neu erfundene Patent⸗Dünger des Prof. Dr. Inſtus Liebig in Gießen. Aus dem Engliſchen uͤberſetzt und mit erlaͤutern⸗ den Zuſaͤtzen begleitet von Dr. A. Petzholdt. Aus der von dem landw. Hauptverein ꝛc. für das König⸗ reich Sachſen ꝛc. herausgegebenen Zeitſchrift wieder abgedruckt aus Veranlaſſung der Redaction derſelben. Dresden und Leipzig, in der Arnoldiſchen Buchhandlung. In der Arnoldiſchen Buchhandlung in Dres⸗ den und Leipzig ſind erſchienen und durch alle Buchhand⸗ lungen zu beziehen: Landwirthſchaftliche Zeitſchrift. Herausgegeben von dem landwirthſchaftlichen Hauptverein für das Königreich Sachſen, in Gemeinſchaft mit der ökonomiſchen Geſellſchaft zu Dresden, un der Leipziger ökonomiſchen Societät. Erſter Jahrgang in 12 Heften. 4. broch. 1 Thlr. 20 Ngr. Amtlicher Bericht über die Verſammlung deutſcher Landwirthe zu Dresden im October 1837 von den beiden Vorſtehern derſelben, H. W. Pabſt und Dr. A. G. Schweitzer. 4. geb. 2¼½ Thlr. Dr. J. A. Reum, ökonomiſche Botanik, oder Darſtellung der haus⸗ und landwirthſchaftlichen Pflanzen zum Unterrichte junger Landwirthe. gr. 8. 2 Thlr. Handbuch der landwirthſchaftlichen Baukunde; zur Selbſtbelehrung fuͤr Baumeiſter, Landwirthe und Cameraliſten, ſowie auch zum Gebrauch als Leitfaden bei Vortraͤgen uͤber dieſe Wiſſenſchaft von G. Hein e, Prof. Zweite unveränderte, wohlfeilere Ausgabe. Mit 20 Steindrucktafeln. 4. cart. 3 Thlr. —— — —— Der neu erfundene 6 Patent⸗Dünger des Prof. Dr. Juſtus Liebig in Gießen. Aus dem Engliſchen uͤberſetzt und mit erlaͤutern⸗ den Zuſaͤtzen begleitet von Dr. A. Petzholdt. Aus der von dem landw. Hauptverein ꝛc. für das König⸗ reich Sachſen ꝛc. herausgegebenen Zeitſchrift wieder abgedruckt aus Veranlaſſung der Redaction derſelben. Dresden und Leipzig, in der Arnoldiſchen Buchhandlung. 1846. Inhaltsverzeichniß Seite Ueber den von Liebig erfundenen künſtlichen Dünger 1 Vorwort.... 2 Ueber die Grundſätze der e künſtlichen Düngung⸗ Vom Prof. Dr. J. Liehig.. ⸗.. 8 Erläuternder Anhang zu vorſtehenden Mittheilungen. Von Dr. A. Petzholdt. Erſte Erläuterung........... 40 Zweite 2......... 45 Dritte 2......... 54 Vierte....9660 Fünfte ⸗.......... 62 Sechſte 2.. 66 Siebente ⸗.. 69 Achte 2...— Neunte ⸗......772 Zehnte ⸗ 75 Elfte 2......7 Zwölfte ⸗ 12 Ueber den von Liebig erfundenen künſtlichen Dünger*). So eben hat Liebig an die Landwirthe Großbritanniens in Sendſchreiben**) erlaſſen, worin er die leitenden Grundſaͤtze, nach denen die von ihm erfundenen kuͤnſtlichen Duͤngmittel an⸗ gewendet werden muͤſſen, weiter entwickelt. Die⸗ ſes Sendſchreiben wird von Seiten der Fabri⸗ kanten dieſer Duͤngmittel, der Herren Muspratt u. Comp., bevorwortet, und wir theilen im Nach⸗ ſtehenden die Ueberſetzung dieſer Vorrede ſowohl, als des Liebig'ſchen Sendſchreibens mit, hoff⸗ end, daß dieſer Umſtand ein abermaliger Anſtoß ſein werde, daß ſich auch der deutſche Landwirth 1] endlich aufmache, um Theil zu nehmen an den Beſtrebungen, welche von Seiten der Wiſſenſchaft im Intereſſe der landwirthſchaftlichen Praxis be⸗ reits ſeit mehren Jahren gemacht worden ſind, und welche von der Art ſind, daß ſie nicht laͤnger ohne eigenen Nachtheil gemißachtet werden koͤnnen. *) Die in Klammern eingeſchloſſenen Zahlen beziehen ſich auf den erläuternden Anhang des Hrn. Dr. Petzholdt. **) An address to the agriculturists of Great Bri- tain, explaining the principles and use of his artificial manures, by Professor Justus Liebig. Liverpool, 1845. Ueb. d. Liebig'ſchen Dünger. 1 Vorwort. Durch die genaue Erkenntniß derjenigen Be⸗ ſtandtheile des Bodens, welche zur Ernaͤhrung der Cultur⸗Pflanzen dienen und daher mit der Ernte von dem Felde entfernt werden, durch die ſpeciellſte Unterſuchung derjenigen Eigenſchaften, welche den verſchiedenen Arten des Stallduͤngers die fruchtbarmachenden Kraͤfte ertheilen, ſowie durch die ſorgfaͤltige Erforſchung der Urſachen, weßhalb Guano und andere kuͤnſtliche Duͤngungs⸗ mittel in einigen Faͤllen ſo aͤußerſt guͤnſtige Re⸗ ſultate erzeugten, waͤhrend ſie ſich in andern Faͤllen gaͤnzlich wirkungslos erwieſen, ward Lie⸗ big darauf gefuͤhrt, kuͤnſtliche Verbindungen ver⸗ ſchiedener Stoffe ausfindig zu machen, welche nicht allein die Stelle des beßten Stallmiſtes mit Vortheil zu erſetzen vermoͤgen, ſondern durch welche zugleich die Nachtheile des Guano vermieden werden, und welche von einer ſolchen Beſchaffen⸗ heit ſind, daß die verſchiedenen Feuchtigkeits⸗Zu⸗ ſtaͤnde der Luft waͤhrend des Pflanzenwachsthums, oder die verſchiedene Oertlichkeit ꝛc., ihre Wirk⸗ ſamkeit nicht vermindern koͤnnen. Wenn es als eine pflanzen⸗phyſiologiſche That⸗ ſache angeſehen werden muß, daß nicht alle Pflan⸗ zen dem Boden dieſelben feſten oder fluͤchtigen — 3— Mineral⸗Beſtandtheile entziehen(ſo daß z. B. die Stoffe, welche mit einer Weizenernte von dem Felde entfernt werden, verſchieden ſind von denen, welche mit einer Ernte Ruͤben oder Kar⸗ toffeln ꝛc. ꝛc. dem Boden entfuͤhrt werden), ſo iſt ganz klar, daß man es als eine Stoffver⸗ wuͤſtung anſehen muß, wenn man den Boden ohne Unterſchied duͤngen wollte, d. h. ohne be⸗ ſondere Ruͤckſicht auf die jedesmalige Art der zu erzielenden Ernte zu nehmen, und die Erfindung des Profeſſors Liebig, welche durch ein Patent geſchuͤtzt iſt, hat zunaͤchſt die Abſicht, fuͤr jede verſchiedene Feldfrucht ein verſchiedenes und zwar gerade das am meiſten entſprechende Duͤngemittel kuͤnſtlich darzuſtellen. Obgleich die Fruchtbarkeit unſerer Felder haupt⸗ ſaͤchlich von den mineraliſchen Beſtandtheilen des Bodens abhaͤngt, ſo darf man doch nicht an⸗ nehmen, daß die ſonſtige Beſchaffenheit des Bo⸗ dens und der anderweitige Zuſtand, in welchem ſich derſelbe befindet, ganz ohne Einfluß ſei. Es wird durchaus nicht behauptet, daß bei dem Ge⸗ brauch dieſer neuen Liebig'ſchen kuͤnſtlichen Duͤng⸗ ungsmittel die mechaniſchen landwirthſchaftlichen Operationen, welche bekanntermaßen zur Stei⸗ gerung der Fruchtbarkeit des Bodens viel mit bei⸗ tragen, entbehrt werden koͤnnen; im Gegentheil, uͤberall, wo man dieſe Operationen auf die beßte und ſorgfaͤltigſte Weiſe durchfuͤhrt, da wird auch die Wirkung der kuͤnſtlichen Duͤngungsmittel am groͤßten ſein, deren Zweck ja einzig und allein 1* — 4— der iſt, dem Felde wiederzuerſtatten, was ihm entnommen ward, alſo diejenige Bedingung her⸗ beizufuͤhren, unter welcher allein eine guͤnſtige Ernte mit Sicherheit erwartet werden kann. Und obwohl der Erfinder dieſen kuͤnſtlichen Miſchungen ſolche Stoffe einverleibte, welche deren Anwend⸗ ung auf jedweder Bodenart zulaͤſſig machen, ſo wird es doch mit Ruͤckſicht auf jeden ſpeciellen Fall nicht ohne Nutzen ſein, wenn man die Fa⸗ brikanten von der jedesmaligen Bodenbeſchaffen⸗ heit, bei welcher man ſich dieſer kuͤnſtlichen Duͤng⸗ ungsmittel bedienen will, in Kenntniß ſetzt, da von Seiten der Fabrikanten ſtets darauf Ruͤck⸗ ſicht genommen werden muß, ob der zu duͤngende Boden ſandig oder kalkig, thonig oder lehmig, leicht oder ſteif ſei. In Betreff des Koſtenaufwandes, welcher mit dem Gebrauche dieſer Duͤngungsmittel verknuͤpft iſt, wird ein kleiner Ueberſchlag ſogleich zei⸗ gen, daß die neue Art zu duͤngen wohlfeiler ſei, als die bisher gewoͤhnliche Duͤngung. Nehmen wir z. B. das neue Duͤngmittel fuͤr Weizen, ſo koſtet zwar die Tonne deſſelben 10 Pfund Ster⸗ ling**); allein um einen Acker**) zu duͤngen, *) Eine Tonne wiegt bekanntlich 20 Centner, und 1 Pfund Sterling gilt circa 7 Thaler. Dieß macht alſo 3 Thlr. 15 Ngr.(circa) den Centner. **) Ein engliſcher Acker iſt etwas kleiner als ein ſächſi⸗ ſcher Acker, da Theile eines ſächſiſchen Ackers(1 Acker = 300 Q.Ruthen) beinahe 1 engliſchen Acker ausmachen. — 5— ſind davon nur 5 Centner nothwendig, und da auch das kleinſte Theilchen der ganzen Maſſe dieſes Duͤngers von Bedeutung iſt und auf die zu erwartende Weizenernte vortheilhaft wirken muß, ſo bezahlt der Landwirth nur ſolche Stoffe, welche ihm wirklich von Nutzen ſind, waͤhrend er bisher ſeinen Feldern mit dem Unentbehrlichen und Brauchbaren noch Entbehrliches und Un⸗ brauchbares zufuͤhrte und fuͤr Beides nach gleichem Maßſtabe zahlen mußte[2.. Endlich iſt nicht zu uͤberſehen, daß dieſe neuen Duͤngungsmittel den Fruchtwechſel, ſowie die Brache unnoͤthig und uͤberfluͤſſig machen; bei An⸗ wendung dieſer Duͤngungsmittel wird man eine und dieſelbe Frucht Jahr um Jahr auf einem und demſelben Felde bauen koͤnnen[3. Es wurde ſchon bemerkt, daß die Zuſammen⸗ ſetzung der„Patent⸗Duͤngmittel“ von der Art iſt, daß dadurch den unſicheren Wirkungen des Guano vorgebeugt wird. Man macht daher den⸗ jenigen Landwirthen, welche Stallmiſt oder Gu⸗ ano anwenden, den Vorſchlag, ſich gleichzeitig der„Patent⸗Duͤngmittel“ zur Ueberduͤngung zu bedienen, obwohl, wie leicht zu begreifen, nicht in derſelben Quantitaͤt als in dem Falle, wo irgend ein anderes Duͤngungsmittel nicht mit angewendet ward. Jedenfalls wird der Land⸗ Es würde demnach eine volle Weizendüngung für 1 ſäch⸗ ſiſchen Acker Land auf circa 24 Thaler zu ſtehen kommen. — 6— wirth am beßten im Stande ſein, ſich nach und nach ſo einzurichten, daß er weiß, wie viel er von dem neuen Duͤngungsmittel in ſolchen Faͤllen zu nehmen habe, um nicht gerade zu verſchwenden. Beim Gebrauche dieſer„Patent⸗Duͤngmittel“ kommt Kalk, Gyps ꝛc. fuͤr Grasland, moͤge dieß angeſaͤet oder Wieſe ſein, ſowie fuͤr Klee, voͤllig in Wegfall. Die„Patent⸗Duͤngmittel“ koͤnnen breit aus⸗ geworfen oder in Furchen eingeſtreut werden. Hat man dieſen Duͤnger auf der Oberflaͤche ausge⸗ ſtreut, ſo wird jeder kleine Regenſchauer etwas davon aufloͤſen; das Waſſer dringt alsdann da⸗ mit geſaͤttiget in den Boden ein und bringt das Duͤngmittel mit den aufſaugenden Wurzelenden in Beruͤhrung. Man kann es unter allen Um⸗ ſtaͤnden als Regel betrachten, daß man den„Pa⸗ tent⸗Duͤnger“ ſo flach als moͤglich und in einer kleinen Entfernung von dem Samen in den Bo⸗ den einzubringen hat. Die Fabrikanten haben die Fabrikation die⸗ ſer Duͤngmittel unter die Oberaufſicht eines ſehr achtbaren(vom Profeſſor Liebig empfohlenen) Chemikers geſtellt und koͤnnen verſichern, daß kein Duͤngmittel verabreicht werden wird, welches nicht die volle Quantitaͤt fruchtbarmachender Stoffe beſitzt, in der genaueſten Uebereinſtimmung mit den Grundſaͤtzen des Erfinders. Duͤngmittel aller Art werden zur Zeit der Ausſaat vorraͤthig ſein, und da die Zeit zur Aus⸗ ſaat des Weizens vor der Thuͤr iſt, ſo erſuchen — 7— wir hoͤflichſt diejenigen Abnehmer, welche mit No. 1 einen Verſuch zu machen geneigt ſind, uns ſo bald als moͤglich von der Quantitaͤt, deren ſie beduͤrfen, in Kenntniß zu ſetzen. Schließlich bitten wir noch, daß man, da die Loͤſung der Aufgabe, kuͤnſtliche Duͤngmittel herzuſtellen, eine der groͤßten Wohlthaten fuͤr das Gemeinwohl iſt, uns alle mittelſt unſerer Duͤng⸗ mittel erzielten Reſultate mittheile oder dieſelben ſo weit als moͤglich veroͤffentliche. Wir werden folgende Duͤngerſorten vorraͤthig halten: No. 1. Duͤnger fuͤr Weizen, Roggen, Gerſte, Hafer, No. 2. ² fuͤr Kartoffeln, Ruͤben, Mangel⸗ wurzeln(Runkelruͤben), rothe Ruͤben, Paſtinaken und alle Knollengewaͤchſe, No. 3. ⸗ fuͤr Gras, No. 4. ⸗ fuͤrKlee, Luzerne, Erbſen, Bohnen, No. 5. 2 fuͤr Tabak, No. 6. ⸗ fuͤr Flachs. Der Preis per Tonne Weizenduͤnger betraͤgt 10 Pfund Sterling baare Zahlung in Liverpool. Muspratt. Comp. Ueber die Grundſätze der künſtlichen Düngung. Vom Profeſſor Juſtus Liebig. Wenn wir die Erfahrungen der Landwirthe in Beziehung auf die Fruchtbarkeit des Bodens und die Groͤße des Ertrages mit einander ver⸗ gleichen, ſo iſt die Allgemeinheit und Gleich⸗ foͤrmigkeit des ſo erlangten Reſultates gewiß ſehr uͤberraſchend. Man beobachtete naͤmlich, daß uͤberall, bei der Betreibung des Ackerbaues in den verſchieden⸗ ſten Laͤndern, bei der abweichendſten Bodenbe⸗ ſchaffenheit, bei der groͤßten Mannichfaltigkeit der erbauten Feldfruͤchte, ſowie bei Anwendung der verſchiedenſten Culturmethoden, der Ertrag eines Feldes(mochte man darauf erbaut haben, was es nur immer ſei) nach einer gewiſſen Reihe von Jahren ſich mehr oder weniger verminderte, waͤhrend dieſes Feld ſeine fruͤhere Ertragsfaͤhig⸗ keit wieder erhielt, wenn man demſelben die Ex⸗ cremente der Menſchen und Thiere wieder zu⸗ fuͤhrte, wenn man alſo„duͤngte“; ja man beob⸗ achtete noch außerdem, daß die Ertragsfaͤhigkeit der Felder durch Zufuhr derſelben Subſtanzen ſogar vergroͤßert werden koͤnne, und daß die Groͤße der Ernte mit der Groͤße der Duͤngung in einem genauen Zuſammenhange ſtehe. — 9— In fruͤherer Zeit nun hat man kaum den Verſuch gemacht, ſich von der Urſache dieſer ſo merkwuͤrdigen Eigenſchaft der Excremente der Thiere und Menſchen Rechenſchaft zu geben; und da man weder den Urſprung der Excremente, noch deren Beziehung zu der genoſſenen Nahrung einer ſchaͤrferen Betrachtung unterwarf, ſo darf man ſich nicht wundern, wenn man ſieht, daß man die guͤnſtige Wirkung dieſer Koͤrper gewiſſermaßen einem Reſte von Lebenskraft zuſchrieb, welcher ſie befaͤhigte, den Lebensproceß der Pflanzen zu befoͤrdern. Indem man ihren Einfluß auf die Fruchtbarmachung der Felder einer unerforſchlichen verborgenen Urſache zuſchrieb, vergaß man, daß alle und jede Kraft einen materiellen Traͤger, eine koͤrperliche Unterlage haben muß, und daß z. B. mit einem ſogenannten mathematiſchen He⸗ bel, welcher bekanntlich weder eine Raumfuͤllung nooch Schwere beſitzt, keine Wirkung hervorge⸗ bracht und keine Laſt gehoben werden kann. Geleitet von der Erfahrung, dieſer Haupt⸗ Grundlage einer jeden Erfahrungswiſſenſchaft, iſt es aber uͤber allen Zweifel erhaben, daß eine jede Wirkung ihre Urſache haben muͤſſe, und wir muͤſſen vorausſetzen, daß z. B. die Fruchtbarkeit eines Feldes, oder die ernaͤhrende Eigenſchaft einer Pflanze, oder die Wirkung des Duͤngers auf's Ent⸗ ſchiedenſte abhaͤngig ſei von einer Urſache, deren Vorhandenſein wir durch Maß und Gewicht nach⸗ zuweiſen vermoͤgen. Nur an der Hand ſolcher Erfahrung iſt es der Wiſſenſchaft der juͤngſt ver⸗ 9 4*½ 2 — 10— floſſenen Zeit gelungen, die Urſachen der Frucht⸗ barkeit der Felder ſowohl, als die der guͤnſtigen Wirkungen des Duͤngers endlich in das richtige Licht zu ſtellen. Die Chemie hat gezeigt, daß die die Frucht⸗ barkeit bedingenden Eigenſchaften der Felder her⸗ vorgerufen werden durch ihre chemiſche Zuſam⸗ menſetzung, und daß die Tauglichkeit derſelben zum Hervorbringen von Weizen oder irgend einer andern Feldfrucht in geradem Verhaͤltniſſe ſtehe zu einigen und zwar ſehr beſtimmten Beſtand⸗ theilen des Bodens, welche von Seiten der Pflan⸗ zen aufgenommen werden. Ebenſo iſt erwieſen worden, daß zwei Felder von ungleicher Frucht⸗ barkeit auch ungleiche Mengen dieſer Boden⸗ beſtandtheile beſitzen; oder daß ein fruchtbarer Boden dieſelben in einer anderen Form oder in einem anderen Zuſtande enthalte, als ein weniger fruchtbarer Boden. Es iſt Thatſache, daß ein Boden, welcher dieſe Beſtandtheile in hinreichender Menge enthaͤlt, reiche Ernten hervorbringt; und es zeigt ſich alsbald, daß der Boden unfaͤhig iſt, gewiſſe Arten von Feldfruͤchten zu tragen, wenn es ihm auch nur an einem einzigen dieſer Be⸗ ſtandtheile fehlt. Ferner iſt mit Beſtimmtheit ermittelt worden, welche Rolle dieſe Bodenbeſtandtheile bei der Ent⸗ wickelung der Pflanzen ſpielen. Die chemiſche Analyſe zeigte, daß eine gewiſſe Klaſſe dieſer Bodenbeſtandtheile in dem Samen, und andere in den Blaͤttern, Wurzeln, Knollen, Stengeln, — 41— obſchon in verſchiedener Menge und in verſchiede⸗ nen Verhaͤltniſſen, enthalten ſind. Sie