anera Verbindlickeit wahrer chriſen, nach dem Muſter JEſü, ihren Willen dem Goͤttlichen Willen zu unterwerfen. 4 Wurde, als der Weiland Hochwuͤrdige, in G Ott Andaͤchtige und Hochgelahrte Herr, H E R N Johann Jacob Plifk, der Heiligen Schrift Doctor, Miniſterii Senior und Conſiſtorial⸗Rath zu Frankfurt am Mayn, am sten April 1773. durch einen ſeligen Tod dieſe Welt verlaſſen, den darauf erfolgten gten April 1 1 bey Deſſen Beerdigung einer anſehnlichen und volkreichen Verſammlung in hieſiger Haupt⸗ Kirche zu den Barfuͤſſern, aus Matthaͤi 26, v. 39. vorgeſtellet, von Johann Jacob Willemer, Evangeliſchen Predigern dahier. Frankfurt am Mayn, bey Johann Georg Fleiſcher, 1773. Gebet. Wie GOtt mich fuͤhrt, ſo will ich gehn, Es geh durch Dorn und Hecken, Von vornen laͤßt ſich GOtt nicht ſehn, Zuletzt wird ers entdecken, Wie er nach ſeines Va— ters Rath, Mich treu und wohl gefuͤhret hat, Drauf will ich mich verlaſſen. Amen. Eingang. J. Chriſto IEſu alleſamt geliebten Freunde! zum Theil tief gebeugte Trauer⸗Verſammlung! Es iſt eine merkwuͤrdige Weiſſagung, welche wir leſen in dem 4oſten derer Pſalmen Davids, im 8. und 9ten. Vers, woſelbſt der HErr Meſſias ſpricht: Siehe ich komme, im Buch iſt von mir geſchrieben. Deinen Willen, mein GOtt, thue ich gerne. Er redet hier von ſeiner groſſen Bereitwilligkeit, ſeinen Willen dem Wil⸗ len ſeines himmliſchen Vaters zu unterwerfen. Unter dem Willen GOt⸗ tes wird hier verſtanden der goͤttliche Rathſchluß von der Erloͤſung des menſchlichen Geſchlechts. Es hatte der Vater mit ſeinem Sohne, menſch⸗ A 2 licher vV(4) ℳ licher Weiſe zu reden, einen Vertrag gemacht. Der Sohn verſprach als Mittler der Menſchen alles zu leiſten und zu thun, was die Menſchen leiſten und thun ſollten; der beleidigten Gerechtigkeit vollkommene Genug⸗ thuung zu geben, und an ſtatt und fuͤr die Suͤnden der Menſchenzu ſterben. Der Vater im Gegentheil verſprach, alle diejenigen Menſchen, die an ihn als ihren Erloͤſer wuͤrden glauben, und ſich von ganzem Herzen zu ihm bekehren, zu ſeinen Kindern anzunehmen, ihre Suͤnden zu vergeben, und ſelig zu machen. Der HErr Meſſias redet hier in der gegenwaͤrtigen Zeit, um die Gewißheit davon anzuzeigen, und nachdem derjenige Zeit⸗ punkt herbey gekommen war, welchen die göͤttliche Weisheit zur Erloͤ⸗ ſung der Menſchen beſtimmt hatte, ſo verließ der Sohn GOttes den er⸗ habenen Thron ſeines himmliſchen Vaters, nahm Knechts⸗Geſtalt an, und ſtellte ſich willig dar, um den Willen ſeines bimmliſchen Vaters zu erfuͤllen. Wie bereitwillig JEſus geweſen, dem Willen ſeines himmliſchen Vaters ein voͤlliges Genuͤgen zu leiſten, erhellet daraus, weil er in ſeinem Leben mit ſeinen Juͤngern ſo oft von ſeinem Leiden und Tod geſprochen: weil er ſich auf ſein Leiden und Tod durch Wachen und Beten ſo kraͤftig zubereitet, und weil er ſich als das Lamm GOttes zu ſeinem Leiden ſo willig dargeſtellt. Er wuſte nach ſeiner Allwiſſenheit den Ort, wo er ſter⸗ ben ſollte: ſein Verraͤther war ihm bekannt; wie auch die Art ſeines Todes. Waͤre er nicht willig geſtorben, ſo haͤtte er leicht ſich von Jeruſa⸗ lem entfernen, an einem fremden Ort begeben, und ſeinem Tode entgehen koͤnnen. Aber ſo erfuͤllte er die Weiſſagung, wie in dem Buche, oder in den Schriften Moſis und der Propheten vorher verkuͤndiget war: Ich komme, deinen Willen mein GOtt, thue ich gerne. Mit der groͤſten Be⸗ reitwilligkeit gab er ſein Leben nach dem Willen ſeines Vaters in den Tod dahin, und hinterließ zugleich allen ſeinen Bekennern ein Muſter der Nachfolge, wie ſie auch nach dem Willen GOttes ihr Leben willig in den Tod ſollen dahin geben. Die Urſache, theureſten Freunde, warum wir gegenwaͤrtig ſo auſſer⸗ ordentlich verſammlet ſind, iſt der unvermuthete Tod des Hochwuͤrdigen und .— —— Chr dem ſind Wi — AC(S5) E und Hochgelahrten Herrn Johann Jacob Plitts, der Heil. Schrift Doctor, eines Ehrwuͤrdigen Miniſterii Senior, und Conſiſtorial⸗Raths, und Sonntags Fruh⸗Prediger in der allhieſigen Haupt⸗Kirche zu den Barfuͤſſern, welchen der HErr uͤber Leben und Tod vor etlichen Tagen in Friede zu ſeinen Vaͤtern verſammlet hat. Er bewies in ſeinem Leben ſo wohl als in ſeiner letzten Krankheit eine beſondere Bereitwilligkeit nach dem Muſter JEſu ſeines Heylandes ſein Leben nach dem Willen GOttes willig in den Tod dahin zu geben. Wir ſind hier verſammlet, dem ſeelig Verſtorbenen die letzte Ehre zu bezeigen. Vergoͤnnet mir daher, in einer kurzen Rede euch zu beweiſen, daß wahre Chriſten verbunden ſind ihren Willen nach dem Muſter JEſu dem goͤttlichen Willen zu unterwerfen. Wir wollen vorher beten ein ſtilles Vater Unſer. Diejenigen Worte, welche ich mit Genehmhaltung zum Grunde unſerer gegenwaͤrtigen Andacht geleget habe, ſind befindlich Matthaͤi 26, Vers 39. und lauten alſo: Mein Vater iſts moͤglich, ſo gehe dieſer Relch von mir, doch nicht wie ich will, ſondern wie du willſt. Abhandlung. Nach Anleitung dieſer Worte will ich beweiſen: daß wahre Chriſten verbunden ſind, ihren Willen nach dem Muſter JIEſu dem goͤttlichen Willen zu unterwerfen. Erſtlich wollen wir ſehen, worin der Wille GOttes beſtehe. Zum andern will ich beweiſen, daß wahre Chriſten verbunden ſind, ihren Willen nach dem Muſter JEſu dem goͤttlichen Willen zu unterwerfen. A 3 Wenn 2 N(6)+☛. Wenn IEſas in unſerm Text ſagt: Nicht wie ich will, ſondern wie Tage⸗ du willt, ſo verſtehet er unter dem Willen ſeines himmliſchen Vaters den kin ſ Entſchluß, welchen er von Ewigkeit gefaßt, daß JEſus ſein Sohn die oder Menſchen durch Leiden und Sterben erloͤſen ſollte, und dieſen Willen ſeines kom Vaters unterwarf er ſich auch mit der groͤſten Bereitwilligkeit. Wenn aen er ſpricht: Mein Vater iſts moͤglich, ſo gehe dieſer Kelch von mir, ſo End wird unter dem Kelch nach der gewoͤhnlichen Redens⸗Art der Heil. Schrift da h uͤberhaupt ſein ganzes Leiden verſtanden. Hier aber zielt IEſus auf be⸗ ſch! ſondere Stuͤcke ſeines innerlichen Seelen⸗Leidens, nemlich auf das aͤngſt⸗ ſagte liche Gefuͤhl des goͤttlichen Zorns, die Entziehung des kraͤftigen Troſtes und Beyſtandes ſeines himmliſchen Vaters, den er bisher in ſeinem Leben ge⸗ noſſen, und deſſen er nun auf eine Zeitlang ſollte beraubet werden. fand Denn IEſus befand ſich damals in ſeiner tiefſten Erniedrigung, und redete abet — als bloſſer Menſch. Nun aber iſts uns Menſchen natuͤrlich, von Leiden ihn ſo viel moͤglich befreyet zu bleiben. Unſere Leiden kommen groͤſtentheils war von der Suͤnde her, und unſere Begierde von Leiden ganz frey zu bleiben, Mer kann leicht ſuͤndlich werden. Bey JEſu aber kam das Verlangen, von Um dieſen beſonderen Stuͤcken ſeines Seelen⸗Leidens uͤberhoben zu ſeyn, aus nen der reinſten Abſicht her. Er hatte keine Suͤnde gethan, er war auch ern an und vor ſich nicht ſchuldig zu leiden, er vermuthete als Menſch, viel⸗ ben, leicht waͤre es moͤglich, ohne Nachtheil der goͤttlichen Gerechtigkeit von ewig dieſen beſonderen Stuͤcken ſeines Seelen⸗Leidens frey zu bleiben. Da er verl aber ſahe, daß er als Mittler der Menſchen auch dieſes Leiden mußte aus⸗ ſcher ſtehen, ſo unterwarf er ſich willig dem Willen ſeines himmliſchen Vaters. ſich Man moͤgte hier denken, wenn IEſus ſo willig geweſen, ſeinen Willen 690 dem Willen ſeines himmliſchen Vaters zu unterwerfen, warum hat er fibr denn unter ſeinem Leiden geſeufzt: Meine Seele iſt betruͤbt bis in hir den Tod? Allein JEſus war nicht ſo wohl betruͤbt, daß er leiden und me ſterben ſollen, als vielmehr deswegen, weil er eine ſolche ungeheure Menge ſenn von Suͤnden der Menſchen auf ſich nehmen, und dafuͤr buͤſſen und bezah⸗ der ſen ſollte. Denn wenn wir bedencken, was ein einiger Menſch in einem len, Tage, W(7) Tage, in einer Woche, in einem Jahre, in Gedanken, Worken und Wer⸗ ken fuͤr Suͤnden begeht, wenn wir ſetzen, daß ein Menſch nur funfzig oder ſiebenzig Jahr lebe, was fuͤr eine ungeheure Menge von Suͤnden kommen bey einem einigen Menſchen heraus. Nehmen wir nun diejeni⸗ gen Menſchen, die ſchon gelebt haben, die noch leben, und bis an das Ende der Welt leben werden, wie viele Millionen von Suͤnden kommen da heraus: und dieſe unzaͤhlbare Menge von Suͤnden ſollte JEſus auf ſich nehmen, und dafuͤr buͤſſen. War es daher wohl Wunder, daß er ſagte: Meine Seele iſt betrͤbt bis in den Tod. Hieraus erkennen wir nun, was unter dem goͤttlichen Willen ver⸗ ſtanden werde. Eigentlich hat in GOtt nur Ein Wille ſtatt, er wird aber verſchieden abgetheilet in Abſicht auf uns Menſchen. Man kann ihn eintheilen in den geoffenbahrten Willen GOttes: GOtt hat uns zwar ſchon ſeinen Willen ins Herz geſchrieben. So weiß ein jeder Menſch von Natur, was recht, was unrecht, was gut, was boͤs ſey. Um den Menſchen aber alle Entſchuldigung zu benehmen, hat er uns ſei⸗ nen Willen in ſeinem Worte ſchriftlich geoffenbahret. In demſelben hat er uns ſeinen ganzen Rathſchluß von unſerer Seligkeit zu erkennen gege⸗ ben, und gelehret, wie wir wandeln ſollen wuͤrdiglich zu erlangen das ewige Leben. Der Wille GOttes wird auch noch eingetheilt in ſeinen verborgenen Willen, der hat ſeinen Grund in der Freyheit der Men⸗ ſchen. Er heiſſet verborgen, nicht in Abſicht auf GOtt, ſondern in Ab⸗ ſicht auf uns Menſchen, weil wir die Urſachen und den Endzweck, warum GOtt dies und jenes thut, weil er einige Menſchen ſo, andere anderſt führet, entweder gar nicht, oder nach langer Zeit, oder nur zum Theil hier, oder erſt in der verklaͤrten Ewigkeit erfahren werden. Betrachtet meine Freunde! dieſen Menſchen, er ſcheinet ganz zum Gluͤck gebohren zu ſeyn, ſeine Handlung iſt bluͤhend, ſeine Nahrung iſt geſegnet, er genießt der dauerhafteſten Geſundheit, es geht ihm alles nach Wunſch und Wil⸗ len, Kreuz, Leiden und Widerwaͤrtigkeit ſcheinen aus ſeinem Hauſe ver⸗ bannt ,(8) ℳ zum Ungluͤck gebohren zu ſeyn, er muß ſeine Tage auf dem Siechbette unter groſſen Schmerzen zubringen, leidet an allem Mangel, hat oft nicht das Nothwendigſte, was er zu ſeiner und der Seinigen Verſorgung brauchet. Ein Ungluͤck kommt auf das andere, alle Wetter der Truͤbſale ſchlagen oft uͤber ſeinem Haupte zuſammen: er kommt durch mancherley Ungluͤcksfaͤlle um Haab und Gut. Sehet dort jenen Menſchen, der ſtirbt in der Bluͤthe ſeiner Jahre, welcher der Kirche, dem gemeinen Weſen, und den Seinigen die erſprieslichſte Dienſte noch haͤtte leiſten koͤnnen. Dort iſt ein anderer, deſſen ſein Leben uͤberſteiget die Graͤnzen von dem ge⸗ ſezten Ziel des menſchlichen Lebens, und iſt ſich und der Welt eine Laſt. Da iſt ein Land, da bluͤhen Kuͤnſte und Wiſſenſchaften, da iſt Handel und Wandel geſegnet, da genießt ein jeder mit den Seinigen ſein Brod unter ſeinem Weinſtock und Feigenbaum. Dort iſt ein Land, da herrſchet Blindheit, Finſterniß, Unwiſſenheit. Krieg, Peſt, Hungersnoth rich⸗ ten daſſelbe ganz zu Grund. Welcher Sterbliche kann hier ſagen, warum thut GOtt das? Hier müſſen wir geſtehen: GOtt, du biſt ein verborgener GOtt, unerforſchlich ſind deine Wege, und unbegreiflich deine Gerichte. Zum andern will ich nun beweiſen, daß wahre Chriſten verbun⸗ den ſind, ihren Willen nach dem Muſter IEſu dem goͤttlichen Willen zu unterwerfen. Weil ſich IEſus als unſer Mittler und Buͤrge einmal dargeboten, ſo war er auch verbunden, ſeinen Willen dem Willen ſeines himmliſchen Vaters zu unterwerfen, und alles zu thun und zu leiſten, was wir haͤtten thun ſollen. So ſind wahre Chriſten nach dem Muſter IEſu auch verbunden, ihren Willen dem goͤttlichen Willen zu unterwer⸗ fen. Was heiſt das aber, ſeinen Willen dem Willen GOttes unterwer⸗ fen? 1) wird erfordert, Daß bannt zu ſeyn. Sehet im Gegentheil dort jenen Menſchen, er ſcheinet rec d go ter be (9) Daß man GOtt auf ſein Wort glaube. GOtt hat einen unend⸗ lichen Verſtand: er kann uns alſo Wahrbeiten offenbahren, welche die Graͤnzen unſeres endlichen Verſtandes uͤberſteigen. Da muͤſſen wir un⸗ ſere Vernunft gefangen nehmen, GOtt auf ſein Wort glauben, und ihm zutrauen, alles was er uns ſagt und beſtehlt, muß wahr ſeyn. Hieher gehoͤren alle Geheimnuͤſſe der Chriſtlichen Religion. Ich will dieſes nur mit einem Stuͤck erlaͤutern. GOTT hat in ſeinem Wort verheiſen, daß er wolle die Todten auferwecken. Gebe ich nun zu, daß GOtt all⸗ maͤchtig ſey; und wer kann das leugnen? ſo muß ich auch zugeben, wenn GOtt geſagt hat, er wolle die Todten auferwecken, daß er ſie auch kann und werde auferwecken. Daher iſt vergeblich, wenn ich fragen wollte: ja wie iſt es aber moͤglich? wie koͤnnen Todten auferſtehen? wie kann der Staub des Menſchen, der oft in alle Theile der Welt iſt zerſtreuet wor⸗ den, wieder hergeſtellet werden. Genug, GOtt hats geſagt, ſo iſt es wahr, ſo wirds auch geſchehen. 