohne Zinſen, Verpflegung ec. Für die Familie (einſchließlich der Taglöhner, ein Mann und eine Frau durch etwa 200 Tage, und Knecht und Magd): Korn Gerſte Mehl.. Kartoffeln... Fleiſch, Rindfleiſch.. Selbſt producirtes Stweuefeiſg Butter. Schmalz Oel. Kaffee Zucker Salz Wein Milch(zum Erßſten T Tbel ablerhmd). 62 Ctr. 13„ 8„ 100„ 170 Pfd. 580„ 220„ 40„ 56„ 80„ 5² 2 260 2080 Liter, 40„ Pfd. Pranntwein. 80 Liter, Gier......... 600 Stück, Käſe, Schmierkäſe, Gewürze ꝛc. Es berechnet ſich hiernach, wenn man die 2 Taglöhner zu 200 Tagen mit 2 Perſonen rechnet, der Verbrauch der 10 Perſonen ſtarken Familie pro Kopf und Tag auf rund ungefähr: 1150 Gramm Getreide, 1370„ Kartoffeln, 100„ Fleiſch, 30 9 Butter, 5 2 Schmalz, 7„ Oel, 10„ Kaffee, 7 11 Zucker, 35 Salz, 0,6 Liter Milch, Der Werth der verbrauchten Nahrungsmittel beträgt annähernd jährlich Mk. 1870 und täglich ca. Mk. 5,20, oder pro Kopf und Tag 65 Pfg. Die Lebensweiſe der Familie iſt folgende: Erſtes Frühſtück: Durch 7 Monate Kaffee, Kartoffeln, Brod, Schmier⸗ käſe oder Latwerge, ſodann 5 Monate ohne Kartoffeln. Zweites Frühſtück: Brod mit Butter, Schmierkäſe oder Handkäs und pro Mann ein Gläschen Branntwein. Mittageſſen: Im Allgemeinen dreimal Fleiſch die Woche, einmal Wurſt und einmal Mehlſpeiſe, verſchiedene Suppen, Gemüſe ꝛc. Vesperbrod: Wie zweites Frühſtück. Abendeſſen: Kartoffeln und Dickmilch oder Suppe, Käſe und Brod. Sonntags Abend Wurſt und Salat. Das Geſinde, ſowie die Taglöhner eſſen mit der Familie. III. Geld-Rechnung. A. Einnahmen. 130 Ctr. Weizen à Mk. 0 Mlk. 1300,— 118„ Kartoffelm* Mk. 1,50........„ 177,— 8000 Liter Miilch a 11,5 P........„ 920,— 300 Pfd. Buiter à 80 Pf...........„ 240,— Bieh: Alle 2 Jahre 3 Kühe..............„ 450,— 1 Nind jährlich..„ 220,— 2 Külber Ml. Z30.„ 60,— 8 Maſtſchweine à 145 Pfd. à 50 Pf.......„ 580,— Summe.. Mk. 3947,— — 4 — 11— Die Getreidepreiſe ſind ebenfalls etwas niedriger, als die mittleren Durch⸗ ſchnittspreiſe der letzten 6 Jahre von Babenhauſen genommen. B. Ausgaben. Steuern und Umlagen: Grund⸗ und Gebändeſteuer Gemeinde⸗Umlagen. Staats⸗Einkommenſteuer Gemeinde⸗Einkommenſteuer Tilgungsrente(hört 95 auf) Taglöhner: Mk. 91,50 „ 164,50 „ 47,60 „ 110,50 261,40 Mk. 675,50 1 Mann und 1 Frau durch 200 Tage à 70 Pf. Mk. 280,— (außerdem volle Koſt) 1 Knecht(klein). 1 Magd. Unterhaltung der Gebäude: Wirkliche Ausgabe Unterhaltung des todten Inventars dukeige ueuo: dem Wagner. „ Schmied. „ Saltler... für Hausrath und Handgerüthe. Inventar der Familienwohnung— Verſicherungsprämien(wirkliche Aieadalt) Für Gebäude. „ Inventar(Mk. 16545 à 117, pCt.). „ Producte(Korn und Weizen). Zukauf von Vieh: Für 12 Stück Ferkel à Mk. 9. Zukauf von Kraftfutter: Für 52 Sud Biertreber à Mk. 16 Heizung und Beleuchtung: Für Holz. „ Petroleum, 100 Liter à 24 Pf. „ 153,— „ 140,— „ 573,— „ 120,— Mk. 70,— „ 140,— 2 30,— 2 20,— „ 260,— 40,— Mk. 16,16 „ 20,70 „ 34,70 -xree 71,56 II 108,— „ 832,—— Mk. 262,— 24,— „ 286,— zu übertragen.. Mk. 2966,06 Uebertrag.. Mk. 2966,06 Zukauf von Nahrungsmitteln: 8 Ctr. Mehl a Mk. 14.... Mlk. 136,— 170 Pfd. Fleiſch à 60 Pf.....„ 102,— 56„ Oel à 40 Pf.........„ 22,40 80„ Kaffee Mk. 1,20....