83„ 3&—₰ ASN G rOS— Ein Geſchenk für aute, fleißige ginder. 1 Erfurt, bei Friedrich Bartholomäus. — Oℳv9——:——- ——— — —— 1 4 n 28 3us ³ Süadas — B. Th. ene 11 8 Ann ae o e, SBaena aun de, K=ke er pweres aa ka aze. — jtn, Kelhaent d. 1. Die Abtei. Aller Anfang ſey mit Gott; Dann folgt auch ſein Segen, Und an dieſem iſt ja doch Alles nur gelegen. Tempel, Kirche und Abtei, Kanzeln und Altäre, Baut der Menſch mit frommer Hand Auf zu Gottes Ehre. Mächtig ruft der Glocke Klang Die geweihte Menge, Und es tönen feierlich Heilige Geſänge; Gottes Wort erbaut das Herz, Und erquickt die Frommen; Selig ſind ſie allzumal, Die da gläubig kommen. Aber ach! die Macht der Zeit Stürzt des Tempels Hallen; Doch ſein Wort bleibt ewig ſtehn,— Mögen ſie zerfallen. 2. Der Bär. Trompetenſchall und Trommelſchlag— Das muß etwas bedeuten; Kommt, kommt— wir ziehen auch mit nach! Mir pocht das Herz vor Freuden. „Herbei, herbei!— nur immer her! „Betrachtet meinen ſchwarzen Bär; „Er kann ganz prächtig Wache ſtehn, „lUnd auf den Hinterfüßen gehn, „Sich nach dem Takt im Tanze dreh'n, „Auf Stöcken reiten, Diener machen, „Daß alle Leute drüber lachen, „lnd noch gar viele ſchöne Sachen. „Ich bring ihn eben jetzt aus Polen, „Dort hatt' er Honig oft geſtohlen; „Da fing man ihn, den Honigdieb, „Da er's gerad' am Aergſten trieb; „lind nun viel Schläg' und wenig Brod— „Das iſt ſein Lohn bis an den Tod; „Denn wer des Nächſten Gut begehrt, „Der iſt recht harter Strafe werth.“ —— 3. Die Chineſen. In China wohnen die Chineſen; Ich bin zwar ſelbſt nicht dort geweſen, Doch hab' ich's irgendwo geleſen, Und zweifle auch nicht dran; denn offenbar, Was man in Büchern lieſt, iſt alles wahr.— Man ſagt, es ſey ein ſchönes Land, Und weiter iſt uns nichts bekannt; Denn eine hohe Mauer ſchließt es ein, Und keinen Fremden läßt man gern hinein, Deswegen bleibt auch alles dort beim Alten; Es kann ſich nichts entwickeln und entfalten, Wie's ſchon vor tauſend Jahren war, So iſt es auch noch übers Jahr; Kurz um, man will nicht vorwärts gehn, Und Alles bleibt beim Alten ſtehn, Geh, geh! du ſtolzer Mandarin, Mit deinem ſeidnen Baldachin, Du brauchſt die Naſe nicht zu zieh'n. ——— 4. Das Dörfchen. Verachte nicht den ſchlichten Bauersmann In ſeiner niedern Hütte; Hat er gleich einen groben Kittel an, Und iſt nicht fein von Sitte; So iſt er doch nicht minder ehrenwerth, Als jener Graf, der in der Kutſche fährt. Bedenke Kind, wenn dich am frühen Morgen, Dein Labetrank, die Milch, erquickt, Fleiſch, Brod und Kuchen, die du ohne Sorgen Verzehrſt, das Kleidchen, das dich ſchmückt, Verdankſt du alles aus der erſten Hand Dem ehrenwerthen Bauernſtand. Und darum, wenn ihr durch ein Dörflein gehet, Ihr Kinder aus der Stadt, In welchem ihr nur kleine Häuſer ſehet, Weil's keine großen hat, Dann zieht die Mützen vor dem Bauersmann, Und grüßt ihn freundlich, das iſt wohlgethan. 5. Der Erndtekranz. Der letzte Erndtewagen fährt herein, Die Felder ſind nun leer; Wer wollte da nicht froh und freudig ſeyn, Zu Gottes Ruhm und Ehr?— Seht wie der Schnitter jauchzt und ſpringt, Und luſtig Hut und Senſe ſchwingt; Und wie er ſtolz und hochbeglückt Der Schnitterin die Hände drückt, Die ſich und ihn ſo ſchön geſchmückt; Seht, wie der bunte Erndtekranz Den hohen Wagen ziert; Juchhei! nun geht's zum Erndtetanz, Wo alles jubilirt! Denn nach der Arbeit folgt der Lohn,— Das wußten auch die Knaben ſchon; Sie haben Aehren aufgeleſen, Und ſind recht fleißig heut geweſen. Vortrefflich! brav! wir loben euch! Und wie belohnen wir's denn gleich?