ſind aber insgeſammt mineraliſche Subſtanzen, und da ſie als ſolche durch Feuer nicht zerſtoͤrt werden koͤnnen, ſo bleiben ſie natuͤrlich als Aſche zuruͤck, wenn man die ganzen Pflanzen oder nur Theile der⸗ ſelben einaͤſchert. Einige dieſer Beſtandtheile koͤnnen ſchon von reinem Waſſer aufgeloͤſt wer⸗ den, andere dagegen loͤſen ſich nur in ſolchem Waſſer auf, welchem Kohlenſaͤure beigemengt iſt, wie z. B. im Regenwaſſer; alle aber werden nur im aufgeloͤſten Zuſtande dem Boden von Seiten der Pflanzenwurzeln entzogen. Es iſt bewieſen worden, daß auf einem Felde, in welchem die bei der Einaͤſcherung der Koͤrner oder Samen zu⸗ ruͤckbleibenden Beſtandtheile in nicht zureichender Menge zugegen ſind, kein Weizen, keine Gerſte, keine Erbſen, uͤberhaupt keine jener Pflanzen ge⸗ deihen kann, welche man um ihrer Samen willen baut. Die Pflanzen, welche auf einem ſolchen Felde wachſen, bringen zwar Stengel und Blaͤtter hervor, ja ſie bluͤhen ſogar; allein ſie tragen keine Fruͤchte. Ganz das Naͤmliche hat man aber auch in Betreff der Blaͤtter, Wurzeln, Knollen er⸗ kannt; auch hier iſt das ganz beſtimmte Verhaͤlt⸗ niß zwiſchen der Entwickelung dieſer Dinge und denjenigen mineraliſchen Beſtandtheilen, welche ſie bei ihrer Einaͤſcherung zuruͤcklaſſen, ermittelt worden. Denn wenn z. B. in dem Boden, auf welchem Ruͤben oder Kartoffeln erbaut werden ſollen, die Aſchenbeſtandtheile dieſer Wurzeln und Knollen fehlen, ſo bringen dieſe Pflanzen zwar Blaͤtter, Stengel, Blumen und Samen hervor, allein die Wurzeln und Knollen bleiben unaus⸗ gebildet. Jeder Beſtandtheil, welchen der Boden der Pflanze darreicht, ſteht ſonach in einem be⸗ ſtimmten Verhaͤltniſſe zur Menge der erzeugten einzelnen Theile der Pflanzen. Zwei Felder, welche, unter ſonſt gleichen Umſtaͤnden, in Betreff der mineraliſchen Beſtandtheile der Samen un⸗ gleich reich ſind, bringen auch ungleiche Samen⸗ mengen hervor; und zwar erzeugt das eine, wel⸗ ches mehr von dieſen Beſtandtheilen enthaͤlt, eine groͤßere Samenmenge als das andere Feld, wel⸗ ches von dieſen Beſtandtheilen weniger enthaͤlt. Eben ſo haͤngt die Faͤhigkeit eines Bodens, Knollengewaͤchſe oder ſehr blattreiche Pflanzen hervorzubringen, lediglich von ſeinem Gehalte derjenigen Beſtandtheile, welche man bei der Aſchen⸗Unterſuchung ſolcher Pflanzen gefunden hat, ab. Aus dieſem Allen geht aber mit Entſchieden⸗ heit hervor, daß die mineraliſchen Subſtanzen, welche der Boden den Pflanzen darbietet, und welche man in der Aſche der Pflanzen wieder⸗ findet, wahre Nahrungsmittel der Pflanzen ſind. Dieſe mineraliſchen Beſtandtheile ſind weſentliche Bedingniſſe des Pflanzenlebens. Es iſt klar, daß wir einem Felde, auf wel⸗ chem verſchiedene Pflanzen erbaut wurden, bei der Ernte eine gewiſſe Menge ſolcher Boden⸗ Beſtandtheile entziehen; und zwar in dem Sa⸗ — 413— men jene Beſtandtheile, welche der Boden her⸗ geben mußte, um die Entwickelung moͤglich zu machen; in den Wurzeln, Knollen, Stengeln und Blaͤttern dagegen jene, welche zur Entwickelung dieſer Dinge noͤthig waren. Moͤge nun ein Feld auch noch ſo reich an dieſen Beſtandtheilen ſein, ſo kann doch auf keine Weiſe bezweifelt werden, daß es durch mehre auf einander folgende Cul⸗ turen immer aͤrmer und aͤrmer werden, und daß fuͤr eine jede Pflanze endlich eine Zeit kommen muͤſſe, wo der Boden aufhoͤren wird, dasjenige in hinreichender Menge zu liefern, was doch zu einem vollkommenen Gedeihen dieſer Pflanze noth⸗ wendig iſt. Selbſt wenn von einem Felde viele Jahre hindurch das 25⸗ oder 30fache der Aus⸗ ſaat, z. B. von Weizen, geerntet ward, ſo zeigt doch die Erfahrung, daß ſich der Ertrag all⸗ maͤhlich verringert, bis er endlich ſo gering wird, daß er nicht mehr der Muͤhe der Bebauung des Feldes lohnt; die Pflanze naͤhert ſich wieder ihrem wilden Zuſtande. Je nach der ungleichen Menge der minerali— ſchen Beſtandtheile der Koͤrner, der Knollen, Wurzeln, Samen und Blaͤtter, welche ein Bo⸗ den enthaͤlt, oder je nach dem Verhaͤltniſſe, in welchem dieſe Koͤrper bei der Ernte weggefuͤhrt wurden, kann das Land aufgehoͤrt haben, frucht⸗ bar zu ſein fuͤr Wurzeln und Knollen, obſchon es noch faͤhig iſt, gute Weizenernten zu geben; und auf der anderen Seite kann wieder ein ande⸗ res Land nicht mehr im Stande ſein, Weizen — 44— hervorzubringen, waͤhrend Kartoffeln und Ruͤben noch vortrefflich in ihm gedeihen. Die mineraliſchen Subſtanzen eines frucht⸗ baren Bodens, welche zur Nahrung der Pflan⸗ zen dienen, werden von dieſen letzteren vermittelſt des Waſſers, worin ſie geloͤſt ſind, aufgenommen; und es ſind dieſelben in einem fruchtbaren Felde in einem ſolchen Zuſtande enthalten, welcher ihre Aufnahme von Seiten der Pflanzenwurzeln ver⸗ ſtattet. Es giebt Felder, welche reich an ſolchen Beſtandtheilen ſind, ohne deßhalb in gleichem Verhaͤltniß fruchtbar zu ſein; allein in dieſem Falle ſind dieſe Beſtandtheile mit anderen Koͤr⸗ pern zu ſolchen chemiſchen Verbindungen zuſam⸗ mengetreten, welche der aufloͤſenden Kraft des Waſſers widerſtehen. Nur durch die gleichzeitige Wirkung des Waſſers und der atmoſphaͤriſcher⸗ Luft(ins Beſondere des Sauerſtoffes und der Kohlenſaͤure derſelben) werden dieſe Verbindungen zerſetzt, wodurch diejenigen Beſtandtheile, welche im Waſſer loͤslich ſind(welche jedoch unloͤslich waren, ſo lange ſie ſich in der chemiſchen Ver⸗ bindung mit anderen Mineral⸗Subſtanzen be⸗ fanden), die Eigenſchaft, von den Pflanzenwur⸗ zeln aufgenommen zu werden, wieder erhalten[41. Die Dauer der Fruchtbarkeit eines Feldes haͤngt ab von der Groͤße des Gehaltes an mi⸗ neraliſchen Nahrungsmitteln der Pflanzen, und ſeine Productionsfaͤhigkeit ſteht fuͤr eine gegebene Zeit in directem Verhaͤltniſſe zu denjenigen ſeiner Beſtandtheile, welche die Eigenſchaft be⸗ - 15— ſitzen, von der Pflanze aufgenommen zu werden. Eine Menge der wichtigſten landwirthſchaftlichen Operationen, insbeſondere der mechaniſchen, uͤbt nur inſofern einen guͤnſtigen Einfluß auf die Fruchtbarkeit der Felder aus, als ſie die Hinder⸗ niſſe hinwegraͤumt, welche ſich der Aufnahme der mineraliſchen Nahrungsmittel von Seiten des vegetabiliſchen Organismus in den Weg legen. So wird z. B. durch das Pfluͤgen die Oberflaͤche der Felder fuͤr Luft und Feuchtigkeit zugaͤngig gemacht, und die im Boden in einem gebunde⸗ nen Zuſtande(latent state) enthaltenen Nahrungs⸗ mittel erlangen durch dieſe Operationen die zu ihrer Ueberfuͤhrung in die Pflanzen nothwendigen Eigenſchaften. Es iſt daher leicht zu begreifen, welchen nuͤtzlichen Einfluß in dieſer Beziehung die Sorge und der Fleiß des Landmannes bei der Bearbeitung des Bodens auf den Ertrag der Felder haben muß. Allein alle dieſe Arbeiten und Anſtrengungen koͤnnen den Gehalt eines Feldes an mineraliſchen Beſtandtheilen nicht vermehren; und indem ſie in einer gegebenen Zeit eine ge⸗ wiſſe Menge vorher unloͤslicher Subſtanzen in einen loͤslichen Zuſtand verſetzen und dadurch reichere Ernten erzielen, ſo wird durch ſie die Zeit, zu welcher der Boden voͤllig erſchoͤpft iſt, nur um ſo ſchneller herbeigefuͤhrt. Die ſeit vielen Jahrhunderten gemachte Er⸗ fahrung hat bewieſen, daß die urſpruͤngliche Fruchtbarkeit des Bodens mit Huͤlfe des Duͤngers, d. h. der Excremente von Menſchen und Thieren, — 46— b wiederhergeſtellt werden kann, wenn man ihn b ſolchen Feldern, welche aufgehoͤrt haben, Ertraͤge an Getreide oder ſonſtigen zur Nahrung fuͤr Men⸗ ſchen oder Thiere dienenden Pflanzen zu geben, in genuͤgender Menge zufuͤhrt; ein voͤllig er— ſchoͤpfter Boden, welcher kaum die Ausſaat wieder⸗ gab, wird dadurch zu zwanzig- und mehrfaͤltigem Ertrage, je nach der angewendeten Menge von Duͤnger, faͤhig gemacht. In Bezug nun auf die Wirkungsweiſe des Duͤngers, ſo hat man beobachtet, daß nicht alle Excremente eine gleiche Wirkung auf die Pflan⸗ zen haben. Die Excremente der Schafe und des Rindviehes z. B. befoͤrdern auf den meiſten Feldern das Wachsthum von Wurzelgewaͤchſen und blattreichen Pflanzen in einem weit hoͤheren Grade, als die Excremente der Menſchen und Voͤgel(Guano); waͤhrend dieſe letzteren wieder⸗ um weit guͤnſtiger auf die Hervorbringung von Koͤrnerfruͤchten wirken, insbeſondere wenn man ſie den erſtgenannten Thierexcrementen beimengt und ſie mit denſelben gleichzeitig auf die Felder bringt. Ein Feld z. B., welches ſeine Fruchtbarkeit fuͤr Kartoffeln und Ruͤben verloren hat, auf welchem jedoch Erbſen und Bohnen noch recht gut gedeihen, wird fuͤr eine neue Ernte von Kar— toffeln und Ruͤben in einem weit hoͤheren Grade wieder fruchtbar, wenn man demſelben Pferde— und Kuhmiſt zufuͤhrt, als wenn man daſſelbe mit Menſchenmiſt oder mit Guano duͤngen wollte. — 47— Die genaueſten Experimente und Unterſuch⸗ ungen haben dargethan, daß die Excremente der Menſchen und Thiere diejenigen Subſtanzen ent⸗ halten, durch deren Gegenwart die Fruchtbarkeit des Bodens bedingt iſt, und man kann die frucht⸗ barmachende Kraft des Duͤngers ſogar dem Ge⸗ wichte nach beſtimmen, da ſeine Wirkung in ge⸗ radem Verhaͤltniſſe zu ſeinem Gehalte an mine⸗ raliſchen Nahrungsſtoffen der Pflanzen ſteht. Die Wahrheit des Reſultates dieſer chemiſchen Unterſuchungen muß einem Jeden, der nach dem Urſprunge der Excremente fragt, einleuchtend ſein. Alle Excremente der Menſchen und Thiere ruͤhren von den Pflanzen unſerer Felder her; in dem Hafer und dem Heu, welches zum Futter der Pferde dient, in den Wurzeln, welche eine Kuh verzehrt, iſt eine gewiſſe Menge mineral⸗ iſcher Subſtanzen enthalten. Ein Pferd, indem es 15 Pfund Heu und 4 ½ Pfund Hafer taͤglich verzehrt, verzehrt 21 Unzen ſolcher Beſtandtheile, welche das Heu und der Hafer dem Boden der Felder entlehnten; und obſchon es ſonach jaͤhrlich 480 Pfund ſolcher Bodenbeſtandtheile zu ſich nimmt, ſo hleibt doch nur ein ſehr geringer Theil davon in ſeinem Koͤrper. Denn geſetzt z. B., ein Pferd haͤtte binnen einem Jahre um 100 Pfund an Gewicht zugenommen, ſo kommen auf dieſe Gewichtszunahme nicht mehr als 7 Pfund jener mineraliſchen Subſtanzen, welche das Futter enthielt. Was iſt nun, ſo muß man fragen, mit jenen andern 473 Pfunden geworden, welche — 18— man nirgends in dem Koͤrper des Pferdes wieder⸗ finden kann? Die Unterſuchung der fluͤſſigen und feſten Excremente, welche das Pferd taͤglich ab⸗ giebt, zeigt nun, daß die Bodenbeſtandtheile, welche nicht in dem Koͤrper des Thieres zuruͤck— bleiben, in ſeinen Excrementen enthalten ſind; und es wird zugleich durch ſolche Unterſuchungen bewieſen, daß bei einem ausgewachſenen Thiere, welches von Tag zu Tag an Gewicht weder zu⸗ nimmt noch abnimmt, der Gehalt der Excre⸗ mente an mineraliſchen Beſtandtheilen ſeinem Gewichte nach genau ſo viel betrage als das Gewicht der mineraliſchen Beſtandtheile des ge⸗ noſſenen Futters. Wie mit dem Pferde, ſo verhaͤlt es ſich aber mit allen anderen Thieren. Die Excxemente eines jeden erwachſenen Thieres ent⸗ halten die Bodenbeſtandtheile in der⸗ ſelben Menge und in denſelben relati⸗ ven Verhaͤltniſſen, als wie ſie in dem Futter des Thieres enthalten waren. Jene mineraliſchen Beſtandtheile des Futters, welche in dem Koͤrper der Thiere zuruͤckblieben und zur Vergroͤßerung des Gewichtes derſelben beitrugen, findet man in den Knochen und in den Excrementen der Menſchen wieder, welche ſich von dem Fleiſche dieſer Thiere naͤhrten. Die Excremente der Menſchen enthalten die Beſtandtheile des Bodens, des Brodes oder der Samen, der Gemuͤſe und des Fleiſches. — 49— Dieſe Entdeckungen erklaͤren auf die einfachſte und voͤllig genuͤgende Weiſe die fruchtbarmachende Wirkung, welche der Duͤnger auf unſeren Feldern ausuͤbt. Es iſt jetzt klar, weßhalb der Duͤnger er⸗ ſchoͤpfte Felder wieder fruchtbar macht; jetzt ſieht man ein, weßhalb durch Duͤnger die Tragbarkeit der Felder vermehrt werden kann; man begreift erſt ſonach vollkommen, weßhalb der Ertrag in einem directen Verhaͤltniß zur Menge des auf⸗ gewendeten Duͤngers ſteht. Die Erſchoͤpfung des Bodens bei auf ein⸗ ander folgenden Ernten(ſeine Abnahme an Er⸗ tragsfaͤhigkeit) wird hervorgebracht durch die allmaͤhliche Wegfuͤhrung von mineraliſchen Sub⸗ ſtanzen, welche ſich in dem Boden in einem loͤs⸗ lichen Zuſtande, wie ſolcher fuͤr die Entwickelung unſerer Culturpflanzen nothwendig iſt, befanden. Durch Zufuhr von Duͤnger werden ſie wieder⸗ erſetzt, und zwar gerade in demſelben Zuſtande, in welchem ſie am paſſendſten zur Ernaͤhrung einer neuen Vegetation dienen koͤnnen. Iſt dieſe Zufuhr der bei der Ernte hinweg⸗ genommenen Bodenbeſtandtheile durch die Duͤng⸗ ung eine hinreichende, wird alſo die hinwegge⸗ nommene Menge ooͤllig wiedererſetzt, ſo kehrt die urſpruͤngliche Fruchtbarkeit des Bodens zu⸗ ruͤck; iſt die Zufuhr groͤßer, ſo wird der Ertrag erhoͤht; iſt ſie geringer, ſo wird der Ertrag ver⸗ mindert. — 29— Ferner aber iſt jetzt erſt klar, weßhalb die verſchiedenen Duͤngerſorten eine ſo ungleiche Wirk⸗ ung auf unſere Felder ausuͤben. Die Excremente der Menſchen und der Guano, welche beſonders die mineraliſchen Beſtandtheile der Samen und des Fleiſches enthalten, uͤben, wenn ſie auf ein Feld gebracht werden, welches ihrer bedarf, ſelbſt wenn alle mineraliſchen Be⸗ ſtandtheile der Blaͤtter und Stengel in hinreich⸗ ender Menge vorhanden ſind, einen weit groͤße⸗ ren Einfluß auf den Koͤrnerertrag dieſes Feldes, als die Excremente der Thiere, welche mit Wur⸗ zelgewaͤchſen und Futterkraͤutern ernaͤhrt worden ſind. Dieſe Excremente enthalten die mineral⸗ iſchen Beſtandtheile der Blaͤtter, Stengel und Wurzeln in vorwaltender Menge und haben einen groͤßeren Werth bei der Production von Wurzel⸗ und Blattpflanzen, als die der Menſchen oder der Voͤgel, welche nur eine geringe Quantitaͤt derjenigen mineraliſchen Subſtanz enthalten, die zur Entwickelung der letztgenannten Pflanzen erforderlich ſind. Vergleichen wir z. B. die Zuſammenſetzung des Guano mit der des Kuhmiſtes(die feſten und fluͤſſigen Excremente bei gleichem Grade der Trockenheit), ſo findet man, daß bei gleichem Gewichte der letztere 5 bis 7 mal ſo viel von den mineraliſchen Beſtandtheilen der Ruͤben und Kartoffeln enthaͤlt, als der erſtere. Wenn wir daher in einem Boden, welcher von allen mine⸗ raliſchen, einer Pflanze zur Nahrung dienenden — 21— Beſtandtheilen entbloͤßt iſt, eine Ruͤbenernte mittelſt Guano erzwingen wollen, ſo beduͤrfen wir mindeſtens 5 mal mehr Guano als Kuhmiſt. Daſſelbe findet ſtatt, wenn wir eine reiche Kornernte durch Duͤngung mit den Excrementen der Thiere erzielen wollen, in welchem Falle 1 Theil Guano und 5 Theile Thierexcremente die⸗ ſelbe Wirkung haben werden, wie 13 bis 15 Theile von Thierexcrementen allein. Um dieſe Zahlenverhaͤltniſſe richtig zu ver⸗ ſtehen, reicht es hin, daran zu erinnern, daß 400 Pfund Knochen eben ſo viel Phosphorſaͤure ent⸗ halten als wie 1000 Pfund Weizen; dieſe 400 Pfund Knochen koͤnnen daher 8 Acres Land mit der fuͤr eine Weizenernte hinreichenden Menge von Phosphorſaͤure verſehen. Nehmen wir die Knocheneinfuhr in Groß⸗ britannien in den letzten 10 Jahren zu 1000000 Tonnen an*), ſo iſt den engliſchen Feldern eine zur Erzeugung von 25,000,000 Tonnen Weizen hinreichende Menge von Phosphorſaͤure zugefuͤhrt worden; allein nur ein geringer Theil der Phos⸗ phorſaͤure der Knochen befindet ſich in dem Zu⸗ ſtande, in welchem er von den Pflanzen aufge⸗ nommen und zur Bildung des Samens verwendet werden kann. Die Pflanzen muͤſſen, um den andern weit groͤßeren Theil dieſer Phosphorſaͤure zu ihrer Ausbildung benutzen zu koͤnnen, neben *) Wie viel mag wohl Deutſchland dazu geliefert haben?! — 22— der