„ 96,— 52„ Zncker à 44 Pf...... 22 88 1 260„ SGalz à Ctr. Ml. 8,25....„ 21,45 40 Liter Wein à 80 Pf........„ 32,— 80„ Branntwein à 30 Pf.....„ 24,— —„ 456,73 Bekleidung..........„ 300,— Arzt, Apotheke und Tliaar.. ⸗„ 120,— Verſchiedenes............„ 100,— Summe Mk. 3942,79 C. Vergleichung der Geld⸗Einnahmen und Geld⸗Ausgaben. Die Einnahmen betrugen..... Mk. 3947,— Die Ausgaben betrugen.„ 3942,79 Ueberſchuß.. Mk. 4,21 IV. Rentabilitäts-Verechnung. A. Rohertrag (excl. der für die Production in der Wirthſchaft wieder verwendeten Producte). Erlös aus verkauften Producten(ſ. oben)..... Mk. 3947,— Werth der für die Familie aus der Wuimehichaſt entnommenen Producte(1870— 456)... e 1413,— Sunun. Mt. 5300,— B. Productionskoſten. 1. Gebäudecapital: Zinſen von Mk. 14050 à 4 pCt..... Mk. 562,— Verſicherungsprämie.......„ 16,16 V Abnutzung(Amortiſation) 0,75 b vor...„ 105,— 1 Inſtandhaltung.....1..„ 120, — Mk. 803,16 b 8 zu übertragen.. Mk. 803,16 G .Capital des lebenden Inventars: Mehertrag.. Mt. Zinſen von Mk. 5344 à 4 pCt..... Ml. 213,— Verſicherungsprämie à 2 ½ pCt......„ 133,— (Abnutzung vom Werthe der Pferde keine. Dieſelben werden ſelbſt gezogen.) . Capital des todten Inventars: Zinſen von Mk. 1780 à 4 pCt...... 72,— Verſicherungsprämie 0,2 pCt...... 3,50 Erneuerung und Inſtandhaltung, wirkliche Ausgaben..„ 260,— . Zinſen des umlaufenden Betriebscapitals. Letzteres beträgt 50 pCt. der jährlichen baaren Ausgaben= Mk. 1970 à 6 pCt. .Hagelverſicherungsprämie 1,1 pCt. vom Wert der Getreideernte (hohe Gefahr) Mk. 3600 . Feuerverſicherung der Producte... . Steuern und Umlagen(excl. Tilgungsrente und erorariere): .Kraftfutter.. 4 .Heizung und Beleuchtung, 25 pCt. der Geannter Ausürben. .Thierarzt und Apotheke. .Arbeitslöhne: Taglöhner 1 Mann und 1 Frau durch 200 Tage à 70 Pf. und Koſt..... Ml. 480, Knecht und Magd incl. Hoſt......„ 653,— Lohn für die 6 erwachſenen Perſonen der Familie: Mann und Frau..... Ml. 750,— Söchiee„ 280,— 2 Söhne........„ 760,— Mutter........„ 250,— -„ 3173,— 12. Verſchiedenes................„ 8,24 Summe.. Mk. 6010,— C. Reinertrag. Der Rohertrag betrug.... Mk. 5360,— Die Productionskoſten betragSen.„ 6010,— Mithin Verluſt.. Mk. 650,— Der Werth der freien Wohnung iſt mit Mk. 150 zu rechnen und vermindert ſich hiernach der Verluſt auf Mk. 500, um welchen ſich die Zinſen der betheiligten Capi⸗ talien vermindern. Anlage II. Gemeinde Habitzheim. Beſitzſtand, Natural⸗ und Geld⸗Rechnung und Rentabilitäts⸗Berechnung eines mittleren Bauerngutes von 7 Yectar. Der Beſttzer iſt verheirathet, 38 Jahre alt, Vater von 3 Söhnen und 2 Töchtern, wovon der älteſte Sohn 10 Jahre alt iſt. Außerdem lebt noch der Vater und die Mutter des Beſitzers, welche 2 Hectar beſitzen, die ſie ſelbſt bebauen, die übrige freie Zeit arbeiten ſie für ihren Sohn; ſie führen aber ihren eigenen Haus⸗ halt. Im Ganzen beſteht alſo die Familie aus zwei erwachſenen Perſonen, Mann und Frau, wovon aber nur der Mann ſeine Arbeitskraft der Wirthſchaft widmet, (die Frau iſt kränklich) und 5 Kinder. I. Beſitzſtand. A. Grund und Boden mit Obſtbäumen(Grundcapital). 