2) Wenn man es nicht beym bloſen Wiſſen des goͤttlichen Willens bewenden laͤſſet ſondern ſich auch bemuͤhet ſein Le⸗ ben darnach einzurichten. Die meiſten Chriſten wiſſen gar wohl den goͤttlichen Willen, was recht was unrecht ſey, daß ſie nach dem Willen GOttes verleugnen ſollen das ungoͤttliche Weſen und die weltliche Luͤſten, und zuͤchtig, gerecht und gottſelig leben, laſſen es aber beym Wiſſen bewenden, ſind bloſe Hoͤ— rer, aber keine Thaͤter des goͤttlichen Worts, ſuͤndigen muthwillig wider beſſer Wiſſen und Gewiſſen. 3) Wenn man nicht mit Fleiſch und Blut zu Kath gehet, ſon⸗ dern ſeinen eigenen Willen zu brechen ſucht. 2 Waͤre N,(10) M Waͤte der Wilte Gottes, uns Menſchen auf dem Weg zum Him⸗ mel zu fuͤhren, der mit Blumen und Roſen beſtreuet waͤre, ſo wuͤrden alle Menſchen ſich gern dem Willen GOttes unterwerfen. Aber ſo iſt oft der Wille GOttes unſerm Fleiſch und Blut zuwider, wir wollen dahinaus, und GOtt dorthin. Weil der ſchmale Weg zum Himmel mit Dornen und Diſteln bewachſen iſt, ſo betreten wir denſelben mit Widerwillen. Da⸗ her muß ein Menſch nicht mit Fleiſch und Blut zu Rath gehen, das hat ſtatt, theils in Anſehung unſeres Seelen⸗Fuſtandes. So iſt der Wille GOttes uͤberhaupt, alle Menſchen ſelig zu machen, aber der be⸗ ſondere Wille GOttes iſt, der Menſch ſoll ſich auch der vorgeſchriebenen Heilsordnung unterwerfen. Der Menſch der ſelig will werden, ſoll wah⸗ re Buſe thun, an JIrſum Chriſtum glauben, und ſich von ganzem Herzen zu ihm bekehren. Will ich nun ſelig werden, ſo darf ich nicht mit Fleiſch und Blut zu Rathe gehen, und dencken: Ja wenn ich mich denn nun dem Willen GOttes unterwerfe, in die Ordnung des Heils be⸗ gebe, was wird die Welt„ was werden meine gute Freunde von mir den⸗ cken und urtheilen„, wenn ich mich ſo nach dem Willen Gottes bilde, mein Leben aͤndern, ihren boͤſen Geſellſchaften abſagen, und in einem neuen Leben vor GOtt zu wandlen ſuche. Kann ich mir nicht dadurch Schimpf und Schande zuziehen? und was habe ich fuͤr Nutzen und Vortheil von meiner Bekehrung? theils in Anſehung der Leiden und Widerwaͤr⸗ tigkeiten, die uns in unſerm Leben begegnen. Hier ſehe ich, mei⸗ nem Freunde gehts wohl, mir uͤbel; er iſt reich, ich arm; er beſtaͤndig ge⸗ ſund, ich immerfort kranck; er lebt in Ueberfluß, ich in Mangel, da darf ich nicht denken: bin ich nicht eben ſo gut, als mein Freund, GOtt han⸗ delt ungerecht, grauſam, partheiſch. Nein! Chriſten muͤſſen hier ſehen auf den Urheber ihrer Leiden. Sind ſie ſelbſt in der Schuld, ſo muͤſſen ſie ge⸗ dencken, wir muͤſſen leiden, was wir verdient haben, kommen ihre Leiden un⸗ mittelbar von GOtt, oder durch goͤttliche Zulaſſung, ſo muͤſſen ſie ſo viel naͤgſich unterſuchen, was odagefehr die weiſſen Abſichten GOttes ſeyn moͤgten, nͤgt geden beſtaͤ bet. dein dich dein We reitel um! bitte Wer ders rem Ged dem drit gor zu! Thr ren L au dur et ſie ſen um (I) ℳ moͤgten, daß er ſie vor andern auf ſo rauhen Wegen fuͤhret. Der Chriſt gedenckt hier: vielleicht ſieht GOtt nach ſeiner Allwiſſenheit, daß du in beſtaͤndigen guten Tagen, bey Reichthum und Ueberfluß, in deinem Ge⸗ bet nachlaͤßig, in deinem Chriſtenthum ſchlaͤfrig koͤnnteſt werden, und an deiner Seligkeit Schaden leiden, oder vielleicht will er durch dieſes Leiden dich zur Erkenntniß deiner Suͤnden bringen, deinen Glauben ſtaͤrcken, dein Vertrauen vergroͤſſern, dein Gebet eifriger machen, dein Herz von der Welt abziehen, und dich in Zeiten dadurch auf die Ewigkeit wuͤrdig zube⸗ reiten. Es iſt hier einem Chriſten erlaubt, nach dem Muſter JEſu, GOtt um Abwendung, oder wenigſtens um Linderung, oder um Beyſtand zu bitten, und zu ſagen: Vater, iſts moͤglich, ſo gehe dieſer Kelch von mir. Wenn ſie aber mercken, daß es der Wille GOttes ſey, ſo und nicht an⸗ ders mit ihnen zu handeln, auch gewiß glauben, daß alles Leiden zu ih⸗ rem Beſten ausſchlagen werde. Vornemlich haben ſie hier zu bitten um Geduld, und Gelaſſenheit, um Kraft und Staͤrcke, daß ſie ihren Willen dem Willen GOttes auch willig unterwerfen moͤgen. O Meine Freunde! die dritte Bitte: dein Wille geſchehe, iſt eine Lection, die ein Chriſt in ſeinem ganzen Leben nicht recht vollkommen auswendig lernet. Dieſe Wahrheit zu lernen koſtet Muͤhe, Streit, Kampf, Wachen, Beten, Seufzen, Thraͤnen. Und ſo haben alle Glaubigen des alten und neuen Bundes ih⸗ ren Willen dem goͤttlichen Willen unterworfen. ) Wenn ein Chriſt bereit iſt, nach dem Willen GOttes ſein Leben willig in den Todt dahin zu geben. Das kann geſchehen theils auſerordentlich. Wird ein Chriſt nach dem Goͤttlichen Willen oder durch goͤttliche Zulaſſung um ſeines Glaubens Willen verfolgt, kommt er in Leibes und Lebens⸗Gefahr, kann er ſich nicht mit der Flucht retten, ſieht er, er muß entweder ſeinen Glauben verleugnen, oder ſein Leben laſ⸗ ſen; ſo erkennt er hieraus, daß es der Wille GOttes, er ſoll ſein Leben um des Namens JEſu Willen dahin geben. So machten es die Apoſtel: 1 B 2 ſo N(12) ℳ ſo lieſſen viele tauſend der erſten Chriſten ihr Blut ſtromweis vergieſen um des Namens IEſu Willen, und verſiegelten ſeine Lehre mit ihrem Blute. Das kann auch geſchehen ordenrlicher Weiſe. Ein Menſch wird von ei⸗ ner toͤdlichen Kranckheit uͤberfallen; er bedient ſich der geſchickteſten Aerz⸗ te, er gebraucht alle vorgeſchriebene Arzeney⸗Mittel, er bittet GOtt um den Segen und gedeihen derſelben, er merckt aber, daß es GOtt nach ſeiner Weisheit nicht fuͤr gut befindet ihm zu helfen, und daß es ſein Wil⸗ le ſey ihn von der Welt zu nehmen. Alsdenn iſt er verbunden, ſeinen Willen dem Willen GOttes zu unterwerfen, und ſein Leben willig nach dem Muſter JEſu in den Tod dahin zu geben. Warum ſind aber wahre Chriſten verbunden, nach dem Muſter IEſu ihren Willen dem goͤttlichen Willen zu unterwerfen? Ich will nur einige Gruͤnde anfuͤhren. 1) Wegen der Oberherrſchaft GOttes. Iſt GOtt unſer Schoͤpfer, ſo hat er auch das Recht, uns zu befeh⸗ len, er kann uns Geſetze geben, wir ſind verbunden, ſie zu beobachten. So wie Unterthanen verbunden ſind, nach dem Befehl und Willen ihrer Regenten ſich zu richten, ſo ſind wir noch vielmehr verbunden, unſern Willen dem goͤttlichen Willen zu unterwerfen. 2) Weil der Wille GOttes beſtaͤndig unſer ewiges Wohler⸗ gehen zum Grunde hat.— In der Welt geſchieht nichts von ohngefehr; in der Welt hat eigent⸗ lich, wie die Menſchen reden, weder Gluͤck noch Ungluͤck ſtatt, ſondern alles, was in der Welt geſchieht, erfolgt nach goͤttlichem Willen oder durch goͤttliche Zulaſſung. Wie kurzſichtig aber iſt hier unſer Verſtand in dem, was wir Gluͤck oder Ungluͤck nennen! wir arme Sterbliche bilden uns oft um Tlute. n ei, Aerz tt um nach Wil⸗ ſeinen nach duſter 1 nur befeh⸗ chten. ihrer nſern hler⸗ geni⸗ ndern oder nd in nuns oft .(13) M+r oft ein, das und jenes waͤre uns gut, mache uns gluͤcklich, wir wuͤn, ſchen, wir verlangen, wir bitten es von GOtt, GOtt erhoͤrt unſer Ge⸗ bet entweder im Zorn, und giebt uns was wir gebeten, und am Ende ſe⸗ hen wir erſt ein, daß das Gebetene uns mehr ſchaͤdlich als nuͤtzlich geweſen; oder er erhoͤrt unſer Gebet in Gnaden, giebt uns nicht das, was wir gebeten haben. Denn welcher Chriſt bittet GOtt um das was ihm ſchaͤd⸗ lich iſt? oder er giebt uns fuͤr das, was wir gebeten haben, etwas beſ⸗ ſers. Wenn GOtt alſo einen Menſchen nach ſeinem Willen ſterben laͤßt, ſo muß ein ſolcher dencken, daß GOtt nach ſeiner Allwiſſenheit vorher geſehen, daß eben dieſe Zeit die beſte und bequemſte Zeit fuͤr ihn geweſen, ihn von der Welt zu nehmen. Bin ich alſo uͤberzeugt, daß GOtt nach ſeiner Allwiſſenheit am beſten weis, was mir gut oder ſchaͤdlich, was mich wahrhaftig kann gluͤcklich oder ungluͤcklich machen, ſo bin ich auch verbunden, nach dem goͤttlichen Willen mein Leben willig in den Tod dahin zu geben. 3) Weil es in der Ewigkeit nicht darauf ankommt und ge⸗ fragt wird, wie lange und wie viele Jahre ein Menſch hier in der Welr gelebt hat, ſondern ob er wohl und tugendhaft gele⸗ ber, und ſelig geſtorben ſey. O mein GOtt! die Tage unſeres Le, bens kommen ja mit der Ewigkeit in gar keine Vergleichung. Was ſind wohl ſiebenzig, achtzig Jabre gegen der Ewigkeit? Unſer Leben wenn es köſtlich geweſen iſt, ſo iſt es Muͤhe und Arbeit geweſen. Manchem Suͤn⸗ der waͤre es beſſer geweſen, er waͤre nie geboren worden, oder wenn er geboren worden, er waͤre gleich geſtorben, als daß er ſo lange gelebt, und ſein langes Leben, ſein Gewiſſen mit ſo vielen tauſend Suͤnden und Laſtern beſchweret, um zu leben, daß er ewig ſterben ſollte. Ein anderer Menſch erkennt erſt in der verklaͤrten Ewigkeit, daß ihm GOtt die groͤſte Wohlthat erwieſen, weil er ſein Leben in der Bluͤthe ſeiner Jahre verkuͤrzt, und ihn von ſo vielem Kreutz, Leiden, Widerwaͤrtigkeit, Sorgen und B 3 Kummer (14) ℳ Kummer auf einmal befreyet, die er bey einem laͤngern Leben noch haͤtte muͤſſen erdulden und ausſtehen. 4) Weil ohne Unterwerfung unter den goͤttlichen Willen ſonſt keine wahre Rnhe der Seelen ſtatt hat. So lange in der Welt der Wille der Menſchen dem Willen GOttes entgegen, herrſcht unter ih⸗ nen Murren, Mißvergnuͤgen, und Ungeduld: GOtt mags da machen, wie er will, ſo macht ers nicht recht. Stellt euch nur einmal Ael⸗ tern vor, denen GOtt Kinder gegeben, die ſie mit vieler Muͤhe und Arbeit auferzogen, die ihnen viele tauſend Sorgen und Kummer verurſachet ha⸗ ben. Auf einmal werden dieſe ihre Kinder todlich kranck, von denen ſie geglaubt, ſie wuͤrden ihr Vergnuͤgen, die Stuͤtze ihres Alters abgeben, ihr ganzes Project, woran ſie ſo viele Jahre gekuͤnſtelt, ſoll auf einmal zer⸗ ſtoͤrt werden: ſie winſeln, ſie ſeufzen, ſie ringen die Haͤnde zuſammen, ſie reiſen ſich vor Wehmuth ihres Herzens die Haar ihres Hauptes aus. Und richten ſie damit was aus? wird der goͤttliche Wille geaͤndert? rich⸗ tet GOtt ſeinen Plan den er von Ewigkeit beſtimmt, anderſt ein? keines⸗ weges. Es geht alles nach GOttes Willen. Betrachtet dort jenen Kran⸗ cken. Der Wille GOttes iſt, ihn von der Welt zu nehmen. Er murret, er ſchreyt, er wehrt ſich, er ſucht bey allen Menſchen Huͤlfe. Entflieht er deßwegen ſeinem Tode? keinesweges? er macht nur ſeinen Tod herb und bitter. O Gluͤckſelige Chriſten! wie ruhig, wie gelaſſen koͤnnt ihr die Tage eurer Pilgrimſchaft zubringen, wenn ihr dencket, bin ich reich, bin ich arm, ſterb ich fruͤh, ſterb ich ſpat, ich habe gelebt nach dem Wil⸗ len GOttes, und ſterbe auch wenn GOtt will. Es kann mir nichts ge⸗ ſchehen, als was GOtt hat verſehen, und was mir ſelig iſt. Hieraus erkennen wir, daß wahre Chriſten verbunden ſind ih⸗ ren Willen nach dem Muſter Jſu dem Willen GOttes zu un⸗ terwerfen.. 