— Ihr ſollt dafür ihr fleiß'gen Knaben Acht Tage länger Ferien haben. ——ᷣᷣᷣxꝛ— ₰ =—————— 3——————.— 8—— G. Der Fiſcher und die Frau. Frau. Was koſtet denn das Pfund von euern Fiſchen? Fiſcher. Fünf Silbergroſchen. Frau. Das iſt viel. Fiſcher. Meint ſie, das Fiſchen ſei ein Kinderſpiel, Die Dinger ließen ſich ſo leicht erwiſchen? Ja wenn ſie erſt im Siedekeſſel liegen Dann kann ſie wohl ein jeder kriegen. Da ſchau ſie mal nach Töffeln hin, Der zog das Netz und hat nichts drinn. Frau. O wehl das war ein ſchlechter Zug; Vier Silbergroſchen iſt wohl auch genug? Fiſcher. Das geht nicht, gute Frau; ſie kann Wohl eher dieſe Kleinigkeit entbehren, Ich aber bin ein armer Fiſchersmann, Und muß mich von der Fiſcherei ernähren, Und was ich fange, reicht kaum aus Zum Brod, für Weib und Kind zu Haus, Und obendrein ſind meine Fiſche So rechte muntre, friſche Fiſche Sie ſind ſo zapplich und geſund— Frau. So gebt nur her ein halbes Pfund. ——— — —« — 7. Der Guckkaſten. Kommt her ihr Kinder groß und klein, Und ſchaut in meinen Kaſten r'ein! Ich zeige euch für wenig Geld Die ſchönſten Städte in der Welt; Zuerſt erblickt ihr an der Spree, Die große Preußenſtadt Berlin, Und wenn ich dieſes Stäbchen dreh' Am mächt'gen Donaufluſſe Wien! Hübſch aufgeſchaut! Jetzt kömmt Paris! Am breiten Seineſtromz Jetzt Liſſabon in Portugalz Jetzt in Italien das alte Rom. Bleibt nur recht ſtill und artig ſtehn, Dann ſollt ihr auch gleich London ſehn, Liegt an der Themſe groß und breit, Und hat viel reiche Handelsleut', Jetzt Petersburg und Amſterdam, Betrachtet's nur recht aufmerkſam. 'S iſt alles nach der Natur gemalt; Nun iſt's vorbei; jetzt wird bezahlt. — —— —— 8. Der Hafen. In Bremen lief ein Kauffartheiſchiff aus, Beladen mit vortrefflichem Getraide; Es war ſo groß, wie manches Bürgers Haus, Und wer es ſah, dem ſchlug das Herz vor Freude; Der Wind war gut, die Segel ſtraff gezogen, Und ſchnell war's durch die Nordſee hingeflogen; An England dicht vorbei, nach Afrika, An's Kap der guten Hoffnung, und von da Mit gutem Wind nach Südamerika; Nach Mexiko, in die vereinten Staaten; Und überall ward aus⸗ und eingeladen, Verkauft, vertauſcht; hier Seide, dort Iuwelen, Und große Perlen, die man pflegt zu zählen, Gewürze, Kaffee, Zucker, Sago, Reis, Und Straußenfedern für den höchſten Preis. Dann ging es nördlich, nach den kalten Zonen, Wo Eisbär, Wallfiſch, Seehund wohnen; Und endlich durch die enge Heringsſtraße; Hier fror die Mannſchaft tüchtig an die Naſe; Und ehe man der Zeit ſich recht verſah, War's Schiff im Bremer Hafen wieder da. 8 9. Die Invaliden. Mein alter Kriegskamrad, wie geht's, wie ſteht's? „Recht herzlich ſchlecht, das weiß der liebe Himmel! „Sonſt ritt ich einen muth'gen Schimmel, „Der trug mich ſchnell von Ort zu Ort, „Jetzt hink' ich langſam an den Krücken fort; „Ja, ja, mein alter Kriegskamrad, ſo gehts, ſo ſtehts; Nun, tröſte dich mit mir, mir geht es eben ſo, Und dennoch bin ich ſo recht ſeelenfroh; Du weißt es ja, mein linkes Bein, Das büßt ich dort bei Leipzig ein, Und Strumpf und Stiefel obendrein. Da