5,75 Hectar Ackerland mittlerer Kaufwerth: Steuercapital incl. Gebäude: 1,27„ Wieſe Mk. 22460. Mk. 348,8. (in 21 Parcellen.) Außerdem hat der Beſitzer noch 1,25 Hectar Pachtfeld, welches einen Werth 1 von Mk. 4000 hat. Obſtbäume: 4 größere Aepfelbäume à Mk. 20..... Mk. 80 „ Birnbäume à Ml. 15....„ 105 19 jüngere Aepfelbäume à Mk. 5.....„ 95 8„ Virnbäume à Ml. 5......„ 40 57 Zwetſchenbäume à Mk. 5.......„ 285 N Summe. Mk. 605 Wiederholung. Grund und Boden........ Mk. 22460 Pachtland...........„ 4000 Obſtbänmme.........„ 605 B. Gebäude. Eine Hofraithe, beſtehend aus Wohnhaus, Stolung, Slener Schuppen, laut Brandcataſter. C. Viehſtand. 1 Pferd... MNl. 700 3 Kühe Sunnerthiler Freunung)..„ 900 4 Rinder........„ 700 6 junge Schweine..........„ 180 1 Maſtſchwein..........„ 50 44 Stück Hühner„ 20 3„ Gänſe.......„ 12 10„ STauben........„ 5 Außerdem hält der Beſitzer noch den Gemeinde⸗Eber, wofür er jährlich Mk. 135 erhält. D. Todtes Inventar. 2 Wagen mit Zubehör....... Ml. 300 2 Pflüge und 1 Egge.........„ 50 2 Pferdegeſchirre...........„ 80 2 Kuhgeſchirro......„ 10 1 Häckſelmaſchiue..........„ 40 1 Wurzelmühle.............„ 25 1 Getreide⸗Putzmühle.........„ 20 1 Hobelbank, Schnitzbank c........„ 25 Faß⸗ und Bandgeſchirr.......„ 20 Ketten.....„ 15 1 Jauchepumpe und Jauchefaß...„ 20 Handgeräthe incl. Säcke....„, 75 Hausrath und Kochgeſchirr.......„ 75 zu übertragen Mk. 27065 „ 8920 2567 2 „ 75⁵ Mk. 39307 46 Uebertrag E. Vorrath an umlaufendem Betriebscapital ſiehe Rentabilitätsberechnung. Werth des geſammten Beſitzes Inventar der engeren Familienwohnung Mk. 2400. II. Natural-Rechnung. A. Natural⸗Ertrag. Aus dem Acker⸗ und Wieſenbau. Die Bewirthſchaftung des Ackerfeldes iſt im Allgemeinen die in der Gemarkung übliche, ſ. Frage I. Mk. 39307 „ 1000 Mk. 40307 Der Anbau der Früchte und der Naturalertrag ſtellen ſich hiernach durchſchnitt⸗ lich wie folgt: bei Korn Weizen Gerſte Hafer Kartoffeln Rüben Klee Wieſen auf 22 2 2 2 22 2 IfI Die Obſterträge ſind ſo gering, daß ſie außer Der Durchſchnittsertrag berechnet ſich pro ¼ Hectar wie folgt: Getreide— 2 3 ⁸ Anbanu SSSSESSSS3 8 ſà SBasſe Centner. Korn.. 1,00 Hectar 28 70 4 Weizen 1,25„ 40 60 4 Gerſte. 0,62„ 20 20 Hafer.„ 44 0,62„ 22 24 Kartoffeln 1,37„—— 405 Rüben 112 0,/56——— 540 Klee. 1,37„————[190 Wieſen. 1,27„———— 150 Rechnung bleiben. 7 Ctr. Körner, 17,5 Ctr. Stroh, 8,8 70 180 34 29,5 „ 12„ 2 8 2 2 9,7 2 Knollen, Rüben Heuwerth, 722 II 47— Aus dem Viehſtand.) Milch. Durchſchnittlich im Jahr pro Kuh 1800 Liter, pro Tag und Kuh à h 5 Liter, im Ganzen alſo 5400 Liter.(Die Kühe werden mäßig einge⸗ ſpannt.) Rindvieh. Durchſchnittlich werden jedes Jahr 1 Kuh und 1 Rind verkauft. Schweine. 9 Maſtſchweine mit durchſchnittlich 140 Pfd. Schlachtgewicht, welche als Ferkel gekauft wurden. Geflügel. 1000 Eier, etwas abgängiges Geflügel und 15 junge Gänſe. B. Natural⸗Bedarf. Für Saatgut: Korn 1,00 Hectar.... 3 Gtr. Pfd. Weizen 1,25„.. 5„=„ Gerſte 0,62„.... 1„ 85„ Hafer 0,62„ 1„ 50„ Kartoffeln 1,37„.... 44„=„ Rüben 0,75„.....==„ 8„ Klee 1,37„ Eſparſette.......—,„[50„ Rothllee.......—,.„ 16„ Liizerne.......—„ 15„ Für Dreſcherlohn: Korn. 3 2„—„ Weizen 3„=„ Gerſte 1„ 50„ Hafer. 