1 Anwen⸗ Gatt Wel jenige und werb Sun uͤberz Dieje was dem Zeitl ſcher Wel ftand Noß leben und Nd nich Mer daß Suͤ den —— —— N,(15) Anwendung. Man kann die Menſchen nach der gegenwaͤrtigen Abhandlung in drey Gattungen eintheilen. J. In ſolche, die bisher mehr gelebt nach dem Willen der Welt, als nach dem Willen GOrtes. Und das thun alle die⸗ jenige, ſo aus Menſchen⸗Furcht oder aus Gefaͤlligkeit, die Gunſt und Gewogenheit ihrer vornehmen Goͤnner und Freunde ſich zu er⸗ werben oder zu behalten, ſich nach ihrem ganzen Leben bilden, an ihren Suͤnden und Laſtern Antheil nehmen, wenn ſie gleich in ihrem Herzen uͤberzeugt ſind, daß es unrecht und dem goͤttlichen Willen zuwider ſeye. Diejenigen unter uns, die hieher gehoͤren, o die bitte ich, uͤberleget doch, was habt ihr fuͤr Nutzen und Vortheil davon, wenn ihr mehr lebet nach dem Willen der Welt, als nach dem Willen GOttes? Freylich, eine Zeitlang geht es gut, man lobt, man liebt, man bewundert ſolche Men⸗ ſchen, man uͤberhaͤuft ſie mit Wohlthaten. Nach der Sprache der groſſen Welt da heißt es: das iſt ein Mann, der weiß zu leben, der hat Ver⸗ ſtand, den kann man gebrauchen. Aber bedencket im Gegentheil: Wie groß iſt der Schaden, den ihr euch dadurch zuziehet? Indem ihr ſucht zu leben nach dem Willen der Welt, uͤbertretet ihr den goͤttlichen Willen; und indem ihr euch die Freundſchaft der Welt zu erwerben ſucht, verliert ihr daruͤber die Freundſchaft GOttes. II. In ſolche, die bisher den Willen GOttes gewuſt, aber nicht darnach gethan haben; und o wie groß iſt die Anzahl ſolcher Menſchen. Mancher Menſch, weiß und iſt in ſeinem Gewiſſen uͤberzeugt, daß dieſe und jene Handlung in den Augen GOttes eine verdammliche Suͤnde ſey, und thut ſie doch, oder wenn er gleich frey iſt von herrſchen⸗ den Suͤnden, ſo weiß er doch, daß auch das Suͤnde ſey, wenn man feine R (16) M ſeine Buſſe und Bekehrung von einer Zeit zu der andern aufſchiebt: wenn man kann Gutes thun, und thuts nicht: Dieienigen unter uns, ſo hieher gehoͤren, bitte ich: Ueberleget doch, was das beiſſe: Der Knecht, der ſeines HErrn Wille weiß, und thut ihn nicht, der wird doppelte Streiche leiden. Folglich wird ein Chriſt viel groͤſſere Strafe leiden muͤſſen, als ein Unglaubiger, dem der Wille GOttes unbekannt geweſen. Bittet alſo GOtt demuͤthig ab, daß ihr ſo lange wider ſeinen Willen gehandelt. Befleiſſiget euch auf das Zukünftige, euer Leben, Thun und Laſſen, alle eure Handlungen und Verrichtungen nach dem goͤttlichen Willen einzurichten. Laſſet euch beſtaͤndig die Worte eures goͤttlichen Erloͤſers vor Augen ſchweben, wenn er geſagt: Wer den Willen GOttes thut, der iſt mein Bruder, meine Schweſter. III. In ſolche, die bisher den Anfang gemacht, ihren Willen dem goͤttlichen Willen zu unterwerfen. Die alſo nach dem Willen GOttes ihre Suͤnden erkannt, ihm abgebeten, die Vergebung ihrer Suͤn⸗ den bey und durch JEſum geſucht, erlangt und durch ihn aus dem Tod in das Leben ſind uͤbergegangen: diejenigen guten Seelen unter uns, die zu djeſer Gattung gehoͤren, o die beſchwoͤre ich, die bitte ich, laſſet es doch nicht dabey bewenden, daß ihr den Anfang gemacht, den goͤttlichen Willen zu beobachten. Bedencket, daß man nicht blos anfange, es iſt der Wille GOttes, daß man auch das Gute fortſetze. Wandelt in taͤglicher Buſſe vor GOtt: ſtreitet gegen die alte Suͤnden: werdet ſtaͤrcker im Glau⸗ ben: inbrünſtiger im Gebet: eifriger in eurem Chriſtenthum: bleibt getreu bis an das Ende: ſchaffet mit Furcht und Zittern ſelig zu werden: laſſet unter euren irdiſchen Berufsgeſchaͤften euch das einige Nothwendige beſtaͤn⸗ dig vor Augen ſchweben, und thut dem Himmelreich recht Gewalt an. So koͤnnt ihr der ſeligen Ewigkeit getroſt entgegen gehen, und ſo wird bey euch erfuͤllet werden, was euer goͤttlicher Erloͤſer euch verheiſſen hat: Es werden nicht alle, die zu mir ſagen, HErr, HErr, in das Himmelreich kommen, komn alleri wolle werf beſor hoͤch in all moͤgle ſes? ſtent mel! mein Siec in gr dun nehn It viele ſter, ben, ſchie geſta fung End dem vora ſe: uitd rafe nnt nen en, dem ures . Uen len llen un⸗ Tod die t es hen der cher LAn⸗ kreu iſſet taͤn⸗ So bey Es reich gen, NO(17)+ kommen, ſondern die den Willen thun meines Vaters im Himmel. O allerliebſten Freunde! Noch nicht genug fuͤr Chriſten, die ſelig werden wollen. Wir ſind verbunden, uns auch dem goͤttlichen Willen zu unter⸗ werfen, in Anſehung ſeiner Wege und Fuͤhrungen, die unſere Seligkeit beſoͤrdern ſollen. Es iſt nicht zu leugnen, daß, das was ich itzo ſage, etwas boͤchſt ſchweres im Chriſtenthum ſeye, ſich nemlich dem goͤttlichen Willen in allen Umſtaͤnden ſeines Lebens zu unterwerfen. Doch iſt es nichts ohn⸗ moͤgliches. O Mein GOtt, welch ein ſtarcker Glaube, welch ein groſ⸗ ſes Vertrauen gehoͤret dazu! gewiß, der Chriſt hat es in ſeinem Chri⸗ ſtenthum ſehr weit gebracht, der da ſagen kann: Beſter Vater im Him⸗ mel! ſoll ich in der Welt in Armuth, in Elend, unter tauſend Sorgen mein Leben zubringen: Dein Wille geſchebe! ſoll ich einmal auf meinem Siechbette unter langem Warten von einer Morgenwache zu der andern, in groſen Schmertzen auf deine Huͤlfe warten: Dein Wille geſchehe! willt du mir meine Eltern, mein Ehegatten, meine Kinder fruͤhzeitig hinweg nehmen: Dein Wille geſchehe! ſoll ich ſelbſt einmal in der Bluͤthe meiner Jahre mein Leben dahin geben: HErr, dein Wille geſchehe! O vielleicht ſind viele hier gegenwaͤrtig, die ſchon Eltern, Kinder, Ehegatien, Geſchwi⸗ ſter, Freunde, durch den Tod nach dem Willen GOttes verlohren ha⸗ ben. Ihr errinnert euch noch itzo der Thraͤnen, die ihr uͤber ihren Ab⸗ ſchied vergoſſen, der groſſen Schmertzen, die ſie auf ihrem Siechbette aus⸗ geſtanden, der vielen Seufzer, die ſie gen Himmel um ihre ſeelige Auftoͤ⸗ ſung geſchickt, der erbaulichen Geſpraͤche, die ihr mit ihnen vor ihrem Ende gefuͤhret. Sie haben nach dem Willen GOttes ihr Leben willig nach dem Muſter JEſu dahin gegeben, und ſind euch in die ſelige Ewigkeit vorangegangen. Waͤre es moͤglich, daß ihr koͤnntet einige Augenblicke euch noch mit ihnen unterreden, gewiß und wahrhaftig, nichts anders als das wuͤrden ſie euch ſagen. O Eltern, Kinder, Ehegatten, Ge⸗ ſchwiſter und Freunde, die ganze Welt mit aller ihrer Pracht und Herr⸗ lichkeit iſt nicht werth der Herrlichkeit, die an uns iſt offenbahret wor⸗ den, Eilet, jaget nach dem vorgeſteckten Ziel und Kleinod, unterwer⸗ E fet 2 (18) ℳr ſet euch in eurem ganzen Leben nach dem Muſter JEſu dem göttlichen Wil⸗ jen und gebet einmal nach ſeinem Willen euer Leben willig in den Tod dahin: ſo werdet ihr einmal mit uns gemeinſchaftlich einer ewigen und unausſprechlichen Herrlichkeit theilhaftig werden. Da wollen wir einmal dem Lamm, das erwuͤrgt iſt, Preiß, Ehre und Danck bringen von Ewig⸗ keit zu Ewigkeit. Theuneſten Freunde! Was ich jtzo von der Verbindlichkeit wah⸗ rer Chriſten, ihren Willen dem goͤttlichen Willen zu unterwerfen, geſagt habe, das hat unſer ſeelig verſtorbenener Herr Senior mit ſeinem Beyſpiel in ſeinem ganzen Leben und beſonders in ſeiner kurzen Kranckheit bewieſen. Da er merkte, daß ſeine Krankheit wuͤrde toͤdlich werden, lagen ihm zwar ſeine viele kleine noch unerzogene Kinder ſehr am Herzen, er ſagte aber mehr als einmal zu ihnen: Ich ſterbe, und GOtt wird mit euch ſeyn. Und ſo unterwarf er ſeinen Willen dem Willen ſeines Himmliſchen Vaters. Als ich vergangenen Montag Morgens bey ihm war, und ihn in der Stille inbruͤnſtig zu GOtt ſeufzen hoͤrte, vermahnte ich ihn, in der Stille zu ſei⸗ nem groſſen Hohenprieſter ſeine Zuftucht zu nehmen, und ihn zu bitten, weil er ſelbſt nicht mehr im Stande waͤre, wegen groſſer Bangigkeit ſeines Herzens laut zu beten, er wolle ihn bey ſeinem Vater vertreten, und dem⸗ ſelben zeigen an, daß er genug habe fuͤr ihn gethan. Ich fuͤhrte ihm be⸗ ſonders in der gegenwaͤrtigen Heil. Paßions⸗Zeit die Worte ſeines leidenden Erloͤſers zu Gemuͤthe: Vater iſts moͤglich, ſo gehe dieſer Kelch von mir, doch nicht wie ich will, ſondern wie du willt. Seine be, truͤbte Gattin, die am Bett mit ſaſſe, ſagte zu mir: Der eine Theil dieſer Worte waͤre leicht zu beten, aber der andere Theil ſehr ſchwer. Ich ant⸗ wortete ihr, daran haͤtte auch ein Chriſt ſein ganzes Leben durch zu lernen. Der ſeelig Verſtorbene gab mir ſeinen Beyfall zu erkennen, und damit zu⸗ gleich die erſte Gelegenheit, dieſe Worte vorzuͤglich vor andern zu ſeinem Leichen⸗Tepte zu erwaͤhlen. Als ich des Mittags wegen Amts⸗Geſchaͤf⸗ ten (19) ten ihn nicht ſo gleich beſuchen konnte, und etwas laͤnger ausblieb: ſagke er, man ſollte mich rufen, man rief mich, unterdeſſen fragte er wie⸗ der, iſt er noch nicht da, ich kam gleich, er konnte zwar nicht viel mehr reden, war aber noch bey voͤlligem Verſtand, ich bethete mit ihm die Worte: Wenn ich HErr JEſu bald ſoll ſcheiden; ſo ſcheide nicht von mir. Als unter dieſen Worten ſeine Gattin mit vielen Thraͤnen und Seuf⸗ zen der Thuͤr binaus gieng, begleitete er ſe mit ſeinen Augen und verſchied den Augenblick ſanft und ſtille. Er iſt nun geſtorben, unſer Theureſter Herr Senior, er iſt auch ſchon begraben. Aber ich weiß, ſein Angeden⸗ cken wird bey uns in beſtaͤndigem Segen bleiben, Er war ein groſſer GOttes Gelehrter, ſtarck in der neueren Weltweisheit, verſtand verſchie⸗ dene Morgen⸗ und Abendlaͤndi ſche Sprachen, wie das alles ſeine Schrif⸗ ten bezeugen zugleich aber war er auch ein vortreflicher Prediger. Wie vie, le hundert der gelehrteſten und erbaulichſten Predigten hat er von dieſer Staͤtte gehalten? worinnen er euch den Rath GOttes von eurer Seligkeit verkundiget hat. Kommet nur demſelbigen nach, folget ſeiner Lehre, tretet in ſeine Fusſtapfen, unterwerfet nach ſeinem Beyſpiel einmal in der Stunde eures Todes euren Willen dem Goͤttlichen Willen, damit ihr mit ihm einmal in der verklaͤrten Ewigkeit wieder moͤgt vereiniget werden. Er war zugleich der zaͤrtlichſte Vater, der beſte Haushalter liebreich in ſeinem Umgang, unverdroſſen in ſeiner Arbeit, wegen ſeiner ſtarcken Fa⸗ milie und beſtaͤndigem Haus⸗Creutz konnte er aber den Seinigen nicht viel erſparen, ſeine Herrn Collegen liebte er als ſeine Bruͤder, erleichterte ihnen ihre Arbeit, daher er auch von ihnen auf das ſchmerzlichſte bedauret wird. Der langwierige Gram und Kummer üͤber ſeinen Krancken Sohn trug zu ſeiner eigenen Kranckheit gar vieles bey: er hohlte in ab, kam wieder und ſtarb. Sein unvermutheter Tod hat faſt die ganze Stadt in die groͤſte Be⸗ ſturtzung geſetzt. GOtt eilte in allen Stuͤcken mit ihm. Er kam fruͤh ins Predigt⸗Amt, trat fruͤh in den Eheſtand, ward fruͤh zu den anſehnlichſten Chrenſiellen in der Evangeliſchen Kirche berufen, beſchloß aber auch fruͤh in der Bluͤthe ſeiner Jahr ſein Leben. Und bekam einen fruͤhen Feyer⸗ C 2 Abend, ,(20) Me Abend. Und da ihr, Meine Freunde! den Selig⸗Verſtorbenen in ſei⸗ nem Leben ſo ſehr geliebet, und ſo viele Wohlthaten erwieſen habt, vergeſ⸗ ſet auch nicht nach ſeinem Tode den Seinigen Gutes zu thun. Er hat es verdienet, und ſie ſind es werth. Stelle ſich nur einmal ein jeder Vater vor, wie waͤre es, wenn dich GOtt in der Bluͤthe deiner Jahre deinen Kindern wollte von der Welt nehmen, und ſie dadurch in die betruͤbteſts Umſtaͤnde verſetzen. Wie waͤre es, wenn andere an eurer Stelle Vaters⸗ Treue an den Eurigen beweiſen wuͤrden, welch eine Freude wuͤrde es euch in der Ewigkeit verurſachen, wenn eure Kinder einmal wieder mit euch in der verklaͤrten Ewigkelt vereiniget wuͤrden, und zu euch ſagten: der und der, und die und die, beſter Vater, haben nach deinem Tode zu unſerer Verſorgung ſo vieles beygetragen. Gewiß, ihr wuͤrdet den Wohlthaͤtern eurer Kinder einen ewigen Danck abſtatten. Nun was ihr wuͤnſchet, daß an den Eurigen geſchehen moͤge, das beweiſet gegen die hinterlaſſene des Selig⸗Verſtorbenen Herrn Seniors, und ſeyd verſichert, GOtt wer⸗ de in eurer Handlung und Berufs⸗Geſchaͤften euch alles reichlich wieder er⸗ ſetzen. Gedencket an die Worte; was der Menſch ſaͤet, das wird er ernd⸗ ten. Wer aber auf den Geiſt ſaͤet, der wird von dem Geiſt das ewige Leben erndten. Was ſoll ich aber ihnen tief gebeugte Frau Wittib, Baa⸗ ſe und Gevatterin; euch Vaterloſe Kinder zum Troſt ſagen. Euer Verluſt iſt freylich groß, weil die Crone eures Hauptes abgefallen doch ſetzet euer Vertrauen auf GOtt, der wird euer Mann, Vater, Schild und ſehr groſſer Lohn ſeyn. Unterwerfet nach dem Beyſpiel eures Mannes und Vaters euren Willen unter den Willen eures himmliſchen Vaters; ſo wird auch bey euch erfuͤllt werden: die Kinder deiner Knechte werden bleiben und ihr Saamen wird vor dir gedeyen. Gebet. Nun HlErr IEſu ſchencke uns allen die Gnade, daß wir nach deinem Mu⸗ ſter im Leben und Todt uns dem willen deines himmliſchen Vaters unterwerfen moͤgen. Nimm dich der hinterlaſſenen Vaͤterlich an und ſchen⸗ cke uns wieder einen ſolchen treuen und rechtſchaffenen gehrer um deines To⸗ des Willen Amen. 2 Nach⸗ —— 2ꝑ 8*⅓☛ (21) 2023 29,08 88—s ees eee eeen eeeee e Nachricht 7. der merkwuͤrdigſten Lebens⸗Umſtaͤnde un d ſeeligen Abſchied des 8. T. Herrn Dr. Johann Jacob Plitts. D Todt eines anſehnlichen Lehrers macht bey einer Gemeinde jederzeit den tiefſten und lebhafteſten Eindruck. Das ganze Bild von dem⸗ ſelben erwachet auf einmal in der Seele, und ſtellet uns ihn in einem Blicke dar. Nach und nach komt man zu einer ſtillern Ueberlegung und ſelbige entwickelt gleichſam die einzelne Stuͤcke deſſelben. Aber eben dieſe Be⸗ trachtung erreget den Wunſch mehrere Umſtaͤnde ſeines Lebens zu wiſſen, und eine Gemeinde ſcheinet berechtiget zu ſeyn, einen Anſpruch darauf zu machen, um das Andencken eines geliebten Lehrers, deſto laͤnger in geſegneter Erinnerung zu bewahren. Da man es uͤberdieß bey Leſung der Leichen⸗Rede gewohnt iſt, die mannigfaltige Abwechſelungen des Lebens zu erfahren, ſo wollen wir ſolches, ſo