liegt es nun ſchon längſt begraben, Ich mag es auch nicht wieder haben, Und ſcharrte lieber noch mein rechtes Bein Mit Stiefel, Strumpf und Hoſen, In Leipzigs heiße Erde ein. Als daß die übermüthigen Franzoſen Die deutſche Freiheit dort begraben ſollten, Wie ſie es leider Gottes wollten; Fluch aller ſchnöden Tyrannei! Sind wir gleich lahm, ſind wir doch frei. ————— — ————— ——————— ———————— ————— ———— 10. Die Kegelbahn. Der Menſch lebt von der Arbeit nicht allein, Er will ſich auch erholen und zerſtreun, Und ſich Vergnügen machen, wie man ſagt, Sonſt wär er auch zn ſehr geplagt; Denn kaum ruft nur der Göckelhahn Sein„Kikriki! der Tag bricht an!“ So geht auch gleich die Arbeit an, Und alles regt ſich weit und breit Mit emſiger Geſchäftigkeit; Der Bäcker bäckt die Semmeln friſch, Und legt ſie auf den Ladentiſch; Der Fleiſcher ſchlachtet Kalb und Schwein, Und haut ſie auch in Stücke klein; Der Gerber gerbt; der Seifenſieder kocht, Und auch der Schmiedemeiſter feilt und pocht; Kurzum, wohin wir uns auch wenden, Geſchäft'ge Hände giebts an allen Enden. Doch endlich kömmt der liebe Nachmittag, Da läßt es ganz allmählig nach; Der Meiſter zieht geſchwind ſein Röckchen an Und nun geht's auf die Kegelbahn. 2.—— 1 ——· 1 F 1 n ——————— 5—B»««—ꝝ— 11. Der Läufer. Sonſt war es ſtets der Fürſten Streben, Mit äußerm Glanz ſich zu umgeben; Sie wähnten ihre Hoheit, ihre Macht, Beruhe mit auf dieſer eitlen Pracht; Und darum hielten ſie oft vielmehr Diener, Als mancher reiche Banuer Gänſ' und Hühner; Heiducken und Lakeyen gab's in Menge, Und oft war ſelbſt das größte Schloß zu enge Für dieſe ungeheure Dienerſchaar, Die noch zur Hälfte mehr als überflüſſig war; Und fuhr ein Fürſt nur zum Vergnügen aus Da lief ein Läufer ſtets geſchmückt voraus, Der mußte wie die ſchnellſten Pferde rennen, Ob ihm auch Milz und Leber brennen. Das iſt nun alles beſſer eingerichtet, Und darum fühlen wir uns hochverpflichtet; Was nützt dem Staate auch ein ſolcher Mann, Der weiter nichts als große Sprünge machen kann? Jetzt fährt der Fürſt im ſchlichten Oberrock, Bedienten hintenauf, der Kutſcher auf den Bock. ——“ — —— 12. Die Matroſen. Tritt ein Matroſe auf das Land, So hat er keinen feſten Stand; Ihm dünkt'’s, der Boden ſchwanke ſehr, Und noch viel ärger als das Meer; Er ſtolpert über jeden Stein, Und überſchlägt ſich obendrein. Das will ihm gar nicht recht behagen, Er lobt ſich's, wenn die Wellen ſchlagen, Und ihn durch weite Meere tragen. Wenn auch der Sturm den Maſt zerbricht, Matroſen ſtehn und wanken nicht; Und wenn die Woge mächtig ſchlägt, Und faſt das Schiff zur Seite legt, Und wenn es in Gewitternacht An Felſen ſtößt, daß alles kracht; Dann lieben, Kinder, könnt ihr ſehen Wie feſt und ſicher die Matroſen ſtehen. Daran erkenn't ihr nun recht gut, Wie viel doch die Gewohnheit thut. 1 — — 13. Die Nähſchule. Kommt ihr lieben fleißigen Mädchen, Lottchen, Jettchen, Hannchen, Käthchen, Hier ſind Nadeln, hier ſind Fädchen, Näht mir gleich ein feines Näthchen; Nicht zu breit, und nicht zu ſchmal, Haltet's immer recht egal, b Macht die Stiche nicht zu groß Sonſt geht alles wieder los; Müh' und Arbeit ſind dahin, 1* Näht ihr nicht nach meinem Sinn. 8 Lottchen, ei du meine Zeit! Plagt dich denn die Eitelkeit? Willſt du gleich vom Spiegel gehn,— und