1„ 50„ Für den Viehſtand: Hafer...... 19 Ctr. Roggenkleie von eigenem Mahlnu. 9„ Kartoffeln....... 250„ Rüben........ 540„ Klee in Heuwerth.... 190„ Hen und Grummet....... 150„ Stroh..... 74„ Milch, zum größten T Theil abgerahmt 1200 Liter. — 18= Der Werth der für den Viehſtand verwendeten Producte beträgt annähernd citcaca— Mk. 2000 Die verwendeten Producte für das Pferd circa......„ 300 Mk. 1700 Der Werth der erzielten Producte berechnet ſich im Ganzen auf ca.„ 1400 Es würden demnach für die Koſten der verwendeten Producte noch durch den Stallmiſt zu decken ſein...... Mk. 300 Die Stallmiſtproduction beträgt annähernd 1300 Centner, ſo daß der Centner excl. Zinſen, Verpflegung ꝛc. auf etwa 24 Pf. zu ſtehen kommt. Für die Familie (einſchließlich 1 Magd und Taglöhner ein Mann und eine Frau durch 73 Tage, die ebenfalls mit der Familie eſſen): Korn........ 23 Gir. Pfd. Gerſtitel 16„ 65„ Mehl........ 6„„ Dartoffeln.....30„„ Fleiſch, ſelbſt producirtes Schweinefleiſch 420 Pfd. Rindfleiſch, zugekauft 140„ Bulter.......... 1600„ Schmalz, ſelbſt producirt... 24„ Kaffee. 30„ ZBucker.......... 10„ Salz... 150„ Reis 50„ Erbſen und Linſen...... 50„ Milch, zum Theil abgerahmt.... 900 Liter, Eier......... 750 Stuck, Käſe, Gemüſe ꝛc. Es berechnet ſich hiernach, wenn man die 5 Kinder mit 2 Perſonen und die 2 Taglöhner mit 1 Perſon in Anſatz bringt, der Verbrauch der 6 Perſonen ſtarken Familie pro Kopf und Tag auf rund ungefähr: 1080 Gramm Getreide, 1825 83 Kartoffeln, 126„ Fleiſch, 23„ Butter, 5„ Schmalz, 7„ Kaffee, 2„ Zucker, 34„ Salz, „ Reis, — 49— 12 Gramm Erbſen und Linſen, 0,4 Liter Milch, Eier, Gemüſe ꝛc. Der Werth der verbrauchten Nahrungsmittel beträgt jährlich circa Mk. 1054, täglich Mk. 2,90 und pro Kopf und Tag 48 Pf. Die Lebensweiſe der Familie iſt folgende: Erſtes Frühſtück: Kaffee, Brod mit Butter, Schmierkäſe oder Latwerg. Zweites Frühſtück: Brod mit Butter, Käſe oder Wurſt. Mittageſſen: 3 bis 4mal Fleiſch per Woche, Suppe, Gemüſe, Kartoffeln, zuweilen Mehlſpeiſe. Vesperbrod: Wie zweites Frühſtück oder Kaffee. Abendeſſen: Kartoffeln und Kaffee oder Suppe, Brod, zuweilen Eier. III. Geld-⸗Rechnung. A. Einnahmen. 32 Cir. Welzen à3 Ml. 10........... Mk. 320, 150 Pfd. Butter 70 Pf..........„ 105, 1 Kuh und 1 Rind.........„ 500,— 6 Schweine à 140 Pfd. à 50 Pf....„ 120, 250 Stück Eier à 5 Pf..............„ 12,50 Haltegeld für den Gemeinde⸗Cber...„ 135, Summe Mk. 1492,50 B. Ausgaben. Steuern und Umlagen: Grund⸗ und Gebäudeſteuer....... Mk. 40,21 Gemeinde⸗Umlagen..........„ 67,— Staats⸗Einkommenſteuer........„ 13,60 Gemeinde⸗Einkommenſteuer...„ 23,— Tilgungsrente(hört 95 quf).......„ 19,98 — Mk. 163,79 Taglöhne und Gendelöhn 1 Magd.... Mk. 140, 1 Mann 73 Tage à 70 Pf.....„ 51,10 1 Frau desglt........„ 51,10 ——T]„ 242,20 Pachtgeld................„ 186, Unterhaltung der Gebände: Wirkliche Ausgabe............„ 60,— zu übertragSen.. Mk. 651,99 — 50— Uebertrag.. Mk. 651,99 Unterhaltung des todten Inventars uireih Aadäbe: dem Wagner... MNrk. 25,— „ Schmied.„ 45,— „ Sattler..... 14 5,— für Hausrath und Handgeräthe.„ 20,— — 1 95,— Inventar der Familienwohnung.„ 35,— Verſicherungsprämien(wirkliche Innnc): Für Gebäude........ Mlk. 10,— „ Inventar und Producte. —„ 20,90 Zukauf von Vieh: Für 10 Stück Ferkel à Mk. 10„ 100,— Zukauf von Kraftfutter: Kleie und Witiärmahl 10 Gtir. NMlk. 70,— Laubſtren....„ 10,— 2 80,— Heizung und Beleuchtung: Holz und Steinkohlen........ Mk. 200,— Petroleimmmn„ 26,— 2 226,— Zukauf von Nahrungsmitteln: 6 Etr. Mehl A Ml. 15 Mk. 90,— 440 Pfd. Fleiſch à 60 Pf..„ 84,— Kaffee, Zucker, Salz, Erbſen 2c......„ 81,27 -ʒ--ͤ 255,27 Belleiduungng.. G...„ 270,— Arzt und Apotheke...........„ 50,— Thietarzt.......„ 10,— Verſchiedenes...........„ 25,— Pacht für 1,25 Hectar Ackerfeld„ 186,— Summe.. Mk. 2005,16 C. Vergleichung der Geld⸗Einnahmen und Geld⸗Ausgaben. Die Einnahmen betragen... Mk. 1492,50 Die Ausgaben betragen......„ 2005,16 Mithin betragen die Ausgaben.. Mr. 512,66 mehr wie die Einnahmen, und werden dieſelben durch Verkauf von Grundſtücken gedeckt. — 1 1— IV. Rentabilitäts-Berechnung. A. Rohertrag (excl. der für die Production in der Wirthſchaft wieder verwendeten Producte). Erlös aus verkauften Producten(ſ. oben)...... Mk. 1492,50 Werth der für die Familie aus der Wirthſchaft entnommenen Producte(1054— 255)„ 799,— Summa. Mk. 2291,50 B. Productionskoſten. 1. Gebäudecapital: Zinſen von Mk. 8920 à 4 pCt.... Mk. 356,80 Verſicherungsprämie.„ 10,— Abnutzung 0,75 pCt...„ 66,90 Iuſtandhaltungſf„ 60,— — Mk. 493,70 2. Capital des lebenden Inventars: Zinſen von Mk. 2567 à 4 pCt..... Mk. 102,68 Verſicherungsprämie à 2 pGCt......„ 51,34 uka 100,— Zukauf von Ferkeln„„ 254,02 3. Capital des todten Inventars: Zinſen von Mk. 755 à 4 pCt..... Mtk. 30,20 Verſicherungsprämie von Mk. 755 à 0,2 pCt.„ 1,51 Erneuerung und Inſtandhaltung, wirkliche Ausgaben........„ 95,— „ 1 26,71 4. Zinſen des umlaufenden Betriebscapitals. Letzteres beträgt 50 pCt. der jährlichen Ausgaben= Mk. 1000 à 6 pGt.„ 60,— 5. Hagelverſicherungsprämie 1,1 pCt. vom Werthe der Getreideernte Mk. 1200...........„ 13,20 6. Feuerverſicherungsprämie der Producte.......„ 9,— 7. Steuern und Umlagen(excl. Tilgungsrente und Perſonalſteuer).„ 107,21 8. Kraſtiutter und Laubſttecrn.„ 80,— 9. Heizung und Beleuchtung, 25 pCt. der geſammten Ausgaben..„ 56,50 40. Thietart„ 10,— 11. Arbeitslöhne: 1 Magd incl. Koſt........ Mk. 300,— 1 Mann 73 Tage à 70 Pf. und 1 Frau 73 Tage à 70 Pf. incl. Koſt.....„ 172,— zu übertragen.. Mk. 472,— Mk. 1210,34 — 52— Uebertrag.. Mk. 472,— Mk. 1210,34 für den Beſitzer inel. Coſt.....„ 400,— Für die Frau könnte man eigentlich keinen Lohn in Rechnung bringen, da dieſelbe 5 Kinder zu beſorgen hat und außerdem noch kränklich iſt, da aber der Vater und die Mutter des Be⸗ ſitzers noch manches mitarbeiten, ſo bringen wir Hierfüir in Anſatz...„ 100, —„ 972,—— Verſchiedenezzszsz„ 17,06 Summe.. Mk. 2200,— C. Reinertrag. Der Rohertrag betrug.... Mk. 2291,50 Die Productionskoſten betrugen.