Knochenerde noch eine gewiſſe Menge alkal⸗ iſcher Baſen vorfinden, welche ihnen nicht von Seite der Knochen dargereicht werden kann, weil dieſe weder Pottaſche noch Soda enthalten. Um deßhalb die Fruchtbarkeit der Felder in dem rich⸗ tigen Verhaͤltniſſe zu ſteigern, haͤtte man einer jeden Million Tonnen Knochen 800,000 Tonnen Pottaſche in geeigneter Form hinzufuͤgen muͤſſen. Eben ſo verhaͤlt es ſich mit dem Guano. Von dieſem Duͤngmittel ſind 60 bis 100 Pfund hinreichend, um einen Acker Ruͤben mit der hin⸗ reichenden Menge von Phosphorſaͤure zu ver⸗ ſehen; allein das 4⸗ bis Sfache Gewicht iſt er⸗ forderlich, um dieſen Ruͤben die noͤthigen alkali⸗ ſchen Baſen darzureichen, und dabei iſt es im⸗ mer noch fraglich, ob uͤberhaupt die Salze mit alkaliſchen Baſen, welche der Guano enthaͤlt, dazu ausreichen moͤchten. Als man weder die Nothwendigkeit der mi⸗ neraliſchen Subſtanzen fuͤr das Wachsthum und Gedeihen der Pflanzen, noch die genauen Be⸗ ziehungen kannte, welche die Wirkſamkeit des Duͤngers zu ſeinem Gehalte an ſolchen Sub⸗ ſtanzen hatte, ſchrieb man den Hauptwerth des Duͤngers ſeinem Gehalte an organiſchen Sub⸗ ſtanzen zu; und lange Zeit hindurch war man der Ueberzeugung, daß der Ertrag eines Feldes an denjenigen ſtickſtoffhaltigen Subſtanzen, welche zunaͤchſt zur Nahrung fuͤr Menſchen und Thiere dienen, in einem directen Verhaͤltniß zu dem Stickſtoffgehalte des Duͤngers ſtehe. Ja man — 23— glaubte ſogar, daß ſein Handelswerth oder ſein wirklicher Werth als Duͤnger ſich durch den pro⸗ centiſchen Gehalt ſeines Stickſtoffes beſtimmen laſſe. Allein ſpaͤtere und mehr uͤberzeugende Be⸗ obachtungen haben mich veranlaßt, dieſer Mein⸗ ung zu widerſprechen. Wenn naͤmlich der Stickſtoff und die durch Verweſung und Zerſetzung der vegetabiliſchen Beſtandtheile des Duͤngers entſtandene Kohlen⸗ ſaͤure die Urſache ſeiner fruchtbarmachenden Kraft waͤren, ſo muͤßte dieß natuͤrlich auch der Fall ſein, wenn man die mineraliſchen Subſtanzen ausſchließt[5). Nun haben zwar directe Verſuche gelehrt, daß der Stickſtoff der Excremente von Seiten der Pflanzen aufgenommen werden kann, und zwar in der Form von Ammoniak; allein dieſes Ammoniak, ſo gut wie die Kohlenſaͤure, ſo unerlaͤßlich es auch fuͤr die Entwickelung aller Pflanzen iſt, kann das Wachsthum der Pflanzen, ſowie den Ertrag der Felder an Koͤrnern, Wur⸗ zeln und Knollen nur dann beſchleunigen und erhoͤhen, wenn die mineraliſchen Subſtanzen des angewendeten Duͤngers in einem fuͤr die Auf⸗ nahme geeigneten Zuſtande gleichzeitig mit vor⸗ handen ſind. Sind die letzteren ausgeſchloſſen, ſo hat das Ammoniak und die Kohlenſaͤure auch nicht die geringſte Wirkung auf die Vegetation. Auf der anderen Seite dagegen hat die Er⸗ fahrung gezeigt, daß auf vielen Feldern der Er⸗ trag an kohlenſtoff⸗ und ſtickſtoffreicher Subſtanz zu einer außerordentlichen Hoͤhe gebracht werden — 2— kann, ohne daß man kohlenſtoff⸗ und ſtickſtoff⸗ haltige Duͤngmittel zufuͤhrte; und an vielen Orten erhielt man auf Feldern, welche man mit einer gewiſſen Menge Mergel oder gebranntem Kalk, oder mit Knochenerde und Gyps verſah, alſo mit Subſtanzen, welche den Pflanzen weder Kohlenſtoff noch Stickſtoff abgeben konnten, reiche Ernten von Koͤrnerfruͤchten, Knollen⸗ und Wur⸗ zelgewaͤchſen, ganz im Widerſpruch mit der Be⸗ hauptung, welche den Effect des Duͤngers ſeinem Gehalte an ſtickſtoff⸗ und kohlenſtoffhaltigen Be⸗ ſtandtheilen zuſchreibt. uUm dieſe der gewoͤhnlichen Anſicht ſo ganz entgegenſtehenden Vorgaͤnge zu erklaͤren, be⸗ hauptete man, daß der Mergel, der Kalk, der Gyps, die Alkalien und die Knochenerde als Reizmittel zu betrachten waͤren, welche in den Pflanzen ganz aͤhnlich wirkten als wie die Ge⸗ wuͤrze bei den Nahrungsmitteln der Menſchen, von denen man glaubte, daß ſie im Stande waͤ⸗ ren, die Kraft der Verdauung zu erhoͤhen und die einzelnen Individuen zu befaͤhigen, groͤßere Mengen von Nahrung zu ſich zu nehmen 61. Dieſer Anſicht wird aber widerſprochen, wenn wir bedenken, daß man unter Reizmitteln ſolche Subſtanzen zu verſtehen habe, welche in keiner Weiſe zur Ernaͤhrung des Organismus oder zur Bildung der organiſchen Beſtandtheile dienen, ſondern einzig und allein eine Vermehrung der Maſſe des Koͤrpers dann bewirken koͤnnen, wenn gleichzeitig ein gewiſſes Maß von Nahrungs⸗ — 25— mitteln verabreicht wird. Indem man den Fel⸗ dern die obenerwaͤhnten Subſtanzen zufuͤhrte, vergroͤßerte ſich das Gewicht der Pflanzen in allen ihren einzelnen Theilen, obgleich man ſie keineswegs mit Kohlenſaͤure und Ammoniak ver⸗ ſah, jenen Nahrungsſtoffen, welche ſie doch zu ihrem ſo außerordentlichen Wachsthum der bis⸗ herigen Theorie nach ganz nothwendig brauchten. Chemiſche Unterſuchungen haben ergeben, daß dieſe ſogenannten Reizmittel entweder wirklich duͤngende Beſtandtheile des Duͤngers ſind, wie z. B. der Gyps, die Knochenerde und die wirk⸗ ſamen Beſtandtheile des Mergels, oder daß ſie die Vermittler abgeben, wodurch die mineraliſchen Beſtandtheile des Bodens in einen Zuſtand ver⸗ ſetzt werden, welcher dieſelben zur Aufnahme von Seiten der Pflanzen geſchickt macht, wie das namentlich bei der Anwendung des gebrannten Kalkes der Fall iſt. Sie uͤben daher auf den Lebensproceß der Pflanzen keineswegs einen blo⸗ ßen Reiz wie die Gewuͤrze, ſondern ſie werden zur Entwickelung der Blaͤtter, Samen, Wurzeln u. ſ. w. verwendet, und nehmen weſentlichen Theil an der Zuſammenſetzung dieſer Koͤrper, wie mit Sicherheit durch die chemiſche Unterſuchung nach⸗ gewieſen werden kann. Die guͤnſtigen Erfolge, welche die Anwendung dieſer Subſtanzen auf die Felder ausuͤbte, hat auf die ſchlagendſte Weiſe den Urſprung des Kohlenſtoffes und des Stickſtoffes in den Pflan⸗ zen in das hellſte Licht geſtellt. Mit dem Mer⸗ Liebig's Patent⸗Dünger. 2 — 26— gel, mit der Knochenerde, mit dem Gypſe, mit dem ſalpeterſauren Natrum fuͤhrte man den Fel⸗ dern auch nicht die kleinſte Menge Kohlenſtoff zu; und dennoch erzielte man in den meiſten Faͤllen denſelben, ja bisweilen ſogar einen viel hoͤheren Ertrag, als bei der Anwendung eines kohlenſtoff⸗ und ſtickſtoffhaltigen Duͤngers. Da nun aber der Boden nach der Hinwegnahme der Ernte an kohlenſtoff⸗ und ſtickſtoffhaltigen Subſtanzen keineswegs aͤrmer geworden iſt, ſo iſt voͤllig klar, daß das auf dieſem Boden ohne Anwendung von kohlenſtoff⸗ oder ſtickſtoffhaltigem Duͤnger Erbaute den Kohlenſtoff und den Stickſtoff ſeiner Blaͤtter, Wurzeln und Stengel von der Atmo⸗ ſphaͤre entnommen haben muß, woraus folgt, daß die Ertragsfaͤhigkeit der Felder nicht in dem Verhaͤltniß der Zufuhr von kohlenſtoff⸗ und ſtick⸗ ſtoffhaltigen Subſtanzen erhoͤht werden koͤnne, ſondern daß die Fruchtbarkeit einzig und allein von der Zufuhr ſolcher Beſtandtheile abhaͤnge, welche nur von Seite des Bodens in die Pflanzen gelangen. Der Boden dient keineswegs nur dazu, um den Pflanzen und ihren Wurzeln zur Stuͤtze zu dienen; er nimmt durch den Umſtand, daß er gewiſſe Beſtandtheile an die Pflanzen abgiebt, an dem Pflanzenleben Theil. Sind dieſe Be— ſtandtheile in hinreichender Menge und in an⸗ gemeſſenen Proportionen vorhanden, ſo iſt durch eine ſolche Bodenbeſchaffenheit die Bedingung gegeben, wodurch die Pflanze faͤhig wird, Koh⸗ — 27— lenſaͤure und Ammoniak aus der Luft, jener un⸗ erſchoͤpflichen Vorrathskammer dieſer Koͤrper, an⸗ zuziehen und zur Bildung kohlenſtoff⸗ und ſtick⸗ ſtoffhaltiger vegetabiliſcher Subſtanzen zu ver⸗ wenden. 5₰ Der Landmann muß ſich daher darauf be⸗ ſchraͤnken, dem Felde die fuͤr die Entwickelung der Pflanzen, welche er zu bauen beabſichtigt, noͤthige Zuſammenſetzung zu geben, und ſein Hauptaugenmerk wird darauf zu richten ſein, daß er alle jene Elemente, von denen verlangt wird, daß ſie im Boden vorhanden ſein muͤſſen, herzuſchafft und wiedererſetzt, nicht aber nur eines derſelben, wie ſo haͤufig geſchieht. Mit den Be— ſtandtheilen der atmoſphaͤriſchen Luft, d. h. mit Kohlenſaͤure und Ammoniak, koͤnnen ſich die Pflan⸗ zen in der Mehrzahl der Faͤlle ganz ohne des Menſchen Zuthun verſorgen; er hat nur darauf zu ſehen, daß er ſeinem Felde diejenige phyſi⸗ kaliſche Eigenſchaft gebe, welche die Aufnahme der Beſtandtheile des Bodens von Seiten der Pflanzen moͤglich macht und erhoͤht; alle Ur⸗ ſachen dagegen, welche die Wirkung derſelben vermindern koͤnnten, hat er zu beſeitigen. Die vortheilhafte Wirkung, welche das Kno⸗ chenmehl, der Gyps, das ſalpeterſaure Natrum auf den Feldern hervorbrachte, hat viele Land⸗ wirthe zu dem Glauben veranlaßt, daß man bei der Anwendung dieſer Subſtanzen von der Anwendung des Duͤngers oder der anderen Be⸗ ſtandtheile des Bodens ganz abſtehen koͤnne, . 2* — 28— obſchon es nur ein geringes Nachdenken erfordert, den großen Irrthum einer ſolchen Anſicht einzu⸗ ſehen. Wir bemerken, daß die Wirkung dieſer Subſtanzen nicht auf allen Feldern eine gleiche iſt; in der einen Gegend wird die Hoͤhe des Ertrages durch Kalk, Knochenmehl und Gyps erhoͤht, waͤhrend in einer anderen Gegend oder auf anderen Feldern von dieſen Subſtanzen nicht der geringſte Einfluß auf die Vegetation ver⸗ ſpuͤrt wird. Es entſpringen aus ſolchen Beob⸗ achtungen die einander ſo widerſprechenden An⸗ ſichten, welche die Landwirthe in Betreff des duͤngenden Werthes dieſer Subſtanzen haben, und daher kommt es denn auch, daß der eine Oekonom das Kalken ſeiner Felder als unerlaͤß⸗ lich betrachtet, wenn er dieſelben fruchtbar er⸗ halten will, waͤhrend ein anderer dem Kalken alle und jede Wirkung auf eine Vermehrung des Ertrages ſeiner Felder geradezu abſpricht. Die Urſache dieſer Verſchiedenheit iſt ſehr einfach. Die Unterſuchung eines Bodens, auf welchem Kalk ohne allen Erfolg war, zeigte, daß derſelbe ſchon vorher reichlich mit Kalk ver⸗ ſehen war; und es ward ferner ermittelt, daß ſich der Kalk nur in ſolchem Boden wirkſam zeigt, welcher Kalk entweder gar nicht, oder in nicht zureichender Menge, oder unter ſolchen Ver⸗ haͤltniſſen enthielt, welche nicht geeignet waren, ſein Aufnehmen von Seite der Pflanzen zu be⸗ wirken. Der Kalk dient hauptſaͤchlich zur Auf⸗ ſchließung der Thonerdeſilicate(des Thones) und — 29— kann daher zur Erhoͤhung der Fruchtbarkeit eines Bodens, welcher keinen Thon enthaͤlt, z. B. eines ſandigen Bodens, nichts beitragen. Es iſt einem Jeden voͤllig einleuchtend, daß auf den kalk⸗ und gypsreichen Feldern Frankreichs und Englands ein halbes Procent Gyps oder Kalk keinen Einfluß auf die Vegetation haben kann[7I. Das von dem Kalk Geſagte gilt aber mit dem— ſelben Rechte auch von der Knochenaſche, und von jeder anderen mineraliſchen Subſtanz, welche den Pflanzen zur Nahrung dient. Wenn dieſe Subſtanzen eine guͤnſtige Wirk⸗ ung aͤußern, ſo erſetzen ſie irgend einen fehlenden, aber fuͤr die Pflanzenernaͤhrung ganz unentbehr⸗ lichen Beſtandtheil des Bodens oder des Duͤngers; und ſie koͤnnen dieß nur inſofern, als die ande⸗ ren Koͤrper, welche in gleicher Weiſe noͤthig ſind, bereits in genuͤgender Menge vorhanden ſind. Von einem Felde, auf welchem Gyps guͤnſtig wirkte, auf welchem man jedoch ohne Anwend⸗ ung von Gyps Klee erbaute, erntete man unter ſolchen Umſtaͤnden 2200 Pfund Kleeheu, mit welchem 53 Pfund Kali von dem Boden des Feldes hinweggenommen wurden; nachdem man aber daſſelbe Feld gegypſt hatte, ſo erntete man 8000 Pfund Kleeheu, worin 191 Pfund Kali enthalten waren. Haͤtte nun das Kali in dem Boden gefehlt, ſo wuͤrde der Gyps ohne Wirk⸗ ung geblieben ſein, der Ertrag waͤre durch Duͤng⸗ ung mit Gyps nicht erhoͤht worden. Der Gyps wird daher auf ſolchen Feldern, welche mit allen — 30— anderen mineraliſchen Nahrungsmitteln der Pflan⸗ zen, jedoch mit Ausnahme des Gypſes, wohl verſehen ſind, mit dem allergroͤßten Erfolge an⸗ gewendet werden. Iſt jedoch Gyps im Boden vorhanden, ſo erhaͤlt man dieſelben guͤnſtigen Wirkungen bei der Anwendung von Aſche und Kalk, wie z. B. in Flandern. Auf Feldern, denen es an phosphorſaurem Kalke fehlt, be⸗ foͤrdert Knochenaſche den Ertrag an Korn, Klee und Heu, und bei thonigem Boden bringt Kalk eine entſchiedene Verbeſſerung hervor. Alle dieſe Koͤrper wirken nur auf ſolchen Feldern, denen es daran fehlt, denen jedoch die anderen Boden⸗ beſtandtheile nicht abgehen. Die einen bedingen die Wirkung der anderen, und ſo umgekehrt. Jene Landwirthe, welche glaubten, daß ſie bei Anwendung von Kalk, Gyps, Knochenerde ꝛc. animaliſchen Duͤnger entbehren koͤnnten, bemerk⸗ ten ſehr bald, daß ſich ihre Felder verſchlechterten. Sie beobachteten, daß bei der Anwendung eines ſo vereinzelten Koͤrpers als Duͤngmittel durch 3 oder 4 auf einander folgende Jahre der Er⸗ trag immer geringer und geringer ward, und daß zuletzt das Feld kaum die Ausſaat wieder hervorbrachte[8. Aus dieſem Allen geht klar hervor, von welcher Art die Wirkung der mineraliſchen Be⸗ ſtandtheile des Bodens ſei. Wenn in der Wirk⸗ lichkeit in den erſten Jahren die Ertragsfaͤhigkeit eines Bodens durch Anwendung von Knochen⸗ aſche oder eines anderen einzelnen Duͤngerbeſtand⸗ — 31— theiles erhoͤht ward, und wenn dieſe Erhoͤhung abhaͤngig war von der Hoͤhe des Bodengehaltes an den anderen mineraliſchen Beſtandtheilen, ſo wird eine gewiſſe Menge dieſer letzteren all⸗ jaͤhrlich von den Pflanzen aufgenommen und bei der Ernte hinweggeſchafft, und es muß zu⸗ letzt eine Zeit kommen, wo in Folge ſo haͤufiger Entziehung Erſchoͤpfung eintritt. Der Boden mußte nothwendig unfruchtbar werden, weil, ob⸗ ſchon man fortwaͤhrend von allen ſeinen Beſtand⸗ theilen gewiſſe Mengen hinwegnahm, man im⸗ mer nur den einen oder den andern, niemals aber alle in dem gehoͤrigen Verhaͤltniſſe wieder erſetzte. Der Wiedererſatz des bei der Ernte Entnommenen, und zwar in den richt⸗ igen Verhaͤltniſſen, iſt aber die einzig wahre wiſſenſchaftliche Grundlage des Ackerbaues. Wenn man die fluͤſſigen und feſten Excre⸗ mente der Menſchen und Thiere einer genauen chemiſchen Unterſuchung unterwirft und die Be⸗ ſtandtheile derſelben ihrem Gewichte nach mit einander vergleicht, ſo bemerkt man einige ganz conſtante Beziehungen, welche ſie zu einander ha⸗ ben, deren Kenntniß von einiger Wichtigkeit iſt. Sammelt man die Excremente eines Thie⸗ res mit einiger Sorgfalt und uͤberlaͤßt dieſelben auf einige Tage ſich ſelbſt, ſo ſcheint es, als ob ihr Stickſtoffgehalt ſich mehr oder weniger voll⸗ ſtaͤndig in Ammoniak umgewandelt habe. In — 32— den fluͤſſigen Excrementen, im Urine, findet man die im Waſſer loͤslichen Salze des Futters in der Form von kohlenſauren Alkalien, oder ſchwe⸗ felſaure, phosphorſaure und andere Salze mit alkaliſchen Baſen; in den feſten Excrementen ſind dagegen Kieſelerde, wenn das Futter ſolche enthielt, ſowie kohlenſaure und phosphorſaure Erdſalze die Hauptbeſtandtheile. Die Menge der kohlenſauren Alkalien ſteht aber in einer beſtimmten Beziehung zu dem Staͤrkemehl, Zucker, und Pectin oder Gummi⸗ gehalt des Futters; und der Urin eines Thieres, welches mit Kartoffeln oder Ruͤben gefuͤttert ward, iſt reich an kohlenſauren Alkalien(die Kartoffeln beſtehen hauptſaͤchlich aus Staͤrkemehl, und die Hauptbeſtandtheile der Ruͤben ſind Zucker und Pectin). Der Urin eines Pferdes, welches mit Heu und Hafer gefuͤttert wird, iſt, wenn man ihn mit dem vorigen vergleicht, verhaͤltnißmaͤßig arm an Alkalien. Es iſt ferner erwieſen, daß das Ammoniak oder der Stickſtoff der Excremente in einer be⸗ ſonderen Beziehung zu den phosphorſauren Sal⸗ zen ſtehe; der Stickſtoffgehalt mehrt ſich oder mindert ſich mit der Menge der phosphorſauren Salze, und zwar in einer Weiſe, daß beide ein, wenn auch nicht ſehr genaues, Maß