viel wir davon haben und aus ſeinem eigenen Aufſatz vernehmen koͤnnen, dem Leſer mittheilen, und zulezt ein Bild ſeines allhier im Seegen gefuͤhrten Auntes entwerfen⸗ 6 3 Unſer (22)+£ Uunſer ſeel. Herr Senior erblickte das Licht der Welt im Jahr 1727. den 27. Febr. zu Wetter, einer im Oberfuͤrſtenthum Heſſen gelegenen Stadt. Sein noch lebender Herr Vater iſt Johann Conrad Plitt, Burger und Handelsmann daſelbſt. Die Frau Mutter aber, welche vor etlichen Jahren geſtorben, war Anna Maria Mayin, Herrn Johann Herbold Mayens, gleichfalls Burgers zu Wetter, eheliche Tochter. Einige Tage nach dieſer ſeiner leiblichen Geburt, nemlich den 1. Maͤrtz, wurde er durch die Heil. Taufe ſeinem Heiland IEſu Chriſto einverleibet und empfieng zum Andencken derſelben den Namen Johann Jacob. Seine von ihm jederzeit zaͤrtlich geliebte Eltern, lieſſen an ſeiner Erziehung nichts ermanglen. Schon in dem dritten Jahr ſeines Lebens, ſchickten ſie ihn in die oͤffentliche Schu⸗ len, welche er bis in das Jahr 1741. beſuchte und in der lateiniſchen und griechiſchen Sprache einen guten Grund legte, auch einigen Anfang in der hebraͤiſchen Sprache machte. In dieſem Jahr um Oſtern brachte ihn ſei in Herr Vater, um den bisher gelegten guten Grund weiter auszufuͤhren, nach Lippſtadt auf das Gymnafium, und that ihn in das Haus des Herrn Conrector Muͤnchs, woelbſt er den Unterricht in der lateiniſchen griechi⸗ ſchen und hebraͤiſchen Sprache und in der Theologie nach Frey ingshau ens Compendio ſo wohl oͤffentlich in der Claſſe als beſonders privatim im Hauſe genoß, deſſen ſich der Seelige mit Danckbarkeit noch ſtets erinnerte. Als aber der Herr Conrector Muͤnch 1742 ſtarb, ſo kam unſer Herr Senior in das anſehnliche Gymnaſium nach Soeſt. Hier erhielt er nun ferner in be⸗ nannten Wiſſenſchaften hinlaͤnglichen Unterricht, daß er tuͤchtig genug war, die Academie zu beſuchen. Beſonders legte er ſich ſtarck auf die Welt⸗ weisheit, an welcher er ein beſonderes Vergnugen fand, und ließ ſich dahero noch pr vatiſſime darinnen unterwei en. Nachdem er nun bis in das Jahr 1744. den auf Schulen erhaltenen Unterricht nuͤtzlich angewendet, ſo ent⸗ ſchloß er ſich nach Hauſe zu ſeinen geliebten Eltern zu gehen, und dasjenige was er eingeſammlet, den Winter uͤber zu wiederholen. Er reiſete auch wircklich im Monat October von Soeſt ab und kam bey den Seinigen gluͤcklich an. Den Winter wendete er auch dazu an, ließ ſich aber ——= V(23)* aber unterdeſſen zu Marburg, unter dem Herrn Prorector Kénig, in die Zahl der Srudioſorum einſchreiben. Im Fruͤh⸗Jahr 1745. gieng er auf die Univerſitaͤt Halle, und hoͤrte beſonders bey Herrn Profeſſor Maier, Baumgarten und Knapp theologiſche und philoſophiſche Collegia, bey Herrn profeſſor Kruͤger die Phyſic, bey Herrn Profellor Kratzenſtein und Herrn von Wolf die Mathematic, bey Herrn Miſlionar. Schultz uͤber einige orientaliſche Sprachen, und uͤbte ſich in der Exegetic und Homeletic Anno 1746. gab er ſeine erſte Schrift und zwar eine kleine philoſophiſche Abhandlung heraus, die ſich betitelt: Rettung einiger Erklaͤrungen und Beweiſe der Metaphyſic wider Herrn Chriſtian Gottfried Struenſee. Das folgende Jahr 1747. diſputirte er unter Herrn profeſſor Maier uͤber eine Streitſchrift, welche er ſelbſt ausgearbeitet, de vita cognitionis ab ejus claritate, veritate ac certitudine non neceſſario pendente. Auf eine ſolche Weiſe fieng unſer ſeeliger Herr Senior an ein Schrift⸗Steller zu werden und der Beyfall den er erhielt, machte daß er nach und nach mehrere her⸗ aus gab, die wir am Ende insgeſamt anführen werden. Zu Ende dieſes Jahrs kehrte er von Halle zuruͤck nach Haus, that aber vorhero eine kleine Reiſe uͤber Leipzig Jena und Erfurt, und unterredete ſich mit den Gelehrten dieſer Hohen⸗Schulen, und ſuchte ſich die Verfaſſung derſelben bekannt zu machen. Da er groſſe Neigungen hatte ſich dem Academiſchen Leben zu widmen, ſo erſuchte er ſeinen Herrn Vater um die Erlaubniß Magiſter werden zu doͤrfen. Er reiſete deswegen nachdem er dieſelbe erhalten nach Marburg, um daſelbſt zu promoviren und Vorleſung zu halten. Nach⸗ dem er daſelbſt alle Proben, die nach den Statuten dieſer Univerſitaͤt er⸗ fordert werden, mit Ruhm abgeleget, ſo fieng er in dem Jahr 1748. nach erhaltener Erlaubniß, ſeine Collegia an zu leſen, und lud die Herrn Stu⸗ direnden durch ein Programma zu denſelben, uͤber die Logic, Meraphilic, Jus Naruræ und Aeſtthetic ein, und erhielt auch eine ſehr anſehnliche An⸗ zahl Zuhoͤrer, dabey er auch verſchiedene kleine Schriften heraus gab, hielt Collegia Examinatoria, und alle Sonnabend ein Diſpuratorium uͤber da⸗ zu gedruckte Theſes. Die ganze Entſchlieſung des ſeel. Herrn Doctors gieng 10 damals (25) M damals auf nichts anders als bey der Academie zu bleiben, allein der HErr hat es ganz anders mit ihm vor. Schon in dem Sommer, und ſon⸗ derlich gegen das Ende dieſes Jahrs wurde er befraget, ob er nicht geneigt ſeye eine Prediger⸗Stelle zu Caſſel anzunehmen. Der Selige bezeigte aber ſeine Abneigung dagegen, und war nicht geſonnen, die Academie zu verlaſſen. Endlich bekam er ein Schreiben von ſeinem nachherigen Herrn Collegen in Caſſel, worinnen ihn ſelbiger auf Erſuchen des Herrn Geheimen Raths von Franckenberg, der zugleich der oberſte Vorſteher bey der Lutheriſchen Gemeinde in Caſſel war, fragte, ob er nicht einmal zu Caſ⸗ ſel predigen wollte, indem der Herr Pfarrer Doelle geſtorben, und alſo eine Stelle ledig ſehe. Auf Anrathen ſeiner Freunde und Goͤnner die ihm eine baldige Befoͤrderung auf der Academie verſprachen, ſchlug er ſolche Anerſuchung ab, weil er am Letzteren mehr Vergnuͤgen empfand. Allein, er wurde nochmalen befragt, ob er denn nicht eine Gaſt⸗Predigt halten wollte, die Reiſe⸗Koſten ſollten ihm erſetzet werden, und wuͤrde ihn gewiß nicht gereuen. Auch damals ſchlug er es auf Anrathen ſeiner Goͤnner aus, doch hatte unſer Seliger kaum den Brief auf die Poſt ge⸗ ſandt, ſo uͤberfiel ihn eine ſolche ungewoͤhnliche Angſt und Unruhe des Gemuͤths, daß er ſich nicht zu laſſen wuſte. Es kam ihm als eine unver⸗ antwortliche Sache vor, daß er nicht auf wiederholtes Verlangen dahin gehen, und eine Gaſt⸗Predigt halten wollte. Dieſe unruhige Gedancken ſetzten ihm dermaſſen zu, daß er auf die Poſt ſandte um den Brief wieder zuruͤck zu fordern, allein er war wircklich ſchon abgefertiget und konnte ihn nicht wieder erhalten. Dieſes vermehrte die Unruhe des Gemuͤths, wel⸗ che auch nicht eher geſtillet wurde, biß er ſich endlich entſchloß, hinzureiſen und die verlangte Gaſt⸗Predigt zu halten. Am 20. Sonntag nach Tri⸗ nitatis, hielt er uͤber das ordentliche Evangelium eine Predigt, welche mit ſolchem Beyfall aufgenommen wurde, daß er einmuͤthig von dem Kirchen⸗ Vorſteher⸗Collegio zum Prediger in Caſſel ernannt wurde. Einer ſolchen beſondern Lenckung GOttes, wo ſo deutliche Spuren der Vorſehung und Regierung obwalteten, konnte unſer ſeel. Herr Pr. Plitt nicht widerſtehen. Er w(25). Er wurde daher ſeinem Gnaͤdigſten Landesherrn vorgeſtellet, welcher ihn muͤndlich und ſchriftlich gnaͤdigſt dazu confirmirte: Am 4. Sonntag des Advents wurde er zu Marburg von Herrn Superintendend Breidenbach nach gehaltener Predigt uͤber Actor. 26. v. 18. ordiniret, und hielt darauf den Sonntag nach Reu⸗Jahr zu Caſſel uͤber Epheſ. 6, v. 19. ſeine An⸗ trits⸗Predigt, woraus er vorſtellte: die Schuldigkeit der Zuhoͤrer ihren geiſtlichen Lehrer das ſchwere Amt, welches ſie fuͤhren, zu erleichtern. So brachte alſo GOtt dieſen ſeinen Knecht wider ſeine eigene Gedancken in das Evangeliſche Lehr⸗Amt, und leitete ihn zu den nachherigen wichtigen Aemtern. Er mußte aber gar bald in dieſem ſeinem Amt mancherley innerliche Kaͤmpfe und Vorſtellungen empfinden. Die Laſt dieſes geiſtlichen Lehr⸗Amts wollte ihm unertraͤglich werden. Mancherley mißtrauiſche Gedancken mengten ſich in ſeine Seele mit ein, und er wurde oft ganz kleinmuͤthig, wenn er an die ſchwere Verantwortung eines geiſtlichen Waͤchters gedachte. Es nahm alſo unſer theureſter Herr Senior das Amt eines Evangeliſchen Lehrers nicht ſo leicht wie es leider! gar haͤufig geſchie⸗ bet, da man weder an ſeine eigene, noch an die Nechenſchaft fuͤr andern Seelen gedencket. Iſt es freylich nicht nothwendig, daß ein Lehrer des Evangelii, dem es um das wahre Wohl ſeiner anvertrauten Gemeinde zu thun iſt, in lauter Unruhe und aͤngſtlicher Furcht ſeine Tage zubringt, ſo gehet es doch gewißlich nicht ohne innerlichen Kampf ab, wenn man den unendlichen Werth ſolcher Seelen die mit JEſu Blut erkaufet ſind, erweget. O wie heilſam waͤre es doch wenn ſolches alle angehende Lehrer erwegten; Wenn ſie doch ſelbſten bey Zeiten an ihr eigenes Heyl und Seligkeit gedaͤch⸗ ten! Der Selige blieb aber nicht in ſolchen unruhigen Gedancken, ſondern der Herr errettete ihn daraus, und gab ihm ein getroſtes und ruhiges Ge⸗ muͤth. Es mußte ihm aber dieſes nur dazu dienen, ſein wichtiges Amt deſto vorſichtiger zu verwalten. Sein arbeitſamer Geiſt blieb aber nicht allein bey Verwaltung ſeines Amtes ſtehen, er ſuchte auch noch jungen Studioſis nuͤtzlich zu werden, und las ihnen deßwegen uͤber Wolfens Me⸗ laphyſic Collegia vor, Zu Ende eben dieſes 1749. Jahrs nahm er eine D ſeiner 43 (265) ℳ ſeiner wichtigſten Veraͤnderung des Lebens vor. Er entſchloß ſich mit der zweyten Tochter des ſeel. Herrn Magiſter Schloſſer, Namens Henrietta Sophia in Verloͤbniß einzulaſſen, deren Herr Vater ſich um die Caſſeliſche Evangeliſche Lutheriſche Kirche ſo ſehr verdient gemacht. Selbiger war der erſte Lutheriſche Prediger bey dieſer Kirche die 1738. auch von ihm einge⸗ weyhet wurde. Bey dieſer Veraͤnderung ſahe der Selige mehr auf Tugend und Gottſeeligkeit als Schaͤtze dieſer Erden. Er ließ ſich hierauf in ſeiner Vaterſtadt zu Wetter 1750. den 15. Jan. trauen, welche vergnuͤgte Ehe der HErr unter manchen Truͤbſalen reichlich ſegnete, wie ſolches beym Beſchluß mit mehrerem erhellen wird. Mit welchem Fleiß und Treue er ſein Amt verwaltet, beweiſen nicht allein ſeine daſelbſt heraus gegebene Predigten, ſondern auch, daß ſein Andencken daſelbſt noch in Seegen bluͤhet und die Nachricht von ſeinem allzu fruͤh erfolgten. Abſterben wird gewiß viele in Beſtuͤrtzung geſetzt haben.— Doch ſein Aufenthalt ſollte auch da nicht ſo lang ſeyn, als es ſich der Selige wohl vorgeſtellet hatte. 1755. den 1. Jun. ward er ohne ſein An⸗ ſuchen, auf geſchehenen Vorſchlag von Rinteln aus, zum Profeſſor Theolo- giæ Ordinario daſelbſt von ſeinem gnaͤdigſten Landesherrn ernannt, und das daruͤber ausgefertigte gnaͤdigſte Reſeript kurz darauf zugeſandt. Je über⸗ zeugter derſelbe aus Betrachtung aller Umſtaͤnde von dem Winck GOttes wur⸗ de, deſtomehr fande der Selige Bedencken, dieſen Beruf abzulehnen. Sein Wunſch gienge nur dahin, daß ihn GOtt ſtaͤrcken moͤgte, um zur Bereitung tüchtiger Arbeiter in dem Weinberg des HErrn vieles beytragen zu koͤnnen. Er hielt daher den 1aten Sonntag nach Trinitatis unter vielen Bewegun⸗ gen ſowohl ſeines als ſeiner Zuhoͤrer Gemuͤther, ſeine Abſchieds⸗Predigt und reiſete den 28. Auguſt von Caſſel ab, und hielt ſich einige Wochen bey ſei⸗ nen Verwandten zu Goͤttingen auf. Er war nicht geſonnen daſelbſt den Gradum Doctoris anzunehmen, allein auf Anrathen ſeiner Freunden ge⸗ ſchahe es dennoch. Er ſetzte daſelbſt. wegen Kuͤrze der Zeit nur einige Bogen ſeiner inaugural Diſputation auf, welche handelte de Gloria Deiin pramul- G gatione —= No(27) ᷣ gatione legis finaiticæ, a blaſphemiis quorundum veræ Religionis hoſtium calumniis vindicara, die uͤbrige Bogen kamen hernach noch dazu. Er wurde alſo hier zu der hohen Würde eines Doctoris Theologiæ unter dem Decanat des Herrn Dr. Ribovs, der ein Programen de Decalogo Moſis bey dieſer Gelegenheit verfertigte, erwaͤhlet. Die drey Durchlauchtigſte Heſſi⸗ ſche Prinzen waren mit ihrem Hofſtaat bey dieſer Diſpuration ſelbſt gegen⸗ waͤrtig, denen auch deßwegen die Diſputation dediciret wurde. Hierauf reiſete er von Goͤttingen nach Rinteln ab, und wurde daſelbſt in das Con- fiſtorium Academicum introduciret und fieng den 20. Octobr. ſeine Vorle⸗ ſungen an, die aber durch eine, doch kurze Kranckheit etwas unterbrochen, aber bald wiederum fortgeſetzet wurden. Nachdem er den 20. Dec. ſeine Antrits⸗Rede de Præſtamia Religionis Evangelicæ e Pace religioſa, woa zu er durch ein Programma des Innhalts: Religionem