„ 2200,— Bleibt Reinertrag.. Mk. 91,— Rechnet man hierzu den Werth der freien Wohnung, den auch hier die Wirth⸗ ſchaft leiſtet, mit Mk. 100, ſo ſteigert ſich mithin der Reinertrag auf Mk. 191. Das Grundcapital iſt incl. Obſtbäume und Pachtland auf Mk. 27065 einge⸗ ſchätzt. Hiervon Mk. 191 Zins, beträgt der Zins des Grundcapitals plus Unter⸗ nehmergewinn rund 0,7 pCt. 3 — — — Seier eale eeee, eiehehhe Anlage III. Gemeinde Habitzheim. Beſitzſtand, Natural⸗ und Geld⸗Rechnung und Rentabilitäts⸗Berechnung eines CTaglöhnergütchens von 2,86 Yectar. Der Beſitzer iſt verheirathet, 56 Jahre alt, Vater von 2 Söhnen und 2 Töch⸗ tern. Der älteſte Sohn, 17 Jahre alt und die älteſte Tochter, 21 Jahre alt, ſind faſt ausſchließlich in der Wirthſchaft beſchäftigt, manchmal gehen ſie in Taglohn, was aber kaum in Betracht kommen kann. Die beiden anderen Kinder ſind 13, be⸗ ziehungsweiſe 11 Jahre alt und beſuchen die Schule. Der Beſitzer iſt Feldge⸗ ſchworener und Rechner für die Judengemeinde. Außerdem lebt noch die Schwieger⸗ mutter des Beſitzers, eine 78 Jahre alte kränkliche Frau, welche in der Familie mit verpflegt wird, wofür ſie 0,5 Hectar eigenes Feld zur Bewirthſchaftung überläßt. Die Familie beſteht hiernach aus 7 Perſonen, wovon 4 in der Wirthſchaft be⸗ ſchäftigt ſind. I. Beſitzſtand. A. Grund und Boden mit Obſtbäumen(Grundcapital). 2,64 Hectar Ackerland mittlerer Kaufwerth: Steuercapital inel. Gebäude: 0,22„ Wieſe b Mk. 9152. Mk. 146,6. (in 16 Parcellen.) Außerdem hat der Beſitzer noch 1,15 Hectar Pachtfeld, welches einen Werth hat von Mk. 3680. Obſtbäume: 5 größere Aepfelbäume à Mk. 20.... Mk. 100 „ Birnbäume à Mk. 15...„ 30 21 verſchiedene Bäume à Mk. 5......„ 105 Summe Mk. 235 — 54— Wiederholung. Grund und Boden..... M. 9152 Pachtland.........„ 3680 Obſtbäume...„ 235 —— B. Gebäude. Ein Wohnhaus, Scheuer und Stallung, laut Brandcataſter. C. Viehſtand. 1 Kuh......... Ml. 280 1 Nind, trächtig„ 180 1 Nind......„ 90 2 Maſtſchweine.„ 160 2 junge Schweine....„ 30 8 Stück Hühner„ 11 3„ Gänfſe....„ 12 D. Todtes Inventar. 1 Wagen inel Zubehöyy.... Nlk. 150 1 Handwägelchet.„ 40 2 Pflüge, 1 Egge...„ 50 4 Fahrgeſchirre für nbvih..„ 20 1 Häckſelbank.......„ 18 1 Getreideputznihle..........„ 25 Faß⸗ und Bandgeſchirr........„ 120 Handgeräthe nach Polize.„ 27 Wagentuch incl. Säcke 5„ e...„ 30 Schnitzbank und Zubehör„„..„ 14 Hausrath incl. Kochgeſchirr„„„ 86 E. Vorrath an umlaufendem Betriebscapital ſiehe Rentabilitätsberechnung.. Werth des geſannnten Beſibes Inventar der engeren Familienwohnung Mk. 800. Mk. 13067 „ 6400 „ 763 „ 190 „ 175 Mr. 21185 ——4.— — ₰ — 55— II. Natural-Rechnung. A. Natural⸗Ertrag. Aus dem Acker⸗ und Wieſenbau. Die Bewirthſchaftung des Ackerfeldes iſt die in der Gemarkung übliche, und ſtellt ſich der Anbau der Früchte und der Natural⸗Ertrag derſelben ungefähr wie folgt: Getreide 8 5 Anba u 532855 8SA= 30 Centner. Korn. 0,72 Hectar 20 48 Weizenn.... 1,00„ 28 42 Hafer.... 0,12„ 6 5 Gerſte.. 630 9 18 20 Kartoffeln.... 0,62„—— 160 Rüben....... 66,33„———[210 Klece. 1,00„————[130 Wieſen. 0,22„—————[24 Obſt gedeiht nur äußerſt ſelten und kann hier nicht in Betracht gezogen werden. Der Durchſchnittsertrag berechnet ſich pro ¼ Hectar wie folgt: bei Korn auf 7 Ctr. Körner, 17 Ctr. Stroh, „ Weizen„,„ Oo ,„„ 2 H afer II 1 0 22 2 9 2 2 „Gerſte„ 9„„ 10„„ „Kartoffeln„ 65„ Kvollen, „ Rüben„ 160„ Rüben, „Klee„ 30„ Heuwerth, „ Wieſen„ 27„ Heu und Grummet. Aus dem Viehſtand. Milch. Durchſchnittlich im Jahr von einer Kuh, wozu manchmal noch ein Erſt⸗ ling tritt, 2000 Liter. Rindvieh. Durchſchnittlich wird jedes Jahr eine Kuh verkauft. Schweine. 