hübſch auf die Arbeit ſehn! Jettchen, Hannchen, ei, ei, ei! Ueber eure Plauderei! Wollt ihr gleich die Mäulchen halten! Gebt doch Acht, ſonſt näht ihr Falten. Aber hier mein kleines Käthchen, Ja, das iſt ein fleiß'ges Mädchen. — 14. Der Orgelſpieler. Choralgeſang und Orgelſpiel Sind gottgeweihte Klänge; Welch ein erhebendes Gefühl Ergreift des Volkes Menge, Wenn hell und ſtark und glockenrein Ein Lied im heiligen Verein Zu Gottes Ehre ſteigt empor; Und wenn die Knaben auf dem Chor Mit Engelſtimmen lieblich ſingen, Die leiſ' im Herzen wiederklingen; Und wenn der Orgel tiefgewalt'ger Ton Mit mächt'gen Schauern uns durchbebt.— Ach, dann iſt alles Irdiſche entfloh'n und nur das Göttliche im Menſchen lebt; Begeiſtert ſchwingt die Seele ſich hinauf Zu Gott, und ahnet ſchon hienieden Die einſt ge Seligkeit; der Himmel thut ſich auf Und auf der Erde ruht des Ew'gen Frieden; Gelobt ſey Gott! Lobſinget ſeinen Namen! Halleluja! Halleluja! und Alles ſinge: Amen. e ehusAifkr e an 15. Die Prügelei. Ihr Kinder wenn ihr ſehen wollt, Wie ihr euch nicht betragen ſollt, * So ſchaut auf dieſes Bild; Und nehmt euch ein Exempel dran, Fangt keine loſen Händel an, Und ſeyd nicht roh, nicht wild. Ich glaube— ja auf jeden Fall— Die Knaben ſpielten Fangeball, Vielleicht auch blinde Kuh; Sie ſpielten erſt recht brüderlich, Und alle Leute freuten ſich, Und ſahen ihnen zu. Doch Hans und Veit und Adrian, Die fingen bald Spektakel an, Der ſchimpfte, jener ſchrie; Nun gab es Streit und Zänkerei, Und endlich kam's zur Prügelei; Die böſen Knaben die. —— 8——— — — — — 8 — —4— 16. Der Huackſalber. Aus unſer'm deutſchen Vaterland Sind jene Wundermänner längſt verbannt, Die aller menſchlichen Vernunft zum Hohn Auf offnem Markte ihren Thron, Mit Gläſern, Schachteln, Büchſen und Phiolen, Wie eine Trödelbude aufgeſtellt, Damit die Leute für ihr ſchönes Geld Sich Gift und Mord und Todſchlag ſollten holen. „Kommt her,“ ſo rief der Charlatan, „Seht meine Atteſtate an, „Und auch das große Siegel dran. „Mein Spiritus hilft für die Gicht, „Und ſtärkt das ſchwache Augenlicht! „Mein Pulver hilft aus aller Noth, „Und macht geſund bis in den Tod!“ Geht, geht ihr ſchändlichen Betrüger, Wir ſind in Deutſchland jetzt viel klüger; Geht, packt euch nach Italien, Nach Portugal und Spanien! An euch iſt wahrlich nichts verloren, Wir haben Apotheker und Doktoren, Und werden ſchon von ihnen brav geſchoren. —— 17. Die Ritter. Eh' noch das Pulver erfunden war,— Wer weiß von euch, in welchem Jahr? Da gab es rings in Deutſchlands Gauen Viel Schlöſſer und Burgen anzuſchauen; Die ſtanden hoch auf Felſen und Stein Und ſchauten ſtolz ins Land hinein; Und bei der Sonne erſtem Strahl Erſchallte das Hüfthorn herab in das Thal; Und Ritter und Knappen beſtiegen ihr Pferd, Ergriffen die Lanze, umſchnallten das Schwert; Das Thor flog auf, die Brücke ſank, Und durch den Burgweg gings entlang, Im ſcharfen Trab, zu blut'gen Fehden, Die Helme blitzten, die Banner wehten, Und zwiſchen Morgen⸗ und Abendroth War mancher Ritter geſund und todt; Dann zog man wieder zurück nach der Burg Und lärmte und zechte die Nacht hindurch; Und kaum war dieſe noch recht vergangen, Da wurde ſchon wieder von vorn angefangen. ——— 3* 5 4 4 5 2 2 1 6 ¹ † 4 . — V 6 18. Die Savoyarden. Iſt euch Savoyen nicht