Chriſtianam eſſe opti- mam contra ejus adverfarios einlud, ſo ſetzte er ſeine Arbeit unter dem Beyſtand GOttes munter fort. Wie verdient ſich unſer Seliger um die Academie zu Rinteln gemacht, beweiſen nicht nur der Beyfall den er in ſeinen Collegiis gehabt, ſondern auch die daſelbſt heraus gegebene Schrif⸗ ten, und die von ihm errichtete teutſche Geſellſchaft. Allein hier ſollte er nicht allein denen daſelbſt Suudirenden nuͤtzlich ſeyn, ſondern GOtt wollte ihn auch noch in dem Predigt⸗Amt gebrauchen Zu dem Ende geſchahe an ihn von Seiten eines hochloͤblichen Raths und Burgerſchaft, durch den zeitigen Herrn Burgermeiſter Leuterking der Antrag zum Predigt⸗Amt, an die Stelle des verſtorbenen Herrn Pfarrer Koͤnigs. Da unſerm Seligen dieſer Antrag ganz unerwartet kam, und er dabey eine ſtarcke innere Nei⸗ gung zu dem Amt eines Evangeliſchen Lehrers empfand, ſo ließ unter ernſt⸗ licher Anrufung zu GOtt, dem Herrn Burgermeiſter ſeine Entſchlieſſung dazu bekannt machen, wo denn auch einmuͤthig ihm dieſe Stelle uͤbertra⸗ gen und von dem Durchlauchtigſten Landesherrn gnaͤdigſt darinnen beſtaͤ⸗ tiget worden. Hierauf wurde er der Gemeinde am Sonntag Oculi von dem Herrn Superimendens D. Schwarz, wobey Herr Profeſſor Schweter die Predigt hielt, vorgeſtellet, und bielt Nachmittags uͤber das ordentliche 862 D 2 Evan⸗ E(28) ☛ Evangelium ſeine Antrits⸗Predigt. Solche wichtige Aemter wurden num unſerm ſeligen Herrn Senior in einer ſo kurzen Zeit nach einander, da er nur eben 30. Jahr alt war, anvertrauet. Mit welcher Munterheit des Geiſtes er auch daſelbſt ſein Amt verwaltet, ſind ſeine daſelbſt her⸗ aus gegebene Predigten, und die Liebe die ſeine geweſene Zuhoͤrer noch gegen ihn hegen, Beweiſe davon. Der Durchlauchtigſte Landesherr hatte ſelbſten ſo viele Gnade vor ihn, daß er vor Ihnen am Sonntag Re. miniſcere 1759. in dem Cabinet predigen mußte. Der Ruhm von ſeiner redlichen und rechtſchaffenen Geſinnung und gruͤndlichen Gelehrſamkeit; blieb aber nicht allein in Caſſel und Rinteln verborgen, ſondern es breitete ſich ſelbiger auch weiter aus. Hamburg welches ſo viele wuͤrdige Maͤn⸗ ner zum Dienſt des Evangelii beſitzt, richtete im Jahr 1761. ſein Au, genmerck auf ihn. Es kam unſer Seliger wircklich in die Wahl eines Haupt⸗ Predigers an die groſe Michaelis⸗Kirche, an die Stelle des um die Kirche GOttes ſo hoch verdienten Herrn Dr. und Senior Wagners. Es gefiel aber GOtt nicht ihn dahin zu ſenden, ſondern Franckfurt ſollte das Gluͤck haben dieſen rechtſchaffenen Mann zu ihrem Senior und erſten Prediger zu haben. Bey dem Abſterben, des um das Franckfurtiſche Zions unſterblich ſich ver⸗ dient gemachten Hrn. Dr. und Senioris FRESENII, waren ſogleich unſer nun erblaſter Herr Dr. Plitt in Erwegung gezogen. Der wuͤrckliche Ruf ergieng aber erſt an einige anſehnliche Lehrer unſerer Kirche, und da ſelbige es wich⸗ tiger Urſache halben nicht annahmen, ſo geſchah es nach einer neuen Wahl, daß er zu dem wichtigen Amt, eines hieſigen Senioris und erſten Predigers an der Haupt⸗Kirche, den 16. Febr. 1762. erwehlet wurde. Da unſer ſeliger Herr Senior aus Betrachtung aller Umſtaͤnden des söͤttlichen Willens uͤberzeugt wurde, ſo entchloß er ſich unter dem Beyſtand GOttes ihn anzunehmen. Deßwegen machte er ſolches ſeiner Hochfuͤrſtli⸗ chen Durchlaucht zu Heſſen⸗Caſſel bekannt, und bat um ſeine Erlaſſung, welche er auch in ſehr gnaͤdigen Ausdruͤcken erhielt. Er ſchickte ſich alſo zu ſeiner Abreiſe, hielt den 3. Dakeag uͤber das gewoͤhnliche Evangelium ſeine Abſchieds⸗ w(29) ℳ Abſchieds⸗Predigt, und kam alsdenn mit den Seinigen den 27. April gluͤck⸗ lich allhier an. Nachdem er allhier ein wenig ſich erhohlet, ſo that er am Sonntag Cantate bey einer ausnehmend zahlreichen Verſammlung, uͤber das gewoͤhnliche Evangelium Joh. 16, v. 5⸗ 15. ſeine Antrits⸗Predigt, und handelte darinnen: Von dem getroſten Muthe eines Evange⸗ liſchen Lehrers bey dem Antrit ſeines Amtes in einer groſſen Stadt, als eine herrliche Frucht des Hingangs Chriſti zu ſeinem Vater. Sein herzlicher Wunſch war laut ſeiner eigenen vorgeſchriebenen Worten: „Der barmherzige Heyland laſſe mich die himmliſchen Fruͤchten ſeines troͤſt⸗ „lichen Hingangs zu ſeinem Vater in Zeit und Ewigkeit genieſſen! Erſtaͤr⸗ „ſcke mich durch ſeine Gnade in meiner Schwachheit, damit ich das ſchwere „Amt welches er mir allhier anvertrauet hat, zur Verherrlichung des goͤttli, „chen Namens, zum Heyl vieler Seelen, und zu meiner eigenen Seligkeit, „ verwalten moͤge!“ Wie er hiermit die redliche Geſinnung und Abſicht ſeines Herzens genugſam zu erkennen giebt, ſo erhellet ſelbige auch aus der Predigt, die in dem Druck erſchienen ſelbſten. Mit allgemeinem Beyfall ward dieſe ſeine erſte Predigt aufgenommen. Und wie konnte dieſes bey den vor⸗ zuͤglichſten Gaben zum Lehr⸗Amt anders ſeyn? Selbſt ſein aͤuſeres Anſehen mußte die Gemuͤther ſchon vor ihn einnehmen. Seine wohlgebildete Geſtalt, ſtarcke Stimme, die er gar nicht anzugreifen noͤthig hatte, ſein ſlieſſender und deutlicher Vortrag, erworben ihm ſogleich alles Vertrauen. Der Haupt⸗ Inhalt ſeiner Predigten, welche er bey die eilf Jahre allhier gehalten, war IEſus der gekreutzigte, wie er uns von GOtt gemacht iſt zur Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erloͤſung. Die Sprache des Herzens welche er vielfaͤltig redete, hatte bey den Zuhoͤrern allen Ein⸗ gang. Geſchahe es auch daß er manchmal ſolche Wahrheiten vortrug wel⸗ che mehr die Erk nntniß als die Ausuͤbung betrafe, ſo ſuchte er ſie doch alle⸗ zeit erbaulich zu machen. Seine Gedancken waren, daß ein Prediger den ganzen Rath GOttes unſerer Seligkeit verkuͤndigen muͤſſe. Zu dem Ende predigte er in drey verſchiedenen Jahren uͤber die Evangeliſche Glaubens⸗ Sitten, und Troſt⸗Lehren, Geſchahe es dahero auch mehrmalen, daß er 8 3 derer ¹ N,(30) derer, die die naͤheren Offenbahrung GOttes in der Heil. Schrift verwer⸗ fen, gedachte, ſo kam es aus der redlichen Geſinnung dem ausgebreiteten Verderben zu ſteuren, und andere davor zu warnen, welches auch nicht ohne Nutzen blieb. Seinen Vortrag, worinnen er Geſetz und Evangelium mit einander verband, begleitete der Herr mit manchem Seegen. Manche ſichere Suͤnder wurden in ihrem Suͤnden⸗Dienſt beunruhiget, und wel⸗ che der bekehrenden Gnade nicht Hindernuͤſſe in den Weg legten, wurden errettet. Denen Heuchleriſchen und Eigengerechten, entdeckte er ihren Be⸗ trug und ſuchte ſie zur wahren Buſe zu bewegen. Den Traurigen und Bekuͤmmerten redete er freundlich und hertzlich zu, ſo daß er ihnen die Liebe GOttes in Chriſto JEſu vor die Augen mahlte. Schenckte ihm GOtt manchmal die freudige Erfahrung, daß eine Seele errettet oder geſtaͤrcket wurde, ſo bewegte ihn dieſes zur ausnehmenden Ermunterung und Ver⸗ gnuͤgen. Die Sache ſeines Heylandes lag ihm an dem Herzen und denen, welche ihn ſuchten, war er gewiß mit Liebe zugethan. Suchte man ihm ein unrichtiges Bild von ſolchen zu machen, oder wohl gar ihrer Gottſelig⸗ keit hinderlich zu ſeyn, ſo war er gewiß dagegen und nahm ſich ihrer an. Sein Haus und Herz ſtunde denen die ſeines naͤheren Raths und Beyſtan⸗ des bedurften, offen. Sein zaͤrtliches und weiches Gefuͤhle, gerieth bey dem geiſtlichen und leiblichen Elend ſeines Naͤchſten gar bald in Bewegung, und ließ ſolche nicht ohne Huͤlfe und Troſt von ſich. Mußte er auch bey dem Bekaͤnntniß JEſu und Widerſtand gegen das Boͤſe, manche Leiden und Widerwaͤrtigkeiten erfahren, ſo folgte er der Regul ſeines Heylandes: ver⸗ geltet nicht Boͤſes mit Boͤſem. Sein Herz war viel zu zaͤrtlich und von der Religion JEſu zu ſehr belebet, als daß er nicht ſeine Feinde haͤtte ſeeg⸗ nen und fuͤr ſie beten ſollen. In ſeinem Umgang hatte er etwas angenehmes leutſeliges und munteres, welches ihm daher die Liebe der hieſigen Einwoh⸗ ner zuzog. Mit einer ſolchen redlichen Geſinnung verwaltete unſer Seliger ſein Amt. Hierzu dienete ihm aber ſeine ausgebreitete Gelehrſamkeit uͤber die Maaßen. Wer ſeine heraus gegebene Schriften geleſen, wird mit uns behaupten, daß er einer der angeſehenſten Theologen unſerer Zeit geweſen. In nnd der n tesge unert den, dener Sch um ſſ beſſer des. vieln Betr ten ſ nuͤtzl ins4 rung für, zup ffen Lenie lenhe gar vnei hent unſe ſpät Ber tun niß Str lui V(31) In den Abend⸗ und Morgenlaͤndiſche Sprachen war er wohl bewandert, der neuen Philoſophie war er ganz maͤchtig und in allen Theilen der Got⸗ tesgelahrtheit hatte er eine gruͤndliche und weitlaͤuftige Einſicht. Sein unermuͤdeter und wuͤrckſamer Geiſt ermunterten ihn ſtets, diejenige Stun⸗ den, welche ihm von ſeinem ſchweren und wichtigen Amt uͤbrig blieben, denen Wiſſenſchaften zu widmen, und keine Zeit zu verſaͤumen, auch durch Schriften der Welt nuͤtzlich zu ſeyn. Er war aber weit von derjenigen um ſich greifenden und herrſchenden Gewohnheit entfernt unter dem Schein, beſſere und gemeinnuͤtzigere Wahrheiten zu erfinden, welche von dem Wort des HEern ſo ſehr entfernet ſind, ſich einen Ruhm zu erwerben. Er hielt vielmehr genau uͤber dem Wort der Wahrheit und betrachtete es mit vieler Betruͤbniß, daß ſo viele angeſehene Gottesgelehrten die heilſame Wahrhei⸗ ten ſo ſehr verlaſſen und dem Weg der Gottſeligkeit mehr hinderlich als nuͤtzlich ſind. Sein Herz empfande deßwegen manche Unruhe wenn er ins Kuͤnftige hinaus ſahe, und die ſchaͤdliche Folgen einer ſolchen Neue⸗ rungsſucht ſich verſtellte. Er warnete daher oͤffentlich und insgeheim da⸗ fuͤr, und ſuchte die Liebe zur Wahrheit und nicht die Neuerungsſucht ins Herz zu praͤgen. Das wichtige allhieſige Seniorat hatte alſo an ihm den wuͤrdig⸗ ſten Mann, der auch nothwendig darzu erfordert wird. Denn der allhieſige Senior hat von je her den groͤſten Anſpruch bey ſo mannigfaltigen Vorfal⸗ lenheiten die in das geiſtliche Amt einſchlagen. Auch von auſſen wird er gar haͤufig um ſeine Einſicht und Rath⸗ erſuchet. Liebe, Gedult, Treue, uneigennuͤtzige Abſi ichten und Standhaftigkeit, werden bey ſo vielen Bege⸗ benheiten in einem hohen Grad erfordert. Bey allem dieſem zeigte ſich unſer ſeliger Herr Dr. Plitt alſo, daß ſein Andencken bey uns bis in die ſpäͤteſten Zeiten dauren wird Der HErr gebe nur, daß nie ſeine treue Bemuͤhungen bey uns unfruchtbar ſeyn moͤgen, ſondern die treue Verwal⸗ tung ſeines Amtes noch nach ſeinem Abſterben, viele zur lebendigen Erkennt⸗ niß IEſu bringen moͤgte; Sein ernſtliches Ermahnen, Bitren, Warnen, Strafen, muͤſſe ſtets im Gedaͤchtniß derer, die ihn gehoͤret, eingepraͤgt bleiben, damit ſie an jenem groſſen Tag nicht doppelte ſchwere Strafe der Ver⸗ (32) Mℳe Berachtung des goͤttlichen Willens empfinden moͤgen. So wie wir ihn nun bishero als einen redlichen Knecht GOttes haben kennen lernen, ſo war er auch gegen die Seinigen, der beſte Ehegatte und Vater. Seine zaͤttliche Liebe gegen dieſelbe gieng aber doch nie ſo weit, daß er daruͤber ſollte verg ſſin haben, ſie jederzeit zu GOtt zu leiten und auf deſſen Willen und Fuͤhrung aufmerkſam zu machen. Es verurſachte ihm daher tiefe Wunde, daß eine ziemliche Zahl, worunter zwey Erwachſene waren, durch den Todt ihm entriſſen wurden. Die mancherley Kranckheiten ſei⸗ ner liebſten Gehuͤlfin und Kinder ſetzten oft ſein Gemuͤth in Unruhe, doch richtete er ſich allezeit durch das Wort des HErrn wieder auf, und mußte ihm nur zum Beſten dienen. Aber ein hoͤchſt trauriger Zufall der ſeinem noch jetzt lebenden und in betruͤbten Umſtaͤnden ſich befindenten Herrn Sohn begegnete, verwundete ſein Herz noch aufs allerempfindlichſte. Ein ungluͤcklicher Fall auf einer Rei⸗ ſe, da er von Goͤttingen aus ſeine Anverwandte beſuchte, brachte ihn in die aͤuſerſte Verlegenheit. Sein Herr Sohn wurde zwar wiederum herge⸗ ſtellet daß er die Collegia wieder beſuchen konnte, und eben da man glaub⸗ te er wuͤrde nun geneſen ſeyn, ſo wurde er aufs neue von einer Kranckheit uͤberfallen, wo er ſtets in einem tiefen Schlaf lag. Nach allen angewand⸗ ten Mitteln zur Geneſung, welche aber doch nicht fruchten wollten, hielt man es fuͤrs dienlichſte, daß er bey den Seinigen zur Verpflegung am beſten auf⸗ gehoben ſeyn moͤgte. Nachdem das vaͤterliche Herz lang genug in Furcht und Hofnung geſchwebet, ſo entſchloß er ſich denſelben mit ſeiner theure⸗ ſten Gehuͤlfin abzuholen und nach Haus zu bringen. Es kam unſer Seli⸗ ger Herr Senior gluͤcklich in Goͤttingen an, hielt ſich daſelbſt ſehr kurz auf, wurde aber nach dem eigenhaͤndigen Bericht des Herrn Dr. und Hof⸗Rath Burggrafe daſelbſt von einem ſtarcken Catarr auf der Bruſt befallen. Da alle Saͤfte durch den auſſerordentlichen trockenen und rauhen Merz verdi⸗ cket waren.