4 Maſtſchweine mit durchſchnittlich 180 Pfd. Schlachtgewicht, wo⸗ von 3 verkauft werden. Geflügel. Etwa 500 Cier. — 56— B. Natural⸗Bedarf. Für Saatgut: Korn 0,72 Hectar..... 2 Ctr. 16 Pfd. Weizen 1,00„.... 4„„ Hafer 0,12„...— ,, 28„ Gerſte 0,50„.. 1„ 50„ Kartoffeln 0,62„-.... 19„=„ Rüben 0,33„„ 86„— Nothtle Luzerne....„ 12„ Eſpaijette.....„ 60„ dür den Viehſtand: Hafer 5 Ctr. 72 Pfd. Kartoffeln........ 35„„ Nüben.... 210„=„ Klee(ſämmtlich in Heuwerth).. 130„—„ Hen und Grummet..... 24„—„ Stroh....... 115„—„ Kleie, von eigenem Mahlgut.. 11„=„— „ zugekauft... 2„—„ Laubſtreu durchſchnittlich für Mk. 10, Milch, größtentheils als Dick⸗ und Buttermilch 8— 900 Liter. Der Werth der für den Viehſtand verwendeten Producte beträgt annähernd.... Nl. 1000 Der Werth der erzielten Producte berechnet ſich auf ungefähr 3 700 Es würden demnach für die Koſten der verwendeten Producte noch durch Stallmiſt zu decken ſein.... Mrk. 300 Die Stallmiſtproduction iſt annähernd auf 800 Centner z1 ſchätzen, ſo daß der— Centner etwa auf 38 Pf. zu ſtehen kommt, excl. die Koſten für Zinſen, Ver⸗ pflegung ꝛc. des Viehſtands. Für die Familie: Korn 17 Ctr. 84 Pfd. 4 Gerſte. 46„ 50„ b Mebl 4, Kartoffeln.... 56„—„. Fleiſch, ſelbſt producirtes Schweinefleiſch 150 Pfd. b 3 Rindfleiſch, zugelauft....... 80„ — — — 572— Butter. 40 Pfd. Schmalz, ſelbſt producirt..... 8„ Kaffee...... 30„ Zucker, nur an Feſttagen..... 5„ Salz.........100„ Erbſen und Linſen...... 30„ Neihsh 50„ Milch...... 550600 Liter,(davon 200 L. ganz) Gier.......300 Stück, Speiſeöl........ 18 Liter, Es berechnet ſich der Verbrauch der 7 Perſonen ſtarken Familie pro Kopf und Tag auf rund ungefähr: 720 Gramm Getreide, 1120„ Kartoffeln, 46„ Fleiſch, 8 9 Butter, 6„ Kaffee, 20 9 Salz, 6„ Erbſen und Linſen, 10„ Reis, 3 Speiſeöl, 0,2 Liter Milch. Der Werth der verbrauchten Nahrungsmittel beträgt jährlich ca. Mk. 680 und täglich Mk. 1,90, oder pro Tag und Kopf 27 Pf. Die Lebensweiſe der Familie iſt folgende: Erſtes Frühſtück: Kaffee, Brod, Schmierkäſe oder Latwerg, Sonntags Butter. Zweites Frühſtück: Brod. Mittageſſen: 3mal wöchentlich Fleiſch, Suppe, Gemüſe, Kartoffeln ꝛc. Vesperbrod: Wie erſtes Frühſtück. Abendeſſen Kartoffeln, Kaffee oder Suppe und Brod. III. Geld-Rechnung. A. Einnahmen. 24 Gtr. WWeizen 3 Ml. 10............ MMt. 240, 80 Pfd. Butter à 70 Pf.„ 56,— 1 C6h..........„ 290, 3 Schweine 3 130 Pid. 4 50 Pf.........„ 270, 220 Gier A 5 Pf............„ 11, zu übertragen.. Mk. 867,— — 58— Uebertrag.. Mk. 867,— Hierzu den von dem Beſitzer als Feldgeſchworener, ſowie als Rechner der Judengemeinde gemachten Verdiennt....„ 65,— Taglohn, welchen die beiden älteſten Kinder auswärts verdienen 5 12,— Summe Mk. 944,— B. Ausgaben. Steuern und Umlagen: Grund⸗ und Gebäudeſteuer....... Mk. 17,94 Gemeinde⸗Umlagen.........„ 29,75 Staats⸗Einkommenſtener......„ 7,65 Gemeinde⸗Einkommenſteuer.......„ 15,61 Tilgungsrente(hört 95 auf)......„ 12,54 —) Mk. 83,49 Unterhaltung der Gebäude: Wirkliche Ausgabe........