bekannt, Das kleine, arme Alpenland, Das weder Wein hat noch Getraide? Ach, darin wohnen arme Leute, Die ſelbſt das Nöthigſte entbehren, Und mancher Vater, brav und gut Kann ſeine Kinder nicht ernähren; So hört denn, was der Arme thut; Er nimmt die beiden ält'ſten Knaben Die ſtets den größten Hunger haben, Und ſpricht,„ihr dürft nun nicht mehr raſten;“ Hängt ihnen Trommel um und Kaſten, Geht auf die Alp', ins Schneerevier, Und gräbt und fängt ein Murmelthier, Giebt ihnen wenig Reiſegeld, Und ſchickt ſie weit fort in die Welt: „Geht, zeigt das Thier, ſingt muntre Lieder, „Und wenn ihr groß ſeyd, kommt hübſch wieder; „Uund ſind wir dann noch all am Leben, „Solls eine rechte Freude geben.“ 3 —— e —ÿ—— — — 1 19. Das Taubenhaus. Seht doch einmal das Taubenhaus! Es ruht auf einem Pfahle; Die Täubchen fliegen all' heraus Zum frohen Gerſtenmahle; Sie ſahen kaum das gute Kind, Den lieben, ſanften Knaben, Da flattern alle ganz geſchwind, Und wollen Futter haben; Sie ſetzen ſich ihm auf das Knie, Und freſſen aus der Hand; Das kleine, muntre Federvieh Thut wirklich recht bekannt. Die Täubchen merken's wohl recht gut, Wer ihnen nichts zu leide thut, Und wer ſie pflegt und leiden kann, Dem ſind ſie wieder zugethan; Doch wer nach ihnen wirft und ſchlägt, Und ſie im Korb zum Markte trägt, Den fliehen ſie voll Angſt und Scheu; Fluch aller Taubenquälerei! 22. Die Weinleſe. Wenn der Saft die Beeren ſchwellt, Fährt der Wind durch's Stoppelfeld, Giebts ein luſtig Leben; Jung und Alt, und Groß und Klein Ziehen in die Berge ein;z Segne Gott die Reben. Lieben Kinder ſeyd nicht faul, Leſ't nicht aus der Hand ins Maul, Naſcht mir keine Trauben. Eine einz'ge dann und wann, Kömmt euch juſt das Naſchen an, Will ich euch erlauben. Und nun, wenn ich rathen ſoll, Macht die Butten alle voll, Schüttet's in den Kübel; Keltert dann den ſüßen Saft; Wein erfreut, giebt Muth und Kraft, Und erlöſt vom Uebel. 23. Die Zurechtweiſung. Hübſch artig ſein und dienſtbereit Iſt guter Kinder Regel; Und wenn ein Knabe lärmt und ſchreit, Und keinem Fremden giebt Beſcheid, Den nennt man einen Flegel. Seht her, der gute Friederich Führt ſeine kleine Schweſter, Er meint's mit ihr recht brüderlich.— „Ich möchte gern nach Bieberich:“ Hier iſt der Weg, mein Beſter; Hier links herum, dann rechter Hand, Dort über beide Brücken, Dann kömmt ein breiter Wieſenrand Dann wieder rechts und links gewandt, Da werden Sies erblicken. „Ich danke dir mein lieber Sohn; „Ich will dir auch was geben.“ O nein ich thu' es nicht um Lohn, Ich thu' es aus Gefallen ſchon, Und wünſche wohl zu leben. 5 24. Die Zigenner. Wer kennt wohl die Zigeuner nicht, Mit braunſchwarzgelbem Angeſicht, Und ſchwarzem, krauſem Haar; Die Männer ziehn im Land' umher, Ob irgend was zu finden wär, Die Weiber ſagen wahr! Komm Gretchen zeig' mir deine Hand, Mir iſt die Zukunft wohl bekannt, Ich ſag' ſie dir voraus; Ich weiß das alles ganz genau, Du wirſt noch eine reiche Frau, Und kriegſt ein großes Haus. Und Gretchen gab dem Weibe Geld, Weil ihr die Deutung wohlgefällt, Sie liebt ja ihren Hans; Und Hans, o ja, das weiß ich ſchon, War eines reichen Bauern Sohn, Und Gretchen eine Gans. Druck von Friedrich Bartholomäns in Erfurt. [Rora.] p' 1! 1' lnn' rühit. Oem 1 11 12 13 6 C 5 rrr A A EII A ErUIIHAAGGAmmua ltbr n 3