fuͤr einander abgeben koͤnnen. Dieſes Maß kann um deswillen nicht voͤllig genau ſein, weil auch das Gummi und das Staͤrkemehl eine beſtimmte, obwohl kleine Menge von phosphorſaurem Kalke ent⸗ — 33— haͤlt, wie durch Verſuche in meinem Laborato⸗ rium ermittelt worden iſt. Das Ammoniak der Excremente, ſowie die phosphorſauren Salze derſelben, ſtammen daher von den ſtickſtoffhaltigen Beſtandtheilen der Nahr⸗ ung, und es beſteht hier in den Nahrungsmit⸗ teln ein ebenfalls ſehr beſtimmtes Verhaͤltniß zwiſchen beiden Koͤrpern. Ein beſtimmtes Ge— wicht von Kleber oder Caſein in dem Getreide oder in den Erbſen entſpricht ſtets einem be⸗ ſtimmten Gewicht phosphorſaurer Salze; und wenn das Korn oder eine andere vegetabiliſche Subſtanz reich an ſtickſtoffhaltigen Pflanzen⸗ Beſtandtheilen iſt, ſo iſt ſie in derſelben Weiſe auch reich an phosphorſauren Salzen, waͤhrend umgekehrt mit dem Vorhandenſein einer geringe— ren Menge jener auch das Vorhandenſein einer geringeren Menge dieſer verbunden iſt. Da nun der Stickſtoffgehalt des Duͤngers als Maß fuͤr ſeinen Gehalt an phosphorſauren Salzen gelten kann, und da der Duͤnger neben dieſen Salzen auch noch die anderen Beſtand— theile des Bodens enthaͤlt, welche das Korn oder eine andere Pflanze zu ſeiner Entwickelung braucht und von dem Boden entnimmt, ſo iſt jetzt leicht einzuſehen, worin die Urſache des Irrthums lag, welcher zufolge man den Stickſtoff des Duͤngers als die Haupturſache ſeiner Wirkſamkeit anſah. Der Grund liegt einfach darin, daß das Am— moniak des Duͤngers ſtets von den mineraliſchen Beſtandtheilen, welche ſeine Faͤhigkeit, die Pflan⸗ 2** — 34— zen zu ernaͤhren, bedingen, begleitet iſt, und weil dieſe Beſtandtheile durch ihr Aufgenommenwerden von Seite der Pflanzen die Bildung ſtickſtoff⸗ haltiger Pflanzenbeſtandtheile zulaͤſſig machen. Ohne phosphorſaure Salze und ohne die anderen mineraliſchen Beſtandtheile iſt Ammoniak von nicht der geringſten Wirkung auf das Pflanzen⸗ leben. Wenn ſonach die Fruchtbarkeit des Bodens an das Vorhandenſein gewiſſer mineraliſcher Sub⸗ ſtanzen gebunden iſt, wenn die Wiederherſtellung der Fruchtbarkeit auf erſchoͤpften Feldern mittels der Excremente der Menſchen und Thiere von dem Verhaͤltniſſe, in welchem ſie dieſe mineral⸗ iſchen Subſtanzen enthalten, bedingt iſt, und wenn endlich die das Pflanzenwachsthum be⸗ ſchleunigende Wirkung der Duͤnger von ihrem Verhaͤltniſſe zum Ammoniak abhaͤngt, ſo iſt er⸗ ſichtlich, daß wir von der Anwendung des Duͤngers nur dann abſehen koͤnnen, wenn wir alle wirk⸗ ſamen Beſtandtheile genau in derſelben Propor⸗ tion und in derſelben fuͤr ihre Aufnahme geeig⸗ neten Form, wie ſie in dem fruchtbarſten Boden oder in dem beßten Duͤnger enthalten ſind, zu⸗ fuͤhren. Nach unſerer jetzigen Kenntniß der Wirkung der weſentlich wirkſamen Beſtandtheile des Duͤng⸗ ers bin ich zu der Ueberzeugung gelangt, daß es den Pflanzen voͤllig gleichguͤltig iſt, aus wel⸗ chem Quell dieſe Subſtanzen entlehnt ſind. Der loͤslich gemachte Apatit(phosphorſaurer Kalk) — 35— aus Spanien, das Kali aus dem Feldſpathe, das Ammoniak der Gasbereitungsanſtalt muß dieſelbe guͤnſtige Wirkung auf das Pflanzenleben haben, wie die Knochenerde, das Kali und das Ammoniak des Duͤngers. Wir leben in einer Zeit, in welcher dieſe Schlußfolgerung einer aufmerkſamen und ge⸗ nauen Pruͤfung zu unterwerfen iſt, und wenn das Reſultat den Erwartungen, welche man zu machen voͤllig berechtigt iſt, entſpricht, wenn in der That die animaliſchen Excremente in allen ihren einzelnen Beſtandtheilen von anderwaͤrts her erſetzt werden koͤnnen, ſo muß ein neues Zeitalter fuͤr die Agricultur beginnen. Ich lade daher die erleuchteten Landwirthe Englands ein, ſich mit mir zu dieſem Endzweck zu vereinigen und mir ihre Unterſtuͤtzung zu ge⸗ waͤhren. Welches auch immerhin der Erfolg dieſer Experimente ſein moͤge, die Anſtellung der⸗ ſelben iſt fuͤr die gluͤckliche Zukunft der Agricul⸗ tur durchaus nothwendig. Sie werden unſere Kenntniſſe mit einer großen Menge wichtiger Thatſachen bereichern; wir werden uns verge⸗ wiſſern, wo wir bei der bisher uͤblichen Art und Weiſe zu duͤngen wirkſame Stoffe geradezu ver⸗ ſchwendeten, und wir werden endlich eine genaue Kenntniß derjenigen Dinge erlangen, welche zur Duͤngung nothwendig, ſowie jener, welche uͤber⸗ fluͤſſig ſind. Eine Reihe von Jahren hindurch war ich nebſt vielen ſehr befaͤhigten jungen Chemikern — 36— mit der chemiſchen Pruͤfung derjenigen mineral⸗ iſchen Beſtandtheile, welche weſentlich an der Bildung unſerer Culturpflanzen Antheil nehmen, ſowie mit der Unterſuchung der Menſchen⸗ und Thierexcremente und einer großen Menge als fruchtbar anerkannter Bodenarten beſchaͤftigt. Seit laͤngerer Zeit ſchon wurden dieſe Arbeiten der Gelehrtenwelt vorgelegt, allein bis jetzt machte man von denſelben nur eine ſehr beſchraͤnkte Anwendung in der Agricultur 19]. Der Landwirth iſt ſeiner Stellung zufolge nicht im Stande, ſich die zur Wiederherſtellung oder zur Vermehrung der Fruchtbarkeit ſeiner Felder noͤthigen wirkſamen Beſtandtheile in dem richtigen Verhaͤltniſſe und in der geeigneten Form zu verſchaffen und nach Belieben daruͤber zu verfuͤgen. Die Wiſſenſchaft und die Induſtrie muͤſſen ihm daher die Mittel an die Hand geben, daß er dieß in Zukunft koͤnne. Ich bin ſo gluͤcklich geweſen, die Schwierig⸗ keit, welche ſich der Anwendung eines bloßen Gemenges der einzelnen Beſtandtheile des Duͤngers hindernd in den Weg ſtellten, zu beſeitigen. Wenn wir naͤmlich die verſchiedenen Beſtandtheile des Duͤngers genau in derſelben Menge und in dem⸗ ſelben Verhaͤltniſſe, in welchem ſie erfahrungsmaͤßig zur Erzielung einer reichen Ernte von Weizen, Erbſen, Ruͤben, Kartoffeln ꝛc. noͤthig ſind, her— beiſchaffen und zu gleicher Zeit dieſe Koͤrper in ihrem gewoͤhnlichen Zuſtande laſſen, ſo bringen ſie doch keineswegs die erwartete Wirkung her⸗ — 37— vor, was nur daher kommt, daß die verſchiede⸗ nen Beſtandtheile des Duͤngers in Betreff ihrer Faͤhigkeit, im Boden zu bleiben oder leicht dar⸗ aus wieder fortgefuͤhrt zu werden, ſehr verſchie⸗ den ſich verhalten. Das Ammoniak verdampft, die im Waſſer leicht loͤslichen Beſtandtheile fuͤhrt der Regen hinweg, und die Wirkung wird ſich daher mehr nach der Groͤße der vorhandenen Menge jener wenig aufloͤslichen Duͤngerbeſtand⸗ theile richten. Ich fand Mittel, einem jeden loͤslichen Be— ſtandtheile des Duͤngers durch ſeine Verbindung mit anderen Beſtandtheilen jeden beliebigen Grad von Loͤslichkeit zu ertheilen, ohne ſeine guͤnſtige Wirkung auf das Pflanzenwachsthum zu ver⸗ aͤndern. Ich verſetze z. B. die Alkalien in einen ſolchen Zuſtand, daß ſie eben ſo ſchwer loͤslich ſind als der Gyps, von welchem wir wiſſen, daß er, als Duͤnger verwendet, viele Jahre hin— durch wirkt, und zwar ſo lange, als nur noch der kleinſte Theil davon im Boden vorhanden iſt[10]. Die Miſchung der Duͤngmittel kann ſonach der mittleren Regenmenge, welche in einer be— ſtimmten Gegend im jaͤhrlichen Durchſchnitt faͤllt, angepaßt werden; und der im Sommer ver⸗ wendete Duͤnger hat einen groͤßeren Grad von Loͤslichkeit als der waͤhrend des Winters ver— brauchte. Die Erfahrung wird jedenfalls zu noch weiteren Reſultaten fuͤhren, und in Zukunft wird der Landwirth den Ertrag ſeiner Felder mit Sicherheit vorher berechnen koͤnnen, wenn nicht — 38— unguͤnſtige Temperaturverhaͤltniſſe, Mangel an Regen c. verhindern, daß dieſe Duͤnger zu einer gehoͤrigen Wirkſamkeit gelangen[111. Dabei muß ich außerdem bemerken, daß dieſe kuͤnſtlichen Duͤngungsmittel in keinerlei Weiſe die mechaniſche Beſchaffenheit der Felder aͤndern, und daß ſie z. B. nicht im Stande ſind, einen ſchweren Boden fuͤr Luft und Feuchtigkeit zu⸗ gaͤnglicher zu machen. Fuͤr ſolche Felder wird der lockere Stallmiſt ſtets ſeinen großen Werth behalten; allein es kann derſelbe mit den kuͤnſt— lichen Duͤngmitteln zugleich angewendet werden. Die Herren Muspratt u. Comp. haben es unternommen, meine Vorſchriften zur Anfertig⸗ ung ſolcher kuͤnſtlichen Duͤnger in einem großen Maßſtabe auszufuͤhren, und ſie ſind darauf ge⸗ faßt, eine nicht unbedeutende Menge von Wei⸗ zen⸗, Klee⸗ und anderem Duͤnger auf die Beſtell⸗ ung der Landwirthe verabfolgen zu laſſen. Einer meiner fruͤheren Schuͤler, jetzt Profeſſor der tech⸗ niſchen Chemie zu Gießen, uͤberwacht die Fa⸗ brikation dieſer verſchiedenen Duͤngmittel, und es iſt deßhalb die noͤthige Garantie, daß die Zuſammenſetzung dieſer Duͤnger die gehoͤrige ſein werde, in vollem Maße vorhanden. Es wird nothwendig ſein, daß, damit fuͤr den bevorſtehenden Herbſt die noͤthige Menge von Duͤnger fertig iſt, die Beſtellungen darauf ſo zeitig als moͤglich gemacht werden, ſowie es denn uͤberhaupt ſehr gut ſein duͤrfte, wenn man die Herren Muspratt u. Comp. daruͤber in — 39— Kenntniß ſetzen wolle, ob auf einem Landgute verſchiedene Bodenarten bebaut werden ſollen. Denn es wird z. B. mit Ruͤckſicht auf die Kie⸗ ſelerde einen Unterſchied machen, ob der Boden thonig oder kalkig iſt, indem man dem fuͤr den zuletzt genannten Boden beſtimmten Duͤnger, wenn auf demſelben Korn erbaut werden ſoll, eine groͤßere Menge eines leicht loͤslichen kieſel⸗ ſauren Salzes zuzuſetzen hat. Alle Duͤngmittel, welche zum Gebrauche fuͤr den naͤchſten Winter beſtimmt ſind, enthalten eine fuͤr den beabſichtigten Bau von Korn und anderen Feldfruͤchten entſprechende Menge von Ammoniak; und gewiſſe Experimente, mit denen ich ſo eben beſchaͤftigt bin, werden zeigen, ob man in Zukunft die jetzigen Koſten dieſer kuͤnſt— lichen Duͤnger werde verringern koͤnnen, was jeden⸗ falls dann ſtattfinden wird, ſobald ſich ergiebt, daß man vom Ammoniak nur die Haͤlfte oder gar nichts anzuwenden braucht. Ich glaube, daß dieß, naͤmlich der Wegfall des Ammoniaks in den kuͤnſtlichen Duͤngungsmitteln, bei vielen Pflanzen der Fall ſein wird, wie z. B. beim Klee und allen blattreichen Gewaͤchſen, eben ſo bei Erbſen und Bohnen; allein meine Verſuche ſind noch nicht ſo weit beendigt, als daß dar⸗ uͤber bis jetzt mit Sicherheit ſich etwas beſtimmen laͤßt(121. Gießen, 1845. Dr. Juſtus Liebig. 40— Erläuternder Anhang zu vorſtehenden Mittheilungen. Von Dr. A. Petzholdt. (Erſte Erläuterung zu Seite 1.) Es wird mir gewiß Jeder beiſtimmen, wenn ich behaupte, die Landwirthſchaft ſei eine Kunſt, welche rein auf der Erfahrung beruht; denn ein⸗ zig und allein in Folge einer Zuſammenſtellung der verſchiedenartigſten Erfahrungen gelangte man zu gewiſſen Grundſaͤtzen, nach denen dieſe Kunſt ausgeuͤbt ward. So leicht es nun aber auf der einen Seite iſt, eine Beobachtung zu machen, ſo ſchwer iſt es auf der anderen Seite, die ge— machte Erfahrung oder Beobachtung richtig zu deuten und allgemein guͤltige Grundſaͤtze daraus abzuleiten. Bei jeder, auch der einfachſten Be⸗ obachtung, kommt eine mehr oder minder große Zahl von fremdartigen Erſcheinungen mit in's Spiel, welche auf verſtaͤndige Weiſe von dem, was eigentlich beobachtet werden ſoll, abgezogen werden muͤſſen; und da dieſes Abziehen, dieſes Abſtrahiren, eine gewiſſe geiſtige Uebung und eine Summe ſehr verſchiedener anderer Kenntniſſe vorausſetzt, ſo liegt es auf der Hand, daß die richt⸗ ige Deutung und das wahre Verſtaͤndniß einer gemachten Erfahrung nicht die Sache eines Jeden ſein kann, da nicht Jeder in der hierbei erforder⸗ lichen Weiſe zu abſtrahiren verſteht, und da, ſelbſt wenn er es vermoͤchte, nicht Jedem die ander— — 11— weitigen erforderlichen Kenntniſſe zu Gebote ſtehen. Nichts deſto weniger hat man jedoch in Betreff der aus agronomiſchen Beobachtungen abgeleiteten Grundſaͤtze gar haͤufig gegen die ſo eben ange⸗ deutete Wahrheit geſuͤndigt, und es darf daher nicht Wunder nehmen, wenn man ſieht, daß die bisherige Praxis von einer ſolchen Theorie nur wenig Nutzen ziehen konnte, und wenn man uͤberall klagen hoͤrt, daß die Theorie mit der Praxis ſo gar wenig uͤbereinſtimme. Iſt es ja doch durch ſolches Verfahren dahin gekommen, daß der eigentliche Praktiker von einer Theorie uͤberhaupt gar nichts mehr wiſſen will, und daß ihm ſeine Erfahrung und ſeine Beobachtung, ſei ſie auch noch ſo mangelhaft, hoͤher ſteht, als jegliches theoretiſches Princip. Die Anwendung falſcher oder mißverſtandener Grundſaͤtze hat einen großen Theil der eigentlichen Landwirthe, und insbeſondere der deutſchen Landwirthe, dahin ge⸗ bracht, daß ihr Handeln nahezu ohne alle agro⸗ nomiſche Grundſaͤtze iſt; denn entweder iſt er in eine gewiſſe Stabilitaͤt verſunken, welche ihn an⸗ treibt, auf rein mechaniſche Weiſe gerade ſo zu verfahren, wie es vom Vater auf den Sohn ver⸗ erbte, oder er ſchwankt wie ein Rohr, unſicher, woran er ſich zu halten, und ſtets auf etwas Neues, als auf einen Meſſias hoffend. Jede Anpreiſung, ſei ſie auch noch ſo extrem, findet bei der letztgenannten Klaſſe von Landwirthen williges Gehoͤr, und kein Schaden bewirkt, daß ſie zur Ueberzeugung gelangen, wie die Land⸗ — 42— wirthſchaft nicht laͤnger ohne ſichere Grundſaͤtze mit Vortheil betrieben werden kann. Dieſer beklagenswerthe Zuſtand der Dinge kann auf die Dauer nicht fortbeſtehen, vielmehr muß eine Zeit kommen, wo ein Jeder weiß, was er thut, und warum er es thut. Das Arbeiten nach bloßen empiriſch gefundenen und nur fuͤr gewiſſe Localitaͤten paſſenden Recepten muß aufhoͤren, und es wird aufhoͤren, ſobald man der Agricultur eine rationelle, den Fort⸗ ſchritten der uͤbrigen Naturwiſſenſchaften und ins⸗ beſondere der Chemie entſprechende Baſis gegeben hat. Nur erſt wenn dieß geſchehen iſt, wird man von einer Wiſſenſchaft der Agricultur zu ſprechen haben, und nur auf eine ſolche Wiſſen⸗ ſchaft wird ſich die Kunſt der Agricultur mit Erfolg ſtuͤtzen koͤnnen. Die Tauſende der jetzigen ſich oft geradezu widerſprechenden Vorſchriften des agronomiſchen Handelns werden auf einige wenige, aber feſtbegruͤndete und mit einander und mit dem uͤbrigen menſchlichen Wiſſen im beßten Einklange ſtehende Grundſaͤtze zuſammenſchrum⸗ pfen, und es wird ſich dann, wie bei anderen Induſtriezweigen, ſo auch bei der Agricultur, klar herausſtellen, daß Intelligenz und nur die In⸗ telligenz mit pecuniaͤrem Gewinn verbunden iſt. Waͤhrend es jetzt zu den gar haͤufigen Erſchein⸗ ungen gehoͤrt, daß der rohe Empiriker von ſeinen Guͤtern einen hoͤhern Ertrag entnimmt als der ſcharfſinnig denkende Landwirth(denn was hilft ihm ſein Denken, wenn die Grundſaͤtze, uͤber E 43— deren Anwendung er ſich den Kopf zerbricht, falſch ſind?), wird ſich in Zukunft das Ver⸗ haͤltniß umkehren, und es wird zum gluͤcklichen Erfolge des praktiſchen Betriebes der Landwirth⸗ ſchaft die verſtaͤndige und durchdachte Anwend⸗ ung einiger weniger agronomiſcher Grundſaͤtze voͤllig ausreichen. Es werden dann jene, man kann wohl ſagen, miſerabeln Verſuche aufhoͤren, die zu weiter nichts dienen, als zu zeigen, wie unwiſſend der Verſuchende war, und die in hohem Grade geeignet ſind, das Vertrauen des rein praktiſchen Landwirthes auf Alles, was man mit dem Namen der Theorie belegen mag, zu unter⸗ graben. Das Heil der Landwirthſchaft beſteht viel weniger in der Anſtellung von Verſuchen, als vielmehr in der richtigen Verſtaͤndniß und Deutung derſelben, und um ſich damit zu be⸗ ſchaͤftigen, da iſt der Zeitraum von mehr als 2000 Jahren, als ſeit welcher Zeit man ja ſchon ſolche Verſuche angeſtellt hat, gerade lang genug geweſen, um eine hinreichende Menge zur Hand zu haben, aus denen ſich, allerdings nur mit Beihuͤlfe der anderen Naturwiſſenſchaften und der Logik, gewiſſe Reſultate ziehen laſſen. Man ziehe doch alſo, ehe man neue Verſuche in's Un⸗ gewiſſe hinein anſtellt, vorerſt ſolche Reſultate in der angedeuteten Weiſe, und ſehe dann zu, woran es noch feht. Koͤnnen nun aber die Land⸗ wirthe, aus Mangel an Kenntniß der noͤthigen Huͤlfswiſſenſchaften, ihren Verſuchen nicht ſelbſt ſolche Schlußfolgerungen entnehmen, nun ſo moͤgen — 44— ſie dieß Anderen uͤberlaſſen; und ſelbſt wenn dieſe Anderen keine praktiſchen Landwirthe ſein ſollten, ſo wird dadurch der Richtigkeit und Brauchbar⸗ keit der ſo erhaltenen Reſultate und agronom⸗ iſchen Grundſaͤtze kein Abbruch geſchehen, da be⸗ greiflicher Weiſe zu deren Erlangen die Geſchick— lichkeit, mit dem Pfluge oder mit dem Duͤnger umzugehen, durchaus nicht noͤthig iſt.