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Eine Wohl-vollbrachte Ritterschafft Und Wallfahrt zur ewigen Wohlfahrt, Dardurch man des Himmlischen Kleinods wird theilhafft : In einer sonderbahren Leichen-Rede, Aus 2. Tim. IV,7. 8. Nach dem seeligen Ableiben Des ... Herrn Johann Heinrich Palmen ... Hof-Jubiliers, und Niederlags-Verwandten zu Wien ... Als Derselbe ... 1710. den 18. Aprilis allda seelig gestorben ... / Vorgestellt und auf Begehren ausgefertiget Von M. Ludwig Carl Ditzinger, Ministerii Seniore
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Seite
58
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88 Chriſtliche

che Vergeltung; dann es iſtzweyerley Vergeltung/ eine da man nur ct⸗ was vor etwas anders gibt/ ein andere da man wegen etwas ein anders gibt. Die erſte iſt/ als da vor die Trubſaalen Troſt/ vor die Arbeit Ruhe/ vor Bu⸗ tes Boͤſes/ oder hingegen gegeben wird.(Wie es heißt Eſa. LXI, 3. Da Ihnen Schmuck fuͤr Aſchen/ und Frenden Oel fuͤr Traurigkeit/ und ſchoͤne Kleider vor einen betruͤbten Geiſt gegeben werden; Wo jenes erſte ja nicht die Urſach des empfangenden gehalten wird/) und dabey iſt kein Verdienſt; die andere Art/ da vor empfangenes Geld dem Krancken die Cur wiederfaͤhret/ und hat ein Verdienſt oder Wuͤrde Platz. Die erſte Art kan zwiſchen GO 2T und den Menſchen ſtatt haben/ nicht aber die andere/ nemlich wegen angezogener Urſach aus Kom. XI,

35. Es heiſſet 5 Chriſtus ein gerechter Richter ſolcher Vergeltung. Dieſes iſt

das jenige/ worauf fuͤrnemlich Bellarminus die Krafft ſeines Schluſſts ſetzen will/ und darinnen Durando widerſpricht/ der SO TT darinnen vielmehr zu einem barmhertzigen Richter mache: hingegen will Er es verſtanden haben/ Er wer⸗

de ſolches geben/ als ein gerechter Richter/ und alſo aus Gerechtigkeit/ nicht bloſer

Freygebigkeit. Es ſtöſſet aber auch ſolches unſere Lehr nicht uͤber Hauffen.

Dann es iſt wahr/ daß Er nicht aus bloſer Freygebigkeit/ ſondern auch aus Ge⸗

rechtigkeit dieſe Cron/ an jenem Tage giebet; es iſt aber nicht jegliche Gerech⸗ tigkeit ſo bald eine Gerechtigkeit/ die ein Verdienſt belohnet. Ich ſetze nochmahl

hieher die jenige Wort/ deren ich mich anderwaͤrtlich gebrauchet: Hier moͤchte ſich gleich dann fragen/ weil Chriſtus in Aufſetzung der Cronen ein gerechter

Richter heiſſet/ ob dann nicht daraus folge/ daß durch den Kampff und gute Werck/ von den Glaubigen dieſe Cron verdienet werde; weil ja ein gerechter

Richter jeglichem nach ſeinem Verdienſt lohnet? Wir ſagen nein darzu/ und

hilfft dieſer Spruch widriger Meinung im geringſten nicht. Dann die Elteſten werffen ſelbſt Apoc. IV, 10. ihre Cronen zu den Fuͤſſen des Stuhls/ zum Zeug⸗ nuß/ daß ſie allein Sie aus Gnaden haben. So heiſſets Pſ. XXI, 4. Du uͤber⸗

ſchutteſt Ihn/ oder in ſeiner Sprach/ du kommeſt Ihin zuvor mit gutem See⸗ gen/ ehe es heiſſet/ und ſetzeſt eine guldene Crone auf ſein Haupt. Und in dem Gott gnaͤdig iſt/ bezahlt Er einem jeglichen/ wie Er verdienet/ Pf. IXII, 13. Ja Er iſt gerecht/ indem Er Suͤnde vergiebet/ 1. Joh. I, 10. So iſt auch an dem groſſen Tag des Gerichts Barmhertzigkeit/ 2. Iim. I, 18. Ein mehrers folget hie nicht. Und bleibet doch Chriſtus darinnen ein gerechter Richter. 1. Um ſein ſelbſt willen/ weil es Goͤttlicher Gerechtigkeit gemaͤß/ daß da Chri⸗ ſtus es ſo ſauer worden uns zu erloͤſen/ ſolches nicht vergebens geſchehen ſeye; ſondern das jenige/ was der HEr; uns verdienet/ auch wuͤrcklich gegeben wer⸗

de allen/ die ſein Verdienſt Ihm zu eigen gemacht. 2. Um Goͤttlichen Ver⸗

ſpruchs/ Treue und Warheit willen. Dann auch der jenige/ welcher aus Gna⸗ den etwas verſprochen/ macht ſich damit ſchuldig/ ſein Verſprechen zu halten. Daalsdann der andere ihn bey ſeiner Zuſage halten/ſich aber keines Verdienſts fu

men kan.(Siehe Hebr. VI, 10. 1I.) Iſt GOtt alſo darinnen mehr gegen ſi

ſelbſt als gegen uns gerecht. 3. In Gegenhaltung gegen den Gottloſen/ da es ungerecht ſeyn wuͤrde/ wo es Fromme nicht beſſer haben wuͤrden/ als ſie/ ja auch gegen andern, die bereits eben in ſolchem Glauben die Seeligkett wüuͤrcklich eranger: daß ſie denen in ſolchen Fußſtapffen nachfolgenden nicht ge⸗ wegert werden kan.

Und Lutherus Tom. 56. Altenb. f. 60. b. ſiehe/ wie ſtoltz iſt der Mann mit ſeiner Gerechtigkeit/ ſo er doch ſonſt allenthalben ſich einen Suͤnder bekennet/ und nichts uberall ſeyn will/ und ob er wohl ſaget/ daß ihm nichts bewuſt ſey/ doch fuͤr GOTT derhalben ſich nicht gerecht achtet. Aber ſeines Lauffs oder Ampts halben gegenden

Leuten ruͤhmet er ſich allenthalben auffs hoͤchſte/ und wil ihm ſolchen Ruͤhiicht