„Dieſer Catarr war am 30ten Merz als am Tage der Ruͤck⸗ „Reiſe nicht allein noch nicht vergangen, ſondern wurde vielmehr noch n ſiarcker, —— —y—— No(33) ₰r „ ſtaͤrcker, welches die Lunge dergeſtalt preſte und den Athem beklemmte, „ daß er unterwegens zu zweymalen Aderlaſſen mußte, um Luft zu be⸗ „kommen und ſo kam er Samſttag den 3ten April hier an. Er ließ den „folgenden Tag ſeinen gewohnten Herrn Medicum zu ſich rufen, welcher „ihm mit aufloͤſenden und abfuͤhrenden Arzney⸗Mitteln und nochmahli⸗ „ger Aderlaſſe beyſtunde. Weil aber das Blut ſehr dick war und eine „ſchleimigte Cruſt hatte, und der Athem immer beſchwerlicher wurde, ſo „ wiederholte man die Aderlaſſe am 5ten Merz noch zu zweymahlen, ja „am gemeldeten 5ten Merz Nachmittags noͤthigte der Selige Herr Do- ctor den Anweſenden Chirurgum noch einmal eine Ader zu oͤffnen, weil ihm allemal auf die Aderlaſſe etwas leichter geworden. Allein der Ca⸗ tarrhoͤſe zaͤhe Schleim war auf der Ruͤck⸗Reiſe allzu tief in die Druͤſe der Luft-Roͤhren und aushauchenden Adern der Lunge eingezwaͤngt, daß er keinen Ausgang finden konnte, ſondern die dazwiſchen liegenden Adern und Luft⸗Bloͤsgen zuſammen druͤckte und eine Peripnevmoniam pituitoſam& catarrhoſam dergeſtalt erweckte, daß der Patient nicht „anders als mit der groͤſten Bemuͤhung und ſitzend, mit in die Hoͤhe ge⸗ „ſtrecktem Hals Athem hohlen konnte, welches ein ploͤtzliches Lebens⸗ „ Ende drohete, welches auch des Abends um 6. Uhr erfolget iſt.„ So ſchnell und unerwartend war das Ende unſeres ſeligen Herrn Seniors. Er war ſonſten von der geſundeſten Leibes⸗Beſchaffenheit und daß man haͤtte glauben ſollen, er wuͤrde noch ein lange Reihe von Jahren unſerm Evan⸗ geliſchen Zion vorſtehen. Allein der HErr rief ihn gar bald aus dem Wein⸗ berg um ihm den Lohn zu geben. Dasjenige was man bey ſeinem ſo ſchnel⸗ len Ende noch wahrnahm, bezeigen die gottſelige Geſinnungen und Beſchaf⸗ fenheit ſeines Herzens. Diejenigen die kurze Zeit vor ſeinem ſchnellen Hin⸗ tritt um ihn waren, koͤnnen nicht genugſam ſeine ſchoͤne Faſſung des Her⸗ zens mit wehmuͤthigſter Empfindung ausdruͤcken. Voͤllig uͤberzeugt von der Gnade ſeines GOttes in Chriſto IEſu, genoß er die ſeligſte Ruhe und Frieden in ſeinem Herzen. Keine traurige Gedancken beunruhigten ſeine in JeEſu Gerechtigkeit eingehuͤllete Seele. Da es eben die Char⸗Woche war E in 71 / It 2 1/ 71 7/ (34) c-E*. in welcher unſer Seliger ſein Leben nach dem unerforſchlichen Rath GOt⸗ tes endigen ſollte, ſo gab ihm dieſe die herrlichſte Errinnerung ſeines fuͤr ihn gecreutzigten Heylandes JEſu. Das Andencken an deſſen Leiden war die Erquickung ſeiner Seele ohne Unterlaß. So manche ſchoͤne Spruͤche von dieſem leidenden Heyland, waren die Staͤrckung fuͤr ſein Herz. Baͤtend brachte er die letzte Nacht hinzu, ſo daß man es nicht allein wahrnehmen konnte, ſondern auch oͤfters laut von ihm hoͤrete. Die kernhafteſte Ver⸗ ſe aus unſern Evangeliſchen Lieder gaben unſerm erblaſten ausnehmenden Troſt und Beruhigung. Alles dieſes machte daß nicht die geringſte Furcht des Todes bey ihm aufkommen konnte. Sahe er freylich eine weinende Gehuͤlſin, und acht meiſtentheils unerzogene Kinder um ſich, ſo wuͤnſchte er wohl noch einige Zeit bey ihnen zu ſeyn, doch unterwarf er ſich mit der groͤſten Befriedung dem Willen ſeines GOttes. Ganz gewiß daß GOtt ihre Huͤlfe und Beyſtand ſeyn wuͤrde, ſagte er als er ſeinen herannahenden Tod fuͤhlete, zu verſchiedenen mahlen: Ich ſterbe und GOtt wird mit euch ſeyn. In ſolchem Vertrauen ſahe er ſeinem Tod entgegen. Dieſes Ver⸗ trauen ſeines Knechtes hat der HErr auch ſchon wuͤrcklich da wir dieſes Schreiben, reichlich belohnet und erfüͤllet. Gleich nach ſeinem Tod aͤu⸗ ſerte ſich die Liebe vieler unſerer Einwohner aufs offenbahrſte. Unſere Stadt die ſchon laͤngſt wegen denen vielen redlich und guͤtig gefinnten Einwohner beruͤhmt iſt, hat ſich gewiß durch eine neue Probe von edler Denckungs⸗ Art vor andern bezeichnet. Viele ſeiner anvertrauten Gemeinde und ſon⸗ ſtige Freunde entſchloſſen ſich ſogleich auf eine thaͤtige Weiſe eine ſo em⸗ pfindlich geruͤhrte Wittwe und Wayſen zu unterſtuͤtzen und alles anzuwenden um einen ſolchen ſchmertzhaften Verluſt auf die moͤlichſte Art zu erleichtern. Auf viele Jahre iſt fuͤr die Hinterlaſſenen auf die ruͤhmlichſte Art geſorget, und ein Denckmahl von der Liebe gegen den ſelig Verſtorbenen ge⸗ ſtiftet. Der HErr wird ſelhſ der Vergelter ſolcher wohlmeynenden Geſin⸗ nung ſeyn. Doch ᷣᷣ N”,(35) ☛ Doch wir wollen noch unſern Herrn Senior in dem letzten Augenblick ſeines Todtes bemercken. Je naͤher er ſeinem Ende nahete je feſter hielt er ſich an ſeinen gecreutzigten Erloͤſer. Als er kaum noch einige Augenblicken zu leben hatte, rief ihm ein Freund zu. Halt im Gedaͤchtniß JEſum Chri⸗ ſtum. Er ſetzte die Worte und ſprach der fuͤr mich gecreutziget worden und mich mit GOtt verſoͤhnet hat. Und auf die Worte ich habe einen guten Kampf gekämpfet, ich habe Glauben gehalten, antwortete ſein ſter⸗ bende? Mund hinfort iſt mir bey geleget die Crone des Lebens, welche der HErr der gerechte Richter mir geben wird und mit demſelben uͤbergab er ſeinen abſcheidenten Geiſt den Haͤnden ſeines geliebten Heylandes. So ſtarb alſo ein Mann, der ein Freund IEſu Chriſti geweſen. Deſſen Haupt⸗Eigenſchaft Liebe war. Der mit der gruͤndlichſten Gelehrſammkeit eine ungeheuchelte Gottſeligkeit verband. Der ſein Amt als ein treuer Knecht verwaltete. Deſſen Stimme Worte des Lebens verkuͤndigte und deſſen Mund Wahrheit lehrete. Franckfurts Thraͤnen ſind gerecht und ſein Schmertz der bey ſeinem Tod aus allen Blicken hervor leuchtete, iſt untoͤd⸗ lich. Lange muͤſſe ſein Andencken bey uns im Seegen bleiben und unſer Ende muͤſſe ſeyn wie das Ende der Gerechten. Er hat ſein Leben in dieſer muͤhſeligen Welt gebracht auf 46. Jahr 1. Monat und 9. Tage. Trwe= „Nii rlfaishifimniiaun fInid 1 Gninnlennt, E 2 Kurtze (36) ℳ Kurze Nachrieht von des Seligen heraus gegebenen Schriften. 1) Rettung einiger Erklaͤrung und Beweiſe der Metaphyſic wider Gottfried Struenſee. Halle 1746. 4. 2) Meditationes Philoſophicæ de vita cognitionis ab ejus claritate, veritate ac certitudine non neceſſario pendente 1747. 4⸗ 3) De eo quod Juris Naturæ eſt circa gradus prohibitos, eorumque diſpenſa- tionem. Marburg 1748. 4. Bey Annehmung des gradus Magiſterii. 4) Biweiß, daß in dieſer als der beſten Welt eine Auferſtehung der Todten zukuͤnftig ſey. 1748. 4. 5) Commentatio Philoſophica, de uſu principii rationati& mutationis centium contingentium in Theologia& jurisprudentia naturali. 1748. 4. 6) Pruͤfung der Gruͤnde womit der Herr Profeſſor Meier die Vernunft der Thiere erweiſen will. Caſſel 1749. 7) Vernunft und ſchriftmaͤſige Gedancken von dem Urſprung der ſo groſſen Menge Waſſers bey der Saͤndfluth nach Anleitung der Worte Gen. 7, I1. In das Heſſiſche Hebopfer zu Gieſſen eingeruͤckt. 1750. 8) Beweiß, daß eine ſchriftliche auf verſchiedene Art abgefaßte goͤttliche Offen⸗ bahrung bey denen gegenwaͤrtigen Umſtaͤnden der Menſchen die Beſte ſeye. Caſſel 1750 2 9) Beweiß, daß die Kinder⸗Taufe in der Heil. Schrift befohlen und in der erſten Chriſtlichen Kirche uͤblich geweſen ſey. Hamburg 1751. 10) Abhandlung von den Feſt⸗Tagen der Chriſten. Im 48. Stuͤck des Heſſi⸗ ſchen Hebopfers. 1751. 11) Vernunft und ſchriftmaͤſige Gedancken uͤber diejenige Menſchen, welche bald nach ihrem Tode wieder auferſtanden, und groͤſtentheils zweymal geſtorben ſind. Marburg 1752. 12) Specimen Oneirologiæ. Marburg 1752. 13) Betrachtung uͤber die Urſachen, warum IEſus Chriſtus die Betrachtung etlicher von ihm errichteten Wunderwercke auf einige Zeit verboten hat. Im 50. Stuͤck des Heſſiſchen Hebopfers. 1752. 14) Reden uͤber wichtige Wahrheiten des Glaubens und der Gottſeligkeit. Marburg 1752. 15) Beantwortung einiger Fragen, bey Gelegenheit der Abhandlung von den zweymal verſtorbenen. In dem ſiebenten Beytrag des Brem⸗ und Verdi⸗ ſchen Hebopfers. 1753. 16) Die Weißheit und Guͤte GOttes bey dem langen Leben der Menſchen vor der Suͤndfluth, und deſſen Abkuͤrtzung nach derſelben. Caſſel 17353. 17) Anton de, wOEN een NWS NA NSe — b b 33 34 (37) 17) Anton Hornecks Abhandlung von der Ueberlegung, der zu einem gottſeligen Wandel erfordert wird, aus dem Engliſchen uͤberſetzt von Fr. W. Schloſſer, heraus gegeben mit Anmerckungen. 1753. 18) Rettung der Ehre GOttes bey der Zurechnung des Suünden⸗Falls unſerer Voreltern wider die Feinde der Chriſtlichen Religion. Hamburg 1754. 19) Betrachtung von den Vortheilen der uͤbrigen Planeten Einwohner aus dem Mittler⸗Amt IEſu Chriſti. Im 4. Stuͤck des Nimburgiſchen Theologen. Heraus gegeben unter dem Namen Phyſilophilus. 20) Antwort auf dem im 22. Stuͤck vorkommenden Brief an den Phyſilophil 30. Stuͤck dieſer geiſtlichen Wochenſchrift. 21) Abhandlung von den goͤttlichen Abſichten bey der 40 jährigen Reiſe der Ifraeliten durch die Wuͤſten Canaan. Caſſel 1755. 22) De Gloria Dei in promulgatione legis Sinaiticæ a Blaſphemiis quorundam veræ religionis hoſtium calumniis vindicata. 23) Programma invitans ad orat. inaugural. optima. Kintelii 1755. 24) Difſertatio Theol. de nexu inter bonitatem Dei infinitam& juſtitiam ejus punitivam arctiſſimo. Rintelii 1756- 25) Betrachtung von der Weißheit GOttes bey der Dultung verſchiedenen Partheyen in der Chriſtlichen Religion⸗ Im 20. Stuͤck des Nimburgiſchen Theologen. 1756. 26) Betrachtung von den neuen Vortheilen der ͤbrigen Planeten⸗Bewohner aus JEſu Erloͤſungs⸗Werck. Im 28. Stuͤck des Nimburgiſchen Theolo⸗ gen. 1756. 22) Beweiß, daß die Menſchen durch JEſu Erloͤſungs⸗Werck eine groͤſſere Gluͤckſeligkeit erlangen koͤnnten, als in dem Stande der Unſchuld wuͤrde moͤglich geweſen feyn. Im 29. Stuͤck des Nimburgiſchen Theologen. 1757- 28) Betrachtung uͤber die Weißheit GOttes bey den Sprachen der Menſchen und ihrer Verſchiedenheit, nebſt einer Anzeige wie es mit der zu Rinteln aufzurichteten deutſchen Geſellſchaft gehalten werden ſoll. 1756. 29) Beurtheilung des Beweiſes von der Wahrheit der Chriſtlichen Religion, die aus ihrer ſtarcken Ausbreitung und wunderbaren Erhaltung genommen wird. Rinteln 1757. 30) Der unſchaͤtzbare Werth der Menſchlichen Seele als ein kraͤftiger Bewe⸗ gungs⸗Grund zur redlichen Verwaltung des Evangeliſchen Predigt⸗Amtes⸗ Antrits⸗Predigt zu Rinteln. 1757. 31) Vier Predigten von der Wiedergeburt uͤber das Evangelium am Sonntag Oculi. Caſſel 1757- 32) Buß⸗ Predigt uͤber Amos 4, 6⸗13 von der rechten Zubereitung der Menſchen ihrem GOtt in wahrer Buſe zu begegnen, wenn er Gerechligkeid und Güte oſſenbahret in den gehäuften Straf⸗Gerſchten. Rinteln 1758. 33) Hiſtoriſch⸗ Moraliſche Abhandlung von der Augſpurgiſchen Confeſſion. Rinteln 1758. 34) Kurtze Wiedetholung der 1757. und 1758. in Predigten vorgetragenen Haupt⸗Wahrheiten. ſ. t. quod religio Chriſtiana ſit E 3 35) Dif V(38) M* 35) Diſputatio de vero conceptu Cæremoniæ Religionis. Rintelii 1759. 36) Abhandlung von den falſchen und wahren Vortheile des Krieges in der beſten Welt. Rinteln 1759. 37) Rede auf den Tod des ſeel. Herrn Dr. Wolffhardts, von der geſegneten Verbindung der Gottesgelahrſamkeit mit der Rechtsgelahrſamkeit. Rinteln 1759. 38) Predigt von den Eigenſchaften eines Chriſtlichen Heldens bey dem Verzug goͤttlicher Huͤlfe. Rinteln 1759. 39) Diſputatio Hiſt. Theol. de teſtimoniis patrum pro Baptiſmo infantum. Rintelii 1760. 4⁰) Das unveranderte Augſpurgiſche Glaubens⸗Bekenntniß mit einer Vorrede begleitet. 1761.* 41) Diſertatio exegetica ad Gen. IV, 13. de pœnitentia Caini. Rintelii 1761. 4²2) Rinteliſche Abſchieds⸗ und Franckfurtiſche Antrits⸗Predigt. 1762. 43) Theologiſche Unterſuchung, angefangen 1763. bis jetzo ſind heraus gekom⸗ men 3 Baͤnde. 44) Der Chriſt ohne Sorgen. Zwey Predigten. Franckfurt 1762. 45) Friedens⸗Predigt uͤber Jeremia 33, 6⸗9. Franckfurt 1763. 46) wwoſf redigten von der Furtrefflichkeit der Chriſtlichen Religion. Franck⸗ urt 1763. 42) Wahl⸗ und Croͤnungs⸗ Predigten Franckfurt 1764. 48) Predigt, gehalten in der erneuerten Armen⸗Haus⸗Kirche. Franckfurt 1764. 49) Beweiß, daß die Lehre der Evangeliſchen Kirche von dem Heil. Abendmahl die rechte und wahre ſey. Franckfurt 1764. 