— Es ſcheint mir hier nicht der paſſende Ort, mich uͤber dieſen Gegenſtand, ſo gern ich es auch moͤchte, noch weiter auszuſprechen; allein ſo viel iſt ge⸗ wiß, daß die bisherige Theorie der Landwirth⸗ ſchaft, wenn man es uͤberhaupt eine Theorie nennen darf, ſich nicht eignet, die landwirthſchaft⸗ liche Praris darauf zu baſiren. Daß dieß ſo ſei, hat wohl jeder Landwirth gefuͤhlt, und daher denn auch, eben weil es ſo iſt, die unzaͤhligen und immer neuen Verſuche. Ich behaupte noch einmal, daß wir vorlaͤufig genug Verſuche haben, und daß wir vor allen Dingen mit der Leuchte der Wiſſenſchaft zu unterſuchen haben, was den bisherigen Verſuchen als paſſend zum Aufbau einer landwirthſchaftlichen Wiſſenſchaft zu ent— nehmen iſt. Nur erſt, wenn dieß geſchehen ſein wird, und nur erſt, nachdem man neue, dem heutigen Standpunkte der Naturwiſſenſchaften entſprechende Grundſaͤtze daraus abgeleitet haben wird, kann von Anſtellung neuer Verſuche die Rede ſein. Dieſe neuen Verſuche werden dann den doppelten Zweck haben, einmal die neuen Grundſaͤtze zu pruͤfen, und zweitens die agro⸗ — 45— nomiſche Wiſſenſchaft auf Grundlagen dieſer Grundſaͤtze vorwaͤrts zu bringen. Bevor dieß nicht geſchehen ſein wird, ſind alle anderen Ver⸗ ſuche unnuͤtz und ſchaͤdlich fuͤr Wiſſenſchaft und Praxis. (Zweite Erläuterung zu S. 5.) Ich habe bereits oben in einer Anmerkung angedeutet, daß ein ſaͤchſiſcher Acker Land(=— 300 ORuthen), wenn man ihn mittels des neuen Liebig'ſchen Duͤngmittels nach engliſcher Weiſe, d. h. ſehr reichlich, fuͤr Weizen duͤngen will, auf ungefaͤhr 24 Thaler zu ſtehen komme, und ich vermuthe, daß die Hoͤhe dieſer Summe die Mehr— zahl der deutſchen Landwirthe ſehr erſchrecken werde. Wie kann man doch, ſo hoͤre ich bereits von allen Seiten fragen, 24 Thaler fuͤr eine ein⸗ zige Weizenduͤngung ausgeben? oder wie kann man, bei ſolchem Preiſe des neuen Duͤngmittels fuͤr Weizen, behaupten, es ſei billiger als die bisher gewoͤhnliche Duͤngung? Hier iſt jedoch, ehe man uͤber Wohlfeil oder Theuer ſpricht, vor⸗ erſt zu ermitteln, erſtens wie hoch denn eigentlich die bisherige Duͤngung zu ſtehen komme, und zweitens wie groß die Wirkung dieſer bisherigen Duͤngung war. Was den erſten Punkt anlangt, ſo iſt vor allen Dingen darauf aufmerkſam zu machen, daß der Werth des animaliſchen Duͤngers fuͤr die verſchiedenen Gegenden ein durchaus verſchiedener ſei, indem, um ſogleich die Extreme neben ein⸗ ander zu ſtellen, recht wohl der Fall eintreten kann, daß in gewiſſen Gegenden, z. B. in der Naͤhe mittelgroßer Staͤdte, eine nicht unbetraͤcht⸗ liche Anzahl Fuhren Duͤnger umſonſt oder doch fuͤr wenige Groſchen zu erlangen ſind, waͤhrend wieder in einer anderen Gegend animaliſcher Duͤnger um keinen Preis zu haben iſt. Fuͤr den erſten Fall wuͤrde natuͤrlich das neue Duͤngmittel viel zu theuer, fuͤr den zweiten Fall jedoch außer⸗ ordentlich wohlfeil ſein. Man ſieht daraus deutlich, wie relativ die Begriffe von Theuer und Wohlfeil ſind, und daß es durchaus nothwendig iſt, daß ein jeder Landwirth ſich erſt eine klare Einſicht in die Koſten, welche ihm ſeine bisherige Duͤng⸗ ungsweiſe verurſacht, werde verſchaffen muͤſſen, ehe er uͤber den Preis des neuen Duͤngmittels urtheilen kann. Es iſt eine nicht ſeltene Er⸗ ſcheinung, daß man von irgend einem Oekonomen behaupten hoͤrt:„mein Duͤnger koſtet mich ſo viel wie gar nichts“, weil ſein Viehſtand ſo groß iſt, daß er aus dieſer Quelle jene Duͤngermenge, welche er zur Duͤngung ſeines Getreidelandes noͤthig hat, bezieht. Das mag in allen jenen Faͤllen ſeine Richtigkeit haben, wo die mittels dieſes großen Viehſtandes producirten Gegenſtaͤnde in einer Weiſe verwerthet werden koͤnnen, daß der ſo erzielte Gewinn den Aufwand an Futter und Stroh bei Weitem uͤberſteigt. Allein in ſehr vielen Faͤllen beruht dieſe Behauptung denn doch nur auf einer Taͤuſchung, und derſelbe Oekonom, der da behauptet, ſein Duͤnger koſte ihm nichts, wird finden, daß ihm ſein Duͤnger ſehr hoch und — 47— jedenfalls hoͤher zu ſtehen kommt, als das neue Liebig'ſche Duͤngmittel, wenn er naͤmlich in Rech⸗ nung bringen will, daß er ſeine Laͤndereien viel hoͤher wuͤrde nutzen koͤnnen, wenn er mehr Ge⸗ treide zu bauen vermoͤchte, und wenn er nicht gezwungen waͤre, einen Theil ſeiner Felder zum Bau von Futtergewaͤchſen aller Art zu verwenden; von dem Umſtande einmal ganz abgeſehen, daß er ſein Stroh verkaufen koͤnnte, und daß er nicht zum leidigen Fruchtwechſel gezwungen waͤre. Denn koͤnnte er Jahr aus Jahr ein die den hoͤchſten Ertrag gebenden Feldfruͤchte auf einem und demſelben Felde erbauen(was er jetzt aus Mangel an Duͤngung und in Folge der Be⸗ ſchaffenheit des animaliſchen Duͤngers nicht kann), ſo wuͤrde vielleicht gerade fuͤr die Verhaͤltniſſe ſeines Landgutes ein Vortheil erwachſen, an welchen er bisher noch niemals gedacht hat, an welchen er aber jedenfalls denken und welchen er mit in Rechnung ziehen muß, wenn er die Koſten ſeiner bisherigen oder irgend einer ande⸗ ren neuen Duͤngung ihrer wirklichen Hoͤhe nach richtig beurtheilen will. Giebt es ja doch ſchon jetzt rein empiriſch handelnde Landwirthe, welche, ganz entgegen den bisher Geltung beſitzenden agronomiſchen Grundſaͤtzen und Vorſchriften, ihren Viehſtand bedeutend reducirten und den auf ſolche Weiſe entſtehenden Mangel an animaliſchem Duͤnger mit Vortheil fuͤr den Ertrag ihres Grund⸗ beſitzes durch kuͤnſtliche Duͤngmittel aller Art zu erſetzen wußten. Dieſen Herren, die ſich theilweiſe — 18— von dem bisherigen Brauche bereits emancipirt haben, trotz des vornehmen Naſenruͤmpfens ihrer Nachbarn, wird am allererſten ein Urtheil uͤber den Preis des neuen Duͤngmittels zuſtehen, und ſie werden ſicher finden, daß es wohlfeiler als alle bisherigen kuͤnſtlichen Duͤngmittel iſt, vor⸗ ausgeſetzt, daß dieſe kuͤnſtlichen Duͤngmittel die— ſelbe Wirkſamkeit beſaßen, welche das neue Duͤngmittel jedenfalls beſitzen muß. Wer frei— lich den Werth eines kuͤnſtlichen Duͤngmittels bloß nach der Quantitaͤt, die er fuͤr eine be⸗ ſtimmte Summe kauft, nicht aber nach der Qua⸗ litaͤt abſchaͤtzt, der wird die Richtigkeit meiner Bemerkung ſchwerlich einſehen, da er allemal weit eher ſich herbeilaſſen wird, 10 Centner Duͤnge⸗ ſalz fuͤr 5 Thaler zu kaufen, als 10 Centner Liebig'ſchen Weizenduͤnger, der allerdings an Ort und Stelle ſeiner Fabrikation bis jetzt 35 Thaler, alſo ſiebenmal mehr, koſtet. Allein er moͤge bedenken, daß er bei Verwendung des erſt⸗ genannten Duͤngmittels den animaliſchen Duͤnger nicht entbehren kann, waͤhrend bei Anwendung des letzteren gar kein animaliſcher Duͤnger noͤthig iſt. Um nun nach dieſen allgemeinen Bemerkungen zu einem ſpeciellen Falle uͤberzugehen, ſo erlaube ich mir, als Beiſpiel der Koſten einer Weizen⸗ duͤngung nach der bisher uͤblichen Methode, die Umgebung von Dresden zu waͤhlen. Es hat mir ein intelligenter Landwirth der hieſigen Ge⸗ gend auf meine Bitte eine ungefaͤhre Berechnung des wirklichen Duͤngerwerthes fuͤr die genannte — 49— Gegend ausgehaͤndigt, und aus dieſer geht hervor, daß man eine Fuhre Duͤnger zu 20 Centnern auf circa 2 Thlr. 10 Ngr. anſchlagen koͤnne. Nun ſeien aber 20 Fuder ſolchen Duͤngers eine ſtarke Duͤngung fuͤr einen ſaͤchſiſchen Acker, und da man annehmen duͤrfe, daß nach der Wegnahme der Weizenernte im erſten Jahre noch 9 bis 10 Fu⸗ der Duͤnger fuͤr die nachfolgenden Ernten im Bo⸗ den bleiben, ſo berechnet ſich ſonach die Koſtenhoͤhe einer Weizenduͤngung auf 23 Thlr. 10 Ngr., wenn man annimmt, daß 10 Fuder im Boden bleiben, oder auf 25 Thlr. 20 Ngr., wenn man nur 9 Fuder im Boden bleiben laͤßt. Circa 24 Thlr. koſtet aber das neue Weizenduͤngmittel fuͤr einen ſaͤchſiſchen Acker, und man erſieht daraus, daß es im Betreff des Koſtenpunktes fuͤr Dresden vorlaͤufig gleich ſein wird, ob man in der alten Weiſe oder auf die neue Art fuͤr Weizen duͤngt. Dieſe Rechnung muß ſich jedoch fuͤr verſchiedene andere Gegenden auch verſchieden ſtellen, und namentlich duͤrfte ſich, vielleicht mit Ausnahme Leipzigs, kein Diſtrict in Sachſen, der ſich zum Weizenbau uͤberhaupt eignet, ausfindig machen laſſen, wo nicht ſtets die animaliſche Duͤngung durch das neue Duͤngmit⸗ tel mit mehr oder minder großem Vortheil fuͤr den Landwirth zu erſetzen waͤre. Allein nicht bloß die Koſten der bisherigen Duͤngung ſind zu ermitteln, vielmehr muß auch, wie bereits weiter oben angedeutet ward, die Groͤße der Wirkung dieſer bisherigen animaliſchen wie kuͤnſtlichen Duͤngerarten unterſucht werden, indem Liebig's Patent⸗DOünger. 3 man, wollte man den zweiten Punkt vernach⸗ laͤſſigen, zu nicht ganz richtigen Anſichten uͤber die eigentliche Koſtenhoͤhe des neuen Duͤngmittels ge⸗ langen wuͤrde. Obwohl es als ein allgemein guͤlt⸗ iger agronomiſcher Grundſatz angeſehen werden kann, daß, wer reichlich duͤngt, auch reichlich erntet, ſo werden ſich doch gegen dieſen Satz diele Beiſpiele aus der landwirthſchaftlichen Praxis anfuͤhren laſſen, wo eine ſogenannte ſehr reiche Duͤngung eher ſchadete als nuͤtzte. Dieſe Faͤlle, welche ihrer eigentlichen Urſache nach bisher gar nicht verſtanden wurden(denn alle Erklaͤr⸗ ungsweiſen dieſer Erſcheinung ſind geradezu aus der Luft gegriffen,— ich erinnere nur an jene nichts⸗ ſagenden Ausdruͤcke:„zu erhitzend,“ oder„zu reizend“ u. ſ. w.), haben erſt durch die juͤngſten Beſtrebungen der Chemie auf dem Gebiete der Agricultur ihre wahre Wuͤrdigung gefunden, und es hat ſich dabei ergeben, daß der Nachtheil, der aus der Anwendung ſolchen Duͤngers hervorging, nicht ſowohl in ſeiner Ouantitaͤt als vielmehr und zunaͤchſt in ſeiner Qualitaͤt begruͤndet war. Wir koͤnnen daher von dieſen Faͤllen hier ganz abſehen und brauchen uns in der Feſthaltung des oben aufgeſtellten Grundſatzes, daß, wer viel und(was wohl zu merken!) paſſend duͤngt, auch viel erntet, nicht ſtoͤren zu laſſen. Nun hat uns aber daruͤber, was man unter„paſſend“ in Bezug auf Duͤngung zu verſtehen habe, die neuere Chemie die befriedig⸗ endſten Aufſchluͤſſe gegeben; und wenn aus der vor⸗ anſtehenden Abhandlung Liebig's einem Jeden klar — 57— geworden ſein wird, daß man unter einem paſſen⸗ den Duͤnger einen ſolchen zu verſtehen habe, wel⸗ cher Alles, was eine beſtimmte Culturpflanze braucht, in den fuͤr ihr Beduͤrfniß richtigen Quan⸗ titaͤten und Qualitaͤten enthaͤlt, ſo wird es hoffent⸗ lich jetzt eben ſo klar am Tage liegen, daß ſaͤmmt⸗ liche bisherige Duͤngerarten, mochten es nun ani⸗ maliſche oder kuͤnſtliche ſein, auf den Namen eines „paſſenden“ Duͤngers, dem ſtrengen Sprachge⸗ brauche gemaͤß, keinen Anſpruch haben, da man, wenn die durch die chemiſche Analyſe gefundenen wirkſamen Beſtandtheile der verſchiedenen bis⸗ herigen Duͤngerarten mit den Aſchenbeſtandthei⸗ len der verſchiedenen Culturpflanzen verglichen werden, ſtets findet, daß einer oder mehre jener Koͤrper, welche die Pflanze bedarf, entweder ganz fehlen oder doch in nicht hinreichender Menge vor⸗ handen ſind. Nicht ſo iſt es mit den von Liebig em⸗ pfohlenen kuͤnſtlichen Duͤngmitteln. In ihnen findet ſich Alles, was die verſchiedenen Culturpflanzen im Boden antreffen muͤſſen, wenn anders ſie ge⸗ deihen ſollen, in den erforderlichen Verhaͤltniſſen vor, und man kann deßhalb nur dieſe Duͤngmit⸗ tel mit dem Namen„paſſende Duͤngmittel“ be⸗ zeichnen. Man erkennt daher dem Vorausgeſchick⸗ ten zufolge, daß eine ſtrenge Vergleichung der kuͤnf⸗ tigen Wirkſamkeit derLiebig'ſchen Duͤngmittel(man hat natuͤrlich bis jetzt nur von der Zukunft zu ſpre⸗ chen, da dieſe Duͤngmittel ihrer Neuheit wegen noch nirgends angewendet werden konnten) mit der bis jetzt beobachteten Wirkung der bisherigen ani⸗ 3* maliſchen Duͤngungsmittel nicht wohl moͤglich iſt, und daß in dieſer Beziehung erſt Erfahrungen ab⸗ gewartet werden muͤſſen; allein es iſt trotz dem doch ſchon jetzt moͤglich, die Wirkſamkeit der neuen Duͤngmittel a priori zu berechnen. Wenn naͤmlich als bekannt vorausgeſetzt werden darf(und es iſt dieß wiſſenſchaftlich und durch die Erfahrung bewieſen), daß jedwede Duͤngung um deßhalb nothwendig iſt, damit dem Boden dasjenige wie⸗ dergegeben werde, was ihm bei der Ernte, wir wollen beiſpielsweiſe ſagen, bei einer guten Wei⸗ zenernte entnommen iſt, ſo liegt es auf der Hand, daß man durch Waͤgung des geſammten geern⸗ teten Weizenſtrohes und der Koͤrner, und durch zweckmaͤßige Einaͤſcherung eines ebenfalls beſtimm⸗ ten Theiles der geernteten Pflanzen, ſo wie durch Gewichtsbeſtimmung der ſo erhaltenen Aſchen mit Sicherheit erfahren kann, wie viel eines paſſenden Duͤngers dem Boden wieder zugefuͤhrt werden muß, damit er wieder in den Zuſtand verſetzt werde, daß man ſchon im naͤchſten Jahre dieſelbe Pflanze abermals bauen kann. Bleiben wir nun bei dem Beiſpiele des Weizens ſtehen, ſo kann man wohl ohne großen Fehler annehmen, daß durchſchnittlich bei uns auf einem ſaͤchſiſchen Acker 2000 Pfund Koͤrner und 6000 Pfund Stroh ge⸗ erntet werden, und da nun die angegebene Menge Weizenkoͤrner ungefaͤhr 40 Pfund, das Stroh aber 300 Pfund Aſche bei ſeiner Einaͤſcherung geben wuͤrde, Beides zuſammen alſo 340 Pfund, ſo haͤtten wir auf dieſe Weiſe die Gewichtsmenge der dem Boden entzogenen feſten Beſtandtheile der ge— ſammten Weizenernte und zugleich die Gewichts⸗ menge des zuzufuͤhrenden paſſenden Duͤngmittels kennen gelernt. Was alſo erfahrungsmaͤßig bis jetzt 10 Fuhren Duͤnger(ſiehe weiter oben) gewirkt ha⸗ ben, welche bei uns mit circa 23 Thlr. 10 Ngr. zu veranſchlagen ſind, das wuͤrde, theoretiſch betrach⸗ tet, mit 340 Pfund des Liebig'ſchen Weizenduͤnge⸗ mittels zu bewirken ſein, und dieſe 340 Pfund wuͤrden, bis jetzt allerdings nur am Orte ihrer Be⸗ reitung, bloß auf 10 Thlr. 25 Ngr. zu ſtehen kommen. Nun iſt zwar nicht außer Acht zu laſſen, daß man jedenfalls wohlthun wird, etwas mehr als 340 Pfund(ene ſo eben berechnete Menge) zu neh⸗ men, alſo etwa 400 Pfund. Allein in keinem Falle wird es noͤthig ſein, eine ſo große Menge zur Duͤngung eines ſaͤchſiſchen Ackers zu verwenden, als, wie wir geſehen haben, nach der engliſchen Vorſchrift anempfohlen worden iſt, vorausgeſetzt, daß man eben keinen hoͤheren Ertrag als 6000 Pfund Stroh und 2000 Pfund Koͤrner erzielen will; und es ergiebt ſich ſonach aus dieſen Be⸗ trachtungen ſehr augenfaͤllig die Wahrheit der oben Seite 4 ausgeſprochenen Behauptung der großen Wohlfeilheit dieſer neuen Duͤngmittel. Der Grund, warum fuͤr England eine ſo bedeutend groͤßere Quantitaͤt anempfohlen ward, liegt, um dieß beilaͤufig zu bemerken, in dem Umſtande, daß man dort uͤberhaupt reichlicher duͤngt als bei uns; und wenn man ſich uͤberzeugt haben wird, daß der — 54— ſaͤchſiſche Acker vielleicht bei Anwendung einer zwei⸗ und dreimal ſo großen Menge des neuen Duͤnge⸗ mittels, alſo bei Anwendung von 800 oder 1200 Pfund auch zwei⸗ und dreimal ſo reichen Ernten hervorzubringen vermag, ſo wird ſchwerlich dann noch Jemand von großer Theuerung dieſer Duͤng⸗ mittel ſprechen, trotzdem, daß dann, bei verdrei⸗ fachtem Ertrage von Weizen, die Duͤngung eines ſaͤchſiſchen Ackers auf beinahe 40 Thlr. zu ſtehen kommt. (Dritte Erläuterung zu Seite 5.) „Bei Anwendung dieſer Duͤngungs⸗ mittel wird man eine und dieſelbe Frucht Jahr um Jahr auf einem und demſelben Felde bauen koͤnnen,“ ſo heißt es an der citirten Stelle.