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Der Hund, seine verschiedenen Zuchten und Varietäten, Geschichte seiner Verbreitung und Schicksale, Erziehung, Benutzung, Krankheiten und Feinde / von Friedrich Ludwig Walther
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Aber wer wird es wagen, zu beſtimmen, wie die

Hunde, welche uns die Alten nennen, und zum Theil nach ihrer Art beſchreiben, wohl moͤgen ausgeſehen

haben, und wohin ſie in unſern Syſtemen gehoͤren? Mit Zuverlaͤßigkeit iſt dieſes nicht moͤglich: denn ein⸗ mahl hatten die Alten keine zoologiſche Terminologie. Dieſes Gluͤck war erſt dem vorigen Jahrhundert auf⸗ behalten, wo der unſterbliche Linné eine ſolche ſchuf, und in ſeine Fußſtapfen traten in der Folge Forſter, Illiger, Borkhauſen, Martini, Romare, Blaycard

mit Ruhm und Gluͤck. Andern Theils iſt es auch ſehr

wahrſcheinlich, daß jene Arten nicht mehr rein exiſtiren, ſondern in andre Varietaͤten und unter ſie uͤbergegan⸗ gen ſind. Wer erkennte noch jetzt in den verwilderten, aſt wieder ganz in den gemeinen Canis villaticus ein⸗ gearteten Hunden Suͤdamerikas die maͤchtigen Men⸗ ſchenzerreiſſenden Doggen und Ruͤden der alten Sy⸗

mier, und doch wiſſen wir gewiß, daß ſie Abſtaͤmm⸗

linge von dieſen ſind?

Der erſte Schriftſteller aber, der von den verſchie⸗ denen Arten der Hunde ſchrieb, war Xenophon, ſchon 400 Jahre vor Chriſtum. S. deſſen Buch de Vena- tione, welches in der vor mir liegenden Ausgabe: NXenophontis omnia quae exſtant opera, Joanne

Lewenklaio interpreie. Editio lecunda. Baſileae

MDLXXII. von p. 767 bis 738. enthalten iſt. Er fuͤhrt aber nur zweierley Arten Hunde an. II. 20. Canum genera duo funt. Aliae Caſtoriae, aliae vulpinae. Caſtoriis inditum hoc cognomentum, quod Caſtor ex venandi labore voluptatem capiens, eas potifſimum apud ſe ſervaverit: vulpinis, quod ex canibus et vulpeculis natae ſint etc. und nun be⸗ ſchreibt er dieſe Letztern weiter.

Zu Ariſtoteles Zeiten, ohngefaͤhr 350 Jahre vor Chriſtum, kannte man 3 4 Varietaͤten von Hun⸗ den, aber freilich iſt noch die Frage, ob wir auch

ſaͤmtliche Schriftſteller dieſes großen Mannes beſitzen?

Canis moloticus, venaticus aus Moloſſia in Epirus (hiſt. anim. IX. 1.) ein hoher, ſtarker, unſerm Jagdhund aͤhnlicher Hund, mit hohen Beinen, langem, breitem