5⁰) Rede bey der Taufe eines Separatiſten. Franckfurt 1765. 51) Predigt, gehalten in der erneuerten Weisfrauen⸗Kirche. Franckfurt 1765. 52) Trauer⸗Rede auf den Todt des Kayſers Franciſci. Franckfurt 1765. 53) Trauer⸗ und Gedaͤchtniß⸗Rede uͤber Offenbahrung Joh. 3, 6. auf die Kayſerin Joſepha. 54) Paſtoral⸗Theologie. Franckfurt 1767. 55) Drey Paſtoral⸗Schreiben an ſeine liebe Gemeinde. Franckfurt 1765. 1766. 1767. 56) Unterricht fuͤr die Confirmanden. Franckfurt 1768. 57) Anzeige eines im Seminario Theologico zu haltenden Exeget. Colleg. Franckfurt 1771. 58) Kurtze Wiederholung der uͤber die Evangeliſche Troſt⸗ Lehre gehaltenen Predigten, nebſt einer Vorrede. 2 V(39) ☛ S Edis F Epe ie R E pee Kd s eeeke welche von Verehrern und Freunden, wie auch von des Seligen hinterlaſſenen Familie und Anverwandten beygefuͤget worden. We ploͤtzlich iſt er uns entruͤckt Der theure Plitt! ach Zion weine! Vom Hörrn mit Licht und Recht geſchmuͤckt, Ein treuer Lehrer der Gemeine. Mit uns in feſtem Eintrachts⸗Band Verbunden, durch des Hoͤchſten Hand O wuͤrdig Haupt! das wir beklagen. Zu fruͤh kehrſt du ins Todes Staub, Zu fruͤh wirſt du des Moders Raub, Zu fruͤh wirſt du zu Grab getragen. Jedoch wer mag der Schickung Schluß, Wer darf der Vorſicht Wege meiſtern? Hier ſtrauchelt unſer ſchwacher Fuß, Es mangelt Kenntniß unſern Geiſtern. O wun⸗ - , 40) ℳ O wunderbarer, weiſer Rath! O Meer das keine Grenzen hat! Darauf kein Fußſteig iſt zu finden. Es iſt vor die Vernunft zu ſchwer, Das ohnabſehlich groſſe Heer Der Wege GOttes zu ergruͤnden. Vom HErrn allein iſt es geſchehn, Der dich wie Henoch weggenommen: Einſt werden wir dich wieder ſehn, Wenn wir auch zu der Ruhe kommen: Wenn wir das Kleid der Sterblichkeit Ablegen, und nach kurtzer Zeit An jenem Orte angelangen; Wo itt ſchon dein erloͤſter Geiſt GOTT ohnaufhoͤrlich lobt und preiſt, Dahin du biſt voran gegangen. Dein Hintritt macht uns herben Schmertz, Dein Abſchied hat uns hoch betruͤbet; Gar tief gebeugt iſt unſer Herz Die wir wie Bruͤder dich geliebet. Es ſeufzt um dich ſo Stadt als Land, Und wo dein Name nur bekannt, Da wird dein fruͤher Tod beweinet: Die Kirche GOttes nah und fern Beklagts, daß dieſer helle Stern Nicht mehr am Kirchen Himmel ſcheinet. Dein Dein C(4r) MR Dein Vortrag voller Gruͤndlichkeit In deinen Predigten und Schriften, Die werden dir noch lange Zeit Ein unzerſtoͤrlich Denckmahl ſtiften. Dein Umgang voller Freundlichkeit, Und deine Herzens Redlichkeit, Die werden uns ſtets ſchaͤtzbar bleiben; Der Ruhm den dir die Wahrheit giebt, Die du zu jeder Zeit geliebt, Den wird die Zeit niemals verſtaͤuben. Nur Chriſtum und das groſe Heyl, Das er ſo theuer uns erworben; Und wie man dran nimmt glaubig Theil, Den Mittler der fuͤr uns geſtorben, Den ſuchteſt du im alten Bund, Wie ihn da der Propheten Mund Bezeichnet, an ſehr vielen Orten: Den wahren GOtt und Menſchen Sohn, Selbſt Prieſter, Opfer, Gnaden⸗Thron, Durch den wir GOtt verſoͤhnet worden: Dieß warſt du jtzo im Begriff Den Seelen deutlich zu erklaͤren, Da dich dein HErr von hinnen rief Zu den vollkommnen Geiſter⸗Choͤren: Um das was man hier aus dem Wort Erkennt, an jenem Freuden⸗Ort Ohn alle Huͤlle zu erblicken. Wo er als unſer Oberhirt Dich nun vor ſeinem Throne wird In alle Ewigkeit erquicken. Genieſſe ((42)) ☛ Genieſſe denn der Seeligkeit, Die allerreinſte Himmels Freuden; 3 Entfernt vom Wechſel dieſer Zeit, u 85 Entfernt von allem Gram und Leiden. Vollendet iſt dein muntrer Lauf, Dein Geiſt hoch ſich zu GOtt hinauf Zu ſeinem Thron nunmehr geſchwungen. 3 Dein guter Kampf der iſt gekaͤmpft, 2 Der letzte Feind iſt auch gedaͤmpft, Das Kleinod iſt begluͤckt errungen. Du aber tief gebeugtes Haus Du weineſt jtzt gerechte Thraͤnen, Doch halte in Gedult nur aus Der Hrr erhoͤrt dein aͤngſtlich Stoͤhnen: Er deſſen Herz vor Liebe brennt, Der ſich der Wittwen Helfer nennt, Den Vater unerzogner Wayſen; Wird auch an dir ſein wahres Wort Erfuͤllen, daß ihr hier und dort Ihm werdet dancken, loben, preiſſen. Dieſes traurige Denckmahl der vollkommenſten Hochachtung gegen ſeinen nunmehr ſeligen Hrn Seniorem ſiiftete Das allhieſige Evangeliſche Miniſterium. — So ſchon der theure Plitt erblaſſen? O! welch ein trauriges Geſchick; Der Ruf zeigts an, und auf den Straſſen Erſcheint ein Jammer voller Blick:. 4 Betaͤuht 6 Betaͤubt ſind alle unſre Sinnen, BN,(43) Man ſiehet heiſe Thraͤnen rinnen, Sein Leben war uns ein Gewinn! Beklemmte Bruſt! O herbe Schmertzen? Er war ein Mann nach GOttes Herzen⸗ Wo iſt er nun? Er iſt dahin. *. 8 So flieſſet denn gerechte Zaͤhren, Da Plittens Tage ſind entflohn; Sein Mund der uns die ſuͤſſen Lehres Der Wahrheit der Religion Geprediget auf dieſer Erden, 8 Soll der ſchon jetzt geſchloſſen werden? Wird Er ſo bald von uns getrennet? Baumgarten, Mosheim, Plitt, O Namen! Euch nenn entfernter Enckel Saamen Und beuge ſich, wenn er euch nennt. 5*,* Du laͤchelſt uns nicht mehr entgegen, O Plitt! nicht mehr in unſre Bruſt, Der Warheit Schätze einzupraͤgen Zu deines GOttes Preiß und Luſt. Der ſanften Blicke, Guͤt und Milde, Die Redlichkeit in deinem Bilde Auch Weißheit leuchtete aus dir; Der Tugend williger Vertreter, Fuͤr Franckfurt Kraft erfuͤllter Beter, Ach alles, alles ſtirht mit dir. F 2 o(44) ☛☚ Du Grab das ſein Gebein umſchlieſſet, O ſey du uns ein heilig Grab; Wie Thau auf Hermon ſich ergieſſet, Fließt ſanfte Thraͤnen drauf herab. Den theuren Leichnam zu bewahren Steht auch vielleicht von GOttes Schaaren, LEin unſichtbarer Waͤchter dd. Der ſehe wie wir um ihn weinen, Und wird einſt GOttes Tag erſcheinen, So ſag ers dort was hier geſchah. *½* 5 4 Indeß ſoll Dein Gedaͤchtnuͤß gruͤnen, In meinem Herzen jederzeit; Der Freundſchaft Blick in deinen Minen, Das Bild von deiner Redlichkeit, Wird mir ſtets vor den Augen ſchweben Du warſt mir hier in deinem Leben Ein vaͤterlich geſinnter Freund. Nun ruheſt du in deiner Kammer, Befreyt von allem Schmerz und Jammer, Biß uns froh! jener Tag vereint, Aus wahrer Hochachtung gegen den Wohlſeeligen Herrn Seniorem fuͤgte dieſes mit bey. Johann Carl Zeitmann Evangeliſcher Prediger allhier⸗ Ruh, «A”,(45) MA Rud, o ruh, erhabner Geiſt, Wo im Lauf der Seligkeiten Dich, auf uns unſtimmbarn Salten Froher Himmel Beyfall preißt! Klaͤglich ſenden wir Dir Zaͤhren, Treuſter Wehmuth Opfer, zu, Und Dein Ruhm ſoll ewig währen, Ewig, ſo wie Deine Ruh!. - von Creutz. 2 9 R iſt nicht mehr! der Hirt auf unſern Auen! Fließt, Thraͤnen! fließt, Er iſt nicht mehr; Mein Herz fuͤr Ihn, voll Achtung, voll Vertrauen⸗ Seufzt leer von Troſt: Er iſt nicht mehr! ER. iſt nicht mehr! der zaͤrtlich treue Gatte, Der Gattin Luſt, Ihr Stolz, Ihr Gluͤck; Der zaͤrtlich Sie, wie Sie geliebt Ihn hatte, Den haͤlt der Tod zum Raub zuruͤck. Wo iſt Er? ſchreyt dem Vater bang entgegen Der Kinder Chor; der Unſchuld frommer Blick Sieht Ihn nicht mehr, doch Seinen letzten Seegen Bringt ihm die Mutter noch zuruͤck, ER iſt nicht mehr! wird voll Empfindung ſagen, Wer Seinen Geiſt, Verdienſt und Herz gekannt; Man hoͤrt um Ihn laut die Gemeinde klagen, Fuͤr die Sein Eifer ſtets gebrannt⸗ Fueßt, Thraͤnen! fließt, wir haben viel verlohren, Der holde Lehrer iſt nicht mehr!— 5 3 Doch 45) Doch— welch ein Ton dringt mir in Herz und Ohren. Dringt Himmliſch ſanft in mein Gehoͤr?— „ Die GOttesfurcht, die Tugend kann nicht ſterben; „Er lebet noch, um den ihr aͤngſtlich weint; „, Er ſollte bald den Lohn des Guten erben, „Das Er in Sriner Bruſt vereint. ℳ En lebet noch! drum ſtille Deine Schmerzen, Geehrte Wirtwel weine nicht:! Er lebt bey GOTT, Er lebt in unſern Herzen, Einſt zeigt Ihn Dir ein ewig Licht. Daack, daß Du nun den Pfaͤndern Eurer Liebe Zu leben doppelt ſchuldig biſt; Du lenckſt durch Lehr und Beyſpiel ihre Triebe Hin, wo der tbeure Vater iſt. Un ſichtbar ſchwebt, als Zeuge Deiner Treue, Nebſt Engeln, der verklaͤrte Geiſt Um Dich, und denck! wie Engliſch Er ſich freue, Wenn Deine Zucht ſich kraͤftig weißt. Mach Du es Licht, o GOTTl in Ihrer Seelen, Sprech in Ihr muͤdes Herze Ruh! Die Jahre, die des Selgen Alter fehlen, Zaͤhl Ihr an frohen Jahren zu. Hierdurch wollte ein Denckmal der Liebe und ſeiner beſondern Hochachtung gegen den Wohlſeeligen und deſſen leidtragende Angehoͤrige aufrichten⸗ Johann Jacob Gottlieb Scherbius des Löbl. Gymnaſũ Pro-Rector und der öͤffentlichen Lateiniſchen Geſellſchaft zu Jena ordentliches— Mieglied. 4. B. Nach V(42)+☛ & 5 4. B. Moſ. 4. Vers 29. Und da die ganze Gezmneine ſahe daß Aaron dahin war, be⸗ weineten ſie ihn dreyſig Tage, das ganze Haus Iſrael⸗ Wa plirs ſchon in das düſtre Grab verſencket; Wie? oder taͤuſchet uns der Ruf. War er uns nur ſo kurze Zeit geſchencket?. Den GOtt der Welt zum Wohl erſchuf. Muß Er der theure Mann ſo fruͤh erblaſſen? Liegt Er ſchon in des Todes Staub? Soll Er ſo bald uns wiederum verlaſſen 7 Wird Er ſchon der Verweſung Raub? Muß Ihm das Aug verdiente Thraͤnen zollen? Ihm, ach wer haͤtte dieß gemeynt: Ihm, dem wir alle hertzlich wuͤnſchen wollen, Daß ſpaͤt der Enckel um Ihn weint. Schon ſchweigt Sein Mund der uns die groſſen Lehren Der Wahrheit, an das Herz gelegt. Wir koͤnnen ſie von Ihm nicht ferner hoͤren, Ooch ſie ſind uns ins Herz gepraͤgt. 4 Beweine Zion ach! Beweine deinen Lehrer, Er war ein Mann nach GOttes Sinn: Auch uns, auch uns, des theuren Plicrs Verehrer, Reißt eine Thraͤnen Fluth dabin. So wie Eliſa dort beym letztern Blicke Nach ſeinem Lehrer ſeufzend ſprach: Laß Vater deinen Geiſt zwiefach zuruͤcke, So ruft auch unſer Mund Dir nach, Sie (48) ☛ Sie ſind dahin, die Seegens volle Stunden, Wo Du des Lehr⸗Amts groſſe Pflicht Uns predigteſt, wir bleiben Dir verbunden, Vor den getreuen Unterricht. Wie deutlich wareſt Du in Deinen Lehren, Im Vortrag herrſchte Gruͤndlichkeit; Wie maͤchtig in der Schrift um zu erklaͤren, Das Wort, zu unſrer Seligkeit. Voll Liebe, war Dein Umgang ſtets geweſen, Voll Redlichkeit Dein treues Herz; Wir werden Dich zu keiner Zeit vergeſſen: Dein Tod verurſacht herben Schmerz. Da man jtzt feyerlich des Heylands Leiden Verkuͤndigt in der Chriſtenheit: Schwung ſich Dein Geiſt hoch auf in jene Freuden Und Wohnungen der Seligkeit. O theurer Plitt! Du biſt nun eingegangen Zur ſtolzen Ruh, den Gnaden⸗Lohn, Von Deinem Oberhirten zu empfangen: Und ſtehſt nun vor des Lammes Thron. Hierdurch wollten ihre Hochachtung gegen den Wohlſeligen Hrn. Seniorem bezeugen Die ſaͤmtliche in der Nicolai⸗Weißfrauen⸗ und Armen⸗Kirche predigende Canditaten. Gerechte No(49) Gerechte Klagen und ſehnliche Wuͤnſche bey dem Grabe als ein Zeugniß des Mitleyds und Hochachtung gegen das werthe Plittiſche Haus. von 3. C. R“*** und G. R. R**** Doch Chriſten kann nichts völlig ſcheiden Kein Grab deckt Geiſter zu Die Zeit vertraͤgt kein Ewig Leiden Die Ewigkeit nur Ruh⸗ Hr. von Haller. A 4½ E ſtirbt! und Franckfurt klagt ganz Kummer voll in Plitten Den Mann der eifrig fromm in dem Geſchmack der Britten Durch Gruͤnde der Vernunft der Offenbahrung Licht Die Wahrheit ſiegend zeigt, dem Irrthum widerſpricht Der ſeiner Heerde Gluͤck vor GOTT zum Ruhm ſich machte Und Naͤchte fuͤr ihr Wohl wie Tage ſelbſt durch wachte Nach kurzer Taͤge Pein ward Er dahin entruͤckt Wo nach dem Glauben Ihn das Schauen ganz begluͤckt G Der V(0) Oe Der Buͤrger Franckfurts eilt dringt ſich zu ſeiner Gruft Von ſeinem Klag⸗ Geſchrey ertoͤnt die ganze Luft Die Seufzer hemmen ſich in dem beklemmten Herzen Herrſcht nichts als nur Gefühl von Mitleyds regen Schmerzen Er trau'rt und folgt dem Trieb den GOTT den Chriſten. gab⸗ Jetz brechen Zaͤhren aus er ſtreut ſie auf Sein Grab Er weint und wiſchet ſelbſt die Thraͤnen von den Wangen Der Gattin Plitrens werth daß Sie Sich alſo nennt Seht doch vor Kinder, welchen jener fruͤh entgangen In ſeinem Buſen noch ein Vater Herze brennt Verklaͤrter Lehrer gieb Du gleicheſt nun den Sternen Aus Deinem Glanz noch Franckfurt einen Strahl Laß uns Dir aͤhnlich ſeyn im Leben ſterben lernen So iſt der Tod beſiegt und herrſchet keine Ouaal Ermuntert werden wir uns ſtets gleich Dir beſtreben Als Chriſten wahrer Art wie Du⸗ gelebt zu leben Biß unſer Geiſt auch einſt vereint mit Deinem Geiſt Die Wonne fuͤhlt und jene frohe Herrlichkeiten Im Lande der Unſterblichkeit voll unausſprechlich groſſer Freuden Wo Dich kein Tod hinfort aus unſern Armen reißt. N”,(51) ☛æ Grabſchrift. Lannl! den ſelbſt der HErr zum