„ 50,— Unterhaltung des todten Inventars ienige ugeio: dem Wagner und Schmied... Mk. 40,— für Hausrath und Handgeräthe......„ 10,— 8 Inventar der engeren Familienwohnung..........„ 14,— Verſicherungsprämien(wirkliche Ausgabe): Für Gebäude... MNk. 7,68 „ Inventar Producte ſind nicht verſichert).„ 5,10 Is Zukauf von Kleeſamen 12 Pfd. à 70 n........„ 8,40 „„ Kleie 2 Ctr......„ 10,— „„ Laubftreu.„ 10,— Heizung und Beleuchtung: Holz und Steinkohlen....... Ml. 120,— Petrolenm 36 Liler à 26 Pf.......„ 9,36 —„ 129,36 Für 30 Pfd. Scife...................„ 9,— Zukauf von Nahrungsmitteln: 4 Ctr. Mehl...... Nk. 56,— 80 Pfd. Rindfleiſch à 60 ui......„ 48,— 30„ Kaffee...........„ 33,— 5„ Zucker......„ 2,20 100„ Salz.......... 6 8,25 30„ Erbſen und Linſen...„ 5,40 6 zu übertragen. Mk. 152,85 Mk. 377,03 — 59— Uebertrag.. Mk. 152,85 Mk. 377,03 50 Pfd. Neis.........„ 10,— 18 Liter Speiſeöl à 80 Pf..„ 14,40 —/r]õ„ 177,25 Bekleidung...............„ 200,— Arzt und Apotheke.........„ 10,— Thierarzt..............„ 12,85 Verſchiedenes...............„ 12,87 Pacht von 1,15 Hectar Ackerland.........„ 160, Summe. Nr. 950,— C. Vergleichung der Geld⸗Einnahmen und Geld⸗Ausgaben. Die Einnahmen betragen..... Mk. 944,— Die Ansgaben betragen.....„ 950,— Mithin Mehrausgabe.. Mk. 6,— IV. Rentabilitäts-Berechnung. A. Rohertrag (excl. der für die Production in der Wirthſchaft wieder verwendeten Producte). Erlös aus verkauften Producten(ſ. oben)...... Mk. 867,— Werth der für die Familie aus der Viieihſnſt entnommenen Producte(680— 177,25)... 3 42 502,75 Summe.. Ml. 1369,75 B. Productionskoſten. 1. Gebäudecapital: Zinſen von Mk. 6400 à 4 pCt..... NMNk. 256,— Verſicherungsprätnte.........„ 7,68 Abnutzung 0,75 pCt.........„ 48,— Inſtandhaltuug..„ 50,— — Mk. 361,68 2. Capital des lebenden Inventars: Zinſen von Mk. 763 à 4 pCt...... Mk. 30,52 Verſicherungsprämie à 2 pCt......„ 15,26 „ 45,78 3. Capital des todten Inventars: Zinſen von Mk. 480 à 4 PCt.... Mt. 19,20 Verſicherungsprämie à 0,2 pCt......„— ,96 zu übertragen.. Mk. 20,16 Mk. 407,46 5²⁴ 8 3 — 60— Uebertrag.. Mk. 20,16 Mk. 407,46 Erneuerung und Inſtandhaltung, wirkliche Auagabe........... 550, „ 70,16 .Zinſen des umlaufenden Betriebscapitals. Letzteres beträgt 50 pCt. der jährlichen baaren Ausgaben= Mk. 475 à 6 pCt...„ 28,50 5. Hagelverſicherungsprämie 0,75 pCt. vom Werthe der Getreideernte Mk. 680 à 1,1 pCt.(hohe Gefahrenklaſſehy„ 7,48 6. Feuerverſicherung der Producte........„ 1,50 7. Steuern und Umlagen(excl. Tilgungsrente und Perſonalſteuer).„ 47,69 8. Kraftfutter und Laubſtreu............„ 20,— 9. Heizung und Beleuchtung, 25 pCt. der geſammten Ausgabe..„ 32,34 10. Thierarzt„ 5,— 11. Arbeitslöhne: Löhne für 4 Perſonen incl. Koſt circa......„ 700,— Summe.. Mk. 1320,13 C. Reinertrag. Der Rohertrag betrug... Mk. 1369,75 Die Productionskoſten betragen.„ 1320,13 Bleibt Reinertrag.. Mk. 49,62 Rechnet man hierzu den Werth der freien Wohnung mit Mk. 80, ſo beträgt der Reinertrag Mk. 130. Das Grundcapital incl. Obſtbäumen und Pachtland iſt eingeſchätzt auf Mk. 13067. Hiervon Mk. 130 Zinſen, beträgt der Zins des Grundcapitals(Grundrente) plus Unternehmergewinn rund 0,99 pCt. —=—