„Das iſt ja voͤllig un⸗ moͤglich!“—„Das iſt die groͤßte Marktſchrei⸗ erei!“ ſo hoͤre ich abermals und insbeſondere die deutſchen Herren Oekonomen ausrufen; und wenn man ſich nun nach den Urſachen erkundigt, weßhalb es unmoͤglich ſein ſoll, und warum man es Markt⸗ ſchreierei nennt, ſo wird dem Fragenden die bis⸗ herige agronomiſche Erfahrung als das Gegentheil beweiſend angefuͤhrt, und nebenbei noch auf den Umſtand hingewieſen, daß gar unzaͤhlige Mal die⸗ ſes oder jenes kuͤnſtliche Duͤngmittel mit den groͤß⸗ ten Lobpreiſungen unter das Publicum gebracht worden ſei, und daß doch allemal der Erfolg ge⸗ lehrt habe, daß man in ſeinen Erwartungen ge⸗ taͤuſcht ward. Was die Berufung der deutſchen Landwirth⸗ — 55— ſchaft auf ihre bisherige Erfahrung anlangt, ſo will ich, um kurz uͤber dieſen Gegenſtand wegzukom⸗ men, die Richtigkeit derſelben in ihrer Allgemein⸗ heit ohne Weiteres zugeben und vorlaͤufig den deutſchen Herren Oekonomen auf's Wort glauben, daß es in Deutſchland nirgends beobachtet worden ſei, daß Weizen auf Weizen, oder Klee auf Klee u. ſ. w. gebaut werden koͤnne. Allein wenn man aus dem beſchraͤnkten Geſichtskreiſe dieſer in Deutſch⸗ land gemachten Erfahrungen heraustritt, und dann erkennt, daß z. B. der Boden Mary⸗ lands, Virginiens und Nord⸗Carolina's mehre Jahrhunderte hindurch, ohne geduͤngt zu werden, Weizen auf Weizen getragen hat, ehe er erſchoͤpft wurde, und daß man noch jetzt im nordamerika⸗ niſchen Staate Kentuky Jahr um Jahr und ohne Abwechſelung und ohne zu duͤngen Weizen und Mais baut, ſo ſcheint doch ohne allen Zweifel die Behauptung gerechtfertigt, daß der Grund, war⸗ um man in Deutſchland nicht Weizen auf Weizen zu bauen im Stande ſei, nicht im Weizen, ſondern in der Beſchaffenheit des deutſchen Bodens liege. Und wiederum kann die Bodenbeſchaffenheit Deutſchlands kein abſolutes Hinderniß des Weizen⸗ baues abgeben, weil es ja ſonſt unmoͤglich waͤre, uͤberhaupt Weizen in Deutſchland zu bauen. Es folgt daher aus dem Angefuͤhrten ohne Wider⸗ ſpruch, daß die oben eingewendete Unmoͤglichkeit, Weizen auf Weizen Jahr um Jahr zu bauen, nur in der bisherigen Duͤngung liegen muͤſſe, und es iſt gar leicht moͤglich, daß dieſe Unmoͤglichkeit auf⸗ — 56— hoͤren wird, ſobald man anfangen wird, ſich zu einer anderen Duͤngungsweiſe, als die bisherige war, herbeizulaſſen. Eine ſolche andere Duͤngungs⸗ weiſe iſt aber die von Liebig in Anregung ge⸗ brachte; und es liegt klar vor Augen, daß bei ih⸗ rer Anwendung ſich die bisherigen, als Norm gelt⸗ enden Verhaͤltniſſe des Fruchtwechſels nothwendig aͤndern werden. Die bisherige Unmoͤglichkeit, be⸗ gruͤndet auf Anwendung einer nicht paſſenden Duͤngungsmethode, kann ſonach nicht als Ein— wand gegen die Behauptung der Moͤglichkeit bei einer paſſenderen Duͤngungsmethode gebraucht werden, vielmehr iſt es, wenn man ſich nicht vorher die Muͤhe nehmen will, die Gruͤnde der Wiſſen⸗ ſchaft, welche fuͤr eine ſolche Moͤglichkeit mit Sicher⸗ heit ſprechen, zu pruͤfen, gerathener, lieber ganz ſich jedes Urtheils uͤber das neue Duͤngungsmittel zu enthalten. Außerdem muß noch erinnert werden, daß, wenn auch nicht in Betreff des neuen Duͤnge⸗ mittels, ſo doch in Betreff der Wirkung anderer nicht unpaſſender kuͤnſtlicher Duͤngungsmittel in England bereits einige Erfahrungen vorliegen, denen zufolge die Moͤglichkeit, Weizen auf Weizen und Klee auf Klee zu bauen, factiſch bewieſen iſt; und wenn derlei Faͤlle bis jetzt noch nicht zur Kennt⸗ niß der deutſchen Landwirthe gelangt ſind, ſo liegt die Schuld einfach in dem Umſtande, daß Die⸗ jenigen, welche ſich damit abgaben, die engliſche Landwirthſchaft zu ſtudiren und die Reſultate ih⸗ rer Studien dem deutſchen Publicum vorzulegen, ihre Aufmerkſamkeit anderen minder wichtigen Ge⸗ — 57— genſtaͤnden als gerade dieſen ſo aͤußerſt wichtigen Dingen zuwendeten.. Was endlich die Berufung auf die bei anderen bisher empfohlenen kuͤnſtlichen Duͤngungsmitteln erfahrenen Taͤuſchungen und das darauf begruͤn⸗ dete Mißtrauen gegen die Empfehlung des neuen Duͤngemittels anlangt, ſo iſt nicht zu laͤugnen, daß darin noch am allererſten ein gewiſſer Sinn liegt, wenn man bedenkt, wie allerdings ſchon ſehr oft die verſchiedenartigſten Mineral- und Salzge⸗ menge dem deutſchen landwirthſchaftlichen Pu⸗ blicum, nicht ſelten unter den ausſchweifendſten Lobeserhebungen, angeprieſen worden ſind, ohne daß doch nachher durch dieſe Duͤngmittel den Er⸗ wartungen entſprochen wurde. Allein ſtreng ge⸗ nommen, liegt die Schuld der getaͤuſchten Erwart⸗ ungen nicht ſowohl in dieſen Duͤngmitteln, als viel— mehr in der bis jetzt noch ſehr verzeihlichen und er⸗ klaͤrlichen Unwiſſenheit Desjenigen, der ſolche Duͤngmittel anwendete. Da man naͤmlich bis jetzt noch gar nicht wußte, worin das weſentlich Wirkſame eines Duͤngungsmittels lag, ſo konnte es nicht fehlen, daß man von irgend einem em— pfohlenen Duͤngungsmittel bisweilen Wirkungen erwartete, welche der chemiſchen Zuſammenſetzung dieſes Duͤngungsmittels zufolge voͤllig unmoͤg— lich waren. In dieſer Unkenntniß verlangte man geradezu Wunder, und da dieſe ſich nicht zu⸗ trugen, ſo hat man von ſehr vielen Seiten das Vertrauen zu kuͤnſtlichen Duͤngungsmitteln aller Art verloren. 3* — 58— Wer den Liebig'ſchen Forſchungen in Bezug auf Agriculturchemie aufmerkſam gefolgt iſt und dieſelben verſtanden hat, der wird eingeſehen ha⸗ ben, daß die Ausſpruͤche, zu denen dieſer Chemi⸗ ker gelangte, nichts weiter ſind, als der Ausfluß einer wiſſenſchaftlichen Begutachtung der bisher in der Landwirthſchaft gemachten Erfahrungen, und es iſt, beilaͤufig bemerkt, ungemein laͤcher⸗ lich, wenn man nicht ſelten hoͤren muß, daß den Liebig'ſchen agronomiſchen Grundſaͤtzen um deß⸗ willen kein beſonderes Zutrauen gebuͤhre, weil er ſelbſt kein praktiſcher Landwirth iſt. Man ſei doch nicht von vorn herein gegen eine Sache eingenom— men und uͤberlege ſich einmal mit aller Ruhe, wie es Diejenigen, welche wirkliche Landwirthe waren, angefangen haben werden, wenn ſie, wie es ja geſchehen iſt, zu gewiſſen agronomiſchen Grundſaͤtzen gelangen wollten. Nun, ſie werden die bisher gemachten allgemein bekannten einzelnen Erfahrungen hergenommen und verſucht haben, den Grund der einzelnen Erſcheinungen auszumit⸗ teln(daſſelbe geſchah auch von Liebig), und wenn ihnen irgend eine Erſcheinung dunkel blieb, ſo wa⸗ ren ſie genoͤthigt, zu Vermuthungen ihre Zuflucht zu nehmen, oder Verſuche anzuſtellen, welche die Aufhellung dieſer Dunkelheiten beabſichtigten(ge⸗ rade ſo mußte aber auch Liebig verfahren). Allein dabei iſt nicht zu uͤberſehen, daß der wahre Grund ſehr vieler Erſcheinungen ſich nur mit Huͤlfe gruͤndlicher chemiſcher Kenntniſſe erkennen laͤßt, und wo daher Jene, denen das Gebiet der — 59— Chemie fremd war, nur Vermuthungen aufſtellen konnten, wobei es natuͤrlich ganz dem Zufall uͤberlaſſen blieb, ob dieſe Vermuthungen das Richtige oder Falſche fanden, da war es dem Chemiker moͤglich, zu einem beſtimmten Reſul⸗ tate zu kommen, welches nicht ſelten ganz anderes als das von Jenen gefundene ausfiel. Von dieſem letzteren nun um deßwillen mit Gering⸗ ſchaͤtzung zu ſprechen, weil es mit den ohne che⸗ miſche Kenntniſſe erſchloſſenen Behauptungen nicht uͤbereinſtimmt, oder gar weil es von einem Chemiker und nicht von einem Landwirth ge⸗ funden war, verraͤth mehr als eine voͤllige Un⸗ kenntniß der ganzen Sachlage. Wer Anderes als ein mit chemiſchen Kenntniſſen vertrauter Mann haͤtte denn ſonſt dieſe Unterſuchungen anſtellen ſollen? Unterſuchungen, wobei es ſich eben nur um chemiſche Thatſachen dreht?— Wenn daher von einem ſo ausgezeichneten Chemiker, wie Lie⸗ big, nicht nur die Empfehlung, ſondern auch die Vorſchrift zur Bereitung des neuen Duͤngmittels ausgegangen iſt, ſo ſollte ich meinen, laͤge auch fuͤr Denjenigen, welcher ſich nicht weiter um die Grundſaͤtze kuͤmmert, nach denen dieſe neuen Duͤngmittel dargeſtellt werden,(obſchon die⸗ ſelben von Liebig klar oder allgemein verſtaͤnd⸗ lich in dem Vorſtehenden entwickelt worden ſind) eine gewiſſe Garantie, daß dieſe kuͤnſtlichen Duͤng⸗ mittel anders ſein werden und anders ſein muͤſ— ſen, als die bisherigen. Der Ausdruck„Markt⸗ ſchreierei“(von mir nicht bloß fingirt, ſondern — 60— wirklich vernommen, als ich einigen Landwirthen uͤber das neue Liebig'ſche Duͤngmittel Mittheil⸗ ungen machte) iſt daher aͤußerſt unuͤberlegt, wenn er auch, wie es im vorliegenden Falle ſtattfand, zunaͤchſt gegen den Fabrikanten dieſer Duͤng⸗ ungsmittel, Herrn Muspratt, gerichtet war. Ue⸗ brigens paßt dieſer Ausdruck ebenſo wenig auf Herrn Muspratt, in deſſen Ankuͤndigung ja ei⸗ gentlich die anſtoͤßige Stelle„eine und die⸗ ſelbe Frucht Jahr um Jahr auf einem und demſelben Felde“ vorkommt. Der⸗ ſelbe fabricirt ja nur nach Liebig's Angabe, und ich kann mir bei dieſer Gelegenheit die Freude nicht verſagen, hiermit auszuſprechen, daß ich in Herrn Muspratt waͤhrend ſeiner juͤngſten An⸗ weſenheit in Deutſchland einen Mann kennen gelernt habe, der ſelbſt Chemiker genug iſt, um ſeine Erwartungen in Betreff der neuen Duͤng⸗ ungsmittel wiſſenſchaftlich vollkommen zu ver— treten, abgeſehen von dem Umſtande, daß er eine perſoͤnliche Ehrenhaftigkeit beſitzt, welche mit der jedes anderen deutſchen Fabrikanten fuͤglich in die Schranken treten kann. (Vierte Erläuterung zu S. 14.) Die von Liebig erwaͤhnte Wirkung des Waſſers und der atmoſphaͤriſchen Luft auf die Boden⸗ beſtandheile der Felder, wodurch gewiſſe Beſtand⸗ theile derſelben die Faͤhigkeit erhalten, ſich in Waſſer zu loͤſen und von den Wurzeln der Pflanzen aufgenommen zu werden, bezeichnet man mit dem Namen der Verwitterung, und gewiſſe landwirth⸗ — 67— ſchaftliche Operationen, wie z. B. das Pfluͤgen, verdanken ihre guten Erfolge wenigſtens theilweiſe dem Umſtande, daß durch ſie der Proceß der Ver⸗ witterung beſchleunigt wird. Es wuͤrde jedenfalls zu weit fuͤhren, wenn ich hier auf eine weitere Aus⸗ einanderſetzung dieſes Proceſſes eingehen wollte; vielmehr verweiſe ich den Leſer dieſer Blaͤtter auf Liebig's Schriften, ſo wie auf meine Agricultur— chemie, wo ich dieſen Gegenſtand ſehr ausfuͤhrlich und hoffentlich allgemein verſtaͤndlich eroͤrtert habe. Hier moͤchte ich nur nochmals in Erinnerung bringen, daß nur erſt durch das genaue Studium des Verwitterungsproceſſes von dem wiſſenſchaft⸗ lich⸗chemiſchen Standpunkt aus die wahre Urſache, warum die Brache guͤnſtig wirkt, ermittelt ward. Anſtatt daß man naͤmlich bisher dieſe Urſache in der ſogenannten„Ruhe des Bodens vom Pfluge“ er⸗ kennen zu muͤſſen glaubte, welchem Anlaß zufolge man den Acker gewiſſermaßen mit einem ermuͤdeten Thiere verglich, welches ebenfalls durch Ruhe wieder zu Kraͤften kommt(an ſich ſchon ein ganz unpaſſender Vergleich, weil ein ermattetes Thier durch bloße Ruhe, wenn man verabſaͤumt, ihm Nahrung zu geben, ſeine Kraͤfte nicht wieder er— langt), ſo hat man jetzt deutlich eingeſehen, daß waͤhrend der Brache durch die unablaͤſſig wirkende Verwitterung der Bodenbeſtandtheile nach und nach ſich ſo viel im Waſſer loͤsliche und der Pflanze zu ihrem Wachsthum nothwendige Stoffe anſam⸗ meln, daß nach einiger Zeit eine Culturpflanze auf dem erſchoͤpften Felde wieder gedeihen kann, was — 62— vor der Brache nicht moͤglich war. Denn ſind keine der Verwitterung faͤhige Subſtanzen in dem Boden eines Feldes, ſo nuͤtzt alles Brachen nichts, und der Boden gewinnt trotz aller Ruhe dennoch keine Fruchtbarkeit. (Fünfte Erläuterung zu S. 23.) Obgleich in den letztverfloſſenen Jahren bereits unzaͤhlige Mal von den verſchiedenſten Seiten her und auf die verſchiedenſte Weiſe gegen die Anſicht, daß der Kohlenſtoff⸗ und Stickſtoffgehalt das Wirkſame des Duͤngers ſei, zu Felde gezogen ward, ſo iſt doch dieſe Anſicht durch die Laͤnge der Zeit ſo ſanctionirt worden und in den Ideen der meiſten Oekonomen ſo feſt eingeroſtet, daß es rathſam erſcheint, es laſſe Niemand, dem es irgend wie nahe gelegt wird, dieſe alten Vorurtheile von Neuem zu bekaͤmpfen, eine ſolche Gelegenheit un— genuͤtzt voruͤbergehen. Ich gedenke alſo in Nach⸗ ſtehendem abermals einen ſolchen Gegenbeweis zu fuͤhren, und hoffe um ſo leichter verſtanden zu werden, als ich dieſe ganze Angelegenheit moͤglich einfach, und von allem nicht ſtreng hierher Gehoͤr⸗ igen geſondert, vorlegen will. Der Duͤnger, ſei er nun vegetabiliſcher oder ani⸗ maliſcher, enthaͤlt nach allbekannten Unterſuchungen außer anderen Beſtandtheilen auch noch Kohlen⸗ ſtoff und Stickſtoff. Eben ſo enthaͤlt jede Cultur⸗ pflanze außer anderen Beſtandtheilen Kohlenſtoff und Stickſtoff; und der Schluß, daß der Kohlen⸗ ſtoff⸗ und Stickſtoffgehalt des Duͤngers es ſei, welcher den Culturpflanzen den ihnen noͤthigen — 63— Kohlenſtoff und Stickſtoff verabreiche, lag nahe und iſt ſcheinbar gerechtfertigt. Allein der Duͤnger, mag es nun vegetabiliſcher oder animaliſcher Duͤnger ſein, enthaͤlt nach eben ſo bekannten Unterſuchungen auch eine Menge mi⸗ neraliſcher Beſtandtheile in der Form von ver⸗ ſchiedenen Salzen. Dieſelben Salze finden ſich auch bei der Verbrennung jedweder Culturpflanze in der ruͤckbleibenden Aſche vor und erregen die Ver⸗ muthung, daß ſie nicht zufaͤllig in die Pflanze ge⸗ langten, ſondern fuͤr das Wachsthum und Ge⸗ deihen derſelben weſentlich nothwendig waren. Es iſt daher der anderen Schlußfolgerung, daß nur der Salzgehalt des Duͤngers das weſentlich Wirk⸗ ſame ſei, ebenfalls Gerechtigkeit widerfahren zu laſſen, und man muß zugeben, daß dieſe Vermuth⸗ ung mindeſtens eben ſo viel Glaubwuͤrdigkeit be⸗ ſitze als jene erſterwaͤhnte, nach welcher das we⸗ ſentlich Wirkſame des Duͤngers in ſeinem Kohlen⸗ ſtoff⸗ und Stickſtoffgehalte liegen ſolle. Endlich exiſtirt noch eine dritte Anſicht, daß naͤmlich der Duͤnger ſeines Stickſtoff⸗, Kohlen⸗ ſtoff⸗ und Salzgehaltes wegen guͤnſtig wirke. So iſt wenigſtens die jetzige Sachlage, und es fragt ſich, welche Anſicht die richtige ſei, da die Ermittelung des wahren Verhaͤltniſſes als von der groͤßten Wichtigkeit fuͤr die Zukunft der Agricultur erachtet werden muß. Es liegt auf der Hand, daß ein ſolcher Streit nur auf dem Wege des Experiments entſchieden werden kann, und daß man jeder Partei aufzu— geben habe, ihre Behauptung zu beweiſen. Fragt man nun nach ſolchen Beweiſen, ſo erkennt man bald, daß es mit der zuerſt erwaͤhnten Anſicht gar traurig ſteht. Denn anſtatt, wie doch recht und billig, mit ſolchen Subſtanzen Duͤng⸗ ungsverſuche anzuſtellen, welche nur Kohlen⸗ ſtoff und Stickſtoff enthalten, ſo iſt dieß doch nirgends geſchehen, denn in allen zur Duͤngung angewendeten Subſtanzen waren außer dem Koh⸗ lenſtoff und Stickſtoff auch noch viele Salze ent⸗ halten.