Prieſterthum erleſen, GOtt! welcher jederzeit Dir Sonn und Schild geweſen, Verklaͤhrt Dich, glorreich jetzt, nach kurzer Jahre Lauf Zieht Dich, ſein Segens⸗Arm zu ſich in Himmel auf; O koͤnnt ich Deine Gruft mit meinen Thraͤnen netzen, Und Dein er Redlichkeit ein wuͤrdig Denkmal ſetzen, Jedoch das haſt Du Dir im Leben laͤngſt geſtift, d u lebteſt nach der Lehr und lehrteſt nach der Schrift. Indeſſen werden Dich unzaͤhliche beweinen Bis Tod und Grab aufs neu mit ſolchen Dich vereinen; Ach moͤchte doch der Ruhm, den wir Dir dankbahrſt weyhn, So witzend, ſo beredt, wie Dein Verdienſte ſeyn. AntlClpat DoCtor saplenDo Neſtorls annos, Paſtor VIrIUI Vernat In orbe graDV. Mox VIta eXtlnCiVs! ConCVsso heV! peCtore LVger Vrbs! aVpefaCn Patet; VVLnere taCta fVIt! Pdſt paſtorls Ves ossa hæC Veneranba reponvm, Mcœstltla Lassæ, teCta beata petVnt: Ast Astra sVperna petlt DeCVs CoLVMenqVe Slonls. In tenerrimi animi affectum erga Virum beatum poſuit Godofredus Guaitta, Parentator mœno-FErancofurtenſis ordinarius. G 2 Qualis (S2) K (Aar. ſereno quum tonuit polo, Et, non opino, fulmine, montium Ardet cacumen; iam feræque, Jam trepidæ volucres oberrant; Excuſſa priſcis ſedibus& ſuis Nidis; viator plus Solito tremit, Cælosque cireum ſpectat, ipſi Et ſibi viſa negat, ſtupetque: Talis, beati- PLIT TII ad exitum, Nec cogitata ad funera, pallidus Ciuis, ſereno, quærit vnde Fulmina proripuere, cælo? Firmo quis æque corpore? quis fuit Et luce longa dignior,& ſacra Quondam ſenecta? qui virilis Tempora vix tetigit vigoris. Cui cara CONIVX, cui pietas PATRI, In tot ſuorum funera,*) proh! ſenis, Triſtesque NAàTI, cui decoris EVSEBIE lacrumis parentant. Sat longa vita eſt quam Integritas probat, Quam ſancta Virtus& decorat Fides, Quam tot boni plorant ademtam, Atque Deum lacrumis repoſcunt. *) Quippe qui vno anno Filios duos& nurum vnam amiſit. Gentis adfnitate iuncti optimi Viri memoriam ita commendat Hieronymus Petrus Schloſſerus, J. V. D. O la 8 N(5s) 4.— g 0 lacrymoſa Dies! lacrymis ſunt omnia plena! Dum rapit egregium mors inopina Virum, Occidit ante diem, nondum vergentibus annis, Vt roſa deiectis languer ademta comis. Aſt præceps cenſura procul mortalibus abſit, Conſilium DOMINI nec reprehendat homo. 2, Tim. 2, J. Nunc bonus hie CHRISTI miles mala plurima paſſus; Kanεπτ⁴α˖σπσ οσν Vt bene pugnauit, ſic diadema tulit; Quod DEUS, ætherea SANCTIS ſuper arce, parauit 5 Hac, quis non cupiat, conditione mori? Ita fanctos manes Viri ſummi reuerendi atque magnifici Dni. PLITTII S. S. Th. Dris. longe celeberrimi venerandi Miniſterii Francoford. Senioris digniſſimi meritiſſimique pietatis conteſtandæ gratia proſequitur. J. J. C. Dekenius. V. D. M. F- 2—.. 2 lie Liebe weinet laut an dieſem bangen Tage Da Dich das Schickſal von uns ruft, Dir fließt die Thraͤne hier bey Deiner Freunde Klage Sie fließt, und faͤclt auf Deine Gruft. Sieh', hier der Deinen Schaar in traurenden Geſtalten⸗ Sie ſehn Dir in dem Grabe nach Wie ſie vom Schmertz gebeugt die Haͤnde traurig falten Und Fufzen ſtill ein ſtammlend Ach! G 3 Mit A.(54) Mit ſchwarzen Gram umbuͤllt, iſt unſer Herz zerriſſen. Die duͤſtre Seele ſieht kein Licht. Auf einmal muͤſſen wir, o Beſter, Dich vermiſſen, Wir ſehn Dich todt, und glaubens nicht Oft ſitzen wir gebeugt in melanchol'ſchen Stunden Und ſehen Deine Aſche an 9 Da fuͤhlen wir den Schmerz, den wir ſo ſtarck uſaadan, Da wir Dich ploͤtzlich ſierben ſahn. Wo biſt Du hingeruͤckt? in welchen hohen Sphaͤren Wohnt jetzo Dein verklaͤrter Geiſt? Dort, wo die fromme Schaar in Engliſch reinen Choͤren Das ewge Lob der Gottheit preiſt. Hier wollen wir Dich jetzt in der Entfernung ſegnen, So oft man Deinen Namen nennt; Wenn einſt die Welt erwacht, dann wirſt Du ans begegnen, Dann ſind wir ewig ungetrennt. Dieſes wollten aus ſchuldiger Hochachtung dem ſeligen Hrn. Seniori ihrem Hochgeehrſten Hrn. Vetter mit beyfügen Johann Georg Burmann Gymnaſii Kector, und Suſanna Dorothea Barbara Burmann 4 geborhne Koͤrber. ₰—* 3—— M⸗ harten Arm zerreißt der Tod das Band, Das mich mit Dir, mein Freund, ſo feſt verbunden, GOTT! welcher Schmerz, den ich zu tief empfand! Noch weine ich in trauervollen Stunden. Ach: Beſter Freund, war Dir der Tod ſo nah? (55) Ich ſollte Dich nicht mehr lebendig ſehen? Ich ſuche Dich, und Du biſt nicht mehr da. Mußt ich hieher mit leerer Hoffnung gehen? Schon freut ich mich voll ſehnlicher Begier, Entzuͤckt den Arm um Deinen Hals zu ſchlingen⸗ Kaum komm ich an; o Schmerz! ſo ſagt man mir, Dießmal wird Dir dein Wuͤnſchen nicht gelingen; Dein Freund iſt todt. Ich ſtund Gedancken leer, Starr, wie ein Stein. Die muͤden Knie wancken. Ja, Du biſt hin; Du Beſter biſt nicht mehr. Das Herz bricht mir, es ſchwinden die Gedancken. Fließt, Thraͤnen, fließt, der Seel'ge war es werth⸗ Wie groß, wie treu, iſt ſtets ſein Herz geweſen. Ihn ehre ſtets, wer je die Tugend ehrt. Ihn hat ſie ſich zum Guͤnſtling auserleſen. Wie kamſt Du mir im Leben aus dem Sinn, Auch ſelbſt im Tod bleibſt Du mir noch der Meine; Ich eile fort, nach Hamburgs Mauren hin, Zu tief gebeugt, und denck an Dich, und weine. Zum Zeugniß Ihrer Hochachtung und Liebe gegen Ihren ſeligen Herrn Vetter wollten dieſes beyfuͤgen Joachim Fridrich Luͤring, von Hamburg. Suſanna Maria Luͤring, gebohrne Schloſſern⸗ Blute, (56) ℳo ℳ But⸗ Blute tiefe Wunde, Herber Schmertz ſey mir bewuſt; Seufzer in der Leidens-Stunde Brecht aus der beklemmten Bruſt; Netzt die Hand die mich geſchlagen Thraͤnen! ruͤhrt das Vater⸗Herz Meines GOttes, denn mein Klagen Zeuget von gerechtem Schmerz. Schließ dich Angft erfuͤlltes Leben! Da mein Freund in dieſer Welt Der zum Troſt mir war gegeben Iſt den Toden zugeſellt: Nun erwart ich mit Verlangen Jene angenehme Zeit Wo ich froh Ihn werd umfangen In der ſtillen Ewigkeit. Girrend aͤchz ich nach dem Gatten Deſſen Hintritt mich betruͤbt; Einſam bey den duͤſtern Schatten Klag ich Ihn der mich geliebt Koͤnnte diß den Schmerz nur lindern Welcher meine Bruſt durchwuͤhlt; Und die Traurigkeit vermindern Welche meinen Geiſt umhuͤllt! N(57)+ Nein kein Seufzen, keine Klagen, Nicht ein heiſer Thraͤnen⸗Guß, Nicht des bangen Herzens Zagen, Hemmt der Schickung harten Schluß. Von Dir HErr! iſt es geſchehen Weinend küß ich deine Hand: Des gebeugten Geiſtes flehen, Iſt am Beſten Dir bekannt. Drum ſey meine Seele ſtille, Hemme deine Thraͤnen Fluth; Dencke deines GOttes Wille Meynt es auch im Leiden gut: Er wird deine Wunden heilen, Sein mitleidig treues Herz Wird dir neuen Troſt ertheilen, Tilgen deinen bittren Schmerz. Meines Gatten Angedencken Soll indeß mir ſchaͤtzbar ſeyn; Biß man mich einſt wird verſencken Zu Ihm in die Gruft hinein: Da will ich ganz ruhig liegen, Ohne Gram und Sorgenlos; Da ſoll mich kein Leid beſiegen In der Erde kuͤhlem Schoos, 5 Froͤlich (58) Froͤlich will ich auferſtehen, Wenn des Richters Stimme ruft; Und mit ihm vereinigt gehen Aus der düſtren Grabes Gruft; Zum Genuß der Seligkeiten, Nach dem Leiden dieſer Zeit; Wo uns keine Trennung ſcheiden Wird, in alle Ewigkeit. Trauervolle Klage uͤber den— fruͤhen Hintritt des Seligen; gefuͤhret von der tief gebeugten Witiwe deſſelbem Henrietta Sophia Plitt, geb⸗ Schloſſer⸗ A 28, Wo fuͤr ein harter Schlag, betaͤubet unſern Sinn? Und welche Thraͤnen⸗Fluth, reißt unſern Geiſt dahin? Wer lindert unſern Schmerz? Wer heilet unſre Wunden? Wer ſchenckt den Herzen Troſt? In dieſen Trauer⸗Stunden, Nach deinem hohen Rath und alkein weiſen Schluß, Den iedes unter uns demuͤthig ehren muß: Iſt es o HErr! geſchehn, uns ſtirbt der beſte Vater, Die Crone unſers Haupts, und guͤtigſte Berather* ——% 2—z o(59) ☛ Sein Geiſt, der ſcheuet nicht die duͤſtre Grabes Gruft, Da Ihn ſein guter HErr zu einem Leben ruft, Wo Er der Sorg und Angſt auf ewig iſt entnommen: Ob er gleich uns zu fruͤh, zu ſeiner Ruhe kommen. Nun ſteht Er hoch erfreut dort vor des Lammes Thron, Und hat ſchon jtzt erlangt, den Gnaden vollen Lohn, Den GOtt verheiſſen hat zu geben ſeinen Knechten, Mit welchen Er einſt wird ſtehn zu des Sohnes Rechten: Wir goͤnnen Dir das Heyl, das Du ſobald erlangt, Wir goͤnnen Dir den Schmuck in dem Dein Scheitel prangt. Doch unſern Geiſt umhuͤllt ein Schmerzen volles Leiden, Da wir den Vater ſehn ſo fruͤhe von uns ſcheiden: bem Da Dich der Tod ſo ſchnell von unſrer Seite raubt Ch' noch ein graues Haar ziert Dein uns ſchaͤtzbar Haupt, Eh' Du die Deinen kannſt erziehn zu GOttes Ehren, Und die Unmündige die Furcht des HErren lehren. Jedoch der GOtt, der ſich, der Wayſen Vater nennt, Wird den ſo Ihm vertraut und ſeinen Namen kennt, Gewißlich in der Welt auch zu verſorgen wiſſen Und dieſen bittern Kelch durch ſeinen Troſt verſuͤſſen. — H 2 Ihm X(60) Nℳ Ihm wollen wir verktraun und ſeiner Vater Huld, Ihm bleiben wir getreu in Hoffnung und Gedult: Doch ſoll o Seeliger! ſo lange wir noch leben Dein reizend Beyſpiel ſiets uns vor den Augen ſchweben. Hiedurch wollten ihre Hochachtnug und zaͤrtliche Liebe gegen ihren feligen Herrn Vater bezeugen nachſtehende ſaͤmmtliche hinterbliebenen Kinder. Johann Ludwig Chriſtian! Eliſabetha Gerhardina Johann Friedrich Maria Friederica A; Elenora Sophia Plitt. Johanna Dorothea Johann Conrad Dieterich Jacob 82. E⸗ iſt geſchehn; hier liegt mein Freund erblaſſet, Das Auge ſchlieſt des Todes finſtre Nacht. O welch ein Schmerz, der jetzo uns umfaſſet Und unſer Aug durch Thraͤnen truͤbe macht. vN(61) Dich hat uns jetzt des Todes Hand entriſſen, Mit dem wir oft ſo Schmerz als Freud getheilt. Dich Jonathan, Dich ſollen wir ſchon miſſen, Da GOtt mit Dir von dieſer Erde eilt! Mußt ich Dich noch, mein Bruder, ſterben ſehen? Mußt ich Dein Freund des Todes Zeuge ſeyn? Mußt ich Dir noch im letzten Kampf beyſtehen? O bittrer Dienſt! wie ſauer gieng es ein. Jedoch Du ſtarbſt, um ewig dort zu leben, Nichts ſtoͤrte Dich in Deines Geiſtes Ruh. Dein Wille war dem Hoͤchſten ganz ergeben Im Glauben ſtarck ſchloßt Du die Augen zu. Dich ſehn wir dort in voller Unſchuld glaͤnzen, Wo keine Angſt der Sel'gen Ruhe ſtoͤrt; Wo man verklaͤrt in unmeßbaren Graͤnzen Des Hoͤchſten Lob beſtaͤndig ſchallen hoͤrt. Tief fuͤhlen wir des Schmerzens ſcharfe Waffen, Der unſer Herz im Innerſten durchſticht. Nur Höchſter Du kanſt uns Erleichtrung ſchaffen Sonſt troͤſten uns die beſten Gruͤnde nicht. Dein Schluß iſt hart, Du ſchlaͤgſt mit harten Streichen, Die Stuͤtze ſinckt, der ſtarcke Pfeiler bebt. Nicht Menſchen Witz kann Deinen Rath erreichen, Der uͤber uns im dunckeln Schickſal ſchwebt, 9 3 KN,(52) Auf duncklen Pfad fuͤhrſt Du uns durch das Leben Doch zeigſt Du uns der ſtaͤrckſten Liebe Macht. Wer kann ſie HErr nach Wuͤrden genug erheben? V Nicht unſer Will, nur Deiner ſey vollbracht.. M. Hiemit wollten das letzte Denckmahl ihrer Liebe dem ſeel. Herrn Seniori ihrem Hochgeehrteſten Hrn. Vetzer und Gevatter abſtatten Johann Jacob Willemer Evangl. Prediger allhier und Maria Jacobea Willemern, gebohrne Schloſſern⸗ ₰ 3 M⸗ Freſenius Senior, Spenerus et alter PLIIT præceſſores dat ſequiturque ſuos. Verbis et factis urbem intra clarus et extra In cœlo ſplendet clarior æthereo. Quod dedit ad tempus donum DEUS abſtulit idem, Laudibus in fato dignus utroque DEUS, Te mihi ſpes, mora non eſt longa, beate, videndi Ante DEI faciem colloquiique pii. Det DEUS, opto, virum, qui ſit ſuccedere dignus Mente DEI partes qui peragatque ſuas Quod fratrum gaudet, pro more, ſalute ſuorum, Hæc ſunt Weilburgi vota miniſterii- M. Johannes Friedericus Cramer; Superintendens. Zerriſſen (63) ☛ 2. an iſt der goldnen Tage Kette, Es ſtockt der Lehren heil'ger Fluß; Er lehrte noch auf Seinem Krancken Bette, Halbathmend, wie man ſterben muß. Ach! Er verſchied; wie von der Blume Stengel Der Zephir liſpelnd flieht: ſo ſchied Er hin. Weg war die Welt! Da ſtand der Engel Und ſtrahlte Himmliſch gegen Ihn. „Wilkommen Davids Harfen⸗ Saͤnger! „Du deſſen Mund den Schoͤpfer pries, „Danck ſey dem Tod, der Dich nicht laͤnger „Aus unſern heil'gen Choͤren ließ. Nun ſchmolz der Menſchheit Winterwolcke, Wie Schatten vor dem Lichte fliehn; Und Arnd und Mosheim Rambach Schmolke, Erkannten und unarmten Ihn. Seine Hochachtung gegen den Seligen Herrn Jeniorem⸗ zu bezeugen ſchrieb dieſes Joh. Caſp. Zinck Symnaſi Francof, Collega- S erhecirr Golour& Grey Control Chart anue Cyan Green Nellow Hed Magenta Grey! Grey 2 Grey 3 Grey 4 Black In 1 2 4 menneenſanPnumndennNemmnangun 5 2 Uerbrlnu LrINNI