— Die Einrede der Gegner, daß die Wirk⸗ ſamkeit der angewendeten Duͤngungsmittel eben in dieſen Salzen liege, kann daher durch dieſe Ver⸗ ſuche nicht beſeitigt werden, und die Behauptung der duͤngenden Eigenſchaft des Stickſtoffes und Kohlenſtoffes der Duͤngungsmittel iſt nicht zu be⸗ weiſen, muß folglich als eine„unerwieſene Ver⸗ muthung“ angeſehen werden. Ganz anders verhaͤlt es ſich aber mit der zweiten Behauptung, nach welcher der Gehalt der Duͤng⸗ ungsmittel an mineraliſchen Beſtandtheilen das weſentlich Wirkſame ſein ſoll; denn hier liegen entſchiedene Beweiſe vor. Man hat naͤmlich eben⸗ falls Verſuche angeſtellt und war im Stande, indem man, mit Ausſchluß von Stickſtoff und Kohlenſtoff, nur mit Salzen, z. B. mit ge⸗ brannten Knochen, gebranntem Kalk, Pottaſche, Holzaſche u. ſ. w. duͤngte, ſehr guͤnſtige Reſultate zu erhalten. Die Behauptung, daß der Salz⸗ gehalt des Duͤngers bei der Duͤngung von weſent⸗ licher Wirkſamkeit ſei, muß daher als erwieſen betrachtet werden. Was endlich die Meinung Jener anlangt, welche behaupten, der dem Boden zugefuͤhrte Duͤnger muͤſſe beides enthalten, naͤmlich außer den Salzen auch noch kohlenſtoff⸗ und ſalzſtoffhaltige Be⸗ ſtandtheile, ſo verliert dieſelbe eigentlich ſchon durch das vorſtehend Angefuͤhrte ihren Halt. Denn wenn durch allerdings bis jetzt nur ſehr vereinzelt ſtehende Verſuche gezeigt ward, daß mit voͤlligem Ausſchluß aller organiſchen, d. h. kohlenſtoff⸗ und ſtickſtoffhaltigen Subſtanzen durch bloße Salzge⸗ miſche geduͤngt werden kann, woraus alſo mit Entſchiedenheit folgt, daß die Pflanzen den ihnen noͤthigen Stickſtoff und Kohlenſtoff aus Ouellen zu ſchoͤpfen vermoͤgen, welche bei der Duͤngung nicht herbeigeſchafft worden waren, ſo begreift man, daß von einer abſoluten Nothwendigkeit des Vor⸗ handenſeins von ſtickſtoff⸗ und kohlenſtoffhaltigen Subſtanzen gleichzeitig mit den erwaͤhnten Salzen im geduͤngten Boden nicht die Rede ſein darf. Es kann ſich in dieſer Beziehung lediglich nur darum drehen, durch Verſuche zu erfahren, ob das Ge⸗ deihen der Culturpflanzen, welches, wie wir ge— ſehen haben, durch Anwendung bloßer Salzge— menge moͤglich iſt, nicht vielleicht noch hoͤher geſteigert zu werden vermag, wenn man gleich- zeitig mit dieſen Salzen auch noch kohlenſtoff- und namentlich ſtickſtoffhaltige Subſtanzen anwendet. Allein bis jetzt ſind derlei Verſuche, denen wirkliche Geltung zuzuſchreiben waͤre, noch nicht angeſtellt — 66— worden, ſo daß man daruͤber vorlaͤufig nur Ver⸗ muthungen hegen darf; und wenn mich nicht Alles truͤgt, ſo glaube ich die Behauptung ausſprechen zu duͤrfen, daß ein Vorhandenſein von ſtickſtoff⸗ und kohlenſtoffhaltiger Subſtanz, ſie ſei, welcher Art ſie wolle, im Boden unſerer Felder zu dem Gedeihen der Culturpflanzen durchaus nicht noth⸗ wendig iſt. Die Anwendung der neuen Liebig'ſchen Duͤngmittel, insbeſondere wenn man bei deren ſpaͤterer Fabrikation die ſtickſtoffhaltigen Beſtand⸗ theile hinweglaͤßt, welche bei der jetzigen Fabri⸗ kation noch darin ſind, wird dieſe Frage mit Sicherheit entſcheiden. So viel ſteht wenigſtens feſt, daß, wenn man mit Duͤnger ohne einen Gehalt einer organiſchen Subſtanz zu duͤngen vermag(und man hat es gekonnt), die organiſchen Beſtandtheile der bis⸗ herigen Duͤngung entbehrlich ſind, oder mit anderen Worten, daß die natuͤrliche Duͤngung mittels Miſts u. ſ. w. durch kuͤnſtliche Duͤngmittel zu er⸗ ſetzen iſt. (Sechste Erläuterung zu S. 24.) Die Bezeichnung„Reizmittel“ und„reizender Duͤnger“ iſt nur durch unklare Anſichten, die man ſich uͤber die guͤnſtige Wirkung vieler mineraliſcher Koͤrper macht, wenn man ſie als Duͤngmittel an⸗ wendete, in die Kunſtſprache der Landwirthſchaft eingefuͤhrt worden, und man kann wohl behaupten, daß die Einfuͤhrung dieſer Kunſtausdruͤcke weſent⸗ lich mit dazu beigetragen, die Erkenntniß der wahren Wirkungsweiſe dieſer Subſtanzen von der bisher⸗ — 67— igen Theorie der Landwirthſchaft zum Nachtheile fuͤr die Praxis ſo lange fernzuhalten. Denn indem man in allem Ernſte vermeinte, die guͤnſtige und durch langjaͤhrige praktiſche Erfahrung feſtgeſtellte Wirkung dieſer Koͤrper werde dadurch voͤllig er⸗ klaͤrt, daß man ihnen einen„Reiz“ auf die wach⸗ ſenden Pflanzen zuſchrieb, ſo war es ja ganz na⸗ tuͤrlich, daß man ſich nun gar nicht weiter darum kuͤmmerte, zu erforſchen, wie es denn eigentlich zugehe, wenn eine Pflanze gereizt werde. Zudem wußte man ja ſehr genau, was ein Reiz und ein Reizmittel mit Ruͤckſicht auf ein Thier oder auf den Menſchen fuͤr ein Ding ſei, und welche Be⸗ deutung daſſelbe fuͤr das animaliſche Leben beſitze, (die Oekonomie wußte alſo mehr als die Medicin, denn ich kann verſichern, daß in der Mediecin dieſe Sache noch ſehr unklar iſt), man braucht ja nur die an Thieren und Menſchen gemachte Erfahrung auf die Pflanzen uͤberzutragen, und Alles war ohne Weiteres befriedigend abgemacht. Dazu kam noch der Umſtand, daß es von vielen Seiten her ſehr bequem gefunden ward, ſich des Ausdruckes„Reiz⸗ mittel“ gar oft dann zu bedienen, wenn es galt, die Beantwortung gewiſſer Fragen nach der Urſache dieſer oder jener Erſcheinung in moͤglichſter Kuͤrze von der Hand zu weiſen. Kein Wunder daher, wie ein ſo nichtsſagendes Wort ſehr bald zu großem Anſehen gelangte und von Jeder⸗ mann im Munde gefuͤhrt ward. Was aber „Reiz“(im Sinne der Herren Oekonomen) ſei, das weiß bis dieſen Augenblick noch Niemand; es muͤßte denn Jemand boshaft genug ſein zu be— haupten,„Reiz“ ſei ein wohlerfundenes, allemal dann zu brauchendes Wort, wo man ſich ſchaͤme, ſein Nichtwiſſen einzugeſtehen. Es war, wie in Betreff ſo vieler anderer Dinge, ſo auch hierbei abermals der Chemie vorbehalten, zu verſuchen, ob es nicht moͤglich ſei, die Urſache der Wirkung dieſer ſogenannten reizenden Duͤnger zu ergruͤnden; und in der That iſt ihr die Loͤſung dieſer Frage auf eine uͤberraſchende Weiſe gegluͤckt. Denn indem ſie nachzuweiſen vermochte, daß dieſe ſogenannten Reizmittel je nach ihrer chemiſchen Beſchaffenheit bald in der Art wirkten, daß ſie unmittelbar von der Pflanze aufgenommen und zur Bildung von Pflanzenbeſtandtheilen verwendet wurden, alſo geradezu als Nahrungsmittel dienten, bald in der Weiſe, daß ſie, wie z. B. der Kalk, die Verwitterung der Bodenbeſtandtheile beſchleun⸗ igten und ſomit in kuͤrzerer Zeit eine Menge Pflan⸗ zennahrungsmittel in einen fuͤr die Pflanze auf— nehmbaren Zuſtand verſetzten, als es ohne Anwend⸗ ung des Kalkes geſchehen waͤre, hat natuͤrlich die Bezeichnung„reizender Duͤnger“ im Auge der Sachkundigen alle und jede Bedeutung verloren und kann, wenn man ſie von Jemand jetzt noch hoͤrt, hoͤchſtens dazu dienen, daß man ihn ernſtlich bittet, ſich doch mit den das Gegentheil beweiſenden Thatſachen vertraut zu machen, zu deren Verſtaͤnd⸗ niß außer einigen chemiſchen Kenntniſſen und etwas gutem Willen nichts weiter als der Gebrauch des geſunden Menſchenverſtandes gehoͤrt. — e— (Siebente Erläuterung zu S. 29.) Ich kann mich nicht enthalten, bei dieſer Ge⸗ legenheit einen Fall anzufuͤhren, welchen der be⸗ ruͤhmte Davy in ſeiner bereits vor 40 Jahren erſchienenen Agriculturchemie erzaͤhlt. Denn ob⸗ ſchon dieſer Fall ein hoͤchſt einfacher iſt, ſo eignet er ſich doch vortrefflich als Beitrag zu dem von Liebig Ausgeſprochenen, und gar Mancher, der ihn lieſt, wird im Stillen zugeben, daß Aehnliches ihm ſchon oft paſſirte, ohne daß er jedoch zu ſo rationellen Mitteln griff, als der Lord Dundas in dem nachſtehenden Beiſpiele. Zu einer Zeit, wo der Gebrauch des Gypſes in England noch ſehr neu war und große Epoche machte, geſchah es, daß auch der Lord Dundas auf zweien ſeiner Guͤter in Yorkſhire den vielempfoh⸗ lenen Gyps zur Duͤngung anwendete; allein ohne allen Erfolg. Anſtatt nun, wie ſo oft geſchah, dieſer unguͤnſtigen Erfahrung zufolge zu behaup⸗ ten, der Gyps ſei ein uͤberhaupt untaugliches Duͤngmittel, ließ der Lord den Boden ſeiner Felder chemiſch unterſuchen, wobei es ſich denn fand, daß derſelbe bereits vorher reichlich mit Gyps verſehen war. (Achte Erläuterung zu S. 30.) Wenn Jemand die landwirthſchaftlichen Zeit⸗ ſchriften aller Art, ihr Name ſei, welcher er wolle, hernimmt und ſich einmal die Muͤhe nicht ver— drießen laͤßt, nachzuſuchen, zu welch abweichenden Reſultaten man mit einem und demſelben kuͤnſt⸗ lichen Duͤngmittel gelangte, je nachdem man es — 79— bald bei einer und derſelben Pflanze, aber bei verſchiedener Bodenbeſchaffenheit, bald bei einer und derſelben Bodenbeſchaffenheit, aber bei ver⸗ ſchiedenen Pflanzen anwendete, und wenn er dann auf die einander voͤllig entgegengeſetzten Urtheile, welche uͤber die Wirkung eines ſolchen Duͤngmittels gefaͤllt werden, ſtoͤßt, ſo muß er, wenn er vor⸗ urtheilsfrei genug iſt, einen ziemlich klaren Begriff von dem Mangel alles und jeden feſten Stuͤtz⸗ punktes der Agricultur erhalten und einſehen, in welch huͤlfloſem Zuſtande ſich die Herren Oeko⸗ nomen uͤberall da befinden, wo die Erkenntniß des wahren Grundes gewiſſer Erſcheinungen nur mit Huͤlfe der Chemie zu ermoͤglichen iſt. Was der Eine ſehr dringend empfiehlt, und wovon er wahre Wunder erlebt haben will, das hat der Andere ohne allen Nutzen(mit Ruͤckſicht auf die beab⸗ ſichtigten Ernten) und ſogar mit mehr oder weniger großem Schaden(fuͤr ſeine Kaſſe) verſucht, weß⸗ halb er denn ſeine Collegen energiſch vor der An⸗ wendung dieſes Mittels warnt; und ſo umgekehrt. An eine Individualiſirung des jedesmaligen Falles, d. h. an eine Unterſuchung der naͤheren Umſtaͤnde, unter denen ein und daſſelbe Mittel einmal guͤnſtig wirkte und das andere Mal den von ihm gehegten Erwartungen nicht entſprach, iſt dabei in der Mehrzahl der Faͤlle entweder gar nicht gedacht worden, oder wenn dieß geſchah, ſo begnuͤgte man ſich mit nur ſehr unzureichenden Angaben, indem man allenfalls noch mittheilte, ob der Boden trocken oder feucht, leicht oder ſchwer u. dergl. ge⸗ weſen ſei. Daher kommen denn auch die nicht ſelten bogenlangen Abhandlungen, welche gelehrte Oekonomen uͤber die Art und Weiſe der Wirkung irgend eines kuͤnſtlichen Duͤngmittels zu ſchreiben genoͤthigt waren, dafern ſie die Reſultate der bis⸗ her mit ihm angeſtellten Beobachtungen nur einigermaßen genuͤgend zuſammenzuſtellen beab⸗ ſichtigten; daher auch die Erſcheinung, daß ſolche Abhandlungen bisweilen die groͤßten Widerſpruͤche enthalten, und daß der aufmerkſame und wißbe⸗ gierige Leſer, wenn er ſich gluͤcklich bis an's Ende derſelben durchgearbeitet hat, gewoͤhnlich gerade ſorviel weiß, wie vorher, nämlich gar nichts. — Wer wollte laͤugnen, daß dieß die traurigen Fol⸗ gen mangelnder richtiger Principien ſind, und wer wollte es beſtreiten, daß man in dieſer voͤlligen Unſicherheit die Hauptveranlaſſung jener unzaͤhl⸗ igen verkehrten Verſuche zu ſehen habe, nach denen man Nichts, ſelbſt das Ungereimteſte nicht, unverſucht ließ; jene Verſuche, die, abgeſehen von dem Umſtande, daß Niemand etwas daraus lernen konnte, und daß ſie Geld und Zeit unnuͤtz in An⸗ ſpruch nahmen, noch den großen Nachtheil mit ſich fuͤhrten, daß eine große Anzahl von Landwirthen endlich dahin gelangte, kuͤnſtliche Duͤngmittel aller Art uͤberhaupt zu verwerfen, und Diejenigen, die ſich im Intereſſe der Landwirthſchaft bemuͤhten, dieſen unſchaͤtzbaren Koͤrpern wieder zu ihrem Rechte zu verhelfen, gleich von vorn herein mit ſcheelen Augen anzuſehen. 72 (Neunte Erläuterung zu S. 36.) So gerecht auch die Klage Liebig's iſt, daß ſeine Arbeiten, trotzdem daß ſie ſchon ſeit laͤng— erer Zeit der Gelehrtenwelt und(ſo ſetze ich hin— zu) durch populaͤr gehaltene Schriften Liebig's und Anderer auch dem großen Laienpublicum vorgelegt wurden, dennoch bis jetzt nur eine ſehr beſchraͤnkte Anwendung in der Agricultur gefunden haben, ſo iſt doch dieſe Erſcheinung eine ganz natuͤrliche. Die Urſache dieſer nur langſamen und nur theilweiſen Aufnahme der im Intereſſe der Agricultur unternommenen chem⸗ iſchen Arbeiten und der ſo erlangten Reſultate liegt eines Theiles in der Natur dieſer Arbeiten ſelbſt und anderen Theiles in dem bisherigen Bildungsgrade der Mehrzahl der Herren Oeko⸗ nomen, mochten ſie nun reine Praktiker oder reine Theoretiker ſein. Denn mit Bezugnahme auf die Natur dieſer Arbeiten iſt nicht zu laͤugnen, daß ſie zum großen Theile ſo uͤber— raſchend kamen, daß die Zeit, welche der Er⸗ fahrung gemaͤß gebraucht wird, um neue An⸗ ſichten unter allen Claſſen eines groͤßeren Publi⸗ cums zu verbreiten und daſelbſt heimiſch zu machen, noch lange nicht verfloſſen iſt, wozu noch gerechnet werden muß, daß ſie eben ihrer Neuheit, oder, beſſer geſagt, ihres Widerſpruchs wegen, welchen ſie gegen das bisher Geltende machten, uͤberall auf Widerſtand ſtießen. Und was den bisherigen Bildungsgrad der Herren Landwirthe anlangt, ſo muß ebenfalls zugegeben werden, daß er durchaus nicht der Art iſt, um ſich ſchnell zu einem Verſtaͤndniß dieſer neu ge⸗ fundenen Thatſachen hindurchzuarbeiten, zumal wenn man beruͤckſichtigt, daß es ſich hierbei nicht um die mechaniſche Befolgung gewiſſer Recepte, ſondern um eine durchdachte und dem jedes⸗ maligen Falle beſonders angepaßte Ausfuͤhrung wohl verſtandener chemiſcher Grundſaͤtze handelt. Wie Mancher mag im Gefuͤhle des mißlichen Zuſtandes der Landwirthſchaft ein Handbuch der Agriculturchemie hergenommen und es mit ge⸗ taͤuſchten Erwartungen wieder aus der Hand ge⸗ legt haben?— Es iſt mir mehrfach vorgekommen, daß ein Landwirth meine Agriculturchemie nur in der Abſicht durchblaͤtterte, um in aller Ge⸗ ſchwindigkeit die Stellen zu finden, wo die neuen Duͤngungsvorſchriften zu leſen waͤren, von denen man ihm geſagt hatte, daß ſie im Buche ent⸗ halten ſeien. Da er nun aber ſolche Vorſchriften nicht fand(wie denn eine Agriculturchemie uͤber⸗ haupt gar keine Duͤnger⸗Recepte enthalten kann, ſondern ſich bloß mit der Entwickelung der Grund⸗ ſaͤtze, nach denen zu duͤngen iſt, zu beſchaͤftigen hat), ſo erregte dieß ſeine volle Unzufriedenheit und bewirkte, daß er das ganze Buch als fuͤr ſeinen Zweck unbrauchbar erklaͤrte. Bei dem Mangel aller naturwiſſenſchaftlichen und zwar dem heutigen Standpunkte der ſo weit vorge⸗ ſchrittenen Naturwiſſenſchaften angemeſſenen Vor⸗ kenntniſſe muß es der aͤlteren Generation prak⸗ tiſcher Landwirthe aͤußerſt ſchwer fallen, den wiſſen⸗ Liebig's Patent⸗Dünger. 4 ———— = 44— ſchaftlichen Beweisfuͤhrungen der Chemiker zu folgen und die Richtigkeit derſelben einzuſehen. Ein Beſſerwerden dieſer Verhaͤltniſſe iſt nur mit dem Heranwachſen einer juͤngeren Generation zu erwarten, und dieß auch nur unter der einzigen Bedingung, daß man auf den landwirthſchaft⸗ lichen Bildungsanſtalten einen groͤßeren Werth auf die ernſtere Betreibung der Naturwiſſen⸗ ſchaften im Allgemeinen und der Chemie insbe⸗ ſondere legt. Wie bald aber dieß Beſſerwerden allgemein eintreten werde, laͤßt ſich bis jetzt noch gar nicht bemeſſen, und ich glaube nicht, daß man ſich in dieſer Beziehung ſehr ſanguiniſchen Hoffnungen zu uͤberlaſſen habe. Giebt es ja doch noch Lehrer der Landwirthſchaft, die gar keine Ahnung von der Bedeutung der neueſten Leiſtungen der Agriculturchemie haben; wie ſoll da die Erkenntniß ihrer Wichtigkeit Eigenthum des Schuͤlers werden?— Bot nicht die in die— ſen Tagen abgehaltene Verſammlung deutſcher Landwirthe in Breslau ein ſchlagendes, aber trauriges Beiſpiel der Wahrheit meiner Behaupt⸗ ung dar, daß naͤmlich der deutſche Landwirth im Allgemeinen noch keinen Begriff von dem hat, was eigentlich die Landwirthſchaft bewegt? Iſt denn bei dieſer Verſammlung von wohl 800 bis 900 Landwirthen auch nur ein einziger der fraglichen, fuͤr das Leben der Agricultur ſo hoch⸗ wichtigen Punkte zur Discuſſion gebracht worden, oder hat nicht vielmehr Alles ſtill geſchwiegen, als der Vorſitzende(ein Lehrer der Landwirth⸗ ſchaft!) mit einigen voͤllig allgemein gehaltenen Redensarten dieſe Gegenſtaͤnde nur im Fluge beruͤhrte und abfaͤllig begutachtete?— Ja, wie kann man es endlich den Regierungen verdenken, daß auch ſie ſich nicht ſehr geneigt fuͤhlen, wiſſen⸗ ſchaftliche, der neueren, von Liebig eingeſchla⸗ genen Richtung folgende Beſtrebungen zu foͤrdern, wenn den Rathgebern der reſpectiven Regierungen die Meinung innewohnt, derlei wiſſenſchaftliche (ſogenannte theoretiſche) Beſtrebungen haͤtten mit der Praxis, wenigſtens vorlaͤufig, nichts gemein (ich erinnere hier beiſpielsweiſe an die von der preußiſchen Regierung abgelehnte Errichtung eines groͤßeren landwirthſchaftlichen chemiſchen Labo⸗ ratoriums, an die ſo aͤußerſt ſchwachen Geld⸗ mittel, welche man auf den meiſten landwirth⸗ ſchaftlichen Anſtalten fuͤr den Unterricht in der Chemie bewilligt findet, und an ſo vieles Andere)? (Zehnte Erläuterung zu S. 37.) Bei der Behauptung Liebig's, daß er Mittel gefunden habe, einem jeden Beſtandtheile des Duͤngers jeden beliebigen Grad von Aufloͤslich— keit zu geben, ſcheint es nothwendig, auf eine fruͤher erſchienene Abhandlung dieſes Gelehrten hinzuweiſen, worin er die Wichtigkeit einer ſolchen Entdeckung und deren Nothwendigkeit fuͤr Herſtell⸗ ung eines zweckentſprechenden kuͤnſtlichen Duͤngers ausfuͤhrlicher begruͤndet. Dieſe Abhandlung er⸗ ſchien zuerſt in einer Nummer des engliſchen landwirthſchaftlichen TageblattsFarmer's Jour- nal“ vom 7. April dieſes Jahres, aus welchem ———— — 76— ſie in mehre deutſche Journale, ſo unter anderen in die landwirthſchaftliche Zeitſchrift(herausge⸗ geben von dem landwirthſchaftlichen Hauptver⸗ eine fuͤr das Koͤnigreich Sachſen, Jahrgang I, Heft V) uͤberging, woſelbſt ich ſie nachzuleſen bitte. Aus ihr geht aber klar hervor, daß die neuen, bis jetzt nur von Muspratt u. Comp. in Liverpool fabricirten Patent⸗Duͤngmittel durch⸗ aus nicht bloße Gemenge ſolcher Salze ſein koͤnnen, welche die verſchiedenen Culturpflanzen zu ihrem Gedeihen brauchen, ſondern daß Liebig gewiſſe chemiſche Entdeckungen benutzt haben muͤſſe, um Uebelſtaͤnden vorzubeugen, welche die Anwendung bloßer Salzgemiſche erfahrungsmaͤßig mit ſich fuͤhrt. Ich bin nun durch Bekanntſchaft mit der Art und Weiſe, wie dieſe Duͤngmittel im Allgemeinen fabricirt werden, in den Stand ge⸗ ſetzt, zu bezeugen, daß es ſich in der That ſo verhalte, und ich ergreife die hier gebotene Ge⸗ legenheit, dieß auszuſprechen, um ſo williger, als ich dadurch nicht bloß ſchiefen Urtheilen, ſon⸗ dern vielleicht auch geradezu Betruͤgereien vor⸗ zubeugen vermag, da es nicht fehlen kann, daß ſich alsbald die Speculation dieſer Sache be⸗ maͤchtigen, und man von allen Seiten her ſoge⸗ nannte Nachbildungen des neuen Patentduͤngers ausbieten wird, welche es doch keineswegs ſind. Man ſei daher vorſichtig und laſſe ſich durch den Mißbrauch des Liebig'ſchen Namens nicht taͤuſchen. 5 — 77— (Elfte Erläuterung zu S. 38.) Aus dem von Liebig in Betreff der Anwend⸗ ung des neuen Duͤngmittels weiter oben Mitge⸗ theilten erſieht man aber ohne Zweifel, daß es der Chemie noch immer nicht gelungen iſt, Wun⸗ der zu thun, d. h. daß ſie noch immer nicht im Stande war, ein ſogenanntes Univerſalduͤngmittel zu erfinden, bei deſſen Anwendung, ſei ſie auch noch ſo gedankenlos, doch unter allen Umſtaͤnden die reichſten Ernten nothwendig erzielt werden muͤſſen. Man erkennt naͤmlich, daß bei der An⸗ wendung der neuen Duͤngmittel, ſoll ſie guten Erfolg haben, von Seiten des Landwirthes der jedesmal vorliegende Fall mit mehr oder weniger Sorgfalt wird zu erwaͤgen ſein, und daß außer anderen Verhaͤltniſſen des Bodens und des Kli⸗ ma's, auch noch die Kenntniß der mittleren Regenmenge, welche jaͤhrlich hier oder da faͤllt, von Wichtigkeit iſt. Es wird ſich, wie uͤberhaupt, ſo auch in Betreff der kuͤnſtlichen Duͤngung mit der Zeit auf das Entſchiedenſte herausſtellen, daß der denkende und wiſſenſchaftlich gebildete Landwirth einen groͤßeren Ertrag ſeiner Felder erlangen wird, als der nach bloßen Recepten handelnde Empiriker.— Dieſe Bemerkungen moͤgen zugleich als ein Hinweis dienen, daß, wenn demnaͤchſt mit den neuen Duͤngmitteln Verſuche angeſtellt ſein werden, man ſich zu huͤten habe, nicht zu vorſchnell in der Beurtheilung der guͤnſt⸗ igen ſowie der unguͤnſtigen Wirkung dieſer Duͤng⸗ mittel zu verfahren. Ich erinnere an das, was — 78— ich bereits in der erſten Erlaͤuterung beizubringen mir erlaubte, woſelbſt ich unter Angabe der Gruͤnde des Umſtandes gedachte, daß die Be⸗ urtheilung irgend angeſtellter Verſuche nicht Sache eines Jeden ſein koͤnne; und da es doch im In⸗ tereſſe der Praxis ſowie der Wiſſenſchaft ſehr zu wuͤnſchen ſteht, daß die in Betreff der Wirkung der neuen Duͤngmittel zu erlangenden Reſultate moͤglichſt bald erlangt werden, ſo erſcheint es um ſo dringlicher, Alles zu vermeiden, wodurch die Entſcheidung dieſer Angelegenheit Jahre lang hinausgeſchoben werden kann, was am leichteſten durch wiſſenſchaftlich mangelhafte Kritik ſelbſt ſehr guter Verſuche zu bewirken iſt. Gwölfte Erläuterung zu S. 39.) Es wird an der citirten Stelle der voraus⸗ geſchickten Abhandlung Liebig's erwaͤhnt, daß ſaͤmmtliche Duͤngmittel, welche zum Gebrauche fuͤr den naͤchſten Winter beſtimmt ſind(alſo vor⸗ laͤufig nur der Duͤnger fuͤr Weizen, Roggen, Gerſte, Hafer), eine fuͤr den beabſichtigten Bau der Feldfruͤchte entſprechende Menge von Ammo⸗ niak, alſo ſtickſtoffhaltige Subſtanz, beſitzen, und die Vermuthung beigefuͤgt, daß dieſer Ammoniak⸗ gehalt der Duͤngmittel in Zukunft entweder theil⸗ weiſe oder gaͤnzlich in Wegfall kommen koͤnne, wodurch natuͤrlich auch der bisherige Preis dieſer Duͤngmittel ſich noch mehr verringern muß. Lie⸗ big ſpricht bei dieſer Gelegenheit von einer Reihe von Verſuchen, welche er ſelbſt uͤber dieſe Noth⸗ wendigkeit oder Entbehrlichkeit des Ammoniak⸗ — 79— gehaltes in den kuͤnſtlichen Duͤngmitteln anzu⸗ ſtellen begonnen, bis jetzt aber noch nicht be⸗ endigt hat; und es koͤnnen die praktiſchen Land⸗ wirthe die Loͤſung dieſer Frage ſicher beſchleun⸗ igen, wenn ſie die Herren Fabrikanten der neuen Duͤngmittel veranlaſſen wollten, auch ſolche Duͤng⸗ mittel zu fabriciren, welche kein Ammoniak ent⸗ halten. Hier waͤre eine gute Gelegenheit, ſoge— nannte„comparative Verſuche“, wie man ſie ja ſo gern anſtellt, zu unternehmen, indem man hierbei noch am leichteſten im Stande waͤre, durch verſchiedene Verſuche unter ſonſt gleichen Umſtaͤnden eine ſehr wichtige Frage mit Sicher⸗ heit zur Entſcheidung zu bringen. Zwar wird es Viele geben, die da meinen, dieſe Frage ſei laͤngſt ſchon durch die bekannten Verſuche Kuhl⸗ mann's, die einzigen, welche eine gewiſſe Glaub⸗ wuͤrdigkeit verdienen, geloͤſt, und ſonach behaupten, die Anſtellung neuer Verſuche in derſelben Be⸗ ziehung ſei voͤllig uͤberfluͤſſig; allein eine kleine Zuſammenſtellung der Kuhlmann'ſchen Ver⸗ ſuche, mit welchen ich meine Bemerkungen fuͤr dießmal ſchließen will, wird klar zeigen, daß dieß noch keineswegs der Fall iſt, und daß man Jeman⸗ dem, der die Nothwendigkeit des Vorhandenſeins einer ſtickſtoffhaltigen Subſtanz im Boden oder im Duͤnger bezweifelt(wie ich dieß allerdings thue), wenigſtens nicht auf Grund bisher angeſtellter Verſuche das Gegentheil beweiſen kann. Zwar habe ich dieſe von Kuhlmann angeſtellten Ver⸗ ſuche in ihrem Hauptreſultate bereits in meiner — 80— Agriculturchemie S. 317 mitgetheilt, allein da ſich bei den dort angeſtellten Berechnungen einige Fehler eingefunden haben, ſo ſei es mir vergoͤnnt, das dort ſchon Gegebene hier nochmals, aber mit richtigen Zahlenwerthen verſehen, zu ver⸗ oͤffentlichen. Es heißt aber an der citirten Stelle(ver⸗ beſſert) folgendermaßen: „Kuhlmann, ein belgiſcher Gelehrter, hat, aus was fuͤr Abſichten, iſt vorlaͤufig ganz gleich— guͤltig, verſchiedene ſtickſtoffhaltige Subſtanzen als Duͤngungsmittel auf Wieſenland verſucht, und die gewonnenen Reſultate in einer Tabelle zuſammengeſtellt, aus welcher ich, mit Ausſcheid⸗ ung des nicht hierher Gehoͤrigen, Folgendes aushebe“. Nehrbe⸗ Menge des auf trag des ge⸗ „ 4 Morgen Lan⸗ Menge des ernteten Düngerart. des= 1 Hec⸗ geernteten Heues bei tare angewen⸗ Heues. Anwend⸗ ten Düngers. ung von (Dünger. 1. Kein Dünger.— 8000 Pfd.— 2. ſalzſaures Ummoniak (Salmial).. 532 Pfd. 11432 ⸗ 3432 Pfd. 3. ſchwefelſ. Ammoniak 532 ⸗ 10466 ⸗ 2466 ⸗ 4. ſalpeterſ. Ammoniak 532 ⸗ 11200 ⸗ 3200 ⸗ 5. ſalpeterſ. Natrum. 532 ⸗ 11446 ⸗ 3446 ⸗ 6. ammoniakal. Waſſer 5400 Liter*) 12600 ⸗ 4600 ⸗ 7. Gallertlöſung.. 21666 ⸗ 12986 ⸗ 4986 ⸗ 8. Pferdeharn 21666 ⸗ 12480 ⸗ 4480 ⸗ 9. Flämmiſcher Oünger 21666 ⸗ 14866 ⸗ 6866 ⸗ *) 1 Liter iſt ein Hohlmaß, welches etwas über 1 ¾ Pfd. Waſſer faſſen kann. — 1— „Das zu No. 6 verwendete ammoniakaliſche Waſſer war der Gasbereitungsanſtalt zu Lille entnommen, und zwar hatte man das darin ent⸗ haltene Ammoniak dadurch in ſalzſaures Am⸗ moniak umgewandelt, daß man die Fluͤſſigkeit mit dem bei der Leimbereitung aus Knochen als Abfall gewonnenen ſauren Waſſer, welches die ſaͤmmtlichen phosphorſauren Salze der Knochen enthielt, vermiſchte. Die zu No. 7 verbrauchte Gallertaufloͤſung erhielt man durch Aufſammlung der beim Kochen der Knochen, behufs der Fettgewinnung, abfall⸗ enden Fluͤſſigkeiten. Sie ſoll nach Kuhlmann's Angabe 2 ¾ Procent Gallerte enthalten haben, und, ſo fuͤge ich hinzu, enthielt jedenfalls bedeutende Mengen von phosphorſauren Salzen, welche beim Kochen der Knochen be⸗ kanntlich jedesmal mit ausgezogen werden. Der bei No. 8 zur Duͤngung angewendete Pferdeharn enthielt außer ſtickſtoffreichen Beſtand⸗ theilen(Harnſtoff ꝛc.) noch verſchiedene Salze und war, da jeder Pferdeharn phosphorſaure Salze enthaͤlt, ebenfalls nicht frei an phos⸗ phorſauren Salzen. Der zu No. 9 gebrauchte flaͤmmiſche Duͤnger beſtand der Beſchreibung nach aus einem Ge⸗ menge von Menſchenkoth und Menſchenharn, dem allerlei in den Haushaltungen abfallende Fluͤſſig⸗ keiten beigemiſcht waren, ſo daß er dadurch fluͤſſi⸗ — — 82— ger ward, als es bei uns der Fall iſt, daher man ihn mit Hohlmaßen zu meſſen vermochte. Daß hier außerordentlich große Mengen von phosphorſauren Salzen zugegen waren, bedarf keiner Erwaͤhnung. Sehen wir daher von der guͤnſtigen Wirkung der bei No. 6, 7, 8 u. 9 angewendeten Duͤngungs⸗ mittel in Betreff des erlangten Mehrertrages an Heu, in Vergleich mit dem Heuertrage der Wieſe, wo keinerlei Duͤnger gebraucht ward, ganz ab, da ſchon in Abſicht auf den Zweck Kuhlmann's, naͤmlich die duͤngende Wirkung ſtickſtoffhaltiger Subſtanzen kennen zu lernen, dadurch Nichts erlangt werden kann, weil Salze und zumal phosphorſaure Salze nicht ausgeſchloſſen blieben (die Aſche guten Wieſenheues enthaͤlt uͤber 20 Procent phosphorſaure Salze), und da noch viel weniger fuͤr uns Etwas daraus zu entnehmen iſt, inſofern wir jetzt nur die duͤngende oder beſſer ſtickſtoffdarreichende Wirkung der Salpeterſaͤure und des Ammoniaks in's Auge zu faſſen haben, ſo bleiben uns nur die unter 2, 3, 4 und 5 verzeichneten Duͤngungsverſuche zur naͤheren Pruͤfung uͤbrig. Unter Beruͤckſichtigung nun, daß das Am— moniak 82 Procent Stickſtoff und die Sal⸗ peterſaͤure 26 Procent Stickſtoff enthaͤlt, finden wir durch Rechnung, daß die zur Duͤngung ver⸗ wendeten Salze folgende Mengen Stickſtoff ent⸗ hielten: — 83— Das ſchwefelſaure Ammoniak enthielt 113,72 Pfd. Stickſtoff ⸗ ſalzſaure ⸗ ⸗ 149,52 ⸗ ⸗ * ſalpeterſaure 3 ⸗ 189,61 ⸗ ⸗ ⸗ ſalpeterſaure Natrum 2 88,19 ⸗ ⸗ Stellen wir mit dieſen Zahlen den entſprech⸗ enden Mehrertrag an Heu zuſammen, und zwar, zur leichteren Ueberſicht aller Verhaͤltniſſe, in runder Summe, ſo ergiebt ſich zuletzt folgende Tabelle: 113,72 Pfd. Stickſtoff(als ſchwefelſ. Ammoniak) ergaben einen Mehrertrag von 2460 Pfd. Heu 149,52 ⸗ ⸗(als ſalzſ. Ammoniak) er⸗ gaben einen Mehrertrag von 3430 ⸗Y ⸗ (als ſalpeterſ. Ammoniak) ergaben einen Mehrertrag von 3200 ⸗ ⸗ 88,19 ⸗ 3(als ſalpeterſ. Natrum) er⸗ gaben einen Mehrertrag von 3440 ⸗ ⸗ Und jetzt moͤchte ich Denjenigen ſehen, der das Kunſtſtuͤck zu vollbringen vermoͤchte, aus dieſen Zahlen mit Nothwendigkeit zu folgern, daß der Stickſtoffgehalt der Salpeterſaͤure, ſowie des Ammoniaks, an dieſem Mehrertrage von Heu Antheil habe, da ja nicht einmal abzuſehen iſt, in welchem Verhaͤltniſſe der Stickſtoffgehalt der Duͤngungsmittel uͤberhaupt mit dem Ertrage der Ernte ſteht. Denn wenn man aus dieſen Zahlen erſieht, daß das ſo ſtickſtoffarme ſalpeterſaure Na⸗ trum einen eben ſo großen Ertrag gab, als das an Stickſtoffgehalt weit reichere ſalzſaure Am⸗ moniak, und daß umgekehrt das außerordentlich ſtickſtoffreiche ſalpeterſaure Ammoniak einen ge— ringeren Ertrag gewaͤhrte, als das ſtickſtoffarme A 189,31 ⸗ — 84— ſalpeterſaure Natrum, ſo bleibt Nichts uͤbrig, als entweder die Tauglichkeit ſaͤmmtlicher er⸗ waͤhnten Duͤngungsverſuche zu bezweifeln, oder ſich des geſunden Menſchenverſtandes gutwillig zu begeben und dann Schluͤſſe ohne Unterlage auf's Gerathewohl hin zu machen.“ Druck von C. Heinrich in Neuſtadt⸗Dresden. Ueber Verbeſſerung der Bauerwirthſchaften im ſächſi⸗ ſchen Erzgebirge. Eine gekroͤnte Preisſchrift, verfaßt von einem praktiſchen Gebirgslandwirthe und herausgegeben Prof. Dr. A. G. Sgpweſger und H. Schubarth. 8. broch. ½ Thlr 4. M ol 1, Profeſſor der Landwirthſchaft zu Roville, Beſchreibung einer landwirthſchaftlichen Reiſe durch mehre Theile des nördlichen Frankreichs. Deutſch herausgegeben und mit einigen Anmerkungen und . Beilagen erſehen . A. G. Schweitzer. Mit 11D 1Eoewa ner Abbildung. 8. broch. F Thlr. K. L. Krutzich,(Prof.), Gebirgskunde. Ein Hilfsmittel, die gemeinſten Mineralien, Stein⸗ und Felsarten auf dem Wege des Selbſtunterrichts, ſicher, d. h. nach beſtimmten Merkmalen, kennen zu lernen. Für Forſt⸗ und Landwirthe, Techniker, überhaupt für Lehran⸗ ſtalten, welche einen mineralogiſch⸗geognoſtiſchen Unterricht blos als Hilfswiſſenſchaft beabſichtigen. Zweite verbeſſerte, zum Theil gänzlich umgearbeitete Auflage. gr. 8. broch. 1 ¾ Thlr. Johann Chriſtian von Schubart, Edler von Kleefeld. Eine deſſen Andenken gewidmete, von der ökonomiſchen Geſellſchaft im Königreich Sachſen gekrönte und von ihr herausgegebene Preisſchrift. Mit dem Bildniß Schubarts von Kleefeld. gr. 8. broch. ½ Thlr. 3 H. Schubarth, Vorſchläge zur Verbeſſerung der Landwirthſchaft, mit beſonderer Rückſicht auf Sachſen. gr. 8. broch. ½ Thlr. Das A⸗B⸗C der Chemie, enthaltend: das Gemeinnützigſte aus der chemiſchen Wiſſenſchaft für Nichtchemiker und die zum Verſtändniß eines beſonderen chemiſchen Unterrichts rforderlichen chemiſchen Vorkenntniſſe on K. L. Krutzſch, Prof. Zweite vermehrte und verbeſſerte Auflage. Aus des Verfaſſers„Bodenkunde“ beſonders abgedruckt. gr. 8. broch. 3 Thlr. Dr. A. G. Schweitzer(Prof.), kurzgefaßtes. Lehrbuch der Landwirthſchaft. Zum Gebrauche bei Vorleſungen über dieſelbe. Erſte Abtheilung, 4 Ack eerbauund Viehzucht. Zweite vermehrte und verbeſſerte Auflage. gr. 8. broch. 1 Thlr. Zweite und dritte Abtheilung. Viehzucht und Gewerbslehre. Zweite vermehrte, verbeſſerte und mit drei Beilagen verſehene Auflage. gr. 8. broch. 13½ Thlr. Das Trocknen des Klees auf Reitern und Hütten, von Dr. H. G. Schmalz. Zweite Ausgabe. Nebſt einer Steindrucktafel. gr. 8. broch. 8 Ngr. Dr. A. G. Schweitzer, über die Wichtigkeit des wiſſenſchaftlichen Stu⸗ diums der Landwirthſchaft. gr. 8. broch. ¼ Thlr. Dresden, Druck von C. Heinrich. Der neu erfundene Aus der von dem landw. Hauptverein ꝛc. für das König⸗ reich Sachſen ꝛc. herausgegebenen Zeitſchrift wieder abgedruckt aus Veranlaſſung — der Modacfinn derſelben. 8 6 8 L 9 . eLlllnralagg 1 1- 1»esseesssnesOs,LnsLéJ,nn- nadarraa tainn aaaAannegat uinnnſannniinhnnſinihenanite Oem 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11